Nr. ISO Erscheint KtgllB nilt Ausnahme des Sonntags. Die LamiNendlätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich betgelegt, das „IfctfeWatt f«r -e« Krell Gietzen" -wei.nal wöchentlich. Die „Landwirtschafiltchen Sett- fragen" erscheinen monatlich -wennal. lXlren und hoffe, dah Sie alle damit einverstanden find. (Leibhafte Zustimmung.) ver Elvi Kr dos Aeichsümk des Innern. (Vierter Tag.) Präsident Dr. Kaenrpf gibt bekannt, dost d i c A b st i m m u n g über die Resolutionen am nächsten Mittwoch nicht vor 4 Uhr stattftudeu wird und das; damit auch die Abstimmung über andere Resolutionen, soweit sie etwa bis dahin zur Abstimmung reif find, verbunden iverden würde. Die Aussprache geht beim ReiihSgesundhcitsamt weiter. Abg. Kunert (Soz. A.-G.) spricht über Seuchenbekämpfung und Volkdcrnährung. Weite ^kreise deS Volkes leiden an Unterernährung. Der Redner begründet den Antrag seiner Fraktion auf reichsgesetzliche Regelung des Säuglings- und Mutterschutzes. Das Zentrum stellt nun den 'Antrag, alle diese Fragen in einem besonderen Ausschutz zu behandeln. Man will diese wichtigen Dinge in einen Sack zusammciiwerfen und ersticken. Damit dient man der Sache nicht. Man darf auch nicht zu weit gehen, sonst könnte man ja mich die Zuchtwahl, die Aufhebung des Zölibats und die Einfiihrung der Polygamie fordern. Die Hauptsache ist die Erhaltung und der Schutz des bestehenden Lebens. Der Mutterschutz ist der beste Säuglingsschutz. Schwere Akkordarbeit sollte für Frauen ausgeschlossen sein. Vor der Entbindung mutz die Frau die Arbeit kündigungSloö unterbrechen dürfen. Wie der Soldat im Felde, so sieht die Frau in ihrer schweren Stunde dem Tod iuS Auge. 35 OCX) Frauen sterben alljährlich an mangelnder Fürsorge. Für die Gestüte wird mehr getan als für die Geburtshilfe. Die Kindersterblichkeit ist ein Schandmal der heutigen Wirtschaftsordnung, ein Massenmord auf dem Altar deS Kapitalismus. Ein preußischer Kultusminister hat die Frage der Säuglingsfürsorge und des Mutterschutzes als eine reine Geldfrage bezeichnet: So kann man allerdings jede Frage lösen. Präsident des Neichsgesundheitscmites Dumm: Der Vorredner hat behauptet, datz von jeher erfahrungsgcmätz Seuchen und Krankheiten über kriegführende Länder kämen; dieses Ereignis wäre auch fetzt wieder eingetreten. Dem muh ich mit aller Entschiedenheit widersprechen. Wohl noch nie ffi ein Krieg geführt worden, bei dem die Zivil- bevölkcrung so wenig von Seuchen heim gesucht worden ist, und wir wollen Gott dankbar sein, wenn es so bleibt. 1870/71 haben d i e Pocken noch Hundertlausende dahingerafft. In diesem Kriege haben wir eine so ringe Anzahl von Fällen gehabt, datz wir diese» Rückgang der Krankheit trat begrühen können. An CHalera skw nur ?(toei eingeftfjlcpjrte Klle au* dem Aus- lande unter der einheimischen Bevölkerung vorgekommen, auch Typhus nur in ganz verschwindendem Matze. Die Annahme, daß Seuchen auch in diesem Kriege wieder in erheblichem Matze vorpekommen seien, ist also unzutreffend. Wir dürfen der medi- zirnschen Wiffenschaft, unseren Aerzten und allen, die bei der Gesundheitspflege Mitwirken, nur von Herzen danken, datz wü jetzt dre Zustände so gut geLNebeu find. (Beifall.) Von Dyphtherie und Scharlach sind in einzelnen Fällen größere Ausbrüche vorgekom- men. Das ereignet sich aber auch im Frieden und hängt nicht mit dem Krieg zusammen. Was die Säuglingssterblichkeit und die Sterblichkeit der Frauen im Kindbett anlangt, so unter- schreibe ich noch heüte, was ich früher einmal gesagt habe: daß eS ein Würgengel ist, der unsere kleinen Kinder nach der Geburt wegreitzt und daß olles zu tun ist, um diese Kindersterblichkeit ein- zndämmen. Hier sind aber schon recht erhebliche Fortschritte gemacht. 1901 starben von 100 lebend (^leboren-en noch alljährlich 20,7, 1913 war diese Zahl schon auf 16,6 Prozent herabgedrückt. 1907 starben noch 361 000 Kinder, 1913 waren ejS 235 000. sZn- tuf bei den Soz.: Und jetzt?) — Die Statistiken der Kahre 1914, 15 und 16 liegen mir noch nicht vor. Nach Mitteilungen aus den Großstädten ist allerdings dort in dem letzten halben Jahre eine gewisse Steige tu n g der Kinder st erblichkeit eingetreten. Die Sterblichkeit der chelick>en betrug 1901 noch 19,4 Prozent, 1913 nur 14 Prozent, die Sterblichkeit der unehelichen Kinder 1901 33 Prozent, also ern Drittel aller unehelichen Kinder, 1913 22,23 Prozent, also etwa ein Fünftel aller unehelichen Kinder. Wir haben damit allerdings noch keine erfreulichen Zustände erreicht, aber cs ist auch nützt schlimmer geworden, wir sind nicht auf dem alten Standpunkt geblieben. Die Sterblichkeit der Frauen bei der Entbindung ist in den letzten 10 Jahren eigentlich nicht zurückgegangen. Von 10 000 gebärenden Frauen sterben 33; 1906 waren es sogar nur 30. Interessant aber ist, datz die Zahl der Frauen, die bei normaler Geburt am Kindbettfieber sterben, herabgeht, dagegen dm Zahl derjenigen Frauen, die bei einer anormalen Ge- ^"^^storben sind, steigt. Diese Steigerung wird darauf zurück- zufuyren sem, daß bei den Fehlgeburten häufig nicht sachverständige Hände Mitwirken und daß Abtreibungen hieran vielfach die Schuld ^agen. Diese Sterblichkeit der Frauen im Kindbett mutz mit if" Maßnahmen herabgcdrückt werden, hier mutz eine tatsächliche Besterung erfolgen. (Zustimmung.) Hiermit hängt auch das Hebammenwesen zusammen. Der Staatssekretär des Innern hat 1913 erklärt, datz eine reichsgesetzliche Regelung diesex Frage infolge der Verschiedenheiten ltz ven einzelnen Staaten nicht erwünscht sei. 1914 hat der Reichskanzler dem Bundesrat eine Vorlage unterbreitet. Nach vor- hercger Beratung der ganzen Sache im Reichsgesundhcitsamt sind Sachverständigen Grundsätze für eine einheit- .uche Entschndlgung der Hebammen für die einzelnen Bundes- staaten aufgeswllt worden. Infolge des Krieges konnte diese V^r- tage lucht mehr fsrtiggestellt werden. Bei dem jetzigen Kriegszustände liegen andere dringendere Vorlagen vor. Der Vorredner hat dann Angriffe gegen Preußen gerichtet, als obdieses nicht'mehr nnttun wolle. Aber gerade der preußische Minister des Innern hat vor nicht langer Zeit dem Staatssekretär erklärt, als dieser lvegen eines von der Deutschen Vereinigung für Säuglingsschuh getvünschten Armengesetzcs an ihn herantcat, er befaste sich gegenwärtig mit den Fragen der Be- kärnpfung der Säuglingssterblichkeit und bitte, dieses Armengeseh so lange auszuschieben, bis diese Arbeiten erledigt sind. Gegenwärtig f i n d c n im Ministerium des Innern unter Beteiligung der Reichsressorts uiid der hervorragend st en Sachverständigen Beratun - g c n statt, deren Ergebnisse nach KriegSschluh dahin führen sollen, die Bekänipsung der Säuglingssterblichkeit einheitlich zu regeln. Dabei koinmt in Frage die innere Kolonisation, die Wirt- schaftliche Begünstigung verheirateter Personen und kinderreicher 'Familien, das Wohnungswesen, gesundheitliche Maßnahmen, die Bekämpfung von Mitzständen infolge der Verhütung der Enrpfängnis und strafrechtliches Einschreiten gegen Verfehlungen auf diesem Gebiete, sowie die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Wir muffen auf diesem Gcbietp weiter arbeiten. Das ist ein Gebot jeder verständigen Sozialpolitik und der Menschlichkeit. In der Kommission, die der Reichstag für diese Fragen einzusetzen im Begriffe ist, können wir ja dieses ganze Gebiet eingehend und gründlich erörtern. (Beifall.) Abg. Kunert (Soz. A.-G.): Eine reichSgcsctzliche Regelung der Geburtshilfe mutz kommen, weil Heute gerade die armen Frauen unter der ungenügenden Hilfeleistung leiden. Abg. Fischer-Hannover (Soz.): Die Säuglingssterblichkeit hat während des Krieges zu- genommen. In vielen anderen Ländern ist sie geringer. Die Rcichswochcnhilfc muß aüS-, sie darf nicht abgebaut werden. Abg. Müller-Meiningen (F. Vp.): Wir müssen versuchen, alle diese Probleme Im Zusammenhang zu lösen und sie von der sozialen und wirtschaftlichen Seite anfaffen. Wichtig sind die Beratungen der Brüsseler Konferenz über die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Wir brauchen Berat ungS st eilen für angesteckte Personen. Auch die Kuppeleibestimmungen müssen geändert werden, nötigenfalls durch ein N o t g e s e tz, damit die Prostituierten nicht auSgebeutet und dadurch zu einer ständigen Flucht veranlaßt wer- den. Diese Personen müssen ferner jederzeit schärfster ärztlicher Ueberwachung unterworfen sein. Auch durch Verwaltungsmatzuah. men muß cingegriffen werden. Hoffentlich kommt eine Vorlage so bald, daß sie der Ausschuß noch miterleoigen kann. Das Wohnungswesen. Zur Errichtung von Kleinwohnungen werden wieder erhebliche Betrage im Haushaltsplan des Reichsamtes des Innern gefordert. Mit diesem Punkte wurde der umfangreiche Bericht der Wohnungskommission des R e i ch s t a g s verbunden. In vielen Ausschüssen und Unterausschüssen ist die Wohnungsfrage bereits erörtert worden. Jetzt liegt ein eingehender Bericht vor, der als Gesamtergebnis dieser Beratungen verschiedene Vorschläge macht. So sollen im nächsten Etat als rege'mäßige Ausgabe 80 000 Mark zur Unterstützung derjenigen Vereinigungen eingesetzt werden, die die allgemeine Förderung des KleinwohnungSwcscns bezwecken. Der ReichswohnungsfürsorgeftondS soll auf 10 Millionen Mark erhöht werden. Weiter wird ReichLunterstützung gefordert für jene Gemeinden mii> Kommunalverbände, die bin Kriegsteilnehmern^ bzw. den betreffenden .Hausbesitzern Miet- belträge gewährt haben, und ReichShilfe für die Abbürdnng der während deS.Krieges gestundeten Mieten bzw. Hypo- thekenzinsen der heimlchrenden bedürftigen oder schwachbemittelten Krieger. Dem Reichstag soll ein Gesetzentwurf der Abänderung des Zwangsversteigerungsgesetzes vorgelegt werden, wonach das Gericht schon vor dem Versteige- rungStermin Erörterungen der Beteiligten über das geringste Ge. bot und die VersteigernngSbedingungen veranlaffen kann. Dem Reichstag soll bei seinem nächsten Zusainmentritt eine Novelle zum Gesetz betr. Bürgschaften des Reichs zur Förderung des Baues von Kleinwohnungen für Reichs- und Militävbodienstete vorgelegt werden. Der Woh- nungLanS schuß reicht bereits ein solches Gesetz ein, durch daS der Reichskanzler ermächtigt wird, unter Ausschluß der Kund- barkeit für die Dauer von zehn Jahren Bürgschaft bis zum Gesamtbeträge von 250 Millionen Mark zu übernehmen. Schließlich fordert der Ausschuß eine Reihe von anderen Gesetzentwürfen, die folgendes bezwecken: 1. Schaffung einer gesetzlichen Unterlage zur Errichtung von Kricgersicdlungen in Stadt und Land (Kriegerheimstätten). 2. Praktische dlnsgestaltung deS Erbbaurechts. 3. Sicherung der Hausbesitzer und Mieter gegen die Folgen des Krieges durch Ausdehnung der Wirksamkeit der Bundcsrats- verordnungen betreffend die Bewilligung von Zahlungsfristen bei Hypotheken schulden über die Kriegszeit hinaus und eine Regelung zum Schutze der Mieter gegen willkürliche Kündigung und Steigerung des Mietszinses. 4. Förderung der unfünb« baren TilgungsHypothek für städtischen Bodenkredit gn erster und zweiter Stelle mit selbsttätiger Vorrückung der zweiten Hypothek in die getilgten Beträge der ersten, ins- besondere durch Beschränkuiig der Eigen tümcrhypothek. Schließlich empfiehlt der Ausschuß noch öffentliche Sch atzungsämter und die Einrichtung von Stadtschaf ten, wie sie jetzt für Preußen kommen sollen. Abgeordneter Dr. Jacgcr (Ztr.): Der Bedarf an Kleinwohnungen ist besonders groß. Nur bei guten Wohnungen ist eine Steigerung der Vcvölkcrungsziffer mög- Uch. D i c Krieger Heimstätten werden, segensreich wirken. Der gemeinnützige Wohiiungsbau hat bis jetzt 3 Proz. des Wohnungsbedarfs gestellt. Mehr kcn,n er nicht leisten. Das Reich darf die Wohnungsfrage nicht auf die Bundesstaaten abschieben. Es mutz heißen: Reich und Bundesstaaten! mcindcverbänden nub gemeinnützigen Organisationen etwa a'. 9 eine A r t Nationaldank geschasfen werden >ind wurden dazu beitragen, die Wehrkraft und Näbrkraft unseres Volkes zu erhöhen. Auch eine RcchtLgriindlage ließe .sich finden, um die Heimstätten ihrem Zweck dauernd zu erhalten. Voraussetzung in jedoch, datz daS Reich nicht an seinem einseitigen Standvunkt seit- hält, nur für seine eigenen Arbeiter Heimstätten zu errichten. Mit Recht spricht mit Bezug darauf der Bericht von einer engen Auffassung der verbündeten Regierungen. Jedenfalls sind unsere Krieger die ureigensten, vocnchmlichstcn Diener des Reiches. (Beifall.) Nach dem Krieg wird der Bimdeörät seine „Arbeitgeber- auffassung" nicht gut aufrechterhalten können. Weiin er bei ihr verharren toürde, so wäie daS bedauerlich und ein Zeichen dafür, datz er die Lehre dieser gros^n Zeit nicht verstände. WaS nützt eö intseren heimkehrenden Kriegern, datz die ReichSregicrung dieser Frage „mit Wohlwollen" oder auch „mit dem größten Wohlwollen" gegenübersteht. (Weiterleit und Zustimmung.) DaS mutz dock) irgendwie praktisch in die Erscheinung treten. Das Reich kann nicht sagen, das; es mit der Sache nichts zu tun habe. Wie schtoer den Einzelbauten ein Vorgehen auf diesem Gebiet wird, sehen !vir an Preußen. (Sehr richtig!) Von dem bnrt cingeb rächten Wohnnngsgesctzenlwurf hört mau nichts mehr. Dem Staatösetretär Dr. Delbrück muffen wir Lanken, datz er seinerzeit den Reichstag auf die Notwendigkeit eines WohnungsgcsetzeS hin- gewiesen und damit die Bundesstaaten auf die Angelegenheit gestoßen hat. (Zustimmung.) Bis heute merken wir keinen Fortschritt. Seit 25 Jahren trete ich bei jeder Gelegenheit im Reichstag für die B c s s e r st c l l u n g unserer Veteranen von 1866 und 1870 ein. In diesen langen Jahren habe ich erfahren, daß nur schrittweise und mühselig Besserung eintritt, so datz man fast verzweifeln könnte. Auch die Erhöhung von 120 auf 150 Mark ist noch unendlich wenig. Den heim kehrenden Kriegern wird ein anderes und besseres Los zuteil werden als unseren alten Kricg-sveteranen. Wir möchten, dah unsere Krieger vor dem Feinde schon jetzt ohne Sorge in die Zukunft sehen dürsen und vor Enttäuschungen bctvahrt bleiben. Dafür werden tmr nicht aufhören, immer wieder einzutreten. Es vergeht heute kein Festmahl, wo nicht die Bewunderung und Dankbarkeit für unsere Krieger ausgesprochen wird. Diese Worte müssen ni die Lat umgcsetzt werden. (Zustimmung.) Auch der Reichskanzler hat neulich davon, gesprochen, datz unsere unvergleichlichen Truppen für ihre Heimat kämpfen. Daraus schöpfe ich die Hoffnung, das; auch die Verbündeten Regierungen ihren bisherigen Widerspruch ausgeben und Mittel zur Lösung der Frage hergcben werden. Mit den Vorbereitungen dürfen wir nicht warten, sie müssen bald getroffen werden, wie ja auch die Natioualstiftungen heute schon vorbereitende Maßnahmen treffen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch an dieser Stelle den Dank für die in verhältnismäßig kurzer Zeit dem Reichsverband zur Unterstützung von Veteranen zugeflossenen 4 Millionen Mark anSsprechen. Damit den berechtigten Wünschen unserer tapferen Helden Rechnung getragen werde, fordern wir baldig st Vor- legung eines Kriegerheimstättengesetzes. Wo eiv Wille ist, ist auch ein Weg. (Lebhafter Beifall.) Abg. Göhre (Soz.):> Jn der WothnunzSkon^mifsion herrschte eine seltene Einmütigkeit. Aber vom BnndeSrate hietz es immer: Das Reich hat im Grunde genommen nichts mit dem Wohnungswesen zu tun. Wir muffen hier einmal eine Flucht an die Oeffentlichkeit versuchen. Solange die Regierung ihre Stellung zu urrseren Beschlüssen nicht ändert, sind alle unsere Beschlüsse für die Katze. .Hat unS der Staatssekretär einmal eine Zusage gemacht, so zücht sie sein Vertreter im Ausschuß wieder zurück. Schließlich brachte man in Preußen ein WohnungSgcfttz ein, aber eS ist schon längst wieder in der Versenkung verschwunden. Im Reich-Samt des Innern herrscht zweifellos großes VerstärrdniS für das Woh. nuugSwesen. Will dieses Amt aber zur Tat kommen, dann mackst ihm die Mehrheit deS DundeSratS Schwierigkeiten. Immer wieder Preußen! ES mutz aber endlich etwas geschehen. Wir haben nach Beendigung des Krieges zweifellos einen großen Mangel an Kleuiwohuungen. Das Reich soll gewiß nicht allein die Wohnungsreform machen, aber Wohnungspolitik ist zugleich Sache des Reiches, der Einzelstaaten und der Gemeinde. Und die verbündeten Negierungen müssen endlich etwa- tun! Abgeordneter Prinz zu Schocnaich-Garolath: Meine politischen Freunde wünschen dringend, daß die Woh- ungsfragc und die Herstellung und Beschaffung geeigneter, billiger und gesunder Wohnungen für die unbemittelten Volkskreise endlich einmal trirllic^ in Flutz -kommt, datz etwas Entscheiden- i^Lblchieht. Der Deutsche Verein für Wohnungsreform hat vor o m Frankfurt a. Main getagt. Adickes sagte damals: Laßt uns endlich Taten sehen! Trotzdem sind unsere da- maligen Hoffnungen enttäuscht worden. Noch vor wenigen Jahren fand em zweiter Wohnungskongr^tz unter Vorsitz des Grafen Posadowsky statt. Das erstrebte Reichswohnungsgesetz ist jedoch bi» heute ausgeblieben. Was der Ausschutzbericht über die Notwendigkeit von Kleinwohnungen sagt, unterschreiben wir. Ganz besonders sympathisch stehen wir dem Gedanken von Krr ege rheim statte n gegenüber. Sie nrützten vom Reich auch mit dessen Unterstützung von den Eirrzelstaaten. Ge- oder Abg. Dartschat (Fortschr. Vp.): Das Wohnungslvesen ist ein sehr trauriges Kapitel unserer Beratungen infolge der Haltung der verbündeten Negierungen. Hoffentlich beginnt hier die Neuorientierung unserer inneren Politik! Neue Besen kehren gut! Vielleicht gilt das auch für den neuen Besen im Neichsamt des Innern. Auch der Privat. Unternehmer soll sich an dem Kleinwohnungöbau beteiligen können. Deshalb werden 260 Millionen für Bürgschaften gefordert. Das ist nicht viel. Diese Summe wird ja nur selten in Anspruch genommen werden. Der Schntzverband für Grundbesitz erblickt zu Unrecht einen lästigen Wettbelvevb in der geplanten Nkatz'- nahme. Die Ausgestaltung des Erbbaurechts ist wichtig. Gegen eine Mietsteigerung darf man sich nicht grundsätzlich aussprechen. Während des Krieges werden keine Klagen über den Grundbesitz kommen. Gerade der Grundbesitz, der Kleinwohnungen hat, leidet jetzt schwer. Manche Besitzer haben nicht nur keinen Pfennig Einnahme, sondern noch Unkosten dazu. Aus allen diesen Gründen empfehle ich die Annahme der Ausschutzanträge. End- lich mutz einmal eine gesetzliche Regelung erfolgen. In allen Bundesstaaten mutz einheitlich vorgegangen werden. Abg. Dr. Arendt (D. Fr.): WaS vom Ausschuß gefordert wird, ist durchaus erreichbar. Wenn ecne nute Landesgcsetzgcbung zustande kommt, so ist sie vorzuziehen, weil eö dem Reich doch an den erforderlichen Ernrichturmeu zur Durchführung fehlt. Die Alwetcrancu sind durch die Teuerrlng in trüber Lage. Ohne ihre Heldentaten würden wir m diesem Riesenkampf nicht bestehen können. Die 250 2^1. Iioncn für Bürgschaften sind nicht zcwiel. Die Bürgschaft deS Reiches sollte in unkündbarer Tilgungsfrist, und nicht bloß auf zehn Jahre, gegeben werden. Die schöne Idee deS ErbbaueS lätzt sich kaum völlig zweckmähia verwirklichen. Die Lage des Grundbesitzes känn nicht ernst genug aufgefatzt werden. Die Notlage war schon vor Dem Kriege groi;- und beachtlich. Eigentlich hätte uns auf GrUnd der früheren Verhandlungen die Regierung schon mit Vorschlägen kommen, muffen. Eine Gesundung deS Wohnungswesens ist nicht möglich) folaiific die Hausbesitzer nollcidcnd sind. Zurzeit >,abc,i wir in uiiscccr wtrtschaftlichen Eutwickluu« keine grök-ic Ausnnbe. -IS de» schwer nefährdclen st ä dt isch-cn HauLdesitz ohne allzu große Erichulteruug über den Ztrieg zu bringen. Sonst Ipucbe reidjf der HhpothekenVesih Mitleidenschaft gezogen »verden können, wodurch die Ersparnisse von Witwen und Waisen än Gefahr kämen. Es handelt sich da um Milliarden. Deshalb Lnuß Beihilfe geleistet werden. Auch das Baugewerbe ist tzu beleben, weil damit die Lebensfähigkeit zahlreicher Jndustrie- izweige zu' mmcnhängt. Eine Hhpothekenstundung ist kein 'Drocalormw. Beim Hausbesitz ist zu beachten, daß er besondere öffentliche Lasten trägt, wodurch seine Einnahmen eingeschränkt sind. Die Grundsteuern werden erhoben, auch wenn keine Ein- hrahme eingcht. Die Unkündbarkeit der Hypothek liegt auch im Vorteil des Gläubigers, weil so daS Objekt den vollen Wert behält. Der Hypotheken schuldner ist feinem Gläubiger aus Gnade und Angnade überlaffen. Zum Teil ist eine himmelschreiende Be- tvucherung erfolgt. Selbst öffentlich-rechtliche Körperschaften haben Las Kündigungsrecht mißbraucht. Während der Unkündbarkeit Muffen positive Maßregeln zum Ausbau des Immobiliarkredits ergriffen werden. MinisierülldirekLor Dr. Lewaldr Der Bericht der Wohnungskommission legt zutreffend dar, in belchcr Weise sich bisher die Tätigkeit des Reichstags ans die Woh- inungSsürforge erstreckte. Auf alle Einzelheiten der Ausführungen der Vorredner kann ich hier nicht eingehen. Ein besonderes Wort des Dankes verdienen die Baugenossenschaften. Allen Befürchtungen zum Trotz ffnü) sie gut. stark und fest durch den Krieg hindurchgegangen. Verluste haben nur die ostpreußi- 5chen Baugenossenschaften gehabt in den Orten, wo die Kkuffen ihren gesamten Besitz zerstört haben. Die Wohnungsfürsorge für die Neichsbediensteten hat auch eine mittelbare wohltätige Wirkung auf anbexe Kreise. Wenn in Orten, wo starker Mangel an Kleinwohnungen hervorgetreten war, eine Baugenoffessthaft begründet wurde, trat dann bald auch das Private Baugewerbe schon aus Wettbewerbsgründen an den Bau von Kleinwohnungen heran. Die vorliegenden Anträge wollen den angeblich zu ! engen Rahmen der Wohnungssürsorge des Reiches in großem 'Maßstab erweitern. Ich kann dazu heute keinerlei Erklärungen 1 abgeben. wie sich die verbündeten Negierungen stellen, auch kann !ich den Standpunkt der Rerchsleitung nicht Vorträgen, da heute oder morgen ein Wechsel ein treten wird. Ich kann nur sagen, welche Bedenken der bisherige Staatssekretär des Innern gehabt hat. Bisher haben wir auf dem Sboben gestanden, daß dem Reich, abgesehen von der finanziellen Tragweite, die für eine erspricß- Ache Kontrolle unerläßliche Organisation fehle. Wir verkennen micht, daß der Krieg die Wohnungsprobleme außerordentlich stark sin den Vordergrund geschoben hat, und daß der Bedarf an guten und gesunden Wohnungen groß sem wird. Jeder möchte gern dazu beitragen, daß die heimkehrenden Krieger möglichst gute und gesunde Wohnungen vorfinden. Wie denkt man sich aber die Kampfansage an die Mietskasernen? Was soll denn aus den darin angelegten Milliarden werden? Die 250 Millionen für Bürgschaften hat man schmackhaft zu machen gesucht, indem man sagte, es würde keine Barzahlung verlangt. Wenn ein Privatmann viele Bürgschaften übernimmt, 'so wird sein Kredit erschüttert. In Deutschland erfordert die Herstellung neuer Wohnungen alljährlich 1Z4 Milliarden Mark. Geht man aus diesem Wege den ersten Schritt, so werden.bald viele Hunderte bau Millionen Nachkommen. Wer die Neichs-- ftnanzen gesund und stark erhalten will, kann derartiges nicht vertreten. Ein- Besserung und Regelung des Grundkredits muß nach dem Kriege allerdings erfolgen. Zu gegebener Zeit und Gelegenheit wird auf den Rat der im Grundkreditausschuß venreleneu Sachverständigen znrückzugreifen sein. Der Abgeordnete Gühre hat es so dargestellt, als wenn auf dem Gebiete des Wohnungswesens zwischen Preußen und dem Reich ein Wettkampf ftattsindet. Er verkennt offenbar die Beziehungen zwischen Preußen und der Reichsverwaltung vollkommen. Auf dem Gebiet der Heimstätten für die Verteidiger unseres Vaterlandes wird im wesentlichen das erreicht werden, was von den Befürwortern verlangt wird. Gerade hier muß man vorpchtig sein, um nicht übertriebene Hoffnungen zu erwecken, die nicht erfüllt werden können. Die Gründe, die für eine rerchs- gesetzliche Regelung angeführt wurden, hält die Regierung nicht -für überzeugend. Am besten läßt man die Sachen weiter in der Hand von Siedlungsgesellschaften. Die Rerchsregrerung wird die vorliegenden Enffchließungen eingehend beraten und tun, was irgend möglich ist. Jedenfalls hat die Entwickttrug des KlernwohnungAvesens in dem letzten Jahrzehnt in keinem Land so vorbildliche ausgezeichnete Lesungen aufzuweisen wie in Deutschland. Aus diesem Gebiet wird die Regierung gern mit dem Reichstag weiter arbeiten. 2ü>g. Cohn (Soz. A.-G.)t GÄviß besteht für die Hausbesitzer ein Notstand, aber noch viel mehr für die Mieter. Ihre Jnteveffeu müssen daher W erster Linie berücksichtigt werde«. Abg. Gotting (natl.): Die größte Gefahr für den Hausbesitz ist die Möglichkeit, daß das Privatkapital sich vom .Grundstücksmarkt gänzlich zurückzieht. Das gilt auch für den Kleinwohnungsbau. Wenn das Privatkapital sich auch nur vorübergehend hier zurück- zieht, muß das Reich eintreten. Wird das Bedürfnis nach Kleinwohnungen wirklich so groß werden? Alle Vermögensverhältniffe sind durcheinander geschüttelt, daß man nichts genaues Voraussagen kann, und nicht weiß, wo das Bedürfnis hervortritt. — Wir wollen darauf hinaus: Das Wohnungswesen ist so wichtig für die Gesundheit des ganzen Volkes, daß es Reichssache sein muß. Diese Ueberzeugung muß der Reichstag dem Bundesrate durch möglichst einstimmige Annahme der Entschließungen des Ausschußes berbringen. Es wird auch nicht ohne Bereitstellung von Mitteln des Reichs abgehen können. Auch staatsrechtliche-juristische Schwierigkeiten sind leicht zu beheben. Schließlich genügt es, wenn man dem Reichsfürsorge- sonds den Charakter als juristische Person gibt. Die technischen Schwierigkeiten für die Bürgschaften des Reichs zur Förderung des Baues von Kleinwohnungen muffen zu überwinden sein. Die Sparkassen, die dem Verbände angeschlossen sind, zu dem ich in Beziehungen stehe, haben keine Hypotheken gekündigt, sollte das doch der Fall sein, bitte ich, mir das mitzuteilen. Allerdings sind manche Sparkassen durch die Zeichnungen ihrer Sparer auf die Kriegsanleihen in eine etwas schwierige Lage in bezug auf ihre Geldflüffigkeit gekommen. > Abg. Frommer (kons.): Wir haben eine Pflicht der Dankbarkeit gegen die Kriegsteilnehmer zu erfüllen. Hausbesitzer und Mieter brauchen Schutz. Die Heimstätten sind ein konservativer Gedanke. Wir hoffen, daß die Entschließungen von der Regierung in die richtigen praktischen Wege geleitet werden. Abg. Mumm (Dtsch. Frakt.) spricht zu Gunsten der Kriegerheimstätten. Der neue Herr sollte den Baugenossenschaften mehr Geld zu billigem Zinsfuß geben. Der Redner gedenkr der Heimstätten des Pastors Bodel- schwingh in Bethel bei Bielefeld. Nächste Sitzung Mittwoch, 1 Uhr. Zensur. Schluß 6y x Uhr. Der SdjrcÄen von ZMlrol. Aus Lugano, 21. Mai, schreibt uns ein gelegentlicher Mitarbeiter: Die politische Wirkung der gewaltigen Offensive Oesterreichs in Südtirol auf den ja so veizbaren italienischen Volksgeist ist bereits zu verspüven. Die scheinbare Ruhe des Oberkommandos und die journalistischen Tricks, mit denen die offizielle Presse arbeitet, um die gute Laune zu retten und die Aufmerksamkeit von den derzeitigen Schlappen ans zu erwartende Hilfsosfensiven der Verbündeten abzu- lenken, versagen völlig. Der Italiener glanbt nicht mehr an den Sieg, und die Zeitungen, auch die weiter vom Kriegsschauplatz entfernten, die sich bisher noch irgendwie herauszulügen suchten, geben keine .Hoffnung mehr. Aus der Katerstimmung des Jahresjubiläums droht eine allgemeine Gärung jju werden. Anklagen und Vorwürfe ertönen ans jeder Spalte der Blätter. Verlustlisten werden bekanntlich immer noch nicht ausgegeben. Das Verlustthema darf überhaupt öffentlich nicht erörtert werden. Die Verwundeten werden ausschließlich nachts eingebracht, damit sie niemand sieht. Die Folgen dieser .Heimlichtuerei siiid natürlich, daß das Volk von hunderttaiisenden von Toten und entsprechend mehr Verwundeten und Kranken spricht. Wo die Leute sich unbeobachtet glauben, laufen die wildesten Gerüchte um. Es heißt, daß ganze 'Regimenter aufgerieben seien. Von einem Regiment seien nur noch 45 Mann mit einem Offizier übrig. Fast so schlimm wie die Hiobsbotschafterl aus Südtirol, ja vielleicht noch niever- drückerrder wirkt das wirtschaftliche Elend, das sich über das Land und die Städte auszubreiten beginnt. Streiks, Mißernte, das Fehlen der arbeitsamen Ernährer zahlloser Familien, das Versagen des das städtische Leben Venedigs, Roms, Florenz', Neapels usw. befruchtenden Fremdenstromes, zumal aus Deutschland —, wodurch eine undenkliche Menge kleiner und mittlerer Gewerbetreibender, vom Hotelgewerbe ganz abgesehen, schwer geschädigt, ja ruiniert wurde — das alles hat eine Stimmung hervorgerufen, die das gerade Gegenteil des Rausches vom Mai vorigen ^ 5 ^s ist Inmitten dieser Woge allgemeiner Unzufrieden- hert, die sich leicht, und zwar vielleicht noch früher als in Ruß- laiid, zur offenen Umwälzung auswachsen kann, hält sich die Regierung lediglich durch ein unerhörtes System des Schreckens aufrecht. Jede öffentliche Kritik, ja, jede Kritik der Regierungspolitik überhaupt, ist aufs strengste verboten. Wer auf der Straße ein lautes Wärt sagt, das sich auf den Krieg bezieht, es sei denn chauvinistische Bewunderung für das Heer und den König, insbesondere aber für die Herren Salandra und Sonnino, der wird verhaftet. Denn alle Straßen wimmeln von Denunzianten und Geheimpolizisten. Das Publikum in den Restaurants, Cafes, Theatern ist überwacht, und auf diese Weise ist es den Behörden tatsächlich gelungen, einen Zustand der Dinge herbeizuführen, der an das Polizeiregiment unter päpftlicherherrschaft erinnert. Alle Hoteliers, Restaurateure und Kasfeewirte Roms sind polizeilich angewiesen, die Tischgespräche ihrer Gäste zu überwachen. Sobald die Gäste die Regierungspolitik oder den Krteg kritisieren, müssen die Wirte an die Polizei telephonieren und den Polizeikommissar rufen. Der Wirt, der dies unterläßt, wird mit Entziehung der Konzession und Gefängnis bestraft. Wer der Kritik, überwiesen ist, wird als Spion und Hochverräter aus den Armen seiner Familie gerissen, als Polizei- gefangener nach Sardinien abgeschoben und geschäftlich ruiniert. Obschon zum Jammer der von der Fremdem n- dustrie lebend!en Geschäfüwelt weit und breit kein „Fore- stiero" zu sehen ist, halten die Gasthäusbesitzer ihre Hotels dennoch offen, und zwar geschieht dies aus Angst, die Hotels von der Militärbehörde mit Beschlag belegtund in Lazarette verwandelt zu sehen. Merkwürdigerweise scheint trotz heißer Bemühung der im,wer noch auf Bestellung arbeitenden Hetzpresse der törichte Haß g e g e n D e u t s ch l a n d n ä chzen lassen. Man hört im großen Publikum nur selten Schmähworte gegen die „deutschen Barbaren". Vielmehr ist Deutschlands militärisches und politisches Ansehen merklich gestiegen, und mit tiefer Besorgnis erörtert man die Möglichkeit, daß auch deutsche Truppen, zumal die gefürchteten Bayern, an der italienischen Grenze erscheinen könnten. Man sähe die Deutschen lieber wieder >als genußfrohe, kaufkräftige Gäste in Rom und erinnert sich mit Wehmut, daß erst jene alljährliche „teutonische" Einwarrdernng die römische Frühlings- und Ostersaison befruchtete. Man fragt nun besorgt, ob jene jgoldenen Zeiten jemals wiederkehren werden? Ich konnte meinem italienischen Gewährsmann darauf nur erwidern, daß es für dieses Fahr sicher zu spät ist, daß lab er auch für die nächsten Jahre nichts zu fyoffert sei, selbst wenn seine Landsleute die große Fremidlichkeit Mitten, den angedrohten Ktieg an Deutschland. schließlich doch nicht zu erklären. Der deutsche Erfütdungs'geist hübe eine ganze Reihe von Ersatzmitteln für die Genuß- und Luxusware „Italien" geschaffen, und man fühle sich ganz wohl dabei. .... ^.. e , r n ' 22. Mai. (WTB.) Das italienische Amtsblatt veröffentlicht ein Dekret, nach dem weitere 200 Millionen für Kriegszwecke ausgeworfen werden. Bern, 22. M!ai. (WTB.) Mäilcnider Blätter weisen in langen Ausführungen aus die Unzuträglichkeiten hin, die von der ver- Ipäteteu Ve r ö sfent l i.chin n.g der italienischenheeres- b e r i ch t e int Auslande Hst rühren. „Secolo" verlangt künftig zwei tägliche Heeresberichte. „Tribuna" hält es für zweckmä^g, der italienischen Oeffentlichkeit die österreichischen Heeresberichte nicht länger vorzuenthalten. Bern 22. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Aus den tiefen Eindruck, den der österreichische Vorstoß in Südtirol in Italien gemacht hat und ans die Beunruhigung, welche er bet dem Verband hervorrief, laßt das sehr unffangrerck-e Expose detz Agenzta Stefam schließen, das insbesondere die ungeheuren Vorbereitungen der Oesterveicher hervorhebt und darauf hinweist, daß du Zentralmächte in der Herstellung von Kanonen und insbesondere großkalibrigen Geschützen über rechliche Mittel verfügen, die sie verschwendend amoenden. Die Oesterreicher hätten gegen die vorgeschobenen italienischen Linien eine starke Feuerkonzentrierung gerichtet. Sodann spricht die Agenzia Stefan i diesen Linien einen dauernden Charakter-ab mrd erklärt sre seien infolgedessen bei dem starken feindlichen Borfwß nach angemessener Verwendung zu räumen gewesen Schließlich heißt es: Bekannt ist der gewaltige Reichtum der Zentralmächte an Schießbedarf, her ihnen gestattet, ihre Artillerie derartig spielen zu lassen, daß es zuweilen ans Phantastische grenzt. Den gewaltigen österreichischen Anstrengungen gegenüber kämpft unser Heer mit wechselndem Glück, aber mit Vertrauen und Festigkeit Unser Land teilt jetzt mit Frankreich die Ehre und Last der drückenden Militärmacht der Zentral- w ä ch t e, welche die Drohung vereiteln wollen, die für sie in der eiiiigenden Aktion des Verbandes besteht, und die Initiative an sich zu reißen suchen. wiGewschaft «nö Cc&ca. „ r “ Ein sranz ösische r Aesthetrker über das Erlebnis des Schützengrabens. In der Schlacht bei N«l- vDe-St. Vaaft am 25. September vorigen Jahres ist ein be- gabrer jüngerer französischer Aesthetiker gefallen. Dies ist Am6- r a rd, der durch seine Abhandlung über die „Berufung oes Dichters" sich den phllofophffchen Dok^rgrad erworben und Ee tüchtige Abhandlung über „Victor Hugo rmd Virgil" veroff-entlrcht hatte. Er jvar vom Staate als Lehrer angesteM . mt °. batte ein besonderes Interesse für die Ueberreste von All-Paris, in denen er^ gern den Führer machte. Guiard hat ein Kriegstagebuckz hinterlafsen, dessen AUfzeichnungen von Wert sind, mfosern sie ein Zeugnis davon ablegen, wie der Schützeugraben- fneg auf diesen feinsinnigen ötngen Gelehrte» gewirkt hat. Die Andrücke, die er mederschrieb, smd voll tmti hem Gefühle des (znat der Mann seine Mitteilung vollendet, da sinkt er, von einem herzschussi getroffen, tot um. Ein Offizier springt auf einest Lchanzkorb und setzt das Glas ans Auge. Wir rufen ihm zu: „Vorsicht? Vorsicht?" — und schon ist es zu spät. Von einer Kugel rn öi? rttwn getroffen, taumelt er rückwärts und ist tot &o Kchrs die ganze Zell, heute du, morgen ich. Und das Schwerste von allem, das Sterbe::, scheint mit einemmale so einfach, so geradezu und so natürlich." Neberr Shakespeare hielt für Guiard im Grauen des - Schützengrabens nür noch eine literarische Erinr rung stand: das war die an die Worte des Reueii Testamentes, ferne Mahnung, immer zu wachen imd sich bereit zu halten: u wenn 'er an Shakespeares bitteres Wott dachte, das wir alle Scha sprel-er seien und jeder nur seine Rolle, kurz oder lang, wie sie eb ist. zu sprelen habe, so beugte er sich demüttg vor dem (Zsidankc daß hinter den rtülissen Einer stehe, der größer als die Rolle u großer als der Verfasser ist und der darüber entscheidet, wai unser- klirre Rolle »u Ende «esvielt sein soll. Zehn Tage, nal dem der Philosoph und Aestethiker seine Betrachtungen über d Ertebms des Schützengrabens niedergeschrieben hatte, fiel er selb Er war ohne Begeisterung, >aber mit männlicher Fassung ins Fe gegangen und litt furchtbar unter den Schrecknissen, die er tägli erleme Seinen Tod fand er übrigeiis bei dem tapsiren Versnck me -welche eines gefallenen Feindes mitten im Kugelregen zu be aen. Auch von den anderen längeren Schriftstellern und Forscher me mtt AmW^e Guurrd zusaminen einen eigenen Kreis von Schö' geisterii m Paris bitbeten, ist die Mehrzahl inzwischeit bereits de Zcrrege zwn Opfer gefallen. Sttraßenbilder. Das folgende anschaulic ^mld vom tätlichen Leben im besetzten Lodz findet sich in dem unt dem Ticel Von Sarajewo bis Lodz" bei Georg Müller erscheine- i>tm Ätregsbuche ms ungarischen Berichterstatters Ceza hercze Eigen Grandhotel in Lodz, das im Zentrum d fetabt liegt imb das früher nur russische Mlllivuäre und qeschmink Ta men zu Stammgästen hatte, steht jetzt ein deutscher Osftzie der urrs erwattet und jedem einen Quartierzettel überreicht V dem Hotel steht ein sächsischer Landsturmmann Posten; sein Schi derhaus ist schwarz-weiß-rot gestrichen. In der Halle tteffen w noch den alten russischen Portier . . . Die Petrikauer-Strqße in Lo> ist so übervoll von Menschen, wie vielleicht die Kärtnersttaße i Wien >oder die Friedrichstraße in Berlin. Ich gAe dem Potti' nrernWi Quartterzettel, aus deni ich meinen Namen, die Zimme nummer nnd deri Stempel „Kgl. Deutsches Gouvernement" les Tezllfche straft und deittsche Energie habeit ans Lodz ein llein« -wrlin gemacht. Mit dem gleichen Ordwmgssinn, mit dem sie m schmutzige polnische Stadt in eine saubere deutsche verwandet mit derselberl Kraft wid Errergic gewinnen sie auch die Schlachtci Dieselbe deuts.che Energie hat Lodzer Einwohner zu Wächtern g. macht. Sre gehen auf und ab aus deir Straßen und sorgen ft Owuuiig, als ob sie ihr ganzes Leben lang nichts anderes geta hatten. S« sind an einer blauen Armbinde kennllich. Man sa- mrr, die Lodzer Bürgerwachc funMoniere ausgezerchiiet. Die Art, Polizei zu schaffen, gibt sehr viele Soldatenkräste frei. ab -und zu sieht nian einen berittenen deutschen Sotdateii durch b Straßen reiten. Alle große Fabriken arbeiten. Ueberall, wo d Leiter der Fabriken geflohen sllrd, lverden sie durch Deuffche ei etzt. Die elektrischen Straßenbahnen verkehren in voller Ovdnun und werden von deutschen Soldaten bedient, die zu hMse eberi falls Wagenführer und Schaffner sind. Mn iitteresiaittestjen sind dre Sttaßen mit ihrem reg«i, bunten Verkehr. Sehr viele Di-enst- mwmn und noch mehr Bettler, die sofort den Frenzen erkennen Der Schlachtruf der ZertuNgstrager erschallt in den Straßen- „Lodzer Zeitting!" . . . Schutzleute steh^ii ans den Straßen wie in Berlm, London und Paris an den großen Kceuzungspunkten Mit einem kleinen Stöckchen stehen sie in dem dichten Getümmel, unbeweglich wie^ änl«k. Während ferne die schweren Geschütze donnerii und die Maschinengewehre tacken, kommandieren diese deuffcken Schutzleute mit dem richigsteu und natürlichsten Ton der Welt: „REs halten?". . . . ,Li.gckfts halten?" sagen sie, als ob in dieseni Moment nichts wichtiger wäre aus der Welt, als daß sich ? = EU Lodzer Korso die geschminkten Damen, die Lodzer Herren, das Volk und die deutschen Osftziere rechts halten. . ^ „größte Bild der Weltt^. Wie berichtet wurde, Haider bekannte Maler Professor Hugo Vogel jetzt ein 19 Meter langes 'mtb 8 Meter hohes Waiidgemälde „Pronretheus bringt den Merffchlen das Feuer" in der Berliner Charite vollendet, das das größte Wandgemälde ist, das die deutsche Reichshauptstadt überhaupt besitzt. Aus diesem Anlaß schreibt wis ein Mitarbeiter: T^nt ^ahre 1910 vollendete der französische Maler Malo-Nord ein o00 Quadratmeter umfassendes Bild, womit er das Pariser „Hotel de vrllc" (Rathaus) schmückte, ^nnd ob schön oder nicht, die herreii Fvaiizosen vermeinten, sie hätten ldanllt „das größtö Bild.der Wett". Gegen diese Behauptung wurde aber lxild in deutschen Zeitungen Einspruch ^erhoben. Zuerst meldete sich Würzvurg. Dort hat bereits im Jahre 1753 der Maler Giovanni Battista Tiepolo im Aufträge des damaligen Fürstbischofs Karl Philipp v Greifenllau ein fast >doppel1 so großes, nämlich rund 550 Quadratmeter messendes Deckeiigemälde in der Königlichen Residenz ferttggestellt. das die den ganzen Erdkreis umspannende und beherrschende Macht der Kirche versinnbildlicht. Aber auch dieses Gemälde kann nicht den Ruhm des größten Bildes der Wett für sich in Anspruch nehmen Denn die Außenwaird des Stallhofgebäudes des Königlichen Resi- denzschtosses zu Dresden schmückte in den Jahren 1873 bis 1876 der er ft vor wenig Jahren verstorbene Maler Ad. Wilhelm Wglther mit seinem berühmten „Fürstenzug des .Hauses Wetttn", und der fft so lang, wie die ganze Anguststtaße (hinter der „Brühlschen Terrasse"), an der er hängt. 100 Meter lang und 10 Meter hoch (der eigentliche Füxstenzug 4 Meter hoch), das ganze Gemälde also dreimal so groß, wie das Pariser und doppelt so groß lvie das Würzburger RiesenviL. Neuerdings hat man übrigens das alte Walthersche Bild, dessen Sgvaffllotechnik sich nicht wetterhart genug erwies, durch Porzellarrfliesen ersetzt; dazu wurdeii in den Jahren 1905 und 1906 in der Königlicheii Porzellanmwinfattur Meißen nickst weniger als 2o 000 einzelne Platten gemalt und gebrannt, und dann in Dresden sorgsältig an derselben Wand über dem alten Gemälde befestigt. Rheumatische Schmerzen, Hexenschuß * Reißen. In Apotheken FI. M 1,40; Doppelfl. M 2.48. Gewinn-Auszug der 7. Preussisch-Süddeutscfaen (233. Königlich Preuss.) Klassen-Lotterie *. Klasse. 13. Ziehungstag. 20. Mai 1916 kmt oda MS-OLE» Kammer sind zwei gleich hohe time cKSST and *w»r Je einer aaf die gleicher ln deu beiden Abteilungen iohe GeTl Ile Lo«e I I und n I (Ohne Gewähr.) (Nachdruck verdaten.) In Abs Vomritiagsziehung wurden Gewinne Uber 240 Mark gezogen. « Gowione zu 10000 M 217072 4 Gewinne zu 5000 M 66978 119020 78 Gewinne zu 3000 M 7110 12740 21294 21497 22768 85298 39092 49719 49791 66054 63980 66976 07480 68241 70249 71826 73674 74999 87337 97851 100995 104295 106280 111736 118426 120625 134589 137538 162719 177970 180236 180264 182111 183600 186000 196587 200589 233807 138 Gewinne zu 1000 M 1953 11001 13571 18780 28061 23772 24526 24594 25179 28023 32461 40059 46384 60046 66703 67046 67175 68343 60671 60618 63466 75379 76044 81323 89454 90991 63004 93806 96896 99627 100936 102798 103161 107236 107518 113631 113990 115339 120638 124806 126957 129522 146841 146808 148909 156984 159277 176244 178510 179325 184392 185468 186182 190173 193250 194665 198837 203704 204478 209046 210614 211494 217006 218930 219062 220954 221673 231038 232200 208 Gewinne zu 600 M 8380 12615 13439 16162 20816 21024 24034 25367 27997 29006 30473 36485 42113 43462 44090 46994 47095 49639 64155 61113 62475 63126 64159 66635 71649 72617 73366 74491 64271 84305 87106 88595 89813 94625 100110 101955 102670 103407 103436 104922 110895 111663 113801 110522 116734 118467 125047 126461 125549 130927 181350 132664 134260 138162 138221 144607 146034 148710 149814 153657 154420 156005 ,156719 157752 168003 159541 162188 163624 104777 165312 166100 167529 173904 174822 175188 176414 176618 178517 181557 184064 184180 184246 186672 195377 196498 197024 197708 197800 198455 198616 200062 203562 004603 204901 205853 209389 209326 214659 216995 *24085 228331 229123 233742 233804 Mk dar Neohmlttagsziehong worden Gewinne über 240 Mark gezogen. 2 Gewinne zu 15000 M 151862 4 Gewinne zu 10000 M 48099 152424 12 Gewinne zu 6000 M 6247 19526 41997 105519 144075 197389 64 Gewinne zu 3000 M 15067 22618 -26861 *«321 28575 39050 60582 61720 62209 64725 72416 74467 86041 104078 116737 123745 129101 153210 155700 158461 165333 167277 167595 173423 201532 202189 202522 209003 209388 214529 222307 231548 180 Gewinne zu 1000 M 3992 4630 7782 9129 0703 13857 15098 16340 17058 19288 19487 27976 28199 29541 32922 45007 45966 49264 60121 62219 53047 50971 61854 64473 66311 66652 69358 75679 79088 80274 86506 86883 87358 91204 97808 99698 100387 102623 105322 107218 108508 109222 112984 116481 116564 118009 120690 122482 130938 131293 131612 132621 133049 183169 137172 138688 ,144585 140213 140478 148894 151426 152155 153194 153374 100286 163437 158764 171293 172618 173169 175868 177792 177873 188353 190758 191301 198374 199425 199787 203112 203496 205282 209663 213505 218067 219750 221186 222168 225840 228621 229627 231316 220 Gewinne zu 600 M 2589 4079 6572 8789 10480 12989 13956 16906 17950 21940 24045 25010 27281 29190 30687 31816 31638 33093 37490 41159 44816 45741 46455 46514 47090 47152 47180 47445 47807 47905 49121 49721 61804 62735 66235 57999 69095 61622 63064 63918 69675 76736 75963 79816 82660 86736 87381 89784 91631 93761 97343 102654 103506 103701 104328 104419 105160 105276 105483 109547 112919 114989 122022 129339 129742 136360 136613 138506 143033 144014 148049 161622 152876 156697 155922 156918 157372 168015 158526 162936 195431 106772 166832 106833 167028 108136 189722 170728 171292 172394 180776 183901 184814 185639 189087 190018 191601 196796 109299 200123 203881 204105 210399 211730 214386 220936 227479 226701 2296 27 3131« _ My M 31 .Dezember IM. 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Amend Die'Rechnung liegt acht Tage lang aus dem Bureau des Rechners zur Einsicht der Beteiligten offen. Generalversammlung. Sonntag, den 4. Juni nachmittags 3 Uhr findet die erste ordentliche Generalversammlung aus dem Rathause dahier statt, wozu alle Mitglieder freundlichst eingeladen werden. Tagesordnung: 1 Abhör der Rechnung pro 1915. 2. Beschlußfassung über Dividendenverteilung. 3. Antrag des Vorstandes um Zinsveränderung bei ausgelieheneu Kapitalien. 4. Wahl zweier ausscheidenden Aussichtsratsmit glieder. 5. Verschiedenes. Der Ausstchtsratsvorsitzende: W. Da p p er. «940 1 683 Mk. 4017 3017 931 5 531 Junger Hausbursche I gesucht. [3967 Adolf Geisse, Seltersweg. Hausbursche sofort gesucht. [3935B Chirurg. Klinik Kkllmlehilii- gei. 3793 1 Hotel Großheraog. I Rock- o. TaiiSen-Ärbeilerin per sofort gesucht. [09785 BJ.Kugelmann,Ste?han£tr.43II Versteigerung. Mittwoch, den 24. 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