Nr. ti9 Erschein! täglich mit Aufnahme deS Sonntags. Die ..Gießener Familienblatter" werden dem »Anzeiger" vierrnal wöchentlich beigelegt, das „Ureisblatt für den Ureis Gießen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. 1GG. Jahrgang General-Anzeiger für Gberhesjen Mont-»a, 23. Mai 1916 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lang e, Gießen. Schristleitung,Geschäftsstelle «.Druckerei: Schul- straße 7. Geschäftsstelle u.Verlag:^^51,Schriftleitung: e^ll2. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. mb. Deutscher Reichstag. 6 1. Satzung, Sonnabend, 2 0. Mai 1916. Am Tische des Bundcsrates: Unterstaatssekretär Dr. Richter, Caspar. Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 15 Minuten. 2er Ela! sLr das Reichsaml des Znnem. (Dritter Tag.) Die Aussprache wird fortgesetzt. Der Präsident schlägt bor, die beim Heeresctat zurückgestellte Entschließung des Ausschusses. nach welcher die Schuhmach er. In nungen zum Bezüge von Leder, namentlich von Sohlleder, berechtigt fein sollen, jetzt mit zu beraten. Weiter regt der Präsident an, die Frage der Krieger- h e i m st ä t t e n schon jetzt und nicht erst zusammen mit den Wohnungsfragen zu erörtern, da schon zwei Redner diese Fragen behandelt hätten. Die Abgg. Prinz Schoenaich-Carolath und Bassermann (nl.) widersprechen dieser Anregung, weil ein Teil der Redner, die bisher zu diesem Etat gesprochen hätten, darunter auch der natio».alliberale Redner, diese Angelegenheit aus ihren Betrachtungen ausgeschieden hätten. Daraufhin wird beschlossen, die K r i e g e r h e i m st ä t t e n erst beim Wohnungswesen zu behandeln. Abg. Schiele (Kons.): Trotz der schwierigen Lage ist bei uns bisher ein wirklicher Notstand für die Arbeiter nicht hervorgetreten. Wir verdanken das in erster Linie der Tatkraft unseres Unternehmertums und unserer Arbeiterschaft. Beide sind getragen von dem Geiste, der unserer Zeit entspricht. Bei der Zumessung der Familien- Unterstützung wird noch zu schematisch verfahren. Die von uns ausgestellten Grundsätze heischen Beachtung. Die Anrechnung von Steuerrück st änden auf die Unterstützungsbezüge ist ein Mißgriff. Die Lieferungsverbände sind eben in Sorge über die Rückerstattung der von ihnen aufgewendeten Summen. Deshalb muß eine reichsgesetzliche Regelung erfolgen. Zuschüsse zu den Unterstützungen sollten in Gestalt von Lebensmitteln oder Bezugsscheinen auf solche gewährt werden. Die Sonntagsarbeit muß ganz besonders für die In g e n d l i ch en fortfallen. Die Frau muß ihrem natürlichen Berufe in Haus und Familie nach Möglichkeit erhalten bleiben. Die Fragen der Wochenhilfe sind wohlwollend zu prüfen. In den Spurer l a s s e n sehen wir ein Mittel zür pfleglichen Behandlung der Jugendlichen. Wir halten es nicht für zweckmäßig, daß mittelbar ihre Aufhebung in Aussicht gestellt worden ist. Die Besprechungen über dauernde Beibehaltung der Kriegsmaßrcgel des Nachtbackverbotes sind noch nicht abgeschlosien. Besondere Beachtung verdient die Lage der kleinen Bäcker auf dem Land, die nachts backen müssen, um am Tag ihre Felder bestellen zu können. Für die Reedereien sind vielleicht zinsfreie Darlehen am besten geeignet, die Ueberleitung in den Friedend- z u st a n d zu erleichtere Der Arbeitsmarkt wäre zweckmäßig ausznge statten. Die prahlerischen AnkSudigun-e», mr$ Mrt- schafttich verstümmeln zu wollen, werden nicht in Erfüllung gehen. Die Säule unseres Wirtschaftsfleißes muß fest zementiert werden. Die wirtschaftliche Demobilisierung ist vielleicht schwerer als die WirtschäftSMobilisierung. Rohstoffarm werden wir zunächst fein. Der Wiederaufbau des Gewerbes in die alten Formen wird nicht schnell vor sich gehen. Während der Uebergangszeit dürfen wir nicht mit ausländischen Fertigerzeugnifstn überschwemmt werden. Rohstoffe und Halb- sabrikate müsten planmäßig bereinkommen. Bei der i n d u st r i e U len Organisation muß der Staat zunächst administrativ Mitwirken. Unter Führung des Kriegsausschusses der deutschen Industrie werden wir unseren Platz an der Sonne wiedererringen. Ein neuer Wirtschaftsfrühling steht uns bepor. Ministerialdirektor im Reichsamt des Innern Dr.Lewald: In der Frage der F a m i l i e n u n t e r st ü tz u n g e n ist im Haushaltsausschuß von Vertretern aller Parteien ausgesprochen worden, daß gegenwärtig ein Zustand eingetreten ist, der im großen und ganzen als befriedigend und genügend anerkannt werden muß. Wenn bei der großen Zahl der Unterftützungs- berechtigten in einigen Einzelfällen gewisse Unstimmigkeiten auf- treten, so ist das durchaus begreiflich. Die Bundesratsverordnung dom 21. Januar 1916 gibt die Möglichkeit an die Hand, dagegen einzuschreiten. Der gestern vom Abgeordneten Gothein zur Sprache ge- brachte Fall, der gewisses Aufsehen erregt hat, liegt denn doch etwas anders. Nach der Auskunft des Kreisausschustes wohnt die alte siebzigjährige Frau bei ihrer verheirateten Tcchter, die ihr neben der Wohnung auch Feuerung gewährt, ebenso liegen die andern Voraussetzungen erheblich anders. Schon im vorigen Jahre habe ich einmal erklärt, daß eine Pfändung von Unter stühungsbeträgen nicht zulässig sei. Bereits im April 1915 hatte das Reichsamt des Innern vom Reichsjustizamt ein Gutachten eingeholt, das die Unpfändbarkeit des Unter st ützungsanspruches feststellte und daraus folgerte, daß er der Aufrechnung nicht unterliege und nicht abgetreten werden kann. Sollte nach diesen Grundsätzen nicht verfahren werden, so wird das Reichsamt des Innern durch Rundschreiben erneut auf ihre Beachtung dringen. In den Fällen, wo Anfragen an uns gerichtet wurden, ob die durch den Tod der Mutter ausfallende Unterstützung der mit dem Unterhalt der Hinterbliebenen Kinder beauftragten Personen ausznzahlen sei, haben wir darauf hingewiesen, daß dies zweifellos der Billigkeit entspräche.- Das Reichsamt des Innern ist auch mit dem Reichs- schatzamt in Verbindung getreten, daß den Lieferungsverbänden die Erstattung auch dieser Unterstützung zugesagt werde. Gegen die Formulierung der Feststellung vgn Bedarfssätzen habe ich gewisse Bedenken ausgeführt, aber anerkannt, daß es immerhin für die Lieferungsverbände von erheblichem Vorteil ist, bei der Prüfung der einzelnen Fälle eine derartige Richtschnur zu haben. Die Reichsverwaltung ist durchaus bereit, in dem gewünschten Sinne an die Bundesregierungen heranzutreten. Mit Recht sind dagegen Bedenken erhoben worden, daß die von den Arbeitgebern gezahlten Unter st ützun- gen auf die Reichsunterstützung an gerechnet worden sind. Das darf nicht sein. Diese Beträge könnnen nur unter Umständen, wenu eine Bedürftigkeit nicht mehr vor» liegt, auf die Zuschüsse der Lieferungsverbände angerechnet werden. In dem besondern zur Sprache gebrachten Fall, ist von der betreffenden Landesstelle bereits gestern die Antwort eingegangen, daß jetzt anders Verfahren werden soll. Die gewährten Zuschüsse belaufen sich auf monatlich 20 Millionen Mark. Vier Fünftel davon gehen an die Bundesstaaten. Bei den von der deutschen Industrie gewährten U n t e r st ü tz u n g e n , d'e freiwillig erfolgen, handelt es sich in der Tat um sehr hohe Beträge, worauf der Abgeordnete Freiherr Hehl zu Herrnsheim neulich schon hinwies. Hoffentlich wird die Industrie auf diesem Wege nicht müde. Nach einer Aufstellung des Kriegsausschusses der deutschen Industrie haben die verausgabten Summen in den letzten Monaten 130 Millionen Mark m o n a t I i ch betragen. Sie können sicher sein, daß die Reichsleitung und die verbündeten Regierungen die Notwendigkeit einer ausreichenden, wohlwollenden U n t e r st ü tz u n g der Kriegers am ilien mit genau derselben Wärme und Lebhaftigkeit im Auge haben, wie die Volksvertreter, und daß sie auch in allen Fällen alles tun werden, um etwaige Mißstände schleunigst und wirksam zu beseitigen. Abg. Mumm (Deutsche Fraktion): Die Seltsamkeit, daß wir das Gehalt des Staatssekretärs hier beraten, während sein A m t noch verwaist ist, darf uns nicht hindern, unsere Wünsche hier vorzutragen. Mittelstandspolitik und Wohnungsreform schreien nach einer entschlossenen Persönlichkeit, die nicht nur wägt, sondern auch wagt. Unser Voll darf kein Kasernenvolk werden. Der Geburten stürz, der in Deutschland in den letzten zwölf Jahren größer gewesen ist als irgendwo sonst in der Welt, erfordert unsere dauernde Aufmerksamkeit. Wir müssen prüfen, ob nicht unsere Beamtenpolitik hieran mit die Schuld trägt und ob wir nicht die Alterszulagen durch Kinderzulagen ersetzen sollen. Die Wichtigkeit unserer Handelsschiffahrt ist ja allgemein anerkannt. Die Bedenken gegen eine „Kaiserliche Handelsmarine" müssen wir gelten lassen. Aber wenn man den Schiffahrtsgesellschaften Darlehne gibt, so sollte man sich dafür junge Aktien aushändigen lassen, um den wünschenswerten Einfluß auf diese Unternehmungen zu erhalten. Um unsere Auslandsvaluta zu heben, gibt es nichts Ungeschickteres als eine Ausfuhr von Lebensmitteln. Dagegen empfiehlt sich eine gesteigerte Juwelenausfuhr. In der Frauenarbeitsfrage habe ich umgelernt. Die Mitwirkung der Frauen im Wirtschaftsleben ist dankbar anzuer- kennen, wo uns die Männer als Arbeiter fehlen. Die Frauenarbeit muß aber denn auch ebenso bezahlt werden wie die Männerarbeit. Die Lohndrückereiversuche in der Textilindustrie und der Tabakindustrie ist streng zu verurteilen. Unsere Demobilisierung muß ebenso alkoholfrei sein wie unsere Mobilisierung. Der Widerstand der Sozialdemokratie gegen den Sparzwang richtet sich nur gegen die Art der Durchführung; hier bestehende Mängel müsien wir beseitigen. — Immer noch wird viel Schund als K u n st dargeboten, der nur unser Volk herab und hinunterzieht und seine Seele verwüstet. Die Sonntagsruhe muß endlich wirklich durchgesührt werden. Warum bekommen wir immer noch keine Arbeitskammern? Abg. Stadthageu (Soz. Arb.-Gem.): Veber die Kriegsunterstützungen wird leider noch immer viel geklagt, und ich glaube nicht, daß eS der Reichsregierung gelingen wird, den Einzelstaaten die wirkliche Rechtslage beizubringeu. Wir stimmen «llen Entschließungen des AuSschuffeS zu, mit Aus- nähme deS Wunsches ans Unterstützung der Seeschiffahrt. Den Sparzwang rechtfertigt man mit den alten unbewiesenen Klagen über die Verwahrlosung der Jugend. Sorgen Sie für Durchführung der Schutzbestimmungen und der Sonntagsruhe, dann tun Sie der Jugend einen wirklichen Dienst! Ich bedauere die Jugend, den Mann und die Frau, die stets Maß gehalten haben. Es bildet „sich ein Charakter in dem Strom der Welt". Deshalb bitten wir, den Anträgen auf Aufhebung des Sparzwanges zuzuftimmen..Die Sparerlasse stellen eine Beeinträchtigung des Arbeitsrechtes dar. In Hannover muhte das Generalkommando den sparfreien Betrag erhöhen, weil die Jugendlichen die Arbeit niederlegten. In B r a u n s ch w t i g mußte schließlich der Sparerlaß aus denselben Gründen aufgehoben werden. Die Jugendlichen wehren sich eben gegen diese Mißhandlung ihrer Arbeitskraft und Mißachtung ihrer Menschenwürde. Die Sparerlaffe verstoßen gegen die Gewerbeordnung und gegen das Lohnbeschlagnahmegesetz. Nach einer päpstlichen Enzyklika ist Lohnvorenthaltung, namentlich gegenüber Witwen und Waisen, eine schwere Sünde. Gelegenheit gum Sparen bekommt der Jugendliche, wenn er Lohn bekommt, nicht dadurch daß nran ihm Lohn nim mt. Abg. Schmidt-Meißen (Soz.): Die Unbestimmtheit über das Fortbestehen des N a ch t b a ck- verbots ist es gerade, die den Bäckern Kopfschmerzen macht. Eine baldige gesetzliche Regelung ermöglicht den Bäckereien, sich auf den kommenden Zustand einzustellen. Bleibt sie aus, so wird die Volksernährung gefährdet. Die Unterstützung der Kriegerfamilien ist gänzlich unzulänglich und ungleichmäßig. Görlitz gewährt 100 Proz. Zuschlag, was für eine Fron mit drei Kindern 76 Mark monatlich ausmacht, wozu noch Mietbeihilfe kommt; in einem Vorort gibt es im gleichen Falle nur 42 Mark ohne Mietzuschuß. Man rät den Frauen oft, sie sollten arbeiten, ohne ihnen zu sagen, wo sie es können. Von der Reichsunter, stützung^zieht man unerbittlich die Steuern ein. Mit ungeheuerlicher Härte treibt man Arbeiterfrauen aus den Dienstwohnungen ihrer im Feld befindlichen Männer, weil sie nicht für einen Schundsohn arbeiten wollen. Namentlich die Landgemeinden versagen auf dem Gebiet der Familiennntcr- stützung. Nicht die Engländer und ihre Aushungerungsabsichten, sondern mangelnde Hilfe und Unterstützung im Inland machten das Los der ä^riegerfrauen so trostlos. Züchtigungen von Dienst- öoten sind auf dem Land immer noch im Schwung und bleiben ungesühnt. Hinweg mit der entrechtenden Gesindeordnung! Abg. Dr. Hitze (Zentr.): Der Zweck des S p a r z w a n g s ist, die Kinder gegen ihren eigenen Leichtsinn zu. schützen und die berechtigten Jnteresien der Eltern wahrzunehmen. Auch bevölkerungspolitische Erwägungen sprechen da mit. Der Redner begründet einen Antrag, den Antrag auf reichsgesetzli'che Regelung des S ä u g l i n g s s ch u tz e s und auf Einführurrg der Reichswochenhilfe als Regel- leiftung einem besonderen Ausschuß zu überweisen, mit dem Aufträge, neben den in den Anträgen angeregten Forderungen auch noch sonstige Maßnahmen in Gesetzgebung und Verwaltung (Bekämpfung der Ge schlechtükranl- h e i t e n , Ausbau der Reichsversicherung, der Beamtenbesoldung, des Wohnungsgeldzuschusses, der Hinterbliebenenfürsorge, der Steuergesetzgebung usw. tm Sinne einer besonderen Berücksichti- gung der kinderreichen Familien u. a.) vorzuberaten, die geeignet sind, dem bedrohlichen Geburtenrückgang entgegenzuwirken. Das sozialpolitische Wettlaufen muß unterbleiben. Die Parteien müsien sich über diese Fragen ohne Eifersüchteleien verständigen. Abg. Bassermann (Natl.): Zu der von dem Abgeordneten Hitze behandelten Bevölkerungspolitik gehört auch unser Antrag aus Einführung der für die Kriegszeit eingerichteten Reichswochenhilse als Regeltet st ung der Krankenkassen auch nach Beendigung des Krieges. Ich glaube, der Gedanke findet allgemeine Billigung. Hat man doch gerade diese Maßregel überall "als besonders 'wohltätig in sozialpolitischem Sinne bezeichnet. lieber die Kostenfrage werden wir uns am besten im Ausschuß unterhalten. Auch den Antrag Bernstein auf reichsgesetzliche Regelung des Säuglingsschuhes halte ich grundsätzlich für vollkommen richtig. Ebenso halte rch den Antrag Hitze, zur Prüfung all dieser Fragen eine besondere Kommission einzusetzen, für durchaus zweckmäßig. Wir dürfen uns auch hier nicht aus die Landesgesetzgebung verlassen, sonst geht es uns ebenso wie mit dem Wohnungswesen, wo schließlich die Landesgesehgebung doch nicht die Maßnahmen getroffen hat, die wir erwarteten. Wenn der Geburtenrückgang so weiter geht, wie er statistisch unverkennbar seit 1899 nachgewiesen ist, kommen wir zur Stagnation, wie sie in Frankreich schon vorliegt. Die Wichtigkeit dieser Frage ist in den Parlamenten und vor allem von der Presse allseitig betont worden. Durch den Krieg ist sie noch brennender geworden. Die Siegshoffnung unserer Feinde hatte sich ja vor allem daraus gegründet, daß sie uns an Menschenmaterial so enorm überlegen seien, daß dies schließlich den Ausschlag geben müsse. Man ließ dabei allerdings die verschiedene Anlage der Menschen unberücksichtigt, aber man darf die Bedeutung der stärkeren Bataillone nicht unterschätzen. Das zeigt bis aus den heutigen Tag _ bet Widerstand der russischen Armee. Rußland hat jährlich einen Bevölkerungszuwachs von 2 Millionen gegenüber 800 000 bei uns. Das kann nach einem halben oder ganzen Jahrhundert eine Gefahr für unsere Existenz werden. Dazu kommen die starken Ver-^ Inste an Männern im Kriege, die durch die Geißel der Geschlechtskrankheiten noch vermehrt werden. Auch die Tat- sache, daß immer mehr Frauen in das Erwerbsleben eintreten — und das wird auch nach dem Frieden wohl nicht anders werden —, ist ein Umstand, der aus eine Eheverminderung und damit auch auf eine Verringerung der Kinder- zahl hinweist. Die auf Initiative des Professors Wolfs entstandene Deutsche Gesellschaft für Bevölkerungsstatistik vom 18. Oktober 1915 hat ihre Arbeiten sehr ernst ausgenommen und gezeigt, wie groß die Zahl der Mittel ist, mit. denen man dem Bevölkerungsrückgang entgegen wirken kann. Für Deutschland ist es gewiß kein sehr glänzendes Zeugnis, daß -so viele Länder in der Säuglingsstatistik so viel besser dastehen als wir: die Schweiz, die Niederlande, die nordischen Länder, selbst Frankreich. Man hat ausgerechnet, es müßte in intensiver; Arbeit dahin kommen können, daß jährlich 200 000 Säuglinge mehr am Leben erhalten werden, könnten. Auf dem Gebiete der Volksgesundheit ist die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten seit Jahren mit Erfolg tätig, namentlich durch Belehrung per Heranwachsenden Jugend. Wer solche belehrenden Abende mitgemacht hat, muß ihnen das Zeugnis ausstellen, daß die Nachteile, die man vielfach vorausgesagt hat, nicht eingetreten sind. Unsere Jugend hat mit großem Ernste die ganze Frage ausgenommen. Zahlreiche Pädagogen, Sozialpolitirer und Aerzte bezeugen, daß manchem jungen Leben dadurch die Gesundheit erhalten geblieben ist, daß es rechtzeitig auf die Gefahren aufmerksam gemacht wurde. Auch auf einem anderen Gebiete der Bekämpfung des Geburtenrückganges hat sich der Reichstag mit Initiativanträgen, die nicht zum Abschluß gekommen sind, betätigt. Die Frage des Kampfes gegen die Empfängnisverh.ütungs mittel ist ja sehr schwierig. Eine ganze Reihe von deutschen Aerzten ist der Meinung, daß gegen die Ausbietung von solchen Mitteln durch Hausierer, die damit heute bis in die letzte Hütte Vordringen, von Reichs wegen vorgegangen werden muß. Das Gebiet, aus dem man einsetzen muß, um hier eine Desierung heroeiznführen, ist außerordentlich groß.'Ein Hauptschwerpunkt der Frage liegt darin, daß wir für unsere Bevölkerung die Erwerbs- und Verdienstmöglichkeiten schaffen müsien, die die Grundlage für die Gründung eines Hausstandes sein sollten. Im modernen Menschen wächst daS Verantwortlichkeitsgefühl. Daher wird auch die Frage erwogen. ob man die Kinder, die man in die Welt setzt, auch ernähren kann. Wenn der Friede wieder ins Land gezogen ist, gelingt es hoffentlich auch, bas Zerstörte wieder aufzubauen und die Arbeitsgebiete zurückzuerobern, die dem Deutschen Reiche leider jetzt verloren gegangen sind, und überall eine Blüte des deutschen Erwerbslebens hervorzurufen, die der Bevölkerung reichlich Verdienstmöglichkeiten schasst. Zu den Fragen der Bevölkerungspolitik gehört die Sozial- Politik, die Säuglingsfürsorge, die Verhütung der Geschlechtskrankheiten, aber auch das sehr wichtige Gebiet der Beamtenbesoldung, die Erhöhung des Wobnnngsgeldzuschustes für kinderreiche Familien, die Hinterbliebenenvcrsorgung, eine Steuergesetzgebung, die Rücksicht nimmt auf eine größere Kinderzahl. Ich bin damit einverstanden, daß unser Antrag dem von dem Abg. Hitze gewünschten Ausschuß überwiesen wird und beantrage, auch den Antrag Bernstein an ib» ehen zu lasten und bitte, diesen Ausschuß aus 28 Mitgliedern zv ilden. Dann wird eS möglich fein, die Ansichten der verfchie. denen Fraktionen zu hören, und ich hoffe, daß wir dann zu einem guten Ergebnis kommen. (Lebhafter Beifall.) Abg. Dartschat (F. Dp.)': Wir sind mit dem Antrag Hitze einverstanden. Dir« Schub- machergewerbe bringt jetzt kaum daS Salz gum Brot. Durch Zuführung von Rohstoffen könnte man ibm etwas auf- belfen. Vom Handwcrkskammertag und dem Rcichsverband der Lederhändler ist eine Organisation geschaffen worden, die feit einem Monat Leder verteilt. Dabei haben sich Mißstände ergeben. Abg. Werncr-Herzfelb (D. Fr.): Spare in der Zeit! DaS gilt auch für die Jugend, wie eS unserm Volk jetzt in der Skot zustatten kommt. . Aby. Irl (Ztr.): Dem gewerbetreibenden Mittelstand muß durch Kredit« c r I c i dj.1 e x u u * e a geholfen werden, lvie das einzelne Bundes- iffaafen schon hm. Diele Kleinwohnungen muffen geschaffen werden. , Mg. Brühne (Soz.): Die Arbeiter sollen ihr Geld nicht für unnütze Zwecke auS- geben, aber viele junge Leute helfen ihre Eltern über Wasser halten. Das anzusehen, ist eine Freude. Die Handwerker sind heute schlimmer dran als je. Ein recht baldiger Frieden schafft hoffentlich bessere Zustände. Abg. Gotting (natl.): Derstcberungszwang ist eine Wohltat. Aber Sparzwcmg ist etwas anderes. Sparen muß freiwillige Vermögensfesthaltung sein. Selbstzwang ist die beste Triebfeder zum Sparen. Selbst Organisationen haben ihn zu entwickeln gesucht. ZwangZsparen hat man sogar als eine Art Arbeitslosigkeitsversicherung einführen wollen. Lassen Sie uns diese neue Probe mit den Jugendlichen ■ einmal machen. Die Eltern fijnpen ja Freigabe verlangen, wenn die Umstände, danach geartet sind. Dem Jugendlichen muß durch Berater zur Selbständigkeit geholfen werden. Deshalb gibt es ja auch Vormünder. (Abg. Stadthagen, Soz. A.-G.: Nicht die Polizei!) Der Jugendliche kann über das Ersparte verfügen. Das Erzwingen des Sparens ist aus die außerordentlichen Umstände der Zeit zurüctzuführen. Der Versuch müßte jedoch allgemein in Deutschland gemacht werden. Aus der Probe, die hoffentlich gut ausfällt, werden wir lernen. Die Freizügigkeit ist in keiner Weise unterbunden. ^ - / Abg. Stücklen (Soz. A.-G.): Bei der Zivilverwaltung in den Etappengebieten werden unerhört hohe Gehälter gezahU. Einzelne Beamte erhalten neben den Heimatsbezügen und dem WohnungS- 8eldznschu.ß noch Tagegelder von 30 Mark. Beamte, die zu Hause 10 000 Mark erhalten, beziehen dort 20 000. Mit einem angemessenen anteiligen Zuschlag hätte man das Richtige getroffen. Ein Assessor mit 3000 Mark Einkommen bekommt 6000 Mark Zuschlag, also insgesamt 9000 Mark jährlich. Dafür wird das Volk kein Verständnis haben. Für diese Herren wäre ein Sparzwang angebracht. damit sie später noch etwas haben. (Heiterkeit) Rechtsanwälte, die zu Hause nichts verdienen würden, bekommen draußen bis 12 000 Mark. Die Proviantämter geben. Waren an Offiziere unter dem Einkaufspreise ab. Das hat bedenkliche Folgen. Die Satze der jetzt geplanten Reform sind zu hoch, namentlich für die höheren Beamten. Den unteren Beamten gibt man ganz unzureichende Teuerungszulagen. Der Reichstag mutz Ersparnisse verlangen. In Flandern find Zj. vilbeamte tätig. Lre gar nichts zu tun haben, weil sie im Operationsgebiet sind Ministerialdirektor Lewald: ' Don den Groschen des deutschen Steuerzahlers wird für d i e Verwaltung in den besetzten Landesteilen nicht ein roter Pfennig ausgegeben, sondern die dafür aufgewendeten Mittel werden von den Ländern selbst getragen. Die besetzten Gebiete gehören eigentlich nicht zur Zuständigkeit des Reichstags. Unter diesem Vorbehalt will ich trotzdem Auskunft geben. Daß die Beamten dort geradezu in Gold schwimmen, trifft durchaus nicht zu. Durch die geplante Neuregelung der Gehaltssätze wrrd anerkannt, daß bei der langen Dauer der 'Besetzung eine anderweitige Festsetzung der Tagegelder stattfinden kann. Es bandelt sich immer nur um vorläufig eingerichtete Stellen. Kein Beamter darf seine Familie mitbrrngen. Wovon soll die Familie zu Hause leben? So bleibt nichts anderes übrig, als daß man das Heimatsgebalt der Familie weiter gewährt und dem Beamten für die Tätigkeit draußen einen pauschalierten Betrag bewilligt. Dann noch ein allgemeinerer Gesichtspunkt. So billig, wie diese Länder jetzt verwaltet werden, find fie un. zweifelhaft noch niemals verwaltet worden. den russischen Beamten will ich gar nicht reden. Nicht daß pit Gehälter sehr hoch waren, aber desto erheblicher waren d i e iNebenernnahmen. Belgien spart ganz enorm. Ds erspart — ich bitte nur das nicht übel zu nehmen — die !Kosten für den Senat und bi£ Kammer (Heiterkeit), ebenso die Gehälter für zehn Minister und ireun Gouverneure. (Abg. Ledebour ruft: Wir können auch 20 Fürsten sparen! Präsident Dr. K a e m p f ruft ihn zur Ordnung.) Die Fahrt nach dem Mrliiäreisenbahntarif im besetzten Gebiet ist außerordentlich teuer. Deshalb ist es unerläßüch, den Zivilbeamten freie Fahrt zu gewähren. Keine Rede kann davon sein, daß dort draußen Bergnü- gungsposten für junge Leute wären, die in Sans und Braus leben können. Mitglieder des Reichstags, die in Warschau tätig waren, werden befEtigen können. mit welchen Hingabe und Aufopferung dort gearbeitet wird. Auch die Teue- rungsverhältniffe dürfen nicht außer acht bleiben. Eine teurere Stadt als Warschau gibt es gegenwärtig über» Haupt nicht. Die Herren sollen dort auch angemessen auftreten, wenn sie, mit der Autorität des Deutschen Reiches ausgestattetz. dort hingehen. In ihrer äußeren Erscheinung, kmrch die Art, wie sie in den Gasthäusern Verkehren, sollen fie das Ansehen des Reiches verkörpern, sie dürfen nicht in entlegenen Vorortlokalen einkehren. Das wäre mit der notwendigen Assrechterhaltung der Disziplin nicht vereinbar. Ueber die Zivilverwaltung in Flandern wäre ich gern bereit gewesen, dem Vorredner Auskunft zu geben. Durch eine Aknnachung zwischen dem Generalgouverneur und dem Oberkommando der 4. Armee ist ein erheblicher Teil der dortigen Verwaltungsausgaben von Zivilbeamten übernommen worden. Die betreffenden Beamten üben genau dieselbe Tätigkeit aus wie ihre Kollegen in dem Generalgouvernement Belgien. Alle diese Männer stehen in schwerer uird harter Arbeit. Ganz besonders z. B. die Kreisärzte. Ebenso habe ich von einem Staatsanwalt Nachricht erhalten, der geswrben ist. nachdem er bis zur Erschöpfung gearbeitet hatte. Gegenüber diesem wirklich mühevollen Dasein, das die Herren führen, hätte ich gwünscht, daß ein Wort der Anerkennung für ihre Tätigkeit gefallen wäre. -(Beifall.) Abg. Stadthagen (Soz. A.-G.): Ich lege Verwahrung dagegen ein, daß die Beamtenverhält- nisie in Belgien nicht zur Kompetenz des Reichstages gehören sollen. Dort gibt man das Geld mit vollen Händen aus, hier will man der Arbeiterjugend nicht einmal ihr verdientes Geld auszahlen. Das ist ein schreiender Widerspruch. Der Redner geht dann noch einmal ausführlich auf die Sparerlasse ein. Abg. Dove (Fortschr. Dp.): Al? Mitglied des wirtschaftlichen Ausschusses kann ich das, was Ministerialdirektor Lewald über die Verhältnisse gesagt hat, vollkommen unterschreiben. Die Zivi'lverwaltung in Polen leistet nicht nur für das Heer, sondern auch für das Land Dienste, die in gar keinem Berhüstni?. zu dem Aufwand stehen. So ist die Hinterbliebenenversorguna dieser Zivilverwaltung außerordentlich mangekhaft, die Hinterbliebenen sind auf den Gnadenweg angewiesen. Die Beamten nehmen in ihrem Eifer oft Dinge in Angriff, die auf Jahrhunderte berechnet sind und bei denen man erst Wissen sollte, wie sich die Verhältnisse endgülfig gestalten. Auf weitere Ausführungen des Abgeordneten Stückle n (Sitz.) erklärte Ministerialdirektor Lewald: Wenn ich mit einer gewissen Lebhaftigkeit mich gegen die Ausführungen des Abg. Stücklen gewandt habe, so ist es begreiflich, denn vor einigen Tagen sind im „Temps" und in der ^,Times" Artikel über die Erpressungen der Deutschen in Polen erschienen, in denen der lügenhafte Versuch unternommen wurde, es so darzustellen, als wenn die deutsche Verwaltung aus diesen Ländern ungeheure Summen herausquetschte und nichts dafür leistete. Ich freue mich, daß der Abg. Dove das bereits richtiggeftellt hat, und ich würde mich gefreut haben, wenn auch der Vorredner ein Wort der Anerkennung für die Leistungen unserer dortigen Beamten gehabt hätte. Man vergleiche mit ihrer Arbeit nur die Wirtschaft der Russen in Galizien, die eine große Anzahl von Beamten auf das Land losgelaffen hatten, ohne etwas zu leisten. Wie schwierig die Gehaltstagen sind, dafür ein Beispiel. Denn wir für eine Stadl wie Lodz mit 600 000 Einwohnern, die keine Wasserleitung und keine hygienischen Einrichtungen hat, einen hervorragenden Kommunalbeamten suchen, so müffen wir ihm ein verhältnismäßig hohes Gehalt geben, denn er bekommt schon daheim ein viel höheres Gehalt als die Staatsbeamten. Das heißt aber doch nicht, das Geld auf die Straße werfen! Der Vorredner hat den Vorwurf ausrecht erhalten, es g ä b e erne Reihe von Beamten, die überflüssig wären. Ich muß bestreiten, daß irgendwo eine zu große Anzahl von Beamten vorhanden ist. Im Gegenteil, die Verwaltungschefs leisten mit einem geringen Beamtenapparat, was irgend zu leisten ist Es ist augenblicklich überhaupt noch schwer, tüchtige Beamte zu bekommen bei der ungeheuren Beanspruchung dieser Kräfte in der Heimat. Durch die Ausführungen des Vorredners darf nicht der Erndruck erweckt werden, daß etwa in irgend einer Weise mit den Geldern der besetzten Landesteile Verschwendung getrieben würde. Im Gegenteil, sie werden außerordentlich sparsam nach den besten preußych-deutschen Boamtengrundsähen mrgewandt. Was in wesen Landern geleistet worden ist. ist erfreulicher Weise auch von Neutralen rückhaltlos anerkannt worden und wird immer ein Ruhmesblatt der deutschen Verwaltung sein. (Beifall.). Mg. Haas (F. Vp.>: Polen wird mit einem außerordentlich geringen Beamten- apparat verwaüet. Eher stich z u we n i g Hea m 1 1 dort. Werter tonä mit großem Fleiß und großer' Liebe gearbeitet. Wenn der Abg. Stücklen hiEme. würde er selbst zu dieser Ueberzeugmrg kommen. Wre leicht kann der Eindruck entstehen, daß wir in Polen auf Kosten des Landes wirtschaften. Auch die künftig in ^ssirht genommenen Gehaltssätze erscheinen mir nicht zu hoch für diemittleren Beamten, eher zu niedrig. Wir wollen nicht russische Sitten nachahmen, aber wegn wir dort geizig auftreten, fordern wrr den Verglich mit den splendiden russischen Offizieren beraus. Wenn wir auch Polen nicht behalten, so wird doch die Erinnerung an gute deutsche Arbeit unverwischbar sein. Mg. Gotting (nl.): Die Mhne reicher Leute find meist nicht selbständig Ver- sie, so wird chre Geldquelle etwas zugestopft. Bei den Nsiandlgell Jugendlichen gibt es diese Bremse nicht. Eine a-us- oruLlrche Beschränkung der Freizügigkeit würde ich mWüüigen. Abg. Stücklen (Soz. Arb.-Gem.): Meine Worte sollen keine Bestätigung der Auslanbsvor- tvürfe sein. Die Reform beweist, daß die bisherigen Sätze zu hoch waren. Mg. Fegter (F. Dp.): Auch ich kann aus eigenem Augenschein bestätigen, daß in Polen Hervorragendes geleistet wird. Weiterberatung: Montag 12 Uhr. Wohnungsfrage» Zensur. Schluß YtO Uhr. Die neuen 5teuerabgaben in den post- und Telegraphengedühren. Berlin, 20. Mai. Tein S t e u»e r a u s s ch u ß des Reichstags ist für die zweite Lesung des Gesetzentwurfes betreffend -eine mit den Post- un d Te l e gr a p he n g e b üchr e n. zu erhebende außerordentliche Reich sab gäbe nachstehender gemeinsamer Antrag zugegangen: Im § 4.) (./Der Reichskanzler kann mit Zustimmung des Bundesrates die Reichsabgabe ermäßigen oder ausheben") als zweiten Satz hinzuzufügen: „Die Aufhebung der Reichscchgaben hat aber spätestens nach Ablauf des zweiten Rechrumgsjalires nach Friedensschluß zu erfolgen, wenn es der Reichstag verlangt." Die „Zusaminenstellung der Reichsabgaben im Post- und Tele- graphenveckehr" erhält folgende Fassung: „Zuschlag von jeder Sendung für 1. Briefe, a) im Orts- und Nachbarortsverkehr 2 1 / 2 Pf. (Vorlage : 2 Pf., erste Lesung: 3 Pf.), b) im sonstigen Verkehr 5 Pf. (5 bezw. 3 Pf.). 2. Postkarten 27* Pf. (2 bezw. 3 Pf.). 3. Drucksachen zuschlagfrei (Vorlage: bis 50 Gr. 1 Pf., erste Lesung: Drucksachen überhaupt 2 Pf.). 4. Pakete, I. bis zum Gewicht von 5 Klg., a) auf Entfernungen bis 25 Klm. einschl. 5 Pf. (5 bezw. 5 Pf.), b) auf alle werteren Entfernungeil 10 Pf. (10 Pf. bezw. 10 Pf.), II. bei einem Gewicht über 5 Klg. a) auf Entfernungen bis 75 Klm. einschl. 10 Pf. (10 bezw. 10 Pf.), b) auf alte weiteren Entfernungen: 20 Pf. (20 bezw. 20 Pf.). . 5. Briefe mit Wertangabe a) aus Entfernungen bis 75 Klm. einschl. 5 Pf (5 Pf. bezw. zuschlagfrei), b) auf alle weiteren ^Ent- fernungen 10 Pf. (10 Pf. bezw. zuschlagfrei). 6. Postauftragsbriese 5 Pf. (5 Pf. bezw. zuschlagfrei). 7. Postanweisungen zuschlagfrei (Vorlage: 5 Pf. bis 20 Pf.; erste Lesung: zuschlagfrei). 8. Postscheckverkchr zuschlagfrei (5 Pfg. bezw. zuschlagfrei). 9. Telegramme 2 Pfg. von jedem Wort, mindestens 10 Pfg. von jedem Telegramm wie erste Lesung (Vorlage: Stadtverkehr 15 Pfg., sonstiger Verkehr 25 Pfg.). 10. Rohrpostbriefe und Rohrpostkarten 5 Pfg. von jeder Sendung (5 Psg. bezw. 5 Pfg.). • 11. Anschlüsse an das Orts-, Vororts- oder BezirM-Fern- Iprechnetz: 10 v. £). von jeder Pausch- oder Grundgebühr wie erste Lesung (Vorlage, 20 v. &.). 12. Ortsgespräche von Teilnehmeranschlüssen gegen Grundgebühr: Gespräche im Bororts verkehr, im Bezirksverkehr und im Fernverkehr 10 v. £>. von der Gebühr für jedes Gespräch wie erste Lesung (Vvrlage 20 v. £>.). 13. Fernsprech-Nebenanschlüsse 10 v. H. von der Gebühr für reden Nebenanschluß wie erste Lesung (Vorlage 20 v. H.). Für, dring ende Gespräche ist die Reick)sabgabe nur in Höhe der vlbgabe sür nicht dringende Gespräche zu erheben. Bon der Reichsabgabe befreit werden Sendungen an Angehörige des Heeres und der Marine oder von solchen, wenn sie Porto- oder GekMhren Vergünstigung genießen: Auslandssendungen. soweit Staatsvertrage nicht bestehen: Zeitungs- oder Zeitschriftenpakete, penn fte vom Verleger an andere Verleger oder an Personen verschickt rverden, die sich nicht gewerbsmäßig mit dem Vertrieb dieser Zeitungen und Zeitschriften befassen (die Post darf den Inhalt prüfen); endlich Presse-Telegramnre, das sind an Zeitungen, Zeit- fjWften oder Nachrichtenbureaus gerichtete Telegramme in offener' Sprache, ivenn ihr Inhalt aus polftischen, Handels- oder anderen Nachrichten von allgemeiner Bedeutung besteht, die zur Veröffentlichung rn Zeitungen und Zeitschriften bestimmt sind. Die Uebergangs vorschriften barten, daß bei Briefen, bte nach den bisherigen Vorschriften freigemacht sind, in den ersten beiden Monaten nach Inkrafttreten dieses Gesetzes nur die Reichs- abgabe. nicht aber der gesetzliche Zuschlag von 10 Pfg. nacherhoben wird und daß jeder Fernsprechteilnehmer in den ersten beiden Monaten nach dem Inkrafttreten dieses Gesetzes berechtigt ist. feinen Anschluß mit cininonatlicher Frist zu kündigen._ rü'iegzbriefe aus dem westen. Telegramm unseres Kriegsberichterstatters. (Unberechtigter Nachdruck, mich auszugsweise, verboten.) Dir Verbesserung unserer Front westlich der Maas. Großes Hauptquartier, 19. Mn. Eine wesentliche Verbesserung unserer Fvvitt auf dem westlichen Maasuser meldet der heutige Heeresbericht. Roch gestern wußten Nrinst, wissenschast «nv Leben. ~ — ?p„?elbrücks. Der Rücktritt des Staatssekretärs Dr. Tel druck ruft dre ungent-em zahlreichen Delbrücks in der Erinnerung wach che rn Preußen auf so verschiedenen Gebieten zu An)eben und Bedeutung gelangten. Es ist ein tüchtiger Stamm Mcn Glieder !rch übexatt durch Umsicht und Energie auszeichneten Johann Friedrich Gottlieb Delbrück, den /Friedrich Wilhelm III. nn August 1800 zur Erziehung seiner beiden altejten Lwhne beriet, war diese Energie eigen, und er mußte sie em TTr besten Zögling, dem späteren König Friedrich Wilhelm IV. gegenüber anwenden, dessen beweglicher Geist und Witz auch den Erzieher Nicht verschonte. Königin Luise rühmte besonders dieses Delbrücks Einstuß auf den zweiten Zögling, den spateren Kaper Wilhelm I. Er starb 1830 im Alter von 62 Jahren als Suvermtendent in Zeitz. Sein Sohn war der preußische Staatsmann Martm Friedrich Rudolf Delbrück (1817—1905), die rechte -Hand Bismarcks. Besonders veroient machte er sich dadurch daß er während des Deutsch-Französischen Krieges die Verhandlungen E den chdderttschen Staaten leitete. Als später Bismarck vom Freihandel zum Schutzzoll abfchwenkte, nahm Delbrück seine Entlassung und ttat im Reichstag in die Opposition. Sein Reffe ist der berühmte Jenenser Sanskritist Berthold Delbrück, der dem pom- nierschen Zweige des Geschlechts anqehört, dem auch der Berliner Geschichtsforscher Prof. Tr. .Hans Delbrück zuzählt, der Heraus- geben der „Preußffchen Jahrbücher", der übrigms auch als preu- ßpcher Prinzenerzieher feine Laufbahn begann. Der jung gestorbene Bruder umeres jetzigen Kaisers, Prinz Waldemar, war von 1874 bis zu des Prinzen Tode, 1879, seiu Zögling. Sein jüngerer Bruder ist der bedeutende Berliner Agrikulturchemiker Professor Mrx Delbrück. Auch ein anderer Delbrück des pommerschen Zweiges war ursprünglich Chemiker, Dr. Werner Delbrück, der Gründer mib Direktor der Aktiengesellschaft Seebad Herrngsdorf. der vor ein paar Jahren im besten Mannesalter bei einer Ballonfahrt tödlich verunglückte. Aus älterer Zeit muß ein bedeutender Delbrncr erwähnt werden, der jüngere Bruder des erst^nannten Erziehers der preußischen Prinzen. Johann Friedrich Ferdinand Delbrück (1772—1848) war Lehrer am Grünen Kloster und spater Literatur- Professor in Königsberg und dann in Bonn. Ms Verfasser guter« Bolksickanspiele, Rvmane usw. hat sich auch noch ein anderer Delbrück bekannt gemacht, der Pfarrer Kurt Delbrück an der Schöneberger Apostcl-PauluS-Kirrlie. Daß auch auf kommerziellem Ge biete die Delbrücks sich hervorgetan, bleibe nicht unerwähnt; verschiedene Konnnerzrenrütc, dü Inhaber großer Bankhäusir in Berlin und Stettin waren, gehörten dieser tüchtigen preußischen! Familie an. Sofia, 20. Mai. - ttchnisch, m ihren Einzelheiten aber aus den in der erstgenannten Art von Werkstätten gesammelten Beobachtungen und Feststellungen aufgebaut. i . -- Sporgel-Une7d"oten. M«an kann in dieser fteisch- loftn Zett von erneml neuen Siegeszug des Spargels spreck>eu. Zwar war me Gemeinde der Spargelver^er auch ftüher bereits so groß, daß sie eines Zuwachses kaum noch bedurfte, der Unterschied aber ijt, daß die notwendige Einschränkung des Fleifthgenusfts alle früher vielleicht noch! geltend gemachten Bedenken beiur Spargelkauf über^ den Hauseir wirft, uird daß Man den Spargel jetzt «azusageu nftt gutem Gewissen essen darf, auch wenn der Preis msolge des Kätterückschlages nicht als durck-aus beftiedigend an- | gesehen werden kann. Wenn Man auch die Ansichten darüber, daß der Spargel em wohlschmeckendes Gericht ist, kaum ausemcnrder- gehen, so i)t Man. über den Nährwert dieses bevorzugten Giernüfts immer noch recht geteilter M-einung. Tire Behauptung, zu der sich em Lobredner des Spargels, J'ohn Evelyn, im vorigen Jahr- chmdert verstteg, daß „nächst dem Fleisch nichts so rrahrhaft und krafttgend fti wre der Spargel", dürfte wohl in der rnrvderniM WMerftchaft recht energischem Widerspruch begegnen. Weniger leicht laßt ftch eme Anschauung widerlegen, die Charles Larnb in lvahr- haft ideallsttscher Spargellrebe in die Worte faßte: „Der Spargel fit em Erzeuger Md Beförderer edler Gedanken." Warn auch diese Behauptung wÄrer bewiesen noch einfach abgeleugnet iverden kwtn, so spricht doch für sie die Tatsache, daß gerade unter den hervor- ragendsteii Männern bn Kunst und Wissenschaft verhältnismäßig vrele Spargelverehrer zu ftnden waren. So soll einmvl ent be- wnders poettsch veranlagter Fremrd dieses Genrüses, der als Naturwis ensckmftler wußte, daß der Spargel ziu dQi Lilien, irämlich M.«r Zatttmg der Liliaeecn, gehört imb sich hierdurch an die bleiche Alphodelos-Blume auf den Dotenfelderrr im klassischen ElyftuM erftmcrte, einmal begeistert ausgeruden haben: „Gibt es wrchl eme schönere Vorstellung, als die, daß die Asphodelos-. ftlder m den Gefilden der Seligerr, in denen die lvunschloftn Schatten des Elysiums wandeln, Spargelbeete geweseir sein müssen?" Selbst der menschenfeindliche, erbitterte Jonathan Zwist wMte bei einer Spargelmahlzeit fröhlich werde,c, und er achitete sehr darauf, bei solchm Festessen nicht zu kurz zu kommen. So erzählt Verleger Zwlfts, George Faulkener, daß er bei eurem Spargel- mahl, «zu sdeni er von Zwist eingeladen worden war, sich zum zweiten Male von dem Gemüse nehmen wollte, ehe er noch seinen ersten Teller ganz geleert l-atte. Doch Zwist blickte ihn säst drohend an und wres ihar zUreckst mit den Worten: „Iß erst auf, bevor Du rmümstj" Und da Zwist wesentlich schneller den Spargel ver- trlchr als sein Gast, ntußte der letztere sich mit einer bedeutmM, kleineren Menge begnügen. Auch der ftmizösische Schriftstcklec Fonterrellc hegte für den Spargel eine geradezir clrenzeulose Ber- chrmrg. Im Gegensatz zu einem ihm beftemrdeten Mhe, der den Spargel nur mit Butter essen wollte, vertrat Fontenelle mit ernE Temperament, das crner wichtigeren Sache würdig gewesen wäre, die Ansicht, daß der Spargel nur in Oel zuberntüt lve^.emdürfte. Als Fwntenelle eines Tages, da er sich gerade eins Mvße Schussel Mit Spargel m Del bestellt hatte, den unerwarteten Besuch des Abbes empfmg. imchte er sich rvvhl oder Übel dareftt ftnden, bic VEe des Spargels in Biitter anrichteii zu lassen. Tvch während Mkde auf die Mahlzeit )varlalen. wurde der Mb6 rwm Schlage getroffen M-d starb mif der Stelle. Einen Angeiiblck lang stand Fontenelle erschiittert neben scmeni toterr Gast, dann al>er elUe er plötzlich zu dem Kochj, um ihm schoir von ferme zuzanTiisent Mach den ganzen Spargel mit Oel Ml, wie ich! zuerst befvhleul $wntWtowÄ «w't twr 287 M dröc Trrr mit tex Nanren. des DkrmitMWg'elZ de- jdtfpEBL LÄtttch öde der LwL-e 304 amb twpitcr nördlich qtttcgrri, dildetL H8er die fraLKöiftsthc Front eracn sMrn Stettfpmm in unsere giitie, von dem mrs die Lwhe 304 hätte bedroht nwrden können. Dieser Lcrgr inacht irnser Vorstoß ein Ende. Der im Sturm erreichte Punkt 270 liegt so, des; jetzt unsere Front vom Malcmcourt- Avocvurr-Walde rlber 279, dann den ebenfalls vollständig eroberten Camcrrd-Wald dis Kcr Höhe 304 eine ungebrochene Linie borftdlt. W. Scheuer m a un, Zdriegsberichterftatter. Kncgsbtfefe öu$ dem Osten. Bon unserem zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatter. ^Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) ErfolHreiche Fliegertätigkeit im Osten. O st f r o nck, 20. Mai. Die Megertatigkeit hat mr der Ostfront im Mai erheblich zu- genonrmen und hat auf deutscher Seite sowohl im Geschwaderftug ime bei einzelnen Aufftiogen unserer Kampfflieger sehr erfreuliche Ers-elge auszwoeisen. Am 11. Mai belegte ein deutsches Flugzeug- gcschwader den Bahnhof Horodzieja, an der Linie Minsk— Kraschin, die eine wichtige oiord-S«d-Berbindung dicht hinter der nissischen iFront dcrrstelll, ausgiebig und erfolgreich mit Bsmben. Bei den >oeideren Lustkämpsen, die sich unweit der wichtigen Bahnlinie abspielten, wurde aut'17. Mai ein feindliches Flugzeug östlich Kraschm abgeschossen, am 19. Mjai erledigte nach einem hartnäckigen Luft- kancpf vo-n fast einer halben Stunde ein deutsches Kampfflugzeug euren russischen Kampseindecker in der Gegend von Smorgon. Der 'deutsche,Flugzeugführer Ijotte trotz hindernder starker Wolkenbildunq den seiüdlrchen Flieger entdeckt und ging sofort zum Kamps nrit Maschinenigewehr heran. Nach zwcurzig Minuten wurde der russische jFlugzeuMhrer auschenrend tötlich getroffen und gleichzeitig der Motor beschädigt. Der russische Apparat bäumte sich plötzlich stark xrack vorir arrf wie ein zu Tode gettofscner Vogel, bei d-nn heftigen Rxrck flog der Beobachter in weitem Schwung aus dein Slitz und fiel zerschmettert zu Boden. Der Apparat überschlug sich und kam dicht hinter der russsschen Linie zur Erde, wo ihn unsere Artillerie mit ein paar Schüssen bald völlig zusancmenschos;. Rvhs Brandt, Kriegsberichterstatter. Aus dem Reiche. Der Reichskanzler heim Kaiser. Ber^in, 20. Mai. (»TB.) Der Kaiser hat heute nachmittag 6 Uhr den Reichsfanzl-er zu einem längeren Vortrag empfangen. Berlin, 21. Mai. (WTB.) Der Reich,skamzler bat heute die Führer der Reichstagsparteien zu einer vertraulichen Besprechung empfangen. Eme HMralsorstandssitzung der ncttionalliberalen Partei. Ber-lin, 22. Vöai. Der Zentralvorstand der uatio- n arkttberalen Partei ttat gestern im Reichstagsgebäude zu einer Sitzung zusammen, die aus allen Teilen des Reiches gut besucht war. Mgeordneter Bassermann erstattete, nachdem er der durch den Tod >ausgeschiedenen Vtitglieder lNeven-Dumont, Wamhoff, Semncker, Breithaupt, Jacobi und Obliräieri gedacht batte, in längerer Rede den Bericht über die politische Lage. 9m den 'mit Beifall ausgenvmmenerc Vorttag schloß sich eine eingeheirde Erörtrermrg. Ihr Ergebnis war die einnrüttge Annahme einer Entschli-etzung, in der die am 15. August 1915 geäußerte und durch die seitherigen Ereignisse bestätigte Ueber- rugung hinsichtlich der notwendigen realen Garantien für unsere zukünftige militärische, politische und wirtschaftliche Sicherheit nachdrücklich wiederholt wird. Der Zeutralvorstand weist ferner erneut darauf hin, daß er mit der ganzen Partei geschlossen hinter der Regierunqi stehen wird, die die betreffenden Ziele nrit unbeuGsamer Festigkeit verfolgt. Eine Besprechung über das Verhältnis tzU den anderen Parteien führte Kirr Annahme folgender Entschlüßlung: Tie gewaltigen Aufgaben aus dem Gebiete der politischen und wirtschaftlichen (Gesetzgebung stellen die Parteien heute und in der Zukunft vor Entscheidungen, welche nur Unter Aufrechterhaltung der vollen Selbständigkeit zu lösen sind. * Berlin, 20. Mai. (WTB.) Staatssekretär Dr. Delbrück hat an die Reichstagssraktron der Fortschrittlichen Volkspartei zu Händen des Herrn v. Payer uachsteheitdes Telegramm gesandt: „Der Reichs-tagssraktion der Fortschrtttl. Bolkspartei beehre ich> mich, für die W-orte liebenswürdiger Teilnahme und freundlicher Gesinnung, die sie mir anläßlich meiner Erkrankung und meines diücktritts üb>ermittelt>e, meinen ver- biudlichsteu Dank auszusprechen. Ich hoffe ctttch später — trenn auch fern von amtlichen Geschäften — dem Wöhle der deutschen Volksgesamtheit dienen zu dürfen, dem die Arbeit meines Lebens gewidmet war." Berlin, 20. Mai. (WTB.) Der Magistrat hat aus Grund des Viehuuftriebes in der vergangenen Woche verordnet, daß innerhalb der Stadt Berlin aus eine Brotkarte bis 250 Gramm frischen Fleisches oder Fettes oder von beiden zusammen wöchentlich zu ent- nehmen sind. _ Ans Hessen. Aus der Zweiten Kammer. Mg. Joutz hat folgenden Antrag gestellt: Zweite Kammer der Land stunde wolle beschließen, Großh. Regierung zu ersuchen, eineu Gesetzentwurf baldigst vorzulegen, durch welchen ent Staatskvedit bereitgestellt toird zur Hilfe für diejenigen Einwohner von Bad-Nauheim, welche durch den Krieg in Zahlung ihrer Hypothekenzinsen in Rückstand gekommen sind. Abg. Leun beantragt, Zweite Kammer wolle beschließen, Großh. Regierung zu ersuchen, die Großherzoglichen Amtsgerichte anzuweisen, 'Hypotheken schuld- ausweise zwecks Erlangung des Kriegselterngelds gebühren- und stempelfrei auszustellen. Derselbe Abgeordnete beantragt ferner, die Kammer wolle beschließen, Großh. Negierung zu ersuchen, im Bundesrate dahin zu wirken, daß der letzte Msatz des § 3 des Reichsgesetzes über die Unterstützung von Familien in den Dienst getretener Mannschaften vom 21. Januar 1916 ge- strichen wird._ Frankfurts Lebensmittelversorgung. — Frankfurt a. M., 22. Mai. Vom 29. Mai an wird durch Verordnung des Magistrats die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln dergestalt geregelt, daß die Geschäfte Lebensmittel nur noch gegen Vorzeigung von besonderen Lebensmittelkarten verabfolgen dürfen. Jeder Haushaltungsvorstand erhält für sich und seinen Hausstand eine besondere Karte, wobei die schon bestehenden Bezugskarten für Brot, Fleisch,'Kartoffeln, Milch und Zucker davon unberührt bleiben. Die Lebensmittelkarten gelten jeweils für eine lltägige Verteilungszeit. Sie berechtigen zum Ankauf von V 6 Psd. Butter, 14 Eiern, 1 Pfd. Fleisch- und Dauerwurstwaren und -Konserven, Vs Pfd. Grieß oder Graupen, i/ 2 Pfd. Kaffee oder Kaffee-Ersatz, y 10 Pfd. Kakao, 1/4 Pfd. Käse, 3/4 Pfd. Reis oder Hülsenfrüchten, y 2 Pfd. Speisefett oder 1/5 Liter Speiseöl, V 2 o Pfd. Tee und i/ 2 Psd. Teigwaren. Alle Warenmengen gelten für den Kopf und die Verteili''.'..p>pe:'iode Mehr ril-r dem Inhaber rach den br bensmittekkarteu an Waren zusteht, darf der Lieferer rn einer Derteilungsperiode nicht abgeben. Die Lieferer haben eine genaue Buchung über ihre Warenvorräte und ben jeweilrgen Verkauf davon zu führen. — Durch die Einführung der Lebensmittelkarten soll einmal eine gleichmäßigere, sparsamere und gerechtere Verteilung der vorhandenen Vorräte bewirkt werden; dann aber soll dem Massenverkcnrf der Muren nach auswärts, namentlich an die ländliche Bevölkerung, wie dies bisher geschah und noch geschieht, vorgebeugt werden. — Der Preis für Butter ist vmn 22. Mai ab um 8 Pfg. das Pfund herabgesetzt worden/ von 2.86 Mk. auf 2.78 Mk. für Süßrahmbutter und von 2.76 Mk. aus 2.68 Mk. für Landbutter. L»nges«»t-^. iFür Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artike? übernimmt die Redaktion dem P'.'biikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gewerbescheine. Der Gewerbetreibende war es bisper gewohnt, seinen mit Be- ginit des Steuerjahres im Laufe des Monats April einzulösenden Gewerbeschein mit dem im April fälligen Ziel der Staatsstenerw einzulösen. Der neue Staatssteuerzettel, der sonst gegen Ende März oder Anicmg April zur Ausgabe gelaitgte, ist diesmal erst gegen Mitte Mai an die Steuerpflichtigen zur Verteilung gekommen.' Mithin glaubte sich der Gewerbetreibende berechtigt, mit der Einlösung seines Gewerbescheines wiederum bis zur Bezahlung des ersten Staatssteuerzieles wartcu zu dürfen. Der geringe Betrag von 1 Mk. für den Gewerbeschein läßt es ausgeschlossen erscheinen, daß mit der Einlösung des Scheines aus einem anderen Grunde | gewartet wurde, als um einen Gang und das Warten bei der ' Erhebungsstelle zu sparen. Um so überraschender -erscheint es, daß die Großh. Bezirkskasse den Zahlungsternnn für die Staatssteuer diesmal nicht abwartet, sondern augenblicklich Mahnzettel verschickt, die unter den üblichen Strafandrohungen den Betrag für den Gewerbeschein binnen drei Tagen einfordern. Die Gewerbetreibenden sind von dieser Maßnahme um so peinlicher berührt, als sie neben der Mahngebühr, die sie zahlen müssen, auch noch die Verschwendung von Zeit und Arbeitskraft beklagen, die ihrer Ansicht nach ruhig hätte verluieden werden können. Man nmb sich daher wirklich fragen, ob diese Maßnahme der Großh. Bezirkskasse so unumgänglich notivendig war. \ Meteorologische veobachümgen der Stüiion Sießen. Mai 1916 5 ir ü o o‘H J" 1 G ^ i-» c S n o> tu ^ W .25 2*o 'S ’S 'ö L s- ■ S 5 5 If !-> iS JO i aS»! V- o Sr 5 COj» S-5| 21. 2" 21.1 62 33 _ 2 21. 9-! — 16,0 8,8 65 — — 0 22. 7 | 13,3 8,4 74 2 Wetter Sonnenschein KlarerHimmet Sonnenschei»- Höchste Temperatur am 20. bis 2l. Mai 1916: -s- 21,5*0. Niedrigste „ „ 20. , 21. „ 1916: ch 4,9' 0. Niederschlag 0,0 mm. Zprachkenntnisse sind in jedem Berufe unü in jeder Stelllmg vom größten Vorteil für das Vorwärtskommen. Wer einen guten Rat befolgen will, lerne fremde Sprachen nach der weltberühmteir Methode Toussaint- La n gen scheibt, der Tausende draußen und daheim ihre Kenntnisse verdanken. Die Leser seien auf das der heutigen Nummer beiliegende Sonderblatt über diese von der Langen scheidtschen Verlags du cl'Handlung (Prof. G. Langen-, scheidt), Berlin-Schöneberg, Bahnstraße 29/30 herausgegebene Me^ thode aufmerksam gemacht. 3908V 6. A. Hartmann Fernruf 931 Seltersweg Aussteuerhaus Wäsche-, Betten-und Steppdecken-Fabrik Neuwäscherei täSZ Licht- und Kralt-Anlage in Marburg. Haupt-Katalog und Muster stehen gerne 0 ° 0 zu Diensten iS j Versohiedene 2ÜK5I 5 ii. i»-ck,imnier-Wob- umtö mit allem Zubehör per 1. äuli -u vermieten. Näheres Ludnügstraße 28. W. Seipp IN. Dch. 5- u. 2-Ziin.äWohu.. neu hergerichtet, vreisw. zu verm. 13106) Marktpl.^7. föttibL Wehn., 2 Ulmm., Küche, i grelertroekn. 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September 1905 verstorbenen Karl Euler von Gießen wird eingestellt, da eine den Kosten des Verfahrens entsprechende Konkursmasse nicht vorhanden ist. ' Gießen, den 17. Mai 1916. ssiiß _Großherzogliches Amtsgericht. Der Plan über die Errichtung einer oberirdischen Tele- granhenlinie an dem von der Landstraße Gietzen—Butzbach bei km 4,7 (südlich von Klein-Linden» nach Lützellinden abzweiaenden Feldwege liegt bei dem K. Telegraphcnamr in Giehen von beute ab 4 Wochen auS. Darmstadt, den 19. Mai 19!6. >39031) Kaiserliche Ober-Postdirektion. Bekanntmachung. In der außerordentlichen Generalversammlung der Spar- und Vorschußkasse E. G. m. u. H. zu Mainzlar vom 26. Februar wurde die Annahme der beschränkten Haftpflicht besä)lossen. Die Gläubiger, welche der Umwandlung widersprechen, werden aufgefordert, sich bei der Genossen- schast zu melden. Mainzlar, 15. Mai 1916. [3791 Spar- nnd Vorschrrhkafse E. G. m. u. H. Vogel, Direktor. Brück, Kontrolleur. zu Selbstkosten der Stadt. [3913B Bekanntmachung. Der Oberhessische Viehhandelsverband beabsichtigt, aus dem Auslande Zuchtvieh (Milchvieh) für die oberhessischen Landwirte zu beschaffen, Landwirte, die geneigt sind, solches Vieh von uns zu erwerben, wollen bis zum 26, lfd. Ms, ihre dahingehenden Bestellungen unter Angabe der Stückzahl an uns gelangen laffen. Wir lassen nicht unerwähnt, daß solches erstklassiges Vieh nicht billig zu stehen kommen wird. Gießen (Moltkeftraße 20), den 20. Mai 1916, Oberhessischcr Viehhandelsverband. Der Vorsitzende: Skalweit. Holzversteigerung in der Fürstlichen Oberförsterci Lich. Dienstag, den 23. Mai sollen versteigert werden Vormittags 9*/. Uhr im Distrikt Meilbacb: Knüppel, Rm.: 3 Buchen. 100 Fichten iSvitzenholz): Stücke, Rm.: 287 F ich ten wicht von schweren Stämmen); Reisholz Wellen 8200 Fichten Mackholz). — Zusammenkunst ist auf der Straße Lich — Hattenrod, dort, wo sie vom Vicinalweg Burkhardsfelden — Riederbessingen gekreuzt wird. Nachmittags 2 Uhr in den Distrikten Mühlberg, Kühunrer, Graudorn und Brunnenwald: Scheiter. Rm.: 23 Buchen: Knüppel Nm: 4 Buchen, 7 Eichen, 15 Fichten: Stocke Rm.: 10 Buchen, 11 Fichten: Reisholz-Wellen: 90 Buchen, 40 Eichen. Zusammenkunft ist auf der Stratze Steinbach —Lich bei der Abfahrt zum Albacher Hof. 3867B Seulscl!. Frsnenverein Ortsgruppe Gienen. Auskrmftstelle für Frauenberufe. grauen u. Mädchen er- halten unentgeltlich Rat ? nnd Auskunft für alle Berufe imalienRmhnus, Marktplatz 14, Dienstag abends von 7 bis 8 Uhr. Sprechstelle des Allgemeinen Deutschen Vereins sürHansbcamtinnen RechtsschuMAe. Frauen u. Mädchen erhalten unentgeltlich Rat und Auskunft |ut Rechtöangelegenheiten im alten Rathaus Markt- platz 14 Mittwoch abends von 7—9 Uhr. 1j D Prima empfiehlt 3831 W. Hantel, Reuen Baue 7. Telefon 612. Täglich frisch gestochenen ff sparge empfiehlt in prima-Dualität zu billigsten Tagespreisen. _ W. Hankel, 3683 Telefon 612. Reuen Baue 7. Fluß- n. Seefische Alt»; >«3I.Ikjk«ßcr1813. Passiva An ausgenommen. J6 $ Kapitalien 652039.20 Hypothekenkonto 3557.14 Stammguthaben der Mitglieder 23669.38 Aktiva An ausgeliehenen Kapitalien J6> H a. gegen Hypotheken . 461700.58 b. gegen Bürgschaft . 27669.15 c. geg.Kaufgeld 134346.03 Zugang d. gegen Wert- 1915 338.46 Papiere nach j 24007.84 dem Kurs Abgang von 1913. 14111.90 1915 1900.83 22107.01 e. nach dem - Bankkonto 8267.90 , R o 7 q9 An Kassavorrat 9905.61 » Ausstande 27777.85 y Vorlagen 3253,35 1 o i a a < .. Mobilien Bekan ntmach ung. Wir geben hiermit bekannt, daß die Stücke der bei uns gezeichneten 5°/ 0 188. Deutschen K riegs-Anleihe vom Jahre 1915 täglich vormittags von 8—1 Uhr an unserem Wertpapierschalter gegen Vorlegung der Abrechnung in Empfang genommen werden können. Mitteldeutsche Creditbank Filiale Gießen ^ Johannesstraße 17, gegenüber der Johanneskirche. nach 5% Abschreibung 34.— Immobilien nach 2% Abschreibung 23217.— 1914 1921.35 18759.27 Betriebsrückiage 7000.— Spezialreservefonds 1500.— Reingewinn 5320.75 710283.37 710283.37 Die Zahl der Mitglieder betrug Ende 1914 . 68 Zugang 1915.0 Abgang 1915.2 Stand der Mitglieder Ende 1915 .... 66 Die Rechnung liegt 8 Tage laug bei dem Rechner des Vereins zur Einsicht der Mitglieder offen. Der Vorstand des S-ar- und Borslsinstvereins ll E. 8. di. nnl>. HasWA zu Beuern Wilh. Bellofs II. Ludwig Ranft II. Johannes Stroh. Generalversammlung Dienstag, den 30. Mai d. IS., nachmittags 4 Uhr, in der Wohnung des Ludwig Ranft II. Tagesordnung: 1. Vorlage der Rechnung aus 1915 und Bestimmung über den Reingewinn. 2. Verschiedenes. Für den Aufsichtsrat: Phil. Arnold. „ J6 M. Schulhof Telephon 119. — Prompter Versand nach auswärts. [ Ji Phofogr. 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