Nr. MO Erscheint täglich mit Aurnahme deS Sonntag«. Die „GfeftetJ« Fa«M«chvltter- werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich betgelegt, da« ».Ureisblatt für de» «reis Gießen" -weimgl wöchentlich. Die ..LandwirlfchLftllche» Seit- frage»" erscheinen monatlich zweimal. 166 . Jahrgang General-Anzeiger für Gberhessen Donnerstag, 11. Mal 1916 Rotationsdruck und Verlag der B.rühk'sche» Universität« - Blich- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Schriftleitung, Geschäftsstelle lk.Druckeret: Schul- straße?. Geschäftsstelle u.Verlag:S-H^51,Schriftleitung: e^ll2. Adresse für Drahtnachrichtew Anzeiger Gießen. 9 Mb. Deutscher Reichstag. 4 6. Sitzung, Mittwoch. den 10. Mai. Am Tische des Bundesrats Helfferich. Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 3 Uhr 16 Mi. nuten. Rechnungssachen. Berichte der Reichsschuldenkommission, des Rechnungshofes über verschiedene ReichshauShaltsrechnungen sowie einige Schutzgebietrechnungen werden nach kurzer Berichterstattung durch die Abgeordneten Zimmermann (natl.). Richter (Zentr.) und N o S k e (Sozd.) erledigt. Sie KrlegsfchSüeu im Reichsgedieie. Die erste Lesung der Vorlage wird fortgesetzt. Abg. Haase (Soz. A.-G.): Dre Vorlage mutz gründlich nachgeprüft werden. Allerdings darf dadurch die Festsetzung der Schäden und die Auszahlung der bewilligten Summen nicht verzögert werden. Der Entwurf sieht keine Mitwirkung der Arbeiter in Ausschüssen vor. Das ist eine Mißachtung der Arbeiter. Die furchtbaren Verluste, die durch den Sfrieg entstanden sind, mutz das Reich im vollen Umfange ersetzen. . Abg. Haegy (Elsässer): Die Kriegsschäden im E l s a tz lassen sich noch nicht abschätzen. Das Gesetz gibt die Sicherheit, daß die Gewährung der Entschädigungen nicht von Bedingungen abhängig gemacht werden soll. Dagegen bedauern wir. daß ihre-Höhe sich nach der Finanzlage des Reiches richten soll. Im einzelnen haben wir mancherlei Bedenken gegen die Vorlage. Die Kriegsschäden sind in Elsaß- Lothringen absolut geringer als in Preußen, relativ aber bedeu- tend höher. Seit Kriegsbeginn liegt das Erwerbsleben dort nahezu vollkommen danieder. Abg. Waldstein (Fortschr. Vp.): Mit Beklommenheit denken wir daran, was geworden wäre, wenn Helgoland geblieben wäre, was es bis zum Jahre 1890 war, eine englische Festung. Hätten wir Sansibar behalten, so hätte eS doch die Bedrohung der deutschen Küste nicht ausgleichcn können. Dankbar sind wir daher für die Rolle, die Helgoland als Küstenwacht jetzt gespielt hat. Und wenn Caprivi ein Denkmal errichtet wird mit der Aufschrift: Dem Beschützer der deutschen Küste! dann schließen sich sicher auch die Herren nicht ans, die gegen den Sansibarvertrag waren. Helgoland hat gleich zu Kriegsbeginn gewaltige Opfer bringen müssen. Schon am 1. August wurde ausgeklingelt, daß die gesamte Bevölkerung die Insel zu verlaßen habe und nach dem Festland übergeführt werde. Die H e i m a t l o s i b k e i t bedeutet für diese Leute noch mehr, als sie sonst schon ist, weil sie mit der Insel fest verwachsen sind. Jetzt leben sie wie aufs Land geworfene Fische. Ihre Rechtslage ist schwierig. Seit zwei Jahren sind ihnen ihre Grundstücke und deren Nutzung vollkommen entzogen. Klagen auf Mietszahlung werden abgewiesen, weil sie die Mieter nicht leisten können. Hhpothekenzinsen müssen gezahlt werden. Sicher handelt es sich hier um Schaden, der „durch Abschiebung aus vom Feind unmittelbar- bedrohten Gebieten" entstanden ist. Weil der Verlust aber nicht durch Beschädigung, sondern durch Entziehung der Nutzung des Eigentums eingetreten ist, fällt er nicht unter das Gesetz. Es wäre doch unerträglich, wenn der Schaden erst dann erstattet werden soll, wenn Fensterscheiben eingeschlagen sind. Damit schließt die Aussprache. Die Vorlage geht an einen Ausschuß von 28 Mitgliedern. Sie Gewerkschaften und bas vereiosgefetz. Auf der Tagesordnung steht weiter dieersteLesungdeS Gesetzentwurfs zur Aenderung des Vereinsgesetze 8 aus dem Jcchre 1908. Er bestimmt folgendes: Hinter § 17 des Vereinsgesetzes Wird eingefügt: § 17a. Die Vorschriften der 3, 17 über politische Vereine und deren Versammlungen sind auf Vereine von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zum Behufe der Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht aus dem Grunde anzuwenden, weil diese Vereine auf solche Angelegenheiten der Sozialpolitik oder der Wirtschaftspolitik einzuwirken bezwecken, die mit der Erlangung oder Erhaltung günstiger Lohnoder Arbeitsbedingungen oder mit der Wahrung oder Förderung wirtschaftlicher oder gewerblicher Zwecke zu Gunsten ihrer Mitglieder oder mit allgemeinen beruflichen Fragen im Zusammenhang stehen. — Dieser neue, etwas schwerfällig gefaßte 8 17a bringt also eine Erläuterung des 8 17. Wurden bisher bei der Handhabung des Vereinsgesetzes in vielen Fällen auch die Gewerkschaften und andere Berufsvereinc als, politische Vereine betrachtet, so sollen von nun an diese Fesseln für sie fallen. Die Gewerkschaften sollen jetzt das Recht haben, sich mit Angelegenheiten der Sozialpolitik und Wirtschaftspolitik zu beschäftigen, ohne daß sie deshalb als politische Vereine angesehen werden. Ausgeschlossen werden sollen aus dem Kreise ihrer Betrachtungen rein politische Angelegenheiten, also namentlich Fragen der auswärtigen Politik, der Verfassung des Reiches und der Bundesstaaten, sowie Wahlrechtsbestimmungen. Die Landarbeiter sind in die Vorlage nicht einbezogen worden, auch eine Aenderung des Sprachenparagraphen ist nicht in Aussicht genommen. Dafür wird aber den Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren gestattet, sich den Gewerkschaften anzuschließcn. Ministerialdirektor Dr. Lewald: Die Vorlage enthält die loyale Erfüllung der am 18. Januar d. I. hier abgegebenen Erklärungen. Damals ist im Namen der verbündeten Regierungen erklärt worden, daß die Auslegung der Bestimmungen über die politischen Vereine durch die Gerichte und die Verwaltungsbehörden den Gewerkschaften nicht immer das Maß von Freiheit gelassen habe, dessen sie zur Betätigung ihrer Bestrebungen bedürfen und daß eine wirksame Abhilfe nur im Wege der Gesetzgebung geschehen könne. Deshalb müsse gesetzlich festgelegt werden, daß die Gewerkschaften und die entsprechenden Vereinigungen der Arbeitgeber, wenn sie sich mit Angelegenheiten befassen, die mit ihren Bestrebungen Zusammenhängen, nicht als politische Vereine im Sinne des Vereinsgesetzes gelten. Nach, dem Vereinsgesetz können sich alle Reichs- angehörigen zu Vereinen zu sammcnsch ließen, deren Bestrebungen den Strafgesetzen nicht zuwiderlausen. Keinerlei behördliche Mitwirkung findet dabei statt, keine Einreichung von Satzungen, keine Genehmigung, keine Anzeige. Nur für politische Vereine sind drei Bestimmungen vorgesehen: sie müssen einen Vorstand und eine Satzung haben und sie müssen diesen Vorstand und diese Satzungen und etwaige Aen- derungen innerhalb zwei Wochen der Polizeibehörde anzeigen. Das ist an sich eine Bestimmung ohne einschränkende Bedeutung. Schließlich wird jeder Verein, auch der unpolitischste Verein, auch jeder Skat- und Kegelklub einen Vorstand und eine Satzung haben. Bedeutungsvoll ist allein die Bestimmung des 8 17, daß Personen unter 18 Iah ren politischen Vereinen nicht angehörcn und in ihren Versammlungen nicht zugegen sein dürfen. Bekanntlich ist der Versuch, der auch schon bei dem Erlaß der einzelstaatlichen VeveinSgesehe unternommen wurde, beim Reichsvereinsgesetz wiederholt worden, den Begriff „p o l i - tischer Verein" zu bestimmen; dieser Versuch ist gescheitert. Bewußtermaßen überließ man es der Praxis und der Rechtsprechung zu bestimmen, was ein politischer Verein ist. Besonders hatte man sich bemüht, eine Begriffsbestimmung zu finden, aus der hervorging, daß die gewerkschaftlichen Organisationen, bei denen man den Wunsch hatte,^ daß sie von den immerhin einschränkenden Bestimmungen für die politischen Vereine befreit blieben, nicht als politische Vereine anzusehen sind. Schließlich sah man davon ab, nachdem der damalige Staatssekretär des Innern, der jetzige Reichskanzler, sich dahin ausgesprochen hatte, daß dies bei richtiger Auslegung des Gesetzes zweifellos sei. Diese Auffassung des Staats- sekrctärs ist in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle Richtschnur der Verwaltung gewesen. Die Gewerkschaftsführer aller Richtungen, die diesem Hause angehören, werden mir zu- gebcn. daß gegenwärtig nur eine verschwindende Zahl der Gewerkschaften den Bestimmungen über die politischen Vereine unterstellt sind und daß daher in weitestem Umfange jugendliche Arbeiter den Gewerkschaften angehören. Dieser tatsächliche Zustand entspricht nicht der Auslegung hochstgerichtlicher Entscheidungen über den Begriff des politischen Vereins. Insbesondere trifft das zu aus die Entscheidung des preußischen Oberverwaltungsgerichtes vom 4. Juli 1911, die dahin geht, daß ein Verein dann ein politischer sei, wenn er auf die Ver- waltung, die Verfassung oder die Gesetzgebung eines Staates ein. zuwirken sucht. DaS gelte auch für die Vereine der gewerkschaftlichen Organisationen, und zwar auch dann, wenn sie im Rahmen ihrer Verussinteressen politische Zwecke verfolgen. Man versteht es durchaus, wenn der Berliner Polizeipräsident auf Grund dieser Entscheidung einer Reihe von Gewerkschaften gegenüber den Standpunkt vertreten hat, daß sie politische Vereine seien. Das hat damals großes Aufsehen erregt. Tie Verfügung wurde dann nach Ausbruch des Krieges auf Veranlassung de§ preußischen Ministers des Innern zurückgezogen. Nach dieser Auslegung des preußischen Oberverwaltungsgerichts würden alle Gewerkschaften unter die politischen Vereine fallen; ich könnte mir wenigstens keinen Fall denken, wo dies nicht zuträse. Wenn beispielsweise eine Tabakarbeitervertretung Stellung zu den Tabaksteuern nimmt, so treibt sie Politik. Der Widerspruch zwischen Rechtsprechung und Praxis müßte allein zur Beseitigung des Zustandes führen, den bei Erlaß des Vereinsgesetzes weder die Regierung, noch der Reichstag hatte haben wollen. Eine bayerische Anweisung zu dem Gesetz sagt denn auch ganz richtig, daß Gewerkschaften und Vereine, die sich innerhalb des § 215 nur mitBerufS- und Standes- fragen der Mitglieder befassen, al? politische Vereine nicht anzusehen sind. Das ist in Kürze das, was der gegenwärtige Gesetzentwurf bezweckt. Die Beseitigung der entstandenen Ncchtsunsicherheiten liegt im Interesse der Rechtseinheit des deutschen Volkes und im Interesse der Gewerkschaften, die sich im Kriege als notwendige Glieder dkr ganzen deutschen Volkswirtschaft erwiesen haben. Die Beseitigung kann nur durch eine authentische Auslegung des Gesetzes erreicht werden. Der Kernpunkt der Frage sind die jugendlichen Personen unter 18 Jahren. Bei der Verhandlung im Winter 1914 wurde hier sogar von Vertretern der äußersten Linken erklärt, daß man eine Politisierung der Jugend auf das bestimmteste ablehne. Was ist denn Jugend? Jugend über 18 Jahren ist doch auch Jugend. Weibliche Mitglieder von 20 Jahren würde man schon gar nicht mehr zu den Jugendlichen rechnen. (Heiterkeit.) Es handelt sich wesentlich darum, ob auch die 16- und 17jährigen zu den Gewerkschaften gehören sollen. Der Sechzehnjährige darf nach unserem Recht seine Arbeitskraft genau so verwerten wie der erwachsene Arbeiter. Nach dem DGB. darf der Minderjährige ohne irgendwelche Vertretung Arbeitsverträge abschließen. Wenn das der Fall ist, so muß man sich doch sagen, daß gerade diese jungen Menschen auch das Bedürfnis haben werden, die Vorteile, die eine gut geleitete Gewerkschaft bietet, sich zunutze zu machen, sei eS Rechtsbelehrung. Rechtsschutz oder Gewährung von Unterstützung, zum Beispiel Reiseunterstützung und dergleichen. Die Neichsleitung und die verbündeten Regierungen sehen daher rn der Zugehörigkeit dieser jugendlichen Per- sonen zu Gewerkschaften, sofern sich die Getverkschaft vom allgemeinen politischen Kampf sernhält und nicht auf die allgemeinen politischen Fragen eingeht, eine in der Natur unseres Wirtschaftslebens liegende Entwicklung, die man bedauern kann, die aber doch schließlich unvermeidlich ist, und sie sieht die Betätigung nicht für so schwerwiegend an, daß man deshalb auf die Sanktionierung eines tatsächlich gegebenen Zustandes verzichtet. Die Negierung ist der Ueberzeugung, daß die gegenwärtige Fassung die klarste und zweifelsfreiste ist und am besten den Zweck erreicht. Am Begriff des politischen Vereins wird nicht gerüttelt.- Es wird auch kein Privileg für die Gewerkschaften geschaffen, sondern ihnen nur die Möglichkeit einer freien Betätigung gewährt. Gegenüber der Besorgnis, die Abgrenzung des Begriffes Wirtschasts- und Sozialpolitik sei unbestimmt und nicht genügend weit, kann ich mich darauf berufen, daß der Abg. Legien ausge- sprochen hat, er halte die Abgrenzung für weit genug. Durch die Aufzählung einer Reihe von Materien hat die Regierung eine bündige Norm dafür geschaffen, was die Rechtsprechung zu prüfen hat. Keine Gewerkschaft braucht über diesen klaren und weitgespannten Rahmen hinauszugehen. Will sie es tun, so mag sie es, sie muß dann auch die Konsequenz tragen, als politische Vereinigung angesehen zu werden. An eine Aenderung des Vereinsgesetzes wollen wir nicht herantreten. Jedes Hinausgehen über den gesteckten Rahmen würde das hervorholen, was wir vermeiden wollen: eine Gefährdung des Burgfriedens. An die Parteien, die weitergehende Bestrebungen haben, richte ich daher die dringende Bitte, davon abzusehen. Sie würden die Zustimmung der Regierung nicht erringen, aber den .Gesetzentwurf in Gefahr bringen. Wenn der Gesetzentwurf in dieser Form hinauSgcht, wird eine Quelle von Verärgerung. Verstimmung und überflüssigen Erörterungen verstopft. Dem inneren Frieden wird gedient. Die Gewcrkschaftsangehörigen draußen im Felde werden sich freuen, zu erfahren, daß Regierung und Reichstag ihren berechtigten Wünschen Rechnung tragen. (Beifall.) Abg. Becker-Arensberg (Ztr.): Wir beantragen, den Gesetzentwurf an einen Befonbe- ren Ausschuß von 28 Mitgliedern zu weisen. Wenn er zur Annahme gelangt, werden manche Beschwerden, die die: Gewerkschaften mit Recht vorgebracht haben, in Zukunft verstummen. Der Deutsche L a n d w i r t s cha f t s r a t hat gemeint, der Gesetzentwurf sei geeignet, den Burgftieden zu stören und die bisherigen friedlichen Verhältnisse in der landwirtschaftlichen Bevölkerung zu beeinträchtigen. Zweifellos befürchtet ec, daß das Streikrecht in die ländlichen Gebiete hineingetragen werden könnte. Der Gesetzentwurf hat jedoch mit dem Strerkrecht der landwirtschaftlichen Arbeiter absolut nichts zu tun. Es liegt keine gesetzliche Möglichkeit vor, den Landarbeitern das Streikrecht zu verkümmern. Das Gesetz will nur das, was 1908 gesetzgeberischer Wille war. klar a u S - s p r e ch e n , damit die Absicht des Gesetzgebers nicht durch Richter und Verwaltungsbeamte draußen im Lande mißachtet wird. Das Gesetz will auch nur den Willen der äußersten Rechten zum Ausdruck bringen. Denn auch die Konservativen waren 1008 für das Gesetz. Die Vorlage ist ein erheblicher Fortschritt. Die Rechte spricht von einem Bruch des Burgfriedens. Man beginnt aber jetzt nur mit dem Abbruch von Bestimmungen, die viel Mißstimmung erregt haben. Sollte man da nicht noch weiter gehen? Warum beseitigt man nicht auch den Sprachen Paragraphen ? Man sollte alle Fesseln beseitigen, die die Geiverkschaften hemmen. Denn die Gewerkschaften haben sich ausgezeichnet bewährt. Das häßlichste Ausnahmegesetz ist das Je s u i t e n g e s e tz. Ich muß d a s b e - sondere Befremden meiner Freunde feststellen, daß man dieses Gesetz noch nicht aufgehoben hat, obwohl es in weiten Bevölkerungskreisen lebhafte Mißstimmung erregt. (Beifall im Zentrrum.) Mit diesem Wust der alten Zeit sollte man aus- raumen. (Zuruf links: Stellen Sie doch einen Antrag!) Jetzt ist nicht die Zeit, einen solchen Antrag zu stellen. Vizepräsident Aove: Ich bitte doch, das Jesuitengesetz jetzt nicht in die Aussprache zu ziehen, sondern sich an die Vorlage zu halten. (Rufe: Oho! im Zentrum.) Abg. Decker: Ich füge mich dem Präsidenten, aber ich habe schon genug getan. Weite Kreise der Bevölkerung stimmen meinen Ausführungen zu.. (^ehr richtig! int Zentrum.) Auch in anderen Fraktionen dieses Sauses teilt man meine Auffassung. Das deutsche Volk will in brüderlicher Eintracht zusammenarbeiten. (Beifall.) Ich richte an die verbündeten Regierungen die dringende Aufforderung, endlich Ernst zu machen mit dem Abbau aller Bestimmungen, die das deutsche Volk nur verletzen oder verärgern. (Beifall.) Abg. Legren (Soz.): Die Regierung hätte bei dieser Gelegenheit den ganzen Wu5t der Ausnahmebestimmungen polizeilicher Art beseitigen sollen, vor allem den Sprachenparagraphen und die Bestimmungen über die Jugendlichen. Auch wir wollen die Jugendlichen nicht politisieren. Die Not des Lebens zwingt die proletarische Jugend leider schon viel gu früh in den politischen Kampf hinein. Der Zweck des Jugendlichen-Paragraphen war. zu verhindern, daß die Arbeiterjugend in der sozialistischen Weltanschauung erzogen wird. Gerade der Krieg hat aber gezeigt, wie wichtig eine sozialistische Erziehung der Masten ist. Alle die guten Kräfte, die sich gerade in den ärmeren Klassen des Volkes während des Krieges gezeigt haben, sollte eine weise Regierung auch während des Friedens dem Vaterlande nutzbar zu machen wissen. Die Gewerkschaften haben sich in der Stunde der Gefahr rückhaltslos in den Dienst des Vaterlandes gestellt. Das war nach all den polizeilichen Schikanen nicht so ohne weiteres selbstverständlich. Aus landwirtschaftlichen Unternehmerkreisen ist man gegen diese Novelle Sturm gelaufen. Die Vorlage gibt den landwirtschaftlichen Arbeitern keine neuen Rechte, jene Kreise wollen ihnen aber bestehende Rechte nehmen. Auch in der Landwirtschaft muß für Arbeiter und Unternehmer gleiches Recht gelten. Die Vorlage zeugt von dem besten Willen der Negierung, unberechtigten Erschwerungen der Gewerkschaften den Boden zu entziehen. Ob ihr das gelungen ist, muß die Praxis lehren. Abg. Müller-Meiningen (Fortschr. Dp.): Die Vorlage muß rasch ihre Erledigung finden. Die Negierung und das Parlament sind sich darin völlig einig, daß Berufs- Vereine nicht als politische Vereine gelten sotten, wenn sie Fragen, der Sozialpolitik und der Wirtschaftspolitik behandeln, sofern diese Verhandlungen in einem vernünftigen Zusammenhang mit den Bestrebungen der Vereinigungen, namentlich mit ihren Bestrebungen auf Erlangung günstigerer Arbeit?- und Lohnbedingungen stehen. Ich fürchte aber, daß wir die Erfahrungen, die wir mit dem alten Wortlaut gemacht haben, auch mit dieser neuen Fassung erleben werden. (Sehr richtig! links.) Neue juristische Begriffe sind cingeführt, die unzweifelhaft zu großen Schwierigkeiten Anlaß geben werden. Ich glaube, die alte Fassung, die wir damals selbst gefunden haben, war weit bester. (Zustimmung.) Die Schwierigkeiten der Unterscheidung zwischen reiner Politik und Sozialpolitik oder Wirtschaftspolitik sind außerordentlich groß. Wir müssen erst einnlal abwarten, was aus der Auslegung herauskommt (sehr richtig! rechts, große Heiterkeit!). Tie Zustimmung von jener Seite ist mir allerdings nicht unbedenklich! Die jetzige Fassung hat gegenüber der von 1908 gewiste Vorteile. Unsere eigene Fassung hatte den Nachteil, daß jeder herein 1 sich als Gewerkschaft etikettieren konnte. Im Ausschuß muß über die Fassung entschieden werden. Die Erfahrungen mit dem 8 3 müssen uns warnen, zuviel den Motiven zu überlassen. Die Vorlage ist ein wichtiger Fortschritt. Der 8 162 der Gewerbeordnung wird als zu eng angesehen und die Vereine dürfen alle Interessen der Arbeiterschaft behandeln, gesetzgeberische Maß- nahmen erörtern uird auf deren Gestaltung einwirken. Auch die Staatsarbeiter und Untevbeamten fallen unter das Vereiniguugs- recht. Disziplinäre Regelungen dürfen den Staatsarbeiiern die Bewegungsfreiheit zur sozialen Organisation nicht verkümmern. Die Landarbeiter besitzen ja bereits daS VereinigungsrechU Wie kann mau es im Burgfrieden antasten wollen?! Auch "den Landarbeitern muß volle soziale Gerechtigkeit widerfahren. .-'Mit geringerem Recht gegenüber den andern Arbeitern befördert.matt die Landflucht. Vor dem Krieg war die stärkste Konfliktsstimmung auf dem Gebiet daS Koalitionsrecht. Der August 1914 hat bamik aufgeräumt. ^ Das HauS vertagt die W e i t e r b e r a t u n g auf Donnerstag, 3 Uhr; vorher: Bericht des GeschaftsordnungSaus- schustes über den F a l k"L i e b k n e ch t. Schluß 6 Uhr. RMgsbttefe am dem Osten. l.'vNsereM.zLM Osthec-e entsandten Kriegsberichterstatter ch«st«r RachdruL auch «MäsrgÄvciZr, verbot«^ Der Sturmangriff am Narocz See. Am. Narocz-See, den 2.Mai. i Die Mächtige Braune Welle des russischen Jstfantetteaugriffes 'chen Narocz- und Wiscuiew-S-ee war abgeebbt. Die Fluten der waren zurückgelaufen, nur dichte Leichenreihen, Zeugen «einer vergeblichen Tapferkeit, lagen vor den deutschen Linien. Im Höhepunkt des russischen Angriffes war unsere Linie zurückgebogen «worden: Am 22. März drangen nach Bern stundenlangen Trommel- ren« der russischen schweren Artillerie dichte Kolonnen in unsere «teklungen auf dem Granathügel ein. Mit Handgranaten arbeiteten die Unseren vom Süden und Norden gegen die Einbruchsstelle, und im wütenden Kampfe, Mann gegen Mann, wurde noch einmal der beherrschende Hügel gesäubert. Wieder hämmerte die russische Ar- jttlUrrc. Das Hindernis war zerschossen: jede Stelle des rückwärts gen GsKmdes wurde bestreut. Es war einmal Tannenwald an den »äugen, er wurde zerschlagen, zersetzt, zerrissen, selbst die kahlen ^Stangen, die den Rest von Bäumen bezeichneten, ivarfen die Gra dmten durch einander, zerbrachen sie und hämmerten sie in den ■M&oben hinein. Am 24. März, nachdem die dichten Glieder der Acuffifchen Angrisfskolomren wieder und wieder zersichelt waren kamen die Russen in den Msitz der das Land weithin beherrschen- derr Huppe und'nmßien nun ihrerseits den Granathagel der deutschen -Artillerie ertragen. Der HügcL trug seinen Namen mit Recht, seine Braune Erde sieht ans wie die Haut eines Blatterkranken, so sich 9carbe an Narbe; der neue Granattrichter gräbt sich in Rand des alten. Am 26. März traten westpreußische Negi päm (ein Telegrammsehler machte aus meinem Telegramm dom ’« April „westfälische" daraus) zum Gegenstoße an. Der Granatwurde genommen. Die Kraft der Russen, die fast 2000 Geliehen, war zunächst erschöpft. Ein paar anschließende Ar eriebeobachtungsstellen blieben noch in ihrer Hand hier und wei- nöiHAch, dicht am Narocz-See, wo sie sich bei Blisniki vorge- tgfc&K. I Die Schneeschmelze begann. Die russische Offensive in ihrer jß&tgtn Ausdehnung war in „Blut und Sumpf" erstickt. Nur gegen das Zentrum ,dieser deutschen Stellungen — südlich bes Narocz-Sees bis zum Ladischki- urtd Ostupi-Bruch — gegen dieFrüemel-Höhe, setzten die Russen am 6. April raxB einmal einen heftigen Angriff in dichten Gliedern an. Was bei dem Sturm tat? den Granathügel nicht gelungen war, sollte hier versucht werden, von der beherrschenden Höhe die Stellungen südlich und Nördlich zu flankieren, der Artillerie Einsicht in das ganze Gelände jweLt über Mokryza hinaus zu verschaffen. Tie sanft ansteigende Auppe ist ebenso von den Granaten zerbissen wie der südlichere kHügel. Wer das Land vor dem März gesehen hat und es nun. -viE-eebKckt, kann sich kaum mehr zurech tsinden, so gleichmäßig Hat die eiserne Walze alles geebnet und niedergelegt. Ein junger ^Artillerist sagte, daß er seine eigenen Stellungen nicht mehr erkannt Wabe, als er nach vier Wochen wiederkam. Wer im Westen auf Voretto gewesen, dachte an die Granathölle zurück, fand keinen Mrtsffchied mehr aus Erinnerung und Gegenwart. Tie Russen fcmr.Ktfu dst, drangen über die dichten Haufen der eigenen Toten Lrr die Stellung. Ter Unterstand des Bataillons st ab es war von fbtn schweren 18-Zentirneter-Granaten verschüttet worden. Unten äst 3 Meter Tiefe saß der Stab. Tie Russen fanden den Eingang stricht, hatten auch kaum' Zeit, viel zu suchen. Eine halbe Stunde r ix fegte sie der deutsche Gegenstoß von der Höhe zurück in Vernichtung des Sperrfeuers, das die Friemelhöhe wie mit ^Granatttorhängen abschloß. Aus dem Schacht grub man die Le- fftdtcn llameroden: „Sonne, wie bist du uns gut!" Das Wasser stieg. Frühlings sonne. Die Wege wurden zu Morästen. Frühlingssonne. Langsam' hörte die Wegelosigkeit aus. Die Lage war nun gegen Ende des Monats April so, daß die Müssen den kleinen, schmalen Geländegewinn, den sie als einzigen Erfolg eines gewaltigen Einsatzes von Menschen und Munition als «nzige Frucht für ungeheure blutige Verluste aufzeigen konnten, daß sie dies gewonnene Gelände, in dem vormals unsere Artillerie- beobachtung vor allem sich eingenistet hatte, mit schnellen Mitteln ausb.tuten. Sie schufen Sandsackstellungen von ziemlicher Stärke sie legten spanische Reiter und Drahthindernisse, die schnell und fcidjt aus eisernen Trägern in den Boden geschraubt werden konnten >Ber dem zunehmenden Aus trocknen der sumpfigen Stellen bei Dem Zuruckbiegen unserer Stellungen am Ladischki-Bruch, kon üe chas nicht gerade als gut empfunden werden. Der Gegenstoß wurde tvowerertet. ' Die Arttllerie schoß sich ein. Munition wurde in riesigen Mengen berertgestellt. Tie Hellen, sonnigen Frühlingstage waren Der Arttllerie günstig. Man braucht« sich m-it dem! Einschüßen md)t zu uBereilen. Am! 28. April war man bereit zum Sturm Es ist in diesen Tagen schon um 3 Uhr morgens hell. Die Artillerie tastete an, begann bald das Wirkungsschießen, verlegte das Feuer von der vorderen in die Hinteren rusftschen Linien. Diq Russen verstärkten die erste Linie, warfen neue Truppen in den Kampfraum. Unsere Artillerie arbeitete wie ein« höllische Maschine. Sobald die Gräben besetzt waren, begann um 9,30 Uhr das Trommelfeuer. Mehr als 40 Granaten durchheulten in jeder Sekunde die Luft auf die Linien von etwa 5 Kilometer Länge. Der russische Bericht mag wohl mit Recht von dem „Orkan des deutschen Artilleriefeuers" sprechen. Um 10 Uhr sprang die Infanterie ans der ganzen Linie zum Sturmangriff auf. Vier Minuten nach 10 Uhr kamen die Meldungen, daß die ersten russischen Vorstellungen genommen seien. An vielen Stellen! wurden die russischen Linien einfach hintereinander überrannt. Tie von der Arttllerie Verschonten hoben die Hände hoch, unsere Sturmlinie ging durch die Reihe durch, und hinter dem genommenen Graben sammelten sich die Gefangenen zu Trupps, die immer mehr anschwollen. An Stellen wurde wütend gekämpft. Südlich der Friemelhöhe arbeitete ein russisches Maschinengewehr, das die Kanonade überstanden hatte. Ein.Leutnant sprang darauf zu, erhiell elf Schüsse, bekam das Gewehr und sank erst dann vor Schwäche überwältigt zusammen. Dicht am Narocz-See, bei Gut Augustow, schlich sich eine Abteilung in dem Gestrüpp am Soeufer während unseres Sturmschießens in die Flanke der Russen, die natürlich unter dem Granathagel keine Beobachtung hatten. Als der Sturm begann, sahen sich die Ruffert sofort von der Seite angegriffen und hoben sofort die Hände. _ Vier ruffische Stellungen wurden so hintereinander durchstoßen. Schon um 10 Uhr 35 war jedes von uns im März aufgegebene Stückchen Gelände wieder in unserem Besitz, und um 10 Uhr 50 war die frühere russische Hauptlinie erstürmt. Die Truppen waren kaum zu halten. Badener, Westpreußen, Pommern, Thüringer ivetteiferten im Vorwärtskonttnen. „'s Wtte noch gute Weile so weitergehen dürfen," sagte mir ein Jäger. „Wir waren so gut im Zuge." Sie waren gut int Zuge. Hinter der russischen Stellung, südöstlich der Friemelhöhe, liegt der Hügel 200,9, auf dem sich die russische Artilleriebeobachlung ^eingebaut hatte. Im wütenden Bajonettangriff wurde die Höhe gestürmt. Um 7 Uhr abends war den Russen mtdji dieser beherrschende Punkt entrissen. Ueber Sanarot- schia. hinaus stieß die Truppe selbständig vor, man hatte Mühe, sie den festgesetzten Rahmen des Unternehmens nicht allzusehr überschreiten zu lassen. Hinter der Höhe 200,9 standen die russischen Batterien. Als am Abend die Linie zum Festsetzen kam, standen 10 russische Geschütze 200 Meter vor unseren Linien. Sie waren über die Achsen im Kot feftgefnnken, es gelang noch am selben Abend, ein Geschütz zurückzubringen. Tann, gegen 2 Uhr nachts, setzte der russische Gegenangriff vom Dorf Stachowsy ans gegen 200,9 und Sanarocza ein. Tie Arttllerie schlug furchtbare Verluste in die Stürmenden — eine grauenhafte Vorstellung solcher russischen SturmVerluste bekam ich gesterti lauf dem Gelände vor der Friemelhöhe, das tatsächlich mit russischen Leichen so dicht besät ist, daß alle paar Meter sich die Reste menschlicher Körper zu Knäueln hänfen —, die Maschinengewehre und das Jnfanteriefeuer tat den Rest. Ter Angriff brach zusammen, ein zweiter Angriff bei auf- kommender Helligkeit mit Artillerieunterstützung kam in dem Sperrfeuer unserer Batterien gar nicht mehr zur Entwickelung. Das V. russische Korps war zum zweitenmal zermürbt, zerschlagen, für längere Zeit erledigt. Zwei russische Regimenter wurden vollständig aufgerieben oder gefangen; unter den gefangenen Stabsoffizieren befanden sich zwei Regimentskommandeure. Nach allem, waS ich sah, müssen dabei die blutigen russischen Verluste noch sehr viel stärker als die an Gefangenen gewesen sein. Nach diesem nächtlichen Versuch, die verlorene Stellung wiederzugewinnen, begnügte sich der erschöpfte und geschlagene Feind mit Arttllerieeinwirkung, blieb so zerbrochen, daß er unsere schneidige Unternehmung der nächsten Nacht weder ernstlich hindern konnte oder wollte. Bon den tioch zwischen den Linien stehenden neust Geschützen holten wir vier in unsere Stellung, machten die andern unbrauchbar. Es ist keine leichte Arbeit für die Thüringer gewesen, die vier Geschütze durch den schweren Boden zurückzuschleifen, aber es gelang vollständig. So blieben als Siegesbeute des Frühljngs- 'turms: 5683 Gefangene, 5 Geschütze, 29 Maschinengewehre, 10 Minenwerfer und ein sehr reichliches Material, das überall chon sorgfältig gesammelt wird. Das Ziel der russischen Märzoffensive war Wilna. Die alte Geschichte. Das Ziel wurde erreicht. Nur aus Sturmwellen wurde acht fließendes Wasser. Der braune Strom der russischen Gefangenen strömte durch die Straßen der Hauptstadt Litauens. Das deutsche Ende eines russischen groß angelegten Planes! Rolf' Brandt, Kriegsberichterstatter ■ ■■ . Ernst v. pojfart als Linjährig-Sreiwilliger. (Zirm 75. Geburtstag des Künstlers, am 11. Mai.) I , Das beredteste Zeugnis gegen die Behauptung unserer Gegner, TOS der Dienstzwang in Deutschland die freie Entwicklung der ruugcn Leute hemme und. die Persönlichkeit abtöte oder zumindest stark hevabdrücke, bildet die Tatsache, daß auch die am meisten auf freie Entfalttmg angewiesenen Persönlichkeiten, die Künstler, sich stets gerne ihrer Dienstzeit erinnern und in ihr eine für die Ent- wickk >ng des Körpers und der Selbstdisziplin notwendige und höchst erspricM.che Epoche erblicken. Auch Ernst von Possart, 'der nunmehr 75 jährige, der unter den noch lebenden Bühnengrößen Deutschlands sicher als einer der Phantasie- und abenteuerreichsten bezeichnet zu werden verdient, empfand, wie.er selbst in seinen Lcbens- «nnnerungen „Erstrebtes und Erlebtes" (Verlag Mittler und Sohn) Lerichtet, trotz seines künstlerisch vorwärtsstürmenden Temperaments bic Zeit, in der er die Uniform trug, durchaus nicht als hindernd toter auch nur überflüssig. Gerade heute, da das Militär ( im Vordergrund des Interesses steht, ist es nicht bedeutungslos, zu Dören, wie der Künstler.Possart über seine Dienstzeit urteilt. Als 'der junge Possart nach Beendigung seiner Studien *tm Berliner Friedrich-Gymnasium durch seine Lehrzeit bei Hof schau spieler Wilhelm Kaiser seine Berufswahl bereits entschieden lMtte, zog er trotz aller ihn zur Bühne hinziehenocn Un- «ed-uld gerne den Waffenrvck an, um sein Freiwilligenjahr abzu- Mcnen. Ms Neunzehnjähriger meldete er sich im Jahre 1860 beim 'S. Garve-Regiment, wo er, wegen seiner guten Turnausbiloung rn das Füsilier-Bataillon eingestellt wurde. „Ich wurde", schreibt »er selbst, „der 10. Kompagnie eingereiht. Prinz August von Württemberg, an Körpermaß der größte Mann der preußischen Älrmce, kommandierte zu jener Zeit das Gardekorps, und unsere Division unterstand dem Befehl des Kronprinzen, des späteren /Kaffer Friedrich!, der sehr oft den Uebungen des Regiments bei- ,wohnte. Meine Geschicklichkeit im Turnen ließ mich bald zum Mit- sgkicd der Unterofsizier-Turn-Kompagnie vvrrücken. Eines Tages besichtigte der Divisionär auch diese. Ich überholte meine Vorleute. „BravwFreiwilliger," rief der Kronprinz. Damals hörte ich zum ersten Male den Ton dieser unvergeßlichen Stimme: es war der er Erfahrung reden. Denn dieses Land des Friedens habe in den letzten 76 Jahren nicht weniger als 41 Kriege und militärische Expeditionen uuternoinnren. Mit welchen geschäftlichen Erfolgen, könne die folgende Liste dieser Untermeh- nmngeit erzählen: Kriegsunternehinnng gegen Rußland 1854: „ „ Afghanistan 1838. 1840, 1878; „ „ China 1841. 1848, 1856, 1860; „ •„ die Sikhs 1845,1848: „ „ die Kasfern 1845, 1851, 1877; „ „ Birma 1850, 1852, 1885; Ariegsbriese aus dem Osten. Von unserem zum Ostheer entt'andten Kriegsberichterstatter. lUnberechttgter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Zn der Seenenge. Am Narocz-See, Anfang Mai. Sobald das Heulen und der dumpfe Aufschlagton der Granaten aussetzt, hört man deutlich das jauchzende Tirilieren von Hunderten lwn Lerchen, die sich über die frühlingsgrünen Fellner in den zärtlichen weiß-blauen Himmel emporschrailben. Der Russe streut das ihm eben entrissene Gelände in kurzen Pausen ab, die Stellung, die am 27. April noch seine Haupttinie bedeutet«, liegt unter diesem unregelmäßigen Bennruhigungsfeicer, das sich gelegentlich auch auf das Hinterland ausdehnt. Werm man aus den Waldstücken herauskommt, kann man nach links von den Höhen die weite Fläche des Narvcz-Sees cmfleuchten sehen. Von einem harten Grau-Blau bis zu einem ganz tickffen leuchtenden blauen Don, der wie die Seen unten im Süden glänzt, habe ich den Spiegel sich verändern sehen. Immer aber beherrscht das Seenauge die Landschaft, die voll ist von einer ttesen und lieblichen Schönheit. Tannenwälder grünen an teu leicht geschwungenen Hügellehnen, Felder, sprießende Felder, ziehen sich dazwischen hin. Die Seen glänzen. Es ist Frühling, ein heißer Frühling, so daß mau bei uns zu Hause meinen würde, es lutiijjte bald in den Sommer gehen. Näher zur Front sieht man, wie der Krieg das Bild dieser Laicdschaft zerrissen hat, wie nur noch rührende Reste an Gewesenes erinnern. Der Wald ist gelichtet. Jeder Stamm, der nicht eben zur Deckung gegen Flieger oder Artilleriebeobachttmg nöttg ist, mußte der Säge und dem Beil verfallen. Zuviel Holz fraß der Bau der Stellungen, der Ban der Knüppeldämme, fraßen die Sägegatter- die Bretter und Holzwolle lieferten. Dann steigen die leichten Höhen stärker aus deM Waldland. Vöan nähert sich Makryza. Es soll einmal ein Gut gewesen sein. Es soll Stuben, Möbel, Ställe, Vieh, Scheunen gegeben haben. Jetzt lteht als ettlziges Zeichen noch der Rest der Bremrevei und ein paar schwarze Mauerreste. Eine BirVenallee schwenkt ihr« hellgrünen Zweige in dem leichten Wind, aber jeder zweite Stamm ist niedergelegt, um der Artillerie den Durchschuß zu sichern, und die noch itehenden bluten. Der dünne gelbe Birkensaft perlt in gleichmäßigen Tropfen aus den großen Narben, die die Granaten gerissen haben. Die ganze Allee tropft dies Helle, gelb« Birken- blut, weißer Schaum steht unter den Stämmen. Httrter den Bäumen, von denen einer halb eingedrungen im starken, weißen Stamme einen russischen Blindgänger trägt, liegt ein Soldatenftiedhof. Hier liegen die, die den Granathügel gehalten und wieder gestürmt haben, hier begraben eben die J'äger ibre Toten vom letzten Sturm auf die russischen Grüben. Zimmern vie weißen, Wien Birkenkreuze und pflanzen ein paar von den Leb erb tu me u, die den Waldboden Werall blau au fschi miniem lassen. Langsam geht sich der Weg zum Granathügel. J-e mehr man sich dem Gipfel nähert, uniso zerwühlter und zerbissener ist das Erdreich. Man durchschreitet tee deuffchen Stnrmstellniigcn, und dann kommt man in die russischen Sandsackstelttrngan, die aus unseren umgekehrten, ehemaligen Vorstellungen bestehen. Die ehemaligen deutschen Ar titleri cheobachtu n gsuuterstände liegen diesseits der mssi- schen Linie. Hier ist 6 Stunden lang der Granathagel niedergegangen. Grabenteile sind leingeebnet, Hindernisse in den Boden geschlagen. Vian kann in jeder «Einzelheit studieren, was es bedeutet, rvenn die deutsche Artillerie eine Stellung fturmmf geschossen hat- Wir gehen durch die AnTräherUtigsgräben in das Gelände, das neu «robert ist. Die Trümmer vom VoriverkStachvwtt) liegen vors wärts zur Linken. Die gelblichen Erdfontänen des Granataufschla- ges schießen überall ans dem Boden, die deutsche Arttllerie antwortet. Es ist so, als ob sich der StnriU der Arttllerie nach, dem großen Tage noch nicht recht beruhigen kann, immer noch scUagen die Wellen des Artilleriekampfes. Südlicher von .Vorwerk Mokryza aus kommt m«an zur Friemelhöhe, die nur einmal auf eiue halbe Stunde, am 6. April, in den Händen der Russen ivar. An dein Tage, da russischer Massensturm die Hohe um jeden Preis nehyren mollte. Dicht unter der Höhe liegt «in sumpfiger Bruch, der die frontale Amräherung nicht gestattet. Man muß von Süden und Norden durch mit Erlengebüsch bestandrnes Wiesenland den Raum dicht vor der Höhe gewinnen und kann sich hier zum Sturm sammeln. Auf dieses schmale Stück Land dicht am Fuße der Höhe ist im März und am 6. April tels« deutsche Sperrfeuer niedergegangen. Der Wleg von Mokryza bis zur iFriemekhöhe ist ein Weg, der durch Vernichtung führt, hier am Fuß« das Hügels war die Hölle und ist das Grauen'. Auf der blumenbesäten IFrüHlingserde liegt jedes Enffe^en des Krieges. Hunderte — wer will zählen? — von schwarzen Russenleichen, oft wie zu Hügeln getürmt, lvenn die letzte Not die Sterbenden zu- sammenkriechen ließ, menschliche Glieder, arme mdnschlichc Reste zeugen da für den furchtbaren ruffischen Einsatz. Wer einmal diesen Bruch vor der sFriemelhöhe gesehen hat, weiß, was das kurze Wort wiegt: „.brach blutig in unserem Feuer zusamnten." Kriegsunterttehinnng gegen Gnglisch-Jndien 1857, 1860, 1863, 1864,1868,1869,1890,1895,1897; „ „ die Ashantis 1864, 1873, 1896; „ 7, Messynien 1867; „ Persien 1852; „ die Zulits 1878; „ >, die Basutos 1879; „ >, Aegypten 1852; „ >, Sudan 1894, 1896, 1899; „ Sansibar 1890; „ die Malabelen 1894'; „ /, Südafrika 1881, 1899; „ I * * 4 7, Deuttchland 1914. Wir geben unseren Feinden das sicherlich nicht schwere Rechen- exempel auf, die Zahl der von dem „militaristischen" DeuttckLand int gleichen Zeiträume unternommenen Kriegsimternehmungen hiergegen zu stellen — von den Veranlassungen und den Zielen dieser den sichen und englischen Kriege zu schweigen! Man wird danach vermutlich auch exakt mathematisch scststellen köimen, ton „bet Freund der Schwachen Und der Beschützer der Neincn Völker" gewesen ist. — Das Ende der englischen Stahlfeder in Frankreich. Jüngst hieß es in der ftanzöftschen Presse, es stäirde für Franftleich eine StaUfedenrot bevor, weil Birmingham die Stahlfedererzeuguitg Und die Äusftlhr nach« Frankreich eingestellt hätte, ia, die Schwarzseher behaupteten schon, man müsse wieder zum Gänsekiel greifen. Mit einer gewissen, nur zu gut verständ- licken Befriedigung stellt demgegenüber der „Tomps" nach den Angaben eines Fachmannes fest, daß zwar keine englischen Stahlfedern mehr nach! Frankreich kommen, daß aber trotzdem kein Ausgehen der Stahlfedern in Frankreich zu befürchten sei, weil dank der durch den Krieg geschaffene Lag« Frankreich seine Stayl- federnerzeugmig erheblich ^steigert hat. In Frankreich hat man erst 16 Jahre später als in Engtmrd mit der Stahlfedererzeugung begonnen, und die französische Jstdnsttic hat in dieser Hinsicht die englische nie einholen kömieu: noch heute ist sie von England abhängig, denn Shefsield liefert ihr den besonderen Stahl, aus dem die Federn hergestellt werdm. Im ganzen erzeugten vor dem Kriege drei französische Betriebe Stahlfedern: in den ersten Monaten ging d>as Geschäft sehr zurück, tveil es an Arbeitern fehlte, neuerdings aber ist ein großer llnifchwung eingetreten. Der Wettbewerb der englischen Fabriken in Birmingham ist nicht mehr vorhanden, denn die englischen Fabriken erzeugen an Stelle von Stahlfedern nur noch- Geschosse Und Geschütze. Von den drei französischen Fabriken hat eine ^ebenfalls umgesattelt lmd stellt jetzt statt der Fedlern Bleistifte her (iveil der französische Markt jetzt vom deutschen Bleistift „befreit" ist) die beiden arideren aber haben soviel Arbeit, wie sie nur wünschen können, und es fehlt ihnen weder an Arbeitskräften noch! an Stahl aus Sheffield. Ter Fachmann spricht sogar die Hoffnung aus, daß man in Frankreich in absehbarer Zeit an eine Ausfuhr von Stahlfedern denken könnte, sodatz die Lage gegenüber btm befreundeten England vollkommen umgekehrt wäre. Ern wenig mcihr nach Suder: liegen die. russischen Vorstelllingen, die Mn 28. April geuonvnien wurden. >Ajnch 'hier liegen die russischen Loten in so dichten Garben, das« nmn fast glauben muß, die Russen tzLtten ihrerseits abe, was angesichts seiner steten Arbeitsfreudigkeit im Inwresse der .Aufgaben des Pwvinziabrusschusses lebhaft zu be-. dauern sei. _ . Im Anschluß HSemn wurde in die Tagesordnung em getreten, und zwar kam zur Verhandlung: Punkt 1? Ersatzwahl ausgeschiedener und gestorbener Mitglieder des Provinzialausschusses. Es wurden auf Antrag aus der Mitte der Versammttmg durch Zuruf einstimmig gewWt: für das ausgeschriebene Provinzialausschußmitglied Schade-Alsfeld Herr Heinrich Brauer-Ober- Ofleiden, und zwar bis Ende 1916, für das ausgeschiedene Prv- vmzialausschußmttglled Kromm-Schotten das seitherige Ersatzmit- fliiriJ Herr Forstmeister Dr. Weber-Kvnvadsdorf, bis Ende 1916, für den zum ordentlichen Mitglied gewählten vorgenannten .Herrn Dr. Weber Herr Landgerichtsvat Ne neu ha gen-Gießen, als Ersatzmitglied gleichfalls bis Ende 1916, sowie für das ausgeschie- dene Ersatzmitglied Herrn Landgerichtsdirektor Schmeckenbecher- Weßen Herr Professor Skalweit-Gießen, bis Ende 1919. Punkt 2: Wahl eines Mitgliedes und eines Stellvertreters des Vorstandes der Genossenschafts- kassefür Kommunalforstwarte. Es wurden auf Vorschlag aus der Mitte der. Versammlung durch Zuruf einstimmig gewählt: für das seitherige Mttglied Altbürgermeister Alles in Meder-Florstadt Herr Bürgermeister Z^en dt -Hungen als Mitglied lnro Anstände in der erstgenmrnten Rechnung seien, nachdem dem Provinzialausschuß die erforderlichen Erläuterungen gegeben worden wären, als behoben zu betrachten. Die Rechmmgen wurden, nachdem den Herren Rechnungsprüfern der Dank für die Prüftmg ausgesprochen worden war, in Umlauf gesetzt und vor Schluß der Sitzung debattelos genehmigt- Punkt 4: Voranschlag der Provinzialkasse für 1916. In Verbindung mit Rubrik IV, Titel 1 da - s elbst , bei Unterhaltung der Kreis st raßen ^Antrag des P ro vi n z ial aus schuf ses bet r. Gesuch der Gemeinde Grebenau (Kr. Alsfeld) um Ueber- nähme der Zufuhrstraße zum Bahr: Hof Grebenau in die Unterhaltung des Kreises und der Provinz. Ter Antrag des Provinzialausschusses bezüglich der Gemeinde Grebenau, ivvnach der Provinzialtag der Uebernahme der frag- lichen Straße in die Unterhaltung des Kreises und der Provinz Und zwar mit Wirkung vom 1. April 1916 an zustimmen möge, wurde debattelos einstimmig angenommen. ..Zu Rubrik Vh „Jahresbeitrag für die Historische Kommission für das Großherzogtum Hessen mit 500.— Mk." wurde für den Fall der Nichtverwendung dieses Betrages zu dem budgetmäßig bestimmten Zweck der Provinzialausschuß ermächtigt, ihn für vorübergehende, infolge des Kriegszustandes etwa austretende Bedürfnisse zu verwenden. „ Zu Rubrik VIII b, wonach, für die Kreise als Hälfte der für Arbeitsnachweise aufgewendeten Kosten der Betrag von 1000 Mark ausgeworsen ist, erklärte der Vorsitzende, es könne der Fall eintreten, daß die Arbettsnachiveisstellen in der Provinz bei Ende des Krieges weitgehender wie seither in Anspruch genommen würden. Zu diesem Ztoeck könnten vorübergehend größere Mittel zu einen: ent sprechen der: Ausbau der Stellen erforderlich werden. Er bitte deshalb im Namen des Provinzial- «ausschusses, daß, wenn es etiva notwendig werden sollte, int Jahre 1916 den Arbeitsnachweisen einmal nrehr wie sonst üblich beizuspringen, der Provinzialausschuß ermächtigt sei, unbeschadet der budgetmäßigen Regelung der Frage in: Voranschlag für 1917, imter Hermrzichung der Mittel des Reservefonds helfend einzugreifen. Diesem Nachsuchen wurde vom Provinjiattag einstimmig entsprochen. Hieraus wurde der Voranschlag der Provinzialkasse für 1916 im ganzen in Einnahme und Ausgabe mit 718 380.95 M k. genehmigt. Punkt 7: Voranschlag des Provinzialwasser- werks für 1916. In Verbindung damit: Antrag des Provinzialausschusses, betreffend Bewilligung einer Spende für O st Preußen. Der Voranschlag, der in Einnahme und Ausgabe mit 982 000 Mark abschließt, wurde debattelos genehmigt. Zum Alttrag des Provinzialausschusses wegen Ostpreußens, der wie folgt lautet: Der Provinzialausschuß wolle für den Fall, daß eine das Großherzogtum Hessen umfassende Organisation zur Förderung desWi.ederaufbauesOstpreußens ins Leben gerufen werden sollte, einen Betrag von höchstens ,20 000 Mark derart zur Verfügung stellen, daß dem Provinzialausschuß innerhalb der vorerwähnten Höchstgrenze die Bemessung einer zu dem gedachten Zweck zu gewährenden Spende überlassen bleibt, erklärte der Vorsitzende: Der Provinzialausschuß habe geglaubt, daß sich der Provinzialtag sicher von den gleichen Erwägungen werde leiten lassen wie andere Kommunalverbände und kommunale Körperschaften in Deutschland und daß er, im Hiirblick darauf, daß jetzt auch in giessen eine Organisation begründet werden solle, die die Patenschaft für einer: ostpreußischen Ort übernähme, gleichfalls gern bereit sei, aus Adttteln der Provinz ein Scherflein zum Wiederaufbau Ostpreußens, das.dein russischen Ansturm zeitweise zum Opfer gefallen sei und alle Schrecken des Krieges habe über sich ergehen lassen müssen, beizutragen. Er hoffe, daß er mit der Vorlage auch den Wünschen der Versammlung Rechnung trage, und bitte die Zustimmung zu dem Anträge zu erteilen. Eine Anfrage des Großh. Kreisrats Freiherrn S ck e n ck zu^Sch weinsberg - Friedberg, ob es sich 'nicht ern:öglichen lasse, daß die Provinz, was die Ostprcnßenspende anlangc, gleichzeitig auch ngmens der vberhessischen Kreise als Geberin erscheinen könne, da es doch wohl den einzelnen Kreisen schwierig fallen werde, ohne Einfluß auf das Budget und die Kreisumlagen nochmals besoi:dere Beiträge einzustellen, ivurde nach einer Aussprache, an der sich dev Vorsitzende und das Provinzialtagsmitglied Dr. Weber beteiligten, verneinend beantwortet, worauf der Antrag debattelos einstin: mig genehmigt wurde. Punkt 8: Antrag des Provinzialausschusses, betreffend: Verwendung der Ueberschüsse des Wasserwerks Inheiden. Das Provinzialtagsmitglied Dr. Weber- Konradsdorf hatte beim Provinzialausschuß die Anregung zu dem vorbenannten Antrag gegeben, wozu der Provinzialausschuß die nachstehenden Grundsätze aufgestellt hatte: Grundsätze über die Verwendung der Ueberschüsse des Wasserwerks Inheiden: 1. Die' Ueberschüsse des Wasserwerks Jnhnden werden während der Dauer des im Jahve 1909 mit der Stadt Frankfurt a. M. über Wasserlieseruug abgeschlossenen Vertrags in einem Kapitalstock augesammelt, der den Namen „Wasserwerks- und Tilgungsfonds der Provinz Oberhessen" trägt. 2. Als Ueberschiuß des Wasserwerks gilt der jährliche Reinertrag, abzüglich eines Zuschusses an die elektrische Ueberlandanlage der Provinz Oberhessen. Dieser Zuschuß soll nicht mehr als Einhnnderttansenj) Mark im Jahr betragen. Die Finanz- gebarnng der Ueberlandanlage sollte doch so gestaltet rvevden, daß das Gleichgewicht zwischen Einnahme und Ausgabe der Ueberlandanlage spätestens 10 Jahre vor Ablaut des mit der Stadt Frankfurt a. M. abgeschlossenen Vertrags über Was- serliefevung lhergestellt ist. 3. Der Jahresreinertrag des Wasserwerks wird nach dem Rech- Mungsabschluß festgestellt, und zwar aus der Raueinnahme, vermindert um die Ausgaben für Verzinsung des Anlagekapitals, für Unterhaltung und Schutz sämtlicher Anlagen, für die jährlichen Betriebskosten und für Steuer:: und Abgaben. Die erforderlichen Rücklagen sind dem Wasserwevks- und Tilgungsfonds Kn überweisen, der zugleich als Erneue- rungssonds dient. 4 . Kapitalbeträge, die die Provinz für eigene Zwecke dem Wasserwerks- und Tilgungsfonds entnimmt, sind als^ Darlehen zu behandeln und von ihr zum landesüblichen Satz zu verzinsen und wieder zurückzu zahlen. Insoweit hiernach die verfügbaren Mittel des Wasserwerks- uno Tilgungsfonds nicht für eigene Zwecke der Provinz Verwendung finden, sollen sie, neben der Anlage in eigenen Schuldverschreibungen der Provinz, an Kreise, Gemeinden und sonstige öffentliche Körperschaften der Provinz zinstragend ausgeliehen werde::. Die Darlehensbedingungen werden, der jeweiligen Lage des Geldmarktes entsprechend, vom Provinzial- 'ausschuß festgesetzt. 5. Die Verwendung der Jahreszinsen des Wasserwerks- :md Tilgungsfonds unterliegt der alljährlichen Beschlußsassung des Provinzial tags, der über diese Mittel zu Zwecken der wirtschaftlichen, gesundheitlichen 'und kulturellen Förderung der Provinz und ihrer Bewohner planmäßig verfügen wird. Das Provinzialtagsmitglied Geh. Justizrat I ö ckel-Friedberg hat hierzu folgenden Gegenantrag gestellt: Der Prvvmzialtag beschließt in seiner heutigen Sitzung: Aus den Ueberschüssen des Wasserwerks Inheiden wird nach Abzug des jährlichen Zuschusses an die elektrische Ueberlandanlage, insoweit und insolange solcher nötig ist, ein Reservefonds gebildet, der von der Provinzial-Ausschuß zinstragend cmzulegen ist. Die Zinsen sind zu gemeinnützigen Zwecken im Interesse der Provinz oder von Teilen der Provinz zu verwenden. Nach längerer Aussprache, an der sich die Provinzictttagsmit glieder Weber, Brauer, Bücking, der Anttagsteller I ö ck e l und der Vorsitzende beteiligten, ivurde einstimmig beschlossen, de:: vom Provinzialausschuß aufgestellten Grundsätzen zuzustimmen. Ter Antrag Jöckel wurde für die Frage der eventuellen spätere:: Ausgestaltung jener Grrmdsätze dem Pro- vinzialausschuß als Material zur geeigneten Berücksichtigung empfohlen. Punkt 10: Voranschlag der Elektrischen Ueberlandanlage für 1916. Der Voranschlag, der in Einnahme und Ausgabe den Betrag von 700 000 Mark vorsieht, wird vom Pvovinzialtag ohne Aussprache einstimmig genehmigt. Punkt 11: Antrag des Prvvinzialausschusses, betreffend: Aenderuug des Vertrags mit dem Staat wegen Lieferung elektrischer Energie. Ter zwischen den: Staat und dem Provinzialausschuß Eirde vorigen Jahres abgeschlossene Nachtragsvertrag, der eine Verbilligung der staatlichen Strompreise fttt die an die Provinz zu liefernde elektrische Energie vvrsieht wurde ohne Aussprache einstimmig genehmigt. Der Vorsitzende führte hierauf aus: Nach einstimmiger Annahme dieses Nachtrags Vertrags, sowie nach alledem, was diesem Nachtragsvertrag in nunmehr unrmterbvochener 6 jähriger Tätigkeit auf dem Gebiete der Elektrizitätsversorgung der Provinz Oberhessen vorangegangen sei, dürfe wohl gesagt werden, daß man aus diesem Gebiet nunmehr zu einem Abschluß gekommen wäre. Das Ministerium des Innern, das, wie über den Gang der Elektrizitätsversorgung, so mich hierüber unterrichtet worden sei, habe daraufhin gestern dem Großh. P ro v: n z ia l d: r e k- tor ein Schreiben übersandt, dessenInhalt den:ProvmzialtagsMitgliedern zur Kenntnis zu bringen, ihm, dem Vorsitzenden, ein besonderes Vergnügen bereite. Das Schreiben laute: Wir haben mit Interesse von den Darlegungen Ihres Berichts Kenntnis genommen mrd könne:: nur unsere anerkennende Befriedigung über das aus dem Gebiete der Elektrizitätsoer-, sorgung der Provinz Oberhessen Geleistete aussprecken, die wir besonders auch der Provinzialvertretuug übermittelt scheu möchten. von Hombergk. Der Dank, der ::: d:eseM Schreiben dem Provinzialtag, sowie insbesondere dem Provinzialausschuß ausgesprochen sei für das so Überaus verständnisvolle Eingehen auf alles dach was auf dem vorerwähnten Gebiet zur kulturelle:: Hebung der Provinz und ihrer Bewohner für notwendig erachtet und demgemäß in die Tatsache umigesetzt worden sei, wäre sicherlich allen ein erneuter Ansporn dafür, tvie seither, so auch in Zukunft weiter zu arbeiten mft dem Endzweck, der Provinz Oberhessen den ihr gebiihrenden Platz unter den 3 hessischen Provinzen dauernd zu sichern. Damit wäre die heutige Tagesordnung erschöpft und er frage an, ob noch jemand der Anwesenden das Wort wünsche. Hierauf ersuchte das Provinzialtagsmitglied Geh. Justrzrat Rabe n a u-Büd:ngen um Erteilung des Wortes. Er führte folgendes aus: „Die letzten Worte des Herrn Gehümerats Dr. Usinger gebu: mir Veranlassung, Sie noch für wenige Minuten um' gütiges Gehör zu bitten. Ich glaube, daß von den Gegenständen der heutigen reichen Tagesordnung uns besonders zwei Dinge interessierten und große Freude gemacht haben, und zwar deshalb, weil sie gerade in der gegenwärtigen ernsten und schwere:: Zeit als großzügige friedliche Kulturwerke erscheinen. Ich meine hier das Wasserwerk und die Ueberlandzentrale. Ueber beide Punkte ist heute eingehend verhandelt worden und ich glaube die Worte darüber im emzelnen sparen zu sollen. Allein bezüglich! der Ueberland-' zentrale darf ich vielleicht daran erinnern, daß nach den Verhandlungen über verschiedene Projekte am 1. April 1912 der Bau in Angriff genommen wurde, daß schon im Februar 1913 verschiedene Gemeinden mit elektrischem Licht versehen werden konnten, daß sich bald schon die Notwendigkeit der Vergrößerung des Versorgungsgebietes herausstellte, die, nachdem der Provinzialtag die hierzu erforderlichen Geldmittel bewilligt hatte, soweit dies möglich war, zur Ausführung kam. 143 Gemeinden mit 123 000 Ein- wohiwrn, 14 Gehöfte und 47 Bahnhöfe genießen die Wohllat des elektrischen Lichts. Tie Anschlüsse betragen 18850 mit 120000 Lampen, die Länge der Fernleitung umtaßt 406 Kilometer, und 466 Motore mit einer Gesanttleistung von 1600 Kilowattstunden sind angeschlossen.. Sie wissen auch, daß die Versorgung dm Kreise Alsfeld, Lauterbach und Schotten mit elektrischer Energie gesickiert ist und daß die Ausführung der nötigen Arbeiten nach Beendigung des Krieges alsbald erfolgen wird. Welche Fülle von geistiger Arbeit in diese zwei Werke gesteckt worden ist, das weiß der Proviu.- zialtag ganz genau, denn er hat selbst mitgewirkt und ka:m stolz auf seine Tätigkeit sein, die auch' von seiten oes Ministeriums anerkannt worden ist, wie wir ja eben gehört haben. Allein, die Korporation, die diese gmrzen Arbeiten im einzelnen noch besser beurteilen und ihre Schwierigkeiten noch besser ermessen kann, das :st der Provinzialausschuß. Als das Wasserwerk in Inheiden eingeweiht wutde — nebenbei darf ich vielleicht einfchalten, daß Frankfurt am 10. Oktober 1911 den ersten Tropsen Wasser von Inheiden bekommen hat —, ist von berufener Sette der beiden Männer gedacht worden, die sich darum ein ganz besonderes unvergeßliches Verdienst erworben haben, zwei Männer, deren wir auch heute wieder in dankenswerter Weise gedenken wollen, des Herrn Geh. Rat Tr. Breidert und des Herrn Forstnreister Tr. Weber. Der Dank ist wohl umso höher anzuschlagen, als die beiden Herren das Wasserwerk mit dem Gedanken der Elektrizitätsversorgung der Provinz in einen innigen Zusammenhang gebracht haben und Herr Forstmeister Tr. Weber, der gewissermaßen der Vater der beiden Werke ist, seine Kräfte auch heute noch den beiden Werken erfolgreich zur Verfügung stellt. Jetzt vor 6 Jahren standen wir vor dem Beginn des Baues des^ Wasserwerks und vor der Frage der Elektrizitätsversorgung der Provinz. Seit dieser Zeit steht nun Herr Geheimerat Tr. Usinger an der Spitze unserer Verwaltung, und die vergangenen 6 Jahre s:nd> was Arbeit anbetrifft, die schwierigsten und verantwortlichsten für unsere Werte gewesen. Man denke nur an die schivierigen Verl)!and- lungen mit der Regierrmg bezüglich der Lieferung des Stromes, bezüglich des Preises des Stromes und die VerhandknNge:: mit der Rheinischen Schuckert-Gesellschast-Mannheim. Und so sind es tausend andere Tnrge 'gewesen, die eine eingehende sorgfälttgej Prüfung notwendig gemacht haben. Nur der Provinzialausschuß, der diese 6 Jahre miterlebt hat, kennt diese verantwortliche.Tätigkeit seines verehrten Dorsitzendkm ganz genau. Er hat gelernt, sie ebenso hoch zu schätzen, wie den unermüdlichen Fleiß, die gründ^- liche Beherrschung des gesamten großen Stoffes bis ins kleinste und seine gründliche Besprechung, immer mit ebrein. einzigen! Mittelpunkt — den Interessen der Provinz. Der gesamte Provinz ialansschnß einschließlich der Ersatzmttglieder hat das nnnb- weisbare Gefühl, seinem verehrten Herrn Vorsitzenden ftir seine ersprießliche, aufopfernde Tättgkeit seine Anerkenrmng und feinen! herzlichen Dank auszusprechen, und' ich bin beauftragt, dies heute hier an dieser Stelle zu tun. Ich habe diesen Auftrag umso lieber übernommen, wett ich die feste UebcrzeuguNg habe, daß ich auch im Namen des Provinzialtags erllären darf, daß dieser sich der Anerke:rmmg der aufopfernden Tätigkeit unseres Herrn Vorsitzenden und dem Tanke dafür ebenfalls von ganzem .Herzen anschließt. Auf diese von lebhaftem Beifall begletteten Worte dankte der Vorsitzende dem Herrn Vorredner und allen denen, in deren Namen er gesprochen habe, herzlichst. Er könne wohl sagen, daß die sechs Jahre nüt zu den schwersten gehörten, die er während seiner Amtszeit dnrchgemacht habe. Ueberreiche Entschädigung für alle die M'ühe, Last, Arbeit und Sorgen, die mün mit den beiden Werken gehabt habe, gäbe aber das Bewußtsein, daß die Arbeit schöne Früchte getragen habe und daß man einen greifbaren Erfolg derselben sähe, einen Erfolg, der der Provinz und ihren Bewohnen: hoffentlich dauernd zugute kärn-e. Es wäre ftir ihn nicht Möglich/ die Dankesworte des Herrn Vorredners, die ihm' unvergeßlich bleiben würden, für sich allein in Anspruch zu nehmen. Die Arbeit wäre nur mit einem Provinzialausschuß zu Mächen gewesen und der mit seinem Vorsitzenden durch dick ::nd dünn gegangen sei, der in guter und auch in schwerer Zeit hinter seinem Vorsitzenden gestanden habe. Und es wäre auch nicht möglich gewesen, die Werke so produktiv zu leiten, wie geschehen, wenn nicht die große Zahl trerrer und aufopfernder Mitarbeiter zur Verfügung gestanden hätte. Wenn das Personal der Ueberlandanlage und ihr Leiter seine Kräfte während der Kriegszeit nicht auf das Alleräußerste angespannt hätten, dann wäre man jedenfalls nicht so durchgekomwen wie bis jetzt. Er bitte deshalb, daß der ihm ausgesprochene Dank auch allen denjenigen gelte, die in einer große::, aber durch bei: Krieg doppelt schweren Zeit, seine opferfteudigen Mitarbetter gewesen seien. Nacbde::: hierauf niemand Mehr das Wort wünschte, schloß der Vorsitzende die Sitzung. MrchUche Aachrlchten. Israelitische Religionrgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage). Samstag, den 13. Mai 1916: Vorabend: 8.3Ü Uhr. — Morgens: 8.30 Uhr. — Predigt. — Abends: 9.20 und 9.55 Uhr. Märkte. — Frankfurt a. M., 10. Mai. Der heute abgehaltrne Pferde markt war von etwa 300 Pferden aller Art beschickt. Bei den hohen Preisen war das Kaufgeschäft zunächst mäßig; erst als die Preise zurückgingen, hob sich der Handel. Die vorhandeiuv Schlachtpferde erzielten bei raschem Absatz sehr hohe Preise. Meteorologische Beobachtungen der Station Sietzen. Mai ? o ^ J-» a aj a» r cp o D 2*0 c ~ « S 5 c = *a il| a Q ~ £ Wetter 1916 2 -Q 9- j-» C o W ST«“ c?5 229257, 2306 23 .232283 Siibmissisns-ßglMliiiif der AM Wen. c DaS nachstehend verzeichnete Bau- und Nutzholz aus den Waldungen der Stadt Giesten soll im Submisstons weg verkauft werden. Das Holz ist nach den für die Domanialverwaltung geltenden Borschriften sortiert und mit der Rinde gemessen. Die Waldungen sind 3 bis 9 Kilometer von der Eisenbahnstation entfernt und an chaussierte Abfuhrwege angrenzend. DaS bis zum 1. Juli nicht abgefahrene Holz must bis dahin entrindet sein. Gegen von dem Oberbürgermeister als ausreichend erachtete Sicherheit wird Zahlungsfrist bis zum 15. No- vember 1916 gewährt. Das Gebot geht auf den Festmeter und ist für jede Klasse besonders anzugeben. Die Bietenden bleiben 14 Tage an ihr Gebot gebunden. Ev kommen zum Verkauf und sind bereits aufgearbeitet: , . Los I. 4 Kiefern-Stämme 3. Kl. <30-39 Ztm. Durchm.) 3,05 Fstm. ^ „ 4. „ (25-29 „ „ ) 17,83 „ b9 „ * 5. „ (unter 25 „ „ ) 25,46 „ . _ . r Los II. IFichten-Stamm l.KL(50Ztm.u.mehrDurchm.) L44Fstm. § „ -StämmeL. Kl. (40-49 Ztm. Durchm.) 2,68 Fstm. 15 „ „ 3. „ (30-39 „ „ ) 16,46 „ Hl r „ 4. „ (25-29 „ „ ) 93,97 „ IWeihtannen-Stamm 5a Kl. (20—24 Ztm.Durchm.) 0,53 „ Los III. 311 Fichten-Stämme 5a Kl. (20-24 Ztm.Durchm.) 170,64 Fstm. 91' ™ " 5b „ (unter20 „ „ )249,93 „ Auffcrdem find z. Zt. noch in der Aufarbeitung «nd kommen hier mit zum Verkauf etwa 300 bis L?0.,>c,tmctcr Fichten-Stämme, die vorwiegend in Klane 5 »allen. . das Fichlen-Bauholz Klasse 5a und 5b kann sich auch aus Teile des Holzes, jedoch nicht unter o0 Feitmeier erstrecken. Angebote sind verschlossen und mit der Aufschrift „Subminionsholzverkauf der Stadt Giesten" bis spätestens 20 . Mai 1016, vormittags 11 Ubr an den Oberbürgermeister der Stadt Gieffen einzureichen, woselbst um die angegebene Zeit die Eröffnung der Angebote in Anwesenheit etwa erschienener Bieter erfolgt. Wegen vorheriger Besichtigung des Holzes wende man sich an die Forstwarte Geisel-Giesten, Arft-Hochwarre bei Giesten und Brück-Rödgen bei Giesten. Auch erteilt die Grosth. Oberförilerei nähere Auskunft. Giesten, den 8. Mai 1916. 36646 Der Oberbürgermeister. I. V.: G r ü n e w a l d. 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Dauerhastigkeit und unübertreffliches Orig!nal--Fabrikat, Kann deshalb niemals mit wertlosen, hölzernen und billigen Nachahmungen verglichen werden 1 C. Donnert. München Landwehrstratze 53/1.