Nr. 83 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag«. Die ..«letz-ner LamlllenblStter- werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Xrelrblatt für den Lreir Stehen" zweimal wöchentlich. Die ^Landwirtschaftlichen Sett- fragen" erscheinen monatlich zweimal. 16 l'. Jahrgang General-Anzeiger für Oberheffen Freitag, 7 . Npr r? 1916 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Sleindruckerei. R. Lange, Gießen. Schriitleitung, Geschäftsstelle wDruckerei: Schul- straße7.Geschäitsstelle u. Berlag:^UK51, Schrift- leitung: «^112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Deutscher Reichstag. 40. Sitzung, Donnerstag, den 6. April 1916. Am Tische der DundesratS: d. Iagow , Capelle, Dr. H-lfferich. Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 16 Minuten und teilt mit, daß die Stimmen auf die einzelnen Ausschüße neu verteilt werden, da fick zwei neue Fraktionen gebildet haben, die Deutsche Fraktion und die Sozialdemokratische Arbeits. gemeinschaft. Der HMshalkspdnr für den Reichskanzler and das Auswärtige Amt. (Zweiter Tag.) Abg. v. Paher (F. Dp.)':' Auf die 17-Boot-Frage brauche ich nicht einzugchen, nachdem im Ausschüße eine Einigung erzielt worden ist. (Zustimmung.) Die Rede deS Reichskanzlers wird im Auslande beträchtliches Aufsehen erregen. Im Jnlande hat sie, soweit man bis jetzt übersehen kann, Befriedigung hervorgerufen, auch bei denen, die sachM nicht mit allen Einzelheiten einverstanden sind. Schon die Tatsache, daß die verbündeten Regierungen über daS, was sie wollen und bei den Friedensverhandlungen wollen werden, den Schleier ein wenig weg. gezogen haben, ist nicht ganz unerheblich. Die Herren, die hier in Berlin alles wißen, ahnen gar rncht, wie wissensdurstig diejenigen draußen ünd, die nichts wißen und die infolgedeßen das ganze Jahr hinourch wie ein Spielball zwischen Hoffnung und Furcht, zwischen Jrrtümern und Mißverständnissen hin- und hergeworfen werden. (Sehr gut!) Das ist nicht armselige Neugierde, sondern man will draußen die Sorgen mittragen helfen, man will Mitarbeiten. mit cingreifen. Wir find ja vom Regierungstische durch Mitteilungen über die Friedensziele nicht verwöhnt. (Heiterkeit.) Das mag schließlich auch berechtigt sein, denn unsere Regierung hat eine viel verantwortungsvollere Stellung als die Regierungen der feindlichen Länder, die sich jedenfalls über das Schicksal besetzter Gebiete den Kops nicht zu zerbrechen brauchen. (Gr. Heiterkeit.) Diese Kanzlerrede wird auch ein Echo bei denen finden, die im einzelnen nicht mit allem einverstanden sind, die aber aus der Tatsache der endlichen Erwähnung der Kriegsziele einen Schluß auf die Hoffnung der Verbündeten Regierung ziehen werden, daß der Friede sich nähert. (Hört, hört!) Aber man wird auch aus dem, was die Regierung als den Inhalt ihrer Ziele mitgeteilt hat, herauslesen können, daß niemand imstande sein wird, uns das zu entreißen, was wir be. sitzen. (Lebhafter Beifall.) Der Statusqno soll nicht wieder hergeftellt werden. Die befreiten Völker sollen nicht mehr unter die Herrschaft des reaktionären Rußlands zurückkommen, die Grenzen Preußens und Oesterreichs sollen nicht mehr ein Einsallstor für unsere Feinde bleiben. Im Westen wollen wir reale Garantien dafür haben, daß Belgien nicht mehr ein englisch- französischer Vasallenstaat bleibt und als Vorwerk gegen Deutsch- Ianb ausgebaut werden kann. Die begonnenen und kraftvollen Forderungen des Reichskanzler» zeigen, wie wenig die Angriffe gegen die Reichsleitung wegen der angeblichen Kraftlosigkeit berechtig waren. (Sehr richtig!) Vielleicht hätte die Reichsleitnng uns diese Mitteilungen schon eisvaS früher machen sollen. (Sehr richtig!) Die Erklärungen des Reichskanzlers entsprechen im wesentlichen dem, wovon sich die Fortschrittliche BolkSpartei überzeugt hat, oaß eine andere Lösung dieser schwierigen Frage nicht möglich ist. Im einzelnen find fie noch nicht spruch. reif. Weroen die Erklärungen deS Reichskanzlers den Frieden fördern oder verzögern? Wir müssen es abwarten. Wir können angesichts unserer militärischen, politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Lage unendlich viel leichter zuwarten, als unsere Gegner. Unsere Feinde sind vielleicht deu sehr realpolitischen Ausblicken des Reichskanzlers gegenüber zugänglicher als seinen Erklärungen im Dezember vorigen JahreS. (Der Reichskanzler betritt den Saal.) Der Friede kann nicht auf der Grundlage zustandekommen, wie es der Antrag der ganz linw stehenden Partei, der Antrag Bernstein, nahelegt. Wer kann er- warten, daß die Reichsleitung durch Einleitung von Friedens- Verhandlungen in diesem Augenblick eine Verständigung unter den Völkern suchen kann? (Sehr richtig!) Gewiß kann der Stärkere leichter den Frieden anbieten als sein Gegner, der Sieger leichter als der Besiegte. Aber bei dem Gegner muß eine gewisse Geneigtheit zu Friedensverhandlungen vorhanden sein. (Sehr richtig!) Die Neutralen Europas sind rncht auf Rosen gebettet. Sie müßen die schweren Opfer auf sich nehmen, ohne Hoffnung aus Ersatz, ohne Aussicht auf eine schönere und glücklichere Zukunft, wie sie die Kriegsführenden haben. Diesem Martyrium der Neutralen wird die Geschichte einmal ein besonderes Blatt zu widmen haben. (Sehr richtig!) Die holländische Presse ist jetzt in einem Stadium angelangt, das nicht nur Holland angeht. Wir sehen nicht die Ursachen hierfür, wohl ober die Tatsache, daß Holland sich gezwungen sieht, seine Küste und die Scheldemünhung nicht gegen das Deutsche Reich, noch weniger gegen unsere Bundesgenossen (Sehr richtig!), sondern gegen England zu schützen. Holland ist durch Belgiens tragisches Schicksal gewarnt. Wir dürfen hieran nicht schweigend vorübergehen. Wir sollen hier zum Ausdruck bringen, daß wir uns nicht bloß stammverwandt mit Holland fühlen, sondern daß wir auch ein außerordentlich lebhaftes Empfinden dafür haben, daß Holland in dieser Stunde nicht für sich allein, sondern auch wesentlich für uns zu denken hat. (Beifall.) Man will Holland die Kehle zuschnüren, damit dem deutschen Volke der Atem ausgeht. Ich empfinde tiefen Respekt vor der starken Kraft, mit der das holländische Volt durch seine ganze Gescbichte sich gegen alle seine Bedränger für seine Selbständigkeit und Freiheit gewehrt hat. (Lebhafter Beifall.) Der politische Einfluß der Vereinigten Staaten ist heute viel größer als je zuvor und steigt, je länger der Krieg dauert. Wir verstehen es, daß die Vereinigten Staaten ein besonderes Gewicht daraus legen, ihr Wort im Rate der Völker geachtet zu sehen, aber auch wir haben ein Recht auf Leben und Geltung. Wo mangelt es denn nicht an Zwischenfällen, bald mit uns und unseren Bundesgenoßen, bald mit unseren Gegnern. Das deutsche Volk, mit den Vereinigten Staaten von jeher durch Bande des Mutes und der innigen geistigen Verwandtschaft verbunden, vertraut, selbst bestrebt, gerecht zu sein, aller Verstimmung ungeachtet dem Gerechtigkeitssinn deS amerikanischen Volkes. Die Abwicklung aller Streitigkeiten überlassen wir ruhig unseren und den amerikanischen Diplomaten. Unsere Gegner schieben uns immer wieder kriegerische Absichten gegen d'e Vereinigten Staaten unter. Wir sind berechtigt und verpflichtet, zu erklären, daß daS nicht wahr ist. (Sehr gut!) Die Vereinigten Staaten können der Menschheit jetzt vielleicht einen der wertvollsten Dien st e leisten, wenn sie sich bemühen, ruhig und besonnen die Flammen des Weltkrieges in Schranken zu Hallen. (Sehr richtig!) Unseren Bundesgenossen hat der Reichskanzler einen Satz gewidmet, aber dieser war sehr bedeutungsvoll. Wie sehr auch die Meinungen über Einzelheiten auseinandergehen mögen, eine Annäherung der Bundesgenossen muß stattfindcn, sonst wäre das Kriegsergebnis lückenhaft. Unsere Feinde wollen uns nach Friedensschluß noch durch einen Wirtschaftskrieg zu Besiegten machen. Das klingt schon wie ein stiller Verzicht auf die politische und militärische Niederzwingung. (Sehr richtig!) Dagegen werden wir uns bei den Friedensverhandlungen zu schützen wißen. Unsere Krieger müssen als vollgültige Staatsbürger heimkehren. Den Zensor muß man verdauen, wie er ist, er ist kaum genießbarer zu machen. Nachdem der Reichskanzler die Kriegsziele der Reichsleitung verkündet hatte, wird sie es dem gemeinen Mann nicht verwehren wollen, auch seine Kricgsziele auszusprechen. Die wirtschaftlichen Maßnahmen ließen es an Uebersicht und Einheitlichkeit fehlen. Erhöhungen der Höchstpreise erschienen als Prämien für den Eigennutz und Strafen für loyales Verhalten. Die Probe auf das Exempel dürfen wir nicht noch einmal machen. (Sehr richtig!) Mehr Rücksichtslosigkeit gegenüber den Interessenten. Unsere Ernährung ist jedenfalls gesichert. Hoffentlich wird das Erntejahr 1916 gegenüber dem ausnahmsweise schlechten Vorjahr ausnahmsweise gut oder wenigstens normal. Die Regierung hat ein feierliches Versprechen auf Abänderung des Vereinsgesetzes zu Gunsten der Gewerkschaften abgegeben. Die Vorlage sollte alsbald kommen. Der auf die Firma gezogene Wechsel ist akzeptiert, und muß nun auch ohne Rücksicht aus Meinungsverschiedenheiten über die Art und Zahlung innerhalb der Firma eingelüst werden, sonst verliert sie ihren Kredit. (Sehr gut!) Es wäre die erste Abschlagszahlung auf die große Neuorientierung, die kommen muß. Käme sie nicht, so würde man künstlich Mißtrauen züchten und Wasser auf die Mühlen derjenigen leiten, die dem Volk einreden möchten, alle Versicherungen seien aus Täuschung berechnet, und nach dem Kriege werde es im Innern noch viel schlimmer aussehcn als vorher. Die Regierung darf nicht die politische Tragweite der Aenderung des Reichsvereinsgesetzes verkennen. Sonst macht sie einen großen Fehler. (Beifall) Abg. Dr. Strcscmann (Natl.): Der Reichskanzler hat bas richtige Wort gefunden-, als er dem Empfinden des deutschen Volkes gegenüber den Taten unserer Heere zu Wasser und zu Lande Ausdruck gab. Namentlich in unserer Kolonie Deutsch-Ostafrika halten unsere Landsleute gegen eine Ilebermacht ohnegleichen die deutsche Flagge hoch, abgeschnitten von uns. Hoffentlich gelingt es ihnen, mit Gottes Hilfe bis zum Friedensschlüsse durchzuhalten. Was in den bisherigen zwanzig Kampsmonaten von unserem Heer geleistet worden ist, stellt sich würdig den größten Taten der alten Gri e ch en und Römer zur Seite, die uns auf Grund unserer Erziehung von Augen stehen. In Zukunft möge au Deutschlands Schulen und Hochschulen in der staatsbürgerlichen Erziehung die Jugend mehr von Moltke und Hindenburg als von Caesar und Alexander hören. (Zustimmung.) Wenn morgen Generalfeldmarschall von Hindenburg sein 60jährigeS Militärjubiläum feiert, dann erscheint als Gratulant das ganze deutsche Volk. (Lebhafter Beifall.) Einmütig ist unsere Empfindung, daß ein gütiges Geschick uns diesen Mann in seiner ganzen Genialität und Schaffenskraft noch recht lange erhalten uröge, der für Ostpreußen und im Osten überhaupt so Unvergängliche- für uns getan hat. (Stürmischer Beifall.) Töricht wäre eS, leugnen zu wollen, daß die Blockade unserer Gegner nicht nach vielen Richtungen hin wirkte. Davon zeugt unsere ganze Gesetzgebung. Auf der Pariser Konferenz ist beschlossen worden. diese Erdrosselung, wie sie unseren Feinden vorschwebt, noch weiter mit allen Mitteln zu verschärfen. Das zwingt uns, auch alle unsere Machtmittel in vollem Umfangean- zuwenden. Wir haben die Mittel, England in seinem Lebensnerv zu treffen, und verlangen, daß man von ihnen Gebrauch macht. Die berechtigten Interessen der Neutralen sind bisher von unserer Reichsleitung in minutiösester Weise gewahrt worden. Unberechtigte Ansprüche neutraler Mächte müßen aber zurückgewiesen werden. Die Ausdehnung, die die Vereinigten Staaten dem Begriff der Neutralität gegeben haben, ist unvereinbar mit der deutschen Auffassung. (Sehr richtig!) Man kann nicht verlangen, im Kriegsgebiet mit bewaffneten Schissen spazieren zu sahrey. (Sehr richtig!)^ Hoffentlich wird der 17-Boot-Krieg im Sinne des Beschlußes unseres R'eichshaushaltsausschußes geführt. (Zust.) Offen habe ich anerkannt, daß wir wirtschaftlich durch die Blockade unserer Feinde in einer schwierigen Lage sind. Aber niemand unter uns nimmt an. daß Deutschland dadurch irgendwie jemals zum Erliegen kommen könne. Gewiß ist manche Erscheinung wenig erfreulich. Wi^ stehen vielleicht den Tatsachen zu nahe und sehen daher die Fehler zu klar. Die Geschichte wird aber einmal das. was hier geleistet ist, als eine Großtat deutscher Organisation und deutscher Wirtschaft rühmen. (Sehr richtig!) Der Abgeordnete Ebert hat gestern dem Wunsche nach Frieden, der in Deuffchland wie in anderen Ländern vorhanden ist, Ausdruck gegeben. Mit Recht hat er hinzugefügt, angesichts unserer militärischen und politischen Lage könne niemand darin ein Zeichen der Schwäche erblicken. In Deutschland werden seine Worte, die von einem hohen vaterländischen Sinne getragen waren, nicht-- nmgedeutet werden. Wenn das Ausland seinen Ausführungen falsche Motive unterschiebt, so können wir das nicht ändern. Die Friedenssehnsucht der ganzen Welt entspricht nur der Kulturhöhe der Völker. Ernste Stimmen weisen jetzt schön aus das Verhältnis zwischen Europa und Amerika nach dem Kriege hin. Europa ist dann ein aus tausend Wunden blutender, zuckender Körper. Niemals wird dann das Wort berechtigter gewesen sein: Amerika, du hast es besser! Im deutschen Volke herrscht exne tiefe Entrüstung über di^ amerikanische Auffassung der Neutralität, die den Charakter der Ausnutzung der Kriegstonjunktur in schrankenloser, man möchte fast sagen: schamloser Weise zeigt. So ethisch begründet aber d'e Friedenssehnsucht sein mag. sie scheitert an den starken Realitäten des Völkerdaseins. Die internationale Völkergemeinschaft, die vor dem Kriege bestand, kann nicht wieder aufleben. Wenn man ein Volk wie das deutsche jetzt als Hunnen und Barbaren hinstellt, ist cs nicht leicht, die Brücken wiederzugewinnen zu denen, die das jetzt tun. Deutschland kann die geistige Isolierung leichter. als irgendein a. dercs Volk ertragen. E§ hat der Welt wehr gegeben, als zurück' erhalten. (Zustimmung.) Das Friedcnsbegehren muß begrenzt sein durch den Gesichtspunkt der Freiheit des deutschen Landes und der Sicherung seiner Grenzen im Westen und im Osten. Ein unangreifbares Tentsch- land ist die stärkste Friedensbürgschast für Europa. Ein Standpunkt, den Frieden durch Verzicht auf weltpolitische Expansionen, durch Verständigung und Entgegenkommen gegen andere Völker zu sichern, wäre für mich diskutierbar, wenn wir nicht die Erfahrungen des Weltkrieges hinter uns hätten. Jahrzehntelang haben wir diese Politik geführt, haben die Verlegenheiten anderer Völker nicht zu unseren Gunsten ausgenutzt. Das zeigen der russisch- japanische Krieg, der Durenkrieg und die Marokrokrise. Ein großes französisches Kolonialreich ist entstanden: Italien bat Tripolis ge- nonimen, Rußland und England teilten sich Persien. Als Dank für unsere Haltung haben wir eine Welt von Feinden, Haß und leidenschaftliche Abneigung zum Teil selbst bei den Neutralen geerntet. Propter invidiam ist dieser Krieg, Sympathien hatten wir nur solange in der Welt, wie wir ohnmächtig waren, als noch nicht aus Michel dem Träumer Michel der Seefahrer geworden war. Die ganze neuere englische Geschichte zeigt das. Nur um das blaue Band des Ozeans wieder zu gewinnen, hat England nicht notleidende englische Schiffahrtsgesellschaften mit großen Summen unterstützt. Nur ein starkes unangreifbares Deutschland sichert einen dauernden Frieden. Deshalb danken wir dem Reichskanzler für seine gestrigen Ausführungen. Wir wollen keine Völker unterdrücken, aber auch nicht dulden, daß andere das tun. Er hat dabei aus die deutschen Balten hingewiesen. Zahlenmäßig stehen die Balten hinter den Esten und Letten zurück, aber sie haben dem ganzen Lande ihre Kultur und ihr geistiges Leben ausgeprägt. Dem deutschen Volke ist gar nicht genügend bekannt, welche Fülle deutschen geistigen Lebens in Dorpat ihren Ausgang genommen hat Stützen wir das Deutschtum jetzt nicht, dann ist cs rettungslos der Russisizierung verfallen. Mit dem Programm des Reichskanzlers bezüglich der Flamen sind wir einverstanden. Sie dürfen nicht der Ver- welschung anheimfallen. Das entspricht auch den Empfindungen der Flamländer. Neben den kulturellen Interessen birgt die belgische Frage auch große politische Pryblemc in sich. Wenn wir wünschen, daß Belgien nicht wieder ein Glacis für unsere Feinde wird, dann muß nicht nur der Status quo ante ausgeschlossen, sondern die politische, militärische und wirtschaftliche Vorherrschaft Deutschlands gesichert sein. (Zustimmung.) Dies um so mehr, als der Reichskanzler die Erringung der Freiheit der Meere in früheren Reden als Kriegsziel hingestellt hat. Tie Tatsachen des Krieges reden da eine harte Sprache. Alle Völkerrechtsgrundsätze sind wie Zwirnsfäden zerrissen. Im Frieden haben wir eine Freiheit der Meere. Die wirkliche Freiheit zeigt sich aber erst, wenn die Völker aufeinanderschlagen. Internationale Verträge gewährleisten sie nicht. War denn Griechenland durch da^ Völkerrecht vor den schamlosen Zumutungen der Entente gesichert? Wir müßen aus dem nassen Dreieck herauskommen an das Meer. Aus entfernten Meeren dürfen unsere Kreuzer nicht mehr in so unglücklicher Lage sein wie zu Anfang des Krieges. Unsere Ziele nehmen Rücksicht aus das Eigenleben anderer Völker, als Grundlage muffen sie jedoch das Interesse deS deutschen Volkes haben, das sich nach den unendlichen Opfern, die gebracht worden fiftb, seine Zukunft sichern will. Die Verständigung über ein wirtschaftliches Kriegsziel fordert die Sicherstellung der Freiheit der Betätigung deutscher Schaffenskraft. Wir sind Vorkämpfer dieser Freiheit, die von unfern Gegnern schamlos unterdrückt worden ist. Englands planmäßige Unterdrückung deutschen Eigentums wird ewig ein Schandfleck in der Geschichte der englischen Kaufmannschaft sein. Nicht nur wurden die deutschen Unternehmungen liquidiert, sondern auch die Geschäftsbücher verbrannt. Die Zivilbevölkerung wurde in Sammellägern untergebracht. In Rußland wurde der Kampf gegen das gesamte Deutschtum geführt. Der portugiesische Schisfs- diebstahl ist auf daS Londoner Konto zu verbuchen. Wir sind dem feindlichen Vorgehen nur Schritt für Schritt gefolgt. Die ausländischen Unternehmungen werden von Deutschen wie deutsches Eigentum verwaltet. Einstmals war der Begriff von Treu und Glauben im internationalen Verkehr wichtiger als alle geschriebenen Gesetze. Nach der Zerstörung dieses Begriffes durch England muß das Deutsche Reich sich anders verhalten. Wie der Reichskanzler sich des zerstörten deutschen Eigentums in Rußland annehmen will, muß sich das Reich aller deutschen Forderungen im Ausland annehmen Mit der Wiederherstellung der Rechtsverhältnisse wäre der deutschen Kaufmannschaft nicht gedient. Vor ausländischen Gerichten hat der deutsche Kaufmann schon im Frieden sein Recht nicht gefunden. Dankbar sind wir den Deutschen im Ausland, die unter den schwierigsten Verhältnissen fast ausnahmslos ihrer alten Heimat die Treue bewahrt haben. Gegenüber einer Welle von Haß haben sie in der Not dem Vaterland ihr Herz zugeneigt. Damit i)f die Grundlage für ein großes geistiges Hundertmillionenvolk der Zukunft gegeben. Sie haben auch ihre politische Macht zu unfern Gunsten ausgenutzt selbst wo sie in der Minderheit sind, um Gerechtigkeit für uns zu erlangen. Den deutschen und englischen Außenhandel darf man nicht nach den Ziffern allein beurteilen, sondern man muß die Quellen beachten, aus denen der Ausfuhrhandel entspringt. Von der englischen Gesamtausftchr von über nerrn Milliarden gingen mehr als drei Milliarden, also mehr als ein Drittel, nach den Kolonien und Protektoraten. Dieses Drittel beruhte also lediglich auf der politischen Machtquelle Englands. Wenn lrnr bei uns und England den Teil von dcr Gesamtausfuhr abziehen, dann bleiben für das letzte Jahr vordem Krieg für das Gebiet des fteien Wettbewerbs neun Dtilliar- den für Deutschland gegenüber sechs Milliarden Ausfuhr bei England. Deshalb ist uns mit dem Grundsatz der offenen Tür rncht allem' genutzt. Die Erhaltung des deutschen Kolonialbesitzes ist nicht nur vom Standpunkt des Prestiges und der kolonialen Interessen, sondern auch vom Standpunkt der wirtschaftlichen Interessen eine Notwendigkeit. Ob der Wirtscba fish lock der Errtente kommt, iil mir zweifelhaft. Dazu gehört geographische Zusammengehörigkeit. Zwischen Rußland und Frankreich liegt aber geographisch das Deutsche Reich. Ter Gedanke eines greatcr Britain, eines Groß- england, das politisch und wirtschaftlich und durch gemeinschaftliche Zölle, die sich gegen uns richten, zusammenhängt, wird jedoch nach dem Kriege wahrscheinlich Wahrheit werden. Auch mit starker Bvckottterung in Frankreich müssen wir rechnen, mit verstärkten handelspolittfchen Maßnahmen in Rußland und mit einer Präponderanz der durch den Krieg gestärkten Vereinigten Staaten im Kampf um den Weltmarkt. All dem gegenüber brauclxm wir einen Schrrtz der deutschen Forderungen im Ausland. Besondere Wichtigkeit bat die Regelung der UebergangSzeit vom Krieg zum Frieden, die Neberführung des heutigen Zustandes des wirtschaftlich isolierten Staates in dem freien Wettbewerb. Das darf nicht ausschließliche Angelegenheit der Regierung sein. Die Mitarbeit von Handel und Industrie darf nicht gering eingeschätzt werden (lebhafte Zustimmung), damit sich nicht manche Erscheinungen, die wir heute schon beklagen. später um so stärker wiederholen. Die Textilarbeiter sollten die grundsätzliche Bedeutung einer Kontingentierung der ausländischen Einfuhr nach dem Frieden einsehen. Das ist keine Schutzzöllnerei, sondern eine Sicherung zugunsten unserer In- dustrie. Ein Volk von 70 Millionen hat eine Kaufkraft, die man nicht vom Weltmärkte ausschalten kann. Ein solches Volk kann man nicht ohne eigenen schweren Schaden mit einem Zollkrieg überziehen. Dann die zollpolitische Verständigung mit unseren Verbündeten. Man blutet nicht auf den Schlachtfeldern miteinander und bekämpft sich danach wirtschaftlich. Wenn die Feinde einen Wirt- schcrftsblock gegen uns gründen wollen, dann kann ein solches An-, rennen besser zurülkgeschlagen werden, wenn ihm ein Gebiet von 120 Millionen Menschen gegenübersteht. Den Weltmarkt geben wir nicht auf, sonst würde ja Englands Kriegsziel erreicht werden. (Lebhafte Zustimmung.) Mit dem ersten Schiffe, das von Bremerhaven oder Cuxhaven ausfährt, beginnt dieser Weltkampf von neuem, und er wird mit der alten deutschen Schaffensfreudigkeit geführt werden. (Beifall.) Was wir dem Os^en geben können, ist deutsches Kapital zur besseren Erschließung seiner Hilfsquellen. Mitteleuropa soll aber nicht so aufgefaßt werden, als wäre es hie künftige Grundlage unserer Wirtschaftspolitik. Es ist ein politisches Problem. In ihm spricht sich aus das tiefe Verstehen zwischen Deutschland und seinen Verbündeten, der Gedanke, das jetzige Bündnis zu einem Bündnis für alle Zeiten zu machen. Wann war wohl Bismarck am größten und genialsten? In der Stunde schweren Kampfes mit seinem König, als er durch den Frieden von Nikolsöurg die Grundlage dafür legte, daß der damalige Feind der Verbündete der Zukunft wurde. (Lebhafter Beifall.) Was aber damals richtig war gegenüber dem stamm- und blutsverwandten Oesterreich-Ungarn, das gilt nicht etwa infolge einer schiefen Gedcrnkenzusammenstellung auch für Franzosen, Engländer und Rüsten. (Zustimmung.) Viele Fäden führen jetzt von uns nach Oesterreich-Ungarn, Bulgarien und der Türkei. Wir tvollen ein politisches Mitteleuropa begründen. Im Innern gab es in der Kriegszeit fast keine Streiks, keine Kraftproben zwischen Unterneymern und Arbeitern. Bei uns brauchten keine Minister bei den Arbeitern um Ueberstunden für Kriegslieferungen zu betteln wie in England. Die Arbeiterschaft hat aus eigenem vaterländischen Willen dos Notwendige getan. Sie hat sich an Patriotismus von keinem anderen Beruf übertreffen lasten. (Beifall.) Auch wir wünschen, daß die Berufs- Vereine bald von der politischen Einengung befreit werden. Das wird ein erster Schritt zu der politischen Neuentwicklung sein, die wir in freiheitlichem Sinne in Reich und Bundesstaaten ertvarten. Auch die Frage des Wa h l r e ch t 8 der Bundesstaaten ist eine deutsche Frage. (Beifall links.) Wir streben ein größeres Deutschland an, als liberale Partei aber auch ein freies Deutschland. (Beifall links.) Da? deutsche Kaisertum kann nie fester verankert werden, als wenn es sich aufbaut auf der vertrauensvollen Hinneigung eines freien und selbstbewußten Volkes. (Lebhafter Beifall links.) Wenn je ein Volk Vertrauen verdient, dann ist es das deutsche Volk der Gegenwart. Es hat Gut und Blut hingegeben für das deutsche Vaterland. Seine hingebungsvolle Opferfreudigkeit sollte belohnt werden durch Freiheit noch außen und nach innen, (lebhafter Beifall.) Abg. Gras Westarp (Kons.): Wir meinen, alles was von dem einen Ziel der Gewinnung dieses Krieges abweicht, alles was die Einigkeit, den einheitlichen Kampfeswillen stören kann, sollte heute zurücktreten. (Beifall rechts .) Ganz abgesehen davon, daß nach unserer Austastung die Gestaltung des Wahlrechts nicht Sache des Reichstags, sondern der Einzelstaaten ist. Deshalb verlasse ich die grage des Vcreins- rechts und deS Wahlrechts, ohne sachlich darauf einzugehen. (Beifall rechts.) Unter den Aufgaben, die unß im Kriege im Innern beschäf. tigen, steht im Vordergründe der Kampf gegen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Wir verkennen die schwe- ren Schädigungen nicht, die für die breiten Masten unserer Verbraucher erwachsen sind. Wir treten der Not mit dem ernsten Willen entgegen, Abhilfe zu schaffen. Aber cs ist wohl nicht richtig, die Dinge einseitig so darzustellen, als ob Einschränkungen und Schädigungen nur auf seiten der Verbraucher sind. Auch die erzeugenden Stände leiden schwer unter dem Kriege. (Sehr richtig! rechts.) Man darf es nicht so darstellen, als wenn Landwirtschaft, Handel und Industrie nur Vorteile hätten. Auch die L a n d w i r t sch a f t leidet schwer. (Sehr richtig! rechts.) ES fehlt ihr an Betriebsmitteln, an Pferden, der Viehstand ist zurückgegangen, die besten Arbeitskräfte sind eingezogen, der Leiter der Wirtschaft ist draußen im Felde. (Sehr richtig! rechts, Zuruf links: Wie in allen anderen Berufen!) Trotz aller Schwierigkeiten können wir der weiteren Entwicklung mit aller Zuversicht entgegensehen. Groß sind die Verdienste der Industrie, die sich rückhaltlos in den Dienst des Vaterlandes gestellt hat. Auch hie Haltung unserer Arbeiterschaft verdient die größte Anerkennung. Groß find auch unsere finanziellen Leistungen. Wir müssen unsere Organisation immer mehr und mehr cmsbauen, uns dabei aber vor allen: stets auf das Einigende besinnen. Zorn, Erbitterung und Empörung dürfen nicht gegenüber anderen Volkskreisen zum Ausdruck kommen, sie gebühren dem Feinde, der die Schuld an allem trägt. Mit Recht hat der Kanzler gesagt, derStandderDinge vor dem Kriege besteht nicht mehr. Das gilt ganz besonders in unserem Verhältnis zu England. Daß wir uns auf dem Festlande gegen zwei Fronten zu verteidigen hätten, wußten wir, wir Hostien aber, mit England doch zu einem erträglichen Verhältnis zu gelangen. Der Krieg hat diese Meinung beseitigt. England hat während der letzten Jahrzehnte rücksichtslos das Ziel der Niederwerfung Deutschlands verfolgt. Jedes Mittel war ihm. recht. Wir weüen aber auch nach dem Kriege den Kampf um die Weltherrschaft nicht auf geben, wir müssen ihn mit aller Energie weiterführen. England ist ohne Rücksicht brutal über die Interessen der Neutralen zur Tagesordnung übergegangen. Wir sind bei dem Kampfe um die Freiheit der Meere vor allem auf Hemmungen gestoßen, die uns aus Amerika gemacht wurden. Ueber die Politik des Präsidenten der amerikanischen Republik viel Worte zu verlieren ist überflüssig. Dem Reichskanzler skimnien wir zu, daß kein Neutraler verlangen kann, daß wir uns nicht gegen den Völkerrechts- widrigen Aushungerungskrieg der Engländer mit allen Kräften wehren oder daß wir uns die Abwehrmittel dagegen verkümmern lasten. (Sehr richtig!) Die Notwendigkeit, diesen Krieg so bald wie möglich durch kraftvolle Einsetzung oller Machte mittel zu beendigen, stiird durch kein noch so berechtigtes Interesse eines neutralen Staates an Bedeutung überragt. Wir haben unsere Meinung nicht geändert, stimmen aber dem Beschluß des Haushaltsausschusses zu, da wir in seiner fast einmütigen Am. nähme einen hohen Wert erblicken. Auch bezüglich der F r i e - d e n s z i e l e hoffen und glauben wir. daß schließlich eine größere Einmütigkeit als gegenwärtig sich Herausstellen wird. Der Reichs- kanzler sagte, Deutschland müsse nach dem Kriege so festgefügt und stark beschirmt sein, daß niemand mehr in Versuchung gerate, uns vernichten zu wollen. Ich möchte hinzufügen, sollte dies aber doch ein Feind versuchen, dann müssen seine Angriffe schneller als bisher und weiter von unfern jetzigen Grenzen entfernt zerschellen. (Beifall.) Weiter führte der Reichskanzler mit Recht aus, niemals wieder dürfe ein Feind seine Heere an den Grenzen Ost- und Westpreußens aufmarschieren lasten können. Das gleiche gilt auch für unsere Westgrenze. (Sehr richtig!) Auch unsere überseeischen Besitzungen müssen besser geschützt werden. In Belgien muß der vlämische Volksteil bester in seiner Eigenart bewahrt bleiben, als das unter den bisherigen verwelschenden Einflüssen möglich war. Belgien darf nicht wieder ein Bollwerk und Vasallenstaat unserer Feinde werben. Das können wir aber nicht durch Verträge erreichen, sondern nur dadurch, daß wir das Land fest in unserer Hand behalten. Gewiß besteht in dieser Frage ein Unterschied zwischen den Freunden des Abgeordneten Ebert und uns. Diese Meinungsverschiedenheiten müssen wir offen und ehrlich unter einander austragen. Ich hoffe, daß der Krieg mit seiner Wahrhaftigkeit und dem Zwange seiner unerbittlichen Tatsachen dazu beitragen wird, auch hier die Meinungen immer mehr zu nähern. Die polnische Frage ist ganz gewiß eine der schwierigsten Fragen, die eine Lösung finden muß, bei der die deutschen Interessen ebenso wie die österreichischen Interessen zur Geltung kommen und gegen einander abgewogen werden müssen. Unsere treue Waffenbrüderschaft bürgt dafür, daß wir auch in Zukunft mit unseren Verbündeten in gemeinsamer und gleichberechtigter, politischer und wirtschaftlicher Betätigung zusammenstehen. Abg. Dr. Werner-Gießen (Deutsche Fraktion): Dem Dank des Reichskanzlers für die tapferen Truppen schließen wir uns durchaus an Die Opfer des Krieges dürfen nicht vergeblich gebracht sein. Ein Frieden, der weder Sieger noch Besiegte kennt, genügt uns nicht. Die Allerweltspresse, wie daS „Berliner Tageblatt", diese Flaumacher, können alles schreiben, den Blättern, die eine andere Meinung haben, aber wird das Wort verboten. Das geht nicht weiter so Landwirtschaft und Mittelstand müssen gegen ungerechtfertigte Angriffe geschützt werden. Gleichmäßigkeit und Gerechtigkeit verlangen wir von der Zensur. Es fehlt an einer geeigneten Verteilung der Lebensmittel. Daran muß unbedingt etwas geändert werden. Berücksichtigt muß auch der Kleinhandel werden, nicht immer nur der Großhandel. Abg. Haase (Soz. Arbeitsgemeinschaft) spricht zunächst über die lll-Bootfrage. Die Konservativen haben einen Mitztrauensantrag gegen die Regierung vorgelegt. Der Einigungsantrag nachher war kein Vertrauensantrag. Den Konservativen warf man vor, sie hatten die Einheit gestört, sie hätten Landesverrat geübt. Dr. M ü l l e r. M einin g e n sprach von einem unerhörten politischen Spektakekstück. Die bürgerliche Presse hat mit überlautem Geschrei die Angriffe gegen die Konservativen und Nationalliberalen zu übertönen versucht. (Lacken.) Man hat mich in der unanständigsten Weise angegriffen. Man hat die blöde Behauptung ausgestellt, ich vertrete die Interessen des Auslandes! Weite Kreide darben. Durch scharfes Zugreifen könnte die Regierung manches bessern. Noch nie wurde der Ta nz um das goldene Kalb so schamlos aufgeführt wie jetzt. Sogar ein Konsistorialrat mußte in der .Kreuzzeitung" denjenigen ins Gewissen reden,-die vom Kriege nicht persönlich berührt werden. Was soll aus Polen werden? Wir sind nach- drücklichst gegen eine Teilung Polens! Das polnische Volk muß selbst entscheiden. Was soll mit den Balten, Letten und Lita.'.ern geschehen? Die dortigen Sozialdemokraten waren stets gegen eine Trennung von Rußland. (Hört! Hört!) Auch sie müssen selbst entscheiden. Wir sind immer gegen Annexionen. Die Spuren Elsaß-Lothringens schrecken. Frankreich ist dadurch in die Arme Rußlands getrieben worden. Wollen Sie jetzt Rußland in die Arme Englands treiben? (Große Heiterkeit.) Wenn wir das Belgien, z u g e f ü g t e Unrecht gut machen (Große Unruhe und Erregung, Rufe: Unerhört!), dann haben wir bald den Frieden. (Lebhafte Unruhe.) Man kann* doch die Worte wiederholen, die der Reichskanzler am 4. August gesprochen hat. (Unruhe.) War die Erklärung des Reichskanzlers über Bclgiem unklar, so har Dr. Spahn klar ausgesprochen, daß Belgien wirtschaftlich, politisch und militärisch in unsere Hand kommen soll. Diese Form der Annexion ist schlimmer als die Wegnahme eines Teils des Landes. Der Alldeutsche Verband. Ortsgruppe Köln, verschickt jetzt ein Schriftstück. daS Siedlungsland verlangt und das mit dem Rufe schließt: .Land, Land. Landl" (Heiterkeit.) Staatssekretär de§ Auswärtigen Amtes von Jagow: Als ich die Erklärung über Belgiens Neutralität abgab, wußte ich nicht, daß Belgien nicht neutral war. Ich mußte es für ein neutrales Land halten. Als der Reichskanzler seine Erklärung vom 4 August 1914 abgab, konnte er nicht wissen, daß Belgien bereits innerlich Stellung genommen hatte. ES ist nack. her gründlich erwiesen worden, daß die Schuld auf Belgiens Seite lag. Wie solche Aeuherunaen, die der Abgeordnete Haase eben getan hat, im AuSlanoe wirken, zeigt eine Äeußerung der Zeitung „Oeuvre". „Die letzte Reichstagsrede Haafes kommt einem Siege gleick. Wenn in Frankreich ein Abgeordneter nur ein Wörtchen van dem gesagt hätte, was Haase gesagt hat, so hätten ihn seine Kollegen unfehlbar gesteinigt." (Stürmisches Hört, hört!) Abg. Scheidemann (Soz.): Der Reichskanzler hat gestern ausgesprochen: «Für Deutschland, nicht für ein fremdes Stück Land bluten und sterben Deutschlands Söhne." (Beifall.) Das war die Unterstreichung und Bekräftigun' ^ des Satzes vom Beginne des Krieges her: „Uns treibt nicht Eroberungssucht!" DaS war auch eine Unterstreichung des Satzes, den er gestern aussprach: .Nicht Ländergier ist es, was uns treibt!" Das war eine für mick neue und klare deutliche Absage an allerlei Phantasten. (Sehr richtig!) Nicht alle haben aus der Kanzlerrede das gleiche gehört. Man deutelt hier und da. Die Herren Stresemann, Spahn und Graf Westarp haben daraus mancherlei gemacht, wag meines Erachtens nickt in Einklana mit dem, was der Reichskanzler gesagt hat, steht. Wenn sich oer Reichskanzler nachträglich zu den Zielen des Grafen Westarp bekennen wollte — zu Zielen, deren Verwirklichung einen möglichen Frieden hinausschieben müßte —, dann, so kann ich mit Bestimmtheit sagen, würde der Herr Reichskanzler mit den Abgeordneten Svahn und Graf Westarp den Krieg allein fortsetzen. (Sehr gut!) Wenn aut Flugschriften hingewiesen wird, in denen alle möglichen Forderungen aufgestellt werden, dann erinnere ich daran, daß derartige Flugschriften auch im Frieden wenig Wert haben. Auch ich hätte gewünscht, daß der Reichskanzler sich an manchen Stellen so klar und deutlich ausgedrückt hätte, daß jede Dentelung unmöglich wäre. Aber man muß seinen Ausführungen schon Gewalt antun., um daraus Eroberungen und Vergewaltigungsabsichten herauszulesen. Wenn es gelingt, die vom Zarismus unterdrückten Polen ftei zu machen, würde sich die ganze Kulturmenschheit darüber freuen. Wenn es gelingt, den Flamen im Friedens- vertrag auf Grundlage ihrer Sprache die Möglichkeit zu sichern, ihre reiche Kultur zu pflegen, so frage ich, ist das Vergewaltigung? (Lebhaftes Sehr gut!) Gegen jede Vergewaltigung, dre dabei in Betracht käme, müßten wir uns selbstverständlich auf das entschiedenste wehren. Der Reichskanzler hat gesagt: das Europa, das aus dieser ungeheuerlichsten aller Krisen entstehen wird, wird in vielen Stücken dem alten nicht mehr gleichen. An anderer Stelle: den Status quo ante kennt nach so ungeheuren Geschehnissen die Geschichte nicht. (Sehr richtig!) Mau muß ein politischer Kindskopf sein, wenn man sich einbildet, daß ein ganzer Weltteil in Flammen steht, daß Millionen und Millionen getötet werden, daß unermeßliche Kulturgüter vernichtet werden — man muß, so wiederhole ich, ein Ki n d s k o p f sein, wenn man sich einbildet, daß das alles zerstört und vernichtet werden kann, ohne daß auch nur ein einziger Grenz st ein dabei verrückt wird (stürmische Zustimmung), den irgendein langst vermoderter Diplomat vielleicht besetzt hat. Wenn man nicht in Ehrfurcht erstirbt für die lebenden Diplomaten, dann soll keiner verlangen, daß ich in Ehrfurcht ersterbe vor den Leuten au§ der Zeit der heiligen Alliance. (Lebhafte Zustimmung und Heiterkeit.) Wir müssen uns wehren auch mit dem U- Boot, damit unsere Frauen und Kinder nicht dem Hunger tode überliefert werden. (Stürmischer Beifall.) Wir würden der Resolution nicht zustimmen können, wenn sie nicht ausdrücklich sagte, daß die berechtigten Interessen der neutralen Staaten berücksichtigt werden sollten. Die Resolution Bernstein müssen wir ablehnen. (Beifall.) . In Kriegsfragen muß man Vertrauen zu den verantwortlichen Stellen haben Bei dem Kampf um die Erweiterung der Volks- rechte wird Herr von Hehdebrand uns jederzeit an seiner Seite finden. Als erstes Ziel möchte ich ihm das zweite HauS in der Pr inz-Albrecht-Straße Vorschlägen. (Heiterkeit.) Und da müßten wir die erste Bresche legen, um einmal tüchtig hin- einleuchicn zu können. Das Deutsche Reich opfert nicht seine Söhne wie ein vormärzliches Preußen. Es kämpft nicht nur für die Unabhängigkeit nach außen, sondern der Kampf geht auch um Freiheit und Unabhängigkeit im Innern. (Zustimmung bei den Soz.) Fremde Völker unterjochen wollen, ist ein Verbrechen, dauernde Rechte nach dem Inhalt des Geldbeutels abstufen wollen, ist eine Dummheit, die sich rächen muß. Gegen die Art, wie gewisse militärische Befehlshaber ; n den Reichslanden ihre Stellung auf- zufassen belieben, erhebe ick Einspruch. Der Reichskanzler sollte dort einmal nach dem Rechten sehen. Dank gebührt unseren tapferen Frauen, die daheim tun, was in ihren Kräften steht. (Beifall.) Unser tägliches Brot ist noch notwendiger als die Munition. (Zustimmung.) Deutschland soll nach den englischen Wünschen zum Bettelvolk Europas gemacht werden. Wir ringen wirklich um unsere Existenz, um die Zukunft unserer Kinder! (Lebhafte Zustimmung.) Die Abrechnung, mit denen, die unfern Kriegerfamilien das Leben verteuern, wird nach dem Kriege kommen, aber gründlich. (Beifall.) Was Hunderte von Zensoren, Bürgermei st ern undLandrätenan Stimmung im Lande verderben, das kann auch die stärkste Zentralbehörde nicht wieder gut machen. Darum, fort mit der Zensur und dem Belagerungszustand! Die schlimmste Zensur hat dre Bourgeois-Republik Frankreich (Liebknecht: Darauf dürfen Sie sich nicht berufen. — Große Heiterkeit.) Auf gOgnerischer Seite ist die erste Voraussetzung für FriedenSverhandlungen, daß Frankreich und Belgien freigegeben werden sollen. Das ist ein ganz unmöglicher Standpunkt. (Lebhafte Zustimmung.) Bei unserer Situation würde das die Forderung rechtfertigen: erst alle Kolonien heraus, erst alle Seewege wieder für Deutschland frei — und dann., - (Lebhafter Beifall.) So können wir den Krieg noch jahrhundertelang fortsetzen. Das geht nicht. Man muh sobald als möglich verhandeln. Der Anfang der Verhandlungen ist auch daS Ende des Krieges. Hat einer von Ihnen in Deutschland bis heute auch nur ein einziges Wort gegen Frankreich gehört? (Lebhafte Zurufe von allen Seiten des Hauses: Nein, keiner!) Keiner hat es gehört, keiner! Mit Frankreich wünschte ganz Deutschland in Mieden und Freundschaft zu leben und wünscht es auch noch. In Frankreich wird immer noch der Wahn verbreitet, daß wir Boches aus reinem Barbarismus Frankreich vernichten woIten. Das Handwerk würde jenen Leuten bald gelegt sein, wenn in Frankreich bekannt würde, was Jaures zwei Tage vor seinem Tode an Vandervelde nach Belgien geschrieben hat: «Die Lage würde eine Entspannung erfahren, sobald die französische Regierung erklärt, daß sic nickt gern die serbische Sache als eine russische sehe. In der Macht der französischen Regierung läge es, Rußland am Krieg zu verhindern. (Hört, hört!) Aber man sucht den Krieg, den man schon lange schürte. Unsere Sache darf nicht die russische sein. Wir dürfen unser Land nicht für die Knutenherrschaft des weißen Zaren bluten lassen. Europa wird von Asien verschlungen. Suchen Sie in Ihrem Wirkungskreise jede Steigerung des Kriegswahnsinns zu dämmen. Welche Interessen für Belgien auf dem Spiele stehen, wissen Sic. Aber diese Interessen können nur durch den Frieden gewabrt werden, aus dem sich kein Land, auch nicht durch die glänzendsten Versprechungen herauS- reißen lasten soll. Hier treiben alle schädlichen Kräfte gum Krieg, den man zur Erfüllung einer krankhaften Ehrgeize- fuhren will, und weil die Börsen in London und Paris auf Petersburg spekulieren." (Abg. Liebknecht: Berlin und Men?) — DaS ist ganz der Geist Jaures'. Ich zweifle nicht, daß das Schriftstück echt rst. Es ist Jaures, wie wir ihn geachtet und geliebt haben. Der Reichskanzler sprach gestern von dem aufopfernden Mute, mit dem die französischen Truppen kämpfen. Das war ein schönes Wort, für das wir ihm danken können und klang anders als die Reden der Asquith, Briand und Ssasonow. Unsere Regierung hat am 6. Dezember ausdrücklich ihre grundsätzliche Bereitwilligkeit erklärt, Friedensvorschläge zu besprechen. Das Verhalten der feindlichen Staats- männer hat dem Reichskanzler nicht Unrecht gegeben. Unsere Interpellation hat nur ein törichtes Echo gefunden. Der Reichskanzler ist weitergegangen als irgendein anderer Staatsmann. Das ist ihm von vielen böse angekreidet worden. Wenn wir an seiner Seite gegen die unverantwortliche Politik auft treten, die von ihm Konzessionen gegenüber ihren Plänen der- langt, so deshalb, weil wir jederzeit gegen die Unvernunft an- kämpfen, nicht etwa, weil Herr von Bethmann Hollweg ein Reichskanzler nach unserem Wunsch ist. Wir haben grundsätzlich gar nichts aufgegeben. Wir sind, was wir waren, und wir bleiben auch, was wir sind: Sozialisten und Demokraten. Das deutsche Volk wünscht ein baldiges Ende des Krieges, wie alle Völker, die am Kriege beteiligt sind. Dem Kriege muß ein Ende gemacht werden, sobald die Gegner zum Frieden geneigt sind. Wir wären dem Frieden nahergekommen. wenn die feindlichen Sozialisten ebenso ihren Regierungen gegenüber aufgetreten wären wie wir. Leider ist das nicht geschehen. Ich muh das mit Bedauern feststellen. Wir kennen unsere Pflicht als Deutsche und als Sozial i st e n. Wir werden als Sozialisten und als Deutsche unsere Pflicht erfüllen. (Lebhafter Beifall.) Gin Schlußantrag wird angenommen. Abg. Ledebour (Soz. Arb.) (zur Geschäftsordnung): Wir sind sehr erstaunt über den Schlußantrag. Die auswärtige Politik sollte doch ausgiebig besprochen werden. (Zuruf: Ist ja auch geschehen!) Abg. Liebknecht: Bei der ersten Lesung wurde mir daS Wort abgeschnitten, jetzt wieder. DaS ist eine gewalttätige Mu n d t o t - machung. (Großer Lärm und lebhafter Widerspruch, der Redner wird zur Ordnung gerufen.) Die Resolution Dr. Schäfer. Abg. Bassermann (Natl.) teilte als Berichterstatter mck. daß nach dem Anträge des Ausschusses die Resolution Schäfer für erledigt erklärt werden soll. Dabei meldet sich der Abg. Ledebour (Soz. Arb.) zum Wort und beginnt über den TI-Boot-Kricg zu sprechen. Der Einigung», antrag zur l_l-Boot-Frage begünstige eine rücksichtslose Torpedie- rung. (Lebhafter Widerspruch.) Abg. Dr. David (Soz.): Diese Auslegung des Kollegen Ledebour ist eine rücksichtslose und lvarnungslose Torpedierung jeder verständigen Auslegung. (Lebhafte Zustimmung.) Man müßte eigentlich an Ledebours gutem Glauben zweifeln, aber weck er es ist, will ich ihm den guten Glauben zubilligen. (Große Heiterkeit.) Ein Schlußantrag wird angenommen. Die Eingabe wird für erledigt erklärt. Der Etat de i Reichskanzlers und des Auswärtigen Amts wiri erledigt. Ein Vertagungsantrag wird angenommen. Freitag, 2 Uhr: Kleine Anfragen, Marineetat, kleine Etats. Nie Ausgaben für Me neue Ernte. Die Zeit steht unmittelbar vor der Tür, in der die Aussaat für die neue Ernte vorgenommen wird, von dieser Aussaat hängt der Gesamtertrag hauptsächlich ab. In je größerem Umfange die Aussaat vorgenommen wird, auf um so größere Ernteerträgnisse ist zu rechnen. Vertrauensseligkeit ist bei dem Ernst der Zeiten imangebracht. Um die völlige Ernährung des deutschen Volkes aus eigener Erzeugung sicherznstellen, ist Rechenschaft über den Bedarf und organisatorische Vorbereitung für die neue Ernte notwendig. Rechenschaft über den Bedarf ist ziffernmäßig unmöglich. Nur das Erfahrungsverhältnis zwischen Erzeugung und Bedarf bietet einen Anhalt für den Umfang des Bedarfs. Und daher muß es rückschließend für die Boden- frnchtkultur heißen: Vergrößerung der Anbaufläche, vermehrte Aussaat, intensivste Bewirtschaftung!^Und für die Fleischerzeugung: Pflege der Schweinezucht, Schonung des Rindviehbestandes, unbedingte Erhaltung, ja weitgehende Vergrößerung des Bestandes an Milchkühen/und fleischerzeugenden Tiergattu-ngen. Die Durchführung dieser Ziele, die dem Streben, der Knappheit in der Ernährung ein Ende zu machen, am besten gerecht würde, begegnet aber unter der Kriegswirtschaft einer Reihe von Schwierigkeiten, die überwunden werden und an deren lleberwindung die Zurückgebliebenen Mitarbeiten müssen. Die Landwirtschaft leidet unter Mangel an Arbeitskräften und an Füttermitteln sowie unter Mangel an Düngemitteln. Es besteht also, was die Erzeugung von landwirtschaftlicher Produktion betrifft, die Gefahr, daß diese eher zurückgeht, denn eine Steigerung erfährt. Dieser möglichen Gefahr muß innerhalb aller landwirtschaftlichen Kreise durch organisatorisches Zusammengehen unter allen Umständen vorgebeuHt werden. Hier heißt es fest zusammenstehen und einer für den anderen einzntreten. Ersparnis au Arbeitskräften ist bei organisierter Verwendung und Verteilung der vorhandenen Arbeitskräfte, bei einheitlicher Leitung möglich. Kein Stückchen Acker darf unbearbeitet bleiben, und dieses Ziel ist zu erreichen. Dem Futtermangel muß durch erweiterten Anbau von Futterstoffen Rechnung getragen werden. Die Wiesen müssen sorgfältig gedüngt werden und wenig ertragreiche und nur schlechtes Heu liefernde Wiesen müssen umgepflügt und mit Futterpflanzen bestellt werden. Jntensivester Wirtschaftsbetrieb ist trotz der ungünstigen Vorbedingungen notwendig, damit der Umfang der Erzeugung die größtmögliche Höhe erreich. Auf diesen Wegen muß die Landwirtschaft von allen Verbraucherkreisen, der Heimarmee der Zurückgebliebenen, unterstützt werden. Auch das kleinste Stückchen Garten- und Brachland muß mit Nahrungs stoffen bepflanzt werden, auch der geringste .Kücheuabfall muß gesammelt und der Ver- Mterung zugänglich gemacht werden. Die Notwendigkeit der Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung kann nur noch mit Hilfe aller vorhandenen Kräfte erreicht werden. Diese Mahnung kann nicht oft genug wiederholt werden. Die Stunde ist gekommen, zu der die Kräfte eingesetzt werden müssen. Möge nichts unterbleiben, was geschehen kann. Der Erfolg muß ein Ernteerträgnis sein, das uns vor Not schützt und das aus sich selbst heraus die Teuerung mildert. Aus stnfc Caitfc* Gieß en. 7. April 1916. onalnachrichten. Durch Gutes Innerr Kreiling zu Grimberg wurde der Lehramts zum Lehramtsassessor •• Amtliche Per.- ... »chließung Grotzh. Miuislerimns des Innern eierendar Karl ernannt. _ . . . . ** Auszeichnu n g. Vizeieldwebel Kaufmann Otto L o 11 \ et), siüher in Gießen, erhielt das Eiserne Kreuz e r st e r Klasse. Loitsch rückte mit dem Landwehr-Regiment 119 als Gefreiter aus, erhielt im September 1914 das Eiserne Kreuz 2. Klasse und wurde Unteroffizier. Im Mai 191b mit der Hessischen Tapserkettsmedaille ausgezeichnet, wurde er im Oktober 1915 zum Vizeieldwebei befördert. L . _ . . Alice-Frauen verein. Gestern wurde ein Kreis- verband der Alice-Frauenvereine im Kreise Gießen gebildet. De»" Vereine mit etwa 3300 Mitgliedern beitraten. Als Vorsitzende würbe die Fürstin Emma v o ii S o l nx s - H o tffe ir s o l m 8» L i ch gewählt, mit deren Einverständnis Geheimeral Tr. U s i n g e r als Schriitiührer die Verhandlinigen leitete. — Einen eingehenden Bericht werden ivir noch veröffentlichen. . ** Gieß-ener H au s f rau en-Ver e in. In der gestrigen Mitgliederversammlung machte die Vorsitzende unter anderem bekannt, daß am Montag in der Geschäftsstelle des Vereins. Mausburg 5, von 6—8 Uhr nachmittags Samen von amerikanischem Tafel- oder Zuckermais abgegeben wird. Tie Anpflanzung dieser neuen Gemüsepflanze wird von Fachleuten dringend ungeraten. Die Anziucht ist sehr einfach, das Gemüse sehr schmackhaft.,Da xn Gießen kein Samen ziu haben ist. hat der Verein von außerhalb Samen 'kommen lassen, der in kleinen Mengen an dxe Mitglieder verkauft wird. — Unter Punkt 2 der Tagesordnung sprach Rcchts- miwatt Lean über das Thenra: Die Rechts stelln ng der Frau nach dem B. G.-B. Landkreis Gießen. II Weickartshain. 6. April. Gefreiter Georg Theiß vom Infanterie-Regiment Rr. 115, der bereits das Eiserne Kreuz 2. Klasse und die Hessische Tapserkeitsmedcsille besitzt, erhielt nun mehr das E if e r n e Kreuz erster Klasse. Es wurde ihni vom Kaiser persönlich überreicht. LI. U t p h e, 7. Avril. Ter Reservist Karl Schäfer von hier erhielt bei den Kämpien bei Verdun das Eiferne Kreuz 2. Klasse. „ _ „ # Hungen, 7. April. Dem Gefreiten Adolf Sehrt von hin, Jns.-Rcgt. Nr. 81, wurde in den letzten Kämpfen das Eiserne Kreuz verliehen. Kreis Büdingen. # Echzell, 7. .April. Auf dem Felde der Ehre siel der Ersatzreservist Will). O st he im. Er hinterlM zivei mutterlose, noch unmündige Kinder. ^ v # Borsdors, 7,, April. Unser früherer Lehrer Lebr zurzeit verwmxdet im Res.-Lazarett zu Frankfurt, wurde mit der Hess. Dapserkeitsmedaille ausgezeichnet. Das Eiserne Kreuz war ihm einige Tage vorher verliehen worden. Lehr ist zmn zweiten mal verwundet. Starkenburg und Rheinhesscn. mL. Oifenvach a. M., 6. April. Direktor Adalbert St eff ter hat das Th e a t er n n te r n e h m cn in Offenbach a. M.» das städtische Subvention erhalt, und das Stadttheater in Homburg v. d. H. auf eine Reihe von Jahren weiter gepachtet. In Hanau, wo er ebenfalls der langjährige eriolgreiche Leiter des Stadttheaters war, ist es ihm noch nicht gelungen, einen neuen Vertrag abzuschließen. Der Stadtmagistrat hat sich entschlossen, zu vor ein diesbezügliches Ansschreiben zu erlassen. ö. Mainz, 6. April. In -der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten wurde eine weitere Teuerungszulage an städtische Arbeiter, Bedienstete, Beamte, Schulverwalter und an die Familien der Kriegsteilnehmer, die bei der Stadt in Diensten gestanden, -einstimmig beschlossen. Die Ledigen erhalten pro Monat im ganzen 6 Mk., die Verheirateten 12 Mark und für jedes Kind 2.50 Mk. Zulage. Die Zahlung erfolgt mit Rückwirkung vom 1. Februar 1916. Ferner wurde beschlossen, die Angehörigen von Kriegsteilnehmern mit ärztlicher Hilfe zu versorgen. Es wurde mit dem ärztlichen Krexsverein ein Vertrag abgeschlossen, wonach an dw Aerzte für deren Hilfe vierteljährlich 10 000 Mk. gezählt werden. — Dem Erlaß einer Satzung zur Prunmg und Begutachtung der Bedürsnisfrage wurde xugestimmt. , r . M s P r ch. Bxngen, 6. April. Ans der Fahrt der D o n a u sind wieder zwei Schraubenschleppdammer .-Erhard und .Walter" hier bergwärts durchgekommen. Die,e beiden Boote flammen von der Spree und der Havel. Roch andere Boote dieser Flüsse gelangeix nach der Donau, um der dortigen Schiffahrt zu blCUe 4 Vom Rhein, 6. April. Für das Jahr 1914/15 ist der Jahresbericht der Zentralkommission für die Rhnn,chttfahrt herausgekommen. Daraus ergibt sich, daß dxe Rhein flotte 11689 Schisse von 15 Tonnen Tragfähxgkett und mehr umfaßt, von denen 1745 Dampfer. 9944 Segel- und Schleppschiffe sind, ^xe größten rheinischen Dampfer und damit dxe -roßten Flußboota Europas sind „Karlsruhe Nr. 9, 10 und 11", dre ie-130b Tonnen laden können. Tic stärksten Schlepper sind: „Rob. Muser Math, Stinnes 22", „Hugo Sttnnes 1 , und „2 , ,,T. SchurmanN Sslme 6", „Franz Baniel 14". De preuß. Stromstrccke wies 206 Motorboote ans. die Nebenflüsse 71. Ter Rhnü-Stt-Verkehc wurde durch 63 Dampfer versehen. Ueber die holländische Grenze fuhren 51915 Fahrzeuge. Davon führten 11 789 die t^utsäx Flagge. Ter gesamte Floßvcrkchr aut dem Nhem stellte sich aus 884 864 Domren. Tie Ausgaben für Strombanten, bezüserden sicb aus 2 944 826 Mark, die rn Preußen allein aus 1038 16b Mt., in Holland aus 1204 884 Mark, während dre Hafenbanleu 8 355 709 Mark beanspruchten. Die Regulierung bei Straßbnrg erforderte 508 520 Mark. Tie Zahl der ausgestellten Rhein- schiffer-Patente betrug 803 Stück. Auf dem Rhexn herrschte exn Gesamtverkehr von 80942798 Tonnen, wahrend er 1913 sich aus 109181065 Tonnen stellte. Tie sämtlichen Rhexnichiiw waren mit zusammen 33 041 Schisssleutenbemannt. Der Verkehr der Köln-Düsseldorfer Dampsschifsahrts-Gesellschasi stellte sich auf 278 2 Fahrten zwischen Mannheim und Rotterdam, wober 688 331 Kilometer znrückgelegt wurden gegeii 4246 Fahrten und 990 230 Kilometer 1913. Der Verkehr wurde mtt 32 Dampfern unterhalten.^ ^ ^ e r g st r a ß e, 7. April. Die Bergstraße steht im herrlichsten B l ü t e n s ch m it ck. Die reiche Blüte der Baume verspricht iür dieses Jahr einen guten Obstertrag. Märkte. n r fc. Frankfurt a. M. Viehhofmarktbericht vom 6. April. Auftrieb: Färsen und Kühe 68, Kälber 329, Schafe 114, Schweme 0. Marktverlauf: Bei lebhaften! Handel wird schnell der Markt geräumt, (Rinder waren.nur dänische). Preise für 100 Pid. ^ Lebend- Schlackn- _gewicht. Kälber. Mk. Mk. Feinste Mastkälber.,. 160-165 266-275 Mittlere Mast- und beste Saugkälber . . 140—-155 233 -58 Schafe. Weidemastschafe. Masilämmer imb jüngere MasthammeG^^^l08—110^235—240 Meteorologische Beobachtungen der Station Sietzen. April 1916 § £ u a V* CJ t .H S- 2*5- c ^ ‘S'ö eo . S 5 JQ = if ^3 *G VO C i 2 » ui § L » L ^ c a 3 — = •° L=^ 6. 2« 12,0 7,0 67 8 6. 9 » _ 8,6 6,8 81 — — 0 7. 7” 6,9 6,5 87 8 Höchste Temperatur a>n 5. bis 6. April 1916: -st 13,2*6. Niedrigste * „ 5. , 6. , 1916: -si 6,9'C. Niederschlag 0,0 mm. Wetter