Nr. Z3 Zweiter Blatt Erscheint Kglich mit AuSnahnre des Sonntags. Die „Giehcner Familienblätter" werden dem „Anzeiger" vierinal wöchentlich beigelegt, das „Xreisdlatt für den Breis Erehen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirlschaftlichen Seitsragen" erscheinen monattich zweunal. M. Jahrgang General-Anzeiger für Sderhessen Montag, 21. März <9(6 Rotationsdruck und Verlag der Brnhl'jchen Universitäts - Buch- und Sleindruckerei. R. Lang e, Gießen. Schriltleitnng,GcschäitsstelIe «.Druckerei: Schul- straße?. Geschäftsstelle u.BerlagiS^bl,Schriftleitung: 112. Adresse lür Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Zum Abschluß der hessischen Eiatsderatungen. Die hessische Zweite Kammer hat die Beratung des Staatsvoranschlags zunächst vollendet. Sie hat sich im wesentlichen den vom Finanzausschuß gestellten Anträgen angeschlossen und den von diesen vollzogenen Etatsverbesserungen zügestimmt, so daß also nicht eine Steuererhöhung von 20 Proz., sondern nur eine solche von 12 Proz. für die Einkommensteuer und von 5 Psg. für die Vermögenssteuer sich als notwendig erlveist. Die Prüfung, welche der Finanz ausschuß an den einzelnen Abschnitten, sowohl Einnahmen, wie Ausgaben, vornahm, hat sich im Feuer der parlamen tarischen Gefechte durchaus bewährt. Es ist eine bekannte Tatsache, daß auch jetzt noch große innere Reserven im Lande vorhanden sind, und es wird vielleicht die Aufgabe der nächstjährigen Etatsberatung sein, noch tiefer in andere Fragen einzudringen und aus weitere Ersparnisse bedacht zu sein. Wir haben überhaupt den Eindruck, als ob die Etatsberatungen in den letzten Fahren bei luns sachlich wesentlich vertieft worden seien, und daß die. Abgeordneten, vornehmlich die Mitglieder des Finanzausschusses, mit Erfolg versucht hätten, Schwierigkeiten, welche durch den Mangel einer mehr praktischen, kaufmännischen Buchführung im ganzen Staatshaushalt sich ergeben, durch tieferes Eindringen in die wirtschaftliche Bedeutung der vielen Zahlen zu beheben. Je schärfer im modernen Staatsleben die Veranlagung der Steuern gehandhabt wird und je fühlbarer die Steuerveranlagung in das Budget jedes einzelnen Steuerzahlers eindringt, desto mehr wird es auch notwendig sein, den Staatshaushaltsplan genau zu untersuchen auf seine Uebereinstimmung mit der in jetziger Zeit vor allem aufzustellendeu Forderung: Sparsamkeit. Große Anforderungen werden an das deutsche Volk herantreten. Das Ergebnis der neuen Kriegsanleihe des Reiches und ihr glänzender Erfolg auch in Hessen zeigt, daß man bereit ist, neben den Opfern an Blut auch alle erforderlichen Opfer an Gilt lfür die Existenz des Vaterlandes zu dringen. Im Vordergründe stehen dabei die Bedürfnisse des Reiches, hinter denen zunächst die Bedürfnisse der Einzelstaaten zurückzutreten haben. Wir in Hessen können vertrauensvoll in die Zukunft blicken, weil wir in der Eisenitbahngemeinschaft mit Preußen nnd jin der SteueLkraft unserer Bevölkerung die festen Grundlagen für unser Staatsleben sehen. Außerdem wissen wir, daß! cs nach der Ablehnung des mit gculz unnötig hohen Sätzen ausgestatteten Tilgungsgesetzes des Finanzministers Guauth möglich war, ans den Eisenbahneinnahnren und den Steuern erhebliche Reserven zu sammeln, die trotz der ungünstigen Kriegszeit immer noch erneu recht ansehnlichen Betrag ausmachen. Man erinnert sich wohl noch, daß dainals im Jahre 1910, als die scharfe Krisis in den hessischen Finanzen ein- tvat, der danralige Finanzmiuister vorgesehen hatte, daß die Eisenbahneinuahinen mir noch für die Tilgung und für die Deckung von außergewöhnlichen Ausgaben (also nicht im Verwaltungs-, sondern im Berinygensteil des Staats- Voranschlags) dienen sollten. Und diese Forderung, welche gleichzeitig zu einer exorbitanten Steuererhöhung sichren mußte, brachte damals in Verbindung mit dieser letzteren seinen Sturz. Unter den: Finanzminister Dr. Braun gelang cs dann, ein Tilgungsgesetz >zu schassen, welches den Bedürfnissen des Landes entsprach! iirnd es zugleich ermöglicht, einmal eine ausgiebige Tilgung, «andererseits aber auch aus den Eisenb ahne in nahmen der ordentlichen Staatsverwaltung zwei Millionen Mart mehr Zuzuführen. Nur hierdurch war cs möglich, die heute vorhandenen Restefonds I und II anzu- sammeln, deren Bestehen also im wesentlichen denjenigen! zu danken ist, die seinerzeit gegen die weiVM)enden Tilgungspläne Stellung nahmen. ^ Diese Fonds sollest nicht nur als Reserve, sondern auch als Ausgleich wirken Es ist deshalb bedauerlich, daß im Plenum der Zweiten Kammer der vom Abg. Dr. /Osann Neuland am Nordpol. Seitdem durch die Entdeckung von Nord- und Südpol diese klassischen geographischen Probleme gelöst sind, und damit die Erforschung unseres Erballes ihrem Ende nahegeführt erscheint, wcr- den die Fälle inimer seltener, in denen es kühnen Reisenden gelingt, unsere Kenntnis durch die Entdeckung unbekannter Länder zu vermehren. Umso größere Wichtigkeit kann natürlich jede einzelne Entdeckung dieser Art beanspruchen. So erregte die Auffindung von Kaiser Nikolaus II.-Land im sibirischen Eismeere durch den russischen Kapitän Wilitzki bereits großes Aufsehen; allein die jüngste Entdeckung von Neuland, die in der Arktis gemacht wurde und über die der bekannte Geograph O. Baschin im neuen Hefte der von Dr. Arnold Berliner imb Prof. Dr. August Pütter hevausge- gebenen „Naturwissenschaften" berichtet, hat eine iveftntlich größere Bedeutung als die Entdeckungen Wilitzkis. Es handelt sich um die neue Landentdeckung des in der amerikanischen Arktis tätigen Polarforschers B. Stefanssou, der schon als verschollen und halb verloren galt, als am 17. September 1915 aus Ottawa die Drahtnachricht kam, daß er gerettet sei und bei seinem Vorstöße nach Norden neues Land, entdeckt habe. Diese Entdeckung glilckte ihm bei -einer Reise, die er voll seinem im Winterquartiere liegenden Expeditionsschiffe „M-arv Sachs" aus im April 1915 längs der Westküste von Prinz-Patrick-Island unternahm Trotz großer Schwierigkeiten gelang es ihm. an die Nordwestspitze dieser Insel zu gelangen und durch seine Vermessungen die Kenntnis des Gc- samtumrisses dieser Insel festznlegen. Da sah am 18. Juni sein norwegischer Begleiter Storkensen als erster ein unbekanntes Land ziemlich nahe im Nordosten, nach dem man sofort ausbrach. Am nächsten Tage wurde es in 78 Grad Nord imb 117 Grad West erreicht. Stefansson folgte der Küste in ostsüdöstlicher Richtung und erkundete sie in einer Erstreckung von etwa 180 Kilometer. Daß es sich unl ein Landgebiet von ziemlicher Ausdehnung bandeln muß, geht daraus hervor, daß von einem 10 Kilometer weit landeinwärts gelegenen, über 600 Meter hohen Berge noch höhere Gipfel in allen Richtungen zwischen Nord und Ost gesichtet lvurden, deren Entfernung schätzungsweise etwa 100 Kilometer betrug. Das Land ist im Westen flacher, nimmt aber nach Osten hin beträchtlich an .Höhe zu. Am 22. Juni, als die Gänse und andere Vögel eintrafen und das Eis der Flüsse aus brach, trat man die Rückreise durch die östlich von Priuz-Patrick-Land nach Süden führende Fritz-William-Straße an. Im Sommer dieses Jahres txwkt Stefansson von deni südlicher belegeneil Bankslande aus seine Forschungen zu vervollständigen und vor -allem das neue Land gründlich zu untersuchen. Der Schooner „Polar Bear" ist bereits für die Zuführung von Proviant nnd Ansrüstiiiigsgegenständen geheuert worden. gestellte und von der großen Mehrheit des Finanzausschusses angenommene Antrag znm Finanzgesetz, daß bei einem etwa im Budget 1916 und 1917 eintretenden Fehlbetrag die Möglichkeit der Anleihe offen gelassen wurde, nicht zur Annahme kam. Die Folge davon ist, daß die Regierung den möglicherweise eintretenden Fehlbetrag nicht etwa nur aus dem Fonds decken kann, sondern decken muß. Mit besonderer Schärfe hat sich die Zlveite Kamnrer gegen die Stimmen der Freisinnigen und der Sozialdemokratie dahin ausgesprochen, daß das Reich den Einzcl- staalen die direkten Steuern zu belassen habe. Solche Kundgebungen haben allerdings, wie der Abg. Friedberg kürzlich im Preußischen Abgeordnetenhausc nachwics, keine besondere Bedeutung, weil sie die Regierungen im Bundesrat nicht binden. Erwünscht wäre es, wenn verfassungsmäßig die Grenze zwischen der Finanzhoheit der Einzel- ftaaten und des Reiches gezogen würde. Denn in dieser Frage wurzelt die Fortcxistenz der Bundesstaaten. Ans Hessen. Das Ergebnis der Getreidenacherhebung im Großh. Hessen. Abg. Ulrich und Genossen haben in der Zweiten Kammer folgende Anfrage eingebracht: Ist Großh. Regierung in der Lage und bereit, Mitteilung über das E rg e b n i s d e r Ge t r e i d e n a ch- erhebung im Großherzogtum Hessen zu machen, insbesondere auch mitzuteilen, welches Mehr sich etwa gegenüber den aus Schalungen beruhenden Angaben vom November v. I. ergeben hat? Wer über das gesetzlich zulässige Mas; hinaus Hafer, Mengkorn, Mischfrucht, worin sich Hafer befindet, oder Gerste verfuttert,'versündigt sich am Vaterlande! Aus Stadt «nd Land. Gießen, 27. März 1916. ** Auszeichnung. Der Gefreite Karl Krumbiegel von Gießen, seit 5. August 1914 beim Fnß-Art.-Regt. Nr. 3 im Felde, erhielt am 19. März daS Eiserne Kreuz. ** Stadttheater. In der morgigen 15. und letzten Tiensdagsabminenrentsvorskellung werden die dr e i Einakter ,,Dcr Fremde" (Lienhardt), „Fritzchen" (Sudermann) und „Hocken- jos" (Wassermann) wiederholt, die am vergangenen Freitag unter so lebhaftem Beifall aufgeführt worden sind. — Znm Gastspiel des „Oberbayeris chen Banerntheatcrs" am nächsten Mittwoch dürfte eine Inhaltsangabe ,,Ter geheimnisvollen Babe t c t e" von Neal >und Ferner urtereflktcn, jdic wir einem Mülncho- ner Blatt entnehmen. Es handelt sich auch hier wieder um den/ Ehemann, der heimlich auf verbotenen Pfaden wandelt. Diesmal ist der Missetäter ein Bauernbürgermeister. Der hat bei einem Ansftug nach München eine Mzzi kennen gelernt, ein ebenso fesches, wie geldbedürftiges Mädchen. Diese Bekanntftiaft bringt den Bürgernreister in mancki-erlei Verlegenheiten, die sich dadurch steigern, daß seine Fran sehr bald nierkt, daß nicht alles sauber! ist. Sie gibt vor, verreisen^u müssen, kehrt aber — in städtischer Aufmachung — als ihre Schwester Babett' zurück. Ter Bürgermeister läßt sich zwar täuschen, ist seiner Sache aber doch nickst irecht sicher rmd lügt sich mm aus einer Verlegenheit in die andere hinein. Beim Erscheinen der falschen Babett' ist nämlich auch gerade die unterstützungsbedürftige Mizzi bei ihm und die Anwesenheit dieses lieben und sehr zutunlichen Mädchens muß nun in irgendeiner Weise motiviert werden.. Daraus ergeben sich nun jene Situationen, die wir schon aus tausend Schtvänken und Possen kennen und die immer wieder ihr Publikum erfreuen und erheitern. So wurde denn auch am Freitag — namentlich im 2. und 3. Akt — wieder viel und herzlich gelacht, und mit den Darstellern konnten sich auch die beiden Verfasser für den rauschenden Beifall bedanken. ** Gewerbeschule Gießen. Im Laufe der Woche fand ^^er^iesig^^l^oerbeschul^i^erBauabteiluligdieAbgangs- prüfung statt. Alle sieben Prüflinge bestanden. Ludwig Sommer von Steinberg wurde auf Grund seiner Leistungen die Zulassuno zur erleichterten Einjährigen-Prüfung zuerkannt. Landkreis Gießen. ch Leihgestern, 27. März. Ter Rechner der hiesigen Spar-und Leihkasse Peter Well er feierte seinen 86. Geburtstag. In Aubetracbt seines Alters legte er sein Amt, das er 41 Jahre lang mit größter Treue und Gewissenbastigkeit verwaltete, nieder. Bei der letzten Generalverftmmluug wurde ihm ein künstlerisch ausgeführtes ö* c b c n f b I n 11 überreicht. Zugleich ersuchte man den Altbewährten, das Amt bis nach Beendigung des Krieges weftxr zu verwalten und bestimmte ihm seinen Sohn, den Beigeordneten Weller, als Gehilfen. — Ter Direktor der Sparkasse Jvh. Will IV. steh. 25 Jahre an der Spitze der Verwaltung. Ihm wurden seine Verdienste durch Ueberreichung eines' Sessels gelohnt. — Tie Kasse wurde 1875 gegründet, hat schon manchen Spargroschen seit ihrem Bestehen nutzbnngend angelegt, aber auch manchem .kreditfähigen ausgeholfen. Möge sie weiter bestehen znm Segen unserer Gemeiirde. gs. Ettingshausen. 25. März. Gestern abend fand im Gasthanse der Frau Karl Tiehl Witwe ein' Bersamnckung des Bundes der Landwirte statt. Auf bcr Tagesordnung stand ein Vortrag des Landwirts K. Graf-Büttelborn über Krieg pnd Landwirtschaft. Redner sprach über Höchstpreise, Fleischpreise, Düngemittel- und Futterversorgung, Beschlagnahmebestiimnungen. ferner über die Gesamtlage unseres Vaterlandes während des 'Krieges. — Auch hier war die Beteiligung an der vierten Kriegsanleihe gut. Durch die Spar- und Darlehnskasse wurden 60 000 Mark, gezeichnet. Die Sannnelzeichnung der Schulkinder, welck>e größtenteils weniger bemittelten Leuten angehören, ergab 1097 M. E. Stockhausen, 26. März. Das vorgestern über unser Dörfchen gezogene Gelvitter mar von einem sehr starken Sturnr begleitet. Es fielen Schloßen ans den Wolken, viele Dächer wurden abgedeckt und die Ziegeln prasielten mü die Ortsstraßen. Bäume von der Dicke eines Meters nnirden in Manneshöhe abgerissen und himveggeschlendert, sonne viele Aeste an tragfähigen Bäumen abgerissen. Wn den Häusern wurden die Feiister vom Stnrine. ein- gcdriickt, so daß die Scherben klirrend iliederfielen. — Auch auf dem beiiachbarteil Slockhäuser Hof sind einige Dächer ab- gcdeckt iliid aiidere stark beschädigt ivorden. Jiii iiaheir Gräflich Solms-Laiibach'schen sogen. „Hohwald" sind ebenfalls durch den Stilrm einige Bäunie entwurzelt worden. Kreis Büdingen. # Büdingen, 26. März. Im Wolsgang Ern st- G i) in n a s i ll m wirrden 3797 Mk. für die 4. Kriegsanleihe gezeichnet. # Düdel 8 hei m, 25. Mar^. Der israelitische Lehrer Heß saiiiinelte von den Schillern der israelitischen Religionsschulen zu Düdelsheini, Glaiiberg, Rohrbach und Bleichenbach 500 Mk. für die 4. Kriegsanleihe. Kreis Alsfeld. e. N i e d c r - O h in e n, 26. März. Zur 4. Kriegsanleihe ivurden hier etwa 180 000 Mk. gezeichnet. Die Schüler unserer vier Klassen brachten hierzu 6380 Mk. zusammen. — Dein Pionier Christian R e i tz ivurde vor kurzein die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen. — Förster 33 i c f c n ft o cf von Ober-Grubenbach schoß in verga«gener Woche drei Schnepfen. Kreis Lauterbach. it Schlitz, 25. März. Ein schweres Frühjahrs-- aeWitter zvg unter star«n EntLcünnvgcn in den gestngen Spätnackmittagsstunden über unsere Gegend hin. Dabei schlug der Blitz in das städtische Elektrrzi-tätswerk ein und richtete beträchtlichen Schaden an. Einzelne Straßenzüac waren infolgedessen auch die Nacht über ohne elektrische Beleuchtung. — Das reizend gelegene Schlößchen „Berleburg", von dem man eine herrliche Aussicht auf unsere alte burgengeschmückte Stadt hat, wird gegenwärtig einer gründlichen Erneuerung unterzogen. Im Ntonat.Ntai lvird Gräfin E l i s a b e t h v o it Schlitz, die seit Kriegsbeginn als Johanniterin in einen! Lazarett in Frankfurt tätig ist, das neu hergcrichtetc Schlößchen beziehen. § G r e b en hai u , 2i5. März. Der seit eimger Zeit als vermißt gemeldete Musketier L « f t ist, wie eine nunmehr eingelaufcne Mitteilung besagt, in den Kärnpsen vor Verdun gefallen. - . Kreis Schotten. . E L a n b a ch , 26. März. Vorgestern nachmittag 5 Uhr zog ein schweres e to 1 1 1 e r über unsere Stadt, welches von starkem Sturm und Regen begleitet war: Schaden hat es nicht angerichtet. — 3lnf dem Felde der Ehre siel der Landwehrmann Christian Oßwald, der seit KriegSanianq im Laydivehr-Jnfanterie-Regi- inent Nr. 116 diente. Er (unterläßt eine Witwe mit drei Kindern im 2llter von 10, 9 und 4 Jghren. Was nun dieser Entdeckung Stefanssons eine ganz besondere Bedeutung verleiht, die lveit über das gewöhnliche Btaß hinans- geht, ist der Umstand, daß es sich hier voraussichtliche um die Bestätigung der Richtigkeit einer erdphysikalischen Berechnung handelt, die wir dem Amerikaner R. A. Harris verdänken. Tiefer Gelehrte hat alle aus dem Ocordpolarmeere bekannten Gezeitenmessun- en sorgfältig untersucht und dabei Anomalien festgestellt, die mit er Annahme eines tiefen imd ununterbrochenen Meeresbeckens zwischen dem Nordpol und der Nordküste von Alaska nicht in Einklang zu bringen sind^ Tie Unstimmigkeiten -verschwinden jedoch, wenn nran annimnrt, daß fticr ein größeres Landgebiet liegt. Seine Berechnungen haben nun .Harris zu der Ueberzeugung geführt, daß jeires vermutete Nordpolarlaud eine Grüße von etlva eineindrittel Millionen Quadratkilometer besitzt und eine trapezoidische Form hat. Bei der vermutungsweisen Lage, die Harris diesem Polar- lande gegeben hat, läßt er cs gerade Banks-Länd und Prinz- Patrick-Island am nächsten liegen, ivas mit Stefanssons Entdeckung durchaus überein stimmt. Tatsächlich kommt sein Neues Land der letztgenannten Insel noch beträchtlich näher, als ans der Karte von Harris, aber trotz dieser und mancher anderen Abweichung ist die Uebereinstimmung bod>-eilte ft gute, daß man wohl berechtigt ist, die Entdeckung Stef>ansftns als eine Bestätigung der theoretischen Berechnung von Harris zu betrachten. Da die Entdeckung des ebcmfalls in den Rahmen jenes vermuteten Harris- schen Landgebietes hinein passenden Crocker-Landes durch Peary in zivischen durch die CTxpedition von Btacmillan widerlegt worden ist, so kommt deni Neulan.de Kon Stefunsson um ft größere Wichtigkeit zu, »veil hier zum ersten Male die Gangbarkeit einer neuen Mchlw- dik der geographischen Entdeckungen durch den Erftlg nachgeiviesen sein dürfte. * — H Hubert I a h t e deutscher G a s b c l e u ch t u n g. Tie deutsche Gasbelenckstuug kann sich in diesem Jahre eine^ hundertjährigen Bestehens rühln-en, welches mit der Einrichtmig der ersten deutsckien Gasanstalt im Jahre 1816 auf dem König-- lichen Amalgamienverk bei Freiberg i. S. feimm Anfang nahm. Schon 5 Jahre früher hatte ihr Erbauer Lamxiadius daselbst in der Fischergasse die ersten öffentlichen GaSbeleuch tun g Sv er s u che gemacht, die auf die Erfiudmig des Apotch'kers Jan Pieter Mincke-- laers zurückzufnhrcm sind. Diesem Begründer der Leuchtgas-Industrie gelang es schon 1783, aus Steinkohle erzeugtes Gas zu Beleuchtungs-- und technischen Zwecken l>crznstellen und zwei Jahre später seinen Hörsaal zu Löwen damit zu erlwUen Naclchem Paris im Jahre 1815 die erste ^Gasbeleuchtung ftlr die Passage des Panoramas erhalten hatte, brachte das folgende Jahr den Tentscl>en außer der erwähnten Gasanstalt auch die. erste Gasbel^uchtung'Srmlage, die in Berlin für die nockf bestehende Firma H»ensel Schumann in der Niederwallstraße geschasnaL. wurde. „Die gait.zp Fabrik und Wohngebäude, auch eini»BMof- und Straßen!aWneu sollen mit Lickt lu'nwtt werden," berichtete darüber die MMmal-Zeitung der Deutschen. Welches Aufsehen diese Neuerung erregte, ersieht man darcrus, daß König Friedrich Wilhelm III. und die Prinzen sie einer Besichtigung unterzogen. Vielleicht war, es eine Folge dieses Besuches, daß auch die Königliche Eisengießerei bald von dem neuen Belenchtungsmittel Gebrauch niachte. Ihre Vertvendung bildete noch lange Zeit eine Sensation, mit der die Zeitungen, ihre Leser unterlsielten. indem sie, sie entweder lächerlich machten oder ihr eine große Zukunft prophezeiten. Die National - Zeitung der Deutschen sah schon im Jahre 1817 voraus, daß die Zeit kommen werde, „Ivo jeder Bürger so gut seine Cßisröhre zur Lichtverftrgung hat, als ilm jetzt Wasferröhren mit Wasser versehen." Aber damit hatte es noch gute Wege. Vorlcruftg war diese (H:findnng noch so sehr ein Luxus der Reichen, daß ein Hautbnrger Kaufmann, der sie in seinem Hcruse verwendete, die Wißbegierigen gegen Erlegung einer fteiwilligen Gabe an die Armen zeigen und erläutern^konnft: und ft.mig-eivohnt ivcrr ihre Wirkmrg, daß. als der große Saal des Bremer Museums am 5.'Dezcinber 1817 zum erfreu Male init Gas erhellt wurde, die Feftgef'ellschaft das „überaus schöne Licht" mit lautem Jubel begrüßte. In den Bürgerivolmungeu begnügte man sich noch lange mit den seit 1800 ausgekomnlenen Stearin' kerz-en, die vor den früher ausschließlich verwendeten Talgkerzen den Vorzug-größerer Härte liatteu. Daß aber auch diese noch niriit abgekommcn waren, läßt sich a11en hat. # RebgeShain, 26. März. Dur Heldeutod fürs Vaterland ftarb der Musketier Ruppel. # Feldkrnckeu, 26. März. Auf dem Felde der Ehre starb der Reservist S ch l e u n i u g. # Eichelsdors, 26. März. Die Hessische Tapferkeitsmedaille erhielt der Gefreite Würz. # Eschenrod, 26. März. Die Schüler der hiesigen rr- ntitynctcii uie «uns* s ch»l e r 1845 Mt., diejenigen des benachbarten Kaulstos 610 Mk. zur 4. Kriegsanleihe. # Ulrichstetn, 26. März. Das Eiserne Kreuz und die Hessische Tapfe rkeitsmedaille erhielt der Bizeseldmebel P f a n n st i e l. Vermischte-. * Oberleutnant Oswald Bölcke, der nunmehr das 13. feindliche Flugzeug im Luftkanrpse abgeschossen und sich damit unvergänglichen Anteil um die deutschen Lufterfolge gegen unsere Feinde erworben hat, ist ein Angehöriger der Garnison Tarmftadt bis zum Beginn des Feldzugs geu-esen. Oberleutnant Bölcke gehörte bekanntlich dem Kgl. Preusi. Telegraphen- bataillon Nr. 3 an, in ivelcheur er auch am diesjährigen Kaisers- Gebirrlstag zum Oberleutnant befördert wurde. Bei der Heeres- vermehrirng im Jahre 1913 iourde die 5. (Funker-) Kompagnie dieses TelegraphenbatailbonS neu errichtet und nach Tarmstgdt gelegt, wo eine eigene Kaserne für die Kompagnie erbaut, aber vordem Kriege nicht nrelir bezogen trmrde. Diese, unter dem Befehl des Dcruptrnanns Nagel stehende Funken-Kompagnie bezog einst- toeilerr ,m .Herbst 1913 auf dem Truppe,rübuirgs platz in Griesheim Unterkunstsräume und mit ihr kam -Oberleutnant Bölcke hierher, von Ivo lurS er 2467 2 Zimmer | Einereeiue2.Zimiucrwohn rfm eine ältere Dame zu ver mieten. S^teröwca34 i-'l« ( Versohiedene Fartcrre und II. Stock Frankfurter Straße 25, für sofort oder später beziehbar zu vertu. Schöne Wohnungen m. allem Zubehör. Näher. im Hause und durch L. Althoff, Walltorstr. 16, Tel. 230. |8 5-Zimmerw. 2. St. mit ger. Mansardenz. mit Zubehör, in schöner, freier Lage durch Wegzug aus 1. Juli zu verni. Schifsenb. Weg 30 u. Steins Garten, vkrist. Fkeikler. !2463 WssliliingmIZimiiittn Bad. Veranda. 2—3 Maas.- Ztm. z. 1. Juli zu veriniet- Nüh. Bergstr. 11, vo. Schloß, gaffe 16 int Ladett. 12325 Heimitättenbauges. \ Möhl. Zimmer\ 2 schön möbl. Zinrmer zu verrn. 8tr. 25II!. I 08594 Bon kleiner Familie 4 -Ziiriiner-Wohnunq nlr 1. Okt. gesucht. Schrift!. 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