Nr. 55 Zweites Vlaü Erscheint «glich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Tik^eirer werden dem .Anzeiger« viermal wöchentlich beigelegt, das „Lreirdlatt f8r den Kreis Kietzen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen 3ett- fragen" erscheinen monatlich zweimal. *66. Jahrgang General-Anzeiger für Oberhessen Montag, (k März Mb Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unioersttäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Sch listleitung,Geschäftsstelle u.Druckerei: Schulstrabe?. Geschäftsstelle u.Verlag:E^^51, Schrift- Leitung: «^O112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Me die neuesten „Lorbeeren" der Papierhelden in deren eigenem Lande beurteilt werden. Murn weiß, es schon in der ganzen Welt und kann es doch nie genug wissen. — War noch deni „Matin" vom 24. Febr. „die nördliche Front des verschanzten Lagers von Verdun so gewaltig", daß ein ernsthafter Angriff der Deutschen Zweifelhaft schien — 3 Tage später sank im selben Blatte dre gesamte Festung Verdun zürn „leeren Gehäuse" herab. Die „nneinnehmbiare" am „stärffhen Sektor der ganzen französischen Fvont" (s. „Temps", „Lanterne" vom 25., „Frgarv", „Radical", „Nieuwe Rotterdams che Courant" vom 26., „Delegraas" vom 28. u. a.). — Reuter wußte schon am 28. Februar von ihrer wundersam raschen „Entfestigung", Mnml ihres Haupichorts Douamnvnt, zu berichten, bevor die FrmHosen es auf dem Papier „zurückeroberten". — Es ist dies ein Beispiel für viele. Von besonderer Kvmik, weil rnan es vvraussah. Nach Hunderten zählen in solch kritischen Tagen die Kunststücke der Ententepresse, durch Umkehr der Leitsätze vom vergangenen Tag akrobatisch „Stimmung" zu mache,:. Wer nimmt sie im Ausland noch ernst? — Die Dummheit, die eitle, bedrohte Autorität der deutsche,: Heerführer, der Hunger, die Revolution, selbst die ausgeleierte „russische Dainpfwatze" — alles mußte wieder herhallen, die Wucht des deutschen Ansturms begreiflich und zugleich tröstlich zu machen. Es scheint aber, als ob allmählich diese gedrechselten Offenbarungen auch den an Maulkorb und Gängelband gewöhnten Frcrnziosen zuviel würden. Wenigstens einigen von ihnen, die sich folgendermaßen hervorwagen: „Der deutsche Ansturm ist gewaltig und keineswegs verzweifelt. IM Gegenteil wohl geregelt, das Ergebnis einer langen Vorbereitung" („Action Franyaise" vom 27. Februar). — „Es ist ärgerlich, seit 5 Tagen in allen unseren Zeitungen von der Dummheit des deutschen Generalstabs lesen zu müssen, datz er Verdun zun: Angriff gewählt hat, wo wir so stark sind. Der deutsche Generalstab ist nicht so dumm, wie die, die sich über ihr: lustig machen. . . Trotz meiner Aengste hoffe ich noch, daß wir Verdun halten können" (Herve in ber „Victoirc" gleichen Tags). — „Ich sehe wirklich keinen Grund, diese Offensive anders zu erklären, als alle anderer: Offensiven, die eigenen mit eingeschlossen: nämlich mit dem Wunsch, diesem erschöpfenden Krieg ein Ende zu machen. Ich weiß wohl, daß rnan uns eingeredet hat, Verdun habe keinen großen strategische,: Wert, und lvenn die Deutschen es darauf ablegten, diese Stadt in Besitz zu nehmen, so sprächen dafür historische Gründe. Eine recht nette Flause. Tatsächlich ist es doch nicht nur das Gedenken an glorreiche Er-innernngen, wenn ganz Frankreich sich freut, die Feinde in Errtsernnng gehalten zu wisse,:. — Der Krieg macht den Deutschen so wenig ©jiafr wie uns. Sie möchten die Fesseln errdlich sprengen. Vorrücken. Genügt diese Er- Wrmrg nicht? Ich gestehe, sie ist einfach. Mein bescheideires Hirn aber befriedigt sie" (Savarus im ,/Oeuvre" vom 28. Februar). M>an sollte nreinen, dieser gesunde Menschenverstand sei imstande, die dunklen Lügengebrrrten der „Stimmungsmache" in ihre Löcher zu verscheuchen. Doch jene sind nicht so empfindlich, sie haben ein dickes Fell und ein unerschöpfliches Repertoire. — Verdun ist nicht iin „ersten Ansturm" gefallen. Kein Sachkundiger konnte dies je annehmer:, mb von Vorneherein war die Eroberung des Vorgeländes als angestrebtes Ziel gesetzt. Das Fort Donaumont fiel uns als reife Frucht in den Schoß. Doch die Miiertenpresse wollte anscheinend mehr. Nachdem sie sich von der ersten Bestürzung erholt hatte, erhob sie ein großes Geschrei über die „voreilige Hoffnung" der Deutschen und dies Geschrei steigerte sich bis zum „Sieg der Franzosen bei Verdun" im „Manchester Guardian". — Die Reaktion auf dies Gebaren blieb auch hier nicht ans. Wie bei ihrer „Begründung des Angriffs" und „Bewertung des Objetts" sehen sich auch rn ihrem Triunrphgeheul über den „abgeschlagenen Angriff" die Stimmungskünstler der Entertte einer recht unangenehmen Inlandskrittk gegenüber. —, Sie haben halt mit allen ihren Worten so wenig wie der „General W:nter", aus den der „Temps" vom 27. hoffte, die „750 000 Deutschen", die das „Pettt Journal" vom 27. Februar unmittelbar vor Verdun vermutet, von dort verjage,: können. — Und dieser gesamten, auch der uns seindlichen Presse des neutralen Auslands ersichtliche „beträchtliche deutsche Erfolg" und d:e „dauernd gefährdete Lage" ist allmählich auch verschiedenen^ französischen Blättern aiffgegangen. Wir sichren als ihren Wortsülfter Clemeneeau im „Hornme Enchaine" von: 1. März an: „Es wäre Zeit zur Voraussicht und zum Handeln anstatt zur Pose. — Was uns imfete beiden großen Offensiven bei Artois und die in der Champagne — beide erfolglos — gekostet haben, das darf man noch ::icht enthüllen. Man bereitete eine Wiederaufnahme vor. Welche Ueberraschung, daß der Kaiser sich nicht hat bereit finden lasser:, darauf zu warten! — Wir dtzvfen wohl sagen, daß sich unsere Defensive nicht so abge- wrckelt hat, wie die öffentliche Meinung es erwartete. Wir nähern uns — unvermeidlich — einem Punkt, an dem sich Dinge ereignen, die man nicht immer verbergen oder durch kindische Erklärungen entstellen kann. Ich kenne Jonrna- lrsten, die Napoleon aus seiner Grabesruhe auf gestört haben, um ihn sagen zu lassen, daß das verlorene Gelände ohne Bedeutung sei. Merkwürdig, trenn wir den Feind zurück- werfen, hört man nie etwas von dieser Ansicht. Und daß es von beträchtlichem Vorteil sei, wenn wir „unsere Stellung nach rückwärts verbesserten". Fa einige bemühen sich sogar, eine Reihe solcher Ausnahmestellungen zu begründe,:, so daß uns diese Art von stets wachsenden Vorteilen wirklich ein wenig zu nahe an Paris heranbringt." Dies ist schon keine liebenswürdige Kritik mehr und nur ungern wird der Zensor den alten Kämpfhähn diesmal ungeschoren gelassen haben. —- Da singt Alfred Capus de .l'Academie franycttse im „Figaro" von: 28. ein anderes Lied. Er wünscht den Zensor gerade herbei oder vielmehr einen leibhaftigeren Vertreter strafender Staatsgewalt: „Die großen Tage von Verdun ließen uns die Festigkeit des Landes erkennen. Aber sie zeigten uns auch die Bearbeitung der öffentlichen Meinung, mit der unsere Gegner ihre Angriffe auf unsere Front stets Hand in Hand zu begleiten pflegen. Es ist dies die andere Offensive, die i::nere, die der vergifteten, heimtückischen Nachrichten. — Sie war nie lebendiger und geschickter geführt als gesterr: und vorgestern :n Paris. Das Gerücht vom Fall Verduns durchlief d:e Vorstädte. Dort löste es nur Erstaunen und Unglauben aus, keinerlei Panik. Der wohlvorbereitete Schlag mißlang, nur (!) in einige,: Häusern, wo das Zutrauen sich rasch verflüchtigt, in den Ecken der Kaffeehäuser, auf der Straße verbretteten heimlich vermittelnde Agenten Einzelheiten über die Erstürmung von Fort Douaumont durch die Deutschen und über einen plötzlichen Vormarsch in die Flanken von Verdun. — Ach! wenn doch die Regierung im Wirtshaus, der großen Welt, und bei einer Streife an den Eingängen der Kammer einen dieser Stimmungsbearbeiter erwischen und an ihm ein strenges Exempel statuieren könnte. Welche Stärkung wäre das für gennsse tragische Stunden!" Herr Capus hat Pech. Die Stärkung, die er ersehnt, wird kern Polizeibüttel erzielen. Durch sein Lamento aber gibt er der ganzen Welt die Gerüchte kund, die in den Gasthäusern, Straßen, der großen Welt und den Eingängen der Ka,nmer umgehen! — Was dabei den leibhaftigen Bösen, „die Deuffchen", betrifft — bedarf es wirklich dieser „Jnsttttatwnsagenten"? Vielleicht fragt sich Herr Cap,^ einmal, ob die Kenntnis, die ein Cl-emenceau beißeiw aus Erfahrung schöpft, die Bürgerschaft in Stmcken der Gefahr n:cht sclbständ:g ahnen kann: die Unsicherheit des Regiments. — Und ha,Welt es sich auch nur um Gerüchte, wie sie in unserem Volk manchmal kursieren, das den Sieg mit Siebenmeilenstiefeln vorweg nimmt, wer möchte dagegen etwas sagen — Gerüchte aber, wie sie Capus vermeldet, die „heimtückischen, vergifteten" Gesellen, die in Frankreich umlaufen, die das Böse vorwegnehmen, die von schw:ndender Kraft, schlechtem Gewissen und mangeltwer Zuversicht zeugen, das wahrlich sind — die Stimmen der Niederlage! Der vertagte Konflikt. Nach einer Meldung aus Washington erließ der Präsident eine Erklärung, in der er betonte, daß Pflicht und Interesse des Landes gebieten, in diesem Kampfe eine unparteiische Stellung einrunehmen, wenn auch die Ausrechterhaltung der Nentralttät durch die Haltung Englands! außerordentlich erschwert lverde. Vorstehende Meldung datiert freilich von: 22. April 1793, und cs handelte sich damals um den Krieg zwischen England und Frankreich, den beider: jetziger: Bundesgenossen. Präsident Wilson weicht von der: Anschauungen eines seiner Vorgänger, des berühmten Präsidenten Washington, ganz erheblich ab. Zwar hat auch er offiziell die Neutralität verkündet, aber er legt sie nach seiner Weise aus. Er behauptet sogar, daß die' Union kein Recht habe, die Waffen- und Munitionsausfuhr für den Vierverband zu verbieten, obwohl gerade die Geschichte der Union die Anschauung Wilsons widerlegt, dem« der amerikanische Kongreß hat schon einmal, am 22. Dezember 1807, ein solches Ausfuhrverbot in Gestalt der sogenannten Embargoakte erlassen. Heute sind von dem amerikanischen Kongreß solche Beschlüsse schwerlich zu erwarten, wenn es auch andererseits trotz aller Reuter-Fälschungen durchaus noch nicht gesagt ist, daß der Kongreß unter Umständen berett wäre, Herrn Wilson durch dick und dünn zu folgen. Der Umstand, daß die Verhandlung der Entschließung, sie sich für den Erlaß einer Warnung vor der Benutzung bewaffneter Handelsschiffe anssprach, auf unbestimmte Zeit vertagt wurde, beweist keineswegs etwas für diese Auffassung, und es ist eine recht durchsichtige Mache, wenn Reuter das- sur einen entscheidenden Sieg des Präsidentei: ausgibt. Es' wäre übrigens ein Pyrrhussieg gewesen, denn selbst Re:tter muß zugeben, daß Wilson ihn nur durch die Rücktrittsdrohung erreicht habe. Aber in. Wahrheit handelt es sich nicht um Sieg oder Mederlage, sondern um eine Vertagung der Entscheidung, und sogar amerikanische Meldungen stellen fest, daß durch die Vertagung die Streitfrage selbst eher noch mehr verwirrt als geklärt wurde. Andererseits müssen wir es auch als unberechtigten Optimismus ansehen, wenn die Vertagung der Entscheidung in einer von der „Köln. Ztg." verbreiteten Darstellung als eine Mederlage des! Präsidenten hingestellt wird. Tatsache ist jedenfalls, daß Wilson dadurch, daß der Kongreß jetzt vertagt wurde, zunächst wenigstens freie Hand für seine Politik bekommen hat, denn der Kongreß ist bis ans weiteres ansgeschaltet^ Allerdings nur bis zu einer gewissen Grenze. Denn wenn, die Verfassung der Union dem Präsidenten auch weiten Spielraum bei der Behandlung auswärtiger Fragen gewährt, ein Spielrauin, der sogar bis zu dein wiederholt angedrohtei: Abbruch der diplomatischen Beziehungen geht, so hat doch über die Frage Krieg oder Frieden, die bisher übrigens nur vom Reuterbureau cn:f die Tagesordnung gesetzt wird, lediglich der Kongreß zu entscheiden. Ueber die Stimmung im Kongreß, der aus dem Repräsentantenhause und dem Senat besteht, sind wir ganz, über- wiegend durch Reuter, also unzureichend unterrichtet. Im Senat stehen den 56 Demokraten, der Partei Wilsons, 39 Republikaner und ein Progressist gegenüber. In: Repräsentcm- tenhause ist die Mehrheit der Demokraten schwächer; sie zahlt 232 Mann, denen 194 Republikaner, sieben Progressisten, ein Wilder und ein Sozialist gegenüberstehen. Die Dinge lügen aber so, daß ein Teil der Demokraten nicht mehr mit Wilson geht, währe:rd andererseits ein Teil der Republikaner sich zu seiner eigenartigen Neutralitätspolitik bekennt. Ueber die wirkliche Verteilung der Kräfte sind wir ganz unzureichend unterrichtet, denn die Angaben sind außerordentlich verschieden, je nachdem sie von den Anhängern Wilsons oder der Gegenpartei ausgehen. Ztratzenbilder aus dem heutigen Saloniki. Noch vor sechs Wochen machte Saloniki den Eindruck einer Stadl, die vor einer Belagerung steht: die Stimmung war ernst, in fieberhafter Eile wurden alle Vorbereitungen getroffen. um einem Angriffe der Mittelmächte kräftigen Widerstand zu leisten. Seitdem haben sich die Wogen der Erregung geglättet, das Leben hat wieder normalere Formen angenommen, Und wer heute durch die Haupt verkehrsädern der Stadt schilendett, der kann nur feft- stellen, daß die ganze kriegsfrische Veränderung, die sich in Saloniki vollzogen hat, im Ueberhandnehmen ftemder Uniformen und ftemder Gesichter besteht, die sich mit denr übliche:: Straßenleben der großen Hafenstadt zu einem ganz eigenartigen Gesamtbilde verwoben haben. Irr den engsten Seittngäßchen Salonikis trifft men: aus die Khakiunis'ormen des indischen Expeditionskorps, ans die bronzefarbenen Gesichter beturbanter Hindus, in deren gleichmütigen Angen von den Schrecknissen des Dardanellenabenteuers- dem sie eben entronnen sind, kaum noch etwas nachlebt; gelassenen Schrittes marschieren sie vorüber, seltsan: kontrastierend mit dem unruhigen, tausendfarbigen Wirrwarr der ihrem mannigfachen Tagewerk nachgehenden Bevölkerung. Durch die Menge schlängeln sich betriebsame Obstverkäufer, die ihre Ware mit gellendem „Man- darina! Mandarina!" an den Mann zu bringe,: suchen; dazwisck-en schieben sich große englische Kraftwagen; ein Zug kretischer (Gendarmen benutzt die entstehende Lücke, um gleichfalls vorwärts zu kommen: dort fällt der Mick auf einen hvchgepackten Wagen, auf dem ein paar fürchterliche alte Weiber hocken, daneben rin verwundeter Soldat, Wäschehaufen, Kinder, Brennl/olz,- Greise mit langen weißen Bärten, ein Bündel Gewehre — serbische, Flüchtlinge, die erst jetzt den Anschluß erreicht haben und in Saloniki Ruhe zu finden hoffe::. Im nächsten Augenblick spielt ihnen das Schicksal eiiren unerivatteten Streich, ein KraftwagrN saust in das gebrechliche Gefährt hinein, die ganze Kolonie, die sich, darauf beftndet, wird e:npsindlich zusammen geschüttelt und hat Mühe, sich zu 'halten, während ein hinkender Polizist, der warmnd seine:: Stab rwhoben hat, unter die Räder kommt. Einen Auger^- mufi bildet sich ein Kreis Neugieriger, dann flutet die Menge weiter. MliwWich wird es stiller, die Stadt nimmt einen vorstadt- arttgen. Charakter an, Gärten und Landhäuser iverden häuffger, em großer Bercmügu::gsgLr 1 en ladet zur Rast. Die vornehme Welt von Saloniki pflegt sich dort ein Stelldichein zu gebe:: und Eine bewährte Methode zur Desinfektion der Mund- ll n d R a ch e n h ö h l e. In der rauhen Jahreszeit ist die Gefahr einer Erkältung und die Aufnahmefähigkeit für die Batterien der sogenannte:: Erkältungskrankheiten am größten. Als Sch:ch vor Ansteckuna bewähren sich die Formannnt-Tabletten der Firma Bauer & Uic., Berlin. Sie machen beim Auffaugen im Munde den Speichel zum Desinfektionsmittel, das in alle Fältchen der Schleimhäute eindringt und die dotthin gelangten Krankheits- keime vernichtet. Zur Versendung an unsere Krieger, die im Felde den Unbilden der Kälte, Nässe und Witterungsumschläge täglich ausgesetzt sind, eignet sich besonders die „Fo rm am int -Feld-« p o st b r i e s p a ck u n g". Es sei auf den der heutigen Nummer beiliegenden Prospekt verwiesen. 1746 c; besonders dre Damenwelt liebt es, ihre Vormittagsausfahtt nach dieser Rlchtung htt: auszudechren; in welckwm AufMge, das läßt erne lässig in die Kissen ihres Landm:ers zurückgelehnte Levantt- nerm ahnen, die behaglich eine Zigarette raucht und daber eins erstaunlich farbenprächttge Toilette spaziere:: führt: rosa Bluse, blrtzblaue Schärpe, saftgrüne Soutane, lila Sttümpfe und gelbe Schuhe... Am mteressaMesten ist es aber in der Nähe des Hafens, lvo die großen Transportdampser der Verbündeten ein laufen, ^ag und Nacht werde:: dott Arttllerie, Munitton, Lebens- mtttel, Pferde ausgeladen. Der ganze Hase:: liegt voll von Schiffen, überall herrscht ein Unheimliches Getriebe, Sirenen gellen, Kommando rufe erklingen, .Hebebäume knarren, Ketten rasseln Und auch hier drängt sich ein Völkergemisch, das an den Turmbau von Babel erinnert. Fwanzosen schleudern dott und Engländer, Serben und Vcarokkauer, Inder und Austtalü-r und Sch!Otten in chren malerischen Uniformen. Zahlreiche kleine Bettler geben dem Gesamtbilde erne orientalische Note. Sie sind pfiffig geworden nnt der Zert, dre winzigen Banditen, die sich Mer an den reisenden M:emk1rng herandränge::; sie bitten in allen Sprachen un: eine un sou!" „Please, vne Penny!" bittet es und bleibt der Allrrette harthörig, so kommt der wimwernd hervorge- stoßene Zusatz: „Sius Serbe. Rien mange. Farm." Natürlich fttetzt rein Dropsen serbisches Bkut in ihren Adern, König Peters !!htertm:en sitzen zumeist auf Korsika oder in Südfrankrerch- aber IchUeßlrch kann :nan auch für den Nachwuchs von Salomkr etwas tun und der verdient sich auf diese Weise ein hübsches Tasche:rgeld, wenn er es nrcht vorzreht, den noch lohnenderen Beruf ernes Zei- tUngchuugen zu ergreife::. In den Abendstunden, wenn die neue- lberr Warmuachrichten ersännen, steht nämlich ganz Saloniki Unter der Herrschaft des Zeitungchunge::; :nag er ententesreundliche Mät- ter verkaufen oder ententeseindlichje, mag er die z,var französisch geschriebenen, iaber für Frankreich durchaus nicht günstig gestimmten Tageszeitungen „Nouvem: (Bieds" oder „Courier de Salonigue" "uter die Leute bringe:r oder die griechische Presse von: Schlage der 0l ^ er ^ er "d7ea Alithia" vertreibe::, er findet immer Llb- nelMer, die gen: ihre fünf Lepta spende:: und wohl sogar einen Obulus drauflegen, uur von ihm am schnellsten versorgt zu werden . bietet Saloniki in diesen Wochen des Wattens ein Bild voll or«:ttolffcher BuMhert, und selbst naclsts sorgt es für Eindrücke, die denen des Tages nichts nachgeben. Wundervoll ist es, wenn die DunMhnt hereinbricht, die Farben der Stadt erblasse:: und der schneegekronte Olymp, der lenseitsdes Mckfts emporragt, allmählich verdänimett: dann leuchten aus dem schwarzer: Samt des südlichen Nachthimmels silberne Sterne m:f und Sterne beginnen, iin Hasen zu blinken: es kann einem da ordentlich ttäumerisch zumute iverdeu, wahrerch im Rücken die große:: Verkehrssttaßen der Stadt in tausend Lichter:: erstrahlen- und Kaffeehäuser und Kiiros und kleine Theater in blendender Beleuclvttrng locken und das Sttaßenleben weiterwogt, ununterbrochen, ummterbrechlich. . . * — Wie Monnet-Sully an die Comedie Franca ise kam. Mit Monnet-Sully, dessen Tod aus Paris gemeldet wurde, verliett das klassische ftanzösisckie Theater seinen größten modernen Schauspieler. Vor 75 Jahren in Bcrgerac geboren, wurde Mounet-Sully an: Konservatorium in die Geheimnisse der Schauspielkunst ein geweiht. Er trat hierauf an verschiedenen, zienilich obskuren Pariser Vorstadtbühnen auf, ohne s:ch über den Durchschnitt bemerkbar machen zu können, bis er durch einen gimstigen Zufall und die Vernütlluug seines Lehrers Bressant als E:nundz,vanzigjäliriger au die Com^die Francaise kam und über Nach: zu einer Berühmtheit ersten Ranges wurde. Damals — es war im Iahte 1872 — leitete noch Emile Perrin me klassische Mihi:/ der Franzosen, die nrangcls hervorragender Darsteller allerdings allzu sehr aus das moderne Lustspiel au- gewresen war. Da kein erstklassiger Heldendarsteller aufzutteiben war, ersckuenen die^ Namen Corneilles und Raciues kaum zehn- mal :m Jahre aus dem Spielplan. Als nun eines Tages in eurer iKotntteesitzung das leidige Probten: dieses Mangels wieder erörtert wurde, erhob sich plötzlich Bressant: „Ich habe," rief er Perrin zu, „den jungen .Helden, den Sie suck-en, diesen seltnen Pogel. Oder vielmehr: er war in meiner Klasse aml Konservatorium. Jetzt ist er irgeiwime ain Odeon engagiert, be- konnnt keine Rollen, kommt nicht zum? Spiele:: und verzehtt sich vor .Ungeduld. Er :vird unvergleichlich oder- scheußlich svieleu- aber nie gleichgültig lasse::. Mounet-Sully heißt „er" „Schaffen Sie ihn herbei," rief Perrin, „er soll schon morgen auf dev Mthrw sprechen." Nächdein Mounet-Sully am nächsten Tage vorgesprochen hatte, eilte Perrin ans ihn zu: „Junger Mannll S:e sind Pensionär der Comödie Francaise?" Schon in der ersten Juliwoche desselben Jahres trat ÄLounet-Sully als Or^L in der „Andromache" vor das Publikum der Comsdie Franyaise und von jener Zeit an war er der Führer einer neuen Blüte der klassischen französischen Schauspielkunst, die nunmehr mtt frinj wieder zu Ende ging. Muster 1769a Spiralfeder-Einlagen Normale Weiten Farben: grau, beige Preislage: Mk. 4= L 312 3 = 2§21=§2 Schulstr.4 * Giessen * Schuistr.4 (IV. Kriegsanleihe) nehme ich bis zum Der Zeichnungspreis beträgt: für dix Reichsschatzanweisungen S3°/<-, für die S°/° Reichsan- leihe/wenn Glücke verlangt werden, 88,3« °/„, wenn Eintragung in das Neichsschuldbuch mit Sperre bis 13. April 1917 beantragt wird. 98.3«°/,. Anmeldungen nehme ich bis Mittwoch, 22. März ds. Js.. mittags 1 Uhr. entgegen. 16990 . .. 22. März er. entgegen. 1771D m empfehlen wir: zu M. 15.00, 18.00, 21.00, 23.00, 27.00 LICHTSPIELHAUS BahnhofetraSe 34 Meute zum letzten Male: Stuart flebbs ^ der bekannte, kühne und unerschrockene D^teictiw in seinem neuesten und hochsensationellen Abenteuer Der gestreifte Domino I>etektiv- Schlager in vier Akten Monopol-Film, Erst- und Allein-Aufführungsrecht. Dazu wie immer ein (1765a anserwähltes Beiprogramm. n ' iiiiiihiiir l ffiT.iHiiii l iiniiNi 7 . T r. 7 rn , mr? 7iT ..n i i.( l ini iih. i r,i rf i Militär vom Feldwebel abwärts zahlt werktags die Hälfte. Holzverfteigerrrng in der fürstlichen Oberföriterei Lich. Montag, den 13. März, vormittags 10Uhr, im Distrikt Lungeberg: Knüppel, Rm.: 3 Buchen, 21 (Lichen, 13 Züchten,- -Stöcke, Rm.: 84 Eichen, 22 sichten,- Reisbolz-Wellen: 2050 Eichen, 1150 Fichten: 8 Eichengartenpfosten. 2,2 m lang. Die Zusammenkunft ist aus der Kreisstrahe von Nieder- Ibesstngen nach Langsdorf beim Eingang in den Wald. Dienstag, den 14. März, vormittags S'/r Uhr, im Distrikt Hard: Scheiter, Rm.: 500 Burhen. 6 Eichen,- Knüppel, Rm.: 150 Buchen, 49 Eichen,- Stöcke, Rm.: <240 Buchen, K Eichen; Reiöbolz-Wcllen: 5600 Buchen, 1590 Eichen. Die Zusainmenkunst ist auf der Waldstratze von Koln- hausen in die Hard beim Eingang in den Wald. . 16838 Holzverstergernng im Hattenrvder Gemeindewatd. In den Distrikten Struth und Buchender sollen versteigert werden Donnerstag, den 9. März 1916: 59 Fichten-Derbstangen mit 3.37 Fstm. Inhalt 6 Nm. Kiefern-Scheitholz (rund) 194 Rm. Kiefern-Knüppel 2 Rm. Fichten-Knüppel 24 Rm. 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