Nr. 56 Der «fe&entt Hunger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SiehenrrFamilienblätter; zweimal möchenll.Ureir- vlitt für den Ureis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Landwirtschaftliche Zeitfragen Ferujprech - Anschlüsse: iürdieSchriitleitunqllL Verlag,GeschästSftelleLI Adresse ftir Dralrtnach» richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen ü">r die TageSnummer bis zum Abend vorher. Erster Blatt J66. Jahrgang Dienstag, Z. März (9(6 MchLR« LMW General-Anzeiger fir Oderhessen Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Zchristleitung, Geschästsstette und Druckerei: 5chu!ftr.7. B e; n q $ t> v c t (j: monatl. 85 M., viertel- inhrl. Mk. 2.50; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 75 Pf.; durch die Post Alk. 2.30 viertel- jahrl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal15Pf„ ausw. 20 Pf. — Hauptschristleiter: Arrg. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und daS Feuilleton: Aug. Goetz; iür n e d a i l l e, nachdem er bereits im September vorigen Jahres mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet wurde. ** Hoftra u e r. Wegen des Ablebens der Königin- Witwe von Rumänien ist auf Allerhöchsten Befehl eine Hoftrauer vom 6. bis zum 15. März d. I. einschließlich an- geordnet worden. ** Amtliche Personalnachrichten. Uebertragen wurde am 3. März der Schulamtsaspirantin Jda Kahn zu Sprendlingen (Rheinhessen) eine Lelfrerinstelle an der höheren Bürgerschule daselbst. — Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen durch Allerhöchste Ent-k schließnng des G r o tz h e r z o g s Heinrich Schäfer zu Büdingen. ** Eine Falschmeldung. Das Wolffsche Tele- graphen-Bureau verbreitet mit. seinem heutigen Material folgende Nachricht: Berlin, 6. März. (Priv.-Del.) Däs „Berliner Tageblatt" meldet -ans Gießen: Hier starb im Lllter von 76 Fuhren Oberst a. D. Heinrich Spohr, der bekannte Vorkämpfer des Natnrheil- p?rfahrens. Das Wolff-Bureau pflegt zwar bei der Wiedergabe wlcher Meldungen Berliner Blätter die Verantwortung lie'sen selbst zu überlassen. Damit aber wird der Unfug nicht aus der Welt geschafft, daß mit ungenauen und voreiligen Nachrichten, die den großen Berliner Zeitungen von allzu betriebsamen Korrespondenten zutelegraphiert werden, für diese Blätter auch noch durch ganz Deutschland hindurch Reklame gemacht wird. — Wie unsere Leser wissen, handelt es sich bei dem vom „Berliner Tagebl." gemeldeten Todesfall um den Bruder des Totgesagten; der Todesfall liegt zudem bereits fünf Tage zurück. *" S t a d t t h e a t e r. Ans dem Stadttheaterbnreau wird uns geschrieben : Ter .Heitere Rokoko-Opern- Aden d", der hellte im Stadltheater gegebeil wird, hat, lvie wir hören, gestern im Wiesbadener Residenztheater den gleich starken Erfolg gehabt wie vorgestern in B a d - N a ll h e i in. Es famt der Besuch nochmals wärmstens empfohlen werden. ** Berlin — Bagdad (M esopotamie n-. Durch die Gewinnung des Kaiserlich--Ottomanischen Ingenieurs S a n t o B e i> be Semv zu einem Vortrag über „Berlin—Bagdad (Mesopotamien)" hat die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde ihren Mitgliedern und Gästen in der Tat einen seltenen Genuß gewährt. Ter Vortragende, Her die deutsche Sprache gut beherrscht, wußte in mitunter launiger Weise die Anwesenden in fast zwemundigemt <.orrrc 3 ' von Anfang bis zum Schluß in Spannung zu halten. ZW eingehender Weise schilderte er an der .Hand guter Lichibilder Land und Leute Mesopotamiens, wo er sich im Auftrag seiner Regierung bei der "Anlage vvn B o w ä s s e r u n g s b a u t e n auf- hielt und demnach in der Lage war, das alte Kulturland gründlich tennen zu lernen. Tie Geschichte dieses Landes reicht in die graue Vorzeit hinein. Wie die Genesis herilüer, wurde der Garten Eden pan vier Flüssen bewässert, die nach verschiedenen Richtungen abilosten. zwei dieser Flüsse, wie mau annimmt, heute au^ getrocknet lind, so ijt man versucht, das Paradies hier am Soerlauf des Euphrat und Tigris zu suchen. Von Ur in Chaldäa aus Zog dann Abraham durch die arabische Wüste in das Land Kanaan, spater entstanden hier das assyrische und b a b y - lo Ni 1 che Weltreich, dem das syrische und mazedo - Ni, che Reich folgten. Zur Zeit Karls des Großen lebte in Bagdad der Kalif Harun a l Raschid, der das Reich der Sa l so ni den zu höchster Blüte und Ausdehnung brachte. Es lebten damals rn Mesopotamien etwa 40 Millionen Mensck?en, heute sind es nur 5 Millionen. Man fragt sich daher unwillkürlich nach den Ursachen dieser Entvölkerung und ist leicht geneigt, die Türken für den Rückgang verantwortlich zu nrachen. Es ist klar, daß c ^t i^wlge der Bewässerun gsanlagen früher außerordentlich friichtbar w>ar, wie dies von Herodot und Tenophon berichtet wird. Aber man bedenke, daß nach inander die Scharen Alexan- 00 ^. yes Großen, die Tartaren unter Tamerlan und Tschmgiskan hier gehaust haben, und- daß die Natur selb- standig ihr Zerstörungswerk vollbracht hat. Seit 1908 0* oie,turkische Regierung bemüht. Kanäle. Dämme unv W a ! s e r b e h ä l t e r anzulegen, um auf diese Weise frucht- bare^ Land zu scharfen, denn es steht fest, daß es sich hier um em Ltuck ^.and handelt, das zweimal so groß als Aegypten und bedeutend fruchtbarer ist. Der Wert Mesopotamiens und des ^rak beruht zur Zeit auf seinem Bestand aai Dattelpalmen. Lehr wichtig )mb inbejfen auch die an verschiedenen Plätzen auf- geiundenen Steinülguellen, und es unt."rliegt keinein Zwei- wl. vaß England leine Hand nach diesem Ge.biet ausstreckt, hier Baumwolle zu pilanzeri, um so von seinem bisherigen Lieferanten, den Vereinigt m Staaten von Nord-2lmerika unabhängiger zu werden. An vericküedelien Stellen hat es sich schon eingenistet, und die Perl e n f i s ch e r c i des Persischen Meerbusens ist von ihm mit Beschlag belegt. Zur Zeit sind die englischen Truppen, die schon eilt gutes Stück ant' Tigris hinaufmcrrschiert ' waren, nneverholten Niederlagen in K nt el Amara eingeschlossen. Da sich auch die mohammedanischen Schiiten ihren sunnitischen Glaubensgenossen angeschlossen haben und in den heiligen Krieg eingetreten find, dürsten die Tage der Engländer in Mesopotamien gezählt sein. Eine ganz neue Zeit wird für diese Länder^ anbrechen, wenn die Eisenbahnlinie Berlin — Bagdad vol- stt und sich dann weitere Bahnen und Straßen anschließend Mit welch ungeheuren Schwierigkeiten das Reisen in jenen Landern zur Zeit noch verbunden ist, mag aus einem Beispiel her- vorgehen: Um zu Wagen von Aleppo nach Bagdad zu gelangen, eine Strecke wie.von Berlin nach Köln, brauchst man 18 Tage. Sobald es den Bemühungen der Regierung gelungen ist, bessere Verhältnisse herzustellen, wird es sich darum handeln, diese Gebiete zu be fiedeln. Indische Muselmanen und russische Juden werden fich bereit finden, hierher anszuwandern. Die Regierung wird vazu freudig die Hand bieten, sobald die sogenannten Kapitulationen abgelöst sein werden, loas hoffentlich auch durch diesen Krieg geschieht. Alle Jungtürken aber wissen, daß der englijche Fxeund der Türkei mehr gcsckMdet hat, als die Eroberungssucht Rußlands. Sie sind froh, an den Deutschen einen Freund gefunden zu haben, der ihnen den Weg zur Ordnung und zum Fortschritt zeigen will und wird. Der Vortrag fvurde mit sehr lebhaftem Beifall ausgenommen. ** Der allgemeine Deuts ch e Frauenverein ist durch die wachsende Teuerung der Lebensmittel genötigt, die Preise für den Kr ieg s m i t ta g s t i sch zu, erhöhen, um den sehr erwünschten Fortbestand dieser Wohlfahrtseinrichtung zu sichern. Von Montag dem 13. März an müssen 10 Pfg. für den Anteil mehr bezahlt werden, also kostet die Tageskarte 70 Pfg. und die Wochenkarte Mk. 4.20. ** Gelatinespeise-Ausstellung des Gießener Hausfrauen-Vereins. Bei der am Mittwoch, den 8. März, und Donnerstag, den 9. Mrz, im „Metro pol", Plockstr. 5, dahier, stattfindenden Ausstellung sollen die vorzuführenden Gelatinespeisen, wie Fisch-, Gemüse-, Fleisch-, Eier sülzen und eine große Anzahl von süßen Speisen^ dartun, wie groß und einfach die Verwendungsmöglichkeit von Gelatine im Haushalt ist. Ter Augenschein soll unsere Hausfrauen überzeugen, daß Gtzlatinespeisen eine billige und nahrhafte Ergänzung unserers Nährmittel bedeuten. Einfache Gemüsesülzen mit. Kartoffeln bilden ein gutes und nahrhaftes Abendessen. Auch aus dem kleinsten Rest von Fisch, Fleisch, Gemüse usw. läßt sich in Verbindung mit Gelatine noch eine ansehnliche, schmackhafte und dabei billige Speise zubereiten. Tie auf dem Lebensmittelmarkt herrschend^ Teuerung zwingt die deutsche Hausfrau, in welcher Vermögens-" läge sie sich auch befinden mag, zur größten Sparsamkeit, nicht allein im Interesse der eigenen Familie, sondern auch und vor allem zum Wöhle des ganzen Vaterlandes. Ta ist es wertvoll, Gerichte kennen zu lernen, die bei großer Billigkeit und Einfachheit der Herstellung zugleich schmackhaft und sättigend sind. Diesem Zweck soll die Ausstellung dienen. Gelatine ist auch ein Nährstoff, der wegen seines hohen Nährwertes und seiner leichten Ver- b a ii lichkei t von namhaften Männern der medizinischen Wissenschaft empfohlen rvird. In der Ausstellung werden Kochbücher über die Verwendung von Gelcttine abgegeben, ebenso können! Kostproben genommen werden, insbesondere aber sind auch Gelatineblätter in Päckchen für 20 Pfg. erhältlich, die von den Deutschen Gelatine-Fabriken in Schiveinfurt bezogen/ wurden. Die zu den ausgestellten Speisen verwendete Gelatine haben die genannten Fabriken dankenswerterweise unentgeltlich zur Verfügung gestellt. ** Aliceschule. Anmeldungen zu den am 14. März beginnenden Kursen im Kochen, Schneidern, Weißzengnähen, Handarbeiten und Bügeln, sowie für die Hanshaltnngsschule werden svätestens Samstag, den 11. Marz, von 10—6 Uhr, im Schulhaus Sleinbrane 10 entgegengenommen. Näheres siehe "Anzeige. ** Evang. "Arbeiterverein. Am Sonntag abend hielt der Leiter der gemeinnützigen Rechtsberatungsstelle des Evang. 2lrbeitervereins, Bureauboamter H. Kirchner, einen Vortrag über Kr i e g s v e r s o r g u n g s g e s e tz e und K r i e g s w o ch e n h i l s e. In seiner Einleitung erläuterte der Redner zunächst das Gesetz über die Sicherung der Leistungsfähigkeit der Krankenkassen, wodurch bestimmt wird, oaß die Krankenkassen, soweit nicht Llusnahmen - gestattet sind, während des Krieges nur die gesetzlichen R e g e l l e i st u n g e n (Mindestleistungen) gewähren dürfen, bei Erhebung von 4Vs Prozent des Grund- lohnes als Beitrag. Weiter behandelt der Vortragende das Gesetz betreffend die Erhaltung der Anwartschaft bei den Krankenkassen, das den Kriegsteilnehmern die Möglichkeit bietet, von dem Rechte der Weiterv-erficherung auch noch innerhalb sechs Wochen nach Rückkehr in die Heimat Gebrauch zu machen. Eine eingehende Bespvechung durch den Redner erfuhr die Kri e g sw o ch enh il s e, die den Ehefrauen der Kriegsteilnehmer sowie den gegen Krankheit versicherten sonstigen weiblichen Personen im Falle ihrer Niederkunft eine ausreichende Unterstützung (Beitrag zu den Kosten der Entbindung 25 Mk., Wochengeld, Stiltgeld usw.) gelvährt. Während die Verordnung vom 3. 12. 14 die Gewährung der Kriegswochenhilfe bei den Ehefrauen der Kriegsteilnehmer davon abhängig macht, daß der Ehemann vor dem Eintritt irt den Kriegsdienst Mitglied einer Krankenkasse war. steht die Kriegswochenhilfe iiach der letzten Verordnung (23. 4. 15) allen minder« bemittelten Wöchnerinnen zu, sofern der Ehemann Kriegsdienste leistet. Weiter erläuterte der Redner noch das Gesetz betreffend die Unterstützung von Fa« mtitelt in den Dienst euiyetreiüLLi; Mannscha>ren, um sich dann eingehend mit dem M a n n s ch a f t s v e r s o r g u n g s- gesetz fon>te der Militärhinterbliebenenversor- gnng zu befassen. Neben dem Kreis der anspruchberech- tigten Personen wurden die Leistungen der beiden Gesetze ausführlich besprochen. Zunt Schluß wurde noch die Geltendmachung der Ansprüche erklärt. —nn.— Das S o 1 d a t e n h- eirn in Gießen hatte mit dem Ende v. I. das erste Jahr seines Bestehens vollendet. Ter Ausschuß hielt deshalb am 24. v. M. eine Sitzung ab, um den. Geschäftsbericht und die Rechnungsablage entgegenzunehmen. Der Vvrsitzende gedachte, nach Begrüßung der Erschienenen, mit warmen Worten des Dankes der ersprießlichen Mitarbeit der im Lause des vorigen Jahres durch Wegzug, militärische Verwundung und Tod ausgeschiedenen Ausschuß Mitglied er, der Herren-Geh. Kirchen- rat v. Schlosser, Landgerichtsdirektor i. P. Bücking und Stadtverordneter Friedberger, und erstattete alsdann Bericht über den Betrieb des Soldatenheims, seine Ergebnisse und die seitherige Finanzierung des Unternehmens, ?lus den SKik» Leilungen, die in der erfreulichen Feststellung gipfelten, daß der mit der Gründuug des Heims verfolgte Zweck bisher in sehr befriedigendem Maße erreicht worden sei, und sein Fortbestand auch für das laufende Jahr als gesichert gelten könne, geht hervor, daß das Soldatenheim von Anbeginn seines.Bestehens an sich e nes sehr regen, ständig wachsenden Besuches zu erfreuen hatte. Die Zahl der täglichen Besucher schwankte, je lnach der Stärke der Belegung der hiesigen Lazarette und Garnison, und betrug au manchen Tagen 200 und mehr. Tank dem Entgegenkommen des Kommandeurs des hiesigen Ersatzbataillons. Major Stephan, ist es seit einigen Wochen möglich, den Besuchern des Heims neben den sonstigen Unterhaltungen durch Lesestoff, Spiel usw. wöchentlich einmal auch musikalische Unterhaltung durch die Kapelle des Ersatzbataillons zu bieten, wodurch der Besuch auch au anderen Tagen günstig beeinflußt wird. Von der im Soldatenheim gebotenen GAe-genheit, Erfrischungen, jedoch unter Ausschluß jeglichen Alkohols, zu äußerst mäßigen Preisen zu erhalten, wird in ständig steigendem Maße Gebrauch gemacht. Die Bewirtschaftung des Heims'wird von den in der Volksküche tätigen -Damen und Herveit in dankenswerter Weise mitbesorgt und für die dadurch entstehenden Kosten der Volksküche eine monatliche Vergütung gewährt. Aus der Rechnungsablage des Schatzmeisters ergibt sich, daß dem Soldatenheim, bis zum 31. Tezember 1915, außer dem von der Stadtverwaltung bewilligten monatlichen Zuschuß von 100 Mk. an freiwilligen Spenden, Zuwendungen ans dem Erlös von Vorträgen und sonstigen Veranstaltungen weitere 1535,70 Mk. zugeslossen sind, so daß es möglich war, die Ausgaben für Miete, Heizung, Beleuchtung, Reinigung, Bedienung, Drucksachen, Inserate usw. im Gesamtbetrag von 2327,78 Mk. zu bestreiten und mit einem 11 e b e r - schuß von 842,57 Mk. in das. neue Bctriebsjahr einzutreten. Auch in «diesem Jahr sind dem Soldateiiheim erfreulicherweise! schon wieder mehrere, zum Teil namhafte Spenden zugewiesen worden. Voll dem stellvertretenden Generalkommando des 18. Armeekorps in Frankfurt a. M. wurde dem Heim ein Betrag von 500 Mk. überwiesen. Der Verlag des Gießener Anzei a e r s hat aus den Erlös für die von ihm herausgegebenen Sonderblätter den Betrag von 150 Mk. gespendet, außerdem sind von einem unbekannten Gönner des Soldatenheims 100 Mk. und an kleinert Spenden 10 Mk. eingegangen. Ter Z w e i g v e r e i n Gießen vom Roten Kreuz, dem die Räume des Soldatenheims zur Erteilung von Unterricht und Vorträgen für die Verwundeten zur Verfügung gestellt worden sind, hat einen Zuschuß von 300 Mark in Aussicht gestellt. Der Vorsitzende sprach allen denen, die seither durch ihre Zuivendungen die Errichtung und Unterhaltung des Soldatenheims ermöglicht haben, den herzlichsten Tank aus und gab im Anschluß daran dem Wunsche und der Hoffnung Ausdruck, daß sich immer weitere Kreise von der segensreichen Wirksamkeit des Soldatenheims überzeugen und dies durch reichliche Zuwendungen zum Ausdruck bringen möchten. Ueber die eingehenden Spenden, zu deren Annahme sich auch weiterhin die Geschäftsstelle des „Gießener A n z e i g e r s" bereit erklärt hat, soll künftighin öffentlich quittiert lverden. Wenn der finanzielle Stand des Unternehmens, wie aus den mitgeteilten Ziffern hervorgeht, augenblicklich auch derart ist, daß das Fortbestehen des Heims vorerst als gesichert angesehen werden rann, so wird es sich doch nicht umgehen lassen, in absehbarer Zeit wieder einmal mit der Bitte um weitere Zuwendungen an die Oeffentlichkeit zu treten, und es soll deshalb einstweilen die behördliche Genehmigung dazu eingeholt werden. Bei der am Schluß der Sitzung vorgenommenen Ersatzwahl von Ausschutzmit- gliedern wurden, ihr Einverständnis vorausgesetzt, die Herren Professor Tr. öcnlieberg, Kommerzienrat Noll und Major Stephan dem Ausschuß zugewählt. ** Eine Gruppe 222er hatte durch unsere Vermittlung einen gütigen Spender um eine Ziehharmonika bitten lassen Die Bitte ist, wie zu erwarte»! »var, nicht nngehört verhallt. Professor Tr a u t m a n n , dessen Sohn im 222. Regiinent den Heldentod erlitt, hat den Angebörigen dieses Reginients das gewünschte Instrument gespendet. Unsere Geschäftsstelle hat es an die Adresse der nmsikliebenden Feldgraneii abgeschictt. ** D i e Tuberkulose st erblichkeit im G r. Hessen (Tuberkulose aller Organe) betrug, wie der Vorstand der Landesversicherungsanstalt Gvoßh. Hessen rnittcilt, im Jahre 1893 aus 10 000 Lebende berechnet 33,4. Sie ist seitdem, wenn man von der kleinen Steigung im Jahre 1900 absehen will, in ständigem Fallen begriffen und betrug im Jahre 1914 = 16,1. Zu diesem sehr bedeutenden Rückgang hat ohne Ziveifel der seit den 1890er Jahren gegen diese Volksseuche aufgenommene planmäßige Kamps beigetragen, an dem vorwiegend die L a n d e s Versicherungsanstalt und die Krankenkassen, außerdem der Hetl- stättenverein und die F ü r s o r g e st e l l e n für Lungenkranke, sotvie der Tuberkulvsefvnds der Großherzogin beteiligt sind. Tie neuesten statistischen^ Feststellungen haben aber wieder eine Zunahme ergeben. Tie Ziffer beträgt für das Jahr 1915 = 18,7, die Tuberkulosesterblichkeit ist also seit 1914 um 2,6 in die Höhe gegangen. Was im besonderen die Sterblichkeit an Lungentuberkulose anlangt, so betrug diese in 1915 =- 14,4 gegen 12,2 im Jahre 1914 (immer ans 10 000 Lebende berechnet), ist also ebenfalls um 2,2 gestiegen. Auch die Gesamtsterblichkeit hat im Jahre '1915 eine Zunahme erfahren. Sie betrug 145 gegenüber 128 im-Jahre 1913, dem- nach ein mehr von 17. Nicht eingerechnet sind, wie besonders betont wird, die Sterbefälle der deutschen Kriegsteilnehmer und der Kriegsgefangenen. Ter Krieg hat auch hier allem Anschein nach seinen Schatten geworfen. Tie der Tuberkulosebekämpfung gewidmeten Einrichtungen müssen also alles daran setzen, nicht nur dieser Zunahme Herr zu werden, sondern rnitzuarbeitcn. daß die Tuberkulose immer mehr verschwindet. Zur Durchführung, dieses Kampfes gehören aber bedeutende Mittel, und jeder ist berufen, hierbei mitzuwirken. — TaS im vorigen Sommer im Gasthaus zum Ritter in Wimpfen von der Landesversicherungs- anstalt vorläufig eingerichtete Kindersolbad wird am 15. März wieder eröffnet. Zur Aufnahme kommen Kinder im Alter von 4—15 Jahren, die entweder anSkrofulos e leiden oder tuber- kuloscverdächtig sind. Tie Kuren dauern in der Regel vier Wochen und beginnen stets am 15. der Monate. Auf- nahmcgesuche sind an die Landcsversick>erungsanstalt in Darmstadt zu richten. Tie Aufnahmebedingungen können von dieser erbeten werden. Grund zu der Wiedereröffnung gab der Umstand, daß das Kinderhvspital in Bad-Nauheim immer noch La- zarettziyecken dient. ** Zur Beherzigung. Unter dem Titel „Ein neues Kriegs gebet" wird zurzeit in den Zeugenzimmern, den Gängen und Treppenhäusern der pfälzischen Gerichtsgebäude folgende Mahnung aufgehängt: 1. Hüte dich vor Prozessen, du kennst vielleicht den Anfang, aber nicht das Ende. 2. Geh' ntcht um jeder Kleinigkeit willen zum Gericht, du sparst viel Zeit. Geld und Verdruß. 3. Hast du einen rechtlichen Streit, so prüfe, ob nichit auch beim Gegner ein gut Teil Recht ist. 4. V'rsucke vor einem Prozeß zuerst eine gütliche Schlichtung und'laß auch den Gegner zu Wort kommen, tonn klärt fick- vieles auf. 5. Unternehme nichts,Jvas deinem Gegner nur schaden frutit, dir aber nichts nützt. 6. Sage deinem Gegner nie, cr üuuc gelogen. 7. Sage deinem Gegner nie, er hätte betrogen. 8. Höre auf den Richter, wenn er znm Vergleich rät, er meint es gut mit dir. 9. Mache deine Verträge stets schriftlich und und lies es erst genau durch, was du unter- schreib,t, dann vermeidest du Unklarheit und hast Beweise. Nur was du beweisen kannst, gilt vor Gericht. 10. Treibe den Gegner nicht zum äußersten, du weißt nicht, ob du nicht einmal seiner' bedarfst. Zweifelhafte Firmen im Ausland. Tie Firma Shndicat Surinam in Basel (Schweiz) entfaltet eine lebhafte Werbetätigkeit durch Veröffentlichungen von Anzeigen in deutschen Zeitungen, in denen sie gewöhnlich folgendes ankündet: „Wie sein Vermögen auch trotz Kriegslage zu verzehnfachen wird sub. Chif- •. . .... s/eri'öseu Interessenten mitgeteilt." Ten sich meldenden Interessenten werden Prospekte des Syndikats übersandt, in denen daraus hingewiesen wird, daß die Firma an soliden, gut fundierten Quecksilber- und Gvldminen-Unternehmungen in Surinam ÜHolländisch-Guayaira) beteiligt ist, ferner wird zur Zei hnuug von Anteilen eingeladen. Nach amtlich augestellten Ermitt langen, kann mit Rücksicht auf den Ruf der Firma von einer Beteiligung an den Unternehmungen nur dringend gewarnt werden. ** Warnung! In der letzten Zeit werden wiederholt Prospekte von verschiedenen Firmen ausgegeben, in welchen die Reparatur ausgebrannter Sicher u n g s st ö p s e l und Patronen für elektrische Anlagen empfohlen wird und an Besitzer elektrischer Anlagen eine große Ersparnis in den Vet> iebskonen Nrrfi die Wiederverweneung und Reparatur der Stöpsel in Aussicht gestellt wird. Turch angesteüt: Versuche an sogenannten reparierten Stöpseln usw. ist stßg:stel!t. daß die Reparaturen in den meisten Fällen in so nrangeltzater und unsachgemäßer Weise ausgeführt werden, daß die grüßte Gefahr durch Verwendung solcher Apparate entsteht und schon bei normaler Spannung Brandschäden verursacht werden können. Es wird daher dringend vor derartigen Anpreisungen gewarnt und betont, daß die Verwendung solcher .reparier- t'r Stöpsel und Sicherhei tsp-crtroneu in Anlagen, welche an die städtischen Elektrizitätswerke atmeschlossen sind, verboten ist. ** Abgabe von Frühsaatkartofseln. Die Stadt Gießen hat eine beschränke Menge von Frühsaatkartosfeln beschafft, die in kleineren Mengen an hiesige Gartenbesitzer und Pächter von Ländereien zur Förderung der Frühkartofselzucht zum Preis von 12 Pfg. das Pfund abgegeben werden sollen Näheres siehe Anzeige. ** T i e landwirtschaftliche Bebauung von Grundstücken. Es muß aus volkswirtschaftlichen Gründen der größte Wert darauf gelegt werden, daß altes Gelänge, das landwirtschaftlich benützbar iß, auch a n g e b a u t wird. Ich richte daher schon jetzt au alle Eigentümer und Pächter von Grundstücken die dringende Aufforderung, dafür Sorge zu tragen, daß keines der in ihrem Besitz stehenden Grundstücke unbebaut bleibt, auch wenn das Grundstück mir von geringer Ausdehnung ist und bisher anderen Zwecken gedient hat. Sollte ein Grundstücksbesitzer aus zwingenden Gründen nicht in der Lage sein, seine Grundstücke selbst zu bewirtschaften, -so hat er hiervon aus dem Stadthaus Anzeige zu erstatten, damit die Ausstellung dieses Grundstücks in der vorgeschriebenen W.ife sichergestellt wird. Näh- heres ist aus einer amtlichen Bekanntmachung der Stadt Gießen im Anzeigenteil dieses Blattes zu ersehen. Kreis Büdingen. — Selters, 6. März. Ter etwa 50jährige Eisenbahn- orbeiter Louis ft ö n \ c\ wurde Sonntag früh auf dem hiesigen Bahnho' von einem Zuge überfahren und sowrl g e t ö t e t. Er hinterläßt eine Witwe mit mehreren Kindern. Wie das Unglück geschah, konnte nicht festgestellt ,verden. Kreis Friedberg. 6. F r i e d b e r g , 7. März. Tle 10 0. Sitz u n g der Großh H a n d e l s k a in ni e r Friedberg für die preise Friedberg. Büdingen und Scbotken findet am Mittwoch, den 15. 'März 1910, vormittags ll l / 9 Uhr, in den Geschäftsräumen der Handelskammer (Alte Post) Natt. Aus der Tagesordnung siebt: 1. Zusammensetzung der .ftammer. 2. Bericht über die Täligkeil der Kammer und des Ans- schnsseS für eilige -Angelegenheiten seit der letzteii Sitzung. 3. Krieas- geivinnstener. 4. Eingabe der Mineralbrnnnenindustrie. 5. Wichtige Emläiüe. Melbacb, 7. März Die Hessische Tapfe rkeits- Medaille erhielt der Dragoner G r ä f. # Södel, 7. März. Die Hessische Tapfe rkeits- medaille er ielt der Dragoner-Freirvillige 9 i ft m a n n. # Rodhel m v. d. H., 7. März. Unteroffizier Strauß erhielt das E i s e r i» e Kreuz Starkenburg und Rheinhessen. = D-arrn stadt, 7'. März. Inmitten seiner Division im vordersten Schützengraben erlag der 70 jährige Generalleutnant und Divisionskommandeur Exzellenz von Menges einem Herzschlag. Ter in treuester Pflichterfüllung Verstorbene war schon Mitkämpfer der Feldzüge 1866 und 1870/71. Als der Weltkrieg ausbrach, stellte sich der alte Herr sofort der Heeresleitung zur Verfügung. — Ter Großherzog läßt nach Mitteilungen der Bürgermeistereien einen großen Teil des im groß herzoglichen Wildpark befindlichen Schwarzwildes absch:eisten und- das Fleisch in erster Linie