Nr. 4? Zweites Blatt Srfcheinl K-lich mit AuSnah»ne des Sonntags. Die ^Gietzener FamlNenblStter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Urekblatl fSr den Kreis Stehen" zweima: wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- ftagntt' erschemen monatlich zweimal. M. Jahrgang General-Anzeiger für Gberhejjen Freitag. 25. Febmar sysd Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universuäts - Buch- und Sreindruckerei. R. Lange. Kietzen. Schnftleitiina,Geschäftsstelle u.Truckerei: Schul» strotze?. Geschäftsstelle u.Berlaq:^^51,Schrift» leitung: ^^112. A drehe für Drahtnachrichten.- Anzeiger Kietzen. Ergebnis des Luftangriffs in der Nacht vom z\. zum 2. •it ^‘ e ^ r - Von zuständiger Stelle erfahren wir ilLer das Ergebnis dS Luftangriffs in der Nacht vom 31. Januar zum 1. Februar 1916 das Folgende: 1. LiverPool. Hauptziele des Angriffs waren die Docks, Hafen- und Fabrik-- Tre Wirkung der Bomben war gut: während der Rück- fayrt der Schiffe war noch weithin ein mächtiger Brand sichtbar. Reihe von Brücken- und Hafenanlagen wurden so schwer beschädigt, daß sie vorläufig nicht mehr benutzbar sind. Es soll auch erne Anzahl von Schiffen auf dem Mersey schwer getroffen fern, u. a. ^ein unterhalb Virkenhead liegender Kreuzer und ciu Transportschrfs der Leyland-Linie. Eine Stallung mit 200 Pferden wurde durch Feuer zerstört; die Pferde und die kanadischen Wachmannschaften t ollen dabei um gekommen sein. In Virkenhead, rv p* JK™ ^ootle ist großer Schaden angerichtet worden. Booth XAtie & Beo ward -ine sind durch die teilweise Zerstörung ihrer Tockcmlagen schwer beschädigt. Drei Schifse wurden sehr mitgenommen. Tre angrenzenden Trockendocks und Maschinenfabriken sowie die „Brrkenhcad Trydock, Engine L Boiler Works" wurden vollkommen zerstört. Im ganzen wurden über 2 OO Häuser durch Bomben oder Brand zerstört. An der Mersey- Mundung sin Bovtle) wurde eine Pulvenabrik völlig zerstört. Evewe, südöstlich von Liverpool, sind die Bahnanlagen stark befchamgt, wodurch der Verkehr mit London unterbrochen wurde Militärlager sollen dort in Brand gesetzt worden sein. 2. M aniche st e r. Angriffsziel waren in erster Linie die Hockiosenwerke, die mit gutem Erfolge mit Bomben belegt wurden. Zwei Ho-chofenwerke und zwei größere Fabriken (Eisenwerke) wurden voll^ zerstört. Eine Reihe anderer Fabrikanlagen hat beträchtlichen Schaden erlitten. 3. Sheffield. Im Süden der Stadt wurderi zwei Hochöfen beworfen, von denen der eine zum großen Teil zerstört wurde. Ferner wurden mehrere große Industrieanlagen und der Bahnhof mit Bomben belegt. Außerdem sollen zwei Schuppen, die militärischen Zwecken menen, zerstört sein. Starke Brände wurden nach dem Angrift noch lange Zeit beobachtet. 4. Nottingham. Angriffe wurden ausgeführt auf große Fabrikanlagen und Hochöfen, wobei sehr gute Wirkung beobachtet wurde. Ferner ans eine Batterie, die, nachdem sie unsere Luftschiffe wirkungslos beschossen hatte, zum Schiveigen gebracht wurde. Eine Munitionsfabrik und mehrere Fabrikanlagen wurden stark beschädigt. Oestlich von Nottingham bei Grantham wurden die Bahnanlagen zerstört, so daß der Betrieb mehrere Tage unterbrochen werden mußte. Der bei weitem größte Schaden ist in Sheffield und Nottingham 'angerichtet worden; Londoner Versicherungsgesellschaften schätzen ihn auf 4 00000 Pfund Sterling. 5. Birmingham. Zwei große Regiernngswerke und zwei . Munitionsfabriken^ sind völlig zerstört, eine Brauerei beschädigt. Großer Schaden wurde überhaupt in Siaffordshire, Shrop- shire, Eeshire, Leieesterihire, Lincolnshire und Vorkshire angerichtet. — In Eccleshill bei Bradford wurde eine Munitionsfabrik und 3 Spinnereien, in Partington wurden durch eine Bombe 23 Häuser zerstört. 6. H um b er. Eine Ba t t er i e , die ihr Feuer ohne Ergebnis auf eines uuferer Luftschiffe richtete, wurde angegriffen und zum Schweigen gebracht. Geschütze und Schsinwerfer der Batterie wurden zerstört, ferner wurden auf eine Anzahl von Industrieanlagen am Humber, sowie aus ein Hochofenwerk mit ausgedehnten Anlagen Bombeii geworfen.. Ueberall wurden gute Erfolge beobachtet. Jvwurden die Kais, Werften und Lagerhäuser zum Teck schwer beschädigt, ebenso mehrere Fracht- und Fisch- oampfer. «Ein Heu- und Strohlager ist niedergebrannt, wodurch vetrachtlicher Schaden entstanden ist. Zwischen Hedon und Salt Enden (unterhalb Hüll) wurde ein Pulvermagazin zerstört. In - u -y? n öon Hu.lt ist eine Eisengießerei schwer beschädigt. In Vult felbst sollen die Verheerungen sehr groß gewesen sein und denen in. Sheffield und Nottingham nahezu gleichkommen. In der Kingstreet ist ein Häuserblock gänzlich -erslört. Die Bahn- und Hasenanlagen haben derart gelitten, daß große Schwierigkeiten, m den Betrieben entstanden sind. Mehrere in den Docks liegende Handelsschiffe sollen beschädigt sein. Oberhalb Gool wurde ein Hochofen schwer beschädigt. Ferner sind auf dem Humber der kleine Kreuzer „Caroline" und die Zerstörer u u n d „N i t h" versenkt worden. Der kleine Kreuzer „Caroline" ging in 6 Minuten unter. 31 Mann der Besatzung wurden getötet, 58 verwundet und 47 ertranken. 7. Great Darmoüt h. Eine Fabrik und verschiedene Industrieanlagen wurden mit Bomben belegt, tvobei gute Wirkung beobachtet wurde. Ferner wurde an bet englis chen Ostküste noch eine Batterie zum Schweigen gebracht. An der Ostküste Englands ist weiterhin der englische Damvfer Franz Fischer" von einem der Luftschiffe versenkt worden. Tie moralische Wirkung des Angriffs scheint sehr itark gewesen zu sein. Bestätigt wird dies indirekt durch die englische Presse, die über die bisher wirkungslosen Abwehrmaßnahmen Nagt, und die die Forderung des englischen Binnenlandes nach Luftabwehrgeschützen und Flugzeugen lebhaft unterstützt. Der Finanzausschuß der Liverpool Corporation hat beschlossen, alle in ihrem Besitz befindlichen öffentlichen Gebäude der Stadt gegen Schaden durch Luftangriffe zu versichern. Der gesamte Betrag eieser Versicherungen durch lokale Gesellschaften soll etwa 3 000 000 Pfund Sterling betragen. 1912 Chef des ersten Geschwaders, wurde Pohl zunächst zur Verfügung des Chefs der Marinestation der Nordsee und später zur Verfügung des Kaisers gestellt. Das Jahr 1913 brachte ihm die Beförderung zum Admiral und mit der Verleihung des erblichen Adels die Ernennung zum Chef des Admiralstabes. Seit Februar vorigen Jahres war er Chef der Hochseestreitkräfte, bis er kürzlich krankheitshalber von, seinem Posten zurücktrften nmßte. — Admiral v. Pohl hinterläßt mit der Witwe zwei Töchter; der einzige Sohn ist im letzten Herbst den Heldentod für das Vaterland gestorben. Heer nnd Flotte. Admiral v. Pohl ft. Admiral v. Pohl stand im 61. Lebensjahre. In Breslau am 25. Auaust 1855 geboren, trat er 1872 als Kadett in die Marine, wurde 1876 Unterleutnant, 1879 Oberleutnant z. S., 1887 Kapi- tänleutnant, 1894 Korvettenkapitän, 1898 Fregattenkapitän. Im November 1898 übernahm -er das Kommando des Küstenpanzers „Aegir" und 1899 das des Kceuzers „Hansa", mit dem er nach Ostasien ging. Während der Boxerunruhen in China wurde er Führer des internationalen Landungskorps, mit dem er am 17. Juni 1900 die Takuforts stürmte, eine Heldentat, die seinen Namen volkstümlich machte. Nach der Heimkehr wieder zum Vorstand der Zentralabteilung des Reichsmarineamts ernannt, erhielt er 1903 das Kommando des Linienschiffes „Kaiser Wilhelni der Große", das er 1904 mit dem der „Elsaß" vertauschte. 1905 wurde er als Kommodore mit der Wahrnehmung der Geschäfte des zweiten Admirals des ersten Geschwaders betraut, im folgenden Jahre zum zweiten Admiral dieses Geschwaders, dann zum Be- sehlshaber der Aufklärungsschifse der aktiven Schlack, tf'lotte und 1907 zum Inspekteur der Schiffsartillerie ernannt. Von 1909 bis Aus Stadt und Land. Gießen, 25. Februar 1916. Gegen die Verwahrlosung der Jugend. Am 11. ds. Mts. wurde im Kreisbtatt eine Verordnung des Stellvertretenden Generalkomm-crndos des 18. Armeekorps bekannt gegeben, die sich mit scharfen, aber geruhten Maßnahmen gegen die zunehmende Verwahrlosung der Jugend wendet. Wie wir nun hören, wird diesen Maßregeln noch nicht von alten Seiten die notwendige Beachtung geschenkt. Es wird sogar darüber geklagt, daß es Eltern gibt, die eine Uebertretung der Verordnungen unwissentlich Vorschuß leisten. Wenn es heißt: Personen beiderlei Geschlechts unter 17 Jahren ist der Aufenthalt auf der Straße und öffentlichen Plätzen in der Zeit vom 1. Oktober bis 1. März nach 8 Uhr abends, in der übrigen Zeit des Jahres nach 9 Uhr abends verboten, wenn sie sich nicht in Begleitung ihrer Eltern oder gesetzlichen Vertreter, oder von diesen mit der Ueberwachnng der Jugendlichen betrauten erwachsenen Personen befinden, so ist damit gesagt, daß nach dieser Zeit Kinder auch nicht mehr zu Besorgungen ausgeschickt werden dürfen. Die Strafe trifft in diesem Falle die Eltern, selbst wenn das Kind nur den scheinbar so harmlosen Auftrag erhalten hatte, eine Karte in den nächsten Briefkasten einzuwerfen. Soll eine so wichtige Verordnung wie diese zum Ziele führen, so muß sie g l ei chm ä ftsig für alle Fälle angewendet werden und' ein Auftrag der Eltern darf nicht zum Vorwand dienen können, das Gesetz zu umgehen. Gänge von der Arbeit nach Hause oder zur Arbeit fallen natürlich nicht unter das Verbot. Wird -ein Jugendlicher abends nach. Geschäftsfchluß auf dem Nachhauseweg an gehalten, so muß er sich jedoch über den Zweck seines Ganges answeisen, und eine N ach fr ag e bei der betreffenden Firma wird ergeben, ob die Angaben auf Wahrheit beruhen. Als ein weiterer Unfug hat es sich herausgestellt, daß Jugendliche, die gerade vor einigen Tagen das 17. Üebnrs- jahr vollendet hatten, sich als gesetzliche Vertreter eines jüngeren Bruders ausspielten, den sie mit ins Wirtshaus genommen. Daß einem kaum erwachsenen Bürschlein diese Vollmacht nicht zusteht, wenn dies auch in der Verordnung nicht ausdrücklich gesagt ist, wird jeder vernünftig Denkende einsehen. Die Wirte dürfen also derartige Gäste in ihren Räumen nicht dulden. Das gleiche gilt natürl-ych. für den Besuch der Kinos. Wir hoffen, daß diese Ausführungen mit dazu beitragen werden, den JNgendlichen von vornherein die Möglichkeit einer Gesetzesumgehung abzuschneiden. Im übrigen betonen varmstädter Theaterdrief. Darmstadt, 23. F-ebr. Die heutige Uraufführung von „Madame Kobold", Komische Oper in drei Akten von Felix v. Weingartner, bedeutet ein musikalisches Ereignis für unser Hoftheater, das äußerlich auch schon dadurch zum Ausdruck kam, daß man in dem festlich gestimmten und nahezu ausverkauften Hause auch eine große Anzahl auswärtiger Theaterdirektoren, Operndirigenten und Musikkritiker fast aller großen deutschen Blätter bemerkte. Der jetzige geniale Generalmusikdirektor unserer Hofbühne hat in der erst kurzen Zeit seiner hiesigen künstlerischen Wirksamkeit eine geradezu bewundernswerte Schaffenskraft entwickelt und neben seiner umfangreichen Gasttätigkeit an großen Blswärtigen Operninstituten auch eine Reihe neuer Tondichtungen .geschaffen, die seinem Namen als einem der allerersten Musikdirigenten der Neuzeit neuen Glanz und Ruhm eingetragen haben. So hat er der; erst während des Krieges neu geschaffenen Oper „Kain und Abel" eine neuej groß angelegte Symphonie und die köstliche „Lustige Ouvertüre" neben der von ihm geleiteten Uraufführung der von Oskar Me bearbeiteten Jugendoper „Die Gärtnerin aus Liebe" folgen lassen und jetzt die musikalische Welt mit seiner „M ad a me Kobold" überrascht, zu der er auch den Text nach Calderons gleichnamigem Lustspiel bearbeitete. Man konnte der Uraufführung dieses Werkes allenthalben mit um so größerem Interesse entgegensehen, als der Komponist sich in der kurzen Zeit seiner hiesigen Tätigkeit in der Darmstädter Hofkapelle einen Stab von Künstlern ganz nach seinen Intentionen zum Teil ganz neu herangebildet hat, dje seinem genialen Taktstock verständnisvoll und mit Begeisterung zu folgen sich gewöhnt haben und so seinen musikalischen Gedanken in vollendeter Weise Ausdruck verleihen. Die Handlung der neuen Oper ist etwas breit ausgesponnen. Ein zwischen dem Gastzimmer Ton Manuels, einem jungen spanischen Ritter, und dem Gemach der jungen Witwe Angela unmerkbar eingelassener drehbarer Schrank gibt den Grund zu den verschiedenen drolligen Verwickelungen. Angela, die nach spanischer Sitte von ihren beiden Brüdern in strenger Abgeschlossenheit gehalten wird, und die das sonst niemand bekannte Geheimnis des die Verbindung herstellenden Schrankes von ihrer Kammerjungfer erfahren hat, benutzt dieses, um Don Manuel in seinem scheinbar ganz getrennt liegenden Gastzimmer einen Dankbrief zukommen zu lassen. Don Manuel hat sie nämlich durch ein geschicktes Manöver vor der Entdeckung durch ihre Brüder bewahrt, als sie tief verschleiert ein Stiergesecht besucht hatte. Während die Brüder mit ihrem Retter bemt Abendessen sind, huschen Angela und ihre Freundin Donna Beatrix, der heimlichen Braut des einen Bruders, unter Anführung des verschinitzten Kammerkätzchens in das Zimmer Don Manuels, und daraus entwickelt sich nun ein lustiges Gespensterspiel, das mit einer fröhlichen Doppelhochzeit endet, denn wie Don Manuel die lunge Witwe, sv führt auch Don Juan deren ftrambin, Beatrix heim. . Zu diesem neckischen Spiel hat nun Weingartner eine außer- ordentlich ansprechende und graziöse Atusik geschrieben, die unter voller Entfaltung aller Klangschönheiten unter seiner Leitung eine durchschlagende Wirkung erzielte. Verstand es' der Tondichter, rn der Out^rtüre die schönsten Motive aus der Oper mit meister- ttcyem Geschick zusammenzuweben und das ganze Vorspiel auch ?. ncm - wirkungsvollen Kunstgenuß für den Konzertsaal zu gestatten, so zeigt er rn dem folgenden Spiel seine unübertreffliche Meisterschaft in der technischen und künstlerischen Ausgestaltung und Empfindungen. Das groß angelegte Duett vn ersten Akt, vor allem aber das Quartett an dessen Schluß, sind Perlen der Tondichtung. Im zweiten Akt überraschte der Komponist mit einem musikalischen Zwischenstück, das eine wunderbare Tonmalerei ganz eigener Art darstellt und den kunstliebenden, wie. den kunstverständigen Zuhörer tief ergreifen und entzücken mußte. Es diente vielleicht auch als eine Entschädigung dafür, daß der zweite Mt im übrigen als der schwächere von den Dreien angesprochen werden mußte. Der letzte Akt bewegt sich mehr als die beiden andern im Charakter der Mozartschen Spieloper und ubt in diesem Sinne auch die stärkste Wirkung auf das Publikum — nicht auf den Mozartkenner als solchen — aus. Hier lecken die leisen Akkorde zarter Singstiminen zu einem prachtvollen Chor über, der, von blumen- und glanzgeschmückten Damen der ^onna Angela beim Oeffnen des lichtersttahlenden Prunksaales gelungen, einen wunderbar poesievollen Zauber ausübt. Tu Inszenierung der Uraufführung erfolgte natürlich unter voller Aufbietung aller künstlerischen und technischen Mitteln des Hoftheaters, die bei solchen besonderen Anlässen bekanntlich gering sind. In der Titelrolle der Donna Angela schu^ die Gattin des Komponisteii, Frau Lucille von Wein- 5 ^ 7 tuei', eine wirkliche „Madame Kobold^, die gesanglich und daritellerpch auf der vollen Höhe stand, und der sich ihre beiden Hauptpartnerinnen (Frau Anna I a c o b i als Beatrix und Frl Frida Meyer als Kammermädchen Isabel, sehr gut anschlossen, wahrend unser bewährter Llugust Globerger als Ton Manuel und Leo S chü tz e n d o r f als dessen Diener, ersterer durch Stimme und brillante Darstellung, letzterer durch seinen köstlichen Humor, die ganze Darstellung des Werkes zur vollendeten künstlerischen Entfaltung brachten. Der Erfolg des Abends war denn auch, wie das fchon aus dem Vorstehenden entnommen werden kcuin, ein durchaus ehrlicher, großartiger. Schon nach dem ersten Akt wurden die Hailptdarsteller mit mehr als Hervorrufen ausgezeichnet und der Komponist vor die Ramve gerufen. Zum Schluß der Oper mtftand.in dem animierten Publikum ein solcher Sturm von Begeisterung, daß neben den Hauptdarstellern auch der immer wieder stürmisch gerufene Komponist wohl ein dutzendmal erscheinen und für die fast die ganze Szene bedeckenden Kranz- und Blumen,penben danken mußte, die ihm imd seiner Gattin in hier noch Nicht dagewesener Weise als Tankeszeichen gespeiidet wurden. * Fr. H. Erinnerungen an Ernst Mach. Schon seit Johrcn hatte Ernst Mach auf die Ausübung seines akademrschm Lehramtes vcrzichlen müssen. Es war im Jahre 1895, al* die österreichische Unterrichts Verwaltung den überaus bedeutfamen Entschluß faßte, an der Wiener Universität eine eigene Lchrkanzel für Theorie und Geschichte der exakten Wissen- fchaften, die erste und bisher rwch immer einzige ihrer Art, zu Schäften. In diese neue Professur ward Ernst Mach berufen, der volle dreist^ Jahre lang an der Universität Prag die Physik gelehrt hntte. Er war zuni Zeitpunkte seiner Berufung m der Wifsenfchast bereits ein hochberühmter Mann, den man freilich von verschiedenen Seiten her mit einem gewissen Miß- trauen betrachtete Von. seiten der Philosovhen galt das Mißtrauen deni Phyftkvrofefsor, dem Naturwissenschaftler, von dem fie ecne Grenzuberfchreitung bechrchteten; andererseits aber er- den Naturforschern vielfaches Schütteln des .Mpfes, daß Mach sich so viel mit „philosophischen Allotria" ab- 89 / daß er übrigens den mechanistischen Atomismrls, den Ostwald die Mythologie der damaligen Wissenschaft genannt hat, nicht Mttmachen wollte. Aber das Mißtrauen von hüben und drüben hat-dreien unerschrockenen und selbstäirdigen Geist nicht hindern können, seinen eigenen Weg zu gehen. Nicht lange nach' seiner Berufung nach Wien traf ihn ein Schlaganfall, der ihn nötigte, seiner Lchrtätigkeit zu entsagen und seit damals hat er nur noch mit begrenzter Leistungsfähigkeit arbeiten könnm. Da die rechte Körperseite ihm teilweise den Dienst versagte, handhabte er seine Schreibmaschine mit der Linken. Aber in seiner Arbeit, in seiner wissenschaftlichen Tätigkeit konnten ihn diese Erschwerungen nie hrmmen. Er war ein Mann, dem der Tag so viel wert war, als er ihn arbeiten ließ; und wenn er zu seinem 70. Geburtstage oder einem sonstigen Ehrentage Glückwünsche, Huldigungen, Zulchriften empfing, dann waren sie dem bescheidenen Marine eigentlich alle nur störend, weil sie ihm so viel Zeit zur Beantwortung Wegnahmen. Bildete doch die rationelle Ausnutzung der geistigen Arbeitskräfte in deni Programme seiner Lebensanschauung einen der wichtigsten Punkte! Wiederum aber war Mach eine zu gütige Natur, um Freundlichkeiten, die ihm erwiesen wurden, unbeantwortet zu lassen. Das Doppelwesen seiner Natur und Begabung ist in Machs Leben zeitig hervorgetreten. Schon in jungen Jahren hat er sich intensiv mit naturwifsenschastlichen Problemen beichäftigt und u. a. auch zu einer Zeit, wo er kaum mehr als eine oberflächliche Kenntnis vom Hebelgesetz hatte, sich bereits an der Konstruktion eines Perpetuum nwbile versucht. Auf der anderen Seite hat die Bekanntschaft mit Kant, die er in seinem 15. Lebensjah e gemacht hat einen unauslöschlichen Eindruck in ihm hinterlassen und ihn für immer tief beeinflußt. Die Lehrtätigkeit, die Mach in Prag aus- geübt hat, gestaltete sich überaus segensreich: sie hat ihm auch Gelegenheit gegeben, allerlei wunderliche Menschen, besonders von der Rasse der Erfinder, kennen zu lernen, über die er einmal in einem Auftatze in der „dc'aturwissenichaftliche i Wochensch ist" unterhaltend gesprochen hat. Mach war diesen Leuten gegenüber sowohl m seiner Ueberlegenheit wie in seinem Humore unerschöpflich Eines Tages stellte sich ein Herr bei ihm ein, der ans einem Experimente den kühnen Schluß ziehen zu dürfen g'anbte, daß das Elektrifieren den Luftdruck aufhebe. Mach bestellte ihn zu sich, um sich den Versuch zeigten zu lassen; da er aber den Mann bereits durchschaut hatte, ,o äußerte er zu seinem Laboranten; „Ter Herr dentt wohl, mit der Elektrisiermaschine einen Ei-enbahnzug zu treiben? stüoch vor der bestimmten Stunde findet sich de" Fremde em und trifft zuerst den Laboranten allein. Ahnungslos meint der- „Sie wollen einen Eisenbahnzug treiben?" Ohne weiter ein Wort ^v.versieren, griff der Erfinder nach seinem Hute und verschwand auf Nimmerwiedersehen — Mach hatte ihn richtig beurteilt. Den gleichen gefunden. Blick für die Wirklichkeit bekundete er, als ein anderer Herr auf Grund einer an sich nicht unrichtigen und nickt uninteressanten Beobachtung die Newtonsche Theorie der Gravitation und noch alles tnögliche andere in Frage zu ziehen oder doch auf andere Grundlagen stellen zu dürfen glaubte. Trotz Machs Warnungen wollte er seine Entdeckung gleich verössentlickfem. Da agte chm der kluge Gelehrte: „Wenn Sie das wollen, lieber Herr o rate ich Ihnen wenigstens anonym oder pseudonym zu publizieren. Werden Sie ausgelacht, so können Sie wenigstews im- besorgt um Ihren Ruf herzhaft mitlachen." Diesen Rat befolgte Der und erzielte einen prächtigen buch händlerischen Erfolg. . Ernst Mach war bekanntlich Deutsch-Mähre; er hat sich von m ^ ohne Wtanken als deutscher Mann gefühlt und bekannt, üm fcharfsten hat er seiner Ueberzeugung Llusdruck gegeben, als [t im Jahre 1879/80 das Rektorat der alten P^a'wr Hoch- chule führte. Damals trat er den zurzeit le-deuschaftlicb betriebenen Bestrebungen zur Tschechisierung der Prager Hochschule auf das prächtigste entgegen und forderte eine Tiannung in zwei nationale Universitäten, une sie ja denn auch später verwirllicht wor- wir nochmals die Mitverantwortlichkeit der Eltern, in deren eibenstem Interesse es doch liegt, einer drohenden Verwahrlojung der Jugend vorzu beugen. Die Selbsthilfe der Eltern kann das Eingreifen der auf- sichtführenden Beamten in vielen Fällen überflüssig machen. Auch jeder Erwachsene sollte es sich zur Pflicht machen, Jugeichliche, die er auf verbotenen Wegen ertappt, zurecht-- zuweisen. Dies gilt vor allen Dingen für das Rauchen, das von vielen halbwüchsigen Burschen immer noch aus Leibeskräften geübt wird, nur mit dem einen Unterschied, daß sie verkehrsarmere Straßen vorziehen, in denen sie nicht so sehr das Ertapptwerden zu befürchten haben. * **DieAuszahlnngderFamilienunterstützun- gen, deren Namen beginnen mit: A—H Freitag, den 3. März, gehörigen der zum Heeresdienst Einberufenen findet statt für die Reichs - und Kreisunter st ützung: an diejenigen, deren Namen beginnen mit: A—H Dienstag, den 29. Februar, J—R Mittwoch, den 1. März, 8—2 Donners ag. den 2. März; für die städtische Unter st ützung (Mietszuschuß): an diejenigen, deren Namen beginnen mit: A—H Freitag, de n3. März, J—R Samstag, den 4. März, 8—Z Montag, den 6. März; an Vermieter, die Mietbcträge abholen: Dienstag, den 7. März. Die Auszahlung«: finden von 8—1 Uhr vormittags im, Stadthaus, Zimmer Nr. 7, statt. ** D i e Hauptversammlung der Steinkohlen- B e z u g s -G e s e l l s ch a i t Gießen für das Jahr 1914/15 stindet am Samstag dieser Woche, abends 8M Uhr, im Gasthaus „Zum Pialzer Ho>* (bei Ratmeield, Schanze,istraße) statt. Der Versammlung wird eine bei dem Vorstände eingeqangene Satzungsänderung zur Beschlußfassung vorgelegt werden, deren Annahme oder Ablehnung für die Mitglieder von Wichtigkeit sein wird. Der Gesellslückst gehören i l 6 der Gieße,rer Haus- haltungsvorslände als Kohlenverbraucher an und es steht zu er- ivarten. daß die Versammlung zahlreich besucht sein wird, um so mehr, als bei der diesmaligen Vorüandswal.l alte beivährle Aiiv arbeiter der Gesellschaft ihre Wiederwahl ablehnen wollei,. was im Interesse des Vereins vermieden werden soll. Näheres ist a,rs einer A>»zeige in heutiger Nmniner zu ersehen. Kreis Friedberg. BI. Friedberg, 24. Febr. 9lachuen Samstag begebt Frau Steinhardt, die Mutter des Kausmaniis David Sieinhaidr von hier, ihren 9 0. Geburtstag in voller köroerlicher und geistiger Gesundheit im Kreise ihrer Kinder, Enkel und Urenkel. Sie ist die Zweitälteste Einwohnerin unseier Stadt. Starkenburg und Rheinhessen. ch. Ober-Ingelheim, 24. Febr. Der Rcheinhesse PH. Döh n in Macon Ga. sendet dem „Jngelh Anz." eine Nummer der in Indianapolis erscl)>einendon „Deutschen Zeitung", in der er als Mann vom ulten Schrot und Korn über die amerikanischen Kriegslieferungen seine Meinung sagt. Er schreibt: „Was denken l zei ich. n Verordnungen, öffentliche Bekanntmackpmgen, insbefondere außergewöhnliche Bewilligungen, und Abweiching u vrn bekannten p: liz i- lichen Gesetzen, welche auf das Militär Bezug haben, denselben nachrichtlich, und zur g. Hörigen Zeit angeze.gt werden. Concicrciert hierbei besonders das Militär, so muß dergleichen mit Zuziehung desselben anaeordnet werden, nie aber müssen dabei die bürger-, lichen Verhältnisse auf irgend eine Weise gestört werden. Dagegen aber soll von mm ab, bei au und jür lich urnvichtigen Gegen st an den, welche nicht zu den vorge^ack)ten militärischen Zwecken unumgänglich erforderlich sind, von Behauptung vermeintlicher Rechte usw. nicht mehr die Rede sein, und stets nur die Erhaltung eines gegenseitigen freundsck-aetlichen Vernehnrens hierbei znm Augenmerk dienen, insbesondere aber haben sich die Commandanten und kommandierenden Offiziers in den Garnisonen aller und jeder Einmischung in rein polizeiliche Gegenstände zn enthalten." Dieser vom 23. Oktober 1814 datierte Tagesbefehl des Generals war lange Jahre in Bürgerhäusern Preußens als Wandschmuck zu sehen, und als ein solcher darf er freüich eher als manches Bild betrachtet iverdcn. Vüchertisch. — Adolf Damaschke, „GeschichtederNational- Ökonomie", eine e r st e Ernsühnmg. Verlag von Gustav Fischer, Jena. 8. durchgeseh. Auflage 1916. 607 Seiten. Preis 4,50 Mk. — Inhalt: Von den Ausgaben der Nationalökonomie. — Das Altertum. — Das Mittelcckter. — Das Zeitalter des Merkantilismus. — Die Physiokraten. — Die liberale Schule. — Das nationale System. — Der Kommunismus.—Die Anarchisten. — Die Bodenreform. — Wenn mitten im Kriege von einem geschichtlich-volkswirtschaftlichen Werke eine neue Auflage notwendig tvird, das 37.-39. Tausend im Verlauf von ivenig mehr als einem Jahrzehnt, dann ist das ein gutes Zeichen sowohl für die Leser, als für das Werk selbst. So braucht zur Empfehlung von Damaschkes „Geschichte der Nationalökonomie" eigentlich nichts mehr gesagt zu werden. Ter Erfolg zeigt, daß sie gerade als dir „erste Einführung", als das Lehrbuch, das keinerlei Fachkenntnisse voraussetzt, in Wahrheit einem Bedürfnis weiter Kreise entgegenkommt. Ter Name DamasckLc bedeutet ein Programm, bedeutet die Erkenntnis von der grundlegend«: Bedeutung des Bodens und Bodenrcchtes für alle wirtschaftliche Entwicklung. Diese Erkenntnis beherrscht auch diese Gesckstclstsdarstellung, und was mit ihr nicht in unmittelbarem Zusammenhang steht, wie z. B. die Entwicklung des Geldwesens und der Währungssragcn, rückt wie von selbst m den Hintergrund. Aber ein Mangel ist das nickst. Tenn nur bei dieser persönlichen Erfassung und Darstellung der Tatfachen war es möglich, nicht eine Kette blasser Theorien zu schreiben, sondern eine Geschichte von Blut und Leben. Durch sieben Auflag«: hat sich Damaschkes Buch als gemeinverständlich, zuverlässiger Führer zu volkswirtschaftlichem Verstehen und Wollen bewährt. Nun kommt die achte Auflage in dem Zeitpunkte, n» mehr als je dem deutschen Volke gefestigtes Verständnis und zielklarer Wille in den volkswirtschaftlichen Dingen vonnöten sind. Möge deshalb das Buch gelesen werden im Felde und daheim, und möge cs ihm so vergönitt sein, zu seinen alten sich neue Verdienste zu erwerben um die staatsbürgerliche Erziehung unsres Volkes! Mcleoro'ogische Beobachtungen der Station Eiehen.