Hr. 38 Zweiter Blatt Erscheint «glich mit Ausnahme des Sonntags. Di« „«lehiner ZamiNenblotier" werden dem »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „«reirblatt für den Krrts Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zrit- srasen" erscheinen monatlich zweimal. Jahrgang General-Anzeiger für Gberhesjen Dienstag, f5. Zebruar Mö Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schea Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Schristleitung,Geschäftsstelle ll.Druckerei: Schul» strafte?. Geschäftsstelle u.Verlag:^4K51, Schriftleitung: ^^112. Sldresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Rriegsbriefe aur dem Osten. Bon unserem zürn Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter (vnberechtieter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Die Front in den Rokitno-Sümpfen. I. , Bug-Armee, Anfang Februar. Aubiin lag im Abendunkel, als ich auf der Fahrt zur Front der Armee Linsingen die ansteigende Bahnhvfstraße zum Markt- Vlatz hinauffuhr. Schwarz, schattenhaft hoben sich die schönen Umrisse der Klosterkirche aus dem Grau der sinkenden Nacht. Au ; kern Markt gingen ein paar österreichische Offiziere, ein paar Einwohner. Jeder Schritt hallte. In dem einen der beiden Gasthäuser spielte Musik, die Tische waren mit österreichischen Offizieren besetzt, zwei, drei polnische Damen imd Herren saften dazrvischen. In dem „großen" Kaffee las m>an die neuesten, zwei Tage alten, Wiener Zeitungen und sah in die Leere. Eine kleine Provinzstadt mit viel Garnison, so würde man im Frieden wohl das Bild fassen. Duft hier einmal ein Mittelpunkt kriegerischen Lebens war in den vergangener Sonrmertagen, könnte man an diesem grauen, stillen Abend sich kaum recht malen, auch daß Ljublin für ein Klein-Warschau gelten soll, will in der paar Stunden nicht recht in den Kopf. Anders sieht man alle diese Orte und Städte je nach her Richtung, ans der man kommt, anders aus der Sehlinie des Schützengrabens, anders, wenn einen der Weg über Warschau geführt hat. Cholm huscht vorüber. Kowel. Eine kleine jüdisch-polnisch- russisckie Stadt. Die Sumpsebene des Pripjet bestimmt schon ihren Charatter. Die Front, die sich mitten durch die Rokitno-Sümpfe zieht, ist näher. Da ich zunächst zu den Truppen mich begeben möchte, die vor Rowno stehen, geht die Fahrt über L u z k. Die Russen haben im vergangenen Herbst viel Aufhebens von ihrem wolhynischen Festungsdreieck Luzk, Rowno und Dnbno gemacht. Die eine dieser berühmten wolhynischen Festungen, die ich sah, Luzk, ist tanm mehr ansgebaut als Pultusk. In Pultusk schaukelten sich vor den „permanenten Werken" Wasserninmmeln auf friedlichen Gräben vor alten, hohen Erdschanzen, und die Festung Luzk ist kaum viel anders gestaltet: daß bei Pultusk sehr starke und gute FeldsteNimgen den Brückenkopf schützten, ist eine andere Tatsache, die aber auch bei Luzk nicht in diesem Maße zutreffend geweserj ist. Geschützt ist Luzk von der Natur. Der versumpfte Styr-Fluß umschließt die Stadt in schmalem Bogen, so daß eine nach Nordosten offene Halbinsel entsteht, die, inmitten eines kaum passierbaren Snmpfgeländes, Stadt und Festung Lusk trägt. Von der Ruine der alten Burg, die aus niedrigem Hügel inmitten der Stadt das Stadtbild und die Gegend beherrscht, steht man auf Meilen und Meilen überschwemmte Wiesen, die aus dem Erlcngcbüsch zuweilen hochstehen. An einem dieser sonnigen, frühlingshaften Februartage, die nun fast eine Woche lang über die Poljesje gingen, sprach das weile, einförmige, in der Sonne leicht dunstende Land von einer ergreifenden Schönheit. Es ist kein Zufall, daß die wenigen Reisenden, dte ftüher je die Poljesje durchstreift haben, zum größten Teil Maler, polnische Maler getvesen sind. Man konnte kaum von ihnen geographische Aufklärung verlangen, und so blieb die Poljesje vor allein in der Militär- geographie ein Stück Land, das für Operationen nicht in Betracht kommt, ein unbeschriebenes Blatt in der Karte. Ueberschrift: Für größere Truppenmassen nicht passierbar. Als nun im Herbst bei dem weiteren Rückzug der russischen Heeresmaffen die Probe am diese Ueberlieserung gemacht werden mußte, stellte es sich heraus, daß die Rokitno-Stwipfe durchaus passierbar wären. Allerdings hatte ein besonders trockener Sommer und ein regenloser Herbst eine wohil^selten erreichte Entwässerung der Wiesenflächen bewirkt. Ganze Strecken, die ich jetzt von einem Sumpfsee nicht mehr unterscheiden konnte, waren damals, wie mir ein österreichischer Hauptmann, eben auf dem Turm der Ruiuenburg von Luzk erzählte, vorzügliches Galoppiergelände gewesen. Leichter waren damals ■— und heute — die Biegungen für die Russen, dw von der einheimischen Bevölkerung unterstützt wurden und Wege, passierbares und undurchdringliches Gelände genau kannten. Freilich har ihnen auch dieser Vorteil nichts genützt, rveil letzten Endes dic Truppe, die zum Siegen entschlossen ist, auch alle Schwierigkeiten des Geländes besiegen wird. Leicht waren die Operationen im Smnpfgelände nicht, und als es im Styr-Bogen, wrtten in der Poljesje Ende Oktober zur Schlacht um Czarto- rysk kam, waren die Anstrengungen, Entbehrungen der deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen furchtbar. Mir ist im Osten, nach allem was ich hörte und sah, kaum eine Stelle bekannt, an der es härter zuging, als in dem Sumpfwald westlich des Styr-Bogens. Aber das Mannesium des Heldenkampfes dort, der während vier Wachen tobte — bis die heutigen Stellungen erreicht waren — sei besonderer Schilderung Vorbehalten. Das Frontstück vor Rowno, Xm das es sich zunächst handelt, lag damals wie heute in ziemlicher Ruhe. Die österreichische Armee hatte Luzk genommen, und nach oem kurzen Rückschlag, der bald wieder ausgeglichen werden konnte, wurden die heutigen Linien erreicht und bei der eintretenden Ruhe an der Ostfront ausgebaut. Wie an sehr vieler: Punkten der deutschen und österreichischen Stellungen in der Poljesje ist die Linienführung hier — halb- tvegs zwischen Rowno und Luzk — von den niedrigen Sandhügeln abhängig, die aus dem Sumpfgelände sich emporheben. Man hat natürlich die Hügelreihen ausgebant und die Russen die nächstmöglichen anderen Sandberge gegenüber, so daß die Entfernung zwischen den Stellungen oft bis zu sechs Kilometern geht. Dazwischen stehen dann vorgeschobene Kompagnien, Feldwachen, Horchposten, während Jagdkommandos, die aus besonders erprobten Leuten zusammengesetzt sind, im ganzen Raume den Feirrd, der es ebenso hält, beimruhigen. Die Meldungen der Russen pflegen dem Zusammentreffen solcher stärkeren Streifpatrouillen stets eine der Sache kaum entsprechende Bedeutung in ihren Heeresberichten zu geben. Im übrigen hat die längere Dauer des Stellungskrieges wie überall auch hier ein gegenseitiges Sicheinrichtcn zuwege gebracht. Schwierig war es überall, die rückwärtigen Verbindungen sicher zu stellen, und im Anfang war die Verpflegung der Truppe:: nicht leicht. Jetzt ist an allen Fvontteilen, die ich sehen konnte, die, Verpflegung durchweg gut, an einigen Stellen ist durch die Nähe der Bahnlinie Kowel—Kijew die Verpflcgungsmöchlichkeit sogar hervorragend, so daß sich für den Osten kaum für möglich gehaltene „ideale Zustände" an den begünstigten Orten herausgebildct haben. Es hat allerdings vor zwei Monaten Zeiten gegeben, wo einige österreichisch-ungarische Regimenter die eisernen Rationen angreisen mußten. Inzwischen ist unablässig gearbeitet worden. Die ungarische Division, in deren Stellung ich war, hat 50 Kilometer Knüppeldamm nur innerhalb des Divisionsbereichs gebaut. Man kommt bei vorsichtiger Schätzung dazu, den Wert des eingebauten Holzes allein auf vier Millionen anzunehmen. Wieviel Werte, was für eine Unsumme von Energie, Arbeit, Geschicklichkeit wird in dieses elende Stück Land gesteckt, das von einem Zehntel solcher Fürsorge zu andere:: Zeiten den Beginn einer neuen Entwicklung hätte rechnen können! Unablässig muß an den Gräben gearbeitet werden, der Sand fällt bei jedem Witterungswechsel zusammen, und selbst das Abstützen mit Holz hilft nicht immer. Sobald das Grundwasser steigt, gleichen dic Laufgräben durchaus Kanälen. Es ist schwer, bitter schwer, bei Nässe und Kälte die Pflicht zu tun. Eine Art Trost in den Zeiten, da das Wasser steigt, ist nur das Wissen, daß es die Russen drüben noch schlechter haben- An sehr vielen Stellen liegen ihre Gräben ttefer als die der Deutschen und Oesterreicher und Ungarn, und die Linie der rückwärtigen Verbindungen durch das Sumpfgebiet ist bei den Russen überall länger als bei uns, cha die Stellung etwa im ersten Drittel der Poljesje verläuft. Zu'Iden Honveds, die ich besuchte, waren eben ein paar Herren von der Südwest-Front, inti> zwar von der Tiroler Front, gekommen^ Sie empfanden den Unterschied besonders schwer und erzählten von der Schönheit der Alpenstellung, in der sie gelegen hatten, von dem klaren Wasser, den blitzsauberen Unterkünften, Nach Sauberkeit wird zwar auch an dieser Sumpffront gestrebt, und das Waldlager — Magyar-Tabor steht groß darüber — der Ungarn aus weißen Birkenstämmen sah freundlich genug aus, aber ich glaube wohl, daß der Unterschied empfindlich ist." Die Bauern burschen aus der Oldenburger Gegend, die auf Posten standen, sprachen natürlich alle deutsch, und auch der blonde Hauptmann, der den Abschnttt hatte, war ein „Bohnzüchter". Ich fragte einen der jungen kräftigen Burschen, wie es itnn denn hier gnch gehe. „Es musch sei," sagte er. „Man tut's, so gut's geht." Drüben, kurz vor der Hvrizontlinie, zogen sich die braungelben russischen Grützen hin. Dazwisckien war die Snmpsebene, die späte Sonne hing rötlich über den Wasserlachen und beit paar chwarzen Reisern, die herausragten. Es war kurz nach der Regen- pervode, und Frost hatte noch nicht stark eingesetzt. Es dünstete empor. In tausend roten und gelben Farbenspielen sank die Sonne. Das Grabenwasser griff kalt herauf. Wir mußten eilen, die nächsten Tage galten den benachbarte,: deutschen Truppen. Noch ein Blick auf den schönen Honved-Friedhof, in dem es trotz des WinterÄ wie in einem Garten aussah, so sauber waren Tannen und Moos verteilt und geordnet. Die kleine weiße Kapelle verschwamm schon im Dämmen: wie die .Kreuze aus den Hügeln. __ R v l i B r o i! b i, Kriegsberichterstatter. Aus dem Reiche. Aus dem preußischen Abgeordnetenhaus. Berlin, 14. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Der verstärkte Ausschuß des Abgeordnetenhauses für den Staatshaushalt genehmigte heute bei der Beratung des Etats deH Ministeriums des Innern die Einnahmen und Kapitel 83 (Ministerium) der Ausgaben. Der Minister erklärte auf eine Anfrage u. a.: Die Staatsregierung war fortgesetzt bemüht, dre m dem russischen Okkupationsgebiet brachliegenden Arbeitskräfte der inländischen Volkswirtschaft nutzbar zu machen. Es sei au,ch tatsächlich aelungen, eine nicht unerhebliche Anzahl russischer Arbeiter unserer L and Wirtschaft und den Jndustriebetriebenzu- zu führen. Wegen der Anwerbung österreichischer Arbeiter für das laufende Jahr seien Verhandlungen mit der österreichischen Regierung eingeleitet. Hinsichtlich der Kriegs- rnvalidensürsorge teilte der Minister mit, daß eine notwendige Organisation durchgeführt' werde. Die Jnvalidenfür- sorge sei ja in erster Linie Sache des Reiches. Das Reich, stellte bisher 5 Milk. Mk. hierfür zur Verfügung. Es sei zu hoffen, daß die Fürsorgeorgianiiationen weitere Geldauellen für diesen Zweck flüssig machen tonnten. Von den fünf Millionen entfielen nach Maßgabe der Bevölkerungszahl etwas mehr als drei Millionen auf Preußen. Die Fürsorgeorganisationen Preußens hätten sich wiederum zu einem preußischen Ausschuß bzw. zu einem Reichsausschuß zusammengeschlossen, an dessen Spitze der Landesdirektor der Provinz Brandenburg stehe. Es sei zu hoffen, daß durch diesen Zusammenschluß eine gewisse Einheitlichkeit auf diesem wichtigen Gebiete für das ganze Reich erreicht werde. Die Regelung der Preise für Schlachtschweitte und Schweinefleisch. Berlin, 14. Febr. (WTB. Amtlich. In der heutiges Sitzung hat der B u n d e s r a t eine Verordnung beschlossen- durch die seine Verordnung vom 4. November 1915 über die Regelung der Preise für S chl a cht sch we i n e und Sch w e i n e- f l e: s ch abgeändert und die Versorgung mit frischem Schweinefleisch auf eine neue Grundlage gestellt wird. Dem hervorgetretenen Bedürfnis gemäß sind nach den Wirtschaftsgebieten g c st a f s e l r e Preise für Schweine der verschiedenen Gewichtsklassen ab Stall oder Wiegestelle festgesetzt. Die Preise für den> Verkauf durch Viehhändler aus dem Markte sowie durch den Handel werden von den Landeszentralbehörden oder den von ihnen bestimmten Behörden geregelt. Die Gemeinden sind verpslickuet, Höchstpreise bei der Abgabe an die Verbraucher ftir die einzelnen Stücke ft:scheu Schweinefleisches, ftir zubereitetes, insbesondere gepökeltes oder geräuchertes Schweinefleisch, für ftiiweS und ausgelassenes Schweinefett, für gesalzenen und geräuck-e-ten, Speck sowie für Wurstwaren festzusetzen. Sie haben wftterhin zu bestimmen, wieviel mindestens vom Schlachtgewicht des Schwein es oder welche Teile bei den gewerblichen Schlachtungen frisch verkauft werden müssen. Die Vereinigung der schwarzburgifchcn Lande. R u d o l st a d t , 14. Febr. (MDB. Nichtxmrtl.) Aui Einladung der beiden Kammerpräsidenten von Sckwarzburg-Rudol- stadt und Sch-warz-burg-SvndersHausen fand-gestern in Erfurt eine vertrauliche Besprechung von Abgeordneten aller Par- teirichtungen über die Anbahnung eines Zusammenschlusses in den schwarzburgischen Fürstentümern statt. Es wurde von allen Anwesenden der Ileberzeugung Ausdruck verliehen, daß die gegenwärtige große Zeit nrit ihren großen Aufgaben auch die Vereinigung der schwarzburgischen Lande zu einen: Staate fordere. Wie dre „ S chwarzburgisck)-Rudolstädtische Zeitung" erfährt, wird crne dahingehende Vorlage schon heute dem in Rudolstadt zusammentretenden Landtage zugehen. Der ,00. Geburtstag des „Barbiers von Sevilla". Dieser Tage hat ein klassisches Meisterwerk unserer Oper hteiatur in aller Stille seinen 100. Geburtstag gefeiert: R, srnis „Barbier von Sevilla", dem Man es wahrhaftig nicht a merkt, daß er nun bereits eftr volles Säkulum auf dem Rück trägt. Am 26. Dezernber 1815 hatte Rossini, dcmrals ein bl: lunger, fast völlig unbekannter Kapellmeister, mit dem Inte bauten des „Nobile Teatro di Torre Argenttna" zu Rom, kx .Herzog von Sforza Cesarini, einen Vertrag abgeschlossen, dem er sich verpflichtete, im Karneval 1816 der von dem Herzo geleiteten Buhne eine Buffooper zu liefern und diese mit dc Personale selbst einzustudieren. Zur Ablieferung der Partit wurde die Mitte des Monats Januar bestimmt, zur Erstaufführu der Februar Rossini hatte damals noch keine Ahnung davo was er dem Herzog liefern würde. Kostbare Tage verstrichen n der Suche nach einem Libretto, bis endlich Sforza Cesarini selb auf den Gedanken verfiel, Beaumarchais' „Barbier von Sevill, zur Vertonung zu bringen. Rvffini äußerte zunächst Bedenke denn derselbe Stoff war bereits von dem damaligen Großherrn d ttal:en:schen Mußt, dem berühmten Paiftello, komponiert worde Sforza Cesarini wußte indes die Bedenken des jungen Maestr, zu besiegen, und da die Zeit drängte, ging Rossini auf den Bo schlag ezn. Das Libretto wurde mit einem gewandten Schriftstelle Sterbm:, verabredet; aber als dieser nach einer Woche bei Rosst erschien, hatte er noch nicht eine Note geschrieben. Da lach Rossini, auf. Noch nichts getan?" gab er zurück, „soll ich er: o:e Arte des Almavrva vortragen? Sofort trällerte er sie vi sich hin. Wollt ihr nun eine Arie Figaros hören? oder die Cam tme der Roftne? Nun, was sagt ihr dazu? — Und jetzt \ der Arte Don Bartolos, zu der Ton Basilios. Was sagt il SU diesem Duette des Grase::? (Er sang es). . . Und was meii ifjr zu den: Duett zwischen Rosine und Figaro?. . Und nun dc Finale? Ascoltato!" In der Tat war Rossini mit seiner Arhe fertig, es galt nur noch, sie aufs Papier zu bringen. Zu diese Zwecke schloß er sich mit seinem Librettisten in seiner Kamm, 5^' während im Vorsaale mehrere Abschreiber tätig waren, d ledes fcrtiggestellte Blatt sofort ins Reine schrieben'und'in ei: zelnen Rollenbüchern vereinigten. Tag :md Nacht wurde geai perlet, wurde nur gegessen, wem: einmal eine Nuhiepause unb omg-t nötig war: die Kopisten gingen erst dann zur Ruhe, iven fte die Äugen nicht mehr offen halten konnten. Rossini, der ei ersten Ranges war und sich auch später in der G> schichte der Kochkunst einen Namen gemacht hat, aß nur, \ mel er brauchte, um sich aufrecht zu erhalte::: da er sich b' hindurch nicht rasieren konnte, sah der Schöpfer de ,^Barbrers , als er die letzte Note schrieb, wie ein Sttomer au« Gwi/vlr Verzögerung einstudiert und i: §"^eval I81t> zur Aufführung gebracht Jnzwischm hatte jedo< den: llntei-snngeu des jungen Meisters Wind bc romme::, und ferne Zemide verbände:: stch, um die Opfer, di Rvssin: aus Rücksicht auf Paisiellio „Mmaviva, oder die unnötige Vorsicht" getauft hatte, zu Fall zu bringen. Die Erstaufführung der berühmten Oper wurde unter diesen Umstände:: ein Durchsall erster Ordnung. Pfiffe durchschnitten die reizvollsten Arien, das Publikum benalM sich wie ein ungezogenes Kind, und da die Vorstellung nicht ohne Zwischenfälle verlief, so zog es Rossini vor, se:n Dftigentenpult flucharttig zu verlassen. Schon die zweite Aufführung enthüllte jedoch, daß der Mßerfolg der ersten Ausführung^ nur an Paisiellos Anhängern gelegen hatte, rauschender Beifall folgte den einzelnen Nummern, und nach Schluß der Vorstellung strömte eine Menge Musikmtthustaslen vor Rossinis Haus, um ihm eine Huldigung darzubringen. Der junge Maestro glaubte zunächst, man wolle ihm die Fenster einwerfen, als sich jedoch der Sachverhalt aufklärte, ttat er grüßend aus den Balkon und dankte unter nicht endenwollendem Beifall. Der „Barbier" hat seitdem noch nmnche Ausgestaltung erfahren, der Erfolg seiner Zweitaufführimg ist ihm indessen bis aus unsere Tag:' tre:: geblieben. * — Di^ internationale M e e r e s f o r sch u n g. Wie so v:ele Gebiete, die auf der Zusammenarbeit mehrerer Staaten be- ruhten, durch den Krieg in ihrer Entwickelung gehemmt wurden, so ist auch dic ge:neinschaftliche Forschungsarbeit, ganz besonders die mternattonale Meeresforschung, völlig unterbunden wordca: Mehrere der gegenwärtig im Kriege befindlichen Staaten nahmen. w:e F. Mewrus im neuesten Heft des „Prometheus" aussührt, an dwser For,chung teil, die feit dem Jahre 1902 sich von der Ostsee und Nordsee bis zum Eismeer erstreckte. Auch die neutralen Staaten müssen jetzt auf derartige Forschungen verzichten, da die gegen- wartigen Verhältnisse auf See eine nähere Untersuchung der nord- europaffchen Gewässer unmöglich machen. Die Erforschung der Meere :st demnach in Nordeuropa und überhaupt so gut wie überall eingestellt worden. Doch ist zu erwarten, daß gerade d:efer Zweig internationaler Zusammenarbeit bald nach dem Kriege wreder aufleben wird, da er so reiche Früchte trug und noch viel Erfolg verspricht. Die organisierte Mecresforfchung einzelner Staa- ten M verhältnismäßig noch jungen Datums. Sie setzte im 19. Jahrhundert mit der Challenger-Expedition — den: ersten groß- zümg angelegten und ausgeführten Unternehmen dieser Art — ein, und bald folgten mehrere der Kenntnis der Meerestiefen und ihrer Bewohner gewidmeten Veranstaltungen, unter denen die deutsche Bald:v:a-Spedition hervorragte. Nordenskjöld wirkte bahnbrechend ^n der Meeresforschung der Nordpolar- und Südpolargebiete Daß d:ese Unternehmungen auch rein praktische Folgen hatten, erkennt Man an der Ausdehnung des skandinavischen Walfisch- Mnges und der damit zusammenhängenden Industrien. In den Äreltmeeren wurde besonders das Leben in großer Tiefe zun: (kegeusland der Untersuchungen gemacht. Während Man vorher au genommen hatte, daß unter 600 Meter Tiefe jedes organische Leben aushören müsse, weiß man heute, daß es noch in weit grö,n- ren Lrefen eine vielgestaltige Tierwelt gibt. Hier entdeckte inan besonders mehrere mit Lenchtorganen ausgestattete Tierarten, wie den Latcrnenfisch, der ein Leuchwrgan auf der Nase trägt, und den abenteuerlich geformten Pelttansisch, dessen Leuchtorgan sich im Gaumen befindet. Von besonderer praktischer BedeuMng — neben dem wissenschaftlichen Werte — ist jedoch die inlernattonale Mceres- sorschung in Nordeuropa, die durch Schweden angeregt wurde und unter- Beteiligung von acht europäischen Staaten, Deutschland, Schweden, Norwegen, Dänemark. Rußland, England. .Rolland, Belgien, und den Vereinigten Staaten voi: Nordamerika vor sich ging. Alle Meeresschichten wurden eingehend geprüft, und man legte besonderen Wert daraus, für die Fischerei wichtige Einzelheiten zu entdecke,:. Man erforschte die Nutzfische voin Ei bis zur vollen Entwickelung, man beobachtete die Wanderungen :ind Fischschwärme, und so ist die iitternationale Meeresforschung auch mittelbar für die Versorgung der Völker mit Seefischen höchst bedeutsam. Um dem ftir diese Forschungen notlvendigen Riesenapparat zu genügen, wurden von den genannten Ländern besondere m:t Laboratorien und Instrumenten versehene Dampfer ausge- riistet Eines der größten deutschen Expeditionsschiffe ifr der Dampfer „Poseidon". Die großen bisherigen Ergebm'se der iutcr- naZonalen Meeresforschung waren nur durch das organisatorische Zusammenivirken so vieler verschiedener 9^ativnen möglich. Und da dieses Arbeitsgebiet vorläuftg unerschöpflich ist, ivird das erneute Einsetzen ihrer Wirksamkeit in ruhigeren Zeiten für die gan^e Welt von hohem Nutzen sein. ~ r D^aal seines Palastes nrit einer Fürstengalerie zu schnujckci: begonnen. Vor allen: ivaren es die Schüler, die ganze Fürsten- Usten ziisammenstelltcn, in dciren die Könige entweder von dem sagenliaften Faramnnd oder aber gar von den noch viel üioen* hafteren Königen von Troja an gezählt lvurdeu. die als 'die Ahnen der französische,: Heri-scher galten. Diese Fürsten!ist-'n t-h« den nach zwei verschiedenen Systemen zusammengestellt. Speziell d:e Reimser Galerie führt den Grundgedanke!: der Dekoration der oberen Teile der Kathedrale zur Vollendung, die eine ganze Geschichte des Königtums darstellt. Sie zeigt die Begründung de^ legitimen Königtmns in den Gestalten Davids und den Ucbergang dieser Königswürde an die fränkische Nation in der Persoi: Eblodivigs imd schließlich die ganze Geschickte der ftanzösischen Monarchie in bereit Vertretern. schweig, 14. Febr. ^WTB. Nichtamtlich) Die Fi- tzranzPeriode vom 1. April 1916 bis 1918 veranschlagt die Vesamteinnahmen mit 25 404 700 Mark, die Gesamtausgaben Mit 30 654 300 Mark und schließt mit einem Fehlbetrag von 5 249 600 Mark ab. In den Bemerkungen heißt es: Zur Deckung eines Teiles des Fehlbetrages werden die Ueberschüsse des Staatshaushaltes aus früheren Perioden herangezogen werden müssen. Die verhältnismäßig geringe Höhe der Ueberschüsse zwingt uns, der Landesversammlung zur Erhöhung der Staatseinnahmen Vorschläge zu unterbreiten, wegen derer wir auf unsere besondere Vorlage Bezug nehmen. Wir können nicht dringend genug darauf Hinweisen, daß die größte der durch den Krieg hervorgerufenen Schwierigkeiten uns noch bevorstehen und es daher jetzt schon geboten ist, die bestehenden Rücklagen zu schonen, oder wenigstens, soweit irgendwie vermeidbar, nicht den Weg einer Anleihe zu beschreiten. Gegen letzteren Weg spricht, abgesehen von der hohen Verzinsung und dem Kursverlust, auch das Reichsinteresse (Kriegsanleihe). Wegen der Deckung des Fehlbetrages behalten wir uns weitere Vereinbarungen mit der Landesversammlung vor. Schaltjahre. Wenn auch die Natur selbst uns das Schema an die Hand gibt, «nach welchem wir den Lauf des Jahres gliedern können, wenn sie uns in dem Weg von Sonne, Mond und Sternen deutliche Marken am Himmel festlegt, so sind doch wieder andererseits die astronomischen Verhältnisse derart kompliziert, daß jede, auch die in ihrer Art vollkommenste Zeiteinteilung Lücken und Löcher answeisen muß, die sich nur durch außergewöhnliche Maßnahmen verstopfen lassen. Jinurer stimmt etwas nicht ganz genau in der Zeiteinteilung und wenn der Fehler noch so klein ist, im Laufe der Jahre schwillt er an und dann ist ein kräftiger Ruck notwendig, lum die aus den Fugen gegangene Zeit wieder hübsch einzurenkcn. Daher gibt es seit uralter Zeit Schalttage, Schaltmonatö. Schon die Aeghpter mußten ihrem Jahr, das aus 12 Monaten zu 30 Tagen bestand, fünf Epagomenen, Schalttage, anhängen, und einmal waren sie sogar genötigt, einen ganzen Schaltzpklus einzu- scksteben und vier aufeinanderfolgende Jahre je nur einen Dag zn verlängern. Die ältesten Griechen, deren Jahr nach dem Laus des Mondes in 6 Monate zu 30 und 6 zu 29 Tagen geteilt wurde, hatten nur 354 Tage jährlich und halfen sich so, daß sie immer ttach Ablauf einiger Jahre je einen ganzen Schaltmonat ein- schvben. Im Laufe der Zeit verfuhr man dabei nach verschiedenen Gesichtspunkten. Ter Schaltmonat hieß „Ter zweite Poseidon", weil er nach dem Monat Poseidon — dem letzten des Jahres, der etwa in den Mai fiel — eingeschoben wurde. In Rom verfuhr Man ursprünglich ganz regellos, es war den Priestern überlassen. Tage und Monate einzuschalten, wie es ihnen gerade paßte, und dadurch kam in den Jghreslaus eine helllose Verwirrung, in die erst Julius Cäsar durch Einführung des nach ihm benannten '„sulianischen" Kalenders Ordnung brachte. Im Jahre 46 v. Chr. stellte er diesen auf, natürlich nach Berechnungen, die er von iAstronvmen ausführen ließ. Bon ihm datiert die Einteilung des Jahres in der im großen ganzen noch heute üblichen Weise, daß jedes Jahr 365 Tage, immer das vierte 366 hatte. Damals fing das Jahr am 1. März an. Der 5. Monat —' Quintilius — Und der 6. — Sextilrus — wurden dann, nach Jstlius Cäsar und Augustus, Julius und Augusttrs genannt, und man hielt es aus zeremoniellen Gründen für nötig, i «idem 31 Tage zu geben. Dafür wurde dem letzten Monat, dem Februar, ein Tag weggenommen. Er hatte von Haus aus uur 29 Tage, so wurden es jetzt deren 28, alle 4 Jahre gab es einen Schalttag, ünd zwar war dieser der 24. Februar. Nach einigen anfänglichen Verwirrungen kam der Kalender bald ins Geleise, auch die christliche Kirche übernahm ihn Und behielt ihn bis zum Jahre 1582 bei. Am 24. Februar dieses Jahres erließ Pabst Gregor XIII. eine Bulle, nach welcher 10 Tage auszufallen und auf den 4. November gleich der 15. zu folgen batte. Man hatte sich nämlich bei der Einführung des Kalenders seinerzeit unt 10 Tage verrechnet. Dieser gregorianische Kalender, nach welchem die Jahrhunderte nur dann Schalt- jahre sind, wenn sie sich, mit 2000, durch 4 teilen lassen, wurde erst in Italien, Spanien und Portugal und nach und nach im größten Teil Europas, 1583 in den katholischen, 1700 in den protestantischen Teilen Deutschlands eingesührt. Rußland rechnet heute noch nach dem Julianischen Kalender und ist daher gegenwärtig in der Zeitrechnung um 13 Tage hinter uns. Nach einem früheren Aberglauben sollten Schaltjahre schlechte Ernten bringen, aber der alte Hoberg hat wohl rocht, wenn er sagt: „was aber von der Unfruchtbarkeit derer schaltiare gesagt wird, solches ist em gedicht." _ Q- ft'- vermischtes. ' Hannover, 14. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Inder Amtsstelle II der Städtischen Sparkasse ivurde beute nacht e i n g e b r o ch e n, der Geldschrank mit den modernsten Werkzeugen geöffnet und der Inhalt von 27 000 Mk. entwendet. Vom Täter ist man bis jetzt svnrlos. * Selb st zündende Zigarren beschreibt anläßlich des erteilten Patents die „Zeitschr. f. Sprengstosswe'en". Die Zündinasse ist statt an einem Hölzchen direkt vorn an jeder Zigarre angebracht und wird durch Reiben zum Glühen gebracht. Streichhölzer werden daher überflüssig und das Anzünden von Zigarren besonders im Freien wesentlich erleichtert werden. Aus diesem Grunde dürfte die originelle Neuheit sich bei Seeleuten, Jägern, vielleicht auch im Felde einführen. Briefkasten der Redaktion. tAnvuhme Anfragen bleiben nuberüasichtigt.» w. 3. Wenden Sie sich an den Truppenteil, welchem Ihr Schwiegersohn angehört hat. Von dort aus wird die Sache ev. an die in Betracht kommende Nachlaßstelle weitergegeben. Märkte. Gießen, 15. Febr. Marktbericht. Ans dein heutigen Wochenmarkte kostete: Butter das Psd. 1,90-0,00, Hühnereier das Stück 16-17 Pfg., Käse das Stück 8-10 Pfg., Kche,narre i Stück 3—0 Pfg., Kartoffeln der Zentner 3,75 brs 0 00 Mark, Mikb das Liter 26 P'g., Spinat 20-32 P'g. das Pfund, Wirsing 10 bis 15 Pfg. das Stück, Gelberüben 10—12 Pfennig das Pfund, Rotkraut 15-25 Pfennig das Stock, Rosenkohl 30—30 Pfg. das Pfund, Weißkraut 15—25 P'g. das Stück, rote^ Rüben 7—8 P g., Zwiebeln das Pfund 20-00 Pfg., Nüsse lOO^tuck 60-65 Pfg , Blumenkohl 20—50 Piennia.. Sellerie 6-10 Pfennig das Stuck, — Markizeit von 8 bis 2 Uhr. Meteorologische veodachtungen hx Station Gießen. Febr. 1916 5 V ä 0 l'l 1 C 0 % Ö - 0 w B 2* ftl Ä W K 1 a jO 5 ll u 'S i «*BsS COjs Wetter 14. 2« 9.6 7,9 88 _ 8 Regen 14. 9 S5 1 6,9 6,5 87 — — 10 9 15. |7 26 ' — 2,1 4,3 81 — — 10 Bed. Himmel 1 Höchst« Temp eratur am 1 4. bis 15. Fe bruc ir 1916 = -f 10,4° C. Niedrigste * * 14. „ 15. - 1916 *» + 4,1 * C. Niederschlag: 10,0 mm. wurde dieses Zeichen für Apotheker Rtch. Brandts Schweizerpillen als Schutzmarke eingetragen. Dar «.tachahmungen wird gewarnt. A.-G. Vorn». Apotheker «Ich. Dran^t^SHaMausen^SHweA^-J Gegen husten und Heiserkeit gebrauche man Eulol-Bsnbonr. Auch im Felde mit großer Freude begrüßt, preis immer noch 30 pfg. Aliccstraße 11 Wobnung zu verm. CT6 Näberes daselbst 1. Stock. [ 6 Zimmer Ost-Anlage 39 ^ neuzeitl. einger.sonnige 6-2. Wohng. m. Zubeh., Badcz. u. Gartenant-1. 1. April z.verm. Näk Seltersweg 62 II, 979 >7702) Möbl. Zimmer, scv. Eing., ev. m. Pension z. verm. Löberstraße 6 I., Gartenbs. Möbl. Zimmer zn verm. 07710) Sonncuitraße 20. c ö Zimmer i) 5 bis 6 Zim. 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Sorten) 18313 t Authracit „ „ 11051 Anthracit-EisormbrikettS . . 299 t Zechenkoks (versch. Sorten) . 6 784 t Gaskoks „ „ . 1 782 t Steinkohlenbriketts ... 34 t Braunkohlenbriketts . . . 336 t Angebote sind portofrei bis zum 25. Februar 1916 an Unterzeichnete Bergwerksdirektion einzureichen. Die für die Lieferung geltenden Bestimmungen samt Verteilungsplan usw. liegen aus unserem Amtszimmer, Gutenbergstraße 1 zur Einsicht offen, sie können 'auch, solange Vorrat reicht, gegen portofreie Einsendung von 2 Mk. in bar bezogen werden. 1131 D Friedberg, den 12. Februar 1916. Gr. Bergwerksdi^ektion Grube Ludwigshoffnung. Amtliche Bekanntmachungen der Stadt Gietzen. In der Zeit vom 15. bis einschließlich 29. Februar 1918 werden die sämtlichen stadt. Straßcnknnäle aeivült. Wahrend dieser Zeit sind die Rückstmnierichlüsse au Grundstücks e n t > v ässermtgen ver s00 loffen zu halten. _[ 1149 B Das im Hoi des Siadilhiufes lagernde AbfallKol» von Bänmctl ans bcn städtischen Anlagen nn> am Anne- rödcr Wea, bestehend tu eine it Ltttden .antm, einem Hausen Knüvvel Stockliolz und 28 Hemsen Reisig (ah Erbsenre sig geeignet wird Donnerstaz. de» (7. Fcvrnnr 1616, uadnnittags 3 lchr veamnenl.. an Ort und Stelle meist- biciend verstctgert. >1150 B