M. Zahrgüng General-Anzeiger für Gberheffen Nr. 29 Zwetter Blatt Trfchetttt S-Nch mit Aufnahme des Sonntags. Die „H1ehe«er ZcnnMenblatter" werden dem ,Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das .^Lreiibiatt für den «reis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeit- frageR" erscheinen monatlich zweimal. Zreitag, 4. Zebruar W6 Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universuäts - Büch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Schristleitttng,Geschä'tsstelle »».Druckerei: Schul- straße?. Gescbattsstelle n.Verlag:e^A51,Schritt- leitung: E^A112. 2ldresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. was geschieht mit der „Appam"? Ir.' der cm der amerikanischen Küste gelandete Dampfer „Appam" ein deutsches Kriegsschiff oder eine deutsche Prise? Die englische Presse, in der angesichts des imponierenden Äusarenstückch-ens deutscher Seeleute der Sportgeist erwacht ist, findet sich mit den britischen Verlusten ab und legt bereits Wetten auf, ob die Kanzlei des Herrn Wilson so oder vi> entscheiden werde. Es ist eine harte Nuß zu knacken, sowohl für die Amerikaner als auch für die Engländer. Denn ist dieses dicke Prisenschisf ein Krie^sfahrzeug, weil es eine Kanone trägt, was geschieht dann mit alt den englischen Handelsdampfern, die mehr oder weniger versteckt bewaffnet in den amerikanischen Häfen einlaufen? Sie sind ebenfalls Kriegsschiffe und müßten von der Washingtoner Regierung interniert werden. Oder soll es wieder heißen: ja, deutscher Dauer, das ist was anderes? Aber vielleicht kommt es ans die Kanone gar nicht an. Vielleicht bestätigt sich die Meldung, daß die „Möve" seinerzeit bei der Kaperung die Kanone mitgenommen hat.' Man wird also nach anderen Kennzeichen eines Hilfskreuzers suchen. Deren gibt es ja im siebenten Haager „Abkommen über die Umwandlung von Kauf sahrteischiffen in Kriegsschiffe" eine stattliche Anzahl. Leider gibt es aber auch hierüber Streitfragen. lieber die Frage, ob die Umwandlung der Handelsschiffe in Kriegsschiffe auch auf offener See stattfinden dürfe, konnte 1907 im Haag bekanntlich keine Einigung erzielt werden. Deutschland, Rußland und Frankreich wollten auch die „militari- sation ert haute mer" zulassen. England war dagegen, und es hat sich aus seiner Seeräuberpolitik im Weltkrieg ergeben, warum. Es pfiff auf dieses ganze Völkerrecht und es holte sich jeweils nur das hervor, was es gerade braucht, um den Feind schlecht und die Neutralen dumm zu machen. Die englischen „Sachverständigen" des Völkerrechts drehet sa die Sache „Appam" schon so: Ist ek' ein deutscher Hilfskreuzer, so maß er zusammen mit der Prisenbesatznng interniert werden. Ist das Schiff deutsche Prise, so muß es zwar freige-geben werden, aber die Prisenbesatzung ist zu internieren. Letzteres ist falsch! Maßgebend für die Regierung des Herrn Wilson ist — wir kommen hier von der Juristerei nicht ab — das dreizehnte Abkommen der Haager Konferenz, „betreffend die Rechte und Pflichten der Neutralen im Falle eines Seekrieges". Es heißt da im Artikel 23: Eine neutrale Macht kann Prisen, sei es mit, sei es ohne Begleitung, den Zutritt zu ihren Häfen und Reeden gestatten, wenn fte, dorthin gebracht werden, um bis zur Entscheidung des Prisengerichts in Verwahrung gehalten zu werden. Sie kann die Prise in einen anderen ihrer Häfen führen lassen. Wenn die Prise von einem Kriegsschiffe begleitet wird, so sind die von dem Wegnehmenden auf die Prise gelegten Offiziere und Mannschaften befugt, sich auf das begleitende Schiff zu begeben. — Fährt die Prise allein, so ist die von dem Wegnehmendcn auf die Prise gelegte Besatzung inFreiheitzulasse n." Also Freiheit, vollste Freiheit ist das Recht und der Lohn der deutschen Besatzung der „Appam", wenn das Schiff als deutsche Prise angesehen wird. Ist es aber ein Kriegsschiff, so greifen allerdings die schärferen -Bestimmungen des Art. 24 Platz. In diesem Falle können aber die deutsche:: Matrosen an Land untergebracht werden und einer sehr milden Haft unterzogen werden. Die Offiziere sind freizulassen, wenn sie sich durch Ehrenwort verpflichten, das neutrale Gebiet nicht ohne Erlaubnis zu verlassen. Und noch eins: Schwierigkeiten macht vielleicht der Begriff der „Seenot" im Falle der Behandlung der „Appam" als Prise. Und die englischen Ohrenbläser werden sich wohl viele Mühe geben, die amerikanischen Behörden auf diesen kitzlichen Begriff hinzustoßen. Nach Art. 21 darf nämlich leine Prise in einen neutralen Hafen gebracht werden nur wegen Seeuntüchtigkeit, wegen ungünstiger See sowie wegen Mangels an Feuerungsmaterial oder an Vorräten. Die „Appam" scheint Mangel an Vorräten nachaewiesen zu haben. Die Engländer lverden sagen: wozu braucht die deutsch gewordene „Appam" den ganzen Atlantic zu durchqueren? Geschützt sollen nur solche Prisen werden, die in der Nähe der neutralen Küste genommen wurden und dann wegen Mangel an Vorräten nicht weiter können. Auch über die „ungünstige See" läßt sich streiten. Ist das Wetter oder auch der Feind gemeint? Man sieht, bei allen Paragraphen bleibt ein unlösbarer Rest, über den das Taktgefühl und die Unparteilichkeit des Richters zu entscheiden hat. Wohl mancher möchte Herrn Wilson wegen wiederholt bekundeter „Befangenheit" ablehnen. Aber das geht nicht. Ein Bericht des Kapitäns der „Appam". Haag, 3. Febr. (Jens. Frkft.) Reuter meldet aus New Bork: Die „Appam" liegt noch immer unter dem Bereiche der Festungskanonen von Monre und wird da liegen bleiben, bis das Ministerium des Aeußern über den Fall eine Entscheidung getroffen hat. Die Zollbeamten hoffen, das Schiss am Mittwoch nach Norfolk oder Newport News fahren lassen und den Zivilpassagieren erlauben zu können, an Land zu gehen. Inzwischen kann man die Passagiere, obwohl nur wenig Nahrungsmittel an Bord sind, fröhlich auf dem Teck spazieren gehen sehen. Die Erzählung, die Kapitän Harrison, der Kommandant der „Appam", gegenüber dem Lotsen Foster, der das Schiff in den Hasen brachte, gemacht hat, klingt wie ein Märchen. Er sagte: „Ms wir das langsam herannahende Schiss, das wie ein gewöhnlicher Frachten da mpfer ans sa h, in Sicht bekamen, befürchteten wir keinerlei Gefahr und wir machten keinerlei Vorkehrungen, um uns zu verteidigen, da wir keinen Anfall befürchteten. Plötzlich schoß das fremde Schiss über mrseren Bug hin und ich drehte sofort bei. Im selben Augenblick fiel der falsche Bug des fremden Schiffes, der offenbar aus Segeltuch verfertigt war und es kam eine Batterie schwerer Kanonen zum Vorschein. Wir i'lbergaben uns, ohne Widerstand zu leisten. Eine Prisenbesatzung kam unter Deckung der Geschütze des angreifenden Schiffes an Bord, entwaffnete die Besatzung, die in den verschiedenen Kabinen eingeschlossen wurde. 2 0 deutsche Gefangene an Bord wurden in Freiheit gesetzt und halfen der Prisenbesatzung. Eine große Anzahl Gefangener von Schissen, die die „M ö v e" in den Grund gebohrt hatte, wurde nach der „2lppam" gebracht. Ws wir nach Ham'pton Road fuhren, wurde ein Deutscher an den»drahtlosen Telegraphierapparat gesetzt, um Berichte aufzufangen. Er selbst gab jedoch keine Berichte aus, da dadurch der Aufenthaltsort des Schiffes den englischen Kreuzern hätte verraten werden können und Leutnant Berg, der Kommandant der Prisenbesatznng, natürlich den englischen Kreuzern aus d n Wege gehen wollte. Besatzung rmd Passagiere erhielten die Erlaubnis, täglich an Teck spazieren zu gehen, jedoch nur in kleinen Gruppen, wodurch cs der Handvoll Deutsche:: bequem war, wmel Hunderte von Gefangenen zu beherrschen." Der Lotse erzählte noch, daß die Passagiere über die Behandlung nicht zu klagen hatten. Holländische Blätter melde:: ans New, Bork: Leutnant Berg teilte in einem Interview mit, daß er selbst und drei andere Deutsche leicht verivundet seien. Getötet sei niemand. Tie Presse spricht ihre Verwunderung über die Kühnheit des deutschen Kaperers aus, der seine Beute quer über den Ozean zu bringen wußte. Wie „Sun" berichtet, sagt man auch aus, der englischen Botschaft, daß es sich hier um einen „verteufelt geschickten Streich" handelt. Reuter meldet aus London: Interessante Einzelheiten über die Fahrten der „Möve" wurden von Leutnant Berg dem Direktor der Ein- und Ausfuhrzölle mitgeteilt. Die „Appam" wurde darnach am 16. Januar erbeutet und zwar 60 Meilen nördlich von Madeira. Am 17. Januar griff die „Möve" den Dampfer „Elan Mactavish" an, der nach einem spannenden Kampfe, bei dem 15 Mann des „Clan Mactavish" getötet wurden, sank. Die „Appam", die bereits verschiedene Meilen vorausgefahreu »var, kehrte zurück und rettete vier Mann der Besatzung des „Clan Mactavish", die mit den Fluten kämpften. Später erhielt Leutnant Berg vom Kommandanten der „Möve" den Befehl, die „Appam" nach Amerika zu bringen. Als die „Appam" genommen worden war, fand man eine Kanone an Bord, die jedoch durch die „Möve" weggenommen wurde, so daß das Schiss bei seiner Ankunft im (amerikanischen D. Red.) Hasen k e i u e Kanone m e h r führte. Am 16. Januar nahm die „Möve" den „Farringford" und bohrte ihn in den Grund und dann kaperte sie den „Corbridge", der eine Ladung Kohlen an Bord hatte und mit einer Prisenbesatznng versehen wurde. Am 13. Januar traf die „Möve" den Dampfer „Dromoby". der keinen Widerstand bot und in den Grund gebohrt wurde. Am 15. Januar wurde die „Ariadne" irrit einer Ladung Weizen versenkt. Reuter meldet aus Washington: „Der englische Botschafter hat in aller Form die U eb e r g a b e der „A p p a m" auf Grund der Haager Konvention verlangt. Aus Heften. Aus dem Finanzausschuß der Zweiten Kammer. rb. Darmstadt, 3. Febr. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer setzte heute vormittag unter Vorsitz des Abg. Tr. Osann seine Haushaltsberatung beim Kapitel 10, Staatseisenbahnen, soßt. .Hier wird entsprechend dem preußischen Ansatz der hessische Anteil auf 17 255 000 Mark angenommen, das sind 39 000 Mark :veniger als im Vorjahr. Diesem Ansatz mußte entsprochen werden, wiewohl angesichts des nunmehr vorliegenden Ergebnisses vom Jahre 1914 mit etwas über 10 Millionen Mark eine solche Einnahme von 17 255 000 Mark nicht erwartet werden konnte. Der Ausgleich wird später bei der, Verrechnung der tatsächlichen Ergebnisse im Jahre 1911 stattzufinden haben. — Das Kapitel 11, Lotterie, wurde mit einem Minderertragl von 230 650 Mark angesichts des rechnerischen (H:gebnisses der preußischen Lotterieverwaltung gutgeheißen. — Kapitel 12 umfaßt direkte Steuern. Regalien usw. und schließt mit einer Ein- nah»ne von 27 144 750 Mark mrd einer Ausgabe von 3 498 068 Mark ab. Hier wurde die Beratung der Einkommens- und Vermögenssteuer zunächst ausgesetzt, bis am Ende der Beratung die wirklichen Bedürfnisse des Staates feststehen und darnach ermessen werden kann, welche Steuererhöhung zur Balanzierung des Hauptvoranschlags erforderlich ist. Die Absetzungen der Regierung gegenüber dem Vorjahr an den Einnahmen: Wandergewerbesteuer 25 000 Mark, Anteil an der Zuwachssteuer 10 000 Mark, am Stenrpel 2 700 000 Mark, an der Erb'chafts- und Scheu kungsstener 75 000 Mark, an der Hundesteuer .10 000 Mk. wurden vom Ausschuß für viel zu hoch erachtet, insbesondere, da der Voranschlag für 1916 annimmt, daß wieder friedliche Verhältnisse ein treten würden. Bei solchen könnten auch in Berücksichtigung der Nachwirkungen des Krieges derartige Ausfälle, namentlich bei Stempelertrag, nicht in dieser Höhe entstehen. Diese Ausfälle erscheinen auch nicht durch die Verweisungen des Jahres 1914 gerechtfertigt. Der Finanzausschuß wird diese Abstriche an den Einnahmen noch einmal mit der Großh. Regierung duvchzuberaten haben. Auf der anderen Seite sind bei den Ausgaben irgend welche Abzüge für den Fall, daß auch Ersparungen eintreteu können, nicht gemacht, sondern vielmehr wesentlich höhere Ausgaben eingestellt; so für Schreibhilfekosten 96 000 Mark mehr, für Llushilsekvsten (Assessoren und Finanzaspiranten) 10 000 Mark, für Schreibhilfe ans den Finanzämtern 6 000 Mark mehr. Alle diese Anforderungen wurden vom Finanzausschuß ausgesetzt, bis Verhandlungen mit der Regierung darüber stattgefunden haben, ebenso >bäe Position Ausfälle, Abgänge und Nachlässe an direkten Steuern 529 300 Mark, weil diese durch die Steuererhöhung beeinflußt werden. Tie^ folgenden Kapitel: Landstände, Ausgabe 156 070 Mark, Staats Ministerium, Ausgabe 96 325 Mark, wurden ohne wesentliche Abstriche genehmigt. Eine längere Besprechung entstand darnach über die Anforderung der neuen Stelle eines M i n i st e r i a^l r a t s für Handel und Gewerbe. Es wurden von verschiedenen Seiten Bedenken erhoben, gerade während deS Krieges derartige Organisationsändernngen ein- treten zu lassen, die sich natürlich nicht auf die neu zu schaffende Stelle des Ministerialrats beschränken würden. Es' sei ins Auge zu fassen, daß mit dem neuen Ministerialrat auch eine neue A b t e i l u n g mit erheblichen Kosten ins Leben treten würde. In Verbindung mit dieser Frage stehe auch die weitere Frage, wie die Bauabteilung in de»n Ministerium einzugliedern und die Abteilung für Finanzwirtschaft ^und Eisenbahnwesen zu gestatten sei. Die Forderung der Regierung wurde vorerst aus- gesetzt. — Beim Kap. 28, Zentralbauwesen, wurden an allgemeinen Verwaltungskosten 2650 Mk., beim Kap. 29, Nichtstaatliche Bausachen, 2000 Mk. abgesetzt und darnach die Kapitel bis 29 genehmigt. Die Fortsetzung der Haushaltsberatung erfolgt morgen fiüh. Die Uaufasnsfront. Das Wort „unmöglich" scheint es für unsere Heeresleitung nicht zu geben. Schwierigkeiten und Hindernisse sind für sie nur da, u>n überwunden zu werden. Und mit einer jedem Kenner orientalischer Verhältnisse schier unfaßlichen Leichtigkeit hat die türkische Heeresleitung diesen deutschen Geist der Kriegführung übernommen und sich zu eigen gemacht. Von den ganz eigemrrtigen, räumlich weit ausgedehnten und schwer zugänglichen Kriegsschauplätzen, auf denen die Türkei sich ihrer Feinde zu erwehren hat, macht man sich bei uns keine rechte Vorstellung. Zwar leisten die deutschen Kulturwerke der Bagdadbahn und der Anatolischen Bahn imseren tapferen Verbündeten für ihre militärischen Unternehmungen bereits hervorragende Dienste: aber b ide Eisenbahnlinien reiben ja bei weitem noch nicht bis in die Gegenden, wo augenblicklich die Kämpfe mit den Engländern (b?i Kut el Amara im Irak) und mit den Russen (östlich von Erzerum) stattfinden. Rußland wußte ganz genau, warum es — leider mit Erfolg — die Fortführung der Anatolischen Bahn über Angora hinaus nach Erzerum und Diar- bekr hintertrieb: es sah nicht mit Unrecht eine Kräftigung der militärischen Macht der Türkei an der armenischen Grenze voraus. .Hier, etwa auf der Linie vom Wan-See bis Batum am Schwarzen Meer, sind seit kurzem schwere Kämpfe im Gange. Auch östlich davon, aus persischem Gebiet, am Urmiasee, haben sich. Geteckste zwischen Russen und Kurden abgespielt, lieber die nnrtichastlrche und strategische Bedeutung des Erzerum-Gaues spricht sich Ewald Banse, der wie kaum ein anderer Kleinasien kennt, in fernem kürzlich bei George Westermann in Braunschweig ecsch e enen, ausgezeichnet unterrichtenden geographischen Werk „Die Tücku" folgendermaßen aus: „Die hohe Bedeutung dieser Landschaft liegt darin, daß durch ihre südlichen Gaue die alte persische Karawanenstraße läuft, die heute in Traeznnt an den modernen Weltverkehr anknüpft, ^während sie in frühere:: Zeiten daneben wichtige Zweige über Tokat und Siuas nach Westen sandte, und darin, daß diese empfindliche Linie im Norden durch sein unwegsame und öde Bergmassipe flankiert und gegen Eingriffe der jeweiligen nördliche»: Macht leidlich gesichert »vird. Wenn irgendwo die beklommenen Atemzüge der Weltgeschichte hörbar werden, dann ist es hier; und wenn außer den Meerengen (den Dardanellen) die Türkei eine gefährdete Stelle besitzt, dann hier in Erzerum, dem bequemsten Einfallstor in ihre armenischen Provinzen. Diese Lücke, deren östliche Pässe und strategische Vorteile ganz in Rußlands Hand liegen, behaupten, heißt schon Siege erringen. Umso notwendiger ist es für den Bestand des Sultanats, durch den Bau einer Längsbahn von Angora über Siuas oder Tokat nach Erzerum. den Aufmarsch kwn Truppen an die moskowitische Grenze zu beschleunigen: dies ist eine der wichtigsten Aufgaben der allernächsten türkischen Zukunft und wurde bisher durch die russische Politik hintertrieben, welche gleichzeitig ihren eigenen Vormarsch durch eine über Kars neuerdings in aller Stille bis Sarikanisch in der Nähe der Grenze fort- geführte Bahn wesentliche Vorteile gesichert hat." Die gefährdete SteUe an den Dardanellen hat dank der Tapferkeit der Verteidiger allen Stürmen der Feinde getrotzt: auch die Kaukasusfront lvird von den Türken — daraus dürfen wir ruhig hoffen — zähe behauptet werden . . . Den Kriegsschauplatz bildet Türkisch-Armenien, eine mächtige Hochlandmasse, welche die Umgebenden Länder überragt. Wo Persien,' Rußland und die Türkei zusammenstoßen, erhebt sich der 5200 Meter hohe Ararat. Noch mehrere über 3000 Meter hohe Berggipfel ragen aus den: transkaukasischen (oder vontisch-armenischen) Hockstand empor. Ein großer Teil der Landschaft nördlich von Erzerum besteht aus.vulkanischem Boden und ist daher Steppe. Nur in den Flußtäler:: ist eine reiche, fruchtbare Vegetation. Tie Hmcptstadt Erzernm ist eine ivichtige Handelsstadt und ein militärisch hochbedeutender, befestigter Waffen- platz. Die Gaue am oberen Mmad, der sich später mit dem Euphrat veereinigt, sind gleichfalls von mächtigen Gebirgsketten durchzogen; auch dies Land ist größtenteils vulkanischer Natur, es liegt zudem ungünstig zu der Richtmrg der Seewinde, so daß auch hier meistens nur Weideland ist. Schaf- und Ziegenherden, von bewaffneten Kurden bewacht, fi:wen hier kärgliche Nahrung. In einer weiten Gebirgssenkung, die immer noch mindestens 1700 Meter hoch liegt, zieht sich die große persische Karawanenstraße hin, für eine Eisenbahnverbindung gleichsam vorausbestimmt. T^ Grenzort Baiesid besitzt als Zollstation eine starke Garnison. Aus Stadt und Land. Gießen. 4. Februar 1916. ** Amtliche Personalnachrichten. Der Großher- zog hat am 2. Februar d. I. den Stationskontrolleur Finanzrat Ernst P n l l m a n n zu Harburg a. E. zum Obersteuerinspektor bei dem Hauptsteueramt Gießen ernarrnt. ** D ie Genossenschastsversammlung bet land - und for st wirtschaftlichen Berufsgenossenschaft für daS Gr o ßherz o q tum Hessen fand in dieser Woche unter dem Vorsitz des Großh. Gehl. Regierungsrats Bichmann in: Rathaussaal zu Darmstadt statt. Nach dem vorgelegten Verwaltung,sbericht betrug die Zahl der im Berichtsjahre angemeldeten Betriebsunfälle! 3246. Aus dem Vorjahre waren 1767 Unfälle übernommen worden, so daß insgesamt 5013 Unfallsachen neu zu bearbeiten waren. An Entschädigungen für Renten an Verletzte, Kosten des Heilverfahrens usw. wurden 1 181 235 Mk. gezahlt und 5921 Rentenbescheide erlassen. Die Summe der erstmalig im Rechnungsjahre gezahlten Entschädigungen betrug 230 456 Mk. Die Mittel der Rücklage beziffern sich auf 2 206 496 Mk. An den Kriegsanleihen beteiligte man sich mit 900000 Mk. Beschlüsse von allgemeiner Bedeutung waren ein Antrag des Genossenschaftsvorstandes, wonach mit Wirkung vom 1. Januar 1916 ab der Höchstwert eines land- oder forstwirtschaftlich genutzten Grundstücks, der für die Umlegung der Beiträge in Ansatz kommen soll, den Betrag von 1 Mk. für den Quadratmeter nicht übersteigen darf. Ferner wurde der einheitliche Mindestbeitrag für einen land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb, der seither 2 Mk. betrug, aus 1 Mk. herabgesetzt. ** Vaterländischer Abend der G: eßener Studentenschaft. Am 2. Februar wurde die von der Gießener Studentenschaft jüngst beschlossene Feier des erste:: „Vaterländischen Abends" abgehalten, für die die Burschenschaft Gennania ihr Burschenhaus zur Verfügung gestellt hatte. Tie Beteiligung seitens der Dozenten und der Studentenschaft >var recht lebhaft, wie die Begrüßungsansprache des Rektors Professor Dr. S i e v e r s feststellen konnte. Dank einem von Oberst P a r r i - s i u s erlassenen Garnisonsbefehls konnte auch eine Anzahl von Angehörigen der Garnison mrd der Lazarette der Feier anwohne::. Sie wurde durch ein von dem Ehepaar Privatdozent T-r. Stepp trefflich vorgetragene Sonate von Händel (Violine mit Klavierbegleitung) ansprechend eingeleitet, woraus die Verlesimg einiger interessanter Feldpostbriefe von Angehörigen der Ludoviciana folgte, so des als Mitkämpfer auf dem südafrikanischen Kriegsschauplätze rnib in englische Gefangenschaft gerat men Professors dar Mineralogie, Dr. Kaiser, und eines Berichtes von Leutnant G. Krüger vom Jnf.-Rgt. 222 über seine Erlebnisse in Ostgalizien. Ein ungemein fesselnder Bortrag Unseres .Historikers, Prof. Dr. Roloff legte die Ursackum dafür dar, daß der große Weltkrieg im Gegensatz zu den Feldzüge:: des 19. Jahrhunderts sich so bedeutend in die Länge zieht und damit sich den Kriegen des 17. rmd 18. Jahrhunderts wieder annähert. Diese Erscheinung sei vor allem auf die mächtig gesteigerten Kriegsmittel zurückzuführen, bie nur durch eine lange Kette fortgesetzter Kriegs- Handlungen zu erschöpfen sind. Besonders gestatten die gewaltig vevgrößerten Heere die Schlachtverluste leichter als früher zu ersetzen, wie sie a:cherseits die Besetzung riesiger fester Stellungen gestatten, die schwer oder garnicht zu umgehn: und frontal nur mit großen Schwierigkeiten zu nehmen sind. — Kommersgesang und Klaviervorträge füllten den Rest des höchst stimmungsvoll verlaufenen Abends auS. Ein zweiter Vaterländischer Abend soll am 18. Februar im Saale des Hotel Schütz stattsiudeu. ^Preußische K l a s se n l o t t e r: e. Die Erneuerung der Lose zur II. Klasse der 7. (233.) Lotterie muß unter Vorlegung des Vvrklassenloses bis zum 7. Februar, abn:ds 6 Uhr, geschehe::. Auch müsse:: bis zum vorgenauuten Termine die Freilose gegen Rückgabe der Gewinnlose eingelöst werden. Lrrrs BüdinKeL. Ä 4. Fedr. Im Westen fies, von einer «rsmtte gerroHen, der Wehrmanu Georg Heinrich Kraft U. Hessen-Nassau. ^Laasphe, 4 Febr. In Herborn wurde beim Abladen Oon Baumstämmen der 45 Jahre alte Arbeiter Friedrich R o t h dermaßen von einem abrutschenden Stamm getroffen, daß der Tod alsbald eintrat. ra. Lö Hub erg. 3. Febr. Dem Vizefeldmebel Rudolf B e n n e r (Jn'antene-Regiment 83) wurde von dem Fürsten von Waldeck die Goldene Verdienstmedaille verlieben. ra. Hahnstätten, 3. Febr. Dr. K. N e i d h ö f e r, zurzeit Stabsarzt m Neusatz (Ungarn) starb daselbst mkolge einer Blutver grflung. ra. W e i l b u r g, 4. Febr. Auf dem Bahnkörper in der Nähe der Station Lstockhausen wurde von der Wache des Landsturm- batcnllons eine besinnungslose Frau aufgesunden, die aus dem O-Zuge gestürzt war, der kurz nach l f 2 l Uhr die Strecke Kassiert W»e spater sestgestellt werden konnte, handelte es sich um eine Frau aus Philwoftein, die in Brauniels den Zug bestiegen hatte um nach Weilvurg zu fahren. Mit schweren Körperverletzungen wurde sie m das hiesige Krankenhaus verbracht. § Esch w ege a. d. Werra, 4. Febr. Auf dem benachbarten Kalrbergwerke Heimboldshausen lvurde der Vorarbeiter Anton Ruppel durch einstürzende Kali,nassen verschüttet rmd getötet. ^ 3 ‘ ^bbr. Der Landesausschuß des Regiernngs bezirks Kassel hat beschlossen, dem Komnnmallandtage eme Vor läge über d,e Errichtung einer Kriegshilfskasse des Hessischen Bezirksverbandes zu unterbreiten. Das ins Auge gefaßte Betriebskapital von 1 Million Mark soll zur Hälfte vom Bczirks- verbaud der Kasse zur Verfügung gestellt werden. Tie andere Halste sott vom Staate zugeschossen werden nach Maßgabe der in emem Ministerialerlaß ausgestellten Grundsätze Zweck der Kriegskasse soll fern die Gewährung von Darlehen an Kriegsteilnehmer oder deren Angehörige zur Wiederherstellung oder Erhaltung ihrer geschäftlichen Lebensstellung, besonders aber zur Wiederausrichtung oder Aiifrechterhaltung eines Handwerks- oder kleineren Gewerbe betnebs. Universitäts-Nachrichten. li Marburg, 4. Febr. Der Professor der alten Geschichte und Direktor des historischen Seminars an der hiesigen Universität Dr. Walter Otto, hat einen Rui an die Universität seiner Herma! Breslau als Nachfolger von Professor C i ch o r l u s erhalten. vermischtes. * Nikita und sein Enkel. Ein Berichterstatter des Pariser „I o u r n a l ", der den geflüchteten König in Lyon be^ suchte, erzählt die folgende hübsche Geschichte, die ihm der König m ruhrenden Worten mit unverkennbarem provencalischeii Akzent mitteilte. Es war, so sagt der Pariser Journalist als ob Mistral unter den Platanen von Maillane eine Allegorie dichtete Me-n Eiikelsohn Humbert mar ein rechter Trost für mich während meines Aufenthalts in Rom/ so erzählt Nikita. »Dieses lachlustige, zwölf- zahrige Kmd war respektvoll und artig gegen mich. In weumcn Minuten waren wir befreundet. Er fragte mich: „Warum bist Du traurig? Wer hat Dir etwas zu Leide getan? Ich antwortete chm: „Du hast einen geschlagenen Großvater, mein Kleiner." „Wer hat es gewagt, Dich zu schlagen. Dil bist doch groß?" fragte das »Wo hat man Dir weh getan, sag nrir's doch." Ich gab dem Kinde folgende Antwort: „Ich bin am ganzen Körver geschlagen, an den Armen, den Beinen, auf die Brust, auf den Ropi und zwar von meinen Feinden/ Das Kind dachte nach und traurra fort: „Da gab es wohl nichts mehr zu effcn bei ? ud L - v reie ' e{)en qIJo ' mein kleiner zwölfjähriger Enkel hat die Grunde der Nrederlage besser ersaßt, als die Diplomaten und Minister. * Wie die Tropenvögel in Marseille ein- w änderten. Zu den mancherlei überraschenden Wirkungen und Erscheinungen d:e der Weltkrieg in der Vogelwelt und ihrem Leben hervorgerufe^hat, gehört auch die merkivürdige. zeitweilige Eiu- vandernng Lon allerlei Tropenvögeln in Marseille. Darüber be- rächtet L'Hern»ite in der »Revue srantzaise d'Ornithologie". Mar seille ist ein Hmivtort für die Einfuhr von allerlei exotischem Gelier. und alle Schiffer ans langer Fahrt führen im Zivlschendeck mit sich eine Fracht von jenen langeii, niedrigen Holzkaslen, in denen die Ehiuesen und indische Matrosen Massen kleiner Vögel ^ ^1(1*011« bringen. Diese ganze Einfuhr pflegt vo,i vier bis "Ulf Großhändlern aufgekaust zu wcroen, die die Vögel dann weiter verschleißen, meist an belgische, deutsche und ' englische Händler. Diesen Markt hat null natürlich der Krieg mit emem ©dnage vernichtet, und die Tierbesitzer suchten alsbald ihre Ware uin ;eden Preis losznwerden. Die selteiien lind besonders wertvollen Arten fanden leichten Absatz; mancher Vogelltebhaber konnte Ilch da für billiges Geld ein paar ungeivöhnliche Arten zulegen, und auch einige Zoologische Gärten versähe,i sich mit allerlei Arien von Pavageien, Finken, Fasanen usw. Aber die gewöhnlicheren Urten überseeischer Vögel, wie Reissinkeli, Tlgerfinken, Schmetter- lingsstnken usw., fanden nicht so leicht Käufer; sie wurden im Ltrageiihandcl 311 15 Centimes das Stück abgelassen, wobei iiian noch den Käsig dazu bekam. Allein selbst zir 'diesen, Preise waren die kleinen bunten Gäste aus der Tropeinvelt bald nicht mehr m verkaufen, und da rckißten sich ihre Besitzer schließlich keinen anderen mal, als daß sie die Käsige öffneten und die Vögelchen der Für- sorge des Himmels überließen. So geschah es, daß Marseille auf eininal von zahlreichen Vertretern der tropischen Kleinvogelmelt überschwemmt wurde. Diese ungeivöhnlichen Gäste vcrsaininclteii sich größtenieils im Mitielpnnkte der Stadt, auf dem Börsenplätze, ist lnehreren großen Platanen, die dort, von Grasflächen urngeben' clugehegt um das Puget-Deukmal stehen. Hier nahnr sich die ^tadwerwaltnng ihrer au und ließ für die' bwite kleine Well Wasser- und Futlerbehäster anleaen. Es war ein seltenes und hübsches Stück Natnrleben. das sich da eniialtete. Von der Morgeu- brs zur Abenddämmerung herrschie die größte Regsaiukeit, und cs war wunderlich zu sehen, ivie sich die farbenreichen Vögel der ^.ropenwelk. die Tiger-finken, die iveißei, und grauen Reisvögel, die grauköpfigen Papageien und andere, hier mit und unter den ge- meinen Straßenspatzen bewegten. Das Schailsviel versammelte täglich ganze Massen von Ntenschen, die außerhalb des Zauues es beobachteten. Jählings fand jedoch di s tropische Vogellebeu in Marseille fein Ende. Jin Dezember trat eine Kälte ein, der die meisten der Gaste ans wärmeren Länderi, zum Opfer fielen, und fcf)on um Neujahr war fein einziger davoki inehr an, Leben. Wie >ii a n <14 Millionen Frs. v e r d r e n e i: kann! /Der will 7'a Million-'n Frs. verdienenfragt der „GanloigE. Nichls in leichter als das. Man braucht nur die beste Geschichte Alexariders I. zu schreiben. Das ist kern Scherz Der Grundstein zu diesem großen Preise wurde 1883 bei der Petersburger Reichs- bauk hinterlegt, und der glückliche Sieger ivird au Kavital ur,d Zinsen 7 500 000 Frs. erhallcu. Niir einen Haken har die Sache. Ter glinstige Augenblick ist noch in ,veiler Ferne. Tie Manu- skripte n,rissen der Akgdemie der Wrffenschastcn vor den» -- 1. Dezember 1925 abgelickert iverden Wer Lllst hak, sich au dem Wettbewerb zu beteiligen, behält also noch genügend Zeit, um sich über lllexauder I. grüudlichst 311 imorimevcii und im Geist die verheißenen goldenen Berge zu genießen, die ihm die Wirklichkeit noch vorenthält. "Die Ehrenrettung der italienischen Feldpost. D,e italienische Feldpost hat feit Ausbruch des Krieges so viele L-chmähuligeil über sich ergehn, lassen müsse», daß die „Riv lla del Don mg" es sich gugelegeu fein läßt, einmal zu berichleu, wie groß die La,ten sind, die man ihr anstu'irdel. Bon Bologna aus (der. Lamnielstelle der für die Front bestinunien Seirduugeu) follen tfinh ü 80 000 Briefe und 18 000 Pakete befördert werden. Fr, Treviio, dem Sammelvunkt der aus dem Felde koiumendcu Nachrichten. treffen täglich 1 400 000 Karten und Briefe ein. Voll Stolz ivird noch hervoraehoben, daß die italienische Feldpostorganrsation keinerlei Aehnlichkett mit der anderer kriegi hrender Länder habe ! vücherttsch. T Siegerland unter preußischer H err- lGaft 1815—1915. Festschrift aus Anlaß der hundertjährigen Bereinigung des oranischen Fürstentums Nassau-Siegen mit Preußen. Von Dr. Hans Kruse. Verlag von Hermann Montanus in Siegen. Preils in Prachtband 8 Mi. — In einer Zeit von Blut und Eisen, in der unsere tapferer: Heimatschützer für des Vaterlandes Existenz unentwegt und furchtlos anstzarrert in dem menschenvernichtenden Schlachtenwetter, da um dieselbe Zeit jährt sich des Siegerlandes neueste Geschichte. Und in denselben Tagen, in denen da draußen die große Weltgeschichte mit erzenem Griffel in blutigen Lettern geschrieben wird, da sehen wir in der engeren Heimat des Siegerlandes ein Werk treu» deutsche rHeimatliebe — die Geschichte des Siegerlandes —. heranreifen. Der Verfasser hat seiner: an sich schwierigen wissenschaftlichen Vorwurfs den geschichtlichen Entwickelungsgang eines kleineren topographisch genau begrenzten Gebietes zu erforschen, glänzend zur Ausgestaltung gebracht. Aber nicht nur die Wiedergabe überreichen geschichtlichen -Quellenmate i.rls ist ein Vorzug dieses Werkes: das an sich trockene Material ist mit l abens- warmem Hauch, mit Heimatluft und dramatisch rvirkendem Geiste erfüllt, der den Löser dauernd fesselt und ihn in Spannung erhält. Hier ist mehr als trockene Geschichtssorschung, hier sind handelnde Menschen, gebunden an und erwachsen mit den heimischen Verhältnissen, diese fördernd oder hemmend, manchmal sogar von Grund aus umgestaltend, unserem geistigen Auge vorführt. Ein besonders hoch zu veranschlagender Vorzug dieses heimatgeschichtlichen Werkes ist, daß die treibenden Kräfte und Personen, die den wirtschaftlichen Werdegang des Siegerlanhes beeinflußten, in ganz intuitiver Werse zur Darstellung gekommen sind. War das Siegerland in seiner abgeschlossenen Lage und in seiner auf einer tausendjährigen Geschichte begründeter: Eigenart einerseits eine dankbare Aufgabe für den Geschichtsforscher der engeren Heimat, so stellte er sich andererseits aber die weit wichtigere Frage, wie dieses Laiches ursprüngliche Eigenart sich dem mächtigen Staate Preußen gegenüber behauptet und wie es andererseits in ihm aufgegangen ist. Die Behandlung des Siegerlandes unter preußischer Verwaltung auf wirtschaftlichem Gebiete ist der Höhepunkt dieses heimatkundlichen Geschichtswerkes und zugleich ein erneutes glänzendes Rnhmi^blatt der preußischen Geschichte im 19. Jahrhundert. Die Teile des Geschichtswertes, die die wirtschaftliche, religiöse und politische Entwickelung des Sieger- landes während des verflossenen Säknlums in ses'Vndem Bilde zeichnen, beanspruchen ein höchstes Maß von Inte es e Älucki im weiten deutschen Vaterlande, in Kreisen der Geschichtsforscher sowohl als in denjenigen ernster Nationalökonomen und Politiker. Denn besonders der wirtschaftsvolitische Werdegang des Siegerlandes wird für die wirtschaftliche Zukunftsgestaltung unjeres isolierten Deutschlands sich als in vieler Hinsicht richtunggebend und problemlösend, des anhaltenden Studiums maßgebender Staatsmänner, Politiker und Nationalökononren wertvoll und notivendig erweisen. Von diesem Standpunkte aus sei das von fleißigem Quellenstudium zeugende Werk allen führenden Mäiinecn der vorbezeichneten wissenschaftlichen Gebiete wann empfohlen. Andererseits dürfen wir nicht unerwähnt lassen, daß der Verfasser seine Aufgabe als heimatlicher Geschichtsforscher nicht nur ideal aufgefaßt, sondern auch einwandfrei, bis ins Einzelne wahcheitsgetreu und gewi'senhafc ge^öst hat. Das Werk gehört als treu zu behütendes Stammesdenkmal in jede Fa- m i l i e n b i b l i 0 t h e k des Siegerlandes. O e f f e n t l i ch e Bibliotheken werden dieses Werk nicht entbehren können.