Nr. 28 Erstes Blatt *66. Jahrgang Der Skesttvrr Anzek-er erscheint täglich, nutzer Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich Giehener§amiliendlätter; zwennal ivöchentl.Ureis- dlattjürden Ureis Sietzen (Dienstag und Freitag): zweimal monatl. Landwirtschaftliche Zeitsrazen Fernjprech - Anschlüsse: fürdieSchriftleilungllL Verlag, KeschäitssteUeöl Adreffe für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für bie Lagesmunmer ^ . „ . , . ^ ^ ■ b i? zun, Abend «orher. Rotationsdruck und Verlag der vruhl'schen Univ.Such- und Strindruckerei R. kange. Schristleitnng. Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstr.r Donnerstag, Z. Februar *9*6 eneral-Anzeiger für Oberheffen BezugSvrei): monatl. 85 Pf., viertel- jährl. Mk. 2.50; durch Abhole- u. Zweigstellen inonatl. 75 Ps.: durch die Post Mk.2.30oiertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Ps., ausw. 20 Pf. — Haupt- schriitleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; slir Stadt und Land, Verinischtes und Gerichtssaal: Fr. R. Zeitz; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. eldenmütige deutsche Seeleute, es r ' (WTB.) Großes Hauptquartier, 2. Februar. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Feindliche Artillerie entwickelte in einzelnen Abschnitten der C h a m p a g n e und östlich von St. D i e (in den Vogesen) große Lebhaftigkeit. Die Stadt Lens wurde abermals vom Gegner beschossen. Ein französisches Großflugzeug stürzte, von unserem Abwehrfeuer gefaßt, südwestlich von Chauny ab. Die Insassen sind verwundet gefangen genommen. O e st l i ch e r Kriegsschauplatz. Eine stärkere russischeAbteilung wurde von deutschen Streifkommandos an der W i e s i e l u ch a. südlich von Kuchecka-Wola (zwischen Stochod und Styr) angegriffen und aufgerieben. Balkan-Kriegsschauplatz. Unsere Flieger beobachteten in den Hafenanlagen von Saloniki große Brände, die offenbar von unserem Lustschiffangriff herrühren. O b e r st e Heeresleitung. Wir Häven gestern bereits in einem Teil der Auflage die herzerquickende Meldung bringen können, daß der seit einiger Zeit „v ermiß t" gewesene große englische Dumpfer „Appam" ans der Höhe der Kanarischen Inseln von einem deutschen Kriegsschiff aufgebracht worden und unter Führung einer deutschen Prise nbesatzung durch den atlantischen Ozean bis nach Porsolk geführt tvorden ist. Heute sind dazu viele Einzelheiten mitzuteilen, die unsere Freude -imd unseren Stolz nur erhöhen können, denn der Dampfer „Appam" hat n. a. die Nachricht mit ge bracht, daß jenes unbekannte deutsche Kriegsschiff — es ist noch nicht völlig geklärt, um welches Schiff es sich handelte — vorher nicht weniger als sieben feindliche Fccht- zeuge aufgebracht und deren Besatzung sodann aus der „Appanr^'niedergelassen hatte. Und um den Fäll verwickelt zu machen, hat der kühne Kommandant auf der „Appam", Leutnant Berg, unter der deutschen Kriegsflagge noch zwei weitere Fahrzeuge „fest genommen". Die Engländer hatten sich schon mit dem Gedanken getragen, daß „Appam" von einem U-Boot versenkt worden sei und daß darob wieder ein ähnliches Entrüftungsgebrüll angestimmt werden könnte wie beim Untergang der „Lusitania". Der neue Fall entbehrt nicht einer wundervollen Heiterkeit, freilich nicht für englische Gemüter, die sich stark blamiert fühlen müssen. Das angreifende deutsche Schiff hat die „Appam" nicht versenkt, weil es einen guten Gebrauch von der Beute machen konnte, und Präsident Wilson wird dem Verfahren seine Billigung nicht versagen wollen. Neun Schiffe sind von der englischen Liste gestrichen worden, und wir werden durch den Fall der „Appam" von neuem an die Glanztaten der deutschen Kreuzerkrieg erinnert. Das „meerbeherrschende" England muß nach 18 Monaten Kriegsdauer erfahren, daß der Feind die Wege seiner Handelsschiffe immer noch stark gefährdet und daß es nicht nur die gefürchteten deutschen U-Boote sind, die ihm Verlust über Verlust verursachen. Mit Interesse wird' nun zu verfolgen sein, wie die maßgebenden amerikanischen Staatspolitiker die Rechtsfrage der „Appam" beknabbern werden. Unseres Erachtens ist sie ein deutsches Kriegsschiff geworden, weil sie, dazu ausgerüstet und bemannt, in der Wegnahme zweier Schiffe zweifellos eine Kriegstätigkeit ausgenommen hatte. Das Schiff müßte demnach am Ende des Krieges in deutschen Besitz übergehen. Zum Rücktritt des russischen Ministerpräsidenten Gorkmykin wird uns geschrieben: Im Zarenreiche kriselt es seit Kriegsbeginn im Kabinett. Ist man doch seit der Zeit in Rußland die böse Sieben losgeworden, nämlich die Minister Suchomlinow, Charitinow, Schtscherbatow, Samarin, Kriwoschein, Maklakow, Ruchlow, und jetzt ist als achtes Kriegsopfer der Ministerpräsident Goremykin gefallen. Sein ministerielles Ableben war schon wiederholt angekündigt worden, nämlich jedesmal, wenn es zu einem scharfen Konflikt zwischen Regierung und Duma kam. Diesmal aber ist er „amtlich" gegangen, natürlich in Anbetracht seines „geschwächten Gesundheitszustandes", wie das bei Ministerverabschiedungen üblich ist. Der Oberbefehlshaber-Zar hat den „treuen Diener seines Herrn" besonders geehrt, indem er ihn zum Wirkl. Geh. Rat erster Klasse ernannte, womit er vielleicht zart andeuten wollte, daß in seinem Reiche wirklich der geheime Rat regiert, während die chronisch vertagten Duinamitglreder günstigsten Falles ratlose Staatsbürger zweiter Klasse sind. Im übrigen ist es natürlich nicht ausgeschlossen, daß dem 77 jährigen Goremykin die Arbeit des Regierens wirklich schon zu schwer wurde, daß er ihr nicht mehr gswachsen war. Gerade in letzter Zeit waren die Dumakreise gegen Goremykin Sturm gelaufen. Zwar die Abgesandten des Dumablocks, die sich ins Hauptquartier begeben wollten, um den Zaren um ein dem Parlament ver-, antwortliches Kabinett zu bitten, wurden nicht einmal eines | Empfanges gewürdigt. Aber das Protestschreiben, welches der Dumapräsident Rodzianko auf Veranlassung des Aelte- tenrats an Goremykin gerichtet hatte und worin er die osortige Einberufung der Duma forderte, scheint, obwohl es keiner Antwort gewürdigt wurde, doch einige Wirkung gehabt zu haben. Ob das Kabinett Stürmer die Lage wesentlich verbessern wird, steht dahin. Der Name Stürmer darf über den Mann nicht täuschen. Gewiß ist er wie viele sehr tüchtige „echte Russen" deutscher Abstammung. Mer schon mit seinem Vornamen Boris Wladimirowitsch bekundet er, daß er sich als Panslawist fühlt, als der er sich auch inaner und als der sich schon fern Vater aufgespielt hat. Vielleicht wird sogar das Kabinett Stürmer keinen langen Bestand haben, denn Herr Boris Wladimirowitsch ist unlängst um Aende- rung seines leidigen deutschen Namens eingekommen, Und mau wird ihn vielleicht bald als owitsch mit einem mehrsilbigen, unaussprechlichen Vorläufer begrüßen dürfen. Seiner Gesinnung nach ist er wirklich ein echter Russe, und es ist kennzeichnend, daß ebenso wie einst Goremykin im Jahre 1895 seine Staatslaufbahn als Minister des Innern aus Empfehlung des berüchtigten Pobjedonoszew, des Oberprokurators vom Heiligen Synod, begann, mich Herr Stür- mer ein besonderer Schützling des Heiligen Synod ist, dessen vorletztem Oberprokurator Sabler er seinen politischen Aufschwung verdankt. Im Reichsrat gehörte Stürmer der sogenannten Neidhardt-Gruppe an, deren Führer Neidhardt ebenfalls ein russifizierter Deutscher ist, und welche eine ausgeprägt panslaviftische Politik vertritt. Der österreichisch-ungarische Tagesbericht. Wien. 2. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 2. Februar 1916. Russischer Kriegsschauplatz. Vor der Brückenschanze nordwestlich von Uscieszko wurde der Feind durch Minenangriffe zum Verlassen seiner vordersten Gräben gezwungen. An anderen Stellen der Nordostfront fanden Patrouillenkämpfe statt. Italienischer Kriegsschauplatz. Im Suganatal wurden westlich von R o n c e g n o mehrere Angriffe eines italienische« Bataillons abgewiesen. Am Hang des Col di Lana wurde eine feindliche Sappenstellung un Handgemenge genommen und gesprengt. An der Isonzo- Front Geschützkämpfe. ° 6 Südöstlicher Kriegsschauplatz. Zn Albanien gewannen unsere Vortruppen ohne Kampf das Südufer des Mati-FlusfeS. In Montenegro volle Ruhe. Keine besonderen Ereignisse. Der Stellvertreter des Chefs des Generalftabs v. Höf er, Feldmarschalleutnant. * * * Ein Heldenstück deutscher Zeeleute. New Bork, 1. Febr. (WTB. Mchtamtlich.) Nach einer Reuter-Meldung aus Newport ist der vermißte englische Dampfer „Appam" unter Führung einer deutschen Prisenmannschaft und unter deutscher Kriegsflagge bei Old Point an der Küste von Virginia angekommen. Der Dampfer ist auf der Höhe der Kanarischen Inseln von einem deutschen Kriegsschiff aufgebracht worden. Die „Appam" hatte bei ihrer Ankunft 425 Personen an Bord, darunter 138 von etwa fünf vor der Aufbringung versenkten britischen Schiffen. (In emem Teil der Auflage wiederholt.) ™ 2'^br. (WTB Nichtamtlich.) Die Associated Preß berichtigend mit: Die „Appam" war am 15. Januar der den Kanarischen Inseln aufgebracht worden. Sie hatte 451 Personen an Bord. Im ganzen sind von dem deutschen Krieas- fahrzeug sieben Dampfer perseiikt worden, und zivar die Dampfer „Corbndge Trader" Ariadne", „Dromonby" „Farringford", „Clanactavist" und „Arthur". ™ O® 1 e ® r ‘ *ews, ^ Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Das deutsche KriegZ- fchiff, das den Dampfer „Appam" aufgebracht und mit " I 6 // n m cJ 1 J ^ a f L ^mchen hat, soll den Namen „Move geführt haben. Es hatte vorderAufbringung der „A p p am" folgende britische Dampfer versenkt: „Arthur", „Corbridqe", „Ariadne". ^Dromonby", „Farringtonsord" und „Clan M a c t a v i s h". London, 2. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Von Newport News wird gemeldet, daß sich 451 Personen an Bord des „App am" befinden, darunter 139 U eberlebende der lieben Schiffe, die von den Deutschen versenkt wurden, ferner 20 deutsche Bürger, Kriegsgefan gene aus Kamerun, und eine Prisenbesatzung von 22 Mann. Offenbar wurde der „Appam" vier Tage nach der Ausreise widerstandslos erbeutet, nachdem ein Schuß über die Brücke des Dampfers abgefeuert worden war. Nachdem die Prisenbesatzung an Bord gebracht war, begann das-deutsche Schiss ein britisches, mit Fleisch aus Australien beladenes Schiff zu verfolgen. Dieses bot Widerstand und lvurde in Grund gebohrt. London, 2. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die „Times" erfährt aus New Port: Auf der Reise Über den Atlantischen Ozean soll der Dampfer „Appam" zwei britische Schiffe gekapert haben. — New Yorker Blätter melden, daß der „Appam" von der bewaffireten deutschen 8tm.ioiaa>t o v e" eroeurel wuroe. llmrncye Personen ln Waftnngton verneinen, daß der Befehl erteilt wurde, das Schiff zu internieren. Sie sind sehr unsicher, was mit dem Schiffe geschehen soll. Der britische Botschafter ersuchte um eine Unterredung mit dem Staatssekretär Lansing. Die „Möve" soll die britische Flagye geführt, aber als sie sich der „Appam" näherte, die deutsche Kriegsslagge gehißt und ihre bewegliche Verschanzung umgcklappt haben, worauf die Bewaffnung sichtbar wurde. Sie soll in der Nordsee unter schwedischer Flagge gekreuzt haben. Ms cne „Appam" die Küste von Virginia entlangfahren nrußte, ULhm sic einen Lotsen an Bord imd antwortete auf eine draht- kose Anfrage von dem Fort Manros, sie sei ein deutscher Kreuzer, nach Buffalo unterwegs. Das Schiff führte nur eine einzige Dreizoll-Kanone am Vorderteil. Aus den Berichten von Mitfahrenden auf der „Appam". London, 2. Febr. «WTB. Nichtamtlich.) Wie die „Times" «ns New Bork erfährt, wurde die „Appam" durch einen bewaffneten deutschen Tanrpfer, nicht durch ein Unterseeboot, wie Zuerst gemeldet worden ist, erbeutet. Die Paffagiere berichten darüber, bay, am frühen Morgen des 15. Januar ein unbekanntes Schiff sich ganz nahe an die „Appam" herarrmachte und zwei Schüsse entlang des Bugs abseuerte. Tie „Ltppam" glaubte, es mit einen: Seeräuber zu tun zu haben und gab ihrerseits zwei Schüsse ab, die keine Wirkung hatten. Von beiden Schiffen wurden die Rettungsboote ausgesetzt und eins der Rettungsboote der „Appam" wurde zwischen den beiden Dampfern zertrümmert. Hierauf kletterte eine Abteilung von dem deutschen Schiff an Bord der „Llppam" !und Kapitän Harrison ergab sich, da er einsah, daß weiterer Widerstand vergeblich toar. Sodann kam Leutnant Berg mit einer Prisenbesatzung von 22 Köpfen an Bord und has deutsche Kaperschiff verschwand, nachdem es auf der „Appam" eine große Zahl von Gefangenen zurückgelassen hatte, die von sieben br Mischen Sch i f f e n herrührten. — Die „2lppam" wurde hierauf als Hilfskreuzer benutzt und bemächtigte sich noch zweier englischer Schiffe. Die „Appain" kam in Norfolk unter dem Namen „S. M. S. Appam" an. — Das Schiff befindet sich in ausgezeichneten: Zustande und siihrt eine groge Ladung, darunter eme Menge Kakao. Weiter meldet der Korrespondent der „Times", Leutnant Berg ist ein kleiner schmächtiger Mann mit einem Schnurbärtchen. Heute mittag erzählte er lächelnd von seiner Reise. Das Schiff, dessen Name er nicht nennen wollte, ivar fünf Monate lang Harl an der Arbeit gewesen. Wir warm, sagte er, nur einige Meile:: von: Hafen entfernt, durften aber nicket einlaufen, sondern blieben in der Nachbarschaft und erwartete:: die „Appam". Wir hatten die Hoffnung, sie zu erloischen schon aufgegeben und dachten, das; sie vielleicht von uns gehört hätte und nach einem anderen Hafen gegangen iväre. Die Passagiere haben wir so gut wie möglich behandelt und ihnen alle erdenklichen Annehmlichkeiten verschafft. Wir beauftragten Aerzte. die von einem anderen Schiff heruntergeholt worden waren, für die Verwundeten zu sorgen. Ursprünglich planten wir, nach New Port zu fahren, hörten aber, daß feindliche Schiffe in der Nähe von New Aork ..kreuzten, u:td änderten infolgedessen unseren Kurs auf Norfolk. Wir hatten erwartet, am Sonntag hier einzutreffen, mußten aber vorsichtig sein und eine:: Umweg machen, um das Kap Virginia zu erreichen. Mir sahen keinen englischen .Kreuzer, begegneten aber verschiedene:: Handelsschiffen, die wir hätten nehmen können. Dadurch wäre jedoch unsere Ankunft hier vielleicht in Frage gestellt worden: deshalb ließen wir sie laufen. Unter den Passagieren der „Appam" befinden sich fünf Kinder und 20 Frauen: allen geht es gut. Nachdem :oir die Appam" erbeutet hatten, sichteten wir noch ein anderes Schiff, das aber nicht gut genug war, um nritgenonrmen zu werden. Wir bohrten es deshalb in den Grund, Nur vier Mann von unserer Mannschaft wurden verwundet: keiner von ihnen ernstlich. L-ond-on, 2. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Irr einem Telegramm der „Times" wird aus Norfolk berichtet, daß das deutsche Schiff, welches die „Appam" nahm, der Kreuzer „Möve^ wrrr, der sich als Frachtdampfer ver- imirrtmt hatte und mit Kanonen ausgerüstet lvar. Die „Mdve" soll aus Kiel gekommen und durch die Linie der britischen Flotte in der Nordsee in den Atlantischen Ozean geschlüpft sein. In einem Artikel über die Rechtsfrage der „Appam" schreibt die „Times": Ist sie eine deutsche Prise, oder ist sie ein deutsches Kriegsschiff? Wenn das letztere der Falt ist und der deutscherseits darauf erhobene Anspruch von den Vereinigten Staaten gebilligt wird, wird sie, wenn sie in Norfolk zu bleiben wünscht, ,'interniert werden und am Ende des .Krieges in deutschen Besitz übergehen. Die deutsche Besatzung würde dann interniert werden. Es ist aber nicht wahrscheinlich, daß die Bereinigten Staaten diesen Standpunkt einnehmen werden. Mar: kann auch an nehmen, daß die „Appam" eine deutsche Prise ist. Dann würde das Haager Abkommen Nr. 13 darauf Anwendung finden. Artikel 21 und 22 können als inter- natvanal anerkanntes Recht betrachtet werden. Artikel 23 lvurde weder von England nocy von ocn Jcvcc.il.gren ^.cru- ten aneröannt. Die „Times" gelangt in ihren: Artikel 51t dem Schluß, daß die „Appam" als deutsche Prise betrachtet werden würde. Wenn sie wegen' Seeuntüchtigkeit,. Seenot, Sturm oder Mangel an Heizstoff Norfolk angelaufen hat, lvird sie wieder abreisen müssen, sobald sie mit dem Nötigen versehe:! ist. Wenn sie das nicht tut, tckird die Prisenbesatzung interniert werden und es werden Passagiere und Besatzung des Schiffes freigelassen werden. Wenn das Schiss keine derartige Entschuldigung ansührt, so wird die Prise automatisch den früheren Reedern anheim fallen. Berlin, 3. Febr. Mit staunender Be:Minderung hören wir, so schreibt die „Kreuzzellung", von dem M e i st er streich, den d:e 22 von dem „Büffel", wie sie den Dampfer „Appam" getauft hatten, vollbracht haben. Was hier geleistet wurde, stellt j:ch den kühnsten Taten ans der Zeit unseres Krenzerkrieges, rme dec Fahrt der „Ayejhd" würdig zur'Seite. Mur Töchter Wagemuk, verbunden mll Umsicht und Tatkraft, können e(7 sertigbringcn,'"in einer Zeit, in der England stolz aller Welt verkündet, daß es unumschränkter Herrscher der Meere sei, einen Kreiczerkrieg zu führen, dem im ganzen neun ansehnliche Schiffe zum Opfer gefallen sind. Selbstmord des türkischen Thronfolgers. Konstantinopel, 2. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Der Thronfolger Dussuf Jzzeddin nahm srch wegen einer Krankheit, an welcher er seit längerer Zeit litt, das Leben. Er schnitt sich gestern früh 7 Ühr in seinem Palast die Adern deslrnken Armes auf. Der Thronfolger wird morgen im Grabe Sultan Mahmuds in Äam- bnl bestattet werden. Wien, 2. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Südslaw. Korresp." meldet aus Konstantinopel zu dem Selbstmord des türkischen Thronfolgers Jussuf Jzze- din: Der Thronfolger hat wahrscheinlich in augenblicklicher Geistesverwirrung Hand an sich gelegt und sich durch Oeffnen der Adern getötet. Er litt schob längere Zeit an einer schweren Nerven^errnttung, von der er in dem Sanatorium Edlach am Semmering Heilung suchte, ohne sie jedoch ju finden. Der Zustand Jussuf Jzzedins verschlechterte s:ch bald nach seiner Rückkehr nach Konstantinopel wieder stark. In der letzten Zeit zeigten sich Anzeichen eines schweren Verfalls. Trotz sorgfältiger Pflege gelang es ihm, in einem unbewachten Augenblick Hand an sich zu legen. Jüssuf Azedin hinterläßt eine Tochter und einen Sohn, der für d:e Thronfolge nicht in Betracht kommt. Thronerbe ist der jüngere Bruder des regierenden Sultans, Mahid .Heddin Efsendi, der sechs Jahre jünger als Jussus Jzzedin rst. Wahid Heddin Effendi hat zwei Töchter. Rücktritt des russischen Ministerpräsidenten Goremkyn. Petersburg, 2. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Die Petersburger TelegraphenENtur meldet: Ministerpräsident G 0 r e m y k i n ist auf sein Ersuchen hin in Anbetracht seines geschwächten Gesundheitsz-uslandes jvon seinen Obliegenheiten als Ministerpräsident enthoben und z-um wirklichen Geheimen Rat ernennt worden. Das Mitglied des Reichsrates, Stürmer, ist hum Ministerpräsidenten ernannt. Eine neue Kirchenversassung in Rußland. Petersburg, 2. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Der Heilige Synod hat einen Vorschlag zu eurer neuen Kirchenverfassung ausgearbeitet, der der Reichsduma nach ihrem Zusammentritt vorgelegt werden soll. Tie vorgeschlagene Regelung bricht völlig mit dem bisherigen Zustande. Sre geht von dem Grundsatz voller kirchlicher Selbstverwaltung aus. Alle Kirchengebäude, die mü den Kirchen verbundenen philanthropischen Anstalten usw. werden Eigentum der betreffenden Gemeinden. Der Angriff unserer Luftschiffe auf England. London, 2. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Wie amtlich mitgeteilt wird, war der Luftangriff in der letzten Nacht in großem Maßstabe unternommen, die Angreifer scheinen jedoch durch den dichten Nebel behindert worden zu sein. Nachdem die Zeppeline die Küste überflogen hatten, nahmen sie den Kurs in verschiedenen Richtungen und ließen aus einige Städte und ländliche Bezirke von Derbyflffre, Äeicest-ershire, Lineoln- shire und Staffordshire Bomben fallen. Es wurde einiger Sachschaden ungerichtet: bisher sind 54 getötete und 67 verwundete Personen sestge stellt worden. Ter ZeppeUuangri»» au» das Lagcr von Laloniti. Saloniki, 2. Febr. (WTB. Mchtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Gestern morgen um 3 Uhr hat ein Zeppelin-Luftschiff heftig Saloniki bombardiert. Es warf 20 Brandbomben ab. Zwei griechische Soldaten, fünf Flüchtlinge, sieben Arbeiter und 50 ander« Zivilpersonen wurden verwundet. An militärischen Werken wurde kein Schaden verursacht. Amsterdam, 2. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Ueber den Anarisf eines deutschen Luftschiffes auf Schisse und Depots der Entente in Saloniki veröffentlicht das Peu- tersche Bureau folgende Meldung aus Saloniki: Ein Zeppelin warf hier heute nacht Bomben ab. Militärischer Schaden wurde nicht ungerichtet, dagegen ein griechischer Speicher, in welchem Zucker, Kaffee und Oel lagerte, zerstört. Bern, 2. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Aus Meldungen des „Seoolo" und des „Corriere della Sera" aus Saloniki geht hervor, daß bei dem Zeppelinflug nach Saloniki auch das französische Hauptquartier beschäm d i g t worden ist. Biele Häuser sind einaestürzt, große Depots sowie die Bank von Saloniki sind zerstört. Der Schaden ist außerordentlich groh Die Explosionen waren schrecklich. Im. H äsen wurde auch einenglisches Schiff 0 es ch ädi gtt Eine neue Ministerrede in Italien. Turin, 2. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agew zia Stefan:. Be: der Einweihung des Finanzgebäudes, die im Bei- sein Salandras sowie zahlreicher Parlamentarier und der Spitzen der Behörden stattfand, hielt Finanzminister Daneo eine Propaganda-Ansprache, in der er zunächst den Stand der italienischen Finanzen lobend hervorhob. Tie in weitestgehendem Maße garantierte nationale Anleihe werde den Kriegs Italiens auch im Auslande noch mehr populär machen. Für die- Italiener besitze die Anleihe auch einen politischen Charakter. Ihr Erfolg müsse eine Bestätigung der Einigkeit des ganzen Landes, sein: sie müsse den ehrenvollen Frieden sichern helfen,, den Italien gewiß erlangen werde, wenn die Mitt'l zur Fortsetzung des Kampfes bis zum endgültigen Siege in ausreichendem Maße gesichert sind. Ter Minister schloß mit dem Hinweis, der Krieg sei ein heiliger Krieg; alle Italiener hatten ihn gewollt, um jetzt oder nie die höchsten Ideale des Vaterlandes zu verwirklichen Die Lage in Mesopotamien. L 0 n d 0 n , 2 . Febr. (WTB. Nichtamtl.) Heeresbericht aus Mesopotamien. Die Armee des Generals Aylmer hält eine starke Stellung am Tigris besetzt. Ueberschwemmungen machen ein Vorrücken unmöglich. Die Reise des Obersten House. Paris, 2. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Der amerikanische Oberst House ist heute vormittag aus Berlin hier eingetroffen. Er wurde heute von dem Ministerpräsidenten Briand empfangen, empfing abends Vertreter der Presse und. wird noch mehrere Besprechungen haben. Er wird am Montag nach London abreisen und nach einigen Tagen von dort nach New York zurück kehren. Bei ferner Durchreise durch die Schweiz sprach Oberst House deu amerikanischen Botschafter in Wien, Penfield, konnte dagegen den Botschafter in Rom, Thomas Page, wegen Zeitmangels nichtJeher:. Amerika und die Entente. Berlin, 3. Febr. Nach einer Meldung verschiedener Morgenblätter hatten England und Frankreich den Vorschlag Wilsons zur Regelung des Unterseebootkrieges endgültig ab gelehnt. * * * Die Kämpfe in Ostasrika und Kamerun. London, 1. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterfchen Bureaus. Der Oberbefehlshaber in Ostasrika berichtet: Die Zweiglinie der Uganda-Bahn, die in der Richtung auf die deutsche Grenze geführt wird, hat Serengeti erreicht. Seit der Besetzung von Serengeti und Longcdo durch die Briten hat die Tätigkeit des Feindes merklich nachgelassen. Der Befehlshaber in Kamerun meldet weitere Fortschritte der britische,: und französischen Abteilungen, die in der Verfolgung der Deutschen nach verschiedenen Richtungen auf wenig Widerstand stoßen. Aus Bctte, an der Küste des spanischen Muni gebiet es, wird berichtet, daß über 700 Deutsche sich auf spanischem Gebiet befinden. Viele feindliche Ueberläufer ergeben srch den britischen und französischen Truppen in voller Ausrüstung. (Notiz: Bei den Meldungen über Gefechte an der deutschostafrikanischen Nordostgrenzc kann es sich nach Lage der Oertlich- kciten nur um unbedeutende Vorpostengefechte handeln, wie sie übrigens auch in anderen englisck>en Meldungen selbst als solche bereits gekennzeichnet wurden. Einer: größeren Ort Serengeti gibt es Überhaupt nicht. Das hier gemeinte Sereugeti heißt wasserarrne Steppe. Es liegt zwischen dem Kilimandscharo und der Uganda-Balm und ist nicht zu verwechseln mit dem auf Ziun^t und Wissenschaft. — Erstaufführung von Niebergalls „Tollem Hunde" in D a r m st a d t. Aus D a r m st a d t wird uns geschrieben : Der starke Erfolg, den Niebergalls „Tatterich" erzielte, hat das hiesige Hoftheater veranlaßt, auch desselben Verfassers Erstlingswerk, „Des Burschen Heimkehr oder der tolle Hund" zur Aufführung zu bringen, eine Aufführung, die ebenfalls einen sehr starken Erfvlg daoontcug. Das Lustspiel ist reine? Lokal- und Dlalektftück, und würde als solä>es ohne entsprechende Umarbeitung an anderen Bühnen nur sch:mr und ohne deu auf örtlichen Anspielungen beruhenden Erfolg aufzuführen sein. Eins aber zeichnet das Werk besonders aus: ein sonnige-r, aus dem Leben geschöpfter Hunwr und eine breite Behaglichkeit, wie sie leider dern modernen Leben abhanden gekomme:: ist. Tie sonst so ovrtreffliche Regie K n i s p e l s hatte sich zu einigen Umarbeitungen und Ergänzungen verstehen müssen, die aber durchaus nicht :mnrer Verbessern::gm, sondern Verbölerungen darstellten. Das Lustspiel spielt in der Biedern:eierzeit. Der Jnl-alt handelt von zwei Liebespaaren, die sich nach allerhand lustigen Verwickelungen und nachdem der böse Intrigant entlarot ist, endlich bekomnwn, nachdem sich der Held, ein G.i eßenerStudent, entschlossen hat, die Medizin an den ^^agel zu hängen und wie sein Vater, den sichereren und nahrhaftere:: Metzgerberuf zu ergreifen. Der Metzgermeister Knippelius gab Herr G ö b e l mit schlagendem Humor und in ttefflicl)em Dialekt. Ausgezeichnet, besonders auch im Dialeft waren .Herr E h r l e als Fritz, Frau .Gothe als Bärbel und ganz vortrefflich Fräulein Kümmel als Bienchen. Auch die übrigen Darsteller boten durchweg Vortreffliches. Tie von Herrn Hofkapellmeister Ottenheim er komponierten Eorrplets hielten sich gesckstckt im Ton der Zeit. Ter „hochaktuelle" Inhalt stand z:r>ar nicht immer mit der Gemütsstimmung ganz im Einklang, aber der patriotische Einschlag half darüber leicht hinweg. DaS Haus war voll besetzt und der stürmische Beifall, der oft zu lautem Jubel ttnrrve, läßt eine lange Reihe von Wiederholungen des „Tollen Hundes" erwarten. Gie. Charles de Pomairols f. Ter französische Dichter Charles de Pomairols, der im Alter von 73 J-alwen soebcn: ans seinem Schloß PsKgmös verstorben ist, ist di:rch seine literarischen Erzeugnisse in Deutschland nur :ve:km bekannt geworden; dennoch verdient der Dahing'^angene ivohl unser Jnwvcss^ da er zu denjenigen Vertretern der modernen französische:: Dichtung gehörte, die sü: Teutschlaiü) VerstLn'.mis und Teilnahme besaßen. De::n Charles de Pomairols hatte einen.Teil seiner Jugend i n D e u t s ch- land zu gebracht, iw er die Universitäten besuchte und mit besvnc erem Eifer sich dern Studium der Philosophie widmete. Seine vhiloiophischon Neigung^:: haben seine Entwicklung als Dichter verzög et, denn erst im Jahre 1879, als er bereits dem 40. Lebensjahre sich nähette, ttat Pomorrvls mit einem Bcnüxhen Gedichte an die Oeffentlichkeit. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich gesellte er sich zu einer Gruppe von Dichtern und Denkern, die fast durchweg vom deutscki-en Geiste beffuchtet waren. So hat Gabriel Momid, dm die deutsä>e gcsckstchtliche Methode der französische:: Wrssenschaft vermittelt hat, zu seinm engsten Freunden gehört; ferner zählte der ausgezeichnete Romanist Gaston Paris, Taine und von Dichtern Sullh Priidhomme und Hevedm zu diesem Kreise. Pomairols' dichterisckfes Schaffen blieb verhältnismäßig eng begrenzt. Er hüt etwa ein halbes Dutzend Bersbücher, daneben auch zwei Romane und ein geschätztes-Werk über Lamartine veröffentlicht. Wie seine Beziehunge:: zu Sullv Prirdhomme und Heredia ande::tcn, war ec ein Bekenner der sttengen Form, ein begeisterter Verehrer des , griech:sch-römisck>en Altertums, dem er eine Reihe schöner Ged:chte gewidn:et hat. Einen besonderen Zug in seiner Lyrik bildete sein eigentümliches Naturgefühl. Poma:rols gehörte dem alte:: landfäsftgeu Adel an und hatte daher ein ganz besonderes Gefühl inniger^ Zugehörigkeit zur Erde und zur Landschaft. Er hat eine ganze Reihe von Gedichten geschrieben, die den genteinsamen Titel „Lieder des Besitzes" (?o6sie de la propri6te) führen und worin s:ch der schöne Vers, ein Bekenntnis des Dichters, findet: „Es ist emc arvße Ehre, ein Feld zu besitze::." Er liebte die Natur, liebte die Erde und wußte sem Naturaefühl mit einem ihm eigentümlichen sozialen Empfinden zu durchdrinqen. In der letzten Zeit vor den: Kriege spielte Charles de Pomairols im Pariser Literattrr- leben eine gewisse Rolle. Ec war zum religiösen Glauben seiner Kindhell zurückgekchrt und hatte jene Richtung der Dichtung unter seinen besonderen Schutz genommen, die sich als spiritualistische bezeichnet. Die Aesthetik, auf der er dabei fußte, trug ein stark ethisches Gepräge. Seit dem Msbruche des Krieges war der greise T:chter und Edelmann in Paris' nicht mehr zu sehen; er zog sich auf sein Land, auf sein Schloß zurück, wo er jetzt an den Folgen eines Sturzes verstorben ist. — Französische Kr i ckgsm u si k. Wenn auch die französischen Tonsetzer auf eine kürzlich von einem großen Blatt ausgegangene Umfrage fast durchgängig erllärt haben, die großen Ereignisse der Gegenwart ließen sie nicht zum künstlerischen Schaffen kommen, so l-aben sich neuerdings doch einige neue Schöpfungen an die Oeffentlichkeit gewagt, die dafür sprechen, daß es mit diesen pathetische:: Beteuerungen nicht so gar weit her war. Saint Saens, der den Gedanken, in diesen Tagen auch nur eine Note zu schreiben, mit großer Schärfe zurückivies, hat dennoch einen „Heroischen Sang ans dem- großen Kriege" veröffentlicht, der sich „Die Französin" nennt und ein Lied des gefftvollen Miguell Zamacois vertont. Der Verleger behauptet auf dem Umschläge, die Komposllion sei nichts geringeres, als „die Nationalhymne von morgen"; die 24 Takte der Melodie haben aber keinen Anklang gefunden und die Marseillaise bleibt un- umstrllten. Claude D e b u s s h hat eine „Berceuse Hsroigu^ vollendet, die er Albert von Belgien gewidmet hat; sie ist außer orde::tl:ch melancholisch gehalten und hat, aus einem Blatt von der Große einer Beileidskarte gedruckt, mit dem amtlichen Opti mrsmus der führenden Kreise nichts gemein; in dcn: Schlußakkoroen mngt vre „Bravanoonne" an. aber sie hat nichts Freudiges, nichts Kraftvolles mehr; sie wirkt wie ein Traumbild, das noch einmal m d:e Wirkllchkeit Yineinspielt, um dann endgültig zu zerfließen. Die Panscr Presse hofft denn auch, der Schöpfer von „Pelleas und Melffande" habe in seiner jüngsten Schöpfung über die Lage der belgischen Negierung nur eine ganz persönlick>e und ganz vorläufige Memung abgeben wollen. Günstiger urteilt die Kritik u?er A lfred Bruneau, den Komponisten des „Sturms auf d:e Mühle" und des „Messidor", der kürzlich ein breite? Ton- gcmalde herausgebracht hat, in dessen Mittelpunkt der Kriegsausbruch steht. Zwei Themen stehen sich darin gegenüber, eine beschreibende Phrase, die mit breitem Pinsel eine sonnige, weite Landschaft mit wogenden goldenen Kornfeldern vor den Zuhörer Hinzaubern soll, und ei nhartes, grausames Motiv, das mit Hinzauber:: soll, und ein hartes, grausames Motiv, das mit unheimlichen Halbtönen und brutalen Dissonanzm den mörderischen Krieg schildert. Das erste Thema klingt in einem Vorspiel aus, das noch einmal die zarte, ruhige Schönheit des Friedens malt: der zweite Rhythmus verdrängt es, aber es kehrt wieder, um dem Blutrausch der Menschen den „Sonrmersege::" entgegenzusetzen: es klingt von neuem auf, um von den ausziehenden Truppen Abschied zu nehmen und sie zu entflammen, und es kehrt in: Schlußsatz ins Heroische erhoben wieder, als gelte es, an die himmlischen Mächte einen letzten Appell für das schwer bedrängte Frankreich zu richten. Auch Raynaldo Hahn ist nickt stumm geblieben: ec sendet von der Front ein .Heft mit zwölf Walzern für zwei Flügel, die teils in nächtlicher Arbeit in dem Bureau des Generalstabs, teils in kugelerschütterten Unterständen und in langen Schützengrabennächtm entstanden sind. Ihre Titel — „Dekrete des Schicksals", „Der Tanz der Liebe mit dem Kummer" „Der Tanz des Zweifels mit der Hoffnung", „Durch- duftetcr Halbschlaf", „Sturmabend" usw. — lassen den Charakter der Tonstücke ahnen, die ttotz des galanten Gesamttitels „Das gelöste Bein" mit der leichtbeschwingten Sorglosigkeit des üblichen Ballgeflüsters blutwenig zu tun haben. Im allgemeinen macht also die französische Musik das laute Pathos der Dichtung mcht mit: die empfindungsreichste .Kunstart bleibt in Frankreich pessimistisch, und vielleicht ist das bezeichnender, als alle Berichte, die bisher über die wachsende Ernüchterung unserer republikanischen Feinde bekannt geworden sind. beul)mem einet öjiitiu) i>eä ul D€t üUcijtuiift auj i>en Golf von Speke sich erstreckenden Secengeti. Daß die eng- Itt che Zweigbalm von Voi das erstgenannte Serengetr bei Maltau erreicht hat, ist rckon seit Monaten bekannt. Es macht den Ein druck, als ob der^ neue englische Oberbefehlshaber Smith- - 0 **? 1 L n ’d gehört, seinerzeit von den Engländern gekapert und dann den Italienern überlassen wurde, ist jetzt von einem österreichisch-ungarischen Unterseeboot aufgebracht worden. Das Schiff, das von den Italienern zur Aufnahme von 3 00 serbischen Flüchtlingen nach San Grovanm di Medua abgeschickt tvar, tvnrde dort im Hafen von einem Wasserflugzeug entdeckt, nach der Ausfahrt von einem Unterseeboot gestellt und von einern Torpedobootszerstörer in die Bösche di Cattaro gebracht. Aus Stabi und Land. Gießen, 3. Februar 1916. ** Das heutige Familienblatt mußte infolg! wichtiger amtlicher Bekanntmachungen ausfallen. * " Auszeichnung. Wehrmann Heinrich D e e g von Gießen im Landweyr-Jnfanterie-Regiment Nr. 116 erhielt das Eiserne Kreuz 2. K.asse. ** Kriegerfamilien-Fürsvrge. Unsere Stadt hat feit Ende November bis 31. Januar 6110 Zentner Brenn material und 1222 Zentner Kartoffeln an bedürftige Familien von Kriegsteilnehmern kostenlos verabfolgt. Bon den rund 1800 Familien, die in Gießen Kriegsunterstütznna in Anspruch nehmen, haben etwa % von der gewährten städtischen Hilfe in Brennmaterial und Kartoffeln Gebrauch genracht. ** Kriegskinderspende. Der Alice - Frauenverein, Zweigverein Gießen, hofft, auch den bedürftigen Frauen, deren Kinder vom 1. August 1914 bis 1. Januar 1915 geboren wurden eine kleine Spende aus seinen Dritteln zuwenden zu können. Anmeldungen werden bis zum 9. Februar entgegengenommen. Näheres ist im Anzeigenteile zu ersehen. ** Beschlagnahme und Bestandserhebung von Bekleidungs- und Ausrüstungsstücken. Gleichzeitig mit der neuen Bekanntmachung, betreffend Beschlagnahme und Bestandserhebung von Web- und Wirtwaren (W. M. 1000/11. 15 K. R. A.) tritt am 1. Februar 1916 eine Bekanntmachung, betreffend Beschlagnahme und Bestandserhebung von Bekleidungs- und Ausrüstungsstücken für Heer, Marine und Feldpost (W. M. 1300/12. 15. K. R. A.) in Kraft. Durch diese Bekanntmachung werden eine ganze Reih.' einzeln aufgeführte fertige Gegenstände. die als Bekleidungs- und Ausrüstungsgegenstände für Heer, Marine und Feldpost in Betracht kommen, beschlagnahmt, gleichviel, aus welchen Rohstoffen die dazu verwandten Webwaren hergestellt sind und ohne Rücksicht auf Farbe und Herstellungsart. So sind beschlagnahmt: Uniformröcke, Litewken, Feldblusen, Mäntel, Hosen, Feldmützen, Halsbinden: Kriegsgesang enen- Anzüge: Drillichjacken, Drillichröcke, Drillichhosen: Männerhemden lnickt Oberhemden und Nachthemden), Männerunterhosen: Helmbezüge, Tornister, Militär-Rucksäcke, Brotbeutel, Zeltzubehörbeutel, Packtaschen, Schanz-zeug- und Drahtscheren-Futterale, Feldflaschcn- überzüge; Munittvns- und Wassertragesäcke, Reiterfuttersäckc, Tränkeimer, Protzschlitzsäcke, Zeltsäcke: Zeltbahnen, Zelte, Fuhrparkpläne aus Segeltuch, Sandsäcke. Veränderungen an den beschlagnahmten Gegenständen und Verfügungen über diese ftnd nur mtt ausdrücklicher Zustimmung des Webstvfffneldeamts des Königlich Preuß. Kriegsministeriums, Berlin, zulMig. Ausgenommen von der Beschlagnahme sind: im Gebrauch gewesene oder im Gebrauch befindliche Gegenstände: Gegenstände, welche sich am 1. Februar 1916 im Eigentum von staatlichen oder kommunalen Behörden oder Anstalten, sowie von Vereinigungen für unentgeltliche Liebesgabenbeschaffung, Vereinslazaretten und privaten Krankenhäusern befinden: Gegenstände, fiir welche Lieferungsvertrüge mit einer Stelle des Heeres, der Marine oder der Feldpost bis zum 1. Februar 1916 abgeschlossen sind, wenn auch alle aus die Lieferungen bezüglichen Zwischen- und Unteroerträge bereits bis zum 1. Februar 1916 abgeschlossen waren: Männerhemden und Männerunterhosen, welche nach dem 6. Dezember 1915 aus dem Reichsausland eingeführt sind: Gegenstände, für die bis zum 8. Der. 1915 eme Ausfuhrbewilligung des Reichskanzlers erteilt worden ist. Abgesehen von der Festsetzung von Ausnahmen von der Beschlagnahme sind bestimmte Vorräte einer jeden Person, deren Mengen im einzelnen in der Bekanntmachung aufgeführt find, für den Kleinverkauf frei gegeben. Diese Mengen smd ledoch nur freigegeben, wenn sie unmittelbar an den Verbraucher veräußert werden und der Verkaufspreis den vor dem Inkrafttreten der Bekanntmachung erzielten Preis nicht übersteigt. Das Webstoffmeldeamt des Königlich Preußischen Kriegsministerrums ist ermächtigt, das Eigentum an den beschlag-nalynten Gegenständen gemäß der Bundesratsverordnung über die Sicherstellung von Kriegsbedarf auf von ihm bezeichnet Personen zu übertragen. Eine bei dem Königlich Preußischen Kriegs- nnnisterium gebildete Bewer tu ngs stelle für Webstoffe wird zunächst eine gütliche Einigung über den Uebernahmevreis mit dem Eigentümer der beschlagnahmten Gegenstände zu erzielen versuchen. Soweit eine Einigung nicht zustande kommt, muß die Preisfestsetzung durch das ReicheSchiedsgericht gemäß der erwähnten Bunedratsverordnung erfolgen. Die Bekanntmachung ordnet gleichzeitig eine monatliche Meldepflicht für alle am 1. Februar 1916 vorhandenen Vorräte der beschlagnahmten Gegenstände an. Die erste Meldung hat bis zum 15. Februar 1916, die folgenden Meldungen haben bis zum 8. eines jeden Monats (erstmalig bis zum 8. April 1916) an das Webstosfmeldeamt der Kriegs-Robstoff- Abteilung zu geschehen. Für die Meldungen sind amtliche Meldekarten fiir Bekleidungs- und Ausrüstungsstücke beim Webstoff- meldcamt durch Postkarte anzufordern. Bei der Meldung von Sandsäcken ist gleichzeitig ein Muster zu ühersenden. Außerdem niuß jeder Meldepflichtige ein L a g e r b u ch führen, aus dem wde Aenderung der Vorratsmengen und ihre Verwendung zu ersehen ist. Der Wortlaut der Bekanntmachung, die eine ganze Reibe von Einzelvorschriften enthält, ist am Bürgermeisteramt angeschlagen und in unserem heutigen Blatts einzusehen. ** Web- und Wirkwaren. Am 1. Februar 191fr tritt eine neue Bekanntmachung Beschlagnahme und Bestands- erHebung von Web- und Wirkwaren (W. M. 1000/11. 15. K. R. A.) in Kraft. Diese Bekanntmachung, die anstelle der früheren Bekanntmachungen Nr. W. I. 734/8. 15. K. R. A, W M. 231/9. 15 K. R. A.. W. M. 1097 10. 15. K. R. A. und IV. M. 9p9/11.15. K.R A. tritt, umfaßt alle Web- und Wirkwaren, gleich-- vrel ob ne aus Schafwolle, Mohair, Kamelhaaren, Alpaka, Kaschmir °u sonstigen Tier haaren, Kunstwolle, Baumwolle, Kunstbaum- Bastfasern oder sonstigen Pslanzenfasern, aus Abfällen oder Mischungen der genannten Spinnstoffe allein oder aus einer Zusammensetzung verschiedener Spinnstoffe, bei Sandsack- und Sttohsackgeweben auch unter Mitverwendung von Papier her- gestellt smd insbesondere bettifft die Bekanntmachung: I. Stoffe zur Obuuleldung für Heer, Marine, Beamte und Gefangene, II- Pferdedecken (Woi lache) und Deckenstoffe, III. Männer-Trikotagen, IV. farbige Wäschestoffe und farbige Stoffe für. K^ankenbelleidung, V. farbige Futterstoffe, VI. rohe i und gebleichte Wäsche- und Futterstoffe, Drillichanzugstoffe,! Vll. Segettuche uno Plärr,rojfe. VIII. Sandsackstoffe. Ave vorgenannten Gegenstände werden beschlagnahmt. Die Art der Beschlagnahme und die von ihr betroffenen Mengen sind bei den einzelnen Gegenständen verschieden, wie sich im einzelnen aus euiet der Bekanntmachung beigefügten ausführlichen lieber- Nchtstafel ^ersehen läßt. Tie Beschlagnahme umfaßt auch /e in der Herstellung begriffenen Gegenstände, sobald ihre Hcr- beendet ist, sowie die Gegenstände, welche von einer Äbnahmestelle des Heeres oder der Marine zurückgewiesen werden oder unerlaubt hergestellt sind. Bei der einschneidenden Wirkung vreser Bekanntmachung ist eine ganze Reihe von Ausnahme- b . e ft n 9 e 11 öan ^ er Beschlagnahme aufgestellt. U. a. sind ? l r Gebrauch gewesenen oder im Gebrauch befindlichen Gegenstände: diejenigen Vorräte eines Ägentümers, oie geringer sind als die in der Uebersichtstafel für die einzelnen Klassen festgesetzten Mindestvorräte: alle am 1. Februar 1916 vorhandenen Stoffzuschnitte, alle Gegenstände, für welche Lieferungsverträge mit einer deutschen Heeres- oder Marinebehördc brs zum 1. Februar 1916 abgeschlossen worden sind, 25 Prozent v r a Ü ’ lc ^ 1111 die Beschlagnahme fallenden Stvffmengen, ore fich am 1. Februar 1916 im Besitz von Konsettionsbetrieben oder gemeinnützigen Nähstuben befinden, Gegenstände, die nach 8. Dezember 1915 vom Ausland eingefülwt werden. Tie telchlagnahmteu Gegenstände, die bis auf weiteres getrennt von den beschlagnahmesreien Vorräten zu verwahren sind, unterliegen einer Meldepflicht. Maßgebend für die Meldepflicht ist bei der ersten bis zum 1. März 1916 an das Webstoffmeldeamt der Kriegs-Rohstoff-Abttilung des Königlich Preußischen Kriegs- miNlsteriums einzusendenden Meldung der am Beginn des 1. Fe- vorhandene Bestand. Außer den Meldungen, für die amtliche Meldescheine bei den Vertretungen des Handels (Handelskammern u,mj anzufordern sind, ist von jeder meldepflichtigen Qualität ein Muster dem Webstoffmeldeamt einzusenden. Außerdem hat icbcr Meldepflichtige ein Lagerbuch zu führen, aus dem rede Aenderung in den Vorratsmengen und ihre Verwendung Mchtlich sein muß.^ Das Webswffmeldeamt der Ka:iegs-Rohstoff- übteilung des Königlich Preilßischen Kriegsministeriums i,t er- machtigt worden, das Eigentum an den beschlagnahmten Gegenständen gemäß der Bundesratsvervrdnung über die Sicherstellung von Kriegsbedarf auf die ihm bezcichneten Personen zu übertragen. Durch eine beim Königlich Preußischen Kriegs- chlNisterrum gebildete Bewertungsstelle für Webstosfe wird zunächst grundsätzlich eine gütliche Einigung mit dem Eigentümer der beschlagnahmten Gegenstände angestrebt werden. Soweit diese nicht zustande kommt, muß die Preisfestsetzung durch das Rcichs- schrcdsgericht für Kriegsbedarf gemäß der Bundesratsverordnung über die Sicherstellung von.Kriegsbedarf erfolgen. Die Bekanntmachung enthält eine besonders große^ Anzahl von Einzelbestim- wungen, die für jeden durch sie Betroffenen von Wichtigkeit sind. Ihr Wortlaut kann im Anzeigenteile unseres heutigen Blattes eingesehen werden. ** Von der Feuerwehr. Gestern abend wurde die städtische Feuerwache zweimal alarmiert. 8.49 Uhr wurde die Wache nach dem Melder 321, Ecke Wilhelm- und Ebelstraße, gerufen, traf 8.54 Uhr dort ein und mußte seststellen, daß es sich um eine böswillige Alarmierung Han beite; ein Unfug, der in der jetzigen ernsten Zeit kaum glaub lich erscheint. — Die zweite Meldung lief 10.55 Uhr durch den Melder 234, Ecke Bergstraße—Selfiffenberaer Weg, ein. Bei der Anfahrt an den Melder, 11.02 Uhr, wurde die Wache verständigt, daß in Steins Garten ein kleiner Z i m merbrand ausgebrochen sei. Die Wache löschte mit zwei kleinen Schläuchen, die mittelst Klemme an den Zapfhalin der Wasserleitung angeschlosfen wurden, den Brand und rückte 11.34 Uhr wieder ein. Landkreis Gießen. t Ober-Bessingen. 3. Febr. Mit dem Eisernen Krenz 2. Klasse ansgezeicknict wnrde der Reservist Gnstgv Keil, Sohn des (Gastwirts IohS. KeU II.. im Jnianterieuliegiment 9lr. 116. Er wurde im Anglist 1914 ver vnndet nnd steht nun wieder seil November 1914 im Felde. Im Anglist v. Js. ivnrde er zum Unier° osfizier befördert.. Unso-r Tors yar mit ihm vier Ritter des Eiserneii Kreuzes 2. Klasse und zwei Inhaber der Hessischen Tapserkeits- nrcdaillc. Kreis Wetzlar. ra. Wetzlar, 2 Ftbr. Mit der S t r a ß e n e r in e i t e r i\ w g am Hauscrtor verschwindet wieder ein Stück von Altwetzlar. Tie das früher Aldeseldsche Grundstück umgebende Malier lvird an der Hansertorstraße uingelegt, dazn ,verden die altehrwürdtgen Bäunie gefällt. Das Hauscrtor bleibt jedoch als Mahrzeicheu unversehrt. Hessen-Nassau. Die Frankfurter Modewoche. ---.Frankfurt a. M., 2. Febr. Unter starker Beteiligung wurde heute mittag in der Loge „Sokrates" die Frankfurter- Mode Woche nnd Modeausstellnng durch den Vorsitzenden des Modebundes, Professor Leven- Hanau, eröffnet. Professor Leven wies in seiner Begrüßimg auf die Bedeuttmg der Tagung hin, die einerseits eine erzieherische nnd andererseits eine wittsck>afltiche Aufgabe erfüllen solle. Stadttat Dr. Saran, derben Gruß der Stadt Frankfurt brachte, gab der Hoffnung Ansdruck, daß die Modewvck)e den Anfang zur Unabhängigmachnng der deutschen Mode vom Ansland bilden möge. Für den „Werkbnttd" prach Hofiat Brnckmanm Hierauf wurde die M ode a us- 'tellnng in der Neuen Börse eröffnet. Sie steht unter der Losung „Nach Osten", ein Versuch, die Schnitte und Farben unserer Verbündeten in der Idee deutschem Erfindergeilt und der glücklicherr Hand unserer Modeschöpfer Mithelfer zu sein. Diesen Richtlinien, jedoch unter starker Betonung deutscher Eigenart, ind in ihre,: ausgestellten Modellen mit besonderem Geschick nachgekommen Frau Professor Leven-Hanau, die Geschäfte Albert Frank, Gebr. R o b i n s o h n , Geschwister Wetter Hahn, O d e n h e i m e r, C. Gins, O h n r e r s - M a u k s ch und Theis-Guthmann. Eine sehenswerte historische Schau von Sport- nnd Schneiderlrachten hat die Firma C. I u x e i t ausgestellt. Hervorragenden Geschnrack verrät ferirer die Ausstellung von zahlreichen Hüten. In den vberen Räumen sind Spitzen, Besätze, Stoffe, Stickereien ünd Schuhwerk zu sehen. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Ausstellung kunstgewerblicher Arbeiten, an der sich neben dem kgl. Kunstgewerbenruseum in Berlin fast alle Knn stg e wer beschulen Deutschlands und zahlreiche Vereme ans deutschen Städten beteiligen. Sehr seltene Stickereic.n aus Assyrien, Aegypten und der kleinasiatischen Türkei stellten das DüsseldorferMuseum und die hiesige Firma Reißer aus. vermischtes. Ein schweres Eisn:bahnunglnck in Frankreich. St. Denis, 2. Febr. (WTB. ?iichtamtlich.) Der Schnei z it q von Calais Kt auf dem hiesigen Bahnhof e n t g l e i st. D Zahl der Verunglückten beträgt 10 Tote lind 15 Verletzt Der Schnellzug von Calais, welcher den Bahnhof nm 7 Ul abends passieren sollte, hatte eine Viertelstunde Verspätm und 80 bis 90 Kilonwter Stundengeschivindigkeit, als i jenseits des Bahnhoses an der Brücke entgleiste. Die Lok> nwtive stürzte nach links um, der Tender nnd der Packwagc schoben sich ineinander, der ihnen solgcnde Wagen erster Klas wurde zerdrückt, ein Wagen zweiter und drei Wagen drikter Klas stürzten gleichfalls nach links nm und die drei Schlnßwagen na rechts. Sie bilden einen unentwirrbaren Hansen von Eisenteile Fast augenblicklich singen die Gasbehälter Feuer und binnen kurze, brannten alle Wagen. Die Feuerwehr von St.-Denis kani zner zu Hille, sodann Truppen und Fabrikarbeiter. Die Schwerverletzte wurdei^ nach St.-Dents. die übrigen mit der Eisenbahn nach Par gebracht und die Toten aus dem Bahnhof geborgen. Handel. - Gewerkschaft Gießener Braunstein-Berg- werke vorm. F e r n i e in Gießen. In der gestern zu Frankfurt a. 9)1. abgehaltenen Grubenvorstandssitzung wurde beschlossen, als ALlsbente für das 4. Vierteljahr 1915 Mk. 125,- pro Kux zu zahlen. Die alljährliche Getverkenverfammlung findet voraussichtlich Mitte März d. I. statt. Witteruugsverrcht. (Oeffentlicher Wetterdienst.) Auf der Grenze zwischen einem südlichen Hochdruckgebiet und einem nördlichen Tiefdruckgebiet, doch mehr unter dem Einfluß des ersteren, hgtten wir am Anfang dieser Berichtswoche — 26. Januar bis 1. Februar — zeitweise aufklärendes Wetter mit Temperaturen (Tagesmittel), die nur etwas über 0 Grad lagen. Allmählich gewann jedoch das Tiefdruckgebiet in unserm Bezirk etwas mehr an Ausdehnung, so daß die Bewölkung wieder zu- nahm und die Temperaturen wieder anstiegen. Waren am Anfang der Woche die Temperaturunterschiede von Tag und Nacht recht groß (bis 8 Grad), so glichen sich diese Unterschiede nunmehr bei dem bedeckten Himnrel mehr aus (zeitweise nur 3 Grad). Die Temperaturen hatten wieder eine ungewöhnliche Höhe erreicht: so betrug das Tagesmittel von Donnerstag, den 27. Januar, auf Freitag, den 26. Januar, in Gießen 7 Grad über Null. Doch schon am Donnerstag zog das nördliche Tiefdruckgebiet östlich ab, so daß sich der südwestliche hohe Druck nach Nordosten hin ausdehnen konnte. Schon am Freitag bedeckte dies Hochdruckgebiet czanz Deutschland, ja fast ganz Mitteleuropa. Zunächst l>errschte ledoch noch wolkiges Wetter mit besonders bei Tage verhältnismäßig hohen Temperaturen. Nachdem an: Samstag früh leichte Niederschläge niedergegangen >varea,-llärte sich jedoch der.Himmel zeitweife vollständig auf, so daß die Temperaturen in der Nacht zum Sonntag, den 30 Januar, auf etwas unter Null sanken. Der Druck verstärkte sich in den nächsten Tagen weiter und verlagerte sich allmählich nach Osten. Bei Winden aus östlichen Richtungen sanken daher die Temperaturen weiter; so betrug das Tagesmittel von Montag früh bis Dienstag früh sogar 0,75 Grad unter Null. Dem nach Osten abziehmden hohen Druck folgt vom Westen her eine Depression, unter deren Einfluß die Bewölkung wieder zunimmt und die Temperaturen wieder alb mählich steigen werden . Gießen, den 1. Februar 1916. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Freitag, den 4. Februar 1916 Trüb, zeitweise Niederschläge, iväriner KsrAIid)c Nachrichten« Israelitische Neligionsgemeinde. Gottesdienst in der Zynagoge (Süd-Anlage). S a in s t n g , beit 5. Februar 191b: Vorabend: 5.15 Uhr Morgens: 9.00 Uhr. Predigt. Nachinittags: 3.3) Uhr. S a b b a t a ns ga n g: 6.15 Uhr. Israelitische Religionsgesellschast. ^ Gottesdienst. Sabbatieier am 5. Februar 1916: Freitag abend 5.00 Uhr. Samsmg vormittag 8.30 Uhr. Predigt. Samstag nachmittag 3.30 Uhr. Sabbatansgang 6.15 Uhr. Wochengoltesdienst inorgens 7.00, abends 4.30 Uhr. Letzte Nachrichten. Die Vierverbandsvertreter verlassen Valona. Sofia, 3. Febr. Die Vertreter des Vierverbarc- des verlassen Valona, wo nur der italienisch-e Konsu.^ mit Familie zurückbleibt. Die Gründe des Rücktritts Goremykins. Stockholni, 3. Febr. lieber die Gründe des RückttittS Goremykins wird aus Petersburg genrcldet: Am 29. Januar fand eine beondere M i n i st e r r a t s k o n fe r e n z statt, auf der über die Wiedereröffnung der Duma' beraten, die Dauer und das Programm der Tagung festgesetzt werden sollten. Der größte Teil der Kabinettsmitglieder war für sosorttge Einberufung, ohne von vornherein die Tauer und das Programm der parlamentarischen Arbeiten vorher festzulegen. Mehrere Mitglieder sprachen sich auch für Zusammcirarbeit zwischen Regierung und Duma aus. Die Minister, mit Goremykin an der Spitze, erllärten, derart von der Stärke der jetzigen Regierung überzeugt zu sein, dckß diese selbständig ohne Hilfe der Duma alles erledigen könnte. Falls die Duma durck-aus einberufen nierden müsse, solle sich die Dauer ihrer Beratung aiK die Erledigung des Budgets beschränken. Da die Mehrheit siegte, reiste Goremykin sofort am nächsten Tage zum Zaren ins Hauptguartter, um sein Abschiedsgesuch zu überreichen. Zeppelindebatte in der französischen Kammer. Genf, 3. Febr. Der Zeppelinangriff auf Paris führte in der gestrigen Sitzung der Kammer zu Interpellationen, die laut dem in dem Lyoner „Progrös" veröffentlichten Kammerbericht eine bewegte Aussprache hervorriesen. Der Pariser Deputierte De j e a n te, dessen Wahlbezirk am tneisten unter den Bomben des Zeppelins litt, eröffnete die Besprechung, die der Kriegsminister unter der Begründung ablehirte, daß die geforderten Erllärungen über die Verteidigung von Paris gegen Luftangriffe die Landesverteidigung gefährdeten. Der Deputiette Benoist, dem die Erklärung Gallienis nicht genügte, griff die Leitung des Flugnwsens an, die unfähig sei. Er erllärte, was nützt uns eine Regierung, die nicht da ist, wenn wir Auskünfte von ihr verlangen, und sich durch Ausflüchte den gerechtfertigten Forderungen entzieht. Ter Ministerpräsident, durch diese Erllärung oes Vorrsd- necs sehr aufgebracht, protestierte ^lebhaft gegen die ausgestellte Behauptung, daß “bie Luftschiffahrt unter etitcr großen Krise leide. Die Regierung könne derartige Beschuldigungen unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht dulden. Wenn das Parlament glaube, daß die Regierung ihre Pflicht nur unvollständig erfülle, sei es besser, sie zu wechseln, als durch zweideutige Angriffe ihre Autorität zu untergraben und das Land zu beunruhigen. Wenn der Kriegsminister erklärt, daß er im Interesse der Landesverteidigung keine näheren Auskünfte geben könne, müsse sich die Kammer fügen. Eine Aussprache hierüber sei daher unmöglich. Tie Annahnre des Vorschlages des Generals Pedoya, der Galliens ersuchte, den Zuständen entsprechend morgen die gewünschte Erklärung zu geben, beendet diese Erörterung. Es folgen Anfragen über das Verbot der M i l it ä rZ> e h ö r d e n bezüglich der A l k o h o l v e r a b - reichuna an Soldaten, das in gewissen Kreisen Unzufriedenhat der Bevölkerung Hervorrufe. Die Anfrage gibt dmr Fragesteller Anlaß zu heftigen .Vorwürfen gegen General d ' A m a d e, der die französischen Soldaten auf Galli- poli ohne Zweck geopfett und gegen die Verfasser des Rundschreibens, das für die Soldaten Südfrankreichs beleidigend sei. G a l l i ö n i, der General d'Anlades Verordnung gegen den Alkoholausschank verteidigen will, die durch den zunehmenden Al- koyolgenAß hinter der Front gereckiffertigt sei, wird am Sprechen durch lärmenden Protest gehindert. Der Redner ergreift plötzlich sein Portefeuille und verläßt unter allgemeiner Bestürzung die Rednertribüne. Durch Vivianr unter lebl^rftem Beifall der Kammer zurückgefützrt, erklärt Gallieni tief bewegt, er verstehe nicht, wanim man ihn am Sprechen hindere. Er verspreche, den Umständen gemäß Aenderungen zu treffen. Ein ehrender Nachruf Tescha- nels für den verstorbenen Abgeordneten Jules Telafoffe beschließ» die erregte Sitzung. Unruhen in Lissabon ' i. Köln, 3. Febr. Laut ,Föln. Ztg." meldet Havas aus Madrid: Von aus Lissabon kommenden Reisenden wird berichtet, der I u st iz m i n i st er sei mit R e v o l v e. r s ch ü s s e n angegriffen nwrden und habe sich ebenfalls mit dem Revolver verteidigt. Im Palast sei ein Brand auSgcbrochen. Bomben explodierten in verschiebeiren Stadtteilen. Polizellichc Nachforschungen! führten zur Entdeckung von Waffen, Bomben mid Ti^pamät. 17 Soldaten wurden bei den letzttn U twrhen verletz! Donnerstag frisch vom Seeplatz eintreffend: Pa. gesunde Zmebcln cingetrssfen soweit Vorrat .... Pfund 18 Pf. Feinst. a>a»^M"-Psd..Dos.M.1.8°1 deutsch."tuslslilsui i.Ausschn., Pfd. Mk. l.'tN Vorzügliche Suvven- und , Gcmüie-Nudcln .... Pfund *^"Pf. Eierware.Pfund 85 Pf. Yassia-Liernudeln Vs Pfd.'Paket 50 Psg., '/. Pfd.-Paket M. 1.00 Ltallgeu-Makkarsni 52 m. ausländische Grtestware . . Pfd. 62 Pf. Mischobst, schön sortiert Pfd. 64 u. 75 Pf. Pfirsiche.Pfd. 80 Pf. Kranzseigen.Pfd. 60 Pf. Pflaumen.Pfd. 65 u. 70 Pf. groftstückig.Pfd. 78 u. 85 Pf. Ningäpsel.Pfd. 88 Pf. Aprikosen .... Pfd. 136 u. 150 Pf. S. <& F. - Kornkaffee Pfund 38 Pf. 84< Für den Jeldpostversand empfehlenswert: Extrafeine Marmeladen (Iohannisbcer, Himbeer) . Dose 75 Pf. Dreifrucht-Marmelade . . Dose 70 Pf. LndwiggtraB* 20 Todes-Anzeige. 4 Gestern abend entschlief sanft nach kurzem, aber schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Yater, Schwiegervater und Grossvater Herrjohannes Mähler Weichensteller i. P. im Alter von 63 Jahren. Klein-Linden, Launsbach, 2. Februar 1916. In tiefer Trauer: Gerfrude Mähler, geh. Schmidt Familie Müller Familie Winter Familie Schüler Wilhelm Mähler. Di© Beerdigung findet Freitag, den 4. Februar, nachmittags um 2 Uhr vom Sterbehause, Frankfurter Strasse 73, aus statt. 07463 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Anteilnahme bei dem Heimgange unseres innigstgeliebien, unvergeßlichen Kindes Erna / sowie für die zahlreichen Kranz- und Blumeu- spenden sagen wir allen auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Besonderen Dank Herrn Dekan Guftmann für seine trostreichen Worte, sowie den Herren Lehrern und Mitschülern unserer lieben Entschlafenen. Im Namen der tieflrauerud Hinterbliebenen: Heinrich Schadcck VII. Lollar, den 31. Januar 1916. 1842 Rriegrlinderspeilde Wir hoffen, auch den bedürfiigen Frauen, deren Kinder vom 1. August 1014 bis 1. Januar 1015 geboren wurden, eine kleine Spende aus nuferen Mitteln zuwenden zu können. — Anmeldungen unter Vorlage des Geburtsscheine"' worden bis zum 0. Februar jeden Montag, Mittwoch und Freitag von 11—12'/« Uhr im Geschäftszimmer — Alte Klinik — entgegengenomnren. |81S Der Alice-Zrauenverein, Zweigverein Gießen Frau B. Gebhardt. iflEtCCfdjtllC und Pensionat. Beginn des S o m m er - S e m c st e r s für alle Kurse (Schneidern, Weiftzeugnähen, Handarbeiten, Bügel,l). sonne für die Koch- und HauSlialtnngSichule nur I !. März, für das HandarbeitS- und das HanS- rvirtichaftS-Seminar am 26. April. Anmeldungen für erftere bis 11. bezw. 4. März, für die Semitlare bis 1. Marz. 362 V Prospekte nuentgeltlich vom Vorstand. GIESSENER KONZERT-VEREIN Ti rr n m n 11 u i. i n • i m m i Ui i w m 11 j , n ■' i. i m 11. n 11111 m m m. m i,: i ii 1111 > m m i'ir. w m r;; Sonntag, den 6. Febrnar 1916, abends 5'/ 2 Clir, in der neuen An!a Kammermusik-Abend des aus Stuttgart Professor Carl Wendling, Hans Michaelis Philip Neeter, Alfred Saal. Streichquartette: Schubert, A-moll, op. 29 «— Smetana, E-moll (Aus meinem Leben) — Mozart, D-dur (Königs-Quartett). |728D Der Deberschnss kommt Kriegswohifahrtszwecken zugute! Eintrittskarten: 3 - p . lat ? - - M.I.—. 4.PlatzM.0.50.sämtl.numeriert, Studentenkarten 75 Pfg., Militär vom Feldwebel abwärts 30 Pfg. sind in der Musikalienhandlung von Ernst Challier, Tel. 671, und abends an der Kasse zu haben. Bekanntmachung. Der vom Gemeinderat durchbcratene Boranschlag der Gemeinde Nonnenroth für 1916 Rj liegt vom 7. Februar d. I. ab eine Woche lang aus unserem Bureau zur Einsicht der Beteiligten offen. Einwendungen können innerhalb dieser Frist schriftlich oder zu Protokoll bei dem Unterzeichneten vorgebracht werden. Es werden Umlagen erhoben, zu denen auch die Ausmärker beizutragen haben. Nonnenroth, den 2. Februar 1916. Großh. Bürgermeisterei Nonnenroth. Hoppe. AnffordermZg. Als gerichtlich bestellter Bormund der Hermann Möckcl Eheleute zu Gießen ersuche ich alle, die eine Forderung an die genannten Eheleute haben, ihnen etwas schulden oder eine ihnen gehörige Sache in Besitz haben, mir hierüber spätestens bis zum 1. März d. Fs. schriftlich Mitteilung machen zu wollen. Später eingehende Forderungen können nichtbcrücksichtigtwerden. Gießen, den 1. Februar 1916. 849 Gustav Hamann, Architekt. Bergstraße II. Die Lieferung von 70 bis 80 Stück un- oxydierten, autogengeschlveifiten «.emaillierten Slahlblech-Waschteffeln soll vergeben werden. Maße werden auf Wunsch mitgeteilt. Angebote sind bis zum 20. Februar ds. Js. die Unterzeichnete Bürgermeisterei abzugeben. Weitershain, den 1. Februar 1916. 82l Großherzogliche Bürgermeisterei Weitershain. _ ' I. V. Pfafs. _ — Schon auf etwa 16 Lose 1 Gewinn! — Ziehung II. u. 12. Febr. f@!6. 6012 Geldgewinne ML S2QQC1CI 1. Hanptgewinn ML 8« 2 Hauptgewinne ML mwm 109 Gewinne ML 14000 900 Gewinne ML 11000 5000 Gewinne ML WWO Originallose 3 Mk. 5 Lose 14 M., IO Lowe 2S M. Pofto and Liste 30 Pfg. 2a beziehen dardt alle Verkaufsstellen und Generalvertricb J.Schweickert, Stuttgart Marktstraße 6. «KW« Wilhelm M «L P* strafte 7 z. Allcinbewohnen eingerichtet, zu vermieten. 78 Näheres Wilbelmstr. 5. 5 Zimmer ^cyoue, neu hergerichtete 5-Zimmcrwoknung, Part., ver 1. Mai, evtl. 1. April zu vermieten. Bleichste. 28 l.. Ecke Ludwigstrafte. _39 SchöneManiardenwoling. (5 Zimmer) per 1. April zu vermieten, Naher. Stephan- strafte 17, Parterre. !180 S17J Sch. 5-Zim.-Wobnu«a in fr. Artete, Gas, elektrisch. Licht. Bleichvlatz, Ganen- anieil und allem Zubehör -um 1. April 1916 zu vernieten. Ebelstrafte 3. 523] 5-Z.-W., Part., z. 1.4.16 ;» verm. 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