8r.,r Zweites Blatt Erscheint mit Aufnahme de; Sonntags. Die ^Sietzener Zamttienblätler" werden dem .Anzeiger^ viernral wöchentlich beigelegt, das „llrelrklatt für den Kreis Eichen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit. sr«gen" erscheinen monatlich zweimal. ibb. Jahrgang -Anzeiger für Gberhesjen Freitag. 2 \. Januar M Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universiläts - Buch- und Steindruckerei. R. Lang e, Gießen« Schriitleitung,Geschäftsstelle u.Druckerei: Schul- stratze 7. Geschäftsstelle w Verla g:^E»1, Schriftleitung: ^E112. Adresse für Drahtnachrichten.' Anzeiger Gießen. ZttediteMchtmmg nach dem Arieg Eine überaus wichtige und heikle Frage ist es, wie demnächst den schweren wirtschaftlichen Schäden begegnet werden kann, von denen die am Kriege teilnehmenden Gewerbetreibenden zum Teil schon letzt betroffen sind und in Zukunft werden betroffen werden. ^ 5 M August v. Js. sind zu dieser Frage durch den Reichstag dre berden nachstehenden Resolutionen angenommen worden: verbündeten Regierungen zu ersuchen, den schweren Schädigungen entgegenzuwirken, von denen die selbständigen Gewerbetreibenden infolge Einberufung zuip Heere oder sonstiger Wirkungen des Krieges betroffen sind, insbesondere rechtzeitig Fürsorge zu treffen, daß diesen Gewerbetreibenden nach Beendigung des Kriegs unter leichten, ihrer besonderen Lage angepaßten Bedingungen billiger Kredit eröffnet wird. 2- ??! e verbündeten Regierungen zu ersuche?., zu erwägen, in welcher Weise den Kriegsteilnehmern die Abtragung ihrer während .des Kriegs angewachsenen und gestundeten Schulden erleichtert wrrd. In der Debatte über diese Resolutionen wurde zutreffend darauf hingewieseu, in welche bedenkliche Lage die durch den Krieg am Erwerb behinderten Kleingewerbetreibenden, aber auch der gewerbliche und kaufmännische Mittelstand, geraten müssen, wenn man diesen Leuten nicht nach dem ^riedensschluß in tatkräftiger Weise durch Verschaffung billigen Kredits, vielleicht auch durch Hingabe von zinslosen Darlehen auf kurze Zeit zu Hilfe komme, um ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Erwerbstätigleit neu zu beginnen. Die iür unser Wirtschaftsleben auch im allgemeinen sicherlich recht bedeutungsvolle Frage hat auch bereits zu Erörterungen in der Presse und in fachmännischen Blättern geführt und wird wohl auch in Zukunft die Oeffentlichkeit noch weiter beschäftigen. Es ist deshalb wohl nicht uninteressant, auch zu hören, wie man in juristischen Kreisen über die Angelegenheit denkt, und nvöge darum hier einiges davon mitgeteilt werden, was Amtsrichter Dittrich in München in der Deutschen Nichterz eitu ng darüber ausführt. 1. Person enkreise. Bor allem sind nach diesen Aus- führuirgen die durch beide Resolutionen an gestrebten Hilfsmaßnahmen nich 1 auf Kriegsteilnehmer zu beschränken. Sie sollen sich auch nicht als Sondevöcrgünstigung einzelner Berufsgruppen darstellen, sondern allen Staatsbürgern:, die ihrer bedürftig und würdig sind, zum Nutzen gereichen. Zwar werde zweifellos der gewerbliche und kaufmännische Mittelstand Die oroste Mehrzahl der von der beabsichtigten Hilfe erfaßten Personen bilden, euch wenn sich die Fürsorge ans alle Berufsstände erstrecken sollte, dies dürfe jedoch kein Mund sein, andere begrifflich nicht mehr zu jenen Ständen gehörigen, trotzdem aber ebenso hilfsbedürftigen Betriebe anszuschliesten. Wenn auch die Zahl der: durch, den Krieg geschädigten. größeren Unternehmer verhältnismäßig gering sein werde, so sei doch zu bedenken, daß jeder Zusammenbruch wieder mittelbare Schädigungen anderer Erwerbs kreise herbeiführen und eine große Zahl von Angestellten und Arbeiten: brotlos machen werde. Llber auch, der Beamte, der Gelehrte, der Landwirt könne:: durch den Krieg Schäden erleiden bezw. erlitten haben, die wieder geheilt werden müßten, ohne Hilfe der angeregten Art aber nicht geheilt werden könnten. , Allerdings sei eine solche Hilfe gegenüber den Kriegsteilnehmern eine sittliche Pflicht des Staates, die Mideven Bernfskreisen gegenüber wohl nicht besteht. Dennoch sei die Hilfeleistung auch» in Ansehung der Nicht-Kriegsteilnehmer geboten, weil mrdernfalls viele Ktregsteilnehmer ihre Anstenstände nicht wieder einbringen können. Mancher Kriegsteilnehmer aber, dem dnvch den Eingang seiner ansstehenden Forderungen geholfen märe, wiirde -andernfalls genötigt sein, die für ihn eines bitteren Beigeschmackes nicht entbehrende Kredit mlft in Anspruch zu nehmen. 2. Krediterleichterung. Die Krediterleichterung soll nach dem Sinn der ersten Resolution imd der Debatte hierüber in erster Linie die Gewährung von Betriebskapital zum Gegenstände haben, ohne welches ein Durchhalte:: in den metisten Geschäftszweigen nicht möglich sei. Das Kapital muß nicht immer in Geld bestehen, auch Forderungen, Grundstücke, Warm nsw. können als Betriebskapital in Betracht kommen und treten tatsächlich in sehr zahlreichen Fällen in dieser Form in Erschchnnng. Auch ursprünglich gut fundierte Betriebe werden durch den Krieg und seine nüttelbaren Folgen, Betriebsausfälle oder gar Betriebsstillstand genötigt sein, ihre Kapitalien ganz oder dock» zum großen Teil anfzuzehren und die Gewährung billigen Kredits in Anspruch, zu nehmen. Soweit dabei staatlicher Kredit in Frage kommt. wircker allerdings wohl -ausschließlich in Geld gewährt werden können. Wer soll nun den billigen .Kredit gewähren? In der Reichstagsdebatte über diese Frage ist in erster Linie auf die gerperb- l i ch e n K r e d i t g e n o s s e n s ch a f t L n verwiesen worden. Man hat dabei an zwei Formen der Ltreditgewährung gedacht. Zunächst hat man vor geschlagen, — und zwar geht dieser Vorschlag von dem Handwerks- und Gewerbekammertag aus — das Reich oder UZrnßL und — Kapitulieren und Kapitulation. DieWaffen- streckung Montenegros hat die -erste Kapitulation in dem gegenwärtigen Weltkriege gebracht. Die Wörter Kapitulation und kapp tulieren, von denen jetzt überall die Rede ist, so schreibt uns ein Mitarbeiter, haben .eine bestimmte und engbegrenzte militärische :md völkerrechtliche Bedeuttmg. Einst wurde bei uns namentlich in der SHulsprache vielfach das Fremdwort „rekapitulieren" gebraucht; es ist erfreulicherweise schon längst durch das gut deut,che Wort „wiederholen" ersetzt werden. Stellt n:an aber die Worte „kapitulieren" und ,,rekapitulieren" nebeneinander, so sieht man, daß sie ganz verschredenen Bedeutungsgebieten angehören, obwohl sie selbstverständlich auf denselben Ursprimg, das lateinische Wort caput (Kopf) und dessen Verkleinernngssvrn: capiürlnm' (Köpfchen) zurückgehen. Wer einmal Gelegenheit gehabt hat, leine alttatein ische Handschrift einzusehen, dem ist es ausgefallen, daß darin jeder neue Abschnitt in ganz entgegengesetzter Weise kenntlich gemacht wird, wie wir es heute tim. Wir rücken beim Schreiben oder beim Drucken die vtfte Zeile eines neuen Abschnittes ein, so daß diese Zeile kürzer ist als die übrigen, in den altlateinischen Handschriften aber ragt Umgekehrt die erste Zeile am Anfang über die übrigen Zeilen hinaus, so daß sie also länger ist. Von dem Herausragen der ersten Zeile, die gleichsam ihren Kopf oder^ ihr Köpfchen (caput oder capitulum) hervorstreckt, bekamen auch die einzelnen Abschnitte ihren Namen, und so kommt es, daß wir heute von Kapiteln sprechen ... Da ein Vertrag aus mehreren Abschnitten oder 'Kapiteln besteht, wurden im lateinischen die Worte eapitulare und rapitulatw Verwiegern) und dann ausschließlich zur Bezeichnung eines Vertrages angewandt. Im Mittelalter wurde das lateinische Wort capitulatio als Kunstausdruck für einen völkerrechtlichen Vcr- ckrag gebraucht; diese Bedeutung hat sich bis in unsere Zeit hinein erhallen in den Kapitulationen, die z. B. die europäischen Staaten mll der Türkei abgeschlossen hatten, sowie bei der militärischen Kapitulation, die den im Kriege abgeschlossenen Vertrag über die ilebergabe eines ganzen Landes, seiner Armee oder aber eines feiten Platzes, eines Truppenteiles oder eines Schiffes an den Kriegsgegner bezeichnet. Hinsichtlich der militärischen Kapitulation lestehen in_ jedem Lande genau festgelegte Bestimmungen. So edroht beispielsweise der 8 63 des deutschen Militärgcsetzbuches mit der Todesstrafe den Kommandanten eines festen Platzes oder eines Schiffes der Marine, der zur llebergabe schreitet, ohne zur die Bundesstaaten sollen den Kreditgenossenschaften Geldmittel 5uv Verfügung stellen, die von diesen an die Schwachen und Be- dursttgen als Darlehn zu verteilen sein würden. Nach Ansicht ^lltrichs wäre diese Act der Kredtgewährunig nur halbe Arbeit und konnte tatsächlich nur den „Schwachen und Bedürftigen" und „den ganz Kleinen", sicherlich aber nicht auch Nichtkriegsteilnehmern zugute kommen. Was aber die Kreditgewährung an Kriegsteilnehmer anlange, so dürfe diese, wenn nun doch einmal Staatsgelder zur Verfügung gesteckt werden sollen, nicht den Charakter ^uer -ßotstandsaktton tragen, vielmehr müsse ihnen im Falle der Vedürstigkeit ein gesetzliches Anrecht auf eine Entschädi- gung emgeränmt werden, die nur dann zurückzuzahlen sei, wenn dies später ohne Beschwerden geschehen könne. Aber auch der andere, von dem Abgeordneten Dr. Böttger ge- machle Vorschlag, die gewerblichen Kreditgenossenschasten unter Mitbeteiligung des Reiches, der Bundesstaaten und der Gemeinden am Risiko zur Beschaffung erleichterten Kredits heranzuziehen, sei wohl in einem engeren Nahmen durchführbar. Wenn man ledocy die beabsichtigte Hilfe allen Berufsständen zukommen lassen wolle, würden wohl auch auf diesem zweiten Weg mancherlei Schwierigkeiten austauchen. Einmal würden die Kreditg-enossen- sch-a.lleu nur dem Kreise ihrer Mitglieder, nicht aber auch anderen Kreditbedürftigen dienen können. Auch sei es zweifelhaft, ob die Kreditgenossenschaften, wenn nicht Staat und Gemeinden auch veden der Teilnahme an dem Risiko auch Gelder zur Verfügung stellten, in der Lage sein würden, aus ihren Einlagebeständen das Kreditbedürfnis völlig zu befriedigen, da nach, dem Kriege wohl ein Anwachsen der Einlagen kaum zu erwarten sein dürfte und die Genossenschaften neben der beabsichtigten Hilfe auch noch ihre gewöhnlichen lausenden Kreditaufgaben zu erfülle:: hätten. Zum mindesten aber dürfte es ihnen schwer fällen, billigen Kredit zu geben. Der allgemeine Zinsfuß werde nach dem Kriege eher eine Neigung zum Steigen als zum Fallen haben. Tie 5 prvzentige Kriegsanleihe in einer Gesamthöhe von 25 Milliarden sei in allen Bevölkerunbsschichten untergebracht, es ft: deshalb nicht an- zunchmen, daß sich in absehbarer Zeit Leute finde:: würde::, die größere verfügbare Gelder bei den Kreditgenossenschaften- zu 4 oder zu 4Vs v. H. anlegen. Die Letzteren müßten deshalb auch beim Weiterleihen einen höheren Zinsfuß verlangen. Ueberdies werde voraussichtlich auch nach dem Krieg ein großer Geldbedarf zu anderen wichtigen Zwecken wie z. B. die Sanierung der Kriegsschäden in und außer Land, insbesondere in den tvirtschaftlich und politisch angegliederten neuen Gebieten eintreten, so daß es nicht empfehlenswert fei, dem Markte allzuviel Geld zu entziehen, was zu diese:: Aufgaben notwendig sei. Es wird dann als besserer Weg zur Krediterleichterung der Ausbau der K r i e g s d a r le h n s k a s s e n empfohlen. Diese würden ihre Darlehen mit Darlehnskasftnscheincm finanzieren, infolgedessen dem Markt kein Geld entziehen, ohne jedoch behindert zu sein, Zahlungsmittel in beliebiger Menge auf den Markt zu werfen; sie seien auch in der Lage, billigen Kredit zu gewähren, weil sie die Mittel zu ihren Darlehen nicht erst von dritter Seite aiffzunehmen und zu verzinsen brauchten. Der Ausbau der Dar- lehnskcrssen werden derartig gedacht, die Darlehen auch auf l ä n ß erc Zeit mit einer angemessenen Tilgungsfrist zu gewähren, bei der die vermutliche Lebensdauer des Tarlehns- nchmers zu berücksichtigen sei. Die Darlchnskassen müßten mit Ledensversicherungsgcsellschaften in Verbindung treten und den Darlehnsnehmern die Möglichkeit geben, unter /Umstande:: sogar die Verpflichtung auferlegen. eine söge::. Tilgungsversiche- rnng äbzuschließen, wie sie z. B. von der ostpreußischcn Landschaft und anderen öffentlichen Körperschaften für den Immobiliarkredit in vorbildlicher Weise ein geführt sei. Als Sicherheit niüßten mit geringen Ausnahmen Vermögenswerte jeder Art z u g e l a s s e n werden. Auch sei die Möglichkeit zu schaffen, daß Sachinbegriffe z. B. Warenlager in der Weise übereignet oder verpfändet werden könnten, daß Verkäufe zulässig seien, Neuanschaffungen aber ohne weiteres dem Recht der Darlehnskassen unterliegen. Für die Oeffentlichkeit eines solchen Rechtsverhältnisses und für die Durchführung der Vereinbarungen müßten besondere Anordnungen erlassen iverden. Auch gute Bürgschaften seien unter Umständen zuzulassen. In beschränktem Umfang solle auch anerkannt tüchtigen und zuverlässigen Geschäftsleuten reiner Personalkredit gewährt werden können, falls eine Tilgungsversichernng abgeschlossen wird. Für die den D a r leh n s k a ssen erwachsenden Ausfälle sollen das Reich, die b e t r. Bundesstaaten und die Gen:einden die handverbindliche Bürgschaft übernehm en und zwar derart, daß sic im Verhältnis zueinander zu gleichen Teilen hafte::; Reich und Bundesstaat sollen, damit ihre Interessen ausreichend gewahrt sind, im Vorstand jeder Darlehns kesse geeignete Vertretung erhalten, während die Gemeinden vor Gewährmag eines Darlehns gehört werden und wenn sie widersprechen, aus der Bürgenhaftung aus scheiden sollen. In den e r st e n Jahren sollen auch kleinere Beträge an Kriegsteilnehmer unter Umständen ganz zinslos dar- Vermeidung der Kapitulation alles getan zu haben, was die Pflicht von ihm erfordert, int besonderen ohne sämtliche Mittel zur Verteidigung erschöpft zu haben. Zur Zeit der deutschen Söldnerheere führte auch der Vertrag, den ein Obrist mit den: Landesherrn über die Errichtung eines Regiments abschloß, den Namen Kapitulation, ebenso der Vertrag, durch de:: sich der einzelne Soldat zirm Dienste in seinem Truppenteil verpflichtete. Dementsprechend heißt heute noch der Vertrag, durch den ein militärdienstfähiger Mann die Verpftichtung übernimmt, über die Zeit der aktiven Dienstpflicht hinaus im Dienste des deutschen .Heeres oder der Marine zu bleiben, wogegen ihim bestinrnlle Einkünfte und Vorteile zugesichert werden, Kapitulation. Diejenigen Soldaten, die eine solche Verpflichtung eingehen, führen den Namen Kapitulanten. = Frankfurt a. M., 20. Jan. Im städtischen Völler- museum wurde -eine Mcrrmorbüste des Begründers und jetzigen Leiters des Instituts, Hofrats Prof Dr. Hagen, enthüllt. Die Büste wurde von den wissenschaftlichen Vereine:: und Freunden Hägens diesem-zu seinem 60. Geburtstage gespendet; ihr Verfertiger ist Bildhauer Ko r schon = Frankfurt a. M., 20. Jan. Ter durch seine reizvollen Kinderlieber und lyrischen Dichtungen in ganz Deutschland bekannte und verehrte Rektor -a. D. Georg L >a n g feiert am 1. Februar seinen 80. Geb u r ts t a g. Zu Ehren des greisen, jedoch noch ununterbrochen dichterisch tätigen Geburtstagskindes veranstalten die hiesigen literarischen Vereine am Vorabend des Geburtstages eine schlichte Feier. Georg Lang wurde^ am 1. Februar 1836 in Friedberg geboren, seit 1878 wirkte er als Rektor an der Dreikönigsschule. — V o m Humor im Recht. Eine Anzahl sehr hübscher und origineller Beispiele für die Bestätigung des Humors im Recht brachte Privatdozent Dr. H. Leeumun in einem kürzlich zu Zürich gehaltenen Vortrag bei. Eine Hauptausdrucksform des Humors in: Recht erblickt er in der Rechtsübertreibung. Alte Dorfrechte sagen z. B. von einem Besitzer, um sein unbegrenztes Versügungs- recht zu bezeichnen, er könne mit seinem Gute aniaugen, was er wolle, es geben, wen: er wolle, oder es einen: Hund an den Schwanz binden. Nach der Öffnung von Brülten empfängt der Abt von Einsiedel von seinen Hubern als Zins Schweine von bestimmter Güte, ^ hat aber nichts zur Auswahl zu sagen. Sie beschauen und schätzen sie, der Abt hat das Schwein anzunehmen: „es syg klein oder groß, feiß oder mager, wenn es nur ein Schwein I geliehen werden, int übrigen soll der Zinsfuß nicht bei allen Darlehen gleich sein, sondern sich auch nach der Größe des Risikos richten, das die Kasse durch das Geschäft übernimmt. Als Vorsichtsmaßregel fei allerdings zu fordern, daß der Dahrlehnssucher der T-arlchnskasft seine Verhältnisse vollständig klarlege und auf Verlange:: sie vor Gericht durch Eid offenbare. Ter Ausbau der Kriegsdarlehnslassen in diesem Sinne wäre aber auch nach Ansicht des Verfassers der eingangs erwähnten Ausführungen das beste Mittel zur Beseitigung der wild wuchernden sog. S : cher uv g s ü b e r e i g n n n e n und ähnlich gewagter Geschäfte, die jetzt sehr oft an tue Grenze des rechtlich und sittlich Erlaubten stteifen, auf dem angedeuteten Wege aber in ordnungsmäßige gesetzliche Bahnen geleitet werden könnten. Es würden überdies aber aüch durch eine solche Regelung der Kreditgewährung noch- einige gleichfalls sehr wünschenswerte Nebenwirkungen erzielt werden. Vor allem würde sie ein gutes Vorbeugungsmittcl gegeu Bewucherung der Erwerbsstände durch unlautere Geldgeber bilden. Zum andern würbe sie das vielerörterte Problem der Beschaffung zweiter Hypotheken seiner Lösung ganz^ von selbst zuführen. Auch eine durchgreifende Ref-vrm der ungesund ausgearteten Mzahlungs- ünd Kommissionsgeschäfte würde durch sie ermöglicht werden. T-ie oft aus irrigen Voraussetzungen beruhende ungesunde Kreditgewährung würde einge- b-ämmt werden, wenn erst einmal Sichenr-ngsÜbereignungen im Privatverkehr verboten, die Möglichkeit des Eigentumsvorbehalts eingeschränkt und die Verhältnisse des Kreditnehmens offenkundig gemach-t sein würden. Schließlich würden auch die oft sinnlosen Zwangsvollstreckrmgen mit nachfolgender Jnterventton dritter Personen ganz von selbst die nöttg-e Einschränkung finden. Lloyd George als Lobredner Deutschlands. „Laßt uns gerecht sein. Deutsche Kaufleute haben den Ruß so aufrecht und gerade zu sein wie Kaufleute irgendwie in der Welt- Ich will nicht ein einziges Wort sagen, um das deutsche Volk zu verunglimpfen. Sie sind ein großes Volk, sie haben große Fähigkeiten an Kopf, an Hand, an Herz!" Diese Worte, die offtv Deutschlands Lob verkünde::, stammen nicht etwa von einem deutsch- fteundlichen Neutrale::. Sie wurden von einer der ersten politischen Persönlichkeiten Großbritanniens, dem gegenwärtigen Munitionsminister Lloyd George ausgesprochen in einer wirtschaftlich-politischen Versammlung am 19. September 1914. Bedeirt- samer kann kein Lob sein, als wenn es — gewiß nur widerwillig und unter dem äußersten Drucke vernünftiger Erkenntnis — Mls dem Mu:we des Gegners kommt. Lloyd George ist englischer Patriot, er ist ein Feind Deutschlands, wie nur irgendein Brite; aber als Mann, der seine i: Geist nicht — wie fast alle anderst Politiker unserer Gegner — völlig der Wahrheit und den Tatsachen verschließen kann, suchte er in den Reden, die er seit Kriegsausbruch in großer^ Zahl vor den breitesten Volkskreisen hielt, seinen Landsleuten immer die wahre Art ihres deutschen Gegners vor Angen zu führen. Er tat dies gewiß nur aus der zwingenden Notlvendigkeit, seine Hörer auszurütteln und zu größeren Opfern anzuspornen. Doch das für uns in Betracht kommende Ergebnis besteht in der Tatsache, daß einer der ersten Minister Englands die von allen Seiten angegriffenen Vorzüge des deutschen Staates und des deutschen Volkes bestätigen mußte. So klingt durch alle Kriegsreden Lloyd George's, die in der bei Gwrg Müller heraus- gegebencn Samnllung „Das gewappnete Deutschland" von Rudolf Friedmann verdeittscht veröffentlicht werden, die Bewrmderung für Deutschland durch, die als Fejndeslob das höchste Lob ist, das uns gegenwärtig gezollt werden kann. „Wir lachen über Dinge in Deutschland," sagt der englische Minister in einer Arbeiter- Versammlung, „die uns erschrecken sollten. Wir sagen: Seht, wie sft ihr Brot, backen, von Kartoffeln, haha! Nun, dieser Kartoffelbvotgeist ist etwas, das mehr zu fürchten als zu belachen ist. Das ist der Geist, mit welchem ein Land einer großen Nvt begegnen soll, und a::statt darüber zu lachen, sollten wir ihm^ nacheifern." Diese Anerkennung der deutschen 5l'raft hängt gaturge- mäß mit einer Feststellung der englischen Schwäche zusammen: „Laßt uns ganz offen sein: wir waren für diesen Krieg die am schlechtesten organisierte Nation in der Welt!" „Die Situation," muß der englische Minister am 5. Juni 1915 seinen Landleuten zurnfen, „ist ernst, sehr ernst, wie sie dieses Land noch nie erlebt hat. Sie müssen die Ueberzeugung erlangt haben, daß dieses Land mit dem furchtbarsten Feinde zu tun hat, mit dem es je M-eg geführt hat. Was Deutschland zu einem furchtbaren Feinde macht, ist nicht Mur seine Kriegsbereitschaft, nicht nur seine Organisation, sondern der Geist jeder Klasse und Gruppe seiner Bevölkerung ist es." Auch um die technischen Leistungen des englischen Volkes zu charakterisieren und die Masse in diesem Punkte anzufeuer::, mußte Lloyd George seine Zuflucht zu dem großen Beispiel Deutschlands nehmen: „Dnitschland hat ein Uebergewicht an Material erreicht. Es mobilisierte seine ganze Jirdustrie nach Kviegsbeginn. Tie Ueö erlegen heit der Deutschen machte sich am meisten in ihren ist, vier Beine, einen Mund und einen Schwanz har". Als humorvolle Rechlsübertreibung ist auch folgende Gerichtsordnung auf- znfaffen: „Es soll der Richter auf seiuem Richterstuhl sitzen, wie ein griesgrimmiger Löwe. den rechten Fuß über den linken schlagen und, wenn er ans der Sache nicht recht könne urteilen, fotte er dieselbe 1S3n:al überlegen". Scherzhafte Bestimmungen finden sich über die Schnelligkeit; so soll der zum Beisprnch oder zur Losung Berechtigte schleunigst sein Recht wahren, sobald er die erste Kunde erhält; „so einer eine Hose angetan und die andere nit, so soll er die. so noch nit angetan, an d:e Hand nehmen und die Losung tun". Eine zweite Quelle des Humors im Recht ist das Schein- recht. Hierhin gehört die Scheinbuße, die man zu bezahlen hotte, wenn mm: rechtlose Leute, wie Leibeigne, Gaukler, Spiellente, gedungene Kämpfer und Fechter, liederliche Frauenziinmer oder Bastarde verletzte. Solchen schrieb man eine Buße zu. die in Wahrheit keine ist, z. B. der Verletzte erhielt ein Fuder Heu, das ein halbjähriger Ochse ziehen kann. Oder der Täter soll vor einer von der Sonne beschienenen Wand stehen und der Verletzte soll dem Schatten an der Wand den Kopf abschlagen dürfen. Aus sehr drollige Welle wurde nach der Öffnung von Tägerwylen im Kanton Thurgau 1447 die Gerichlsgrenze zwischen Tägerwylen und Gottlieben sestgestellt: „Es soll ein Hahn quer ans die Brücken gestellt und ihn: das nach der Seite der Tägerwyler Mark schaueirde Auge ansgeslochen werde::. So weit er nun sieht, reicht die Gottlieber 6)erichtsbarkeit." Inhaltlich humoristisch sind auch manche Maßbestnnnnlngen. Da heißt es, die Hausfrau soll ans die Dachfirst stehen, mit der linken Hand eine Sichel fasten und sie unter dem rechten Beine forlwerfen: so weit sie wirft, so weit dürfen ihre Hühner in die R!ark gehen. Es ist klar, daß hiermit nur aus hnnwristische Weise ausgedrückt war, daß die Hühner sich in unmittelbarer Nähe des Hauses auszuhalten haben. Zahlreich sind die Beisviele humoristischer Strafen. Wer einen Grenzstein aus- pflügt oder versetzt, soll selbst an dessen Stelle eingegraben und dann soll ihm der Kops abgepflügt werden. Oder er soll mit dem Kovse nach unten eingegraben und der Markstein zwischen seine Beine gesetzt werden, „daß man sech, daß ein gutes Gernerk sei." Oder: wer einen Baum köpft, der wird wiederun: geköpft und sein Kopf zun: Ersatz ans den Baum gesetzt, bis diesem ein neuer Kopf wächst. Bekannt ist ja auch die Strafe des RncklingSreitens ans dem Eftl, den Schwanz in der Hand. schweren Geschützen, in ihren Sprenggranaten, in ihren Gewehren limb in ihren Maschinengeweh-ren bemerkbar. Die Deutschen haben ohne Zweifel, wie keine andere Macht, den Charakter des Krieges vorausgefehen. Sie wußten, daß er ein Schützengrubenkrieg werden würde, und sie hatten eine genügende Menge der dazu nötigen Maschinen vorgesehen. Die Deutschen waren vollkommen ausgerüstet, um die tiefsten Gräben mit schweren Geschützen und Spreuggranaten zu zerstören und ihre eigenen Gräben mit Maschinengewehren zu verteidigen. Das ist die Geschichte des zehn Monate langen Kriegs. Warum' haben die Deutschen nicht mehr Verluste erlitten, als sie sie in Rußland erlitten haben? Warum? Weil die deutschen Arbeiter sie mit schweren Geschützen, Granaten, Sprenggeschossen versahen, die die russischen Gräben vollkommen zu Staub zerstampften. Tcr Krieg hat sich zu einem Streit zwischen der Technik Deutschlands und Oesterreichs auf der einen Seite und der Technik Englands und Frankreick-s aus der anderen Seite entwickelt. Unser Land leistet nicht sein Bestes, nicht sein Aeußer- steZ! . . i Int felüc crwancn unsere Ungehörigen ücn regelmäßigen clngang üc5 licimak- blallcx. Um eine Unkcriircchnng in lier ZuskcUung M vcrmctlicn, woilc man ücn fclüposl Vc2ug ac; 6icßencr?inrcigcr5 sllr Monar f cvr. Mion jetzt erneuern rille tzostamler nehmen llic öcskciiung cnlgcgcn. Vcr monattiche vemg bc> iriigr Mk. i.ir cinschUcßiich ücr Uim slhiagwcbuhr. riußcrücm vermittelt Me öcslciiungcn wie bisher auch citc öeschästssiciie ücs öieAcner Ämctgcrs Au§ dem Reiche. Ueber die neue „Deutsche ® Äußert sich in der „Post" der freikonservative Abgeordnete Frhr. v. Zedlitz wie folgt: Schließlich mag noch erwähnt werden, daß in diesem Abschnitt der Session die Reichs- Partei'mit den kleineren Gruppen der Rechten sich zu einer neuen Fraktion, der „Deutschen Fraktion", zusammen c^es chlossen hat. Es geschah dies, um den Mitgliedern dieser sämtlichen Gruppen, welche etwa den dreizehntem Teil der Gesamtzahl der Abgeordneten ausmachen, die Möglichkeit zu bieten, an den Ausschnßberatungen mitzn- wirden. Dies war um so notwendiger, als durch den Aus- schluß dieser Mitglieder des Reichstages von den Ausschüssen die Mehrheitsverhältnisse in diesen sich wesentlich anders, und zwar zu ungutsten der Rechten, gestalteten als in den Vollsitzunben. Das trat besonders deutlich bei der Beteiligung des wirtschaftlichen Beirats bei dem Reichsamt des Innern in Erscheinung. Von diesen wurden die kleineren Gruppen nicht nur von vornherein ausgeschlossen, sondern auch eine Anregung der Reichsregiernng, durch Vermehrung der Zahl der Mitglieder nach den: Beispiel der Verstärkung des Reichshaus'haltsausschusses eine Vertretung der kleineren Gruppen zu ermöglichen, stieß auf Ablehnung wenigstens eines großen Teils der größeren Reichs- tagssrattionen. Diesen Mißständen ist durch die Bildung der neuen Fraktion ein Ende bereitet worden. Das ist angesichts der Tatsache, daß die neue Fraktion sich wesentlich aus Gruppen der rechten Seite des Reichstags zusammensetzt, auch vorteilhaft vom konservativeil Standpunkte ans. Die agrarische „Deutsche Tageszeitung" schreibt zu der Gründung: „Wre wir gestern berichteten, ist eine neue Fraktion gebildet worden und zwar aus der bisherigen Freikonservativen Partei, ans der Wirtschaftlichen Vereinigung, aus den Deutsch-Hannoveranern, den Bayerischen Banern- bündlern und einigen Mitgliedern, die keiner Fraktion angehörten. Das neue Parteigebilde hat den Namen „Deutsche Fraktion" angenommen. Bei der Verschiedenheit der Anschauungen der Mitglieder in einzelnen politischen Fragen mag es schwer geworden sein, einen zusammenfassenden Namen zu finden. Man wird also an der Farblosigkeit der Bezeichnung keinen Anstoß nehmen können. Ob es in Zukunft immer und dauernd möglich sein werde, ein einheitliches Vorgehen der neuen Fraktion zu sichern, wird abzuwarten sein. Jedenfalls walten in ihr erhebliche Meinungsverschiedenheiten und in manchen Fragen vielleicht sogar Gegensätze ob, deren Ueberbrückung nicht leicht sein dürfte. Vielleicht ist es nicht zu kühn, die Hoffnung zu hegen, daß über kurz oder lang in irgendwelcher Form der Neubildung ein wenn auch loser Zusammenschluß der gesamten Rechten folgen werde." Eine Kundgebung in der bayrischen Kammer. München, 20. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) In der heutigen Sitzung der Kammer der Abgeordneten kani es zu einer Kundgebung für das verbündete Oesterreich-Ungarn. Präsident Dr. v. Oe r t er e r erinnerte daran, daß sich die Erfolge der ruhmreichen Armeen immer mehr erweitern und der Waffenruhm sich von Woche zu Woche erhöht. Als erste Frucht des siegreichen Ringens ist vor einigen Tagen dys Friedensangebot Montenegros eingegan« gen. Es ist ein erster bedeutsamer Schritt in der großen mU Wicklung der Dinge, die wir, so Gott will, in diesem Jahre zu einckn glücklichen Abschluß gelangen sehen. Im ganzen Deutschen Reiche und den verbündeten Staaten wird über das Ereignis lebhafte Freude herrschen, das der tapferen Österreich Uch-ungarischen Armee zu danken ist. (Lebhaftes Bravo!) Wir verbinden damit die Hoffnung, daß dem ersten Schritt in absehbarer Zeit weitere folgen, vielleicht auch der eine oder andere unserer nachbarlichen Vettern. Unserer ruhmreichen Armee und der ruhmgekrönten österreichisch-ungarischen Armee zollen wir Dankbarkeit und Bewunderung. (Lebhaftes Bravo!) Verkehrsförderung. Leipzig, 20. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Hier fanden vorgestern und gestern vertrauliche Besprechungen statt, t>ie sich mit der Möglichkeit der gemeinsamen Vorarbeit auf dem Gebiete der B er k ehr s f ö r d e r u n g, Ausgestaltung und Verbesserung des Eisenbahn- und Grenzverkehrs, Auf- cnLhall.es usw. beschäftigten. An den eingehenden Beratungen unter dem Vorsitz des Präsidenten des Bundes Deutscher Verkehrs vereine Gvntard-Leipzig nahmen Vertreter ver- kehrsförderndcr Körperschaften Deutschlands und Oesterreich-Ungarns teil. Ferner waren anwesend Vertreter der Cisenbahummisterien der verbündeten Länder. Die Verhandlungen führten zu einer Einigung über die Richtlinien, die als Grundlage für das allseitig als notwendig erachtete Zusammenarbeiten dienen sollen. Das Ergebnis wurde an einen Ausschuß, bestehend aus Vertretern der drei verbündeten Länder, überwiesen, die vorbereitenden Arbeiten dem Bund Deutscher Verkehrsvereine Leipzig übertragen. Aus Stadt und Land. Gießen, 21. Januar 1916. Belgien. Auf Veranlassung des Kaufmännischen Vereins und des Orts- gewcrbevereins hielt gestern abend Schriftsteller Tr. Herwarth von Bittenseld, Wiesbaden, einen Vortrag über Belgiens Geschuhte bis zur Gegenwart. Der Redner legte in großen Zügen nut reichem Wissen die Geschichte dieses merkwürdigen Staats- gebildes dar, dessen Name seit Casars Zeiten bis zur Erschaffung des selbständigen Königreiches im Jahre 1830 nur ein geographi- wwr Begriff war, so daß sich Leopold I. bei seiner Thron- boilelgung ins Gesicht sagen lassen mußte: Sire, es gibt keine „Belgier", es gibt nur Vlamen und Wallonen! Vom Anfang seiner Geschichte war Belgien der Schauplatz europäischer Kämpfe. Das erste Auftreten der Belgier war gleichbedeutend mit ihrer Unterjochung rmter die römische Herrschaft. Hiernach kam es unter die Herrschaft der Franken, die ihm nach dem Zeugnis ihres Geschichtsschreibers Cvn s e i c n c.e , den der Redner viellach heranzog, sein bleibendes Gepräge aufdrückten. Belgiens Bedeutung stieg noch unter dem Geschlechte der Karolinger, so daß es unter Karl dem Großen gleichsam den Mittelpunkt des deutschen Weltreiches bildete. Mit der Teilung dieses Weltreiches erwuchs für Belgien ein Zustand, der einen inneren Zwiespalt in sich barg und der Grund svgrd für Kämpfe, Aufstände und Greueltaten eines halben Jahrhunderts. In den Streitigkeiten der deutschen und französischen Herren wucherte der Feudalismus stark empor. Das Lehnswesen war der Anlaß zu immerwährenden Kämpfen und diese geirrannen neuen Grund, als die erstarkten Städte sich gegen die Fürsten wandten, die sich zu dieser Zeit Frankreich zu nähern begannen. Unter dem Zeichen des flandrischen Löwens zog das deutsche Volk, der Vlamen, gegen Frankreich und die eigenen abtrünnigen Fürsten, besiegte die Liliaerts unb gewann unter dem Ruse: Vlandern den Leeuw! Wat Walsch is. vaksch is! Slaet al doov! die Schlacht der güldenen Sporen (1302). in der 20 000 Franzoseil getötet wurden und 700 vergoldete Rittersporen das Schsachtield bedeckten. Dennoch hörten die Kämpfe gegen die eigenen Fürsten nicht auf und führten schließlich zum Kampfe aller gegen^ alle, wobei die bestialischsten Greueltaten verübt wurden. Der Redner glaubt . die Erinnerung an diese Zeit habe sich zweifellos noch heute dumpf im belgischen Volke erhalten. Es betrachte daher wohl derartige Schandtaten als etwas Notwendiges und beinahe Selbstverständliches beim Ausbruch von Feindseligkeiten. Eine harte Zeit erlebte Belgien unter Karl dem .Kühnen von Burgund, der durch Erbrecht in seinen Besitz gelangt war und mit eiserner Faust Ordnung schaffen wollte. Erst seit seiner Vereinigung mit dem Hanse Habsburg, die über 300 Jahre lang bestehen blieb, konnte das geprüfte Land wieder aufattnen und sich zu einer ungeahnten Blüte entwickeln. Nach dem Tode Maria Theresias verscherzte sich Belgien selbst sein Glück, indem es sich den gutgemeinten Reformen Josefs II. widersetzte und nach einem Aufstande 1790 die Unabhängigkeit Belgiens als vereinigte belgische Staaten Proklamierte. Vier Jahre später unterlag es der französischen Republik, unter deren Herrschaft es fast vollständig verwüstet wurde, um erst im Wiener Kongreß mit Holland zu einem willkürlichen Staatengevilde verschmolzen zu werden. Dieser Zu- 'tand dauerte wiederum nur 15 Jahre und ließ denn endlich 1830 nach einem neuerlichen Aufstande in Brüssel jenes Königreich Belgien 'entstehen, dessen Neutralität nur ein leeres Wort lvar. Aus der Vergangenheit des Landes, dessen Volk immer den Franzosen als schlimmsten Feind empfand, zog der Redner vor- ichtige Schlüsse auf seine Zukunft und ließ in manchem Wortspiel msere heimlicl-en Wünsche erraten. Reiches Bildmaterial unterstützte den Vortrag, der dem Redner dankbaren Beifall eintrug. * ** Verein für Bevölkerungspolitik. Die Grün- dungsversammlnng dieses Vereines findet morgen, Sainstag, in Frankfurt statt. Wir werden über diese Versammlung ausführlicher berichten. ** Entwendet wurde in der Nacht zum 20. Jammr in stesiger Stadt ein Stallhase (deutscher Riesenscheck) im Werte von 10 Mk. — Am 21. Dez. 1915 erschien in einem hiesigen Geschäft ein 11—12 Jahre alter Schüler mit 10 Mk. und wollte ein Luftgewehr kaufen. Ta dem Verkäufer die Sache nicht rein schien, wies er den jungen mit dem Bemerken ab, zuerst eine schriftliche Genehmigung seines Vaters beiz u bringen. woraus er sich unter Zurücklassung des Geldes entfernte und bis heute nicht wieder zurückgekehrt ist, ein Beweis, daß das Geld offenbar von einem Diebstahl herrührt. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die hiesige Kriminalpolizei entgegen. ** Pferdever st eigerungen. Montag, den 24. und evtl. Dienstag, den 25. Januar, von vormittags 10 Uhr ab, kommen auf dem städtischen Schlachthofe in Darmstadt 100 Stück B e u t e f o I> i e n französischen Typs, im Alter von 2—3 Jahren, zur Versteigerung. An den Versteigerungen können nur hessische Landwirte teil nehmen. Landkreis Gießen. □ Watzenborn ^Steinberg, 21. Jan. Reservist Moritz Katz, Sohn des Ferdinand Katz in Watzenborn, der am I I. August 1915 bei Przemysl schwer verwundet wurde und am 21. August feinen Wunden erlag, wurde dieser Tage nachträglich durch Verleihung der Hessischen Tapfe rkeits Medaille ausgezeichnet. CI La na-Göns. 21. Jan. Der hiesige Ziegenzuchtverein hielt seine diesjährige Hauptversannnlung in der Gastwirtschaft von Will), Ebel ab. Die Abrechnung ergab einen schölten Uoberfchuß. Kreis Büdingen. ho. Nidda, 21. Jan. Dem leitenben Arzte des Vereinslazaretts Nidda, Sanitätsrat Dr. N. Koch, wurde am 1. Januar 1916 die Rote-Kreuz-Medaitle 3. Klasse verliehen. Kreis Laulerbach. Ll. E n g e l r o d, 20. Jan. Trotz der fortwährenden Auf, klärungen der Landbevölkerung über den Umtausch von G o l d - m ü uzen und die daraufhin durch Schulkinder wiederholt veranstaltete Einsainmlnng des Goldes können sich immer noch viele Leute nicht entschließen, sich von ihrem Goldschätze zu trennen. So wurde,» auch in vergangener Woche in unserer Geineinde wieder 930 Mk. in Gold durch die Schulkinder eingebracht, denen darauf hin ein schulfreier Tag versprochen wurde. Kreis Yriedberg. chst Rendel, 21. Jan. Das Eiserne Kreuz erhielt der Reservist H o o s. G R e i ch e l s h e i m , 21. Jan. Die Hessische Tapferkeit S m e b a i 11 e erhielt der Unteroffizier H o r a ck. Starkenburg und Rheinhessen. ö Mainz. 21. Jan. Bor einigen Tagen kgm in das Bankhaus von Kronenberger aus der Großen Bleiche ein gut gekleidetes Mädchen rmd wollte ein Frankfurter Wertpapier m Höhe von 2000 Mark verkaufen. Als sie die bedenklichen Gelichter der Angestellten gesehen, ließ sie das Wertpapier im Such und verließ eiligst .das Bankhaus. Das Wertpapier war im August v. Is einem Franffw-tcr Rentner gestohlen worden. Hessen-Nassau. 0 Marburg, 21. Jan. Wie nt der letzten Stadt- v e r o r d n e t e tt i i 13 n n g niitgeteilt wurde, sind bei der städtischen Sparkasse ans die drei Kriegsanleihen insgesamt 3 745 900 Mark gezeichnet morde.a. Es wurde beschlossen, von den Vergütungen der Reichsbank im Betrage von 13110,6s Pik. je ein Drittel der Kriegsfürsorge, de.m Fonds für Kriegsbeschädigte und für besondere Zwecke vorzubehalOen. Der Akademischen Lesehalle, die durch den Krieg eine Minderer'n nähme von 3000 Alk. hat, wurde eine Bechilfe von 1000 Alk. beivit-Ngt. Wm. 91 e u st « ö ,fc , 21. Jan. Bei dem gestrigen ersten Holz- verkaufe ans dem Einschläge von Brennholz in den städtischen Waldungen wurden Preise erzielt, wie sie in den städtischen Verkaufsprotokollen bisher nicht gu verzeichnen sind. Es kostete» durch- schni.'llich 4 Ratunmeter Buchenscheikholz 46 - 48.50 Mk.. 4 Raummeter Buchenknüppel 4c. —45,50 Mk.; 4 Raummeter Eicheuscheit 28-31 Mk., 4 Raummet er Eichenkiiüppel 27—29 ML.-; 4 Raummeter Nadelknüvvel 18.50—21,50 Mk.; 20 Raummeter Buchenrech 30-35 Mk. und -0 Raum nteter Eichenreis 10-12 Mark. Wm. 9t eil ft et bt, Jan. Immer mehr macht sich her Mangel an Schlachtvieh fühlbar; es ist deit Atetzgern kan:n noch möglich, ihren Bedarf ( sy. decken. Die Viehprerfe find infolge- dessen auch int stätidigen Steinen. Ter TurchschnUtspreis fi'ir den Zentner Lebeitdge,vicht, Mittelstvare. beträgt 67 Mk. Infolgedessen sind auch die Fleischpreise seit d ieser Woche auf 1,20 Mk. das Pfund gestiegen. -- F r a n k s u r t a. M., 20. Jan. Die Kansmannslehrlinge Karl Müller und Wilhelm .fp ahn, die nach Unterschlagurtg von 6000 Mark flüchtig tzegang^m waren, wurden in Stralsund verhaftet. = Limburg, 21. Jan. Fj'pr bewiesene besondere Tapferkeit wurde der hier wohnhafte Arbeiter Fritz Barth mit dem Ei ferne n K r c u z r r st e r K l a s s e ausneickmet und zum Unteryffizier befördert. Barth liegt gegenwärtig ivi einem Lazarett zu Kreuznach. , _, y n — I M i . -» 1 . [ I I " I >- - verniUchter. * Ein Momentbild von inr Flucht König Peters. Der folgende Ausschinitt von der Flpcht König Peters über die albanischen Berge findet sich im „Petit Parisien": „Äe kleine Kvlo-nne blieb ermüdet stehen, und langsam schritt ein Mann an ^ Reihe der Leute entlang. Er ging mühsam, blieb von Zeit zu Zeit stehen und murmelte Worte, die niemand verstand. Jeder der Begleitmannschaft richtete sich bei seinem Vorüberkommen auf, um dann gleich wieder in die gebückte Haltung zurückzusiilken. Schließlich kam der alte Mann ganz nach vorn: es war Peter, der König von Serbien. Er trug seine serbische Generals-Uniform, eine mit verblaßten goldepen Schnüren geschmückte Mütze, einen breiten braungrauen K'ragenmantel. Ueber seine Stiefel hatte er grobe Bauernstrümpfe ans schwarz- und rotgewürfelter Wolle gezogen, nm auf dem kalten schilüpfrigen Boden nicht yusz.ngleiteii. Er stützte sich schwer auf einen kurzen Stock. Hinter ihm schritten sein Adjutant nüd ein Diener. Er sprach mit mir, dem einzigen Pressevertreter, der in dieser rauhen verlassenen Gegend anwesend war: „Man sagte uns, wartet mxfy acht Tage. Und wir' kämpften weiter und warteten auf die versprochene Hilfe. Dann sagte man uns: harret noch vierzehrr Tage ans: dann: noch drei Wochen. Und das Ende war, daß niemand erschien, daß keinerlei .Hülfe kam. Schließlich konnten wir nicht mehr. Und doch sind meiu^ Soldaten besser, als die Soldaten ,die kommen sollten . . Lcurgsam ging er weiter. Und bald setzte er sich wieder auf ein Felsstück, indem er seufzte: „Ne mogon viche .... ne mogon viche (ich kann nicht mehr) . . Und wieder erhob er sich. Nach weiteven. drei Stunden aber hatte, er keing Kraft mehr. Man mußte ein Pferd herbeischaffen, und drei Männer hoben ihn in den Sattel . . * D i e ü b e r l i st e t e n I a p s. In Jena — wenigstens erzählt man sich das Geschlchtchen dort so — besuchten, so schreibt uns ein Mitarbeiter, zwei höhere Vertreter der japanischen Negierung, natürlich vor Kriegsausbruch, die weltbekannten Zeiß- werke. Für alles hatten die Herren lebhaftes Jnteresie, sie ließen sich jede Kleinigkeit zeigen, aber das Betrachten allein schien ihnen iiicht zti genügen, da sie, wie ein 9lit^estellter der Werke bemerkte, unter ihrer Kleidung photographische Apparate verborgen trugen und alles besonders Beachtenswerte verstohlert atlsnahmen. Der Mattn machte von feiner Wahrnehmung einem höheren Geschäftsleiter Mitteilung, und der übernahm daratifhtii die Führung der Freindlmge utid zeigte ihnen beinahe alles noch gettauer, als es sein Vorgäitger getatt. Endlich war die ganze Fabrjk durchschritten uiid inan war vor einer Tür, die schoit dttrch ihre Aufschrift verriet, daß sie den Raum für die Durchleuchtung mit Röiitgen- st r a h l e n verschloß, aitgelangt. Hier nun tvollten die Japaner ltatürlich unter taufend liebenswürdigen Worten des Dankes, da sie genügeiid gesehen und die Besichtigung all des vielen Hoch» iiiteressaiiteit sie ermüdet habe, sich von ihrem Begleiter verabschieden. Aber der ließ nicht locker und nötigte so schön unb blumenreich, wie es eigetitlich nur in der Heimat der Besucher üblich ist, zinn Eintritt in den verschlosseiten Raum. Und da nun die scholi an und für sich schier unwiderstehliche Einladung durch das wohl zufällige Erscheinen mehrerer ansgesucht kräftiger Angestellter der Werke gewissermaßen unterstützt wttrde, blieb den Beiden itichts übrig, als ihr Folge zu leisten. Jii der Kammer nun fetzte der Führer, natürlich mir, nm besser erklären zu können, alle Röntgennvvarate in Tätigkeit, richtete die Strahlen auf sich und seine Begleiter, verdarb dadurch deven photographische Platten, da Röntgenstrahlen diese Wirkung haben, vollständig und entließ dann lächelnd, aber äußerst liebenswürdig die bitter enttäuschte»! Besucher. * W i e m a n k ö n i g l i ch e i n e S ch u l d b e z a h l t. Als nach der Schlacht bei Groß-Görfchen am 13. Mat 1813 ein Feldgottesdienst abgehalten wurde, hatte der Kronprinz von Preußen, der spätere König Friedrich Wilhelm IV., kein Gesangbuch bei sich und entlieh sich eins vorn Unteroffizier Teltow vom I. Garde- Regiment, vergaß es aber abzugeben. Als er 36 Jahre später, am Jahrestage der Schlacht, das Jnvalidenhaus besuchte und sich alle diejenigen vorführett ließ, welche jene Schlacht mitgentacht hatten, erinnerte er sich sofort bei Nennung des Namens Teltoiv jenes Vorganges und fragte den Invaliden, ob er der Darleiher des Gesangbuches gewesen u»id ob er es wieder zurückerhalten habe. Während der greise Krieger das erste bestätigte, mußte er die zweite Frage verneinen, und ein paar Tage später erhielt er vorn König ein neues Gesangbuch, worin ein Hunderttalerschein lag. Auf bem Vorsatzblatt aber befanden sich die vom König geschriebenen Worte: „Dem Unteroffizier Teltoiv als Ersatz für dessen Gesangbuch, das er mir beim Gottesdienst, den 13. Mai 1813, zivischen Wursche» und Hochkirch in der Oberlausitz geliehen und nicht zurückeihallen hat. Sanssouci, 22. Juni 1849. Friedrich Wilhelm." Meteoro!ogische Beobachtungen der Station Gietzen. Jcm. 1916 • S v v4-> L l'lf P Bit u S-- t -2: 3 S 5 SS £ s il ‘3« & « « if tc !£” 1 s sin coxi Wetter 20. 2? s _ 8,2 6,9 85 __ 7 Sonnenschein 20, 9" — 5,4 5,7 85 — -« 9 Bew. Himmel 21. ^*6 3,5 5,0 85 4 » u Höchste Teniperatur am 19. bis 20. Jan. 1916 = + 8,8“ 6. Niedrigste „ „ 19. „ 20. „ 1916 == 4* 4,3° 6. Niederschlag: 7,7 mm*