Nr» 25 Erscheint täglich mit Ausnahme de? Sonntags. Die ..««etzcner Zamlltendlätter" werden dem »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kiclsblatt für den Kreis Eichen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zetl- fragcn" erscheinen monatlich zweimal. L6G. Jahrgang Mittwoch, 2K. Januar 1916 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Schristleitung,Geschäftsstelle u.Truckerei: Schulstraße 7. Geschästsstelleu.Verlag:S-^51,Schriftleitung: ^^112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Mb. Deutscher Reichstag. 32. Sitzung, 18. Januar 1916. Am Vundesratstisch: Neichsschatzsckrctär Dr. H e l f f e r i ch. Vräsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung uin 10% Uhr. Das Haus erledigt zunächst die Petitionen, die der Ausschuß für die Petitionen für ungeeignet zur Erörterung im Plenum erachtet hat und kommt dann zur Beratung des Antrags zur Vcclagrrng des MichsiWs bis zum 16. März 1916. Abg. Scheidemanu (Soz.): In den 14 Tagen bis zum 1. April ist es ganz unmöglich, einen neuen Etat, der mit neuen Steuern belastet leirt soll, zu beraten. Gegen die Vertagung erheben wir keinen Einspruch, aber ich mache darauf aufmerksam, damit man uns später nicht einen Vorwurf machen kann, daß die Beratung nicht so sein wird,, wie es den Interessen den Volkes entspricht. Ncicbsschatzsekretär Dr. Hclfferich: ES soll auch in Friedenszeiten vorgekommen sein, daß der Etat am 1. April noch nicht durchbcraten war. Ich gebe zu, daß die Zeit für eine rechtzeitige Fertigstellung nicht sehr groß ist. Eine eigentliche Veranschlagung wird ja auch nicht erfolgen, sondern der Etat soll nur die verfassungsmäßige Grundlage für d i e W i r t s ch a f t s f ü h r u n g im Reich bilden. Verwickelter wird die Sache durch die Steuervorlagen und den zu erwartenden Fehlbetrag im Neichsvoranschlag für 1916/17. Aber es handelt sich schließlich um ganz andere Steuervorlagen und Finanzmaßnahmen als in Friedcnszeit, wo durch neue Steuervor- lagcn in der Regel eine Finanzreform mit für längere Zeit endgültigen Verhältnissen geschaffen wurde. Die kommenden St euer Vorlagen sind Kriegsmaßnahmen, die das Gleichgewicht unserer ordentlichen Wirtschaftsführung für die Dauer des Krieges einigermaßen sichern sollen, sie schaffen nichts Endgültiges, sondern sind Kriegsnotstandsmaßnahmen. Deshalb halte ich die Hoffnung nicht für vermessen, daß die Beratung dennoch rechtzeitig zu Ende kommt. Abg. Bassermann (Natl.): In einer privaten Vorbesprechung habe auch ich das Bedenken geäußert, daß es nicht möglich sein lvird, den Etat einschließlich der angekund.gten Stcuervorlagen rechtzeitig zu verabschieden, so daß wir ein Notgesetz haben müssen. Auf meinen Vorschlag, schon am 7. März zusammenzutretcn, wurde mir mitgeteilt, daß die Vorlagen bis dahin nicht fertiggestellt sein können. Eine überhastete Beratung darf aber nicht stattfinden. (Lebhafte Zustimmung ) Wir sind durch die Presse einigermaßen unterrichtet, worum es sich handelt, es muß sehr gründlich geprüft werden, und es müßte der öffentlichen Kritik rechtzeitig Gelegenheit gegeben werden, sich mit den Vorlagen zu besahen. Der Reichsschatzsekretär sprach davon, daß die neuen Steuern gewissermaßen vorläufiger Art seien. Dahinter möchte ich ein Fragezeichen machen. (Zustimmung.) Das wird sich schon aus der Finanzlage nach dem Kriege ergeben, auch deshalb muß für eine genaue Prüfung die nötige Zeit vorhanden sein. Abg. Ledebour (Soz.): Das einzige Hindernis ist, daß die Regierung nicht rechtzeitig mit der Ausarbeitung der Vorlagen fertig werden wird. Alles andere spricht für frühzeitige Einberufung. Der Reichsschatz- sekrctär hat einen bewundernswerten Optimismus. Hat etwa die Kapitulation von Montenegro derartige Hoffnungen auf Kriegsentschädigung in ihm erweckt? (Heiterkeit.) Reichsschatzsekretär Dr. Helfferich: Die Fertigstellung der Vorlagen erfordert genaue Durchprüfung und Ueberlegung von der Regierung und sorgsame Durchberatung im Bundesrat. Selbstverständlich wird dem Reichstag Gelegenheit zur gründlichen Erörterung gegeben werden. Die Vorlagen haben zwar provisorischen Charakter, aber die Belastung wird bestehen bleiben. Die organisatorische Regelung der definitiven For^l der Belastung kann aber erst in Friedenszeiten erfolgen. Abg. Dr. Spahn (Zentr.): Vielleicht ist es dennoch möglich, den Reichshaushaltsausfchutz schon am 7. März zusammentreten zu lassen. Abg. Dr. Oertel (Kons.): Wenn der Etat nicht rechtzeitig zu Ende beraten werden kann, so muh ein N o t g e s e tz platzgreifen, vielleicht werden wir dann bis Ostern fertig. Ist auch das nicht der Fall, so mühen wir uns damit abfinden. Jedenfalls halten auch wir eine gründliche Durchberatung der kommenden Vorlagen und Gelegenheit zur öffentlichen Kritik für unbedingt nötig. Abg. Scheidcmann (Soz.): Wir find uns also einig. Wahrscheinlich wird nichts anderes übrig bleiben, als ein Notgesetz zu schaffen. Die weitere Erörterung über die Form der Steuern scheint mir sinnlos zu sein, weil wir nicht wissen, mit welchen Ueberraschungen der Reichs schätz sekr^tär kommen wird. Sie können sich darauf verlassen, daß wir uns die Sache gründlich ansehen werden. Die Vorlage wird angenommen. Aussprache über die Zensur. (Weiterberatung.) Außer den Entschließungen des Reichshaushaltsausschuhes kiegt ein sozialdemokratischer Antrag auf Aufhebung des Belagerungszustandes und Wiederherstellung der Preßfreiheit vor. Abg. Dittmann (Soz.): Das Neueste ist ein Maulkorb für i'en Reichstag. J»' unserem Hallenser Parteiblatt ist die Kritik unseres Genohen an der Reichsgetrei bestell? auf telegraphische Weisung aus Berlin aus dem Parlamentsbericht gestrichen und das Verbot angcdroht worden, weil idre weißgebliebenen Stellen zu groß seien. Man trampelt auf den Rechten des Volkes herum. (Vizepräsident Dov e rügt den Ausdruck.) Im Reichstag mühen wir .deutsch reden. (Vizepräsident Dove verbittet sich den Tadel seiner Geschäftsführung.) Man verspricht dem Volk goldene Berge, aber es bleibt alles beim Alten, ja man nimmt ihm noch verbriefte Rechte. Statt Recht «und Gesetz gilt die Willkürherrschaft. Jeder einzelne ist vogelfrei. (Unruhe rechts.) Die Form des Burgfriedens bedingt kein grundsätzliches Aufgebcn der Parteigrundsätze. Die Arbeit in den sozialdemokratischen Redaktionen leidet unter der schweren Zensur, die keine militärische, sondern nur noch eine rein politische ist. Die Arbeiter können ihre Interessen nur in voller Freiheit und Öffentlichkeit vertreten. Die Arbeiterorganisationen haben während des Krieges auf das Kampfmittel des Streiks verzichtet, werden aber trotz des Burgfriedens beschimpft. Wir können nicht einmal den Lebensmittelwucher sachgemäß bekämpfen, die Artikel werden bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Der „Vorwärts" wurde unter Vorzensur gestellt. Gehört diese Verfügung des Generalobersten v. Kessel auch zum Burgfrieden? oder der Erlaß des preußischen Ministers v. Loebell an die Landräte über die offiziösen Artikel? Die preußische Negierung trifft also die raffiniertesten Vorbereitungen, damit die künftigen Wahlen in ihrem Sinne ausfallen.» Die Verderblichkeit des Systems erhellt daraus, daß man gleichzeitig der Presse verbietet, zu den offiziösen Artikeln Stellung zu nehmen. Das ist politischer Gewissenszwang, das ist Unmoral! Vizepräsident Dove ersucht den Redner dringend, solche Aus- * drücke zu unterlassen. Abg. Dittmann: Es wird so eine politische Atmosphäre geschaffen, in der auch die unsinnigsten Gerüchte geglaubt werden. Sogar Vorträge zur Lebensmittelteuerung werden untersagt. (Redner verliest einen Königsberger Erlaß darüber, sowie Erlasse aus Straßburg und Allenste in). Es wird nicht nur das ganze Versammlungsrecht aufgehoben, sondern auch einzelnen Genohen wird jedes öffentliche Auftreten verboten. Viele sind das Opfer schmutziger Denunziation, andere „Verdächtige" werden einfach ins Heer gesteckt, obwohl man sie vorher für untauglich erklärt hat. Alle diese Maßnahmen laufen darauf hinaus, nach russischem Muster das öffentliche Leben polizeilich und administrativ zu regeln und Presse und Parlament auszuschalten. Die Offiziere betrachten die Annexion eroberten Gebietes für selbstverständlich. Daher rührt das Verbot der Aussprache über die Kriegsziele. Nur gegen Ausschreitungen des Einverleibungswahns schreiten die Generalkommandos ein. In Ddünster ist ein Ueberannektionist Oberzensor. Dr. Cremer verhinderte die Veröffenilichnng des sozialdemokratischen Beschlusses, wirkte dagegen an dem nationalliberalen über die Kricgsziele selbst mit. Sozialisten und Pazifisten sind als Flaumacher den patentierten Patrioten ein Dorn im Auge und gelten ihnen als vaterlandslose Gesellen. Das Generalkommando in Kassel und das bayerische Kriegsministerium blasen in das gleiche Horn. Wir kommen in die Zeiten der Heiligen Allianz zurück. Es wird eine militärische Ressortpolitik gemacht. Der leitende Staatsmann müßte die Militärgewalt sich dienstbar machen, statt dehen herrschen unter dem Belagerungszustand völlig unabhängig die Generale. Nur die Stimmen, die Eroberung heischen, sollen als Ausfluß des Volkswillens gelten. Diesen verderblichen Wahn gilt es zu zerstören. Das Volk ist gegen das wüste Eroberungsgeschrei. Seine Stimme soll im Ausland Gehör finden. Ueberall will man den Frieden, überall aber hindert man die Ausführung des Volkswillens. Die Zeitungen aller Länder spielen Blindekuh. Das ist ein Wahnsinn. Der Belagerungszustand ist ungesetzlich, die verfassungsmäßigen Voraussetzungen bestehen nicht mehr. Diese Auffassung hat auch Strutz vertreten, Abg. Gerstenberger (Ztr.): In Bayern haben wir eine viel bravere Sozialdemokratie, die viel Ansehen genießt und sich einer Freiheit erfreut, um die die anderen Parteien sie beneiden. Auch in Berlin wird die Sozialdemokratie nicht zu arg beangapfelt. Nach Mitteilungen im Ausschuß gibt es keine Stufe der Bestrafung, die nicht die „Deutsche Tageszeitung" schon durchgemacht hat. (Heiterkeit.) Bis jetzt ist der Angreifer im Vorteil. Unter dem Burgfrieden muß man sich hauen lassen und darf sich nicht wehren. Ueber die Notwendigkeit der Freigabe der Kriegszielerörterung sind verschiedene Auffassungen möglich. Kleine Streitigkeiten stören noch nicht den inneren Frieden. Besonders verhängnisvoll wirkt die Präventivzensur. Auch die Bestimmung, daß keine weißen Flächen bleiben dürfen, stört den technischen Betrieb außerordentlich. Die Zeitungen haben sich große Verdienste erworben. Und nun geht man so rücksichtslos vor. Trotzdem lehnen wir den sozialdemokratischen Antrag aus Beseitigung der Zensur ab. Denn wir stehen immer noch in der Mobilmachung, weil dauernd Truppenverschiebungen stattfinden. Am besten wäre es, alle Zeitungen einmal auf vier Wochen zu der- bieten. (Heiterkeit.) Nicht bloß inDeutschland, sondern in allen kriegführenden Ländern. (Sehr gut!) Dann hätten wir bald den Frieden. Die deutsche Presse übertrifft die Presse aller Länder an Sachlichkeit, Ehrlichkeit, Gründlichkeit und Unbestechlichkeit. (Beifall.) Abg. Fischbcck (Fortschr. Vp.): Der dauernde Belagerungszustand ist unhaltbar. Das betont auch der Senatspräsident Strutz. Es ist höchste Zeit, Verbesserungen eintreten zu lassen, denn glatt aufheben lassen sich die De- stimmungen über den Kriegszustand nicht. Unsere Presse hat sich glänzend bewährt. Leider beweist die Zensur oft sehr geringe Einsicht. Der Stil eines Schriftstellers ist vom Zensor verbessert worden, Zitate sind umgeändert worden. Ein Mann durfte nicht angegriffen werden, weil er das Eiserne Kreuz bekommen hat. (Heiterkeit.) Der Zensor will die Zeitungen sogar zwingen, bestimmte Artikel zu bringen. Die Zensur ist aber auch ungleichmäßig und ungerecht. In ganz Süddeutschland besteht die Präventivzensur für die Fachpresse. Die größten Eroberungspläne konnten entwickelt werden, eine Antwort aber wurde verboten. Ins einzelne gehende Erörterungen der Friedensziele find noch nicht am Platze. Wie kann man wegen eines Vergehens gleich eine Zeitung verbieten. Die dafür verantwortlichen Männer sind sich wohl kaum der Folgen ihrer Handlung bewußt. Durch ein Verbot einer hiesigen Zeitung wurden die wildesten Gerüchte heraufbeschworen. Unter solcher Beunruhigung leidet die Stimmung. Deshalb muß für größere Sachverständigkeit der Zensurbehörden gesorgt werden. , Eine Sicherheit muß gegen unverantwortliche Eingriffe bestehen. Die Verletzung des Briefgeheimnisses widerspricht dem Rechtsgedanken, zumal wenn man sie bei ehrenwerten Leuten, Alldeutschen oder Pazifisten, mit Spionageverdacht erklärt. Auf dem Gebiet der Lichtspielüberwachung ist es nicht besser. Jnnerpolitischer Gedankenaustausch- soll scheinbar einer Kirchhofsruhe weichen. Sogar Beurteilung von Bankaus- weisen ist verboten worden. Sind wir denn in Krähwinkel? Die Zensur kommt da leicht in den Verdacht privater Sachwaltung. Selbst der Berliner kommunale ^ Nachrichtendienst ist unter Vorprüfung gestellt worden. (Unerhört!) Auch die Erörterungen über den Zweckverband wurden verboten. (Hört, hört!) Scheinbar dient die Zensur Regierungsge- lüften früher untergeordneter Personen. Teilnehmer an einer Werkstattsversammlung sind mit Gefängnis bestraft worden. Es darf keine Satrapenwirtschaft einreißen. Welche Gewähr haben wir, daß die kommenden Steuern frei erörtert werden dürfen? Die parlamentarischen Verhandlungen bringen doch noch Licht in alles. Allerdings zeigen sich in Bayern und Sachsen schon Ansätze, der Presse die Verbreitung des Wortes nicht anzuvertrauen. Deswegen haben die Loebellschen Erlasse die Befürchtung erregi, daß auch in der Zukunft mit Zwangsmaßnahmen vorgegangen wird. Die Negierung mag öffentlich Farbe bekennen, nicht durch unterirdische Kanäle sich auslasscn. Die Verheißungen der Thronrede müssen erfüllt werden. Es können nicht noch einmal Karlsbader Beschlüsse kommen. Was gute Politik geschaffen, darf das Militär nicht verderben. Die Regierung lege dem Geiste des Volkes auf dem Wege zur Zukunft keine Hemmnisse in den Weg. (Beifall.) Abg. Strescmann (Natl.): Die Auffassung des preußischen Ministers, der Reichstag sei nicht zuständig für die Beurteilung der Preßeclasse, teile ich nicht. Er hat doch wohl auch nicht an die Beeinflussung der Presse für die preußischen Wahlen allein gedacht Ich- würde es begrüßen, wenn die Minister auch im Wahlkampfe ihre Meinungen vertreten würden. Bisher befand sich der Staatsbürger immer in einer gewissen fortgesetzten inneren Opposition zur Regierung. Der Erlaß des Ministers v. Loebell ist aber kein offener Kampf. Das ist eine neue Art von Off'iziösen- t u m, das auf dem Zwange beruht. Was wir bei der Zensur bekämpfen, das sind nicht Ungeschicklichkeiten und Entgleisungen, das ist ein ganz falsches Systcni. Was aber am tollsten ist, und wofür kein Wort der Abwehr scharf genug ist, das ist die Anmaßung einiger Herren, die sogar die Reichstagsver- handlungen unter Zensur stellen wollen. (Lebh. Beifall.) Das müssen wir uns verbitten! (Beifall.) Wir hören auf, ein Parlament zu sein, wenn unsere Reden unter die Auffassung eines einzelnen stellvertretenden Generalkomandos gestellt werden. (Sehr richtig!) Wir ersuchen den Reichskanzler, seinen Einfluß geltend zu machen, daß solche Dinge nicht mehr Vorkommen. Sie schaden uns im Auslände mehr als alle scharfen Reden. (Sehr richtig!) Der Redner spricht sich gegen die Verfügung aus, daß die Reden, die in Versamrnlungen gehalten werden, im Wortlaute vorgelegt werden müssen, und daß die Redner sich an diesen Wortlaut zu halten herben. Zwei Generalkommandos haben Jugendschriften verboten, die patriotischen Inhalt hatten, die der Kronprinz von Bayern selbst empfohlen und die der Prinz Eitel Friedrich dreimal nachbestellt hatte. Die Anhänger der Friedensbewegungen und auch die Annexionisten sind unter Aufsicht gestellt worden. Man hat sogar ihre Dienstmädchen ausgeforscht. In schärfster Weise isi man gegen die „Tägliche Rundschau", die „Deutsche Tageszeitung", „Die Post" und andere Zeitungen vorgegangen. Der Redner empfiehlt eine Entschließung Dr. Ablaß (f. Vp.), Bassermann (natl.), den Reichskanzler zu ersuchen, im Reichstag bei Beginn des nächsten Sitzungsabschnittes einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen die auch während des Krieges unentbehrlichen Sicherheiten hinsichtlich der Eingriffe der M i l i t ä r g e w a l t in das bürgerliche Leben geschaffen werden und die Verantwortlichkeit für diese Maßnahmen geregelt wird. Der Begrift „Burgfriede" wird jetzt sehr einseitig auSgelegt. er« 70-Mrllionen-Volk wird niemals feine politischen Gegensätze aufgeben. Ich verstehe unter „Burgfrieden" die gegenseitige Achtung der Parteien. Die Angriffe gegen die „Arbeitgeber-Zeitung" waren an die unrichtige Adresse gerichtet, die Schriftleitung stellt fest, daß es sich um die Veröffentlichung einer Zuschrift gehandelt hat. Der Weltkrieg ist nur mit der öffentlichen Meinung zu gewinnen. (Sehr richtig!) Da können wir von England lernen. Da har unsere Diplomatie Versäumnisse verschuldet. Man kämpft mit Kabel und Kino gegen uns. Haben wir die öffentlichen Stimmen im Ausland unterschätzt, so mißachten wir jetzt ihre Bedeutung im Inland. Das unsere wirtschaftliche Lage schwierig ist, weiß das Ausland aus den Regierungsverordnungen. Das Volk härte man durch Wanderredner aufklären sollen. Gerade unsere Stärke nach außen befähigt uns, im Innern frei zu reden. Wenn man uns die Erörterung der Steuern beschneidet, müssen wir d:e Reichstagsverhandlungen aussetzen, bis sie freigegeben wird. Auch die großen welthandelspolitischen Fragen müssen schon Klärung finden. Ein Glück, daß nicht auch Nam mannS Buch unterdrückt wurde. Ein Teil der Reutertelegramme wird anscheinend zu dem Zwecke gefälscht, in Deutschland zu verwirren oder als Beruhigungspulver zu wirken, so über deutschfreundliche Stimmung in Amerika. Die „Baralong"-Aussprache war eine befreiende Tat. Wir lesen immer nur die Angriffe gegcn^ uns. Da- ourch wird die Stimmung gedrückt. Unsere Staatsmänner verstehen nicht, die Seele des Volkes als Saitenspiel und Waffe zu handhaben. Sie sprechen im Namen der Negierung, statt dem des Volkes. Das nationale Empfinden des Volkes muß ein Ventil finden. Die Kriegsziele mögen' nicht in den Einzelheiten erörterbar sein, jedenfalls sind sie cs in den Grundzügen. Einig sind wir alle im Ziel eines dauernden Friedens. Deshalb ist eine Aussprache ungefährlich. Das Volk muß sich auf das neue Deutschland vorbereiten. Das legt uns die heutige Wiederkehr des Reichsgründungstages nahe. Das Verhältnis zum Panslawismus oder England kann besprochen werden. Der erste bevorstehende Sondersriede ist eine Mahnung. Die Besprechung in den Einzelheiten braucht ja erst später freigegeben zu werden. Die Diplomaten dürfen keineswegs allein über den Krieg entscheiden. Natürlich können nur militärisch erreichbare Ziele gesteckt werden. In dem neuen Deutschland muß das Volk tatkräftigen Anteil an der Staatslenkung haben. (Beifall.) Abg. Dr. Oertel (Kons.): Wir haben Monologe gehalten Die verbündeten Regierungen sind unterm Belagerungszustand nicht anwesend. Die Verantwortlichen aber sind nicht dem Reichstag verantwortlich. Wir haben nicht den Wunsch, den Belagerungszustand aufzuhcbcn und Preßfreiheit herzustellen. Verfassungswidrig ist der jetzige Zustand keineswegs. Die Gefahr ist noch zu groß, um den Belagerungszustand schon aufzuheben. Die dazu gestellten Anträge fntb kautschukartig, es müßte erst begründet werden, ob man jetzt im Kriege ein geeignetes Gesetz machen kann. Unsere Parteigruppenveranstaltungen sind verhindert und bestraft worden. Das muß hingenommen werden. Aber die Generale fiitä> keineswegs weltfremd, sie haben sich große Verdienste erworben, namentlich bei Durchführung der Ernährungs- maßnahmen. Einen wirtschaftlichen Diktator hätten nur die richtigen Berater zur Seite stehen müssen (Heiterkeit links). Auch auf dem Gebiet der Schundliteratur haben die Generale segensreich gewirkt. Ebenso mit dem Verbot des „Weibs- t e u f e l S". TTe ZensitrbetDoke füllen schon efn Mr?e§ Heft, man ftnie! nicht d«rch. J«h Nvrde den %a% fernen, ws man sagen ftraa: fort mit der geafni. .Honte mutz ich so selbstlos sein, zu sagen, daß es noch nieht ge^S. Der „Dentscüen Tageszeitung" ist ja übel mit- gespiett worden Beinah hätte man den Hauptschriftleiter vor ein S-t andg ,Mertin, Mumm, Graf von Posadowski-Wehner, Rupp (Marburg), Freiherr von Schele, Schulz (Brvmberg), Stubendorff, Freiherr von Wangenbeim, Warmuth, Werner (Gieren), Werner (Hersfeld), Witt. — Die Fraktion wählte zum Vorsitzenden Freiherrn von C amp-Mussaunen, zu dessen Stellvertreter den Llb geordneten Schulz (Bromberg), züm 2. Vorsitzenden den Abgeordneten Werner (Gießen), zu dessen Stellvertreter den Abgeordneten Lic. Mumm, zum 3. Vorsitzenden den Abg. Freiherrn von Schele, zu dessen Stellvertreter den Abg. Lcmx, zur Vertretung der Deutschen Fraktion im ältesten Ausschuß wurden die Abg. Freiherr von Camp-Massaunen, Werner (Gießen), Freiherr von Schele gewühlt. In den Betrachtungen, die dem Reichstag bei seinem Ferienantritt gewidmet werden,.wird der lebhafte Beifall unterstrichen, ivelcher der im Namen der verbündeten Regierungen von Ministerialdirektor Dr. Lewald abgegebenen Erklärung zuteil wurde, nach der in absehbarer Zeit gesetzlich festgelegt werden soll, daß die Gewerkschaften nicht als politische Vereine anzusehen sind. — Die „Germania" hebt hervor, daß es ganz in ihrem Sinne sei, wenn der Reichsschatzsekretär erklärte, daß er mix provisorische Stenermaßnahmen vorbereite. Die Mitteleuropäische Wirtschaftskonferenz. Dresden, 18. Jan. (WTB: Nichtamtlich.) Im Laufe der gestrigen Verhandlungen der Mitteleuropäischen Wirtschnftsko n ferenz legte Dr. Fr e y mar k-Bres- lau der Versammlung eine Reihe von Leitsätzen zur Frage der Vereinheitlichung von Bestiinlnnngen über den Eisenbahnverkehr vor. Er wies zn ihrer Begründung daraus hin, daß das Streben nach einer wirtschaftsp>olitischen Annäherung zwischen dem Deutschen Reiche und Oesterreich- Ungarn auch eine wertgehende Zusammenarbeit auf diesem Gebiete, das für viele wirtschaftlichen Beziehungen von entscheidender Bedeutung sei, für geboten erscheine. Für die Werkehrstreibenden stünden im Vordergrund: eine Vereinheitlichung des formellen Tarifwesens (z. B. eine möglichst allgenreine Aufstellung direkter Tarife), eine möglichst weitgehende Durchführung des Grundsatzes und einer gileich- nräßigen Behand-lung der Transporte des erneu Staates mit den anderen, insbesondere durch eine weitere Ausgestaltung der Parität, die durch die verkehrspolitische Meistbegünstigung zu ergänzen sei. Berlin, 18. Jan. (WTB. Nichtamtlich.)' Wie die Blätter melden, hat Abgeordneter Liebknecht dem Reichstagsbureau mitgeteilt, daß er aus der Liste der sozialdemokratischen Fraktionsmitglieder gestrichen und in der Liste der keiner Fraktion angehvrenden Reichslagsabgeordneten eingetragen zu werden wünsche. Ans Hessen. rb. Darmstadt, 18. Jan. Die nationalliberale Fraktion der Zweiten Kammer ist für Samstag, den 22. Januar, zur Abhaltung einer Fraktionssitzung einberufen worden. Es handelt sich in erster Linie darum, für den am 1. Februar d. I. wegen seiner »Ernennung zum Oberstaatsanwalt aus der Kammer ausscheidenden Abg. Wünzer einen Ersatzmann der Fraktion für den Finanz^ lausschuß zu bestimmen. Abg. Wünzer hatte bisher im Finanzcrrisschuß den nationalliberalen Abgeordneten Best vertreten, der sich bekanntlich seit Beginn des Krieges als Offizier bei den Fahnen an der Front befindet. Weiter wird sich die Fraktion in dieser Sitzung noch mit dem Ende dieser Woche zu erwartenden Staatsvoranschlag für 1916 und mit den darüber uUd über die eventuelle Deckung des Fehlbetrags im Finanzausschuß gemachten vertraulichen Mitteilungen näher beschästigen. Aus Stadt und Land. Gießen. 19. Januar 1916. StandeSamLöstatiftik für 1915. Die Gesamtzahl der im zweiten Kriegsjahr in der Stadt Gießen geborenen Kinder beträgt 973 (gegen 1105 Geburten in 1914). Es entfallen davon auf Knaben 510 (561), auf Mädchen 463 (544). Die ehelichen Geburten stellen sich ans 733; davon entfallen auf Knaben 385, auf Mädchen 348 (859 gleich 435 Knaben und 424 Mädchen). Dagegen entfallen auf uneheliche Geburten 240, nämlich 125 Knaben und 115 Mädchen (246 gleich 126 Knaben und 120 Mädchen). Bon den zur Welt gekommenen Kindern entfallen allein auf die e i n h e i m i s ch e Be v ö lk e r u n g 413 Geburten, nämlich 219 Knaben und 194 Mädchen (601 gleich 308 Knaben und 293 Mädchen). Bon ortsfremden Müttern wurden geboren 560 Kinder und zwar 291 Knaben und 269 Mädchen (504 gleich 253 Knaben und 251 Mäd«- chen. Von der Gesamtzahl der geborenen Kinder waren unehelich 240 (246); von diesen entfallen aus die Gießener Bevölkerung 45 (66) auf ortsfremde Mütter 195 (180). An Todesfällen sind in 1915 zu verzeichnen: 766, nämlich 410 männliche, 356 weibliche Personen (837 gleich 507 mänsiliche und 330 weibliche Personen). Außerdem haben wir zu beklagen: 157 in 1915 in das Sterberegister eingetragene, in Gießen wohnhaft .gewesene Kriegsteilnehmer, gegen 31 in 1914, so daß bisher der beurkundete Gesamtverlust Gießener Opfer für den Weltkrieg 188 Männer beträgt. Außerdem sind in 1915 113 Kriegsgefangene in Gießen verstorben (in 1914: 20). An Todesfällen entfielen auf die einheimische Bevölkerung (ohne Kriegsteilnehmer) 377, nämlich 193 männlichen und 184 weiblichen Geschlechts (459 gleich 275 männlichen und 184 weiblichen Geschlechts). In Kliniken und Anstalten verstorben 217 Personen, die nicht zur Gießener Bevölkerung zählen (378,. Im 1. Lebensjahr verstürben im ganzen 97 Kinder (106), darunter aus Gieße n 60 (75), ortsfremde Kinder 37 (31). Totgeburten kamen im ganzen 41 (66), darunter 28 eheliche und 13 Uneheliche, vor. Davon entfallen aus die Gießener Bevölkerung 18 (27), auf ortsfremde Mütter 23 (39). Wenn man die Sterbefälle und Gebürten bei der orts- angesessenen Bevölkerung Gießens im abgelausenen Jahr berücksichtigt, stellt sich der Geburten-Heb er schuß auf nur 36 Köpfe. Berücksichtigt man die auf dem Felde der Ehre gebliebenen Personen, so haben wir in unserer Stadt einen Ausfall von 121 Personen, welche im Kriegsjahr mehr verstorben sind, gegenüber den Geburten. — Der Ueberschuß an Geburten in unserer Stadt stellt sich im letzten Jahrzehnt wie folgt: 1906 1907 1909 1909 1910 1911 1912 1913 1914 1915 306 256 330 339 323 299 214 319 142 36 oder in 1915 mit Kriegsgefallenen einen Ausfall von 121 Köpfen, wozu noch der durchschnittliche jährliche Zuwachs in den letzten 10 Jahren mit 240 Köpfen kommt, so daß ein tatsächlicher Ausfall in der natürlichen Vermehrung unserer Bevölkerung von rund 360 Personen in 1915 zu verzeichnen ist. Die Zahl der Eheschließung e n in unserer Stadt beträgt 122 (gegen 226 im Vorjahre). Unter den jungen Ehepaaren befinden sich 70 Kriegs getraute (gegen 57 Paare im ersten Kriegsjahr». Dem Alter nach schlossen den Ehebund: Jahr 16-20 21-24 25-29 30-34 35-39 40-49 50-59 60-69 Männer 2 36 49 18 5 7 4 1 Frauen 22 50 30 10 5 4 1 — Im Vergleich zu den früheren Jahren haben sich die Eheschließenden wesentlich verjüngt, was wohl seinen Grund in den Kriegstrauung err hat. Ein Vergleich der Bevölkerungsbewegung mit der Reichsstatistik, welche bisher nur für das Jahr 1913 vorliegt, läßt sich wegen der durch die Verhältnisse des Kriegs beeinflußten Zahlen für 1915 nicht ziehen, es wird dies erst möglich feilt, wenn die Ergebnisse der Personenstandsbewegung für 1914/15 für das Reich vorliegen. * **DieLandesstelle für die Förderung des Goldmünzenaustausches und verwandter vaterländischer Zwecke gibt am Schlüsse der hessischen Sammelwoche allen freundlichen .Helfern und Helferinnen im Hessenlande bekannt, daß, soweit sich übersehen läßt, an allenOrten, wo die persönliche Werbetätigkeit durchgesührt wurde, das Ergebnis herzerfreuend ist und zwar nicht nur dem Betrage, sondern auch der Anzahl der einzelnen Ablieferungen nach. Es hat sich gezeigt, daß die persönliche Arbeit immer noch zu großem Erfolg verhilft, der auch außerhalb Hessens zur Nachfolge aneisern wird. Solange die Reichsbankanstalten Ziffern nicht bekannt geben, halten wir uns nicht für befugt, das Endergebnis zusammenzustellen und zn veröffentlichen. Es genüge, auf die Bekanntgabe des Erfolges in einigen Orten hrnzuweis-en, die selbst die Ziffern veröffentlicht haben. Pfungstadt ist bis jetzt mit 4885 Mk. vertreten, Griesheim mit 5000 Mk., Ar- heil gen nrit 1100 Mk., Reichend ach mit 5000 Mk., Gimbsheim mit mehreren taufend Mark, Groß-Umstadt mit 1200 Mk., Bad-Nauheim und Umgegend mit 18000 Mk., Abenheim bei Worms mit 1760 Mk. Was allein die Schulen, die sich vordem schon csis erfolgreiche Sammler belvährteu, in Darmstadt und der näheren Umgebung in dieser Woche gesammelt haben, kommt auf einige zehntausend Mark! Damit sollte jedoch die Tätigkeitnichtabgeschlossen fein. Vielmehr diene der Erfolg gerade dazu, zur aufklärenden urü> werbenden^ Wetterardert anzuregen und, wre das die Ortsgruppe Darmstadt vor hat, eine eifrige und aussichtsreiche Nachlese zn halten, wo wegen der Kürze der Zeit Lücken blieben. Schüler und Schülerinnen, welche diesmal mit dem auszugebenden Gedenkblatt noch nicht bedacht werden können, sollen es ^ich in der Folge noch verdienen dürfen. Allen freundlichen Helfern und Helferinnen sei herzlich gedankt, und die Bitte ausgesprochen, auch bei einem noch so großen bisherigen Erfolge nicht zu rasten, bis alle erreichbaren Goldmünzen der Reichsbank zugeführt sind. Dort allein werden sie für die Allgemeinheit Nutzen stiften. Jede Woche sei eine Samm elwoche! Ihren Dank spricht die Landesstelle aber auch der Presse aus, die in reichem Maße und, wie sich jetzt zeigt, mit vollem Erfolge unverdrossen ihre Unterstützung lieh. Kreis Schotten. L. L a u b a ch, 18. Jan. Gestern nachmittag fand eine Pionierübung der Jungmaunschast der Kompagnie Laubach an der benachbarten Friedrichshütte unter Leitung von Wachtmeister Poth aus Laubach statt. Es wurde eine Kolonnenbrücke au einer ungefähr t0 Dieter breiten Stelle über die Horloff gebaut. Der Bau der Brücke begann um 2 Uhr und endigte um 3 Uhr 15 Min. Um 3 Uhr 45 Min. war die Brücke wieder abgebrochen und alles Material, das zum Bauen der Brücke gedient hatte, wieder an Ort und Stelle zurückgebracht. Um den Jungmannen die Tragfähigkeit der Brücke zu zeigen, wurde in Truppenkolonne angetreten und über die Brücke marschiert. Wachtmeister Poch hielt einen Vortrag über Bau und Zusammensetzung von Brücken. Kreis Friedberg. — Vilbe'l, 19. Jan. Die Ehefrau des Weißbtnders Ludwig B a i e r wurde als Leiche aus der Nidda geborgen. Vermutlich suchte sie in einem Anfall von Geistesgestörtheit den Tod. Starkenburg und Nheinhessen. — Darmstadt, 19. Jan. Heute früh wurden in dem'Braun- kohlenbergwerk bei Messel durch niedergehende Kohlenmassen zwei Arbeiter verschüttet. Obwohl sofort Hilfe zur Stelle war, konnten die Verunglückten doch nur als Leichen geborgen werden. Einer der Arbeiter wohnt in Dieburg, der andere in Reichelsheim i. Odenw. Landwirtschaft. Znm Anbau von Frühkartoffeln. Italien, Süd-Frankreich, Malta, Gibraltar und die Niederlande versorgten in friedlichen Zeiten unser Vaterland mit Frühkartoffeln, da der Anbau von Frühkartoffeln in Deutschland nur einen ganz geringen Bruchteil der Gesamtanbaufläche von Kartoffeln einnahm.. Seit Ausbruch des Krieges ist die Zufuhr aus diesen Ländern znm größten Teil gestört, zum Teil haben die neutralen Staaten aber ihre geernteten Kartoffeln im eigenen Lande verbraucht. Voraussichtlich wird auch in diesem Frühjahr und Sommer die Zufuhr au Frühkartoffeln aus diesen Ländern ausbleiben. Es wird daher notwendig sein, wiederum inr größeren Umfange Frühkartoffeln anzubauen, um möglichst frühzeitig in diesem Sommer neue Kartoffelmengen zur Verfügung zu haben. Selbstverständlich ist es aber dringend wünschenswert, daß nur dort Frühkartoffeln angebaut werden, wo die Boden- und klimatischen Verhältnisse dem Anbau der Frühkartoffeln günstig sind. Bei dem Anbau von Frühkartoffeln sind vor allem nachstehende Gesichtspunkte zu beachten: Der Anbau von Frühkartoffeln empfiehlt sich nur auf besseren, in hoher Kultur und in alter Kraft stehenden warmen Böden und geschützten Lagen. Auf mageren, naßgründigen Böden ist der Anbau von Frühkartoffeln nicht empfehlenswert. Für ausgiebige Bodendünguna und Bodenlockerung ist Sorge zu tragen. Wurde das Land nicht bereits im Herbst mit Stallmist gedüngt so ist im Frühjahr nur ein gut verrotteter Stallmist zu verwenden. Neben der Stallmistdüngung empfiehlt sich eine Düngung von 100 Kligr. 40proz. Kalffalz nnd 100 Klgr. Ammoniak- Supervhosphat 199 oder 50 Klgr. Thomasmehl und 50 Klgr. Kalistickstoff für den Hektar. Für die Auswahl der anzubauenden Fri'lhkartoffeln kommt hauptsächlich die Frühreife und die Ertragfähigkeit der verschiedenen Sgrten in Betracht. Zu den bekarmtesten weißen, gelblichen und blauen Frühkartoffeln gehören: Juli-Kcsitofsick, Zwickauer Frühe, Kaiserkrone, Kirsches Schneeglöckchen, Frühe weiße 6-Wochen-Kartoffeln, Frühe Zucker und Richters ovale Blaue. Etwas spätere Sorten sind u. a.: Ella, Zimbals Erna, Topas, Lueia, Böhms Frühe. Daneben sind von den roten Kartoffelsorten als Fttihkartoffeln geschätzt: Die Rosenkartoffel und die rote Fürstenwalder. Die Ertragfähigkeit der Frühkartoffeln pflegt in der Regel um so geringer zu sein, je früher die .Kartoffeln reifen. Je nach den Jahren, nach Boden-, Düngungs- und klimatischen Verhältnissen ist die Höhe der Erträge naturgemäß aber bei den einzelnen Sorten außerod-entlich verschiedeit. Bei dem Anbau von Frühkartoffeln ist im allgemeinen darauf Rücksicht zu nehmen, daß die Frühkartoffeln nur zur Deckung des Bedarfes im Sommer in Bettacht kommen. Znm Herbst- und Winterbedarf sind nach wie vor unsere hocherttagsfähigen mittelspäten und späteren Sotten anzubauen, welche auf der Flächeneinheit bedeutend höhere Erträge liefern. Ein Haupterfordernis des rationellen Frühkattoffelanbaues sind gute ausgereifte Pflanzkartoffeln. Am besten eignen sich zur Aussaat mittelgroße Knollen, die schon im Herbst ausgelesen und wenn möglich in trockenen, kühlen Räumen in flachen Haufen, welche öfters auf kranke und faule Knollen hin untersucht werden, aufbewahrt sind. Zur Erzielung einer frühen Ernte ttägt das Vorkeimen der Saatknollen viel bei, weil die vorgekeimten Knollen bei weitem nicht so lange zäm Aufgehen gebrauchen wie nicht vorge^imte. Die Ernte kann um mindestens 10—14 Tage früher eintretcn. Der Raum, in dem die Knollen vorkeimien sollen, muß hell, trocken und froftsiei sein. Können die Saatknollen auf Holz- Horden oder in entsprechende Holzkästen gebracht worden, so ist darauf zu achten, daß der dickere Teil der Knollen, der immer die meisten Augen aufweist, fttts nach oben kommt. Bei ttchttger Behandlung in hellen, etwas angewärntten luftigen Räumen! treiben die Kartoffeln in ungefähr 6 Wochen kurze, kräftige Keime und sind dann zum Pflanzen im Freien bei günstigem Wetter geeignet. In dunklen, feuchten Räumen dürfen die Knollen nicht vorgekeimt werden, da die Keime dann zu dünn, zu laug und zu wässerig werden. Mit dem Borkeimen beginnt man am besten in den ersten Tagen des Februar. Das Auslegen der Pflanzkartoffeln erfolgt am besten mit der Hand, da nur dann die Knollen die richtige Tiefe, Kppf nach oben, gut hingesetzt und ohne Verletzung des Dümes fest- gedrückt werden können. Die Pflanzweite für Frühkartoffeln ist zweckmäßig bei ganz frühen Sorten 40x30 bis 40x40 Zenttmtr., bei mittelfrühen auf 40x50 Zentimeter zu bemessen. Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Das I. Ersatz-Bataillon Infanterie-Regiments Nr. 116 beabsichtigt am Donnerstag, den 20. Januar ds. J-s., östlich von Armevod in der Richtung auf Burkhardsfelden Gefechtsschießen mit scharfer Mmrrtion abzuhalten. Das gefährdete Gelände östlich Annerod mit der dahinterliegenden Waüffläche zwischen Annerod, Sternbach, Lllbach, Burkhardsfelden, Oppenrod und Ganseburg darf von vormittags 9 bis mittags 12 Uhr nicht betreten werden. Der Verbindungsiveg Annerod— Steinbach durch den Fernewald ist für jeden Verkehr gesperrt. Ten Anweisungen der ausgestellten Posten ist Ul folgen. Gießen, den 17. Januar 1916. Großherzogliches Kreisamt Gießen Sä; Hemmerde-. rdien grösstenteils noch zu alten billig 1 en Freisen! Decken Sie daher jetst Ihren Bedarf Arg. A. SALÖiON & Cie. ♦ Schulstrasse 4 7 Zimmer 143J Eleganie 7=3immcr= Wobnung mit ntJ. Zubehör per 1. April billig zu vcr- mieten. Blcich s traftc 26 . bleuen Baue 29 gegenüber d. Theater herrsch. P.-W., 7Z.n. 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Das Brennholz kommt von 19 Uhr vormittags und das Nutzholz von 1 Uhr nachmittags ab zum Ausgebot. Krofdorf, den 17. Januar 1916. Der Bürgermeister: Braun. f507c Teleph - fäinr. TfreCert P 2 0C V 323 IFeine ‘Ulassscftneiderei für Damen Feinste Ausführung! Billigste Preise! Bilanz am 31. Dezember 1915 des Konsum Vereins Daubrirrgeu Genossenschaft mit beschränkter Haftung. Passiva. Jt Per Geschäftsgut. Aktiva. Jiß An Kassenvorrat 2.55 „ Warenvorrat 4254.04 „ ausstehenden Forderungen 5207.26 „ Manko der Lagerhalter 30.94 „ Mobiliar und Abschreibungen 10»/y 368.57 9863.36 haben der Mitglieder 1757.55 Warenschulden 4122.99 noch zu zahlende Berwal- tungskosten 774.56 Reservefonds 690.87 Reingewinn 2517.39 9863.36 Die Zahl der Mitglieder betrug Ende 1914 Es gingen ab im Jahre 1915 .... 88 2 86 1 87 30.— 454 ES gingen zu im Jahre 1915. Daher Stand der Mitglieder Ende 1915 . . Die Haftsumme beträgt. Jt 2610 und hat sich verringert um ... „ Wilh. Wagenbach. Jost Schlienbecker. L. Grölz GeneraLversamMlrrng. Sonntag, den 30. d. M., nachmittags 4 Uhr, findet Generalversammlung des Konsum-Verein- Daubringen beim Wirt Emil Schäfer statt. Tagesordnung: 1. Rechnungsvorlage, 2. Bor- standsmahl, 3. Verschiedenes. Der Borstand. LlhllieillklllaßfM hocheiwoihreich 129—49 °/ 0 ) amtl. Analyse, hat pro Zentner exklusive Sack ab Marburg zum Preis von 15 Mark abzugeben 406D Tierarzt waldeck, Marburg a. t. Brrllenverkauf Die Gemeinde Watzenborn-Steinberg beabsichtigt, einen Bullen zum Schlachten aus dem Submissions wege zu verkaufen. Angebote aus Lebendgewicht sind bis zum 20. d. Mts., nachmittag- 6 Uhr, bei Unterzeichneter Stelle einzureichen. Watzenborn-Steinberg, den 17. Januar. 1916. Großh^ Bürgermeisterei Watzenborn-Steinberg. Hirz. 491