Nr. 18 Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags. Die „Siebener FamilienblStter- werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. 166. Jahrgang Montag, t7. Januar 1916 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Schristleitung,Geschäftsstelle «.Druckerei: Schul- straße?. Geschästsstelle u.Verlag:T7^51,Schrift- General-Anzeiger für Gberhesjen Mb. Deutscher Reichstag. 30. Sitzung. Sonnabend, den 15. Januar. Am Tische des Bundesrats: Dr. Delbrück. Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 10K Uhr. Vor Eintritt in die Tagesordnung verwahrt sich Abg. Graf W e st a r p (Kons.) dagegen, daß er oder der Abg. Dr. R o.s i ck e im März v. I. im Hauptausschuß für eine wahllose 'Abschlachtung der Schweine eingetreten sei. Me Mersrmke. Abg. Graf Westarp berichtet über die Beratungen der Kommission. Im Anschluß an die früheren Beschlüsse bei Feststellung der Reichsversicherungs- ordnung beantragt der HauptauSschuß, dem Reichstag unverzüglich einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den für den Bezug der Altersrente das erforderliche Alter von 70 auf 6 5 Iahre herabgesetzt wird und die hierzu erforderlichen weiteren Abänderungen der Neichsversicherungsordnung vorgenommen werden. ' Weiter beantragt der Ausschuß zu § 1300 der Reichsversicherungsordnung folgenden Zusatz hinzuzufügen: „Während der Dauer oes Krieges und des ersten Jahres nach Friedensschluß beginnt die Frist, falls der Ehemann Kriegsteilnehmer gewesen ist, mit dem Tage, an welchem der Witwe der Tod des Ehemannes auf dem Dienstwege bekanntgegeben worden ist." Staatssekretär Dr. Delbrück: Die Frage, ob die Altersrente schon mit dem 65. oder erst mit dem 70. Lebensjahre gezahlt werden soll, ist keine grundsätzliche, sondern eine reine Zweckmäßigkcitsfrage. Auf dem Gebiete der Sozialpolitik gibt es noch wichtigere Ziele zu erreichen, als diese Herabsetzung. Man muß berücksichtigen, daß neben der Altersrente auch noch die Invalidenrente besteht, so daß also jemand, der vor dem 70. Jahre arbeitsunfähig wird, schon eine Rente erhält. Ich war allerdings der Ansicht, haß sich eine Herabsetzung der Altersgrenze in diesem Augenblick nicht empfehle, weil der Reichs- schatzsekretär glaubte, daß es, wie heute die Verhältnisse liegen, mitten im Kriege schwer sein wende, die Grundlagen zu finden, auf denen man diese Herabsetzung der Altersgrenze finanzieren sollte. Auch dürfte es unzweckmäßig sein, jetzt in diesem Augenblick in eine Erörterung unserer sozialpolitischen Leistungen einzutreten, wo wir nicht übersehen können, was nach Friedensschluß auf diesem Gebiete an anderen, vielleicht wichtigeren Aufgaben an uns herantritt. Nachdem die Kommission einstimmig beschlossen hat, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, alsbald einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den die Altersgrenze herabgesetzt und die sonst notwendigen Abänderungen der Reichsversicherungsordnung vorgenommen werden, habe ich mich alsbald im Einvernehmen mit dem Reichsschatzsekrteär an die Neubarbeitung der Materie gemacht und werde mit größter Beschleunigung den verbündeten Regierungen erneut Gelegenheit geben, zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Das Ergebnis wird dem Hause voraussichtlich schon in der nächsten Tagung vorgelegt werden können. (Beifall.). Abg. Molkenbuhr (Soz.): Nach dem Kriege wird die Arbeitslosigkeit und der Krankheits- Zustand sich verschlechtern, infolgedesien werden höhere Ansprüche au die Invalidenrente gestellt werden. Die Herabsetzung auf das 65. Lebensjahr empfiehlt sich dringend, da Leute über 66 Jahre immer auf der Grenze der Invalidität stehen. Das Reich wird die erhöhten Lasten tragen muffen, um so mehr, als es auch die aus der Militärdienstzeit erwachsenen Jnvalidenlasten tragen muß. Die Belastung der Versichern ngsträger au§ der Einberufung von Millionen darf nicht zu groß werden. Abg. Becker (Ztr.):' An einer Herabsetzung der Altersgrenze kommen wir nicht vorbei. Eine etwaige Beitragserhöhung könnte nur geringfügig stin. Hätte man bei der Revision seinerzeit die Altersgrenze von 65 Jahren in das Gesetz geschrieben, wäre es gescheitert, das hat jetzt wieder die „Kölnische Zeitung" zugestanden. Viele Wünsche werden ja jetzt nicht berücksichtigt werden können. Jedenfalls darf die Herabsetzung der Grenze nicht zu einer illiberaleren Anwendung des Jnvaliditätsbegriffs führen. Abg. Bassermann (Natl.): Bei der seinerzeitigen Revision der Reichkversicherungsordnuno ging man davon aus, daß das Jahr 1915 eine neue Beschlußfassung bringen wird. Damals war eine eigentümliche Zwangslage entstanden. Die Regierung hatte wiederholt eindringlich erklärt, daß die Reichsversicherungsordnung scheitern werde, wenn man das Alter von 70 auf 65 Jahre herabsetze. Unter dem Druck dieser Erklärung haben eine ganze Reihe von Herren sich entschlossen, die Forderung der Herabsetzung fallen zu laffen und sich zunächst auf den Standpunkt des damals Erreichbaren zu stellen. Dre damalige Minderheit (die jetzigen Bestimmungen wurden ja nur mit ganz geringer Mehrheit angenommen) schenkte der Erklärung nicht vollen Glauben, war vielmehr der Ansicht, daß im letzten Augenblick angesichts der hohen Bedeutung der Neichsversicherungsordnung die Regierung nachgeben werde. Mit geringer Mehrheit ist dann die ganze Revision angenommen worden. Es war für viele Herren eine Entsagung. Der Beschluß wurde nur erreicht durch die Zusage, daß im Jahre 1915 eine erneute Beschlußfassung stattfinden werdx. Der Ausschuß ist jetzt anderer Meinung als der Staatssekretär und kam zu einem einstimmigen Votum für die Herabsetzung. . Diese Entschließung halte ich für gerechtfertigt, der Reichstag wird ihr wohl folgen. Wir möchten die beteiligten Kreise in dieser schweren Zeit nicht einer nochmaligen Enttäuschung aussetzen, um so weniger, als erneute Berechnungen ergeben haben, daß die damaligen Schätzungen, die für das Reich eine Mehrbelastung von 8832000 Mark vorsahen, sich auf 4 497 000 Mark vermindern, ein Beweis dafür, mit welcher Vorsicht alle solche Schätzungen entgegenzunehmen sind. Aus der Umgebung der beteiligten Korporationen haben wir gehört, daß auch die Befürchtungen wegen der höheren Beiträge, wie sie in der Denkschrift niedergelegt sind, nicht geteilt werden. Die Regierung will nunmehr in eine erneute Prüfung der Materie eintreten. Angesichts der Tatsache, daß der Reichstagsausschuß sich für die Herabsetzung erklärt hat, hoffe ich, daß die erneute Prüfung zu einer Bejahung der Frage-der Herabsetzung führen wird und Regierung und Parlament sich einigen werden. Es wäre dann gelungen, auch in diesen Kriegskünsten auf sozialem Gebiete ein großes Werk zustande zu wrngen. (Beifall.) Abg. Weinbanscn (VolkZp.)k Wir halten an der Forderung der Herabsetzung der Altersgrenze fest, auch gegenüber den von der Regierung geäußerten Bedenken, die wir nachgeprüft haben und die uns von unserem Standpunkt nicht abbringen können. Abg. Dr. Oertel (Kons.): Einem alten Wunsch meiner Partei entspricht es, wenn die Altersgrenze von 70 auf 65 Jahre herabgesetzt wird. Gewiß bestehen im jetzigen Augenblick Bedenken finanzieller Natur gegen unseren Wunsch — aber angesichts des allgemeinen Willens des Reichstages, ein sozialpolitisches Ziel zu erreichen, sollten die Regierungen doch ihren Widerstand fallen laffen. Gewiß, es mag wichtigere sozialpolitische Ziele geben, aber keines ist vorhanden, daß so ohne jeden Parteistreit zu lösen wäre. Hoffentlich kann uns oer Staatssekretär im März nicht nur erneut mitteilen, was der Bundesrat hierzu zu sagen hat, sondern erhalten wir dann schon einen entsprechenden Gesetzentwurf. Abg. Mumm (Wirtsch. Vgg.): Für seine Invaliden zu sorgen, ist eine Ehrenpflicht des deutschen Volkes. Der Antrag hat im Ausschuß nur die Form einer Resolution und nicht eines Gesetzentwurfes erhalten. Dadurch ist es möglich geworden, daß der Antrag von allen Parteien angenommen werden konnte. Im/ Auslande mag es als ein Zeichen deutschen Kraftbewußtseins erkannt werden, daß wir in solcher Zeit an den Ausbau unserer sozialpolitischen Gesetzgebung Herangehen. Die Aussprache schließt. Die Entschließungen des Ausschusses werden einstimmig angenommen. Die Aussprache über die wirtschaftlichen Maßnahmen wendet sich nun zu den ManrischkftslöhMngen. Entschließungen des Hauptausschusses ersuchen den Reichskanzler, durch zweckentsprechende Aenderung in der Kriegs- besolüungsordnung die Löhnungen der Mannschaften vom 1. Januar 1916 um 50 Prozent zu erhöhen, ferner für alle in Feindesland stehenden Mannschaften mit Wirkung vom 1. Dezember 1915 ab die Löhnung auf 80 Pfennig pro Tag und für alle im Inland befindlichen Mannschaften mit gleicher Wirkung auf 50 Pfennig pro Tag festzusetzen, sowie die bisher bezahlten Zulagen den Mannschaften auch weiterhin zu gewähren. Das Beköstigungsgeld für alle Mannschaften und Unteroffiziere soll auf 1,20 Mark pro Tag erhöht werden. Die Offiziere und Beamten im Offizi ersrang sollen bei der Beurlaubung in die Heimat freie Fahrt erhalten, und Härten bei der Besoldung der im Etappen- und Heimatgebiet, besonders im Grenzschutz, stehenden Mannschaften möglichst ausgeglichen werden. Zwei Anträge der Sozialdemokraten wollen den Satz der Mannschaftslöhnung von 80'bzw. 50 Pfg. in die Kriegs- besoldungsordnung ausgenommen wissen und die Gehälter der Offiziere einer Revision unterziehen, hier- bei Zulagen beseitigen, denen eine erhebliche Mehrleistung nicht gegen übersteht. Nach längerer Geschäftsordnungsdebatte wird beschlossen, bei diesem Gegenstände auch diejenigen Entschließungen des Hauptausschusses mit zu beraten, welche darauf abzielen, eine Ermäßigung des Preises notwendiger Lebensmittel, gegebenenfalls unter ftnanzieller Beihilfe des Reiches, herbeizuführen. Abg. Graf Westarp (Kons.) berichtet über die Verhandlungen des Hau 8 haltSauS WusseS, InS* besondere über die Bestrebungen zur Erhöhung der MannschaftS- löhne und die ihr entgegenstehenden finanziellen Bedenken. Abg. Stircklen (Soz): Die Möglichkeit, eine Verbesserung der KriegSbesoidungsord- nung AU schäften, hätte sehr wohl bestanden. Warum tut man ans diesem Gebiet nichts? Wohl nur, weil man an der falschen Anschauung festhält, es handle sich hier um einen Ausfluß der Kommandogewalt. Es sind aber nur die preußischen Gesetze übernommen worden, solange es keine entsprechenden Reichsgesetze gab. Die Kriegsbesoldungsordnung ist weder dem Parlament mitgeteilt, noch publiziert worden. Das hat Senatspräsident Dr. Strutz festgestellt, der auch sonst die Verbesserungsbedürftigkeit der Kriegsbesoldung anerkennt. Bei der Reform, die man vorgenommen hat, hat man neue Härten und Ungereimtheiten geschaffen. Die Gehälter der Offiziere hat man kaum angerührt, während man bei Zulagen oben anzusangen pflegt. Der Bezug doppelter Gehälter darf nicht weiter geduldet werden. Gewissen Abstrichen bei den jüngeren Beamten stehen sogar Erhöhungen bei den Dienstälteren gegenüber. Auch mit den Kriegszulageu in der Heimat hat man noch nicht aufgeräumt. Am schlimmsten ist man mit den unteren Chargen umgesprungen. Sogar bei der unglücklichen Schöpfung der Offizier st ellvertreter hat man gestrichen. Einmal ist der Offizierstcllvertreter Offizier, dann wieder gehört er zur Mannschaft. Hätte man da nicht mit der Charge der Vizefeldwebel glücklicher operiert? Ein Feldpfarrer soll hinausgezogen sein, um in der Lage zu sein, seine Schulden zu bezahlen. (Heiterkeit.) Der Reichstag muß zum Ausdruck bringen, daß auch die Offiziersgehälter reformiert werden. Der lange Krieg macht die Herabsetzung der hohen und die Erhöhung der niedrigen Bezüge notwendig. Unser Antrag geht nicht an das finanzielle, sondern an das warme Herz des Reichsschatzsekretärs. (Heiterkeit.) Nach welchen Grundsätzen werden die Wirffchastsausschüsse zusammengesetzt?, Abg. van Calker (Nat.): Die Kriegsbesoldungsordnung ist kein schönes Gesetz. Eine sachgemäße Reform ist sehr schwer, weil Knifflichkeiten drin sind. Ich halte es für ausgeschlossen, daß wir jetzt an die Reform Herangehen. Wir müßten monatelang daran arbeiten. Wer von den jetzigen Reformen betroffen wurde, ist gar wenig zufrieden. Auf die juristische Seite gehe ich nicht ein, obwohl ich, trotz der Uniform, genug Professor bin, um nicht unwillige Aeußerungen, wie jüngst über die Professoren (Heiterkeit) heraufzubcschwören. Für unsere Mannschaften kann nicht genug getan werden. Ist aber eine Löhnungserhöhung nicht eine zu schematische Hilfe? Wenn unsere Truppen entbehren, leiden auck die Offiziere Not, sie hungern gemeinsam, wer 20 Mark in oer Tasche hat, genau so wie der mit nur 20 Pfennigen. Ich möchte anregen, aus den Vizefeldwebeln und Feldwebeln Oberfeldwebel mit dem Gehalt oer Feldwebelleutants zu machen. Jetzt ist der brave alte FÄd- webel benachteiligt. Nach einiger Zeit müßte allerdings eine Reform der Kriegsbesoldungsordnung vorgenommen werden. Stellvertretender Kriegsmmister von Wand^: Am 25. August habe ich erklärt, daß den Wünschen auf eine allgemeine Revision der Kriegsbesoldungsordnung aus allgemeine Fertigstellung einer neuen Kriegsbesoldungsordnnng, soweit dak Kriegsministerium beteiligt ist, entsprochen werden solle. Den Worten sind auch Taten gefolgt, und umfängliche einschneidende wertvolle Aenderungen sind vorgenommen worden. Wir sind dabei, weitere auszuarbeitcn und nach Beendigung damit hervorzutreten. Die finanzielle Wirkung ist mit Ersparung von Dutzenden vo nMillionen bereits eingetreten. Die Frage der Rechtsaintigkeil ist strittig. In der Juristischen Gesellschaft hat Professor Hahn sie ausführlich aus der historischen Entwicklung erklärt. Die Schwierigkeiten einer Umarbeitung in der Kriegsbffol- dungsordnung liegen darin, daß eine unzählige Menge von Personenklassen in Frage kommt, daß ganz neue Stellen geschaffen wurddn, daß die Verschiedenheiten des mobilen und des immobilen, Dienstverhältnisses zu berücksichtigen sind, daß nicht allein das Kriegsministerium beteiligt ist, sondern innerhalb des Heeres auch zahlreiche Beamte anderer Behörden, der Post und der Eisenbahn beschäftigt sind. Diese Menge von Gesichtspunkten macht es unmöglich, in kurzer Arbeit eine vollständig neue Kriegsbesol- duugsordnung aufzustellen. Eine Aenderung zieht wieder andere nach sich. Bei dem Verlangen der Erhöhung der Mannschaftslöhnung für die mobilen Truvventeile auf >80 Pf. sind schon die Gefreiten vergessen; für sie müßte ein neuer Satz geschaffen werden. So pflanzt sich eine Aenderung immer weiter fort auf andere Stellen. Ich habe auch ein w a r me s H e r z für die Leute uud wünsche ihnen jede mögliche Löhnungserhöhung, aber die Gegengründe sind nicht zu unterschätzen. Bei einer schematischen Erhöhung würden viele erhöht werden, die es gar nicht nötig haben und die jetzt schon gut besoldet werden, Verheiratete und Unverheiratete würden gleichviel bekommen, der Mann in der Etappe so viel wie der cm der Front; der jetzt schon gut bezahlte Feldwebel würde sich bei der Erhöhung um 60 Prozent auf 184 Mark stehen, wozu kein Grund vorliegt. Die finanziellen Wirkungen sind recht erheblich. Früher hat der Abgeordnete Stücklen die Gehälter der höheren Offiziere nicht ändern wollen. Im. übrigen sind die Offizrersgehälter bereits erheblich herabgesetzt worden. So gewähren wir in den Etappen und in Belgien nur die immobilen Gebühren, im Gegensatz zu den Mannschaften, denen wir die mobilen Gebühren nach wie vor bezahlen. In den Wirtschaftsausschüssen bekommen die Offiziere nur ihr Militäreinkommen, die aus Zivilberufen herangezogenen Personen erhalten die in der Kriegsbesoldungsordnung vorgeschriebenen Tagegelder, die nicht erheblich sind und daher nicht als ungehörig bemängelt werden können. Die Wirtschaftsausschüsse haben ganz Vorzügliches geleistet auf allen Gebieten der Wirtschaft, sowohl des Ackerbaues wie der Industrie. Wenn unsere Leute draußen so gut verpflegt worden find wie geschehen und wenn große Vorräte aus den besetzten Gebieten ins Inland übergesührt worden sind, die uns die Ernährung erleichtert haben, so verdanken wir das zu einem sehr großen Teile der ge-' schickten und unermüdlichen Tätigkeit der Wirtschaftsausschüsse.^ (Beifall.) Die Offiziere, die Mitwirken, haben sich ein großes Verdienst um das Vaterland erworben. _ , Ein Offizierstellvertreter, der überzählig wird, weil ein Offizier zur Truppe kommt, tritt nicht in den Feldwebelrang zurück, sondern bleibt Offizierstellvertreter, bis er wieder eine neue Stelle einnehmen kann. Znrücktritt erfolgt^ nur aus disziplinären Gründen. Eine Herabsetzung der- Gebührnisse der Osfizierstellvertreter ist eingetreten. weil sie bei der Neuregelung mit den Beamtenstellvertretern aus eine Stufe zu stellen waren. Die Anregung zur Schaffung von Oberfeldwebeln des^ Abgeordneten van Eglcker nehme ich zur Kenntnis; ich werde prüfe«, ob ihre Durchführung möglich ist. Schenken Sie uns das Vertrauen, daß ^vnr hie Kriegs besoÜmngsordnungsvorschrift gründlich durchprüfen im Einvernehmen mit dem Reichsschatzamt. Ueberweisen Sie die Resolution nur als Material; die weiterzielenden Anträge können nicht durch, geführt werden. Reichsschatzsekretär Dr. Helfferich: Ich kann mich den Ausführungen des Kriegsministers nur an. schließen. Es ist nicht richtig, daß wir von unten zu reformieren angefangen hätten, statt von oben. Wenn in einzelnen Fällen die Höchststellen etwas mehr bekommen als früher, so läßt sich das bei einer organischen Reform nicht immer vermeiden. Man kann nicht nur stets das finanziell Günstigste heraussuchen und dies aus dem alten System beibehalten. Bei den Mannschaftslöhnen kann von einer Bezahlung nach dem Verhältnis der Leistungen keineswegs die Rede sein. Jeder kämpft für Haus und Herd, für seine ganze Existenz. Das Volk kämpft für sich selbst. Von einer Bezahlung nach Art der Beamten oder gar in kaufmännischem Sinne kann hier überhaupt nicht die Rede sein. Was in finanzieller Richtung zu geschehen hat, ist, daß den Truppen draußen das Kämpfen ermöglicht und auch das Leben möglichst erträglich gestaltet wird.! In diesem Punkt sind wir mit dem Reichstag und dem ganzen! Volke einig. Wie wir das 'm Einzelfallc regeln wollen, ist eine Zweckmäßigkeitsfrage. Ob bei Beurteilung der ganzen Verhältnisse nun für eine weitere 'Verbesserung der Lage des Feldsoldaten eine durchgehende Aufbesserung der Löhnung das Nichtige ist, darüber kann man bei wärmstem Herzen doch zweifelhaft sein. Diese Frage der Gestaltung des Lohnes unserer kämpfenden Truppen kann nicht gesondert zugespitzt werden. Auch die Frage der Mannschaftslöhnungen steht mit allen anderen Dingen im Zusammenhang, die die kämpfenden Soldaten berühren. Deshalb wurden auch in der Budgetkommission diese Fragen im Zusammenhang mit den Familienunterstützungen behandelt. Wird ür die Angehörigen der Soldaten daheim ausreichend gesorgt, ann ist es für den Mann draußen im Felde nicht nur eine seelische, sondern auch eine materielle Erleichterung. DaS Geld, das er bekommt, nützt ihm draußen für seine Verpflegung häufig sehr wenig. Ich habe mich bereit erklärt, mit dem Kriegsministerium in neue Verhandlungen einzutreten und nötigenfalls weitere Mittel bercitzustellen. Wir müssen mit allem Geld, was wir ausgeben, den größtmöglichen Erfolg erreichen. Auch das finanzielle Durchhalten muß berücksichtigt werden. Anträge zu steilem ist außerordentlich leicht. Ich werde mich aber von der strengen Wacht über die finanzielle Kraft des Reiches nicht ablenken lassen, auch wenn das im Augenblick nicht volkstümlich ist. Die Tätigkeit deS Reichsschatzsekretärs wird überhaupt immer nur eine geringe Volkstümlichkeit haben. Unsere finanzielle Kraft muß erhalten bleiben, und wir müssen unter allen Umständen mit unseren Finanzen durchhalten können. (Lebhafter Beifall.) Abg. Dr/ Reumann-Hofer (Forffchr. Dp.): Mitten im Kriege kann man natürlich nicht unsere ganze Milit ä ror g anisation auf den Kopf stellen. Sollen denn die Reserve- und üandwehroffiziere weniger bekommen als die aktiven? Das würde sehr bedenkliche Folgen haben. Es würde den Zusammen- Hang des Heeres lockern. Die Schäden würden den Nutzen überwiegen. Wir fordern, daß die Kriegsbesoldungsordnnng so schnell wie möglich reichsgesetzlich geregelt wird. Ich' glaube nicht, daß es so außerordentlich schwer ist, diese ^Ordnung zu verändern! Ich verstehe einfach nicht, warum der Offizier unfrj der Beamte im Kriege me Br haben so ll «13 im Frieden! (Beifall.) Die anderen Volksgenossen haben doch letzt so schwere Einbußen, warum soll der Offizier da mehr erhalten ! Den Wünschen auf Erhöhung der Mannschaftslöhne stehen wir sympathisch gegenüber. Auch dem An- trag auf eine' Revision der Gehälter der Offiziere stimmen wir zu. Abg. Dr. Spahn (Zentr.): Wir treten für die Beschlüsse des Ausschusses ein. Die Notwendigkeit einer Reform der Besoldungsordnung ist klar. Der leitende Grundgedanke muß dabei sein: Einfachheit und Sparsamkeit. Eine Erhöhung der Mannschaftslöhnung ist erforderlich. ^Es muß erwogen werden, ob eine Erhöhung um 60 Prozent möglich ist. Die Löhnung ist ja ohnehin nur ein Zuschuß. Abg. Krcth (Kons.): Wir wollen unseren tapferen Soldaten draußen und im ^.ande m o g I i ch st p i e l z u k o m m e n lassen. Sie sollen eine möglichst gute Löhnung haben und, wenn es möglich ist, auch eine Aufbesserung der Löhnung. Früher hielten die Volksvertreter den Daumen auf dem Beutel, und die Negierung mußte ihnen leden Groschen abringen. Jetzt ist das anders. Jetzt bedrängen wir die Regierung, uns das Geld abzunehmen. (Heiterkeit.) lieber die Kommandogewalt des Kaisers und die Besoldungsordnung wollen wir uns jetzt nicht unterhalten. Das führt zu unfruchtbaren Gegensätzen. Wir verfolgen ein praktisches Ziel und lehnen die Kürzung der Gehälter ab. Zehn Millionen will man ersparen. Zehn Millionen sind eine Masse Geld, aber wenn sie zur Aufbesserung der Mannschaftslöhnung dienen sollen, so ist cs sehr wenig. Die Kürzung der Gehälter unserer .Heerführer würde einen schlechten Eindruck im Ausland machen. (Sehr richtig!) Die Offiziere haben viel Nebenausgaben. Zu einem Kommandeur kommen z. B. Befehlsempfänger durch Lehm und schlechte Wege. Diese Leute kann er doch nicht „ungegessen und angetrunken", wie man zu sagen, pflegt, wieder gehen lassen. Nein, er muß sie zu Tisch ziehen. Das kostet Geld. Die R e f o r m d e r O f f i - ziergehälter ist eine Sache der Heeresleitung und Finanzverwaltung. Kommen Anregungen von dort, so werden wir uns nicht sträuben. Die borgeschlagene Entschließung lehnen wir aber aus grundsätzlichen Erwägungen ab. Wenn ein Ostpreutze im Westen steht urid ein Süddeutscher in Rußland, so kostet eine Urlaubsreise sehr viel Geld. Es ist erfreulich, daß diese Frage wohlwollend geprüft werden soll. Mr danken Gott, daß er uns in^ dieser Zeit Männer gegeben hat, deren Führung wir uns unbesorgt anvcrtrauen. können. (Beifall.) Abg. Werner-Hersfeld (Refp.) bittet um Abstellung von Härten bei den Unterstützungen. Abg. Stücklen (Soz.): Meine heutigen Ausführungen über die Reformbedürftigkeit der Offigiersgehälter stehen nicht mit früheren Aeußerungen im Widerspruch. Mit Geldwert sind die Kriegsleistungen an sich nicht zu bezahlen. Die Beratung schließt. ^ D i e Abstimmung wird am Montag erfolgen. ..Mslong." Verabredungsgemäß wird jetzt die „Baralong"-Angelegenheit besonders behandelt. Abg. Graf Westarp (Kons.): Der Haushaltsausschuß hat sich am Schlüsse seiner Beratung mit der englischen und der deutschen „Baralong"-Note befaßt und gibt seiner einmütigen Auffassung wie folgt Ausdruck: Ein feiger Mord ist geschehen. Tapfere deutsche Soldaten sind in ehrlicher Ausübung ihres Berufes ihm zum Opfer gefallen, nachdem ein tückischer Feind in schnödem, betrügerischem Mißbrauch der amerikanischen flagge und ihrer Farben sie in seine Gewalt bekommen hatte. Mit Recht hat die deutsche Regierung eine Sühne dieses Verbrechens gefordert. Die Sühne ist schroff abgelehnt worden. Der Vorschlag, diesen Fall einem Schiedsgericht zu unterbreiten, steht, mag man über die Schiedsgerichte sonst denken, wie man will, einer Ablehnung gleich, denn er ist kein Ersatz für die Sühne und die Strafe, die das eigene Land cm den aus seiner Mitte hervorgegcmgenen Verbrechern zu vollziehen hat. Die Form, in der die Ablehnung von der englischen Regierung beliebt worden ist, entsprach nicht dem Ernst und der Würde der Sache und der Stunde. .(Lebhaftes Sehr richtig!) Die ganze Note ist durchzogen von einem Ton, für den Fremdworte gebraucht weroen müssen (Zustimmung), von einem Ton süffisanter Arroganz, von einem Ton anmaßender lleberhebung, oen England überall da am Platze zu halten scheint, wo es glaubt, es mit Völkern zu tun zu hoben, die es als die verächtlichen kleinen Rassen bezeichnet, von einem Ton, den das deutsche Volk sich gefallen zu lassen weder genötigt, noch gewillt ist. (Lebhafte Zustimmung.) Und das unerhörteste ist es, daß England es gewagt hat, in seiner Arroganz gegen unsere Armee, gegen unsere Truppen zu Lande und zu Wasser, gegen unser deutsches Volk in Waffen den Vorwurf zu erheben, daß unsere Heere in ungezählten Fällen Verbrechen d»r schwersten Art begangen hatten. (Lebhafte Rufe: Unerhört!) Worte der Abwehr gegen diesen Vorwurf lassen sich in ausreichender Scharre nicht finden. (Zustimmung.) Solche verleumderische Beleidigung fällt auf ihren Urheber zurück, und wie die Tat des „Boralong" ein Schandfleck ist für den Namen dieses Schiffes und seines Offiziers, so ist die „Baralong"-Nbe ein Denkmal der Schande für England. (Lebhafter Beifall.) Der Ausschuß beschäftigte sich auch mit der Antwort, die^ die deutsche Negierung auf diese Note erteilt hat. Man mag über Einzelheiten, über den Zeitpunkt der Bekanntgabe der Note und der Antwort, über das Maß der Darlegungen, deren England gewürdigt worden ist, verschiedener Ansicht sein können — in den Hauptsachenbestand auch hier in den Verhandlungen des Ausschusses volle Einigkeit. Die Darlegungen über die einzelnen von der englischen Regierung vorgebrachten Fälle und die übrigen völkerrechtlichen Ausführungen der Note sind, wie alle Parteien anerkannt haben, klar, schlüssig und unwiderleglich. Volle Zustimmung fand es, und als selbstverständlich wurde eS von allen Seiten erachtet, daß unsere Regierung es abgelehnt hat, in diesem Falle weitere Verhandlungen zu führen, und was die Hauptsache ist, volle Einigkeit bestand darin, daß jetzt die Antwort besteht in der Tat, in entschlossener Tal. (Lebhafter Beifall.) Der Ausschuß hat die Möglichkeit solcher Taten erörtert. Er ist zu dem Ergebnis gekommen, daß es im Augenblick nicht angebracht ist, därüber öffentlich zu sprechen und hat seine Verhandlungen für vertraulich erklärt, er richtet an die Vollversammlung des hohen Hauses gleichfalls die Bitte, sich in die Einzelheiten nicht einzulassen. Für Worte ist die Zeit nicht da, die Stunde gebietet entschlossenes Handeln. (Stürmischer Beifall.) Abg. Noskc (Soz.)': Mit heller Einporung haben alle Kreise des deutschen Volkes von dem Wortlaut der englischen Noteln der „Baralong"-Affäre Kenntnis genommen. _ (Sehr richtig!) Als vor Monaten die ersten Nachrichten darüber kamen, daß die Mannschaft eines deutschen Unterseebootes durch die Besatzung eines englischen Hilfskreuzers in geradezu bestialischer Weise getötet worden sei. habe ich und mit mir wohl viele andere eine Zeitlang an der Richtigkeit der Angaben starke Zweifel gehegt. Es erschien geradezu ungeheuerlich, daß Seeleute es sollten fertiggebracht haben, auf hilflos im Wasser treibende Männer zu schießen und sie zu töten und schon gerettete Mannschaften, die wehrlose Gegner geworden waren, meuchlings zu erschlagen. Wir haben während des Krieges mit Genugtuung davon Kenntnis genommen, daß englische Seeleute bei anderen Gelegenheiten deutsche Matrosen nach ritterlichem Kampfe mutig gerettet haben. Es ist selbstverständlich, daß deutsche Seeleute in ähnlichen Fällen ebenso handeln würden und gehandelt haben. Retteten bisher englische Schiffe mehr deutsche Seeleute als deutsche Schiffe englische Mannschaften aufnehmen konnten, worauf die englische Regierung wiederholt und auch jetzt wieder prahlerisch hingewiesen hat, so geschah es doch deswegen, weil die Umstände es eben bisher nicht anders mit sich gebracht haben. (Sehr richtig!) Im Falle „Baralong" kann nun schpn lange nicht mehr daran gezweifelt werden, daß die Aussagen der amerikanischen Zeugen vollen Glauben verdienen. (Sehr richtig!) Wäre es anders, würde die englische Negierung und die englische Presse sehr bald mit der Entrüstung, die sie so gut zur Schau zu tragen wissen (Sehr gut!), den amerikanischen Aussagen und den Erörterungen der deutschen Presse «mtgegenge treten sein. Dies Schweigen kann nur als Schuldbekenntnis bewertet werden. (Lebhafte Zustimmung.) Drnach habe ich mir auch selbstverständlich die Frage vorgelegt, wa§ die deutsche Regierung wohl tun werde, um Sühne für den feigen Mord an deutschen Soldaten zu erlangen. Das deutsche Volk verspürt keine Neigung, seine lll-Boot-Leute so von den Engländern behandeln zu lassen. Es hatte allgemeine Genugtuung erregt, als die englische Regierung durch die Maßregeln der deutschen Negierung gezwungen wurde, die lll-Boot-Leutc als Kriegsgefangene zu behandeln. Etwas absolut Selbstverständliches war es, daß die deutsche Negierung im Falle „Baralong" die Bestrafung der Schuldigen verlangte. (Lebhafte Zustimmung.) Allen Ungeheuerlichkeiten in dem an sich furchtbaren Kriege entgegenzutreten, hat jedes Volk und jede Negierung Anlaß, schon um das Zusammenarbeiten der Nationen nach dem Kriege nicht unnötig zu erschweren. (Zuruf bei den Soz.: Sehr wahr!) Die Neigung dazu läßt die englische Regierung in Beantwortung der Note im Falle „Baralong" vollkommen vermissen. Diese Antwort ist das empörendste, was wir in diesem Kriege an Zynismus auf diplomatischem Gebiete erlebt haben. (LKhaste Zustimmung.) Die Ausflüchte der englischen Negierung lausen nvttelbar auf eine Billigung des Mordes an deutschen Seeleuten hinaus. (Erneute Zustimmung.) Dafür hat das deutsche Voll absolut kein Verständnis. (Beifall.) Mit Genugtuung haben wir wiederholt während der Dauer des Krieges davon Kenntnis nehmen können, daß neutrale Mächte, die dänische, die schwedische, die norwegische und die holländische Regierung, anerkannten, daß die deutsche Negierung vorgekommene Ungehörigkeiten mißbilligte und sofort Genugtuung gewährte. (Sehr richtig!) Die englische Negierung erbreiftet sich erneut, die Soldaten des deutschen Heeres und >per Flotte zu beschimpfen, gegen die sie den Vorwurf verbrecherischer Kriegführung erhebt. W i r verwahren uns für unsere Volksgenossen im Waffen rock gegen solche Beschimpfungen. (Stürmischer Beifalls Wir Sozialdemokraten haben schon einmal in der Öffentlichkeit betont, daß das deutsche Volk kein Barbarenvolk ist. Wir wissen, daß unsere Brüder im Felde sich an mensch?- licher Gesittung und kulturellen Empfindungen von den Soldaten feindlicher Länder ganz gewiß nicht übcrtreffen lassen. (Stürmische Zustimmung.) Schließlich sind doch die deutschen Soldaten keine Abkömmlinge voü Afrikanern, deren Väter sich noch mit Menschenfleisch ernährten und die jetzt von Frankreich und England gegen uns ins Feld geführt werden. (Sehr gut!) Unsere Soldaten stammen zum großen Teil aus unserer Mitte, sie gingen durch unsere politische und gewerkschaftliche Schulung und sie wissen, daß sie diesen Kampf für ihr Vaterland, ihre eigene Existenz und die Zukunft ihrer Kinder führen. (Lebhafte Zustimmung.) Auch die Männer, die den harten Dienst auf den lll-Vooten tun, verdienen nicht den Vorwurf, Barbaren zu sein. England hat den Aushungerungskrieg gegen unsere Frauen und Kinder begonnen, weil es uns militärisch nicht niederringen konnte. (Sehr richtig!) Es freut mich, feststellen zu können, daß die deutsche Armee und die deutsche Flotte die Grundsätze des Krieges und der Menschlichkeit achten, und ich hoffe,, daß die leitenden Stellen weiter darauf halten werden, daß alle vorkommenden Verstöße genau untersucht und scharf geahndet werden. (Beifall.) Beim Lesen der deutschen Antwort habe ich mich zunächst gefragt, ob nicht auf den Zynismus der englischen Note mit stärkeren Tönen hätte geantwortet werden können. (Abg. Liebknecht (wild): Hört, hört!) Ich billige aber dann die vornehme Zurückhaltung, mit der die deutsche Regierung geantwortet hat. Die deutsche Antwort ist nach meinem Empfinden durchaus ernst und würdig, und Deutschlands gutes Recht ist in diesem Falle ein viel besseres Argument, als es Worte sein könnten. (Lebhafte Zustimmung.) Der „Baralong "--Fall kann nun durch den papiernen Protest seine Erledigung nicht finden. (Sehr richtig!) Es ist zu billigen, wenn die Regierung selbst die Sühne für diesen feigen Mord zu erlangen suchen wird. Wohl bedauern meine Freunde und ich jede weitere Verschärfung des Krieges. Der Krieg ist wahrhaftig schon hart genug. (Sehr richtig!) Aber das deutsche Volk verspürt kein« Neigung, Selbstmordpolitik zu treiben oder zu dulden. daß England mit dem deutschen Heer und der deutschen Flotte Schindluder treibt! (Lebhafte Zustimmung.) Bon unseren Il-Boot-Lerrteu, die wir lebhaft bewundern (stürmischer Beifall), darf nicht erwartet werden, daß sie sich ruhig dem feigen Mord aussetzen, der ihnen von feindlichen Franktireur-Schiffen und Schiffen unter falscher Flagge droht. (Lebhafte Zustimmung.) Vorschläge über Vergeltungsmaßregeln zu machen, habe ich keine Veranlassung. Ich habe die Ucberzeugung, daß unsere Armee- und Marineverwaltung so empfindliche Schläge zu führen weiß, wie sie notwendig find. (Lebhafte Zustimmung.) Wir haben aber auch die Neberzeugung, daß sie es verstehen werden, stets das Ansehen Deutschlands als einer Kulturmacht dabei zu wahren. Stürmischer andauernder Beifall, den der Abg. Äeb- knecht vergeblich durch Zischen zu unterbrechen sucht.). Abg. Dr. Spahn (Ztr.)r Die Vorwürfe der englischen Antwort auf die deutsche „Baralong"-Note waren durchaus überflüssig. Wir haben die Fälle, die dort erwähnt find, schon freiwillig, ohne daß uns von anderer Seite irgendwelche Veranlassung dazu gegeben war, nach unseren Rechtsgrundsätzen untersucht, haben festgestellt, wie wir diese Fälle zu entscheiden haben, und haben auch so entschieden. England hat die allerwenigste Ursache, auf diese Weise gegen uns aufzutreten. Es hat in diesen europäischen Krieg die Japaner hineingezogen, England hat auf dem europäischen Kriegsschauplatz farbige Truppen verwendet. Gegen uns selbst führt England den Krieg, wie er von den Griechen und Römern gegen Barbaren geführt wurde. England will uns cmshungern, England bedrückt die Neutralen. Das geschieht von diesem England, das sein« Kriege nicht selbst führt, das nur fremde Völker und Söldner heranführt. (Sehr richtig!) Seine eigene Flotte, die es gegen uns führen könnte, hält es auf seinen Inseln versteckt. (Sehr richtig!) Ich bin gespannt darauf, was das neutrale Ausland zu diesem Falle sagen wird, was Amerika sagen wird und der Alliierte von England: Japan. Was werden sie dazu sagen, daß England sich das feigen Mordes schuldig gemacht hat? Das ist dasselbe England, das uns die Russen nach Ostpreußen gehetzt hat, dasselbe England, das den Krieg in grausamster Weise von den Russen führen ließ, bei uns in Ostpreußen, in Galizien und auf polnischem Boden. (Zustimmung.) England muß sich uachsagen lassen, cs mäste sich von dem Blute anderer Völker. (Zustimmung.) Wir können wohl sagen, daß gerade die sittliche Kraft unseres Volkes sich in diesem Kriege besonders hervorgetan hat. Das ist die beste Bürgschaft für den endgültigen Erfolg. (Beifall.) Der Reichstag gibt aber den verbündeten Regierungen die Versicherung, daß die Maßnahmen, die als zulässig erachtet werden, um als Vergeltung zu dienen, unsere Zustimmung finden werden. (Lebhafter Beifall.) i , Abg. Bassermann '(NatlJk Auch namens meiner politischen Freunde erhebe ich Protest gegen den „Baralong"-Fall, gegen den schnöden Mord deutscher Soldaten und gegen die englische Note, die den Gegenstand der heutigen Besprechung bildet. Der Tatbestand ist einfach und kurz. Es haben aus Befehl eines englischen Kapitäns Mac Bridge englische Flottenmannschaften deutsche Soldaten feige ermordert. Die eidlichen Aussagen enthüllen so scheußliche Tatsachen, daß man nur staunen kann, daß Angehörige eines Volkes mit einer so stolzen, Vergangenheit, wie es die englische ist, sich zu solchen Taten des> Hasses hinreißen lassen konnten. (Zustimmung.) Es ist schwer/ Worte der Entrüstung zu finden, um dem Abscheu Ausdruck zu' geben über diese feige Ermordung tapferer deutscher Soldaten. /Lebhafter Beifall.) Der Vorfall hat sich in der Hitze des Gefechtes hinübergespielt in einen Zeitraum, in dem das Gefecht abgeschlossen war. Die deutschen Soldaten hatten sich auf ein in der Nähe befindliches Schiff gerettet. Dort wurden sie aufgesucht und' von den Engländern kalten Blutes getötet. Als sie tot waren, ist der Haß noch so weit gegangen, daß jedem noch ein Schuß durch den Kops gegeben wurde. (Lebhafte Pfuil-Rufe.) Einmütig war die Empörung in deutschen Landen; sie ging auch durch die Verhandlungen unseres Hauptausschusses. Ich freue mich der warmen Worte des Herrn Noske und der Entrüstung, der er hier Ausdruck gegeben hat. Auch im neutralen Auslande haben wir viele Stimmen gehört, die sich mit' Abscheu gegen diese englische Mordtat gewendet haben. Wir haben die Worte gelesen: „Englands Schild ist mit einem unaustilgbaren Makel bedeckt!" Ich erinnere da an eine Episode nach einem Gefecht, als die Japaner unsere Schifte zerstört hatten und die treibenden Trümmer den Engländern überließen. Da sahen sie zu und sagten: „So handelt kein Japaner!" Wir sind stolz auf unsere Unterseeboote, auf Offiziere und Mannschaften, die herrlich ihre Pflicht erfüllen. Wir blicken mit Stolz auf die Erfolge in der Nordsee und im Mittelmeer. Maircher tapfere Junge ruht längst auf dem Boden des Meeres in tapferer Pflichterfüllung, ein. ehrenvoller Tod, ein schöner Tod. Aber hier in diesem Falle ist blühender Menschenleben durch gemeinen Mord vernichtet Ivorden. Die englische Note erreicht den Gipfel der Unverschämtheit. . (Lebhafter Beifall.) Sie ist getragen von unglaublicher Frivolität und heuclsterffcher Ueberhebung. Die Lüge, die ja zum englischen System geworden ist, feiert neue Orgien. Dazu treten Beschimpfungen und Verleumdungen des deutschen Heeres. Das geht so weit, daß man eine ganze Armee des Mordes, der Brandstiftung, der Plünderung und Begehung von Gewalttätigkeiten beschuldigt. Was will England mit dieser vergiftenden Note, die jede loeitcre Verhandlung unmöglich macht? Hat es die Absicht, uns in eine Siedehitze zu bringen, die zu unbedachten Maßregeln fiihren müßte? Das ist eine irrige Auffassung. Auch in einer Zeit, wo die allgemeine Empörung durch das Parlament geht, werden wir Ruhe und Vorsicht beobachten und uns bei den zu treffenden Maßregeln nicht Hinreißen lassen. Mit kaltem Blute werden wir auf die englischen Unverschämtheiten antworten. Die deutsche Note geht auf die einzelnen Maßregeln der Vergeltung nicht ein. Der Regierung muß es auch überlassen bleiben, rasch und energisch die Vergeltung 'zu finden und auszuführen, die dem englischen Vorgehen entspricht. Das erwarten wir, daß rasch und energisch gehandelt wird. (Lebhafter Beifall.) Der Reichskanzler hat erklärt, baß wir die Sentimentalität verlernt haben. Hie Rhodus, hie salta! Angesichts der «rg- lischen Grausamkeit ist ein energisches Vorgehen gegenüber England notwendig, von dem Tag für Tag das Völkerrecht verletzt wird. Wir sind stolz auf unsere Heere, unsere Flotte, auf ihre Leistungen, auf Offiziere und Mannschaften. die mit nimmer er- mühender Pflichterfüllung und Treue bis zum Tode immer wieder und wieder den größten Anstrengungen sich hingeben. (Beifall.) Wir find stolz auf die Erfolge, die wir in diesem langen Kriege errungen haben. Wenn wir die Bilanz von 1914 mit der von 1916 vergleichen, so hatten wir damals '60 000 Quadratkilometer mit zehn Millionen Bevölkerung erobert, jetzt sind es 470 000 Quadratkilometer mit 30 Millionen Bevölkerung. Da ist unser Stolz wohl gerechtfertigt. (Lebhafter Beifall.) Wir sind aber auch stolz darauf, daß unsere Kriegführung getragen ist von dem Geist der Menschlichkeit und Sittlichkeit und auf einer höheren zivilisatorischen Stufe steht. Dieses Verhalten zeigt sich nicht nur in der Kriegführung, sondern auch bei'der Behandlung der Gefangenen und der Zivilbevölkerung in den besetzten Gebieten. Darum weise ich mit Entrüstung die Verleumdungen der englischen Note zurück. Wir erheben Einspruch gegen die jedem menschlichen Gefühle und jeder menschlichen Gepflogenheit widersprechenden Handhabimg der Krieg führurig, die bei den Engländern zutage getreten ist. Wir erwarten von unserer Regierung die schärfsten Dergeltungsmaßrogeln. (Stürmischer Beifall.) Abg. Fischbeck (Forftchr. Vp.): Kein Wort der Entrüstung, das von einem Mitglied des Parlaments gebraucht werden dürste, reicht aus, um die Gefühle zum Ausdruck zu bringen, die von der gesamten gesitteten Welt über die englische Antwortnote gehegt werden müssen. Als England den Krieg gegen das deuftche Volk begann, glaubte es, daß Deutschland in kurzer Zeit am Boden läge, es glaubte, daß die Landheere, die es sich nach den Ueberlieferungen der englischen Politik dienstbar gemacht hätte, in kürzester Frist Deutschland überschwemmt und seine Macht zertrümmert haben würden. Es irrte sich darin. Als diese Mittel versagten, begann England eine andere Kriegsmethode, die darauf hinausging, den Hunger zu verhängen über wehrlose Frauen und .Kinder. Der gute Rechner drüben hatte sich abermals verrechnet, er -hatte sich verrechnet in unserer wirtschaftlichen Kraft, die den Hungerkrieg zuschanden machte, indem wir der Welt zeigten, daß wir ans Eigenem imstande seien, unsere Wirtschaft zu führen. England berrechnete sich noch in einem anderen Punkte: der Heldengeist, der in unserer Marine lebt, fand in den O-Booten ein Mittel, um England in seinem eigensten Element, in seinem Handel, zu schädigen, es dort zu treffen, wo England sich unverwundbar dünkte. Wieder griff England zu neuen Waffen urü) diesmal zu Waffen, die die Verachtung der Welt verdienen. (Lebhafte Zustimmung.) Es gibt Sittengesetze, die auch in den erbittertsten Kämpfen, selbst bei einem solchen Ringen, wie wir es jetzt durchmachen, einem Ringen, wie es die Weltgeschichte nicht gesehen hat, nicht außer acht gelassen werden. (Sehr richtig.) England ist mit dem, was es in seiner Note zugelassen hat, von Stufe zu Stufe gefunken.^ (Lebhaftes Sehr richtig.) Wir fragen rurs verwmndert, ob es überhaupt möglich ist, <^ß die Politik eines Volkes noch auf einer tieferen Stufe ankommen kann, als es England hier mit der Verteidigung des „Baralong"-Falles getan hat. (Lebhaftes Sehr richtig.) Wir denken mit Trauer jener Helden der U-Boote, die durch die Feigheit eines englischen Kapitäns dahingemordet worden sind. Wir senden den tapferen Matrosen und Seesoldaten, die bis zum letzten Atemzug ihre Pflicht für chr Vaterland getan haben, die das getan haben, was ihnen befohlen war, wir senden ihnen unsere Grüße der Bewunderung in ihr nasses Heldengrab. (Lebhafter Beifall.) Mit Ausflüchten ist diese Note geschrieben, verdeckt mit Vorwürfen, die durch die deutsche Antwortnote als falsch hingestellt sind. Wir fragen uns nur das eine, ob beim etwa England durch die Art, wie es diese Note beantwortet hat, etwa nun für alle Zu-' kunft englischen Kapitänen von Kreuzern und Hilfskreuzern einen Freibrief darauf geben will, in ähnlicher Weise zu verfahren. Daß das nicht geschieht rrnd daß dieser Freibrief nicht zur Ausführung gelangen kann, die Hoffnung hegen wir, indem wir Hinblicken auf das Versprechen in unserer Antwortnote, daß dem verletzten Gefühl des deutschen Volkes Rechnung getragen und daß England gegenüber Vergeltung geübt werden wird. Wir stehen mit den Vorrednern, die diese Dinge verurteilt haben, in erfreulicher Uebereinstimmung. Es ist nicht erlaubt | und auch nicht unsere Aufgabe, vor der Oeffentlichkeit die Frage, gtf aMttg. fofe Bfefe V^KSuKg zu Zven ist. Dös ist die Aufgabe mrfeves General- uni» Marinestctbes. Uber wir haben nach aflebem, was unsere Armee und Marine geleistet haben, die feste Ueberzerrgung. daß sie die Kraft und das Können haben, auch diese Vergeltung zu üben. Wir hegen die Hoffnung, daß sie so ausfallen wird, daß das verletzte Gerechtigkeitsgefühl des deutschen Volkes und die Verletzung der Sitten der ganzen WePt iZhiL Sühne finden wird. (Stürmischer Beifall.) Abg. Dr. Ortttt (Kons.>: , VL»e so erfreuliche tiefe U e be r e i n st i m m u n g d« d^em Anschauungen hat der Deutsche Reichstag, solange ich ihm angehöre, selten oder fast nie gezeigt wie heute. (Zustimmung.) Der Berichterstatter, der Vertreter der s^ialdemokratiscken Partei waren vollkommen einig in der Auffassung und in der Grundlinie ihrer Betrachtung. Ich könnte etgentLch nur wiederholen, was die anderen Herren schon vorher gesagt haben und kaum ttgendwo eine andere Abtönung oder Schattierung aufsetzen. Einig sind wir alle in dem herzliche« Danke und der unumwunden hohen An- e r U-ajtn n 3 unserer Kämpfer, die sich gegen die feige, erba«miche, jämmerliche und nicht scharf genug zu brandmarkende Mordtat der Engländer richteten. Überrascht find wir. die wir dre Eigenart und Entwicklung des englischen Charakters kennen, durch diese Mordtat nicht. (Sehr richtig!) ■«- . '? n€ i c 5. n b erschämtheit erreicht allerdings den Gipfel, beinahe dm Grenze der denkbaren Möglichkeit, in der Geschichte werden sich ähnliche Beispiele heimtückischer Feig- h e i t wenig finden. (Zustimmung.) England reiht sich durch diese Tat den schlimmsten und verabscheuungswürdigsten Taten an, die in der Weltgeschichte vorgekommen sind. (Sehr richtig.) Die deutsche Sprache, nicht nur die parlamentarische, sondern auch die des Volkes hat kein Wort, das scharf genug wäre, dem Ausdruck zu verleihen, was wir alle und was auch die Völker draußen, sowei t sie sittlicher Regungen noch fähig find, empfinden. (Sehr richtig.) Dieser Tat müsien wir das schärfste Maß der Verachtung cntgegenbringen, eine Verachtung, die die Tat und ihre Tater aus dem Bereich der MenMichkeit und des Menschentums weist. Die deutsche Regierung hat vornehm gehandelt, wenn sie die Aburteilung der Verbrecher in der ersten Note verlangte. Vielleicht hätte man sich diese Note ersparen können. Aber ich bin durchaus mit ihrer Absendung einverstanden. Gegenüber dem korrekten, einwandfreien Verhalten der deutschen Regierung hat sich die englische Regierung zu einer Dntzvort verstiegen, deren Ton ich auch der fetzigen britischen Regierung nicht zugetraut hätte. Sie übersteigt das Maß deffen, was man von ihr erwarten durfte. Wir wollen ja Fremdworte nach Möglichkeit vermeiden, deshalb dürfen wir hier von einer höhnischen hämischen Unverschämtheit sprechen. Ein kaustischer Hohn geht durch diese Note, der sonst in diplomatischen Verhandlungen doch eigentlich ungewöhnlich ist oder zahmer cmgewendet wird. Die englische Note hat aber die Sache, geklärt und deshalb auch etwas Erfreuliches gehabt. Bis jetzt! handelte es sich nur um die Mordtat eines einzelnen englischen! Schiffskommandanten. Mit Recht hat die deutsche Antwort vorgehoben, daß die englische Regierung nunmehr selbst die Ver-! üntwortung für das Geschehene übernommen hat. Was wirj dagegen tun, muß sich nun richten gegen die Regierung., die die Tat zu ihrer eigenen macht. (Beifall.) Die! von der deutschen Negierung ausgesprochene Erwartung, daß eirp Gerichtshof auö englischen Seeoffizieren die Untat ebenso be°l urteilen werde, wie die deutsche Regierung, mißbillige ich nichts wie es vielleicht geschehen könnte, sondern gestehe: gerade barin liegt die schärfste, und wenn Sie wollen, auch eine etwas höhnische Kritik dessen, wessen man sich von der englischen Regierung ver- sehen soll. Die Entrüstung im Lande ist ungeheuer, die Regierung muß mit rhr rechnen. Das Volk erwartet nicht, daß wir etwa die Engländer in den von mir gekennzeichneten Eigenschaften übertreten; dessen sind wir nicht fähig, das entspricht auch nicht dem Ernst der Sache. Wir wollen die Engländer behandeln ml! der Verachtung, die jeder ehrliche, inner- lich anständige Mensch nicht nur den Mördern, sondern noch mehr dem Gebaren der englischen Regierung entgegenbringen muß. Die Tat muß folgen. Es wäre töricht, wenn wir uns hier über Abwchrmaßregeln aussprechen wollten. Aber nngesühn.t darf die Unverschämtbeitder britischen Regie- rung nicht bleiben, ungesühnt dürfen unsere Seehelden, denen unser Dank in ihr feuchtes Grab hineinleuchtet, nicht geswrben sein, und das deutsche Volk darf erwarten, daß die Sühne seinem Gefühl entgegenkommt und die deutsche Regierung mit aller Entschiedenheit von den Mitteln, die sie in der Hand hat, Gebrauch macht und die englische Regieruna zu strafen, wie sie es verdient. In dieser Erwartung sind wir alle einig. Mit Ausnahme eines, der nicht mehr ernst zu nehmen ist. (Lebhafte Zustimmung.) Alle ernsten Männer des Hauses sind darin einig, und jeder im deutschen Volke, soweit er denken und zu urteilen ver- mag, wird der Regierung dankbar sein, wenn sie entschiedene Sühne eintreten läßt für das. was die Welt hat sehen müsien cnr Fürchterlichem, Entsetzlichem. (Zuruf des Abg. Liebknecht: Me Kriegshetzer sind darin einig!) Ich fteue mich, daß ich es noch erleben kann, einer so erhebenden Einmütigkeit in der Auffassung aller von rechts bis links zu begegnen, das läßt uns mit guter Zuversicht in die Zukunft hineinblicken auf die letzte Entschei- düng. Hält diese Einigkeitaus, dann müssen wir siegen, dann werden wir unbedingt kieaeuk (Lebhafter Beifall.) Gketzener NonzcrtvcrelU. Wenn ein etwas bunt zusammengesetztes Programm wie das des gestrigen Konzertes so vortrefflich wiedergegeben wird, schweigen alle Bedenken gegen eine solcl)e Zusammenstellung. Tie Ausführung schafft die Einheit, die der Auswahl zu fehlen schreit. Mit W. A. Mozarts Arie der Konftanze aus der „Entführung ans dem Serail" leitete Frau Hermrne B 0 s e 11 i den Abend mit gutem Gelingen ein. Es folgte, von Herrn Joseph S z i g e t 1 gtzspielt, Giuseppe Dartinrs Sonate in G-Moll „Der T-eufelstriller", von der Joseph Joachim schrieb, er zähle sie zu jenen seltenen Kunstwerken, die deshalb so unbezwinglich wirken, weil uns ans ihnen die innerliche Erregung des Schaffenden wie mit lebendigem Hauche zn atmen scheint: mit ihrem quellenden Fortgang bald zarter, bald leidenschaftlicher Tonwellen, ihrem wehmutsvollen Larghttto, dem bald energischen, bald neckischen zweiten Satz, den: ^männlich stolz-en und leidenschaftlich bewegten Finale mit dem Teufelstriller — (im Traum soll Tartini der Teufel erschienen sein, diesen Triller gespielt und ihn so zu, dem Werke inspiriert haben) t- verlange sie eine Wiedergabe, für die eine bloss technisch-virtuose Ueberwindung der Schwierigkeiten nicht ausreiche; es bedürfe einer durchgeistigten Technik, die ihr Hauptaugenmerk auf das charakteristische Gestalten richte. Herr I. Szigeti wurde all diesen hohen Anforderungen in hohem Masse gerecht und bot den Hörern dtrrch seine geniale Wiedergabe einen, unvergleichlich grossen Kunstgenuss. In der später folgenden A-Mvll- Sulle von Sin ding übertraf der Geiger sich selbst und hob so dies Werk auf eure ganz rmgeahnte Höhe. Man weiss nicht, was man an diesem jungen ^Künstler mehr bervmrdern soll, die leiclst- flüssige, nie versagende Technik, sein meisterhaft ausgeführtes Spic- cato, die spielende Neben vrndmrg subtilster Schtvrerig ketten, wie das Oktavspiel in de:: höchsten Lagen, seinen rdeal schönen Ton, sein atembezwingendes wunderbares Piano oder die gesunde Herbheit und Abgeklärtheit seiner Auffassung. Szigeti gehört trotz seiner Jugend schon heute zu (bat grossen Meistern seines Instruments. Von den Liedern gelangen Frau Bosetti für mein Empfinden am besten Schuberts „Fovelle" und „Grctchen am Spinnrad", sodann die vier Lieder von Wolf, insbesondere „Er ist's" — bei Schumann 's „die Lotosblume" rmd ,cher 9hi&f= bäum" fehlten Poesie und Wärme. Frau Bosetti gerät am besten das spielerisch leichte (was technisch bekaimtlich das schwerste ist) sowie das drantatische, dagegen tveniger das rein poetische. Köstliche Gaben bot Herr Szigeti dann noch mit der „Air" von Gvldmart, mit Fritz Kreisler's „Wiener Caprice" und Jenö Hubay's „Hejre Kati" — auch hier war es seine gesunde, allem weichlickxen ferne Auffassung, die diesen Stücken vortrefflich zustatten kam. Wie Szigeti den Rhythmus behandelt, ist vorbildlich und von eigenem Reizt; sein MagWÜHpiel ist überirdisch, schön, . * *> ttnfetfhwfefefretar rm Auswärtigen Amt Zirmnerrntnnn Mil aufrichtigster Genugtuung habe ich auch namens der Regierung die Einmütigkeit festzustellen, mit der Sie. das deutsche Bol! und die Regierung den schmählichen „Sara* Cottg=^örT de m rteilen. Der empörende Vorfall, die pertinente englische Antwort sind von Ihnen in gebührender Weise gekennzeichnet worden. Es bedarf keines Wor- tes von mir, um noch weiter die empörende Tat der Engländer M unterstreichen. Ebenso besteht Einigkeit darüber, daß scharfe Sühne notwendig ist. Auch hier stimmt die Regierung volllom- chen mit Ihnen überein, und ich danke Ihnen namens der Re- grerung für die erhebende Art und Weise, wie Sie Ihrer Ent- irüstung und Empörung Ausdruck gegeben haben. Ich kann Ihnen versichern — und bitte Sie, diese Versicherung auch mit nach Hause zu nehmen — daß bie Regierung die richtigen (Mittel und Wege finden wird, um diese empörende Tat scharf und nachdrücklich zu sühnen. erstellt. — Senator Lewis hat einen Antrag eingebrackst, den Präsidenten zu ermächtigen, von Heer und Flotte Gebrauch zu machen, um die Ordnung in Mexiko wieder hcrzustellen, wie es in Haitt und Nikaragua geschehe. Gießener Strafkammer. th. Gießen, 15. Januar. Gestern verhandelte die Strafkammer unter Vorsitz des Landgert chtsrat Funk fünf Aussagen. Eines Vergehens gegen die Marktordnung war der Wildbrethändler Wllh. H. in Giessen an geklagt, er soll trotz des Verbots als Wiederverkäuser Einkäufe auf dent Wochew- marft gemacht haben. — Das Schöffengericht hatte den Angessagtcn sreigesprochen. Die Strafkammer war der Ansicht, H. sei des ihm zur Last gelegten Vergehens schuldig lmb erkannte gegen ihn auf eine Geldsttafe von 25 Mark und die Tragung der Kosten. Hinter verschlossenen Türen wtrrde gegen den 40 jährigen Schlosser Joh. H. von Vilbel wegen Sittlichkeitsvcrbrechett an einer Minderjährigen verhandell. Aus dem öffentlich verkündeten Urteil ging hervor, daß der Angessagte wegen der gleichen Straftaten bcretts viermal vorbestraft ist, daß die volle Vercuttwvrtlichkell in strafrechtlicher Bezie^rng nach dem Gutachten des Kreisgesundheitsamtes Friedberg gegoren ist, und dass der Mann der Tat überführt worden ist. JU Rücksicht aus die UnVerbesserlichkeit des H. erkannte die Kammer aus eine Gefängnisstrafe von 8 Monaten. Der erste Fehltritt einer Jugendlichen. Tie 15 Jahre alte Marie G. bon.Giessen soll ihrer Schwägerin! aus dem Vertibow mittels Dietrich den Bettag von 20 Mark entwendet haben. Das Mädchen war in einem Geschäft tättg. Sie eignete sich dort aus dem zufällig unverschlossenen Schrank einen Geldbetrag von 70—80 Mark an. Weiter unterschlug das Mädchen ^ eine seidene Bluse im Wette von 12 Mark, welche sie als Dopf^l- bries der Post übergeben sollte. Die iugettdliche Angessagte hat den Zeugen gegenüber und auch dem Schutzmamt Stock im Bor- versahrett ein Gestätrdnis abgelegt, das sie in der Hauptverhandlupg widerrief. Trotz der früheren Gfftändnisse für alle unter Anssage gestellten Sttaftaten verutteilte sie die Kammer nur wegen einfachen Diebstahls zu 2 Wochen Gefängnis. Wegen des schwe«n Diebstahls zum Nachtell ihrer Verwandten erfolgte Freisprechung, weil die Möglichkeit besteht, dass ein Anderer diese Tat begangen hat, ebenso sei die Angessagte auch wegen Unterschlagung srei^tk- sprechen, well deren Angabe, sie habe den Doppelbrief mit Jnhcllt verloren, nicht widerlegt erscheint. Bie hseuchen-Vergehen. Der Schweinehändler Heinr. E. von Gonzenau ist geständig, 15 Ferkel, die er aus dem Markt in Fulda gekauft hat, nach der Stattvn .Hartmannsham verladen zu haben. Er hat die Tiere dann aus- geladen, in den Stall des Bürgermeisters Per bracht, ohne, ehe er die Tiere anslud, als von Preußen in Hessen elltgefühtt, betnt Bürgermeister und dem Kreisvttettnärarzt anzumelden; er hat auch dickTicre nicht ärztlich untersuchen lassen Und diese auch nicht, wie vorgeschrie- bett, in einem Beobachtungsstall üntergebracht, ehe er sie im Gross- Herzogtum weiter verkaufte. Ter Angessagte hat damit in mebreren Pirnkten gegen die Seuchenvvrschttsten verstoß eit. Er hat aber weller den Gonzenauer Beigeordntten veranlasst, ihm eine Bescheinigung zu erteilen, wonach die ip. iFnlda, aus einem preußischen Markt, gekauften Ferkel aus einer Gonzenauer Zucht entstammen. Der Bei- Mitteilungen zu erlangen.^ Was in diesen Anfzetchnungen kriegs- I technisch von Belang ist, wird nach Stichwvttcn vermerss ttttb liegt in einer Kartothek geordnet, jederzeit zur Verwendung vor. Haupt-, zweck wird dieses Kttegstechttische iit der eigetttlichen Erhebungs-- arbeit des Archivs. Sie erfolgt mittels eines aus das sorgfältigste ausgearbelleten Fragebogens, der z. B. bei einem Jnfanterie- regtment mit 40 Einzelftagen folgende Gäbiete umfasst: das offene Gefecht im Beivegungskrieg, das Gefecht im Stelltingskrieg, dte Feuertätigkeit, die Ausrüstung, die Verpflegung, die sriedens- mäßige Ausbildung, den Sanitätsdienst, das Seelische und den Feind. Ein solcher Frageblock wird jedem Mann, der genügend lange Frontersahrung besitzt, zur Beanttvottung während des Urlaubs mitgegeben und bei der Rückgabe vom Archivar gemeinsam mit dem Beantworter durchgesel-en. Dies ungeheuere, ge-' stchttte und ebenfalls nach den Hauptiverten in einer Kartothek zur Bearbeitung bcreitgestellte Material ist für die Fortentwickelung unserer militärischen Rüstung besonders wettvoll. Wir iverden nnssen: so Und ntcht anders hat der detttsche Soldat sein Gewehr bedient; setne Verpflegung spielte sich in diesem Rahmen ab, dieser' Tetl setner Bekletdung erwies sich als schleckst, jener n>ar gut usw Auch wtte nnmtttelbaren Aeußertmgen der Leute über wünschenswerte Aenderungen und Resorinen in der Ausbildung, der Bervaff- ntmg, der Gepäckvetteilung werden so zugänglich, und schließlich eröffnen dtese Antwotten st'tt die Psychologie des Krieges und des deuffchen Soldaten eine Fülle von Quellen. * < rei musikalis ch e Uran fführ n ngen in Dres- den. Aus Dresden wird uns geschrieben: Das junge D r c s - dener Philharmonische Or che st er brachte in seinem 8^ Stnfoniekonzerte nicht weniger als drei Uraufführungen. Zwei Dresdener Komponisten^ Paul Büttner und der junge Hof- kapcllmeister Kurt Striegler kamen zu Wott. Beider Werke wurden mit außerordentlichem Beifall aufgenomnten. Paul Büttners F-Dur-Sinfonie ist eine schwere, grüblerische Mtisik voll inneren Kampfes, die Beethoven, Bruckner zu Ahuett hat, eine im Breiten, großliyig, mächttg daherrauschende Musik mit eigenwilliger rhytlyntscher Dessamation und dämonffchem Einschlag. Auch die ekstatische Hingeriss-enheit der Geste und Mimik, mit der der Komponist dittgierte, vertt-et, daß hier slawische Elemente vorhanden sind. Das Orchestet ist von oft wirssich übersättigter Farbenglut, aber der dicke Auftrag schadtt dem Wette ebenso, wie sein Mangel an äußerer Konzentration. Ohne Ziveifel spricht sich hier eine ungewöhnliche Persönlichkeit ans. Biel einfacher, fttscher, unbekümmerter fließt die orchestral ebenfalls fast zu glänzende Näusik Kurt Sttteglers daher. Sowohl der den Manen der Gefallenen gelvidinete „Epilog" wie die sinnfällige Kriegs- musik „1914" sind Gaben einer leichtproduzierenden, sprudelnd- musikalischen 9iattir. Der kaum Dreißigjährige wird noch zu er- wessen haben, ob er uns auch Dieses und Bedeutendes' zu sagen hat und bedeutend darznstellett weiß. /geordnete hat diese falsche amMäx Bcmrckmtömrg allein ans die ihm ähit Angeklagten gemachten Bersichernngen vorgerrommen, so daß der Handeismumr die Tiere aus Grund der Wahrheit^- Jvidrigeu Bescheini-gung auf den Hergenhc-iner Markt auftreiberr und erkaufen konnte. Tie Strafkammer erkarmte unter Zubilligung 'mildernder Umstände für beide Begangenschaften auf eine Gesamt- Geldstrafe von 300 Mark oder 60 Tage Gefängnis. Ein Spezialist ist, der aus der Untersuchungshaft vorgeführte 33 Jahre alte Arbeiter Ludwig Sch. von Wolfsgruben, zuletzt in Gießen wohnhaft, 'der als wiederholt rückfälliger Dieb vorbestraft ist. Seine Leidenschaft sind Stallhasendiebstähle. Er ist geständig, in 10 Fällen und zwar in Fellingshausen und Klein-Linden 3 Kleider- und Wäschediebstähle, in Gießen 1 Gans und 2 Hühner und weiter in 6 Fällen 12 Stallhasen gestohlen zu haben. Mitangellagt ist die 34 jährige Ehefrau Lina S. von Gießen, welck>e beschuldigt ist, den Sch. in mehreren Fällen zu den Diebstählen angestiftet und das Tiebsgut als Hehlerin an sich genommen zu haben. Weiter standen unter der Anklage der Hehlerei der 43 Jahre alte Tagelöhner Will). Sch. und dessen Ehefrau aus Gießen. Tie Verhandlung ergab, daß es sich bei mehreren der begangenen Taten um schweren Diebstahl handelt, weil der Täter mittels Einsteigen und mittels Erbrechen von Behältern zu dem Diebesgut gelaugt ist. Es ergeht das Urteil, daß Ludwig Sch. wegen der begangenen einfachen und schweren Diebstähle im Rückfall unter Zubilligung mildernder Umstände zu 2 Jahren Gefängnis, die Ehefrau Lina S. wegen Verleitung zum Diebstahl und wegen Hehlerei zu 2 Monaten Gefängnis Und Wllh. Sch. wegen Hehlerei zu.2 Wochen Gefängnis zu ver- urteileu sind. Die Ehefrau Wilh. Sch., welche sich die Braten mit hat gut schmecken lassen, wurde der ihr zur Last gelegten Hehlerei für nicht schuldig befunden und f reigesprochen. «Ejanfccl. Die englische Ankündigung, den deutschen Handel dauernd zu boykottieren. New Uork, 15. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Funkspruch des Vertreters des Wolfsbureaus. Die britische Ankün - d i g uu g des Planes, den deutschen Ha u d eI nach Dem Kriege zu boykottieren, wird lebhaft erörtert, besonders da die Verwirklichung des Planes die Entwicklung des amerikanischen Außenhandels ung-erechterweise treffen würde. Viele Kreise einschließlich der Kongreßmitglieder bezeichnen den Plan in Ausdrücken höchster En t r ü st u n g als eine neue Beschränkung des neutralen Handels. Die Zeitungen tadeln den Gedanken, den Krieg auch auf wirtschaftliches Gebiet zu übertragen. Die „Handelszeitnng" sagt: „Dies ist der Weltkonflikt, und das Arteresse der jetzt neutralen Völker wird beobachtet werden müssen." Die „Times" sagt: „Von den Neutralen kann nicht erwartet werden, daß sie dem Gedanken zustimmen, daß die Ueberle gen heit des deutschen Handels durch militärische oder politische Mittel besiegt werden müsse." „International News Service" meldet in einer Depesche aus Washington, es herrsche dort Besorgnis. Die Depesche sagt, viele Senatoren hätten erklärt, daß jetzt nichts den Ausbruch einer Stimmung im Senate gegen Englands Behandlung der neutralen Schiffahrt verhindert könne. Das Staatsdepartement werde dem Senat jetzt die mit England strittigen Fragen unterbreiten. Von der Entscheidung des Senats hänge es ab, ob das Verhältnis zu England gefährlich oder akut werden könne. Das Staatsdepartement habe aus nichtamtlicher Quelle die Nachricht von dem englisch- französischen^ Abkommen erhalten, nach dem keinem deutschen Handelsschiff mehr erlaubt sein soll, in einem britischen oder französischen Hasen einzulansen. Der Senator Hoke Smith werde dem Senate ans Deutschland stammendes Material vorleaen, das seine Behauptung beweisen soll, daß Englands Handlungsweise, Baumwolle als Bannware zu erklären, vollständig ungesetzlich ist. Die Depesche fligt hinzu, einige der konservativsten Senatoren hätten ihre Entrüstung über die Tatsachen ausgesprochen, die sie als entert Beweis für den Entschluß Englands ansehen, dem deutschen Handel ein Ende zu machen. In einer Unterredung mit dem Vertreter der „New Dort American" erklärte der Senator Chamberlain aus dem Staate Oregon, Englund Hube während des Krieges alle Mittel zur Erdrosselung des feindlichen Handels gerechtfertigt, aber es gebe keine Rechtfertigung dafür, eine solche Politik auch nur einen Augenblick nach der Beendigung der Feindseligkeiten fortzusetzen. Zu sagen, England plane ernstlich die Vernichtung des deutschen Handels nach dem Kriege und beabsichtige, Deutschland oder irgend ein anderes Land auch nach dem Kriege zu verhürdern, sich von der unaussprechlichen Verwirrung des Welthandels, unter der es litt, wieder zu erholen, sei eine offene Mißachtung des Rechts jeder Nation. New York, 15. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Der „New York Amerikan" meldet: In Washington verlaute, der englische Botschafter habe seine Regierung telegraphisch von der Feindseligkeit benachrichtigt, die R tt n c i m a n s B o y k o t t p l a n in Amerika hervorgerufen habe. Aus gut unterrichteter Quelle erfährt das Blatt, daß der englische Botschafter nicht der Meinung sei, daß seine Negierung einen solchen Plan gutheißen werde. Es wird bestätigt, daß der Botschafter persönlich ein eifriger Gegner einer solchen Politik ist. BiiSchuteenqrabe IlyGlÄsssIgsg' deshalb sendet sie ins Feld!? Überall zu haben wo Rekl. am Fenster in Beuteln v. 15 Pfg. an. lafii a g M E B l m- ws I Statt jeder besonderen Anzeige. Gott der Herr rief heute nacht meine liebe, gute, unvergessliche Frau, unsere treubesorgte Mutter und ^Schwiegermutter, unsere liebe Schwester, Schwägerin und Tante Frau Luise Schmahl, geh. Schwerer nach langem schwerem Leiden durch einen sanften Tod zu sich in die Ewigkeit. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Karl Schmahl Gr. Landgerichtsrat, z. Zt. Kriegsgerichtsrat. Giessen, den 16. Januar 1916. Tüchtiger Schlosser zugleich Heizer, sofort gesucht. 950 Alk., freie Station und Dienstkleidung. Versor- gungsberechligte Kriegsteilnehmer bevorzugt. l342D Gr. Direktion der Heil- und Pflege- anftalt Gießen. 458^ Die Einsegnung findet Mittwoch, den 19. Januar, vormittags l&U Uhr, im kath. Schwesternhaus, die Beisetzung Donnerstag, den 20. Januar,' nachmittags 2% Uhr, in Frei-Laubersheim (Rheinhessen) statt. Schlosser u.Dreher bei hohem Lohn für dauernde Arbeit gef. Weißbinder od. Anstreicher gesucht. [452 Hch. Schön, Liebigstraße 65. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und für die zahlreichen Kranzspenden bei dem Hinscheiden meiner unvergesslichen Frau, unserer lieben Tochter, Schwiegertochter, Schwester, Schwägerin und Tante Lina Meimann geh. Steinmüller sagen wir allen herzlichen Dank. Besonders sprechen wir Herrn Pfarrer Dörr für die trostreichen Worte am Grabe und der hiesigen Krankenschwester für ihre liebevolle Pflege noch unseren innigsten Dank aus. 447 Die trauernden Hinterbliebenen. Heuchelheim, den 17. Januar 1916. Wärter zum baldigen Eintritt gesucht. 450 Mk. im Jahr bei freier Station und Dienstkleidung. Lohn jährlich steigend um 50 Mk., nach 6 Jahren Dienst- prärnie von 1000 Mk. Versorgungsberechtigte Kriegsteilnehmer bevorzugt. !25D Gr. Direktion der Landes- Heil-u.PfiegcanstaltGießen möglichst mit Einjähr.-Frei- willigen-Berechtigung, von einem größeren Werke geg. Vergütung gesucht. Selbstgeschriebene Angebote u. 347 an d. Gießener Anzeiger erb. In meinem Drogen- und Clicmikaliengeschäst ist gl. od. später eine I evr-^telle j zu besetzen. Otto Schaaf, Seltersweg 39. [07135 Danksagung. Für die vielenBeweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei dem Tode unseres guten, unvergeßlichen Mannes und Vaters sagen wir hiermit den bei der Beerdigung anwesend oder durch Abordnungen vertreten gewesenen Vereinen, sowie allen Verwandten und Freunden von nah und fern herzlichsten Dank. Die tieftrauernden Hinterbliebenen. In deren Namen: Familie Fritz. Langsdorf, den 15. Januar 1916. s453 Schöne, neu hergerichtete 5-Znnmerwohnung, Part., per 1. Mal, evtl. 1. April zu vermreten. Bleichste. 28 I.. Ecke Ludwigstraße. 39 | 5 Zimmer j Ludwigstraße 4 im 2. Stock schöne, geräumige 5-Zimmer-Wohnung mit allem Zubehör zum 1. April oder später zu vermieten. W Nitschkowöki, Buchdruckerei. [287 Kaiser-Allee 11 schöne 5-Zimmcrwobnung, Gas, elektr. Licht, mit reicht. Zubeh., der Neuzeit entspr., wegzugshalber zu verm. [296 456| 5-Zimmerwobnung per 1. April zu vermieten. Ca!6 »«Hör. Bahnhofstr. 52a. Sch. 5-2xm.-Wohn., Gas, Bad, Elektr. u. Zubeh, v. 1. Avril 1916od.fr. z. verm. Näh. Baha- hofstr.,Ecfe eWolk ang. 271. 24 j Verschiedene] Parterre und II. Stock Frankfurter Straße 25, für sofort oder später beziehbar, zu verm. Schöne Wohnungen in. allem Zubehör. Näher, im Hause und durch L. Althoff, Walltorstr. 16, Tel. 230. |8 5ll. Mansardeu-Wohn. per 1. Avril an kl. Familie z. vm. 111 Frankfurter Straße 11. 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