M. 8 Sweites Slatt 8tfd)etnl täglich mit AluSnahme des Sonntags. Die „Aittzener LamilienblStter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Lreirblatt für den Ureis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- erscheinen monatlich zwennal. 166 . Jahrgang w * Eeneral-Anzeiger für Gberheffen Dienstag, «. Zannar I 9 S 6 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Univerfitäts - Blich- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.' Schnftleitung,Geschäftsstelle u.Truckerei: Schul- straße?. Geschäftsstelle u.Berlag:e^51, Schriftleitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Lin Weißbuch voller Lügen. or 28 V^ öember1915 Berliner Auswärtige Amt der englischen Regierung die Denkschrift über die Mordtat der „Baralong"-Leute überreichen lassen und die Erwartung ausgesprochen, daß man in der Downingstreet sich in kürzester Frist äußern und ein Verfahren zur Sühne des empörenden Vorfalls einleiten werde. Es lag ja auch im Interesse Englands, rasch Klarheit zu schaffen, falls etwa Mißverständnis der amerikanischen Zeugeii mitsprelte. Sechs Wochen hat die britische Regierung gebraucht, um ihre jämmerliche und nichtswürdige „Rechtserti- gung zusammenzubrauen, wenn man dieses unehrliche Machwerk überhaupt mit dem ernsten Wort Rechtfertigung bezeichnen darf. Der ,,finstere Lügner" Grep, wie ihn ein englischer Landsmann taufte, hat hier den Vogel an Ver- drehung und Unwahrhaftigkeit abgeschossen. Mit Hohn er- “ ar * er , *°j} rc der Gipfelpunkt der Dummheit, wenn er dre Baralong-Angelegenheit als Einzelfall einer besonderen Untersuchung unterwerfen wollte und zieht dann drei angebliche Untaten deutscher U-Bootskommandanten an den um sie in Vergleich zum ,,Baralong"-Fall' zu stellen. Was Hat aber der „Arabic"-Fall, über den doch wahrlich genügend Klarheit geschaffen ist, was hat diese kriegsgerechte Versenkung eines Schiffes mit dem bewußten it ^ nb Sportschießen auf die wehrlos gewordenen deutschen U-Bootsleute zu tun? Nicht das geringste. Und d-er Full au der dänischen Küste? Ein englisches U-Boot „war nicht m der Lage, sich zu verteidigen", weil es sich im neutralen Fahrwasser befand? Wie zartfühlend doch Albion manchmal ist, um nicht zu sagen feige. Angenommen, der deutsche Torpedobootszerstörer habe die dänische Neutralität zu spat erkannt, ist der Engländer dadurch wehrlos geworden? Deutschen da bewußt auf einen Wehrlosen ge- schossen. Aber es ist ja alles Schwindel und Spiegelfechterei. Auch das angebliche Granaten- und Gewehrfeuer auf die ?ootedesDamvfers „Ruel" wird sich als englischer Humbug Herausstellen. Dieser dritte Fall scheint von Grep eigens zum Zwecke besonderer Ähnlichkeit mit der „Baralong"-An- ersonnen zu sein. Die deutsche Regierung wird wohl keinen Augenblick das hellste Licht der Untersuckuna dieses „Ruel"-Falles scheuen. Allerdings wären Seeoffiziere der Vereinigten Staaten wohl nicht die geeigneten Richter Lenn von der nordamerikanischen Union sind doch bisher allzu viel Beweise der Befangeilheit und Parteilichkeit gegeben worden, als daß man ihre Militärs als Schieds- manner zwischen dem deutschen Michel und seinem mißratenen, jedoch in Washington verhätschelten Vetter an- ^nnen konnte. Aber der Gegenvorschlag Greys, den „Bara- wng -Fall mit den drei von ihm genannten Fällen zu- zu untersuchen, ist natürlich nicht ernst gemeint, qu^'^bukungsversuch. Der wahre Kern des englischen Weißbuches besteht darin. d.iß die Regierung Georgs V. es unnötig findet, irge-.a Erwiderung auf die Beschuldigung Don deutsche. Seite zu geben", schämt sich in Eng- Bubenstreiches der Baralongleute? Der Tatbestand steht fest, bezeugt von einer Reihe unbescholtener neutraler Personen, die ihre Aussage eidlich bekräftigt haben. Es liegt betrügerischer Mißbrauch der amerikanischen Flagge und der schnöde Mord an wehrlosen Menschen vor. Die englische Regierung leugnet und lügt Gegensülle zusammen. In der Note vom 28. November 1915 wurde fJra b, ?es ungesühnten Verbrechens angedroht, falls die Tat Nicht im beschleunigten Verfahren durch schwere Strafe geahndet wird. Die deutsche Regierung hat schon ein- ^ U-Bootangelegenherten Ernst gemacht, als England unsere braven Blaujacken als „Mörder" behandeln wollte und in die naval Detention baracks steckte. Sie kamen dort occ be - r ^raus, als Deutschland kriegsgefanqenen enq- ischen Offizieren die gleichen „Ehren" erwies. Will man es letzt rn ^.ondon auf eine noch ernstere Probe ankommen lassen? Die Neutralttatsauffassung der englischen Neg-'errmg tm Kriege J870 71 b 5 r "o? c c lU ^ cn FuEten-Zeitung" finden wir einen nte restanten Sufi atz voii Dr. v. Langermann - Dresden 1 ^^ ?^biche-Vergleiche zwischen heute und einst bietest n,™ Inn ba Ä efüI ? r .t' Großbritannien die Liefe- on Waffen und Munition online der feindlichen Verstoß gegen die Neutralität aufgefaßt Es^bEr verboten. Es wäre zu wünschen, wenn Präsident d» Amerikaner diese englische Neutralitätserklärung einmal Nachlesen wurden. In dieser Erklärung Groß- 1870 heißt es zum Schluß wörtlich: tanm ^ '"-rdurch ferner alle unsere lieben Unter- lanen und alle Personen, tue auf unseren Schutz Anspruch haben daß, wenn irgcnawelchc derselben sich anmaßcn ivollten, entgegen dieser unserer Königlichen Proklamation unserer hohen Ungnade eine? neutral^ "Zb } n Mißachtung ihrer Pflicht als Untertanen ,~ nes neutralen Souveräns tn ement Kriege zwischen anderen Verlegung oder Ucbertrctung' der bezüg- Bestimmungen zu begehen, besonders dhrch w » einer r-chtSMch, und tatsächlich bn besagten Souveräne ausgeübten Blockade, durch Ueb rfuhrung von Offizieren, Soldaten. Depeschen, 8, n Munition, Militärischen Vorräten und M-te- rralien oder irgendemeni Artikel oder Artikeln, welche das Ge- bttracktet 'lk«rechtlicher Brauch, als Kriegskonterüande vmäne ? bcr 2l£n l tc Es der -besagten Sou- daß, alle Personen, die solcherweise sich niit ihren Schiffen und Gütern d l bc r f v^ b k^lhen Wegnahme aussetzen und inSrrkt C fc \ c ä..SL e f c j* 1 rch unterliegen, sowie den Strafen, welche das Völkerrecht in dreier Beziehung angibt. di. Wen hiermit an daß alle unsere Untertanen und in w^^5\ bl L. auf s? f .? en Schutz Anspruch haben, welche sich rn der vorgedeuteten Werle vergehen sollten, dies auf ihre Gefahr und zu ihrem eigenen Schaden tun wer- den, und daß sie rn ferner Weije irgendwelchen Schutz bei fintJ° Ölprahme oder solche Strafen, wie vorbesagt, i rm Gegenteil sich durch solches Uebelverhalten unserer hohen Ungnade aussetzen werden. Gegeben an unserem Np L Osborne Houje, Insel Wight, an diesem 19. Tage des unseres Herrn Tau send achthundert und siebenzig und 'rm 34. Jahre unserer Regierung Gott erhalte die Königin!" Man könnte nun einwenden, hier wäre nur der Trans- port von Kriegsmaterial auf englischen Schiffen (in unserem Falle nach Frankreich), nrcht aber der Verkauf an Franzosen mrt folgendem Transport ans französischen Schiffen gemeint. sDaßdreser Emwurf jedoch.nicht zntrifft, geht aus dem spateren Notenw.ech>sel zwischen dem Londoner Bot^ sch after des Norddeutschen Bundes, Grafen Be^rnstorff und dem englischen Sstaatssekretär I&n 8 *“* ft- tt0 r e1 ^ ßo , rb Granville, im Oktober 18 hervor. Hier spricht ersterer u. a. über die Ausfuhr von Waffen und Munition nach Frankreich und darüber, Haß der Staatssekretär ihm zwar versichert habe, „solchen N e u t r a l i t ä t s b r ü ch e n zwar seine Auf- merk)amkett schenken zu wollen, um „einer größeren Ausdehnung dieses Unfugs vorzubeugen", daß ein Eingreifen aver nicht erfolgt, ihm vielmehr nur wiederholt überlassen worden sei mit den ihm zu Gebote stehenden Mitteln öelnen Fallen nachzuforschen, um sie der Königlich groß- britannstchen Regierung namhaft zu machen". Ans Stcrdö- unv Lnrrd. Gießen, ll. Januar 1916. Wie verwendet man Marmelade? Die zweifellos gebräuchlichste Verwendungsart für Marmelade tft die als Aufstrichmittel auf Brot. Durch die Fettknappheit hat diese Verwendnngsart iioch an Bedeutung gewannen. Trotzdem wird von der Marmelade nicht so allgemein Gebrauch gemacht, wie mail das erwarten sollte. Vielfach hört man die Klage, die Marmeladen seien zu suß. Demgegenüber sei darauf hiugewiesen, daß alle Marmeladen, welche nicht in luftdicht schließeiiden Gesäßen aufbewahrt werden oder etti chemisches Konservierungsmittel enthalten, einen hohen Zuckerzusatz haben müssen, um gegen Verderbnis geschützt zu sein. Von der Hohe des Zuckerzusatzes hängt bei Marmeladen direkt die Haltbarkeit ab, da in hochkonzentrierten Zuckermischungen keme Gärung mehr eintritt. Es läßt sich nicht leugnen, daß sehr süße Marmeladen weiriger gern genossen werden. Deshalb empfiehlt es sich, kleinere Portionen Marmelade, soviel etwa, wie in einer Woche verbraucht wird, mit ungesüßtem Apfelmus zu vermischen. Ist die Marnielade sehr fest, so muß sie mit dem Mus zusammen solange erwärmt werden, bis sich das Ganze leicht mischen läßt. In Ennange- lung kleinerer Marmeladengefäße sind besonders in diesem ^ahre größere Mengen von Marmeladen in Steintöpfe gefüllt worden. Um eine genügende Haltbarkeit zu sichern, war neben einem ausreichenden Zuckerzusatz ein starkes Einkochen erforderlich. Diese sehr festen Marmeladen können ebenso, wie das bei sehr fest eingekochtem Pflaumenmus gebräuchlich ist, in kleinen Portionen mit etrvas heißem Wasser vermischt werden, um so eine besser streichbare Marmelade zu erhalten. Irrtümlicherweise wird vielfach angenommen, daß der Verbrauch der Marmelade als Aufstrichmittel die einzige Verwendungsart fest Es sei deshalb daran erinnert, daß verdünnte Marmeladen, maimigfältige Verwendung als Füllung von Eierkuchen und Backwerk finden können. Auch können Marmeladen mit Reis- und Gries-Speisen genossen werden. " Schließlich sei noch auf die Verwendung der Marmelade zur Herstellung von Feuchttunken und Fruchtsuppen hin- gewresen. Die letzte Verwenduugsart wird dann von besonderer Bedeutung sein, wenn das frische Obst knapp geworden Tft. - 1 a * eich nun gen. Der Schreiuermeister Karl S ch ä f er hier Walltorstrabe 51), z. Zt. Unteroffizier im Jnf.°Reat. 334. nn Olten, erhielt die Hessische Tapferkeits Medaille — Der Krugsfrenvillige Gefreiter Deibel im Jns.-Reat. 116, erhielt oav Erserne Kreuz. ** M in d e rw e r t i ge S e i f en. Die Polizei zu Kassel hat dle dortigen Tageszeitungen gebeten, vor dem Seisen- kaus rn eurem Mauerstraße 12 neu.eröffneten Geschäft zu warnen, da nach den Untersuchungen die Seifen sich als minderwertige Fabrikate erwiesen haben. In derselben Angelegenheit sendet auch der Detaillistenverb and für .Hessen und Waldeck eme Zuschrift, in der es heißt: Der Detaillistenverband hat durch Herrn Dr. Paul mann die in dem vor- erwähnten Geschäft verkäuflichen Seifen untersuchen lassen. D^lber ist festgestellt worden, daß die gelbe Stangenseife nur ri'? 8 droz. Fettgehalt enthält. Brauchbare Kernseife muß 60 bis 65 Proz. haben. Diese Seife kostet das Pfund 46 Pfq ber dem geringen Fettgehalt kostet in Wirklichkeit das Pstund (eme reelle Seife zugrunde gelegt) 2,48 Mk. Die Elbstern- SchmTerseife hat 6,56 Proz. Fettgehalt und kostet 42 Pfg. das Pfund, gute Schmierseife enthält 38 bis 40 Proz. Fettgehalt, also kostet diese Seife in Wirklichkeit das Pfund 2,82 Mk. Die Hamburger Tonnenseife enthält 6,92 Proz Fettgehalt und kostet 35 Pfg. das Pfund, in Wirklichkeit aber 2,04 Mk. Landkreis Gießen. G Grünberg, 10. Jan. Infolge eines Schlaganialles starb hier am Sonntag der Gendarmerie-Wachtnieister i. P. Föckel Er war am Nachmittag in der Wirtschaft seiner Dochtes deren Mann im tfclbe lieht, beim Bedienen der Gäste behilflich als er von einem Unwohlsein befallen ivnrdc. Der Arzt konnle nnr noch den^ Eintritt des Todes feststellen. Der Verstorbene betrieb eme groize Bienenzucht und ivar daher in den Jinterkreisen Oberhessens enie bekamite Persönlichkeit. Kreis Alsfeld. Ni E l d e 'v Fan. Nächsten Sonntag, den 16. ds. Mts., volleiidet Konrad Braun i ng I.. der sogen, alte Mückenwirl dahier, sein 97. Lebensjahr in noch körperlicher und geistiger Frische, (tzeboren am 16. Januar 1819, verheiratete er sich im 30. Lebensjahre nnt Marie Kratz aus Lardenbach. Aus dieser Ehe entsprossen v i e r z e h ii Kinder, 5 Söhne und 9 Töchter, von beneii noch lieben leben. Enkeln hat er 16, wovon noch 15 leben. Selbstmörder in der Tierwelt. *, s* ist so reich mit Fabeln, Legenden Lnd oft wweriprechenden Anschauung-en verknüpft, wie das der Na- rurwisseni-chaft. Am unbesttittensten aber ist eine nattirwissenschaft- 1w>e Frage, die in letzter Zeit wieder in den Vordergrund zoologi- ^zogen wurde, nämlich die Frage, ob man von '^ordern in der Tierwelt sprechen kann. In der Phantasie des Volkes bcjahu lß, wie A. Milewsti ini neuesten Heft bex „Natur- wißenichaftlichen Wochenschrift" ausführt, ^auch in wissenschaftlichen Kreisen die Ansicht ^verbreitet, daß es unter den Tieren Selbst- morder gibt. Eine große Anzahl von Wissenschaftlern vertritt Meinung, daß Tiere sich mit Vorsatz aus besonderen Gründen das ^.eben nehmen. Und zwar wurde behauptet, daß dieser Selbstmord in der Tierwelt mcht allgemein sei, jedoch bei gewissen T ierar ten festNritellen sei. Eine entscheidende, allgemein gültige Antwort auf dieie Frage konnte noch nicht gegeben werden, da ernersettv die wissenschaftlich geschulten Zoologen im allgemeinen These, vom Selbstmord allerdings nur vom bewußten, will heißen wohlüberlegten Selbstmord — ablehnen, anderseits eine Menge uns überlieferter Vorgänge aus dem Tierleben das Gegen- teil zu besagen scheinen. ,So waren schon die Alten der Ansicht, daß Skorpione „planmäßigen" Selbstmord verWen. Es wurde von Skorpionen berichtet, die sich, in einen Kreis glühender Kohlen ^setzt, mit ihrem eigenen Giftstachel erstachen, da sie infolge ihrer Empfindlichkeit gegen grelles Licht und glühende Hitze diesen Instand nicht zu ertragen vermochten. Während Brebm diese Berichte als Fabeln bezeichnet, schilderte der Zoologe Biddie zum Beweis für die Wahrheft dieser Behauptung das folgende Experiment: „Eines Morgens brachte mein Diener einen großen Skor- pwn. brachte ihn unter eine Glasglocke und schob diese in den hellen Sonnenschein. Licht und Hitze waren ihm sehr unangenehni. Nun erinnerte ich mich jener alten Mär, nahni eine Lupe und richtete die Strahlen auf seinen Rücken. Sofort begann der Skorpion wütend hin- und herzülanfen und in der ingrimmigsten Weise zu zischen. Plötzlich hob das Tier den Schwanz und sfteß sich blitzschnell den Stachel in den Rücken. Sofort gnoll aus der Wunde eine Flüssigkeit, und in einer halben Minute war der Skorpion tot." Zur gleichen Frage erzählte der Zoologe Tr. O. I. Mills: „Eines Tages fing ich in der Nähe von Schiras ein be- ^nders großes Exemplar des in Persien heimischen schwarzen Skorpions. Um die Richtigkeit jener von mir für Merglauben gehaltenen Geschichte zu 'prüfen, bildete ich auf meinem Hofe einen Kreis von glühenden 'Kohlen und ließ das Tier in die Mitte des Raumes gleiten. Es stand einen Augenblick All, lies dann einige Male im Kreise umher, stürzte wieder nach der Mitte, erhob den stachelbewehrten Schwanz und stach sich mehrmals in den Kopf; es war sofort tot." Es muß jedoch betont werden, daß eine Anzahl logischer Argumente auch gegen die Theorie voni Selbst- mord der Skorpione sprechen, soweit es sich um einen völlig überlegten Vorgang handelt. Auch das Rätsel des Zuges zum Licht der Nachtinsekten, das Flattern der Insekten in die tödliche Flamme einer Lampe, wird in seinen Ursachen widersprechend beurteilt. Die Anhänger >der tierischen Selbstmordtheorie sehen darin meist eme beabsichtigte Tötung, während z. B. der Forscher Marschall nur von einer hypnotischen Wirkung der Lichtquelle auf die zusammengesetzten Fazettenaugen der Insekten spricht. Tie bekannte Erscheinung des ungestümen Anfliegens der Zugvögel an Leuchttürme wird von vielen Seiten ebenfalls auf Selbstmord- absichten zurückgeführt. Auch die an unbedingte Freiheit gewöhnten Tiere, wie gewisse Vögel und Schlangen, die in der Gefangenschaft zu Tode hungern, werden vielfach bewußte Selbstmörder genanut. Marschall sucht diese Annahme zu widerlegen, indem er erklärt, daß diese Tiere Sklaven ihrer Gewohnheit sind und aus dieser Ursache zugrunde gehen. Einige Fälle von zweifelsfrei erscheinendem Selbstmord von Tieren führte der Forscher Zell an: „In den Reisen und Llbenteuern des „Monsieur Violet", deren Wahrheit Kapitän Marryat verbürgt, wird von Pferden erzählt, die, von anderen tyrannisiert und von der ganzen Herde aus- gestoßen. sich den Schädel an Bämnen zerstießen. Ferner von Eichhörnchen, die zuweilen eines unter ihrer Zahl verfolgen, bis es sich selbst tötet. Ein Neusundländerhnnd, seit einiger Zeit ssehr traurig, mackste mehrmals den Versuch, sich zu ertränken, wurde aber immer wieder herausgezogen, bis ihni sein Vorhaben zuletzt doch gelang. Bekannter und verbürgter ist folgender Bericht. Ttzr Trompeter Lamont im 7. ftanzösischen Hnsarenregi- ment hatte ein weißes Roß, das er rme einen Kameraden liebte und das ihm wohl zehnmal das Leben gerettet hatte. Er sorgte aber auch für 'dieses Tier fast mehr als für sich selbst. In einem Treffen an der Donau 1809 wurde Lamont durch ein^ Kugel getötet. Sein treues Pferd blieb bei ihm stehen und verteidigte die Leiche, als Soldaten sie aufheben wollten, mit Gebiß und Huf. Ter Kaiser Napoleon bemerkte das Getümmel und das Pferd und befahl, es in Ruhe zu lassen; der nächststehende französische Posten chllte am nächsten Morgen berichten, was vorgegangen sei. General Berthier übergab am andern Tage den Rapport: Das Pferd sei die Nacht bei dem Leichnam geblieben. Mit Tagesanbruch habe man bemerkt, daß es ihn mehrmals umgewälzt und vom Kopse bis zu den Füßen berochen habe. Es habe nun wohl erkannt, daß sein Herr tot sei, dumpf gewiehert, sei dann der Donau zu- geeftt, wo es sich hinein stürzte und ertrank." Vierverband und Griechenland — vor 700 Fahren. In der wechselvollen Geschichte des griechischen Reiches hat es eine Schicksalsstunde gegeben, da ebenfalls eine Art Vierverband wie heute einen zwingendeir Truck auf das vielgeprüfte, Land ausübte. Das war vor rund 700 Jahren, als man die letzten Kreuzzüge nach dem Orient unternahm und Griechenland räumlich noch ein stattliches Reich mit der .Hauptstadt Konstan- tinopel war. Diese mächtige Handelszentrale war den Venetianern als. erfolgreiche Konkurrenz schon längst ein Dorn im Auge, und ihre von dem halbblinden Dogen Enrico Dandolo trefflich geleitete Diplomatie, damals vielleicht die beste Europas, brachte es geschickt fertig, die Wünsche Venedigs durch einen neuen Krenz- zug verwirllichen zu lassen. Tie Begeistermrg für solche orientalischen Menteuer war zwar nicht mehr sehr groß, aber es gelang doch, eme Art „Vierverband", zusammenznbringen, der so ziemlich dieselben Bundesgenossen zählte, wie die Entente von heute, nämlich England, Belgien-Flandern, Frankreich und Italien. England war zwar rmr schwach vertreten, machte aber immerhin mit, zumal sich Krone und Adel bei der ungeheuren Verschuldung an die venezianischen Gläubiger der Mfsorderung nicht entziehen konnten; die Romanen ftanzösischen und flandrischen Blutes spielten die Hauptrolle, und Venedig dirigierte genau wie England, dessen „perfide" Rolle es im Mittelalter 'spielte, das Ganze, wobei es sich allerdings auch mit seiner starken Flotte beteiligte Ter Weg des Kreuzheeres nach Asien führte durch das griechische Reich, um dessen Souveränität und Rechte sich die Eindringlinge damals so wenig kümmerten, wie heute in Saloniki. Konstanz tinopel wollte det griechische Kaiser nicht so ohne weiteres preis- geben; es kam darüber, während das Heer vor der Stadt lagerte, zu Verhaiidlungen, die bei der Umständlichkeit der alten Diplo- matte noch langwieriger lvaren als die jetzigen in Athen. Schließ- uch ritz Venedig die Geduld, und man stürmte das kaum verteidigte Konstantinopel, das dann durch eine mehrtägige Plünderung verwüstet wurde. Griechenland mußte damals dem Druck der vier Mächte nachaeben imtK urfi-fwm tm:' fnv .in Wi’ntriv'.tnifi'v ?on Flandern trug. Damals entstanden im "Peloponnes vi'le -rlinkische Rittersitze, von denen Burg Vtisithra am Eurotas uoch heute in Trümmern auf das alte Sparta herabschaut. Jedenfalls hat sich Griechenland von jenem Vier verbandsschlage und der Fremdherrschaft nur schlver ei'holen kömum.