Ar. 16 Der Slehener Nutzer erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich GiehenerKanriiienhlätler; zweimal wöchentl.Areis- vlatt für den Areis Gießen (Dienstag und Freitag): zweimal monatl. Land- wirtschastliche Zeitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Schriftleitung 113 Verlag,Geschäitsstellebl Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Abend vorher. 166. Jahrgang Donnerstag, 20. Januar 1916 General-Anzeiger für Oberheffen B.LfonanH Ptilag X, Briurw.,, m» Sl«ü,teä<«i H. s. ri „, ttas , „S >nltoai s^. BezugSprei monatl. 85 M., viertel- iährl. Mk. 2.50: durch ' Abhole- u. Zweigstellen monatl. 75 Is.: durch diePost Mk.2.30 viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf., answ. 20 Pf. — Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goeh; für Stadt und Land, Vermischtes und Gerichtssaal: Fr.R.Zenz; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich m Gießen. Kaiser Wilhelm und Zar zerdinand m Nisch. (DTB.) Trotzes Hauptquartier, 19'.Januar. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. An der Y serfront ftietz eine kleine deutsche Abteilung in den feindlichen Graben vor und erbeutete ein Maschinen- gewchr. Lebhafte beiderseitige Sprengtätigkeit auf der Front westlich von L i l l e bis südlich der S o m m e. Nachts warfen feindlicheFliegerVombenaus Metz. Bisher ist nur Sachschaden gemeldet. Ein feindliches Flugzeug stürzte gegen Morgen südwestlich von Thiaucourt ab; von den Insassen, ist einer tot. OestlicherKriegsschauplatz. An der Front nichts Neues. Deutsche Flugzeuggeschwader griffen feindliche Magazin-Orte und den Flughafen von T a r n o p o l an. Balkan-Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Oberste Heeresleitung. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Bei der Besetzung von V i r p a z a r haben unsere Truppen — wie nachträglich gemeldet wird — zwanzig Stahlkanonen erbeutet. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant. Unser Kaiser weilt zurzeit mit dem Zaren Ferdinand von Bulgarien in Nisch, der zweiten Hauptstadt Serbiens, ber berüchtigten Stätte, wo die Mordpläiie von Sarajewo geschmiedet wurden. Wie haben sich die Zeiten geändert! Aus dem bedrängten und bedrohten Habsburger Staat ist ein stolzer Sieger geworden, aus dem großen Zarenreiche ein inachittofer Znschaner der Nervordnnna im Orient, ttrtntcr Hatet. Deutschland sollte umzingelt und nieder- gSvorsen, Oesterreich - Ungarn zerschlagen und zerstückelt we^en Kann man sich ein deutlicheres Zeichen für den Willen der Weltgeschichte, für die kommende Machtverteilung denken als diese ungestörte Freilegung der großen Straße durch die Mittelstaalen nach dem fernen Osten? Schon ist me orientalische Frage nicht mehr vorwiegend eine Sache Rußlands, sondern — E n g l a n d s! Die „Daily Mail" ver- ^Etett uns gerade heute sehr offenherzige Bekenntnisse, indem sre erklärt, das britische Reich habe jetzt nicht auf fremde §ti|e und Verfechtung ferner Interessen zu rechnen, sondern nrüffe den Kampf selbst führen. Das Blatt spricht von dem furchtbaren Unglück' von Tarrnenberg und verweist auf das geschlagene Riißland. Darin liegt auch das Eingeständnis, daß England nicht mehr als oberster Richter über die Geschrcke der Völker auftreten kann, sondern daß es lediglich um seine eigene Haut handeln darf. Heute wird der NE Völkerbund, an dessen Spitze das deutsche Reich treten darf, schon vor dem Friedensschluß in Nisch besiegelt! Mr Bulgarien bedeuten die Tage von Nisch einen ganz be- sonderen Triumph. Es hat sich nach den Enttäuschungen des uchten Balkankrieges mit unserer Hilfe wieder kraftvoll erhoben und ist zur ersten Vormacht des Balkans geworden. Wrr glauben nicht, daß Zar Ferdinand um seine Macht- stettung noch einmal in absehbarer Zeit mit den übrigen Balkanstaaten zu kämpfen haben wird. W^der Rumänien, wo die Frredensverhandlungen mit Montenegro großen Eindruck gemacht haben, noch Griechenland werden sich mit dem Gedanken tragen, für die geschlagene Enteilte die Waffen m «Men. Griechenland hat in den letzten Tageir sowohl durch Skuludis, seinen leitenden Minister, als auch durch Konrb Konstantin, der einen Vertreter des Berliner „Lokal- AiiMgers" empstnß, erklärt, daß es n e u t r a l bleiben werde, welchen Verlauf die Dinge auch nehmen würden. Vielleicht ist letzt iii Nisch das entscheidende Wort darüber gefallen wie d« letzte englisch-französische Trntzecke in Saloniki be' seittgt werden soll. Der österreichisch-ungarische Tagesbericht. Wien, 19. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 19. Januar 1916. Russischer Kriegsschauplatz. Der gestrige Tag verlief ruhig. Heute in den frühesten Morgenstunden entbrannte an der Grenze östlich von C z e r - nowitz bei Toporoutz und Bojan eine neue Schlacht. Der Feind setzte abermals zahlreiche Kolonnen an und führte an einzelnen Stellen vier Angriffe nacheinander. Er wurde jedoch überall von den tapferen Verteidiaern zurückgeworfen. Sonst keine besonderen Ereignisse. JtalienischerKriegssch au platz. Angriffe schwächerer Abteilungen bei Lusern und nördlich des Tolmeiner Brückenkopfes wurden abgewiesen. Der Kaiser in Nisch. ...Nisch, 18. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Pünktlich 12 Uhr Eags sind rn dem festlich geschmückten Nisch Kaiser <8 r l h e lm und Zar Ferdinand von Bulgarien zu- -ammengetrofsen. Bulgarische Truppen stellten aus dem Bahnsteig dre Ehrenkompagnie. Nach herzlicher Begrüßung begaben sich dre beiden Herrscher in Automobilen zur Zita oeUe,, wo Ire gemeinschaftlich die Parade der dort ausgestellten bulgarischen, mazedonischen und deutschen Trnp- Pen abnahmen. Der Kaiser überreichte dem Zaren den Ä? l c ö ™ a r f G * * f* a &: der Zar ernannte den Kaiser zum Ohes des zwölften bulgarischen Infanterie-Regiments. Jtt Begleitung des Kaisers befanden sich General v. Falken- hayn, Generalfeldmarschall v. Mackensen, die Gene- raladiutcmten v. Plessen, v. Lyncker und v. Ehelins, Ad mrral v. Müller und Oberhofmarschall v. Reischach. Anßer- waren General v. Seekt und Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg anwesend. Zar Ferdinand war vom Kron- prrnzen Borrs, dem Prinzen Kyrill, dem Generaladjutan- en Markoff den Generälen Bojadjieff, Todoroff und Tan- trloss, dem Generalgouvernenr Kutineszeff, dem Minister- prasrdenten Radoslawow und dem Gesandten Tschapraschi- roff begleitet. Der Eindruck der Feierlichkeiten wurde durch oa^'trahlende Sorrnenwetter des südlichen Winters ver- Nichtamtlich.) Meldung der Bul- garrschen Telegraphew-Agentur. Bei der zu Ehren Kaiser Wilhelm^ in N 11ch veranstalteten Parade über die vereinigten gruppen zeigte der Kaiser ganz besonderes Jrrteresse für dre maze- dlbtcrlungen, die größtenteils mrs ehemaligen Parteigängern gebildet such. Der Kaiser unterhielt sich mit jedem Offizrer und redem So-ldaten und fragte sie, ob sie zufrieden seien dar, ihr Land bef reft sei. Im Anschluß an die Pa/ade überreichte bereits gerneldet) Kömg Ferdinand den Feldmar- TaÄ^t lagte, er sei begeistert von der Tapferkeit der kulgarhchen Armee und ihrer glänzenden Teil ^me an dem, gemeinsame Werke. Er bitte den König? den Marschallstab als ern Zercheir von Dankbarkeit der deutschen Armee an- ^nig antwortete e N°w: ilnnJSSvIrf ^ unglücklich« »iontcuegro sich ins u n»erme t MKr)e schicken mußte, nachdem cs unter ganj besonders übm'leocn^ gegen einen zohlemnäßig weit bewaffneten Fernd kämpfte. Wenn der jWniq die n< ^ a j* n ’ so muß man sicher mrnehmen, daß q}? ^hre letzte Mun ltivn versthoß, sogar die imb J? Urbe ?uuroglich, da der Feind an den Grenzen stand ^bitterten Feindseligkeit seitens Albanrens ^ Meer gab. StafewÄ ^Enen entkommen konnte, so hatten doch dre scbwackien e rschöp ften montcnegrinffchen Man^rb Gebiet Zuflucht zn suchen. ^„Bedingungen, unter denen die Feindseligkeiten mm- dch ^ Schlußworte zu Men bekvm- darüber stanrmen übrigens von fachlicher ^ogar die unglücttrchen Besiegten mit Schimpf Montm^ro Ruf des tapferen^S! Montenegro, noch der erhabenen Seldenrolle, die es zu seiner & £ P SÄ f0i l Ite ' Abbruch tint''ramtewK» ttS artend ^ aTt CTfte Stelle weit. ÄÄÄta fCmC F-reund. Griechenlands Haltung. Athen. 19. Jan. (WDB. Nichtamtlich.) Im Laufe ein« ^es Reu Irschen Bu^ ILr Skuludis seine Ueberraschung rüalisb ^ l bn die Gitentemächte anscheinend be- - f hhl vntfy&a 1 Kabinetts hegten und die sich rn Beschränkungen der Ernfu^ von Lebensmitteln und Kohle mb ausdrücklich die Versicherung, Segenwart.ge Politik Griechenlands vollständig aufrichtig ü?? 6^^ seiner neuttalen .Haltung gegenüber beiden Gruppen der Kriegführenden vereinbar sei. Er sei überzeugt dast dies bestePolttikMdas Land >. Er EärNLLÄnL werter neutral blerben und ferne Armee für die schließliche Li- gurdrerung rntakt erhalten werde. Die griechischen Truppen von der bulgarischen Grenze zurückgezogen. London 19. Jan. (WTB. NichtanrtlichZ Das Bureau Reuter Tneldet ans Athen: Es wird angekündigt, daß das 28. griechische Inf an te?ie-Reg imen t wege^i der schwierigen Versorgung von der bul g a ri sch en Gre nze 'rU^ckgezogen werden nmß, wo nur ein Bataillon leibt Eine Kommiffion von hohen Beamten des Verkehrs- mirnsterrums rerst nach Mazedonien, um die Möglichkeit der Versorgung der griechischen Truppen mit Lebensmitteln F? rmtersnchen, welche sich an Orterr befinden, mit welchen SÄÄ5Ä Aus Italien. R otn ,19. Jair. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der ^Ager^ia Stefanr". Bei Besprechung der Uebergäbe C w L^°;^t.,Gi°rw°lo fatalta- Das l5r- etgroä hat tnw berechtigte und schmerzliche Ueber- raschuAg hervorgerußen. Denn die Annahme, daß solches gescheh en ^ k önne, hat in zu starkem Widerspruch mit den Ueberl«ferung«r Mmttenegros gestanden. Das Matt er- Sd-ran, daß Montenegro Skntari ohne Widerstand LÄA Oesterreich-Ungarn m Besitz genommen hat, dessen Konsul sogar den montenegrinischen Truppen mit einem Ekomnmngrnß «itgegengrng irnd in Slntart verblieb, »Ä . Dttttelpnnkt osterrerchisch-nngarischer Umtriebe in Wanren wurde Der schnelle Fall des Lovcen überraschte besonders rm Zusammenhang mit der Uebcri,ahme der Regierung rn Cetinje durch Muschkowrtsch, dessen Hinneigung bereits ein Einverständnis »wischen Wien'imd'Eetinje besteht, daß der Lovcen an Oesterreich- anf der Grundlage _ ^ VVUC4l uu ^nerrercn- Ungarn und Skutam an Montenegro falle. Vielleicht hofft ^n"tEgro> daß der Vlerverband nach dem Siege die vollendete Tatsache anerkenn«, aber man dürfe nicht Mi- nehmen, daß dieser bei der Schlußregeluna den Preis llir den MonteneMo ihn im bedenklichsten Slugenblicke' des Kampfes rm Stach lreß, wurde belassen können. — Die „Jdea Nazionale^ alaubt gleichfalls an ein Ein- verstandnts zwrschen Oesterreich-Ungarn und Monte- negro über den Lovcen und Skutari und hebt hervor, daß der Vrerverband ern solches hätte verhindern müssen soaar diirch dm Festna hme der führenden militärischen und polt tischen Perjonlichkerten Montenegros. Besprechungen in Rom. -.Bern, 19. Jan (MDB. Mchtanitlich.) Der Mailänder „Secolo meldet aus Rom: Der Ministervräsident baltc im p° Iaä * 0 . 58ta f d ) i . fast gleichzeitig mit dem Minister des Acußern, S o n n i n o , nnt dem Kneqsimnistcr Z „ - V e l l i und dem Kolomalminister Martini längere Bes v r e - chungen über die diplomatische und militärische Lage und über die Situation des Ministeriums gegenüber den neuen Kritiken der Resonnsozialistcn, der radikalen Nationalist^ und interventronistMer Komrtees, in deren Sinne sich auch einige Zl^ter geäußert haben. Spater begab sich Salandra in die Vula Ada zum Konrg. Eine Zusammenkunft in London. London, 19. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Die Times" mclliet aus Paris: Tie Minister der Al liier ten'Len heute m London Mfamnven. Rumänische Aeußerungen zur Unterwerfung Montenegros. . Tbükarest, 19. Jmi. (WTB. Nichwmtlich.1 Z,rr Waflen. Itteckung Montenegros schreibt die InrhnW' L Vs: König Nikiw'«. Lß"e7 für ihn iM^sein^L klug sei, vor Oesterreich-Ungarn zn kapitulieren und den Frie^n ^lleN' nachdem er vorher ein österreichalNqari^-freundliches Kabinett gebildet l-atte. Drese Gebärde des als getoieater bekannten Nikita sach mehr als die schönsten dtcfcn Nrkita glaubt ernsach nicht mehr an den Sieg des Vrerverband^ ^ jmlt retten, was noch zn retten ist. Nikrta alairbt -wü?? ^ E an dre Wiederherstellung der russischen Armee und nickt an kunftrge Siege M-'ankreichs, nichts an Erfolge des Vierverbande^ auf dem Balkan, nrcht an erne russische Unternehmung gegen Bul- Arm7e a!rf G^d dÄ KL sffiüft’ 4 ' *— » ÄÄra*BS rz, n ^ n ^ e n c c Rouinaine" schreibt' Sonderfrrede nrrt Montenegro ist eine der merkwiH^ °d-n des großen, Dramas: das ErgÄM is^S d^^ m ee ^ 0 de ß frei wird. Angesichts dieser Aussicht dränaen dre englische und dre französische Presse Italien ^ Dative zu ergreifen, denn ein neu* &fotg De t wurde besten Vorherrschaft an der Adria festlege7 Die Ko7- tulatron lenes Volkes, dessen weiterer Kampf eine Övseruna be-. .^Interessen, die nicht die monün^L« ftnd ist eine Ironie dar Geschichte, daß zu derselben wo, dieses Ergeh ms mrgateilt twlird, die „Agenzia St^faw"^ Frredensgeruchte mit der Hinzufüaung leugnet der tatMe Mittelpunkt des Mslaventums^^ auf dwr Bolk^^ Alb?ni??' lüne Operationsbasis qeqwt ^kvämdet oder mindestens neutral iet ttn- Aktion arlßerordentlich erleichtert werde, für die' Vers, brndim^slinie ern unschrätzbarer Vorteil. ^ Aehnlvch äußett sich „S t e a g n l", während die r u s s e n ^ freundliche Presse schweigt. „Epoea" und ME^egvos^^ mt nniml Nachricht von der Ergebung Eine Kritik der „Daily Mail". London, 18. Jan. (WTB. Nichtamtlich) Der Petersburger Korrespondent der „Daily M a i ™ ber au^ Enaland S^ U l a - efC ^rr ^ rei6t in s^uem Blatte: Der große Trrtum- den wrr alle begangen haben, ist, daß »vir uns zu sehr darauk Lassen haben was andere für uns tun würden Im An! fang des Krieges ließ sich das entschuldigen aber iekt sollten : beser unterrichtet sttn. Wir Müssen nns^7an Var ein bafi S' un^r Kneg rst. Kein anderes Volk kann ihn'zu Ä beenden. Wir selbst müssen ihn gewinnen, sowohl für uns als für unsere Verbündeten. Wenn wir den Krieg nicht gewinnen, so kann es niemand anderes. Wir haben immer gehofft, daß jemand anderes sich für uns schlagen würde. Auch die Russen hoffen zeitweise, daß anderwärts etwas zu ihrer Hilfe «geschehe, aber seit dem letzten Frühjahr haben sie die Hoffnung aufgegeben, daß jemand anderes sie retten kann. Sie sind entschlossen, sich selbst zu retten. England hat Rußland unrecht getan, indem es zuviel erwartete und die ungeheuren Opfer nicht würdigte, die Rußland brachte. Das furchtbare Unglück von Tannenberg durfte in England nicht erzählt werden, ebensowenig der furchtbar kostspielige Kampf der Polen im letzten Winter und die schrecklichen Verluste während des Rückzuges. Rußland kämpfte die ganze Zeit. Sein Plan war von Anfang an, defensiv zu bleiben. Die Theorie der russischen Dampfwalze, daß die Armeen der Russen auß Berlin marschieren würden, stcunrnt von uns, nicht von den Russen. Die Abweichungen von dem ursprünglichen Defensivplane nehmen ein schlechtes Ende. Wir müssen zufrieden sein, wenn Rußland jetzt feinen ursprünglichen Plan ausführt. Wir müssen die Wahrheit festhalten, daß Rußland den Krieg nicht zu unseren Gunsten 1 entscheiden kann. Wir hängen ganz allein von unseren eigenen Anstrengungen ab. Die Dienstpflicht in England. London, Ist. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Unterhaus. Die Debatte über die Dien st Pflichtbill hat gute Fortschritte gemacht. Die Regierung befriedigte in einem wichtigen Punkte die Wünsche der Arbeiterpartei. Diese sprach die Befürchtung aus. daß Männer, welche für die Regierung arbeiten, »willkürlich entlassen und durch diese vorübergehende Arbeitslosigkeit unter die Bestimmungen der Bill fallen könnten. Die Arbeitgeber könnten somit die Bill als Form eines industriellen Zwanges brauchen. London, 18. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Bei der Verhandlung über den Zusatz zur Militärdienstbill, wodurch das Gesetz auf alle Männer ausgedehnt werden soll, die nach dem 15. August 1915 in das Nationalregister eingetragen wurden und über 18 Jahre alt sind, sagte Präsident Loset, Go- vernenrent Bourd, Lord Kit che n er habe ihn beauftragt, zu erklären, er halte diesen Zusatz fiir unerwünscht: Kitcheuer hoffe, daß das Gesetz vom Hause unverändert angenommen würde. Die Männer, die durch die Annahme des Gesetzes verfiigbar würden, zusammen mit denen, die sich bereits angemeldet hätten, würden es ihm ermöglichen, die Kräfte anfzustellen, die das Land brauche, um einen baldigen Sieg zu sichern. Der Zusatz wurde hierauf ab ge lehnt. Die Regierung nahm einen Zusatz an, der der Admiralität den ersten Anspruch aus die unter dein Gesetz rekrutierten Männer gibt. Mc. Namara erklärte, daß 20 000 Mann mehr bei der Flotte Dienst genommen hätten, als die Admiralität ermächtigt war, aufzunehmen. Er beantrage, die Mannschaften für die Flotte auf 350 000 Mann zu erhöhen. Englands neue Blockadepläne. New Pork, 17. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Durch Funkspruch von dem Sonderberichterstatter des Wolffbureaus. „New Bork Sun" berichtet aus Washington: Die Bereinigten Staaten werden die vonEnglandbeabsichtigte neueBlockadeDeutsch- lands nicht anerkennen, solange sie nicht durchaus effektiv ist. Um in den Augen der Bereinigten Staaten als wirksam zu gellen, muß eine solche Blockade nicht nur Deutschlands Nordseeküste umgürten, sondern sich in der Ostsee zu erstrecken imstande» sein und tatsächlich jeden O st see verkehr zwischen Skandinavien tmd Deutschland verhindern. Die „Sun" hat diese Auskunft über die Haltung der Vereinigten Staaten von sehr hohen amtlichen Stellen des Staatsdepartements erhalten. - • „-Evening Post" Meldet aus Washington,- daß die Blockade- maßregeln, die dem Völkerrecht und den Präzedenzfällen mehr entsprechen, aber viel strenger sind, als die bisher angewandten, durch England ausgestellt und Frankreich und den anderen Alliierten zur Billigung vorgckegt worden sind. 'Dies ist Wilson und Lansing in amtlichen Depeschen aus London übermittelt wor- 'bcTt. Oberst Hause, der längere Besprechungen mit Grey hatte, hat dem weißen Hause einen ausführlichen Bericht über die Lage gesandt. House erklärte der englischen Regierung, daß die englischen Einschränkungen des amerikanischen Handels einen ungünstigen Eindruck auf die amerikanische öffentliche Meinung machen würden und daß das amerikanische Volk von England erwartete, daß es sich dem Völkerrecht füge, genau wie es Deutschland schließlich in den Verhandlungen über den Unterseebootkrieg getan hat. England bereitet, wie das Blatt meldet, eine lange Antwortnote aus Amerikas Protestnote vom Oktober 1915 vor. Mehrere Londoner Telegramme bestätigen, daß jetzt eine wirksame Blockade erklärt wird. Darin zeigt sich offenbar der Wunsch, die Verein. Staaten verantwortlich zu machen, da die Telegramme ausdrücklich bestätigen, daß eine solche Blockade notwendig ist, um den amerikanischen Forderungen zu entsprechen. Die Mißhandlung von Deutschen in Neu-Guinea. Berlin, 19. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Die von den australischen Militärbehörden Ende 1914 angeordnete öffentliche Prügelung von Deutschen in Deutsch-Neuguinea ist in der Tagespresse des öfteren erörtert worden, ohne daß bisher eine amtliche Aenßerung zur Sache erfolgt wäre. Wie wir erfahren, hat die australische Regierung seinerzeit erklärt, sie habe die Handlungsweise des Administrators mißbilligt und Anweisung gegeben, daß unter keinen Umständen körperliche Züchtigung wiederholt werden dürfe. Auch die britische Regierung hctt sich dahin geäußert, das Vorgehen des Administrators lin Rabaul sei „inkorrekt"' gewesen, und er habe deswegen eine „dienstliche Warnung" erhalten. Indessen verlangte die Kaiserliche Regierung, nachdem die Einzelheiten des Vorganges im Laufe des verflossenen Jahres zu ihrer Kenntnis gekommen waren, bei der britischen Regierung vollständige Genugtuung, insbesondere hinreichende Bestrafung für die beispiellose Brutalität der verantwortlichen Beamten. Die Verhandlungen schweben noch, wobei oie wxite Entfernung Australiens eine Rolle ,spielt. Nach Abschluß der Verhandlungen darf eine amtliche Veröffentlichung über den Gegenstand erwartet werden. Die „rsrtterungsverhältniffe" in Mesopotamien. London, 19. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Neuiersckjen Bureaus. Im Unterhause erklärte Chamber- lain, die W it t erung sve r h ä lt n isse in Mesopotamien seien schrecklich gewesen und hätten jeden Fortschritt verhindert. China und Japan. London, 18. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Times" meldet aus Peking: Der japanische Gesandte teilte dem Auswärtigen Amte mit, daß die geplante Entsendung des chinesischen Verkehrsministers nach Tokio gegenwärtig unerwünscht sei. Man nimmt an, daß Japan dadurch seine Mißbilligung aussprechen wollte, daß die Krönung Puanschikais auf Anfang Februar festgesetzt wurde. „Daily Telegraph" meldet aus Peking, daß die geplante Abordnung offiziell die Glückwünsche der chinesischen Re- aierung zur Krönung des Kaisers von Japan Überbringer» sollte, aber zugleich über die Anerkennung der chinesischen Monarchie und über die Anleihe verhandeln sollte. Denn Japans Goldreserve stieg durch die große Ausfuhr von Kriegsmaterial auf 60 Millionen Pfund Sterling. Petersburg, 19. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) lieber Kopenhagen. „Rjetsch" gibt die Berichte asiatischer Zeitungen wieder, nach denen Japan die früher an China gestellten, aber damals abgeschlagenen Fordernngen jetzt von neuem stelle, insbesondere ans Anstellung japanischer Berater für militärische, finanzielle und politische Fragen, sowie auf Erlaubnis zum Erwerb von chinesischem Grund und Boden durch die Japaner zur Gründung von Schulen, Tempeln und Hospitälern, ferner auf Einführung einer gemeinsamen iranisch-chinesischen Polizei in gewissen Gebieten Südchinas, aus Errichtung eines Arsenals in China, sowie auf Herstellung eines Teiles der nötigen Waffen in Japan und auf Konzessionen für drei Eisenbahnen in Südckftna. Das Kabinett in Tokio arbeitet nach den gleichen Quellen eine Zusatznote aus, in der weitere Forderungen enthalten sind, besonders daß China sich beim Friedenskongreß nur durch Japan vertreten lassen solle. Der Scefrleg. Zum Untergang der Persia. Washington, 19. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der amerikanische Botschafter in Berlin, Genard, berichtet: Die deutsche Regierung erhiell von allen U-Booten im Mittelmeer Nachrichten. Alle Kommandanten. haben erllärt, daß sie für den Untergang der „P e r - s i a" nicht verantwortlich seien. * Kopenhagen, 19. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) „Ber- lingske Tidende" meldet aus Malinoe: Der schwedische Dampfer „M im o", der am Sonntag abend von Kopenhagen nach Pstadt abgegangen ist, wird vermißt. Das Schicksal des Schiffes ist unbekannt. London, 19. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Lloyds meldet: Ter britische Dampfer „ M a r e r e " (6443 Bruttoregistertons) wurde verdenkt: die Besatzung ist gerettet worden. Lowe st oft, 19. Jan. (WTB. Nichtamtl.) Lloyds nreldct: Das Fisch er fahr z eug „Evelyn" wurde versenkt; die Besatzung wurde gerettet. Lowestoft, 19. Jan. (WTB. Nichtanttlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Tie Fis cher fa hrzeug e „Frame- re st" und „ Su nschein " wurden versenkt. Die Besatzungen wurden gerettet. Nur dem Reiche. Die Lösung der wirtschaftlichen Aufgaben. Berlin, 19.Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Im Laufe des Krieges hatten die amtlichen maßgebenden Stetten die Erkenntnis gewonnen, daß durch die Schaffung von privatrechtlichen Organisationen, welche mit den Reichsämtern in engster Fühlung zu stehen haben würden, die wirtschaftlichen Ausgaben gelöst werden könnten. Als unsere Heere den Weg nach der Türkei über Serbien freigemacht hatten, erschien die Gründung einer gemeinnützigen Gesellschaft erwünscht, welche die Einfuhr von F a s e r st o f f e n aus dem Orient regeln und vor allem die eingesührten Waren den entsprechenden Stellen zugänglich machen würde. Die daraufhin unter Führung von leitenden Banken gegründete, mit einem Kcchital von zwei Millionen Mark ausgestattete Deutsch-Oriental i s ch e H a n d e l s g e s e l l s ch a f t m. b. H. B r e m e n arbeitet in enger Fühlung mit den maßgebenden Stellen in Berlin an der Durchführung der umfangreichen Aufgabe. Vorsitzender des Aussichtsrats ist der bisherige Präsident der Vremer Handelskammer, Lohmann; Geschäftsführer sind in Bremen die Herren Schräder und Schütte, in der Türkei bezw. Bulgarien die Herren Moritz Brouwer und Albert Koup, welchen eine Reihe sachverständiger Kausleute zur Seite steht. B e r l i n, 19. Jan. (MTV. Nichtamtlich.) Laut „Reichsanzeiger" ist die A u s f u h r und Durchfuhr von Tabakmatten jeder Art verboten worden. Das Verbot der Ausfuhr und Durchfuhr von Thermosflaschen wurde auf Jsoliergefäße jeder Art ausgedehnt. Berlin, 19. Jan. (MTB. Amtlich.) Der Beirat der Reich sprüsungs st eile für Lebensmittelpreise trat in seinem Ausschuß für Kartoffeln, Gemüse und Obst zu einer Sitzrcng unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Kautz zusammen. Eine' eingehende Erörterung fand über die Vorschläge zur Aend erung der Gemüse-Höchstpreise statt. Allgemein wurde anerkannt, daß, wie auch von vornherein beabsichtigt, für die spätere Zeit des Winters und für das Frühjahr eine gewisse Erhöhung der Preise für die Errtte 1915, besonders mit Rücksicht aus den Schwund und die Aufbewahrungskosten im allgemeinen nicht zu umgehen sein werde. Von mehreren Seiten wurde eine Herabsetzung der Sauerkohlhöchstpreise gewünscht. Gegen die Zurückhaltung von Ware und den Ver kauf als ausländisches Gemüse zu höheren Preisen soll energisch eingeschritten werden. Äeinhandelshvchstpreise wurden überall für nöttg gehalten. Sodann wurde von dem Vorsitzenden dargelegt, in welcher Weise die Kartofselversorgung der Bevölkerung für den Winter, Frühjahr und Sommer und die Belieferung der Stärkefabriken urrd Trocknereten mit Fabrikkartofseln sichergestellt werdet» soll. Eine Reichstagsersatzwahl. Cö l led a, 19. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Amtliches Wahlergebnis. Bei der heutigen Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Merseburg 6 (Sangerhausen) wurde mit 6042 von 6045 abgegebenen Stimmen der Handelskammersyndikus Wilhelm Hirsch-Essen (nationalliberctl) gewählt; ein Gegenkandidat war nicht auf gestellt. Ans Stadt und Land. Gießen, 20. Januar 1916. Rriegrarbeil in Gießen. XI. Die Tätigkeit des Kommunalverbandes Gießen im Jahre ISIS. Als Napoleon I. in den Jahren 1806 bis 1812/13 über England die Kontinentalsperre verhängte, um u. a. die Zufuhr englischer Waren nach dem Festlande zu unter binden und hierdurch Englands Handel aufs empfindlichste zu schädigen, erlitt er einen Mißerfolg.. Der Gedanke einer Aushungerung Englands mag dem damaligen großen ge meinschaftlichen Gegner Deutschlands und Englands gar nicht vorgeschwebt haben. Er wollte in erster Linie die Engländer an ihrer verwundbarsten Stelle, dem Geldsack, treffen. Das ist ihm, wenn auch nicht in dem gewünschten Maße, gelungen. Letzten Endes blieb aber die Kontinental sperre ein Mißerfolg. Nicht unähnlich dieser napoleonischen Kriegsmaßnahme ist die von England sicherlich schon lange vor Ausbruch des jetzigen Weltkrieges ins Auge gefaßte Lahmlegung des deutschen Ucberseehandels und damit der überseeischen, Nähruugsmittelzusuh-r mit Hilfe seiner, der. unsrigen an Schiffszahl überlegenen Kriegsflotte. Die Leiter der englischen Politik glaubten nicht an die Möglichkeit, daß dre deutsche Lartdwirtfchaft imstande sein werde, dem Boden die Früchte abzugewinnen, die zur Ernährung des großen deutschen Volkes für eure längere Kriegsdauer nötig sind. England und seine Verbündeten rechneten vielmehr und rechnen in ihrer Verblendung vielleicht auch heute noch damit, daß Deutschlands eigene Hilfsquellen zUm Unterhalt der Bevölkerung nicht ausreichen und so, wie sie selbst an einen Einmarsch in unser zu zertrümmerndes Vaterland glaubten, so hofften sie, dort bereits das von ihnen herauf- beschworene Hungergespenst als würdigen Helfer int «Streite vorzufinden. ' Wie bisher die Hoffnungen unserer Gegner auf den Schlachtfeldern zunichte wurden Und noch weiter zunichte gemacht werden, wie vor allen» auch Misere U-Bootsflotte» täglich zur See dem Gegner empfindliche Verluste beibringt, ist ebenso bekannt, wie die Tatsache, daß unsere stillen Arbeiter in der Heimat mit Hilfe der wirtschaftlichen Kriegsgesetze aus dem Gebiete der Nahrungsmittelversorgung und des Verbrauchs alle mit der englischen Handelsblo ckade verbundenen Pläne zu schmrden werden ließen. Die organisatorischen Fähig kette»» des Deutschen, die — ohne Rühmens —> im Verein mit seiner Anpassungsfähigkeit an gegebene Verhältnisse, uns in redlichem Friedenswettbewerb mit den Völkern einen Platz an der Sonne erobern sollten, diese Fähigkeiten, die uns dann aber den Haß unserer neidischen Gegner zuzogen, firtb es, denen wir die ausreichende Versorgung unseres Heeres m»d unserer Flotte sowie des gesamten Volkes rnit Nahrungsmitteln und allenr sonst noch Nötigen zu verdanken habe»». Es ist bekannt, daß durch die Gesetzgebung und durch Anordnungen der Reichsregierungien nach und nach eine Reihe von Zentral ver waltun gen geschaffen wurde, in deren Hand der Erwerb und die Verteilung der Bedürfnisse des Heeres und des Volkes ruhen. Diese Zentralbehörden verwalten das große Sammelbecken für die Bedürfnisse, um die Waren in ausgleichender und gerechter Weise an die Bedarssstellen weiter zu leiten. Sie bedienen sich hierbei der Hilfe der auf gesetzlicher Grundlage ruhenden Kommu- n a l v e r b ä n d e, deren es heute im Reiche über 1200 gibt. Der Kreis Gießen mldet für sich einen eigenen ko »n m un al v e r ba n b. Wenn auch über sein Wirken ür lleinere Zeitabschnitte schon mehrfach an dieser Stelle berichtet worden ist, so mag doch jetzt bei Beginn des neuen Jahres noch einmal ein Rückblick auf seine G e s a m t t ä t i g- keit inr verflossenen Jahre geworfen werderr. Die unten olgenden nüchternen Zahlen lassen wohl einig ermaßen erkennen, welche Fülle von Arbeit vom Kommunalverband im ab gelaufenen Zeitabschnitt bewältigt worden ist. Es soll zunächst erwähnt werden, daß er sich u. a. der chwierigen Aufgabe unterzogen hat, in wochenlanger Tätigkeit mit zahlreichen Hilfskräften das mutmaßliche Ernteergebnis für den Kreis Gießen festzustellen, um so für seinen Bezirk der Reichs getteidestelle in Berlin die erforderliche Grundlage für die allgemeine Getreipe- und Mehlverteilung zu liefern. Da der Kreis Gießen vorwiegend Landwirtschaft betreibt, stand dem Kommunalverband neben den für die Versorgung seiner Kreiseingd- sesserren erforderlichen Mengen noch ein erheblicher Weizenvorrat zur Abgabe an die Reichsgetreidestelle zur Verfügung-, ohne daß hierdurch die Versorgung unseres Kreises bis zum Beginn des nächsten Erntejahres, das ist 16. August 1916, in Frage gestellt ist. Es wurden front Kormnunalverband augekaust und seit 15. August 1915 bis 31. Dezentiber 1915 an die Reichs- getreidestelle abgeliesert: 58 000 Zentner Weizen im Werte von 783 000 Mk. Im ganzen wurden im Jahre 1915 an Brotgetreide angekauft: 109 375 Zentner im Werte von 1367 187 Mk. Der Kommunalverband bedient sich bei Erwerb und Abgabe des Getteides der Hilfe der „Vereinigteu Getreidehändler" in Gießen, einer unter seiner Mitwirnrng ins Leben gerufenen G. m. b. H., die ihm verttaglich verpflichtet ist und ihm Gewähr für eine rationelle Wirtschaft bietet. Die Versorgung des« Kreises einschließlich der Stadt Gießen mit Miehl ist Aufgabe der Mehlverteilungs- stelle des Kommunalverbaudes, die zu diesem Behufe im abgelausenen Jahr 87 500 Ztr. Mehl im Werte von 1431000 Mark den Verforgungsberechttgten zuwies, wobei sie noch die Brotkarten Verteilung für die versorgungsberechtigte Be- völkerung der 79 Landgemeinden übernahm. Hierbei soll er- wähitt werden, daß die schwer arbeitende Bevölkerung des' Kreises eine besondere Zuweisung von 50 Gramm für den Kopf und Tag erhielt und daß es dem Kommunalverbandl im November 1915 noch möglich war, jedem Btotempsänger aus ersparten Getreidemengen eine Mehlzuweisung von 1 Pfund zuzuwenden. Es wurden weiter der Stadt Äteßen urtb den Landgemeinden des Kreises je 20 000 Mk. für die Zrvecke der Bolksernährung zugewiesen, die aus einer sparsamen Wirtschaft im Erntejahr 1914 erflosseit waren. Die bei Vermahlung des Kommunalverbandgetreides gewonnene Kleiemenge bettmg 14 436 Ztr. im Werte von 115 488 Mk. Sie wurde durch Vermittelung des Kom- munalverbandes von der Landesverteilungsstelle für Futtermittel in Darmstadt an die Landwirte des Kreises abgegeben. Es möge hier erwähnt werden, daß stets ein Brot von vorzüglicher Güte erbacken tverden kann und daß der Komrnunalverband die Gewißheit zu besitzen glaubt, daß trotz der ab 1. Januar 1916 gesetzlich zu zahlenden, nicht itnerheblichen Ztlschläge auf das Getteide vorläufig eine Erhöhung des Mehl- und damit des Blrotpreises nicht erforderlich sein tz-ird. Zur Stteckung des Brottnehls wurden 4000 Ztt. Kartoffelfabrikate (Kartofselstärke- und Kartoffel- walzmehl) im Werte von 95 000 Mk. beschafft. ^ Es bedarf keiner 5)ervorhebung, daß zu keiner Zeit im Kreise Gießen eine Brotknappheit sich bemerkbar machte. Außerdem sind die Preise für Mehl und Brot in unserem Kreise wohl die niedrigsten im Preisbezirke, dem der Kommunalverband an gehört. Eine weitere umfangreiche Aufgabe erwuchs dem Kon^- munalverbmtd in der Regelung der Ka r t o f f e l v e r s o r< gun g. Zwar mußten in tnanck)en Fällen Zwangstnaßregeln angewandt und die trügerischen Hoffnungen mancher Landwirte aus eine Erhöhung der Kartoffelpreise erst beseitigt werden, bis die törichte Verschleierinig der Kartoffelvorräte einigermaßen auchörte. Nachdem aber das Verstäi^mis sich Bahn gebvocheir hatte, daß der Kommurralverband nur das verlangte, lvas er fordertt konnte und mußte/ gelang es nicht nur, festzustellen, daß die BevMerimg des Kretses bei sparsamer und haushälterischer Wirtschaft bis zur nächsten Ernte auskommen wird, sondern auch zu bewirken, daß die bedürftigeic industriellen tvestdcutschen Bezirke, die einer raschen Zuftchr bedurften, besonders des Ruhr- und Saargebietes, in Erledigung der von der Reichs- kartofselstelle ausgestellten Bezugsscheine mit Kartoffeln versehen wurden. Ebenso wurde der nottvendige vorläufige XHiUitlL| fr'-t Ull juU/Cil-bv*». jdes hiesigen Ge fangen-enkvgiers gedeckt. Der Kommun alverbmid wurde weiter stark in Anspruch genommen der der Durchführung der einzelnen Verordnungen über die Beschlagnahme und^ Wlieferung von Kupfer, Messing und Reinnüvel, bei der Regelung und Beaufsichtigung des Verkehrs mit Gerste, Hafer, Saatgut und Saat- getrerde sowre nnt Petroleum. Gin Eingehen auf Einzelheiten hierbei würde an dieser Stelle zu lucit führen. Es darf aber wohl gesagt werden, daß die Arbeit des Kommunal der bau ds bei der Durchführung der einzelnen gesetzlichen Bestrinmungen auf diesen, zum Teil schwieviaeu Wegen der Nerchskriegsfürforge oft mühevoll war. Dannt hat sich die Tätigkeit des Kommunalderbands im Dienste des Vaterlandes und besonders der Bevölkerung des Kreises noch nicht erschöpft. Er brachte u. a. in den Kreis: * 16000 Pfund! Bütter im Werte Von 32 000 Mk. 210000 Eier im Werte von 37 000 „ 10000 Pfund Erbsen und Bohnen im Werte vdn 4 800 „ 65 000 Pfunde Reis im Werte von 28 000 „ 60 000 Pfund Nudeln im Werte von 36 000 „ 13 000 Pfund Graupen im Werte von 4 800 „ 40 000 Pfund Seife im Werte von 30 400 „ Diese Waren wurden zum Teil nur der minderbemittelten Bevölkerung überlassen. Wenn zu jeder Zeit B. Butter und Eier in der Stadt Gießen zu musen waren, o darf der Komrnururlverband das Verdienst an der recht- S ' igen Warenbestellung für sich in Anspruch nehmen, eben- mran, daß die Eier- un!d Butterzufuhren auf die Bildung Marktpreises dieser Lebensmittel in verbilligernder Meise ein ge wir kt haben. Auch im Kreise Gießen sind selbstverständlich!, wie sonst überall in Europa, die Lebellsmitteipreise im Kviege etwas gestiegen. Die englische 5)andelsblockabc ist aber ein zweischneidiges Schwert. Gebrauchte sie England noch einmal als Waffe, wenn es seine großen Verluste an wertvollen Handelsschiffen und die Verteuerung der Preise für Lebensmittel im eigenen Laude vovausgesehen haben würde? Wird England bald einsehen, daß es, wenn wir nur sparsam pi i r t s cha f t e n, mit der Aushungerung Deutschlands »nichts ist? Wir reichen aus. Hierzu wird aber jedenfalls auch »unser Kommunalverbaud das Seine beitragen. Ein Bild feiner Tätigkeit auf wirtschaftlichem Gebiete wird am besten Durch die zahlenmäßige Feststellung 'gewonnen, daß« der «Gesamtbetrag der von der Mehlverteilungsstelle des sKommunalverbandes um gesetzten Waren, unter Ausschluß von Gerste, Hafer und Saatgetreide, die stattliche sSumme von 4 300 000 Mark erreicht hat. Kommunalverband Gießen. •* Amtliche Personal Nachrichten. In den Ruhestand wurde versetzt am 12. Januar die Lehrerin an der Volksschule zu Mainz Elise Beck auf ihr Nachsuchen wegen geschwächter Gesundheit vorn 1. Februar 1916 au. — Der G ros; Herzog hat am 19. Januar den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen Amtsgertchlsrat Errrst Crarn er, zurzeit im Feld, zum Land- gerichtsrat bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen ernannt. ** Blindenvereine und ihre Notwendigkeit. Ein Kriegsblinder schreibt uns: Allen von Geburt und auch später Erblindeten ist durch die Blindenanstalten die Möglichkeit zur Erlernung eines Handwerks oder zur handwerklichen Betätigung geboten. Nach vollendeter Schul- oder Lehrzeit sehnen sich die Blinden, wie jeder andere Handwerksmann, nach einer Existenz, der sie ihre volle Kraft wie jeder andere widmen können. Freilich ist dieses nicht allen möglich, und manche geben das in den Anstalten erlernte Handwerk zum Teil oder völlig auf, um mit Musik oder Almosensammeln ihr Dasein zu fristen. Um den so ihrem Schicksal überlassenen Blinden die Vervollkommnung ihres früher erlernten Berufes zu ermöglichen, sind in vielen Gauen des Deutschen Reiches die Blinden unter Mithilfe von dafür Interessierten sehenden Mitgliedern zu Vereinen zusam- mengetreten, deren Bestreben dahin geht, eine Werkstatt zu schaffen, in der alle Handwerke betrieben werden und den fern der Werkstatt wohnenden durch Zusendung von Rohmaterialien die Ausführung ihres Berufes ermöglicht wird. Ein solcher Verein besteht auch in unserem Hessenland, und zwar in Darmstadt und Umgebung. In Oberhessen ist noch eine solche Vereinigung erwünscht. Alle Minden, die ihm beitreten wollen, mögen sich an den Kriegsblinden Konrad Biedenkopf V-, Weickartshain, wenden. •* Stadttheater. Aus dem Stadttheater-Bureau wird «ns geschrieben: Nochmals fei nachdrücklich auf das morgige Gesamtbenefiz der darstellenden Mitglieder unserer Bühne hingewiesen, das in Sudermanns „E h r e" ein Werk mit dankbaren Rollen bringt. Das Werk ist seit einer Reihe von Jahren hier licht mehr gegeben worden. ** Der Verein der Gastwirte von Gießen und Umgegend macht bekannt, daß, nachdem die Brauereien den Preis für das Bier wiederum erhöht haben, die Wirte genöttgt sind, die Ausschankpreise ebenfalls zu erhöhen. ** Beftandserhebung von Trogen. Eine neu erschienene Bekanntmachung ordnet die Bestandserhebirng von Drogen und Erzeugnissen aus Drogen an. Hiernach ist der am 20. Januar vorhandene Bestand einer großen Anzahl im einzelnen aufgeführter Trogen bis zum 30. Januar 1916 an die Medizinal-Abteilung des Königlich Preußischen Kriegsministeriums in Berlin zu melden. Von allen von der Bekanntmachung betroffenen Trogen und Erzeugnissen aus Drogen sind besttmmte Mindestmengen meldeftei gelassen, so daß die Bekanntmachung insbesondere für Privatpersonen oder kleinere Betriebe kaum in Betracht kommen dürfte. Feder. Melde pflichtige wird ausserdem angehalten, ein Lagerbuch zu führen, aus dem jede Aenderung der gemeldeten Vorratsmengen und ihre Verwendung zu ersehen ist. Der Wortlaut der Bekanntmachung, die eine Aufzählung der melde pflichtigen Drogen und der meldefreien Mindestmengen enthält, ist in der heutigen Nummer des Gießener Anzeigers veröffentlicht und am hiesigen Rathaus angeschlagen. Landkreis Gießen. e. Climbach, 20. Jan. Dem Unterzahlmeister Wilhelm Leyerer wurde die Hessische Tapferkeitsmedaille und das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen. Starkenburg und Rheinhessen. e. Darm st a dt, 20. Jan. Der Mittelrheinische Fa- brikanten-Verein nahm in seiner Hauptversammlung am 19. ds. Mts. in Darmstadt die nachstehenden Erklärungen an. 1. Der Mittelrheinische Fabrikantcn-Verein stellt nach Verlauf eines weiteren Kric^sjahres fest, daß die in seiner Erklärung vom 7. Januar 1915 ausgesprochene Erwartung, daß die deutsche Volkswirtschaft auch eine längere Dauer des Krieges gut überstehen werde, sich vollkommen erfüllt hat. Mit voller Zuversicht kann daher in das neue Kriegsjahr emgetreten und der Erwartung Ausdruck gegeben werden, daß eine Niederem gung Deutschlands ünd seiner Verbündeten auf wirtschaftlichem Gebiete ausgeschlossen erscheint. 2. Der Verein begrüßt mit Freuden die Bestrebungen, die auf eine engere Verbindung Deutschlands mit seinen Verblindelen, insbesondere Oesterreich-Ungarn, auf politischem, militärischem und wirtschaftlichem Gebiete gerichtet sind. Er verspricht sich von einer solchen Annäherung eine erweiterte Mackügeltuna nach dem Kriege und eine gegenseitige Belebung ihrer Volkswirtschaften. Der Verein würde es begrüßen, wenn die beteiligten Negierungen der Lösung der Frage recht bald näher treten wlirden, und erwartet von der deutschen Reichsregierung hierbei eine ausgiebige Heranziehung von Verttetern der beteiligten Erwerbsstände. 3. Der Verein schließt sich der Erklärung des Kriegsausschusses der deut- ^u.)en ixu.u 14. iolo, betreuen») cüe FestiwUu.il g der deutschen Auslandssorderungcic, in vollem Ümfange ian. Die W- ficht der Reichsregrerung, den Eingang der Forderungerl durch WleLerlierstclluug der früheren Rechtsbehclse zir sichern, muß im Hinblick auf die UmstÄrdlichkeit, Kostspieligkeit und Uirsicherheit des ausländischen Gerichtsverfahvens als ganz unzulänglich be- zelckmet werden. Nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten, und Neuwahl des Vor st arides hielt Pvost^sor Dr. Wo eh! er von der Deckmischen Hochschule Darmstadt leinen hochinteressanten Vor- ttag über: „Die Explosivstoff-Chemie im Kriege", Kreis Wetzlar. ra. Dutenhofen, 20. Jan. Friedrich Weller, ttntcr- offizler von der Unteroifizieischule Wetzlar, zuletzt Garde-Reserve- Regiment Nr. 5, starb infolge schwerer Verwundung a,n 9. Januar ln einem Feldlazarett. ^ Hessen-Nassau. ~ „u ^n n f f u r t a. M. , 20. Jan. Dem Postsekretär Brecht J u '. Wurzburg, der aus dem Unnvege über Frankfurt gefälschte Lostanwelsuugen mit erheblichen Beträgen an sich unter einer Deckadresse nach Nürnberg schicken ließ, sind bis jetzt Fälschungen von etwa 1 2000 Alk. nachgewiesen ivorden. Drei Postbeamtinnen,die er durch lügenhafte Angaben an sich zu fesseln ivußle, wurden ihrer Stellungen enthoben. Die Ursache des Sranües von bergen. B«r l i,i, IS. Jan. (933. T. 93. Nicht-, mtllch.) Di- .93. Z. a. Ai." meldet ans Borgen: Nach den amtlichen Brandberichten verursachte die U n a ch t s a m keit zweier Arbeiter den Brand. Die Arbeiter kamen in einem Brückenfpcicher mit dem Licht einem -Harzballon zu nahe, der sofort in Flammen geriet. Dadurch entstand eine so große Hitze, daß die Leute außerstande waren, den Brand zu löschen. vermischtes. * Zeitungspapier a u s Stroh. Die große Ent Wicklung des Zeitungswesens in den Bereinigten Staaten von Amerika bildet eine dringende und fortgesetzte Geiahr für die Wald bestände des Landes, da eine Zeitung mit 20 Seiten bei einer Auf läge von 100 000 Exemvlaren täglich etwa 2'/, Hektar Wald verbraucht; bei größeren Zeitungen kann der jährliche Waldverbranch aus etwa 4000 Hektar beziffert werden. Zur Schonung der Wald bestände ist man nun bestrebt, das Zeitungspapier ans anderen Stoffen herzustellen. So hat, ivie der bei Otto Spanier in Leipzig erscheinende „Prometheus" berichtet, die staatliche Papiermühle voii Wansnu im Staate Wisconsin solches Papier aus Stroh hergestellt, .das seit einiger Zeit von einer größeren Zeitung täglich verwendet wird. In den Bereinigten Staaten bringt jede Ernte etwa 150 Millionen Tonnen Maisstroh. Da man ans chemischem Wege die für das Vieh brauchbaren Stoffe des Strohes nicht nnsziehen kann, könnte der größte Teil zur Herstellung voii Zeitungspapier verwendet werden. Außerdem stehen jährlich 2 Millionen Tonnen Reisstroh und 10 Millionen Tonnen Baumwollstengel zur Verfügung. Daß sich Reisstroh vorzüglich zur Papierhsrftellung eignet beweisen China und Japan. Baumwollstengel liefern allerdings ein weniger gutes Papier, aber deren Zellulose könnte ja init den Reisfasern vermischt und auf diese Weise könnte ein großer Teil des Zeitungspüpieres ans Stroh hergestellt werden, während das bessere Papier immer noch den Büchern und Zeitschriften Vorbehalten bleiben könnte. Die Frage der Erhaltung der Wald bestände ist eine so ivichtige, daß ihre Schonung durch anderweitig Herstellung des Zeituugspapieres in hohem Grade als wünschen- wert zu bezeichnen ist. * Rußlands reichster Mann. In Lausanne ist der Russe S. M. Gvlitzin gestorben. Der Dahmg-egaiigene, dar für Rußlands reichsten Mann galt, hinterläßt ein Vermögen von über 200 Millionen Rubel in französischen und englischen Bankobliga ticmen und in soliden Eisenbahnpapreren. Außerdem war er Eigen tümer des großen Besitzes Kusminska in unmittelbarer Nähe von Moskau, wo auch seine bedeutende Gemäldesammlung Platz gefimden hat, die auf einen Wert von beiläufig 8 Millionen Rubel geschätzt tvird. Ueberdies besaß Gvlitzin noch eine ganze Anzahl anderer Güter in verschiedenen Teilen Rußlands. Gvlitzin war viermal verheiratet und geriet bei seinen verschiedenen Schüdungen wiederholt in Schwierigkeiten mit dem! heiligen Synod, welches den Versuch machte, seine letzte Ehe für ungültig zu erklären. Doch trat damals der Zar dazwischen und das Synod mußte sich den Wünschen des Millionärs fügen. In erster Ehe heiratete Gvlitzin sein Stubenmädchen, zuletzt war er mit einer Prinzessin Kugutschew verheiratet, die ihn überlebt. Im ganzen hatte er mit seinen vier Frauen drei Kinder, einen Sohn und zwei Töchter, die sämtlich aus der ersten Ehe stammen. Es war sein Wunsch, seinen Sohn zu enterben, da der junge Herr im Laufe der letzteir zwei Jahre? etwa 8 Millionen Schulden gemacht hatte, allein der Kaiser Nikolaus widersetzte sich« diesem Wunsche. Im Privatleben war Golitzin ein Mann, der ans Leben sehr bescheidene Forderungen stellte: er lebte sparsam und wirrde sogar oft des Geizes beschuldigt, obwohl er im Laufe der letzten 15 Jahre über 100 Millionen Rubel zu Wohltäligkeitszwecken gespendet hat. Daß er bis zu seinem Tode den Ruf des reichsten Mannes von ganz Rußland behaupten konnte, obgleich! sein Vermögen 200 Millionen Rubel, wie bemerkt, nicht wesentlich überstieg, ist ein Beweis dafür, daß Rußland große Vermögen in dem Stile z. B. der Vereinigten Staaten nickst kennt In Amerika hat schon Cornelius Vanderbilt seinerzeit etwa 1600 Millionen Mark hinterlassen, und die Vermögen der neueren amerikanischen Multimillionäre sollen ja noch viel bedeutender sein. * Die längste Luftseilbahn der Welt. Eine Luft seilbahnverbindung. die in einer Länge von 120 Km die Ebene des Bundjab mit dem sonst für Bahnbauten unzugänglichen Bergland von Kaschmir verbinden soll, ist nach einer Mitteilung der Geo- gravhischen Zeitschrift gegenwärtig im Bau. Die bisher längste Luttseilbahn war nur 3b km lang und befand sich in Argentinien. Kaschmir ist mit der Außenwelt bis jetzt nur durch eine Fahrstraße verbunden, die von Rawalgindi nach Srinagar führt und unter den größten Schlvierigteiten und mit vielen Menschenopfern erbaut wurde. Die Unterhaltungskosten für diese Straße betrugen im Jahre kür den Kilometer 1300 Mk. Die Herstellungskosten für die neue Drahtseilbahn werden 6 300 000 Mk. betragen. Der Betrieb soll mittels Elektrizität erfolgen, die durch Wasserkraft in einer Station bei Rampore erzeugt wird. Die Stützen, über welche die Trag- und Zugseile geführt werden und von denen einzelne 30 m hoch sind, bestehen aus eisernen Pfeilern oder Gittermasten; sie sollen in einer durchschnittlichen Entfernung von 730 m von einander aufgestellt werden. Man hofft, Güter künftig in 15 Stunden, anstatt wie bisher in 15 Tagen, von Rawalgindi nach Srinagar befördern zu können. * Der Prozeß wegen eines Bindestriches. Eine köstliche Prozeßidytle wird sich dieser Tage in der Schweiz ab- spielen. Ein Tierarzt sucht nämlich bei den zuständigen Gerichten seine Ehre wieder instandzusetzen, nachdem sie durch einen Bauer beschädigt worden, was auf folgende Weise geschah. Der Bauer kaufte ein Pferd und ließ es vor Abschluß des Handels, ivie das in solchen Fällen üblich ist, durch einen Tierarzt ans seinen Gesundheitszustand untersuchen. Der Kauf wurde, gestützt auf die zustimmende Aussage des Veterinärs, abgeschlossen; aber dad Pferd erwies sich nicht als so kräftig, ivie es der Käufer hätte erwarten dürfen. Seinem Zorn machte der Bauer in einem Brief an den Tierarzt Luft, den er auch anderen Bauern des Dorfes zeigte, und in dem er schrieb, ihm scheine es, der Tierarzt sei mehr Rindvieh als Pferdearzt. Daraufhin verklagte der Veterinär den Bauer wegen Beleidigung. Der Bauer jedoch, der selbst etliche bürgerliche Ehrenämter bekleidet, rechtfertigt sich mit der Behauptung, er habe nur vergessen, den Bindestrich anzubringen, indem er hatte sagen wollen, der Veterinär scheine ihm mehr Rindvieh- als ein Pferdearzt zu sein. Der Veterinär gibt sich aber damit nicht zufrieden, und so werden sich die Gerichte in dieser wafsenkltrrenden Zeit mit einem Prozesse um eine- vergessenen Bindestriches willen zu beschäftigen haben. ■■ " . .ü? Israelitische Rcligiorisgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage). Samstag, den 22. Januar 1916: Vorabend: 5.00 Uhr. Morgens: 0.00 Uhr. Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers. Nachmittags: 3.30 Uhr. Sabbatausgang: 5.55 Uhr. 6 : Israelitische Religionsgesellschaft. Gottesdienst. Sabbatfeier am 22. Januar 19 Freitag abend 4.40 Uhr. Samstag vormittag 8.30 Uhr. Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Deutschen Kaisers. Samstag nachmittag 3.30 Uhr. Sabbatansgang 5*55 Uhr. Wochengottesdienst morgens 7.00, abends 4.30 Uhr. Monat!. Uevrrsicht der Todesfälle in der Stadt Sietzen. Monat Dezember 1015. Einwohnerzahl: angenommen zu 32 9)0 (intl. 1600 Mann Militär). SterblichkeitSziffer: 28,5 °/ 0 ,. Nach Abzug von 34 Ortsfremden: 10,5 °/ 0 o- Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Freitag, den 21. Januar 1916: Trüb und regneujch, keine Temperaturänderung. ES starben an Zus. Erwachsene Kinder LebenS- vom 2 bi» iabr >&. ftabr Angeborener Lebensschiväche 3 ( 2 ) — 3(2) _ Altersschwäche 7 (2) 7 (2) __ Folgen der Geburt 1 (0 1 (1) __ Diphtherie 4(4) — 4 (4\ Rose 1 1 — — Wundkrankheiten 1 1 — — Tuberkulose 4 (3) 3(2) — 1 (1) Lungenentzündung Kranklieiten der AtmungS- 8(3) 8(3) — organe 2 1 1 — Krauktzeiten des Herzeus 7(8) 7(3) — — Gchirujchlag anderen Krankheiten des 2 (1) 2(1) — — Nervensystems anderen Krankheiten der Ver- 9(8) — — 1 dauungsorgane 3(2) 3(2) _ — Blinddarmentzündung 1 (!) 1 0) — —; Krankheiten der Harnorgane 2(1) 2(1) — — Krebs 2(1) 2(1) — _ Verunglückung 1 ! — — anderen Todesursachen 5(2) 3 (1) 2(1) — Summa: 63 (34) 42 (18) 6 (3) 6(6) A n nt.: Tie in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Letzte Nachrichten. Ein englisches U-Boot gestrandet. i. Kö ln, 20. Jan. Die „Kölnische Volkszeitung" meldet aus Amsterdam, daß bei der Insel Schiermannikoog ein englisches Unterseeboot gestrandet ist. 11 Mann wurden von einem holländischen Rettungsboot, die übrigen von einem englischen Torpedoboot gerettet. * Die Zurückziehung der griechischen' Truppen aus Mazedonien. i. Köln, 20. Jan. Nach der „Kölnischen Zeitung" meldet der Pariser Temps aus Solaniki, daß die griechischen Truppen, die sich in Ostmazedonieu befinden und infolge der Sprengung der Brücke von Demir Kapu von ihrer Verpflegungsbasis ab geschnitten seien, nach Alt-Griechenland befördert würden. Die Pariser Presse zu der Kapitulation Montenegros. Paris, 20. Jan. Montenegros Fall, so meint der „T e m p s", enthält einen nicht zu unterschätzenden Fingerzeig für die Alliierten, der beweise, daß die serbische Lektion noch nicht ganz verstanden worden sei. Was not tue, sei eine genügende übereinstimmende Zusammenarbeit der Ententemächte auf diplomatischem wie auf militärischem Gebiete. Unbestreitbar sei es ein FehLer in der Aktion der Erltentemächte, daß das serbische Heer nicht rechtzeitig unterstützt werden konnte und wir, anstatt den deutschen Weg nach Konftantiuopel zu sperren, uns heute auf einen Angriff deutscherseits auf Saloniki vorbcreiten müssen. Widerwillig preist der „Temps" die gute Organisation des Vierbundes, wo einer die Führung habe, was allerdings so aussehc, als maße sich Deutschland die Diktatur über seine Verbündeten an. Das Blatt ist jedoch gezwungen, anzuerkcrrnen, daß diese Einigkeit, die im Lager der Alliierten fehle, den feind« lichen Staaten die bisherigen Erfolge eingetragen hat. Wiederum könnte aber auch im Lager des Verbandes nicht einer über de?l anderen herrschen, da sie alle' Anteil haben wollten an bei Kriegsarbeit. Das französische Kriegsministerium unter Kontrolle. -Basel, 20. Jan. Wie der Lyoner „Mpublicain" aus Paris meldet, beschloß General Galliens, den Senatoren und Deputierten künftig zur Ausübung einer Kontrolle den täglichen Besuch der verschiedeu.en Verwaltungen im Kriegsministerium ohne jedesmalige besondere Erlaubnis zu gestatten. Ferner wurden zwei Offiziere in jeder Abteilmrg ernannt, die ausschließlich mit dem Empfang der Viitglieder der Kckmmer und des Senats zur Verbindung zwischen dem Kriegsministerium und dem Parlament beauftragt sind. Die Höhe der französischen Verluste. Paris, 20. Jan. Der „Figaro" enthält eine amtliche Mitteilung des VerwaltungsbUreaus für Militärpensionen und Unterstntzungsgelder, die über die Höhe der französischen Verluste, wenn auch nicht direkt, Ausschluß gibt. Aus den Mitteilungen des Bureaus, in dem früher 70 Personen, heute 944 beschäftigt sind, geht hervor, daß die Zahl der ans die Witwen- und Waisenentschädigüngen be- züglichen Personalakten im Kriegsministerium 1800 000 übersteigt. Englands Ausrede im „Varalong"-Fall. Berlin, 20. Jan. Ter „Berliner Lokalanzeiger" meldet aus Rotterdam: Reuter verbreitet enalischerseits eine längere Entgegnung auf die de utschenAusführ ungen über den „Baralvng"-Fall. Darin heißt es: Die deutsche Weigerung, die „Baralvng"-Angelegenheit und die drei von der englischen Negierung bezeichneten Falle einen: unparteiischen Gericht zur Untersucknmg vorzulegm, zeuge von dem schlechten Getvissen der deutschen Regierung. Es sei unwahr, daß die englische Regierung nicht bereit ist, der rechtmäßigen Forderung, eine Untersuchung! einzuleiten, nicht uachzukommen. Sie habe vielmehr eine Untcr- üchung arigestellt. Dagegen habe die deutsche Regierung sehr gut icivußt, daß in den drei Fällen, die die deutschen Seeleute bettäfen, das unparteiische Gericht sich gegen die DeutsckM aussprechen müsse. Der „Lokalanzeiger" sagt dazu, in der engl:sck)en Antwortnote habe nichts gestanden von der Bereitwilligkeit, den Mord der Daralongleute wegen des von ihnen begarlgenen feigen Mordes an unseren U-Bootsmannsck)472 Neue Krosdorscr Str. 14. 2 Zimmer j Wicsccker Weg 40 2-Z.-W. m. Gartenant. z. 1. Febr. z. v. Näh. Marburg. Str. 74II. ^ Lieber Straße 39 2-Zimmcrwobng. zu verm. 493> Mellmold&IMank. | Verschiedene | Parterre und II. Stock Frankfurter Strairc 25, für sofort oder später beziehbar, zu verm. Schöne Wohnungen m. allem Zubehör. Näher, im Hause und durch L. Althoff, Walltorstr. 16, Tel. 230. >8 Kl. Mansarden-Wobn. per 1. Avril an kl. Familie z. tun. 11] Frankfurter Straffe 11. Pension Brand! B " 8 " a e 22 (Belle vae) Gut möbl. Z. f. jede Zeitd. Beste Küche, Elektr., Bad, Tel., Zentralheizg. tl701i Mletge^ncbe. Möbl. Zimmer cd. mit Pension, in beff.Hause für 1. März gesucht. Schristl. Angebote an Frl. Müller, Kraftsolms bei Wetzlar. OT wa Tüchüg. Vertreter f. d. Verkauf v. 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