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Der jetzt gewoͤhnlichſte Verkauf auf den Woll⸗ Maͤrkten hat das Gute, daßf man Gelegenheit hat, viele Wolle zu ſehen, zu vergleichen und die Maͤngel der eigenen Wolle oft im vergroͤßerten Maaße ken⸗ nen zu lernen. Wenn die Kaͤufer lauter Wollkenner waͤren und ehrlich ihre Ueberzeugung ausſpraͤchen, koͤnnte dies ſehr lehrreich ſeyn, da aber oft ganz anderes Intereſſe ſie leitet, ſo darf man keinen zu hohen Werth auf ihr Urtheil legen; oft tadelt ein Wollkaͤufer eine Eigenſchaft der Wolle, die der naͤchſtfolgende zu vermiſſen bedauert.
Wenn nun ein Kaͤufer die Wolle zu dieſem, jener zu einem andern Zweck ſucht, ſo ſind dieſe verſchie⸗ denen Urtheile nicht zu bewundern. Dies kann auch bei Fabrikanten, die zu beſtimmten Fabrikaten verſchiedene Sorten brauchen, leicht der Fall ſeyn, aber bei großen Wollhaͤndlern, die alle Arten von Wolle kaufen und wieder abzuſetzen wiſſen, iſt, wenn ſie anders überall Wollkenner ſind, der Tadel oft nur eine Redensart, um die Wolle wohlfeil zu er⸗ halten. Jede geſunde, gut gewaſchene feine Wolle wird immer vortheilhaft zu verkaufen ſeyn, wenn ſie auch nicht den Tadel der Kaͤufer entgehen kann.
Die Wolle giebt die nachhaltig groͤßeſte Nutzung der Schaͤfereien. Aus dem Verkauf von feinen Boͤcken und feinen Mutterſchaafen groͤßeren Vor⸗ theil zu ziehen, dazu gehoͤrt ein Zuſammentreffen von Umſtaͤnden, das bei der jetzt ſo ſehr verbreiteten feinen Schaafzucht ſchwer zu erreichen iſt; die große Konkurrenz von Verkaͤufern ſetzt hier, wie jetzt bei allen Produkten, den Preis herunter. Der Druck, in welchem der Landmann jetzt ſchmachtet, macht es Manchen, der gerne feine Schaafe kaufen moͤchte, unmoͤglich und zwingt den Schaafzuͤchter, der nicht die ganze Zuzucht ſeiner Schaͤferei vermehren kann, wohlfeil zu verkaufen.


