Jahrgang 
1 (1817)
Seite
297
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Es iſt die himmelſchreiendſte Ungerechtigkeit, daß das unwiſſende, unerzogene Geſinde, welches ſo viele Wohlrhaten von der Herrſchaft genießt, und ſeiner Beſtimmung gemäß, im Dienſte Brauchbarkeit für ſein ganzes Leben ſich) zu eigen machen ſoll, eine wahre Tyranney, und zwar unter dem Schuße der Geſetze verüben darf, Die beſte Herrſchaft vermag wenig mehr über das Geſinde, Weder Knecht noc Magd reſpektirt Befehle, Wie es das Geſinde macht, muß es der Herrſchaft: genehm ſeyn, es ſey ſo untüchtig und ſo ſchädlich für die Herrſchaft, als es immer wolle, Zu allen Vergehungen und zu offenbaren Laſtern ſoll die Herrſchaft ſtille ſchweigen, Giebt ſie Verz weiſe, ſo fordert das Geſinde troßig den Lohn, und verläßt mit pochendem Undank das Haus ihrer Wohlthäter, Erhält mau von der Obrigkeit im hdchſien Nothfall ſo viel Beyſtand, daß das Geſinde bleiben muß, ſo weiß es ihrer Herrſchaſt durc Bos2 heit aller Art es ſo nahe zu legen, daß dieſe mit Freuden, ja wohl mit Aufopferangen in den Abzug einwilligen muß,

Wer es bedenkt, daß das Verhältniß zwiſchen Herrſchaften und Dienſtboten eine der wichtigſten Cr2 ziehungsanſtaltey ſeyn ſoll; wer es erwägt, von welchem weſentlichen Einfluſſe die Anwendung der Jugendjahre auf die ganze künftige häusliche Glück- ſeligkeit, inſonderheit auf die Erziehung der Kinder