— ——— —y—᷑—ꝭQ;O⸗O—Oę—(-CO——Q—QBñ—ÿ—ÿ-ꝛ=ͦ˖ñͤ———————— —— —yy—y— — —— — — — , 3 4 REISE ZUM TEMPEL DES JITUPITER AMMON IN DER LIBYSCHEN WOSTE UND NACH OBER-AEGYPTEN IN DEN JAHREN 1820 UND 1821. VoN- HEINRICH FREIHERRN vVON MINVTOLI KSNIGIICH-PREUSSISCHEM GENERAL-LIEUTENANT, RITTER DES ROTHEN ADIER-ORDENS zWEITER KLASSE MIT EICHENLAUB UND DES PREUSSISCHEN JOHANNITER-ORDENS, EHRENMITGILIEDE DER AkKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN ZU BERLIN VU. s. W. 4 NACH DEN TAGEBUCHERN SR. EXCEILENZ HERAUSGEGEBEN UND MIT BEIILAGEN BEGLEITET VO N DR. E. H. TOELKEM ORDENTLICHEM PROFESSOR DER KUNSTGESCHICHTE UND MYXTHOTLOGIE AN DER UNIVERSITAET zU BERLIN. MIT EINEM ATLAS VON 38 TAFELN UND EINER KARTE DES KARAVANENZUCES. BERLIN, BEI AUGUST RUCKER. — 4 K 1824 ℳ BIRIIOTHE. .) RORNICcCht — —— — — SEINER MAIESTAET FRIEDRICH WILHELM III. KOENGCE VON PREUSSEN MIT — DER GROESSTEN EHRFURCHT UND DANKBARKEIT GEWIDMET VON DEM LEREASSER. 8——— — —— — 4 — G J G N L⸗: . b Je=1 G= A. OSe, Aa 66 —⏑⏑— Was man nicht kann ganz erfassen, Muſs man darum nicht ganz lassen. Besser einen Theil zu wissen, Als das Ganze ganz zu missen. —— “ VORWORT DES VERFASSERS. Ueber die Veranlassung und den Zweck dieser Reise giebt die meinen Bericht eröffnende kurze Einleitung die nöthige Auskunfſt. Welche Hindernisse der Ausführung des ur- sprünglichen Planes sich entgegenstellten, wird aus der Erzählung der Umstände genugsam hervorgehen. Weiterer Rechtfertigung bedarf es nicht. Bei allem von mir Mitge- theilten war die gewissenhaſteste Treue mein höchstes und einziges Gesetz. Die meisten Bemerkungen wurden von mir während der Reise selbst aufgezeichnet, und die bildlichen Darstellungen sind fast alle von der Hand geübter Künstler. Nur über die Entwerfung der Landkarte wird daher noch eine besondere Rechenschaft nothwendig seyn. Bei dem Zuge durch die Wüste übernahmen Herr GRUoOC und ich die Ortsbestimmungen, die Berücksichtigung der verwandten Zeit und des zurückgelegten Raumes, die Beob- achtung der Abweichungen des Marsches, des Zuges der Gebirgsverzweigungen, ihrer Thäler und Ravins. Zu diesem Behufe hatte ich mich in Berlin mit einem achtzölligen Had- leyschen Spiegelsextanten und mit graphometrischen Instru- menten, und in Alexandrien mit Sanduhren und Meſsketten versehen. Die Brauchbarkeit des Sextanten fand ich durch mehrere in Alexandrien gleichzeitig mit den Instrumenten VIII eines französischen Kriegsfahrzeuges angestellten Beobach- tungen, welche für diesen Ort gleiche Polhöhe gaben, bewährt. Hierauf entwarf Herr GRUoc, als vorbereitende Arbeit, ein Netz zur Karte, das von Kathié im Delta bis über den Busen der groſsen Syrte hinausging, und folglich, vom Pariser Meridian an gerechnet, sich von 13° 30 bis 30° 30/ von Westen nach Osten erstreckte, und eine ver- hältniſsmäfsige Breite erhielt. Zur leichteren Auffindung der alten Ortschaften, Buchten und Vorgebirge, wurde die d'Anvillesche Karte der alten Erdkunde zum Grunde gelegt und das Ganze nach einer der besten Seekarten berichtigt. Aus diesem vorläufigen Entwurf wurden nun einzelne Grade auf gröſsere Blätter übertragen, und auf diesen die einzelnen Tagesarbeiten verzeichnet. Die Bestimmung der nördlichen Breite ergab sich, nächst Alexandrien, aus der Messung fol- gender fünf Polhöhen: Abousir 31° 2“, Schmeime 30° 29 40 Bir-el-Kor 319 27“, Siwah beim Tempel des Ammon 29° 9 52“ und El-Gara 29° 34 44“. Die Länge fiel schwerer zu bestim- men, da ich einen Chronometer aus dem Grunde unterlassen hatte mitzunehmen, weil dergleichen Instrumente auf Kara- vanenzügen unbrauchbar werden, indem die heftige Bewegung der Zaum- und Lastthiere ihren zarten Mechanismus ver- dirbt; weswegen auch alle, durch den so gelehrten Herrn NouEr in Aegypten angestellte Längenmessungen späterhin unrichtig befunden worden sind. Zur Beobachtung der Jupiterstrabanten und anderer Constellationen, welche zur Längenbestimmung auf Reisen wohl die einzigen zuverlässigen Resultate geben, gebrach es mir an einem brauchbaren Fern- rohre, indem die in Paris bestellten Instrumente bei meiner 2 * IX Abreise von Alexandrien daselbst noch nicht eingetroffen waren, und ein in Triest erstandenes Fernrohr, obgleich von bedeutendem Focus, nicht hinlänglich vergrölſserte. Zur unmaaſsgeblichen Bestimmung der Länge bedienten wir uns daher unserer Taschenuhren, die wir alle nach der wahren Zeit stellten, ferner der Sanduhren und des Ganges unserer Kameele, deren gleichmäſfsige Schritte, nach einer zu zie- henden jedesmaligen Proportionalzahl, uns gleichsam als Log dienten. Die verschiedenen Biegungen des eingeschla- genen Weges, so wie die Streichung der Gebirgszüge und Ravins, wurden nach der Boussole verzeichnet, merkwürdige Punkte durch Winkelmesser bestimmt, und die Entfernungen abgeritten, oder, gleich den Höhen der Berge, nach einer allgemeinen Schätzung eingetragen. Durch den einige Tage nach meiner Ankunft in Cairo erfolgten Tod des Herrn GRuoc erlitt ich einen unersetz- lichen Verlust, indem so Manches, was er blos seinem Ge- dächtniſs anvertraut hatte, mit ihm begraben ward. Leider wurde nach seinem Ableben unter andern Gegenständen auch eine Mappe entwendet, in welcher sich mehrere wäh- rend der Reise entworfene Croquis, mit Berichtigungen von mir, befanden, und besonders alles, was Bezug auf den Marsch von El-Gara nach Therraneh hatte. Glücklicherweise wurden aber die Hauptcroquis der Märsche von Alexandrien bis El- Gara gerettet, indem sie sich in einer verschlossenen Scha- tulle befanden. 1 Bei meiner Rückkehr nach Berlin war ich bemüht, das vorhandene Material durch den geschickten Zeichner, Herrn BRUÜGNER, nach der erwähnten Projection zusammentragen X* X zu lassen, und das Ganze, besonders den fehlenden Zug von El-Gara nach Therraneh, aus meinen Tagebüchern zu ergän- zen. Die erwähnten Polhöhen dienten zur Bestimmung der Breite; ein Maafsstab, den Herr BRüGoNER nach der Zeit proportioniren muſste, gab die Länge an, und so entstand, nachdem er die Märsche jedes Tages nach jenem Maaſs- stabe eingetragen und nach den Angaben orientirt hatte, die beiliegende Karte. Die dem Karavanenzuge zunächst liegen- den Berge, Thäler und Ravins sind alle durch Höhenbestim- mungen nach den Croquis, die entfernteren Höhenzüge aber nach den Bemerkungen meines Tagebuches eingetragen wor- den. Den Raum zwischen meinem Zuge und dem Gebirgs- rücken, der sich von dem Bahr-Belâ-Mâà bis El-Gara und Siwah erstreckt, hatte ich zwar nicht Gelegenheit in Augen- schein zu nehmen, glaubte indeſs den Rücken, der bei El- Hamam eine südöstliche Richtung zu nehmen scheint, mit dem bei Lubba in entgegengesetzter Richtung ziehenden vereinigen zu müssen. Dasselbe glaubte ich mit dem in der Mitte gleichsam parallel laufenden, von Bir-Abousister nach dem Bahr-Belâ-Maà sich hinschweifenden Rücken thun zu können, während ich kein Bedenken trug, den oberhalb Medsched nach Süden hinziehenden Rücken Raſs-Boulahou mit den Höhen bei Ummesogheir zu verbinden, da man diese Verbindung bereits auf den Karten zu Browne’s und Hornemann's Reisen angegeben findet. Die Fortsetzung des Bahr-Belâ-Maà und des Natronthales gegen Norden geschah nach ähnlichen Voraussetzungen, da ich nicht Gelegenheit fand, deren Thalränder weiter, als durch kleine Abschwei- fungen und mit bewaffnetem Auge zu verfolgen. Nach der . ——— XI astronomischen Bestimmung von Bir-el-Kor muſfste ich die Vorgebirge Jurjura und Palbioni, als zu südlich auf den bis- herigen Karten angegeben, um einige Meilen hinausrücken. Den von Piolemäus angegebenen Orten, besonders denen längs der Küste, wird man nach den Bestimmungen dieses Geographen ohne Mühe ihre wahrscheinliche Lage anwei- sen können. Auf meinen Zug von Alexandrien nach Parätonium ver- wandte ich 13 Tage, oder 89 ⅜ Stunden an Zeit, während Browne fast denselben Weg während 10 Tagen in 75 ¾ Stun- den zurücklegte. Allein erwägt man, daſs Browne bereits fünf Meilen diesseits Parätonium eine südwestliche Richtung landeinwärts einschlug, nicht so viele Biegungen machte und wahrscheinlich schneller sich bewegte, so erklärt sich der Zeitunterschied sehr befriedigend. Den Weg von Parätonium nach Siwah legte Browne während fünf Tagen in 62 Stunden zurück; bei der Schnelligkeit meines Zuges von Bir-el-Kor erreichte ich eben diesen Ort, den durch Krankheit veran- lafsten Aufenthalt bei Bir-Vadi-Rabbia abgerechnet, gleich- falls in fünf Tagen, oder 63 ⅞ Stunden Zeit, obgleich Bir-el- Kor sechs bis sieben Meilen nördlicher und beträchtlich weiter gegen Westen liegt, als der Punkt, von dem Browne ausging. Rennell rechnet in seinen Geographical Illustrations Qf Mr. Hornemann's routs etc. London 1802. pag. 124. zwei und eine halbe englische Meile auf eine Stunde Marsch, und zieht 2 für Biegungen ab. Dieser Bestimmung kann ich jedoch nicht unbedingt beipflichten. Allerdings mögen die Kameele in einer regelmäſsig geordneten Karavane stündlich eine halbe . 2ʃ2 3— XII geographische Meile zurücklegen; allein wenn man diese Thiere auf dem Marsche sich selbst überläſst, so kann man wohl nur eine Drittelmeile auf die Stunde rechnen. So wie sie im entgegengesetzten Fall, wenn sie stark angetrieben werden, wie dies theilweise auf meinem Zuge von Bir-la- Rabbia nach Siwah wegen Mangels an Futter und Wasser geschah, alle Stunden ziemlich eine ganze Meile zurücklegen. Daher erklärt es sich auch, daſs ich bei dem ungleich wei- teren Zuge von Bir-el-Kor nach Siwah nur 11½ Stunden Zeit mehr brauchte, als Browne zu dem seinigen. Hornemann brachte auf seinem Zuge von Cairo nach Siwah 13 Tage zu, während ich von Siwah bis Therraneh 14 Märsche zählte; allein ich legte den ersten Tag aus man- cherlei Gründen nur einen geringen Weg zuriück und verlor auf einem anderen Punkte, durch das Absenden kranker Kameele und die hierdurch nöthig gewordene Umpackung und neue Vertheilung der Ladungen, viel Zeit. Ohne diese Verzögerungen, und von Mokarra gerade auf Cairo ziehend, würde ich diesen Ort ohne Zweifel in nicht längerer Zeit erreicht haben, als Hornemann. Den Abstand des alten Parä- toniums von Ammon giebt bereits Strabo im siebzehnten Buche zu 1300 Stadien, oder 32 ⅜ Meilen an. Berlin, den 13ten Mai 1823. DER VERFASSER. — —.,— V b b „— ——————————— 3 VORREDE DES HERAUSGEBERS. Ein Werk, welches die letzte Hand nicht von dem Verfasser selbst erhält, läuft Gefahr, mehr Anziehendes einzubüſsen, als sich durch die Sorgfalt des Herausgebers erseizen läſst. Indeſs schmeichle ich mir versichern zu können, daſs diese Reise, welche durch Erwerbung unschätzbarer Kunstwerke und Papyrusrollen so wichtig geworden ist, auch zur besseren Kenniniſs der besuchten Länder wesentlich beitragen werde. Besonders über Siwah erhal- ten wir hier zum erstenmal befriedigende Auskunft. Auſser umfassenden schriftlichen und mündlichen Mittheilungen des gelehrten Reisenden, und einigen Notizen des Herrn Professors LIMAN, war in meinen Händen auch Herrn Gavoc's in italiänischer Sprache geschrie- benes Tagebuch des Wüstenzuges, welches mit fast nautischer Genauigkeit jede Richtung des Weges nach dem CGompals angab, aber auſser Beschrei- bungen der Hügel- und Felsenzüge, und Bemerkung vieler Namen, wenig Belehrendes enthielt. Es brach ab mit Erwähnung der Ankunft in El-Gara, da Herr GRuoc bald nachher erkrankte und zu Cairo starb. Der gedruckte, schätzbare Bericht des Herrn Professors SoHüorz(Reise in die Gegend zowi- zchen Alexandrien und Parãätonium, Leipzig 1822.) weicht von jenen, unmit- telbar während des Zuges täglich aufgezeichneten Bemerkungen in der Angabe der Namen und Oerter so auffallend ab, dals es unthunlich schien, die Verschiedenheit ausgleichen zu wollen; besonders da die etwas desultorische ————— 3— XIV Erzählungsart dieses Reisenden, der nach seinem eigenen Geständniſs oſt sechs Stunden weit von der Karavane entfernt war, häufig nicht entscheiden läſst, ob wirklich von denselben Brunnen und Denkmälern die Rede sey. Auch in Herrn Ghuod's italiänischer Orthographie der Ortsnamen fanden sich Abweichungen, die jedoch dafür zu sprechen schienen, daſs im Munde der Eingeborenen und der Araber die Worte ziemlich so mögen gelautet haben, wie sie hier angegeben sind. Bei der Erklärung der wichtigen Bildwerke von Siwah im sechsten Kapitel bin ich den, freilich höchst fragmentarischen, Nachrichten griechischer Schrift- steller über die Gottheiten und den Cultus der Aegypter mit entschiedenerm Zu- trauen gefolgt, als man ihnen gewöhnlich zu schenken pflegt: indem ich mich überzeugt hatte, daſs die Religion dieses Volkes unter der Herrschaft der Grie- chen und Römer im Wesentlichen immer dieselbe blieb, und fast die Mehrzahl der erhaltenen ägyptischen Kunstwerke und geringeren Tempel nicht älter seyn könne, als jene bis in das fünfte Jahrhundert vor Christi Geburt zurückgehenden Berichte; welche daher nicht als ein entstellter, täuschender Nachhall, sondern als geschichtliche Zeugnisse von noch fortbestehenden Dingen zu betrachten sind, und auch beständig als solche gegeben werden. Auf diese Art bildete sich, gegründet auf unverwerfliche zusammenstimmende Autoritäten, eine Ansicht der ägyptischen Religion, die eben so sehr die wunderbare Eigen- thümlichkeit derselben, als den Zusammenhang des mythischen Glaubens aller Küstenvölker des östlichen Mittelmeers, welchen zu verknüpfen das Orakel des Ammon wesentlich beitrug, auſser Zweifel setzt. Da jedoch in diesem Felde jeder Tag neue Entdeckungen bringt, und die Forschung noch lange nicht für geschlossen gelten darf, so wird man sich nicht wundern, in der später gedruckten Erklärung der Tafeln manches als entschieden dar- gestellt zu finden, was im Werke selbst nur Vermuthung blieb. XV In der kurzen Erzählung der Reise nach Ober-Aegypten sind die mit- geiheilten sicheren Data zur Bekämpfung jener, von den meisten Archäo- logen mit unbegreiflicher Vorliebe gehegten Ansicht benutzt, welche die Errichtung selbst der jüngsten ägyptischen Denkmäler, gegen das Zeugnils der Inschriften, der Geschichte und des Augenscheins, in fabelhafte Jahr- tausende zurück versetzt. Allein was ich nur gelegentlich und in kurzen Bemerkungen andeuten konnte, ist inzwischen durch Herrn LETRONNE, welchem die Umsicht und Gründlichkeit seiner Forschungen den ersten Rang unter den ausgezeichneten Gelehrten Frankreichs anweist, in den reichhaltigen Recherches pour servir à l'histoire de l'Egypte pendant la domi- nation des Grecs et des Rtomains, Paris 1823., auf eine Art geleistet worden, die jene leichtgläubigen Annahmen für immer in das Reich der Träume verbannt. Er hat durch dieses Werk seinem Vaterlande den Ruhm gesi- chert, die ägyptischen Denkmäler nicht blos auf das glänzendste bekannt gemacht, sondern auch den einzigen Weg zur Erklärung derselben zuerst betreten zu haben. Zwar mögen allerdings nicht wenige Monumente noch aus dem Zeitalter der Pharaonen herrühren, wie man dies, um der uralten Pyramiden, Obelisken und Kolosse hier nicht zu erwähnen, von dem Mem- nonium zu Abydos, dem Grabe des Osymandyas und fast allen Mausoleen, dem Tempel zu Karnak, den ursprünglichen Theilen des Gebäudes zu Luxor, den Granitresten zu Bobait und anderen Werken mit Sicherheit behaupten darf. Aber wie konnte man sich überreden, die Ptolemäer hätten ihre Namen blos auf schon vorhandene Denkmäler gesetzt? Fast im ganzen römischen Gebiete seyen den ägyptischen Gottheiten Tempel erbaut, nur nicht in Aegyp- ien selbst? Während dies Land seiner alten Religion fanatisch ergeben, der Sitz eines unermeſslichen Handels, durch innere Production blühend und reich, und die vor allen begünstigte Provinz des Imperiums blieb, an deren XVI Sicherung und Anhänglichkeit, da sie die Kornkammer Italiens ward, der Bestand des Ganzen geknüpft schien. Was aber Aegypter bildeten und bauten, blieb nothwendig auch den hergebrachten geheiligten Formen gemäſs, und es findet wohl in der Ausführung, nicht im Geist und Styl sich eine Veränderung. Fragt man nach den Gründen jenes allgemeinen Glaubens von einem gänzlichen Aufhören der altägyptischen Kunst während der Herrschaft der Griechen und Römer, so können nur die Münzen ihn veranlalst haben. Allein diese gingen nicht von inländischen Behörden, sondern von der Regie- rung aus, unter deren Autorität sie geprägt wurden, wie sich aus den Bild- nissen der Fürsten und der niemals ägyptischen Inschrift ergiebt. Auſserdem befand die Münzstätte sich ausschlieſslich zu Alexandrien, einer der Mehrzahl der Einwohner nach durchaus griechischen Stadt, wo selbst die mit den Namen der entferntesten Nomen unter Trajan, Hadrian und den Antoninen bezeichnete Scheidemünze geschlagen wurde. Auch über diesen Gegenstand hat ein französischer Gelehrter, Herr TOôcHox, der leider den Wissenschaf ten schon entrissen ist, in seinen Recherches historiques et géographigques sur les medailles des Momes de l'Egypte, Paris 1822. 4., mit bewunderns- würdiger Vollständigkeit fast alles erschöpft. Nur lassen selbst auf diesen Münzen die alten Landesgötter sich schärfer unterscheiden, als durch ihn, und früher durch Zoega, geschehen ist, indem ihr symbolischer Haupt- schmuck, den man schlechthin Lotus zu nennen pflegt, bei aller Kleinheit noch dieselbe festbestimmte Mannigfaltigkeit zeigt, wie in den äãltesten Denkmälern. Nur dem Gebrauch der Landessprache, bei allem was die Regierung betraf, wirkten Griechen und Römer, aus sehr natürlichen Grün- den, unausgesetzt entgegen; obgleich es niemals gelang sie zu verdrängen, oder auch nur von den Denkmälern ganz auszuschlieſsen. —˖ —ſ+— — „ XVII Unter den Beilagen ist das Wörterverzeichniſs der Siwahsprache eine sehr erwünschte Bereicherung der Sprachkunde. Die chemischen Analysen des Herrn Professors Joüx werden dem Archäologen eben so willkommen seyn, als dem Chemiker; und wer die Ueberlegenheit und Gewandtneit, womit die Prüfungen angestellt sind, deren Resultat in wenigen Worten mitgetheilt ist, zu würdigen weiſs, wird dem seltenen Talent ihres Urhebers Gerechtigkeit widerfahren lassen. Das Gemälde des ägyptischen Handels ist nach Mittheilungen des preuſsischen Consularagenten, Herrn von RosErxr, eniworfen, dem wir für die Erlaubniſs, öffentlich davon Gebrauch zu machen, hier unsern Dank abtragen. Der Erklärung der Tafeln war ursprünglich eine gröſsere Ausführlich- keit zugedacht; allein da der Umfang des Werkes sich nicht ohne Ungele- genheit noch mehr erweitern lieſs, indem statt dreiſsig versprochener Tafeln neununddreiſsig, statt eierzig Bogen Text fast die Hälfte mehr gegeben, und zur würdigen Ausstattung des Ganzen von dem Herrn Verleger keine Kosten gescheut worden sind, so schien es besser, manches Vorbereitete zurückzubehalten, und aus eben dem Grunde konnte dem Wunsche, die angeführten Beweisstellen der Erklärungen wörtlich abdrucken zu lassen, für diesmal nicht genügt werden. Zu beiden entschloſs ich mich um so eher, da der in den Königlichen Sammlungen sich immer mehrende Reich- thum an ägyptischen Denkmälern und die fortschreitende Entwickelung der Papyrusrollen vielleicht bald zur Erscheinung eines neuen Werkes Anlaſs geben. Und hier mag es nicht unzweckmälsig seyn zu bemerken, daſs nicht blos die entzifferten griechischen Schriftrollen, sondern auch die ägyptischen, in denen es gelungen ist, die Namen der Könige aufzufinden, sämmt- lich aus dem Zeitalter der Ptolemäer sind; dem auch die schögnste der vorhandenen Mumien, nach unverkennbaren Zeichen, angehört, während Nrr XVIII noch andere durch griechische Schrift ihren späten Ursprung nicht zwei- felhaft lassen. In einem hermetischen Werke(Hermes Trismeg. ad Asclepium, in den Werken des Apulejus, ed. Elmenh. pag. 90. 91.) finden sich folgende Worte, die den jetzigen Zustand Aegyptens zu verkündigen scheinen, und deren ich nicht ohne Rührung gedenken kann:„Die Zeit wird kommen, die „Gottheit con der Erde zum Himumel zurückkehrt, o Aegypten cerwaist und der „Gegenwart seiner Gatter beraubt ist. Dann wird dies Land, die heilige Stätle „der Tempel und Gotteshäuser, voll Gräber und Leichen seyn. O Aegypien! „Aegypten! oon deiner Religion werden blos die Fabeln übrig bleiben; und, „deinen Nachkommen eben so unglaublich, oon deinen frommen Thaten nur „die in Stein gehauenen Worte zeugen. Fremdlinge werden herrschen über dich; „der heilige Strom die göttlichen Fluthen oon Blut entweiht über die Uſer ülzen, „und der Begrabenen mehr als der Lebenden seyn!“— Welche Mahnung liegt in diesen erschütternden Worten! Berlin, den 3ten Januar 1824. E. H. TOELKXEN. — — — ———— VORBERICHT DES VERLEGERS. Die nachfolgende Reisebeschreibung mit einigen Worten zu begleiten, könnte ich auch ohne andere Veranlassung, mir nicht versagen, da die Pflicht mir gebietet, dem erhabensten Gönner der Wissenschaften und Künste SEINER MXIESTAET DEM KoOENIGE vON PREUSSEN, für die huldreiche Unterstützung, welche Allerhöchst Dieselben mir bei diesem Unternehmen zu verleihen geru- het haben, öffentlich meinen ehrfurchtsvollsten Dank darzubringen. Sachverständige mögen entscheiden, in wiefern es mir gelungen ist, das Werk zweckmäſsig und würdig auszustatten; sie werden nicht ver- kennen, daſs hierbei in der Ausführung Schwierigkeiten entgegentreten, welche oſt weder durch Anstrengung, noch Aufopferung zu überwälti- gen sind. Die über die versprochene Zeit hinaus verzögerte Erscheinung desselben, wird kaum einer Entschuldigung bedürfen, da es von selbst einleuchtet, daſs der auf einen schwächern Atlas berechnete Zeitraum bei der Verstärkung desselben um acht Tafeln nicht hat ausreichen können. Daſs diese Vermeh- rung keine überflüſsige, sondern eine zur Erläuterung des Textes und zur Bekanntmachung einiger vorzüglichen von dem Herrn Verfasser aus Aegypten mitgebrachten Denkmäler, unentbehrliche Zugabe ist, wird keinem Zweifel unterliegen, und daſs besonders den ausgemalten Blättern die grölste Sorgfalt gewidmet ist, und durch solche nothwendig ein groſser Aufenthalt *X2 XX à hat herbeigeführt werden müssen, werden diese selbst bei näherer Prüfung bezeugen. Hierdurch sind jedoch die Kosten gegen den frühern Ueberschlag fast um ein Drittheil gesteigert, und ich darf daher wohl auf gütige Nach- sicht hoffen, wenn ich mir zu dem ÜUnterzeichnungspreise einen, verhält- nilsmälsig sehr geringen, Nachschuſs von drei Thaler für die gewöhnliche und von fünf Thaler für die bessere Ausgabe erbitte. Zu bemerken finde ich noch: daſs um dem Wunsche einiger vermö- genden Bücher-Freunde zu genügen, ich wenige Abdrücke dieses Werks auf Imperial-Quart mit veränderten Stegen auf dem besten Papier habe abaziehen lassen und solche mit sieben Friedrichsd'or den Unterzeichnern in Rechnung stelle, und dalſs die angekündigte Ausgabe in französischer Sprache in meinem Verlage nicht erscheinen wird, da es mir nicht hat gelingen wollen, einen Sprachkundigen auszumitteln, der diesem Unterneh- men, nach meinen Forderungen, ganz gewachsen wäre. Die geneigten Beförderer dieses Werks, welchen ich für das mir gewährte Wohlwollen und Vertrauen ehrfurchtsvoll und innigst danke, nennt das nachstehende Verzeichniſs; denjenigen, welche bei mir unmittel- bar unterzeichnet haben, ist ein Sternchen vorgesetzt. Berlin, den 12ten Januar 1824. AUGUST RUCKER. — — pP 2 SUBSCRIBENTEN-VERZEICHNISS. Eemplare: 3 — Velinp. Engl. Druckp. * 8 Seine Majestät der König FRIEDRICH WIIHELM III. von Preufsen............................ 6 0 * Seine Königl. Hoheit der Kronprinz FRIEDRIOCHWIIHELM vO Preuſsen...„ 2 2 2...* 2. 4 2 2...*..*.. 4* ·.. 2.. 1 0 *£ Seine Königl. Hoheit der Prinz FRIEDRIcCN WIEHELM 1 Lupwie von Preuſsen, Sohn Seiner Majestät des Königs. 1 0 * Seine Königl. Hoheit der Prinz FRIEDRICH KARL ALEXANDER von Preufsen............................. 2 2 * Seine Königl. Hoheit der Prinz FRIEDRICH HEINRICH ALE- BRECHT von Preufsen....................... 0 1 * Seine Königl. Hoheit der Prinz FRIEDRICH WIIHELM Lopwio von Preuſsen....................... 1 0 * Ihre Königl. Hoheit die Prinzessin Wi=HELMINE LUISE, * Gemahlin Seiner Königh Hoheit des Prinzen FRIEDRICH WIHEIM LUDWIG von Preulsen, geborne Prinzessin von Anhalt-Bernburg.......................... 1 0 Seine Königl. Hoheit der Prinz FRrEDRICH HEINRICH von Preufsen................................ 3 0 * * Seine Königl. Hoheit der Prinz FRIEDRICH WILHELM KAhRI von Preuſsen, Bruder Seiner Majestät des Königs..... 1 0 * Seine Königl. Hoheit der Prinz FRIEDRICH WILHELM HEIN- EICH AucusT von Preufsen................... 1 0 ·–·——“.——— 2 8 1—— ,.——„—op.„„ʒGʒGʒGʒGʒ—— XXII Seine Majestät der König MAXIMILIAN JosEPH von Baiern (durch den Buchhändler, Herrn Finsterlein in Mänchen.) * Ihre Majestät die Königin KAROEINE FRIEDERIKE WIIHEI- MINE von Baiern, geborne Prinzessin von Baden...... Ihre Königl. Hoheit die Prinzessin FRhIEDERIKE SOPHIE DonorHEE und Ihre Königl. Hoheit die Prinzessin MARIE ANNE LEOPOIDINE ELIISABETH WIIHEIMINE von Baiern.. (durch den Buchhändler, Herrn Finsterlein in Mäünchen.) Ihre Königl. Hoheit die Prinzessin WirHELMINE LUDOWIKE von Baiern.............................. (durch denselben.). Seine Majestät der Kaiser FRANZ I. von Oesterreich..... (durch den Buchhändler, Herrn Schalbacher in Wien.) fhre Majestät die Kaiserin KAROLINE AUGUSTE MAXIMILIANE JosEPHE von Oesterreich, geborne Prinzessin von Baiern (durch den Buchhändler, Herrn Volke in Wien.) Seine Kaiserliche Hoheit der Kronprinz FERDINAND von Oesterreich............................ (durch denselben.) Seine Kaiserl. Hoheit der Erzherzog FRANZ KARIL JOsEPH von Oesterreich, Palatin von Ungarn............. (durch den Buchhändler, Herrn Hartleben in Pesth.) Seine Kaiserl. Hoheit der Erzherzog KART von Oesterreich (durch die Buchhandlung der Herren Schaumburg& Comp. in Wien.) Seine Kaiserl. Hoheit der Erzherzog ATox von Oesterreich (durch dieselbe.) Ihre Majestät die Durchlauchtigste Frau Erzherzogin MARIE LursE von Oesterreich, Herzogin von Parma, Piacenza und Guastalla............................ (durch den Buchhändler, Herrn Gerold in Wien.) Ihre Majestät die Kaiserin Mutter MARIA FEODOROWNA von Ruſsland, geborne Prinzessin von Würtemberg..... (durch den Buchhändler, Herrn Weyher in Petersburg.) * Seine Kaiserl. Hoheit der Groſsfürst NroorAus PAULO- vwITSCH von Rufsland........................ Eaemplare- — Velinp. Engl. Druckp. 1 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 0 1 1 0 0 1 1 0 1 0 1 0 — — — . XXIII » Ihre Kaiserliche Hoheit die Frau Groſsfürstin ALEXANDRA FEODOROWNA, Gemahlin Seiner Kaiserl. Hoheit des Groſs- fürsten Nrcox=Aus PAULOWIrSscH von Rulsland, geborne Prinzessin von Preuſsen...................... * Seine Königl. Hoheit der Groſsfürst MioHAEI PAULOWITSCH vO Ruſsland. 2 2*.** 8... 5 2. 2.. 2 2 2.. 2..⁴ 2. 2..⁴ » Seine Majestät der König FRIEDRIOCH Aueusr von Sachsen. Seine Königl. Hoheit der Prinz FRIEDRICH AUGUST von Sachsen.⁴ 2 2 2.³⁴ 4 2.* 2⁴.*. 2. ⁴. 2. 4.³⁴. 2 2. 2.. ³⁴ 2.⁴.⁴ (durch den Buchhändler, Herrn Arnold in Dresden.) » Seine Königl. Hoheit der Prinz JoHANN NEPOMUCENUS ManrE JosEpn von Sachsen.................... - Seine Durchlaucht der Herzog ArEXIUS FRIEDRICH CHRI- STIAN von Anhalt-Bernburg................... Ihre Königl. Hoheit die Frau Herzogin FRIEDERIKE WII- HELMINE LUISE AMAIIE von Anhalt-Dessau, geborne Prin- zessin von Preuſsen........................ (durch den Buchhändler, Herrn Ackermann in Dessau.) Seine Durchlaucht der Herzog FERDINAND FRIEDRICH von Anhalt-Köthen............................ (durch den Buchhändler, Herrn Hartmann in Leipzig.) Ihre Durchlaucht die Frau Herzogin JurIE von Anhalt-Köthen, geborne Gräfin von Brandenburg............... (durch denselben.) Seine Durchlaucht der Fürst HEINRTCH von Anhalt-Köthen- * Pleſs................................... » Seine Königl. Hoheit der Groſsherzog Lupwio AudusT WIHEIM von Baden........................ * Seine Fürstliche Gnaden der Hochwürdige Fürstbischof von Breslau und Bischof von Leros, Herr voN SCHIMONSKV. » Seine Durchlaucht der Fürst HEINRICH CARIL WILHEILM von Carolath-Beuthen-Schönaich................ Exæemplare: — — Velinp. Engl. Druckp. 1 0 2 0 1 0 0 1 0 1 1 0 0 1 1 0 1 0 1 0 9 1 0 1 1 0 XXIV. 3 Exremplare: Velinp. Engl. Druckp. Seine Durchlaucht der Fürst vox DIETRICHSTEIN..... 0 1 *(durch den Buchhändler, Herrn Gerold in Wien.) * Seine Durchl. der Fürst CARI Aucosr voN HARDENBERG Königl. Staatskanzler und Präsident des Staats-Raths... 1 0 Ihre Königl. Hoheit die Frau Kurfürstin AUuousrE FnIE- DERIKE CHRISTINE von Hessen-Cassel, geborne Prinzessin von Preuſsen............................. 0 1 ₰ * Seine Königl. Hoheit der Groſsherzog LupwiG X. von b Hessen-Darmstadt................. 1 0 „ Seine Durchlaucht der souveraine Landgraf FRIEDRICH b JosEPH Lüopwie von Hessen-Homburg, Kaiserl. Königl. Ceneral der Kavallerie...................„... 1 0 — Ihre Königl. Hoheit die Frau Landgräfin EEISABETRH von V Hessen-Homburg, geborne Prinzessin von Groſsbrittanien. 1 0 Seine Durchlaucht der Landgraf Vroron AMapEus von b Hessen-Rothenburg........................ 1 0 (durch den Buchhändler, Herrn Krieger in Cassel.) 4 Seine Durchlaucht der Fürst LrcofHNowsku· 2 0 (einmal durch den Buchhändler, Herrn Schalbacher, sodann durch die Buchhandlung der Herren Schaumburg& Comp. in Wien.) * Seine Durchlaucht der Fürst KARI FRIEDRICN WILHELM Eun von Leiningen............... 1 0 » Seine Durchlaucht der Fürst GoRo⸗ WIEHELM von Schaumburg Lippe......................... 1 0 Seine Königl. Hoheit der Herzog vox LEzUCHTENBERG.. 0 1 (durch den Buchhändler, Herrn Finsterlein in München.) * Seine Königl. Hoheit der Groſsherzog FRIEDRICH FRANZ von Mecklenburg-Schwerin................... 1 0 * Seine Königl. Hoheit der Erbgroſsherzog PAuIL FRIEDRICH von Mecklenburg-Schweruuuuiirnrrͤ)u... 1 0 * Seine Königl. Hoheit der Groſsherzog Gkond FRIEDRICH CARIL JosEPpH von Mecklenburg-Strelitz............ 2 0 Seine Durchlaucht der Fürst MEærrERNICH, Kaiserl. Königl. Staatskanzler............................. 1 0 (durch den Buchhändler, Herrn Schalbacher in Wien.) XXV Exemplare-⸗ ——— .„ Velinp. Engl. Druckp. * Seine Durchlaucht der Fürst ANTON RADzIWIII, Königl. Statthalter des Groſsherzogthums Posen........... 0 1 * Ihre Königl. Hoheit die Prinzessin FRIEDERIKE DOROTHEE LUISE PHIIIPPINE von Preufsen, Gemahlin Sr. Durch- laucht des Fürsten ANTON RADzIWIILI............. 1 0 * Seine Durchlaucht der Fürst HEINRTCH LXII. von Reulſs- Schleitz................................. 0 1 Seine Durchl. der Herzog FRIEDRICHIV. von Sachsen-Gotha 1 9 (durch den Buchhändler, Herrn Gläser in Gotha.) * Seine Königl. Hoheit der Groſsherzog KARI AuUdusr von Sachsen-Weimar-Eisenach................. 1 0 Ihre Königl. Hoheit die Frau Groſsherzogin Lursz von Sachsen-Weimar-Eisenach, geborne Prinzessin von Hessen-Darmstadt......................... 9 1 (durch die Buchhändler, Herren Gebrüder Hoffmann in Weimar.) * Seine Königl. Hoheit der Erbgroſsherzog KARI. FnIE- DRICH von Sachsen-Weimar-LEisenach............ 1 0 * Ihre Kaiserl. Hoheit die Frau Erbgrolſsherzogin MARIE PAULOWNA von Sachsen-Weimar-Eisenach, geborne Groſsfürstin von Ruſsland..................... 0 1 * Seine Durchlaucht der Fürst WirHEIM von Sayn-Witt- genstein zu Wittgenstein, Königl. Ober-Kammerherr und wirklicher Geheimer Staatsminister............ 1 0 Die Bibliothek der Königl. Hochlöblichen Regierung zu Arnsberg................................ 0 1 Die Bibliothek des Königl. Wohllöblichen Ober-Berg-Amts zu Bonn......„......................... 0 1 (durch den Buchhändler, Herrn Marcus daselbst.) Die Bibliothek der Königl. Universität zu Bonn......... 0 1 (durch denselben.) Die Bibliothek der Königl. Hochlöblichen Regierung zu Breslau.„„„„„„„„.„„„„„„„ 9„ 4 1 A**K XXVI Eemplare: — Felünp. Engl. Drackg. Das Hochwürdige Dom-Kapitel ad St. Johannem zu Breslau 0 1 (durch die Buchhändler, Herren Max& Comp. daselbst.) * Die General-Adjutantur Sr. Königl. Hoheit des Groſsher- zogs von Baden........................... 0 1 * Die Bibliothek der Königl. Hochlöblichen Regierung zu Cöslin................................ 0 1 » Die Bibliothek der Königl. Hochlöblichen Regierung zu Danzig..............„.................. 1 0 Die Universitäts-Bibliothek zu Dorpat.............. 0 1 (durch einen Ungenannten.) Die Königl. Landes-Bibliothek zu Düsseldorf.......... 0 1 (durch den Buchhändler, Herrn Schönian in Elberfelde.) „Die Bibliothek der Königl. Hochlöbl. Regierung zu Erfurth. 0 1 * Die Bibliothek der Königl. Hochlöblichen Regierung zu Frankfurt an der Oder...................... 0 1 Die Akademische Bibliothek zu Greifswaldm........... 0 1. (durch den Buchhändler, Herrn Koch daselbst.) »Die Bibliothek der Königl. Hochlöblichen Regierung zu— V Gumbinnen............................. 0 1- * Die Bibliothek der Königl. Hochlöbl. Regierung zu Liegnitz. 0 1 Die Königl. Central-Hof-Bibliothek zu München........ 1 (durch den Buchhändler, Herrn Finsterlein daselbst.) Die Bibliothek des Königl. Baierschen Garde du Corps-Regi- ments zu München....................... 0 1 (durch denselben) Die Bibliothek des Gymnasiums zu Münster.......... 1 0 (durch einen Ungenannten.) * Die Schul-Bibliothek zu Pförten in der Lausitz....... 1 0 Die Bibliothek der Königl. Hochlöbl. Regierung zu Potsdam 0 1 (durch die Buchhändler, Herren Horvath u. Sohn.) * Die Bibliothek der Klosterschule zu Roſsleben......... 0 *Die Bibliothek der Königl. Hochlöbl. Regierung zu Stralsund. 0 Die Königl. öffentliche Bibliothek zu Stuttgart........ 0 (durch den Buchhändler, Herrn Löfflund daselbst.) . XXVII Eaemplare- ——— Velinp. Engl. Druckp. —,— Aℳℳ 2 Die Kaiserl. Königl. Hof-Bibliothek zu Wien.......... 0 1 (durch den Buchhändler, Herrn Schalbacher daselbst.) Das Kaiserl. Königl. Münz- und Antiken-Kabinet zu Wien 0 1 (durch denselben.) 4 5 o. Herr Buchhändler MEYER............................ 0 1 A msterdam. Die Herren MUEIIER G& CoMp., Buchhändler............... 0 1 Herlin. * Seine Excellenz der Königl. wirkliche Geheime Staatsminister und Chef des Hohen Ministerii der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal- Angelegenheiten, Herr Freiherr STEIN VON ALTENSTEIN....... 0 1 *. Herr W. C. BENECKE, Banquier...................... 1 0 * Herr BLocCHl, Agent............................ 1 0 Herr BolCkE, Buchhändlertr........... 1 0 Herr DüUEMMLER, Buchhändler......................... 1 0 Die Herren DuNCKER& HONMBLOT, Buchhändler............. 2 0 Herr ENSLIN, Buchhändler........................... 0 1 * Seine Excellenz der Königl. General der Infanterie und Gouverneur von Berlin, Herr Graf VON GNEISENAU................. 0 1 * Seine Excellenz der Königl. wirkliche Geheime Staatsminister und General-Lieutenant, auch Chef des Hohen Krieges-Ministeri, Herr VON HACKE............................. 0 1 * Der Königl. Geheime Ober-Medicinal- und Ober-Sanitätsrath, auch Professor an der Universität, Herr Doctor HERMBSTAEDT..... 1 0 * Der Königl. Regierungsrath und Justizcommissarius, Herr VON HERR. 0 1 * Seine Excellenz der Königl. wirkliche Geheime Rath und Ober-Präsi- dent der Provinz Brandenburg, Herr VON HEYDEBRECK....... 0 1 * Der Königl. Rittmeister und Adjutant, Herr KRAUT........... 0 1 * Seine Excellenz der Königl. wirkliche Geheime Staatsminister und Ge- neral-Lieutenant, auch Chef der Hohen General-Controlle, Herr Graf VON LoTTUNM............................. 1 0 Die MAURERsche Buchhandlunggt-.--- d-ꝙ ͤ„ͤ„„..... 1 0 Herr NAuck, Buchhändler.......................... 1 0 1 ¹ XXVIII Eaemplare: Velinp. Engl. Druckp. Die Nicorafsche Buchhandtuutttrtrtwetpweeheg xU 60 * Der Königl. Hauptmann a. D. und Geheime expedirende Secretair Herr PIRNER............................... 0 1 * Der Königl. Geheime Medicinalrath und Professor an der Universität, Herr Doctor RODOLPIII.......................... 0 1 Die SANDERMSche Buchhandlung.............. 5....... 1 0 * Der Königl. General-Major und Inspecteur der 2ten und 3ten Garde- Artillerie-Brigade, Herr VoN SCHMIDT............ 0 1 Die Herren SIMON SCHROPP Ǵ CoMp., Landkartenhändler..... 0 1 * Seine Excellenz der Königl. wirlliche Geheime Staatsminister und Chef des Hohen Ministerii des Innern und der Polizei, Herr Freiherr VON ScHOCKMANMN........................ 1 0 * Tferr STREHMANN, Kaufmann..................... 1 0 * Der Königl. Ober-Medicinalrath und Veteran der Akademie der Wis- senschaften, Herr Doctor WaALTER.................. 1 0 * Seine Excellenz der Königl. Würtembergische Staatsminister und Groſs- kanzler der Orden, auch auſserordentlicher Gesandter und bevoll- mächtigter Minister am Königl. Preuſsischen Hofe, Herr Graf voN WINTZINGERODE. 2 2. 2.. 2..⁴. 2. 2. 71 2. 2.⁴ ⁴ 0 ⁴ 2. 2 ⁴ 2 0 1 0. 1 Bonn. G 4„ * Der Königl. Landrath, Herr VOoN HYMMEPEB)i)e..... 0 1 Herr Baron VON VORST LOMBECK zu Lüttenberg, Krels Reinbach.. 1 0 (durch den Buchhändler, Herrn Marcus in Bonn.) Braunschwelg. Herr Ober-Amtmann HEcCHT in Stedterlingenburg.......... 0 1 (durch die Schulbuchhandlung.) Herr Graf VON DER SCHULENBURG-WoIFSBURG.......... 0 1 (durch dieselbe.) Herr Graf VvoN VELTHEIM auf Harbke)e)e)..... 1 0 (durch die Kunsthändler, Herren Schenk& Comp.) Herr FRIEDRICH VIEWEG, Buchhändler................ 0 1 — Bremen. Herr AlBERS................................... 0 1 (durch die Kunsthändler, Herren Schenk& Comp. in Braunschweig.) Herr KAISER, Buchhändler....................... 0 1 PBreslau. Des Herrn FRIEDRICH KORN genior Buchhandlung........ 0 1 Herr W. G. KORN, Buchhändleern..... 1 0 XXIX Eemplare: — Velinp. Engl. Druckp. HBräan. Herr GCAsTrE, Buchhändler............................ 0 1 Herr Baron EDUaRD vON LOCEILA..../........ 0 1 (durch den Buchhändler, Herrn Hartmann in Leiprig.) Cassel Seine Excellenz der Kurfürstliche Staats- und Justizminister, Herr Frei- herr voNR ScHiMEREEI0ooo0ooooqdaͤmà„oo0)... 1 0 (durch den Buchhändler, Herrn Krieger.) Coburg. Die Herren MEUSEI G. Sohn, Buchhändlervr.. 1 0 C 6 1l n. * Der Königl. Regierungs-Chef-Präsident, Herr Freiherr VON HAGEN.. 1 0 * Der Königl. Regierungs- und Baurath, Herr ScHAUSS.......... 0 1 * Der Königl. Regierungsrath, Herr TRIS.............. 0 1 Copenhagen. Herr BRUMMR, Buchhändler......................... 1 1 Herr GCILDENDAHE, Buchhändler...................... 1 1 Cose.. Der Königl. Kommandantur-Secretair, Herr RIVE........... 0 1 (durch einen Ungenannten.) Dresden. Die AkNorDpsche Buchhandlung........................ 0 1 und durch dieselbe: 4 Der Königl. Hofrath, Herr Doctor ALTHOF................. 1 0 Der Königl. Hauptmann, Herr Baron VON FRIESEN auf F danNenfelde.. 0 1 Der Königl. Kammerjunker, Herr Baron VoN FRIESEN auf Thürmsdorff. 1 0 Hüsseldorf. * Der Königl. Kammerherr und Hofmarschall, Herr Graf VoN HACKE. 0 1 léôöerfelde. Herr HEINRICH KAMP, Kaufmann.................. 0 1 Herr JACoß PLATzHOFF, Kaufmann..................... 0 1 Herr PETER POHL, Kaufmann........ Ä........... 0 1 (Sämmtlich durch die Schönian'sche Buchhandlung.) Erlangen. Die Herren PALn&ꝙ ENKE, Buchhändler.................. 0 1 XXX Eaemplare: — Velinp. Engl. Druckp. Frankfurt am Main. Seine Excellenz der Königl. Preuſsische Ober-Hofmarschall, Geheime b Staats- und Kabinets-Minister, auch auſserordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister am Hohen Deutschen Bundestage, Herr Graf VON DER GOLTZ......................... 1 0 (durch den Buchhändler, Herrn Guilhaumann.) Der Königl. Preuſsische Geheime Legations- und Gesandtschaftsrath, auch Minister-Resident bei der freien Stadt Frankfurt, Herr HIMLY 0 1 (durch den Buchhändler, Herrn Varrentrapp.) Seine Excellenz der Groſsherzoglich-Mecklenburg-Schwerinsche Ge- sandte am Hohen Deutschen Bundestage, Herr Freiherr VON PENZ 1 0 (durch einen Ungenannten.). b IHerr Major RUMuuuuuuuuᷓuuutuuutpunpunvro)..... 0 1 Herr J. M. SakaslN, Banquiertrtrtrtrt„ DZ 1.... 0 1 Herr J. J. SEUFFERHELDT, Banquier....;............ 0 1 (Sämmtlich durch den Buchhändler, Herrn Guilhaumann.) Herr STRENC, Buchhändler........................... 0 1 Herr VARRENTRAPDP, Buchhändler...................... 0 1 Glogau. 4 Der Königl. Bau-Inspector Herr LINDHORST.... 0 1 1(durch die Neue Günther'sche Buchhandlung.) * Der Königl. General-Major und Landwehr-Brigade-Commandeur, Herr voN MlILTITZ.................. 0 1 Göttingen. Die DErRcCHsche Buchhandlung....................... 0 1 Halbersltadt. * Der Königl. Kammerherr, Herr Graf v. D. ASsEBURG auf Gansleben. 1 0 H al e. Die Herren HEMMERDE& SCHVWETSCHKE, Buchhändler......... 1 4 Hamburg. b Hlerr BERNHARD, Bibliothckar......................... 0 1 b Herr HEROLD junior, Buchhändler.................... 1 4 Die Herren HoFrrMANN& CAaMPE, Buchhändler.............. 0 1 Die Herren PERTHES G8 BESSER, Buchhändler............. 8 8 . . Hamem. 6 Die Herren ScHluz& WUNDERMANN, Buchhändler.......... 0 2 —— — ————— — I XXXI Egemplare: — Velinp. Engl. Druckp. Hannooer. Seine Excellenz der Königl. General, Herr voN DRECHSEL........ 0 1 Der Königl. Geheime Legationsrath, Herr Freiherr VON GhROTE..... 0 1 Seine Excellenz der Königl. General-Major, Herr VoN HACKE...... 0 1 Der Königl. Consistorialrath, Herr KAUFMANN................ 1 0 Herr Dastor KROPP auf Wiedensahl..................... 0 1 Der Königl. Oberst-Lieutenant, Herr PROTT................ 1 0 Der Königl. Ober-Schenk, Herr Baron voN STEINBERG........ 0 1 (Sämmtlich durch die Hahn'sche Hofbuchhandlung.) Hei de? 5? 3. IHerr WiNTER, Buchhändler.......................... 0 1 Hildesheim. Herr Amtmann GREBE............................. 0 1 (durch einen Ungenannten.) Seine Hochwürden, Herr Canonicus LoEDGCERS. 1 0 (durch die Hahn'sche Hofbuchbandlung in Hannover.) Seine Excellenz der Herr Weihbischof, Domprobst und General-Vicar,— IIerr Freiherr VoN WENDT...................... 0 1 (durch den Buchhändler, Herrn Gerstenberg.) Königsberg in Preufsen. Die Herren Gebrüder BoRNTRAEGER, Buchhändler...... 0 3 * Seine Excellenz der Königl. General-Lieutenant und kommandirende General, Herr VON BoOkSTEEIL...................... 1 0 * Herr DEGEN...... ³⁴ 2... 2*.* 2 2 2 2...⁴ 2. 2 2... b 235 9 o 0 1 Herr UNZER, Buchhändler........................... 0 1 4. 1 2,. Herr Buchhändler ANDRAE für den Herrn Landes-Aeltesten der Ober- Lausitz, Herrn Baron voN SCHINDEIL auf Schönborn........ 0 1 Herr BanTH, Buchhändler......................... 90 2 Herr CNoBLOCH, Buchhändler......................... 2 6 Herr GERHARD FIEISCHER, Buchhändler............„..... 0 1 Herr HaARTMANN, Buchhändler................. 0 1 und durch denselben: Herr FERDINAND WaAcCH auf Buchhols... 0 Herr RECLAM, Buchhändler........... 0 Herr WEIGEL, Proclamator und Buchhändler............ 0 Herr ZitcEs, Buchhändler,..... 0 XXXII Eemplare- Velinp. Engl. Druckp. Inu Liefland. Seine Excellenz der Kaiserliche General-Major und Ritter, auch Com- mandant der Festung Pernau, Herr Baron VoN BUDBERG..... 0 1 Der Kaiserliche Landrath Herr Baron VoN LiPHART auf Rathshoff... 1 0 (Beide durch einen Ungenannten.) London.. Herr BoTrHE, Buchhändler....... 3 0 Die Herren TREUTTEEL, WüERzZ G& CoMP., Buchhändler....... 2 0 Magdeburg. Die CREUTZz'sche Buchhandl upgſgſgſ...... 1 2 Mannheim. Die Herren ARTARIA& FoNTAINE, Kunsthändler.. 1 3 Meiningen. Herr KEISSNER, Buchhänd eeeeeteetetet9d. 0 1 Münechen.* Herr FINSTERIEIN, Buchhändl eer..... 0 1 Herr LENTNER, Buchhändler........... 0 1 Die LINDAUERsSche Buchhandlunngnͤ.. ök.... 0 1 Seine Excellenz der Königl. Staatsminister der Armee, Herr General- Majer voN MALorrnrnrnnr..... 1 0 Der Königl. Ober-Bergfactor, Herr von ScHfMUCK.... 0 1 Der Königl. Hofrath und Professor, Herr THIERSCGDᷓᷓ‧.... 0 1 (Die drei letztgenannten durch den Buchhändler, Herrn Fleischmann.) Maumburg. * Seine Hochwürden Herr Domdechant WuRMB VvON ZINRK... 0 1 Meunburg an der Donau. Der Königl. Professor am Progymnasium, Herr MERCKK... 0 1 (durch die Buchhändler, Herren Riegel& Wiesener in Nürnberg.) MNMürnberg. Herr EIcHHoRN, Buchhänd ert... 0 1 Herr FELSECKER, Buchhändleerererr„ V[c.. 0 1 OIdenburg. Herr SCHULZE, Buchhändler. 6H50o606060600606060060eo60606 60 60 6 6060 6G0 0 0 1 0 XXXIII FEaemplare: ₰ Velinp. Engl. Druckp. Osnaortz ce F. Der Königl. Regierungsrath, Herr STRUCKMANN.............. 0 1 (durch die Hahn'sche Hofbuchhandlung in Hannover.) Pestn. Herr ANToN VIGYAzO voON BoOLYAC, mehrerer Löblichen Gespann- schaften Gerichtstafel-Beisitzcr...................... 0 1 (durch den Buchhändler, Herrn Hartleben.) S k7. Peters ôé ur. Seine Excellenz der Königl. Sächsische wirkliche Geheime Rath und auſserordentliche Gesandte, auch bevollmächtigte Minister am Kaiser- lich-Russischen Hofe, Herr Graf VON EINSIEDEL.. 1 0 (durch den Buchhändler, Herrn Weyher.) Herr GRAF, Buchhindler............................ 0 1 E osen. Herr MrrIILER, Buchhändler................ 0 1 * Der Königl. Präsident des Ober- Appellationsgerlehts, Herr VON SCN. NERMARRͤo„..„...„ 2 2 e o„ e 0 1 Potsdam. * Der Königl. Oberst-Lieutenant und Director der Kadetten-Anstalt, Herr VON STEINVVEHR........................... 0 1 Ri g a Herr HaRTMANN, Buchhändler........................ 2 1 RoS t o H ℳ Herr STILIER, Buchhändler........................... 1 1 Rotterdam. Die Herren CoNTzE& OvVERBROCK, Buchhändler....... 1 0 F 1 e 1 4 n. * Der Königl. Ceheine Regierungsrath Herr Coxris........ 1 0 * Der K. Kriegsrath u. RegierungsNanpt Casson Controllewr Hr. GRAF. 0 1 TZarnocwcl z. Herr BERNBERG auf der Friedrichshütte................... 1 0 (durch einen Ungenannten.) UIm. Herr EBENER, Buchhändler.....,.... 0 — . XXXIV 6 Eaemplare- Velinp. Engl. Druchp. MWarmorunn. * Der Erbhofrichter, auch Erb-Landhofmeister von Schlesien, und Königlicher Kammerherr, Herr Graf voN ScHAFGOTSCH...... 1 0 IWEien. Seine Excellenz der Herr Graf JosEPpH ESTERHAZY VON GALANTHA.. 1 0 (durch die Herren Schaumburg& Comp., Buchhändler.) Herr GEROID, Buchhändler.......................... 0 1 und durch denselben: Herr Freiherr VOoN CORNEA-STEFFAMII000000o0o0o.. 1 0 Die HaAERIERSche Buchhanduuuunwuunwtpnppteeieehoyalalal„;;y.... 0 1 Herr HEüUBNER, Buchhändler......................... 0 1 Seine Erlaucht Herr Graf JoHlà NXN KEGLEVIEII8N 0 1 (durch die Herren Schaumburg& Comp., Buchhändler.) Herr Graf VoN RosUMOESKRY......................... 1 0 (durch den Buchhändler, Herrn Schalbachex.) Der Custos am Kaiserl. Königl. Naturalien-Kabinet, Herr TRATTINICK 0 1 (durch die Herren Schaumburg& Comp., Buchhändler.). IWMWisbaden. 4 Herr RErTER, Buchhändler........................... 1 0 IEinterthur. Die SrEINERSche Buchhandlung........................ 0 2 Iro, f fenuo atte. * IIerr BRAMARELL................................ 1 0 Zürich. Herren ZEGLER G Söhne, Buchhändler.......... 1 0 Nachtrag. *Ihre Königl. Hoheit die Kronprinzessin EEISABETH LUDoO- 2 WIKE, Gemahlin Seiner Königl. Hoheit des Kronprinzen FRIEDRICH WIIHELM von Preuſsen, geborne Prinzes- sin von Baiern.................... ·..... 1 0 8 41 — UEBERSICHT DES INHALTES. Erstes KRapitel. AHnlaf, Plan und Zweck der Reise— Fahrt von Triest nach Alexandrien— Erster Eindruch der ägyptischen Küste und Aleæandriens— Herr Drovetti— Audienz beim Pascha— Schilde- rung dieses merkwürdigen Mannes— Geschichte, Kriege, V. erwaltung, Handel, Freisinnigkeit, Familie Mehemed-Ali's— Herr Boghos Jousouff, erster Dragoman und Minister— Mer5r Groraltar, Aantras?....................... Zweites Rapitel. Schilderung Aleæandriens— Ohkels— Umgang der Franken unter sich— Forschlag, den alten und neuen Hafen zu verbinden— Befestigung Alerandriens und Mittel, sie zweckhmäſsiger ein- zurichten— Linnahme der Stadt durch die Engländer— Die Säule des Diokletian— Obelisten der Kleopatra— Piscina— Katakomben— Neugeôffnete Gräber— Unternommene Nachgra- bung in der Nähe der Obelisken und bei dem Thor von Rosette— Umgegend Aleqandriens— Bemerkungen über die ägyptische Augenkranhheit........................... Drittes Kapitel. Zug durch die Libysche MWüste von Aleæxandrien bis Parätonium. Forhkehrungen zur Reise nach dem cyrenaischen Gebiet— Ferdacht der Araber und der Regierung — Antiguarische Eifersucht— Einrichtung der Karavane— Lager bei Tschelle Lachterieh— Lager bei dem Brunnen Suanied-Mathar— Lager bei Abousir— Thurm der Araber, ein antikes Grabmal— FRuinen von Abousir, dem alten Taposiris— Ankunft des Herrn Liman— Lager bei El- Hamam— Zowist mit den Arabern— Ruine Kasaba Schamame Schargie— Lager bei Abdermein— Ruine Schamame El- Garbie— Lager von Kurme Kabije— Zisterne Bir Nesy— Lager bei Schmeime— Lager bei Bir Thaun, einer antiten Zisterne— Mirage— Die Karavane erreicht das Meer— Gebirgsrücken Geige, Katabathmus Minor— Lager zu Geleile— Lager bei Bir Mathar— Feindseliges Betragen der Araber— Absendung von Boten nach Derna— Lager bei Siena Sarga— Ruine Zuba Soyer Wahe— Erdlagerungen im Thale des Bir Abou Kadoue— Lager im Vadi Ramle in der Wüste Medsched— Ein Theil der Karavane ist in Gefahr zu verirren— Ruine Zuba Soyer Guble— Ruinen von Baratoun, dere alten Oaratoniune........„................... *ℳ*N 2 Seite 20 XXXVI —. Seite Miertes Kapitel. Zug durch die Wüste von Parätonium bis Bir El-Kor und von da nach Siwah. Der Schei vwerläſst die Karavwane— Aufbruch von Massé— Berg Rassa-Boulahou— Bir Mothani— — Lager bei Inbeibad— Lager bei Kasser-Schama— Brunnen mit unbekannten Charakteren— Lager des alten Apis und Selinus— Treulosigkeit des Schei— Lager im Vadi El- Ghitani— Lager bei Bir El-Kadri El- Ladi— Lager bei Bir El- Kor— Chamsin— Trennung der Karavwane— Gebirgszug La-Rabbia— Der General erkrankt— Sehneller Zug von Bir La- Rabbia nach Siwah— Lager bei Bir El-Kamsi— Reste einer mit ihren Hirten verdursteten Heerde— Ankunft in Siwah— HMislungener Anschlag, die Karavwane zu überfallen— Tanz, Gesang und Musik der Araber— Seltsame Ueberlieferung der Siwaher— Salomons Ning, esene id Krone................................................ 67 — Fünktes Kapitel. Siwah. Veber die Oasen und ihre Eintheilung— Die Oase des Tupiter Ammon— Siwah— Santariah— Lage, Gréſse, Beschaffenheit und Cultur von Sicvah— Dattein und andere Producte— Ort- schaften— Stämme, Sitten und Gesetze der Einwohner— Ferfassung— Eroberung Siwah's durch Mehemed-Ali— Herkunft der Ammonier— Einheimische Ueberlieferungen und arabische Nachrichten— Sprache von Siwah— Ruine Umebéda— Lage derselben— Schar- gieh— Sonnenguell— ELinfassungsmauer— Pronaos und innerer Tempel— Construction desselben— Bemalte Mandreliefs— Unterirdischer Gang in der Nähe des Tempels Sechstes Kapitel. R ——ꝓ Erklärung der Bildwerke von Vmebada. Bildwerke der äuſseren Mände— Ammon— PVenus-Dione— Sagen von der Stiftung des Ora- kels— Die Sphinæ mit dem Wassergefäfe— Der heilige Fall— Lsis— Ogiris— Kame- phen— Herkules— Minerva— Rildwerke im Innern des Tempels— Symmetrische Vertheilung derselben— das heilige Schiff— der Adler— der Geier— weibliche Personification des Himmels— das Gnadenscepter— Fest des Sonnenstiches— Ammon in Beziehung auf Mendes und Venus— WMeihezimmer zu Karnat— Alerander von Ammon adoptirt— Ammon als ahresgott— Ammon thronend und umgeben von seinen Tempelgenossen— Venus— Lsis— Osiris als Gott des Todes und des Lebens— Osiris als personificirtes Grab, dargestellt— Phthah— Minerua— Anubis— Aletheia— Nemesis— Aegyptische Musen— Der ältere Hermes— Sidus Minersvae— Helios— Priester in Göttermasken— Osiris als Prophet Ammon'’s— Hhea- Tithrambo— Saturn-Apopis— Priesterinnen— Typhon— Hlorus— Theuth— Opfer dem Ammon und dem Apopis dargebracht— Hetende— Maneros— Osiris mit der Wolfsmaske— Zusammenhang aller Hildwerke des Tempels— Kleidungen— der mseische Sahlissse?................................................ 101 Siebentes Kapitel. Siwah. Der Sonnenquell— Nachrichten der Alten über ihm— Jetzige Beschaffenheit— Antike Neste zu Schargieh— Burg der alten ammonischen Dynasten— Unrichtige Hypothesen— Der * * XXXVII Orakeltempel des Ammon war kein groſses Gebäude— Katakomben— Gara El- Mota-Schargiah — Gebel-Drara-Enbrik— Bewohnte Gräber— Nachrichten über Augila— Ruine Bel-del- Rum— RNuine Kamisi— Ruine Kasser Gatam— Ammonisches Sal⸗— Süſse Quellen aus dem Salze herworbrechend— Eirket El-Araschi— die Siwaher wollen den Scheik ermorden— Verhandlungen deshalb— Beilegung der Zwistigkeiten— Chemische Analyse des aus der Oase des Jupiter Ammon mitgebrachten Salzes, von Herrn Professor Mohn................ Achtes Kapitel. Reise von Siwah bis Catro. Abreise von Siwah— Ruinen Koreischa und Sethum in der Nähe von Siwah— Lager bei Gara- Melè Jous— Befürchteter Angriff— Oase Eintewein, das alte Parembole— Oase El- Gara oder Umesogheir— Beschaffenheit„ Producte und Einwohner derselben— Katakomben von El- Gara— Ruine Kasser-Pharis— Katakombenberge— das ailte Siropum— Lager bei El- Gebara— Lager bei der Quelle Haghi— Lager bei Tarfai— Lubba— Mogara— Gonadolingsan— Bahr-Belà- Ma, das Meer olme Wasser— Vermuthung über eine libysche Strõmung des Nil— Vadi-Natron— Wilde Kühe— Lager der Jowaisi Araber— Ankunft zu Therraneh am Nil und Aufläsung der Karavane— Ankunſt zu Cairo— Tod dreier Beglei- zer des Herin Generals,...........................................„ Neuntes Kapitel. Libyen. Allgemeine Ansicht der Terrainbildung des durchzogenen Theils der Wüuste— Gebirgsarten— Beschaffenheit des Bodens— VTersteinerungen— Wüstensand— Phflanzen— Holzartiger Charakter derselben— Witterung— Thiere der Müste— Gaszellen— Fe õgel— Insecten— Strauſsenfagd— Wilde Kühe— Bewohner der MWüste— Fellahs oder Ackerbau treibende Araber— Beduinenstämme— Einfalt und zugleich Verderbtheit ihrer Sitten— Vamen und Volksmenge der libyschen Stämme— Tracht der Fellahs und der Beduinen— Ueber die zwech- mäſsigste Einrichtung wissenschaftlicher Karavanen zur Durchsuchung der Wüste......... Zehntes KRapitel. Cairo. FEinwohner— Bauart— Moscheen— Josephsbrunnen— Palast des Pascha— Mekias und Puloer- mühle auf der Insel Rhoda— Umgegend Cairo's— Befestigung— Forschläge, sie zweckh- mſsiger einzurichten— Sitten— Mechabiten— Sklaven— Krankheiten— Tänzerinnen und Sängerinnen— Schlangenbeschwörer— Boulak— der neue Palast— Schoubra— Anlagen des Pascha— Aucflucht nach Matarieh und Bivouak bei den Pyramiden............... Eilktes Kapitel. Reise von Cairo bis Theben. Abreise von Boulak— Salpetersiederei zu Bedrischen— Local des alten Memphis— Unter- nommene Nachgrabungen zu Sakkara— Ibismumien— Benisouef— Gebel- el- Theier— Versunkene Barken— VUrtheilsspruch des Kadi von Minieh— Gräber von Beni-Hassan und Seite 163 181 199 215 - V / XXXVIII Seite Scheik-Abadeh— Antinoe— Herr Brine zu Radamoun— Ruinen on Hermopolis magna — SFiout— El- Gau— Ahmim— Girgeh— Abydus— Krokodile— Doumpalmen— Dendera— Kehneh— Kous— Nilfflosse aus Thongefäſsen...................... 231 b Zwölktes Kapitel. Theben. Luxor— Karnak— S&phinæe— Gurnou— Ogsymandeum— Gewölbe aus ungebrannten Ziegeln— Medinat-Abou— Memnonium— Weibliche Statuen mit Löwenkönfen— die Kolosse Tama und Chama— Klingen der Memnonssäule— der sogenannte Lsistempel— Katabomben— Zerstörung ihrer Bildwerhe durch RNeisende und Araber— Gewinnsüchtiger Kunsthandel der letzteren— Aegyptische Mumien verschiedener Art— Griechische Mumien— Papyrusrollen— Idole— Biban-El- Molult— die von Helzoni eröffnete Katakombe— Anfangende Zerstärung derselben— Brunnen zum Abzuge des Wassers in den Katahomben................. 254 BDreizehntes Kapitel. Reise oon Theben bis Assfuan. Erment oder Hermonthis— Tempel des Horus-Apollo— Ruinen eines rämischen Tempels und eines heiligen Teiches— Esneh oder Latopolis— Tempel der Minerva— Eleids oder Ilithyia— Tempel der Bubastis-Lucina— Hegräbniſsgrotten— Thiergräber— Edfou oder Apollonopolis magna— Tempel des Horus-Kpollo— SHhinxallee— kleinerer Tempel— Glasmosaiken— Steinbrüche von Gebel-El-Silsili— Angebliche Darstellungen des Pan— Koum-Ombu oder Ombos— Assuan oder Syene— Gebäude zur Beobachtung des Sommersolstitiums— die Insel Elephantine— Nilmesser— Tempel des Knuphis und andere Ruinen— Sitten der Harabra— Elephanten und Kameele, in ägyptischen Denkmälern vorkommend........... 27 ——4:— ₰ * Mierzehntes Kapitel. Eröſfnung einer Pyramide zu Sakkara und Rückreise. 5 Rückkehr von Assuan nach Cairo— Erffnung der groſsen Pyramide zu Sakkara— Eigenthüm- lichkeiten ihrer Bauart— Gefundene Merkwürdigkeiten— Abreise von Cairo— Ruinen von Athribis— Ruinen des Granittempels der Stadt Busiris bei Bohbait— Mansura— Farescone — Damiette— Handel und Umgegend dieser Stadt— der See Menzaleh— Herstellung eines . alten Kanals durch den Pascha— Esbeh, das alte Thamialis— Thiere und Vägel AHegyptens — Hindernisse der ferneren Reise— Antiker Purpurschmelz— Verzägerungen der Abreise von Aleandrien— Ankunft in Triest...................................... 294 2— XXXIX B E I L A G E N. I. Verzeichniſs von Wörtern der Siwahsprache, aus dem Munde des geistlichen Oberhaupts von Siwah und mehrerer Scheiks aufgezeichnet.............. II. Wörter der Dongolasprache, von Herrn SEGATO mitgetheilt............ III. Chemische Analysen altägyptischer Farben von Herrn Professor John, mit einem Vorwort und Zusätzen von S. E. dem Herrn General VOoN MINUTOLI. I. Malerſarben, deren sich die alten Aegypter bedient haben.................. II. Fon der Fresko- und Hieroglyphenmalerei, und dem Firniſs der Aegypter....... III. Von den farbigen Pasten, oder porzellanartigen Massen und den gebrannten Thonfiguren. IV. Analyse verschiedener ägyptischer Stoffe, durch den Herrn Professor John angestellt.................................................... 1. Nilschlamm........................................ 2. Harzmasse aus einem 2u Memphis ausgegrabenen Topfe................. 3. Harzmasse von einem schwarzen Glasfinger aus dem Körper der Mumien....... 4. Balsamirungsmasse ceiner Kindermumie............................ 5. Wachsfiguren, welche sich in den Mumien befinden................. 6. Kleine Figur aus Memphis................................... 7. Salz aus der Pyramide zu Sakkara............................... 8. Ausfüllungsmasse der Wände in der Pyramide des Cheops............... Kalkmasse aus der groſsen Pyramide des Cheops...................... 10. Kalkstein der Pyramide von Sakkara............................. 11. Kalkstein der Katakomben zu Theben............................ 12. Mörtelmasse aus der durch Belzoni ecröffneten Königskatakombe bei Biban el Moluk. 13. Mörtelmasse aus den Katakomben zu Theben........................ 14. Blätter des Hennébaums(ZLowsonia inermis L.)..................... 15. Schich............................................... 16. Byssus.............................................. V. Analysen altägyptischer und römischer Gläser von Herrn Professor John, nebst einigen Bemerkungen über seltene antike Glasmosaiken von S. E. dem Herrn General-Lieutenant VON MINUTOLI......................... Seite 341 342 351 362 XL. Seite Erklärung der Tafeln........................................ 367 8 Ruinen von Abousir........................................ 4 370. Kasser Aschdebi........................................... 372 Bildwerke des Ammontempels zu Siwah; Bildung des Ammon und der Minerva; Satis, Menuthis, Petempamenttetetetetetethh... 374— 377 Fortschaffung eines monolithischen Kolosses......................... 377 378 Völkerstämme des alten Aegypterwyoooq9...... 378— 381„ Tempel zu Hermopolis Magna.................................. 381 5 Tempel des Osiris zu Lulooeorororv..................... 382— 385* Obeliske zu Luxor, von Osymandyas geweiht; über die Hieroglyphensechrift....... 385— 390 Obelisk des Hermapiooeoeere+r+rrrrtwndnw»Ü....................... 390 391 Isisprocession zu Luxor, von Amenophis geweiht....................... 39² 393 4 Der Greif oder Falkenléöwe zu Ombos.............................. 393 394 Darstellung der Bubastis zu Ilithyfiiiiimtimaaaaoæàʒ.... 394 39⁵ Die Königskrönung im Tempel des Ammon zu Karnak.................... 396 Mendes, Antaeus und Kronos.............................. 396 397 Anbetende Genien der Sonne und des Amentheoeoa)....... 397 Glasmosaiken, Alter der bunten Glasflüssee.............. 398 1 Rhea, Theuth und Nephthys zu Gebel-el-Silsili..................... 398 399— Aufnahme des Osymandyas unter die Götter, durch Horus, Nemesis und Theuth.... 399 400 Segnung der Kinder durch Osiris, in dessen Tempel zu Luxor............... 400 401 Ilelios und Minerva weihen einen König............................ 401 Bubastis als Nemesis........................................ 40² Aegyptische Weber......................................... 40² Pyramide von Sakkaetttltttt100hthhnhtntnnyyff... 403— 407 Osiris, Iais und Huto........................................ 408— 412 4 Anbetung qer heiligen Kuh der Venus......................... ·.... 413 Menuthis spendet Wasser des Lebens........................ 414 415 Kleine Figuren, Inschriften und Gemäldc............................ 415— 429 3 Mumien................................................ 430— 434 Karte des Zuges durch die libysche Wüste........................ 435 Zusätze und Berichtigungen; der Widder als Symbol der Minerva......... 438 ; 5 Register..................................................: 445 * —— 1 Gel s 8 Se REISFP ZUM TEMPEL DES JUPITER AMMON IN DER LIBVYSCHEN WUSTE UND NACH OBER-AEGYPT E N. ————-———————. “*—— 2 — 2 ——— 2 Erstes Kapitel. 4* Anlaſs, Plan und Zweck der Reise— Fahre von Triest nach Alexandrien— rster Eindruck der aegyptischen Küste und Alexandriens— Herr Drovetti— Audienz beim Pascha— Sohilderung dieses merkwürdigen Mannes— Geschichte, Kriege, Verwaltung, Handel, Freisinnigkeit, Familie Mehemed-Ali's— Herr Boghos Jousouff, erster Dragoman und Minister— Herr Gibraltar, Admiral. Einige Worte über die Veranlassung und den ursprünglichen Plan meines Reiseunternehmens werden, wie ich glaube, diesem Bericht über den Erfolg desselben, welchen ich hier dem öffentlichen Urtheil vorlege, nicht unzweck- mäſsig vorangehn. 1 Ich schied aus einem mir eben so theuren, als ehrenvollen Berufsge- schäfte, ohne unmittelbar in ein anderes überzutreten, und durfte mir schmeicheln, bei dieser ungesucht sich darbietenden Gelegenheit, die aller- höchste Gnade meines Monarchen durch Erbittung eines langen Urlaubes um so eher in Anspruch nehmen zu können, als ich während siebzehn Jahren meine Amisgeschäſte nie verliefs. Schon zum voraus war es mein Vorsatz, die mir werdende Muſse zur Ausführung eines lange gehegten Lieb- lingsplanes, nämlich zu einer Reise durch ganz Griechenland, Italien, und Sizilien, zu benutzen. Bald aber gab ich meinem Unternehmen eine noch gröſsere Ausdehnung. Ich faſste den Enischluſs, auch jenes geheimniſsvolle Land zu besuchen, das seit Jahrtausenden der Gegenstand der Forschung und Bewunderung war, 1* —. ————— 4 die früheste Wiege der Kultur, die Schule der Völker, das Erbtheil der Pharaonen und Ptolemäer, ich meine Aegypten. Die nächste Aufforderung dazu lag in den Zeitumständen, die nicht günstiger seyn konmnten; da MEæüEMED-AILI-PAScCHà, dieser wahrhaft aufge- klärte, energische Herrscher, durch weise Maaſsregeln von den Mündungen des Nil bis Vadi-Halfa, und von der tripolitanischen Grenze bis zu der syri- schen dem Lande Sicherheit verlieh, und besonders den seinem Schutze vertrauenden Europäern alle nur mögliche Unterstützung angedeihen lieſs. Selbstbelehrung durch eigene Anschauung und Untersuchung war mein erster und nächster Zweck; aber nicht weniger ernstlich der Wunsch, durch meine Reise, wo möglich, auch den Wissenschaften zu dienen. Sehr will- kommen war es mir daher, als man von Seiten der hohen Staatsbehörde sich willig zeigte, mir einige Gelehrte und Künstler beizugesellen. Das Königliche Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts wählte dazu einen ausgezeichneten jungen Architekten, den Herrn Professor LIMAN, die Akademie der Wissenschaften zwei sehr unterrichtete, eifrige Naturforscher, die Herren Doctoren HEMPRICH und EHRENBERG, die sich in der Person des Herrn SörrxER einen geschickten Gehülfen beigesellt hatten. Später vermehrte sich meine Gesellschaft noch durch andere Begleiter von meiner eigenen Wahl. Mein Reiseplan wurde im Allgemeinen von aflen genehmigt und beibe- halien: nämlich zuvörderst ganz Aegypten zu bereisen, bis Dongola vorzu- dringen, und auf Nebenexcursionen, falls es die Umstände erlaubten, die Crrenaica, die Oasen, das rothe Meer, den Sinai und Horeb zu besuchen. Alsdann sollte die Reise über das Tadi- Musa, Paldstina, den Libanon, Balbek und Palmyra nach Kleinasien führen, und die durch des jüngern Cyrus und Alexanders Feldzüge merkwürdig gewordenen Gebirgspässe erforscht werden. Darauf waren die übrigen wichtigsten Punkte Kleinasiens, nament- lich Ephesus und Troja, zu besuchen; und über Constantinopel weiter nach Griechenland, Sizilien, durch ganz ialien, die Schweis und das südliche Deutschland sollte die Reise nach dem Vaterlande zurück führen. 4 5 Auſserdem wurde zum voraus die nothwendige Uebereinkunft getroffen, dals wir nur so lange beisammen bleiben wollten, als die verschiedenen Interessen sich vereinigen lieſsen. Sobald aber der eine oder der andere Theil es für dienlich erachten würde, sich zu trennen, um eine Nebenex- cursion zu unternehmen, oder an irgend einem Punkte länger zu verweilen, so sollte es ihm gestattet seyn. Die Naturforscher würden sonst dem Archi- tekten, und dieser jenen, so wie alle vielleicht mir eine unnütze Zeit geopfert haben. Alles ward nun zur Reise angeordnet, und von Seiten der Regierung auf das kräftigste und liberalste unterstützt. Die nöthigen Instrumente wurden in Paris bestellt; jeder bereitete sich vor, und versah sich mit lite- rarischen Hülfsmitteln. Ich selbst verlieſs indels am 23sten Mai Berlin, um nach Italien zu reisen, und gab meinen Begleitern das Rendezvous Mitte Septembers in Alexandrien. Den Herrn Professor LrMàAX hoffte ich schon in Neapel bei mir zu sehen. In Rom gewann ich an Herrn Doctor ScHorz einen der orientalischen Sprachen kundigen Begleiter, der mir über Triest nach Alexandrien voraus eilte. Und mit der Abreise von Triest wird auch meine Erzählung am zweckmälsigsten anheben. Den 17ten August Abends um 8 Uhr lichtete unser Schiff, das durch den Kaufmann, Herrn PIEPER aus Solingen, mit Waffen und sechs Wagen- pferden für den Pascha von Aegypten befrachtet war, die Anker, und segelte mit mäſsigem Winde aus dem Hafen. Man hatte uns allgemein Hoffnung gemacht, die Fahrt werde nur 10 bis höchstens 14 Tage dauern; allein erst den 7ten September trafen wir vor Aleaandrien ein. Beinah diese ganze Zeit, drei volle Wochen, befand ich mich fort- dauernd unwohl, konnte wenig genieſsen, und weder lesen, noch arbeiten. Meine Frau dagegen, die den Muth hatte, auf einer, ihrem ersten Plane 6 nach, so gefahrvollen, langwierigen Reise meine Begleiterin zu seyn, genoſs der besten Gesundheit, und erleichterte mir durch ihre heitere Laune und durch Mittheilung interessanter Lektüre meine Lage sehr. Wir hatten nicht weniger als drei Stürme zu bestehen, wovon der letzte, der uns im jonischen Meere befiel, ziemlich heſtig war. Allein beschwerlicher, als alle Stürme, waren für mich die Winqdstillen und die damit verbundenen Seeströmungen, oder nach der Schiffersprache unserer Seeleute, die Bonaz und Maretten(bonaccig, marette). Leiztere erhalten nämlich das Schiff in einem steten Hin- und Herschwanken, und steigern dadurch aufs unangenehmste die Seekrankheit. Auch an ernstlichen Gefah- ren fehlte es nicht. Gleich in den ersten Tagen der Fahrt hatte sich der Fock- und Top-Mast losgelöst, und drohte herabzufallen. Zum Glück trat eine Windstille ein, und nach langer, mühsamer Arbeit gelang es, ihn wie- der zu befestigen. Während des langweiligen Hin- und Herlavirens an der italienischen Küste droheten mehrere Wasserhosen uns zu vernichten; doch entkamen wir ihnen durch eine zeitige Wendung der Segel. Zuletzt liefen wir noch Gefahr zu stranden, weil wir die niedrige afrikanische Küste, ganz in der Nähe derselben, in dem Dunstnebel, womit sie verschleiert war, völlig aus dem Gesichte verloren. Ein plötzlich eintretender Nordwind rettete uns, indem er die Nebel vor sich her verwehte, und uns mit Schnelligkeit dem Hafen von Alewanalrien zutrieb, in welchen wir noch bei Tage einliefen. Einige Lootsen, die uns entgegen gesandt wurden, führten uns sehr geschickt durch die sogenannte Pforte des Marabout, den einzigen sichern Paſs, in den alten Hafen, mitten durch eine bedeutende Anzahl hier lie- gender Schiffe. Wer nie selbst, nach langer beschwerlicher Seefahrt, vom Bord des Schiffes dem Ziel seiner Reise sehnsüchtig entgegen sah, macht sich nur eine schwache Vorstellung von dem erhebenden Gefühl des Gelingens, der Sicherheit und Rettung, womit der Landende endlich den festen Boden wieder betritt. Vor uns lag nun jenes uralte Aegypten, womit meine Phan- tasie so lange sich beschäftigt hatte, und jene berühmte Stadt Alexanders —— ,—— — * 7 und der Piolemäer, in der einst der Handel und Reichthum der alten Welt sich vereinigte. Aber das Bild, welches unsern Augep sich darstellte, war nichis weniger als einladend und erfreulich. Wie ein schmaler weilser Streif zieht sich die afrikanische Küste weit hin, bis sie im schwülen Nebel unkennilich wird. Kein Berg, kein Baum, nichts Grünes oder Belebtes erfreut das Auge. Sie ist niedrig und öde, nackter Sand oder Sandsteinfels. Nur die sogenannte Säule des Ponmnpejus ragt einsam empor, und dient den Schiffern als Wahrzeichen. Dann erblickt man den Palast und den Harem des pPascha, und den Palast seines Sohnes IBRAHIM auf der dürren Sandzunge, die sich zwischen dem alten und neuen Hafen hinzieht. Alewandrien selbst gleicht, von auſsen gesehen, mehr einer Brandstätte, als einem von Menschen bewohnten Orte; allent- halben Schuit und Trümmer und halbverwitterte Mauern. Die Häuser ohne Dach scheinen dem ungewohnten Auge verlassen und öde. Jene wei- ten Palmenpflanzungen, die einst die Stadt umgaben, und von denen selbst neuere Reisende so reizende Schilderungen machen, sind verschwunden. Die Franzosen haben sie, während der Invasion, zu besserer Vertheidigung der Stadt abgehauen. Nur beim Einlaufen in den Hafen sah ich einige Palmen, und bei mei- nen späteren Ausflüchten in der Umgebung der Stadt einzelne Gruppen der- selben und hin und wieder Gärten, die mit Palmbäumen angefüllt waren. Desto erfreulicher war in anderer Beziehung unser Empfang in Alewan- drien. Die gerühmte Gastfreiheit der Orientalen wird von den hier woh- nenden reichen Europäern auf die zuvorkommendste und edelste Weise geübt. Eine nicht genug zu lobende Tugend in einem Lande, wo es an allen öffentlichen Bequemlichkeiten für Reisende fehlt. Kaum waren wir im alten Hafen angelangt, so betrat Herr DRovETTI, früher Oberstlieute- nant in französischen Diensten und jetzt Generalconsul in Aegypten, unser Schiff, und lud mich auf das verbindlichste zu seinem Handelscompagnon, dem Herrn TounNEAU, in dessen Hause bereits alles zu unserm Empfange vorbereitet sey. Ich war ihm, so wie Herrn DRovETTI, von Licorno aus — 8 empfohlen worden. Ueberrascht durch ein so dringendes, feines Zuvor- kommen, nahm ich diese Einladung mit Freuden an, und erfuhr erst später, daſs hier eine Art Wetteifer in der Gastfreiheit herrscht. Bei den Königlich preuſsischen und schwedischen Consuln, den Herren BuccràAxT und D'ANASTAsV, konnte ich aber erst später meine Empfehlungsbrieſe abgeben. An den ersten Minister-Dragoman seiner Hoheit des Pascha, den Herrn Bodnos Jousovry, sandte ich noch denselben Abend das mitgebrachte Empfehlungsschreiben, und bat zugleich um Einholung der Befehle des pascha, wann ich mich zur Audienz bei demselben einfinden solle. Die Antwort kam gleich zurück, dals Tag und Stunde ganz von meiner Wahl abhange, und ich ja vorher ausruhen möge. Ich verschob also diesen Besuch bis auf den dritten Tag nach meiner Ankunft. Meine Begleiter, die Herren Doctoren HEMPRICH, EHRENBERG und ScHuorz, waren zu meiner Freude schon in Alewandrien, und fünf Tage vor mir eingetroffen. Sie besuchten mich auf dem Schiffe; nur Herr Pro- fessor LIMAN fehlte noch. Die Audienz bei dem jetzigen Beherrscher Aegyptens hatte für mich nicht wenig Ueberraschendes; der Mann, den ich hier kennen lernte, entsprach fast in keinem Zuge dem Bilde, das man sich bei uns von einem türki- schen Pascha zu machen pflegt. In der Begleitung des Herrn vox RosETrr, preuſsischen Consularagenten, und des übrigen Personals der preuſsischen Consulschaft, so wie des Herrn DRovrrrI, fuhr ich in einem Boot, von dem die preulsische Flagge wehte, nach dem schon erwähnten Palast auf der Landzunge zwischen den beiden Häfen. Eine zahlreiche Dienerschaft füllte die Zugänge und unteren Räume desselben. Herr BoͥHos empfing mich, und führte mich die Treppe hinauf in das, gleichfalls mit Hofbe- dienten angefüllte Audienzzimmer des Pascha, der sich erhob, um mich zu empfangen, und mich neben sich sitzen lieſs. Die grölste Ungezwungenheit und Feinheit des Betragens, verbunden mit einer zutraulichen Heiterkeit, die gleichwol nie die gemessenste Würde “ 9 verletzte, schien nicht einen Mann, der selbst der Schöpfer seines Glückes war, anzukündigen, sondern einen geborenen Fürsten. Der Pascha äuſserte sich gleich anfangs auf das gütigste, erkundigte sich nach den Zwecken meiner Reise, versprach sie durch alle in seinen Kräften stehende Mittel zu befördern, und, wo es nöthig seyn sollte, mich durch einen Officier seines Hauses begleiten zu lassen. In Verwunderung aber setzte mich der in meiner Gegenwart sogleich ertheilte Befehl, mir alle Verpflegungsgegenstände und selbst die nöthigen Fahrzeuge zu meinen Reisen Nilaufwärts unentgeltlich verabfolgen zu lassen. Eine Begünstigung, von der ich indeſs späterhin, aus guten Gründen, keinen Gebrauch machte. Bei dieser Gelegenheit sey es mir verstattet, zu der Schilderung dieses auſserordentlichen Mannes, der nicht immer eine gerechte Würdigung gefunden hat, noch einige Züge hinzuzusetzen, die ich theils aus persön- licher Bekanntschaft und aus seinem eigenen Munde, theils aus den Erzäh- lungen glaubwürdiger Zeugen geschöpſft habe. MEHEMED-ArI-PAScCHA ist zu Cavalla, einer Ortschaſt des ehema- ligen Macedoniens, geboren, und gegenwärtig(1821) vier und funfzig Jahr alt. Er ist wohl gebaut, von mittler Gröſse, und hat schwarze, feurige Augen, die stets in Bewegung sind. Eine Brustaffection, die sich zuweilen laut äuſsert, ist nicht die Folge der verfehlten Wirkung eines beigebrachten Giftes, wie man mir anfangs erzählte, sondern soll von der groſsen Anstren- gung herrühren, womit er gegen vierzigtausend Araber mit nur neunhun- dert der Seinigen einen siegreichen Kampf bestand. Er spricht nur arabisch und türkisch, abendländische Sprachen sind ihm fremd. Seine früheste Erziehung war sehr vernachlässigt; erst als Pascha lernte er lesen und schreiben. Blos sich selbst und seinem angeborenen, überwie- genden Talent verdankt er sein auſserordentliches Glück. Seine Laufbahn wurde indeſs erst versprechend, als er im Jahre 1800 Pim-Baschi bei der Armee des Grolsviziers wurde. Bei der Einnahme von El-Arisch wurde er zum Buluk-Baschi ernannt; und darauf unter MEæHEMEpD- PAscHA-KHüosRüU!, der von der Pfortie zum Pascha von Aegypien 2 —— 3 ffH† 2——,— 1——— ——————-ͤ—— 10 erhoben war, Ser TISchismé. Im Jahre 1804 belagerte er den Nachfolger KHoOsRU'sS, KͦRSCHID-PAscHà, in der Citadelle von Cairo, und trat im folgenden Jahre an die Stelle desselben, nachdem er, von den getreuen Albanesen unterstützt, die Mamelucken aus jener Hauptstadt verjagt hatte. Völlig gesichert wurde aber seine Herrschaft erst im Jahre 1811, wo er den gröſsten Theil der noch übrigen Mamelucken, die immer neue Ränke schmiedeten, und es nicht verhehlten, daſs sie sich für die recht- mälsigen Herren des von ihnen so lange widerrechtlich usurpirten und miſshandelten Aegyptens ansahen, am 1sten Mai fast gänzlich vernichtete. Man hat diese That als eine blutgierige Treulosigkeit dargestellt; aber es galt die Sicherheit der Provinz, und die Aussagen glaubwürdiger und recht- licher Männer sprechen MæukMEPD-AIi von dem Vorwurf der Grausamkeit gänzlich frei. Von dieser Zeit an war der Flor und die Sicherstellung Aegyptens gegen innere und äulsere Feinde das unausgesetzte Ziel seiner Bemühungen. Es ist fast unglaublich, wie vieles er unternommen, und fast immer auch glücklich vollendet hat. Er hat eine Armee von etwa 50,000 Mann besoldeter Truppen orga- nisirt, unter welchen sich mehrere Tausend gut abgerichteter Artilleristen befinden sollen, und gegen 26,000 Mann vortrefflicher Kavallerie. Seine vertraute Leibwache bildet ein besonderes Corps von 600 jungen Mame- lucken, die er sehr begünstigt und gut erziehen lälst. Von seinen kriegerischen Unternehmungen sind die wichtigsten und für Aegypten segenreichsten diejenigen, wodurch es ihm gelang, theils mit Waffengewalt, theils durch die folgerechteste, schlauste Politik, die zahl- reichen, räuberischen Araberstämme zu unterjochen, die von jeher die Zuchtruthe Aegyptens waren. Alle sind jetzt durch Geilsel für jeden Fehl- tritt verantwortlich gemacht. Viele haben feste Wohnsitze nehmen, und sich zum Ackerbau entschlieſsen müssen. Indem er einige ihrer Scheiks sehr auszeichnete, und sich ihrer bei seinen militärischen Unternehmungen bediente, machte er sich unvermerkt zu ihrem Oberherrn. Die fanatischen — —— —— 11 Wechabiten, die ihre vertilgende Herrschaft schon auſser den Grenzen Ara- biens auszubreiten anfingen, wurden von ihm mit so gewaltiger Hand zu Boden geschlagen, daſs sie schwerlich, so lange er lebt, sich wieder erheben werden. Seine Eroberungen in den oberen Ländern des Nils, die eine nothwendige Folge des Krieges gegen die Mamelucken waren, eröffnen für die Civilisation des inneren Afrika unerwartete, hoffnungsvolle Aussichten. zZum Beweise der überlegenen Gewandtheit seiner Politik mögen fol- gende Beispiele dienen, die unter vielen ähnlichen mir ihn am sprechend- sten zu charakterisiren scheinen. 1 Die vielgeltenden Ulema'’, das Collegium der Richter und Rechtsge- lehrten, bildeten sonst einen von dem Pascha fast unabhängigen Stand, indem ihre Einkünfte von Alters her auf liegende Gründe angewiesen waren. MEHEMED-AII fand es rathsam, sie dieser Selbstständigkeit zu berauben. Er forderte zu dem Ende von ihnen eine Angabe ihres sämmtlichen Ein- kommens. Die Ulema'’ glaubten dies nicht gering genug angeben zu kön- nen, indem sie nach dieser Angabe besteuert zu werden fürchteten. Der Pascha lieſs ihnen aber erklären, er habe, um sie der mit ihrem Amt unver- träglichen Verwaltungssorgen zu überheben, die Einrichtung getroffen, ihnen die bisher bezogene Einnahme baar entrichten zu lassen, wogegen er die Verwaltung der Güter für eigene Rechnung übernehme. Aus einem unab- hängigen Stand wurden sie dadurch besoldete Diener des Pascha, zu nicht geringem Vortheil der Rechtspflege, wie behauptet wird. Einer seiner Untergebenen, der sein volles Vertrauen genoſs, und mit Wohlthaten von ihm überhäuft war, hatte eine Empörung unter den Trup- pen eingeleitet, die dahin abzielte, den Pascha zu stürzen, und sich an dessen Stelle zu setzen. Der Aufruhr brach aus, und die Gefahr war groſs. MEHEMED-AII erxgriff, um sie zu beschwören, ein eben so auſserordentli- ches, als sicheres Mittel. Er gab einem Theil der treugebliebenen Truppen sogleich Befehl, die Bazars von Cairo zu plündern. Die Empörer fürch- teten, ihre beste Beute werde ihnen entrissen, und folgten dem Beispiel, den eigentlichen Zweck ihres Aufstandes vergessend, oder ihn schon für 2* — vollbracht haltend. MEHEMED-AlI fiel dann mit dem übrigen Theil seiner Getreuen über sie her, von den wüthenden Einwohnern unterstützt. Ver- wirrt und in Unordnung, wurden nun die Aufrührer mit leichter Mühe bezwungen, die Empörung gestillt, und die Urheber bezahlten ihr schlecht ausgeführtes Unternehmen mit dem Leben. Groſsmüthig erstattete darauf der Pascha den durch die Plünderung eines Theils der Stadt veranlaſsten Schaden, der sehr bedeutend war. In der Verwaltung des Innern wandte MEEMED-AII seine Aufmerk- samkeit zunächst auf die Verbesserung des Ackerbaues, der durch ihn sehr gehoben worden ist, indem er den Bauern Land zutheilen liels, und sie verpflichtete es anzubauen. Selbst bis in Nubien erstreckt sich schon diese Sorgfalt. Auſser dem Getreidebau ist auch der Reisbau sehr vermehrt. Die Baumwollenpflanzungen haben auſserordentlich zugenommen, und mit dem Seidenbau ist ein Anfang gemacht. Zahlreiche Manufacturen und Fabriken, zur Verarbeitung der rohen Producte im Lande selbst, sind von ihm angelegt. Der in Aegypten gewonnene Zucker, der von guter Qualität ist, wird in den eigenen Raffinerieen des Pascha gereinigt, und der Abgang zu Branntwein benutzt. Der Salpeter, dieses in Ueberfluſs und von guter Qualität vorhandene Product, wird nach der Angabe eines italienischen Chemikers, Namens BAFrI, jetzt auf eine minder kostspielige Art, durch Abdampfung an der Sonne gewonnen, und dann erst durch Feuer gereinigt. Eine Verbesserung, die um so wichtiger ist, da es in Aegypten beinah gänz- lich an Brennmaterial gebricht. Die Pferdezucht war in neueren Zeiten vernachlässigt, auch hierauf hat der Pascha seine Aufmerksamkeit gerichtet, und Beschäler zur Veredlung der Landespferde vertheilen lassen; indeſs ist hierin erst ein Anfang gemacht. Bei meinem letzten Besuch hörte ich mit Verwunderung von ihm, als zufällig von der Schaafzucht die Rede war, daſs er edle Schaafe in groſser Zahl habe verschreiben lassen, um die einheimische Wolle zu verbessern; und daſs er zur Verbesserung der Pferdezucht auf umſassendere Anstalten denke. Unter den wünschenswerthen Producten scheinen nur Wein und ——————— ———— —— —— — 13 Oel noch zu fehlen. Lieſse der Anbau auch dieser in der nöthigen Aus- dehnung sich einführen, so würde Aegypten dem Auslande nichts mehr zu verdanken brauchen. Der mareotische Wein war im Alterthum sehr berühmt, und der heracleotische Nomus in Mittelägypten gab Oel in Ueberfluſs, obgleich von schlechter Beschaffenheit.— Zur Beförderung des Handels zwischen Alexandrien und Cairo, der von Jahr zu Jahr schwieriger wurde, da die vor den Nilmündungen bei Damiette und Rosette sich häufenden Sandbänke die Schiffahrt hinderten, liels MEHE- MED-AIl durch 300,000 Fellahs den alten Kanal zwischen Alexandrien und Ramanieh wieder aufgraben, und in seinem Laufe etwas ändern. Die Mängel dieses Unternehmens sind oſft aufgestellt worden: das Bett des Kanals ist nicht genug ausgetieſt, und die Uferböschungen desselben zu nachlässig aufgeschüttet, so daſs sie in kurzer Zeit nachzusinken drohen. Der Haupifehler ist aber, daſs sein Einfall in den Nil perpendiculär auf den Strom trifft, so daſs er in den Monaten der Nilüberschwemmung, aus Furcht, daſs das hohe Wasser ihn vernichten könnte, geschlossen werden muſs. Der Nachtheil wird dadurch verringert, daſs zu eben dieser Zeit die Nilmündungen fahrbar sind. Aller Mängel ungeachtet ist dieser Kanal ein. Werk im Geiste der alten Pharaonen, Ptolemäer und Römer. Nicht weniger als 10,000 Menschen sollen indeſs bei der schnellen, ungesunden Arbeit ihr Leben eingebüſst haben. Die ursprüngliche Absicht des Pascha’s bei Anlegung dieses Kanals war übrigens, einen Arm des Nils hinein zu leiten, und sowohl Alexandrien als dessen Werke mit solchem zu umgeben. Aus Besorgniſs, dals dadurch der Handel von Rosette vernichtet werden könne, wurde jedoch der Pascha veranlafst, von seinem Vorhaben abzustehn. Ich kann nicht unterlassen, bei dieser Gelegenheit eine antiquarische Notiz hier einzuflechten, die zur genaueren Kenntniſs des Wasserbaues der Alten nicht uninteressant ist. Bei der Aufgrabung des neuen Kanals stieſs man an mnanchen Stellen auf die Bekleidungsmauern des alten, und fand hier zugleich groſse Bleiplatten vor, mit welchen er ausgelegt gewesen seyn muſs. Wahrscheinlich geschah dies aus Vorsicht, um das Wasser trinkbar —— 14 —— zu erhalten, indem nun kein fremdes in den Kanal eindringen konnte. Die Erfahrung hat nämlich bei dem neuen Kanal gezeigt, dals, wegen Vernach- lässigung dieser Maalsregel, das Nilwasser durch salzige Einsinterungen bei der Nähe der Meeresküste häufig verdorben wird, oder wenigstens seine gerühmte Lieblichkeit nicht immer ganz beibehält. 1 Alexandrien gewinnt auſserordentlich durch diese neue Anlage, und wird künftig noch mehr sich heben; indeſs Rosette und Damiette, die ehe- maligen Stapelplätze des ägyptischen Handels ihre Wichtigkeit mehr und mehr verlieren. Die innere Sicherheit wird von dem Pascha aufs kräftigste gehandhabt. Bei vielen, oft den weisesten Unternehmungen, kämpft er indeſs umsonst gegen das Vorurtheil und die Landessitte. Die Pest thut der Bevölkerung Aegyptens, wie mir versichert worden, einen so bedeutenden Abbruch, daſs ohne diese Landplage die Einwohnerzahl in einigen Jahrhunderten sich verdreifachen würde. Die Maaſsregeln MæEMED-ALl's zur Hemmung der- selben, haben auf Befehl der hohen Pforte eingestellt werden müssen. Er lälst sich indels durch den Vorwurf der Gottlosigkeit nicht abhalten, diese Maafsregeln wenigstens für sich und seinen Hof zu befolgen.— Nicht weni- ger unberücksichtigt verwüsten in Aegypten die Blattern die heranwachsen- G den Generationen. Noch bei meinem letzten Besuch betheuerte mir der pascha, daſs er kein Jahr vergehen lassen wolle, ohne wenigstens diesem Uebel durch Einführung der Impfung zu steuern. Wenn er lebe, sollten auch, sobald es in seiner Macht stehe, die Maaſsregeln gegen die Pest wie- Ich habe nur einen geringen Theil angeführt von dem, was bereits wirklich zu Stande gebracht ist; andere weitgreifende Pläne werden vorbe- reitet. Bedenkt man die Hindernisse, gegen welche er bei einem ganz ver- sunkenen Volke zu kämpfen hat; daſs er selbst von seinen Untergebenen nicht immer so willfährig unterstützt wird, als er es verdient, indem meist nur Gewalt ihm das Gelingen sichert: so kann man die Laufbahn dieses . der in Kraft gesetzt werden. seltenen Mannes nicht ohne Bewunderung verfolgen. Besonders muſs jeder, ——-— 8 — 15 dem die Wohlfahrt unsers Geschlechts am Herzen liegt, den Unterneh- mungen zur Erweiterung seiner Landesgrenzen den glücklichsten Erfolg wünschen. Es knüpft sich an sie die Hoffnung einer Erneuerung der Civili- sation in den frühesten Sitzen menschlicher Cultur. Vielleicht werden, wenn sie Bestand haben, Dinge möglich, die man jetzt für unausführbar und unglaub- lich hält. Wie die Ptolemäer, wendet MEHEMED-AII seine Blicke nach Indien. Und über Aegypten ging der älteste, und führt für einen groſsen Theil von Europa noch jetzt der natürlichste Weg des indischen Handels. Ueber die engherzigen Vorurtheile des Islam ist dieser Befreier der heiligen Orte desselben weit erhaben. Er sieht Europäer gern um sich und begünstigt sie, ohne sich um ihren Glauben zu bekümmern, oder ihnen durch Proselytenmacherei lästig zu werden. Er deutet es selbst den Chri- sten übel, wenn sie zum Moslemismus übertreten. Neuerlich hat er sogar einer Kolonie syrischer Christen, die er nach Aegypten einlud, in Cairo eine Kirche erbaut. Die Christen sind nicht mehr jenen Demüthigungen ausge- setzt, die sie sonst sich muſsten gefallen lassen. Sie dürfen den weiſsen Turban tragen, innerhalb der Haupistadt Pferde reiten, und brauchen nicht mehr abzusteigen, wenn sie dem Pascha oder einem andern hohen Beamten begeg- nen, oder vor einer Moschee vorbeireiten. Ich bin zu allen Jahreszeiten in Cairo durch die abgelegensten Theile der Stadt umhergezogen; meine Frau ist in fränkischer Kleidung und mit unbedecktem Gesicht ausgeritten, ohne daſs wir uns je der geringsten Unannehmlichkeit ausgesetzt sahen. Ich habe selbst in der Gesellschaft eines der Vorsteher einer Moschee zwei der merk- würdigsten derselben in fränkischer Kleidung besucht. In solchen Zügen merkt man den Einfluſs des Beispiels eines aufgeklärten Herrschers. Ein eigenthümlicher Charakterzug MæHEMED-AIl's ist seine groſse Freude am Handel, und er gleicht auch hierin den Ptolemäern, mit denen er auch dasselbe Vaterland gemein hat. Es ist nicht zu leugnen, dals viele seiner Unternehmungen mit seinen Handelsspeculationen in genauester Verbindung stehen. Mit den ihm als Monopol untergeordneten Producten, zu denen in der Türkei die zum Leben unentbehrlichsten fast alle gehören, treibt er ihn 16 selbst, und ist als Hauptinteressent mit mehreren Handelshäusern, unter andern mit dem Hause vox BRix in Alexandrien, durch welches er sogar den indischen Handel betrieb, in Verbindung. Ich kann hier einen grols- müthigen Zug nicht übergehen, den er kürzlich ausgeübt hat. Er hatte europäischen Kaufleuten, die in Aegypten angesiedelt waren, Lebensmittel, zum Belauf eines Werthes von mehreren Millionen Piaster, zu Handelsun- ternehmungen vorgeschossen. Durch fehlgeschlagene Speculationen sahen jene sich auſser Stande, Bezahlung zu leisten. Einem Theil von ihnen erlieſs er die Hälſte des Vorgeschossenen, und bewilligte neuen Zuschuſs. Dem anderen Theil erlieſs er zwei Drittheile, und setzte zur Wiederbezah- lung des übrigen eine gewisse Zeit fest. Noch anderen erlieſs er die ganze Forderung, verlangte aber, daſs sie sofort das Land verlassen sollten. Ich darf indeſs auch mein Urtheil nicht unterdrücken, dals ich nicht alle Handelsunternehmungen des Pascha dem wahren Vortheil seines Landes angemessen halte. Dals die inländische Verarbeitung aller Producte die vortheilhafteste Benutzung gewähre, ist als Schulprincip vollkommen richtig, und mag, was den Salpeter, den Zucker und das daraus Gewonnene betrifft, auch für Aegypten gültig seyn. Vielleicht lieſsen sich noch andere Gegen- stände nennen. Allein im Allgemeinen ist der unmittelbare Verkauf der rohen Producte für dieses Land unstreitig viel angemessener. Der eingebo- rene Aegypter will durchaus alles nach eigener Einsicht machen, oder nach alt hergebrachter Weise. Er ist widerwillig und fühlt sich elend, wenn man ihn davon abhält. Auſserdem ist er zu träge und langsam, um eine Arbeit schnell zu fördern. Die eingewanderten Europäer sind aber, wie ich leider bekennen muſs, zum Theil Abentheurer, deren Unternehmungen unmöglich das Emporkommen eines wohlgegründeten Fabrikwesens befördern können. MEHEMED-AII pflegt jeden, mit dem er spricht, scharf ins Auge zu fassen, sieht aber dabei sehr freundlich und wohlwollend aus. Man behauptet, er sey heftig; im Umgange bemerkt man davon keine Spur. Er ist groſsmüthig und edel, und spendet, ungeachtet seines Handlungsgeistes, wenn die Gelegenheit ihn auffordert, mit fürstlicher Freigebigkeit. Er ist —— 17 ein tapferer, einsichtsvoller Soldat, und hat in den Kriegen gegen die Mame- lucken und Wechabiten persönliche Beweise davon gegeben. Im Innern seines Hauses erscheint er als hochverehrter, gefürchteter Vater. Er hat zwei rechtmäſsige Frauen und einen zahlreichen Harem. Von jenen hat er drei Söhne gehabt. Der älteste, IBRAIM-PAscHA, befehligte die Armee im Hedjaz gegen die Wechabiten, vernichtete diese, und nahm ihr Oberhaupt gefangen, weswegen er vom Sultan zum Pascha von Mekka erhoben wurde: eine Würde, die ihm den Vorrang vor seinem Vater giebt. Ungeachtet dessen, und als präsumtiver Erbe, ist er ein gehorsamer Sohn; auch nur in Gegenwart seines Vaters sich zu setzen, erlaubt er sich nie. Er soll ein guter Soldat und strenggerechter Mann seyn, der aber die Fran- ken nicht liebt, was man ihm aus guten Gründen nicht ganz übel deuten kann. Der zweite Sohn des Pascha, TUSSUN-PAscHAà, starb vor einigen Jahren an der Pest, und hinterlieſs einen Knaben von fünf Jahren, den der Sultan, aus Rücksicht auf die Verdienste des Vaters und Groſsvaters, ebenfalls zum Pascha erhob. MEHEMED-AII läſst ihm die sorgfältigste Erziehung geben, auf eine Art, die ihm die höchste Ehre bringt. Der dritte Sohn heilst Is MAIE- PAscHà, und befehligt gegenwärtig(1821) die Exxpedition gegen Dongola, Darfour und Senaar. Aulser diesen Söhnen hat er noch zwei Töchter. Die älteste ist an den Befehlshaber von Alexandrien, MAHRAM-BEI, die jüngste an den Defterdar und Statthalter MoHfAMED-BEI verheirathet. Seine Gröſse soll bereits seit langem Eifersucht in Constantinopel erregt haben. Er weils indeſs dem Hofe zu schmeicheln, und sendet jährlich, auſser den regelmäſsigen Abgaben, bedeutende Geldbeiträge und Geschenke an den Groſs- herrn und andere Groſse des Reichs. Früher war er wegen seiner politischen Existenz nicht ganz unbesorgt; jetzt aber ist er dies immer weniger, denn er hat. Kraft genug, selbst bedeutenden Unternehmungen gegen sich zu begegnen. Auch die Männer der nächsten Umgebung des Pascha sind zu merk- würdig, um nicht hier eine ehrenvolle, dankbare Erwähnung zu verdienen. Sein geltendster Rathgeber und die Seele seiner Unternehmungen ist kein Muselmann, sondern ein Christ. — 3 18 Herr Boonos JousouFr, Minister-Staatssekretär und erster Drago- mann seiner Hoheit, stammt aus einer alten, sehr ansehnlichen armenischen Familie, Namens ABRo in Smyrna, deren Mitglieder seit zwei Jahrhun- derten ausgezeichnete Stellen, theils in ihrer Vaterstadt, theils in Constan- tinopel bekleideten. Seine diplomatische Laufbahn begann Bodnos bereits im zwanzigsten Jahre seines Alters, indem er als Dragomann der erhabenen Pforte bei dem Groſsvizier Jousoupyr-PASGHàA, der die Armee von Aegypten befehligte, angestellt wurde. Nach der Räumung Aegyptens durch die Franzosen kehrte er mit dem Vizier nach Constantinopel zurück, wo er, als Belohnung für seine Verdienste, die Anstellung als Dragomann bei ArI-PAscHàA, der einstweilen zum Pascha von Aegypten ernannt worden war, erhielt. Auf diesen folgte KöuschHip-PAscHàA, und im Jahre 1805 MEHEMED-AII- PAsCHà, der jetzige Vizekönig. Seit dieser Epoche dient nun Herr BoœcHos diesem Herrn in den oben genannten Würden, und verbindet damit die oberste Leitung aller innern und äuſsern commerziellen Verhältnisse des Landes. Er steht diesen man- nigfaltigen Dienstverhältnissen mit dem grölſsten Eifer vor, und ist seinem Herrn mit unverbrüchlicher Treue ergeben. Er ist geschmeidig und äuſserst einnehmend, so daſs es ihm leicht wird, jedermann für sich zu gewinnen. Mit groſser, natürlicher Sanftheit des Charakters verbindet er die angenehmen Formen eines feinen Hofmanns, und scheint sonach ganz für seinen Posten geschaffen zu seyn, der viel Einsicht und eine groſse Behutsamkeit unumgäng- lich erfordert. Man rühmt seine Umsicht in Geschäften, und er spricht mit Fertigkeit acht Sprachen, auſser fünf orientalischen auch drei europäische. Da er die Handelsangelegenheiten leitet, einen gewissen Antheil, als Tantieme, vom Pascha erhält, und auſserdem für eigene Rechnung Handel treibt, so spricht man mit Verwunderung von dem bedeutenden Vermögen, welches er besitzen soll. Allein er macht den edelsten Gebrauch davon. Er unterstützt die Bedürftigen jeder Nation und jedes Glaubens, und beson- ders haben die Europäer ihm viel zu verdanken. Wie manchen verlorenen . 19 Speculanten, deren unzählige jetzt nach Aegypten ziehen, rils er durch seine kräſtige Unterstützung aus dem Verderben! Keinen, der seinen Schutz und seine Hülfe anspricht, von welchem Stande er seyn mag, lälst er unbefrie- digt von sich. Gegen Fremde, die jener Hülfe nicht bedürfen, ist er zuvor- kommend artig, und bietet gern alles auf, um ihnen gefällig zu seyn. Ich meiner Seits kann seine Gefälligkeit und zuvorkommende Dienstwilligkeit, sowohl gegen mich, als gegen die mich begleitenden Gelehrten, von dem Augenblick meiner Ankunft in Aegypten bis zu dem meiner Abreise, nicht genug rühmen, und werde ihrer steis dankbar eingedenk seyn. Seine glänzende Lage ist indeſs nicht in jeder Rücksicht zu beneiden. Vom Anbruch des Tages bis Abends spät muſs er dem thätigen Vizekönig zur Seite stehen, und unterliegt beinah den Geschäften. Seine ehrenvolle Stelle und sein Reichthum wird von vielen Muselmännern mit miſsgünstigem Auge betrachtet, da er nicht ihres Glaubens ist. Er zählt gegenwärtig erst vierundvierzig Jahre, und da er von kräſtiger Constitution ist, so steht zu hoffen, dals dieser den Europäern so werthe Mann seinem ehrenvollen Posten noch lange vorstehen werde. Der einzige Bruder des Ilerrn Bonos, Herr PErER Jousocrr, ist Kaufmann und Agent des Vizekönigs in Triest, und genieſst ebenfalls den Ruf eines wackern Mannes. Eine zweite Person, die das Vertrauen des Pascha'’s genielst, und seit einiger Zeit abwechselnd mit Herrn Bochos, wenn diesen Geschäſte abhal- ten, die Stelle eines Dragomanns bei seiner Hoheit vertritt, ist der ehe- malige grolſsherrliche Schiffs-Capitän, gegenwärtig Admiral der Flottille des Vizekönigs, Herr GIBRALTAR; derselbe, der als Agent des Pascha's lange in Europa, besonders in Schweden sich aufhielt. Er ist ein gebil- deter, einsichtsvoller Mann, der überall, wie er es auch verdient, mit groſser Auszeichnung behandelt wurde, und dessen Gefälligkeit gegen mich ich ebenfalls nicht genug rühmen kann. Zweites Kapitel. Schilderung Alewandriens— Okkels— Umgang der Franken unter sich— Forschilag, den alten und neuen Hafen zu verbinden— Befestigung Alexandriens und Mittel, Sie zwechmſsiger einzurichten— Einnalime der Stadt durch die Engländen— Die Säule des Diohletian— Obelisken der Kleopatra— Piscina— Katahomben— Neugeüuffnete Gräber— Unternommene Nachgrabung in der Nähe der Obelishen und bei dem Thior von Rosette— Umgegend Alexandriens— Bemerkungen iber die dg⸗plische Augenkranllheit. Von der Audienz bei Sr. Hoheit dem Pascha kehrte ich zurück nach mei- nem Schiff, um meine Frau abzuholen, die Herr DRovETrTI nach dem Hafendamm geleitete. Erwartungsvoll gespannt auf alles Neue, das unserm Blicke sich darbieten würde, wanderten wir von da durch einen Theil der Stadt nach dem Frankenquartier. Belebter, als wir geglaubt hatten, war das Schauspiel, in welches wir uns versetzt sahen, aber auch lebhaft das Gefühl, es sey ein fremder Welt- theil, den wir beträten. In engen Straſsen ein treibendes Gewühl von Menschen aller Farben in den mannigſaltigsten Trachten, und von rauher ungewohnter Sprache. Zwischen ihnen sich drängende Kameele und Esel in groſser Anzahl, zum Theil mit Wasser, Gütern oder Menschen befrachtet. Aber bei diesem Anschein eines emsigen Verkehrs allenthalben nur zu redende Spuren des bittersten Elends: Hunger und Blöſse! Die Straſsen ohne Pflaster und voll Wust. Offene Plätze, mit nichts bedeckt, als mit Sand und Staub, ohne einen Baum, der gegen die brennende Sonnenhitze geschützt hätte. Hin und wieder die ekelhaften Reste verwe- 4 21 sender Thiere, und Hunde in lästiger Anzahl. Verfallene und verlassene Häuser, und die bewohnten von schlechter Bauart, und fremdartigem, unheimlichem Ansehn. Dies ist Alexandrien, wo die Neuheit des afrika- nischen Lebens gleich im ersten Augenblick alles Anziehende verliert. So gelangten wir zu dem Okhkel des Herrn DRovErrI, und traten ab bei dem Handelscompagnon desselben, Herrn TouRNEAUX. Diese Okkels bezeichnen deutlich genug den gesellschaftlichen Zustand des Orients. Es sind gleichsam Privatfestungen; Gebäude von gemeiniglich sehr beträchtlichem Umfange, und in einem Viereck angelegt. Da meistens nur ein Eingang zu ihnen führt, so kann man um so leichter, im Falle eines Tumults, in seinen eignen Mauern sich sichern, und in Zeiten der pest die Gemeinschaſt mit der Stadt abbrechen. Der Name wird auch her- geleitet von El-Kalaat, welches ein Kastell bedeutet. Kurz nach meiner Ankunft erhielt ich den Besuch der hiesigen fremden Consuln; denn hier ist es Gebrauch, daſs man in dieser Höflichkeitsbezeu- gung den Fremden zuvorkommt. Ueberhaupt läſst man es gegen diese an keiner Art von Aufmerksamkeit fehlen, und die Gastfreiheit geht hierin so weit, daſs man jeden empfohlenen Fremdling Wochen, ja Monate lang bei sich aufnimmt, und unentgeltlich verpflegt. Gleichwohl kann ich mich nicht enthalten, einen Tadel hier auszu- sprechen, zu dem das Leben der in Alexandrien wohnenden Franken mir Anlaſs zu geben scheint. Der Ton des Umgangs ist im Allgemeinen etwas kleinstädtisch und lästig. Man bekümmert sich gegenseitig viel um einan- der, und ist sehr eifersüchtig auf jeden zu gebenden und zu erhaltenden Besuch. Aber ungeachtet aller dieser Höflichkeitsbezeugungen ist jeder gesellige Verein hier sehr schwierig, da National- und Handelsverhältnisse Familien und Einzelne trennen, und sie sich unter der Hand Böses genug anzudichten suchen. Um so ehrenvoller sind die Ausnahmen, deren meh- rere gefunden zu haben, ich gern anerkenne. Die Menge der hier zusam- menströmenden Europäer von allen Nationen ist übrigens sehr groſs; da ihr einziger Zweck ist, sich zu bereichern, so darf es nicht befremden, wenn 88 N 22 man neben manchen wackern Männern nur zu häufig auf Abentheurer stöſst, welche nicht geeignet sind, den christlichen Namen sehr in Ehren zu erhalten. Die oft gegebenen Beschreibungen von Alexandrien hier zu wieder- holen, ist nicht meine Absicht. Ueber die Lage der Stadt und ihrer Häfen wird der Grundriſs, welcher der Karte von Libyen beigefügt ist, die beste Auskunft geben. Einige Bemerkungen dürfen aber doch dieser Erzählung nicht fehlen. Wie wenig reizend diese Stadt sey, habe ich schon bemerkt. Zu den genannten Unbequemlichkeiten kommt im Herbst und Winter noch eine neue; bei dem starken Regen, der dann einzutreten pflegt, ist in den unge- pflasterten Straſsen kaum fortzukommen, Der allte und neue Hafen, jener einst Eunosti portus, dieser Kibotos genannt, sind beide vernachlässigt, so wie auch der Hafendamm. Jene bedürften der Austiefung und Wegräumung einiger Lokalhindernisse, um sie brauchbarer zu machen. Zwar verdanken die Europäer dem jetzigen Pascha die Vergünstigung, in den alten Hafen einlaufen zu dürfen, der viel sicherer als der neue ist, auf welchen ihre Schiffe sonst beschränkt waren. Da es aber bei gewissen Winden nicht möglich ist, aus diesem Hafen aus- zulaufen, und man folglich, bei der Regelmäſsigkeit und Dauer derselben, oft Tage und Wochen lang auf einen günstigen Augenblick zur Abfahrt warten muls; so könnte man diesem Uebel dadurch abhelfen, daſs man die Erdzunge in der Nähe der Stadt durchstäche und beide Häfen durch einen Kanal verbände. Dem Auslaufen der Schiffe würde dann in jeder Jahres- zeit, und, wie ich glaube, auch bei jedem Winde kein Hinderniſs mehr entgegen stehen. Die Befestigung des Hafens ist unbedeutend, und dürſte einer ſeind- lichen Flotte das Einlaufen in denselben schwerlich im Ernste streitig machen können. Die Befestigung der Stadt Alexandrien selbst besteht aus zwei Linien von Mauern, die mit Thürmen und vorliegenden Gräben versehen sind. —— 23 Der jetzige Pascha hat einen Theil derselben, der baufällig war, neu anlegen und die alten Mauern ausbessern lassen, so daſs das Ganze ein gar statt- liches Ansehen hat. Leider scheinen aber keine Sachkundige diese angeb- liche Verbesserung geleitet zu haben. Die Mauern sind schlecht aufgeführt, die Contrescarpe fällt bereits an einigen Stellen ein, und die ganze äuſsere Linie wird beinahe durch nahegelegene Schuithaufen eingesehen. Zweck- mäſsiger dürfte es wohl gewesen seyn, wenn man bei dieser Verbesserung die äuſsere Enceinte mehr zurückgezogen hätte, wodurch man die Verthei- digungslinie bedeutend verringert, aber dafür deren active V ertheidigungs- kräſte durch Concentration verstärkt haben würde. Die beiden Forts Cretin und Cafarelli, so wie noch ein drittes Werk, welches, so wie jene, von den Franzosen auf Schutthügeln angelegt worden, sind erhalten, und mit dem nöthigen Geschütz und mit Mannschaft wohl versehen. Hingegen die sogenannte Redoute bei der Pompejussäule, so wie diejenige, welche unter dem Namen des Dreiecks bekannt war, sind aufgegeben, da diese letzte durch einen unerwarteten Unglücksfall in die Luft flog. Ich bin der Meinung, daſs man Alexandriens Vertheidigungswerke, in dem Zustande, in welchem sie gegenwärtig sich befinden, entweder vollends eingehen lassen, oder den ganzen Platz mit sammt den Häfen und den etwanigen Landungspunkten zweckmäſsiger befestigen miüsse. Von den letzten müſsten besonders der beim Thurm der Araber gegen Westen der Stadt, und der bei Aboukir gegen Osten derselben durch feste Läger gedeckt werden. Jetzt ist es unmöglich auch nur die Häfen zu schützen, oder etwanigen Landungstruppen das Festsetzen in der Nähe der Stadt zu verwehren; so daſs alle vorhandenen Werke zur Sicherung Alexandriens unnütz sind, während sie einem Feinde, der sich einmal der Stadt bemäch- tigt und eine Flotte zur Disposition hätte, die Behauptung dieses wichtigen Platzes sehr erleichtern würden. Es dürfte dann sehr schwer, wo nicht unmöglich fallen, blos durch Landtruppen, und andere Streitkräfte hat Aegypten nicht, ihn wieder zu vertreiben 1 1 24 Nach dem Bericht des Generals REoNlEk, soll sich bei der Uebergabe Alexandriens nur auf wenige Tage vorräthiges Wasser in diesem Platze befunden haben. WIESox dagegen behaupitet im zweiten Theile, Seite 52. seines Werkes*), daſs es hinreichend gewesen sey, die Engländer bis zum — nächsten Monat Februar damit zu versehen. An Lebensmitteln soll es, nach diesem Schriftsteller, ebenfalls nicht gebrochen haben, da im Augen- plicke der Uebergabe sich in der Stadt 800 Pferde, 300 Kameele, Reis und andere Comestibeln befanden, die, schlecht gerechnet, auf 20 bis 30 Tage gereicht haben dürſten. Die Stadt war durch 312 Geschütze, gröls- tentheils aus Metall bestehend, vertheidigt, und 77 Stück wurden auf den Kriegsschiffen vorgefunden. In den Pulvermagazinen fand man 14,102 gefüllte Canonenkartouschen und 195,218 Pfund loses Pulver in Fässern. Die Besatzung bestand aus 10,528 Mann von allen Waffen, und aus 685 Ci- vilofficianten. Dieser Bemerkungen ungeachtet, bin ich aber der Meinung, dals sich„ dieser Platz in dem Zustande, in welchem er sich befand, unmöglich viel länger würde haben halten können, und daſs die Franzosen durch eine frühere Uebergabe eine viel vortheilhaftere, doch zu berücksichtigende Capitulation herbeiführten. Die Stellung der Franzosen vor Alexandrien war stark. Sie hatten eine Landzunge besetzt, und die Mitte ihrer ersten Linie durch das Fort Cretin, den linken Flügel durch das von Cafarelli, und durch die Säule des Pompejus den rechten gedeckt; allein sie wurden nichts desto weniger aus dieser vortheilhaften Stellung getrieben, weil ein General, wie man erzählt, pflichtwidrig handelte und die ihm ertheilten Befehle nicht ausführte. 1 zu den alterthümlichen Merkwürdigkeiten Alexandriens, muſs man obenan die sogenannte Pompejussäule und die beiden Obelisken der Cleo- patra zählen. Die erste, die durch den französischen Architekten NoRv *) Histony of the Britis eapedition to Egypt by R. T. I. iIlson. 2d. edit. London 1803. 4. 4 84 — -— 25 gemessen und deren Höhe von dem Fuſsgestelle bis zur Spitze 88 Fuſs 1 6 Zoll befunden worden ist, will ich weiter nicht beschreiben, da dies bereits so oft geschehen ist. Ein sonderbarer Umstand ist es aber, daſs sie von den Arabern die Benennung: Ahmaud Issanwer, welches so viel als die Säule des Serverus heiſsen soll, erhalten hat. Allein zwei englische Officiere, der Capitain DuxpAs vom Ingenieurkorps und der Lieutenant DESADE von der Königin deutschem Regiment, haben während der Anwe- senheit der Armee in Aegypten, die auf der Säule befindliche Inschrift auf folgende Weise zu entziffern gesucht, daſs sie täglich eine Stunde, wenn die Sonne einen Schatten auf den Buchstaben hervorbrachte, diese mit groſser Mühe treu abzeichneten. Ihre Arbeit folgt hier buchstäblich, nur mit dem Unterschiede, daſs die siebenzehn klein gedruckten Buchstaben fehlten, und durch den Herrn HEITER in Neapel ergänzt worden sind: - 3 TON(TIMle) TATON ATTOKPATOPA— TON IIOAIOTXON AAEERANAPIACG AIOK(A) H(r) lANON TON(EEAC) TON 4 IIO(NrioOC) EIIAPXOC AIITIITOT. (z⁊eorxvve?) Den hochverehrten Selbstherrscher den Schutzgott und Inhaber Alexandriens DIokLETIANUS AUGUSTUS (ehrt durch dies Denkmal) PoxrIUs, Präfect von Aegypten. Ohne Zweifel trug diese Säule, wie die des Trajan und des Mark-Aurel zu Rom, auf ihrem Gipfel ursprünglich eine Bildsäule des Kaisers, dem sie geweiht war. Wird die einheimische Benennung: Säule des Issancer, richtig auf Septimius Serverus gedeutet, so darf man annehmen, dals sie zuerst diesen verherrlichen sollte, dem überhaupt in Afrika, woher er gebürtig war, sehr viele Denkmäler errichtet wurden. Pontius hätte dann blos durch eine veränderte Inschrift die Ehre auf Diokletian übertragen. 4 26 Von den Obelisken der Cleopatra liegt der eine noch auf der Frde, so wie ihn die Engländer haben liegen lassen, als sie vergebens es versucht hatten, ihn nach England einzuschiffen. Der Pascha hat ihn kürzlich der englischen Regierung geschenkt, und es war auch bereits ein englischer Ingenieurofficier hier anwesend, um die Art und Weise auszumitteln, wie er am besten nach England zu translociren sey. Auſserhalb der ersten Ringmauer, und zwar nach dem Thore von Rosette zu, findet man die Ueberbleibsel von einem Bade, aus gebrannten Mauersteinen erbaut, und drei einzeln stehende Granitsäulen von schöner Politur und bedeutender Gröſse, welche Reste eines Sonnentempels seyn sollen. Innerhalb und auſserhalb der ersten und zweiten Ringmauer, desgleichen nach Nicopolis zu und den neuen Hafen entlang, findet man noch bedeu- tende Substructionen und Säulenüberreste, so wie auch Schutthügel, die beim Aufgraben wohl einige Ausbeute versprechen. In und bei den Moscheen, in dem Innern der Okkels und besonders im Packhofe sind viele Säulen aus den Zeiten der Ptolemäer, der Römer und Sarazenen verwandt, die, obgleich meistentheils verstümmelt, einem Architekten reichen Stoff zu Studien darbieten. Die Piscina, oder der groſse Wasserbehälter, hat sehr gelitten, und soll ihrer Grölse nach Wasser für Menschen und Thiere auf zwei Jahre fassen können. Eine andere alterthümliche Merkwürdigkeit Alexandriens sind die Kata- komben, deren man in der Nähe dieser Stadt mehrere findet. Die bedeu- tendsten und besuchtesten sind wohl die in der Nähe der sogenannten Bäder der Cleopatra. Sie sind in Kalkstein ausgehauen und bestehen aus mehreren regelmälſsigen Kammern und Verbindungsgängen, die sehr weit- läuftige Verzweigungen haben, und vielleicht mit denen bis nach Marabout sich erstreckenden in Verbindung stehen. Ihr Eingang ist nur etwa 30 Schritte vom Meeresufer entfernt, und die innern Thüren, Gänge und Todtenkam- mern mit ihren Nischen sind sauber und regelmälsig gearbeitet; allein nir- gends fand ich eine Spur von Malereien oder von Inschriſten; wohl aber — 27 über einer Thüre den symbolischen Diskus, aber ohne Flügel, die wahr- scheinlich durch die Zeit oder durch unbefugte Hände vernichtet worden sind. An einigen Stellen der innern Wände sieht man mit Rothstein oder rother Farbe Eingangsthüren und Gänge im Entwurf, und ihre Kalkirung ist so scharf, als wäre sie erst Tages zuvor angefertigt worden. Ich drang mit einigen Herren meines Gefolges so tief als möglich in ihre Verzweigungen ein; allein ungeachtet ich es mir sehr sauer werden lieſs, und an einigen Stellen auf dem Bauche liegend durchschlüpfen muſste, so fand ich, auſser einigen mumisirten Knochen, nichts das der Beachtung werth gewesen wäre. Die meisten Gänge und Kammern sind übrigens verschüttet, und es bedürſte eines bedeutenden Kostenaufwandes, um sie alle aufzuräumen. In der Nähe dieser Katakomben besuchte ich noch ein zweites geräu- miges, ebenfalls im Felsen ausgehauenes Behältniſs, das auf viereckigen Pſei- lern ruht und für eine Kornkammer ausgegeben wird; allein mir schien es unvollendet, und seiner ursprünglichen Bestimmung nach wohl ebenfalls zur Aufbewahrung von Todten oder wenigstens zu ihrer Vorbereitung, oder vorläufigen Aufstellung bestimmt gewesen zu seyn. Dagegen spricht sich ein drittes ganz nahe gelegenes Bebältniſs, mit mehreren Reihen überein- ander im Felsen ausgehauener Nischen, nach Art der Kolumbarien, deutlich genug als eine Katakombe aus, in welche bedeutende Oeffnungen die ganzen Leichen statt der Urnen hineingestellt wurden. Die in der Nähe gelegene im Felsen gehauene Grotte, der man den Namen: Bad der Cleopatra, beilegt, bin ich nicht geneigt dafür anzuer- kennen, ungeachtet das Wasser des Meeres zu ihrer Thüre und zwei andern Oeffnungen plätschernd hineindringt, weil eine so prachtliebende Fürstin wohl schwerlich einen so gewöhnlichen Ort, der überdies so nahe bei Grabgewölben gelegen war, zu einem Bade gewählt haben dürfte. Vielleicht war diese Grotte zum Waschen der einzubalsamirenden Leich- name bestimmt, so wie die übrigen im Felsen etwas weiter hinauf gelegenen Oeffnungen des Uferrandes wohl zur Herbeiführung der Todten in Nachen, bis dicht vor den Katakomben, gedient haben mögen. Eine oberhalb des 4* ¹ 8 28 sogenannten Bades vorhandene alte Substruction kann aus ähnlichem Grunde, da sie kein Prachtgebäude verräth zu vorbereitenden Arbeiten beim Einbalsamiren der Leichen gedient haben. Man hat kürzlich auf dem Punkte, wo der Kanalhafen sich befindet, und zwar in der Nähe des alten Hafens, bei Anlegung der Grundmauern zu einem Magazin, neue griechische Katakomben entdeckt, deren Wände bemalt waren und die in ihren Kammern Todtenurnen, mit Gebeinen ange- füllt, enthielten, von welchen ich zwei durch die Güte des Herrn SALT erhielt. Leider hatte man sie, noch bevor ich sie besuchen konnie, bereits wieder verschüttet, und die Kürze meines hiesigen Aufenthalts verstattete es mir nicht, sie wieder aufgraben zu lassen. Bei der Anlegung des Kanalhafens und der Austiefung und Erweiterung des Kanals selbst, hat man mehrere ägyptische, griechische und römische Alter- thümer gefunden; allein leider alle verstümmelt. Auf der einen Stelle stieſs man auf die Säule eines Tempels, die noch im Uferrande des Kanals steckt. Gerne hätte ich sie herausgraben und die nähere Umgebung untersuchen lassen, und vielleicht wäre es mir gelungen einen Theil des Tempels oder des Gebäudes dem sie angehörte zu Tage zu fördern; allein ich hätte durch diese Arbeit das Wasser aus dem Kanal abgeleitet, und muſste die Sache folglich aufgeben. Die letzten acht Tage meines Aufenthalts in Alexandrien lieſs ich jedoch durch einige und zwanzig mir durch die hiesige Regierung bewilligten Arbeiter in der Nähe der Obelisken der Cleopatra, die meiner Ansicht nach wohl vor dem Pallaste dieser Fürstin gestanden haben mochten, einen langen Gang bis auf die Sohlentiefe des Würfels derselben graben; fand aber weder alte Substructionen noch sonst etwas Merkwürdiges. Hierüber darf man sich aber nicht wundern, wenn man erwägt, daſs der Zwischen- raum zwischen der ersten und zweiten Ringmauer, zur Zeit der Sara- zenen angebaut war, und man noch täglich die Erde umgräbt, um Steine zu neuen Bauten und zum Kalkbrennen zu gewinnen. Aus einem ähnlichen Grunde fielen wahrscheinlich die durch Lord VALENCIA mit groſsem Kostenaufwande rings um der Pompejussäule angestellten Exkava- —o —— ———— N —..— ————õ————= 29 zionen fruchtlos aus; jedoch fand er die Spuren eines Cirkus. Will man daher mit einigem Erfolge Nachgrabungen anstellen, so kann dies, meines Erachtens, nur auf der Stelle, wo das alte Nicopolis stand, die Ufer der beiden Hafen entlang, oder aufserhalb des Thores von Rosette, geschehen, woselbst die vielen noch vorhandenen bedeutenden Substructionen und Schutthügel eine belohnende Ausbeute zu versprechen scheinen. In dieser Ueberzeugung lieſs ich eine bedeutende Substruction auſser- halb des Thores von Rosette, in der Mitte des eingehenden Bogens vom neuen Hafen gelegen, etwas aufräumen, und die verdeckten Ruinen von der Landseite zu Tage fördern. Die Mauerüberreste griffen weit in die See hinein, und das Gebäude, das ziemlich weitläuftig war, enthielt, auſser mehreren Gemächern, Behälinisse zu Meer- und andern Bädern, und hatte auf der einen Seite einen von Quadersteinen erbauten kleinen Hafen. Die Ueberreste selbst, so wie eine Menge von Täfelungen aus weiſsem, grünem, gelbem und rothem Marmor(cerde, giallo und rosso antico) bestehend, so wie auch Bruchstücke von Glasmosaik, deuteten darauf hin, daſs es die Wohnung eines Vornehmen, vielleicht selbst ein Pallast der Ptolemäer gewesen seyn mochte. Beim Aufgraben der Substructionen stieſs ich auf einen gemauerten Eingang, den ich ziemlich tief hinein aufräumen lieſs, bei welcher Gelegenheit ich einen Sarg mit einem Skelett und andere Gebeine, auch kleine griechische Münzen fand. Wegen meiner Abreise muſste ich aber die Arbeit aufgeben. Vielleicht führte jener Gang zu ent- fernten Katakomben. Die Bevölkerung Alexandriens rechne ich auf etwa 15,000 Seelen; denn etwas Bestimmtes konnte ich hierüber nicht erfahren, da keine Zählung irgend einer Art statt findet, und Pest und Blattern Erwachsene und Uner- wachsene jährlich in grolſser Anzahl wegraffen. Es scheint aber, daſs der belebtere Handel, so wie der jährlich mehrere Monate dauernde Aufenthalt des Pascha's in dieser Stadt, die Bevölkerung derselben sehr befördert, wenigstens haben sich seitdem viel mehr Europäer, als sonst gewöhnlich hier ansässig waren, in Alexandrien niedergelassen. 30 Die Umgegend Alexandriens ist sehr traurig; man erblickt nichts als Schutthaufen, und ich muſs aufrichtig gestehen, dals ich lieber die libysche Wüste, als einen solchen Mahner ehemaliger Gröſse sehe. Dort erwarte ich keinen erfreulichen Anblick, hier sage ich mir, wie alles sonst war und noch seyn könnte. Vielleicht gelingt es der Regierung oder thätigen Ein- wohnern, durch Benutzung des neu angelegten Kanals die Bewässerung der Gegend wieder herzustellen; denn nur an Wasser fehlt es diesem Boden, um sich mit der blühendsten Vegetation zu bekleiden. Die gänz- liche Verwahrlosung der alten Anlagen hat übrigens erst seit der Herrschaft der Türken ihren Anfang genommen. Noch im vierzehnten Jahrhundert schildert ABuEFEDA die Umgegend Alexandriens als sehr reizend, und spricht von der Schönheit und Fruchtbarkeit der beiden Ufer des Kanals, die mit Gärten und ewigem Grün umkränzt waren. Arabische Dichter hatten die Lieblichkeit dieser Stadt und ihrer Gegend besungen. Jetzt sind einige Arten der Sodapflanzen, die Kapernstaude, hin und wieder Dattel- bäume und einige kärgliche Unterfrüchte, fast alle Gewächse, die man in der trostlosen Oede wahrnimmt. Der Himmel ist in Alexandrien den astronomischen Beobachtungen nicht günstig; denn er ist immer weilſslich, und derjenige Theil, der über dem Sand der Wüste sich erhebt, entzündet röthlich. Die Nächte sind äuſserst feucht, und sobald die Sonne untergegangen ist, wird man ganz naſs, und es gehen alsdann deshalb weder die Eingeborenen, noch die sich hier aufhaltenden Europäer spazieren. Durch diese feuchte Luft wird der zranit und Basalt, besonders aber der Kalkstein so angegriffen, daſs er zuletzt wie ein Schwamm durchlöchert erscheint. Das Thermometer stand während der vier Wochen meines hiesigen Aufenthalts meistentheils auf 24 Grad Reaumur im Schatten, und soll des Mittags, selbst bei der äufsersten Hitze, selten über 280 steigen, weil die Seeluft die Wärme mäſsigt. Gegen das Ende des Oktobers pflegen Stürme und Regen sich einzustellen. Die Eweiterung des Sees Mareotis wird, falls er nicht auf seine alten Grenzen zurückgeführt wird, die Luſt in Alexan- —— ——.— —.,— 31 drien nicht verbessern, den Nachtheil abgerechnet, daſs eine groſse sonst bebauete und bewohnte Landstrecke unbrauchbar geworden und ihr Ertrag der Stadt entzogen ist. Er war bereits vor einigen Jahren bedeutend wieder ausgetrocknet und durch einen Damm gegen neue Erweiterungen verwahrt, als eine ungewöhnlich hohe Nilüberschwemmung diesen durchbrach und einen neuen Austritt des Sees veranlaſste. Jedoch versichert man allgemein, daſs der See mit verhältniſsmäſsig geringen Kosten sich wieder einschränken, und zuletzt ganz austrocknen lassen dürſfte. Der erwähnten Feuchtigkeit der Luft, den zahlreichen Schutthaufen, die aus feinem mit Salpeter und Salmiak stark imprägnirten Staube beste- hen, welchen die geringste Bewegung zu Wolken aufthürmt, so wie auch den Ausdünstungen, die vom Brennen des Kameelmistes herrühren, messe ich den Ursprung jener Augenkrankheit bei, die uns unter dem Namen der digyptischen Ophthalmie bekannt ist. Die Hitze und den Glanz der Sonne betrachte ich mehr als accessorische Ursachen und als Dinge, die das Uebel vermehren. Das Vermeiden des Ausgehens vor Sonnenaufgang oder nach Sonnenuntergang, und, falls man sich doch der feuchten Nachtluft aus- setzen muls, das sorgfältige Verhüllen des Kopfes und der Augen(so wie die meisten Eingeborenen dieses instinktmäſsig zu thun pflegen) sind die besten Verwahrungsmittel gegen dies Uebel. Aus Mangel an dieser Vorsicht, da der Soldat sich nicht immer gegen Erkältungen verwahren kann, erlitt die französische Armee unter BoxAPARTE und später die englische groſse Verwüstungen. Doch dürſte dieses Uebel wohl durch übertriebenen Genuls starker Getränke und Unmälſsigkeit in der Liebe gestei- gert werden. Wenn man ein Jucken in den Augen fühlt, so muls man sich ja hüten solche zu reiben, weil dies die Entzündung derselben befördert; auch mulſs man sich gegen die Fliegen verwahren, die sich gerne in die Augenwinkel setzen, und jene Krankheit nicht selten von dem Kranken auf den Gesunden übertragen. Desgleichen ist eine jede unmittelbare Berührung des Gesichts mit einem an den Augen Leidenden gefährlich und kann dies Uebel mittheilen. — ———— 32. Ein starkes Jucken, Lichtscheue und Thränenfluſs, wobei die Caruncula lacrymalis anschwillt, sind die Vorboten dieser Krankheit, die Manchem Blindheit verursacht, wenn nicht zeitig genug etwas dagegen gebraucht wird. Daſs Feuchtigkeit und besonders starker Thau die Krankheit herbeiführen und befördern, davon glaube ich mich auf der Ueberfahrt von Triest nach Alexandrien überzeugt zu haben, denn als man wegen der groſsen Hitze eine Nacht hindurch die von der Cajüte nach dem Verdeck führende Oeff- nung, unter welcher ich zufällig mit unbedecktem Kopfe lag, nicht verschlos- sen hatte, so vermochte ich des andern Tages kaum meine Augen zu öffnen, sie waren angeschwollen, thränten und schmerzten, als hätte ich einige zeit in dem stärksten Rauch zugebracht. Dieser Zustand dauerte einige Wochen lang, dagegen ich während eines Aufenthalts von dreiundfunfzig Tagen in der Wüste, wo ich meistentheils unter dem freien Himmel liegend der Abendluft und ihren schädlichen Einwirkungen ausgesetzt war, wohl aus dem Grunde nichts litt, dals ich den Kopf und die Augen während der Nacht stets bedeckte. Zur Entfernung des in die Augen gedrungenen Staubes wirkt das nahe Vorhalten von Branntwein oder Köllnischem Wasser; der dadurch verur- sachte Thränenfluſs treibt zugleich die Unreinigkeiten mit aus. Das als heilsam empfohlene Waschen der Augen mit Wasser und Essig oder mit reinem Branntwein war mir schädlich; aber das Bestreichen der Augenlieder mit Köllnischem Wasser sehr wohlthätig). *) Die neueren Untersuchungen preuſsischer Aerzte, für welche diese ansteckende Augenkrank- heit durch beklagenswerthe Umstände sehr merkwürdig geworden ist, werden über die Natur und Heilart derselben sehr wünschenswerthe Aufschlüsse geben. 74* Drittes Kapitel. Zug durch die Libysche WFüste con Aleæandrien bis Parätonium. Forkelrungen zur Reise nach dem oyrenaischen Gebiet— LUerdacht der Araber und der Regierung— Antiquarische Eifersucht— Einrichtung der Karawane— Lager bei Tsohelle Lachteriels— Lager bei dem Brunnen Suanied- Mathiar— Lager bei bousir— Thurm der Araber, ein antihes Grabmahl— Ruinen von Abousir, dem alten Taposiris— Ankunft das Herrn Liman— Lager bei El-Hamam— Zwist mit den Arabern— Ruine Kasaba Schamame Schargie— Lager bei Abdermein— Ruine Schamame El-Garbie— Lager von Kurme Kabije— Zisterne Bir Negy— Lager bei Sochmeime— Lager bei Bir Thauin, einer antihen Zisterne— Mirage— Die Karavane erreicht das Meer— Gebirgsrüchen Geige, Katabathamus Minor— Lager zu Geleile— Lager bei Bir Mathar— Feindseliges Betragen der Araber— Hsendung von Boten nach Derna— Lager bei Siena Sarga— Ruine Zuba Soyer Wahe— Erdlagerungen im Thale des Bir Abou Kadoue— Lager im Vacdli Ramle in der Wüste Medsched— Ein Theil der Karavane ist in Gefahr zu verirren— Ruine Zuba Soyer Guble— Ruinen von Baratoun, dem alten Parätonium. Seit unsrer Ankunſt in Alexandrien war nun ein ganzer Monat verflossen, und Herr Professor LiMAN noch immer nicht angelangt. Auch hatten wir vergebens gehofft, die in Paris bestellten Instrumente für uns eintref- fen zu sehen. Ein längerer Aufenthalt in der wenig anziehenden Stadt schien indeſs so lästig und zwecklos, daſs ich mit meinen Gefährten den Entschluſs faſste, den Zug nach Cyrene, auf den wir alle höchst gespannt waren, nicht weiter aufzuschieben; besonders da, nach möglichst genauer Berechnung der Enifernungen, eine Zeit von höchstens drei Monaten zur 5 34 Vollführung desselben hinreichend schien, und er auf jeden Fall von Alexandrien aus unternommen werden mulſste. Ich traf daher die nöthigen Vorkehrungen, dals meine Frau während meiner Abwesenheit unter sicherer Begleitung den Nil hinauf nach Cairo reisen könnte, um in Bulak, einer Art Vorstadt von Cairo, wo der Aufent- halt uns als besonders reizend geschildert wurde, meine Rückkehr zu erwarten. Es war nämlich nicht meine Absicht, von Cyrene wieder Alexandrien zu berühren, sondern von Derna oder Bengasi(den alten Städten Darnis und Berenice) landeinwärts über Augila und Siwah gleich nach Cairo zu gehen, wo ich gegen die Mitte Januars einzutreffen versprach; um alsdann von hier aus, bei noch ziemlich hohem Wasserstande, den Nil bis Nubien hinaufzu- schiffen, und noch vor Ausbruch der Pest in Cairo wieder in diesem Orte zurück seyn zu können. Zwar lautete der groſsherrliche Firman, welchen ich bei mir führte, durch eine nicht mehr gut zu machende Unachtsamkeit, nicht auf das tri- politanische Gebiet, obgleich auf fast alle andern Provinzen des türkischen Reichs. Diesem Mangel schien indeſs abgeholfen durch ein Empfehlungs- schreiben des mächtigen MEHEMED-Arr-PAscRA an den KATIE-BEI von Bengasi und Derna, der überdies sein Verwandter war. Der arabische Scheik, welcher mich führen sollte, wurde von Sr. Hoheit verpflichtet, für meine Sicherheit zu haften. Ein Mameluck, Namens IBRAHIM, ein franzö- sischer Renegat, der durch vieljährigen Aufenthalt in der Wüste des Arabi- schen vollkommen kundig war, wurde mir als Dragoman und Geleiter mit- gegeben. Aulserdem erhielt ich von Seiten des Pascha ein sehr schönes, aufs bequemste eingerichtetes Zelt zum Geschenk, welches aus zwei Abthei- lungen bestand, die durch einen bedeckten Gang mit einander verbunden waren. Es war auſsen grün und im Innern mit verschiedenfarbigem Zeuge ausgeschlagen; ist aber bei dem Schiffbruch meiner Sammlungen am Aus- fluls der Elbe mit verloren gegangen. Eben so sehr schien sich der in Alexandrien residirende Consul von Marokko, Algier und Tripolis, Herr SEID HAMEp Er-GAnRBI, für das —, 35 Gelingen meiner Unternehmung zu interessiren. Er gab mir Briefe mit an den schon erwähnten KALIE-BEI von Bengasi und Derna, und an den Scheik HEpoupAp, das mächtige Oberhaupt des Stammes der Araby im Tripolitanischen, der sich bei jenem in Bengasi aufhielt. Auf mein Ansuchen und nach getroffener Abrede mit Herrn BoGnos Jouðsourr, erhbielt ich von ihm einen Morabethen oder Magrobinen aus dem Tripolitanischen, Na- mens ABU-BRIk, als kundigen, zuverläſsigen Führer, der zugleich für meine Sicherheit verpflichtet wurde. Was schien mehr erforderlich, uns den glücklichsten Erfolg zu sichern? Aber dagegen fehlte es auch gleich Anfangs nicht an Veranlassung zu gerechten Besorgnissen. Der damals rege werdende Aufstand der Griechen erfüllte schon vor seinem wirklichen Ausbruch den Orient mit wunder- baren Befürchtungen wegen der etwanigen Absichten einiger europäischen Mächte. Mit diesen Einbildungen setzte man meine Reise in Verbindung. Weil ich, um von Alexandrien nach Cyrene zu gelangen, nothwendig der Meeresküste folgen muſste, dachte man sich, es geschehe dies, um Häfen und Landungsplätze auszusuchen. Bis zu den entferntesten Stämmen der Araber ging diese Kkunde vor mir her, und gab meinem Zuge in ihren Augen eine seltsame Wichtigkeit. Sie nannten mich El-General Kebir, den groſsen Feldherrn; bei meinen Zwecken und Umständen ein wenig empfeh- lender Beiname. Die Araber meiner Karavane sannen auf nichis, als mei- nem Zuge Hindernisse in den Weg zu legen, und die Richtung zu verwir- ren. Besonders waren sie beständig darauf bedacht, mich von der Meeres- küste ab ins Innere zu führen, obgleich wir auf dem gewöhnlichen Wege weit häufigere Brunnen und eben so gute Weide gefunden hätten*). Ist es aber zu verwundern, daſs diese einfältigen Araber, deren ganze klugheit in Argwohn und Hinterlist zu bestehen scheint, so dachten, wenn die *) BRowxr schlug den Weg längs der Meeres-Küste aus dem Grunde ein, daſs man ihm sagte, er würde hier bessere Futterkräuter und Brunnen für seine Kameele als mehr landeinwärts finden: auch hatte er vom 24sten Februar bis zum 4ten März beinahe stets das Meer im Auge. Anmerk. des Lerf. 5* 36 Regierung selbst es für nöthig gehalten hatte, wie ich indeſs erst später erfuhr, über die Zwecke meiner Unternehmung Erkundigungen einziehen zu lassen, deren Ergebnisse, wie mir von guter Hand versichert worden ist, keinesweges geeignet waren, ihre Besorgnisse zu zerstreuen, wofern sie jemals es sich hätte einfallen lassen, meinetwegen ernsthaft besorgt zu seyn. Hierzu kam noch ein Umstand, den ich nur mit Scheu zu berühren wage. Mein Plan, Cyrene zu besuchen, erschien manchen Europäern, die seit Jahren mit emsigster Betriebsamkeit nach Alterthümern herumforschten, aber an Cyrene nie gedacht hatten, gleichsam als ein Vorwurf, dalſs sie eine für sie so leicht ausführbare, so nahe liegende Unternehmung, die so reiche beneidenswerthe Kunstausbeute versprach, nicht längst begonnen und voll- führt hätten. Ich setze nichis hinzu. Man muſs in Aegypten und Zeuge des antiquarischen Eifers gewesen seyn, der den friedlichsten Bestrebungen oft die feindseligste Leidenschaftlichkeit beimischt, um Dinge wahrscheinlich zu finden, deren Wirklichkeit leider nur zu unbestreitbar ist. Bei der Bildung unserer Karavane, die nur nach wiederholter Berathung mit Männern, an deren gründlicher Kenniniſs alles Erforderlichen sich nicht zweifeln liels, zu Stande kam, wurden Einrichtungen getroffen, die, so wohl gewählt sie zu seyn schienen, das Gelingen meines Unternehmens zum vor- aus unmöglich machten. Zum Anführer derselben wurde der Scheik HApDscHI ENxpDAWI ABU DAnEB angenommen, das Oberhaupt des libyschen Beduinenstammes Dschimmeat, der nicht weniger als fünfhundert Mann zu Fuſs und zwei- hundertfunfzig Reiter ins Feld stellen kann. Er selbst ein schlauer, ent- schlossener Häuptling und versuchter Krieger. Eine bessere Wahl schien sonach kaum möglich. Allein uns blieb verborgen, daſs dieser Mann, im Dienste des Pascha, die Unterjochung von Siwah entschieden hatte, und deshalb tödtlich verhaſst sey, und auſserdem mit den mächtigsten der tripo- litanischen Beduinenstämme in Feindschaft stehe. War es zu vermuthen, er werde uns über die Grenze des ägyptischen Gebietes hinausführen? Auſser- dem war seine Habsucht und Geldgier von der schmuizigsten Art. —— ——— ——— — „ 37 Der Mameluck, mein Dragoman, sprach arabisch und französisch aufs beste und war ein gewandter Mensch; aber schändlich dem Trunk ergeben, und offenbar mehr in Furcht, dem Scheik zu milsfallen, als mir; und doch konnte ich mich nur durch ihn mit jenem verständigen. Die Araber unserer Bedeckung wurden absichtlich aus verschiedenen Stämmen gewählt; so schien es, wir würden mit allen Beduinen in Frieden seyn. Aber dafür herrschte die Zwietracht in unserer Karavane selbst, und gab immer Anlaſs zu Aufenthalt; nichts konnte ohne Divan abgemacht werden. Und wenn dieser Umstand in einem besonderen Fall uns viel- leicht das Leben rettete, so waren alle doch in einem Punkt immer einig, in ihrer Feindschaft gegen uns. Man wird sich vielleicht wundern, in der folgenden Erzählung eine Karavane geschildert zu finden, deren Zustand so ganz von dem abweicht, der aus so vielen Darstellungen bekannt ist. Es wird also nicht unnöthig seyn, darüber ein Wort zur Erklärung beizufügen. Gewöhnlich schlieſsen Europäer, welche die Wüste bereisen, sich jenen regelmäſsigen Karavanen an, welche sie in allen Richtungen durchziehen, und von den Haupiorten meist zu bestimmten Jahreszeiten abgehen und wieder ankommen. Die Straſsen, die sie wandern, die Lagerstätten und Ruheplätze, die Schnelligkeit und Ordnung des Zuges, die Zeit des Auf- bruchs und fast auch die des Anhaltens, alle diese Dinge sind geregelt und, wenn nicht etwa ein unvorgesehenes Unglück eintritt, immer dieselben. Wer mit ihnen ziehen will, wird mit dem Führer einig wegen des Preises, den er für seinen Theil zu bezahlen hat, und muſs nun dem Zuge folgen, den er weder aufhalten, noch beschleunigen kann. Das Wegräumen aller Hindernisse ist zunächst die Sorge des Führers und der Bedeckung, die er zum Schutz der Karavane jedesmal mitzunehmen für nöthig hält, und die in seinem Dienste steht. Die unsrige dagegen war ein Privatunternehmen von meinen Gefährien und mir; wir allein bildeten sie, und sämmiliche Araber waren in unserem Dienst. Allein wer unter gleichen Umständen sich den Beduinen anvertraut, 38 wird bald in ihnen nicht Diener finden, sondern Herren. Wer sie blos in andern Verhältnissen gesehen hat, glaube nicht, daſs er die Söhne der Wüste kenne. Derselbe Araber, der in der Stadt und vor mächtigen Vor- gesetzten eine bescheidene, oſt kriechende Unterwürfigkeit zeigt, und sich scheinbar alles gefallen läſst, fühlt sich unabhängig, sobald er die Wüste betritt. Er ist dann sich bewulst, daſs er seinen Zufluchtsort erreicht hat, der allenthalben ihm affen steht, und wo jede bürgerliche Macht vergebens ihn aufsucht. Die Straflosigkeit macht ihn übermüthig und unbeugsam. Das Gastrecht sichert ihm allenthalben seinen Unterhalt, und was er bedarf ist leicht gegeben; eine Handvoll Datteln genügt ihm zur Nahrung auf einen ganzen Tag. Wenn man ihm droht, giebt er eine eben so laute Drohung zurück, und hält es für sein Recht, sich eines Feindes durch Mord zu entledigen. Diese Betrachtungen kommen hier um etwas zu früh, man lese aber im Folgenden die Bestätigung. Ich gebe das Tagebuch meines Zuges in seiner ganzen Umständlichkeit; das Dramatische der Vorgänge wird dieser vielleicht zur Entschuldigung dienen. Den 5ten Oktober war unsere Karavane zusammengebracht, und lagerte sich etwa eine halbe Meile von Alexandrien auf dem Wege nach Marabout. Die Herren Naturforscher mit ihrem Gehülfen und ihrem Dragoman, einem syrischen Christen, waren schon vorausgegangen, und campirten seit eini- gen Tagen an den Ufern des Sees Mareotis, um Excursionen anzustellen. Um das Ausbleiben des Herrn Professor LIMAN zu ersetzen, so weit es möglich war, hatte ich die Herren Gnuoc und BorpälXI engagirt; jener war ehemals Wege- und Brücken-Inspector in Italien, und BorpRINI Offi- cier. Dieser sollte mir beim Abzeichnen und bei der Vermessung von Denk- mälern, Herr Gnuoc bei den topographischen Arbeiten zur Hand gehen. Meine Frau und noch eine andere Dame, nebst mehreren Herren von Alexandrien begleiteten mich gegen Abend hinaus, um das Lager zu bese- hen. Manches war noch anzuordnen, manches vergessen; im Ganzen hatte aber alles ein versprechendes Aussehen. 7- — 39 Einundvierzig Kameele waren für unsern Dienst bestimmt, wovon zehn insbesondere für mich und zehn für die Naturforscher. Sie waren auf hun- dert Tage gemiethet, das Stück zu vierzig spanischen Thalern. Auſser die- sen hatten die Beduinen noch andere Kameele zur Fortbringung ihrer Sachen und Vorräthe. Fünf waren insbesondere blos zum Wassertragen bestimmt. Ferner befanden sich vier Pferde bei der Karavane, indem ich, der Scheik und zwei seiner Schwäger, die ihn begleiteten, beritten waren. Unsere Bedeckung bildeten fünfundzwanzig Beduinen, die zugleich die Kameele führen sollten, und mit schlechten Flinten bewaffnet waren. Zu unserer Aufwartung hatten wir vier Diener bei uns. Am folgenden Tage wurde es drei Uhr Nachmittags bis ich Alexandrien verlassen konnte. Auch diesmal begleitete mich meine Frau, die Herren ToURNEAUX, DROVETTI, BUCCIANTI und andere. Die Karavane hatte sich bereits in Bewegung gesetzt, wir erreichten sie aber bald, und in der Nähe von Marabout trennte ich mich von meiner Frau und meinen Freunden. Bald darauf, etwa um halb sechs Uhr, erreichten wir das Zelt unserer Naturforscher, die bei Tschelle Lachterieh campirt waren, und uns mit Flin- tenschüssen bewillkommneten, welches von uns erwiedert wurde. Unsere Zelte wurden neben dem ihrigen errichtet; wir lagerten auf einem sandigen mit Gestrüpp bewachsenen Platz, wo sich aber sehr gutes Wasser fand. Vor uns lag der sanfte Landrücken, der sich längs dem Meere hinzieht. Bald aber fanden schon hier sich Schwierigkeiten und Zwiste. Der Scheik behauptete, die Kisten der Naturforscher seyen zu grolſs, und wei- gerte sich sie zu laden. Auch widersetzte er sich meiner Anordnung, die Wasserschläuche hier zu füllen, obgleich uns dies dringend empfohlen war, indem wir auf den nächsten Märschen kein so gutes wieder antreffen wür- den. Der Zwist wurde so heftig, daſs ich drohen muſste, sofort nach Alexandrien umzukehren, und die Karavane aufzulösen. Er gab nun mit verbissener Wuth nach; allein da es an Mitteln fehlte, die Kisten auf den Kameelen zu beſestigen, so muſste ich den Mamelucken nach der Stadt schicken, um die nöthigen Packsättel, Netze und Stricke zu besorgen. 40 Erst den folgenden Nachmittag gegen zwei Uhr kehrte er zurück, und bald nachher setzte sich die Karavane in Bewegung. Wir durchzogen eine steinige mit Gestrüpp bewachsene Gegend. Das Gestein, welches oft zu Tage brach, war mit Kalk vermischt, an manchen Stellen ausgehauen(die Reste alter Steinbrüche), im Ganzen aber meistentheils verwittert. Nach einem Marsche von drei Stunden Zeit, lagerten wir uns in der Nähe des Brunnens Suanied- Mathar, einer mit Regenwasser angefüllten Zisterne, deren Wasser nicht ganz übel schmeckte. Unserer Karavane hatte sich heute eine kleinere angeschlossen. Es war eine Frau unseres Scheiks, deren er drei besaſs, die in verschiedenen Gegen- den sich aufhielten, und ein Bruder desselben, der an den Blattern krank lag. Dieser wurde in einem verschlossenen Palankin getragen, welcher auf dem Rücken eines kräftigen Kameels befestigt war. Sie zogen dicht vor uns her, durch ein Paar Fuſsgänger und Reiter gedeckt. Die Frau ging bald zu Fuſs, bald setzte sie sich zu Pferde, blieb aber unverschleiert; denn die Frauen der Beduinen binden sich nicht streng an die orientalische Sitte der Verhüllung. Auf dem Zuge gab es wieder Anlaſs zu Verdruſs. Die Kameele zer- streuten sich in allen Richtungen, um Futter zu suchen. Sie rannten begie- rig nach jedem Kraut oder Gebüsch, das ihnen Nahrung darbot, und waren bald fast eine Stunde Weges in der Länge und Breite auseinander gerissen. Keiner der Araber bekümmerte sich um ihre Leitung. Es zeigte sich auch bald, daſs die armen Thiere kein anderes Futter erhalten sollten, als auf diese zeitraubende, für uns unerträgliche Weise. Vom ersten Tage an glich unsere Karavane nicht einem reisenden Zuge, sondern einer weidenden Heerde, nur mit dem Unterschiede, daſs diese gemeiniglich durch die Vor- sorge der Hirten besser zusammengehalten wird. Es gelang oft nur mit der gröſsten Mühe, die Kameele wieder herbei zu treiben. Unser Scheik blieb vollkommen gleichgültig. Meine Gefährten und ich eiferten umsonst; weder befehlen, noch drohen half. Trieben unsere Leute die Kameele an, so wütheten die Araber und wurden unerträglich. Wir muſsten uns ergeben: .—————— * 41 allein bei solchen Aussichten hätten wir wohl gethan, uns ihnen nicht ferner anzuvertrauen. Aber wir ahndeten nicht, daſs unsere Beharrlichkeit dreien unserer Gefährten das Leben kosten sollte. Am Sten lieſs ich die Kameele schon vor Tagesanbruch laden, und wir waren im Begriff unseren Zug anzutreten, als Briefe von den Herren BuoolANTI und DROVvETTI, durch einen Eilboten überbracht, mir anzeig- ten, dals Herr Professor LIMAN endlich aus Livorno eingetroffen und Willens sey, mir zu folgen. Erfreut über seine Ankunft, sandte ich sogleich ihm Antwort zurück, daſs die Karavane bei Abousir, in der Nähe des sogenannten Thurms der Araber, auf ihn warten werde. Die Gegend, welche wir zwischen Suanied-Mathar und Abousir durch- zogen, behielt den angezeigten Charakter, es war ein steiniger, mit Gestrüpp bewachsener Boden. In etwa zwei Stunden Zeit erreichten wir zwei Brun- nen, deren Wasser indeſs etwas salzig ist; einer derselben heilst Bir-Mahsen. Nach ungefähr wieder einer Stunde findet man eine Zisterne mit trübem, aber genieſsbarem Wasser, und in ihrer Nähe, was man in der Wüste nicht vermuthet, einen kleinen Garten, aus welchem es mir gelang, einige Pasteken oder Wassermelonen zu erhalten. Eine Meile weiter erreichten wir etwas angebautes Land und fanden einen bedeutenden Viehstand. Ein künftiger Reisender wird mir für diese Notizen vielleicht Dank wissen. Wir hatten nun Zeit, den Thurm der Araber und die Ruinen von Abousir zu untersuchen, unterhalb welcher ich unsere Zelte aufschlagen lieſs. Ersterer wird von sehr vielen Reisenden erwähnt, die meisten sahen ihn indeſs blos aus der Ferne von ihren Schiffen; es hätte sonst über die Bestimmung dieses Baues keine Verschiedenheit der Meinungen Statt finden können. Die Neueren halten ihn gewöhnlich für einen Leuchtthurm, andere glauben darin das feste Schloſs Chersonesus, oder Plinthine, oder Taposiris zu erblicken, lauter Ortschaften dieser Gegend, welche Strabo nahmhaft macht, allein der erste genauere Anblick überzeugte mich, dals es ein Grab sey. Es ist der Rest eines Mausoleums, unter welchem sich im Felsen ausgehauene Katakomben befinden, deren Kammern mit einander in Verbindung stehen. 6 42 Der Bau erhebt sich auf einem Felsenhügel in der Nähe der Meeres- küste, weshalb er sehr weit sichtbar ist, und den Schiffern als Merkzeichen dient. Von einem Eingang ist keine Spur vorhanden, vielmehr scheint alles, nach ägyptischer Art, ganz durchgemauert, und aus regelmälſsigen Quadern aufgeführt. Die äufsere Form hat so sehr gelitten, daſs es unmöglich wird, die ursprüngliche Gestalt des Denkmals mit Sicherheit auszumitteln. Oben scheint es indeſs konisch und vielleicht selbst pyramidalisch, wie viele palmyrenische und palästinische Gräber, sich gegipfelt zu haben; während die untere Hälfte einen octogonischen Unterbau bildete, dessen nach Osten gekehrte Seite die breiteste war. Eine hier in dem Gemäuer sich findende Vertiefung, die einer verfallenen Nische nicht unähnlich sieht, lälst vermuthen, daſs hier vielleicht einst eine Statue aufgestellt gewe- sen ist. Diese Seite fällt übrigens den von Alexandrien Kommenden zuerst ins Auge. Der Eingang zu der Todtenkammer unter dem Denkmal ist am Fuſse des Hügels von der Ostseite her. Sie ist aus dem Felsen gehauen, und hat zwei Abtheilungen*). Zuerst betritt man ein mehr breites, als tiefes Gemach, das eine Art Vorzimmer bildet; dann ein geräumigeres a., und er- plickt in jeder von dessen drei vollen Wänden eine nischenartige Vertiefung, die ohne Zweifel zur Aufnahme von Sarkophagen bestimmt waren. In jener Vorkammer. fand ich zur Rechten und Linken sich entsprechende Eingänge zu jetzt verschütteten Wegen c., die ohne Zweifel zu andern kleine- ren Todtenkammern führten, zu deren einer d. ich am Fulse des Hügels einen äulseren Eingang entdeckte, welchem gegenüber sich eine Nische befindet, und in der Vertiefung derselben ein viereckiger Brunnen, der ohne Zweiſfel zu tiefer gelegenen Felsenkammern führt. Er ähnelt gan⸗z den sogenannten Hypogeenbrunnen in Oberägypten. Auſserdem bemerkte ich die Eingänge zu noch mehreren Katakom- ben, die dafür sprechen, daſs auf diesem Punkt einst ein groſser Begräb- *) Man vergleiche den Grundrils Taf. II. Fig. a., zur Seite. ————— ,— 43 niſsplatz gewesen sey, der auf die Nähe einer bedeutenden Stadt schlie- ſsen lälst. Zwei von mir genommene flüchtige Skizzen zeigen den Thurm der Araber von der Morgen- und Abendseite, Tufel II. Fig. a. und Tafel III. Fig. I. b.; auf ersterer erblickt man zugleich die Eingänge zu den Katakomben. Ein Grundriſs, so gut er in der Eile und ohne Aufgrabungen zu machen, sich entwerfen lieſs, ist hier zur Seite beigefügt. Gegen Süden in nicht sehr beträchtlicher Entfernung vom Thurm der Araber finden sich die Ruinen, welche den Namen Abousir führen; und man überzeugt sich leicht, daſs sie der Stadt angehören, deren Gräber wir kennen lermen. Die bedeutendste jener Trümmer ist ein Tempel oder Pallast, dessen allgemeine Einrichtung ziemlich mit den in Oberägypten erhaltenen Denk- mälern übereinstimmt. Das Ganze bildet ein längliches Viereck, mit zwei sogenannten Pylonen, deren Fronte nach Norden gekehrt ist; die aber nicht wie gewöhnlich über die Breite des ganzen Baues hinausreichen, son- dern blos etwa die Hälfte der Ausdehnung der Fronte des Denkmals ein- nehmen. Die Mauern bestehen aus regelmäſsigen Quadern von Sandstein, die mit Mörtel verbunden sind; die Seeluft hat aber den Stein so sehr zerstört, dals er an vielen Stellen völlig in Sand aufgelöst ist. Eine Son- derbarkeit hatte ich hierbei Gelegenheit zu bemerken, daſs nämlich die Oberfläche des geglätteten Steins oſt nur noch als Schaale erhalten ist, wäh- rend der Kern desselben in Staub aufgelöst war. Ohne Zweifel rührt dies von einem Ueberzug her; ob aber dadurch die Zerstörung aufgehalten, oder befördert worden, wage ich nicht zu entscheiden. Wahrscheinlich that er beides, nur zu verschiedenen Zeiten. Er schützte, so lange die Feuchtigkeit nirgend eindrang; sobald aber diese Eingang gefunden, muſste der Ueberzug durch Verhindern der Abdampfung des Wassers die innere Zerstörung beschleunigen. An deutschen Gebäuden des Mittelalters, zum Beispiel am Dom zu Cölln, bemerkt man ähnliche Erscheinungen; die 6* 4 5— eͤ———————————— 44 Feuchtigkeit zerfrilst den Stein unter der Oberfläche, daſs man diese, wie ein Blättchen hinwegnehmen kann. Die erwähnten thurmartigen Vorbaue dieses Denkmals enthalten im Innern, wie alle ägyptischen Pylonen, die ich untersucht habe, mehrere neben und über einander erbaute Kammern, die oben terrassirt sind. An der vorderen Seite bemerkt man die bekannten, lothrecht herablaufenden Einschnitte oder Fugen, die zur Aufnahme groſser Masten oder Bäume bestimmt waren. In einem Relief des Tempels zu Karnak*) erscheinen diese Masten mit Bändern geschmückt; vielleicht trugen sie, nach Gelegen- heit, auch Trophäen oder andere Zierden. Ueber die Bestimmung der Pylonen, dieser am meisten auffallenden Theile der ägyptischen Baue, wird sich indeſs künftig zu reden Gelegenheit finden. Hier bemerke ich nur bei Anlals derer von Abousir, daſs die schmalen Fenster, durch welche die Kammern spärlich erleuchtet werden, von oben nach unten schräge hinein- gehen, so daſs man nicht die Erde, nur den Himmel durch sie erblicken kann; und eben dies findet man an den entsprechenden Bauen in Ober- ägypten. Scheint dies nicht darauf zu deuten, dals man sie zu abergläubi- gen Sternenbeobachtungen beim Nativitätstellen und dergleichen benutzte? Wenn gleich dies, wie schon die Menge der Kammern beweist, ohne Zweifel nicht ihre einzige Bestimmung war. In der östlichen und westlichen Mauer des Hauptbaues findet in jeder sich eine Thür, die gegen einander über liegen. Im Innern, das sehr ver- schüttet ist, hätte ich gewünscht, etwas aufräumen zu lassen; allein die Beduinen weigerten sich dieser Arbeit, auch gegen Bezahlung. Selbst die Aufforderung des Scheiks konnte sie nicht dazu bewegen. Ich lieſs durch unsere Diener einen Anfang machen, erhielt aber keine Resultate; indeſs zeigten sich mehrere starke Substructionsmauern. Hieroglyphen und Bild- werk entdeckte ich nirgends. Einige Brunnen im Innern des Gebäudes schienen zu unterirdischen Kammern oder Hypogeen zu führen. Herr Doctor *) Descr. de I'Eg. II. pl. 57. fig. 7. Vermessungen einiger Theile der Ruinen von Abousir finden sich in den Beilagen. 4 45 EHRENBERG wurde mittelst eines Seiles in einen derselben hinabgelassen, fand aber die Sohle völlig verschüttet. Das Einzige, was einigen Aufschluſs giebt, wenigstens über die Zeit der Errichtung dieses Denkmals, ist der Umstand, daſs ich unter den Trümmern mehrere dorische Säulen-Capitäler entdeckte. Diese bürgen dafür, daſs der Bau nicht vor der Ptolemäischen Herrschaft über Aegypten ausgeführt seyn könne, wofür auch die Abwesenheit der Hieroglyphen spricht. Von der Mitte des Gebäudes ausgehend, erstreckt sich gegen Süden eine Substruction, die sich in beträchtlicher Entfernung verfolgen läſst, und ohne Zweifel zerstörten Theilen des Tempels zur Grundlage diente. Auſser- halb der Mauern öffnen sich mehrere unterirdiche Gänge, die zum Theil mit dem Tempel in Verbindung stehen dürften, zum Theil zu Kata- komben führen mögen. Unterirdische Gemächer waren in dieser bren- nenden Gegend vielleicht auch als Gegenstand des Luxus, oder zur Aufbe- wahrung von Vorräthen unentbehrlich. Rings um den Tempel fand ich einzelne kleine Münzen, jedoch leider keine von genug erhaltenem Gepräge, um kenntlich zu seyn; ferner zahlreiche Bruchstücke von Marmor, farbigem Glase und sogenannter Glasmosaik, und besonders viele Scherben von man- cherlei Gattungen irdenen Geschirres. Eine umfassende Excavation dürfte vielleicht bedeutende Gegenstände zu Tage fördern, und Kosten und Mühe reichlich belohnen. Dals es zu meinem Verdruſs mir unmöglich gemacht wurde, sie zu versuchen, habe ich schon bemerkt. Unweit der groſsen Ruine, etwa in der Entfernung eines Büchsenschus- ses, erblickt man in der Ebene noch andere Ueberbleibsel, die einem Circus oder Stadium angehört zu haben scheinen. Etwas landeinwäris, jedoch immer noch in sehr bequemer Nähe, finden sich bedeutende Steinbrüche, die das Material zu dem Tempel, dem Grabmal und, nach der Ausdeh- nung der Brüche zu schlieſsen, zu noch sehr vielen andern Gebäuden geliefert haben. Zu einem der beträchtlichsten dieser Steinbrüche führt ein im Felsen ausgeebneter Fahrweg, in welchem man noch, wie zu Pompeji, die Gleise der Räder deutlich erkenn. —,————— —— ——————— 46 Eine flüchtige Ansicht des Haupigebäudes von der Abendseite giebt die dritte Tafel, Fig. 1., wo a. die Ruine von Abousir, b. den Thurm der Araber darstellt. Die Zeichnung ist von den Herren BoL=pRINI und LIMAV. Welcher alten Stadt die hier beschriebenen Denkmäler angehören, scheint mir nicht schwer zu bestimmen, wenn man dem Berichte des Strabo folgt, der allein bei Beschreibung dieser Küste einigermaſsen umständlich ist. Zunächst bei Alexandrien, nur 70 Stadien entfernt, lag Chersonesus, ein Kastell mit Besatzung(Qοouςαe). Dann folgte Mikiukome(Nalon adun), ein Flecken, wie der Name besagt; dann Plinthine, eine Stadt, die auch von Piolemäus, Stephanus von Byzant und Josephus erwähnt wird, und wahr- scheinlich Handel trieb, da ein Meerbusen der mareotischen Küste nach ihr benannt war.(Herodot. II., 6.) Dals sie bauliche Denkwürdigkeiten enthal- ten habe, erhellt indeſs nicht. Substructionen finden sich längs dieser ganzen Küste, aus denen man sieht, daſs noch weit mehr Oerter hier lagen, als Strabo namhaft macht; wie sich indeſs in der Nähe einer so volkreichen Hauptstadt von selbst ergiebt. Auf Plinthine folgte Taposiris, und die Beschreibung dieses Ortes trifft so genau mit den erhaltenen Denkmälern überein, daſs ich nicht zweifle, auch der Name Abousir sey nur eine Verderbung der antiken Benennung. Es gab übrigens zwei heilige Orte, die Taposiris hieſsen. Der eine lag im mareotischen Nomus Aegyptens, wo wir jetzt uns befinden; der andere östlich von Alexandrien, auf der schmalen Landzunge, die sich zwischen dem Meere und dem alten Kanal nach der kanobischen Mündung des Nils hinzog, also etwa in der Gegend des jetzigen Aboukir. Ueber das mareo- tische Taposiris bemerkt Strabo folgendes, indem er nach der Beschreibung von Alexandrien die merkwürdigsten Oerter am Meere zu beiden Seiten der Hauptstadt, von Katabathmus bis Kanobus und weiter östlich, durchgeht: „Taposiris, wo eine groſse Panegyris(ein religiöses Volksfest) gefeiert wird, liegt nicht am Meer. Es giebt aber noch ein anderes Taposiris in beträcht- licher Entfernung auf der anderen Seite der Stadt.“(Alexandrien näm- lich; er meint jenes zweite kanobische Taposiris, das er bald darauf noch 47 einmal besonders anführt, und durch den Beinamen:„das Kleine“ von dem mareotischen unterscheidet).„Nahe bei jenem“(dem mareotischen Taposiris)„liegt aber am Meere ein Ort, in einer felsigen Gegend, wo man sich gleichfalls zu allen Zeiten des Jahres in groſser Anzahl zu feier-. lichen Festen versammelt“*). Hier haben wir die felsige Gegend am Meer, hier den Tempel, bei welchem die Menge der Wallfahrtenden aus der reichen Hauptstadt und ihrer Umgegend das ganze Jahr hindurch zusammenströmte, um Feste zu feiern; wahrscheinlich Kanobismen, wie in den zum Theil noch weiter von Alexandrien entlegenen östlichen Belustigungsörtern. Die gefundenen Mün- zen und Kleinigkeiten beweisen das Gewühl, das hier einst Statt fand Um sich eine Vorstellung davon zu machen, lese man die Beschreibung, welche Strabo von Kanobus und seinen ununterbrochenen Festen giebt, deren Zweck gewöhnlich weder sittlich noch religiös war. Auch Piolemäus(Geogr. lI. II. c. 5.) erwähnt Taposiris als einen nicht ummittelbar am Meere belegenen Ort. Der Umstand indels, dals er Tapo- siris etwas östlich von Plinthine setzt, während Strabo ihm gegen diese Stadt eine westliche Lage anzuweisen scheint, rechtfertigt die Annahme dnoilles**), daſs beide Orte nahe beisammen lagen. Die genommene Polhöhe von Abousir ergab 310 2/ 10“ nördlicher Breite. Herr Dr. Scnüoxrz äuſserte die Meinung, Abousir bedeute so viel als Grabmal des Königs. Bei Diodor(I, 88.) findet sich die Bemerkung, der Name Busiris, welchen eine Stadt im Delta und ein Ort in der Nähe der Pyramiden bei Memphis führten, bezeichne in ägyptischer Sprache Grab 1 Eira Ta*‿³σεει Sadrrh, xaeysveν NX‿ονμά n aas:(xal AaAn r Tax εοειειν zatzæsia rijs ronsus 1æaνν) asντνς Aio 21 Sadrra r* ε⁸ Xα‿νααον, zadr sre N⁴ανν o⁴Aανς rods Ax‿ͥ oνas 11. 2udeᷣd Sopras] Araray deuy Lrous. Strabo I. XVII. p. 799. Auch die Peutingersche Tafel hat Taposiris als erste Station westlich von Alexandrien, etwas vom Meer entfernt und 25 römische Meilen von jener Hauptstadt. Es war ohne Zweifel blos ein Flecken in der Nähe des Heiligthums. *†) D'Anville memoire sur L'Egypte ancienne et moderne(Paris 1766 9 pag. 64. 48 des Osiris. Zoéga(de obelisc. pag. 288.) sucht diese Auslegung qurch Zurückführung auf die koptischen Worte Bu-Ousiri zu rechtfertigen; Tapo- siris aber sey nicht von dem griechischen Taoσνενα abzuleiten*), sondern bedeute Stadt des Osiris. Schon am folgenden Tage, den 9ten Oktober um 8 Uhr Morgens, überraschte uns Herr LIMAX durch seine Ankunft. Er hatte den Weg von Alexandrien auf einem Kameel reitend zurückgelegt, war aber auch fieber- krank von der Anstrengung. Die übereilten Vorkehrungen zu der Karava- nenreise nach einer eben zurückgelegten langen Seefahrt, dann ein Nacht- lager unter freiem Himmel, und die Unvorsichtigkeit, blos eine Beduinen- kleidung anzulegen, hatten seine Gesundheit angegriffen. Ueberhaupt glaube ich Reisende vor dieser Tracht warnen zu dürfen, die auch einige andere meiner Begleiter angelegt hatten. So bequem sie scheint, fordert sie Uebung, um zweckmäſsig getragen zu werden; man entblöſst sich sonst bei jedem Anlaſs, was besonders Nachts, wo die Kälte nach einem brennend heiſsen Tage oft höchst empfindlich ist, nie ohne Gefahr geschieht. Ich that, was in meinen Kräften stand, um den erschöpften Freund zu erquicken. Den 10 ten gegen Mittag prachen wir auf. Vorher aber gab es noch wieder Zwist mit dem Scheik. Er verlangte die Bezahlung eines neuen Kameels, obgleich den uns überlassenen keins hinzugefügt werden sollte. So widersinnig und frech diese Forderung war, blieb mir doch keine Wahl, als entweder umzukehren oder nachzugeben. Ich glaubte das Letztere thun zu müssen; Cyrene zu erreichen schien mir noch ausführbar Zuerst zogen wir dann in einem engen Thale, welches durch die Mee- resdünen und einen ununterbrochenen erhöhten Thalrand gebildet wird. Gegen 2 Uhr durchschnitten wir diesen, und erblickten in der Entfernung von etwa einer halben Stunde einen zweiten, mit diesem parallel laufenden *) Später scheint indels Taphosiris, Osirisgrab, der allgemeinere Name geworden zu seyn, Plutaroh hat ilin de Isid. et Osir. c. 21. Procop. de Aedif. VI. 1. und Steph. B.) ³. s. 2. — „ 49 Rücken, der so wie dieser das successive Zurücktreten des Meeres zu bezeichnen scheint. Vielleicht füllten einst die Gewässer des Mareotis diesen Zwischenraum aus. Denn daſs hier einst Wasser gestanden, geht aus der Terrainbildung, aus der Bodenfläche, die an manchen Stellen von Muschel- bänken durchzogen wird, und selbst aus den Gewächsen, die sich hier finden, ganz unzweideutig hervor. Schon die Alten zogen aus diesen Erscheinungen des libyschen Bodens ähnliche Schlüsse; und einige, z. B. Strato, der Physiker, gingen so weit, anzunehmen, das Orakel Jupiter Ammomns, das jeizige Siwah, habe einst am Meere gelegen*). Nach einem fortgesetzten Marsch von drei Viertelstunden überschritten wir auch den zweiten Thalrand, und betraten eine etwas gesenkte Ebene, auf welcher wir um 5 Uhr, unweit der vier Brunnen oder Zisternen, E- Hamam oder die Bädder genannt, welche gutes trinkbares Wasser ent- halten, das Lager aufschlugen. Der Terrainabschnitt, welchen wir heute durchzogen hatten, war stel- lenweise mit Gerste angebaut, der Boden fest und grölſserer Cultur fähig. Dies bewies die Menge der Kräuter, womit er meistens bewachsen war. und welche unsern Kameelen, die weidend einherzogen, willkommene Nahrung gaben. Wir wollten am folgenden Morgen weiter ziehen, allein der Scheik meldete, es seyen in der Nacht vier Kameele entlaufen, die er zuvor wieder müsse einfangen lassen. Wir warteten ungeduldig, mulsten aber dann hören,„die verlorenen Thiere seyen nicht aufzufinden; wir könnten nicht aufbrechen, bis er an deren Stelle andere in einem nahe gelegenen arabischen Lager habe einkaufen lassen;“ wozu er sich abermals Geld von mir vor- schieſsen liels. Weder die verlorenen, noch die gekauften erschienen; es war offenbar, der Scheik hatte die Kameele absichtlich während der Nacht hinweggesandt. Ein unersetzlicher Tag verstrich darüber umütz in den widerwärtigsten Verhandlungen. *) Bei Gerabo I.. 3. pPag. 49. —1 50 ¹ Unerwartet trat gegen Abend Anu-Burk in mein Zelt, der oben erwähnte Morabeth, welchen Herr Er-GARBI mir mitgegeben, und dessen Abwesenheit ich bei der Verwirrung unsers Zuges, wo alle vereinzelt umher- schweiften, gar nicht bemerkt hatte. Er brachte mir einen Brief von Herrn DRoOVETTI, worin mir angezeigt wurde, der tripolitanische Consul habe sich geäuſsert, daſs er, wofern wir ohne diesen Menschen unsere Reise fort- setzten, für nichts haften könne. Es ergab sich nun, der Scheik habe ihn schon von Marabout ohne mein Vorwissen nach Alexandrien zurückgesandt. ABU-BRIK hatte sich dort bei seinem Consul gemeldet, und war nach Verabredung desselben mit Herrn DkovErrr mir wieder nachgeschickt. Die Contestation, die hierüber mit dem Scheik entstand, wurde sehr ernsthaft. Er weigerte sich, ihn mitzunehmen, indem es seiner Ehre zuwi- der sey, einem fremden Führer zu folgen. Er könne den Weg selber finden, und werde auf keinen Fall das Einreden eines Morabethen zugeben, noch ihn bezahlen, wozu er sich doch in Alexandrien verpflichtet hatte. Ich dagegen erklärte, ohne denselben keinen Tag länger mich und meine Begleiter ihm anzuvertrauen. Er solle auf seine Kosten sofort ein Kameel für ABU-Bnlk herbeischaffen und ihm das versprochene Honorar zahlen, — widrigenfalls sey die Expedition hiermit geendigt. Meine Gefährten stimm- ten mir hierin vollkommen bei; und da der Scheik fortfuhr, sich aufs übermüthigste zu weigern, lieſs ich die Zelte abbrechen, und alles zur Rückkehr vorbereiten. Wüthend berief nun der Scheik die ältesten der Araber zu einem Divan, der bald sehr stürmisch wurde. Unter sich uneins, brachen sie ihn zweimal ab, erneuerten aber immer ihr Gezänk, ohne daſs der Gegenstand ihrer Verhandlungen uns deutlich wurde. Eiligst kam während derselben der Mameluck zu mir mit der War- nung, es sey Zeit, die Waffen zu ergreifen. Bei den Arabern würden Vorschläge gehört, die das Aeuſserste befürchten lieſsen. Man wolle uns ermorden und ins Tripolitanische flüchten. Wir nahmen unsere Wafklen zur Hand, traten zusammen und erwarteten ruhig den Ausgang. —,— 51 Unsere Kaltblütigkeit und die getroffenen Vorsichtsmaaſsregeln hatten indeſs dem Scheik imponirt, und seine Wuth schien besänftigt. Er trat freundlich zu mir, erbot sich, den Magrebinen mitzunehmen, und es der Enischeidung derjenigen Herren, welche die Karavane organisirt hatten, zu überlassen, ob er oder wir ihn bezahlen sollten, und im ersten Falle ihm bei der Rückkehr nach Alexandrien noch ein reichliches Geschenk zu geben. Ich faſste nun die Hoffnung, der Scheik werde, wenn auch nicht aus gutem Willen, doch aus Furcht, sich künftig geziemender beweisen. Er versprach, die versäumte Zeit durch eiligere Märsche nachzuholen. Es war allen, so wie mir selber, unangenehm, ein lange vorher entworfenes und besproche- nes Unternehmen so bald aufzugeben. Wir beschlossen daher, weiter zu ziehn, und der Aufbruch wurde von mir auf den folgenden Morgen um 4 Uhr angesetzt. Der Lagerplatz El-Hamam, wo wir einen so unangenehmen Tag hin- brachten, war reich an kleinen Vögeln, unter denen die gar zudringliche Bachstelze sich auszeichnete. Eine zahllose Menge von Fliegen schien sie hieher zu locken; auch fanden sich häufig Scorpionen. Statt am 12ten um 4 Uhr aufzubrechen, konnten wir erst gegen 7 uns in Bewegung setzen. Der Scheik behauptete zwar, Kameele eingekauft zu haben, allein die Zahl der unsrigen hatte sich gleichwohl verringert. Dies machte eine Umpackung nöthig, wobei neue Schelmereien vorfielen, wie sich später auswies. Wir muſsten auf zwei Tage Wasser mitnehmen; die Beduinen sorgten aber dafür, die Wasserschläuche auf unsere Proviantsäcke zu legen, wodurch unsere Eſswaaren verdarben, indem das Wasser auslief. Sie hatten nämlich die Schläuche nicht geölt— eine nothwendige uns unbekannte Vorsicht— und solche früher scharf gefaltet unter die Sättel gelegt, wodurch sie brüchig geworden waren. Die Gegend, welche wir darauf durchzogen, unterschied sich nicht wesentlich von der vorigen. In einiger Entfernung zur Linken erblickte man wieder einen Höhenzug mit einem Absatze. 7* ———————— 8—— —-——Q—OꝭñV᷑——, —“ 3 52 Nach einem Marsche von einigen Stunden stieſsen wir auf ein Denkmal von Quadersteinen, welches die eingeborenen Araber Casaba-Schamame- Schargie nannten. Wahrscheinlich ist es ein Grab aus später römischer Zeit. Eine Inschrift, die sich zwischen den beiden Säulen befunden hatte, war ausgebrochen. In einem Nebengemache findet sich ein spitziges Gewölbe. Wahrscheinlich lag dieses Grab an der Heerstraſse von Alexandrien nach parätonium. In der Nähe desselben fand ich Spuren eines mit flachen Steinen gepflasterten Fahrweges von mälsiger Breite, der sich eine be- deutende Strecke hinzog*). Die von mir flüchtig genommene Zeichnung, Tafel II. Fig.«. giebt eine Ansicht dieses Denkmals. Um dasselbe zu untersuchen, hatte ich mich von der Karavane enifernt, und so sehr verspätet, daſs ich eilen mulste, sie wieder einzuholen. Während ich landeinwärts zog, hatten die Herren HEMPRICH und ScHorz eine Ausflucht längs der Seeküste unternommen, und daselbst die noch ziem- lich wohl erhaltenen Trümmer einer Moschee gefunden. Ein Beweis, daſs auch dieses Grab in der Nähe einer alten Stadt lag, die vor nicht vielen Jahrhunderten noch vorhanden gewesen seyn muſs. Strabo nennt zwischen dem Vorgebirge Deris und Taposiris einige Orte am Meer, und deutet noch mehrere an, die Häfen hatten. Die Moschee hatte über der Thür und im Innern viele Inschriften, ob der Name der Stadt sich dabei findet, ist mir unbekannt geblieben. Wir marschirten bis Abends um 6 Uhr, und schlugen das Lager in der kahlen Ebene von Abdermein auf, wo wir indeſs eine Schildkröte fanden. Des folgenden Tages(den 13ten), des Morgens um 6 Uhr, brachen wir auf, und erblickten während des Zuges ein Monument, welches uns etwa eine Viertelstunde zur Linken liegen blieb. Es besteht aus drei in *) Obgleich Herr EHRRNBERG dieselbe Bemerkung machte, so stände es dennoch genauer zu untersuchen, ob jene scheinbar durch Kunst neben und auf einander gelegten Steine nicht durch die Zeit von dem zu Tage brechenden Felsen losgelöst worden wären. Anmerk. des Terf. —— 8 3 * 4* 3 2 — ——— —= —— einem gleichseitigen Triangel erbauten viereckigen Massen oder Denkmälern. Nur eins derselben ist ziemlich vollständig erhalten, die beiden anderen sind beinahe gänzlich vernichtet. In der Mitte zwischen den beiden auf der Basis erbauten Frontaldenkmälern, und zwar in einiger Entfernung von denselben, befindet sich eine unterirdische Treppe, wo eine Art Fallthüre angebracht gewesen zu seyn scheint. Ohne Zweifel führt dieser Eingang zu Felsenkammern unter dem Denkmal. Die Stufen dieser Treppe waren aber mit groſsen Steinen und Schutt so ganz bedeckt, daſs es bei dem ununter- brochenen Fortrücken der Karavane mir unmöglich fiel, das Innere zu untersuchen. Ich lieſs indeſs durch Herrn BorpRINI eine Zeichnung neh- men, die Tafel II. Fig. c. beigefügt ist. Nach der Bauart zu schlieſsen, verdankt auch dieses Denkmal den Griechen oder Römern seinen Ursprung, und mag mit dem gestern gefun- denen ziemlich aus einer Zeit seyn. Die Capitäler der Eckpilaster zeigen Spuren einer Verzierung von Blättern, der Fries aber ist dorisch; eine Vermischung der Bauordnungen, die sonst nicht vorkommt. Die jetzt in Libyen hausenden Araber nennen es Casaba-Schamame-El- Garbie, das Schloſs gegen Abend, zum Unterschied von jenem, dessen Name Casaba- Schamame- Schargie, das Schloſs gegen Morgen bezeichnet. Ich bin geneigt, auch dieses Denkmal, ungeachtet der nicht gewöhnlichen Gestalt, für nichts anderes zu halten, als für ein Grab, oder die vereinigten Denkmäler dreier Angehörigen. In der Nähe fand ich indels mehrere Substructionen, die anderen Gebäuden angehört zu haben schienen. Beweises genug, dals hier einst ein nicht unbedeutender Ort gestanden haben muſs. Wahrscheinlich lag auch dieser an der Heerstraſse nach Parätonium, die sich mehr links zog, als der jetzige Karavanenweg. Das gestern gefundene Denkmal lag unserem Zuge gegen Norden. Euwa auf zwei Drittheile unsers heutigen Marsches überschritten wir die Grenze des ersten bezeichneten Districis der libyschen Wüste von dieser Seite. Diese Stelle, so wie die ganze Umgegend, führt den Namen El- Kouma, das heiſst die wasserlose Gegend. 2——— 54 Um halb sechs Uhr lagerten wir uns auf einem Platze, Kurme-Kebije genannt, der der gestrigen Lagerstelle, so wie der ganzen durchzogenen Gegend, ähnlich war. Den 14ten Morgens um halb sechs Uhr zogen wir weiter, und hatten anfänglich zur Rechten und Linken Gebirgszüge, die sich in ein Plateau vereinigten, von welchem aus wir uns alsdann merklich senkten. Etwa gegen 11 Uhr Morgens erreichten wir einen Brunnen, oder vielmehr eine mit Regenwasser angefüllte Zisterne, Bir-Megy genannt. Da in einiger Ent- ſernung von uns eine zweite Karavane inländischer Beduinen zog, und diese ihre Richtung nach jener Zisterne nahm, so eilte ein Negersklave des Scheiks voran, besetzte sie und drohte, einen jeden zu erschieſsen, der sich ihr nähern würde. Da wir starken Schrittes ihm nacheilten, und ihnen an Streitkräſten überlegen waren, so fanden sie es gerathen, uns dieselbe fried- lich zu überlassen. Oft aber ereignet es sich, daſs man in der Wüste um den Besitz eines Brunnens sich schlagen, und einen Trunk Wasser mit Menschenblut erkaufen muſs, wenn zwei durstige Karavanen zugleich eintreffen. Das Wasser dieser Zisterne war sehr lehmig, aber gut. Kaum waren wir indeſs bei derselben angelangt, als sich die Araber schnell entkleideten, hineinsprangen und das immer trüber werdende Wasser mit leinenen Beu- teln ausschöpften, und es in groſsen hölzernen Mulden den hinzustürzen- den, durstigen Kameelen vorsetzten. Das Drängen dieser armen Thiere war so groſs, daſs die Reiter kaum Zeit fanden, von ihren Sitzen herabzu- gleiten, und alles Gepäck zerquetscht zu werden Gefahr lief. Weder das Geschrei, noch die wüthenden Prügel der Araber konnten sie bändigen; aber es war nun der dritte Tag, daſs die Kameele nicht getränkt worden waren, und sie konnten, nachdem sie einmal zu saufen begonnen hatten, stundenlang ihren Durst nicht stillen. Später fand ich dies zu beobach- ten noch oft Gelegenheit und glaubte zuweilen Münchhausens halbirtes Pferd vor mir zu sehen. Der Durst unserer Pferde war gleichfalls kaum zu stillen. 55 Ich meinerseits fand es unerträglich, dieses getrübte, lehmige Wasser zu genieſsen, und in der Voraussetzung reineres zu finden, wozu man mir Hoffnung machte, versäumte ich auch, unsere eingeschrumpften Schläuche damit anfüllen zu lassen; hatte aber Ursache, am folgenden Tage diese Unterlassung zu bereuen. Wegen der grolsen Müdigkeit der Kameele konnten wir den versprochenen Brunnen nicht erreichen. Wir schlugen daher unser Lager unweit eines nach der See mit zwei Kuppen hinstrei- chenden Gebirgrückens auf. Dieser Höhenstreif heiſst Schmeime. Unterhalb der uns zunächst liegenden Kuppe fanden wir zwar eine Zisterne, und bald noch eine andere; aber beide waren leer. Dagegen trifft man eine halbe Stunde weiter ganz leidliches Wasser an. Die hier gemessene Polhöhe gab 300° 39 40“ nördlicher Breite. Von hieraus beschloſs ich, einen Boten mit den Empfehlungsbriefen des Marokkanischen Consuls an den KAIII-BEI und den Scheik HEpou- DAD nach Derna, als den angeblichen Ort ihres Aufenthalts, zu senden, und zugleich sie zu ersuchen, mich an der Grenze zur Sicherheit in Empfang nehmen und geleiten zu lassen. Unser Scheik bestimmte zu dieser Expe- dition einen ihm untergeordneten Araber, dessen Zuverlässigkeit er mir anpries. Der Bote sollte sogleich abgehen. Ich hatte auf dem heutigen Zuge das Unglück, meinen verwunde- ten Arm, an dem ich seit Jahren von Zeit zu Zeit leide, durch einen Stoſs gegen den Sattelknopf stark zu verletzen. Ein scheinbar geringer Umstand, der mir aber späterhin in seinen Folgen beinahe das Leben gekostet hätte. Am 15 ten Oktober feierte ich den Geburtstag unsers verehrten KRoON- PRINZEN, so gut es in der Wüste nur möglich war. Ich lieſs einen Hammel schlachten, nach patriarchalischer Weise, und lud die Herren Naturforscher zu mir ein; denn diese führten anf unserem Zuge ihre besondere Wirth- schaft in einem eigenen Zelte. Es wurden bei dieser Gelegenheit einige Flaschen des besten mitgenommenen Weines nicht geschont, und unsere Wünsche für SEIN Wohl waren bei dem spärlichen Mahle nicht weniger 56 herzlich und laut, als wenn wir uns an der wohlbesetztesten Tafel befunden hätten. Unserem Scheik und seinen Arabern war ebenfalls eine Bewirthung zugedacht; allein da sie mir von neuem Ursache zur Unzufriedenheit gege- ben hatten, so unterblieb solche. Um ¾ auf 1 Uhr brachen wir auf, durchzogen ein wellenförmiges Ter- rain, und machten nach einem fünfstündigen Marsche Halt bei dem Brunnen Bir-Thaun oder dem Mühlenbrunnen. Es ist dies eine alte im Felsen gehauene Zisterne, die in der Mitte durch einen Pfeiler gestützt wird, und an den Seiten mit Pilastern verziert ist. Unter den Brunnen der Wüste sind überhaupt viele sehr interessant. Manche scheinen uralt mit Zierden, die das Zeitalter der Ptolemäer verrathen, andere scheinen römisch. Es giebt indeſs auch neuere, die von den Sarazenen und Arabern angelegt seyn dürften. Eine zu sicheren Resultaten führende Untersuchung derselben möchte aber nicht ohne sehr ernstliche Schwierigkeiten anzustellen seyn. Es war 6 Uhr, als wir am 16ten Morgens weiter zogen. Der Boden blieb wellenförmig, wie gestern. Heute sah ich zum erstenmal das Natur- spiel, das unter dem Namen Mirage bekannt ist. Meine Gefährten sowohl wie ich selbst, glaubten nämlich das wogende Meer zu erblicken. Wir waren sehr erfreut darüber, und zweifelten um so weniger an der Wahr- heit dieses Scheins, da wir es heute erreichen sollten. Allein das Trugbild verschwand, und unser lechzendes Auge erblickte nur die sandige Wüste. In der Art, wie dies Verschwinden erfolgte, kommte ich diesmal und nachher öſter deutlich wahrnehmen, dalſs dieser Schein durch Dämpfe hervorgebracht wurde, die sich bei der brennenden Sonne aus der Erde entwickelten. Denn nachdem das Gaukelspiel von Wellen einige Zeit gedauert hatte, erhoben sich allmählig die Dämpfe, und löseten sich, wie dieses bei uns mit niedrigen Nebeln bisweilen zu geschehen pflegt, in zer- stückelte Wolken auf. An den deutschen Küsten der Nordsee giebt es eine ganz ähnliche Erscheinung, die man dort Frährkatten zu nennen pflegt. Man sieht sie gemeiniglich im April und Mai, und das eigenthümliche dieser Kümmung besteht darin, daſs, in der Entfernung von einer Stunde etwa, 4 3 4 57 alle Häuser, Bäume und Gebüsche im Wasser zu stehen scheinen, während dies scheinbare Wasser in einer beständigen Wellenbewegung ist. An denselben Küsten zeigt sich auch auf dem Meere etwas ähnliches, das Updracht genannt wird. Alle Gegenstände erscheinen dann von mehr als natürlichem Maaſs, indem die Wasserausdünstungen die gewöhnliche Strahlenbrechung verändern. Noch eine andere Gattung von Mirage besteht darin, dals die Gegenstände über der Erde frei in der Luft zu schweben scheinen, welche bekanntlich auch durch die veränderte Strahlenbrechung, bei ungleich ver- dünnter Atmosphäre, erklärt wird. Ich bemerke dies hier nur deswegen, um hinzuzusetzen, daſs ich eine Mirage dieser Art in der libyschen Wüste nie wahrgenommen habe; desto häufiger dagegen jenen Wasserschein, von welchem die Araber viele bildliche Ausdrücke entlehnen. Auf unserm ferneren Marsche wurden wir heut allarmirt, und hatten Ursache, einen Ueberfall zu befürchten. Es zeigten sich einige Reiter auf einem sich vor uns hinziehenden Landrücken, die Sand und Erde in die Höhe warfen, welches bei den Arabern die gewöhnliche Aufforderung ist, sich zum Kampfe zu sammeln. Wir zogen daher die Karavane, die wie gewöhn- lich sehr zerstreut war, zusammen und griffen zu den Waffen; doch war unsere Vorsicht diesmal überflüſsig, denn kein Feind erschien. Wohl aber behaupteten einige unserer Araber, dieser Allarm sey von ihren eigenen Leuten veranlaſst, indem sie von einer nahen Heerde Schaafe zu stehlen versucht hätten. Um sich ihrer zu erwehren, ergriffen die Eigenthümer jene Maaſsregel. Ein Glück war es übrigens, dals es nicht zum Kampfe kam, denn es wies sich aus, daſs unsere Diener alle scharfen Patronen in die Koffer gepackt hatten, so daſs wir uns im Augenblick des Bedarfs ohne Munition befanden. Ich ordnete daher an, daſs künftig jeder von uns sich gehörig damit versehen, und bei unseren Lagern regelmäſsige Nachtwachen ausgestellt werden sollten. Bei dieser Gelegenheit lernten wir auch, dals, wenn es Ernst gelten sollte, von unseren Arabern wenig wirksamer Beistand zu hoffen sey. Die Beduinen benehmen sich in der Gefahr, wie Kinder. Sie springen wie besessen umher, schreien, schieſsen in die Luft und tirailliren 8 ———yyͤÿ —— 4 4 1 1 3 1 f 1 3 3 4 8 4 8 58 beim Angriff auf die gröſste Entfernung, so daſs sie mit ihrem schlechten Pulver und eben so schlechten Gewehren nichts ausrichten können. Nach einem Zuge von neun Stunden erblickten wir endlich das Meer, das uns etwa eine halbe Meile zur Rechten blieb. Wir zogen heute aber- mals über einen Gebirgsrücken, Geige genannt. Er erstreckt sich von der Gegend der Natronseen in einer nordwestlichen Richtung nach dem Meere zu, welches er in einer Biegung erreicht, die von mehreren Ravinen durch- schnitten ist. Die vorliegende Ebene heiſst Lageibe. Dreiviertel auf 6 Uhr lagerten wir uns auf einem Platze, Geleile genannt. Am folgenden Tage(den 17ten) brachen wir wieder um 6 Uhr auf, zogen über das hohe Plateau jenes Rückens fort, und erreichten nach einer halben Stunde den Brunnen Mathar(Regenwasser), der zwar süſses Wasser enthielt, welches aber so voll Moder war, daſs man es nur durch ein Tuch geseiht zu trinken vermochte. Uns immer herabsenkend, erreichten wir dann das Meer, welches hier eine bedeutende, durch eine Landzunge geschützte Bucht bildet. Hier sah ich die ersten schneeweiſsen Dünen an dieser Küste, welche aus sehr feinem Sande bestanden, hinter welchem jedoch die Felshöhe fortstreicht. Wir schlugen etwa in der Entfernung einer Viertelstunde vom Meere das Lager auf, und lieſsen aus den beiden in der Nähe befindlichen Brunnen, El-Mathar und Bir- Mathar, Wasser holen, das sehr gut war. Von hier aus ungefähr muſs der englische Reisende Browne, der zuerst den Tempel des Jupiter Ammon wieder auffand, sfch gegen Südwesten gewandi haben, um nach Siwa zu gelangen. Er war bis dahin der Küste gefolgt, und hatte von Alexandrien zehn Tage zugebracht. Die Zeit des wirklichen Zuges rechnet er auf 75 ⅞ Stunden. Das Betragen unserer Araber wurde jetzt mit jedem Tage unerträg- licher. Der Scheik entfernie sich beständig von der Karavane und war oft tagelang abwesend; uns aber versagten die Beduinen jeden Gehorsam und erlaubten sich allen nur möglichen Unfug. Für zeitiges Erreichen der Brunnen und gehöriges Füllen der Schläuche wurde niemals gesorgt. Sie ————yõÿ—ͤͤn 59 trieben die Kameele, wohin es ihnen beliebte, zwangen unsere Diener abzu- steigen, um sich selbst aufzusetzen, tranken unser Wasser und lielsen es auslaufen, so daſs wir zweimal während 24 Stunden bei der grölsten Hitze kein Wasser hatten. Eingefangene Thiere, welche die Naturforscher ihnen nicht so hoch, wie sie es verlangten, bezahlen wollten, lieſsen sie wieder lau- fen oder tödteten sie. Einen Bouhara, eine Art kleiner Trappen, für welchen ihnen zwei Piaster geboten wurden, lielſsen sie vor unsern Augen durch den Falken des Magrobinen zerreiſsen. Sie entwendeten uns, was sie nur erreichen konnten, schimpften meine Gefährten, und droheten ihnen bei Zwistigkeiten mit ihren Flinten, so dals einige von ihnen mir erklärten, sie könnten nicht mehr für ihre Geduld haften, es werde zu einem Aeuſser- sten kommen. Der Mameluck gestand mir, es habe der Scheik sich deutlich gegen ihn ausgelassen, daſs er, im Falle wir umkehren wür- den, wie wir einigemal zu thun drohten, uns übel mitspielen, und sich in's Tripolitanische zurückziehen werde. Er fürchtete nämlich die Verant- wortlichkeit vor dem Pascha. Heute erfuhr ich noch durch Herrn Dr. HEMPRICH, dals der Scheik, meines gemessenen Befehles ungeachtet, die Absicht nicht habe, die oben erwähnten Briefe unmittelbar nach Derna zu senden, sondern der noch immer nicht abgegangene Bote habe blos Auftrag erhalten, sie im ersten tripolitanischen Beduinenlager, das er antreffen würde, abzugeben, von wo aus sie dann nur gelegentlich nach dem weiter entfernten Bengasi, als dem nunmehrigen durch streifende Araber ausgemittelten Aufenthaltsorte des KALIL-BEI und des Scheiks HEzpovpàAp, weiter befördert werden sollten. Da nun von diesen Empfehlungsbriefen das ganze Gelingen unserer Unter- nehmung abbing, so war ein neuer Zwist mit dem Scheik unvermeixdlich, den ich rufen lieſs, um ihm sein pflichtwidriges Betragen ernstlich vorzu- halten, wobei zugleich aller unsägliche Verdruſs, den wir erdulden muſsten, zur Sprache kam. Der Scheik versprach, die Karavane nicht wieder ohne Noith zu ver- lassen, entschuldigte aber die unterbliebene Absendung der Briefe mit der 8* O—,———y———— ꝗ ͦ-—— 60 Furcht des Boten, ein fremdes Land zu durchziehen. Offenbar hatten die sämmtlichen Araber meiner Karavane, den Scheik nicht ausgenommen, eine auſserordentliche Scheu vor dem Eindringen in das tripolitanische Gebiet. Der Grund davon lag wahrscheinlich in dem ganz verschiedenen Verhältniſs der libyschen und tripolitanischen Beduinenstämme zu dem Pascha von Aegypten, dem jene mehr oder minder pflichtig waren, und deshalb von diesen gehaſst wurden, besonders unser Scheik. Seine Drohung gegen uns, sich ins Tripolitanische zurückzuziehen, setzte daher einen Abfall von MEHEMED-AII voraus; und ich erfuhr später, daſs er wirklich Vorkeh- rungen getroffen hatte, ihn ausführen zu können, indem er eine seiner Frauen, die in Alexandrien zurückgeblieben war, heimlich von dort abholen lieſs. Damals aber waren diese Verhältnisse, welche das Gelingen unseres Zuges so problematisch machten, mir noch unverständlich. Ich bemerkte dem Scheik daher, daſs seinem Boten jene Briefe selbst, die er an den Gouverneur der Provinz und den mächtigsten Beduinenscheik bei sich führe, als sicheres Geleit dienen würden. HADSHI ENDAwI berief darauf einen Divan, um sich mit seinen Arabern zu berathen. Der Beschluſs, welchen er mir bekannt machte, fiel dahin aus, daſs der Bote wirklich abgehen solle, jedoch nicht allein, sondern in Begleitung eines der Schwäger des Scheiks. Dieser solle zu Pferde ziehen, und ein Kameel mit den nöthigen Vorräthen sie begleiten. Mit Freuden ergriff ich diesen Vorschlag, und versah beide auſserdem auf ihre Bitte mit einem reichlichen Vorrath von Schieſspulver. Sie nahmen Lebensmittel und Wasser auf mehrere Tage mit, und zogen zu unserer groſsen Befriedigung wirklich ab. Es wurde halb sieben Uhr, bis wir am 18ten Morgens aufbrachen. Einige Zeit ging unser Zug auf dem Plateau des erwähnten Bergrückens fort; worauf wir in das etwas erhöhete Thal Algarbe hinabstiegen. Die See blieb uns in der Entfernung etwa einer halben Stunde zur Rechten, und links hatten wir einen schroff abfallenden, mit Ravinen durchschnittenen Bergrücken von etwa 200 bis 300 Fuſs Höhe. Kurz darauf überschritten wir zwei schroff nach der See abfallende Arme desselben, und später einen —— 61 dritten Bergrücken. Um 12 Uhr erreichten wir den Brunnen Siena-Sarga, der schlechtes Wasser enthielt, und schlugen bei demselben unser Lager auf. Etwa eine halbe Meile von diesem Brunnen befindet sich ein antikes Denkmal, welches wir besuchten. Es ist wieder ein Grab, wie die bisher von uns in der Wüste gefundenen, und aus Quadersteinen auf einer terras- senartigen Erhöhung erbaut, unter welcher sich die Todtenkammer befindet. Wir stiegen in diese hinein, fanden aber auſser den leeren Nischen nichts Bemerkbares, ausgenommen einen niedrigen Eingang, der seiner Richtung nach unter das Denkmal zu führen schien. Aber sowohl diesen Gang, als auch einen aufserhalb der Terrasse befindlichen Hypogeenbrunnen konnten wir nicht untersuchen, weil es uns an Licht gebrach. Ohne Zweifel ist jener Brunnen der Eingang zu Katakomben. Herr Professor LIMAN entwarf von diesem Monument die Ansicht, Fig. b. Tufel II. Es heiſst in der Lan- dessprache Zuba- Soyer-IIaheè, der Kleine Thurm unten, zum Unterschied von einem anderen Denkmal, welches etwa eine Stunde Weges oberhalb weiter landeinwärts liegt, und der obere Thurm, Guble, genannt wird. Wir wollten auch diesen untersuchen, aber es war spät geworden, und die Nacht brach ein. Wir kehrten zum Lager zurück. Herr Professor LIMAX hatte indeſs groſses Verlangen, auch jenes entfern- tere Denkmal zu sehen, da es uns als bedeutend geschildert wurde, und sich nicht zweifeln lieſs, daſs wir uns in der Umgegend des alten Parätonium's pefänden. Die Herren HEMPRICH, ScHoLz und BorDRINI beschlossen, ihn zu begleiten, und ihre Absicht war, am folgenden Morgen früher als die Karavane aufzubrechen, die sie, bei dem langsamen Fortrücken dersel- ben, bequem wieder erreichen zu können hofſten. Auf mein Begehren gab ihnen der Scheik zwei der Gegend kundige Araber als Führer mit. Durch Zufall machten sie aber am 19ten erst kurz vor der Karavane sich auf den Weg, was mich gleich Anfangs wegen des Erfolgs ihrer Unternehmung in Sorge setzte. Wir begannen unseren Zug um 6 Uhr, und hatten anfänglich zur Linken einen Bergrücken, den wir, da er sich allmählig nach dem Seeufer —————ÿcſ—— 62 hinwandte, überschritten, und uns nun auf einem hohen, von einer tiefen Schlucht durchschnittenen Plateau befanden. In dieser Schlucht trafen wir auf einen Brunnen, Bir-Aboukadoue, der aber schlechtes Wasser enthielt. An der etwa dreilsig Fuſs hohen, schroff abfallenden Wand dieser Schlucht lieſsen sich die verschiedenen Lagerungen des Erdreichs deutlich unter- scheiden. Hinter dem Brunnen, unmittelbar über der Sohle der Schlucht, findet sich ein Lager von Muscheln, etwa einen Fuſs hoch, und dieses ist unter den sichtbaren Lagern das am tiefsten liegende; darauf folgt eine Lage Sand, dann gerollte Steine, abermals Sand, und endlich eine steinige Rinde, die alles eindeckt und zu Tage bricht. In geringer Entfernung jenseits der Schlucht, zur Linken des Ueber- gangspunktes, erreichten wir einen andern Brunnen, Bir-Abousister genannt. Wir durchschnitten hierauf ein zweites Thal, welches den Namen VTacli Ramli führt. Es befindet sich in demselben eine Zisterne mit zwei Oeff- nungen, die aber nur kurz nach gefallenem Regen angefüllt zu seyn pflegt. Wir fanden sie leer, schlugen indeſs in der Nähe derselben das Lager auf, um unseren zurückgebliebenen Gefährten Zeit zu lassen, die Karavane wie- der einzuholen. Die Gegend, wo wir lagerten, heilst bei den Arabern die Wüste Medsched. Da gegen Abend meine Begleiter noch immer nicht eintrafen, und ich fürchten mulſste, sie möchten bei zunehmender Dunkelheit, ungeachtet der Führer, die sie bei sich hatten, das Lager verfehlen, so lieſs ich auf einer nahen Höhe ein groſses Feuer anzünden, und von Zeit zu Zeit ein Gewehr abschieſsen. Allein es war vergebens; wir warteten umsonst und hörten auch unsere Schüsse nicht erwiedern. Ich wollte hierauf noch Abends um 9 Uhr einige Araber absenden, um sie aufzusuchen; da der Scheik aber bemerkte, es befände sich auf ihrem Wege zu uns ein arabisches Lager, woselbst sie ohne Zweifel aus Hunger und Müdigkeit eingekehrt seyn würden, so beruhigte ich mich, in der Hoffnung sie noch in der Nacht anlangen zu sehen. Vom Anbruch des Tages an lieſs ich die Feuer mit grünem Gesträuch unter- halten, deren himmelansteigende Rauchsäulen ihnen als Merkzeichen dienen 63 sollten. Vielleicht hätten wir indeſs unsere Freunde nie wieder gesehen, wäre ich nicht durch folgenden Zufall mit ihnen zusammen getroffen. Nach der Versicherung des Scheik lag, angeblich nur eine Viertelmeile von unserem Lager, am Ufer des Meeres eine bedeutende Ruine. Ihr Name Baratoun liels mich in ihr Parätonium vermuthen. Ich ritt daher in Begleitung des wegekundigen Magrobinen, um sie aufzusuchen; die Herren EHRENBERG und GRUoc gingen zu Fulſse mit. Die Entfernung des Ortes wies sich aber ungleich beträchtlicher aus, als wir erwarteien. Schon hatten wir durch tiefe Bergschluchten, denen wir bald folgten, bald sie durchschnitten, und über hohe sich nach der See hinziehende und senkende Bergrücken, deren Gestein meist zu Tage brach, etwa eine deutsche Meile zurückgelegt, als wir in bedeutender Entfernung einen Schuſs fallen hörten. Wir erwiederten ihn, und hörten zu unserer Freude einen zweiten fallen. Wir zweifelten nicht, daſs es unsere vermiſsten Gefährten seyen, welche die Richtung des Lagers gänzlich verfehlt hätten und in diesen Schluchten umher irrten. Bald erblickten wir in weiter Entfernung einige Menschen, denen wir sofort entgegen zogen; aber noch eine halbe Stunde verfloſs, bis wir uns zu gegenseitiger Freude wieder vereinigt sahen. Sie erzählten, daſs sie bei der Untersuchung des Denkmals sich ver- spätet hätten. Sie beeilten sich zwar, die Karavane einzuholen, hörten auch unsere Signalschüsse; allein ihre Führer verloren den Kopf und zuletzt alle Spur des Weges. Aufs äuſserste ermattet, wären sie froh gewesen, das oben erwähnte arabische Dorf zu erreichen, wo man sie mit groſser Gast- freundschaft aufnahm und nach Möglichkeit verpflegte. Morgens vor Tage hatten sie sich wieder auf den Weg gemacht, in der Absicht, das Meeres- ufer zu erreichen, welches sie ganz nahe glaubten, und längs diesem hin. ziehend hofften sie die Karavane zu treffen. Allein die schon erwähnten Bergeshöhen und Schluchten trennten das Lager vom Meere, und hatten ihnen auch die Rauchsäule versteckt. Ohne meinen zufälligen Zug hätten sie wahrscheinlich uns nimmermehr aufgefunden. 64 † Von dem Denkmal hatte Herr LrMAXN Ansicht, Grundriſfs und alle Details aufgenommen, die ich hier beifüge. Die Genauigkeit derselben möge der Welt zum Beweise dienen, wie viel die Wissenschaft durch seinen frü- hen Tod verloren hat. Die kurze Beschreibung, welche die Zeichnungen begleitete, folge hier mit seinen eigenen Worten:(Man sehe die Abbil- dungen Tafel IIr. Fig. 1. a. b. c. d. und Fig. 2. Derselbe nennt das Denkmnal 4 Kasaba NXerga el Fog.) „Das Monument ist durchgängig aus Quadern mit starkem Kalkverband, besonders nach innen, construirt, und steht auf einer Anhöhe, welche rings- umher eine Terrasse bildet, ungefähr von der Breite des Monuments. Keine Spur von Schälungswand ist an dieser bemerkbar. Es ist über 21 Fuls breit und bildet ein regelmäſsiges Quadrat. Erhalten sind neun Steinhöhen von ungleicher Höhe und unregelmälsigem Verbande. Von der Krönung keine Spur. Keine Oeffnung zum Eingang. Von oben ist es jetzt offen.“ Auch die andern Gefährten hatten während dessen nicht gefeiert, und„ brachten eine reiche Beute an geschossenen merkwürdigen Vögeln mit. Wir zeigten ihnen den Weg zum Lager, und da sie noch sehr ermüdet waren, ordnete ich für heute einen Rasttag an. Wir übrigen verfolgten den Weg nach der versprochenen Ruine, und erreichten sie endlich, nachdem wir etwa noch eine halbe Meile zurückgelegt hatten. Statt antiker Reste fand ich blos die Trümmer eines nach neuarabischer Weise befestigten Schlosses, an einer Stelle der Küste, wo die See eine * geräumige Bucht bildet, mit einem ganz leidlichen Hafen. Dieser Ort diente den Arabern zugleich als Magazin und als Festung, wohin sie sich bei drohender Gefahr mit Heerden, Habe und Gut zurückzuziehen pflegten. Erst voriges Jahr hatte MæiEMED-ArI-PAscHàA diesen Schlupfwinkel zer- stören lassen, um die Unterwerfung der Araber zu vollenden. Diese Burg war übrigens von nicht geringem Umfang, und in den Grundmauern derselben erblickte ich regelmäſsig behauene Quadern, welche früher offenbar griechischen oder römischen Bauten angehört haben muſs- ten. So wenig antik also jetzt auch das Ansehen dieses Ortes ist, so scheint 65 doch dieser eben erwähnte Umstand, der nahegelegene nicht schlechte Hafen, die früher beschriebenen Grabmäler, die zu dieser Umgegend gehören, und endlich auch die Entfernung von Alexandrien dafür zu bürgen, daſs wir wirklich uns hier auf der Stelle des alten Parätonium befanden. Auch ist der Name El-Baratoun offenbar aus der antiken Benennung entstanden. Piinius rechnet von Parätonium bis Alexandrien zwei hundert römische Mei- len(H. N. V, 6.). Strabo giebt dem Hafen, an welchem es lag, einen Umkreis von vierzig Stadien; die Einfahrt desselben war aber wegen Sandbänke gefährlich, und ist es noch jetzt. Die Stadt hieſs auch Ammonia, und der Weg nach dem Tempel des Jupiter Ammon betrug von hier 1300 Stadien (32 bis 33 Meilen), und von dem nur hundert Stadien, etwa drittehalb deutsche Meilen, westlich von Parätonium entfernten Kpis fünf Tagereisen. Ungefähr in eben soviel Zeit erreichte Browne Siwah, indem er, wie schon bemerkt, in einiger Entfernung östlich von Parätonium die Küste verlieſs, und sich südwestlich ins Innere wandte. In der Umgegend der zerstörten Feste erblickt man noch die Mauern und Thürzargen von ebenfalls vernichteten Gärten, in denen wir erhal- tene Dattelpalmen, Feigen- und Granatbäume und Brunnen fanden; in etwas weiterer Entfernung sind arabische Grabmäler. Bei der Ruine stieſsen wir auf drei Araber, die uns mit grimmigem Gesichte anschauten, und unsern ehrlichen Magrobinen, wie dieser uns nachher gestand, aufforderten, uns Christenhunde zu ermorden. Dieser gab uns dagegen einen Wink, unsere Gewehre zur Hand zu nehmen, und sie bis zur Rückkehr ins Lager aus Vorsicht geladen zu erhalten, indem sich in geringer Entfernung noch mehr fremde Araber zeigten; wahrscheinlich die nun heimathlosen Bewohner von Baratoun. Die ganze bisher durchzogene Gegend am Meer, jetzt eine Wüste, war im Alterthum, wo die Nachbarschaft reicher und hochcultivirter Länder die Anstrengung, welche der Anbau dieses undankbaren Bodens immer erfordern muſste, zu belohnen versprach, urbar und ergiebig. Sie lieferte sogar Wein, der nebst dem Biere das Haupigetränk der Bewohner 9 — ———————— 66 5 von Alexandrien ausmachte. Der Wein wurde mit Meerwasser vermischt; ein Gebrauch, der auch auf einigen griechischen Inseln Statt fand, und sich hin und wieder erhalten hat. Der libysche Wein stand aber in schlechtem Ruf, besonders wurde der von Antiphrae verspottet.(Strabo l. XIII) „ 1 b 3 ————————--x—————— 8—— — O.Odę————————— Riertes Kapitel. Zug durch die Wüste oon Parätonium bis Bir El-Kor und oon da nach Siwah. Der Soheik verldſst die Karavane— Aufbruch von Masse— Berg Rassa- Boulahon— Bir- Mothani— Lager bei Inbeibad— Lager bei Kasser-Schama— Brunnen mit unbekannten Charalteren— Lage des alten Apis und Selinus— Treulosigkeit des Scheikt— Lager im Vadi El-Ghitani— Lager bei Bir El-Kadri El-Vadi— Lager bei Bir El-Kor— Chamsin— Trennung der Karavane— Gebirgszug La-Rabbia— Der General erlrankt— Schneller“ Zug von Bir La-Rabbia nach Siwatle— Lager bei Bir El-Kamsi— Reste einer mit ihnen Hirten verdursteten Heerde— Ankunft in Siwah— Mislungener Anschlag, die Karavans zu iiberfallen— TZanz, Gesang und Musik der Araber— Seltsame Ueberlisferungen der Siwaher— Salomons Ring, Sohwert und Krone. Ich komme nun zu den unangenehmen Vorfällen, welche meine Trennung von der Karavane nothwendig machten. Am 21sten frühmorgens, noch ehe wir von Mass aufbrachen, erbat HàApscHi ENpAw., unser Scheik, von mir sich die Erlaubniſs, in Gesellschaft seines zweiten Schwagers und mit einem unserer Kameele nach einem nahegelegenen Beduinen-Lager zu reiten, um Gerste für unsere Pferde einzukaufen. Weil dies nothwendig schien, so gab ich es zu, besonders da er versprach, noch denselben Abend oder spätestens ganz früh am folgenden Morgen wieder bei der Karavane zu seyn. Auf mein Verlangen muſste er indefs einen Stellvertreter ernennen, der während seiner Abwesenheit der Karavane vorstehen und sie führen könne. Er sah die Unerläſslichkeit einer solchen Maaſsregel ein, und zu 9* 68 meiner Zufriedenheit fiel seine Wahl auf unseren ABu-Bäurxk, den bekann- ten Magrobinen, der ein sehr ordentlicher Mann war. Schon um 5 Uhr setzten wir uns in Marsch, und zogen über ein hohes plateau. Nach Verlauf einer halben Stunde stieſsen wir auf einen Brunnen, der, zu Ehren eines Heiligen dieser Gegend, den Namen Bir Scheil Abou- lach führt und gutes Wasser enthielt. Eine Stunde später kamen wir an dem Grabmal eben dieses Heiligen vorbei, und dann zu dem Brunnen Bir Daffa-Fadi, der ohne Wasser war, und nur nach eingetretenem Regen damit angefüllt zu seyn pflegt. Ein Berg, der sich hier bis an das Meeresufer erstreckt, heiſst Rassa-Bou- lohou. In der Nähe desselben findet sich das Grabmal des Scheik Abdelmounni, mit einem Brunnen desselben Namens, der aber, wie der vorige und zwar aus gleichem Grunde, ohne Wasser war. Wir fanden auch keines, bis wir Bir- Mothani erreichten, einen Quellbrunnen, der gutes Wasser enthielt. Es befin- den sich in der Nähe noch mehrere Brunnen, theils verschüttet, theils ohne Wasser; es scheint daher unnöthig, sie alle namentlich anzuführen. Nach einem Zuge von 12 Stunden machten wir Halt, und schlugen um 5 Uhr Abends das Lager an einem Orte Namens Inbeibad auf. Hier finden sich nicht weniger als sechs Brunnen, wir trafen sie aber alle leer; nur nach gefallenem Regen enthalten sie Wasser. Der Rückkunft unseres Scheiks sah ich vergebens entgegen. Morgens den 22ͦ8ten um auf 6 Uhr brachen wir auf, und zogen über ein Plateau, das nach dem Meere zu abfiel. Unter den Brunnen, die wir heute nach einander erreichten, waren die merkwürdigsten Bir-Sabah, Tadi- Ralkabat und Abou-Khatsche. Die Araber versuchten während des Marsches uns links ab ins Innere zu führen; der Magrobine bemerkte es aber zu rechter Zeit und gab mir Nachricht, wodurch ihr Vorhaben ver- eitelt wurde. Gegen Abend bekamen wir Kasser-Schama zu Gesicht, in dessen Nähe sich treffliche Brunnen beſinden sollten. Zwischen diesen Brunnen und dem alten Schlosse befahl ich daher, nach der Angabe des Magrobinen das Lager zu errichten, und ritt indels mit Herrn LIMAN, 8 3 * 5 3 8 —— 69 der sich auch ein Pferd angeschafft hatte, voraus, um die Ruinen zu untersuchen.. Kasser-Schama ist eine neuarabische Burg von ähnlicher Beschaffenheit wie Baratoun, und, wie dieses, im vorigen Jahre von den Truppen des Pascha von Aegypten zerstört. In dem inneren Gemäuer befand sich noch eine zerbrochene eiserne Kanone. Es liegt der Küste ganz nahe, und ist, wie wir uns überzeugten, auf antiken Substructionen erbaut. Die Brunnen befanden sich theils in der Nähe des Kastells, theils unmmittelbar am Meeres- ufer, und hatten gutes Wasser. An einem derselben, der mir von sehr alter Construction zu seyn schien, glaubte ich in seinen im Felsen aus- gehauenen Seitenwänden Charaktere einer mir unbekannten Schrift zu erblicken. Man hat einige seltene afrikanische Münzen, besonders des Königs Juba, mit unbekannten Schriftzeichen, die man für numidisch hält, und die, wie die griechischen, lydischen, celtiberischen, eine eigenthümliche Abän- derung des phönizischen Alphabets zu seyn scheinen. Vielleicht war diese Schrift dem ganzen libyschen Volksstamm, zu welchem die Numidier gehör- ten(Strabo XVII p. 828 und 833.), gemeinschaſtlich; auch findet man auf den numidischen Münzen den Kopf des libyschen Jupiter Ammon. Oder waren jene unbekannten Zeichen ägyptisch? Der merkwürdigste Ort dieser Küste zwischen Katabathmus und Parä- tonium war der Flecken Apis, ein bedeutendes Heiligthum des ägyptischen Cultus(nobilis religione Aegypli locus). Die Angaben über die Lage dessel- ben scheinen sehr widersprechend*). Nach Strabo war Apis von Parätonium nur hundert Stadien entfernt, nicht drei deutsche Meilen; nach Plinius (Hist. Nat. I. 6.) 62000 Schritte, die beinahe das Fünffache geben. Dürfte man eine mittlere Entfernung zwischen beiden als die richtige annehmen, so lielse sich mit Wahrscheinlichkeit folgern, Kasser-Schama sey an die Stelle des alten Apis getreten. Bei der Genauigkeit, womit Strabo diese *) In dem mir mitgetheilten Tagebuche war Kasser-Schama als das alte Mis bezeichnet. 4. “ , 4 4 3 5 8 1 4 ——— 70 Küste beschreibt, ist es aber glaublicher, daſs sich in den Zahlen des Plinius ein Schreibfehler finde, und, statt LXII M passuum, blos XII M anzunehmen seyen, zwölf römische Meilen, die mit 100 Stadien ziemlich genau zusam- men treffen; Apis lag also noch beträchtlich jenseits unseres gestrigen Nachtlagers. Auch Ptolemäus setzt die Entfernung desselben von Parätonium nur auf 20 Minuten; nennt aber eine Reihe von Orten an der westlicheren Küste von Libyen, unter denen der Lage nach Selinus, ein Hafenort, am besten mit Kasser-Schama zusammen trifft.— Hier fand ich wieder Sand, welcher conglomerirt in Stein überzugehen schien. In der Voraussetzung, die Karavane werde uns hierher folgen, hatten wir, Herr Professor LIMAX und ich, die Ruinen und Umgebungen sehr umständ- lich untersucht und uns schon eingerichtet, hier das Lager aufzuschlagen. Da jedoch nach langem vergeblichen Warten niemand ankam, so ritten wir aus Ungeduld wieder zurück, und fanden die Karavane zu unserm Erstaunen etwa eine Viertelmeile vom Schlosse entfernt, unweit des Meeres, zwischen den Dünen und einer Höhe gelagert, an einem Platze, der absichtlich gewählt schien, um uns einem Ueberfall auszusetzen, und wo es auſserdem an Wasser gebrach. Ich wandte mich sofort an den Mamelucken, der gern eigenmächtig verfuhr, mit der Frage:„Warum er es gewagt, meinem Befehle zuwider zu handeln?“ Worauf er sehr erhitzt erwiederte,„Dalſs ein Diener des Scheiks es so gewollt habe, weil hier für die Kameele mehr Futter sey, als in der Nähe der Brunnen. Er, der Mameluck, habe ihm sogleich geboten, an den bestimmten Lagerplatz zu ziehen, und den andern Arabern, ihm zu folgen. Allein sie hätten sich dies zu thun geweigert, und selbst gedroht, ihn niederzuschieſsen.“ Meine zurückgebliebenen Gefährten bestätigten dies. Die weidenden Kameele hatten sich indeſs schon zerstreut, und ich sah die Araber enischlossen, mir nicht zu gehorchen. Für den Augenblick war, ohne es zu einem Aeuſsersten zu treiben, die Sache nicht mehr zu ändern; ich erwähnte indeſs:„Der Scheik, dessen Rückkehr ich schon den ganzen Tag erwartet habe, werde dies Unwesen zu bestra- fen wissen!“ Der Mameluck erwiederte:„Der Scheik werde sobald nicht ——— — ͦ————öö eintreffen; ein Brunnen, von dem wir noch zwei Tagereisen entfernt wären, sey von ihm zum Sammelplatze bestimmt.“ Ein Geständniſs folgte nun dem andern:„Der Scheik habe dem nach Bengasi gesandten Boten, gegen die erneuerte Uebereinkunft, auch diesmal Befehl ertheilt, die Grenze nicht zu überschreiten, sondern die Briefe dort blos abzugeben.“ Durch den Magro- binen erfuhr ich,„wir seyen beständig von der geraden Straſse abgeführt und unser Zug absichtlich verzögert. An der tripolitanischen Grenze würden wir zum wenigsten vier Wochen warten müssen, bis Antwort von Bengasi zurück seyn könne; und im günstigsten Fall würde eben so viel Zeit nöthig seyn, um diesen Ort zu erreichen.“ Mein Entschluſs war nun sogleich gefaſst, die Unternehmung nach Cyrene aufzugeben. Ich sah mich in der Gewalt treuloser Menschen, mit denen es eben so unnütz war zu streiten, als Verträge abzuschlieſsen. Meine Frau war von mir in einem barbarischen Lande unter Fremden allein zurückgelassen; sie hatte nur ungern in meine Abreise gewilligt; in drei Monaten hatte ich versprochen, in Cairo wieder bei ihr zu seyn. Jetzt hätte ich diese Zeit wenigstens verdoppeln müssen, ohne im Stande zu seyn, ihr auch nur Nachricht zu geben. Pflicht und Ehre geboten mir zurückzu- kehren; und es war ohne Zweifel räthlicher, dies gleich zu thun, als die etwa noch übrige Zeit an der tripolitanischen Grenze unter den peinigend- sten Verhältnissen unnütz hinzubringen. Zweckmälſsiger schien es mir, diese Zeit zur Untersuchung von Siwah zu verwenden, welches wir in fünf Tagen erreichen konnten. Auſserdem hatte mein verwundeter Arm sich stark ent- zündet, und forderte einige Tage Ruhe. Zu versprochener Zeit in Cairo eintreffend, konnte ich dann die schon früher verabredete Reise nach Oberägypten mit meiner Frau noch vor Eintritt der heiſsen Jahreszeit vollenden. Ich theilte meinen Gefährten diesen Entschluſs mit, es ihnen zugleich anheimstellend, ob sie den Zug nach Cyrene jetzt fortsetzen, oder mir nach Siwah folgen wollten; auf welchen letzten Fall ich vorschlug, die Reise künftig von Alexandrien nach Derna oder Bengasi zu Schiffe zu unter- —— ——— , 72 nehmen.„Da wir indeſs in wenigen Tagen die tripolitanische Grenze erreichen müſsten, und keine Pflicht sie zurückrufe, vielmehr ihre Zeit ganz unbeschränkt sey, so ermunterte ich sie, weiter zu gehen. Meine Empfehlungsschreiben an den KALIE-Bz., den Scheik HEæpoupAàAp und den englischen Consul in Bengasi, meinen Kreditbrief, die mitgenommenen Geschenke und was ich von Lebensmitteln entbehren könne, sey ich bereit, ihnen zu überlassen.“ Nach langer Berathung beschlossen sie, weiter zu gehen. Herr Professor LIMAN entschied sich, für die Untersuchung von Cyrene und der andern Orte der Pentapolis, welche mit ein Hauptzweck seiner Reise sey, eine ganz unlimitirte Zeit festzusetzen. Die Naturforscher, denen Herr Scülorz sich anschloſs, wollten dagegen im Frühjahr zur See nach Alexandrien zurück kehren. So war also unsere Verbindung durch gemeinschaftliche Uebereinkunft getrennt. Ich hielt es indeſs für meine Pflicht, die Karavane nicht zu verlassen, bis der Scheik wieder eingetroffen sey, um für die künf- tige Sicherheit des Zuges mit ihm alles Nöthige zu verabreden. Bei einbrechender Nacht wurden wir, wie der gewählte Lagerplatz mich hatte fürchten lassen, von Räubern beunruhigt, die in unser Lager zu schleichen versuchten. Wir waren jedoch wach, riefen ihnen zu und hiel- ten unsere Gewehre bereit. Einen ernstlichen Angriff wagten sie nicht. Es gab hier viele Rebhühner, Turteltauben und andere Vögel von mannig- faltiger Art. Den 23sten Morgens um 10 Uhr brachen wir von Kasser-Schama auf, und erreichten nach einander die Brunnen Bir El-Fadi, Bir Rakabah-Mar- sange, Bir Alem-Mel, Bir Talout- adi, deren einige leer waren. Wir lagerten Abends im Thal Vadi-El-Ghitani, wo sich mehrere Brunnen mit leidlichem Wasser befanden. Am 24sten machten wir uns um halb sechs Uhr wieder auf den Weg, und zogen langsam über ein hohes Plateau, wo wir einen leeren Brunnen fanden, Bir El-Bagar genannt. Um halb fünf Uhr lagerten wir uns bei einem gleichfalls leeren Brunnen Bir El-Kadrt El- Lauli. —%““ 73 Am folgenden Morgen den 25sten erneuerten wir unsern Zug wieder um halb sechs Uhr, erreichten den wasserleeren Brunnen Bir-Thoula, und endlich um 10 Uhr den Scheik, der bei dem Brunnen Bir El-Kor, welcher vortreffliches Wasser enthält, uns erwartete. Er war bereits Abends vorher hier eingetroffen, und unsere Araber hatten die Spuren seines Zuges an den in den Sand eingedrückten Hufen von seinem und seines Schwagers Pferde entdeckt. Das Lager wurde fast in der Entfernung einer halben Meile von dem Brunnen aufgeschlagen, des reichlicheren Futters wegen. Ich eröffnete nun dem Scheik meinen Enischluſs, die Karavane zu verlassen und nach Siwah zu gehen, zugleich ihn auffordernd, die anderen Herren gewissenhafter als bisher in möglichster Schnelle nach Derna zu führen. Er stellte sich sehr verwundert, weigerte sich aber, mich zu verlassen. „Er sey von dem Pascha mir allein untergeordnet und für meine Sicherheit verantwortlich gemacht.“ Nach Siwah zu gehen war ihm indelſs ganz gele- gen, er wollte dort einige Kameelladungen Datteln einkaufen, und verbarg seine Freude nicht, der gefährlichen Reise ins Tripolitanische überhoben zu seyn. Eben so wenig liels der Mameluck sich bewegen, so sehr ich ihm zuredete, und so dringend meine Gefährten ihn baten, mit ihnen zu ziehen. Auch er schützte die Befehle des Pascha vor, nach denen er sich nicht von mir trennen dürfe; vielleicht bewog ihn zu dieser Beharrlichkeit noch mehr die Ungeduld, seine Frau wiederzusehen, die er in Cairo zurückgelassen hatte. Zwei Verwandte des Scheiks wurden indeſs beauftragt, der weiter ziehenden Karavane vorzustehen, und die Erreichung Cyrenes schien gelin- gen zu können. zur Trennung der beiden Karavanen, die am folgenden Morgen statt finden sollte, wurde nun alles vorbereitet. Wir theilten die schon sehr verrin- gerten Lebensmittel, ich überliels den Weiterziehenden die für die tripoli- tanischen Häuptlinge bestimmten Geschenke, und wir sonderten die Gepäcke. Abends war die Luſt stark geröthet und verkündigte Wind, der sich auch während der Nacht einstellte, und am Morgen(den 268ten) in einen Chamsin überging, der uns alle auf unsere Lager niederstreckte. Unsere 10 — ——— — 74 Zelte standen im Schatten und aufser dem unmittelbaren Bereiche des Windes, das Thermometer zeigte nur 29 ⅛ Grad Reaumur. Gleichwohl schien die Hitze ganz unerträglich, die Lippen waren trocken, die Zunge klebte am Gaumen, und selbst die Robustesten von uns sahen blaſs und abge- spannt aus. Die Messung der Polhöhe bei Bir El-Kor gab 310 274 Den 27sten Morgens um 10 Uhr trennten sich unsere beiden Karavanen, nachdem wir uns gegenseitig Lebewohl gesagt und die Hände gedrückt hatten. Die Naturforscher mit ihrem Gehülfen und ihrem Dragoman, Herr Professor LIMAN, welchem Herr BorpRINI auf meine Erlaubnils als Gehülfe sich anschloſs, Herr Dr. SoHoxz mit einem arabischen Bedienten, siebzehn bewaffnete Araber, geführt von den beiden Verwandten des Scheik und dem Magrobinen, in allem 28 Personen, zogen gerade aus gegen Westen nach der tripolitanischen Grenze, von der sie nur etwa noch fünf Stunden entfernt waren. Sie hatten 29 Kameele und zwei Pferde bei sich. Ich dagegen wandte mich südlich, begleitet von Herrn Gnvoc, meinen beiden Bedienten und acht Arabern, nebst dem Scheik und dem Mamelucken. Wir hatten drei Pferde und zwölf Kameele, unter welchen zwei kranke. Ich durchzog von nun an eine etwas rauhere, unwegsame Gegend, die mit Sand und Steinen angefüllt war, und erreichte nach einem dreistün- digen Marsche den Brunnen Bir-Thoana. 1 ¾ Stunden weiter trafen wir auf einen kleinen Steinbügel, bei welchem ein Brunnen, Bir Laghi-Furath, mit wenigem, aber gutem Wasser. Um halb sechs Uhr erreichte ich den Fuls des Gebirges La-Rabbia, zog über dessen Rücken fort und iraf endlich in der Dunkelheit bei dem Brunnen Bir Fadi-Rabbia ein, in dessen Nähe die Zelte errichtet wurden. Der heſtige Ritt dieses Tages, noch beschwerlicher gemacht durch ein zufälliges Scheuwerden meines Pferdes, hatte meinen entzündeten Arm so sehr verschlimmert, dals ich mich entschlieſsen muſste, hier einige Tage still zu liegen, so sehr ich gewünscht hätte, meine Genesung in Siwah abwarten zu können. Leider war der Ort, wo wir uns befanden, zum 75 Bleiben wenig geeignet. Der Brunnen, welcher mir zum voraus von dem Schwager des Scheiks als vortrefflich geschildert war, enthielt zwar gutes Wasser, aber so wenig, daſs er in vierundzwanzig Stunden kaum drei Bockshäute voll lieferte, welches wohl für die Menschen, aber nicht zum Tränken unserer Thiere hinreichte. Diese muſsten daher einen ganzen Tagemarsch zurück nach Bir El-Kor zur Tränke geführt werden, wo das Schöpfen des Wassers aus dem sehr tiefen Brunnen jedesmal einen halben Tag wegnahm, und nur mit groſser Mühe bewerkstelligt werden konnte; und doch waren die armen Thiere schon wieder verdurstet, wenn sie den dritten Tag zu uns zurückkehrten. Zum Glück befand sich etwa eine Meile von unserem Lager ein einsamer Ziegenhirt, der mir täglich eine Flasche Milch zu bringen versprach, die mir zur Erquickung und zu Umschlägen für meinen Arm, an dem ich unsäglich litt, sehr willkommen war. Ich muſste bis zum achten Tag hier bleiben; wie schrecklich wäre, ohne diese zufällige Labung, meine Lage gewesen! Jener arme Araber behaup- tete, nicht mehr als zwei Ziegen bei seiner Heerde zu haben. Den 28sten blies ein starker Südwestwind, den die Araber Merisy nannten, und der Krankheiten herbeiführen soll. Ich litt den ganzen Tag viel, machte indeſs eine kleine Ausflucht, um den nahe gelegenen Bergrücken zu unter- suchen. Glücklicher Weise brach in der Nacht mein Arm auf, der entsetzlich angeschwollen war. In eben dieser Nacht schossen die Araber einen Wolf, den sie durch einen hingeworfenen Ziegenmagen herbeigelockt hatten. Er war etwas kleiner, als die in Europa gewöhnlichen, aber sehr fett. Die Araber machten sich sofort über ihn her, balgten ihn ab, brieten und ver- zehrten ihn mit groſser Lust. Ein Religionslehrer, der kurz nach vollendeter Mahlzeit ins Lager kam, und merkte, was sie gespeist hatten, schärfte ihnen darüber sehr ernstlich das Gewissen.„Der Wolf müsse zu den Hunden gezählt werden, und sey eine unreine, verdammliche Speise.“ Die Araber entschuldigten ihren Verstoſs, indem sie meinten, dieser Wolf sey gar fett gewesen. Ueberhaupt bewiesen sich meine Beduinen bei allen Gelegenhei- ten als sehr laue Anhänger Mohameds. 10* 76 Der Wind Merisy hielt den ganzen folgenden Tag an, wandte sich am 30sten gegen 10 Uhr Morgens nach Ost, und wurde um 2 Uhr Chamsin, wobei das Thermometer auf 27 Grad stieg. Abends drehte er sich und wurde wieder Ost. Den 31sten heulten während der Nacht die Wölfe gar gewaltig um uns herum; einige, die bis dicht an mein Zelt vorgedrungen waren, wollte ich erlegen, konnte aber mit meinem wunden Arm das Gewehr nicht halten. Den Isten November war das Wetter anfangs leidlich, dann fing es an zu regnen und der Himmel ward immer trüber. Ein Gewitter schien im Anzuge; es blitzte. Plötzlich entstand ein entsetzlicher Lärm, der Scheik und sein Schwager schwangen sich auf ihre Pferde und jagten davon. Die übrigen Araber griffen mit groſsem Geschrei zu den Waffen, um ihnen zu dem Platze, wohin sie ihre Kameele getrieben hatten, nachzueilen. Uns überlielsen sie unserem Schicksal. Die Erscheinung einiger berittenen Araber hatte diesen Aufstand veranlaſst; denn in der Wüste ist gleichsam bestän- diger Krieg, die Hand eines jeden gegen alle. So oft man in der Ferne Menschen erblickt, ist immer der erste Gedanke, es seyen Räuber. Diesmal waren es indels friedliche Strauſsenjäger; sie begleiteten unseren Scheik ins Lager, und wurden von ihm bewirthet. Er selbst hatte die Strauſsenjagd oft und mit Glück getrieben; sie ist beschwerlich, aber vortheilhaft. Den 2ien erhob sich in der Nacht um zehn Uhr ein heftiger Sturm, der mein Zelt niederwarf. Zum Glück sah ich den Unfall kommen und stand schnell von meinem Lager auf, ward aber doch von der einen losge- rissenen Wand des Zeltes mit Gewalt gegen die andere geschleudert. Herr GRUoc und mein Bedienter, welche bei mir im Zelte lagen, der herbeiei- lende Scheik und der Mameluck bemüheten sich umsonst, es an seinem Ort zu erhalten. Die Araber lagen in einem solchen Todesschlaf versunken, daſs weder der Sturm, noch die Donnerstimme des Scheik, noch unser verei- nigtes Rufen, sie zu wecken vermochten; nur durch heſtiges Rütteln kamen sie zur Besinnung und wurden wach. Ich bin überzeugt, daſs jene 4 2——— —— — — ι,‿——— 77 alten Erzählungen von einzelnen oder wenigen Menschen, die ein ganzes schlafendes Lager erwürgen, buchstäblich wahr sind. Durch gemeinschaftliche Bemühung wurde endlich das Zelt wieder aufgerichtet, und um die Stricke und Befestigungspfähle zu halten, machten unsere Beduinen sich kein Gewissen daraus, einige nahgelegene arabische Gräber zu demoliren, mit deren Steinen sie die Pfähle belasteten. Bei dieser Gelegenheit wurden der Mameluck und ein Araber von Scorpionen gestochen, die in groſser Anzahl unter den Steinen sich aufhielten. Die Zerqueischung eines solchen Thieres auf der frischen Wunde von Seiten des ersten, und bei dem Araber das unmittelbare Ausbrennen derselben, wurden als die sichersten Heilmittel sogleich angewandt. Endlich konnten wir uns wieder zur Ruhe legen, aber es stürmte und regnete fort bis zum Morgen. Am 3ten fanden wir dadurch die Luft angenehm abgekühlt und den Staub gedämpft. Der Brunnen La-Rabbia in unserer Nähe gab reichlicher Wasser, anderes sammelten wir mit Bechern aus den Felsenhölungen, und die Kameele wurden aus den hin und wieder zusammengeflossenen Regen- lachen getränkt. Da mir überdies der Scheik meldeie, dals er auſser zwei Brodten keine Lebensmittel für seine Araber mehr habe, und nur auf fünf Tage Gerste für unsere Pferde, so daſs wir bei längerem Verweilen Gefahr liefen hier zu verhungern, und ein sehr angestrengter Marsch nöthig seyn würde, um Siwah in vier Tagen zu erreichen: so entschloſs ich mich, am folgenden Morgen weiter zu ziehen, wie sehr auch mein offener Arm eine längere Ruhe verlangt hätte. Dem Ziegenhirten, der mir täglich die so wohlthätige Milch nach seinem Versprechen treulich gebracht hatte, schenkte ich ein Messer, ein Goldstück und etwa ein Pfund feines pulver. Auf letz- ieres setzte er den höchsten Werth, und die Beduinen verstehen sich trefflich auf die Güte desselben; aber die Politik des Pascha erschwert ihnen auf alle Weise dessen Ankauf. Wir machten uns also den 4ten November um halb 7 Uhr wieder auf den Weg, und durchzogen eine mit Futterkräutern für die Kameele noch ziemlich bewachsene Gegend. Abends um 5 Uhr schlugen wir bei —, 9 1 78 dem Brunnen El-Kamst unser Lager auf. Hier fanden die Kameele das letzte Futter bis Siwah, Wasser gab es nicht. Den folgenden Tag(den 5 ten) brachen wir um halb 6 Uhr auf. Die Gegend nahm nun ganz das Gepräge einer eigentlichen Wüste an; so weit das Auge reichte, sah man nichts als Sand und Steine. Der erste war gewöhnlich mit kleinen schwarzen Kieseln, die etwa eine Linie im Durch- messer hielten, gleichsam übersäet, so dals man ausgestreuten Saamen zu erblicken glaubte. Die alte Fabel von versteinerten Linsen in dieser Wüste(. Strabo XIVII. p„. 808.) erklärt sich also sehr natürlich. Die Ver- tiefungen des Bodens waren mit ausgewaschenem Lehm angefüllt, der, ausgetrocknet und durch die Hitze zerrissen, einem glatten Estrich glich. Der Glanz dieser Lehmflächen ist zuweilen so stark, daſs man aus der Ferne Wasser zu sehen glaubt; und so mag oft auch durch diese Erscheinung sich dem durstigen Wanderer das Gaukelbild der Mirage wiederholt haben. Heute sah ich zum erstenmal Strauſse in Truppen und zwar in zwei verschie- denen Zügen. Nach einem forcirten Marsche von achtzehn Stunden, machten wir um halb zwölf Uhr Nachts Halt, packten die Kameele ab, und war- fen uns sehr ermüdet auf eine der erwähnten Lehmflächen zur Ruhe bin. Ohne die Zelte aufzuschlagen und ohne Feuer erwarteten wir den Morgen. Um 6 Uhr traten wir unsern Marsch wieder an. Die Gegend, welche wir durchzogen, war der gestrigen ähnlich; nur wurde die Oberfläche wel- lenförmig. Nachts um auf 12 Uhr machten wir Halt, und lagerten uns unweit einer Stelle, wo sich die knöchernen Ueberbleibsel von fünf Ara- bern und ihrer Heerde erhalten hatten, die vor wenigen Jahren, wegen Mangel an Wasser, hier gemeinschaftlich ihren Untergang fanden. Eine schreckliche Warnung! Wir waren nur noch spärlich mit Wasser versehen, das Platzen eines Schlauches, das Weglaufen oder Stürzen eines Kameels, hätte uns unausbleiblich einem ähnlichen Schicksal ausgesetzt. Mich schau- dert unwillkührlich bei der Erinnerung an die Empfindungen jener Nacht. Ich bewachte von nun an den halben Schlauch Wasser, der mir noch übrig blieb, als ein unschätzbares Kleinod, und liels ihn nicht aus den Augen: ————-—.—— 79 denn die Araber trugen immer Sorge, daſs meine Wasserschläuche zuerst geleert wurden. Bedächte man vorher alle Mühseligkeiten und Gefahren eines Zuges durch die Wüste, man würde sich weniger leicht dazu ent- schlieſsen, oder doch die vorsichtigsten Einrichtungen treffen, um sie besser zu überwinden. Allein beim Anfang einer Unternehmung widerstrebt es, sich blos die unglücklichsten Fälle voraus zu denken. Nach kurzer Ruhe brachen wir Morgens den 7ten um auf 6 Uhr wieder auf. Da mein Pferd durch die vorhergehenden starken Märsche erhitzt und unbrauchbar geworden war, so hatte der Scheik die Artigkeit, mir das seinige zu überlassen; er selbst bestieg dagegen ein Kameel. Etwa drei Stunden Weges diesseits Siwah stieſsen wir auf eine Gruppe von Stein- haufen, welche die Gräber einer hier vor mehreren Jahren erschlagenen Karavane bezeichneten. Bald darauf forderte der Scheik mich auf, mich und meine Gefährten zu bewaffnen, weil die Gegend unsicher sey. Er selbst rüstete sich bei dieser Gelegenheit auf das beste, und enthüllte heut zum erstenmale den schönen, damascirten und mit Silber beschlagenen Trombon. Die seltsam gestalteten Felsen, welche wir nun zu durchziehen hatten, boten wirklich zu einem mörderischen Ueberfall die beste Gele- genheit. Engpässe zwischen zerrissenen Klippen, Schluchten und Erdfälle folgten dicht auf einander, während rings umher pyramidalisch gestaltete Felsenmassen sich aus der Felsen- oder Sandfläche einzeln empor thürmten. Ich ritt mit dem Scheik und dessen Schwager voran, indeſs die Karavane uns langsamer folgte. Die Vorsicht, welche der Scheik hier bewies, war übrigens nicht gan⸗z unveranlalst. Ich erfuhr in Siwah, daſs eine Bande von 25 berittenen Beduinen, von noch anderen auf Kameelen und Eseln begleitet, uns nach- gestellt habe; man war sogar verwundert, uns eintreffen zu sehen. Nach allen Berichten muſsten sie während der letzten Nacht an unserm Bivouac vorbeigezogen seyn, ohne uns zu bemerken. Gerade was uns damals so beschwerlich fiel, der Mangel an Feuer und die äulserste Ermüdung, welche Menschen und Thiere in einen wahren Todesschlaf versenkte, hatte uns 80 gerettet. Diese Räuber waren von unserer Stärke genau unterrichtet, und da sie uns verfehlt hatten, nach Augila gezogen, der nächsten Oase gegen Westen. Nannigfaltiger kann man sich nichts denken, als die Felsen, welche Siwah besonders von der Norqdseite einschlieſsen, gleichsam als hätte die Natur selbst dieses gesegnete Plätzchen gegen jeden Angriff befestigt. Bald glaubte ich altes Burggemäuer, Thürme und Bollwerke zu sehen, bald Kegel, Pyramiden oder phantastisch zerrissene Klippen, die ich nicht ohne Verwunderung betrachten konnte. Endlich erreichten wir den Thalrand der Oase und erblickten das auf einer Felsenmasse, wie eine Burg, aufge- thürmte und dicht in einander gedrängte Siwah mit noch zwei andern Dörfern der Oase, umgeben von Gärten und Palmenwäldern; ein unendlich erfreuender Anblick, wenn man, wie ich, wochenlang nichts als die dürre Wüste um sich gesehen. Im Schutze einer Felsenwand erwarteten wir hier unsern Nachtrab, der in einer Viertelstunde eintraf. Die Freude der Araber, als sie die Oase mit ihren Gärten vor sich sahen, überschritt alle Grenzen. Sie sprangen, schrieen, sangen, tanzten und feuerten ihre Gewehre ab, und zwar mit solcher Unvor- sichtigkeit, daſs mir die Kugeln um die Ohren pfiffen. Das scheue Pferd unseres Scheiks, welches ich ritt, machte bei jedem Schuſs einen hohen Satz oder sprang auf die Seite, so daſs diese Freudenbezeugungen meinem wunden, verbundenen Arm sehr übel bekamen. Die Beduinen triumphirten, zugleich dem Hunger und einem Angriff ihrer Feinde entgangen zu seyn, und lielsen, wie erwachsene Kinder, durch nichts in ihrer tobenden Lustig- keit sich stören. Das Schieſsen war übrigens unter allen Umständen fast ihr liebster Zeit- vertreib. Sie schossen während des Marsches und im Lager, selbst wenn die gröſste Ursache war, unsere Gegenwart verborgen zu halten. Voll Wi- dersprüche waren sie dagegen oft ängstlich ohne allen Grund, und sprachen von drohender Gefahr, während sie zu derselben Zeit sich einzeln von der Karavane entfernten, oder singend und tanzend hinter derselben einherzogen. —— —————EVV— 81 Es treten nämlich mebrere zusammen, hängen die Gewehre über den Rücken, und singen, indem sie einen kadenzirten Geschwindschritt beobachten und dazu in die Hände schlagen, eine Art Kanon, wobei immer ein Vortanzender die ersten Worte anstimmt, und die übrigen alsdann einfallen. Den Inhalt dieser Lieder konnte ich nicht erfahren, mein Dollmetscher behauptete, er verstehe die Worte nicht. Aus der Mimik, womit sie vorgetragen wur- den, lieſs sich indeſs leicht schlieſsen, daſs sie etwas Unsittliches enthalten mochten. Einer dieser Gesänge oder Kanons hiels: Ana- Doja Fiména. welche Worte der Vorsänger zuerst sang; alsdann fielen die Uebrigen beim zweitenmale ein, und nach der dritten Wiederholung stieſs der Vorsänger ein gellendes Geheul aus, welches Jau lautete, und eben so genannt wurde. Zuweilen begleiteten sie diesen Gesang mit einer arabischen Doppelflöte von Rohr, die an die antiken Flöten dieser Art erinnert, und deren Klang von unserer Schalmei, oder von dem sogenannten polnischen Bock sich in nichts unterscheidet. Das Spielen der Flöte scheint den Kameelen angenehm zu seyn. Auch im Lager versammelten sich die Araber zum Gesang; sie traten in einen Kreis zusammen, in dessen Mitte einer gestellt wurde, der, während sie auf obige Weise sangen und in die Hände klatschten, sich unaufhörlich auf und nieder ducken mulste. An allen diesen Belustigungen lielsen sie es bei dem Eintreffen vor Siwah nicht fehlen. Ich sandte den Scheik und seinen Schwager mit den Empfehlungsschreiben, die ich an das erste Oberhaupt der Religion und an den ältesten Scheik bei mir führte, nach Siwah voraus, indem ich mit der Karavane Pſui folgte. Der Weg führte etwa eine halbe Stunde lang durch lauter Palmenpflanzungen, bis wir den Hauptort erreichten. Anfangs wurden grolse Schwierigkeiten gemacht, ob man mich einlassen wolle; denn die Siwaher sind ein gar argwöhnisches Völkchen. Endlich erfolgte die Entscheidung, daſs ich auf einem freien Platze zwischen der Ringmauer und den Häusern mit meiner Begleitung mich lagern solle. Hier wurde mein Zelt in der Nähe eines Bethauses bei dem Grabe Scheik Soliman's, eines Heiligen, 11 82 aufgestellt. Dicht aulserhalb der Ringmauer befindet sich ein sumpfiges Wasser, dessen widrige Ausdünstungen, die besonders Morgens und Abends sehr beschwerlich waren, der Gesundheit nachtheilig seyn müssen. Die Einwohner von Siwah werden auch jährlich, wahrscheinlich aus diesem Grunde, von bösartigen Fiebern heimgesucht, wovon sich bei meiner Anwe- senheit noch Spuren fanden. Sogar der ganze Boden des geräumigen Platzes, wo ich gelagert war, schien mir mephitische Dünste auszuhauchen; kein Wunder, dals die hiesige Luft, besonders Fremden, wie Broœxne bemerkt, leicht verderblich wird. Merkwürdig aber schien mir die Behauptung, die ich gleich anfangs hörte und die mir später bestätigt wurde, dalſs die Pest in Siwah niemals herrsche. Ein Beweis mehr, daſs dieses Miasma sich nicht durch verdorbene Luft erzeugt, sondern blos durch körperliche Berührung fortpflanzt, also im Orient, wie es in Europa geschehen ist, durch fortge- setzte Sorgfalt ausgerottet werden könnte. Sobald mein Zelt errichtet war, lieſs ich die angesehensten Männer des kleinen Staates, nämlich das schon erwähnte erste Oberhaupt der Religion und einige Scheiks zu mir einladen. Sie kamen ungesäumt, und ein förm- licher Divan wurde eröffnet, zu welchem sie auf die Fersen niederhockten, oder mit untergeschlagenen Beinen umhersaſsen. Ich trug ihnen vor,„daſs ich zu einem friedlichen Besuch zu ihnen gekommen sey, bezog mich auf die schon übergebenen Empfehlungsschreiben des Pascha, und ersuchte sie, mir die Besichtigung aller Merkwürdigkeiten ihres Landes zu verstatten, zu welchem Ende sie mir einige sachkundige Führer aus ihrer Mitte beige- ben möchten.“ Sie erklärten sich zwar dazu bereit, äuſserten aber zugleich ihre vielfachen Bedenklichkeiten. Nichis ging deutlicher daraus hervor, als die unendliche Wichtigkeit, welche dies abgesonderte Völkchen seinem Lande und Allem darin befindlichen beilegt. Besonders schienen sie in Furcht, dals ich zauberische Kräfte zu ihrem Verderben in meiner Gewalt habe; denn alle Denkmäler in und um Siwah, besonders die Katakomben, sind nach ihrer Meinung gleichsam gebannt und in dem Schutz geheimniſs- voller, feenartiger Mächte. 83 Ihre abergläubische Eifersucht äufserte sich darüber ganz unbefangen: „Nach dem Besuch des ersten Franken, der zu ihnen gekommen und sogleich in die unterirdischen Wohnungen eingedrungen sey, habe eine Quelle zu flieſsen aufgehört, und auch später, wie sie behaupteten, nicht mehr so viel Wasser gegeben, als vorher.“ kein anderer kann dieser Rei- sende gewesen seyn, als Herr Broane, der 1792 zuerst nach Siwah vordrang. „Auf einer Insel des Birket-El- Araschi, eines kleinen Landsees, der in beträchtlicher Entfernung nordwestlich von Siwah liegt, sey der Hiing, das Schwert und die Krone des Königs Salomon vergraben,“ dieses Erzzauberers nach der Meinung des ganzen Orients,„und ihnen stehe das gröſste Ver- derben bevor, wenm diese Stücke entwendet würden; es sey aber eine lebensgefährliche, schreckliche Unternehmung, die sie mir wohlmeinend widerriethen.“ Sie fürchteten diese Entwendung übrigens blos durch Zau- bpergewalt; denn da es auf dem ganzen See kein Boot giebt, und kein Hol⸗z in der Nähe ist, um eines zu verfertigen, so müſste man wirklich ein Hexen- meister seyn, um hinzugelangen. Vor einigen Jahren wurden sie indeſs sehr ernstlich wegen dieser Schätze in Schrecken gesetzt. Ein französischer Oberst, Herr Bütin, der später in Syrien ermordet wurde, kam nämlich in Siwah mit einem tragbaren Boot an, welches er zur Beschiffung des Birket-El-Araschi, und zur Untersuchung der angeblichen Denkmäler jener Insel, bei sich führte. Nicht so bald hatten die Siwaher die Bestimmung dieses Geräthes bemerkt, als sie gegen den vermeinten Zauberer die Waffen ergriffen. Herr Bütin rettete nur mit Mühe sein Leben, und das Boot wurde verbrannt. Jetzt erlauben sie den Besuch des Sees, soweit sie es hindern können, gar nicht mehr, und hätten sich auch sehr gern der Verbindlichkeit entzogen, mir ihre anderen Herrlich- keiten zu zeigen. Allein da ich zu ihrem Erstaunen nach allem Bekannten fragte. so fingen sie an zu glauben, es werde vergebens seyn, mir etwas zu verheimlichen, und die Furcht vor dem Pascha that das übrige. Ich erbielt volle Freiheit, alles zu untersuchen und zu zeichnen, wodurch sie, nach 11* 8 3 8 1 4 3 4 ——————— —— 84 ihrer Meinung, das Wegführen der verborgenen Gold- und Juwelenhaufen mir zugestanden. Vor mir war es den Herren Drocetti, Ricci und Linant, welche der Expedition des Pascha zur Eroberung Siwahs beiwohnten, nur dadurch gelungen, alles Merkwürdige der Oase zu sehen, daſs sie mit bewaffne- ter Hand es gleichsam erzwangen, indem zum Schein Kanonen auf den Hauptort gerichtet wurden. Herrn Cailliaud aber wurde die genauere Untersuchung der Denkmäler nicht gestattet; und eben so ging es meinen Reisegefährten, die nach mir in Siwah eintrafen und fast als Gefangene behandelt wurden. Fünktes Kapitel. Siwah. Ueber die Oasen und ihre Eintheilung— Die Oase des Jupiter Ammon— Siwah— Santariah— Lage, Groſse, Beschaffenheit und Cultur von Siwah— Datteln und andere Producte— Ort- schaften— Stämme, Sitten und Gesetze der Einwohner— Verfassung— Eroberung Siwah's durch Mehemed-Ali— Herhunft der Ammonier— Einheimische Ueberlieferungen und arabische Naohrichten— Sprache von Siwah— Ruine Umebéda— Lage derselben— Schargieh— Sonnenquell— Einfassungsmauer— Pronaos und innerer Tempel— Construction desselben— Bemalte Mandreliefs— Unterirdischer Gang in der Nähe des Tempels. Die Oasen dachte ich mir sonst als Gegenden, die durch fruchtbaren Humus sich von der sie umgebenden Wüste auszeichneten, wie man dies zuweilen in Europa an der Elbe und Oder, und selbst in Aegypten findet, wo die Wasserscheide des Nil oſt ein nackendes steiniges Ufer von einem fruchtbaren trennt. Dagegen fand ich, daſs nur mehr oder weniger süſses Wasser sie bedingt, da ihr Boden dem der Wüste meistentheils gleich pleibt, und nur durch die Bewässerung veredelt wird. Den Ruhm auſser- ordentlicher Fruchtbarkeit und Schönheit verdanken sie ihrer Lage. Für die Beduinen der Wüste sind sie in der That Inseln der Seligen, wie sie dem Herodot in Aegypten bezeichnet wurden.(III. 26.) Selbst den Reisenden, der unendlich gesegnetere Gegenden kennt, entzückt, nach wochenlangem Durchwandern einer verbrannten Einde, der Anblick eines grünenden Bodens, flieſsender Wasser und fruchttragender Bäume. ———* 86 Das Wort Oasis oder Auasis, welches Herodot noch für den eigenen Namen einer Stadt hielt, bezeichnete bei den Aegyptern jeden von wasser- loser Wüste umgebenen bewohnten Ort. Strabo, dem wir diese Notiz ver- danken*), bemerkt auch, daſs es im Innern des weiten Libyens solcher fruchtbaren Inseln sehr viele gebe. Derselbe Name lautet im Arabischen El-Trah, welches zunächst die in der Parallele von Theben liegende groſse Oase bezeichnet, wie dies schon zu Herodots Zeiten der Fall gewesen zu seyn scheint. Zum Unterschied von den übrigen nennt man aber diese Oase auch wohl die südliche: El-Tah el-Keblieh. Zusammen mit der fast unter demselben Meridian nördlicher belegenen kleineren Oase, begreift man sie unter dem Namen der inneren Oasen: El- TTrahat el- Dakhelat“**), oder der westlichen: El- Iahat el- Gharbiat. Siwah dagegen heiſst die ferne Oase: El-TTah el-Kossouy, oder bildet mit den sie umgebenden kleineren, im Gegensatz der inneren, die ãußseren Oasen: El- Trahat el-Kharedjat. Im Koptischen hat der altägyptische Ausdruck in den Formen Ouahst und Ouahe sich erhalten, wovon die letzte mit dem arabischen Trah fast ganz übereinstimmt. Alle diese Worte bezeichnen blos Tohnung oder bewohnten Ort***).—. Ungeachtet dieser allgemeineren Bedeutung, beschränkte man während der Zeit der römischen Herrschaft und wahrscheinlich schon früher, den Namen durchgängig auf die zunächst bei Aegypten westlich vom Nilwall und fast parallel mit dem Strom sich hinziehenden inneren Oasen, die wegen ihrer Lage wohl von jeher von diesem Lande abhängig waren, und *) Strabo I.„. 114. XLII. p„. 799. **) Daher der Name Dakel, welchen die von dem Herrn Chewalier Drovetti besuchte Oase führt, die zwischen der groſsen und kleinen Oase in der Mitte liegt. Man sehe Cailliaud voyage à l'Oasis de Thebes etc. Paris 1821. **αρ) M. s. Langlés, Memoire sur les Oasis d'aprds les auteurs arabes, im zweiten Theil seiner Uebersetzung von Hornemann's Reise. Paris 1803. p. 341. etc. und Ideler über die Oasen der libyschen Wiiste im 4ten Band der Fundgruben des Orients(1814) p. 393 etc. ————CQONCOQO‧—OCO—ę—ꝑ————-— 87 unter der Benennung Oasis magna und Oasis parca zwei besondere ägyp- tische Nomen ausmachten*). Schon dies beweist eine beträchtliche Cultur und Bevölkerung. Die Oasen bildeten von dieser Seite gleichsam die aäuſserste Vorhut des römischen Imperiums, und wurden durch militärische Besatzungen gedeckt. Cailliaud fand in der grolsen Oase die Ruinen vie- ler Tempel und griechische Inschriften. Drocetti theilt eine solche mit, welche die Erbauung eines Heiligthums und eines Pronaos für das Heil des Kaisers Antoninus Pius und seines Hauses erwähnt; und es haben sich für die Oasen geprägte kupferne Scheidemünzen erhalten, mit dem Bildniſs eben dieses Kaisers*). Belzoni fand in der kleineren Oase, auſser Kata- komben, die Reste eines bedeutenden Tempels gleichfalls mit einer griechi- schen Inschrift**). Selbst Dichter und Schriſftsteller, wie der fabelreiche, nicht unberühmte Grammatiker Apion und der Epiker Soterichus, gingen aus den Oasen hervor; so daſs ein Strahl griechischer Bildung bis in diese verborgensten Winkel der Erde gedrungen seyn muſs, die man in Aegypten als furchtbare Verbannungsorte benutzte, aus denen jedes Entrinnen unmög- lich schien. Man zog indeſs daselbst, nach Strabo, sogar guten Wein. Weit bekannter, als diese Oasen, ist die entferntere dritte, wegen des dort gegründeten Orakels des Jupiter Ammon, das seit dem Aufblühen des libyschen Cyrene schon früh auch bei den Griechen in Ansehen kam; beson- ders aber auf Anlaſs des Zuges, den Alewander der Groꝭ(Bpe dorthin unternahm, häufig beschrieben wurde. Zu Strabo's Zeit war es Aegypten untergeben, und aus allen Nachrichten über die Lage des Ammonischen Orakels, von Herodot an***), wird es auſser Zweifel gesetzt, dals es nirgend anders wo zu suchen sey, als in dem jetzigen Siwah. Keine Oase von beträchtlichem Umfange *) Plzn. r. W. J, 9. *ν) Mionnet desoription de nedailles antigues. Vol. VI. α*σ) Belzoni Narrative p. 408 und 418. etc. X*) Herodot II.. 181. 182. Strabo XIII. p. 799. Plinits H. N. VM. a. 3. Ptolem. Geogr. l. II.. c. 5. iEEEEn—yꝛ—ð— 4 * 1 88 ist bis Augila hin in Libyen vorhanden; die Lage Siwah's zu der von Baratoun, Curin, Augila und Aegypten ist dieselbe, wie die des Ammon- tempels zu der von Parätonium, Cyrene und den beiden andern Punkten. Die natürlichen Merkwürdigkeiten beider Gegenden treffen zusammen; und sollte man noch einen Beweis verlangen, so erblickt man jetzt unter den Bildwerken des Heiligthums von Siwah den widderköpfigen Ammon, eben so dargestellt, wie er auf den Denkmälern von Theben vorkommt. Eine Uebereinstimmung, die schon Herodot bemerkt(IV. 181.). Noch entscheidender wird dies alles durch folgenden Umstand. Aeltere arabische Schriftsteller schildern unter dem Namen Santariah oder Santriah eine Oase, die keine andere seyn kann, als die des Jupiter Ammon. Makrisi, der in der ersten Hälfte des 15 ten Jahrhunderts schrieb, bemerkt ausdrück- lich, daſs Santariah zu seiner Zeit sehr herabgekommen sey und den Namen Siwah führe*). Was daher Rennell zuerst aus den Nachrichten Browne’s erwies, und Hornemann an Ort und Stelle muthmalste, dafs nämlich in Siwah der Orakelort des Ammon zu suchen sey, darf man als völlig gewils annehmen. Nach Browne liegt der Hauptort(Siwah Kebir) unter dem 290 12 nörd- licher Breite und 44° 54 Ostlänge von Ferrol, die Rennell auf 44 97 50 1 reducirt. Meine Messung, die ich indeſs nicht in dem Hauptort, sondern bei dem Tempel anstellte, ergab 29 97 52“, welcher Unterschied mit der Entfernung der Standpunkte ziemlich zusammentrifft. Browne schätzt die Länge der Oase auf sechs englische Meilen, und ihre Breite auf 4 ½ bis fünf (etwa 1¼¾ und deutsche Meilen); die Länge des fruchtbaren Gebiets beträgt aber, nach meiner Abmessung, über zwei deutsche Meilen, die Breite dage- gen nirgend über eine halbe. Der Boden besteht entweder aus bloſsem Sand, oder ist mit sandigem Thon bedeckt, der meistens mit Salz geschwän- gert ist, welches, an manchen Stellen, in groſsen reinen Geschieben, oder auch als feines krystallisirtes Salz zu Tage bricht. Zahlreiche süſse Quellen *1) LZanglds I. c. F. 383. ete. 89 bewässern das Erdreich, andere sind salzig, und der Boden hie und da feucht, sumpfig und mit kleinen Salzseen bedeckt, aus einigen von welchen ganz sonderbar fruchtbare Inselchen hervorsteigen, die süſse Quellen ent- halten und mit den reichsten Pflanzungen bedeckt sind. Die frühe und hohe Cultur zeigt sich noch hier in dem groſsen Ueber- fluſs von Datteln, Granatäpfeln, Feigen, Oliven, Aprikosen, Melonen und Trauben, so wie in manchen Zweigen der Gärtnerei. Auch sieht man man- cherlei Arten von Gesträuch, unter welchen eine wildwachsende Pflaumen- gattung von herbem Geschmack. Orangen, welche nach der Erzählung einiger Herren, die Siwah mit der Armee des Pascha besuchten, sich hier finden sollen, habe ich nicht erblickt; die Araber fabeln indeſs von einem Orangenbaum, der jährlich 14,000 reife Früchte trug. Das Hauptproduct sind die Datteln, die in groſser Menge und beson- ders wohlschmeckend gewonnen werden; auch sollen sie alle andern an Güte übertreffen*). Sie gerathen indeſs nicht immer; zur Zeit meiner Anwesenheit klagten die Oberhäupter über den diesjährigen Miswachs, und zeigten mit Betrübniſs auf den weiten leeren Platz, wo mein Zelt aufge- schlagen war;„In guten Jahren, sagten sie, sey dieser ganze Platz mit Datteln bedeckt.“ Sie erndten indeſs fünf bis neun tausend Kameelladungen jährlich, die Ladung zu drei Centnern gerechnet. Auf mehreren groſsen plätzen werden die Datteln ausgesucht und getrocknet; sodann in Magazinen, die unter Aufsicht der Regierung stehen, aufbewahrt, und, in Körben von bestimmter Gröſse und Form verpackt, weit und breit ausgeführt. Schon VFransleb gedenkt in seiner 1664 unternommenen ägyptischen Reise der Datteln, die aus Siba nach Alexandrien kommen. Der Baum, welcher sie hervorbringt, die gewöhnliche Dattelpalme, trägt hier vom vierten Jahr an bis zu seinem Absterben, welches erst nach *) Der Herr General hatte Datteln aus Siwah von Alexandrien nach Berlin gesandt. Sie schienen mir kleiner als die gewöhnlichen und von weilserer Farbe. Besonders weiſs war aber das Fleisch und von einer sehr feinen aromatischen Süſsigkeit. Auch von den weiterhin erwähnten Kör- ben aus Palmblättern sind einige nach Berlin gebracht worden; ihr Geflecht ist sehr sauber und zum Verwundern fest. Schon Arrian erwähnt sie in der Geschichte Aleanders, I. III.«. 4. 12 —— 90 hundert oder gar zweihundert Jahren eintreten soll. Viel früher vergeht er aber, wenn man ihn anzapft, um aus dem Saft ein dem Wein oder Brannt- wein ähnliches Getränk anzufertigen, welches die Siwaher sehr lieben, oder ihn seiner Krone beraubt, um den Kern zu genieſsen, der wie frische Nüsse oder Mandeln schmeckt; wodurch sein Hinsterben entweder sogleich, oder nach wenigen Jahren herbeigeführt wird. Jeder Baum trägt nach seiner Gröſse und Fruchtbarkeit einen, anderthalb bis drei Zentner Früchte, und wird von den wohlhabenden Besitzern alle Jahre, von den minder wohlha- benden aber nur alle zwei Jahre mit der getrockneten stacheligen Pflanze Agoub(Hedysarum Alhagi, in der Siwahsprache Agour genannt) gedüngt. Die Datteln, deren es in Siwah dreierlei Arten giebt, weiſse, rothe und weiche, heiſsen in der Landessprache Regaum; die weiſse Art Elquak, die rothe Gesalt, und eine andere Sultanie; die weichsten endlich, die zugleich stimulirend seyn sollen, Thewa. Diese Frucht dient in der Oase den Einwohnern und dem Vieh fast allgemein zur Nahrung, ist aber erhiz- zend und beständig genossen der Gesundheit nicht zuträglich. Das eigent- liche Dattelland ist bekanntlich das nördliche Afrika, besonders zwischen dem 26sten und 29sien Grad der Breite, welcher Landstrich deshalb bei den Arabern Belad-el- Dscherit(Biledulgeridl, das Dattelland) genannt wird; doch kommen die Palmen nur an fruchtbaren Stellen fort; wo man solche daher erblickt, darf man darauf rechnen, in der Nähe süſses oder wenig- stens trinkbares Wasser su finden. Auſser den Datteln werden in Siwah an Gerste im Durchschnitt hundert und funfzig Ardebs jährlich gewonnen, an Reis etwa nur vier Ardebs, der Anbau beider Producte lieſse sich aber sehr vermehren. Aus Oliven wer- den jährlich 2000 Oken Oel geprelst. Da in einer so kleinen Communität alles wichtig und den Einwohnern bekannt ist, so wuſste man mir zu sagen, der sämmtliche Viehstand belaufe sich an Rindvieh auf 250 Stück, Esel habe man etwa 1500, Ziegen 300, Kameele aber nur wenige. Dieses Thier gedeiht nämlich in der Oase nicht, wahrscheinlich wegen des sumpfigen Bodens; auch verführen die Siwaher ihre Producte nicht selbst, sondern ——· 91 sie werden von den Fremden abgeholt, denen sie auch ihre getrockneten Trauben verhandeln. Die Oase zählt, aufser dem Hauptorte Siwah-Kebir, Groſs-Siwah oder auch Weau-Siwah genannt, noch drei Städtchen oder Dörfer, die Siwah- Schargieh, Ost- oder Alt-Siwah, Siwah-Garbieh, Trestsiwah, und Maschie heilsen*). Sie liegen sämmtlich bis auf eins auf Anhöhen oder Felsenmas- sen, und sind armselig gebaut, indem die Häuser blos aus mit Salz ver- mischter Erde oder Lehm aufgeführt sind; indeſs sind diese Orte zum Schutz gegen die Anfälle der Wüstenbewohner mit hohen Mauern umgeben, und erhalten dadurch ein burgmälsiges Ansehen, wie aus den beiliegenden Zeichnungen von Srvah Kaber und von Schargieh, Tafel. III. und XI., her- vorgeht. Im Innern wimmeln sie von Menschen, und Hornemann vergleicht sie sehr treffend mit summenden Bienenstöcken. Die ganze Bevölkerung wird auf 8000 Köpfe gerechnet, und theilt sich in folgende sechs Stämme: VZIohled-Selleman, Annady, Bage, Maficl, Scherof und Aooare. Sie sind sehr unruhig und streitsüchtig. Ihre Händel schlich- ten sie durch eine Art Zweikampf oder vielmehr durch einen Mehrkampf, indem von den verschiedenen Partheien eine gleiche Zahl Kämpfer trupp- weise mit einander ficht. Vor mebreren Jahren sollen in einem solchen Kampfe, auf einer Stelle bei dem Hauptort, zwei Partheien so lange mit einander gekämpft haben, bis von beiden Seiten mehr als vierzig auf dem *) Auffallend ist es, bei Hornemann, der 1798 in Siwah war, sechs Ortschaften und ganz verschiedene Namen zu finden. Auſser Siwabz, dem Hauptort, nennt er Agremieh, Mellem, Men- schieh, Sbocha und Barischa(pag. 28. der franz. Uebers.). Da er indeſs bemerkt, das Dorf Agremieh heiſse so bei den Eingeborenen, sonst aber Schargiehl?, welches der in den Notizen des Herrn Generals angegebene Name und, wie die übrigen, arabisch ist, so darf man annehmen, alle diese seyen blos bei den Beduinen gebräuchlich, die bei Hornemann vorkommenden aber die einheimischen und wahren. Ueber die Verschiedenheit in der Anzahl der Dörfer wage ich nichts zu bestimmen; vielleicht sind die bald anzuführenden inneren Kriege bisweilen ernsthafter, als die Siwaher eingestanden, vielleicht unterliegen sie auch zu Zeiten den Angriffen der Beduinen. Weiter- hin wird man einen zerstörten Ort angefülut finden, und einen von Augila eingewanderten Bedui- nenstamm. 12* ———— — 9 92 platze blieben, worauf die übrigen sich friedlich in ihre Dörfer zurückzogen. Wenn aber ein Eingeborner einen andern Siwaher tödtet, so steht es dem nächsten Verwandten des Ermordeten frei, entweder 1400 spanische Tha- ler als Lösegeld für die Blutschuld anzunehmen, oder die Auslieferung des Mörders zu fordern, den er in diesem Falle das Recht hat zu töd- ten. Gemeiniglich geschieht dies auf die Weise, daſs der Bluträcher den Mörder an einen Baum bindet, und ihm durch einen Flintenschuſs das Leben nimmt. Die beträchtliche Summe des Lösegeldes erklärt sich aus dem Reichthum der Siwaher; denn das Geld, welches die Beduinen durch ihre Heerden, durch Raub und Karavanenzüge erwerben, zieht sich unfehl- bar allmählig in die fruchtbaren Plätze, von wo aus sie sich gelegentlich versorgen. Auch führt der Dattelhandel viel Baarschaft in dies Ländchen. MEHEMED-AII konnte ihm daher eine Kriegssteuer von 12,000 spanischen Thalern auflegen. Die Justiz ist, wenigstens den Gesetzen nach, sehr streng. Diebstahl wird mit dem Verluste der einen Hand, ausgeübte Gewalithätigkeit gegen Frauenzimmer mit achzig Streichen mit dem Ochsenziemer bestraft, und der Thäter muſs die Gefallene ausstatten und heirathen. Nur die verheira- theten Männer dürfen in dem oberen Theile der Stadt wohnen, der unglaublich eng und verworren gebaut ist. Sobald die Knaben heran wach- sen, müssen sie in besondere Häuser ziehen, die auſserhalb der ersten Ring- mauer der Stadt liegen; und hieher müssen sich auch alle Wittwer begeben, bis sie wieder verheirathet sind. Sollten diese Einrichtungen aus dem Alter- thum stammen, so wären sie höchst merkwürdig; vielleicht entspringen sie blos aus der heftigen Eifersucht und aus der Bauart der Stadt, die gleich- sam ein einziges Gebäude ausmacht, das aus vielen engen Hütten zusam- mengeklebt ist. Die drei Siwaher, von denen Ripaud in Alexandrien seine Nachrichten über Siwah erhielt, erzählten ihm auch, ihre Stadt sey ein groſses Haus, in welchem die ganze Bevölkerung bei einander wohne*). * *) Langles zu Hornemann pag. 399. —ͤ— 93 Bezieht sich übrigens die von Ripaual angegebene Zahl von 2000 Ein- wohnern auf die ganze Oase, so ist sie zuverlässig zu gering; so wie Hor- nemann's Schätzung der waffenfähigen Mannschaft auf 1500 mir zu groſs zu seyn scheint; wenigstens dürfte man gegenwärtig kaum diese Zahl her- ausbringen. Vielleicht übertreiben die Siwaher absichtlich die Nachrichten über ihre Volksmenge. Noch vor Kurzem erkannie dieser kleine Staat, als oligarchische Republik, zwar den türkischen Kaiser für seinen Oberherrn, zahlte aber keinen Tribut. An inneren Revolutionen scheint es indelſs nicht gefehlt zu haben. Zu Hadschi Abdallah's Zeit*) regierte ein Rath der Alten, aus sechs bis acht Oberhäuptern bestehend. Browne fand 1792 die Gewalt in den Händen von vier oder fünf Scheiks, worunter drei Brüder waren*). Wenige Jahre später bestand ein aus den Alten gewählter Rath von zwölfen**). Eben so viele hätten, dem Gesetze nach, zu Hornemanns Zeit(1798) herrschen sollen, und zwar abwechselnd immer zwei von ihnen zugleich; allein zwanzig andere hatten sich den zwölfen mit Gewalt beigesellt und gleichfalls den Ehren- titel Scheik angenommen; auſserdem wurden auch noch Volksversammlungen gehalten***). Im Frühjahr 1820 muſste sich Siwah den Truppen des Pascha MEHEMED-AII, nach vorhergegangenem Kampf, der durch Kanonen eni- schieden wurde, unterwerfen, und eine abgeschlossene Convention verpflich- iete die Einwohner zu der erwähnten Kriegssteuer von 12,000 spanischen Thalern und zu einem jährlichen Tribut von 2000 Kameelladungen Datteln. Gegenwärtig ist die Zahl der Scheiks unbestimmt; auſser dem Oberhaupte der Religion und einem zweiten, das jenem zur Seite steht, zählte man noch zehn untergeordnete Chefs. Die alten Ammonier waren eine Kolonie der Aegypter und Aethio- pier, und ihre Sprache war aus denen dieser beiden Völker gemischt, oder *) Proceedings I. P. 193.* ν) Langlds p. 400. 4*) Travels p. 25. rX) Hornemann, voyage p. 31. —— 94 hielt das Mittel zwischen beiden*). Eine Bestätigung dieser Nachricht könnte man darin finden, daſs die Siwaher von viel dunklerer Farbe sind, als die Aegypter; auch kamen mir unter ihnen viele ächtaethiopische Physiognomieen zu Gesicht, die von einer Mischung des Blutes herrühren könnten. Man muſs aber dabei nicht auſser Acht lassen, daſs viele wirkliche Neger aus dem inneren Afrika nach Siwah kommen, und sich hier aufhalten. Ich suchte die einheimischen Ueberlieferungen über die Herkunft der jetzigen Einwohner zu erfahren, und ein Scheik des Ortes Schargieh trug mir eine Erzählung vor, nach welcher bei der Eroberung Siwahs durch die Araber alle Einwohner bis auf 600 niedergemacht wurden. Von diesen 600 am Leben gebliebenen Ureinwohnern stammten, nach seiner Behaup- tung, alle jetzigen ab. Diese Nachricht stimmt auffallend mit der des Makrist zusammen, nach welcher zu seiner Zeit Santariah oder Siwah blos von 600 Berbern bewohnt wurde*); und man sollte hieraus fast schlieſsen, daſs jene Katastrophe, die den Siwahern in so schrecklichem Andenken blieb, nicht lange vorher, etwa im 14ten Jahrhundert, vorgefallen sey. Langles hat indeſs eine Spur gefunden, nach welcher der Islam schon im 12ten Jahrhundert hier herrschte und das Christenthum verdrängt hatte**). Einige frühere Ver- suche der Araber auf Siwah waren fruchtlos geblieben. Tarel Ben Zaad, der Eroberer Spaniens, wollte auf seinem Zuge von Aegypten dahin, Santariah mit Sturm nehmen, wurde aber zurück geschlagen und verlor viel Volk***). Dasselbe begegnete, nach Aini, dem Mussa. Sein Versuch, die Stadt mit einem groſsen Heer zu erobern, mislang; denn ihre Mauern, heiſst es, waren funfzig Ellen hoch und die Pforten von Eisen. Wunder und über- natürliche Zeichen erschreckten die Belagernden; ägyptische Zauberer hatten in uralten Zeiten die Burg angelegt, und ein magisches Haus beschützte dieselbe. Diese beiden Feldzüge müssen zu Anfang des achten Jahrhunderts *) Herodot II, 42.**) Edrisi ibid. pag. 398. **α) Makrisi bei Langls pag. 384. Ar) Langles pag. 397. 95 unternommen seyn, und man scheint darauf lange Zeit nichts mehr gegen Siwah versucht zu haben. Jener letzte Schriftsteller seizt nämlich hinzu: „Man habe nicht gehört, daſs ein König nach Mussa diese Stadt und Burg wieder gesehen habe“*). Die arabischen Nachrichten erzählen auch: An- fangs sey Santariah von Aegyptern bewohnt worden; dann seyen Berber gekommen, die sich mit ihnen vermischten**). So wie die Sprache der Ammonier nicht rein ägyptisch war, so ist die der Siwaher nicht rein arabisch. Denn obgleich sie wegen des beständigen Verkehrs mit den um sie her wohnenden Arabern die Sprache derselben verstehen und viele Ausdrücke von ihnen angenommen haben, so ist ihr einheimisches Idiom doch gänzlich von dem arabischen verschieden. Da durch Hornemann nur eine sehr geringe Zahl von Wörtern desselben bekannt geworden ist, so wird es ohne Zweifel den Sprachforschern will- kommen seyn, daſs ich ihnen hier ein Verzeichniſs von fast 400 Wörtern dieser alten Sprache vorlegen kann, welches ich mir von dem geistlichen Oberbaupte von Siwah und einigen Scheiks dictiren liels**). Mein erster Gang in Siwah war nach der durch Broœwne bekannt gewor- denen Ruine gerichtet, welche man von den Eingeborenen bisweilen Birbe, Tempel, gewöhnlich aber Umebéda nennen hört***). Sie liegt in der Ent- fernung einer halben deutschen Meile südöstlich von Siwah-Kebir, zwischen dem Dorfe Schargieh und dem Berge Gebel Drara-Enbrik, in welchem man noch die Steinbrüche sieht, aus welchen das Material zur Erbauung der Denkmäler genommen ist. Von diesem Berge wurde die Ansicht gezeichnet, welche man Tafel VII. Fig. 2. findet, wo man jenseits des Tempels das *) Aini v. Hammer in den Fundgruben des Orients, Band IV. pag. 422. Tarek war Mussa's Feldherr; vielleicht beziehen sich beide Erzählungen auf dieselbe Begebenheit. α) Makrisi bei Langles pag. 393. **) Man findet dies Verzeichniſs in der Beilage Nr. I., wo eine Untersuchung über diese merkwürdige Sprache beigeſügt ist. **) Champollion, D'Egypte s. l. Phar. II, 292., hält Birbe für altägyptisch, Langlèés, voyage d' Hornemann pag. 42., Umebéda für arabisch. ——— 96 burgmäſsige Dorf Schargieh auf seinem Felsenhügel erblickt. Die Entfer- nung der Ruine von diesem Ort beträgt in gerader Linie dreihundert und zwanzig Schritt. Unmittelbar unter Schargieh, zwischen diesem und dem Tempel, sind Reste von Mauern und Wohnungen, und die Einwohner haben in dieser Gegend oft Alterthümer gefunden. Schargieh liegt übrigens der Ruine gegen Norden, nach welcher Himmelsgegend auch der Eingang des Tempels gerichtet ist. Südöstlich von demselben, in der Entfernung einer guten Viertelstunde, entspringt in einem Walde von Dattelbäumen der einst dem Ammon geheiligte Sonnenquell, welcher einen kleinen See bildet. Ganz in der Nähe desselben entdeckt man zwischen den Bäumen antike Substructionen eines kleinen Gebäudes von geringen Dimensionen. Ein klares Bächlein, welches dem See entrinnt, vereinigt sich bald nachher mit dem einer anderen Quelle, welche gleichfalls in diesem Palmenhain ent- springt, und flieſst dann nach der Ruine hin, in deren Nähe es einen Sumpf bildet, ohne Zweifel, weil die alten Abzüge verstopft sind. Palmen- gebüsch und Rietgras wuchern üppig in diesem Morast, und der Boden um das Tempelgebäude ist allenthalben sumpfig und feucht. Man vergleiche über diese Oertlichkeiten den Grundriſs, Tafel II. Fig. 1., wo man die Ruine Vmebeda mit b., die Burg Schargieh mit a., und den Sonnenquell mit d., die andere Quelle mit e. bezeichnet findet. Der Ueberrest des Tempels ist nach ägyptischer Weise mit einer Umfassungsmauer umgeben, welche den heiligen Raum von dem minder geweihten abschied. Sie war von beträchtlicher Dicke und aus Quadern aufgeführt, ist aber fast ganz vom Erdboden verschwunden, obwohl man ihre Richtung sehr deutlich verfolgen kann. Nur an den Ecken haben sich noch die gewaltigen Quadern, die hier zur Verstärkung dienten, unverrückt in ihren Lagen erhalten, und bezeichnen die Ausdehnung der ganzen Ein- fassung, die auf dem Grundriſs mit den Buchstaben œc bezeichnet ist. Ihre Länge beträgt siebzig, ihre Breite sechsundsechzig Schritte, und die Seiten sind ziemlich genau nach den Weltgegenden orientirt; die Abwei- chung wird man auf dem Plane bemerkt finden. 97 Innerhalb dieser Mauer entdeckt man die noch mehr degradirten Reste einer zweiten; allein der Boden ist hier, in der Hoffnung Schätze zu fin- den und um die Bausteine anderweitig zu benutzen, so aufgewühlt, dals man über die Ausdehnung und Richtung dieser inneren Mauer, und ob sie den ganzen Tempel umfaſste oder nur einen Theil desselben, nicht mit Sicherheit urtheilen kann. Aus den hin und wieder erhaltenen Grundstei- nen und ihrer Lage gegen einander scheint mir indeſs hervor zu gehen, daſs hier nicht blos eine Mauer, sondern mehrere waren, die gewisse Abtheilun- gen bildeten, über deren Form und Bestimmung sich unmöglich etwas entscheiden läſst. In der Mitte des ganzen Raumes erhebt sich eine Felsenmasse, etwa acht Fuſs hoch über der jetzigen Bodenfläche. Durch Wegnehmen und Zusetzen scheint man der unregelmälsigen Gestalt dieses Felsens nachgehol- fen zu haben, um ihn als Basis oder gleichsam als hohen Stylobat des Tempels zu benutzen. Er besteht aus derselben Steinart, woraus der Tem- pel erbaut ist: einem Kalkstein, welcher eine Menge versteinerter kleiner Seethiere enthält, und in Libyen häufig vorkommt. Unter den herabgefal- lenen Stücken bemerkte ich krystallisirte. Die Ueberreste des Tempels selbst bestehen aus zwei Abtheilungen: einer Art Pronaos, oder äuſserem Vorgemach, und einer inneren Kammer, dem eigentlichen Heiligthum. Die hintere südliche Mauer ist gänzlich ver- schwunden, die ursprüngliche Ausdehnung des Tempels lälst sich daher nicht mehr angeben. Groſs kann indeſs das Gebäude niemals gewesen seyn, obgleich offenbar gröſser als jetzt; es verfällt aber jährlich immer mehr. Die vordere Seite des äufseren Gemaches, wo die nach Norden gewandte Thür sich befindet, hat in dem erhaltenen Theil der Mauer eine Breite von nicht völlig neun und einem halben Fuſs. Etwa dasselbe Maaſs hat die gröſste der noch stehenden Seitenmauern, obgleich auch diese nicht ganz erhalten ist. Zwei gegen einander über liegende Seiten- eingänge scheinen sich einst hier befunden zu haben, doch muls man dies aus der Unterbrechung der Mauern mehr vermuthen, als dals man 13 98 das Vorhandenseyn und die Lage dieser Thüren mit Sicherheit angeben könnte. Die beiden Seitenwände der imneren Kammer haben noch eine Länge von funfzehn und einem halben Fuſs, und sind vier Fuſs acht Zoll dick. Ihre Höhe bis zu den Decksteinen beträgt, von den Mäandern an gerechnet*), über neunzehn Fulſs. Die Decksteine, deren noch drei an ihrer Stelle liegen, sind fünf Fuſs breit und drei dick, und reichen queer über von einer Mauer zur andern. Als Browne diese Ueberreste sah, befanden sich noch fünf Decksteine über der Kammer, und er vermuthet, daſs ihrer ursprüng- lich sechs gewesen seyen*). Durch ein Erdbeben, welches vor zwölf Jahren statt fand, sind aber zwei der noch übrigen Steine herabgestürzt, deren zertrümmerte Blöcke man groſsentheils noch eben so liegen sieht, wie sie gefallen sind. Durch dieses Erdbeben wurde die eine Seitenwand so sehr verrückt, dals sie ganz schief steht, wie man dies auf der von dem Berge Gebel Drara-Enbrik genommenen Ansicht, Tafel VIII. Fig. 2. bemer- ken wird; diese zeigt die Ueberreste von Süden her, und Figur 1. derselben Tafel von Nordost***). Die Construction, so wie die ganze Form des Gebäudes, stimmt mit der altägyptischen völlig überein. Die Mauern sind ganz aus Quadern *) Man s. Tafel VIII. und IX.*x) Browne, Travels pag. 21. ***) Unter den Notizen des Herrn Generals finde ich weder eine Angabe der Länge des Gebäudes, noch der Breite der Kammer. Die Länge der Seitenmauern der letzteren, nebst dem erhaltenen Theil der Mauer des Pronaos, giebt 25 Fuſs, wozu noch der nicht vermessene Raum zwischen beiden kommt. Nach Browne betrug die Länge des damals noch besser erhaltenen Gebäu- des, im Innern gemessen, 32 Fuſs; die innere Breite der Kammer aber 15. Dies giebt, wenn man die Dicke der Mauern hinzurechnet, für die Steinblöcke, welche die Decke bilden, eine Länge von beinahe 25 Fuls. Wahrscheinlich barsten sie bei dem Erdbeben durch ihre eigene Schwere. Nach Hornemann(pag. 44.) beträgt die Breite des ganzen Gebäudes 24 Fuſs, die Länge 10 bis 12 Schritt; er nennt aber selbst seine Angabe nur eine ungefähre. Die Höhe setzt er auf 27 Fuſs, wo der Felsen wahrscheinlich mit gerechmet ist. 7 99 aufgeführt, aus der schon erwähnten Steinart; nur ist die groſse Verschie- denheit in den Dimensionen derselben sehr auffallend. Einige sind von ungeheueren Maaſsen, andere dagegen in Vergleich mit jenen sehr klein; was zu verrathen scheint, daſs dem Baumeister keine groſse Wahl in der Anwendung des Materials verstattet war. Unter sich sind die Steine durch Mörtel verbunden. Der ganze Tempel war inmrien und auſsen mit Bildwerken und Hierogly- phen bedeckt, die indeſs nicht allenthalben gleich gut erhalten sind; am deutlichsten erscheinen sie im Innern der Kammer und bei der Eingangsthür des Pronaos. Die Zwischenräume zwischen den Hieroglyphen auf den Wänden und an der Decke waren bemalt. Die vorherrschende grüne und plaue Farbe fand ich hin und wieder ziemlich wohl erhalten; an der Aulsen- seite des Tempels und an den grölſseren Figuren im Innern ist aber jede Spur von Farbe fast gänzlich verschwunden. Auf der zehnten Tafel, Fig. 2., sieht man die neben der Hauptthüre erhaltenen Bildwerke, und Fig. 1. die Verzierungen der inneren Thüre; auf der achten und neunten Tafel erschei- nen die inneren Seitenwände der Kammer, mit deren getreuer Abzeichnung, jedoch mit Ausschluſs der kleineren Hieroglyphen, Herr Gauoc während der ganzen Zeit unsers Aufenthaltes in Siwah sehr mühsam beschäftigt war; und über den Wänden sind die Decorationen der Decke angebracht. Die beiden Hieroglyphenschilder, Tafel X. Fig. 4., fand ich auf einem herabge- fallenen Stein, dessen Oberfläche schon sehr gelitten hatte, und auf eben dieser Tafel ist Fig. 3. noch ein anderes Fragment dargestellt. In der Nähe des Haupieinganges bemerkte ich ein zusammengestürztes Gewölbe, welches nach meiner Meinung zu einem verborgenen Gang gehört haben könnte, der vielleicht von den orakelgebenden Priestern benutzt wurde, um in das innere Heiligthum zu gelangen. Von den mich beglei- tenden Einwohnern erfuhr ich eine Sage, nach welcher ein unterirdischer Weg von dem Tempel bis zu einem Berge führt, der sich gleich jenseits der Sonnenquelle zu erheben anfängt, und in welchem sich Katakomben befinden. Gern hätte ich hier eine Aufgrabung versucht, um die Beschaf- 13* 100 fenheit jenes Gewölbes auszumitteln, und ob die Ueberlieferung gegründet ist, daſs eine Verzweigung desselben sich bis in den Felsen unter dem Tempel erstreckt. Allein in der Nähe der Ruine ist durch den schon erwähnten Sumpf die Nässe des Bodens so groſs, dals man, um Nach- grabungen anzustellen, das Wasser würde ausschöpfen müssen, wozu es in Siwah an Mitteln gebricht. Die beiden runden Basen, die Hornemann*) einige Schritte vor dem Haupteingange des Tempels fand, erinnere ich mich nicht gesehen zu haben. *) Hornemann, voyage pag. 46. Sechstes Kapitel. Erklärung der Bildwerke oon Umebda. Bildwerke der änſseren Wünde— Ammon— I enus-Dione— Sagen von der õtiftung des Orahels— die Syhinæ mit dem Wassergefäſs— der heilige Falk— Isis— Osiris— Kame- phen— Herkules— Minerva— Bildwerhe im Innern des Tempels— SGmmetrische Lertheilung derselben— das heilige Sohiff— der Adler— der Geier— weibliche Personification des Himmels— das Gnadenscepter— Fest des Sonnentisches— Ammon in Beziehung auf Mendes und Venus— Weihezimmer zu Karnak— Alexander von Ammon adoptirt— Ammon als Jaliresgott— Ammon thronend und umgeben von seinen Tempelgenossen— Eenus— 1648— Osiris als Gott des Todes und des Lebens— Osiris als personificirtes Grab dargéestellt— Pftha— Minerva— Anubis— Aletheig— Nemesis— Aegptischie Musen— Der ältere Hermes— Sidus Minervae— Helios— Priester in Göttermasken— Osiris als Prophet Ammon'’s— Rhea-Tithrambo— Saturn-Apopis— Priesterinnen— Vypphon— Horus— Theuth— Opnfer dem Ammon und dem popis dargebracht— Betende— Maneros— COsiris mit der Wolfsmaske— Zusammenhang aller Bildwerke des Tempels— Kleidungen— Der my'stische Sohlliissel. Die hier zum erstenmal in Abbildungen mitgetheilten Reliefs der Tempel- wände von Umebéda lassen keinen Zweifel über die Gottheit, deren Dienst dieser uralte Bau geweiht war. Nähern wir uns ihm von Schargieh, dem palast der ammonischen Könige, wie sich weiterhin ergeben wird, so erscheint neben dem Haupieingange*), in den halbverlöschten Bildwerken des erhaltenen Theiles der Vorderseite des Tempels, JupiTERAMMoOX, auf 1) Man sehe Tafel VII. Fig. 1. und vergleiche den Grundriſs Taſel VI. Fig. 1. 102 dieselbe Weise dargestellt, wie er in Oberägypten beständig sich wieder findet. Denn nicht blos zu Theben, welches vorzugsweise die Stadt Ammon'’s hieſs, und wo der Tempel von Karnak, der ungeheuerste, den je Menschen errichteten, ihm geweiht war, auch zu Philä, Elephantine, Latopolis und an anderen Orten der Thebaide kommt er in häufigen Abbildungen vor, meistens deutlich bezeichnet als höchster Landesgott. Am oberen Nil, in Aetbiopien, herrschte gleichfalls der Dienst des Ammon, wovon in merk- würdigen Denkmälern sich noch jetzt die Beweise finden*). In Meroé, wie zu Theben und hier in Libyen, waren seine Tempel zugleich Orakel ²). Wir verweilen zunächst bei den Bildwerken der Aussenseite des Hei- ligthums 3³). Das symbolische Haupt Ammon'’ss ist das eines Widders, bedeckt mit der groſsen ägyptischen Haube, die niemals fehlt, wenn ein Thierkopf mit einem menschlichen Leibe verbunden erscheint. Der obere Kopſfputz ist hier unkenntlich, wiederholt sich aber im Innern des Tempels 4). In der rechten Hand erhebt Ammon den Götterstab mit dem Vogelhaupt, dem Symbol gnädiger Erhörung(ᷣuανmπτlac) s), gegen den Opfernden vor ihm; in seiner Linken führt er den mystischen Schlüssel. Der Gürtel des Schurzes fällt hinten herab. Neben Ammon sehen wir eine weibliche Gestalt, die mit auſgehobener Hand gleichfalls den Opfernden ihrer Huld versichert. Die vorn herabfallende Haube auf ihrem Haupte zeigt, dals es eine Vermählte, der Geier darüber, daſs es eine mütterliche Göttin sey ⁵). Ihr Leib ist gleichsam mit Fitti- gen umwunden; in der einen Hand führt auch sie den mystischen Schlüssel. Keines dieser Zeichen unterscheidet sie für uns deutlich genug von andern ägyptischen Göttinnen; nur der oberste Aufsatz ihres Hauptes bürgt dafür, daſs nicht Isis gemeint sey. 1) Journal of a visit to some parts of Aethiopia by G. Waddington. London 1822. 2) Herodot. II, 29. 55. 58. 83. 3) Man sehe Taſel X. Fig. 2. 4) Man sehe Tafel VIII. 5) Horapollo hierogl. I, 55. 6) Hoznap. I, 11. ——— 103 Versuchen wir indeſs ihrer Bedeutung näher zu kommen. Zu Olympia verehrte man im Prytaneum eine ammonische Juno ⁷¹); Pausanias, der das Orakel des Ammon besucht hatte ²), wodurch sein Zeugniſs hier doppeltes Gewicht erhält, begleitet jene Nachricht mit der Bemerkung, diese Juno gehöre zu den libyschen Gottheiten, denn es hätten die Eleer seit den älte- sten Zeiten das Orakel Ammons befragt und bei demselben Altäre geweiht. Nun entsprach zwar nach Herodot keine ägyptische Göttin der griechischen Juno ³); wir sehen indelſs aus jener Angabe, dals Ammon in Libyen Göt- ter zu Tempelgenossen hatte, unter denen sich ein hohes weibliches Wesen befand, das man der Juno vergleichen konnte. Eine deutliche Spur ver- räth uns, daſs es Tenus war. zu Dodona kannte man als Tempelgenossin des weissagenden Jupiter nicht die Juno, sondern Dione ¹⁴). Hier an eine blos zufällige Verschie- denheit zu denken, wozu die grammatische Bildung des Namens allerdings auffordern könnte), verbietet die ausdrückliche Nennung der Venus, als Mitinhaberin des dodonäischen Orakels neben Jupiter 6). Da nun dieses eine frühe Kolonie*), oder, wofern man die Priestersagen nicht annehmen will, doch eine Nachahmung des thebäischen und ammonischen Orakels war ³); so wird nichts natürlicher, als jene merkwürdige Abweichung vom griechi- schen Tempelritus, in einem der ältesten Heiligthümer, aus dem Festhalten des ausländischen Vorbildes abzuleiten, das bei so geheimniſsvollen Dingen unerlaſslich scheinen muſste. Auch in Libyen war ohne Zweifel also VENUs- DIoxE die Tempelgenossin(Sed νMOοc des orakelnden Jupiter, und diese Göittin sehen wir hier neben ihm dargestellt. 1) Pausan. I, 15. 2) L. 1 X+, 16. 3) AHerodot. 4, 50. 4) Demost h. in Midiam c. 15. Strabo f. VII. fin. 5) Man sehe bei der angeführten Stelle des Demosthenes Buttmann's geistreiche Anmerkung über die griechischen Götternamen. 6) Servius zu I irg. Aen. III, 466. 7) Her odot. II, 54— 56. 8) Herodot. II, 58. 104 Einer ägyptischen Juno geschieht übrigens öfter Erwähnung*); wahr- scheinlich entsprach der Genossin des Ammon weder die griechische Hera, noch Aphrodite. Selbst in ihrer eignen Religion wurde es den Griechen oft schwer, die Begriffe dieser Göttinnen aus einander zu halten, und die Lace- dämonier, seit alter Zeit eifrige Befrager des Ammon, dem sie einen Tempel geweiht hatten ²), vereinigten beide zu einer Aphrodite-Hera ³). Eben deshalb behielt man in Dodona den alten Namen Dione für die Orakelgöttin bei, um sie von jenen zu unterscheiden; eine nähere Verwandtschaft wies aber doch auf die Venus hin. Auſser der Eiche Jupiters, dienten Tauben, allgemein der Venus geheiligte Vögel, zur Weissagung; Dione hieſs bald eine Tochter des Oceanus, bald des Nereus, beides in offenbarer Beziehung auf die Geburt der Liebesgöttin aus dem Meere; und nicht selten bezeichnet auch jener Name ausdrücklich die Venus selbst 4). Nach dem orphischen Götter- system war Dione eine der sieben Titaniden, der Töchter des Himmels ⁵); bei Homer erscheint sie als eine Gattin Jupiters und als Mutter der Venus und eben dieses war in Kreta der herrschende Glaube). Dies erinnert uns, daſs man auch in Aegypien eine ältere Venus, die Göuin der Urnacht, von einer jüngeren unterschied; und wegen der einhül- lenden Fittige könnte man glauben, es sey jene erste hier dargestellt. Bei einem griechischen Dichter erscheint die ursprüngliche Nacht mit schwarzen Fittigen brütend über dem Ei des Anfangs, aus welchem der goldbeschwingte Eros hervorgeht*). Allein die Flügelverhüllung ist bei den ägyptischen Göttinnen sehr häufig; wir werden sogar den Osiris darin erblicken ³). Vielleicht gelingt es uns weiterhin, das Verhältniſs des Ammon zur Venus näher zu entwickeln. 1) Z. B. Diodor. I, 13. Horapollo I, 11. etc. 2) Pausan. III, 18. 3) Pausan. III, 13. 4) Z. B. im Pervigilium Veneris, bei Ooid alma Dione etc. 5) Fragm. Orph. VII. Apollodor. I, 1. 6) Ilias P, 312. 370. 371. Ap ollodor. I, 3. Diodor. U, 72. 7) Aristoph. Aoes, 696. 8) Man sehe unsre Tafel XXXI. Fig. 1. mit der dazu gehörigen Erklärung. — 105 Vor beiden Goitheiten ist ein zierlicher Altar errichtet, in Gestalt einer weit geöffneten Lotusblume. Das Opfer besteht in Früchten oder Kuchen, wenigstens ist es unblutig, nach ältestem Ritus; aber der Anbetende überreicht den Göttern in jeder Hand, wie es scheint, einen Obelisk. Bei den Aegyptern wurden diese vor den Eingängen der Tempel errichtet, und die hier ange- deuteten standen vielleicht auf den Basen, die Hornemann ¹*) erwähnt. In dem Darbringenden sehen wir ohne Zweifel den Erbauer oder einen Wohl- thäter des Tempels; und im ersten Fall zeigt die Weihung der Obelisken zugleich die Vollendung und Dedication des Baues. Nach einer mythischen Erzählung war der Gründer des ammonischen Heiligthums kein geringerer als Osiris selbst 2), der auch den Jupitertempel zu Theben gebaut haben sollte; nach Pausanias aber ein libyscher Hirt ³). Nach Herodot war das Orakel entweder eine Kolonie des Thebäischen ¹), oder von Aegyptern und Aethiopiern gemeinschaſtlich angelegt 5). Der hier dargestellte scheint ein König zu seyn, und ist sehr ehrenvoll ausgezeichnet. Auf dem Haupte führt er den Palmenschmuck des Osiris ⁶); vor der Stirn bezeichnet die Schlange(der Uräus oder Basilisk) die Gewalt über Leben und Tod), aber die Feder auf dem Kopfe derselben zugleich die Gerechtigkeit ⁰). Xrabische Schriftsteller nennen, ohne Zweiſfel aus älteren Quellen, bald Sa, den Sohn des Busiris und Gründer von Sais ⁰): bald einen jüngeren 1) Oben pag. 100. 2) Diodor. I, 15., II, 72. Hygin. Astron. II, 20. Auch Nigidius in den Schol. zu German. Phaenom. Arati,(LIol. II. p. 61. Buhle.), wo zugleich bemerkt ist, das ammonische Orakel sey neun Tuagereisen von Alexandrien entfernt. 3) Paugan. IV, 23. 4) Herodos. II, 54. IL, 181. 5) NeordMoc. 72, 42. 6) Man sehe unsre XIIte bis XAI Xte Tafel. 7) Horapollo I, 1. 8) Lbid. II, 118. 9) Aini bei v. Hammern in den Fundgruben des Orients. Bd. II.. p. 422. Besser oder Busiris, der Sohn Cham's, welcher Name Aegypten selbst bezeichnet, mheilt sein Reich unter seine vier Söhne. Cobth erhält Oberägypten von Syene bis Coptos, welches er baut; Ischmoun das Land von Coptos bis Memphis, er baut Oschmounain(Hermopolis magna, ägyptisch Schmoun); Atrib 14 106 Busiris, den Sohn Koſthim's und Eroberer des Abendlandes ⁷); bald Adym, den Sohn des Menakius und Stifter von Akhmim ²) oder Panopolis(Chemmis), als Gründer von Santariah oder Siwah. Alle diese Nachrichten weisen auf Aegypten zurück; wahrscheinlich wurde das Orakel bei zunehmendem Ruf immer prächtiger angelegt, und mehr von Nieder- als Ober-Aegypten aus gepflegt. Vielleicht ist indels hier einer der einheimischen Fürsten der Ammonier dargestellt; Herodot nennt sie Könige ³). Unmittelbar neben der Thüre, wo Hieroglyphenschilder und der Agatho- dämon, in Schlangengestalt, als Einfassungen angebracht sind, hält oben eine ruhende Mannsphinx zwischen den Vorderfüſsen ein Wassergefäſs, das mit dem Widderkopf des Ammon bezzeichnet ist. Hier in Siwah, dem wasser- reichen, gesegneten Orte mitten in lebloser Wüste, sind diese Zeichen von rührender Bedeutung: Ammon ist es, der erquickendes Wasser giebt! Mehrere Erzählungen knüpfen an dies Geben des Wassers zugleich die Widdergestalt des Gottes, das Kundwerden des Orakels und die Gründung des Tempels. Als Bacchus-Osiris mit seinem Heer durch die libysche Wüste zog und wegen Mangel an Wasser zu verschmachten Gefahr lief, erschien plötzlich ein Widder, der vor ihm herging, und ihn mit den Seinen in eine wasser- reiche, liebliche Gegend führte. Aus Dankbarkeit erbaute hier Osiris dem Ammon, der diese Hülfe gesandt hatte, einen Tempel, und versetzte den rettenden Widder unter die Gestirne des Himmels ⁴). Statt des Osiris oder Bacchus wird auch Herkules genannt. Als dieser, um die Gärten der Hespe- riden aufzusuchen, durch Libyen kam und von Durst gequält wurde, stieg erhält den östlichen Theil Niederägyptens und baut Athribis(die Stadt Pathros des alten Testa- mentes?), Sa das westliche Niederägypten und baut Sais. Nachher besiegt Cobth seine Brüder, und von ihm hieſs nun das Land Aegyptus. Champollion, DEgypte sous les Pharaons I. p. 64. und 88. aus Makrisi. 1) Makrisi bei Langlds sur les Oasis p. 393. Kafthim erinnert an Koptos, Koft, Aegyptus. 2) Ebn Wessif Sohach bei Makrisi, ibid. p. 394. 3) Herodot. II, 32. 4) Hygin. fab. 113. und Astron. II, 20. Lutatius zu Stat. Theb. III, 476. 107 aus dem Sande ein Widder hervor, der mit dem Fuls eine Quelle auf- scharrte; es war der Sonnenquell des Ammonischen Heiligthums ¹). Vielleicht haben wir indeſs bei unserem Bildwerke nicht bloſs an die Wunderquellen von Siwah zu denken, die Ammon gab, sondern die viel- deutige Sphinx erinnert, wie gewöhnlich, auch hier an den heiligen Nil; denn so groſs war die Verehrung der Aegypter für diesen Strom, daſs, wohin ihre Religion sich verbreitete, auch der Dienst desselben mit aufgenommen wurde. Am siebenten Tag vor den Iden des Junius beging man im ägypti- schen Cultus zu Rom ein Fest, weil mit diesem Tage der Nil von den Tbränen der Isis ²) zu schwellen anfing; und am 20sten desselben Monats ein anderes, weil er dann zuerst aus seinen Ufern trat ³). Das im Isis- tempel an diesen Festen gesprengte Wasser war aus dem Nil geschöpft und übers Meer nach Rom gebracht; man glaubie den Strom des Segens im Tempel gegenwärtig zu sehen 4). Unter der Sphinx, auf einer hohen Base, steht der heilige Falk, das Symbol Gottes, der Sonne, des Geistes, der Seele, des Windes, des Feuers, des Siegs und alles Erhabenen und Tiefen ⁵); denn ein Falk hatte den priestern zu Theben das göttliche Gesetzbuch, mit einer purpurnen Schnur umwunden, vom Himmel gebracht. Die über ihm schwebende Scheibe bezeichnet die Sonne; die zu beiden Seiten aus derselben hervorragende Schlange, den weltbelebenden ewigen Genius ⁵); an ihrem Halse trägt sie den mystischen Schlüssel. Eben dieser Falk erscheint auch unter den frag- mentirten Bildwerken einer ganz ähnlich verzierten inneren Thür*). Unter dem Falken sieht man in einem besonderen Felde den Ueberrest einer männlichen Gestalt, welche betend die eine Hand erhebt. Wahr- scheinlich ist es wieder der schon vorgekommene Wohlthäter oder Erbauer 1) Servtus zu Fir. Aan. IIV, 196. 2) Pausanias NX, 32. 3) Jablonsk]y de diebus Aegyptiacis in Calendario Romano. Opusc. Vol. II. p. 295. und 302. 4) Seroius zu Virg. Aen. II, 116. 5) Horapollo I, 6. 7. II, 15. Helian. Hist. Anim. X, 24. Diodor. I, 89. 6) Horap. I, 64. 7) Tafel X. Fig. 1. 14* u—— 108 des Tempels. Sein Haupt ist mit dem ägyptischen Helm bedeckt; zwei Hieroglyphenschilder über ihm enthielten wahrscheinlich seinen und seines Vaters Namen ²). Von einem besser erhaltenen Fragmente sind dieselben Zeichen Tafel X. Eig. 4. noch einmal besonders dargestellt, aber auch hier beschädigt, und es ist mir bis jetzt nicht gelungen, sie in Aegypten wie- derzufinden. Noch ein anderes Bruchstück, die dritte Figur der zehnten Tafel, scheint Bildwerke von der äuſseren Seite des Tempels zu enthalten; sie befinden sich auf einem herabgestürzten Steinblock. Zuerst erscheint IsIs, unverkennbar durch die Scheibe zwischen den so geformten Hörnern auf ihrem Haupte. Die folgende Gestalt könnte nach einigen Attributen Horus seyn, ist aber OsIRis selbst; der Kopfschmuck aus Palmenzweigen ²) über den Hörnern des Mendes, zwischen denen die Sonnenscheibe ruht, bezeichnet ihn; eben diese symbolischen Zierden führt Ammon selbst ³). Nach einem wahr- scheinlich ammonischen Mythus, wie der Zusammenhang bei Diodor ergiebt ⁴), war Osiris der Sohn Ammon's, und besiegte den Gegner des- selben, der gewöhnlich Kronos oder Saturn, bei Plutarch aber mit seinem wahren Namen Mpopis und ein Bruder der Sonne heilst ⁵), allein nicht, wie Helios der Minerva, des Aethers, sondern der Erde Sohn, auf den man alles beziehen muſs, was von einem ägyptischen Kronos und von Antäus erzählt wird. Apopis ist ein mächtiger, feindseliger Goit von riesenhaſter Natur, welche sein Name bezeichnet, Vater des Typhon und der Neph- thys, und erscheint auf einer Kaisermünze von Antäopolis ganz als Sa- turn dargestellt, mit dem Krokodil, seinem und des Typhon Symbol, auf der ausgestreckten Hand ⁶). Nach dem gewöhnlichen Glauben der Aegypter 1) Man vergleiche weiter unten die Erklärung der Obelisken zu Luxor. 2) Man vergleiche Tafel XII.— XIX. 3) Tafel VIII. und Tafel X. Fig. 2. 4) Diodor. III, 67— 73. 5) Plutareh de Is. et Osir. c. 36. 6) S. Millin's mychologische Galerie(Berl. 1820.) Tafel I. Fig. 3. Man vergleiche die Parallele, die Hire zwischen Typhon und dem griechischen Kronos zieht: Ueber die Bildung der a&νptischen Goltheiten p. 55., in den Abhandl. der Berl. Akad. d. Wissensch. von 1821. 109 war Osiris nicht ein Sohn des Ammon, sondern der Sonne, aber, wegen des Sieges über Apopis, von Ammon an Sohnes statt aufgenommen ¹). Eben auf diesen Kampf bezieht sich ohne Zweifel der Helm, welchen wir hier, gegen die gewöhnliche Darstellungsart, auf dem Haupte des Osiris erblicken. In der Hand führt er den Krummstab und die Geilsel, welche Zeichen ihm mit Horus gemeinschaftlich sind ²). Es folgen ein Goit und eine Göttin mit Schlangenhäuptern; auf ägypti- schen Denkmälern oft vorkommende Wesen. Nach plutarch verehrte man in der Thebaide den AcATHopAMox, welchen unverwerfliche Denkmäler uns in Schlangengestalt zeigen ³), und nannte diesen Gott, der zu den höchsten gezählt wurde, Kneph ⁴) oder Knuphis, wie dieser Name bei Strabo lautet 5), und auf geschnittenen Steinen nicht selten vorkommt(XNOTBIC). Er bedeutet: den Guten ⁶), oder den guten Genius). Auf der Insel Ele- phantine hat sich der ihm geweihte Tempel, dessen Strabo gedenkt, zum Theil noch erhalten. Daſs dieser Schlangengötter mehrere waren, ergiebt sich theils aus sehr vielen Bildwerken, theils aus der Nachricht von einem ersten, zweiten und dritten Kamephis, Göttern der höchsten Ordnung und Schützern Aegyptens, die als Schlangenwesen bezeichnet werden ⁸). Hier erscheinen sie als Gehülfen des Osiris in dem Kampfe gegen Apopis oder Saturn. Ohne Zweifel in eben dieser Beziehung war dem Ammon eine Gattung gehörnter kleiner Schlangen geweiht, die man bei Theben fand und im Tempel desselben begrub»). Der männliche Kamephis durchbohrt mit 1) Plutarch. I. c. Dals Apopis einen Riesen bedeute, s. Jablonsky voces Aeg. P. 35., der übrigens ihm, wie sehr vielen ägyptischen Gottheiten, aus unrichtigen Hypothesen die mythische Existenz abspricht. 2) Man vergleiche Tafel XXX. Fig. 1., nebst der Erklärung derselben. 3) Zoega Num. Aeg. Imp. tab. I, 9. 4) Plutaroh de Is. et Ogir. c. 21. 5) Strabo l. XIIII. p. 817. 6) Champollion, TEgypte sous les Pharaons I. P. 182. 7) Jablons ky v0cs AHeg. p. 112. 8) Es gab auch einen weiblichen Agathodaemon, Eumenuthis, eine Gattin des Chnoubis und Göttin des Meeres. 9) H rodot. II, 74. Man hat auch bei Theben mumisirte Schlangen gefunden, s. unten die Erklärungen zu Taſßel XXXII. — ö⁴———— 110 einer Lanze etwas undeutlich gewordenes, vielleicht eine Schildkröte, die nach mehreren Anzeichen für ein typhonisches Thier galt ²). Der hierauf erscheinende Gott kann nicht wohl ein anderer seyn, als HERKUIES, nach ägyptischem Mythus ein Sohn des Ammon, zu den zwölf Göttern der zweiten Ordnung gehörig ²), und, wie Osiris, ein siegreicher Be- kämpfer des Antäus. Herkules ist nämlich die personiſicirte Kraft der Götter, nach der Bedeutung seines ägyptischen Namens, Gfom; Diodor nennt ihn sogar den Feldherrn des Osiris. Auf seinem Haupte scheint eine Sphäre zu ruhen, in welchem symbolischen Zeichen vielleicht der Ursprung der griechischen Fabel zu suchen ist, daſs Herkules einst das Gewölbe des Himmels getragen habe. Die Aegypter dachten sich ihn aber, nach seiner Rückkehr zu den Wohnungen der Götter, als schützenden Begleiter der Sonne ³), mit der er den Thierkreis kämpfend durcheilt, und der Planet Mars(Artes oder Ertosi ⁴), von alten Schriftstellern bald der Tödter, bald der Befruchter ge- deutet), war ihm geweiht. Daher die zahlreichen Inschriften: HERCVILI- INVICTO COMITI, dem unüberwindlichen Begleiter Herkules! 4 Daſs übrigens die sphärische Darstellung des Sternenhimmels den Aegyptern nicht unbekannt war, beweist die jetzt zu Paris befindliche Sphäre aus dem Tempel der Venus Urania zu Tentyris, welche man unrichtig einen Thierkreis zu nennen pflegt. Auf dem noch erhaltenen Grabe des Osyman- dyas, Theben gegenüber an der libyschen Seite des Nil, war einst ein Ster- nenkreis oder eine Sphäre von ungeheuern Dimensionen aufgestellt). Höchst merkwürdig ist die folgende Göttin mit dem symbolischen Haupt eines Schaafes oder Widders, auf welchem die Sonnenscheibe mit dem Zeichen des Agathodämon ruht. Es kann nämlich keinem Zweifel unter- liegen, daſs hier, so unerwartet es scheinen mag, MINERVA dargestellt sey, die geheimniſsvolle Göttin von Sais und Muiter der Sonne. 1) Man sehe unsere Tafel XXI. Fig. 2., nebst der Erklärung. cf. Descript. de D'Eg. I. pl. 59. Fig. 6. 2) Herodot. II, 42. 43. 3) Plutarch de EL. et Osir. c. 41. 4) Jablonsky, Pantheon II, p. 132. 133. 5) Diodor. I, 49. “ “ 111 Nach Strabo verehrten die Thebaiten und Saiter das Schaafgeschlecht ²*), und Münzen bestätigen diese Angabe; der Minerva wie dem Ammon war das Himmelszeichen des Widders geheiligt ²): da nun der Goit von Theben aus diesen Gründen mit dem Widderkopf erscheint, so ergiebt sich daraus für die Bildung der Saitischen Göttin eine nicht abzuweisende Folgerung. Der widrige Nebenbegriff, der uns auf den ersten Blick eine solche Darstel- lung der Minerva bedenklich und unangenehm macht, verschwindet bei der Betrachtung, daſs eben in dieser symbolischen Bildung der mannweiblichen ³) Sonnenmutter der Ursprung des Glaubens zu suchen ist: Minerva sey die Vorsteherin aller Webereien und Wollenarbeit ⁴), die friedliche Werk- meisterin. An dem erhaltenen Friese des Tempels, welchen Domitian ihr zu Rom an dem Forum, welches davon das palladische hieſs, errichtete, sehen wir noch jeizt alle Arbeiten der Wollebereitung in schönen Reliefs dargestellt. Selbst in griechischen Werken der höchsten Kunst sind auf dem Vorsprunge des Helmes der Minerva nicht selten Widderköpfe gebildet ⁵³); in welcher Beziehung, bedarf jetzt keines Zwistes mehr. Ob übrigens die Tempelstatue der Minerva zu Sais, mit jener geheimniſs- vollen Inschrift, durch den Kopf des ihr geheiligten Thieres bezeichnet war, kann niemand zu behaupten sich getrauen; ihre Bildung war Mysterium. Nur selten erblicken wir die Isis mit dem Kopfe der ihr geweihten Kuh ausgestattet, gewöhnlich erscheint sie in rein menschlicher Bildung; Osiris und Horus werden falkenköpfig dargestellt, aber auch ganz als menschliche Könige. Für die Richtigkeit der Auslegung des uns jetzt beschäftigenden Wesens, als Minerva, bürgt übrigens die Sonnenscheibe auf dem Haupte der Göttin, die als Mutter des Helios schon oben genannt ist. Wir werden im 1) SFtrabo XVII. pag. 812. Herodot. II, 42. Clem. Alex. Protr. p. 25. Glb. 2) Manilius II, 439. TI, 124— 135. 3) Horapollo I, 12.. 4) Ooid. fast. III, 817— 822. 5) Z. B. an einer schönen Büste der Minerva im Pio-Clementinischen Museum, bei deren Auslegung Visconti zweifelhaft ist. Auch ein Paar Minervenköpfe der Königlich Preuſsischen Samm- lung haben jene symbolische Helmzierde. 112 Innern des Tempels mehr als einmal diese dem Ammon wesentlich verbun- dene Inhaberin der sommerlichen Himmelshemisphäre in noch anderen Beziehungen eben so dargestellt wieder antreffen. Auch der Grund, warum sie hier neben Osiris, den Kamephen und Hercules erscheint, ist nicht schwer aufzufinden. Minerva war die Gehülfin des Osiris im Kampfe gegen Saturn und Retterin Ammons vor dessen Genossen ²*), deren wahrscheinlich zweiundsiebzig waren, nach der Zahl der Gehülfen seines Sohnes Typhon und der Genien des Thierkreises, deren jeder fünf Grade von den dreihundertsechzig desselben beherrschte. In zweiundsiebzig Länder theilten die Aegypter auch die Erde ein ²), deren jedes ohne Zweifel einen dämonischen Vorsteher hatte, und in eben so viel Theile den menschlichen Körper. In Beziehung auf die siegreiche Minerva hieſs eine Königin der Thebaide, welche den Tod ihres Bruders an dessen Mördern blutig rächte, Mitokris ³); ein Name, den Eratosthenes durch Ma- neroa Fictriæ(Adnyd Ninςςοσς) erklärt ⁴). 1 Die Reihe der Helfer des Osiris war hier mit dieser Göttin nicht geschlos- sen; allein von der folgenden männlichen Gestalt haben nur Arm und Scepter sich erhalten, alle anderen Bildwerke der Aulsenseite des Tempels sind unkenntlich geworden. Neben dem Eingange über den Gestalten des Ammon und der Venus(Tafel X. Fig. 2.) erscheinen die Spuren einer Reihe klei- nerer Gottheiten, aber völlig zerstört. Aus der baulichen Beschaffenheit der erhaltenen Reste, besonders aus dem Mangel eines oberen Gesimses, läſst sich schlieſsen, daſs dieses Sanctua- rium von andern Theilen des Tempelgebäudes ganz eingeschlossen war 5). 1) Diodorz. III, 72. In den Kreis dieser Sage gehörte wahrscheinlich auch die Geschichte von dem erschlagenen Zagreus, dessen noch klopfendes Herz Minerva seinem Vater Jupiter bringt, der ihn wieder belebt. Oaomakritug, ein Zeitgenosse der Pisistratiden und Mysteriendichter, nannte die hier auftretenden Feinde der Götter(⁹.μ☚αν Aεαοα) mit dem geläufigen Namen Titanen (Pansan. VIII, 37,). Daher wieder Diodor's Behauptung(Diodoz. I, 97.—. III, 73, LI. 75.), die Griechen hätten die Titanen aus Aegypten entlehnt. 2) Horapollo I, 14. 3) Herodot. II, 100. 4) Eratosth. laterculus regum. Jablonsky, Remphah Aeg. Deus p. 59. 5) Man vergleiche den Grundriſs Tafel VI. und die beiden Ansichten Tafel FII. 113 Treten wir in'’s Innere, so ist auch hier alles mit Bildwerken bedeckt, deren symmetrische Vertheilung sehr angenehm ins Auge fällt*). Die Ver- zierungen beider Seiten entsprechen sich auf das genaueste. Zu unterst lief ein fast zerstörter mäandrischer Zug oder Labyrinth umher; dann folgen Figuren in drei Streifen über einander, so gehalten, daſs jeder höhere Strei- ſen immer um etwa ein Viertheil schmäler ist, als der untere. Ueber diesen befindet sich eine groſse hieroglyphische Inschrift, die ringsumher, in per- pendiculären Kolonnen fortlaufend, einen beträchtlichen Raum einnimmt. Die Farbe hat hin und wieder sich hier noch sehr frisch erhalten; die Hie- roglypben sind in unseren Zeichnungen aber nur angedeutet. Ein bekla- genswerther Mangel! Zwei nicht breite Figurenstreifen bilden die obere Einfassung. Die Höhe der Wände, von den Mäandern an gerechnet, be- trägt neunzehn und einen halben Fuſs bis unter die Decke ²). In diesem Raum, den einst nur priester und Geweihte betraten, stand ohne Zweifel das heilige Schiff, welches das mystische Bild des Ammon enthielt, und mit silbernen Pateren behangen von den Priestern in Proces- sion umher getragen wurde ³). Eben ein solches Schiff war von Sesostris im Tempel des Ammon zu Theben geweiht; es bestand aus Cedernholz, war auſsen vergoldet, und im Innern mit Silber überzogen ⁴). Zu Karnak sehen wir noch jetzt, zwischen den ungeheuren Säulen des mittleren Gan- ges s) in dem grolsen hypostylischen Gemache des Tempels, den Raum, wo es aufgestellt war; er ist 154 Fuls lang und 17 Fuls 4 Zoll breit. Das Maaſs des vergoldeten Schiffes ist also von Diodor unmäſsig vergrölsert, 1) Man sehe Tafel IIII. und IX. 2) Der unterste Streifen ist 65 Zoll, der zweite 55, der dritte 39, die Hieroglyphen 44, das Fest des Sonnentisches 14, und die Falken mit den Sceptern 16 Zoll hoch. Der Mäander mag etwa zwei Fuls betragen. 3) Diodor. XIIII, 50. Qurtius IV, 7. 4) Diodor. I, 57. 5) Sie haben 11 Fuſs Durchmesser und 65 Fuſs Höhe! Ihrer sind 12, in zwei Reihen; 122 kleinere Säulen tragen die Decke, die zu beiden Seiten des Hauptganges niedriger ist. Desoription de VEgypte, Thebes p. 221. 15 8 114 statt zweihundertachtzig Cubitus, darf man höchstens achtzig annehmen. An den Wänden tragen vierzig Priester es in Procession*), und die Ueberein- stimmung dieser Bildwerke mit dem, was Diodor und Curtius von eben der Feierlichkeit, wie sie beim Tempel des libyschen Ammon begangen wurde, erzählen, ist so grols, daſs man glauben könnte, sie hätten die Bil- der von Karnak vor Augen gehabt; selbst die Pateren, womit das Schiff behangen war, erblicken wir dort. So fest hielt der Aegypter auf seine heili- gen Gebräuche, daſs mitten in wasserloser Wüste das geweihte Nilschiff des Ammon in dessen Tempel nicht fehlen durſte 2). Wahrscheinlich enthielt also das verhangene Gemach, das auf jenen Schiffen zu Theben immer angebracht ist, eben ein solches mystisches Bildwerk, wie das ammonische, von dem weiterhin die Rede seyn wird. Wie heilig es gedacht sey, geht schon daraus hervor, daſs blos vor ihm die sonst immer ruhende Sphinx sich aufrichtet und auf ihren vier Füſsen steht! Achten wir zuerst auf die Bilder der Decke, die man Tafel IIII und IX. zu oberst dargestellt sieht. Mit ausgebreiteten Flügeln schweben hier Geier oder Adler zwischen Sternen. Zwei Vögel aus dem Geiergeschlecht hatten bei den Aegyptern symboli- sche Bedeutung; Horapollo unterscheidet sie durch die Namen„uνν und deroc ³). Jener ist der Fultur percnopterus, der Aasgeier; dieser nach meiner Meinung der Fultur barbatus, der Lämmergeier,„vraleroc, der grölſste Adler der alten Welt. Jener, der Geier, findet sich in ganz Aegypten; dieser auf den äthiopischen Alpen, und nur selten auch in der Thebaide. Wegen der Aehnlichkeit ihrer Gestalt ist es meistens unmöglich, sie in den Bildwerken zu unterscheiden; auſser vielleicht wo die Farben erhalten sind, wie in der von Belzoni entdeckten Katakombe, Theben gegenüber. 1) Description de l'Egypte, Planches Vol. III. pl. 32. 33. Diodor XIII, 50. giebt 80 Priester an. Man vergleiche unsere XXIIIStce Tafel, Fig. 2., wo ebenfalls eine solche Procession dargestellt ist. 2) Hirt a. a. O. p. 14. 3) Horapollo I, 11. II, 56. 2————;—————— ÿ——õ—.————ö—ſſſ 115 Beide geben hier eine passende Bedeutung. Der Adler ist das Symbol der königlichen Herrschaft, und war dem Ammon, dem Beherrscher der Götter, geheiligt 1). Auf einem Onyxcameo der Königlich Preulsischen Sammlung, von der schönsten griechischen Arbeit und beträchtlicher Grölſse, wo ptolemäus Philadelphus und Arsinoe, seine Schwester und Gemahlin, ver- einigt dargestellt sind, ruht ein Adler mit gesenkten Flügeln über dem Helm des Ptolemäus, die von Jupiter verliehene Herrschaft und den Schutz dieses Gottes anzudeuten. Der Adler war überhaupt das beständige Symbol des Piolemäischen Fürstenhauses. Bei Griechen und Römern war er der König der Vögel, der Blitzträger und Bote Jupiters und das Zeichen des Impe- riums; als Symbol mächtiger Reiche hat er noch jetzt seine alte Bedeutung nicht verloren. Zu Theben in Oberägypten verehrte man ihn als heiliges Thier. Auch hier könnte man deshalb an der Decke des Ammontempels Adler vermuthen, wie sie sich an der zu Karnak finden ²), und die Feld- zeichen ³) in ihren klauen scheinen diese Auslegung zu rechtfertigen. Allein der Geier ist eben so treffend. Er ist das Symbol des Himmels ¹⁴), und die drei Sterne über jedem ausgespannten Flügel bezeichnen ohne Zweifel gleichfalls den Himmel. Der Geier ist auſserdem Symbol der Weis- sagung, des Jahres und der Erbarmung ⁵), lauter Beziehungen auf Ammon, die zum Theil erst weiterhin sich entwickeln werden. Der wallende Streifen an dem Kopfe der Vögel scheint den Blitz anzudeuten, der in Oberägypten unbekannt, also dort kein Attribut Ammons, aber in Libyen nicht unge- wöhnlich ist). Wahrscheinlich faſsten die Griechen, weil der äthiopische Geieradler ihnen unbekannt blieb, die Bedeutung beider symbolischen Zeichen zum Theil in dem einen Adler zusammen. 1) Diodoz. I, 87. Hornap. II, 56. 2) Description de DEg., Planches Vol. III. pl. 50., und noch ein ähnlicher Plafond findet sich pl. 61. In beiden Fällen ist aber die Auslegung so zweifelhaft wie hier; die Blitze fehlen, wegen des sogleich anzugebenden Grundes. 3) Tbid. z. B. Vol. III. pl. 32. Belzoni pl. 2. 4) Harap ollo I, 11. 5) Wegen der auſserordentlichen Liebe zu seinen Jungen. 6) S. oben pag. 76. 15* 116 Den Himmel dachten übrigens die Aegypter sich als ein weibliches Wesen ¹), und als die Mutter der Welt. Darum bezeichnet der Geier auf dem Haupte aller weiblichen Gottheiten die Mütterlichkeit, gleichsam den alles umfassenden und aus sich gebährenden Schooſs des Himmels. Aus dieser Vorstellung erklären sich die langgezogenen weiblichen Gestalten, welche die Thierkreise von Latopolis und Hermonthis einfassen ²); es ist der Himmel selbst dadurch symbolisirt. Neben der nach Paris versetzten Sphäre von Tentyris befand sich dasselbe Wesen, aber naturgemäls dargestellt, wegen seiner gröſseren Proportion zu dem übrigen. Ein anderes Bild bezeichnet jene Naturansicht noch deutlicher ³): Eine weibliche Gestalt biegt sich, auf Händen und Füſsen ruhend, mit schwebendem Leibe über einer anderen in ähnlicher Stellung, unter welcher eine dritte in wunderbarer Verschränkung ausgestreckt liegt; wobei jedoch der Zweck gerade dieser Lage in's Auge springt. Von der umfassenden obersten Gestalt fahren Strahlen herab auf die mittlere, und von dieser auf die zu unterst von beiden eingeschlossene. Die Hieroglyphe kann nicht sprechender seyn! Es ist der Himmel darge- stellt, von dem die Befruchtung der Mondessphäre oder der Luſt, und von dieser der sehnsüchtig auf Empfängniſs harrenden und immer empfangenden Erde mitgetheilt wird. Eben darum ist Venus Urania, der Himmel selbst! die Mutter der Dinge ⁴). Zu noch gröſserer Deutlichkeit finden sich neben der ober- sten Figur ein Käfer und Sterne; ja Sonne und Mond fahren, nach ägyptischer Weise personificirt, in ihren Schiffchen über den Rücken derselben, wie auf der schönen weiblichen Mumie, mit welcher der Herr Kammerherr con Pourtales den Königlichen Sammlungen ein unschätzbares Geschenk gemacht 1) Horapollo 1. c. 2) Desoript. de l'Eg. I. pl. 79. Auch in einem Gemälde der Königsgräber bei Theben. Die lang gezogenen Figuren zu Tentyris bedeuten vielleicht das Meer. Ibid. II. pl. 20. 3) Tbid. I. pl. 10. 4) XAdea Tlrεus, 14ο ερν der ägyptische Name der Venus, Athiyri, soll lxos vdeu‿ies bedeuten. Plutarch de Is. et Osir.. 56. Allen diesen Ausdrücken liegt eine höchst energische Sinnlichkeit der Auffassung zum Grunde, die genannten Bildwerke erklären sie. 117 hat. Ganz allgemein bedeutet in allen ägyptischen Tempeln die Decke den Himmel, und ist als solcher mit Sternen oder siderischen Bildwerken verziert; bei der Auslegung wird man durch diese Annahme sich oſt sehr gefördert sehen. Unmittelbar unter der Decke läuft oben an den Wänden ein symbo- lischer Bilderstreifen umher, der zugleich als Verzierung benutzt ist. Aber wie bedeutsam! Heilige Falken*¹), mit der vom guten Genius belebten Sonnenscheibe über jedem von ihnen, huldigen mit gesenkten Flügeln dem Gnadenscepter der Götter, neben welchem ein verzierter Hieroglyphenschild einen hochverehrten Namen enthält, oder vielleicht eine Lobpreisung des thronenden Ammon, dem die Falken und Scepter von beiden Seiten her zugekehrt sind. Solche Schilder pflegen immer zwei verschiedene Gruppen von Hieroglyphen zu enthalten, die sich eine um die andere wiederholen ²). Das Scepter fanden wir schon in der Hand Ammons, als Zeichen der Erhörung ³); es fordert indeſs hier noch eine nähere Aufmerksamkeit. Der aufgesetzte Kopf ist der eines unbekannten ägyptischen Vogels, den Hora- pollo Kukupha nennt, und von ihm erzählt, er nähre seine kraftlosen Eltern, baue ihnen Nester und pflege sie; deshalb sey er das Symbol der Dankbarkeit und kindlichen Liebe, und die Ehrenauszeichnung(oor!uσν der heiligen Scepter ⁴). Bei Griechen und Römern trat an die Stelle jenes Vogels, als Zeichen der kindlichen Liebe, der Storch, dem man diese Tugend in hohem Grade zuschrieb s). Offenbar ist aber der Kukupha von diesem verschieden. In der Einfassung der bembinischen Isistafel zu Turin kommt jener in ganzer Gestalt vor, neben dem trauernden Cerkopithecus, dem Leichnam des erschlagenen Osiris gegenüber. Es ist ein krummschnabliger Wasservogel mit langer herabhangender Krone am Hinterkopf, ziemlich 1) Man sehe oben pag. 107. 2) Man sehe Taſel u Xrr. XX. XXII. XXIII., nebst den Erklärungen. 3) Taßfet X. Hig. 2. f. v. 102. 4) Horapollo I, 55. 5) Plinius H. N. X, 32. Auch schon bei den Aegyptern. Horapollo II, 58. 118 langen Beinen und sehr groſsen Füſsen; nach meiner Meinung eine Art Phö- nicopterus. Dieselbe Bedeutung hatte bei den Aegyptern auch der Rei- her ²*), weshalb an der schon erwähnten Mumie des Herrn von Pourtaleès eine männliche Gestalt mit einem Reiherkopfe erscheint. An den Sceptern bemerkt man eine Verschiedenheit. Mit deutlich aus- gedrücktem Auge und unten gewöhnlich in eine Waffe endigend bezieht es sich immer auf Osiris und alles, was mit diesem in Verbindung steht. Es bezeichnet dann, auſser der Pietas, zugleich Macht und Weisheit und das allsehende Sonnenauge, dem kein Frevel verborgen bleibt ²*). Ohne das Auge, dessen Weglassung, wenigstens auf genauen Darstellungen, nicht für zufällig gelten kann ³), hat es eine allgemeinere Bedeutung. Die hier dar- gestellten sind von der letzteren Art. Auch der Ring, durch welchen diese Scepter, so wie die Feldzeichen an der Decke, gesteckt sind, darf nicht übersehen werden. Noch merkwürdiger ist der etwas schmälere zweite Bilderstreifen, der unter jenem gleichfalls im ganzen Inneren sich umher zieht; es ist offen- bar die Darstellung eines religiösen Festes. Neun Candelaber sehen wir aufgestellt ⁴), vier auf einem niedrigen Altar und fünf gröſsere daneben, sie haben die Gestalt von Lotusstengeln mit aufgeschlossenen Kelchen; zwei Männer scheinen mit aufgehobenen Händen vor ihnen zu beten. Wer erinnert sich hier nicht der heiligen Leuchter der Stiftshütte und des salo- monischen Tempels ⁵)? Ferner erblicken wir zahlreiche Gerüste, der Beschreibung nicht unähn- lich, die nach rabbinischen Schriftstellern von dem Tische der Schaubrodte gemacht wird ⁶). Beging man etwa beim libyschen Orakel des Ammon ein Fest, ähnlich dem des Sonnentisches in Aethiopien, das von mehreren 1) Aeli an. Hist. Anim. II, 22. 2) Plutar ch. de Is. et Osir. c. 10. und 51. 3) Man sehe den Beweis auf unserer Tafel XXX. Eig. 1. 4) Tafel IX. 5) II. Buch Mos. 25, 31. I. Kön. 7, 49. 6) Semler, Antiquitäten der heiligen Schrift. Kap. 10. 119 Schriftstellern erwähnt wird? Nach Herodot*⁷) feierte man es auf einer im auſseren Bezirk der Stadt belegenen Wiese; gesottenes Fleisch in groſser Menge, jedoch bloſs von vierfüſsigen Thieren, wurde durch die angesehenern Bürger während mehrerer Nächte daselbst ausgelegt, und bei Tage stand es jedem frei, so lange das Fest dauerte, davon zu genieſsen. Alles hier Dargestellte scheint die Richtigkeit dieser Annahme zu bestä- tigen! Wir sehen Männer an Stäben wie aus der Ferne herzukommen, um Theil zu nehmen, andere Schüsseln tragen, andere sich begrüſsen, oder wie zum Tanz sich die Hände reichen. Ein niedriger Tisch ist angerichtet (Tafel VIII.)) und, damit auch die religiöse Beziehung deutlich sey, stehn neben den Leuchtern Betende. Es ist ein frommes, aber heiteres Fest, das hier begangen wird; und ein uralter Gebrauch, über den viel Widerspre- chendes vermuthet worden, steht hier im Abbilde vor uns! Daſs Gerüste und Tische zum Auflegen der Speisen nöthig waren, bedarf keiner Bemer- kung. Möchie übrigens die Nachricht von einer Theilnahme der Aethiopier bei der Gründung des Ammonischen Orakels auch nur eine Vermuthung Herodots seyn, der Dienst des Ammon war in Aethiopien, Theben und Libyen unstreitig derselbe. Unterhalb der Hieroglyphen, von denen schon die Rede war, sehen wir in der obersten Figurenreihe zu beiden Seiten Jupiter Ammon, thronend in einem Heiligthum, mit dem Anilitz den Eintretenden zugekehrt und umgeben von Göttern, seinen Tempelgenossen(den Seolc œvvydoig.) Auf der rechten Tempelwand(Tafel IX.) ruht auf seinem Haupt eine Kugel, die Sonne bezeichnend; auf der linken(Tafel VZIII.) ist der symbolische Schmuck zusammengesetzter, aber von dem des Ammon und Osiris an der äuſseren Seite des Tempels nicht unterschieden, nur besser erhalten ²). Eben den- selben führt er in Oberägypten; besonders fehlen die Bockshörner, noch über den Widderhörnern angebracht, dem Ammon fast nie. 1) Herodot. III, 17. 18. 2) Man vergleiche Tafel X. Fig 2. und 3. 4 1 8 4 8 120 Auffallend ist überhaupt in den ägyptischen Bildwerken das häufige Vorkommen jener Bockshörner. Aufser Ammon und bisweilen Osiris, führen sie Horus, Hermes, Mars, Typhon und vielleicht noch andere Götter, mit mannigfaltigem Zierrath verbunden. Sie erscheinen hin und wieder auf Kanoben, Sphinxen und sirenen, ferner auf den Häuptern der Könige und vieler Priester. Was aber am sonderbarsten ist, selbst das Zodiakalzeichen des Widders hat bei den Aegyptern, aufser seinen natürlichen Hörnern, auch diese ²). Daſs sie sich auf Mendes beziehen, wird zwar nirgends bemerkt, ist aber unläugbar; auf unsrer einundzwanzigsten Tafel Fig. 2. wird man ihn damit dargestellt finden. Von diesem Gott wissen wir indels nicht mehr, als daſs er Vorsteher der Zeugung war, und zur Ordnung der acht ältesten Götter gehörte 2). Unter den Thieren war der Bock ihm geweiht, oder viel- mehr der mendesische Bock war sein leibhaſtiges Bild, wie der Apis gleich- sam der fortlebende Osiris. Deswegen nannten die Griechen den Mendes: pan, nach dem bockfüſsigen arkadischen Gott, welchen Herodot den jüngsten aller Götter nennt, während Mendes der älteste sey ³). Man hat sich gewun- dert, ihn in den ägyptischen Bildwerken gar nicht erscheinen zu sehen), jetzt finden wir die Hindeutung auf diesen Gott fast allenthalben. In welchem Verhältniſs Ammon zu ihm stand, was im Innern des Tempels zu Theben geschah, verbarg die Decke des Geheimnisses. Jetzt ist diese Decke gefallen! Ungehindert untersucht der Reisende die verborgensten Orte des mystischen Dienstes. Hat man im Tempel zu Karnak Pforten, Höfe, Hallen, Säle und Gemächer in endloser Folge durchschritten, 1) Man sehe die bembinische Tafel, wo sich zu vielem Gesagten die Belege finden. Die vierte Figur der obersten Reihe daselbst ist Mars, zu seiner Mutter kommend(A erodot. II, 64.). Man vergleiche unsere Tafeln XII, XAXII, 2., XXII, 3., XXX, 1. etc., nebst den Erklärungen. 2) Herodot. II, 46. Strabo XI II. p. 802. Plutar oh. de Is. et Osir. c. 73., wo viel- leicht im Text bei Squire ein Fehler stehen geblieben ist. 3) Herodot. II, 145. 146. 4) Hirt I.. p. 12. Die dort für Pan erklärte Gestalt, Tafel I. Fig. 7., stellt ilm nicht dar. Man vergleiche unsere Taſel XXII. Fig. 1. — ——— ““ 121 so gelangt man zu dem heiligsten Adytum, das im Alterthum ohne Zweifel blos Geweihte der höchsten Ordnung, Oberpriester und Könige, betraten. Es ist ein doppeltes Gemach, ganz von Granit, einst mit ehernen Thüren ver- schlossen, über deren Eingange sich die mystische Sonne aus reinem Golde befand. Das letzte Innere ist etwa fünf und zwanzig Fuſs lang, dreiſsig Fuſs preit, und die Dicke der Mauern beträgt drei Fuſs. Oben und rings umher ist es ganz eingeschlossen und umbaut von andern Theilen des Tempels. Diese sind aus Sandstein aufgeführt und sorgfältig so eingerichtet, daſs sie nirgends das Heiligthum berühren. Um dasselbe her bleibt deshalb ein freier Gang von ziemlicher Breite(über 9 Fuſs), und über demselben ein leerer Raum. In jenem äulseren Umgang ist die Weihe eines Königes dargestellt*); denn kein König, obgleich nach dem Gesetz zur Kriegerkaste gehörig, durfte den Thron einnehmen, bevor er nicht die priesterliche Weihung empfangen hatte, die, wie jene Bildwerke beweisen, zugleich die Krönung enthielt, und hier ohne Zweifel vorgenommen wurde, ehe ihm vergönnt war, das Innere zu betreten. Uns steht es offen! Und was erblicken wir? Das Symbol der Zeugung, zugleich mit dem der Empfängnilſs, wird in tieſster Andacht verehrt. Nir- gend in Aegypien, auſser hier vor diesem Zeichen, finden sich Anbetungen mit Kniebeugen und Prosternation! Neben dem Könige und den Priestern sieht man im Innern auch Mädchen dargestellt; und hiedurch erhält ein anderer geheimnilsvoller Umstand im Dienst des Ammon seine Aufklärung: Die schönsten Mädchen von hoher Geburt wurden diesem Gotte geweiht und wohnten im Tempel als Genossinnen Jupiters, sich jedem preisgebend, wie anderswo die Hierodulen der Venus ²). * 1) Man sehe unsere Tafel XXI. Fig. 1.; und über alles Gesagte Desoription de l'Eg. Thebes p. 233. etc., und Planches III. pl. 21. fig. 1., pl. 38. fig. 28. 30. 31. 2) Alds raar«es: Diodor. I, 47. Nach diesem Schriftsteller waren dieser Mädchen meh- rere, nach Strabo nur eine. Gtrabo XVII. p. 816. Herodot. I, 182. Die Griechen nannten solche geweihte Mädchen Pallades. cf. Eustathl. ad Odyss. III. p. 1742. Graf Belmore lieſs hier Nachgrabungen anstellen und fand ein granitnes Schiff mit einem Idol. Richardson's trawels (1822) II. p. 91.. 16 122 In diesem Zimmer war es auch, wo die französischen Gelehrten der Expedition an mehreren Tagen, bald nach Sonnenaufgang, einen hellen Ton vernahmen, wie von einer gesprungenen Saite, den sie mit Recht der sich gegen die erwärmte äufsere Luft plötzlich ins Gleichgewicht setzenden Tem- peratur des ringsumher eingeschlossenen Granits beimessen*). Diese Erschei- nung wiederholt sich, wenigstens im Sommer, alle Morgen; der Uebergang von der sehr kühlen Nacht zum drückend heiſsen Tage ist dann fast urplötz- lich. Mit welchem Gefühl muſste nicht einst der Aegypter, von tausendfacher Götterfurcht gebändigt, diesen magischen Klang vernehmen! Was konnte er ihm anderes verkünden, als die unmittelbare Gegenwart der Goitheit in diesem geweihten Raum ²)? zZu Luxor im Tempelpalast des Königs, der bekanntlich in Aegypien als ein neuer Osiris oder Göttersohn verehrt wurde, befindet im Innern sich ebenfalls ein solches Zimmer aus Granit mit ähnlichen Darstellungen, ausgenommen die Weihe. Im äuſseren Umgange sind Kostbarkeiten und Geräthe dargestellt, wahrscheinlich hier aufbewahrte Weihgeschenke, die auch zu Karnak vorkommen. Es war ohne Zweifel für die tägliche Privatan- dacht des Königs und der ihm dienenden priesterlichen Räthe bestimmt ³). Das Verhältniſs Ammon's zu Mendes, dem Goitt der Zeugung, und zu Venus, der Mutter des Lebens, wäre sonach erklärt; aber zugleich vieles andere. Nach Curtius(VI, 7.) war das mystische Bild des Ammon im 1) Description, Thebes p. 234. 2) Bei dem Bau der neuen Sternwarte zu Königsberg bemerkte man, dals der Granit gleich- sam eine höhere Vitalität habe, als andere Steine. Man hatte die Beobachtungsinstrumente auf einer granitenen Base errichtet, die man für am wenigsten verrückbar hielt. Es zeigte sich aber das Gegentheil. Der Granit änderte beim Wechsel der Lufttemperatur so auffallend sein Volum, daſs die Beobachtungen ungenau wurden, und man muſste die Base verändern. Hieraus erklärt sich zugleich das Klingen des Memnon, der im Alterthum nicht frei stand, wie jetzt, sondern umgeben von einem Mausoleum, das an Ausdehnung und Pracht wenig Tempeln nachstand. 3) Unsere Tafel XL. Fig. 1. E. und Deseription, Thebes p. 199. etc. Planches III. pl. 5. fig. 1., pl. 8. ſig. 2., pl. 10. fig. 1. 2. Man sehe was Diodor. I, 70. über das von Stunde zu Stunde an ein strenges Ceremoniel gebundene Leben der ägyptischen Könige sagt. 123 Weissagetempel in Libyen, zu welchem wir hiermit zurückkehren, von höchst ungewöhnlicher Gestalt: Aus Smaragden und Edelsteinen zusam- mengefügt, glich es am meisten einem Nabel! Eben so war aber in dem berühmten Tempel der Venus zu Paphos in Cypern das mystische Bild dieser Göttin gestaltet. Es glich nach Tacitus einem unten breiten, oben immer mehr zusammenlaufenden Kegel*)! Auch Paphos war ein alter Orakelort und Mysterien wurden dort begangen, wobei die Geweihten einen Phallus und ein Maaſs Salz erhielten; die cyprischen Tempelmädchen sind bekannt ²). Bei dieser wunderbaren Uebereinstimmung des paphischen und ammonischen Dienstes ist die dunkle Spur nicht zu übersehen, daſs auch dieses Heiligthum von Aegypten aus gestiſtet ³), und eine Kolonie Aethiopier in Cypern ansäſsig war ¹), die sich wahrscheinlich während einer der Eroberungen Aegyptens durch dieses Volk, dessen Ammonsdienst oben berührt ist; hier niederge- lassen hatten. Wir haben auch Nachricht, daſs die mystische Tempelgottheit der Cyprier nicht die Venus, sondern ein männlicher Gott von ähnlicher Bedeutung gewesen sey s). Wahrscheinlicher giebt man indeſs dem paphi- schen Gottesdienst einen phönizischen Ursprung ⁰). Vieles, was hier zur Erklärung sich darbietet, übergehen wir(z. B. den KAegipan als Spielgenossen des heranwachsenden Jupiter), um noch ein Wort über einen vielbesprochenen Punkt in der Geschichte Alexanders des Groſsen hinzuzufügen. Bekanntlich wurde dieser Eroberer im Tempel des libyschen Ammon von dem Hohenpriester für einen Sohn Jupiters erklärt, und in Aegypten und Asien machte er diese Würde geltend. Ohne Zweifel geschah dabei nichts anderes, als was wir zu Karnak im Umgange des erwähnten Hei- ligthums dargestellt sehen. Alexander erhielt die Königsweihe eines Sohnes 1) Taclt. Hist. II, 3. Man sehe Millin's mythologische Galerie Tafel 43. Fig. 172. 173. 2) Herodot. I, 199. Justin. TBrIII, 5. 3) Tacit. Innal. 11, 62. 4) Herodot. VII, 90. 5) Macrob. Saturn. III, 8. Ein Deus Venus, ευρ AOe⁴ετes; Aristophanes soll ihn erwähnt haben und andere. 6) Herodot. I, 105. 16* Zͤͤöö r.ͤͤͤͤ 124 des Ammon, wie einst die Pharaone der Thebaide, und wie Osiris, ihr Vorbild, von Ammon an Sohnes statt angenommen war. Den Griechen schien dies unerhört. Allein eben so wurden später die ägyptischen Könige aus dem Geschlecht der Ptolemäer zu Memphis im Tempel des Vulkan, damals dem heiligsten des Landes, zu Söhnen der Sonne geweiht; denn nach der Lehre von Heliopolis und Memphis war Osiris ein Sohn der Sonne. Die Ptolemäer behaupten auch diese Würde selbst auf Münzen in ihrer Titulatur(Oeol Xorfgec, A0Oo, Erioæveic etc.), und galten im Glauben ihrer ägyptischen Unterthanen für leibhaſtige Götter. Im Hauptschmuck des Ammon fordert noch etwas Erklärung. Ueber den Mendeshörnern erhebt sich auf der achten Tafel ein hoher Aufsatz, unter welchem eine Scheibe ruht. Den planeten Jupiter kann diese nicht bezeichnen, er war dem Osiris, nicht dem Ammon geweiht; auch werden die Planeten anders dargestellt*). Daſs sonach hier die Sonne gemeint sey, leidet keinen Zweifel. Die hohen Enden darüber sind aber Palmenzweige ²), wie sie deutlicher in eben diesem Schmuck an den Obelisken zu Luxor aus- gedrückt sind; und hieraus ergiebt sich zugleich die Bezeichnung des Ammon als Jahresgott. Denn die Palme war die Hieroglyphe des Jahres, weil man annahm, dieser Baum treibe monatlich einen neuen Zweig beim ersten Sichtbarwerden des Neumonds; jährlich also zwölf nach der Zahl der Monate ³⁴). Hiemit enthüllt sich eine neue geheimniſsvolle Beziehung. Die mythischen Erzählungen über den Anlaſs der Bildung Ammons mit einem Widderkopf sind oben erwähnt ¹); allein erst der Zusatz, daſs jener den Sonnenquell aufscharrende Widder, der dem Osiris erschien, unter die Gestirne des Himmels versetzt sey, enthält den wahren Aufschluſs. Nichts anderes als das Zodiakalzeichen der Frühlingsnachtgleiche ist durch den 1) Man s. Tafel XX. Fig. 2., wo Nemesis mit dem ihr gehörigen Planeten Saturn und dem Maalsstabe vorkommt. 2) Man sehe die Erklärungen zu Tafel XII— XI. 3) Horapollo I. c. 3. und 4. 4) pag. 106. —yÿyÿÿ——————— 125 Widderkopf angedeutet*), und somit Ammon als Herr und Eröffner des Jahres und der Zeiten. Denn ungeachtet der Beweglichkeit ihres bürger- lichen Jahres hielten die Aegypter den Frühlingswidder für das erste Zeichen des Thierkreises und für den Anfang der Sonnenbahn ²). Was vom gewöhn- lichen Sonnenjahre galt, übertrug man, nach einer im ganzen Alterthum aus astrologischen Gründen durchaus nothwendigen Folgerung, auf das ange- nommene groſse Weltenjahr; und Ammon steht, als erster nach den acht ewigen Göttern der obersten Ordnung,(den Seoē dεvyroi aal Aαμαετοε) ³), zu denen Mendes gehört, an der Spitze der werdenden Welt. So heilig war in Beziehung auf ihn die Widdergestalt, daſs man im Alterthum jene bekannten Versteinerungen, die noch jetzt Ammonshörner genannt werden, und die man besonders schön in Aethiopien fand, für prophetisch und göttlich hielt 4). Ein Glaube, der in Indien, bis zu fana- tischer Höhe getrieben, noch heutiges Tages fortdauert s). In der That ist also Ammon der oerborgene Gott, wie der ägyptische Priester Manetho seinen Namen deutete ⁵); oder nach Jamblichus der Ans-Licht-Bringer der oerborgenen MNaturkraft*). Derselbe Begriff von ihm scheint in einem Mythus zu liegen, den Herodot erzählt ²): Als Herkules einst seinen Vater Ammon schlechterdings zu sehen begehrte, willfahrte dieser ihm zwar und erschien; aber nicht in seiner wahren Gestalt, sondern mit dem vorgehaltenen Haupt eines Widders. Eine jährliche Feierlichkeit der Thebäer versinnlichte diesen Vorgang. Gleichwohl haben Neuere, den 1) Lactant. zu Stat. Theb. III, 476. und Nigidius bei dem Sohol. zu Germanici Arat. Phaenom. p. 61. Buhle, Vol. II.. 2) Theon zu Arati Phaenom. v. 544. ed. Buhle, Vol. I. p. 126. 3) Plutarch. de Is. et Osir. c. 21. 4) Plin. H. W. XXXVII, 60. 5) In der alten Beziehung auf Schiwa-Lingam. Poliern Mythol. des Indous. Vol. I. 6) Plutaroh. de Is. es Osir. c. 9. 7) Jamblichus de myster. Aegypt. VIII, 3. 8) Herodot. II, 42. ———— —nnn 126 ägyptischen Namen Jupiter's AMoux etymologisch erklärend, die Bedeutung: der Erhabene, Strahlende, Glorreiche, für wahrscheinlicher angesehen ¹1). Die kleinen Heiligthümer, worin Ammon thront, sind auf beiden Seiten verschieden. Das zur Linken(Tafel IIII.) ist aus Lotusstengeln erbaut, den Symbolen der Fruchtbarkeit; das zur Rechten(Tafel X.), wo Ammon die Sonnenscheibe trägt, scheint das prächtigere zu seyn. In beiden hält er den Stab des Osiris ²) und den mystischen Schlüssel. Alle zahlreichen Widderköpfe im Inneren haben etwas Uebertriebenes, fast Löwenartiges, worauf ich nur deshalb besonders aufmerksam mache, damit man es nicht für einen Fehler des Zeichners ansehe. Gerade dies soll auch in den Origi- nalen sich finden. vVor beiden Heiligthümern nähert sich dem Thron, knieend und mit aufgehobenen Händen, ein Anbetender; eine Art der Verehrung, die, wie bemerkt, nur in den innersten Gemächern des mystischen Dienstes zu The- ben vorkommt. Es ist aber nicht zu vergessen, daſs wir auch hier in einem unzugänglichen Adytum stehen. Als Alexander das Orakel des Ammon besuchte, wurde sogar den macedonischen Feldherren, die ihn begleiteten, von den Priestern nicht erlaubt ins Innere zu treten, nur dem Könige allein ³²). Die Betenden scheinen entkleidet zu seyn; in der angeführten Erzählung von Alexanders Besuch dieses Tempels kommt etwas Aehnliches vor, und auch in den bacchischen Weihen der Griechen fand eine mystische Entkleidung und Reinigung statt ¹). Um die Hauptgottheit, den Ammon, stehen zu beiden Seiten die Götter und Göttinnen, die seine Tempelgenossen sind, und die höchsten Wür- denträger der Priesterschaft. Sie bilden keine Procession, wie man bei 1) Jablonsky voces Aeg. p. 31. Champollion, DEgypte sous les Pliaraons, I. p. 218. Bei Plato Phaedr. p. 379. 380. Bip. lautet der Name Qaενν, mit dem weiblichen Artikel; viel- leicht IIa‿ον Oder ανμεd⁷. 2) Oben p. 118. 3) Strabo XIII. p. 814. cf. Lucoian. de Dea Syr.. 31. 4) Demosth. pro Corona, c. 79. ——— ͤé— — * — 3 127 ähnlichen Darstellungen immer annimmt. Die schreitende Stellung der männlichen Gottheiten ist in Aegypten allgemeine Künstlersitte, selbst bei kolossalen Standbildern; und man darf nur hier die weiblichen Figuren beachten, um sich zu überzeugen, daſs wenigstens in den uns jetzt beschäf- tigenden Bildwerken an keine Procession zu denken ist. Das Ausdehnen des neben einander Gedachten in lange Reihen war eine nothwendige Folge der Reliefdarstellung, die bei den Aegyptern auſserdem an eigenthümliche Beschränkungen gebunden blieb ½), von denen abzuweichen den Künstlern untersagt war. Auf der linken Seite(Tafel 7III.) steht hinter dem Thron Ammons wiederum VENUS, in der hinlänglich entwickelten Beziehung; auf der rechten ist die Wand hier fragmentirt; wir verfolgen indeſs zuerst die Bilder- reihe dieser Seite(Tafel IX.). Zwölf Gottheiten, mit ihren Antlitzen alle dem Eingange des Tempels zugekehrt, sind hier noch erhalten; mehrere, die folgten, zertrümmert. Zunächst neben Ammon erscheint Isis, hier, wie allenthalben, kenntlich gemacht durch die Scheibe zwischen den Gazellenhörnern ²) auf ihrem Haupte, die den Sothis oder Sirius bezeichnet, dessen heliakalischer Aufgang um die Zeit der Sommersonnenwende das Anschwellen des Nils verkündigte, weshalb er den Aegyptern vorzugsweise der Stern des Segens, und der Isis geweiht war, von deren Seele man sich ihn belebt dachte ³). Die Scheibe pedeutet auch bisweilen den Mond, aber nur unter näheren Bestimmungen, die hier fehlen. Ein sonderbarer Mythus verknüpft Isis aufs genaueste mit Ammon: Dieser, heilst es, hielt sich anfangs verborgen, weil er nicht gehen 1) Man sehe Toelken, iber das Basrelief. Kap. 2. Seite 11. und folgende. 2) Von der Antilopenart, die bei den Alten Dorcay hieſs, dem Lieblingsthiere der Isis. Aelian. H. A. X, 23. Eine andere Art, Oryæ genannt, mit geraden Hörnern, war unheilig. Hona- p„ollo I, 49. Sie werden oft verwechselt. Plin. H. W. I1, 40. 3) Horapollo I, 3. Plutargh. de I4. t Osir. c. 21. Diodor. I, 27. ———— 128 konnte, bis Isis die zusammen gewachsenen Beine des Gottes von einander theilte*). Die Bedeutung liegt nahe. Ueber dem Haupte der Isis fehlt hier der Geier, das Zeichen der Mütter- lichkeit ²), und dies ist allenthalben der Fall, wo sie neben ihrem Gemahl Osiris, nicht als einem lebenden, sondern als gestorbenem und Todes-Gott erscheint. So in mehreren Reliefs zu Philä und andrer Orten, und auch auf der bembinischen Isistafel im obersten Figurenstreifen, wo die dritte Gruppe den mystischen Vorgang darstellt, wie Isis den verlorenen Osiris neben der Nymphe der Erikastaude, welche durch dieses Gewächs in ihren Händen kenntlich ist, wieder findet. Auch hier erscheint sie in der den Aegyptern heiligsten Beziehung, als trauernde Göttin, von deren Thränen alljährlich der Nil schwillt. Sie hebt die eine Hand, wie gewöhnlich, segnend empor. In Argolis wurde, nach Festus, eine libysche Ceres(Libyssa) als Stiſterin des Ackerbaues verehrt; wahrscheinlich diese ammonische Isis. OsIRis, der nie genug beweinte, wie man ihn genannt findet 3), und dessen Leidensgeschichte den Hauptinhalt der ägyptischen Religion aus- machte, steht vor ihr als Herr der Unterwelt und König der Todten, in Mumiengestalt, mit dem Hauptschmuck, den er als solcher zu führen pflegt. In seinen Händen ruhen Krummstab und Geiſsel; jener das Symbol des, nach dem astrologischen Glauben der Aegypter, an die Sterne geknüpften Schicksals; die Geiſsel aber ein Werkzeug der Entsündigung und Bulse, von dem an den ägyptischen Klagefesten ein sehr ernstlicher Gebrauch gemacht wurde. Männer und Weiber, zu vielen Tausenden versammelt, geilselten sich öffentlich). Auch in den griechischen Weihen kamen nicht blos Ent- haltung und Fasten, sondern auch Geiſselungen vor 5), besonders in denen der Cybele ⁶). Dieselben Attribute führt Osiris in allen Darstellungen des 1) Plutarokh. de Is. et Osir. c. 627. 2) Oben pag. 116. 3) Nunquamque satis ploratus Osiris. 4) Herodot. II, 40. 61. und an mehreren Stellen. 5) Z. B. Pausan. VIII, 15. 6) Man sehe die furchtbare Geiſsel des Archigallus in Millin's mythol. Galerie Tafel 82. Fig. 15. Es ist das flagrum tessellatum von drei Lederstreifen, die mit zehn, neun und sieben ——— ¾— —— 129 Todtengerichts auf zahlreichen Papyrusrollen und in dem sogenannten Isis- tempel ²*) beim Osymandeum, der eben deswegen kein Tempel, sondern ein Grab ist. Die Geiſsel wird gewöhnlich als Dreschflegel erklärt, wobei man nicht bedenkt, daſs dieses Geräth den Aegyptern unbekannt war, indem sie das Getreide von Ochsen austreten lieſsen, welcher Gebrauch auf Darstel- lungen in Gräbern oft vorkommt ²). Zur Seite des Osiris ist der Eingang einer Kalakombe angedeutet, und vor derselben ein Lotusstengel und ein Vrassergefäfs, Symbole des Trostes. Jener bezieht sich auf Isis, dieses auf Osiris, die beiden freundlichen Gott- heiten des Grabes ³). Im heiſsen, von endlosen, wasserleeren Wüsten umge- benen Aegypten war das Wasser so sehr das Zeichen alles Erfreulichen und Heilbringenden, daſs man selbst für den Zustand nach diesem Leben kein lieblicheres Bild des Trostes kannte, als dies. Daher auf Mumien die Inschrift:„Osiris gebe dir das kühle Wasser!“ Die Griechen übertrugen diese Vorstellung sogar auf ihren freudelosen, schauerlichen Hades, wie folgender, in die Anthologie aufgenommene Vers beweist ³): Fo‿οↄσ⁷σμά̈ο doin Fοι ae eveαꝙν Aid wvedc. Gebe dir künlendes Masser der Herrscher der Todten Aidoneus! Aber kein Volk hatte Tod und Grab mit beruhigenderen Bildern umgeben, als die Aegypter. Gleich neben der Todeswohnung erscheint noch einmal Osiris, nicht mehr todt, sondern deutlich bezeichnet als Gott des Lebens und der Zeugung, seiner Bildung nach nicht wesentlich unter- Schaafknöcheln besetzt sind. Bei den Buſzexecutionen muſste die Erde nals werden vom Blut. Apulejus Metam. l. VIII. p. 214. Elmenh. In anderen Weihien nahm man Rehlbockknöchel, und die Priester der Bellona zerfleischten sich bei ihren Buſsübungen mit kleinen Beilen; in der erwähn- ten Mychol. Galerie ist Tafel 89. Fig. 157. ein solcher Bellonenpriester dargestellt. Tibull. I, 6. 47. Ipsa bipenne suos caedit violentaz lacertos, Sanguinegque effuso Spatgit inultz Deam. 1) Desoript. de l'Eg. Thebes p. 161. 2) Cl. 5. B. Mos. 25, 4. 3) KHerod ot. 11, 123. 4) Aut hol. Jacooοbs, Adesp. Nr. 731. Tom. II. p. 278. 17 130 schieden von Mendes selbst*), der im Osiris gleichsam als sichtbar erschienen gedacht wurde. In bemalten Darstellungen versinnlichte man dies noch durch ein flammenfarbiges Gewand ²). Keinem anderen, als dem Osiris, war auch jene mystische Feier im Inneren des Ammontempels zu Theben geweiht, und hier erblicken wir ihn gleichfalls im Adytum des Jupiter. An seinem Geburtsfeste, das am ersten der fünf ägyptischen Schalttage begangen wurde, trat jener Geheimdienst aus seinem Dunkel hervor; es war ein phallisches Volksfest von unbeschreiblicher Ausgelassenheit ³). Ein gemeiner Wasserträger, Namens Pamyles, hörte zu Theben im Tempel des Ammon, als Osiris geboren wurde, eine Stimme erschallen:„Der Hlerr des All tritt an's Licht!“ Deswegen nannte man dies Fest die Pamylien, und jener Was- serträger genoſs hohe Verehrung; einige dachten sich ihn als den Erzieher des Osiris und als einen priapischen Gott 4). Selbst in Bildwerken scheint er, doch nicht auf diese Art, vorzukommen. Aus dem Erzählten bewährt sich unsre Vermuthung, daſs nicht blos in Libyen, sondern auch zu Theben in Oberägypten, Osiris für einen Sohn Ammon'’s galt; dagegen jener andere Mythus, der ihn von Ammon blos adoptiren, aber von der Sonne erzeugt werden läſst, wahrscheinlich die Lehre der Priester von Heliopolis enthält. Auch die Aethiopier verehrten mit gröſstem Eifer blos Ammon und Osiris ⁵); später scheint zwar ihr Cultus zum Theil sich verändert zu haben), allein jene beiden Götter dachten sie sich ohne Zweifel in dem bezeichneten engeren Verhältniſs; was für die 1) Steph. By. s. v. Ilards rd⁴α: Eorr A] 1ν§εο(des Mendes) anæAdua deα, deανν 1Xον τ ϑ⁷αοων εες ᷑πτ DaxrtAovs, 2r aε ᷣ aͥdνα 17 ε. Eben so werden die Statuen des Osiris beschrieben, und auch hier sehen wir ihn so dargestellt. 2) Plutarch. de I. et Osir. c. 51. 3) Plutaroh. ibid.. 12. und 26. Herod. II, 48. 4) Plucarck. I. I. c. 12. cf. Jablonsky voces Aeg. p. 192. 5) Herodot. II, 29. Diodor. III, 2. 6) Nach Diodor. III, 8. und Strabo XVII. p. 822. verehrten sie auſser Ammon auch Mendes, Isis und Herkules. WEW addington glaubt in den Bildwerken von Merawe noch andere Gottheiten erkannt zu haben. Journal of a visit to Aechiopia. p. 167. etc. ——— — 131 Religionsgeschichte nicht unwichtig ist, denn auch nach griechischem Glauben war Bacchus der Sohn Jupiters. Ueber der erhobenen Hand des Osiris schwebt die mystische Geiſsel; zwei sich oben umlegende Strauſsfedern*) auf seinem Haupte bezeichnen ihn als König der Gerechtigkeit. Da wir hier den Osiris als Todten und Lebenden neben einander gese- hen, kann ich nicht umhin, eine merkwürdige Darstellung zu berühren, die sich an der schon einmal erwähnten weiblichen Mumie des Herrn von Pourtales befindet. Auf dem inneren Boden des äulseren Sarges derselben sieht man eine Verzierung, die auf ägyptischen Denkmälern als Bezeichnung des Grabes oft vorkommt ²), aber hier fast zu der Gröſse eines menschlichen Körpers ausgedehnt ist. Ueber diesem Grabe ruht der Hauptschmuck des Osiris als Königs der Gerechtigkeit, zugleich mit den Zeichen des Mendes und des guten Genius, und darüber, an der aufsteigenden Seite des Sarges, das Zeichen des Phtha, der Käfer, in kolossaler Gröſse, nebst der Sonnen- scheibe, beide von goldener Farbe. Aus der Hülle des Grabes schauen zugleich die Augen des Osiris hervor, und zwei grolse Fittige, die sonst ihn wohl einhüllen ³), sind von beiden Seiten ausgespannt, die Leiche gleichsam ganz zu umfassen. Es ist Osiris als personificirtes Grab! aber mit den Zeichen der Gerechtigkeit, des Lebens und Lichtes. So wunderbar diese Darstellung ist, hat sich doch der Mythus erhalten, wodurch sie erklärbar wird: Als Isis den erschlagenen Osiris fand, war seine Leiche in einer Säule einge- schlossen ⁴). Selbst die Griechen hatten diese schöne Fabel aufgenommen, und verehrten einen Aloyuος IIeuνν³⁶νςα ⁵), einen von der Säule umgebenen Dionysus; es ist der gleichsam als lebendiges Grab personificirte Osiris. In 1) Dies sieht man auf kolorirten Abbildungen, z. B. Belzoni, pl. 17. Die Bedeutung giebt Horapollo II, 118. Man sehe oben pag. 105. 2) Man sehe Taſel XXXII., nebst der Erklärung. 3) M. s. Taſel XXX. Fig. 1. 4) Plutaroh. de Is. et Osir. G. 15. 16. Hierauf bezieht sich auch der von Plutaroh. Kap. 21. erwähnte mystische Gebrauch, und Garapis als Grabes-Osirig. 5) Sohol. Eurip. Phoeniss. 654. Siehe Sohneider. 17* 132 der von Belzoni eröffneten Katakombe sieht man den König dies symbo- lische Grab umarmen, und diese Darstellung enthält den Schlüssel aller Bildwerke derselben*). Auf dem Boden des inneren Sarges der Mumie des Herren von Pourtales findet sich Isis; die Fittige, die sonst ihren Leib um- winden, sind ausgebreitet, und über ihr, an der Scheitel der Mumie, schwebt das Symbol der Mütterlichkeit, der Geier. Die Leiche ruht also in der Umarmung beider Todesgottheiten, der Isis und des Osiris ²2). In einem anderen Mumiensarge von denen, welche Herr Pieper in Solingen von dem Pascha von Aegypten erhalten und den Königlichen Sammlungen geschenkt hat, ist auf dem Boden gleichfalls Isis dargestellt, nicht mit Flügeln, aber mit ausgebreiteten Armen, die zu beiden Seiten in die Höhe reichen, den Leichnam umfassend. Ich enthalte mich, hier noch andere gleich liebliche Vorstellungen anzuführen, und kehre zurück zum Orakeltempel des Ammon. Vor dem Osiris steht eine weibliche Göttin, mit ganz eigenthümlichem Kopfputz und den gewöhnlichen Zeichen, dem Scepter mit dem Lotuskelch und dem mystischen Schlüssel. Sie erscheint häufig neben Osiris und in anderen Verbindungen, aber ich weils ihr noch keine sichere Deutung zu geben. Nur zögernd wage ich die Vermuthung, daſs vielleicht Aegypten selbst durch sie personificirt ist. Es folgt ein falkenköpfiger Gott, und zwei ähnliche kommen weiterhin vor, nur durch ihre Kopfzierden unterschieden. Welch ein hohes Symbol der Falke sey, wurde schon früher bemerkt ³); er bezeichnet die Gottheit überhaupt und alles Erhabene. Darum wurde nicht blos die Sonne falken- köpfig gebildet, sondern auch Osiris, der Sohn der Sonne, und Horus, der Sohn des Osiris. Wobei nicht zu übersehen ist, daſs die Aegypter, ihrer Lehre von der Seelenwanderung und nach einander herrschenden Götter- folgen gemäſs, die jüngeren Gottheiten gleichsam als Stellvertreter oder Wiederholungen ihrer älteren Vorgänger ansahen, deren Geist und Kraft in 1) Belzoni's reseurches in Egypt and Nubia, pl. 5 2) Herodol. II, 123. 3) Oben pag. 107. “ „7 133 ihnen fortherrscht und sich erneut. Darum sind auch die mythischen Geschichten derselben im Wesentlichen fast übereinstimmend; alle bekämpfen die Macht feindseliger Gewalten, siegen aber erst, nachdem sie vorher besiegt worden. Horus unterliegt dem Typhon, bis er ihn endlich überwindet; Osiris besiegt den Apopis, fällt aber durch Typhon, den Sohn desselben; Ammon wird fast bezwungen von Apopis ¹); selbst Herkules sinkt getödtet nieder und wird neu belebt ²). Diese Kämpfe beginnen aber erst mit den Göittern der zweiten und dritten Ordnung, die der ersten sind dem Ver- derben unerreichbar(d˙ϑα(ρσαι⁷). Welcher von den drei genannten Göttern, Horus, Osiris und Helios, hier gemeint sey, ist schwer zu entscheiden. Den Aegypter belehrten in solchen Fällen uns noch unkenntliche Nebenzüge im Schmuck und in der Farbe; aufserdem hatte jeder Gott seinen Namen oder ein ihm geweihtes Gebet in Hieroglyphen zur Seite. Da unter den hier vorkommenden Fal- kengöttern, der erste die Sonnenscheibe auf dem Haupie führt, so nimmt man diesen am wahrscheinlichsten für Helios selbst, und den zweiten mit der Krone aus hohen Palmzweigen für Osiris als Jahresgott; der endlich, über welchen wir jetzt in Zweifel sind, könnte sonach Horus seyn, den die Griechen als den ägyptischen Apollo betrachteten, und der hier nicht unbe- deutsam auf Osiris und dessen Begleiterin folgen würde. Selbst in der Ilias erscheint Apollo als Falk, wo er auf Jupiters Befehl den verwundeten Hector zu retten eilt ³), und ein andermal sitzt er mit Minerva in Gestalt eines ähnlichen Vogels auf der Buche des Zeus ¹). Nicht zu übersehen ist aber, daſs auch der ägyptische Mars ⁵), an welchen hier zu denken indelſs keine Veranlassung ist, ja selbst die ewigen Götter der 1) Plutar ah. de IS. cl Ostr. 36. cl. Apollodor. I, 6. 3. 2) Athenaens IX.. 47. Solns. 3) 7!. Ay, 237. 37 N zar IDalwy dtur Iguνν ειναι, Qxlr, Oarοeν dετ deνᷣeτes rsrsndr. 4) f1. VII, 59. EO4*ϑꝙ dęvνισι πzsrs alv ε Ouvg ιꝓην:ʒraere0s Aids alο‿,mοο. 5) Horapollo I, 8. 134 b höchsten Ordnung durch den Falken bezeichnet wurden. Nach philo von V Byblos offenbarte sich das erste göttliche Wesen als Schlange mit Falken- haupt(6Gαα tegaxòομοοσοσε): Ienn sie die Augen schloſs, war in Aegy p- ten Finsterniſs, blickte sie auf, so durchfuhr Licht die Frels 1). Wahrscheinlich wurde sonach auch PHTEà, der Sohn jenes Urwesens und Vater der Sonne, durch den Falken, der auch Licht und Feuer bezeichnete, symbolisirt; denn in der Pygmäengestalt, die Herodot ihm beilegt ²), kommt er zwar für sich allein, aber in den Reihen anderer Götter niemals vor. Eine Bestätigung dieser Annahme giebt sich in der Verwechselung desselben mit Osiris, welchem nach Suidas der Name Phtha oder Aphtha ebenfalls zukommt ³) In einer mir mitgetheilten Zeichnung eines Reliefs zu Ten- tyris, die wegen scheinbarer Unziemlichkeit diesem Werke nicht beigefügt wurde, ſindet dem gemäſs Phtha sich ganz wie Osiris dargestellt. Es ist die bekannte bärtige Pygmäengestalt, aber von mächtig priapischer Bildung, und über der einen rückwärts hocherhobenen Hand schwebt die mystische Geiſsel; wobei ich auf das von mir oben über die Bildung des Osiris und Mendes Gesagte zurückweise ⁴). Ich glaube daher, daſs auch in dem ersten falkenköpfigen Herrscher neben Ammon nicht Horus, sondern Phtha selber dargestellt sey, der Gott des Urfeuers und höchster Schutzherr Aegyptens, welchem er hier zur Seite steht. Der häufig vorkommende Schmuck, den er auf dem Haupte trägt, scheint allenthalben eine Beziehung auf ihn anzudeuten; bei Priestern, Krie- gern und Königen bezeichnet er einen Grad der Weihe, bei Göttern und Göttinnen ihre Verwandtschaft mit Phtha; weshalb auch der heilige Falk ihn nicht selten führt, und bisweilen der Agathodämon selbst. Der vorn eingefügte krummstab hat wahrscheinlich astrologische Beziehung, als Symbol 1) Phkilo von Byblos bei Euseb. Praep. wang. I, 10.: man vergl. die Stellen bei Squire zu Plutaroh. de Is. et Osir. P. 55. 2) Herodot. II, 37. 3) Fuidas s. v. AOPdds und ς; ck. Jablonsky woces Aeg. p. 381. 4) Oben p. 130. 135 der Herrschaft über das siderische Schicksal; denn Phtha, das Urfeuer, ist aller Gestirne Vater, und die Planeten, seine Söhne, von denen insbesondere der Wechsel alles Irdischen abhängt, wurden von ihm den Gottheiten, wel- chen sie geweiht sind, als mächtige Diener(6½*οέιο)*) beigesellt. Deshalb hat auch Venus Urania den siderischen Stab, als älteste der Parzen ²), nicht plos in unsern Bildwerken, sondern auch in ihrem Tempel zu Tentyris und in dem des Jupiter zur Karnak ³). Horus, den wir anfangs schon hier zu erblicken glaubten, findet sich weiter unten in der mittleren Reihe, zwischen Typhon und dem ibisköpſigen Theuth. Neben Phtha steht die Göttin des Aethers MINERVàA, seine Schwester und von ihm die Muiter des Helios, mit einem Widderkopf ausgestattet, wegen des ihr geweihten Zodiakalwidders der Frühlingsnachtgleiche ⁴). Der Lotusstab in ihrer Hand und der mystische Schlüssel sind gewöhnliche Zeichen; eigenthümlich aber ist die Schlange, welche sich auf ihrer Scheitel erhebt, ohne Zweifel in Beziehung auf jene dem Ammon geweihte giftlose Schlangenart, die man in seinem Tempel zu Theben begrub, und als ein Sym- bol des guten Genius ansah, aus dem Minerva hervorging ⁵). Nach Plutarch soll ihr ägyptischer Name: Meith, die Selbstgeborene bedeuten(Sov dr uavric, ich kam aus mir selbst) ⁶), sonst aber heiſst sie eine Tochter des Agathodä- mon, wie Phtha dessen Sohn. Beide werden auch Kinder des Nil genannt ⁷), welches nur ein sinnlicherer Ausdruck derselben Ansicht zu seyn scheint. Der Nil nämlich ist der Agathodämon selbst ⁸), einer von jenen urersten 1) Schol. Apollon. Rhod. ILI', 261. Seætus Empir. ado. Astrologos, 31. p. 343. Fabrio. 2) Pausan. I, 19. 3) Descript. de'Eg. Thebes pl. 41. und 51. 4) Mineroae sidus, Virg. Aen. XI, 259., und daselbst Seroins. Proclus in Timaeum, 7. 7. p. 30. Oben p. 111. 5) Herodot. II, 74. Oben pag. 1099. 6) Plutarok. de Is. et Osir. c. 62. 7) Cicero de Nat. Deor. III, 22. 23. Diog. Laent. Prooem. cf. Tablonsky Pantheon, 7. I. G. 2. und 3. 8) Ptolem. Geogr. II, 5. p. 105. ed. Petri Montani 1605. —qyq· ——— —————y 5 8— 136 5 Kamephen und das belebende Herz Aegy ptens; eben deshalb aber zugleich auch das Herz und die Seele der Welt. Denn das ägyptische Land war nach b dem Glauben seiner Bewohner der Mittelpunkt, der Nabel und Haupttheil der Welt, das Gegenbild des Himmels, das Sacrarium und Allerheiligste der Erde, oder nach einem sehr bezeichnenden Ausdruck: der sehende b schwarze Punkt in der Mitte des Weltauges ¹²). An der Seite Minervens erscheint in bekannter Gestalt ANUBIS, der Sohn des Osiris und der Nephthys, welche man sich als ein zweideutiges Wesen und als irdische Venus, im Gegensatz der Urania, dachte. Sie war die Schwester und Gattin Typhons, und wie dieser ein Kind des Kronos- Apopis und der Rhea. Unerkannt ruhte sie in den Armen des Osiris, welchen sie heimlich liebte, dem aber, als er von ihrem Lager aufstand, sein Kranz von Melilotus entfiel, woran Isis entdeckte, wer der Vater des von seiner Mutter weggeworſenen Kindes sey ²). Von ihr erzogen, wurde Anubis ein Diener und Gehülfe der Isis und des Osiris, und der Hüter des Amenthes oder des Todtenreiches; man dachte sich ihn aber nicht feindselig, sondern als einen freundlichen Gott, der den Abgeschiedenen wohl will. Sein sym- bolischer Kopf ist der des Schakals oder wilden Hundes, weil dieses Thier in groſser Anzahl den Saum der libyschen Wüste längs Aegypten bewohnt, eben die Gegend, wo fast alle Gräber sich beſinden. Die Bilder des Anubis pflegten aus reinem Golde zu seyn, oder wenigstens vergoldet. Im Prytaneum zu Olympia verehrte man, auſser der ammonischen Juno, auch einen Hermes Parammon, gleichfalls einen ammonischen Gott ³); wahrscheinlich den hier vorkommenden Anubis, oder den in der mittleren Reihe sich findenden ibisköpfigen Theuth. Die nun folgende Göttin mit der oben sich umlegenden Strauſsfeder auf dem Haupte, ist häufig eine Genossin des Anubis. Sie findet sich in allen 1) Hormνο⁵lo. I, 21. Die anderen Ausdrücke theils bei ihm, theils in den hermetischen Sohriſten. 2) Plutarch. de Is. et Osir.. 14. 38. 44. 59. 3) Paugsan. I’, 15. Oben pag. 103. —— 137 Darstellungen des Todtengerichts, wo sie mit Lotusstab und Schlüssel vor den Abgeschiedenen tritt. Sie kommt vor, sitzend neben der WMemesis, welche den Maalſsstab der Gerechtigkeit mit der Hermesleuchte in den Händen und den Planeten Saturn über dem Haupte führt. Denn daſs Nemesis eine ägyptische Göttin war, ergiebt sich aus einer merkwürdigen Stelle des Achilles Tatius, wo gesagt wird, der Planet, welchen man dem Saturn zueigne, heiſse bei den Griechen Phänon(dawor), bei den Aegyptern aber sey er der Stern der Nemesis(Neutoeoc doæsε)*). Der Maalsstab der Gerech- tigkeit(iιαυ απάααοαc), an welchem sie mit einem Pfeil oder Griffel miſst, wird von Clemens erwähnt ²), und die astrologische Hermesleuchte (FEouod Twvoc) kommt bei Athenäus vor ³). Neben dieser Nemesis, die man nach dem Gesagten den Aegyptern nicht absprechen kann ¹), pflegt die hier dargestellte Göttin auf einem Throne zu sitzen ⁵), und erscheint auſserdem in mannigfachen Verbindungen. Auf der Wage des Todtengerichts liegt in der einen Schale beständig eben die Feder, die sie auf ihrem Haupte trägt; aus Horapollo aber wissen wir, daſs die Strauſsfeder das Symbol des gerechten Gerichtes war). Ich erkenne demnach in dieser weiblichen Gestalt jene Göttin der Wahrheit und des Rechts, deren Bild(dyaxkuzł) aus einem blauen Edel- stein, der älteste Priester und Oberrichter an einer goldenen Kette um den 1) Achilles Tatius, Lagoge in Arati Phaenom. in Petav. Uranolog. p. 136. cf. Ja- blonsky, Remphal Aeg. Deus. p. 33. 2) CGlemens Alex. Stromat. L. p. 633.&ylb. 3) Athen. XI. p. 478.(Schweigh. c. 55.) nach der überraschend glücklichen Verbesserung Creuzer's im Dionysus p. 25— 64. 4) Man sehe unsere Tafel XXII. Fig. 2. Nach Plinius H. N. XXXII, 19. 2. standen im Labyrinth funfzehn Statuen der Nemesis in eben so vielen Kapellen. 5) Z. B. zu Philae, Description de O'Eg. I. pl. 22. Fig. 2., auch in den Abbildungen zu Creuzer's&mbolik. Tab. 18. Fig. 1., wo indels die Deutung derselben als Hermes und Bitte um hohe Nilfluth verfehlt ist. 6) Horapollo II, 118. 18 —— ſ..ͤ”‧ͤͤſſſſſ——— — “ ..„„„„G.G.G.G- ZoZöSSöSöSSͤ 138 Hals trug 1). Wahrscheinlich ist sie eine der ägyptischen Musen, deren Plutarch zu Hermopolis erwähnt und sie Töchter eines Hermes nennt, dessen Namen viele durch Prometheus am richtigsten zu übersetzen glaubten ²). In den Darstellungen des Todtengerichts kommt häufig noch eine andere weibliche Gestalt vor, gleichfalls mit einer Strauſsfeder auf dem Haupt, aber immer in freundlicher Bewegung gegen den Todten, und jener ernsteren gleichsam zuredend ³). Vielleicht sehen wir in dieser die erste und höhere der ange- führten Musen, die nach Plutarch die Gerechtigkeit(Amasoon), aber auch die Weisheit(Topia) genannt wurde, und die er auf Isis bezieht 4). Wahr- scheinlich hatten die Aegypter noch andere Musen, die dem Gesang und der Musik vorstanden ⁵); zu Hermopolis wurden aber nur jene beiden verehrt, und diese dachte man sich zugleich als die Lehrerinnen der Geweihten: Mahrheit und Creisheit! Die von Horapollo angegebene Bedeutung der Strauſsfeder bestätigt sich noch durch einen merkwürdigen Umstand. In den Papyrusrollen erscheinen bei der Darstellung des Todtengerichts 42 oder 43 Richter ⁶), als Beisitzer 1) Aelian. Var. Hist. XII“, 34. Es war aus Sapphir, d. h. Lapis Lazuli, geschnitten, wobei die Symbolik der Farbe nicht zu verkennen ist. cf. Diodor. I, 48. und 75., wo es ⁴⁵νρσν genannt wird. Plutaroh. de Is. et Osir. c. 68. Es ist das Urim und Thummim, Licht und Recht, auf der Brust des jüdischen Hohenpriesters: 2. Buch Mos. 28, 30. 4. B. Mos. 27, 21. Man s. Hern- der's Geist der Ebrüischen Poesie II. p. 135. 2) Plutarch. de Is. et Osir. c. 3. 3) Z. B. Description de D'Eg. II. pl. 35. Fig. 2. 4) Bei Plutarch. I.. ist statt Iæνιν dua nun Nxaoσ e‿μνᷣονσια̈οᷣiærν, Oder gi wie Bentley „ wollte, zu lesen'I. A. αν Aϑνκoxe 2aX³ενσι νν Vociav. 5) Ich schlielse dies theils aus Bildwerken, theils aus Diodon. I, 18. cf. Herodot. II, 50. und Tibull. I, 7. 43. 44. Die bei Horapollo II, 29. erwähnte Muse ist zugleich Moiea, also eine Schicksalsgöttin, wie die hier dargestellte. 6) In den ganz mit Hieroglyphen geschriebenen Rollen sieht man 43 Richter, in denen mit hieratischer Schrift nur 42. Man sehe Copie figurée dun rouleau de papyrus trouwse à Thebes dans les tombeauæ des rois, publis par Cadet, 1805, und die im 2ten Bande der Description de'Egypte gegebenen. In der Nachricht Diodor's von diesem Todtengericht(I, 92.) ist also die Zahl der Richter uie ν τιτεex absichtlich unbestimmt und bedarf keiner Aenderung. 139 des Osiris, deren jeder beständig eine solche Feder auf dem Haupte trägt. Wahrscheinlich ist hiedurch auch der griechische Gebrauch veranlaſst, die Musen mit Federn über der Stirne zu bezeichnen; bei den Aegyptern haben indeſs die Musen der Tonkunst einen Kopfputz aus Blumen, ähnlich dem des Maneros ²). Aus dem Namen Prometheus, welchen Plutarch, gleichsam zweifelnd, ob es der richtige sey, dem Vater der Musen beilegt, ergiebt sich, dals hier nicht Theuth, der Begleiter des Osiris und Horus, sondern jener geheimniſs- volle ältere Hermes gemeint sey, der ein Sohn des Nil oder Agathodämon heilst 2), und sonach zu den Göitern höherer Ordnung gehört, als eines Ursprunges mit dem Phtha und der Minerva; weshalb es wahrscheinlich dieser Hermes war, der zu Sais so eifrig verehrt wurde ³). Seinen Namen durften die Aegypter nicht aussprechen, oder man dachte sich vielmehr diesen Gott als ein unnennbares Wesen ⁴). Die griechische Deutung durch prometheus, die hier ohne Zweifel im Wortverstande zu nehmen ist, lehrt uns aber, daſs er die personificirte männliche Vorsehung darstellte. So heilig dachte man sich dieses Wesen, daſs die Hymnen, die man ihm sang, keine Worte enthalten durften, die gleichsam zu irdisch waren, um ihn würdig zu preisen, sondern blos in einer rhythmischen Abwechselung der sieben ägyptischen Vokale bestanden: Iaoeaou ⁵); deren jeder einer Himmels- sphäre geweiht war, so daſs wahrscheinlich aus diesen mystischen Gesängen sich der Glaube von einer Musik der Sphären entwickelte. Nicht blos zahlreiche geschnittene Steine beweisen jenen Gebrauch, sondern auch ein merkwürdi- ges Epigramm, das nun ohne weitere Erklärung verständlich seyn wird: 1) Man sehe weiterhin die Erklärung des untersten Figurenstreifens der rechten Seite, wo Maneros vorkommt. 2) Cieero de Nat. Deor. III, 22. 3) Lactant. de falsa rel. I., 6. 4) Cicero I.. quem Aegyptii nefas habent nominare. 5) Demetr. Phaler. xεν 1,ονν‿ιεαρς. 6. 71. Andere Stellen über das mystische unarticulirte Murmeln, die μ und„αννσ˙ασ‿α, I. αερια a drνεμρο 3xoi, findet man bei æblonsky Pan- theon, proleg.. 55— 59. 18* 2 3— 1 4 8— B———„n ſſſſſſſſſſſſſſſſſ“ 8—— k 34 f, f.—.* “ 140 Enrd us œoyieyra SJεoν ueyæy doιινον diε Toduανμαeᷣ, ror dyrcν duuroy artga: Eiul' ενω eeν eue doειποε, ⁴ϑυνσινν Heuοσαᷣαμνμνν ν* ougærioso enn 1). Mich, dten erhabenen Gott, den uncergänglichen, preisen Sieben Tokale, der Melt nimmer ermüdenden Herrn. Ich bin die Leier des All, und stimmte harmonisch die Saiten, Denen der ewige Schwung himumlischer Sphären gehorcht. Aehnlichen Ansichten verdankt das mystische IAAQ der Gunostiker und das unaussprechliche Tetragrammaton der Juden und Indier seinen Ursprung ²). Um indeſs diesen Hermes zu bezeichnen, nannte man ihn T'rismegistus, den Dreimal- Grõſsten ³). Nach einer mythischen Ausschmückung bezog er die Weltleier mit den Sehnen des überwundenen Typhon ⁴). Auf die Alethera, als Tochter des Hermes, deutet auch der symbolische Gebrauch, daſs man an seinem Feste Honig und Feigen zu kosten darreichte, und dazu sprach: Süſs ist die Wahrheit! ⁵) Vor der Aletheia steht OsiRrs, durch den Falkenkopf symbolisirt als Sonnenkönig, und durch den Hauptschmuck aus Palmzweigen mit dazwischen ruhender Sonnenscheibe, als Jahresgott). Es folgt MiNERVvA, hier durch ein neues Symbol, einen Stern, den sie zwischen Gazellenhörnern auf ihrem Haupte trägt, ausgezeichnet. Ob übrigens dadurch das erwähnte Sidus Minercae, der Frühlingswidder, oder ein anderer Stern angedeutet sey, läſst sich nicht entscheiden; das Sternensymbol über- 1) Brunck. Anal. III. p. 209. aus Euseb. Praep. Ewang. XI, 6. Nach dem Ton dieser Verse zu schlieſsen, dürfte Simmias Rhodius ihr Urheber seyn, von dem sich ähnliche erhalten haben. Analect. I. p. 205— 210. 2) Der mystische Name Gottes, das Schöpfungswort, der Indier enthält vier Matra, Oup- nekx'hat II. p. 165. 207. 412— 427. 3) Schon Manetho bei Synæellus Chrongr. p. 40. 4) Plutarch. de Is. et Osir. c. 55., wo Hermes der Logos genannt wird. 5) Plutaroh. de Is. ei Osir. c. 68. 6) Oben pag. 124. ———————=————y—— ———)“”“ſſſſſ—— 3— 8 ————ͤ ..⅓‧ 141 haupt gehört ihr wesenilich an. Minerva war nämlich die Inhaberin der oberen Hemisphäre des Himmels ¹), die vom Zeichen des Widders bis zu dem der Wage reicht, und eben deshalb die Mutter der Sonne. Ungeachtet dieser Sonnengeburt, dachte man sich Minerva als eine jungfräuliche Göttin, und wahrscheinlich zu Vulkan in ähnlichem Verhältniſs, wie die griechische pallas bei der Geburt des Erichthonius. Auch der indische Mythus kennt Götterzeugungen der Art. Zu Sais war die Inschrift der Statue(0oc; oder nach Proclus des Adytums) der Minerva folgende: Was ist, was seyn wird und war, bin ich. Mein Gewand hat keiner aufgedeckt. Die Frucht, die ich gebar, ist Sonne geworden ²). Vor ihr erscheint auch deshalb hier HErios mit dem Falkenhaupt und der Sonnenscheibe, die von Stierhörnern getragen wird, in Beziehung auf die Sonnenstiere von Heliopolis und Hermonthis. Es folgt eine Göttin, deren Kopfputz beschädigt ist, und dann eine noch mehr verstümmelte männliche Gestalt; so daſs abwechselnd Götter und Göttinnen dargestellt sind, mit Aus- nahme des als Todes- und Lebens-Goit sich wiederholenden Osiris. Wenden wir uns nun zu den Bildwerken der linken Seite(Tafel ⁷III), so erblicken wir neben Ammon im obersien Figurenstreifen neun Gott- heiten, auf dieselbe Art regelmäſsig abwechselnd. Die Reihe wird erffnet von Ammon selbst, wie es scheint, mit den Mendeshörnern und dem Kopf- putze, welchen Osiris als Richter zu führen pflegt. Hier aber entsteht eine Schwierigkeit. Es ist nicht glaublich, daſs Ammon, der als Hauptgott des Tempels den Thron einnimmt, zugleich neben dem Thron unter seinen eignen Tempelgenossen wieder vorkomme. Zwar haben wir schon den Osiris und die Minerva sich wiederholen sehen, aber in deutlich verschie- denen Beziehungen, was hier nicht der Fall zu seyn scheint. Wirft man indeſs einen Blick auf die gleich unten befindliche zweite Figurenreihe, so 1) Horapollo. I, 11. 2) Man sehe was Mosheim über diese Inschrift bemerkt in Cudwort h. Gstema intell. I. P. 511. 512. Das nicht aufgedeckte Gewand bezeichnet die Jungfräulichkeit. 1— ·˙*‧“ 2 4 — 142 sieht man dort Betende zum Theil mit Göttermasken, und auf der anderen Seite wird von ähnlichen Gestalten ein Opfer dargebracht, wobei nur an Priester gedacht werden kann. Wir wissen auch aus ausdrücklichen Zeugnissen, daſs die Priester und Geweihten bei gewissen Gelegenheiten den Kopf mit den Masken heiliger Thiere bedeckten. Volusius rettete sich bei der Proscription der Triumvirn in der Tracht eines der Isis Geweihten mit der Maske eines Hundekopfes zu Sextus Pompejus*). In ähnlicher Verkleidung entkam Domitian in seiner Jugend bei der Einnahme und Verbrennung des Capitols im Vespasianischen Bürgerkriege den Vitellianern ²). Man nimmt sogar in der Art, wie die thierköpfigen Gottheiten in den ägyptischen Denkmälern dargestellt sind, deutlich wahr, daſs den Künstlern dabei jene Priesterverkleidungen zu Vorbildern dienten. Besonders wo Geier-, Schlangen- oder Ibisköpfe mit menschlichen Leibern verbunden sind, bemerkt man deutlich den Raum, den hinter der Maske der Kopf des Priesters einnahm. Darum fehlt bei solchen Verkleidungen niemals die groſse Haube, die man, ohne Grund übrigens, Calantica zu nennen pflegt. Selbst zu den Griechen pflanzte dieser Gebrauch der Göttermasken sich fort. In den gröſsern eleusinischen Mysterien trat bei den Pheneaten der Priester in einer alten Maske der Ceres auf, die in einem steinernen Behältniſs verwahrt wurde, bei dem man seiner Heiligkeit wegen zu schwören pflegte ³). Aehnliches scheint in allen Mysterien geschehen zu seyn ⁴); ja die Masken wurden dadurch gewissermaalsen Symbole der Heili- gung, welcher seltsame Glaube der Griechen, nebst den Gebräuchen, die daraus hervorgingen, sich indeſs hier nicht weiter verfolgen läſst. Von den ägyptischen Priestern bemerkt auch Diodor die Sitte der Maskirung s), und mehrere Mythen erklären sich aus diesem Gebrauch). 1) Appian. de bello ciovili, I, 47. an ri rod auνdς εᷣαe⸗òα⁴σ απττ⁹νετο. 2) Sueton. Domitian. c. 1. cf. Apul. Metam. XI. p. 262. Elmenk. 3) Pausan. VIII, 15. 4) Man sehe Lucian's Pseudomantis. 5) Diodor. I, 96. cf. Herodot. II, 122. Plutaroh. de Is. et Osir. c. 72. 6) Herodot. II, 42. Plutaroch. de Is. et Osir. c. 19. —— — Q 143 Auch hier scheint daher nicht Ammon, sondern der Hohepriester mit der symbolischen Maske desselben dargestellt zu seyn, was durch das Zeichen des Richteramts über den Mendeshörnern auf seinem Haupte bestätigt wird; bei den Aegyptern waren nämlich die Hohenpriester zugleich Oberrichter ¹). Vielleicht könnte man hiedurch zu der Annahme veranlalst werden, dals überhaupt hier nicht Götter, sondern die Priesterschaft des ammonischen Tempels dargestellt sey, wie sie an festlichen Tagen nach ihrer Rangordnung, jeder mit dem Symbol der Gottheit, welcher er geweiht war, ausgezeichnet, bei den heiligen Gebräuchen auftrat. Für die Erklärung würde zwar durch diese Ansicht nichts verändert; Götter, oder als Götter verkleidete Priester, geben in der Darstellung dasselbe Bild. Allein die beiden Gestalten des Osiris als Gott des Todes und Lebens an der rechten Tempelwand beweisen, daſs wenigstens in dem obersten Streifen nicht blos Priester, sondern die Götter selbst, welche Ammon'’'s Tempelgenossen waren, vereinigt sind. Wahr- scheinlich ist daher auch die Gestalt mit dem Widderkopf und dem Zeichen des Richteramts nicht ein Oberpriester schlechthin, sondern ein mythisches Wesen. So wenig Zusammenhängendes wir auch von der ägyptischen Mythologie wissen, so verrathen doch mehrere Spuren, daſs die Erzählungen von den Geschichten und Kriegen ihrer Götter, die einen Zeitraum von vielen Jahr- tausenden ausfüllten, reich waren an einzelnen Begebenheiten und Personen. Als mythische Ahnherren der erblichen Besitzer hoher Priesterwürden nannte man Freunde der Götter, die von ihnen selbst damit beauftragt waren, da jene noch auf Erden wandelten; und eben auf solche Ansprüche gründeten weibliche und männliche Priesterklassen ihre Erplichkeit 2). Aehnliches findet sich bei den griechischen Priesterfamilien, besonders zu Athen, wo die Eteobutaden, Eumolpiden, Kerykes, Lykomeden, Kynniden und viele andere sich mythischer Vorfahren rühmten, die von den Göttern selbst mit 1) AHelian. Var. hist. XIII, 34. Diodor. I, 48. 2) Herodot. II, 65. 143. Diodor. III, 72. 144 den erblichen Würden begnadigt seyn sollten. Auch hier sehe ich daher in dem Hohenpriester, der mit den Tempelgöttern in einer Reihe auftritt, so wie in den zunächst neben ihm stehenden weiblichen und männlichen Gestalten, solche mythische Zeitgenossen der Götter und Repräsentanten der priesterschaft; und als eine Bestätigung des Gesagten darf man es ansehen, daſs alle diese nicht den Stab des Osiris mit dem Sonnenauge, sondern das gewöhnliche Gnadenscepter führen. Hieraus erklärt sich vielleicht auch, warum nach Pausanias der angebliche Stifter des ammonischen Orakels, der anfangs ein libyscher Hirt gewesen seyn soll, ebenfalls Ammon heiſst, wie der Gott selbst*); wofern nicht dies ein bloſser Hellenismus ist. Soviel im Allgemeinen über die Darstellungen dieser Reihe. Zunächst neben dem Thron Ammon's erscheint eine männliche Gestalt, deren Haupt, bei Männern ganz ungewöhnlich, mit der groſsen ägyptischen Haube bedeckt ist. Ohne Zweifel sehen wir in ihm den Propheten des Tempels, dessen Würde die höchste unter allen priesterlichen war ²). Der Osirisstab in seiner Hand und der Palmenschmuck auf seinem Haupt erinnern uns aber, daſs OsIRIs selber es sey, der hier dem Prophetenamt vorsteht, wie er auch das Orakel gegründet haben sollte ³); Isis und Osiris sind also auf beiden Seiten des Tempels dem Ammon die nächsten. Suidas bemerkt einen ägyptischen Namen des Bacchus-Osiris, der ihn besonders als Pro- pheten bezeichnete ⁴); und Osiris als Prophet war auch ohne Zweiſel gemeint, wenn Aristoteles einen libyschen Apollo Sohn des Ammon nannte 5). Denn Horus, der sonst gewöhnlich mit Apollo verglichen wird, kann hier nicht gemeint seyn; allein da es die erste und höchste Eigenschaft des griechischen Apollo war, der Prophet seines Vaters Jupiter zu seyn, in dessen 1) Pausan. II“, 23. Fast bei allen ägyptischen Gottheiten seines Pantheons erwälmt a- blonsky Beispiele mit den Göttern gleichnamiger Priester. Die Aegypter glaubten auch, dals die Götter mit sterblichen Frauen Kinder erzeugen, aber nicht Menschen mit Göttinnen. 2) Clem. Aleæ. Strom. ILI, p. 634. Glb. 3) Diodor. III, 72. Oben p. 105. 106. 4) Suidas. s. v. d und Ao. 5) Bei Clem. Alex. Protrept. p. 17. Sylb. 145 Namen, als des obersten Inhabers der Geschicke, er die Zukunft an vielen Orakelorten verkündigte*), so war es natürlich, dals man auch den weissa- genden Sohn Ammons in dem von Griechen so eifrig befragten libyschen Orakel für Apollo hielt. Vor ihm steht eine Göttin mit einem Löwenhaupt, auf dem die Sonnen- scheibe mit dem Zeichen des guten Genius ruht; sie scheint einer männ- lichen Gestalt zu winken, die nach ihr zurücksieht. Der Löwe, von dem Griechen und Römer so viel Wunderbares erzählen, daſs er fast zu den mythischen Wesen gehört, ist auch bei den Aegyptern ein sehr vieldeutiges Symbol. Er bezeichnet das Wasser, weil der Nil am gewaltigsten schwillt, während die Sonne den Löwen des Thierkreises durchläuft; aber auch Feuer, Stärke, Muth, Wachsamkeit und unbändiger Zorn, selbst das Fieber wurde durch ihn symbolisirt ²). In ganz verschiedenem Sinn ist er deshalb einer Reihe von Göttern geweiht: dem Nil, dem Vulkan, der Sonne, dem Horus und dem Mars, wovon jene gut und heilbringend, dieser ein fast typho- nisches Wesen ist. Aber nur einer Göttin wird der Löwe von den Alten unzertrennlich beigesellt, nämlich der Göttermutter RHEàA, mit welchem Namen die Griechen auch die Gemahlin und Schwester des ägyptischen Kronos bezeichnen ³), und diese Göttin sehen wir hbier dargestellt. Das ihr geweihte Löwensymbol trug ohne Zweifel wesenilich dazu bei, jene Benen- nung auf sie zu übertragen. Aehnlich ihrer Tochter Nephthys, in der sie gleichsam sich wieder- holt ⁴), erscheint auch Rhea als ein Wesen von zweideutiger Natur, aber furchtbarer. So wie man den Kronos Antäus nannte ⁵), den Widersacher, hiels Rhea die Widersacherin, Antäa). Als jener den alten Beherrscher 1) Aο⁵ xoοdiτus N Aoias rareds. Aesoft. Eum. 19. Hower, H. in Ap. 132. 2) Horap ollo I, 18. 19. 20. 21. II, 38. 75. 76. AHeliæn. H. An. XII, 7. 3) Diodor. I, 13. Plutarok. de Is. et Osir. 12. 4) Oben pag. 132. und 136. 5) Oben pag. 108. Jablonsk* Panth. I. p. 303. weist auch Antäus als ägyptischen Göt- ternamen nach, der eigentlich Antes lautete, bezieht ihn aber unrichtig auf Mendes. 6) Apollon. Rhod. I, 1141. Schol. Hymn. Orph. 41. 19 146 der Götter Ophioneus oder Ophion, welchen sein Name als ein Wesen in Schlangengestalt kenntlich macht, vom Throne stieſs, schleuderte Rhea die Gattin desselben, Eurynome, in den Tartarus ¹²). Apollonius Rhodius, bei welchem Orpheus diesen Götterkrieg besingt, läſst beide alten Götter hinab- sinken in die Tiefe des Okeanos ²); wo Eurynome mit der Thetis den vom Himmel herabgestürzten Vulkan unter den strömenden Wassern auferzog ³), und auch den vor Lykurgus aus Nysa flüchtenden Bacchus in der Tiefe des Meeres aufnahm ⁴). Wegen dieser milden Gesinnung dichtete man, Eurynome habe dem Jupiter die Grazien geboren. Nach Pausanias hatte sie zu phi- galia in Arkadien einen Tempel, der jährlich nur einmal geöffnet wurde. Ihre Darstellung war der Gattin eines schlangenleibigen Gemahls nicht unan- gemessen, oben weiblich, unten in einen Fisch endigend und in der Mitte von goldenen Reifen umgeben ⁵). Diese Sagen und Bilder, von offenbar nicht griechischem Ursprung, erhalten einen überraschenden Aufschluſs durch die Nachricht des Manetho, daſs dem Helios der Agathodämon in der Herr- schaft gefolgt, aber von Kronos verdrängt worden sey ⁶6). Nun wird jener, wie schon bemerkt, immer in Schlangengestalt gedacht; er ist also kein anderer als Ophioneus selbst, und Eurynome ohne Zweifel jene Menuthis oder Eumenuthis, die als Gattin des Canobus oder Chnoubis und als Mee- resgöttin oben erwähnt wurde*). Das salzige Meer selbst war übrigens den Aegyptern unrein und verhalst, sie hielten es für kein Element, oder ursprünglichen Theil der Natur ⁹), sondern es sey gesalzen von den Thränen 1) Schon Pherecydes von Syros hatte von diesem alten Gott in Schlangengestalt erzählt, welchen Kronos der Herrschaft beraubte: T'zetzes zu Lrcophr. 1191. und Sokol. Aeschyl. Prometh. 965. 2) Apollon. Rhod. I, 503— 506. 3) Ilias XLVIII, 398— 405. 4) Ilias II, 136. S&chol. 5) Pausan. VIII, 41. 6) Manetho bei Syncell. Chronogr. P. 40. 7) Oben pag. 109. Epiphanius bei Jablonsky Panth. III. p. 142. und 154. Gerade der Hauptarm des Nil, welcher gewöhnlich der Kanobische heilst, wird von Piolemäus der Strom des Mgathodämon genannt. Geogr. ILI. c. 5. P. 105. 8) Plutarck. de Is. et Osir. o. 7. Gmp. VIII, 8. — 147 des gestürzten Kronos ¹); die Thränen Jupiters aber fielen als fruchtbarer Regen herab ²). Die Grazien endlich sind keine ägyptischen Goitheiten, sondern gehören, im Glauben wie in der Kunst, blos den Griechen an ³). Ueber das Erscheinen der Rhea unter den Tempelgenossen des Ammon giebt Diodor befriedigende Auskunft, so sehr er das Mythische zu ver- wischen sich bemüht hat ⁴). Rhea war, nach ihm, eine Schwester des Kronos und anfangs dem Ammon vermählt, der in Libyen herrschte, gebar ihm aber keine Kinder. Als daher diesem von der Amalthea, welcher Am- mon das Horn des Ueberflusses geschenkt hatte,(nach Diodor einen sehr fruchtbaren Landstrich, offenbar Siwah selbst, welches auch das fabelhafte Mysa der Griechen zu seyn scheint) s), Osiris geboren wurde, entbrannte Rhea vor Eifersucht über die wunderbaren Gaben des Kindes, und entfloh zu Kronos, mit welchem sie sich vermählte, und von ihm den Typhon und die Nephthys gebar, von Helios und Hermes aber, nach der gewöhnlichen Erzählung, die übrigen Hauptgottheiten der dritten Ordnung, die im öffent- lichen Dienst am meisten geehrt wurden; so daſs Rhea mit Recht auch bei den Aegyptern die Mutter der Götter genannt werden konnte. Die Bildung mit dem Löwenkopf theilt sie mit ihrer gleichartigen Tochter Nephthys 6). In der Erwähnung der Amalthea als Mutter des Osiris, wahrscheinlich der ammonischen Venus-Dione, ist die Hindeutung auf Mendes nicht zu ver- kennen). Im Goltesdienst scheint man die Rhea, als furchtbare Göttin, auf die Unterwelt und den dunklen, grauenvollen Erdenschools bezogen zu haben. Vor dem Grabestempel des Memnon befand sich eine Doppelreihe sitzender 1) Lbid. c. 32. Dieser Ausdruck des Pythagoras ist offenbar aus Aegypten entlehnt. 2) Glem. Alex. Strom. V. p. 571. Glb. 3) Herodot. II, 50. 4) Diodor. II, 67.; er nennt Kap. 73. diese Mythen ausdrücklich libjysche, s. oben p. 108. 5) Hom. lymn. 26, 9. 10. ITlias VI, 132. 6) Man sehe Tafel XXII. fig. 1. 7) Man sehe Böttigens Amualthea im ersten Heft der gleichnamigen Zeitschrift, wo indeſs die hier entwickelten Mythen nicht berührt sind. 19 61eewe e — 5 148 weiblicher Statuen mit Löwenköpfen*), die nur auf Rhea oder Nephthys bezogen werden können. Spuren ähnlicher Reihen fand Belzoni in eben dieser Gegend der Gräber. Zwischen Karnak und Luxor, aber abgesondert von jenen Haupttempeln, entdeckte er ein Heiligthum, daſs viele solcher sitzenden Statuen enthielt; aus einer Nachricht Diodor’s erhellt aber, daſs sich zu Theben auch ein Tempel des Kronos und der Rhea befand ²), ohne Zweifel der, in dessen Höfen jene Statuen aufgestellt waren. Welcher unter den aufbehaltenen Namen ägyptischer Göttinnen die Rhea bezeichne, läfst sich nur durch Vermuthung bestimmen. Wahrscheinlich ist sie jene TIrHRRAMBO, die Epiphanius Hekate nennt, und von der Mephthys und Thermuthis unterscheidet, denen allen besondere Mysterien gefeiert wur- den ³). Rhea für Hekate zu halten, fand sich Veranlassung theils in der furchtbaren Darstellung mit dem Löwenkopf ¹²), theils in der Beziehung beider Göitinnen auf die Unterwelt. Wie vor dem Grabe des Memnon Bildsäulen der Rhea standen, befand sich im Tempel des Sarapis bei Memphis ein Heiligthum der nächtlichen Hekate, also der Tithrambo, neben den ehernen Pforten der VZergessenheit, des Treinens und der TFahr- heit, und bei der letzteren ein Idol der Zergeltang mit abgehauenem Kopf ⁵). 1) K. Richardgon's travels along the Mediterranean(1822) II. p. 44. 94. 2) Diodor. I, 15. Die Erzählung ist nicht ganz deutlich; Diodor hat nämlich Kap. 13. bemerkt, Osiris und Isis seyen zwar nach einigen Kinder des Kronos und der Rhea, nach den mei- sten aber des Jupiter und der Juno(Ammon und Dione); indem er nun berichtet, Osiris habe dem Ammon und seinen Eltern Tempel zu Theben erbaut, sieht er sich genöthigt, einen himmlischen Ammon von einem geringeren zu unterscheiden, der der Vater des Osiris sey. Offenbar waren in der Quelle, woraus er die Nachricht von den Tempeln entlehnte, hier Kronos und Rhea genannt. Bei Manetho kommt zwar ein Ammon unter den Halbgöttern vor, aber lange nach Osiris und Horus. 3) Epiphanius aclu. Haereses. I. III. bei Jablonsky Pantheon I. p. 104. 4) Plutareh vergleicht sogar den Anubis mit der Hekate de Is. et Osir. c. 4f., offenbar aus keinem anderen Grunde, als weil beide sich auf die Unterwelt beziehen, und bei den Griechen der Hekate Hunde geopfert wurden, mit deren Kopf sie auch bisweilen vorkommt: Orph. Argon. 980.; man rief auch bei den Griechen die Hekate an unter dem mystischen Namen der Lôöwin: Porphi. de Aostin. III, 17. 5) Diodor. I, 96. cf. Plutarch. de 1s. et Osir. c. 20. Jahlons"y Panth. II. p. 201. — ꝗ(“ “ — 1 3 “ 149 Eben in diesem Tempel wurde aber der Apis begraben, welcher Osiris selbst ist, der dort nach seinem Tode gleichsam zu Rhea, seiner Mutter, zurück- kehrt. Tüthrambo soll eine or Zorn Wüthende bedeuten ²*), wie wir die Rhea geschildert fanden, wahrscheinlich führte sie aber noch andere Na- men, z. B. Mouth, Mutter, welchen Plutarch unter denen der Isis anführt 2); denn als Mutter kommt Rhea nicht blos im Mythus, sondern deutlich bezeichnet auch in Bildwerken vor, unter andern zu Tentyris ³). Um ihr Haupt pflegen Strahlen gebildet zu seyn, sie ist nämlich eine Schwester und Geliebte des Helios, und wie dieser aus dem Urfeuer Phiha entsprungen. Ueber ihrer Stirn erblickt man bisweilen ein Symbol, dals sich auch am Fuſse der Mumiensärge findet; es gleicht einem fest geschlungenen Knoten und scheint das unauflösliche Band des Grabes zu seyn. Typhon ihr Sohn führt ebenfalls oft dieses Zeichen übler Bedeutung. Der nach der Rhea-Tithrambo zurückschauende Gott bedarf nun keiner weiteren Erklärung; es ist KoNxos-Apopis, der jüngste der Götter zweiter Ordnung ¹⁴), welcher von Osiris besiegt wurde. An der Sonnenscheibe auf sei- nem Haupte fehlt das bei Göttern gewöhnliche Zeichen des guten Genius, und auch den Stab des Osiris sehen wir nicht in seiner Hand. Die liby- schen Mythen erzählen, daſs Osiris nach seinem Sieg die gedemüthigten Gottheiten, Kronos und Rhea, gütig aufnahm und sie als Eltern zu ehren gelobie; obgleich Kronos seinen Sitz mit Feuer verheert hatte und den Groll gegen ihn nie vergals s5). Man dachte sich den Apopis oder Antäus als einen ungeheuren Riesen, welches in der schon angeführten Münze von Antäopolis durch die Kleinheit des Krokodils auf seiner Hand ausge- drückt ist). Es folgt eine ganz der Venus ähnliche Gestalt und weiterhin noch eine zweite; ohne Zweifel mythische Begleiterinnen der Venus, die hier zug'eich * — 1) fbid. 1. p„. 105. 2) Plutaretn. 7. 7. G. 6. 3) Descript. do l'fig. I7.. pl. 13. ſig. 3. 4) Dido⸗, 1, 27. 5) Diodor. 111, 71l. 6) Oben pag. 108. 150 Priesterinnen darstellen. Man hat sich auf ein bekanntes Zeugniſs des Herodot berufen), um den Aegyptern Priesterinnen ganz allgemein abzusprechen ²), obgleich sie auf allen Denkmälern vorkommen und Schriſtsteller sie erwäh- nen. Allein so weit ist Herodot davon entfernt, Frauen und Mädchen von jeder Art priesterlicher Functionen in Aegypten auszuschlieſsen, dals er nicht nur ausdrücklich Priesterinnen ³), sondern auch weissagende ITeiber 4), Tem- peldienerinnen s), heilige Frauen ⁵), dem Ammon geweilute Mädchen*) und sogar erbliche Pflegerinnen der heiligen Thiere ³) anführt; welche zusammen ein eben so zahlreiches weibliches Personal in den Tempeln voraussetzen, als wir in den Denkmälern dargestellt ſfinden. Nur von den fünf höchsten Vorsteherordnungen waren die Frauen ausgeschlossen; sie konnten nicht Antistites sacrorum seyn, was in Griechenland der Fall war, und nur auf diesen Unterschied will Herodot aufmerksam machen 9); die Opfergebräuche werden aber sogar fast häufiger von Frauen, als von Männern administrirt. Die männliche Gestalt zwischen beiden Priesterinnen entspricht dem Hierogrammateus, dem heiligen Schreiber, welchen die Falkenfedern auf sei- nem Haupte bezeichnen, weil ein Falk den Priestern das Gesetzbuch über- bracht haben sollte 1o). Weiterhin sehen wir einen Priester mit einem Schakalkopf, in derselben Stelle, welche gegenüber Anubis selbst einnimmt; es ist wahrscheinlich der 1) Herodot. II, 35. ſędra: pvν⁵ß Abe ddeuin. 2) Z. B. Böttiger, Arohaeologie der Malerei I. p. 39.„Ein Hauptirrthum ist die Annahme von Priesterinnen. Das ausdrückliche Zeugniſs Herodots kann durch keine Erklärung entkräftet werden etc.« Andere Gelehrte sind derselben Meinung. 3) I. I. 54. Nvraleds fentas irν Oalwy. 4) Ibid. 5) c. 56. A.αρραομεκνουουπσQ ᴵO)'⁰» O4,37ℳ 1„ A¹ds. 6) Ibid. Ieds vvadas. 7) I, 182. 2οιμᷣα᷑ ταχα εντς‿ τνοι Aεαςν τνν Sαμιιes pvrd. 8) II, 65. 2ε‿⁴ε⁵ονοο 2α* tcsvss 2ads iAeas, rd rals ragd rargos in⸗dzsrar de r4*³α⁴». 9) Kap. 37. bemerkt Herodot noch einen anderen Unterschied des griechischen und ägyptischen Ritus: Man weihe jedem Gott nicht einen, sondern viele Priester, deren einer Hoherpriester sey: jedem Gestorbenen folge sein Solm. 10) Diodor. I, 87. Clem. Alex. Strom. VI.„. 633. fl6. 151 Vorsteher der Taricheuten oder Mumisirer, welche einen priesterlichen Rang haiten und zum Tempelpersonale gehörten*). Ein Theil der Leichenberei- tung scheint in den niedrigen Gemächern der Flügelgebäude vor den Tem- peln vollbracht worden zu seyn. Die zahlreichen Katakomben von Siwah sind im folgenden Kapitel beschrieben. Eine Priesterin der Isis oder der Luna steht vor dem Entaphiasten, und dann kommt der Hohepriester, von dem schon die Rede war, und der viel- leicht auch den Fürsten der Ammonier darstellt. In der mittleren Reihe, die in gleicher Breite im ganzen Innern umher lief, ist rechts ein Opfer dargestellt, links sieht man Betende, und die An- ordnung scheint so gedacht, daſs die Betenden gleichsam hinter den Opfern- den stehen, und ihre Hände zu den Altären erheben. Vor diesen erblicken wir auf der rechten Tempelwand(Tafel M zuerst eine weibliche Gestalt, die leider fragmentirt ist. Dann folgt der ibis- köpfige Hermes, dessen ägyptischer Name Thoout oder Thoyth von den alexandrinischen Griechen Thoch, wohllautender aber von Plato: THEUTH übertragen wurde. Dieser Hermes ist nach Manetho der Sohn jenes Aga- thodämon ²), den er nach dem Helios über Aegypten herrschen und von Kronos verdrängt werden läſst, und der Rathgeber und Gehülfe der guten Götter dritter Ordnung in ihren Kämpfen gegen Typhon. Die Hieroglyphen, welche der ältere Hermes in Stein eingegraben, habe dieser in Bücher ver- zeichnet und im Innern der ägyptischen Tempel niedergelegt. Er ist der Gründer und Repräsentant der Priesterschaft, in der er gleichsam fortlebt; ihre Weisheit, Pflichten und Vorrechte stammen von ihm. In einem her- metischen Buche nennt Theuth den älteren Hermes seinen Groſsvater ³), 1) Diodor. I, 91. 2) Manetho bei Sync. Chronogr. p. 40. Jablonsky nimmt die Stelle so, dals Agatho- dämon der Sohn des zweiten Hermes wird, welches unrichtig ist; s. Panth. III. p. 134. Ueber die beiden Hermes sehe man Cudworth&stema intellectuale I. p. 480— 503. Mosh., u. Bruekern hist. crit. phiil. I. p. 250— 268. 3) Herm. Trismeg. ad Asclep. pP. 99. 4 152 woraus sich ergiebt, daſs dieser nicht blos der Vater der höheren Musen, der Wahrheit und Weisheit, sondern auch des zweiten Agathodämon war, und, wie es scheint, auch der Isis. Einige nahmen noch einen dritten Her- mes an, wahrscheinlich jenen Tat, der ein Sohn des Theuth genannt wird ¹), und bezogen auf dies dreimalige Leben den Beinamen Trismegistus, der Dreimal- Grſste, weil er in drei göttlichen Wiedergeburten unsträflich gelebt habe. Nach seiner Rückkehr zu den Wohnungen der Götter dachte man sich ihn als den Mond in seinem Lauf durch den Himmel begleitend ²), wie Herkules die Sonne. Auf dem Haupt des Hermes erblicken wir deshalb auch hier die Mondesscheibe zwischen den Hörnern einer Kuh ³). Der Pla- net Mercurius war nicht ihm, sondern dem Horus geweiht. HoRps steht hier auch neben ihm, denn durch die weisen Rathschläge des Theuth überwand er den Typhon, und rächte den Mord seines Vaters Osiris. Er ist ganz menschlich gebildet, und war der letzte der Götter, der in sichtbarer Gestalt auf Erden herrschte. Wie erhaben man ihn sich dachte, geht daraus hervor, dalſs man Sonne und Mond die Augen des Horus nannte ⁴). Ihm zur Seite erscheint der von ihm besiegte TyPpHoON, mit dem sym- bolischen Kopf eines Krokodils oder Schweines; in der Gestalt des ersten entkam er einst dem ihn verfolgenden Horus ⁵), und das in Aegypten un- reine verhaſste Schwein war sein Lieblingsthier. Der Hauptschmuck des Phtha ⁶) gebührt ihm als Enkel desselben, denn Typhon ist ein Sohn des Apopis; und den Stab des Osiris führt er als dessen Bruder, der einst ihm sogar die Herrschaft anvertraute, beide sind nämlich Söhne der Rhea, allein von verschiedenen Vätern. Gewöhnlich pflegt man gewisse Pygmäengestal- ten, die in ägyptischen Denkmälern häufig vorkommen, für Darstellungen des Typhon zu halten; allein diese Pygmäen bilden eine besondere Reihe 1) Schon bei Manethio I. c. und häuſig in den hermetischen Schriften. 2) Plutarch. de Is. et Osir. c. 44. 3) Man vergl. Tafel XII. und XXII. Fig. 1. 4) Plutareh. de Is. et Osir. c. 52. 5) Lbid. c. 50. 6) Oben pag. 134. ———— —— „ —— B22V ——C—— 8 4— —7 153 männlicher Gottheiten ²*), zu welchen auch Esmun, der ägyptische Aesculap, gehört, und die als Gegner Typhons auſtreten. In seiner ganzen Widerwär- tigkeit erscheint dieser bald als aufrecht gehendes Schwein, bald als Hippo- potamus(denn auch dieses Thier und der Esel waren ihm geweiht) mit menschlichen Armen, Waffen in den Händen führend, nebst der symboli- schen Fessel des Todes ²). Es ist das unter dem Namen des grolſsen Bären bekannte Sternbild, wie wir es z. B. in der Sphäre von Tentyris, als Unheil bringendes Gestirn, neben dem Nordpol erblicken, und es stellt Typhon selber dar, welchem es nach seiner Rückkehr zu den Wohnungen der Göt- ter zugetheilt wurde ³). Man besänſtigte die feindselige Gewalt des Typhon durch Sühnopfer ⁴), und verehrte ihn in besonderen Tempeln, die Typho- nien genannt wurden; zu Theben hat sich ein solcher in der Nähe von Karnak erhalten, in welchem man jenes abscheuliche Bild erblickt 5). Auch hier sehen wir neben ihm einen Altar errichtet, welcher mit einem Krokodi bezeichnet ist, anzudeuten, daſs er bösen Göttern geweiht sey. Das Opfer gilt indeſls nicht dem Typhon, der von dem Altar abgekehrt ist, son- dern seinem Vater Apopis, und die Verwundung des Krokodil zeigt die Be- siegung jenes Widersachers durch Osiris an. Ein zweiter Altar, dem Ammon und wohlthätigen Göttern geheiligt, führt als Zeichen derselben ein chneumon, von dessen natürlicher Feindschaft gegen das Krokodil wunderbare Dinge geglaubt wurden. In den Geschichten der Götterkämpfe scheint es, als Ge- hülfe der heilbringenden Mächte, eine bedeutende Rolle gespielt zu haben; und wegen seines auſserordentlichen Muthes war es, ungeachtet seiner Klein- heit, dem Herkules geweiht und wurde von den Heracleopoliten verehrt 5). 1) Hirt, iiber die Bildung der ägyptischen Gottheiten p. 16. 2) Oben p. 149. In der Königl. Preuſs. Sammlung befinden sich mehrere Figuren der Art. 3) Plutaroh. de Is. et Osir. c. 21. 4) TLbid. c. 30. 5) In der Description de l' Epypte wird er le petit temple du Sud genannt, I ol. III. pl. 63. 6) Strabo XIII. p. 812. 20 8I8I8ZIoſöoöoſſ, 154 Auch der Buto und Bubastis eignete man dieses Thier zu*), welches die Eier der Krokodile aufsucht und zerbricht, und auch die Schlangen vertilgt. Vor den Altären stehen zwei opfernde Priesterinnen, die man, wie auch die Altäre, als neben einander sich vorstellen muſs ²). Sie führen die Wid- dermaske des Ammon, und über der Scheitel die Schlange des guten Genius, und die eine noch aufserdem die Sonnenscheibe. Die Opfermesser in ihren Händen sind von verschiedener Gestalt, wahrscheinlich in Beziehung auf die Gottheiten, denen die Opfer dargebracht werden, die dem Ansehen nach blos in Kuchen(zᷣπαννπαά) bestehen. Der falkenköpfige Priester mit dem Hauptschmuck des Phtha, nebst der Sonnenscheibe und der Schlange des guten Genius, ist ohne Zweifel Osr- RIs, der als Sonnenkönig die Zeichen seiner drei Ahnherren führt. Er erscheint hier bei dem Opfer gegenwärtig, als der Stiſter des ammonischen Gottesdienstes. Es folgen zwei Priester mit Widdermasken und mit Schlangen über der Scheitel, eben so wie jene Priesterinnen; der eine trägt auſserdem die Mondesscheibe auf dem Haupt, wobei man nicht vergessen muſs, dals der Mond bei den Aegyptern ein männliches Wesen war 3), und in gewisser Beziehung der weltzeugende Mendes selbst ⁴). Der eine Priester hält betend eine oft vorkommende niederhockende Gestalt empor, welche das Symbol der Sammlung des Gemüths und der Andacht zu seyn scheint; der andere mit der Mondesscheibe führt den Osirisstab und den mystischen Schlüssel; Osiris steht nämlich ebenfalls in enger Beziehung zu dem Monde, als Zeu- gungsgott s). Eine männliche Gestalt, die diesem Priester zur Seite stand, ist fragmentirt. 1) AHelian. H. An. X, 47. Im benachbarten Arsinoe oder Crocodilopolis wurde dagegen zum Andenken des Antäus-Apopis, der in dieser Gegend besiegt seyn sollte, das Krokodil verehrt. 2) Oben pag. 127. 3) Jablonsky Pantheon. I. p. 64. 4) Stepk. By. s. v. Hards νλμν̈. Euseb. Praep. evang. III, 12. 5) Plutarch. de Is. et Osir. c. 43. Es wird dort ein ägyptisches Fest erwähnt: Der Ein- tritt des Osiris in den Mond. ——— 155 Gegenüber auf der linken Tempelwand(Tafel IIII.) sehen wir eine Reihe betender Männer und Frauen, unter denen Geweihte der Aletheia, der Minerca, des Helios und des Mondes sich unterscheiden lassen. Nur eins bietet sich hier zur Erklärung dar: Das Diadem des Geweihten der Aletheia, der durch die Strauſsfeder über der Scheitel kenntlich ist, scheint das Ablabynion zu seyn, ein heiliges aus Bast geflochtenes Band, dem man entsündigende Kraft zuschrieb; Hesychius erwähnt den Gebrauch desselben als ägyptisch 1). Das gleichzeitige Erheben der Hände aller Anwesenden zum Gebet giebt dem Ritual eine rührende Feierlichkeit. Im untern breitesten Figurenstreifen, der leider am ärgsten beschädigt ist, erblickt man auf der rechten Seite(Tafel IX.) ein kleines Heiligthum, welches hier den Mittelpunkt der ganzen Darstellung gebildet zu haben scheint, und, nach der Bestimmung ähnlicher Sakrarien in andern Denk- mälern zu schliefſsen, das Mumienbild des erschlagenen Osiris enthielt, welche Vermuthung durch das erhaltene Scepter desselben mit den vier Queerstä- ben zur Gewilsheit erhoben wird ²). Der erhaltene Rest der Figur im Innern läfst mich den Untergang des Uebrigen um so mehr bedauern, da sich mir eine sehr anziehende Wendung des Mythus darin verräth. Von der einen Seite näherte sich ein Mann dem Sakrarium, durch ein Diadem und eine Straulfsfeder ausgezeichnet, und vor ihm erblicken wir das Symbol des Osirisgrabes, welches er in den Händen getragen zu haben scheint. So verstümmelt daher diese Gestalt auch ist, ergiebt sich doch, daſs sie jenen König darstellte, in dessen Palast Isis den Leichnam ihres erschla- genen Gemahls wieder fand, und in Gestalt einer Schwalbe klagend die * —„.* ⸗... 2 2 2 1) Hesyoh. s. v. A,Aadvε; Bei Sohmeider vermisse ich dieses Wort, das, wo nicht grie-. chisch-alexandrinischen Ursprungs, doch gräcisirt zu seyn scheint, als stamme es von Aàνeus; auch 4 erinnere ich mich antiker Darstellungen des Aesculap, an denen mir ein gleichsam gedrehtes Diadem auffiel, welches nur dies Ablabynion oder Rettungsband seyn kann. Athenaens X. c. 18. p. 463. Sohzw. weiſs diesem Kranz ²ν 318Xν keine Deutung. 2) Man vergleiche die umterste Figurenreihe der bembinischen Tafel. ed. Vonet. 1605. 20* “ — oſ 156 Säule umflog, in welcher er eingeschlossen war*). Hinter ihm stand VENUS, aber von dem Grabe abgewandt. Von der anderen Seite trat MiNERVvA zu dem Heiligthum, mit der Sonnenscheibe über dem Haupt, und den Lotusstab in der Hand haltend. Sie scheint mit dem männlichen Schurz umgürtet, wofür man in dem, was Horapollo von der mannweiblichen Natur dieser Göttin berichtet ²), eine genü- gende Erklärung finden könnte. Vielleicht ist indeſs hier durch die Schad- haftigkeit der Urbilder eine Ungenauigkeit in den Zeichnungen veranlalst. Der Jüngling neben ihr, mit dem Diadem und einem Blumenschmuck, dessen Knospen herabhangen, ist MAXERos, der frühgestorbene Liebling der Isis und der Gegenstand so vieler Trauergesänge. Er war der Sohn jenes Königs, der die suchende Isis auf ihrer Wanderung in seinen Palast aufnahm, der Erfinder der Musik und ein lieblicher Sänger. Isis wollte ihm die Unsterblichkeit verleihen; allein unvorsichtig trat er herzu, nicht wissend, daſs seine Pflegerin eine Göttin sey, als diese voll Schmerz und sich allein glaubend, auf den gefundenen Leichnam des Osiris niedergesunken war; Isis vernahm die sich nähernden Fuſstritte hinter sich, blickte zürnend auf, und Maneros starb vor Entsetzen ³). Wohin das Mysterium von der Isis- trauer kam, nahm man unter mancherlei Formen auch diesen rührenden Zug auf; daher die zahlreichen Namen, unter denen allenthalben dieser Maneros wieder vorkommt. Herodot vergleicht ihn dem griechischen Linus ⁴), andere dem maryandinischen Bormos s), Homer nennt ihn Demophoon und Sohn eines Königs von Eleusis ⁶), und eine Reihe anderer 1) Plutarch. de Ig. et Ocir. c. 15. 16. Oben pag. 131. * 2) Horapollo I, 12.* — 3) Plucarch. de Is. et Osir. c. 16. 17. 4) Herodot. II, 79. 5) Athenaeus XIIU. c. 11. Vol. V, p. 245. Sohweig!i. 6) Hymn. in Cer. 231. Man feierte ihm zu Ehren zu Fleusis cin Kinderfest„ 161d. 205— 267., das aνrds(Mεεαεμα) genannt wurde, Athenaeus IX. c. 72. Vol. III. p. 505. cf. Pau- san. II, 32. —— 157 Namen findet sich bei Plutarch*). Die ursprüngliche Sage scheint die von Herodot aufbehaltene, nach welcher Maneros der einzige Sohn des ersten Königes von Aegypten war. Aus dem Umstande, daſs Plutarch die Isis nach Phönizien wandern läſst und den Maneros zum Sohn eines Königs von Byblos macht, ergiebt sich, dals er in der Erzählung des Mythus von Osiris und Isis nicht ägyptischen Quellen folgte, sondern wahrscheinlich einer phönizisch-griechischen, in der manche Züge von ihrem wahren Boden los- gerissen und nach Phönizien versetzt waren, wie dies bei Uebertragung reli- giöser Mythen immer geschah. Daſs hier wirklich Maneros, dem der Isis zu Ehren ein gewisser Dienst gewidmet war ²), dargestellt sey, wird durch andere Denkmäler auſser Zweifel gesetzt. In der bembinischen Tafel steht er neben dem Tempel der Isis, und in der Gruppe, wo diese den Osiris neben der Nymphe der Erika- staude wiederfindet, hat sie den Blumenschmuck des gestorbenen Maneros in der erhobenen Hand. Auf Maneros folgen HoRus und HErros, und noch ein dritter Beglei- ter des Osiris, der durch keine besonderen Symbole ausgezeichnet ist. An der linken Tempelwand(Tafel IVIIII) haben sich von den Darstel- lungen der unteren Reihe nur geringe Spuren erhalten, die verrathen, dals hier Ammon selbst vorkam, hinter ihm vielleicht Minerca, Phtha und VWenus; zwischen beiden letzteren aber ein Gott mit einem Wolfskopf und mit einer Waffe in der Hand, den ich wieder für OsIRIS zu halten geneigt bin. Als nämlich Horus den letzten Kampf gegen Typhon bestand und zu unterliegen Gefahr lief, stieg Osiris in Wolfsgestalt aus dem Amenthes herauf und verschaffte seinem Sohn den Sieg ³). Deshalb verehrte man zu 1) Dictys, Palaestinus, Pelusius, vielleicht ist Maneros auch jener Thamus, um den die Weiber zu Jerusalem weinten. Ezech. VIII, 14. 2) Plutareh. 7. c. dXε᷑ N riuᷣd« d ¹ 9s4. 3) Diodor. I, 88. Welche wunderbare Heiligkeit man dieser Erzählung beilegte, sieht man aus der von Wesseling angeführten Stelle des Synesius de prowid. I. p. 115. Eben so geheim- niſsvoll spricht Herodot. II, 122., der aber immer gern verräth, daſs er den wahren Zusammen- hang auch wisse. ————— x———— 158 Lycopolis, wo dieser Sieg entschieden wurde, den Wolf, der auf vielen ägyptischen Münzen dem Horus-Apollo zur Seite steht, und sogar zu Delphi für heilig galt ²⁷). Wenn man nach diesen Erklärungen die Bildwerke des ammonischen Heiligthums in einen Ueberblick zusammenfaſst, so entdeckt sich in ihnen ein überraschender Zusammenhang. An der Vorderseite waren die Dedica- tion des Tempels, die Symbole seiner Heiligkeit und die Gebräuche, mit denen man ihm sich nahen soll, dargestellt. An den äuſseren Seiten fanden wir die Geschichte des Kampfs, wodurch Ammon seinen Feinden obsiegte und die Herrschaft errang. Im Innern enthielt die obere Reihe zur Rechten den nach überstandenen Kämpfen den Thron einnehmenden Ammon und die Götter, die, als seine Genossen und Kinder, Mitinhaber des Tempels sind; die zur Linken dagegen die höchsten Priesterwürden und die gegen Ammon ſeindseligen Gottheiten, denen er nach ihrer Bezwingung sich gnädig erwies. Im mittleren Streifen ist das Opferritual des Tempels und die Ordnung des Gebets, in Priestern und heiligen Frauen dargestellt, wobei auch der gedemüthigten Götter nicht vergessen ist. In der untersten Reihe befand sich zur Rechten der Tod des Osiris und die Trauer um ihn; zur Linken die Besiegung Typhons, des letzten Feindes, durch Horus. Alle Bildwerke des Tempels bildeten also einen vollständigen Cyclus heiliger Lehre, in symbolischen Figuren dargestellt; das Gotteshaus selbst war gleichsam das. Lehrbuch des priesterlichen Unterrichts. Die Kleidungen sind überaus einfach; denn obgleich Denkmäler beweisen, daſs den Aegyptern der Luxus kostbarer Gewänder nicht unbekannt blieb, so behielt man doch stets in der Darstellung der Götter die durch uralten Gebrauch geheiligte früheste Tracht bei, die wenig mehr als die nothdürf- tigste Verhüllung gewährt. Alle Männer haben blos einen Schurz, oder vielmehr eine kurze Schenkelbekleidung, deren Gürtel hinten herabfällt. Man hat in den Gürtelenden einen thierischen Ansatz und sogar das Vorbild 1) AHelian. H. An. XII, 40. ——— 159 der griechischen Satyrschweife zu sehen geglaubt; allein in den Katakomben findet man noch jetzt solche Gürtel aufbewahrt, deren feierliche Anlegung, wie bei den Persern und Indern, vielleicht symbolische Bedeutung hatte. Sie sind aus feinem, dreifach gefaltetem Leder, mit aufgepreſsten Hiero- glyphen bezeichnet und bisweilen vergoldet; mehrere derselben befanden sich bei dem verloren gegangenen Theil der Sammlung, nur ein unbedeutendes Stück ist gerettet. Die Tracht der Frauen besteht in einem eng anliegenden Leibrock, der bis auf die Knöchel reicht. Die groſse Haube bezeichnet eigentlich die vermählte Frau ⁷*), hat aber auch symbolische Bedeutung, weshalb bisweilen Priester und Geweihte sie tragen, so wie alle Mumien aus altägyptischer Zeit. Was von Waffen in unsern Bildwerken sich erhalten hat, einige Helme nämlich, scheint von Erz und zweckmälſsiger Form. Die Bewaffnung der Aegypter wird überhaupt als sehr vollkommen geschildert ²); nach Herodot hatten die Griechen von ihnen die Gestalt der Helme und Schilde entlehnt ³); die ägyptische Lanze war von sehr festem Holz und von ungewöhnlicher Länge. Noch ein Zeichen darf hier nicht übergangen werden, das, wegen seines häufigen Vorkommens in ägyptischen Denkmälern, zu fast endlosen Vermu- thungen Anlaſs gegeben hat; ich meine den mystischen Schlüssel, der auch hier in den Händen fast aller Goittheiten und Priester erscheint. Bei heid- nischen Schriftstellern geschieht desselben nirgends Erwähnung, ein Beweis, daſs er nur den Geweihten bekannt wurde. Als aber gegen das Ende des vierten Jahrhunderts auf Befehl Theodosius des Groſsen der Tempel des Sarapis in Alexandrien zerstört wurde, kam auch dies Zeichen an das Licht und veranlalſste sehr merkwürdige Erörterungen. Die Christen glaubten ein wahres Kreuz darin zu erblicken, und bezogen es auf den Heiland, als eine selbst den Heiden gewordene prophetische Verkündigung desselben; die Heiden dagegen behaupteten, es sey ein uraltes Symbol ihrer Religion und 1) 1. Corinth. XI, 3. 10. 13. 2) Xenoph. Cyropaed. VII, 1. 17. 3) Herodot. IE, 180. ——— 85 Wha ette wre Sebeckreune⸗ eilee —— — . 160 bedeute das Künftige Leben*). Als Zeichen des Heils und der Reuung fand man es auch in einer Prophezeiung des Ezechiel, wo die, welche dem Verderben entrinnen sollen, nach der lateinischen Vulgata, mit einem Thau an ihrer Stirne bezeichnet werden ²); bei welcher Uebersetzung, oder viel- mehr Beibehaltung des ursprünglichen Worties, Hieronymus sich auf die älteste Form jenes Buchstabens beruft, wie sie wirklich auf phönizischen Münzen vorkommt. Allein ungeachtet seiner Aehnlichkeit mit dem Buchstaben T des frü- hesten wie des jetzigen Alphabets, ist dieses Zeichen unstreitig älter als alle Buchstabenschrift. Hier bietet nun ein griechisches Symbol, das man in seinem Zusammenhange mit jenem ägyptischen nicht genug beachtet zu haben scheint, uns einen willkommenen Aufschluſs. Die Griechen legen mehreren ihrer Götter in mystischer Beziehung einen Schlüssel bei(or ABdονmμασ), und einen Schlüssel führten auch die Priesterinnen der Ceres als Zeichen ihrer Würde ³). In älterer Zeit geschieht desselben nur selten Erwähnung, Aeschylus nennt Minerva die Schlüsselführerin der Heergeräthe Jupiters ⁴), Euripides den Eros den Kleiduchen der Lagerstätten Aphroditens ⁵). Häufiger wird er von Späteren erwähnt, theils weil die Religion immer mehr Ausländisches aufnahm, und die griechischen Schriftsteller sehr oft nicht mehr Hellenen, sondern Aegypter, Syrer und Phönizier waren, theils auch weil durch Indiscretion der Geweihten ein mystisches Symbol nach dem anderen aus dem Geheimniſs hervortrat. Nirgends aber kommt der Schlüssel öſter vor, als in den orphischen Hymnen, die, wenn gleich zum Theil in später Zeit, doch offenbar zum Gebrauch bei den Mysterien gedichtet wur- den. Dort nun führt Eros den Schlüssel des Weltalls ⁶), und wie er auch 1) Rufinugs Hist. Eocles. II, 29. und aus ihm Socrates L, 17, und Sozomen. VII, 16. 2) Ezech. IX, 4. Et signa thau super frontes virorum gementium. Ibid. v. 6. Om- nem autem, super quem videritis thau, ne occidatis. Man sehe die Bemerkungen von Grotiur und Michaelis zu dieser Stelle; jener stimmt im Wesentlichen dem Hieronymus bei. 3) Callim. hymn. in Cer. 45. 4) Aaes ohyl. Eumen. 827. 828. 5) Eurip. Hippolyt. 542— 544. 6) Hymn. Orph. LVIII. — —«8——· —— 161 Hekate und Prothyräa 1), Aidoneus den Schlüssel der Unterwelt ²), Proteus den Schlüssel des Meeres ³), der Genius den Schlüssel der Trauer und Lust ⁴). Der Sinn ist sonach klar: der Schlüssel bezeichnet bei jedem Gott den Kreis seiner Herrschaft, und erhält seine nähere Bedeutung erst durch die Hand die ihn führt. Bei der Cerespriesterin aber ist er das Symbol der Weihe, der Bewahrung der Geheimnisse und des göttlichen Schutzes. Dies alles gilt nun auch von dem ägyptischen Zeichen, und nur auf diese Weise gefaſst, wird das beständige Vorkommen desselben erklärlich. In der Hand des Hermes ist es der Schlüssel der Weisheit, bei Ammon und Osiris Nil- und Jahresschlüssel, bei Typhon Schlüssel des Unheils, bei Sarapis Schlüssel der Behausung der Abgeschiedenen, also Zeichen des künftigen Lebens, und so durch alle Reihen der Götter. Ueber den Königen schwebend ist es Symbol der göttlichen Obhut, in der Hand der Priester Zeichen der Weihe und des Heils. Daher erscheint es, auf der vor mir liegenden Zeichnung eines Reliefs zu Luxor, sogar an den Enden der Stricke, woran Opferstiere geführt werden, und in den Tempeln sehr häufig blos als heiliger Zierath, aber einst nur den Geweihten sichtbar und verständlich. Dals es wirklich ein Schlüssel, und nicht etwa blos ein symbolisches Geräth sey(was es später unstreitig wurde), ergiebt sich aus der Einrichtung des ägyptischen Schlosses, das auch bei den älteren Griechen in Gebrauch war. Der Riegel an diesem wird nämlich beim Vorschieben und Verschlieſsen durch einen metallenen Zapfen, der in ein Loch desselben herabfällt, fest- gehalten, und will man ihn wieder beweglich machen, um die Thüre öffnen zu können, so muſs jener Zapfen zurückgeschoben werden s). Darum hat auch der Schlüssel kein Bärtchen, wie die unsrigen, sondern einen Queer- 1) Hymn. II. und II. 2) Hymn. XIIII. cf. Paugsan. IL, 20. 3) Hymn. XXIL. 4) Hymn. LAXXIII. 5) Ein solches Schloſs, das noch jetzt in Siwah und bei den libyschen Beduinen in Gebrauch ist, liegt vor mir, der herabfallenden Zapfen an demselben sind fünf. Ueber das altgriechische Schloſs sehe man bei Sohneider die Worte: AXuvos, SaAavdpea, luas etc. cf. Ody 5s. I, 442. XXI, 46— 50. 21 eesLras —“ 24. a 2——— — 162 stab, damit seine Länge der Breite des Riegels genau gleich komme. Ein auffallendes Beispiel einer ähnlichen Idealisirung des Schlüsselsymbols, giebt der römische Janus. Ursprünglich ein Gott der Thüre, wie sein Name be- weist, wurde er bald auch Eröffner des Jahres und der Zeiten, der Quellen und Aecker, des Friedens und des Kriegs; ja der Schlüssel in seiner Hand bezeichnete ihn als den Anfang alles zeitlichen Werdens, den Eröffner und Beschlieſser der Natur!) Länger hierbei zu verweilen, verbietet der Umfang, zu welchem unver- merkt dies Kapitel bereits angewachsen ist. Schon zu lange unterbrach ich durch meine Erklärung der Bildwerke von Umebeda, welche zu versuchen und hier einzufügen mir indeſs unerlaſslich schien, den Bericht des edlen Reisenden, und misbrauchte vielleicht die Geduld des Lesers. Wenden wir uns daher zu andern Merkwürdigkeiten von Siwah ²) 7 1) Ooid. Fagst. I, 89— 283.- besonders 117., wo Janus spricht: Quidquid ubique vides, coelum, mare, nubila, terras: Omnia sunt nostra clausa patentque manu. Me penes est unum vasti custodia mundi, Et jus vertendi cardinis omne meum est. 2) Damit man bei der Erhabenheit ägyptischer Lehre, wie sie hier dargestellt ist, die Schatten- seite der geistigen Bildung jenes wunderbaren Volkes nicht übersehe, verweise ich auf meine bei Gelegenheit der Obelisken von Luxor zu gebende Abhandlung über die Hieroglyphenschrift, wo das überraschende Factum nachgewiesen ist, dals in Aegypten, bei der höchsten Energie des bildlichen Denkens, der Ausdruck des Gedachten durch Begriff und Wort in einer eben so beispiellosen Kind- heit blieb; weshalb alles Uebertragen ihrer hieroglyphischen Vorstellungen in deutliche Ideen das Wesen derselben gleichsam verherrlicht, aber auch veruntreut. 7. 47 — ꝑ—— ————— Siebentes Kapitel. Sicwah. Der Sonnenuel Nachrichten der Alten über ihn— Jetzige Beschaffenheit— Antike Heste zu Schargieh— Burg der alten ammonischen Dynasten— Unrichtige ypothesen— Der Orakeltempel des Ammon war kein grſes Gebäude— Katakomben— Gara el-Mota- Schargiah— Gebel-Drara-Enbrik— Bewolmnte Gräber— Naohrichten üuber Augila— Ruine Bel-del-Rum— Ruine Kamisi— Ruine Kasser Gakam— Ammonisches Salz— Sijſse Quellen aus dem Salze hervorbrechend— Birket el-Araschi— Die Siwaher wollen den Scheihk ermor- den— Verhandlungen deshalb— Beilegung der Zwistigkeiten— Chemische Analyse des aus der Oase des Jupiter Ammon mitgebrachten Salzes, von Herrn Professor J 0nan. Der Sonnenquell, dessen reizende Lage in einem Palmenhain schon bemerkt wurde ¹), hat eine länglichrunde Gestalt, wie er auf dem Grundriſs, Tafel II. Fig. 1. d., dargestellt ist. Seine Länge beträgt etwa dreiſsig, seine Breite zwan- zig Schritt. Der Angabe nach, soll er sechs Kklafter tief seyn, ist aber so klar, daſs man bis auf den Grund sieht, aus welchem stets eine Menge Blasen, wie aus einem Kessel voll siedenden Wassers, heraufsteigen. Diese Quelle war im Alterthum sehr berühmt, besonders weil man behauptete, sie sey bei Tage kalt, Nachts aber warm. Herodot ²), Aristo- teles ³), Diodor ⁴), Arrian ⁵), Lucretius 5), Mela ⁷), Curtius ⁸), Plinius ⁹) 1) Oben pag. 96. 2) Herod. II, 181. 3) Arist. bei Antigonus Caryst. c. 159. 4) Diodor. XIII, 50. 5) Arrian. II, 4. 6) Luoret. I1, 848. 7) Mela I, 8. 8) Curt. I, 7. 9) Plin. H. N. V', 5. und II, 106. 21* —“ “ —ſſſoͤͤoͤoͤͤ-“ eAe,ren -—-— 164 und vielleicht noch andere, geben von ihr eine Beschreibung, die zum Theil ins Wunderbare fällt. Mehrere bemerken, daſs sie nicht unmittelbar bei dem Haupttempel, sondern in einem nahen Hain fruchttragender Bäume belegen war. Plinius allein bezeichnet sie als einen kleinen See*) und Dio- dor erwähnt ein neben ihr liegendes zweites Heiligthum des Ammon, das von den hohen Bäumen jenes Haines umschattet war. Obgleich nur er des- selben gedenkt, scheint doch seine Angabe richtig zu seyn, da man bei der Quelle wirklich die Substructionen eines kleinen Tempels erblickt. Schon dies vielseitige Zusammentreffen berechtigt uns, in diesem klaren Wasserspiegel die berühmte Quelle der Sonne wieder zu erkennen; aber auch die übrigen Angaben finden sich bestätigt. Sie hat wirklich eine perio- disch abwechselnde Temperatur, die, wenn auch nicht so stark, wie einige sie fabelnd beschreiben, doch mir und meinem Gefährten, Herrn GRVUoc, fühlbar war. Nämlich sie ist des Machts aürmer als am Tage, und pflegt beim Anbruch desselben etwas zu rauchen; welches letztere selbst zu sehen ich indeſs nicht Gelegenheit fand. Wahrscheinlich ist sie, wie schon der Boden der Oase vermuthen läſst, eine heiſse Quelle, deren natürliche Wärme man am Tage, wegen der glühenden Sonnenhitze, nicht wahrnimmt. Die Siwaher legen ihr und einigen geringeren Quellen ihres Gebietes eine heilende Kraft bei; sie ist auch ohne Zweifel dieselbe, die Herrn BROWNE bezeichnet wurde, wenn er Seite 25. seines Werkes erzählt:„Eine jener Quellen, welche nahe bei dem beschriebenen Gebäude(den Ruinen von Umebeda, von denen sie indeſs eine gute Viertelstunde entfernt ist) ent- springt, ist nach der Bemerkung der Eingebornen bisweilen kalt, bis- weilen warm.“ Auch der Ort Schargieh, welcher nach Hornemann bei den Eingeborenen Agremieh genannt wird, ist offenbar der Ueberrest eines altammonischen 1) Jovis Hammonis stagnum interdiu frigidum noctibus ferwet. Eben so gemãſsigt und mit der Wahrheit übereinstimmend drückt sich Lucretius aus: Esse apud Ammonis fanum fons luce diurna Frigidus, at oulidus nocturno tempore fertur. ————ü— “ „— L 165 Baues. In der hohen Mauer, welche dies Städichen einschliefst, erblickt man auſserhalb noch ziemlich wohl erhaltene Theile einer antiken Einfas- sungs- oder Befestigungswand, aus Quadersteinen aufgeführt, wie sie in der Ansicht von Schargieh, Tafel XI. Fig. a., die von der Ostseite genommen ist, angedeutet sind. Spuren von Bildwerken und Hieroglyphen habe ich auf dieser Mauer, so sorgfältig ich mich danach umsah, nicht wahrgenommen; die Reste eines Tempels in ihr zu vermuthen, sind wir also nicht berechtigt. Im Inneren, welches allenthalben zu durchdringen mir unmöglich fiel, finden sich hin und wieder alte Substructionen und Mauern von Quadersteinen, welche Spuren eines zu hohen Alters an sich tragen, als daſs sie von den jetzigen Einwohnern, selbst nicht aus den weggeschleppten Resten des Tempels von Umebeda, erbaut seyn könnten. Ich bemerkte auch einen Brunnen von offenbar antiker Construction; er liegt an einem sehr engen freien Platz im Innern des Städtchens, welcher gleichsam den Markt vorstellt, und ist theils im Felsen ausgehauen, theils aus Quadern aufgeführt ¹). Welche Bestimmung nun dies befestigte Gebäude gehabt habe, kann nach den Berichten der alten Schriſftsteller, welche die Oase des Ammon beschreiben, nicht zweifelhaft seyn. Curtius ²) erzählt fast einstimmig mit Diodor ³): Etwa in der Mitte des von den Ammoniern bewohnten frucht- baren Ländchens befinde sich eine dreifache Einfassung oder Befestigung, Diodor nennt sie zεενιονοα, Curtius munitio; die innerste umschlieſse die auf einer Anhöhe belegene Burg(arçérνα) der alten Dynasten der Ammonier, wie Diodor treffender die Fürsten betitelt, welche bei Herodot Könige heiſsen; in der zweiten Einfassung liege ihr Harem, wo ihre Weiber, Kinder und 1) Unter den Zeichnungen des Herrn Generals befand sich auch eine, welche das Innere von Schargieh darstellte; sie war aber zu undeutlich, um eine Bekanntmachung zu ertragen und ist deshalb zurückgelegt. So viel indeſs sah man, daſs jener antike Brunnen rund und aus Quadern erbaut ist, und in nicht groſser Entfernung von ihm Quadermauern aus der Erde hervorragen, die von den armseligen neueren Wohnungen verklebt sind. Zwischen diesen bemerkt man einen aus bloſser Erde aufgeführten Obelisk, mit oben abgerundeter Spitze. 2) Curtius W, 7. 3) Diodor. XVII, 50. 166 Beischläferinnen wohnten, und hier seyen auch die Befestigungsthürme des Baues und der Orakeltempel des Gottes; in der dritten, äuſsersten Umfas- sung befänden sich die Wohnungen der Bewaffneten und die Wachthäuser der Trabanten des Fürsten. Einige meiner ägyptischen Freunde, welche der Expedition des Pascha gegen Siwah, als Begleiter desselben, beiwohnten, die Herren Drocetti, Ricci und Linant, glaubten die drei beschriebenen Einfassungen in der schon erwähnten äuſseren Quadermauer des Tempels und den innerhalb dersel- ben befindlichen Mauerresten anzutreffen*). Die eigentliche Bestimmung dieser letzteren ist freilich schwer auszumachen, aber ich kann nach der genauesten Untersuchung versichern, daſs sie nicht freistehend parallel um den Tempel herlaufen. So klein man auch die Anlagen der Ammonier in ihrem kleinen Gebiete sich denken mag, wie hätte möglicher Weise in einem Raum, der nur siebzig Schritte lang und sechsundsechzig breit ist, für alle die Wohnungen und Menschen, die nach den alten Zeugnissen hier untergebracht waren, sich Platz gefunden? Ich stimme daher vollkommen der Meinung des Herrn W. NouUNdG, Sekretärs der afrikanischen Gesellschaft zu London, bei, der in der Abhand- lung, womit er seine Ausgabe der Hornemannschen Reise begleitet hat ²), auf das befriedigendste darthut, daſs die Ruine Umebeda nichts anderes sey, als der Orakeltempel des Jupiter Ammon selbst. Mit noch mehr Sicherheit hätte er diesen Beweis führen können, wäre ihm bekannt gewesen, dals dieses Gebäude noch jetzt aus zwei Theilen besteht, einem Pronaos und einem inneren Heiligthum, welche beide von Diodor und, obgleich etwas undeutlich, auch von Strabo ³) ausdrücklich erwähnt werden, und dalſs auf den Mauern des Tempels nicht blos Isis und Anubis, wie BRowyz angieht, sondern Jupiter Ammon selbst dargestellt sey. 1) Man sehe oben pag. 96. 97. und vergleiche den Grundriſs, Tafel VI. Eig. 1. 2) Bei Langles, Voyage de Mr. Hornemann p. 295— 340. 3) Strabo XVII. P. 894. —— 7„7 167 Die Burg des Fürsten sucht Herr YoUuNG dagegen in dem jetzigen Hauptort Siwah-Kebir, welcher allerdings burgmälsig auf einer Anhöhe liegt. Allein er ist zu weit von dem Tempel entfernt, als daſs jemals eine Umfas- sungsmauer zugleich diesen und jenen Ort hätte umschlieſsen können, man müſste denn jene Umfassung sich um das ganze Land hergeführt denken, was den mitgetheilten Beschreibungen widerspricht. Auſserdem enthält der Berg, auf welchem Siwah-Kebir erbaut ist, zahlreiche Katakomben, welche sich unter dem Palast des Königs belegen vorzustellen, den ägyptischen Reli- gionsbegriffen von der ungestörten Ruhestätte der Todten, die man von der Behausung der Lebenden immer möglichst entfernte, gänzlich zuwider laufen würde. Jene Katakomben sind auch weder prächtig noch geräumig, und es hat sich die Ueberlieferung erhalten, daſs die nach der Eroberung Santariah's durch die Araber übrig gebliebenen Einwohner anfangs diese unterirdischen Gemächer bewohnt hätten, bis sie nach langer Zeit auf dem Berge sich ansiedelten, woraus der jeizige Hauptort, der deshalb auch ausdrücklich Neu-Siwah genannt wird, allmählig hervorging. Ohne Zweifel ist also das jetzige Schargieh, dessen bei den Einwohnern ebenfalls gebräuchlicher Name: Alt-Siwah, schon oben bemerkt wurde, jene Königsburg. Schargieh ist von dem Eingange des Tempels in gerader Linie nur dreihundertzwanzig Schritt entfernt, und das Hauptthor desselben ist gegen diesen Ort gerichtet. Die Mauerreste, die man zwischen Umebeda und Schargieh anirifft, die hier aufgegrabenen Alterthümer und die münd- lichen Nachrichten der Einwohner, beweisen, daſs in dieser Gegend antike Anlagen befindlich waren, die nach dem Obigen vielleicht den Harem und die Wohnungen der Familie des Fürsten, so wie ohne Zweifel die der Priester und Tempeldiener, enthielten. Wo die für die Besatzung und die Trabanten des Dynasten oder Königs bestimmten Räume zu suchen seyen, entscheide ich nicht; nur so viel ist gewils, daſs der Sonnenquell auſserhalb der ummauerten Bezirke lag, wie Diodor und Curtius in den angeführten Stellen bemerken. Unmittelbar neben dem Tempel war aber, im Alterthum, wie noch jeizt, ebenfalls Wasser vorhanden, dessen Nähe bei den Heilig- 168 thümern der ägyptische Cultus, zu den nöthigen Reinigungen, allenthalben erfordert zu haben scheint. Herr CHAMPOILLION*) und ein andrer ausgezeichneter Archäolog wollen die Ruine Umebeda nicht für den berühmten Weissagetempel des Ammon anerkennen, von welchem der letztere annimmt, daſs er von unvergleichlich beträchtlicherer Gröſse gewesen sey, und ihm zugleich seine Lage in der Nähe des jetzigen Hauptortes anweist. Er denkt sich nämlich jene drei Ein- fassungen, als eben so viel regelmäſsige Quadrate, um einen Berg angelegt und sich einander einschlieſsend.„Zu oberst auf der Felsenhöhe lag die Burg des Fürsten; etwas tiefer um die Anhöhe war das Quadrat der zweiten Einfassung, dessen eine Seite den Tempel enthielt und die Wohnungen der priester, so wie die andere Seite die der Gemahlinnen, Kinder und Anver- wandten des Fürsten, die man mit einer gewissen Bequemlichkeit und Pracht, also mit Höfen, bedeckten Gängen u. s. w. angelegt sich vorstellen mulſs. Noch tiefer, vielleicht schon in der Ebene, war das dritte, für die Krieger bestimmte Quadrat“ ²). Allein keiner der Berge von Siwah erlaubt eine Anlage von solcher Ausdehnung und Regelmäſsigkeit; es sind Kalkfelsen von unbeträchtlicher Höhe und schroffem Abfall. Nichts berechtigt uns auch zu der Annahme sehr kostbarer Denkmäler in einem Ländchen, dessen natürliche Mittel immer sehr beschränkt seyn mulsten. Auſserdem dürfte das Orakel, seiner Lage wegen, von jeher mehr berühmt, als besucht gewe- sen seyn. Als Alexander der Groſse das Orakel des Ammon zu befragen kam, trugen, nach der Erzählung Diodor'’s, achtzig Priester auf einem goldenen Schiff das erwähnte smaragdene Bild, und Frauen und Jungfrauen in groſser Anzahl folgten ihm, Loblieder zu Ehren des Gottes anstimmend, um ein wahrhaftes Orakel zu erflehen. Ohne Zweifel stammt diese Nachricht von 1) Champollion, DEgypte sous les Pharaons II. p. 293. 2) Man sehe Hirt's Bemerkungen im vierten Bande der Fundgruben des Orients p. 409. und folgende. 169 einem der Begleiter des Königs, Aristobulus, Kallisthenes oder Piolemänus, welche die Begebenheiten des ammonischen Zuges erzählt hatten. Allein schon Strabo verspottet die fabelnde Schmeichelei, womit diese und andere Schriftsteller die Geschichte des groſsen Königs zu entstellen sich nicht gescheut hatten; auch verwandelt Curlius das goldene Schiff in ein plos ver- goldetes, und erwähnt die Zahl der Priester nicht. Auf keinen Fall erhellt aber, dals die Umtragung des Schiffes im innersten Heiligthum statt fand, welches in allen ägyptischen Tempeln, selbst die prächtigsten nicht ausge- nommen, nur einen geringen Umfang hatte, wie die Denkmäler beweisen. Vielmehr ergiebt sich aus einer Notiz, die Strabo aus dem Kallisthenes auf- bewahrt hat, daſs auch der Vortempel des Heiligthums nur klein war.„Blos dem Alexander selbst wurde von dem Priester erlaubt, das Adytum zu betreten, seine Begleiter muſsten ihren Anzug wechseln, und vernahmen, drauſsen stehend, alle den Orakelspruch, während der König im Innern war“(W‿rey re ric Seuuνeev dagodoaodaræ dyrac I AAee‿σσνσ, rodon 9 179oey sryas.). Wäre der äuſsere Tempel sehr weitläuftig gewesen, so hätten die angesehenen Macedonier in der Begleitung des Königs, die man doch nicht vor der Thüre neugierig zusammen gedrängt sich vorstellen wird, den Orakelspruch unmöglich alle vernehmen können. Allein es giebt ein ausdrückliches Zeugnils, daſs der Tempel des Ammon weder groſs, noch prächtig war. Lucan läſst in der Pharsalia seinen Helden, den Cato, auf seinem Zuge durch Libyen mit den Resten der Armee des Pompejus, auch hieher kommen, und beschreibt den Tempel in folgenden Versen*²): Mon illi Libyae posuerunt ditia gentes Templa, nec Eois splendent donaria gemmis.— Pauper adhuc Deus est; nullis oiolata per aeoum Dioitiis delubra tenens, morumque priorum Mumen Romano templum defendit b auro. 1) Lucan. Phars. IX, 515. 516. 519— 521. ed. Cont. 22 170 7 Keinen Tempel der Pracht erbauten ihm Libyens Tölher, Und das geweihte Geräth glänzt nicht con indischen Steinen.— Arm, nach früherer Zeit geheiligter Sitte, bewohnet, Micht oon Schätzen entehrt, der Gott uralter Geschlechter Ein bescheicdlenes Haus, und ehrt dem rämischen Golde. Weiterhin wird auch hier bemerkt, daſs die, welche das Orakel zu befragen kamen, das Innere des Weissagetempels nicht betreten durften ²¹): Stabant ante fores populi, quos miserat Eos, Cornigerique Jocis monitu noca fata pelebant. 1 Vor den Thoren gedrängt, erforschen die Välker des Ostens MNeue Geschiche, die Zeus, des gehärnten, Orakel cerkündet. 4 Die Prophezeiungen wurden übrigens den Ppriestern angeblich durch stumme Anzeichen kund, besonders durch das Gewicht und die Schwan- kungen des mystischen Bildes beim Umtragen desselben. Zu Strabo's Zeit wurde das Orakel wenig mehr besucht, und hatte fast aufgehört; früher stand es in auſserordentlichem Ansehen. Nicht blos die libyschen Griechen von Cyrene und Barka verehrten den Ammon, auch die Lacedämonier 2), Aphydnäer ³) und Thebaner ⁴) hatten ihm Tempel erbaut, und noch an anderen Orten fanden sich ihm geweihte Altäre und Bildsäulen 5). In den ½ 4 Kretischen Ueberlieferungen nimmt Ammon einen sehr bedeutenden Platz ein; viele Züge der griechischen Mythologie erklären sich nur aus der frühen Bekanntschaft mit diesem fremdartigen Gott; Pindar hatte ihn in einem besonderen Hymnus verherrlicht, der, auf einer dreiseitigen Säule 4 eingegraben, noch zu Pausanias Zeit bei dem Orakeltempel vorhanden war ⁰). Die Erzählung von dem smaragdenen Idol erhält vielleicht dadurch einige 4 Bestätigung, daſs man in den äuſseren Oasen, nach dem Bericht arabischer 1) fbid.». 544. 545. 2) Pausan. II, 18. 3) Tbid. 4) Pausan. IX+, 16. 5) 7174, 32., X, 13. cf. Iy, 14.) h, 15. 6) Pausan. IX, 16. . 9 171 Schriftsteller, wirklich Smaragdgruben fand, die bearbeitet wurden, um die Steine nach Aegypten auszuführen ¹). Katakomben sind im Gebiet von Siwah in weit gröſserer Anzahl vorhan- den, als man nach den bisher bekannt gewordenen Beschreibungen vermu- then sollte. Es würde unmöglich seyn, sie alle zu beschreiben, oder auch nur aufzuzählen. Sehr viele Berge in und bei der Oase sind davon ganz durchlöchert; andere Katakomben sind unterirdisch und haben keinen sicht- baren Eingang. Sie zu. untersuchen, lieſs ich mir sehr angelegen seyn, und bestieg zuerst den Berg Gara el-Mota-Schargiah meèe Sabaryn(in welcher arabischen Benennung die ersten Worte: den Begräbniſsberg gegen Morgen bezeichnen), dessen Grotten und Katakomben ich mit grolser Anstrengung in allen Richtungen durchforschte, ohne meine Mühe durch Auffindung besonderer Merkwürdigkeiten belohnt zu sehen. Die Gräber und Gänge sind in einem Kalkfelsen, regelmälsig, aber ohne viel Kunst, ausgehauen. Mehrere Kkammern oder ganze Grabmäler waren grün, roth, gelb und blau ausgemalt, und mit Hieroglyphen versehen. In einer Grotte fand ich einen noch ziemlich wohl erhaltenen Diskus mit Flu- geln, wie er auf ägyptischen Denkmälern so häuſig vorkommt; allein viele Skarabäen, Sperber und mannigfaltige Arabesken waren, wie es schien, absichtlich durch boshaſte oder unwissende Hände vernichtet. Mühsam drang ich auf Händen und Füſsen in ein unterirdisches Grab oder Hypogeum, in welchem ich einen Sarkophag fand, der für ein Kind bestimmt gewesen zu seyn schien. Allein er war zerbrochen, und eine in rother Farbe mit zierlichen griechischen Charaltteren an der einen Seitenwand dieses Grabes befindliche Inschrift war bis auf wenige Buchstaben verwischt. Eine Ansicht des Berges Gara el- Mota Schargiah findet sich Tafel XII. Fig. 10:; und die Figuren 1. und 2. zeigen Theile zweier Katakomben desselben. Ich besuchte noch verschiedene Katakombenberge und wand mich mit groſser Mühseligkeit durch ihre halb verschütteten Gewölbe und Gänge. 1) Ebn Ayas bei Langlés p. 389. 22* 172 Am merkwürdigsten schienen mir die Gräber des Berges Gebel- Drara- Enbril, unweit der Ruine Umebéeda. Das Innere einiger seiner Groiten, so wie ver- schiedene Details, sieht man Tafel XII. Fig. 3. 4. 5 6. 7. Die weibliche Ge- stalt Fig. 8. befindet sich in der Kammer a. der zweiten Figur derselben Tufel, nud giebt ein Beispiel eines ammonischen Gemäldes. Auch Tafel V. Fig. 1. erblickt man neben dem Hauptort Siwah einen Berg, der ganz von Katakom- ben durchlöchert ist. In sämmtlichen durchforschten Katakomben fand ich übrigens, statt wohl erhaltener Denkmäler, nichts als Vernichtung, Schutt und Trümmer, morsche Gebeine und zerrissene Bandagen. Ueberrascht wurde ich daher, als ich die stillen Wohnungen eines solchen Todtenberges, den ich besuchen wollte, von Lebenden occupirt fand. Die vielen Grabgewölbe desselben waren nämlich von einigen hundert Arabern bewohnt, die mit ihren Familien und ihrem Scheik sich hier etablirt hatten. Sie gehörten zum Stamm der Megaber, und ich lieſs mit dem Scheik mich in ein Gespräch ein, wodurch ich erfuhr, daſs sie zu Anfang des Jahres 1820 aus Augila hieher ausgewandert seyen, weil sie den von Seiten der tripolitanischen Regierung ihnen aufgelegten Tribut, als freie Männer, nicht entrichten wollten. Ueber die wenig bekannte Oase oon Augila gab er mir folgende Aus- kunft:„Sie ist zehn Tagereisen von Siwah entfernt“(eben soviel rechnet Herodot I. W. æ. 182. Hornemann legte indeſs den Weg in neun starken Tagemärschen zurück),“ ist etwa drei Viertel einer deutschen Meile lang, nur eine halbe breit, und zählt zwei Dörfer, Namens Augila und Galle, die von zwei Araberstämmen Namens Oiseh; und Megaber bewohnt wa- ren*). Die Oisehy, 300 Köpfe stark, wohnen noch in Augila; die Megaber, 400 Köpfe stark, sind die erwähnten Auswanderer. Sie treiben Handel mit den durchziehenden Karavanen, und nehmen häufig als Kameelführer und 7) Hornemann, Voyage p. 69. nennt drei Oerter: Augilaæ, Meledila und Mogabra, letz- tere beiden Dörfer hieſsen zusammengenommen auch Fallo, Mogabra war von allen dreien der volkreichste. Die Aehnlichkeit der Namen fällt ins Auge. —— 3—————— ¼— A 173 Kaufleute an diesen Theil. Sie haben beinahe dieselben Gesetze, wie die Siwaher, bestrafen den Diebstahl mit dem Verlust der einen Hand, und üben die Blutrache. Sie gewinnen beinahe doppelt soviel Datteln, als Siwah erzielt, und Getreide für etwa zwei Drittel der Bevölkerung. Sie besitzen Kameele zum Bedarf der Karavanen, und man findet viel Strauſse in der Oase und der Umgegend. Die Bewohner nähren sich, wie die Siwaher, auſser von Datteln, welche die Hauptnahrung ausmachen, von Linsen, Boh- nen und Mälokie, einem grünen in Siwah sehr beliebten Kraut ²).“ Während der fünf Tage meines Aufenthalts in Siwah besuchte ich auch die in der Entfernung von etwa vier Stunden an der nach Augila führenden Straſse gelegenen Ueberbleibsel eines von Sandstein erbauten Tempels, der wahrscheinlich, da er dorisch ist, aus den Zeiten der Griechen oder Römer stammt. Er besteht aus drei Kammern, deren Eingangsthüren noch ganz artig verziert sind. In dem mittelsten Gemach befinden sich seitwärts zwei schmale Fensteröffnungen, durch welche das Licht von oben schräge hinein- fällt. Die Eingebornen nennen diese Ruine Bel-del-Rum. Tafel III. Fig. 2. giebt eine Ansicht derselben, und ein flüchtiger Grundriſs ist zur Seite beigefügt. Auf dem Wege dahin, trafen wir an einem Orte, Namens Daiba, einen hübschen Garten, aus welchem uns der Besitzer, der uns begleitete, Feigen und Granatäpfel pflückte. Dicht dabei findet man auf einer kleinen Anhöhe die Ueberbleibsel eines grofsen Gebäudes, das ich für sarazenisch halte. Rechts und links befanden sich Kalk- und Sandsteinfelsen, die ganz durch- löchert, das heiſst voll Grotten und Katakomben waren. Eine Ansicht eines dieser Katakombenberge bei Bel-del-Rum findet sich Tafel XII. Fig. II. * 1) Hornemanns Nachricht, dals die Bewohner von Augila die Siwahsprache reden, wird durch die Erzählung des Scheik, nach welcher sie Araber sind, etwas zweifelhaft. Wäre sie aber gegründet, so erklärte sich dadurch um so leichter, wie die Siwaher diese ausgewanderten Stam- mesbrüder unter sich aufnahmen. So wie weiterhin erzählt wird, dals die Ausgewanderten von Umessogeir oder El-Gara sich in Siwah niederlieſsen. 174 Wir aſsen innerhalb der obbenannten Tempelruine zu Mittag, und besuchten auf der Rückkehr die Ruine Kamisi, welche einer alten Burg an- gehört zu haben scheint. Einige Substructionen und viele Ziegelsteine, welche man in deren Nähe findet, so wie auch ein gerade gegenüber liegender Katakombenberg, sind deutliche Spuren eines ehemals hier vorhandenen Ortes. Eine halbe Stunde von diesen Ueberbleibseln trifft man abermals die Ueberreste eines alten Gebäudes: Kasser-Gakam genannt. Ich ward durch besondere Umstände abgehalten sie zu besuchen ¹). In dieser Gegend wird etwas Reis gebaut, da man aber hier viel sülses Wasser findet, so würde man weit mehr von dieser nützlichen Getraideart gewinnen können; jetzt wuchern in dem fruchtbaren Boden Schilf, Bin- sen und Rietgras. Wir zogen bei dieser kleinen Ausflucht über bedeutende Salzmassen, die auf einer weiten Strecke zu Tage brachen, und von welchen die Bewohner Siwah's alle Jahre gerade an einem und deiselben Tage, näm- lich dem Feiertage, an welchem die Karavane nach Mekka abzieht, ihren Vorrath auf das ganze Jahr entnehmen. Auf diesem Ritte kam ich über Stellen, die eine Viertelmeile lang der- gestalt mit Salz belegt waren, daſs es schien, sie seyen beschneit; auf anderen Punkten fand ich mit Salztheilen so stark geschwängerte Lachen, daſs meine Kleidungsstücke, durch das bloſse Anspritzen, wie mit einer Salzkruste über- zogen wurden. Dieses Salz ist sehr gut, und galt im Alterthum für reiner und heiliger als jedes andere. Man fand Scheiben bis zu drei Zoll Dicke und klar wie Krystall. Gewisse Priester des Ammon brachten es in Körben, die aus Palmblättern geflochten waren, nach Aegypten, wo man sich des- selben beim Opfer bediente, wozu das Meersalz, als Schaum des Typhop, nicht heilig genug war. Auch aufser Aegypten bedienten sehr fromme Leute sich desselben beim Gottesdienste ²). Der König von Persien, der aus allen 1) Eine Zeichnung dieser Ruine von Herrn Linant, aus der man sieht, daſs dieser Bau griechischen Ursprungs ist, wurde diesem Werke nicht beigelegt, um der Bekanntmachung derselben in der angekündigten Reise des Herrn Linant nicht vorzugreifen. 2) Arrian. de expedl. flex. I. III. o. 4. 175 Provinzen seines weiten Reiches blos das beste genoſs, erhielt aus Aegypten Salz vom Tempel des Ammon und Wasser aus dem Nil*). Ich habe von diesem Salz einen ziemlichen Vorrath mitgebracht; eine chemische Analyse desselben von Herrn Professor John, die meinen Lesern ohne Zweifel will- kommen seyn wird, findet man diesem Kapitel beigefügt. Auffallend ist es, mitten aus den Salzlagern bisweilen süſse Quellen hervorsteigen zu sehen 2²). Es war meine Absicht, den schon erwähnten See Birket-el-Araschi zu besuchen ³), allein ein ganz eigener Unfall, der durch meinen Scheik ver- anlaſst wurde, verstattete mir nicht wohl einen längeren Aufenthalt in Siwah. Auſfserdem wurde mir versichert, daſs auf den Inseln jenes Sees, deren es mehrere geben soll, keine antiken Denkmäler anzutreffen seyen. An den Ufern desselben fand Herr DRovETTI sehr viele Meerconchylien, welche die Vermuthung bestätigen, daſs einst das Meer diese ganze Gegend be- deckt habe. Unser Scheik, der mir schon so vielen Verdruſs gemacht hatte, war nämlich auf Befehl des Pascha mit dessen Eroberungstruppen nach Siwah gezogen, und gerade sein ihm untergeordneter Stamm, Dschimmedt, hatte sich beim Angriff gegen die Siwaher ausgezeichnet, und über vierzig der- selben getöõdtet; sein Schwager aber, der mich ebenfalls begleitete, mit eigner Hand ihrer zwei erlegt. Da nun in Siwah die Blutrache, wie wir oben gesehen, im strengsten Sinne des Wortes noch ausgeübt wird, der Scheik und dessen Schwager sofort erkannt wurden, und jener unklug genug war, aus dem Grunde, daſs er die Erhebung der Kontributionen in Siwah über- nommen und für deren richtigen Eingang zu sorgen versprochen hatte, sich geltend zu machen, 80 benutzten einige unruhige Verwandten der Getöd- teten einen zufällig zwischen ihnen und einem schwarzen Sklaven des Scheiks entstandenen Zwist als eine Gelegenheit, sich rächen zu können. Sie prü- gelten den Sklaven erstlich derb durch, und danm stürmten sie auf unsern 1) Athenaeus l. II. o¹. 74. Schweigh. 2) Schon Herodot bewunderte diese Erscheinung. IV, 181. 3) Oben pag. 83. — ÿ——— 176 Lagerplatz los, um den Scheik und dessen Schwager zu ermorden, laut schreiend, daſs sie beide ihnen vormals den Feind und jetzt Christenhunde zugeführt hätten. Andere Bewohner Siwahs dagegen, die mit Recht befürch- teten, daſs die angefangenen Händel in ihrem Ausgange leicht unangenehme Folgen für ihr Ländchen haben dürſften, setzten sich jenen entgegen, und so wuchsen bald Parthei und Gegenparthei zu einem bedeutenden Haufen an, der sich lärmend auf uns zuwälzte. Der Zank ward sehr heftig und schien äuſserst bedenklich für uns endigen zu wollen; glücklicherweise lieſs sich aber einer der Hauptscheiks von der friedlichen Parthei, welcher blind war, schnell unter den Haufen führen, und da zu gleicher Zeit der Hauptchef der Religion eintraf, so gelang es ihnen, die Unruhigen dadurch zu be- schwichtigen, daſs sie ein Paar der Rädelsführer sofort ergreifen und in Ketten legen lieſsen. Der eine hatte sich aber bei dieser Gelegenheit ver- theidigt, und den ersten ihn ergreifenden durch einen Säbelhieb verwundet. Der Religionschef und die übrigen Scheiks begaben sich hierauf feierlich zu meinem Scheik, und baten wegen des Vorgefallenen um Entschuldigung. Da aber die Gemüther sehr erhitzt waren, und mehrere von der Parthei der Arrestanten geschworen hatten, den Scheik und die Seinigen zu ermorden, so hielten es zwei Oberhäupter von der Gegenparthei für rathsam, ihn per- sönlich mit noch sechs ihrer Verwandten wohlbewaffnet in seinem Zelt zu bewachen. Zu mir verfügte sich indessen der blinde Scheik und versprach durch einen Eidschwur, mich im Falle eines Angriffes in den ihm unter- geordneten halben Theil von Siwah zu führen, und hier mit Aufopferung seiner selbst zu vertheidigen, meinend, es fehle ihm hierzu weder an Pulver, noch an Blei. Ich dankte ihm für seinen guten Willen und entlieſs ihn. Da die Unruhestiſter gemeint hatten, es träfe ihr Unmuth eigentlich nicht mich und die Meinigen, sondern blos den Scheik und dessen Schwa- ger, so nahm ich wohlweislich von dem ganzen Lärm gar keine Notiz, und blieb ruhig in meinem Zelte; jedoch war ich fest entschlossen, im Falle eines Angriffs mein Leben so theuer als möglich zu verkaufen. Mein Scheik dagegen, der sehr vorlaut zu seyn pflegte, war nun kleinmüthig geworden — — —. —— ———— 177 und schien aulser sich; als er Abends bei mir essen sollte, kam er ganz zerstört in mein Zelt, brachte das Essen zwar an den Mund, vermochte aber nicht es herunterzubringen; sondern stürzte plötzlich wieder hinaus und verkroch sich, wähnend— wie ich dies später erfuhr— daſs er an meiner Seite ermordet werden würde. Die Nacht ging jedoch ruhig vorüber, und auch der zweite Tag; als ich aber am dritten Tage jene obbenannte Ruine Bel-del-Rum blos in Begleitung einiger Siwaher besuchen wollte, so ergriff meinen Scheik die Angst von neuem, und er begleitete mich nebst seinem Schwager. Während des Essens war er sehr unruhig, verstand nichts von dem, was ich ihm sagte, und ging gar nicht in die Munterkeit meines übrigen Geleites ein. Endlich sprang er ganz verstört auf, führte meinen Mamelucken bei Seite, und erklärte ihm, daſs er und sein Schwager gesonnen seyen, ihr Leben durch eine schnelle Flucht zu retten, zu welchem Behufe er ein Kameel mit Lebensmitteln und Futter für ihre beiden Pferde mitgenommen habe. Der Mameluck, klüger als er, rieth ihm glücklicherweise von der Aus- führung seines Vorhabens ab, das die nachtheiligsten Folgen für mich hätte haben können. Denn, verlieſs er mich, so ward ich der Wuth der Siwaher, die sich nun von mir verrathen wähnen muſsten, geopfert, und das Glimpf- lichste, was mir in diesem Falle widerfahren konnte, war, von ihnen als Geiſsel zurückbehalten zu werden, während der treulose Scheik seinen Kopf der Rache des Pascha Preis gab. Er sah dies ein, und beschloſs mit mir nach Siwah zurückzukehren; allein er war von diesem Augenblick an so geängstigt, dals ich früher oder später einem neuen Versuch zu seiner Flucht entgegensehen mulste. Ich beschloſs also, meine Abreise so sehr als möglich zu beschleunigen, damit funfzehn der vornehmsten Siwaher, die sich seit einiger Zeit bei Hassan-Bey in Damanhour befanden, nicht Zeit gewännen, zurückzukehren. In diesem Falle möchten nämlich die Siwaher, die jene, so lange sie in der Gewalt Hassan-Bey's waren, als ausgelieferte Geilseln betrachten muſsten, ihr nachgiebiges Verfahren geändert haben. Um indels jeden Verdacht der Furcht zu entfernen, entschloſs ich mich, noch zwei Tage hier zu verweilen. Ich versammelte daher gleich Abends 23 — 178 nach meiner Rückkehr von der Ruine Bel-del-Rum den ersten und zweiten Religionschef, nebst den Scheiks aller Ortschaſten, dankte ihnen für die mir gegebenen Beweise von Aufmerksamkeit(denn ich kann wirklich den bewiesenen guten Willen, mir zu dienen, sei er aus redlichem Herzen oder Furcht hervorgegangen, nicht genug rühmen), und versprach die mir ihrer Seits gewordene Aufnahme nicht allein dem Gouverneur der Provinz, son- dern selbst Seiner Hoheit dem Pascha bekannt zu machen, auch ihre etwa- nigen Wünsche und Bitten beiden vorzutragen. Hierdurch entfernte ich, wie auch durch den längern Aufenthalt, jeden Zweifel über Unzufriedenheit meiner Seits. Sie erzählten mir nun, wie dies Jahr die Dattelerndte schlecht ausgefallen sey und sie sich beinahe auſser Stand gesetzt sähen, die gewöhn- lichen Abgaben an den Pascha zu entrichten, und hegten daher den Wunsch, darin für dieses Jahr einigen Erlaſs zu finden. Ich versprach ihnen um so williger hierzu die Hand zu bieten und Seiner Hoheit ihr Elend und ihre Bitten vorzutragen*), als ich den gehabten Unfall der Erndte, der durch Heuschrecken veranlaſst war, welche die Blüthen der Palmbäume meisten- theils abgefressen hatten, bereits vor meiner Ankunft in der Oase vernom- men hatte. Ich ersuchie sie dagegen, einen jeden Christen, der sie dereinst besuchen dürfte, so willig und freundlich als mich aufzunehmen, welches sie auch zu thun versprachen ²); und bat sie schlieſslich, mir bei der Ab- reise durch einen aus ihrer Mitte das Geleit bis über ihre Grenze geben zu lassen. Jene Zusicherung beruhigte sie, und dieser letzte Beweis von Zutrauen schmeichelte ihnen. Es erheiterten sich daher ihre Gesichter, und sie schieden, freundlich mir die Hände drückend, von mir. Mein Scheik 1) Nach meiner Rückkehr in Cairo trug ich ihr Anliegen Seiner Hoheit vor und er schien nicht abgeneigt zu seyn, ihre Bitte zu erhören. Späterhin erfuhr ich, daſs man ihnen einen Theil der Abgaben für dieses Jahr erlassen habe. A. d. I. 2) Sie hielten aber nicht Wort, wie ich dies von meinen Herren Gefährten vernahm, die nach mir daselbst eintrafen, und gleichsam von ihnen als Gefangene innerhalb ihrer Ringmauern bis zum Augenblick ihrer Abreise festgehalten wurden. A. 4. 7M. ——————õ— 179 war nun wieder froh und meinte, er wisse nicht, welcher gute Geist mir alle diese Gedanken eingegeben habe. Noch muls ich eines Umstandes Erwähnung thun, der sich vor meiner Abreise zutrug und welcher den Aberglauben jener Menschen beurkundet. Es kam nämlich, einen Tag nach meiner Ankunft, ein Einwohner von Siwah zu mir und meinte, da ich als Christ ein Hexenmeister sey, so solle ich ihm die Zuneigung seiner Frau, die er verloren habe, wieder zuwenden. Da ich zufälligerweise erfuhr, dafs er ein Trunkenbold sey(denn die Siwaher trinken gerne heimlich Dattelbranntwein) und dies wohl der Haupigrund der Abneigung seiner Frau gegen ihn seyn mochte, so bedeutete ich ihm, sich den Abend vor meiner Abreise wieder bei mir einzufinden. Er erschien wirklich; ich schenkte ihm hierauf eine Bernsteinschnur und gebot ihm, solche seiner Frau zu geben, und zugleich nie mehr ohne deren Erlaubniſs starke Getränke zu trinken. Ob er nun meine Befehle ausführen, oder ob künftig der Zauber des Dattelbranntweins nicht den meinigen neutralisiren wird, laſse ich dahin gestellt seyn; möchte aber beinahe das Letztere vermuthen. CHEMISCHE ANALVYSE des aus der Oase des Jupiter Ammon milgebrachten Salzes VvOR Herrn Professor JoHN. Dasselbe hat eine weilse, gelblich- und graulichweiſse Farbe; es bildet poröse Krusten und regellose Massen, welche aus einem Haufwerke sehr kleiner Krystalle und Körner zusammengesetzt sind. Die Krystalle sind sechs- seitige Prismen mit zwei gegenüber stehenden breiten und vier schmäleren Seitenflächen und einem sehr ausgezeichneten Visir an den freistehenden Enden versehen. Uebrigens ist das Salz theils glänzend, theils schimmernd, theils matt, zerreiblich, luftbeständig und von salzigerdigem Geschmack. 23* 180 Behandelt man dasselbe mit 200 Theilen Wassers, so lösen sich nach Beschaffenheit der Krusten, 10 bis 20 p. C. davon auf, während der übrige Theil unaufgelöst zurück bleibt. Die Auflösung ist neutral, oder sie hat doch nur eine äulfserst schwach alkalische Reaction, und Säuren bewirken weder in der Auflösung, noch in dem Rückstande eine Gasentwickelung. Die eben bemerkte wässerige Auflösung wird gefället durch salpetersau- res Silber, durch Sauerkleesäure und Barytauflösungen; blausaures Eisenkali und Ammonium verändern dieselbe nicht. Durch Verdunstung krystallisiret die Auflösung in Würfeln und einer unförmigen Salzmasse, die bei der Behandlung mit Weingeist in salzsaures Natrum und schwefelsauren Kalk zerfällt, welcher, wie im Folgenden bemerkt werden soll, zerlegt wurde. Der in 200 Theilen Wassers unauflösliche Antheil des Salzes wurde mit kohlensaurer Kaliauflösung gekocht. Die Flüssigkeit gab durch Krystallisa- tion schwefelsaures Kali, wobei kohlensaures Kali zurück blieb und das von der Flüssigkeit abgesonderte Salz löste sich in Salzsäure, brausend und unter Zurücklassung von etwas lehmigem Sand, auf. Sauerkleesäure fällete daraus sauerkleesauren Kalk, und blausaures Eisenkali zeigte eine Spur Eisenoxyds an. Löset man dagegen einen reinen Salzkrystall in 800 Theilen Wassers auf, so wird die Auflösung zwar durch Sauerkleesäure und Barytauflösung, nicht aber durch salpetersaures Silber gefället. Durch Zusammenreiben des Salzes mit gelöschtem Kalk entweichen keine ammoniakalischen Dämpfe. Hieraus gehet hervor, dals das Salz von der Oase des Ju- piter Ammon ein Gemenge von Gyps mit 10 bis 20 p. C. Koch- salz sey. Der lehmige Sand und die Spur Eisenoxyds rühren von dem Erdboden her, aus welchem dasselbe auswittert. Bemerkenswerth ist die secundäre Krystallform, unter welcher der Gyps bier erscheint. Etwas ähnliches bietet zwar der Gyps von Montmartre und Menilmontant dar, welcher durch das Verwachsen zweier Linsen eine Art Visir darstellet; allein mir ist auſser diesem Gypse kein Beispiel von der erwähnten Säulenform bekannt. — Achtes Kapitel. Reise oon Siwah bis Catro. Abreise von Siwah— Ruinen Koreischa und Sethium in der Nähe von Siwah— Lager bei Gara- Meld Jous— Befürchteter Angriff— Oase Eintewein, das alte Parembole— Oase El-Gara oder Umesogheir— Beschaffenheit, Producte und Einwolmner derselben— Katahomben von El-Gara— Ruine Kasser-Pharis— Katakombenberge— Das alte Siropum— Lager bei El-Gebara— Lager bei der Quelle Haghi— Lager bei Tarfai— Lubba— Mogdära— Gonadolingsan— Bahr-Belà-Mà, das Meer ohne Wasser— Vermuthung iiber eine libysche Strõmung des Nil— Vadi-Natron— Wilde Kühe— Lager der Jobaisi Sraber— Ankunft zu Therraneh am Nil und Auflösung der Karavane— Ankunft zu Cairo— Tod dreier Begleiter des Herrn Generals. Meine Abreise von Siwah war von mir auf den 12ten November Morgens um vier Uhr festgesetzt, das erste geistliche Oberhaupt, die sämmtlichen Scheiks und mehrere Einwohner von Siwah hatten sich bei mir eingefun- den, um mich zu begleiten; allein durch die Schuld meines Scheiks verzö- gerte sich unser Aufbruch bis um sieben Uhr, und wir waren noch nicht weit fortgerückt, als ein neuer Aufenthalt eintrat. Der Scheik hatte ver- säuntt, meine Wasserschläuche füllen zu lassen, und ich mulſste Leute zurücksenden, um aus dem Sumpf bei dem Hauptort Wasser zu schöpfen, das sehr schlecht war, und worüber viel Zeit verloren ging. Ich kam des- halb diesen Tag auch nicht über das Gebiet der Oase hinaus, dessen Grenze auf dem Wege nach Fl-Gara, etwa vier Stunden östlich von Siwah entfernt ist, wo ich bei dem Berge Gara-Mele Jous das Lager aufschlagen lieſs. 182 Die Siwaher hatten mich eine ziemliche Strecke begleitet, und einer ihrer Scheiks blieb über Nacht in meinem Lager. Von ihm erfuhr ich, daſs vier Stunden von Siwah gegen Süden eine Ruine belegen sey, die Koreischa genannt wird; eine andere, Namens Sethum, ist fünf Stunden östlich vom Hauptort entfernt, und liegt etwas seitab von der Straſse nach El-Gara. Nach den Beschreibungen, die er geben konnte, schienen sie mir nicht bedeutend genug, um sie aufzusuchen. Die vielen Ruinen in der Nähe von Siwah beweisen indels, welche Volksmenge einst das ammonische Ländchen enthalten haben mulſs, und daſs das bewohnte Gebiet der alten Fürsten nicht blos auf die jetzige Oase beschränkt war. In der Erzählung von Alexan- ders Heereszug werden auch ammonische Städte erwähnt, und von den Ort- schaften der Oase selbst unterschieden. Den folgenden Tag brachen wir um sechs Uhr auf. Gesträuch und einzelne kleine Bäume erfreuten noch hin und wieder das Auge; im allge- meinen gewann aber die Gegend immer mehr das trostlose Ansehn der libyschen Wüste. Mit Kieseln überstreuter Sand erschien wieder, in den Vertiefungen aufgeschwemmter Lehm, und die Kalk- und Sandsteinberge waren zerrissen und zerbröckelt. Wir zogen über mehrere Plateaux und durch Schluchten, die zu mörderischen Hinterhalten sehr geeignet schienen, und viele Grabmäler von Erschlagenen, auf welche der Scheik mich auf- merksam machte, bewiesen, wie unsicher die Gegend sey. Eine Anzahl in gerader Linie errichteter Steinhaufen bezeichneten die Wahlstatt eines gröſse- ren Kampfes und die Gefallenen. Während solcher Unterhaltungen gewahrte mit Schrecken der Scheik auf dem sandigen Boden einer Schlucht, die wir durchzogen, die frisch eingetretenen Spuren eines Zuges berittener Araber, der, nach der Breite der Fronte zu schlieſsen, an funfzig Pferde, auſser Kameelen und Eseln, bei sich führen mulste; in der Einsamkeit der Wüste eine höchst bedenkliche Erscheinung! Der Verdacht wurde sogleich rege, es seyen dieselben Räu- ber, welche zwischen Bir=la-Rabbia und Siwah uns nachgestellt hatten. Die Araber wurden sehr unruhig, und wir nahmen auf ihre Bitten unsere 8 183 Waffen zur Hand; hatten aber Anlaſs bei dieser Gelegenheit mehrere sehr nationelle Züge an unsern Begleitern zu beobachten. Aus der Form des Beschlages der Pferde, die im Sande eingedrückt war, bemühten sie sich, den Stamm, zu welchem die gefürchteten Feinde gehörten, auszumitteln, und bestimmten ihn sehr genau. Es muſs also in den Beschlägen bei den Beduinenstämmen eine hergebrachte Verschiedenheit beobachtet werden; und für streifende Wüstenbewohner scheint dies eine sehr zweckmäſsige Einrichtung. Aus anderen Kennzeichen wulsten sie auch die muthmalsliche Entfernung der Feinde zu erforschen. Sie zerrieben den Dung der Kameele mit den Händen, und zogen aus dem Grade der Trocken- heit desselben die tröstliche Folgerung, daſs jene einen Vorsprung von fast zwei Tagen vor uns voraus haben mülſsten. Sobald ihnen dies ausgemacht schien, überlieſsen sie sich wieder ihrer gewöhnlichen Sorglosigkeit. Wenn es wirklich Feinde waren, so schienen sie, durch unsere Zögerung bei Siwah irre geführt, uns zum zweitenmal verfehlt zu haben. Wir beobach- teten indeſs auf unserem ferneren Zuge einige Vorsicht, da irgend ein Zufall uns leicht mit ihnen zusammen führen konnte. Während des heutigen Marsches kamen wir, in der Entfernung von etwa einer Meile gegen Süden, an einer kleinen, ziemlich bewachsenen Oase vorbei, die Eintewein genannt wird, aber jetzt unbewohnt ist. Sie ist reich an Dattelpalmen, deren Früchte einzusammeln, einem jeden nach Belieben frei steht. Wahrscheinlich lag hier der Ort, den Ptolemäus Parernbole nennt(AAe‿dνν πποκαιον, Alewanderslager), und wo, nach dem Namen zu schlielsen, ein Theil der Armee des macedonischen Königs, während sei- nes Besuchs in Siwah, stationirt war. Ptolemäus setzt ihn, nach ungefährer Bestimmung, wie er immer thut, einen halben Grad östlich von der Stadt Ammon; und selbst dieser Ort gehörte noch zum ammonischen Gebiet*). Abends um acht Uhr machten wir, absichtlich etwas seitwärts von der Ka- ravanenstraſse, Halt, und bivouakirten im Sande. *) Ptolem. Geogr. l. II... 5. p. 104. —— 184 Den 14ten erreichten wir, nach einem Marsch von beinahe zwölf Stun- den, um vier Uhr Nachmittags El-Gara. Die durchzogene Gegend war eine schreckliche Wüste, wo nichts dem Auge sich darbot, als Sand, Lehm und zerrissene Kalksteinfelsen. Der einzige Ort der kleinen Oase liegt auf einem Felsen, wovon er auch benannt ist, denn El-Gara heilſst schlechtweg der Berg, unmittelbar unter welchem wir unser Lager aufschlugen. Der Scheik des Städtchens und einige Einwohner erschienen sogleich, um uns zu bewillkommnen, brachten darauf Lebensmittel zum Verkauf, und bewie- sen sich so dienstfertig, dals während der Nacht einer von ihnen bei meinem zZelt Wache hielt. Weil zwei von unsern Kameelen erkrankt waren, ver- weilten wir hier auch den folgenden Tag. Auf Landkarten finde ich diese Oase mit dem Namen Umesogio, und auf der von Rennell El-Sogheir bezeichnet; Browne nennt sie Karet-Am- El-Sogheir, und Hornemann Ummesogheir, welches Langlès in Oum-Essogheir verändert. Allein ich habe sowohl von der ganzen Oase, als von dem Städt- chen blos die Benennung El-Gara in Gebrauch gefunden, obgleich es zuver- läſsig derselbe Ort ist. Die von mir genommene Polhöhe ergab 290 34/ 44 N. B., wonach die Lage mit der Rennell'schen Bestimmung von Browne’s Karet-Am-El-Sogheir durchaus übereintrifft. Der Name Umesogheir scheint die umliegenden Höhen zu bezeichnen, von denen El-Gara, wie Siwah ein- geschlossen ist; weshalb es von den Arabern auch bisweilen als Klein-Siwah bezeichnet wird. Das fruchtbare Land der Oase hat nur etwa eine deutsche Meile im Umkreise. Nach der Tradition, die der Scheik-el-Belad(der Häuptling des Ortes) mir mittheilte, war El-Gara einst sehr gesegnet, und brachte viel Getreide hervor; jetzt sind Fruchtbarkeit und Anbau gleich sehr herunter gekommen, wovon der Grund ohne Zweifel in der Vernachlässigung der Quellen zu suchen ist. Alle Brunnen, mit Ausnahme eines einzigen dicht neben dem Dorfe, welcher leidliches Wasser hat, sind wegen Mangel an Sorgfalt durch das aus dem Boden efflorescirende Salz und Natron ver- dorben. Jetzt wird in der Oase nur noch wenig Gerste gebaut, und der 185 Hauptertrag sind die Datteln. Aber einige Pflanzungen abgerechnet, stehn auch die Palmbäume ziemlich sparsam und werden nicht mit der nöthigen Sorgfalt gepflegt; so daſs der ganze Dattelertrag der Oase jährlich nicht mehr als etwa fünfhundert Kameelladungen beträgt. Die Fruchtbarkeit des Bodens verräth sich indeſs in dem dichten Gestrüpp, womit er überall be- kleidet ist; Binsen und die Pflanze Agoul sind darunter am häufigsten. Das Städtchen oder Dorf, von welchem Tafel XI. Fig. 6. eine Ansicht giebt, ist sehr armselig und verfallen, enthält indeſs einen kleinen Markt- platz. Die ganze Einwohnerzahl beschränkt sich jetzt auf funfzehn Fami- lienväter. Sie rechnen sich zum Stamm Amudad und leiten ihr Geschlecht aus dem Elgarbischen her, wo sie einst eine Stadt Bournou inne hatten. In Sitten und Sprache stimmen sie mit den Einwohnern von Siwah überein, von denen sie auch abhängig sind. Zur Zeit der Dattelerndte kommen von Siwah dreizehn dazu berechtigte Familien hieher, um die Früchte mit denen von El-Gara zu theilen. Wahrscheinlich sind es Ausgewanderte, denen ihr Eigenthumsrecht geblieben ist. Der ganze Reichthum der kleinen Gemeinde wurde mir hergerechnet: sie besitzt einige dreilsig Esel, funfzig Ziegen, nebst Hühnern und Tauben, und ernährt sich theils vom Verkauf der Dat- teln, theils von den durchziehenden Karavanen, die nach Aegypten gehen oder dorther kommen, und immer El-Gara berühren, wo sie einen Rasttag zu halten pflegen. Nicht blos in der Ueberlieferung der Einwohner, auch in antiken Denk- mälern haben sich hier die Spuren eines frühern glänzenderen Zustandes erhalten. In dem Felsen, worauf El-Gara erbaut ist, finden sich Katakom- ben, deren Zugänge man auf der beiliegenden Zeichnung(Tafel XI. ig. 60 bemerken wird. Von dem Scheik-el-Belad geführt, durchwanderte ich die Oase in allen Richtungen, antike Trümmer zeigten sich häufig. Besonders stieſs ich auf die noch bedeutenden Substructionen einer alten Burg, theils aus Quadersteinen, theils aus gebrannten Ziegeln aufgeführt. Der Scheik gab ihnen den Namen Kasser Pharis, und erzählte, es habe einst hier eine alte Stadt gestanden. Einen von drei Hügeln umgebenen geräumigen Plaiz 24 186 beschrieb er mir als den Markt, und der Name Sou, welchen diese Stelle führt, bezeichnet in der Landessprache wirklich einen Marktplatz. Von da führte er mich nach einem Orte, welchen er den Begräbniſs- platz nannte; es waren Felsenhügel, in denen ich sogleich versandete Kata- komben erkannte. Wegen der Weiche des Steines, worin sie ausgehauen sind, ist aber alles verwittert, und die Grotten fand ich groſsentheils zusam- mengestürzt. Beim Nachgraben trifft man in der ganzen Oase häufig auf Quadern und Ziegelsteine. Das alte Siropum, dessen Lage in dieser Gegend man nach dem Erzählten nicht mehr bezweifeln kann, mulſs also keine ganz unbedeutende Stadt gewesen seyn. Schon Rennell vermuthete es hier*), und Ptolemäus seizt es 50 Minuten östlich und 45 nördlich von Ammon**). Es gehörte, nach ihm, nicht mehr zum ammonischen Gebiet, sondern schon zu Libyen. Aus dem Namen Kasser Pharis lälst sich vielleicht auf eine von den Pharaonen, oder wenigstens von Aegypten aus, angelegte Burg schlieſsen; durch einige Nachgrabungen dies mehr in's Klare zu bringen, erlaubte mir, bei der nöthig werdenden Schnelle des Zuges, meine Zeit nicht. Im Sande erblickte ich viele Spuren von Wölfen und Gazellen, sah aber, während meines Aufenthaltes in der Oase, von lebenden Geschöpfen, aulser den genannten Hausthieren, nur Raben und Bachstelzen. Den 16ten November setzten wir uns Morgens um ¾ auf sechs Uhr wie- der in Marsch; ein ganz erkranktes Kameel wurde in El-Gara zurückgelassen. Die Gegend war eben so trostlos als die, welche wir vorgestern durchzo- gen hatten. Wir trafen indeſs auf mehrere Gruppen von Sallah- oder Gummibäumen, aber auſser Raben sah ich kein lebendiges Thier; selbst Insekten schienen in dieser todten Oede gänzlich zu fehlen. Um sieben Uhr Abends machten wir Halt, und bivouakirten an einer Felsenwand, um im Fall eines Angriffs einen Anlehnungspunkt zu haben. *) Rennell's Geograply of Herodotus p. 584. **) Ptolem. Geogr. T. 7. „—— 187 Den folgenden Tag traten wir unseren Zug eben so früh wieder an, und durchzogen ein langes Defilé, welches von beiden Seiten durch fort- laufende Kalkgebirgsrücken, mit Sandstein gemischt, begränzt war. Die Höhe dieser Berge, wo sie am beträchtlichsten sind, beträgt kaum ein Paar hun- dert Fuſs; das von ihnen eingeschlossene Thal zeigt Spuren einer alten Was- serströmung, überall fanden sich viele Versteinerungen. Nach einem Marsche von etwa 3 ½ Stunden erreichten wir eine kleine Quelle mit salzigem Wasser, Abdinooi genannt, in deren Nähe einige Dattelpalmen und grünes Gesträuch das Auge erfreuten. Abends um 9 Uhr liels ich das Bivouak in einem klei- nen ganz mit Sand angefüllten Ravin des Berges El-Gebara nehmen. Wir sahen während des heutigen Marsches viele Gazellen, von denen es uns gelang eine zu erlegen, deren Fleisch wir sehr wohlschmeckend fanden. Die ganze Nacht wüthete ein heftiger Sturm und der Sand, auf welchem wir lagen, war sehr locker; gleichwohl wurden wir nicht verschüttet, und ich halte alle Erzählungen von verschütteten Menschen und Karavanen für fabel- hafte Uebertreibungen. Den 18ten machten wir uns um halb sieben Uhr wieder auf den Weg, und trafen stellenweis viele Dattelpalmen und Binsen, während das unbe- wachsene Land durch die Salztheile, womit es geschwängert ist, so auf- gerissen war, daſs es einem gefrorenen Sturzacker glich. Der Marsch wurde dadurch sehr ermüdend; die Pferde und Kameele hatten auf dem holperigen Boden keinen sicheren Tritt, und an den glatten Stellen brachen sie durch und verletzten sich, wie auf einer leichtgefrorenen Erdrinde. Nach zwei Stunden erreichten wir eine Quelle am Berge El-Gebara, deren Wasser schlecht war. Um 4 Uhr lagerten wir uns bei der Quelle Haghi, die gleichfalls nur schlechtes Wasser lieferte. Den ganzen Tag war der Him- mel bedeckt, die Hitze drückend, und Abends stellte sich ein heftiger Sturm ein. Am folgenden Tage zogen wir um 5 Uhr weiter, und das Terrain, von einzelnen Palmengruppen belebt, bplieb dem vorigen gleich. Um eilf Uhr erreichten wir den Berg Abour-Tarlou, und anderthalb Stunden später den 24* 188 Berg Marsouk, wo sich eine kleine Quelle von schlechtem Wasser befand. Abends um 6 ½ Uhr bivouakirten wir bei dem Berge Tarfai. Den 20sten brachen wir um 5 Uhr Morgens auf, und kamen über vielen Flugsand, der aber weit fester liegt, als unser nordische. Nach fünf Viertelstunden erreichten wir den Berg Mongar-El- Dokar, und bivouakirten Abends um halb sechs Uhr im Sande, an einer Stelle, wo sich für unsre ausgehungerten Kameele einiges Futter fand. Den 21sten machten wir uns schon in der Nacht um 2 ½ Uhr wieder auf den Weg. Mein Gefährte, Herr GRvoc, hatte sich erkältet und war sehr unwohl, was von nichis anderem herrührte, als von der Beduinentracht, die er angelegt hatte. Man muſs schlafen können, wie ein Araber, um in diesem leichten Anzuge sich nicht zu entblöſsen und dem gefährlichen Nachtthau auszusetzen. Um 8 Uhr Morgens rasteten wir an einer Stelle vorwärts des Berges Lubba, der von hier sich gegen Norden hinwendet. Unsere Kameele fanden hier reichliches Fuiter, allein die einzige nahe gelegene Wasserquelle war verschüttet, und muſste erst mit groſser Anstrengung durch unsere Araber aufgegraben werden. Leider war das gewonnene Wasser trübe, salzig und ungenieſsbar. Einige auf Kundschaft nach Wasser ausgesandte Araber fanden zum Glück in der Entfernung von etwa einer Stunde eine andere Quelle, die zwar trübe, aber doch süſs war. Sie brachten uns einige Schläuche zum gegenwärtigen Gebrauch und zur weiteren Reise. Diese Quelle führt den Namen Scherif-Abdallah; wie denn überhaupt die Quellen, Zisternen und Brunnen der Wüste häufig nach Personen benannt sind. In der Nähe der Quellen fanden wir überall die häufigen Fährten von Gazellen, wilden Kühen(gleichfalls einer Antilopenart), Wölfen und Strauſsen. Von hier aus sandte der Scheik seine überflüssigen Effekten auf drei Kameelen, die ich ihm dazu bewilligte, nach Alexandrien zu einer seiner Frauen. Nach diesem Ruhetag brachen wir am 22sten um 5 Uhr Morgens auf, und kamen anfangs wieder durch stark mit Flugsand bedeckte Strecken, aus welchem hin und wieder Binsen aufschossen. Der Sand war oft zu Wellen, — 189 §.ℳ die einen bis anderthalb Fuſs Höhe haben mochten, zusammengeweht, aber doch fester gebunden, als in Sachsen, den Marken und andern Sand- gegenden von Norddeutschland, gleichsam als hätte er einen Anflug von Frost gehabt. Versteinertes Holz trafen wir in groſser Menge; die beträcht- lichsten Stücke mochten einen bis zwei Fuſs im Durchmesser haben. Man erkannte an ihnen deutlich die Holzfasern, und daſs die Bäume von ver- schiedener Art waren. An einigen zeigten sich schon Spuren einer wieder anfangenden Verwitterung, an anderen war das Holz zum Theil in einen wahren Achat übergegangen. Dals einst eine Strömung von süſsem Wasser diese Gegend befruchtete, um solche Bäume hervorzubringen, ist aus diesen Spuren und der ganzen Bildung des Thales, in dem wir fortzogen, un- verkennbar. 3 An einer Stelle, welche die Araber Mogäúra nannten, machten wir Halt, einer süſsen Quelle wegen, die reichliches Wasser gab, das aber etwas nach Moder schmeckte. Der ganze Boden umher ist morastig und dicht mit Pflanzen bewachsen. Ich bemerkte einige Dattelpalmen, viel Agoul und andere Sträuche, besonders aber Binsen in groſser Menge. Diese letzten werden abgeschnitten und gesammelt, um daraus in Therraneh zierliche Matten zu flechten*), vorzüglich aus einer Grasart, Alfe genannt,(¶ Poa multiflora). Mücken gab es hier in sehr beschwerlicher Menge, so daſs es bei aller Müdigkeit uns unmöglich fiel, ein Auge zu schlieſsen. In der Nacht erhob sich ein entsetzlicher Lärm. Mein Mameluck kam gerannt und rief zu den Waffen, der Scheik tobte, die aufgescheuchten Pferde sprengten auf mein Zelt los. Es hatte sich nämlich ein bewaffneter Araber auf einem Kameel unter unsern weidenden Lastthieren gezeigt, den man für den Kundschafter einer gröſseren Bande hielt. Ich eilte mit Herrn GRUoc und meinem Bedienten bewaffnet vor das Zelt, einen heftigen Kampf *) Hierdurch éerhält eine Vermuthung Rennell's über eine Nachricht des Generals An- dreossy ihre volle Bestätigung. Eclaircissemens Sut la route de Hornemann, bei Langles P. 203. cf. Rictern, Erdhkunde I. p. 863. ————————— ——— 190 erwartend, als sich auswies, der angebliche Räuber sey ein befreundeter Strauſsenjäger, der von seinen Gefährten abgeschickt war, um aus den Quel- len von Mogära Wasser zu holen. Er wurde in unser Lager geführt und bewirthet, worauf er versprach, unsern des Weges unkundigen Scheik auf die rechte Straſse zu den Natronseen zu geleiten. Da unsere Ruhe einmal gestört, und wegen der Mücken kein Schlaf zu hoffen war, so machten wir uns schon um halb zwei Uhr Nachts wieder auf den Weg. Den Namen Mogära führt Langles*) auf das arabische Wort Mokarrah zurück, welches eine Tränke bedeutet. Wir zogen den ganzen Tag bis zum Abend über einen Boden, der dem gestrigen gleich blieb, und wo nichts dem Auge sich darbot, als wellenför- miger Flugsand und dazwischen in Vertiefungen Binsen und Gestrüpp. Wir bivouakirten an einem Platze: Gonadolingsan; ein heſtiger Sturm beunru- higte uns die ganze Nacht. Den 248sten brachen wir um halb sechs Uhr auf, und erreichten den Bahr-Bela- Ma, den Strom oder das Meer ohne WMasser, dessen Bett wir von Südwest nach Nordost durchschnitten. Auſser beträchtlichen Lagern des schon erwähnten versteinerten Holzes, findet man auf dem Abhange des Thales gerollten Quarz, Silex, Jaspis, Gyps und andere unverkennbare Spu- ren, die auf eine frühere Wasserströmung deuten. Von Rand zu Rand mag die Breite des Thales etwa anderthalb deutsche Meilen betragen; ich durchzog es in schräger Richtung, und eine traurigere Gegend läſst sich kaum denken. Es heilſst bei den Arabern auch Bahr-el-Farig, das leere Meer. Die Vermuthung, daſs durch diesen, jetzt ganz mit Sand ausgefüllten, Thal- grund einst ein Arm des Nil sich ergossen habe, scheint bestätigt zu werden durch die von Herodot(II, 99.) aufbehaltene Sage, dals Men oder Menes, der erste König Aegypten's, hundert Stadien oberhalb Memphis den Nil abgedämmt und einen See, der sich bei jener Stadt gegen Nordwesten er- streckte und mit dem Strom in Verbindung stand, angelegt habe. Noch zur ) 7. J. p. 7. und„. 203. ————— 5—— — 191 Zeit Herodots waren auf den alten Dämmen das ganze Jahr hindurch per- sische Wachtposten aufgestellt, um einen Durchbruch zu verhüten, welcher Memphis der Gefahr einer Ueberschwemmung ausgesetzt haben würde. Viel- leicht mag auch damals noch der Ueberschuls des südlicher belegenen Sees Möris, bei ungewöhnlich hohem Nilstande, sich durch den Bahr-Belà-Mà entladen haben; wenigstens läſst die Erzählung von einem unterirdischen Abfluſs jenes Sees nach den Syrten(Herodot II, 150.), wofern sie etwas Wahres enthalten sollte, sich nicht wohl anders auslegen, als von einem plos in seltenen Fällen gebrauchten Schleusenwerk. Bedenkt man aber, daſs ganz Libyen, so weit es bekannt ist, sogar noch in der Parallele von Theben, wie CAIIELIAUD's und DROVETrl's neueste Berichte beweisen*), unverkenn- — bare Spuren alter Wasserströmungen enthält, und einst offenbar Meeresgrund war, so wird man geneigt, den Ursprung auch jener nördlicheren Muschella- ger und Strömungsfurchen in Zeiten, jenseits aller menschlichen Ueberliefe- rung, zurück zu versetzen; und die alten Erzählungen von einem libyschen Abfluſs des Nil dürften, eben so sehr als die neuern Vermuthungen, blos auf die natürliche Beschaffenheit des Bodens gegründete Hypothesen seyn. Hat aber wirklich ein Arm des Nil sich hier ergossen, so muſs dieser durch den Bahr-Belà-Mà, beim Vorgebirge Lubba vorbei, sich in den Ma- reotischen See, oder in der Schlucht bei dem Brunnen von El-Hamam in'’'s mittelländische Meer entladen haben, während eine Verzweigung desselben Armes in das Thal von Mogära einen Abfluſs fand und nach El-Gara hin sich verlor*). Dem groſsartigen Unternehmungsgeist der Aegypter wider- spricht es im geringsten nicht, sich die Abdämmung des Stromes als durch Kunst bewirkt vorzustellen, um Niederägypten reichlicher zu bewässern; — *) Foyage d!'Oasis de Thebes etc., par F. Cailliaud. Muschellager werden dort erwähnt pag. 86. und 96., Natrum p. 88., versteinertes Holz p. 96. Drovetti fand bei der Oase Dakel — sogar einen sogenannten Bahr-Beld-md, ein Meer ohne WMasser p. 102. Dieselben Erscheinungen wiederholen sich in der Schilderung Belzoni's von der Wüste zwischen Aegypten und der sogenann- ten kleinen Oase. Narratire(1820) pF. 401. **†) Ueber diese Angaben vergleiche man die Karte des Karavanenzuges. ———-——4—+———— ——————yy—ͤͤ—.—— ———..‚—— 192 indem man im Thal Fayoum den libyschen Arm des Nil, durch Verschlie- ſsung seines nordwestlichen Abflusses, in einen groſsen Landsee verwandelte, und dadurch eine ungeheure Wassermenge zur Disposition erhielt, die man mittelst Schleusen nach Belieben vertheilen konnte. Daſs der See Möris auf diese Art benutzt wurde, ist gewiſs*); um aber auszumitteln, in wie fern die Anlage desselben durch Kunst herbeigeführt worden sey, wie Herodot und andere Schriftsteller behaupten, bedürſte es einer genauen Untersuchung des Lokals, indem es sich fragt, ob die vorausgesetzte Verdämmung eines Nilarms möglich war und wirklich ausgeführt wurde. Leider verstattete es mir die ausgebrochene Pest nach meiner Rückkehr aus Oberägypten nicht, das Thal von Fayoum und den gegenwärtigen Zustand des Birket-Keroun, wie jetzt der See Möris genannt wird, nebst dessen Umgebungen an Ort und Stelle zu untersuchen. Nachdem wir den Sandrücken, der den Bahr-Belà-Maà von dem Fade Natron trennt, überschritten hatten, durchzogen wir dieses letztere. Eine Heerde wilder Kühe und Stiere, aus dem Geschlecht der Antilopen, reizte hier meine Araber, sehr eifrig Jagd auf sie zu machen, indem sie zu Pferd und zu Fuſs nach allen Richtungen sich zerstreuten; die Thiere entsprangen aber mit solcher Behendigkeit, daſs es unmöglich fiel, sie zum Schuſs zu bringen. Gegen Abend fanden wir den öden salzigen Boden durch einige Gesträuche belebt, und zogen bei einbrechender Nacht in das Lager der Jovaisi-Araber ein, welches an einem der Natronseen aufgerichtet war, und wohl eine Ausdehnung von einer halben Meile einnahm. Das Oberhaupt dieses Stammes war einer der Schwiegerväter meines Scheiks, und wir wurden deshalb freudig empfangen. Das erleuchtete Lager gewährte einen sehr erfreulichen Anblick: überall Leben und Bewegung, Pferde, Kameele, blökende Heerden, bellende Hunde, schreiende Hühner, und am Feuer ruhende oder beschäftigte Männer und *) Herodot. I1, 149. Strabto TVII. p. 810. 811. Man s. Hirt, Fersuch iülber den allmäłlhlligen Anbau und den MWasserban des alten AHegyptens. Berlin 1815. 4 4 3 — 193 Kinder; es war ein Bild patriarchalischer Sitten. Alles begrüſste uns freund- lich und erwiederte unsere Grüſse. Mein Scheik war vorausgeritten, um seinem Schwiegervater unsere Ankunft anzuzeigen, welcher, als Oberhaupt des Stammes, nach arabischer Sitte am äulsersten Ende des beweglichen Dorfes wohnte. Wir mulsten also das ganze Lager durchziehen, und alle Hunde desselben, deren Zahl sich immer zu vermehren schien, verfolgten uns bellend von Zelt zu Zelt, bis an dessen Ende. Hier fiel ein Araber meinem Pferd in die Zügel, nöthigte mich mit zudringlicher Herzlichkeit, abzusteigen und in das Zelt des Scheiks einzutreten, wo ich mich auf einen Teppich am lodernden Feuer niederlassen mulſste. Nicht lange hatte ich hier meine neue Gesellschaft mit dem Auge ge- mustert, als ein unverschleiertes Frauenzimmer hereintrat, um etwas zu kochen. Durch ihre Gegenwart ermuthigt, erschien bald ein Kind aus dem Nebengemache, dem ich einiges Geld und ein kleines Messer schenkte, welches, wie ich bemerkte, von der Familie sehr gut aufgenommen wurde. Andere Weiber und Kinder blickten neugierig aus jenem Nebengemach, das nur durch einen Vorhang von dem, in welchem wir uns befanden, geschie- den war, auf mich herüber, und schienen über meine Gegenwart nicht wenig erstaunt. Keine der Frauen und Mädchen fand es nöthig, sich zu ver- schleiern; wie ich denn schon oben bemerkt habe, daſs die Weiber der Beduinen viel weniger beschränkt sind, als die der Fellahs und der Städte- bewohner. Ich sah nun Anstalten machen zu einer stattlichen Bewirthung, die nach der kümmerlichen Diät eines siebenwöchentlichen Zuges durch die Wüste sehr einladend waren; allein ich fand die Temperatur des Zeltes unerträglich heiſs und gewisse Insecten in solcher Menge hier einheimisch, daſs ich nach einem Vorwand suchte, mich baldigst zu entfernen. Ich erzählte daher von der Krankheit meines Gefährten, der seit dem Bivouak vom 20sten zum 21sten sich noch nicht wieder erholt hatte, und stellte vor, daſs es meine Pflicht sey, ihm Gesellschaft zu leisten und für sein Unterkommen zu sorgen. Man lieſs diese Entschuldigung, die überdies sehr gegründet war, gelten, 25 194 und ich verlieſs das zum Ersticken schwüle Zelt, um Herrn GRuoc aufzu- suchen, den ich unter freiem Himmel auf einer Decke liegend antraf. Man hatte ihn indels durch rings umher aufgestelltes Gepäck gegen den Einfluſs des Windes zu schützen gesucht. Da keiner unserer Araber sich sehen liels und die Nacht sehr dunkel war, fand ich es unmöglich, mein Zelt auf zuschlagen, und die Höflichkeit des Scheik, mich bei seinen Verwandten bewirthen zu wollen, kam meinem armen Gefährten sehr theuer zu stehen, denn seine Krankheit wurde gefährlich verschlimmert. Bald darauf wurde mir von Seiten des Scheik eine gebratene Hammel- keule, Eier, Butter und Brodt überbracht, und da ich auch das Wasser sehr gut fand, so glaubte ich eine der besten Mahlzeiten zu machen, die ich jemals genossen. Das Wasser besonders schien mir ein wahrer Nektar, und, obgleich etwas trübe, dem Nilwasser wenig nachzugeben. Ich erwartete hier um so weniger eine solche Erquickung zu finden, da der sandige Boden dieser Gegend durch und durch mit Natron geschwängert zu seyn pflegt. Die Natronseen liegen in einer Ausdehnung von etwa drei Meilen in der Länge, und von 1200 bis 1500 Schritt in der Breite, das heiſst von einem Thalrand zum andern, während die Breite des ganzen Vadi etwa anderthalb Meilen beträgt. Der eigentlichen Seen giebt es sechs, von welchen die bei- den beträchtlichsten Birket-el- Douarah genannt werden, die anderen aber keine mir besonders bekannt gewordene Benennung haben. Das Wasser in denselben fällt und steigt nach Maaſsgabe der Hitze oder des fallenden Re- gens, und in den heiſsesten Monaten sollen einige ganz austrocknen; so daſs ihre angenommene Verbindung mit dem sieben deutsche Meilen entfernten Nil*) wenig Wahrscheinlichkeit hat. Ihr Gehalt ist verschieden und liefert bald mehr, bald weniger muriatisches Karbonat oder Sulfat-Soda, die man im Wasser krystallisirt vorfindet. Das hier gewonnene Natron wird theils in Aegypten selbst zum Bleichen des Flachses und zur Bereitung des Glases benutzt, theils geht der Ueberschuſs *) Ritter, Erdkunde I. p. 861. und 1024. nach Andr eoss]. 5 — 195 nach Europa; leider wird es aber nicht gehörig gereinigt, durch welche an Ort und Stelle leicht vorzunehmende Operation man dessen Werth unend- lich erhöhen würde. Der Beduinenstamm der NJocaisi, dessen Gast ich so unerwartet gewor- den war, ist besonders mit dem Transport des Natrons beschäftigt. Es wohnen aber aulſserdem noch viele Araber in diesem Vadi, theils an festen Punkten, theils umherziehend, weil es ihnen, nächst gutem Wasser, an vielen Stellen reichliche Futterkräuter für ihre Heerden und Lastthiere darbietet. Den 25sten Morgens um 6 Uhr verlieſsen wir das Lager der Jocais:, zogen zuerst durch Sand und Kies längs einem der Natronseen hin; dann bogen wir etwas rechts ab und machten unweit eines Brunnens, an einem reich mit Pflanzen bewachsenen Platze Halt, um die Kameele zu tränken und zu füttern. Schräg gegenüber befand sich eins der vier im Natronthale belegenen koptischen Klöster, welches bei den Arabern den Namen Said- El-Magarin führt*), und wie die übrigen im vierten Jahrhundert nach Christi Geburt gestiftet seyn soll. Um halb vier Uhr zogen wir weiter, und nahmen Abends um sieben Uhr unsere Lagerstelle an einem mit Raute sparsam bewachsenen Ort. Den 26sten November Morgens um drei Uhr machten wir uns wieder auf den Weg; einzelne Rautenbüsche gaben der öden Gegend voll Sand und Kies hin und wieder einiges Leben. Der Terrainabschnitt, welchen wir *) Die andern drei Klöster heiſsen nach derselben Mundart: Labiat, Ou Serian und Abouma- kar. Ich hatte früher die Absicht, einige dieser Klöster zu besuchen, da ich aber erfuhr, dals ihre Bewohner sehr roh und ohne alle Geistescultur wären, und sie auſser ascetischen Manuscripten nichts Merkwürdiges aufzuweisen hätten, ich sie auch nicht ihrer schlechten Kost von Hülsenfrüchten be- rauben wollte und des süſsen Wassers nicht bedurfte, so gab ich meinen Vorsalz auf. Diese im wahren Sinne des Worts an geist- und zeitlichen Gütern armen Anachoreten, müssen gezwungener Weise, wie die Bewolmer des Klosters auf dem Sinai, die Gastfreiheit gegen die Araber ausüben; bei welcher Gelegenheit sie ihnen aber die Lebensmittel bei verschlossenen Thüren über die Mauer zukommen lassen, aus Furcht, dals sie bei Oeffnung derselben in das Kloster eindringen möchten. A. d. I. 25* ,. 196 durchzogen, gehört zu dem breiten Plateau, welches das Nilthal vom Vadi- Natron abscheidet, und mit Kies von verschiedener Gröſse und Geröllen mannigfaltiger Kiesel bedeckt ist, zwischen denen an manchen Stellen der nackende Felsenkern, nämlich Kalkstein, zu Tage bricht. Endlich erstiegen wir durch einen unbedeutenden Bergpaſs, Ruſs-El-Bakara, der Kuhkopf. genannt, den Thalrand des Nil, der mit seinen grünenden Ufern, in der Ent- fernung etwa einer Meile, unendlich reizend vor uns lag. Mit verdoppelter Eile zogen wir weiter, und eine Stunde später, nachdem wir rechts ein altes Schloſs mit einer Natronsiederei hatten liegen lassen, erreichten wir Therraneh, den Sammelplatz der Natronkaravanen und das Ende unserer Mühseligkeiten. Ich befreite mich hier sogleich von der Gesellschaft der Araber, indem ich meine Karavane entliels, und erhielt von dem Aufseher der hiesigen Natronsiederei, einem Levantiner, wie man in Aegypten die Abkömmlinge europäischer Christen zu nennen pflegt, eine Kange für mich und meinen Gefährten, und ein zweites Fahrzeug für den Mamelucken und mein übriges Gefolge, dem der Scheik, sein Schwager und noch ein Araber sich anschlos- sen, um mich bis Cairo zu begleiten, wo ich Abrechnung mit ihnen zu halten hatte. Schon um vier Uhr Nachmittags fuhren wir mit gutem Winde von Therraneh ab. Dieser ummauerte Flecken liegt in der Nähe des alten Terenuthis, von dem noch einige Ueberreste sich erhalten haben, und ist der Sitz eines Kiaschefs. Der Nil war dieses Jahr sehr hoch gestiegen, aber ich fand ihn bereits in seine Ufer zurückgetreten, und den Arm desselben, welchen ich beschiffte, etwa so breit wie die Oder bei Frankfurt. Die Kangen sind eine Art Fahrzeuge mit einer gegitterten Kajüte, die aber gemeiniglich, wie zu meiner Unbequemlichkeit auch auf der meinigen der Fall war, so niedrig ist, daſs man nach Landesart nur niedergekauert darin sitzen kann. Der Wind, welcher uns anfangs begünstigte, liels bald nach und beför- derte auch die beiden folgenden Tage unsere Fahrt nicht; die Schiffleute zogen deshalb mit groſser Anstrengung, aber unter beständigem Singen, die —— 197 Fahrzeuge gegen den Strom, und die Gutmüthigkeit dieser Aegypter erschien mir, in Vergleich mit den unerträglichen Sitten der Beduinen, von denen ich mich so eben getrennt hatte, im vortheilhaftesten Lichte. Die Ortschaf- ten, an denen wir vorbeikamen, lagen sehr malerisch zwischen Palmen- und Sykomorus-Gruppen; besonders zeichnete sich durch reizende Lage das Städtchen VTarden, mit einer zierlichen Moschee und einer Heiligen-Kapelle, aus. Uebrigens fand ich die Ufer des Nil nicht so anmuthig, als man sie zu schildern pflegt, sie waren zu beiden Seiten meistentheils kahl; aber das Wasser dieses Stromes ist von unvergleichlicher Lieblichkeit, und selbst ohne durchgeseihet zu seyn, in seinem trüben Zustande, wie ich damals im Uebermaaſs es genoſs, der Gesundheit heilsam, indem es als leichtes Abführungsmittel wirkt, welche Kraft man den darin enthaltenen Salztheilen beimiſst. Den 28sten Abends befanden wir uns vor Schoubra, einem Lustschloſs des Pascha, etwa noch eine Stunde von Cairo entfernt. Als daher am fol- genden Morgen ein sturmartiger Gegenwind eintrat, und unsere Kange, trotz aller Arbeit, nicht weiter rückte, lieſs ich für mich und den Mamelucken Esel aus Schoubra holen, und ritt nach Boulakc, wo ich meine Frau einge- wohnt glaubte, fand sie aber erst in Cairo, in dem Hause des Preuſsischen Consular-Agenten, Herrn vox RosETTI, der sie mit zuvorkommender Artigkeit aufgenommen hatte. Mein Begleiter, Herr Gavoc, ein geborner Piemonteser, dessen Eifer, mir behülflich zu seyn, ich nicht genug rühmen kann, starb zu meinem Leidwesen, einige Tage nach unserer Ankunft in Cairo, wo er schon bedenk- lich erkrankt eintraf, am Typhus. Mein kammerdiener, welcher, durch Sorgfalt und Thätigkeit, um alle Theilnehmer der Karavane sich sehr ver- dient gemacht hatte, erstand nur langsam von einer schweren Krankheit, als Folge der Mühseligkeiten unseres Wüstenzuges. Meine übrigen Begleiter, welche bei Bir-El-Kor sich von mir getrennt hatten, warteten an der tripo- litanischen Grenze, etwa fünf Stunden von jenem Lagerplatz, mehrere Wochen auf Erlaubnils zum Weiterziehen, und kehrten, als diese versagt wurde, bei — 198 schon weit vorgerückter Jahreszeit, durch die Wüste nach Alexandrien zurück. Herr Professor LIMAN, dessen Verlust seine Freunde und die Kunst, der er sich mit eben so groſsem Eifer als Talent gewidmet hatte, gleich sehr betrauern, wurde das Opfer dieses mühevollen Zuges und starb zu Alexandrien. Seine letzte Arbeit, die Vermessung eines an sich unbedeu- tenden sarazenischen Schlosses, ist, um sein Andenken zu ehren, diesem Werke beigelegt(Tafel VI. Fig. 2)). Auch der wackere Gehülfe der Herren Naturforscher, ein Mann, der seine übernommenen Verpflichtungen mit sel- tenem Eifer zu erfüllen sich bemühte, Herr SörrxER, bezahlte die gewagte Unternehmung nach der Cyrenaica mit dem Leben. —=——. 8.——-—— E——— 5 KNeuntes Kapitel. Libyen. Allgemeine Ansicht der Terrainbildung des durchzogenen Theils der Miiste— Gebirgsarten— Beschaffenheit des Bodens— Lersteinerungen— E üstensand— Pflanzen— Holzartiger Charahter derselben— Witterung— Thiere der WM üste— Gazellen— Lögel— Insecten— Strauſsenjagd— Wilde Kühhe— Bewohner der Wüste— Fellahs oder Acherbau treibende Araber— Beduinenstämme— Einfalt und zugleich Verderbtheit ihrer Sitten— Namen und EFolksmenge der libyschen Stämme— Tracht der Fellahs und der Beduinen— Ueber die zweok- maſsigste Einrichtung wissenschaftlicher Karabanen zur Untersuchung der Wüste. Der nordöstliche Theil Libyens, welchen ich durchzog, besteht aus niedri- gen Gebirgszügen und Plateaux, die sich in mannigfaltigen Verzweigungen nach dem mittelländischen Meere hin verlieren. Vom Nilthal wird es durch einen breiten nackenden Kalksteinrücken, von wellenförmiger Oberfläche, getrennt, der nördlich bis zum Meere fortzieht, dessen Küste im Westen von Alexandrien bis oberhalb Kasser Schama, und wahrscheinlich noch wei- ter hinauf, felsig ist; denn die wenigen Sanddühnen, die man findet, sind auf Felsen gelagert. Längs der östlichen Landesscheide erstreckt sich von Süden nach Norden das Natronthal, und weiter westlich, diesem parallel und blos durch einen unbedeutenden Rücken getrennt, der sandige Bahr- Belà-Maà, von welchem aus in gerader Richtung von Osten nach Westen sieben Tagereisen lang bis El-Gara sich eine Bergkette, von nur zwei bis dreihundert Fuſs Höhe und etwa eine Meile breit, jedoch mit steilem Abfall “— ——— uöſſſ— e 200 gegen die südliche Wüste, fortzieht. Von ihr aus erstrecken sich mehrere Zweige bogenartig gegen das Mittelmeer, woselbst sie sich entweder in sanf- tere Verzweigungen verlieren, oder schroff abfallen. 4 Jener von Osten nach Westen reichende Hauptzug besteht aus Horizontal- lagen von Urkalkstein mit Sandstein vermischt, von verschiedener Härte und Weiſse, zwischen welchen man groſse Kiesel in concentrischen Lagen findet, welche gleichsam den Kern dieser langen Kette bilden. Die Auflösung ist groſs und wird in auffallender Beschleunigung durch die salzige Luft bewirkt, welche das Gestein anfriſst, zerbröckelt und gleichsam in Sandbächen herab zu rieseln zwingt. Die kleineren Verzweigungen dagegen bestehen aus Sand- stein, bei welchem ein Uebergang statt findet, der den Beobachter in Zweifel läſst, ob der vorhandene Sand aus der bewirkten Auflösung des Steines her- vorging, oder ob jener noch gegenwärtig nach und nach in Stein übergeht. Ich bemerkte dergleichen Conglomerate, die halb Sand und halb stein waren, und Herr Dr. EnRnENBERG zeigte mir ein gefundenes Stück Thon, von Porphyrhärte, in welchem sich eine gewöhnliche Gartenschnecke einge- schlossen fand; ein Umstand, durch welchen die noch fortschreitende Bil- dung des Gesteins beinahe auſser Zweifel gesetzt wird. Der allgemeine Charakter der Libyschen Wüste ist Einförmigkeit, sowohl in der Gestaltung, als in den Bestandtheilen. Jene zeigt horizontale Flächen von relativ unbedeutenden Erhöhungen und Vertiefungen. Die Bestandtheile, die sich dem Auge darbieten, sind Kiesel, Thon und Salzmassen, auf der Oberfläche abgelagert, zusammengespült oder über einander gerollt, und wo diese fehlen, trifft man keinen Humus, sondern nackten Sand- und Kalkstein- ſels. Längs der Küste und etwas im Innern, bis zu der Gegend, wohin wahr- scheinlich einst der Mareotis seine Gewässer erstreckte, stölst man auf Bänke von Muscheln, während der übrige Grund fest mit Kalk und Thon im- prägnirt ist. Dieser Kalk scheint seinen Ursprung zertrümmerten Schnecken und Muscheln zu verdanken, die zermalmt und verwittert gleichsam ihrem Element zurückgegeben sind; der Thon aber ist aus dem Gestein ausge- waschen, und füllt häufig, weiter im Innern gegen Siwah hin, gleich einem —— 201 mit glatten Flieſsen belegten Estrich, von der Sonnenhitze gebrannt und gehärtet, die Vertiefungen der Oberfläche. Auf dem nördlicheren Terrainabschnitt fand ich, auſser den Geschieben von Sandstein, feinen Kies, und an der Meeresküste bisweilen feinen weiſsen Sand; von Bir-la-Rabbia an dagegen beinahe die ganze Oberfläche des Bo- dens mit kleinen schwarzen kieseln übersäet, so dals ich anfangs geneigt war, sie für Schaafdünger oder für irgend eine ausgestreute Saat zu halten. In den Oasen dagegen, wie auch längs dem kKalkgebirgsrücken, fand ich viel Salz, efflorescirendes mulmiges Natron, Lehm und Sand auf dem Kalkfelsen gelagert. Das erste bricht in den genannten Gegenden, als reines Geschiebe, oder wie Kochsalz krystallisirt, auf der Ebene zu Tage, und hebt an man- chen Stellen die Erde dergestalt, daſs man auf umgestürzten Acker zu gehen wähnt. Der Sand ist auf diesem südlicheren Abschnitt dagegen mit vielen versteinerten Schnecken und noch erhaltenen Muscheln gemischt, und häufig findet man aus dem Kalkfelsen ausgespülte Petrificationen mannigfaltiger Art auf dem Boden zerstreut. Längs diesem ganzen Felsenzug, besonders in der Vertiefung Mogära und dem damit zusammenhangenden Bahr-Belà-Ma, findet man theils zerstreut, theils in ganzen Lagern versteinertes Holz. Wie viele Jahrtausende erforderlich waren, einen solchen Versteinerungsprozeſs zu bewirken, möge der Scharfsinn kühner Naturforscher entscheiden; was werden sie aber sagen, wenn ich ihnen versichere, daſs ich groſse Stämme dieses versteinerten Holzes sah, deren äuſsere Schale sich bereits wieder auflöste? Den verrufenen Sand der Wüste fand ich beinah überall durch Thon- und Salztheile gebunden, oder durch aufgeschwemmten Kies, gleichsam wie unsere Gartengänge, fest und gehärtet, so daſs die meisten Terrainabschnitte, die ich durchzog, hiedurch fast das Ansehen eines Kunstdammes erhielten. In der Oase des Ammon, in El-Gara, einigen Engpässen des Kalkgebirges, besonders im Bahr-Belà-Mà und im Thal der Natronseen, erschien er wie Flugsand und an einigen Stellen wellenförmig zusammengetrieben, stand aber gleichwohl ziemlich fest. Das Heer des Cambyses und die Karavane 26 202 von 2000 Menschen, welche im Jahr 1805 verschüttet seyn soll, erlagen vielleicht dem Chamsin oder dem Durst, und erst die Leichname wurden mit Sand bedeckt, wie dies in unserm sandigen Norden in viel kürzerer Zeit geschehen dürfte. Ich habe bei wiederholtem Bivouakiren im Sande wäh- rend heftiger Stürme nie mehr als einen unbeträchtlichen Sandanflug bemerkt. Herr Costaz theilt in den Memoires sur l'Egypte, Tol. I. p. 264. eine ausführ- liche Analyse des Sandes der Wüste mit. An flieſsendem Wasser gebrach es überall, aufser in den Oasen. Ein- zelne Quellen und die zahlreichen Zisternen, in denen das Regenwasser sich sammelt, liefern dem Beduinen und dem Reisenden oft nur einen kärglichen Trunk; daher manche Stellen der Wüste wegen völligen Wassermangels ganz unbewohnbar und oft ohne alle Vegetation sind. Verwundert war ich deshalb, an mehreren Stellen Pflanzen in Menge zu finden, die ich bei den versengenden Glutwinden und auf solchem Boden nicht erwartete. In dem nördlichen Terrainabschnitt längs der See fand ich den Lichen prunastri. vorzüglich häufig auf Licium barbarum, Lilien und Ranunkeln, aber, der vorgerückten Jahreszeit wegen, verblüht und in Saamen aufgeschossen, ferner Asparagus, einige stachelige und Schweizer-Species, die Reaumuria cermicu- laris, die Dolde: Echium Reuwolfti und eine andere neue Art, einige Salsolen, besonders Salsola fragus, ein Enjigium, dem maritimum verwandt, ein Ma- nubrium, eine Art Raute und andere Pflanzen, über welche die Berichte der Herren Doctoren HEMPRICH und EHRENBERG belehrendere Aufschlüsse geben werden. Nur eine Bemerkung erlaube ich mir noch hinzuzusetzen, daſs nämlich alle Gewächse, die bei uns als zarte Pflanzen mit weichem Stengel erscheinen, wenn man sie in Libyen wiederfindet, einen derberen, strauchartigen Charakter annehmen und holzige Stengel zeigen. Weiter im Innern, die Oasen abgerechnet, wird die Vegetation spär- licher, doch traf ich längs dem Gebirgszuge bis nach den Natronseen, aufser Palmen, besonders häufig die Mimosa nilotica, den Gummibaum, das Hech- sarum Alhagi, und an morastigen Stellen viel Binsen, Schilf und Rietgras, unter denen die Poa multiflora. Unsere Kameele fanden beinahe stets ihre —— —— — — 8 5— — — V ſſͤſͤſͤͤͤſͤſͤͤͤͤͤͤ ¹ — 203 zureichende Nahrung, nur zwischen Tadi Bir-la-Rabbia und Siwah muſsten sie ein Paar Tage hungern, und auf dem Zuge nach den Natronseen und von da nach Therraneh wurden sie einigemal mit Datteln gefüttert. Die Hitze ist in Libyen unausgesetzt bei Tage sehr bedeutend. Durch regelmäſsige Beobachtungen an einem ganz guten Thermometer ergab es sich, daſs wir Nachmittags gegen zwei Uhr, im Schatten, 24 bis 32 Grad Reaumur Hitze hatten; und nach angestellter Vergleichung lieſs sich als mittlere Zahl eine Temperatur von 26 Grad als die vorherrschende anneh- men. Am 248ten November zählte ich noch 24 Grad. Dagegen ist die Kälte, oder vielmehr der Grad der Abkühlung der Atmosphäre, während der Nacht sehr empfindlich, da das Thermometer gemeiniglich zwölf bis vier- zehn Grad zu fallen pflegt. Barometer führten wir leider nicht bei uns, die Naturforscher hatten die ihrigen bereits auf einer früheren Excursion zerbrochen. Die Tage waren trocken, die Nächte feucht, indeſs erquickte nur wenig Thau die Vegetation; welcher vorherrschenden Dürre die geringe Entwickelung und der holzartige Charakter der libyschen Wüstenpflanzen zuzuschreiben ist. Der Wind blies aus Westen, Osten und Süden; im ersten Fall war er feucht und thürmte einige Wolken auf, brachte aber nur einmal Regen. Die Ostwinde waren verhältniſsmäſsig kühl, die Südwinde drückend heilſs und wurden gewöhnlich zu einem wahren Chamsin. Die aus dem glühen- den Boden unaufhörlich sich entwickelnden Luftsäulen verhindern das An- sammeln der Dünste, und verjagen jedes sich bildende Gewölk, das dem dürstenden Boden Regen verspricht. Nur in den eigentlichen Wintermona- ten fällt dieser reichlich, füllt die Zisternen und erquickt das Land. An Thieren fand ich in der ganzen Wüste Gazellen, deren es dreizehn Arten geben soll, in ziemlicher Anzahl. Sie ergötzen den Reisenden durch ihren behenden, zierlichen Lauf, und reizen den Jäger durch ihr schmack- haftes Fleisch, sind aber schwer zum Schuſs zu bringen. Wegen ihrer kurzen Vorderläufe entkommen sie, wie die Hasen, geschwinder bergauf als bergab, ähneln aber sonst unserem Reh; nur sind sie feiner gebaut, haben 26* 204 fuſslange, an der Spitze gebogene Hörner, und sind meistens rehfarbig mit weiſsem Unterleib und einem braunen Streifen an den Seiten. Ihre Ruthe ist am Ende mit ziemlich langen schwarzen Haaren besetzt, die Ohren sind lang, gespitzt und stark aufgeschlitzt, und ihre schwarzen schmelzenden Augen sehr groſs und lebhaft. Im Laufen ist es besonders ergötzlich, sie bisweilen lançadenweis mit allen vier Beinen zugleich in die Höhe springen zu sehen*). 3 Auf dem Zuge längs der Küste fanden wir besonders viel Nagethiere, den sogenannten Springhasen, Dipus Jaculus, den Hamster und mancherlei Arten Ratten und Mäuse. Wölfe und Hyänen sollen auch einheimisch seyn, letztere sah ich aber gar nicht, erstere weiter im Innern zu la Rabbia; bei den Oasen Siwah und El-Gara sind die Wölfe ebenfalls sehr häufig. Der lib'sche Hase ist kleiner als unser europäische, und von Farbe weilslich- grau; ich speiste deren mehrere, fand aber die Bemerkung Hasselguist'’s, daſs er von fadem Geschmack sey, gegründet, denn nur stark gewürzt konnte ich ihn genieſsen. Auch an Vögeln ist in der nördlicheren Wildniſs kein Mangel; wir fanden Geier, Falken, Nachteulen, wilde Tauben, Rebhühner, Lerchen und anderes kleines Geflügel. Besonders häuſig war eine Art Trappen, etwas kleiner als unsere europäische, von den Arabern Bouhara genannt, die wir oft speisten, da der thätige Falk unsers Begleiters, des Magrobinen, sehr gut auf den Fang derselben abgerichtet war. Schlangen traf ich keine von besonderer Gröſse, und weniger als ich zu sehen erwartete. Chamäleons und andere Eidexen von mancherlei Art waren in Menge vorhanden; Landschildkröten und Taschenkrebse sind ebenfalls in Libyen einheimisch. Skorpionen fanden wir häufig des Morgens beim Auf *) Sie lassen sich leicht zähmen und nehmen dann ganz den Charakter eines Hausthieres an; nur sind sie wegen ihrer Naschhaftigkeit und Unmälsigkeit im Fressen, die sie leicht tödtet, und wegen der Zerbrechlichkeit ihrer Beine schwer zu erhalten. Meine Frau besals vier Stück, die ihr stets nachlieſen, aber zwei derselben wurden bald das Opfer ihrer Naschhaftigkeit. A. dI. F. — — —xxꝶ;ꝓ nge— 205 stehen unter unsern Matten, und zwar nicht selten von der Länge eines halben Fingers. Ihr Stich ist sehr schmerzhaft und bisweilen tödlich, aber weniger durch das in die Wunde ergossene Giſt, als durch das schnell hin- zutretende heftige Fieber. Ein leicht anwendbares Heilmittel, wenn man nichts anderes zur Hand hat, ist das Anzünden von Schieſspulver auf der skarifi- cirten frischen Wunde. Unter den Spinnen, Käfern, Fliegen, Schnecken und anderen Insecten und Gewürm, entdeckten unsere Naturforscher manche noch unbekannte Gattungen und Species. Weit ärmer an Thieren aller Art ist die innere Wüste. Ich sah Strauſse, in Truppen von zwölf bis funfzehn beisammen; sie lieſsen uns bis auf eine gute Viertelstunde Weges herankommen, entflohen aber dann sehr schnell, und schienen mir in der Entfernung von auſserordentlicher Gröſse zu seyn. Die Jagd derselben ist sehr vortheilhaft und eine Lieblingsbeschäftigung auch der vornehmern Araber; eine gute Strauſsenhaut mit den Federn wird in Alexandrien oder Cairo gewöhnlich mit vierzig spanischen Thalern bezahlt. Der mich begleitende Scheik, und besonders der Schwager desselben, waren sehr eifrige Strauſsenjäger; von ihnen erfuhr ich über die beste Art, diese Jagd hier zu Lande zu betreiben, folgendes: Man unternimmi sie nicht einzeln, sondern in Gesellschaſt, führt auſser Pferden, auch Kameele mit, und versieht sich mit Wasserschläuchen und Nahrungsmitteln auf ein Paar Monate. Dann wird die Wüste in allen Rich- tungen durchzogen, und trifft man auf Strauſsenheerden, so hütet man sich wohl, sie durch unvorsichtiges Annähern scheu zu machen, sondern merkt sich ihren Zug nach Nahrungs- und Tränkungsplätzen, zu welchen sie gemeiniglich Morgens und Abends zurückzukehren pflegen. Sind diese aus- gekundschaftet, so werden hier, während die Strauſse entfernt sind, aus mitgeführten Hürden oder leichten Brettern Verstecke erbaut, hinter welchen die Jäger sich verborgen halten. Kehren nun die Strauſse zurück, so feuern, auf ein gegebenes Zeichen, alle Jäger auf einmal aus ihrem Hinterhalt die Flinten ab, und suchen so viel Strauſse als möglich anzuschieſsen; worauf sogleich die schnellste Verfolgung derselben beginnen muſs. Aber blos den 4 —— E————— un— jj ——— — 206 verwundeten wird nachgesetzt; einen unversehrten Strauſs würde selbst der schnellste Reiter vergebens einzuholen trachten. Der Scheik erlegte einst mit seinem Vater und Schwager auf einem solchen Zuge, der neun Wochen dauerte, einige vierzig Straufse, für deren abgezogene Häute mit den Federn sie in Cairo gegen 1500 spanische Thaler bezahlt erhielten. In der Nähe der Natronseen giebt es viel wilde Kühe, aus dem Geschlecht der Antilopen, die von rother oder weiſser Farbe, aber kleiner als die unsri- gen sind. Sie haben lange spitzige Hörner und ihr Fleisch soll sehr schmack- haft seyn; allein sie sind auſserordentlich scheu und flüchtig. Ich stiels auf mehrere Heerden derselben, aber es war immer vergebens, ihnen nachzu- setzen. In der Nähe der trinkbaren Wasser fanden wir oft ihre Fährten, mit denen der noch flüchtigeren Gazelle, und an solchen Plätzen dürſfte man am sichersten mit Erfolg ihnen nachstellen. Der ganze Abschnitt der libyschen Wüste, den ich durchzog, wird von sogenannten Fellahs oder Ackerbauern, von regelmäſsigen Beduinenstämmen und von einzeln herumziehenden Arabern bewohnt. Die Fellahs haben feste Wohnplätze in der Nähe der Brunnen und Zisternen, nähren sich von etwas Ackerbau und von Viehzucht, gelten aber für feig, knechtisch und träge. Sie sind von starkem Muskelbau, so dals sie mit leichter Mühe sehr beträchitliche Lasten bewegen; man hört sie bei jeder Arbeit singen und sich gegenseitig aufmuntern. Gewöhnlich sind sie fanatische Muselmänner, und die Dürftigkeit, in die man sie versunken sieht, mag eben so sehr von dem Druck einer habsüchtigen Regierung, als von natürlicher Trägheit und Genügsamkeit herrühren. Hätten sie Aussicht, die Früchte ihrer Arbeit unverkümmert zu genieſsen, so wäre der Boden, den sie bauen, oſt eines reicheren Ertrages fähig. Jetzt bietet ihr Zustand ein Bild der versunkensten Armseligkeit; indeſs sind sie, wie alle Araber, mäſsig und gastfrei. Die Beduinen wohnen niemals in Häusern, sondern in beweglichen Lägern, beschäſftigen sich aber keinesweges ausschlieſslich mit Viehzucht. Einige Stämme besorgen den Transport des Natrons, andere den der Kohlen, 207 während noch andere der Geleitung der Karavanen sich unterziehen. Ihre Sitten bilden mit denen der Fellahs, die sie verachten, einen auffallen- den Gegensatz; das Gemälde, das ich von ihnen entwerfen muſs, verlangt aber noch dunklere Schatten. Der Beduin ist durchdrungen von dem Gefühl seiner Unabhängigkeit, herrisch und stolz; aber einem Stärkeren gegenüber in eben dem Maaſse kriechend und unterwürfig. Mäſsig und gast- frei theilt er von seinem Vorrath dem Fremdling mit, der ihn anspricht, ohne zu fragen, welches Glaubens und Volkes er sey, der ärmste unter ihnen nimmt Platz an dem Tisch des Vornehmsten, ohne daſs er befürch- ten darf, abgewiesen zu werden; allein er fordert auch, oder nimmt selbst ohne Umstände, was er nöthig hat, und führt die Gastfreiheit gewaltsam herbei, indem er fremden Kornes und Viehes, wie dies unter meinen Augen öfter geschah, nach dem Recht des Stärkern sich bemächtigt. Die patriar- chalische Sitte des gemeinschaftlichen Salz- und Brodt-Essens besiegelt noch immer jeden Vertrag; allein der Beduin hält keinen Eid für bindend, sobald Furcht oder Eigennutz ihn zum Verrath auffordern, er ist beständig auf der Seite des Stärkeren oder der siegenden Parthei, wer ihm länger traut, als er Gewalt über ihn hat, ist verloren. Ihr Hang zum Frohsinn ist auffallend; aber Schadenfreude, sarkastische Bitterkeit, Betrug und Bosheit sind die gewöhnlichsten Anlässe ihrer Lustigkeit. Wie Kinder beneiden sie sich den geringsten Vorzug, und sind unter einander in beständigem Zwist. Ihre Rachsucht ist unversöhnlich und dürstet nach Blut; eines Besiegten zu scho- nen verachten sie; wo sie ihr Uebergewicht können geltend machen, sind sie unerträglich. Die Einfalt ihrer Sitten hindert sie nicht, sehr ausschwei- fend zu seyn, syphilitische Krankheiten sind daher unter ihnen häufig, und unnatürliche Wollüste fast allgemein herrschend. Das hier Gesagte gilt von allen libyschen Beduinenstämmen, so weit ich sie kennen lernte; doch mögen einzelne Individuen oder ganze Stämme anderer Gegenden vielleicht eine Ausnahme machen. Ihre Sitten sind im übrigen immer dieselben: sie mahlen das Korn mit Handmühlen, backen ihr Brodt auf glühenden Steinen, genieſsen oft blos Datteln, selten Fleisch, trinken — 1— 4 5 208 nur mälſsig Wasser, oder, wenn sie es haben können, als Labetrunk, Kameel- milch. Das ausgezeichnetste Gericht, womit sie einen beliebten oder vor- nehmen Gast beehren, ist ein gebratener Hammel, der ganz, aber ohne den Kopf, vorgesetzt wird, und wovon man die Stücke mit den Händen herunter reiſst. Die Tageszeit bestimmen sie nach der Länge des Schattens, die der Nacht nach dem Aufgang und dem Untergang der Gestirne. Aulser Blattern und sypbilitischen Uebeln kennen sie keine Krankheiten, und überlassen die Heilung auch dieser gewöhnlich blos der Natur; nur pflegen sie bisweilen das glühende Eisen anzuwenden, und man sieht deshalb oſt Araber mit Brandmälern auf den Armen, die sicherste Hülfe erwarten sie aber von umgehängten Amuleten, zu denen sie groſses Vertrauen hegen. Schuſs-, Hieb- und Stichwunden behandeln sie eben so leicht; jedoch reiben sie diese bisweilen mit Oel oder Butter, und pflegen, wo Eiterung nöthig scheint, diese durch Hineinlegung eines kleinen Steines in die Wunde zu bewirken. Die dritte Klasse der Wüstenbewohner, die einzeln umherziehenden Araber, haben weder bestimmte Lagerplätze, noch unter sich ein festes Ver- band. Sie irren mit ihren Heerden umher, lassen sie weiden, wo sich Futter findet, bestellen auch bisweilen ein Stückchen Feld, oder suchen durch Dieb- stahl und Raub ihren Unterhalt. Ich lernte zwar Einzelne von ihnen kennen, hatte aber nicht Zeit, sie genauer zu beobachten; es zeigten sich aber Gründe genug, sie für nicht besser, als die Beduinen zu halten. Die Namen der geregelten Stämme, welche den von mir durchzogenen Theil der libyschen Wüste, die Oasen von Siwah und El-Gara abgerechnet, bewohnen, und die angebliche Zahl ihrer streitbaren Mannschaft, sind folgende: 1) Der Stamm Anady zählt etwa 500 Reiter und 800 Mann zu Fuls. 2). Dschimmeat„ 250„ 500„ 3)„ Velled-Aly„ 100„ 5000„ 4)„ Jouabis„ 200„ 400„ 5)„ Samelous„ 150„ 600„ 6)„ Araby„ 500, 400„ —— 209 7) Der Stamm Fouet zählt etwa 500 Reiter und 600 Mann zu Fuſs. 8)„ Barassy„ 200„ 100„ 9)„ Joodisi„ 300„ 100„ 10)„ Jamal„. 300„—„ 11)„ Torounna 150„ 100„ 12)„ Amainga„ 200„—„ 13). Daſſa„ 300. 300„ 14)„ Cougel 2 100„ 100„ 15)„ Maireb„ 150„ 200„ 16)„ Neganpe 4 100„ 70„ 17)„ El-Kebire„ 100„ 50„ Dies ist die Angabe ihrer Streitkräfte im Allgemeinen; Genaueres über die Volkszahl konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Für Frauen, Kinder und Knechte glaube ich indelſs auf jeden Combattanten etwa drei Personen rechnen zu dürfen, woraus sich die ungefähre Totalsumme der Stärke dieser Stämme von selbst ergiebt*). Den Belauf ihres Viehstandes und übrigen Reichthums halten sie aus natürlichem Argwohn und Privatinteresse verbor- gen; der Augenschein beweist aber, daſs ihre Kameel- und Schaafheerden sehr bedeutend sind. Die Regierungsform der Beduinen oder vielmehr das Verhältniſs der einzelnen Stämme zu ihren Oberhäuptern oder Scheiks ist in der That repu- blikanisch. Der Scheik genieſst nur eine persönliche Achtung, und muſs, wenn Klagen einlaufen oder zweifelhafte Fälle zu entscheiden sind, die Ael- testen seines Stammes zu einem Divan berufen, in welchem die Mehrzahl bestimmt, was gethan oder unterlassen werden soll; es sey denn, daſs der Pascha einem Scheik die ausübende Gewalt in voller Ausdehnung auf gewisse Zeit, wie dies bei Heereszügen zu geschehen pflegt, übertrüge. *) Nach dieser Berechnung könnten die Beduinen des nordöstlichen Libyens ein Heer von 13,000 Mann in's Feld stellen, und ihre Bevölkerung, die Fellahs und einzeln hausenden Araber noch abgerechmet, betrüge im Ganzen über 50,000 Menschen. 27 —— 210 Gemeiniglich suchen die Scheiks diese Stellen durch List oder durch Ge- schenke in ihren Familien zu erhalten. Während der Mameluckenregierung rieben die libyschen Stämme durch blutige Fehden sich unter einander auf, indem das Vergeltungsrecht bei ihnen geübt wird, und die Blutrache nicht ausstirbt, also bei ungehinderter Wuth, die Mordzüge sich immer erneuen. Auch suchte jeder der, ebenfalls unaufhörlich sich bekämpfenden Beys der Mamelucken einen oder mehrere Beduinenstämme in sein Interesse zu ziehen. Allein ungeachtet der Abhän- gigkeit, in welche sie jetzt unvermerkt gerathen sind, betrachten die Bedui- nen sich in der Wüste noch immer als die einzigen Herren, und tyrannisiren einen jeden, der sich von ihnen abhängig macht. Wehe dem, der ihr Ueber- gewicht fürchten oder in einem Gefecht vor ihnen fliehen muls! Die Tracht der Fellahs besteht gewöhnlich in weiten Beinkleidern und einem blauen leinenen Oberhemde, das vom Halse bis auf die Knöchel reicht und über den Hüften mit einem Gürtel befestigt ist. Auf dem Kopf tragen sie eine Mütze, die bisweilen durch ein um dieselbe gewickeltes weiſses Stück Zeug zu einem Turban erhoben wird. Statt des leinenen Hemdes sieht man sie oft mit einer Art Toga bekleidet, aus grobem häre- nen Zeuge, die mit einem Gürtel oder Strick um die Hüſten befestigt ist. Bisweilen haben sie auch blos ein solches Stück Zeug um die Hüſten gewickelt und sind im übrigen nackend. Knaben und Mädchen gehen zur Sommerszeit ganz unbekleidet, nicht selten bis zur Zeit der Mannbarkeit; bei schwerer Arbeit, in und auſser dem Wasser, pflegen auch die Männer sich aller Bekleidung zu entledigen. Die Beduinen dagegen tragen zwar ebenfalls jene weiten Beinkleider, aber um den Leib ein langes Stück weiſsen oder grauen wollenen Zeuges, Haram genannt, das sie auf die mannigfaltigste Weise zu benutzen verste- hen. Bald wird es als Toga übergeworfen, bald um die Hüſten gewickelt, auf die Schultern gelegt, oder in eine Kappe oder Turban verwandelt, und Nachis muls es bald als Decke dienen, bald als Zelt. Auf dem Kopf tragen sie einen Tarbous, und nur selten einen Turban. Als Waflfe führen sie —— ⸗⸗— — —„—— 211 beständig eine Flinte bei sich, und viele auſserdem Pistolen und Säbel. Die Reiter haben überdies oft noch Trombons und ibre Gewehre sind mit Bajonnetten versehen, die sie den Franzosen und Engländern verdanken. Das Pulver pflegten sie früher selbst anzufertigen, seitdem aber der Salpeter zum Miri gehört, müssen sie es von der Regierung kaufen. Sie sind sehr lüstern danach, und wissen das gute vom schlechten genau zu unterscheiden. Um künftigen Reisenden wenigstens einen Theil der Mühseligkeiten, die ich mit meinen Gefährten in so reichem Maaſse erdulden muſste, zu erspa- ren, kann ich nicht umhin, einige Bemerkungen über die angemessenste Art, zur Erreichung wissenschafflicher Zwecke, die Wüste zu bereisen, hier einzuschieben. Sich in solchen Fällen den gewöhnlichen Karavanen anzu- schlieſsen, ist nicht rathsam, weil man durch die Regelmälsigkeit des Zuges und noch mehr durch das Miſstrauen der Begleiter an aller freieren Unter- suchung gehindert wird, und in so fern hatten wir Recht gethan, eine eigene selbstständige Karavane zu bilden; weil aber unsere Kameele dem uns geleitenden Scheik gehörten, befanden wir uns in einer eben so hin- dernden Abhängigkeit von diesem und seinen Dienern. Ich rathe daher bei Unternehmung eines grölſseren Zuges die nöthigen Kameele zu Kaufen, und zur Führung derselben Diener zu miethen oder sich mit guten Sklaven zu versehen. Selbst in ökonomischer Rücksicht ist dies anzurathen, indem man nach vollendeter Reise die Kameele wenigstens um die Hälfte des Einkauf- preises wieder veräuſsern kann. Ferner versehe man sich, auſser mit guten Wasserschläuchen und den übrigen unentbehrlichen Vorräthen an Mehl, Reiſs, gedörrten Pflaumen eic., auch mit dem nöthigen Futter für die Last- thiere. Die gröſsere Auslage wird durch das schnellere Fortrücken reichlich eingebracht, auch kann man bei regelmäſsiger Nahrung die Thiere schwerer beladen; man darf indelſs darauf rechnen, daſs ein Theil der Fütterung an den Lagerstellen sich vorfindet. Zur Bedeckung sind einige europäische Diener den feigen schlecht bewaffneten Arabern bei weitem vorzuziehen, auf deren Treue man sich niemals verlassen kann. 27* 212 Jedes Kameel trägt nach seiner Gröſse und Stärke drei bis fünf Zentner, und im ersten Fall noch einen Reiter. Als Maaſsstab des nöthigen Unter- halts führe ich folgendes an: Mit einem Zentner Zwieback versorgte ich eilf Tage reichlich eben so viele Personen; eine Bockshaut Wasser genügte für zwölf Personen zum trinken und kochen auf einen ganzen Tag; auf ein Beduinenpferd muſs man täglich eine halbe Bockshaut mehr rechnen. Uebri- gens versehe man sich mit etwas Holzkohlen oder Spiritus, weil man nicht immer Feuerung findet, wo möglich auch mit guten Bouillontafeln, indem man Fleisch selten haben kann und nicht immer Zeit findet, es gehörig zu bereiten, besonders aber mit einem reichlichen Vorrath Kaffee, dessen Genuſs sehr heilsam, und beim Empfang jedes Besuchs die willkommenste Bewir- thung ist. Zu Geschenken sind für Vornehmere schöne Waffen, Pfeifenmundstücke und Shawls die zweckmäſsigsten, für Geringere Uhren, Tabaksdosen, Pulver, Kaffee und Tabak, ferner Spiegel, Messer, Glaskorallen und Conteriewaaren, letztere besonders tiefer im Innern. Kleine Münze muſs man auch beständig bei sich führen, weil man auch nicht den geringsten Dienst ohne Geschenk erhält; auch freuen die Wüstenbewohner, wie die kinder, sich gewöhnlich mehr über viel kleine Stücke, als über ein groſses. Wer die Bequemlichkeit eines Zeltes haben kann, versäume nicht, sich damit zu versehen, wegen der gefährlichen Kälte der Nachtluſt. Was die kleidung betrifft, so behalte man die europäische bei, so fern es angeht; unter den orientalischen ist die der Fellahs bei weitem die bequemste. Die Tracht der Beduinen, welche die meisten meiner Begleiter gewählt hatten, wurde mehreren von ihnen, aus Unkunde sie gehörig zu benutzen, verderb- lich. Die türkische Bekleidung, welche ich trug, ist auf Reisen unbequem und hinderlich. Ein vortreffliches Schutzmittel gegen den Einfluſs der Sonne, des Windes und Regens ist der Bernous, ein wollener Mantel mit einer Kaputze, die man über den Kopf zieht. Diese Bernous werden in der Bar- barei verfertigt und sind zuweilen sehr fein. Nachts trage man Sorge, den Kopf wohl zu bedecken, weil die Feuchtigkeit selbst durch das dichteste 213 Zelt dringt, und den Augen leicht nachtheilig wird. Zur Bewaffnung sind eine Doppelflinte, ein Säbel und Pistolen hinreichend, Trombons, Hand- schars oder türkische Attagans dienen mehr zum imponiren als zum Gebrauch. Uebrigens muſs man in der Wüste immer schlagfertig seyn. Alles was man bei sich führt, muſs in Körben aus Palmblättern und in festen Koffern aufs sorgfältigste verpackt seyn, um Fall und Stoſs aushalten zu können; auch wird man wohl thun, die Gepäcke zu numeriren, um Ordnung und Uebersicht zu erhalten. Die Wasserschläuche muls man stets feucht und geölt aufheben lassen, und eine bedeutende Ueberzahl mitneh- men, um die schadhaft gewordenen zu erseitzen. Uebrigens rechne man nicht mit zu grolser Sicherheit auf das Vorfinden versprochener Wasser- quellen und Brunnen; oft wird man getäuscht, oft verfehlt man den rechten Ort, oft findet man die gesuchte Quelle versiegt, oder verschüttet, oder durch eine früher eingetroffene Karavane besetzt und erschöpft. Ich gerieth mehrmal durch solche unvorgesehene Unfälle in die gröſste Verlegenheit. Man versorge sich daher stets mit doppeltem Wasserbedarf, und führe die- sen immer auf besonders dazu bestimmten Kameelen, weil sonst das Aus- laufen und Zerplatzen der Schläuche, welches mir einigemal widerfuhr, den proviant und alles, was man bei sich führt, zu Grunde richtet. Einer zu wissenschaftlichen Zwecken ausgerüsteten Karavane sollten einige pferde und Dromedare zugetheilt werden, damit man, ohne den Zug aufzu- halten, mit Leichtigkeit kleine Abschweifungen machen könnte, um merk- würdige Punkte zu untersuchen. Ueberhaupt kann man zu kleineren Excur- sionen mit Vortheil sich der Dromedare bedienen, die, scharf angetrieben, drei deutsche Meilen in einer Stunde zurücklegen; jedoch halten sie es nicht auf die Länge aus, sondern laufen, einen Tag in den andern gerechnet, nicht mehr als etwa sechs Meilen; das Kameel legt dagegen, selbst bei etwas beschleunigtem Schritt, in zwölf Stunden nur vier deutsche Meilen zurück. Der schnelle Gang des Dromedars ist aber dem Reiter beschwerlich und greift leicht die Brust an, wie es meinem Begleiter in Oberägypten, Herrn Dr. RrCcl, widerfuhr, als er mit Herrn LINAXNT den Sinai besucht 4 5 3 * 214 hatte und den Weg von Suez bis Cairo, den man auf Kameelen in drei Tagen zu machen pflegt, in dreizehn Stunden auf einem Dromedar zurück- legte. Herr LINANT zog durch diesen Ritt sich eine gefährliche Krankheit zu. Beduinenpferde, Maulthiere und Esel sind zu kleinern Excursionen ebenfalls sehr brauchbar; allein sie bedürfen viel Wasser und Futter, ver- theuern und erschweren daher eine gröſsere Unternehmung gar sehr. Zehntes Kapitel. Catro. Einwohner— Bauart— Moscheen— Josephsbrunnen— Palast des Pascha— Mehias und Pulvermühle auf der Insel Rhoda— Umgegend Cairo's— Befestigung— Vorschläge, gie Zwechmüſsiger einzurichten— gitten— Wechabiten— Sklauen— Kranftheiten— Tunzerinnen und Sängerinnen— Schlangenbeschworer— Boulak— Der neue Palast— Schoubra— Anlagen des Pascha— Ausfluchat nach Matarieh und Bivouah bei den Pyramiden. Die Hauptstadt Aegyptens und gewissermaſsen des ganzen Welitheils, wozu dieses wunderbare Land gehört, El-Kahéra, die Siegreiche, hat eine sehr gemischte Bevölkerung. Auſser eingeborenen Kopten, den Nachkommen der alten Aegypter, die sich durch eine eigenthümliche Gesichtsbildung auszeich- nen und deren, im ganzen Lande zerstreut, etwa noch 150,000 der christ- lichen Religion treu geblieben sind, findet man Türken, Araber, zur Lehre des Propheten zurückgekehrte Wechabiten, ferner Juden, Griechen, Arme- nier, Maroniten, levantinische Katholiken und, unter der aufmunternden Regierung des jetzigen Pascha, auch viele Europäer. Die ganze Summe der Einwohner soll indeſs, in Cairo und Boulak zusammen, nicht 300,000 betra- gen; nach dem unsäglichen Gewühl, das in allen Straſsen der weitläuftigen Stadt von Morgen bis Abend auf und ab wogt, hält man die Bevölkerung für weit zahlreicher. Um in den engen winkligen Gassen fortzukommen, muſs man beständig sich drehen und wenden und an die Häuser drücken; die den Reitern —— 216 voranlaufenden Jais rufen von allen Seiten: Regleh!(nehmt die Füſse in Acht!) Al-Emschi(zur Rechten!) Schmalek(zur Linken!) Um nicht auf- gehalten zu werden, thut man wohl, sich der Esel zu bedienen, deren der Angabe nach 20- bis 30,000 zum Vermiethen bereit stehen, und die von eignen Bereitern zu einem schnellen Pafsschritt eingeübt sind. Die besten kommen aus Oberägypten, besonders aus der Gegend von Akhmim, sind grols und stark, und ein gut berittener Esel wird oft mit funfzig bis hun- dert spanischen Thalern bezahlt. Für einen Piaster, nach jetzigem Cours etwa zwei und einen halben Groschen Preuſsisch, kann man einen bedeu- tenden Ritt machen, und der Besitzer oder Führer des Thiers rennt, jene Warnungsworte schreiend, voran. Die Höhe der Häuser verbannt aus den Straſsen das Sonnenlicht, und wo diese sich nur etwas erweitern oder Bazars angelegt sind, wird ein Dach von Schilfmatten aufgestellt, um allenthalben im Schatten zu wandeln. Von beiden Seiten sind die Gassen mit Buden und Waaren verlegt, die meisten Künstler und Kaufleute treiben ihr Gewerbe vor den Thüren, und das Getümmel ist betäubend. Die Bauart der Häuser ist schlecht, höchstens wird das unterste Stock- werk aus Quadern aufgeführt oder damit verkleidet; die obern Stockwerke und häufig ganze Häuser, die auſserdem mit Erkern und Kiosks überladen sind, werden blos aus Lehm und Holz erbaut, so daſs viele den Einsturz drohen oder wirklich in ihrem Schutte liegen. Dies ist um so unverzeih- licher, da der nahegelegene Mokatamberg wohlfeiles Material zu dauerhaften Bauten im Ueberfluſs liefert. Bei meiner Ankunft in Cairo waren einige Haupiplätze der Stadt, durch das übertretende Wasser des Nil, noch in stehende Pfuhle verwandelt, bei meiner Rückkehr aus Oberägypten fand ich sie grün bewachsen. Dies kann der Gesundheit der Einwohner unmöglich zuträglich seyn; man würde wohl thun, die sich immer vermehrenden Schutt- berge vor den Thoren zur Erhöhung dieser tiefliegenden Plätze zu verwenden. Die vielen Moscheen sind zum Theil wahre Muster der sarazenischen Architectur; ich besuchte zwei derselben in Gesellschaft des schwedischen ————— ſſſſſ——— 217 General-Consuls Herrn Bokxv, eines geborenen Levantiners. Besonders ausgezeichnet ist die des Sultan Ahmed-Eon-Telun, nach dem Muster der groſsen Moschee zu Mekka, jedoch etwas kleiner, angelegt; aber sie verfällt und nichts geschieht, um sie in baulichem Stand zu erhalten. Die herrliche Moschee des fatimitischen Kalifen El- Hakem liegt halb in Trümmern und wird zum Gottesdienst nicht mehr benutzt, viele Theile sind sogar wegge- brochen, um sie bei neuen Gebäuden zu verwenden. An dieser und ande- ren Moscheen sind die Fronten, Thüren, Thürme, Kuppeln, besonders die Verzierungen oft höchst geschmackvoll und reizend*). Ich bemerkte auch architectonische Spielereien, zwei Minarets, die, nach Art der Thürme von Pisa, Bologna und Gelnhausen, schiefhängend erbaut sind. In der Citadelle befindet sich der, von einem Kalifen des Namens ange- legte, Josephs-Brunnen, dessen Sohle 276 Fuls tief seyn soll; er ist in zwei Stockwerken im Felsen ausgehauen, und ein sehr jäher Wendelgang führt bis ganz hinab. Eine Oeffnung über der ersten Terrasse gilt für das Grab des Patriarchen Joseph. Das Wasser wird durch einen sogenannten Rosen- kranz aus Töpfen in die Höhe gebracht; wer aber Brunnen, wie den des Königsteins in Sachsen und andere ähnliche, gesehen hat, geräth über die- sen in kein Erstaunen. Auch die sogenannten Kornspeicher Josephs werden auf der Citadelle gezeigt, und sind von demselben Kalifen erbaut. Ihre gröſste Merkwürdigkeit sind die hohen Säulen, welche die luftigen Hallen derselben unterstützen, indem die meisten aus den Ruinen von Memphis herrühren, so wie drei andere, welche vor einer abgebrannten Moschee noch aufrecht stehen; durch Ueberarbeiten haben sie ihre antike Form indeſs zum Theil eingebüſst. Der abgebrannte Palast des Pascha, der ebenfalls auf der Citadelle liegt, ist ziemlich wieder hergestellt und ganz hübsch. Von seinen Sälen, Ge- *) Ich habe einem sehr geschickten Zeichner den Auftrag ertheilt, das Interessanteste dieser Gebäude zu zeichnen, und schmeichle mir, falls nicht besondere Hindernisse eintreten, dem kunst- liebenden Publikum vielleicht schon bald das erste Kupferheft hiervon übergeben zu können. A. d. I. 28 218 mächern und Terrassen, besonders von den darauf angebrachten kleinen Gärten, genieſst man eine bezaubernde Aussicht auf die zu den Füſsen der Burg liegende weitläuſtige Stadt, ihre Umgebung und das Nilthal. Auf der Insel Rhoda oder Raudah befindet sich in einem verfallenen Gebäude, wo jeizt eine Pulvermühle nach französischer Art angelegt ist, der Mekias oder Mimesser. Während meiner Anwesenheit war man beschäſtigt, diese Mühle noch zu erweitern, und fertigte darin weit besseres Pulver als ehemals. Man pflegte sonst das Material durch Handarbeiter in steinernen Mörsern mit Stempeln aus hartem Holz stampfen zu lassen, und bediente sich der Kohlen von Mais- und Feigbohnen-Stengeln; jetzt nimmt man Weidenkohlen, und um diese im Lande selbst zu gewinnen, werden auf Befehl des Pascha groſse Weidenpflanzungen angelegt. Die Umgegend Cairo’'s ist freundlicher als die von Alexandrien, man findet angebaute Felder, Gärten und Bäume, überdies gewährt der Berg Makatam einige malerische Ansichten. Widerwärtig dem Auge und verderb- lich für die Gesundheit sind aber die täglich sich vergröſsernden Schuttberge, deren feiner mit Salpeter und Natrum imprägnirter Staub bei der geringsten Berührung sich in Bewegung setzt. Eine andere Unannehmlichkeit Cairos, so wie aller ägyptischen Ortschaften, sind die Heerschaaren herrenloser Hunde, in und auſserhalb der Stadt, deren man sich kaum erwehren kann, und die auf offener Straſse verwesenden Kameele, Pferde, Hunde und Katzen, die von jenen auf das abscheulichste zerfleischt und aufgezehrt werden. Auf einer Ausflucht nach Matharieh erblickte ich sogar die Hälfte eines angefressenen menschlichen Leichnams, den die Hunde wahrscheinlich aus der Erde gescharrt hatten. Die Lage Cairo's ist in taktischer Hinsicht nicht vortheilhaft, indem die Citadelle, der Hauptpunkt der ganzen Befestigung, durch die Höhen des Mokatam beherrscht wird, die sich etwa in der Entfernung eines Steinwurfes von den Werken vertikal erheben und dieselben vollkommen einsehen:; obgleich von der andern Seite das Hinaufschaffen von Geschützen auf solche aus dem Grunde sehr schwierig seyn dürfte, daſs jene Höhen von Rissen 219 und Ravins gleichsam zerfleischt und nur durch groſse Umwege in der Wüste zu ersteigen sind. Ueberdies findet man kein Wasser auf diesen Höhen, so daſs man schwerlich eine starke Besatzung hinauf versetzen könnte. Gegenwärtig hat zwar der Pascha ein Fort auf dem Mokatamberg erbauen und einige Theile der Citadelle erneuern und angeblich verbessern lassen; allein es ist alles zu verworren, die Werke sind nicht gehörig defilirt und können selbst den Fuſs der Citadelle nicht genugsam bestreichen. Diese ist überhaupt viel zu weitläuſtig in ihrer primitiven Anlage; überdies mit einer Menge von Häusern angefüllt, welche der Vertheidigung hinderlich fallen. Dieser Weitläuftigkeit wegen mülſste man eine sehr zahlreiche Garnison hin- einlegen, die hierdurch neutralisirt und durch Mangel an Allem bald zur Uebergabe genöthigt werden dürſte. Zweckmälsiger würde es daher seyn, einen Theil der nach der Stadt zu gelegenen Werke zu schleifen, die andern zu kasematiren und gehörig mit allen Vertheidigungsmitteln zu versehen. Die Franzosen hatten zur vorläufigen Vertheidigung der Stadt auf den hohen Schutthügeln, die sich auf der Nord- und Ostfronte derselben erstrecken, kleine steinerne Thürme erbaut, die sich gegenseitig bestrichen, und die Flügel jener Linie waren durch besonders errichtete starke Forts gedeckt. Das auf der Nordfronte hiels Fort Camin, und das auf der öst- lichen Fort Dupuis; alle waren bombenfest, mit einem tiefen Graben um- zogen, und oben befand sich in einer verdeckten Schieſsscharte eine Kanone. Ueberdies war ein jedes derselben mit einer Zisterne und 15 Mann Besatzung versehen. So unbedeutend auch nun beim ersten Anblick ein solcher befe- stigter Punkt aussieht, so ist er doch einer starken Gegenwehr fähig; so hielt sich zum Beispiel auf der Insel Corsika ein ähnlicher Thurm drei Tage hindurch gegen drei Kriegsschiffe, von welchen es das eine noch oben- ein in Brand setzte. Beide Hauptforts sind gegenwärtig noch erhalten und mit Geschütz und einer angemessenen Garnison besetzt. Die Südfronte war durch eine Wasserleitung gedeckt, deren Bogen aus- gemauert waren. Sie führt von der Citadelle nach einem groſsen Gebäude, welches an den Nil gelehnt ist und die Maschinerie zur Speisung derselben 28* 220 mit Wasser enthält. Dies thurmartige Gebäude war ebenfalls durch ange- 4 brachte Schieſsscharten in ein Fort verwandelt worden. Auf der Fronte befanden sich einzelne kleine Forts und Alteairo*), das, auſser einigen Bat- terien an den Ufern des Nil, keine Vertheidigung hatte und folglich in der Gorge jedem Angriffe offen stand. Dieser Punkt ist gegenwärtig unbeachtet geblieben, und müſste entweder als Auſsenwerk befestigt, oder im Falle einer Belagerung geschleift werden. Das Fort Tôrahim-Bei und das des Instituts bildete die zweite Verschanzungslinie, die rücksichtlich der Kunst die schwächste, ihrer Lage nach aber, weil man über den Nil setzen mulste, die stärkste war. Die Westseite war durch den Nil und die Insel Rhoda, auf welcher sich, und besonders auf der Nordspitze, mehrere Batterien schweren Geschützes befanden, vertheidigt. Diese Insel ist bis jetzt unbeachtet gelassen, müſste aber bei einer ernstlichen Vertheidigung Cairo's durch starke Forts und Batterien gedeckt werden. Eine Redoute, mit sechs Geschützen versehen, vertheidigte die Verbindungsbrücke nach Ghizeh, welcher Ort durch einen Wall und eine Kette von Redouten, die sich etwa sechzig Schritte von diesem befanden, geschützt wurde. Diese Brücke war nur transitorisch und ist, so wie auch die sie deckenden Werke, nicht mehr vorhanden. Brücke und Werke mülſsten aber, im Falle Cairo als Waffenplatz betrachtet werden sollte, letztere als permanent, erstere aber kurz vor der Berennung, zur sichern und schnellen Verbindung beider Ufer(das heiſst, wenn der Wasser- stand des Nils es erlaubt, der auch nur alsdann eine förmliche Berennung gestatten kann), hergestellt werden. Dies war der Zustand der Vertheidigungsmittel Cairo's, als sich dieser Ort mit 10,000 Mann Besatzung und 363 brauchbaren Geschützen, ohne „ *) Dieser Ort liegt nicht weit von Cairo am Nil und dient den meisten Schiffen als Hafen. Man nennt ihn auch Fostat. Abou- el- Feda erzählt: Als Amrou-ben-el-Ads in Aegypten Krieg führte, lieſs er sein Zelt auf dem Platz, wo jetzt Fostat erbaut ist, aufschlagen; hierauf lieſs sich eine Taube daselbst nieder und baute ihr Nest. Er befahl, sie nicht zu stéren und späterhin eine Stadt daselbst zu erbauen, die den Namen: Fostat, das heiſst Zelc führen sollte. A. d. V. /—— Sna e eer Larc denen — 221 einen Schuſs zu thun, ergab. Wahrscheinlich bewog die Furcht vor einem Aufstande im Innern der Stadt, das Steigen des Nil und die allgemeine Ueberschwemmung, die Franzosen zur Capitulation. General Regnier ent- schuldigt sie zwar durch Mangel an Pulver und Lebensmitteln; allein Sir R. Trilson(History of the british Eapedition to Egypt. Tom. I. p. 251— 252.) behaupitet dagegen, daſs noch 100,000 Pfund Pulver vorräthig(das nicht mitgerechnet, welches die Franzosen mit sich hinweggeführt) und die Maga- zine mit Lebensmitteln angefüllt gewesen wären. Erwägt man aber dagegen, dafs ein längeres Verweilen die französische Armee den Engländern in die Hände lieferte und sie sich der Gefangenschaft durch jene Capitulation entzog, so kann man sie nicht gan⸗ milſsbilligen. Aus allem hier Aufgestellten erhellt hinreichend, daſs die Stadt Cairo sich, in taktischer Rücksicht, wohl nicht ganz zum Waffenplatz eignet; erwägt man aber dagegen, dals die Besitznahme eines solchen Platzes dem Feinde groſse Hülfsmittel zur Führung des Krieges im Innern darbietet und überdies auf die Meinung des Volks, das mit der Haupistadt des Landes alles verloren glaubt, sehr nachtheilig wirkt, so ist die Vertheidigung Cairo's, im Falle eines Angriffs auf Aegypten, um so weniger zu milsbilligen, als ein europäisches Heer nur mit groſser Anstrengung ein mit allen gehörigen Mitteln versehenes Armeekorps zur Belagerung wird aufstellen können; ein orientalisches aber durch leichtere Vertheidigungsmittel abzuhalten seyn dürfte. Ueberdies gewährt gerade die Ueberschwemmung des Nil, wenn man sich gehörig mit Lebensmitteln und Munition versehen und das Volk für sich gewonnen hat, noch ein Mittel mehr, sich lange zu halten. Im Ganzen fallen in Cairo nur wenig Excesse vor, welches bei der starken, aus den verschiedensten Nationen gemischten Bevölkerung um so mehr Bewunderung erregt. Diebstahl ist beinah unerhört; und kommen ja Diebereien vor, so werden sie meistens von Europäern und Juden, oder von den eingeborenen Christen ausgeübt. Die Kopten gelten überhaupt unter allen Bewohnern Aegyptens für die verschlagensten und pfiffigsten, die durch- gängig auch arbeitsamer und deshalb wohlhabender sind, als die arabischen 3 1 1 . 1 4 —— 1 —— ͤͤͤͤͤͤͤſſſſſ— 8 222 Fellah's, selbst ihre Erziehung ist in gewissem Betracht sorgfältiger; im Allge- meinen wird aber ihr Charakter nicht gelobt. Bei den Mahomedanern ist das gegenseitige Vertrauen so groſs, daſs der Besitzer eines Ladens diesen ver- lälst, ohne ihn zu verschlieſsen, oder ihn blos durch ein vorgehangenes Netz oder Band sperrt. Die Verkäufer von Eſswaaren decken ihre Körbe blos zu, und selbst der geringste Bettler wird nichts davon anrühren. Dafür sind aber die islamitischen Einwohner Cairo's auch sehr wohlthätig, und lassen einen Armen nicht leicht unbefriedigt vorübergehn; selbst der bedürftigste Verkäufer reicht ihnen eine Gabe von seinem Vorrath, und man sieht oft, dalſs der Bettler die erhaltene Gabe gutwillig mit einem anderen theilt. Die Regie- rung geht in der Wohlthätigkeit mit einem lobenswerthen Beispiel voran, indem sie eine beträchtliche Anzahl Wasserträger verpflichtet, jedem Durstigen auf öffentlicher Straſse unentgeldlich Wasser in Schaalen darzureichen; und dies alles geschieht ohne Ostentation. Man sieht in Cairo viele bekehrte Wechabiten, welche sich durch eine dunklere Hautfarbe und den Schawl um den Turban, den sie hinten am Halse etwas herabhangen lassen, auszeichnen. Diese fanatischen Puritaner forderten von ihren Bekennern blos Glauben an Gott und Enthaltung von allem Ueberflüssigen. Sie verwarfen deshalb die göttliche Sendung des Pro- pheten, die Vielweiberei, das Tabakrauchen, Weintrinken und viele andere Dinge. Sie fochten gewöhnlich auf Kameelen, oſt in zwei Gliedern, deren eines im Fall der Noth nach hinten Front machte; oft trug ein Kameel zwei Wechabiten, von denen der eine kurz vor dem Gefecht absprang und zu Fuſse focht. Sie machten anfangs groſse Forischritte und kämpften mit fanatischer Tapferkeit; unterlagen indeſs den weniger zahlreichen Heeren des Mehemed-Ali-Pascha, unter dem Oberbefehl seines ältesten Sohnes, Tbrahim-Pascha, aus Mangel an grobem Geschütz und aus Unkunde, sich ihrer wenigen Kanonen gehörig zu bedienen; ihre schlechten Flinten mit Luntenschlössern waren im Gefecht fast unbrauchbar. Gleichwohl machten sie in der letzten Schlacht durch ihre groſse Ueberzahl den Sieg lange strei- tig, und hätten, bei längerer Ausdauer, die Truppen des Pascha in groſse — ——B— 8——— 223 Verlegenheit gebracht; um so ehrenvoller ist die glückliche Beendigung die- ses Feldzuges. Unter den eroberten Kanonen befand sich eine, die noch nicht ganz zwei Jahre zuvor in einem deutschen Staate gegossen war; ande- res Geschütz, das man ihnen abnahm, hatte früher dem Malteserorden angehört. Die meisten Handwerke hat man in Cairo in besondere Straſsen zusam- men gebracht, und auch die Buden mit einer und derselben Waare finden gewöhnlich sich neben einander. Man sieht Bazars blos für Seiden-, Baum- wollen-, Linnen- oder Tuch-Waaren, in anderen blos Zucker oder Kaffee. Der Handel soll indels nicht mehr so bedeutend seyn, als ehemals; denn es bringt z. B. die Mekkakaravane nicht mehr so viel Waaren mit, als sonst, und aus dem inneren Afrika treffen jährlich nur zwei Karavanen ein, die eine aus Dongola mit den Producten von Sennaar und Habesch, die andere aus Darfour mit Sklaven, Goldstaub, Elfenbein, Bisam, Ebenholz, ledernen Schläuchen und Korbags, oder zolldicken Streifen aus Hippopotamushaut. Die Sklaven stehn in besonderen Bazars zum Verkaufe; der Preis eines erwachsenen Mädchens war hundert, und bei schöner Bildung 150 spanische Thaler; für jüngere wurden nur 50 bis 80 bezahlt. Die Behandlung der Sklaven beim Verkauf ist empörend, im übrigen aber ihr Zustand im Orient leidlicher, als man sich ihn zu denken pflegt, und im Verhältniſs zu dem in ihrer Heimath vielleicht glücklich zu nennen. Ein Sklave, der bei seiner Herrschaft sich nicht gefällt, darf darauf dringen verkauft zu werden. Weilse Sklaven von beiden Geschlechtern gehören zum Luxus der Vornehmen und dürfen bis jetzt nur von Bekennern des mahomedanischen Glaubens erstan- den werden. Ueber die Sterblichkeit konnte ich nichts bestimmtes erfahren, im Allge- meinen aber sollen die Frauen früh sterben, die Männer aber oft ein hohes Alter erreichen; welcher auffallende Unterschied wahrscheinlich in der einge- schlossenen, weichlichen Lebensart der ersteren seinen Grund hat. Eine traurige Erfahrung belehrte uns, daſs die Kinder der Europäer hier selten am Leben bleiben und gedeihen; ein Grund der Verzweiflung für manche europäische —— 5 — —— GGG 224 Mutter. Man will die Ursache darin suchen, daſs die Ausländer sich in ihrer Lebensart nicht nach der hiesigen Landessitte bequemen, und an geschickten Aerzten, einen oder ein Paar vielleicht abgerechnet, ein groſser Mangel ist. Die Pest dauert in Cairo nicht so lange als in Alexandrien und anderen an der Meeresküste gelegenen Orten. Gemeiniglich zeigt sie sich hier erst gegen das Ende des März oder zu Anfang des April, während sie zu Alexan- drien einen Monat früher anfängt, erst im Juny oder July mit der zuneh- menden Hitze abnimmt und weit heſtiger wüthet. In Oberägypten ist sie eine seltene Erscheinung. Uebrigens wird dieses Miasma blos durch Berüh- rung fortgepflanzt, nicht durch die Luft, wie man gegen die allgemeine Erfahrung oft annimmt; Lokalanlässe vermehren indeſs seine Bösartigkeit, und selbst die herrschenden Winde sind von bedeutendem Einfluſs, bei anhaltendem Chamsin nimmt die Pest furchtbar zu und tödtet den Ange- steckten schnell. Merkwürdig ist es, dals Furcht die Susceptibilität ver- mehrt, Furchtlosigkeit aber schützt. Dieses Jahr(1820) starben in Cairo, bei einer Bevölkerung von 300,000 Seelen, täglich nur acht bis funfzehn Personen; in Alexandrien dagegen, bei nur 15,000 Einwohnern, täglich dreiſsig bis vierzig, indeſs befanden sich am Ausladungsplatz des Mahmudieh viele fremde Arbeiter, die das Uebel besonders traf. Zu den Ergötzungen, womit man in Cairo den Fremden zu unterhalten pflegt, gehören die Tänzerinnen und Sängerinnen, deren es verschiedene Klas- sen giebt. Die Acanak tanzen blos, die Racasi begleiten ihren Tanz zugleich mit Gesang, eine dritte Art, Halme, in der Mehrzahl Haodlem, Gelehrte genannt, sind blos Sängerinnen, die nur tanzen, wenn es durchaus verlangt wird. Eine dieser letzteren heilst jetzt in Cairo, wegen ihrer Stimme und seltenen Kunst, sie in einem Athemzuge zu moduliren, die arabische Catalani, und wird so sehr bewundert, daſs sie für jeden Abend, wo sie sich hören läſst, von dem Wirth 1000 Piaster(einige 80 Thaler Preuſsisch) und einen Schawl verlangt, und auſserdem von jedem Anwesenden ein Geschenk erhält. Ich hörte diese Philomele nicht, allein zwei andere Sängerinnen erster Klasse, die man mir zu Ehren bei einer Levantinerin zu einem Abendeirkel 225 eingeladen hatte, und die ihre ganze Kunst aufboten. Aber weder ihr Gesang, noch ihr Tanz wollten mir sonderlich gefallen, obgleich alle anwe- senden Levantiner ihnen entzückt die deutlichsten Beweise des Beifalls zoll- ten. Im Tanz, den sie mit metallenen Kklappern begleiteten, bestand ihre höchste Kunst in einem wollüstigen Wiegen und Drehen des Körpers, wobei sie sich dicht vor jeden Anwesenden hinstellten, und jene unanständigen Bewegungen so lange fortsetzten, bis dieser ihnen ein Geschenk darreichte, dessen Betrag sie dann gewöhnlich der Gesellschaft bekannt machten. Ich entfernte mich bald, erfuhr aber, daſs die übrige Gesellschaft, aus gebildeten Männern, Frauen und Mädchen bestehend, ihnen mit dem gröſsten Entzücken bis zum folgenden Morgen um drei Uhr zugehört und zugesehen habe. Diese Sängerinnen waren verheirathet und galten für anständige Frauen; bewundernswürdiger als ihre Kunst aber schien mir die Unersättlichkeit, womit sie Branntwein und hitzige Getränke, beinahe die ganze Nacht hindurch, in groſsen Gläsern hinunterstürzten, um ihre unerschöpflichen Gesangsorgane zu erfrischen. Andere dieser Weiber leben als Hetären, zahlen der Regierung einen Tribut und vererben gewöhnlich ihre Kunst auf ihre Töchter. Sie wohnen gemeinschaftlich in kleinen Städten und Dörfern, besonders zu Metubis in Unterägypien, ziehen aber im ganzen Lande herum, und erhalten, vorzüglich während der groſsen Feste, schaarenweis Erlaubnils, in die Städte zu kom- men. Bei einer Ausflucht nach Matarieh fand ich ein ganzes Lager derselben pei einander, das, wie man mir sagte, nicht weniger als hundert enthielt. Einige sind jung und hübsch, sehen aber gemeiniglich sehr entkräftet aus. Man pflegt sie in die Harems zu berufen, um die jungen Mädchen im Tanz, im Gesang und in der Grazie zu unterrichten; und weil diese Weiber oft reich sind, finden sie bisweilen Gelegenheit, sich gut zu verheirathen. Sie färben, wie die meisten Orientalinnen, die Nägel, das Innere der Hand, die Fuſssohlen und oft auch Kinn und Wangen mit Henna(Lausonia inermis, einem Baum, der schon bei Cairo wächst*)) orangegelb, die Augenlieder, *) Man s. Hrn. Prof. John's chemische Analyse der Blätter desselben unter den Beilagen. 29 — ——j 226 Brauen und Haare aber schwarz. Dieser Gebrauch ist uralt, man findet an weiblichen Mumien oft deutliche Spuren davon, und ich habe dergleichen färbendes Pulver gesehen, das in den Katakomben, nebst anderm weiblichen Geräth, beigesetzt war. Zur Unterhaltung der Fremden pflegt man auch Schlangenbeschwörer ihre vorgeblichen Zaubereien anstellen zu lassen. Diese Menschen bilden eine Art erblicher Brüderschaft, bewahren ihre Geheimnisse sehr sorgfältig, und keiner von ihnen wird in die höchsten derselben eingeweiht, der nicht vor- her gewisse Beweise von Erfahrung und Geschicklichkeit abgelegt hat. Sie sind im ganzen Lande zerstreut, haben besondere Gerechtsame und in Cairo beläuſt ihre Zahl sich auf etwa dreihundert. Das Volk hält sie für heilig; bei gewissen Feierlichkeiten, z. B. am Tage vor dem Abgang der groſsen Karavane nach der heiligen Kaba, ziehen sie in Processionen einher, mit ſebendigen Schlangen um Hals und Arme, sich convulsivisch wie Rasende geberdend, bis ihnen der Schaum vor den Mund tritt, und bisweilen zer- reiſsen sie die Schlangen mit den Zähnen. Wenn sie in diesem Zustande sind, drängt das Volk sich herbei, besonders die Weiber, um wo möglich den geifernden Mund dieser heuchelnden Fanatiker mit den Händen zu berühren. Wahrscheinlich sind sie Nachkommen der schon im Alterthum wegen ähnlicher Zauberkünste berühmten Psyllen. Sie unterscheiden sich nach dem Grad ihrer Kunst in Saadje und Befahje, welche Namen sie nach den zuerst von ihnen zum Islam übergetre- tenen führen sollen. Die Saadje zeigen Kunststücke mit gezähmten Schlan- gen; die Befahje besitzen Geheimnisse, die Schlangen in den Häusern her- beizulocken und zu fangen. Um aber sicher zu gehen, pflegen sie gewöhn- lich selbst eine Schlange bei sich zu führen, die, wenn die gesuchte ihrer Zauberei nicht gehorchen will, plötzlich von ihnen hervorgezogen wird. Ich verdarb einem solchen, den Herr vox RosErrI hatte rufen lassen, und der gleich beim ersten Auſtreten eine Schlange zu wittern vorgab, seinen armseligen Betrug, indem ich, ungeachtet seiner Räucherungen, Contorsionen und furchtbaren Zauberformeln, ihm nicht von der Seite wich; worauf er, — 227 nach zwei Stunden der lächerlichsten Anstrengungen, die ihn offenbar sehr angriffen, die Dreistigkeit hatte, zu behaupten, die Schlange sey wirklich im Hause vorhanden, aber jetzt bis in den fünften Erdgürtel gedrungen, bis wohin seine Kraft nicht reiche, weil es zu kalt sey, aber den folgenden Tag um zwölf Uhr werde er ihr befehlen zu erscheinen. Allein weder er, noch die Schlange fanden sich ein. Das Aussehen dieses Menschen war übrigens das eines wahren Zaube- rers. Beim Anfang seiner Operationen zog er sich nackend aus, bis auf einen kleinen Schurz um die Hüſten, über seine Brust hing eine schwarze Korallenschnur, sein Haupt war geschoren, bis auf ein Büschel Haare, der auf der Scheitel borstenartig in die Höhe stand, sein Körper schwarzbraun und muskulös. Die Augen verdrehend und mit dem Zauberstab in der Hand, schritt er nun gravitätisch einher, indem er unter Ausstoſsung immer lauterer Imprecationen gegen Decken und Wände stieſs und mit dem Zauberstab die Kammern und Winkel bald des obern, bald des unteren Stockwerkes durchstörte. Seine Räucherungen aus Mehl, Schwefel und Zwiebelschaalen wurden zuletzt so betäubend, dals ein heftiges Husten oft die Zauberformeln unterbrach, und er sich ein Paarmal durch Rauchen einer Pfeife Tabak wieder erquicken muſste. Die hervorzulockende Schlange befand sich wahrscheinlich im Gewahrsam seines Famulus, der sich immer in seiner Nähe hielt; allein den gezähmten Schlangen sind gewöhnlich die Zähne aus- gebrochen, woran man den Betrug leicht entdecken kann. Uebrigens besitzen diese Zauberer, nach der Versicherung eines sehr unterrichteten Mannes, wirklich eine groſse Geschicklichkeit, Schlangen auf- zusuchen und zu fangen. Die Räucherungen, besonders mit Schiech, einem sehr aromatischen Kraute*), sind den Schlangen angenehm und locken sie hervor; der angebliche Zauberstab ist ein Palmenschols, zunächst neben der Krone des Baums abgeschnitten, und voll von dem süſsen Mark desselben, wonach die Schlangen sehr lüstern sind; auſserdem wissen die Beschwörer, *) Eine chemische Analyse desselben von Herrn Prof. John findet man unter den Beilagen. 29 228 bei den Zauberformeln, das Gezisch der Schlangen so natürlich nachzuahmen, daſs diese davon getäuscht werden, und ihr Speichel soll durch das Kauen eines narkotischen Krautes, wodurch sie denselben auf eine gräſsliche Weise vermehren, eine solche betäubende Kraft besitzen, daſs die damit benetzte Schlange sofort einschläft. Anderer Meinung war der Kiaschef von Ghizeh, der sich rühmte, er habe noch jeden dieser Wunderthäter durch Androhung der Bastonade zum Geständniſs gebracht, daſs er ein Betrüger sey und die Schlangen bei sich führe. Ein so heroisches Mittel, die Wahrheit zu erfor- schen, dürfte jedoch nicht die zuverläſsigsten Resultate geben. In Boulak, einer am Nil belegenen Vorstadt, voll arbeitsamer Einwohner, die nur eine gute Viertelstunde von Cairo entfernt und wegen der Reinheit der Luſt der Sommeraufenthalt vieler Vornehmen ist, läſst der Pascha für seinen Enkel einen Palast erbauen, der während meiner Anwesenheit nur noch in einzelnen seiner Theile decorirt wurde. Er ist groſs und zierlich, „ aber nach constantinopolitanischer Art leicht gebaut. In diesem Palast hat der Pascha eine bedeutende Sammlung von Büchern aus allen Fächern, von mathematischen und physikalischen Instrumenten, die in Paris gearbeitet sind, von Kupferstichen, Modellen und nützlichen Geräthen aufstellen lassen, die durch neue Ankäufe noch immer vermehrt wird. Werke, deren Ueber- . setzung ihm zweckmäſsig dünkt, läſst er ins Arabische übertragen, und zur Anlage einer Buchdruckerei werden Vorbereitungen gemacht. Am verspre- chendsten für die Zukunft ist aber die Veranstaltung, hoffnungsvolle Jüng- linge auf Kosten der Regierung im Auslande reisen zu lassen, weil dadurch am sichersten der übermüthigen Intoleranz, die bisher im Orient allen Ver- besserungen unübersteigliche Hindernisse in den Weg setzte, gesteuert wer- den kann. Boulak wird mit Cairo durch einen Damm verbunden, der sich aber leicht viel zweckmäſsiger hätte anlegen lassen. Das Lustschloſs Schoubra liegt ebenfalls am Nil, ist nebst den Gärten vom Pascha angelegt und wird noch täglich verschönert. Die von Cairo dort- hin führende Straſse, eine halbe Meile lang, gleicht einer europäischen und ist mit Maulbeerbäumen bepflanzt, wodurch die ganze Gegend ein freundliches ·— 229 Ansehen gewinnt. Das Schloſs ist sehr artig in dem zu Constantinopel herr- schenden Geschmack erbaut und eingerichtet, und der Garten sieht einem altfranzösischen nicht ungleich. Besonders gefielen mir einige Pavillons, die mit Marmor ausgelegten Bewässerungsrinnen, vorzüglich aber die mit kleinen schwarzen und weilsen Kieseln in musivischen Arabesken sehr mannigfaltig gepflasterten Gänge. Die Steinchen sind in eine Art Puzzolana gesetzt, und die ganze Anlage von Griechen ausgeführt. Würde das Beispiel des Pascha durch ähnliche Verschönerungen, wie er es wünscht, fleiſsig nachgeahmt, so mülſste Aegypten bald eine andere Gestalt gewinnen. Die Ruinen von Heliopolis liegen bei dem Orte Matarieh, anderthalb Meilen von Cairo entfernt, der Obelisk stand aber bei meiner Anwesenheit noch unter Wasser. Eine nahe gelegene gute Quelle wird Ain-Schems, der Sonnenquell, genannt. In einem Orangengarten findet man einen dicken uralten Baum, unter welchem die Jungfrau Maria mit dem Christuskinde auf ihrer Flucht geruht haben soll; der Stamm ist aber durch die reliquien- süchtige Andacht frommer Seelen sehr miſshandelt worden, indem unzählige Splitter und groſse Stücke herausgeschnitten sind. Die Pyramiden besuchte ich mit einer groſsen Gesellschaft von Herren und Damen; ein Lager von mehreren Zelten wurde bei einer Katakombe in der Nähe der zweiten Pyramide aufgestellt, der Kiaschef von Ghizeh, der Scheik der Pyramiden, viele Araber und eine bedeutende Dienerschaft mit pferden, Kameelen und Eseln waren in Abständen umher gelagert, und ihre malerischen Gruppen um die Bivouakfeuer, bei hellem Mondschein, erhöhten den Zauber und die Majestät der uralten Denkmäler, deren Riesengröſse blos in der Nähe imponirend ist. Ich drang nur in die des Cheops ein, weil die des Chephren, welche von Herrn BEEzoxl wieder eröffnet wor- den, sehr mühsam zu besehen ist. Die groſsen Steine, woraus sie stufen- weise erbaut sind, liegen horizontal über einander, und haben keine Senkung nach innen. In den Gängen und kammern fand ich die Steine mit Gyps verbunden, von welchem ich zu näherer Untersuchung, so wie von den Steinen, einiges mitnahm. 230 Die berühmte Aussicht von dem Gipfel der Pyramiden ist nicht so rei- zend, wie sie geschildert wird; Savary meint sogar, von ihr hätten Dichter zuerst die Idee eines Elysiums entlehnt. Zwar ruht das Auge mit Wohlge- fallen auf dem majestätischen Nil, der Insel Rhoda und einigen Orangen- bäumen bei Ghizeh; allein auſser einem schmalen Strich angebauten Landes, der die libysche und arabische Wüste trennt, erblickt man nur Verödung und Unfruchtbarkeit, und einige elende Dörfer im Nilthal. Die kolossale Sphinx ist jetzt weit mehr verstümmelt, als da Niebuhr sie untersuchte. Auf ihrem Rücken hat man eine Oeffnung entdeckt. Vor einigen Jahren lieſs der englische Generalconsul, Herr SAT, sie durch Herrn CAVIGEIA ganz vom Sande befreien, wobei sich auswies, daſs der Körper des Ungeheuers groſsentheils aus dem Felsen gehauen, dagegen die Pfoten, die bis auf funfzig Fuſs lang waren, aus Mauersteinen gearbeitet sind. Vor der Brust befand sich eine Art Kapelle mit einem Altar, alles ist aber wieder verschüttet. Zwischen der Sphinx und der mittleren Pyramide hat man kürzlich mehrere Gänge und Brunnen entdeckt, woraus sich vermuthen lälst, dals neben oder unter der Sphinx sich vielleicht der Eingang zu den unter- irdischen Gemächern dieser Pyramide befand. Die Katakomben, deren ich in der Nähe der Pyramiden mehrere besuchte, enthalten zum Theil höchst interessante Darstellungen in Hiero- glyphen und Figuren, die wohl eine genaue Bekanntmachung verdienten. Erst neuerlich ist man aufmerksamer auf sie geworden. Nach dieser genuls- reichen Ausflucht kehrten wir am Morgen im Karavanenzuge nach Cairo zurück. Eilktes Kapitel. Reise coon Catro bis TZ' heben. Abreise 297 Boulak— Salpetersiederei zu Bedrischen— Local des alten Memphis— Unter- nommene Nachgrabungen zu Sakkarz— Lbismumien— Benisouef— Gebel-el-Theier— Versunkene Barken— Urtheilsspruch des Kadi von Minieh— Grüber von Beni-Hassan und Soheik-Abadeh— Antinoe— Herr Brine zu Radamonn— Ruinen von Hermopolis magna— Siout— El-Gau— Akhmim— Girgeh— Abydus— Krokodile— Doumpalmen— Dendera— Khenell— Kous— Nilflosse aus Thongefdhſsen. Den igten December Nachmittags um 3 Uhr ritt ich in Gesellschaſft einiger Freunde, die Sakkara mit mir besuchen wollten, und des Herrn Dr. Rrcc-, der mich auf der Reise nach Oberägypien als Künstler begleitete, auf Eseln von Boulak nach Alicairo, wohin ich mein Schiff, einen sogenannten Masch, mit einem Reis und sechzehn Matrosen bemannt, vorausgeschickt hatte. Mit gutem Winde segelten wir hierauf ab, und legten bei Anbruch der Nacht unweit Bedrischen an, wo sich eine Salpetersiederei befindet, in der, nach Herrn BAFFI's Methode, dieses Salz ohne Feuer, blos durch Einwirkung der Sonne gewonnen wird. In Cairo reinigt man es jedoch nachher durch Feuer aus Maisstengeln und einer getrockneten Grasart. Da der Salpeter ganz gebildet in der Erde gefunden wird, so braucht man ihn hier nicht auszulaugen, und klärt ihn bei der zweiten und dritten Kochung durch Eiweils. Zur Belohnung seiner für Aegypten höchst wichtigen Erfindung S. —————Z—Z—’’’’’’;-:--Pn— 232 erhielt Herr BArFI von dem Pascha ein Geschenk von 100,000 spanischen Thalern, eine schöne Wohnung, beträchtlichen Gehalt und freie Lieferung aller Bedürfnisse.. Den 20 sten Morgens um 7 Uhr ritten wir auf Pferden und Eseln Bedlri- schen vorbei, die Ruinen von Abousir rechts lassend, zwischen Metraheni und Mohanan über den mit Granit- und Marmortrümmern bestreuten Bo- den des alten Memphis. Auf einigen Anhöhen lagen wahrscheinlich die Tempel, Paläste und öffentlichen Gebäude. Bei Nachgrabungen, die hier sehr belohnend ausfallen dürften, würde, bei regelmäſsiger Führung dersel- ben durch Kreuzkanäle, sich bald ergeben, ob verschiedene beträchtliche Erhöhungen jenseits der Ruinen vielleicht einen Theil des Dammes aus- machten, welchen Menes errichten lieſs, damit der Nil, in einiger Entfernung von den libyschen Bergen, Memphis von der Ostseite umflieſse(Herod. II, 99.). Die nicht unter der Erde begrabenen Trümmer der alten Hauptstadt Aegyp- tens muſs man in den Moscheen Alexandrien's und Cairo's aufsuchen, beson- ders an letzterem Ort in dem sogenannten Josephssaale und in der Nach- barschaft der arabischen Wasserleitung, allein sie sind von Griechen und Sarazenen überarbeitet und verändert. Etwa eine halbe Meile südwestlich von der Stelle, wo ich das alte Memphis vermuthe, hört das angebaute Land auf, und hier am Saum der libyschen Wüste liegen die Pyramiden von Sakkara, deren etwa dreiſsig noch vorhanden sind, die in der Richtung von Osten nach Westen gegen fünf Viertelmeilen und von Norden nach Süden drei und eine halbe einneh- men; von weit mehreren sind blos die Spuren noch übrig. Obgleich denen von Ghizeh an Gröſse nicht beikommend, bleiben sie, besonders die bei Daschour, für den Architekten und Geschichtsforscher sehr beachtungs- werth. Ich gab daher während meiner Anwesenheit Befehl, die Eröffnung der gröſsten, treppenartig erbauten zu versuchen, und, bei milslingender Arbeit, den Versuch auf eine oder mehrere andere zu übertragen. Die Leitung dieses Unternehmens übertrug ich Herrn MsARA, einem Levantiner und Dragoman des französischen Generalconsuls in Cairo. 4 233 In der Ebene von Sakkara findet man, auſser den Pyramiden, die Ein- gänge zu unzähligen unterirdischen Grotten. Eine neugeöffnete Katakombe fand ich mit unversehrten Bildern und Hieroglyphen angefüllt. Eine andere, die mir überlassen wurde, zeichnete sich nicht blos durch die Regelmälsig- keit ihrer Eintheilung, sondern auch dadurch aus, dalſs ihre Kammern mit nach dem Keilschnitt zusammengefügten Steinen überwölbt und diese mit den herrlichsten Hieroglyphen bedeckt waren. Ein redender Beweis, dals den Aegyptern die Kunst nach unserer Weise zu wölben nicht unbekannt war*). Etwa achzig Fuſs unter der Erdfläche befand sich der Sarkophag, von Kalkstein und mit den zierlichsten Hieroglyphen bedeckt, den ich indeſs einem anderen Liebhaber überlieſs, da ich in einer dritten auf meine Kosten aufgegrabenen Katakombe einen Sarkophag von Granit entdeckte und her- auszuziehen befahl. Zweihundert Arbeiter waren drei Monate lang beschäf- tigt, ihn mittelst Flaschenzüge durch schachtartige Gänge, da er sehr tief unter der Oberfläche lag, ans Tageslicht zu. befördern. Er war innen und auſsen mit Figuren bedeckt und, obgleich der Deckel fehlte, höchst interes- sant, ging aber, mit so vielen anderen mühsam und durch bedeutende Geld- opfer erworbenen Denkmälern, am Ausfluſs der Elbe verloren. Noch wunderbarer, als die für Menschen bestimmten Gräber, erscheinen die Ibis-Katakomben, in denen diese Vögel zu vielen hunderttausenden bei- gesetzt sind. Herr SAy versicherte mir, der wahre Ibis finde noch jetzt sich auf den südlichen Inseln des rothen Meeres an der äthiopischen Küste, wo er einige derselben geschossen babe, in Aegypten treffe man ihn nicht mehr. Auf dieser Ausflucht machte man mich indeſs auf einige Vögel auf- merksam, die man für die echte Art ausgab; sie hatten einen krummen *) Mit noch mehr Wahrscheinlichkeit dürfte sich hieraus ergeben, daſs der Gebrauch der Hieroglyphen in Aegypten nicht so früh aufhörte, als man anzunehmen pflegt, und daſs viele ägyp- tische Denkmäler von unendlich jüngerem Ursprung sind, als man gegen das Zeugniſs der Inschriften, der Geschichte und des Augenscheins sich gern überreden möchte. 30 234* Schnabel und waren schwarz und weils, wie Herodot sie beschreibt*), und wie sie auf Denkmälern vorkommen; sie zu erlegen, gelang indeſs nicht. Ich hatte zu Cairo Gelegenheit, einen kleinen hölzernen, bei Hermopolis gefundenen Sarkophag mit einer Ibismumie zu sehen, auf dem sich die, Tafel XXI. Fig. 13. treu kopirte, Abbildung dieses Vogels befand. Eine andere ganz schwarze Art hielt sich vom Menschen entfernter und war, durch Bekämpfung der Schlangen, für Aegypten besonders wohlthätig**). In den Mumientöpfen von Sakkara bemerkt man mehrere Verschiedenheiten des Ibisgeschlechts; die Vögel sind aber durch die Länge der Zeit wie ver- kohlt und die Federn nur selten zu unterscheiden. Dies war auch der Fall bei einer beträchtlichen Anzahl solcher Töpfe, die ich heraufholen und in meiner Gegenwart zerschlagen lieſs. Mit Unrecht aber halten Chateaubriant, Sawary und andere Reisende, den an die Heerden sich anschlieſsenden, bei- nah zahmen weilsen Vogel, Ardea garzetta, alba und aequinoctialis, für den heiligen Ibis der alten Aegypter. Umfassende Nachgrabungen dürften auch bei Sakkara sehr ergiebig und belehrend seyn. Es scheint, daſs jeder Kaste und mehreren Thiergeschlech- tern hier abgesonderte Begräbniſsbezirke angewiesen waren, deren Ausdeh- nung in Erstaunen setzt. Nachmittags um 3 Uhr trat ich den Rückweg nach meinem Fahrzeuge an, trennte mich von meinen Freunden, die nach Cairo zurückkehrten, und setzte um 5 Uhr mit guiem Winde meine Reise stromaufwärts fort, wo ich bald nachher bei dem Dorfe Riba vorbeikam, welches durch die diesjährige hohe Ueberschwemmung beinahe ganz, sammt Bäumen und Heerden, fort- gerissen wurde, wobei auch einige Menschen das Leben einbülſsten. Oberhalb des Ortes ist durch die Gewalt des Wassers eine tiefe Bucht ausgespült, so- daſs wahrscheinlich nächstes Jahr auch der Rest des Dorfes, der jetzt auf einer Landzunge liegt, verloren geht. Unglücksfälle dieser Art sind in Aegyp- ten sehr häufig; allein sich gegen Naturereignisse zu sichern, scheim dem *) Herodot. II, 76.**) Herodot. ibid. — ——— . f ——— —QC—Bꝛ⸗—ꝛ—j——ᷣ—˖——᷑BFOQ˖‧HQ˖’uaO‧—Oů:O:O⸗—O—nñ—— 235 gläubigen Moslem eine Gottlosigkeit. An den schlechten Lehmhütten ist indeſs wenig gelegen, nur der Verlust des Viehes und der Bäume ist empfindlich. Auf mein Verlangen segelten wir die ganze Nacht durch, und ich hatte oſt Gelegenheit, die Muskelkraft meiner Schiffer zu bewundern, die auf seichten Stellen das schwere Fahrzeug mit ungeheuren Stangen und bis- weilen mit Händen und Schultern fortbewegten, wobei sie sich nackt in's Wasser stürzten, und bei der Anstrengung gewöhnlich sangen. Die Ufer des Nil gewannen immer mehr an Fruchtbarkeit, Mannigfaltigkeit und Reiz. Am Morgen lieſs ich die Pyramide von Haram-Gedab, gegen Abend die am Eingange des Thales Fayroum hinter mir, und legte beim Einbruch der Nacht, da meine Schiffer müde waren, unterhalb Benisouef an. In dieser artigen kleinen Stadt, deren Häuser meist aus Ziegeln erbaut sind, werden sehr wohlfeile wollene Teppiche gewebt. Sie hat durch hohe Fluthen sehr gelitten; ein Thurm, der während der französischen Invasion sich mitten in der Stadt befand, liegt jetzt unmittelbar am Ufer des Stroms. Als wir am 268ten unfern Bibeh, bei widrigem Wind, eine gescheiterte Barke, die uns im Wege lag, zu umschiffen versuchten, wurde unser Fahr- zeug mit solcher Heftigkeit gegen das Ufer geschleudert, daſs wir beinah alle über einander stürzten und das Schiff beschädigt wurde. Der eingetroffene Commandant des Districts lud mich zu sich ein und bewirthete mich, welche Artigkeit ich durch ein Geschenk an sein kleines Kind erwiederte. Nach einigen Stunden wurde der Wind günstig, den ich auch sogleich benutzte, allein durch die Ungeschicklichkeit oder Bosheit des Reis auf eine Sandbank gerieth, von der das Schiff erst nach mehrstündiger Arbeit wieder frei kam. Den 29sten schifften wir den Gebel-el-Theier vorbei, der zum Mokatam- gebirge gehört, welches hier dicht an den Nil vortritt, und seinen Namen: der Vogelberg, von den Tauben und wilden Enten hat, die in unzähliger Menge sich auf ihn niederlassen und oſt den Nil gleichsam bedecken. Oben befindet sich ein koptisches kloster, dessen Mönche, wenn Schiffe vorüber fahren, sich an einem Seil in den Nil herablassen, um ein Almosen zu 30* 236 begehren; worauf sie mit grolſser Behendigkeit zurückschwimmen und in einer Art von Wassereimer wieder in die Höhe gezogen werden. Mir ward dieser Anblick nicht zu Theil, indem ich mitten im Strome bei gutem Winde schnell vorüber fuhr, und sie wahrscheinlich sich nicht getrauten, das Schiff zu erreichen. Auf dieser Fahrt stieſsen wir wieder auf einige versunkene Barken. Um eine gröſsere Ladung einnehmen zu können, bauen nämlich die Schiffer auf dem Bord ihrer Fahrzeuge einen Rand oder Damm von Nilschlamm und Stroh, und schütten das Getreide oder andere Waaren, die sie führen, sogar noch höher auf, als dieser zerbrechliche Rand ist, der dadurch nur sehr wenig über dem Wasser steht. Dringt dieses ein, welches durch einen geringen Unfall bewirkt werden kann, so muſs das überladene Gefäſs untergehen. Die Schiffer sind aber deshalb ganz unbesorgt, und retten sich durch Schwim- men, denn Schiff und Ladung gehören meistens der Regierung. Ich war Zeuge, dals kurz nach einem solchen Unfall die Schiffleute mit der gröſsten Gleichgültigkeit, als stiegen sie aus dem Bade, ihre Kleider trockneten. Den ersten Januar 1821 erreichte ich gegen Mittag Minieh, eine kleine, ganz artig gelegene Stadt, mit engen Straſsen und schlecht gebauten Häusern, wo sich einst ein Anubistempel befunden haben soll. Sie ist der Sitz eines Kiaschefs, hat fünfhundert Mann Besatzung, scheint ziemlich bevölkert und treibt einigen Handel. Ich verklagte hier meinen Reis, der, wie alle Araber, ungeachtet des beschworenen Contracts, auf nichts, als mich zu hintergehen bedacht war. Statt sechs und zwanzig Schiffleute, für die er bezahlt wurde, befanden sich jetzt auf dem sehr groſsen Fahrzeuge nur funfzehn, und unter diesen ein Kind und kränkliche Greise. Lootsen fehlten uns ganz, obgleich uns fast täglich ein Unglück widerfuhr, und der Reis sich verpflichtet hatte, zwei des Obernils kundige Nubier anzunehmen. Zur Anschaffung der nöthigen Lebensmittel auf die ganze Fahrt hatte ich ihm tausend Piaster vorausbezahlt; er versah sich aber nur auf wenige Tage mit Brodt, und lieſs das Geld in Cairo zurück. Hier in Minieh erklärte er mir, seine Schiffer hätten nichts zu leben, falls ich weiter wolle, müsse ich für ihren Unterhalt sorgen. — 237 Der Kadi verwies dem Reis seine Treulosigkeit, erklärte sich bereit, ihn auf mein Verlangen köpfen oder an der groſsen Segelstange seines Fahr- zeuges aufhängen zu lassen, bat mich aber, den Schiffleuten, die an dem Betrug unschuldig seyen, zum Ankauf des nöthigen Brodtes Geld vorzu- schieſlsen, welches er, der Kadi, im Fall der Nichtzahlung, mir wieder zustellen lassen würde. Ich konnte nicht umhin, der Gerechtigkeit dieses Spruches Beifall zu geben, und der Reis wurde sehr kleinlaut; sobald er aber merkte, dafs ich seinen Kopf nicht verlange, hielt er seine List für gelungen. Ich muſste zahlen; nicht Brodt, sondern Korn wurde eingekauft, und bis dies gemahlen und verbacken war, verging Zeit, die der Reis gewann, indem ich nicht im Ganzen, sondern auf einzelne Monate mit ihm abgeschlossen hatte. Auch erneuerte er von dieser Zeit an nur ungescheuter seinen Betrug. Nachmittags besuchte ich mit meiner Frau ein bei Minieh belegenes Orangen- und Palmenwäldchen, und in den Bazars der Stadt erregte sie mit unbedecktem Gesicht einige Aufmerksamkeit. Den folgenden Morgen fuhren wir weiter, und begegneten um Mittag dem Dragoman des Hrn. BRINE, welchen dieser die Artigkeit gehabt hatte, mir in einer Kange entgegenzu- senden, mit Briefen, die bei ihm schon seit sechs Tagen durch Boten aus Cairo für mich eingetroffen waren, und mit einer schriftlichen Einladung, auf einige Tage in Radamoun bei ihm einzukehren. Gegen drei Uhr befanden wir uns den Grotten von Beni-Hassan gegen- über, die wir sofort besuchten. Man trifft deren viele etwa in der Mitte des Berges, andere weiter oben, unter denen besonders drei ausgemalte, wegen der Darstellungen ägyptischer Künste und Gewerbe, merkwürdig sind. Man sieht Weber, Töpfer, Schuster, Jäger, Fischer und Becker, den Destillirkol- ben und die Glasmacherkunst, so wie alle nur möglichen Arten des Ringens und Kämpfens. Unter andern fiel mir ein Equilibrist auf, der, sich rück- wärts überbiegend, die Erde mit den Händen berührt, und vier Männer, die sich mit zurückgelehntem Körper im Kreise schwingen. Unter diesen befin- det sich auch eine Gruppe, der in den Abbildungen zu Creuzers Symbolik 238 und Mythologie, Tafel 17. Fig. 3., mitgetheilten ähnlich, die ich deswegen nicht für Antäus und Herkules halten kann. Die Bastonade wird hier schon eben so ausgeübt, wie man sie noch jetzt in Cairo ertheilt: der Züchtling liegt mit dem Leibe auf der Erde, und zwei Menschen halten ihm Arme und Füſse, während ein dritter ihm Stockschläge giebt. In diesen Grotten findet man auch den, anderswo selten vorkommenden Hippopotamus*). Weiter stromauf, zwischen Beni- Hassan und Scheik-Abadeh, trifft man noch mehr Grotten mit interessanten Darstellungen, unter andern der des Transports eines monolithischen Kolosses(Tafel XIII.), der mit Stricken auf einer Schleife festgeknebelt ist. Voran ziehen sechzig Sänger in sechs Reihen, deren jeder in der rechten Hand einen Palmzweig, in der linken ein Bananenblatt hält. Achtundachtzig Arbeiter bewegen an vier Stricken, die vorn an der Schleife beſfestigt sind, den Koloſs, auf dessen Plinthe sich ein Mann befindet, der Wasser ausgieſst, um die zu starke Reibung zu verhin- dern und die Bahn glatt zu erhalten. Auf den Knieen der Bildsäule steht ein anderer, vielleicht ein Werkmeister, der den Takt zur Arbeit angiebt, während ein dritter, den man als auf ebner Erde stehend sich denken muſs, jenem zugekehrt, die Zeichen desselben mit hölzernen Schlägeln hörbar zu machen scheint. Neben dem Schlitten sieht man drei Männer, jeden mit zwei Wassergefäſsen an einer Trage auf den Schultern, und drei andere mit einem hölzernen Werkstück. Den Beschluſs machen funfzehn Männer, drei zu drei gehend, wovon die vordersten Stöcke führen und vielleicht Aufse- her sind. Wo die Bildsäule von den Stricken berührt wird, ist sie durch Stückchen Fell gegen Reibungen gesichert. Nach Herrn BoRoNis(traité complet de mécanigue appliquce auæ arts) sind noch jetzt, zur Fortbringung sehr schwerer Lasten, einfache Schlitten *) Unter den mitgebrachten Zeichnungen des Herrn Generals befanden sich die meisten der im Text erwähnten Gegenstände, mit Ausnahme des Destillirkolbens und der Glasmacherkunst. Als besonders merkwürdig geben wir aus den wahrscheinlich nicht uralten Katakomben von Beni-Hassan, die Herr Hamilton sehr umständlich beschrieben hat, Tafel XXIIV. Fig. 1. 2wei Netzflechter, und Fig. 2. einen Meber. — — y————— 239 das bequemste und wohlfeilste Mittel; nur müssen sie, nach seiner Meinung, mit Eisen beschlagen seyn, was an dem hier dargestellten nicht zu bemer- ken ist. Uebrigens waren Schlitten, wie es scheint, in Aegypten von sehr allgemeinem Gebrauch. In den Groitten von Ilithyia wird ein solcher von zwei Menschen gezogen, auf dem eine vornehmere Person in niederge- kauerter Stellung sitzt. Ein anderer Schlitten wird von zwei Stieren und einigen Menschen fortbewegt, und der Herr steht auf demselben, während ein Diener vor dem Schlitten Wasser ausgieſst. Die Darstellung, worin diese Schlitten vorkommen, schien mir auf eine Begräbnilsfeierlichkeit Bezug zu haben. Auffallend war mir in einer der Grotten zwischen Beni-Hassan und Scheik-Abadeh die Gestalt eines Römers, kenntlich durch seine Kleidung und ganze Figur. Wahrscheinlich ist dessen Einweihung abgebildet, wie sich aus den vor ihm her gehenden Aegyptern schlielsen lälst. Den folgenden Morgen kam uns Herr BnINL selbst entgegen, dessen Kange wir um zwei Uhr betraten, und zuerst die Ruinen von Scheik-Abadeh, dem alten Antinoe, besuchten, die von der reizendsten Landschaft umgeben sind, und, wegen der über den Palmen hervorragenden corinthischen Säulen, bei den Eingeborenen die seltsame Benennung: Abou-El-Keroun, der gehärnte Vater, führen. Alle hier vorhandenen zahlreichen Trümmer, von höchster Pracht und Anmuth, scheinen, bis auf einige Triumphsäulen des Alexander Severus, dem Zeitalter Hadrians anzugehören, der Antinoe zu Ehren seines im Nil ertrunkenen Lieblings Antinous bauen lieſs. Von der älteren ägyptischen Stadt bemerkt man keine Spur, aber unter dem Schutt viele Bruchstücke von Porphyr, Granit und selbst von italienischem und parischem Marmor. Ich tauschte einen hier ausgegrabenen, geschmackvoll verzierten ehernen Helm gegen andere Antiken ein, und ordnete Excavatio- nen an, deren Resultate ich noch erwarten muſs. Abends spät trafen wir in Radamoun ein, wo unser gastliche Wirth, Herr BRINE, ein geborner Engländer, für Rechnung des Pascha eine Zucker- siederei angelegt hat, und eine angenehme Wohnung und Garten besitzt. —““— op—8öſ— 240 Die Fabrication wird sehr ins Groſse getrieben, und lieferte 1820, 11,000 Zent- ner raffinirten Zuckers; dieses Jahr hofft Hr. BRINE es auf 20,000 zu bringen. Die Siederei im nahe gelegenen Rauda lieferte bis jetzt 12,000, und ganz Aegypten, den Rohzucker mit eingerechnet, 80,000 Zentner. Bei vermehrter Exportation lieſse der Ertrag mit Leichtigkeit sich verzehnfachen; in Aegypten selbst und überhaupt im Orient ist der Verbrauch des Zuckers nur unbe- deutend. weil man allgemein den Kaffee bitter trinkt und den Genuls des Thees noch nicht kennt. Uebrigens ist der hier gewonnene Zucker vortrefflich und wohlfeil; ich sah nie weiſseren Zuckerkand, als einige Proben, die Herr BRINE mir vor- legte, und etwa drei Pfund Mittelzucker kosten nur acht Groschen Preuſsisch. Der Zucker wird mit Eiern geklärt, deren in Herrn BRAINE'S Fabrik täglich an tausend Stück verbraucht werden; was aber nur in einem Lande mög- lich ist, wo das ganze Tausend auf etwa zwölf bis vierzehn Groschen zu stehen kommt. Der Syrup wird theils ausgeführt, theils zu Rum benutzt. Das Pflanzen des Zuckerrohrs geschieht durch Einlegung knotenreicher Rohrstücke in sechs Zoll tiefe Furchen, wo sie mit Erde bedeckt und durch Schöpfräder unausgesetzt bewässert werden. In kurzer Zeit treibt jeder Knoten einen Schöſsling, der schnell heranwächst, und während der Nil- überschwemmung unter Wasser steht. Das gezeitigte Rohr wird in einer Mühle, durch zwei starke Walzen, welche, mittelst eines von Büffeln umge- triebenen horizontalen Rades, in entgegengesetzter Richtung bewegt werden, ausgepreſst; der abflielsende, gelbliche Saft in groſsen Behältern gesammelt, und durch wiederholtes Sieden verdickt und geläutert. Jedoch wird auch viel Zuckerrohr frisch zu Markt gebracht und roh zerkaut oder ausgesogen; dasselbe ist von süſslich fadem Geschmack, soll aber der Gesundheit sehr zuträglich seyn. Ein Feddan Acker, über anderthalb Morgen(5724 Qua- dratmeter), bringt im Durchschnitt fünf Cantars, ungefähr hundert Pfund, Zucker. Den 4ten besuchten wir in Gesellschaft des Herrn BRIXNE die fast eine Meile landeinwärts liegenden Trümmer von Hermopolis Magna, die einen —— 2 ——— 241 Raum von drei Viertelmeilen lang und einer Viertelmeile breit einnehmen, wo der ägyptische Name der alten Stadt in dem armseligen Dorfe Asch- mounin noch fortdauert. In einer verfallenen Moschee findet man antike Säulen von lauchgrünem Marmor, deren Form jedoch verändert ist. Das prächtigste auf diesem Feld der Verwüstung ist aber der Porticus des Her- mestempels, dessen zwölf Säulen, aus Kalkstein, in zwei Reihen, mit abge- stumpften Lotuskelchen, in ihren Dimensionen nur den gröſsten zu Theben erhaltenen nachstehen. Ich nahm die Maalſse dieses unvergleichlichen Denk- mals, in Gemeinschaft des Hrn. Dr. Rrcci, soweit zusammengesetzte Maaſs- stäbe es verstatteten, und lieſs eine der Säulen, die fünf bis sechs Fuſs hoch verschüttet waren, durch eine bedeutende Anzahl von Arbeitern bis unter der Plinthe aufgraben. Das Resultat unserer Arbeit findet man Tahel XIII. Fig. 1— 6., wodurch die von Pococke, Denon, Hamilton und im grolſsen französischen Werke gegebenen Abbildungen berichtigt werden. Die Säule Fig. 3. ist aus den am besten erhaltenen Theilen aller zusammengesetzt, und eben so die Farben möglichst vollständig angegeben, unter denen ich jedoch das Grün vermilste, das sonst auf ägyptischen Denkmälern selten zu fehlen pflegt. Die Dimensionen sind nach englischem Maalſs bestimmt, welches wir zufällig hier bei uns hatten. Der Tempel selbst, dessen Eingang dieser kolossale Porticus bildete, ist von der Erde wie verschwunden; Nachgrabungen dürften indeſs hier eben so belehrend, als durch Auffindung von Kunstwerken für den Unternehmer belohnend seyn. Die Hoffnung, einen ganz mit Hieroglyphen bedeckten neu gefundenen Sarkophag zu erwerben, den man mir zu kaufen antrug, lockte mich nach Melawi, einer Stadt etwa eine halbe Stunde oberhalb Radamoun. Statt eines Sarkophags fand ich eine monolithische Kapelle von Granit, die seit undenk- lichen Zeiten dem Vieh zur Tränke gedient hatte, und blos an der Thür- einfassung mit Hieroglyphen verziert war. Sie mochte etwa fünf Fuſs hoch seyn, war aber sehr schwer, weshalb ich mich mit einer bloſsen Abbildung begnügte, die man Tafel XXIX. Fig. 9. antrifft. 31 —————.—— —G 3 4 * 242 Die Gegend zwischen Radamoun, Hermopolis, Melawi, bis nach Antinoe, giebt ein Beispiel, in welches Paradies sich Aegypten unter der Hand betrieb- samer Einwohner verwandeln würde. Ueberall grünende Saaten! Getreide- und Doura-Felder wechselten ab mit Pflanzungen von Zuckerrohr, Wicken und Bohnen, beide jetzt in voller Blüthe! Dazwischen Palmenwäldchen, Sykomoren, Gummi- und Tamarindenbäume. Kameele, Pferde, Büffel, Esel und Schaafe weideten durch einander im Klee, und vertraulich mit ihnen der weiſse Ibis, eine Reiherart mit schwarzem, geraden Schnabel(Ardea garzetta). Diese Kleefütterung des Viehes dauert vier Monate und heiſst Bar- zim, während welcher Zeit es nicht zu trinken erhält und weniger als sonst angestrengt wird. Von der Fruchtbarkeit Aegyptens macht man sich bei uns einen über- triebenen Begriff. Nach allen auf verschiedenen Punkten eingezogenen Nachrichten gewinnt man selten mehr als das siebente bis zehnte Aussaat- korn. Das Feld wird aber nicht gedüngt, und nach einander mehrmal bepflanzt, wodurch der Ertrag gesteigert wird. Das gewonnene Getreide würde für den Bedarf der Einwohner nicht zureichen, genössen diese nicht meist Bohnen, Linsen, Doura und andere Früchte. Zweckwidrig ist der Gebrauch, die Saat gleich nach dem Rücktritt der Wasser auf dem noch schlammigen Boden auszustreuen, wodurch viel verdirbt; das Unterpflügen geschieht höchst nachläſsig, so dals ein Theil der Saat von den Schollen erstickt, und noch mehr von den zahllosen Vögeln, besonders Tauben, die in unglaublicher Menge vorhanden sind, aufgezehrt wird. Auch während das Korn in Garben steht oder in Haufen aufgeschüttet im Felde liegt, nähren diese sich ungestört, und man rechnet den dadurch veranlaſsten Schaden auf ein Drittel des ganzen Ertrags. Dicht bei Radamoun liegen die Trümmer des Castellum Hermopoliticum, ploſse Schutthaufen gebrannter Ziegeln und Scherben. Den dritten Tag verlieſsen wir Herrn BRINE'S gastfreie Wohnung, wo jeder Reisende nicht blos einer herzlichen Aufnahme sicher seyn darf, son- dern gewöhnlich noch auf mehrere Tage mit Vorräthen aller Art reichlich 243 versehen wird. Wir erreichten dann Monfalout, wo viel Leinwand verfertigt wird; und darauf Siout, eine der gröſsten Städte Ober-Aegyptens an einem Kanal, eine Viertelmeile vom Nil entfernt und auf einer Anhöhe vor einem steilen Bergrücken belegen, der die Grotten des alten Lycopolis enthält, welches einst die Stelle der jetzigen Stadt einnahm. Besonders in dieser Gegend gewinnt man das ächte Opium der Thebaide. Bei Gau-el-Kebir, dem alten Anläopolis, suchte ich umsonst den berühm- ten Porticus und den kleinern, peripterischen Tempel; das hohe Wasser hatte dies Jahr die letzte noch stehende Säule niedergestürzt, und nur ein- zelne Steinblöcke mit Hieroglyphen lagen zerstreut umher. Ich lieſs durch Herrn Rrcor das am besten erhaltene Fragment abzeichnen, man findet es Tafel XX. Fig. 5., und bei meiner Rückkehr, wenige Monate später, waren die Einwohner beschäſtigt, auch diese letzten Trümmer zum Kalkbrennen und zu Bausteinen zu zerschlagen, so daſs jetzt wahrscheinlich keine Spur von Antäopolis übrig ist. Ein schräg liegender Steinblock dient den Wei- bern als Mittel gegen die Unfruchibarkeit, indem sie auf demselben herab- gleiten. Etwa eine halbe Meile oberhalb El-Gau findet man Katakomben, die, nach Herrn Rrccl-'s Versicherung, mit mehr Sorgfalt, als die von Theben ausgehölt sind, und in einiger Entfernung einen Steinbruch. Zu Alhmim sieht man von dem alten Chemmis oder Panopolis nur Schutt und einzelne Steine; die jetzige Stadt ist ziemlich groſs, und jedes der nach ägyptischer Art von Lehmziegeln erbauten Häuser trägt, wie die meisten in Ober-Aegypten, einen Taubenschlag. Vertraulich mit seinem Federvieh woh- nend, behält im engen Inneren der Eigenthümer kaum Platz für sich*), und ist den ganzen Tag mit Aufsuchen des zahllosen Ungeziefers beschäf- tigt, welches zu tödten er indeſs aus Aberglauben Bedenken trägt. Die Tauben werden nicht gespeist, sondern liefern blos Dünger zum Bau der Pasteken. Viele Einwohner sind Katholiken, deren geistliche und weltliche *) Schon dem Herodot war das Zusammenleben der Aegypter mit ihrem Vieh auffal- lend, II, 36. 31* ——————— 24 R————— ——— ͤ———————õx.——. 244 Angelegenheiten der einzige übrig gebliebene Bruder des Franciskanerklosters . besorgt. Akhmim ist an der Morgenseite von Felsen umgeben, die durch Zurückwerfen der Sonnenstrahlen die Hitze hier unerträglich machen; die Umgegend scheint aufserordentlich fruchtbar. Dann erreichten wir Girgeh, nach Cairo die gröſste Stadt Aegyptens, die ihren Namen von einem dem heiligen Georg geweihten Kloster führt, in welchem jetzt Bruder Ladislaus, ein in der Propaganda gebildeter Römer, ganz allein wohnt, und mit vieler Einsicht die Nachgrabungen des Herrn DRovETTI zu Abydus leitet. Der achtungswerthe einsame Mönch, in dessen Gesellschaft ich einen sehr angenehmen Tag verlebte, schien mit seiner Lage völlig zufrieden, und sorgte mit grolser Bereitwilligkeit für unsere Leibes- und Geistesnahrung, indem er uns mit Reisevorräthen und Büchern versah. 3 Seine Gemeinde, die, wie die zu Akhmim, von der Propaganda zu Rom abhängt, zählt 800 bis 1000 Seelen, und Bruder Ladislaus schien sehr unge- halten über Herrn SAvARVY(I. p. 91.), der fälschlich behaupte, daſs man hier die eingeborenen Kopten nöthige, ihren Gottesdienst jenseits des Nil zu halten, da sie ja täglich der katholischen Messe in der Klosterkirche bei- wohnen könnten. Girgeh hat viele steinerne Häuser, in deren Construction ich in Aegyp- ten die Eigenthümlichkeit bemerkte, dals man beim Aufführen der Mauern mit Lagen von Stein und von Holzkloben abwechselt, wahrscheinlich weil letztere dauerhafter sind. Eine solche Mauer findet man Tafel XXIX. Fig. 10. dargestellt. Von hieraus besuchte ich die, etwa zwei Meilen südwestlich, bei dem Dorfe Araba-Madfoun belegenen Trümmer von Abydus. Die Gegend war unvergleichlich angebaut, und wimmelte von Leben, indem alle Fellahs mit Vieh- und Hausstand, wegen des Barzims, in Verschlägen aus Maisstengeln in freiem Felde wohnten. Schachbrettartig wechselten Palmenpflanzungen mit Aeckern und Kleefeldern ab, und die libyschen Berge erhoben ernst und wüst sich im Hintergrunde der reizenden Landschaft. Auch viel Bie- nenzucht wird hier getrieben, und, der besseren Nahrung wegen, versetzt — — 245 man während der Nacht auf Kameelen und Barken die Stöcke von einem Ort zum anderen. Der Palast des Memnon zu Abydus ist bis an die Decke in Sand und Schutt begraben, und ich muſste, auf dem Rücken liegend, mit groſser An- strengung mich in das Innere hinein arbeiten, und selbst dies wurde oft unmöglich. Die Decke der Säulenhallen bildet zum Theil scheinbare Gewölbe, indem drei horizontal liegende Steine, deren mittelster der breiteste ist, nach einem Halbkreis ausgeschnitten sind; man sehe Tafel XXITX. Fig II.*). Die Wände, so wie die breiten Schluſssteine der Wölbung, sind mit herrlichen Hieroglyphen bedeckt, und alle Zwischenräume mit Sternen überstreut; wo- durch die Gelehrten der französischen Expedition auf die Meinung gebracht sind, es seyen hier Constellationen dargestellt, die ich indeſs bei dem müh- samsten Suchen nirgends bemerken konnte; es sey denn, daſs sie sich in einer jetzt ganz unzugänglichen Kammer befänden*). Abydus galt für eine der vierzehn angeblichen Grabstätten des Osiris, dem auch in dieser Stadt ein Tempel geweiht war; angesehene Aegypter lieſsen sich deshalb gern hier beerdigen, und man findet in der Umgegend sehr viele Grabmäler und Denksteine, mit Bildwerken von der vortrefflichsten *) Sehr deutlich beschreibt Strabo diese ausgeschnittenen Wölbungen zu Abydus: varavdteeαν JLa*ihen NA ooidae. Eben diese Construction war, nach seiner Bemerkung, im Labyrinth ange- wandt, wodurch die Nachricht des Plinius- Circummon, der Eunuch des Königs Nectabes, habe bei Wiederherstellung des Labyrinths die Wölbungen durch sehr künstliche Gerüste unterstützt, ihre Aufklärung erhält. H. N. XXXIVLI, 19. 2. Traditur, fulgisse trabibus Ginae oleo incoctae, dum fornices quadrati lapidis assurgerent. *) Da ein Einzelner für sich allein nicht alles ausführen kann, so bin ich, falls sich Mitinter- essenten finden sollten, nicht abgeneigt, das Memnonium von Abydus aus seinem Schutt hervorgra- ben und mit allen Bildwerken und Hieroglyphen vollständig darstellen zu lassen. Es dürfte wenig oder gar kein Verlust bei dieser Unternehmung zu fürchten seyn, da die Producte der Excavation, ich meine die zu findenden mannigfaltigen Alterthümer, die Unternehmer für gehabte Kosten hinrei- chend schadlos halten würden. Auf diese Weise erhielte man endlich die vollständige Darstellung eines merkwürdigen Gebäudes, und die aus fragmentarischen Abbildungen nur unvollkommen zu schö- pfende Belehrung über den wahren Geist und Zusammenhang der ägyptischen Kunst und Bildnerei. A. d. V. —— 246 Ausführung. In meiner verloren gegangenen Sammlung befand sich eine beträchtliche Anzahl hier gefundener Steine der Art; unter andern erstand ich einen von beträchtlicher Gröſse, dessen Figuren und Hieroglyphen zur Hälfte blos gezeichnet, zur Hälfte schon beinah ausgeführt waren. In den nahe liegenden Bergen finden sich Spuren noch ungeöffneter Grabmäler, die eine reiche Ausbeute versprechen. Der Nilarm, an dem Abydus lag, ist versiegt, scheint sich aber einst bis zum See Möris erstreckt zu haben. Ein sonst nirgends erwähnter Gott, Namens Besas, hatte zu Abydus ein Orakel und in der Umgegend einen uralten Localdienst*). Zwischen Girgeh und Kheneh sah ich die ersten Krokodile, und zwar in unerwarteter Anzahl; es lagen oft zehn, zwanzig bis funfzig, von fünf bis fünfundzwanzig Fuſs Länge, zu gleicher Zeit, scheinbar unbeweglich auf den Sandbänken und kleinen Inseln des Nil. Wir suchten umsonst, sie mit Kugeln zu erlegen; sie schienen unverwundbar, und ein schlafend von uns angeschossenes entkam dennoch. Nur selten lieſsen sie uns indeſs auf Büchsenschufsweite herankommen, sondern stürzten bei unserer Annäherung in den Strom. Das Krokodil scheint sonach ein sehr furchtsames Thier, und die Erzählungen, dals es den Menschen nachstelle, sind ohne Zweifel übertrieben; es wagt sich auch nicht leicht auf das feste Land. Als ich indels einst, während unser Schiff am Seile langsam stromauf gezogen wurde, mit meiner Frau durch Binsen und hohes Gras am Ufer spazieren ging, stürzte sich dicht vor unseren Füſsen eine vier Fuſs lange Nileidexe ins Wasser. Unsere Schiffleute waren in dieser Gegend selbst für Geld nicht zu bewegen, eine geschossene Gans aus dem Fluſs zu holen. Uebrigens haust das Kro- kodil nur an gewissen Stellen im Nil, aber nicht blos bei Theben, wie Sacaresi behauptet. Sein Fleisch soll sehr schmackhaſft seyn, fast wie das des Aals, allein ich fand nicht Gelegenheit, es zu kosten. In der Nähe des Krokodil bemerkt man häufig den sogenannten Domi- nikaner, welchen Vogel ich sogar auf einem sehr groſsen Kokodil, das nur *) Amm. Maro. l. XIX. 12. Hic Besae Dei localiter appellati oraculum quondam futura pandebat, priscis circumjacentium regionum caeremoniis solitum ooli. 247 mit dem Rücken aus dem Wasser hervorragte, sitzen und darauf picken sah. Ein von mir geschossenes Exemplar hatte Stacheln an den Flügeln, angeblich damit das Krokodil ihn nicht verschlingen könne. Zwei kleine Nilfische, Silka und Ghegar, sollen dem Krokodil mit ihren drei scharfen Stacheln unheilbare Wunden versetzen. In eben dieser Gegend erblickte ich die erste Doumpalme, die man weiter hinauf immer häufiger antrifft. Ihr Stamm ist glatt, geringelt und von unten an immer gegabelt, bis zu den Kronen, deren sich zwölf bis zwanzig auf jedem Stamme finden; die Blätter stehen in Büscheln beisam- men. Statt der Datteln trägt diese Palme dreieckige Nüsse, von der Grölſse eines Eies, deren äuſsere schwammige Hülle eine zweite sehr harte, faserige Schaale einschlieſst, in welcher sich der gallertartige Kern befindet, der all- mählig eine groſse Härte gewinnen soll. Diese Frucht ähnelt sonach der Ko- kosnuſs, und man macht daraus Knöpfe und Rosenkränze, die eine schöne Farbe und Politur annehmen. Der Geschmack der Doumnüsse soll widrig herbe seyn; ich vermag indeſs nicht darüber zu urtheilen, da sie während meiner Anwesenheit in Ober-Aegypten noch nicht reif waren. Ehe ich zu Kheneh eintraf, besuchte ich die, etwa eine Viertelmeile vom Nil belegenen Ruinen von Dendéra, die wohlerhaltensten und vollen- detsten Denkmäler der ägyptischen Kunst, welche durch die glänzenden Darstellungen des groſsen französischen Prachtwerkes zu verdientem Ruhme gelangt sind. Im Einzelnen finden zwar in den Abbildungen des groſsen Tempels sich oft unbegreifliche Unrichtigkeiten und Auslassungen, mit Unrecht würde man aber sie für verschönert halten; vielmehr ist die Anmuth der Umrisse, die Eleganz der Verzierungen, die Friedlichkeit und Milde des Ausdrucks der Gesichtszüge und die stille Erhabenheit aller Theile und Bild- werke dieses wunderbaren Baues, in welchem der ägyptische Kunststyl mit dem griechischen um den Vorzug zu ringen scheint, bei weitem unerreicht geblieben. Auch belehrt uns eine griechische Inschriſt an der Fronte des Porticus, die unter der Regierung des Tiberius gesetzt ist, daſs dieser Tempel nicht der Isis, wie man nach einer Tradition älterer Reisenden angenommen, 248 sondern der groſsen Göttin Venus geweiht war; eine Angabe, die durch Strabo bestätigt wird, der bereits den Haupttempel dieser Stadt der Venus zueignet*). Ich war so glücklich, die berühmte sphärische Darstellung des Sternen- himmels hier noch an ihrer Stelle zu bewundern, die kurz nachher, gerade als Herr SEæeATo im Begriff stand, eine für mich angefangene berich- tigte Zeichnung dieses mit auffallenden Abänderungen dargestellten wichtigen Denkmals, bei einer zweiten Ausflucht nach Dendéra, zu vollenden, von einem französischen Speculanten, mit übereilender Heimlichkeit und gewis- senloser Zerstörung der umgebenden Bildwerke, gewaltsam losgebrochen und entführt wurde, um sie in Frankreich zu verhandeln. So sehr es zu wünschen ist, daſs die Begünstigungen der jetzigen aufgeklärten Regierung Aegyptens zur Versetzung möglichst vieler Denkmäler nach Europa benutzt werde, so muſs doch jeder Freund der Kunst und des Alterthums hoffen, daſs jene Unternehmung einer rücksichtlosen Habsucht keine Nachahmer ſinden möge. Bei meiner Rückkehr aus Ober-Aegypten begegnete ich dem Schiffe, welches diesen Herrn und seine Gehülfen trug. Auf dem groſsen Tempel hat Herr DRovErrI in dem Schutt verfallener Lehmhütten einen kleineren entdeckt und aufgraben lassen, der geschmackvoll verziert, indeſs sehr beschädigt ist; von den acht Säulen desselben sind zwei ganz verloren. Auch die Bildwerke des groſsen Tempels haben durch den Religionseifer der ersten Christen manche Verstümmelung erlitten. Die bekannte Erzählung, daſs heidnische Seapoys der englisch-indischen Armee in diesem Tempel ihre Andacht verrichteten, wurde mir hier durch Augenzeugen bestätigt, die hinzufügten, die gemeinen Soldaten hätten sich beim Anblick dieser Bildwerke sogleich anbetend zur Erde geworfen. Bei der auffallenden Uebereinstimmung der Bedeutung vieler zugleich indischen und ägyptischen Symbole, z. B. gerade der wichtigsten: des Lotus, des Stie- res, der Ammonshörner und des Käfers, ist jener merkwürdige Vorfall nicht *) Hirt, über die Bildung der ägyptischen Gottheiten p. 25. 26. 2 —y— 249 schwer zu begreifen. Die Religionen beider, durch alten Verkehr und Aehn- lichkeit der meisten Einrichtungen nahe verwandten Völker, ging offenbar aus einem und demselben Princip, einer symbolischen Naturverehrung, her- vor, die im ganzen Alterthum herrschend war, indeſs allenthalben auf eigen- thümliche Art sich entwickelte. Um aber zu zeigen, wie wunderbar die Uebereinstimmung oft bis ins Einzelsnte sey, genüge hier die Anführung nur eines Beispiels: Nach indi- schem Mythus stand Dheriaa, der Stier der Wahrheit und des Rechis, im Krita-Yougam, dem ersten Zeitalter, auf seinen vier Fülsen, denn die Menschen hatten noch keinen Vortheil von der Ruchlosigkeit. In jedem der folgenden Zeitalter ward er, durch überhand nehmende Bosheit, eines Fuſses nach dem andern beraubt, und im jetzt herrschenden vierten oder Kali- Nougam, steht er nur noch auf einem einzigen*). Hiermit völlig zusam- mentreffend, erblickt man unter den Bildwerken des, an der Decke des Pronaos vor dem Tempel zu Tentyris, noch vorhandenen Thierkreises, die thierische Miſsgestalt des Typhon*), der einen Stier mit nur einem Bein an einer Kette vor sich her treibt. Französische und deutsche Gelehrte haben einen nicht sonderlichen Beweis ihres Scharfsinnes abgelegt, indem sie durch angeblich astronomische Berechnung gefunden zu haben behaupten, es müsse dieser Tempel bereits 16,000 Jahre vor Christi Geburt erbaut seyn. Nach einer wahrscheinlicheren Berechnung setzt der Herr Abt Poczoßur, Astronom der Universität zu Wilna, die Zeit der Errichtung des Thierkreises zu Tentyris in die Jahre 633 bis 546 vor Christi Geburt**), verwechselt aber das Sternbild des Krebses mit einem Käfer ganz auſserhalb der Zodiakalzeichen, neben welchem die offene Hand sonach auch nicht den Solstitialpunkt der Ekliptik andeuten *) Man sehe Institutes ſ Hindu Law, or che ordinances of Menu aocording to the gloſ* ef Culluca, verbally translated from the original Sansorit. Buch I. N. 81. 82. 83. **½) Oben p. 153. *** Essay sur l'poque de l'antiquité du Zodiaque de Denderah, Vilna 1803. 32 —;— nn 2* ¹— — 250 kann, wie Herr Poczonur voraussetzt. Indeſs scheint das Solstitium aller- dings im Krebse gewesen zu seyn, da ich neben der wirklichen Darstellung desselben einen Strahlen ausströmenden Discus bemerkt zu haben glaube. Ich meines Theils bin der Meinung des seligen Zisconli, welcher glaubte, dieser Thierkreis könne nicht vor dem Jahre 12 nach Christi Geburt errichtet seyn, wo bis zum Jahre 132 unserer Zeitrechnung der Anfang des beweglichen ägyptischen Jahres in das Zodiakalzeichen des Löwen fiel*). Zehn Schritt hinter dem groſsen Tempel findet man ein kleineres Heilig- ihum der Isis, dessen schon Strabo Erwähnung thut; es bildet ein Quadrat siebzehn Schritt lang und eben so breit. Ein zu ihm führendes Prachtthor wurde nach der erhaltenen griechischen Inschrift im 31sten Jahre des Kai- sers Augustus, am 18ten Tage des heiligen Monats Thoth, der grolsen Göttin Isis und ihren Tempelgenossen durch Abgeordnete der Metropole Tentyris kraft eines Gesetzes geweiht. *) Bis durch vollständigeres Bekanntwerden der Bildwerke und Hieroglyphen des Venustempels zu Tentyris nähere Bestimmungen möglich sind, halte ich es für das wahrscheinlichste, dals er zu den Zeiten des zweiten und dritten Ptolemãers erbaut sey. Tentyris, dessen Herodot noch nicht erwähnt, verdankte nämlich seine Aufnahme der erst von Ptolemäus Philadelphus angelegten Karavanenstralse nach Berenice, wodurch es der Stapelplatz des indischen und arabischen Han- dels wurde. Früher nahm dieser eine mehr nördliche Richtung(Herodot II, 158. 159.), die man wegen der Unfahrbarkeit des oberen rothen Meeres aufgab; in noch älterer Zeit ging er, wie es scheint, über Apollinopolis magna und die benachbarten Städte der oberen Thebaide, und diese Stralse muſs auch später nicht ganz auſser Gebrauch gekommen seyn. Zu Strabo's Zeit hatte er sich von Tentyris mehr nach Koptos gewandt, weshalb zwischen beiden Städten oft blutige Fehden entstanden; auch das benachbarte Kous(Apollinopolis parva) erblühte durch diesen Handel und hat Denkmäler aus Ptolemäerzeit. Daſs der grolse Tempel zu Tentyris nicht erst unter Tiberius erbaut sey, ergiebt sich theils aus der Erwähnung desselben bei Strabo, theils aus der Inschrift selbst, in der nur des Pronaos gedacht wird, der aber mit dem Tempel ein Ganzes ausmacht, also unter Tiberius blos restaurirt seyn muls; vielleicht wurde sie sogar nur ehrenhalber eingegraben, auf Anlals des Besuches des Germanicus in Ober-Aegypten(Tacit. Annal. II, 60. 61.). Der im Text erwähnte Käfer ist, als Symbol des weltzeugenden Urfeuers Phtha(oben p. 131. 134. Horapollo I. 126.), in mehrern siderischen Bildwerken vor den sie einschlieſsenden weiblichen Gestalten(oben P. 116.) an der bezeichnendsten Stelle angebracht; und die offene Hand neben ihm ist die wohl- bekannte, sehr natürliche Hieroglyphe der Mittheilung. —— —— „ 1 1 3 251 Mit eben der Willkühr, mit welcher man den groſsen Tempel der Venus abspricht, um ihn der Isis zuzueignen, hält man einen kleinern peripterischen Tempel für ein Typhonium, obgleich alle Darstellungen im Innern desselben sich auf die Geschichte des Horus beziehen, und die kurz- stämmigen Pygmäen an den Würfeln über den Säulen nicht typhonische Dämonen des Unheils, sondern Kabiren sind, wie Hirt*) und Creuzer*) zur Genüge bewiesen haben. Etwa funfzig Schritt vor dem nördlichen Prachtthor findet man die Ueberreste eines andern peripterischen Tempels, mit vier Säulen in den Fronten und fünf auf jeder Seite, die sämmtlich kaum aus dem gröbsten gearbeitet sind. Zwölf- bis vierzehnhundert Schritt gegen Süden des groſsen Tempels haben sich die Trümmer einer Pforte erhalten; vielleicht sind in dieser Gegend die Typhonien zu suchen**)(Tuodν vxsueye), die nach Strabo oberhalb Tentyris, in der Nähe des nach Koptos führenden Kanals belegen waren, welche Stadt oberhalb der merkwürdigen Wendung, die hier der Nil, in das Thal von Kosseir einfallend, von Osten nach Westen macht, am entgegengesetzten arabischen Ufer des Stromes lag. Der Boden der alten Stadt ist ganz mit Trümmern von Backsteinen und Gefäſsen bedeckt, und rings um alle Tempel findet man viele Ueberhleibsel von Mauern aus ungebrannten Steinen. Von Tentyris ging ich nach Kheneh, wo ich um drei Uhr eintraf und mich genöthigt sah, meinen Reis wieder vor den Kiaschef der Stadt zu führen, indem es sich ergab, daſs jener einen Theil des in Minieh, zur Anschaffung von Lebensmitteln bis Assuan, erhaltenen Geldes unterschlagen *) Hirt, iber die Bildung der aägyptischen Gottheiten p. 16. und 52. **½) Creuzer, Smbolil und Mythologie I. p. 532., wo zur Bekräftigung auch eine sehr merkwürdige Münze mitgetheilt ist, obgleich der Verfasser an anderen Stellen seines Werkes die Kabiren dennoch für Typhone erklärt. ANX) Eire 7. 1.. 52. 32* 252 hatte, und schon wieder neuen Vorschuſs und Aufschub der Reise begehrte. Die Androhung einer Bastonade wirkte hier kräſtiger, als die von dem Kadi in Minieh ihm zuerkannte Todesstrafe; um acht Uhr des folgenden Tages fuhren wir weiter, und der Reis betheuerte mit einem Eide, daſs er nun bis Assuan mit allem Nöthigen völlig versehen sey. Jetzt ist Kheneh der Stapelplatz der Karavanen nach Kosseir, die von hier in drei Tagemärschen durch die Wüste dort eintreffen; der Handel soll aber sehr gesunken seyn. Die öffentlichen Frauen aus der Klasse der Hetären, Negerinnen und Weiſse, die unverschleiert und sehr geputzt ein- hergehen, waren hier so zahlreich und so unverschämt zudringlich, daſs ich sie durch meinen Kavasch mit Gewalt muſste abweisen lassen. Die Wendung des Nil bei Kheneh beträgt, nach sorgfältiger Messung, 90 Grad Abweichung von seiner früheren Richtung, nach einer kurzen Fahrt aber nur 80. Der Wind war uns sehr günstig, und ich besuchte deshalb Keft und Kous nicht(Koptos und Apollinopolis parca), die am östlichen Ufer des Stromes liegen; denn meine Ungeduld, Theben zu erreichen, wuchs, je mehr ich mich seinen unvergänglichen Denkmälern näherte. Die Gegend wird immer reizender; besonders das linke Nilufer ist sehr gut angebaut, Doumpalmen, Gummi- und Tamarinden-Bäume stehn in malerischen Grup- pen, und die libyschen Gebirge, in der mannigfaltigsten Beleuchtung, schlieſsen den Hintergrund. Wir begegneten hier vielen Floſsen aus Thongefäſsen, die mit Palmzwei- gen dergestalt verbunden werden, daſs eine Reihe Töpfe mit den Oeffnungen nach unten, die andere nach oben gekehrt ist; an den vier Enden des Floſses sind Ruder befestigt, mittelst welcher ein Paar Männer, die auf den Töpfen sitzen, das zerbrechliche Fahrzeug zu leiten wissen. Diese Gefäſse werden zu Kheneh in grolser Menge verfertigt, haben sehr angenehme For- men, sind aber blos aus ungebrannter Erde oder Nilschlamm. Man nennt sie Bardakk, und durch ihre Porosität erhalten sie, im Luftzuge stehend, das Wasser frisch, indem es nach und nach durchsintert. In allen Formen, falls sie nicht ungewöhnlich groſs sind, kostet das Stück nur zwei Para, etwa — 253 einen preuſsischen Pfennig. Diese Manufactur scheint sich noch aus den ältesten Zeiten erhalten zu haben. Tafel XXT. Fig. 5. erblickt man einen der erwähnten Flöſse, und Fig. 4. und 6. die gewöhnliche Art der Eingebornen, auf Faschinen von Mais- oder Dourastengeln, und auf Dattelstämmen über den Nil zu seizen. Majestätisch erhoben sich die Trümmer der Hauptstadt Aegyptens, die schon aus der Ferne Ehrfurcht gebieten und, indem man an ihnen vorüber fährt, immer prächtiger sich entwickeln, bis wir zu Luxor landeten. —— ———— Zwölktes Kapitel. 7 h e é e A. Luxor— Karnal— Sphinae— Gurnou— Ogymandeum— Gewolbe aus ungebrannten Ziegeln— Medinat-Abou— Memnonium— Weibliche Rtatuen mit Löõwenkögfen— Die RKolosse Tama und Chama— Klingen der Memnonssäule— Der sogenannte Lsistempel— Katalomben— Zerstérung ihrer Bildwerke durch Reisende und Araber— Gewinnsiichtiger Kunsthandel der letzteren— Aegytische Mumien verschiedener Art— Griechische Mumien— Papyrusrollen— Idole— Biban-El-Moluk— Die von Belzoni erdffnete Katahombe— Anfangende Zerstõrung derselben— Brunnen zum dbzuge des Wassers in den Katakomben. Von den prächtigen Ruinen, die man mit dem Namen des elenden Dorfes Luxor(El-Aksar), welches neben und in ihnen erbaut ist, zu belegen pflegt, freue ich mich, meinen Lesern, statt einer unbefriedigenden Beschrei- bung, einen von Herrn SEoATo aufgenommenen vortrefflichen Plan mit- theilen zu können, den ich an Ort und Stelle mit den Trümmern sorgfältig verglich und richtig befand(Tafel XVT. Eig. 1.). Der in dem Prachtwerke der französischen Expedition Vol. III. pl. 5. gegebene Grundriſs dieses Gebäu- des wird dadurch in vielen wesentlichen Stücken berichtigt und ergänzt. Von der Hand desselben geschickten Künstlers sind die Zeichnungen der beiden Obeliske, die sich vor dem Eingange des Palastes erheben, und die hier zum erstenmal, so weit sie sichtbar sind, vollständig abgebildet erscheinen. Die Tafeln XI.I. und XIVII. enthalten die vier Seiten des Obe- lisken zur Rechten, afel XIIII und XINX. die Seiten des zur Linken des 8 „* 8 8 255 Einganges befindlichen. Sie sind aus rosenfarbigem Granit und sollen 97 Fuſs hoch seyn, indem man behauptet, daſs sie 22 Fuſs hoch in Schutt und Erde begraben seyen. Das Pyramidion, welches ihren Gipfel bildet, ist nach einer geschwungenen Linie zugespitzt, und die Eingrabung der Hieroglyphen mit fast unbegreiflicher Sauberkeit ausgeführt. Mit den hier gegebenen Abbil- dungen derselben, die höchst getreu sind, bitte ich die IIte und 12te Tafel im dritten Bande des französischen Prachtwerkes zu vergleichen, wo man indeſs nur drei Seiten dargestellt findet. Auffallend ist die Verletzung der Symmetrie in den Abständen dieser Obeliske und der hinter ihnen befindlichen sitzenden Kolosse. Diese sind aus schwarzem Granit, und sollen 34 Puls hoch seyn, sind aber beträchtlich verschüttet. Drei Fuſs hinter ihnen erheben sich die thurmartigen Flü- gelgebäude*), die man Pylone zu nennen pflegt, und, wie man deutlich wahrnimmt, niemals vollendet waren. Auf der einen Seite erblickt man die sehr beschädigte Darstellung einer Schlacht, in der Kämpfer zu Pferde vor- kommen. Die Pylonen dürften sonach eigentlich als Triumphbogen**) anzusehen seyn, und alle Gebäude, vor denen man sie mit Schlachten, Triumphzügen und andern kriegerischen Darstellungen bedeckt sieht, halte ich nicht für Tempel, sondern für Paläste, in deren Innern sich indeſs Kapellen und Tempel befinden mochten, wie dies mit unsern Schloſskirchen noch jetzt oft der Fall ist. Auch bemerkt man unter den dem Nil zuge- kehrten hinteren Gemächern des Palastes zu Luxor ein offenbar zum Got- tesdienst bestimmtes Heiligthum. Während alle andern Theile des Gebäudes aus Sandstein aufgeführt sind, besteht dies Sacrarium aus Granit und ist in seinem ganzen Umfang durch einen Zwischenraum von zehn Fuſs von seinen Umgebungen abgesondert**). *) ſaue xregd, wie Strabo sie nennt. Man sehe Hirt's Geschichte der Bauhnnst. Vol. I. 3 **½) Ueber die Bestimmung der Tempelflügel sehe man die Erklärung der 15 ten Taſel. **½) M. s. den Grundriſs Tafel XI.. Fig. 1. E., und oben pag. 121. ———— Gegen den Andrang des Nil wird das Gebäude durch eine Wehrmauer aus Quadersteinen geschützt, die in späterer Zeit mit Ziegelsteinen ausge- bessert worden; ob sie auf einem hölzernen Rost gegründet ist, konnte ich nicht ausmitteln. Die Steine des ganzen Gebäudes sind meistentheils mit Kalkmörtel verbunden, und hin und wieder sieht man einzelne Steine, wo Ausbrüche es nöthig machten, nachläſsig mit Kalk eingesetzt. Die Hieroglyphen sind nicht allenthalben gleich gut ausgeführt, und Säu- len, Friese, Decken und Wände zum Theil bemalt. Auf meinen Wunsch zeichnete Herr Doctor Rrco- hier die Procession Tafel XX. Fig. I. a. 5., die Kinderweihe Tafel XXITII. Eig. 1. und mehrere andere noch unbekannte Darstellungen. Auch die bei Karnak erhaltenen gigantischen Ruinen, von denen das französische Prachtwerk sehr befriedigende Ansichten giebt, scheinen mir einen Palast und mehrere Tempel in sich vereinigt zu haben. Seit der französischen Expedition hat man daselbst noch zwei kleinere Tempel ent- deckt und aufgegraben, die zu dem groſsen Ganzen gebörten. Der Haupttempel zu Karnak war offenbar einer priapischen Gottheit geweiht, die mit zusammengefügten Beinen und einer Geiſsel in der rechten Hand dargestellt ist*). Von dem äuſseren Vorhofe bis in das Innere des Heiligthums findet man das Emblem dieses Gottes auf allen Mauern und Säulen wiederholt. Auf den kolossalen Flügelgebäuden des Tempels sind auch hier Schlachten und Siege dargestellt**), von denen der englische Generalconsul, Herr SArx, sehr genaue Zeichnungen genommen hat, die er in einem glänzenden Werke der Welt vorlegen wird; die französischen Abbildungen sind wenig getreu. Auf der einen Wand des kleinen Granit- tempels im Innern beſindet sich die Initiationsscene, Tafel XXI. Fig. I.; die *) Osiris, dessen Geheimdienst im Tempel des Jupiter Ammon, welches der zu Karnak erhaltene ist, begangen wurde. Man sehe oben p. 121. 129. 130. **α) Es sind wahrscheinlich Thaten des Sesostris, des mythischen Erbauers, und vielleicht wirk- lichen Gründers des Ammontempels. — 237 Farben sind indeſs nicht ganz so wohl erhalten, als sie des gefälligeren Anse- hens wegen hier angegeben sind*). Die Gebäude zu Karnak waren nicht alle vollendet, wie man dieses an den Pylonen und besonders an einem Porticus bemerken kann, dessen Steine nur rauh behauen zusammengefügt sind, um nachher eine ganze Seite auf einmal zu überarbeiten und zu beendigen, welches Verfahren von den Aegyptern allenthalben beobachtet zu seyn scheint; allein sehr oſt wurde, wie bei so vielen deutschen Gebäuden des Mittelalters, der ursprüngliche Plan der langsam fortrückenden Werke nicht ausgeführt. Unter den Bau- steinen bemerkt man mit Hieroglyphen bedeckte Werkstücke, die von zer- störten älteren Gebäuden herrühren müssen. Die beiden Obeliske, die, von vier vorhandenen, in einem der Höfe noch erhalten sind, weichen in ihrer Höhe auffallend von einander ab; der eine gehört zu den gröſsten Werken dieser Art. Auf einem kleinen Obelisk, den Signora Lacoratori in Cairo pesitzt, findet man unter andern Hieroglyphen auch den Osiris dargestellt. Die Ruinen zu Karnak sind zum Theil den Nilüberschwemmungen aus- gesetzt, und nähern sich mit schnellen Schritten ihrem gänzlichen Untergange, der durch profane Hände beschleunigt wird. Geschieht nicht bald etwas, um dem Verderben Einhalt zu thun, so wird man diese Denkmäler nach einem oder zwei Jahrhunderten nur noch in Kupferwerken bewundern. Sphinxe mit Stierköpfen, die einige zu Karnak gefunden haben wollen, bemerkte ich nicht; die vorhandenen haben entweder Löwenkörper mit menschlichen Antlitzen, jedoch ohne eine Spur von weiblicher Bildung, oder Widderköpfe. Sphinxe nennt man jetzt in Aegypten auch jene sitzen- den weiblichen Statuen mit Löwen- oder Katzenköpfen, die zu Theben sowohl am rechten Ufer des Nil, als auch am entgegengesetzten in der Nähe der Kolosse Tama und Chama gefunden werden, wo sie, in Reihen aufge- stellt, den Zugang zu einem Gebäude gebildet zu haben scheinen. Eine *) Diese Darstellung findet sich schon in dem französischen Prachtwerke, Vol. III. pl. 21. Fig. 1., verdiente aber hier wiederholt zu werden; m. s. die Erklärung der 21sten Tafel. 33 ———— 2358 wohl erhaltene Statue dieser Art aus schwarzem Granit erwarb ich für meine Sammlung*); die noch vorhandenen sind durchgängig verstümmelt, da man sich beeilt hat, die besten Exemplare nach Europa zu versetzen. Bei Karnak befanden sich zwei heilige Teiche, deren steinerne Einfas- sung zum Theil noch übrig ist; bei dem einen derselben bemerkt man auch den Kanal, durch welchen das Wasser in das Innere der Tempelgebäude geleitet wurde. In der Nähe der Ruinen verrathen viele Schutthügel das Vorhandenseyn anderer Denkmäler. Am Eingange eines ganz zerstörten Tempels fand ich die Gestalt des Typhon*). Die Ausdehnung dieser Trümmer schien mir indels den Beschreibungen von der Grölse der alten Haupistadt Aegyptens sehr wenig zu entsprechen**); von Gebäuden des öffentlichen Nutzens und Vergnügens bemerkt man keine Spur, und die Privatwohnungen waren vielleicht, wie noch jetzt in Aegypten, aus sehr vergänglichem Material aufgeführt. Am westlichen Nilufer besuchte ich zuerst die bei dem Dorfe Gurnou vorhandenen Ruinen, die fast ganz vernichtet sind, wofern das Denkmal, dem sie angehören, wirklich vollendet worden ist. Die Hieroglyphen an den erhaltenen Resten sind von ausgezeichnet schöner Arbeit. Neben diesen gegen Süden liegt das Memnonium***), welches einst in seiner völligen Erhaltung eins der herrlichsten Gebäude der Welt gewesen seyn muſs. Ein innerer Hof, der später in eine Kirche umgeformt wurde, war mit einem Porticus umgeben, vor dessen Säulen kolossale Karyatiden *) Diese Statue befindet sich jetzt im Königl. Preuſsischen Museum, das bereits früher durch den Herrn Kammerherrn Grafen von Sach mit zwei ähnlichen Statuen, ebenfalls aus schwarzem Granit, und dem Fragment einer dritten bereichert wurde. Ueber ihre Bedeutung s. m. ob. p. 145. etc. **) Wahrscheinlich einen Kabiren, m. s. oben p. 251. ***) Schon zu Strabo's Zeit, also vor beinahe zwei Jahrtausenden, wurde Theben nur noch stellenweis bewohnt. ****) Das Grab des Osymandyas. Aus den Hieroglyphen ergiebt sich, daſs der hier bestattete König derselbe war, welcher die Obelisken zu Luxor, die wahrscheinlich später versetzt sind, errich- tet hatte. Man s. die Erklärung von Tafel XI. und XX. Fig. 2. ——jj ‿‿‧‧— 239 standen, die gröſstentheils zerstört sind. An den sogenannten Pylonen und an den erhaltenen Wänden des Porticus befinden sich höchst merkwürdige Darstellungen von Schlachten, Siegen und Triumphen. Die Gefangenen werden in langen Zügen gefesselt vor den siegreichen König geführt, und die den gebliebenen Feinden abgehauenen Hände und Schaamtheile*) in Haufen aufgeschüttet und ihre Anzahl verzeichnet. Die am häufigsten vor- kommende Gottheit ist auch hier die zu Karnak beschriebene; viele Darstel- lungen sind aber von den Christen mit Schlamm beworfen oder vernichtet. Besonders interessant schien mir das Tafel XXII. EFig. 2. mitgetheilte Relief. welches von Herrn SEGAToO gezeichnet ist; der Baum, in dessen Schatten der König sitzt, ist vielleicht die heilige Persea, die jetzt in Aegypten sich nicht mehr finden soll. Im ersten Hofe dieses Gebäudes liegen die Trümmer des ungeheuren Kolosses des Osymandyas am Boden umher, der in sitzender Stellung 64 Fuſs hoch gewesen seyn soll, und aus einem rothen Granitblock gearbeitet war. Ich versuchte, ein Fragment des einen Fulſses, dessen Breite beim Anfang der Zehen 4 ⅜ Fuſs betrug, wegschaffen zu lassen; es war aber zu schwer, und ich begnügte mich deshalb mit einem kleineren Bruchstück. Nach Dio- dor trug diese Statue folgende Inschrift:„Ich bin Osymandyas, König der Känige, wer wissen will, wie groſßs ich war und wo ich ruhe, der zerstöre eins meiner Werke*).“ Die Aufforderung, die in diesen stolzen Worten zu lie- gen scheint, ist in vollem Maaſse erfüllt worden. Am Eingange der Pforte, welche von dem zweiten Hofe ins Innere führt, findet man die Reste eines andern Kolosses aus schwarzem Granit. *) Dieser barbarische Gebrauch, die Gebliebenen zu verstümmeln, welchen die Juden von den Aegyptern angenommen hatten, z. B. 1. Sam. 18, 15. 27., dauert im christlichen Aethiopien noch jetzt fort. Salt, voyage to Abyssiniz(1814) P. 292. 293. Nach einem Siege über die Galla im Jahre 1806 wurden im Lager bei Zingilla die Schaamtheile von 1865 gebliebenen Feinden vor den Sieger geworfen, wie es auf den ägyptischen Denkmälern dargestellt ist. Auch bei den Kakfern soll dieser Gebrauch sich erhalten haben. **) Diodor. T, 47. 33* 260 Neben und hinter diesem Gebäude erstreckt sich eine groſse Anzahl lan- ger gewölbter Gänge, aus ungebrannten Ziegeln aufgeführt, die wie die Bogen einer Brücke sich an einander lehnen. Einige, die ich maſs, waren 114 Fuſs lang, 8 Fuſs hoch und 7 ⅞ Fuls breit, die Dicke der Zwischenmauern betrug Fuſs. Die Ziegeln aus Nilschlamm und gehacktem Stroh sind 15 Zoll lang, 7 Zoll breit und 4 Zoll dick, die Wölbungen nach einem Halbkreis, und der gröſseren Festigkeit wegen gewöhnlich doppelt und dreifach unmit- telbar über einander angelegt. Die Steine sind, statt des Mörtels, mit Nil- schlamm verbunden und nachher mit Kalk geweilſst. Diese Gewölbe sind um so wahrscheinlicher altägyptischen Ursprungs, da man auf den Wänden ägyptische Malereien und Hieroglyphen antrifſt, und in der Nähe Gräber von ganz ähnlicher Einrichtung gefunden hat. Ueberdies giebt es Katakomben mit Gewölben aus ungebrannten Ziegeln, auf denen oft Hieroglyphen einge- drückt sind, wie ich durch zwei mitgebrachte Proben beweisen kann*). Von diesen Ruinen etwa eine Viertelmeile gegen Süden befindet sich der besser erhaltene Palast von Medinat-Abu, dessen mit Säulen umgebener *) Auch Richardson(travels along the Mediterranean 1822. Vol. II. p. 35— 37.) beschreibt diese Gewölbe: Vierzehn befänden sich hinter dem Memnonium(Osymandeum), von Süden nach Norden laufend; zehn auf der nördlichen und acht auf der südlichen Seite desselben seyen von Osten nach Westen gerichtet, bis etwa auf die Hälfte der Länge des Gebäudes, wo wie- der andere gegen Süden und Norden sich öffneten. Dies kommt beinah dem gleich, was von dem Labyrinth berichtet wird! Richardson setzt hinzu: Sie seyen auf dem Felsenboden gegründet, mit einer Ziegelmauer umgeben und mehrere ihrer ganzen Länge nach eingestürzt. Ohne diese Gebäude gesehen zu haben, ist es schwer über ihre Bestimmung zu reden; indeſs bieten sich zwei Vermu- thungen dar: Entweder sind es wirkliche Katakomben, die man in späterer Zeit erbaute, statt sie im Felsen auszuhauen, vielleicht der Ersparniſs wegen, vielleicht auch weil die Felsen keinen beque- men Raum mehr boten, und dafür spricht die Achnlichkeit dieser Gewölbe mit den Katakomben, die Herrn Rickardson auffiel, und der Umstand, dals man wirklich Leichname darin antrifft; oder sie gehörten zu den Standquartieren der römischen und vielleicht schon der griechischen Be- satzung, wenigstens sind die sogenannten Cento Camerelle zu Tivoli, das Quartier der Prätorianer, wenn der Kaiser sich dort befand, ziemlich eben so angelegt, obgleich in drei Stockwerken, aber ganz ohne Fenster; auch erwähnt Diodor königlicher Ställe am libyschen Ufer des Nil. Richard- son nennt diese Gebäude modern, woraus wenigstens so viel hervorgeht, dals sie ihn nicht als alt- ägyptisch ansprachen. Die Leichname könnten später darin beigesetzt seyn. 1 9. ⁴ 5 8 261 prächtiger Hof erst in eine Kirche und dann in eine Moschee verwandelt wurde. Gegenwärtig ist der Zugang zu demselben gesperrt, da der Schutt sich bis an den Karnies erhebt. Die an den Flügelgebäuden und Wänden dargestellten Kriegsthaten haben Aehnlichkeit mit denen, die dem Sesostris beigelegt werden, so daſs man diese Ruine mit Wahrscheinlichkeit für das Grab des Sesostris halten könnte. In der Nähe von Medinat-Abu gegen Süden umschlieſsen mehrere künstliche Hügel einen länglich viereckigen Raum von beträchtlicher Aus- dehnung(624,380 Quadrattoisen), den die französischen Gelehrten für einen Hippodrom oder Exerzierplatz ansehen, der aber wahrscheinlich zu einem groſsen Wasserbehälter bestimmt war. Zwischen Medinat-Abu und dem sogenannten Memnonium findet man viele Reste von Kolossalbildsäulen und Gebäuden. Herr SALr, der hier kürzlich Nachgrabungen anstellen lieſs, entdeckte mehrere weibliche Statuen aus schwarzem Granit mit Löwenköpfen, und hier stehen auch die beiden sitzenden Kolosse, die jetzt die Benennung Tama und Chama führen. Zahl- reiche Inschriften an jenem, welcher von beiden der nördlichste ist, bewei- sen, daſs dieser die im Alterthum berühmte Statue des Memnon sey, wodurch zugleich die Lage des wahren Memnoniums bestimmt wird, welchem diese Bildsäule sich einst befand, obgleich man jetzt von diesem Gebäude keine Spur mehr erblickt*). Nähert man sich indeſs von jenen beiden Kolossen, die mit den Antlitzen gegen Osten gekehrt sind und gegen den Nil beträchtlich weiter vortreten, als alle früher erwähnten Denkmäler, in gerader Richtung der libyschen Bergkette hinter ihnen, so findet man zwischen den Akazien, womit hier der Boden bewachsen ist, unzählige Trümmer von Statuen und Kolossen, welche die Pracht und Ausdehnung jenes königlichen Baues genugsam beurkunden. Besonders dürften zwei, in gerader Linie hinter den beiden ersten am Boden liegende verstümmelte *) Man sehe Hitt's Geschichte der Bauikunst Fol. I., derselben Meinung ist Aeae,, walrscheinlich also auch die gelehrten Engländer, für die er arbeitete. 262 Kolosse vor dem Eingang eines inneren Hofes gestanden haben, wie Tama und Chama wahrscheinlich in dem äuſsersten östlichen Peristyl des Palastes, oder auch vor dem Haupteingang desselben sich befanden. Besser als der wirkliche Memnon, dessen obere Hälfte in Sandstein restaurirt ist, hat sich der südlichere Koloſs, Chama, erhalten; die Höhe desselben in sitzender Stellung beträgt 48 Fuls, die Höhe der Basis 12, die Breite der Schultern 19 und die Länge des Mittelfingers vier Fuſs fünf Zoll. 4 Die Inschriften in Versen und Prosa an der Basis und den Füſsen des Memnon rühren fast alle vom Kaiser Hadrian, seiner Gemahlin Sabina und den römischen Generalen und Hofleuten, Herren und Damen in ihrer Be- gleitung her, und es ist merkwürdig, daſs man keine aus dem Zeitalter der Ptolemäer gefunden hat. In einer derselben wird bemerkt, daſs Mem-. non der Stadt Diospolis gegenüber sitze, wodurch die Angabe des Strabo und Ptolemäus, welche beide die Lage der alten Hauptstadt Aegyptens blos auf die rechte Seite des Stromes beschränken, sich bestätigt; das gegenüber. 4 liegende linke Ufer scheint ausschlieſslich zu Begräbnissen und zu Pracht- 1 denkmälern der Könige bestimmt gewesen zu seyn. Noch jetzt ist die 4 Gegend längs der libyschen Bergkette damit überdeckt, und die zertrüm- merten scheinen zum Theil dem Material, woraus sie erbaut waren, indem 4 sie aus Kalkstein bestanden, ihren Untergang zu verdanken. Die meisten der erwähnten Inschriften bezeugen das Klingen des Mem- non um die erste Tagesstunde, bald früher, bald später; man sieht indeſs, daſs schon im Alterthum nicht alle so glücklich waren, diesen magischen— 8 Klang zu vernehmen. Auch mir wurde diese Gunst versagt; indeſs ver- sicherte mir ein zuverläſsiger, vorurtheilsfreier, sehr gebildeter Mann, den ich in Aegypten kennen lernte, bei Sonnenaufgang einen Ton gehört zu haben, welcher der Bildsäule zu entsteigen schien; er habe sich aber, aus Furcht durch Jemanden von seiner Umgebung getäuscht worden zu seyn, gegen diese hierüber nicht aussprechen und den vernommenen Klang der Statue nicht unbedingt beimessen wollen. Die Herren CosTAz, REPDourk, CouTrEILE, LE PERE, DEIISIE und Jorkors nahmen mehrmal zu 263 derselben Stunde einen ähnlichen Ton wahr*), und späterhin die Herren BANKs und RrcCcl. Sie sind alle der Meinung, daſs jenes Klingen von der schnellen Erhitzung des Steines durch die Sonne und dem sich herstellen- den Gleichgewicht der Temperatur herrühre**). Dicht neben den libyschen Bergen, in einem engen Thale südwestlich vom Osymandeum, hat sich ein kleiner, der Isis geweihter Tempel**) erhalten, von sehr zierlichen Verhältnissen und mit vortrefflich ausgeführten bildlichen Darstellungen und Hieroglyphen. Leider haben Reisende mehrere interessante Reliefs aus der Mauer gebrochen. In diesem Tempel befindet sich das zierliche Fenster, Tafel XXIX. Eig. 13., wodurch eine auf das Dach führende Treppe erleuchtet wird; auch im Tempel zu Karnak bemerkt man Fenster aus gleichsam durchbrochen gearbeiteten, gitterartigen Steinen angebracht. Ich besuchte hierauf mehrere Katakomben, welche sich in den Felsen der libyschen Bergkette befinden, die von Gurnou bis Medinat-Abu in einem Bogen, dessen Ausdehnung über eine deutsche Meile beträgt, die Ebene von Theben gegen Westen begrenzt. Die Eingänge von einigen sind nicht beträchtlich über der Erde erhaben, andere giebt es bis zu der Höhe von 300 Fuſs den Felsen hinan. Sie sind nach den verschiedensten Rich- tungen geöffnet, und in Gänge, Zimmer und Säle getheilt, die bald durch in die Tiefe hinabführende Brunnen unterbrochen, bald durch Treppen verbunden sind. Die zu unterst gelegenen sind am reichsten verziert, und. enthalten gemeiniglich die kostbarsten Gegenstände; so dals diese zur 6 *) Man sehe oben p. 122. **₰) Es muſs jedoch in der Textur der Breccia, woraus der Koloſs des Memnon besteht, noch ein besonderer Grund jenes Klanges vorhanden seyn, weil sonst dies Phänomen weit häufiger vor- kommen müſste. Selbst der besser erhaltene Koloſs neben der Memnonssäule ist stumm. **ε*σ) Die Darstellung des Todtengerichts, die sich in diesem Gebäude findet, beweist, daſs es kein Tempel, sondern ein Grabesdenkmal sey; auch scheint es, so wie mehrere der hier befindlichen Monumente, mit Katakomben in Verbindung zu stehen. Man vergleiche hierüber Hirt'« treffliche Erörterung im ersten Theil der Geschichte der Baulunst. 264 Bestattung der vornehmeren Kasten, der Priester und Krieger, gedient zu haben scheinen, während die höher angebrachten die Mumien der Gewerb- treibenden Kaste enthielten. Die meisten Katakomben sind mit Bildwerken, Malereien und Hierogly- phen verziert und beinah stets interessant. Wenn man die der Vornehmen wegen der Kostbarkeit und der sauberen Ausführung der Decorationen bewundert, so gewähren die der Geringeren, wenn gleich in der Darstellung minder vollkommen, durch Abbildungen der Gewerbe und Verhältnisse des bürgerlichen Lebens der alten Aegypter fast noch willkommnere Aufschlüsse. Die Katakomben für Steinbrüche oder für Wohnungen der Troglodyten zu halten, wird jetzt nicht leicht jemand mehr im Ernst sich einfallen lassen; obgleich man ohne Zweifel die beim Ausarbeiten derselben gewonnenen Steine zum bauen benutzte, und die Katakomben zum Theil noch jetzt von Menschen bewohnt oder zu Ställen eingerichtet sind, wodurch der Bilder- schmuck vieler Kammern und Wände gänzlich vernichtet worden ist. Mehrere Katakomben theilen sich in zahllose Gänge, die zuweilen in sich selbst zurücklaufen, wodurch der Weg unkenntlich wird; andere sind abgegraben oder durch Mauern unterbrochen, um das weitere Vordringen im's Innere zu verhindern. Ihre Eingangspforten sind oſft mit zierlichen Zargen versehen, andere schwibbogenartig gebaut, und oſt befinden sich vor den Eingängen im Felsen ausgehauene Vorzimmer. Einige waren mit stei- nernen Thüren, andere mit groſsen Steinblöcken verschlossen, während wie- der andere mit Ziegeln von ungebranntem Thon zugemauert oder versetzt waren. Dies letztere scheint besonders der Fall bei den Grabmälern zu seyn, welche Mumien aus später Zeit der Griechen und Römer enthalten. In den ersten christlichen Jahrhunderten dienten viele Katakomben den zahllosen Mönchen und Einsiedlern der Thebaide zum Aufenthalt, die viele Bildwerke vernichteten, oder sehr ungeschickt in christliche Heilige um- formten, oder noch öſter die Darstellungen mit Schlamm bewarfen. Jetzt aber droht diesen ehrwürdigen Denkmälern ein gänzlicher Untergang, indem jeder Reisende sich einzelner Stücke, die ihm besonders wohlgefallen, zu † 265 bemächtigen sucht. Dies wäre indeſs vielleicht zu entschuldigen; allein man bedient beim losbrechen der ausgewählten Reliefs und Malereien sich mei- stens untauglicher Werkzeuge, vernichtet eine ganze Wand, um eine einzelne Figur zu erhalten, und da der Stein gewöhnlich sehr spröde ist, so zer- springt nicht selten auch das gewünschte Fragment. Auſserdem wird durch dieses Zerstückeln der Zusammenhang zerstört und das entführte Stück eben so unverständlich, als die zurückgebliebenen Reste. Ich fand in den mei- sten Katakomben schreckliche Spuren dieser Verwüstung, mebrere der schönsten sind bereits völlig vernichtet. Das Schlimmste aber ist, daſs jetzt die Araber, durch die unklugen Auf- forderungen der Reisenden verführt, von einer wahren Wuth ergriffen sind, sich aller merkwürdigen Stücke zu bemächtigen, um sie an die Fremden zu verhandeln. Ohne Geschmack und Wahl zerstören sie, des Gewinnes wegen, was ihnen vorkommt, Sie forschen überall nach neuen Grotten, die dann sogleich ihrer Darstellungen beraubt und zertrümmert werden, so daſs die Belehrung, die man aus den vollständigen Bildwerken schöpfen könnte, unwiederbringlich verloren geht. Die Mumien sind nicht alle mit gleicher Sorgfalt behandelt, welches nicht zu verwundern ist, da die Verpflichtung, die Leichname zu mumisi- ren, ganz allgemein war. Man findet fünf verschiedene Arten derselben. Nur die kostbarsten sind mit aromatischem Harz ausgegossen, eine zweite Art ist getrocknet, eine dritte mit Salz oder Natrum imprägnirt; die vierte und fünfte Art hat man erst neuerlich zu Theben entdeckt, sie sind entwe- der ganz mit Salz oder mit Asche angefüllt, die Leichen waren also nur unvollkommen gegen die Verwesung geschützt. Auch in der Beisetzung der Mumien herrscht eine groſse Verschieden- heit. Die schlechteren Arten sind blos eingewickelt und über einander gelegt. Die mit Harz ausgegossenen findet man dagegen meistens in schön verzierten Sarkophagen, die bisweilen aus Granit, Alabaster und Kalkstein, gewöhnlich aber aus Sykomorusholz verfertigt sind. Diese Mumienkasten sind oft dop- pelt und dreifach; in meiner Sammlung befand sich sogar eine Mumie mit 34 266 fünf verschiedenen Kasten, die aber verloren gegangen ist. An einer anderen mit drei Kasten ist der äuſsere Sarkophag mit Reliefs aus einem feinen Holze ausgelegt, bisher das einzige Beispiel der Art*). Bei meinen Exca- vationen in der Ebene von Sakkara fand ich eine Mumie, die auf einen acht Fuſs langen und verhältniſsmäſsig breiten und dicken Stein aus orien- talischem Alabaster niedergelegt war, an dessen vier Ecken sich alabasterne, mit viereckigen Steinen zugedeckte Vasen befanden.(afel XXIIII. Fig. 9.). Wegen der Schwierigkeit des Transports nahm ich nur zwei jener Vasen und der sie bedeckenden Opfersteine in meine Sammlung auf, allein sie wurden, wie so vieles andere, ein Raub der Wellen. Im Delta war eine ganz eigenthümliche Art, die Mumien beizusetzen, in Gebrauch; sie befinden sich nämlich in zwei über einander gestürzten Gefäſsen von rother Erde, fast wie die Ibistöpfe zu Sakkara gestaltet, deren zusammen- schliefsenden Oeffnungen mit Kalk verkittet sind.(Tafel XXIIII. Fig. 10.). 4 Der Sykomorus oder Maulbeerfeigenbaum, aus dessen Holz gewöhnlich die Mumiensärge gemacht sind, ist der grölſste und stärkste, und wegen sei- ner ausgebreiteten Aeste und dichten Blätter der schattenreichste, schönste Baum in Aegypten. Er trägt kleine Früchte in dichten Büscheln, die mitten aus den dicksten Aesten gruppenweise zu hunderten hervorbrechen, und deren Geschmack dem der Maulbeere ähnelt, woher wohl der Name kommt. Sein Holz ist sehr dauerhaft und widersteht dem Wurmfraſse*). Man glaubt in den Gesichtszügen der in Ober-Aegypten gefundenen Mumien einen mehr äthiopischen Charakter erkannt zu haben, als an den 3 in Mittel- und Unter-Aegypten entdeckten; eine Bemerkung, die im Allge- meinen richtig zu seyn scheint. Eben so unverkennbar ist es indeſs, dals auch die in Aegypten und selbst in Theben angesiedelten Griechen die Sitte —— * *) Eine Abbildung und Beschreibung dieser und anderer Mumien, die sich jetzt in der Königlich Preuſsischen Sammlung befinden, wird man weiter unten anrreffen. *½) Man findet indels an Mumiensärgen bisweilen Spuren von Wurmfraſs, die von beträchtlich grolsen Bohrwürmern herzurühren scheinen. 267 der Mumisirung beibehielten, wie bereits in weit früherer Zeit der Patriarch Joseph, der, ungeachtet seiner Macht, als Ausländer mit den Aegyptern nicht einmal hatte essen dürfen*), in der Bestattung der Todten den Landesge- brauch annahm*). Man findet nach ägyptischer Art angelegte griechische Grabmäler, deren nicht ägyptischer Ursprung durch die darin vorkommen- den griechischen Inschriften und Papyrusrollen, durch die Verzierung der Mumienkasten und durch die Mumien selbst beurkundet wird. Diese letz- teren haben Masken oder auf Leinwand gemalte Gesichter, die ganz den griechischen Charakter an sich tragen, so wie auch der Kopſputz derselben oſt rein griechisch ist, wie ich beides durch mehrere mitgebrachte Exem- plare darthun kann. Später scheinen die Griechen auch manches altägyp- tische Grab zur Beiseizung ihrer Todten benutzt zu haben, wie sich dies aus der Verschiedenartigkeit vieler darin vorgefundenen Kunstgegenstände folgern lälst. Unbeschädigte Mumien erhält man nur aus neu eröffneten und unter gehörige Aufsicht gestellten Katakomben; und zwar ist dies erst in neuerer Zeit den vereinten Bemühungen der Herren SALT, DRovETTI und anderer verdienter Männer gelungen. Alle Mumien, die den Arabern in die Hände fallen, werden wenigstens ihres äuſseren Gewandes beraubt, um sich der etwa darin enthaltenen Kostbarkeiten, Arm- und Fuſsspangen, Ringe, Idole und Papyrusrollen zu bemächtigen. Man bemüht sich umsonst, diese Men- schen zu überzeugen, daſs nicht der Metallwerth der gefundenen Gegen- stände die Europäer nach dem Besitz derselben so lüstern macht; je grölsere Summen man ihnen bietet, je gewisser glauben sie betrogen zu werden. Wie unermelslich die Zerstörung sey, läſst sich daraus abnehmen, daſs mir während meiner Anwesenheit in Theben sechs Kameelladungen zerbrochener Mumienkasten als Brennholz zugeführt wurden, lauter bemalte Bruchstücke, zum Theil von der schönsten Ausführung und von höchst interessantem Inhalt. Leider lag alles so durch einander, dals es unmöglich fiel, die etwa *) 1. B. Mos. 43, 32.**) 1. B. Mos. 50, 2. 3. 26. 34* 268 zusammen gehörigen Stücke heraus zu finden; ich wäre sonst versucht wor- den, das Ganze nach Europa zu versetzen, hätte sich auf meinem Schiffe nur Platz gefunden. Ich begnügte mich daher mit einigen Fragmenien, und sah mit Wehmuth täglich diese uralten ehrwürdigen Reste in Rauch aufgehen. Selbst bei den Papyrusrollen, auf die man erst neuerlich aufmerksamer geworden ist, haben die Araber schon Betrügereien auszuüben gelernt. Sie zerschneiden die gefundenen Rollen der Länge oder Breite nach in mehrere Theile, tauchen die Enden in zerlassenes Mumienharz und hintergehen auf diese Art unkundige oder unaufmerksame Reisende. Man muſs daher beim Ankauf derselben sich wohl vorsehen, daſs man vollständige Rollen erhalte. Seit der französischen Expedition ist bereits eine groſse Anzahl dieser Rol- len, theils mit Bildwerken und Hieroglyphen, theils mit hieratischer und griechischer Schriſt gefunden worden. Auſser den einzeln nach England, Frankreich und andern Ländern versetzten, besitzt Herr DRovETrI eine Sammlung von 180 Rollen, die Herren SArT und D'ANASTASsVY in Cairo und Alexandrien eine bedeutende Anzahl, und ich habe während meines kurzen Aufenthalts in Aegypten dreiundfunfzig zusammengebracht, worunter einige mit hieratischer und griechischer Schrift besonders merkwürdig sind*). Die Papyruspflanze, das sogenannte Cyperngras(Cyperus papyrus L.), findet man gegenwärtig in Aegypten nur sparsam und eigentlich blos in der Gegend von Damiette in geringer Menge. Die Schriftrollen sind nicht aus einem Stück, sondern aus vielen Blättchen zusammengesetzt, die entweder aus dem mittleren Theile des Stengels, oder aus der Wurzelscheide dieses schilfartigen Grases angefertigt wurden. Das Eindringen in die Katakomben ist oft sehr mühsam; bald muſs man zu den bereits eröffneten auf beschwerlichen Wegen den Felsen hinansteigen; *) Diese Papyrusrollen befinden sich jetzt in der Königlich Preuſsischen Sammlung und meh- rere derselben sind bereits glücklich aufgerollt. —— 269 bald durch den die Eingänge der Gräber fast ganz bedeckenden Sand mit groſser Anstrengung sich durcharbeiten. Die eingeschlossene Luft im Innern ist unerträglich erhitzt, und trieb während meiner Anwesenheit das Ther- mometer auf einige dreiſsig Grad. Die Gänge sind mit zerbrochenen Mumien angefüllt, über welche man oft mühsam auf Händen und Füſsen hinwegkriechen muſs, und es ist zu verwundern, daſs nicht öfter Unglücks- fälle vorkommen, da man mit brennenden Kerzen sich in der Nähe von lauter brennbaren Stoffen befindet. Eigentlich sollte man diese Gemächer der Finsterniſs nur mit Blendlaternen besuchen, die auch wegen der zahllo- sen Fledermäuse unentbehrlich sind, welche beinah alle Gänge und Gemä- cher anfüllen, und gewöhnlich gerade gegen die Lichter fliegen und diese auslöschen, welches mir gleichzeitig mit einem meiner Begleiter zweimal begegnete. In den vorderen Gemächern finden indeſs die Fledermäuse sich nur selten. Ich kann nicht umhin, eine Eigenthümlichkeit der Construction hier zu bemerken, die ich in mehreren Katakomben beobachiei fand. Die Treppen sind nämlich so eingerichtet, daſs in der Mitte derselben zwischen den Stu- fen sich eine schief liegende glatte Bahn befindet, die mit zwei anderen, welche zu beiden Seiten die Stufen einfassen, in gleicher Höhe fortläuft. (Man sehe Tafel XXIX. Fig. 8.). Ohne Zweifel wurden diese Bahnen des- halb angelegt, um das Hinunterschleifen der Sarkophage zu erleichtern. Hinter dem Dorfe Gurnou öffnet sich das Thal der Königspforten, Eiban-El- Molulc, welches die Gräber der alten Pharaone enthält. Der Weg dahin, voll Sand und Steine, schlängelt sich zwischen den Bergen hin- durch, und zeigt dem Auge blos eine Scene der Verwüstung. An einer Stelle findet man indelſs noch einen Rest der ehemaligen Straſse, die mit Steinen aufgedämmt war. Die Gräber selbst sind das Erstaunenswürdigste, was jemals menschliche Anstrengung hervorgebracht hat; es scheint, daſs selbst das längste Leben eines Monarchen kaum habe zureichen können, um sein Grab anzulegen und auszuschmücken. Mehrere derselben sind auch offenbar niemals vollendet worden. —————,—— 270 Am meisten bewunderte ich die von BEILzoxl entdeckte Katakombe, welche in jeder Hinsicht die schönsten bildlichen Darstellungen enthält. Sie ist theils mit Skulpturen, theils mit Freskomalereien geschmückt, beson-— ders sind die Decken sehr reich und geschmackvoll verziert. Der Gegensatz der in den Feldern derselben angebrachten lebhaften Farben macht einen sehr angenehmen, heiteren Eindruck. Da diese Katakombe vortrefflich erhalten, aber nicht in allen ihren Theilen vollendet ist, so giebt sie zugleich die beste Gelegenheit, sich über das von den Aegyptern beobachtete Kunst- verfahren zu belehren. Die ausgehauenen Wände wurden zuerst sorgfältig geebnet und schadhaſte Stellen mit Kalk, Gyps oder Kitt ausgefüllt, in welchen man nachher die Figu- ren und Hieroglyphen eben so ausschnitt, wie in den Stein selbst, welches ich durch mehrere mitgebrachte Proben darthun kann. Wo der Kalkstein durch eingesprengten Kiesel und durch Versteinerungen der Bearbeitung IHlindernisse entgegensetzte, wurden diese Stellen ausgehoben und bessere Steine eingesetzt. † Wände, die bemalt werden sollten, wurden vorher gewöhnlich mit Schlamm, Kalk oder Gyps beworfen, und im ersten Falle geweilst; worauf alsdann die Malerei aufgetragen wurde. Man findet Wände, die zum Theil bplos liniirt sind; auf anderen ist die Zeichnung der Figuren und Hieroglyphen mit rother Farbe entworfen, und die nöthigen Correcturen sind schwarz aufgesetat.. Sowohl in den Zeichnungen, als in den Correcturen ist die Freiheit und Sicherheit der Hand bewundernswürdig, so dals man den Aegyptern eine groſse Meisterschaft der Ausführung nicht absprechen kann. Man findet selbst schöne Köpfe und anmuthige Stellungen, soweit der ägyptische Kunststyl peide zuliefs, wovon man sich aus einigen mitgebrachten Bruchstücken, die leider schon herabgestürzt waren, überzeugen wird. Ein groſses Zimmer, über 28 Fuſs lang und 25 Fuls breit, ist nebst den beiden viereckigen Pfei- V lern, welche die Decke desselben unterstützen, ganz mit solchen Zeichnungen 1 angefüllt, die Herr Rroc-, so weit sie noch vollständig sind, durch Oelpapier sorgfältig kalkiren wird, so daſs ich einst diese in ihrer Art einzigen Denka mäler der Welt vorlegen zu können hoffe. 5 3 271 In dem Zimmer, welches vor dem eben erwähnten belegen ist, befindet sich eine merkwürdige Darstellung, in der vier durch Gesichtszüge und Tracht auffallend unterschiedene Nationen vereinigt sind. Herr BELzoONI hat eine colorirte Abbildung derselben gegeben, in der aber die Schärfe der Charakteristik des Originals bei weitem nicht erreicht ist. Zuerst erscheinen vier Aegypter in ihrer einfachen Nationaltracht und durch die ihnen eigene sanfte Gesichtsbildung ausgezeichnet; dann folgen vier Babylonier mit weit ausgewirkteren Zügen und in bunte Zeuge gekleidet, mit einem Schmuck von Federn auf dem Haupt und einer herabhangenden Haarlocke; diesen schlieſsen vier Aethiopier sich an mit negerartigem Profil, und endlich kom- men vier Juden, deren unverkennbare Nationalbildung mit so komischer Laune aufgefafst ist, daſs es einem jetzigen Künstler schwer fallen würde, in ihnlicher Art etwas Vollkommneres zu leisten. Eine ägyptische Gestalt mit der Maske eines Falkenhauptes scheint diese Völker anzuführen. In keiner mir bekannten Darstellung zeigt sich die ägyptische Kunst in einem glänzenderen Lichte. Vor dem innersten, den jeizt nach England verseizten alabasternen Sar- kophag enthaltenden Gemache, dessen Decke sehr hoch und nach Art eines Gewölbes ausgeschnitten ist, befindet sich ein anderes geräumiges Zimmer mit sechs viereckigen Pfeilern, an welches zu beiden Seiten zwei kleinere stoſsen. In einem dieser letzteren sieht man ein vortrefflich gearbeitetes Basrelief, die heilige Kuh in sehr merkwürdigen Umgebungen darstellend, welche Herr SArær nach Zeichnungen, deren Treue nichts zu wünschen übrig lälst, bekannt machen wird. An jeder Seite des Eingangs dieser Kammer pefand sich die Darstellung eines heiligen Stieres, die ein Reisender aus der Wand hatte brechen lassen; zum Glück erfuhr Herr SALT diese Gewaltthä- ligkeit und reklamirte die Stücke als sein Eigenthum, indem die Katakombe auf seine Kosten geöffnet sey. Ich hatte daher Gelegenheit, diese Meisterwerke der ägyptischen Kunst in seiner Sammlung zu Cairo zu bewundern. An der glänzend verzierten gewölbten Decke des schon erwähnten innersten Zimmers glaubte ich mehrere Sternbilder zu entdecken, deren — 272 Zeichnung, wegen unzureichender Beleuchtung, mir indelſs nicht gelingen wollte. Herr SAIT hat bereits die Hälfte derselben skizzirt und wird bei einer künftigen Reise nach Theben die ganze Darstellung vollenden. An dies Zimmer stölſst noch ein anderes von beträchtlicher Gröſse, des- sen Eingang vermauert, übertüncht und bemalt war, also ganz verborgen bleiben sollte. Im Inneren fand man es ganz angefüllt mit kleinen hölzer- nen schwarzen Idolen, die mit Mumienharz überzogen sind, und wahr- scheinlich bei der Bestattung des Todten von den dabei gegenwärtigen Personen hier aufgestellt wurden, gleichsam als Schutzgottheiten des Grabes. Die Decke dieses Zimmers wird von zwei Pfeilern unterstützt, und seine bauliche Einrichtung schien mir sehr merkwürdig*). In den andern Kam- mern lagen noch einige gröſsere, eben so überzogene Mumienidole. Neben und hinter dem Hauptzimmer befinden sich unvollendet geblie- bene Gemächer, und unter der Stelle, wo der Sarkophag stand, öffnet sich ein schräg hinabführender Eingang, den man bis auf dreihundert Fuls ver- folgt, aber dann verschüttet gefunden hat. Wahrscheinlich führt er zu Katakomben auf der anderen Seite des Berges, und die Aufräumung dessel- ben dürfte unerwartete Aufschlüsse geben*). Die Mannigfaltigkeit der An- züge und die Abwechselung in den Mustern der Kleidungsstoffe ist in dieser Katakombe besonders bemerkenswerth. Auch dieses herrliche Grab, das einzige, welches uns noch eine befrie- digende Idee ägyptischer Pracht und Kunst geben kann, wird von einem baldigen Untergange bedroht. Einiges war schon zerstört, als BELzONi es öffnete, der Deckel des Sarkophags gewaltsam zerschmettert, mehrere Pfei- ler und Stücke des Bewurfs herabgestürzt, und seitdem haben Reisende *) M. s. Tafel XXI III. die letzte Figur. **να) Da dieses Grab, als Belzoni es öffnete, schon beraubt, der von ihm gefundene Eingang aber vermauert und unversehrt war, so vermuthet Richardson, dals der erwähnte verschüttete Weg den im Alterthum allein bekannten Zugang des Begräbnisses gebildet habe, der vielleicht mit einem der Prachtdenkmäler der Könige, nach welchen er seine Richtung zu nehmen scheint, in Verbindung stand. Richardson's trawels I. p. 307. ——— — — —— ———— 273 vieles beschädigt. Zwar hat Herr SALT Verwüstungen dieser Art dadurch vorzubeugen gesucht, daſs er den Eingang durch eine starke Thür ver- schlieſsen lieſs, die nur durch einen Scheik geöffnet werden darf, welchem der Schlüssel derselben anvertraut ist; allein BEæEæzoNxl selbst bat die Ver- nichtung dieses unvergleichlichen Denkmals vorbereitet, indem er zur Erleich- terung der Fortschaffung des alabasternen Sarkophags einen dicht vor der Eingangstreppe belegenen Brunnen verstopfte, wodurch bei eintretendem Regen, der in Ober-Aegypten zwar selten, aber dann um so heſtiger zu fallen pflegt, das Wasser sich stromweis in die ganze Katakombe ergielst, so daſs die Lebhaftigkeit der Farben durch die stockende Feuch- tigkeit schon sehr gelitten hat. Ein sachkundiger Fremder, der hier seit vielen Jahren bedeutende Ausgrabungen leitete, hat sich überzeugt, dals es in den Katakomben Brunnen giebt, die blos zum Abzug des etwa eindrin- genden Wassers bestimmt waren, und deshalb nicht in solcher Tiefe, als die zu den Todtenkammern führenden, angelegt sind. Je mehr man die Kunst der Aegypter kennen lernt, um so mehr Anlaſs findet man, sie zu bewundern. Aus dieser Katakombe ist die merkwürdige Darstellung Tafel XXI. Eig. 2. und das oft vorkommende Zeichen Fig. 8. Auch viele Thiere findet man abgebildet, unter denen ich das Krokodil, die Giraffe, das Müpferd, die Spitz- maus und andere wahrnahm, die sonst in den ägyptischen Denkmälern selten erscheinen. Auſser den Hieroglyphen sind auch kurze hieratische Inschriften angebracht, von denen ich zwei kopirte*). In den durch die französischen Gelehrten bekannt gemachten Gräbern von Biban-El-Moluk findet sich nicht alles ganz der Wahrheit gemäls dar- gestellt. Indem man aber ihnen dies zum Vorwurſe macht, darf es nie vergessen werden, dals man gleichwohl ihren umfassenden Anstrengungen und der groſsmüthigen Unterstützung der französischen Regierung zur wür- digen Bekanntmachung der Resultate ihrer Arbeiten die erste wahrhafte *) Sie werden unten mitgetheilt. 35 274 Kenntniſs des ägyptischen Alterthums verdankt; denn was man vorher davon wuſste, war kaum ein Bruchstück zu nennen, so geringfügig erscheint es im Verhäliniſs zu der untergegangenen Kunstwelt, in welche durch sie der Eingang eröffnet wurde. Viele Denkmäler meiner Sammlung, unter andern eine wohl erhaltene Lyra von Holz und eine bronzene Bildsäule von selte- ner Grölse mit einem beweglichen Kopfputz, sind in diesen älteren Grotten von Biban-El-Moluk entdeckt worden*). *) Wir verweisen auf die Erklärung der Tafeln, welche von diesen und anderen hier gefun- denen Gegenständen Abbildungen enthalten. Dreizehntes Kapitel. Retiseoon T heben bis Assuan. Erment oder Hermonthis— Tempel des Horus-Apollo— Ruinen eines rõmischen Tempels und eines heiligen Teiches— Esnehz oder Latopolis— Tempel der Minerva— Eleids oder Ilithyia— Tempel der Bubastis-Lucing— Begräbniſsgrotten— Thiergräber— Edfou oder Apollinopolis magna— Tempel des Horus-Mpollo— Gphinxallee— Heinerer Tempel— Glasmosailen— Steinbriiche von Gebel-El-Silsili— Angebliche Darstellung des Pan— Koum-Ombu oder Ombos— Kesuan oder Syene— Gebände zur Beobachitung des Goinmersolsti- tiums— Die Insel Elephantine— Nilmesser— Tempel des Knuphis und andere Ruinen— Sitten der Barabra— Elephanten und Kameele, in äpyptischen Denkmälern vorkommend. Den 21sten Januar, Morgens um 10 Uhr, verlieſs ich Theben und erreichte Erment, ein Dorf am linken Ufer des Nil, in dessen Nähe sich die Ruinen des alten Hermonthis befinden, einst der Hauptstadt eines nach ihr benann-. ten Nomos, in der, wie Strabo bemerkt, Jupiter Ammon und Apollo oder Horus verehrt wurden, aufserdem pflegte man hier einen heiligen Stier. Von dem Tempel des Horus stehen noch fünf Säulen des Porticus und drei innere Gemächer, deren Thüren aber verschüttet und die jetzigen Ein- gänge durch die Mauer gebrochen sind. In dem mittelsten, gröſsten dieser Zimmer, ist die Niederkunft der Isis dargestellt, die Erziehung des Horus und viele andere Abbildungen dieses Gottes, in deren einer er auf einem Throne sitzend erscheint. Aufser ihm erblickt man am häufigsten den Osiris, das Krokodil und priapische Gestalten; auch bemerkte ich die Darstellung eines Schweines. An der Decke sieht man siderische Bildwerke, welche, so wie alle anderen dieses Tempels, mit groſser Sorgfalt ausgeführt sind; 35* * — 276 eine vollständige Bekanntmachung derselben dürfte daher sehr wünschens- werith seyn. Von einem zweiten Tempel liegen die Schafte granitner Säulen am Boden zerstreut, verrathen aber römische Arbeit. Eine Nische, die einst zum christlichen Gottesdienst benutzt und mit Heiligenbildern bemalt wor- den war, und ein zweites fast zertrümmertes Gemach, blieben allein von jenem Tempel noch übrig, der aus dem Material eines älteren ägyptischen Baues aufgeführt ist. Eine kürzlich von den Arabern hier ausgegrabene Statue eines Römers wurde mir käuflich angeboten, verrieth aber in der Bearbeitung einen späten schlechten Styl. Funfzig Schritt östlich vom Tempel befindet sich ein ummauerter Teich, zu welchem eine Treppe von zehn Stufen hinabführt. Einige halten den- selben für einen Nilmesser, da noch gegenwärtig das Wasser darin gleich- mäſsig mit dem des Stromes steigt und fällt, andere für den Aufenthalt eines heiligen Krokodils, indem Strabo gleich nach Hermonthis eine Stadt der Krokodile(vgoxo⁵εανν τ⁴sνα) erwähnt, wo dieses Thier verehrt wurde. Von Erment fuhr ich nach Esneh, einer wohl belegenen Stadt am lin- ken Ufer, wo man die besten Kameele in Aegypten antrifft, welche von den Beduinen-Stämmen der Bischaryn und Ababdeh gezogen und hier zu Markte gebracht werden. Seinen griechischen Namen Latopolis erhielt die- ser Ort von der Verehrung des Fisches Latos, aufser welchem besonders Minerva hier angebetet wurde, der ohne Zweifel der im Innern der Stadt noch erhaltene herrliche Tempel geweiht war. Alle Bildwerke desselben ver- rathen den gerundeten späteren Styl der ägyptischen Kunst; aber nur der Porticus ist jetzt zugänglich, alles andere zwischen den Häusern versteckt und verschüttet. Jener besteht aus vierundzwanzig sehr schönen Säulen, je sechs in vier Reihen, deren Architrave und Decke unversehrt sind. Wid- derköpfige Gestalten, die sich auf Jupiter-Ammon und Minerva*) beziehen, *) Dals zu Latopolis Minerva verehrt worden sey, bemerkt Strabo XVII. p. 817., und das Vorherrschen des Widdersymbols in dem ihr geweihten Tempel bestätigt das oben über die Dar- stellung der ägyptischen Minerva Nachgewiesene, m. s. oben p. 110— 112. 135. 140. 141. 277 wiederholen sich allenthalben, und auch über der ins Innere des Tempels führenden Thür erblickt man ein widderköpfiges Bild. Wegen der Dunkel- heit des Porticus erkennt man nur mit Mühe die siderischen Bildwerke an der Decke desselben, die mit Staub bedeckt ist, wo sich auch die Tafel XXII. Fig. 3. mitgetheilte Gestalt mit vier vereinigten Widderköpfen befindet. Anderthalb Stunden nordwestlich von Esneh befinden sich die Ruinen eines anderen Tempels, an dessen Decke man ebenfalls Fragmente eines zodiakus antrifft. Ich besuchte indeſs diese angeblich ganz zerfallenen Reste nicht. Die Stadt der Flithyia, die wir zunächst erreichten, lag am rechten Ufer des Nil, wo der wahrscheinlich altägyptische Name derselben*) sich noch in dem des schlechten Dorfes Eleids erhalten hat. Ihren alten Glanz bewei- sen die Reste dreier Tempel und eine starke Umfassungsmauer aus unge- brannten Ziegeln, von 24 bis 30 Fuſs Dicke, die, obgleich man hin und wieder die Steine gewaltsam herausgebrochen hat, noch sehr fest ist. Jeder dieser Ziegeln, aus Lehm mit gehacktem Stroh vermischt, ist 18 Zoll lang, 7 Zoll breit und 4 Zoll hoch. Der Umfang dieser Mauer beträgt an 2000 Fuſs. Innerhalb derselben liegen die Ruinen des Tempels der ägyptischen Lucina oder Geburisgöttin, welche gewöhnlich den Namen Bubastis führt und der griechischen Diana für gleichbedeutend gehalten wurde*). Zwar haben nur sechs Säulen und ein mit Bildwerken und Hieroglyphen geschmücktes Gemach desselben sich erhalten, aber aus den vorhandenen Substructionen geht hervor, daſs er sehr bedeutend gewesen seyn muls, und, wie der zu Edfou, mit einer Mauer von Quadern eingeschlossen war. Beträchtliche Excavationen würden indels erforderlich seyn, um über die Einrichtung des Baues Aufschlüsse zu erhalten. In der Nähe des Tempels befinden sich Reste anderer Gebäude und eines heiligen Teiches. Tafel XX. Fig. 3. ist *) Der Name der Göttin EAνια obgleich gräcisirt, scheint nicht griechischen Ursprungs 8 2u seyn. **) Man vergleiche die Erklärung von Tafel XX. Iig. 3. und Tafel XXIII. Fig. 4. 4 278 eine in jenem Gemach befindliche Darstellung mitgetheilt, die sich auf die Bubastis zu beziehen scheint, wie auch Taſel XXIII. Eig. 4. Etwa 1500 Schritt nördlich von jener Umfassungsmauer liegen die Rui- nen eines kleinen, ganz verfallenen peripterischen Tempels, der vielleicht nie vollendet war. Tafel XXIII. Fig. 6. zeigt ein Relief aus demselben, wo sich auch eine merkwürdige Initiationsscene beſindet. Um weniges weiter gegen Norden trifft man einen kleinen Tempel aus einem Felsenstück ausgehauen, oder eine groſse monolithische Kapelle, die aber fast ganz zerstört ist. Die Begräbnisse von Ilithyia sind von allen Reisenden beschrieben und sehr merkwürdig. Sie befinden sich in der arabischen Bergkette, in der Nähe der letztgenannten Tempel, und sind länglich viereckige Kammern, an deren einer Seite eine Oeffnung zu dem unterirdischen Aufbewahrungs- raum der Mumien führt; einige dieser Brunnen finden sich auch auſserhalb der Grotten. Nicht blos Mumien von Menschen, sondern auch von Kroko- dilen und Fischen sind in einigen beigesetzt, von welchen Thieren aber plos die Köpfe mumisirt sind, die man in Haufen von dreiſsig bis vierzig beisammen antreffen soll. Ferner sieht man in dem Felsen Oeffnungen von zwei Fuſs Länge und acht bis zehn Zoll Breite, denen nicht unähnlich, worin bei Siout die mumisirten Schakals aufbewahrt sind. Vielleicht dien- ten diese zum Begräbniſs der jener Göttin Bubastis geheiligten Katzen. Ueber und an den Thürzargen der Grotten sind Bilder und Hierogly- phen angebracht, aber, so wie das Innere der meisten Grotten, zerstört. Die Ausführung ist durchgängig sorgfältiger als in den Begräbnissen von Beni-Hassan, die Darstellungen im Imneren beziehen sich auf alle Geschäfte der arbeitenden Kaste, bis auf die Ceremonien der Todtenbestattung, und sind deshalb sehr interessant. Besonders zeichnen durch gute Erhaltung gwei Kammern sich aus, deren eine 18 Fufs lang und 9 Fuſs breit ist, mit einer vier Fuſs tiefen Nische am Ende derselben, in welcher drei lebens- groſse sitzende Bildsäulen einen Mann darstellen, dem von beiden Seiten eine Frau unter die Arme greiſt, gleichsam um ihn zu unterstützen. Leider sind diese Bildsäulen sehr verstümmelt. Die Felsenwand der Kammer, hier 9 ———— — — 279 aus Sandstein bestehend, ist mit Lehm beworfen, übertüncht und bemalt. Die Hauptfiguren sind lebensgroſs, umgeben von 18 Zoll hohen kleineren, um welche noch kleinere zahllose Darstellungen von 8 Zoll hohen Figuren angebracht sind. Die Männer sind von rother Farbe und mit einem Ge- wand, das vom Gürtel bis auf die Knie reicht, bekleidet, die Weiber, von gelber Farbe, haben Tuniken oder Leibröcke, die unter dem Busen anfan- gen und bis auf die Knöchel herabgehn; die Kinder sind nackend und durch die Farbe ihres Geschlechts unterschieden. Die Menge dieser Darstellungen und ihren Inhalt aufzuzählen, würde in Worten kaum möglich seyn. Unter den Arten der Feldbestellung ist auch der Weinbau nicht vergessen, zum Beweise, daſs er einst in Ober- Aegypien betrieben wurde, auch die Weinlese, das Auspressen und Auf- bewahren des NMostes ist abgebildet. Der Ackerpflug wird bisweilen von Ochsen, bisweilen von einem Menschengespann gezogen. Die Schiffe haben Aehnlichkeit mit den noch auf dem Nil gebräuchlichen Dschermen, nur sind auf jenen die Kammern höher und geräumiger, und die Schiffe haben ein Segel von viereckiger Gestalt. Die Steuerruder sind schwer und stark, und werden mittelst eines Rades bewegt. Die Leichenzüge*) sind mit Musik und Tanz begleitet; ein Mädchen spielt die Doppelflöte, eine andere schlägt zwei krumme metallene Stäbchen zusammen, eine dritte rührt eine zehnsaitige Harfe. Die Tänze sind lustig und von heſftiger Bewegung, sie werden nur von Männern aufgeführt; unter andern fiel mir ein Tänzer auf, der, nach Art der Kosacken, auf beiden Hacken tanzt. Nur mit Mühe reiſst man sich los von diesem endlosen Bilderreichthum, der deutlicher als alle schriftlichen Denkmäler über das Leben des Alterthums Belehrung giebt. Von Fleids fuhren wir nach Edfou am linken Nilufer, dessen hohe Tempelflügel schon aus groſser Ferne sichtbar sind. Die Araber nennen den Ort Athba, den baumlosen; bei Griechen und Römern hieſs er die *) Man sehe oben p. 239. 280 groſse Stadt des Apollo, Apollinopolis magna, es wurde nämlich hier der ägyptische Horus verehrt. Der grolse Tempel desselben gehört zu den best- erhaltenen Denkmälern der ägyptischen Baukunst, die vorliegenden Flügel desselben übertreffen alle anderen an Höhe. Sie ragen noch jetzt 70 bis 80 Fuſs über der Oberfläche empor, und dürften an 30 Fuſs tief darunter begraben seyn. Im Inneren derselben zählte ich nicht sechs Stockwerke von Zimmern, wie Pococke angiebt, sondern neun über und neben einander, und in dem verschütteten unteren Theil finden sich wahrscheinlich noch drei andere. Ueber dem Thorweg, der beide Flügel verbindet, ist eine Art steinerner Brustwehr angebracht, wie zur Vertheidigung, und oben sind die plattformen der Flügel ebenfalls mit einer steinernen Wehr umgeben und zwei queerüberliegende groſse Steine scheinen zur Aufnahme von Gerüsten gedient zu haben.(Man sehe Tafel XXIX. Fig. 15.). Nach meiner Rückkehr aus Ober-Aegypten stieſs Herr RrPAuT, welcher für Herrn DRovETTI hier Nachgrabungen leitete, auf eine Allee von Sphin- xen, die er Auftrag erhalten hat, ganz zu Tage zu fördern. Der majestätische mit Säulen umgebene Hof, in welchen man durch jene Tempelflügel gelangt, enthält die Wohnungen von etwa dreilſsig Moha- medaner- und Kopten-Familien, und ist durch Mauern und hölzerne Ver- schläge entstellt. Handwerker haben hier ihre Werkstätten, besonders wird viel irdenes Geschirr verfertigt. Der Porticus des Tempels, von achtzehn Säulen in drei Reihen, ist zum Theil bis an die Knäufe verschüttet; die innern Gemächer, welche zu Vorrathskammern dienen, waren mir unzu- gänglich. Eine 20 Fuls hohe und 6 Fuſs dicke Mauer umgiebt den Tempel in einer Entfernung von 12 Fulſs, und ist, wie dieser selbst, nebst den Flü- gelgebäuden, Säulen und Portiken, allenthalben mit Bildwerk und Hiero- glyphen bedeckt; ähnliche Einfassungen haben nur in Nubien sich noch erhalten. Auf der äulseren Tempelwand befindet sich die Darstellung Tafel XXII. ELig. 6.*). *) Sie findet sich schon in der Desoription de l'Eg. I. pl. 59. fig. 6., ist aber hier zur Erklä- rung von pag. 110. und Tafel XXI. Fig. 2. wiederholt. —— ee 281 Ein Paar hundert Schritt gegen Süden der Flügelgebäude des Haupttempels trifft man einen peripterisch gebauten kleineren, in dessen Inneren, so wie an den Säulen, pygmäenartige Gestalten der Kabiren sehr häufig vorkommen*). Die angeblich im Tempel zu Edfou beſfindliche Darstellung des Phönix konnte ich nicht entdecken, und Herr Rroci versicherte mir, daſs er und Herr BANKs auch im Innern des Tempels vergebens danach gesucht hätten. Ich war aber so glücklich, eine hier zu Edfou gefundene Glasmosaik zu erhalten, in der jener mythische Vogel in bunten Farben gebildet ist. Die Federn sind gelb, grün und blau, die Krone roth, die Flügel ausgebreitet. (M. s. Tafel XXI. Eig. 12.). Auf mehreren Säulen des Tempels zu Karnak sieht man ihn eben so dargestellt, und neben ihm beständig einen Stern, der auch auf meiner Paste angebracht ist.(M. s. Tafel XX. Fig. 6., wo indeſs die Farben nicht angegeben sind, weil sie in den Originalen meistens verwischt waren.) Bekanntlich war der Phönix das Symbol der 1461 Jahre dauernden Sothisperiode oder des groſsen Jahres, nach dessen Ablauf der Anfang des beweglichen ägyptischen Jahres wieder mit dem des festen zusammentraf. Könnten über das hohe Alter der Glasmosaik noch irgend Zweifel obwalten, so würden sie durch diese offenbar altägyptische Darstellung zur Genüge widerlegt. Sie ist aber nicht das einzige Kunstwerk dieser Art, das ich in Aegypten erwarb; Tafel XXI. Fig. 10. zeigt eine solche Mosaik, die zu Mempbis, Fig. 6. 7. 9. und 12. vier andere, die zu Theben gefunden wurden. Ich besitze eine zu Athribis ausgegrabene farbige Glaskugel, eine kleine Urne von ähnlicher Arbeit, Bruchstücke von Gefäſsen und eine bedeu- tende Anzahl farbiger Glaskorallen aus zusammen gewundenen bunten Glas- fäden, die fast in allen Nomen des alten Aegyptens gefunden sind**). Am *) Oben pag. 152. 153. 251. **½⁴) Von Herrn Professor John angestellte-hemische Analysen dieser farbigen Glasflüsse, die, nach dem Geschmack der Verzierungen zu urtheilen, häufiger griechischen, als altägyptischen Ursprun- ges seyn dürften, findet man unter den Beilagen. Der angebliche Phönix scheint ein Vogel mit Menschenhänden zu seyn, was mit den alten Beschreibungen nicht zusammentrifft. 36 282 häufigsten scheinen diese Glaswaaren als Schmuck benutzt zu seyn, zu Ohr- ringen, Hals- und Armbändern; man findet abéèr auch Mumien mit Gewän- dern angethan, die ganz aus Glaskorallen zusammengesetzt sind*). Wir stiegen darauf bei den Sandsteinbrüchen von Gebel- El-Silsili am rechten Nilufer ans Land, deren weitläuftige Ausdehnung bei der bequemen Lage unmittelbar am Strom über ihre starke Benutzung keinen Zweifel läſst; auch scheint das Material der meisten aus Sandstein erbauten Denkmäler in 4 diesen Brüchen gewonnen zu seyn. Weiter nördlich findet nämlich an bei- den Stromufern sich blos horizontal gelagertes Kalksteingebirg von verschie- dener Härte und Weiſse, in welchem Jaspis-, Achat- und Serpentin-Gerölle eingeschlossen sind, die bei der Verwitterung des Hauptgesteins, das durch seinen Schutt die Umgebung unfruchtbar macht, entblöſst werden, und die bekannten ägyptischen Kiesel abgeben, die nichts anderes als buntfarbige Jaspisstücke von ausgezeichneter Härte sind. Der Sandstein von Silsilis ist sehr gleichkörnig und deshalb vortrefflich zu bearbeiten. Die Brüche sind unter sich durch im Felsen gehauene Communicationstreppen verbunden, sonst findet man aber in ihnen keine Denkmäler, auſser zweien im Felsen ausgehauenen Kapellen, die gegen den Strom liegen.(M. s. Tafel III. Fig. 3. und vergleiche Tafel XXITX. Pig. 15.). In diesen kleinen Tempeln zeichnete auf meinen Wunsch Herr Rrocl die, Tafel XXII. Fig. 1. gegebene Darstellung, in der man nach einer flüch- tigen Abbildung und Erklärung der französischen Gelehrten(Description I. pl. 45. fig. 14.) den bocksbeinigen Pan zu erkennen geglaubt hat*). Ich fand aber, daſs jene thierfüſsige Gestalt kein männliches Wesen, sondern eine Göttin sey, mit Thierleib und Menschenhaupt und in einer seltsamen Verhüllung, die sonst nirgend vorkommt. Vielleicht sehen wir in ihr die Mutter der Hauptgottheiten dritter Ordnung und neben ihr Hermes und *) Zwei vollständige, so bekleidete Mumien befinden sich jetzt in der Königlich Preuſsischen Sammlung, deren Beschreibung und Abbildung weiter unten gegeben wird; sie sind durch die Bemühungen Sr. Excellenz des Herrn Generals erworben worden. **) Hirt, über die Darstellung der ägyptischen Gottheiten„„. 12. —— 283 Nephthys. Vergebens sah ich mich nach einer anderen Darstellung des Pan um, die auch die Herren BANKs, SALT, DROVETTI, RICcl und LINANT in den Steinbrüchen und Grotten von Silsilis aufzufſinden umsonst sich Mühe gaben. In der von BELZzoNI eröffneten Katakombe zu Biban-El- Moluk erblickt man dagegen den Pan ziemlich in derselben Gestalt, welche nach Herodot*) die Aegypter ihm beilegten(M. s. Tafel XXI. Fig. 2.). Die hier gegebene Abbildung des Reliefs von Silsilis, welches zweimal daselbst vorkommt, ist mit der gröſsten Sorgfalt gemacht und mit dem ziemlich verwitterten, aber nicht unkenntlich gewordenen, Original von mir verglichen und in allen Stücken getreu befunden. Neben den erwähnten beiden Kapellen findet man am Wasser auch eine Anzahl Begräbniſsgrotten, die wahrscheinlich einer Stadt angehörten, deren Ueberreste man eine Viertelmeile stromab am rechten Nilufer antrifft, und die wahrscheinlich von den Arbeitern jener Steinbrüche bewohnt wurde. In einigen dieser Gräber, die ich besuchte, befanden sich groſse sitzende Figuren, allein durchaus keine Hieroglyphen und Bildwerke, die man nur in jenen Kapellen und auf einzelnen im Felsen ausgeebneten Tafeln antrifſt, wonach also die fabelhaften Schilderungen von der nutzlosen Pracht der ägyptischen Steinbrüche zu berichtigen sind. Auch am linken Nilufer finden sich Steinbrüche und den Kapellen gegenüber mehrere Gräber. Jene sind auch hier von bedeutender Ausdeh- nung, und man bemerkt in ihnen einen schon aus dem Groben gearbeite- ten Sphinx mit einem Widderkopf, gleich denen zu Theben vor dem Tem- pel von Karnak. Ein Beweis, daſs man einst hier, wie jetzt zu Carara, die Kunstwerke halb oder ganz vollendete, ehe sie an den Ort ihrer Bestim- mung versetzt wurden. In einem hier belegenen Steinbruch kopirte Herr BANKs mehrere griechische Inschriſten, die für die spätere Benutzung die- ser Brüche durch Griechen und Römer, also auch für damals in Aegypten ausgeführte Baue, ein unwiderlegliches Zeugniſs geben. *) Herodot. II, 46. 36* 284 Die Erzählung, daſs man hier einst den Strom durch eine Kette gesperrt habe, wird für eine Fabel gehalten, auch bemerkt man von Befestigungs- werken, die zur Deckung einer solchen Anstalt erforderlich waren, keine Spur; gewiſs ist indeſs, daſs die hier durch die von beiden Seiten vortre- tenden Sandsteinfelsen gebildete Stromenge gleichsam den Schlüssel des Fluſsgebiets ausmacht, und in alten Zeiten die Aegypter, im Fall eines Angriffs von Nubien her, zur Vertheidigung einladen muſste; sollte auch der arabische Name Gebel-El-Silsili, der Kettenberg, nicht sowohl aus jener Erzählung, als vielmehr die Tradition aus dem miſsdeuteten Namen entstan- den seyn, was indeſs schwer zu entscheiden ist. Jetzt findet sich hier wirk- lich die politische Grenzscheide zwischen Aegypten und Nubien, die im Alterthum bekanntlich weiter gegen Süden lag. Schon zu Psammetichus Zeit standen die ägyptischen, wie zu der des Herodot die persischen*), und später die römischen Grenzposten zu Elephantine, dehnten sich aber zu Zeiten noch jenseits aus*). Von Silsilis besuchte ich Koum-Ombu am rechten Ufer, von welchem Ort einst der ombitische Nomos benannt wurde. Die Ruinen der Stadt lie- gen an und auf einer Anhöhe, wo der fast ganz vom Sande verschüttete groſse Tempel, der von vortrefflicher Arbeit ist, sich dadurch auszeichnet, daſs er, der Länge nach in zwei Hälften getheilt, der Verehrung zweier ver- schiedenen Götter geweiht war. Daſs der eine derselben Horus gewesen sey, lehrt eine erhaltene griechische Inschrift über dem Eingange, und aus dem häufigen Vorkommen einer Menschengestalt mit einem Krokodilskopf läſst sich schlieſsen, dals der andere der von Horus besiegte Typhon war, wel- chem Götterfeind man das Krokodil geweiht hatte, das, so wie Typhon, in mehrern ägyptischen Städten verehrt wurde, unter denen auch Ombos genannt wird**). Die Gestalten beider Gottheiten, des Horus und Typhon, kom- men indeſs in beiden Abtheilungen des Tempels ziemlich gleich häuſig vor, und beiden werden Opfer dargebracht. *) Herodot. II, 30.**) Tacitus Annal. II, 61.**ε†⁵) Aelian. H. Anim. X, 24. “ 4 8— 3 ———————— — —— — — 8 8 8 8 —— 285 Der Eingang dieses Tempels ist, wie der aller gröſsern ägyptischen, gegen den Nil gerichtet; parallel mit dem Laufe des Stromes dagegen liegt ein kleinerer, den man nach hergebrachter Unrichtigkeit ein Typhonium nennt, obgleich auf dessen Ueberresten jene Pygmäengestalt, die für Typhon gilt, nirgends vorkommt, und auch das Krokodil in den Bildwerken gänz- lich fehlt. Dagegen erblickt man an den Säulenknäufen ein menschliches Angesicht. Ein groſser Theil dieses Tempels ist in den Nil gestürzt, der dem ganzen Gebäude einen baldigen Untergang droht; die noch erhaltene eine Hälfte der vorliegenden Tempelflügel, mit schönen Figuren geziert, steht jetzt unmittelbar am Uferabhang und wird über kurz oder lang dem schon hinabgestürzten Theile nachsinken. Wegen der allmähligen Abschüssigkeit seines libyschen Ufers nimmt der Nil in der ganzen Länge seines Laufes durch Ober-Aegypten immer mehr eine östliche Richtung gegen die steil sich absenkende arabische Bergkette, die er an vielen Stellen schon erreicht hat, und zerstört bei diesem Vorrücken die gröſstentheils auf der bedrohten rechten Seite belegenen Denkmäler alter Städte, deren viele schon vernichtet sind, wovon wir zu El-Gau ein ganz neuerliches Beispiel fanden, dessen kolossale Tempel seit wenigen Jahren bis auf die letzten Trümmer in den Strom versanken*). Auch diese Ver- wüstungen sind eine Folge des vernachläſsigten Kanalsystems, wodurch im Alterthum die Wucht der übertretenden Gewässer vertheilt und gebändigt wurde; indem die meistens am sicheren linken Ufer gezogenen Kanäle den Strom ausschöpften, während andere längs der arabischen Kette die zwi- schen liegenden bedrohten Landestheile zugleich befruchteten und schützten. Auch die alten Uferbefestigungen der rechten Seite, wahre Riesenwerke, die Griechen und Römer sorgfältig unterhielten und besserten, sind groſsen- theils vernichtet und wehren nur noch an wenigen Stellen, wie zu Lu- xor, dem Andrang der mächtigen Wasser. Die gänzliche Vernachl äſsigung begann aber erst seit der türkischen Eroberung zu Anfang des sechzehnten *) Oben p. 243. ————— 286 Jahrhunderts(1517); unter den einheimischen fatimitischen, baharitischen und anderen Sultanen und Kalifen wurden die alten Anlagen keineswegs auſser Acht gelassen, und Aegypten, mächtig und reich, war damals noch immer der Sitz des indischen Welthandels. An das erwähnte vorliegende Flügelgebäude des Tempels lehnt sich eine Mauer von ungebrannten Ziegeln, die eine Dicke von acht bis zehn Fuls haben mag, und die Erde des abschüſsigen Berges zu stützen bestimmt schien. Mauern von ähnlichem Material stoſsen an die andere Seite des kleinen Tempels, und man bemerkt im Schutt die Reste noch mehrerer Constructionen aus Lehmziegeln, die man in Aegypten und Nubien bei Einfassungsmauern öffentlicher Gebäude häufig angewandt findet. Hier zu Ombos sind die untersten Lagen derselben hin und wieder geröthet und von grölſserer Festigkeit, welches die Wirkung eines groſsen Brandes zu seyn scheint, welchen man nicht verfehlt hat, dem Cambyses Schuld zu geben, dem man alle Verwüstungen in Aegypten beizumessen pflegt. Allein am Abhange des Hügels, auf dem die Tempel erbaut sind, finden sich nicht unbedeutende Grabmäler, aus eben solchen ungebrannten Ziegeln aufgeführt, mit überwölbten Decken. Bei kürzlich angestellten Excavationen hat man in ihnen nicht Mumien angetroffen, sondern bloſse Kadaver, wodurch der spä- tere Ursprung dieser Anlagen auſser Zweifel gesetzt wird*). Die Relief-Darstellungen Tafel XX. Fig. 2. und Tafel XXI. Fig. 5. sind in den Tempeln von Ombos gezeichnet. Diesseits Syene lieſs ich unter einem Berge anlegen, auf welchem sich die Ueberreste eines Klosters und unter denselben einige Felsengrotten mit hieroglyphischen Bildwerken befinden; allein muthwillige Vernichtung hat wenig Bemerkenswerthes darin übrig gelassen. Wir erreichten dann das von finstern Granitfelsen, die hin und wieder geheimniſsvolle Inschriſten tragen, umlagerte Assuan, nicht ahnend, daſs es *) Man vergleiche hierbei die Note pag. 260. Die Ziegelgewölbe zu Theben dürften sonach ebenfalls nur Gräber seyn, wie dort vermuthet wurde; auch trifft man wirklich in denselben Leich- name an. 4 — 287 das Ziel unserer Reise seyn werde. Der hier brechende rothe Granit von auſserordentlicher Schönheit lieferte das Material zu den zahlreichen Denk- mälern aus diesem Stein, womit Aegypten bedeckt ist, so wie zu allen, die in andere Hauptstädte der alten Welt versetzt sind; denn nur hier findet sich dieser Stein in so bequemer Lage und von solcher Vollkommenheit. Die Steinbrüche nehmen den Fluſs entlang einen Raum von etwa drei Viertel einer deuischen Meile ein, und sind nicht hoch, so dals ein groſser Obelisk, der noch im Sande halbvergraben liegt, nicht aus der Tiefe, sondern aus der Breite des Felsens gesprengt ist. Ich wähle absichtlich diesen Ausdruck, denn die Werkstücke und Säulenschäfte wurden durch wahre Sprengung gewonnen, indem man in Abständen viele Oeffnungen einbohrte, und dann die so vorbereitete Masse mit einem Male losbrach. Ich bemerkte viele so angebohrte Stücke, deren Sprengung unterblieben war. Eine lateinische Inschrift an einer nicht weggeschafften Granitsäule beweist die späte Benut- zung dieser Steinbrüche. Die Alten waren der Meinung, Syene liege gerade unter dem Wende- kreis des Krebses, und erwähnen mit Verwunderung eines zur Beobachtung desselben angelegten Brunnens, der am Tage des Sommersolstitiums zu Mittag ganz von der Sonne erleuchtet wurde. Man hat sich bisher verge- bens nach einer solchen Anlage hier umgesehen, wozu indeſs jeder gewöhn- liche Brunnen tauglich war. Allein Herr SEATo versicherte mir, er habe oberhalb Assuan, also wahrscheinlich im Umfang des ganz zerstörten alten Syene, welches weiter gegen Süden lag, als die jetzige Stadt, ein unterir- disches Gemach gesehen, in dessen Decke sich eine absichtlich angebrachte kleine Oeffnung und gerade unter dieser auf dem Boden eine Spitze befand. Bei einer solchen Vorrichtung müſste man indels bald bemerkt haben, daſs jene Annahme falsch und Syene über einen halben Grad nördlich vom Wendekreise belegen sey, dessen wahrer Punkt durch den Engländer BAILLVY zwischen Debod und Kalabsche in Nubien bestimmt worden ist. Angesichts von Syene und durch einen unbeträchtlichen Nilarm von ihr getrennt, erhebt sich die kleine Insel Elephantine, welche den Ruhm —— 288 auſserordentlicher Fruchibarkeit, wie die Oasen, groſsentheils der umgebenden Wüste verdankt. In der Jahreszeit, wo ich sie besuchte, ist allerdings diese Insel, welche aus einem Granitkern besteht, der gegen Süden höher ansteigt, überaus anmuthig, reizende Baumgruppen und grünende Saatfelder bedeckten sie; allein es fehlt diesem tropischen Garten auch nicht an Schuttbergen und wüsten Stellen, und kaum ist die letzte Erndte vorüber, so tritt allgemeine Dürre ein. Der nördliche Theil ist durch Anschwemmungen vergrölbsert, im Ganzen liegt aber der Boden hoch und wird durch Schöpfräder bewässert. Der grölste der erhaltenen Tempel liegt gegen Süden, und unterhalb desselben führte ein jetzt zertrümmertes Thor zu dem östlichen Ufer, Syene gegenüber, wo sich der schon von Strabo erwähnte Nilmesser befindet, des- sen höchst interessante Wiederentdeckung man Herrn GiRARp verdankt. Er besteht aus einer bis unter den tiefsten Wasserstand in den Strom hin- abführenden Treppe, und scheint zugleich zum Schöpfen des beim Tempel- dienst nöthigen Wassers gebraucht worden zu seyn. Bei meiner Anwesenheit waren die Merkzeichen der Scala noch alle vom Wasser bedeckt und die unteren Stufen mit Sand verschüttet, indem bekanntlich das Strombett sich beträchtlich erhöht hat. Einige Zeit nachher aber, als der Strom noch tiefer gesunken war, lieſs der Engländer Herr CoopER den Sand wegräumen, und fand griechische Inschriften, welche besagten, wie hoch der Nil zur Zeit dreier römischen Kaiser gestiegen sey. Der zu dem Nilmesser führende Gang communizirte mit einer weiter oben noch vorhandenen kammer, die mit Hieroglyphen angefüllt ist, und auf der hohen Webrmauer sieht man zwei wohlerhaltene Fenster. Diese Mauer, welche das östliche Ufer der Insel gegen die Einwirkung des Stroms verwahrt und zugleich den Gebäuden als Unterbau dient, ist aus Bruch- stücken älterer Werke aufgeführt und nicht ganz vollendet, indem die Steine der äulfseren Bekleidung nicht gehörig behauen sind. Auf dem Felsen, die jene Mauer tragen, bemerkt man Hieroglyphen, die bis ins Wasser hinab- reichen. Der Stein ist rother Granit, aber seine Oberfläche so stark ver- wittert, dals ich mit bloſser Hand Stücke davon losbröckelte. —.—— „— 289 Der schon erwähnte Tempel ist peripterisch mit viereckigen Pfeilern umgeben, zwischen denen auf beiden Fronten zwei Säulen stehen, die hin- ten vermauert sind, indem derselbe von den Christen in eine Kirche ver- wandelt wurde, weshalb auch im Innern die Wände mit Schlamm beworfen sind. Er ist nicht groſs, aber aus dem höchsten Alterthum; wie denn über- haupt in Aegypten die kleineren Tempel die ältesten seyn dürften*). Aus den Bildwerken, womit er ganz bedeckt ist, scheint sich zu ergeben, daſs er dem Jupiter Ammon geweiht war, der hier mit Widderhaupt und Bocks- hörnern gerade so dargestellt ist, wie Eusebius den zu Elephantine verehr- ten Coitt beschreibt, ihn aber nicht Ammon, sondern Kneph oder Agatho- dämon nennt*); nur ist die Farbe desselben nicht blau, wie Eusebius angiebt, sondern grün. Die Reliefs Tafel XXIII. Fig. 3. und 5. wurden in diesem Tempel gezeichnet. In der Nähe desselben trifft man Substructionen andrer Gebäude, und einige darunter mit Hieroglyphen. Eine sitzende Statue des Osiris aus Gra-— nit ist, bei Gelegenheit einer durch Herrn SArT hier angestellten Excava- tion, vom Schutte befreit worden; es ergab sich aber, daſs sie unvollendet geblieben sey! Eiwas weiter oben finden sich die Reste einer Prachtpforte aus rothem Granit mit Hieroglyphen, und in geringer Entfernung Säulen- und Architravstücke aus demselben Material, die verrathen, daſs hier einst ein sehr prächtiger Tempel stand. Die Granitbaue der Aegypter sind aber durchgängig zerstört, indem die Blöcke derselben zu Mühlsteinen benutzt wurden, welches noch jetzt geschieht. Ich bemerkte mehrere mit Hierogly- phen bedeckte Granitmassen, die schon zu diesem Zweck ausgewählt und 4 bezeichnet waren. Nur die aus Sandstein, dem schlechtesten Material, auf- geführten Gebäude entgingen der absichtlichen Verwüstung. *) Die Berichte anderer Reisenden scheinen diese Annahme nur unter grolsen Einschränkungen zuzulassen, besonders vereinigen sich alle, den Tempel von Elephantine nicht zu den ältesten Gebãu- den zu rechnen. **) Euseb. Praep. Eang. I. III. ¹. 12. Man vergl. oben p. 109. und 135. 37 290 Mehr gegen Norden, etwa in der Mitte der Insel, finden sich die Reste eines kleinen Tempels, aus einer auf Pfeilern ruhenden Halle bestehend. In den Bildwerken desselben wiederholt sich sehr oft die Darstellung der hei- ligen Schlange, weshalb man mit Wahrscheinlichkeit annimmt, dals dieser Tempel der von Strabo erwähnte des Knuphis oder Agathodämon sey*). Das vertieft gearbeitete Relief Tafel XXIII. Fig. 2. wurde hier kopirt. Das häufige Vorkommen von weiblichen Tempelministranten und Priesterinnen veranlaſst mich, hier zugleich zwei Darstellungen aus dem kleineren Tempel zu Absambul mitzutheilen,(Tafel XXII. Eig. 4. 5.) zum Beweise, daſs in Nubien, so wenig als in Aegypten, wie man fälschlich angenommen hat, das weibliche Geschlecht von priesterlichen Würden und Functionen aus- geschlossen war*). Man hat neuerlich auf Elephantine Scherben gebrannter Thongeſäſse mit griechischen und ägyptischen Inschriften gefunden, von denen es mir gelang, einige zu erwerben und nach Berlin zu versetzen***). Die Verzögerung meines Aufenthaltes zu Syene, wo ich vierzehn Tage vergebens auf die Erlaubniſs weiter zu reisen wartete, gab mir Anlaſs, die Barabra's oder Berbern näher kennen zu lernen, die Elephantine bewohnen, und deren Stamm sich bis Ibrim in Nubien erstreckt. Schon zu Strabo's Zeit war die Bevölkerung von Elephantine aus Aegyptern und Aethiopiern gemischt. Der Name Barabra soll dem arabischen Beduin gleich bedeutend seyn, und Söhne der Müste bezeichnen; merkwürdig aber ist es, daſs gewisse Berbern aus Mauretanien, die mit den Pilgerkaravanen nach Mekka bis- weilen in diese Gegenden kommen, die Sprache der hier und oberhalb der Katarakte wohnenden nubischen Berbern verstehen, woraus sich schlieſsen lälst, daſs sie, ungeachtet der groſsen Entfernung ihrer Wohnsitze, zu einem Stamme gehören. *) Oben pag. 109. **) Man s. oben p. 150. und die Erklärung der erwähnten Tafeln. **₰) Diese merkwürdigen Manuscripte befinden sich jetzt in der Sammlung des Königlichen Museums; einige derselben werden unten mitgetheilt und erklärt. —— ——————— 3—— ——yy———————*—————— ——jj—————————*——O———— 291 Die Barabra's auf Elephantine sind von freundlicher Gemüthsart und näherten sich uns mit mehr Zuversicht, als die andern Bewohner Aegyptens. Ihre Farbe ist ein sehr dunkles Braun, das dem der Chokolade fast gleich kommt, aber nichts Negerartiges hat, so wenig als ihre Gesichtsbildung. Ihre Sitten sind höchst einfach, ihr Charakter gutmüthig und treu. Man zieht sie deshalb in Aegypten allen andern Dienern vor, und vertraut ihnen die Ver- wahrung der Magazine und Häuser. In ihrem Anzuge geben sie der braunen Farbe den Vorzug. Die Männer tragen ein so gefärbtes leinenes oder häre- nes Hemd, und eine rothe oder dunkelbraune Kappe. Die Weiber pflegen ein ebenfalls meist braunes Gewand sehr anmuthig um Kopf und Körper zu winden, wobei sie den rechten Arm, die Brust und einen Theil des Schenkels frei lassen. Ich bemerkte unter ihnen junge Weiber von schönem Wuchs und einnehmenden, ausdrucksvollen Gesichtszügen. Um Hals, Arme und Knöchel tragen sie Glaskorallen, Knöpfe und beinerne Ringe, und an dem einen Nasenloch einen Ring von Bein oder Metall, der bei Wohlha- benden bisweilen mit Steinen besetzt ist. Ihr langes Haar ist entweder glatt anliegend, oder auf eben die Art geflochten, die man an ägyptischen Sphinxen und Bildsäulen häufig wahrnimmt. Sie salben es mit GCassiaöl von der Palma Christi, die hier zum Baume gedeiht, und zu jenem Gebrauch von den Einwohnern cultivirt wird. Die Kinder gehen nackend, die heranwach- senden Knaben tragen einen leinenen Gürtel, und die Mädchen, bis sie verheirathet werden, eine Schürze aus Lederstreifen, die oft mit farbigen Glasperlen und Muscheln besetzt sind. Tuafel XXI. Fig. 2. stellt ein so bekleidetes Barabramädchen, Fig. 1. und 3. dagegen einen bewaffneten Mann und seine Frau mit ihrem Kinde dar, welches sie nach einer eigenen Sitte dieses Volkes auf ihrer Hüſte trägt. Die Waffen der Berbern sind Messer und Dolche, die sie am Ellenbo- gen oder im Gürtel tragen, Wurfspieſse, Streitkolben und Schwerter, den römischen ähnlich, aber länger, welche sie über den Rücken hangen. Einige führen runde Schilde von Büffel- oder Hippopotamushaut, von welcher Art ich einen nach Berlin versetzte. Pistolen und Musketen besitzen nur wenige. 37* ——y y yyyyyyz— 292 Ihre Wunden reiben sie mit Zwiebeln und bedecken sie dann mit Nilschlamm, welcher bis zur Heilung, die sehr schnell erfolgen soll, darauf liegen bleihbt. Auf alte Schäden legen sie Hennapulver mit Leinõl. Bei Glieder- und Brust- schmerzen, bei Erkältungen und selbst bei Brüchen wenden sie das glühende Eisen an, indem sie im ersten Fall den Nackenwirbel brennen, im letzteren, nach Zurückschiebung der ausgetretenen Theile, zwei Einschnitte machen und das glühende Eisen auflegen. Verborgene Wasserquellen aufzufinden besitzen sie eine besondere Ge- schicklichkeit, indem sie kurz vor Sonnenuntergang den Kopf gegen die Erde senken und Acht geben, ob irgendwo Schwärme kleiner Mücken ver- tikal auf- und absteigen, welches ein untrügliches Zeichen vorhandenen Wassers seyn soll. Ihr Leder gerben sie binnen vier Tagen, indem sie die rohe Haut mit der zerstoſsenen Schote und dem Saamen einer Pflanze, Namens Gionis, fingerhoch bedecken und alsdann zusammenrollen. Die so bereiteten Wasserschläuche werden nachher mit Oel getränkt. Ueber die Unschuld der Mädchen wachen sie mit der gröſsten Eifer- sucht, ein Fehltritt bringt der Gefallenen und ihrem Verführer den unfehl- baren Tod. Ein Familienrath spricht in solchen Fällen das Todesurtheil, welches der Vater selbst vollzieht; die Muiter aber bedeckt ihr Angesicht mit Schlamm, bis die Schande der Familie mit Blut gebülſst ist, und alle Angehörigen feiern die wieder erlangte Ehre mit lautem Jubel. Die Mütter sollen auch täglich ihre erwachsenen Töchter untersuchen, um ihrer noch fortdauernden Unschuld gewiſs zu seyn. 3 Den Grund, warum der zu Assuan befehligende Pascha, dein ich von Sr. Hoheit besonders empfohlen war, mir die Erlaubniſs weiter zu reisen verweigerte, gaben 400 Arnauten, die in und bei Philä auf Schiffe warteten, um zur Armee nach Dongola abzugehen, von welcher unbändigen Mann- schaft, die schon zu Minieh blutige Händel angefangen hatte, er Unannehm- lichkeiten für meine Frau befürchtete, wenn ich mit ihnen zugleich den Strom hinauf schiffte, indem es meine Absicht war bis Vadi-Halfa vorzu- dringen. Allein selbst Philä zu sehen blieb mir versagt, indem der Abgang „ —— 293 der Truppen sich immer mehr verzögerte. Ich freue mich indeſs, von der geschickten Hand des Herrn SEeAro eine Zeichnung der Denkmäler jener Insel, die von der Mittagsseite genommen ist, hier mittheilen zu können (Tafel V. Fig. 2)), und bemerke, daſs, nach seiner Versicherung, in den Bildwerken des Tempels zu Philä ein Elephant vorkommt, den man bisher in den ägyptischen Monumenten noch nicht bemerkt hat. Die Giraßſe findet sich zu Theben(Tafel XXII. Fig. 9.) und zu Kalabsche in Nubien; das Müpferd zu Biban-El-Moluk, Beni Hassan und Ilithyia, das Schwein zu The- ben und Erment, der Esel in den Katakomben zunächst bei den Pyramiden von Ghizeh, der Springhase auf den Obelisken von Luxor. Das Kameel ver- miſste man bisher ganz, und zog daraus den Schluſs, daſs die ägyptischen Denkmäler bereits vor der Einführung des Gebrauchs der Kameele errichtet seyn müſsten, da doch dieses Thier in den Geschichten der Patriarchen des alten Testaments schon sehr häufig erwähnt wird*). Man hat aber diese Folgerung viel zu rasch gemacht; auf den Obelisken zu Luxor findet sich auch das Kameel dargestellt, indem man wiederholt zwei Köpfe dieses Thiers neben einander darauf antrifft*). *) Z. B. 1. B. M. 12, 16. wo Kameele in Aegypten selbst ausdrücklich genannt werden, cf. cap. 24. Die Ismaeliter ziehen mit Kameelen nach Aegypten, cap. 37, 25. und auch 2. B. M. 9, 3. werden Kameele in Aegypten angeführt. **) Z. B. Tafel XVI. Fig. 1. etwa auf der Mitte des Obelisken, wo die beiden Kameelköpfe unyerkennbar sind. ————— Mierzehntes Kapitel. Eröffnung einer Pyramide zu Sakkara und Rückreise. Ruckkehr von Ksuan nach Cairo— Eräffnung der groſsen Pyramide zu Salkara— Eigen- thümlichkeiten ihrer Bauart— Gefundene Merkwiirdigkeiten— Abreise von Cairo— Ruinen von Athribis— Ruinen des Granittempels der Stadt Busiris bei Bohbait— Mansura— Fares- one— Damiette— Handel und Umgegend dieser Stadt— Der See Menzaleh— Herstellung eines alten Kanals durch den Pascha— Esbeh, das alte Thamiatis— ögel und Thiere Aegyptens— Hindernisse der ferneren Reise— Antiker Purpurschmelz—½ FVezögerungen der Abreise von Alexandrien— Ankunft in Triest. Nachdem ich in Assuan vierzehn Tage vergebens auf Erlaubniſs, zur ferne- ren Reise nach Philae und Nubien gewartet hatte, wurde der Aufbruch der Arnauten von neuem drei Wochen hinausgesetzt; als daher Briefe aus Cairo mir Nachricht brachten, daſs Herrn MsAnRA die Eröffnung der groſsen Pyra- mide zu Sakkara gelungen sey und neue Anordnungen zur Fortsetzung der Arbeit, die nun kostspieliger wurde, nöthig schienen, entschloſs ich mich, nach Cairo zurückzukehren. Die Fahrt stromab ging bei starkem Winde sehr rasch; ein Weg, zu dem wir beim Hinauffahren zwanzig Tage gebraucht hatten, wurde in zweien zurückgelegt, und das Schiff, ganz dem Strom überlassen, schwamm kreisend und drehend hinab. Zu Assuan, an welchem Ort wegen seiner Lage zwi- schen Granitfelsen die Hitze sehr groſs ist, stand das Thermometer gewöhn- lich auf 23 Grad, eines Tages stieg es sogar auf 32, und sank Nachis nicht unter 14; auf der Reise fiel es bei Nordostwind am Tage auf 14 bis 15 Grad ———————=—————————— ñ4ñꝰ4ꝰ5·/4¼¾¼¾ —— 2——--——————— 3— 295 und Nachts auf 10, welches uns so empfindlich war, als wenn in Europa das Thermometer auf dem Gefrierpunkt steht. Zu Cairo hatte ich früher, während der Nacht, es schon auf 8 Grad sinken sehen; es tritt aber in Aegypten bis- weilen wirkliche Kälte ein. Zu Radamoun wurde mir erzählt, daſs es Ende Octobers 1819 sogar Eis von der Dicke eines Messerrückens gefroren habe. Ueberhaupt ist das Klima Aegyptens, obgleich geringem Wechsel unter- 8 worfen, doch nicht ganz so unveränderlich, als man es zu schildern pflegt. Während meines ersten Aufenthalts in Cairo im December regnete es drei- mal, was sonst im ganzen Jahre kaum so oft geschehen soll. In Unter- Aegypten regnet es, besonders an den Küsten, vom November bis in den Mai schon häufiger. Aber selbst in Ober-Aegypten pflegt es jährlich ein- oder zweimal zu regnen, wenn der Wind die Wolken vom rothen Meere herüber treibt, zwar nur während einiger Stunden, aber dann gemeiniglich so stark, daſs das Wasser in Strömen herabflieſst. Bei Donnerschlägen, die höchst selten sind, glaubt der Aegypter, daſs die Pforten des Paradieses sich aufthun. Von Cairo begab ich mich nach Sakkara, wo die Arbeiten an der groſsen, in Absätzen erbauten Pyramide von dem glücklichsten Erfolg gekrönt gewesen waren, und auch an einer zweiten hatte man einen viel versprechenden Anfang gemacht. Am Fuſs jener ersten Pyramide in der Mitte der nördlichen Seite hatten einige zwanzig Arbeiter unter Leitung des Herrn MsARA die Nach- grabungen begonnen, und nach etwa acht Tagen eine durchbrochene Mauer angetroffen. Da dies einen Eingang vermuthen lieſs, so senkte man sich ein, erreichte den Fuſs der Pyramide, der aus einem Felsenkern bestand, und fand bald den wirklichen Eingang. Dieser ward nun gereinigt und zugänglich gemacht, worauf man am 23sten Tag zur eigentlichen Thüre gelangte. Die Herren SALTr, DRovETTI und andere begaben sich nun nach Sakkara, um das Innere der eröffneten Pyramide zu untersuchen; allein der beinah funfzig Fuſs tiefe Brunnen war noch so unzugänglich, daſs es nur Herrn CAVISCRH aus Leipzig und Herrn PIEDEMONTE aus Genua gelang, sich an Stricken nicht ohne groſse Gefahr hinabzulassen und in das Innere der Pyramide einzudringen. — 296 So stand es mit der Arbeit, als jene Nachrichten und Anfragen wegen Forisetzung derselben zu mir gelangten. Ich vermehrte sogleich die Zahl der Arbeiter, indem ich die Nachgrabungen bei jener zweiten Pyramide ein- stellen lieſs und anordnete, daſs der Brunnen abgeschrägt und die Gänge im Innern aufgeräumt werden sollten, um den Zugang bequemer zu machen, welches etwa 14 Tage wegnahm. Ungeachtet dieser Vorkehrungen war mein Besuch derselben weder bequem noch gefahrlos. Die Araber hatten sich am Abhang des Brunnens auf kleinen Vorsprüngen etagenweis aufgestellt und bildeten mit ihren Schultern, Rücken und Knieen eine lebendige Treppe, auf der ich hinabstieg; Sand und Steine stürzten aber gleichwohl in solcher Menge herab, daſs ich den Eingang ins Innere mir mit den Händen bahnen mulste. Die eingeschlossene Luft war unerträglich erhitzt, so daſs ich kaum darin auszudauern vermochte; leider hatte ich kein Thermometer mitge- nommen, bin aber nicht abgeneigt, ihr eine Temperatur von 40 Grad Reau- mur beizumessen. Mit vieler Mühe untersuchte ich alle nur vorläufig wegsam gemachten Gänge, Brunnen und Gemächer, wobei die unsägliche Menge marmorner und alabasterner Fragmente mich in Erstaunen setzte, die von zerschmet- terten Vasen herzurühren schienen. Auſser diesen füllten Sand und Steine die Wege oft so gänzlich, dals ich an vielen Stellen, bald auf dem Gesicht, bald auf dem Rücken liegend, nur mit der äuſsersten Anstrengung mich fortzubewegen vermochte. In der groſsen Kammer fand ich einen in Schutt vergrabenen Granitblock, der mir ein groſser Sarkophag zu seyn schien, und weiter oben einen mit Steinen und vorgesetzten Holzkloben verwahrten Eingang. Ich verordnete vor allem die Aufräumung dieses nach oben füh- renden versperrten Weges und des scheinbaren Sarkophags, so wie einiger entdeckten Nebenkammern, und gab dem Herrn SEATo und noch einem anderen Künstler, die mich begleiteten, den Auſftrag, das Innere und Aeuſsere der Pyramide genau zu vermessen. Dies wurde von ihnen mit der gröſsten Anstrengung und Genauigkeit aus- geführt; diese achtungswerthen Künstler hätten aber heinah ihre Bemühungen — A— 5— ¼¾.————= ö— 297 mit dem Leben bezahlt, denn als sie am vierten Tag in die Pyramide eindrin- gen wollten, stürzte der Brunnen zusammen, und sie muſsten sich glücklich schätzen, nicht verschüttet worden zu seyn, welches nur einen Augenblick später unfehlbar ihr Loos gewesen seyn würde; denn es bedurſte einer Arbeit von acht Tagen, um den Brunnen und Zugang wieder aufzuräumen. Die Ta- feln XXVII., XXVII und XXIVIII geben die Resultate der Arbeit SEæoATOs und seines Gehülfen; da indeſs die Aufräumung des Innern bei weitem noch nicht vollendet war, so begnüge ich mich, einige allgemeine Bemerkungen über die Eigenthümlichkeiten dieser Pyramide hier beizufügen, mir vorbe- haltend, von dem später Gefundenen künftig Rechenschaft zu geben: 1) Die Orientirung der vier Seiten ist nicht genau nach den vier Weltge- genden gerichtet, welches bei den Pyramiden von Ghizeh der Fall seyn soll. 2) Ihre Basis bildet kein regelmäſsiges Quadrat, wie bei denen von Ghi- zeh, so daſs bei dem obersten Absatz ein sehr längliches Viereck entsteht. 3) Die Pyramide von Sakkara ist mit einer 14 Fuls dicken Einfassungs- mauer aus Quadersteinen umgeben, die an mehreren Punkten noch aus dem Sand und Schutt hervorragt. Dies ist bei keiner anderen bemerkt worden, und sie erhält dadurch eine Aehnlichkeit mit den Tempeln, die man gleich- falls auf diese Art gegen den Andrang der Ungeweihten abschloſs. 4) Sie ist in sieben Absätzen treppenartig erbaut, obgleich vor Anstel- lung der Nachgrabungen nur sechs derselben sichtbar waren. Diese Absätze sind aus Quadern aufgeführt, die einen bedeutenden Einfall nach Innen haben, wie Tafel XXVII. genau angegeben ist. Die Steine sind mit Kalk verbunden, zeigen aber keine Spur, daſs sie jemals mit Marmor oder Granit bekleidet waren. 5) Der einzige bis jetzt gefundene Eingang ist unter der Erde. 6) In den andern Pyramiden hat man bis jetzt nur wenige Gänge und Kammern gefunden; in dieser sind sie neben und über einander sehr zahlreich. 7) Die Pyramide selbst ist zwar aus Quadern aufgeführt, aber alle bis jeizt entdeckten Gänge und Kammern sind aus dem Felsenkern ausgehauen, 38 298 welches selbst bei der sehr hohen, gröfsten Kammer der Fall ist. Mehrere ohne Kalk aufgeführte Mauern, die man hin und wieder im Inneren antrifft, sind offenbar von späterer Construction. 8) In der groſsen Kkammer befindet sich kein Sarkophag, vielmehr wies sich aus, daſs der scheinbare Granitblock, welchen ich anfangs dafür hielt, eine aus mehreren Blöcken aufgeführte kleine Kkammer von Granit sey, mit einer oben abgebrochenen granitnen Säule. Die Mumie hätte zwar hier eben so gut beigesetzt seyn können, als in einem Sarkophag aus nur einem Stück; allein es scheint, daſs hier einst mystische Gebräuche vorgenommen wurden, indem dieses Behältniſs ganz von Rauch geschwärzt ist und ein Zugang unter dasselbe führt. 9) Im keiner bis jetzt zugänglichen Pyramide hat man Hieroglyphen bemerkt, hier findet sich die Thür einer Nebenkammer mit in Relief gear- beiteten Hieroglyphen eingefaſst(Tafel XXILIII. Lig. 4.), und über einer anderen Thür sind mit schwarzer Farbe Hieroglyphen gezeichnet. Die Wände dieser beiden Kammern sind mit grünen, convexen Porcellanstücken mosaikartig überkleidet, die mittelst einer besonderen Vorrichtung in Stucco eingesetzt wurden(Tafel XXIIII. Fig. 6. a. b. c. und Fig. 7.). Uebrigens öffnen sich an den Seiten der groſsen Kammer auf verschie- dener Höhe mehrere Gänge, die ich künftig untersuchen lassen werde; einige derselben scheinen bloſse Löcher zu seyn. Unter der nach einem flachen Bogen ausgeschnittenen Decke dieser Kammer ist ein auf beiden Seiten gestützter Queerbalken angebracht, wie man Tafel XXITII. und XXIIII. Fig. I. a. d. bemerken wird. Die hier mitgetheilten Beobachtungen sind die ganze Ausbeute, welche diese kostspielige Unternehmung bis jetzt mir gewährte. Dals aber diese Pyramide einst im Innern mit groſsem Aufwand ausgeschmückt war, bewei- sen die zahllosen Fragmente zerbrochener Alabaster- und Marmorgefäſse. Leider sollen gleich bei der ersten Eröffnung viele höchst merkwürdige Gegenstände entwandt und veräuſsert worden seyn; mir wurden blos die Bruchstücke einer kostbaren Mumie zu Theil, ohne Zweifel die Reste des —y— 299 hier beigesetzten Fürsten. Sie bestanden in einem stark vergoldeten Schädel und zweien ebenfalls vergoldeten Fuſssohlen; aber auch diese in ihrer Art einzigen Stücke wurden ein Raub der Wellen. Auſserdem erhielt ich den wohlerhaltenen Kopf eines heiligen Geiers(der sogenannten Pharaonshenne, Fultur percnopterus), mehrere interessante Fragmente alabasterner Schaalen und Vasen, die mit groſser Kunst gearbeitet sind, und eine groſse Menge farbiger Porcellanstücke, die zur Bekleidung noch nicht aufgefundener kost- barer Gemächer gedient zu haben scheinen. Diese Porcellansticke sind nämlich nicht blos grün, wie in den schon erwähnten Zimmern, sondern theils schwarz, theils hochroth, theils von schöner Carmodisinfarbe, und weit kleiner als die grünen Stücke, indem sie noch keinen Zoll lang, etwas über einen halben Zoll breit, viereckig und nicht convex sind. Nach einem kürzlich eingetroffenen Bericht des Herrn CAIITIAUD, wel- cher jetzt(1821) der Expedition des Pascha gegen Sennaar folgt, befinden sich unter den Pyramiden bei Merawe, welches einst ohne Zweifel zu dem alten Staat von Meroe gehörte, obgleich es noch nicht die Hauptstadt selbst zu seyn scheint, mehrere, deren Bauart mit der von mir eröffneten Pyra- mide bei Sakkara überein trifft, deren Aehnlichkeit noch dadurch vermehrt wird, daſs im Inneren derselben sich ebenfalls mit Hieroglyphen geschmückte Sanctuarien befinden. Vielleicht werde ich bald im Stande seyn, die Resultate der ferneren Untersuchung jener Pyramide, die Beschreibung und Abbil- dung einer zweiten, deren Eingang ich bereits aufgefunden habe und viel- leicht noch einer dritten, an deren Eröffnung gearbeitet wird, bekannt zu machen. Ich bereitete nun in Cairo alles zur Reise nach Syrien vor, auf welcher uns Herr DRovErII nach Jerusalem, Balbek und andern Orten begleiten wollte. Den 18ten April Abends um 6 Uhr fuhren wir auf zwei Schiffen nach Damiette ab. Unterhalb Kalakam bogen wir in den phatmetischen Nilarm ein, der sich bei Esbeh, dem alten Thamiatis, ins Meer ergielst. Bei dem Dorfe Athrib oder Athribis, welches noch jetzt den Namen jener Hauptstadt eines ägyptischen Nomos trägt, besuchten wir die Ruinen der 38* 300 alten Stadt, die nach einer flüchtigen Schätzung wohl einen Flächenraum von beinah einer halben deutschen Meile bedecken, aber blos in Schutthü- geln, Bruchstücken von Säulen, Mauersteinen und irdenem Geschirr beste- hen. Man glaubt noch die Richtung einiger Straſsen und die Lage der Hauptplätze der Stadt zu erkennen. In dem jetzigen Dorfe sah ich Säulen- stücke von Marmor und anderem Stein, als Thürschwellen und Pfeiler ange- wandt; und Herr DRovETITI versicherte mir, vor mehreren Jahren einen schön gearbeiteten Typhon aus der Mauer eines Bauerhofes herausgenom- men zu haben. Ich fand hier einige Stücke von Glasmosaik und andere unbedeutende Alterthümer; auch die früher erwähnte merkwürdige Glasku- gel*) wurde hier entdeckt. In dem Innern eines Hofes bemerkte ich den, Tafel XXITX. Fig. 7. mitgetheilten, zierlichen Säulenknauf, dem ich mir aber kein Zeitalter anzuweisen getraue. Auf der weiteren Fahrt lielsen wir die kleine Stadt Mitkamr zur Rech- ten, und weiter unten Semenoud, das alte Sebennytus, jetzt eine unbedeu- tende Stadt, zur Linken; unterhalb welcher, etwa eine halbe Meile landeinwärts bei Bohbait, in der Mitte mebrerer Schutthügel, aus denen hin und wieder groſse Granitblöcke hervorragen, die Trümmer eines herrlichen Tempels sich erhalten haben, der aus rothem, grauem und schwarzem Granit erbaut war. Die Blöcke sind von ungeheurer Gröſse, die Hieroglyphen und Ver- zierungen im schönsten Styl gearbeitet; nirgend fand ich so bedeutende und so meisterhaft behandelte Granitmassen. Da sie einen sehr beträchtlichen Raum einnehmen, so muſs dieser Tempel einer der ausgezeichnetsten in Aegypten gewesen seyn. Die meisten Darstellungen beziehen sich auf die Isis, der wahrscheinlich dieser Prachtbau geheiligt war. Die Säulenknäufe haben Aehnlichkeit mit denen von Tentyris. Das Sanctuarium, aus schwar- zem Granit gehauen, scheint nur aus wenigen Stücken erbaut gewesen zu seyn, da man noch Massen findet, welche ausgehöhlt und mit Stufen ver- sehen sind, von einer Grölse, daſs sie beinahe die Hälfte desselben gebildet *) Oben p. 281. —— 301 haben dürften. Einzelne mit Hieroglyphen bedeckte Säulenstücke aus rothem und schwarzem Granit, die zu dem verjüngten oberen Theil der Schafte gehört zu haben scheinen, hatten beinah 4 Fuſs im Durchmesser. Tafel XXIX. Fig. 1. bis 6. sind einige Fragmente dieses Tempels, die mir besonders auf- fielen, gezeichnet. Leider verstattete die Kürze meines Aufenthalts mir keine genaue Unter- suchung; kundige Reisende würden durch Beschreibung und Darstellung dieser Trümmer sich ein groſses Verdienst erwerben, und an wenigen Stel- len Aegyptens dürften Nachgrabungen wünschenswerther und belohnender seyn. Räthselhaft aber ist es, durch welche Gewalt diese bewundernswür- digen Trümmer in so wilder Unordnung durch einander geworfen wurden, als wäre der Tempel durch eine künstliche Explosion oder durch ein Erd- beben zusammen gestürzt; denn so kann nicht die Zeit oder die gewöhn- liche Zerstörungslust der Menschen gewüthet haben, da die einzelnen Theile und die sie schmückenden Bildwerke durchgängig sehr wohl erhalten sind. Im Alterthum stand hier das Oppidum Eidis, welches von Plinius und Ste- phanus von Byzant erwähnt wird*). Wir erreichten dann Mansura, wo ich einige Stunden verweilte, da dieser Ort durch die Niederlage und Gefangennehmung Ludwigs IX. merk- würdig ist, und fuhren darauf Zarescone vorbei, wo der unvorsichtig kühne Angriff der Tempelherren, dessen schwer errungene Vortheile Ludwig nicht zu benutzen verstand, jene Katastrophe herbeiführte. *) Dals ein nur von zwei Geographen, und sonst von keinem alten Schriftsteller erwähnter Ort einen solchen Tempel enthalten habe, ist nicht wahrscheinlich, obgleich diese Meinung durch d' Anville's Autorität die allgemeine geworden ist. Nach Herodot lag der prächtigste aller Isistempel, bei welchem das Volk zu dem gröſsten Landesfest, der Isistrauer, aus ganz Aegypten zusammenströmte, zu Busiris(H erodot. II, 40. 59. 61.), und nichts scheint der Annahme entge- gen zu stehen, daſs die Ruinen bei Bohbait dem alten Busiris angehören, dessen Lage in der Mitte des Delta angegeben wird, wo diese prächtigen Trümmer wirklich sich finden. Vielleicht ist auch das Iseum des Stephanns und das Lsidis oppidum, welches Plinius unmittelbar neben Busiris nennt(H. N. V, 11.), nichts anderes als jener berühmte Isistempel selbst. Die Stadt Busiris wurde von Diocletian zerstört. Man s. die Erklärung der X‿Al ‿ gten Tafel. — 1——— 2—=———44ää—+—äjää— —— ſſſſ———.——„ r——— — — — ——y— 1 302 In Damiette, wo mein Auſenthalt sich bis zum 27sten Mai verzögerte, wohnte ich bei Herrn BAsSIEL FAKR, einem geborenen Levantiner, Consul und Consularagenten von sechs europäischen Mächten, einem höchst recht- schaffenen, unterrichteten und wohlthätigen Manne. Er hat mehrere franzö- sische und italienische Werke mit glücklichem Erfolg ins Arabische über- setzt, und genieſst bei Christen und Mahomedanern allgemeine, verdiente Achtung. Durch ihn machte ich die Bekanntschaft des Aga und Comman- danten von Damiette, so wie des Oberhaupits der Religion, beides wackere, vorurtheilsfreie Männer, die den Christen und Franken eben so freundlich. aufnehmen, wie den rechtgläubigen Türken. Die Stadt Damiette liegt sehr anmuthig in Gestalt eines halben Mondes am Nil, und gewährt durch die über einander sich erhebenden kleinen Ter- rassen und die Lebhaftigkeit der Schiffahrt einen sehr erfreulichen Anblick, der an den groſsen Kanal von Venedig erinnert. Die Zahl der Einwohner mag etwa 15,000 betragen, unter denen sich einige hundert Kopten, Arme- ,— nier und Griechen, und etwa 300 jüdische Familien befinden. Der Handel geht hauptsächlich nach Syrien und der Levante, besonders wird viel Kaffee, Linnen und Reis ausgeführt, den man in der Umgegend der Stadt häufig baut, wodurch die Luſt indeſs sehr verdorben wird. Man gewinnt auch viel Getreide, das aber, wie alles ägyptische, sehr kleinkörnig und trocken ist; 4 ‿ weshalb es zweckmäſsig seyn würde, von Zeit zu Zeit durch europäisches Saatkorn das einheimische Getreide zu veredlen. Für Seide und seidene Zeuge geht auch viel baares Geld nach Syrien. Vor allen Gegenden Aegyptens zeichnet die von Damiette sich durch Reichthum an Bäumen aus, wodurch sie höchst reizend und freundlich wird. Palmen, Orangen, Sykomoren, Oliven, Bananen, Cassia- und andere Bäume schmücken die Gärten. Der Boden ist aufserordenilich fruchtbar; wenn die Luzerne vier- bis fünfmal geschnitten ist, wird das Feld noch gebrochen, mit Palmenstämmen, die an zwei Stricken befestigt sind, geeb- net, und mit Reis besäet. Sonst wurde auch viel Zuckerrohr gebaut, aber das jährlich weiter übertretende Seewasser schadete den Pflanzungen, so dals —yy —————— 303 man sie aufgeben muſste. Während des Sommers treibt nämlich der vor- herrschende Nordwestwind(die Etesien) das Wasser des Meeres auf diesen Theil der ägyptischen Küste und hält es dort auf, während bereits an ande- ren Stellen immer zunehmende Binnenseen enitstanden sind. Die Wirkung dieser anhaltenden Nordwinde bemerkt man in der Gegend von Damiette an den Bäumen, die gegen Süden hingebogen und an der Norqdseite von Zweigen entblöſst und wie zusammengedrückt sind. Das Klima ist hier deshalb viel gemäſsigter als weiter landeinwärts, und die Luft wegen der Nähe des Meeres und des Sees Menzaleh feuchter als im übrigen Aegypten. Beide Lotusarten, die weiſse und die blaue(Mm- phaea Lotus und Caerulea), sind hier sehr häufig, wovon die letztere sich durch ihren Wohlgeruch auszeichnet. Das Papyrusschilf, eine dreiseitige Binse, hat in ganz Aegypten blos bei Damiette sich erhalten. Hier wird auch die Kolokasia gebaut, ein Kraut mit kartoffelartigen Wurzelknollen, welche die Einwohner sehr gern genielſsen. Der Menzaleh-See, den ich besuchte, soll seinen Ursprung einer mili- tärischen Maalſsregel der Kalifen zur Sicherung des Landes gegen feindliche Einfälle aus Syrien verdanken; wie zu unserer Zeit die Engländer bei der Belagerung Alexandrien's den See Mareolis durch Hineinleitung des Meeres vergröſserten, wodurch an 150 Ortschaften ihren Untergang fanden. Allein es ist mehr als wahrscheinlich, daſs der Menzaleh, wenn auch nicht seinen Ursprung, doch seine jetzige Ausdehnung von dem natürlichen Andrang des Meeres erhielt, von dem er nur durch eine schmale Landzunge geschieden wird. Seine Länge beträgt von Westen nach Osten an 11 Stunden, jedoch ist er sehr flach, und sein Wasser blos bei hohem Nilstande süſs. Selbst die Brunnen in der Nähe des Sees geben salziges Wasser. Er ist aulseror- dentlich reich an Fischen, so daſs, ungeachtet ihrer Wohlfeilheit, der dritte Theil des Ertrags, welchen der Pascha erhielt, 400,000 Piaster betrug(an 50,000 Thaler). Auf den Inseln und Ufern des Sees hausen unzählige Wasservögel, von sechzehn verschiedenen Arten wie es heiſst, besonders Pelikane, Flamingos — 304 und wilde Enten, welche letzteren man durch einen hölzernen bemalten Entrich, den ein Taucher auf dem Wasser bewegt, in die Netze lockt. Man pflegt sie auch mit den Händen zu fangen, indem der Taucher den Kopf in einen Kürbis steckt und die Enten bei den Beinen unter das Wasser zieht. Eben diese seltsame Jagd ist auch auf dem Nil in Gebrauch, und um die Enten nicht scheu zu machen, läſst man leere Kürbisse auf dem Wasser umhertreiben. Zur Winterszeit, wo die Enten sich hier einstellen, werden sie in solcher Menge gefangen, daſs man das Stück für einen Groschen kauft und in der ganzen Umgegend eine geraume Zeit fast blos von Enten lebt. Für die Taucher ist aber die erwähnte Art des Entenfanges nicht sel- ten lebensgefährlich, indem sie oft für todt aus dem Wasser getragen werden und ihnen das Blut selbst aus Augen und Ohren hervordringen soll. Auf Befehl des Pascha wurde, während meines Aufenthalts in Damiette, der längst eingegangene Kanal zwischen Mesrah und Menzaleh wieder aufge- graben, durch welche weise Maaſsregel man eine beträchtliche Landstrecke für den Reisbau zu gewinnen hoffte. Durch Wiederherstellung des alten Kanalsystems in gröſserer Ausdehnung lieſse vielleicht auch die mendesische und die tanitische Nilmündung, die sich jetzt beide in den Manzaleh ergie- ſsen, wieder fahrbar machen, da sie nur einer geringen Austiefung zu bedürfen scheinen, indem sie noch jetzt bei ihrem Eintritt ins Meer sechs bis funfzehn Fuſs Wasser halten und die Aufschwemmungen blos aus Thon und Sand bestehen. Dies wäre um so wünschenswerther, da der Boghaz von Damiette nur vier bis fünf Fuſs Wasser hat und deshalb von beladenen Seeschiffen nicht befahren werden kann, die vor dem Einlaufen durch kleinere Fahrzeuge gelichtet werden müssen, was bei stürmischer Jahreszeit oft in mebreren Wochen unmöglich ist. Auch diese Umiefe soll von einer Sicherheitsmaaſs- regel gegen das Einlauſen feindlicher Schiffe in den Strom herrühren, so wie Saladin die kanobische Nilmündung durch die Versenkung von 400 Gra- nitsäulen unfahrbar machte. Der Sicherheit wegen liegt auch das jetzige Damiette nicht an der Stelle des alten Thamiatis, dessen Namen es führt, — 305 indem die Trümmer dieser Stadt näher am Meere bei dem jetzigen Orte Esbeh vorhanden sind, und in Mauern und Thürmen, wie es scheint aus sarazenischer Zeit, bestehen. Hier war es also, wo die Gemahlin Ludwigs IX. lieber von der Hand eines christlichen Ritters sterben, als sich den Feinden überliefern wollte, und wo sie ihren Sohn Tristan gebar, der von den Lei- den seiner erhabenen Eltern diesen bedeutungsvollen Namen erbielt. Ehe ich nun die Umstände erzähle, welche meine Rückkehr nach Europa, früher als ich geglaubt hatte, nöthig machten, halte ich es nicht für über- flüſsig, zu den Bemerkungen über Aegypten, welche im Laufe der Erzählung von mir dargelegt sind, noch einige die Naturgeschichte betreffenden hinzu zu fügen, bei denen ich auf Vollständigkeit eben so wenig Anspruch mache, als man sie von mir fordern oder erwarten wird, besonders da mein Auf- enthalt in jenem Lande nur von sehr kurzer Dauer war. Weil ich indeſs in den verschiedensten Gegenden Acegyptens fleiſsig auf die Jagd ging, so kam manches zu meiner Kunde, was andern Reisenden entgangen zu seyn scheint. Von den jahrelang fortgesetzten Bemühungen der Herren Doctoren HEMPRICH und EHRENBERG lassen sich über die Naturgeschichte Aegyp- tens die umfassendsten Berichte erwarten. An reiſsenden Thieren giebt es in Aegypten ilde Katzen, die sehr böse sind, Füchse von verschiedenen Arten, Hyänen, die sich oft in die Nähe der Häuser wagen, aber im Kampf mit den groſsen Hunden der Araber häufig unterliegen, wie mir von mehreren Personen, die lange in Aegypten wohn- ten, versichert wurde. Ferner giebt es Schakals und Tälfe, obwohl Denon und Sonnini letztere Aegypten absprechen; denn nicht nur verfolgte ich unfern Therraneh bei hellem Tage einen Wolf, sondern mir wurden auch bei Assuan die Fallen gezeigt, in welchen man die Wölfe fängt, und bei Nacht hörte ich oſt ihr Geheul. Tilde Schweine sind in Unter-Aegypten häufig, besonders in der Gegend von Roseite; ich erhielt ein junges, das gelb und schwarz, wie ein Zebra, gestreift war, und nahm es mit nach Europa, aber wie es heranwuchs, verloren sich die Streifen. Zu diesen kommen noch mehrere Gazellenarten, Kaninchen, graue Hasen, Stachelschweine, 39 306 Ichneumonsratten, Mäuse und Fledermäuse; ferner die zahmen Thiere, unter denen auch breitschwänzige und groſse arabische Schaufe, Mam- b breziegen und Büffel sind. Die Pferdezucht ist seit der Auflösung der Mameluckenregierung vernachläſsigt worden, und wegen der beträchtlichen Heere und vielen Feldzüge des Pascha stehen die arabischen und dongo- lischen Pferde sehr hoch im Preise. Wer Pferde in Aegypten oder über- haupt im Orient ankaufen will, wird sie am wohlfeilsten und leichtesten erhalten, wenn er auf Schimmel, Rappen und Falbe, die Lieblingsfarben in diesen Ländern, Verzicht thut, oder auch solche Pferde wählt, die gewisse Zeichen von übler Vorbedeutung an sich tragen, aus denen die abergläubi- gen Türken die Folgerung ziehen, daſs ihr Herr durch sie den Hals brechen, oder auf ihnen in der Schlacht seinen Tod finden werde. Die Behauptung Sawaresi's, dals die Beduinenpferde nicht beschlagen würden, ist unrichtig. alle, die ich bei den Araberstämmen sah, waren es*). Das Mpferd steigt den Strom sehr selten bis nach Aegypten herab;„ jedoch wurde vergangenes Jahr eins in Ober-Aegypten erlegt. Der Kroko- 1 dile und Mileidexen oder Fraren habe ich schon früher erwähnt; die Schlan- gen lagen während meiner Anwesenheit in Aegypten wahrscheinlich noch im Winterschlaf, denn ich bemerkte keine, obgleich sie, wie die Scorpionen, Chamäleons und Eidexen, häufig seyn sollen. Schnecken und Muscheln habe ich gar nicht wahrgenommen, so wie nur eine einzige Moosart, die an den Spalten des aufgerissenen Nilschlammes wuchs. An Fischen ist der Nil arm, sowohl in Beziehung auf die Menge derselben, als auf die Verschiedenheit der Arten, deren nicht sehr viele sind. An Vögeln bemerkte ich Geier, Sperber, Feihen, Falken von verschie- dener Art, Käuzlein, Meuntödter, Raben, Krähen, Mandelkrähen, Nachti- 4 gallen, Brachoögel(hier Sultanshühner genannt), Bachstelzen, Schuhus, Regenpfeifer, WMiedehopfe, Eisoägel(die hier Paradiesvögel heiſsen und sehr schön sind), Reiher, Fischreiher, Pelikane, Kraniche, Flamingos, Störche, *) Oben pag. 183. 307 mehrere Arten des Ibis, Kronoögel, Kernbeiſser, Kibitze, Staare, Amseln, Sperlinge, Schwalben(von letzteren beiden auch weiſse Arten), Singelerchen, Stranclläufer, Drosseln, Bienenfresser, Eliegenschnepper, sehr schön gefiederte Grünspechte, Rebhühner, Wachteln, Schnepfen von verschiedenen Arten, Mõwen, Trappen, Rohrdommeln, Turteltauben, wilde Gänse und Enten, zu welchen noch das zahme Geflügel kommt, besonders unsäglich viel Hüh- ner und Tauben, wovon die ersteren kleiner als die unsrigen, aber sehr zart und wohlschmeckend sind. Viele der erwähnten Vögel haben, weil man sie gar nicht stört, fast den Charakter von Hausthieren angenommen und sind sehr zahm; besonders nähern sich die Sperber dem Menschen fast ohne Furcht, rauben Stücke von geschlachtetem Vieh, während der Schläch- ter noch dabei beschäſtigt ist, und gerathen nicht selten mit den eben so gierigen Hunden über ihre Beute in Streit, die sie sehr geschickt und keck durch die Lüfte entführen.— Allein ich kehre zurück zu meiner Erzählung. Schon von Cairo aus war ein östreichisches Schiff besorgt worden, welches Herrn DRovETTI und uns von Damiette nach Syrien führen sollte. Der gegen Neapel indeſs ausgebrochene Krieg machte diese Flagge unsicher und wir wählten deshalb ein griechisches, welches bereits mit allen Sachen und Vorräthen vier Seemeilen aulserhalb des Boghaz auf uns wartete, als die Nachricht einlief, die türkische Regierung habe alle griechischen Schiffe mit Beschlag belegt, ein blutiger Aufstand sey ausgebrochen und in Syrien würden die christlichen Einwohner und noch mehr die reisenden Franken von den Türken miſshandelt. Das Gerathenste schien nun, auf schnelle Rückkehr nach Europa zu denken; allein ich hatte in Aegypten eine sehr bedeutende Sammlung von Alterthümern aller Art zusammengebracht und mehrere Pferde gekauſt, unter denen sich ein dongolischer Hengst befand, die ich nach Deutschland versetzen wollte. Seine Hoheit der Pascha hatte mir zum Transport dieser vielen Gegenstände seine kurz vorher aus Livorno zurückgekehrte Korvette la bella Scezia bewilligt, und ihr Beſfehl ertheilt, mich in Aboukir abzuholen, weil in Alexandrien die Pest ausgebrochen war. Wegen der unvermeidlichen Langsamkeit beim Einnehmen einer so 39* — On— 5————— 308 ungewöhnlichen Ladung verging aber viel Zeit, und erst am 27sten Mai verlieſs ich Damiette, überschiffte mit einer leichten Dscherme ohne Hinderniſs den Boghaz und bestieg, nach einer schnellen Fahrt bei scharfem Winde, die uns alle seekrank machte, schon den folgenden Nachmittag um 4 Uhr auf der Rhede von Aboubir die bella Svezia. In der Gegend von Aboutir lag bekanntlich das alte Kanopus, in dessen Trümmern vor etwa zwei Jahren eine Goldplatte mit einer griechischen Inschrift gefunden und Sr. Hoheit dem Pascha überreicht wurde, von dem sie Sir Siddney Smith zum Geschenk erhielt*). Ich bemerke dies hier, um hinzu- zusetzen, daſs diese Goldplatte mit einem Glasfluſs überzogen war, der dem schönsten Purpuremail gleich kam, und wovon mir durch die Güte des Herrn SAIET ein kleines Stück mitgetheilt wurde. Welche Erinnerungen auf der Rhede von Aboukir durch Nelson'’'s hier erfochtenen unsterblichen Sieg in der Brust jedes europäischen Reisenden geweckt werden, bedarf keiner Auseinandersetzung. Kaum hatte ich die Korveitte betreten, als Gerüchte bekannt wurden, die Griechen hätten drei Schiffe des Pascha weggenommen und deren Mann- schaft aufs grausamste ermordet. Der Commandant von Alexandrien suspen- dirte deshalb vorläufig das Auslaufen aller Schiffe Seiner Hoheit und beor- derte die bella Svezia nach Alexandrien, wo die Pest schrecklich wüthete; und den 29 sten kurz vor Sonnenuntergang trafen wir vor eben dieser Stadt ein, welche zu vermeiden, ich so lange in Damiette gewartet hatte. Bald darauf kam von Seiner Hoheit die Bestätigung jenes Befehls, wodurch das Auslaufen aller seiner Schiffe verboten wurde. In dieser Verlegenheit wandte ich mich an meinen Freund, den schwe- dischen Consul Herrn pP'ANASTASsVY, welcher wackere Mann mir nicht nur einstweilen sein Haus zur Wohnung anbot, sondern auch bald ein unbe- frachtetes östreichisches Schiff, die Cleopatra, besorgte, mit der ich wegen *) Ueber diese merkwürdige Goldplatte sehe man: Letronne, Reckerches pour gervir à Thistoire de l'Egypte pendant la domination des Crecs et des Romains(Paris 1823.) p. 5— 19. „——— —— — — 309 der Ueberfahrt nach Triest contrahirte. Zwar traf bald darauf ein Befehl aus Cairo ein, wodurch Seine Hoheit die bella Svezia mir ganz zu meiner Disposition überlieſs; allein da das neue Fahrzeug einmal gemiethet war und die Umladung meiner Sachen schon begonnen hatte, so wollte ich von dieser schmeichelhaften Auszeichnung keinen Gebrauch machen, wodurch eins der besten Schiffe des Pascha aufs Spiel gesetzt zu werden schien. Die Umladung wurde also fortgesetzt, kam aber wegen der eingetretenen Fasten- zeit des Rhamadan, wo die Türken nur wenig arbeiten, äulserst langsam zu Stande. Endlich schien mein Zweck erreicht, ich befand mich reisefertig mit allen meinen Sammlungen, Pferden und Vorräthen auf der Cleopatra, und es fehlte nur noch an der Ausfertigung der nöthigen Schriſten zum Auslaufen, die wegen des Festes leider zwei Tage verzögert wurde; den 14ten Juni sollte indeſs die Abfahrt wirklich vor sich gehen. Allein in der Nacht, die diesem erwünschten Tage vorherging, verkündigte eine unerwartete Cano- nade die Ankunft Seiner Hoheit des Pascha in Alexandrien, der sofort ein Embargo auf alle Schiffe verfügte, indem von Constantinopel Befehl gekom- men war, eine Flotte gegen die Griechen auszurüsten. Ich war also in Alexandrien festgebannt, erhielt indeſs von Seiner Hoheit die Einladung, den palast seines Sohnes IBRAHIM PAsSCHA in der Nähe seines eigenen, auf der zwischen beiden Häfen ins Meer vortretenden Landzunge, zu beziehen, wo ich auf das zuvorkommendste behandelt und unentgeldlich aus dem Palast Seiner Hoheit verpflegt wurde. Die Gesundheit meiner Frau hatte auf den Schiffen sehr gelitten und der Aufenthalt dicht vor den Thoren einer Stadt, wo die Pest herrschte, war nicht eben erfreulich. Versüſst wurde mir indeſs meine Lage durch die öftere Gelegenheit mit dem aufgeklärten Beherrscher Aegyptens mich zu unterhalten, dem ich, so oft es mir beliebte, meine Aufwartung machen durſte. Den IIten Juli verlieſs die Flotille des Pascha, aus sechzehn Segeln bestehend, den Hafen, und ich erhielt die besondere Vergünstigung, zwei- mal vierundzwanzig Stunden nachher abzugehen; worauf ich mich bei 1n—— —— ,,——— 8 ö“ ———————jjjjjjj—õöö———ꝛꝛ 310 Seiner Hoheit beurlaubte, aber durch widrige Winde bis zum 17ten aufgehalten wurde, wo es uns endlich gelang, die See zu gewinnen. Anhal-— tender Nordwind zwang uns, bis in den Golf von Satalia in Karamanien hinaufzulaufen, von wo wir nach der afrikanischen Küste zurück zu kreuzen versuchten, und endlich nach einer Fahrt von mehreren Tagen Castelrosso, die Bucht von Makri und Rhodos erreichten. Zwischen dieser Insel und Skarpanto wurden wir von zwei griechischen Schiffen angehalten, deren Mannschaft höchst abentheuerlich bekleidet und bewaffnet war. Sie baten um Waffen, Pulver und Lebensmittel, von welchem allen wir ihnen nichts überlassen konnten. Ein heſftiger Sturm brachte uns darauf nach Candia, ein anderer nach Cerigo und Zante, und lieſs nicht nach bis tief im adriatischen Meer, eine zu dieser Jahreszeit ungewöhnliche Erscheinung; so daſs wir end- lich, nicht vom Winde, sondern von Stürmen begünstigt, am 39sten Tage unserer Fahrt Triest erreichten, wo ich den europäischen Boden herzlich begrülste. 4 8.— — 8—. 2. 8— 1——————— 8 8— d——— ———————— 5———————————————— “ „ 3 3 . . 8 4 1 — 5 — . — 4 4— 8 3 8—— 2 5 4 8 1 5—.—.— 8— 5— 5 5———— 2.—. J. VERZEICHNISS von Wörtern der Siwahsprache, aus dem Munde des geistlichen Oberhaupts von Siwah und mehrerer Scheiks aufgezeichnet. (S. Kap. V. pag. 95.) In Siwah gebräuchliche Gemeines Arabisch. -—— ————— (Nach deutscher Aussprache.) TZörter. 1. Der Kopf. Rass. Akfe. 2. Die Haare. Schar. Schar. 3. Die Stirne. Gibha. Inair. 4. Die Augen. Ayn. Tout. 5. Die Nase. Int. Tenjert. 6. Der Mund. Munchar. Foum. Anaq. 7. Das Kinn. Daken. Lanq. 8. Die Ohren. Oudeyn. Tonmejouct. 9. Der Hals. Enk. Tamejaa. 10. Der Magen. Made. Ker ker. 11. Die Brüste. Bisas. Effan. 12. Die Brusthöhle. Bathen. Gaar. 13. Der Nabel. Soura. Temit. 14. Der Hintere. Tis. Oss. 15. Die Lende. Fachet. Togmaouin. 16. Das Knie. Rocbeh. Fouout. 17. Die Wade. Bathen Regl. Tabert. 18. Das Bein. Sak. Akal. 19. Die Arme. Darah. Elfarate. 20. Die Hände. Ned. Teschilk. 21. Die Finger. Sobah. Letoudan. 22. Die Zehen. Sobah. Temédeman. 23. Die Nuägel. Duffer. Scharen. 4 24. Der Groſsvater. Ged. Guedit. 25. Die Groſsmutter. Gedeh. Guededit. 40 27. 63. . Der Bruder. Die Schwester. Der Onkel. Die Tante. Der Netter. Die Cousine. Ein Mädchen. Ein Knabe. Ein Mann. Eine Frau. Der Nachbar. Die Nachbarin. Ein Haus. Die Thüre, od. das Thor. Ein Fenster. Ein Ochse. Ein Schaaf. Ein Pferd. Eine Stute. Ein Kameel. Die Kameelin. Die Ziege. Der Esel. Die Kuh. Die Gazelle. Der Wolf. Der Hase. Die Schlange. Die Gans. Das Huhn. Die Taube. Die Dattel. Der Garten. Der Granatbaum. Die Granate. Der Aprikosenbaum. Der Feigenbaum. Die Feige. —— —— 314 Gemeines Arabisch. (Nach deutscher Aussprache.) Acht. Ochti. Ahm. Ahme. Ebn Ahm. Bent Ahm. Mahsi. Ohmar. 8 Bakara. Gazal. Dyb. Arnab. Tabahn. Ousi. Degage. Haman. Nachel. Jenene. Roumana. Rouman. Misch Misch. Tima. Tin. In Siwah gebräuchliche TFöärter. Homa. Hoeltema. Ommy. Amarety. Bemramnay. Bintamny. Telitscha. Akouby. Auguid. Telte. Guary. Guiranty. Agben. Bab. Schibaq. Sounes. Hauly. Agmar. Tegmart. Elgoum. Telgoum. Tegot. Jitke. Tesamest. Ijem. Agidi. Tierjest. Ellasaa. Bat bat. Tiegel. Bediran. Saheid. Etillan. Termant. Ormant. Meomis. Tamecit. Imoutsan. ———— Der Carubenbaum, Die Zwiebel. Die Luzerne. Der Kürbis. Der Kohl. Eine Flasche. Purpur. Der Brunnen. Ein Röhrbrunnen. Getreide. Gerste. Bohnen. Reis. Salz. Wasser. Regen. Der Himmel. Der Stern. Die Sonne. Der Mond. Die Erde. Der Wind. Kalt. Warm. Das Eis. Der See. Der Berg. Das Gewehr. Die Pistole. Das Pulver. Der Säbel. Der Dolch. Die Stadt. Das Dorf. Das Feld. Der Hohlweg. Ein Todtenacker. Eine Kirche. 315 Gemeines Arabisch. (Nach deutscher Aussprache.) Caroub. Raval. Berzin. Caira. Cajar. Enssitrouye. Rigle. Bir. Ayn. Rile. Schi-ir. Foul. Rous. Melhè. Mah. Mathar. Seme. Negen. Schams. Kamar. Ard. Rei. Bard. Harr. Telk. Birket. Gebel. Bendukie. Tabanje. Baruth. Saif. Handjar. Medine. Beled. Akel. Akabè. Kobour. Kemise. — In Siwah gebrúuchliche TFörter. Caroub. Eflan. Louctoub. Elkedeouzè. Sagous. Edjena. Mouc mouc. Annou. Tanvouan. Verden. Toummeyain. Vroivoue. Rous. Tissente. Aman. Anjar. Same. Yrau. Tefouet. Tajire. Tamart. Lauvoue. Seguie. Somou. Sebret. Berke. Deraren. Tebendacte. Lepsatil. Baroud. Dous. Kanjar. Bandar. Schal. Meidan. Nogob. Gabana. Ammejdek. 40* 102. 103. 104. 105. 106. 107. 108. 109. 110. 111. 112. 113. 114. 115. 116. 117. 118. 119. 120. 121. 122. 123. 124. 125. 126. 127. 128. 129. 130. 131. 132. 133. 134. 135. 136. 137. 138. 139. Der Tod. Schlagen. Essen. Trinken. Ein Zelt. Das Lager. Der Weg. Die Schuhe. Das Kleid. Die Pfeife. Taback. Ein Teller. Ein Messer. Eine Gabel. Ein Knochen. Fleisch. Blut. Die Ader. Gras. Holz. Stroh. Papier. Ein Brief. Dinte. Ein Sattel. Ein Zaum. Steigbügel. Leinwand. Tuch. Wolle. Eine Maus. Eine Katze. Ein Hund. Eine Heuschrecke. Ein Schmetterling. Die Karavane. Musik. Der Gesang. 316 Gemeines Arabisch. (Nach deutscher Aussprache⸗) Majet. Ahd. Akel. Scherb. Kaim. Ordy. Secky. Markoub. Taub. Schoubouk. Dogat. Sahn. Sekine. Schoke. Adoun. Lahm. Damm. Aerk. Schoudar. Kascheb. Tabin. Voirack. Kitab. Häder. Särg. Legam. Rikab. Koumasch. Gousch. Soauf. Sissy. Kot. Kelb. Gherad. Kafle. In Siowah gebräuchliche TFörter. Ajrayn. Douge. Tatoudo. Atkou. Son. Kaimè. Ordy. Mausseroub. Terabin. Touban. Teletzinz. Taba. Taxa. Tcousset. Schauk. Nous. Akssoum. Dam. Akassudamen. Kalef. Kuakhab. Loum. Tourouergan. Tiertiravoͤmt. Lemdah. Ede. Sisam. Rekreb. Roumy. Jouke. Douft. Agerdaa. VYatous. Agourgeny. Temourga. Akebab. Massag. Rhena. Adios. 3 140. 141. 142. 143. 144. 145. 146. 147. 148. 149. 150. 151. 152. 153. 154. 155. 156. 157. 158. 159. 160. 161. 162. 163. 164. 165. 166. 167. 168. 169. 170. 171. 172. 173. 174. 175. 176. 177. Beten. Eine Mauer. Ein Thurm. Eine Festung. Ein Ey. Zufrieden. Traurig. Weinen. Butter. Brot. Ein Korb. Eine Peitsche. Eine Schaufel. Ein Kessel. Ein Topf. Milch. Eine Flasche. Einen Sack. Gutes Wetiter. Schlimmes Wetter. Krank. Wohlseyn. Guten Tag. Gute Nacht. Das Licht. Ein Kasten. Essig. Pfeffer. Kochen. Gold. Silber. Eisen. Geld. Ein Strick. Zwirn. Ein Vogel. Ein Soldat. Ein Reuter. 317 Gemeines Arabisch. (Nach deutscher Aussprache.) Solla. Haid. Bourg. Kalah. Behd. Rahdy. Maschmoum. Byke. Sämdn. Aisch. Mischehne. Soht. Fas. Hale. Kedry. Läban. Kasasi. Kis. Saschom. Cherd. Moryd. Tayb. Sabalcher. Salcher. Schamscha. Sandouk. Kall. Filfil. Gild.. Daab. Fad. Adid. Filous. Habel. Schaid. Asfour. Askary. Schajal. “ — In Siwah gebrüuchliche IWVörter. Iguar. Edguack. Elmrutti. Mokarnak. Ubiteouan. Mabsout. Schegelt. Igelés. Samen. Tara. Tadelt. Souot. Elfas. Elgeder. Tellegent. Akay. Geèsas. Guarèra. Temssa. Ajage. Eyvonou tou. Bequer, Saaya. Sabalker. Meselker. Schama. Sendouk. Kall. Felfel. Ilem. Daab. Fada. Adid. Real, Aguar. Tessemat. Selk. Estit. Askar. Eumaguagamar. 178. 179. 180. 181. 182. 183. 184. 185. 186. 187. 188. 189. 190. 191. 192. 193. 194. 195. 196. 197. 198. 199. 200. 201. 202. 203. 204. 205. 206. 207. 208. 209. 210. 211. 212. 213. 214. 215. Sand. Ein Stein. Erde. Ein Buch. Eine Säge. Ein Rasiermesser. Baumwolle. Seide. Fisch. Ein Frosch. Eine Hecke Ein Schloſs. Ein Pflug. Eine Feder. Schwarz. Weiſs. Rotb. Blau. Grün. Gelb. Das Meer. Ein Schiff. Ein Hafen. Ein Glas. Eine Tasse. Eine Biene. Eine Schnecke. Ein Stock. Ein Nagel. Ein Hammer. Eine Scheere. Ein Schlüssel. Das Schloſs. Ein Tisch. Eine Natte. Ich. Du. Ihnen. 318 Gemeines Arabisch. (Nach deutscher Aussprache.) Rammel. Agar. Torab. Ketab. Menelar. Mous. Coton. Arir. Samac. Daufdeh. Taroug. Kalah. Karabe. Kalam. Osoued. Abiad. Achmer. Kochely. Achder. Asfour. Bahar. Belik. Bahr. Kubai. Fingar. Nachly. Koka. Ase. Mourmar. Kadoum. Mokas. Mousta. Kefel. Tavola. Hasirah. Ane. Ente. Houe. In Siwah gebräuchliche FFärter. Rommle. Adguaa. Ejeda. Tyegtmit. Menschar. Mous Nagarous. Tabedokt. Arir. Samac. Jeraoun. Kous. Kasser. Marnat. Ris. Ajetof. Amelal. Asgung. Avourag. Achder. Asfar. Bar. Markab. Masse. Tasse. Sanaguil. Gueses. Bousoueya. Nabout. Massamir. Adouchni. Temeytas. Tenest. Dobo. Tasa. Adin. Schek. Nes. Eaknou. 319 Gemeines Arabisch. In Siwah gebräuchliche (Nach deutscher Aussprache.) WMörter. 216. Einer.. Wahed. Egen. 217. Zwei. Etnin. Sen. 218. Drei. bis zu Tausend wie im Arabischen. 219. Höre. Esma. Id. 220. Warte. Osbour. Sel. 221. Schaue. Schouff. Hommar. 222. Ja. Eyn. Ivoi. 223. Nein. La. Oula. 224. Der Löwe. Agad. Sebaa. 225. Der Elephant. Fil. Elfil. 226. Der Tiger. Nimmer. Hemmre. 227. Der Sklave. Abd. Agemeg. 228. Der Morgen. Sobe. Sera. 229. Der Abend. Masse. Magreb. 230. Mittag. Douhr. Loulou. 231. Ein Backofen. Fourn. Taben. 232. Kohlen. Fahn. Fam. 233. Schwefel. Cabri. Cabrit. 234. Honig. Atel. Asel. 235. Eine Biene. Nachle. Boujannin. 236. Kleye. Nouschale. Tagarbel. 237. Eine Nähnadel. Eber. Tesgenat. 238. Schön. Coys. Coys. 239. Häſslich. Baul. Adma. 240. Groſs. Kebir. Taugtouil. 241. Klein. Sorir. Agja. 242. Böse. Reddy. Scharany. 243. Gut. Tayeb. Ajem. 244. Gelehrt. Ahlem, Ladischera Lesan. 245. Unwissend. Rachim. Lesan La Ella. 246. Hoch. Fauk. Dely. 247. Niedrig. Taht. Adey. 248. Breite. Ord. Voissa. 249. Länge. Toul. Ared. 250. Stroh. Teben. Loum. 251. Mehl. Dekik. Aren. 252. Eine Traube. Aynab. Tsrè. 253. Ein Schnupftuch. Machrean. Amandil. — 4 254. 255. 256. 257. 258. 259. 260. 261. 262. 263. 264. 265. 266. 267. 268. 269. 270. 271. 272. 273. 274. 275. 276. 277. 278. 279. 280. 281. 282. 283. 284. 285. 286. 287. 288. 289. 290. 291. Eine Mütze. Ohrringe. Ein Halsband. Ein Ring. Ein Armband. Ein Kamm. Mundstück einer Pfeife. Der Markt. Theuer. Wohllfeil. Das Gewicht. Das Maaſs. Die Oehlpresse. Die Laus. Ein Floh. Eine Warnze. Ein Tag. Eine Woche. Ein Monat. Ein Jahr. Reich. Arm. Bettler. Stolz. Ein Narr. Ein Lügner. Ein Trunkenbold. Ein Müſsiggänger. Leihen. Zurückgeben. Die Heirath. Die Ehescheidung. Der Schmicdt. Der Schneider. Der Weber. Der Barbier. Der Kesselschmidt. Der Sattler. 320 Gemeines Arabisch. (Nach deutschér Aussprache.) Takir. Halak. Libè. Schatim. Asaour. Mischt. Foum. Sououk. Raly. Raschis. Voisen. Darah. Masarah. Kammel. Berghout. Bag. Nahar. Goumah. Schar. Senne. Ghany. Fakir. Schaschat. Mokateban. Magroum. Kadab. Soukary. Keslan. Sellet. Ached. Sawag. Talag. Bithar. Schayad. Nauval. Mousagin. Adad. Seroughi. In Siwah gebräuchliche TFärter. Schaschet. Tamesokt. Tamejaa. Katem. Debley. Tameschel. Elkarem. Sou. Gualie. Nekis. Elmèsan. Elkedaa. Temassarte. Talche. Barkout. Elbay. Esfa. Tamantillion. Schar. Senne. Ascheban. Saugri. Schaat. Nesse Kibir. XIkorof. Akedab. Kommar. Berd. Sellefy. Nochy chelefeno. Anges. Iles. Leyamelond adad. Isoumme. Aguesas. Koubas. Adad. Amarloukasan. — — 6 — — —. ———— 3— 298. 299. 300. 301. 0 08 0o SD 8 cB 8 SS5=SS= S 9Oo SAS? Die Hebamme. Der Käse. Ein Teppich. Ein Polsterkissen. Eine Decke. Eine Patrontasche. Laufen. Fallen. Aufheben. Schlafen. Sich niederlegen. Aufstehen. Träumen. Kaffee. Branntewein. Fett. Mager. Taub. Stumm. Blind. Einäugig. Hinkend. Buckelig. Verwundet. Der Krüppel. Die Furcht. Das Zittern. Der Muth. Eine Dose. Eine Börse. Ein Turban. Ein Schleyer. Ein Frauenkleid. Die Fatigue. Eine Fliege. Ich gehe. Ich komme. Die Haare. 321 Gemeines Arabisch. (Nach deutscher Aussprache.) Daye. Giben. Bosat. Mokadé. Rata. Gerabendyè. Gery. Mokour. Lem. Noum. Rockad. Nahoud. Heun. Kawoue. Haraky. Semim. Daif. Atrasch. Abkam. Ahme. Agerer. Areg. Achdeb. Magruh. Athlan. Schauf. Mergous. Sagoha. Helby. Atabak. Emahné. Bourko. Taub. Thaab. Doban. Arouhe. Aghi. Schaar. In Siwah gebräuchliche TTürter. Teltiguatirou. Jeben. Teserast. Esenta. Erem. Tejibert. Itesel. Iroutaa. Iker. Inedoum. Itessa. Iker asannedoum. Irjaa. Ekawone. Laroguie. Assemin. Assedad. Lesel. Ellessennes yekinaa. Lesar. Lavoar. Larasche. Tobelbelt. Idoga. Raisa. Irefau. Irat. Ogid. Looke. Tekerol. Alfaf. Telfouta. Keberaoun. Ejonot. Isar. Guaa. Oussig. Schar. 41 — 2 . ◻̈̈ ·— Co 85 ₰ KR G 8 8 S 9Oo1S9 H Co(o O0o 900 C0 u 8n 90 Q Der Knebelbart. Sich schnauben. Weinen. Lachen. Ein Kaufmann. Das Pulver. Eine Beikugel. Das Schrot. Ein Feuerstein. Lieben. Feuerschwamm. Eine Mandel. Die Seele. Bitter. Der Freund. Dürre. Der Nogel Straus. Gierig. Ein Schwätzer. Ein Bad. Viel. Wenig. Eine Kanone. Ein Feuerstahl. Der Lärm. Die Beute. Ein Kanal. Eine Höhle. Die Verwirrung. Ein Horn. Die Pferdehaare. Die Abreise. Ein Zahn. Die Wüste. Der Schaum. Das Gefängniſs. Der Dorn. Froh. 322 Gemeines Arabisch. (Nach deutscher Aussprache.) Schenob. Mouschad. Bikke. Dahek. Kavaghi. Baruth. Nosassa. Rasch. Sawahne. Mahabe. Soufahn. Lohst. Naſs. Murr. Habok. Jabes. Naham. Hasud. Hobukalam. Hamamm. Kétir. Kalil. Metfa. Zomat. Rosche. Ramine. Thera. Maravah. Lachbata. Karn. Schaar. Sache. Senan. Kaffer. Rihm. Habs. Schok. Mabsoud. In Siwah gebräuchliche TFörter. Schenaibit. Sengera. Ayat. Ifraa. Ascheban, Ajoutoar. Le Baroud. Roussas. Rase. Tassouvant. Egssat. Lam. Los. Roua. Axey. Saab. Elbouval. Nam. Tamma. Tscheguillane kone. Kima Kamam. Kom woiget. Drous. Matſa. Genned géda. Schek Dauvoye. Dabas kom. Temoikret. Akmar. Ikolte Delougoumam. Ischavouin. Schebieb. Asfar. Essan. Ledras. Trarwouet. Leleguaa. Tedry. Neeja. 4—— ——— oͤͤöͤͤooͤooöoͤoöͤͤoͤöͤöoͤh ———iyy—— 5————— 2 —— 323— Gemeines Arabisch In Siwah gebräuchliche (Nach deutscher Aussprache.) Wörter. 368. Seufzen. Tenahoud. Oully Guatima. 369. Die Erbschaft. Hirs. Ivoiratbou. 370. Heulen. Aowy.. Axeidig ayat. 371. Der Rabe. Hourab. Eydy. 372. Der Falke.. Sakker. Askar. 373. Die Taube. Ahman. Abdyr. 374. Die Eidexe. Burs. Rouvoil. 375. Der Dattelwein. Abgui. 376. Ein Strauch. Kurtub. Agelyou. 377. Das Feuer. Nahr. Temssy. 378. Der Rauch. Dogath. Decan. 379. Das Holz. Ahtol. Aschab. 380. Schwören. Halfahr. Ideakaya. 381. Lügen. Kitib. Tallas. 382. Die Wahrheit. Sogd. Sadakou. 383. Schnarchen. Schacher. Schenner. 384. Niesen. Wouhachen. Yettnhan. 385. Der Nebel. Schabone. Debab. 386. Der Thau. Neda. Nedy. 387. Der Regen. Mathar. Enjar. 388. Der Blitz. Berk. Berk. 389. Der Donner. Rahad. Enjar. 390. Der Hagel. Bared. Melle. 391. Der Sturm. Sobah. Enjar, Delanvoua Callet. 392. Der Ueberfluſs. Racha. Skuassa kerkome. 393. Anklagen. Schekaye. Sikoukzay. 394. Geschickt. Jomin. Guandour. 395. Das Alter. Omer. Menie Saim. 396. Der Ackerbauer. Ahssad. Aguaras. 397. Sauer. Ahmud. Amad. 398. Ein Flügel. Genahe. Tezeret. 399. Knoblauch. Taum. Afir. —ÿ— 41* ——— Kopf Stirn Auge Augenbraue Augapfel Das Weiſse im Auge Thränen Haare Bart Schnurrbart Ohren Wangen Mund Zahn Speichel Zahnfleisch. Die Lippen Hals Athem. Aufblasen der Backen Der Nacken Die Schulter* Die Schultern Rückgrad Luſftröhre Die Seiten Die Brust Weiberbrust Die Brüste Milch Der Bauch Der Arm Elnbogen 324 II. Wörter der Dongolasprache, von Herrn SEcAro mitgetheilt. (Nach deutscher Aussprache gesclrieben.) ur. koengi. miSSig1. missin diltigi. missin itki. missin aavugi. aimisegi. deltigi. dsaamè. skiaribgh. uluki. djahòmgi. nel. net. djur- utki. nel er ket. schiundik. gumurki. nefeski. ufot igi. gafagi. osmar. osmar igi. jerki. koigi. beritk igi. okki. ertigi. ertingigi. ekigi. iuugi. imboiĩtgi. inkurtigi. Faust Hand Die Finger Der Daumen Der Zeigeſinger Mittel- u. Ringfinger Der kleine Finger Die flache Hand Die Nüägel Knochen Der Hintere Die Lenden Das Knie Die Kniescheibe Das Bein Die Wade Fuſs Fuſssohle Ferse Blut Nerven Das Fett Das Herz Die Lunge Die Leber Die Mil⸗z Die Nieren Die Eingeweide Urin Der Unrath Das männliche Glied Die Hoden Der Hodensack insumbutki. inkurti gatki. izarbana- kigi. modul. schahaàdagi. kalénigi. kinatokki. suntigi. dufir, darofeèr. kiitki. ussunaàr-migi. bokege. ossin kurtindji gi. okèndindjigi. okendingi. 4 ossièn kugutki. ossien hô ski. ossien tuugi. suoburki. geigi. koigi. uadaki. 3 agi. uffeſi. kebdetki. nel-tindi. qjiljistin qjigi.. duguski. ekeiki. oëẽssegi. kufigi. soovôtki. ussùntki. E te·ͤ·ͤͤͤ Die weibl. Schaam Der Schweiſs Die Haut Ich esse Trinken Schlafen Niesen Husten. Ich huste Ich rülpse Ich träume Schnarchen Schön Häſslich Gut(adj.) Schlecht(adj.) Gut(adv.) Schlecht(adv.) Fürst Befehlshaber Soldat Mann Knabe Frau Mädchen Bruder Schwester Vater Mutter Feind Freund Spitzbube Sklave. Ein dicker Mann Ein langer Mann Ein kleiner Mann Ich Du kumatugi. tillakogi. ai gin gi. lolin. niràn. ruin. antikovi. toskoovi. toski- egi. egirdegi. mananegi. korrigi. mascossi. missien delu. milli. soneégi. amdillà. toleb mimin. orki. samilgi. oscarighi. ogiki. bitaëngi. eðngi. burugi. imbeski. anessegi. ambabki. indiski. aëk adolmini. andolkato. magaski. baintokki. daruuvi. nassuuregi. untenan- djim. ai gi. eki. Sie Mein Dein Sein Hieher Dorthin Hier Innen Aussen Unten Oben Nahe Fern Heut Morgen Uebermorgen Ueber übermorgen Gestern Vorgestern Früh Spät Nacht Mittag Abend Der späte Abend Gott Sonne Mond Sterne Himmel Welt Teufel Osten Westen Norden Süden teki. tirdji. ir. tirgi. andigi. endigi. tindim. kanagilgi. mandò. indò. aanegi. bokigi. togogi. dogògi. egeti. uarim. tinou-igi. subiki azàl ueekaki. azaàl uecke djerki uilgi. kamiski. jedjirki. kaharegi. schiaregi. dugurki. oskurki. mibribki. artigi. maailgi. anauigi. uessigi. semagi. dinjatki. djaangi. maltegi. tingarki. kallumgi. ongoogi. 326 Roth gelaägi. Löffel malagaàgi. Weiſs aruugi. Ein geflochtener Be- eberiki. Blau urumegi. hälter Grün deessegi. Ein groſses Faſs lulegi. Gelb asfargi. Ein Backofen deigi. .... Papier uaraàki. nhan— Fwere Klein geschnittenes siltigi. ei rossaski. Stroh Gold nobrigi. Ein Stück Leinwand kadegi. Kihe dusgis. Eine Meile schaharki. up er gec Cgl. Verzinntes Kupfer djauregi. Ein Berg kulungi. Milch ikigi. Ein Kasten sanduki.. seiſe saabungi. Ein Nagel okigi. Salz umbulki. Mehrere Nägel oki digirigi. Zwiebeln billegi. Ein Wasserkrug. gullagi. Pfeffer jelfeligi. Die Melochie(ein in mokiagi. Kohle ulatki. Aegypten gewöhnli- Ein Brot malègi. ches Gemüsekraut) Ein halbes Brot toortigi. Pleisch kusngi. Käse lligi. Fett nadoki. Butter deeski. Kaffee sibioki. Brot kaalgi. Tisch bujungi. Wasser essigi. Messer condigi. Warmes Wasser essi djiugàrugi. Schuh tahavat. 3 Kaltes Wasser essi oroofelgi. Schuhe tahavatigi. Dura-Korn jiegi. Hosen leràuil.. Datteln bentigi. Hemde- kobangi. Cussicefo(ein Strauch) haàmbugi. Der Tarbous geelègi. Baum schiefurki. Eine Quaste gutiègi. Kastanie glubatki. Eine Matte nebitegi. Hol= berki. Flasche essevegi. Blume baràmbgi. Becher ange edsarguecki. Blatt siedar noluki. Warm djingarigi. Knospe abalgi. Kalt oroofelgi. Dorn kinizegi. Feuer jiki. Schote kasiegi. Vorher kogualo. Saame kassien habli. Nachher kaalgi. Wieviel? mohotegi. Ring elälgi. Viel degerigi. Schüssel neutki. Noch, oder auch tonegongi. Haus kaagi. Strick irigi. Ein dicker Strick agangi. Eine groſse Barke kubki. Eine kleine Barke bullùgi Die Schiffleute orowassigi. Die Segel djaamuski. Ein Hand-Schöpf- arégi. brunnen Ein Rad- Schöpf- euvàdegi. brunnen(sakie) Die Eimer des Schöpf- guvegi. rades Luft welveti. Wind turuki. Stock wikirti. Flinte bonduki. Schieſspulver baarutki. Taback tombak. Tabackspfeife tombakmkugi. Zimmer keregi. Pferd andigi. Sattel degirki. Steigbügel urkubki. Zaum saaki. Kameel kembgi. Weibliches Kameel idjmbgi. Widder dogirki. Schaaf karigi. Lämmer tigànigi. Ein Krokodill elumgi. Eine Fliege kultigi. Fliegen kultingigi. Ein Huhn damaregi. Eier goskantigi. Ein Käfer kukuùn-dora. Wolle abuki. Ein wollener Faden kuriki. Ein baumwoll. Faden sorbegi. Ein Horn nissigi. Der Schwanz d. Thiere eügi. Lustigkeit assutigi. Recdensarien. Der gewöhnliche Gruſs. Wie befindet ihr euch? Gebt mir etwas Brot. Sogleich! Gebt mir klares Wasser. Ich gehe. Du gehst. Geht! Wer ist da? Wo seyd ihr? Dies ist schmutzig! Wie heiſst euer Land? Was macht ihr hier? Kommt mit mir. Hier nahe bei. Ich gebe dir zwei Piaster. Salamkum. En haal minde? Koltò maris odege. Aderùm. Essi aroo fel uecki. Nogosko. Inokovi. Millim budju T Ini-tede? Erista edaakou. ² Milim! Embel etki? Min gaun indô? Djibet aigano. Indò ine getir. Gris oüvugi bitrdi. Hört hier! Nehmt. Diesen Abend warte ich hier. Ich werde kommen. Wir wollen zusammen seyn. Du bist reizend. Du gefällst mir Ich gebe dir nichts. Hier ists gut. Dort an jener Stelle. Gieb mir einen Kuſs. Warum willst du nicht? Wovor fürchtest du dich? Ich geb' ihn dir. Ich liebe dich. Morgen kann ich nicht. Er kommt! Ich komme. Seht dorthin! Seht ihr? Ich sehe. Ists nicht gut so?(eine gewöhn- liche Frage.) Wie heiſst ihr? Genug so! Es liegt nichts daran. So so. Eben das. Ich weiſs nicht. Nehmt. Gebt. Ein Freudenzuruf: Vivat! Genug, nicht mehr! Gidgir indo. Ingare. Inaugi bene djere indò. Erbitet un gundù. Aigon ekon teegrero. Ermas sodm. Ai eka jabiri. Biti di daumonum. Indò serèm. Man bouhir. Taa doogedri. Ermen etade meni? Ernigi uzan-digi? Ai eke beta tedi. Deke dolli. Subuki bes kemeni. Bitaa. Konjalo. Mandò nal! Nahona? Ejo. Milion? Eneri nera. In kegi. Bolemna,. Maris ladeegi. Norvèn, oder weniger fein: nerrùm. Kondo. Issa. Etta. Beerbuvi! Iriki doumonum! 4 Eſͤſſſ “ —— 329 Z a hlw örter. ueeki. 42 ir kissi ouvugi. ouvugi. 51 ir idji(ir diki). toskigi. 51 ir idji ueeki. kemiski. 52 ir idji ouvugi. diki. 60 ir godji(ir goriki). goriki.. 61 ir godji ueeki. kolotki. 62 ir godji ouvugi. idiugi. 70 ir kolotki. iskootki. 71 ir koledi uecki. ⁴½ O Cl=— 10 dimingi. 72 ir koledi ouvugi. 11 dimindò uecki. 80 ir idiugi. 12 dimindò ouvugi. 81 ir idiui uecki. 13 dimindò toskigi. 82 ir idiui ouvugi. 14 dimindò kemiski. 90 ir iskootki. 15 domindò diki. 91 ir iskodi uecki. 16 dimindò goriki. 92 ir iskodi ouvugi. 17 dimindò kolotki. 100 imllgi. 18 dimindò idiugi. 101 imil ueeri uceki. 19 dimindò iskootki. 102 imil ueeri ouvugi. 20 arigi. 1000 donal. 21 are ueeki. 1001 donaàl ueeri ueeki. 22 are ouvugi. 1002 donàl ueeri ouvugi. 30 ir toskigi. 2000 donaàl ouvugi. 31 ir toski uecki. 10,000 donal dimingi. 32 ir toski ouvugi. 50,000 donal ir diki.. 40 ir ki iski. 100,000 donal imil ueeki. 41 ir kissi uecki. 1000,000 donal imil dimingi. In Seetzens linguistischem Nachlaſs, welchen der um die allgemeine Sprachkunde so hochverdiente Herr Professor Vater zugleich mit den Proben deutscher Volksmundarten, Leipzig 1816, herausge- geben, findet sich p. 247— 262. cbenfalls eine Sammlung von Wörtern der Dongolasprache, die mit den hier mitgetheilten häufig zusammentreffen. Auffallend aber ist es, dafs in unserm Verzeichniſs die Wörter meistens verlängert erscheinen, z. B. Vater heilst bei Seetzen ambabk, hier ambabki, Mutter bei S. indi, hier indiski, Sonne bei S. masilk, hier mazilgi u. s. w. Dies dürfte zum Theil von Dialectverschiedenheiten herrühren, gum Theil bezeichnen aber gewisse Verlängerungen offenbar die Mehrzahl, 2. B. osmar, Schulter, osmarigi, Schultern, fahavwdt, Schuh, tahavwdtigi, Schuhe, vielleicht auch esst, Wasser, und essigi. Aufserdem scheinen die Dongolesen die Wörter zu verlängern, wenn sie dieselben aufser dem Zusammenhange einzeln aussprechen. Spuren von Flexion finden sich in den wenigen Redensarten sehr deutlich, z. B. ich, bei Seetzen eig, lau- tet hier ai, aigi und aigano, letzteres in der Bedeutung mit mir; du, bei S. 1ͤ, lautet hier eki, eka, ekon und ehe. Auch in den Zeitwörtern bemerkt man eine formenreiche Umwandlung. Dalfs uerij, eins, bei Seetzen unrichtig sey, ergiebt sich aus den Zusammensetzungen in eilf und einundzwanzig, wo es ek lautet, ähnlich 2 dem hier sich findenden eeki. 42 Beeeee eheeee 330 III 3 Chemische Analysen altägyptischer Farben von Herrn Pro- fessor John, mit einem Vorwort und Zusätzen von S. F. dem Herrn General von Minutoli. „Von ägyptischer Malerei ſindet man noch Ueberbleibsel an den Wänden der Tempel und Begräbniſsgrotten, an den Säulen, Bildsäulen, Denksteinen und so mannigfaltigen Gegen- ständen, die man in den Hypogeen trifſt, als z. B. auf Mumienkasten und Hüllen, Idolen- kasten, kleinen tragbaren Tempeln und Laden, auf einzelnen Idolen und Papyrusrollen etc. Diejenigen Farben, die man am meisten angewendet findet, sind die rothe, blaue, gelbe und grüne in verschiedenen Nuancirungen, die vielleicht aus mannigfaltigen Stoffen bestehen, oder durch Zusätze von Thon oder Kalk abgestuft worden sind. Allenfalls könnte man die schwarze Farbe, womit die meisten Figuren konturirt sind und die Hiero- glyphenschrift angedeutet ist, und mehrere Arten von braun, womit Sarkophagenkasten, Figuren, Holztafeln und andere Gegenstände oft überstrichen sind, hinzurechnen; denn die weiſse, welche Caylus(in seinem Receuil dntiquités eto. Tom. 5. p. 25.) als die sechste anführt, ward gemeiniglich nur zur Gründung der Malerei auf Lehm, Holz und Zeugen ange- wandt. Eben so gebrauchte nach Cicero und Plinius(Lib. 35. cay. 32.) die alte griechi- sche Malerschule nur folgende vier Farben:„Quatuor coloribus solis immortalia illa opera fecere, ex albis melino(weiſs), ex silaceis attioo(berggelb), ex rubris sinopide 4 pontica(röthliches Eisenoxyd), ex nigris aætramento ecc.(schwarz, das einige auch für blau halten); ungeachtet sich Levesque“), Hirt*) und Göthe**) dahin vereinigt haben, daſs man die Ausdrücke des Plinius von diesen vier Grundfarben, nicht ganz nach dem Buchstaben nehmen müsse. Aufschlüsse über die Farbestoffe, aus welchen die alten Griechen und Römer jhre Farben zusammensetzten, findet man in den Schriften des Theophrastus, Dios- corides, Vitruvius, Plinius, und in den neuern lehrreichen Analysen, die Davy in seinen chemisch-artistisch-antiquarischen Versuchen(siehe Philosophic. Transactions of the *) Jur les progrès successifs de la peinture chez les Grècs. Mém. de 1Inst. litter. e⁴ heau arts Tom. I. pag. 436. — 82) Remargues sur les couleurs dont les Anciens se devoient servir pour peindre. Maem. de I'Acud. de Herlin. 1802. pag. 30. —) H. Meyer, in von Goethe zur Farbenlehre. Th. II. S. 89. 8 —— 5 — — 331 R. S. of Lond. for 1815.) mit den Malereien auf Kalk aus den Trümmern des alten Roms, Herkulanums und Pompejis, mit den Farben der aldobrandinischen Hochzeit und eines, in seiner Gegenwart in letzter verschütteten Stadt aufgefundenen Farbentopfes, angestellt hat. Denn die Versuche, welche Caylus, Gmelin, Ferber, Hatchett, Klaproth und Chaptal anstellten, betrafen mehr die Analyse von alten Gläsern und Glaspasten aus dem griechischen und römischen Alterthume. Allein über die Körper, aus welchen die alten Aegypter ihre Farben zusammensetzten, ist bis jetzt nur wenig ausgemittelt worden; denn so schätzenswerth die Bemerkungen eines Caylus und Böttigers(jenes in seinem Receuil etc., dieses in seinen Ideen zur Archäologie der Malerei, Theil I. Dres- den 1801.) über die Malerei jenes alten Volkes auch seyn mögen; so sind sie doch aus dem Grunde ungenügend, weil es ihren Verfassern an der so nöthigen Anschauung man- nigfalliger Materialien gebrach, um damit Versuche anstellen und bestimmtere Resultate ziehen zu können.* Diesen Mangel kennend, war ich auf meinem Zuge durch Aegypten bemüht, bemalte und mit Farben stark bedeckte Materialien von Stein, Holz und Linnen, auch selbst vor- gefundene Farbenstücke und abgekratzte Farbenstoffe, zur genauern Analyse nach Europa zu translociren; allein leider, ward ein groſser Theil dieser seltenen Produkte, mit den übrigen so zahlreichen Kunstgegenständen, ein Raub der Wellen. Jedoch war ich be- miiht, noch vorhandene Farbenstoffe und andere, der chemischen Analyse würdige Körper, dem Herrn Professor John zuzustellen, der sich ihrer Zerlegung, zum Frommen der Wissenschaften, mit einem Eifer unterzog, der nur die günstigsten Resultate herbeiführen konnte. Ueber dessen Beruf zu diesem Geschäfte sprechen zu wollen, hieſse nur das Zartgefühl eines Mannes verletzen, der bereits durch seine Preis- und andere Schriften der gelehrten Welt rühmlichst als gründlicher, die Wissenschaften fördernder Gelehrter bekannt ist. Interessante Resultate über die zur Malerei bei den alten Aegyptern angewandten Stoffe, dürfte der Inhalt zweier Farbenkasten, die in den Katakomben von Theben gefun- den wurden, und wovon der eine vier, der andere sieben verschiedene Farben in muschel- artigen Vertiefungen enthielten, gewähren, wenn sie der gegenwärtige Besitzer, Herr Drovetti, französischer Generalkonsul, der chemischen Analyse nur zum Theil opfern wollte.— Ich lasse jetzt Herrn Professor John selbst reden:“ J. Malerfarben, deren sich die alten AHegypter bedienet haben. Ohne mich hier über den Streit einzulassen, ob die Alten ihre Farben zur Hervor- bringung des Lichts und Schattens und der verschiedenen darzustellenden Modificationen der Nüancen aus 4 einfachen Grundfarben hervorzuzaubern verstanden, oder ob sie sich so vieler Farben bedienten, als sie in der Natur vorfanden und durch Kunst zu bereiten wuſsten; ein Streit, welcher einzig durch Anschauung zu schlichten ist, indem die Quellen, 42* — 332 aus welchen alte Klassiker schöpften, zuweilen eben so unlauter, oder doch verborgen seyn konnten, als das z priori hergeleitete Urtheil neuerer Sprach- und Alterthumsforscher, beschränke ich mich für jetzt nur auf Lieferung einiger Beiträge zur Farbenlehre der Alten, welche das Resultat chemischen Forschens sind, der einzigen zuverlässigen Quelle der Wahrheit. Es führet zu der Ueberzeugung, daſs die Aegypter nicht nur das Geschenk der Natur zu benutzen, sondern auch schon Farbentöne durch Vermischung hervorzubrin- gen verstanden. Alle hier und in der Folge zu beschreibenden Farben sind ächt ägyptischen Ursprungs. Ich verdanke sie der Güte des gelehrten Reisenden selbst, welcher mir erlaubt hat, von nicht in die Augen fallenden Theilen, oder von Fragmenten der Holz- und Freskomalerei seiner unschätzbaren Sammlung ägyptischer Alterthümer, kleine Partickelchen abzusondern. 1. Grün. Die Farbe hält das Mittel zwischen Laub- und Berggrün, und befindet sich auf der Mörtelmasse aus den Katakomben zu Theben. Sie brennet sich, unter Ent- wickelung eines thierischen Geruchs, vor dem Löthrohre schwarz; dann blau. In Säuren und Ammonium verschwindet das Grün ebenfalls, und die Farbe bleibt blau zurück, welche mit Borax eine blaue Kupferperle giebt.— Durch Schmelzen der Farbe mit Salpeter, ..—. 2.* erhält man eine braune Masse, welche, in Salzsäure aufgelöst, durch Ammonium blau gefället wird, und die ammoniakalische Flüssigkeit giebt, nach vorangegangener Neutrali- sation mit Salzsäure, mittelst blausauren Eisenkali's einen kupferrothen Niederschlag. Die Farbe ist folglich durch Vermischung eines gelben Pflanzen- pigments und eines Kupferblau's erzeugt, und mit Leimwasser aufgetra- gen worden. 2. Bläulichgrün. Die Farbe ist matt, und überhaupt wegen eines graulichen Hauchs nicht lebhaft. Die kleinen hölzernen Hüllen der Kindermumien, und besonders die Holzfiguren aus Memphis, welche um die Mumien gestellet wurden, erscheinen mit dieser Farbe. Nimmt man mittelst eines feinen Messers kleine Theilchen von dem Holzwerke ab, so bemerkt man bald, daſs die grüne Farbe bloſs äuſserlich, also wo sie der Luft ausge- setzt war, grün, hingegen an den nicht mit letzterer in Berührung gekommenen Stellen, blau erscheinet.— Säuren und Ammonium wirken in der Kälte auf sie nicht. Mit Borax giebt sie eine hell lazurblaue Perle, und mit Salpeter eine braune Masse, welche durch Ammonium blau wird.— Dieses Grün ist daher blofs Kupferblau, welches ursprünglich blau gewesen, und nur durch den Zahn der Zeit in Blaugrün umgewandelt ist. 3. Hell Lazurblau, aus den grofsen Denkmälern und Tempeln bei Theben. Diese Farbe, welche der Herr General von Minutoli durch Abkratzen selbst gewonnen hat, gleicht so sehr einer feinen, hellen Smalte, daſs ich nicht zweifelte, sie sey wirklich Kobaltblan; ich werde aber sogleich zeigen, daſs sie aus Kupfer angefertiget worden ist. In einer mäſsigen Hitze der Löthrohrflamme verändert sie die Farbe nicht, und mit Borax giebt sie eine schöne klare hell-lazurblaue Perle.— In Salpetersäure löset sich ein groſser Theil der Masse unter Effervescenz auf, wobei die blaue Farbe glänzender EEE 8 —— — ⸗ 333 und dunkler zurück bleibt. Die salpetersaure Auflösung hinterläſst nach der Verdunstung einen strohgelben Rückstand, der, in Wasser aufgelöset, durch blausaures Kali nicht gefället, durch Ammonium von einer Spur Thonerde, oder Magnesia aber getrübt, und durch Sauerkleesäure in sauerkleesauren Kalk verwandelt wird. Man siehet hieraus, dafs die blaue Farbe mit kohlensaurem Kalk und wahrscheinlich einer Spur Magnesia vermengt ist, die ihre Intensität vermindert. Dieses rühret ohne Zweifel von der Grundirung her, worauf die Alten diese Farbe trugen. Unterwirft man jetzt die gereinigte Farbe einer anhaltenden Digestion mit Salzsäure, so gewinnet man eine gelbliche, bei Concentration etwas ins Grünliche ziehende Flüssig- keit, welche durch Ammonium gelbbraun, durch blausaures Eisenkali blau gefället wird, und einigermaaſsen für eine schlechte sympathetische Dinte gehalten werden könnte. Diese Erscheinung und der Umstand, daſs ich bei der Prüfung mit Sauerkleesäure zwei- deutige Spuren von Nickel zu bemerken glaubte, lieſsen mich anfangs kaum zweifeln, daſs die Farbe aus eisenschüssigem Kobalt angefertiget sey; allein synthetische Versuche mit Kobalt gaben zwar ähnliche Erscheinungen, jedoch andere Farbenniancen, welche, wenn man sie nicht ganz genau kennet, ohne YVergleichung, und bei Versuchen mit sehr kleinen Quantitäten, nur zu leicht zu Fehlschlüssen führen können. Ich wählte daher zur Hebung der Zweifel den sichersten Weg, durch Schmelzen mit Salpeter das Gefüge aufzuschlielsen und die Wirkung der Säuren zu erleichtern. Die blaue Masse, welche in meinem Platintiegel vor dem Löthrohre entstand, gab mit Salz- säure eine grünliche Auflösung unter Absonderung von Kieselerde, aus welcher Eisen Kupfer fällte. Mit Ammonium enistand ein aufgequollener Niederschlag, der meistens Kieselerde war, und eine lazurblaue Flüssigkeit, welche nach vorangegangener Sättigung mit Säure, durch blausaures Eisenkali kupferroth gefället wurde. Hieraus ergiebt sich, dafs die schöne lazurblaue Farbe der alten Aegypter eine Art Glasfritte, hauptsächlich aus Kupferoxyd, Kieselerde und Natrum sey, und dieses dient zugleich als Bestätigung der Meinung, dafs das alexandrinische Blau nicht mit Kobalt, sondern mit Kupfer mit- telst jener Bestandtheile u. s. w. bereitet worden sey. 4. Dunkel Lazurblau von einer der kleinen Kinderfiguren aus Memphis, die um die Mumien gestellt wurden. Diese Farbe ist so dunkel, daſs sie fast schwarz in der Ferne erscheint. Ihr Verhalten ist übrigens ganz wie dasjenige der vorhergehenden, und sie besteht aus eben den Bestandtheilen. 5. Bergblau von einer kleinen irdenen Figur. Auch diese kleinen finger- langen Kinderſiguren wurden um die Mumien gestellet, und scheinen in Aegypten nicht selten zu seyn. Diejenigen, von denen ich hier handele, sind jedoch aus dem doppelten Grunde noch merkwürdig, weil sie unser gelehrter Alterthumsforscher aus den Katakomben zu Theben selbst hat ausgraben lassen, wo sie sich in einem alten Kasten zugleich mit anderen Gegenständen befanden, und weil sie wahrscheinlich noch nicht vollendet gewesen sind. Die blaue Farbe liegt nämlich ganz dick auf der Oberfläche der kleinen gebrannten Körper, gleichsam als wenn sie mit der Glasurmasse überstreut, oder in die Flüssigkeit 334 getaucht, aber nicht eingebrannt gewesen wäre. Es läſst sich daher mit dem Messer leicht etwas von der Farbe abkratzen, welches bei der fertigen, glänzenden Figur nicht mög- lich ist. Die Farbe verhält sich übrigens, wie die beiden vorhergehenden, und es scheint, daſs die Alten das alexandrinische Blau(welches, beiläufig bemerkt, nicht immer von gleicher Schön- heit gewesen ist) ploſs mit Natrum, oder Kochsalz, als Verglasungsmittel aufgetragen haben. Auf ähnliche Weise habe ich blaue Farben von anderen ägyptischen Körpern dieser Sammlung aus Stein und Holz untersucht, in keiner aber Kobalt, sondern immer nur Kupferoxyd, mit sehr geringer Beimischung von Eisen, oft nur Spuren desselben, gefunden, woraus sich schlieſsen läſst, dafs Kobaltblan, als Malerfarbe, von den Aegyptern nicht gekannt, oder doch nicht angewandt ist. 6. Braun, vom Gesichte der auf einem Mumiendeckel gemalten mensch- lichen Figur. Diese Farbe bildet eine wirkliche dünne Rinde auf dem Gesichte des wahrscheinlich den Verstorbenen vorstellenden Bildes; sie läſst sich ablösen, und hat auf der unteren Fläche, wie mitten in der Masse, dieselbe Nüance. Vor dem Löthrohre entwickelt ein Stückchen einen thierischen Geruch; es erbält eine Beimischung von Grau, und löset sich dann brausend in Salzsäure, mit goldgelber Farbe, auf. Die ungebrannte Farbe verschwindet zwar unter Aufbrausen ebenfalls gröſstentheils in Salzsäure; allein das Pigment sondert sich mit ziegelrother Farbe ab. Durch Calcina- tion im Platinlöffel brennet sich lezteres braun, und wird ebenfalls auflöslich in Salzsäure. Ammonium fället aus diesen Auflösungen wahres braunes Eisenoxyd, und die von demsel- ben getrennte Flüssigkeit giebt mit Schwefelsäure Gyps. Folglich hat zu dieser Gesichtsfarbe braunrothes Eisenoxyd(so wie es sich aus vitriolischen Salzen absondert), mit dem zur Nachahmung des den Aegyp- tern eigenen braunen Teint nöthigen Kreidezusatze innig vermengt, ge- dient, welcher durch Leimwasser bindend gemacht ist. 7. Ziegelroth der Freskomalerei aus den Katakomben Oberägyptens. Vor dem Löthrohre nahm die Intensität der Farbe ab, welches aber, wie sich aus der Folge ergeben wird, nicht von einem Zinnobergehalte, sondern von einer Desoxydation des Eisens herrühret. In Salz- und Salpetersäure steht die Farbe, aber die Grundirung löset sich unter Luftentwickelung, und unter ähnlichen Erscheinungen, wie die Schuppen der Austern, oder die Eierschalen, auf. Diese Auflösung enthielt auſser Kalk keine Bei- mischung, wie die Prüfungen mit Ammonium, blausaurem Kali und Barytauflösung bewiesen. Das in Säuren zurückgebliebene Pigment gab mit Borax eine Perle, welche in der Wärme oelgrün, in der Kälte aber farbelos erschien. Die Mäörtelmasse der Wände dieser Katakomben, ist aus Kalk und Gyps gemengt.— Wasser, womit ich die Freskomalerei zuvor Lenetzte, wirkte nicht darauf; aber siedender absoluter Alkohol erweichte den sehr glänzenden Anstrich, jedoch konnte ich die Flüssig- keit, wegen der geringen Menge der darin wahrscheinlich aufgelösten fettigen Stoffe, nicht weiter untersuchen, und bekanntlich ist leider die Hauptsammlung dieser Art Alterthiümer des Freiherrn von Minutoli ein Raub der Wellen geworden. —— ö — ——— —— — 335 Es scheint indessen auch diese Prüfung hinzureichen, um daraus zu folgern, dafs die Alten die Wände dieser Katakomben, auf einer Grun- dirung von feinem Kalk oder Kreide, mit rothem Eisenoxyd, das mit Wachsseife bindend gemacht ist, angestrichen haben. 8. Braunroth von einer hölzernen Kinderfigur aus Theben. Diese ziemlich hohe, stark in das Mordoreoroth ziehende Farbe, ist auf weiſsem Grunde getragen.— Vor dem Löthrohre entwickelt sie einen Ranch und den Geruch eines brennenden organischen Körpers, z. B. des Leims; die ganze Masse wird schwarz, dann aber erscheint der weiſse Grund wieder mit seiner darauf getragenen weiſsen Farbe. Ersterer ist in Salzsäure unter Aufbrausen auflöslich; es ist aber keine Spur Schwefelsäure darin zu finden. Nur unter anhaltendem Kochen löset Goldscheidewasser das zurückbleibende Pigment auf. Die Auf- lösung färbt weder eine Kupfermiinze, noch wird sie durch Schwefelwasserstoff zersetzt; Schwefelwasserstoffammonium fället sie dagegen mit grüner Farbe, woraus erhellet, dafs auch diese Nüance wahres Eisenoxyd sey. 9. Gelb von einem Kasten aus Theben und Abydos. Die Farbe ist sehr rein, lebhaft-schwefelgelb, und kommt auch auf anderen Malereien, z. B. auf den kleinen Kästchen, welche wahrscheinlich die Eingeweide der Mumien enthalten, vor.— Wenn man ein Stückchen Kalkmasse, worauf das Gelb sehr dünn getragen ist, vor dem Löth- rohr behandelt, so wird die Farbe anfangs schwarz, bald darauf aber verschwindet sie, woraus zu folgen scheint, dafs das Pigment aus dem Pflanzenreiche gezogen, und also von der Natur unseres Schüttgelbs sey, von dem es sich in der Nüance wenig oder gar nicht unterscheidet. Nur Rauschgelb allein kann diese Meinung zweifelhaft machen; allein solches ist nicht wahrscheinlich. 10. Gelbe Maske aus den Katakomben Ober-Aegyptens. Diese Maske hat die gröſste Aehnlichkeit mit den unsrigen. Auf grober grauer Leinewand ist eine weiſse Masse getragen, welche mit einer schwefelgelben Farbe angestrichen ist. Auch auf der inneren Fläche ist die Maske mit eben derselben weiſsen Masse überzogen. Legt man ein Stückchen der auf der Leinewand befindlichen Masse in Wasser, so erweicht sich dieselbe, und in der Wärme springt die Farbe zuerst von der Grundirung in Form einer Platte ab, ohne Veränderung des Pigments. Das Wasser giebt mit Baryt- auflösung einen Niederschlag; es setzt bei Verdunstung Gyps ab, und wird darauf durch Alkohol in geronnenen Flocken gefället. Alkohol wirkt dagegen auch in der Siedhitze auf die Maskenmasse nicht.— Der oben erwähnte, mit Wasser behandelte Rückstand, löset sich in Salzsäure brausend und unter Zurücklassung der Farbe auf; aber Barytwas- ser trübt die Flüssigkeit nicht.— Die zurückgebliebene Farbe färbt sich in der Licht- flamme schwarz und verschwindet zuletzt. Weiter lieſsen sich die Versuche mit der Spur Maskenmasse, die vielleicht noch nicht rav Gran Pigments enthalten mochte, leider nicht verfolgen. Wir lernen indessen dadurch die Art und Weise kennen, wie die Alten ihre Masken angefertiget haben. Auf grober Leinewand trugen sie durch gelindes Brennen 336 in äufserst zarten Staub verwandelten Muschelkalk(wenn sie nicht etwa geschabte und geschlämmte Kreide anwandten), vermittelst Leimwassers bindend gemacht; diesen Grund überzogen sie darauf mit einem äuſserst dünnen, unsichtbaren Gypsanstrich, und letzteren bemalten sie mit gel- ber, wie es scheint, Pflanzenfarbe, welche ebenfalls mit Leimwasser auf- getragen wurde. Auf der inneren Fläche der Maske ist ebenfalls ein dünner Kreide- anstrich getragen, und man bemerkt hier an einigen Stellen zwischen diesem Anstriche und der Leinewand noch eine Lehmbedeckung. II. Von der Fresko- und Hieroghyphenmalerei, und dem Firniſs (Vernis) der AHegypter. 1. Aus einer groſsen Anzahl mit bemalten Steinmassen aus den Katakomben und Pyramiden angestellten Versuchen ergiebt sich, daſs die steinigen Wände, sie mögen nun natürlicher Kalkstein, oder künstlich seyn, zuerst mit einer dicken Lage Mörtelmasse aus gebranntem Kalk und Gyps beworfen worden sind; auf der sorgfältig geebneten und selbst polirten Oberfläche ist Kalktünche nur dünn aufgetragen, und auf dieser befindet sich unmittelbar die Malerei, welche entweder mit wahrem thierischen Leim, oder in seltenen Fällen, wie der ziegelrothe Eisenanstrich der Katakomben Ober-Aegyptens, mit Wachs bin- dend gemacht worden ist. Was die Kalktünche anbelangt, so scheint mir diese in den meisten Fällen aus wenig gebranntem Muschelkalk bereitet, und nur zu geringeren Arbeiten eine Art Kreide, oder weichen Kalksteins genommen zu seyn. Das erstere schlieſse ich aus der zarten Beschaf- fenheit der Theile dieser Kalkdecke, und dem Mangel der Beimischung erdiger Theile; das letztere aber aus der Gegenwart der letzteren, die jedoch nie im aufgelösten Zustande, d. i. als Cement im Mörtel, vorhanden sind. Das bunte Farbengemische der Strand- muscheln mag immer die erste Idee zur Freskomalerei gegeben haben. Diese Kalktünche ist also durch das Brennen des Kalks an und für sich bindend geworden, und sie enthält keinen Leimzusatz. Nur in einigen Fällen bemerkte ich durch einen äuſserst geringen Grad der in der Hitze sich zeigenden Verkohlung, die Gegenwart einer Spur Leims; allein es ist sehr wahrscheinlich, daſs letzterer nur aus dem Farbenanstriche eingesogen ist. 2. Was den Holzanstrich und die Hieroglyphenmalerei auf Holz anlangt, so ist ent- weder die eben erwähnte Kalktünche, jedoch in der Regel bis zur Dicke ¾ bis 1 Linie, unmittelbar auf Holz getragen, und darauf die Farbe mit Leimwasser gestrichen und gemalt; oder man hat sich zu den kostbarsten Sachen einer mehr zusammengesetzten Me- thode bedient. Die köstlichen Sarkophage in der Minutolischen Sammlung z. B., sind zuerst mit Leinewand mittelst Leims überzogen. Hierauf folgt eine dünne Decke von geschlämmter Kreide mit Leimwasser, die wieder mit, einem dicken Leimanstriche, worin ein fadenartiges Gewebe(von wahren Pergamentfäden herrührend), überzogen, und zuletzt — — —————— 8—— ——y—ℳ⸗—:—‧—:õ———.— — 1——— ——— ö 2—— 337 mit einer zweiten Kalkgrundirung gedeckt ist. Auf letzterer siehet man endlich die Male- rei, d. i. den Anstrich und die Hieroglyphen, entweder mit bloſser Leimfarbe, oder unter Zusatz geschlämmter Kreide aufgetragen. So ist es wenigstens an dem oberen Theil der eine Prüfung zulassenden Stellen dieser Sarkophage beschaffen. Auf der gröſsten Fläche fehlt indessen der, wie es scheint, über- flüssige Leim- und zweite Kalkgrund; aber eine Gypsdecke, wie bei der Maske, habe ich hier und an anderen Holzmalereien durchaus nicht bemerken können. Meine Versuche mit diesen eben erwähnten Ueberzügen haben über das Bindemittel, womit die Alten ihre Farben aufgetragen, den letzten Zweifel gelöst. Es befindet sich nämlich an einzelnen Stellen dieses Sarkophags eine so dicke Leimlage, dals ich vermö- gend war, die entscheidendsten Versuche mit einer kleinen Quantität, die der Herr General- Lieutenant v. Minutoli der Wissenschaft opferte, anzustellen. Durch Erhitzung mit Wasser löste sich nämlich die Leimmasse unter Zurücklassung der erwähnten Fäden, welche zu elastischen Membranstreifen aufquollen, auf, und die Auflösung erstarrte in der Kälte zu einer zitternden Gallerte, die zu einer hornartigen, durchsichtigen Haut eintrocknete, und deren Auflösung durch Alkohol und Gallusinfusion augenblicklich zersetzt wurde.— Die auf- gequollenen Fäden trocknen in der Wärme wieder zusammen und verbrennen unter Geruch des Leims.— Die Beschaffenheit des Leims und dieser Fäden machen es wahrscheinlich, daſs die Alten denselben aus harten Häuten, z. B. aus Rhinozerosfellen bereitet haben. In Bezicehung auf die Kalkdecke der Sarkophage bin ich der Meinung, daſs hiezu geschlämmte Kreide gedient habe; denn die Grundirung zerfällt in kochendem Wasser und hinterläſst, bei Auflösung in Sänren, erdige Beimischung, die nicht durch Brennen in Mörtelcement umgewandelt gewesen seyn konnte, und die der Mischung der Muschel- schalen abgehet. Die Malereien einiger Holzarbeiten sind zugleich mit einem sehr glänzenden Firniſs überzogen. Dieser Firnifs löset sich in Alkohol mit gelber Farbe auf und wird daraus durch Wasser in aufgequollenen Mas- sen gefället, woraus erhellt, dafs er wahres Harz ist. Wahrscheinlich löseten die Alten dieses Harz in Terpentinöl auf, welches sie kannten. III. Von den farbigen Pasten, oder porzellanartigen Massen, und den gebrannten Thonhiguren.. 1) Mumienschmelz von der netzförmigen Decke der Mumien. Die bei- den köstlichen Mumien dieser Sammlung zeichnen sich von den bisher in Europa gese- henen unter andern auch durch das Netz aus, welches über die Körper ausgebreitet und aus kleinen lazur- und himmelblauen, mannichfach nüancirten grünlichblauen, etwas über ¼ Zoll langen, dünnen, der Länge nach durchlöcherten und auf Fäden gezogenen Cylin- dern(ganz von der Gestalt des Glasschmelzes, den man auf Fäden zicht), ungefähr wie ein Fischernetz zusammengeflochten ist. 43 —g 338 Der Bruch dieser Cylinder ist sehr dicht, uneben und matt, und nur an den von der Glasur durchdrungenen Stellen glasartig glänzend. Sie sind sehr hart, zerspringen nur unter starkem Hammerschlage, und erweisen sich vor dem Löthrohre äuſserst strengflüssig, indem sich selbst ein Splitter in dem Brennpunkte der Flamme, in welchem strenge Glas- flüsse augenblicklich schmelzen, nicht erweichet. Ich habe die Versuche mit dieser Masse in der Art angestellet, wie sie oben I, 3. (p. 332. 333.) beschrieben sind, und dadurch gefunden, dafs die Farbe durch eisenschüssiges Kupferoxyd der Masse ertheilet ist. Je gröſser der Eisenge- halt ist, desto mehr fällt die Farbe ins Grün, welches selbst ins Gelbliche übergehet. Höchst wahrscheinlich sind diese Cylinder aus einer plastischen Thonmasse, wie die Porzellanmasse(ein Gegenstand neuer, leicht auszumittelnder Untersuchungen) geformt, mit einem Drathe der Länge nach durchflochten, und, nachdem sie zuvor gebrannt wor- den, mit der blauen Kupferglasur und Natrum aufs Neue dem Brennfeuer ausgesetzt. Denn daſs die Alten wirklich eine Glasur aufgetragen haben, beweiset die Abwesenheit der Farbe in der Asche der Cylinder. Wie weit würde sich hiergegen die Zeit der Por- zellanfabrication bei den Chinesen zurücke ziehen!— Meine später mit dem Mumienschmelze angestelleten Versuche sind folgende: Drei Stück Cylinder wurden mit Salpeter bis zum völligen Flusse geglühet. Die Klare, schön blau gefärbte Masse löste sich in Wasser bis auf etwas unaufgeschmolzenem Schmelzpulver auf, und wurde bei dem Zusatze von Salzsäure in ein Coagulum, das sich in mehr Salzsäure ebenfalls gröſstentheils wieder auflöste, verwandelt. Durch Verdunstung der Auflösung und Behandlung der Masse mit Wasser, schied sich die Kieselerde aus; Ammonium fällete darauf etwas Eisenoxyd und eine Spur Alaunerde; und Sauerkleesäure gab mit der blauen ammoniakalischen Flüssigkeit eine reichliche Menge weiſsen Nieder- schlags, der, nach vorangegangener Calcination und Auflösung in Salpetersäure, mit Schwefelsäure Gyps constituirte. In der rückständigen Flüssigkeit war bloſs noch Kupfer enthalten. Nachdem das Pulver von drei anderen Cylindern mit salpetersaurem Baryt geschmolzen, die Masse in Salzsäure aufgelöst, zuerst durch Schwefelsäure, darauf(nach vorangegan- gener Verdunstung u. s. w.) durch Eisen, und endlich durch Ammonium zersetzt worden war, gewann ich eine Flüssigkeit, welche nach der Verdunstung und Glühung des Rück- standes eine Masse gewährte, deren wässerige Auflösung zu kleinen Prismen anschoſs ‚ die schon bei 20°R. verwitterten. Die Auflösung derselben wurde durch salpetersauern Baryt zersetzt, worauf kubischer Salpeter krystallisirte. Folglich ist der Mumienschmelz eine Art Glas, aus viel Kieselerde, etwas Kalk und Natrum, mit einer Spur Thonerde und etwas Eisenoxy d zusammengesetzt. Seine groſse Strengflissigkeit rühret von der geringen Menge Na- trum her. Wie aber haben die Aegypter diesem Schmelze die Form gegeben? 2) Irdene Figuren. Die kleinen fingerlangen Kinder- oder Mumien-Figuren und andern Idole, welche sich äuſserlich mit den Mumien in Berührung befinden, sind aus mehr oder weniger eisenschüssigem Thon geformt, und mit alexandrinischem Blau —, —— — 1—. 89— y——õ—————— ——— eierr weie wAn er Se——————q—— 1—— 5.——————— 2——,——— 339 durch Einbrennen überzogen, oder glasirt. Sie haben in der Regel eine bergblaue Farbe, 3 die häufig ins Berggrii, und wenn das Kupfer, welches, wie bemerkt, als Pigment in dem zur Glasur angewandten alexandrinischen Blau diente, zu sehr eisenschissig war, ins Gelb- liche zieht. So fand ich es bei den untersuchten Figuren dieser Art aus Memphis und Theben, und besonders bei der schon erwähnten, mit frischer Glasurmasse überzogenen, Figur aus den Katakomben zu Theben. Unter diesen irdenen Körpern kommen aber Gegenstände vor, welche, wie z. B. die Platten, womit die Kammern der Pyramide zu Sakkara ausgelegt sind, äuſserlich mit einer schönen blauen, glasharten Glasur umgeben, innen aber aus einer so leichten und locke- ren grauweiſslichen, rauh anzufühlenden Masse zusammengesetzt sind, daſs man sie mit dem Messer leichter als Bimsstein, womit sie Aehnlichkeit haben, schaben kann. Diese Masse ist unschmelzbar, und sie verändert nur ihre Farbe, die wegen des eingesogenen, sich in der Flamme reducirenden Kupfers braunroth wird, und bestehet hauptsächlich aus Kieselerde. Ich vermuthe, daſs, wenn sie, wie Bernstein, kein vulkanisches Product ist, doch metallurgische Arbeiten, z. B. Eisenschmelzen, eine Arbeit, womit die Aegypter unstreitig bekannt gewesen sind, ihre Entstchung veranlaſst haben. Auſser der grünen, gelben und blauen Farbe, habe ich in der Sammlung irdener Ge- genstände keine anderen gesehen, und zu jenen hat entweder Eisen- oder Kupferoxyd, oder beides zusammen, gedient. „Durch Herrn Johns Analyse wird nun eine Streitfrage, die bei einigen Gelehrten obwaltete, nämlich: ob die Alten bereits den Kobalt gekannt und sich dieses Minerals zur Färbung der Gläser und der Malerei bedient hätten? geschlichtet; indem derselbe in den wirklichen Farbenstoffen keinen Kobalt, wohl aber Spuren davon in einigen analysirten alten römischen Gläsern und Glaspasten fand. Schon früher war Ferber nämlich jener Meinung zugethan, und sagt hierüber in sei- nen Briefen aus Italien, Seite 114., Folgendes:„In der Villa Adriani bei Tivoli, bei Frascati und an mehreren Orten, hat man antike Glasmosaik gefunden, worin einige Cuben blaue Glasmischungen waren, zum Beweis, dalſs die Alten den Nutzen des Kobalts, und die Bereitung der Schmalte gewuſst haben müssen,“— welche Meinung er noch an mehreren Stellen wiederholt; allein seine Behauptung ist nicht kritisch genug, denn sie gründet sich auf keine chemischen Beweise, sondern bloſs auf die Voraussetzung, als ob nur Kobalt der einzige Stoff sey, welcher jene blaue Schmelzfarbe zu liefern vermöge. Auch Davy behauptet, in blau gefärbtem Glase aus den Bädern des Titus und in Glaspasten aus Groſsgriechenland Kobalt gefunden zu haben; dagegen fand er in den Farben der Wandgemälde jener Bäder, und in dem Blau des oben erwähnten Farben- topfes und den Fresko’s im Denkmale des Cestius, nur Kupferoxyd als färbendes Princip. Selbst mehrere andere Versuche, welche unter Andern Hofrath Gmelin in Göttingen (Siehe Commientat. Götting. V. II.), Hatchett und Klaproth mit einigen alten Gläsern anstellten, ergaben, daſs die Färbung nur von Kupferoxyd und Eisen herrührte; welche 43* “ 340 letzte Erscheinung man schon bei der Verschmelzung kieselartiger Eisensteine in hohen Oefen bewährt findet, indem sie öfters blau gefärbte Eisenschlacken liefern. Ueber die Art und Weise, wie jene Farben angemacht und auf den verschiedenen Materialien aufgetragen worden sind, ergeben sich aus Herrn Johns Analyse ebenfalls einige erfreuliche Resultate, indem er thierischen Leim und Harz als Beimischung und Ueberzug fand. Ob nun die alten Aegypter sich bei ihrer Malerei noch des Wachses, Eiweiſses, oder Pflanzenschleims, oder gar des Oels bedienten, müssen fernere Untersu- chungen, oder chemische Versuche lehren. Denn ob dieses Volk bereits die Anwendung des Oels gekannt haben sollte, bleibt wohl problematisch, ungeachtet mehrere, während meiner Anwesenheit in Ober-Aegypten vorgefundene Mumien, aus der Zeit der Ptolomäer, mit Larven, oder vielmehr mit sie vertretenden Portraits verschen waren, die ganz den Cha- rakter unserer Oelmalerei, ähnliche Behandlung, Glanz und Farbenmischung an sich tru- gen und folglich dafür zu bürgen schienen. Einige Exemplare davon, die ich Behufs einer nähern Untersuchung nach Europa translocirte, gingen zu Grunde; und es steht nun noch zu erwarten, daſs Herr Salt, der jene Larven gleichfalls für Oelmalerei hielt, sie zur Erweiterung der Künste und Wissenschaften bald analysiren lasse. Was nun die Auſtragung der Farben selbst auf die verschiedenartigsten Materialien anbetrifft, so geschah dies auf Linnen, Holz, Lehm(oder vielmehr Nilschlamm) und Stein entweder unmittelbar, am häufigsten aber nachdem man jene mit geschlämmter Kreide, Gyps, Kalk oder vielleicht selbst mit Bleiweiſs vorher überzogen hatte; wie wir dies unter andern bei der Beschreibung einiger Grotten bereits bemerkt haben. Auf Mauern mögen sie die Farbe al fresco, auf geglätteten Kalkfelsen und Granit aber entweder trocken, oder nachdem jene angefeuchtet worden waren, aufgetragen haben. Nirgends fand ich die Art, welche Vitruv marmoratum nennt, und wobei mehrere Arten von gepulvertem Marmor in verschiedenen Lagen übereinander als Grundlage zur Farbe angebracht wurden; und die, welche jener alte Klassiker tectorium nennt, nur in so fern angewandt, als Brüche auf der Felsenwand mit Kalk-, Gyps- oder Lehmanwurf aus- gefüllt werden muſsten. Die Farben und Gemälde auf den Holztafeln und selbst auf den Wänden mancher Katakombe, fand ich entweder an sich glänzend, als nämlich bei dem der Schmalte ähnlichen Blau, oder mit einer Glanzmaterie überzogen, die entweder aus thierischer oder Pflanzen- Gallerte, oder am wahrscheinlichsten aus einem Wachsüberzuge besteht. So viel scheint im Allgemeinen aus den glänzenden Farben der finstern ägyptischen Katakomben hervor- zugehen, daſs sie auf künstliche Beleuchtung berechnet waren, und auch nur unter einer ähnlichen angefertigt werden konnten.“ ————— — 4—.———— 341 IV. Analysen verschiedener ägyptischer Stoffe, durch den Herrn Professor John angestellt. 1. Nilschlamm. Im getrockneten Zustande hat er eine aschgraue, etwas ins Bräunliche ziehende Farbe; bildet unregelmäſsige Stücke, welche sich zwischen den Eingern leicht zerdricken lassen, und färbt auf Papier ungefähr wie magerer Lehm ab.— Der angewandte Schlamm war mit Strohhechsel vermengt, von seiner Anwendung zum Bau. Kaltes Wasser entzieht ihm, sich gelb färbend, an 2 p. C. Extract mit etwas Gyps, welches Baryt in der neutralen Solution anzeigt. Salzsäure löset daraus unter Aufbrausen gegen 10 p. C. kohlensauren Kalk, etwas Eisen und Spuren Magnesia auf.— Das koh- lensaure Kali entzichet dem in Salzsäure unauflöslichen Satz ungefähr 5 p. C. extractarti- ger, in Wasser unauflöslicher Theile, die Salzsäure in Form brauner Flocken fället, und aus dem mit Kali gekochten Rückstande löset Salzsäure etwas Kalk, der im Nilschlamm als Gyps vorhanden war, auf.— Was jetzt zurück bleibt, ist Sand und Thon, durch Eisenoxyd röthlich gefärbt, und etwas verbrennliche Substanz, die in der Glühhitze ver- schwindet. Der zerlegte Nilschlamm enthält ungefähr: 76 Theile Sand, Wasser und durch Eisenoxyd gefärbten Thon, mit kleinen Quarz- körnern und goldfarbigem Glimmer, welcher ganz das Ansehen des Gol- des hat. 10— kcohlensauren Kalk. 1— kcohlensaure Magnesia. 3— FElisenovyd. 3— Gyps. 5 — in kohlensaurem Kali auflöslichen Extractivstoff. — in Wasser auflöslichen Extracc. 100 Theile. Hieraus erhellen seine befruchtenden und die Vegetation reizenden Kräfte, wovon in der heiligen Schrift die Rede ist. Ein bewundernswürdiger Kreislauf der Dinge; denn was der Nil dem entwickelten Keim zutührt, nimmt er von der absterbenden Pflanze als dop- pelten Tribut zurück. Anmerkung des Verfassers. „Diesen Nilschlamm entnahm ich von einer alten, vor mehreren Jahren zu Tage geför- derten und mit farbigen Figuren bemalten Wand zu Theben; folglich mochten Jahrhun- ————— 342 derte, vielleicht Jahrtausende auf seine chemische primitive Zusammenscetzung einen bedeu- tenden Einfluſs ausgeübt, und ihn sehr verändert haben. Mehrere Massen, theils noch feuchten, theils getrockneten Nilschlammes, die ich ebenfalls Behufs einer chemischen Analyse und geognostischer Untersuchungen nach Europa sandte, wurden ebenfalls ein Raub der Wellen. Es muſs nach jener Voraussctzung den Leser also nicht befremden, wenn er in dem chemischen Resultate des Herrn Professor John einen Unterschied von den in Aegypten angestellten Versuchen des Herrn Regnault findet. Dieser Gelehrte fand nämlich in dem Nilschlamm, den er in einem Kanal, 500 Toisen vom Nil entfernt, gesammelt und an der Luft getrocknet hatte, folgende Bestandtheile: Wasser...„. 11 Theile. Kohlenstoff.... 9— Eisenkalk..... 6— Kieselerde..... 4— kohlensaure Bittererde. 4— kohlensauren Kalk 18— Alaunerde..... 48— Summa 100 Theile. Hierbei macht Herr Regnault die Bemerkung, dafs die Menge der Kiesel- und Alaunerde, je nach den Orten, wo man den Schlamm nimmt, verschieden ist, und daſs er besonders unmittelbar an den Ufern des Nils viel Sand enthält.“ 2. Harzmasse aus einem zu Memphis ausgegrabenen Topfe). Diese Substanz scheint absichtlich mit weiſsen, trüben Quarztrümmern vermengt wor- den zu seyn; denn diese befinden sich darin nicht in Form kleiner Geschiebe, sondern als wahre Bruchstücken, von der Gröſse eines kleinen Sandkorns bis zu der einer kleinen Haselnuſs, so daſs die Massen einem Harzstücke gleichen.— Das Bindemittel die- ses Stücks, welches nach diesen Versuchen Harz ist, hat eine bräunlich-gelbe Farbe, ist durchsichtig, von glasigem Bruche, und gleicht an Härte dem Burgunderharze. In der Wärme erweicht es sich, schmilzt und entflammet sich am Lichte unter Entwicke- lung eines etwas gewürzhaften, wiewohl nicht lieblichen Geruchs. Es löset sich schon in kaltem absoluten Alkohol, und auch in Schwefeläther auf. Die erste Auflösung wird durch Wasser zersetzt, wobei man eine sauer reagirende Flüssigkeit gewinnt, welche, wie dieje- nige von allen mit Säure verbundenen Pflanzenharzen, äuſserst schwer, oder gar nicht, klar zu gewinnen ist, um mit der Spur Säure Versuche anzustellen. Ich glaubte anfangs, dafs dieses Harz von der Ceder abstamme; allein hievon unter- scheidet es sich durch seine Unauflöslichkeit in gewöhnlichem Alkohol.(S. meine Natur- geschichte, Band 2. p. 107.) *) Mit diesem Harze scheinen die Alten cbenfalls die glänzenden Holzarbeiten lackirt zu haben.(S. die Note von der Hicrogl phenmalerei.) ₰. ———jj 343 Vielleicht stammt es von der aleppischen Tanne(Pinus halepensis), welche sich nach Hrn. General-Lieutenant v. Minutoli ebenfalls in Aegypten vorfinden soll. Dieses Harz hat, wie ich in der Folge zeigen werde, ein zum Einbal- samiren der Mumien angewandtes Ingredienz ausgemacht. 3. Harzmasse von einem schwarzen Glasfinger aus dem Körper der Mumien. Diese Masse aus den Mumien bestehet aus zwei verschiedenen Naturen, die man zum Theil schon mechanisch trennen kann: die eine ist gelblich-braun, klar und hat alle Ei- genschaften des so eben erwähnten, auch hier mit seiner Säure verbundenen Har- zes. Behandelt man daher die Masse der Steinfinger mit absolutem Alkohol, so bleibt die zweite Substanz, welche undurchsichtig, dunkelbraun und in Alkohol unauflöslich ist, zurück. Sie färbt das Wasser und auch den Weingeist bräunlich, ohne eine der Aloe ähnliche Eigenschaft zu besitzen. Die wässerige Abkochung hinterläſst eine äuſserst geringe Menge braunen, in gewöhnlichem Weingeist auflöslichen, in absolutem Alkohol unauflöslichen Extracts. Besser wirken darauf das Petroleum und der Schwefeläther, welche ein weiches Harz auflösen und einen unter Asphaltgeruch mit Flamme verbrennenden Rückstand geben. 1 Die Harzmasse von dem Glasfinger, welchen die Alten jeder köstlich einbalsamirten Mumie einverleibt haben, bestehet daher aus dem in der vorigen Noteferwähnten Baumharze und aus einer Art Asphats, welche die Aegypter vom todten Meere, Babylon, Susa und selbst aus Phönicien beziehen konnten, oder doch aus einer ganz analogen Substanz, z. B. Cederntheer und Pech, welche, wie ich im 1. Bde. meiner Naturgeschichte pag. 323. gezeigt habe, bei der Destillation der Theile der grofsen Ceder und selbst des Gedernharzes gewonnen werden. 4. Balsamirungsmasse einer kindermumie. Der Balsamirungsstoff hat eine dunkel-kaffeebraune Farbe, ist undurchsichtig, hart, spröde, leicht zerreiblich, und an einzelnen zerklüfteten Theilen mit einer zarten, schnee- weiſsen Efflorescenz überzogen, von welcher ich unten sprechen werde. Die braune Masse entflammet sich unter Aufblähung und Dickflüssigkeit an einer brennenden Kerze, und unter Entwickelung eines aromatischen Geruchs. Sie löset sich in Wasser zur Hälfte auf. Die sauer reagirende, dunkelbraune Flüs- sigkeit wird durch Alkohol zersetzt, indem sich Gummi fället, welches beim Austrocknen glänzend, spröde, zerreiblich wird und, bis auf die braune Farbe, dem arabischen Gummi gleicht, und woraus eine braune Auflösung gewonnen wird, die durch Eindicken ein saures, scharfes, in reinem Alkohol nicht auflösliches Extract gewähret. Das trockene Extract und das Gummi betragen ungefähr gleiche Menge.— Alkohol entzieht dem mit Wasser a a 344 pehandelten Rückstande die Hälfte seines Gewichts eines braunen, harten, in Acther auf- löslichen, in wässerigem Weingeist unauflöslichen, Harzes. Die in Alkohol und Wasser unauflösliche Materie bildet ein fahlbraunes, staubiges Pulver, welches stark abfärbt, und dem Xether eine gelbliche Farbe ertheilt, von etwas aufgelöstem, nicht klebrigen Harze.— Auch Terpentinöl entzieht diesem Rückstande noch etwas klebriges Harz.— Durch diese Behandlung erhält er dann die äuſsere Be- schaffenheit einer erdigen Braunkohle; er hat eine schmutzig-braune Farbe, blähet sich an der Lichtflamme, sich selbst entzündend, auf, und entwickelt dabei einen thierischen Geruch. Nach seiner Einäscherung erhält man wenig Asche, aus Kalk, Kali und einigen Salzen bestehend. Dieser Rückstand scheint überhaupt von dem organischen Körper des Kindes selbst herzurühren, und nur mit unauflöslichen Pflanzentrümmern, etwas Extractiv- stoff und Asphalt vermengt zu seyn.— Wir haben demnach gefunden: 4¼ Gummi; verbrennlicher Säure, nebst deren alkalischer Verbindung und Extractivstoff; Pflanzenharz; *ld ld (weiches, schmieriges Harz; fettwachsartige Materie; unauflöslichen Extractivstoff; asphaltartigen und Pflanzenrückstand; thierische Materie; (Salze; und hieraus möchte ich schliefsen, dafs sich die Aegypter, aufser dem aromatischen Baumharze, des Asphalts und eines Pflanzenextracts, z. B. des Tamarinden- oder Cassienmarks, zum Einbalsamiren der Kindermu- mien bedient haben, vielleicht noch mit Zusatz von etwas arabischem Gummi. Was die oben erwähnte, exsudirte, oder efflorescirte Materie anlangt: so scheint sie mir Leichenadiposis zu seyn, und von der Substanz des Todten selbst herzurühren. Sie flieſset in der Wärme; ist in Wasser und Säuren unauflöslich; in absolutem sieden- den Alkohol aber auflöslich. Merkwürdig ist, daſs sie, ungeachtet in der Einbalsamirungs- masse eine Säure dominirt, alkalisch reagirt; woraus man schlieſsen darf, daſs sich bei dem Reinigen des Kindes mit Litron, d. i. Natrum, und nachherigem Waschen mit Palm- wein, eine Art Seife gebildet habe. 5. Wachsfiguren, welche sich in den Mumien befinden. Diese Figuren bestehen aus zwei verschiedenen Materien: einem steinigen, oder irde- nen Kern, und einer ihn umgebenden Masse. Letztere umkleidet die Kleine, 4¼ bis 4 Fuſs groſse, Kernſigur in Form einer 1 bis 2 Linien dicken Rinde, und hat die physischen Eigenschaften des Wachses, wenn man etwa die Farbe ausnimmt, welche bräunlichgelb ist. ſ ——— ———-—j———.— 3⁴45 Absoluter Alkohol löset die Rindenmasse bis auf 10 p. C. auf, und die Auflösung verhält sich, wie diejenige der vor 12 Jahren von mir entdeckten Cerin. Sie ist von weiſser Farbe.— Der braune, in Alkohol unauflösliche Theil, löset sich bleibend in ätherischen Oelen auf, und hat alle Eigenschaften der Myricin. Auch diese Auflösung ist kaum gefärbt.— Die genannten Menstrua hinterlassen das braune Pigment in Form der kölnischen Umbra; und in der That scheinen die Aegypter mit letzterer die Farbe bewirkt zu haben, denn auſser leicht verglimmenden Theilen, zeigt sich darin nur etwas Eisenoxyd. Folglich ist der Ueberzug wahres Wachs, gefärbt durch Umbra oder eine analoge Materie. Der Kern, oder die innere Masse dieser Figuren, welche von dem eben beschrie- benen Ueberzuge umkleidet ist, brennet sich, wie sandiger Töpferthon, oder Ziegellehm, gelbroth, und erleidet selbst vor dem Löthrohre einen geringen Grad der Verglasung. Die Farbe ist erdgrau. Die alten Aegypter haben folglich eisenschüssigen Lehm zu kleinen Puppen geformt, und diese, nachdem sie scharf getrocknet worden, mit gefärbtem Wachse überzogen. 6. Kleine Figur aus Memphis. Sie hat die Form eines aufrecht stehenden Hundes oder Schakals, mit einem kurzen Cylinderabschnitte auf dem Kopfe und einem starken Oehre am Hinterhaupte. Aeuſserlich hat sie ganz das Anschen, als wäre sie aus Guſseisen gegossen; selbst glänzende, gra- phitartige Pnktue glaubt man zu bemerken, und dabei hat sie die Härte des weiſsesten Roheisens, oder härtesten Stahls, so daſs keine Feile sie angreift.— Sie ist ferner im hohen Grade polarisch, indem der Kopf den Nordpol, der Fuſs hingegen den Südpol der Magnetnadel anzichet, und ersterer den Südpol, leizterer den Nordpol zurückstöſst. Der Kopf dieser Figur ist folglich Südpol, der Fuſs Nordpol. Diese sonderbare Erscheinung des Magnetismus besitzt indessen, nach meiner vor einigen Jahren gemachten Entdeckung, nur minder ausgezeichnet, jedes metallische Eisen. Mehrere Griünde führten mich auf den Gedanken, daſs diese Figur aus Meteoreisen angefertiget sey; eine Meinung, die jedoch falsch ist. Da sich durch mechanische Mittel von dem Piedestal der Figur nicht das geringste ab- sondern lieſs, so erlaubte mir der Hr. Gen. Lieut. v. Minutoli, auf chemischem Wege solches zu bewirken. Ich ätzte das Piedestal zuerst mit schwacher Salzsäure, dann mit Salpetersäure; allein nur im concentrirten Zustande griffen die Säuren dasselbe wirklich an. Die Auflösung enthielt bloſs Eisenoxyd, ohne alle Spuren Kupfers oder Nickels, indem das Ammonium sich weder färbte, noch bei der Anwendung des blausauren Eisenkalis darauf reagirte. Bei neuer Besichtigung des geätzten Piedestals zeigte sich, daſs der graphitartige Schimmer der Figur von dem Gefüge der Substanz selbst herrühre, und das specifische Gewicht der Figur war 4,800: 1,000; also viel geringer, als Roheisen. 1 44 ——.—— 3—J—2ͤͤͤ„— 8—õõÿůõqÿſÿjÿjÿÿ3ä353535“ —— 346 Folglich ist die Figur nicht gegossen, sondern geschnitten, und zwar aus wahrem Magneteisenstein, der, wenn das Aeuſsere nicht täuschet, zu der seltenern plätterichtstrahligen Abänderung gehören dürfte. 7. Salz aus der Pyramide zu Sakkara. Es giebt davon zwei YVarietäten. 1. Die eine ist halbdurchsichtig, farbelos, und bildet 4 bis 1 Fuſs lange garbenför- mige und büschelartige, äuſserlich etwas seidenartig schimmernde und feinfaserige Stalacti- ten in der den Kern der übrigen künstlichen Pyramide ausmachenden Grotte von Kalk- stein. Inwendig hat es mehr Glasglanz und einen grobkörnigen, selbst etwas sehr klein- blätterichten Querbruch. Die Fasern sind nicht trennbar.— Der Geschmack ist salzig. In Wasser löset es sich auf; die neutrale Auflösung wird durch salpetersaures Silber in Hornsilber und kubischen Salpeter umgewandelt. Von Schwefelsäure keine Spur. Dieses Stalactitensalz der Pyramide ist demnach gebogen-faseriges Steinsalz, und als eine neue Art zu betrachten, welches wahrscheinlich einem dort vor- handenen Gyps- und Salzlager seinen Ursprung verdankt, indem es durch Bergwasser letzterem entnommen, und durch Iufiltration, oder Durchsickerung, in der Grotte wieder abgesetzt ist. 2. Die zweite Varietät, welche ich später entdeckte, ist wenig durchscheinend, weiſs, aus feinen, etwas biegsamen, seidenartig glänzenden Fasern zusammengesetzt, und von schr feinkörnigem Querbruche. Die biegsamen Fasern lassen sich leicht trennen. Ich vermuthete daher, das Salmiak diesem Salze den Charakter ertheile; allein es zeigte sich bei der Behandlung desselben mit Baryt und Kali kein Ammoniumgeruch.— Auch frei von Schwefelsäure ist dasselbe.— Vielleicht veranlaſst ein Kaligchalt diese Abweichung; ein Gegenstand, den ich später genauer zu verfolgen gedenke. 8. Ausfüllungsmasse der Wände in der Pyramide des Cheops. Sie bildet eine weiſse, leicht zerreibliche, abfärbende Masse.— Mit Säuren brauset sie gar nicht auf; aber die wässerigen Flässigkeiten, welche mit der Masse in Berührung pleiben, werden durch Baryt-, Sauerkleesäure- und Kaliaufläsungen zersetzt.— Kocht man sie mit kohlensaurem Kali, so zerfällt sie in schwefelsaures Kali und kohlensau- ren Kalk. Die zerlegte Masse ist reiner Gyps, welcher, im gebrannten Zustande mit Wasser vermengt, in Form des Teiges angewandt ist. 9. Kalkmasse aus der grofsen Pyramide des Cheops. Sie ist weiſs, krümelt leicht, ist daher leicht zerreiblich und zum Schreiben, wie Kreide, tauglich. In Salzsäure löset sie sich unter Entwickelung von Kohlensäure leicht auf. Aus der Auflösung senkt sich bald eine Wolke, die sich zu einem weiſsen Pulver verdichtet, welches durch kohlensaures Kali in schwefelsaures Kali, kohlensauren Kalk und 1 ½ p. C. — 3———— 1. A. 8- 1———y—;—§——.————————— eaa —õ——————“ 3 b 347 aufgelöst gewesener Kieselerde zerlegt wird. Die salzsaure Auflösung enthält Spuren Schwefelsäure, und, auſser dem Kalk, auch Spuren Eisens, und etwas Thonerde. Die Kalkmasse ist demnach wahrscheinlich aus reinem gebrannten Kalkstein angefertiget, welcher vielleicht nur zufällig Gyps enthalten hat, da die Menge des letzteren nicht über 3 p. C. beträgt, und Gyps und Kalk- stein dort wahrscheinlich auf einem und demselben Lager brechen. Wäre der Gyps dem Kalk erst nach dem Brennen hinzugefügt, so würde die Masse schwerlich die groſse Gleichförmigkeit und Leichtigkeit erhalten haben, welche sie zeigt. 10. Kalkstein der Pyramide von Sakkara. Er hat eine schmutzig-gelblichweiſse, etwas ins Fleischrothe zichende Farbe, ist un- durchsichtig, von etwas gröberem Bruche als der Kalkstein aus Theben, und häuſig mit Dendriten überzogen.— Er enthält nur ungefähr gegen 3 p. C. erdiger Beimischungen, ohne Gyps. Die Säuren lösen, auſser etwas Eisen, auch Spuren Mangans, die er enthält, auf.— Wenn das ganze Kalkflötz von dieser Beschaffenheit ist, so würde er sich zum Mörtel, Behufs der Wasserbauten, nicht füglich eignen; gewöhnlich sind jedoch die Schich- ten der Kalkflötze abwechselnd. 11. Kalkstein der Katakomben zu Theben. Er ist von schmutzig-gelblichweilser Farbe, undurchsichtig, dicht, und überhaupt von der Beschaffenheit des Kalksteins, der zum Steindrucke dient(doch werden hierzu nur seltenere Stücken dienen können). Er enthält gegen 6 p. C. erdiger, in Säuren unauflös- licher Beimischungen, die durch das Brennen auflöslich werden und als Cäment dienen. Eine Spur Schwefelsäure ist ihm beigemengt. 12. Mörtelmasse aus der durch Belzoni eröffneten Königs- katakombe bei Biban el Moluk. Sie hat eine schmutzig-gelblichweiſse Farbe, mit eingemengten weiſsen Theilen und wenig kleinen quarzigen Körnern; ist porös und zwischen den Fingern zerreiblich. In verdünnter Salzsäure löset sie sich, unter Aufbrausen, zur Hälfte auf. Diese Auf- lösung hinterläſst bei der Verdunstung und Behandlung des Rückstandes mit Wasser, eine weiſse Masse, die sich bis auf einige Flocken Kieselerde in Wasser auflöset und durch salzsauren Baryt, so wie durch Sauerkleesäure zersetzt. Die salzsaure Auflösung enthält Kalk und etwas Eisenoxyd, welches Ammonium fället. Der in Salzsäure unauflösliche Theil der Mörtelmasse, zerfällt bei der Behandlung mit kohlensaurem Kali in schwefelsaures Kali und kohlensauren Kalk, und es bleibt etwas rothe Quarzerde mit wenig Sandkörnern zurück. Diese Mörtelmasse ist demnach aus ungefähr gleichen Theilen Gyps und Kalk, mit sehr wenig erdigem Zuschlage, bereitet; woraus hervor- gehet, dafs die alten Aegypter nicht nur Kalk, sondern auch Gyps zu 8 44* .————— 5 ——— W—— 348 brennen verstanden, und aus beiden eine Masse bereitet haben, die wie diejenige, deren sich unsere Maurer und Baumeister zu Gesimsen, Hohl- kehlen u. s. w. bedienen, zwar schnell an der Luft trocknen wird, aber nie die Härte des alten römischen Mörtels erreichen kann.(S. meine Preiſsschrift über Kalk und Mörtel.) 13. Mörtelmasse aus den Katakomben zu Theben. Sie hat mit derjenigen vom Königsgrabe die grölſste Aehnlichkeit; eine schmutzig- gelblichweiſse Farbe, mit eingemengten weiſsen Theilen und kleinen Quarzkörnern; ist aber etwas härter, als jene.— Auf gleiche Weise zerlegt, fand ich, daſs dieser Mörtel ungefähr angefertiget sey: aus gleichen Theilen Gyps und Kalk, mit gegen 6 p. C. erdigen Zuschlä- gen aus rothem quarzigen Thon und Sand. Ob übrigens die Thebaner wirklich die gypsige Kalkmasse mit Sand vermengt haben, da die Menge so äuſserst gering und mit unserem Zuschlage gar nicht zu vergleichen ist, muſs ich dahin gestellt seyn lassen. Vielleicht ist er mehr zufällig dem Erdboden bei der Bereitung entnommen. Uebrigens enthält dieser Kalk etwas mehr Cäment, als der vom Königsgrabe, weshalb er härter ist(s. meine Preiſsschrift über Kalk und Mörtel). 14. Blätter des Hennébaums(Lowsonia inermis. L.) Ich erhielt solche in Form eines schmutzig-gelblichbraunen, ins Olivenbraun ziehen- den Pulvers, mit untermengten Blattstielen und Ribbtrümmern. In diesem zerkleinerten Zustande bedienen sich die Aegypter derselben, nach des Herrn General-Lieut. v. Minu- toli Bemerkungen, zum Färben der Nägel, Hand- und Fuſsflächen. Behandelt man dieses Blattpulver mit Alkohol, so gewinnet man eine dunkel-chryso- lithgrüne Flüssigkeit, welche nach der Verdunstung grünes Pflanzenharz, von der Beschaf- fenheit, wie es überhaupt die grüne Oberfläche der Pflanzenwelt erfüllet, zurücklälst.— Wasser entziehet demselben etwas morgenrothes Pigment, von dem gleich die Rede seyn soll.— Der von dem Harze erschöpfte Pflanzenrückstand färbt das Wasser augenblick- lich orangenroth, oder orangengelb, nach dem Grade der Concentration, und es bleibt von der Digestion mit Wasser ein brauner, zum Färben untauglicher, auch in Aether unauf- löslicher Faserrückstand übrig.— Die wässerige, concentrirte Auflösung wird durch Ver- mischung mit Wasser zersetzt, indem sich etwas gummige Materie aus der morgenrothen Flüssigkeit ausscheidet. Die zersetzte Flüssigkeit enthält dann das Pigment, welches durch das Peroxyd des Eisens braunroth, und auch durch Silberauflösung, Barytauflösung und andere Oxyde gefället wird. Durch Verdunstung der Flüssigkeit gewinnet man dasselbe im trockenen Zustande. In absolutem Alkohol ist es unauflöslich. Die Hennéblätter enthalten vorzüglich: grünes Pflanzenharz; ein eigenthümliches, unter Umständen mit morgenrother oder gelber Farbe erscheinendes Pigment; 3 — — ir enerrieen wSe erswidsenwee weree— —— 349 gummöse Materie; Pflanzenfaser und Salze. Ich habe in der Abkochung der Hennéblätter, mit Alaun gebeitzte Leinewand und Baumwolle strohgelb und ochergelb, mit einem schwachen Stich ins Grünliche, gefärbt, und glaube, daſs die Aegypter ihre gelben Byssusbinden zum Theil mit diesen Blättern gefärbt haben. Morgenroth, oder orangengelb, wollten sich die Zeuge auf diesem Wege nicht färben, und mit Wolle sind die Versuche nicht angestellet worden. Anmerkung des Ferfassers. „Der Hhenné ist ein Strauch, der eigentlich in Ostindien einheimisch ist, und in Aegypten vorzüglich in der Gegend von Cairo gebaut wird, wo ich ihn häufig in Gärten fand. Er gehört zu dem Geschlechte des braunen Blutkrautes, und war den Alten bereits unter dem Namen Cyprus bekannt.— Nach den damit durch die Herren Descotils und Berthollet in Aegypten an- gestellten Versuchen ergab sich's, daſs die unpräparirte, oder alaunte Baumwolle bloſs eine matte gelbe Farbe, die unpräparirte Seide aber eine matte braungelbe Farbe annahm. Die einzige Zubereitung, die eine lebhafte Nüance bewirkte, ist die salpetersaure Zinn- auflösung, welche eine morgenrothe, oder orangengelbe Farbe hervorbrachte. Nach dem Urtheile jener beiden Gelehrten enthält der Hhenné eine Menge färbender Substanz, die vorzüglich zur Färbung der Wolle mit Nutzen gebraucht werden dürfte; indem man aus diesem Stoffe für sich allein angewandt, feste falbe Farben, und ver- mittelst eines Zusatzes von Alaun und Vitriol, verschiedene dauerhafte Nüancen von Braun erhalten kann.“ 15. Schich. Schon der schr aromatische Geruch dieser bei Cairo und in andern Gegenden Aegyptens wachsenden und den Magikern zur Schlangenbeschwörung dienenden Pflanze, führet auf den Gedanken, daſs sie ätherisches Oel enthalte; und in der That erhielt ich durch die Destillation der kleinen Quantität von kaum ¼ Quentchen mit Wasser eine milchichte Flüssigkeit, auf deren Oberfläche sich Oeltropfen ansammelten, ganz von dem äuſserst durchdringenden Geruche der Pflanze.— Die wässerige Abkochung gab durch Eindicken eine syrupsförmige Flüssigkeit, welche sich bei der Vermischung mit Wasser in zwei Theile theilte, indem eine etwas gelblich gefärbte bitterliche und Feuchtigkeit anziehende, gummige Materie in Form eines Coagulums ausgeschieden, und eine hraune, sauer reagi- rende Flüssigkeit gewonnen wurde, welche durch Concentration die äuſsere Beschaffenheit und den Geschmack des kalt bereiteten Chinaextractes annahm.— Dem ausgekochten Pflanzenrückstande entzichet Alkohol ein grasgrünes, aromatisches, weiches Harz, welches in der Wärme einen unangenehmen Geruch verbreitet. Von diesem äuſserst aromatischen Gewächse läſst sich ohne Zweifel in der Medizin wichtige Anwendung machen, indem ihm, wie es scheint, die den ätherischen Oelen im Allgemeinen eigenen Eigenschaften im hohen Grade zukommen, und dazu gesellet sich ————————————— — 2— —— 350 noch die Wirkung des bitteren Extracts. Hinsichtlich der speciſischen Wirkung, zumal auf besondere Organe, kann freilich nur die Erfahrung entscheiden; indessen ist es kaum zu bezweifeln, dafs eine so ausgezeichnete Pflanze solche nicht erregen sollte. Was endlich ihre Anwendung zur Beschwörung der Schlangen anlangt, so ist es nicht unwahrscheinlich, dafs ihr ätherisches Oel diese Wirkung hervorbringe; denn der eigenthümliche aromatische Geruch dieses Krautes ist so groſs, daſs eine sehr kleine Quantität desselben hinreichte, der groſsen alterthümlichen Sammlung, durch welche H. v. Minutoli die Wissenschaft bereichert hat, einen so durchdringenden Geruch zu er- theilen, dafs jeder glaubt, letzterer sey jedem individuellen Körper dieser Sammlung eigen. 16. Byssus. In der köstlichen Minutolischen Sammlung beſinden sich Sorten dieses aus der Byssusbaumwolle gewebten antiken Zeuges, mit welchem die Aegypter ihre Mumien um- wickelten, und welches unter dem Namen Byssus bekannt ist. Sie unterscheiden sich von einander sowohl durch die Feinheit des Fadens und Gewebes, als auch durch die Farbe. Die eine Sorte ist hellgelb, die andere bräunlichgelb, die dritte dun- kelfleischroth, und die vierte haarbraun gefärbt. 1. Gelber Byssus. Durch Digestion dieser Binde mit Wasser, erhält man eine gelbe Solution, und der rückständige Byssus erscheint heller gefärbt. Auch der Wein- geist färbt sich durch Digestion gelblich. Die wässerige Auflösung hat Aehnlichkeit mit der Aulflösung der Hennéblätter, weshalb ich glaube, dafs die Alten den hellgelben Byssus mit Hennéblättern gefärbt haben. Die geringe Abweichung der Farben- nüance von dem von mir gefärbten Zeuge, kann ihren Grund in der abweichenden Be- schaffenheit der Byssusbaumwolle und eines möglichen Zusatzes eines anderen Farbestof- fes haben. 2. Bräunlichgelber Byssus. Er verhält sich zu den eben erwähnten Menstruen auf ähnliche Weise, wie der vorhergehende; nur weichen die Eigenschaften des ebenfalls verbrennlichen Pflanzenpigments etwas von dem vorhergehenden ab. Vielleicht ist dieser Byssus mit dem wässerigen Extracte der Färberröthe und dem Zu- satze von Hennéblättern und Tamarinden gefärbt. 3. Haarbrauner Byssus. Dieser Byssus färbt das Wasser braun, und die Auf- lösung hinterläſst nach der Verdunstung ein braunes, mit Weingeist mischbares Extract, von bituminösem Geruche. Kräftiger noch wirket darauf der Alkohol, welcher wahres bitu- minöses Harz von brauner glänzender Farbe auflöset. Der rückständige Byssus, welcher dadurch seiner Farbe nicht gänzlich beraubt worden ist, giebt durch die Verbrennung eine schneeweiſse Asche. Hieraus schliefse ich, dafs die Aegypter diese Sorte, sie sey nun vor- her auf die in 2. erwähnte Weise zuvor bräunlich gefärbt, oder nicht, ge- theert haben, nach Art der Zubereitung der Schiffsthaue und Segel; in der That die dauerhafteste Färbungsweise der dem Zahne der Zeit auszu- setzenden Zeuge. — ——.A. —.——— ͤͤſ — e““ eett enee 351 4. Dunkelfleischrother Byssus. Durch die Behandlung desselben mit Wasser, erhält man eine bräunlichgelbliche Auflösung, und eben so durch Alkohol; allein beide Auflösungen zersetzen sich durch die Vermischung, indem etwas schleimiges Pigment ge- fället und ein extractivstoffartiger Färbestoff aufgelöset wird. Der Byssus erhält durch dieses Verfahren eine rosenrothe Farbe, welche weder in der Sonne, noch durch Säuren und Alaun völlig entfärbt, sondern durch letztere noch erhöhet und reiner wird. Nach der Einäscherung bleibt eine weiſse Asche zurück. Es leidet demnach keinen Zweifel, dafs dieser Byssus mit Färberröthe gefärbt worden sey, und dafs die Alten nur darum kein reines Rosenroth, oder dunkles Türkischroth hervorgebracht haben, weil sie weder den Krapp oder die Färberröthe durch Waschen von seinen gelben extractarti- gen Theilen zu befreien, noch sich unserer kräftigeren Beitzen und Auf- lösungsmittel der köstlichen Färberröthe, die allein nur ächtes Roth im organischen Reiche gewähret, zu bedienen verstanden haben. Ueberhaupt scheinen die Alten ihre gefärbten Zeuge nicht gespühlt zu haben.* Analysen altägyptischer und römischer Gläser von Herrn Professor John; nebst einigen Bemerkungen über seltene antike Glasmosaiken von S. E. dem Hrn. General-Lieutenant von Minutoli. 1. Blaue Gläser aus Memphis. Ihre Farben sind sehr rein himmel- und lazur- plau; sie sind entweder undurchsichtig, oder mehr oder weniger durchscheinend, und ha- ben einen muschlichten Bruch von Glasglanze. Auf meinem Platindrathe schmolzen sie schr leicht, mit Beibehaltung der Farben; und mit Borax gaben sie sehr schöne blaue Perlen. Durch Schmelzen mit ätzendem Kali, und Behandlung der Massen mit Salzsäure, erhielt ich, unter Absonderung von Kieselerde, grünliche Solutionen, die durch Zersetzung mit Ammnonium eine lazurblaue Flüssigkeit gaben, welche nach Verdunstung und Neutra- lisation das Eisen mit einer Kupferhaut überzogen. Folglich sind alle diese Gläser mit Kupferoxyd gefärbt; einige enthielten zugleich Spuren Eisenoxy ds. Als ich die salzsaure Auflösung eines stark durchscheinenden, hell lazurblauen Glases mit Ammonium zersetzte, entstand eine blaue Flüssigkeit und ein gelber Niederschlag, 352 welcher unter Absonderung von Kieselerde mit Salzsäure eine grünlichgelbe Solution dar- stellete, die eine sehr schlechte Art sympathetischer Dinte(wie überhaupt Metallauflösungen) gewährte, und bei der Zersetzung durch Ammonium auſs Neue in einen gelben Nieder- schlag und eine blaue Flüssigkeit verwandelt wurde. Nachdem letztere mit Salpetersäure neutralisiret war, fällete sie blausaures Eisenkali zwar kupferroth(eine Folge von der Ge- genwart des Kupfers); allein der gelbe Niederschlag, gerade zu einem Löthrohrversuche hinlänglich, gab mit Borax eine Perle, die, wenn sie auch alle Erscheinungen des Eisen- oxyds darbot, doch in der Kälte einen Stich, wie es mir schien, ins düstere Blau behielt. Ob dieses letztere Glas daher absolut kobaltfrei ist, mufs ich, bis fernere Versuche entschieden haben, dahin gestellt seyn lassen. 2. Blaues Glas aus Theben. Zu diesem Versuche diente ein Stück Glas von einer 1 Zoll langen, etwas cylindrischen und der Länge nach hohlen Handhabe, oder einem Griffe.— Die Farbe ist dunkel-lazurblau; es ist stark halbdurchsichtig, und in Splittern durchsichtig; der Bruch glasartig, und das Pulver graulichweiſs. Das Boraxglas wird dadurch sapphirblau, und das microcosmische Salz perlenfarbig gefärbt; Erscheinun- gen, die einzig dem Kobalt eigenthümlich sind*).— Mit Salpeter geschmolzen, erhielt ich eine Masse, die heiſs, grün, erkaltet aber, blau erschien, und nach der Behandlung mit Wasser und Salzsäure, Kieselerde absonderte. Die grünliche salzsaure Auflösung wurde bei der Vermischung mit Ammonium nicht im geringsten plau gefärbt; es entstand ein sehr aufgequollener Niederschlag, wie Alaunerde, und aus der ammoniakalischen Flüs- sigkeit senkte sich, nach mehreren Stunden, kohlensaurer Kalk. Bei Neutralisation dieser Flüssigkeit mit Salzsäure und dem Zusatze von einem Tropfen blausaurer Kaliauflösung, erzeugte sich ein geringer graulicher Niederschlag von etwas aufgelöstem Kobalt. Der oben erwähnte aufgequollene Niederschlag wurde mit einigen Tropfen Salzsäure digerirt, wobei Kieselerde zurück blieb; die grünliche Solution aufs Neue mit Ammonium zersetzt, und der gelbe Niederschlag mit Aetzlauge, die gar nicht darauf wirkte, behandelt. Der neue gelbliche Niederschlag färbte Boraxglas vortrefflich sapphyrblau, und enthielt, wie die Prü- fung mit blausaurem Eisenkali zeigte, auſser Kobalt, nur Eisenoxyd. Das zerlegte Glas ist demnach aus Kieselerde, Natrum, Kalk u. s. w. und etwas eisenschüssigem Kobaltoxyd fabricirt, und beurkundet das hohe Alter, in welchem dieses Farbemetall in den Künsten angewandt wurde. 3. Violettes Glas aus Memphis. Ein Bruchstück einer äuſserlich mit einge- schnittenen Hieroglyphen, oder anderen Conturen, verschenen runden Platte von amethyst- rother Farbe, durchsichtig, und innen völlig vom Glasbruche. Es schmilzt vor dem Löth- rohre sehr leicht, und giebt mit Borax in der oxydirenden Flamme eine Amethystperle, *) Die Kobaltboraxperle unterscheidet sich von der Kupferboraxperle, welche eigentlich immer nur mehr oder weniger rein bergblau gefärbt ist, besonders durch den düsteren Stich ins Indigfarbige. Ein zweites Crite- rium giebt die Perle des microcosmischen Salzes, welche vom Kobaltoxyde perlenfarbig; vom Kupfer aber ganz hell berggrünlich gefärbt wird. Berücksichtiget man dann noch die blaue und grüne Lichtflamme, welche Kupſerperlen erzeugen: so gewähret das Löthrohr allein ein sicheres Criterium für blaue Kupfer- und Kobalt- gläser. Selbst die am Kerzen- und Sonnenlichte qurchfallenden Strahlen dienen zu dieser Kenntnils. 1. die in der desoxydirenden Flamme wieder farbelos wird; hinreichende Erscheinungen, um das Braunsteinmetall, oder das Manganoxyd, als Pigment des untersuch- ten Glases zu erkennen. V 4. Schwarzer Glasfinger aus den Mumien. Jede kostbar balsamirte Mumie 8 enthält, nach des Hrn Gen. Lieut. v. Minutoli Bemerkung, diesen sonderbaren Körper. Er hat eine schwarze Farbe, ist ¼ bis ¼ Fufs lang, † Zoll und darüber breit, ganz flach, und dabei an den Enden und ringsherum abgerundet; äuſserlich ist er matt, stellenweise vergoldet, und zuweilen mit dem Einbalsamirungsharze umgeben; der Bruch muschlicht und von lebhaftem Glasglanze. Zuweilen sind zwei solcher Körper an einander verschmol- 8 zen, oder richtiger, es sind aus einem Stücke Doppelstäbe, gleichsam den Zeige- und Mittelfinger repräsentirend, geschnitten. Ein Splitter davon schmilzt vor dem Löthrohre augenblicklich, und das Pulver des- selben giebt mit Borax eine klare Perle, welche in der Hitze ölgrün, in der Kälte aber . farbelos wird.— Durch Schmelzen mit Salpeter erhielt ich eine bräunliche Masse, die sich in kochender Salzsäure, unter Absonderung weiſser Kieselerde, mit gelber Farbe auf- löste. Die Auflösung gab mit ätzendem Ammonium einen braunen Niederschlag und eine farbelose Flüssigkeit, welche nach der Neutralisation durch blausaures Kali gelb gefärbt wurde und eine dunkelgraue Wolke absonderte, die sich zwar zu einem Niederschlage verdichtete, der aber nicht abgesondert werden konnte. Der gelbe Niederschlag löste sich in Salzsäure auf, und bildete damit salzsaures Eisen. Man hat diesen Körper für einen Stein gehalten, welches ein groſser Irrthum ist. Nur mit dem Obsidian könnte er verwechselt werden; allein schon ein geringerer Grad der Härte und Schmelzbarkeit unterscheiden ihn sattsam davon. Wir müssen ihn vielmehr als wahres Glas, durch Eisen geschwärzet, betrachten. Spätere Betrachtungen der ägyptischen Sammlung überzeugten mich jedoch, dals die Alten zuweilen, statt dieser Gläser, längliche Geschiebe genommen hahen. Aber unter der groſsen Menge der in dieser Sammlung vorhandenen Gläser befinden sich nur zwei Bei- spiele einer Ausnahme. Das eine bietet ein mergelartiger Kalkstein von hellaschgrauer Farbe, das andere ein schwarzer lydischer Stein, d. i. jaspisartiger Kieselschiefer, dar. Wahrscheinlich sind diese rohen Steine aus Mumien der ärmeren Klasse, denen man mitgab, was der Zufall gewährte. In Beziehung auf die Glasfinger ist noch bemerkenswerth: daſs bei einigen derselben durch Querschnitte selbst die Articulation der Finger angedeutet ist. 5. Blaues, alt-römisches Glas(aus Pompeji, oder den Bädern des Titus). Ich verdanke dasselbe ebenfalls der gefälligen Mittheilung des Herrn General-Lieutenants von Minutoli, der ein Bruchstückchen desselben, nebst anderen gefärbten Gläsern seiner schon älteren, bekannten Glassammlung, zu diesen Versuchen aufopferte.— Dieses Glas hat die reinste Sapphirfarbe, und bildet eine Lage auf einem hellblauen, undurchsichtigen Glas- grunde; es ist durchsichtig, und in den physischen Eigenschaften von dem Glase nicht ver- schieden.— Die Versuche wurden in der Art, wie mit dem Glase aus Theben angestellet, wobei sich Kobalt ebenfalls als färbendes Princip zu erkennen gah. 1 45 —— “ 354 6. Violettes alt-römisches Glas, aus derselben Sammlung. Es hat beinahe amethystblane Farbe, ist mit eingeschmolzenem weiſsen Email gesprenkelt, verhält sich vor dem Löthrohre, wie das violette Glas aus Memphis, und ist ebenfalls durch Braunsteinmetall gefärbt. 7. Smaragdgrünes, geflammtes alt-römisches Glas. Aus ähnlichen Ver- suchen, wie die oben und in der Note von den Farben angeführten, ergab sich Kupfer- oxyd als färbendes Princip. Aus diesen Glasflüssen und Kuben antiker Glasmosaik ergiebt sich abermals, daſs die Alten bereits die Kunst besaſsen, Gläser zu färben und künstliche Edelsteine durch Glasflisse darzustellen. Dieser Kunst erwähnen schon Plinius,*) Properz, Statius und andere Klassiker des Alterthums; besonders rühmten sich die alten Glaskünstler in Alexan- drien, diese Kunst in groſser Vollkommenheit zu besitzen. Nielleicht diente die bei Athribis gefundene Kugel dazu, die Hände abzukühlen, da die römischen Damen bereits zu diesem Behuf die krystallenen benutzten, und in Ermangelung derselben, dergleichen Kugeln von Glas aus Alexandrien kommen lieſsen, wo besonders groſser Handel damit getrieben wurde**). Ich besitze in meiner bedeutenden Sammlung von antiker Glasmosaik noch mehrere ähnliche Glaskugeln, unter welchen die eine vor wenigen Jahren unter den Trüm- mern eines Tempels des Neptuns zu Ostia ausgegraben, und eine zweite, die in Altino bei Venedig gefunden wurde, während dessen eine dritte, gegenwärtig in der Königlichen Sammlung befindlich, vor etwa 10 Jahren in Gegenwart des Herrn v. W., eines preuſsi- schen Officiers, bei dem Aufräumen eines alten Tempels zu Veji in Italien, und zwar unter dem Altar desselben, aufgefunden ward. Im Museum Vormianum*), welches von Kunstwerken aus Glas angefertigt handelt, wird eine Glaskugel von der Gröſse eines Hühnereies erwähnt, welche mit bunten Glasfäden, ohne Ordnung durcheinander geworfen, angefüllt war, die, durch die durchsichtige Oberfläche durchleuchtend, dem Auge einen angenchmen Anblick gewährte u. s. w. Einige dieser Glaskugeln bestehen aus einer weiſsen, andere aus einer sapphirblauen Glasmasse, in welcher nach der Oberfläche zu sich Blu- men, Kamillen gleich, Bänder und wie Kannetillen gewundene zarte weiſse Gewinde, zu- weilen auch Gold befinden. Wie kostbar sonst ähnliche Glasgefäſse des Alterthums seyn muſsten, geht unter andern aus dem Vopiscus †) bei Erwähnung eines Briefes des *) Plinias, L. XXTVII. cap. 26.:„adulterantur oitro simillime; sed cote deprehenduntur, Sicut aliae gemmae faclitiae.“ Desgl. L. XXXII. cap. 6. 7. und 8., und Galloti Museum odescalc. praef. §. 20. cap. 22. *) M. s. Historia oitri von Hamberger in Commentariis. Gott. T. II.. p. 132. Properz II. 18. 60.: Manibus dura frigus habere pilas, mit Anmerkungen von Burmann. Plintus 37. 2. Anmerk, von Beck- mann über Marbodi Liber Lapidum(Götting. 1799.) S. 41. 71. Properz. IV. 3. 52. **) Amsterdam 1655 in Folio, cap. VII. S. 362. †+) Briefe des Adrians beim Vopiscus im Saturninus. Plinius. Lib. XII. 2. 19. Vopiscus im Aurelianus, Trebellius im Claudius, Martial. Lib. XI. epig. 115. u. Lib. XII. pig. 75. — 3———————— ————— —. 1 4— —n““——————ͤ 355 Kaisers Adrian an dessen Schwager, den Konsul Servianus, hervor; denn mit diesem Schreiben begleitet der Kaiser gläserne Trinkgefäſse, die er von einem Priester eines berühmten ägyptischen Tempels erhalten haben will, und verlangt, daſs der Konsul von diesen Gefälsen einige des Kaisers Schwester geben, der übrigen aber nur bei groſsen Gelagen und Festen sich bedienen soll. Wenn dieser Umstand und die Anführung an- derer alten Klassiker, nicht bereits für die Anfertigung so kostbarer Gläser in Aegypten sprächen, so würden die vielen von mir dort geschenen, hier in einigen Exemplaren mit- getheilten*) und theils zahlreich mitgebrachten farbigen Gläser und Glasmosaiken, unter welchen sich eine ganz roth, schwarz und weils gestreifte Vase befindet, hinreichend dafür bürgen. Ich könnte noch manche Stelle aus Schriftstellern der Alten anführen, wodurch das Daseyn künstlicher Glasfabrikate im Alterthume beurkundet wird, wenn dies nicht durch den Umstand überflüssig würde, daſs man gefärbte Glaspasten, Korallen und Perlen den Mumien beigesellte, und solche damit netzartig überspann;(wie dies aus den beiden mit- gebrachten hier beschriebenen Mumien hervorgeht**),) und sie den Gefälsen in alten Grab- hügeln oft beigesellt findet. Eben so werden noch täglich antike Abdrücke von Kameen*) und Ueberbleibsel musivischer Arbeiten, wozu man sich des gefärbten und selbst des ver- goldeten Glases zu bedienen pflegte †), vorgefunden. Ich besitze noch eine bedeutende Anzahl ähnlicher gefärbter Glasstücke und Pastilien, unter welchen sich künstliche Sapphire, Chrysolithglas, grauer, blauer und grüner, oliven- und milchfarbiger Opal, beryllfarbiges und auf beiden Flächen roth eingebranntes Glas aus Herkulanum; ferner beryllfarbiges Glas mit eingeschlossenem Silber aus den Bädern des Titus zu Rom, und Flüsse von verschiedenen Farben befinden, die theils in den Bädern des Nero zu Rom, und zu Bajä in Italien, theils am Ufer des adriatischen Mee- res und des Golfs bei Neapel; viele Korallen aus Glasmosaik, die theils in Urnen in Preuſsen, weiblichem Supellex beigesellt, und einige, die vor mehreren Jahren auf der Insel Bornholm in einem alten Grabe gefunden wurden und Theile eines Halsban- des bildeten. Das oben Angeführte reicht hoffentlich hin, jeden Leser zu überzeugen, daſs das Alterthum gefärbte künstliche Glasflüsse wirklich besaſs, und daſs kein Zweifel gegen die Aechtheit solcher Kunstprodukte angeregt werden darf. Man kann mir zwar die Frage aufwerfen:„Wie kamen dergleichen künstliche Glasflüsse nach dem hohen Norden?“ worauf ich erwiedere: durch den Karavanenhandel zwischen dem Süden und dem Norden, *) Tafel XI. Fig. 6. 7. 9. 10. II. 12. sind einige dieser Glasmosaiken abgebildet worden. **) Man sche Tuaßel XLXIZIIII. re) Buonaroti. Osservaz. istor. sopra alcuni medagl. praf. p. 16. †) So waren etwa die Decken der Bäder des Etruscus, nach Statius.&ilo. Lib. 1, V.. 42. beschaffen: „Eßfulgent camerae, dario Fastigia vitro In sↄpecies animosque nitent.“— 45* 356 von welchem man Spuren in den alten Klassikern findet, und auf demselben Wege, auf welchem so manche Kunstprodukte, Münzen der Kalifen und der byzantinisch-griechischen Kaiser dorthin gelangten*). Es ist zwar wahr, daſs man in neuern Zeiten dergleichen Glas- mosaik in Italien, und besonders in Venedig und Rom und selbst in Deutschland, wie dies am Rhein zur Zeit des letztverstorbenen Churfürsten von Cöln durch einen Italiener geschehen seyn soll, nachgeahmt hat und noch nachahmt; allein diese neuere Arbeit, die man in Italien mit dem Namen von Millefiori, und auf Sicilien fiori di St. Gen- naro, auch Vasca fiori belegt, und von welcher man Kugeln, Stockknöpfe, Platten zu Dosen, Messerhefte u. dergl. Dinge mehr findet, sind viel unvollkommener als die alte Arbeit in dieser Art. In Venedig, das so berühmt durch seine Glasarbeiten ward, und noch ist, konnte ich auſser einigen, den alten in der Vollkommenheit ziemlich nahe kom- menden Korallen, nichts Aehnliches erhalten, und einige in einer groſsen Kunstsammlung befindlichen Kugeln stammten aus dem alten Altinum her, wo sie, andern Alterthümern beigesellt, aufgefunden worden waren; und es blieben selbst alle Versuche, die einer der geschicktesten dortigen Fabrikanten zur Anfertigung einer Mosaikglaskugel, wie die in Aegypten gefundene, die ich ihm zu diesem Behufe mittheilte, anstellte, fruchtlos. Auffallend ist es, daſs dieser seltenen Kunstprodukte in den ältern Werken über Alterthümer keiner Erwähnung geschieht. Erklärlich ist mir diese Erscheinung nur dann, wenn ich annehme, dals die wenigen bis jetzt vorhandenen, oder Kennern zu Gesichte gekommenen Probestücke erst in der letzten Hälfte des 18ten Jahrhunderts in Europa bekannt geworden sind, oder daſs sich noch ähnliche Exemplare, als Prunkstücke, unbe- achtet in den Kunstsammlungen befinden, weil die Aufmerksamkeit zu weni Antiquität hingelenkt worden ist. Unter den neuern antiquarischen Schriſtstellern scheint Graf Caylus der erste zu seyn, der, in seinem Werke**) über Alterthümer, von dieser merkwürdigen Art von g auf diese Mosaik eine mit Zeichnung nothdürftig begleitete Nachricht ertheilt. Eine genauere Be- schreibung verdanken wir schon dem berühmten Winkelmann, der in seinen Anmer- kungen über die Geschichte der Kunst des Alterthums, über zwei Exemplare dieser Art von Arbeit, unter der Benennung: Gemälde aus Glasröhren, Seite 5. u. s. w. Folgendes sagt:„Es verdient hier insbesondere der Arbeit der Alten in Glas ge- „dacht zu werden, welche in der Geschichte der Kunst nicht berührt ist, und dieses um „sSo viel mehr, da die Alten weit mehr, als wir, die Glaskunst betriebeu haben, welches *) Vielleicht führte der Bernsteinhandel kühne Handelsleute nach der Ostsceküste, denn daſs dieses kost- bare Produkt der baltischen Küste übrigens den Alten schon vor Christi Geburt bekannt war, gcht aus dem Plato, Aristoteles und Herodot, wie auch aus dem Pytheas hervor. Doch giebt uns kein Schriftsteller hierüber bestimmte Aufschlüsse; denn Strabo, Plinius, Mela und Tacitus sind in ihrer Bekanntschaft mit der baltischen Käste etwas dunkel. Römische Münzen wurden zu verschiedenen Zeiten in den Marken und Pommern, und arabisch-kuſische in denselben Provinzen, in Preufsen und Sehweden aufgefunden. So 2. B. im Jahre 1769 bei Frankfurth an der Oder ein Gefäfs, worin etwa 1 ½ k. sich beſanden, und im Jahre 1722 bei Danzig ein Numus Dirhem aus dem Jahre 127 der Hedschira. *) Racueil d'Antigquités etc. Paris 1761. Tom. I. pag. 293— 310., Manière de faire la mosaigue en erne. —— 4——— 357 „dem, der ihre Werke in dieser Art nicht gesehen hat, ein ungegründetes Vorgeben seyn „könnte.“— Nachdem er hierauf eines in der farnesischen Insel entdeckten, aus Glas- tafeln von grünem Glase bestehenden Fuſsbodens nebst Scherben von Glasschalen, die auf dem Drehstuhle gearbeitet seyn müssen, erwähnt hat, fährt er folgendermaſsen fort: „Bis zur Verwunderung aber geht die Kunst in zwei kleinen Stücken von Glas, die im „verwichenen Jahre(d. h. im Jahre 1765) in Rom zum Vorschein gekommen sind. Beide „Stücke haben nicht völlig einen Zoll in der Länge, und ein Drittheil desselben in der „Breite. Auf dem einen erscheint in einem dunkel- aber vielfarbigen Grunde ein Vogel, „welcher eine Ente von verschiedenen sehr lebhaften Farben, mehr aber im sinesischen „willkührlichen Geschmack, als der Natur gemäſs, vorstellt. Der Umriſs ist sicher und „Scharf, die Farben sind schön und rein, und von sehr lebhafter Wirkung, weil der „Künstler, nach Erforderung der Stellen, bald durchsichtiges, bald undurchsichtiges Glas „gebraucht hat. Der feinste Pinsel eines Miniaturmalers hätte den Zirkel eines Augapkfels „sowohl, als die scheinbaren schuppigen Federn an der Brust und den Flügeln, hinter „deren Anfange dieses Stück abgebrochen war, nicht genauer und unverworrener aus- „drücken können. Die gröſste Verwunderung aber erweckt dieses Stück, wenn man auf „der umgekehrten Seite desselben eben diesen Vogel erblickt, ohne in dem geringsten „Pünkitchen einigen Unterschied wahrzunehmen, da man folglich schlieſsen mülſste, daſs „dieses Bild durch die ganze Dicke des Stücks fortgesetzt sey, und da, wo man dasselbe „auch durchschneiden würde, dieselbe Ente wiederholt finden könnte, welches die beob- „achteten durchsichtigen Stellen einiger schönen Farben an dem Auge und der Brust „noch mehr bestätigen. Die Malerei erscheint auf beiden Seiten körnicht, und aus ein- „zelnen Stücken nach Art musivischer Arbeiten, aber so genau zusammengesetzt, daſs „auch ein scharfes Vergröſserungsglas keine Fugen darin entdecken könnte. Dieser Um- „stand, und das durch das ganze Stück forigesetzte Gemälde, machten es unendlich „schwer, sich sogleich einen Begriff von der Bewerkstelligung einer solchen Arbeit zu „machen, welches auch vielleicht noch lange Zeit ein Räthsel geblieben wäre, wenn man „nicht da, wo dieses Stück abgebrochen ist, an dem Durchschnitte desselben die, die „ganze Dicke durchlaufenden Stücke von eben derselben Farbe, als die so auf der obern „Fläche erscheinen, entdeckt hätte, und daraus schlieſsen könnte, daſs diese Malerei von „verschiedenen gefärbten Glasfäden aneinander gesetzt und nachher im Feuer zusammen „geschmelzt sey.— Das zweite Stück ist ungefähr von derselben Gröſse, und auf eben „diese Weise verfertigt. Es sind auf demselben Zierrathen von grünen, weiſsen und „gelben Farben, auf blauem Grunde vorgestellt, die aus Schnörkeln, Perlenschnüren und „Blümchen bestehen und sich auf pyramidalisch aneinander laufenden Zügen berühren. Alles „dieses ist sehr deutlich und unverworren, aber so unendlich klein, daſs auch ein scharfes „Auge Mühe hat, den feinsten Endungen, in welche sich sonderlich die Schnörkel ver- „lieren, nachzufolgen; und dessen ungeachtet sind alle diese Zierrathen ununterbrochen „durch die ganze Dicke des Stücks fortgesetzt.“— Dieser hier beschriebenen Glaspaste gedenkt auch Sulzer in seiner Theorie der schönen Künste, unter der Rubrik: Mosaisch. Da er solche bei ihrem damaligen 358 Besitzer Casanova in Dresden gesehen hat, so bestätigt er als Augenzeuge Winkel- manns Beschreibung derselben, und nennt sie:„ein Ueberbleibsel des Alter- „thums, welches eine aufs höchste gestiegene Kunst anzeige.“— Nach Winkelmann soll sich eine ähnliche Glaspaste in der Sammlung des Ritter Hamilton zu Neapel befunden haben. Sie war stabähnlich, etwa von der Länge einer Palme, das Acuſsere blau, und das Innere stellte eine Art Rose vor, die sich gleichsam in langen Fäden durch den ganzen Stab zog. Auch Herr Townley in London zählte unter die merkwürdigsten Seltenheiten seines berühmten Kabinets der Alterthümer einen Ringstein von gleicher antiker Glaspaste, mit der Figur eines Vogels, von einer solchen Feinheit und Zeichnung, daſs solche nur ver- mittelst eines Vergröſserungsglases deutlich zu sehen ist. Und endlich befindet sich in der Sammlung des Cardinals Borgia(sonst zu Velletri, jetzt in Neapel) ein Stückchen solcher Mosaik, das aus einer schwarzen Masse, mit regelmäſsig eingelassenen gelben und plauen Blümchen, besteht, so wie etwa eins unserer Kattunmuster beschaffen ist. Dieses Stück wurde ebenfalls in einem alten Grabmale in Italien, Thränen- und andern Gefäſsen beigesellt, gefunden. Aehnliche Glasmosaiken, die in Pompeji aufgefunden worden sind, sah ich in dem Museo degli studj zu Neapel, und erstand im Jahre 1822 selbst mehrere dergleichen in Rom aufgegrabene Bruchstücke. Nächstdem befinden sich noch in der Königlichen Sammlung zu Berlin, aufser der oben erwähnten bei Veji gefundenen Glaskugel, noch mehrere, ehemals dem Obermedicinalrath Klaproth angchörige Stücke, die theils aus der Brückmannschen Sammlung in Braunschweig, aus einer belegten Stichplatte eines Degens aus dem Garde meuble der Könige von Frankreich, aus einigen Berlocken und einem Schwert-, Dolch- oder Messerhefte bestehen, welches letzte in den Steingeschieben der Piave gefunden, und vom chemaligen Besitzer, Graf Collalto in Treviso, jenem Gelehrten geschenkt ward. Auſser dem hier Angeführten und der Abhandlung des seligen Obermedicinalraths Klaproth: Ueber antike Glaspasten, welche derselbe am 4ten Oktober 1798 in der Königl. Akademie der Wissenschaften vorlas, und die in deren Denkwürdigkeiten abgedruckt ist, ist mir bis jetzt nichts Schriftliches über diese Glasbereitung der Alten vorgekommen; denn das Werk des Herrn Geheimen Legationsrathes Bartholdy, der über einen ähnlichen Gegenstand schreiben wollte, oder vielmehr wahrscheinlich schon geschrie- ben hat, ist mir bis jetzt nicht zu Gesichte gekommen. Dies ist der Grund, warum ich bei der Anführung einiger aus Aegypten mitgebrachten alten Glaspasten, diese so merk- würdige Antiquität wieder in Anregung bringe, und vielleicht breiter, als es hätte geschehen sollen. Ich stellte jedoch hierüber nur das zusammen, was ich durch Autopsie und Hören- sagen über diesen Gegenstand, und zwar über den jedesmaligen Ort der Auffindung und den muthmaſslichen der Anfertigung jener Kunstprodukte, auszumitteln vermochte; gestehe es gerne ein, meinen Gegenstand nicht erschöpft zu haben, und bitte, diesen Aufsatz daher nur als einen Versuch, oder vielmehr als einen bloſsen Fingerzeig zu beachten, der viel- leicht sachkundigere Männer zu näherer Erörterung des Gegenstandes anregen dürfte. ———— 8—yyy—— 3““ 359 Alle Nachrichten, die ich seit mehreren Jahren über diese musivischen Glaspasten einzog, waren äuſserst schwankend, und beruheten gröſstentheils auf bloſsen Vermuthungen und Ueberlieferungen. So behaupteten einige, man fände sie in afrikanischen Gräbern, während andere sie für Produkte der Phönizier erklärten; und der selige Leibarzt Brück- mann in Braunschweig, aus dessen Kunstsammlung ich fünf, und der verewigte Oberme- dicinalrath Klaproth vier Stücke(die oben erwähnten, in der Königl. Sammlung befind- lichen) solcher Pasten erhielt, sie für die Bestandtheile eines Scepters ausgab, der sich in den Händen eines afrikanischen Fürsten befunden habe. Der Bischof Münter, der einige dieser Glaspasten bei dem seligen Klaproth in Berlin gesehen hatte, urtheilte darüber in einem an diesen gerichteten Schreiben, vom Sten Oktober 1808, folgendermaſsen:„Ich erinnere mich, bei Ihnen in Berlin sehr „künstlich zusammengesetzte Stücke von buntem Glase geschen zu haben; weiſs aber nicht, „ob ich Ihnen bei dieser Gelegenheit erzählte, daſs man in Guinea zuweilen alte Gräber „findet, in welchen dergleichen Glaskorallen angetroffen werden. Die jetzigen Neger ken- „nen weder die Composition, noch das Naterland dieser Korallen, setzen sie aber an „Kostbarkeit über das Gold. Ich habe nur eine zu Gesichte bekommen können; sie schien „mir aber mehr porzellan- als glasartig zu seyn. Vielleicht sind das Ueberbleibsel des „Negerhandels aus den ältesten Zeiten.“— Allerdings können diese Korallen durch den Karavanenhandel, der, nach der schrift- lichen Ueberlieferung, seit unendlicher Zeit her zwischen Aethiopien und den nordöstlichen Regionen getrieben wurde, dorthin vielleicht von Aegypten oder aus Syrien und Persien, vielleicht selbst(wenn man der Sage, daſs die alten Aegypter auf der südöstlichen Küste von Afrika bis nach Madagascar hin geschifft haben sollen) scewärts dorthin gekommen seyn. Hiernächst lieſse es sich alsdann auch erklären, wie die metallenen Ringe, die Herr Professor Lichtenstein bei den Kaffern fand, und die, einer damit durch Klaproth angestellten Analyse zu Folge, mit dem so bekannten aes corinchiacum vollkommen über- einstimmend sind, diesem Volke in die Hände gekommen wären. Vielleicht sind aber auch die von Münter erwähnten Korallen nur neuere venezianische Kunstprodukte, deren seit undenklichen Jahren eine groſse Anzahl nach Aegypten und der Küste der Barbarei gebracht, und von hier aus durch die Jellabs weiter in das Innere von Afrika translocirt werden; wie ich dann deren selbst auf meiner Reise nach Ober-Aegypten, unter das hier- nach sehr begierige Frauenzimmer vertheilte. Die meisten der in Venedig angefertigten mehrfarbigen Glaskorallen, haben einen porzellanartigen Gehalt, der wahrscheinlich aus dem, der Fritte bei der Anfertigung beigemischten, Metallkalk herrühren mag. Wahrscheinlich wurden dergleichen farbige Gläser und Glasmosaiken auch in Indien angefertigt; denn so versicherte mich ein im Jahre 1816 in Berlin anwesender Cavalier aus Madras, eine ähnliche Glaskugel wie die meinigen, die ein reicher Nabob in Gold gefaſst zum Geschenk erhalten hatte, in seinem Vaterlande gesehen zu haben; und endlich der in demselben Jahre hier anwesende indische Gaukler, der mich mehrere Male besuchte und jene Glasmosaik bei mir sah, daſs man dergleichen in Indostan, besonders aber im Lande der Maratten, nebst andern Kostbarkeiten ausgrabe, und als groſse Seltenheit 360 aufbewahre, indem dieselben seiner Aussage nach aus dem höchsten Alterthum herstammen und gegenwärtig nicht mehr angefertigt werden können. Ich besitze ferner einen Knopf von dieser Mosaik, der aus China kömmt, eine kleine angeschliffene Platte, die in der Sammlung der Propaganda zu Rom lauter indischen Gegenständen beigelegt, und eine Kugel, wie die oben angeführte, die in einem groſsen Museum ebenfalls nur indischen Merkwürdigkeiten beigesellt worden war. Es dürfte hier- nach um so weniger befremden, in jenem Lande ähnliche Gläser angefertigt zu schen, als uns schon Plinius*) erzählt, daſs man in Indostan überaus schönes Glas verfertigte, indem die Indier dasselbe aus zerschlagenem Krystall bereiteten. So verfertigt man noch heutigen Tages, nach Chardin"), in Persien sehr schöne Glaswaaren und köstliche, mit Blumen und Arabesken verzierte Emailtafeln, zu deren Bereitung man sich des Glases und der Kiesel bedient. Aus allem diesen scheint nun hervorzugehen, daſs man vielleicht in mehreren Ländern gleichzeitig jene Kunst in hoher Vollkommenheit ausübte; in welchem Lande aber zuerst es seine Vollkommenheit erreichte, ist noch auszumitteln, ungeachtet mehrere von mir in Acgypten vorgefundene Idole und der abgebildete Vogel Phönix aus farbigen zusammen- gesetzten Glasmassen, ihrem Charakter nach, für ein hohes Alterthum sprechen. Dies ist alles, was ich über die dargestellten und erwähnten Kunstwerke zu sagen weils, und ich fordere daher nochmals einen jeden Alterthumsfreund auf, diese Bruch- stücke durch seine Beobachtungen zu ergänzen. Der selige Obermedicinalrath Klaproth hat mehrere, ihm in die Hände gekommene Probestücke von antiken Glaspasten, die in den Trümmern der vom Kaiser Tiberius auf der Insel Capri erbauten Villa vorgefunden wurden, der chemischen Analyse vorzüg- lich aus der Absicht unterworfen, um daraus zu entnehmen, welches Metallstoffes sich die Alten zur Färbung dieser verschiedenen Glasmassen bedient haben. Diese interessante Analyse ist ebenfalls in den Denkwürdigkeiten der Akademie abgedruckt, weswegen ich die Leser, welche sie gerne kennen lernen wollen, darauf verweise. Einige ver- schiedenfarbige Bruchstücke ähnlichen antiken Glases theilte ich Herrn Klaproth zur Erneuerung der chemischen Zergliederung mit; allein da sie mit jenen gleiche Resultate lieferten, so halte ich ihre Mittheilung hier für überflüssig; dagegen liefere ich hier das Resultat des mit einer durchsichtigen ungefärbten Glasmasse, in welcher die bunten Glas- körperchen eingeschlossen waren, und die ich ihm aus meiner Sammlung einhändigte, an- gestellten Versuche als bisher unbekannt mit: „Das eigenthümliche Gewicht dieser von meiner Masse abgeschnittenen Glassplitter betrug 2,610: 1, 000. Auf der Kohle vor dem Löthrohre rundeten sie sich zu rauchgrau gefärbten Glasperlen. *) Lib. XXTVI. cap. 66.,„Auetores sunt, in India e crystallo fracta fieri, et ob id nullum comparari indico.““ *) Theil III. S. 250.:„Les bouteilles sont de cristal, et fagonndées les unes d pointe de diuamant et les autres à ³audrons, les autres peintes. cf. Theil II. S. 81. — — ö 361 Die übrigen Glassplitter wurden in der Feuersteinschale mit Wasser fein gerieben. An einem mit dem feuchten Glaspulver bestrichenen Streifen des gerötheten Lackmus- papiers wurde die blaue Farbe wieder hergestellt. Auf diese Anzeige wurde das Glas- pulver mit destillirtem Wasser stark ausgekocht; das durchs Filtrum wieder geschiedene Wasser in der Wärme verdampft, hinterlieſs eine alkalische Salzrinde, welche, nachdem sie mit wenigem Wasser aufgelöst worden, dadurch, daſs sie mit Platinauflösung einen verhältnifsmäſsig häufigen Niederschlag des gelbrothen dreifachen Platinsalzes bildete, sich als Kali ankündigte. Das Giaspulver wurde hierauf mit Natrumlauge eingedickt, und geglüht. Nachdem die Masse wieder mit Wasser erweicht worden, wurde sie mit Salpetersäure übersättigt, und zur mäſsigen Trockne eingedickt. Nachdem die Masse wieder aufgelöst, und die Kieselerde geschieden worden, zeigte die filtrirte Flüssigkeit bei ihrer Prüfung einen bedeu- tenden Bleigehalt an. Diese Analyse hat demnach, wider Vermuthen, Kali und Bleioxyd als Bestand- theile dieser Glasmasse finden lassen; ein Umstand, welcher Zweifel an ein hohes Alter derselben erregen könnte, wenn nicht Gründe berechtigten, sie als Kunstprodukte aus frühern Zeiten zu betrachten.“ 46 362 VI. Gemälde des ägyptischen Handels, nach authentischen Quellen. Wenige Länder der Erde sind für den Handel von der Natur so begünstigt, als Aegypten; wir betrachten denselben hier besonders in sofern er auf dem mittelländischen Meere, sowohl mit Europa, als mit den türkischen Provinzen geführt wird. Auch bei dieser Beschränkung darf man indeſs den Landhandel nicht aus dem Auge verlieren. Die Ausfuhr Aegyptens besteht nur zum Theil aus inländischen Erzeugnissen, andere Gegen- stände derselben liefert das innere Afrika, Arabien und Indien; eben so wird auch die Einfuhr nur zum Theil im Lande verbraucht, vieles geht aus Aegypten wieder nach den genannten Ländern und dem übrigen Orient. Die Berechnung bei Kauf und Verkauf geschicht nicht nach wirklichen, sondern nach eingebildeten Münzen. Der Fondoucli beträgt 146 Para, der Mahboub 120 Para, der Patak 90 Para, der Pezzo 60 Para, der Piaster 40 Para. Die wirklichen Münzen haben jetzt(December 1820) folgenden Werth: Eine spanische Dublone oder Quadrupel.. 175 ägyptische Piaster. Der Mahmudie von Constantinopel.... 40—— Ein venezianischer Ducaten....... 25—— Ein holländischer Ducaten...... 24 ½—— Ein Fondoucli von Constantinopel.... 17 ½—— Ein Mahboub von Constantinopel..... 13—— Ein Mahboub von Cairo........ 11 ½—— Ein Theresien-Thaler oder spanischer Piaster 12—— Ein Juzlak von Constantinopel. 64—— Ein Bechlik von Constantinopel..... 8—— Ein Ekilik von Constantinopel 5—— Die gebräuchlichen Gewichte sind: der Zentner, der nach den Waaren sehr ver- schieden berechnet wird; die Ocke, welche 400 Drachmen, und der Rottel, welcher 144 Drachmen beträgt. Ausfuhr. Alles Getreide: Weizen, Bohnen, türkisches Korn, Gerste, Erbsen, Linsen und Reis, ist Eigenthum der Landesregierung, welche es Privatunternehmern ablälst oder für 363 eigne Rechnung verschifft. Vorräthe und Preise richten sich nach dem Ertrage und dem Absatz. Die Baumwolle ist ebenfalls in den Händen der Regierung, die sie verkauft oder verschifft. Der Ertrag beläuft sich auf 60,000 Zentner, 25,000 gehn nach Europa. Der Zentner roher Baumwolle von 123 Rottel gilt 90 Piaster. Ein Theil wird in Aegypten gesponnen, und auch das Garn gehört der Regierung. Die Wolle, deren Ertrag im Innern 8000 Zentner von 44 Ocken bringt, wird ver- pachtet, und gänzlich im Lande verbraucht. Die alexandrinische Wolle, gleichfalls ver- pachtet, giebt etwa 500 Zentner von 78 Ocken. Die Hälfte geht nach Europa, Dreis 50 Patak.— Flachs, von verschiedener Güte, wird fast ganz von der Regierung für eigne Rech- nung verschifft; c. 20,000 Zentner gehn nach Europa, Preis 30 bis 150 Patak. Der in ganz Aegypten gewonnene Flachs wird auf 150,000 Zentner geschätzt. Leinsaamen wird meist im Lande verbraucht, Preis 11 Patak; von der Regierung für das Ausland verkauft, gilt der Ardeb von Alexandrien 80 Piaster; etwa 15,000 gehn nach Europa. Datteln von verschiedener Güte werden in groſsem Ueberfluſs gewonnen, der Zent- ner von 125 Rottel gilt 10 bis 15 Patak; etwa 2500 Zentner gehn nach Europa. Kameel-, Büffel- und Ochsenhäute gehören der Regierung, etwa 20,000 der letzteren werden nach Europa ausgeführt. Henné, Cassia und Sennesblätter sind verpachtet; letztere kommen theils von Assuan, theils aus Arabien. Der Zeniner von 110 Rottel kostet, nach der Güte, 100 bis 400 Patak; ganz schlechte Waare nur 30. Saffran wird von der Regierung ausgeführt, desgleichen Helbé; jener geht meist nach Europa, aber der Saame wird im Lande verbraucht. Natrum ist ebenfalls in den Händen der Regierung, die Ocke gilt 9 Para. Opium, der beste wird zu Tata bei Sicut gewonnen. Salpeter wird bloſs nach Constantinopel verschifft, die Fabrikation und Ausfuhr des- selben gehört dem Pascha. Die Fabrikation des Salmiaks ist verpachtet; der Zentner von 200 Rottel kostet 355 Patak. Packleinewand wird für Rechnung der Regierung fabrizirt, das doppelte Stück gilt 8 bis 13 Piaster. Die Produktion des Zuckers in Ober-Aegypten wird auf 70,000 Zeniner geschätzt; die Fabrikation desselben ist ausschliefslich in den Händen der Regierung. Der Zentner Rohzucker, Kham genannt, von 105 Rottel, wird zu 25 Patak verkauft; brauner Zucker, Khauamé, zu 28 bis 45, weiſser Zucker, Kasr, der Zentner von 103 Rottel zu 90 Patak. Die Ausfuhr des rohen Zuckers nach Europa soll 20,000 Zentner betragen.(Man sehe Kap. XI. p. 240.) Tabak wird in Ober-Aegypten gebaut, aber bis jetzt bloſs im Lande verbraucht; man schätzt den Ertrag auf 40,000 Zentner zu 44 Ocken. Der Zeniner gilt 15 bis 20 Patak. 46* 364 Zu diesen inländischen Waaren kommen zunächst die des inneren Afrika. Der Elfenbeinhandel ist verpachtet, der Zentner von 110 Rottel gilt 450 Fondoucli. Straufsfedern kommen aus Darfour, Sennaar und Arabien; die Preise sind nach der Schönheit und der vorhandenen Menge sehr verschieden. Tamarinden aus Darfour und Sennaar, der Zentner von 110 Rottel kostet 45 bis 50 Patak. Gummi Embdawi aus Jembo, c. 150 Zentner von 150 Rottel. Gummi arabicum aus Sennaar, c. 2000 Zentner. Gummi Turik c. 200 Zentner. Aus Arabien kommen jährlich 60 bis 80,000 Zentner Kaffee, und machen einen bedeutenden Zweig des ägyptischen Handels; etwa 3000 gehn nach Europa. Der Zentner des besten Mokha-Kaffees von 108 Rottel kostet 34 bis 35 spanische Thaler, und wird diese Waare bloſs gegen Zahlung in Species verkauft. Aloe, Balsam, Gummi, Weihrauch, Schildpatt und Perlmutter, kommen ebenfalls aus Arabien und vom rothen Meer. Die Ausfuhr dieser Artikel nach Europa ist bedeutend, aber noch beträchtlicher der Verbrauch im Lande und die Verschiffung nach türkischen Häfen. Zahlung in Speciesthalern. Der indische Handel liefert kosthare Zeuge, Seiden- und Goldstoffe, Mous- seline, Baumwollenwaaren u. s. w.; nach Europa werden diese von Aegypten aus nicht verschifft. Viele indische Gewürze dagegen bezieht man aus den östlicheren Häfen des Mittelmeers mit Vortheil über Aegypten, ausgenommen Pfeffer und Gewürznel- ken, die zum Theil von Europa aus eingeführt werden. Sandel- und Alocholz, so wie einige andere Artikel, gehen ausschlieſslich nach der Levante. Einfuhr aus Europa. Im Allgemeinen sind folgende Artikel von beständigem Bedarf und sicherem Absatz: Alaun; gelber und weiſser Arsenik; Angeln von verschiedener Gattung; Schiffs- anker; Bleierz zum Grünglasiren der Töpferwaaren; Bernstein(der weiſse wird vor- gezogen, besonders zur Ausfuhr nach Arabien, der durchsichtige steht indeſs ebenfalls hoch im Preise); Bauholz aller Art, Dielen, Balken und Masten aus Fiume, Venedig u. s. w.; englisches und spanisches Blei; englisches und holländisches Blech. Baumwollenwaaren: Cambriks, Callicos, Indiennen und Mousseline von englischer Fabrik, geblümt, gewürfelt, gestreift und in allen lebhaften Farben; den indischen nach- geahmte Zeuge: Taklid, Schaal und Bokja, theils aus England, theils aus der Schweiz.— Der Verbrauch in allen diesen Artikeln ist unermeſslich. Bloſs an Mousselinen zu Turban- tüchern rechnet man den jährlichen Bedarf auf 1,000,000 Stücke, jedes 10 Ellen lang, zum Preise von 18 bis 55 Piaster. Ein schöner Turban gehört zu dem unentbehr- lichen Luxus der Rechtgläubigen. Viele europäische Baumwollenwaaren gehn auch aus Aegypten nach dem innern Afrika. China; Castanien; Cochenille für die Fabriken der Regierung; trockene Con- fitüren; ächte Corallen in Stücken und Schnüren. “ 1 2 — 365 Russisches und schwedisches Eisen, englisches findet blols Absatz, wenn die ersten Gattungen fehlen; Eisendrath von verschiedenen Gattungen: Ardea, Passaperla, Coltel- lini u. s. w.; Feilen, drei- und viereckige, besonders geschätzt sind die aus der Fabrik von Andreas Raat, mit einem Kreuz bezeichnet; Feuergewehre und Flinten- schlösser, nach der Kostbarkeit von sehr verschiedenen Preisen; Feuerbecken mit und ohne Stiele; Farbehölzer(Kampeche und Fernambouk); Fayance, Teller, Schüsseln, Tassen u. s. w. aus Frankreich, England, Deutschland, Venedig und ande- ren Orten. Böhmisches Glas und Glaswaaren, ein sehr bedeutender Artikel, so wie die Glaskorallen, letztere groſsentheils für den Handel mit dem inneren Afrika, zu welchem Zweck sie von bestimmten Farben und Formen seyn müssen. Die meisten kommen aus Italien; gewisse Sorten, ³ blau 4 weils, aus Holland. Das Detail ist hier unermeſslich. Gewürznelken; Galmey und Grünspan in Broden; goldne und silberne Galo- nen; Jalappe; Kupfer, man zieht gebrauchtes vor, das meist aus der Türkei einge- führt wird; gemalte porzellanene Kaffeetassen von orientalischer Form(Finjanes); Liqueure, die bloſs von den Wein- und Branntweinpächtern gekauft werden dürfen; Laternen; Leim; Mandeln mit und ohne Schalen; Manna; rothe Mützen aus Deutschland, Toskana, Genua und Frankreich; deutsche und holländische Messer, besonders viele aus Steiermark; deutsche Säbelklingen in Kisten zu 200 Stück, beson- ders für das innere Afrika; Mennig; Messing und Messingdrath, letzterer auch vergoldet und versilbert; geschlagenes Metall in Blechen und Blättern; viereckige ge- schliffene Marmorplatten zu Fuſsböden. Eiserne Nägel; Nägel mit messingenen und vergoldeten Köpfen; Nähnadeln und Schleiernadeln; Olivenöl in Flaschen; Quecksilber; Quincailleriewaaren aus Deutschland, Frankreich und England, ein sehr umfassender Artikel über den ins Detail zu gehen, ohne Voraussetzung von Lokalkenntnissen, unmöglich ist; Opium; Pfeffer; Rasirmesser. Schreibpapier von bestimmten Formen und Zeichen, mit drei Monden, drei Hü- then u. s. w., der Verbrauch ist sehr beträchtlich, die beliebtesten, sehr schönen Sorten kommen aus Venedig, Livorno, Genua und Frankreich; ferner Goldpapier, einfach und geblümt u. s. w.; Sassaparille; Süfsholz und Lakritz ensaft, kommt meist aus Palästina und der Türkei; Seife aus Syrien und Candia, letztere wird bloſs in Alexan- drien und der Umgegend gebraucht, die syrische übertrifft alle anderen an Güte; feine Syrupe von verschiedenen Gattungen; Schwefel; Spica celtica. Seidenzeuge, ein sehr umfassender Artikel, besonders schwere lyoner, florenti- nische, genuesische und venetianische Stoffe, Sammt, Damast, Atlas und Tafft, mit Gold, geblümt u. s. w., Gaze mit Gold, bunter Flor aus Bologna u. s. w. Stahl und Stahlwaaren; Scheeren; Spielkarten, die mit zwei Köpfen sind die beliebtesten; Spiegel, besonders kleine deutsche in Goldpapier, mit Schiebkasten, mit Email auf Messing und Blech u. s. w., viele gehn nach dem Innern; rother Tartre aus Marseille; Uhren von den schlechtesten bis zu den kostbarsten Gattungen mit Repe- rrr * . „5o..“ 366 tition und Musik, zu 30 bis 2000 Piaster das Stück(bei diesem Artikel ist Vorsicht nöthig, da die Einfuhr gewöhnlich die Nachfrage übersteigt). Wollene Zeuge und Tücher aus Deutschland, England und Frankreich, Ma- bonbs, Londrins, Schalongs u. s. w., der Verbrauch dieser Artikel, der sonst höchst bedeutend war, hat sehr abgenommen, scitdem die glänzenden Uniformen der Mamelucken, rothe Pantalons u. s. w. nicht mehr üblich sind. Der Bedarf an Tüchern aller Art über- stieg jahrlich oft 3000 Ballen, jetzt werden 800 bis 900 mit Mühe abgesetzt; und die kost- baren Scharlach- und Purpurtücher bleiben fast ohne Nachfrage. Wachslichter; venezianisches Weiſs; Vitriol aus Deutschland und Cypern; englisches Zinn in Stäben. Mit Vergnügen bemerkt man, daſs der deutsche Handel mit Aegypten sich in sehr raschem Fortschritt immer mehr aufnimmt, und besonders viele deutsche Wollen-, Baum- wollen-, Leinen-, Eisen-, Stahl- und Glas-Waaren sehr gesucht und beliebt sind. — — 3 3 4 4* 4 2 — * 1 4 * 1 5 ERKLAERUNG DER TAFEILN. 4 3 3 4½ S 3 2 1—“.— 5 1 3— 1 99 3— 5 . 8 K 5————— 8 Z“ . ah e!?.. Paläste des Pascha zu Alexandrien, zwei zusammengehörige Zeichnungen von Herrn Boldrini; die obere,., ist links an die untere anzufügen.— Die Gegend zeigt die öde Sandzunge, welche sich von dem jetzigen Alexandrien gegen Westen ins Meer erstreckt und den alten Hafen zum Theil einschliefst. Auf der westlichsten Spitze ist ein Wachtposten aufgestellt; eine wenig bedeutende Batterie bewacht die Einfahrt der Schiffe. Dann folgt der Palast des Ibrahim-Pascha, welchen der Herr General mit seiner Gemahlin mehrere Wochen bewohnte. Auf dem unteren Blatte erblickt man links den Harem des Pascha, der in einem sehr phantastischen Geschmack aufgeführt ist, und rechts den Palast des Pascha selbst. Die Vernachlässigung und Oede der nächsten Umgebung der Schlösser giebt ein lebhaftes Bild der Isolirung eines orientalischen Herrschers. Wegen der Oertlichkeiten vergleiche man den Grundriſs von Alexandrien, welcher der Karte des Karavanenzuges beigefügt ist, wodurch auch der Seite 7 und 8. vorkommende Ausdruck: zwischen den beiden Häfen, näher bestimmt wird, T af 17. Fig. a. Der sogenannte Thurm der Araber von der Morgenseite, nach einer Skizze des Herrn Generals. Es ist ein Grabmonument aus Quadern aufgeführt, aus griechischer oder römischer Zeit; in der äuſsern Gestalt, die sehr gelitten hat, manchen palmyrenischen und palästinischen Gräbern in Herrn Cassas voyage pittoresque en Srie nicht unähnlich, denen allen das halikarnassische Mausoleum(Plin. 36, 4. 9.) zum Vorbilde gedient zu haben scheint, nur dafs die Verbältnisse hier mehr thurmartig sind. Am Fuſse des Hügels erblickt man die Eingänge der Katakomben, deren Grundriſs zur Seite beigefägt ist. Die nähere Beschreibung findet man Kap. III. Seite 42. Die Breite des Einganges der Vorkammer und des Hauptgemaches, b. und a., beträgt anderthalb Meter, etwa vier und einen halben Fufſs. In der Nebenkammer d. befindet sich ein verschütfteter Brunnen, der zu tiefer gelegenen Gräbern zu führen scheint. Fig. b. Das Denkmal Zuba Soyer Wahé von Herrn Professor Lim an gezeichnet, der den Namen Suba Sarga Wahé schreibt. Unter demselben befinden sich Kata- komben; man sche die Beschreibung Seite 61. In der Ferne erblickt man das Meer. Fig. c. Casaba Schamame el-Garbie, gezeichnet von dem Herrn General und Boldrini; beschrieben Kap. III. Seite 52 und 53. Herr Professor Scholz nennt dies Monument Kasr Schamaa Garbije.(Reise in die Gegend zwischen Alexan- drien und Parätonium S. 53.) 47 370 Ia fe 1 LII. Fig. 1. Abousir, gezeichnet von Boldrini und Liman,; die Ansicht ist von der Abendseite genommen; zur Linken erblickt man den Thurm der Araber. Man sche Kap. III. Seite 43. und folgende.. Unter den mir mitgétheilten Papieren des Herrn Gruoc befinden sich umständliche Vermessungen dieser Ruinen, aber leider auf einem so kleinen Blatte und so undeutlich aufgezeichnet, daſs es unmöglich fällt, sich daraus zu vernehmen. Die folgenden Angaben dürfen daher nur als wahrscheinliche Vermuthungen gelten. Eine natürliche Terrasse von beträchtlicher Höhe, aber unregelmälsiger Gestalt, und von einer schräg laufenden Vertiefung durchschnitten, ist durch Kunst geradlinig begrenzt, so daſs die Fronte, mit zwei Vorsprüngen, wahrscheinlich dem See Mareotis zugekehrt war. Auſserhalb derselben, zum Theil in beträchtlicher Entfernung, befinden sich die Trümmer vieler Gebäude, vielleicht der Stadt Taposiris angehörig, die in der Nähe des Tempels lag. Zwei Treppen führten auf die Terrasse; neben jeder derselben steht oben eine viereckige Base von beträchtlicher Gröſse, aber sehr beschädigt; einst entweder Altäre, oder zur Aufnahme von Statuen bestimmt. Die Hauptruine, ohne Zweifel der alte Wall- fahrts- und Belustigungsort Taposiris selbst, liegt noch um etwas höher als jene Terrasse; die Linien der Gebände treffen aber nicht zusammen mit denen der letzteren, woraus sich auf eine nicht gleichzeitige Anlage derselben schlieſsen läſst. Die ganze Länge des Tempels oder Schlosses scheint 358, die Breite 286 Fuſs zu betragen; die Mauern sind 9 Fuſs 3 Zoll dick. Die Höhe ist nicht angegeben; Granger, der Abousir um das Jahr 1730 besuchte, schätzt sie auf 80 Fuls(Granger’s Reise nach Aegypten, Scite 413. in der Sammlung merkwürdiger Reisen zu Wasser und zu Lande, 3ter Theil. Göttingen 1751.). Sowohl an der Vorderseite des Baues, als an der entgegen- gesetzten, ist ein beträchtlicher Theil der Mauer eingestürzt, wie es scheint, durch gewalt- same Zerstörung. An der nordöstlichen Seite, dem Thurm der Araber zugekehrt, erheben sich zwei thurmartige Befestigungsbaue, zwischen denen sich der 14 Fuſs breite Haupteingang befindet. Sie verjüngen sich pyramidalisch, sind an der Base zusammen 132 Fuſs breit, indem jeder 58 Fuſs 8 Zoll miſst, und machen daher nur einen Theil der Fronte aus, in deren Mitte sie sich auch nicht befinden, indem sie beträchtlich gegen Südosten gerückt sind. (Man sehe den kleinen Grundriſs auf der Karte des Karavanenzuges, wo indeſs die Thürme durch Unvorsichtigkeit nach der entgegengesetzten Seite hin verrückt sind.) An der erhal- tenen südöstlichen Ecke des Baues tritt ebenfalls eine schräg begrenzte Befestigung vor. Auf einer Höhe von 28 Fuſs befinden in einem der Thürme sich neben einander mehrere Zimmer. Zuerst betritt man einen schmalen Gang, zu welchem eine Treppe von der innern Seite des ganzen Gebäudes führt. Links stöſst an denselben ein Zimmer, 21 Fuſs lang und 15 Fuſs breit, aus welchem man in ein anderes gelangt, das eben so breit als jenes, aber nur 11 Fuſs tief ist. Rechts von dem Gange liegt ein anderes Zimmer, 11 Fuſs lang und fast eben so breit, welches durch eine Mauer in zwei Gemächer geschieden wird. o 4 — 4 4 — 371 Jeder der Seiteneingänge des Gebäudes ist 12 Fuſs breit; das Innere desselben ist frei; mehrere angegebene Details sind undeutlich; man bemerkt drei viereckige Brunnen. Im Uebrigen verweisen wir auf die im Werke selbst gegebene Beschreibung Seite 43 bis 45., aus welcher, verglichen mit der vorliegenden Zeichnung des Herrn Professor Liman, sich die Folgerung ziehen läſst, daſs dieses Gebäude schon im Alterthum Veränderungen erlitten hat. Ursprünglich machte es ohne Zweifel einen Theil des berühmten Osiris- tempels aus, welcher dem Orte den Namen gab(Toposiris, Osiris-Stadt), und der wahr- scheinlich unter den Ptolemäern im ägyptischen Style gebauet wurde. Das Erhaltene begreift indeſs bloſs die vorliegenden Theile des Tempels, der zerstörte Sekos befand sich erst hinter denselben. Unter der Regierung des Kaisers Justinian, der, wie wir durch Procopius erfahren(de aedificiis I. I I.. 1. 2.), Zu Taposiris bedeutende Baue ausführen lieſs, scheint das alte Heiligthum zum Theil abgetragen, zum Theil in eine Festung ver- wandelt zu seyn. Durch diese Annahme erklären sich die widersprechenden Eigenthüm- lichkeiten dieses merkwürdigen Gebäudes. Fig. 2. Die Ruine Bel del Rum, auf der Straſse von Siwah nach Augila, nach einem Entwurf des Herrn Generals.(Man sehe Kap. VII. Seite 173.) Der im Innern schräg sich herabsenkende Stein, ist eine Quader der zum Theil eingestürzten Decke. Zur Seite findet sich der Grundriſs des kleinen Heiligthums, das, nach seiner Lage in der Nähe von Katakomben, vielleicht das Grab eines angeschenen Pilgers oder ammonischen Fürsten ist. Eig. 3. Zwei gegen den Nil gekehrte Kapellen oder Andachtsorte in den Steinbrüchen von Gebel-el- Silsili in Ober-Aegypten, nach einem Entwurfe des Herrn Generals.(Man sehe Kap. XIII. S. 282., und vergleiche Tafel XXIX. Fig. 15. und Tafel XX. Fig. 1.) Die Säulen sind nicht ganz vollendet; in der Felsenwand bemerkt man abgeebnete Stellen zur Aufnahme frommer Inschriften, wahrscheinlich von Pilgern herrührend, wie die in den Steinbriichen zu Khardassy in Nubien.(Man sehe Letronne Recherches pour servir à Dhistoire de l' Egypte. Paris 1823. p. 481— 489.) a fe, II. Eig. a. und B. Das Denkmal Casaba Zuba Gublé, von Herrn Professor Liman gezeichnet, der den Namen desselben Kassaba Xerga und Xarga el Fog schreiht. (Man sehe Kap. III. S. 61. und 64.) Herr Professor Scholz nennt es Kasbau Sardsch Scharkije(Reise S. 53.). Wahrscheinlich ist es ein Grab. Eig. a. a. zeigt den Aufriſs des erhaltenen Theils; die Höhe desselben beträgt 14 Fuſs 2 Zoll, die Breite 22 Fuſs, die untere Oeffnung der scheinbaren Thüre 4 Fuſs 2 Zoll. Fig. a. b. und c. Grundriſs und Durchschnitt. Aus letzterem sieht man, daſs die Steine im Innern sehr beträchtlich über einander vortreten. Fig. d. Verzierungen der vermauerten Thüre, deren obere scheinbare Oeffnung 3 Fuſs 11 Zoll beträgt. Eig. b. Ansicht des Denkmals in seinem gegenwärtigen Zustande; in der Ferne erblickt man das Meer. 47* 372 Eg.. Casaba Schamame Schargieh, nach einer Zeichnung des Herrn Gene- rals(Kap. III. S. 52.). Als Granger dies Denkmal besuchte, war die jetzt weggebro- chene Inschrift über den Säulen zum Theil noch erhalten(Reise durch Aegypten S. 413.). Schon das im Text erwähnte spitzige Gewölbe lieſs auf arabischen Ursprung des Baues schlieſsen; und in der That war auch jene Inschrift arabisch. Neben dem Denkmal ist ein libyscher Fellah dargestellt, dessen höchst einfach ahet l. Eig. 1. Ansicht des Hauptortes der Oase des Ammon, Siwah-Kebir, von der Morgenseite; nach einer Zeichnung des Herrn Generals. Im. Vorgrunde bemerkt man den S. 82 und 181. erwähnten sumpfigen Landsce, und jenseits desselben die äuſsere niedrige Mauer, welche das Städtchen einschliefst. Einer der nahe gelegenen Kalkstein- felsen ist von Katakomben durchlöchert. Es. 2. Ansicht des Tempels der Isis und eines leinen peripterischen Tempels auf der Insel Philä, von Segato gezeichnet; der Standpunkt ist von der Mittagsseite genommen. Aus den erhaltenen Inschriften, die zum Theil älter sind als die Reliefs der Tempelwände, ergiebt sich, daſs die Gebäude dieser Insel, welche von Herodot noch nicht erwähnt wird, erst unter den Ptolemäern aufgeführt und in späterer Zeit allmälig vellendet worden sind.(Man seche Letronne Reckerches p. 135. 147. 149.) 4 a f e! E.. Fig. 1. Grundriſs des Ammontempels und der nächsten Umgebung desselben, von Herrn Gruoc(man sehe Kap. V. S. 96., und Kap. VII. S. 163— 167.); a. das Dorf Schargich, einst die Burg der ammonischen Dynasten; 5. das erhaltene innere Heilig- thum des Ammontempels; c. c. c. c. Reste der Einfassungsmauer; d. der Sonnenquell, in einem Palmenhain entspringend; e. ein anderer Quell, dessen Wasser sich mit jenem vereinigt und an der Mittagsseite der Ruine einen Sumpf bildet. Eg. 2. Kasser Aschdéhi, eine arabische Burg an der tripolitanischen Grenze; von Herrn Professor Liman.(Man sehe Kap. VIII. S. 198.) ₰ Aeuſsere Ansicht; B. Grundriſs; C. arabisches Grab; E. E. wasserleere Brunnen; D. Durchschnitt der Mauer bei a. b.; F. Ansicht des Steinverbandes; G. Ansicht der Treppe bei a. Folgende Notizen waren der Zeichnung beigefügt: Im Innern befinden sich mehrere arabische Gräber, welche aus den Steinen der rertrümmerten Wände errichtet sind. Der Fuſsboden scheint unbedeutend erhöht zu seyn. Die Dicke der Mauern beträgt 4 Fuſs 10 Zoll, die der Thürme nur 2 Fuſs 10 ½ Zoll. Auf einer Höhe von 10 Fuſs findet in dem Thurm sich eine Oeffnung, und im Innern desselben sind in dieser Höhe Balkenlöcher, wo in einigen noch Reste des Holzes, welches man der Form nach Knüppel nennen kann, anzutreffen sind. Man findet keine Spur einer Treppe, um zu diesem Stockwerk zu gelangen.“ e „Dieses Werk, welches sich von andern arabischen Bauten, die ich in der Wüste angetroffen, durch seine sorgfältigere Construction auszeichnet, indem die Steine häuſig nach allen vier Seiten und durchgängig nach der Aulsenseite regelmäſsig behauen und von gleicher Höhe sind, so daſs die wagerechte Lagerung beobachtet ist. Auſserdem zeigt die Art des Verbandes mit Füllmark, und die Zubereitung des Mörtels aus Muschelkalk, mit gestoſsener Kohle gebunden, daſs eine Tradition des besseren Verfahrens vorhanden war. Das Material ist ein Muschelkalkstein, ganz mit Muscheln durchwachsen, der ver- muthlich sich gegen das Meer zu vorfindet.“ Herr Professor Scholz nennt diese Burg Kasr Dschebije, und bemerkt, daſs sie 4 Stunden vom Meere, 80 Stunden von Abusir und 4 Stunden von der Agaba, dem Berg- rücken, welcher das tripolitanische Gebiet von dem ägyptischen Paschalik scheidet, entfernt sey(Reise S. 55.). Die Karavane verweilte mehrere Tage in der Nähe derselben. Die Agaba ist der Katabathmus major der alten Geographen. 4 aſ.. Fig. 1. Die Trümmer des Ammontempels zu Siwah, nach einem Entwurf des Herrn Generals von Herrn Professor Rösel gezeichnet; der Standpunkt ist von Nordost. (Kap. V. S. 98.) Fig. 2. Dieselben Ruinen von der Südseite, in der Ferne das Dorf Schargieh. afe.. Bildwerke der linken Tempelwand im Innern jener Ruine, nach Gruocs Entwürfen von Herrn Segato gezeichnet. a, h,, A Bildwerke der rechten Seite. Die auf beiden Tafeln oben beigefügten schwebenden Geier bilden die Verzierung der Decke. Auch diese Zeichnung ist von Herrn Segato nach Gruocs Entwürfen ausgeführt. Aa f! X. Fig. 1. Bildwerke neben dem Eingang der inneren Thüre. Fig. 2. Bildwerke zur Linken des Haupteinganges.(Tafel III. Iig. 1.) Fig. 3. Ein mit Reliefs bedeckter herabgestürzter Steinblock. Fig. 4. Zwei Hieroglyphenschilder von einem anderen Fragment des Tempels. Alle diese Zeichnungen sind, nach Entwürfen Gruocs und des Herrn Generals, durch Ricci und Segato munqdirt. Einen ausführlichen Erklärungsversuch der auf diesen drei Tafeln mitgetheilten merk- würdigen Reliefs, enthält das sechste Kapitel der Reise, welches ich nachzuschen bitte. 374 Indeſs freue ich mich, zu den dort gegebenen Erläuterungen schon jetzt nicht unwichtige Nachträge liefern zu können. Eine durch Herrn Rüppell auf einer kleinen Insel bei Philä entdeckte Inschrift, deren Original sich jetzt zu Frankfurt a. M. befindet, und dic von Herrn Letronne(Recherches 1823. p. 341 und 480.) mitgetheilt und erklärt wird, belehrt uns, daſs Ammon bei den Aegyptern auch Chnoubis hieſs(XNOTBEI TQl KAl AMMQNI). Bestätigt wird diese Angabe durch ein in den Granitbrüchen bei Syene gefundenes latei- nisches Monument, das mit den Worten: I0VI HAMMONI CHNVBIDI anfängt. Die Zeit der Errichtung beider ist um mehr als drei Jahrhunderte von einander entfernt, so daſs, wie Herr Letronne scharfsinnig bemerkt, an zufällige Abweichung von der allge- mein gültigen Lchre hier nicht zu denken ist. Mir waren jene Denkmäler um so willkom- mener, weil ich nur aus Scheu, keinen Glauben zu finden, meine Ueberzeugung, daſs der von Kronos besiegte zweite Agathodämon kein anderer als Ammon selber seyn könne, nicht entschieden äuſserte.(Oben S. 146. 151. 289.) Unwidersprechlich ergab es sich indeſs aus dem nachgewiesenen Verhältnifs beider zu Kronos, aus der angeführten Stelle des Eusebius(Praep. Ewang. III, 12.), aus dem Tempel zu Elephantine, den Strabo dem Knouphis zuschreibt(l. XI II.„. 817.), während in demselben allenthalben das Bild des Ammon wiederholt wird(oben S. 289.), aus der Nachricht Herodots 7. II.. 74. (oben p. 109.), und endlich aus einem Epigramm des Antipater von Sidon, welches gan⸗z unzweideutig dem Ammon die Schlangengestalt beilegt(Anchol. Jaoobs. Vol. II. p. 6. Nr. 2. AAuεαν**ςρμντπας ⁷m᷑]. Allein diese Einheit des Ammon und Chnoubis, die als bloſse Folgerung vielleicht kaum zugegeben seyn würde, lälst jetzt, da sie durch unzweifelhafte Denkmäler bewiesen ist, in ihrer ganzen Wichtigkeit sich darstellen. Nicht mehr räthselhaft ist es nun, weshalb in keinem Tempel des Ammon die heilige Nilbarke fehlen durfte(oben S. 113. 114. 121. Not.); denn daſs der Agathodämon der Nil selber sey, wurde durch unzweifelhaſte Gründe nachgewiesen(p. 135. 146.). Eben deshalb ist Tafel X. Fig. 2. der Wasserkrug zwischen den Fülſsen der ruhenden Sphinx mit dem Widderhaupt des Ammon bezeichnet(S. 107.), und zu Tentyris erscheint Ammon mit einem segelnden Schiff auf der ausgestreckten Hand(Descript. de l'Eg. II. pl. 20. fig. 8.). Ferner erklärt sich nun eine ganze Reihe griechischer Mysterienfabeln, nach denen Jupiter in Schlangengestalt den Bacchus-Zagreus und Sabazius erzeugt. Hermes-Theuth erscheint nun auch im ägyptischen Mythus als ein Sohn Jupiters(S. 151.), und selbst der Vater des Ammon läſst jetzt ohne Mühe sich nachweisen. Es ist kein anderer als jener geheim- niſsvolle ältere Hermes-Prometheus, dessen oben gedacht ist(S. 139. 140. 151.), was durch eine bisher unerklärliche Stelle des Johannes Ly dus bestätigt wird(de mens. p. 96. TnAo, Hęoenlas Pacde eur vlde rde Ala], alaer i reoreias; denn daſs dies nicht grie- chische Lehre seyn könne, bedarf keiner Nachweisung). Auch einer der ägyptischen Namen jener Göttin, die in unsern Bildwerken dem Ammon als Gattin zur Seite steht, kann nicht mehr zweifelhaft seyn; da Menuthis oder Eumenuthis als Gattin des von Kronos gestürzten Agathodämon bereits erwähnt ist(oben S. 146.). Und sonach zeigt sich hier eine neue Uecbereinstimmung der ägyptischen mit der griechischen Mythologie, indem auch in jener eine Venus als Meeresgöttin erscheint. —— — — 73 Aber nicht bloſs der zweite Agathodämon, auch der erste, der zu den ewigen Göttern gehört, führte den Namen Ammon; denn man darf, um die ägyptische Religion nicht unbegreiflich zu finden, die Lehre von der Seelenwanderung und Wiedergeburt nie aus den Augen verlieren(S. 132. 133.). Diodor unterscheidet aufs Deutlichste den Ammon, welchen er als Nater des Osiris einführt, von dem himmlischen Gott desselben Namens; nicht bloſs in der angeführten Stelle(Diod. I, 15.), sondern auch(c. 12. 13.), wo kein Zweifel möglich ist, und ausdrücklich hinzugefügt wird, daſs mehrere Götter der ersten Ordnung unter denen der zweiten wieder auftreten(rud« aνe ra, Brielar] 5*‿αeddous drdezeun ra*s odαeνεοι). Vulcan und Minerva, aus dem ursprünglichen Agathodämon geboren, konnten sonach auch bei den Aegyptern Kinder Ammons heiſsen, und Diodor bemerkt sogar, daſs Minerva, wie bei den Griechen, aus dem Haupte Jupiters hervorging(oben S. 135.). Die von Herrn Rüppell entdeckte Inschrift giebt uns noch über andere Punkte will- kommenen Aufschluſs. Die für uns merkwürdigen Worte sind folgende: XNOTBEI TQI KAI AMMQNI TATEI THI KAI HPAI ANOTKEI THI KAI EETIAI HETEMIIAMENTEI TQI KAl AIONTZQI IETENYHTEI TQI KAI KPONQI IETENXHNE(1) TQI KAI EPMEI OEOIE MEPAAOI KAI TOIE AAAOI2 TOI2 EIII TOx KATAPAKTOT AAIMONIN z. 7. 2. „Dem Chnoubis, der auch Ammon heiſst, der Satis, die auch Hera, der Anukis, die auch Hestia, dem Petempamentes, der auch Dionysus, dem Petensetes, der auch Kronos, dem Petensenes, der auch Hermes, den groſsen Göttern, und den andern Dämonen bei dem Katarakte des Nil“ u. s. w. Die Gattin Ammons hieſs also nicht bloſs Menuthis, sondern auch Satis; wobei ich nicht umhin kann, an die indische Schakti zu erinnern, die nach der Wortbedeutung nichts anderes ist, als die personificirte Naturkraft; ohne jedoch aus solchen Aehnlich- keiten eine nähere Verwandtschaft der indischen und ägyptischen Religion folgern zu wollen, als oben nachgewiesen ist(S. 249.), wobei ich nicht fürchte, bei denen, die meine Ansicht der Religionsgeschichte kennen, dem YVorwurf einer ungchörigen Mischung mich auszusetzen. In der erwähnten lateinischen Inschrift heiſst diese Satis Juno Regina, und Herr Champollion giebt in dem Pancheon Egyptien(Paris 1823.) von ihr eine Abbil- dung, für deren Richtigkeit er keine Beweise anführt. Es ist nämlich eben die Gestalt, die von mir aus überwiegenden Gründen für die Aletheia erklärt ist(oben S. 136— 140.). Ich brauche nicht zu wiederholen, daſs auf unsern Bildwerken die Gattin Ammons zweimal neben ihrem Gemahl vorkommt(S. 103. 104. 127. 135.), die Darstellung derselben also unzweifelhaft ist.. Ueber die Göttin Anukis weils ich nichts zu bemerken; Petempamentes aber is offenbar ein Beiname des Osiris, der nach der Wortbedeutung ihn als Herrn des Amenthes oder des Todtenreiches bezeichnet(oben S. 129.). In dem Namen Peten- setes, der dem Saturn gegeben wird, läſst sich eine Composition mit Seth erkennen, welches nach Plutarch(de Is. et Osir. c. 37.) eine Benennung typhonischer Mächte ist. Vielleicht bedeutet Petensetes, mit CHT, infra, zusammengesetzt, ganz einfach den 376 gestürzten Herrscher(oben S. 108. 149. 153.). Petensenes ist, wie das zu Dakkech in Nubien vorkommende Pytnybis und Paytnonphis(Letronne p. 370.) offenbar ein Beiname des Hermes, der in mehrern Wiedergeburten erschienen seyn sollte. Die Erklärung der widderköpſigen Göttin unserer Bildwerke als Minerva(S. 111. 135. 140.) wird jetzt dadurch bestätigt, daſs dieselbe nach dem Glauben der Aegypter eine Tochter des Ammon-Agathodämon war, mit dessen vereinten Attributen, Widder und Schlange, sie Tafel IX. in der oberen Reihe dargestellt ist. Mit dem Kopf des ihr geweihten Thieres erscheint sie ebenfalls in dem Tempel zu Esneh oder Latopolis(oben S. 276.), der, nach Strabo, der Minerva gcheiligt war. Könnte indeſs noch ein Zweifel obwalten, so berufe ich mich auf zwei von Hirt mitgetheilte Denkmäler, obgleich mir nicht unbekannt ist, daſs dieser groſse Archäolog die ägyptische Minerva in der löwen- köpfigen Göttin der Unterwelt(oben S. 145— 149.) zu erkennen glaubt. In seinem Bil- derbuche erscheint Tafel 6. Fig. 5. Minerva mit Widderköpfen auf dem Vorsprung des Helmes, und Tafel 14. Fig. 6. die Eule der Minerva neben dem Widder des Zodiakus; und auſserdem ist in eben diesem gabinischen Monument der Kopf jener Göttin über dem Himmelszeichen des Widders angebracht(Millin mythologische Galerie Tafel 28 und 29. Fig. 85— 89.). Der Herr Geheime Ober-Regierungsrath Uhden hat die Güte gehabt, mir die Kopie eines von ihm selbst in Sicilien durchgezeichneten Vasengemäldes mitzutheilen, wo neben der Minerva ein springender Widder dargestellt ist. Die ange- führten deutlichen Stellen des Virgil(Aen. XI. 259.), Manilius(II. 439.), Proclus (in Timaeum I. p. 30.) und Servius(ad loc. Virg.) bedürfen also keiner weiteren Bestä- tigung; und es ist nicht wunderbarer, die Minerva, als den Jupiter selbst mit einem Widderkopf bezeichnet zu schen; wobei zugleich die symbolische Veranlassung, gerade das argloseste der Thiere zum Repräsentanten des Agathodämon zu wählen, unverkennbar ins Auge springt. Nach einer Stelle des Athanasius(contra gentes c. 24. Opp. ed. Paris. tom. I. p. 23. ed. Patav. 1777. tom. I. p. 19. ef. ibid. p, 7.) wurde im Weissagetempel des Ammon in Libyen, wie in dem der Minerva zu Sais und des Jupiter zu Theben, ein heiliger Widder ernährt, der den Namen des Gottes selbst führte(Aies- z4arer,— 2a⁵³ονεσAeν, ειν εme⁊ιι). In der Erklärung der an der Decke des Tempels dargestellten schwebenden Vögel, Tafel VIII. und IX.(oben S. 114 bis 116.) lieſs ich es unentschieden, ob sie für Adler oder Geier zu halten seyen, neigte mich indeſs zu der letzteren Meinung hin. Der damals von mir überschene Krummstab auf den Köpfem dieser Vögel macht es aber unzweifelhaft, daſs sie für Geier anzuschen sind, denn diese waren das Symbol der Weissagung(Ho- rap. I, 11.), und der Krummstab bezeichnet das siderische Schicksal(oben S. 128. 135.), in welcher Bedentung er auch dem sogenannten Osirisauge beigefügt ist(z. B. Tafel XXXVII. am Fuſse der Mumie). Ferner bemerke ich noch, dafs Tafel VIII. dem vor Ammon Betenden das gchenkelte Kreuz, als Zeichen der Weihe und des Heils, sich zu nahen scheint; worin eine Bestätigung der S. 161. gegebenen Auslegung nicht zu verkennen ist. Ich kann von diesem Tempel des Ammon nicht scheiden, ohne auf den merkwirr- digen Umstand hinzudeuten, daſs das abgesonderte Völkchen der Ammonier offenbar sein „ — — — 377 kKleines Land als die Wiege der Cultur ansah. Bei ihnen hatte Ammon geherrscht, bei ihnen war Osiris geboren und hatte hier zuerst den Segen des Ackerbaues und des Wein- stocks den Menschen verlichen; die umliegende Gegend aber war wüste gelegt durch die Kriege mit dem nie versöhnten Kronos-Antäus. So wiederholt sich also selbst in einem Winkel der Erde, wo man es am wenigsten vermuthen sollte, die allgemeine Sitte des Alterthums, die Götter einheimisch zu machen, und in den Erscheinungen der Natur die deutliche Spur ihrer Thaten nachzuweisen. Zu den Seite 103. bemerkten Anzeigen des Zusammenhanges zwischen dem libyschen und dodonäischen Orakel Jupiters, welches letztere wenigstens als eine Nachahmung des ammonischen gelten muſs, setze ich hier noch hinzu, daſs auch in Libyen, wie zu Dodona, ein uralter heiliger Baum(vred-eoer) verehrt wurde und prophetische Kräfte zu besitzen schien; sowohl-Clemens(Protrept. p. 9. Glb.) als Eusebius(Praep. Eoang. I. II. c. 3.) berichten dies. ah el AI. Fig. a. Ansicht des Dorfes Schargieh oder Alt-Siwah von der Nordseite, nach einer Zeichnung des Herrn Gencrals(Kap. VII. S. 165 und folgende). Bei a. bemerkt man Reste der alten Befestigungsmaucr. Eig. b. El-Gara, gleichfalls nach einer Zeichnung des Herrn Generals(Kap. VIII. S. 185.).. 1 a fh a! A174. Fig. 1— 8. Ansichten und Details ammonischer Katakomben, nach Zeichnungen des Herrn Generals(Kap. VII. S. 171. 172.). Eine colorirte weibliche Figur aus einem dieser Gräber ist leider verloren gegangen. Sie war ganz im ägyptischen Styl gezeichnet, die Farbe der Gewänder und des Kopfputzes roth und blau.. Fig. 9. Eine Giraffe mit einem Cerkopithekus, nach einer von Herrn Salt zu Theben genommenen Zeichnung. Fig. 10. Der Katakombenberg Gara-el-Mota-Schargiah zu Siwah(S. 171.). Eig. 11. Ein anderer Katakombenberg bei der Ruine Bel-del-Rum; beide nach Zeichnungen des Herrn Generals(S. 173.). a h«! A Transport eines monolithischen Kolosses, eine colorirte Zeichnung aus den Kata- komben zwischen Beni-Hassan und Scheik-Abadeh, von Herrn Ricci.(Man sehe Kap. XI. S. 238.) Herr Hofrath Böttiger hat in Nr. 29. des Wegweisers im Gebiete der Künste und Wissenschaften vom 9. April 1823 eine Erklärung dieses Bild- werkes eingerückt, von welcher, bei der Deutlichkeit der Darstellung, die im Texte gegebene kurze Auslegung nicht wesenilich verschieden seyn konnte. Niemand wird dieses Blatt ohne Bewunderung der einfachen Mittel, durch die man im Alterthum das Schwierigste 48 378 unternahm und ausführte, ansehen! Nur Menschen bewegen den Koloſs; in der Wirk- lichkeit ohne Zweifel mit ganz anderen Anstrengungen, als die beschränkte Kunst der Aegypter darzustellen vermochte. Auſserdem ist aber dies Bild höchst merkwürdig, weil es über die ägyptische Art, die Perspective zu behandeln, alle Zweifel löst. Die vier Reihen der Ziehenden, die über einander erscheinen, müssen offenbar als auf demselben Boden stehend gedacht werden, der sich gleichsam unter ihnen empor zieht. Die zu oberst angebrachten Gruppen mit Palmzweigen und Bananenblättern, gehen daher nicht dem Zuge vorauf, wie im Texte gesagt ist, sondern bewillkommnen das anlangende Götterbild, dem sie mit Lobliedern und Zeichen der Feier entgegen treten. Eben so muſs man die hinter dem Koloſs Gehenden sich neben einander denken; und der dem Koloſs Zugekehrte, welcher Schriftrollen oder Schlägel in den Händen führt, steht auf ebener Erde. Die Seltsamkeit in der Richtung der Stricke, ist bloſs eine Folge dieser ungeschickten Darstellungsart. Um aber den Aegyptern nicht Unrecht zu thun, muſs hier hinzugesetzt werden, daſs auch die Griechen, ungeachtet schon Agatharchus, Democrit und Anaxagoras die Per- spective wissenschaftlich zu bearbeiten anfingen, gewöhnlich eben so verfuhren und das Enifernte in die Höhe rückten. Ich berufe mich deshalb auf die bekannte Tubula iliaca, wo man die Einnahme von Troja auf diese Weise dargestellt sieht; auf das merkwirdige Gemälde der Unterwelt in Millin's Vase des tombeaux de Canosa, auf mchrere Amazonen- schlachten in dessen Peintures de vases anciques, und auf die Darstellung des Sieges Alexanders bei Arbela im Palast Chigi zu Rom, welches letztere Werk über die späte Beibehaltung der alten kunstlosen Sitte keinen Zweifel übrig läſst. Auch die historischen Reliefs am Triumphbogen des Septimius Severus zu Rom sind eben so aufgefaſst; und selbst die neuere Malerei pflegte noch im 15 ten und zu Anfang des 16ten Jahrhunderts die Entfernungen ungehörig in die Höhe zu ziehen, obgleich man bei Gebäuden in der Beobachtung der Perspective bewundernswürdig genau war. Der eingekerbte behauene Balken, welcher neben dem Koloſs von drei Männern getragen wird, soll ohne Zweifel zur Anlegung der hölzernen Bahn dienen, auf welcher der Schlitten fortgleitet. Merkwürdig ist auch der gefärbte Kopfputz der Statue; neuere Reisende erzählen einstimmig, daſs selbst die granitnen Kolosse der Aegypter bemalt waren. Ueber das Geräth in der Hand der Bildsäule, wage ich nichts zu bestimmen; daſs es nicht das gehenkelte Kreuz sey, wie Böttiger glaubt, scheint mir unzweifelhaft. Das- selbe Werkzeug erblickt man in der Hand der Dresdener männlichen Mumie, und es deutet vielleicht den Griff einer Waffe an, deren Spitze nach unten gekehrt ist, um nicht Krieg und Kampf, sondern Frieden auszudrücken. Die regelmäſsig abwechselnde Verschiedenheit der Farbe der Zichenden, selbst in den Haaren, läſst sich wohl nur mit groſser Vorsicht zur Anknüpfung von Hypothesen über eine Mehrheit ägyptischer Menschenraçen benutzen. Da indeſs in Böttiger’s Erwähnung dieses Gegenstandes eine Aufforderung liegt, meine Ansicht darüber mitzutheilen, so gebe ich hier Folgendes, theils als gewiſs, theils zur ferneren Prüfung:B So weit die beglaubigte Geschichte zurück geht, wohnten in Aegypten, dem Garten des Herrn, wie Moses sagt(1. Mos. 13, 10.), vier unterschiedene Völker, als einheimische Landeskinder, neben einander; in den blühenden Zeiten des Reiches Einer Regierung, und durchgängig auch denselben Gesetzen unterthan. Erstlich Libyer im marcotischen Nomus und überhaupt am Westufer des Nil, auſser- halb des Delta, in den Oasen und vielleicht im Thale des Mörissees. Sie gehorchten nur mit Widerstreben den strengen Satzungen der Aegypter, von denen sie in der Sprache sich unterschieden(Hero dot II, 18.); waren aber schon von Sesostris dem Reiche einverleibt(Dio dor I, 53.). Zweitens Aethiopier im südlichen Aegypten bis Elephantine(Herodot II, 29.); sogar Theben war ursprünglich von ihnen angelegt. Aethiopische Dynastieen, deren eine von Manetho ausdricklich als aus Elephantine stammend angeführt wird, hatten Aegypten achtzehn Könige gegeben(Herodot II, 100.), und in späterer Zeit eine andere durch Waffengewalt über Aegypten geherrscht. Vieles Aegyptische, selbst in der Landesreligion, verräth äthiopischen Ursprung. Gleichwohl war die Sprache beider Völker gänzlich ver- schieden(Herodot III, 19.), welche Angabe Herodots durch die Vergleichung des Koptischen mit allen bekannt gewordenen nubischen und äthiopischen Dialecten gerecht- fertigt wird. Auch in den Sitten fand bedeutende Verschiedenheit statt; die Acthiopier nahmen indeſs zum Theil ägyptische Cultur an(Herodot II, 30.). Drittens Stämme arabischer Abkunft, zwischen dem Nil und rothen Mecre wohnend, und auſserhalb des Delta, dem Strome gegen Osten. Sie hatten zu Zeiten durch Waffen- gewalt sich des ganzen Landes bemächtigt, bequemten sich nie völlig den ägyptischen Satzungen, und galten als Hirten und Viehhalter füir unrein(1. Mos. 43, 32. 46, 34.). Zu diesen gehörten einst auch die Ju den, die sich, auſser der Viehzucht, bloſs mit den schwersten und niedrigsten Arbeiten beschäftigen durften, und aufs Unwürdigste bedrückt wurden(2. Mos. 1, 13. 14.). Sie waren aber nicht die einzigen, welche dies Loos traf; seit den ältesten Zeiten scheinen Araber und ihre Stammesverwandten als Karavanenführer, Hirten, Diener und Sklaven in ganz Aegypten sehr zahlreich gewesen zu seyn(1. Mos. 39, 1. 44, 33.). In Alexandrien und den innern Provinzen(ZLetronne Recherches p. 274.) war das Amt des Alabarchen oder Arabervogts eins der bedeutendsten. Zu diesen dreien kommen enqdlich viertens, als Hauptvolk, die Aegypter selbst, im Delta und zu beiden Seiten des Nil bis Syene hinauf; das uralte Memphis ihre Hauptstadt. Die Bewohner der Sümpfe in der Nähe des Meers unterschieden in vielen Sticken sich von den übrigen Aegyptern, gehörten aber dennoch zu demselben Stamm(Herodot II, 92.). Aufser diesen offenbar einheimischen Völkern wohnte schon in früher Zeit in der Nähe von Memphis eine babylonische Kolonie, semitischen Ursprungs, wahrscheinlich auf Anlaſs einer alten Eroberung angelegt. Der Dienst der assyrischen Venus und der Bau der Pyramide von Sakkara, ganz mit dem Belustempel zu Babylon übereinstimmend, scheint zu verrathen, daſs die Stammesverschiedenheit sich nie ganz ausglich. Auch die Phönizier hatten zu Memphis eine Niederlassung, ohne Zweifel des Handels wegen. Später zogen Griechen und Kleinasiaten, besonders Karier(Herodot II, 61. 152. 163.), in immer gröſserer Anzahl nach Aegypten, jedoch meist die Landesreligion sich aneignend, was auch dann noch der Fall blieb, als die Griechen seit Alexander Herren des Landes 48* — * — 380 waren. Die nachher eingetretenen Veränderungen brauchen hier nicht erwähnt zu werden; allein so groſs diese auch gewesen sind, hat dennoch das ursprüngliche Verhältniſs der vier einheimischen Völker sich ziemlich unverändert erhalten. Noch jetzt wohnen Libyer, Aethiopier(Barabra), Araber und Aegypter in ihren alten Sitzen, durch Sprache und Bildung kennbar unterschieden; nur haben die Araber ein bedeutendes Uebergewicht erlangt, und machen selbst die Mehrzahl der Ackerbau treibenden aus(Fellah), welcher Erwerb ihnen im Alterthum wahrscheinlich ganz untersagt war. Alle diese Völker, mit Ausschluſs der Libyer, lassen sich in Denkmälern nachweisen; allein nicht aus Unterschieden der Farbe, sondern der Tracht, und es wird das Nöthige künftig dariber bemerkt werden. Die Farbe ist so willkührlich, daſs unzweifelhafte Aethio- pier schwarz, roth, gelb und sogar himmelblau dargestellt sind. Mit diesen Volksunter- schieden muſs man sich aber wohl hüten, die Kasteneintheilung zu verwechseln, und es ist gänzlich falsch, diese von einer Mehrheit der Völker abzuleiten. Wie in Indien alle reinen Kasten wahrhaft Ein Volk ausmachen, und von Einem Volke entsprungen sind, so auch in Aegypten; wie dort die unreinen Stämme: Mletchas, Parias u. s. w., zu gar keiner Kaste gehören, so auch in Aegypten die Karier, Araber, Inden und andere; und eben aus der Verwechselung dieses doppelten Unterschiedes nach Stämmen und Ständen, erklären sich die Widersprüche griechischer Schriftsteller über die Zahl der ägyptischen Kasten. Zu welchem gröſseren Volksstamme die Aegypter selbst aber gehören, scheint nach den jetzt möglichen Sprachvergleichungen zweifelhafter als je. Das Koptische zeigt mit den äthiopischen Dialecten durchaus keine Aehnlichkeit, und die Hypothese, daſs die Aegypter, dem Nil folgend, aus Aethiopien gekommen seyen, muſs demnach aufgegeben werden, so geistreich sie auch besonders von Heeren und Ritter entwickelt worden ist. Die nubischen Denkmäler, in denen man eine Bestätigung dieser Ansicht gefunden hat, beweisen das Gegentheil. Je weiter von Aegypten entfernt, je weniger zahlreich werden sie, und sind offenbar, selbst die entlegensten, eine Fortpflanzung ägyptischer Cultur gegen Süden, zum Theil sogar, als Siegsdenkmäler, von Aegypten aus angelegt. Erst in Merawe fangen sie, nach langer Unterbrechung, wieder an, aber auch hier ganz im ägyptischen Styl und mit deutlichen Spuren jüngeren Ursprungs. Die äthiopischen Völker sind indels weit verbreitet im nördlichen Afrika; Sprachverwandtschaften finden sich bis am Atlas im Marokkanischen bei den Berbern, die mit den nubischen Barabras selbst den Namen gemein haben, der beiden indels nur von anders Redenden beigelegt wird(2ã4εεαε⁷). Auch mit dem Arabischen zeigt das Koptische keine Aehnlichkeit, wie überhaupt nicht mit den semitischen Sprachen, zu denen die äthiopischen als entfernteste Zweige gehören mögen. Manche, ägyptischen Worten gleichlautende, welche im Hebräischen und KArabischen allerdings sich ſinden, erklären sich aus der langen Verbindung dieser Völker, und scheinen ägyptischen Ursprungs. Es bleibt daher nichts übrig, als nachzuforschen, ob nicht eine nähere Verwandtschaft das Koptische mit den libyschen Dialecten verknüpfce. Auch diese sind durch Nordafrika von Osten bis Westen verbreitet; die Schellah in den Thälern des Atlas reden sie(nach Jackson's account of Timbuctoo 1820. p. 366. 370. gänz- lich verschieden von den Berbern), und selbst auf den canarischen Inseln hat man sie 27 —2 381 wiedergefunden bei den Guanches, deren Sitte, die Leichname zu mumisiren, längst auf eine Verbindung mit Aegypten rathen lieſs. Spuren von Sprachähnlichkeit mit dem Aegyp- tischen verrathen sich allerdings, besonders ist die Vorsetzung des 7T' zur Bezeichnung des weiblichen Geschlechts auch im Koptischen gebräuchlich(S. 314. Nr. 43— 46.). Diese Untersuchung wird aber dadurch sehr erschwert, daſs in Nordafrika die Reste äthiopi- scher und libyscher Stämme zerstreut durcheinander wohnen, und in den Berichten bis jetzt nicht sorgfältig genug unterschieden sind. 7 f/ e 4 XAV. Der Porticus des Hermestempels zu Aschmounin, dem alten Hermopolis Magna, von dem Herrn General und Herrn Dr. Ricci.(Man sehe Kap. XI. S. 241., wo indeſs unrichtig auf Tafel XIII. verwiesen ist.). Eig. 1. Ansicht des Gebälkes. Der ausgebogene Karnieſs, welcher die Krönung des Gebäudes ausmacht, ist mit Hieroglyphenschildern verziert; der Architrav mit symmetrisch geordneten Bildwerken, in denen viermal dem ibisköpfigen Theuth, einmal dem Helios, und dreimal dem Horus mit Weihrauch und Libationen geopfert wird. Fig. 2. Die Hieroglyphenschilder etwas gröſser dargestellt. Dieselben Zeichen wieder- holen sich auch an der Platte über den Kapitälern und an der Base der Säulen, nur anders geordnet. Fig. 3. Nollständige Darstellung einer Säule, aus den erbhaltenen Theilen mehrerer zusammengesetzt. In der Färbung wechseln gelb, roth und blau sehr regelmäſsig; an den Bildwerken war die Farbe fast ganz verwischt. Im Allgemeinen scheint diese Säulenart, die sehr häufig vorkommt, dem gegliederten Stengel einer Wasserpflanze mit verschlos- sener Knospe nachgebildet zu seyn. Fig. 4. Profil der Säule. Das Relief der vortretenden Theile ist auffallend schwach. Frg. 5. Grundriſs des Porticus. Die mittelste Säulenweite beträgt 17 Fuls, im übrigen aber nur 13 Fuſs 8 Zoll, und an den Seiten 12 ½ Fuſs. Eig. 6. Bildwerke, die sich an einem Theile des Architravs befunden. Die Scheibe, welche Theuth über dem Haupte führt, bezeichnet den Mond, als dessen schützenden Genius man diesen Gott betrachtete(Plutarch de Is. et Osir. 41.). 8 In diesem Tempel des Hermes zu Hermopolis befanden sich auch die Statuen zweier ägyptischer Musen, seiner Töchter(ibid. c. 3. und oben S. 138.). Nach Hora- pollo(II, 29.) waren sieben Buchstaben zwischen zwei Fingern die Hieroglyphe der Musen, des Unendlichen und des Schicksals; den Grund dieser merkwürdigen Bezeichnung findet man S. 139. 140. entwickelt. af a, Ar. Grundriſs u. s. w. des Tempels zu Luxor, von Herrn Segato. Fig. 1. Grundriſs. Der Eingang des Gebäudes ist vom Nil abgewandt, und gegen Nordosten gekehrt. Die Unregelmälsigkeit der Anlage verräth die allmählige Vergröſserung 382 des Baues.(Man vergleiche den im französischen Prachtwerke Vol. III. pl. 5. gegebenen Plan, und oben Kap. XII. S. 255.). 2. a. Zwei Obeliske aus rothem Granit, 75 Fufs über dem Schutt hervorragend. 5. 5. 5. Drei sitzende Kolosse aus schwarzem Granit, 34 Fuſs hoch. Die Verletzung der Symmetrie in der Aufstellung der Obeliske und Kolosse macht eswahrscheinlich, daſs diese Werke aus altägyptischer Zeit erst auf Anlaſs der späteren Veränderung des Haunpt- baues hieher versetzt worden sind, und ursprünglich andere Plätze einnahmen. c. c. Die beiden thurmartigen Flügelgebäude, zwischen denen sich der Eingang befindet. — Daß die Griechen diese kolossalen Vorbaue der ägyptischen Tempel zreede und zreel nannten, kann nicht mehr zweifelhaft seyn, nachdem zuerst Hirt auf diesen Sprachgebrauch aufmerksam machte(oben S. 255.)*)ö. Desselben Ausdruckes bedient sich Plinius, um in der Beschreibung des Labyrinths diese Flügelgebäude zu bezeichnen: H. N. XXXVII, 19, 2. Aiaeque rursus extra murum labrinthi aedificiorum moles, pteron appellaut; aus welchen Worten sich zugleich die Unrichtigkeit der von diesem Gebände bisher gegebenen Vorstellungen darthun läſst, indem es von andern ägyptischen Tempeln nicht so sechr abwich, als man geglaubt hat. Ob übrigens die Meinung des gelehrten Reisenden, daſs diese Tempelſlügel Triumph- bügen oder Siegesdenkmnäler seyen, Beifall finden werde, erlanben wir uns zu bezweifeln; indem eine bisher überschene Nachricht die Bestimmung derselben aulfser Zweifel setzt. Claudius Ptolemäus, der bekannte Mathematiker und Geograph, wohnte vierzig Jahr in den Flügeln des Tempels des Kanobus(dν τι⁴αᷣ àεννναἀενηιι ττ³εανωιες ν Kaev⁴ou dæse Arreννάe τσeρυνοοεν) in der gleichnamigen Stadt nahe bei Alexandrien, und verzeichnete seine astronomischen Beobachtungen auf dort befindlichen Stelen(hmpiodor. in Plat. Phaed. bei Bullialdus zu Cl. Prol. de judicandi facult.„. 203.) Die vielen kleinen Gemächer, welche im Innern dieser Gebäude sich in mehreren Stockwerken über einander befinden, dienten also gewis- sen Abtheilungen der Priesterschaft zu Wohnungen. Besonders scheinen hier die Zellen der Astrologen und Horoscopi gewesen zu seyn, deren Zahl bei den gröfseren Tempeln schr beträchtlich war, indem jeder Aegypter unaufhörlich die Sterne für sich befragen lieſs. Dies wird durch die Einrichtung der Fenster in jenen Gemächern bestätigt, die so *) In der Stelle des Strabo k. TIII., welche die Beschreibung dieser Flägelgebäude enthält: Tν ³ rgendes rag kxaArsgo„ rε‿εκνεταμηι Aεs' rrrsęd. Io‿αι Nενι τaꝰντ 1*⁴πάιν εQ raizn de, zar Agxds ab, Agsrrora ar 4AAAa Arxνᷣν πέ⁵o, ¹ rd rAdros Er ris zenales 705»s6, krεε ις 10 4αεν rgarsere ar Irsvelas eauud⸗ aυμέια τννην rsyrixora eizoyra— sind nach r‿ν die Worte 1½ paß störend, und auch am Ende des Satzes wird durch Aufnahme der Variante rędα statt σσν nicht alle Undeutlichkeit gchoben, indem die 50 his 60 Cubitus wohl die Höhe, nicht aber den Abstand der Flägel richtig angeben. Aus der Ansicht der Denkmäler ergiebt sich, daſs Strabo nur etwa Folgendes gesagt haben kann:„Vor dem Pronaos liegen zu beiden Seiten die sogenannten Flügel; es sind dies zwei Gebäude von gleicher Höhe, welche Anfangs nur um wenig mehr, als die Breite der Tempelschwelle beträgt, von einander abstehen, dann aber allmählig nach schrägen Linien sich von einander entfernen und bis zu einer Höhe von funfzig bis sechzig Cubitus erheben. Diese Gebäude sind mit kolossalen Bildwerken bedeckt u. s. w.“ Auf welche seltsame Annahmen man gerathen mufs, wenn man den Text ohne Aenderung beibehält, ergiebt sich aus der nach den ſehlerhaften Worten entworſenen, widersinnigen Zeichnung, welche der zweiten Ausgabe von Hrowne's fracels vorgesetzt ist. — —— 383 angelegt sind, dals man durch sie nur den Himmel, nicht die Erde erblicken kann, wel- cher merkwürdige Umstand bereits oben Seite 44., nach einer mündlichen Mittheilung des Herrn Generals, angeführt wurde. In der Erklärung von Tafel XXIX. Eig. 15. wird man nachgewiesen finden, daſs auf dem platten Dache der Flügelgebäude Vorrichtungen zur Aufnahme von Gerüsten angebracht waren; höchst wahrscheinlich zur Errichtung astro- nomischer Werkzeuge, die im Alterthum, wie noch jetzt zu Benares in Idics, der Genauigkeit wegen, sehr groſls zu seyn pllegten. Die Tempelflügel zu Luxor sind offenbar von späterer Anlage, als die weiter aurück liegenden Theile des Gebäudes, und niemals ganz vollendet worden, obgleich ihre vorderen Seiten mit Bildwerken bedeckt sind. 4 d. d. d. d. Die runden Stäbe, welche an den Ecken der Tempelflägel herablaufen und sie gleichsam einfassen. e. e. Zwei senkrechte Einschnitte zur Aufnahme kolossaler Zierrathen(oben S. 44.). f. Der Haupteingang des Tempels, der zwischen den Flügelgebäuden durchführt. Zu beiden Seiten bemerkt man in der Mauer Vertiefungen, welche zur Aufnahme der dop- pelten Thüren bestimmt waren, deren ein Paar das Thor nach auſsen, das andere nach innen verwahrte.. Zuerst betritt man alsdann einen sehr groſsen mit einer doppelten Säulenhalle umge- benen viereckigen Hof, A., von unregelmäſsiger Gestalt. Ein prächtiger Säulengang, B., führt darauf zu einem zweiten Hof GC., der gleichfalls mit einer doppelten Säulenhalle umgeben ist. Dann folgt der Pronaos, welcher hier ein polystylisches Gemach bildet, D.; und endlich das innere Heiligthum E. mit vielen dasselbe umgebenden Gemächern. Wir kehren zurück zu dem Hoſe A. Bei g. findet sich ein Seiteneingang, der in dem Plane des groſsen französischen Werkes nicht angegeben, wo besonders bei diesem Hofe vieles ausgelassen oder zuge- setzt, und das Ganze regelmäſsiger gemacht worden ist. Gegenüber, bei k., war vielleicht einst der Eingang eines kleineren Tempels, der sich auch zu Karnak und Philä rechts an die groſsen Vorhöfe anschlieſst. Daſs es hier eben so war, läſst sich aus dem sonst unerklärlichen Hereinriücken der Säulenhalle dieser Seite mit Wahrscheinlichkeit folgern. Diese kleinen Tempel vor dem Eingange der gröſseren, scheinen in Aegypten dieselbe Bestimmung gehabt zu haben, wie bei den Griechen das Heiligthum der Artemis Propyläa vor dem Weihetempel zu Eleusis(Pausan. I, 38. f. Unedited antiquities of Attica. Lond. 1818.), und das der Minerva Pronäa vor dem Tempel des Apollo zu Delphi(Pausan. X, 8., wo unrichtig Neevolæ steht, ef. Herod. I, 92.); man beging nämlich dort eine vorbereitende Andacht, um den Haupttempel würdig zu betreten. 1. Piedestal einer zwischen den Säulen, wahrscheinlich in späterer Zeit, errichteten Statue. k. Piedestal einer Statue vor dem Eingange des groſsen Porticus; und zwar befand sich hier nicht ein eigentliches Flügelgebäude, wie auf andern Grundrissen zugesetzt wor- den, sondern ein bloſses Propyläon oder kolossales Thor(zQνà⁴ν). ———“ n 384 t. Ein an dic Mauer gelehntes kleineres Piedestal. m. Durchgang des Thores; nur die eine Seite, wo man die zur Aufnahme der Thüren bestimmte Vertiefung wahrnimmt, ist erhalten. n. Rest der Mauer, welche den prachtvollen Porticus von vierzehn kolossalen Säulen begrenzte. Hinter demselben ist von dem, wahrscheinlich einst hier vorhandenen, Pracht- chore keine Spur mehr vorhanden. In dem doppelten Porticus des inneren Tempelvorhofes fehlen bei o. mehrere Säulen; auch die Umfassungsmauer, von der bei p. sich ein Rest. erhalten hat, ist verschwunden. Manches scheint indeſs hier von späterer Construction zu seyn, indem dieser Theil des Tempels, nebst dem Pronaos, zum Gebrauch des christlichen Gottesdienstes, in eine Kirche verwandelt wurde. Der Pronaos D. enthielt einen Porticus von zwei und dreiſsig Säulen, je acht in vier Reihen; der mittlere Durchgang ist, wie gewöhnlich, der breiteste. Bei J. befinden sich einige Nebengemächer.* Die ins Innere führende Thüre 7. war durch eine gewölbte Nische vermauert, welche sich in dem Chor der Kirche befand; jetzt ist der Durchgang wieder frei gemacht. Zuerst betritt man ein viereckiges Gemach s., dessen Decke von vier Säulen getragen wird. Links stöſst an dasselbe ein anderes., zu welchem von hieraus kein Eingang führt; auſser drei Säulen, stehn hier eben so viel Pfeiler, an welche sich Statuen karyatidenartig anlehnen. Gegenüber sind andere Zimmer u. Aus s. gelangt man zu dem innersten Heiligthum EF., welches ganz aus Granit erbaut, 18 Fuſs lang, 11 Fuſs breit und so angelegt ist, daſs ein freier Gang.. rings umher führt, welcher 10 Fuſs breit ist(oben Kap. VI. Seite 121.). In der vorderen Zwischen- mauer ist ein sehr schmaler verborgener Gang angebracht, der bei den mystischen Gebräuchen benutzt worden seyn mag. „. und x. Nebenzimmer zu beiden Seiten, ohne Verbindung mit jenem, auſser, wie es scheint, durch den bemerkten versteckten Gang. An æ. stoſsen mehrere sehr enge Zellen. y. Ein Zimmer hinter dem Heiligthum, dessen Decke von zwölf Säulen in zwei Reihen getragen wird. z. Aeuſserstes Zimmer mit vier Säulen, an welches zu beiden Sciten andere stoſsen, die nur zum Theil erhalten sind. 3 Fig. 2. Profilirung des Pteron, mit Angabe der Maalſse nach Centimeter. Die mäch- tige Ausladung des Karnielses, nebst der Unterschneidung desselben nach einer sehr frei geschwungenen Linie, beides Eigenthümlichkeiten, die sich an den Gebäuden zu Philä wiederſinden, bestätigen die Annahme der späteren Erbauung dieser Tempelflügel, so wie des zugchörigen äuſseren Vorhofes. Die herablaufende Linie ist unten fortzusetzen, bis sie die äuſsere Peripherie des angegebenen Kreises erreicht. Fig. 3. Maalsverhältnisse einer Säule, gleichfalls nach Centimeter bestimmt, nebst unten beigesetztem Durchschnitt. A. A. Würfel über dem Kapitäl, 54 ½ Cent. hoch. 385 B. B. Acht ringsum herabsteigende Blätter, etwas über einen Meter hoch. 0. C. Eine Art Flechtwerk, welches die Schwellung des Kapitäls bildet, 23 ½ Cent. D. D. Fünf umlaufende glatte Bänder, 53 Cent. E. E. Zweiunddreiſsig Stäbe, von denen immer der vierte um etwas breiter gehalten ist, 77 C. Eben diese Stäbe scheinen oben das Flechtwerk zu bilden. F F. Der Säulenschaft, gleichsam aus acht verbundenen, tief eingeschnittenen Pflan- zenstengeln zusammengesetzt. Er verjüngt sich geradlinig bis unter das Flechtwerk. G. Die untere Stärke des Schaftes. 7o fe! VI XVI TVIII IX Fig. 1— 8. Die beiden Obelisken vor dem Tempel zu Luxor, von Herrn Segato gezeichnet; und zwar Fig. 1— 4. die vier Seiten des Obelisken zur Rechten des Eingan- ges, Fig. 5— 8. die Seiten des Obelisken zur Linken. Wie die Zeichnungen an einander zu fügen sind, erhellt aus den Tafel X! I. und XIX. beigefügten Grundrissen. Unten sieht man die armseligen Hütten, wodurch der Fuſs dieser Denkmäler versteckt wird, und die, nach einer schon im Alterthum nicht unbekannten Bauart, zum Theil aus irdenen Töpfen aufgeführt sind, welche zugleich den Vortheil der Festigkeit und Leichtigkeit gewäh- ren; andere Töpfe sind auf den ebenen Dächern zur Zierde umhergestellt. Mit Vergnägen aber bemerkt man in diesen schlechten Hütten, besonders Tafel XVII., noch immer eine Beibehaltung der alten ägyptischen Pyramidalform der Gebäude. Ueber dieselben und den umher aufgehäuften Schutt, ragen die Obelisken 75 Fuſs hoch hervor, und man schätzt ihre ganze Höhe auf 97, jeder aus Einem Granitblock von hellrother Farbe, so daſs sie zu den grölsten Kunstwerken dieser Art gehören, indem sie auch von sehr beträchtlicher Breite sind. In dem groſsen französischen Prachtwerke entsprechen Vol. III. pl. 11. fig. 1. 2. 3. unsrer 7ten, 5ten und 6ten Figur, pl. 12. fig. 1. 2. 3. unsrer 2ten, 1sten und 4ten; die Seiten Fig. 3. und 8. sind dort nicht mitgetheilt. In der äuſseren Gestalt zeichnen diese Obelisken sich dadurch aus, daſs ihr Gipfel oder das sogenannte Pyramidion, nach einer geschwungenen Linie zugespitzt und ohne Bildwerk ist; vielleicht trugen sie einst eine metallene Verzierung. Die Hieroglyphen sind mit unglaublicher Sauberkeit ausgeführt und, wie gewöhnlich, so gearbeitet, daſs sie gleich- sam wie in den Granit eingedrückte Siegel erscheinen, indem jede Figur innerhalb ihres vertieften Umrisses flach erhoben gehalten ist, ohne jedoch über die Fläche des Steines vorzutreten. Herrn Segato's Zeichnungen sind höchst meisterhaft, und mit Lob muſs man auch die Sauberkeit anerkennen, mit der das Königliche lithographische Institut sie wiedergegeben hat. Hieroglyphen auslegen zu wollen ist ein miſsliches Vorhaben, und ich würde schwer- lich vielen Dank erwerben, wenn ich alles was über manche der vorkommenden Zeichen vermuthet ist, oder auch nur was sich allenfalls aus alten Schriftstellern nachweisen lieſse, hier vortragen wollte. Den Vorzug aber hat die Hieroglyphenschrift vor jeder alphabetischen voraus, daſs sie, auch unverstanden, mit Lust betrachtet wird, indem man unwillkührlich 49 4 4. 386 dem Inhalt der geheimniſsvollen Zeichen nachdenkt. Was Diodor, Plutarch, Cle- mens von Alexandrien und andere Schriftsteller gelegentlich über die Hieroglyphen bemerken, ist zu abgerissen, um viel Aufklärung zu geben, und das kleine Werk des Horapollo ersetzt diesen Mangel sehr unvollständig, besonders da der griechische Ueber- setzer desselben im zweiten Buche zum Theil so widersinnige Zeichen angiebt, daſs man auf den Verdacht geführt wird, er möge oft seine eigenen Grillen und Träume der ägypti- schen Urschrift beigefügt haben. Herrn Noung's Hieroglyphenlexicon und eine andere Schrift dieses Gelehrten über denselben Gegenstand, auf deren Mittheilung ich hoffen durfte, sind mir noch nicht zu Gesicht gekommen. Aber auch so glaube ich im Stande zu seyn, aus den vorliegenden Zeichen nicht unwichtige Schlässe zu ziehen. Ganz zu oberst wiederholt sich achtmal, mit geringen Abänderungen, dieselbe Dar- stellung: vor dem thronenden Osiris betet knieend ein ägyptischer König. Ueber dem Kopfschmuck des Osiris erheben sich zwei hohe Palmenzweige, von deren Bedeutung oben die Rede war(Kap. VI. S. 124.), in der einen Hand reicht er den mysti- schen Schlüssel(S. 159— 161.), in der anderen das Scepter, welches Fig. 1. mit einem Vogelkopfe bezeichnet ist(oben S. 118.), dem Betenden entgegen. Zwischen seinen Knieen erwächst beständig eine sich umlegende Achre, die man auch an dem knieenden Könige bemerkt; vielleicht wird dadurch die heilige Grasart Agrostis bezeichnet(rεurris, Diodor. I. 43. f. Porphyr. de abst. II. p. 108. 113.), die älteste Nahrung der Menschen, welche an das heilige Kusagras der Indier erinnert. Visconti glaubt, bei Gelegenheit der Erklä- rung eines zu Rom befindlichen Bildwerkes, in diesem Gewächs eine Schilfart zu erkennen, mit der sehr fromme Leute sich zu umgürten pflegten; er verwechselt indeſs das hier vor- kommende Zeichen mit den Gürtelenden der heiligen Tracht(oben S. 159.). Der Kopf- schmuck des Königes ist aus Mendeshörnern, Straufsfedern und Uräusschlangen oder Basi- lisken(den Zeichen der Gerechtigkeit und der Gewalt über Leben und Tod, oben S. 105.) zusammengesetzt; über ihm schweht entweder ein Geier mit gesenkten Flügeln oder die Sonnenscheibe mit dem Symbol des Weltgeistes. Der König begleitet sein Gebet mit Darreichung von Weihrauch; Fig. 5. hält er ein kleines Bild der Wahrheit(oben S. 137.), Fig. 8. eine flammende Schale empor. Er ist, wie Osiris, mit einem zierlichen Hals- schmuck und Armbändern bekleidet. Eine Inschrift, die von der Seite des Osiris gewöhnlich mit der dem Ammon geweihten heiligen Schlange anhebt, scheint ein Formular zu enthalten, dessen Worte, mit geringen Veränderungen, immer dieselben sind. Ohne Zweifel hat Zoëga Recht, wenn er in die- sen Hieroglyphen und den zugehörigen Figuren die Dedication der Obelisken vermuthet; woraus sich zugleich ergiebt, daſs auch der Tempel, vor dem sie sich befinden, dem Osiris geweiht war. Die Richtung des Einganges ist nach derselben Weltgegend gekehrt- wie bei dem Osiristempel zu Abousir. Gegen das Ende der Inschrift, neben dem Haupte des knieenden Königs, finden sich zwei Hieroglyphenschilder, welche nach der Inschrift von Rosette(Zeile 6. 12. 14.) die Eigennamen der Fürsten enthalten. Höchst merkwürdig ist es nun, daſs die Namenschilder des Obelisken zur Linken Fig. 6— 8. offenbar dieselben sind, die sich in dem prächtigen — 4 ———aaaa“————yyy—— 387 Mausoleum des Osymandyas(Dio dor. I, 47— 49.) befinden, welchen König Strabo Is mandes nennt(s. Tafel XXII. Fig. 2.). Unzählige Mal werden sie dort auf allen Säulen, Wänden und Gesimsen wiederholt; und zwar ist nicht blos der Name des Königes, sondern auch der seines Vaters, über welchem der Vulpanser das Wort Sohn bedeutet(Horap. I, 53.), durchaus derselbe. Unleugbar scheint daraus hervorzugehen, daſs eben der König, welcher in jenem riesenhaften Monumente beigesetzt ist, diesen Obelisken dem Osiris errichtete. Auf dem Obelisken zur Rechten Fig. 1. 2. 4. bleibt der Name des YNaters derselbe, der des Königs hat aber weniger Zeichen. Ich würde dies bloſs einer Abkürzung oder einer Nachlässigkeit des Zeichners zuschreiben, fände nicht weiter unten in den gröſseren Hieroglyphen sich dieselbe Verschiedenheit. Man darf also schlieſsen, daſs ein Bruder des Ismandes, vielleicht sein Vorfahr oder Nachfolger in der Regierung, diesen Obelisk arbei- ten lieſs; und von ihm rührt auch schon die Seite Iig. 5. des anderen her. Die Seite Fig. 3. endlich zeigt in beiden Namen eine Verschiedenheit, und der Kopfputz des Königs, nebst den Zeichen darüber, ist ebenfalls abweichend. Während der Regierung dreier Könige sind also diese beiden Denkmäler vollendet worden, was bei der unendlichen Müh- seligkeit der Eingrabung so vieler Zeichen in den härtesten Granit nicht wunderbar scheinen kann; wofern man nicht etwa annchmen will, jene drei Fürsten hätten zugleich geherrscht. Wegen der Lesung bemerke ich noch, daſs eine weibliche Gestalt den Namen des Ismandes anfängt; man sche die Erklärung von Tafel XXII. Fig. 2. Unter der Dedication beginnt in groſsen Hieroglyphen die Inschrift, welche auf jeder Seite in drei Streifen, deren mittelster der breiteste ist, von oben nach unten herabläuft. Die Zeichen sind äuſserst mannigfaltig; man bemerkt Menschen in den verschiedensten Stellungen, gehend, sitzend, knieend, niederkauernd, mit erhobenen Händen betend, Fig. 2. einen mit Gewalt Niedergeworfenen, Fig. 5. einen, der Holz spaltet; auch sind einzelne Glieder besonders dargestellt, Köpfe, Augen, Arme, Beine, eine geöffnete Hand, Arme mit Schild und Speer, Fig. 4. ein Phallus, u. s. w. Höchst charakteristisch und treu sind die Thiere aufgefaſst, der heilige Stier kömmt am häufigsten vor, aber auch der Hase, der Hund, die Springmaus, Fig. 4. ein libyscher Fuchs oder Schakal, Fig. 6. ein ruhender Löwe, Fig. 2. und sonst öfter zwei Kameelsköpfe, Iig. 4. und 5. ein Bockskopf u. s. w. Unter den Vögeln bemerkt man am häufigsten den Falken, ferner Adler, Eulen, Gänse (auch fliegende), Tauben, Bachstelzen, Fig. 4. einen Strauſs, Fig. 3. 5. und 6. Pelikane und noch andere, so wie Straufs- und Falkenfedern. Drei verschiedene Schlangenarten werden genau unterschieden(Horap. I, 1.): der Basilisk mit geschwollenem Halse sich aufrichtend, die Ammonsschlange mit zwei kleinen Hörnern(Herodot II, 74.) und die sich windende groſse Schlange. Die Cikade, das Symbol der Geweihten(Horap. II, 55.), oder die Biene, kommt sehr häufig vor. Noch zahlreicher sind die Geräthe: Schlitten, Zangen, Beile, Stricke, Gürtel, Gefäſse, Kronen und Hauptbinden, der Karst oder Handpflug zum Auf- lockern der Erde, Fig. 1. zwei Sohlen für den rechten und linken Fuſs, nebst den Binden, sehr häufig ein Weberkamm, Fig. 4. zwei Hobel, Iig. 3. ein Spitzhammer, Fig. 7. und 8. die doppelte Hermesleuchte, Tig. 7. zwei Obeliske; endlich auch Waffen, die gewöhnlich 49* 388 mit einer Strauſsfeder verbunden sind, dem Symbol der Gerechtigkeit. Zu diesen allen kommen noch willkührliche Zeichen, Linien, Halbkreise, Windungen, Kreuze, Kreuze in einem Zirkel u. s. w. Wer möchte sich getrauen, alles dies auszulegen? Gleichwohl entdeckt man bald eine gewisse Einförmigkeit. In jeder Zeile steht zu oberst ein Falk, auf den unveränderlich ein Stier folgt, dann ein ausgestreckter Arm mit einer Strauſsfeder, ausgenommen Fig. 5., worauf nach wenigen Zeichen groſse Queer- und Parallelstriche diese Anfangsformeln von der übrigen Inschrift absondern. Auch die neuen Anfänge beginnen entweder mit einem Geier und Basilisk, mit einer niederhockenden Gestalt, mit einem Falken, oder endlich mit einer Biene, unter welcher der Name des Königes steht, woraus sich schlieſsen läſst, daſs die Inschrift des Obelisken zur Rechten mit Fig. 3., die des anderen mit Fig. 8. anfängt. Beachtet man diese Namen genauer, so ist der in der mittelsten Reihe gleichstimmig mit dem des Weihenden, der in der Dedication vorkommt; auf den Seitenreihen wieder- holen sich unveränderlich zwei Namen, von denen nur der erste mit dem Hieroglyphen- schilde des im Osymandeum beigesetzten Königes übereinstimmt, der Name des Vaters aber verschieden ist. Also nicht zur Verherrlichung ihrer eigenen Thaten errichteten die Weihenden diese Denkmäler, sondern zum Andenken eines älteren Königes, dessen Name gleichlautend mit dem des Ismandes oder Osymandyas war. In den Verzeichnissen der Könige von Theben oder Diospolis bei Eusebius und Syncellus kommt Ammenemes viermal vor, Amenophis dreimal, Acherres und Ramesses zweimal. In den Abständen der Namenschilder ist eine merkwürdige Symmetrie beobachtet. Nie finden sie sich auf der rechten Seite, ohne zugleich auf der linken vorzukommen; bald nachher werden sie gewöhnlich noch einmal wiederholt, und nur die Verschüttung des unteren Theils der Obelisken hindert, sie vollständig wahrzunehmen; selbst die vor- hergehenden und nachfolgenden Zeichen sind häufig dieselben. Unwidersprechlich geht daraus hervor, daſs diese Hieroglyphen gewisse Formulare enthalten, bei deren oft wieder- kehrenden Worten eben so sehr Rücksicht genommen ist auf die Decoration für das Auge, als auf den Sinn. Bedenkt man nun die verhältniſsmäſsig geringe Menge aller hieroglyphischen Zeichen überhaupt, so kann man die Mängel dieser Schreibart unmöglich in Abrede stellen. Nur geheiligte Formeln lieſsen durch dies Mittel sich aufzeichnen, und sofern die Weisheit der Aegypter an Hieroglyphen gekniipft erscheint, muſs man die hohe Meinung von derselben gewaltig herabstimmen. Ein endloses Formelwesen war durch sie bedingt, und nicht blos die Bildwerke an sich, auch die gleichsam geweihten Gedanken und Worte blieben unabänderlich festgesetzt.(Man seche darüber die merkwürdigen Stellen des Plato de legibus I. II. p. 66. 67. und I. VII. p. 342. ed. Bip. Vol. VIII.). Sogar die Sprachbildung scheint dadurch aufgehalten zu seyn, indem das Koptische zwar reich an zusammengesetzten Wörtern, aber auffallend arm an grammatischen Biegungen ist; ein Fall, der bei der chinesischen Zeichenschrift, obgleich diese mit der ägyptischen übrigens nichts gemein hat, auf wunderbare Weise ebenfalls zutrifft. Noch eins ist indeſs nicht zu übersehen. Das Symbolische der Zeichen gab den Hieroglyphen unfehlbar eine gewisse Prägnanz und Fülle der Bedeutung, welche zum Theil — 2 389 als ein Ersatz ihrer Armuth gelten kann. Jede Zeile ist gleichsam eine ununterbrochene Reihe von Metaphern, eine Bilderpoesie für das Auge, in der jedes Wort für sich zu denken giebt. Nehmen wir 2. B. die mittelste Zeile der ersten Figur, so erblicken wir: einen Geier und einen Basilisk, beides vieldeutige Zeichen, besonders des Himmels(Hora- pollo I, 11.) und des Rechtes über Leben und Tod(H. I, 1.); zwei bewaffnete Arme, die Symbole von Krieg und Schlacht(H. II, 5.); einen ausgestreckten Arm mit einer Strauls- feder, dem Symbol des gerechten Gerichtes(H. II, 118.); einen knieend mit aufgehobenen Händen Betenden und über ihm das Zeichen des Wassers; einen Hund, das Symbol der Obrigkeit und gewisser Priesterwürden(H. I, 39.); eine Eule, die nach den Münzen von Sais auch in Aegypten der Minerva geweiht war; einen Falken, das Symbol Gottes; eine Taube, das heilige Thier der Venus, und bald darauf eine Biene, das Symbol der Königs- würde(Ammian. Marc. XVII, 4.), worauf der Name des Königes folgt. Versucht man nun diese Zeichen in Worte zu übertragen, so erbält man blos eine Aufzählung der Titel und Eigenschaften des Königs; aber selbst die pomphaftesten Ausdrücke geben nicht die Fülle der Bedeutung, welche in den angeschauten sinnlichen Zeichen liegt. Mir ist es sogar glaublich, dals man, durch die Gewöhnung an den symbolischen Ausdruck der Gedanken, selbst in den Worten die Hieroglyphe nicht selten beibehielt, und die Zeichen zum Theil gleichsam ohne Auslegung las. So führt ein Priester den Namen Adler(z. B. Inscr. Rosett. Zeile 4. Eœ IEPEa AFror TOT AEror); der nubische König Silko scheint sich selbst einen Basilisk zu nennen, sicherlich mit in Beziehung auf die furchtbare Bedeutung dieser Schlangenart(OTS CTeTONGMHN BACIAICKOC OTK AIIHASON OAoC OIIICœ ToN AAAoN BACIAGoN AAAA AKMHN EMIIPDOCOGN ATToN): „Indem ich Basilisk ward, stand ich den andern Königen nicht nach, sondern ging ihnen weit vor*);— gegen die unteren Länder bin ich ein Löwe, gegen die oberen ein Kriegsgott“ (ETo TAP GIG KATGO MEPH AEæN EIMI KAI EIC ANo MEPDH APDHC GIMI“*). Niebnhr Insoriptiones Nubiens. Rom. 1820. pP. 5. 6.). Die ganze Denkart der Aegypter war gleichsam hieroglyphisch, an Bilder und Anschauungen geknüpft, und möchte zu der uns geläufigen discursiven Klarheit der Gedankenentwickelung sich fast wie eine äsopische Fabel verhalten. Die Begriffe erschienen in körperlicher Gestalt, wovon die Vernachläs- sigung des Wortes eine natürliche Folge war.(ch. Jambliekh. de myster. III, 3.)] Eben deshalb wird auch nirgends einer poetischen Literatur der Aegypter erwähnt; was sie in dieser Art besaſsen, waren blos heilige Hymnen. Die Thaten der Götter und alten Könige wurden in den endlosen Bildwerken der Tempel und Denkmäler aufbewahrt, indem die hieroglyphische Darstellung das Amt der Geschichte und Poesie vertrat. Die gröſseren Bilderfolgen in dem Osymandeum und dem Grabe zu Medinat-Aboun sind auch *) Wenigstens wird man zugeben, dafs der seltsame Titel Basiliscus durch die symbolische Bedeutung des Thieres veredelt wurde. ⸗) Man käönnte sogar in diesen Worten den Sinn finden: Unten bin ich Löwe, oben Kriegsgott; so- dals Silko sich als Androsphinx beschriebe. Niebuhr 7. 7. P. 22. —————.———— 8 ͤͤ—:———J—ÿ——ę—ę—C—˖VCO˖Q—CQOQOCMꝑ—j—L—— ———,—y————.————y 3* 84..— 2 — 390 3 so umständlich, daſs es nicht schwer wird, in ihnen die Quelle mancher schrifllich auf uns gekommenen Erzählungen wiederzufinden. Unter den Hieroglyphen bemerkt man gewisse Zeichen, die sich unendlich oft wieder- holen, und zum Theil mit anderen so unzertrennlich verbunden sind, daſs sie mit ihnen V nur ein Wort auszudrücken scheinen. Vor der Biene z. B. fehlt niemals der Pflanzen- stengel(auch in der Inschrift von Rosette, Zeile 6. 7. und 14., wo die Zeichen nur sehr b vernachlässigt sind), unter ihr stehen immer zwei Halbkreise, über dem Vulpanser bestän- b dig eine Scheibe u. s. w. Haben wir doch in den Namen der Könige ein unleugbares Beispiel der Schreibung Eines Wortes durch viele Zeichen; obgleich man neuerlich dieses Princip gegen das Zeugniſs der Alten zu weit ausgedehnt hat. Manche Zeichen sind unfehlbar auch Artikel und Verbindungswörter, andere scheinen wahre Zahlen zu seyn, die nach einem decadischen System fortschreiten; indem eine gerade Linie eins, eine gebogene Linie zehn(beides nach dem Zeugniſs des Horapollo, II. 30., welches durch einen zu Theben gefundeuen Maaſsstab mit Zahlen bestätigt wird), eine Windung aber hundert, ein anderes Zeichen tausend bedeutet, welches letztere Herr Jomard fast bis zur Evidenz bewiesen hat(Sur les signes numdriques des anciens Egyptiens, in der Revue Eney- clopedique, Paris 1819. Vol. ILI. p. 337. s. s.). Später wirkte die Buchstabenschrift unfehlbar auf die Hieroglyphen zurück, und gab ihnen mehr Willkühr und Mannigfaltigkeit. V Zur Bestätigung der hier entwickelten Ansicht, nach welcher die Hieroglyphen blos„ zur Aufzeichnung formularähnlicher Gedankenreihen dienen konnten, theile ich die Erklä- sung eines, wie Zoëga glaubt, bei der Porta del Popolo zu Rom aufgestellten Obelisken mit, die von Hermapion, einem gebornen Aegypter, wie der Name verräth, herrührt und von Ammianus Marcellinus(I. XVII. c. 4.) aufbehalten ist. Auch dieser Obelisk trägt auf jeder seiner vier Seiten, wie die zu Luxor, drei senkrecht herablaufende Hiero- I glyphenreihen. Hermapions Auslegung ist nur zum Theil übrig, die Fremdartigkeit der Gedankenverbindung verbürgt ihre Aechtheit; und ich kann mich nicht entschlieſsen, mit Zoëga(de obel. p. 594.) darin blos einen kurzen Auszug des Inhaltes zu finden, da wir nicht berechtigt sind, die Hicroglyphen für eine schr bündige Schreibart anzusehen; obgleich ich überzeugt bin, daſs der volle Sinn mancher Zeichen, in was immer für Worte gefalst, V nicht ganz erschöpft seyn würde. Süd-Seite. Erste Zeile: „Die Sonne dem Könige Ramestes: ich habe dir verliehen über die ganze Erde zu b herrschen in Freudigkeit: den die Sonne liebt und Apollo. Der starke wahrheitliebende Sohn Herons, der gotterzeugte Erhalter der Erde, den die Sonne auserkohr, der Starke des Mars, König Ramestes: dem unterthan ist die Erde mit Kraft und Muth. Der König Ramestes, der Sonne Sohn, der ewig lebende.“ Zweite Zeile: „Apollo der starke, der wahrhafte Herr der königlichen Binde(Psahent, Inscr. Rosett. Zeile 44.); der Aegypten, sein Besitzthum, glorreich macht; der Heliopolis mit Glanz — 2 1 1 391 erfüllt; der die übrige Erde auferbaut(ricas); der hoch ehrt die in Heliopolis aufgestellten Götter; welchen die Sonne liebt.“ 1 Dritte Zeile: „Apollo, der starke, allleuchtende Sonnensohn, den die Sonne auserkohr und Mars, der gewaltige, begabte, dessen Wohlthaten dauern durch alle Zeit, den Ammon liebt, der mit Gütern füllte den Tempel des Phönix, dem die Götter lange Zeit des Lebens verliehen.“ — Seite. Erste Zeile(die Ueberschrift ist nämlich verloren gegangen): „Apollo der starke, der Sohn Herons, der König der Erde, Ramestes; der Aegypten behütete, indem er über fremde Völker den Sieg errang; den die Sonne liebt; dem die Götter lange Zeit des Lebens verliehen; der Herr der Erde, Ramestes der ewig lebende.“ Zweite Zeile: „Die Sonne, der groſse Gott, der Herr des Himmels: Ich habe dir verliehen Leben ohne Sättigung. Apollo der starke, der unvergleichbare Herr der königlichen Binde, dem in diesem Königreich der Herr Aegyptens Statuen errichtete und Heliopolis schmückte, so wie die Sonne, den Herrn des Himmels. Es vollbrachte ein gutes Werk der Sonnensohn, der ewig lebende König.“. Dritte Zeile: „Die Sonne, der Herr des Himmels; dem Könige Ramestes habe ich verliehen Kraft und Gewalt in allen Dingen; den Apollo, der wahrheitliebende Herr der Zeiten, und Vulkan, der Vater der Götter, auserkohr durch Mars. Der allfreudige König, der Sonnen- sohn, der von der Sonne Geliebte.“ Ost-Seite. Erste Zeile: „Apollo der starke von Heliopolis, der groſse himmlische(*νουεαεινες) Gott, der Sohn Herons; dessen Hort die Sonne ist; den die Götter ehrten; der die ganze Erde beherrscht; den die Sonne auserkohr; der durch Mars gewaltige König, den Ammon liebt, und der Allleuchtende zum ewigen König ausersah.“ Hier bricht die Erklärung ab, aus der man sieht, daſs Ramestes als ein neuer Horus- Apollo gefeiert wird, wie Ptolemäus Epiphanes in der Inschrift von Rosette(Zeile 10. und 26.), deren Eingang manche der hier vorkommenden Formeln wiederholt, nur daſs nicht die Sonne, wie zu Heliopolis, sondern Vulkan als höchster Schützer des Königs genannt ist, indem das Dekret der Priester zu Memphis erlassen wurde. In der häufigen Benennung: Herr der ganzen Erde, scheint eine Aufklärung über die unglaublichen Erobe- rungen des Sesostris zu liegen. Man nahm an, dieser König habe die ganze Erde besiegt, und so waren freilich alle Völker mit inbegriffen, selbst die, welche Darius(Herod. II, 110.) und Alexander(D io d. I, 55.) unbezwungen lieſsen. ͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤ— 392 LI afe?!, AT. Fig. 1. 2. b. Basrelief im Tempel des Osiris(oben S. 386.) zu Luxor, von Herrn Ricci gezeichnet(Kap. XII. p. 256.). Es ist die Darstellung einer Procession. Zuerst erscheinen drei Männer, welche die Hände, wie es scheint, betend zusammen- legen; drei andere folgen, deren einer ein Weihrauchschälchen auf einem Geräthe, welches einen Arm mit der linken Hand nachahmt, und ein Gefäſs zu Libationen trägt. Dies stimmt völlig zusammen mit der Schilderung der Isisprocession im XI. Buch der Metamor- phosen des Apulejus(æd. Elmenk. p. 262.): Quartus Aequitatis ostendebat indicium, defor- matam manum sinistram porrecta palmula, quae genuina pigritia, nulla calliditate, nulla solertia praedita, videbatur aequitati magis aptior quam deætra. Idem gerebat et aureum vasculum in modum papillae rotundatum, de quo lacte libabat.„Der vierte zeigte das Symbol der Billigkeit, eine Gestalt der linken Hand mit dargereichter Handfläche, indem diese wegen ihrer natürlichen Unthätigkeit, ohne List und Gewandtheit, der Billigkeit ange- messener zu seyn schien, als die rechte. Derselbe trug auch ein goldenes Gefäſs, nach Art einer Brust zugerundet, aus welchem er Milch zu Libationen ausgoſs.“ Diese merk- würdige Zusammenstimmung läſst vermuthen, daſs die erhobenen Hände der anderen nicht blos Gebet ausdrücken, sondern jenen Gestus des Schmückens, welchen Apulejus kur⸗z vorher(p. 261.) beschreibt: mulieres..... quae gestu brachiorum flexuque digitorum ornatum atque oppexum orinium regalium fingerent.„Frauen, welche durch die Bewegung der Arme und die Biegung der Finger das Schmücken und Kämmen der königlichen Haare(der Isis) nachahmten.“ Die hier dargestellten sind indeſs nicht Frauen, sondern Männer. Es folgt ein einzeln Gehender, welcher mit beiden Händen ein Sistrum von ungewöhnlicher Gestalt schüttelt; wofern nicht dieses Geräth noch eine andere Bedeutung hat, wenigstens ähnelt es mehr dem auf der Bembinischen Tafel im mittelsten Streifen zur Linken vor- kommenden Symbol, als einem Sistrum. Acht Männer tragen dann auf einer Bahre zwei Laden, und drei andere Männer kleinere Laden auf den Schultern; vier dieser Kasten sind oben mit Basilisken oder Uräus- schlangen verziert. Unwillkührlich wird man hier an die Bundeslade der Juden erinnert. Apulejus vergiſst auch diesen Gebrauch nicht(7. c.„. 262.): Ferebatur cista secretorum aapaæ, penitus celans operta magnificae religionis.„Man trug eine Kiste, welche Geheim- nisse in sich schloſs, ganz verhüllend das Verborgene der erhabenen Religion.“ In dem Dekret der Priester zu Memphis wird bestimmt, daſs an den groſsen Festen, beim Um- tragen der Tempel der Götter, auch der des Gottes Ptolemäus Epiphanes solle umher getragen werden; auf dem Tempel sollen die zwölf goldenen Kronen des Königes mit goldenen Schlangen liegen, und auf dem Viereck umher goldene Phylakterien(wahrschein- lich Basilisken) angebracht seyn(Insoript. Rosett. Zeile 42— 45.). Jeder Privatmann wird auch berechtigt, einen Tempel des Ptolemäus in seinem Hause zu haben(ibid. Zeile 52.), welches nur solche kleine Heiligthümer seyn konnten. In der königlichen Sammlung zu Berlin befinden sich jetzt mehrere kleine Tempel der Art, die der Herr General in Ober- Aegypten gekauft hatte, aber sämmtlich dem Osiris geweiht zu seyn scheinen.(M. s. die 393 Erklärung der Tafel XXXII. Fig. 1. a. 5. c. d.). Von den Aegypteru ging der Gebrauch der mystischen Laden pekanntlich schon früh zu den Griechen über, und auch der Ausdruck: Lanuh rd alyaea, scheint sich auf das Umtragen solcher kleinen Heiligthümer zu beziehen. Claudian. de IV. Consul. Honorit, v. 572.: — Sic numina Memphis In vulgus proferre solet: penetralibus exit Effigies, Brevis illa quidem, sed plurimus infra Liniger imposita suspirans vecte sacerdos Testatur sudore deum. Nilotioa sistris Ripa sonat etc.— Herodot erwähnt ein ägyptisches Fest zu Papremis, an welchem ein kleiner hölzerner, vergoldeter Tempel des Mars auf einem Wagen vom Volke gezogen wurde(Herod. II, 63.). Ein Mann und eine Frau beschliefsen die Procession; vor dem Munde des ersteren ist ein rechtwinklicher Triangel angebracht. Alle Männer haben, nach ägyptischer Priestersitte, ganz geschorene Köpfe: capilliunmm derasi funditus, vertice praenitentes.(Apulej. p. 261.). Die Hieroglyphen wiederholen viermal mit geringer Abwechselung die nämliche Formel, so daſs die Inschrift von der Linken zur Rechten immer auf dem nächsten leeren Raume fortgesetzt wird, bald unten, bald oben; nur am Schlusse folgen noch einige besondere Zeichen. Der sechsmal wiederholte Namenschild von drei Figuren, unter denen eine niederhockende weibliche Gestalt mit einem umgekehrten Weiheschlüssel auf den Knieen und einer Strauſsfeder auf dem Haupte sich am meisten auszeichnet, findet man auch an dem berühmten klingenden Koloſs des Memnon oder Amenophis, woraus sich zu erge- ben scheint, daſs einer der Könige dieses Namens einen Theil des Tempels zu Luxor vollendete. Die geläufige Benennung Memnon beruht übrigens auf einem Miſsverstande, da eine von Buttmann mit groſsem Scharfsinn erklärte griechische Papyrusrolle der Königlichen Sammlung es aulser Zweifel setzt, daſs-d Meauedeeca das ganze, Theben gegen- über, im Tathyritischen Nomus belegene Gebiet der Gräber anzeigt. Fig. 2. Basrelief in einem Tempel zu Ombos, von Herrn Ricci gezeichnet(Kap. XIII. S. 286.); ein Löwe mit einem Falkenhaupt. Der Falk bezeichnet am gewöhnlichsten die Sonne und alles Heilige(Horap. I, 6.), der Löwe den Nil(zbid. c. 21.), das Feuer(Aelian. de nat. anin. XII, 7.) den Muth (Horap. I, 17.) u. s. w., so daſs in dieser Gestalt zwei vieldeutige Symbole vereinigt sind. Auf der bembinischen Tafel hält dieser Falkenlöwe unter dem Throne der Isis vor sich den Nilkrug, auf dem oberen Streifen sitzt er geflügelt und mit verfinstertem Haupte neben der trauernden Isis, auf dem Rande kämpft er siegreich mit einer Schlange. Er ist offenbar das Vorbild der griechischen Greife, die dem Apollo geheiligt waren(man sche in den Jonian antiquities die Reste des Tempels zu Milet.). Aber selbst diese Bezie- hung scheint aus Aegypten entlehnt. Löwe und Falk wurden besonders dem Horus zuge- eignet.(Horap. I, 17. Aelian. de nat. an. VII, 9. X, 14.), als Symbole des Muthes und des Siegs. Auf der bembinischen Tafel steht ein Löwe unter seinem Thron, und ein Falke über seinem Haupt. Aus der erhaltenen Inschrift des Tempels zu Ombos 50 394 wissen wir, daſs eine Zelle desselben dem Arueris oder Horus geweiht war(Letronne Recherches p. 76. seg.), und im Innern erscheint dieser Gott beständig mit einem Fal- kenhaupte dargestellt, und neben ihm Typhon, der die Ehre des Tempels mit ihm theilte(oben S. 153. 284.). Der Kampf des Falkenlöwen mit der Schlange bezieht sich unleugbar auf den Sieg des Horus über den Typhon. Selbst die Krone des symbolischen Thieres scheint diese Auslegung zu bestätigen; denn obgleich sie vielen Gottheiten eigen ist, führt doch Horus sie am häufigsten.(S. Tafel XXII. Fig. 2.). Seite 134. ist eine Deutung derselben versucht; jetzt getraue ich mir, sie noch vollständiger zu erklären. Sie besteht nämlich aus drei Theilen, welche auch einzeln vorkommen: der äuſserste Theil ist das ägyptische Kornmaaſs, dessen Griff hinten emporsteht(Tafel XXXII. fig. 13.); aus ihr ragt die hohe Königskrone hervor (Tafel XXXII. Fig. 12. cf. Tafel XX. Fig. 1.), und vorn ist der siderische Stab des Schick- sals eingefügt.. Die Zeichnung dieses Falkenlöwen ist von solcher Vollkommenheit, daſs sie der griechischen Kunst Ehre machen würde. Die Bildwerke des Tempels zu Ombos wurden, nach dem Zeugniſs der Inschrift, unter Ptolemäus Philometor, etwa 150 Jahre vor Christi Geburt, auf Kosten der im ombitischen Nomos stationirten Truppen ausgeführt(AraHrEI OEQI MEPDAAQI AIIOAAQNI KAI TOIZ2 VTNNAOIE OEOIZ TON 2HKON OI EN Taol OMBITHI TAT- 2OMENOI HEZOI KAl IIIIEIZ KAI OI AAAOI z. 7. A. Letronne l. c.) Fig. 3. Vertieft gearbeitetes Relief im Tempel zu Eleids oder Ilithyia, von Herrn Ricci gezeichnet(Kap. XIII. S. 277.). Im groſsen französischen Werke heiſst der jetzige Name des Ortes El-Kab. Auf einem Altare sitzt ein heiliger Affe, der Kynokephalos oder Magot. Aus Gründen, die Horapollo(I, 14.) umständlich erörtert, hielt man dies Thier für ein Symbol des Mondes; schon deshalb war es auch dem Hermes geweiht, dem Schutzgott desselben (Plutarok. de Is. et Osir. 41.). Die Aegypter fanden aber noch besondere Anzeichen, um es dem Hermes zu heiligen: Der Kynokephalos werde beschnitten geboren, er enthalte sich der Fische, er zeige die Stunden, den Neumond und das Aequinoctium an, leide bei Mondünsternissen, halte auf Reinlichkeit u. s. w. Er lernte sogar Buchstaben malen (. Aelian. de nat. anim. VI, 10.), und schien sonach ein vollkommenes Abbild des Theuth selbst zu seyn. Auf Bildwerken sieht man diesen Affen bisweilen schreibend dar- gestellt, und auf der Todtenwage sitzt er beständig in der Mitte des Wagebalkens, weil Hermes der Gott der Gerechtigkeit ist. In den Tempeln wurde ein heiliger Kynokephalos sorgfältig ernährt; und ein solcher scheint hier dargestellt zu seyn(¶Tανοmn, p. 1 12.). Hinter ihm steht eine schlanke weibliche Gestalt, in einer eng anliegenden langen Tunika und mit einem eigenthümlichen Kopfputz, der hinten herabhängt und sich gleich- sam aufrollt. Eben diese Göttin finden wir auf der bembinischen Tafel in Verbindungen wieder, die über ihre Bedeutung keinen Zweifel lassen. Sie steht dort im mittleren Streifen, neben Horus, vor der thronenden Isis, und kann nur Bubastis seyn, der Isis Tochter und Schwester des Horus, die beständig als die ägyptische Diana bezeichnet wird (Herodot II, 137.), so wie Horus, ihr Bruder, als Apollo. Die Jangfräulichkeit gehört 74 ——— 395 so wesentlich zum Begriff der griechischen Diana, daſs schon die Uebertragung des Namens vermuthen läſst, auch die Bubastis sey als ewige Jungfrau gedacht worden, und Jablonsky(Panth. Aeg. II. p. 62.) bezieht mit Recht hierauf den Beinamen ganctaque Bubastis, welchen Ovid(Metam. IX. 692.) dieser Göttin beilegt. Die Bildwerke scheinen jetzt diese Annahme zu rechtfertigen; bezeichnet nämlich die vorn herabfallende groſse Haube, die allen andern ägyptischen Göttinnen gegeben wird, die vermählte Frau, so kann der freiere zierliche Kopfputz der Bubastis kaum etwas anderes bedeuten, als die unvermählte Jungfrau. Je mehr das Dunkel der ägyptischen Religion sich aufhellt, um so einleuchtender wird ihre Aehnlichkeit mit der griechischen, die auch keiner der alten Schriftsteller jemals in Zweifel zog. Ein Epigramm des Nikarchos setzt es auſser Zweifel, daſs Bubastis auch als Geburts- göttin mit der griechischen Diana zusammentraf(Br⸗uunck Analect. II. p. 350. Nr. 6. Jacobs Anthol. Vol. III. P. 60. D). Somit erklärt es sich, wie diese Göttin hier im Tempel der Jli- thyia vorkommt; sie ist nämlich diese selbst, und bei der nothwendigen Verbindung jeder Geburtsgöttin mit dem Monde, dürfen wir uns nicht wundern, hier den Kynokephalos vor ihr zu erblicken, über den sie die Hand segnend auszustrecken scheint. Das heilige Thier der Bubastis war indeſs eigentlich die Katze, oder vielmehr die Aegypten eigenthümliche Abart dieses Geschlechts. Die griechische Erzählung von der Galinthias(Anton. Lib. 29.), und eine noch seltsamere, die Demetrius Phalereus erwähnt(¶De elocut.. 159.), entstan- den offenbar auf Anlaſs jenes ägyptischen Glaubens. In Nieder-Aegypten wurden die Katzen in den heiligen Gräbern der Stadt Bubastis beigesetzt(Herodot II, 67.), in Ober-Aegypten scheint dies zu Nlithyia geschehen zu seyn(ob. S. 278.). Auſser der Katze war auch das Ichneumon dieser Göttin und der Latona geweiht(Aeli an. de nat. anim. X, 47.). In alten Zeiten brachte man der Bubastis Menschenopfer. Vor den Altar tritt ein König mit der hohen Krone auf dem Haupte, vor der ein Basilisk die Gewalt über Leben und Tod anzeigt. Aus den Namenschildern vor ihm läſst sich vermuthen, daſs er der Sohn eines Ismandes war. In der rechten Hand hält der König eine Pflugschar, in der linken eine Schriftrolle. Unter den Hieroglyphen ist eine Pyramide mit Absätzen merkwürdig, über der ein Vogel fliegt. Fig. 4. Diese Figur, aus einem der Gräber von Biban-el-Moluk, dient zur Be- richtigung eines Verschens im groſsen französischen Werke Vol. II. pl. 83., wo in der Darstellung des Todtengerichts, statt vier Antelopenköpfe, vier Vögel mit Menschenköpfen gezeichnet sind, die man für Symbole seliger Geister angesehen hat. Der Irrthum ist schon im Quarterly Revien Nr. 38. 1819. p. 421. gerügt. Fig. 5. Rest der letzten Säule des Tempels des Antäus zu El-Gau(Kap. XI. S. 243.), dessen Pronaos von Ptolemäus Philometor erbaut und von Mark-Aurel und Verus resti- tuirt worden war(Letronne Recherches p. 42— 75.). Antäus erscheint auf den Münzen von Antäopolis mit einem Krokodil auf der Hand(Tõchon medailles des nomes p. 97.); die oben Seite 108. erwähnte Münze ist indeſs nicht hier, sondern zu Alexandrien geschla- gen. Dieser Gott ist entweder Kronos selbst, oder einer von seinen und Typhons Genossen, der zu Antäopolis von Herkules besiegt seyn sollte. ¶ Diodor I, 21.) 50* 396 Fig. 6. Ein symbolischer Vogel, der in dem Tempel zu Karnak sehr häufig vorkommt, und den man für den Phönix zu halten pflegt, welche Meinung durch den Stern neben ihm begünstigt zu werden scheint. Die Menschenhände, die er immer betend erheht, lassen indefſs noch eine andere Bedeutung desselben vermuthen.(M. s. Tafel XXI. Fig. 11.) Ta fe: XII Fig. 1. Kolorirtes Relief zu Karnak, im äufseren Umgange des granitnen innersten Heiligthums des Ammontempels, von Herrn Ricci gezeichnet.(M. vergl. Description de PEgypte, Ant. Vol. III. pl. 21. fig. 1.). Es scheint die Weihe und Krönung eines Königes darzustellen, die vielleicht mit eben den Gebräuchen hier vorgenommen wurde, so wie sie später zu Memphis im Tempel des Vulcans statt fand.(Sohol. in Germanici Aratea Wol. II. p. 70. ed. Buhle.*) cf. Inser. Ros. Z. 7. 8.). Zwei Priester, der eine mit einem Falken-, der andere mit einem Ibiskopf, also Repräsentanten der Sonne und des Hermes, gieſsen zuerst das Salböl oder heilige Wasser über dem Haupte des Königes aus. Eben diese setzen ihm dann in einer besondern Kapelle die hohe königliche Krone auf. Zwei andere Priester, deren einer ebenfalls einen Falkenkopf hat, aber mit einem sehr ausgezeichneten Schmuck über demselben, führen den König, der nun das Diadem trägt, an den Händen ins Innere. Der falkenköpfige Führer richtet den mystischen Schlüssel, das Symbol des Heils und des Lebens, gegen den Mund des Königs, den Hermes mit aufgehobener Hand bewillkommt. In einem aus Lotusstengeln gebildeten Heiligthum(†. Tafel IX.) setzt der thronende Osiris dem knieen- den Könige, gleichsam zur Bestätigung, die Krone noch einmal aufs Haupt. Neben Osiris sitzt Isis, seine Gemahlin, dem Horus auf ihrem Schooſse die Brust gebend. Der Kopf- putz der Isis ist das ägyptische Getreidemaaſs mit der Handhabe, der des Osiris besteht aus zwei hohen Palmzweigen, wie auf den Obelisken zu Luxor. Die Priester vertraten bei den heiligen Handlungen oft wirklich die Stelle der Götter, wie dieses Strabo von dem libyschen Orakel des Ammon ausdrücklich bemerkt(ob. S. 142.). Fig. 2. In der von Belzoni geöffneten Katakombe zu Biban-el-Moluk, von Herrn Ricci gezeichnet(Kap. XIII. p. 283.). Diese Gruppe von drei Figuren ist sehr merkwürdig, weil in ihr zum erstenmal eine unzweifelhafte Darstellung des ägyptischen Pan oder Mendes mit dem Bockskopf erscheint; aber auch hier noch nicht ganz so, wie er nach Herodot(II, 46.) im mendesischen Nomus gebildet wurde. Die rothe Farbe des Körpers und die grüne der Kopfbedeckung stimmen sehr wohl zu der Bedeutung, welche man diesem Gott beilegte. Schwerer ist es zu erklären, warum er hier mit einem Wesen, das seltsamerweise statt des Kopfes eine Schildkröte trägt, und einem anderen, das einen Krokodilskopf hat, auf Einer Base zusammengestellt ist. Das Krokodil wird *) Diese Stelle ist in vieler Beziehung merkwürdig: In templo Aegypti Memphis mos ſuit solio regio decoruri reges, qui regnabant. Ibi enim sacris initiabantur primum, ut dicitur, reges, Salis religiose tuni- cati, et tauro, quem Appim apellant, jugum portare ſus erat et per oicum unum duci.— Deducitur autem (reæ) a sacerdote Isidis in locum, qui nominatur Adytos, et jurejurando adigitur, neque mensem, neque diem intercalandum, quem in festum diem immutarent, sed ccczxeν dies peracturos, sicut institutum est ab anliuis. —— 397 immer den feindseligen Göttern, Saturn, Antäus und Typhon, beigelegt; die blutige Waffe in der Hand des furchtbaren Wesens verräth auch hier die böse Bedeutung. Die Schild- kröte scheint ebenfalls den typhonischen Mächten anzugehören; vielleicht war sie eine von den Gestalten, die Typhon im Kampfe gegen Horus annahm(s. Tafel. XXII. Fig. 6.). Plutarch verbindet die Erfindung der Lyra durch Hermes-Theuth mit der Besiegung des Typhon, mit dessen Sehnen er sie besaitete(de Is. et Osir.. 55.). Auch der Scholiast des Germanicus läſst eine im Schlamm des zuricktretenden Nil gefundene Schildkröte zur ersten Leier umformen(Aratus, ed. Buhle II. p. 66.). Nach Aelian waren die Schild- kröten der libyschen Wüste(oben Kap. III. S. 52.), wegen der hohen Wölbung ihrer Schalen, zu Leiern ganz besonders geeignet(ARelian. de nat. anim. XII.., 17.). Ob es nun zur Erklärung unseres Bildwerkes dienen kann, daſs der Scholiast des Germanicus erzählt, das Zodiakalzeichen des Steinbocks sey dem Typhon geweiht(Aratus Vol. II. p. 70. 71.), entscheide ich nicht; wenigstens ist es höchst zweifelhaft, wenn er hinzusetzt, der Aegipan sey Typhon selbst und zu Panopolis verehrt worden: obgleich auf den Münzen dieses Nomus ein Gott mit einem Thier auf der Hand erscheint, das einem Kro- kodil nicht unähnlich sieht(T'ezhon medailles des nomes P. 90.). Herr Young hält den Mendes für Antäus(Br⸗vewster's Archaeologia Britann. Supplem. Eol. II. Part. 1.), folgt aber in dieser Annahme wahrscheinlich blos der Autorität des Jablonsky. Die Abwechse- lung der Farben in unserm Bilde, roth und grün, ist sehr lebhaft contrastirt. Fg. 3. In den ägyptischen Bildwerken und Gemälden sind gewöhnlich alle Personen im Proſil gezeichnet; die hier gegebene Gestalt, aus einem der Gräber von Biban-el- Moluk, ist dadurch merkwürdig, dals ihr Gesicht von vorn erscheint, aber leider fast zerstört. Sie steht in einem kleinen Heiligthum, ist sehr zierlich bekleidet und gegürtet, führt in den Händen den Herrscherstab und den mystischen Schlüssel, die Zeichen der Macht und des Heils, und neben ihr sieht man auf einem kleinen Tisch oder Altar ein Opfer aus Früchten, Kuchen, Milch in einem Topfe, und anderen Dingen. Fig. 4. Diese drei Reihen symbolischer Wesen, aus dem Tempel zu Luxor, gehö- ren zu der Darstellung einer Königsweihe, der in Fig. 1. aus dem Tempel zu Karnak mit- getheilten nicht unähnlich.(M. s. Deseription de l'Egypte, Antiquitès Vol. III. pl. 14. fig. 6.). Wir geben sie hier als Beispiel der Färbung. Genien oder Priester der Unterwelt und der Sonne, jene mit der Maske des libyschen wilden Hundes oder Fuchses, diese mit Falken- köpfen, beten knieend, indem sie mit der rechten Hand die Brust schlagen und die linke erhe- ben. In den Darstellungen des Todtengerichts sind immer zwei Wesen dieser Art mit der Wage beschäſtigt, gleichsam ein Diener der Sonne und ein Diener der Behausung des Grabes. Die Hieroglyphen, hier von der Linken zur Rechten fortlaufend, wiederholen dreimal dieselbe Formel, die mit der Agathodämonsschlange anfängt. Die drei Ibis schei- nen den Beinamen des Hermes-Theuth, Trismegistus, der dreimal Groſse, auszu- drücken. Die geringen Abweichungen rühren wahrscheinlich von der Unaufmerksamkeit des Zeichners her. Als allgemeine Regel darf man annehmen, daſs die Hieroglyphen, sowohl von der Rechten zur Linken, als umgekehrt geschrieben, immer mit dem Kopf der Thiere anfangen.(Eben dies bemerkt Hr. VYoung Aierogl. vocab.) — 8 . 398 Fig. 5. Eine Mannsphinx von einem colorirten Relief; der Farbe wegen mitgetheilt. Vor der Stirn des Thieres der Basilisk; über ihm die geflügelte Kugel, deren rothe Farbe es aufser Zweifel setzt, daſs die Sonne dadurch bezeichnet werde. Der Basilisk ist auch hier das Symbol der Götter- und Königs-Gewalt über Leben und Tod. Fig. 6. 7. 9. 12. NKolorirte Glasmosaiken(oben Seite 281 und 354— 361.). Wegen der Zierlichkeit der meisten dieser Glasmosaiken, bei der keine weitere Bedeutung beab- sichtigt zu seyn scheint, bin ich geneigt, sie nicht für alt-ägyptisch anzusehen, beson- ders da die Geschicklichkeit der alexandrinischen Glasfabriken ausdrücklich erwähnt wird. Höchst wahrscheinlich sind übrigens die farbigen, undurchsichtigen Glasflüsse von weit älterer Erfindung, als das durchsichtige, farblose Glas; und jene konnte man kaum zu etwas anderem, als zu Gefäſsen und zu Schmuck benutzen. Plinius bemerkt ausdrücklich den Zusatz des Braunsteins, wodurch man farbloses Glas erhält, als einen späteren Fort- schritt(¶Plin. H. V. XXXLVI, 66. ooptus addi et magnes lapis.). Eben deshalb blieben gläserne Fensterscheiben, nach unserer Art, in den blühenden Zeiten des Alterthums ganz unbekannt, oder doch von sehr beschränktem Gebrauch. Die Erfindung soll indeſs schon zu Sidon gemacht seyn.(Plin. l. e. Man vergl. Herrn Professor John's Analysen der farbigen Gläser S. 351 und folgende.) Fig. 8. Ein sehr häufig vorkommendes Symbol, welches besonders an den Mumien- särgen niemals zu fehlen pflegt. Das hier gezeichnete befindet sich in der von Belzoni geöffneten Katakombe zu Biban-el-Moluk. Es scheint eine Laute zu seyn, deren Saiten nicht angegeben sind. Auf einer Papyrusrolle der Königlichen Sammlung erblickt man um die Leichenbahre, worauf der erschlagene Osiris ruht, mehrere weibliche Gestalten mit Lauten von dieser Form. Auch unter den Hieroglyphen findet sich dieses Zeichen, z. B. auf einem der Obelisken von Luxor(Tafel XVII. Fig. 3.) und am Ende der Inschrift von Rosette. Oben sind, statt eines, oft zwei Queerstäbchen angebracht. Fig. 10. Eine Glasmosaik, vielleicht den Kopf des Phthah oder Vulkan darstellend, des Vaters der Götter, nach dem Obelisken des Hermapion(oben S. 391.). Auch Esmun oder Aesculap, so wie die Kabiren überhaupt, erscheinen in ähnlicher Bildung. Fig. 11. Eine zu Edfou oder Apollinopolis Magna gefundene Glasmosaik, den sogenannten Phönix in der schon bemerkten Art darstellend.(M. s. Kap. XIII. S. 281.) Fig. 13. Darstellung des Ibis auf einem bei Hermopolis gefundenen kleinen Sarkophag mit einer Ibismumie, im Besitz des Herrn Salt zu Cairo(m. s. Kap. XI.S. 234.). Diese Zeichnung, so wie die der Glasmosaiken, sind von der Hand des Herrn Generals. Tafe! TXI7 Fig. 1. Dieses von Herrn Ricci gezeichnete Relief wiederholt sich in den beiden kleinen Kapellen der Steinbrüche von Ha djar-Silsili, die Tafel III. Fig. 3. dargestellt sind; mit dem Unterschiede, daſs die löwenköpfige Göttin einmal mit einem Menschen- haupt erscheint, aber ohne Veränderung der fibrigen Attribute. Fast alle ägyptische Gott- heiten, mit Ausnahme des Anubis, werden bald ganz menschlich, bald mit den Masken „ 399 der ihnen geweihten Thiere dargestellt. Die hieroglyphische Inschrift der einen Kapelle findet man Tafel XXIX. Fig. 15. Eine Priesterin mit dem Geier(dem Zeichen der Mütterlichkeit) über dem Haupte und einem Kopfputz, der sich Tafel XXIII. Eig. 2. wiederholt, erhebt betend zwei Sistra vor zwei kleinen Altären mit Trankopfern. Drei Gottheiten empfangen ihre Huldigung. Die erste kommt, meines Wissens, auf keinem anderen Denkmale vor, erinnert aber an die aufrechtgehende Kuh der Isisprocession des Apulejus(Mecamorph. XI. p. 262. sequebatur bos, in erectum levata statum), die mit dem gleich darauf dort erwähnten Symbole der Isis nicht zu verwechseln ist. In der hieroglyphischen Ueberschrift unsers Bildwerkes(Tafel XXI. Fig. 15.), scheint die Göttin gleichfalls durch eine Kuh, und durch den Karst neben ihr, als Tochter des Phthah bezeichnet zu seyn(Voung's Hieroglyphical vocabulary Nr. 6.*). Bis also weitere Aufklärung möglich wird, dürfen wir in ihr die Rhea, die Mutter der Hauptgottheiten dritter Ordnung, erblicken, deren Namen Young für ägyptisch hält. Rhea sey nämlich das Femininum von Re, Sonne; und als Schwester, als Gemahlin oder Geliebte des Sonnengottes wird sie beständig eingeführt. Ihre sonst vorkommende Bildung (Kap. VI. S. 149.) scheint diese Ansicht zu bestätigen. Neben ihr steht Hermes-Theuth, mit seinen gewöhnlichen Attributen und in der rechten Hand eine Schriftrolle führend. Von ihm gebar Rhea die Isis. Die dritte Gott- heit, mit dem Löwenhaupt und der Mondesscheibe darüber, kann nicht wohl eine andere zeyn, als Nephthys, die Tochter der Rhea und des Saturn(oben S. 136. 147.) In der bembinischen Tafel kommt sie im untersten Figurenstreifen vor, wo ihre Bedeutung da- durch unzweifelhaft wird, daſs Anubis, ihr Sohn(¶Plutaroh. de Is. et Osir.. 14. 38. 44. 59.), den sie von Osiris gebar, vor ihr steht. Die Mondesscheibe über ihrem Haupte ist dort auſserdem durch den zweihörnigen Käfer bezeichnet, der nach Horapollo dem Monde geweiht war(Horap. I, 10.). Eine andere Käferart war das Symbol der zeugenden Kraft, und eine dritte, ibisförmige, dem Hermes gceheiligt; welche Unterschiede man bei der Aus- legung der Denkmäler nicht immer beobachtet hat. Fig. 2. Basrelief im Innern des Mausoleums des Osymandyas, von Herrn Segato gezeichnet.(Kap. XII. S. 259.) Unter allen bekannt gewordenen ägyptischen Bildwerken ist kaum ein anderes so schön ausgeführt und so belehrend, als das vorliegende. Die äufseren und inneren Wände des unermeſslichen Grabmals enthalten Darstel- lungen der Thaten und der Frömmigkeit des Königs, dem es geweiht ist; hier sehen wir ihn aufgenommen und belohnt von den richtenden Göttern. Is mandes oder Osymandyas sitzt in dem Schatten eines dichtbelaubten Baumes, zwei Hieroglyphenschilder über ihm enthalten seinen und seines Vaters Namen; über dem ersten bezeichnet die Biene mit dem Schilfblatt den König der Völker, über dem zweiten der Vulpanser oder die ägyptische *) Durch gütige Mittheilung Sr. Excellenz des Herrn Staatsministers Freiherrn von Humboldt ist dieses kleine Werk(fünf Kupferplatten, nebst einer kurzen Abhandlung zu Brewster's Archaeologia, Suppl. II, 1. gehörig) und Herrn Champollion's lettre à M. Dacier rélative à l'alphabet des hieroglyphes Phonòtigues, Daris 1822, jetzt in meinen Händen. Herrn Young's neueste Schrift: An account of some recent discoveries in hieroglyphical literature and Egyptian antiquities, London 1823, habe ich noch nicht benntzen können. —— — ͤdſ —“ „ 3 ³ 5 8 ͤͤͤ„ 1 400 wilde Ente das Wort Sohn. Die Attribute auf dem Haupt und in den Händen des Ismandes, sind die des Osiris, als Königs der Todten. Der Kopſputz besteht, über dem Diadem, welches hinten herabhängt und vorn mit einem Basilisk bezeichnet ist, aus Mendes- und Gazellenhörnern, mit der Krone des Richteramts und zwei anderen Basi- lisken. In der rechten Hand hält er den mystischen Schlässel, in der linken den Krumm- stab und die Geiſsel. Der Baum, unter dem er sitzt, ist wahrscheinlich die heilige Persea. Vor ihm, auf einem höheren Thron, erblicken wir Horus, dessen Gesicht etwas verstümmelt ist. Die Krone auf seinem Haupte ist die mehrmal erklärte, aus dem Getreide- maaſs, der hohen Mütze und dem gebogenen Stabe zusammengesetzt. Zwischen seinen Knieen erwächst die heilige Agrostis. Mit der rechten Hand zeichnet er auf ein Täfelchen den Namen des Ismandes, ihn dadurch gleichsam aufnehmend in die Gemeinschaft der Götter. Gegenüber tritt vor ihn eine Göttin, welche durch den Maaſsstab mit der doppelten Hermesleuchte in ihrer Hand und durch den Stern über ihrem Haupt, als Nemesis kenntlich wird(oben Kap. VI. S. 137.). Auch sie schreibt den Namen des Königs auf ein Täfelchen. Hinter ihr naht sich Hermes-Theuth, gleichfalls den Maaſsstab der Gerechtigkeit in der Hand führend, um den Namen des Vaters des Ismandes auf ein ähnliches Täfelchen zu schreiben. Ueber Horus und Nemesis stehen Anrufungen in hieroglyphischen Zeichen, unter denen man einmal auch die Giraffe bemerkt. Zwischen den Blättern der Persea sind viele kleine Schilder, welche den Namen des Ismandes enthalten, gleichsam die Zu- stimmung noch anderer Götter auszudrücken. Alle diese Täfelchen sind, der Form nach, den Blättern des heiligen Baumes völlig gleich, und erinnern in so fern an den griechischen Ausdruck Petalismus, welcher das Aufzeichnen auf einem Baumblatt ausdrückt. Rings- umher aber wiederholen sich allenthalben die Namenschilder des Ismandes und seines- Vaters, bald von Menschen mit erhobenen Händen, bald von geffügelten Basilisken angebetet. Die Nemesis hier zugleich mit Horus erscheinen zu sehen, würde noch bedeutsamer wer- den, lieſse sich einer Nachricht in den Theologumenis arithmeticis(PDaris 1543. p„. 33.) trauen, nach welcher die ägyptische Nemesis keine andere wäre, als die Schwester des Horus, Bubastis. An den Maaſsstäben dient die schwebende Leuchte, mit der daran befestigten kleinen Figur, wahrscheinlich als Zeichen des geraden Haltens des Stabes, also als sichtbarer Beweis der Gerechtigkeit. Das Thierchen am unteren Ende desselben, ist vielleicht das der Bubastis geweihte Ichneumon. 7 af2! I1. Fig. 1. Basrelief im Tempel zu Luxor, von Herrn Ricci gezeichnet. Ein Sonnen- priester mit der Falkenmaske überreicht dem Osiris mehrere Kinder, die dieser mit auf- gehobener Hand segnet. Zwei Personen, die durch den eigenthümlichen Schurz aus Leder- streifen, der noch jetzt bei den Barabra in Gebrauch ist(oben Kap. XIII. S. 291.), als „ 401 Aethiopier bezeichnet werden, wahrscheinlich die Eltern oder Mütter der dargebrachten Kleinen, nehmen an dieser Handlung Theil. Die erste trägt noch zwei Kinder auf den Händen; die zweite hält drei Schlüssel, die vielleicht für die drei gesegneten Kinder bestimmt sind. Dieses Relief, das einen höchst anziehenden Gebrauch der ägyptischen Religion darstellt, ist auch wegen der Färbung merkwürdig. Der Aethiopier mit den Kin- dern ist himmelblau, die Frau hinter ihm glänzend roth. Der Ansatz am Kinn ist, wie man sieht, keine Bezeichnung blos des männlichen Geschlechts, wie man geglaubt hat. Die Kinder sind alle von rother Farbe und ganz in der Stellung, die dem Harpokrates gegeben wird, selbst die herabhangende Locke an der einen Seite des Kopfes findet sich hier als allgemeine Kindertracht. Aus den Hieroglyphen scheint zu erhellen, daſs ein König Amenophis diesen Theil des Tempels, so wie die Isisprocession(Tafel XX. Fig. 1.), ausführen lieſs, denn der hier vorkommende Name findet sich an dem berühmten klingen- den Kolofs des Memnon, und an allen den sitzenden weiblichen Statuen mit Löwenköpfen, die einst vor dem Mausoleum dieses Königes standen, und deren drei, nebst einer ver- stümmelten vierten, jetzt zu Berlin sind. 3 Fig. 2. Vertieftes Relief in dem kleinen Tempel zu Elephantine(oben S. 290.), von Herrn Ricci gezeichnet. Ein König, mit einem weiten Mantel über dem gewöhnlichen Anzuge bekleidet und eine Waffe in der Hand haltend, führt die oft vorkommende Pro- cession der heiligen Nilbarke, die dem Ammon geweiht war. Seine Gemahlin, deren Namen oben beigefügt ist, scheint ihn zu empfangen, indem sie zwei Sistra emporhebt. Ueber dem Könige und der Königin schweht ein Geier. Fig. 3. Basrelief aus dem gröſseren Tempel zu Elephantine(Kap. XIII. S. 289.), von Herrn Ricci gezeichnet. Der König, über welchem das Symbol der Barmherzigkeit, der Geier, schwebt, wird von Helios und einer Göttin, die ein sehr künstliches Feldzeichen trägt, das aus Falken, Strauſsfedern und betenden Figuren zusammengesetzt ist, an den Händen geführt. In einem anderen Relief desselben Tempels sieht man eben diese Göttin, welche durch ihren besonderen Kopfputz sich auszeichnet, einem Könige, den der thro- nende Ammon umarmt, das Diadem um das Hanpt legen(Description de l'Esypte, Ant. I. pl. 37. ſig. 2.). Zu Philä sitzt sie neben Ammon auf einem Throne und ist mit Fittigen umwunden(ibid. pl. 16. fig. 1.) Auf der bembinischen Tafel kommt sie im obersten Streifen vor, wo ihr eine Gazelle geopfert wird(LIetustias. cab. aen. I enæt. 1605.). Wegen dieser häufigen Verbindung mit Ammon, wegen des Feldzeichens in ihrer Hand, das eine kriege- rische Göttin andeutet, und wegen des Schutzes, den sie den Königen zu gewähren scheint, glaube ich in ihr die Minerva zu erkennen, wie bereits Hirt scharfsinnig ver- muthete(Ueber die Bildung der ägyptischen Gottheiten S. 23.). Die Hiero- glyphen neben ihr scheinen diese Annahme zu bestätigen; denn man erblickt unter andern die Hermesleuchte, die sich vielleicht immer auf diese Göttin bezieht, der bekanntlich das Lampenfest zu Sais gefeiert wurde(Herodot II, 62.). Die Leuchte sieht Herr Young seltsamer Weise für eine Schnalle an(Hieroglyphioal vooab. Nr. 145.). Merkwürdig ist es, daſs eben der Fürst, welcher Fig. 3. als König bezeichnet wurde, hier als König und Gott Die falkenköpfige Gestalt, die ihn an der Hand führt, ist ohne Zweifel 51 vorkommt. — 402 Helios selbst; neben der Hieroglyphe: Gott über ihr ist sogar eine dreifache Wiederholung angedeutet(oung I. e. Nr. 1. 4. 2040), wie Tafel XXI. Fig. 4. bei dem Anruf an Hermes. Fig. 4. Ein vertieftes Relief(oben Seite 385.) im Tempel der Bubastis zu Ilithyia, zwei abgeschlagene Menschenköpfe auf einem Gerüst, das zum Umhertragen bestimmt zu seyn scheint, darstellend. Die Nachricht, die Plutarch(de Is. et Csir. c. 73.) aus dem Manetho anführt, dafs man in jener Stadt Menschen, die für typhonisch gehalten wurden, geopfert habe, wird hiedurch bestätigt. Bubastis scheint sonach wirklich die Nemesis der Aegypter gewesen zu seyn.(Theologum. arithm. I. c. Die Pentas bezeichne— Alæn, za Bovdrrsiuy, A 7⁴* Bνς ε Alyvu rov riεινε‿. Daher die Sancta Bubagstis des Ovid.) Fig. 5. Basrelief im gröſseren Tempel zu Elephantine; eine opfernde Fürstin, mit erhobenem Sistrum, deren Tracht sehr reich und zierlich ist. Das Andeuten des Nacken- den durch die Gewänder scheint bei den Aegyptern uralte Künstlersitte gewesen zu seyn. Fig. 6. Basrelief aus dem kleinen Tempel bei Ilithyia(Kap. XIII. S. 278.). Eine Priesterin huldigt durch Erhebung ihres Brustschmuckes dem thronenden Osiris. Eine ähnliche Darstellung theilt Herr Belzoni aus dem von ihm zu Biban-el-Moluk eröffneten Grabe mit(Researches in Egypt and Nubia.). Da die noch jetzt gebräuchlichen Benen- nungen alter Ortschaften in Aegypten durchgängig nicht den griechischen, sondern den inländischen Städtenamen nachgebildet sind, so führt der Name Eleids auf die Vermu- thung, daſs Tlithyia selbst ägyptischen Ursprunges sey. Die orientalische Geburtsgöttin Lilith(Creuzer's Symbolik II. S. 119.) scheint diese Annahme zu bestätigen. Im Griechischen sind EAidu und Easodk, wenn gleich sprachrichtig gebildet, als ursprüng- liche Götternamen offenbar zu bedentungslos. afel AXATII Fig. 1. Zwei Netzflechter, nach einem Gemälde in den Gräbern von Beni-Hassan (Kap. XI. S. 238.), von Herrn Ricci gezeichnet. Fig. 2. Ein Weber, ebendaselbst. Der höchst einfache Weberstuhl ist an vier in die Erde getriebenen Pflöcken befestigt, und der arbeitende Weber sitzt auf dem fertigen Theile des Zeuges, das gelb und grün gewürfelt ist. An mehreren Proben alt-ägyptischer Zeuge bemerkt man, daſs der Byssus schon vor dem Weben in der Wolle gefärbt wurde; was sich auch aus 2. Mos. 25, 4. 26, 1. und 31. ergiebt. Das von Plinius beschriebene Verfahren, die fertigen Gewebe durch Anwendung verschiedener Beizen auf einmal bunt zu färben, scheint sonach ein späterer Fortschritt der ägyptischen Kunst zu seyn.(Plin. H. N. XXXIL, 42. Pingunt et vestes in Aegypto inter pauca mirabili genere, candida vela, postquam attrivere, illinentes non coloribus, sed colorem Ssorbentibus medicamentis. Hoo dum fecere, non apparet in velis; sed in cortinam pigmenti ferventis mersa, post momentum extra- huntur picta. In diesen Worten ist eine deutliche Beschreibung des noch jetzt gebräuch- lichen Verfahrens der Färberei gegeben, und Lessing's Vermuthungen, der sie auf die compendiarische Malerei der Römer bezog(Werke Vol. XL.), worunter das falsche Fresko mit gefärbtem Kalk, in den Bädern des Titus und den Ruinen von Pompeji, ver- standen wird, erscheinen sonach ohne Grund.) — 403 Fig. 3. Basrelief an der Decke des Pronaos des Minerventempels zu Esneh oder Latopolis(Kap. XIII. S. 270.). Eine männliche Gestalt mit vier Widderköpfen, über welchen sich zwei Mendeshörner erheben. Auf dem Rande der bembinischen Tafel sieht man einen Widder mit zwei Köpfen, und im groſsen französischen Werke über Aegypten einen vierköpfigen. Vielleicht wird dadurch blos ein Superlativ der Bedeutung ausgedrückt, wie durch den dreifachen Ibis(Tafel XXI. Fig. 4.) das reusud,νσπτο, oder d ulαs 2ar Aba⸗ der Inschrift von Rosette(Zeile 19.). Mehrköpfige Bildwerke, nach. Art des römischen Janus bifrons und quadrifrong, hatten bei den Aegyptern auch prophylaktische Bedeutung. Fig. 4. 5. Colorirte Reliefs mit dem kleineren Tempel zu Absambul in Nubien, von Herrn Ricci gezeichnet(Kap. XIII. S. 290.). In den Händen zweier der dargestellten Frauen erblickt man die heilige Agrostis(oben S. 386.). Der Kopſfputz stimmt überein mit dem der ägyptischen Königinnen(Tafel XXII. Fig. 1. und Tafel XXIII. Fig. 2. 9). Die Farbe dieser Aethiopierinnen ist gelb. Uebrigens ist dieser sogenannte Tempel, so wie der gröſsere neben ihm, ungeachtet seiner ungeheuren Dimensionen, offenbar ein Grab. Der ägyptische Luxus der Königsmausoleen, zu denen ganze Felsen ausgehölt sind, wurde von den nubischen Fürsten nachgeahmt. 4 Fig. 6. Vertieftes Relief an der äuſseren Wand des Tempels des Arueris-Apollo zu Edfou oder Apollonopolis Magna(Kap. XIII. S. 280. f. Desoription de l' Egypte, Anc. I. Pl. 59. fig. 6.) Horus durchsticht eine Schildkröte(m. s. Tafel XXI. Fig. 2. und Tafel X. Fig. 3.). Iuaf e! XP. Fig. 1. 2. 3. Berbern oder Barabra von Elephantine(Kap. XIII. S. 291.). Bei der Sprachverwandtschaft, welche zwischen diesen Nubiern und den Berbern oder Berebbern im Marokkanischen und oberhalb Algier statt finden, ist es höchst merkwürdig, auf den Mäünzen des Königs Juba von Mauretanien diesen Fürsten ganz mit derselben Haar- tracht dargestellt zu sehen, welche hier den jetzigen Einwohnern von Elephantine gegeben ist (EFokhel dootrina Num. vet. Vol. II. p. 154., Mionnet Description de médailles antiques, Vol. VI. p. 398. f. Strabo. L. XIII. p. 828.) Ein Beweis, daſs die Wanderungen, welche diese Stämme in so weit entfernten Gegenden einheimisch machten, nicht erst in neueren Zeiten eintraten, sondern uralt sind. Fig. 4. und 6. Zwei Aegypter, von denen jener auf Faschinen von Dourastengeln, dieser auf einem Palmenstamm über den Nil setzt(Kap. XI. S. 253.). Fig. 5. Ein Floſs, blos aus irdenen Töpfen zusammengesetzt, von denen die unterste Reihe mit den Oeffnungen nach unten gekehrt ist. Diese Zeichnungen sind von Herrn Segato. T af e! XXIVI. Fig. 1. Halber Grundriſs der eröffneten Pyramide zu Sakkara und ihrer Umfassungs- mauer, von Herrn Segato, von dem auch die folgenden Zeichnungen herrühren. Man sehe Kap. XIV. S. 295— 299. i., die Pyramide selbst; J., die Umfassungsmauer; m., der Brunnen, mittelst dessen man den Eingang ins Innere fand. Fig. 2. a. b. c. d. Quadrat der Pyramide, dessen Seiten nicht genau nach den Him- melsgegenden orientirt, und auch nicht ganz von gleicher Länge sind. 5 1* 404 4. 5. Eine niedrige Stufe, etwa 20 Fuſs breit, welche gleichsam den Sockel der Pyra- mide bildet. e. Der Braunnen. f. Der Eingang, wie gewöhmlich, gegen Norden gerichtet. g. Die Tafel XXVIII. Fig. 2. besonders dargestellte Thüre. . h. Zwei noch unerforschte Seitengänge. 7. Ein nach oben führender Gang, der, wahrscheinlich von Schatzgräbern früherer Zeiten, mit Gewalt durch das Mauerwerk der Pyramide gebrochen ist und keinen Ausgang hat. j. Der zu dem groſsen Zimmer führende, sich allmählig erweiternde Hauptgang. z. Eine Mauer in diesem Gange von späterer Construction, aus Bruchsteinen. 7. Ein mit einem tieferen Gange communicirender Brunnen. m. und n. Unerforschte Seitengänge, die von diesem tieferen Gang auslaufen. 0. 0. Scheidung der tiefer liegenden Wege von z. nach z. p. Ein tieferer Gang, der zu der groſsen Kammer führt. J. Diese Kammer selbst.(M. s. Tafel XXIIII. Fig. 1.) r. Das Granitgemach in der Mitte derselben. §. 1 . 1 1 Eine niedrige Granitsäule. Das Innere der Granitkammer. „. Zerstörungen ringsumher, wahrscheinlich von Schatzgräbern herrührend, und Reste von Mauern aus Bruchsteinen. a.(sollte. seyn). Ein schmaler Seitengang. x. x. Zimmer, deren Wände mit Porcellanmosaik ausgesetzt sind. 3 y. Die Thüre(Tafel XXVIII. Eig. 4. a.), die mit Hieroglyphen verziert ist. Bei gg. befindet sich eine andere Thüre, ſiber der Hieroglyphen mit schwarzer Farbe gemalt sind, und ein steinernes Gefäſs, wahrscheinlich zu Wasser bestimmt, wegen der rituellen Reinigungen. z. Z. 2. z. Sehr zahlreiche Gänge, die vers chüttet oder noch unerforscht sind. 2. Gewaltsam durchbrochener Weg zu 65b. einem tieferen Gange. coc. Seitenweg, der zu der groſsen Kammer führt. dd. Fortsetzung des Ganges 5. ea. Brunnen, der diesen Gang mit cc. verbindet. Groſser Weg, der unter die Granitkammer führt. gg. Ein steinernes Gefäſs, aus dem Felsen gehauen, wie alle erwähnten Gänge und Kammern. T afel XXVII Fig. 1. Aeuſsere Ansicht der Pyramide, deren Stufen vom Wüstensande fast verweht sind; m. der gefundene Eingang. Fig. 2. Die Eingangsthüre Fig. 3. c. und Tafel XXVI. Iig. 2. g. a. Der Felsen, aus dem der untere Theil der Pyramide besteht. 405 3. Die Thüre selbst, die mit Werkstücken ausgesetzt ist; die Zargen und der Sturz bestehen aus einzelnen groſsen Steinblöcken. 4 Fig. 3. Durchschnitt der Pyramide, die in sieben Absätzen, nebst einem Sockel, erbaut ist, und lebhaft an die Construction des gleichfalls aus acht Absätzen bestehenden Belus- tempels zu Babylon erinnert(Herodot I, 181.). a. Der Brunnen. Der im Felsen ausgehauene alte Eingang. Die Thüre. 0 d. Seitenwege. e. Treppe. f. Nerschütteter Seitengang. g. Treppe. h. Seitengang. i. Brunnen, der diesen Weg mit dem oberen verbindet. z2. Zwei sich scheidende, abwärts führende Gänge, die einst verschlossen waren. lI. Weg zu der groſsen Kammer. m. Diese Kammer selbst. n. Ein weiter vor liegender Weg. 0. Der breite Quergang, der Tafel XXVI. Fig. 2. nach i. führt. 1 p. Ein aufwärts führender Gang, aus dem man durch das Gemäuer der oberen Pyramide zu brechen versucht hat. z. Der breite Hauptweg, der zu der groſsen Kammer führt, aber nicht auf dem Boden, sondern auf etwa zwei Drittel der Höhe derselben endigt; wahrscheinlich um von einer höheren Stelle den unten vorgehenden Gebräuchen beizuwohnen. r. Der Seitenweg Tafel XXVI. Fig. 2. c. s. k. u. Geräumige Quergänge. 1 y. Zerstörungen rings um das Innere der Kammer. Die Linien der, Tafel XXLI. Fig. D. bei æ. und y. angegebenen, hinteren Kammern stören hier in etwas die Deutlichkeit. In der Originalzeichnung waren sie von Herrn Segato durch rothe Dinte unterschieden, was im Steindruck sich nicht wiedergeben lieſs.. x. x. Höhe, bis zu welcher die Pyramide vom Sande verschüttet ist.. z. Gemäuer der Pyramide aus Kalksteinquadern, denen sämmtlich eine beträchtliche Neigung nach innen gegeben ist, wahrscheinlich der Festigkeit wegen. Alle bis jetzt gefundenen Gänge und Kammern sind unterirdisch und aus dem Felsen gehauen. Die unregelmäſsigen engen Nebenwege scheinen zum Theil blos zur Bequemlichkeit der Arbeiter beim Wegtühren der losgebrochenen Steine gedient zu haben. T afel XXVII Fig. 1. a. 5. c. d. Durchschnitte der groſsen Kammer, um alle vier Seitenwände zu zeigen, in welchen mehrere noch unerforschte Gänge sich öffnen. Oben ist die Decke ͤͤ— öooöoöoobbſ 406 nach Art eines Gewölbes ausgeschnitten, und unten bei k. eine Vertiefung angebracht, in welcher sich das aus mehreren Granitblöcken zusammengefügte innerste Gemach befindet. Fig. 1. b. bemerkt man die Granitsäule, die auf der einen Seite desselben eingefügt ist. Fig. 1. a. und d. sieht man oben einen hölzernen Querbalken, der sich erhalten hat, und auf den Seiten b. und. sind ebenfalls Löcher zur Aufnahme eines ähnlichen Balkens. Die Bestimmung derselben kann wohl nur gewesen seyn, eine Winde daran zu befestigen; vielleicht um aus den Eingängen der oberen Wege zu dem granitnen Heiligthum oder Sarkophag hinabzugelangen. Die Trümmer vieler alabasternen Geräthe in dieser Pyramide, die, wie es scheint, gedrechselt sind, verrathen, daſs hier einst religiöse Gebräuche be- gangen wurden. Fig. 2. Grundriſs der Kammer; die Buchstaben a. 5, c. d. verweisen auf die Zeich- nung Fig. 1. Fig. 3. Die untere Decke der Granitkammer, ganz von Rauch geschwärzt. Fig. 4. a. Die Thüre des Zimmers(Tafel XIII. Fig. 2. y.), mit Hieroglyphen und Porcellanmosaik verziert. Die vorkommenden Zcichen: Grab(eigentlich Osirisgrab, oben S. 131.), Biene, Geier, Basilisk, Gott, Sonne, Herrscherstab und Falk, sind die heiligsten des ägyptischen Bilderkreises, und scheinen das Grab eines als Gott ver- ehrten Königes anzudeuten. In den bisher untersuchten Pyramiden fanden sich keine Hieroglyphen. Entweder rühren sie aus Zeiten vor der Erfindung dieser Schreibart her, oder von nicht ägyptischen Königen, die der Priesterschaft und Landesreligion, als fremde Eroberer nicht günstig waren. Eine von Herodot aufbehaltene Sage(II, 128.) scheint die letztere Annahme zur Gewiſsheit zu erheben: Cheops und Chephren, die Erbauer der gröſsten Pyramiden, lieſsen die Tempel schlieſsen und hundert und sechs Jahre war Aegypten voll aller Bos- heit; die Hirten weideten ihr Vieh mitten im Lande, und diesen Hirten schrieb man die Pyramiden zu. Offenbar liegt hierin eine der vielen Spuren von einer Eroberung Aegyp- tens durch semitische Hirtenstämme, welche die inländischen Fürsten zwangen, den Sitz des Reiches von Memphis nach Theben zu verlegen, bis Sesostris den Thron der Pha- raonen, durch Besiegung der Hirten, wieder in seinem alten Glanz herstellte. Fig. 4. 5. zeigt die Verzierung der Querstreifen, zwischen den gröſseren(m. s. Fig. 7.) Fig. 5. Die Decke des Zimmers, mit Sternen auf schwarzem oder dunkelblauem Grunde. Fig. 6. a. b. Convexe Porcellanstücke von hellgrüner, bläulicher Farbe(m. s. oben Seite 339. die Bemerkungen des Herrn Professors John). Fig. E. c. Ein solches Porcellanstück, oder glasirte Fayence von der Seite gezeich- net, um zu zeigen, auf welche Art dieselben in Stucco eingesetzt und durch Metalldrath mit einander verbunden sind. Fig. 7. Die schmäleren Stücke(Fig. 4. 5.). Fig. 8. a. 5.. Kleinere Porcellanstücke, schwarz, zinnoberroth und karmoisinfarbig.— Im Innern der Pyramide fanden sich Stalaktiten von Steinsalz, glänzend weiſs und von groſser Schönheit.(M. s. oben S. 346.). —— ———— 407 Fig. 9. Eine zu Sakkara gefundene lebensgroſse Mumie, auf einer alabasternen Tafel beigesetzt, die mit vier Urnen umstellt ist.(M. s. Kap. XII. S. 266.). Fig. 10. Im Delta gebränchliche Art der Mumienbestattung. Der Wohlkeilheit oder des feuchten Bodens wegen nahm man, statt hölzerner Sarkophage, zwei groſse irdene Töpfe von rothem Thon, in denen die Mumie eingeschlossen ist. Die Ränder der Töpfe sind durch Kalk verbunden(ibid.). Diese beiden Zeichnungen sind von der Hand des Herrn Generals. Fig. 11. Ein ganz vermauertes Zimmer in der von Belz oni eröffneten Katakombe zu Biban-el-Moluk(Kap. XII. S. 272.). Fig. 12. Ansicht des oberen Theils der inneren Verzierung eben dieses Zimmers, des- sen Wandabtheilungen und elegante Simse, ohne den ägyptischen Charakter zu verleugnen, äuſserst geschmackvoll sind. 1 aſ?! XXIA. Fig. 1— 6. Reste des Granittempels der Isis zu Bohbait(Ksp. XIV. S. 300.), von der Hand des Herrn Generals. Fig. 1. enthält einen Bogen, die Zahl neunzehn(oben S. 390.) und den Namen eines Königes; Fig. 2. eben diesen Namen, nebst dem des Va- ters; Fig. 3. eine, wie es scheint, bärtige Priesterin, was an die seltsame Erzählung Hero- dots l. I. c. 175. von der Priesterin der Pedasier erinnert( feestn ri-s ASnvalns rupwva alyu 1rx½ᷣε). Fig. 4. Ein Säulenrest aus rothem und schwarzem Granit. Fig. 5. und 6. die an den Säulen des Tempels zu Tentyris, an vielen Sistren und sonst häufig vorkommende Göttin, die Hirt, wie es scheint mit Recht, für die Venus der Aegypter ansieht(Ueber die Bildung der äg. Gotth. p. 26.); wobei jedoch nicht zu vergessen ist, daſs das Symbol der Kuh mehreren Göttinnen gemeinschaftlich war, und eben sowohl Isis, als Athyr oder Nephthys dadurch bezeichnet seyn kann. Es ist sogar glaublich, daſs zu Ten- tyris nicht Venus selbst, als Säulenknauf, die Decke ihres eigenen Tempels trägt. Fig. 7. Ein zu Athribis gefundener Säulenknauf(Kap. XIV S. 300.). Fig. 8. Eine Treppe in den Katakomben, mit einer glatten Bahn zur bequemern Herablassung der Sarkophage(Kap. XII. S. 269.). Fig. 9. Ein granitnes Sakrarium zu Melawi( Kap. XI. S. 241.). Fig. 10. Eine Mauer, aus Holz und Steinen aufgeführt(Ebendas. S. 244.). Fig. 11. Scheinbarer Bogen zu Abydus(Ebendas. S. 245.). Fig. 12. Bogen aus Lehmziegeln bei dem Osymandeum(Kap. XII. S. 260.). Fig. 13. Ein Fenster(Ebendas. S. 263.). Fig. 14. Einer der thurmartigen Tempelflügel zu Edfou, von oben gesehen(Kap. XIII. S. 280. und S. 382. a. a. a. a. Die vier pyramidalisch aufsteigenden Wände. 5. 5. 5. 6. Eine steinerne Wehr um das platte Dach.«. c. Zwei querüber liegende platte Steine, wahr- scheinlich zur Aufstellung astronomischer Werkzeuge bestimmt. d. Die Fläche des Daches selbst. e. e. Zwei Fenster, schräg nach oben sich öffnend. f. Ein mit einer Brustwehr versehener, steinerner Gang über der Eingangsthüre, welcher die beiden Flügelgebände mit einander verbindet. — 3 4——— ſ ͤͤooͤöͤöoͤͤͤͤö —u—d——d—ö—öbbdbdb—ddd—“ 408 Fig. 15. Die Hieroglyphen über einer der Kapellen zu Hadjar Silsili(Tafel III. Tafel XII. Fig. 1.). Sie sind, wie gewöhnlich, zu beiden Seiten völlig über- einstimmend, so daſs sie in der Mitte sich vereinigen, von wo man sie rechts oder links lesen kann. Die geflügelte Sonnenscheibe pflegt allenthalben über den Thüren angebracht zu seyn. Die Verzierung des ausgebogenen Karnieſses besteht aus Basilisken, mit kleinen Scheiben über den Köpfen. Fig. 3. und T afel XXX. Die folgenden neun Tafeln enthalten eine Reihe der von Sr. Excellenz dem Herru General-Lieutenant mitgebrachten ägyptischen Denkmäler, welche sich jetzt in der König- lichen Sammlung zu Berlin befinden. Bei der Auswahl derselben ist, wie bei den früheren Tafeln, von mir eben so schr Rücksicht genommen auf die Neuheit und innere Merk- würdigkeit der Gegenstände, als auf die Hoffnung befriedigender Erklärung, so weit diese bei so schwierigen Aufgaben schon jetzt erreichbar scheinen konnte; damit über das geheimniſsvolle Aegypten nicht immer blos neue Räthsel mitgetheilt würden, sondern auch ein Anfang der Lösung. Die Zeichnungen aller dieser Tafeln sind vom Herrn Professor Dähling, Mitgliede der Königlichen Akademie der Künste, mit gewissenhaftester Treue ausgeführt; die Zeichner des Königl. lithographischen Instituts, besonders die Herren Belecke und Beckmann, haben alles aufgeboten, den Charakter der Gestalten genau wiederzugeben; und die Sauberkeit, womit Herr Moritz Kohl zu Meiſsen die IIlumination der vor mir liegenden Probeblätter ausgeführt hat, verdient ebenfalls eine rühmende Anerkennung. Fig. 1. Unter mehrern hundert ägyptischen Gemälden, die ich geschen, übertrifft das vorliegende alle anderen an technischer Vollendung, und ein gutes Schicksal hat gewollt, daſs es auch den anziehendsten aller Gegenstände darstellt; es ist nämlich Osiris, dessen Leidensgeschichte den Hauptinhalt der ägyptischen Religion ausmacht. Das Bild ist etwa an- derthalb Fufs hoch, auf einem dünnen Sykomorusbrett, dem eine doppelte Gründung von geschlemmter Kreide gegeben worden, mit Leimfarben ausgeführt, welche durch einen gelb- lichen glänzenden Harafrniſs unzerstörbar gemacht sind(oben Seite 336. 337.). Hieraus ergiebt sich, daſs die Technik dieser Gattung der Malerci von den Aegyptern zu den Griechen überging, und im Wesentlichen unverändert bis ins funfzehnte Jahrhundert bei- behalten wurde. Selbst die Vorsicht, durch eine über das Holz gespannte und mit Leim getränkte starke Leinwand, noch vor dem Auftrage der Kreidegründung, die Malerei gegen zufälliges Werfen und Spalten des Holzes zu verwahren, die viele der ältern italienischen Maler beobachteten, ist ägyptischen Ursprungs, obgleich bei dem uns jetzt beschäftigenden Bilde nicht angewandt. Die Farbe des Osiris ist blauschwarz, wie Plutarch sie angiebt(de Is. et Ovir. ¹. 22.), und viele weniger sorgfältig ausgeführte Gemälde stellen ihn eben so dar, z. B. die Cadet- sche Papyrusrolle(Copie figurde d'un rouleau de Papyrus, Paris 1805.), so wie die in dem groſsen Prachtwerk über Aegypten mitgetheilte, welche indels wahrscheinlich dieselbe ist. —— . 4 1 —— ——-—-——— 409 Selbst der von Bryaxis gearbeitete kolossale Sarapis oder Grabesosiris, wie er in der anzu- führenden Stelle ausdrücklich genannt wird, in dem berühmten Tempel zu Alexandrien (Clem. Alex. Protrept. p. 31. 32. Gylb.), war von blauschwarzer Farbe(ieacs zudee). Hierin könnte man eben sowohl einen Beweis des äthiopischen Ursprunges des Osirisdienstes (oben S. 130.), als eine symbolische Andeutung von Tod und Grab zu finden glauben. Uebrigens ist den südlichen Völkern die schwarze Farbe viel weniger anstöſsig, als uns. Herr Waddington spricht mit wahrem Entzücken von der Schönheit gewisser äthio- pischen schwarzen Stämme*); der schönste der indischen Götter, Krischna, ist schwarz, und dieses sogar die Bedeutung jenes Beinamens des Wischnu(m. sehe die Auszüge aus dem Sanskritglossar Amarasinha in Fr. Paullini, Carmelitae, Gstema Brahmanicum, Rom. 1791.). Selbst Homer nennt den Memnon, der immer schwarz gedacht wurde, den schönsten der Menschen(Odyss. XI, 521.). In Salomons hohem Liede(I, 5.) kommt die Stelle vor: Ich bin schwarz, aber gar lieblich, ihr Töchter Jerusalem! Die gelb und grün gestreifte Haube, die hinten eine Art Zopf bildet, ist dem Osiris und Horus eigen, findet sich aber auch an den Sphinxen(Tafel XXI. Iig. 5.). Um die- selbe liegt das purpurne Diadem, über der Stirne mit einem Basilisk bezeichnet, dem Symbol der Unsterblichkeit, und mit langen Enden, die hinten fast bis auf die Erde her- abhangen(Tafel XXI. Fig. 1. Tafel XXIII. Fig. 1. und sonst häufig. f. Hirt, über die Bildung der ägyptischen Gottheiten, S. 38.). Ueber der Scheitel ruht die Krone, die aus einem mit Basilisken verzierten Reifen oder Gestell besteht, welches einen unge- heuren Aufsatz trägt, der groſsentheils weggebrochen ist. In dem Erhaltenen erkennt man die Mendeshörner(wie Tafel X. Fig. 3.), vier Basilisken mit der Sonnenscheibe über den Köpfen, drei rothe Scheiben mit gelbem Rande u. s. w. Der glänzendste der Pla- neten, Jupiter, war nämlich dem Osiris geweiht(Achillis Tatii Isagoge in Arat. phaen. in Peravii Uranologium p. 136.). Man bemerkt deutlich, daſs der gewöhnliche Ansatz am Kinn mit einem Bande befestigt ist, also keinen natürlichen Bart darstellt(f. Tafel XA‿.III. Fig. 1.) Die Haltung des Osiris ist von der, Tafel IX. ihm gegebenen, nicht verschieden. Das Leichengewand besteht gleichsam aus bunten Schuppen, grün, blau und roth; auf der Brust ruht der gewöhnliche Zierath. In den kreuzweis über einander gelegten Händen hält er den Krummstab und die Geiſsel, welche letztere hier besonders deutlich dargestellt ist(oben S. 128.). Der übrige Leib ist mit überaus zierlichen Fittigen umwunden, über deren Bedeutung ich in Zweifel seyn würde, gäbe nicht eine Abbildung des Osiris in dem äuſseren Sarge der Mumie des Herrn von Pourtalès(oben S. 131.) darüber die Auf- klärung, daſs Osiris im Grabe diese Schwingen ausbreitet, um die Leiche des Begrabenen damit ganz zu umfangen. Der untere Theil unsers Gemäldes ist leider beschädigt, so dals die Füfse des Osiris fehlen. „ *) The Sheygya are black— a clear, glossy, fet- black, which appeared to my then unprejudiced eyes, to be the finest colour that could be selected for a human being. They are distinguished in every respect from the Negroes, by the brightneſs of their colour, by their hair and the regu- larity of their features, by the mild and decwy lustre of their eæyes, and by the soſtneſs of their touch, in which last respect they ield to no European. Waddington and Hanbury Fisit to Ethiopia(1822.) p. 122. 52 410 Die Umgebungen des Gottes sind nicht weniger merkwürdig, als das Bild selbst. Links zu oberst erblickt man eine groſse Schlange, die auf einigen Papyrusrollen der Königlichen Sammlung von ganz ungeheurem Maaſse erscheint, so daſs sie viele Götter trägt und von anderen gezogen wird. Sie erinnert an die Weltumfangende Schlange Väsughi, die in der indischen Mythologie eine sehr bedeutende Rolle spielt, und im Allgemeinen, wie bei den Aegyptern, das Symbol von Leben, Tod und Ewigkeit ist Amarasinha l. c.). Rechts erblickt man eines von jenen Kästchen, deren mehrere sich in der Königlichen Sammlung befinden(Tafel XXXII. Fig. 1.), und die wahrscheinlich kleine Gräber darstellen. Unter diesen Zeichen senken zu beiden Seiten zwei Geier, die Symbole des Himmels, der Weissagung und der Barmherzigkeit, anbetend die Fittige. Vor jedem steht, in einem Ringe, ein Herrscherstab, an denen, bei der Gröſse und der sorgfältigen Ausführung des Gemäldes, die Weglassung des Vogelkopfes und des Auges nicht für zufällig zu halten ist(oben S. 118.). Der Geier zur Linken hält in den Klauen eine zierliche Binde, die sich wahrscheinlich auf Begräbniſsgebräuche bezieht(ch. Tafel X¼. Fig. 5., Tafel XXXII. Tig. 9., Tafel XXXII. Fig. 1. c. d. und Fig. 4.), so wie die neben derselben befindliche Laute(f. Tafet XXXLI. Fig. 1. und oben Seite 398.). Von den Zeichen zur Linken hat Herr Young, durch sorgfältige Vergleichung der Hieroglyphen mit der griechischen Uebersetzung, ausgemittelt, daſs sie in der Inschrift von Rosette, den Titel des Ptole- mäus: Epiphanes, ausdrücken(Foung's hieroglyphical vocabulary Nr. 121.). Der obere Zug bedeutet nämlich Glanz, und die schreitenden Beine tragen: also Träger des Glanzes; welcher trefflichen Auslegung man um so sicherer beitreten kann, da sie der Wortbildung des ägyptischen Ausdrucks: oEriaor genau entspricht. Eine andere, nicht weniger sinnreiche Hieroglyphe für einen nahe verwandten Begriff findet sich bei Foung Nr. 63.— Zu beiden Seiten des Osiris streckt eine knieende weibliche Gestalt, sehnsüchtig betend, die Hände gegen ihn aus; vor jeder von ihnen bezeichnen ein Halbkreis und ein Ei das weibliche Geschlecht(Poung J. c. Mr. 3. 9. 58.), gleichsam als wäre das Wort: Frau, neben ihnen geschrieben. Beide Gestalten sind schr häufig Begleiterinnen des Osiris, wenn er als Todesgott dargestellt ist; auf zwei Papyrusrollen der Königlichen Sammlung stehen sie neben der Bahre, worauf seine Leiche ruht; auf einer anderen hinter seinem Thron, wie auf unserer Tafel XXXIV. Fig. 1. a. B.; und auf dem groſsen Sarkophage Tafel XXXVL. Fig. 1. erblickt man auf jeder der schmalen Seiten eine von ihnen. Auf ihrer Scheitel trägt die eine beständig ceinen Thron(auch Tafel XXXVI.), die andere ein kleines Gebäude, welches ein Grab zu seyn scheint. Die Göttin zur Linken ist ohne Zweifel Isis, die Schwester und Gemahlin des Osiris, hier, zum Zeichen der Trauer, ohne den Geiee, ohne den Basilisk und den Sothis zwi- schen Gazellenhörnern(oben S. 127.), dargestellt. Nur der Thron auf ihrer Scheitel macht sie kenntlich, der bisweilen noch über der Sothisscheibe, wie in mehreren Bildwerken des Tempels zu Tentyris(Description de'Egypte, Antiquitas Vol. IEI. J, immer aber neben ihr angebracht ist, um die thronende Herrscherin Aegyptens zu bezeichnen. Das Gerüst, auf . 3 — ——““ 41¹ welchem sie knieet, und das aus einem Herzen sich zu entwickeln scheint, ist die Hiero- glyphe Aegyptens und des Nils, die man, als den Mittelpunkt und belebenden Haupttheil der Welt, durch ein Herz ausdrückte(Hozap. I, 21. 22. Plutarch. de Is. et Osir. c. 33.). Unter und auf dem Gerüste stehen Wasserkrüge, Symbole der Fruchtbarkeit und des Trostes. Schwieriger ist die Deutung der Göttin zur Rechten. Sehr häufig erblickt man in den ägyptischen Denkmälern ein weibliches Wesen mit Kuhohren(z. B. Tafel XXI X. Fig. 6.), das gewöhnlich auf seinem Haupte einen Tempel trägt; und in dieser Gestalt den Säulen- knauf vieler Heiligthümer bildet, unter andern im Pronaos des Venustempels zu Tentyris. Eben deshalb bin ich aber der Meinung, daſs es nicht die Venus selbst sey, sondern die ältere Göttin Athor oder Athyri, die Personification der Urnacht, des ältesten Wesens der ägyptischen Mythologie. Dieser Auslegung kommt die Wortbedeutung zu Hülfe, da nach Hesychius(T.„. 132. Alberti) im Aegyptischen Athyr eine Kuh, und ein ähnlich lautender Ausdruck die Nacht hiefs(¶ ablonsky Panctheon I. p. 10.). Zu Atarbechis im Delta, welcher Name die Stadt der Athyr bezeichnet, wurden nach Herodot alle Kühe beerdigt(Herodot II, 41.). Die Gegend der Gräber, dem alten Theben gegeniber, war eben dieser Göttin geweiht, und von ihr heilst der Nomus, welcher die Memnonien ent- hielt, bald Tathyris, bald Phathyrites, beides vollkommen sprachrichtig von Athyri gebil- det.(Herrn Tôchon's Zweifel, Medailles des nomes p. 75., werden hiedurch beseitigt.) Bei den Griechen heiſst diese Nachtgöttin oft ebenfalls Venus, darf aher mit den jüngeren Göttinnen ähnlicher Bedeutung, Menuthis und Nephthys, nicht verwechselt werden. Uebri- gens ist nicht zu überschen, daſs die ältesten Götter nicht auch nothwendig die mächtigsten und glänzendsten sind. Wie bei den Griechen die Olympier von älteren Göttern abstam- men, denen sie an Macht überlegen sind; so erscheinen bei den Aegyptern die Götter der ersten Ordnung zwar als unenistanden, unvergänglich und keinem Leiden erreichbar, aber ihre stets gleiche Wirksamkeit greift gleichsam nicht ein in den Wechsel des Irdischen. Weit energischer sind die Götter der zweiten Ordnung, mit denen die Schöpfung anhebt, und deren Zwölfzahl, nach den astrologischen Ansichten des Alterthums, der Bau der Welt unterthan ist; sie sind entstanden, also auch vergänglich, aber von nicht ablassender Wirksamkeit. Die wahrhaften Herrscher alles Irdischen, und sonach die glorreichsten und gegenwärtigsten der Götter, sind aber die der dritten Ordnung, ungeachtet sie nicht blos vergänglich, sondern auch dem Leiden und selbst der Leidenschaft und der Sünde unterthan sind. Der Beweis dieser Ansicht ergiebt sich aus der genauesten Erwägung des physisch-religiösen Glaubens der alten Welt. Die Göttin der Urnacht stützt also, in wür- digster Bedeutung, die Tempeldecke der jüngeren Liebeskönigin. Ein diesen Säulen- knäufen ähnliches Geräth ist es auch, welches in der Procession Tafel XX. Fig. 1. der einzeln gehende Priester trägt(oben S. 392.). Aber unwahrscheinlich wird es nun auch, daſs Athyr hier neben Osiris dargestellt sey. Eine andere Göttin der ersten Ordnung, Latona oder Buto, könnte eher der Isis zur Seite stehen. Ihr vertraute die Isis, als sie nach dem Tode des Osiris suchend um- herirrte, ihre Kinder, Horus und Bubastis, welche Buto auf einer schwimmenden Insel 52* 412 heimlich auferzog, bis Horus, den Mord seines Vaters an Typhon zu rächen, heranwuchs (Herodot. II, 156. Plutaæroh. de Is. et Osir. c. 18. 38.). Der Name Buto bedeutet wört- lich: die Gräber(Hesyoh. Bν τις, τ5 xa Ah/pxrfo. 478 ods ol TsAsoTrss i.srrar; qf. Ja- blonsky Pantheum II. p. 98. BHOOTT, sepulcralis.). Die Gegend der Pyramiden bei Mem- phis, also die Gräber, waren der Buto geweiht(Steph. B„. 6. v. Anrods ⁴ιμς); wie könnte diese Göttin passender bezeichnet werden, als durch ein Grabmal auf ihrer Scheitel? Allein auch Nephthys, die irdische Venus, die Schwester und Geliebte des Osiris (oben S. 136.), gehörte zu den Todesgöttern. Daſs die löwenköpfigen Statuen vor dem Grabe des Amenophis nur sie, oder ihre gleichartige Mutter, die Rhea, darstellen können, wurde schon früher bemerkt(S. 148.). Auch im Innern des tempelartigen Grabes zu Derr in Nubien(Rickardson's trawels, 1822. Vol. I.„. 409.), und in dem kleineren Tempel zu Absambul, der ebenfalls ein Grab ist, erscheint sie neben anerkannten Todes- göttern(ibid. p. 427.), so wie in mehreren der Gräber bei den Pyramiden zu Ghizeh. Auf ähnliche Vorstellungen führen die Namen: Sieg und Ziel(Niæn und Te⁴rd. Plutaroh de Ig. et Oeir. c. 12. 38. 58.), die man der Nephthys beilegte, und die wahrscheinlich in verloren gegangenen Wendungen des Mythus ihren Grund hatten. Anubis, der Hüter des Amenthes, wird ihr Sohn genannt. Selbst die Griechen und Römer kannten eine Venus als Todesgöttin, Ezrriuzea oder Libitina. Selbst auf den Sistren pflegte man häuſig das Bild der Isis mit dem der Nephthys zu vereinigen(Plutarokh. I. c. æ. 63.). Auch hier könnten sonach beide Schwestern neben dem Osiris dargestellt seyn. Da gleichwohl, aller Wahrscheinlichkeit nach, Nephthys, die Gattin des Typhon, nicht als eine freundliche Todesgöttin gedacht wurde, worauf schon die furchtbare Dar- stellung mit dem Löwenkopfe führt: so glaube ich, daſs in unserm Bilde und allenthalben, die Göttin mit dem Grabe auf dem Haupte nicht die Nephthys, sondern Latona oder Buto, die Pflegemutter des Horus, bezeichnet. Oben fanden wir diese Göttin schon in den Katakomben von Siwah, Tafel XII. Fig. 8., wo bei der Erklärung absichtlich ihrer nicht erwähnt wurde. Das Gerüst, auf welchem sie knieet, ist dem der Isis ähnlich, nur steigt es nicht aus einem Herzen hervor. Umher stehen Wassergefäſse und ein hoher Korb voll grüner Früchte. Die Insel Chemmis, auf der Buto den Horus verbarg, gehörte zu den unendlich fruchtbaren Niederungen des Delta, und lag in dem, jetzt Bourlos genannten, Landsee. Die ziérliche Tracht der beiden Göttinnen ist äuſserst gefällig. Uebrigens könnte man, bei der Einfachheit der hieroglyphischen Inschrift, den Sinn unseres Bildes, mit Hinweglassung der mythologischen Beziehungen, etwa so ausdrücken: „Das bewohnte Land und die Gräber breiten ihre Hände aus nach dir; Leben und Tod beherrschest du!“ Symmetrisch folgen dann zwei knieende Gestalten, deren jede einen mystischen Schlüs- sel, das Symbol des Heils und des Lebens, umgekehrt in den Händen hält. An der einen Seite sieht man noch den Kopf eines Falken; aber das Gemälde ist hier fragmentirt, und erlaubt keine sichere Auslegung. Fig. 2. 3. Diese beiden Malereien bilden zwei Seiten eines Tempelchens oder lleinen Grabes ‚ nach Art des Tafel XXXIL. Fig. 1. dargestellten. Eben ein solches steht oben . 413 zur Rechten neben dem Haupte des Osiris der vorigen Figur. Vielleicht widmete man solche kleine Gräber ärmeren Personen, deren vollständige Mumisirung, der groſsen Kost- barkeit wegen, nicht Statt haben konnte(Kap. XII. S. 265.); vielleicht sind sie blos Denk- mäler der Privatandacht, die in den weitläuftigen Familiengräbern aufbewahrt wurden. Im Innern enthalten diese Kästchen mancherlei Götterbilder, kleine Thiermumien, Erde, die absichtlich hineingelegt zu seyn scheint(wahrscheinlich von heiligen Orten), bisweilen Geräthe und andere Dinge. Ob auch Nostbarkeiten und Schriftrollen, habe ich nicht erfahren können; es soll schlechterdings unmöglich seyn, ein undurchsuchtes Kästchen dieser Art von den Arabern zu erhalten. Die Gröſse derselben ist verschieden, einige sind über zwei Fuſs lang, die meisten kaum einen. Die Seiten sind immer etwas schräg gehal- ten, wie bei den wirklichen Gebänden(Tafel XXXIL. Fis. 1.). Die Malereien wieder- holen häuſig dieselben Gegenstände; die hier mitgetheilten schienen besonders merkwürdig und belehrend. Fig. 2. Der seltsame Thierdienst der Aegypter, welcher schon im Alterthum den Ausländern lächerlich erschien, machte wunderbare Vorkehrungen nöthig. Die heiligen Geschöpfe, von jeder Gattung gewöhnlich nur eins, wohnten theils im Innern der Tempel, theils in kostbaren Ställen, Höfen und Teichen. Sie wurden auf das sorgfältigste gepflegt und geputzt, ruhten auf purpurnen Decken, speisten aus kostbaren Krippen, hatten erb- liche Pfleger und Pflegerinnen, Priester und Priesterinnen; man nahte sich ihnen unter Absingung von Hymnen, und beging glänzende Feste. Zu ihrem ÜUnterhalte waren theils gewisse Ländereien und Steuern angewiesen, theils brachten andächtige Seeler dazu Geschenke und Vermächtnisse; und selbst die griechischen und römischen Regierungen hielten es für eine nothwendige Klugheit, wie jetzt die Engländer in Indien, durch Anwei- sung beträchtlicher Summen und Erbauung von Tempeln und Heiligthümern dem Volks- aberglauben zu huldigen. Der erste Ptolemäus erwarb durch ungeheuern Aufwand zum Begräbniſs des Apis, kurz nach der feierlichen Bestattung Alexanders des Groſsen, sich die Gunst der Aegypter, die er beherrschen wollte. Früher hatte schon Darius dieselbe Politik befolgt, von der man nicht ohne Gefahr abweichen durfte. Die zufällige Verletzung einer Katze durch einen römischen Soldaten, beim ersten Einrücken der Legionen, erregte einen Aufstand, der, ungeachtet aller Bemühungen den Schuldigen zu retten, nur durch Hinrichtung desselben gestillt werden konnte. Der Fanatismus ging so weit, daſs während einer schrecklichen Hungersnoth, wo es bis zum Genieſsen menschlicher Leichen kam, in ganz Aegypten kein Beispiel sich nachweisen lieſs, daſs man ein heiliges Thier verletzt habe. Jedoch es wird nicht nöthig seyn, hierbei länger zu verweilen; die alten Schrift- steller und Kirchenväter kommen häufig auf diesen Gegenstand zurück(besonders Dio- dor I, 83— 90, und sehr witzig Clemens im Paedagogus III, 2. p. 216.). 2 In unserm Gemälde erblicken wir zur Linken ein thurmartiges Gebäude, welches den Eingang zu einem heiligen Thierhofe bildet. Neben mehreren ägyptischen Tempeln haben sich solche Höfe erhalten; besonders vollständig zu Khardassy in Nubien, wo auch die Thürme noch vorhanden sind und im Innern ein Säulengang an den Mauern umherläuft (Ligät travels in Egypt, Nubia etc. London. 1818. p. 57.). Ein kleines Gemälde an diesem 3½ — —— 6 4 3 —— ö ——— 414 Thurm ist beschädigt. Ein bunter Teppich, mit dem die Thüren der heiligen Ställe ver- hangen wurden, und die oft mit Gold durchwirkt waren(Clemens Aleæ. I. c.), ist zurück- geschlagen, und hinter demselben blickt eine sehr geschmückte Kuh hervor. Zwischen den Hörnern trägt sie eine rothe Scheibe, die nach Herodot die Sonne darstellt und bis- weilen golden war(Herodot II, 132.), der Basilisk, das Zeichen der Göttermacht, fehlt nicht, und über der Sonnenscheibe erheben sich zwei grün gefärbte Strauſsfedern. Um den Hals trägt sie einen Schmuck, der völlig mit dem der Göttin Tafel XXIII. Fig. 6. übereinkommt; auf ihrem Rücken liegt eine purpurne Decke. Die Kuh selbst scheint mit kleeblattartigen Zierrathen bemalt zu seyn; und in allen Stücken eben so ausgeputzt, erblicken wir, auf einem kostbaren Mumiensarge der Königlichen Sammlung, um den hei- ligen Apisstier sieben Kühe, die gleichsam den Harem desselben bilden, welcher letztere seltsame Umstand von Diodor ausdrüicklich erwähnt wird(Diodor I, 84.). Ueber der Kuh schwebt eine geflügelte Kugel, die wahrscheinlich die Sonne darstellt. Uebrigens waren die Kühe im Allgemeinen der Isis, aber auch der Venus und noch andern Göttinnen geweiht. Einer besondern Verehrung genoſs die Mutter des Apis. Kein Aegypter aſs mit einem Griechen, oder küſste ihn auf den Mund, oder bediente sich seines Messers und andern Geräthes, blos aus F urcht, es könne das Fleisch einer Kuh dadurch berührt wor- den seyn(Herodot II, 41.). Merkwürdig ist es, den alten Aberglauben in seiner ganzen Kraft noch jetzt in Indien fortdauern zu sehen. Vor der Kuh steht ein Wassergefäſs, eine Krippe mit Lotusknospen, wie es scheint, und ein Altar mit Kuchen und Blumen. Eine andächtige Frau, in einem weiten weiſsen Gewande und mit einer schwarzen Kappe auf dem Haupte, wahrscheinlich eine Wittwe, betet knieend und mit Erhebung eines Sistrums und einer Blume, zu der thierischen Gott- heit. Bei dem Anzuge der Frau kann ich nicht umhin, auf die völlige Gleichheit dessel- ben mit der gewöhnlichen Tracht der indischen Weiber aufmerksam zu machen. Auch die groſsen Ohrringe sind beiden Völkern gemein. Auf der Scheitel der frommen Wittwe ist noch ein besonderer Schmuck angebracht. Von den Hieroglyphen bezichen die zwei ersten Zeilen sich auf die Kuh, die sechs anderen enthalten das Gebet der Frau. Fig. 3. Dieselbe Wittwe erscheint hier noch einmal, die Belohnung ihrer Andacht zu erhalten. Ein mit nuſsartigen Früchten beladener Baum ist dargestellt; wahrscheinlich wieder die heilige Persea(oben Tafel XXII. Fig. 2.), die der Isis oder dem Horus geweiht (Plutaroh. de Is. et Osir. c. 68. ef. Cuperi Harpodrat. p. 21.), ein Symbol der Wahrheit und alles Heils, aber auch ein ausgezeichnet schöner Baum war(Aelian. de nat. anim. I. XI.. 40.). Die bittere mandelartige Frucht war sehr heilsam, und es floſs ein treff- liches Oel aus dem Baum(Silvestre de Sacy zu Abd-Allatif relation de l'Egypte p. 47 etc.). Jetzt ist dieses Gewächs, das ursprünglich aus Aethiopien stammte(Diodor I, 34.), in Aegypten ganz ausgegangen. Ich vermuthe indeſs, dafs die von mehrern neueren Reisen- den erwähnten bitteren Nüsse, die im innern Afrika sehr hoch geschätzt und oft das Stück mit einem Sklaven bezahlt werden, keine anderen sind, als eben die heilige Persea (bei den Arabern: Lebakh oder Labkah, koptisch: OQuschba). Durch ihre natür- liche Bitterkeit benehmen sie dem ungenieſsbaren Wasser der inneren Wüste seine Hρ—= ͤͤͤͤöͤͤͤͤͤ 415 Schädlichkeit, indem man sie eine Zeitlang hinein legt. Sie sollen am Niger wachsen, und werden nach Fezzan und durch die ganze Sahara ausgeführt. Burckhardt erwähnt einer Frucht: Nebak, von süſsem Fleische und bitterem Kern, die vielleicht dieselbe ist (Travels in Nubiaæ 1819. p. 315. f. Strabo L. XIII.). Die Heiligkeit der Persea, wofern meine Annahme richtig ist, hatte sonach einen sehr natürlichen Grund. In diesem Baume erscheint eine weibliche Gestalt, gleichsam die Hamadryade dessel- ben(. Tafel XXXI. Fig. 9. a. b.); in der einen Hand hält sie ein Wassergefäſs, in der anderen eine Schale mit Früchten. Der Name dieses Wesens steht unten an dem Baume. Das Wassergefälſs bezeichnet den Agathodämon oder Ammon, die Scheibe und der Halb- kreis das weibliche Geschlecht(oben S. 374.); wir dürfen also in ihr einen weiblichen Agathodämon, wahrscheinlich jene Menuthis oder Eumenuthis erkennen, die als Gattin des Chnoubis oder Canobus öfter erwähnt wurde(S. 109. 146. 375.). Unten am Baume richtet sich die heilige Isisschlange, Thermuthis, auf(AHRelian. de nat. anim. X, 31.). Die anbetende Frau empfängt knieend, mit dem Munde und beiden Händen, einen Wasser- strahl, der von der Göttin gegen sie ausströmt. Neben ihr wird ein symbolisches Ge- schöpf, ein Falk mit einem Menschenhaupte, vor welchem ein kleines Rauchfaſs brennt, auf ähnliche Weise begnadigt. Offenbar sind diese Vögel das Vorbild der griechischen Sirenen; man hat in ihnen ein Symbol der menschlichen Seele zu erkennen geglauht, allein blos wegen eines schon Seite 395. gerügten Irrthums(cJ. Tafel XX. Fig. 4.). Nach der bembinischen Tafel waren diese Wesen dem ägyptischen Hermes geweiht, sie erschei- nen häufig neben der Leiche des Osiris, gehören also in beider Beziehung der Unterwelt an. Dies gewinnt Aufklärung durch eine Stelle der Helena des Euripides, welches Stück in Acgypten spielt, wo die bedrängte Heldin die Proserpina anruft,„sie möge ihr herauf- senden die flügeltragenden Jungfrauen, die unvermählten Töchter der Erde, die Sirenen, mit lihyschem Lotus und Flöten, damit sie nächtlich ihre Klagen und Thränen mit lieb- licher Musik begleiten“(Eurip. Hel. us. 166 und folgende). Nach dieser, bisher nicht bemerkten Angabe sind also die Sirenen gleichsam Todesmusen der Unterwelt; und als solche erscheinen sie offenbar auch im griechischen Mythus. Ihre Namen: Thelxiope, Aglaopheme, Peisinoe u. s. w. beziehen sich sämmtlich auf Lieblichkeit des Gesanges, und gewöhnlich werden sie Töchter einer Muse genannt(Apollodor. I, 3. 4. und Barnes zu den angeführten Versen des Euripides). Uebrigens muſs man nicht übersehen, daſs man in Aegypten die zahllosen symbolischen Wesen der Hieroglyphik fast durchgängig für wirklich vorhandene Geschöpfe hielt; von welchem Glauben die naturhistorischen Werke der Grie- chen und Römer häufige Beweise geben.— Die Hieroglyphen beider Bilder wiederholen von der dritten und fünften Zeile dieselbe Formel. I aſ e! XXXZ. Fig. 1. a. b. Eine aus Holz geschnitzte weibliche Gestalt, in der einen Hand einen Stengel des öfter bemerkten schilfartigen Grases haltend(¶Tafel XXIV. Fig. 4. 5.). Auf ihrem Haupte bemerkt man den, wie ein Geier mit herabgesenkten Flügeln gebildeten ·— 416 Kopfputz. Der Geier war das Symbol der Mütterlichkeit. Diese Figur war bemalt, aber die Farbe ist sehr beschädigt. Fig. 2. Eine gleichfalls aus Holz geschnitzte männliche Gestalt, die fast militairisch einen Baum aufrecht hält, dessen Zweige abgebrochen sind; es scheint indeſs eine Palme zu seyn. Bei mehreren religiösen Festen kamen N-Nοαρας⁴, Baumträger, vor. Fig. 3. Eine cherne Figur von ausgezeichneter Schönheit des Gusses. Der lockige Kopfputz, völlig dem der Berbern ähnlich(oben S. 603), kann abgenommen werden; die Hieroglyphen sind eingegraben. Fig. 4. Ein geschnitztes Mumienbild des Osiris, mit den gewöhnlichen Atftribnten und von schwarzer Farbe, in dem erst hier zu Berlin eine wohl erhaltene Papyrusrolle entdeckt wurde; durch vieles Herausnehmen derselben ist es leider zweifelhaft geworden, welche der dreiundfunfzig vorhandenen Rollen ursprünglich darin enthalten war. Fig. 5. Ein Stab mit dem geschnitzten Kopf einer Katze, des heiligen Thieres der Bubastis, und mit einer Inschrift in enchorischen Charakteren. WVahrscheinlich war dies Geräth zu Buſsübungen bestimmt(oben S. 402.). Fig. 6. Ein chernes Sistrum, mit drei Querstäben. Bekanntlich waren diese hei- ligen Klappern zur Verscheuchung der typhonischen Mächte bestimmt(Plutarek. de Is. et Osir. 63.); bedürfte es nun noch eines Beweises, daſs die Pygmäengestalten, die man gewöhnlich Typhon nennt, diesen feindscligen Gott nicht darstellen, so würde man doch hier, wo eine solche an dem Griffe des Sistrums selbst vorkommt, diese Meinung auf- geben müssen. Es ist nach Herodots deutlichem Zeugniſs der Vater der Götter, Vulkan oder Phthah(Herodot III, 37. οννηχ᷑ q0O'ri⁸ 4 ⁷*εο alungis Eoτν. Cf. Hirt, über die Bildung der ägypt. Gottheiten, S. 16.). Zur Bestätigung dieser Auslegung steht hier jeder seiner Füſse auf einem Löwen, welches Thier ihm geweiht war(Aelian. de nat. anim. XII, 7.). M. s. Tafel XXXIII. Fig. 12. und 24. Fig. 7. Ein hölzernes Amulet. Das Wort AalAl erinnert an das hebräische., Lailah, Nacht, und dürfte der ägyptische Name der Ilithyia seyn(oben S. 402.) Fig. 8. a. 5. c. Mehrere bemalte Geräthe dieser Art, die Krüge zu seyn scheinen, aber aus Holz gedrechselt und nicht hohl sind, befinden sich in der Sammnlung. Wahr- scheinlich dienten sie als Zierrathen; 5.. sind die hieroglyphischen Inschriften. Fig. 9. a. 6. Ein chernes Wassergefäls mit eingegrabenen Figuren und Hieroglyphen. Die Darstellung bezieht sich sehr bedeutsam auf Eumenuthis, welche aus der heiligen Persea Wasser des Lebens spendet. Tafel XXX. Fig. ZB. Fig. 10. Bei jeder Mumie pflegen sich vier Gestalten, mit einem Menschen-, Falken-, Fuchs- und Kynokephalos-Kopf, zu befinden. Unter mehreren dieser Art zeichnen sich vier vergoldete aus, zu denen die hier abgebildete gehört. In jeder ist eine sorgfältig ein- gewickelte kleine Mumie enthalten, wahrscheinlich die irgend eines heiligen Thieres. Mit Unrecht nennt man also diese prophylaktischen Mumienfiguren Kanopen; m. s. Tafel XXXIL. Fig. 1. c. d., Tafel XXXV. Fig. 2. a., Tafel AXXILIII. und XAXXVLIIII. Fig. 11. Ein hölzernes Geräth, auf dem häufig der Kopf der Mumien ruht. In Aethio- Pien und am oberen Nil ist diese einfache Bequemlichkeit, zum Auflehnen des Armes oder — p— 6 417 Kopfes bei dem Liegen auf platter Erde, noch jetzt in Gebrauch. Viele altägyptische Sitten dauern in jenen Ländern bis auf den heutigen Tag. Man findet in den Kata- komben auch kleine Figuren dieser Art aus glasirtem Steingut, die, wie viele ähnliche Nachbildungen anderer Dinge, wahrscheinlich den ärmeren Todten, statt der wirklichen Geräthe, mitgegeben wurden. I afe! AXXI. Fig. 1. In der Sammlung befinden sich mehrere Köpfe von unverkennbarer Neger- physiognomie, von denen der schönste hier mitgetheilt wird. Merkwürdig aber ist es, daſs manche dieser Gestalten offenbar nach Art des Phthah und der Kabiren dargestellt sind; obgleich unter den Vorhandenen leider keine sich ganz erhalten hat. Erinnert man sich nun, dafſs Buddha bei den Indiern beständig negerartig gebildet wird, so erscheinen diese ägyptischen Negergottheiten noch bedeutsamer. An den Namen Buddha sind indefs neuerlich so viele Hypothesen geknüpft, daſs es, bis eine kritische Beleuchtung der indischen Religionen möglich wird, gerathener scheint, die historische Spur, die auch hier auf eine uralte Verbindung der Völker schlieſsen läſst, blos anzudeuten, nicht zu ver- folgen. So viel aber ist unleugbar, daſs entweder Phthah selbst, dessen Name sogar an Buddha erinnert, oder vielmehr einer der Kabiren, seiner Söhne(Herodoit III, 37.), negerartig gebildet wurde, was in einem afrikanischen Lande viel weniger auffallend seyn muls, als in Indien. Fig. 2. Man hat bisher sich nicht darüber vereinigen können, mit dem Kopfe welches Thieres der latrator Anubis eigentlich dargestellt worden sey; bald glaubte man darin einen Hund, bald einen Wolf, bald einen Schakal zu erkennen. Eine ganze Reihe dieser heiligen Geschöpfe befindet sich jetzt in der Königlichen Sammlung, durchgängig von schwarzer Farbe; und da die Herren Doctoren Hemprich und Ehrenberg eben dieses Thier, in mehrern ausgestopften und skelettirten Exemplaren, nach Berlin gesandt haben, so kann die wahre Beschaffenheit desselben nicht weiter zweifelhaft seyn. Nach Herrn Professor Lichtenstein's Untersuchung ist es ein der libschen Wüste eigenthümlicher Fuchs oder wilder Hund, der indeſs blos durch klimatische Einwirkungen und spärliche Nahrung umgebildet, oder vielmehr verkümmert zu seyn scheint. Oben Seite 136. ist also die Benennung Schakal zu berichtigen. Mehrere dieser Figuren sind übrigens fast lebens- groſs und alle aus Holz geschnitzt. Ihre Bestimmung ergiebt sich aus 2e XXXLV. Eig. 2. 5.; sie ruhen nämlich als Hüter der Todten auf den Gräbern. Fig. 3. Der zahme ägyptische Hund, der von der eben beschriebenen vilden Gattung nicht wesentlich unterschieden, sondern blos durch die bessere Pflege veredelt zu seyn scheint; an dem Schweif und den Pfoten bemerkt man jedoch eine deutliche Abweichung. Auf den Münzen des kynopolitischen Nomus, wo nach Strabo Anubis verehrt wurde Cl. XVII. p. 812.), sieht man immer diesen fuchsartigen Hund dargestellt(T'οzon, medailles des nomes, p. 111.). Der Wolf dagegen, welcher allerdings in Aegypten einheimisch ist(oben Kap. XIV. S. 305.), war der Sonne, dem Osiris und dem Horus geweiht(Aelian. de nat. anim. IX, 18.: X, 26.; oben S. 157.), und wurde zu Lykopolis 53 418 angebetet(Serabo I. l., Diodorn I, 88., Plutareh de Is. et Osir. 72., Ingscript. Rosett. Z. 22. 26. 27.). Mit Unrecht verwechselt man also Wolf und Hund, welche die Alten beständig unterscheiden, und eben so unrichtig hält man oft beide für den Schakal. Auch in dem Anubis des capitolinischen Museums erkennt man deutlich den hier dargestellten ägyptischen Hund(Bottari Mus. Capitol. III. 1a⁶. 85.). Fig. 4. Der ibisköpfige Hermes-Theuth, in einer Art Porzellan geformt; m. vergl. Fig. 10. und Tafel XXII. Fig. 2. Unter den ihm geweihten Symbolen ist besonders das Rad merkwürdig, das in mystischer Bedeutung in den Tempeln gedreht wurde(Clemens Alex. Strom. V. p. 568. Glb.), und als Hieroglyphe häufig neben ihm steht(Poung's hierogl. vocb. Nr. 11.). Es scheint die Welt zu bezeichnen(das Kreuz in einem Kreise, Euseb. Praep. Evang. I, 10., Proclus. in Timaeum I. II., 1ν oixονμen Amm. Marcell. XUII, 4. 18. Voung's hierogl. vob. Nr. 85.); hatte wahrscheinlich aber auch eine sittliche Bezie- hung, wie bei den Griechen das Rad der Nemesis(hymn. Mesomed. Anthol. Jacobs III. p. 6. v. 8. 9.: T Gα ręνσσ doraroy, AπQ☛1ℳᷣ¼ ⁷, Xaoᷣτ μεανν οσπτςραερετα rνντ α.);3 da Theuth der Gott der Gerechtigkeit heiſst(Inscript. Rosgett. Z. 19.) und die richtenden Göttinnen seine Kinder waren(oben Kap. VI. S. 138. 139.). Dionysius Thrax hatte über das Symbol des Rades ein besonderes Werk geschrieben(Clemen« J. c.); und in den Ruinen des Weihetempels zu Eleusis bemerkt man noch die Spuren, daſs auch dort das mystische Rad gedreht wurde(Unedited Antiquities of Aitica Cap. III. pl. 1.). Selbst als Sternbild glänzte der zeexes am südlichen Himmel über dem Rauchaltar, obgleich ich den ägyptischen Ursprung dieses Sternbildes nicht geradezu behaupten möchte(die südliche Krone, auch Prometheus, das Rad des ion und der Heroldsstab, zngoærten, in Bezichung auf Hermes und Nemesis, benannt: Theon Smyrnaeus zu Arat. Phaen. v. 401. ed. Buhle I. p. 96 und 298. f. Ideler, über die Bedeutung und den Ursprung der Sternnamen S. 282.). Merkwürdig ist es, daſs ein ähnliches Zeichen bei den Kopten Gott bedeutet. (Ein merkwürdiges Beispiel s, m. bei Kirchern Oedipus III. p. 54.) Fig. 5. Eine kleine hölzerne Figur, die als Amulet gedient zu haben scheint. Sie stellt einen Kabiren dar, welcher mit beiden Händen auf seinem Kopfe einen Kasten trägt, über dem ein Geier die Fittige senkt. Im griechischen Kabirendienst kam ein geheimniſsvoller Kasten vor, in welchem angeblich die Reste eines von zwei seiner Brüder Erschlagenen, mit einem purpurnen Tuche umwickelt, aufbewahrt wurden (Clem. Alea. Protrept. p. 12.&lb., Jul. Firmicus de errore prof. rel. c. 12., Paugsan. IX, 25.; besonders Creuzer's Symbolik II. S. 285— 329.*))). Auch dies also war ägyptischen *) In Creuzer's nicht genug zu lobende Darstellung dieser geheimniſsvollen Mythen hat sich ein Zug eingemischt, der leicht zu Milſsverständnissen führen könnte. Neben den ägyptischen, phönizischen, syrischen, samothrazischen und andern uralten Kabiren, wird dort auch ein indischer Kabir erwähnt(S. 288.); allein dieser lebte unter Sultan Sekunder Laudi, zu Anfang des sechzehnten Jahrhunderts, und ist der Stifter der unitarischen Sekte der Seikhs(m. s. Polier Wrthologie des Indous Vol. II. und Abul Fazel's Areen Albery von Francis Gladwin, Calcutta 1784 und London 1800, wo er öfter erwähnt wird.). In Indien ist, bei 419 Ursprungs, läſst sich indeſs hier nicht, seiner Wichtigkeit gemäſs, ausführen. Nur das eine bemerke ich noch, daſs schon die Aegypter auch weibliche Kabiren gekannt haben müssen, indem als Mutter des Imuthes oder Esmun, des ägyptischen Aesculap, der zu den Kabiren gezählt wurde, eine Göttin Hephästobule erwähnt wird. Fig. 6. 2. 5. c. Ein knieender Anubis, aus Ebenholz geschnitzt, in einer ausdrucksvolleren Stellung, als sonst gewöhnlich in den ägyptischen Bildwerken vorkommt. Weil in der Figur a. c. die Spitze des Kopfes abgebrochen war, so ist Fig. 5. von einem anderen Anubis der Kopf besonders gezeichnet worden, dessen Uebereinstimmung mit Zig. 2. und 3. sich nicht verkennen läſst. M. s. Tafel XXI. Fig. 4. Fig. 7. Ein kleiner Tempel, dessen Säulen denen zu Tentyris ähnlich sind(oben Seite 411.), wahrscheinlich als Gegenstand der häuslichen Andacht an der Wand zu befe- stigen. Im Inneren knieet eine häufig vorkommende Göttin(m. vergl. Tafel XXXIII. Fig. 11.), deren Bedeutung noch dunkel ist. An einem Mumiensarge der Königlichen Sammlung zu Berlin sicht man sie zwischen der Erde und dem über dieser sich neigenden Himmel(oben Kap. VI. Seite 116.); zu Anfang vieler Papyrusrollen empfängt sie gleichsam die Lichtstrahlen der Sonne(z. B. Copie figurce d'un rouleau de papyrus par M. M. Fon- tana et de Hammer, Vienne 1822.): an dem Feldzeichen der Minerva, Tafel XXIII. Fig. 3., kommt sie gleichfalls vor. Die Strauſsfeder neben ihr läſst indeſs vermuthen, dals sie nicht blos eine physische Bedeutung hat, sondern wahrscheinlich eine der, Seite 138. erwähnten Töchter des Hermes ist. Auf den Münzen von Hermopolis hat dieser Gott den Ibis neben sich und eine kleine niederhockende Figur auf der Hand(Tockon, me- dailles des Vomes, p. 114.), die auch Tafel IX. und besonders häufig Tafel XII. XI II. XVIII. und XIX in den Namenschildern dargestellt ist; Tafel XV.III. Fis. 5. hält sie der betende König empor. Es ist also die Wahrheit oder die Gerechtigkeit(Plutarokh. de Is. et Osir. c. 3.). Die so häufig vorkommende niederhockende Stellung ist in Aegypten noch jetzt allgemein üblich; die koptischen Bauern nehmen sie sogleich an, wenn sie über etwas ernsthaft sich unterhalten(s. Denon voyage en Egypte). Fig. 8. Eine antike Lyra, in einem der Gräber von Biban-el-Moluk gefunden, die sich durch eine bisher ganz unbekannte Construction auszeichnet. An der groſsen Resonanz ist eine kleinere, in Gestalt eines viereckigen Kastens, befestigt; beide sind aus dünnem, sehr festem Holze, aber wegen einiger Spalten jetzt klanglos. An dem kleineren Kasten bemerkt man dreizehn Löcher, zur Befestigung eben so vieler Saiten. Die Menge und Verschiedenheit, besonders der Saiteninstrumente in den ägyptischen Bildwerken, setzt in Verwunderung und lälst auf eine nicht ungebildete Musik schlieſsen, über die wir indeſs ohne Nachrichten sind. Osiris hatte Tanz und Musik geliebt(Dio dorI, 18.), die Musen waren in seinem Gefolge, und gewisse Flöten, Monaulos und Photinx, seine Erfindung der gänzlichen Vernachlässigung der eigentlichen Geschichte, kaum ein Jahrhundert erforderlich, um eine histo- rische Person völlig in ein mythisches Wesen zu verwandeln; was groſse Vorsicht nöthig macht. Ein merk- würdiges Beispiel von Jogee Das, einem Beligionsstifſter, der noch nicht 150 Jahre todt ist, ündet man im Kiatik Journal Fol. IIII. 1819. Nuly. Nr. 43. 4 4— z 4 4 3 420 Achenaeus l. IIU.. 78. p. 181. Sehweigh.); bei seinem Trauerdienst zu Abydus durfte indeſs keine Musik gehört werden. Theuth sollte die Leyer erfunden(Dio dor I, 16.), Isis selbst gewisse Musikweisen eingeführt haben(Plato de legibus I. II. ed. Bip. Vol. VIII. p. 67.); auch Maneros wird als Erfinder der Musik genannt(Plutaroh. de Is. et Osir. c. 17.). Die im alten Testamente, besonders in den Ueberschriften der Psalmen erwähnten Instrumente, die gleichfalls sehr zahlreich sind, könnten über die ägyptischen ohne Zweifel viel Auskunſft geben; z. B. die Gittith, Chinnor(audeæ), Nebalim(»dea) und andere, wenn sie genauer bekannt wären. Die Davidsharfe war von Holz, hatte zehn, oder nach anderen vierundzwanzig Saiten und einen Resonanzboden; der kleine Psalter hatte drei, der groſse zehn Saiten. Eine auch in Griechenland beliebte morgenländische Lyra von Holz, mit vielen Saiten, hieſs Magadis(Athenaeus l. XII. c. 36— 40.„. 302— 310. Soiw.). Das hier abgebildete Instrument scheint bestimmt, auf einen Untersatz gestellt und im Stehen gespielt zu werden(. Description de l'-Egypte, Ant. I. pl. 23. fig. 2.). Merkwürdig sind an den Armen derselben die Pferdeköpfe, da das Pferd, welches in den historischen Bild- werken so häuſig vorkommt, von der Hieroglyphe, wahrscheinlich als unreines Thier, ganz ausgeschlossen war. Man hat in Berlin es bereits ausgeführt, diese Lyra nachzubil- den; sie zu spielen ist indeſs noch kein ernstlicher Versuch gemacht worden. Fig. 9. Einer der vier Todtenhorte, mit dem Kopf eines Kynokephalus, eine Binde in den Händen haltend(oben S. 394.). Fig. 10. Hermes-Theuth. Der Ansatz unter dem Schnabel des Ibiskopfes ist blos der Dauerhaſtigkeit wegen beigefügt; m. s. Fig. 4. Fig. 11. Eine eherne Lampe, in Gestalt einer Gans, des gewöhnlichsten Opferthieres (Herodot. II. 45. Juvenal VI, 540.). fFig. 12. Die hohe Königskrone, in einer Art Porzellan geformt; m. s. Tafel XX. Fig. 3. Erheht zu beiden Seiten derselben sich eine Strauſsfeder, so bezeichnet diese Krone die Würde des Oberrichters. Fig. 13. Eine andere Krone, die Gestalt eines Kornmaaſses nachahmend, mit einge- fügtem Krummstab; m. s. Tafel XXI. Fig. 1., wo Isis diese Krone trägt. Sehr häuſig wird sie mit der vorhergehenden verbunden, z. B. Tafel XXII. Eig. 2. Fig. 14. Ein an den Mumiensärgen häufig vorkommendes Zeichen, das einem fest- geschlungenen Knoten nicht unähnlich sieht; hier ist es in Porzellan geformt. Wahr- scheinlich bezieht es sich auf den Tod, das unauflösliche Band des Grabes anzudeuten; man erblickt es auch bisweilen über der Stirn der löwenköpfigen Grabesgöttin(oben Kap. VI. Seite 149.). Fig. 15. Glasfinger, die in den Mumien gefunden werden; sie tragen häuſig Spuren von Vergoldung. Man sehe Herrn Professor John's chemische Analysen in den Bei- lagen, Seite 353. Fig. 16. Eine Göttin der Gerechtigkeit, Kap. VI. Seite 137. 138. Fig. 17— 19. Wir wiesen oben den Petalismus, das Stimmegeben durch Schreiben auf Baumblättern, in ägyptischen Denkmälern nach(Tafel XXII. Fig. 2. Seite 400.); hier baben wir den Ostrakismus, das Schreiben auf Scherben! Beim Aufräumen alter Ruinen 421 in der Insel Elephantine fand man einen groſsen Vorrath beschriebener Thonscherben, deren jetzt eine ganze Reihe sich in der Königlichen Sammlung zu Berlin befindet. Die Stücke sind von gebrauchten Gefäſsen genommen, wie der Zufall sie bot; an mehreren bemerkt man auf der inneren Seite noch Spuren des Peches, womit man im Alterthum die Weinkrüge ausgoſs(Sueton. Claud. 16.y. Die Schrift ist, wie es scheint, immer griechisch, aber die Züge sind sehr verschieden und oft so flüchtig, daſs es unmöglich fällt, sie zu lesen. Ueber Fig. 17. und 18. hat Herr Professor Ritter Buttmann mir folgende Bemerkungen mitgetheilt, die ich mit seiner Erlaubniſs wörtlich einrücke: Fig. 17.*.½ sr. Aope raee rεο „ovisᷣ vrse Ligοναεν dn ν ε½945 O4Aouεςε νο ⁸& JLa L. Aτοας ιοοος 3. Xαααςο ovsœ T A ν‿ανον s Aοσντννν 1 ½ε 2Q In gewöhnlicher und genauer Schrift: EZa rn pe raęd xar d⁵ Noëõis vrke Teieudεiou dn 2e, 6ε⁸ Oεαιιμάενο ea La Tr4, 9 aνοεςσον Kalο Odsασιανν S,aAντνο To‿. Das ⸗ fehlt in dieser Schrift; dafür steht dreimal⸗, welches in dieser späten Zeit nur fehlerhafte ungebildete Schreibart seyn kann. Die Zeichen auf der zweiten Zeile&n sind mir zweifelhaft. Sind beides Zahlen, so wäre es àν, d. h. 98.: denn das zweite lese ich für„, welcher Buchstabe in diesen wenigen Zeilen sonst nicht vorkommt; dann fehlt aber der gezählte Gegenstand. Vielleicht ist also eines der beiden Zeichen eine Geldbezeich- nung. Dies würde gewisser gesagt werden können, wenn der Sinn des Ganzen deutlicher wäre. So aber betrifft es ein Geschäſft und Verhältnisse des täglichen Privatlebens, wovon die Ausdrücke vielfältig aus der Büchersprache nicht bekannt sind. Das 2zν mπενο ist mir am dunkelsten: auf Rechnung? auf Abschlag?— Kundigere mögen die Lücke aus- füllen und den eigentlichen Gegenstand des Geschäfts erklären. Ich habe auf.... von(meinem) Nater Nuphis als(oder für die) Gewerks- Abgabe v.(Ich) Swerris der Geliebte, habe dies geschrieben im 9. Jahre des Imperators Cäsar Vespasianus Augustus, am 3. Tybi. „Ich habe,“ d. h. ich habe empfangen. Also eine Quittung, auf eine Scherbe ge- schrieben. Fig. 18. Auf dieser schön und doch undeutlich geschriebenen Schrift, steht unten deutlich: Lza aruvνoν varaos rou uιν ννει A. G Im 21. Jahre des Cäsar Antoninus unsers Herrn den 4. Payni. Also unter Antoninus Pius. Das übrige zu lesen, will mir noch nicht gelingen. Im April 1823. Buttmann. —— 422 Ich erlaube mir hinzuzusetzen, daſs in Fig. 17. die Worte ꝛν1ſõʒεƷ4e als Gegensatz von ir eTydn eingertüickt zu seyn scheinen: Blos aufs Wort, nicht gegen Pfand, hat Vater Nuphis dem Syerris geborgt. Das Zeichen des Werthes bedeutet nach Fig. 18. wahr- scheinlich eine Drachme. Qedeenes kyeaæ, liebevoll geschrieben, scheint eine Art höf- licher Quittirungsformel, wie das jetzt gebräuchliche: dankbarlich empfangen. Da also die Namen des Leihers und Borgers, der Betrag der Summe, die Art und selbst der Zweck des Darlehns, nebst dem Datum, angegeben sind, so haben wir eine völlig legale Schuldver- schreibung, die aber inexigibel gewesen seyn muſs, weil sonst die Scherbe nicht erhalten wäre. In Fig. 18. ist mir noch manches dunkel, was sich nicht ohne beschwerliche Weit- läuſftigkeit erörtern lielse. Der Name des Ausstellers ist craazxtes; die abgekürzten Worte: uund. 1sgas rex. wiederholen, als Formel, sich noch auf einer anderen, zerbrochenen Scherbe. Der Name dessen, dem er sich verpflichtet, oder von dem er geweiht worden, ist Sere- nus, Naæ Cegavev, und es scheint von einer monatlichen Leistung und Zahlung die Rede zu seyn: r αννα εειννο&νουνεμ. Zuletzt wird der Betrag angegeben: xa Neax ura, welcher in Buchstaben wiederholt ist. Es scheint sonach, daſs der Tempel des Agathodämon, oder die Priesterschaft desselben, kleine Summen an Hülfsbedürftige auslich, aber auch von den Geweihten gewisse Leistun- gen und Geldbeiträge erhielt; die gefundenen Scherben sind die darüber ausgestellten Ver- schreibungen. Vater Nuphis war also, wie Serenus, wahrscheinlich ein Priester, und blos diese Würde dürfte durch den Namen Vater bezeichnet seyn; wofern man nicht anneh- men will, daſs Nuphis seine kleine Forderung dem Tempel geschenkt habe. Fig. 19. enthält die erste Zeile einer anderen Scherbe, als Beispiel der Vernachlässi- gung der Handschrift, die an Undeutlichkeit der gewöhnlichen deutschen Schrift nichts nachgiebt. Blos der Name Arsoxzos ist lesbar. Die Priesterschaft der Tempel zu Ele- phantine muſs nicht ohne Bildung gewesen seyn, da man auf dieser Insel ein Fragment einer Handschrift der Ilias gefunden hat, das jetzt im Besitz des Herrn Bankes ist. Fig. 20. 21. Zwei Inschriften in enchorischen Charakteren, in der von Belzoni eröff- neten Katakombe zu Biban-el-Moluk. Herr Professor Spohn zu Leipzig hatte sich mit der Lesung derselben beschäftigt, aber leider über das von ihm Ausgemittelte noch nichts mitgetheilt, als er seinen Freunden und der Wissenschaft unerwartet entrissen wurde. Die eine dieser Inschriften scheint übrigens durch Unvorsichtigkeit bei dem Be- zeichnen der Blättchen, worauf sie von Sr. Excellenz dem Herrn General geschrieben waren, umgekehrt zu seyn. Auch in einigen der erwähnten Scherben glaubte Sphon 8 y 8 8 P ägyptische Schrift zu erkennen. T'afel XXXIII. Fig. 1. Der heilige Uräus oder Basilisk, in glasirtem Steingut oder Porzellan geformt, wie die meisten kleineren Gegenstände dieser Tafel. Die Gröſse ist neben den ausge- zeichnetern bemerkt. Fig. 2. Ein Widderkopf. Der Widder, das argloseste Thiergeschlecht, war dem Aga- thodämon oder Ammon-Chnoubis und der Minerva geweiht. Auch im alten Testament V 423 wird der Name des Ammon erwähnt( ſwox, Jerem. 46, 25.), der vielleicht blos Widder bedeutet(oben Kap. VI. S. 125. und S. 376.). Fg. 3. Eine ähnliche Figur ist schon von Hirt mitgetheilt und trefflich erläntert (Ueber die Bildung der ägypt. Gottheiten, S. 47. Fig. 74.). Es ist Horus, der auf Krokodile tritt, und Löwen, Skorpionen und Schlangen mit den Händen zerdrückt. Ich habe dies kleine Bildwerk, von dem häufige Wiederholungen vorkommen, hier zeich- nen lassen, um auf die Uebercinstimmung mit gewissen indischen Darstellungen aufmerksam zu machen, wo über dem jüngeren Gott der Kopf eines höheren Wesens hervorschaut, wie hier über dem Horus sein Ahnherr Phthah oder Vulkan sichtbar wird, in dessen Kraft jener wirkt und den Typhon besiegt. Phthah ist nämlich der Vater des Helios und dieser des Osiris, der mit der Isis den Horus zeugte; nach anderen war der ältere Horus- Arueris ein Sohn des Helios selbst.(M. s. die Kupfer zu Pallas über die mogoli- schen Völkerschaften, Th. II.) Fig. 4. Ein Ring mit einer Uräusschlange, dem Symbol der Unsterblichkeit(Hora- pollo I, 1.). Fig. 5. Ein Käfer, Symbol der zeugenden Kraft, der Welt, der Sonne, des Phthah und der Minerva(Horap. I, 10. 12.); die Federn, welche er hier auf dem Kopfe trägt, sind auch der gewöhnliche Schmuck des Phthah selbst. M. s. Fig. 24. Fig. 6. Ein Ibis, der eine Schlange im Schnabel trägt. Auf die Vertilgung der Schlangen und anderen Ungeziefers gründete sich die Vorstellung von der Heiligkeit dieses nimmersatten Vogels. Fig. 7. a. b. Ein Siegel, dessen Griff aus einem Widderkopfe besteht, über welchem die Sonnenscheibe ruht. Es ähnelt den drei Siegeln einer noch uneröffneten Papyrusrolle der Königlichen Sammlung. Fig. 8. a. 5b. Der Kopf einer ägyptischen Fledermaus, mit einem Zeichen verbunden, das der Laute Tafel XXI. IIg. 8. nicht unähnlich sieht; eine gedrückte Scheibe ruht zwi- schen den Ohren des Thiers. Die Fledermaus, welche die Katakomben bewohnt und schauerlich macht, war ein natürliches Symbol des Todes, worauf sich auch wahrscheinlich die Laute bezicht, als Andeutung der Todtenklage(oben S. 398.). Man vergl. Fig. 13. Fig. 9. a. 5. Ein Frosch. Nach Horapollo bezeichnet dieses Thier bald eine noch unreife menschliche Frucht(Hor. I, 25.), bald einen Schamlosen, mit stieren Augen plickenden(II, 101.). Neben der Bahre des erschlagenen Osiris sieht man bisweilen Menschen mit Froschköpfen(z. B. bei Hirt l. c., Tafel 8. Fig. 61.), indeſs, wie es scheint, in guter Bedeutung. Auf der bembinischen Tafel sitzen Frösche auf Altären, und werden knieend angebetet; über zweien schwebt die Sonne, über einem andern das Auge des Osiris. Vielleicht bezog man den Frosch auf den Nil, dem auch der Aal geweiht war (Herod. II, 72. Athenaeus I. VII. c. 55. Schw.). Eine bekannte griechische Erzählung verknüpft den Frosch mit der Latona(Oeid. Maetam. I7, 396 seJ.); da die Stadt und das Heiligthum der Buto an dem sumpfgen, gleichnamigen See(jetzt Bourlos, Teas) belegen war, so fand sich vielleicht schon in Aegypten eine ähnliche Beziehung dieses Thieres auf die Latona. ——— 424 Fig. 10. Der Kopf eines heiligen Fisches, deren in Aegypten mehrere eine besondere Verehrung genossen. Der Lepidotus war dem Nil geweiht(Herodot II, 72.), der Latos und, wie es scheint, auch der Oxyrynchus der Minerva(Tohon medailles des Nomes p. 119.). Letzterer war nach Aelian aus den Wunden des Osiris entstanden(de nat. anim. X, 46.); eine andere Ursache der Heiligkeit dieser Fische, und des Phagrus, giebt Plutarch an(de Is. ec Osir. c. 18.). Es wird erzählt, daſs die Aegypter durchaus keine mit Angeln gefangene Fische genossen, blos aus Furcht, es könne durch dasselbe Geräth vielleicht irgend einmal eins jener heiligen Geschöpfe verletzt worden seyn(ARlian. I. c.). M. s. Tafel XXXIL. Fig. 2. Fig. 11. Eine knieende Gestalt, welche betend die Hände erhebt und eine Scheibe auf dem Haupte trägt. Von einer ähnlichen war oben die Rede, zu Tafel XXXIII. Fig. 7. Fig. 12. a. B. Ein Kabir von drolliger Pygmäengestalt, fast blos aus Kopf und Bei- nen bestehend, dabei völlig kahl, mit dickem Kinn und Bart, und mit einem Schweif, wofern dieser Ansatz nicht einen Gürtel bedeuten soll(m. s. Fig. 24. 5.). Als der persische Ero- berer Kambyses den Tempel des Phthah und den der Kabiren zu Memphis besuchte, konnte er sich des Lachens und Hohns über die seltsame Gestalt der groſsen Götter nicht erwehren, was man ihm in Aegypten niemals vergaſs(Hero dot. III, 37). Die Phönizier hatten indeſs eben so gebildete Gottheiten, die sie Patäken nannten, und selbst der griechische Silen scheint aus solchen Vorbildern hervorgegangen zu seyn (Hirt 7. c. p. 16.). Nach einer Meldung des Synesius wurde der ägyptische Aesculap so kahl, wie eine Mörserkeule dargestellt(duem quidem pistillo caloiorem videas,&ynes. encom. caloitii p. 73.). Wirklich findet man nicht selten solche kahle Pygmäen, die bis- weilen Pflanzen in den Händen halten(Hirt 7. c. Tafel 2. fig. 15.), also zuverläſsig den Aesculap bedeuten, der als Erfinder der Arzneikunst im Nomus von Krokodilopolis oder Arsinoe einen Tempel hatte(Apulejus, opp. p. 99. Elmenh.), und besonders zu Mem- phis verehrt wurde(Memphites, Clem. Alen. Strom. I. I. p. 334.&lb. Ammian. Marcell. l. XXII. c. 14. Hieronymus in vita Hilarionis p. 80. bei Jablons ky Panch. Aegypt. III. p. 1912J. Uebrigens unterschieden die Aegypter zwei Aesculape: der eine, Esmun genannt,(koptisch Schmoun, Champollion eꝙpte sous les Pharaons I. p. 261.), war ein Kabir und Sohn des Phthah, welcher letztere bei den Phöniziern Sydyk, der Gerechte, hieſs(Euseb. Praep. Evang. I. c. 10.); der zweite, Namens Imuthes, war ein Sohn des Pan und der Hephaestobule(Seobaeus, in eclog. phys. p. 117.). Die auffallende Ver- vielfältigung gleichartiger Gottheiten bei den Aegyptern rührt wahrscheinlich blos von den theologischen Systemen der Priester her, die ihre Lehre von der Seelenwanderung auf die Ordnungen der Götter übertrugen. In einer hermetischen Schrift werden beide Aesculape zugleich erwähnt(Apulejus I..); und auch ein König der ersten memphitischen Dyna- stie, NNamens Tosorthros, sollte eine Incarnation des Aesculap seyn(Manetho bei Syneellus, Chronogr. p. 56.). Dieser Tosorthros oder Sesorthos war ein geschickter Arzt, erfand die Kunst mit behauenen Steinen zu bauen und beförderte die Schreibekunst. Auch Pausanias erwähnt des ägyptischen Aesculap(1. II, 27. Joann. Lyd. de mens. P. 125.). — ——— 425 Iig. 13. a. 6. Das hier dargestellte widerwärtige Geschöpf, das in sehr zahlreichen Wiederholungen vorkommt, nimmt in der jetzt zu Paris befindlichen Sphäre von Ten- tyris, neben dem Nordpol die Stelle des groſsen Bären ein; ist also zuverläfsig Typhon selbst, dem jenes Sternbild gewidmet war(Plutareh de Is. et Osir.«. 21.). Nach der Bemerkung des Herrn Geheimenrath Rudolphi ist es übrigens weder ein Bär, noch ein Hippopotamus, oder Schwein, wie man vermuthet hat(S. 153.), sondern die gewöhnliche äͤgyptische Fledermaus, in mehreren Varietäten, deren Flügel hinten am Rücken herab- hangen. Gewiſs ein würdiges Sinnbild des Genius des Unheils. Man vergl. Fig. 8. Fig. 14. Eine sitzende Gestalt, die so völlig gewissen Darstellungen der indischen Göttin Saraswati, in der Königlichen Sammlung zu Berlin, gleich kommt, daſs ich, bis ein ähnliches Werk von unzweifelhaft ägyptischem Ursprunge nachgewiesen ist, der Mei- nung bin, dies kleine Götterbild sey indisch, und vielleicht während der Anwesenseit der englisch-indischen Armee unter Blair, bei der sich viele heidnische Seapoys befanden, nach Aegypten versetzt worden. Fig. 15. Ein Knicender, der vor sich eine Tafel mit Hieroglyphen hält, aus Kalk- stein. In der Sammlung befinden sich mebrere Figuren dieser Art. Wahrscheinlich enthält die Tafel ein Gebet, und die knieende Gestalt ist eine Abbildung dessen, der es dar- bringt. Die Haartracht ist eigenthümlich, aber noch jetzt bei gewissen Stämmen in Ge- brauch. In der ersten Zeile der Hicroglyphen bemerkt man zweimal das Auge des Osiris. Fig. 16. Kin bemaltes Mumienbild des Osiris, aus Sykomorusholz, deren sehr viele vorhanden sind. Auf dem Haupte trägt er, in dieser Gestalt, immer die Mendeshörner, eine rothe Scheibe und zwei Strauſsfedern. Die Färbung ist willkührlich, ahmt aber hier das Netz Tafel XXXVIII. nach. In dem hölzernen Sockel pflegt vor dem Götterbilde eine Vertiefung angebracht zu seyn, die mit einem Schieber verschlossen werden kann; wahrscheinlich zum Hineinlegen von Weihrauch und andern kleinen Opfern. Fig. 17. a. ö. Ein Knicender, der vor sich eine Kapelle mit einer kleinen Statue des Osiris hält; aus Kalkstein geschnitzt. Die Figur ist bemalt, ihr Gesicht und der Osiris vergoldet, der hier die Krone des Richteramtes auf dem Haupte trägt(Tafel X& ‿.l. Fig. 4.); es ist die hohe Königskrone(Tafel XXXII. Fig. 12.), neben der sich zu beiden Seiten eine Strauſsfeder erhebt(o Tafel XXII. Fig. 2.). Der Kopfputz des Mannes, aus einem dicken Haarwulst am Hinterkopf bestehend, ist noch jetzt in Ober-Aegypten und Nubien in Gebrauch(M. s. Narrative of the expeédiition to Dongola and Sennaar, London 1822.). Eig. 18. a. b. Ein Symbol, dem Seite 420. erklärten, Tafel XXXII. Fig. 14., nicht unähnlich, und wahrscheinlich auch von gleicher Bedeutung. Fig 19. Eine Säule mit vier Queerstäben, das Symbol des Osirisgrabes, oder vielmehr die Säule selbst, in welcher, durch wunderbare Fügung, die Leiche des Osiris eingeschlossen war, als Isis ihn wiederfand,(¶Plutarok. de Ig. et Osir. c. 15. 16. Siehe Kap. VI. S. 131.) An keinem Mumiensarge fehlt dieses Zeichen, das auch in der Pyra- mide zu Sakkarra vorkommt(Tafel XXVIII. Fig. 4. a.). In der von Belzoni eröffneten Katakombe umarmt der dort beigesetzte Fürst dieses symbolische Grab, zwischen dessen Queerstäben die Augen des Osiris hervorblicken(Belzoni researohes in Egypt and Nubia, 54 426 tab. 5.). Auch in dem Tempel zu Siwah kommt es vor, Tafel IX. im untersten Streifen (S. 155.). In den Hieroglyphen der Inschrift von Rosette bedeutet es nach Noung: Dauer, Unveränderlichkeit, und in der Mehrzahl das Zeitwort: gründen.(Hierogl. oca- bulary Nr. 113. 114.). Fig. 20. Ein Schwein. Dieses den Aegyptern unreine Thier, wurde als Sühnopfer dem Monde und dem Osiris dargebracht(Herodot II, 47. 48.); ein Gebrauch, der bekanntlich in die griechischen Mysterien überging. Die Schweinhirten, obgleich einge- borene Aegypter, waren unrein, durften keinen Tempel betreten und mit niemanden Ver- kehr haben. Fig. 21. Ein Löwe. Dieses nicht in Acgypten, wohl aber im benachbarten Libyen einheimische Thier war dem Vulkan, der Sonne, dem Horus und dem Nil geweiht, und unter den weiblichen Gottheiten der Rhea und der Venus-Nephthys. Zu den für die Bezichung des Löwen auf diese letzte Göttin bereits angeführten Beweisen(S. 399. 412.) kommt noch der, daſs auf einer Münze von Aphroditopolis, zu beiden Seiten der Venus ein Löwe ruht(¶Tοhon medailles des nomes p. 1104); während eine andere Münze dieses Nomus, durch eine Victoria auf der Hand der Göttin(ibid.), es auſser Zweifel setzt, dals diese Venus für Nephthys zu halten sey(¶Plutaroh de Is. et Ogir.. 12.). Da der Löwe das natürliche Symbol der Stärke, des Muthes und der Wachsamkeit war(Horap. I, 17— 20.), so vermuthet Hirt, daſs man ihn auch auf Mars, Herkules und Minerva bezog (Ueber die Bildung der ägypt. Gotth. S. 24. 30. 32.); wo besonders für Herkules die Analogie des griechischen Mythus spricht. Neben kriegerischen Fürsten pflegt ein Löwe dargestellt zu seyn, ihre Tapferkeit auszudrücken(Diodor. I, 48.). Zu Leontopolis wurde ein lebendiger Löwe sehr feierlich als Gott verehrt ¶elian. de nat. anim. XII, 7.): die Vergleichung der Münzen dieses Nomus mit denen von Apollonopolis(Tockon I.. P. 55— 58. und p. 169— 171.) scheint aber zu beweisen, daſs er dort dem Horus geweiht war(Horap. I, 17. Oben Kap. VI. S. 145.). In dem hier dargestellten Löwen, der in gelbem Jaspis geschnitten ist, sind die Mähnen etwas ungeschickt ausgedriickt. Fig. 22. Osiris mit dem Herrscherstabe. Da man auch von Horus annahm, daſs er im Kampfe gegen Typhon den Tod erlitten, indeſs wieder neu belebt worden sey(Diod. I, 25. Plutaroh. de Is. et Osir. c. 20.), so kännen manche der häuſigen Götterbilder in Mumien- gestalt eben sowohl diesem Sohne des Osiris angehören. Ihn zu unterscheiden giebt es nur zwei sichere Kennzeichen, nämlich die charakteristische Locke an der einen Seite des Kopfes(Quperi Harpocrates p. 26.), und die weiſse Farbe, die Plutarch ausdrücklich dem Horus beilegt(de Is. et Oæir. c. 22.). Ob aber auch die Schmucklosigkeit des Hauptes, wie in dem uns jetzt beschäftigenden Bildchen, entschieden auf Horus deute, läſst sich bis jetzt nur noch als Vermuthung aussprechen. Fig. 23. Nachahmung einer kleinen Säule von sehr gefälliger Form; wahrscheinlich als Schmuck zu gebrauchen. Fig. 24. a. b. Der ägyptische Vulkan oder Phthah, in der öſfter erwähnten Pygmäen- gestalt(Herod. II, 37.). Diese seltsame Bildung giebt zugleich den wahren Aufschluſs über den griechischen Beinamen des Hephästos: Aaoeνοies, welcher offenbar nicht blos 427 einen Hinkenden, sondern einen an beiden Füfsen Gelähmten bezeichnet(Ili as I, 600. 607.). Juno war über die Miſsgestalt ihres Sohnes auch so ungchalten, daſs sie ihn vom Olymp herab warf und ihn nicht schen wollte; weshalb die Meergöttinnen Eurynome und Thetis ihn in verborgener Höhle unter den strömenden Wassern des Okeanos auferzogen (Ilias XVIII, 395— 405.). Der Kopfputz aus fünf hohen Federn ist charakteristisch. Fig. 25. Ein Widderkopf, als Amulet.. Fig. 26. Ein ruhender Widder, zu gleichem Gebrauch. Fig. 27. Ein Hase. Als Hieroglyphe kommt dieses Thier sehr häufig vor, z. B. auf den Obelisken von Luxor Tafel XVI. fünfmal. Nach Plutarch war der Hase, aus sehr natürlichem Grunde, die Hieroglyphe des Gehörs(Grmpos. l. IL.. Juaest. 5.); wegen anderer Eigenheiten bezogen ihn die Griechen auf die Venus(Millin mythol. Galerie, Tafel 45. Fig. 199. M. s. auch Horap. I, 26.).. Eig. 28. Eine aus Palmblättern geflochtene Sandale, deren mehrere, die wirklich ge- tragen zu seyn scheinen, in der Sammlung vorhanden, und sehr ſest und weich sind. Selbst die Könige sind oft mit solchen Sandalen bekleidet, z. B. Tafel XXIII. EFig. 2., (Apulej. Metam. XI. P. 256. Pedes ambrosios tegebant soleae, palmae victricis foliis intex- tae.), und auch als Hieroglyphe kommen sie vor, z. B. Tafel XIV.I. Fig. 1. Mittelst des vor- dersten gedrehten Bandes wurden sie mit den Zehen gehalten, und bedurften keiner wei- teren Befestigung. Auch die christlichen Anachoreten der Thebaide trugen geflochtene Sohlen, und ich weiſs nicht, ob die aindæia, die als Fuſsbekleidung der ägyptischen und atheniensischen Priester erwähnt werden, vielleicht von dieser Art waren. Fig. 29. a. b. c. Daſs bei den Aegyptern Janusartige Darstellungen in Gebrauch waren, bemerkte ich schon Seite 403. Sie hatten, wie ursprünglich auch bei Griechen und Römern, prophylaktische Bedeutung(Horap. I, 24.). Hier sehen wir, in einem höchst unförmlichen Bildwerke, Helios und Horus vereinigt; über dem Falkenkopfe des ersten ruht die Krone des Richteramtes, die Füſse scheinen auf Löwen zu stehen, zwischen denen eine Kugel die Sonne anzeigt. Fig. 30. Eine Sohle von Leinwand, sehr fest mit Kreide belegt und bemalt; indeſs wahrscheinlich nicht zum wirklichen Gebrauche, sondern blos zur Bekleidung der Mumien bestimmt. Ta fe, XXNXITV Fig. 1. a. b. c. d. Die vier Seiten eines kleinen Grabes oder Todtenkästchens(oben S. 413.). Sechs dieser Kasten sind noch ganz erhalten, von weit mehreren aber blos ein- zelne bemalte Bretter vorhanden. Die meisten kommen in den Darstellungen mit dem hier abgebildeten überein. Fig. a. Ein knieender Mann, mit einer Epheuranke in den Händen, bringt einem falkenköpfigen Gotte, hinter welchem Isis steht(S. 410. 11.), ein Trankopfer, nebst Früchten, Kuchen und Blumen dar. Der Epheu war bei den Aegyptern dem Osiris geweiht, und führte von diesem Gotte den Namen Chenosiris, Osiriskraut(Plutarok. 54* ——-—·.— 428 de Is. et Osir. c. 37. f. Apulej. Metam. XI.„. 271.). Von der Schwierigkeit, die fal- kenköpßgen Gottheiten mit Sicherheit zu unterscheiden, war bereits oben die Rede (Kap. VI. S. 132— 134.); wahrscheinlich ist es indeſs hier Helios selbst, als Sonne der Unterwelt, und in gleicher Bedeutung mit Osiris, seinem Sohne(Hirt, Bild. der ägypt. Gotth. S. 40.). 3 Fig. b. Dasselbe Opfer wird dem Osiris dargebracht, wie die schwarze Farbe seines Gesichtes vermuthen läſst(oben S. 408.); hinter ihm steht Buto, mit einem kleinen Grabe auf dem Haupte(S. 410— 412.). Sowohl Buto als Isis haben einen langen Gür- tel, nach Art des Tafel XXX. Fig. 2. 3. vorkommenden, und beide erheben segnend die eine Hand. Fig. c. d. Die vier Todtenhorte, Fig. c. mit dem Kopfe eines Hundes und Falken, Fig. d. mit dem eines Menschen und Kynokephalos; Anubis und Sonne, Osiris und Mond. Fig. d. sieht man oben den libyschen Fuchs auf dem Grabe ruhen, wie Tafel XXXII. Fig. 2., der hier eine Geiſsel und ein Sistrum zwischen den Füſsen hält. Eig. 2. Auch dieses Bildwerk scheint zu einem ähnlichen Kästchen gehört zu haben, zeichnet sich aber dadurch aus, daſs die Figuren nicht blos gemalt, sondern in schwachem Relief in Sykomorusholz ausgeschnitzt sind. Zu oberst erblickt man in einem Schiff die Sonne, nämlich eine Scheibe, auf welcher der falkenköpfige Helios oder Phre, nieder- hockend, und das Zeichen des Heils und des Lebens auf den Knicen haltend, dargestellt ist. So wie die pferdeliebenden Griechen den Helios auf einem mit schönen Rossen bespannten Wagen seine Bahn durcheilen lielsen, so glaubten die, an das beständige. Schiffen auf dem Nil gewöhnten Aegypter, daſs Sonne und Mond in Kähnen den Himmel umkreiseten(Plutaroch de Ig. et Osir. c. 34.). Unter dem Sonnenschiffchen erblickt man einen Käfer, das Symbol des Vulkan und der Minerva(Horap. I, 12. f. Plin. H. N. XXX, 30.), aus denen Helios hervorging(Cie. de nat. Deor. III, 22. Oben Kap. VI. S. 141.). Wahrscheinlich beziehen deshalb auch die sieben Fische neben jenem Käfer sich auf die Minerva; und in der That kommt ihre Gestalt mit der des Latos auf den Münzen von Latopolis(Tohon medailles des nomes p. 60. 63.) genug überein, um sie für diesen anzuschen. Zu Latopolis aber wurde Minerva verehrt(Strabo XVvlr.„ 817.), wie die erhaltenen Reste ihres Tempels, in denen das Widdersymbol unzählige Mal vor- kommt, beweisen. Merkwürdig ist es, daſs noch ein anderer Fisch, der Oxyrynchus, der Minerva heilig gewesen zu seyn scheint(Tehon l. c. p. 119. 120.). Zu diesen heiligen Geschöpfen betet, knieend und mit erhobenen Händen, eine andächtige Frau. Fig. 3. a. 5. c. Dieses zu Theben gefundene Kästchen enthält die Mumie einer Schlange, wahrscheinlich von der dem Ammon geweihten Art, die im Tempel desselben begraben wurde(Herodot II, 74.). Das heilige Geschöpf ist auch auf dem Deckel des Kästchens dargestellt, und auf den Seiten opfert ein Mann dem Uräus oder Basilisk, der von der Thermuthis nicht verschieden zu seyn scheint(Aelian. de nat. an. 4, 31.), eine Gans, noch ein reicheres Opfer ist Fig. 6. dargestellt, und Eig. c. ein Gebet mit ausge- breiteten Händen. Was aber dies kleine Denkmal besonders merkwürdig macht, ist die viermal wiederholte Inschrift in enchorischen Charakteren, in denen man deutlich von der 429 Rechten zur Linken geschriebene Buchstaben erkennt. Nach Plutarch hatte das ägyptische Alphabet fünfundzwanzig Buchstaben(de 14. et Osir.. 46.), und zur Wiederauffindung desselben dürſten diese Zeilen sehr wichtig werden, die auch Herr Professor Spohn ent- ziffert zu haben versicherte. Uebrigens scheinen die Buchstaben mit einem Pinsel sehr nachlässig geschrieben zu seyn, und Fig. c. steht noch besonders neben dem Betenden zweimal ein einzelnes Wort. Fig. 4. Dieses Gemälde scheint ebenfalls zu einem solchen Kästchen, wie Fig. 1., gehört zu haben, ist indeſs äufserst nachlässig ausgeführt und nur des Inhaltes wegen hier mit- getheilt. Vor dem Helios und Osiris, die beide einen Herrscherstab in den Händen tragen, erhebt sich nämlich eine groſse Schlange, die von einer Frau an einem Bande gehalten wird. Noch jetzt hat sich in Aegypten eine erbliche Brüderschaft von Schlangen- beschwörern erhalten, die theils durch Fanatismus und gewisse Geheimnisse, theils durch Betrug bei dem Volke eine Art von religiösem Anschen genieſst(oben Kap. X. S. 226— 228.); hier sehen wir, daſs ihre Kunst uralt ist und wahrscheinlich einen Theil der Weisheit jener erblichen Pfleger der heiligen Thiere ausmachte(Hero dot I, 65.), die als eine geringere Klasse von Priestern anzuschen sind. Die Psyllen, von denen man gewöhnlich die neueren Schlangenbeschwörer ableitet, waren nicht ägyptischen Geschlechts(Plin. H. W. VII, 2.). Uebrigens gab es nach Horapollo drei Schlangenarten(I, 1.); er erwähnt den Basilisk oder Uräus, welchen Namen andere Ubäus schreiben, das Symbol der Unsterblichkeit, des Weltgeistes(I, 64.) und der Gewalt über Leben und Tod; ferner die Schlange Meisi, die wahrscheinlich von böser Bedeutung war(I, 59.). Aelian läſst die Aegypter sechzehn Schlangenarten unterscheiden(de nac. anim. X, 31.): die Schlange Thermuthis, die er besonders beschreibt, und die der Isis geweiht war, ist aber ver- muthlich wieder der Basilisk. Herodot erwähnt dem Ammon geweihte Kerasten(J, 74.), nämlich die Agathodämonschlange, und eine geffügelte Gattung(1. c. 75. 76.). Jene war bei den Aegyptern fast ein Hausthier und von höchster Heiligkeit(Aelian. I. c. XIVII, 5. Lamprid. Heliog.. 28. Aegyptios dracunculos Romae habuit, quos illi Agathodaemonas vocant.). Eine deutliche Spur des Schlangendienstes findet sich auch 4. Mos. 21, 8. 9. 2. Kön. 18, 4. Ucbrigens sind wir noch nicht im Stande, viele der in den Bildwerken genau unterschiedene Schlangen mit Sicherheit zu erkennen. Auch der Aal war den Aegyptern ein heiliges Thier(Herodot II, 72.). Fig. 5. a. 6. Ein steinernes Dintenfaſs, vielleicht einst das Amtsgeräth eines Hiero- grammateus(Clem. Alex. Strom. II. p. 633. Glb.): die eingeschnittenen Figuren sind etwas unförmlich. Uebrigens erkennt man einen Kopf, dem der Arsinoe auf den Münzen des gleichnamigen Nomus, wo sie als Göttin verehrt wurde, nicht unähnlich(T'chon, medailles des nomes p. 128. 129.)⸗ zwei heilige Pflanzen, vielleicht die Persea und die Zwie- bel; ein anderes göttliches Kraut hieſs Osyrites oder Cynocephalia(Plin. H. N. XXX, 6.). Dann folgt eine Sphinx, die eine Lotusblame zwischen den Füſsen hält, ein Fisch, wel- cher, des spitzigen Kopfes wegen, der Oxyrynchus seyn mag, ein Bock, der dem Pan geweiht war, und endlich wieder eine Lotusblume. 430 7Z afel IAXX”Z. Fig. 1. Ein groſser Mumiensarg aus Sykomorusholz, fast wie eine Art Tempel gestaltet, an jeder Seite bemerkt man sogar eine scheinbare Thüre. Die Figuren sind in Relief ausgeschnitten und eingesetzt, die Hieroglyphen vertieft, und das ganze bemalt, obgleich die Farbe groſsentheils verblichen ist. In der Mitte steht auf der hier sichtbaren schmalen Scite Isis, auf der entgegengesetzten Buto; die anderen Figuren sind Anubis, Osiris, Helios und der dem Monde geweihte Kynokephalos. Unter der Wölbung stehen zwei weinende Augen mit angefügtem Krummstab, Symbole des Osiris(Plutareh. de Is. et Osir. e. 51.), und dazwischen eine Laute. Ein kleinerer Sarkophag, ganz von derselben Gestalt, dessen nachlässige Malereien fast gänzlich verwischt sind, und in welchem sich zwei Kindermumien befinden, hat folgende Inschrift in groſsen Charakteren: CENCAœo KAI TKATOI AAGAOH. Sensaos und Tkauthi, seine Schwester. Die harte Verbindung der Consonanten in dem Namen des Mädchens, ist im Aegyp- tischen nicht ungewöhnlich. Eine von Herrn Drovetti zu Kasr Zayan in der groſsen thebaischen Oase Kargch copirte Inschrift, die bereits durch Herrn Jomard in Carl- liaud's Loyage à l'Oasis de Thebes, Paris 1821., bekannt gemacht worden(ef. Letronne recherohes p. 237.), füngt nach einer von dem Herrn General mir mitgetheilten Abschrift mit folgender Zeile an: AMGNHKI OGœl MéTICTaI TXON CMTPCOG KAI TOIC CTNNAOIC x. r.*⁴. (sic).(sic) „Dem erhabenen Gott Amenekis Tchon Smyrsos und den Mitinhabern des Tem- pels“ u. s. w.(Das Uebrige bestätigt Hrn. Letro nnes Restitution). Ein dritter Sarg mit einer Kindermumie hat, auſser einer Zeile in ägyptischen Buchstaben, die griechische Inschrift: OPalNICG HPaKkAsOT c——B. Phaminis, Sohn oder Tochter des Herakleios. In der äuſseren Gestalt sind diese Särge manchen in Lycien, Rhodus und Karien gefundenen Steinsarkophagen nicht unähnlich; m. s. Aingsleg's views of the Ottoman em- pire. 1803. pl. 1. 6. 8. 9. und R. M alpole's travels in various countries of tee East, Lond. 1820. Fig. 2. a. bB. In den gröſseren Mumiensärgen findet man zu den Füſsen der Leiche Kleine bemalte Kasten, wie der hier dargestellte, etwa einen Fufs hoch und breit, welche mumisirte Gegenstände enthalten, deren Untersuchung indeſs sehr schwierig ist. Wir wissen durch Herodot(II, 86.) und Diodor(I, 91.), dals man bei dem Mumisiren das Gehirn und die Eingeweide aus den Leichen herausnahm. Porphyrius(de absei- nentia II, 10.) ergänzt dieses durch die Nachricht, daſs man die Eingeweide(νν ²ιυ⁴αν) in einem Kasten(·iar⁴e) besonders beisetzte, dieses Gefäfs heraus an die Sonne trug, und einer der Taricheuten, die priesterlichen Rang hatten(Diodor 7..), für den Abgeschiedenen folgendes Gebet sprach, welches der Aegypter Euphantus ins Griechische übersetzt habe:„O Sonne, Herrscher! und ihr Götter alle, die den Menschen das Leben 431 verleihen! nehmt mich auf, und übergebt mich den ewigen Göttern zum Wohnungs- genossen! Denn ich habe den Göttern, die meine Eltern mich lehrten, in Frömmigkeit gedient, so lange ich in jener Zeitlichkeit das Leben hatte, und die Erzeuger meines Leibes habe ich immer geehrt; ich habe keinen Mord begangen, kein Pfand veruntreut, mit keiner unsühnbaren Schuld mich befleckt. Habe ich aber in meinem Leben gesündigt, essend oder trinkend von Verbotenem, so habe ich nicht durch mich gesündigt, sondern durch diesen.“ Bei diesen Worten zeigte der Tarichent auf das Kästchen, welches die Eingeweide enthielt, und warf es in den Strom. Entweder geschah nun dies letztere nicht immer, oder nicht mit allen Theilen, oder, was noch wahrscheinlicher ist, man warf jenen Kasten zwar in den Nil, nahm ihn aber wieder heraus, um die entsühnten und durch das heilige Wasser gereinigten Theile mit der übrigen Leiche beizusetzen. Die darin enthal- tenen Stücke sind, jedes einzeln, mit Leinwand umwickelt. Auf diesen Kasten nun sind hier Fig. a. die vier Todtenhorte: Sonne, Mond, Osiris und Anubis dargestellt, und oben, Fg. 5., ruht der libysche Fuchs oder wilde Hund über dem Eingange des Grabes. Fig. 3. a. b. c. Ein kleines Grab aus Kalkstein; an der einen Seite ist eine schein- bare Thüre(Fig. c) angebracht, es öffnet sich indeſs oben mittelst eines Deckels. Von dieser Art Gräber oder Urnen sind mehrere vorhanden. Auf dem hier abgebildeten sieht man Fig. a. den Sonnenfalken, und Fig. 5. zwei Todtenhorte, von denen die beiden ande- ren auf der verwischten vierten Seite dargestellt sind. Eig. 4. Eine kleine vergoldete Kapelle. Wegen der Form derselben vergleiche man Tafel XXIX. Fig. 9. und Tafel XXX. Fig. 2. af e, XXI7 7. In dem eben beschriebenen groſsen Sarge(Tuafel XXXIV. Fig. 1.) erblickt man, nach Abhebung des sorgfältig eingefugten runden Deckels, einen Sarg von der hier dargestellten Form. Am Kinn bemerkt man einen geflochtenen Ansatz, der einen Bart darzustellen scheint, indels mit einem Bande befestigt ist(Tafel XXX. Fig. 1.). Da auf der Scheitel der Geier, das Zeichen der Weiblichkeit, fehlt, so ist diese Mumie unstreitig von männ- lichem Geschlecht. Das wunderbare Ansetzen des Bartes hat schon viele Vermuthungen veranlaſst; der wahre Grund scheint aber der zu seyn: das Scheeren des Bartes gehörte zu den religiösen Vorschriften, die Priester schoren sogar alle drei Tage den ganzen Leib(Herodot II, 37.); um indeſs jenen männlichen Schmuck nicht ganz zu entbehren, trug man diese, offenbar aus Haar geflochtenen, falschen Bärte. Der Herr Staatsratb Köhler zu Petersburg besaſs vor einigen Jahren eine griechische Gemme von ausgezeichnet schöner Arbeit, die einen sehr ehrwürdigen Kopf mit einem, ganz wie hier, geflochtenen Barte darstellte. Auf der Brust des Mumiensarges ist über den drei Streifen hieroglyphi- scher Schrift ein kleines Gemälde angebracht, wo ein Mann, wahrscheinlich der Todte selbst, vor einem Altar, mit aufgehobener Hand, Osiris und Isis anruft, die beiden Gott- heiten der Unterwelt(Herodot II, 123.). Das häufige Vorkommen der Isis, bei allem was auf die Todten Bezug hat, erinnert an jene Worte, die Apulejus dieser Göttin in —— 432 den Mund legt(Metam. XI, p. 260.):„Lebe selig, lebe glorreich in meinem Schutz; und wenn du, nach vollendeter irdischer Laufbahn, zu den Todten hinabsteigst, wirst du selbst im unterirdischen Halbrund mich, die du hier siehest, wieder erblicken, erleuchtend die Finsternisse des Acheron, als Herrscherin der stygischen Wohnung, und in elysischen Gefilden weilend, mich, die Gnädige, ohne Unterlaſs preisend anrufen.“(Vives autem bea- tus, vioes in mea tutela gloriosus! et, cum spatium seculi tui permensus, ad Inferos demearis, ibi quoque in ipso subterraneo semirotundo me, quam vides, Acherontis tenebris interlucentem Stygiisgue Penetralibus regnantem, campos Elysios incolens ipse, tibi propitiam frequens ado- rabis.) Bekanntlich waren die Aegypter das merkwürdige Volk, welches die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele zuerst annahm und verbreitete. Oeffnet man den Deckel dieses zweiten Sarges, so findet man einen innersten dritten, der auf das sorgfältigste bemalt ist, indeſs von dem sogleich zu beschreibenden einer anderen Mumie sich nicht wesentlich unterscheidet. Ta fel XXXVII Auch dieser Mumiensarg schlieſst noch einen zweiten, fast eben so bemalten in sich; die darin beigesetzte Leiche scheint indefs weiblich zu seyn, wie sich aus dem Geier, der über der Scheitel die Flügel ausbreitet, schlieſsen läfst. Auf der Brust der Todten streckt eine knieende Göttin sehr groſse F ittige aus, die nach äegyptischer Art an ihren Armen befestigt sind. Auf ihrem Haupte ruht eine Scheibe, in welcher man hier, so wie auf den innersten Särgen beider Mumien, den TZuafel XXX. Fig. 8. vorkommenden Namen bemerkt, wodurch diese Göttin als ein weiblicher Agathodämon bez’zeichnet wird. Unter dem zierlichen Sessel, worauf sie knieet, sieht man den Todten auf einer Bahre ruhen, die, wie gewöhnlich, der ausgereckten Gestalt eines Löwen gleicht, weil die Leiche des Osiris den Nil hinabschwamm, dessen Symbol der Löwe ist. Ueber der Leiche schwebt ein Falke mit einem Menschenhaupte, oder eine Sirene, gleichsam als Bote der Unterwelt(oben S. 415.), und scheint begrüſsend die Flügel zu senken. Dann folgen sieben Streifen hieroglyphischer Schrift, alle mit einer weder gehörnten, noch dickhalsigen Schlange beginnend, die nach VYoung den Begriff: ewig, ausdrückt(Qierogl. vocab. Nr. 109.). Zu beiden Seiten stehen die vier Todtenhorte, die sich dadurch auszeichnen, daſs sie sowohl hier, als auf dem inneren Sarge dieser Mumie unverkennbare Thyrsen halten, deren auch Plutarch und Apulejus in Bezichung auf den ägyptischen Cultus Erwähnung thun(de Is. et Osir. c. 35. Metamorph. XI. p. 271.). Nur der Anubis und der Mondesgenius mit dem Kynokephaluskopf halten einmal auf jeder Seite in beiden Händen eine Binde, die wir schon Tafel XX. Fig. 5., Tafel XXX. Fig. l. und Tufel XXXII. Fig. 9. fanden, und die sich ohne Zweifel auf die Einwickelung der Todten in Leichentücher bezieht, die bei den ägyptischen Mumien oft von endloser Länge sind. Auch diesem Gebrauch gab man einen mythischen Anlaſs, den Plutarch andeutet(de Is. et Osir.. 21.); immer ist es der erschlagene Osiris, auf den man bei jedem groſsen und geringen Anlaſs hingewiesen wird. Am Fuls der Mumien, wo häuſig der libysche Fuchs dargestellt ist, sehen wir hier auf 4 6—ö—— 433 beiden Seiten das Auge des Osiris, mit angefügtem siderischen Stab und einem anderen Ansatz, dessen Form es sehr zweifelhaft macht, ob eine Thräne, wie bisweilen wirklich der Fall ist(Foung's kierogl. vooab. Nr. 100.), dadurch angezeigt wird. Horapollo erwähnt der Verbindung von Auge und Zunge(I, 27.), Clemens von Auge und Ohr (Strom. I. V. p. 566.), auch der Vereinigung von Auge und Hand wird gedacht; aber alle diese treffen nicht zu. Auf einem geschnittenen Steine der Königlichen Sammlung zu Berlin ist ein deutlicher Flügel und eine Hand mit einem Auge verbunden. Visconti hielt tberhaupt das hier vorkommende Zeichen für ein geflügeltes Auge(¶Museo Pio-Clem. II. p. 37.). Allein am meisten Aehnlichkeit scheint mir dieser Ansatz, hier und Tafel XXXIV.. Fig. 1., mit der Form des ägyptischen Steuerruders zu haben, wie es z. B. Tafel XXXIL. Fig. 2. vorkommt. Die Bedeutung kann nicht zweifelhaft seyn; es ist dieselbe, in der bei den Griechen und Römern Fortuna das Steuer führt. In der Sonnenscheibe erblickt man, statt des falken- köpfigen Helios(Tafel AXII. Fig. 2.), bisweilen dies Auge mit dem Ruder und dem geboge- nen Stab(Riochardson's travels Bol. I. p. 244.); indem man sehr natirlich die Sonne als das allsehende Auge der Welt betrachtete. Die Wortbedeutung des Namens Osiris(¶u- taroch de Is. et Osir.. 10., àls T⁰* O2 r α, 7⁷ IPI 7⁰ν 5,aA⁴³αν Alpvr rix Vdrroy Qedésros., of. Diodor. I. c. 11. Euseb. Praep. Eoang. I. p. 27.) gab indeſs Anlaſs, das Auge insbesondere zur Hieroglyphe dieses Gottes zu machen. Man rief ihn an, als ruhend in den Armen der Sonne(roν ιν rals Ayxd Aaus eν redνον r°d HAlov, Plutar o h. I. o. 52.), und feierte ein besonderes Fest der Sonnenstäbe(Zaærselas HAv. ibid.). Es ist also das Auge der Vorsehung, ein noch immer gebräuchliches, schönes Symbol. T afe l, XAXXIIII. Nimmt man von der grolsen Mumie, Tafel XXXV. und XXXVI., auch den dritten innersten Deckel hinweg, so erblickt man den Todten, eingehüllt wie er hier dargestellt ist. Die Leichentücher sind von röthlicher Farbe, die von Krapp herrühren soll, darüber liegen sehr regelmälsig gelegte, weiſse Binden. Auf der Scheitel sind die Enden derselben mit einem Siegel aus Nilschlamm befestigt. Eine noch unentwickelte Papyrusrolle der Königlichen Sammlung trägt drei kleine Siegel, gleichfalls in Nilschlamm abgedruckt, durch welche ein Faden läuft. Auf der Brust des Todten ruht der heilige Käfer, das Symbol des Phthah und der zeugenden Kraft der Welt, aus Lapislazuli geschnitten, mit goldenen Flügeln. Er hält über sich, wie gewöhnlich, die Sonnenscheibe. Dann sieht man die vier Todtenhorte: Sonne, Mond, Osiris und Anubis, und unter ihnen einen Streifen Hieroglyphen, alles aus stark vergoldetem Schmelz geformt. Das Merkwürdigste ist indeſs das kunstreiche Netz aus blauen Schmelzkorallen, worin die Leiche eingewickelt ist. Eine chemische Analyse derselben findet man oben unter den Beilagen des Herrn Professors John, Seite 337. Wie jeder Gebrauch der Aegypter, hatte auch diese Netzeinwickelung einen mythischen Anlaſs. Auf der bembinischen Tafel erblickt man im untersten Streifen zweimal den Horus, ganz von einem Netze umwunden, das hinten am Halse mit einem 5⁵ 434 Haken versehen ist, und offenbar ein Fischernetz andeuten soll. Die Erzählung, die hier- über Auskunft giebt, ist folgende: In dem Kampfe gegen Typhon wurde Horus von dessen Gehülfen hinterlistig erschlagen, und man fand seinen entseelten Leichnam im Wasser. Isis aber besaſs den Trank der Unsterblichkeit(&ᷣaearias Odeνμκeνν), wodurch sie ihn nicht blos wieder ins Leben zurückrief, sondern ihm auch die Unsterblichkeit verlich (Diodor I, 25.). Noch grausamer müssen andere Erzählungen den Tod des Horus berichtet haben(Plucaroh de Is. et Osir. c. 20.); das Auffischen desselben in einem Netze machte aber wahrscheinlich einen bleibenden Zug des Mythus aus. Die alten Aegypter mögen den Trank der Unsterblichkeit eben so eifrig gesucht haben, als die Chinesen und die europäischen Adepten. Es geschieht desselben öfter Erwähnung(dεeνlas Odgaaxo, in Stobaei ecclog. plys. p. 117., wo er ebenfalls der Isis beigelegt wird), und auſserdem suchte man Mittel, die Götter und das ewige Licht körperlich zu schauen. Eine Kunde des magischen Lebenstrankes ist schon zu Homer gekommen; das Nepenthes, welches Helena von der Polydamna in Aegypten erhielt(Odyes. ILv, 220— 232.), ist offenbar nichts anderes. Der mystische Gebrauch des Netzes(Aremey) bei dem delphischen Orakel und in den bacchischen Weihen, stammt ohne Zweifel von eben diesem Netze des erschlagenen Horus-Apollo; womit übrigens so viel Geheimniſsvolles der alten Theologie zusammenhängt, daſs ich mir es versagen muſs, länger dabei zu verweilen. Die zweite, weibliche Mumie, zu welcher der Deckel Tafel XXXLII. gehört, und die in einem doppelten Sarge beigesetzt ist, hat ebenfalls ein solches Netz aus Schmelzkorallen; der Käfer, die Todtenhorte und der Hieroglyphenstreifen sind indeſs aus Korallen gestickt. Eine noch andere Art höchst sorgfältiger Einwickelung findet sich an der öfter erwähnten weiblichen Mumie, welche durch Herrn von Pourtalès der Königlichen Sammlung ein- verleibt worden(oben S. 116. 131 etc.), und„die an Mannigfaltigkeit der Darstellungen auf ihrem doppelten Sarge alle bisher bekannt gewordenen übertrifft. An die Auslegung derselben lieſse sich eine vollständige Entwickelung der ägyptischen Mythologie ankniüpfen. Was für Darstellungen das Innere der hier mitgetheilten Mumiensärge enthält, läſst sich noch nicht bestimmen, da die Leichen bis jetzt in ihrer ursprünglichen Lage geblieben sind. Uebrigens war das Haupt der Mumie Tafel XXXVIII., als man sie fand, mit einem Kranze von vergoldetem Metall geschmückt, der aber, als der Sarg von den Douane-Beamten zu Triest geöffnet wurde, nicht mehr vorhanden war. Wahrscheinlich ist derselbe, während einer kurzen Abwesenheit des Herrn Generals, in Cairo entwendet worden. Erfreulich ist es daher, daſs kürzlich zu Paris, nach der Erzählung der öffent- lichen Blätter, ein ähnlicher Kranz an einer anderen Mumie entdeckt worden ist. ——— Karte des Karavanenzuges durch die libysche Wüste. Ptolemäus(Geogr. I. IV.. 5.) setzt die Lage der Stadt Alexandrien, mit auffal- lender Unbestimmtheit, wofern die Zahlen nicht etwa verderbt sind, auf 310 der Breite und 60° 30 der Länge von einem willkührlich angenommenen ersten Meridian. Längs der libyschen Küste nennt er dann folgende Oerter, Häfen und Landspitzen, nimmt aber die Linie des Ufers viel gerader, als sie wirklich ist, indem er blos eine allgemeine Schätzung der Entfernungen zum Grunde legt: Chersonesus, ein fester Ort auf einer Landzunge, 31⁰ 5 ʃ der Breite, 60° 30 der Länge. Plinthine, Stadt und Hafen............ 31⁰— 59⁰ 45— Chimo, ein Flecken............ 31⁰ 5— 59⁰ 30— Dann folgt die Grenze des mareotischen Nomus, und Libyen beginnt: Glaucon, Landspitze...... w..... 31⁰ 10 ʃder Breite, 59° 10 7— Leukaspis, Hafen............... 31⁰0 5— 59⁰— Derris, Landspitze(C. Derao)).... 31⁰ 251— 58⁰ 50— Antiphrä, ein Flecken)..... 310 54— 58⁰ 40— Phoenicus, Hafen.................. 31⁰° 10— 58⁰ 20— Hermäa, Landspitze................ 31⁰ 15— 58⁰— Leuke Akte..................... 31⁰ 10— 57⁰ 50— Gyzis(Zygis), Hafen................ 31° 5— 57⁰ 40— Kalliu Akra, Landspittee) 31° 10— 570 30— Graeasgony, Hafen........... 31⁰° 5— 57⁰ 20— Pythis, Landspiteeeaea).... 31⁰ 10— 572 10— Paraetonium oder Ammonia... 31⁰ 10— 57⁰— Apis...................... 31°0 54— 56⁰° 40— Trisarchi, Flecken................ 31⁰° 51— 56⁰ 20— Selinus, Hafen.................... 31⁰10— 56⁰— Zagylis, Fleckebrn.,... 31⁰ 10— 55 ⁰ 45— Chettaea, Flecken.................. 31⁰ 10— 55⁰ 30— Zygris, Fleckeen...... 31⁰10— 55⁰ 15— Aenesisphyra, Haeeeeeoeeen.. 31⁰ 10— 5350— Katabathmus Major, die Agaba, welche noch jetzt die Landesgrenze macht... 31⁰ 15— 54⁰° 457— 55* *—— 8 8— 1— g ——— 8—————— 5— 3—— 436 Im Innern nennt Ptolemäus folgende Ortschaſten: Tachorsa......„................ 30° 50 der Breite, 54⁰° 30 der Länge. Azikis(Aschdebi?)................. 31⁰— 55⁰— Nemesion....................... 30⁰30— 55⁰ 30/— Tisarchi, Landsitz oder Flecken....... 30⁰ 50— 55⁰50— Philonis, Landsitz oder Flecken.... 30⁰ 30— 55⁰50/— Sophanis, Landsitz oder Flecken....... 30⁰ 50— 56⁰ 30— Bibliaphorion.................... 30° 400— 56⁰° 20— Scope....................... 30⁰° 30— 56⁰° 40— Callii, Landsitz oder Flecken........... 30⁰ 50— 57⁰ 30— Laodamanteum................... 310°— 57⁰ 30/— Katabathmus minor(Geige)......... 30⁰° 50°— 580⁰— Pedonia........................ 31°— 58⁰ 20— Pnigeuds).......... 30⁰ 30— 58⁰ 30— Glaucon..................... 30° 50/— 59⁰10— Tuccitora....................... 30⁰ 157— 55⁰ 10— Mhanuthis....................... 29⁰ 45— 55⁰°40— Pednopum.................... 29° 40— 57° 15— ClimaK........................ 30 106— 57⁰ 400— 4 Siropum(el-Gara)................ 28⁰ 45— 56⁰ 20— Mareotis....................... 28⁰ 20/— 58⁰— Alexandri castra................... 28⁰ 10— 56⁰° 30— 3 Die Stadt Ammon(Siwah).......... 28⁰— 55⁰30—. Die folgenden Orte liegen wieder im mareotischen Nomus: Menokaminos(el Hamam?2))... 30⁰ 30— 59⁰ 10— Halmyre....................... 30⁰50— 59⁰ 40/— Taposiris(Abousiii.lll... 30⁰°15— 59⁰ 50— Kobii..... ö ⸗⸗⸗......... 30° 20*— 59⁰10— Antiphili, Flecken............ 30⁰°20— 59° 30— IIierax...................... 30⁰ 40— 59⁰ 40— Phamothiss......... 30⁰°40— 60⁰⁹— Palacomaria, Flecken............... 30⁰10*— 60⁰— Das Itinerarium Antonini und die Peutingersche Tafel machen noch einige andere Oerter namhaft; man sieht aber, daſs Libyen, obgleich im Alterthum unendlich cultivirter als jetzt, doch nur wenig Städte enthielt. Selbst in der Nähe der Meeresküste konnte der Ackerbau blos durch künstliche Bewässerung möglich seyn; und die erhaltenen 4 zahlreichen Brunnen beweisen, welche Mühe man es sich kosten lassen muſste, um diesem undankbaren Boden sogar Wein abzugewinnen. Im Innern führten, wie noch jetzt, liby- 3 sche Hirtenstämme ein kümmerliches, unstätes Leben. Pomponius Mela(I, 8.) giebt über sie folgende Nachricht:„Die Bewohner der Küste treiben Ackerbau, und sind an Sitten von uns nicht wesentlich verschieden. Die weiter landeinwärts Ansässigen haben —: — 437 zwar keine Städte, aber doch bleibende Wohnungen, die sie Mapalia nennen; ihre Lebensart ist dürftig und genuſslos, Milch und Wild die gewöhnliche Nahrung; denn die Heerden, der einzige Reichthum, werden möglichst verschont. Noch weiter im Innern verwildern die Menschen immer mehr; unstät den Heerden folgend, schlagen sie ihre beweglichen Hütten da auf, wo die Weide es nöthig macht“ u. s. w.(Orae sic habitantur, ad nostrum maxime ritum moratis cultoribus.— Proximis nullae quidem urbes stant, tamen domicilia sunt, quae mapalia appellantur, victus æsper et munditiis carens,— gregibus, quia id Solum opimum est, quoad potest parcittr. Interiores etiam incultins sequunntur vagi pecora, utque a pabulo duota sunt, ita se et tuguria sue promovent eto.) Mehrere der Kap. III. und IV. für Graber erklärten Ruinen dürften sonach Reste befestigter Landsitze seyn, worauf auch einige bei Ptolemäus vorkommende Namen zu führen scheinen; da man in solcher Nach- barschaft beständiger Angriffe der Nomaden gewärtig seyn muſste. Die zahlreichen unter- irdischen Gemächer brauchen nicht nothwendig blos zu Katakomben gedient zu haben, sondern konnten auch zum Aufbewahren der Vorräthe, und in diesen brennenden Gegen- den, selbst als Gegenstand des Luxus, zum kühleren Aufenthalt während der Sommer- monate, unentbehrlich seyn. Bemerkt man doch selbst zu Rom, 2. B. in den Bädern des Titus, unterirdische Gemächer, deren Anlage nur diesen Zweck gehabt haben kann(oben Kap. III. S. 45.). Auf der Karte ist übrigens statt Konischa, zu lesen: Koreischa; statt Mougar el-Dokar, Mongar el-Dokar; und durch die Art der Schattirung ist der Bahr- Belà-Ma scheinbar etwas schmäler geworden, als er hätte seyn sollen, da seine Breite von Rand zu Rand an anderthalb deutsche Meilen beträgt, und blos ein unbedeutender Sandrücken, der aber hier das Anschen eines Berges erhalten hat, denselben von dem Thale der Natronseen trennt. . 8 438 Zusätze und Berichtigungen. . 11. statt aufgestellt lies: ausgestellt. . 2. statt BRIX lies: BRIGGS. . 4. und Z. 26. statt Issanwer lies: Issawer. 2. v. u. statt VALENCIA lies: VALENTIA. 1. v. u. statt der lies: die. . 12. 13. statt gewesen ist. lies: war;, statt fällt lies: fiel. 1. v. u. statt Beilagen lies: Erklärung der Tafeln, Seite 370. 2. statt Bu- lies: Be- 6. statt Derselbe lies: er. 7. statt nach Selinus, lies: nach, Selinus. 9. 10. Die erwähnte Münze der Oase: OA2IZ META, die Eckhel Doctrin. Num. Vet. IV. p. 111. auf Zoëga's Empfehlung zuerst anführte, erklärt Toôchon, medailles des nomes p. 33— 35. für falsch. S. 90. Z. 10. statt Agoub lies: Agoul. 4 Z. 24. Ein Ardeb beträgt 4 ⅓ Pariser Scheffel, oder 1,849 Hectolitre; eine Oke beträgt 19,200 Gran, nämlich 400 Drachmen, jede zu 48 Gran. S. 95. Note*) statt Aini v. Hammer, lies: Aini, bei von Hammer. Note***) Die Vergleichung der nordafrikanischen Sprachen und Dialecte, ist, da noch einige unentbehrliche Aufklärungen zu erwarten sind, nicht mitgetheilt worden; das vorläufige Resultat derselben findet man indeſs Seite 378— 381. S§. 106. Note 5) statt Diodor I, 89. lies: 87. S. 111. Da die Beziehung des Widders auf die Minerva, manchem vielleicht nicht zu rechtfertigen scheinen dürfte, so gebe ich hier die vollständigen Beweis- stellen, obschon sie bereits im Text S. 111. und 135. angeführt sind. 99A do R — — RRRRNRRRNRNNHN + 82 Der Widder als Symbol der Minerva. Manilius II. v. 239. von den Zodiakalzeichen redend: Lanigerum Pallas, Taurum Cytherea tuetur. Hiezu bemerkt Scaliger, ed. Plantin. 1599. p. 152.: In Kalendariis rusticis Romanis, Far- nesiano et Vallensi, eodem modo dispositae Sunt tutelae Deorum.(Minerva VW, Venus F u. s. w.) Neben den Kalendarien bedürfte es eigentlich keiner weiteren Zeug- nisse; wir geben sie indeſs, da sie von groſsem Gewichte sind. Virgil. AHen. XI. v. 259. 260.—— Scit triste Minervae Sidus et Euboicae cautes ulcorque Caphareus! Aus Heyne’s und Cerda's Bemerkungen zu dieser Stelle ergiebt sich, wie unerhört 7 diesen gelehrten Männern ein Sidus Minervae erschien; dann aber lese man, wie der * 439 treffliche Servius die angeführten Worte Virgils erläutert. Nachdem er erzählt hat, die griechische Flotte sey durch einen von Minerva gesendeten Sturm zerstört worden, fährt er so fort: Haec autem numina, quae inter sidera non videmus, licet sua signa propria non habeant, cum aliis tamen potestate Sunt permiæta? nt Ophinchus ipse est AHesculapii, Gemini AKpollinis et Herculis esse dicuntur, sic Minervae Aries eysse dinoscitur. Ineptit Gervius! ruft Heyne aus; mit welchem Recht, sieht man aus den römischen Kalendarien, und aus seiner eignen, höchst gezwungenen Erklärung der Worte Virgils. Proolus in Timaeum J. I. p. 30.(zu der bekannten Stelle des Plato über die Göttin von Sais): Nachdem Proklus über die kosmische Energie des Zodiakalwidders, in welchen die Frühlingsnachtgleiche falle und über dessen Haupte der Triangel, die rxd eias Cas za Tarlosus, stehe, gesprochen, und darauf die Inschrift des Adytums der Minerva zu Sais, in der diese Göttin alles was ist, war und seyn wird, und die Mutter der Sonne heiſst, angeführt hat, fährt er so fort: Auauovgyiud ris ode.s*s zan Aoavrds aaa zan daᷣe⁵⁹ς (nach der bekannten Definition des Namens Axoο, weil der Aries blos aus dunklen Sternen besteht), 3 vαν r Aei Lgovca vrn Tu pα za‿raNaeudovu 775 8102ℳ, za] vde rν euar d νς dvetrai rij Se* aal aordo d iondeεμdς κνλχEοα h adusra zad i 2unraes ro? Tαννςό IDęurae Mea‿ds.. Einen wesentlichen Zug dieser Nachricht bestätigt auch Servius in der angeführten Stelle: Revera autem constat, Graecos tempestate laborasse Aequinoctio vernali. Dann bewegen sich nämlich die mannbize Minervales, die Frühlingsäquinoctialstürme und Donnerwetter, die der Aries sendet; weshalb ihn Virgil: griste Minervae sidus nennt. Caes. German. Progn. fragm. 1.- Grandine permiætas Aries nioibusque caducis Spargit vicinas Supra juga tristia nubes. und fragm. 2. v. 63— 65⸗ Cum pecudis villis auratum fulserit astrum, VZentorumque graves et dirae grandinis irae, Non intermisso quatiendi tempore, Surgent. Die Autorität dieser Schriftsteller und Kalendarien wird bestätigt durch zahlreiche Denkmäler. Hirt theilt in seinem Bilderbuche, Heft II. Tafel 14. Fig. 6., ein solches mit, wo neben dem Widder die Eule der Minerva steht, und aufserdem über diesem Zeichen der dort weggelassene Kopf der Göttin. In eben diesem Bilderbuche, Heft I. Tafel 6. Fig. 5., ist eine Minerva dargestellt mit zwei Widderköpfen auf dem Helme, und in allen Sammlungen finden sich Statuen und Büsten der Minerva mit dem- selben Attribut. Blos im Antikentempel zu Potsdam sind zwei der Art, beide über Lebens- gröſse, die eine selbst kolossal und im strengsten Styl der älteren griechischen Kunst aus- geführt(nach dem Katalog Nr. 153. und 178.). Mir ist die Durchzeichnung eines Vasengemäldes mitgetheilt worden, wo neben der Minerva ein Widder, ganz in der Stel- lung, die dem Zodiakalwidder gegeben wird, angebracht ist. Daſs also Griechen und Römer dieses Gestirn, als der eucela der Minerva untergeben, betrachteten, läſst keinen Zweifel zu; wenn man auch nicht hieher ziehen will, daſs zu Athen die jährlichen 440 Panathenäen, und zu Rom die Quinquatrus, das fünftägige Minervenfest, gefeiert wurden, wenn die Sonne in das Zeichen des Widders trat, wie sich aus den Kalendarien und aus Ovids Fastis ergiebt. Gerade dann fiel nämlich der natalis Minervae, das Geburtsfest der Göttin; OCoid. Fast. III, 812. 849: 1 Causa, quod est illa nata Mineroa die.— Summa dies e quinque tubas lustrare canoras Admonet, et forti sacrificare Deae. Nuno potes ad Solem sublato dicere vultu: Hio here Phrgæeae vellera pressit ovwis. Es fragt sich nun, ob die Beziehung des Widders auf die Minerva schon bei den Aegyptern statt fand? Theils ergiebt sich dies schon aus der angeführten Stelle des Proklus, noch entscheidender aber ist folgende Angabe des Horapollo(I, 11.): Nach ägyptischer Lehre habe Minerva die obere Hemisphäre des Himmels inne (12½ν Nors? rae Aryurrlous AS„d 14 eu 7⁸ od' αννο 12ειασραηειον A π εννπε α). Unter der oberen Hemisphäre werden beständig die sechs Zeichen von dem Widder bis zur Wage ver- standen; diese also gehören der Minerva, und ihre Herrschaft beginnt, wenn die Sonne in den Wiqdder tritt, das erste Zeichen der Sonnenbahn(5 Amvrriae Ans drd KAuν àed Sa‿νderar dhe Agxdh,— an e re eb- Kęε⁴ν εaνe laur Paxrtv, ³ν 3 13 Iyεμμοουκ⁴⁶, a. Tr.. TeoOH. Smyrn. zu Arati Phaen. os. 544.), so wie des Weltanfanges, welchen beiden Ammon, ihr Vater, vorsteht. Wir erfahren hier demnach zugleich den Grund, weshalb die Früh- lingsnachtgleiche der Minerva angehörte, und weshalb gerade diese Göttin die Mutter der Sonne hieſs; der ohne Zweifel, eben als der Sonnenmutter, das groſse nächtliche Lampenfest in ganz Aegypten gefeiert wurde(Herodot II, 62.). Aber noch mehr: Strabo sagt I. XVII. p. 802. Tars—* 6 riuμ‿ςασν—ẽQy Aα und P 812. 1άά-n-˖— Talrat res aroy. Eben dies meldet Clemens Protrept. p. 25. Gylb. Zafra N zal OaaAeνᷣ εςουνστ reiarer. Das heiſst: In dem Tempel der Minerva zu Sais, wie in dem des Jupiter zu Theben und in dem libyschen Ammontempel, wurde ein Thier vom Schaafgeschlecht, re⁴saron, als geheiligter Repräsentant der Gottheit verehrt; wie dies in allen ägyptischen Tempeln geschah und bekannt ist. Athanasius contra gentes. 24. Algoes ⁸ 2το, 4 22ε‿ο‧νσmι Auuœya, 9.*εα24 ⁷πe ‿Q᷑Qᴵ⁹ñd:. Die heiligen Thiere waren gleichsam lebendige Idole der Götter, statt der leblosen Bildsäulen der Griechen und Römer(d⸗ od Ne 2,39aeον εμ⁶e 10 Sri e. Porph. de abst. II.. p. 322.). Nicht weniger als sechs ägyptische Nomen, auſser Sais, verehrten, wie die Münzen beweisen, den Widder als heiliges Thier: Theben, Pharbätus, Mareotis, Hypsele, Neout und Xois, wozu vielleicht noch zwei andere kommen. Auf den Münzen der drei ersten erscheint Jupiter Ammon mit dem Wiqdder auf der ausgestreckten Hand; auf denen von Hypsele, Neout und Xois ist es eine Göttin, die den Widder auf der Hand hält(Tachon méedailles des nomes p. 98. 161. 187.). Wie wollen wir nun diese nennen? Sie kann nur jene Neith seyn, die Tochter des Ammon, Mutter der Sonne, Beherrscherin der Frühlingsnachtgleiche und der oberen Hemisphäre des Himmels: 1 — ———⸗—⸗⸗ꝛ—⸗—— — — 441 TlaAds! irαν μάα Zeds △ eofarleu Adve ASaeaig, rargara Oleε‿ ‿αα. (Callimach. in lavacr. Pallad. v. 132.). Wobei ich auf die Aehnlichkeit, die man zwi- schen Xvorr und NHIO(in Zusammensetzungen blos Neth und Nit, wie Aseneth, Nitocris, Patenit, Psammenit u. s. w.) finden könnte, weiter kein Gewicht legen will. Daſs nun Jupiter mit einem Widderkopfe dargestellt wurde, ist bekannt, und jeder- mann findet es natürlich und angemessen. Aber zweimal erblickt man zu Philä, nach der Desoription de l'Egypte Vol. I. pl. 16., neben der Aletheia und der Dike, und neben einer anderen Göttin, ein weibliches Wesen mit dem Kopfe eines zesære; welche kann dieses seyn? Strabo sagt I. XVII. p. 817.: AardreX4s 7 α A„εα und nun sehe man in eben dem Bande der Description, wie die Gottheit des noch jetzt vorhandenen Tempels der Minerva zu Esneh oder Latopolis gestaltet ist. Es giebt sogar eine noch bei weitem seltsamere Darstellung eben dieser ägyptischen Minerva, indem sie statt des menschlichen oder Widder-Hauptes, einen Käfer auf den Schultern führt, unter andern in einer der schönsten Papyrusrollen der Königlichen Sammlung(den Grund sehe man bei Hora- pollo I, 10. 12.). Der Wiqdder als unzweifelhaftes Symbol der Minerva, wie Jupiters, ihres Naters, wäre sonach zur Genüge gerechtfertigt. Aber auch der Anlaſs dieser seltsamen Bildnerei ist nicht so widersinnig, als es auf den ersten Blick scheinen könnte. Denn abgesehen von der Beziehung auf Jahres- und Weltanfang, die in dem Zodiakalzeichen des Wid- ders lag, war Ammon, wie oben dargethan wurde(Seite 374.), der Agathodämon selbst, ganz in dem Sinne des römischen Optimus Maximus. Nicht ohne Grund weihte man dem guten Gott das argloseste Thiergeschlecht, und zeichnete sein Bild in die Sterne des Himmels. Dauert doch bis auf den heutigen Tag, aus demselben Grunde, dasselbe Symbol in seiner ganzen Heiligkeit unter uns fort— AMd x*ε* raντ⁴ εμι „ 2/ 49 7 ο 507£ν d S. 116. Die gegebene Erklärung der sich über einander neigenden weiblichen Gestalten wird bestätigt durch folgende Stelle der sogenannten Zoroastrischen Orakel, in Joann. Clerici opp. philosoph. Amstel. 1722. Pol. II. de philosophia orien- tali p„. 326. v. 15— 19.: Aexals vd rισν rae e AA,1s JovXBedstv Arayra- I.ο⁵ᷣ ⁴ᷣοςᷣ d⁴εα(), ³* Sdeęa ulrν Hε, relros AANos, ds* xοιν r5 Xοννα¶ Ʒϑ ννσν Kar ryyh rdy, val rnyd rsieas Arare, MArεα vL Tovra ra rArrα. Der letzte Ausdruck überbietet an energischer Sinnlichkeit noch die in der Note 4. mitgetheilten; v. 23. werden auch die herabfahrenden Strahlen erwähnt: Aęxera. 62s rd edlru rTalysiy Awras Apurds. S. 118. Note 1. statt 22, lies: 23.. S. 121. Z. 5. statt dreifsig Fufs, lies: dreizehn Fufs. S. 128. Note 3. statt ploratus lies: quaesitus. Ovid. Metam. IX, 692. 56 ,— 2 A . 129. . 132. 133. 173. 185. 187. 248. 259. 263 313 . 338. . 344. . 345. 354. . 359. 360. . 363. . 371. . 372. 442 Note Z. 1. Anthol. Jac. Vol. III. p. 9. Nr. 2.-al aͥdern rde revarredraxb*. Z. 14. statt Göttin lies: Gestalt. Note 4. Z. 2. statt lies: ν. Z. 8. Mälokie, Melôchia, Corchorus olitorius, eine Gemüseart, die Aehnlichkeit mit unserm grünen Kohl hat, und in Aegypten sehr gern gegessen wird. Ein anderes beliebtes Gemüse ist die Baméa, Hybiseus esculentus, die mit dem spa- nischen Pfeffer Aehnlichkeit hat, aber grün gegessen wird, und sehr wohl- schmeckend ist(Ttal. peveroni). Z. 7. und Z. 25. statt 6 lies: 5. Z. 24. statt el-Gebara lies: el-Gatara. Z. 14. statt werde lies: werden. Not.*) Z. 4. statt 1806 lies: 1808. Z. 2.(und öſter) statt BANKS lies: BANKES. — 323. Wegen der, bisweilen etwas entstellten Aussprache der arabischen Worte, ist zu bemerken, daſs dieselben groſsentheils aus dem Munde des französischen Renegaten Ibrahim aufgezeichnet sind. Z. 15. statt Asche lies: Achse. Wachsſiguren. In der Königlichen Sammlung zu Berlin befindet sich eine Mumien- maske, die schon von Beger im Thesaurus Brandenburgicus Vol. II. abgebildet worden, und, obgleich sehr beschädigt, an Kunstvollendung und Schönheit alle ähnlichen Werke weit hinter sich läſst. Am merkwürdigsten wird sie aber dadurch, daſs das Gesicht, über Leinwand und einen doppelten Auftrag von geschlemmter Kreide und einem sehr feinen fettlichen Weiſs(vielleicht Parätonium), aus gefärbtem Wachse modellirt ist. Auf der Brust sind figurirte Reliefs durch mechanische Vorrichtungen aufgedruckt, und nachher vergoldet und bemalt; blos das Antlitz ist indefs in Wachs gearbeitet. Vor etwa zwei Jahren veranlaſste ich eine chemische Untersuchung desselben, aus der sich ergab, daſs dieses Wachs ohne Natrumgchalt, aber aufs höchste gereinigt ist. Als färbendes Prinzip fand sich eine glänzend-rothe Substanz, deren geringe Menge keine nähere Prüfang verstattete, aus dem Geruch lieſs sich indeſs auf animalischen Ursprung schlieſsen; so daſs wahrscheinlich jenes Wachs mit wirklichem Purpur gefärbt ist. Z. 21. statt Pnktue lies: Punkte. Not.*) Z. 2. ist entweder dura— pila, oder richtiger: duras— pilas zu lesen. Z. 24. nach sollen fehlen die Worte: trauen darf. Z. 6. v. u. statt des lies: der. Z. 27. statt Sicut lies: Siout. Z. 4. statt Professor lies: Professors. Z. 7. Bei Gelegenheit des Gebrauchs der Kameele zum Ziehen, verdient bemerkt zu werden, daſs in der Pompa des Ptolemäus zu Alexandrien Achenaeus K. c. 32.) auch sechs Doppelgespanne von Kameelen vorkamen. ———— ꝗ————y—-ꝛ————————— 443 S. 381. Tafel XIV. Fig. 2. Der an dem Kapitäl und der Base der Säulen des Hermes- tempels zu Aschmounin vorkommende Namenschild läſst, nach Herrn Cham- pollion's phonetischem Hieroglyphen-Alphabet(Lettre à Mr. Dacier pl. 4.), sich ohne Mühe Philippos lesen. Das Quadrat wäre ein nI, das folgende Zei- chen sieht dem koptischen Buchstaben Hori nicht unähnlich, und könnte sonach die Aspiration ausdrücken; die zwei Falkenfedern wären I, der Löwe A, zwei Falkenfedern wiederum I, das Quadrat nI, die herabhangende Blumenknospe o, der sich umlegende Zug 2z. Um den YVogel neben den F. alkenfedern nicht ohne Bedeutung zu lassen, könnte man eine Anzeige darin finden, daſs das Jota kurz und der folgende Konsonant zu verdoppeln sey. Hätte man sonach den Namen PlAIIIOT mit allen seinen Buchstaben herausgebracht, so lieſse sich aus dem vor- gesetzten Vulpanser der Schlufs ziehen, daſs der andere Hieroglyphenschild den Namen Alexanders enthalten müsse. Da dieser König es sich ungeheure Summen kosten lieſs, in den Dedicationen griechischer Tempel, die er nicht erbaut hatte, genannt zu werden; so dürfte man sich nicht wundern, seinen Namen auch an einem der schönsten ägyptischen Gebäude wiederzufinden. Leider widerstehen aber die Zeichen dieses Schildes jeder auf Alexander passenden phonetischen Ausdeutung, und sind auch gänzlich von denen eines Gebäudes zu Karnak, worin Champollion den Namen Alexanders gefunden zu haben glaubt(1. c. pP. 17. Nr. 25. 26.), verschieden. Ich habe diesen Deutungsversuch der Hieroglyphen von Hermopolis hier übrigens nicht erwähnt, um ihm irgend ein Gewicht beizu-. legen, sondern vielmehr, um daran zu erinnern, daſs in den phonetischen Hiero- glyphen, die zuverlässig vorhanden waren und den Uebergang zu der Buchstaben- schrift bildeten, ein Geheimniſs vorliege, dessen vollständige Lösung noch nicht gefunden sey. Die unendliche Mehrzahl der Namen ist nach Champollions Prin- zipien unlesbar; obgleich eine sehr natürliche Analogie die Vermuthung recht- fertigt, dals sie eben sowohl phonetisch geschrieben seyn dürften, als die der Fürsten und Fürstinnen des Ptolemäischen Hauses. Jene Namen haben in vielen Fällen die gröſste Aehnlichkeit mit wahrhaften Wappenschildern, bei denen man in der Auswahl und Zusammensetzung der Zeichen nicht blos auf den Wortklang Rücksicht nahm, sondern auch religiöse und astrologische Beziehungen von heil- bringender Bedeutung auszudrücken strebte, so daſs der Namenschild jedes Fürsten zugleich eine talismanische Gewährleistung des Segens der Götter enthielt. Trug doch nach dem Glauben der Aegypter sogar Isis selbst ein Amulet, um sich gegen den Einfluſs typhonischer Gewalten zu sichern(Plutaroh. de Is. et Osir. c. 68.). S. 390. Z. 21. Die Gründe, nach welchen Zoëga den bei der Porta del Popolo aufge- stellten Obelisk für den von Hermapion erklärten hält, sind sehr schwach; aus den Namenschildern desselben scheint vielmehr zu erhellen, daſs derselbe nicht von Heliopolis, sondern von Theben nach Rom versetzt worden, und von denselben Fürsten herrührt, welche die zu Luxor errichteten. Die Namen des lateranen- sischen Obelisken finden sich dagegen zum Theil auch an dem noch jetzt zu 56* ———— — 6 —yÿ— 444 Matarea, dem alten Heliopolis, vorhandenen. Wenn also, wie behauptet wird, der Obelisk des Hermapion nur der sogenannte flaminische, oder der lateranen- sische seyn kann, woran ich indeſs zweifeln möchte, s0 spricht die gröſsere Wahrscheinlichkeit offenbar für den letzteren, da die Auslegung jener Inschrift durchaus ein Denkmal von Heliopolis voraussetzt. S. 392. Z. 7. statt zwölf lies: zehn. S. 396. Not. Z. 3. statt Appim lies: Apim. S. 397. Z. 1. Eine merkwürdige Erzählung bei Plutarch. de Fuviig. V(Phasig). c. 3. (ed. Hutten vol. XII.) lälst den Kronos im Kampfe gegen Jupiter nach Nor- den entweichen, und dort auf dem Berge Niphantes, B εαe zolrn die Gestalt eines Kroko dils annehmen. Ueber die Verehrung dieses Thieres zu Antäopolis giebt Nachricht Plutaroh de solertia animal. c. 23.(Opp. Vol. XIII.) Ibid. Z. 17. und S. 399. Not. Z. 2. statt Archaeologia lies: Encyclopaedia. S. 401. Z. 10. Diese Bemerkung über die Tracht der ägyptischen Kinder wird bestätigt von Herodot II, 65. Ibid. Z. 12. Als diese Zeilen geschrieben wurden, war die eine der löwenköpfigen Göt- S. 403 S. 404. . Z. 1. Es war eine der unglaublich strengen Vorschriften der ägyptischen Priester- S. 417 tinnen in schwarzem Granit noch nicht ganz ausgepackt. Jetzt ergiebt es sich, daſs diese nicht sitzend, wie die anderen drei, sondern stehend dargestellt, aber unter den Knieen zerbrochen ist. Die mitgekommenen Beine scheinen zu einer anderen ähnlichen Statue gehört zu haben. In der rechten Hand hält sie den Schlüssel, in der linken das Lotusscepter, und auf dem Haupte ruht die Sonnen- scheibe mit dem Basilisk. Es ist Rhea, die Schwester und Gattin, oder Geliebte des Helios. Z. 9. statt mit, lies: in. Z. 5. Nach Die setze ein Komma. zucht, daſs das Lager eines Priesters blos aus einer Palmenblattmatte bestehen, und selbst im Schlafe sein Haupt nur ruhen durfte auf einer solchen hölzernen Stütze. Porphyr. de abstin. I, 7. p. 318. ed. de Rioer: E⁴ μν‿ ε 1εαυηαμέ⁸ειιν ε A⁴σνενι υe³ινμσαμα τ⅔‿ uεραη⁵ν. Dieselbe Nachricht giebt Hieronymus ado. Jow. 13.: Scabellum acoline et eæ una parte obligunm capiti supponebant. In welchen Worten man deutlich das hier dargestellte Geräth erkennt. S. 419. letzte Zeile. Auch eine ägyptische Flöte, welche die runde(rreorνen) und die S. 429 libysche, aber eigentlich zeose hiefs, mit welcher das Volk zum Opfer zusammen- gerufen wurde, galt für eine Erfindung des Osiris. Eugtathk. ad II. Z. p. 1138. . Z. 23. Der Basilisk war, nach dem Glauben der Aegypter, unsterblich und töd- tete durch den bloſsen Anblick, brachte aber blos den Bösen Verderben(Aelian. de nat. an. X, 31.). Dem tyrannischen König Bocchoris sandte Isis ihre heilige Schlange, die sich um sein Haupt wand, ihn zu erinnern, gerecht zu richten (¶Plutaroh de vitioso pudore æ. 3.). 6 445 A. B. Seite Seite Ablabynion. 156. Beni Hassan. 237. Abousir 43. 370. Berenice 34. Absambul 403. 412. Besas 246. Abydus 244. 420. Boghos Jousouff 18. Adler 115. Bohbait 300. Aegipan 397. s. Pan. Bormos 156. Aesculap 1424.». Esmun und Imuthes. Bouhara 204. Aethiopier 379. 380. 401. Boulak 228. Agathodämon 109. 135. 146. 151. 374. 429. Bubastis 277. 394. 395. 400. 402. 416. — weiblicher 109. 432. Buddha 417. Agrenon 433. Busiris 301. Agrostis 386. 400. 403. 415. Buto 411. 412. 423. Ain Schems 229. Aletheia 137. 138. Alexander 123. O. Amalthea 147. Cercopith„ Amenekis 430. Htrgoit Lens 117. Amenophis 393. 401. Ehamm 262. Amenthes 136. Chenosn 8. 243. 442. Ammon 102. 119. 170. 374. 387. 401. 423. Thenie 427. Ammonstempel zu Siwah 96. 166. Chesode 46. — zu Theben 256. 289. nonbis 109. 374. Ammonische Juno 103. Slon 444. Ammonisches Salz 174. 179. 201. Cireubuna 245. AA⁴ρινQ,V5 426. 427. Fan neetta 392. Anak, Avanak 224. Pnocephalia 429.. Antaea 145. Antaeopolis 243. D Antaeus 108. 145. 149. 395. 4 Antinoe 239. Dakel 86. Antiphrae 66. 69. Darnis 34.— Anubis 136. 345. 412. 417. Demophoon. 156.„ Anukis 375. Dendrophori 416.. Aphroditos 123. Deris 52. Apopis 108. Deus Venus 123. Aphtha 3 134. Dherma 249. Artes 110. Dike 148. Arueris 280. 403. Dione 103. Aschmounin 241. 381. Dodona 103. 377. Alhyr 411. Dorcas 127. Auge der Vorschung 433. Doumpalme 247. Augila 172. B. E. Bahr-Belâ-Ma 190. Elephant 293. Barabra 290. 400. 403. 416. 3 Eleusis 383. Baratoun,. 63. Eleutho 402. Bardak 252. Epiphanes 392. 410. Barzim(Luzerne) 242. Erdlagerungen der libyschen Wüste 62. Basilisk 105. 444. s. Uraeus. Erica-Nymphe 128. 157. Beduin 37. 57. 80. 183. 192. 206. 210. Ertosi 110. Befahje 226. Esmun 153. 419. 424. 1 E. Eumenuthis, s. Menuthis. Eurynome F. Falk Falkenfeder Falkenlöwe Falkenschlange Farben Färberei Fellah in Libyen Fledermaus Flügel der Venus der Minerva der Isis des Osiris der Tempel Fostat Fuchs Galinthias Gans el Gara Gau el-Kebir Gazellen Geier Genius Gerechtigkeit Ghegar Girgeh Glas Glasmosaik Greif Gürtel Halmé, Havalem Hamadryaden Hand Harz Hekate Heliopolis IHlelios Henné Hephästobule Hercules Hermapions Obelisk Hermes Hermesleuchte Hermes Prometheus Hermestempel Hermopolis IIerrscherstab Hieroglyphen Hlierogrammateus Seite 146. 107. 117. 132. 150. 350. 351. 402. 206. 210. 423. 425. 104. 401. 132. 131. 409. 382. 407.*. IIrsed. 220. 417. 337. 351. 352. 398. 281. 354. 398. 342. 343. 141. 402. 419. 424. 110. 125. 133. 153. 390. 391. 430. 151. 399. s. Theuth. 137. 400. 401. 138. 374. 381. 240. 410. 385. 150. 429. 446 H. Seite Himmel. 116. Horus 132. 152. 423. 425. 426. Horustempel 275. 280. 284. Hund 417. I. Janus 162. 403. 427. Ibis 233. 234. 423. Ichneumon 153. 400. Ilithyia 239. 395. 402. 416. Imuthes 419. 424. Inseln der Seligen 85. Jogee Das 419. Josephsbrunnen 2 217. Isis 108. 127. 132. 396. 410. 414. 420. 432. Isistempel 250. 263. 300. 372. Ismandes 387. s. Osymandyas. Juba 403. K. Kabiren 251. 417. 418. 424. Käfer 250. 399. Kalk 346. 347. Kameel 293. 387. Kanal zwischen Mesrah und Menzalch 304. Kanalbau der Alten 13. Kanopen 416. Katakomben 27. 171. 230. 233. 237. 246. 263. Kerasten 387. KRneph 109. 289. Knuphis 374. Kobaltblau 352. 353. Kopten 215. 221. Koptos 250. 252. Krapp 350. 351. Krischna 409. Krokodil 153. 246. 430. 444. Kronos 108. 149. 374. 444. Kukupha 117. Kupferblau 332. 333. 338. Kusagras 386. Kynokephalos 394. Kynopolis 417. — L. Labyrinth 245. 382. Lailah 416. Lampenfest zu Sais 401. 440. Latona 1I. s. Buto Latos 424. 428. Laute 398. 410. Lebakh 411. Leier 419. Lepidotos 424. Libitina 412. Libyen 199. Libyer in Aegypten 379. Lilith 402. 416. L. Seite Linus 156. Löwe 432. Luxor 254. Lycopolis 3 243. 381. 4 M. Magadis 420. Malerei 408. Maneros 139. 156. Manubiae Minervales 439. Mars 145. 390. Masken 142. Matarich 229. Medinat-Abou 260. Mehemed Ali-Pascha 8. 228. 304. Meisi 429. Melawi 241. Memnon 122. 245. 261. 263. 393. 401. 409. Ms⁴ανςνειααἀ 393. Memnonium 258. Memphis 232. Mendes 120. 130. 396. 397. Menuthis 109. 146. 374. 415. 416. Merawe 299. Minerva 111. 135. 140. 156. 276. 376. 401. 403. 428. Mirage— 56. Mogara 189. Monaulos 419. Mond 154. 395. Mörtel 347. 348. Mouth 149. Mumien 265. 268. 430. Mumienharz 343. 344. Musen 138. 381. Musik. 398. 419. 420. N. Natronseen 194. Natronthal 192. Nectabes 245. Neith 135. s. Minerva. Nemesis 137. 400. 418. Neout 440. Nepenthes 434. Nephthys 136. 147. 399. 412. 426. Netzeinwickelung 433. 434. Nil 107. 135. Nilmesser 288. Nitokris 112. Nubische Denkmäler 380. 403. 412. Nysa 147. o. Oasen 85. Oelmalerei 340. Ophion 146. Oryx* 127. 447 O. Seite Osiris 105. 108. 128. 130. 131. 140. 141. 144. 154. 157. 386. 396. 408. 409. 420. 425. 428. Osirisauge 376. 430. 433. Osirisgrab 131. 406. 425. Osiristempel 43. 113. 245. 255. 370. Ostrakismos 420. Osymandyas 258. 387. 399. Osyrites 429. Ouschba 441. Oryrynchus 424. 428. 429. . P. Paamyles 130. Pallades 121. Palmzweig 124. Pan 120. 282. 283. 396. s. Mendes. Panopolis 143. Papyrusrollen, Verfälschung derselben 268. Paraetonium 64. Parammon 136. Parembole 183. Pataeken 424. Paytnouphis 376. Perikionios 131. Persea 400. 414. 416. Perspective 378. Pest 82. 224. Petalismus 400. Petempamentes 375. Petensenes 376. Petensetes 375. Phagrus 424. Philippus 443. Photinx 419. Phre 428. Phthah 131. 134. 398. 399. 416. 417. 426. Plinthine 46. Pompejussäule 25. Priesterinnen 150. Prometheus 139. 374. 418. s. Hermes. Pronaca 383. Jaes did uoνonie 245. Pschent 390. 400. Psyllen 429. IIrTs 255. 382. Purpurschmelz 308. Pylon 383. Pyramiden 229. 232. 295. Pytnybis 376. R. Rad 418. Radamoun 239. Ramestes 391. Ravasi 224. Re 399. Reiher 118. Rhea 145. 147. 399. 444. Rohrflöte 81. S. Seite Saadje 226. Sakkara 3 232. 403. Salomons Ring, Schwert und Krone 83. Salpeter 231. Santariah 88. 94. 167. Sarapis 131. 409. Saras wati 425. Satis 375. Saturn, s. Kronos. Scepter 118. Schakti 8 375. Schargieh 164. 165. Scheik Abadeh 239. Schildkröte 397. Schlangen 109. 428. 429. Schlangenbeschwörer 226. 429. Schlüssel 159. 161. Schmoun 424. Schoubra 8 228. Selinus 70. Sesorthos 424. Sesostris 256. 261. 391. 406. Seth 375. Silka 247. Silko 389. Sjom 110. Sirenen 415. Siropum 186. Sistrum 416. Siwah 80. 88. 376. Sklavenhandel 223. Sonnenquell 96. 163. 164. Sonnenstäbe 433. Sonnentisch 118. Sphinx 106. 114. 257. Strauſsenjagd 205. Straufsfeder 131. 137. Sydyk 424. T. Tänze 81. 279. Tänzerinnen 224. Tama und Chama 257. 261. Taposiris 46. Taricheuten 151. 430. Tat 152. Tathyris 411. Tentyris 247. Tempelflügel 44. 8. HITsg⁴. Terenuthis 196. . — Seite Thamiathis 304. Thamus 157. Thau 160. Thermuthis, Göttin 148. — Schlange 415. 428. 429. Theuth 151. 241. 399. 400. 418. 420. s. Hermes. Thierdienst 3 413. Thonſiguren 338. Thurm der Araber 41. Thyrsus 432. Tithrambo 148. Todtenhorte 416. 428. 431. 432. Tosorthros. 424. Trank der Unsterblichkeit 434. T ris megistus 152. 397. Teoνμ⁹ς. 418. Typhon 152. 251. 284. 397. 425. U. Ubaeus 429. s. Uraeus und Basilisk. Ummesogheir 184. Unsterblichkeit 432. Unterirdische Gemächer 45. Urania 116. Uraeus 105. 409. 422. 423. Urim und Thummim 138. Urnacht 104. V. Väsughi 410. Venus 103. 414. 427. — Nephthys. 426. — Tempel zu Tentyris 248. Vulpanser 387. W. Wachsfiguren 344. Wahrheit 419. s. Aletheia und Musen. Wechabiten 222. Widder als Symbol der Minerva 438. Wolf 157. 304. 305. 417. Z. Zagreus 112. Ziegelgewölbe 260. Zisternen, antike dey Wüste 56. 69. AMWMVMMUVVAUAMQVUMWADAVDAAVAVAAABVUNAANͤ GEDRUCKT BEI A. W. SoHADER IN BERIIN. —— —— 1 — S = — *₰* — 3 e 8 — —— —— —— —— —— —— —— 5 605 5 4 ontr oðf& Gre ——— Col —