11“ X 1 7 1 4 1 ¹*„ 0 4 . 4.—— 3 4 ³ 4 4. 4 4 - 4 5 4 ¹— 42 b Encyklopädie der geſammten Thierheilkunde. Zunächſt fuͤr gebildete Landwirthe. Mit 300, zum Theil, colorirten Abbildungen auf 30 Tafeln in quer Folio in einem beſonderen Atlas. Von Dr. L. Wagenfeld, — königlich preußiſchem Regierungs⸗Departements⸗Thierarzte in Danzig. 72. 7. 4,7- 8 1 424/ A2rs 1 5ℳ . 2 4 1,/ Zweite unveränderte Auflage.. f 1 3— Leipzig, 1345. Verlag von Guſtav Mayer. ⸗ J 70 S Der Verſammlung deutſcher Landwirthe ehrerbietigſt gewidmet vom Verfaſſer. ———·„·„ ,·,ᷓ——ſd Borrede. Dieſe, zunächſt für den Gebrauch gebildeter Landwirthe beſtimmte Enecyclopädie umfaßt das geſammte Gebiet der Thierheilkunde und der mit ihr in unmittelbarer Beziehung ſtehenden Wiſſenſchaften, das heißt in ſo weit, als ſie für den, der weiteren Vorkenntniſſe entbehrenden Landwirth verſtändlich, und ſomit nützlich werden kann. Zum Verſtänd⸗ niſſe derſelben habe ich weiter nichts vorausgeſetzt, als einen gewiſſen Grad von Intelligenz und allgemeiner Bildung, und, wie ſich von ſelbſt verſteht, Intereſſe am Gegenſtande. Mit Vermeidung jedes Redeſchmuckes und aller, dem Laien in der Regel nicht verſtändlichen, Kunſtausdrücke, habe ich mich bemüht, den Vortrag in klarer und populärer Sprache zu halten, zwar möglichſt kurz, aber, wie ich glaube, dennoch gründlich und für den praktiſchen Bedarf erſchöpfend. Das Objekt dieſes Werkes bilden unſere Hausſäugethiere; mithin das Pferd, das Rind, das Schaf und das Schwein; aber auch den Hund habe ich nicht ganz übergangen, da einige Krankheiten deſſelben— z. B. die Hunds⸗ wuth— in ſo mancher Beziehung von hoher Wichtigkeit ſind, und da andererſeits dieſes Thier theils wirklichen Nutzen, theils mancherlei Annehmlichkeiten gewährt. Den Hauptplatz unter den abgehandelten Gegenſtänden nehmen die Beſchreibung der Kennzeichen der verſchiedenen innerlichen und äußerlichen Krankheiten, und die Anweiſung zu ihrer Kur und Vorbauung ein, und nicht leicht dürfte in dieſer Beziehung eine nur irgend in Betracht kommende Krankheit vermißt werden. Aber hierauf beſchränkt ſich das Werk keineswegs, ſondern es umfaßt daſſelbe, wie man dieſes von einer Encyclopädie verlangen kann, zugleich zahlreiche andere, auf die Hausthiere bezügliche Gegenſtände, als namentlich den Hufbeſchlag; die Beurtheilung des Pferdes auf ſeine Vorzüge und Mängel, oder das Exterieur;z die Anweiſung zur Erkenntniß des Lebensalters ſämmtlicher Hausthiere; die Angabe der nöthigen Vorſichtsmaßregeln beim Einkaufe von Vieh, ſo wie die Enthüllung der Kunſtgriffe betrügeri⸗ ſcher Pferdehändler; die Angabe der in den verſchiedenen deutſchen Staaten zur Zeit in Bezug auf Viehhandel geltenden Geſetze; die Beſchreibung verſchiedener, nicht gerade in kurativer Hinſicht, zu unternehmenden Operationen, wie z. B. der Caſtration, des Engliſirens ꝛc.; die Geburtshülfe aller Hausthiere; ſodann das Wiſſenswürdigſte in Bezug auf Anatomie und Phyſiologie, auf Fütterung und Pflege, oder die Diätetik, und manches Andere, deſſen ſpecielle Aufzäh⸗ lung hier zu weit führen würde. Ueberall, wo es nur irgend erforderlich erſchien, iſt der beſchriebene Gegenſtand durch naturgetreue, zum Theil in ihrem natürlichen Colorit wiedergegebene Abbildungen erläutert. Es ſchien mir dieſes um ſo nothwendiger, theils weil ich von dem Leſer, für welchen dieſes Werk zunächſt beſtimmt iſt, keine weiteren Vorkenntniſſe vorausſetzen darf, theils weil jede Beſchreibung, ſelbſt wenn ſie die beſte wäre, dennoch immer manches Unklare übrig läßt. Durch die dem Texte hinzugefügten Abbildungen jedoch, glaube ich dem Leſer eine wahrhaft gründliche, mit der Ueberzeugung vom Wiſſen verbundene Anſchauung des Gegenſtandes zu verſchaffen, die jede Unſicherheit und jeden Zweifel niederſchlägt, und ihm dagegen eine Sicherheit und Beſtimmtheit im Handeln gibt, welche, ſoll letzteres im Durchſchnitt mit Glück gekrönt ſein, ganz unerläßlich ſind. In der Regel habe ich den dargeſtellten Gegenſtand zuerſt in ſeinem geſunden und natürlichen Zuſtande abgebildet, und dann daneben in ſeiner krankhaften Entartung. Auf ſolche Weiſe wird durch den Vexgleich der Unterſchied erſt recht in die Augen fallend. Oft, wo es ſich mehr um die geſtörte Verrichtung eines Theiles, als um ſeine anatomiſche Veränderung handelt, iſt der Theil auch nur in ſeinem geſundheitsgemäßen Zuſtande abgebildet, als nothwendige Erläuterung des beſchreibenden Textes. Nur dadurch allein wird die Beſchreibung dem Laien völlig verſtändlich, denn ohne dieſelbe tappt er im Finſtern, und iſt in peinlichen Zweifeln und Ungewißheiten befangen, welche nur zu oft ſchon zu den verderblichſten Mißgriffen geführt haben. Ohne einige anatomiſche Kenntniß des geſunden Auges z. B. ſind manche Augenkrankheiten faſt gar nicht mit Sicherheit zu erkennen; ſo werden Trübungen der Horn⸗ haut in der Regel mit dem grauen Staare verwechſelt, und doch liegt in beiden Krankheiten, in Rückſicht ihrer Bedeutung, ein ſo ungemeiner Unterſchied. Daß ferner z. B. ein an der Trommelſucht leidendes Rind durch einen Einſtich in den Magen gerettet werden kann, iſt faſt allgemein bekannt. Dennoch fürchtet ſich der Laie in der Regel den Einſtich zu VI machen; an jeder Stelle des Bauches fürchtet er wichtige Theile zu verletzen, und bei dieſen, aus Unkunde entſtandenen Beſorgniſſen, geht das Thier zu Grunde. Iſt der Magen aber, wie es in dieſem Werke geſchehen iſt, in ſeiner natür⸗ lichen Lage und Struktur abgebildet, und kommt dazu noch eine paſſende Beſchreibung deſſelben, und des dabei nöthigen Operationsverfahrens, ſo wird auch der Laie dadurch befähigt, mit Leichtigkeit und Sicherheit dem drohenden Verluſte zu begegnen. Die Form dieſes Buches anlangend, ſo boten ſich hier manche Schwierigkeiten dar, doch glaube ich, daß die von mir gewählte, für den beabſichtigten Zweck, die beſſere ſein dürfte. Für den wiſſenſchaftlich Gebildeten, und dem Manne vom Fache, iſt ohne Zweifel die ſyſtematiſche Form, welche die Gegenſtände methodiſch und in ſtufenweiſer Entwickelung vorträgt, die vorzüglichſte, nicht ſo vielleicht für den Laien. Der ſyſtematiſche Vortrag nämlich ſetzt ein anhaltendes und mit Fleiß fortgeſetztes Studium voraus. Soll derſelbe nicht zu lückenhaft ausfallen, ſo kommen dabei nothwendig Erörterungen vor, welche für den Laien, wenn auch nicht nutzlos, aber doch entbehrlich ſind; dadurch wird das Studium für ihn leicht ermüdend und langweilig, welches dann die Folge hat, daß er nicht den Nutzen daraus zieht, den das Buch ſonſt vielleicht wohl hätte haben können, wie dieſes die Erfahrung zum Ueberfluſſe bisher gelehrt hat. Aus dieſem Grunde habe ich mich für die eneyklopädiſche Form entſchieden, und dieſes um ſo lieber, weil das Werk ausſchließlich eine praktiſche Tendenz hat, und nur allein auf die unmittelbare Nutzanwendung berechnet iſt. Um jede Ermüdung des Leſers zu vermeiden, und um ihm den Reiz der Neuheit und der Abwechſelung zu verſchaffen, habe ich die verſchiedenen Gegenſtände in zwangloſer Folge und bunter Reihe abgehandelt, und nur dort bin ich von dieſer Regel abgewichen, wo die Nebeneinanderſtellung identiſcher Krankheiten bei verſchiedenen Thieren unerläßlich war. Indem auf dieſe Weiſe ein Gegenſtand von dem andern in der Regel durch eine ſcharfe Grenze geſchieden iſt, hoffe ich das Intereſſe des Leſers zu ſpannen, und glaube dadurch auch ſeinem Gedächtniſſe ſowohl, wie auch dem Verſtändniſſe zur Hülfe zu kommen, und dieſes um ſo mehr, als keine der einzelnen Abhandlungen zu lang iſt, als daß ſie nicht ohne Ermüdung durchgeleſen werden könnte. Am Schluſſe des Werkes befindet ſich ein General⸗Regiſter, welches neben den von mir gebrauchten Benennungen, zugleich alle bekannten Trivialnamen, Provinzialismen ꝛc. enthält, ſo daß dadurch die Auffindung jedes geſuchten Artikels mit Leichtigkeit bewirkt werden kann. Dieſes Regiſter wird die bei Encyklopädien ſonſt gewöhnliche Form der alphabetiſchen Reihenfolge, welche ich aus guten Gründen nicht gewählt habe, vollkommen erſetzen. Auf den leicht zu erwerbenden Ruhm der Gelehrſamkeit, deren ganzes Verdienſt darin beſtanden hätte, dieſe Arbeit durch zahlreiche Citate auszuſchmücken, habe ich, im Intereſſe des Leſers, verzichtet, um ſein Gedächtniß nicht unnöthig zu beläſtigen, und um ihn nicht zu verwirren. Dem Laien kann auch in der That nichts daran liegen, zu wiſſen, wann, durch wen und unter welchen Umſtänden ein nützliches Reſultat gewonnen ward, ſondern lediglich nur daran, daß es überhaupt gewonnen iſt. Da ich ſomit(wenige Fälle ausgenommen) keine Gewährsmänner für die von mir ge⸗ machten Angaben und Behauptungen nenne, ſo muß ich den Leſer bitten mir einiges Vertrauen zu ſchenken. Mit der Literatur des In⸗ und Auslandes faſt vollſtändig vertraut, nach anhaltenden und ernſten Studien und im Beſitze einer, durch langjährige Praxis gewonnenen eigenen Erfahrung, glaube ich nicht ohne Grund um Vertrauen bitten zu dürfen. Alles von mir Vorgetragene iſt faſt ausſchließlich Selbſterlebtes und Selbſtbeobachtetes; kaum befindet ſich unter den abgehandelten Krankheiten eine einzige, welche ich nicht in wiederholten Fällen ſelbſt beobachtet und behandelt hätte, weßhalb denn auch die Beſchreibung der Krankheiten und die Vorſchriften zu ihrer Kur weſentlich auf meinen eigenen Beobachtungen fußen. In den wenigen Fällen, welche hiervon eine Ausnahme machen, glaube ich die Erfahrungen Anderer mit ſachkundiger Kritik benutzt zu haben. Oft getäuſcht, im Leben wie in der Wiſſenſchaft, bin ich von vorn herein mißtrauiſch gegen Alles, und der ſtrengſten Skeptik ergeben; daher habe ich denn auch nichts zugelaſſen, ohne die ſorgfältigſte Prüfung. Nichts in dem Buche iſt das Produkt philoſophiſcher Abſtraktionen oder hypothetiſcher Theo⸗ rien, ſondern lediglich das Reſultat der Beobachtung und Erfahrung, und ſomit Thatſache. Daß ich dennoch nicht ſelten in Irrthümer verfallen ſein mag— wie könnte ich wohl ſo anmaßend und abſurd ſein, das zu verneinen!— Ueber den vorzüglichſten Zweck dieſer Arbeit könnte man mich leicht mißverſtehen, weßhalb ich es für nöthig halte, mich etwas ausführlich darüber auszulaſſen.— Mehr wie einen guten Zweck hoffe ich durch die Herausgabe dieſes Buches zu erreichen. Zunächſt muß ich bemerken, daß es hiebei keineswegs meine Abſicht iſt, aus dem Laien einen Thierarzt zu bilden; es wäre dieſes ein eben ſo thörichter, als fruchtloſer Verſuch, welcher nur verderbliche Folgen haben könnte. Aber aufzuklären wünſche ich ihn, damit er ein allgemeines Urtheil habe, ſich von den Feſſeln verjährter Vorurtheile befreien könne, und damit er bei vorkommenden Fällen nicht rath⸗ und hülflos daſtehe. Durch fleißige Benutzung dieſer Schrift wird er einen ungefähren Begriff von dem weiten Umfange der Thierheilkunde bekommen; er wird dadurch erfahren, was die Kunſt zu leiſten vermag, und wo ihre wahrſcheinlichen Grenzen liegen. Es iſt von großer Wichtigkeit für ihn, dieſes zu wiſſen, damit er einerſeits, aus eigner Unkenntniß oder durch Pfuſcher inducirt, an einem vielleicht hoffnungsloſen Kranken Koſten und Mühe nicht nutzlos verſchwende, und andererſeits, damit er die Kur eines vielleicht noch heilbaren Thieres nicht vorſchnell aufgebe. Viele der beſchriebenen Krankheiten wird der Laie nicht behandeln können, und manche Operationen, z. B. der Nerven⸗ und Sehnenſchnitt, ſind für ihn unausführbar. VII Dennoch habe ich eine Beſchreibung derſelben für nöthig gehalten, um dem Leſer zu zeigen, was überhaupt in Bezug auf die Heilung der Thiere möglich und ausführbar iſt. Oft genug indeſſen wird der Landwirth ſelbſt Arzt ſeiner Haus⸗ thiere ſein müſſen, und in andern Fällen auch füglich ſein können. Bei Krankheiten, welche augenblickliche Hülfe dringend erfordern, wie z. B. die Trommelſucht, muß der Laie nothwendig ſelbſt Hand anlegen, und manche andere Uebel, z. B. die Räude, die Klauenſeuche ꝛc. kann er ſo gut heilen wie der Thierarzt. Außerdem iſt es immer ſchon ein großer Gewinn für ihn zu wiſſen, was er vor ſich habe; er wird beurtheilen können, ob und welche Gefahr im Verzuge, oder ob ein Aufſchub der Kur zuläſſig iſt? und unter dieſen Umſtänden kann er ſeine Dispoſitionen darnach treffen; er wird bei anſteckenden Krankheiten eine zeitige Separation einleiten, den Grad der Gefahr, die ſeinem Vieh⸗ ſtande droht, beurtheilen, die von dem Thierarzte eingeleitete Kur mit Geſchick fortſetzen können ꝛc, ꝛc. Ein anderer, und nicht der geringſte Nutzen, den ich durch dieſe Schrift zu ſtiften hoffe, iſt der, daß der Laie dadurch vielleicht veranlaßt werden wird, die Thierheilkunde im Allgemeinen, und deren Pfleger, die Thierärzte, insbe⸗ ſondere beſſer würdigen und achten zu lernen, als dieſes bisher meiſtens der Fall geweſen iſt. Alle Sachverſtändigen ſind darüber einig, daß die Thierheilkunde— ſowohl in Theorie als Praxis— in den letzten drei Decennien ungemein große Fortſchritte gemacht hat, größer vielleicht, als in der ganzen vorhergegangenen Zeit zuſammengenommen. Nicht dringend genug kann ich daher jedem Viehbeſitzer den wahrhaft gebildeten Thierarzt empfehlen; der Nutzen, den er zu leiſten vermag, iſt in der That ſehr groß, und es heißt ein gänzliches Verkennen des eigenen Intereſſes, ſtets zur Selbſthülfe zu greifen, oder, ſtatt dem Rathe eines Thierarztes, dem irgend einer ununterrichteten Perſon zu folgen. Was könnte auch wohl das geringfügige, dem Arzte zu gebende Honorar in Betracht kommen, wo es ſich in manchen Fällen um die Erhaltung eines ganzen Kapitals, und unter allen anderen Umſtänden um die Verhütung eines größeren oder kleineren Verluſtes handelt? Das dem Arzt zu bringende Opfer verſchwindet gegen die Größe ſeiner Leiſtung, und kein Buch in der Welt iſt im Stande ihn im Allgemeinen zu erſetzen, oder entbehrlich zu machen. Mit der dringenden Empfehlung wirklich gebildeter Thierärzte ſteht die Herausgabe dieſes, zunächſt für den Gebrauch des Laien beſtimmten Werkes keineswegs im Widerſpruche, denn der Zweck iſt ein doppelter, und die Zeit wird hoffentlich den guten Erfolg darthun.„Unter Umſtänden die Selbſthülfe, in der Regel den Thierarzt!“ möchte ich bei den Landwirthen als Wahl⸗ ſpruch ſo gern hören. Aber bei dem Mangel an einigen guten Kenntniſſen in der Thierheilkunde, wird man die Thier⸗ ärzte nie nach Verdienſt ſchätzen lernen; dieſe Schrift kann, wie ich glaube, beiden Uebelſtänden abhelfen. Viele Menſchen geben ſich der irrigen Meinung hin, daß die Erkenntniß der meiſten Krankheiten der Thiere, weil ihnen die Sprache mangelt, nicht wohl möglich ſei, und daß hier Alles auf bloßer Vermuthung, auf Inſpiration und Zufall beruhe. Welcher Irrthum! Dreiſt kann man behaupten, daß die Erkenntniß der Thierkrankheiten, ſelbſt der innerlichen, in der Regel nicht nur nicht ſchwerer, ſondern ſogar leichter als beim Menſchen iſt, und in Betreff der Kur iſt dieſes unbedingt der Fall. Der Mangel der Sprache bei Thieren wird durch zahlreiche Umſtände mehr als hinreichend aufgewogen; alle Symptome ſind in der Regel deutlich und klar, in vielen Fällen ſehr markirt und großartig; die Gebehrdenſprache der Thiere iſt rein und natürlich; das Thier giebt ſich unverſtellt, nichts iſt bei ihm ſimulirt, es hat dabei weder Zweck noch Abſicht. Seelenaffekte, als Haß, Zorn, Eiferſucht, Geiz, Sorgen, und wie die Henker des Menſchen alle heißen, haben bei Thieren nicht ſtatt, und mithin werden ihre Krankheiten durch ſolche Einflüſſe nicht, wie beim Menſchen, verwickelt und oft eben ſo ſchwer erkennbar wie ſchwer heilbar gemacht. Die ganze Oberfläche des kranken Thieres wird zur Phyſiognomie, und der innere Zuſtand reflektirt ſein Bild, wie durch einen Spiegel, nach außen. Dennoch muß man eingeſtehen, daß es mit der Erkenntniß mancher Thierkrankheiten, ganz wie bei Krankheiten des Menſchen, etwas Unſicheres und Problematiſches ſei. Dieſe ſchwache Seite der Thierheilkunde, verbunden mit Volksvorurtheil, mag wohl den vorzüglichſten Grund abgegeben haben, daß ſich eine heilloſe und gefährliche Klaſſe von Menſchen gebildet hat— die Quackſalber oder Pfuſcher. Der Schaden, den ſie den Landwirthen ſchon gebracht haben, und leider noch immer ungehindert bringen dürfen, iſt gar nicht zu berechnen, und nichts wünſche ich ſehnlicher, als daß es mir gelingen möge die Viehbeſitzer aus den unwürdigen Händen der Pfuſcher zu befreien, indem ich ihnen die Mittel in die Hände gebe unterſcheiden zu können, was Wahrheit iſt und was Trug, und was den Vorzug verdiene, ob das rationelle Handeln des gebildeten Arztes, oder das ſinnliche Treiben der Pfuſcher. Der erſte Schritt zur Wahrheit iſt der, daß man ſich über die Irrthümer anderer empört! Mit eben ſo großer Verſchmitztheit wie mit Erfolg verſteht der Pfuſcher die Unkenntniß und Leichtgläubigkeit des großen Publikums zu ſeinem Vortheile auszubeuten, und Geld und Vertrauen ſeiner Kunde im gleichen Maße zu erwerben. Dabei hüllt er ſeine ſogenannten Kuren in ein myſtiſches Dunkel ein, und umgiebt ſich mit dem Schleier des Geheimniſſes; durch eckelhaftes Selbſtlob und mit Prahlereien von glücklich vollbrachten, ſehr ſchwierigen, obſchon meiſt fingirten, Kuren, gelingt es ihm nur zu oft, nicht nur ſchwache und mittelmäßige, ſondern ſelbſt beſſere Köpfe zu täuſchen, und oft ſelbſt Männer, die in allen anderen Lebensverhält⸗ niſſen Verſtand und Urtheil zeigen. Es iſt in der That ganz unbegreiflich, wie ein Mann, der auf Geiſt und Bildung Anſprüche macht, einen Theil ſeines Beſitzthums einem Pfuſcher anvertrauen kann, einem in der Regel von jedweder Kenntniß entblößten, betrügeriſchen, völlig demoraliſirten und meiſt trunkfälligen Subjekte, welches allemal der Hefe des Volks angehört! Es heißt dieſes eine beſchämende Demüthigung eingehen, und den Verſtand ernſthaft compromit⸗ VIII tiren. Man könnte verſucht werden zu glauben, daß für manche Menſchen die Vorurtheile dunkler Vorzeit, Aber⸗ glauben und Unwiſſenheit— man verzeihe mir den harten Ausdruck— einen ganz eigenen Reiz und Zauber haben. Somit wäre es endlich wohl einmal an der Zeit, daß man, auch in dieſer Beziehung, die geſunde Vernunft emancipirte und in ihre natürlichen Rechte einſetzte; daß man die bisher nur zu oft betretene Bahn ſinnloſer Abgeſchmacktheiten ver⸗ ließe, um den Weg zu betreten, welchen Wiſſenſchaft und Erfahrung allein mit Ehren zu gehen vermögen. Zur Recht⸗ fertigung des Pfuſchers ſagt man dann freilich wohl, daß der Mann zwar ohne Kenntniſſe ſei, aber daß er Erfahrung habe. Niemals aber iſt dieſes Wort mehr gemißbraucht worden! Wer es weiß, welches anhaltende und fleißige Studium, welcher Aufwand von Scharfſinn, welche Fülle von Kenntniß der Thatſachen, und welche Anzahl echter Beobachtungen dazu gehören, um eine Erfahrung zu machen, die dieſen Namen wirklich verdient, wird gewiß dem Pfuſcher jede Möglichkeit eine wahre Erfahrung zu machen abſtreiten. Die todte, wenn auch noch ſo oft wiederholte, Sinnesanſchauung allein macht noch keine Erfahrung aus, deshalb wird auch ein Fleiſcher, und wenn er Tauſende von Viehſtücken geſchlachtet und zerlegt hat, dadurch nimmer zum Anatomen. Dazu gehört das Studium eines im Denken geübten, gebildeten Verſtandes. Schließlich muß ich noch vor den freundlichen und uneigennützigen Rathgebern warnen, welche, wenn auch nicht verächtlich, wie die Pfuſcher, doch faſt eben ſo gefährlich ſind. Es iſt eine nur ſchwer zu erklärende pſychologiſche Erſcheinung, daß bei Krankheiten, ſei es bei Menſchen oder bei Thieren, jeder gern ſeinen Rath ertheilt, ſelbſt der Liebloſeſte und der, dem man in jedem andern Falle keinen Akt der Humanität zutrauen darf; der Nachbar, der Schäfer, der Schmied, ein altes Weib, oder irgend andere Perſonen ſind mit ihrem Rathe nur zu gütig bei der Hand. Vorzugs⸗ weiſe thätig zeigen ſich in dergleichen Fällen gewöhnlich Leute, welche vielleicht einmal Reiten gelernt, oder die vielfach mit Pferden zu thun gehabt haben; dieſe halten ſich in der Regel nicht nur für vollkommene Pferdekenner, ſondern ſie glauben auch, in thörigter, der Unwiſſenheit ſo ganz beſonders eigener Anmaßung, jede Krankheit beurtheilen zu können. In der Regel aber iſt der Rath aller dieſer Leute, da ſie der wahren Sachkenntniß entbehren, und in dieſer Hinſicht mit dem Pfuſcher auf gleicher Höhe ſtehen, nachtheilig und unheilvoll, und Millionen Stücke Vieh ſind ſchon dadurch zu Grunde gegangen. Nur der Rath eines intelligenten und wahrhaft gebildeten Thierarztes verdient es ſtets ohne Mißtrauen und Beſorgniß befolgt zu werden, und wer die Richtigkeit dieſer Behauptung in Zweifel zieht, beraubt ſich freiwillig der Vortheile, welche die fortſchreitende Aufklärung im Gebiete der Thierheilkunde zu gewähren vermag. Und ſomit übergebe ich denn dieſes, nicht ohne Anſtrengung vollendete, Werk dem Leſer, mit der innigſten Ueberzeu⸗ gung, daß er, bei verſtändigem Gebrauche, Nutzen daraus ziehen wird. Danzig, im Juli 1842. Der Verfaſſer. 5 1. Entzündung im Allgemeinen. Die ohne Vergleich größeſte Zahl der bei den Hausthieren vorkommenden Krankheiten, beſteht in einer Entzündung irgend eines Körpertheiles, ſei dieſes nun ein innerer oder ein aͤußerer Theil. Die Entzündung bildet die Grundlage der meiſten Krank⸗ heiten; oft macht ſie die ganze Krankheit allein aus, andere Male bildet ſie den Anfang, oder auch wohl nur das Ende anderer Krankheiten; die Zahl jener Krankheiten, in deren Verlaufe ſich nicht die Zeichen eines mehr oder weniger entzündlichen Zuſtandes irgend eines Theiles bemerken laſſen, iſt nicht ſehr beträchtlich. Ihres häufigen Vorkommens wegen, und weil ſie in zahlreichen Fällen gefährlich iſt, und den Tod des be⸗ fallenen Thieres zur Folge haben kann, iſt eine mög⸗ lichſt genaue Kenntniß der wichtigſten Zufälle, durch welche ſich die Entzündung zu erkennen giebt, höchſt nothwendig, und aus dieſem Grunde ſoll daher auch hier von derſelben ausführlich gehandelt werden. Findet ſich irgendwo am oder im Körper ein Theil, an welchem vermehrte Röthe, vermehrte Wärme, Geſchwulſt und außergewöhnliche Schmerzhaftigkeit wahrgenommen werden, ſo ſagt man, ein ſolcher Theil ſei entzündet, oder von einer Entzündung befallen. In der Regel iſt zugleich die Verrichtung des entzündeten Theiles mehr oder weniger verändert, und vom geſundheitsgemäßen Zu⸗ ſtande abweichend, ſo daß die geſtörte Verrich⸗ tung ebenfalls zu den Hauptkennzeichen der Entzündung gezählt werden muß. Alle Theile des Körpers, mit Ausnahme der Ober⸗ haut, der Haare, Hüfe, Hörner und Klauen, können von der Entzündung befallen werden, jedoch findet in dieſer Hinſicht bei den verſchiedenen Theilen ein ſehr auffallender Unterſchied ſtatt. Manche Theile werden leichter, heftiger und häufiger von der Entzündung be⸗ fallen; andere dagegen ſeltener, und minder ſtark. Es ſollen hier nun zunaͤchſt die einzelnen, der Ent⸗ zündung zukommenden Erſcheinungen näher erörtert, und dieſelben durch Beiſpiele erläutert werden. a) Vermehrte Röthe. Allemal erſcheint ein entzündeter Theil röther als im geſunden Zuſtande; es iſt dieſes die Folge des vermehrten Blutzufluſſes nach dieſem Theile. Derſelbe enthält mehr Blut als gewöhnlich, indem die kleinſten Blutgefäße, welche ſonſt kein Blut führen, ſich jetzt ſo erweitern, daß ſie fähig ſind die Blutkügelchen des Blutes in ſich auf⸗ zunehmen; außerdem ſind auch die größeren Blutadern mit mehr Blut, und ſtrotzend angefüllt. Der Grad der vermehrten Röthe iſt ungemein verſchieden; es zieht ſich dieſe Entzündungsröthe vom blaſſeſten Ro⸗ ſaroth, bis zur kirſchrothen, ſelbſt ſchwarzrothen Farbe hindurch. Bei ſolchen Theilen, welche einen ſchwammi⸗ gen, lockeren Bau haben, und welche, ſchon im geſun⸗ den Zuſtande, viele Blutgefäße enthalten, und mehr oder weniger roth erſcheinen, wie z. B. die Schleim⸗ häute der Naſe, die äußere Haut, die Lungen ꝛc., iſt bei der Entzündung die Röthe auffallender und beträchtlicher vermehrt, als bei Gebilden von feſterem Bau, und in denen nur wenige Blutgefäße enthalten ſind, wie z. B. die Knochen, die Knorpel, die durch⸗ ſichtige Hornhaut des Auges. Die Entzündungsröthe iſt nicht während der ganzen Dauer der Entzündung von gleicher Stärke. Zu Anfange iſt ſie meiſtens gering; ſie ſteigt mit der Zunahme der Krankheit, und verliert ſich bei deren Verſchwinden mehr oder weniger ſchnell. Bei den Hausthieren iſt die vermehrte Röthe bei vorhandenen Entzündungen nicht immer, oder vielmehr nur in den ſeltneren Fällen wahrzunehmen. Die dichte Behaarung der Haut, die häufig ſchwarze oder doch dunkle Hautfarbe, und viele andere Umſtände verhin⸗ dern die Wahrnehmung der Farbenveränderung; das 1 2 1. Gleiche gilt in der Regel von den Eingeweiden und von allen anderen, tiefer unter der Haut gelegenen Theilen. Demungeachtet iſt die vermehrte Röthe bei jeder wahren Entzündung zugegen; wir erſehen dieſes bei der gelegentlichen Eröffnung der Cadaver, bei zu⸗ fälliger oder abſichtlicher Entblößung von entzündeten inneren Theilen. Die Röthe der entzündeten Gebär⸗ mutter oder der Gedärme z. B. iſt wegen ihrer Lage in der Regel nicht wahrzunehmen; dieſes iſt aber ſehr wohl alsdann der Fall, wenn bei Verletzungen des Bauches, oder bei ſchweren Geburten die Gedärme oder die Gebärmutter nach außen treten und ſich entzünden, oder wenn ſie ſchon im Leibe entzündet waren. An manchen entzündeten Theilen iſt indeſſen die Röthe allemal und ohne Schwierigkeit zu ſehen, z. B. an der Schleimhaut der Naſe und der Scheide; an der Bindehaut der Augen aller Hausthiere; am Euter der Kühe und Schafe; an weißen Füßen der Pferde; auf der ganzen Haut der Iſabellen und mancher Schim⸗ mel; an den weißen Hautſtellen der Kühe; an der ganzen Hautoberfläche nicht ſchwarzer Schafe, der weißen Schweine ꝛc. Die Druſe, die Mauke bei Pfer⸗ den mit weißen Feſſeln, die Pocken bei Kühen und Schafen, der Rothlauf bei Schweinen, können hierfür als Beiſpiele gelten. b) Vermehrte Wärme. Ein entzündeter Theil zeigt eine größere Wärme als im geſunden Zuſtande. Legen wir z. B. die Hand an einen entzündeten Huf, ſo wird die Wärme deſſelben unfehlbar beträchtlicher ſein, als bei dem andern, geſunden Hufe; der Ver⸗ gleich der Wärme beider Hüfe läßt darüber keinen Zweifel. Faſt an allen äußerlichen, oder von außen mit der Hand zugänglichen Entzündungen, iſt dieſe vermehrte Wärme leicht zu entdecken. Bei den meiſten innerlichen Entzündungen dagegen iſt dieſes entweder gar nicht, oder doch nur auf eine unvollſtändige Weiſe möglich. Hier müſſen wir uns dann an bekannte, allgemeine und eigenthümliche Erſcheinungen halten, z. B. an die vermehrte Temperatur der Haut, der Hör⸗ ner, der Naſe, der Maulhöhle, des Athems ꝛc. Die Urſache der vermehrten Wärme bei entzündeten Theilen liegt in dem vermehrten Andrange und Um⸗ triebe des Blutes, und in einer geſteigerten Lebensthä⸗ tigkeit des ergriffenen Theiles. c) Geſchwulſt. Der entzündete Theil erſcheint in faſt allen Fällen mehr oder weniger vergrößert oder angeſchwollen; er iſt dabei zugleich geſpannt und, je Entzuͤndung im Allgemeinen. nach der Beſchaffenheit des entzündeten Theiles, mehr oder minder hart. Ihren Grund hat die Geſchwulſt in dem vermehrten Blutandrange, in dem Erguſſe von Blut, Blutwaſſer oder Faſerſtoff, und in der durch die vermehrte Wärme bewirkten größeren Ausdehnung der Gewebe. Der Grad der Geſchwulſt iſt überaus verſchieden, je nach der Heftigkeit der Entzündung, nach der Lage und der Struktur des befallenen Theiles ꝛc. Im All⸗ gemeinen bemerken wir, daß die Geſchwulſt um ſo größer iſt, je ſchlaffer, ausdehnungsfähiger und blut⸗ reicher das entzündete Gebilde iſt, und je weniger Hin⸗ derniſſe ſich der Ausbildung der Geſchwulſt entgegen⸗ ſtellen. Der Schlauch, die äußere Haut, die Lippen, die Angenlider ꝛc., ſchwellen bei Entzündungen daher meiſtens ſehr beträchtlich an, während der Huf, das Gehirn, ihres Blutreichthums ungeachtet, wenig oder gar nicht anſchwellen, weil ihre Umgebung wenig oder gar nicht nachgiebig iſt, und ſomit die Anſchwellung auf mechaniſche Weiſe verhindert. Lockere, ſchwam⸗ mige Theile ſchwellen leichter und ſtärker an, als feſte und harte Organe. So zeigen z. B. die entzündeten Knorpel und Knochen nur ſehr geringe Anſchwellung. d) Schmerzhaftigkeit. Jeder entzündete Theil zeigt eine größere Reizbarkeit und Empfindlichkeit als im geſunden Zuſtande, obgleich nicht in gleich hohem Grade. Die Heftigkeit der Entzündung, ihre Dauer, die Lage und Beſchaffenheit des entzündeten Theiles, und beſonders der Umſtand, ob ſich viele oder nur wenige Nerven in demſelben befinden, machen hierbei einen ſehr großen Unterſchied. Außerdem kommt es noch darauf an, ob der kranke Theil auch im geſunden Zuſtande ſehr oder nur wenig reizbar und empfindlich iſt. So iſt z. B. die Entzündung des Auges in der Regel ſehr ſchmerzhaft, weil dieſes Organ auch zu geſunden Zeiten höchſt zart und emfindlich iſt. Die Entzündung des Magens iſt überaus ſchmerzhaft, denn der Magen enthält zahlreiche und ſehr große Nerven; dagegen ſind Entzündungen der Lungen und des Her⸗ zens mit weit geringeren Schmerzen verbunden, weil beide Theile ſehr arm an Nerven ſind. Die Entzün⸗ dung lockerer, ſchwammiger Theile, welche ſich leicht ausdehnen können, iſt meiſtens weniger ſchmerzhaft, als die in feſten oder ſolchen Theilen, deren Ausdehnung beſchränkt oder verhindert iſt. Für erſteren Fall können die Entzündung der Schleimhäute, des Schlauches, des Euters ꝛc., für letzteren Fall die Entzündung der —— 1. Entzuͤndung Knochen und Knorpel, der Hüfe ꝛc. als Beiſpiele dienen. In vielen Fällen bleibt das Schmerzgefühl der Thiere für uns dunkel, oder ſelbſt unerkennbar; in den meiſten Fällen ſchließen wir die vermehrte Schmerz⸗ haftigkeit aus dem Benehmen und der Gebehrdung des Kranken. Kann das Thier uns zwar auch von ſeinem Schmerze, als eines ſubjektiven, nur von ihm allein empfundenen Gefühles, keine beſtimmte Mittheilung machen, ſo ſind wir dennoch berechtigt, anzunehmen, daß derſelbe überhaupt vorhanden iſt, obwohl wir frei⸗ lich darauf verzichten müſſen, die Qualität deſſelben zu beſtimmen. Ob der Schmerz ſtechend, brennend, ziehend ꝛc. iſt, wiſſen wir nicht. Oft wird der Schmerz erſt nach einem, auf den entzündeten Theil angebrachten Druck für uns erſicht⸗ lich; z. B. bei den entzündeten Ganaſchendrüſen. Bei den meiſten entzündeten Theilen iſt die Reizbarkeit, nicht nur gegen ungewöhnliche, ſondern ſelbſt gegen naturgemäße Reize empfindlicher als ſonſt. Das Auge z. B., deſſen natürliches Element das Licht iſt, erträgt, wenn es entzündet iſt, ſelbſt die gewöhnliche Tageshelle nicht ohne Schmerzenz das Thier ſchließt deshalb das Auge mehr oder weniger. Die Lungen, deren Element die Luft iſt, werden, wenn ſie von einer Entzündung befallen ſind, durch etwas kalte Luft leicht zum Huſten gereizt, welches im geſunden Zuſtande nicht erfolgt ſein würde. Die Lungen ſind daher jetzt reizbarer und ſchmerzempfänglicher als ſonſt. e) Störung in der Verrichtung. Bei jedem entzündeten Theile iſt ſeine natürliche Verrichtung mehr oder weniger verändert, gehemmt oder auch wohl ganz aufgehoben. Dieſe Wahrheit iſt für die Erkennung vieler, zumal innerer Entzündungen von der höchſten Wichtigkeit, denn oft bildet die geſtörte Funktion das vorzüglichſte, ja faſt alleinige Zeichen, woraus die Gegenwart einer Entzündung zu entdecken iſt. Ohne ſie würde manche Entzündung, wenigſtens ſo lange das Thier lebt, dunkel oder wohl ganz unerkannt blei⸗ ben. An den entzündeten Lungen z. B. können wir, da ſie dem Auge nicht zugänglich ſind, die Hauptzeichen der Entzündung, als Röthe, Geſchwulſt ꝛc. nicht ent⸗ decken. Dagegen aber bemerken wir angeſtrengtes, vermehrtes, kurzes Athemholen, häufigen und ſchmerz⸗ haften Huſten, heißen Athem ꝛc., alſo auffallende Ab⸗ weichungen und Störungen in der gewöhnlichen Ver⸗ richtung der Lungen, welche hier das weſentlichſte im Allgemeinen. 3 Erkennungszeichen für die Gegenwart ihrer Entzündung abgeben. Die gedachten Störungen für ſich allein wür⸗ den indeſſen noch nicht ausreichen, um darauf die Behauptung gründen zu können, daß die Lungen von einer Entzündung befallen wären, es könnte die Rich⸗ tigkeit der Behauptung in Zweifel gezogen werden, da die meiſten der Entzündungszeichen, als Röthe, Ge⸗ ſchwulſt ꝛc. nicht nachgewieſen wurden. Dieſe Zweifel werden jedoch durch die bisher gemachten Erfahrungen gänzlich beſeitigt. Finden ſich nämlich bei der CEröff⸗ nung eines Cadavers die Zeichen einer vorhanden geweſenen Lungenentzündung, ſo werden die genannten Störungen in der Verrichtung der Lungen während des Lebens des Thieres ſtets vorhanden geweſen ſein. Findet man daher die genannten Athmungsbeſchwerden, nebſt noch einigen anderen Erſcheinungen bei einem Thiere, ſo darf man daraus dreiſt den Schluß ziehen, daß die vorhandene Krankheit eine Lungenentzündung ſei. Nicht blos bei innern, ſondern auch bei äußern, und überhaupt bei allen entzündeten Theilen, iſt die Verrichtung regelwidrig. Das entzündete Auge ſieht weniger, oder gar nicht; der entzündete Huf wird nur unter Schmerzen auf die Erde geſetzt, ſo daß ein hin⸗ kender und deshalb geſtörter Gang des Pferdes entſteht. Bei manchen entzündeten Theilen iſt die Störung ihrer naturgemäßen Verrichtung mehr in die Augen fallend, als bei anderen, welches von dem Sitze, von dem Umfange und von dem Grade der Entzündung, ſo wie auch von der Art und der Wichtigkeit der natürlichen Verrichtung des befallenen Theiles abhän⸗ gig iſt. Eine Entzündung des Gehirns z. B. iſt mit den heftigſten Zufällen verbunden, weil das Gehirn der edelſte Theil iſt, welcher einer ſehr wichtigen Ver⸗ richtung vorſteht; eine Entzündung der Lungen iſt ebenfalls mit großer Störung verbunden. Sind da⸗ gegen z. B. die Milz, verſchiedene Drüſen ꝛc., äußere, kleine Theile ꝛc. entzündet, ſo ſind die Zufälle nur gering. Eine ſehr häufige Folge und Begleiterin der Ent⸗ zündung iſt ein mehr oder weniger heftiges Fieber, welches in dieſem Falle„Entzündungsfieber“ genannt wird; jedoch iſt nicht jede Entzündung mit einem Fieber verbunden, ſo daß alſo das Fieber nicht zu den weſentlichen oder nothwendigen Zeichen der Entzündung gerechnet werden kann. Viele äußerliche und manche innere Entzündungen ſind ohne Fieber, beſonders wenn der entzündete Theil dun nür geringem 4 1. Entzuͤndung Umfange, wenig ſchmerzhaft, oder wenn die Entzün⸗ dung ſelbſt nicht ſehr heftig iſt. Iſt die Entzündung dagegen heftig, ſehr ausgedehnt und ſchmerzhaft, in einem edlen, wichtigen Theile ꝛc., ſo findet gewöhnlich zugleich ein Fieber, d. h. eine Vermehrung des Pulſes, nebſt anderen Zufällen ſtatt. So iſt z. B. die nach kleineren, äußeren Verletzungen der Haut entſtehende Entzündung fieberlos, während dagegen die Entzündung der Lungen oder der Gedärme ſtets ein Fieber nach ſich zieht. Die Dauer der Entzündung iſt in den verſchiedenen Fällen verſchieden, und richtet ſich nach dem Sitze, dem Umfange und der Heftigkeit derſelben; nach der Beſchaffenheit des befallenen Thieres, nach der Art der Urſachen, und nach zahlreichen anderen, bekannten oder unbekannten Umſtänden. Im Allgemeinen iſt die Entzündung von ſchnellem Verlaufe; ſie kann von wenigen Tagen, bis zu zwei oder drei Wochen anhalten. Dauert ſie beträchtlich länger, ſo wird ſie eine ſchlei⸗ chende oder langwierige genannt; ſie verliert dann manche der Entzündungszeichen, ſo daß ſie dann eigentlich keine wahre Entzündung, ſondern mehr einen Ausgang derſelben, und deshalb einen andern Zuſtand darſtellt. Jede Entzündung ſteigt ſchneller oder langſamer zu einer gewiſſen Höhe, und macht dann irgend einen Ausgang. Die vorzüglichſten Ausgänge ſind die in Zertheilung, Eiterung, Verſchwärung, Ausſchwitzung, Verhärtung und Brand. a) Zertheilung. Dieſer Ausgang der Ent⸗ zündung iſt von allen der wünſchenswertheſte und beſte, und er erfolgt auch in den meiſten Fällen, beſonders bei einer zeitigen und paſſenden Kur. Alle Zeichen der Entzündung nehmen nach und nach an Heftigkeit ab; Röthe, Geſchwulſt, Hitze und Schmerz verlieren ſich mehr und mehr; die natürliche Verrichtung des Theiles ſtellt ſich wieder ein, und endlich, nach kürzerer oder längerer Zeit, erſcheint der befallen geweſene Theil wieder wie im geſunden Zuſtande, meiſtens ohne eine Spur der früher dageweſenen Entzündung zu hinterlaſſen. Die Zertheilung folgt vornehmlich in den Fällen, wo die Entzündung eine nicht zu bedeu⸗ tende Höhe erreicht, und wo die Urſache derſelben nicht etwa den kranken Theil ſehr verändert hat, wie z. B. durch ſtarke Quetſchung, durch manche Aetzmittel ꝛc. War ein Fieber mit der Entzündung verbunden, ſo im Allgemeinen. verliert ſich dieſes in der Regel weit früher, als die Entzündung ſelbſt. In ſeltenen Fällen verſchwindet die Entzündung beinahe plötzlich; man nennt dieſes ein Zurücktreten derſelben. Obſchon dieſe Ausgangsweiſe ſcheinbar die allerbeſte iſt, ſo iſt ſie doch manchmal mit Gefahr verbunden, indem die alſo verſchwundene Entzündung leicht an einem anderen Theile wieder zum Vorſchein kommt, und ſich auf einen wichtigeren Theil wirft, als jener war, welchen ſie Anfangs befallen hatte. b) Eiterung. Zertheilt ſich die Entzündung nicht, und hält ſie mit beträchtlicher Heftigkeit längere Zeit an, ſo iſt ihr Ausgang in Eiterung wahrſcheinlich, und auch gewöhnlich.— Unter Eiter verſteht man eine Anfangs dünne und wäſſerige, ſpäter dicker werdende Flüſſigkeit, ohne auffallenden Geruch, von gelblich⸗ weißer, oder von einer ähnlichen Farbe, und ungefähr von der Conſiſtenz und dem Anſehen des Milchrahmes. Der Eiter wird entweder auf der Oberfläche des ent⸗ zündeten Theiles, oder in deſſen Tiefe abgeſondert, und bildet, wenn er ſich zu einer größeren Maſſe vereinigt, die ſogenannte Eitergeſchwulſt, oder einen Abſceß. Iſt letzterer an äußeren Theilen des Körpers, dicht unter der Haut, oder doch nicht ſehr tief unter derſelben, gelegen, ſo iſt der Eiter durch das Gefühl zu entdecken, und zwar an einer gewiſſen Weichheit, und an einem Schwappen der Geſchwulſt. Eiterungen von Eingeweiden, in den Höhlen des Körpers und wenn ſie ſehr tief liegen, ſind oft nur ſehr ſchwer, oder auch wohl gar nicht mit Sicherheit zu erkennen. Wir müſſen uns dann meiſtens an manche Nebener⸗ ſcheinungen halten, welche in den ſpeciellen Fällen genauer angegeben werden ſollen. Wenn ein entzündeter Theil ſich zur Eiterung an⸗ ſchickt, ſo nimmt die Heftigkeit der Entzündung be⸗ trächtlich ab; beſonders gilt dieſes in Betreff der Schmerzen und der Hitze, und iſt die Eiterung voll⸗ endet, ſo verſchwinden die Entzündungszeichen zum Theil oder vollkommen. Mit der Eiterung erreicht daher die Entzündung meiſtens mehr oder weniger ihr Ende. Ein Beiſpiel dafür gibt z. B. die in Eiterung übergegangene Entzündung der Ganaſchendrüſen bei der Druſe der Pferde. Nicht alle Theile des Körpers ſind gleich ſtark zur Eiterung geneigt, obſchon es kaum einen Theil gibt, der nicht unter gewiſſen Umſtänden in Eiterung über⸗ gehen könnte. Die Leber, die Milz und die Muskeln 1. Entzuͤndung im Allgemeinen. 5 z. B. eitern faſt nie, wogegen die äußere Haut, das Zellgewebe ꝛc. ſehr leicht in Eiterung übergehen. Der Eiter wird entweder durch Umwandlung der in den entzündeten Theil ergoſſenen Säfte, als Blut, Faſer⸗ ſtoff ꝛc. gebildet, oder er wird von den ſogenannten Fleiſchwärzchen abgeſondert. c) Verſchwärung. Sie ſtellt ebenfalls eine Giterung dar, welche jedoch nicht, wie die vorige, gutartig, ſondern von übler Beſchaffenheit iſt. Man nennt die Verſchwärung daher auch eine bösartige Eiterung. Auch ſie iſt allemal Folge einer Entzündung. Es iſt ein Geſchwür zugegen, welches, ſtatt geſunden Eiters, eine dünne, jauchige, mißfarbige, ſcharfe und meiſt übelriechende Flüſſigkeit abſondert. Statt Heilung und Vernarbung herbeizuführen, frißt das Geſchwür immer mehr um ſich, es wird größer, und zerſtört die von ihm ergriffenen Theile; es bildet ſich im Grunde und an den Rändern deſſelben ein mißfarbiges, hoch⸗ rothes oder bläuliches, ſchwammiges Gewebe, ſoge⸗ nanntes wildes Fleiſch, welches aus der Ge⸗ ſchwürsöffnung hervorragt, und über dieſelbe hinaus⸗ wächſt; durch Zerfreſſung kleiner Blutgefäße entſtehen leicht Blutungen, z. B. bei rotzigen Pferden. Beiſpiele wahrer Verſchwärung liefenn die Geſchwüre in der Naſe beim Rotze der Pferde, und die aufgebrochenen, eiternden Wurmbeulen d) Ausſchwitzung. Eigentlich findet bei jeder Entzündung eine Ausſchwitzung ſtatt, denn durch ſie wird vorzüglich die Geſchwulſt mit hervorgebracht. Hier kann jedoch nur von jenen Ausſchwitzungen die Rede ſein, welche, ſelbſt nach gehobener Entzündung, noch vorhanden ſind. Die Ausſchwitzung beſteht in Blut, Waſſer oder Faſerſtoff. Blutige Ausſchwitzungen kommen nur ſelten vor; meiſtens entſtehen ſie nicht ſowohl durch wahre Abſonderungen, als vielmehr durch eine Zer⸗ reißung der Gefäße, die durch äußere Gewalt, oder durch ſtrotzende, übermäßige Anfüllung der Blutge⸗ fäße ꝛc. hervorgebracht wird. Häufig dagegen erfolgen Ausſchwitzungen und Ergüſſe von Waſſer, oder einer dem Blutwaſſer faſt gleichen Flüſſigkeit; entweder im Innern des entzün⸗ deten Theiles, oder auf ſeiner Oberfläche, z. B. auf der Oberfläche der Häute, welche die Eingeweidehöhlen des Körpers auskleiden, dann auch im Zellgewebe. Bei vielen Bruſtentzündungen z. B. wird eine, oft mehrere Eimer voll betragende Menge von Waſſer abgeſondert, und zwar durch das entzündete Bruſtfell; bei Anſchwellungen des Schlauches, durch eine Ver⸗ ſetzung der Druſe, oder durch die Caſtration, findet eine Ausſchwitzung von Waſſer durch das entzündete Zellgewebe unter der Haut ſtatt ꝛc. Bei vielen Entzündungen, und zwar faſt allein bei den heftigen, wird Faſerſtoff abgeſondert und ausgeſchwitzt, oft in ſehr großer Menge. Der Faſerſtoff ſtellt eine gelblich⸗weiße, geruchloſe Maſſe dar, welche das Anſehen des gekochten Eiweißes oder des Puddings hat. Bei der Lungenſeuche des Rindviehes z. B. erfolgt allemal eine ſolche Ausſchwitzung von Faſerſtoff in großer Menge. Durch denſelben werden oft be⸗ nachbarte Theile mit einander verklebt; ſo wachſen die Lungen z. B. an den Bruſtkaſten an. Meiſtens finden ſich die Ausſchwitzungen von Waſſer- und Faſerſtoff gleichzeitig vor. e) Verhärtung. Bleibt ein Theil, auch nach gehobener Entzündung, hart, vergrößert und ſchwer, ſo ſagt man, daß die Entzündung in Verhärtung übergegangen iſt. Faſt allemal wird die Verhärtung durch die Ausſchwitzung von Faſerſtoff hervorgebracht, welcher ſich in der Subſtanz des entzündet geweſenen Theiles abgelagert hat. Oft iſt die Verhärtung mit Gefahr verbunden, häufig jedoch bringt ſie nur geringe oder auch wohl gar keine ſichtbaren Nachtheile. Der Stallſchwamm kann hier als Beiſpiel gelten. f) Brand. Dieſer iſt der ſchlimmſte aller Aus⸗ gänge, welche eine Entzündung nur immer machen kann, denn es erfolgt bei ihm das Abſterben oder der Tod des entzündeten Theiles, welches, wenn der bran⸗ dige Theil ein wichtiger iſt, oft den Tod des Thieres ſelbſt nach ſich zieht. Der Brand äußerer, minder wich⸗ tiger Theile, ſelbſt großer Stücke der Haut ꝛc., iſt meiſtens ohne Gefahr; dagegen iſt z. B. Brand der Gedärme allemal tödtlich. Die Gefahr beim Brande wird daher vorzugsweiſe durch die Wichtigkeit des be⸗ fallenen Theiles bedingt. In der Regel entſteht der Brand nur bei überaus heftigen Entzündungen, welche längere Zeit anhalten, außerdem aber auch durch mechaniſche Urſachen, z. B. durch anhaltenden Druck, durch ſtarke Quetſchungen, durch Erfrierungen und Verbrennungen, durch mancherlei Gifte aus allen drei Reichen der Natur, auch dort, wo der Blutzufluß gänzlich gehemmt iſt, gleichviel ob abſichtlich oder zufäͤl⸗ lig. So wird z. B. eine abgebundene Warze, oder ein abgebundener Hodenſack allemal brandig. 6 1. Entzuͤndung Man unterſcheidet einen ſogenannten heißen und kalten Brandz erſterer iſt der äußerſte Grad der Ent⸗ zündung, und bildet die Mittelſtufe und den Ueber⸗ gangspunkt zwiſchen der Entzündung und dem kalten Brande. Letzterer iſt daher in der Regel ein Ausgang und eine Folge vom heißen Brande. Die Wiederbelebung eines vom kalten Brande befallenen Theiles iſt unmöglich. Wird ein entzündeter Theil brandig, ſo hören nach und nach alle Schmerzen in ihm auf; die Geſchwulſt ſinkt etwas zuſammen, ihre frühere Härte und Span⸗ nung verlieren ſich etwas, und ein auf den Theil aus⸗ geübter ſtarker Druck mit dem Finger hinterläßt die gemachten Fingereindrücke beträchtlich lange Zeit. Die Farbe des brandigen Theiles iſt dunkelroth, blau, ſchwärzlich, bleich oder aſchfarben. Die Oberhaut trennt ſich an verſchiedenen Stellen der Geſchwulſt, und hebt ſich in Form von Blaſen in die Höhe, welche eine dünne, ſcharfe und übelriechende Flüſſigkeit ab⸗ ſondern, auch bilden ſich zuweilen Luftgeſchwülſte von größerem oder geringerem Umfange. Der brandige Theil iſt gänzlich der Wärme beraubt, kühl, ſchmerzlos, in beginnender Fäulniß, und ſomit völlig todt. Bei innern, weder dem Auge noch dem Gefühle zugänglichen Theilen, iſt die Gegenwart des Brandes in der Regel dunkel, und nur mit Unbeſtimmtheit zu erkennen. Hier müſſen wir uns an die allgemeinen Zufälle halten, und an die Wirkungen, welche der brandige Theil erfahrungsmäßig auf den ganzen Körper ausübt. Geht z. B. eine Entzündung der Gedärme in Brand über, ſo erlöſchen die früher ſehr heftigen Schmerzen gänzlich, die Haut iſt mit kaltem Schweiße bedeckt, alle ſichtbaren Schleimhäute ſind blaß, der Athem wird kühl, der Puls iſt nicht mehr zu fühlen, der Blick iſt matt, todtenähnlich, und das Thier krepirt. Die Leichenöffnung zeigt, daß dieſe Zufälle durch den Brand der Gedärme entſtanden waren, und deshalb dienen ſpätere, gleiche Zufälle als Belehrung, daß alsdann der Brand in den Gedärmen vorhanden iſt. Anmerkung. Wohl jeder Leſer wird ohne Zweifel einmal an irgend einem Theile des Körpers eine klei⸗ nere oder größere Entzündung gehabt haben; z. B. die, welche nach dem Verbrennen mit kochendem Waſſer, oder nach dem Gebrauche des Spaniſchfliegenpflaſters entſteht. Es iſt ſomit Gelegenheit vorhanden geweſen, die Hauptzeichen der Entzündung am eigenen Körper zu ſtudiren, und ſie im Gedächtniſſe zu rekapituliren. Um beiſpielsweiſe bei dem Cantharidenpflaſter ſtehen im Allgemeinen. zu bleiben, ſo ſehen wir nach ſeiner Anwendung faſt alle der Entzündung zukommenden Erſcheinungen eintreten. Es entſteht zunächſt ein Gefühl von Bren⸗ nen oder von Hitze; ſodann entwickelt ſich ein ſehr lebhafter Schmerzz es entſteht eine, wenn auch in dieſem Falle nur flache, und nicht ſehr beträchtliche Geſchwulſt, und eine ſehr bedeutend vermehrte Röthe. Somit haben ſich nach und nach alle wahren Entzündungszeichen ausgebildet. Nach einiger Zeit macht die Entzündung nacheinander verſchiedene Aus⸗ gänge. Die Haut hebt ſich in Form einer Blaſe empor, und unter ihr erfolgt die Ausſchwitzung von Waſſer; ſodann bedeckt ſich die von der Oberhaut entblößte Stelle mit Eiter; endlich bildet ſich eine neue Oberhaut; Röthe, Geſchwulſt und die andern Entzündungszeichen verlieren ſich allmälig, die Ent⸗ zündung geht in Zertheilung über, bis endlich jedes Zeichen einer dageweſenen Entzündung wieder verſchwunden iſt. In Betreff der Neigung oder der Anlage von einer Entzündung befallen zu werden, ſehen wir ſehr bemerkbare Unterſchiede, obgleich es keinen Körpertheil gibt, der nicht, unter gewiſſen Umſtänden und durch gewiſſe Urſachen, in Entzündung verſetzt werden könnte. Daß die Oberhaut, Haare, Hüfe, Klauen und Hörner hievon ausgenommen ſind, iſt ſchon früher angeführt worden. Im Allgemeinen ſehen wir, daß junge, ſtark ge⸗ nährte, reizbare und feurige Thiere leichter und heftiger von einer Entzündung befallen werden, als Thiere, die ſich im entgegengeſetzten Zuſtande befinden. Alte, ſehr abgemagerte, träge und phlegmatiſche Thiere ſind weniger zur Entzündung diſponirt, obgleich hierbei zahlreiche Ausnahmen bemerkbar ſind. In Bezug auf die verſchiedenen Theile des Körpers bemerken wir, daß ſolche Organe, welche an Blutgefäßen und Ner⸗ ven ſehr reich ſind, oder die wegen ihrer Lage und Ver⸗ richtung äußeren Einwirkungen am meiſten blosgeſtellt ſind, am öfterſten von Entzündung befallen werden; z. B. die Schleimhäute, die Lungen, die Hüfe. Da⸗ gegen ſind Theile von ſehr feſtem Baue, denen nur wenig Nerven und Blutgefäße eigen, oder die durch ihre Lage gegen äußere Nachtheile ſehr geſichert ſind, nur ſelten entzündet; z. B. das Gehirn, die Knochen und die Knorpel. Die Gelegenheitsurſachen, das heißt jene, welche direkt und unmittelbar Entzündung zur Folge haben * 1. Entzuͤndung — die ſogenannten Entzündungsreize— ſind überaus zahlreich und mannigfaltig, und theils allge⸗ meine, d. h. ſolche, die ihre Wirkung auf den ganzen Körper ausüben, oder örtliche, d. h. ſolche, deren Wirkung ſich auf beſtimmte Körpertheile beſchränkt. Zu den allgemein wirkenden Urſachen gehören vor⸗ nehmlich Erkältungen, große Hitze und Kälte, feuchte oder auch ſehr trockene Luft, Strapatzen, ſchneller Uebergang von anhaltender Ruhe zu ſtarker Bewegung, verdorbene Stallluft, anhaltende Einwirkung von Näſſe und Regen oder heißer Sonnenſtrahlen ꝛc. Oertlich wirkende Urſachen ſind Stöße, Quetſchungen, anhaltender Druck, Verwundungen, Zerreißungen, Steine in den Gedärmen oder in der Blaſe; ferner verſchiedene Gifte, heißes Waſſer, Verbrennungen aller Art, Erfrierungen, manche Anſteckungsſtoffe ꝛc. Die Thiergattung anlangend, ſo ſehen wir das Pferd ohne Vergleich am meiſten zur Entzündung diſponirt; bei ihm ſind die entzündlichen Krankheiten überaus häufig. Dann folgen das Rind und das Schwein. Das Schaf iſt mehr zu Schwächekrank⸗ heiten, und daher weniger zur Entzündung, und der Hund überaus ſtark und vorherrſchend zu Nervenkrank⸗ heiten diſponirt. Ueber den Grad der Gefahr, mit welcher die Ent⸗ zündung verbunden iſt, läßt ſich im Allgemeinen wenig oder gar nichts ausſagen, denn unter die Entzündungen gehören die leichteſten und auch die ſchwerſten und gefährlichſten Krankheiten. Hauptſächlich kommen hier der Sitz, die Ausdehnung, der Grad und die Urſachen der Entzündung, die allgemeine Beſchaffenheit des kranken Thieres, die Wirkung der Mittel und zahlreiche andere Umſtände in Betracht. Die Entzündung iſt um ſo gefährlicher, je edler und wichtiger der befallene Theil iſt. Entzündungen des Gehirns und der Ge⸗ därme z. B. ſind mit ungleich größerer Gefahr verbun⸗ den, als Entzündungen der äußeren Haut, des Euters, der Naſenſchleimhaut ꝛc. Je umfangreicher die Ent⸗ zündung iſt, um ſo übler iſt der Fall. Wichtig iſt ferner die bekannte Neigung zu dieſer oder jener Aus⸗ gangsweiſe der Entzündung. Die Zertheilung iſt der beſte Ausgang; ſchlimmer iſt ſchon die Eiterung, zumal bei inneren Theilen, im Fall der Eiter nicht nach außen durch die Natur oder durch Kunſthülfe entleert werden kann. Indeſſen kommt es bei inneren Theilen nur ſelten zur Eiterung. Bei äußeren Theilen i*ſt die Eiterung faſt eben ſo günſtig, als die Zerthei⸗ im Allgemeinen. 7 lung, und deshalb meiſt ohne Gefahr. Der Ausgang in Verhärtung iſt meiſtens nicht ſehr bedenklich, im Falle nicht innere Theile, und auf große Ausdehnung, verhärtet ſind. Der Brand iſt ſchlimm, und meiſt tödtlich, wenn er innere Theile befällt; hat er an äußern unwichtigen Theilen nur einen geringen Umfang, ſo iſt er meiſtens ohne Gefahr. Entzündungen, die mit Fieber verbunden ſind, laſſen mehr fürchten, als fieberloſe Entzündungen. Sind die Urſachen nicht zu entfernen, ſo iſt oft große Gefahr vorhanden. Die Kur der Entzündungen richtet ſich nicht nur nach der Dauer und der Heftigkeit derſelben, ſondern auch nach ihrem Sitze, nach ihrer Ausdehnung, nach den Urſachen, und nach zahlreichen anderen Umſtänden. Wenn auf dieſe Weiſe die Kur der Entzündungen in den verſchiedenen Fällen nothwendig mancherlei Ab⸗ weichungen erleiden muß, ſo laſſen ſich dennoch einige allgemein gültige Vorſchriften in dieſer Hinſicht feſtſtellen. Vor allen Dingen iſt es bei der Kur der Entzün⸗ dung zunächſt nothwendig, daß die Urſachen möglichſt genau aufgeſucht und erforſcht, und, wenn ſie erkannt ſind, entfernt, oder jedenfalls ſo viel wie möglich geſchwächt und unſchädlich gemacht werden. Oft freilich ſind die Urſachen unerforſchbar, oder ſie haben bereits mit dem Eintritte der Entzündung zu wirken aufgehört. Dieſes iſt z. B. bei einer durch Erkältung oder durch angeſtrengten Lauf entſtandenen Lungenentzündung der Fall. In vielen Fällen indeſſen wirken die Urſachen, ſelbſt nach dem Eintritte der Entzündung, noch fort, und ſteigern und unterhalten dieſelbe. Fremde, in den Körper eingedrungene Gegenſtände müſſen entfernt werden; ſcharfe, ätzende Subſtanzen werden mit Waſſer oder Milch verdünnt und fortgewaſchen, oder durch ſchleimige Mittel und Oel eingehüllt und abge⸗ ſtumpft. Druck, Reibung und jeder ſtattgehabte Reiz, iſt aufzuheben und zu entfernen, und dem leidenden Theile ſowohl, wie auch dem ganzen Thiere iſt die möglichſte Ruhe zu geben. Bewegung ſchadet bei allen Entzündungen; nur ſeltene Fälle ſind davon ausgenommen. Die Kur ſelbſt zerfällt in die allgemeine, welche ihre Wirkung zunächſt gegen den ganzen Thierkörper ausübt, und in die örtliche, deren Wirkung ſich zunächſt auf den leidenden Theil beſchränkt. Oft ſind beide Heilverfahren zugleich erforderlich, oftreicht die örtliche 3 1. Entzuͤndung Kur ſchon allein aus. Bei den meiſten Entzündungen der Eingeweide, z. B. bei denen der Lungen, des Ge⸗ hirns, der Gedärme; dann auch bei heftigen äußerli⸗ chen Entzündungen, z. B. bei denen der Hüfe, der Hoden ac., überhaupt bei allen umfangreichen, heftigen und mit Fieber verbundenen Entzündungen, iſt eine allgemeine Behandlung erforderlich. Unter den wichtigſten Mitteln, welche einer Ent⸗ zuͤndung entgegengeſetzt werden können, ſteht der Aderlaß oben an; Blutentziehungen von größerer oder gerin⸗ gerer Menge ſind erfahrungsmäßig in allen heftigen Entzündungen das wirkſamſte, ja ein kaum zu ent⸗ behrendes Mittel. Durch den Aderlaß wird die Blut⸗ maſſe direkt vermindert, das Fieber und die Entzün⸗ dung geſchwächt und herabgeſtimmt. Nicht ſelten reicht ein einziger, zu rechter Zeit und in gehöriger Stärke gemachter Aderlaß faſt allein ſchon hin, um ſelbſt die heftigſte und gefährlichſte Entzündung zu beſeitigen, und zwar in ganz kurzer Zeit und faſt plötzlich. Die Menge des zu entleerenden Blutes richtet ſich nach der Beſchaffenheit des Thieres, nach den Urſachen, der Dauer und der Heftigkeit der Ent⸗ zündung ꝛc. Zuweilen iſt ſelbſt eine mehrmalige Wiederholung des Aderlaſſes nicht nur heilſam, ſondern ſelbſt dringend erforderlich. Ferner gehören zu der allgemeinen Behandlung die blutverdünnenden, küh⸗ lenden oder laxirenden Mittel, namentlich Salpeter, Weinſtein, Bitter⸗, Doppel⸗, Glauber⸗ und Kochſalz, verdünnte Säuren, Eſſig, Sauerteig und Waſſer. Iſt Verſtopfung vorhanden, ſo werden wiederholt Klyſtiere geſetzt. Der Kranke wird in einem zugfreien, mäßig warmen Lokale und in völliger Ruhe gehalten. Zur Nahrung erhält derſelbe Stroh, Grünfutter, Blatt⸗ und Knollengewächſe, Kleie, aber nur wenig Heu, und gar keine Körner. Schweine füttert man am beſten mit ſauerer Milch. Zum Getränke dient reines Waſſer, von dem der Kranke ſo viel erhält, als er nur immer mag. Außerdem wird derſelbe mit einer Decke belegt, und oft frottirt und gerieben. Iſt auf ſolche Weiſe die übermäßige Thätigkeit im Geſammtkörper, beſonders im Blutumlaufe, herabge⸗ ſtimmt, ſo wird ein örtliches Verfahren eingeleitet. Die diesfälligen Mittel ſind mehr direkt gegen die Ent⸗ zündung gerichtet, um dieſelbe zu zertheilen, oder, wenn dieſes nicht möglich iſt, dieſelbe doch zu einem moͤglichſt gefahrloſen Ausgange zu führen. Hierher gehört vor Allem die Applikation der Kälte, unmittelbar im Allgemeinen. auf den entzündeten Theil; ſehr oft iſt ſie allein ſchon im Stande, die beginnende Entzündung zu unterdrücken, oder, wenn ſie auch ſchon eine bedeutende Höhe erreicht hat, zur Zertheilung zu bringen. Die Kälte wird in Form des ſehr kalten Waſſers, des Eiſes oder Schnees, als Umſchlag applicirt, wobei es wichtig und noth⸗ wendig iſt, daß ſie unausgeſetzt und in der Regel von vierundzwanzig Stunden bis zu mehreren Tagen ange⸗ wendet werde, denn eine periodiſche und nur kurze Zeit dauernde Anwendung der Kälte hat die entgegengeſetzte Wirkung; ſie ſteigert die Entzündung. Bei der Ge⸗ hirnentzündung z. B. wird ein Beutel mit Eis oder Schnee auf den Schädel mehrere Tage und Nächte hindurch haltbar gemacht; der entzündete Huf wird eine gleich lange Zeit in ſehr kaltes Waſſer geſetzt ꝛc. Nicht in allen Fällen jedoch findet die Kälte eine paſſende Anwendung; ſo iſt ſie z. B. bei den meiſten innerlichen Entzündungen nicht nur nutzlos, ſondern ſogar ſchädlich. Auch bei manchen äußerlichen Ent⸗ zündungen paßt die Kälte nicht; z. B. nicht bei den Pocken, der Mauke ꝛc. Bei einigen Entzündungen iſt eine Blutentleerung, dem leidenden Theile ſo nahe wie möglich, von großem Nutzen; die mit Blut überfüllten Theile werden dadurch am ſchnellſten und ſicherſten entleert. Leider erlaubt es die Lage der Theile nur ſelten, zu dieſem Mittel zu greifen; z. B. bei Hufentzündungen, wo ein Aderlaß an der Feſſelvene oder an der Hufſohle mit großem Nutzen gemacht wird. Die örtlichen Aderläſſe ſind, wie geſagt, wegen der Lage der Theile nur an wenigen Stellen ausführbar. Ungemein erfolgreich erweiſen ſich ferner, zumal bei inneren Entzündungen, die ſogenannten ableiten⸗ den Reizmittel. Durch ſie wird die Entzündung an einen andern Ort, meiſtens auf die Oberfläche des Körpers, gelockt und dadurch die urſprüngliche Ent⸗ zündung mehr oder weniger herabgeſtimmt. Hierher gehören die Reibungen, kochendes oder heißes Waſſer, Senf, Canthariden, Euphorbium, Sublimat, Brech⸗ weinſtein, Eiterbänder, Fontanellen, verſchiedene Aetz⸗ mittel, das Glüheiſen ꝛc. Alle dieſe Mittel haben eine mehr oder weniger heftige Entzündung zur Folge; es wird daher ein großer Säftezufluß nach den Stellen hin, an denen dieſe Mittel applicirt werden, bewirkt, welcher den vermindert, welcher in dem Theile ſtatt hat, gegen deſſen Entzündung die Reizmittel ange⸗ wendet werden. Es werden meiſtens die künſtlichen 1. Entzuͤndung im Allgemeinen. 9 Entzündungen an äußeren Theilen und auf der Haut hervorgerufen, ſo daß ſie ſelbſt gefahrlos ſind. Bei Lungenentzündungen z. B. wird vor die Bruſt ein Fontanell geſetzt, oder es werden an den Seiten der Bruſt reizende Mittel eingerieben. Bei manchen Ent⸗ zündungen endlich, ſind die lauwarmen Bähungen und Waſchungen ſehr heilſam; z. B. bei der Druſe, um den Naſenausfluß zu befördern; bei der Mauke, um die Abſonderung von Feuchtigkeit ſchnell zu bewir⸗ ken. Dergleichen Mittel haben eine erſchlaffende Wir⸗ kung; ſie heben die Spannung in dem entzündeten Theile, und leiten ſomit die Zertheilung oder einen andern günſtigen Ausgang der Entzündung ein. Hat die Entzündung ſchon irgend einen Ausgang gemacht, oder iſt ſie wenigſtens nahe daran dieſes zu thun, ſo tritt, je nach den Umſtänden, ein von den vorhin gegebenen Vorſchriften etwas abweichendes Verfahren ein. Machen ſich an dem entzündeten Theile die Zeichen von beginnender Eiterung bemerkbar, ſo muß dieſe bei äußern Theilen ſo viel wie möglich be— fördert, bei inneren jedoch ſo viel wie möglich verhindert werden. Die Eiterung äußerer Theile wird befördert, durch warme Einhüllungen des Theiles, durch warme Umſchläge, Bähungen und Waſchungen, durch Ein⸗ reibungen von Oel oder Fett, von ſchwach reizenden Mitteln, z. B. flüchtiger Salbe, Terpentinöl ꝛc. Iſt die Eiterung vollendet, ſo wird der Eiter entweder durch einen Einſtich mit dem Meſſer entleert, oder es bricht die Geſchwulſt, wenn ſie nicht fern von der äußern Haut liegt, von ſelbſt auf. Bei der Gefahr des Eintritts der Eiterung bei inneren Theilen, iſt die Kunſt meiſtens ohnmächtig. Sehr ſtarke äußere Reiz⸗ mittel ſind hier, neben den ſonſtigen entzündungs⸗ widrigen Mitteln, beſonders wirkſam. Bei der Verſchwärung muß darnach getrachtet werden, das bösartige Geſchwür in ein gutartiges um⸗ zuwandeln, damit das Geſchwür nicht um ſich greift, und ſeine Zerſtörungen fortſetzt. Die Behandlung des Geſchwürs mit Höllenſtein, Aetzkali, gebranntem Kalk, Sublimat, Chlorkalk, mit dem Glüheiſen, iſt hier am wirkſamſten. Außerdem wird auch oft noch eine paſſende innerliche Kur erforderlich. Bei der Verſchwärung innerer Theile iſt die Erkenntniß ſehr dunkel, und die Kunſt vermag dabei wenig oder gar nichts. Erfolgte Ausſchwitzungen erfordern den Ge⸗ brauch ſtark reizender Mittel, des Glüheiſens, der Reibungen, anhaltenden Druckes ꝛc. Iſt Waſſer ergoſſen, ſo ſind Einſtiche in die Geſchwulſt, Bähun⸗ gen, Waſchungen mit Branntwein, mit Kampherſpi⸗ ritus, flüchtiger Salbe ꝛc. nöthig. Auch die urin⸗ und ſchweißtreibenden Mittel, ſo wie Laxanzen ſind dann oft nützlich. Iſt Waſſer in die Höhlen des Körpers ergoſſen, ſo werden dieſe, obſchon nicht ohne Gefahr, angeſtochen, wobei zugleich durch paſſende Mittel auf die Aufſaugung des Waſſers und auf deſſen Entfer⸗ nung durch Urin und Schweiß hingewirkt wird. Auch werden dabei gleichzeitig äußere Ableitungsmittel in Gebrauch gezogen. Verhärtungen innerer Theile ſind in der Regel ganz unheilbar. Iſt ein Theil brandig geworden, ſo iſt deſſen Er⸗ haltung und Wiederbelebung nicht mehr möglich; es kommt daher darauf an den brandigen Theil ſobald wie möglich fortzuſchaffen, um zu verhindern, daß der Brand nicht weiter um ſich greife, ſo wie, daß die Brandjauche nicht aufgeſaugt und dadurch die ganze Säftemaſſe verdorben werde. Waſchungen mit war⸗ mem Eſſig, mit Branntwein und Eſſig, mit Chlorwaſſer, mit verdünnten Säuren, Breiumſchläge, tiefe Ein⸗ ſchnitte in den brandigen, nicht aber in den geſunden Theil, finden hier ihre Anwendung. Iſt der brandige Theil feucht und voll Jauche, ſo ſind Einſtreuungen von Chlorkalk, Holzkohlenpulver, geſtoßener Eichen⸗ rinde ꝛc. paſſend. Außerdem muß in vielen Fällen zugleich eine allgemeine, innerliche Behandlung ein⸗ treten. Anmerkung. Es ſind hier nur die weſentlichſten Grundzüge der Zeichen, Ausgänge, Urſachen und der Kur der Entzündung dem Auge des Leſers vorgeführt, damit derſelbe einen kurzen, zuſammenhängenden Ueberblick über dieſelben gewinne. Einiges von dem Geſagten paßt nicht auf alle Fälle, und manches An⸗ dere erleidet unter verſchiedenen Umſtänden mancherlei Abänderungen. Bei der Abhandlung der Entzündung einzelner Theile werden die ſpeciellen Erörterungen über den jedesmaligen Fall ihre genaue Erledigung finden. 2. Harnruhr des Pferdes. 2. Harnruhr des Pferdes. Dieſe, auch unter den Namen: Harnfluß, Lauterſtall, oder der widerlichen Benennung der klaren oder kalten Piſſe, bekannte Krankheit kommt, beſonders in Mittel⸗ und Norddeutſchland, ziemlich oft vor, und iſt deshalb auch faſt allgemein bekannt. Sie iſt von ſo auffallen⸗ den Zufällen begleitet, daß ihre Erkenntniß überaus leicht und ſicher iſt.. Das von der Harnruhr befallene Pferd entleert überaus oft, und ungleich häufiger als im geſunden Zuſtande, ſeinen Harn oder Urin. Der Urinabgang erfolgt alle dreißig, zwanzig und funfzehn Minuten, und zuweilen ſelbſt noch öfterer, ohne Anſtrengung und anſcheinend ohne Schmerzen; Hengſte und Wal⸗ lachen ſchachten dabei, wie dieſes bei geſunden Pfer⸗ den doch meiſt der Fall iſt, in der Regel nicht aus, indem ſie von dem Drange zum Uriniren ſo plötzlich und heftig überfallen werden, daß ihnen zum Aus— ſchachten nicht Zeit zu bleiben ſcheint. Der abgehende Urin iſt klar, waſſerhell, faſt ohne Geruch und Farbe; ſeine Menge iſt außerordentlich groß, ſo daß oft in einem einzigen Tage ſechs, acht und zwölf Eimer voll, und ſelbſt eine noch größere Quantität Urin entleert wird; der Stall erſcheint deshalb auch fortwährend naß von Urin. Neben dieſer übermäßig und ungewöhn⸗ lich häufigen und reichlichen Urinentleerung findet zugleich ein ungewöhnlicher Durſt des Pferdes ſtatt; derſelbe iſt faſt unlöſchbar. Das Pferd langt mit der größten Haſt nach dem dargereichten Getränk, und ſäuft drei bis vier Mal ſo viel als in geſnnden Tagen. Die hervorragendſten Kennzeichen der Harnruhr beſtehen daher in einem außerordentlich vermehrten Durſte, und in einer ungewöhnlich häufigen Urinent⸗ leerung. Außerdem erſcheint das Pferd meiſtens gar nicht oder doch nicht auffallend krank zu ſein. Der Appetit bleibt oft während der ganzen Dauer der Krankheit wie im geſunden Zuſtande; manchmal jedoch frißt das mit der Harnruhr behaftete Pferd weniger gut als ſonſt, obſchon das Futter nie ganz verſchmäht wird, und der Appetit ſich ſomit niemals gänzlich verliert. Der abgehende Miſt erfolgt ſeltener, und er iſt härter und kleiner geballt als ſonſt. Das Haar wird, bei längerer Dauer der Krankheit, glanzlos und ſtruppig; daſſelbe ſieht wie beſtäubt aus. Die Haut fühlt ſich trocken an. Nach und nach findet ſich eine größere oder geringere Abmagerung ein, obgleich ſelten in beträchtlichem Grade. Demungeachtet verliert das Thier wenig oder gar nichts von ſeiner Munterkeit, und, obgleich weniger kräftig als ſonſt, bleibt es doch während der ganzen Dauer der Krankheit zu den ge⸗ wöhnlichen Arbeiten brauchbar. Zeichen eines vor⸗ handenen Fiebers, oder eines ſonſtigen allgemeinen Leidens, ſind nicht zu bemerken. Die Dauer der Harnruhr iſt in den verſchiedenen Fällen verſchieden, und ſomit nicht immer gleich; oft hält ſie nur einige Wochen an, oft währt ſie aber auch mehrere Monate. Dieſe Verſchiedenheit in der Dauer iſt von der Fütterungsweiſe, von der Art des Kurver⸗ fahrens und von manchen bekannten und unbekannten Nebenumſtänden abhängig. Gefahr iſt mit der Krank⸗ heit faſt nie verbunden. Einige Thierärzte behaupten zwar das Gegentheil, und meinen, die Krankheit könne ſehr leicht tödtlich werden. Dieſe Meinung beruht aber auf einem Irrthum, der offenbar nur aus dem Mangel an eigener Beobachtung und praktiſcher Er⸗ fahrung entſtanden ſein kann. Seit einer langen Reihe von Jahren habe ich die Harnruhr zu beobachten Ge⸗ legenheit gehabt, und zwar bei mehr als hundert Pferden. Nie ſtellten ſich jedoch, ſelbſt bei der längſten Dauer der Krankheit, irgend bedenkliche Zeichen ein, geſchweige daß ſie jemals tödtlich geworden wäre. Oft, ja in der Mehrzahl der Fälle, verſchwand die Krankheit von ſelbſt, und ohne daß irgend etwas zu ihrer Heilung vorgenommen worden wäre. So ſah ich z. B. einmal in einem Stalle zwölf Pferde zugleich an der Harnruhr leiden, in einem andern Stalle litten gleich⸗ zeitig ſieben Pferde. Alle genaſen ohne Kunſthülfe, und ſelbſt ohne den Gebrauch von Hausmitteln. Wie dem nun auch ſei, ſo iſt die Harnruhr doch ſtets eine Krankheit, deren möglichſt ſchnelle Beſeiti⸗ gung wünſchenswerth erſcheint, weil die erfolgende Abmagerung den Dienſtgebrauch des Pferdes einſchränkt, und auch wohl ganz verhindert, und weil, was ich nicht gerade durchaus beſtreiten will, eine gänzliche Nichtachtung der Krankheit und ein ſchonungsloſer Dienſtgebrauch des Pferdes am Ende doch wohl ſchlimme Folgen haben könnten. Die Urſachen der Harnruhr ſind in den allermeiſten Fällen ſehr augenfällig und deshalb bekannt; faſt 2. Harnruhr des Pferdes. 11 ausſchließlich nämlich entſteht die Krankheit durch den Genuß verdorbenen Futters, beſonders nach verdor⸗ benem Hafer. Kürzere oder längere Zeit anhaltendes Verfüttern eines dumpfigen, mulſtrigen, ſchimmligen oder auf irgend eine Weiſe verdorbenen Hafers, hat die Harnruhr überaus oft zur Folge gehabt. Ganz beſonders iſt es erfahrungsmäßig der in Schiffen ver⸗ führte, alſo der ſogenannte Schiffshafer, welcher in dieſer Hinſicht ſo nachtheilig wirkt. Auch der in den Wirthshäuſern verabreichte, meiſtens ſehr ſchlechte Hafer gehört hierher, woher es denn auch kommt, daß die Pferde der Reiſenden, der Fuhrleute und Aller, welche viel auf Landſtraßen fahren, vorzugsweiſe oft von der Harnruhr befallen werden. Während die Krankheit in den Ställen wohlhabender Leute, in Mar⸗ ſtällen ꝛc. nur ſelten ſich zeigt, erſcheint ſie dagegen häufig unter Pferden wenig bemittelter, armer Leute; leicht erklärlich aus dem Grunde, daß Letztere vorzugs⸗ weiſe auf einen billigen Preis des Hafers ſehen, wobei ſie natürlich auf eine gute Qualität deſſelben mehr oder weniger Verzicht leiſten müſſen. Die Verderbniß des Hafers braucht nicht ſehr beträchtlich zu ſein, um dennoch die Harnruhr erzeugen zu können; oft fand ich dergleichen Hafer von Anſehen geſund und tadelfrei, aber es machte ſich ein dumpfiger Geruch an demſelben bemerkbar. Außer durch ſchlechten Hafer, ſcheint die Harnruhr auch durch andere verdorbene Körner, ſo wie durch verdorbenes, ſchimmliges Heu und dergleichen anderes Rauchfutter entſtehen zu können, obſchon die diesfälligen Beobachtungen weniger auffallend ſind, als in Betreff des ſchlechten Hafers. Auch der Genuß ſehr kalten, oder des mit vielen erdigen Beſtandtheilen verſehenen, alſo des Quell⸗ und ſogenannten harten Waſſers, ſo wie endlich Erkältungen und anhaltende Einwirkung von Näſſe und Regen ſollen die Krankheit erzeugen können, eine Annahme, deren Richtigkeit noch nicht ſo ganz ausgemacht iſt. Bei Füllen und Weidepferden kommt die Harnruhr faſt niemals vor. In der Regel erſcheint ſie im Sommer, und am häu⸗ figſten in den Monaten Juni und Auguſt. Viielleicht liegt dieſe Thatſache in dem Umſtande, daß der vor⸗ jährige Hafer bis zu dieſer Zeit ſchon ein beträchtliches Alter erreicht hat, und ſomit um ſo eher verdorben ſein kann. Worin das eigentliche Weſen oder die Natur der Harnruhr beſtehe, iſt bisher noch keineswegs genügend dargethan; einige mehr oder weniger ſcharfſinnige und viele abſurde Theorien ſind darüber aufgeſtellt worden. An einer genügenden Erklärung fehlt es bis jetzt. Wahrſcheinlich hat das Uebel in den Nieren ſeinen Sitz, indem dieſe Organe ſich in einem Zuſtande von Reizung befinden, wobei ihre Abſonderung, alſo die des Urins, übermäßig vermehrt wird. Dumpfiger Hafer wirkt vielleicht als ein heftiges urintreibendes Mittel. Die Heilung der Harnruhr anlangend, ſo iſt bis jetzt kein Verfahren bekannt, durch welches es in jedem Falle gelänge, die Krankheit ſicher und ſchnell zu heben, denn ein und daſſelbe Mittel hat in Einem Falle zu⸗ weilen einen völlig erwünſchten und ſchnellen, in einem andern Falle kaum einen ſichtbaren Erfolg, ſo daß ſich die Dauer der Krankheit zuweilen, aller dagegen ge⸗ brauchten Mittel ungeachtet, dennoch beträchtlich in die Länge zieht. Dennoch iſt allemal ein ſolches Heil⸗ verfahren einzuſchlagen, welches Vernunft und die bisherigen Erfahrungen als das beſſere empfehlen. Sobald die Gegenwart der Harnruhr an einem Pferde erkannt wird, iſt es zunächſt Haupterforderniß, die Qualität des Futters zu unterſuchen. Findet es ſich, daß namentlich der Hafer ſchimmlig und von ſchlechter Farbe iſt, oder ſelbſt nur in ſehr geringem Grade dumpfig riecht, ſo muß derſelbe ſofort entweder durch anderen, völlig unverdorbenen Hafer, oder durch anderes geſundes, in reichlicher Menge zu gebendes Körnerfutter erſetzt werden. Selbſt wenn der bisher gegebene Hafer unverdorben erſcheinen ſollte, ſo iſt dennoch ein ſolcher Futterwechſel anzurathen, weil die Beſchaffenheit des früheren Hafers vielleicht ſchlecht ſein könnte, ohne daß es zu entdecken wäre. Das Gleiche gilt von dem übrigen Futter; es wird anderes Heu gereicht, oder ſtatt deſſen guter Strohhäckerling, Kleeheu, Grünfutter ꝛc. Auch das bisher gegebene Getränk wird, wo möglich, mit anderem, am beſten mit Flußwaſſer vertauſcht. In vielen Fällen reicht eine ſolche Aenderung in der Diät allein ſchon hin, um die Harnruhr in kurzer Zeit zur Heilung zu bringen. Als eigentliche Heilmittel ſind eine ſehr große An⸗ zahl in Vorſchlag gebracht worden; nur wenige jedoch ſcheinen einen bemerkbar guten Erfolg zu haben. Ein ſehr populäres und in der That nicht unwirkſames Mittel iſt der gewöhnliche Lehm, zumal der von röth⸗ licher Farbe, welcher ziemlich viele Eiſentheile enthält. Von dergleichen Lehm werden in jeden Eimer des dem Pferde zu gebenden Trinkwaſſers einige Hände voll . 2*† 12 3. Lungenſeuche zerrührt. Beſſer noch als Lehm, obgleich ein ſehr ähnliches Mittel, iſt der rothe Bolus, von welchem ſechs bis acht Loth für den Eimer voll Geſöff gegeben werden. Ein Mittel, durch welches es mir faſt jedesmal gelang, die Harnruhr in kurzer Zeit zu heilen, iſt der Eiſenvitriol oder auch der Alaun; von dem Vitriol oder dem Alaun gab ich ein bis zwei Loth auf den Eimer voll Saufwaſſer. Andere hierher gehörige Mittel ſind z. B. folgende. Es werden ein Loth Kampher, zwei Loth Schwefeleiſen, ſechs Loth Kal⸗ muswurzel und eben ſo viel Wachholderbeeren mit einigen Händen voll Mehl und der nöthigen Menge Waſſer zur Latwerge gemacht, von welcher dem Pferde täglich viermal, jedesmal wie ein Hühnerei groß gege⸗ ben wird. Oder man nimmt ein Loth Terpentinöl, Wachholderbeeren, Enzianwurzel und Wermuthkraut, von jedem vier Loth, macht dieſes mit Mehl und Waſſer zur Latwerge, und gibt davon wie oben ein. Kalte Umſchläge auf die Nierengegend, reizende Ein⸗ reibungen oder Eiterbänder daſelbſt, ein Fontanell unter dem Bauche ꝛc., welche wohl hier und da em⸗ pfohlen ſind, ſcheinen durchaus ohne Erfolg zu ſein. Sie ſind unbequem in der Anwendung, und ſchwächen den Kranken mehr oder weniger, und ohne Nutzen zu bringen. Während der Kur muß der Kranke mit einer Decke belegt, recht warm gehalten und, da ſeine Kräfte durch die Krankheit mehr oder minder erſchöpft werden, ſo viel es ſich thun läßt, geſchont werden. Der Kranke erhält, wie ſchon früher bemerkt, anderes, und zwar das vorzüglichſte Futter, und dieſes, um die geſunkenen Kräfte zu heben, in reichlicher Menge. Der Durſt darf nicht bis zur völligen Sättigung befriediget wer⸗ des Rindviehes. den, weil dadurch der übermäßigen Urinabſonderung Vorſchub geleiſtet werden würde; mehr als drei Eimer voll Waſſer, von nicht allzukalter Temperatur, und etwa mit Alaun oder Eiſenvitriol verſetzt, ſind für vierundzwanzig Stunden hinreichend; Flußwaſſer ver⸗ dient den Vorzug. Um den Kranken beſſer zu nähren, und um zugleich die in das Waſſer etwa geſchütteten Mittel für den Geſchmack etwas zu maskiren, wird mit Nutzen etwas Mehl, Schrot oder Kleie in das Saufwaſſer gerührt. Zu mäßiger Arbeit kann das Pferd gebraucht werden, vorausgeſetzt, daß das Thier nicht etwa durch eine ſehr lange Dauer der Krankheit bereits matt und ſehr mager geworden iſt. In letz⸗ terem Falle iſt eine gänzliche Diſpenſation von aller Arbeit nöthig. Bei eintretender Heilung kehrt der etwa bisher unvollſtändige Appetit in ſeiner vollen Stärke zurück, der übermäßige Durſt legt ſich mehr und mehr, auch der Urin erfolgt ſeltener; er wird dicker, zuweilen auch trübe; das Haar legt ſich wieder glatt an, und in kurzer Zeit ſind alle Zeichen der dageweſenen Krankheit wieder verſchwunden. Pferde, die ſchon früher an Harnruhr gelitten haben, werden leicht aufs Neue befallen, und leichter als andere, bei denen die Krank⸗ heit zum erſten Male erſcheint. Außer bei dem Pferde, kommt die Harnruhr auch bei anderen Hausthieren, namentlich bei Schafen vor. Da dergleichen Fälle indeſſen ſelten ſind, und da bei derartigen Vorkommenheiten die Zufälle und Kur we⸗ ſentlich wie bei dem Pferde ſich verhalten, ſo kann das Specielle darüber hier füglich mit Stillſchweigen übergangen werden. 3. Lungenſeuche des Unter allen Krankheiten, von denen das Rind be⸗ fallen werden kann, iſt, mit alleiniger Ausnahme der ſehr ſelten und faſt ausſchließlich nur zu Kriegszeiten erſcheinenden Rinderpeſt, die Lungenſeuche ohne Wider⸗ rede die verderblichſte, und dieſes um ſo mehr, als ſie meiſtens ſeuchenhaft erſcheint, und dann oft einen großen Theil, zuweilen ſogar faſt den ganzen Beſtand Rindviehes.(Tab. I.) einer Rinderheerde hinwegrafft. Es gibt daher auch wohl nur wenige Landwirthe, denen dieſe gefährliche Krankheit nicht mehr oder weniger, oder doch mindeſtens dem Namen nach, bekannt ſein wird. Die Lungen⸗ ſeuche kommt ſeit langen Zeiten, nicht nur in ganz Deutſchland, ſondern auch in faſt allen andern Ländern Europa's mehr oder weniger oft vor; überall iſt ſie 3. Lungenſeuche mehr oder weniger mörderiſch. Unter ſolchen Umſtän⸗ den ſollte man vermuthen, daß die Urſachen und die Natur dieſer Seuche bereits ſicher erforſcht, und daß ein Kurverfahren bekannt geworden wäre, durch welches die Ravagen derſelben zu verhindern, oder doch auf ein Geringes zu reduciren wären. Leider iſt dem aber nicht ſo, denn in Betreff dieſer Punkte hat die Thier⸗ heilkunde bisher nur geringe und nur zweideutige Fort⸗ ſchritte gemacht. Aus dieſem Grunde wird es denn auch um ſo wichtiger ſein, daß wenigſtens das Beſſere, welches bis jetzt über die Lungenſeuche bekannt gewor⸗ den iſt, hier mitgetheilt, und daß dieſelbe hier möglichſt genau erörtert werde. Wie bei den meiſten Seuchen, ſo iſt es auch bei der Lungenſeuche im Allgemeinen nicht leicht, dieſelbe gleich bei dem erſten Erkrankungsfalle in einer Heerde mit Sicherheit zu erkennen. Selbſt erfahrene Thier- ärzte haben ſich hierbei nicht ſelten ſchon geirrt. Oft gehört die Beobachtung mehrerer an verſchiedenen Individuen erfolgenden Erkrankungen dazu, um dar⸗ über im Klaren zu ſein, ob man die Lungenſeuche oder eine andere, ähnliche Krankheit vor ſich habe. Tritt indeſſen ein Sterbefall ein, ſo macht, wie ſpäter gezeigt werden wird, die Section des Cadavers aller Unge⸗ wißheit ein Ende, und ſelbſt der völlig Unkundige wird alsdann im Stande ſein, zu beurtheilen, ob die Lungenſeuche vorhanden war oder nicht. Zahlreiche eigene Beobachtungen und Erfahrungen über die Lungenſeuche ſetzen mich in den Stand, eine naturgetreue Beſchreibung derſelben zu geben. Zunächſt wollen wir hier die Kennzeichen derſelben ſo ſchildern, wie ſie bei dem einzelnen erkrankten Stücke ſich dar⸗ ſtellen, ohne Rückſicht auf den Gang, den ſie als Seuche in einer Heerde macht, wovon ſpäter die Rede ſein wird. Eine genaue Beobachtung des Krankheitsverlaufes, läßt zwei beſondere Epochen oder Abſchnitte deſſelben wahrnehmen, welche, wenn auch zuweilen nur wenig ſcharf, oder in einzelnen Fällen kaum wahrnehmbar von einander geſchieden, ſo doch wenigſtens in der Mehrzahl der Fälle markirt genug ſind, um ſie erkennen zu können. Die erſtere dieſer Epochen iſt gewöhnlich von nur geringen Krankheitszeichen begleitet, und von langwierigem, ſchleichendem Verlaufe, ſo daß der Un⸗ unterrichtete gewöhnlich nicht weiß, und ſelbſt nicht einmal ahnet, daß das Thier bereits mit einer, nur zu leicht tödtlich werdenden Krankheit behaftet iſt. Die des Rindviehes. 13 zweite Epoche dagegen iſt meiſt ſehr ſchnell in ihrem Gange, und von ſo ſchweren Zufällen begleitet, daß ſelbſt der Laie mindeſtens die Gegenwart einer ſehr heftigen Krankheit nicht verkennen kann. Erſte Epoche. Ein dann und wann hörbarer Huſten iſt das erſte bemerkbare Zeichen der beginnenden Lungenſeuche. Der Klang dieſes Huſtens iſt rauh, trocken, lauttönend, auch wohl hohl und dumpf. Obgleich derſelbe etwas, nicht gut zu beſchreibendes, Eigenthümliches hat, ſo würde es dennoch, und ſelbſt für den Geübten, ſehr ſchwer ſein, blos aus dem Klange des Huſtens ſchon jetzt die beginnende Lungen⸗ ſeuche mit Sicherheit zu beſtimmen, und dieſes um ſo weniger, als ein Huſten, z. B. beim Genuſſe von Rauchfutter ꝛc., eine nicht ungewöhnliche, obgleich häufig eine ſehr unbedeutende und zufällige Erſcheinung beim Rindviehe iſt. Der die Lungenſeuche begleitende Huſten wird vornehmlich des Morgens, bei dem Aus⸗ treiben aus dem Stalle, bei und nach der Bewegung des Thieres, und beſonders häufig beim Saufen beob⸗ achtet. Während der übrigen Zeit erfolgt der Huſten ſelten oder gar nicht. Außerdem iſt in dem erſten, oft auf mehrere Tage und ſelbſt auf einige Wochen ſich ausdehnenden Zeitraume nichts Krankhaftes zu bemer⸗ ken. Das Thier iſt munter, bei gutem Appetit, es wiederkäuet, gibt die gewöhnliche Milchportion ꝛc. Früher oder ſpäter, je nach der Beſchaffenheit des Kranken und zahlreicher bekannten oder unbekannten Umſtände, treten einige neue Symptome hinzu. Das Thier iſt weniger munter und kräftig als früher, daſſelbe bleibt auf der Weide etwas hinter der Heerde zurück, und läßt ſich bei der Arbeit mehr antreiben als früher. Das Haar verliert nach und nach ſeinen Glanz; es ſteht daſſelbe geſträubt, beſonders längs dem Rücken. Kühe verlieren etwas von ihrer Milch, auch iſt dieſelbe weniger fett als früher. Der Appetit iſt etwas gerin⸗ ger, doch findet das Wiederkäuen noch wie in geſunden Tagen ſtatt. Zuweilen erſcheint jetzt der Miſt von üblem, fauligem Geruche, von ſehr dunkler Farbe, auch findet ſich wohl hin und wieder ein Durchfall ein, welcher jedoch nicht anhaltend iſt. Der Huſten erfolgt öfterer; derſelbe iſt dröhnend, rauh und etwas heiſer, erſchütternd, weniger tönend als Anfangs, anſcheinend ſchmerzhaft, und das Thier huſtet mit ſehr gekrümmtem Rücken. Ein Druck auf letzteren macht ihn tief ein⸗ biegen. Bei ganz genauer Unterſuchung des Kranken finden wir jetzt das Athemholen etwas vermehrt und 14 3. Lungenſeuche des Rindviehes. auch angeſtrengt; die Naſenflügel ſind dabei in ſtär⸗ kerer Bewegung, als an geſunden Thieren. Dieſes Zeichen iſt ſehr wichtig, und fällt beſonders nach einer Bewegung des Thieres in die Augen. Auch der Puls iſt jetzt etwas vermehrt; es iſt ein geringes, ſchleichen⸗ des Fieber vorhanden, deſſen Wahrnehmung jedoch für den Laien ſehr ſchwierig ſein wird. Im Verlaufe einer weiteren Zeit, deren Dauer aber überaus unbeſtimmt iſt, ſo daß ſie ſich von zehn bis vierzehn Tagen bis auf mehrere, ſelbſt bis auf vier bis fünf Monate erſtrecken kann, nimmt die Krank⸗ heit an Heftigkeit zu; ſie wird auffallender. Das Athemholen erſcheint dann ſehr ſichtbar vermehrt, auch angeſtrengt, welches an der Bewegung der Rippen und Flanken erkannt werden kann; auch die Naſenlöcher werden mehr erweitert als ſonſt. Auch das Fieber ſteigt in der Regel etwas, ſo daß jetzt wohl fünfund⸗ funfzig bis ſechzig Pulſe in der Minute zu zählen ſind. Der noch öfterer als früher erfolgende Huſten iſt nicht mehr ſo kräftig, und das Thier huſtet mit ſehr krum⸗ mem Rücken und mit gerade geſtrecktem Halſe. Der Appetit wird geringer, obſchon er ſich nicht ganz ver⸗ liert; auch das Wiederkäuen erfolgt ſeltener und träge. Das Haar wird immer glanzloſer, die Haut fühlt ſich hart und trocken an; ſie iſt weniger geſchmeidig, und liegt feſter an, ſo daß ſich nicht leicht Falten in ihr bilden laſſen. Die Milch verliert ſich mehr und mehr, obſchon nicht ganz; bei einem auf dem Rücken ange⸗ brachten Druck biegt ſich der Kranke tief nieder, und ein ſtarker Druck an den Seiten der Bruſt, zumal hinter der Schulter, ſcheint Schmerzen zu erregen, denn das Thier ſtöhnt dabei, und ſucht dem Drucke auszuweichen. Der Miſt iſt ſehr dunkel, meiſt von üblem Geruche. Rindvieh, welches mit Branntweinſchlämpe gefüttert wird, geifert ſtark, und Maul und Naſe deſſelben ſind ſchmierig, und mit blaſigem Schaume bedeckt. Alle bisher genannten Zufälle entwickeln ſich lang⸗ ſam und ſchleichend; obwohl für den Geübten ziemlich leicht erkennbar, werden ſie dennoch oft genug von dem Laien überſehen, und das Thier iſt für ihn an⸗ ſcheinend geſund, oder doch nur unerheblich krank, bis die Krankheit in die zweite Epoche eintritt, wo ſie dann, mit heftigern Zufällen verbunden, nicht länger zu verkennen iſt. Die Urſachen, welche die kürzere oder längere Dauer dieſer erſten Epoche der Lungen⸗ ſeuche, und ihren früheren oder ſpäteren Eintritt in die zweite Epoche bedingen, ſind nur ſehr unvollſtändig bekannt. Im Allgemeinen verläuft die erſte Epoche bei Milchkühen, Kälbern, und überhaupt bei jungen, dann bei ſehr gut genährten Stücken, auch bei ſolchen, die ſtark arbeiten müſſen, die oft und anhaltendem Regen ausgeſetzt ſind, oder die gemäſtet werden, oder die früher ſchon einmal an der Lungenſeuche, oder an einer andern Lungenkrankheit gelitten haben, raſcher, als bei alten, ſehr mageren, in Ruhe und warm und trocken gehaltenen Rindern. Zweite Epoche. Die bis dahin meiſtens nicht ſehr auffallenden Zufälle werden faſt plötzlich ſehr heftig, deshalb ſehr ſichtbar, und in vierundzwanzig bis achtundvierzig Stunden erſcheint die ganze Krank⸗ heit in hohem Grade entwickelt, und ihre Gegenwart iſt alsdann nicht mehr zu verkennen. So wenigſtens iſt es die Regel, von der freilich nicht ſelten Ausnah⸗ men vorkommen. Zuweilen nämlich nimmt, wie ſchon früher erwähnt, die Krankheit ſtufenweiſe und gleichmäßig an Heftigkeit zu, bis zu ihrer äußerſten Höhe, ohne daß ihr Verlauf durch deutliche Merkmale in zwei Zeiträume oder Epochen geſchieden wäre. Beide Epochen fließen dann unmerklich in einander über, oder beſſer geſagt, es ſind gar keine bemerkbar verſchie⸗ dene Epochen vorhanden. Der Kranke tritt nach dem Eintritte der zweiten Epoche von der Krippe zurück, und läßt alle Zufälle einer heftigen Lungenentzündung und des damit ver⸗ bundenen Fiebers an ſich wahrnehmen. Es ſtellen ſich Froſtſchauder ein, bei denen das Thier an Hörnern, Ohren, Beinen und am Maule kalt anzufühlen iſt; dieſe Froſtſchauder wechſeln nach kurzer Zeit mit einer ſehr beträchtlichen Hitze, die an allen äußern Theilen des Körpers, auch im Maule ꝛc. wahrzunehmen iſt. Zuweilen kehren dieſe Froſtſchauder einige Male zurück, oder die Temperatur iſt ungleich vertheilt, ſo, daß z. B. das eine Horn kalt und das andere warm iſt. Manchmal werden dieſe Froſtanfälle ganz überſehen, weil ſie entweder von ſehr kurzer Dauer, oder weil ſie nur ſehr gering waren. Allemal aber ſtellt ſich bald eine dauernd vermehrte Wärme ein; Hörner, Ohren, Naſe und Maul, Beine, und die ganze Oberfläche des Körpers, fühlen ſich ſehr vermehrt warm an. Die Augen erſcheinen hervorſtehend, geröthet, glänzend, oder mit dünner Thränenfeuchtigkeit bedeckt; das Flotz⸗ maul oder der Spiegel iſt trocken, glänzend und ſehr warmz die Zunge iſt trocken oder nur wenig feucht, 3. Lungenſeuche des Rindviehes. 15 das Innere des Maules erſcheint ſehr vermehrt warm und röther wie gewöhnlich. Wichtiger und charakteriſtiſcher für die Lungen⸗ ſeuche ſind jetzt die Störungen, welche wir im Athmen wahrnehmen; daſſelbe geſchieht ſehr angeſtrengt und vermehrt. Flanken und Rippen werden ſtark bewegt; das Thier athmet wohl gegen dreißig bis vierzig Mal, und ſelbſt noch öfterer, in einer Minute; die Naſen— flügel werden dabei ſtark und ſehr auffallend bewegt, und die Naſenlöcher öffnen ſich dabei weiter als ſonſt. Die Schleimhaut der Naſenhöhlen erſcheint ſtark gerö⸗ thet, und es fließt aus ihnen tropfenweiſe ein klares Waſſer. Die ausgeathmete Luft iſt ungleich wärmer als im geſunden Zuſtande. Allemal iſt jetzt ein be— trächtliches Fieber vorhanden; wir zählen ſiebzig, achtzig, ja hundert Pulſe und mehr in der Minute; der Herz⸗ ſchlag iſt eben ſo oft, beſonders an der linken Seite der Bruſt zu fühlen; zuweilen iſt er aber auch un— fühlbar. Der Appetit iſt gänzlich verſchwunden. Der Kranke beriecht das ihm vorgelegte Futter vielleicht, aber er läßt daſſelbe unangerührt, oder er nimmt ein Maul voll, kauet langſam und hört dann mit Freſſen auf. Das Wiederkäuen findet nicht mehr ſtatt; dagegen erſcheint aber der Durſt ſehr vermehrt. Der Kranke ſäuft, obſchon mit Haſt, mit großer Anſtrengung, in kleinen Zügen und abſatzweiſe. Auf der Weide trennt ſich das Thier von der Heerde, es bleibt hinter derſel— ben zurück, und ſucht, um ſeinen großen Durſt zu be⸗ friedigen, gewöhnlich einen Graben oder irgend einen andern Ort auf, an dem es Waſſer vermuthet. Der Miſt wird jetzt nur ſelten abgeſetzt; derſelbe iſt ſehr dunkel, tief gefurcht, hart, und, auf den Boden fallend, bildet er nicht mehr die gewöhnliche Fladenform; ſelten iſt der Miſt jetzt natürlich, und noch ſeltener ſehr dünn. Das Thier ſteht traurig und in abgeſchlagener Stellung da; ſein Gang iſt matt und ſchleppend. In einzelnen Fällen iſt auch wohl in den erſten beiden Tagen der zweiten Epoche eine gewiſſe Aufgeregtheit und ein wil⸗ des, unruhiges, mit großer Energie in den Bewegun⸗ gen verbundenes Benehmen des Kranken wahrzunehmen; dieſes macht jedoch ſehr bald einer allgemeinen Abge⸗ ſpanntheit Platz. Der Kopf wird gerade ausgeſtreckt und ziemlich erhoben gehalten; die Ellbogen ſtehen von der Bruſt entfernt, das Thier bewegt ſich nur ungern und gezwungen, und nimmt an dem, was um⸗ her vorgeht, nur geringen Antheil. Der Huſten erfolgt jetzt ſeltener als früher; verſelbe iſt unterdrückt, matt und klanglos, feucht, dumpf und offenbar mit Schmerzen verbunden. Ein Druck auf verſchiedene Stellen des Bruſtkaſtens macht das Thier ausweichen, und das Athemholen ſtöhnend; es werden dadurch Schmerzen hervorgebracht. Die Milch verſchwindet plötzlich gänzlich, oder es wird, aber auch nur noch für die erſten Tage, blos eine ſehr geringe Portion ab⸗ geſondert. Dieſer unerwartete Milchverluſt, ſo wie das Verſagen des Futters, ſind für den Laien nicht nur die auffallendſten, ſondern auch jene Zeichen, durch deren Eintritt er manchmal zuerſt auf die Gegenwart der Lungenſeuche aufmerkſam gemacht wird. In der Regel wird jetzt erſt Hülfe geſucht, oder es wird doch mindeſtens erkannt, daß das Thier an einer bedeutenden Krankheit leiden müſſe. Tragende Kühe verwerfen jetzt oder ſpäter nicht ſelten. Zur ſicherern Erkenntniß der Lungenſeuche ſowohl, als auch zur genaueren Beſtimmung, an welchem ſpe⸗ ciellen Orte der Bruſt die Entzündung der Bruſtorgane ihren Sitz habe, und von welcher Ausdehnung dieſelbe ſei, hat man ſich in neuerer Zeit der, aus der Men⸗ ſchenheilkunde auf die Thierheilkunde übertragenen, ſogenannten Perkuſſion und der Auskultation bedient und zwar mit großem Glücke, zumal wenn ein gewiſſer Grad von Uebung in der Applikation dieſer Erfor⸗ ſchungsmittel erlangt worden iſt. Klopft man mit der flachen Hand, oder beſſer noch mit der geballten Fauſt, ziemlich ſtark auf den Bruſt⸗ kaſten, zumal dort, wo die Rippen am gewölbteſten erſcheinen und mit nur wenig Fleiſch, oft nur von der bloßen Haut bedeckt ſind, ſo vernimmt man bei ge⸗ ſunden Thieren einen hohlen, lauten Ton, der dem ähnlich iſt, als wenn man auf eine leere Tonne klopft. Dieſer Ton iſt auch bei geſundem Rindviehe von ver⸗ ſchiedener Stärke, je nach den Stellen, an welche an die Bruſt angeklopft wird; hinter dem Ellbogen z. B. iſt der Ton nur matt und wenig klangvoll. Bei der Lungenſeuche nun iſt allemal ein größerer oder gerin⸗ gerer Theil der Lungen vergrößert, ausgedehnt, ver⸗ härtet und mit dem Bruſtkaſten verwachſen. Klopft man von außen auf den, der Lage der kranken Lungen⸗ ſtelle entſprechenden Theil des Bruſtkaſtens, ſo iſt der Ton, der darnach entſteht, ſchwach, klanglos, ohne Sonorität und verändert. Eine Vergleichung mit dem Tone, der nach dem Anklopfen derſelben Bruſtſtellen an der andern Seite des Kranken, oder auch bei einem 16 3. Lungenſeuche des Rindviehes. geſunden Stücke zu hören iſt, wird den Unterſchied leicht bemerklich machen, und ſomit Aufſchluß darüber geben, welche Bruſtſeite und welche der beiden Lungen die leidende iſt. Sind beide Lungen faſt gleich ſtark erkrankt, ſo muß der Vergleich mit einem geſunden Stücke angeſtellt werden, im Fall nicht eine bereits erlangte Uebung dieſes überflüßig macht. Je ſchwächer der Ton bei der Perkuſſion iſt, und je größer die Stelle iſt, welche keinen wiederhallenden Ton gibt, deſto weiter iſt auch bereits die Entartung der Bruſteinge⸗ weide oder der Lungen vorgeſchritten. Das andere, zwar etwas ſchwierigere, aber noch beſſere Mittel, den Sitz und den Grad der Lungenent⸗ artung, und ſomit die Lungenſeuche ſelbſt zu beſtim— men, ſtellt die ſogenannte Auskultation(Aushorchung) dar. Legt man nämlich das Ohr an den Bruſtkaſten eines geſunden Thieres dicht auf die Haut an, ſo ver— nimmt man ein eigenthümliches, ziemlich ſtarkes Geräuſch, welches vom Ein- und Austritte der Luft in die Lungenzellen herrührt. Dieſes Geräuſch iſt nicht an allen Stellen gleich ſtark zu vernehmenz am ſtärkſten dort, wo auch die Perkuſſion am deutlichſten gehört wird, und weniger dort, wo der Bruſtkaſten mit Fleiſch ꝛc. ſtark bedeckt iſt. Die Art dieſes eigen⸗ thümlichen Geräuſches iſt nicht wohl zu beſchreiben; daſſelbe klingt etwa ſo, als ob wollenes Zeug oder Papier an einander gerieben würde. Sind nun die Lungen allgemein, oder auch nur an irgend einer Stelle verhärtet und verdichtet, ſo kann natürlich auch nicht mehr, wie früher, Luft in die Luftzellen eindringen. Das erwähnte, ſogenannte Reſpirationsgeräuſch iſt mithin verſchwunden; gänzlich oder nur zum Theil, je nach dem Grade der Lungenentartung. Wollen wir nun erforſchen, ob und an welcher Stelle die Lungen verhärtet und von der Lungenſeuche ergriffen ſind, ſo legen wir das Ohr an verſchiedene Stellen des Bruſt⸗ kaſtens einige Zeit feſt an. Findet in dem Geräuſche an den gleichnamigen Stellen beider Bruſtſeiten ein Unterſchied ſtatt, oder iſt gar eine Stelle vorhanden, an der nichts gehört wird, während dieſelbe Stelle der anderen Seite das Reſpirationsgeräuſch deutlich ver⸗ nehmen läßt, ſo iſt kein Zweifel mehr vorhanden, daß an der erſteren Stelle die Lungen krank ſind. Es gehört einige Uebung an geſunden und kranken Stücken dazu, um von der Auskultation große Vortheile zu ziehen. Iſt die Lungenſeuche in die zweite Epoche mit den früher beſchriebenen Zufällen eingetreten, ſo ſchreitet ſie raſch vorwärts, und erreicht in kurzer Zeit, meiſt in ſechs, acht bis zehn Tagen, ihre Höhe. Das Thier magert immer mehr ab, und erſcheint, beſonders in den Dünnungen, ſehr eingefallen; das Haar iſt überaus ſtruppig und ohne den geringſten Glanz; die Haut iſt dürr, trocken, hart und an ihre Unterlage wie ange⸗ wachſen; die Gefühlloſigkeit wird immer größer; der im hohen Grade abgemagerte Kranke ſteht da, mit halbgeſchloſſenen, tief eingefallenen, von dickem, grü⸗ nem Schleime triefenden Augen, mit gerade geſtrecktem Halſe und mit nach vorn geſtreckter Naſe. Aus den Naſenlöchern fließt jetzt ein weißlicher, zäher, dicker und klumpriger Schleim, der von dem Thiere nicht mehr, wie Anfangs, abgeleckt wird. Fliegen wehrt der Kranke nicht mehr abz Schwanz und Ohren wer⸗ den nicht mehr bewegt oder geſchüttelt; das Ergreifen, wenn er im Freien ſich befindet, ſo wie das Berühren etwa vorhandener Eiterbänder ꝛc. duldet derſelbe ganz ruhig. Der Puls iſt klein, ſehr ſchnell und kaum mehr zu fühlen; der Huſten iſt ganz verſchwunden, oder doch ungemein ſchwach, unterdrückt und kaum zu hören. Das Thier knirrſcht häufig mit den Zähnen. Das Athemholen geſchieht ſehr oft, doch nur in kurzen, kleinen Zügen, ſtöhnend, und beim Ausathmen wird der ganze Rumpf erſchüttert und mehr oder weniger hin und her bewegt. Appetit, Wiederkäuen und Milchſekretion ſind gänzlich verſchwunden; auch der frühere heftige Durſt verliert ſich; es finden ſich Poltern im Leibe, Durchfall, zuweilen auch eine trommelartige Auftreibung des Bauches ein. Das Athemholen wird nach und nach immer noch beſchwerlicher, ächzend, ſtöhnend und röchelnd, oft mit offenem Maule; der Kranke iſt äußerſt matt und erſchöpft; er liegt viel, ſtreckt dabei den Hals gerade aus, das Kinn auf den Boden ſtützend, und das Maul offen haltend; derſelbe kann nicht mehr allein aufſtehen, Athem und die Um⸗ fläche des Körpers werden kühl, und das Leben erliſcht ruhig und ohne Zuckungen, in faſt allen Fällen durch Erſtickung. Die Dauer dieſer zweiten Epoche iſt verſchieden; ſie hält meiſtens von zehn bis zu funfzehn Tagen an; ſelten erfolgt der Tod vor dem fünften bis ſechſten, und eben ſo ſelten nach dem vierundzwanzigſten bis dreißigſten Tage. Beide Epochen der Lungenſeuche zuſammen können ſich auf die Dauer von mehreren 3. Lungenſeuche des Rindviehes. Wochen, bis zu mehreren, ſelbſt bis zu ſechs Monaten erſtrecken. Die Ausgänge der Lungenſeuche ſind verſchieden. In manchen Fällen kommt dieſelbe nicht zur vollſtän⸗ digen Ausbildung, und ſie erreicht nicht die zweite Epoche. Das kranke Stück huſtet einige Zeit hindurch, ohne ſonſtige Krankheitszeichen an den Tag zu legen, und der Huſten verſchwindet früher oder ſpäter, ohne daß davon Notiz genommen worden wäre. Andere Male erkrankt das Thier ſtärker; daſſelbe huſtet häu⸗ figer, läßt etwas vom Freſſen ab, verliert etwas von der Milch, magert im geringen Grade ab, bekommt etwas ſtruppiges Haar ac. Hier wird dann freilich meiſtens wohl ein Uebelbefinden an dem Thiere be— merkt, aber daſſelbe wird gewöhnlich für zufällig und unerheblich gehalten, zumal wenn das Thier, wie das zuweilen vorkommt, von ſelbſt wieder geneſet. In den bei weitem häufigſten Fällen jedoch, zumal bei fehlender oder unpaſſender Behandlung, ſchreitet die Krankheit vor, und geht in die zweite Epoche über, wo dann der tödtliche Ausgang der gewöhnlichſte iſt. In den erſten zwei bis drei, auch wohl in den erſten vier bis fünf Tagen dieſer zweiten Periode, erfolgen noch zuweilen Geneſungen des Kranken, das heißt unter rationeller Behandlung. Ein mehr oder weniger, obgleich häufig ganz gefahrloſer Huſten bleibt dann aber in der Regel zeitlebens zurück. Erfolgt die Heilung der Krankheit, ſo wird ein reichlicher Miſt abgeſetzt, das Haar wird wieder glatter, die Haut wird weicher, Kopf und Ohren werden höher und munterer gehalten, das Thier beleckt wieder die Naſenlöcher, daſſelbe legt ſich anhaltend nieder, der Appetit, ſpäter auch das Wiederkäuen, ſtellen ſich nach und nach wieder ein, es findet ſich mehr Milch, das Athmen wird freier und, wie der Puls, langſamer, das Maul wird feucht, der Huſten wird tönender, und nach und nach erſcheint das Thier, einen mehr oder weniger häufigen Huſten ausgenommen, wieder geſund. Tödtlich wird die Lungenſeuche dagegen faſt jedes— mal, wenn, nach vier⸗ bis ſechstägiger Dauer der zwei⸗ ten Epoche, Fieber und Athmen noch immer ſehr heftig ſind, wenn der Puls weich und kaum fühlbar iſt, wenn die Haare ſtruppig und wie beſtäubt bleiben, und wenn die Abmagerung ſehr groß wird; wenn ferner die Augen tief in die Höhlen zurückgezogen, und im innern Winkel mit dickem Schleime erfüllt ſind; wenn aus den Naſenlöchern ein dicker, klumpiger 17 Schleim fließt, welcher(dieſes Zeichen iſt ſehr wichtig) nicht mehr abgeleckt wird; wenn der Huſten ſchwach und kaum hörbar iſt, wenn das Athemholen ſtöhnend, röchelnd und laut hörbar wird, und mit offenem Maule erfolgt; wenn endlich die Gefühlloſigkeit des Kranken ſehr groß wird, wenn er ſich legt, und gar nicht oder doch kaum wieder aufſtehen kann. Im Allgemeinen iſt die Lungenſeuche, wie ſchon am Eingange dieſer Abhandlung angedeutet wurde, eine ſehr gefährliche und mörderiſche Krankheit. Mil⸗ lionen Stücke Rindvieh ſind ſchon durch ſie hingerafft worden, und noch alljährlich fordert dieſelbe an dieſem oder jenem Orte beträchtliche Opfer, zumal deshalb, weil ſie theils in ſehr vielen Fällen erſt ſpät erkannt wird, theils weil ſie ſich gewöhnlich ſeuchenhaft unter einer Heerde verbreitet, ſo daß ſie oft nur wenige Stücke derſelben ganz verſchont. In der Regel werden Anfangs nur ein einziges, oder doch nur einige wenige Stücke von der Lungenſeuche ergriffen; ſie verbreitet ſich zögernd und nur langſam unter einer größern Heerde; ſelten erfolgen die Erkrankungsfälle kurz nach— einander, oder viele Erkrankungen gleichzeitig und auf einmal. Im Herbſte und in den Wintermonaten wird die Lungenſeuche öfterer beobachtet, als zu anderen Zeiten. Es iſt ſchon früher angeführt worden, daß die Lungenſeuche, ſo heftig und auffallend ihre Erſchei⸗ nungen auch ſein mögen, dennoch von dem Ungeübten manchmal nicht erkannt und ſelbſt ſchon von Sachken⸗ nern nicht richtig beurtheilt wurde. Dieſes kann aber nur der Fall ſein, ſo lange das befallene Rind noch lebt. Erfolgt indeſſen ein Todesfall, ſo iſt die Er⸗ kenntniß, auch für den völlig Ununterrichteten, leicht und unfehlbar, und zwar durch die Reſultate, welche die Leichenöffnung darbietet. Die erſte Leichenöffnung macht daher für Sachkenner ſowohl, wie für Laien, jedem Zweifel ein Ende, und läßt eine poſitiv ſichere Beurtheilung darüber zu, ob die Lungenſeuche zugegen iſt, oder eine andere Krankheit. Niemals darf daher die Section des erſten, oder auch mehrerer der zuerſt krepirten Stücke verabſäumt werden. Selbſt in jenen Fällen, wo noch kein Todesfall durch die Lungenſeuche vorgekommen, und nur ein dringender Verdacht ihrer Anweſenheit in einer Heerde vorhanden iſt, iſt es zur Aufklärung der Sache paſſend, das am meiſten krank ſcheinende Stück zu ſchlachten, denn es finden ſich, wenn die Lungenſeuche vorhanden iſt, auch dann ſchon die unverkennbaren Zeichen der Seuche in dem Kadaver, 3 18 3. Lungenſeuche des Rindviehes. wenn auch nicht in dem hohen Grade, doch auf die⸗ ſelbe Weiſe vor, als wie bei einem an der Lungenſeuche krepirten Thiere. Dieſes Schlachten iſt mit einem um ſo geringeren Opfer verbunden, als das Fleiſch eines ſolchen geſchlachteten Rindes ohne allen Nachtheil, und völlig unſchädlich für den Menſchen, genoſſen werden kann. Die weſentlichſten, ja faſt ausſchließlichſten Krank⸗ heitsprodukte der Lungenſeuche finden wir bei der Section des Kadavers in der Bruſthöhle; alle andern Veränderungen ſind zufällig und unweſentlich. Wird die Bruſthöhle eines an der Lungenſeuche krepirten Rindes geöffnet, ſo finden wir in derſelben oft eine große Menge Waſſer, welches die Lungen umgibt. Das Waſſer iſt gelblich, von nur ſchwachem Geruche, klar, oder trübe und milchig, und oft ſchwim— men in demſelben größere oder kleinere Flocken einer gelblich⸗weißen Subſtanz, von dem Anſehen wie ge⸗ kochtes Eiweiß, oder wie Käſe oder Pudding. Dieſes gelbliche Weſen iſt ſogenannter Faſerſtoff. Zuweilen iſt dieſes Waſſer in großer Menge vorhanden, und kann einen Eimer voll und mehr betragen; häufiger jedoch findet es ſich in weit geringerer Menge, z. B. nur ein oder mehrere Quart; aber es kann daſſelbe auch gänzlich fehlen. Das nächſte Krankhafte, was in die Augen fällt, iſt eine größere oder geringere Menge einer gelblichen, ziemlich lockeren, wie Pudding ausſehenden Subſtanz, welche ſich außerhalb der Lun⸗ gen und auf deren Oberfläche, auf der inneren Fläche der Rippen, oder überhaupt zwiſchen den Lungen und dem Bruſtkaſten befindet. Dieſes iſt Faſerſtoff, und iſt oft in großer Menge, bis zu mehreren Pfunden, vorhanden, und zuweilen wird ein großer Theil der Bruſthöhle durch ihn ausgefüllt; durch ihn ſind ſehr häufig eine oder beide Lungen mit dem Bruſtkaſten oder dem Zwerchfelle verwachſen, auch erfolgt dadurch zuweilen eine Verwachſung der Lungen mit dem Herz⸗ beutel, oder auch beider Lungen untereinander. Dieſer Faſerſtoff iſt gewöhnlich ohne auffallenden Geruch; er enthält in ſeiner Maſſe größere oder kleinere Höhlen, welche Waſſer einſchließen, welches beim Drücken herausquillt. In ſeltenen Fällen werden Waſſer und Faſerſtoff in der Bruſthöhle gänzlich vermißt, und die krankhafte Veränderung beſchränkt ſich dann auf die Lungen allein. Werden die Lungen aus der Bruſt herausgenom⸗ men, was indeß, da ſie in der Regel angewachſen ſind, oft nur mittelſt des Meſſers geſchehen kann, ſo fällt zunächſt die außerordentliche Größe und Schwere derſelben auf. Während nämlich die geſunde Lungen⸗ hälfte in der Regel nur drei bis fünf Pfund wiegt, hat eine durch die Lungenſeuche krankhaft veränderte Lungenhälfte ein bei weitem größeres Gewicht; ich fand eine ſolche einmal ſiebenundvierzig Pfund wiegen, ja man fand ſie einmal ſogar von ſechzig Pfund Ge⸗ wicht. Auch die Größe der kranken Lunge iſt vermehrt, und beträgt nicht ſelten das Doppelte einer geſunden Lunge, und ſelbſt noch mehr. Ihre Oberfläche iſt gewöhnlich mit einer dickeren oder dünneren Lage des mehrerwähnten, gelblichen Faſerſtoffes bedeckt. (Fig. 2. a.) Wird dieſe Faſerſtofflage entfernt, ſo wird die Lungenhaut, welche die Oberfläche der Lun⸗ gen überzieht, ſichtbar; auch ſie iſt in der Regel ver⸗ dickt; ſie erſcheint von der Dicke eines Meſſerrückens, oder auch wohl noch dicker.(Fig. 2. bb.) Die kranke Lunge erſcheint ſchwer, hart und dicht; ſie ſinkt im Waſſer zu Boden, welches bei geſunden Lungen nicht der Fall iſt, denn dieſe ſchwimmen auf dem Waſſer. Die Lunge iſt, obſchon dichter und feſter als im geſun⸗ den Zuſtande, doch leichter zu zerreißen als ſonſt; ſie iſt bröcklich, und hat weniger Zähigkeit, ſo daß ſie in Stücken zerbrochen werden kann. Sie iſt nicht mehr elaſtiſch, wie ſonſt, und beim Einſchneiden mit dem Meſſer leiſtet ſie bedeutenden Widerſtand. Ihre Derb⸗ heit gleicht ſo ziemlich der der Leber. Auf der Schnitt⸗ fläche erſcheint die Lunge ganz eigenthümlich entartet, und dieſes iſt das vorzüglichſte und weſentlichſte Merk⸗ mal der dageweſenen Lungenſeuche. Die Durchſchnitts⸗ fläche zeigt nämlich eine rothe, bräunliche oder eine ähnliche gefärbte Maſſe(Fig. 2. ccc.), welche in den verſchiedenſten Richtungen durch gelblich⸗weiße, mehrere Linien breite Streifen(Fig. 2. ddd.) durchzogen wird, wodurch das Ganze ein netzartiges, marmorirtes An⸗ ſehen erhält. Dieſes marmorirte Anſehen der durch⸗ ſchnittenen Lunge iſt der Lungenſeuche ganz eigenthüm⸗ lich, und nur allein dieſer Krankheit angehörig. Das dunkelrothe ꝛc. Gewebe beſteht aus verdichteter und feſtgewordener Lungenmaſſe, und die gelblichen Adern, welche ſie durchziehen, beſtehen aus Faſerſtoff, ganz dem gleich, welcher auch die Oberfläche der Lungen bedeckt. Die entartete Lunge fällt beim Einſchneiden nicht zuſammen, wie geſunde Lungen, auch kniſttert ſie nicht beim Drücken zwiſchen den Fingern, wie dieſe. Uebrigens iſt die kranke Lunge meiſt ohne üblen 3. Lungenſeuche des Rindviehes. 19 Geruch, und ſomit iſt eigentliche Fäulniß, wie oft behauptet iſt, nicht zugegen. Eine ſolche Entartung der Lungen, wie ſie beſchrie⸗ ben wurde, erklärt die meiſten Erſcheinungen, welche wir während der Krankheit des Thieres beobachteten, auf eine genügende Weiſe, und auch die Betrachtung des anatomiſchen Baues der geſunden Rindslungen klärt die eigenthümliche Entartung derſelben vollkom⸗ men auf. Die geſunde Rindslunge(Fig. 1.) ſtellt ein blaß⸗ rothes, ſchwammiges, elaſtiſches, verhältnißmäßig leichtes Organ dar, welches aus Zellgewebe, Blut⸗ gefäßen, Luftzellen ꝛc. zuſammengeſetzt iſt. Ihr Bau iſt ſo locker und ſchwammig, daß ſie deshalb fähig iſt, eine große Menge Luft, wie es beim Athmen geſchieht, aufzunehmen. Iſt nun, wie es bei der Lungenſeuche der Fall iſt, der ſchwammige Bau der Lungen verloren gegangen, iſt ſie hart und verdichtet, und ſind die Luftzellen ſomit von Blut und Faſerſtoff erfüllt, ſo kann die Lunge alsdann natürlich keine Luft mehr aufnehmen. Es entſteht dann ein Luftmangel, der von der Stärke und dem Umfange der Entartung der Lungen abhängig iſt, daher die Athmungsbeſchwerden bei der Lungenſeuche und, bei großer Entartung der Lungen, der Tod durch Erſtickung. Durch die Veränderung, welche bei der Lungen⸗ ſeuche in der Bruſt des Kranken ſtattfindet, erklären ſich auch die Reſultate, welche die Auskultation und Perkuſſion wahrnehmen laſſen. Wenn die Luft beim Athemholen in die geſunden, lockeren und ſchwammi⸗ gen Lungen ein- und austritt, ſo vernehmen wir, wie früher geſagt wurde, beim Anlegen des Ohres an ver⸗ ſchiedene Stellen des Bruſtkaſtens, ein rauſchendes, ſehr hörbares Geräuſch, welches das Reſpirationsge⸗ räuſch genannt wird. An den Stellen nun, wo die Lungen verhärtet ſind, und ſomit keine oder nur wenig Luft in dieſelben eindringen kann, verſchwindet das Reſpirationsgeräuſch gänzlich, oder doch großen Theils. Es gibt ſomit die Auskultation ein Mittel an die Hand, die Stelle der Entartung, und den Grad und Umfang derſelben zu entdecken. Mit der Perkuſſion verhält es ſich ähnlich. Der Bruſtkaſten bildet ein hohles Gewölbe, oder eine Art Tonne, welche durch die Lungen, zumal nach dem Ausathmen, nur theilweiſe angefüllt wird. Klopfen wir auf den Bruſtkaſten, ſo entſteht mithin ein mehr oder weniger ſtarker Klang oder Ton, zumal da die Lungen ebenfalls mit Luft erfüllt werden können, und deshalb geeignet ſind, den Schall fortzupflanzen. An den Stellen aber, wo die Lungen verdichtet und ver⸗ größert, mit dem Bruſtkaſten verwachſen und mit Faſerſtoff angefüllt ſind, gibt die Perkuſſion oder das Anklopfen, aus leicht begreiflichen Gründen, entweder gar keinen, oder doch nur einen ſehr matten Ton. Es verhält ſich damit faſt genau ſo, wie mit dem Anklopfen an ein leeres und an ein volles Faß. Durch die Per⸗ kuſſion kann daher ebenfalls der Sitz und der Umfang der Bruſtentartung erforſcht werden, zumal bei einiger Uebung, und bei gemachten Vergleichungen an beiden Seiten der Bruſt, oder an andern geſunden Thieren. Die eigenthümliche Entartung der Lungen, die wir bei der Section finden, iſt eben ſo leicht zu erklären. Geſunde Rindlungen ſind auf ihrer Oberfläche mit einer dünnen Haut überzogen, welche, dünner wie Poſtpapier, das unter ihr gelegene Lungengewebe durchſcheinen läßt. (Fig. 1. a.) Die Lungen ſelbſt ſind, was in der Art bei keinem anderen Thiere der Fall iſt, aus lauter kleinen Lungenläppchen zuſammengeſetzt, welche Lun⸗ genläppchen wiederum, ganz wie die Oberfläche der Lungen, von einer dünnen Haut eingeſchloſſen ſind. Sind nun, wie es bei der Lungenſeuche wirklich der Fall iſt, der häutige Ueberzug der Lungen und der Lungenläppchen entzündet, ſo erfolgt die Ausſchwitzung von Faſerſtoff auf ihnen(ſiehe Entzündung im Allge⸗ meinen), wodurch dann die Verdickung der die Ober⸗ fläche der Lungen überziehenden Haut(Fig. 2. bb.), und die Verdickung der die Lungenläppchen überziehen⸗ den Haut(Fig. 2. ddd.) hervorgebracht wird; daher das marmorirte Anſehen der kranken Lungen. Die Verhärtung und die Veränderungen, welche an den Lungen gefunden werden, ſind nicht an allen Stellen derſelben gleich ſtark. Selten finden ſich beide Lungen überall verhärtet; dennoch kommt mitunter eine allge⸗ meine Entartung beider Lungen zugleich vor, und es muß zuweilen unſer Staunen erregen, daß das Thier nicht früher an Erſtickung zu Grunde ging, und daß es, bis zur Ausbildung ſolch enormer Entartung eines zum Leben ſo nothwendigen Organs, am Leben bleiben konnte. Häufiger findet ſich nur Eine der beiden Lun⸗ gen entartet, oder auch von der Einen nur der größere Theil. Meiſt fängt die Entartung und Verhärtung der Lungen von einem kleinern Punkte an, und ver⸗ breitet ſich von hier aus nach und nach weiter. Der weniger entartete Theil iſt dann immer von Blut 3* 20 3. Lungenſeuche überfüllt, dunkelroth, faſt ſchwarz. Manchmal iſt eine der Lungen, oder ſelbſt ein Theil der erkrankten Lunge, mit Ausnahme der nächſten Umgebung der entarteten Stelle, von Struktur und Farbe ganz geſund. An verſchiedenen Stellen der Bruſthaut, welche die innere Oberfläche des Bruſtkaſtens überzieht, ſo z. B. auch an der vorderen Fläche des Zwerchfelles ꝛc., finden ſich zuweilen größere oder geringere Maſſen von gelblichem Faſerſtoff, durch welchen die Lungen nicht ſelten mit dieſen Theilen verklebt und verwachſen ſind. Der Herzbeutel iſt äußerlich oft mit einer gleichen Maſſe bedeckt. In ſeinem Inneren enthält der Herz⸗ beutel faſt allemal eine größere oder geringere Menge eines klaren, gelblichen Waſſers. Ich fand die Menge deſſelben zuweilen ein halbes Quart und ſelbſt noch mehr betragen. Das Herz ſelbſt erſcheint welk, ſehr blaß und mürbe. 1 Außer den angeführten, laſſen ſich in dem Cadaver in der Regel keine weitere, auffallende Veränderungen entdecken, und es iſt daher überflüßig, davon ſpecieller zu reden, zumal da die in der Bruſt gefundenen Ver⸗ änderungen völlige Aufklärung darüber geben, welche Krankheit hier zugegen geweſen iſt. Ueber die wahre Beſchaffenheit der Lungenſeuche, oder über ihr Weſen, ſind die Anſichten ſehr verſchie⸗ den; man hat über dieſen Punkt einen ſehr lebhaften Streit geführt. Dennoch iſt dieſer Gegenſtand nur wenig aufgeklärt, und noch bis zum heutigen Tage in ein beträchtliches Dunkel gehüllt. Einige halten die Lungenſeuche für Lungenſchwindſucht, Andere für Lun⸗ genkrebs, für Lungenbrand, für Lungenerweiterung ac. Von allen dieſen Zuſtänden findet ſich aber bei der Leichenöffnung gar nichts vor, denn das, was man für obige Zuſtände gehalten hat, iſt etwas Anderes. Manche hielten die Lungen für faul, und nannten die Krankheit naſſe oder trockene Lungenfäule, je nachdem Waſſer in der Bruſt gefunden wurde oder nicht. Auch dieſes iſt ein Irrthum, und deshalb paßt auch die ge⸗ dachte Benennung nicht. Dann wieder hielt man die Krankheit für ein fauliges Fieber, wobei die Lungen, gleichſam nur zufällig, ergriffen ſein ſollten, welches ebenfalls eine nicht annehmbare Meinung iſt. Nach meiner Anſicht beſteht die Lungenſeuche in einer reinen Lungenentzündung, deren Verlauf zwar eigenthümlich iſt, deren bei der Section des Cadavers gefundene Produkte ſich aber ſehr leicht aus dem eigen⸗ thümlichen, von dem bei den übrigen Hausthieren des Rindviehes. verſchiedenen, anatomiſchen Baue der Rindlungen erklären laſſen. Dieſer beſondere Bau der Lungen, ſo wie die durch ihn möglich werdenden Entartungen der Lungen, ſind bereits oben ausführlich erörtert, und durch Zeichnungen erklärt worden. Meine Erklärungsweiſe(welche ich ſchon in einer vor zehn Jahren von mir herausgegebenen Schrift über die Lungenſeuche dargelegt habe), über die Aus⸗ bildung der einmal ſchon vorhandenen Lungenſeuche, ſo wie über ihren eigenthümlichen Verlauf ꝛc. iſt folgende: Die Lungenſeuche beſteht in einer Anfangs ſchlei⸗ chenden, ſpäter ſchnell verlaufenden Lungenentzündung, denn wir finden bei der Sektion des Cadavers zwei gewöhnliche Produkte der Entzündung: ausgeſchwitztes Waſſer und ausgeſchwitzten Faſerſtoff(ſiehe Entzün⸗ dung im Allgemeinen). Anfangs iſt nur ein kleiner Theil der Lungen von der Entzündung befallen, und die Störungen, welche dadurch veranlaßt werden, ſind nur unbedeutend; das Rind huſtet dann und wann ꝛc., aber ſonderlich krank erſcheint daſſelbe nicht. Daß aber dennoch ſchon jetzt die Lungenſeuche wirklich vor⸗ handen iſt, haben zahlreiche, auch von mir ſelbſt ge⸗ machte Sektionen ſolcher abſichtlich zum Zwecke der Unterſuchung geſchlachteten Stücke gelehrt. Nach und nach nimmt die Entzündung an Umfang zuz ſie ergreift einen größeren Theil der Lungen, und breitet ſie ſich nach der Oberfläche der Lungen zu aus, ſo wird auch der häutige Ueberzug der Lungen von ihr befallen. Die Krankheit zeigt ſich jetzt ſchon bedeutender; es tritt der Huſten häufiger ein, das Haar wird etwas ſtruppig, die Milch verſiegt etwas, wenn auch oft nur auf kaum merkliche Weiſe, es ſtellt ſich eine ebenfalls nur geringe Abmagerung ein ꝛc. So geht das mit der Zunahme der Lungenentartung und den äußeren Krank⸗ heitszeichen fort. Wird ein Rind geſchlachtet, bei dem ſich die Krankheit bis zu Ende der erſten, langſamen Epoche der Krankheit ausgebildet hat, ſo findet ſich ſchon ein beträchtlicher Theil der Lungen entartet; die Oberfläche der kranken Lunge iſt mit einer größeren oder geringeren Menge von Faſerſtoff bedeckt, und durch ihn erſcheint nicht ſelten ſchon jetzt ein kleiner Theil der Lungen mit den Rippen verwachſen. Sind dieſe Entartungen beträchtlich groß, ſo tritt dann die zweite Epoche der Krankheit mit heftigem Fieber, Verluſt des Appetits und der Milch ꝛc. ein. —’,=,; — 3. Lungenſeuche Auf die angegebene Weiſe läßt ſich der eigenthüm⸗ liche Verlauf der Lungenſeuche ſehr ungezwungen er⸗ klären. Die Dauer der erſten langſamen Periode der Lungenſeuche iſt von der langſameren oder ſchnelleren Zunahme der Lungenentartung abhängig; je ſchneller dieſe, deſto kürzer die Dauer der erſten Epoche, und ſo umgekehrt. Bei jungen, fetten, gutgefütterten Stücken; dann bei ſolchen, welche ſtark arbeiten oder lange Märſche machen müſſen, die dem Regen und Erkältun⸗ gen ausgeſetzt werden ꝛc., iſt die erſte Epoche kürzer, ſie ſchreitet raſcher vor, und tritt früher in die zweite Epoche über, als bei Kranken, die ſich im entgegenge⸗ ſetzten Zuſtande befinden. Zuweilen bleibt die Krank⸗ heit, von ſelbſt oder durch irgend eine Kunſthülfe, auf einer gewiſſen Stufe ſtehen, und es erfolgt ſpäter die Heilung des Kranken. Oft aber iſt die Krankheit in ihrem Gange unaufhaltſam, ſelbſt bei dem paſſendſten Heilverfahren. Die Gründe für dieſe Verſchiedenheit ſind freilich nur unvollſtändig, und in der Regel bei⸗ nahe gar nicht zu erklären. Wir kommen jetzt zur Betrachtung der muthmaß⸗ lichen Urſachen der Lungenſeuche, und müſſen in dieſer Hinſicht das demüthigende Bekenntniß ablegen, daß dieſe, die Anſteckung ausgenommen, bis jetzt ſo gut als ganz unbekannt ſind. Von einer überaus großen Anzahl von Beobachtern iſt die Lungenſeuche ſchon ſehr häufig beobachtet worden; Jeder derſelben glaubte in dieſer oder jener Schädlichkeit, oder in der vereinten Wirkung mehrerer derſelben, die Urſache der Lungen⸗ ſeuche mehr oder weniger ſicher gefunden zu haben. Alle dieſe Behauptungen werden aber in der Regel durch Beobachtungen von oft ganz entgegengeſetzter Natur widerlegt, und als irrig dargethan. Hauptſächlich ſuchte man die Urſache in der ſchäd⸗ lichen Beſchaffenheit des Genoſſenen. Es wurde z. B. ſchlammiges, faules, oder anderweitig unreines und ſchlechtes Getränk in Verdacht genommen. Nun erſcheint die Lungenſeuche aber oft an ſolchen Orten, wo das Getränk ſtets von der vorzüglichſten Qualität war, und wieder kommt ſie in zahlloſen Fällen dort nicht zum Vorſcheine, wo das Getränk fortwährend anſchei⸗ nend die ſchlechteſte Beſchaffenheit hat. Auch ſchlechtes, dumpfiges Futter, ſchimmliges Heu ꝛc. iſt beſchuldigt worden, aber die Beobachtung lehrt, daß es ſich hier⸗ mit faſt eben ſo verhält, als mit dem Getränke. Ferner hat man gemeint, daß niedrige, ſumpfige, häufigen Ueberſchwemmungen ausgeſetzte Wieſen, vorzugsweiſe des Rindviehes. 21 die Lungenſeuche leicht erzeugen könnten, aber die Erfahrung redet auch dieſer Meinung nicht das Wort. So kommt die Lungenſeuche z. B. in den hieſigen (Danziger) Niederungen nur äußerſt ſelten vor, wäh— rend ſie dagegen auf der ſogenannten Höhe, welche faſt aller Wieſen entbehrt, weit öfterer erſcheint. Ferner hat man ſehr reichliches Futter, ſchnelle Maſtung, namentlich mit Branntweinſchlämpe, angeklagt, aber es gibt notoriſch zahlreiche Fälle, in denen die Krank⸗ heit in dergleichen Maſtſtällen niemals vorgekommen iſi, während ſie bei einer ganz entgegengeſetzten Fütte⸗ rungsweiſe öfters bemerkt wurde. Auch anhaltende oder ſtarke Arbeit, dumpfige, niedrige Ställe, Mehlthau und Gyps auf dem Futter, ſaueres, verdorbenes Schlämpfutter, anhaltende Dürre, anhaltender Regen, Staub der Straßen, kurz die verſchiedenſten Einflüſſe hat man hierher gerechnet. Alle dieſe Angaben werden indeſſen problematiſch und zweifelhaft, bei der feſtſte⸗ henden Beobachtung, daß die Lungenſeuche auf Bergen und in Thälern, auf Höhen und in Niederungen, bei Rindern von jedem Alter, und bei jedem Geſchlechte derſelben, in trockenen und in naſſen Jahren, bei jeder Art von Viehhalterei, unter jeder Lokalität und in allen Ländern vorkommen kann. Unter den muthmaßlichen Urſachen der Lungen⸗ ſeuche muß, wie ich glaube, vorzugsweiſe die Erkäl— tung genannt werden, und dann auch ſchlechtes Futter, zumal dumpfiges und ſchimmliges Rauchfutter. Daß Letzteres im Allgemeinen nachtheilige Folgen haben kann, läßt ſich nicht in Zweifel ziehen, und daß dadurch gerade die Lungen afficirt werden könnten, ließe ſich allenfalls aus der Analogie ſchließen. Bei Pferden nämlich, welche anhaltend mit verdorbenem Rauch⸗ futter gefüttert werden, iſt eine beſondere Wirkung auf die Lungen, welche dadurch häufig in einen der Däm⸗ pfigkeit ähnlichen Zuſtand verſetzt werden, in ſehr vie— len Fällen gar nicht zu verkennen. Gleiche oder ähnliche Wirkung könnte dergleichen Futter auch auf das Rindvieh haben. Die Erkältung anlangend, ſo iſt dieſe, obgleich weit davon entfernt, eine ausſchließ⸗ liche Urſache der Lungenſeuche zu ſein, doch wahr— ſcheinlich eine nicht ganz ſeltene. Die Erkältung kann unter ſehr verſchiedenen Umſtänden entſtehen; durch anhaltenden Regen, durch plötzlichen Temperaturwechſel, aber ganz beſonders dadurch, wenn Vieh, welches durch Arbeit oder lange Märſche erhitzt iſt, aus kalten Bächen ꝛc. ſäuft. Mehrere diesfällige Beob⸗ 22 3. Lungenſeuche des Rindviehes. achtungen laſſen mich hierüber keinen weiteren Zweifel hegen. Im Allgemeinen erhellet aus dem Geſagten, daß die Urſachen der Lungenſeuche faſt eben ſo wenig be⸗ kannt ſind, wie die der meiſten anderen Seuchen der Hausthiere. Eine ſehr wichtige Frage bleibt endlich noch zu beantworten: iſt die Lungenſeuche anſteckend oder nicht? Hierüber herrſcht noch ein großer Meinungsſtreit. Viele eben ſo ſolide als ausgezeichnete Beobachter, halten die Lungenſeuche für ganz entſchieden anſteckend;z viele eben ſo achtbare und fähige Männer dagegen halten dieſelbe durchaus nicht für anſteckend. Jede Partei ſucht ihre Behauptung durch eigene Verſuche und Be⸗ obachtungen, und durch verbürgte Verſuche und Beobachtungen Anderer ſo viel wie möglich zu bewei— ſen. Es würde zu weit führen, hier alle die zahlreichen einzelnen Data, welche für dieſe oder jene Anſicht ſprechen, ſpeciell anzugeben, weßhalb in dieſer Hinſicht nur das Nachſtehende angeführt werden ſoll. Jene, welche ſich gegen die Contagioſität der Lungenſeuche erklären, beziehen ſich weſentlich auf folgende Verſuche und Beobachtungen. Das noch warme Fell einer ſo eben erſt an der Lungenſeuche krepirten Kuh, wurde einer geſunden Kuh vierundzwanzig Stunden lang ubergehängt. Es erfolgte keine Anſteckung, und das Thier blieb geſund. Man brachte Stückchen der kranken Lunge, Blut, Naſenſchleim ꝛc. der lun⸗ genſeuchigen Rinder unter die Haut geſunder Thiere; es erfolgte darnach ein bösartiges Geſchwür, aber keine Uebertragung der Lungenſeuche. Es wurden geſunde Kühe zwiſchen Kühe geſtellt, welche im hohen Grade zan der Lungenſeuche litten, aber auch hier erfolgte keine Anſteckung. Allle dieſe Verſuche ſind oft wieder⸗ holt worden, doch faſt allemal mit negativem Erfolge. Endlich noch ereignet es ſich nicht ſelten, daß, ſelbſt in größeren Heerden, nur ein geringer Theil der Stücke erkrankt, obgleich keine Trennung der geſunden und kranken Rinder vorgenommen und keine Vorbeugungskur bei den noch geſunden Stücken ſtattgehabt hatte. Solche Beobachtungen ſind in der That verfüh⸗ reriſch, und wohl geeignet zu der Annahme zu ver⸗ leiten, daß die Lungenſeuche durchaus aller Anſteckungs⸗ fähigkeit entbehre. Dennoch iſt die Anſteckbarkeit faſt gewiß, und die angeführten Thatſachen, welche das Gegentheil zu beweiſen ſcheinen, laſſen, wenn auch nicht an der Richtigkeit der Beobachtungen, ſo doch in Rückſicht der daraus gezogenen Schlüſſe, mehr als begründete Zweifel zu. Die Verſuche mit dem über⸗ gehängten Falle, ſo wie die Impfungen mit Naſen⸗ ſchleim, Lungenſtückchen ꝛc. beweiſen gar nichts, und zeigen nur allein, daß die genannten Impfgegenſtände keinen Anſteckungsſtoff enthielten, oder, daß die Lun⸗ genſeuche auf dem bei der gedachten Impfung verſuch⸗ ten Wege ſich nicht übertragen laſſe. Es wäre dieſer Weg überhaupt ein ziemlich unnatürlicher. Wenn geſunde Stücke, neben kranke geſtellt, nicht von der Seuche befallen wurden, ſo geht daraus hervor, daß ſie für die Anſteckung nicht empfänglich waren; das Gleiche gilt in den Fällen, wo nur ein Theil einer Heerde erkrankt und der andere frei bleibt. Oft mag es daran liegen, daß die Lungenſeuche in manchen Fällen ein nicht ſo heftiges Contagium entwickelt. Uebrigens iſt es ja auch eine bekannte Thatſache, daß ſelbſt Krankheiten, deren Anſteckungsfähigkeit kein Menſch mehr in Zweifel zieht, oft eine geringere oder größere Menge von Individuen verſchont, obgleich jede mögliche Gelegenheit zur Anſteckung vorhanden war. So bleiben z. B. von einer von den Pocken befallenen Schafheerde in der Regel fünf bis zehn Procent von der Krankheit verſchont, auch ſelbſt dann, wenn alle Stücke geimpft wurden. Diejenigen Beobachter, welche die Lungenſeuche für anſteckend halten, belegen dieſe Meinung mit zahl⸗ reichen und zum Theil faſt unzweifelhaften Beweiſen, deren nähere Angabe hier jedoch nicht ſpeciell Platz finden kann. In vielen Fällen, in denen die Lungenſeuche in einer Heerde erſchien, wurde die Krankheit durch an⸗ gekauftes, fremdes Rindvieh, welches, wie ſich ſpäter ergab, an der Krankheit ſchon früher litt, eingeſchleppt. Sodann ſehen wir, daß Anfangs gewöhnlich nur ein einziges Stück, oder doch nur einzelne Stücke an der Krankheit leiden, und daß die Ausbreitung derſelben allemal nur langſam und nach und nach erfolgt. Wäre die Urſache im Futter ꝛc., ſo würden doch wahr⸗ ſcheinlich viele Stücke zugleich erkranken, oder doch ſehr raſch nacheinander. In der Regel wird das im Stalle dem kranken Stücke zunächſt ſtehende Thier ergriffen. Dieſes leidet indeſſen manchmal Ausnahmen; ſo daß entferntere Stücke zuerſt ergriffen werden, wäh⸗ rend das Nachbarthier erſt ſpäter, oder auch wohl gar nicht erkrankt. Dieſes kann man ſehr wohl aus der größeren oder geringeren Diſpoſition erklären, oder 3. Lungenſeuche des Rindviehes. 23 auch aus der Annahme, daß alle, oder doch die meiſten Rinder, gleichzeitig angeſteckt wurden, daß aber nicht bei allen die Krankheit gleichzeitig zum ſichtbaren Aus⸗ bruche kam. Ferner gibt es zahlreiche Fälle, wo die Krankheit durch Vieh von andern Orten eingeſchleppt wurde, an welchen Orten die Seuche notoriſch herrſchte. Auch brach die Krankheit oft in ſolchen Ställen wieder aus, wo die Seuche geherrſcht hatte, wo aber eine hinreichende Reinigung der Ställe ꝛc. unterblieben war. Auf ſolche Weiſe hat die Lungenſeuche ſich nicht ſelten ſchon mehrere Jahre in einem und demſelben Stalle erhalten, ungeachtet, daß wiederholt ganz neues Vieh angekauft und daſſelbe auf die vorzüglichſte Weiſe ge⸗ füttert und gepflegt wurde. In Heerden, zu denen oft fremdes Vieh angekauft wird, kommt die Krankheit am häufigſten vor; daher beſonders in Ställen der Viehmäſter. Ich ſelbſt habe den Ausbruch der Lun⸗ genſeuche in fünf verſchiedenen Heerden beobachtet, wo die erfolgte Anſteckung derſelben ſo heftig und ſo unzweifelhaft war, daß es jeder Wahrnehmung Hohn ſprechen hieße, wenn ich dieſelbe leugnen wollte*). Auf andere Thiere oder auf Menſchen ſcheint die Lungenſeuche ſich nicht verbreiten zu können; es ſind davon wenigſtens keine Fälle bekannt. Der Anſteckungsſtoff ſcheint vornehmlich, wenn auch nicht ausſchließlich, an den Athem des kranken Rindes gebunden zu ſein; ſolche Luft, von geſunden Thieren eingeathmet, ſteckt dieſelben an. Ob der Naſenſchleim, die Hautausdünſtung, Blut ꝛc. an⸗ ſteckende Eigenſchaften haben, iſt nicht genau ermittelt, doch iſt dieſes faſt wahrſcheinlich, weil Vieh ſelbſt in Ställen angeſteckt werden kann, in welchen längere Zeit zuvor lungenſeuchiges Rindvieh geſtanden hatte. Der Anſteckungsſtoff ſcheint ſich auch durch die Luft verbreiten zu können, obſchon nicht in großer Entfer⸗ nung; über einige hundert Schritte hinaus ſcheint ſeine Wirkung nicht zu reichen. Vertrockneter Naſen⸗ ſchleim, ſelbſt wenn er mehrere Tage auf der Weide gelegen hat, ſoll noch anſtecken können. Zwiſchen der Zeit der erfolgten Anſteckung und dem ſichtbaren Ausbruche der Lungenſeuche, liegt ein ſehr verſchiedener Zeitraum; derſelbe kann von acht *) In einer vor zehn Jahren von mir über die Lungenſeuche herausgegebenen Schrift, erklärte ich mich energiſch und faſt poſitiv gegen die Annahme, daß die Lungenſeuche anſteckend ſei. Jetzt, nachdem ich zahlreiche neue Beobachtungen über die Lungenſeuche bis vierzehn Tagen bis auf acht bis zwölf Wochen, vielleicht auf eine noch längere Zeit, ſich erſtrecken. Wodurch dieſe verſchiedene Dauer bedingt wird, iſt noch nicht genau ermittelt. Auch ſcheinbar geheilte Stücke können noch anſtecken, obſchon ſie ſelbſt das angeſteckte Thier manchmal noch lange Zeit überleben, wofür ich mehrere Beiſpiele anführen könnte. Daß die Lungenſeuche erblich iſt, ſcheint man im Allgemeinen verneinen zu dürfen, obgleich einige Male beobachtet worden iſt, daß Kälber, welche von lungenſeuchigen Kühen geboren wurden, gleich nach der Geburt krepir⸗ ten, und an den Lungen Zeichen der eigenthümlichen Entartung der Lungenſeuche wahrnehmen ließen. Hier⸗ bei kann jedoch leicht ein Irrthum in der Beobachtung vorgekommen ſein. Die Kur der Lungenſeuche, welche, beiläufig ge— ſagt, nicht immer von glücklichem Erfolge begleitet iſt, richtet ſich zwar nach der Dauer der Krankheiten, nach dem Zuſtande des Kranken ꝛc., indeſſen iſt im Allge⸗ meinen ſo ziemlich das gleiche Heilverfahren einzu⸗ ſchlagen. Zeigt ſich die Krankheit in einer Heerde, ſo darf die Kur durchaus keinen Aufſchub erleiden, denn nur durch ein zeitiges, mit Umſicht und Energie geleitetes Heilverfahren, dürfen wir hoffen, ſehr empfindlichen Verluſten zu begegnen. Zunächſt ſuchen wir zu erfor⸗ ſchen, welche Stücke der Heerde bereits mehr oder weniger die Zeichen vorhandener Lungenſeuche an den Tag legen. Zu dem Ende bedienen wir uns zuerſt der Auskultation und der Perkuſſion. Wir legen das Ohr an die verſchiedenſten Bruſtſtellen jedes einzelnen Thieres; findet ſich dabei, daß an irgend einer Stelle gar kein, oder ein ungewöhnlich geringes Reſpirations⸗ geräuſch ſtattfindet, ſo iſt das Thier verdächtig; denn bei geſunden Thieren iſt dieſes Geräuſch überall am Bruſtkaſten, wenn auch nicht überall gleich ſtark, zu hören. Sodann klopfen und drücken wir mit der Fauſt auf die verſchiedenſten Stellen des Bruſtkaſtens jedes Stückes; iſt eine Stelle bemerkbar, an welchem der Ton außergewöhnlich ſchwach, und ſchwächer iſt, als an der entſprechenden anderen Seite der Bruſt, ſo iſt auch dieſes verdächtig. Gewöhnlich iſt die Per⸗ gemacht, und dieſelben einer unbefangeneren Beurtheilung unterwor⸗ fen habe, fühle ich mich, nicht ohne einige Beſchämung, gezwungen, meine frühere Meinung für einen Irrthum zu erklären. Die Lun⸗ genſeuche iſt ſehr anſteckend! 24 3. Lungenſeuche des Rindviehes. kuſſion dort am ſchwaͤchſten und zugleich ſchmerzhaft, wo auch das Reſpirationsgeräuſch am ſchwächſten iſt. Findet es ſich außerdem, daß ein ſolches Rind mehr oder weniger oft und ſchon einige Zeit hindurch ge— huſtet hat, ſo iſt kein Zweifel übrig, daß die Lungen⸗ ſeuche ſchon bei ihm vorhanden iſt, ſelbſt dann, wenn ſich auch außerdem noch keine erhebliche Zeichen der Krankheit zeigen ſollten. Sämmtliche Kranken, gleichviel, ob ſie mit den heftigſten oder nur erſt mit geringen Krankheitszeichen behaftet ſind, werden nun, um eine weitere Verbrei⸗ tung der Seuche durch Anſteckung ſo viel als möglich zu verhindern, von den geſunden Stücken getrennt. Am beſten iſt es dabei, daß die kranken Thiere in ihrem bisherigen Lokale, welches als inficirt angeſehen werden muß, verbleiben, und daß die geſunden Stücke an einem anderen Orte untergebracht werden. Je entfernter dieſer iſt, deſto beſſer, d. h. ſo weit dieſes ohne Verſtoß gegen die polizeilichen Vorſchriften aus⸗ führbar iſt. Iſt es möglich, ſo wird jede Communi⸗ cation, direkte ſowohl als indirekte, zwiſchen dem Kranken und dem geſunden Viehe vermieden, auch iſt es gut, wenn das geſunde Vieh einen beſonderen Wärter erhält, und nicht von dem Futter, welches ſich über dem Stalle des kranken Viehes etwa befindet, bekommt ꝛc. Erlaubt es die Lokalität, ſo werden auch die ſchwer erkrankten und ſchon in der zweiten Epoche der Krank⸗ heit ſich befindenden Rinder, von den weniger erkrankten getrennt, und wenn keine zwei beſondern Ställe dazu vorhanden ſind, ſo werden ſie doch, etwas entfernt von einander, in zwei verſchiedene Abtheilungen geſtellt. Die Kur hat weſentlich die Aufgabe,„die Entzün⸗ dung der in dem Bruſtkaſten eingeſchloſſenen Theile nicht nur in ihrem weiteren Fortſchreiten aufzuhalten, ſondern ſo viel wie möglich wieder zur Zextheilung zu bringen.“ Hierzu eignen ſich, den bisherigen Erfah⸗ rungen zufolge, wie bei allen Entzündungen, ſo auch hier, die ſogenannten entzündungswidrigen Mittel, dann die ableitenden Reizmittel, am beſten. Zuerſt von der Behandlung aller jener Stücke, bei welchen ſich die Lungenſeuche noch in der erſten Epoche befindet. Jedem gut genährten, oder wenigſtens nicht entſchieden mageren Rinde, wird zunächſt an der Hals⸗ blutader ein Aderlaß gemacht; je nach der Größe und Staͤrke des Thieres, von ſechs, acht bis zwölf Pfunden. Hierauf erhält der Kranke, wenn nicht zufällig etwa ein Durchfall vorhanden iſt, eine Laxanz aus vierund⸗ zwanzig bis zweiunddreißig Loth Glauberſalz mit Waſſer, oder allenfalls mit Kamillenthee, oder einem ſchwachen Aufguſſe von Wermuth oder Bitterklee. Sodann appliciren wir dem Thiere zwei Eiterbänder oder ſogenannte Haarſeile; eines in den Bruſtlappen oder ſogenannten Triel(Fig. 3. aa.), und eines an jeder Seite der Bruſt, hinter der Schulter(Fig. 3. bb.). Bei dieſen Eiterbändern kommt es hauptſächlich darauf an, daß ſie die gehörige Länge und Breite haben, um durch Entzündung und nachfolgende Eiterung eine recht bedeutende Ableitung bewirken zu können. Das Eiterband beſteht am paſſendſten aus einer ſtarken, recht dicken, ¼ bis 1 ½ Zoll breiten Tuchkante (Cuchecke), von der erforderlichen Länge. Am Bruſt⸗ lappen muß die Länge des Eiterbandes— d. h. des Theiles, welcher unter die Haut zu liegen kommt— einen Fuß, an den Seiten der Bruſt anderthalb Fuß betragen; die Tuchkante ſelbſt muß daher noch um einen oder anderthalb Fuß länger ſein. Dieſe Eiter⸗ bänder werden mit einer zwei Fuß langen, an ihrem breiteſten Theile anderthalb Zoll breiten, und nach der Form des Bruſtkaſtens etwas gebogenen Haarſeilnadel (Fig. 4 u. 5.) eingezogen. Die Nadel iſt platt, gegen einviertel Zoll dick, an den Kanten etwas rund gefeilt, und kann von jedem Dorfſchmiede angefertigt werden. Iſt die Tuchecke unter der Haut eingezogen, ſo wird ihr oberes Ende ſo lange mit Terpentinöl begoſſen, bis daſſelbe am unteren Ende abzutröpfeln beginnt. In der Regel entſteht nach ſolchen Eiterbändern eine beträchtliche Geſchwulſt, und nach 4 bis 5 Tagen eine reichliche Eiterung. Es iſt dann weiter nichts nöthig, als den in den Schnittwunden und unter der Haut befindlichen Eiter durch Drücken mit den Fingern und mit warmem Waſſer zu entfernen. Sehr große Eiter⸗ bänder ſind ſehr kräftige Ableitungsmittel, und haben ſchon oft eine vorzügliche Wirkung gehabt; nämlich die, daß die Krankheit nicht weiter fortſchritt, und ſich ſpäter ganz verlor. Sind einzelne Stücke unter den Kranken, welche ſchon auffallende Athmungsbeſchwer⸗ den an den Tag legen, und welche ſchon an Appetit und Milch abbrechen ꝛc., ſo verſtärken wir die Wir⸗ kung der Eiterbänder noch durch ſcharfe Einreibungen. An jeder Seite der Bruſt werden die Haare, in dem Umfange eines Tellers, abgeſchoren(Fig. 3. c.), und an dieſer Stelle wird dann irgend eine ſehr reizende Salbe eingerieben, z. B. eine Miſchung aus Brechweinſtein, 3. Lungenſeuche des Rindviehes. Canthariden und Euphorbium, von jedem drei Quent⸗ chen, Schweinefett vier Loth, Terpentinöl ein und ein halbes Loth. Dieſe Portion wird an beiden Seiten der Bruſt, und auf einmal eingerieben; es entſteht darnach eine bedeutende Geſchwulſt, welche ſich ſpäter mit einer dicken Kruſte bedeckt, unter welcher Eiterung einzutreten pflegt, deren Heilung man ganz der Natur überläßt. Durch die bisher angeordneten Mittel wird der Milch⸗ ertrag in der erſten Zeit etwas geringer, auch tritt wohl, zumal wenn auch ſcharfe Einreibungen gemacht werden, ein geringes Fieber ein. Dieſes muß berück⸗ ſichtigt und nicht für wirkliche Steigerung der Krankheit gehalten werden. Sind die angegebenen Vorſchriften zur Ausfüh⸗ rung gekommen, ſo muß der Erfolg vier bis fünf Tage ruhig abgewartet werden. Zeigt ſich ſpäter keine Veränderung des Huſtens und der Athmungsbeſchwer⸗ den, ſo werden noch einige andere Arzeneien gereicht. In neuerer Zeit hat man die Pottaſche empfohlen; man glaubt, daß ſie namentlich auf die Zertheilung und Aufſaugung des in die Lungen ausgeſchwitzten Faſerſtoffes hinwirke. Dieſelbe wird täglich zu einem bis zwei Loth, und ſechs bis zehn Tage lang hinter⸗ einander mit Mehlwaſſer gegeben. Auch nachſtehendes Mittel iſt nicht ohne gute Wirkung: Brechweinſtein ein Loth, roher Salmiak und gelber Schwefel von jedem fünf Loth, Alantwurzel und Wachholderbeeren von jedem acht Loth, mit etwas Mehl und Waſſer zur Latwerge gemacht, und in fünf bis ſechs Tagen zu verbrauchen. Tritt ſpäter, nach erfolgtem Laxiren, etwa wieder Verſtopfung ein, ſo werden zuweilen Kly— ſtire aus etwas Salz und warmem Waſſer geſetzt, oder es wird auch von Zeit zu Zeit etwas Kochſalz, etwa ſechs bis acht Loth für den Tag, mit Waſſer oder aufs Futter gegeben. Da die inneren Mittel im Allgemeinen keinen ſehr bemerkbar günſtigen Erfolg haben, ſo wollen wir uns hier auf die angeführten beſchränken, ſo groß auch die Zahl der als heilſam geprieſenen Mittel iſt. Von großer Wichtigkeit und, wenn Heilung ge⸗ ſchafft werden ſoll, ganz unerläßlich, ſind eine ange⸗ meſſene diätetiſche und ſonſtige Pflege des Kranken. Derſelbe wird in einem mäßig warmen, luftigen, doch völlig zugfreien Lokale gehalten; Miſt und faulender Urin ſind aus dem Stalle zu entfernen, damit die Luft weder reizend für die Lungen, noch auf ſonſtige Weiſe nachtheilig auf den Kranken einwirken kann. 25⁵ Das Thier wird täglich mit Strohwiſchen oder mit ſcharfen Bürſten über den ganzen Körper frottirt, und, wenn es ſich bei der Zahl der Kranken ausführen läßt, mit einer Decke belegt. Das zu gebende Fulter muß von der beſten Qualität ſein; im Sommer iſt Grün⸗ futter, gleichviel von welcher Art, das beſte Futter. Im Winter gibt man rohe Kartoffeln oder Rüben, gutes Stroh und auch unverdorbenes Heu. Muß ein nicht ganz gutes Heu aus Mangel an anderem Futter gegeben werden, ſo wird daſſelbe durch Beſprengen mit Salzwaſſer weit unſchädlicher gemacht. Das Geſöff beſteht aus reinem, geſundem, doch nie aus kaltem Waſſer; ein Zuſatz von Sauerteig, Kochſalz, oder Schwefelſäure, bis zum ſchwachen Grade der Säuerung des Waſſers, iſt ſehr heilſam. Jede Be⸗ wegung des Kranken ſchadet; der Kranke wird daher im Stalle und in völliger Ruhe gehalten. Eben ſo ſchädlich, und wohl noch ſchädlicher, ſind die Einwir⸗ kungen von Kälte, Regen und Näſſe überhaupt; um ſo nöthiger iſt es daher, denſelben dagegen auf ange⸗ meſſene Weiſe zu verwahren. Derſelbe muß einen trockenen Stand und reichliche, trockene Streu haben. Verſchwinden unter dem angegebenen Verfahren die vorhanden geweſenen Zeichen der Lungenſeuche nach und nach, ſo dürfen wir mit ziemlicher Gewißheit eine Heilung hoffen. Fünf bis ſechs Wochen nach dem Anfange der Kur, können dann die Eiterbänder entfernt werden; der Kranke kann dann wieder auf eine nahe Weide kommen, doch nur bei heiterem und war⸗ mem Wetter, und nie bei Nebel oder Regen; noch lange Zeit, und mindeſtens mehrere Monate hindurch, iſt derſelbe des Morgens und Abends, und ganz be— ſonders des Nachts, von der Weide fern und im Stalle zu halten. Zugochſen dürfen nur erſt nach ſehr langer Zeit, ohne Beſorgniß eines Rückfalles der Krankheit, wieder angeſpannt werden. Iſt die Lungenſeuche bereits in die zweite Epoche eingetreten, ſo muß die Kur, wenn auch weſentlich mit der angegebenen gleich, doch mit größerer Energie bewirkt werden. Da es jedoch nicht ganz gleich iſt, wie lange die zweite Epoche der Krankheit ſchon vor⸗ handen, und wie weit dieſelbe ſchon vorgeſchritten iſt, ſo wollen wir zunächſt annehmen, daß ſich die Lungen⸗ ſeuche noch im Anfange, oder etwa erſt drei bis fünf Tage in der zweiten Epoche befinde, und dieſen Zuſtand bei der Angabe des Heilverfahrens ins Auge faſſen. 4 26 3. Lungenſeuche Es iſt jetzt, wie wir wiſſen, eine ſehr heftige Ent⸗ zündung der Bruſtorgane vorhanden; folglich paßt, was man auch wohl ſchon dawider geſagt haben mag, eine mit Nachdruck auszuführende entzündungswidrige Methode. Wir machen daher ungeſäumt, je nach Größe, Alter und dem Kräftezuſtande des Kranken, einen Aderlaß von zwölf, funfzehn bis achtzehn Pfun⸗ den, und wiederholen denſelben unbedenklich nach achtzehn bis vierundzwanzig Stunden in gleicher Stärke, im Falle die Athmungsbeſchwerden ſich nach Verlauf dieſer Zeit nicht ſichtbar gemindert haben. Bei ſehr gut genährten, oder wohl gar fetten Stücken, iſt nach weiteren zwoͤlf bis achtzehn Stunden nicht ſelten ein dritter Aderlaß erforderlich. Bei tragenden Kühen muß mit dem Aderlaſſe vorſichtiger umgegangen wer⸗ den, denn ſie verwerfen nach großen Aderläſſen ſehr leicht. Uebrigens darf auch bei ihnen die Blutentzie— hung nicht ganz unterbleiben, zumal da das Verwerfen eher günſtig als nachtheilig auf den Gang der Krank⸗ heit einwirkt. Da ſich im Allgemeinen nicht gut angeben läßt, bis zu welcher Stärke der jedesmalige Aderlaß ohne Gefahr ausgeführt werden kann, ſo hat man hierbei auf nachſtehende Zeichen zu achten: ein⸗ tretende Unruhe, Trippeln mit den Füßen, Abgang von Miſt oder Urin, ſehr ſchnelles Athemholen und das Heben des Kopfes. Machen ſich dieſe Zeichen bemerkbar, ſo muß die Ader verſchloſſen werden, obſchon dennoch ſpäter unter Umſtänden ein zweiter und ſelbſt ein dritter Aderlaß gemacht werden kann oder muß. Gleich nach dem Aderlaſſe werden, auf früher beſchriebene Weiſe, drei Eiterbänder gezogen, und an den Bruſtſeiten ſcharfe Einreibungen gemacht. Wir bedienen uns dazu der früher angegebenen Salbe, oder einer anderen, welche zuſammengeſetzt iſt aus Canthariden, Euphorbium und Fichtenharz, von jedem zwei und ein halbes Quentchen, Schweinefett, Terpentin und Terpentinöl, von jedem drei Loth, Queck⸗ ſilberſublimat ein Quentchen. Von einer dieſer Sal⸗ ben wird auf die abgeſchorene Haut mäßig dick, am erſten Tage zweimal und am zweiten Tage noch einmal, eingerieben. Es entſteht darnach eine meiſt ſehr große Entzündungsgeſchwulſt, welche überaus wirkſam iſt, und deren Heilung ganz der Natur überlaſſen werden kann. Leidet das Thier, wie dieſes gewöhnlich der Fall iſt, an Verſtopfung, ſo ſetzen wir recht oft Cly⸗ ſtiere, und geben eine Laxanz aus Glauberſalz, welchem ein, bis ein und ein halbes Loth Salpeter zugeſetzt des Rindviehes. werden können. In den erſten drei bis vier Tagen darf an dem, auf dieſe Weiſe heroiſch angegriffenen Kranken, nichts weiter unternommen werden. Außer⸗ dem jedoch iſt derſelbe zu frottiren, und überhaupt in Pflege, Fütterung ꝛc. ganz ſo zu halten, wie es bei der ſchon oben angegebenen Kur der weniger erkrankten Rinder vorgeſchrieben worden iſt. Machen ſich im Laufe der nächſten vier bis fünf Tage einige Zeichen der Beſſerung an den Kranken bemerkbar, vermindert ſich die frühere Athmungsbe⸗ ſchwerde, werden Puls und Athemholen langſamer, kehrt einiger Appetit zurück ꝛc., ſo wird es in der Regel am beſten ſein, die weitere Heilung ruhig abzuwarten, und ein müßiger Zuſchauer zu bleiben, denn durch Arzeneien wird dann in der That nur ſelten etwas ausgerichtet. Iſt der in der Beſſerung befindliche Kranke jedoch durch die Krankheit und durch die Kur ſehr geſchwächt, und kehrt beſonders der Appetit nur ſehr langſam und im geringen Grade zurück, ſo ſind dann allerdings einige Mittel nicht ohne Nutzen. Wir geben dann etwa eine Latwerge aus— Brechweinſtein, ein halbes Loth, Fenchelſamen, Wachholderbeeren und Calmuswurzel, von jedem acht Loth, Kochſalz ſechs Loth, Mehl und Waſſer ſo viel erforderlich iſt,— im Laufe von vier bis ſechs Tagen ein. Mit vorſchrei⸗ tender Beſſerung wird denn auch nach und nach näh⸗ renderes Futter gegeben, damit der jetzt meiſt ſehr magere Kranke wieder zu Kräften kommt. Gutes Heu, Garbenhäckſel, Waſſer mit Mehl oder Schrot, können jetzt in ſteigender Menge gegeben werden. Jene Stücke, bei denen die zweite Periode ſchon beträchtlich vorgeſchritten iſt, bei denen der Appetit gänzlich verſchwunden, ſtöhnendes, röchelndes Athem⸗ holen, ein klumpriger Naſenausfluß ꝛc. zugegen ſind, werden nur ſelten beſſer. Erfolgt die Heilung, ſo findet dieſes doch nur ſehr langſam und ſpät, und nur ausnahmsweiſe ſtatt, wobei die Kunſt in der Regel faſt gar nichts vermag. Ein Aderlaß paßt hier nur ſelten noch, oder doch nur bei ſehr gut genährten und ſolchen Subjekten, die noch einen gewiſſen Grad von Kräften an den Tag legen. Der hier zu machende Aderlaß darf nicht leicht mehr als zwölf Pfund betra⸗ gen, auch darf derſelbe nicht wiederholt werden. Bei vorhandener Verſtopfung paßt, außer Klyſtiren, eine Laxanz aus Glauberſalz; auch die oben angegebene Latwerge kann dem Kranken gereicht werden. Iſt von ſolchen Kranken noch etwas zu hoffen, ſo kann dieſes 3. Lungenſeuche des Rindviehes. 27 vorzüglich nur von den ableitenden Reizmitteln ſein; Eiterbänder und Einreibungen ſind hier, ſo wie in jedem Stadium der Krankheit, unerläßlich. Die Eiterbänder bei den in der zweiten Periode der Lungenſeuche ſich befindenden Kranken, dürfen nie vor vier bis fünf Wochen entfernt werden. Es bleibt hier nur noch zu erwähnen übrig, wie mit dem ſcheinbar noch geſunden Theile der Heerde verfahren werden muß, und es entſteht dabei die Frage: gibt es ein Vorbeugungsmittel, durch welches dem Eintritte der Krankheit vorgebeugt werden kann? Die Meinungen der Sachkenner ſind hierüber abermals getheilt; Einige bejahen die Frage, Andere verneinen ſie. Früher glaubte ich mich, mit manchen Anderen, durch mehrere Beobachtungen und Erfahrungen zu der Annahme berechtigt, daß man dem Ausbruche der Lungenſeuche, in Fällen, wie der vorliegende, faſt ſicher vorbeugen könne, und zwar durch die Applikation von Eiterbändern, welche fünf bis ſechs Wochen in Wirkſamkeit erhalten wurden. In der That blieben in mehreren Seuchanfällen eine Menge Rinder, ſogar die bei weitem größere Mehrzahl der Heerde, ſelbſt ohne daß eine Separation vorgenommen wurde, von der Krankheit verſchont. In ſpäteren, häufigeren Fällen jedoch ließen mich die Eiterbänder völlig im Stiche, und die Krankheit nahm überhand. Bei ſo widerſprechenden Beobachtungen bleibt denn der Nutzen der Eiterbänder als Präſervativmittel wohl ſehr zwei⸗ felhaft. Da die Eiterbänder indeſſen weiter keinen Nachtheil bringen, und da dieſelben jedenfalls die Wirkung haben, die vielleicht eintretende Krankheit zu ſchwächen und etwas gelinder zu machen, ſo würde ich, wäre ich ſelbſt Beſitzer einer ſolchen Heerde, mich für die Applikation der Eiterbänder entſcheiden. Ob von anderen Mitteln in dieſer Hinſicht etwas zu hoffen iſt, ſteht noch dahin. Im Allgemeinen wird es dar— auf ankommen, die noch geſunden Stücke unter ganz vorzüglicher diätetiſcher Pflege ꝛc. zu halten, ihnen das beſte und durchaus unverdächtiges Futter in nicht zu reichlicher Menge zu geben, um das Fettwerden zu verhindern; die Thiere keiner Erkältung, und dem Regen und Nebel nicht auszuſetzen, ſie des Nachts im Stalle zu halten; ihnen zuweilen Kochſalz aufs Futter zu geben, oder das Futter mit Salzwaſſer zu beſpren⸗ gen, und endlich, was das Wichtigſte iſt, jede Gele⸗ genheit zur Anſteckung von der kranken Heerde her ſorgfältig zu vermeiden. Schließlich ſollen hier nun noch einige nützliche Mittheilungen in Rückſicht der Lungenſeuche gemacht werden. Erkrankt ein Rind ziemlich heftig an der Lungen⸗ ſeuche, ſo iſt die Heilung allemal ſehr zweifelhaft. Iſt nun ein ſo erkranktes Rind fett, oder auch nur ſehr gut genährt, ſo wird es in der Regel dem ökono⸗ miſchen Intereſſe entſprechen, ein ſolches Thier zu ſchlachten, da das Fleiſch völlig unſchädlich beim Genuß iſt, und auch kaum ekelhaft genannt werden kann. Dieſes Schlachten wird beſonders in ſolchen Fällen von Nutzen ſein, wo die Lungenſeuche nur erſt im Beginnen iſt, und noch keine Ausbreitung erlangt hat. Es kann ſogar möglicherweiſe durch eine ſolche Beſeitigung des erkrankten Stückes der weitere Aus⸗ bruch der Krankheit in der Heerde verhindert werden. Solche Rinder, welche aus der zweiten Epoche der Lungenſeuche genaſen, behalten in der Regel einen lebenslänglichen Huſten, Dämpfigkeit und andere Lun⸗ genfehler zurück. Oft können ſie dabei äußerlich ganz geſund erſcheinen, reichlich Milch geben, ſelbſt fett werden ꝛc. Nicht ſelten jedoch bleibt ein ſolches Stuͤck ſehr mager, kränkelt fort, und geht endlich, oft erſt nach vier bis ſechs Monaten, oder auch wohl erſt nach Jahren, an einer Art Lungenſchwindſucht zu Grunde, und, was das Schlimmſte dabei iſt, einem ſolchen kränkelnden Thiere wohnt oft noch die Fähigkeit bei, die Lungenſeuche auf geſunde Stücke durch Anſteckung zu übertragen. Auf dieſe Weiſe hat ſich manchmal die Lungenſeuche in einem Stalle jahrelang erhalten. Man glaubte die Krankheit verſchwunden und alle Thiere geheilt, und kaufte neues Vieh an; dieſes wurde aber durch irgend einen Kränkler der früheren Heerde angeſteckt. Mir ſelbſt ſtehen zwei Beobachtun⸗ gen zu Gebote, in denen Rinder, die nur noch mit einem Huſten behaftet waren, und welche ſchon ſeit ſieben bis acht Monaten die Lungenſeuche überſtanden hatten, und anſcheinend wieder geſund waren, die Lun⸗ genſeuche nach anderen Orten hin übertrugen. Alle dieſe Thatſachen laſſen es zweckmäßig erſchei⸗ nen, eine Heerde, oder wenigſtens die Stücke derſelben, an denen ſich Zeichen der Lungenſeuche früher hatten bemerken laſſen, gänzlich abzuſchaffen, und zwar da— durch, daß ſie ſobald wie möglich gemäſtet und der Schlachtbank überliefert werden. Ein Verkauf von der⸗ gleichen Rinden zu anderen Zwecken, als zu denen des 4* 28 Schlachtens, würde polizeiwidrig und zugleich unred— lich ſein. Hat die Lungenſeuche in einer Heerde gänzlich auf⸗ gehört, ſo iſt eine Desinfection oder eine Reinigung des Stalles ꝛc. dringend erforderlich, um ohne Gefahr wieder anderes, geſundes Vieh in den Stall aufnehmen zu können. Ich habe mich zu dieſem Behufe folgen⸗ den Verfahrens bedient, und zwar ſtets mit erwünſch⸗ tem Erfolge. Der Miſt des inficirten Stalles, ſo wie etwa vorhandene Miſtjauche und Stroh werden durch Pferde auf das Feld gebracht und dort untergepflügt, oder vorläufig in einer Grube vergraben. Das etwa über dem Stalle befindliche Nauchfutter wird ſobald wie möglich in Pferde oder in Schafe verfüttert, welche für die Lungenſeuche nicht empfänglich ſind. Sodann werden alle Gegenſtände des Stalles, als Wände, Ständer, Krippen, Raufen, die Decke, der Fußboden, kurz Alles, was im Stalle ſich an Oberfläche dar— bietet, mit einem Kalkbrei überſtrichen, welcher die Conſiſtenz der Buttermilch hat, und welchem auf jeden Eimer voll zwei Pfunde Chlorkalk zugeſetzt ſind. Iſt dieſe Arbeit verrichtet, ſo werden Thüren und Fen⸗ ſter verſchloſſen. Nach drei bis vier Tagen wird dieſes Verfahren wiederholt, und nachdem auch jetzt Thüren und Fenſter mehrere Tage verſchloſſen gehalten wurden, 4. Lebensalter der Schafe zu erkennen. werden ſie ſämmtlich geöffnet, damit die Luft durch den Stall ſtreichen und den Chlordunſt aus demſelben entfernen kann. Da das Chlor die Bruſt ſtark afficirt, ſo muß einige Vorſicht bei deſſen Anwendung beob⸗ achtet werden. Während des Anſtreichens der Wände ac. müſſen Thüren und Fenſter offen ſtehen; nur erſt wenn die Arbeiter ſich entfernt haben, ſind die Thüren und Fenſter zu verſchließen. Bei dem zweiten Anſtrei⸗ chen ſind Thüren und Fenſter zuvor von außen, und längere Zeit zu öffnen, damit das Chlorgas, ehe die Arbeit beginnt, entweichen kann. Iſt auf ſolche Weiſe der Stall wieder einige Tage lang gelüftet, ſo kann unbedenklich neues Rindvieh wieder in den Stall auf⸗ genommen werden. Es iſt dabei nicht nöthig, daß die mit Kalk überſtrichenen Krippen und Raufen zuvor wieder abgewaſchen werden, denn Kalk und Chlorkalk ſind, ſelbſt in größerer Menge, unſchädlich. Auch die Eimer und ſonſtigen Stallgeräthe ſind mit Kalkbrei zu überſtreichen und auf dieſe Weiſe zu desinficiren. In den meiſten Staaten muß, nicht mehr als billig, der Ausbruch der Lungenſeuche von den Eigen⸗ thümern des kranken Viehes ſofort und bei Vermeidung von Strafe, der vorgeſetzten Behörde angezeigt werden, auch treten dann in der Regel verſchiedene polizeiliche Maaßregeln, als Sperre des Ortes ꝛc. ein. 4. Lebensalter der Schafe zu erkennen.(Tab. II.) Ganz wie bei den übrigen Hausthieren iſt das Lebensalter auch bei den Schafen nach dem Wechſel und der Beſchaffenheit der Zähne zu beſtimmen, und zwar bis einſchließlich ſechs Jahre ſehr ſicher, und auch in den ſpäteren Jahren noch ziemlich genau. Das Schaf hat, gleich dem Rinde, acht Schnei⸗ dezähne, und zwar, wie alle Wiederkäuer, nur allein im Unterkiefer. Der ſichtbare, aus dem Zahnfleiſche hervorragende Theil des Zahnes heißt die Krone. (Fig. 6. b.) An ihrem untern Ende wird die Krone dünner, der Knochen erſcheint eingeſchnürt, und wird hier vom Zahnfleiſche umfaßt. Dieſer Theil heißt der Hals des Zahnes.(Fig. 6. e.) Das untere, ſpitzig zulaufende Ende des Zahnes, ſteckt in der Zahnhöhle, und heißt die Wurzel.(Fig. 6. d.) Sämmtliche Zähne ſitzen nur locker in ihren Zahnhöhlen, ſo daß ſie mehr oder weniger beweglich ſind. Die beiden mittelſten der acht Schneidezähne heißen die Zangen; der nächſtfolgende, jederſeits, heißt der innere Mittelzahn; der dieſem nächſtfolgende, jederſeits, heißt der äußere Mittelzahn; der äußerſte Zahn, jeder⸗ ſeits, heißt der Eckzahn. Bei dem eben geborenen Lamme ſind nur erſt die beiden Zangen aus dem Zahnfleiſche hervorgetreten, und deshalb ſichtbar; nach ſechs bis acht Tagen werden auch die beiden innern Mittelzähne ſichtbar; vier bis ſechs Tage ſpäter kommen die beiden äußeren Mittel⸗ zähne zum Vorſchein, und nach noch weiteren ſechs bis acht Tagen kommen auch die beiden Eckzähne her⸗ vor, ſo daß etwa drei Wochen nach der Geburt des 4. Lebensalter der Lammes alle acht Schneidezähne vorhanden ſind. (Fig. 2.) Dieſe Zähne, welche Milchzähne genannt werden, nehmen nach und nach an Länge und Breite zu, und erlangen mit einem Jahre ihre vollſtändige Ausbildung.(Fig. 3.) Ihr oberer oder der Kronen⸗ rand erſcheint etwas zugeſpitzt.(Fig. 3. a.) Dieſe Milchzähne behält das Lamm achtzehn bis zwanzig Monate lang, worauf ſie denn nach und nach ausfallen, und durch andere Zähne, nämlich durch die Erſatz⸗ oder bleibenden Zähne, erſetzt werden, und zwar erfolgt dieſer Wechſel in derſelben Reihefolge, in welchem das Erſcheinen der Milchzähne früher ſtatt hatte. Dieſe Erſatzzähne, welche auch wohl Schaufeln genannt werden, unterſcheiden ſich von den Milchzäh⸗ nen vorzugsweiſe dadurch, daß der obere Rand der Zahnkrone nicht, wie bei den Milchzähnen, ſpitz, ſon⸗ dern gerade und ſtumpf erſcheint; außerdem ſind dieſe Zähne etwas ſtärker und breiter, als die Milchzähne, auch nicht mehr von der milchweißen Farbe, ſondern etwas gelblich. Iſt das Schaf achtzehn bis zwanzig Monate alt, ſo fallen die Milchzangen aus, und werden durch zwei neue, bleibende Zähne erſetzt.(Fig. 4. aa.) Ein ſolches Schaf heißt dann ein Zweiſchaufler. Iſt das Schaf zwei und ein halbes Jahr alt, ſo fallen die beiden inneren Mittelzähne aus, und es treten zwei bleibende Zähne in deren Stelle, ſo daß jetzt vier neue Zähne vorhanden ſind.(Fig. 5. aaaa.) Ein ſolches Schaf heißt jetzt ein Vierſchaufler. Iſt das Schaf drei und ein halbes Jahr alt, ſo fallen die beiden äußeren Mittelzähne aus, und zwei bleibende Zähne treten an ihre Stelle, ſo daß jetzt ſechs neue Zähne vorhanden ſind.(Fig. 6. aaaaaa.) Iſt das Schaf vier und ein halbes Jahr alt, ſo fallen endlich die beiden Eckzähne aus, und werden durch zwei bleibende Zähne erſetzt; ſo daß jetzt alle acht Zähne gewechſelt ſind.(Fig. 7.) Ein ſolches Schaf heißt ein Achtſchaufler. Schafe zu erkennen. 29 Iſt ein Schaf ſechs Jahre alt, ſo haben die blei— benden Zähne ihre vollſtändige Ausbildung erlangt; ſie erſcheinen beträchtlich lang und groß. Der obere Rand der Zahnkronen erſcheint geebnet und ſcharf— randig. Nach dem ſechſten Jahre ſind die Schneidezähne gewiſſen Veränderungen unterworfen, aus denen, wenn auch nicht ganz ſo ſicher, wie aus dem Wechſel der Zähne, das Lebensalter des Schafes dennoch mit ziemlicher Genauigkeit erkannt werden kann. Wir ſehen nämlich, daß die Kronenränder der Zähne nach und nach ſchartig, und daß ſie immer mehr abgenutzt werden, ſo daß die ganze Krone des Zahnes allmäh— lich verloren geht, und endlich bis faſt an die Wurzel des Zahnes verſchwindet. Dieſe Abnutzung der Kronen und ihr Schartigwerden findet faſt in derſelben Reihe⸗ folge ſtatt, in welcher der Zahnwechſel erfolgte. Iſt ein Schaf ſieben Jahre alt, ſo werden die beiden Zangenzähne am Kronenrande ſchartig.(Fig. 9. aa.) Bei einem achtjährigen Schafe werden die nächſten Zähne, manchmal ſtatt deſſen auch ein etwas entfernterer Zahn, ſchartig; die Scharte der Zangen⸗ zähne wird zugleich noch ſtärker.(Fig. 10. aaa.) Bei einem neunjährigen Schafe erſcheinen die Kronen der Zangen und innern Mittelzähne ſehr tief ausgebrochen, auch fangen andere Zähne an ſchartig zu werden. (Fig. 11. aaaa.) Bei einem zehn⸗ bis zwoͤlfjährigen Schafe ſind die Kronen aller Schneidezähne ausgebro⸗ chen, ſo daß von den Zähnen faſt nur noch die Wur⸗ zeln vorhanden ſind.(Fig. 12.) Unter gewiſſen Umſtänden, bei Krankheiten, bei gewiſſen Fütterungsweiſen ꝛc., weicht dieſe Abnutzung der Zähne nicht ſelten beträchtlich von der angeführten Regel ab. Einzelne Schafe verlieren zuweilen ſchon mit ſechs oder ſieben Jahren ihre Zahnkronen, wäh⸗ rend andere Schafe dieſelben faſt unverändert bis zum achten oder zehnten Jahre, und zuweilen ſelbſt noch länger behalten. Kräftigkeit und Geſundheit des Körpers geben den Zähnen im Allgemeinen eine län⸗ gere Dauer. 30 5. Milchfehler bei Kuͤhen. 5. Milchfehler bei Kühen.(Tab. II.) Die Milch der Kühe iſt zahlreichen Abweichungen vom natürlichen Zuſtande unterworfen, ſowohl in Rückſicht ihrer Menge als ihrer Beſchaffenheit. Ob⸗ ſchon einige dieſer Abweichungen genauer erforſcht ſind, als andere, ſo iſt dieſer Gegenſtand dennoch im Allge⸗ meinen bisher nur wenig befriedigend aufgeklärt, und nur ſehr ungenügend erörtert. Noch weniger, als bei der Kuhmilch, iſt dieſes bei der Milch der anderen Hausthiere der Fall, weßhalb wir uns denn auch hier auf die Kuhmilch beſchränken wollen, zumal da ſie in okonomiſchem Betrachte von ungleich größerer Wich⸗ tigkeit iſt, als die Milch anderer Thiere. Die Fehler der Milch ſind entweder quantitativ oder qualitativ; oft, und ſogar in der Regel, ſind beide Fehler zugleich vorhanden. Ihre Urſachen ſind ſehr zahlreich und mannigfaltig; einige von ihnen ſind bekannt, die meiſten unter ihnen ſind dunkel, und be⸗ ruhen mehr auf bloßen Vermuthungen, als auf nach— weisbaren Thatſachen. Qualität und Quantität der Futterſtoffe, viele innere und manche äußere krankhafte Zuſtände der Kuh, beſonders Verdauungsfehler, ver— ſchiedene Arzneikörper, Unreinlichkeit, ſelbſt einige Seelenzuſtände, z. B. Sehnſucht nach dem Kalbe, können eine Veränderung der Milch zur Folge haben. Ehe wir zu der ſpeciellen Abhandlung über die bekannteren, eigentlichen Milchfehler übergehen, wollen wir hier zuvörderſt einige Worte über die Kuhmilch im Allgemeinen voranſchicken. Die Milch beſteht weſent⸗ lich aus Rahm(Butter), Käſeſtoff(Käſe) und Mol⸗ ken; alle drei Stoffe ſind in friſcher Milch zu einer Art Emulſion verbunden. Friſch gemolken erſcheint die Milch von weißer, matter und undurchſichtiger Farbe, und von angenehmem, ſüßlichem Geruch, wel⸗ cher ſich jedoch nach dem Erkalten verliert. Nach kurzer Zeit ſteigen die ſogenannten Butterkügelchen— weil ſie leichter ſind, als die übrigen Beſtandtheile der Milch— in die Höhe, und ſammeln ſich auf der Oberfläche der Milch als Rahm. Gleichzeitig gerinnt der käſige Theil der Milch, und ſie erſcheint daher von dicker Conſiſtenz. Steht die Milch beträchtliche Zeit, ſo bedeckt ſich der Rahm mit Anfangs weißem, ſpäter grau, grün oder anders gefärbtem Schimmel. Der Geſchmack wird bitter, der Geruch dumpf und unange⸗ nehm, und endlich tritt völlige Fäulniß ein. Alle dieſe Veränderungen ſind natürlich, nicht regelwidrig.— Nach den intereſſanten, aber in Deutſchland wohl kaum bekannten Verſuchen eines Engländers, kann die Milch jahrelang unverändert aufbewahrt werden, und zwar durch nachſtehendes Verfahren. Die ſo eben gemol⸗ kene und noch warme Milch wird in eine Bouteille gethan, und ganz luftdicht verſchloſſen, worauf die alſo gefüllte Flaſche eine Viertelſtunde lang mit der gehö⸗ rigen Vorſicht in kochendes Waſſer geſtellt und dann an einem kühlen Orte, etwa im Keller oder unter Waſſer, bis zum Gebrauche aufbewahrt wird. Betrügeriſche Milchhändler verſetzen zuweilen wäſ⸗ ſerige oder mit Waſſer verdünnte und dadurch bläulich gewordene Milch mit Kreide, Gips, Mehl oder Stär⸗ kemehl, um ihr dadurch ein weißeres und fetteres An⸗ ſehen zu geben. Dieſer Betrug iſt ziemlich leicht zu entdecken; Kreide und Gips fallen, da ſie ſich in der Milch nicht auflöſen, beim Stehen derſelben zu Bo⸗ den; auch mit dem Stärkemehl und Mehl iſt dieſes zum Theil der Fall; gute Milch gibt aber keinen Bodenſatz. Wird Milch, welche mit Mehl oder Stär⸗ kemehl verfälſcht iſt, gekocht, ſo erſcheint dieſelbe mehr oder weniger dicklich, conſiſtent und zähe, welches bei geſunder Milch nach dem Kochen nicht der Fall iſt. Alles was von der Milch ſo eben geſagt iſt, gilt auch vom Rahme; oft muß derſelbe aber zuvor mit Waſſer verdünnt werden, um den Zuſatz zu entdecken. Sehr junge Kühe geben in der Regel dünne Milch; bei ſehr alten iſt ſie oft ſäuerlich. Am beſten ſcheint die Milch bei Kühen, welche das dritte Kalb geboren haben, zu ſein, und dann im dritten Monate nach dem Kalben. Im Winter geben die Kühe meiſt we— niger, aber fettere, im Sommer dagegen mehr und dünnere Milch. Grünfutter gibt dünnere Milch als Heu. Gewiſſe Subſtanzen und Pflanzenſtoffe haben die Eigenſchaft, einen Einfluß auf die Milchſekretion aus⸗ zuüben. Manche genoſſene Futterſtoffe ꝛc. haben die Fähigkeit ihren Geſchmack, Geruch oder ihre Farbe mehr oder weniger auf die Milch zu übertragen. Es ſollen nachſtehend einige, großen Theils völlig beglau⸗ bigte Verſuche und Beobachtungen in dieſer Beziehung mitgetheilt werden. 5. Milchfehler bei Kuͤhen. 31 Sauerampfer, anhaltend und in Menge gefüttert, machte die Milch weder ſauer, noch brachte derſelbe eine ſichtbare Veränderung in derſelben hervor. Lavendel, Thymian und Salbei, unter das Futter gemiſcht, machten die Milch fetter, aber ließen ſie ſonſt unverändert. Knoblauch, Zwiebeln, und überhaupt alle ſtark riechenden Zwiebelgewächſe, gaben der Milch und auch der Butter einen ſtarken Knoblauchgeruch. Gelbe Rüben(Möhren), in Menge gefüttert, än⸗ derten weder Farbe noch Geſchmack der Milch oder Butter. Färberröthe und Krapp gaben der Milch eine röth⸗ liche Farbe, nicht aber der Butter. Safran unter das Futter gemiſcht, änderte die Milch nicht; die Butter ſchien etwas gelber, doch ohne Safrangeruch. Theer brachte keine Veränderung hervor. Terpentinöl und Kampher theilten der Milch ihren Geruch mit. Wermuth und Aloe machten die Milch bitter. Genzianwurzel, Quaſſia und Bitterklee änderten den Geſchmack der Milch nicht; ſie wurde dadurch nicht bitter. Kamillen theilten der Milch ihren Geruch mit. Fenchel, Anis und Peterſilienwurzel ſchienen die Menge der Milch zu vermehren, ohne ſie jedoch zu verändern. Mehl, Leinſamen und Leinkuchen brachten eine ſichtliche Vermehrung der Milch hervor. Oelige Samen, Fett und Oel, vermehrten die Milch, aber ſie roch leicht etwas ranzig. Queckſilbermittel änderten die Milch nicht, auch ging davon nichts in die Milch über. Münzkraut macht die Milch ſchwer buttern. Mais gab viel, aber dünne Milch. Kochſalz macht die Milch ſalzig. Man fand die Milch von Kühen, welche am Meeresſtrande geweidet und mit dem Futter viel Salz verſchluckt hatten, ſo ſalzig, daß ſie ungenießbar war. Milch von Kühen, welche an der Maulſeuche lei— den, iſt manchmal für Ferkel und Kälber tödtlich; auch für kleine Kinder ſcheint ſie nicht unſchädlich zu ſein. Endlich noch ſcheinen manche Gifte in die Milch überzugehen, z. B. Grünſpan. Die Milch einer Ziege, deren Futter in einem kupfernen Keſſel aufbe⸗ wahrt und dadurch mit Grünſpan verunreinigt war, brachte bei drei Menſchen, welche dieſe Milch genoſſen, eine beinahe tödtliche Vergiftung hervor. Wahrſchein⸗ lich würde es ſich bei der Kuh eben ſo verhalten, wie hier bei der Ziege. Viele Milchfehler, und wohl die meiſten, entſtehen aus einer ſchlechten, unregelmäßigen Verdauung; bei Unverdaulichkeit, Magenſäure, Verſchleimung, auch bei Leberkrankheiten ꝛc. Verdauung und Milchſekretion ſtehen in ſo innigem Zuſammenhange, daß die Stö⸗ rung der einen Function auch leicht die der andern zur Folge hat. Manche Milchfehler ſind Folge des Genoſſenen, welches einen Theil ſeiner Eigenſchaften der Milch mittheilt; andere endlich ſind Folge ver⸗ ſchiedener örtlicher oder allgemeiner Krankheiten. Die hauptſächlichſten und bekannteren Milchfehler ſind nachſtehende: a) Wäſſerige Milch. Sie ſetzt wenig Rahm an, enthält wenig Butter und Käſe, dagegen im Uebermaße Molken; ſie iſt ſehr dünnflüſſig, gleich nach dem Melken bläulich, am Rande des Gefäßes halb durchſichtig, und hat das Anſehen, als wenn Waſſer und Milch gemiſcht werden; die Gerinnung erfolgt nicht ſo beträchtlich, als bei guter Milch. Es kommt dieſer Fehler ſehr oft vor. Die Urſachen der ungewöhnlichen Wäſſerigkeit der Milch ſind ſehr zahlreich, aber viele derſelben ſind un⸗ bekannt und dunkel. Am häufigſten ſehen wir dieſen Milchfehler im Sommer, bei Grünfutter, zumal wenn es anhaltend naß iſt, bei häufigem Regenwetter, nach Kartoffeln, Rüben und deren Blättern, nach ſchlechtem Heu, nach gekochtem Futter, bei ſchwächlichen, kränk⸗ lichen Kühen, beſonders bei ſchlechtem Appetite und ſchlechter Verdauung. Junge Kühe, nach dem erſten Kalben, geben in der Regel ſehr wäſſerige Milch. Bei und nach den meiſten ſchweren Krankheiten, bei alten Lungenfehlern ꝛc., iſt es derſelbe Fall; ſo auch bei den Kühen, welche verworfen haben. Zur Hebung dieſes Fehlers muß man vorzugsweiſe die Urſachen ins Auge faſſen. Iſt eine irgend erſichtliche Krankheit vorhanden, ſo iſt deren Heilung oder mög⸗ lichſte Verminderung das erſte Erforderniß; es leuchtet ein, daß ohne deſſen Erfüllung keine Aenderung in der Milchſekretion zu erwarten ſteht. Iſt die Krankheit unheilbar, ſo iſt es am beſten das Thier zu ſchlachten. Sind Appetit und Wiederkäuen träge und unregel⸗ mäßig, leidet die Kuh an periodiſchem Aufblähen, ff 32 5. Milchfehler bei Kuͤhen. oder an Durchfall, ſo muß dagegen ein paſſendes Heilverfahren eingeleitet werden, wovon an anderen Orten ſpeciell die Rede ſein wird. Schwache und ſchwach verdauende Kühe erhalten das beſte und ſehr nahrhaftes Futter, als Körner, Schrot, Mehl, gutes, feines Heu ꝛc. Um die ſchwache Verdauung zu heben, geben wir bittere, gewürzhafte Mittel, z. B. ein Pulver aus Wermuthkraut, Kalmuswurzel und Koch⸗ ſalz, von jedem ſechs Loth, gelben Senf drei Loth, Brechweinſtein ein Loth. Von dieſem Pulver werden der Kuh täglich zwei bis drei Mal, jedesmal zwei gehäufte Eßlöffel voll, mit etwas Waſſer eingegeben, und zwar vier bis ſechs Tage hintereinander. Die Kuh muß dabei Ruhe haben, mit gutem Waſſer ge⸗ tränkt und in einem trockenen Stalle gehalten werden. Bei vielen Kühen bleibt jeder Verſuch eine fettere Milch zu erzielen, fruchtlos. Die Schlachtbank iſt dann am beſten. b) Bittere Milch. Die Milch ſelbſt iſt hier⸗ bei im Anſehen ſelten verändert, ſondern nur im Geſchmacke; ſie ſchmeckt mehr oder weniger bitter. Manchmal buttert ſich eine ſolche Milch auch nicht gut. Zuweilen liegt der Grund des bitteren Geſchmackes in dem Genoſſenen. Iſt dieſer Grund vorhanden, und die Urſache im Futter zu ſuchen, ſo wird ſolches Futter der Kuh fernerhin entzogen, worauf ſich der Fehler, auch ohne ſonſtige Mittel, ſehr bald verlieren wird. Oefters indeſſen iſt ein Verdauungsfehler ſchuld, und noch öfterer eine Leberkrankheit, In letzterem Falle tritt ein Theil der Galle in das Blut zurück, und geht aus dem Blute in die Milch über. Dergleichen gallige Milch erſcheint dann nicht nur von bitterem Geſchmacke, ſondern auch von einer mehr oder weniger gelblichen Farbe. Aber auch an der Kuh ſelber iſt das Leber⸗ leiden meiſtens ſichtbar, und zwar an einer gelblichen Farbe des Weißen im Auge, der Zunge und des Zahnfleiſches, am Euter und an allen weißen Haut⸗ ſtellen, beſonders an den dünnbehaarten Stellen. Um ſolche Verdauungs⸗ und Leberleiden zu heilen, geben wir— vorausgeſetzt, daß die Kuh nicht etwa am Durchfall leide— drei Tage hintereinander, oder bis zum erfolgenden Durchfalle, täglich eine Pille aus Calomel und Brechweinſtein, von jedem vierzig Gran, ein Loth Aloe und zwei Loth Seife. Der bittere Geſchmack, welchen die Aloe der Milch mittheilt, ver⸗ liert ſich ſehr bald wieder. Statt dieſes Mittels kann der Kuh auch eine Laranz aus vier und zwanzig bis zwei und dreißig Loth Glauberſalz, in Kamillenthee aufgelöſt, auf einmal gegeben werden. An andern Orten wird ausführlicher von den Leberkrankheiten gehandelt werden. c) Zähe Milch. Das Langwerden oder die zähe Milch kommt oft vor; der Fehler iſt entweder gleich nach dem Ausmelken vorhanden, oder er findet ſich erſt einige Zeit nachher ein. Nachdem die Milch eine kurze Zeit geſtanden hat, und erkaltet iſt, erſcheint ſie beim Ausgießen ſchleimig, dicklich, fadenziehend, und es bleibt viel von ihr an den Wänden des Gefäßes zurück. Der Geſchmack iſt fade und eckelhaft, ſie ſetzt wenig Rahm an, und giebt nur ſchwer und auch nur wenig Butter. Oft iſt die zähe Milch zugleich ſäuer— lich; ſie gerinnt dann ſehr ſchnell, und giebt nur eine dünne Rahmſchicht, weil die Gerinnung zu ſchnell erfolgt, als daß der Rahm Zeit hätte, in die Höhe zu ſteigen. Er wird zum Theil in dem Käſe zurück gehalten. Ueber die Urſachen des Langwerdens der Milch iſt kaum etwas Verläßliches bekannt. Im Allgemeinen beſchuldigt man ſchlechtes Futter, dumpfiges Heu, ge⸗ kochte Knollengewächſe, ſaueres Spülicht, ſauere Schlämpe ꝛc. Häufiger mag der Fehler wohl aus ſchlechter Verdauung, aus Verſchleimung und Säure im Magen und in den Gedärmen herrühren. Zur Brunſtzeit, und bei Kühen, welche oft brünſtig ſind, ohne tragend zu werden, iſt die zähe Milch ſehr ge— wöhnlich. Ob Schmutz überhaupt, und Unrein— lichkeit der Milchgeſchirre insbeſondere, die zähe Milch erzeugen können, wie oft behauptet wird, ſteht dahin. Die Kur hat beſonders damit zu ſchaffen, daß die geſtörte Verdauung in Ordnung gebracht werde. Zu dem Ende geben wir von vorn herein eine Laxanz aus vier und zwanzig bis zwei und dreißig Loth Glauber⸗ ſalz mit Waſſer aufgelöſt, und einige Tage ſpäter gewürzhafte und bittere, magenſtärkende Mittel, z. B. ein Pulver aus Kamillen, Calmuswurzel und Kümmel, von jedem ſechs Loth, Kochſalz zwei Loth; täglich drei Mal, jedesmal einen gehäuften Eßlöffel voll, mit Waſſer, und vier bis ſechs Tage lang zu wiederholen. Vermuthet man Säure im Magen, ſo werden dem genannten Pulver ſechs Loth Kreide zugeſetzt, welche überhaupt als Zuſatz niemals ſchaden kann. Brünſtige Kühe werden zum Stiere geführt. Zuweilen rührt eine häufig wiederkehrende Brünſtigkeit von Verdau⸗ 5. Milchfehler bei Kuͤhen. ungsfehlern her. Hier paſſen dann ebenfalls die obengenannten Arzneien. Das Futter muß gewählt, von guter Beſchaffenheit und reichlich ſein. Außerdem iſt für die höchſte Rein⸗ lichkeit der Milchgeräthe, welche Vorſchrift ja außerdem in allen Fällen gilt, Sorge zu tragen. d) Schnelles Sauerwerden der Milch. Dieſer Fall, der auch das Zuſammenlaufen der Milch genannt wird, ereignet ſich nicht gar ſelten. Die Milch gerinnt ungleich ſchneller als im geſunden Zu⸗ ſtande, beſonders beim Kochen. Friſch gemolken erſcheint die Milch ganz geſund; zuweilen iſt ſie aber auch ſäuerlich und mehr oder weniger zähe. In der Regel iſt die ſauere Beſchaffenheit dieſer Milch durch den Geſchmack nicht zu entdecken; wohl aber iſt die Säure durch chemiſche Mittel, z. B. durch blaues Lakmuspapier, nachzuweiſen. Meiſt iſt dergleichen Milch ſchwer zu buttern. Zuweilen gerinnt ein Theil der Milch ſchon im Euter; es werden dadurch die Milchgänge verſtopft, und beim Melken werden geron⸗ nene Milchſtücke, in Form von einem fadenförmigen, käſigen Gerinnſel mit der übrigen Milch ausgemolken. Als Urſache der ſchnellen Säuerung der Milch ſind verſchiedene Verdauungsfehler, ſaures, ſchlechtes Futter, Säure im Magen, dann unreine Milchge⸗ räthe ꝛc. zu beſchuldigen. Daß die Milch bei heftigen Stürmen und bei Gewittern nicht ſelten zuſammen⸗ läuft, und ſchnell ſauer wird, iſt ſehr bekannt. Hier ſpielt dann ein gewiſſer elektriſcher Zuſtand der Atmo⸗ ſphäre die Hauptrolle. Heftige, auf die Kühe ein⸗ wirkende Sonnenhitze ſoll dieſelbe Wirkung haben. Wie bei allen Milchfehlern, ſo iſt auch hier dafür zu ſorgen, daß das Futter, welches gereicht wird, durchaus unverdorben und gut ſei; die geſtörte Ver⸗ dauung wird verbeſſert, und zwar durch dieſelben Mittel, welche bei der zähen Milch empfohlen wurden. Außerdem erhält die Kuh, um die im Magen etwa vorhandene Säure zu brechen, täglich vier bis ſechs Eßlöffel voll Aſche von hartem Holze aufs Futter, oder mit Mehlwaſſer eingegoſſen; oder ſtatt deſſen ein Loth Pottaſche, oder zwei Loth Gips oder Kreide, ebenfalls mit Mehlwaſſer. Starker Sonnenhitze darf die Kuh nicht ausgeſetzt werden. Die Milchgeräthe müſſen mit Aſchenlauge oder Kalk, ſorgfältig gereinigt werden. Zuweilen gerinnt, wie ſchon angeführt, die Milch ſchon im Euter der Kuh; findet es ſich dabei, daß die 33 ausgemolkene Milch nicht die Eigenſchaften der ſäuer⸗ lichen Milch hat, ſo daß ſie z. B. beim Kochen nicht gerinnt, ſo liegt der Fehler lediglich im Euter. Ein Theil der Milch nämlich verweilt ſo lange im Euter, bis ſeine Gerinnung, wie ſie bei jeder Milch nach län⸗ gerer Zeit ſtatt hat, ſchon im Euter erfolgt. Um dieſen an ſich unbedeutenden Fehler zu heben, wird das Euter täglich vier bis fünf Mal, aber ſanft und vorſichtig, ausgemolken, mit lauwarmer Milch oder Seifenwaſſer öfters gebäht und gewaſchen, auch wohl mit Aufgüſſen von Heuſamen, mit Branntwein⸗ ſchlämpe ꝛc. Abends wird etwas Fett oder grüne Seife auf die kranken Zitze geſtrichen. Gibt eine der Zitzen keine Milch, ſelbſt nach verſchiedenem Drücken derſelben, ſo ſuchen wir den verſtopften Milchkanal durch vorſichtiges Einbringen einer dicken Stricknadel, oder eines anderen paſſenden Inſtrumentes, zu öffnen, jedoch iſt dabei eine Verletzung der Zitze ſorgfältig zu vermeiden. e) Rothe Milch. Die rothe Färbung der Milch kann ſehr verſchiedene Grade haben, und von ſehr ver⸗ ſchiedenen Urſachen herrühren. Röthlich kann die Milch erſcheinen, in Folge von genoſſenen Subſtanzen, welche ihre rothe Farbe der Milch mittheilen. Leider ſind noch nicht alle Subſtanzen und Futterſtoffe be⸗ kannt, denen dieſe Fähigkeit beiwohnt. In dergleichen Fällen iſt der Farbeſtoff innig und gleichmäßig mit der Milch gemiſcht, und er trennt ſich, ſelbſt nach dem Erkalten, nicht von derſelben. In anderen Fällen kann die Milch eine etwas blutige Beſchaffenheit an⸗ nehmen; z. B. nach dem Genuſſe von den Hahnen⸗ fußarten, der Wolfsmilch, der Sproſſen von Fichten, Erlen, Pappeln ꝛc. Gewöhnlich entſteht zwar nach dergleichen Futter nur das Blutharnen, mitunter aber auch zugleich die blutige Milch. Endlich kann die blutige Milch noch im Euter ſelbſt entſtehen, durch Stöße und Quetſchungen, welche das Euter trafen, durch plumpes Melken, durch heftige Entzündungen ꝛc., indem dabei kleine Blutgefäße zerreißen. Oft kommt in dergleichen Fällen die blutige Milch nur aus einer einzigen Zitze. Wenn das Blut erſt im Euter zu der Milch kommt, ſo gerinnt daſſelbe, und ſetzt ſich in der Milch als körnige, klumprige Maſſe zu Boden. Bei Milch, welche ſehr lange Zeit ſteht, bedeckt ſich der Rahm derſelben zuweilen an einzelnen Stellen oder überall mit einem rothen, feinen Schimmel. Dieſes iſt natürlich, und nicht fehlerhaft. Du es indeſſen 34 5. Milchfehler bei Kuͤhen. nicht eine rothe Milch giebt, welche durch ähnliche Urſachen, wie die ſpäter anzuführende blaue Milch, entſteht, iſt bisher noch eine unausgemachte Sache geblieben. Meiſtens iſt es nicht ſehr ſchwer die rothe Milch zum Verſchwinden zu bringen. Iſt es bekannt, oder auch nur der Verdacht vorhanden, daß die Kuh Stoffe genoſſen hat, welche ihr rothfärbendes Princip der Milch mittheilten, ſo werden dieſe, wie ſich von ſelbſt verſteht, ſorgfältig vermieden. Man giebt dann anderes, und ſolches Futter, welches in dieſer Hinſicht erfah— rungsmäßig unverdächtig iſt. Wurde die Milch blutig durch den Genuß von ſcharfen Kräutern, Sproſſen junger Bäume ꝛc., ſo iſt auch hier dergleichen Fütte⸗ rungsweiſe ſorgfältig zu vermeiden. Aderläſſe, Sal⸗ peter, Glauberſalz, und unter Umſtänden manche andere Mittel, ſind zugleich erforderlich, wovon bei dem Blutharnen, welches in dergleichen Fällen von blutiger Milch meiſt gleichzeitig vorkommt, ausführ⸗ licher die Rede ſein wird. Starkes Treiben, zumal in großer Hitze, ſo wie überhaupt jede große, das Blut ſehr in Wallung bringende Anſtrengung der Kuh, wird vermieden. Nicht ſelten erſcheint, wie oben geſagt, die Milch blutig, durch irgend einen kranken Zuſtand des Euters ſelbſt. Es iſt deshalb in allen Fällen, wo ſich die blutige Milch zeigt, uner⸗ läßlich, zuvörderſt das Euter zu unterſuchen. Sind hier Verhärtungen, Entzündungen ꝛc. vorhanden, ſo iſt dagegen ein angemeſſenes örtliches, nöthigenfalls auch allgemeines Heilverfahren einzuſchlagen. Bei den Krankheiten des Euters werden wir hierauf aus⸗ führlicher zurückkommen. f) Verſiegen der Milch. Eine regelwidrige Verminderung, oder ſelbſt ein gänzliches Aufhören der Milchſekretion gehört zu den häufigſten und oft genug beklagten Vorkommenheiten. Meiſt iſt die Milchverminderung auch mit einer großen Wäſſerigkeit der Milch verbunden. Ueber die wahren Urſachen iſt meiſtens wenig oder gar nichts bekannt, und dieſelben ſind nur ſelten ſichtbar. Daß Kühe, welche an einer allgemeinen, fieberhaften, oder langwierigen, mit Abmagerung verbundenen Krankheit leiden, wenig oder gar keine Milch geben, iſt eben ſo bekannt, als leicht zu erklären. Großer Säfteverluſt, anhaltender Durchfall, ſchlechtes und unzureichendes Futter, viele Krankheiten des Euters, ſehr ſchmerzhafte Leiden äußerer Theile ꝛc., haben denſelben Erfolg.(So giebt z. B. eine mit einer ſchmerzhaften Entzündung der Klauen behaftete Kuh weniger Milch, als ſonſt.) Kühe, welche lange nicht gekalbt haben, verlieren endlich die Milch; ſo auch ſolche, welche viel Fett anſetzen, die verworfen haben ꝛc. Ferner gehören hierher die Träch⸗ tigkeit, große Magerkeit, aus was immer für Urſachen, die Brünſtigkeit, zumal wenn ſie oft wiederkehrt, Ver⸗ dauungsfehler, einige Gemüthszuſtände, z. B. Heim⸗ weh, die Sehnſucht nach dem abgeſetzten Kalbe ꝛc. Auch ſtarke Anſtrengungen jeder Art ſollen eine verminderte Milchſekretion nach ſich ziehen. Dieſer Punkt ſcheint mir jedoch nicht nur nicht ausgemacht, ſondern ſogar auf einem Irrthum zu beruhen, welche Meinung ich durch nachſtehende Thatſachen beweiſen zu können glaube. Vor mehreren Jahren nämlich ſah ich auf dem Landgute eines Magnaten in Ungarn eine große Menge vortrefflicher Schweizerkühe im Pfluge ziehen. Be⸗ fremdet über ſolch ungewöhnliches Schauſpiel äußerte ich, daß der Milchertrag von dieſen arbeitenden Kühen wohl nur ſehr gering, wo nicht Null ſein müſſe. Dem war aber nicht ſo. Die Kühe gaben, nach Ausweis des mir vorgezeigten und ſeit längerer Zeit und ſehr ſorgfältig geführten Journals, nicht nur nicht weniger Milch, als zu der Zeit, wo dieſelben nicht gearbeitet hatten, ſondern ſie gaben ſogar noch eine nicht unbe— deutende Menge Milch mehr. Dieſer Mehrertrag ließe ſich vielleicht auf Rechnung einer, den arbeitenden Kühen zu Theil werdenden, beſſeren Fütterungsweiſe ſetzen, obſchon auch dieſe An⸗ nahme noch in Frage geſtellt werden muß. Sodann iſt mir ein Fall bekannt, in welchem die Bauern eines Dorfes ihre Kühe von der eine halbe Meile entfernten Weide täglich zweimal zum Melken nach Hauſe kom— men laſſen, ſelbſt in den heißeſten Sommertagen; die Kühe hatten alſo täglich zwei Meilen zu gehen. Früher wurde die Milch den Kühen auf der Weide entnom⸗ men, und ſie blieben daſelbſt in Ruhe. Durch wie⸗ derholte und ſehr genaue Vergleichungen der unter ſo verſchiedenen Umſtänden erhaltenen Milchquanta fand man jedoch, daß der Milchertrag durchaus derſelbe blieb, mochten die Kühe auf der Weide gemolken wer— den, oder täglich zweimal den weiten Marſch zum Dorfe machen. Dieſe angeführten Thatſachen, deren Richtigkeit ich zu verbürgen im Stande bin, ſcheinen der höchſten Beachtung der Landwirthe werth zu ſein. Sie erlau— 5. Milchfehler bei Kuͤhen. 35 ben eine doppelte Benutzung der Kühe, auf Milch und auf Arbeit zugleich, wobei der geringe Nachtheil eines kleinen, dabei ſtattfindenden Düngerverluſtes wohl nicht in Anſchlag gebracht werden kann. Uebrigens ſcheinen den obigen analoge Beobach⸗ tungen beim Menſchen das Befremdende derſelben zu entfernen. Vornehme Frauen, welche von jeder Arbeit befreit ſind, und die oft der äußerſten Pflege und Ruhe genießen, haben in ſehr vielen Fällen nicht Milch genug für ihren Säugling. Sie müſſen eine Amme nehmen. Die Frau eines Tagelöhners dagegen hat, der täglichen körperlichen Anſtrengungen und einer wenig guten Koſt ungeachtet, in faſt allen Fällen für ihr Kind Milch in Ueberfluß; nicht ſelten ſäugt ſie zwei Kinder zugleich. Aus dieſer Thatſache erhellt daher, daß Arbeit im Allgemeinen die Milchſekretion nicht nur nicht beſchränkt, ſondern ſogar zu vermehren ſcheint, welches vielleicht in dem ſtärkeren und raſcheren Blutumlaufe, den Arbeit und Bewegung zur Folge hat, begründet ſein mag. Gegen das Verſiegen oder die Verminderung der Milch giebt es kaum ein nur einigermaßen erfolgreiches, geſchweige ein ſicheres und ſpecifiſches Mittel, ſo groß die Anzahl der bisher vorgeſchlagenen auch iſt. Es iſt indeſſen einleuchtend, daß ſich, bei den überaus großen Verſchiedenheiten der Urſache, hierüber im All⸗ gemeinen nicht recht etwas angeben läßt. Sind die Urſachen erkennbar und erkannt, ſo werden dieſe ſo bald als möglich entfernt, und gegen etwa vorhandene örtliche oder allgemeine Krankheiten wird ein entſpre⸗ chendes Kurverfahren eingeleitet. Setzt die Kuh bedeutend Fett und Fleiſch an, geht alſo, wie man zu ſagen pflegt, die Milch ins Fleiſch, ſo thut man am beſten das Thier zum Schlachten zu mäſten. Der Verſuch das Fettwerden der Kuh durch knapperes Futter zu verhindern, würde, in Bezug auf die Vermehrung der Milch, erfolglos ſein, und den gänzlichen Verluſt der Milch um ſo ſicherer herbeifüh⸗ ren. Liegt der Fehler an großer Jugend der Kuh, ſo warte man; nach dem zweiten oder dritten Kalbe pflegt ſich die Milch in größerer Menge einzuſtellen. Bei Kühen, welche verworfen haben, muß das nächſte Kalben abgewartet werden. Verliert ſich die Milch bei ſehr alten Kühen, ſo iſt ſelten auf Verbeſſerung zu hoffen. Allzumagere, verhungerte Kühe werden beſſer gefüttert. Verliert ſich die Milch unerwartet und unter ungewöhnlichen Umſtänden, ſo iſt meiſt ein Verdauungsfehler die Urſache, ſelbſt dort, wo derſelbe vielleicht nicht in die Augen fällt. In ſolchen Fällen läßt ſich auf die Wiederkehr der Milch ziemlich beſtimmt hoffen, und zwar durch Anwendung bitterer, gewürz— hafter Mittel, denen ähnlich, oder ganz gleich, wie ſie bei der zähen und wäſſerigen Milch bereits angegeben wurden. Es iſt eine ſehr große Menge von ſogenann⸗ ten milchbefördernden Mitteln vorgeſchlagen worden, und manche davon ſtehen in beträchtlichem Rufe; auffallenden oder auch nur ſehr ſichtbaren Nutzen leiſtet indeſſen kaum ein einziges. Kümmel, Anis, Fenchel, Meiſterwurzel, Peterſilienwurzel, Leinkuchen ꝛc. ſind beſonders gerühmt, und ſie ſcheinen zuweilen auch einigen Erfolg zu haben. Verſuchsweiſe können wir uns nachſtehender Zuſammenſetzung bedienen. Kümmel, Fenchel, Kalmuswurzel, von jedem acht Loth, Koch⸗ ſalz und gelber Schwefel, von jedem zwei Loth; hier⸗ von täglich zwei Mal, jedes Mal zwei gehäufte Eßlöffel voll mit Waſſer oder Bier zu geben. g) Blauwerden der Milch. Unter allen Milchfehlern iſt die ſogenannte blaue Milch ohne Ver⸗ gleich der intereſſanteſte und auch der am beſten ge⸗ kannte, obgleich in Rückſicht der entfernteren Urſachen noch Manches dunkel und unerklärt geblieben iſt. Die blaue Milch kommt bei Kühen ziemlich oft vor, und zwar in manchen Gegenden häufiger als in anderen. Die Milch, friſch gemolken, erſcheint von geſundem Anſehen, ſowohl in Bezug auf Farbe, als der ſonſti⸗ gen phyſikaliſchen Eigenſchaften. Nach Verlauf von etwa vierundzwanzig bis achtundvierzig Stunden, wenn die Rahmbildung begonnen hat, entſtehen auf dem Rahm einzelne, kleine, zerſtreute, blaue Punkte(Fig. 1. bb.), welche ſich nach und nach vergrößern, inein⸗ ander fließen(Fig. 1. cc.), und nicht ſelten die ganze Oberfläche des Rahms bedecken. Manchmal bleibt es aber auch bei einzelnen, größeren oder kleineren blauen Punkten, welche wie Inſeln auf dem Rahme erſcheinen, welcher an den von Punkten freien Stellen, von gewöhnlicher Farbe und ſonſtiger Beſchaffenheit erſcheint(Flg. 1. a.). Die Flecken, zumal die grö⸗ ßeren, haben eine ſchöne tiefblaue, etwa wie Waſchblau, Indigo oder blauer Carmin ausſehende Farbe. Am Rande ſind dieſe blauen Flecken etwas grünlich. Steht die blaue Milch lange Zeit, ſo bildet ſich auf ihr, ganz ſo wie bei jeder anderen Milch, ein weißer, grauer, rother oder anders gefärbter Schimmel, welcher dann die blaue Farbe mehr oder weniger maskirt und un⸗ 5* kenntlich macht. Bei warmer Temperatur wird die Milch ſtärker und tiefer blau, als in kalter. Zuerſt bildet ſich, wie geſagt, die blaue Farbe auf dem Rahme; ſpäter verbreitet ſich von hier aus dieſe Farbe auch nach unten, und in die Milch ſelbſt, ſo daß ſie entweder nur ſtellenweiſe, oder auch durch und durch blau wird; nie jedoch iſt die Bläue an der Milch ſo ſtark, als am Rahme. Dergleichen blauer Rahm buttert ſich ſchwer; die Butter iſt zuweilen von etwas ſchmutzig⸗grauer, oft aber von ganz gewöhnlicher Farbe; ihr Geſchmack iſt wenig oder gar nicht verändert, oder er iſt etwas ranzig. Dagegen erſcheint die Buttermilch grünlich-blau, ſo daß der blaue Farbeſtoff in ihr faſt allein zurück zu bleiben ſcheint. Der Käſe iſt weich, ſonſt ohne ver⸗ änderte Farbe; die Molken ſind ſehr reichlich, etwas ſchleimig und fadenziehend. Alle Theile der blauen Milch ſind beim Genuſſe, ſowohl für Menſchen als Thiere unſchädlich. An den blaue Milch gebenden Kühen iſt faſt nie etwas Krankhaftes zu verſpüren; ſie erſcheinen meiſtens vollkommen geſund. Seit langen Jahren iſt man bemüht geweſen das auffallende Phänomen des Blauwerdens der Milch zu erklären, die Urſachen zu ergründen, und beſonders die Natur des blaufärbenden Stoffes feſtzuſtellen. Die zahlreichſten und oft ziemlich abſurde Meinungen und Hypotheſen ſind in dieſer Hinſicht aufgeſtellt worden. Die Meiſten ſetzten das Princip des blaufärbenden Stoffes in eine, dem Indigo ähnliche Subſtanz, welche in dem aufgenommenen Futter enthalten, der Milch mitgetheilt und durch einige chemiſche Umwandlungen an der, der Luft ausgeſetzten Milch zum Vorſchein kom⸗ men ſollte. Dieſe und andere Hypotheſen ſind jedoch irrig; wir wiſſen jetzt gewiß, wodurch die blaue Farbe der Milch hervorgebracht wird. Fuchs(Lehrer an der Königl. Thierarzneiſchule zu Berlin) hat in der jüngſt vergangenen Zeit dieſe bisher dunkel gebliebene Er⸗ ſcheinung völlig aufgehellt, und ſeine diesfälligen Ver⸗ ſuche und Beobachtungen in einer kleineren Schrift niedergelegt. Der genannte Thierarzt fand nämlich, durch zahlreiche, mit eben ſo großem Scharfſinn als mit Sorgfalt angeſtellte mikroskopiſche Unterſuchungen, daß die blaue Farbe der Milch durch ſogenannte In⸗ fuſionsthiere hervorgebracht werde, kleine Geſchöpfe, welche zu den niedrigſten Thieren gehören, welche es giebt(durch Fig. 16. ſind dieſe Infuſionsthiere unter einer ſehr ſtarken Vergrößerung dargeſtellt). Anfangs 36 5. Milchfehler bei Kuͤhen. finden ſich im Rahme nur wenige dergleichen Thiere; doch vermehren ſie ſich in kurzer Zeit auf faſt unglaub— liche Weiſe; durch ihre Vermehrung entſteht die Ver⸗ größerung der blauen Flecken der Milch, und die Bläue iſt um ſo ſtärker, je mehr dergleichen Thiere ſich neben einander gehäuft befinden. Die Größe dieſer Infu— ſionsthiere iſt ſo gering, daß ſie nur bei ſehr ſtarker Vergrößerung ſichtbar werden, und daß gegen vierzig⸗ tauſend Stück kaum die Oberfläche einer ſehr kleinen Linſe bedecken würden. Sie ſind von bedeutender Lebenszähigkeit; wochenlang eingefroren oder aufge⸗ trocknet, behalten ſie Leben und Bewegung, wenn ſie wieder aufgethauet oder befeuchtet werden. Wird etwas von dem blauen Rahme in andere, geſunde Milch gebracht, ſo wird auch dieſe blau, und zwar in dem Maaße, als die Thiere ſich wieder vermehren. Auf dieſe Weiſe läßt ſich die blaue Milch auf andere Milch nach Belieben übertragen; ſie iſt alſo ſo zu ſagen anſteckend, nicht durch die Luft, wie z. B. die Pocken, ſondern durch genaue Berührung, wie z. B. die Krätze. Geſunde Milch, neben blaue geſtellt, wird nicht blau; aber durch verſchiedene Zwiſchenkör⸗ per kann die blaue Milch auf geſunde Milch übertra— gen werdenz ſo ſah ich z. B. dieſe Uebertragung einmal durch eine Fliege bewirkt werden. Die Dauer dieſes Milchfehlers bei Kühen iſt ſehr verſchieden; er kann mehrere Monate, ſelbſt ein halbes Jahr, in einer Heerde vorhanden ſein, auch kann er in wenigen Wochen ſchon wieder verſchwinden. Es giebt einige Beobachtungen, wo eine Kuh nur vier bis ſechs Tage lang, nachdem ſie vorher gekalbt hatte, blaue Milch gab, und das wiederholte ſich bei jedes— maligem Kalben mehrere Jahre hintereinander. Zu⸗ weilen verſchwindet ſie faſt plötzlich, kehrt aber leicht wieder bei derſelben Kuh. Nie wird ſie tödtlich, ſie verſchwindet allemal früher oder ſpäter von ſelbſt, und ſcheint der Kuh keinen bemerkbaren Nachtheil zu bringen. Wenn wir nun zwar jetzt auch wiſſen, wodurch die blaue Farbe der Milch zunächſt hervorgebracht wird, ſo iſt es doch noch nicht dargethan, welche Umſtände die Entſtehung der blaufärbenden Infuſions⸗ thiere bedingen. Die blaue Milch zeigt ſich erfah— rungsmäßig unter den verſchiedenſten Umſtänden, und bei der verſchiedenartigſten Viehhaltung; ſie kommt in naſſen und trockenen Jahren, auf Bergen und in Thälern ꝛc. vor; oft unter ganzen Heerden. Einige 5. Milchfehler bei Kuͤhen. Stücke der Heerde pflegen indeſſen allemal frei zu bleiben. Im Sommer und bei Weidengang kommt die blaue Milch häufiger vor, als im Winter. Die Kühe erſcheinen völlig geſund dabei; dennoch müſſen wir annehmen, daß irgend eine Verrichtung im Körper, ſei es in der Verdauung, in der Milchabſonderung, oder in beiden zugleich naturwidrig und geſtört iſt, wenn auch auf eine, für uns unerkennbare Weiſe. Daß der Genuß gewiſſer Pflanzen, z. B. blühender rother Klee, Luzerne, Lingelkraut, Haferſtroh; ſodann Lungenfehler, große Sonnenhitze ꝛc. Urſache der blauen Milch abgeben können, wie wohl behauptet worden, iſt kaum anzunehmen, da wir den Fehler bei der ver⸗ ſchiedenſten Fütterungsweiſe vorkommen, und, ſelbſt bei demſelben Futter, oft ſogar ſehr ſchnell wieder verſchwinden ſehen. Da die blaue Milch auf andere Milch übertragbar iſt, ſo könnte man, bei der Lebens⸗ zähigkeit der Infuſionsthierchen, annehmen, daß die blaue Milch in einer Milcherei durch fortwährende Uebertragung durch die Milchgeräthe ꝛc. unterhalten werde. In einigen Fällen iſt dieſes gewiß der Fall, aber in den meiſten andern nicht. Von acht Kühen, welche ich einmal zu beobachten Gelegenheit hatte, litten ſechs Stück an blauer Milch;z die andern beiden Kühe waren frei davon, obſchon alle acht Kühe daſ⸗ ſelbe Futter erhielten. Wäre in dieſem Falle die blaue Milch durch die ſchlecht gereinigten Gefäße her⸗ vorgebracht und unterhalten, ſo würde es unerklärlich bleiben, warum die Milch der beiden Kühe nicht auch blau wurde, obgleich zu ihrer Aufbewahrung die auch bei den andern ſechs Kühen gebrauchten Milchge⸗ räthe benutzt wurden. Aber noch mehr! Um dieſen Milchfehler wo möglich zu tilgen, wurde eine peinliche, faſt an das Lächerliche grenzende Reinlichkeit beob⸗ achtet. Die bisherigen Milchgefäße wurden durch neue, gläſerne, erſetzt; es wurde die Milch in ein anderes, durchaus luftiges Lokal geſtellt; es wurden neue Eimer und Seihetücher, ſelbſt eine neue Melkerin genommen; die Euter der Kühe wurden mit Aſchen⸗ lauge und Chlorkalk gereinigt, und, um zu erforſchen, ob nicht dennoch vielleicht an den Zitzen Infuſionsthiere hafteten, wurden ſie mit geſunder Milch abgewaſchen. Dieſe Milch wurde nicht blau, folglich hatte ſie von den Zitzen keine Infuſorien aufgenommen. Aller dieſer Maaßregeln ungeachtet, blieb die Milch noch immerblau, bis die Bläue nach mehreren Wochen endlich verſchwand. Die blaue Milch verſchwindet immer nach kürzerer oder 2- 37 längerer Zeit von ſelbſt, zuweilen plötzlich. Dieſes wäre nun ſchwer bei der Annahme der Anſteckung zu erklären, und außerdem muß die blaue Milch doch auch einmal urſprünglich entſtehen. Bei ſolch mangelhafter Kenntniß der entfernteren Urſachen der blauen Milch, iſt es ſchwer ein paſſendes Heilverfahren anzugeben; die bisherige Erfahrung hat hierin wenig oder nichts bewieſen. Oft ſchien ein Mittel zu helfen, aber in anderen Fällen wieder nicht; es war der Fehler langwierig, und bot vielen Verſuchen Trotz. Unter allen Umſtänden indeſſen wird es paſſend ſein das bisher gegebene Futter und Getränke wo möglich zu ändern; Stallvieh auf die Weide, und umgekehrt Weidekühe in den Stall zu nehmen; an⸗ deres Tränkwaſſer zu reichen ꝛc. Folgende Mittel haben manchmal, und wohl noch am meiſten, geholfen. Die mit der blauen Milch behaftete Kuh erhält zunächſt eine Laxanz aus Glauberſalz; alſo vierundzwanzig bis zweiunddreißig Loth deſſelben, in hinreichender Menge Waſſer aufgelöſt, und auf einmal. Einige Tage dar⸗ nach geben wir, acht Tage hindurch, täglich zwei Loth Alaun in Waſſer aufgelöſt; oder täglich eine Hand voll Gips, Kreide, oder, etwas weniger, gelöſchten Kalk, entweder aufs Futter, oder mit Waſſer als Einguß. Außerdem iſt die äußerſte Reinlichkeit der Milchgeräthe ꝛc. unerläßlich; dieſelben werden mit heißer Lauge, Kalk, Chlorkalk ꝛc. gereinigt, und nach⸗ her gelüftet. Auch die Hände der Melkerin, und das Euter der Kuh muß einer ſorgfältigen Waſchung mit Chlorkalk unterworfen werden. Anmerkung. Außer bei Kühen iſt die blaue Milch auch zuweilen bei Schafen beobachtet worden. h) Gelbe Milch. Mit dieſem, nicht ſehr oft vorkommenden Milchfehler, hat es ganz dieſelbe Be— wandtniß, wie mit der blauen Milch, ausgenommen, daß hier die Infuſorien die Träger einer gelben, ſtatt blauen, Farbe ſind. Es bilden ſich hier gelbe, ſich nach und nach vergrößernde Flecken, welche einen ver⸗ ſchiedenen Grad von Gelbfärbung darbieten; manchmal iſt die Farbe faſt ſafranähnlich. Zuweilen kommen die gelbe und die blaue Milch gleichzeitig vor, ſo daß ſich auf demſelben Rahme gelbe Flecken neben blauen befinden. Sind beide untereinander gemiſcht, ſo er⸗ ſcheint die Milch grün; denn gelb und blau macht grün. Alles, was von der blauen Milch, die Farbe aus— 38 geſchloſſen, in Bezug auf Urſachen, Verlauf, Kur ꝛc. 6. Stollſchwamm des Pferdes. Wiederholung ſein würde, weitläuftiger darüber zu geſagt iſt, paßt auch hier, weßhalb es eine unnöthige ſprechen. 6. Stollſchwamm des Pferdes.(Tab. II.) Unter dem Namen Stollſchwamm, Stollbeule, Stollbeutel, wird eine widernatürliche Geſchwulſt, eine ſogenannte Balggeſchwulſt, begriffen, welche in der Haut, auf der Spitze des Ellbogens, ihren Sitz hat (Fig. 13. a.). Meiſtens entſteht der Stollſchwamm ſehr raſch, z. B. in einer einzigen Nacht. Friſch ent⸗ ſtanden bietet derſelbe in der Regel die Zeichen der Entzündung dar; derſelbe iſt heiß und ſchmerzhaft, und in dieſer Zeit oft ohne beſtimmte Form und Um⸗ grenzung. Kurze Zeit nachher pflegen alle entzünd⸗ lichen Zeichen von ſelbſt zu verſchwinden, und der Stollſchwamm erſcheint dann gewöhnlich als eine runde, oder eiförmige, ſchmerzloſe, ſcharf umgrenzte Geſchwulſt, in welche ſich keine bleibenden Eindrücke mit den Fingern machen laſſen. Manchmal iſt der Stollſchwamm, oder der ſogenannte Balg, durch und durch ſolide, feſt und hart, und aus einer gleichförmi⸗ gen, und ſpeck⸗ oder faſt knorpelartigen Maſſe beſte⸗ hend; in vielen Fällen jedoch enthält derſelbe ein klares, gelbliches oder röthliches Waſſer, welches von außen zu fühlen iſt. Die Menge dieſes Waſſers iſt verſchieden; oft beträgt ſie kaum einen Theelöffel, oft eine halbe Obertaſſe voll, oder noch mehr. Je mehr Flüſſigkeit in ihr enthalten iſt, deſto dünner ſind die Wände des Balges, und umgekehrt. Die inneren Wände ſind dann glatt, und oft von zähen Fäden durchkreuzt. Der Balg iſt zuweilen unter der Haut verſchiebbar, zuweilen mit ihr verwachſen; in der Regel iſt die Ge— ſchwulſt, mit der Haut zuſammen, ſehr beweglich, nur ſelten feſtſitzend, und dann mit der Ellbogenſpitze verwachſen. Urſprünglich beſteht der Balg aus einem entzündeten und deshalb vergrößerten Schleimbeutel, deren ſich in der Haut ſehr viele befinden. Die Größe des Stollſchwammes iſt ſehr verſchie⸗ den; durchſchnittlich hat derſelbe die Größe einer ſtarken Fauſt; doch kann er auch den doppelten und dreifachen, und einen ſelbſt noch größeren Umfang erlangen; zuweilen hat er nur die Größe eines Gänſe⸗ oder Hühnereies, oder er iſt wohl ſelbſt noch kleiner. Nur ſelten verſchwindet er von ſelbſt, ſondern er bleibt auf der einmal erlangten Größe ſtehen, ohne ſich zu vergrößern, oder kleiner zu werden. Nie öffnet er ſich, wie es mit vielen anderen Geſchwülſten der Fall iſt, von ſelbſt. Obwohl der Stollſchwamm an ſich ohne weiteren Nachtheil iſt, ſo hindert er dennoch zuweilen, ſo lange er entzündet, oder wenn derſelbe von ſehr großem Umfange iſt, den freien Gang des Pferdes mehr oder weniger; außerdem, und was faſt noch unangenehmer i*ſt, ſtellt derſelbe einen erheblichen Schönheitsfehler dar, der, wenn er bei feinen und bei Luruspferden vorkommt, ſehr widrig in die Augen fällt, und die Schönheit des Thieres entſtellt. Bei gemeinen Pferden, und bei denen armer Leute, kann freilich wenig oder gar nichts darauf ankommen, und bei dieſen bleibt der Stollſchwamm denn auch gewöhnlich unbehandelt, und deshalb für die ganze Lebenszeit vorhanden. Gewöhnlich, und faſt ausſchließlich, entſteht der Stollſchwamm durch den Druck des Stollens vom Hufeiſen, und zwar während des Liegens. Daher der Name: Stollſchwamm, und der Umſtand, daß der⸗ ſelbe faſt immer während der Nacht entſteht. Das Pferd hatte ungeſchickt, mit untergeſchlagenen Vorder⸗ füßen, oder überhaupt ſo gelegen, daß der Stollen auf die Gegend des Ellbogenhöckers(Fig. 15. b.) einen anhaltenden und heftigen Druck ausübte. Aber auch bei unbeſchlagenen Pferden entſteht zuweilen der Stollſchwamm durch den Druck des bloßen Hufes, oder des harten Bodens, zumal wenn derſelbe gepfla⸗ ſtert iſt. Am meiſten kommt der Stollſchwamm bei alten, ſteifen, plumpen, langhaarigen und ſchlaffen Pferden von gemeiner Race vor. Aber auch bei ande⸗ ren Pferden leicht dann, wenn der Stall gepflaſtert, zu ſchmal, oder überhaupt ſo gebaut iſt, daß das Pferd ſich im Liegen nicht gehörig ausſtrecken kann, ſondern mehr ſitzen, und auf dem Bruſtbeine liegen muß. Gleiche Folge hat das zu kurze Anbinden an die 6. Stollſchwamm des Pferdes. Halfter, welches dem Pferde das völlige Niederlegen nicht erlaubt. Im Allgemeinen iſt der Stollſchwamm nicht ſchwer zu beſeitigen; iſt er aber ſehr veraltet, ſehr hart, und faſt knorplig, oder aufgeſchnitten, und un⸗ paſſend behandelt, ſo iſt die Heilung ſchwer, und jeden⸗ falls ſehr langwierig. Ich ſah mehrere dergleichen Pferde faſt ein Jahr lang vergeblich kuriren, und end⸗ lich kam in einem Falle ein Faulfieber, in einem andern Knochenfraß des Ellbogens hinzu, woran beide Pferde zu Grunden„gingen. Dergleichen Fälle ſind jedoch bei guter Kur nicht wohl möglich. Uebel iſt der Stollſchwamm auch noch in ſo fern, als er, ein⸗ mal dageweſen, leicht wiederzukommen pflegt. Ob der Stollſchwamm auch aus anderen Urſachen, als aus Druck und Quetſchung entſtehen könne, z. B. aus ſogenannter Verſetzung der Druſe ꝛc., iſt noch nicht ſicher feſtgeſtellt, aber in einzelnen, ſeltenen Fällen wohl nicht ganz in Abrede zu ſtellen. Bevor die Kur beginnt, iſt es nöthig, um wieder⸗ holten Druck des Stollſchwamms zu verhindern, daß dem Pferde die vorderen Hufeiſen abgenommen, und daß die Hufſohle, zumal an ihrem hinteren Theile, glatt und eben geſchnitten werde. Unter den zahlrei⸗ chen Heilmethoden des Stollſchwammes ſollen hier nur die beſſeren angeführt werden. Es wird ſofort, ſelbſt auf den ſtark entzündeten Stollſchwamm, eine ſcharfe Salbe eingerieben, welche aus Canthariden, Euphorbium⸗ und Fichtenharz, von jedem ein Quentchen, Schweinefett und Terpentin, von jedem zwei Loth, beſteht. Nachdem die auf der Ge⸗ ſchwulſt befindlichen Haare zuvor abgeſchoren ſind, wird von dieſer Salbe am erſten Tage zweimal, und früh am zweiten Tage noch einmal mäßig dick aufge⸗ ſtrichen. Die unmittelbare Umgebung der Geſchwulſt, zumal an der Bruſtſeite(Fig. 15. a.), wird entweder recht ſtark mit grüner Seife, oder mit einem ſehr dicken Mehlbrei beſtrichen, damit dieſe Stellen vor der Wir⸗ kung der Salbe geſchützt bleiben. Dabei wird das Pferd ſo angebunden, daß daſſelbe ſich in den erſten dreimal vierundzwanzig Stunden nicht niederlegen kann. Anfangs werden bei dieſem Verfahren Ge⸗ ſchwulſt und Entzündung etwas vermehrt; in wenigen Tagen aber verlieren ſich beide immer mehr. Sollte der Stollſchwamm in etwa vierzehn Tagen nicht ver⸗ ſchwunden ſein, ſo wird die Salbe nochmals einge⸗ 39 rieben, und zwar wird ganz ſo wie früher dabei ver⸗ fahren. Dieſes Heilverfahren paßt nicht allein bei ganz friſchen, ſondern auch bei alten Stollſchwämmen, und iſt eines der beſten, welche es gibt, denn nur ſelten läßt daſſelbe, zumal bei friſchen oder doch nicht gar zu ſehr verhärteten Stollſchwämmen im Stiche. Es könnte zwar paradox, und der gewöhnlichen Theorie zu widerſprechen ſcheinen, auf einen ſtark entzündeten Theil ein Mittel zu appliciren, welches an ſich ſchon eine heftige Entzündung erregt. Die Erfahrung hat aber die Nützlichkeit der angegebenen Methode in den zahlreichſten Fällen, wovon auch ich mehrere anführen könnte, unzweifelhaft und unzweideutig erwieſen, und deshalb müſſen alle andere Betrachtungen dagegen zurückſtehen. Eine andere, obgleich nicht ſo gute, aber doch weit häufiger in Gebrauch gezogene Methode iſt die, daß, ſo lange die Geſchwulſt entzündet erſcheint, durch wiederholte Waſchungen mit kaltem Waſſer zunächſt die Entzündung beſeitigt wird, bevor ſpäter verſchie⸗ dene reizende Mittel angewendet werden. Es iſt zwar nicht zu leugnen, daß durch kalte Waſchungen die Entzündung ſehr bald verſchwindet, und daß die Ge⸗ ſchwulſt, beſonders wenn ſie ſich weiter zur Bruſt und nach dem Schenkel hinab formlos ausgebreitet hat, ſehr bedeutend an Umfang abnimmt. Demungeachtet iſt mit dieſer raſchen Zertheilung der Entzündung der Nachtheil verbunden, daß der ſtets zurückbleibende Reſt der Geſchwulſt beträchtlich verhärtet erſcheint, und ſomit ſchwerer zum Weichen zu bringen iſt. Nach meinen Erfahrungen iſt es weit beſſer, ſich zu gedach⸗ tem Behufe ſolcher Mittel zu bedienen, welche die Entzündung nicht allzuraſch zertheilen, und welche eine ſchwache Reizung in der Geſchwulſt unterhalten, wodurch die Aufſaugung der ergoſſenen Stoffe begün⸗ ſtigt wird. Waſchungen aus gleichen Theilen Eſſig, und Branntwein und Waſſer, lauwarm mehrere Tage hindurch gebraucht, wirken hier weit günſtiger, obgleich auch ſie faſt nie ausreichen, um den Stollſchwamm ganz zur Zertheilung zu bringen. Sind Hitze und die anderen Zeichen der Entzün⸗ dung gewichen, ſo wird der Stollſchwamm entweder mit einer Cantharidenſalbe, wie oben, eingerieben, oder täglich zweimal mit folgendem Mittel gewaſchen: Potaſche zwei Loth, Terpentinöl vier Loth, Salmiak⸗ geiſt drei Loth, Branntwein zwölf Loth. Dieſes Mittel iſt überaus wirkſam, nur muß daſſelbe in der Regel eine beträchtliche Zeit hindurch angewendet werden; oft mehrere Wochen lang. Im Allgemeinen gilt bei der Kur die Regel, mit. den Mitteln mitunter einige Zeit, etwa acht bis vier⸗ zehn Tage hindurch, auszuſetzen, denn die Aufſaugung und Zertheilung des Stollſchwammes geht immer nur langſam von ſtatten. Iſt der Stollſchwamm ſehr hart, veraltet, und will er keinem der bisher angeführten Mittel weichen, ſo iſt das Brennen mit dem Glüheiſen oft ein ſehr wirkſames Mittel. Nachdem das Pferd zuvor gebremſet, oder nöthigenfalls niedergeworfen iſt, werden Striche gebrannt, welche ſtrahlenförmig vom Mittelpunkte der Geſchwulſt auslaufen(Fig. 14. a.); durch dieſes wohlfeile und gefahrloſe Verfahren erreicht man ſehr oft ſeinen Zweck. Eine auf dieſe Weiſe von mir ge⸗ brannte, ſehr alte und allen andern Mitteln trotzende Stollbeule, welche die Größe eines Kinderkopfes hatte, war ſechs Wochen darauf verſchwunden. Das Glüh⸗ eiſen darf nicht zu heiß ſein, damit die Haut nicht durchgebrannt werde. Eine andere Methode ſehr alte, ſchwielige und ſchwer zu heilende Stollbeulen fortzuſchaffen, beſteht in dem Abbinden. Es wird zu dieſem Behufe eine dicke, zuvor ausgeglühte Clavierſaite um den Stoll⸗ ſchwamm gelegt, und mit einer Drathzange mäßig feſt angezogen; nach zwei bis drei Tagen wird man die Haut durchſchnitten finden, wo dann der Drath feſter angezogen wird, und dieſes von drei zu drei Tagen ſo fort, bis der Stollſchwamm ganz abfällt, oder bis der Stiel etwa nur noch einen Zoll im Durch⸗ meſſer hat, den man dann mit dem Meſſer durchſchnei⸗ det, und den Stumpf etwas mit dem Glüheiſen brennt. Daß dieſes Verfahren ſicher zum Zwecke führt, leuchtet ein, indeſſen iſt daſſelbe im Allgemeinen nicht zu empfehlen. Es iſt daſſelbe ſehr ſchmerzhaft und, wegen der etwanigen Widerſetzlichkeit des Pferdes, unbequem und umſtändlich; außerdem entſteht dadurch eine be⸗ trächtliche Hautwunde, welche erſt nach längerer Zeit, und nur durch Eiterung heilt. Nur in jenen Fällen iſt daher Gebrauch davon zu machen, in denen der Stollſchwamm keinem anderen Mittel weicht, völlig reizlos, und ſehr locker in der Haut gelegen iſt, ſo daß er eine ſchmale Baſis hat. Andere weniger empfehlenswerthe Methoden ſind das Ausſchneiden des Stollſchwammes. Dieſe Ope⸗ 40 6. Stollſchwamm des Pferdes. ration iſt jedoch ſehr ſchmerzhaft, und hat meiſt eine heftige Entzündung zur Folge; es entſteht eine große Hautwunde, welche nur ſchwer und ſpät zuheilt, und eine beträchtliche Narbe hinterläßt; außerdem wächſt der Schwamm leicht wieder, wenn nicht Alles fortgenommen wurde. Nur bei Stollſchwämmen, welche ſehr klein, etwa von der Größe einer Wallnuß oder eines Hühnereies, und die unter der Haut leicht beweglich, alſo nicht mit ihr verwachſen ſind, iſt das Ausſchneiden paſſend. Viele empfehlen die Geſchwulſt zu öffnen, um ihren wäſſerigen Inhalt zu entleeren. Im Allgemeinen i*ſt dieſes ſehr zu widerrathen, denn das Waſſer wird bei den reizenden Einreibungen allemal aufgeſaugt, und verſchwindet auf dieſe Weiſe, und ohne weiteren Nachtheil für das Pferd. Iſt indeſſen viel Waſſer in dem Balge enthalten, ſo kann daſſelbe allenfalls durch einen, an ſeinem unteren Theile(Fig. 13. b.) zu machenden Einſtich mit einem ſehr ſchmalen Meſſer herausgelaſſen werden; nie darf die Oeffnung bedeu— tend groß ſein. Manche empfehlen den Stollſchwamm der Länge nach aufzuſchlitzen, und ſeine inneren Wände ſehr ſtark mit einem Glüheiſen zu brennen. Dieſes Verfahren iſt ſehr ſchmerzhaft, hat eine ſehr ſtarke Entzündung zur Folge, bietet eine große, nur ſchwer heilende Wundfläche dar, bei welcher ein Luxuspferd, des widrigen Ausſehens einer großen, eiternden Wund⸗ fläche wegen, während der Kur nicht wohl zum Dienſte verwendet werden kann. Noch verwerflicher, als das Brennen der Höhle des Stollſchwammes, iſt das Ein⸗ bringen eines ſtarken Aetzmittels, z. B. von Arſenik oder Sublimat, in den geöffneten Stollſchwamm; die Abſicht iſt dabei, den Balg durch das Aetzmittel zu zerſtören, und ſomit durch Entzündung und Eiterung fortzuſchaffen. Dieſes Verfahren iſt nicht ohne Ge fahr, daſſelbe hat zahlreiche Nachtheile, und hat zuweilen den Tod des Pferdes zur Folge gehabt. Nie laſſe ſich daher der Laie auf den Gebrauch deſſelben ein. Es bleibt hier nun noch anzuführen übrig, daß das mit einem Stollſchwamme behaftete Pferd einen hinreichend breiten und langen Stallraum und hohe und weiche Streu haben muß; daß daſſelbe lang genug angebunden werde, um ſich bequem niederlegen zu können, und daß, wo möglich, die Hufeiſen nicht vor Vollendung der Kur wieder aufgeſchlagen werden. 7. Knieſchwamm. 41 7. Knieſchwamm.(Tab. III.) Der Knieſchwamm beim Pferde ſtellt eine rund⸗ liche, mehr oder weniger große Erhabenheit oder Ge⸗ ſchwulſt dar, welche auf der vorderen Fläche des Knies (Fig. 1. a.) ihren Sitz hat. Friſch entſtanden iſt die Geſchwulſt in manchen Faͤllen entzündet und ſchmerz— haft und unter dieſen Umſtänden Anfangs zuweilen mit einer Lahmheit beim Trabe verbunden, zumal wenn die Geſchwulſt einen ſehr großen Umfang hat, ſo daß das Biegen des Knies dadurch erſchwert wird. In der Regel iſt der Knieſchwamm ſchmerzlos, und er ſtellt nur einen Schoͤnheitsfehler dar, bei welchem die Brauchbarkeit des Pferdes nicht leicht beeinträchtigt wird. Die Geſchwulſt iſt ſchwammig, locker, oder mehr oder weniger hart; ſie hat in der Haut ihren Sitz, und iſt mit derſelben mehr oder minder verſchieb⸗ bar. In einzelnen Fällen enthält dieſelbe Flüſſigkeit eingeſchloſſen. Meiſtens beſteht ſie nur in einer ſchwie⸗ ligen Verdickung und Verhaͤrtung der Haut. Die Urſachen des Knieſchwammes beſtehen in der Regel in äußeren, mechaniſchen Veranlaſſungen, z. B. wenn das Pferd auf die Knie niederfiel, gegen die Streuklappen ſchlug ꝛc., weßhalb denn auch oft kahle oder verletzte Stellen auf der vorderen Fläche des Knies gefunden werden. Sehr ſelten kommt dieſer unbedeutende Fehler aus Ablagerung der Druſe oder bei Rheumatismus vor. Im Allgemeinen iſt die Heilung nicht leicht, und jedenfalls langwierig. Sind noch Hitze und Schmer⸗ zen vorhanden, ſo werden wiederholt lauwarme Wa⸗ ſchungen aus Eſſig und Waſſer, von jedem ein halbes Quart, mit ein viertel Quart Branntwein angewendet, und zwar ſo lange, bis die Zeichen der Entzündung gewichen ſind. Nach dieſer Zeit bedienen wir uns der bei dem Stollſchwamme angegebenen Miſchung aus Potaſche ꝛc., mit welcher die Geſchwulſt täglich zwei Mal, und nach Erforderniß mehrere Wochen lang, ein⸗ gerieben wird. Oder ſtatt deſſen wenden wir die, ebenfalls bei dem Stollſchwamme empfohlene, ſcharfe Salben an, und zwar hier auf ganz dieſelbe Weiſe, wie dort. Manchmal bringen auch anhaltend wieder⸗ holte Einreibungen aus grüner Seife und grauer Merkurialſalbe, von jedem zwei Loth, jodſaurem Kali, ein Quentchen, die Geſchwulſt zur Zertheilung. Die Haare ſind zuvor mit der Scheere abzuſcheeren. Helfen Wagenfeld, Encycl. alle dieſe Mittel nicht, ſo leiſtet oft das Glüheiſen noch guteDienſte; es werden dann Punkte oder Striche, in Form wie bei dem Stollſchwamm, gebrannt. Wenn Flüſſigkeit in der Geſchwulſt enthalten iſt, ſo ſind ſogleich die ſtärkſten Reizmittel anzuwenden, entweder die ſcharfe Salbe oder das Glüheiſen. Das Oeffnen der Geſchwulſt iſt im Allgemeinen nicht anzu⸗ rathen, denn zuweilen ſteht die Hoͤhle der Geſchwulſt mit dem Kniegelenke in Verbindung, ſo daß die Feuch— tigkeit dann aus Gelenkſchmiere beſteht, deren Entlee⸗ rung durch einen Einſtich gefährliche Folgen zu haben pflegt. Eben ſo wenig iſt eine Entfernung des Knie⸗ ſchwammes durch das Meſſer paſſend, und außerdem in der Regel auch kaum ausführbar. Iſt der Knieſchwamm ſehr klein, und bildet der⸗ ſelbe nur eine flache, nur wenig auffallende Erhaben— heit, ſo wenden wir lieber blos milde Mittel an, als die Salbe aus Seife ꝛc., oder wiederholte Einreibun⸗ gen aus: Salmiakgeiſt ein Loth, Campherſpiritus vier Loth. Verſchwindet die Geſchwulſt hiernach in einigen Wochen nicht, ſo bleibt ſie am Beſten ganz unbehan— delt, denn es muß bemerkt werden, daß die ſehr ſchar⸗ fen Mittel das Uebel zuweilen vergrößern, ſtatt daſſelbe zu beſeitigen, und daß darnach nicht ſelten haarloſe Stellen zurückbleiben, die faſt noch übler ausſehen, als ein ſehr kleiner Knieſchwamm ſelbſt. Bei Anwendung der ſcharfen Salbe iſt die Um⸗ gegend des Knies durch Einreibungen mit Fett, grüner Seife und dergleichen vor der Wirkung derſelben zu ſchuͤtzen, auch muß das Pferd während der Kur ge⸗ ſchont, und im Stalle wo möglich ſo geſtellt werden, daß daſſelbe ſich nicht an das Knie ſchlagen kann. Eine hinreichende, weiche, auf nicht gepflaſtertem Boden befindliche Streu darf nicht fehlen. Auch beim Rindviehe kommt der Knieſchwamm nicht gar ſelten vor, und erreicht mitunter die Größe mehrerer Fäuſte. Alles, was in Bezug auf Kennzeichen, Urſachen und Kur des Knieſchwammes beim Pferde geſagt wurde, paßt auch hier. Auch hier iſt die Kur in vielen Faͤllen ſehr ſchwierig; von ſcharfen Einreibungen und dem Brennen großer Striche über die ganze Ausdeh⸗ nung der Geſchwulſt iſt am meiſten zu hoffen. Oft, und ſogar in den meiſten Fällen, enthaͤltdie Geſchwulſt 42 8. eine große Menge Flüſſigkeit, durch deren Entleerung die Geſchwulſt plötzlich beſeitigt werden koͤnnte. Den⸗ noch iſt dieſes Verfahren nicht ohne einige Gefahr, weil die Flüſſigkeit aus Gelenkſchmiere beſtehen, und ſomit die Geſchwulſt mit der Gelenkhoͤhle in Verbin⸗ dung ſtehen koͤnnte. Dieſer Fall iſt zwar ſelten, aber dennoch kommt er vor, und iſt von außen durch kein ſicheres Mittel zu erkennen. Will man einen Einſtich in die Geſchwulſt machen, ſo muß dieſes mit einem kleinen Schaftrokar geſchehen; gleich nach der Opera⸗ Sehnenklapp des Pferdes. tion wird die gemachte Oeffnung mit einem mehrfach zuſammengelegten Läppchen Leinwand bedeckt, und ſodann das Knie mit breiten Streifen Leinwand feſt und mehrfach umwunden. Sodann ſind mehrere Tage lang fortwährend Begießungen des Knies mit kaltem Waſſer zu machen. Oder es wird die Bandage fortgelaſſen, und die angeſtochene Geſchwulſt ſofort mit ſcharfer Salbe recht dick, und zwar zwei bis drei Mal im Laufe des erſten Tages, beſtrichen. S8. Sehnenklapp des Man verſteht hierunter eine, anfangs entzündliche, Anſchwellung der Sehnen und Sehnenſcheiden, welche ſich zwiſchen dem Knie⸗ und Feſſelgelenke, an der hin⸗ teren Fläche des Schienbeines am Vorderſchenkel be⸗ findet(Fig. 3. aa.). Sehr ſelten kommt der Sehnen⸗ klapp an den Hinterſchenkeln vor, und hat dann eben⸗ falls an der hinteren Fläche des Schienbeines, zwiſchen der Hacke und dem Feſſelgelenke, ſeine Lage. Allemal beginnt der Sehnenklapp mit einer mehr oder weniger heftigen Entzündung der genannten Seh⸗ nen und Sehnenſcheiden; es findet ſich an ihnen Geſchwulſt, Hitze, große Schmerzhaftigkeit beim Druck der Theile und ein beträchtliches Hinken des Pferdes. Die Grade dieſes Uebels ſind ſehr verſchieden, auch ſind nicht immer dieſelben Theile, oder alle Theile zuſammen, von demſelben ergriffen. Zuweilen befindet ſich die Geſchwulſt nur am unteren Theile der Sehnen, oberhalb dem Feſſelgelenke(Fig. 2. a.), zuweilen an dem obern Theile, unterhalb der Kniebeuge. In der Regel jedoch erſtreckt ſich die Geſchwulſt der ganzen Länge nach, von der Kniebeuge bis zum Feſſelgelenke herab(Fig. 3. aa.). Bei friſchem, noch entzündetem Sehnenklapp ſteht das Pferd mit gekrümmtem Knie, und zeigt, ſowohl im Schritte als Trabe, eine ſehr beträchtliche Lahmheit; in ſehr heftigen Fällen legt ſich das Pferd nicht nieder, auch iſt zuweilen ein Erguß in den Sehnenſcheiden vorhanden, der ſich ſelbſt bis über das Knie hinauf erſtrecken kann. Bei veraltetem, nicht mehr entzündeten Pferdes.(Tab. III.) Sehnenklapp hat das Pferd meiſt einen geraden, feſten Stand; es lahmt im Schritt wenig oder gar nicht, wohl aber dagegen im Trabe. Es iſt nicht immer leicht das Uebel zu entdecken, zumal wenn die Ge⸗ ſchwulſt nur unbedeutend iſt; überaus oft ſchon iſt der Sehnenklapp nicht richtig erkannt, und der Fehler für Bug⸗ oder Feſſelgelenklähme gehalten, und darauf kurirt worden. Eine gründliche Unterſuchung wird auf folgende Art veranſtaltet. Zuerſt gleiten wir, während das Pferd gerade auf dem Fuße ſteht, mit den Fingern an den Sehnen von der Kniebeuge bis zum Feſſelgelenke hinab, indem die Sehnen dabei ſtark gedrückt werden. Iſt Sehnenklapp vorhanden, ſo wird ſich hierbei an irgend einer Stelle eine, wenn auch zuweilen nur ge⸗ ringe Geſchwulſt bemerken laſſen; ferner wird das Pferd, ſelbſt wenn der Fehler veraltet iſt, Schmerzen zeigen; das Thier hebt bei dem Drucke den kranken Schenkel, oder ſteigt auch wohl mit dem ganzen Vor⸗ dertheile in die Höhe. Um ſich hierbei nicht zu täu⸗ ſchen, muß abwechſelnd der geſunde und der kranke Fuß wiederholt einer vergleichenden Unterſuchung unterworfen werden. Sodann muß der kranke Fuß im Knie gebogen werden, worauf dann die einzelnen, jetzt erſchlafften Sehnen, einzeln mit ſtarkem Finger⸗ drucke durchgefühlt werden muͤſſen, wobei ſich oft der ſpecielle Sitz der Krankheit entdecken läßt. Es iſt dabei nothwendig die Manipulation oft zu wieder⸗ holen, und auch an dem geſunden Fuße zu machen, 8. Sehnenklapp des Pferdes. denn oft ſind ſelbſt ganz geſunde Füße gegen jeden Druck ꝛc. ſehr empfindlich. Man betrachte ferner die kranken Theile von der Seite und von hinten, und vergleiche dabei ihre Dicke mit dem andern Fuße. Werden beide Füße mit Waſſer befeuchtet, und das Haar dadurch glatt angeſtrichen, ſo fällt die Geſchwulſt um ſo leichter in die Augen. Sodann wird das Pferd bei der Bewegung unter⸗ ſucht; bei bedeutendem Sehnenklapp lahmt das Pferd ſelbſt im Schritte, und beugt das Knie faſt gar nicht. Aber auch bei geringerem Grade des Uebels wird das Pferd mindeſtens im Trabe, etwas lahm gehen. Das Pferd wird in beträchtlicher Entfernung im Trabe quer vorbeigeführt, wobei ſich dann aus einer ſorgfältigen Beobachtung und Vergleichung der Beugung beider Vorderkniee ergeben wird, daß das kranke Knie weniger ſtark gebogen wird. Es wird, der beſſeren Belehrung wegen, nicht un⸗ paſſend erſcheinen, die einzelnen Theile, welche beim Sehnenklapp ergriffen werden können, etwas näher zu beſchreiben, und durch Abbildungen zu erläutern. Am geſunden Fuße des Pferdes erſcheinen die zwiſchen Knie und Feſſelgelenk, an der hinteren Fläche des Schienbeines, gelegenen Sehnen hart und feſt, dicht von der Haut überzogen, und bei edlen Pferden und bei feinen Haaren deutlich markirt und ſichtbar (Fig. 4. a. b. c.). Beugt man das Knie des Pfer⸗ des, ſo laſſen ſich weſentlich drei verſchiedene Sehnen durch das Gefühl entdecken. Am hinteren äußerſten Rande, dicht unter der Haut, hat die Beugeſehne des Kronenbeines ihre Lage; ſie iſt nur mäßig dick, halb⸗ rund und ihrer ganzen Länge nach wie ausgehöhlt. Vorzugsweiſe iſt es dieſe Sehne, welche beim Seh— nenklapp ergriffen wird. Durch ſtarkes Drücken mit der Spitze der Finger läßt ſich dieſe Sehne etwas von der unter ihr gelegenen Sehne trennen; letztere iſt die Beugeſehne des Hüftbeines; ſie iſt rund, ſtark und beträchtlich dick. Dicht auf der hinteren Fläche des Schienbeines endlich, zwiſchen den beiden Griffel— beinen, liegt eine breite Sehne, welche der Beuger des Feſſelbeines genannt wird. Auch dieſe Sehne iſt oft bei dem Sehnenklapp betheiligt, und muß daher ebenfalls genau unterſucht werden. Anmerkung. Nicht zu verwechſeln mit dem Sehnenklapp ſind ſogenannte angelaufene Fuͤße. Durch anhaltendes Stehen, nach der Druſe, bei ſchwachen und jungen Pferden ꝛc. erſcheint in häufigen Fällen 43 der untere Theil der Füße angeſchwollen, und könnte, dem bloßen Anſehen nach, leicht mit dem Sehnenklapp verwechſelt werden. Dergleichen Anſchwellungen ſind jedoch ſtets kühl, ſchmerzlos, nie mit Lahmheit verbun⸗ den, und ſie verſchwinden nach einer ſtattgehabten Bewegung des Pferdes mehr oder weniger, welches beim Sehnenklapp nicht der Fall iſt. Am häufigſten finden ſich die angelaufenen Füße an den Hinterſchen⸗ keln, während der Sehnenklapp faſt nur die Vorder⸗ ſchenkel befällt. Meiſtens entſteht der Sehnenklapp ſchnell und ziemlich plötzlich, er fängt gewoͤhnlich zuerſt an Einer Sehne, oder auch nur an einem Theile derſelben an, und verbreitet ſich von hier aus nach und nach auf mehrere Sehnen. In früheren Zeiten glaubte man, daß der Sehnenklapp dadurch entſtehe, wenn das Pferd im Laufe mit den Hinterfüßen den Sehnen am Vorderfuße einen Schlag oder Klapp verſetze, woher denn auch der Ausdruck„Sehnenklapp’ entſtanden iſt. Dieſe Meinung iſt jedoch in den meiſten Fällen ein Irrthum; denn wäre dieſelbe richtig, ſo müßten ſich an den getroffenen Theilen offenbar Quetſchungen, Verletzungen oder mindeſtens doch haarloſe Stellen befinden, welches aber faſt niemals der Fall iſt. Faſt allemal entſteht der Sehnenklapp nur durch Ueberdeh⸗ nung und Zerrung der Sehnen, hervorgebracht durch Springen über Hecken und Graben, durch anhaltendes und ſtarkes Laufen, beſonders bei jungen, mit einem ſchweren Reiter belaſteten Pferden. Ferner kommt derſelbe beſonders oft vor bei alten, ſtrapazirten Pfer⸗ den, welche anfangen vorn unſicher und ſtumpf zu werden. Auch durch Stöße und Quetſchungen z. B. durch das Hauen in die Streuklappen, in den Halfter⸗ ſtrang, oder durch das Steckenbleiben des Fußes in einem Loche ꝛc. kann das Uebel entſtehen. Zuweilen erſcheint daſſelbe auch nach der Bruſtſeuche oder der ſogenannten Influenza, oft erſt vier bis ſechs Wochen nachher, und ſcheint dann vom zurückgebliebenen Krankheitsſtoffe herzurühren. Zuweilen endlich tritt der Sehnenklapp ohne auffallende Urſache ein, und ſcheint dann in Rheumatismus zu beſtehen. Im Allgemeinen iſt der Sehnenklapp ein ſehr be⸗ deutender Fehler, zumal wenn er bei jungen Pferden erſcheint; denn er zeigt bei dieſen allemal ſchwache Gliedmaßen. Er verſchwindet faſt niemals von ſelbſt, die Kur geht ſehr langſam, der Fehler kehrt leicht zurück, und das mit ihm behaftet gemeſene Pferd bleibt auf den Vorderſchenkeln in der Regel ſchwach und unſicher, und es ſtolpert daſſelbe leicht. Selten iſt die Heilung gründlich; ſie dauert meiſt ſechs bis acht Wochen, und länger. Zuweilen verwachſen die Seh⸗ nen unter einander, ſie verkürzen ſich, es entſtehen ein krummer, bockbeiniger Stand, Stelzfuß ꝛc. Bleiben ſchwielige, dicke, harte und knorpelige Verhärtungen zurück, ſo iſt das Pferd nur noch zu langſamen Zug⸗ arbeiten zu gebrauchen. Friſch entſtandener Sehnenklapp, zumal bei jungen Pferden, wird indeſſen zuweilen gründlich geheilt, aber ſelten ohne eine ſehr angemeſſene Kur. Es gibt verſchiedene Kurmethoden, von denen hier die anerkannt wirkſamſten angeführt werden ſollen. Es wird, nachdem die Haare zuvor abgeſchoren ſind, die Geſchwulſt— gleichviel, ob ſie ganz friſch ent⸗ ſtanden, heiß und entzuͤndet, oder ob ſie ſchon ver— altet iſt— in ihrem ganzen Umfange maͤßig dick mit der bei dem Stollſchwamm vorgeſchriebenen, ſcharfen Salbe aus Canthariden ꝛc. eingerieben. Nach Verlauf von einigen Stunden wird nochmals von dieſer Salbe eingerieben, und am folgenden Tage zum dritten Male. Um das Feſſelgelenk herum wird grüne Seife, zum Schutze der Haut dieſer Theile, recht dick aufgeſtrichen. Der Patient darf ſich in den erſten zwei bis drei Tagen nicht niederlegen, und muß zwei bis drei Wochen ruhig im Stalle gehalten werden. Vorſtehendes Ver⸗ fahren iſt überaus wirkſam; anfangs ſcheint ſich das Uebel zwar zu verſchlimmern, auch fallen die Haare auf dem eingeriebenen Theile aus. Dieſes aber darf nicht vom Gebrauche des Mittels abſchrecken, denn die künſtlich erregte Entzündung verliert ſich ſehr bald, auch wachſen die Haare in wenigen Wochen vollſtändig wieder. Aber auch andere Mittel ſind von guter Wir⸗ kung. Iſt der Sehnenklapp noch neu und entzündet, ſo wird derſelbe täglich ſechs bis acht Mal mit einer Miſchung aus Campherſpiritus und Salmiak, von jedem zwei Loth, Eſſig und Waſſer, von jedem ein halbes Quart, gewaſchen. Abends wird dann die Geſchwulſt mit eineméinimente aus einem Loth Bleieſſig und fünf Loth Rüböl beſtrichen, oder mit einer Mi⸗ ſchung aus grüner Seife und grauer Merkurialſalbe, von jedem zwei Loth, eingerieben. Oder man nimmt zwei Loth gepulverten Alaun, reibt denſelben mit dem Weißen von drei Eiern zuſammen, und gießt nach und nach, und unter ſtetem Umrühren, acht Loth Brannt⸗ 44 8. Sehnenklapp des Pferdes. wein hinzu. Mit dieſer Miſchung wird die Geſchwulſt täglich einmal, und neun Tage lang hintereinander, recht dick beſtrichen, und das Pferd während dieſer Zeit ruhig und im Stalle gehalten. Iſt der Sehnen⸗ klapp ſchon veraltet, ſo wird derſelbe vor der Anwen⸗ dung dieſes Mittels, durch ſtarkes und anhaltendes Reiben mit einem kleinen Strohbündel beträchtlich gereizt. Ueber den Nutzen dieſes Mittels kann ich aus eigener Erfahrung nicht urtheilen, da ich mich deſſelben noch nicht bedient habe, indeſſen iſt die Zuſammen⸗ ſetzung allerdings von ſolcher Art, daß ſich, beſonders bei nur geringem und erſt friſch entſtandenen Sehnen⸗ klapp, wohl eine günſtige Wirkung hoffen läßt. Kalte Fußbäder paſſen in der Regel nicht; denn obgleich durch ſie die vorhandene Entzündung ziemlich leicht beſeitigt werden kann, ſo haben ſie doch den Nachtheil, daß gewöhnlich bleibende Verhaͤrtungen und Verdickungen der Sehnen zuruͤckbleiben. Nur in den Fällen, wo der Sehnenklapp durch offenbar äußere, mechaniſche Urſachen entſtanden iſt, bei dem die Haut verwundet oder geſchunden erſcheint ꝛc. iſt die Kälte nicht nur unſchädlich, ſondern ſogar nothwendig. Ein ſolcher Fuß wird dann bis an das Knie mehrere Tage lang in recht kaltes Waſſer geſtellt, und Abends wird die Geſchwulſt mit einem Linimente aus zwei Loth Bleieſſig und acht Loth Rüböl recht dick beſtrichen. Sollte bei dieſer Behandlung, nachdem die Entzün— dung beſeitigt, und etwa vorhanden geweſene Ver⸗ letzungen geheilt ſind, noch eine Geſchwulſt und Ver⸗ härtung der Sehnen zurückbleiben, ſo wird dieſer Zu⸗ ſtand dann ganz ſo behandelt, als wie gewoͤhnlicher Sehnenklapp. Ein ſehr wirkſames und empfehlenswerthes Mittel ſtellt das Brennen mit dem Glüheiſen dar; daſſelbe paßt jedoch gewoͤhnlich nur bei veraltetem Sehnenklapp, und wenn bereits ſcharfe Einreibungen ohne Erfolg angewendet wurden. Durch das Brennen verliert ſich die Lahmheit in der Regel, und das Pferd wird in den meiſten Fällen wieder zur Arbeit brauchbar. Es gibt verſchiedene Methoden den Sehnenklapp zu bren⸗ nen; die beſte iſt, nach meinen Erfahrungen, das Brennen von ſchrägen Strichen zu beiden Seiten des Fußes und zwar ſo, daß ſich die Striche am hinteren Rande der Sehnen in Form eines römiſchen V ver⸗ einigen(Fig. 5. aa.). Manche brennen ſtatt deſſen mehrere ſenkrecht und parallel mit den Sehnen lau⸗ fende Striche, welches aber eine weniger günſtige 9. Piphacke des Pferdes. Methode iſt, weil die Haut dann leicht platzen kann, und weil die Brandzeichen ſichtbarer bleiben, als bei den ſchrägen Strichen. Auch mehrere Reihen Punkte mit dem knopffoͤrmigen Eiſen können gebrannt werden, doch iſt dieſes, da nicht ſo viel Eiſen auf die Haut kommt, nicht ſo wirkſam, als das Brennen mit Strichen. Iſt bei ſehr veraltetem und heftigem Sehnenklapp 45 ſchon eine Verwachſung der Sehnen, ſtarke Verkürzung derſelben, Stelzfuß ꝛc. eingetreten, und bringt dabei das Brennen keinen Nutzen, ſo bleibt nur allein noch die in der neueſten Zeit in Gebrauch gekommene Ope⸗ ration der Durchſchneidung der Sehnen übrig, deren Ausführung jedoch nicht leicht iſt, und von der a. a. O. geredet werden ſoll. 9. Piphacke des Pferdes.(Tab. III.) Die Piphacke ſtellt eine, dem Stollſchwamme ſehr verwandte, rundliche Geſchwulſt dar, welche ſich auf der Spitze des Sprungbeines am Hinterſchenkel, in der Haut, befindet(Fig. 7. a.). Anfangs iſt ſie gewoͤhnlich entzündet, ſehr warm und bei der Berüh⸗ rung ſchmerzhaft, welche Entzündungszeichen ſich aber in kurzer Zeit zu verlieren pflegen. Allemal hat die Piphacke in der Haut ihren Sitz; ſie iſt mit derſelben verwachſen, und mit ihr mehr oder weniger verſchieb⸗ bar und beweglich. Zuweilen enthält ſie, ganz wie der Stollſchwamm, etwas klare, gelbliche Flüſſigkeit eingeſchloſſen; gewoͤhnlich aber iſt ſie durch und durch feſt, und dann weich und ſchwammig, oder beträchtlich feſt, oft ſelbſt knorpelhart. Ihre Größe iſt verſchieden; zuweilen bildet ſie nur eine kaum ſichtbar ſchwielige Verdickung der Haut; zuweilen bildet ſie dagegen einen, ſelbſt mehrere Zoll betragenden, und ſehr auf⸗ fallenden Vorſprung auf der Hacke. Am leichteſten iſt die Geſchwulſt, von der Seite geſehen, zu erkennen, und bei einem Vergleiche mit der Hacke des anderen Fußes. Gewoͤhnlich entſteht dieſer Fehler in ſehr kurzer Zeit, und durch äußere Urſachen; als durch Stoß und Druck auf die Hacke, indem das Pferd dieſen Theil ſtark reibt, oder mit demſelben gegen die Wand oder irgend einen anderen Gegenſtand anſchlägt. Daher kommt die Piphacke am häufigſten bei kitzlichen Pferden vor, und deshalb beſonders oft bei Stuten, zumal wenn ſie roſſig ſind; auch bei Koppelpferden, oder ſolchen, welche zu Schiffe transportirt werden, indem dergleichen Pferde ſich beim Schaukeln des Schiffes an den Wänden des engen Schiffraumes wiederholt an die Hacken ſtoßen. Pferde, welche aus England nach dem Continente übergeführt werden, ſind daher oft mit Piphacken behaftet. Auch durch große An⸗ ſtrengung kann der Fehler entſtehen, ſo wie auch durch Verſetzung von Druſe oder Rheumatismus auf dieſe Theile; auch bei dicken Beinen, bei der Mauke. Jene Art von Piphacken, welche zuweilen bei anhaltendem Stehen, oder nach langwierigen Krankheiten vorkom⸗ men, ſind keine wahren Piphacken, denn ſie ſind ſtets kühl, ſchmerzlos, und verſchwinden nach anhaltender Bewegung mehr oder weniger vollſtändig, während die ächte Piphacke ihre frühere Größe behauptet. So wie der Stollſchwamm hindert auch die Pip⸗ hacke nur ſelten den Gang des Pferdes, und dieſes hoͤchſtens nur Anfangs und in den erſten Tagen, ſo lange noch Entzündung und Schmerzen vorhanden ſind. Dennoch ſtellt die Piphacke einen Schönheits— fehler dar, welcher dem Anſehen der mit ihm befalle⸗ nen Gliedmaße einen ſehr großen Abbruch thut, ſo daß ihre Beſeitigung meiſtens, zumal bei beſſeren Pferden ſehr gewünſcht wird. Dieſe iſt aber in vielen Fällen nur ſchwer, und in einigen wohl gar nicht zu erreichen, beſonders dann nicht, wenn der Fehler ſchon alt, und früher ſchon unpaſſend behandelt, wenn die Geſchwulſt knorpelhart iſt ꝛc. Sehr oft bleiben nach der Kur haarloſe Hautſtellen zurück, welche ſehr übel ausſehen. Von ſelbſt verſchwindet der Fehler faſt niemals. Die Kur richtet ſich nach den Umſtänden. Iſt die Piphacke ganz friſch entſtanden, und noch entzündet, 46 ſo waſche man ſie die erſten Tage hindurch mit einer, zuvor etwas erwärmten Miſchung aus Bleieſſig und Campherſpiritus, von jedem drei Loth, Eſſig und Waſſer, von jedem ein halbes Quart. Abends wird die Geſchwulſt mit einer Miſchung aus einem Quentchen kohlenſauerem Kali und zwei Loth grauer Merkurial⸗ ſalbe mäßig dick eingerieben, nachdem zuvor die Haare dick abgeſchoren ſind. Iſt Flüſſigkeit in der Geſchwulſt enthalten, ſo muß, gleichviel ob ſie friſch oder ſchon veraltet iſt, ein ſtarkes Reizmittel angewendet werden, wozu die bei dem Stollſchwamm empfohlene Salbe aus Canthariden ꝛc. am paſſendſten iſt. Die Anwen⸗ dung der Salbe geſchieht hier ganz ſo, wie es bei dem Stollſchwamm vorgeſchrieben worden iſt. Statt dieſer Salbe kann man ſich auch der bei dem Stollſchwamm empfohlenen Miſchung aus Pot⸗ aſche ꝛz. bedienen; anhaltend angewendet, iſt auch ſie oft von vortrefflicher Wirkung. Iſt die Piphacke feſt, und in ihr keine Flüſſigkeit enthalten, ſo iſt eine Salbe aus drei Quentchen jodſaurem Kali und drei Loth grauer Merkurialſalbe, täglich zweimal, und wochen⸗ lang eingerieben, oft von gutem Erfolge. Von Zeit zu Zeit iſt die Geſchwulſt durch lauwar⸗ mes Seifenwaſſer von den anklebenden Mitteln ꝛc. zu reinigen. Bei jeder Piphacke, im Fall ſie nicht mehr ent⸗ 10. Wuthkrankheit. zündet iſt, zeigt ſich das Glüheiſen mehr oder weniger nützlich. Es werden auf dieſelbe Striche, oder hier noch beſſer Punkte gebrannt(Fig. 8. a.). Die Er⸗ öffnung der Geſchwulſt, zum Zwecke der Entleerung der etwa in ihr enthaltenen Flüſſigkeit, iſt im Allge⸗ meinen zu widerrathen, denn ſie iſt in vielen Fällen nutzlos, da ſich die Flüſſigkeit leicht wiederfindet, und in andern Fällen iſt ſie gefährlich, wegen der Nähe ſehr wichtiger Sehnen ꝛc., die hier ihre Lage haben. Auch durch die Geſchwulſt, wie wohl angerathen wor⸗ den iſt, ein kleines Eiterband zu ziehen, iſt unpraktiſch, und die Entfernung derſelben durch das Meſſer nicht wohl ausführbar. Sehr kleine, nicht ſehr entſtellende Piphacken, laſſe man lieber, im Fall gelinde Mittel erfolglos gebraucht wurden, unbehandelt, denn oft wird der Fehler durch die Kur und die dabei leicht eintretenden Zufälligkeiten größer, als derſelbe vor der Behandlung war. Während der Kur muß das Pferd ſo viel Ruhe, wie nur irgend möglich, haben, denn bei der Bewegung, beſonders bei ſchnellen Gangarten, wird die Haut auf dem Sprungbeine geſpannt, wodurch Druck und Quet⸗ ſchung der Geſchwulſt, und ſomit eine Verſchlimmerung derſelben entſteht. Auch ſind alle Gegenſtände, an denen ſich das Pferd die Hacke etwa reiben koͤnnte, ſo viel wie möglich, zu entfernen. 10. Dieſe furchtbare, auch Wuth, Hundswuth, Tollwuth, Tollheit, Waſſerſcheu genannte, Krankheit, entſteht, urſprünglich und von ſelbſt, nur allein beim Hunde, Wolfe, Fuchſe und bei der Katze; von dieſen kann ſie ſich aber durch den Biß auf andere Thiere und auch auf Menſchen übertragen. Ueber die Urſachen der Wuthkrankheit beim Hunde, im Fall ſie nicht durch den Biß eines andern tollen Hundes, alſo durch Anſteckung, entſtanden iſt, ſchwebt ein tiefes Dunkel, welches zu erhellen allen bisherigen Bemühungen theils gar nicht, theils doch nur ſehr unvollſtändig gelungen iſt; auch über Sitz, Weſen und Kur der Krankheit weiß man faſt gar nichts, und Verdacht. Wuthkrankheit. ſelbſt die frühere Geſchichte derſelben iſt dunkel. Die Krankheit kommt bei fetten und mageren, bei männ⸗ lichen ſowohl als bei weiblichen, ſelbſt bei caſtrirten Hunden, in jedem Lebensalter und bei jeder Race vor; am häufigſten im Sommer. Aber auch andere Jah⸗ reszeiten, ſelbſt ſtrenge Winterkälte, ſchützen nicht vor der Krankheit. Es giebt kaum irgend eine denkbare Urſache, welche man nicht als Veranlaſſung der Hunds⸗ wuth beſchuldigt hätte; namentlich hatte man anhal⸗ tenden Hunger, Mangel an Trinkwaſſer, den Fraß verfaulten Fleiſches, übermäßigen, nicht gelöſchten Durſt, und große, aber nicht befriedigte, Geilheit im Verſuche und Beobachtungen haben aber 10. die Richtigkeit dieſer Vermuthungen großentheils wider⸗ legt. Daß der übermäßig erregte, aber nicht befrie⸗ digte Geſchlechtstrieb die Krankheit erzeugen könne, hat wohl noch die meiſte Wahrſcheinlichkeit für ſich; in einigen Fällen wenigſtens ſah man die Krankheit gleich darauf ausbrechen, nachdem der Hund an der Vollziehung des bereits begonnenen Begattungsaktes gewaltſam gehindert wurde. Oft aber blieb dieſe Folge aus; ſo hatte ich z. B. in zwei wiederholten Fällen Gelegenheit, männliche Hunde neben brünſtige Hündinnen ſo zu placiren, daß ihr Geſchlechtstrieb mehrere Tage hindurch auf den äußerſten Grad erregt wurde, aber nicht befriedigt werden konnte. Dennoch erfolgte in dieſen Fällen, weder ſogleich noch in ſpä⸗ terer Zeit, der Ausbruch der Tollwuth. Nach der Volksmeinung ſollen vorzüglich große Hitze oder auch übermäßige Kälte häufige Urſache der Krankheit ſein; dieſem aber widerſpricht die Erfahrung gänzlich. Es iſt nämlich eine allerdings befremdende Thatſache, daß die Hundswuth in heißen Climaten, z. B. in Aegyp⸗ ten, in der Türkei, am Cap, in Oſtindien ꝛc.; dann auch im hohen Norden, z. B. in Grönland, niemals vorkommt. Ob das am Clima liegt, oder an dem Umſtande, daß die Hunde in den genannten Gegenden meiſt herrenlos ſind, und deshalb ihren natürlichen Trieben, beſonders denen zur Begattung, ungehindert folgen können, iſt noch nicht mit Sicherheit ermittelt worden. Hunde, welchen das Futter bis zum Ver⸗ hungern entzogen wurde, bekamen dadurch die Krank⸗ heit nicht. Eben ſo wenig ſcheint die Urſache in der Fütterung zu liegen; die Hunde der Fleiſcher und Ab⸗ decker, welche faſt ausſchließlich von Fleiſch, als der naturgemäßen Speiſe dieſes Thieres, leben, werden eben ſo oft toll, als andere Hunde; Hirtenhunde, welche faſt immer im Freien, und ſomit ziemlich naturgemäß leben, verfallen eben ſo oft in die Wuth, als verzär⸗ telte Hunde, welche ſelten das Zimmer verlaſſen ꝛc. Häufig ſah man Hunde toll werden, welche früher an der ſogenannten Hundekrankheit oder Staupe gelitten hatten. Ob durch heftige Erregung des Zorns eines Hundes die Wuth entſtehen könne, iſt bis jetzt noch nicht entſchieden, doch ſcheint dieſes kaum der Fall zu ſein. Die ohne Vergleich häufigſte Urſache der Wuth iſt die durch den Biß eines andern tollen Hundes bewirkte Anſteckung; aus dieſem Grunde erklärt ſich die that⸗ ſächliche Beobachtung, daß oft gleichzeitig, oder auch Wuthkrankheit. 47 in einem kurzen Zeitraume, mehrere oder ſelbſt viele Hunde an einem Orte oder in einer Gegend toll wer⸗ den, und dann für längere Zeit kein einziger. Die durch den Biß bewirkte Anſteckung erfolgt dadurch, daß etwas Speichel des tollen Hundes unter die ver⸗ letzte Oberhaut des gebiſſenen Hundes, mehr oder we⸗ niger tief in Haut und Fleiſch ꝛc. eindringt; ohne eine wirkliche Verletzung, die freilich nur höchſt oberflächlich zu ſein braucht, ſcheint keine Anſteckung moͤglich zu ſein. Der vorzüglichſte Träger des Wuthgiftes iſt der Speichel des tollen Hundes; aber auch das Blut und einige andere Theile ſeines Körpers haben eine anſteckende Eigenſchaft, wie dieſes durch ſorgfältig ausgeführte Verſuche unzweifelhaft dargethan iſt. Zur Uebertragung der Krankheit iſt indeſſen nicht gerade immer der Biß des tollen Hundes erforderlich; es reicht hin, wenn irgend etwas von ſeinem Speichel ꝛc. in eine Wunde, oder auf einen von der Oberhaut ent⸗ blößten Theil des Körpers gebracht wird. Das Wuth⸗ gift verliert ſeine Kraft nicht ſogleich nach dem Tode des Hundes, ſondern es behält ſeine Wirkſamkeit noch einige Zeit, die bis jetzt noch nicht genau ermittelt iſt, bei. Der Speichel eines toll geweſenen, ſchon ſeit vierundzwanzig Stunden todten Hundes, brachte bei einem damit geimpften Schafe die Wuthkrankheit hervor. Glücklicherweiſe kommt nicht bei jedem von dem tollen Hunde gebiſſenen Menſchen oder Thiere die Wuth zum Ausbruche; woran dieſes liegt, iſt bis jetzt noch nicht genügend erklärt worden. So wurde z. B. in einem Falle, von zwanzig gebiſſenen Menſchen nur Einer toll, obgleich Alle ohne irgend eine Vorbeu⸗ gungskur geblieben waren. Von zwanzig anderen, von einem tollen Wolfe gebiſſenen Menſchen dagegen, verfielen dreizehn in die Wuthkrankheit. Eben ſo wurden von neunundfunfzig von Hertwig(Profeſſor an der Thierarzneiſchule zu Berlin, welcher ſich durch die gefahrvollſten Verſuche ein nie genug zu ſchätzendes Verdienſt im Betreff der näheren Kenntniß der Hunds⸗ wuth erworben hat) mit dem Speichel vom tollen Hunde geimpften Hunden nur vierzehn toll, obgleich alle ohne weitere Behandlung gelaſſen waren. Innerlich, und in den Magen gebracht, ſcheint das Wuthgift unſchädlich zu ſein; Hertwig ließ vier⸗ zehn Hunde den Speichel von tollen Hunden verſchluk⸗ ken, aber in keinem einzigen Falle pflanzte ſich die Krankheit auf dieſe Weiſe fort. 48 10. Wuthkrankheit. Allemal wird die einmal zum Ausbruche gekom⸗ mene Wuthkrankheit, ſei es bei Menſchen oder Thie⸗ ren, in wenigen Tagen tödtlich; es giebt keinen ein⸗ zigen beglaubigten Fall, welcher das Gegentheil be— wieſe. Aber eine Vorbeugung ſcheint allerdings in den meiſten Fällen moͤglich, obgleich auch ſie nicht immer ſicher geweſen iſt. Nach der Volksmeinung, welche überhaupt die fabelhafteſten Begriffe über die Krankheit, in jeder ihrer Beziehungen, hat, iſt der Ausbruch der Krankheit an die Zahl neun gebunden; ſo daß dieſelbe nach neun Tagen, neun Wochen, neun Monaten oder neun Jahren zum Vorſchein käme, aber nie zu einer anderen Zeit. Längſt hat ſich die Annahme durch die zahl⸗ reichſten entgegenſtehenden Beobachtungen als ein Irr⸗ thum dargeſtellt, denn der Ausbruch der Krankheit iſt an keinen beſtimmten Termin gebunden; ſpäter wer⸗ den wir ſehen, zu welcher Zeit ſie bei den verſchiedenen Hausthieren in der Regel zum Ausbruch kommt. So viel über die Wuthkrankheit im Allgemeinen; jetzt zur näheren Beſchreibung derſelben bei den ver⸗ ſchiedenen Hausthieren. a) Wuthkrankheit bei Hunden. Ueber die Kennzeichen der Krankheit und über das Benehmen eines tollen Hundes ſind ſo zahlreiche und faſt durch⸗ weg ſo entſchiedene Irrthümer und falſche Anſichten verbreitet, daß es, mit Ausnahme der gut unterrichte⸗ ten Thierärzte, vielleicht in ganz Deutſchland nicht zehn Menſchen giebt, welche die Krankheit mit Sicherheit zu erkennen vermögen. Das Krankheitsbild, welches die Phantaſie den Laien in der Regel von einem tollen Hunde entwirft, iſt ſo ſehr abweichend von der Natur, daß der Sachkenner, welcher einen wirklich tollen Hund für toll erklaͤrt, gewoͤhnlich ausgelacht wird. Faſt allgemein glaubt man, ein toller Hund ſei waſſerſcheu; nichts aber iſt irriger. Ein verfolgter toller Hund ſchwimmt durchs Waſſer, durchs Begießen mit Waſſer wird er nicht im geringſten alterirt, er leckt an demſel⸗ ben, und nichts zeigt an, daß er die geringſte Scheu vor dem Waſſer oder anderen Flüſſigkeiten empfinde. Der beklagenswerthe Irrthum, daß ein toller Hund waſſerſcheu ſei, und daß er, wenn er dieſes Symptom nicht zeige, auch nicht an der Wuth leide, hat ſchon Hunderten von Menſchen das Leben gekoſtet; ich ſelbſt wurde dadurch vor einigen Jahren eines mir werthen Freundes beraubt. Nur bei der Wuthkrank⸗ heit der Menſchen iſt die Scheu vor Waſſer, ſo wie vor allen anderen Flüſſigkeiten vorhanden, aber niemals und in keinem Fall bei Hunden oder bei anderen Thieren. Ferner meint man, ein toller Hund habe Schaum vor dem Maule; aber auch dieſes iſt grundfalſch. In der Regel iſt das Maul eines tollen Hundes trocken, oder doch nicht feuchter, wie bei einem geſunden Hunde, und nur ſelten findet eine ſehr vermehrte Speichelab⸗ ſonderung ſtatt, bei der ſich dann wohl einige Schaum⸗ blaſen in den Mundwinkeln bilden. Daß ein toller Hund nur gradeaus laufe, den Schwanz zwiſchen die Beine klemme, ſeinem Herrn durchaus nicht gehorche, — Alles dieſes ſind entſchiedene Irrthümer. Vergebens haben ſich die Regierungen in den verſchiedenen Staa⸗ ten ſchon bemüht, durch oͤffentliche Blätter die wahren Kennzeichen der Wuthkrankheit bei Hunden allgemein bekannt zu machen; alle dieſe Beſtrebungen ſind doch leider meiſt an den ſeit Jahrhunderten eingewurzelten Vorurtheilen des großen Publikums geſcheitert. Im Intereſſe der Humanität im Allgemeinen, und des Leſers insbeſondere, bitte ich daher die nachfolgende naturgetreue Schilderung der Zeichen der Wuthkrank⸗ heit des Hundes dem Gedächtniſſe möglichſt einzuprä⸗ gen, und die verderblichen Irrthümer, in denen er meiſtens befangen geweſen ſein mag, aufzugeben. Nicht in jedem Falle iſt die Erkenntniß der Krank⸗ heit leicht; die Erſcheinungen erleiden in den verſchie⸗ denen Fällen zahlreiche Abweichungen von der Regel, ſo daß, wenigſtens für einige Zeit, ſelbſt ſchon Sach⸗ kenner ſich getäuſcht haben. In einem ſolchen Falle war ich ſelbſt, obſchon ich mehr als ſechzig tolle Hunde, und großen Theils mit Sorgfalt und anhaltend, beob⸗ achtet habe, mehrere Tage der Krankheit hindurch, und faſt bis kurz vor dem Tode des Hundes, über die wahre Beſchaffenheit der Krankheit im Zweifel. Man hüte ſich daher wohl, auf die Gegenwart oder die Ab⸗ weſenheit einzelner Symptome ein zu großes Gewicht zu legen, denn nur aus der umſichtigen Combination aller Erſcheinungen geht erſt die ſichere Erkenntniß her⸗ vor. Weſentlich erſcheint die Krankheit unter zwei verſchiedenen Formen, von denen die eine die raſende Wuth, die andere dagegen die ſtille Wuth ge⸗ nannt wird. Die erſten Zeichen, durch welche ſich die raſende Wuth zu erkennen giebt, beſtehen gewöhnlich in einer Veränderung des gewoͤhnlichen Benehmens des Hun⸗ des; oft iſt dieſe ſehr auffallend, oft aber nur für den 10. Wuthkrankheit. bemerkbar, welcher ſich früher viel mit dem Hunde zu ſchaffen gemacht hat, und deshalb ihn genau kennt. Der Hund wird ungewöhnlich munter, freundlich, aufgeregt, er läuft zwecklos umher, wird leicht zum Zorn gereizt, und geräth leicht in Hitze; oder er wird im Gegentheil mürriſch, faul und verdrießlich, ſo daß er ſich verkriecht ꝛc. In den meiſten Fällen wechſeln dieſe Erſcheinungen periodiſch mit einander ab. Selten ſitzt ein ſolcher Hund ganz ruhig; er ſchnappt mit dem Maule in die Luft, als wolle er Fliegen erhaſchen, ſelbſt wenn deren keine zugegen ſind, oder er zeigt eine beſondere Neigung mit allerhand kleinen Gegenſtänden, z. B. Federn, Papier⸗ oder Zeugſtückchen zu ſpielen, indem er ſie wiederholt ins Maul nimmt, ſie zerkaut oder wieder fallen läßt. Er beleckt öfters After und Geſchlechtstheile von anderen Hunden, oder kalte Ge⸗ genſtände, z. B. Steine, Eiſen, die Nagelköpfe im Fußboden; oder er beleckt auch den eigenen Koth und Urin, den er zuweilen verſchlingt; er kratzt ſein Lager⸗ ſtroh unter ſich weg, nach hinten unter den Bauch, und in der Regel zernagt er fremdartige Gegenſtände, z. B. Holz, Leder, Stroh ꝛc., von denen er auch wohl einen Theil hinabſchluckt. Die Decke, das Kiſſen oder andere Gegenſtände, die ihm zum Lager dienen, wer⸗ den von ihm in der Regel in Stücke zerbiſſen oder zerriſſen und Theile davon verſchluckt. Der Appetit verſchwindet in der Regel gleich bei dem Eintritte der Krankheit gänzlich, jedoch nicht in jedem einzelnen Falle. So ſah ich z. B. einen bereits ſeit vier Tagen im hohen Grade tollen Hund, welcher das ihm vorgeworfene Fleiſch mit großer Haſt hinab⸗ ſchlang. Dagegen dauert die Neigung ungewöhnliche, nicht genießbare Sachen zu verſchlucken fort. Der Hund zeigt meiſtens einen vermehrten Durſt, den er Anfangs auch noch befriedigt; ſpäter ſcheint das Schlucken erſchwert zu ſein, und der Hund leckt dann blos an den vorgeſetzten Flüſſigkeiten. Waſſer⸗ ſcheu iſt aber in keinem Fall zugegen. Am erſten oder zweiten Tage der Krankheit iſt das äußere Anſehen des Hundes außerdem nicht ſehr, und in der Regel ſo wenig verändert, daß der Laie faſt niemals die Gegenwart einer ſo ſchrecklichen Krankheit ahnt. Nach dieſer Zeit jedoch erſcheinen die Augen geröthet, der Kranke ſchließt ſie zuweilen auf Augen⸗ blicke, zumal bei hellem Lichte; der ganze Ausdruck des Blickes iſt mürriſch, ſchläfrig und eigenthümlich, obſchon nicht wohl zu beſchreiben. Später werden Wagenfeld Encyel. 49 die Augen noch röther, meyr oder weniger rube; ſie haben dann das Anſehen, als wären ſie beſtäubt, und der Blick hat etwas Schreckenerregendes. Gewöhnlich iſt hartnäckige Verſtopfung zugegen, und der Kranke quält ſich wiederholt ab, um Koth zu entleeren. Die meiſten tollen Hunde haben in ihrer Unruhe und Angſt eine auffallende Neigung zu entlaufen; ſie drängen wiederholt nach der Thür, welche ſie auch wohl durchbeißen, und iſt ihnen die Flucht möglich, ſo kehren ſie meiſt vor zwölf bis vierundzwanzig Stun⸗ den nicht wieder nach Hauſe zurück. Oft ſind ſie dann von andern Hunden vielfach zerbiſſen, blutend und mit Wunden, Koth ꝛc. bedeckt, oder auch durch die meiſt ſtattgehabte Verfolgung von Menſchen mehr oder weniger beſchädigt. Ein ſolcher Hund hat dann ein ſehr auffallendes, entſtelltes Anſehen; zumal ſind die rothen, glanzloſen Augen und das ſtruppige, aufge⸗ borſtete Haar auf dem Rücken dabei ganz charakteri⸗ ſtiſch. Nur in ſeltenen Fällen beißt der Hund gleich nach ſeiner Nachhauſekunft ſeinen Herrn oder andere ihm befreundete Perſonen; er iſt im Gegentheil auch jetzt oft noch ganz freundlich und folgſam. Ueberhaupt liebt auch der tolle Hund noch eine freundliche Be— handlung; bei Liebkoſungen wedelt er mit dem Schwanze, gehorcht, wenn auch langſam, erhaltenen Befehlen ꝛc., und mit wenigen Ausnahmen bleibt er ſeinem Herrn, und faſt bis zum Tode, in einem gerin⸗ gen Grade folgſam, vorausgeſetzt, daß er nicht gereizt und gezüchtigt, ſondern ſanft und freundlich behandelt wird. Mir ſind im Laufe der Jahre acht bis zehn Hunde, die bereits ſeit mehreren Tagen toll waren, behufs der Rathserholung von ihren Beſitzern, entweder auf den Armen oder an einem Bändchen befeſtigt, in mein Zimmer gebracht worden, ohne daß einer dieſer Hunde ſeinen Herrn gebiſſen gehabt hätte. Iſt der tolle Hund aber durch irgend etwas gereizt, z. B. durch einen Fußtritt, oder auch nur durch das Manöver dazu, ſo ſchont ſein Biß Niemanden. In den erſten Tagen der Krankheit iſt der Gang des Hundes wie im geſun⸗ den Zuſtande; daß er dabei immer gerade auslaufe, iſt irrig; denn wenn ihn auch das wahrſcheinliche Gefühl von Angſt und Unruhe bewegt möglichſt das Weite zu ſuchen, ſo ſpringt er doch auch vom Wege ab, und ſo oft ſich dazu irgend Veranlaſſung für ihn findet. Den Schwanz trägt der Hund Anfangs faſt wie ein geſunder Hund, ſpäter hängt derſelbe herab, und wird dann in einem Bogen getragen, etwa wie Leim Fuchſe. 50 10. Wuthkrankheit. Zwiſchen die Beine klemmt der Hund den Schwanz jedoch nie ein, außer wenn er ver— folgt wird, wie dies unter gleichen Umſtänden bei jedem Hunde der Fall iſt. Es iſt ſomit die Volksmei⸗ nung, daß ein toller Hund den Schwanz zwiſchen die Beine klemme, im Allgemeinen ein Irrthum, welcher offenbar daraus entſtanden iſt, daß das groͤßere Publi⸗ kum einen tollen Hund ſelten anders zu Geſicht be⸗ kommt, als wenn er von allen Seiten verfolgt wird. Es erfolgt allemal eine raſche Abmagerung, und am dritten, oft ſchon am zweiten Tage, tritt ein lähmungs⸗ artiger Zuſtand ein, welcher ſich durch einen ſchwan— kenden Gang, ſpäter durch eine faſt völlige Lähmung des Hintertheils zu erkennen giebt. Bei jedem tollen Hunde findet ſich eine ungewöhn⸗ liche Neigung zum Beißen ein, welche indeſſen nicht in jedem Falle gleich ſtark, und auch nicht in jeder Periode der Krankheit in gleichem Grade zugegen iſt. Gutmüthige, träge Hunde zeigen oft nur eine geringe Beißſucht; dieſe iſt dagegen bei ſonſt beißig geweſenen Hunden ungemein groß. Sie läßt ſich an den eigenen Körper, an Thieren aller Art, ſelbſt Geflügel, an ſonſt befreundet geweſenen Kameraden, und beſonders heftig an Katzen aus, aber auch lebloſe Dinge werden nicht ſelten mit großer Wuth angefallen. Menſchen, zumal ſeinen Herrn, verſchont der tolle Hund bis zu⸗ letzt, obſchon, wie leider die Erfahrung lehrt, auch nicht immer; Reizungen aller Art, Mißhandlungen, und ſchon die Drohung dazu, bringen dieſe Beißſucht ſehr leicht hervor und ſteigern ſie. Aber auch mitten unter vielleicht vom Hunde mißverſtandenen Liebkoſungen, ſchnappt derſelbe nicht ſelten in die Hand ſeines Schmeichlers. Auf dieſe Weiſe werden beſonders Kinder, welche, wie früher, unbefangen mit dem Hunde ſpielen wollen, nur zu oft gebiſſen. Die Art, wie der tolle Hund ſeinen Biß ausführt, iſt eigen— thümlich. Während nämlich ein nicht toller Hund, bevor er beißt, die Zähne fletſcht, bellt, knurrt und verſchiedene feindliche Demonſtrationen macht, beißt der tolle Hund, gewöhnlich mit einer Art Hinterliſt, ganz ſtill, und ohne vorher die Abſicht des Beißens durch irgend etwas anzukündigen; ſein Beißen beſteht meiſtens nur in einem, obgleich leider nur zu wirkſa⸗ men, Schnappen. Der tolle Hund beriecht z. B. den andern Hund am Maule, an den Geſchlechtstheilen de. und fährt dann mit Blitzesſchnelle beißend auf den⸗ ſelben ein. Daß geſunde Hunde einem tollen Hunde, durch Inſtinkt vor der Gefahr gewarnt, ausweichen und ihn fliehen, iſt ein durchaus irriger Glaube.— Ein toller Hund zerbeißt mit großer Kraft den Strick, mit dem er befeſtigt iſt, oder die Bretter ꝛc. die ihn um⸗ ſchließen, und ſucht ſich auf dieſe Weiſe aus ſeiner Haft zu befreien. In einen vorgehaltenen Stock beißt er ſo heftig, daß man ihn in der Regel mit dem Stocke für kurze Zeit emporheben kann; ſelbſt in vorgehal⸗ tenes Eiſenwerk beißt der Hund wiederholt ein, welches ein nicht toller Hund entweder gar nicht, oder wenig⸗ ſtens nicht zum zweiten Male thut. Eines der wichtigſten Zeichen der Wuth iſt endlich noch die eigenthümliche Veränderung, welche der Klang des Bellens erleidet. Das Bellen klingt heiſer, rauh und widerlich, meiſt iſt der Ton höher als bei geſun⸗ den Hunden; daſſelbe erfolgt mehr oder weniger oft, beim eingeſperrten tollen Hunde zuweilen faſt unauf— hörlich. Der erſte Anſchlag des Bellens geht in ein eigenthümliches, nur ſchwer zu beſchreibendes, heiſe⸗ res Geheul über, ähnlich dem, welches manche Hunde beim Glockengeläute hören laſſen. Für den, welcher ſchon mehrere Mal einen tollen Hund bellen hörte, iſt die Art deſſelben ſo charakteriſtiſch, daß er daran ſchon allein faſt mit Sicherheit die Gegenwart der Wuth⸗ krankheit erkennen kann. Das Bellen klingt ziemlich genau ſo, als ob dem Hunde die Kehle zum Theil zugeſchnürt wäre, wenig⸗ ſtens fand ich einmal bei einem Hunde, welchem aus Verſehen das Halsband überaus feſt umgelegt war, das wiederholte Bellen deſſelben, dem von mir ſo oft gehörten Bellen eines tollen Hundes ſo überaus ähn— lich, daß ich den Hund ſo lange für toll halten mußte, bis ich mich durch die wenige Stunden darauf erfolgte nähere Unterſuchung von der wahren Beſchaffenheit der Umſtände, und dadurch vom Gegentheil überzeugt hatte. Der tolle Hund bellt in der Regel häufiger, als im geſunden Zuſtande, zumal wenn er eingeſperrt iſt, oder wenn er gereizt wird. Gegen das Ende der Krankheit wird der Ton immer ſchwächer, heiſerer und rauher. Die ſtille Wuth kommt ungleich ſeltener vor, als die eben beſchriebene raſende Wuth; auch hier be⸗ merkt man eine Veränderung im Benehmen des Hundes. Nur ſelten zeigt er eine beträchtliche Unruhe oder grö⸗ ßere Lebhaftigkeit, als im geſunden Zuſtande, ſondern er wird im Gegentheil meiſt ſtill und traurig. Selten entläuft der Hund aus dem Hauſe; er zeigt nicht die 10. Wuthkrankheit. große Beißwuth, auch bellt er ſeltener; das Bellen ſelbſt jedoch iſt ganz von dem Klange, wie bei der ra⸗ ſenden Wuth. Der Hund frißt nicht, bekommt rothe Augen, wird ſchnell mager und auf dem Hintertheile gelähmt, und zeigt die meiſten Symptome der Wuth⸗ krankheit im Allgemeinen. Ein nie fehlendes Zeichen bei der ſtillen Wuth iſt die bald eintretende Lähmung des Unterkiefers; es hängt dieſer herab, ſo daß das Maul während der ganzen Dauer der Krankheit mehr oder weniger weit offen ſteht. Die Zunge hängt mehr oder weniger zwiſchen den Zähnen hervor, und es fließt viel Speichel aus dem Maule. Nur ſelten iſt ein ſolcher Hund im Stande zu beißen; indeſſen iſt dieſes, der Lähmung des Unterkiefers ungeachtet, den⸗ noch zuweilen noch möglich; der Hund kann zuweilen noch einen kräftigen und ſchädlichen Biß ausführen. Hiervon überzeugte ich mich noch kürzlich, indem ein an der ſtillen Wuth leidender Hund einen andern Hund biß, welcher letztere toll ward, und durch ſeinen Biß wieder bei mehreren Schafen die Wuth erzeugte. Der Laie läßt ſich in der Regel durch den äußern An⸗ ſchein zu dem Glauben verleiten, daß ein an der ſtillen Wuth leidender Hund nicht an dieſer Krankheit leide, ſondern daß er einen Knochen oder ſonſt einen fremden Körper im Halſe ſtecken habe, und nicht verſchlucken könne. Wenn dieſer Fall auch zuweilen vorkommt, ſo hüte man ſich doch wohl vor einem vorſchnellen Urtheil. Jedesmal wird die Wuth, ſei es die raſende oder die ſtille, tödtlich, denn es giebt kein Beiſpiel einer Geneſung von dieſer Krankheit. Der Tod erfolgt in der Regel am fünften bis ſiebenten Tage der Krank⸗ heit; zuweilen etwas früher, zuweilen etwas ſpäter, aber wohl nie nach dem neunten oder zehnten Tage. Die Zeit, nach welcher die Wuth bei einem gebiſſenen Hunde zum Ausbruche kommt, iſt verſchieden; in der Regel erfolgt der Ausbruch nach achtzehn bis dreißig Tagen; beſtimmt aber iſt dieſer Termin nicht, denn man ſah in einem Falle die Wuth ſchon nach vier Tagen, in einem anderen Falle aber erſt nach acht Wochen eintreten. Ein viel ſpäterer Ausbruch der Krankheit iſt bis jetzt noch nicht beobachtet worden. Bei der Oeffnung des Cadavers eines tollen Hun⸗ des finden ſich keine ſehr auffallenden Veränderungen, und nie ſind ſie von ſolcher Beſchaffenheit, daß aus ihnen allein die vorhanden geweſene Wuth mit Sicher⸗ heit erkannt werden könnte. Die Schleimhäute des 51 Kehlkopfes und der Luftröhre ſind in manchen Fällen geröthet; am Magen finden ſich verſchiedene rothe Flecken; derſelbe iſt leer von Futterſtoffen, dagegen enthält er faſt in allen Fällen fremdar— tige, vom Hunde verſchluckte Subſtanzen, als Heu, Stroh, Federn, Holzſpähne, Sand, Haare, Zeugfetzen ac., mit Schleim oder einer braunen, galligen Flüſſigkeit. Der Darm⸗ kanal iſt faſt allemal gänzlich leer von Koth; zuweilen findet ſich in demſelben eine große Menge verſchluckten Sandes ꝛc. Da die Wuth des Hundes theils nicht ſo leicht zu erkennen, theils mit andern Krankheiten verwechſelt werden kann, ſo wird es, bei der Wichtig— keit des Gegenſtandes, hier nicht überflüſſig ſein, die Hauptzeichen derſelben in gedrängter Kürze nochmals neben einander zu ſtellen. Der tolle Hund frißt in der Regel gleich vom Anfange der Krankheit an nichts mehr. Dieſes muß um ſo mehr auffallen, da der ſonſt ſo gefräßige Hund in den erſten Tagen der Wuth kaum krank zu ſein ſcheint, und außerdem faſt mun⸗ terer iſt wie ſonſt, beißſüchtiger ꝛc. Es giebt zwar viele Krankheiten, bei denen der Hund zu ſreſſen auf⸗ hört, aber unter ſolchen Umſtänden iſt er dann doch gewöhnlich traurig, und weder zum Beißen, noch zu ſonſtigen widerſetzlichen Handlungen aufgelegt. Der tolle Hund entläuft in der Regel auf kürzere oder län⸗ gere Zeit, ebenfalls eine bei dem ſonſt ſo treuen Hunde nicht gewöhnliche Erſcheinung, die um ſo mehr Ver⸗ dacht erregen muß, wenn ſie mit dem Mangel an Freßluſt zuſammenfällt; denn leidet der Hund an irgend einer anderen mit Verluſt der Freßluſt verbun⸗ denen Krankheit, ſo fällt es ihm nicht wohl ein, auf längere Zeit zu entlaufen. Der tolle Hund zeigt eine früher in dem Maaße nicht gekannte Neigung zum Beißen, ſelbſt befreundeter Perſonen; er wird ſehr reizbar, und beißt nach allen ſich in ſeiner Nähe be⸗ wegenden Gegenſtänden; er verſchluckt fremdartige Gegenſtände, zerkauet oder zerreißt das, was ihm zum Lager dient ꝛc. Er bekommt rothe Augen, und durch Aufſträuben der Haare, zumal längs dem Rücken, ein ungewöhnliches Anſehen. Sehr raſch erfolgt Abma⸗ gerung, und ſchon in den erſten Tagen ſtellt ſich eine Lähmung, zumal am Hintertheile ein, die ſich gegen das Ende der Krankheit immer vermehrt. Das Bellen iſt eigenthümlich, heiſer und gegen früher auffallend verändert. Allemal erfolgt der Tod nach mehreren Tagen, ſpäteſtens am neunten oder zehnten und bei der — 5² Sektion ſind Magen und Gedärme leer von Futter oder Koth, wogegen im Magen meiſt fremdartige Gegenſtände ſich vorfinden. Dieſes letztere Zeichen iſt zumal in den Fällen wichtig, und ſteigert den Ver⸗ dacht faſt zur Gewißheit, wenn der Hund im Laufe der Krankheit erſchlagen wurde, ſo daß die Krankheit nicht bis zu ihrem Ende genau beobachtet werden konnte, und ſomit ihre wahre Natur zweifelhaft ge⸗ blieben war. Theilweiſe oder gänzliche Irrthümer ſind es, daß der tolle Hund waſſerſcheu ſei; daß er den Schwanz zwiſchen die Beine geklemmt trage; daß er Schaum vor dem Maule habe; daß er nur gerade aus laufe; daß er den Befehlen ſeines Herrn auf keine Weiſe mehr Folge leiſte; daß geſunde Hunde ihm aus Inſtinkt ausweichen. Es giebt verſchiedene andere Krankheiten, welche mehr oder weniger leicht mit der Wuthkrankheit ver⸗ wechſelt werden können, von denen ich einige hier an⸗ führen will. Die Staupe oder die ſogenannte Hunde⸗ krankheit;z die Darmentzündung; verſchiedene krampf⸗ hafte Zufälle, namentlich die Epilepſie und der Veits⸗ tanz; die Halsentzündung; Verrenkungen oder Brüche des Hinterkiefers, und das Feſtſtecken fremder Körper im Rachen oder im Schlunde. Von allen dieſen Zu⸗ ſtänden ſoll a. a. O. ausführlich die Rede ſein. Ein Verfahren, durch welches die Wuthkrankheit des Hundes mit Sicherheit verhütet werden könnte, iſt bis jetzt nicht bekannt. Alles, was in dieſer Hin⸗ ſicht geſchehen kann, beſchränkt ſich auf eine zweckmä⸗ ßige Fütterung und ſonſtige Pflege des Hundes. Man laſſe demſelben nie Mangel an Futter und Getränke leiden; ſetze denſelben nicht ohne Noth den Extremen von Hitze und Kälte aus; gebe ihm Gelegenheit den etwa zufällig ſehr erregten Geſchlechtstrieb zu befrie⸗ digen; verhindere nicht, daß er freie Bewegung habe; laſſe ihn nicht mit fremden, unbekannten Hunden in zu häufige Gemeinſchaft ꝛc. Das beſte Mittel die Häufigkeit des Vorkommens toller Hunde zu beſchrän⸗ ken, würde offenbar darin beſtehen, daß alle nicht durchaus nothwendigen Hunde abgeſchafft und getödtet würden, eine Maßfregel, deren Ausführung leider bis jetzt noch verſchiedene Bedenklichkeiten findet, die aber jeder Menſch billigen wird, welchem die Sicherheit und das Glück der Menſchen mehr gilt, als thörichte Neigungen derſelben. Der eben ſo ekelhafte als un⸗ moraliſche Grund, aus welchem z. B. manche Damen 10. Wuthkrankheit. einen Hund halten, wird wohl ſchwerlich einen Ver⸗ theidiger finden.— Die Regierungen haben geglaubt, durch Einführung der Hundeſteuer das häufige Halten von Hunden zu beſchränken, aber es iſt dadurch kaum auf die entfernteſte Weiſe der Zweck erreicht. Einmal iſt die Steuer viel zu gering, als daß ſelbſt arme Leute deshalb auf ihre Hundeliebe verzichteten, dann auch i*ſt das diesfällige Geſetz, weil es von der Willkühr der Communen abhängig gemacht iſt, nur an den we⸗ nigſten Orten zur Ausführung gekommen. Es iſt auffallend, daß die Regierungen, die doch in ſo vielen anderen Beziehungen nicht ſo ängſtlich und blöde zu ſein pflegen, in Bezug auf die Haltung der Hunde einen Machtſpruch ſcheuen, da dieſer doch gerade hier um ſo weniger Bedenken erregen könnte, als er durch Vernunft und die Rückſicht auf die öffentliche Sicher⸗ heit mehr als genügend motivirt erſcheint. Durch Arzneimittel, oder auf irgend eine ſonſtige Weiſe, die Wuthkrankheit ſicher zu verhüten, iſt bis⸗ her nicht gelungen. Früher hatte man die fabelhaften Meinungen, daß dieſes durch die ſogenannte Operation des Tollwurmſchneidens möglich ſei. An der unteren Fläche der Zunge des Hundes nämlich, zwiſchen einer Verdoppelung der hier befindlichen Schleimhaut, be⸗ findet ſich ein rundes, ſehniges Band, welches dazu dient, dem Hunde das Schlucken von Flüſſigkeiten zu erleichtern; dieſes Band, welches man für einen Wurm hielt, und Tollwurm nannte, ſchnitt man heraus, und glaubte dadurch dem Entſtehen der Wuth vorbeu⸗ gen zu können; eine Abſurdität, deren Quelle Un⸗ wiſſenheit und Aberglauben waren. Jeder Hund muß, in Bezug auf den möglichen Ausbruch der Wuth, ſorgfältig beobachtet werden; macht ſich nur irgend ein verdächtiges Zeichen an dem⸗ ſelben bemerkbar, ſo gebietet die Vorſicht, denſelben behutſam an die Kette zu legen, oder ſonſt ſicher un⸗ terzubringen, und zu beobachten. Die übliche ſofor⸗ tige Tödtung des blos verdächtigen Hundes iſt nur dann anzurathen, wenn man völlig ſicher iſt, daß der Hund weder Menſchen noch Thiere gebiſſen hat; hat aber Letzteres ſtattgehabt, ſo iſt es von höchſter Wich⸗ tigkeit zu wiſſen, ob der Hund wirklich toll iſt oder nicht, damit, je nach den Umſtänden, die nöthigen Vorſichtsmaßregeln bei dem Gebiſſenen in Anwendung gebracht werden können. Würde man einen Hund tödten, der ſich der Wuth blos verdächtig gemacht hat, und hätte dieſer Hund etwa einen Menſchen gebiſſen, 10. Wuthkrankheit. ſo würde Letzterer vielleicht ohne Noth ſich peinlichen Sorgen, oder auf der andern Seite vielleicht einer gefährlichen Gleichgültigkeit hingeben. Ein toll gewe⸗ ſener Hund muß tief vergraben werden, und alle mit ihm in Berührung gekommenen Gegenſtände ſind zu verbrennen, zu vergraben, oder durch Ueberſtreichen mit Kalk oder Chlorkalk, durch Ausglühen ꝛc. zu des⸗ inficiren. Soll der Hund geöffnet werden, ſo darf dieſes nicht früher geſchehen, als bis der Cadaver völlig erkaltet iſt, und der Operateur muß dabei un⸗ verletzte Hände haben, welche vorher mit Oel zu be⸗ ſtreichen, nachher aber ſorgfältig wieder zu reinigen ſind. Iſt ein Hund gebiſſen worden, ſo iſt derſelbe ſofort zu tödten! denn wenn auch die Erfahrung lehrt, daß nicht jeder gebiſſene Hund toll wird, ſo iſt es doch, bei der Größe der Gefahr, nicht zu wagen, es darauf ankommen zu laſſen. Gleichgültigkeit könnte hier zum Verbrechen an den Mitmenſchen werden. Auch alle anderen Hunde, welche mit dem tollen Hunde in Berührung gekommen ſind, oder wenn ſelbſt nur die Möglichkeit dazu vorhanden geweſen iſt, müſſen ebenfalls getödtet werden. Will man hier Anſtand nehmen, ſo muß ein ſolcher Hund doch jedenfalls, und mindeſtens dreizehn Wochen, eingeſperrt, oder ſonſt ſicher verwahrt werden; nach Verlauf dieſer Zeit kann man dann freilich ziemlich ſicher ſein; aber ab⸗ ſolute Sicherheit iſt dennoch nicht immer vorhanden. Eine Präſervativkur an dem gebiſſenen Hunde, z. B. durch Brennen, Aetzen ꝛc. zu unternehmen, iſt nicht zu wagen, da dieſes keine volle Sicherheit gewährt, und da die mögliche Gefahr zu groß iſt. Leidet ein Hund an der ſtillen Wuth, ſo hüte man ſich wohl dieſen Zuſtand mit anderen Krankheiten zu verwech⸗ ſeln; man unterſuche nicht zu leichtſinnig das Innere des Maules, in der Meinung, daß hier etwa ein Kno⸗ chen feſtſtecke. Trotz der gelähmten Kiefer kann ein ſolcher Hund dennoch zuweilen noch ſehr ſcharf zu⸗ beißen. Es wird hier nicht am unrechten Orte ſein, wenn ich noch in der Kürze die zweckmäßigſten Maßregeln angebe, welche bis zur Ankunft des in jedem Falle herbeizuholenden Arztes erforderlich ſind, wenn ein Menſch von einem tollen Hunde gebiſſen worden iſt. Es ſcheint mir dieſes um ſo nothwendiger, da Aber⸗ glauben und Unwiſſenheit in dergleichen Fällen nur zu oft einen verkehrten und deshalb unheilvollen Weg eingeſchlagen haben. Iſt ein Menſch von einem tollen 53 Hunde gebiſſen, ſo iſt es vor Allem wichtig, das in die Wunde eingedrungene Wuthgift ſo ſchnell wie möglich wieder herauszuſchaffen. Am paſſendſten hiezu iſt das lauwarme Waſſer, durch deſſen Anwen⸗ dung das Gift gleichſam aus der Wunde herausgeſpült wird. Iſt die Wunde an der Hand, ſo hält der Kranke die Hand mindeſtens eine Viertelſtunde lang in lauwarmes Waſſer, und unterhält dadurch die Blu⸗ tung. Damit dieſe recht ergiebig ausfalle, iſt es paſſend, am obern Theile des Armes eine Binde, ein Tuch ꝛc. recht ſtark umzuſchnüren. Sollte ſich die Bißwunde am Fuße befinden, ſo wird auf ganz gleiche Weiſe verfahren. Wunden an anderen Körperſtellen werden unausgeſetzt mit lauwarmem Waſſer, durch Hülfe eines Schwammes, Tuches ꝛc. befeuchtet. Wird Jemand im Felde, oder an Orten, an denen nicht ſogleich warmes Waſſer vorhanden iſt, gebiſſen, ſo wird die Wunde wo möglich mit warmem Urine wie⸗ derholt ausgewaſchen. Eſſig, Branntwein, Kochſalz oder andere Mittel, für ſich allein oder mit Waſſer gemiſcht, ſind nicht ſo gut, als reines warmes Waſſer oder warmer Urin. Das Ausſaugen der Wunde würde ſehr ſicher, und daher ſehr zu empfehlen ſein, wenn es nicht mit der großen Gefahr verbunden wäre, daß an den Lippen oder im Munde ſich zufällig kleine wunde Stellen befinden könnten, welche dabei durch das Gift inficirt würden. Iſt die Wunde vorläufig und zunächſt auf dieſe Weiſe behandelt, ſo handelt es ſich darum, das etwa in der Wunde noch befindliche Gift zu vernichten. Zu dieſem Behufe hat man zahl⸗ reiche, verſchiedene Methoden. Man ſchneidet die Wunde möglichſt tief und breit aus; doch iſt dieſes nicht an allen Theilen, an denen die Wunde ihren Sitz haben kann, auszuführen. Oder man brennt die Wunde wiederholt mit einem ſpitzigen, glühenden Eiſen aus, und zwar ſo tief es die Wunde nur immer erfordert. Beſſer noch als das Schneiden und Brennen iſt das Aetzen oder Beizen der Wunde. Man bedient ſich zu dieſem Behufe verſchiedener Mittel; Aetzkali, Spieß⸗ glanzbutter, Höllenſtein, Schwefelſäure, Chlorkalk ꝛc. ſind beſonders zu empfehlen. Von einer dieſer Sub⸗ ſtanzen wird wiederholt etwas in die, zuvor mit einem leinenen Läppchen ausgetrocknete Wunde gebracht. Später wird die Wunde noch wochenlang in Eiterung erhalten, und es tritt zugleich noch eine innerliche Be⸗ handlung hinzuz der ſtets herbeizuholende Arzt wird das ganze Verfahren am paſſendſten keiten, und man 54 10. Wuthkrankheit. ſchreite nur vorläufig dazu, die Wunde auf die ange— gebene Weiſe auszuwaſchen, und, wenn die Ankunft des Arztes ſich unvermeidlich verzögert, die Wunde auszuſchneiden, auszubrennen oder mit einem der an— gegebenen Mittel recht ſtark auszubeizen. Niemals aber darf man ſich dabei allein beruhigen, denn ohne eine methodiſche, gründliche ärztliche Behandlung iſt die Vorbeugung, was Volksvorurtheil und Unwiſſen⸗ heit auch wohl von verſchiedenen anderen Kuren halten mögen, nie ſicher, und die Anwendung des Maiwur⸗ mes, des Froſchlöffelkrautes, der Canthariden und zahl⸗ reicher anderer berühmt und volksthümlich gewordener Mittel, hat in den gemachten ſpäteren Wiederho⸗ lungen die Probe nicht ausgehalten. Wichtig und wünſchenswerth iſt, wie eben geſagt, die möglichſt ſchleunig einzuleitende Kur; aber auch in veralteten Fällen gelingt einem paſſenden Verfahren die Verhütung der Krankheit noch mehr oder weniger ſicher. Viele Menſchen wurden erſt nach Verlauf von Wochen und ſelbſt einigen Monaten, nachdem ſie den Biß des tollen Hundes erlitten hatten, einer vorbeu⸗ genden Kur unterworfen, und demungeachtet in der Regel mit völlig günſtigem Erfolge. Wenn dieſe Thatſache in vorkommenden Fällen einerſeits zur Be⸗ ruhigung dienen kann, ſo darf ſie doch auf der andern Seite nicht verleiten, die Gefahr gering zu ſchätzen, und ſich einer gefährlichen Sicherheit in Bezug auf den fraglichen Punkt hinzugeben. b) Wuthkrankheit bei Pferden. Bei Pfer⸗ den kommt dieſe Krankheit zwar nur ſehr ſelten vor, aber dennoch ereignet ſich ein ſolcher Fall zuweilen. Die Urſachen beſtehen allemal in dem von einem tollen Hunde(auch Wolfe oder Fuchſe) erlittenen Biſſe; von ſelbſt entſteht dieſelbe beim Pferde niemals. Die Zeit, welche zwiſchen der Anſteckung und dem Ausbruche der Krankheit liegt; iſt unbeſtimmt und ſehr verſchie⸗ den; man ſah ſie von einigen Wochen bis auf fünf bis ſechs Monate ſich erſtrecken. In zwei von mir beobachteten Fällen brach die Wuth bei dem einen Pferde nach vier, und bei dem andern erſt nach acht Wochen aus, obgleich beide Pferde zu gleicher Zeit gebiſſen worden waren. Die Erkenntniß der Krankheit iſt nicht allemal leicht, denn theils zeigt ſie ſich nicht immer unter den gleichen Zufällen, theils kann ſie auch mit andern Krankheiten verwechſelt werden, zumal in ihrem An⸗ fange. Wie beim Hunde, beobachtet man auch beim Pferde eine raſende und eine ſtille Wuth. Das Uebel beginnt meiſt mit einer gewiſſen Unluſt und Traurigkeit, mit Unruhe und einem ſchreckhaften Be⸗ nehmen, wobei die Sinnesthätigkeit erhöht zu ſein pflegt. In einigen Fällen beleckte oder benagte der Kranke die gewöhnlich an den Hinterfüßen befindlichen Bißſtellen, oder er rieb ſie an benachbarten Gegen⸗ ſtänden; wahrſcheinlich weil an ihnen eine juckende Empfindung vorhanden war. Appetit und Durſt ver⸗ ſchwinden in der Regel gleich Anfangs, und gänzlich, doch ſah man ausnahmsweiſe auch tolle Pferde, die noch mehrere Tage hindurch Heu und Gras fraßen, wie ein geſundes Pferd, und die auch noch Waſſer ſoffen, obgleich das Schlucken denſelben erſchwert zu ſein ſchien. Der Kranke zeigt ein wildes, unruhiges Benehmen, und eine allgemeine Aufgeregtheit; er ſtampft mit den Füßen, ſchüttelt mit dem Kopfe, und giebt ſich tobenden, ſehr unregelmäßigen Bewegungen hin. Im Fortgange der Krankheit zeigt das Thier eine ungewöhnliche Neigung zum Beißen; daſſelbe ſchnappt mit dem Maule faſt unausgeſetzt, theils in die Luft, theils nach benachbarten Gegenſtänden; oft artete dieſe Neigung zum Beißen in eine förmliche Wuth aus; das Thier beißt in Krippe, Raufe und Ständer des Stalles, ſelbſt in eiſerne Geräthe, wobei nicht ſelten einige Schneidezähne, ja ſelbſt ſchon der Unterkiefer gebrochen wurden; auch den eigenen Körper verſchont daſſelbe nicht; es beißt in den eigenen Kör⸗ per, und bringt ſich nicht ſelten an Bruſt und Vorder⸗ ſchenkeln blutige Verletzungen bei. In vielen Fällen tobt und raſet das Pferd, wie bei der Gehirnentzündung; es ſtürzt auf alles los, ſchlägt mit den Hinterfüßen, und zerbricht dabei nicht ſelten Thüren, Stallwände ꝛc. Die Augen ſind weit geöffnet, der Blick iſt wild, dro⸗ hend, und innere Angſt verrathend; das Athmen ge⸗ ſchieht angeſtrengt, beſchleunigt, und die Naſenlöcher ſind dabei weit aufgeriſſen, und zuweilen dringt aus ihnen ein feiner, weißer Schaum. An den Lippen, auch an den Schultern ſtellen ſich krampfhafte Zuckun⸗ gen ein, und in einem Falle wurde durch ſolche Krämpfe der Hals ganz nach einer Seite gezogen. Das Pferd zittert am ganzen Körper, und iſt gewöhnlich mit Schweiß bedeckt. Schaum und Geifer vor dem Maule wurden noch nie bemerkt, auch zeigte ſich nie⸗ mals irgend eine Scheu vor dem Waſſer. Oft iſt der Drang zum Uriniren ſehr vermehrt, und Hengſte und 10. Wuthkrankheit. 55 Stuten legen mitunter einen hohen Grad von Geilheit an den Tag. Ganz charakteriſtiſch für die Krankheit iſt ein oft wiederkehrendes Gewieher; daſſelbe erfolgt beſonders bei dem Anblicke von Menſchen und Hunden, und ſtellt einen heiſeren, gellend⸗ durchdringenden, ſchau⸗ derhaften Schrei dar, welcher überaus peinlich anzu⸗ hören iſt. Alle dieſe Zufälle verſchlimmern ſich periodiſch, und laſſen dann wieder mehr oder weniger nach. Bei der ſtillen Wuth fehlen die tobſüchtigen Zufälle oft beinahe gänzlich. So ſah ich z. B. einmal ein an der ſtillen Wuth leidendes Pferd, welches von ſeinem Beſitzer noch während der erſten drei Tage der Krank⸗ heit zu den gewöhnlichen Dienſtleiſtungen, und ohne weitere Schwierigkeit oder Gefahr, verwendet wor⸗ den war. In den letzten Tagen der Krankheit ſtellt ſich ein lähmungsartiger Zuſtand ein, und dieſes beſonders im Hintertheile. Gang und Bewegung des Pferdes ſind ſchwankend, und nicht ſelten fällt daſſelbe dabei zu Boden; es trippelt häufig mit den Hinterfüßen hin und her, wird kraftlos, magert auffallend raſch ab, zittert am ganzen Körper, und wird an verſchiedenen Theilen deſſelben, zumal an Lippen, am Halſe und an der Schulter von Krämpfen und Zuckungen befal⸗ len. Gegen das Ende der Krankheit wird das Thier im Kreuze ſo ſchwach, daß es ſich nicht mehr erheben kann; im liegenden Zuſtande rudert daſſelbe dann mit den Füßen, befindet ſich in ſteter Unruhe, quält ſich ab, und iſt überall mit Schweiß bedeckt. Das eigen⸗ thümliche Gewieher dauert indeſſen fort, und oft auch noch die Neigung zum Beißen. So ſah ich bei einem ſolchen Pferde, welches acht Stunden vor ſeinem Tode noch in die eigenen Vorderſchenkel biß, obſchon daſſelbe ſchon ſo gelähmt war, daß es ſich nicht mehr erheben konnte. Am vierten bis achten Tage erfolgt in der Regel der Tod; zuweilen etwas früher, ſelten aber nach ſpäterer Zeit. Hauptzeichen der Krankheit ſind, um es zu wie— derholen, die allgemeine Aufgeregtheit des Kranken; das ganz eigenthümliche und häufig wiederkehrende Gewieher, zumal beim Anblicke von Menſchen oder Hunden; die Zuckungen an verſchiedenen Körperthei⸗ len; Trippeln mit den Hinterfüßen, bald eintretende Schwäche im Hintertheile, in vielen Fällen ein tob⸗ ſüchtiges Benehmen und die Neigung zum Beißen. Die Krankheit hat keinen anderen Ausgang, als den in den Tod; ſind die erſten Zeichen einmal vor⸗ handen, ſo iſt dieſer unfehlbar, denn es giebt kein Beiſpiel von einer Heilung. Bei der Oeffnung eines an der Wuthkrankheit kre⸗ pirten Pferdes findet man nicht immer dieſelben Er⸗ ſcheinungen; man findet die innere Haut des Kehlko⸗ pfes und der Luftröhre, ſo wie die Lungen, zuweilen von ſehr dunkler, faſt ſchwarzer Farbe; auch das Blut iſt ſehr dunkel; Magen und Gedärme ſind nicht ganz leer von Futterſtoffen. Oft aber ſind wenige oder gar keine Veränderungen am Cadaver wahrzunehmen. Da, wie geſagt, eine Heilung der Krankheit nicht möglich iſt, ſo handelt es ſich ſomit blos um deren Vorbeugung, welche indeſſen keineswegs in allen Fäl⸗ len völlig ſicher iſt; denn es leuchtet ein, wie mißlich es mit der Auffindung aller Bißſtellen iſt, und doch iſt von deren Behandlung faſt das alleinige Heil zu erwarten. Die friſche, von einem tollen Hunde be⸗ wirkte Bißwunde, wird ſo ſchnell wie möglich, nach— dem die Haare zuvor ringsum abgeſchoren ſind, mit ſtarkem Eſſig, mit Aſchenlauge oder Salzwaſſer, beſ⸗ ſer jedoch mit einer Auflöſung von zwei Loth Chlorkalk in einem Pfunde kaltem Waſſer, nachdrücklich und wiederholt ausgewaſchen, und hierauf mit einem ſpitzi⸗ gen, glühenden Eiſen ausgebrannt, oder mit Vitriolöl, mit Scheidewaſſer, oder mit Höllenſtein wiederholt be⸗ feuchtet oder betupft. Da die Bißwunden ſich gewöhn⸗ lich an den unteren Theilen der Beine, zumal an den Hinterfüßen, befinden, wo faſt nur Sehnen, Nerven, Blutgefäße und Knochen liegen, ſo iſt das Ausſchnei⸗ den der Wunde in der Regel nicht wohl möglich. Nachdem alſo verfahren iſt, wird die Wunde noch einige Wochen hindurch offen erhalten, und zwar da— durch, daß alle vier bis ſechs Tage einmal etwas von einer, aus einem Loth Cantharidenpulver, einem Quent⸗ chen Brechweinſtein und vier Loth Schweinefett bereite⸗ ten Salbe, in ſie eingeſtrichen wird. Iſt die Bißwunde ſchon älter und ſchon vernarbt, ſo tritt das gleiche Verfahren ein, obſchon dann der Erfolg hier noch mißlicher iſt, als bei friſchen Wunden. Von inner⸗ lichen Mitteln, ſo ſehr dieſelben auch wohl häufig ge⸗ prieſen worden ſind, iſt faſt gar nichts zu hoffen; ich habe mehrere Male die geprieſenſten derſelben, nament⸗ lich Belladonna, Calomel ꝛc., und das in ſehr großer Gabe, als Präſervativmittel angewendet, aber der ſpäter dennoch erfolgte Ausbruch der Wuth, machte 56 10. Wuthkrankheit. mein auf die Wirkſamkeit dieſer Mittel geſetztes Ver⸗ trauen zu Schanden. Deshalb möchte ich anrathen, Koſten und Mühe in dieſer Hinſicht zu ſparen. Uebri⸗ gens darf nicht unerwähnt bleiben, daß nicht jedes von einem tollen Hunde gebiſſene Pferd nothwendig in die Wuth verfällt; häufig genug bleibt dieſe aus, ſelbſt im Fall gar nichts dagegen unternommen wurde. Hat das Pferd daher einen nur irgend erheblichen Werth, ſo iſt die unbedingte Tödtung deſſelben gerade nicht anzurathen. Da die Krankheit nicht urplötzlich in ihrer ganzen Stärke ausbricht, ſo reicht es aus, wenn daſſelbe die erſten ſechs bis zehn Wochen, oder auch wohl noch etwas länger, in Bezug auf ſein Be⸗ nehmen, ſorgfältig im Auge behalten wird, um daſ⸗ ſelbe, im Falle die Krankheit ſich etwa einſtellen ſollte, zeitig genug unſchädlich machen, oder auch tödten zu können. Da es bisher nicht bekannt geworden iſt, daß durch den Biß oder den Speichel eines tollen Pferdes Menſchen oder Thiere angeſteckt worden wären, ſo gebe man ſich in vorkommenden Fällen keiner zu übertriebe⸗ nen Beſorgniß hin. Das toll geweſene Pferd wird gehörig tief vergraben, die eiſernen, mit ihm in Be⸗ rührung gekommenen Geräthe, werden ausgeglüht, werthloſes Holz und Lederwerk wird verbrannt. Bei Krippen, Raufen, Eimern zc. iſt dieſes nicht nöthig; das Abwaſchen mit heißer Aſchenlauge, ſo wie das nachherige Ueberſtreichen mit Kalkbrei reichen hier voll⸗ kommen aus, um jeder möglichen Gefahr, wenn über⸗ haupt welche vorhanden iſt, zu begegnen. c) Wuthkrankheit beim Rindviehe. Bei dieſer Thiergattung kommt die Krankheit ziemlich oft, und ungleich häufiger vor, als beim Pferde, und die⸗ ſes vorzüglich wohl deshalb, weil das Rindvieh meiſt in größeren Heerden und durch einen Hirtenhund ge⸗ hütet wird, welches beim Pferde ſeltener der Fall iſt; außerdem ſcheint es ſo, als wenn das Rind unter allen Hausthieren die meiſte Empfänglichkeit hätte von der Wuth des Hundes angeſteckt zu werden. Die Zufälle der Krankheit beim Rinde ſind denen, welche beim Pferde beobachtet werden, im Allgemeinen ſehr ähnlich, obgleich in der Regel weniger markirt, welches in der geringeren nervöſen Reizbarkeit und Erregbarkeit des Rindes ſeinen Grund hat. Die Zeit des Ausbruchs nach erfolgtem Hundsbiſſe iſt durchaus unbeſtimmt; ich ſah bei einer gebiſſenen Rinderheerde das erſte Stück nach vier Wochen, und das letzte ſogar erſt nach eilf Monaten von der Krankheit befallen wer⸗ den, obgleich alle erkrankten Thiere— es waren fünf⸗ undzwanzig Ochſen— an einem einzigen Tage gebiſſen worden waren. Worin dieſe verſchiedene Ausbruchs⸗ zeit ihren Grund hat,— wer vermöchte das zu beſtim⸗ men! Der verjährte Unſinn in Betreff der Zahl neun war dabei nicht zu ſpüren.— Auch beim Rinde kommt die Wuth unter den bei⸗ den Hauptformen, der raſenden und ſtillen Wuth, vor; ihre Erkenntniß iſt, im Vergleich mit der Wuth ande⸗ rer Hausthiere, am leichteſten. Die erſten Merkmale der Krankheit ſind eine gewiſſe Trägheit und Unluſt, welche ſich im Freien durch Zurückbleiben hinter der Heerde, im Stalle durch das Zurücktreten von der Krippe zu erkennen geben. Der Appetit verſchwindet in der Regel gleich Anfangs ganz, obſchon nicht in allen Fällen; auch die Milch verliert ſich, aber nur nach und nach. Einige Kranke belecken oder reiben ſich die Bißwunde; ſo ſah ich einen ſeit zwei Tagen tollen Ochſen, welcher die Bißſtelle ſo anhaltend und heftig beleckte, daß ſie ſtark blutete; außerdem fraß dieſer Ochſe noch mehrere Tage hindurch Heu und Gras mit vollem Maule, und, wie es ſchien, ſogar haſtiger als ein geſundes Thier. Das Wiederkäuen hört gleich von vorne herein auf, und kehrt auch nicht mehr zurück. Geſöff nimmt der Kranke in den erſten Tagen oft noch zu ſich, oder er verſchmäht daſſelbe während der ganzen Dauer der Krankheit. Eine Scheu vor dem Waſſer iſt jedoch eben ſo wenig, wie bei anderen tollen Thieren— es kann dieſes nicht oft genug wiederholt werden— und in keinem Stadium der Krankheit vorhanden. Im Fortgange der Krankheit nehmen Angſt, Un⸗ ruhe und Aufgeregtheit des Kranken zu; derſelbe brüllt ſehr oft, und mit eigenthümlichem, heiſeren Tone. Beim Anblicke von Menſchen— beſonders Kindern— und Hunden wird dieſes Brüllen am meiſten erregt. Das Haar iſt trocken, borſtig und geſträubt; das Auge iſt weit geöffnet, wild im Blick, geröthet und von eigenthümlichem Glanze; in vielen Fällen ſtampft das Thier mit den Vorderfüßen, ſtößt mit den Hörnern gegen alle Gegenſtände, auch in den Erdboden, bricht auch wohl dabei ein Horn ab, und wühlt ein tiefes Loch in die Erde ein; es ſchüttelt und reckt den Kopf, ſchleudert denſelben nach verſchiedenen Seiten, und ge⸗ behrdet ſich tobend und wüthend. Sehr ſelten beob⸗ achtet man eine Neigung zum Beißen. In den meiſten 10. Wuthkrankheit. 57 Fällen erſcheint die Krankheit jedoch unter der Form der ſtillen Wuth, wobei der Kranke, außer öfterem Brüllen und wilden Blicken beim Anblicke von Men⸗ ſchen und Hunden, und einem häufigen, unruhigen Wenden des Kopfes, kein weiteres Zeichen von Tob⸗ ſucht an den Tag legt. Bei den meiſten von mir be⸗ obachteten tollen Rindern, deren Zahl beträchtlich groß iſt, reichte ein ſehr dünner Strick hin, um ſie ſicher zu befeſtigen. Sehr bald ſtellen ſich Zuckungen und Muskel— krämpfe an verſchiedenen Stellen des Körpers, auch wohl ein allgemeines Zittern ein, beſonders an den Maulwinkeln und in der Schultergegend, oft auch in einem der Hinterfüße, welcher dann krampfhaft be⸗ wegt und zuſammengezogen wird. Aus den Maul⸗ winkeln fließt ein klarer, dicker Speichel, welcher durch häufiges Schütteln mit dem Kopfe nach allen Seiten umhergeworfen wird. Zuweilen bilden ſich in dieſem zu langen Fäden ſich ziehenden Geifer, wohl einige große Blaſen, aber einen förmlichen Schaum vor dem Maule bemerkt man wohl nie. Manche Stücke machen mit der Oberlippe das eigenthümliche Manoͤver, wie wenn ſie ein brünſtiges Thier berochen hätten— das ſogenannte Flennen. Sehr charakteriſtiſch iſt die ſchnell eintretende Schwäche und Lähmung des Hintertheils; dieſe ſtellt ſich ſchon am zweiten bis dritten Tage der Krankheit ein. Das Thier ſchwankt im Gange, und beim Ver⸗ ſuche zu laufen ſtürzt es meiſtens zu Boden. Im Stehen trippelt es faſt unausgeſetzt mit den Hinter— füßen, wobei oft ein knackendes Geräuſch in der Kreuz⸗ gegend hörbar wird. Noch wichtiger für die Erkenntniß der Krankheit iſt das unausgeſetzte Drängen auf den Kothabgang; der Anfangs abgehende Koth iſt gewoͤhnlich von dun— kelbrauner, faſt ſchwärzlicher Farbe und breiiger Con⸗ ſiſtenz; er iſt glänzend und wie mit Oel überzogen. Später erfolgt kein Miſt mehr, ſondern nur noch ein weißer, ſehr zäher Schleim. Dabei hält das Thier den Schweif vom Leibe bogenförmig abgeſtreckt, und tritt unaufhörlich von einem Hinterfuße auf den an⸗ dern. Oft ſteht der After weit offen, und faſt immer tritt Luft durch denſelben aus und ein, welches ein ganz eigenthümliches, ſchnarrendes Geräuſch abgiebt. Auch im Leibe macht ſich ein häufiges Poltern und Knurren bemerkbar, und das Thier ſieht ſich oft nach demſelben um. Es tritt ungemein ſchnell eine große Abmagerung Wagenfeld, Encyel. ein; die Flanken ſind eingefallen, der Leib iſt wind— hundartig, und es muß Staunen erregen, wie ein vor der Krankheit ſelbſt fett geweſenes Thier in weni— gen Tagen faſt bis zum Gerippe abmagern konnte. Endlich wird das Thier ſo ſchwach und gelähmt, daß es nicht mehr im Stande iſt, ſich auf den Beinen zu erhalten; das Brüllen verwandelt ſich in ein heiſeres Grunzen; das Auge iſt tief eingefallen, der Blick todt und matt; aus dem Maule fließt ein klarer Geifer in Menge aus, das Poltern im Leibe und das Drängen auf den Miſtabgang dauern bis zum Tode fort. Dieſer erfolgt meiſt unter Convulſionen, und gewöhnlich am fünften bis ſiebenten Tage, ſeltener auch wohl erſt am neunten Tage, ſeit dem Anfange der Krankheit. Eigenthümliches, heiſeres, beſonders durch den Anblick von Menſchen und Hunden erregtes Brüllen; ſchon in den erſten Tagen eintretende Schwäche im Hintertheile; häufiges Trippeln mit den Hinterfüßen; fortwährendes Drängen auf den Miſtabgang, bei weit vom Leibe abgeſtrecktem Schweifez überraſchend ſchnelle Abmagerung und unabwendbarer Tod, ſind die Haupt⸗ zeichen der Wuthkrankheit beim Rindviehe. Die Oeffnung der an der Krankheit krepirten Stücke giebt keine beſtimmten und auffallenden eſultate, und am allerwenigſten ſind dieſelben von der Art, daß aus ihnen allein die vorhanden geweſene Krankheit erkannt werden könnte. Oft finden ſich die inneren Häute des Kehlkopfes und der Luftröhre mehr oder weniger roth und entzündet; die Gedärme ſind meiſtens leer von Futter, dagegen erſcheinen ſie zuweilen etwas entzündet, und enthalten in ihrem Innern eine übelriechende, braune Flüſſigkeit. Der Blättermagen iſt faſt in jedem Falle mit einem ſehr trocknen, leicht zu Pulver zu zer— reibenden Futter gefüllt. Das Blut in den Adern iſt ſehr dunkel, beinahe von ſchwarzer Farbe, und gerinnt ſchwer. Von einer Heilung der Wuthkrankheit, ſelbſt wenn ſie gleich Anfangs erkannt wird, kann nicht die Rede ſein; noch nie iſt dieſelbe gelungen, und ſtets iſt der Tod bisher unabwendbar geweſen. Dagegen gelingt es vielleicht, der Krankheit mehr oder weniger ſicher vorzubeugen. Iſt eine Rinderheerde von einem tollen Hunde gebiſſen, ſo wird ſie ſo ſchnell wie moͤglich in das nächſte Waſſer getrieben, wodurch der eingedrun⸗ gene Speichel in manchen Fällen vielleicht ausgewa⸗ ſchen werden kann, zumal wenn das Waſſer ein flie— ßendes iſt. Hierauf tritt dann eine angemeſſens Be⸗ handlung der Bißwunden ein, und zwar ganz dieſelbe, welche im gleichen Falle beim Pferde vorgeſchrieben wurde. Ob von innerlichen Mitteln, namentlich von Can⸗ thariden, Maiwürmern, Calomel und Chlorkalk etwas zu hoffen iſt? ich weiß es nicht.— Mein Vertrauen zu ſolchen Mitteln iſt nur ſehr gering.— Bei einer großen, von einem tollen Hunde gebiſſenen Rinderheerde, von welcher bereits ſiebzehn Häupter an der Wuthkrankheit gefallen waren, gab ich jedem Stücke täglich ein Loth Chlorkalk in einer Weinflaſche voll kaltem Waſſer; es kam in der Heerde kein neuer Erkrankungs⸗ und Todes⸗ fall mehr vor. Wenn ein ſolcher Fall nun auch in der Regel für den Laien ausreicht, um ihn eine Er⸗ fahrung zu nennen, und um ihn feſtes Vertrauen zu dem gebrauchten Mittel faſſen zu laſſen, ſo macht doch der Sachverſtändige in dieſer Hinſicht ſtrengere Anfor⸗ derungen. Es konnte das Aufhoͤren der Krankheit in der Heerde reiner Zufall ſein, weil ſie vielleicht auch ohne das Mittel ihr Ende erreicht hatte. Wie dem nun auch ſei, ſo kann man ſich in vorkommenden Fäl⸗ len des angeführten Mittels immerhin bedienen, zu⸗ mal daſſelbe überaus wenig Koſten verurſacht, auch in keinem Fall ſchadet, und außerdem, vermoͤge ſeiner Qualität im Allgemeinen, allerdings eine nicht gering⸗ fügige Wirkſamkeit haben kann. Iſt dieſe Wuthkrankheit mit Sicherheit an einem Rinde erkannt, ſo gebietet die Humanität— da doch auf eine Heilung nicht zu rechnen iſt— daſſelbe zu tödten. Der Cadaver wird dann gehörig tief vergra⸗ ben. Derſelbe kann indeſſen, um die Haut zu retten, zuvor, nachdem er erkaltet iſt, immerhin abgehäutet werden, wobei der, der dieſes Geſchäft verrichtet, un⸗ verletzte Hände haben, dieſelben zuvor mit Oel oder grüner Seife beſtreichen, und nachher mit Sei⸗ fenwaſſer nachdrücklich wieder reinigen muß. Der Stall ꝛc. wird ganz ſo gereinigt, wie es beim Pferde vorgeſchrieben worden iſt. Daß ſich die Wuthkrankheit des Rindes auf Men⸗ ſchen übertragen hätte, iſt noch nicht beobachtet wor⸗ den, und alles Gerede, daß durch den Genuß der Milch ſolcher Kühe, ja ſelbſt durch den Genuß des davon bereiteten Käſe, die Wuth bei Menſchen aus⸗ gebrochen ſein ſoll, beruht lediglich auf Volksſage und einem Mährchen. Wäre die Uebertragung der Krank⸗ heit auf dieſem Wege möglich, ſo müßte dieſelbe begreif⸗ licher Weiſe ziemlich oft vorkommen, da die Krankheit 58 10. Wuthkrankheit. in der Regel in den erſten Tagen nicht für das, was ſie wirklich iſt, erkannt wird, und da doch dieſe Zeit hindurch noch mehr oder weniger Milch abgeſondert und ſomit auch ausgemolken wird. Mir ſind zahlreiche Fälle bekannt, wo man die an der Tollwuth krepirten und ſelbſt ſchon vergraben geweſenen Stücke ſogar ge⸗ geſſen hat, und allemal ohne den geringſten Nachtheil für die Geſundheit. Dennoch gebietet die Vorſicht hierin nicht allzu keck zu ſein. d) Wuthkrankheit beim Schafe. Es iſt auffallend, daß die Krankheit bei Schafen im Allge⸗ meinen weit ſeltener vorkommt, als beim Rindvieh, ungeachtet es doch weit mehr Schafherden giebt, als Rinderheerden, und trotz dem, daß die im Vergleiche weit zahlreicheren Schäferhunde eben ſo gehalten wer⸗ den, und in der Regel von derſelben Rage ſind, als die Hunde der Kuhhirten. Worin dieſes ſeinen Grund hat, iſt ſchwer zu erklären; vielleicht ſind Schafe für die Anſteckung nicht ſo empfänglich, als Rindvieh, oder der Hundsbiß iſt häufiger ohne Folge, weil der Spei⸗ chel in der dichten Wolle hängen bleibt, und ſomit nicht leicht in die Wunde ſelbſt gelangt. Die Zufälle ſind denen beim Rinde ſehr ähnlich, und da ich ſelbſt erſt vor wenigen Wochen Gelegenheit hatte, fünf tolle Schafe zu beobachten, ſo kann ich eine um ſo treuere Schilderung der Krankheit geben. Die Krankheit begann, wie dieſes bei allen Thieren der Fall iſt, mit einiger Abgeſchlagenheit und Traurigkeit; ſehr bald aber ſtellte ſich ein entgegengeſetzter Zuſtand ein. Die Thiere gebehrdeten ſich ſehr wild und un⸗ ruhig; ſie ſprangen, wie im brünſtigen Zuſtande, faſt unaufhörlich auf andere Schafe; ihr Blick war wild und drohend, ſie rannten ſtoßend auf alle Gegenſtände los, ſelbſt auf Menſchen und Hunde. Dabei befanden ſie ſich in großer Aufregung und Unruhe; ſie liefen umher, ſtampften mit den Füßen auf den Erdboden, rannten mit dem Kopfe gegen die Erde, faßten mit den Zähnen darnach, und machten die poſſirlichſten Sprünge. Einige der Schafe bloͤckten wiederholt und ſehr durchdringend, jedoch nicht ſehr häufig. Der Appetit, ſo wie das Wiederkäuen waren gleich Anfangs verſchwunden, und ſchon in den erſten Tagen ſtellte ſich ein laͤhmungsartiger Zuſtand ein. Eins dieſer bereits ſeit drei Tagen kranken und in einen Stall ein⸗ geſperrten Schafe war ſchon ſo gelähmt, daß es ſich kaum erheben konnte; ſeine Augen waren weit geöff⸗ net und von eigenthümlichem Glanzez; in einen vorge⸗ 10. haltenen Stock, ſelbſt in die eiſernen Zacken einer Miſtgabel, biß daſſelbe mit ſolcher Heftigkeit ein, daß das Maul darnach blutete. Nachdem ich die Stallthür geoͤffnet hatte, raffte ſich das Thier empor, und drang auf daſtehende Menſchen, wie zum Angriffe, ein; ein herbeigeholter großer Hofhund, welcher ſich bellend vor das Schaf hinſtellte, erſchreckte dieſes ſonſt ſo furchtſame Thier durchaus nicht; im Gegentheil ging das Schaf auf den Hund los, wobei dieſer ſich zurück zog. Waſſerſcheu war durchaus nicht zu bemerken. Der Tod aller Stücke erfolgte am vier⸗ ten bis ſechſten Tage. Der Ausbruch der Wuth nach erlittenem Biſſe iſt, wie bei allen Thieren, an keine beſtimmte Zeit gebun⸗ den; man ſah die Krankheit ſchon nach acht Tagen, aber auch erſt nach mehreren Monaten zum Vorſchein kommen. Im oben erwähnten Falle waren reſpektive fünf und ſechs Wochen verfloſſen geweſen. Die Se⸗ ction der Cadaver giebt unbeſtimmte und unerhebliche Reſultate. Mit der Vorbeugung verhält es ſich ganz ſo, wie beim Rinde und Pferde, nur daß dieſe hier noch miß⸗ licher iſt, da die dichte und lange Behaarung der Haut die Auffindung aller möglichen Bißwunden noch mehr erſchwert. Der Cadaver wird vergraben, und mit der Reini⸗ gung desStalles ꝛc. ganz ſo, wie beim Rindviehe, ver⸗ fahren. Fälle von der Uebertragung der Krankheit auf andere Thiere oder auf Menſchen ſind nicht beob⸗ achtet worden. Dennoch ſei man auch hier vorſichtig! e) Wuthkrankheit bei Schweinen. Der Ausbruch der Krankheit iſt auch hier unbeſtimmt; oft gehen nur acht Tage, oft aber auch ſechs bis zehn Wochen hin, bevor das gebiſſene Schwein in die Wuth verfällt. Das Schwein zeigt ſich unruhig und aufge— reizt, es läuft im Stalle oder auf der Weide wild um⸗ her, wühlt mit dem Rüſſel in den Boden, fletſcht die Zähne, und geifert ſtark aus dem Maule. Bald ſtellt Wuthkrankheit. 59 ſich eine große Neigung zum Beißen ein; das Thier beißt in alle nahen Gegenſtände ein, ſelbſt andere Schweine, und auch Menſchen ſind dabei der Gefahr gebiſſen zu werden ausgeſetzt. Es grunzt Anfangs oft und mit heiſerer Stimme; der Appetit iſt ver⸗ ſchwunden, doch iſt noch einiger Durſt, aber niemals Waſſerſcheu vorhanden. Die Augen ſind geroͤthet. In kurzer Zeit ſtellt ſich ein lähmungsartiger Zuſtand ein, bei welchem das Thier meiſtens auf der Seite liegt; aber auch in dieſem Zuſtande dauert die Nei— gung zum Beißen, welche es z. B. an einem vorgehal⸗ tenen Stocke ausläßt, noch fort. Es erfolgt eine ſehr raſche Abmagerung, und in vier bis ſechs Tagen der Tod. Bei der Oeffnung des Cadavers erſcheinen die Gedärme leer, doch ſind im Magen zuweilen allerhand unverdauliche Sachen, als Holzſplitter, Leder oder Zeugſtückchen ꝛc. zugegen. Die Vorbeugung der Wuth bei den von wuthkran⸗ ken Hunden gebiſſenen Schweinen gelingt öfterer, als bei andern Thieren, beſonders wohl deshalb, weil auf der faſt kahlen oder doch nur dünnbehaarten Haut die Bißverletzungen leichter aufzufinden ſind. Die Bißwunden werden übrigens eben ſo behandelt, als beim Pferde; befinden ſie ſich am Ohre oder am Schwanze, ſo ſchneide man beide Theile, ſo weit wie nöthig, ab. Zur Verhütung etwa möglicher Anſteckung,— die bisher zwar noch nicht beobachtet iſt,— verfahre man mit dem Cadaver eben ſo, wie im gleichen Fall bei den andern Thieren angegeben worden iſt. Anmerkung. Selbſt das Geflügel iſt der Ge⸗ fahr ausgeſetzt, durch den Biß des tollen Hundes wuthkrank zu werden. Hühner und Enten ſah man nach mehreren Wochen toll werden; ſie waren außer⸗ gewöhnlich lebhaft, ſchrieen viel, hatten geröthete und hervorgedrängte Augen, ſprangen in die Höhe, biſſen andere Hühner und Enten, wurden aber bald gelähmt, und ſtarben dann kurze Zeit nachher. 60 11. Starrkrampf des Pferdes. 11. Starrkrampf des Pferdes. Der Starrkrampf(Maulſperre, Klemme, Hirſch⸗ krankheit, Todtenkrampf) gehört zu den ſelteneren Krankheiten des Pferdes, und kommt in manchen Ge⸗ genden öfterer vor als in anderen. Er beſteht in einem anhaltenden Krampfe ſämmtlicher Muskeln, wobei das Maul gewöhnlich feſt verſchloſſen wird, und eine all⸗ gemeine Steifigkeit des Körpers eintritt. Anfangs iſt die Krankheit nicht leicht zu erkennen, zumal da ſie mit einigen anderen krankhaften Zuſtän⸗ den, beſonders mit dem allgemeinen Rheumatismus, verwechſelt werden kann. Iſt ſie jedoch bis zu einem gewiſſen Grade vorgeſchritten, ſo iſt die Erkenntniß ſo leicht, daß ſie auch für den Ungeübten nicht fehlen kann. Gewöhnlich beginnt der Krampf an den Kau⸗ muskeln; man bemerkt an dem Kranken ein häufiges Gähnen, Recken und Dehnen der Kiefer, häufiges Schnalzen mit der Zunge, Zähneknirſchen und Kauen, ſelbſt bei leerem Maule. Die Futteraufnahme und das Kauen geſchehen langſam, und mit Schwierigkeit, und es fällt, da das Schlucken ſchon jetzt erſchwert iſt, viel Futter mit ungewoͤhnlich viel Speichel vermiſcht, aus dem Maule zurück. Auch das Saufen iſt erſchwert, ſo daß viel Waſſer aus dem Maule zurückfließt, wenn das Pferd den Kopf aus dem Trinkeimer zurückzieht. Das Pferd zeigt ſich unruhig und ſchreckhaft, und iſt gegen alle Sinneseindrücke ſehr erregbar. Zuweilen beginnt der Krampf nicht am Kopfe, ſondern am Hin— tertheile; in dieſem Falle iſt der Gang mit den Hin⸗ terſchenkeln erſchwert, ſteif und breitbeinig. Nach und nach ſchreitet der Krampf weiter vor, und bemächtigt ſich aller Koͤrpergegenden, ſo daß in zwei bis vier Tagen in der Regel alle Muskeln davon befallen ſind. Der ganze Koͤrper erſcheint dann ſteif, unbeugſam, hart und unbeweglich, wie eine Statue. Das Maul wird durch den Krampf der Kaumuskeln immer mehr verſchloſſen, ſo daß es zuletzt gar nicht mehr, weder vom Pferde ſelbſt, noch durch äußere Ge⸗ walt geöffnet werden kann. Selbſt die größte Gewalt würde dazu nicht ausreichen, und es würde bei einem ſolchen Verſuche eher ein Bruch der Kinnbackenknochen erfolgen, als daß das Maul ſich öffnete. Dieſer krampfhaften Verſchließung des Maules wegen, welche ein Hauptzeichen der Krankheit iſt, hat man ſie Maul⸗ ſperre oder Maulklemme genannt. Wenn die Krank⸗ heit voͤllig ausgebildet iſt, ſo iſt der Gang des Pferdes kaum mehr möglich; er hat nur unter der äußerſten Anſtrengung ſtatt, da wegen des Krampfes keine Beu⸗ gung der Gelenke erfolgt; das Pferd geht dabei, zumal hinten, ſehr breitbeinig, ſtolpert, und fällt dabei leicht um, und kann dann nicht allein wieder aufſtehen. Kopf und Hals des Pferdes ſind gehoben, gerade gehalten, mit der Naſe weit nach vorn; auch der Schweif iſt mehr oder weniger gehoben; oft etwas ſeitlich gehalten, und faſt fortwährend in einer zittern⸗ den Bewegung. Die Füße ſtehen weiter als ſonſt auseinander, zumal ſtehen die Füße weit nach hinten, und die Feſſelgelenke ſind wie überköthet. Das Kinn i*ſt hart und ſpitz, und die Naſenlöcher ſtehen fortwäh⸗ rend weit offen, ſo daß die ſehr geröthete Naſenſchleim⸗ haut ſichtbar wird. Ganz eigenthümlich erſcheinen der Blick und der ganze Geſichtsausdruck des ſtarrkrampfi⸗ gen Pferdes; die Augen ſtehen weit offen, ſind geroͤ— thet, ſtarr und unbeweglich; ſie haben einen eigen⸗ thümlichen, Angſt verrathenden Blick. Hebt man den Kopf etwas in die Hoͤhe, ſo tritt der ſehr rothe Blinz⸗ knorpel über einen Theil des Augapfels, wodurch das Anſehen des Pferdes ganz ungewoͤhnlich und peinlich ſich ausnimmt. Das Innere des Maules iſt ſehr warm, und mit vielem zähen Speichel erfüllt, welcher beim Oeffnen der Lippen in großer Menge aus den Maulwinkeln hervorquillt. Die Zunge iſt ſteif, oft etwas angeſchwollen, und wird mit einem ſchnalzen⸗ den Geräuſche noch wenig bewegt. Mit der Zunahme der Krankheit, etwa am dritten bis vierten Tage, wird das Athemholen ſehr angeſtrengt und häufig, hörbar, röchelnd, und der Athem iſt dabei ſehr warm. Auch ein fieberhafter Puls tritt jetzt ein. Die Haut liegt überall ſehr feſt an, und läßt ſich nicht mehr in Falten empor heben; die Blutadern unter der Haut ſind ſehr angeſchwollen, und der ganze Körper trieft von Schweiß. Ungeachtet das Pferd offenbar ſehr leidet, und trotzdem daß das Maul faſt gänzlich verſchloſſen iſt, zeigt das Thier noch großen Appetit. Es wiehert z. B. öfters nach dem Futter, und zeigt beim Anblicke heftige Begierde darnach. Sind die Kiefern noch in etwas 11. Starrkrampf des Pferdes. beweglich, ſo verſucht das Pferd zu kauen, obſchon das meiſte Futter, mit vielem Geifer vermiſcht, wieder aus dem Maule zurückfällt. Der Durſt iſt anhaltend ſehr vermehrt, und ſelbſt wenn das Thier nicht mehr ſchlucken kann, ſo plätſchert es doch wiederholt mit den Lippen im Geſöff. Miſt und Urin erfolgen faſt ſo oft, wie im geſunden Zuſtande, doch werden ſie mit großer Anſtrengung und unter Stöhnen entleert. Der Kranke iſt ungemein reizbar, ſchreckhaft und empfind⸗ lich, ſo daß er durch Geräuſch, Annäherung von Men⸗ ſchen, Berührung ꝛc., in große Angſt und Alteration verſetzt wird. Man theilt den Starrkrampf ein: in den ſelbſt⸗ ſtändigen und in den Wundſtarrkrampf; erſterer ent⸗ ſteht aus unbekannten oder allgemeinen Urſachen; letzterer, wie ſchon der Name ſagt, in Folge irgend einer Wunde oder Verletzung. Gewöhnlich beginnt der Krampf zuerſt an den Kinnbacken, und verbreitet ſich von hier aus weiter zum Halſe, Rücken, Bruſt und Bauche, und zu den Extremitäten zuletzt. Zuwei⸗ len fängt der Krampf auch von hinten an, und giebt ſich dann zuerſt durch einen ſehr ſteifen Gang mit den Hinterfüßen kund. Immer verbreitet ſich der Krampf nur nach und nach; das Maul wird endlich feſt ver⸗ ſchloſſen, ſo daß keine Gewalt im Stande iſt, daſſelbe zu öffnen; Hals, Beine ꝛc. werden ebenfalls immer ſteifer, ſo daß der ganze Körper zuletzt ſo ſteif wird, als wäre er eine Statue, oder aus Holz geformt. Am härteſten erſcheinen die Flanken, die Hinterbacken und die äußern Kaumuskeln. Die Krankheit hat nicht immer dieſelbe Dauer; meiſtens beträgt dieſelbe ſechs bis zehn Tage. Aber ſie kann auch kürzer ſein, oder auch länger; ſo ſah ich z. B. einmal ſchon nach acht und vierzig Stunden den Tod eintreten, und in einem anderen, obſchon unge⸗ wöhnlich ſeltenen Falle, erſtreckte ſich die Dauer der Krankheit auf mehrere Monate. Je ſchneller die Zu⸗ fälle ſich entwickeln, und je heftiger dieſelben ſind, deſto früher endet die Krankheit, und dann meiſt mit dem Tode, und ſo umgekehrt. Erfolgt die Heilung, ſo tritt dieſe immer erſt nach und nach, und ziemlich langſam ein, ſo daß in der Regel vier bis ſechs Wo⸗ chen dazu gehören, bevor das Pferd wieder dienſttüchtig iſt. Im Fall Geneſung eintritt, läßt der Krampf allmählig nach; das Maul öffnet ſich täglich mehr und mehr, die ſteife Haltung des Halſes und Rumpfes werden geringer, und es tritt in dieſen Theilen, ſo wie 61 in den Beinen, mehr Beweglichkeit ein. Auch der früher gehobne Schweif ſenkt ſich wieder, und zittert nicht mehr. Geht die Krankheit in den Tod über, ſo erreichen alle Zufälle den höchſten Grad,— das Maul iſt feſt verſchloſſen, alle Theile haben eine hölzerne Härte, überall iſt der Kranke mit Schweiß bedeckt; das Athem⸗ holen iſt ungemein ſchnell, laut hörbar und röchelnd und der Athem, ſo wie der in Menge aus den Maul— winkeln hervorfließende, zähe Speichel, ſind ſehr übel⸗ riechend. Haben dieſe Zufälle einige Zeit gedauert, ſo iſt der Tod meiſtens gewiß, und nicht ſehr fern. Bei der Oeffnung der Cadaver ſolcher Pferde hat man bis jetzt noch keine auffallenden Veränderungen gefunden. Meiſtens ſind alle Theile ſcheinbar geſund, doch findet man die Lungen nicht ſelten entzündet und das Rückenmark und ſeine Häute mehr oder weniger geröthet und mit Blut angefüllt. Der Starrkrampf kann die Pferde in jedem Lebens⸗ alter befallen; Säugfüllen ſowohl, als alte Pferde. Das mittlere Lebensalter jedoch, feurige und feine Race und Wallachen ſind im Allgemeinen am meiſten zu der Krankheit disponirt; Stuten und Hengſte, zu⸗ mal wenn ſie von gemeinem Schlage, ſchlaff, ſehr mager, oder auch ſehr fett ſind ꝛc., werden ſeltener befallen. Die häufigſten Urſachen beſtehen in irgend einer Verletzung des Körpers, zumal wenn ſie an ſehr empfindlichen Theilen ihren Sitz hat, und deshalb ſehr ſchmerzhaft iſt. Verſchiedene Hufſchäden, als Verna⸗ gelungen, das Eintreten fremder Körper ꝛc.; Verwun⸗ dungen der Nerven, Sehnen und Gelenke, der Bein— haut ꝛc.; die Caſtration, das Engliſiren, und beſon⸗ ders das dabei ſtattfindende Abſchlagen des Schweifes, gehören hierher. Verwundungen allein ſind indeſſen wahrſcheinlich nicht hinreichend, um den Starrkrampf zu erzeugen, denn ſonſt müßte derſelbe, bei der großen Häufigkeit der Wunden, öfterer vorkommen. Wahr⸗ ſcheinlich muß zugleich eine heftige, örtliche oder allge⸗ meine, Erkältung ſtattfinden. Der unter ſolchen Um⸗ ſtänden entſtandene Starrkrampf, heißt Wundſtarr⸗ krampf. Oft kommt er ſchon wenige Tage nach erfolgter Verletzung zum Vorſchein, zuweilen aber auch erſt nach zwei bis drei Wochen, und ſelbſt noch ſpäter. Der ſelbſtſtändige Starrkrampf entſteht mei⸗ ſtens nach einer ſehr heftigen Erkältung und Anſtren⸗ gung; oft aber bleibt die Urſache nicht zu erklären, und deshalb dunkel. Allemal iſt der Starrkrampf ein höchſt gefährliches 62 11. Uebel, denn nach den bisherigen Erfahrungen geht im Durchſchnitt mehr als die Hälfte der Krankenzu Grunde, und dieſes um ſo leichter, als noch kein Heilverfahren bekannt iſt, welches auffallend gute Dienſte zu leiſten im Stande wäre. Der Wundſtarrkrampf iſt im All⸗ gemeinen gefährlicher und weit öfterer tödlich, als der aus Erkältung entſtandene. Je langſamer ſich der Krampf verbreitet, deſto eher iſt auf Heilung zu hoffen; ſind ſchon alle Zufälle vorhanden, iſt das Maul ſchon gänzlich geſchloſſen ꝛc., ſo iſt der Tod die ziemlich ſelten ausbleibende Folge. Dennoch erfolgt in ſeltenen Fällen, ſelbſt bei der äußerſten Heftigkeit der Krankheit, wohl noch eine Heilung, ſo daß der Ausgang der Krankheit niemals mit voͤlliger Gewißheit vorher zu beſtimmen iſt. Mit der Heilung des Starrkrampfes ſieht es ſehr mißlich aus; bis jetzt kennt man noch kein Verfahren, welches auffallenden Nutzen gebracht hätte, und es ſcheint ſo, als ob es bei dieſer Krankheit faſt gleich wäre, ob dieſes oder jenes, oder ob gar kein Mittel dagegen gebraucht würde. Der Kranke wird zunächſt in einen recht warmen, der Zugluft nicht ausgeſetzten Stall gebracht; helles Licht, Geräuſch ꝛc., duͤrfen auf das Pferd nicht einwirken, weil durch der⸗ gleichen Einflüſſe, bei der ſtattfindenden großen Erreg⸗ barkeit, das Uebel verſchlimmert wird. Iſt kein paſ⸗ ſendes Lokal vorhanden, ſo kann das Pferd füglich und mit Nutzen in einen mit hohem Miſte verſehenen Schafſtall geſtellt werden. Wichtig iſt vor Allem, daß der Kranke nicht umfalle, welches bei dem ſteifen, ſtol⸗ pernden Gange, oder bei den Verſuchen, die Stellung zu verändern, ſehr leicht erfolgt. Zu dem Ende unter⸗ ſtützt man den Leib des Pferdes durch eine Art Hän⸗ gegurt. Ein gewöhnlicher Getreideſack iſt hiezu ſehr brauchbar; an beiden Enden deſſelben wird ein hin⸗ reichend dicker und langer Stock befeſtigt, und nachdem man den Sack unter der Bruſt und dem Bauche des Pferdes durchgeführt hat, werden die Enden des Stockes jederſeits mit Stricken an der Decke, oder ſonſt wo befeſtigt. Es iſt dabei keineswegs erforderlich, daß der Sack den Körper des Pferdes weſentlich unter⸗ ſtütze, oder gar emporhebe,— welches ſogar ſchädlich und außerdem kaum ausführbar iſt,— ſondern es genügt, wenn er nur dicht unter dem Bauche liegt. Iſt das ſtarrkrampfige Pferd vielleicht ſchon umgefal— len, ſo muß daſſelbe unter allen Umſtänden wieder auf die Beine gebracht werden, weil ſonſt der Tod um ſo ſchneller und ſicherer zu erfolgen pflegt. Starrkrampf des Pferdes. Iſt der Kranke gut genährt, wie dieſes denn in der Regel der Fall zu ſein pflegt, ſo macht man ihm ſogleich einen Aderlaß von zehn bis zwölf Pfund Blut. Iſt das Maul noch ſo weit zu öffnen, daß Arznei ein⸗ gegeben werden kann, ſo giebt man allezwei Stunden, jedesmal wie ein Hühnerei groß, von folgender Lat⸗ werge ein: Brechweinſtein ein Loth, Campher drei Loth, Baldrianwurzel acht Loth, ſechs Loth Mehl, und kaltes Waſſer ſo viel zur Bildung einer Latwerge erfor⸗ derlich iſt. Zum Geſoͤff wird Waſſer gegeben, in welchem zwei Loth Salpeter, auf jeden Eimer voll, aufgelöſt ſind; das Futter beſteht am beſten aus einem Breie von Haferſchrot und Waſſer. Sehr nützlich iſt es, das Pferd in wollenen Decken recht warm einzu⸗ hüllen, und ihm alle zwei bis drei Stunden ein Kly⸗ ſtier zu ſetzen, welches aus einer Abkochung von einem Pfund Tabak mit ſechs Quart Waſſer bereitet iſt. Sehr heilſam iſt es in manchen Fällen geweſen, wenn das Pferd mit ſtarker und ſehr warmer Aſchenlauge täglich zweimal über den ganzen Koͤrper gewaſchen wurde. Auch kalte Sturzbäder haben ſich mitunter erfolgreich gezeigt. Von einer ſechs bis zehn Fuß be⸗ tragenden Hoͤhe werden etwa zwanzig bis dreißig Eimer, voll recht kalten Waſſers, auf den Rücken des Pferdes, vom Genicke bis zum Schweife, herabgegoſſen, welches Begießen täglich zwei bis drei Mal wiederholt wird. Nach einem ſolchen Sturzbade muß das Thier immer wieder recht trocken gerieben und ſodann in Decken ein⸗ gehüllt werden. Von Zeit zu Zeit wird das Maul mit Waſſer ausgeſpritzt, weil der Speichel ſehr bald übelriechend wird, und das Pferd dadurch den noch vorhandenen Reſt von Durſt und Appetit gänzlich ver⸗ lieren könnte. Nicht unpaſſend iſt es auch, die Seiten der Backen täglich einige Mal mit einem Gemiſche aus gleichen Theilen Salmiakgeiſt, Terpentin- und Rüböl einzureiben. Bei jedem ſtarrkrampfigen Pferde muß gleich An⸗ fangs ſorgfältig nachgeforſcht werden, ob ſich nicht irgendwo am Körper eine Verletzung oder ſehr ſchmerz⸗ hafte Stelle befinde, und beſonders ſind in dieſer Hinſicht die Hüfe genau zu unterſuchen. Findet ſich eine dergleichen Stelle, ſo muß ſie ungeſäumt einer paſſenden Behandlung unterworfen, und beſonders auf möglichſt ſchnelle Linderung der vorhandenen Schmer⸗ zen und auf Beförderung der Eiterung hingearbeitet werden. Zu dieſem Behufe macht man lauwarme Umſchläge, die eine verſchiedene Zuſammenſetzung 8. Starrkrampf des Pferdes. 63 haben können; ſehr paſſend iſt folgende Miſchung: Geſtoßener Leinſamen zwei Pfund, Bilſenkraut ein halbes Pfund, Roggenmehl drei Pfund, heißes Waſſer, ſo viel zu einem ſteifen Brei erforderlich iſt. Dieſe Umſchläge werden alle drei bis vier Stunden erneuert, und etwa zwei Tage lang fortgeſetzt. In der Regel i*ſt jetzt Eiterung eingetreten, und in dieſem Falle wird die Wunde täglich vier bis ſechs Mal mit einem Wund⸗ balſam aus zwei Loth Bilſenöl und einem halben Loth Opiumtinctur befeuchtet. Iſt die Wundöffnung ſehr eng, ſo wird ſie mit einem Meſſer zuvor erweitert; ſind fremde Koͤrper, z. B. ein Nagel, in derſelben enthal⸗ ten, ſo müſſen dieſe ſofort entfernt werden; im Hufe etwa eingeſchloſſener Eiter wird durch einen Einſchnitt in die Hufſohle entleert ꝛc. Bei der großen Mannig⸗ faltigkeit der hier möglichen Fälle, läßt ſich im Allge⸗ meinen nicht füglich etwas Beſtimmtes angeben. Zeigt ſich nach mehrtägiger Behandlung des Pfer⸗ des noch keine ſichtliche Beſſerung; wird das Maul im Gegentheil immer enger verſchloſſen; nehmen Steifig⸗ keit, Athmungsbeſchwerden ꝛc. zu, ſo iſt wenig Hoff⸗ nung einer Heilung vorhanden, obſchon ſie dennoch nicht gerade nothwendig ganz aufgegeben werden darf. Da das Pferd jetzt unfähig iſt, das Maul zu öffnen, ſo muß natürlich vom Gebrauche innerer Arzneien ab⸗ geſtanden werden; es kommt dann nur darauf an, daß das Pferd warm gehalten, öfters mit friſchem Waſſer verſehen, wiederholt mit Lauge gewaſchen wird ꝛc. In der Krippe kann ſich immer etwas Haferbrei befinden, für den Fall, daß das Pferd, bei etwa erfolgender Beſſerung, wieder etwas zu ſich nehmen kann. Verſchwinden der Krampf und mit ihm die übrigen heftigen Zufälle nach und nach, und neigt ſich ſomit die Krankheit zur Heilung, ſo iſt dann weiter nichts erforderlich, als das Pferd noch mehrere Wochen, und bis zur völligen Herſtellung, ruhig im Stalle zu hal⸗ ten, ſorgfältig vor jeder Erkältung, beſonders vor Näſſe und Regen in Acht zu nehmen, mit gutem und reichlichem Futter zu verſehen, und nur erſt nach be⸗ trächtlich langer Zeit wieder zum Dienſte zu verwen⸗ den.— Da die Kur des Starrkrampfes ungemein ſchwierig iſt, ſo iſt es in jedem Falle räthlich, die Hülfe eines Thierarztes nachzuſuchen. Auch bei den übrigen Hausthieren kann der Starr⸗ krampf vorkommen, obſchon er bei ihnen im Allgemei⸗ nen weit ſeltener erſcheint, als beim Pferde. Beim Rindviehe, beſonders bei jungen Thieren, beobachtet man ihn zuweilen; aber er iſt hier etwas weniger ge⸗ fährlich, als beim Pferde. Am öfterſten kommt die Krankheit nach der Caſtration und nach dem Kalbe⸗ fieber vor; ſelten entſteht ſie aus anderen Urſachen. Die Zufälle ſind in der Hauptſache denen beim Pferde ganz gleich, und dieſes bezieht ſich auch auf das Kur⸗ verfahren. Iſt die Krankheit unbezweifelt vorhanden, ſo wird es mit oͤkonomiſchem Nutzen verbunden ſein, das Thier zu ſchlachten, da dem Genuſſe ſeines Fleiſches nichts im Wege ſteht; die Heilung bleibt unter allen Umſtänden ſehr ungewiß und zweifelhaft. Bei Schafen erſcheint der Starrkrampf ebenfalls; am häufigſten nach der Caſtration der Böcke; manch⸗ mal jedoch ſind ſelbſt unbedeutende Verletzungen hin⸗ reichend, um die Krankheit zur Folge zu haben. Bei Schweinen gilt ſo ziemlich das Gleiche, was vom Schafe geſagt iſt. Auch hier iſt das Schlachten der Kranken dem zweifelhaften Erfolge eines Heilverſuches in der Regel unbedenklich vorzuziehen. Nächſt dem Pferde wird der Hund, der ohnehin zu allen Arten von Krämpfen eine ſo ungemeine Dispoſition hat, am öfterſten vom Starrkrampf befallen. Die Kur iſt hier ungemein ſchwierig, und gelingt nur ſelten. In allen Fällen von Starrkrampf wird es, im Fall auf die Erhaltung des Thieres ein beſonderes Gewicht ge⸗ legt werden ſollte, angemeſſen ſein, einen Thierarzt mit der Kur zu beauftragen. 64 3 12. Trommelſucht des Rindviehes. 12. Tommelſucht des Rindviehes.(Tab. IV—V.) Ehe ich zu der Trommelſucht(Windſucht, Padde, Pogge, Blähſucht) ſelbſt übergehe, will ich zuvor den anatomiſchen Bau und die phyſiologiſche Verrichtung des Magens des Rindes beſchreiben, indem ich die diesfallſige Kenntniß unerläßlich fuͤr den Leſer halte, wenn er ſich gründlich unterrichten, und mit Sicherheit und Glück die Heilung der Krankheit vornehmen will. Der Magen des Rindes, ſo wie aller Wiederkäuer — mithin unter den Hausthieren auch des Schafes und der Ziege— hat einen ſehr abweichenden Bau, im Vergleiche mit dem aller andern Säugethiere. Während nämlich der Magen bei Letzteren nur einen einfachen Sack bildet, beſteht der Magen des Rindes dagegen aus vier, weſentlich von einander verſchiedenen Abtheilungen; er bildet gleichſam vier mit einander verbundene Magen. Die erſtere dieſer Abtheilungen heißt der Panſen(Wanſt, Futtermagen;) er iſt von allen der größte, und hat ſeine Lage an der linken Seite des Bauches, und reicht von der Bruſt bis zum Becken(Tab. IV. Fig. 3. a. b.), der größere Theil der Bauchhöhle wird durch ihn ausgefüllt. Eine von außen ſichtbare, rinnenartige Vertiefung trennt denſel⸗ ben in zwei unvollſtändig geſchiedene Säcke(Fig. 1. a. b.), von denen der linke, größere, unten, der rechte, kleinere, mehr nach oben liegt. In den linken Sack mündet das untere Ende des Schlundes(Fig. 1. f. Fig. 2. m.), und außerdem befindet ſich in demſelben noch eine Seitenöffnung zur Haube(Fig. 2. b.) Die innere Haut beider Abtheilungen iſt mit zahlreichen warzenartigen, rauhen Hervorragungen verſehen. (Fig. 2. c. dd.) Die zweite Magenabtheilung(Fig. 1. e.) heißt die Haube(Netzmagen), ſie liegt etwas vor dem lin⸗ ken Sacke des Panſen, und nach rechts; ihre innere Oberfläche bildet durch kleine Hervorragungen netzartige Figuren, woher der Name(Fig. 2. f.). Sie hat drei verſchiedene Oeffnungen; durch eine derſelben ſteht ſie mit dem Panſen in Verbindung(Fig. 2. b.) die zweite Oeffnung geht in den Schlund(Fig. 2. e.), und die dritte führt zum Blättermagen(Fig. 2. g. Dieſe letztere Oeffnung bildet, nach aufwärts zu, eine Art Halbkanal, welcher die Schlundrinne genannt wird. Die dritte Magenabtheilung wird der Blätter⸗ magen genannt(Pſalter, Buch, Cäſar)(Fig. 1. d.). Durch Verdoppelungen ſeiner innern Haut werden mehr wie hundert blätterartige Hervorragungen gebil⸗ det, welche eine ſichelförmige Geſtalt haben, und von vielerlei Größe ſind(Fig. 2. h.). Der Blättermagen hat zwei Oeffnungen; durch die eine, vordere, ſteht er mit der Haube in Verbindung(Fig. 2. g.); durch die andere, hintere, mit dem Labmagen(Fig. 2. i.) Die vierte Abtheilung endlich heißt der Labma— gen(Käſemagen)(Fig. 1. e.). Er hat eine läng⸗ liche Geſtalt, und enthält auf ſeiner inneren Oberfläche zahlreiche, wulſtige Hervorragungen Fig. 2. k.); durch eine Oeffnung ſteht er mit dem Blättermagen in Verbindung(Fig. 2. i.), und die andere führt in den Zwölffingerdarm, und heißt der Pförtner. (Fig. 2. n.) Eben ſo zuſammengeſetzt und bewunderungswürdig, wie der Bau des Magens, eben ſo bewunderungswür— dig iſt auch die Verrichtung deſſelben; ſie iſt folgende. Das Rind frißt gierig und raſch, und das dabei nur wenig und nur grob gekäute Futter gelangt beim Ver⸗ ſchlucken in den Panſen; iſt dieſer hinreichend, und bis zur Sättigung gefüllt, ſo beginnt ein nochmaliges und feineres Zerkäuen des Futters, welches man das Wiederkäuen nennt. Gewöhnlich legt ſich das Thier dabei nieder, und meiſtens auf die rechte Seite; manche Stücke wiederkäuen aber auch ſtehend, und ſelbſt bei langſamer Bewegung; ſo Ochſen z. B. vor dem Pfluge. Iſt indeſſen die Bewegung raſch, ſo hört das Wiederkäuen auf. Während des Wieder⸗ käuens befindet ſich das Thier in einem ſchläfrigen Zuſtande, und es ſchläft auch wohl ſelbſt dabei ein, denn das Wiederkäuen geht auch dann noch von ſtat⸗ ten. Der Mechanismus, welcher beim Wiederkäuen ſtatt hat, iſt nach Verſuchen und der wahrſcheinlichſten Annahme folgender. Nachdem das aufgenommene, grob gekäuete Futter längere Zeit im Panſen gelegen hat, und hier durch den Magenſaft, durch die thieriſche Wärme und durch die wurmartige Bewegung des Magens mehr oder weniger verändert und zur weiteren Verdauung vorbereitet iſt, zieht der Panſen ſich, wie durch eine Art Krampf, zuſammen, und preßt einen 12. Trommelſucht des Rindviehes. Futterbiſſen durch die oben beſchriebene Oeffnung in die Haube. Die Letztere zieht ſich gleichfalls zuſam⸗ men, und treibt den Futterbiſſen in den Schlund, durch welchen er, von unten nach oben, wieder in das Maul zurückkehrt. Sobald er hier angekommen iſt, beginnt das abermalige Käuen deſſelben, oder das Wiederkäuen; das Thier zerkauet den Futterbrei dann ſehr fein, meiſtens durch zwanzig bis dreißig nach der— ſelben Seite vollführte Kieferbewegungen, und ver⸗ ſchluckt ihn aufs Neue. Jetzt gelangt derſelbe aber nicht in den Panſen, auch nicht in die Haube, ſon⸗ dern unmittelbar in die dritte Magenabtheilung, alſo in den Blättermagen, und zwar dadurch, daß die aus der Haube in den Blättermagen führende Oeffnung, vermittelſt der Schlundrinnen, der unteren Oeffnung des Schlundes genähert wird, ſo daß dadurch Panſen und Haube von der Communikation mit dem Schlunde für einen Augenblick ausgeſchloſſen werden. Iſt ein zum zweiten Male gekaueter Futterbiſſen hinabge⸗ ſchluckt, ſo tritt eine Pauſe von einigen Sekunden ein; dann reckt das Thier den Kopf etwas, hält den Athem an(wie ein Menſch beim Aufſtoßen), und es ſteigt ſehr ſchnell ein neuer Futterbiſſen durch den Schlund in das Maul empor, worauf ſogleich das Käuen wie⸗ der beginnt. Heftet man das Auge dabei feſt auf den untern Theil des Halſes des Thieres, ſo kann man ſehr leicht das Aufſteigen des Futterbiſſens im Schlunde wahrnehmen. Das Wiederkäuen dauert nur ſo lange fort, als es dem Naturbedürfniſſe angemeſſen iſt; eine völlige Entleerung des Panſen findet dabei nie ſtatt; ſo daß angenommen werden muß, daß das Futter ſchon ge⸗ raume Zeit im Panſen gelegen hat, bevor es zum Wiederkäuen gelangt. Durch Verſuche iſt es bewieſen, daß grob gekäuete und feſte Futterſtoffe, z. B. Heu, Stroh, Gras ꝛc. allemal zuerſt in den Panſen gelangen, während weiche Subſtanzen, als gekochte Kartoffeln, Schrotbrei ꝛc., ſowie Flüſſigkeiten und Alles, was nicht wiedergekäuet wird, direct in den Blättermagen kommt. In dieſem Magen angelangt, ſchichtet ſich der Futterbrei zwiſchen die einzelnen Blätter ein, und geht dann ſpäter in den Labmagen und aus dieſem weiter in die Gedärme. Flüſſigkeiten gelangen raſch zum Labmagen, denn im Blättermagen können ſie nicht lange verweilen, weil hier der Futterbrei immer ziemlich feſt iſt. Beim Schafe(auch bei der Ziege), deſſen Magen Wagenfeld Encyecl. 65 ganz ſo wie beim Rinde gebauet iſt, verhält ſich das Wiederkäuen und der dabei ſtattfindende Mechanis⸗ mus auf ganz gleiche Weiſe. Der ſo eben beſchriebene Act des Wiederkäuens und der Magenverdauung wird durch zahlreiche Urſa— chen geſtört, oder auch ganz aufgehoben. Alle bedeu⸗ tenden innerlichen, und auch einige äußerliche Krank⸗ heiten ſind mit dem Aufhören des Wiederkäuens ver⸗ bunden; daſſelbe verſchwindet weit leichter, als der Appetit, ſo daß das Rind oft noch mehr oder weniger gut frißt, während es ſchon gar nicht mehr wiederkäuet. Eine dieſer Krankheiten, bei welcher ſowohl Freßluſt als Wiederkäuen gänzlich und faſt plötzlich verſchwin⸗ den, ſtellt die ſogenannte Trommelſucht dar, von der hier zunächſt und ausführlich die Rede ſein ſoll. Die Krankheitserſcheinungen ſind ſehr auffallend, und deshalb iſt ihre Erkenntniß auch ungemein leicht. Es beſteht die Krankheit in einer widernatürlichen und ganz übermäßigen Ausdehnung des Panſen von Luft, welche ſich in demſelben entwickelt. Gewöhnlich entſteht die Trommelſucht plötzlich und in ganz kurzer Zeit. Das bis dahin ganz geſunde Thier hört plötzlich auf zu freſſen, die Dünnungen oder Hungergruben, zumal an der linken Seite, füllen ſich zuſehends aus, ſo daß ſie nicht mehr als Gruben erſcheinen; das Thier hält den Kopf und Hals weit vorgereckt, zeigt Angſt und Unruhe, trippelt hin und her, ſtellt alle vier Füße unter den Leib, und ſteht mit gekrümmtem Rücken. Mit der ſchnell erfolgenden Zunahme der Krankheit werden die Bauchwände, vor⸗ zugsweiſe an der linken Seite, immer mehr von Luft aufgetrieben, nach Art eines Luftballons; klopft man an dieſelben mit der Hand, ſo erfolgt darnach faſt der Klang einer Trommel, woher der Name: Trommel⸗ ſucht. Das Athemholen wird beſchleunigt, kurz, keuchend, ängſtlich, ſehr beſchwerlich, wie bei Erſtik⸗ kungsgefahr; einige Stücke ſtoßen auch wohl ein Ge⸗ brüll, oder ein eigenthümliches Geſchrei aus. Die Naſenlöcher ſtehen weit offen, die Naſenläppchen ſind in ſteter Bewegung; das Maul iſt geöffnet, die Zunge hängt mehr oder weniger aus demſelben heraus; daſ⸗ ſelbe iſt heiß, mit Speichel und Geifer gefüllt. Der After iſt feſt verſchloſſen, jedoch weit hervorgedrängt, der Schweif wird bogenförmig emporgehalten. Die Adern unter der Haut ſind ausgedehnt, ſtrotzend von Blut. Mit der Zunahme der Krankheit werden Angſt und Unruhe des Kranken immer griͤßer; pas Athmen 66 12. i*ſt erſtickungsartig, die weit hervorgedrängten Augen ſind ſehr roth; es ſtellen ſich Zahnknirſchen, Zittern und ein Schwanken des Körpers ein; die dicht unter den Leib zuſammengeſtellten Füße ſind kalt, an Schul⸗ tern und Flanken bricht ein kalter Schweiß aus, das Thier zeigt ſich gefühllos und ſtumpfſinnig, erhält ſich nur mit Mühe auf den Beinen, bricht zuletzt zuſam⸗ men und krepirt, meiſt unter heftigen Zuckungen und Convulſionen; wobei zuweilen aus Maul und Naſe ein dünner Futterbrei, manchmal auch Blut ausfließen. Oft erfolgt der Tod ſo raſch, daß ſich nicht alle hier angegebenen Zufälle entwickeln können; die Krankheit kann zuweilen ſchon nach der kurzen Dauer von zwan⸗ zig bis dreißig Minuten tödtlich werden, häufiger jedoch gehören dazu mehrere Stunden. Allemal macht die Trommelſucht einen ſehr raſchen Verlauf, und der Tod bei ihr erfolgt durch Erſtickung und Schlagfluß, weil der Umlauf des Blutes und das Athemholen aufgehoben werden; oft ſind dabei zugleich das Zwerchfell und der Panſen geborſten; ja ſelbſt die äußere Haut zerreißt, obwohl ſelten, durch die übermäßige Ausdehnung des Panſen. Die Urſachen der ächten, ſchnell verlaufenden Trommelſucht ſind faſt ausſchließlich in der Beſchaf⸗ fenheit und Menge des Genoſſenen, und in der Haſtig— keit ꝛc., mit welcher die Futteraufnahme geſchah, be⸗ gründet. Am leichteſten entſteht die Krankheit, nach feſtſtehenden Erfahrungen, auf den Genuß von Klee, Luzerne, Eſparſette, Wicken, Buchweizen, Ackerſenf, Hederich ꝛc., vorzugsweiſe aber nur dann, wenn dieſe Pflanzen noch jung ſind, noch vor dem Blühen geſchnit⸗ ten werden, und wenn ſie dann vom Regen oder Thau ſehr naß ſind. Ferner gehören hierher der junge Ausſchlag der Stoppelfelder, geiles, fettes Gras, alle friſchen Koͤrner, und alles junge Grün⸗ futter; der übermäßige Genuß von Körnern aller Art, von Haferſpreu, Kleie, Träbern, Mehl und Schrot, blähendem Kartoffelkraut, ſelbſt mancher an ſich un⸗ verdächtigen Futterſtoffe. Seltener ſieht man die Krankheit nach gefrorenem oder ſonſt verdorbenem Futter, oder nach Knollengewächſen, Obſt, Gurken, giftigen Kräutern ꝛc. entſtehen. Im Frühlinge und Herbſte kommt die Trommelſucht ungleich häufiger vor, als im Winter und Sommer; meiſt auf der Weide, ſeltener im Stalle. In letzterem Falle beſonders dann, wenn das Grünfutter längere Zeit gelegen, und ſich dadurch erhitzt, oder, wie man ſagt, gebrühet hat. Trommelſucht des Rindviehes. In Thälern und auch Ebenen iſt die Trommelſucht häufiger, als auf Bergen; auf Sandboden, in magern Landſtrichen und bei dürrem Futter erſcheint ſie ſeltener, als auf fetten Triften. Nicht die Qualität der Futterſtoffe allein iſt es, welche die Krankheit erzeugt, ſondern es kommt dabei auch weſentlich auf die Umſtände an, unter denen das Futter genoſſen wurde. So kann der ungewohnte Genuß faſt aller Futterarten, und der plötzliche Ueber⸗ gang von dem Einem zum Andern die Krankheit zur Folge haben; beſonders aber iſt das zu haſtige Freſſen der früher genannten Futterſtoffe nachtheilig. Je hungeriger das Vieh auf die Weide kommt, je heftiger, gieriger und lieber es daſſelbe frißt, zumal wenn es Gelegenheit hat gleich darauf zu ſaufen, deſto leichter tritt die Trommelſucht ein;z auch das Treiben des Viehes gegen den Wind kann dabei nachtheilig werden. Ochſen, welche gleich nach dem Freſſen ſehr ſchnell und ſtark arbeiten müſſen, ſo daß dabei das Wiederkäuen nicht ſtattfinden kann, verfallen nicht ſelten in die Krankheit. Oft bildet ſich die Trommelſucht aus, ſelbſt bevor das Thier bis zu ſeiner Sättigung gefreſſen hat, es hält mitten im Freſſen inne, und läßt dann nach und nach oben beſchriebene Zufälle an ſich wahrnehmen. In ſolchen Fällen iſt vorzüglich die Qualität des Fut⸗ ters zu beſchuldigen; durch dieſelbe, durch die Wärme des Magens, durch die mit dem Futter verſchluckten wäſſerigen Flüſſigkeiten ꝛc. entſteht eine ſehr ſchnelle Zerſetzung des Futters; daſſelbe geht im Magen in eine Art Gährung über, welche mit der Entwickelung vieler Luft verbunden iſt. Durch dieſe Letztere wird der Panſen übermäßig ansgedehnt; ſeine Zuſammen⸗ ziehungskraft wird durch dieſelbe überwältigt, die Oeff⸗ nungen zum Schlunde und zur Haube werden krampf⸗ haft verſchloſſen, und da auf ſolche Weiſe die Luft nicht entweichen kann, ſo dehnt ſie den Panſen immer mehr aus, bis dieſer zuletzt platzt, im Fall der Tod des Thieres nicht ſchon früher erfolgte. Eine ſolche Trommelſucht entſteht daher weniger durch Indigeſtion, als durch zu ſchnelle, chemiſche Zerſetzung des Futters, und da der übermäßig ausgedehnte Panſen ſtark auf das Zwergfell drückt, und dadurch die Bruſthöhle un⸗ gemein verengt, ſo können zuletzt die Lungen ſich nicht mehr hinreichend ausdehnen, wo dann nothwendig der Tod durch Erſtickung ꝛc. erfolgen muß. Die verſchiedenen Luftarten, welche ſich bei der Trommelſucht im Panſen entwickeln, ſind nicht immer von gleicher chemiſcher 12. Beſchaffenheit; man fand Kohlenſäure, Kohlenwaſſer⸗ ſtoffgas, Schwefelwaſſerſtoff ꝛc. Faſt ausſchließlich geht dieſe Gasbildung nur im Panſen vor ſich; ſehr ſelten hat ſie in den übrigen Magenabtheilungen ſtatt. Zuweilen, obſchon ſeltener, findet bei der Trom⸗ melſucht zugleich eine Ueberladung des Magens mit Futterſtoffen ſtatt, und ſie tritt erſt ſpäter, und nach erfolgter Sättigung des Thieres, ein. Hier iſt oft nicht ſowohl die Qualität, als vielmehr das Uebermaaß des Genoſſenen Urſache der Krankheit; indeſſen kann Beides zugleich mitunter der Fall ſein. In dergleichen Fällen, die meiſtens nicht ganz ſo ſchnell mit dem Tode enden, iſt Anfangs das Futter durch die Haut als eine teig— artige Maſſe zu fühlen, und ſchon durch ſie allein erſcheint der Leib, beſonders in der linken Flanken⸗ gegend, übermäßig ausgedehnt. Später, wenn ſich ſchon Luft entwickelt hat, kann dann das Futter durch die große Spannung der Haut nicht mehr durchs Ge⸗ fühl entdeckt werden. Die bisher beſchriebene, ſchnell verlaufende Trom⸗ melſucht iſt in den meiſten Fällen ſehr gefährlich; alljährlich gehen viele Stuͤcke durch ſie zu Grunde. Der Grad der Gefahr wird indeſſen von den Erſcheinungen bedingt. So lange das Thier noch frißt, noch nicht angeſtrengt und vermehrt athmet, ſich noch niederlegt, und ſo lange die Ausdehnung des Bauches nur ein— ſeitig, und allein an der linken Bruſtſeite ſtatt hat, iſt keine dringende und augenblickliche Gefahr vorhanden; auch dann nicht, wenn die Ausdehnung des Bauches nur ſehr langſam zunimmt, und wenn die rechte Hun⸗ gergrube ſich noch nicht ausgefüllt hat. Erfolgt der Abgang von Winden und Miſt, tritt ein häufiges Aufſtoßen oder Rülpſen ein, ſo ſind das ſehr gute Zeichen, nur müſſen die Flanken ſich ſichtbar dabei ſenken, und Appetit oder Wiederkäuen zurückkehren. Oft erfolgt durch dieſe Naturhülfe ſchon allein die Geneſung. Sehr üble und gefährliche Zeichen dagegen ſind es, wenn die Aufblähung ſehr raſch zunimmt; wenn das Athemholen ſtöhnend, kurz und ängſtlich wird; wenn das mit Geifer erfüllte Maul weit offen ſteht; wenn das Thier große Angſt und Unruhe zeigt, weder frißt, noch wiederkäuet, hin und her trippelt, ſich nicht niederlegt; wenn weder Winde abgehen, noch Rülpſen erfolgt, oder wenn dieſes ſtatt hat, doch nicht ausgiebig genug, und mit keiner auffallenden Erleich⸗ terung der Zufälle verbunden iſt; wenn der After feſt verſchloſſen iſt, die Beine kalt ſind ꝛc. In ſolchen Trommelſucht des Rindviehes. 67 Fällen iſt der Tod faſt jedesmal ſicher; d. h. ohne Kunſthülfe. Die mit Ueberfüllung verbundene Trom⸗ melſucht iſt im Allgemeinen gefährlicher, als wenn der Magen nicht mit Futter überladen iſt. Die Krank⸗ heit pflegt leicht wiederzukehren, zumal ſo lange noch kein Wiederkäuen eingetreten iſt. Die Heilung der Trommelſucht kann weſentlich auf dreierlei Weiſe bewirkt werden, wobei es in allen Fäl— len die Aufgabe bleibt, die im Panſen übermäßig an⸗ gehäufte Luft aus demſelben zu entfernen. Um dieſen Zweck zu erreichen, ſucht man die Luft entweder durch die natürlichen Oeffnungen des Panſen, durch Arznei⸗ mittel, oder endlich durch eine künſtliche, in den Panſen gemachte Oeffnung zu beſeitigen. Iſt die Krankheit nur erſt im mäßigen Grade ent⸗ wickelt, und ſind noch keine ſehr bedenklichen Zufälle vorhanden, ſo verfährt man bei der Kur auf nachſte⸗ hende Weiſe. Man legt beide Hände in die linke Flankengegend, dort wo ſich der höchſte Punkt des ausgedehnten Panſen befindet, drückt damit Anfangs mäßig, nach und nach immer ſtärker, und mindeſtens fünf Minuten lang; auch kann man mit den Händen zwiſchendurch eine knetende Bewegung machen. In vielen Fällen entſteht hierdurch ein häufiges Aufſtoßen, welches in nichts Anderem beſteht, als in dem wieder⸗ holten, ſtoßweiſen Austritte von Luft aus dem Panſen und durch den Schlund. Gleichzeitig hebt ein Gehülfe den Kopf des Kranken etwas empor, wendet denſelben nach verſchiedenen Seiten, indem er dabei die Zunge des Thieres hervor und abwechſelnd nach verſchiedenen Seiten zieht. Beſſer jedoch iſt es, wenn ſtatt deſſen dem Thiere ein mit mehreren Knoten verſehenes und mit Theer beſtrichenes Strohſeil, nach Arteines Zaums, durch das Maul gezogen und hinter den Hörnern be⸗ feſtigt wird. Das Thier wird dadurch veranlaßt, fort⸗ während zu kauen, welches das Aufſtoßen begünſtigt. Iſt kein Strohſeil zur Hand, ſo kann man ſich einer Weidenruthe, eines Strickes und dergleichen bedienen. Oft erfolgt durch dieſe Manipulation ein ſo reichlicher und oft ſo wiederholter Austritt von Luft aus dem Magen, daß ſchon dadurch allein die Heilung erfolgt. Hat dieſe indeſſen nicht ſtatt, ſo nehme man ein hin⸗ reichend und etwa fünf Fuß langes Rohr, einen Wei⸗ denſtock, im Nothfalle einen Peitſchenſtock, von der Dicke eines ſtarken Daumens, bilde an dem einen Ende deſſelben aus Heede und feiner Leinwand einen kleinen Knopf, tauche denſelben in Oel, und fahre 68 12. damit— bei emporgehobenem Kopfe des Thieres— durch den Schlund bis in den Magen hinab, indem zugleich eine andere Perſon die Flanken ſtark drückt und knetet. Indem hiebei durch das Rohr ꝛc. der Magenmund geöffnet wird, tritt allemal eine größere oder geringere Menge Luft durch den Schlund nach oben, und aus dem Panſen heraus. Zuweilen iſt die mehrmals wiederholte Einbringung des Rohrs mit dem Erfolge der Heilung verbunden; meiſt jedoch nicht. Da das Thier während dieſer Operation nicht athmen kann, ſo muß ſchnell dabei zu Werke gegangen werden, auch darf das Rohr höchſtens eine Minute im Schlunde ſtecken bleiben, weil ſonſt Erſtickung entſtehen könnte. Um die Luft ſicher, ſchnell und auf dem natürli— chen Wege aus dem davon überfüllten Panſen zu ent— leeren, hat man in neuerer Zeit, beſonders in England, die ſogenannte Schlundröhre in Anwendung ge⸗ bracht, und zwar mit ſehr gutem Erfolge. Dieſes Inſtrument beſteht aus einer fünf Fuß langen, hohlen Röhre, von der Dicke eines ſtarken Daumens; dieſelbe i*ſt aus ſpiralförmig gewundenem Drathe gebildet, und mit ſtarkem, aber weichen Leder umnäht. An dem einen Ende des Inſtrumentes befindet ſich ein zinner⸗ ner, olivenförmiger und mehrfach durchlöcherter Knopf, und an dem andern Ende ein kleines Mundſtück von Holz oder Horn. Damit dieſe Schlundröhre beim Einführen in den Schlund und Magen ſich nicht biege, und die gehörige Steifigkeit habe, befindet ſich in der⸗ ſelben ein Stilet von dickem Eiſendrathe. Außerdem gehört zu dieſem Apparate noch ein acht Zoll langes, in der Mitte zwei Zoll hohes und an den Enden ſich zu einem Zoll verjüngendes Hölzchen, in deſſen Mitte ſich eine hinreichend große Oeffnung zur Aufnahme der Schlundröhre befindet, und an deſſen beiden Enden kleine Stricke oder Riemen angebracht ſind, mittelſt deren es hinter den Hörnern, wie ein Zaum, befeſtigt wird. Dieſes Hölzchen oder Maulgatter dient dazu, um zu verhindern, daß das Thier die Schlundröhre mit den Zähnen erfaſſe und zerbeiße. Um dieſe Schlundröhre beim aufgebläheten Vieh in Anwendung zu bringen, wird zunächſt das Maulgatter im Maule befeſtigt; ſodann wird die Schlundröhre, der zinnerne Knopf derſelben voran, durch die Oeffnung des Maulgatters in den Schlund und bis in den Magen hinabgedrückt, worauf dann ſogleich das eiſerne Stilet herausgezogen wird. Der Erfolg iſt augenblicklich; es entweicht eine Menge Luft, die gehobenen Flanken ſenken ſich, Trommelſucht des Rindviehes. und das Thier hat auf der Stelle Erleichterung, oder wird oft auch ſogleich dadurch geheilt. Demungeachtet iſt der Gebrauch der Schlundröhre mit manchen Unbe⸗ quemlichkeiten verbunden; dieſelbe iſt theuer und zer⸗ brechlich; ſie verſtopft ſich ſehr leicht durch das Futter im Panſen; ſie kann jedesmal nur kurze Zeit im Schlunde ſtecken gelaſſen, und muß deshalb oft wie⸗ derholt applicirt werden; ſie kann dort wenig nützen, wo die Trommelſucht weſentlich mit Ueberfütterung verbunden iſt ꝛc. Aus allen dieſen Gründen hat die Schlundröhre in Deutſchland nur wenig Beifall ge⸗ funden. Gelingt es durch die früher angegebenen Mittel nicht, eine ſichtbare Beſſerung der Krankheit hervorzu⸗ bringen, ſo greife man zunächſt zu der Anwendung innerer und auch einiger äußerer Mittel. Es giebt eine überaus große Anzahl hierher gehö⸗ riger, und in der That mehr oder weniger wirkſamer Mittel,— einen großen Theil derſelben will ich hier an⸗ führen,— von denen in vorkommenden Fällen das eine oder das andere wohl ſtets in einer ländlichen Wirth⸗ ſchaft vorhanden ſein dürfte. Eins der beſten Mittel iſt der ätzende Salmiakgeiſt; man giebt von demſelben jedesmal ein bis zwei Loth mit etwas Mehl und kaltem Waſſer als Einguß, halbſtündlich, auch wohl alle Viertelſtunden wiederholt; ſodann folgt der Chlorkalk, von welchem jedesmal ein halbes bis ganzes Loth mit kaltem Waſſer, und in halbſtündlichen Wiederholungen gegeben wird; desgleichen Schwe⸗ feläther, zu zwei Loth mit kaltem Waſſer. Auch gebrannter Kalk, ein Eßlöffel voll für die Gabe und mit Mehlwaſſer gereicht, iſt ſehr wirkſam; oder ſtatt deſen Potaſche, Schwefelleber, Terpen⸗ tinöl, Steinöl ac., in gleicher Gabe, und eben⸗ falls mit kaltem Mehlwaſſer, und alle funfzehn, zwan⸗ zig bis dreißig Minuten wiederholt. Auch ein halbes bis ganzes Quentchen Kampher, mit etwas Eigelb abgerieben, und mit Branntwein und Waſſer, von jedem ein Viertelquart, gemiſcht, iſt ein paſſendes Mittel; oder ein Quentchen Kampher, eben ſo viel Brechweinſtein und kaltes Mehl⸗Waſſer; oder Seifenwaſſer mit Branntwein, Aſchenlauge, Salzwaſſer mit Branntwein, alter Käſe mit gleichen Theilen Bier und Branntwein, Knob⸗ lauch mit Milch, Schnupftaback, ein Eßlöffel voll, mit Branntwein, ſtarker Kamillenthee mit Branntwein, Pfeffermünzthee, Kümmel oder 12. Ingwer, einen Eßlöffel voll, Miſtjauche ꝛc. Bei ſehr mäßiger, aus dem Genuſſe von Körnern oder von giftigen Kräutern entſtandener Trommelſucht, giebt man mit Nutzen ein halbes bis ganzes Pfund Eſſig wiederholt ein. Die Arznei muß ſtets die flüſſige Form haben, und, je nach den Umſtänden, mit Waſ⸗ ſer, Branntwein ꝛc. ſo verdünnt ſein, daß ſie etwa eine Weinflaſche voll beträgt. Das Eingießen der Flüſſigkeiten muß ſtets mit Vorſicht geſchehen, ſo daß damit für einen Augenblick angehalten wird, wenn das Thier etwa huſten oder ſehr beängſtigt athmen ſollte. Hilft das zuerſt gewählte Mittel nicht, ſo ver⸗ ſuche man ein anderes, und gebe daſſelbe ſo lange wiederholt ein, bis der Umfang des Bauches ſich ver⸗ mindert, bis häufiges Aufſtoßen, auch wohl der Ab⸗ gang von Urin, Miſt und Winden eintritt, bis ſich Freßluſt oder Wiederkäuen ꝛc. einſtellen. Hat dieſes Alles nicht ſtatt, ſondern bleibt die Krankheit auf gleicher Höhe, oder verſchlimmert ſie ſich ſogar noch, ſo kann man nach einander mehrfach mit den Mitteln wechſeln. Während der Anwendung der innerlichen Mittel kann das bereits früher angeführte manuelle Verfahren, als das Drücken und Kneten der Flanken, das Auf— zäumen mit einem Strohſeil ꝛc. zum Theil mit Nutzen fortgeſetzt werden. Der Patient wird außerdem an⸗ haltend mit kaltem Waſſer begoſſen, oder in kaltes Waſſer getrieben, oder ſtark mit Strohwiſchen frottirt. Der Maſtdarm wird, mit der zuvor mit Oel beſtriche⸗ nen Hand, von Miſt entleert, worauf dann von Zeit zu Zeit ein Klyſtier aus Kochſalz und Waſſer applicirt werden kann. Auch ein Aderlaß, etwa von ſechs, acht bis zwölf Pfunden Blut, iſt meiſtens ſehr nütz⸗ lich; es muß dabei aber Sorge getragen werden, daß die Aderöffnung ſorgfältig wieder verſchloſſen wird, weil bei dem geſtörten Blutumlaufe die Adern ſehr angeſchwollen ſind. Wird die Trommelſucht durch das angegebene Verfahren nicht gehoben; verſchlimmern ſich im Ge⸗ gentheile ihre Zufälle; nimmt ſie raſch zu, und erlangt ſie eine gefahrdrohende Höhe, ſo daß das Thier kurz, ſtöhnend, angeſtrengt und mit offenem Maule athmet, einen hohen Grad von Angſt und Unruhe zeigt, hin und her trippelt, an verſchiedenen Körperſtellen zittert und ſchwitzt ꝛc., ſo bleibt(außer der ſchon oben er⸗ wähnten Schlundröhre) das einzige Mittel, durch welches der Tod abgewendet werden kann, die künſtliche Trommelſucht des Rindviehes. 69 Oeffnung des Panſen; ihre Wirkung iſt augenblicklich, ſicher und unfehlbar, und auch gefahrlos in ihren wei⸗ teren Folgen, vorausgeſetzt, daß die Operation auf paſſende Weiſe ausgeführt wird. Dieſe Operation wird der Bauch⸗, Panſen⸗, oder Trokar⸗Stich genannt, und das Inſtrument zu dieſem Behufe iſt der ſogenannte Trokar(eigentlich: trois-quarts). Das Inſtrument beſteht aus einem, vorn dreifach zugeſpitzten und ſchneidenden, Stilet und einer daſſelbe umgebenden Hülſe. Die gewöhnlichen und meiſt gebräuchlichen Trokars haben etwa die doppelte Dicke einer Schreib⸗ feder, und enden vorn in eine dreiſchneidige Spitze; ihre Hülſe iſt an den Seiten mit Oeffnungen verſehen. Eine ſolche Conſtruction des Inſtruments iſt aber mangelhaft, und der Gebrauch deſſelben zuweilen mit nachtheiligen Folgen verbunden. Die paſſendſte Be⸗ ſchaffenheit des Trokars iſt folgende. Derſelbe beſteht, wie jeder Trokar, aus einem Stilet und einer Hülſe aus Meſſingblech(Tab. V. Fig. 3.); das Stilet (Fig. 3. a.) iſt neun Zoll lang, platt⸗rund, und läuft vorn(Fig. 3. d.) in eine zweiſchneidige Spitze aus, nach Art einer Lanzette; ſeine Dicke beträgt die eines mäßig ſtarken Ringfingers; die Hülſe(Fig. 3. b.) iſt von Meſſingblech, und oben mit einem Plättchen (Fig. 3. c.) verſehen; ſie iſt ohne alle Seitenöff⸗ nungen. Mit dem Trokar wird durch die äußere Haut in den von Luft übermäßig ausgedehnten Panſen, an der linken Seite des Bauches, eingeſtoßen, und dadurch die Luft aus demſelben durch dieſe künſtlich gemachte Oeff⸗ nung entleert. Da der Panſen faſt die ganze linke Bauchſeite des Thieres einnimmt(Tab. IV. Fig. 3.), ſo könnte es ſo ſcheinen, als ob die Stelle des Ein— ſtiches gleichgüͤltig ſei; dieſes iſt aber keinesweges der Fall. Würde man nämlich an einer abhängigen Stelle des Bauches den Trokar einſtoßen, ſo würde man zwar allerdings in den Panſen treffen, es würde die gemachte Oeffnung aber— da der Panſen ſtets mehr oder weniger Futterbrei enthält— durch Futterbrei ſogleich verſtopft werden, ſo daß keine Luft nach außen entweichen könnte; außerdem würde, nach dem Geſetze der Schwere, unaufhörlich Futterbrei durch die Oeff⸗ nung ausfließen, wodurch deren Heilung erſchwert und auch anderweitige Nachtheile herbeigeführt werden würden. Erfahrungsmäßig wählt man als beſte Stelle zum Einſtechen des Trokars den höchſten und er⸗ habenſten Punkt des aufgebläheten Bauches, und 70 zwar an der linken Seite deſſelben; dieſe Stelle be⸗ findet ſich in der Mitte der ſogenannten Hungergrube (Tab. V. Fig. 1. d. Fig. 2. c.). Um ſie zu finden, mißt man eine gleiche Länge von den Querfortſätzen der Lendenwirbel(Fig. 1. a. d.), von dem hintern Rande der falſchen Rippen(Fig. 1. b. d.), und von dem vordern Rande der linken Hüfte(Fig. 1. c. d.); dort, wo dieſe drei Linien zuſammentreffen, iſt die paſ⸗ ſendſte Stelle(Fig. 1. d.). Würde man dem Rücken zu nahe kommen, ſo könnte man die Nieren verletzen; zu nahe den falſchen Rippen könnte man in die Bruſt⸗ höhle ſtoßen, und, den Hüften zu nahe, würde man die dünnen Gedärme verwunden. Es darf nun freilich hier nicht unerwähnt bleiben, daß bei ſehr aufgeblä⸗ hetem Bauche von der linken Hüfte, von den falſchen Rippen und von den Querfortſätzen der Lendenwirbel gar nichts zu ſehen iſt; dennoch aber ſind ſie in der Regel zu fühlen, und außerdem kann die rechte Stelle durch eine Vergleichung mit der orreſpondirenden Stelle der rechten Seite der Flanke, oder mit einem nicht aufgebläheten Rinde von gleicher Größe faſt ſicher aufgefunden werden. Eine andere Manier, die Stelle des Einſtichs aufzufinden, beſteht darin, daß man eine ſchräge Linie von der Hüfte(Fig. 2. b. c.) und eine andere ſchräge Linie von dem Winkel zwiſchen Rippen und Rückenwirbeln nach der Hungergrube (Fig. 2. a. c.) auf die Weiſe zieht, daß beide Linien mehr einen etwas ſtumpfen, als rechten Winkel bilden. Dort, wo die beiden genannten Linien ſich ſchneiden, iſt die rechte Stelle für den Einſtich(Fig. 2. c.). Uebrigens kommt es ſo ganz mathematiſch genau auf die Stelle, wo der Einſtich gemacht wird, nicht an; es iſt für denſelben immer ein Spielraum vorhanden, der den Umkreis einer großen Untertaſſe oder eines kleinen Tellers beträgt, und man ſei hierbei nicht zu peinlich, um dadurch das Thier nicht etwa zu verlieren. Iſt man auch nicht ganz ſicher in der Wahl des Ortes, ſo ſteche man nur dreiſt am erhabenſten Punkte des Bauches ein, das Thier wird dadurch faſt allemal gerettet werden. Der Trokar wird nun auf folgende Weiſe applicirt. Der Operateur ſtellt ſich, um nicht durch den linken Hinterfuß des Thieres geſchlagen zu werden, an die rechte Seite deſſelben, ſetzt den Trokar an der beſchriebenen Stelle ſo auf die Haut an, daß die Spitze des Inſtrumentes, in der Verlängerung gedacht, etwa an dem rechten Vorderfuße wieder zum Vorſchein kommen würde. Mit einem ſtarken Drucke, 12. Trommelſucht des Rindviehes. erforderlichen Falls auch mit einem Schlage der andern Hand auf das Heft, wird der Trokar bis zum Plätt⸗ chen der Hülſe in den Panſen eingeſtoßen; worauf dann das Stilet herausgezogen wird; während die Hülſe ſtecken bleibt. Auf der Stelle fährt die in dem Panſen erhaltene Luft heftig und mit großem Ge— räuſche durch die Hülſe heraus, meiſt mit etwas Fut⸗ terbrei vermiſcht; die Flanken ſenken ſich, der Bauch fällt ein; alle gefährliche Zufälle ſind ſogleich ver— ſchwunden, und meiſtens ſtellt ſich auch ſogleich der Appetit oder das Wiederkäuen wieder ein, ſo daß das Thier faſt gänzlich wieder geſund erſcheint. Im Fall keine Luft durch die Hülſe entweichen, und der Bauch nicht einfallen ſollte, iſt der Panſen zugleich mit Futter übermäßig angefüllt, und die vordere Oeffnung der Hülſe iſt dann in den Futterbrei gedrungen, und durch denſelben verſtopft. Hier muß dann die Hülſe etwas, und bis zu dem Punkte zurückgezogen werden, daß ſie nicht mehr das Futter berührt; iſt dieſelbe verſtopft, ſo fahre man mit einem Hölzchen in dieſelbe ein, um ſie zu reinigen, welches überhaupt ſtets geſchehen muß, wenn keine Luft durch ſie ausdringt. Iſt der Bauch nach der Operation zuſammenge⸗ fallen, und tritt das Wiederkäuen wieder ein, ſo kann die Hülſe entfernt und das Thier als geſund betrachtet werden; ſicherer iſt es indeſſen, die Hülſe wenigſtens einige Stunden ſitzen zu laſſen. So lange ſich aber noch kein Wiederkäuen einſtellt, iſt zu befürchten, daß die Aufblähung zurückkehrt; man läßt die Hülſe als⸗ dann ſtecken, und, damit ſie nicht etwa aus der Wunde heraustrete, befeſtigt man ſie in derſelben durch ein Bändchen oder einen Bindfaden, welcher in die Sei⸗ tenöffnungen des Hülſenplättchens geknüpft und um den Bauch des Thieres geſchürzt wird. Das längere Liegenbleiben der Hülſe in der Panſenöffnung iſt durch⸗ aus gefahrlos; man ließ ſie nicht nur mehrere Tage und Wochen, ſondern ſelbſt ſchon mehrere(in Einem Falle ſogar fünf) Monate liegen, und zwar ohne allen Nachtheil. Sollte das aufgeblähete Rind etwa ſchon umgefallen, nicht wieder auf die Beine zu bringen ſein, und auf der linken Seite liegen, ſo muß der Einſtich mit dem Trokar an der rechten Seite geſchehen, denn wenn er hier auch nicht immer ohne Gefahr iſt, ſo hilft er doch noch oft, und bei ſeiner Unterlaſſung geht das Thier beſtimmt verloren. Hat man in vorkommenden Fällen keinen Trokar zur Hand, und iſt die Gefahr dringend, ſo ſtoße man 12. Trommelſucht des Rindviehes. irgend ein ſpitzes und ſchneidendes Inſtrument, ein Federmeſſer, ein Taſchenmeſſer, ſelbſt ein Küchenmeſſer in den Panſen ein; das Thier wird auch dadurch in der Regel gerettet werden. Da ſich eine alſo gemachte Oeffnung aber leicht zuſammenzieht, und durch Fut⸗ terbrei verſtopft wird, ſo iſt es erforderlich, in die Wundöffnung ein Hollunderrohr, ein Pfeifenrohr, einen Rohrhalm ꝛc. zu ſtecken, welches dann ebenfalls längere oder kürzere Zeit ſitzen bleiben kann, und, erfor⸗ derlichen Falls, durch Einführung eines kleinen Stöck⸗ chens für den Austritt der Luft offen erhalten wird. Ein Trokar, und zwar der von mir beſchriebene, iſt allerdings vorzuziehen, und jeder Beſitzer von Rindvieh ſollte dieſes höchſt nützliche Juſtrument beſitzen, und zwar mit wenigſtens drei bis vier Hülſen, da der Fall häufig vorkommt, daß mehrere Stücke zugleich von der Trommelſucht befallen werden. Aber auch ein Trokar von anderer Conſtruction, ſelbſt Meſſer von verſchie⸗ dener Form ſind im Nothfalle ſehr brauchbar, man ſetze daher in vorkommenden Fällen alle peinlichen Bedenklichkeiten, daß der Einſtich Nachtheil bringen könne, bei Seite, und ſtoße nur dreiſt in den Bauch ein. Ohne dieſe Operation iſt das Thier ſicher verlo⸗ ren., mit derſelben wird es meiſt erhalten. Stellt ſich nach dem Trokarſtiche das Wiederkäuen ſogleich wieder ein, ſo kann das Thier zwar wieder als geſund betrachtet werden, jedoch iſt noch einige Vor⸗ ſicht nöthig, um eine Wiederkehr der Krankheit, welche allemal zu Rückfällen ſehr geneigt iſt, zu verhüten. Der Panſen iſt durch die erlittene Ausdehnung ſehr geſchwächt; man ſei deshalb Anfangs vorſichtig bei der Fütterung, gebe nur Stroh und gutes Heu in kleinen Portionen, und etwas Kochſalz, welches in einem Aufguſſe von Wermuth und Kamillen aufgelöſt iſt. Iſt die Trommelſucht beſeitigt, haben ſich aber Wiederkäuen und Appetit noch nicht wieder eingefun— den, ſo gebe man ebenfalls etwas Kochſalz ꝛc.; hat dieſes in etwa achtzehn bis vierundzwanzig Stunden nicht den erwünſchten Erfolg, ſo erhält das Thier vier⸗ undzwanzig bis zweiunddreißig Loth Glauberſalz auf einmal, und in Waſſer aufgelöſt, als Einguß. Später kann man dann nöthigenfalls einige ſtärkende Mittel, z. B. Kümmel und Ingwer, von jedem ein Loth, mit Kamillenthee, täglich zwei bis drei Mal eingeben. Die gemachte Wunde heilt in allen Fällen ſehr leicht, und von ſelbſt; um Inſekten abzuhalten, kann ſie allen⸗ falls mit etwas Theer beſtrichen werden. 71 Entweicht bei dem Einſtich in den Panſen nur wenig Luft, verlieren ſich die bedenklichen Zufälle nicht gänzlich oder doch zum großen Theil darnach, und bleibt der Panſen nach wie vor übermäßig ausgedehnt, ſo iſt derſelbe zugleich mit Futter überladen; daſſelbe iſt dann von außen mit der Hand, und auch durch das Inſtrument in dem Panſen zu fühlen. Dieſer Fall iſt höchſt gefährlich, und erfordert die ſchleunigſte Hülfe, doch können bei demſelben weder die Schlund⸗ röhre noch der Trokar weſentlich nützen. Da dann die Verdauungskraft des Panſen durch das Uebermaaß des in ihm enthaltenen Futters überwältigt iſt, und durch Erſchlaffung die zum Wiederkäuen nöthige Kraft der Zuſammenziehung verloren hat, ſo bleibt nichts ande⸗ res übrig, als das Futter durch einen Einſchnitt in den Panſen zum Theil zu entleeren. Auf den erſten Anblick könnte dieſe Operation(der ſogenannte Pan⸗ ſenſchnitt) parador erſcheinen; aber ſie hat die Er⸗ fahrung entſchieden für ſich, denn ſeit langer, aber beſonders in neuerer Zeit, iſt ſie in ſehr zahlreichen Fällen, und faſt jedesmal mit dem Erfolge der völli— gen Heilung des Kranken ausgeführt worden. Ver— ſchafft daher die Anwendung des Trokars keine Erleich⸗ terung, ſo wird von der Trokarwunde aus in ſenkrechter Richtung ein fünf bis ſechs Zoll langer Schnitt durch die äußere Haut und durch die Haut des Panſen ge⸗ macht; der Operateur geht mit der Hand in den Panſen ein, und holt den größern Theil des Futters aus dem⸗ ſelben heraus. Eine gänzliche Entleerung iſt jedoch nicht paſſend, und man läßt etwa ein Drittel des Fut⸗ ters in demſelben zurück. Auf ſolche Weiſe ſind oft ſchon mehrere Eimer voll Fntter aus dem Panſen ent⸗ leert worden, und mit völlig erwünſchtem Erfolge. Durch die Panſenwunde kann man alsdann eine Hand voll Kochſalz, Wermuth und Kümmel, von jedem zwei Loth, in den Panſen einbringen, und mit dem Reſte des Futters vermiſchen. Auch eine Laxanz aus Glauberſalz iſt in der Regel paſſend. Die Wunde des Panſen wird dann mit einigen Heften zugenähet, und darauf die Wunde der Haut gleichfalls; die Ver⸗ narbung der Wunde erfolgt dann leicht, und von ſelbſt, wenn ſie nur zuweilen mit lauem Waſſer gereinigt wird. Die einzige Vorſicht, die bei dieſer Operation zu beobachten iſt, beſteht darin, zu verhüten, daß Futterbrei zwiſchen die Haut des Panſen und die Bauchmuskeln fällt, welches leicht erfolgen kann, da der Panſen bei ſeiner Entleerung mehr oder weniger —— 72 12. zuſammenfällt, und ſich von den Bauchmuskeln trennt. Sobald ſich das Wiederkäuen einfindet, iſt die Gefahr vorüber; man ſei dann aber Anfangs ſehr vorſichtig bei der Fütterung, gebe etwas Schrot oder Mehl mit Waſſer, ſehr wenig Heu ꝛc. Um die Trommelſucht zu verhüten, verhindere man daß die Thiere Gelegenheit finden, von den früher angeführten Futterſtoffen, vorzüglich ſolchen, die ſie beſonders gern freſſen, im Uebermaaß zu ſich zu neh⸗ men. Gehen die Rinder von trockenem Futter zu Grünfutter über, ſo muß dieſer Uebergang ſtets lang⸗ ſam geſchehen, etwa dadurch, daß Grünfutter mit Heu oder Stroh zu Häckſel geſchnitten wird ꝛc. Da die Krankheit in der Regel nur durch zu haſtiges Freſ⸗ ſen entſteht, ſo ſorge man dafür, daß die Thiere nicht ganz hungrig auf die Weide kommen, zumal wenn dieſelbe durch Regen oder Thau noch naß iſt. Auch bei der Fütterung von Grünfutter, welches durch län⸗ geres Liegen ſich erhitzt hat, muß Vorſicht beobachtet werden. Anmerkung. Es giebt ſehr viele krankhaſte Zuſtände, bei denen eine mehr oder weniger heftige Aufblähung eintritt, ohne daß dieſe die eigentliche Hauptkrankheit ausmachte, oder ohne daß ſie aus der Quantität oder Qualität des Genoſſenen entſtände. Viele fieberhafte Krankheiten, Verdauungsbeſchwerden, längere Zeit hindurch aufgehobenes Wiederkäuen, or⸗ ganiſche Fehler des Magens, das Kalben, die Lun— genſeuche ꝛc. ſind zuweilen mit Aufblähen verbunden, welches mehr oder weniger häufig zurückkehrt. Von ſolchen Fällen kann nicht hier, ſondern nur bei Ab⸗ handlung der betreffenden Hauptkrankheiten die Rede ſein. In der Regel ſind dergleichen Aufblähungen gefahrlos, und oft von ſelbſt verſchwindend; erreichen ſie aber eine beträchtliche und gefahrdrohende Höhe, ſo wird auch bei ihnen, ohne Rückſicht auf die Urſa⸗ chen, der Trokar, als das einzige Rettungsmittel in Anwendung gebracht. Auch bei Schafen kommt die Trommelſucht nicht ganz ſelten vor. Die Zufälle der Krankheit, ihre Urſachen, der Grad der Gefahr ꝛc. verhalten ſich hier ganz ſo, wie beim Rinde. Am gewöhnlichſten entſteht die Krankheit nach dem übermäßigen Genuß von jungem Klee und anderem jungen Grünfutter, zumal wenn daſſelbe vom Regen oder Thau naß iſt; auch das Hüten auf Stoppelfeldern iſt oft Urſache der Krankheit. So lange die Ausdehnung des Magens Trommelſucht des Rindviehes. nur einſeitig, an der linken Seite ſtatt hat, iſt keine Gefahr vorhanden; wird aber auch die rechte Flanke gehoben und ausgedehnt, ſo iſt dieſes bedenklich, und hat oft den Tod des Thieres zur Folge. In den gelinderen Fällen der Krankheit wird nach⸗ ſtehendes Verfahren beobachtet. Der ausgedehnteſte Theil des Bauches wird durch ſtarkes Drücken und Kneten mit den Händen bearbeitet; oft wird dadurch ein wiederholtes Aufſtoßen, und dadurch die Heilung bewirkt. Das Schaf wird zugleich, mit einer Weiden⸗ ruthe oder mit einem Strohſeil aufgezäumt, in einen Teich, oder wo möglich in fließendes, möglichſt kaltes Waſſer getrieben, und dann in mäßiger Bewegung gehalten. Tritt hiernach keine Beſſerung ein, ſo führe man eine Weidenruthe oder ein dünnes Rohr, vorn mit einem aus Wolle oder Leinwand gebildeten Knöpfchen verſehen, durch Maul und Schlund in den Magen ein, wobei oft die Luft aus dem Panſen in Menge entweicht. Auch innerliche Mittel ſind oft heilſam; man giebt z. B. einen Theelöffel voll ge⸗ brannten Kalk mit Waſſer, alle zehn bis funfzehn Minuten; oder ein Bierglas voll Seifenwaſſer, oder Aſchenlaugez oder einen Theelöffel voll Senf mit etwas Branntwein ꝛc. Ueberhaupt paſſen hier alle jene Mittel, welche beim aufgebläheten Rindvieh empfohlen wurden;z wobei es ſich von ſelbſt verſteht, daß bei Schafen die zu gebende Portion des Mittels geringer ſein, und ungefähr nur den dritten oder vier⸗ ten Theil von der Menge betragen darf, die unter gleichen Umſtänden dem Rinde gegeben wird. Nimmt die Krankheit ſehr ſchnell zu, und erreicht ſie eine beträchtliche Höhe, ſo ſtellen ſich weſentlich die— ſelben Zufälle ein, wie beim Rinde, und auch hier erfolgt dann der Tod ſehr oft, und nicht ſelten mit Berſtung des Panſen. In ſolchen Fällen bleibt auch bei Schafen der Panſen⸗ oder Bauchſtich das einzige Rettungsmittel, und man verfährt bei der diesfalſigen Operation weſentlich ganz ſo, wie beim Rinde. Der beim Schafe zu benutzende Trokar iſt gegen vier Zoll lang, und von der Dicke einer mäßigen Federboſe; derſelbe wird in der linken Bauchſeite, an der höchſten Stelle der Ausdehnung des Bauches ꝛc. eingeſtoßen, nachdem an der Einſtichsſtelle zuvor die Wolle ausgezupft oder abgeſchoren iſt. Iſt die Luft entleert, ſo kann die Hülſe des Trokars dann bald darauf entfernt werden, denn ein ſehr langes Verwei⸗ len derſelben in der Wunde iſt bei Schafen oft mit 13. Ueberbein beim Pferde. Nachtheil verbunden; ſo wie dann überhaupt bemerkt werden muß, daß der Trokarſtich beim Schafe, welches nicht ganz ſo reizlos iſt, als das Rind, ziemlich oft üble Folgen nach ſich zieht. Demungeachtet bleibt der Trokar oft das einzige Rettungsmittel, und iſt augenſcheinliche Lebensgefahr für das Schaf vorhan⸗ den, ſo unterlaſſe man ſeine Application nie, denn in der Mehrzahl der Fälle wird man dadurch das Thier, welches ſonſt jedenfalls krepiren würde, erhalten. Iſt kein Trokar vorhanden, ſo nimmt man, obgleich we⸗ niger vortheilhaft, ein Federmeſſer oder ein anderes ſchneidendes, ſehr ſchmales Inſtrument, und ſtoͤßt mit dieſem in den Panſen ein, worauf denn ein dün⸗ nes Roͤhrchen ꝛc. in die gemachte Panſenöffnung ein⸗ 73 geführt wird. Die Wunde heilt von ſelbſt, und kann allenfalls mit etwas Theer beſtrichen werden.— Die Operation des Panſenſchnittes iſt, meines Wiſſens, bei Schafen nicht ausgefuͤhrt worden, und dürfte wohl überhaupt nicht ohne große Gefahr ſein. Iſt die Luft aus dem Panſen entleert, ſo kehrt in der Regel das Wiederkäuen ſogleich zurück, und auch der Appetit findet ſich wieder. Eine An⸗ fangs knappe und ſparſame Fütterung, und die wie⸗ derholte Verabreichung von Salzlecken, mit einem Zuſatz von bittern Mitteln, als Wermuth, Kalmuswurzel ꝛc., oder von Theer, Terpentinöl, ꝛc., vollenden und be⸗ feſtigen alsdann die Heilung. 13. Ueberbein beim Pferde.(Tab. V.) Unter Ueberbein(Schiefer, Sperrknochen) ver⸗ ſteht man im Allgemeinen einen widernatürlichen Knochenauswuchs an irgend einem, an der Oberflaͤche des Körpers, und dicht unter der Haut, gelegenen Knochen. In der Regel ſind dergleichen Knochenaus⸗ wüchſe unerheblich und von keiner weiteren üblen Be⸗ deutung; nur jene, welche an der hinteren Fläche der Schienbeine vorkommen, ſind in ſofern nachtheilig, als ſie in der erſten Zeit ihres Entſtehens in der Regel mit einer mehr oder weniger großen Lahmheit verbun⸗ den zu ſein pflegen. Deshalb ſoll auch nur von dieſen allein hier geſprochen werden. Das Ueberbein hat an der hinteren Fläche des Schienbeines ſeinen Sitz, und zwar dort, wo das Griffelbein mit dem Schienbeine ſich verbindet; daſ⸗ ſelbe kann ſowohl an der inneren als an der äußeren Seite vorkommen, weil zwei Griffelbeine vorhanden ſind. Zuweilen ſind gleichzeitig zwei Ueberbeine vor⸗ handen; häufiger jedoch findet ſich nur eins, und dann meiſt an der inneren Seite des Schienbeines. Man bemerkt die Ueberbeine an allen vier Füßen, obgleich weit ſeltener an den Hinterfüßen, als an den Vorder⸗ füßen. Das Ueberbein, wenn es ausgebildet iſt, erſcheint gewöhnlich als eine knochenharte, länglich⸗runde, genau Wagenfeld, Encyel. umgränzte Geſchwulſt, von der Form einer Olive (Fig. 5. a.). Daſſelbe hat, wie geſagt, gewoͤhnlich an der inneren Seite ſeinen Sitz, und zwar zwiſchen dem Schienbeine und den Beugeſehnen des Fußes, einen oder mehrere Zoll unterhalb der Kniebeuge. Dieſes iſt zwar der gewöhnliche, aber nicht der aus— ſchließliche Fall; zuweilen nämlich ſitzt das Ueberbein hoͤher hinauf, und dicht unter der Kniebeuge; andere Male hat es in der Mitte des Schienbeines, oder noch tiefer herab ſeinen Sitz. Auch die Form iſt nicht immer die oben angegebene; manchmal bildet das Ueberbein eine breite und flache, nicht begrenzte Ge⸗ ſchwulſt, manchmal iſt es uneben, oder es biegt ſich mit einer kleinen, hakenartigen Krümmung um die Beugeſehnen ꝛc. Seine Groͤße iſt verſchieden; ſie wechſelt von der einer Bohne, bis zu der einer Wall⸗ nuß, jedoch bei länglicher oder platter Form. Anfangs bemerkt man an der Stelle, an welcher das Ueberbein ſpäter in ſeiner beſtimmten Geſtalt zum Vorſchein kommt, gewöhnlich eine mehr oder weniger große Geſchwulſt, welche ſehr ſchmerzhaft iſt, beſon⸗ ders wenn man mit den Fingern ſtark darauf drückt, und bei welcher das Pferd nicht unbedeutend lahm geht. Ein Theil der Geſchwulſt, ſo wie der Entzün⸗ dung, verlieren ſich jedoch ſehr bald, ſo daß oft ſchon 74 14. das Ueberbein nach Verlauf von vierundzwanzig bis achtundzwanzig Stunden in ſeiner beſtimmten Geſtalt hervortritt, und ſeiner Größe nach ausgebildet iſt. In vielen Fällen zeigt daſſelbe in den erſten Tagen beim Drucke noch eine mehr oder weniger große Weichheit, welche aber von Tage zu Tage abnimmt, ſo daß daſ⸗ ſelbe in wenigen Wochen ſo hart wie Knochen wird. Im Laufe dieſer Zeit treten die Conturen des Ueber⸗ beins immer ſchärfer hervor; Entzündung und die mit ihr verbundene Schmerzhaftigkeit verlieren ſich mehr und mehr, und auch die Lahmheit verringert ſich nach und nach; nur ſelten lahmt das Pferd noch einige Wochen länger. So lange dieſes der Fall iſt, hat die Entzündung ſich auch noch nicht ganz verloren, wel⸗ ches dann erkannt wird, daß ein auf das Ueberbein angebrachter, ſehr ſtarcker Druck, noch Schmerzen erregt, Da es für den Leſer belehrend und intereſſant ſein wird, ſich gründlich über die Entſtehungsweiſe und die Urſachen des Ueberbeins zu unterrichten, ſo gebe ich hier zunächſt eine kurze anatomiſche Beſchreibung der betreffenden Theile, da ohne dieſelbe kein Verſtänd⸗ niß möglich iſt. An der hinteren Fläche des Schienbeins(Fig. 4. d.) haben, an der inneren und äußeren Seite deſſelben, zwei lange, dünnere Knochen, die Griffelbeine, ihre Lage (Fig. 4. e.). Dieſe Knochen ſind, wie überhaupt alle Knochen, mit der ſogenannten Beinhaut überzo⸗ gen, und die Griffelbeine ſind mit dem Schienbeine durch ſehnige Bandfaſern verbunden; ſpäter verwachſen ſie mit einander durch Knochenmaſſe. Auf dem oberen Ende des Griffelbeines ruhet einer der Knieknochen, das kleine keilförmige Bein(Fig. 4. e.), und bildet hier eine Art Gelenk. Erfahrungsmäßig nun entſte⸗ hen die Ueberbeine faſt allein bei jungen Pferden von drei bis ſechs Jahren; Füllen leiden faſt nie daran, und alte Pferde können, wie ſpäter gezeigt werden wird, nicht füglich mehr davon befallen werden. Wird ein zum Ueberbein disponirtes Pferd einer ſtarken Arbeit, anhaltendem Laufe oder irgend einer unge⸗ woͤhnlichen Anſtrengung ausgeſetzt, oder macht daſſelbe irgendwie einen ſchiefen Tritt, ſo drückt das kleine keil⸗ förmige Bein unverhältmäßig ſtark auf das obere Ende des Griffelbeines; Letzteres wird dadurch mehr oder weniger von dem Schienbeine abgebogen, es entſteht eine Zerrung der Bandfaſern und der Beinhaut beider Knochen, und die Folge davon iſt, daß dieſe Theile ſich entzünden. Es treten dann auch ſogleich an dieſer Ueberbein beim Pferde. Stelle alle Zeichen der Entzündung ein, die bei der Beinhaut immer ſehr ſchmerzhaft iſt. Anfangs erfolgt Ergießung von Flüſſigkeit unterhalb der Beinhaut; dieſe wird aber ſchon nach ſechs bis acht Tagen gallert⸗ artig, und nach einigen Wochen verwandelt ſie ſich in Knochenmaſſe. Auf ſolche Weiſe erſcheint das Ueberbein dann ausgebildet. Auf gleiche Art entſteht das Ueberbein auch an den Hinterfüßen. Bei alten Pferden kann ſich deshalb nicht leicht das Uebel bil⸗ den, weil die Griffelbeine mit dem Schienbeine im hoͤheren Alter naturgemaͤß verwachſen, und deshalb nicht leicht eine Abbiegung erleiden können. Die An⸗ fangs faſt immer ſtattfindende Lahmheit kommt ledig⸗ lich von der großen Schmerzhaftigkeit der entzündeten Beinhaut, und nicht, wie faſt allgemein geglaubt wird, daher, weil die Sehnen oder das Kniegelenk durch die Lage der Knochengeſchwulſt in ihrer Bewe⸗ gung genirt werden. Dergleichen Fälle kommen faſt niemals vor; denn da das Ueberbein Anfangs flüſſig iſt, ſo bildet es ſich dort, wo es den wenigſten Wi⸗ derſtand findet, und das iſt gerade der Ort, an welchem es gemeinhin beobachtet wird. Pferde, bevor ſie zur Arbeit verwendet werden, bekommen ſehr ſelten Ueberbeine; nur Arbeit und Anſtrengung ſcheinen ſie hervorzubringen. So ſah ich z. B. noch vor wenigen Monaten ein fünfjähriges Pferd, gleichzeitig auf allen vier Füßen Ueberbeine be⸗ kommen, offenbar in Folge eines ohne Raſt vollbrach⸗ ten Marſches von ſechzig Meilen. Durch äußere Ge⸗ waltthätigkeiten, als Stoͤße und Schläge, entſteht das Ueberbein wohl niemals; es finden ſich an dieſer Stelle nie Verletzungen der Haut, auch wäre es nicht gut zu erklären, warum das Ueberbein ſich gerade immer an derſelben Stelle ausbilden ſollte. Die Anlage zu dieſem Fehler ſcheint ſich erblich fortzupflan⸗ zen; die Race macht dabei keinen bemerkbaren Un⸗ terſchied. Die Beſeitigung des Ueberbeins gelingt in der Regel ziemlich leicht, und mehr oder weniger vollſtän⸗ dig; je jünger daſſelbe, deſto beſſer für die Kur. Anfangs, und bis zu den erſten drei bis vier Wochen, macht man mit großem Vortheil eine taͤglich zweimal zu wiederholende Einreibung aus einem halben Quent⸗ chen Kampher und drei Loth grauer Merkurial⸗ ſalbe auf das Ueberbein; in zahlreichen Fällen iſt mir die gänzliche Beſeitigung deſſelben dadurch gelun⸗ gen, jedoch iſt die Einreibung gewöhnlich mehrere 13. Ueberbein beim Pferde. Wochen lang fortzuſetzen. Faſt noch wirkſamer iſt eine Salbe aus einem Quentchen jodſaurem Kali und drei Loth grauer Merkurialſalbe. Immer geht die Zertheilung der Geſchwulſt, weil ſie aus Kno⸗ chenmaſſe beſteht, ſehr langſam von ſtatten, weßhalb man bei der Kur Geduld haben, und ein einmal ge⸗ wähltes Mittel nicht zu ſchnell bei Seite ſetzen muß. Vermindert, bei dem Gebrauche der oben angeführten Mittel, das Ueberbein nicht nach und nach ſeinen Um⸗ fang, ſo kann man die bei der Stollbeule vorgeſchrie⸗ bene ſcharfe Salbe in Anwendung bringen, indem drei bis vier Mal, in Zwiſchenräumen von ſechs bis acht Tagen, etwas davon aufgetragen wird. Oder man läßt die Hitze eines glühenden Eiſens einſtrömen, jedoch ſo, daß das Eiſen in einiger Entfernung von der Haut gehalten wird, ſo daß letztere nicht ſelbſt berührt und gebrannt wird, worauf man dann die zuerſt beſchriebenen Salben einreibt. Dieſes Brennen kann auch auf dieſe Weiſe bewirkt werden, daß man eine dünne Speckſchwarte auf das Ueberbein hält, und auf dieſe das Glüheiſen aufſetzt. Der Zweck dabei iſt der, dadurch eine größere Thätigkeit in den Aufſau⸗ gungsproceſſe herbeizuführen. Iſt das Thier nicht etwa ſehr edel und ein feines Luxuspferd, ſo daß man kleine, ohnehin kaum ſichtbare Brandmale nichtzu fürch⸗ ten braucht, ſo kann das Ueberbein auch mit einigen Punk⸗ ten mehr oder weniger ſtark gebrannt werden. Es iſt dieſes ein ſehr kräftiges und meiſt zum Ziele führendes Mittel. Da, wie früher erwähnt, oft eine temporäre Lahm⸗ heit mit dem Ueberbeine verbunden iſt, und da dieſe weder durch die angeführten, noch durch andere bekannte Mittel ſogleich beſeitigt wird, ſo iſt in der neueſten Zeit eine Operation vorgeſchlagen, und beſonders oft in England, und auch mit dem erwünſchten Erfolge, ausgeführt worden. Dicht unterhalb des Ueberbeines nämlich wird ein kleiner, einen halben Zoll langer, ſenkrechter Schnitt durch die Haut gemacht; in die dadurch erzeugte Oeffnung wird eine ſchmale Haarſeil⸗ nadel nach aufwärts, und bis etwas über das Ueber⸗ bein hinaus geſchoben. Sodann wird ein eigends dazu gemachtes, vorn mit einem Knopfe verſehenes Meſſer— das ſogenannte Beinhautmeſſer— mit flacher Klinge unter die Haut, und ſo weit, wie der durch die Haarſeilnadel gemachte Gang reicht, ein⸗ geführt, ſodann die Schneide gegen das Ueberbein gerichtet, und hierauf, unter einem ſtarken Drucke auf 75 daſſelbe, herausgezogen. Bei dieſer Operation wird die Beinhaut, welche das Ueberbein bedeckte, und welche durch die Ausſchwitzung von Knochenmaſſe unter ihr ſehr entzündet und ſchmerzhaft war, durch⸗ ſchnitten; ſie zieht ſich zurück, und der Schmerz hört ſehr bald, oft faſt augenblicklich auf. Bei mehreren Pferden, welche ſehr lahm auf dem Ueberbeine gingen, war dieſe Lahmheit nach der Operation urplötzlich ver⸗ ſchwunden; ſpäter verliert ſich dann auch das Ueber⸗ bein, wohl vorzüglich in Folge des erlittenen chirurgi⸗ ſchen Eingriffes, und der dadurch bewirkten Reizung. So erfolgreich ſich dieſe Operation nun auch er⸗ weiſet, ſo iſt ſie im Allgemeinen doch nicht ſehr zu empfehlen; theils gehört zu ihrer Ausführung eine beträchtliche Geſchicklichkeit; es können ſich dabei Un⸗ fälle ereignen; die Operation iſt ſchmerzhaft, und es entſteht nach ihr eine bedeutende Geſchwulſt des ganzen Fußes, welche acht bis vierzehn Tage hindurch eine Behandlung mit kaltem Waſſer ꝛc. erfordert. Bei alten Ueberbeinen iſt dies Verfahren ohnehin erfolglos. Früher wurden die Ueberbeine auch wohl mit Meißel und Hammer entfernt, ein rohes, jetzt mit Recht ver⸗ worfenes Verfahren. Der ganze Nachtheil, den ein Ueberbein dem Pferde bringt, iſt der, daß es einige Zeit dabei mehr oder weniger lahm zu gehen pflegt; dabei kann daſſelbe aber, ohne irgend üble Folgen, gebraucht werden, denn die Heilung wird dadurch weder erſchwert noch verzögert. Mit der Zunahme der Jahre verliert ſich das Ueberbein in der Regel von ſelbſt, und ſelten wird man ſehr alte Pferde mit dieſem Fehler behaftet finden. Nie geht daſſelbe in ein Geſchwür oder in Knochenfraß über, und nie nimmt es an Umfange zu, im Gegentheil, es wird nach und nach immer kleiner. Bei ſolchen Thatſachen iſt es auffallend, daß das Ueberbein von Manchem als ein wirklicher Fehler betrachtet, und daß der commercielle Werth des Pfer⸗ des dadurch oft namhaft beeinträchtigt wird; offenbar überſchätzt man, aus Unkunde, die nachtheilige Bedeu⸗ tung des Uebels, denn die geringe, nicht lange dau⸗ ernde und allemal verſchwindende Lahmheit abgerechnet, iſt das Ueberbein kaum ein Fehler zu nennen. Höch⸗ ſtens ein Schönheitsfehler, aber auch dieſer iſt ſo gering, daß er kaum in Betracht kommen kann. Nachträglich iſt hier noch zu erwähnen, daß ſich am untern Ende des Schienbeines, unter der Haut, bei manchen Pferden ein kleiner knöcherner Knoten von 10* 76 der Größe einer kleinen Bohne befindet, welcher wohl ſchon für ein Ueberbein gehalten worden iſt. Es iſt dieſes aber nicht der Fall, ſondern das, was man für ein kleines Ueberbein hält, iſt das untere, in ein klei⸗ nes Köpfchen auslaufende Ende des Griffelbeines (Fig. 4. g.), welches zuweilen, und ſelbſt im ganz 14. Bosartige Klauenſeuche der Schafe. natürlichen Zuſtande, etwas von dem Schienbeine ge⸗ bogen iſt. Durch einen Druck auf dieſen Knoten kann man denſelben dem Schienbeine nähern, weil das Griffelbein hier ſehr dünn und deshalb biegſam und elaſtiſch iſt. 14. Bösartige Klauenſeuche der Schafe.(Tah. V.) Die bösartige Klauenſeuche der Schafe(Klauen⸗ fäule, Klauenweh, Krümme, Krümpe, Spaniſche und Franzöſiſche Klauenſeuche) war bis zum Jahre 1816 oder 1817 in Deutſchland nicht bekannt; ſie ſcheint erſt durch die zu jener Zeit ſtattgehabte Einführung edler Merinoheerden aus Frankreich nach Deutſchland verſchleppt worden zu ſein. Mehrere dieſer, namentlich nach Sachſen und in den Preußiſchen Staat einge⸗ führten Heerden, welche mit der Klauenſeuche bald nach ihrer Ankunft, oder auch ſchon auf dem Trans- porte behaftet waren, gingen gänzlich verloren, denn man kannte damals Nichts, weder von dem Weſen, noch von der Anſteckungsfähigkeit, noch von der Kur der Klauenſeuche. Gllücklicherweiſe iſt es jetzt, wie ſich ſpäter ergeben wird, hiemit ganz anders. Nimmt man Gelegenheit die Krankheit bei dem einzelnen Schafe von Anfang an ſorgfältig zu beob⸗ achten, ſo bemerkt man folgende Erſcheinungen.— Ge⸗ wöhnlich wird Anfangs immer nur ein einziger Fuß befallen, und an dieſem auch nur eine einzige Klaue; ſpäter verbreitet ſich dann das Uebel, unter Umſtänden, auch auf die andere Klaue, zuletzt auf den anderen Fuß, mitunter, doch ſelten, ſogar auf alle vier Füße. Wenige Tage nach erlittener Anſteckung erſcheint die haarloſe Haut im Klauenſpalte etwas röther und wärmer, als im geſunden Zuſtande; an der inneren Seite der kranken Klaue, dort wo der obere Rand des Hornſchuhes mit der Haut der Fleiſchkrone am Ballen ſich vereinigt(Fig. 7. b.), am ſogenannten Horn⸗ ſaume, ſchwitzt eine wäſſerige, ſehr übel riechende Feuchtigkeit aus; und der Hornſaum trennt ſich aus ſeiner Werbindung mit der Haut. Nimmt man die kranke Klaue in die Hand, und drückt man ſie, zumal an den Ballen, ſo zeigt das Schaf durch eine zuckende Bewegung mit dem Fuße an, daß es Schmerz empfin⸗ det; der Ballen der kranken Seite erſcheint auch etwas geſchwollen und heiß, dabei geht das Thier in den erſten ſechs bis acht Tagen nur unbedeutend lahm. Mit dem Fortſchreiten der Krankheit trennt ſich die innere Hornwand immer mehr von ihrer Verbindung mit dem Hufbeine(Fig. 8. f.); die früher mehr klare Abſonderung wird reichlicher, dicker und dunkel von Farbe; ſie ſenkt ſich hinter der Hornwand nach unten, gegen die Sohle der Klaue hinab, und hebt die ganze Verbindung der inneren Seite des Hornſchuhes mit dem Fuße auf. In vielen Fällen dringt die abgeſon⸗ derte Jauche bis unter die Sohle, und ſteigt, da der Hornſchuh ringsum geſchloſſen iſt, an der äußern Seite der Krone wieder in die Höhe, und fließt hier aus. Dadurch wird dann nicht ſelten die ganze Ver⸗ bindung des Hornſchuhes mit den darunter liegenden Theilen aufgehoben, ſo daß der ganze Hornſchuh ab⸗ fällt, und das ſogenannte Ausſchuhen erfolgt. Die Jauche iſt ſehr ätzend und freſſend, und nicht ſelten werden Bänder, Sehnen und ſelbſt die Knochen, na⸗ mentlich das Hufbein(Fig. 8. f.), davon angegriffen, oder mehr oder weniger zerſtört. Oft iſt die Jauche mit Blut, Klümpchen von abgeſtorbenem Zellgewebeꝛe. vermiſcht, und ſtets von unerträglichem Geruche. Während im Innern des Hornſchuhes die genannten Zerſtörungen vor ſich gehen, erleidet auch der Horn⸗ ſchuh ſelbſt Veränderungen; er wird bröcklich, riſſig, mit Riegeln und Knollen verſehen, oft ungemein lang, unförmig und monſtroͤs; die Spitze biegt ſich nach aufwärts, die äußere Wand ſchlägt ſich nach innen, und unter die Sohle um ꝛc. Iſt die Klaue etwa 14. Böosartige Klauenſeuche der Schafe. abgefallen, ſo bildet ſich zwar eine neue, was ſich oft mehrere Male wiederholt; die neu erzeigten Klauen ſind aber dann immer mehr oder weniger krüppelhaft. Der Klauenſpalt iſt weiter geöffnet als ſonſt, der ganze Fuß iſt mehr oder weniger angeſchwollen, die Klauen ſtehen weiter auseinander, ſo daß das kranke Schaf ſchon an den breiteren Tapfen zu erkennen iſt, welche es im Schnee oder auf feuchtem Boden ꝛc. hin⸗ terläßt. In der erſten Zeit lahmt das Schaf nur wenig; ſo wie aber die Trennung des Horns, und die Sen⸗ kung ꝛc. der Jauche vorſchreiten, tritt eine im Verhält⸗ niſſe ſehr bedeutende Lahmheit ein, und das Schaf leidet offenbar große Schmerzen. Es tritt wenig oder gar nicht auf den kranken Fuß, und— ſind zwei Füße, z. B. beide Vorderfüße, befallen, ſo rutſcht das Thier beim Freſſen ſtets auf den Knieen, und außerdem liegt es faſt immer. Dieſer Zuſtand kann mehrere Monate dauern, und das Thier iſt trotz dem im Allgemeinen geſund; es frißt, käuet wieder, iſt munter, ohne Fieber, und hält ſich ſogar, bei gutem Futter und im Stalle, lange Zeit ziemlich bei Fleiſche. Endlich jedoch, zu⸗ mal wenn mehrere Füße zugleich leiden, tritt auch ein Allgemeinleiden ein; das Schaf magert, der überaus großen Schmerzen wegen, ab, das Wiederkäuen ver⸗ ſchwindet, der Appetit hört auf, es entſteht ein ſchlei⸗ chendes Fieber, bis endlich, oft erſt nach einem halben oder ganzen Jahre, das bis zum Gerippe abgemagerte Thier an Schmerz und Erſchöpfung zu Grunde geht. Vorſtehendes iſt das Bild der Krankheit bei dem einzelnen Thiere: der Gang, den ſie als Seuche in einer Heerde macht, ſoll ſogleich näher angegeben werden. Die Klauenſeuche iſt in einem ſehr hohen Grade anſteckend; die zahlreichſten Beobachtungen und ange⸗ ſtellten Impfverſuche haben dies zur Gewißheit ge⸗ macht. Vor dreißig Jahren war die Krankheit in Deutſchland unbekanntz erſt ſeit Einführung Spaniſcher Schafe hat ſie ſich bemerkbar gemacht; ſie iſt ſeitdem nicht wieder verſchwunden, und hat ſich, wahrſcheinlich ſtets nur durch Anſteckung, fortgepflanzt und erhalten. Ueberhaupt ſcheint die bösartige Klauenſeuche weſent⸗ lich den, nach fremden Ländern verſetzten Spaniſchen Schafen eigenthümlich anzugehören, denn auch in Frankreich ſcheint die Krankheit vor dem Ende des vorigen Jahrhunderts, und bevor man Merinos aus Spanien einführte, nicht bekannt geweſen zu ſein. 77 Ob der weite Transport der Heerden an der Erzeugung der Krankheit nicht einigen Antheil hat, ſteht dahin. Sonderbarerweiſe kommt die Klauenſeuche in dem Mutterlande des Merinos ſelbſt, in Spanien nämlich, nicht vor; eine Thatſache, die ſich durch Verſchieden⸗ heit des Klima's ꝛc. nur ſchwer erklären läßt. Manche, und darunter ſehr gewichtige Autoritäten, ſind geneigt, der Krankheit ihren Urſprung von fremden, edlen Schafen abzuſtreiten; ſie glauben, daß die ächte, bösartige Klauenſeuche bei uns ſich urſprünglich ent⸗ wickeln könne, und daß ſie ſich dann durch Anſteckung weiter verbreite und vervielfältige. Jedenfalls ſteht dieſer Punkt noch in ungelöſter Frage. Man hat ge⸗ glaubt, daß anhaltende Einwirkung von Kälte, Näſſe, feuchten Weiden, Miſt und Urin; dann anhaltende Märſche auf kothigen, oder auch auf harten, ſteinigen Wegen ꝛc., die bösartige Klauenſeuche hervorbringen können; dieſe Erklärungsweiſe über die Entſtehung der Krankheit hat aber bisher nie ſo recht mit den Beob⸗ achtungen übereinſtimmen wollen. Am meiſten Ver⸗ dacht könnte in dieſer Hinſicht, wohl die a. a. O. näher zu beſchreibende, gutartige Klauenſeuche erregen, indem dieſe unter Umſtänden zur bösartigen ausartet. Sei dem nun übrigens wie ihm wolle, ſo iſt doch die Anſteckung die allergewöhnlichſte Urſache der Krankheit, zumal wenn ſie ſich ſeuchenhaft unter einer ganzen Heerde zeigt. Faſt immer ſind dann neue Schafe unter die Heerde gebracht, oder die Seuche herrſcht in der Nachbarſchaft ꝛc. Die Klauenſeuche befällt am leichteſten edle Meri⸗ noſchafe; weniger leicht halb veredelte, oder ſogenannte Meſtizen, und gemeine Landſchafe am wenigſten. Dennoch ſind die Letzteren, wie die Erfahrung lehrt, keineswegs vor der Möglichkeit von der Seuche befallen zu werden geſichert, eben ſo wenig als die Lämmer aller Ragen. Die gemeineneren Schafe werden wahr⸗ ſcheinlich deshalb nicht ſo leicht angeſteckt, weil ſie gröbere Wolle, Oberhaut, und ſomit auch gröberes Klauenhorn haben, wobei der Anſteckungsſtoff nicht ſo leicht, als bei dem zartern Bau der Merinos, zur Wirkſamkeit kommen kann. Zeigt ſich die Krankheit in einer Heerde, ſo werden Anfangs in den allermeiſten Fällen nur einzelne Schafe, oder auch wohl nur ein einziges, befallen, und von dieſen Kranken wird die Klauenſeuche den andern Schafen durch Anſteckung mitgetheilt. Gewöhnlich ergreift das Uebel zuerſt nur eine einzige Klaue, von der es ſich aber, der Nähe 78 und der ſteten Berührung wegen, in ſehr kurzer Zeit der anderen Klaue mittheilt. Dieſer kranke Fuß ſteckt dann den anderen, meiſt den paarigen, an, und ſo zu⸗ weilen alle vier Füße. Selten leiden aber alle Füße zu gleicher Zeit gleich ſtark; während der Eine mehr oder weniger, aber meiſt uuvollſtändig und nur ſchein⸗ bar heilt, leidet der andere heftiger, und ſo wechſelt das ab. Der Anſteckungsſtoff iſt an die Flüſſigkeit gebunden, welche ſich an und in dem kranken Horn⸗ ſchuhe bildet; durch die Luft, durch Athem ꝛc., pflanzt ſich das Uebel nicht fort. Bringt man etwas von der gedachten Flüſſigkeit in den Klauenſpalt eines geſunden Schafes, ſo entſtehen hier nach vier oder fünf Tagen Röthe und etwas Geſchwulſt; es erfolgt die Abſon⸗ derung einer dünnen, ſehr übelriechenden Flüſſigkeit, der Hornſchuh trennt ſich an der inneren Wand vom Saume der Krone, und die Krankheit ſchreitet dann ganz ſo vor, und nimmt ganz den Verlauf, wie er bereits oben ausführlich beſchrieben worden iſt. Auf andere Theile der Haut des Schafes, oder in den Klauenſpalt anderer Hausthiere gebracht, iſt der Impf⸗ ſtoff wirkungslos; die derartigen, wiederholt gemachten Verſuche blieben ohne Erfolg. Die zufällige, frei⸗ willige, alſo jene Anſteckung, wie ſie gewöhnlich ſtatt hat, erfolgt dadurch, daß etwas von der Jauche der kranken Klaue des inficirten Schafes am Miſte, Stroh, auf den Waidegräſern ꝛc. abgeſetzt, und dann gelegent⸗ lich beim Betreten dieſer Stellen in den Klauenſpalt geſunder Schafe übertragen wird. In ſolchem Falle wird dann das Uebel erſt nach zehn oder vierzehn Ta⸗ gen bemerkt, und meiſt zuerſt am lahmen Gange des Schafes; die Krankheit iſt dann aber in Wirklichkeit ſchon ſechs bis zehn Tage früher vorhanden geweſen, aber nicht in die Augen gefallen. Iſt die Klauenſeuche einmal, wenn auch Anfangs nur bei wenigen Stücken, in einer Heerde zugegen, ſo verbreitet ſie ſich unter allen Umſtänden,— vorausge⸗ ſetzt, daß keine Separation oder Kur vorgenommen worden— immer weiter aus, bei jeder Jahreszeit und Witterung, bei jeder Art der Wartung und Pflege, bis endlich der größere Theil, oder ſelbſt alle Schafe von der Seuche ergriffen ſind. Allemal verbreitet ſich die Krankheit nur langſam und zögernd in einer Heerde, ſo daß, im Falle Letztere beträchtlich groß iſt, mitunter ein Jahr und ſelbſt eine noch längere Zeit verfließen, bevor die geſammte Heerde angeſteckt iſt. Die An⸗ ſteckung wird begünſtigt, und geht raſcher in naſſen 14. Bosartige Klauenſeuche der Schafe. Sommern, und überhaupt, wenn die Klauen, durch was immer für Urſachen, erweicht ſind; beſonders ſchnell breitet ſie ſich durch den Einfluß feuchter Wärme aus, z. B. im Stalle, wenn die Schafe auf warmem Miſt enge zuſammen ſtehen. Kälte und Waidegang, zumal bei trockenem Wetter, machen den Gang der Seuche und die Anſteckung ſehr zögernd. Früher hatte man ſehr irrige Vorſtellungen von den Urſachen und von dem wahren Sitze der Klauen⸗ ſeuche, und den neueren Zeiten war es vorbehalten, hierüber mehr Licht zu verbreiten. So ſetzte man die Urſache z. B. in einen Wurm, welcher ſich im Klauen⸗ ſäckchen feſtſetze, und man verlegte das Uebel an dieſen Ort. Dieſer Irrthum erklärt ſich auf nachſtehende Weiſe. Im oberen, vorderen Theile des Klauenſpaltes befindet ſich eine Oeffnung(Fig. 6. a.), welche den Eingang zu einem gewundenen, blind endenden Ka⸗ nale(Fig. 7. a.) bildet, welcher hier durch Einſackung der äußeren Haut entſtanden iſt. Die innere Ober⸗ fläche dieſes Kanalg iſt haarlos und, wie die ganze Hautoberfläche, mit zahlreichen Drüſen beſetzt, welche eine dicke, talgartige Schmiere abſondern, die ſich hier in Menge anhäuft. Drückt man dieſes Klauenſäckchen zwiſchen den Fingern, ſo dringt die gedachte Schmiere aus der vorderen Oeffnung heraus, und nimmt dabei, auf leicht erklärliche Weiſe, eine gewundene Geſtalt an; dieſes hielt man dann aus Unkenntniß für den vermeintlichen Wurm, welcher die Urſache der Klau⸗ enſeuche wäre. Daher iſt der Name Klauenwurm, als triviale Benennung der Klauenſeuche, entſtanden. Das Klauenſäckchen kann ſich nun allerdings wohl entzünden, und ein Klauenübel hervorbringen, aber nie die bösartige Klauenſeuche. Bei dieſer participirt das Klauenſäckchen nie, und mehr als Alles beweiſet folgender Verſuch. Bei vierzehn geſunden Schafen wurde das Klauenſäckchen herausgeſchnitten, worauf ſie mit klauenſeuchigen Schafen zuſammengeſtellt wur⸗ den. Alle wurden angeſteckt. Auch mit der zuweilen vorkommenden Klauenſpaltentzündung darf die bös⸗ artige Klauenſeuche nicht verwechſelt werden; erſtere i*ſt weder anſteckend, noch werden in der Regel dabei die Hornſchuhe ergriffen. Verbällungen der Füße, und einzelne Fälle von Eiterungen in der Klaue werden ſich bei längerer Beobachtung bald für das erkennen laſſen, was ſie wirklich ſind. Am leichteſten wäre für den Laien eine Verwechſe⸗ lung unſerer Krankheit mit der, a. a. O. genauer zu 14. beſchreibenden, gutartigen Klauenſeuche moͤglich. Aus dieſem Grunde will ich die weſentlichſten Kennzeichen Boͤsartige Klauenſeuche. Zuerſt Ausſchwitzung einer ſcharfen, ſehr übelrie⸗ chenden Feuchtigkeit über dem inneren Klauenſaume, ohne ſonderliche Geſchwulſt. Bildung von Jauche in der Klaue; Mißſtaltung und Abfallen derſelben; Anfreſſung der Sehnen, Bän⸗ der und Knochen. Lahmheit erſt nach zehn bis vierzehn Tagen ent— ſtehend, und dann überaus heftig; auf Knien oder Bauche rutſchend. Fieberlos; ſehr langſamer, über Monate ausge⸗ dehnter Verlauf; zuerſt nur eine Klaue befallend, und ſich nur ſpäter erſt auf mehrere verbreitend. Entſteht nur allein durch Anſteckung, und verbreitet ſich ſehr langſam unter einer Heerde; heilt nie von ſelbſt; kann daſſelbe Thier öfterer befallen. Die Verbreitung läßt ſich durch ſtrenge Separation verhüten; es leiden nicht nothwendig gleichzeitig an⸗ dere Thiere daran, ſondern, wenn es der Fall iſt, nur zufällig. Hat nur allein in der Klauenkapſel ihren Sitz. Die Frage, ob die Klauenſeuche ein gefährliches Uebel ſei, läßt ſich eben ſo entſchieden mit Ja als mit Nein beantworten; es kommt hier Alles auf Umſtände, und beſonders auf das Kurverfahren an. Daß die Krankheit ſehr verderblich ſein kann, hat die Erfahrung bereits mehr als zur Genüge bewieſen; ganze Heerden ſind ſchon durch ſie, und bis auf den letzten Reſt, zu Grunde gegangen. Dagegen kann die Krankheit auch wieder ſehr unerheblich genannt werden, da durch zweckmäßige Separation ihre Ausbreitung in einer Heerde verhindert, und die bereits vorhandene Krank⸗ heit ſicher, gründlich und auch ziemlich leicht geheilt werden kann. Mir iſt ein Fall bekannt, wo gleich⸗ zeitig unter fünf großen Heerden die Klauenſeuche ſeit zwei Jahren geherrſcht hatte; man konnte dieſelbe nicht zum Weichen bringen, weil, trotz aller ange— Boͤsartige Klauenſeuche der Schafe. 79 und charakteriſtiſchen Unterſchiede beider Krankheiten in einer kurzen Parallele neben einander ſtellen. Gutartige Klauenſeuche. Zuerſt beträchtliche Entzündung, Hitze und Ge⸗ ſchwulſt rings um die Klauenkrone, mit der Bildung von Bläschen, welche eine klare, weder ſcharfe, noch übelriechende Flüſſigkeit enthalten. Niemals, oder höchſt ſelten die inneren Theile der Klaue ſelbſt ergreifend, oder die Klauen zum Abfallen bringend. Lahmheit ſogleich beim Ausbruche entſtehend, und nur unbedeutend. Fieberhaft; ſchneller, in zwölf bis achtzehn Tagen beendeter Verlauf; meiſtens auf einmal mehrere Klauen, und hinterher keine neue befallend. Entſteht allemal aus unbekannten, oder allgemei⸗ nen Witterungseinflüſſen; ergreift wie im Fluge, und in kurzer Zeit die ganze Heerde, heilt von ſelbſt, oder durch geringfügige Mittel; kann daſſelbe Thier nur einmal befallen. Iſt weder zu verhüten, noch abzuwehren, da die Urſache in der Luft liegt; gleichzeitig leiden auch Rin⸗ der und Schweine daran, meiſtens gleichzeitig über ganze Gegenden ausgebreitet. Befällt nur die Theile oberhalb der Klauenkapſel, und ergreift Letztere faſt niemals, und dann nur zufällig. wandten und an ſich ſehr paſſenden Mittel, eine ſorg⸗ fältige Separation verabſäumt worden war. Der Verluſt von einzelnen Schafen, an Wolle und Fleiſchꝛc. war ſehr bedeutend. Hier erſchien die Krankheit ge⸗ fährlich. Man beauftragte mich mit der Kur, und in fuͤnf bis ſechs Wochen hatte ich die Krankheit— ge⸗ ringes Verdienſt!— beſeitigt. Hier erſchien die Krankheit ſehr unerheblich. Niemals, oder faſt niemals, heilt die Krankheit von ſelbſt; aber immer, oder faſt immer heilt ſie durch paſſende Kur. In dieſer Alternative liegt die Gefahr oder die Gefahrloſigkeit der Krankheit. Jetzt wollen wir uns zur Kur der Krankheit wen⸗ den. Iſt die Klauenſeuche in einer Schafheerde aus⸗ gebrochen, ſo iſt es vor Allem zunächſt wichtig, daß die noch geſunden Schafe von den bereits kranken 80 14. Boͤsartige Klauenſeuche der Schafe. getrennt werden, um dadurch die allgemeine Ausbrei⸗ tung der Krankheit unter der Heerde, ſo viel als moͤg⸗ lich, zu verhüten, oder doch zu beſchränken. Zu dem Ende ſind zunächſt alle jene Stücke von der Heerde zu trennen, welche ſchon lahm gehen, und das Uebel un⸗ verkennbar, auch ohne genauere Unterſuchung, an den Tag legen. Gewoͤhnlich bleiben dergleichen Kranke hinter der Heerde zurück, und außerdem wird der Schä⸗ fer dieſelben näher bezeichnen können. Sodann wird jedes einzelne der übrigen Schafe der Heerde genau unterſucht; ſind die Klauen von Koth ꝛc. ſehr verun⸗ reinigt, ſo werden die Schafe zuvor über trockne Streu oder in Waſſer getrieben, oder, wenn man die Mühe nicht ſcheut, mit Waſſer abgewaſchen. Man legt das Schaf auf den Rücken, öffnet, durch Auseinander⸗ biegen der Klauen, den Klauenſpalt, und unterſucht genau, ob hier ſtinkende Feuchtigkeit, Trennung des Hornſaums von der Fleiſchkrone ꝛc. ſich finden; An⸗ fangs fallen die Zuſtände nicht ſehr in die Augen. Druͤckt man aber die Ballen beider Klauen in der Handfläche etwas heftig gegen einander, ſo giebt das Schaf, im Fall es an Klauenſeuche leidet, durch eine zuckende Bewegung Schmerz zu erkennen, und außer⸗ dem findet man die Ballen vermehrt warm und auch mehr oder weniger angeſchwollen. Um ſich hierbei vor Taͤuſchungen zu ſichern, muß man abwechſelnd die verdächtige und die geſunde Klaue in die Hand nehmen, wo dann aus dem Vergleiche ſich mit Leich⸗ tigkeit ein Reſultat ziehen läßt. Sind auf ſolche Weiſe alle kranken Schafe von den geſunden, oder doch noch ſcheinbar geſunden, getrennt, ſo ſchreitet man unverweilt zur Kur. Im Fall ſich nur erſt wenige Kranke unter einer groͤßeren Heerde befinden, trennt man die Kran⸗ ken von den Geſunden, und läßt Letztere in ihrem bis⸗ herigen Stalle; finden ſich aber ſehr viele Kranke vor, ſo läßt man dieſe lieber in dem, jetzt ohnehin als ſehr inficirt zu betrachtenden Stalle, und nimmt die noch geſunden Stücke heraus. Da ſich die Krankheit im Stalle leichter verbreitet, als im Freien, ſo laſſe man die Geſunden, menn es die Jahreszeit und die ſonſti⸗ gen Umſtände erlauben, wo moͤglich fortwährend auf der Weide und im Freien. Es giebt erfahrungsmäßig eine große Anzahl von Mitteln, durch welche die Klauenſeuche geheilt werden kann; der groͤßere oder geringere Ruf, den ſich in dieſer Hinſicht das eine Mittel, im Vergleiche mit einem anderen, erworben hat, liegt in der Regel weit weniger in der heilkräftigen Qualität deſſelben, als in der Art und Weiſe ſeiner Applikation. Das Mittel iſt faſt Nebenſache, und die Hauptſache das chirurgiſche, manuelle Verfahren. Demungeachtet muß zugeſtanden werden, daß nicht alle empfohlenen Mittel von glei⸗ chem Werthe ſind, ſo daß es nicht ganz gleich iſt, welches Mittel man wähle. Durch die Anwendung der verſchiedenen ſtarken Säuren und Aetzmittel, z. B. Salpeterſäure, Schwefelſäure, Holzeſſig, Spieß⸗ glanzbutter, gebrannten Alaun, Hoͤllenſtein ꝛc.; ſo⸗ dann durch blauen Vitriol, Terpentinöl, Hirſchhornöl, Grünſpan⸗Sauerhonig e. iſt die Klauenſeuche ſchon überaus oft und gründlich geheilt worden. So iſt z. B. das Beſtreichen der zuvor gehörig beſchnittenen Klaue mit Salpeterſäure, und das nachherige Auf⸗ tragen des Hirſchhornöles ein, durch die Empfehlung des Herrn von Ehrenfels, in Ruf gekommenes und in der That wirkſames Mittel. Der verſtorbene Staats⸗ rath Thaer dagegen verdammte, obſchon mit Unrecht, dieſes Mittel, und empfahl ſtatt deſſen das Aufſtreuen von gepulvertem, blauen Vitriol. Beide genannten Männer haben über die diesfaͤllige Differenz in öffent⸗ lichen Blättern einen ſehr bekannt gewordenen und nicht ohne Leidenſchaft gebliebenen Streit geführt. Man ſtritt ſich jedoch, wie man zu ſagen pflegt, um des Kaiſers Bart, denn beide hatten Recht. Auch ein Gemiſch von einem Theile gepulverten Grünſpan, mit drei Theilen Leinöl, hat ſich ſehr heilſam bewieſen, ſo wie zahlreiche andere Verbindungen mehr. Die meiſten dieſer Mittel ſind jedoch, wenn auch nicht ge⸗ rade verwerflich, doch in ſofern mehr oder weniger zu tadeln, als ſie theils die vorhandene Entzündung und die Schmerzen auf eine unnoͤthige und unvermeidliche Weiſe vermehren, und dadurch die Kur verzögern, theils koſtſpielig oder ſonſt unbequem ꝛc. in ihrer An⸗ wendung ſind. Da die ganze und alleinige Aufgabe der Kur darin beſteht, daß die kranken, ſchwärenden Flächen blosgelegt, und das auf ihnen haftende Eiter⸗ contagium zerſtört werde; ſo iſt jenes Mittel, welches dieſem Zwecke am Beſten entſpricht, und zugleich mit keiner unerwünſchten Nebenwirkung verbunden iſt, offenbar das vorzüglichſte. In dieſer Beziehung iſt, unter allen bisher bekannt gewordenen Mitteln der Chlorkalk das vorzüglichſte, denn ſo wie er alle thieriſchen Anſteckungsſtoffe auf überraſchend ſchnelle und ſichere Weiſe zu zerſtören vermag, ſo iſt dieſes auch bei dem Contagium der Klauenſeuche der Fall. 14. Bosartige Klauenſeuche der Schafe. Die in neuerer Zeit wiederholt zur Ausführung ge— brachte Anwendung des Chorkalks gegen die Klauen⸗ ſeuche ſtellt dieſes Mittel unter allen andern oben an; ich ſelbſt heilte durch denſelben die Krankheit in ſieben verſchiedenen Heerden, auf eine ſo leichte und ſchnelle Weiſe, daß ich dadurch auf das angenehmſte über— raſcht wurde, denn kein anderes Mittel hatte mir früher ſo vorzügliche Dienſte geleiſtet. Eine ſehr zweck⸗ mäßige Art, eine an der Klauenſeuche leidende Schaf⸗ heerde durch den Gebrauch des Chlorkalkes zu heilen, hat Günther(Vicedirektor an der Thierarzneiſchule zu Hannover) angegeben, und ich will den weſentlich— ſten Theil derſelben hier folgen laſſen. Hat man alle kranken Schafe aus der Heerde ent⸗ fernt, ſo iſt es dennoch möglich und ſelbſt wahrſchein⸗ lich, daß mehrere der noch geſund ſcheinenden Stücke ſchon von dem Anſteckungsſtoffe inficirt ſind, oder daß derſelbe wenigſtens an ihren Klauen bereits haftet. Um bei dieſen den Ausbruch der Krankheit wo möglich zu verhüten, ſucht man den Anſteckungs⸗ ſtoff durch Chlorkalk zu zerſtören, zu welchem Behufe auf nachſtehende Art verfahren wird. In eine Krippe oder in einen gehörig langen Trog wird ſo viel kaltes Waſſer gegoſſen, daß daſſelbe etwa ſechs Zoll hoch in demſelben zu ſtehen kommt; in dieſes Waſſer wird friſcher und guter Chlorkalk gerührt, und zwar ein Pfund auf den Eimer voll Waſſer. Beide Seiten der Krippe werden durch Hürden eingefriedigt, und an einem Ende der Krippe werden zwei Hürden ſo aufge⸗ ſtellt, daß ſie thorflügelartig auseinander ſtehen. Jetzt zwingt man die geſund ſcheinenden Schafe durch die Krippe, und ſomit durch das in ihr befindliche Chlor⸗ waſſer, hindurch zu gehen, welches mit Leichtigkeit aus⸗ geführt werden kann. Dadurch wird das an den Klauen etwa befindliche, und noch nicht zur vollen Wirkſam⸗ keit gekommene Contagium zerſtört. Sind die Klauen der Schafe von Schmutz ꝛc. ſehr verunreinigt, ſo treibt man ſie zuvor durchs Waſſer oder über trocknes Stroh. Im Fall die Heerde beträchtlich groß iſt, ſo daß die in der Krippe befindliche Flüſſigkeit ſehr verunreinigt wird, muß ſie ein oder ſelbſt mehrere Male erneuert werden. Hierauf wird die Heerde auf eine nicht zu ferne, mögſtlichſt trockene und grasreiche Weide ge⸗ trieben, und durch einen beſondern Schäfer, der mit der kranken Heerde durchaus in keine Berührung kommt, gehütet. Iſt es möglich, ſo halte man die Heerde im Freien, und weit entfernt von den kranken Stücken. Alle Wagenfeld, Encyel, 81 drei Tage wird die Heerde aufs Neue unterſucht, und, findet ſich ein erkranktes Stück unter ihr, ſo wird daſ⸗ ſelbe ſofort zur kranken Heerde gebracht. Müſſen die Schafe des Winters, oder einer überaus ſchlechten Wit⸗ terung wegen, im Stalle gehalten werden, ſo iſt auch hier von drei zu drei Tagen eine Reviſion vorzunehmen, und findet ſich ein neuer Kranker, ſo wird derſelbe ebenfalls aus der Heerde entfernt, und ſodann die Streu im Stall erneuert. Will man ſich die Mühe nehmen, ſo iſt es gut, wenn der geſunden Heerde, im Fall ſich neue Erkrankungen unter ihr einſtellen, das oben beſchriebene Fußbad aus Chlorkalk etwa alle acht Tage gegeben wird. Die kranken Schafe werden auf nachſtehende Weiſe behandelt. Zunächſt kommt es darauf an, daß alles getrennte, loſe Horn mit einem ſchmalen und ſcharfen Meſſer entfernt werde, denn es leuchtet ein, daß, wenn das, was den Sitz des Uebels,— die bösartige Eiter⸗ fläche— bedeckt, nicht entfernt wird, das anzuwen⸗ dende Mittel auch nicht auf die Zerſtörung des An⸗ ſteckungsſtoffes einwirken und die Heilung herbeiführen kann. Das Beſchneiden der kranken Klauen bleibt bei der Kur die Hauptſache, und auf ihrer vollſtändigen oder unvollſtändigen Ausführung beruht der Erfolg der Kur; die Applikation des Mittels auf die bloße Hülle des Uebels kann natürlich nichts helfen, und der Mißkredit oder der Ruf eines Mittels iſt faſt aus⸗ ſchließlich von ſeiner Anwendungsart abhängig gewe⸗ ſen. Das Mittel ſelbſt iſt, wie ſchon geſagt, faſt gleichgültig, und es könnte daſſelbe allenfalls in Eſſig oder bloßem Salzwaſſer beſtehen. Der Operateur ſetzt ſich auf ein Bund Stroh, läßt das auf den Rücken gelegte Schaf durch einen Gehül⸗ fen feſthalten, öffnet den Klauenſpalt, und ſchneidet dann, vom Saume anfangend, alles Horn, welches aus ſeiner Verbindung mit dem Fuße getrennt und mit Eiter und Jauche unterlaufen iſt, mit dem Meſſer fort. Vorzugsweiſe ſind dabei die inneren Seiten des Hornſchuhes zu berückſichtigen, beſonders die Stellen, an denen das Horn weißer und weicher erſcheint, als an den anderen Theilen der Klaue. Man darf bei der Anwendung des Meſſers nicht zu ängſtlich ſein, denn es muß alles loſe Horn, bis zur Stelle ſeiner feſten Verbindung, fortgeſchnitten werden, wobei die etwa entſtehende Blutung ganz ohne Bedeutung iſt. Bei einiger Kenntniß der Anatomie des Schaffußes(Tab. V. Fig. 6, 7, 8.), kann jeder Miubrauch des Meſ⸗ 8² 14. ſers leicht vermieden werden. Paſſend iſt es in allen Fällen, die kranke Klaue, namentlich die Zehe und die äußere Wand, recht ſtark zu beſchneiden und zu verkürzen, denn es läßt ſich die alſo verkleinerte Klaue beſſer unterſuchen, auch berührt ſie beim Treten den Boden wenig oder gar nicht, ſo daß die Schmerzen beim Gange nicht ſo ſtark ſind, als wenn die kranke Klaue über die geſunde hervorſteht. Von Zeit zu Zeit muß das Meſſer abgewaſchen werden, damit durch die an demſelben haftende Jauche nicht etwa die geſunden Theile der Klaue angeſteckt werden. War die Krank⸗ heit noch nicht zu ſehr vorgeſchritten, ſo daß nur ein Theil der inneren Hornwand entfernt zu werden brauchte, ſo wird alsdann der Chlorkalk applicirt. Guter, friſcher Chlorkalk wird mit ſo vielem kalten Waſſer zerrührt, daß die Flüſſigkeit etwa die Conſiſtenz einer etwas dicken Buttermilch erhält; von derſelben wird alsdann, mittelſt eines Stubenmalerpinſels, recht ſtark auf die Wundfläche, deren unmittelbare Umge⸗ bung und in den Klauenſpalt aufgetragen. Ein Ver⸗ band iſt unter den beſchriebenen Umſtänden gänzlich entbehrlich. Hat die Krankheit einen höheren Grad erreicht, ſo daß ſich die Jauche bereits tief in den Hornſchuh ein⸗ geſenkt hat, ſo wird weſentlich auf gleiche Weiſe ver⸗ fahren; auch hier wird alles getrennte Horn fortge⸗ nommen, wobei es oft nöthig wird, den ganzen Horn⸗ ſchuh zu entfernen. Mit großer Sorgfalt iſt jeder etwa vorhandene Kanal oder verſteckte Gang, mit einer Sonde oder einer Stricknadel aufzuſuchen, zu öffnen und bloszulegen. Bedeckt ſich während der Operation die Wunde ſtark mit Blut, wie dieſes gewöhnlich iſt, ſo wird daſſelbe wiederholt mit weicher Heede abge⸗ trocknet, damit man ſehen kann, was man vor ſich habe. Bleibt eine einzige kranke Stelle zurück, von welcher das ſie bedeckende Horn nicht entfernt wurde, ſo iſt auf keine Heilung zu hoffen. Allemal wenn der ganze Hornſchuh oder auch nur der größere Theil deſ⸗ ſelben weggeſchnitten wurde, iſt ein Verband der kran⸗ ken Klaue nöthig, um dieſe vor nachtheiligen, äußeren Reizen zu ſchützen. Zu dem Ende nimmt man, nach⸗ dem die Wundflächen auf die oben angegebene Weiſe mit Chlorbrei beſtrichen worden ſind, etwas lange und feine Heede(Werg), drückt dieſelbe in den Klauenſpalt ein, umgiebt, erforderlichen Falls, die ganze Klaue da⸗ mit, und dreht die Enden der Heede zu einem kleinen Strick zuſammen, mit welchem dann der Verband im Bosartige Klauenſeuche der Schafe. Feſſelgelenke befeſtigt wird. Ein ſolcher Verband iſt weich, und ſitzt zugleich ſehr feſt. Die kranken Klauen werden täglich revidirt, mit Chlorbrei beſtrichen, und unter Umſtänden aufs Neue verbunden; findet ſich dabei noch irgend eine, bei der erſten Unterſuchung nicht entdeckte kranke Stelle, unter⸗ halb dem Horne, ſo muß das Meſſer wieder in Ge⸗ brauch gezogen werden, wobei es nicht ſelten nöthig wird, ſelbſt einen Theil des neu gebildeten Hornes aber⸗ mals wegzuſchneiden. In der Regel iſt ein zwei⸗ bis dreimaliges Beſpülen der kranken Klaue zur Kur aus⸗ reichend; Schmerz und Lahmheit verlieren ſich ſehr bald, und verringern ſich ſchon in den erſten Tagen; die Wundfläche wird trocken, und bedeckt ſich mit einem dünnen Häutchen, welches täglich weißer, dicker und feſter wird, und das neue Horn darſtellt. Der üble Geruch verliert ſich bei der Anwendung des Chlorkal⸗ kes faſt auf der Stelle. Iſt dieſes nicht der Fall, lahmt das Schaf noch ſehr heftig, und iſt die Wund⸗ fläche näſſend, ſo kann man ſicher ſein, daß noch irgend ein verſteckter, hohler Gang ſich in dem Hornſchuhe befindet, den man dann ſorgfältig aufſuchen und be⸗ ſchneiden muß. Sind Sehnen, Bänder und Knochen ergriffen, ſo muß auch hier alles Zerſtörte mit dem Meſſer entfernt werden, worauf dann zunächſt zwei Tage hinter ein⸗ ander Chlorbrei aufgetragen und mit Heede verbunden wird. Nach dieſer Zeit werden die Wundfläche und alle kranken Theile mit einer Miſchung aus einem Theile Kreoſot und vier Theilen Weingeiſt befeuch⸗ tet, und mit Heede verbunden, und zwar ſo lange, bis ſichtliche Beſſerung eintritt. Iſt das Gelenk an— gegriffen, ſo wird das untere Ende der Klaue, alſo in der Regel das Hufbein, amputirt, und dann Kreoſot ꝛc. in Anwendung gebracht. Dieſe Operation erfordert zwar Geſchicklichkeit, aber ſie iſt ohne ſonſtigen Nach⸗ theil, da das Schaf faſt eben ſo gut mit einer, als mit beiden Klauen geht. Da die Klauenſeuche ein rein örtliches Leiden iſt, ſo ſind auch eine allgemeine Kur und der Gebrauch innerlicher Mittel nicht nur entbehrlich, ſondern auch völlig nutzlos. Gute und reichliche Fütterung, und allenfalls von Zeit zu Zeit eine mit Wermuth, Ter⸗ pentinöl, Theer ꝛc. verſetzte Salzlecke ſind hier völlig genügend. Soll die Krankheit ſchnell und gründlich geheilt werden, ſo iſt es von hoher Wichtigkeit, die Kranken 15. paſſend zu halten, und vor Allem jede Gelegenheit zu einer neuen Anſteckung zu verhindern. Der Miſt des inficirten Stalles, die bei der Operation getrennten Theile der kranken Klauen, die alten Verbandſtücke ꝛc. ſind ſorgfältig zu ſammeln und zu verſcharren. Iſt eine trockene, grasreiche Weide in der Nähe, ſo kann die kranke Heerde auf dieſe getrieben werden. Beſſer jedoch iſt es, und auch für die Kur bequemer, die Kranken ganz auf dem Stalle zu halten. Iſt zu dieſem Behufe kein anderer, als der inficirte Stall vorhanden, ſo muß dieſer zuvor ſehr ſorgfältig gereinigt werden. Der Miſt aus demſelben wird ent⸗ fernt und vergraben; Krippen, Raufen, Ständer e. werden mit Kalkbrei, welchem für jeden Eimer voll ein Pfund Chlorkalk zugeſetzt iſt, überſtrichen. Gut iſt es auch, wenn die kranke Heerde einen beſonderen, nur bei ihr allein zu gebrauchenden Wärter erhält, denn es könnte derſelbe ſonſt die Krankheit auf die geſunden Schafe zufällig übertragen, z. B. durch Con⸗ tagium, welches an ſeinen Stiefeln haftete. Scheint ein krank geweſenes Schaf geheilt; iſt die Lahmheit verſchwunden; hat ſich neues und ziemlich feſtes Horn auf der früheren Wundfläche gebildet; iſt dieſes überall trocken, und feſt mit den Fleiſchtheilen verwachſen, ſo wird ein ſolches Schaf aus der kranken Heerde herausgenommenz da es jedoch nicht zu wagen iſt, daſſelbe ſchon jetzt der geſunden Heerde zurück zu geben, vorläufig nur als Convalescent betrachtet, und 15. Die Finnenkrankheit erſcheint bei Schweinen ziem⸗ lich häufig, und iſt daher, wenigſtens dem Namen nach, ſehr bekannt; das Weſen der Krankheit beſteht in dem mehr oder weniger häufigen Vorkommen eines Blaſenwurmes, der ſogenannten Finne, in den ver⸗ ſchiedenſten Theilen des Körpers. Am häufigſten wird die Krankheit in dem Alter von zwei bis zwei und ein halbes Jahr beobachtet, obſchon man ſie zuweilen auch ſchon bei älteren Stücken, oder auch bei Ferkeln von wenigen Wochen beobachtet hat. So lange das finnige Schwein lebt, iſt die Krankheit Finnen der Schweine 8³ mindeſtens zwei bis drei Wochen, ſowohl von der kranken als von der geſunden Heerde getrennt gehalten. Ein ſolches Schaf muß öfters unterſucht, und, bevor es in die geſunde Heerde zurückgegeben wird, durch Chlorwaſſer auf die früher beſchriebene Weiſe hindurch getrieben werden. Hat die Klauenſeuche gänzlich in der Heerde aufgehört, ſo iſt eine gehörige Reinigung der Ställe ꝛc. zu veranſtalten. Eine Vorbeugung der Krankheit, im gewöhnlichen Sinne des Wortes, giebt es, da dieſelbe faſt aus— ſchließlich durch Anſteckung kommt, nicht. Allemal fängt ſie in einer Heerde nur bei wenigen Stücken an, und verbreitet ſich von dieſen aus nach und nach, und in der Regel ſehr langſam, in der Heerde weiter. Herrſcht die Klauenſeuche etwa in der Nachbarſchaft, ſo iſt ſehr ſorgfältig jede mögliche Anſteckung von frem⸗ den Heerden zu verhüten. Die Schafe müſſen von den Nachbarſchafen in beträchtlicher Entfernung gehü⸗ tet und jede Communikation der Schafe ſowohl, als auch der Schäfer, Schäferhunde ꝛc. vermieden werden; ſo wie wo möglich auch der Durchtrieb fremder Schafe durch den noch nicht inficirten Ort. Angekaufte fremde Schafe, müſſen zuvor acht bis vierzehn Tage iſolirt gehalten und ſorgfältig beobachtet werden, und ſomit eine Art Quarantaine halten, welches überhaupt ſtets beim Ankaufe fremder Schafe anzurathen iſt, ſelbſt dann, wenn die nächſte Gegend von der Klauenſeuche frei iſt. Finnen der Schweine(Tab. VI.) in vielen Fällen nur unſicher, und oft genug gar nicht zu erkennen, und nur das Schlachten allein läßt dann keinen Zweifel mehr übrig. Anfangs iſt an dem finnigen Schweine nichts Krankhaftes zu entdecken; daſſelbe iſt bei gutem Appe⸗ tite, bei voller Munterkeit; es wird fett, wie ein an⸗ deres Schwein, ſo daß die Geſundheit deſſelben nicht ſichtbar dadurch beeinträchtigt zu werden ſcheint. Ver⸗ mehren ſich jedoch die Finnen ſehr beträchtlich, ſo wird das Schwein in der Regel etwas träge, es bleibt im Freien hinter der Heerde zurück, ſein Gn iſt ſchlep⸗ 84 15. pend, es läßt ſich leicht ergreifen, ſein Schrei iſt heiſer und ſchwach, die Haut verdickt ſich, die Borſten laſſen ſich leicht auszupfen. Nach ſehr langer Dauer und bei hohem Grade der Krankheit, wird der Athem übel⸗ riechend, die Augen triefen, es ſtellen ſich Lähmungen des Hintertheiles, Anſchwellungen der Beine ꝛc. ein, worauf der Tod erfolgt. Alle dieſe Zeichen ſind jedoch unſicher und trügeriſch, kommen auch bei manchen an⸗ deren Krankheiten vor, und oft kann die Krankheit ein und ſelbſt mehrere Jahre bei einem Schweine vorhan⸗ den ſein, bevor ein Theil, oder alle gedachten Zufälle eintreten. Es ereignet ſich nicht ſelten der Fall, daß ein fettes und völlig geſund ſcheinendes Schwein beim Schlachten in ſehr hohen Grade mit Finnen behaftet gefunden wird, obgleich man, ſo lange daſſelbe lebte, keine Ahnung von der Anweſenheit der Krankheit ge⸗ habt hatte. Das faſt alleinige und in vielen Fällen allerdings ſichere Kennzeichen, durch welches beim lebenden Schweine die Finnenkrankheit erkannt werden kann, beſteht in der Gegenwart der Finnen an der Zunge. Die Erfahrung lehrt nämlich, daß der Fin⸗ nenwurm vorzugsweiſe gern die untere Fläche und die Seitenränder der Zunge zu ſeinem Sitze wählt. Hat man alſo Verdacht, daß ein zu kaufendes Schwein finnig ſei, oder will man ſich vor dem Ankaufe eines ſolchen Schweines ſichern, ſo wirft man daſſelbe zu Boden, ſteckt ihm einen dicken Knüppel quer durchs Maul, und zieht die Zunge deſſelben hervor. Bei geſunden Schweinen erſcheint die untere Fläche der Zunge von gleichmäßiger, roſenrother Farbe, und die Schleimhaut derſelben erſcheint eben und ohne Knöt⸗ chen. Finden ſich an der gedachten unteren Fläche oder an den Seitenrändern der Zunge jedoch kleine, durch das Geſicht oder durchs Streichen und Drücken mit den Fingern erkennbare Erhabenheiten, Knötchen und Punkte von bläulich-rother Farbe, ſo iſt kein Zweifel mehr vorhanden, daß das Schwein mit Fin⸗ nen behaftet iſt. Wer in einer ſolchen Unterſuchung keine Uebung hat, thut wohl, eine gleiche Unterſu⸗ chung bei einem geſunden Schweine vorzunehmen, um aus der Vergleichung eine ſichere Belehrung zu ſchö⸗ pfen. Eine ſolche Unterſuchung der Zunge giebt, wie ſchon geſagt, ziemlich ſichere Aufſchlüſſe darüber, ob ein Schwein finnig iſt oder nicht; volle Sicherheit ge⸗ währt ſie indeſſen nicht. Es kommen nämlich Fälle vor, in denen die Zunge völlig frei von Finnen iſt, während an anderen, inneren Körpertheilen zahlreiche Finnen der Schweine. Finnen vorhanden ſind. Heiſeres Schreien und An⸗ ſchwellung des Halſes, welche ſich oft bei finnigen Schweinen finden, ſind noch trügeriſche Zeichen der Finnenkrankheit, denn ſie fehlen nicht ſelten, und kommen auch bei manchen anderen Krankheiten vor. Am geſchlachteten Schweine iſt die vorhanden ge⸗ weſene Finnenkrankheit unverkennbar. An verſchiede⸗ nen Stellen, und von verſchiedener Größe und Zahl, finden ſich die Finnen im Körper zerſtreut; manchmal an einzelnen Stellen in großer Menge und dicht zu⸗ ſammengehäuft. Am gewöhnlichſten und häufigſten finden ſie ſich, außer an der Zunge, unter der Haut, unter der Schulter, zwiſchen den Rippen im Speck, im Zellgewebe zwiſchen dem Fleiſche. Aber auch an anderen Stellen kommen ſie vor, und ſind ſie in gro⸗ ßer Menge vorhanden, ſo bleibt oft, mit Ausnahme der Knochen und Knorpel, faſt kein Theil von Finnen verſchont. So fanden Andere und ich dieſelben außer in den genannten Theilen, zugleich in den Gedärmen, im Herzen, ſelbſt im Gehirne. Wird in einen mit großen Finnen ſtark beſetzten Theil ein Einſchnitt ge— macht; ſo fließt oft ein gebliches Waſſer in großer Menge aus. Die Finnen ſelbſt erſcheinen von der Größe eines Hirſekornes bis zu der einer großen Erbſe; die kleineren ſtellen weißliche, etwas harte Knötchen dar; die größeren ſind gelblich⸗weiß und weicher. Ihre nächſte Umgebung hat meiſt ein bläulich⸗rothes Anſe⸗ hen. Wird eine ausgebildete Finne näher unterſucht, ſo beſteht ſie aus einem kleinen Körper, welcher ſich in eine dünne, häutige, halbdurchſichtige Blaſe endigt, die zum Theil mit einem gelblichen Waſſer angefüllt iſt(GFig. 2.). Dieſe Schwanzblaſe bildet den größeren Umfang der Finne; auf derſelben ſitzt der eigentliche Wurm, deſſen Kopf ſich nach außen vorſtrecken, und wieder in die Blaſe einziehen kann. Der Kopf des Wurmes iſt an ſeiner Spitze mit einem Hakenkranze (Fig. 3. a.) verſehen, unter welchem ſich vier Saug⸗ mündungen(Fig 3. b.) befinden; dann folgt der etwas dünnere Hals(Fig. 3. c.). Wird das mit Finnen behaftete Fleiſch gekocht, ſo ſchwillt die Finne auf, wird hart und weiß; beim Kauen zerplatzt ſie mit einem gewiſſen Geräuſch, und hat dabei einen faden, ſüßlichen Geſchmack. Im Allgemeinen iſt die Finnenkrankheit dem Leben der Schweine nicht gefährlich; iſt ſie nicht im hoͤchſten Grade und ſehr lange Zeit über vorhanden, ſo ſcheint die allgemeine Geſundheit des Thieres dadurch kaum 15. Finnen der Schweine. zu leiden, und auch die Maſtung erſcheint dadurch nicht ſichtbar erſchwert zu werden. Demungeachtet iſt die Krankheit eine ſehr widerwärtige, welche den Werth des mit ihr behafteten Schweines ſehr herabſetzt. Der Genuß von Fleiſch und Speck des finnigen Schweines i*ſt zwar— im Fall das Thier, wie es ſelten vorkommt, nicht im äußerſten Grade an der Krankheit litt, und mithin mit ſeltenern Ausnahmen— für die Geſund⸗ heit des Menſchen nicht nachtheilig; aber es gehört eine gewiſſe Ueberwindung dazu, das ſüßliche, finnige Fleiſch zu eſſen, zu der ſich nicht Jeder verſtehen will. Sind die Finnen in ſehr großer Menge zugegen, ſo iſt das Fleiſch meiſt blaß, bläulich und welk, und auch der Speck iſt nicht ſo feſt, als bei geſunden Schweinen. Das Einſalzen ſolcher Theile ſchützt ſie nicht immer vor dem Verderben, und jedenfalls verlieren ſie an Haltbarkeit. Alle Theile, welche ungemein ſtark mit Finnen beſetzt ſind, werden am beſten von dem Genuſſe ausgeſchloſſen. Durch welche Urſachen die Finnen entſtehen, iſt bisher faſt völlig unbekannt geblieben; die Krankheit kommt zuweilen unter allen Umſtänden vor. Schlech⸗ tes, verdorbenes oder kärgliches Futter, ſchlechtes Ge⸗ ſöff, der Aufenthalt in kothigen, dumpfigen und engen Ställen, Mangel an Bewegung und friſcher Luft, das Füttern von Träbern, Schlämpe und Eichelmaſt, an⸗ haltende Märſche ꝛc. ſtehen am meiſten in Verdacht. In Rußland ſoll die Krankheit, der zahlreichen Schweineheerden daſelbſt ungeachtet, nicht vorkommen, auch nicht in Amerika bei den dort eingeborenen Schweinen. Eber werden am ſeltenſten befallen. Auch Wildſchweine leiden zuweilen an der Krankheit. Manche Schweineracen ſcheinen vorzugsweiſe zu derſelben dis⸗ ponirt, auch kommt ſie in einigen Gegenden Deutſch⸗ lands ungleich häufiger vor, als in anderen. Anſteckend iſt die Krankheit, wie directe und ſehr gründliche Verſuche bewieſen haben, durchaus nicht, wohl aber ſcheint die Anlage dazu ſich von den Aelte⸗ ren auf die Jungen fortzuerben. Man hat nämlich 85 wiederholt die Beobachtung gemacht, daß von einem Wurfe Ferkel, deren Vater oder Mutter finnig war, mehrere in ſpäterer Zeit ebenfalls finnig wurden. Da aber nie alle Jungen in dieſe Krankheit verfielen, ſo iſt die Forterbung deshalb nicht unbedingt. Ueber die Heilung der Finnenkrankheit weiß man eben ſo wenig, wie über ihre Urſachen, denn es iſt bis jetzt kein Kurverfahren bekannt, durch welches es ſicher gelungen wäre, dieſelbe zu beſeitigen, oder auch nur in ihrem Fortſchreiten aufzuhalten. Spießglanz, Schwefel, Holzaſche, Eiſenvitriol, Alaun, Bleizucker und zahlreiche andere Mittel ſind zwar empfohlen, aber keines derſelben kann eine glaubwürdige Bürg⸗ ſchaft für ſeinen guten Erfolg beibringen. Wäre man im Stande, was in der Regel nicht möglich iſt, die Krankheit gleich Anfangs und ſicher zu erkennen, ſo gelänge es vielleicht, dieſelbe, wo nicht zu beſeitigen, doch zum Stillſtande zu bringen. Bei der ſchwanken⸗ den und dunkeln Erkenntniß jedoch, iſt ſelbſt für die Zukunft dieſe Hoffnung beinahe aufgegeben. Alles, was in dieſer Hinſicht geſchehen kann, beſteht beſon⸗ ders darin, das Schwein mit gutem und geſundem Futter, z. B. mit Schrot, reichlich zu ernähren, daſ⸗ ſelbe weder der anhaltenden Einwirkung einer rauhen Witterung, noch von Koth und Schmutz auszuſetzen; denn das Schwein liebt nicht, wie man allgemein glaubt, die Unreinlichkeit. Man ſorge dafür, daß das Schwein Gelegenheit finde, ſich oft zu baden, um dadurch ſeine Haut abkühlen zu können. Die Ställe werden oft gemiſtet ꝛc. Alle dieſe Vorſchriften bezie⸗ hen ſich auch, und das noch weit mehr, auf die Ver⸗ hütung der Krankheit, wozu noch die wichtige Regel kommt, daß kein mit den Finnen behaftetes Schwein zur Zucht verwendet werden darf. Iſt ein Schwein mit den Finnen behaftet, ſo unterlaſſe man jeden Arz⸗ neigebrauch, und ſchlachte daſſelbe ſo bald wie mög⸗ lich. Der Genuß des Fleiſches, ich wiederhole es, iſt durchaus der Geſundheit nicht nachtheilig, die ſeltenen Fälle abgerechnet, in denen die Krankheit den oben beſchriebenen, äußerſten Grad erreicht hatte. 86 16. Kuhpocken. 16. Kuhpocken(Tab. VI.) Die Pocken oder Blattern der Kühe gehören im Allgemeinen zu den ſeltneren Krankheiten, und da die⸗ ſelben außerdem allemal ein ſehr geringfügiges, leicht von ſelbſt heilendes Uebel darſtellen, und ſomit in ökonomiſcher Hinſicht kaum in Betracht kommen, ſo koͤnnte die Beſchreibung derſelben hier ganz überflüßig erſcheinen. Dennoch ſoll ihrer hier Erwähnung ge⸗ ſchehen, weil ſie, wie weiter unten geſagt werden ſoll, in höchſt wichtiger und ſo ſegenvoller Beziehung zu den Menſchenpocken ſtehen, daß jedem Gebildeten eine nähere Belehrung in dieſer Hinſicht Intereſſe ein⸗ flößen muß. Die Pocken beſtehen in einem eigenthümlichen Ausſchlage an den Eutern der Kühe; ſehr ſelten er⸗ ſcheinen ſie auch bei Bullen und Ochſen, und bei die⸗ ſen vielleicht nie anders, als nach erlittener Anſteckung. Gewöhnlich haben die Pocken an den Zitzen oder Strichen des Euters ihren Sitz, aber ausnahmsweiſe können ſie auch an andern Stellen des Euters erſchei⸗ nen. Die Ausbildungsweiſe und der Verlauf der Pocken ſind folgende. An irgend einer Stelle des Eiters, meiſt an den Zitzen, zeigen ſich eine oder meh⸗ rere rothe Stellen, welche ein flohſtichartiges Anſehen haben; in der Mitte dieſer rothen, rothlaufartigen Hautſtellen macht ſich ein kleines, hartes Knötchen bemerkbar, welches Anfangs ſehr klein iſt, und nicht größer als ein Hirſekorn(Fig. 1. aa.). In wenigen Tagen vergrößert ſich dieſes Knötchen; daſſelbe tritt ſtärker über die Oberfläche der Haut hervor, und die umgebende Röͤthe vermindert ſich(Fig. 1. bb.). Am achten bis zehnten Tage hat die Pocke gewöhnlich ih⸗ ren größten Umfang erlangt; ſie hat dann ein weißes, gelbliches, bläuliches, ſilberfarbenes oder ein ähnliches Anſehen; der rothe Hof, mit dem ſie früher umgeben war, iſt verſchwunden, ſie hat den Umfang einer Linſe, bis zu dem eines Groſchens, iſt von kreisrunder oder ovaler Form, auf der Oberfläche erhaben und gewölbt; doch in der Mitte in der Regel etwas eingedrückt und vertieft(Fig. 1. cc.). Sie fühlt ſich ziemlich hart an, und hat einen zelligen, ſchwammigen Bau, ähn— lich wie eine Citrone; in ihrem Innern enthält ſie eine klare, wäſſerige, farb⸗ und geruchloſe Flüſſigkeit oder Lymphe, welche beim Einſchnitte in geringer Menge hervorquillt. Vom zehnten bis zwölften Tage, ſeit dem Entſtehen der Pocken an gerechnet, wird dieſe Lymphe trüber, und verwandelt ſich in Eiter; die Pocke beginnt abzutrocknen, und ſich in einen harten Schorf zu verwandeln, wobei ſich ihr früherer Umfang etwas vermindert. Dieſe Schorfbildung nimmt in der Mitte der Pocke ihren Anfang, und verbreitet ſich von hier aus nach der Peripherie. Anfangs iſt der Schorf hell⸗ gelb, ſpäter wird er immer brauner, und zuletzt dun⸗ kelbraun und faſt ſchwarz.(Fig. 1. dd, e, ff.). Am einundzwanzigſten bis achtundzwanzigſten Tage, zu⸗ weilen etwas früher oder ſpäter, fällt der Schorf ab, und hinterläßt auf der Haut eine flache, nie verſchwin⸗ dende Narbe(Pockennarbe), welche Anfangs roth iſt; ſpäter aber die gewöhnliche Farbe der Haut des Euters wieder annimmt. Auf die eben beſchriebene Weiſe ſtellt ſich der Verlauf der ächten Kuhpocken darz durch plumpes Melken, unpaſſende Heilmittel und mancherlei andere Umſtände werden ſie zuweilen in ihrem Anſehen mehr oder weniger verändert, und ihre Heilung dadurch verzögert. Die Zahl der am Euter erſcheinenden Pocken iſt verſchieden, ebenſo wie ihre Größe; in manchen Fällen entſtehen nur einige, wenige Pocken, in andern wohl dreißig bis vierzig, und ſelbſt noch mehr. Zu⸗ weilen erreichen ſie nur die Größe einer Linſe, andere Male die eines Groſchens und ſelbſt noch darüber; meiſt finden ſich an ein und demſelben Inviduum Pocken von ſehr verſchiedener Größe. Selten erfolgt der Ausbruch aller Pocken gleichzeitig, ſondern nach und nach, ſo daß zuweilen die letzten acht bis vierzehn Tage ſpäter zum Vorſchein kommen, als die erſten. Auf dieſe Weiſe erſcheint dann das Euter oft von Pocken aus allen Stadien und von allen Größen be⸗ ſetzt(Fig. 1.). In vielen Fällen, zumal wenn viele und große Pocken vorhanden ſind, iſt das Cuter mehr oder weniger empfindlich bei der Berührung, und an⸗ geſchwollen, welches Letztere zum Theil in dem er— ſchwerten oder ganz verhinderten Melken während dieſer Zeit ſeinen Grund hat. Außer dieſen örtlichen Krank⸗ heitszeichen iſt in vielen Fällen an dem Thiere nichts von einer allgemeinen Krankheit zu erkennen; daſſelbe erſcheint völlig geſund. Mitunter jedoch hat die Kuh dabei ein geringes Fieber, ſie frißt wenig oder gar 16. Kuhpocken. nicht, wiederkäuet nicht, und giebt, welches unter allen Umſtänden der Fall iſt, weniger und dünnere Milch. Dieſe allgemeinen Krankheitszeichen ſind jedoch nur einige Tage vor dem Ausbruche der Pocken, und bis zu ihrer größten Ausbildung, zugegen; mit der Abtrocknung der Pocken verſchwinden ſie allemal. Am häufigſten erſcheinen die Kuhpocken bei Kühen, welche ſich im mittleren Lebensalter befinden, und dann in den erſten Monaten nach dem Kalben; aber man ſah ſie auch ſchon bei zweijährigen Kühen, welche noch nie geworfen hatten, ſo wie bei alten Kühen, welche keine Milch mehr gaben. Die Krankheit ſcheint in allen Ländern vorzukommen, wobei die Lage, das Klima ꝛc. keinen bemerkbaren Unterſchied macht. In den Som⸗ mermonaten kommt ſie häͤufiger vor, als zu andern Zeiten des Jahres. Alles was einen natürlichen An⸗ drang der Säftemaſſe nach dem Euter bewirkt, alſo beſonders der Uebergang von ſchlechtem und dürftigem, zu ſehr reichlichem und nahrhaftem Futter, dann die reichliche Milchſekretion nach dem Kalben, begünſtigt den Ausbruch der Krankheit. Ueber die Urſachen der Kuhpocken iſt man völlig im Dunkeln; ſie entwickeln ſich urſprünglich, und be⸗ fallen das Inviduum gewöhnlich nur einmal im Leben. In vielen Fällen wird die Krankheit auf an⸗ dere Kühe durch Anſteckung übertragen, indem die Melkerinnen die pockenkranken Euter, und hierauf ge⸗ ſunde Kuheuter, melken. Seuchenhaft, und gleichzeitig unter vielen Kühen eines Stalles, oder gar einer gan⸗ zen Gegend, kommen die Kuhpocken faſt nie vor. Zu⸗ weilen entſtehen ſie auch durch Anſteckung von der Pferdemauke, wovon daſelbſt ausführlicher die Rede ſein ſoll. Die Kuhpocken ſtellen nicht nur eine ganz gefahr⸗ loſe, ſondern ſelbſt eine ſehr geringfügige Krankheit dar. Das zuweilen vorhandene, geringe Fieber und der geſtörte Appetit bedürfen keiner ärztlichen Behand⸗ lung, denn ſie find nicht nur unerheblich, ſondern ſie halten auch nur wenige Tage an, nach deren Verlauf ſich das natürliche Maaß der Körperverrichtungen wie⸗ der einſtellt. Auch am kranken Euter ſelbſt iſt in der Regel nichts vorzunehmen, denn der Verlauf des Pockenausſchlages läßt ſich weder abkürzen noch in ſeinem Gange aufhalten, weßhalb es am beſten iſt, denſelben ungeſtört zu laſſen. Alles, was hier ge⸗ ſchehen kann, beſteht darin, daß jede rohe Manipula⸗ tion und jede Einwirkung reizender äußerer Einflüſſe 87 vermieden werde. Das Euter wird, wenn es ohne zu ſtarke Reizung der Zitzen geſchehen kann, recht oft ausgemolken, und zwar möglichſt ſanft und mit geöl— ten Händen. Iſt dieſes wegen etwa ſehr zahlreich vor⸗ handener Pocken nicht ausführbar, und iſt das Euter überhaupt ſehr angeſchwollen und im beträchtlich ent⸗ zündeten Zuſtande, ſo wird das Thier ſehr knapp, und nur mit Grünfutter, ernährt, auch kann demſelben außerdem eine Laxanz aus einem halben bis ganzen Pfunde Glauberſalz auf einmal eingegeben werden. Warmes Verhalten und das Belegen mit einer wol⸗ lenen Decke ſind außerdem zweckmäßig. So wie die Pocken anfangen abzutrocknen und ſich in Schorfe um⸗ zuwandeln, verſchwindet das Fieber, und Appetit und Wiederkäuen kehren wieder zurück. Es iſt dann weiter nichts zu thun, als allenfalls die Schorfe mit Oel oder Milchrahm zu beſtreichen, welches ihr zeitigeres Abfallen begünſtigt. Sollten die Pocken durch eine unpaſſende Behand⸗ lung, oder durch irgend welche andere Umſtände in Geſchwüre übergegangen ſeyn, welche eine übelriechende Flüſſigkeit abſondern, und nicht zur Heilung und Ver⸗ narbung kommen wollen, ſo muß eine äußere Behand⸗ lung eintreten. Hiezu dienen täglich mehrere Male zu wiederholende Waſchungen mit einer Auflöſung von ein Loth Alaun oder Chlorkalk in einem Quart kaltem Waſſer, oder man nimmt ſtatt deſſen eine Abkochung von vier Loth Eichen⸗ oder Weidenrinde in einem Quart Waſſer. Iſt das Euter dabei entzündlich gereizt und von Milch ſtrotzend, ſo wird knapp gefüttert, eine Laxanz gegeben, und mit Vorſicht öfters die Milch ausgemolken. Wenn, wie ſich aus dem Angeführten ergiebt, die Kuhpocken in blos ökonomiſcher Hinſicht von keiner ſonderlichen Bedeutung ſind, da ſie kaum einige peku⸗ niäre Nachtheile bringen, ſo ſind ſie dagegen in indirekter Beziehung auf die Wohlfahrt des Menſchen von gar nicht zu ſchätzendem Nutzem. Millionen von Menſchen, und namentlich die jetzt lebende Generation des Men⸗ ſchengeſchlechts eultivirter Länder verdanken theils ihr Leben, theils ihr von Blatternarben nicht entſtelltes Geſicht, der eben beſchriebenen Kuhpocke.— Ein Eng⸗ liſcher Arzt, Eduard Jenner, machte im Jahre 1775 die nie genug zu ſegnende Entdeckung, daß die— jenigen Perſonen, welche zufällig beim Melken pocken⸗ kranker Kühe einen Pockenausſchlag an den Händen bekamen, von den Menſchenpocken verſchont blieben. 88 16. Kuhpocken. Jenner, welcher über dieſe Erſcheinung nachdachte, und ihre Urſachen zu entdecken wünſchte, ſtellte ſeit dieſem Augenblicke vielfache Unterſuchungen über die Kuhpocken an. Er verſuchte zuerſt vergebens die Menſchenpocken ſolchen Perſonen einzuimpfen, welche kürzere oder längere Zeit vorher durch die Kuhpocken an den Händen angeſteckt worden waren, und kam dadurch auf die Vermuthung, daß dergleichen Perſo⸗ nen nicht mehr für die Menſchenpocken empfänglich wären, welche Vermuthung ſich auf eine glänzende Weiſe beſtätigt hat. Hierauf wählte er mehrere Per⸗ ſonen aus, welche noch nicht die Menſchenpocken oder Kuhpocken gehabt hatten, impfte dieſen die in den Kuhpocken enthaltene Lymphe ein; und— ſiehe da, die Kuhpocken entwickelten ſich an den geimpften Menſchen regelmäßig, und ohne daß die Geimpften außerdem dabei irgend erkrankt wären. Später impfte er dieſe Perſonen mit Lymphe aus Menſchenpocken, aber die Impfung blieb ohne Erfolg, auch wurden dieſe Per⸗ ſonen nicht durch die Berührung von Menſchen, welche die Menſchenpocken hatten, angeſteckt. Es ſtellte ſich alſo, bei zahlreich wiederholten Ver⸗ ſuchen, die Erfahrung heraus, daß durch die Impfung des Menſchen mit Lymphe aus Kuhpocken, die Em⸗ pfänglichkeit für die Menſchenpocken verloren gehe, ſo daß die Kuhpockenimpfung ein ſicheres und völlig un⸗ ſchädliches Mittel gegen die furchtbaren Menſchenpo⸗ cken abgiebt. Die Lymphe aus Kuhpocken nennt man Vaccine — von vacca, die Kuh— und das Geſchäft der Impfung die Vaccination. Es konnte nicht fehlen, daß die Entdeckung Jen⸗ ners in der ganzen civiliſirten Welt die größte Senſa⸗ tion erregte, und daß alle Regierungen ſich mehr oder weniger ſchnell beeilten, des Vortheils einer ſo nützli⸗ chen Entdeckung theilhaftig zu werden. Anfangs wollte die Vaccination keinen rechten Fortgang haben, denn Vorurtheil und allerhand abſurde, ſelbſt ſogenannte religiöſe Skrupel lähmten ihre Schritte. Bald aber ſiegte die Macht der Wahrheit, und man überzeugte ſich mehr und mehr, daß die völlig gefahrloſe Vacci⸗ nation eine köſtliche Entdeckung ſei; und wie konnte das auch wohl anders ſein! Vor der Entdeckung der Vaccination ging der ſiebente, nach Einigen ſogar der fünfte Theil der Menſchen an den Pocken zu Grunde, derer gar nicht zu gedenken, welche die Augen oder das Gehör verloren, oder im glücklichſten Falle mit von Pockennarben zerriſſenen Geſichtern davon kamen. Seit der, ſeit einigen dreißig bis vierzig Jahren allge⸗ mein üblichen, und in allen gut regierten Ländern geſetzlich gebotenen Vaccination jedoch, gehören Fälle von Menſchenpocken zu den Seltenheiten; Todesfälle kommen ſelten mehr vor, und unter vielen Tauſenden von Geſichtern jüngerer Perſonen ſieht man kaum ein einziges von Blatternarben entſtelltes. Leider iſt in neuerer Zeit der Glanz der Vaccina⸗ tion, wenn auch nicht verdunkelt, ſo doch getrübt worden, weil mitunter bei vaccinirten Menſchen nach längeren Jahren die Menſchenpocken zum Ausbruche gekommen ſind, und nicht ſelten auf todtbringende Weiſe. Dieſe Beobachtung hat auf den Gedanken gebracht, daß die ſeit einer langen Reihe von Jahren von Arm auf Arm geimpfte Vaccine in ihrer Natur ausgeartet ſei, indem ſie ſich zu weit von ihrer urſprüng⸗ lichen Quelle, der Kuhpocke, entfernt habe. Deshalb iſt man auch jetzt lebhaft bemüht, den Impfſtoff durch Benutzung der Lymphe aus ächten Kuhpocken aufzu⸗ friſchen, und jeder Beſitzer von Kühen wird ſich daher den Dank der um dieſen Gegenſtand bemühten Medi⸗ cinal⸗Behörden verdienen, wenn er von dem etwa er⸗ folgenden Ausbruche der Kuhpocken ungeſäumt an den geeigneten Orten Anzeige macht. Anmerkung. Außer den angeführten ächten Kuhpocken kommen auch noch andere, mit den Pocken mehr oder weniger leicht zu verwechſelnde Ausſchläge am Kuheuter vor. Da ſie jedoch theils ſelten, theils unerheblich ſind, ſo können ſie hier entweder mit Stillſchweigen übergangen, oder gelegentlich und an andern Orten abgehandelt werden. 17. Schafpocken. 89 17. Schafpocken.(Tab. VII-VIIII.) Zu den verheerendſten Krankheiten der Schafe ge⸗ hören die Pocken oder Blattern. Es iſt dieſe Krank⸗ heit erſt ſeit einigen hundert Jahren in Europa bekannt, und in Deutſchland anſcheinend erſt ſeit dem Jahre 1698; wenigſtens ſind die früheren Beſchreibungen derſelben ſo mangelhaft, daß ſich daraus nicht mit Sicherheit die Pocken erkennen laſſen. Ueber ihren Urſprung iſt man im völligen Dunkel, und es verhält ſich hiemit eben ſo, wie mit den Pocken des Menſchen, und manchen anderen Krankheiten. Wahrſcheinlich ſtammen die Pocken der Schafe, ganz wie die des Menſchen, aus dem Orient, und ſind von dort durch Anſteckung nach Europa übertragen; daß ſie ſich auch bei uns urſprünglich entwickeln können, iſt nicht an⸗ zunehmen, und was man in dieſer Hinſicht wohl von nachtheiligen Einflüſſen der Witterung, oder vom Ge⸗ nuſſe von Mehlthau, verdorbenem Futter ꝛc. geſagt hat, iſt ein ganz unhaltbare Anſicht, welches näher zu begründen hier zu weit führen würde. Aus den bisherigen Beobachtungen ſcheint hervor zu gehen, daß die Pocken etwa alle acht, zehn oder zwölf Jahre einen Zug durch die verſchiedenen Gegenden Deutſchlands machen, obſchon dieſes keineswegs auf alle Gegenden ſeine Anwendung findet, denn es giebt einzelne be⸗ ſchränkte Diſtrikte, in denen die Pocken ſeit länger als funfzig Jahren nicht vorgekommen ſind, während ſie ſich dagegen anderwärts alle vier bis ſechs Jahre zei⸗ gen, oder auch wohl, wie z. B. eben jetzt in Litthauen, vier bis fünf Jahre hintereinander andauernd erhalten. Lokalität, Klima, der commercielle Verkehr mit Scha⸗ fen ꝛc., ſpielen hierbei natürlich eine wichtige Rolle; das öſtliche Deutſchland erhält die Schafpocken am häufigſten aus Rußland, Polen und Ungarn, und der Weſten Deutſchlands entweder von den öſtlichen Pro⸗ vinzen, oder aus Frankreich, und zwar meiſtens durch den Handelsverkehr. Dieſe Einſchleppung der Pocken i*ſt indeſſen in den wenigſten Fällen nachzuweiſen, ſo daß es faſt ſo ſcheint, als wenn ſich die Pocken auch bei uns eingebürgert haben, und ſich durch fortwäh⸗ rende und endloſe Anſteckung dauernd erhalten. In der That würde man auch nicht leicht auch nur einen einzigen Jahrgang nachweiſen können, in welchem ſich nicht irgendwo in Deutſchland mehr oder weniger aus⸗ Wagenfeld Encyel. gebreitet die Schafpocken gezeigt haben ſollten, und von hier aus kann füglich die durch Anſteckung erfol— gende weitere Verbreitung der Seuche ſtattgefunden haben. Das Erſcheinen der Schafpocken iſt an keine äußeren Umſtände oder an individuelle Beſchaffenheit der Schafe gebunden; ſie können zu allen Jahreszeiten zum Vorſchein kommen, im Winter wie im Sommer, in naſſer und trockener Jahreszeit, bei jungen und alten Schafen, bei völlig geſunden und bei kränklichen Stücken ꝛc. Indeſſen ſcheint es denn doch ſo, als ob durch gewiſſe Zuſtände der Atmosphäre, der Wit⸗ terung ꝛc. das häufige oder ſeltenere Vorkommen der Krankheit begünſtigt würde. Die Schafpocken beſtehen in einem fieberhaften, entzündlichen Hautausſchlage, welcher ſich weſentlich durch das Auffahren von entzündeten Knötchen und Beulen auf der Haut zu erkennen giebt, welche eine eigenthümliche Feuchtigkeit abſondern, ſich dann mit einem Schorfe bedecken, der zuletzt abfällt. Die Krankheit iſt im hohen Grade anſteckend, und befällt daſſelbe Individuum nur ein einziges Mal im Leben, ſo daß ein Schaf, welches die Pocken einmal überſtan⸗ den hat, auf keine Weiſe zumzweiten Male von ihnen befallen werden kann, indem es gegen jede fernere Anſteckung unempfänglich iſt. Die Zufälle und der Verlauf der Krankheit ſind meiſtens ſehr regelmäßig und an eine beſtimmte Ord⸗ nung gebunden. Es laſſen ſich im Verlaufe der Pok⸗ kenkrankheit weſentlich vier verſchiedene Perioden wahr⸗ nehmen, von welchen jede einzelne ihre eigenthümlichen Erſcheinungen darbietet, und faſt ganz genau einen beſtimmten Termin inne hält. Es ſind dieſe Perioden die der Anſteckung, des Ausbruchs, der Reife und der Abtrocknung der Pocken. a) Periode der Anſteckung. Einige Tage (vielleicht drei bis vier Tage, welches bei der natürli⸗ chen Anſteckung nicht wohl zu ermitteln iſt) nach er⸗ folgter Anſteckung zeigt ſich das Schaf traurig, nieder⸗ geſchlagen und matt; es hängt Kopf und Ohren, frißt und wiederkäuet weniger wie ſonſt, und zeigt vermehrte Wärme der Haut, beſonders an den Ohren. Dieſe Zufälle, welche oft ſo geringfügig ſind, daß ſie ganz 12 90 17. überſehen werden, dauern zwei bis drei Tage, worauf die Krankheit in die zweite Periode eintritt. b) Periode des Ausbruchs. Dieſe nimmt mit dem ſechſten oder ſiebenten Tage ſeit der Anſteckung ihren Anfang. An verſchiedenen Stellen der äußern Haut, vorzugsweiſe an der inneren, unbewollten Fläche der Schenkel, an dem unbewollten ſeitlichen Theile der Bruſt, dort wo die Vorderſchenkel ſich mit ihr verbin⸗ den, an den Geſchlechtstheilen, an den Rändern der Lippen und Augenlider entſtehen hochrothe, flohſtich⸗ ähnliche Flecken, von unbeſtimmter Anzahl und Größe; manchmal ſind ſie kaum ſo groß als ein halber Neu⸗ groſchen, oft haben ſie den Durchmeſſer eines halben Zolles und darüber(Tab. VII. aa.); zuweilen ſind ihrer nur einige vorhanden, oft dagegen ſind ſie in ungemeiner Zahl, und an einzelnen Stellen gehäuft, bei einander. Binnen vierundzwanzig bis ſechsund⸗ dreißig Stunden bildet ſich in der Mitte dieſer rothen, wenig angeſchwollenen Flecken, ein kleines, über die Haut ſichtbar hervorragendes, ſtark entzündetes Knoͤt⸗ chen, welches bis tief in der Haut ſeine Lage hat, und beim Drucke ſehr empfindlich iſt. In den nächſten Tagen erhebt ſich dieſes Knötchen immer mehr, iſt rundlich gewoͤlbt, und hat mit dem zehnten Tage ſeit der Anſteckung ſeine beſtimmte Geſtalt und großte Ausdehnung erreicht. Seine Form iſt jetzt meiſtens kreisrund, ſelten oval oder anders geſtaltet; ſie iſt die eines Kugelſegmentes(b). Die kleinen Pocken ſind meiſtens ſtärker gewölbt, während größere Pocken etwas flacher ſind. Die Größe der Pocken variirt zwiſchen der einer Linſe und der einer Haſelnuß. Während des erwähnten Wachsthums der Pocke wird der rothe Flek⸗ ken, aus dem ſie ſich erhob, etwas kleiner von Umfang, und die Pocke ſelbſt erſcheint mit einem rothen Hof umgeben(b). Beim Ausbruche der Pocken, und noch einige Tage ſpäter, läßt ſich in der Regel ein ſehr auf⸗ fallendes fieberhaftes Allgemeinleiden an dem Schafe wahrnehmen; daſſelbe erſcheint bedeutend krank. Es frißt und wiederkäuet wenig oder gar nicht, hat ver⸗ mehrten Durſt, ſteht mit hängendem Kopfe und dicht unter den Leib zuſammen geſtellten Füßen; der Gang iſt geſpannt und ſteif, ſo daß das Schaf ſich nur un⸗ gern und mit Mühe von der Stelle bewegt. Dieſer geſpannte, oft lahme Gang, iſt in der Regel für den Laien das erſte Zeichen, welches ihn auf die Gegen⸗ wart der Pocken aufmerkſam macht. Kopf, Ohren Maul und die befallenen Hautſtellen ſind widernatür⸗ Schaſpocken. lich warm;z Zahnfleiſch, Zunge und Augen ſind hoch— roth, heiß und trocken, das Athemholen iſt beſchleunigt. Gegen das Ende der zweiten Periode zeigt ſich häufig ein Ausfluß eines klaren, duͤnnen Schleimes aus Naſe und Augen, ähnlich wie beim Schnupfen, und wenn Lippen, Augenlider und Kopf ſehr zahlreich mit Pocken beſetzt ſind, ſo ſchwellen dieſe Theile oft ſo ſtark an, daß weder Maul noch Augen geöffnet werden können. c) Periode der Reife. Dieſe beginnt ge⸗ wöhnlich mit dem zehnten Tage, von dem Zeitpunkte der Anſteckung an gerechnet, und reicht bis zum dreizehn⸗ ten oder vierzehnten; in dieſer Zeit treten die Zeichen der früheren, heftigen Entzündung der Pocke nach und nach zurück. Auf dem erhabenſten Punkte ihrer Wöl⸗ bung, und von ihrem Mittelpunkte aus, wird die Pocke blaſſer und bläulich-weiß; ihre Röthe verliert ſich, von innen nach außen, mehr und mehr, auch der rothe Hof, von dem ſie früher umgeben war, wird blaſſer und ſchmaler(c)). Die Oberhaut auf der Pocke trennt ſich von ihrer Unterlage, und es ſtellt ſich zwiſchen beiden die Abſonderung einer klaren, durchſichtigen, farbloſen und etwas klebrigen Flüſſig⸗ keit, der ſogenannten Lymphe ein, durch welche die Oberhaut, als ein halbdurchſichtiges Bläschen, empor⸗ gehoben wird. In den beiden nächſtfolgenden Tagen erbleicht die Pocke immer mehr; ihre Oberhaut wird undurchſichtiger, dicker und weißer, und der rothe Hof der Pocke iſt faſt ganz verſchwunden(d); mit dem dreizehnten oder vierzehnten Tage hat die Pocke die Grenze ihrer ſogenannten Reife erlangtz ſie erſcheint völlig weiß, halbkugelförmig, bei kleinen Pocken zu⸗ weilen kegelförmig zugeſpitzt(e); die Oberhaut iſt ſehr verdickt und faſt kreideweiß; und unter ihr iſt jetzt die erwähnte klare Lymphe in abſolut größeſter Menge vorhanden; bei einem Einſtiche in dieſe abgeſtorbene Oberhaut fließt dieſe Lymphe in größerer oder gerin⸗ gerer Menge aus. Streift man jetzt die mit der Pocke nur noch ſehr locker verbundene Oberhaut ab, ſo er⸗ ſcheint der Grund der Pocke hochroth und ſchwammig, etwa wie rother Plüſch, und nur noch wenig über die Haut hervorragend. Gleich mit vem Beginn der eben beſchriebenen Reifungs⸗ oder Maturations⸗Periode der Pocken nehmen die fieberhaften und ſonſtigen allge⸗ meinen Krankheitszufälle gewöhnlich bedeutend ab, und verlieren ſich im Laufe weniger Tage gänzlich. Das Schaf erſcheint wieder munter, der Appetit kehrt 17. Schafpocken. 91 zurück, der etwa vorhandene Naſenausfluß verſchwin⸗ det, Geſchwulſt der Lippen und Augenlider verlieren ſich nach und nach, und Gang und Bewegung werden freier. Nur dann, wenn alzuviel Pocken vorhanden ſind, oder wenn ſie den ſpäter zu beſchreibenden üblen und unregelmäßigen Verlauf nehmen, dauern die all⸗ gemeinen Krankheitszufälle fort; die Naſe rotzt, die Augen ſind mit eiterartigem Schleim verklebt, das Schaf hat wenig oder gar keinen Appetit, athmet häͤufig und ſchnaufend ꝛc. d) Periode der Abtrocknung. Mit dem dreizehnten oder vierzehnten Tage ſeit der erfolgten Anſteckung, oder mit dem ſechsten bis achten Tage ſeit dem erfolgten Ausbruche der Pocke, beginnt ſie zu vertrocknen und abzuheilen. Die in ihr enthaltene, klar geweſene Lymphe trübt ſich; dieſelbe wird gelb⸗ lich, dick und eiterartig; die Pocke wird flach, und ſchrumpft zuſammen; ihre Oberhaut ſinkt in der Mitte ein(f), und vertrocknet in den nächſten vier bis ſechs Tagen, ſammt der eiterigen Flüſſigkeit, zu einem gelb⸗ lichen, nach und nach dunkler werdenden, zuletzt faſt ſchwarzen und harten Schorfe(g, h, i, k), welcher endlich abfällt, und eine roͤthliche, trockene, kaum ſichtbare und ſpäter faſt allemal ganz verſchwindende Narbe zurückläßt. Dieſe letzte oder die Abtrocknungsperiode dauert etwa vier bis ſechs Tage, ſo daß die ganze Dauer der Pockenkrankheit bei dem einzelnen Thiere ſich ungefähr auf achtzehn bis zwanzig Tage erſtreckt. Der Ausbruch ſämmtlicher Pocken erfolgt meiſtens gleichzeitig. Iſt das Schaf aber mit ſehr vielen Pok⸗ ken behaftet, ſo kommen manchmal noch einige nach; auf dieſe Weiſe finden ſich dann an ein und demſelben Thiere Pocken die bereits abtrocknen, während andere ſich erſt in der Periode der Reife befinden. Faſt immer jedoch ſind in dergleichen Fällen die Pocken nur durch eine halbe oder doch nur durch eine einzige Periode in Bezug auf ihr Alter von einander getrennt; denn der Fall, daß ſich an einem und demſelben Schafe z. B. gleichzeitig Pocken in der Periode der Abtrocknung und der des Ausbruches befänden, kommt wohl nicht leicht vor; ich ſelbſt wenigſtens habe dieſes zu beobachten nie Gelegenheit gehabt. Wenn die Pocken den bisher beſchriebenen, regel⸗ mäßigen, man koͤnnte ſagen natürlichen Verlauf neh⸗ men, ſo nennt man ſie gutartige Pocken. Leider ſind ſie dieſes nicht immer, denn zahlreiche innere und äußere, bekannte und noch unerforſchte Umſtände ändern den Gang der Pocken häufig auf mannigfache Weiſe ab, und machen ſie dann nur zu oft zu einer höchſt mörderiſchen Seuche. Unter ſolchen Umſtänden werden die Pocken bösartig genannt, und zeigen ſich dann weſentlich unter nachſtehenden Erſcheinungen: Schon einige Tage, bevor der Ausbruch der Pocken erfolgt, zeigt ſich das Schaf auffallend krank; es frißt und wiederkäuet nicht, es zeigt ſich träge und abge⸗ ſpannt ꝛc. Sodann brechen die Pocken faſt an der ganzen Hautoberfläche zugleich aus, beſonders an den Lippen, an den Backen und Augenliedern und an den wolleloſen Theilen der Schenkel. Die befallenen Hautſtellen erſcheinen heiß, geſpannt und geſchwollen, beſonders ſind die Lippen und die Augenlieder im hohen Grade angeſchwollen, und, bei der Berührung ſowohl als bei der Bewegung, äußerſt empfindlich. Die Pocken ſind in ungemeiner Anzahl vorhanden; ſie ſind größer als die gutartigen Pocken, und nicht wie dieſe rund, ſondern länglich und oval, und fließen meiſtens in einander, ſo daß ſie große, unförmige Hervorragungen und unregelmäßige Figuren bilden(Tab. VI.); ſie erheben ſich nicht beträchtlich über das Niveau der Haut, und erſcheinen platt, und in ihrer Mitte, ſtatt kugelförmig gewölbt, etwas eingedrückt; ſie ſelbſt ſo— wohl, wie die zwiſchen ihnen befindlichen Hautſtellen, erſcheinen von einer hochrothen, kupfrigen, violetten, bläulichen oder einer ähnlichen Farbe. Selten oder nie machen ſie den regelmäßigen Verlauf der gutartigen Pocken; ſie wölben ſich nicht, füllen ſich nicht mit Lymphe, und gehen auch nicht in gutartige Eiterung oder Schorfbildung über, ſondern ſie bleiben gewöhn⸗ lich bis zum Tode des Thieres in dem vorher beſchrie⸗ benen Zuſtande. In vielen Fällen treten ſie einige Zeit vor dem Tode gänzlich zurück, und manchmal füllen ſie ſich, ſtatt mit Lymphe, mit einer dünnen, ſcharfen Jauche, und verwandeln ſich, ſtatt zu Schor⸗ fen zu vertrocknen, in tiefe, freſſende Geſchwüre, wo⸗ durch oft ganze Hautſtücken abfallen, beſonders im Geſichte, an den Ohren, auch an den Schenkeln ꝛc. Das ſo befallene Schaf iſt kaum vermoͤgend ſich von der Stelle zu bewegen, und thut dieſes ohne Zwang nicht mehr; die angeſchwollenen, heißen und beim Anfühlen höckerigen und mit Knoten beſetzten Lippen und Backen kann das Thier nicht bewegen, und es frißt deshalb auch nicht mehr; die Augen ſind gänzlich verſchloſſen, und der ganze Kopf erſcheint ſtark ange⸗ 92 ſchwollen. Das Schaf iſt im hohen Grade krank; es ſenkt den Kopf zu Boden, ſtellt die Füße dicht unter den Leib zuſammen, ſteht mit ſehr gekrümmtem Rük⸗ ken, athmet beſchleunigt und angeſtrengt; die ganze Körperoberfläche, dann beſonders Maul, Naſe und Lippen, und die unbewollten Theile der Schenkel ſind ſtark entzündet, heiß und ſehr empfindlich. Der Durſt iſt brennend, aber das Saufen, der entzündeten Lippen wegen, ſchwierig. Gleich in den erſten Tagen nach dem Ausbruche der Pocken ſtellt ſich ein Ausfluß von Geifer aus dem Maule, und von Anfangs dünnem, ſehr bald aber dick und zähe werdenden, gelblich— weißen Schleim aus der Naſe ein. Dieſer rotzartige, zuweilen ſogar mit Blutſtreifen vermiſchte Naſenaus⸗ fluß, ſo wie der Speichel und die ganze Ausdünſtung des Schafes verbreiten einen unerträglichen Geruch. Gewoͤhnlich ſetzt ſich ein Theil des Naſenausfluſſes um die Ränder der Naſenlöͤcher feſt, und vertrocknet hier zu zähen, dunkeln Kruſten, durch welche die Naſen⸗ loͤcher ſo verſtopft werden, daß das Athemholen kaum mehr möglich iſt. Die Schleimhaut der Naſenhöhlen iſt entzündet und angeſchwollen, wodurch die Naſen⸗ höhlen ſo ſehr verengt werden, daß die Luft beim Athemholen nur ſchwer und unter einem rauſchenden und ſchnaufenden Tone eindringen kann, welches er⸗ ſchwerte Athemholen für das Schaf augenſcheinlich ſehr läſtig iſt. Die angeſchwollenen Augenlider ſind geſchloſſen; die Augen ſind hochroth und entzündet; es hat aus ihnen ein reichlicher Ausfluß von Feuchtig⸗ keit ſtatt, welche, Anfangs wäſſerig und dünn, ſpäter aber dick und eiterartig wird, und wodurch die Augen⸗ lider dann zugeklebt werden. In vielen Fällen geht das ganze Auge in Eiterung über, beſonders dann, wenn der Augapfel ſelbſt der Sitz von Pocken wird. Das Schaf geht taumelnd umher, oder liegt viel, und verſucht man daſſelbe aufzuheben, ſo ſinkt es wie— der zu Boden; die Wolle iſt ſehr leicht auszuzupfen, denn überall auf der ganzen Haut ſind Pocken dicht gedraͤngt bei einander; die Flanken ſind ſo ſehr einge⸗ fallen, daß ſich die Haut beider Flankengegenden faſt berührt; das Schaf magert im hohen Grade ab, be⸗ kommt in der Regel einen Durchfall, und ſtirbt dann bald darauf. Nicht ſelten treten die Pocken gegen das Ende der Krankheit zurück, oder es bildet ſich eine Hals⸗ oder Lungenentzündung, wo dann der Tod um um ſo ſicherer iſt. Dieſer erfolgt gewoͤhnlich erſt am vierzehnten, ſechzehnten bis zwanzigſten Tage ſeit der 17. Schafpocken, erfolgten Anſteckung; ſelten früher, und dieſes mei⸗ ſtens nur dann, wenn die Pocken zurücktreten, wenn Hals- oder Lungenentzündung hinzukommen, oder wenn die befallenen Stücke ſehr junge Sauglämmer ſind.. Die Cadaver der an den Pocken krepirten Schafe gehen ungemein leicht in Fäulniß über; gleich Anfangs verbreiten ſie einen peſtilenzialiſchen Geſtank. Bei Eröffnung derſelben finden ſich auch zahlreiche Pocken auf der Schleimhaut der Naſe und der Luftröhre, auf den Lungen, auf der Leber, an den Gedärmen und im Gekröſe, welche jedoch nicht ganz das Ausſehen der Pocken der Haut haben, und die auf den genannten Theilen häufig flache Geſchwüre darſtellen. Da die Pocken nicht immer unter derſelben äußern Form erſcheinen, ſo hat man wohl eine weſentliche Verſchiedenheit derſelben angenommen, und die Be⸗ nennung derſelben von den auffallendſten Erſcheinun⸗ gen entlehnt. So ſind die Ausdrücke: zuſammenflie⸗ ßende, brandige, plattgedrückte, braune, blaue und Aaspocken ꝛc. entſtanden. Dieſe Eintheilungsweiſe erſcheint aber durchaus unmotivirt, denn es giebt nur eine einzige Art von Schafpocken; die Verſchiedenheit ihres Verlaufs und ihrer äußeren Er⸗ ſcheinung hängt von aͤußeren und inneren Umſtänden und Zufälligkeiten, nicht aber von einer weſentlichen Verſchiedenheit der Pocken ſelbſt ab. Einen Beweis für dieſe Behauptung liefert die Thatſache, daß die zuſammenfließenden, brandigen c. Pocken, bei andern Individuen durch Anſteckung die gutartigſten Pocken, und umgekehrt die Letztern bei andern Schafen die übelſten Pocken hervorzubringen im Stande ſind. Es würde auch nicht ſchwer halten, die urſprünglich gut⸗ artigſten Pocken eines Schafes durch eine abſichtlich verkehrte Behandlung in die bösartigſten, flachen, zu⸗ ſammenfließenden ꝛc. Pocken zu verwandeln. Eine paſſende Benennung für die beiden Hauptformen der Pocken würde gutartige oder boͤsartige, oder beſſer vielleicht, regelmäßige und unregelmäßige ſein. Die ſogenannten Steinpocken, welche indeſſen nur ſelten vorkommen, haben gar nichts mit den Pocken gemein, und verdienen daher dieſe Benennung keines⸗ wegs. Sie beſtehen in kleinen, hirſekorngroßen, har⸗ ten Knötchen, die an verſchiedenen Hautſtellen zum Vorſchein kommen, und in denen ſich etwas gelblicher Eiter bildet; ſie trocknen in vier bis fünf Tagen ab, ſind ohne Fieber, nicht anſteckend, nie toͤdtlich ꝛc. 17. Schafpocken. Was den Grad der Gefahr anbelangt, mit welcher die Schafpocken verbunden ſind, ſo muß, wie ſchon früher geſagt, dieſe Krankheit zu den verderblichſten gerechnet werden, von welchen dieſe Gattung Thiere nur immer befallen werden kann; ihre Verheerungen ſind, als Totalſumme gerechnet, ungeheuer. So ſollen z. B. nach der Angabe von Liebbald, vor längeren Jahren, von acht Millionen Schafen, welche Ungarn beſaß, jährlich einhundertfünfzigtauſend Stück durch die Pocken zu Grunde gegangen ſein, und nach Ritter von Heintl verlor Oeſterreich, von der Geſammtzahl von ſechszehn Millionen Schafen, jährlich vierhundert⸗ tauſend Stück. Wenn auch dieſe, vor Einführung der Schafpocken⸗Impfung, gemachten Berechnungen nicht ganz ſtatiſtiſch genau ſein mögen, ſo laſſen ſie wenigſtens auf einen ungeheuern Verluſt durch die Pocken mit Recht ſchließen. Man nimmt an, daß im Durchſchnitte die Pocken von den mit ihnen befallenen Schafheerden den achten bis zehnten Theil hinwegraffen, ein Verhältniß, wel⸗ ches nach meiner Anſicht wohl etwas zu günſtig geſtellt zu ſein ſcheint. In einzelnen, günſtigen, jedoch ſeltenen Fällen krepiren zwar wohl nur ſechs bis acht Procent, wie ich dieſes ſelbſt einmal in einer, aus fünfhundert⸗ undfunfzig Häuptern beſtehenden Heerde beobachtet habe. Weit gewoͤhnlicher aber iſt der Verluſt ungleich größer; nicht ſo ſelten beträgt der Verluſt zwanzig, dreißig, ja ſogar vierzig bis ſechzig Procent, und noch vor wenigen Monaten ſah ich, unter ſcheinbar günſti⸗ gen äußern Umſtänden, von dreihundertunddreißig mit den Pocken behafteten Schafen, neunundneunzig Stück krepiren, mithin faſt genau dreißig Procent. Was die Pockenkrankheit an dem einzelnen Thiere betrifft, ſo können hier im Allgemeinen folgende Re⸗ geln erfahrungsmäßig gelten. Je weniger Pocken ſich zeigen, deſto gutartiger ſind ſie; je reichlicher ſie dagegen auf der Haut erſchei⸗ nen, deſto ſchlimmer, denn ſie ſind dann meiſtens platt, und fließen zuſammen. Der Grad der Gefahr ſteht daher mit der Anzahl der Pocken in faſt geradem Verhältniſſe. Wenn nur wenige Pocken vorhanden ſind; wenn. ſie regelmäßig verlaufen, einzeln ſtehen, rund ſind, ſich kugelfoͤrmig erheben, Lymphe abſondern und in Schorfbildung übergehen, ſo iſt die Krankheit ſehr gutartig und nie tödtlich. Die Zeichen von Fieber, verminderter Freßluſt, Naſenausfluß ꝛc. fehlen dann 93 gewöhnlich ganz, und es wird in der Regel gar nichts von einer allgemeinen Krankheit wahrgenommen. An den Rändern der Lippen, an den Naſenflügeln, an den Augenlidern oder an der inneren Fläche der Schen⸗ kel finden ſich hier und da einige dunkelbraune Schorfe, von der Größe einer Linſe oder Erbſe, wodurch man zuerſt darauf aufmerkſam gemacht wird, daß das Schaf überhaupt an den Pocken gelitten hat. Dergleichen Fälle finden ſich in größern Heerden glücklicherweiſe ziemlich oft. Sind die Pocken in größerer Anzahl vorhanden, und ſtehen ſie beſonders an den Lippen und überhaupt an dem Kopfe gehäuft und dicht neben einander, ſo iſt die Krankheit ſchon beträchtlicher; Fieber, verminderter Appetit und ein geringer Naſenausfluß fehlen dann ſelten. Aber auch in dieſem Falle iſt die Gefahr nur gering, wenn die Pocken von kreisrunder Form ſind, und wenn ſie ſich ſtark erheben, Lymphe abſondern und einen Schorf bilden. Freilich magert das Schaf dabei ab, es verliert vielleicht ein Auge, oder ein Stückchen des Naſenflügels ꝛc., aber der Tod erfolgt dennoch dabei nur ſelten. Bedenklich iſt der Fall, wenn das Schaf gleich beim Ausbruche der Pocken ſehr krank, ohne Munter⸗ keit und Freßluſt ſich zeigt; wenn Lippen und Augen⸗ lider, oder überhaupt die ganze Kopfhaut ſehr an⸗ ſchwellen; wenn der Blatterausbruch überall auf der Haut ſich zeigt; wenn die Pocken ſo dicht ſtehen, daß ſie in einander fließen, und dann unförmige Figuren bilden(Tab. VIII. aa.), ſich nicht erheben, ſondern platt bleiben; wenn die zwiſchen den Pocken befind⸗ liche Haut ebenfalls ſtark entzündet, ſehr roth oder von der gleichen Farbe der Pocken iſt; wenn gleich Anfangs ein Naſenausfluß ſich einſtellt, das Athem⸗ holen ſchnaufend und ſehr anſtrengend iſt. In der⸗ gleichen Fällen werden durch die Heftigkeit des Fiebers, ſo wie durch den Umfang ſo wie durch die Stärke der Hautentzündung die Kräfte des alſo befallenen Scha⸗ fes vorſchnell erſchopft; es bleibt dem Koͤrper gewöhn⸗ lich nicht Kraft genug übrig, den Entzündungsproceß der Pocken auf die natürliche Weiſe durchzuführen; die Pocken bleiben in ihrer Ausbildung ſtehen, ſondern keine Lymphe ab, und gehen weder in Citerung noch Schorfbildung über. In einigen Faͤllen gelingt es durch eine große Sorgfalt in Wartung und Pflege ſolche Kranke zu erhalten; die meiſten jedoch gehen verloren. Ganz beſonders ungünſtige, und faſt alle⸗ 94 17. mal todtverkündende Zeichen ſind es, wenn die zuſam⸗ mengefloſſenen, platten Pocken kupferfarben, violett oder blaͤulich⸗hochroth und trocken erſcheinen, oder wenn ſie in jauchige Zerſtörung wichtiger und umfang⸗ reicher Theile übergehen;z wenn das Schaf gänzlich ohne Appetit iſt, aus Naſe, Maul und Augen einen häufigen, ſtinkenden Ausfluß hat, und wenn das Schaf den aus der Naſe ſtattfindenden nicht mehr ab⸗ leckt; wenn die Pocken zurücktreten, oder wenn ſich Hals- oder Lungen⸗Entzündung oder Durchfall ein⸗ ſtellen; wenn das Schaf ſich nicht mehr auf den Bei⸗ nen erhalten kann ꝛc. Nicht alle Stücke einer Heerde werden in gleich ſtarkem Grade der Heftigkeit befallen, ſelbſt unter ganz gleichen Umſtänden in Bezug auf Witterung, Fütte⸗ rung, Wartung, Pflege ꝛc.— Im Allgemeinen werden die Pocken den edlen und veredelten Schafen verderblicher, als den gewöhnlichen Landſchafen. Junge Schafe leiden meiſtens weniger, als alte; hiervon ſind jedoch die Sauglämmer ausgenommen. Dieſe krepiren ſehr leicht an den Pocken, und oft ſchon in den erſten Tagen nach dem Ausbruche derſelben; ſehr junge Thiere ſelbſt bevor derſelbe zu Stande gekommen iſt. Bei ſehr gut genährten Stücken, und daher auch bei Böcken, erfolgt am häufigſten ein ſehr reichlicher Blatternausbruch, und dadurch der Tod. Hochtragende Mütter erkranken ebenfalls ſehr heftig, und verwerfen dabei in der Regel. Sehr magere Schafe und Kränkler dagegen leiden meiſtens nur wenig durch die Krankheit beſonders gilt dieſes von Gnubbern. In Betreff des Einfluſſes, den Witterung und Jahreszeit auf die Gutartigkeit oder Bösartigkeit der Pocken ausüben, können folgende Regeln gelten. Die Extreme von Kälte und Hitze, beſonders der letzteren, ſchaden; nichts iſt aber ſo nachtheilig, als Naͤſſe; ein einziger Regen, der die pockigen Schafe trifft, kann den Verluſt der halben Heerde herbeiführen. Dagegen ſind ein mildes, warmes Wetter, Ruhe der Schafe, und eine mäßige Fütterung dem guten Verlaufe der Pocken förderlich. Obwohl nun zwar unleugbar vom Wetter und von der individuellen Beſchaffenheit der befallenen Schafe, ſehr viel abhaͤngt, ſo ſcheint es denn doch ſo, als ob in manchen Jahren die Pocken an und für ſich einen gutartigeren oder bösartigeren Charakter haben, welches nicht blos von Wetter, Jahreszeit ꝛc., ſondern Schafpocken. oft auch von unbekannten atmoſphäriſchen Einflüſſen bedingt zu werden ſcheint. Die Schafpocken ſind im hohen Grade anſteckend, und dieſes wird auch wohl von Niemand mehr be⸗ zweifelt. Der Anſteckungsſtoff iſt in allen Theilen des pockenkranken Schafes enthalten, vorzugsweiſe in der Pockenlymphe, im Blute, im Maul⸗ und Naſen⸗ ausfluſſe, in den Exkrementen und dann auch in den Ausdünſtungen der Haut und der Lungen. Die An⸗ ſteckung kann ſowohl durch unmittelbare Berührung der genannten Stoffe erfolgen, als auch durch aller⸗ hand Zwiſchenkörper, und durch die Luft. Gewoͤhnlich erfolgt die Anſteckung einer Heerde durch pockige oder pockig geweſene Schafe, durch deren Felle und Wolle, oder dadurch, daß die geſunden Schafe Wege, Trif⸗ ten ꝛc. betreten, auf welchen kurz zuvor pockenkranke Schafe ſich befunden hatten. Auch durch Menſchen und deren Kleider, beſonders durch Pelzwerk, und ſelbſt durch Hunde und Geflügel kann die Krankheit verſchleppt werden. Da das Pockencontagium flüchtig iſt, ſo erlangt es dadurch die Fähigkeit, ſich durch die Luft zu verbreiten; bis auf welche Entfernung daſſelbe noch wirkſam iſt, hat man jedoch bisher noch nicht genau ermittelt, jedoch iſt wohl anzunehmen, daß dieſe Diſtanze bis auf mehrere hundert Schritte ſich erſtreckt. Faſt nie erſcheinen die Pocken in einer Heerde, ohne daß dieſelben in einer größeren oder geringeren Entfernung in der Nachbarſchaft herſchen; die Art jedoch wie die Anſteckung von der fernen inficirten Heerde aus zu Stande kommt, weiß man nur in den ſeltenſten Fällen nachzuweiſen. Man iſt gewoͤhn⸗ lich überraſcht über das Erſcheinen der Pocken, und ſinnt in der Regel vergebens darüber nach, durch wel⸗ chen Zufall die Anſteckung erfolgt ſein könne— ein Beweis von der Intenſität und feinen Natur des Pocken⸗Contagiums. Daſſelbe behält, ſelbſt nachdem die Krankheit ſchon aufgehört hat, ſeine Wirkſamkeit noch längere Zeit bei, und ſelbſt im getrockneten Zu⸗ ſtande. Wird eine Heerde von den Pocken befallen, ſo werden Anfangs immer nur einige wenige Schafe von denſelben ergriffen, wahrſcheinlich weil der Anſteckungs⸗ ſtoff nur zunächſt mit dieſen Stücken in Berührung gekommen war. Niemals wird die ganze Heerde, oder auch nur der groͤßere Theil derſelben, gleich Anfangs befallen, und wenn dieſes mitunter ſo ſcheint, ſo liegt dieſe Täuſchung an der Unachtſamkeit und Liederlichkeit 17. Schafpocken. 95⁵ des Schäfers. Die Ausbreitung der Pocken erfolgt ſtets nur allmälig und zögernd, welches jedoch ſehr von der Temperatur der Luft, und von dem Verhalten der Heerde abhängig iſt. Wärme und dichtes Zuſam⸗ menſein der Schafe, z. B. des Winters im Stalle, beſchleunigt die Anſteckung; der Waidegang und küh⸗ les, naſſes und windiges Wetter dagegen verzögern ſie. Durchſchnittlich verfließen bei groͤßern Heerden drei bis vier Monate, bevor alle Stücke angeſteckt ſind, ja unter Umſtänden kann ſich die Krankheit ein halbes Jahr lang in einer großen Heerde hinziehen. Meiſtens wird die Krankheit um ſo bösartiger, je raſcher die Anſteckung erfolgt, und umgekehrtiſt ein ſehr zögernder Gang derſelben gewöhnlich mit einem gelindern Ver— laufe verbunden. Achtet man genau auf den Gang der Erkrankungen, ſo laſſen ſich meiſtens drei Perioden der Anſteckung wahrnehmen. Die zuerſt erkrankten Stücke ſtecken etwa den vierten oder dritten Theil der Heerde an; hierauf entſteht für einige Zeit ein Still— ſtand, etwa von zwölf bis achtzehn Tagen, worauf dann dieſe zuletzt inficirten Schafe dem Reſte der Heerde die Krankheit mittheilen. Es mag dieſes vielleicht daher kommen, daß die Krankheit erſt dann ihre an⸗ ſteckende Eigenſchaft erlangt, wenn die Pocken zur Reife kommen, welches in der genannten Zeit ſtatt zu haben pflegt. Wie es zugeht, daß manche Stücke erſt ſehr ſpät, und viel ſpäter als andere, angeſteckt werden, iſt noch nicht recht ermittelt; außer zufälligen äußern Umſtänden, mag dieſes auch wohl an dem verſchiede⸗ nen Grade der Diſpoſition für die Pocken liegen. Einige Stücke der Heerde pflegen ſogar ohne alle Empfäng⸗ lichkeit für das Pocken⸗Contagium zu ſein; ſie bleiben frei von der Krankheit, und vielleicht für immer. Im Durchſchnitte kann man annehmen, daß vier bis ſechs Procent von den Pocken verſchont bleiben; daß kein einziges verſchont geblieben wäre, gehört zu den äußer⸗ ſten Seltenheiten. Sind die Pocken in eine Heerde eingedrungen, ſo iſt es nicht einerlei, auf welche Weiſe die inficirte Heerde behandelt wird; es hängt hiervon zum Theil die Größe des entſtehenden Verluſtes ab. Wenn die Gegenwart der Pocken in einer Heerde von dem Schä⸗ fer oder einer anderen unterrichteten Perſon entdeckt wird, ſo kann man ſicher ſein, daß ſchon ein beträcht⸗ licher, meiſt ſchon der vierte oder dritte Theil des gan⸗ zen Beſtandes der Heerde von den Pocken befallen iſt, weßhalb dem Schäfer in dieſer Beziehung die ſorgfäl⸗ tigſte Aufmerkſamkeit zu empfehlen iſt, zumal dann, wenn die Pocken notoriſch in der Nachbarſchaft herrſchen. Sobald über die Gegenwart der Pocken kein Zwei⸗ fel mehr übrig iſt, nehme man unverzüglich eine ge⸗ naue Unterſuchung jedes einzelnen Stückes der Heerde vor. Man legt das Schaf dabei auf den Rücken, und beſichtigt vorzugsweiſe die innere, kahle Fläche der Schenkel, die wolleloſen Stellen an Bauch und Bruſt, und dann das Geſicht, zumal Lippen und Augen. Sind die Pocken noch nicht weit vorgeſchritten, ſo fallen ſie am Geſichte manchmal nicht ſehr in die Augen, weßhalb man mit den Fingern über die Rän⸗ der der Lippen hinweggleitet, um ſich zu überzeugen, ob hier nicht knotige und höckerige, beim Drucke em— pfindliche und die Pocken darſtellende Unebenheiten ſich befinden. Alle inficirt befundenen Schafe werden hier⸗ auf von den übrigen, ſcheinbar noch nicht angeſteckten getrennt, und in einem möglichſt entfernten Lokale untergebracht. Wird ſchon ein großer Theil der Heerde krank befunden, ſo iſt es jedoch paſſender, die kranken Schafe in dem urſprünglichen, und jetzt als ſehr inficirt anzuſehenden Stalle zu laſſen, und die noch nicht be⸗ hafteten Schafe in einen entfernteren Stall ꝛc. zu bringen. Wird die Krankheit ſehr frühzeitig erkannt, ſo daß nur erſt einzelne Schafe von ihr befallen ſind, ſo gelingt es in ſolchen Fällen zuweilen, die Krankheit zum Stillſtande zu bringen, und ihre weitere Ausbrei⸗ tung zu verhindern; indeſſen iſt dieſes ſtets zweifelhaft und unſicher. Eine ſolche Reviſion wird täglich wie— derholt, wobei jedoch die Vorſicht zu beobachten iſt, daß diejenigen Perſonen, welche mit den kranken Scha⸗ fen zu thun haben, weder die Reviſionen vornehmen, noch ſonſt mit dem geſunden Theile der Heerde in Be⸗ rührung kommen. Die Behandlung der regelmäßig und gutartig ver⸗ laufenden Pocken iſt ſehr einfach, und bedarf keiner arzneilichen Mittel; man trage nur Sorge, daß die kranken Schafe einer paſſenden diätetiſchen Pflege unterworfen werden. Im Winter, bei kaltem, win⸗ digen, neblichen oder regneriſchen Wetter werden die Kranken durchaus im Stalle gehalten; nichts ſchadet ſo ſehr als Kälte und Näſſe, denn, trotz ſeines dicken Vließes, iſt die feine und zarte Haut des Schafes gegen die Einwirkung von Kälte und Näſſe ſehr empfindlich, zumal wenn ſie durch den Pockenausſchlag mehr oder weniger ſtark und ausgebreitet entzündet iſt. Der Stall, in dem die kranken Schafe gehalten werden, 96 muß hinreichend geräumig und warm, und mit reich⸗ licher und trockener Streu verſehen ſein. Eine Tempe⸗ ratur von zwolf bis funfzehn Grad Reaumur iſt die angemeſſenſte. Bei heiterem und warmen Wetter konnen die Kranken auf einer trockenen und nahrhaften Weide gehalten werden, doch iſt dabei die Regel zu beobachten, daß ſie durch weite Märſche nicht erhitzt, und nahe genug beim Stalle oder einem Schoppen gehalten werden, damit ſie bei etwa eintretendem Regen ſogleich vor demſelben geſchützt werden können. In ſehr heißen Sommertagen vermeidet man, die Schafe in den Mittagsſtunden unter freiem Himmel zu laſſen, denn eine ſehr große Hitze iſt nachtheilig. Des Nachts über hält man die Schafe am paſſendſten im Stalle, denn der Thau der Nacht, und etwa ein⸗ tretender Regen, können dem gutartigen Verlaufe der Krankheit Eintrag thun. Allemal findet ſich unter einer pockigen Heerde, ſelbſt wenn die Krankheit im Allgemeinen die gutar⸗ tigſte iſt, eine größere oder geringere Anzahl von Indi⸗ viduen, bei denen ein unregelmäßiger Verlauf der Pocken, ein allgemeiner Ausbruch, ein Zuſammen⸗ fließen und eine platte Form derſelben, beobachtet werden. Dergleichen Kranke bedürfen einer ſ orgfälti⸗ geren Behandlung; es werden daher alle jene Stücke, welche von der genannten üblen Form der Pocken be⸗ fallen ſind, von den leichter erkrankten Stücken ge⸗ trennt, und, wo möglich, in einem beſondern Lokale untergebracht; denn ſie verpeſten und verderben durch ihre Ausdünſtung ꝛc. die Luft, welches nachtheilig auf die gelinder erkrankten Schafe einwirkt. Man halte ſie in einem warmen und trockenen Stalle, oder laſſe ſie allenfalls auf den Grasplatz eines Gartens oder auf eine, ſehr nahe beim Stalle befindliche Weide gehen. Eine eigentliche mediciniſche Behandlung durch Arzneimittel iſt mit vielen Schwierigkeiten ver⸗ knüpft; theils laſſen ſich bei der unendlichen Verſchie⸗ denheit der Conſtitution, des Alters ꝛc. der Kranken, und der größeren oder geringeren Heftigkeit der Krank⸗ heit, keine allgemeine Vorſchriften in dieſer Beziehung geben, theils iſt die Anwendung von Arzneien koſt⸗ ſpielig, von zweifelhaftem Nutzen, und außerdem bei Heerden im Großen, wo manchmal Hunderte von Kranken zu behandeln ſein würden, kaum ausführbar. Es iſt deshalb rathſam, ſich auf eine angemeſſene diätetiſche Wartung und Pflege der kranken Schafe zu beſchränken. Dieſelben erhalten geſundes und das 17. Schafpocken. beſte Futter, als feines Heu, Kleeheu, zerſchnittene Kartoffeln ꝛc. Zum Geſöff reicht man reines, mit etwas Kochſalz verſetztes, oder durch Eſſig ſchwachge⸗ ſäuertes Waſſer. Diejenigen Stücke, welchen die Lippen ſo ſehr angeſchwollen ſind, daß ſie dadurch am Freſſen gehindert werden, erhalten Mehl⸗oder Schrot⸗ tränke, und ſollten ſie dieſe nicht freiwillig zu ſich neh⸗ men, ſo gieße man ihnen dieſelbe wiederholt ein. Unterbleibt dieſes, ſo geht das Thier durch Hunger und Mangel an Ernährung zu Grunde. Zweckmäßig wählt man zu dergleichen Eingüſſen Gerſtenſchrot, welchem etwas Kochſalz zugeſetzt werden kann. Sind die Augen durch Entzündung verſchloſſen und durch den Ausfluß verklebt, ſo weiche man dieſelben auf, und bähe ſie mit lauwarmem Waſſer oder mit Milch. Sind die Naſenlöcher durch vertrockneten Naſenſchleim verſtopft, ſo entferne man dieſes Hinderniß für den Luftdurchgang vorſichtig, und ebenfalls durch Bähun⸗ gen mit lauem Waſſer. Das Eingeben von Arzneien, welches in einigen Fällen allerdings heilſam ſein könnte, überläßt man, aus eben angeführten Gründen, füglich den Arzneiſüchtlern. Jedenfalls ſind hiezu der Rath und die Anordnung eines Sachverſtändigen er⸗ forderlich, eben ſo wie zu der ſpeciellen Kur der örtli⸗ chen Krankheitszuſtände, z. B. Entzündung der Augen, der Gelenke, einer hinzutretenden Hals⸗ oder Lungen⸗ entzündung ꝛc. Sind die Pocken in einer Schafheerde ausgebrochen, ſo gebieten ſowohl die Billigkeit als auch das Geſetz, daß die Nachbarn und die Polizei⸗ Behörde davon in Kenntniß geſetzt werden, damit die Verbreitung der Krankheit auf andere Heerden, ſo viel wie möglich, verhindert werden kann. Hat die Pockenkrankheit in einer Heerde ihr Ende erreicht, ſo muß man Sorge tragen, daß das Pocken⸗ gift ſo gut als möglich vertilgt werde, aus leicht be⸗ greiflichen Gründen. Zu dem Ende werden alle an den Pocken krepirten Schafe mit Haut und Wolle tief vergraben, welches weiter kein Opfer iſt, da die ſtark mit Pocken beſetzten Felle für den Gerber faſt gänzlich werthlos ſind. Der Miſt aus den Krankenſtällen wird untergepflügt, Wände, Ständer und alle ſonſtigen Gegenſtände, welche mit den kranken Schafen in Be⸗ rührung gekommen ſind, und deshalb auch die Hürden, müſſen mit Kalk überſtrichen werden. Um eine ſolche Desinfection wirkſamer zu machen, ſetzt man jedem Eimer voll Kalkbrei etwa zwei Pfund guten Chlor⸗ kalk zu. — 17. Schafpocken. 97 Man iſt vielfach der Meinung geweſen, daß eine Schafheerde durch gewiſſe arzneiliche Mittel vor den Pocken geſchützt werden koͤnne, indem dergleichen Mit⸗ tel die Diſpoſition für die Pocken aufhöben. So hat man namentlich empfohlen: Campher und Stinkaſand, von jedem ein Loth, mit einem Pfunde Schweineſchmalz zu miſchen, und hievon den zu ſchützenden Schafen etwas unter dem Halſe einzureiben. Dieſes Verfahren hatte ſich einige Zeit hindurch einen gewiſſen Ruf als Präſervativmittel erworben, aber ſpäter hat es die Probe nicht ausgehalten, und, wie ſich gleich von vorn herein erwarten ließ, eben ſo wenig genützt, als irgend ein anderes der vorgeſchlagenen Mittel. Außer der ſpäter anzuführenden Impfung beſteht das einzige, obſchon zweifelhafte, Sicherungs⸗Mittel gegen die Pocken in möglichſter Vermeidung und Ab⸗ wehrung alles deſſen, wodurch von anderwärts her eine Anſteckung bewirkt werden könnte, und dieſe Vor⸗ ſicht muß ſich verdoppeln, wenn die Pocken in der Nähe herrſchen. Von den geſunden Heerden müſſen alle Perſonen, Thiere aller Art, und ſelbſt lebloſe Gegenſtände entfernt gehalten werden, welche mit einer inficirten Heerde irgendwie in Berührung gekommen ſind. Die geſunde Heerde muß von Wegen, Triften und Weiden, welche von pockigen Schafen betreten wurden, fern gehalten, und in ſehr beträchtlicher Ent⸗ fernung(mindeſtens vierhundert bis ſechshundert Schritte) von ihnen gehütet werden. Alle dieſe und noch andere Vorſichtsmaßregeln werden aber in vielen, vielleicht in den meiſten, Fällen zu Schanden, denn es erſcheinen die Pocken in einer Heerde doch oftmals ſelbſt unter Umſtänden, wo die peinlichſte Sorgfalt auf die Vermeidung jeder Gelegenheit zur Anſteckung beobachtet wurde. Der Heerdenbeſitzer iſt gewöhnlich in einem hohen Grade überraſcht über den Ausbruch der Pocken in ſeiner Heerde; derſelbe iſt ihm unbe⸗ greiflich, und er weiß die Quelle nicht aufzufinden. Impfung der Schafpocken. Nachdem man, bei den ungeheuren Verluſten, welche die Pocken in den Schafheerden bewirkten, vergebens nach einem Mittel ſich umgeſehen hatte, durch welches dieſe Ver⸗ luſte zu verringern oder wo möglich ganz zu verhindern wären, kam man auf den Gedanken der Impfung. Da man einſah, daß die Menſchenpocken mit den Schafpocken überaus viel Aehnlichkeit haben, und daß die Menſchenpocken durch die Impfung mit Vaccine verhütet werden können, ſo lag der Gedanke, auch Wagenfeld, Encyel. bei den Schafen die Impfung einzuführen, in der That ſehr nahe. Dieſe Vermuthung iſt denn auch auf eine glänzende Weiſe gerechtfertigt worden, denn ſeit Bekanntwerdung der Schafpocken⸗Impfung haben die Schafpocken aufgehört ein Schrecken ganzer Provin⸗ zen und Länder zu ſein, indem dieſelben jetzt höchſtens nur noch in einzelnen Heerden, nicht aber in den Heer⸗ den ganzer Länderſtriche ihre Verwüſtungen anrichten können. Die Impfung der Schafpocken beſteht in der ab⸗ ſichtlichen und künſtlichen Erzeugung einer ähnlichen, aber ſehr gelinden und gutartigen Pockenkrankheit, wodurch die Fähigkeit des geimpften Thieres, von den natürlichen, und nur zu oft ſehr bösartig erſcheinenden Pocken befallen zu werden, aufgehoben wird. Alſo abſichtliche Erzeugung einer gelinden Krankheit, zum Zwecke des Schutzes gegen eine ſehr bösartige. Die Operation der Impfung ſelbſt beſteht darin, daß etwas von der Schafpockenmaterie durch einen kleinen Einſtich unter die Oberhaut des zu ſchützenden Schafes ge⸗ bracht wird. Anfangs fand die Impfung der Schafe zahlreiche Gegner und lebhaften Widerſpruch, denn es ereigneten ſich Fälle, in denen die Impfung ſehr ungünſtige Re— ſultate lieferte, offenbar wohl nur deshalb, weil Zeit und Umſtände und unpaſſendes Impfverfahren dabei concurrirt hatten; die Impfung theilte ſomit das Loos aller ſegenvollen und glänzenden Entdeckungen, welche erſt nach Beſeitigung vieler Hinderniſſe, ſich Bahn bre⸗ chen und die volle Geltung verſchaffen konnten. Nach⸗ dem jedoch ſeit einer Reihe von Jahren die Impfung faſt allgemein eingeführt iſt, und ihre Technik und die dabei zu beobachtenden Regeln durch überaus zahlreiche Erfahrungen feſtgeſtellt ſind, können nur noch Leute, denen ein geſundes Urtheil abgeht, und welche über ihr eigenes Intereſſe ſchlecht aufgeklärt ſind, den emi⸗ nenten Nutzen der Impfung leugnen, und Oppoſitio⸗ nen gegen dieſelbe bilden. Die weſentlichſten Vorzüge, welche die Impfung, im Vergleiche mit den natürlichen Schafpocken, darbie⸗ tet, ſind folgende. a) Die natürlichen Poecken raffen nicht ſelten zwanzig, dreißig bis funfzig und mehr Procente der befallenen Heerde hinweg, und es iſt ſchon als eine Ausnahme und als ein Glück zu be— trachten, wenn nicht mehr als acht bis zwölf Procente verloren gehen. Bei den geimpften Pocken iſt es dagegen ſchon ſelten, und als ein ſehr unünſtiger Faſt 98 zu betrachten, wenn vier bis ſechs Procent der Impf⸗- linge krepiren; denn oft beträgt der Verluſt bei weitem weniger, und iſt faſt Null. So krepirten z. B. in einem Falle von vierzigtauſend geimpften Schafen nur zehn Stuͤck, unbeſchadet der völligen Schutzkraft der Impfung. b) Während die natürlichen Pocken drei bis vier, ja bis ſechs Monate ſich in der inſicirten Heerde erhal⸗ ten können, iſt die durch die Impfung erzeugte Krank⸗ heit dagegen in vier bis ſechs Wochen beendigt. c) Außer dem Verluſte, den eine Heerde an Todten durch die natürlichen Pocken erleidet, iſt auch noch der Verluſt an Wolle bei vielen geneſenen Stücken be⸗ trächtlich, welches bei den geimpften Schafen nicht in Anſchlag kommt. d) Da die natürlichen Pocken zu allen Jahreszei⸗ ten und unter allen möglichen äußern Umſtänden zum Vorſchein kommen können, ſo werden ſie eben durch dieſe oft noch ganz beſonders verderblichz z. B. wenn ſie Mut⸗ terſchafe während der Lammzeit befallen, wo dann in der Regel Mutter und Lamm darauf gehen. Die Impfung dagegen kann, wenn auch nicht allemal, ſo doch in den meiſten Fällen, auf eine gelegenere Zeit verlegt werden. Dieſe angeführten Thatſachen allein ſind ſchon hinreichend, um den offenbaren Nutzen, den die Im⸗ pfung gewährt, zu beweiſen; allein dieſer Nutzen wird nur erſt dann vollſtändig erſichtlich, wenn die JImpfung zeitig genug unternommen wird, denn auch das beſte Mittel verliert ſeine Wirkſamkeit, wenn es zu ſpät kommt. Iſt daher die Pockenkrankheit ſchon in eine Heerde eingedrungen, ſo kann die Impfung natürlich nur bei jenen Stücken von nützlichem Erfolge ſein, bei denen noch keine Anſteckung erfolgt iſt. Dennoch i*ſt auch hier die Impfung noch ſehr wohlthätig, denn ſie wird wenigſtens einen Theil der Heerde vor der natürlichen Anſteckung ſichern, und jedenfalls wird durch ſie die Dauer der Seuche ungemein abgekürzt. Die unter ſolchen Umſtänden ausgeführte Impfung wird die Nothimpfung genannt. Sie iſt die am we⸗ nigſten günſtige, aber dennoch unter allen Umſtänden anzurathen, ausgenommen bei Mutterſchafen, die ſich im Lammen befinden; hier ſuche man durch täglich wiederholte Reviſionen die kranken von den noch ge⸗ ſunden Stücken zu trennen, und dadurch die allgemeine Verbreitung der Pocken zu verzögern und ſo lange hin⸗ zuhalten, bis Mutter und Lamm ohne augenſcheinliche 17. Schafpocken. Gefahr geimpft werden können, welches ſpäter noch genauer angegeben werden ſoll. Herrſchen die Schafpocken in der Nähe, ſo kann der Heerdenbeſitzer nichts Klügeres thun, als ſeine Schafe impfen zu laſſen, und ein beſtimmtes, aber geringes Uebel einem wahrſcheinlichen und weit grö⸗ ßeren Uebel vorzuziehen. Die unter ſolchen Verhält⸗ niſſen unternommene Impfung hat man die Präcau⸗ tions-Impfung genannt. Sie iſt ſtets anzurathen, wenn die Pocken in der Nachbarſchaft graſſiren, denn ſelbſt bei der größeſten Achtſamkeit gelingt es nicht immer, die Anſteckung von anderwärts her zu ver⸗ hüten. Die Erfahrung lehrt, daß die Pocken, wenn ſie ſich einmal in einer Gegend zeigen, ſelten auf ein⸗ zelne Heerden beſchränkt bleiben; meiſtens werden ſie mehr oder weniger allgemein; ſie finden oft genug Verbreitungswege, von denen manche noch nicht hin⸗ reichend bekannt ſind, wobei ſie nicht ſelten die näch⸗ ſten Heerden überſpringen, und in entfernteren zum Vor⸗ ſchein kommen. Giebt man ſich deshalb hier einer zu großen Sorgloſigkeit und einer trügeriſchen Hoff⸗ nung hin, ſo kann es leicht kommen, daß die Noth⸗ impfung erforderlich wird, welche alsdann, wie ſchon angeführt, nur einen theilweiſen Nutzen bringen kann. Es iſt deshalb fürwahr nur ſchwer zu begreifen, wie man bei einer ſolchen Alternative ſchwankend in der Wahl ſein kann, und doch iſt dieſes ſo ſehr oft der Fall. Bei der gemachten Erfahrung der ſchützenden Wir⸗ kung der Impfung, und der Gelindigkeit der durch dieſelbe bewirkten Zufälle, hat man dahin getrachtet, das Erſcheinen der natürlichen Pocken ganz unmöglich zu machen, und zwar dadurch, daß man bei der Nach⸗ zucht von an den natürlichen Pocken durchgeſeuchten oder von geimpften Schafen alljährlich die Impfung fortſetzt. Die unter ſolchen Umſtänden unternommene Impfung wird die Schutz⸗Impfung genannt. Sie gewährt allerdings, im Vergleiche zu der Noth⸗ und Präcautions⸗Impfung große Vorzüge, denn man hat dabei die freie Wahl einer paſſenden Jahreszeit und anderer der Impfung günſtiger Umſtände; der etwa eintretende Verluſt eines Lammes iſt geringer als der eines erwachſenen Schafes ꝛc. In manchen Län⸗ dern, beſonders in den öſterreichiſchen Staaten, iſt eine ſolche Schutzimpfung ziemlich allgemein im Ge⸗ brauche; man impft alljährlich die zugewachſenen Lämmer, und zwar am paſſendſten im Frühjahre, wenn Schafpocken. dieſelben drei bis vier Monate alt ſind. Die großen Verheerungen, welche die Pocken früher bewirkten, werden dadurch freilich ſicher verhindert. Dennoch iſt die Schutzimpfung in den meiſten Gegenden Deutſch⸗ lands kaum zu empfehlen, und zwar aus folgenden Gründen: Die Pocken erſcheinen, als eine fremde Seuche, durchſchnittlich nur alle acht, zehn bis zwölf Jahre in einer Gegend, in manchen ſogar noch weit ſeltener. Bei der kurzen Lebensdauer des Schafes iſt mithin nicht jedes Schaf der Möglichkeit befallen zu werden ausgeſetzt, ſondern nur etwa jede zweite oder dritte Generation; es würde ſomit bei vielen Thieren ein Schutzmittel gebraucht werden, wo gar keine Ge⸗ fahr vorhanden geweſen war. Die Impfung ſelbſt iſt nicht in jedem einzelnen Falle ganz ohne alle Gefahr, denn zuweilen, wenn auch ſelten, bringt ſie unerwar⸗ tete, nicht unerhebliche und nicht zu verhindernde Ver⸗ luſte. Da die geimpften Pocken eben ſo anſteckend ſind, als die natürlichen Pocken, ſo würden dieſelben polizeilichen und ſonſtigen Sicherungs-Maßregeln gegen die Verbreitung der Krankheit eintreten müſſen. Die Nachbarheerden würden dadurch alljährlich der Gefahr der Anſteckung ausgeſetzt, oder ihre Beſitzer würden ſich ebenfalls zur Impfung gezwungen ſehen, wodurch aller commerzielle Verkehr mit Schafen für lange Zeit ſuspendirt werden würde. Auch würde durch die jährliche Impfung die Pockenſeuche gleichſam zu einer einheimiſchen gemacht, welches ſie jetzt nicht eigentlich iſt. Im Allgemeinen iſt daher die Schutzimpfung nicht zu empfehlen, und nur etwa für die Gegenden, in denen die Pocken erfahrungsmäßig ſehr oft, etwa alle Paar Jahre, ſich zeigen. Eine zeitig und mit Geſchick unternommene Präcautions⸗(oder Schutz⸗) Impfung langt aus, um in faſt allen Fällen die Verluſte, welche die natürliche Anſteckung zu bringen droht, zu ver⸗ hindern. Wahl des Impfſtoffes. Um durch die Impfung den vorgeſetzten Zweck, nämlich die Bewir⸗ kung einer gelinden und gutartigen, aber dennoch gegen die natürlichen Schafpocken völlig ſicherſtellenden Krankheit, zu erreichen, iſt die Wahl eines paſſenden Impfſtoffes von großer Wichtigkeit. Alle Theile des pockigen Schafes, beſonders die Auswurfsſtoffe, als Naſenſchleim, Miſt und Urin, dann auch das Blut und andere Säfte haben, wie ſchon früher einmal erwähnt, anſcheinend das Vermögen, die Pocken einem 99 andern Schafe mittheilen zu können, aber wahrſchein⸗ lich iſt dieſes nur in gewiſſen Perioden der Krankheit der Fall. Es kommt deshalb darauf an, für die kommenden Fälle eine feſtſtehende Regel in Betreff der Wahl des Impfſtoffes anzugeben; denn würde man einen unpaſſenden Impfſtoff wählen, oder denſelben zu einer Zeit benutzen, in welcher er keine Wirkung hat, ſo könnten dadurch ſehr nachtheilige Folgen, und mindeſtens ein gänzliches Fehlſchlagen der Impfung entſtehen. Allen bisherigen Erfahrungen nach hat ſich nun die von den Pocken abgeſonderte Lymphe als den beſten Impfſtoff erwieſen; dieſelbe hat bei der Im⸗ pfung nicht nur eine ſchützende Kraft gegen die natür⸗ liche Anſteckung, ſondern ſie erzeugt auch eine Krank— heit von der größtmöglichen Gelindigkeit. Die Lymphe wird, bei natürlichen Pocken, am ſechſten oder ſieben⸗ ten Tage nach dem Ausbruche der Pocken, oder am eilften bis dreizehnten Tage aus geimpften Pocken ent⸗ nommenz ſie muß waſſerhell, vollkommen klar und dünnflüſſig ſein. Iſt ſie bereits trübe, dicklich und eiterartig geworden, ſo bringt ſie bei der Impfung in der Regel gar keine Pocken hervor, ſondern etwa nur ein Geſchwür, ſo daß der Zweck der Impfung dabei gänzlich verloren geht, indem keine Schützung gegen die natürliche Anſteckung dadurch bewirkt wird. In vielen Fällen jedoch, zumal wenn es ſich um die Im— pfung großer Heerden handelt, und wenn der Impf⸗ ſtoff aus natürlichen Pocken entnammen werden muß, iſt die klare Lymphe nicht in der erforderlichen Menge vorhanden. Hier muß dann das aus der zu verletzen⸗ den Pocke quellende Blut die Lymphe erſetzen, und es ſtellt daſſelbe auch in der That ein vollkommen genü⸗ gendes Surrogat derſelben dar. Unter der Zahl der von mir geimpften Schafe befanden ſich mindeſtens dreißigtauſend Stücke, welche ich, in Ermanglung der Lymphe, mit gedachtem Blute impfte; aber das Re⸗ ſultat blieb ganz gleich. Gleiche Beobachtungen ſind ſchon längſt von zahlreichen Thierärzten und Landwir⸗ then gemacht worden. Es ſcheint ſomit völlig gleich, ob man mit Blut oder blutiger Feuchtigkeit der Pocke, oder mit der klaren Lymphe derſelben impft. Hat man die Wahl, ſo bedient man ſich natürlich am liebſten der Letzteren; muß man Blut nehmen, ſo wird dieſes von ſolchen Pocken entnommen, welche ſich im Zu⸗ ſtande der ſogenannten Reife befinden, und in denen wo möglich Anfangs etwas klare Lymphe ſich befindet. Die Oberhaut muß alſo bläulich⸗weiß trſcheinen, und 100 17. Schafpocken. von dem darunter liegenden Gewebe ſich bereits ge⸗ trennt haben. Man wähle in ſolchen Fällen jedoch lieber eine Pocke, die noch nicht ganz bis zu ihrer Reife vorgeſchritten iſt, denn das Blut einer Pocke, die ſchon mit einer ſehr verdickten, geſättigt⸗weißen Oberhaut verſehen iſt, und deshalb ſchon zur Abtrocknung hin— neigt, hat manchmal ſchon ſeine Wirkſamkeit verloren. Obwohl Lymphe und Blut, ſelbſt von den bös⸗ artigſten Pocken, geſunden Schafen geimpft, die gut— artigſten Pocken erzeugen können, ſo thut man doch wohl, die genannten Impfſtoffe von einem jungen, ſonſt geſunden und kräftigen Schafe zu wählen, bei welchem die Pocken einen regelmäßigen Verlauf neh⸗ men, und die nicht mit einem bedeutend fieberhaften und ſtarken Allgemeinleiden verbunden ſind. Entnimmt man z. B. den Impfſtoff von einem pockigen, zugleich an der Bleichſucht oder der ſogenannten Fäule leiden⸗ den Schafe, ſo erhält man dadurch in der Regel keine wahren Pocken; es bildet ſich zwar wohl ein Geſchwür an der Impfſtelle, aber daſſelbe hat keine ſchützende Kraft, auch erzeugt es keinen zur Weiterimpfung taug⸗ lichen Impfſtoff. Die Beſorgniß jedoch, daß ſich die Gnubber⸗ oder Traber⸗Krankheit, oder andere Krank⸗ heiten durch Impfſtoff von den an dieſer Krankheit leidenden, pockigen Schafen auf die Impflinge über⸗ trüge, iſt völlig unbegründet, und bisher durch kein einziges Faktum bewieſen. Wählt man zur Impfung Eiter oder Blut aus einer ſchon überreifen Pocke, ſo geht dadurch ebenfalls die Schutzkraft der Impfung verloren, und da unter ſolchen Umſtänden zuweilen nachher die natürlichen Pocken ausbrechen, ſo hat dies mitunter ſchon zu der irrigen Annahme von der Nutz⸗ loſigkeit der Impfung gefuͤhrt, und höchſt unbegrün⸗ det ihren Werth verdächtigt. Hat man die Wahl, ſo impft man unmittelbar von den pockigen Schafen auf die zu impfenden, und zwar wo möglich von einem bereits geimpften Schafe; iſt ein ſolches noch nicht vorhanden, und kann die Zeit dazu nicht abgewartet werden, ſo wählt man von den an den natürlichen Pocken leidenden Schafen eins oder mehrere aus, bei denen die Krankheit den möglichſt regelmäßigen und gutartigen Verlauf nimmt, nicht allzuheftig iſt, und außerdem an einem kräftigeren und jüngeren Thiere ſich zeigt. Bei den natürlichen Pocken, welche ungleich kleiner ſind, als die durch Impfung entſtandenen, wird man dann ſelten klare Lymphe in genügender Menge auffinden können, weß⸗ halb beſonders hier mit dem Blute aus einer zeitigen Pocke geimpft werden muß. Die Pockenlymphe läßt ſich einige Zeit aufbewah⸗ ren, ohne von ihrer Wirkſamkeit zu verlieren. Am paſſendſten iſt es, dieſelbe in ſehr kleinen Gläſern aufzufangen, auch in ſogenannten Haarröhrchen; die⸗ ſelben werden gut verkorkt, mit Wachs oder Siegellack verklebt, und in einer mit Sand gefüllten Krucke und an einem kühlen Orte aufbewahrt. Auf ſolche Weiſe hat ſich die Lymphe vier bis ſechs, ja ſogar ſchon zehn Monate lang, mit Beibehaltung ihrer Wirkſamkeit, erhalten laſſen. Auch mit Wolle oder Baumwolle aufgefangen und in gut verſchloſſenen Gläſern ver⸗ wahrt, behält der Impfſtoff manchmal längere Zeit ſeine Wirkſamkeit. In vielen Fällen verliert der Impf⸗ ſtoff jedoch in kurzer Zeit ſeine Wirkſamkeit, ſelbſt bei der ſorgfältigſten Methode der Aufbewahrung. In Betracht der Umſtände, daß die ſogenannte Noth⸗Impfung nur einen theilweiſen Nutzen gewähre, weil ſie bei dem ſchon erkrankten Theile der Heerde zu ſpät komme; daß ferner auch die Vorbauungs⸗ oder Präcautions⸗Impfung oft zu unbequemer Zeit, z. B. im ſtrengen Winter, zur Lammzeit ꝛc. nöthig werde, und dadurch erhebliche Verluſte erzeugen könne, hat man, wie ſchon a. a. O. geſagt, die Schutzimpfung empfohlen, welche darin beſteht, daß alljährlich die Nachzucht geimpft wird, gleichviel ob die natürlichen Pocken in der Gegend herrſchen oder nicht. Ueber den relativen Werth einer ſolchen Impfung iſt ſchon früher das Nöthige geſagt worden. Um ſich den zu dieſem Behufe erforderlichen Impfſtoff zu verſchaffen, hat man, da der Impfſtoff ſich nicht gut ein ganzes Jahr lang ſicher aufbewahren läßt, ſogenannte perennirende Impfanſtalten errichtet, namentlich bei den größeren Schäfereien der oͤſterreichiſchen Staaten. Das dabei beobachtete, etwas koſtſpielige und umſtändliche, und deshalb nur fuͤr größere und reichere Eigenthümer paſ⸗ ſende, Verfahren, beſteht darin, daß von einer kleinen, von der Hauptheerde iſolirt und in gehöriger Entfer⸗ nung gehaltenen Schafheerde, zuerſt etwa zehn Stück geimpft werden; von Einem dieſer Impflinge, an welchem die Impfpocke die wünſchenswertheſten Eigen⸗ ſchaften hat, wird die Lymphe zur weiteren Impfung zehn andern Schafen entnommen, und ſo immer fort; bis die feſtgeſetzte Zeit der jährlichen und auf einmal zu bewirkenden Impfung der Nachzucht eintritt. Unter ſolchen Umſtänden iſt man allerdings ſicher, zu der △‿ 17. Schafpocken. 101 wünſchenswertheſten Zeit mit gutem Impfſtoffe und in genügender Menge verſehen zu ſein. Aber die ſichere Erhaltung des Impfſtoffes allein war es keineswegs, welche man durch die fortgeſetzte Impfung von Schaf von Schaf erreichen wollte, ſon— dern man gab ſich zugleich der Anſicht hin, daß dieſe wiederholte Fortpflanzung oder Propagation der Lym⸗ phe, indem ſie dabei durch eine Menge geſunder Schafe hindurchginge, nach und nach eine ſo milde Natur an⸗ nehmen würde, daß ſie, unbeſchadet ihrer ſchützenden Wirkung, bei der Impfung abſolut gefahrlos ſei, ſo daß dadurch nie bösartige Pocken, nie allgemeiner Blatternausbruch und ein Todesfall bei den Impflin⸗ gen entſtehen könnten. Dieſe vermeintliche Milderung nannte man die Cultur oder Mitigation des Impf⸗ ſtoffes, und man ſchrieb derſelben, im Vergleiche mit dem aus natürlichen Pocken entnommenen Impfſtoffe folgende Vorzüge zu: a) Der kultivirte Urſtoff ſollte eben ſo ſicher gegen die Anſteckung von natürlichen Pocken ſchützen, als ob der Impfſtoff aus letzteren ſelbſt entnommen wäre. b) Der cultivirte Impfſtoff ſollte um ſo milder werden, je öfterer er von einem Schafe auf das an⸗ dere übertragen würde, auch ſollte durch ihn ſtets nur eine einzige Pocke, und zwar an der Impfſtelle, nie⸗ mals aber an anderen Stellen, oder gar ein allgemei⸗ ner, und dann leicht gefährlich werdender Blattern⸗ ausbruch erfolgen. c) Der cultivirte Impfſtoff ſollte, bei ſeiner mil⸗ dern Natur, ſo ſehr von ſeiner anſteckenden Eigenſchaft verlieren, daß ein mit ihm geimpftes Schaf ohne alle Gefahr die Krankheit zu verbreiten, unter andere Schafe gebracht werden könne, ſo daß dadurch z. B. für Nachbarheerden keine Beſorgniß entſtünde. Die unter a gemachte Behauptung hat ihre völlige Richtigkeit, denn der Impfſtoff verliert, auch noch ſo oft fortgepflanzt, nichts von ſeiner ſchützenden Wirk⸗ ſamkeit. Dagegen ſind die unter b und e gemachten Behauptungen durchaus irrig. Allerdings haben ſie auf den erſten Anblick einiges Annehmbare für ſich, aber, außer daß ſie der logiſchen Conſequenz entbehren, werden ſie auch durch die zahlreichſten Erfahrungen völlig widerlegt. So z. B. gingen von zwei beträcht⸗ lich großen Heerden, welche ich mit Impfſtoff aus natürlichen Pocken impfte, nur reſpective ein halbes und ein ganzes Procent zu Grunde, während bei meh⸗ reren Heerden, wo ich den zehn bis zwölf Mal fort⸗ gepflanzten Impfſtoff benutzte, in einigen Fällen zwei bis vier Procent Verluſt erfolgte. Der Erfolg war hier von ganz andern Umſtänden abhängig, als von der Qualität des Impfſtoffes. Bei einem vor meh⸗ reren Jahren von mir gemachten Beſuche einer Be⸗ ſitzung des Erzherzogs Ferdinand von Oeſterreich⸗Eſte machte mir der Gutsverwalter die Mittheilung, daß von einer, wenige Wochen vor meiner Ankunft geimpf— ten, großen Lämmerheerde zwölf Procent an den Pocken krepirt wären, obſchon die Impfung mit derſelben Vorſicht, wie ſie ſeit vielen Jahren und alljährlich, ausgeführt, und der Impfſtoff aus der perennirenden Impfanſtalt zu K— entnommen wäre, in welcher Anſtalt die ſogenannte Cultivirung ſeit zwanzig Jahren beſteht, ſo daß die Lymphe eine mehr als hundertfache Propagation erlitten hatte. Noch ſchlagender iſt nachſtehende Thatſache, welche zugleich den Beweis liefert, daß es ein Vorurtheil iſt zu glauben, daß die Nachzucht derjenigen Schafe, deren Eltern die Pocken überſtanden haben, weit we⸗ niger heftig, gleichviel ob von den natürlichen oder von den geimpften Pocken, befallen werden. Der Rittmeiſter v. B. auf T.(in Litthauen), deſ⸗ ſen Heerde aus mehr denn zehntauſend Schafen beſteht, läßt alljährlich die zuwachſenden Lämmer impfen; er verſchaffte ſich dazu den Impfſtoff durch fortwährend auf einzelne Schafe ununterbrochen fortgeſetzte Im⸗ pfung, und hatte auf dieſe Weiſe die ſogenannte Schutz⸗Impfung in ſeiner Heerde eingeführt. Nach⸗ dem ſchon ſeit vielen Jahren dieſelbe ausgeführt wor⸗ den war, entſtand bei ihm die Befürchtung, daß durch die fortgeſetzte Propagation des Impfſtoffes die eigen⸗ thümliche Beſchaffenheit deſſelben verändert und ſo ſehr gemildert ſein möge, daß derſelbe die Fähigkeit, die mit ihm geimpften Schafe vor der Anſteckung etwa in der Gegend erſcheinender natürlichen Pocken zu ſchützen, eingebüßt haben könne. Um über dieſen wichtigen Gegenſtand ins Reine zu kommen, wurde folgendes Experiment gemacht. Unter einen Lämmer⸗ haufen von zweihundert Häuptern, welche noch nicht geimpft waren, wurden einige, mit gedachter cultivirter Lymphe geimpfte Lämmer gelaſſen. Kurze Zeit dar⸗ auf, und als die Puſteln der geimpften Lämmer noch kaum abgetrocknet waren, zeigten ſich bei mehreren der nichtgeimpften Lämmer ſchon deutliche Spuren der erfolgten Anſteckung und des Ausbruches der natürli⸗ chen Pocken, und in kurzer Zeit ward die Krankheit 102 17. Schafpocken. unter dem Lämmerhaufen allgemein. Die Pocken ſelbſt fanden ſich bei den angeſteckten Thieren im Ge⸗ ſichte und an andern haarloſen Stellen des Körpers in großer Menge ein, und ſie zeigten ſich auf keine Weiſe von den Pocken, welche ſonſt auf natürlichem Wege eintreten, verſchieden. Bei der zufällig eintretenden übeln Witterung wurde die Krankheit auch in der Folge noch ſo bösartig, daß viele Lämmer krepirten, ſo daß man ſich gezwungen ſah, die noch nicht angeſteckten Stücke zu impfen, damit der Verſuch nicht gar zu koſtſpielig ausfalle. Gleiche Fälle könnte ich noch mehrere anführen. Aus allem, über den Impfſtoff bisher Geſagten, geht demnach das Reſultat hervor, daß es ganz einerlei iſt, ob der Impfſtoff— klare oder blutige Lymphe, oder Blut der Pocken— aus natürlichen oder geimpf⸗ ten Pocken entnommen wird, und daß das Reſultat der Impfung nicht von dieſen Bedingungen abhängig iſt; daß durch fortgeſetzte Propagation der Impfſtoff nicht milder wird, und auch nichts von ſeiner anſte— ckenden Eigenſchaft und ſonſtigen charakteriſtiſchen Na⸗ tur verliert. Wahl der Impfſtelle. Es iſt nicht einerlei, an welcher Stelle des Körpers die Operation der Im⸗ pfung ausgeführt wird. In der erſten Zeit der Ein⸗ führung der Impfung wählte man gewöhnlich die innere, unbewollte Stelle eines Vorderſchenkels; hie⸗ von iſt man jedoch ſeit lange, und das mit Recht, zurückgekommen; denn an dieſem Orte geimpft, erfolgt häufiger als ſonſt ein allgemeiner Blatternausbruch, das Schaf geht auf dem geimpften Schenkel mehr oder weniger lahm, es tritt eine unvermeidliche Reibung ein, bei der ſich die Umgegend der Pocke bedeutend entzündet ꝛc. Um dieſe Reibung der Pocke zu vermei⸗ den, wählte man ſpäter die innere, unbewollte Fläche eines Hinterſchenkels, aber auch hier traten ſehr oft eine ſehr bedeutende und gefährliche Entzündung und andere üble Folgen ein. Sodann empfahl man als Impfſtelle die untere Fläche des Bauches, und zwar die Nabelgegend. Nachdem ſich indeſſen die diesfälli⸗ gen Erfahrungen und vergleichenden Verſuche gehäuft haben, iſt man jetzt allgemein darüber einverſtanden, daß die untere, wolleloſe Fläche des Schwanzes, oder aber die innere Fläche des Ohres die unbedingt beſten Stellen für die Impfung ſind, denn dieſelbe iſt hier nicht nur am ſchnellſten und bequemſten auszuführen, ſondern ihre Reſultate ſind auch in jeder anderen Hin⸗ ſicht verhältnißmäßig die günſtigſten. Die am Schwanze ausgeführte Impfung haftet faſt ſicher; die Pocke inkommodirt an dieſer Stelle das Schaf auf keine Weiſe, und es bildet ſich meiſtens eine ſchöne und große, und deshalb ſicher ſchützende Pocke aus. Dem⸗ ungeachtet will es ſo ſcheinen, als ob die, in der aller— neueſten Zeit ſehr häufig ausgeführte Impfung am Ohre noch größere Vortheile darbiete, und auch meine eigenen Erfahrungen ſprechen entſchieden für die Im⸗ pfung am Ohre, als der beſten für jetzt bekannten Methode. Während nämlich bei der Impfung am Schwanze nicht ſelten bei manchen Impflingen, be⸗ ſonders bei Mutterſchafen, ein allgemeiner und nicht gar ſelten tödtlich werdender Blatternausbruch erfolgt, oder, wenn der geimpfte Schwanz ſehr kurz war, eine um ſich greifende, in Brand übergehende und dadurch gefährlich werdende Entzündung entſteht, treten alle dieſe üblen Zufälle bei der Impfung am Ohre theils nur ſehr ſelten, theils niemals ein. Bei der Schwanz⸗ impfung muß man im Durchſchnitte auf ein Procent Verluſt gefaßt ſein; bei der Ohrimpfung iſt der Verluſt bei weitem geringer. So krepirten z. B. von vierzig⸗ tauſend von Krüger am Ohre geimpften Schafen nur zehn Stück, welches mithin ein Verluſt gleich Null genannt werden kann. Außerdem hat die Ohr⸗ impfung noch den Vortheil, daß die durch ſie erzeugten Pocken eine große Menge ſchöner Lymphe zur Weiter⸗ impfung liefern, welches bei den Schwanzpocken in weit geringerem Grade der Fall iſt. Aus den bisherigen Beobachtungen ſcheint hervor zu gehen, daß die Impfpocken um ſo milder und gut⸗ artiger ausfallen, je geringere Lebensthätigkeit ſich in dem geimpften Theile befindet, und ein ſolcher Theil iſt das Ohr. Aber auch der Schwanz befindet ſich in derſelben Diſpoſition, nur nicht an ſeiner Baſis, und nahe dem After, ſondern mehr der Spitze zu. Impft man daher am Schwanze, etwa fünf bis ſechs Zoll oder weiter vom After entfernt, ſo erhält man faſt dieſelben günſtigen Reſultate, weshalb eine ſolche — begreiflicher Weiſe nur bei Hammeln und Böcken ausführbare— Impfung faſt eben ſo vortheilhaft iſt, als die Ohrimpfung, ſo daß die diesfällige Wahl bei⸗ nahe ſich gleich bleibt. Die unter allen Umſtänden empfehlenswertheſte Impfung bleibt im Allgemeinen demnach die am Ohre; aus einer über ungemein zahlreiche Impfungen aufgeſtellten Tabelle geht hervor, daß bei der Schwanz⸗ 17. Schafpocken. impfung(die Impfung bei weiblichen Schafen natür⸗ lich mit eingerechnet) ungefähr ein Procent, bei der Ohrimpfung dagegen von ungefähr zweitauſend Impf⸗ lingen nur ein Schaf verloren geht. Ausnahmen kommen hier allerdings vor, denn man hat ſelbſt Ohr⸗ impfungen ziemlich ungünſtig, und Schwanzimpfun⸗ gen dagegen überaus günſtig verlaufen ſehen; derglei⸗ chen Fälle gehören aber zu den ſelteneren Ansnahmen von der Regel. Impfmethode. Anfangs wurde auf ſehr ver⸗ ſchiedene Weiſe geimpft; man machte z. B. kleine Schnitte in die Haut, und rieb den Impfſtoff in die⸗ ſelben ein; oder man zog wollene oder baumwollene, mit Lymphe getränkte Fäden durch ein Ohr, oder an irgend einer anderen Körperſtelle unter die Haut ein. Sehr bald ſah man indeſſen das Unbequeme und Ge⸗ fährliche dieſer Verfahrungsweiſen ein, und kam dann nach und nach auf die zweckmäßigſte und jetzt allge⸗ mein übliche Methode, etwas Lymphe unter die ver⸗ letzte Oberhaut einzuführen. Man bedient ſich hiezu der Lanzette oder der Impfnadel; Letztere verdient wohl den Vorzug. Eine zweckmäßige Form ſtellt die auf Tab. VIII. Fig. 2. a, b. in natürlicher Größe abgebildete Impfnadel dar. Sie iſt etwa vier Zoll lang, gegen eine Linie dick, und läuft in eine ſehr platte, feine und ſcharfe Spitze aus, vor deren Ende ſich eine kleine, löffelartige Rinne oder Vertiefung, zur Aufnahme der Lymphe, befindet(Fig. 2. a.); das ſchmale Ende des Inſtruments, bis zu ſeiner Spitze, muß eine ſanfte Biegung nach aufwärts haben (Fig. 2. b.) In einzelnen dringenden Fällen, und wo für den Augenblick keine Impfnadel zur Hand iſt, kann auch ein Federmeſſer oder jedes andere ähnliche ſpitze und ſehr ſchneidende Inſtrument zur Ausführung der Impfung benutzt werden. Die Impfung ſelbſt wird nun auf nachſtehende Weiſe ausgeführt. a) Schwanzimpfung. Vor die geöffnete Thiere des Schafſtalles wird eine Hürde geſetzt, und außerhalb derſelben und dicht davor ein Tiſch und ein Stuhl, auf dem der Impfer ſich niederläßt. Zur Rechten des Impfers wird das mit den Füßen zuſam⸗ mengebundene Schaf, von welchem der Impfſtoff ent⸗ nommen werden ſoll, auf eine kleine Bank gelegt, und durch einen Gehülfen feſtgehalten. Hierauf wird ein Schaf nach dem anderen im Stalle ergriffen, und über die Hürde ſo auf den Tiſch gelegt, daß der Rücken 103 nach unten zu liegen kommt. Eine hier befindliche Perſon erfaßt mit der rechten Hand die Hinterfüße und mit der linken Hand die Vorderfüße des Schafes, und drückt den Hals deſſelben unter dem linken Oberarm feſt an. Der Impfer erfaßt dann den ihm zugekehrten Schwanz des Schafes mit der linken Hand, und zwar ſo, daß der Daumen auf den Wollrand der einen, die übrigen Finger auf den der anderen Seite des Schwan⸗ zes zu liegen kommen, und ſpannt durch einen ſtarken Druck nach unten die kahle Haut des Schwanzes recht ſtark an. Hierauf wird von dem Gehülfen die nöthi⸗ genfalls zuvor mit der ſtumpfen Kante der Impfnadel vom anklebenden Schmutze gereinigte Pocke durch einige kleine, mit der Impfnadel in die weiße Ober⸗ haut gemachte Einſtiche verletzt, und mit der Rinne der Nadelſpitze die ausquellende Lymphe aufgefangen. Der Impfer empfängt die alſo gefüllte Nadel durch den Gehülfen, ſticht dieſelbe in der Mitte des Schwan⸗ zes, und mindeſtens fünf bis ſechs Zoll(alſo nur bei Böcken und Hammeln, denn Mutterſchafe ſollte man nie mehr am Schwanze impfen), vom After entfernt vorſichtig und in horizontaler Richtung durch die Ober⸗ haut ein, und führt ſie etwa eine bis anderthalb, auch wohl zwei Linien in gleicher Richtung unter derſelben fort, hebt dann das breite Ende der Nadel etwas empor, dreht ſie vorſichtig um ihre eigene Achſe, ſenkt das dicke Ende der Nadel ſodann wieder, und zieht dieſelbe, mit einem ſanften Drucke der Nadelſpitze auf die verletzte Haut, wieder heraus. Zu jedem Schafe wird die Nadel wiederum gefüllt, und nur ein einziger Einſtich gemacht, da dieſer nicht nur vollkommen aus⸗ reicht, ſondern da es ſo ſcheint, als ob mehrfache Impfſtiche oft einen weniger günſtigen Verlauf der Pocke zur Folge haben. Die ganze Procedur iſt über⸗ aus leicht, jedoch iſt ſie weit leichter durch Uebung als durch Beſchreibung zu erlernen. Das geimpfte Schaf wird nun vom Tiſche außerhalb des Stalles auf den Hof, oder was es ſonſt für ein Raum iſt, entlaſſen. Sobald ein Schaf geimpft iſt, wird ein neues Schaf auf den Tiſch gelegt; der Impfer reicht die leere Nadel dem Gehülfen, welcher eine zweite, bereits gefüllte Nadel ihm zurückgiebt. Auf ſolche Weiſe geht die Impfung fort, bis der Reſt der Heerde geimpft iſt; das Verfahren geht bei einer hinreichenden Menge von Perſonen, welche die Schafe ergreifen, ungemein und ſo ſehr raſch, daß ein einziger Impfer in einem langen Sommertage zwei⸗ bis dreitauſend Schafe impfen kann. 104 16. Schafpocken. Impft man von natürlichen Pocken, oder von Pocken, die am Schwanze geimpft ſind, ſo iſt in der Regel nur für eine geringe Anzahl klare Lymphe vor⸗ handen; hier muß dann die Pocke durch kleine Ein⸗ ſtiche mit der Impfnadel ſo verletzt werden, daß eine blutige Flüſſigkeit, oder ſelbſt Blut zum Vorſcheine kommt. Die Impfung damit iſt der mit klarer Lymphe gemachten in allen Beziehungen gleich, und es iſt deshalb in dieſer Hinſicht keine weitere Bedenklichkeit vorhanden. Iſt die Pocke klein, und giebt ſie ſelbſt nach ziemlich tiefen Einſtichen keine Flüſſigkeit mehr, ſo wähle man ein anderes Schaf, von welchem Impf⸗ ſtoff entnommen werden kann. Eine geimpfte Schwanz⸗ pocke liefert gewöhnlich für zwei⸗ bis dreihundert Schafe den erforderlichen Impfſtoff; die meiſtens nur wenige Lymphe befindet ſich in größeſter Menge am Rande der Pocke, weshalb beſonders hier die Oberhaut an— geſtochen werden muß. Das Schaf, von welchem der Impfſtoff entnommen wird, muß ſo viel wie mög— lich ſo gelegt werden, daß während der Impfung die zu impfenden Schafe nicht zu ſehr deſſen Dunſtkreiſe ausgeſetzt ſind, auch verhüte man, daß die geimpften und ſo eben entlaſſenen Schafe zu nahe an das pockige Schaf herankommen. Lokalität, Windesrichtung ꝛc. werden hier von ſelbſt die nöthigen Vorſichtsmaßre⸗ geln lehren. b) Ohrimpfung. Auch hier wird das Schaf, von welchem der Impfſtoff entnommen werden ſoll, auf eine kleine Bank zur Rechten des Impfers gelegt, und durch einen Gehülfen feſtgehalten. Während der auf einem Stuhle ſitzende Impfer die Nadel ſelbſt füllt, wird das zu impfende Schaf zu ſeiner linken Seite, und zwar mit dem Hintern auf die Erde geſetzt. Der, welcher das Schaf gefaßt hat, hält mit der lin⸗ ken Hand die Vorderbeine deſſelben zuſammen, greift mit der rechten Hand in die Wolle an der oberen Seite des Halſes, und ſtemmt ſeinen rechten Schenkel gegen den Rücken des Schafes, damit ſich daſſelbe nicht zu— rückbiegen kann. Der Impfer faßt nun mit der linken Hand das rechte Ohr des Schafes, biegt dieſes über den Zeigefinger, welcher einen oder anderthalb Zoll von der Spitze des Ohres auf der äußern Fläche deſ⸗ ſelben angelegt wird, um, hält die Ohrſpitze mit den Daumen und den Zeigefinger feſt, und ſticht ſodann gerade an der Stelle, welche der unterliegenden Spitze des Zeigefingers entſpricht, in die Oberhaut ein, wobei die Nadel in gleicher Richtung mit dem umge⸗ bogenen Ohrtheile gehalten, und eine bis zwei Linien weit unter der Oberhaut fortgeführt wird. Hierauf wird die Nadel, ganz wie bei der Schwanzimpfung, umgedreht, und mit einem ſanften Drucke während des Ausziehens zurückgenommen. Eine andere Art, das Schaf bei der Impfung zu fixiren, beſteht darin, daß eine Perſon das zu impfende Schaf mit der rechten Hand in die Wolle auf dem Widerrüſte, und mit der linken Hand in die Wolle auf dem Kreuze faßt, und das Thier dem ſitzenden Impfer ſo zuführt, daß dieſer den Kopf deſſelben zwiſchen ſeine, von einander ent⸗ fernten, Kniee drücken und ſo feſthalten kann. Das übrige Verfahren iſt dann ganz dem eben angegebenen gleich. Welche Art der Impfung man auch wählen mag, ſo iſt es doch ſtets anzurathen, die Impfnadel mit Vorſicht, und nur allein unter die Oberhaut, und nicht tiefer in die darunter liegende Lederhaut ꝛc. ein⸗ zuführen, denn es ſind einzelne Fälle bekannt, wo nach der Impfung mit einer groben Impfnadel, und der damit gemachten, ungeſchickten und tieferen Ver⸗ letzung von Zellgewebe, Lederhaut, Muskeltheilen ꝛc. ſehr heftige Entzündung und Brand entſtanden ſind, an welchen viele Impflinge zu Grunde gingen. Auch iſt dann häufiger ein allgemeiner Blatternausbruch die Folge. Demungeachtet hat man den Nachtheil, wel⸗ chen eine etwas tiefere, als die blos unter die Ober⸗ haut gemachte Verletzung zur Folge hat, ſehr über⸗ ſchätzt, und mit allzupeinlicher Beſorgniß davor ge⸗ warnt. Die erfahrenſten Impfer geſtehen ein, daß ſie, bei der oft nöthigen Eile der Impfung, nicht ſel— ten die Haut ſo weit verletzten, daß ein Tropfen Blut aus der Impfwunde floß, oder daß ſelbſt die Impf⸗ nadel bis einen halben Zoll und wohl noch tiefer unter der Lederhaut fortgeſchoben wurde und in ſie eindrang; dennoch war der Erfolg in dergleichen Fäl⸗ len ein völlig erwünſchter; die Impfſtelle entzündete ſich vielleicht etwas heftiger, aber es traten weder Brand, noch ein allgemeiner Blatternausbruch ein. Meine eigenen Erfahrungen ſtimmen hiermit völlig überein. Bei zahlreichen von mir gemachten Impfun⸗ gen kam es öfters vor, daß das Schaf während des Einſtechens einen unvorhergeſehenen und nicht zu ver— hindernden plötzlichen Ruck machte, wobei die Nadel weit tiefer eindrang, als ſie wohl geſollt hatte, ſo daß z. B. mitunter die Nadel faſt durch die ganze Ohr⸗ muſchel hindurch fuhr. Dennoch iſt mir nicht ein 17. Schafpocken. einziger Fall erinnerlich, in welchem dadurch tödtlicher Brand, oder ein hieraus herzuleitender allgemeiner Blatternausbruch entſtanden wären. Es iſt wichtig, dieſe Thatſache hier mitzutheilen, damit in vorkom⸗ menden Fällen nicht etwa aus zu großer, aber kaum begründeter, Beſorgniß vor den Nachtheilen einer nicht mit der äußerſten Geſchicklichkeit ausgeführten Impfung dieſe ganz unterlaſſen werde. Verlauf der geimpften Pocken. Am zweiten Tage nach der Impfung iſt die kleine Impf⸗ wunde in der Regel wieder verſchwunden, vorausge⸗ ſetzt, daß der Einſtich nicht etwa viel tiefer als unter die Oberhaut gemacht wurde. Am dritten oder vierten Tage entſteht auf der Impfſtelle ein hellrother, floh⸗ ſtichartiger Punkt, der nach und nach zu einem Knöt⸗ chen ſich erhebt, groͤßer, hart und ſchmerzhaft wird. Mit dem ſechsten oder ſiebenten Tage tritt ein mehr oder weniger heftiges, in der Regel aber ſehr unerheb⸗ liches, und deshalb kaum bemerkbares Fieber ein. Erſcheinen, wie es zuweilen der Fall iſt, außer an der Impfſtelle auch noch anderen Theilen Pocken, ſo iſt das Fieber dann auffallender, und iſt der Blattern⸗ ausbruch allgemein, ſo bietet das Thier alle die Zu⸗ fälle dar, als ob es an den unregelmäßigen, natürli⸗ chen Pocken litte. Vom achten Tage an bildet ſich die Pocke immer mehr aus, und am zehnten bis eilften Tage nach der Impfung hat ſie ihren größten Umfang und ihre völlige Ausbildung erlangt; ſie iſt dann hoch⸗ roth, glänzend, ſehr ſchmerzhaft, heiß und mit einem rothen Hofe umgeben; ihr Durchmeſſer beträgt in dieſer Zeit in der Regel den eines Zolles, oft jedoch nur den eines Neugroſchen, oder dagegen auch wohl den von anderthalb Zollen. Vom eilften Tage an wird die Pocke blaſſer, und bis zum dreizehnten oder vierzehnten Tage nimmt dieſe Erbleichung immer mehr zu; ihre Wölbung iſt dann am ſtärkſten. Mit dem Erbleichen der Pocke beginnt unter ihrer Oberhaut die Abſonderung einer klaren und waſſerhellen Lymphe, welche ſich beſonders an dem äußern Rande am mei— ſten einfindet, und welche am dreizehnten Tage in ihrer größeſten Menge, und in der zur Weiterimpfung geeigneteſten Beſchaffenheit vorhanden iſt. Nach dieſer Zeit verwandelt ſich die Lymphe in eine trübe und eiterartige Feuchtigkeit, die Pocke ſchrumpft ein, und verwandelt ſich nach und nach in einen dunkelbraunen Schorf, welcher gegen den zwanzigſten bis dreißigſten Tag nach der Impfung durch Eiterung abgeſtoßen Wagenfeld Encyel. 105 wird, worauf die Impfſtelle mit einer, meiſt ſehr be— deutenden, Narbe zuheilt. Das bisher Geſagte bezieht ſich vorzugsweiſe auf die Impfpocken am Schwanze; bei den Pocken am Ohre ſind die Erſcheinungen nicht ganz dieſelben, obgleich in ihren weſentlichen Theilen und in ihrer Reihefolge keine Abweichung ſtattfindet. Am Ohre iſt die Röthe nicht ſo beträchtlich, als am Schwanze; die Pocke erreicht gewöhnlich die Größe einer Erbſe, bis zu der einer Pflaume, ſie röthet ſich nur gerade ſo weit, als die entſtehende Puſtel ſich ausdehnen will; die Oberhaut erhebt ſich ſtärker als am Schwanze, ſie wird kugelartig gewoͤlbt, enthält ſehr viele, und deshalb beſonders zur Weiterimpfung geeignete, Lymphe, und die reife Pocke erſcheint als eine ſehr pralle Waſſerblaſe. Es bildet ſich ein dün⸗ nerer, und mit geringerer Eiterung verbundener Schorf als am Schwanze, auchfällt derſelbe leichter ab. Das ganze Ohr erſcheint mehr oder weniger angeſchwollen; es hat oft bei ſeiner größeſten Ausdehnung einen Zoll im Durchmeſſer, und hängt tiefer herab als das an⸗ dere, nicht geimpfte Ohr. Es kommen zahlreiche Abweichungen von dem be⸗ ſchriebenen normalen Gange der geimpften Pocken vor, von denen manche unerheblich, andere aber mehr oder weniger bedenklich ſind. Zuweilen entſtehen, außer an der Impfſtelle, auch nebenbei noch ſogenannte Nebenpocken, und beſonders iſt dieſes bei der Ohrimpfung der Fall, wo ſich oft an der Impfſtelle gar keine Pocke findet, dagegen eine oder mehrere tiefer an der Baſis des Ohres, oder ſelbſt am Halſe ſich ausbilden. Sind dergleichen Pocken von runder Form, verlaufen ſie regelmäßig, und ſind ſie in nicht zu großer Menge vorhanden, ſo hat dieſes weiter keine nachtheilige Bedeutung. Nicht ſelten jedoch kommt neben der Hauptpocke zugleich ein allge⸗ meiner Blatternausbruch zu Stande, wobei denn die Pocken häufig zuſammenfließen, plattgedrückt erſchei⸗ nen, und ganz dieſelbe Beſchaffenheit haben, und die⸗ ſelbe Gefahr darbieten, wie die bösartigen, natürlichen Pocken. Dieſer, bei der Ohrimpfung weit ſeltener als bei der Schwanzimpfung eintretende, allgemeine Pockenausbruch, iſt indeſſen glücklicherweiſe in den meiſten Fällen nur die Folge einer unpaſſenden Im⸗ pfung, und weit mehr noch einer unpaſſenden Haltung der Schafe nach der Ausführung derſelben, und daher in der Regel vermeidlich. Manchmal kommen die Impfpuſteln einige Tage ſpäter, audere Male einige 106 Tage früher zur Ausbildung und zur Reife, welches oft von dem Wetter und von der Temperatur der Luft abhängig iſt. Im Allgemeinen wird durch Wärme der Verlauf der Impfpocken beſchleunigt, während Kälte und Näſſe ihn verzögern. Letztere Einflüſſe verhindern außerdem, beſonders bei der Ohrimpfung, das Haften der Impfung nicht ſehr ſelten mehr oder minder. Fürden Erfolg der Impfung iſt es indeſſen gleich⸗ gültig, ob die Impfpocke einige Tage früher oder ſpä⸗ ter ihre Perioden durchläuft, wenn ſie ſie nur in regelmäßiger Art, und unter den charakteriſtiſchen Er⸗ ſcheinungen durchläuft. Kommen die Pocken ſchon ſehr früh nach der Impfung zur Ausbildung, und gehen ſie etwa ſchon am fünften oder ſechsten Tage in Eiterung über, ſo ſind ſie in der Regel falſch, und ohne ſchützende Kraft. Häufig iſt dann der Impfſtoff ſchlecht geweſen, oder es waren andere Urſachen vor⸗ handen. In einigen Fällen zeigt ſich gegen den achten oder neunten Tag ein allgemeiner, rothfleckiger Aus⸗ ſchlag auf der Haut, welcher aber nach vierundzwanzig bis ſechsunddreißig Stunden wieder verſchwindet. Ein ſolcher Fall iſt weiter von keinen üblen Folgen, wenn nur die Impfpocke ſelbſt ihr gutes Anſehen beibehält, und wenn ſich nicht etwa allgemeine und heftige Krank⸗ heitszufälle darnach einſtellen ſollten. Immer finden ſich unter einer größeren Heerde einzelne Häupter, bei denen die Impfung nicht haftet, zumal wenn am Ohre geimpft wurde, und wenn es naſſes und kaltes Wetter iſt; es i*ſt dieſes nicht in allen Heerden gleich, denn oft haftet die Impfung in der einen faſt bei allen Stücken, während in ande⸗ ren ſechs bis zehn Procent uninſicirt bleiben. Wovon dieſes abhängig iſt, weiß man bis jetzt noch nicht; einige Stücke ſcheinen durchaus keine Empfänglichkeit für die Pocken zu haben; ja man hat, beſonders in der neueſten Zeit, ſogar die Beobachtung gemacht, daß einzelne Schafheerden gänzlich ohne alle Diſpo⸗ ſition für die Pocken waren, ſo daß mehrfache, und ſelbſt nach Jahresfriſt wiederholte, und mit aller Sorgfalt ausgeführte Impfungen erfolglos blieben. Dieſes eben ſo auffallende als intereſſante Phänomen kommt aber nur ſehr ſelten vor, und in einigen Fällen liegt dabei vielleicht auch eine Täuſchung zum Grunde. Die Schafe bedürfen zur Impfung durchaus keiner Vorbereitung, nur vermeide man die Schafe kurz vor der Impfung der Näſſe auszuſetzen oder ſie zu erhitzen, 17. Schafpocken. und ihr Blut in Wallung zu bringen. Die zu im⸗ pfende Heerde wird deshalb wo möglich in ihrem Stalle geimpft, oder im Falle ſie zu dem Orte, an welchem die Impfung vorgenommen werden ſoll, un⸗ vermeidlich einen weiteren Marſch zu machen hat, ſo muß dieſer einen Tag zuvor ſtatthaben, nicht aber etwa unmittelbar vor Ausführung der Impfung. Der günſtige Erfolg derſelben ſcheint nämlich weſentlich mit dadurch bedingt zu werden, daß das unter die Haut gebrachte Pockencontagium möglichſt langſam, und vielleicht in der geringſten Menge in die geſammte Blutmaſſe aufgenommen werde, woraus es ſich auch erklärt, daß die Impfung des Ohres, oder des vom After weit entfernten Theiles des Schwanzes den ge⸗ lindeſten Verlauf der Impfpocken zur Folge hat, weil die gedachten Theile mit nur wenig Blutgefäßen ver⸗ ſehen ſind. Nicht jede Jahreszeit, und nicht alle anderweitigen Verhältniſſe ſind dem guten Erfolge der Impfung gleich günſtig, jedoch bleibt in vielen Fällen hierbei entweder gar keine Wahl, oder doch nur eine eingeſchränkte. Sind die natürlichen Pocken in einer Heerde ausgebrochen, ſo muß die Impfung ſofort vor⸗ genommen werden, denn die natürlichen Pocken durch ſorgfältige und ſchnelle Seperation der Kranken von dem Reſte der Heerde abzuwenden, gelingt, bei der Flüchtigkeit und Intenſität des Anſteckungsſtoffes, nur ungemein ſelten, und auch gewöhnlich nur für kurze Dauer. Man trenne daher alle noch nicht augenfällig pockigen Schafe von den bereits erkrankten, und impfe Erſtere ſogleich am Ohre oder an der paſſenden Stelle am Schwanze; den Impfſtoff dazu entnimmt man aus den reifen Pocken der angeſteckten Schafe; ob klare Lymphe oder Blut der Pocke iſt gleichguͤltig, wenn nur das Individuum, von welchem der Impfſtoff gewonnen wird, ſonſt geſund, nicht ſehr alt, und mit möglichſt gutartigen Pocken behaftet iſt. Damit die Impfung um ſo ſicherer hafte, wähle man Pocken, die noch nicht ihre völlige Reife erlangt haben, ſo daß die Lymphbildung kaum erſt beginnt. Werden unter ſolchen Umſtänden vielleicht manche Schafe geimpft, die ſchon auf natürlichem Wege angeſteckt ſind, wie dieſes nicht fehlen kann, ſo hilft die Impfung dann freilich nichts mehr, aber ſie bringt auch auf keinen Fall Schaden, denn ſie ſchlägt überhaupt nicht an. Die Impflinge werden ſodann von den an den natür⸗ lichen Pocken leidenden Schafen ſorgfältig, und durch eine möglichſt große Entfernung, getrennt gehalten, 17. Schafpocken. denn es iſt ſehr tadelnswerth, die Impflinge gleich wieder unter jene zu geben. Wahrſcheinlich tritt die ſchützende Kraft der Impfung erſt am ſiebenten bis achten Tage, als zu jener Zeit ein, in welcher ſich durch Eintritt des Fiebers ꝛc. die Theilnahme des gan⸗ zen Körpers an der erlittenen Anſteckung durch die Impfung zeigt. In den erſten ſechs bis acht Tagen nach der Impfung ſind mithin ſelbſt die geimpften Schafe noch für die natürliche Impfung empfänglich. Es iſt ſchon früher einmal erwähnt worden, daß die Impfung hochtragender, oder im Lammen ſich befin⸗ dender Mutterſchafe nicht ohne Gefahr iſt, und Läm⸗ mer, welche im Alter von einem bis zu neun Tagen geimpft wurden, krepirten allemal. Man ſuche des⸗ halb in ſolchen Fällen die allgemeine Ausbreitung der natuͤrlichen Pocken durch täglich wiederholte Separa⸗ tion, ſo viel wie moͤglich, und mindeſtens ſo lange hinzuhalten, bis die Lämmer ein Alter von mindeſtens drei bis vier Wochen erreicht haben, wo dann die Impfung für Mutter und Lamm ungleich gefahrloſer ausfällt. Hat indeſſen die natürliche Pockenkrankheit bereits ſehr um ſich gegriffen, ſo bleibt nichts übrig, als die ſofortige allgemeine Impfung, welche dann doch immer noch ein ungleich günſtigeres Reſultat lie⸗ fern wird, als der Gang der natürlichen Pocken. Herrſchen die Pocken in der Nähe, ſo wird die ſogenannte Vorbauungs⸗Impfung erforderlich, oder wenigſtens wird ſie durch die Vorſicht geboten.— Hat man auch hierbei in der Wahl der Jahreszeit ꝛc. keinen uneingeſchränkten Spielraum, ſo iſt es doch in vielen Fällen möglich zu temporiſiren; häufig wird es wenig⸗ tens möglich ſein, z. B. die Lammzeit, naſſes und ſtürmiſches Wetter cc., vorübergehen zu laſſen, bevor zur Impfung geſchritten wird. Frühjahr und Herbſt, mildes, heiteres und trockenes Wetter ſind für die Impfung beſonders wünſchenswerth; aber es kann auch zu andern Jahreszeiten, und bei jedem Wetter, geimpft werden, und ſelbſt mit dem beſten Erfolge, wenn nur die ſpäter anzugebenden, freilich oft mit einem kleinen Opfer verbundenen, Regeln genau be⸗ folgt werden. Daß beſonders ſtarke Kälte die Impfung gefährlich mache, iſt zwar allgemein angenommen, aber dennoch irrig. Mehrere betraͤchtlich große Heer⸗ den wurden im Winter bei funfzehn Grad Reaumur geimpft, und die Impflinge wurden dabei in einem ſo wenig warmen Stalle gehalten, daß das Trinkwaſſer in demſelben gefror, und doch hatte die Impfung den 107 beſten Erfolg; die, am Ohre geimpften, Schafe hat⸗ ten alle, und ohne eine einzige Ausnahme, eine ſchoͤne Pocke, von der Groͤße einer Pflaume bekommen, die Impfung hatte bei allen Stücken gehaftet, und nicht ein einziges Schaf krepirte. Den Impfſtoff zur Vor⸗ bauungs⸗Impfung entnimmt man am zweckmäßigſten aus geimpften Pocken, und zwar aus denen am Ohre, weil dieſe eine ungleich größere Menge Lymphe zu ent⸗ halten pflegen, als die Impfpocken am Schwanze. Zur Impfung von zwei bis dreihundert Schafen iſt in der Regel die große Impfpocke eines Schafes aus⸗ reichend. Die pockigen, vom Nachbar geborgten Schafe müſſen gefahren oder getragen, und nicht früher her⸗ beigeſchafft werden, bis daß ſie unmittelbar darauf verwendet werden, damit jede Gelegenheit einer natür— lichen Anſteckung verhindert wird; auch duͤrfen die Perſonen, welche mit den pockigen Schafen zu thun hatten, mit den zu impfenden Schafen in keine Be— rührung kommen. Die Impfung des ganzen Schaf⸗ beſtandes muß, wenn es nur irgend ausführbar iſt, in Einem Tage bewirkt werden, damit keine Gelegen⸗ heit zur natuͤrlichen Infektion des ungeimpft gebliebe⸗ nen Theiles der Heerde gegeben wird, auch müſſen die Schafe, von denen der Impfſtoff entnommen wurde, ſo bald als möglich ihrem Beſitzer zurück gegeben oder, wenn dieſes zu umſtändlich iſt, doch die erſten ſechs bis acht Tage hindurch von den Impflingen ſorg⸗ fältig entfernt gehalten werden. Sind keine Schafe mit geimpften Pocken für den Zweck der Impfung zu erhalten, ſo müſſen dazu Schafe mit natürlichen Pok⸗ ken benutzt werden; ſollten auch dieſe nicht zur Diſpo⸗ ſition ſtehen, ſo impft man mit Lymphe, welche auf irgend eine Weiſe geſammelt und aufbewahrt wurde. Da man jedoch ſelten ſo viel Lymphe aufbewahren kann, um damit groͤßere Heerden impfen zu koͤnnen, ſo muß man dann zunächſt etwa zwanzig bis dreißig geſunde und jüngere Schafe vorimpfen, um am eilften bis dreizehnten Tage von dieſen die weiter bedürftige Lymphe beziehen zu koͤnnen. Eine ſolche Impfung erheiſcht jedoch alle mögliche Vorſicht zur Verhinde— rung einer Anſteckung der ganzen Heerde auf natür⸗ lichem Wege. Da die ſogenannte Schutz⸗Impfung ſich von der Präcautions⸗Impfung lediglich nur dadurch unterſchei⸗ det, daß ſie alljährlich bei den zugewachſenen Lämmern unternommen wird, und daß dabei die freie Wahl der 14 A 108 17. Jahreszeiten c. ſtattfindet, ſo bedarf es in dieſer Hin⸗ ſicht keiner weiteren Eroͤrterungen. Die Behandlung der Schafe nach der Impfung iſt ſehr einfach; eine mediciniſche Behandlung iſt nutz⸗ los und überflüſſig, und Alles, was hier erforderlich iſt, betrifft eine zweckmäßige diätetiſche Pflege. Die Impflinge werden bei heiterem und warmen Wetter im Freien, des Nachts aber im Stalle gehalten; alle Erhitzung durch weites und raſches Treiben iſt zu ver⸗ meiden, und der Schäferhund wird daher von dem Schäfer am Stricke geführt. Die Einwirkung großer Hitze, ſei dieſes nun Sonnenhitze oder übermäßige Wärme des Stalles, dürfen nicht auf die Impflinge einwirken, denn ſie beeinträchtigen den guten Verlauf ver Impfung. Vor Allen ſchädlich ſind Näſſe und Regen und ſtürmiſches, kaltes Wetter; herrſcht ein ſol⸗ ches Wetter, ſo müſſen die Impflinge durchaus im Stalle gehalten werden. In der bisherigen Fütte⸗ rungsweiſe wird nichts geändert, nur ſorge man dafür, daß beſonders gut genährte Schafe etwas knapp gefüt⸗ tert werden, weil bei ihnen vorzugsweiſe leicht ein allgemeiner, und dadurch gefährlich werdender Pocken⸗ ausbruch erfolgt. Alle dieſe diätetiſchen Maßregeln müſſen mindeſtens vierzehn bis ſechszehn Tage lang, alſo bis zu der Zeit, in welcher die Abtrocknung der Pocken beginnt, beobachtet werden. Man laſſe ſich dadurch, daß die geimpften Schafe die erſten ſieben bis neun Tage hindurch faſt voͤllig geſund erſcheinen, nicht zu einer ſorgloſen Nichtachtung der vorgeſchriebe⸗ nen Regeln verleiten; denn der allgemeine Blattern⸗ ausbruch und mit ihm die heftigen Erkrankungen, oder die Todesfälle, treten erſt nach der gedachten Zeit ein. Am zehnten oder eilften Tage nach der Impfung wird jedes einzelne Schaf der geimpften Heerde revi⸗ dirt; diejenigen Stücke, bei denen die Impfung nicht gehaftet hat, werden nochmals geimpft, wozu der Impfſtoff von einer Impfpocke der übrigen Schafe ge⸗ nommen wird. Haftet auch die zweite Impfung nicht, ſo iſt anzunehmen, daß ein ſolches Individuum keine Empfänglichkeit für die Pocken hat, und es iſt deshalb auch eine etwanige dritte Impfung überflüßig. Wie groß die Impfpocke ſein muß, um daraus auf eine ſchützende Kraft derſelben ſchließen zu können, iſt nicht mit Sicherheit anzugeben. In vielen Fällen ſcheint die Größe einer Erbſe oder ſelbſt eine noch etwas ge⸗ ringere Größe auszureichen, um einer ſolchen Pocke Schafpocken. volle Schutzkraft beimeſſen zu können; ſind die Pocken, wie dieſes gewöhnlich der Fall iſt, ungleich groͤßer, ſo gewährt dieſes natürlich um ſo mehr Sicherheit. Neben der Groͤße iſt auch beſonders der Verlauf der Impf⸗ pocke zu berückſichtigen; iſt dieſer regelmäßig, und von der früher beſchriebenen Art, ſo darf man die Pocke um ſo ſicherer als ſchützend betrachten; findet aber in dieſer Rückſicht nur irgend ein Zweifel ſtatt, ſo impft man zum zweiten Male; denn iſt dieſes vielleicht in einzelnen Fällen auch überflüßig, ſo iſt es doch auch niemals mit Nachtheilen verbunden. Die üblen Zufälle, welche nach der Impfung ent— ſtehen koͤnnen, ſind vorzüglich ein allgemeiner Blat⸗ ternausbruch, welcher am häufigſten bei ſehr fetten Stücken erfolgt, oder bei Impflingen, welche der Er⸗ kältung, der Näſſe und dem Regen ꝛc. ausgeſetzt wur⸗ den. Ein auf dieſe Weiſe erſcheinender Blatternaus⸗ bruch weicht, wenn gleich durch die Impfung entſtan⸗ den, auf keine Weiſe von den bösartigen oder unregel⸗ mäßigen natürlichen Pocken ab, und deshalb müſſen auch dergleichen Kranke ganz genau ſo behandelt wer⸗ den, wie in dieſer Hinſicht früher angegeben worden iſt. Sie werden von den andern, gelinde erkrankten Stücken getrennt, mit ausgeſuchtem Futter, Schrot⸗ tränken ꝛc. ernährt ꝛc. In dem ſeltenen Falle, daß die Impfpocke eine ſehr ausgedehnte und in Brand übergehende Entzündung des Ohres oder des Schwan⸗ zes zur Folge hat, ſchneidet man das entzündete Ohr ſeiner Länge nach auf, und macht in die Schwanzpocke einen tiefen, bis faſt auf die Schwanzeswirbel ein⸗ dringenden Kreuzſchnitt. Hiermit braucht man ſich jedoch nicht zu übereilen, denn tritt der Brand am Ohre ein, ſo fällt dieſes theilweiſe, doch ohne weiteren Nachtheil für das Thier, von ſelbſt ab, und die bran⸗ dige Pocke des Schwanzes wird ebenfalls faſt immer durch die Naturhülfe, und zwar durch Eiterung, ab⸗ geſtoßen. Faſt nur bei den ſehr kurzſchwänzigen Mut— terſchafen bringt die Schwanzpocke zu Zeiten Gefahr, doch wird dieſe dadurch gänzlich umgangen, daß man ſolche Stücke ſtets am Ohre impft. Zuweilen kom⸗ men auch Hals- oder Lungenentzündung nach der Impfung vor, oder die allgemein ausgebrochenen Pocken treten zurück, welches Alles dann dieſelbe Be⸗ deutung hat, als bei den natürlichen Pocken. Endlich ſieht man noch, obſchon ſelten, bei einigen Impflingen, nach zwei, drei oder vier Wochen einen toͤdtlichen Starrkrampf eintreten, welches jedoch faſt ausſchließlich 17. Schweinepocken. nur dann ſtatt hat, wenn die Impflinge einer naßkal⸗ ten Witterung ausgeſetzt, in kaltem Waſſer geſchwemmt, oder auf andere Weiſe einer ploͤtzlichen und ſtarken Erkältung ausgeſetzt wurden. Hat die Pockenkrankheit, gleichviel ob die natür⸗ liche oder die durch Impfung künſtlich erzeugte, in einer Heerde aufgehoͤrt, ſo muß vier bis ſechs Wochen darauf eine gehoͤrige Reinigung der Ställe und aller der Gegenſtände, welche mit den pockigen Schafen in Berührung gekommen, oder die deren Dunſtkreiſe aus⸗ geſetzt waren, vorgenommen werden. Der Miſt des inficirten Stalles wird untergepflügt, oder wenn es Winter iſt, an ſolchen Orten, wohin für die nächſte Zeit kein Schaf kommt, dünn ausgeſtreut. Wände, Ständer, Krippen, Raufen und andere Stallgeräthe, ſo auch die Hürden, werden mit Kalk dick übertüncht, und der Stall darauf längere Zeit durch Oeffnen von Thüren und Fenſtern gelüftet. Das über dem Stalle oder in deſſen unmittelbarer Umgebung etwa befindliche Rauchfutter wird möglichſt raſch in Pferde oder Rind⸗ 109 vieh, oder auch in die durchgeſeuchten Schafe verfüttert. Sollen neue Schafe zu der pockig geweſenen Heerde, oder in deren Stall gebracht werden, ſo gebietet die Vorſicht, mindeſtens zuvor mehrere Monate, nachdem die Krankheit aufgehört hat, verſtreichen zu laſſen, denn wenn auch das Contagium vielleicht unter dieſen Umſtänden nicht ganz ſo lange wirkſam bleibt, ſo könnte doch eine Ausnahme von der Regel ſtattfinden. Anmerkung. Auch Ziegen koͤnnen von den Pocken befallen werden, zumal wenn ſie mit pockigen Schafen zuſammenkommen. Die Krankheit macht ganz denſelben Verlauf als die Schafpocken, und ſcheint mit dieſen überhaupt völlig gleich zu ſein. Ziegen, welche mit Schafpocken⸗Lymphe geimpft wur⸗ den, waren dadurch vor den Pocken geſichert; die Im— pfung haftete zwar nicht ganz ſo leicht als bei Scha⸗ fen, aber die Lymphe der dadurch erzeugten Pocken, auf Schafe zurückgeimpft, ſchützte dieſe gegen die fernere Anſteckung der Schafpocken. 7 18. Auch die Schweine werden zuweilen von den Pok⸗ ken befallen, und wenn auch nur ſelten, ſo doch oͤfterer als man im Allgemeinen wohl glaubt; ich ſelbſt habe ſie nur ein einziges Mal zu beobachten Gelegenheit gehabt. Sie ſcheinen ſich auch bei uns urſprünglich entwickeln zu können, und ſie haben dann die Eigen⸗ ſchaft, ſich durch Anſteckung auf andere Schweine zu verbreiten; überhaupt gilt hier faſt Alles, was von den Pocken der Kühe und Schafe geſagt worden iſt. Die Krankheit hat ſehr beſtimmte Erſcheinungen, durch⸗ läuft regelmäßig ihre Perioden, und ſchützt das befallen geweſene Stück für die uͤbrige Lebenszeit, ſo daß daſ⸗ ſelbe nur einmal befallen werden kann. Da, wie Impfverſuche dargethan haben, die Menſchenpocken auf Schweine uͤbergetragen werden koͤnnen, ſo läßt ſich vermuthen, daß zuweilen auf dieſe Weiſe die Schwei⸗ nepocken entſtehen, denn man will die Beobachtung gemacht haben, daß durch Bettſtroh, auf welchem pockenkranke Menſchen gelegen haben, den Schweinen Schweinepocken. die Pocken mitgetheilt worden ſind. Am gewöhnlich⸗ ſten leiden Ferkel und jüngere Schweine an den Pocken. Die Krankheit beginnt mit den Zeichen der meiſten allgemeinen Krankheiten; das Schwein iſt traurig, matt und träge, es haͤngt Kopf und Ohren, trägt den Schwanz hängend, und nicht gekräuſelt wie ſonſt, die Borſten ſtehen empor, der Appetit iſt vermindert ꝛc. Nach etwa drei bis vier Tagen zeigen ſich, beſonders auffallend an weißhaarigen Schweinen, kleine rothe Flecken auf der Haut, beſonders am Rüſſel, an den Rändern der Augenlider, und an der inneren Fläche der Schenkel, welche ſich nach noch weiteren vier bis fünf Tagen zu hochrothen Knötchen erheben, die nach und nach bläſſer werden, und wenige Zeit darauf einen dunkeln Schorf bilden, welcher abfällt und eine kaum ſichtbare Narbe hinterläßt. Kurze Zeit vor und während dem Ausbruche der Pocken iſt ein Fieber zu— gegen; das Schwein hat viel Durſt, athmet angeſtrengt und beſchleuuigt, verſagt das Futter, hat geroͤthete 110 und geſchwollene Augen, und Rüſſel und Ohren füh⸗ len ſich heiß an. Mit der erfolgten Ausbildung der Pocken verſchwinden aber alle dieſe Zufälle wieder, und das Schwein erſcheint dann im Allgemeinen wie⸗ der ganz geſund. In der Regel iſt die Krankheit gelinde, und ſie wird nicht oft tödtlich; ihre ganze Dauer beträgt ſech⸗ zehn bis zwanzig Tage. Indeſſen hat man die Beob⸗ achtung gemacht, daß pockige Sauferkel zuweilen in Krämpfe verfallen und dadurch zu Grunde gehen. Sind ſehr viele Pocken an dem Thiere vorhanden, ſo kann auch dadurch der Tod erfolgen, zumal wenn die Pocken zuſammenfließen oder zurück treten. In letzte⸗ rem Falle fand man bei der Oeffnung des Cadavers die Luftröhre, die Lungen und andere Eingeweide mit Pocken beſetzt, ganz ſo, wie dieſes bei den Schafen der Fall iſt. 3 In Betreff der Behandlung der Krankheit iſt we⸗ ſentlich Alles das zu beobachten, was bei den Schaf⸗ pocken früher angegeben wurde. Das pockenkranke Schwein wird ungeſäumt von den ſcheinbar noch nicht angeſteckten Stücken getrennt, wodurch es mitunter gelingen kann, die Weiterverbreitung der Pocken zu verhüten. Man gebe dem Thiere einen reinen, mit reichlicher und trockener Streu verſehenen und recht warmen Stall zum Aufenthaltsorte; Näſſe und Kälte ſchaden allemal. Sind nur wenige, am Koͤrper ein⸗ zeln zerſtreute Pocken vorhanden, und zeigt ſich das Schwein, wie dieſes unter ſolchen Umſtänden die Regel zu ſein pflegt, wenig oder gar nicht krank, ſo iſt außer⸗ dem kaum etwas zu beobachten. Das Thier wird ruhig im Stalle gehalten, und erhält ſauere Milch, Molken, Gurken, Obſt oder ähnliche Futterſtoffe. Iſt das Schwein aber auffallend krank, frißt daſſelbe wenig oder gar nicht, und ſind die Pocken in großer Anzahl vorhanden, ſo müſſen, mit Beibehaltung der angegebenen Fütterungsweiſe, einige Arzeneien gegeben werden. Bei vorhandener Verſtopfung giebt man ein bis zwei Loth Glauberſalz ins Geſoͤff, und dort, wo der Miſtabgang natürlich iſt, koͤnnen mit Vortheil täglich ein Loth geſtoßener gelber Schwefel und eben ſo viel Wachholderbeeren mit Schroottrank beigebracht werden. Sehr magere Schweine, welche jedoch ſelte⸗ ner, und dann auch nicht ſehr heftig, befallen zu wer⸗ 18. Schweinepocken. den pflegen, werden mit gekochten Kartoffeln und Schrot gefüttert. Sind die Augen ſehr verſchwollen, und durch eiterartigen Schleim verklebt, ſo werden ſie täglich mehrere Male mit lauwarmer Milch gebähet und aufgeweicht. Manchmal wollen die Pocken nicht recht zum Ausbruche kommenz ſie erheben ſich weder zu runden Knoͤtchen, noch gehen ſie in Eiterung oder Schorfbildung über. Hier paßt dann ganz beſonders ein Brechmittel aus einer kleinen bis größeren Meſſer⸗ ſpitze voll Pulver der weißen Nieswurzel, je nach der Groͤße und dem Alter des Schweines. Um die Ver⸗ breitung der Pocken auf andere Schweine zu verhin⸗ dern, muß das krank geweſene mindeſtens noch vier bis ſechs Wochen nach der Abheilung der Schorfe iſolirt gehalten werden, auch iſt es noͤthig, daß die Perſon, welche das kranke Schwein füttert und pflegt, außer aller Gemeinſchaft mit geſunden Schweinen bleibt. Im Falle unter einer beträchtlich großen Heerde, etwa nur ein Schwein, oder nur einige wenige von den Pocken befallen werden, würde es in vielen Fällen am zweckmaͤßigſten ſein, die Kranken, deren Fleiſch ohne Anſtand genoſſen werden kann, zu ſchlach⸗ ten, und den Stall ꝛc. auf die bei den Pocken der Schafe angegebene Weiſe zu reinigen. Daß dieſe Reinigung unter allen Umſtänden anzurathen iſt, ver⸗ ſteht ſich übrigens wohl von ſelbſt. Wollte man jedoch Anſtand nehmen die pockigen Schweine zu ſchlachten, weil ſie vielleicht ſehr mager, oder in ſo hohem Grade mit den Pocken behaftet ſind, daß ihr Fleiſchgenuß mindeſtens ſehr ekelhaft ſein würde, ſo iſt es räthlich, den noch geſunden Reſt der Heerde zu impfen, und zwar mit Lymphe oder Blut der Schweinepocken, am Ohre, und überhaupt unter Beobachtung ganz deſſelben Verfahrens, welches bei der Impfung der Schafe an— gegeben worden iſt. Obwohl ich ſelbſt über den Er⸗ folg einer ſolchen Impfung keine eigene Erfahrung habe, und dieſelbe bisher auch wohl kaum verſucht ſein dürfte, da ſich nirgends eine Mittheilung in den verſchiedenen Schriften darüber findet, ſo berechtigt doch die vollkommne Aehnlichkeit der Schweinepocken mit den Kuh- und Schafpocken zu der Schlußfolge⸗ rung, daß durch die gedachte Impfung auch hier eine mildere und gegen fernere Anſteckung ſchützende Krank⸗ heit hervorgebracht werden würde. 19. Hundepocken. 19. Auch bei Hunden kommen mitunter die Pocken vor, und dann meiſt bei jungen Hunden, und oft während ſie an der, a. a. O. näher zu beſchreibenden, Staupe leiden; weſentlich iſt dieſe Krankheit der Hunde mit der gleichnamigen der übrigen Hausthiere ein und dieſelbe. Wie alle Thiere, kann auch der Hund nur ein einziges Mal von den Pocken befallen werden. Die Krankheit beginnt mit Froͤſteln, Unruhe, ver⸗ mehrtem Athemholen, vermindertem Appetite ꝛc., wor⸗ auf nach wenigen Tagen an den dünnhaarigen Stellen, alſo an der inneren Fläche der Schenkel, an den Ge⸗ ſchlechtstheilen, dann auch an den Lippen und den Augenliedern rothe, wie Flohſtiche ausſehende Flecken ſichtbar werden, welche in kurzer Zeit zu Knötchen ſich erheben, die ſich dann in einen, bald abfallenden Schorf verwandeln. In manchen Fällen kommt es nicht zur wahren Schorfbildung, ſondern es ſchuppt ſich blos die Oberhaut an der kranken Hautſtelle ab. Junge, noch ſaugende, Hunde krepiren nicht ſelten ſchon in den erſten Tagen nach dem Ausbruche der Krankheit. Aeltere Hunde überſtehen die Pockenkrank⸗ heit leichter; in den drei Fällen, wo ich ſie ſah, zeig⸗ ten ſie einen äußerſt milden Verlauf. Rothe, ver⸗ ſchwollene Augen, lechzende Zunge, heiße Naſe, gänz⸗ licher Verluſt des Appetites, häufiges Erbrechen, große Mattigkeit und Durchfall ſind als ſchlimme Zufälle zu betrachten. Die Kur beginnt mit einem Brechmittel; ganz junge Hunde erhalten einen, ältere, je nach ihrer Größe, zwei bis vier Gran gepulverte weiße Nieswur⸗ zel, welche ihnen trocken in das geöffnete Maul auf die Zunge geſchüttet wird; bei Verſtopfung giebt man 111 Hundepocken. darauf eine Laxanz aus einem halben bis zwei Loth Glauberſalz in Waſſer aufgeloͤſt. Das Futter richtet ſich nach den Umſtänden; man laſſe es nie an Getränk fehlen, wozu in der Regel ſüße oder ſauere Milch am paſſendſten iſt. Wenn der Hund ſehr erſchöpft und hinfällig iſt, ſuche man ſeine Kräfte durch Fleiſch und Fleiſchbrühe, oder andere nahrhafte Koſt, wobei die frühere Liebhaberei des Hundes zu berückſichtigen iſt, zu unterſtützen. Außerdem wird der Hund in einem trocknen und warmen Lokale gehalten, und alle Ge⸗ meinſchaft deſſelben mit anderen Hunden verhindert, denn ohne Zweifel kann die Krankheit durch Anſteckung auf andere Hunde übergehen. Ueber die Urſachen der Hundepocken iſt wenig be⸗ kannt; manchmal entſtehen ſie vielleicht von ſelbſt, in vielen Fällen werden ſie aber durch Anſteckung von andern Thiergattungen hervorgebracht, und dann am gewöhnlichſten durch Schafpocken. Es iſt ein Fall bekannt, in welchem von ſiebzehn Hunden, welche krepirte pockige Schafe gefreſſen hatten, eilf die Pocken bekamen und daran krepirten. Auch die Menſchen⸗ pocken koͤnnen auf Hunde übergehen; ſo bekamen von acht Hunden, welche mit Menſchenpocken verſuchsweiſe geimpft waren, drei Stück am ganzen Körper und ſo heftig die Pocken, daß ſie daran ſtarben. Die ver⸗ ſuchte Impfung anderer Hunde mit Pockenſtoff von Hundepocken brachte eine ſehr milde und ſchützende Pockenkrankheit hervor, und hatte ſomit ganz den gün⸗ ſtigen Erfolg, als wie die Impfung bei Schafen. Da übrigens die Hunde ſelten in beträchtlicher Anzahl bei⸗ ſammen gehalten werden, ſo kann dieſe Krankheit hier weiter in keinen ſonderlichen Betracht kommen. 20. Mauke des Pferdes.(Tab. IX.) Unter den Namen Mauke, Muke, Munke wird eine an den unteren Theilen der Beine, beſonders im Feſſelgelenke vorkommende Ausſchlagskrankheit begrif⸗ fen, welche allemal mit einer beträchtlichen Abſonde⸗ rung einer, oft verſchieden beſchaffenen Flüſſigkeit an den kranken Stellen verbunden iſt. Die Krankheit 11² hat ſehr verſchiedene Grade von Heftigkeit. In einigen Fällen iſt ſie ſo gelinde, daß ſie kaum bemerkt wird; die Haut des Feſſelgelenkes iſt nur ſehr wenig geſchwol⸗ len, an der hinteren Fläche des Feſſelgelenkes, alſo an der Beugeſeite deſſelben bildet ſich eine geringe Ent⸗ zündung, worauf die Abſonderung einer wäſſerigen Flüſſigkeit erfolgt, welche zu dünnen Schorfen oder Schuppen vertrocknet, und in acht bis vierzehn Tagen iſt die Krankheit von ſelbſt, oder doch durch geringe Mittel, wieder verſchwunden. Eine allgemeine Krank⸗ heit und Lahmheit ſind dann meiſtens gar nicht wahr⸗ zunehmen. Nicht immer jedoch, oder vielmehr nur in den ſelteneren Fällen, iſt die Mauke von ſo gerin⸗ gem Verlaufe; ſie ſtellt im Gegentheile gewöhnlich ein ziemlich bedeutendes, langweiliges und bei der Kur ſehr hartnäckiges Uebel dar, welches ſogar unheilbar werden, und Rotz und Wurm zur Folge haben kann. Es entſteht hier bei der Mauke Anfangs eine mehr oder weniger bedeutende Geſchwulſt in der Gegend des Feſſelgelenkes; die hier befindliche Haut iſt heiß, be⸗ deutend angeſchwollen, und von höherer Röthe als gewöhnlich, welches letztere Zeichen jedoch nur an den Ballen, und auch nur bei den weißhaarigen Füßen zu entdecken iſt. Zuweilen erſtreckt ſich die Geſchwulſt bis zum Vorderknie oder bis zum Sprunggelenke hin⸗ auf. Das Pferd leidet an dem kranken Fuße bedeu⸗ tende Schmerzen; es hebt denſelben deshalb oft ſeit⸗ wärts in die Höhe, und geht ſehr lahm. Oft iſt auch ein fieberhaftes Allgemeinleiden vorhanden; das Pferd frißt weniger wie ſonſt, es zeigt ſich traurig und abge⸗ ſchlagen zc. Wenige Tage nach dem erſten Erſcheinen der Geſchwulſt bilden ſich auf der entzündeten und ge⸗ ſchwollenen Haut, zumal an der Beugeſeite des Feſſel— gelenkes, und in der Nähe herum, zahlreiche kleine Bläschen, welche mit einer klaren, gelblichen Flüſſig⸗ keit gefüllt ſind; ſehr bald platzen dieſe Bläschen, und die Haut erſcheint dann mit der genannten Flüſſigkeit befeuchtet; Hitze, Geſchwulſt und die Heftigkeit der Schmerzen verlieren ſich mit dem Eintritte dieſer Ab⸗ ſonderung mehr oder weniger, und auch Appetit und Munterkeit kehren zurück. Auch die Beweglichkeit des Feſſelgelenkes wird jetzt größer, und der Gangerſcheint dann weniger geſpannt und weniger lahm. Eine reichliche Abſonderung von Feuchtigkeit dauert, als weſentliches Zeichen, indeſſen fort, und in den Falten der Feſſelbeuge bilden ſich Riſſe und Schruden der Haut(Fig, 1. a. Fig. 2. a.), in denen die Abſon⸗ 20. Mauke des Pferdes. derung von Flüſſigkeit am reichlichſten ſtattfindet. Er⸗ folgt jetzt, entweder von ſelbſt oder durch das einge— ſchlagene Kurverfahren, keine baldige Heilung, ſo ändern ſich die Zufälle, und nehmen eine üblere Be⸗ ſchaffenheit an. Die Hautſchruden ſchneiden tief, oft zolltief, in die Haut einz ſie ſind mit ſchwieligen, ſehr verdickten Rändern verſehen, und die Abſonderung in ihnen wird jauchig, blutig, conſiſtent und eiterartig, und zeigt einen überaus widrigen Geruch. In anderen Fällen erſcheint das ganze Feſſelgelenk, und ringsum, wund, und ſondert viel von der erwähnten ſehr übel⸗ riechenden Feuchtigkeit ab, welche oft auf den Spitzen der büſchelartig verklebten und emporſtehenden Haare wie Thautropfen haftet. Die Geſchwulſt iſt in ſolchen Fällen beträchtlich groß, und der Gang des Pferdes ſchmerzhaft, geſpannt und erſchwert. Gelingt es auch jetzt noch nicht die Krankheit zum Stillſtande zu brin⸗ gen, ſo bildet ſich eine, oft für die ganze Lebensdauer nicht wieder verſchwindende Verdickung der Haut; die Haare auf ihr fallen theils aus, theils verfilzen ſie ſich, und verkleben zu Büſcheln, zwiſchen denen eine reichliche und ſtinkende Abſonderung fortdauert, und endlich zeigen ſich auf der entarteten Haut kleine, rothe oder bläuliche, fleiſchartige Auswüchſe, ſogenannte Feigwarzen, welche bei der Berührung leicht bluten. Ein auf ſolche Weiſe entarteter Fuß wird Straub⸗ oder Igelfuß genannt(Fig. 3. a.) Ein ſolcher Igelfuß iſt faſt nie gründlich zu heilen, wenigſtens bleibt ſtets eine bedeutende Geſchwulſt zurück, welche den freien Gang mehr oder weniger beeinträchtigt, und jedenfalls das gute Anſehen des Pferdes mehr oder weniger entſtellt. In einzelnen Fällen ſchwillt ſogar der ganze Schenkel, und ſelbſt bis zum Leibe hinauf, zu einer ganz unförmigen Geſtalt an. Die Dauer der Mauke iſt ſehr verſchieden, je nach ihrer Heftigkeit, nach der Beſchaffenheit der Urſachen, des Kurverfahrens ꝛc. Ganz gelinde Fälle ſind oft ſchon in acht bis zwölf Tagen beſeitigt; heftigere dau⸗ ern dagegen meiſtens vier bis ſechs Wochen, und unter ſehr üblen Umſtänden kann die Mauke Monate und ſogar Jahre lang zugegen ſein, und dieſes ſelbſt dem beſten Heilverfahren zum Trotze. Gefahr für das Leben oder für die allgemeine Ge⸗ ſundheit bietet die Mauke in der Regel nicht dar; aber in vielen Fällen hindert oder beſchränkt ſie für lange Zeit den Gebrauch des Pferdes, auch hinterläßt ſie oft eine entſtellende Geſchwulſt des Fußes, und kehrt 20. Mauke des Pferdes. außerdem bei dem mit ihr befallen geweſenen Pferde leicht wieder zurück. Mauke der Vorderfüße iſt in der Regel viel leichter zu heilen; als wenn ſie an den Hin⸗ terfüßen erſcheint. Die Urſachen der Mauke ſind ſehr zahlreich, und zum Theil noch nicht genügend ermittelt. Aus den bisherigen Beobachtungen iſt man zu der Annahme berechtigt, daß es eine Mauke giebt, welche, unab⸗ haͤngig von äußeren Einflüſſen, aus ſogenannten inne⸗ ren Urſachen entſteht, und eine Mauke, welche ledig⸗ lich das Produkt äußerer Schädlichkeiten iſt.— Jene, welche vielleicht nur allein den Namen der ächten Mauke verdient, iſt gewoͤhnlich mit heftigeren Zufällen, mit Fieber, ſehr bedeutender Geſchwulſt und ſehr reich⸗ licher, um das ganze Feſſelgelenk herum ſtattfindender Abſonderung verbunden; ihre Heilung iſt ſchwieriger und langwieriger, und ihr Ausgang in Igelfuß ꝛc. häufiger. Die durch äußere Einflüſſe entſtandene Mauke dagegen beſchränkt ſich meiſtens nur auf die Beugeſeite des Feſſelgelenkes; die Geſchwulſt iſt gerin⸗ ger, und die Heilung erfolgt oft ſchon allein dadurch, daß die veranlaſſenden Schädlichkeiten fern gehalten werden. Ohne Vergleich am häufigſten erſcheint die Mauke bei Pferden von unedler, gemeiner Abkunft, welche ſich durch träges Temperament, plumpen Knochenbau, grobe und lange Haare, dicke Haut, Schlaffheit aller Theile, große Hüfe ꝛc. charakteriſirt. Pferde von edler Race, und feinem, fermeu Faſerbaue leiden nur ſehr ſelten an der Mauke. Füllen und ſehr alte Pferde ſcheinen weniger zu der Krankheit diſponirt als ſolche, welche ſich im mittleren Lebensalter befinden, dabei ſehr maſtig ſind, und wenig Bewegung haben. Am öfterſten kommt die Mauke durch das Gehen und Ste— hen in naſſen und kothigen Wegen und Ställen, im Frühjahr und Herbſt und überhaupt dann vor, wenn die Füße der anhaltenden Einwirkung von Schmutz, Näſſe und Kälte ausgeſetzt ſind. Deshalb herrſcht auch die Mauke vorzugsweiſe oft bei Pferden in großen Städten. In London und Paris z. B. giebt es unter den erwähnten Umſtänden überaus zahlreiche maukige Pferde, während im trocknen Sommer kaum etwas davon zu ſpüren iſt. Seltener entſteht die Mauke auch wohl durch unterdrückte Räude und durch verſchlagene Druſe. Manchmal wird nur Ein Fuß befallen, zuweilen aber auch beide paarigen; daß drei oder alle Füße zu⸗ Wagenfeld, Encyel. 113 gleich litten, kommt nicht oft vor, obſchon ich ſelbſt einige ſolche Fälle beobachtet habe. Die Hinterfüße werden ungleich öfterer befallen, als die Vorderfüße, und ſonderbarer, aber bisher unerklärbar gebliebener Weiſe ſind vorzüglich die weißhaarigen Füße zur Mauke diſponirt. Hat ein von der Mauke befallenes Pferd etwa einen weißen Feſſel, ſo kann man faſt ſicher ſein, daß gerade an dieſem die Krankheit ſich befindet. Die Kur der Mauke richtet ſich nach dem Grade ihrer Heftigkeit, nach ihrer Dauer ꝛc. Im Allgemeinen gilt als Regel, daß man nicht zu ſchnell austrocknende Mittel anwenden darf, denn eine zu plötzliche Hem⸗ mung der Hautabſonderung hat oft die üble Folge, daß darnach eine mehr oder weniger große Anſchwel⸗ lung im Feſſelgelenke zurückbleibt, die dann in vielen Fällen kaum zu beſeitigen iſt. Dieſelben üblen Folgen hat die Anwendung des kalten Waſſers, und der kalten Bäder, weßhalb dieſe bei der Mauke nie oder nur unter ſeltenen Umſtänden in Gebrauch gezogen werden dürfen. Zunächſt iſt es bei der Kur unerläßlich, daß alle nachtheiligen äußeren Einwirkungen entfernt gehalten werden, denn ſo lange Koth, Näſſec. auf den kranken Fuß einwirken, iſt auf keine Heilung zu rechnen. Nach⸗ dem daher der Kranke auf reinen und trocknen Grund geſtellt worden iſt, wird zunächſt der kranke Fuß mit grüner Seife und warmen Waſſer, mittels eines lei⸗ nenen Läppchens oder eines Schwammes, von allem Schmutze, anklebenden Schorfen c. ſorgfältig gerei⸗ nigt, worauf alsdann die Haare des kranken Theiles, beſonders die langen, am Koͤthenzopfe befindlichen, mit einer Scheere dicht an der Haut abgeſchnitten wer⸗ den. Sind Entzündung, Geſchwulſt und Schmerzen nur ſehr gering, ſo reichen oft ſchon die täglich einige Male zu wiederholenden ſanften Waſchungen mit Sei⸗ fenwaſſer allein ſchon aus, um die Heilung in ſehr kurzer Zeit zu Stande zu bringen. Trocknet bei dieſem Verfahren die Mauke in etwa ſechs bis acht Tagen nicht ab, dauert im Gegentheil die Ausſickerung von Feuchtigkeit fort, ſo reibt man täglich einmal etwas gebrannten und gepulverten Alaun, oder etwas Blei⸗ weiß auf die wunden und näſſenden Hautſtellen mit den Fingern gelinde ein, worauf die Haut ſehr bald trocken und geheilt erſcheinen wird. Dort, wo ſie zu haben iſt, kann man ſtatt deſſen das kranke Feſſelgelenk täglich zwei bis drei Mal mit Gerberlohe befeuchten, welche von vorzüglicher Wirkſamkeit iſt 114 20. Mauke des Pferdes. Sind Geſchwulſt und Schmerzen bedeutender, und erfolgt die Abſonderung in den Hautſchrunden und in deren Umgebung ſehr reichlich, ſo wird der kranke Fuß, nachdem er zuvor, wie eben angegeben, von Schmutz und Haaren befreit iſt, zunächſt drei bis vier Tage lang mit lauwarmen, erweichenden Flüſſigkeiten ge⸗ waſchen und gebähet. Man kann ſich zu dieſem Be⸗ hufe des Seifenwaſſers, der dünnen Branntwein⸗ ſchlempe, eines Aufguſſes von Heuſaamen oder Kleie mit heißem Waſſer bedienen. Iſt auf dieſe Weiſe die entzündliche Spannung der Geſchwulſt etwas gehoben, und die kranke Haut hinreichend gereinigt, ſo applicirt man nachſtehende Mittel, von denen man nach Belie⸗ ben, und, je nachdem ſie mehr oder weniger leicht zu Gebote ſtehen, eins auserwählt, und daſſelbe mit einem anderen vertauſcht, im Falle daſſelbe ſich nach längerem Gebrauche nicht hinreichend wirkſam zeigen ſe ollte. Der kranke Theil wird täglich zwei bis drei Mal mit lau⸗ warm gemachter Gerberlohe gewaſchen; oder mit einer Auflöſung von einem Lothe Chlorkalk in einer Wein⸗ flaſche voll kaltem Waſſer; oder mit einer Auflöſung von zwei Loth Bleizucker in gleicher Proportion des Waſſers; oder von zwei Loth Alaun oder blauem Vitriol in gleicher Menge Waſſer; oder von einem Skrupel Sublimat. Sehr wirkſam iſt auch eine Salbe von einem Loth gepulvertem Grünſpan, und Honig und Schweineſchmalz, von jedem vier Loth, wovon täglich zwei Mal etwas applicirt wird. Haben ſich tiefe Schrunden und Riſſe in der Haut gebildet, und findet aus ihnen eine ſehr reichliche und ſtinkende Abſonde⸗ rung ſtatt, ſo wäſcht man dieſelben zuvor mit einer Auflöſung der oben angegebenen Auflöſung von Chlor⸗ kalk aus, und ſtreuet dann in dieſelben täglich zwei Mal ein Pulver aus gleichen Theilen Eichenrinde, Alaun, blauem Vitriol und Kohlenpulver. Erfolgt hiernach in acht bis zehn Tagen noch keine ſichtbare Beſſerung, ſo ſetzt man zu je zwei Loth dieſes Pulvers ein Quentchen rothen Präcipitat. Jene Mauke, welche mit ſehr großer, roſenartiger Geſchwulſt, mit Fieber, Mangel an Appetit ꝛc. ver⸗ bunden iſt, alſo die ächte Mauke, wird etwas anders behandelt, als bisher angegeben wurde. Hier kommt es zunächſt darauf an, die Entzündung durch eine allgemeine Kur ſo ſchnell wie moͤglich zu heben oder zu vermindern, um dadurch die Krankheit abzukürzen, und ihren möglichen üblen Ausgängen zu begegnen. Zu dem Ende wird dem Pferde, im Fall daſſelbe gut genährt und kräftig iſt, ein Aderlaß von acht bis zwoͤlf Pfunden Blut gemacht; innerlich erhält daſſelbe eine Laxanz aus zwei Loth Aloe und vierundzwanzig bis zweiunddreißig Loth Glauberſalz, welche mit Mehl und Waſſer zur Latwerge gemacht, und auf zwei Mal, und im Laufe eines Tages, eingegeben wird. Der geſchwollene Fuß wird ſodann ſechs bis acht Tage hin⸗ durch, ganz ſo wie ſchon oben angegeben wurde, ge⸗ bähet, oder in den genannten lauwarmen Flüſſigkeiten moͤglichſt anhaltend untergetaucht erhalten. Sind auf ſolche Weiſe, und wie dieſes faſt nie ausbleibt, die heftigſten Zeichen der Entzündung beſeitigt, ſo geht man nach und nach zu ſolchen Mitteln über, welche die reichliche, flüſſige Hautabſonderung beſchränken und endlich verſchwinden machen. Anfangs wäſcht man den kranken Fuß täglich mehrere Male mit einer Auf⸗ löſung von einem Loth Alaun oder Zinkvitriol, oder einem halben Loth Bleizucker in einer Weinflaſche voll Waſſer; oder man bedient ſich der mit gleichen Thei⸗ len Waſſer verdünnten Gerberlohe, oder des Kalkwaſ⸗ ſers. Bleiben dieſe Mittel bei längerer Anwendung erfolglos, ſo wählt man zum Waſchmittel eine Auf⸗ löſung von Chlorkalk oder von Sublimat, ganz wie oben angegeben iſt; auch die Lauge von der Aſche von hartem Holze iſt in vielen Fällen wirkſam, oder eine Auflöſung von vielem Kochſalz in Waſſer. Auch die oben erwähnte Miſchung aus Grünſpan ac. paßt hier⸗ her. Waſchungen mit Urin, welche von Laien ſehr oft in Gebrauch gezogen werden, ſind zwar unſchädlich, aber meiſtens von zu ſchwacher Wirkung; das übliche Reiben des entzündeten Feſſelgelenkes mit Stroh dage⸗ gen, iſt entſchieden tadelnswerth,, denn es werden dadurch, ohne Noth und ohne allen Nutzen, die Ent⸗ zündung vermehrt und die Heilung verzögert. Bei ſehr veralteter Mauke, und dort, wo die ange⸗ führten Mittel keine Heilung ſchaffen, iſt die Kur nach den jedesmaligen Umſtänden einzurichten. Tiefe und jauchige Geſchwuͤre werden mit einer Aufloͤſung von Chlorkalk ausgewaſchen, und hierauf wird in ſie täglich zwei Malein Pulver aus einem Quentchen rothem Prã⸗ cipitat, und Eichenrinde und Kohlenpulver von jedem ein Loth, eingeſtreuet. Iſt die Haut ringsum dem Feſ⸗ ſelgelenke entartet und wund, oder finden ſich auf ihr Feigwarzen, ſo bedient man ſich der Waſchungen mit ſtarker Aſchen⸗ oder Seifenſiederlauge, oder einer Auf⸗ löſung von einem Quentchen Sublimat in einem Quart Waſſer; oder man ſtreuet täglich einmal ein Pulver 20. aus gleichen Theilen rothem Präcipitat und georanntem Alaun auf die Feigwarzen. Um die Feigwarzen uns andere Hautauswüchſe auf ihr zu beſeitigen, kann man ſich auch des Glüheiſens oder des Meſſers bedienen. Im Falle die Haut, aller Mittel ungeachtet, nicht trocken wird, ſondern fortfaͤhrt Feuchtigkeit in Menge abzuſondern, iſt zuweilen ein Eiterband von Nutzen. Daſſelbe muß ſechs bis acht Zoll lang ſein, und an der äußeren Fläche der Keule, an der ſogenannten Hoſe, applieirt werden(Fig. 3. b.); es bleibt drei bis vier Wochen, oder auch wohl eine noch längere Zeit, liegen, während das übrige Heilverfahren unun⸗ terbrochen fortgeſetzi wird. Iſt die Haut endlich trocken geworden, und ſind die wund geweſenen Stellen ver⸗ narbt, ſo bleibt oft eine beträchtliche Verdickung des Fußes zurück, die ſich ſelbſt bis zum Bauche hinauf erſtrecken kann, und dann den Schenkel ungemein ent⸗ ſtellt, und ſeine freie Bewegung mehr oder weniger hindert. Die Beſeitigung eines ſolchen Falles gelingt manchmal entweder gar ſiccht, oder doch nur theilweiſe. In ſolchem Falle wird auf den geſchwollenen Fuß die beim Stollſchwamm(ſiehe dieſen Artikel) vorgeſchrie⸗ bene ſcharfe Salbe eingerieben, oder es wird der Theil mit dem Glüheiſen gebrannt(Fig. 4. a.). Iſt der Schenkel bis zum Sprunggelenke, oder ſelbſt noch hoͤher hinauf angeſchwollen, ſo paßt ein vier bis ſechs Wochen in Eiterung zu erhaltendes Eiterband an dem Schenkel Fig. 3. b.); auch compreſſive Einwickelun⸗ gen ſind zuweilen von Nutzen geweſen. Es wird eine drei Zoll breite und acht Fuß lange Binde von ſtarkem Flanell, oder von Leinwand, in eine Auflöſung, von drei Loth Alaun in einem Quart Waſſer, getaucht, und hierauf in Spiralwindungen um den geſchwollenen Fuß gewickelt, und zwar ſo feſt wie moͤglich, und ſo, daß die Binde oberhalb des Feſſelgelenkes angelegt, und bis zur Biegung des Sprunggelenkes fortgeführt, und ihr Ende hier auf paſſende Weiſe befeſtigt wird. Die Binde wird Abends angelegt, und am Morgen wieder entfernt; will man ſich von ihr einigen Nutzen verſprechen, ſo muß ſie mindeſtens eine Dauer von mehreren Wochen hindurch applicirt werden. Begün⸗ ſtigt wird die Heilung außerdem noch durch die Anwen⸗ dung von Aloelaxanzen, welche etwa alle vierzehn Tage einmal wiederholt werden, ſo wie durch die in nere Anwendung von gekochtem Terpentin, Terpentinöl, Wachholderberen und aͤhnlicher Mittel. Mauke des Pferdes. 115 Bei der Kur der Mauke iſt im Allgemeinen eine täglich wiederholte, jedoch nicht anſtrengende, Bewe⸗ gung son Nutzen, denn durch die Bewegung wird die Geſchwulſt des Fußes ſtets verringert. Es verſteht ſich dabei wohl von feieſt, daß das Pferd nur auf trockenem Boden bewegt werden sarf, und deshalb iſt der Aufenthalt deſſelben auf einer trocknen, arasreichen Weide beſonders vortheilhaft. Das maukige Pfesd darf weder der Näſſe noch der Kälte ausgeſetzt werden; im Sommer der Weidegang, ſonſt aber ein reiner und trockener Stand, und ein warmes Verhalten ſind der Heilung ungemein förderlich. Gras und anderes Grün⸗ futter, Kleie, Kartoffeln und überhaupt eine nur wenig nährende, etwas knappe Fütterung ſind in der Regel zu empfehlen, auch werden mit Nutzen zuweilen Wach⸗ holderbeeren und Kochſalz mit dem Futter verabreicht. Da es in der Regel nicht mit dem ökonomiſchen Intereſſe vereinbar iſt, das an der Mauke leidende Pferd jedesmal von der Arbeit zu diſpenſiren, ſo muß man wenigſtens Sorge tragen, daß jede ſehr anſtren⸗ gende und ſchnelle Bewegung deſſelben unterbleibe, daß daſſelbe ſo viel wie möglich von naſſen und kothi⸗ gen Wegen fern gehalten, und bei der Rückkunft in den Stall oder auf die Weide ſogleich gründlich mit Sei⸗ fenwaſſer von Koth, Sand ꝛc. wieder gereinigt werde. Nicht zu verwechſeln mit der Mauke ſind die ſoge⸗ nannten angelaufenen Beine; bei vielen Pferden naͤm⸗ lich, beſonders bei denen von gemeiner Race, ſchwellen nach anhaltendem Stehen die unteren Enden der Füße, beſonders der Hinterfüße, leicht an. Bei oberflächli⸗ cher Unterſuchung könnten ſolche Fälle für Mauke ge⸗ halten werden; ſie unterſcheiden ſich aber von der Mauke ſehr beſtimmt dadurch, daß ſich bei ihnen weder im Feſſelgelenke noch ſonſt auf der Haut der geſchwol⸗ lenen Füße eine Abſonderung von Flüſſigkeit findet, welche Abſonderung bei der Mauke nie fehlt. Sodann verlieren ſich die angelaufenen Füße nach einiger Be⸗ wegung faſt allemal gänzlich, was bei der Mauke nur theilweiſe der Fall iſt. Leichter zu verwechſeln mit der Mauke ſind die Wunden im Feſſelgelenke welche ſich ein Pferd häufig dadurch zuzieht, daß es mit dem Fuße in einer Kette oder im Halfterſtrange hängen geblieben iſt, und iſt ein ſolcher Fall längere Zeit her, ſo iſt es in der That kaum möglich ihn von der Mauke zu unterſcheiden. A. a. O. ſoll hiervon ausführlicher gehandelt werden. 15˙ 21. 116 Ausfallende Mauke des Pferdes. 21. Ausfallende Make des Pferdes.(¶Tab. IX.) Dieſe, auch wohl mit de Namen Wolf oder brandige Mauke beloser Krankheit hat, wie ſich aus ihrer Beſchreibung ergeben wird, mit der eben beſchrie⸗ benea Mauke eigentlich nichts gemein; ſie trägt ihre Bezeichnung deshalb mit Unrecht. Im Allgemeinen kommt dieſe Krankheit nicht gerade oft vor;z nur einige Gegenden und einzelne Jahrgänge ſcheinen ihren häu⸗ figern Eintritt zu begünſtigen. Die ausfallende Mauke kündigt ſich nicht durch auffallende Vorläufer an, ſon⸗ dern ſie überfällt das Pferd faſt ploͤtzlich; gewoͤhnlich wird nur ein einzelner Fuß befallen, und zwar, um— gekehrt als bei der Mauke, leidet häufiger ein Vorder⸗ als ein Hinterfuß. Das Pferdegeht mit dem kranken Fuß ungemein lahm, und leidet augenſcheinlich an großen und ſo heftigen Schmerzen, daß es fiebert, und mehr oder weniger den Appetit verliert. Unterſucht man den kranken Fuß, ſo findet man denſelben am Feſſelgelenke entzündet, und mehr oder weniger, jedoch in der Regel nicht ſehr bedeutend, geſchwollen; zu⸗ weilen erſtreckt ſich dieſe Geſchwulſt höher an den Beu⸗ geſehnen hinauf. Während die allgemeine Geſchwulſt ſich in einigen Tagen etwas vermindert, erhebt ſich aus ihr eine neue flache, nur wenige Linien über das Niveau der benach⸗ barten Haut hervorragende Geſchwulſt, von unregel⸗ mäßiger, aber ſcharf markirter Umgrenzung(Fig. 5. c.); dieſelbe hat eine verſchiedene, zuweilen ſelbſt den Durchmeſſer mehrerer Zolle erreichende Ausdehnung, und ihren Sitz in irgend einem Theile der Haut des Feſſelgelenkes; am häufigſten ſtellt ſie ſich an der Krone, an den Seitentheilen des Feſſelgelenkes und an den Ballen ein. Beim Betaſten zeigt ſich dieſe Hautſtelle ſo hart wie Leder, und hoͤchſt ſchmerzhaft. Noch einige Tage ſpäter bemerkt man an ihren Rän⸗ dern eine ſehr übelriechende Feuchtigkeit; das entartete Hautſtück trennt ſich von der umgrenzenden geſunden Haut; es fällt als ein brandiger, ſtinkender Hautlap⸗ pen ab, und hinterläßt ein Loch in der Haut, welches oft die Tiefe eines Zolles und ſelbſt noch darüber hat. In vielen Fällen findet ſich jetzt, daß die Zerſtörung ſich nicht blos auf das abgefallene Hautſtück erſtreckt hat, ſondern daß ſelbſt die darunter gelegenen Sehnen, Knorpel und Bänder angegriffen ſind. Mit dem Aus⸗ fallen des ergriffenen Hautſtückes hat die urſprüngliche Krankheit an und für ſich ihr Ende erreicht, und nur ihre Folgen ſind jetzt noch vorhanden. Drang die Zerſtörung nicht zu ſehr in die Tiefe, und beſchränkte ſie ſich nur allein auf die Haut, ſo iſt dieſes als der glücklichſte Fall zu betrachten; die Oeffnung in der Haut füllt ſich nach und nach wieder mit neuem Haut⸗ gewebe aus, und es erfolgt eine völlige Geneſung. Sind dagegen Sehnen, Knorpel und Bänder ergriffen, ſo bleibt nicht ſelten eine unheilbare Lahmheit zurück, welche das Pferd mehr oder weniger entwerthet, oder es kann ſelbſt der Tod die endliche, obſchon indirekte, Folge der Krankheit ſein. Allemal erfolgt die voll⸗ ſtändige Heilung nur ſehr langſam, ſo daß meiſtens Monate dazu gehoͤren, weßhalb die Krankheit, ſelbſt unter den günſtigſten Umſtänden, als eine ſehr üble angeſehen werden muß. Ueber die Urſachen der ausfallenden Mauke weiß man bis jetzt nichts Poſitives; ohne Vergleich am häufigſten erſcheint ſie im Winter, bei ſtrenger Kälte, bei Pferden, welche viel in thauendem Schnee oder Eiſe gehen müſſen, und an deren Füßen das Waſſer dann wieder gefror. Auf dieſe Beobachtungen geſtützt iſt man faſt allgemein der Anſicht, daß die ausfallende Mauke in einer Art Froſtbeule, oder in einer durch übermäßige Kälte und Erfrierung bewirkten Abſterbung und Ertödtung des befallenen Hautſtückes beſtehe. In den meiſten Fällen mag dieſes nun zwar wohl ſeine Richtigkeit haben, aber nicht in allen Fällen. Es kommt nämlich die Krankheit, obgleich ungleich ſelte⸗ ner, auch zuweilen mitten im Sommer vor, und auch ich ſah ſie dreimal in heißen Sommertagen. Auffal⸗ lend bleibt es ſodann auch noch, daß das Uebel zu⸗ weilen ſelbſt in den ſtrengſten Wintern nur ſehr ſelten vorkommt, und dagegen manchmal in weit milderen Wintern ungleich häufiger. Hat die Krankheit einmal einen Fuß des Pferdes befallen, ſo iſt nichts im Stande die Bildung und das Ausfallen eines brandigen Hautſtückes zu verhindern. Es kann deshalb nur darauf ankommen, daß dieſer Proceß ſo ſchmerzlos für das Pferd wie möglich und recht ſchnell erfolge. Zu dem Ende ſtellt man den kranken Fuß in irgend eine lauwarme, milde Flüſſig⸗ 22. keit, und bähet ihn damit, indem man dabei ganz auf dieſelbe Weiſe verfährt, als bei der echten Mauke. Um die Entzündung auch durch innerliche Mittel zu mäßigen, giebt man auch hier eine Laxanz, und entzieht ſehr gut genährten Pferden zehn bis zwölf Pfund Blut. Zeigt ſich am Rande des brandigen Hautſtückes eine jauchige Flüſſigkeit, ſo ſucht man daſſelbe ſo bald wie möglich zu entfernen, damit die Jauche ungehin— derten Abfluß hat, und ſich nicht etwa in die Tiefe, z. B. in den Huf, ergießen kann. Iſt das Hautſtuͤck ausgefallen, ſo hoͤren die Schmerzen meiſtens faſt ganz auf; es bildet ſich dann in der Regel eine gute Eiterung, bei welcher ſich die widernatürliche Oeffnung nach und nach wieder ausfüllt; die mehrfach erwähn⸗ ten Bähungen können dann für die erſten Tage noch fortgeſetzt werden, ſpäter überlaſſe man die Heilung der Natur. Sollte ſich indeſſen die Eiterung weder in hinreichender Menge, noch in guter Beſchaffenheit Raſpe des Pferdes. 117 einſtellen, ſo kann man ſich folgenden Mittels bedie⸗ nen, mit welchem die Wunde täglich zwei bis drei Male befeuchtet wird: Zwei Loth Terpentin werden mit dem Gelben von zwei Eiern vermiſcht, und unter ſtetem Umruͤhren wird dann ein Quart kaltes Waſſer zuge⸗ ſetzt. Mit der Kur ſolcher Fälle, in denen Sehnen ꝛc. angegriffen ſind, kann ſich der Laie nicht erfolgreich befaſſen. Die ausfallende Mauke darf nicht mit der Huf⸗ knorpel⸗Fiſtel verwechſelt werden, mit der ſie einige Zeit ihres Beſtehens hindurch wohl einige ähnliche Erſcheinungen darbietet. Bei der Huftnorpelfiſtel fällt jedoch nie ein größeres Hautſtück aus; es befindet ſich auf ihr ein enger und ſehr tiefer Fiſtelgang, ſie entſteht faſt ausſchließlich nur in Folge der ſogenannten Stein⸗ gallen, und hat ausſchließlich nur an dem Kronen— rande der inneren und äußeren Seite ihren Sitz. 22. Raſpe des Pferdes.(Tab. IX.) Man begreift hierunter einen flechtenartigen Haut⸗ ausſchlag, welcher an der Beugung des Vorderkniees oder des Sprunggelenkes vorkommt. Im Allgemeinen kommt dieſes Uebel nicht oft vor, und dann häufiger noch am Vorderknie als am Sprunggelenke. Die Haut an der genannten Stelle erſcheint heiß und geſpannt; die Haare ſind verwirrt und ſtruppig, und in der Haut finden ſich Riſſe und Schrunden, welche tief in die Haut eindringen, und in denen eine ſehr ſtinkende Feuchtigkeit abgeſondert wird. Die Ränder dieſer Hautriſſe ſind wulſtig verdickt, höckerig und rauh, und meiſt von einer hornartigen Härte(Fig. 6. a. Fig. 3. c.). Dadurch wird die Biegung des Gelenkes ſchmerzhaft, weßhalb das Pferd mehr oder weniger lahm dabei geht, welche Lahmheit ſich aber mehr oder weniger verliert, wenn das Pferd erſt einige Zeit hin⸗ durch im Gange geweſen iſt. Manchmal bilden ſich während der Bewegung des Pferdes neue Hautriſſe, oder die ſchon vorhandenen reißen tiefer ein, wobei dann gewöhnlich eine kleine Blutung zu erfolgen pflegt. Die Raſpe iſt allemal ſehr langwierig in ihrem Verlaufe; ſie kann Monate und Jahre, ja ſelbſt das ganze Leben hindurch bei einem Pferde zugegen ſein; den Dienſtgebrauch verhindert ſie nicht, und ſelten breitet ſie ſich weiter auf der Haut, als an den bezeich⸗ neten Stellen, aus. Dagegen iſt die mit der Krank⸗ heit verbundene mehr oder weniger große Lahmheit jedenfalls unangenehm, Die Heilung iſt in der Regel ſchwierig und lang— wierig; oft gelingt ſie gar nicht. Der Hauptgrund für dieſe Hartnäckigkeit in der Kur liegt beſonders darin, daß die kranken Theile, beſonders die wunden Hautränder bei der Bewegung des Pferdes einer ſteten Reibung, und dadurch einer nachtheiligen Reizung ausgeſetzt ſind. Bei der Kur wird faſt eben ſo ver— fahren, als wie bei der Mauke. Die kranken Stellen werden oͤfters gebähet und gewaſchen, und zwar mit denſelben Flüſſigkeiten, welche bei der Mauke vorge⸗ ſchrieben worden ſind; die Haare werden abgeſchoren. Findet nur eine ſehr geringe Abſonderung von Feuch⸗ tigkeit ſtatt, ſo werden auf die kranke Haut täglich drei 118 Mal wiederholte Einreibungen aus Thran oder aus grauer Merkurial-Salbe gemacht. Iſt dagegen die Abſonderung ſehr reichlich und ſtinkend, ſo paſſen oft wiederholte Waſchungen mit einer Auflöſung von Chlorkalk, von blauem oder weißem Vitriol, oder von Sublimat in Kalkwaſſer, welche Mittel ganz ſo, als bei der Mauke, zuſammengeſetzt werden. In tiefe, jauchige und breite Hautſchrunden und Geſchwüre wird täglich ein Mal etwas gepulverte Cichenrinde oder ein Pulver aus einem Quentchen rothen Präcipitat, und Kohle und Eichenrinde, von jedem ein Loth einge⸗ ſtreuet. In gelinden Fällen ſind häufige Waſchungen mit Salzwaſſer, Aſchenlauge und ſelbſt mit Urin zu— weilen zur Heilung ausreichend. Oft aber reichen ſelbſt alle obengenannten Mittel nicht aus, und unter ſolchen Umſtänden, beſonders wenn viel Feuchtigkeit abgeſondert wird, zeigt ſich manchmal ein Eiterband von gutem Erfolge; daſſelbe muß ſechs bis acht Zoll lang ſein, und wird oberhalb des Vorderkniees(Fig. 23. Fußraͤude des Rindviehes. 6. b.) oder beim Hinterſchenkel an der Hoſe(Fig. 3. b.) applicirt; es bleibt vier bis ſechs Wochen liegen. Sehr harte und ſehr große wulſtige Hervorragungen werden entweder mit dem Glüheiſen gebrannt, oder mit einem Meſſer weggeſchnitten, und die wunde Haut dann täglich drei Mal mit Bleiwaſſer oder mit etwas Aloetinktur befeuchtet. Grünfutter, Kleie, der Weidegang und nur wenig Bewegung, begünſtigen die Heilung. Stets iſt für Reinhaltung der kranken Stellen durch oͤfteres Waſchen mit Seifenwaſſer zu ſorgen, auch müſſen die Arznei⸗ mittel nach Umſtänden anhaltend und lange Zeit hin⸗ durch angewendet werden. Die Urſachen beſtehen meiſtens in der anhaltenden Einwirkung von Näſſe, Kaͤlte und Unreinigkeiten aller Art; oft ſind ſie aber auch nicht nachzuweiſen. Die meiſte Anlage zu der Raſpe haben Pferde gemeinen Schlages, bei denen der Körperbau plump und die Haare lang und grob ſind. 23. Fußräude des Rindviehes.(Tab. IX.) Dieſe, auch wohl Traͤberausſchlag genannte, Krank⸗ heit iſt erſt ſeit wenigen Decennien bekannt, und kommt faſt nur allein bei Maſtvieh vor, welches mit Brannt⸗ weinſchlempe gefüttert wird, und zwar mit Kartoffel⸗ ſchlempe, aus welchem Grunde ſie daher auch ungleich häufiger im nördlichen Deutſchland beobachtet wird, als im Süden. Vor Einführung des Branntwein⸗ brennens aus Kartoffeln ſcheint die Fußräude nicht beobachtet worden zu ſein. Es beſteht die Krankheit in einem, der Pferdemauke ſehr ähnlichen, Hautaus⸗ ſchlage, welcher an einzelnen, oder auch wohl an allen vier Füßen zugleich erſcheint; am öfterſten wer⸗ den die Hinterfüße ergriffen. In der Haut der unteren Enden der Füße, beſonders um die Krone und das Feſſelgelenk herum, oft aber auch bis zum Knie und Sprunggelenke, oder ſelbſt noch höher hinauf, entſteht eine ſehr ſchmerzhafte und ſtarkentzündliche Anſchwel⸗ lung, und zwiſchen den Haaren bilden ſich zahlreiche, kleine, mit einer gelblichen Flüſſigkeit gefüllte Bläs⸗ chen, welche jedoch, der Haare wegen, und weil ſie bald platzen, nicht leicht zu entdecken ſind. Die Haut bekommt Riſſe und Schrunden, aus denen eine übel⸗ riechende Feuchtigkeit ausſickert; beſonders finden ſich dieſe Hautriſſe auf der Haut der ſehr angeſchwollenen Krone, und im Feſſelgelenke, und oft quillt aus ihnen etwas Blut. Die abgeſonderten Feuchtigkeiten ver⸗ trocknen zu rauhen und dicken Kruſten und Borken, und verkleben die Haare zu Büſcheln, und verfilzen und verwirren ſie; ein Theil der Haare fällt ganz aus (Fig. 7. a. b.). Das Thier leidet ſichtlich an großen Schmerzen; es ſchlägt manchmal mit dem kranken Fuße aus, als ob es dadurch einen fremden, anhän⸗ genden Körper entfernen wollte, es macht mit demſel⸗ ben zitternde oder zuckende Bewegungen. Der Gang i*ſt geſpannt, ſteif, wie ſchwankend, auch wohl mehr oder weniger lahm; das Thier liegt viel, und kann ſich nur mit großer Mühe erheben. Appetit und Munter⸗ keit ſind Anfangs noch ziemlich gut, auch das Wieder⸗ käuen dauert fort; aber dennoch erfolgt, der Schmer⸗ zen wegen, ſehr raſch Abmagerung. Schreitet die 23. Krankheit vor, ſo erſtreckt ſich dieſelbe höher an den Schenkeln hinauf, oft bis zur Schulter oder Hüfte; das ganze Bein erſcheint dann angeſchwollen, heiß und entzündet, und überall mit dicken, rauhen Bor— ken und mit aufgeſprungenen Hautriſſen bedeckt. An dem Kronenrande, beſonders in der Gegend des Klau⸗ enſpaltes bilden ſich Geſchwüre, welche nicht ſelten einen Zoll und ſelbſt noch tiefer, in die Haut eindrin⸗ gen, und wodurch Sehnen, Bänder und Knochen an⸗ gegriffen werden können; oder es löſet ſich der Rand der Krone von dem oberen Rande der Klaue; die ab⸗ geſonderte, ſehr übelriechende und freſſende Jauche ergießt ſich in den Klauenſchuh, wodurch dieſer zuwei⸗ len ſogar abfallen kann, während Knochen und Ge⸗ lenke der Klaue angegriffen werden. Der Kranke liegt unter ſolchen Umſtänden faſt fortwährend mit ausge⸗ ſtreckten Beinen, und iſt kaum zum Stehen zu brin⸗ gen; auf den kranken Hautſtellen gehen die Haare zu⸗ letzt aus, die Haut erſcheint wund und mit Jauche bedeckt, und an den Hüften und an andern Stellen liegt ſich das Thier ſehr bald durch. Das Haar des ganzen Koͤrpers iſt ſtruppig und trocken, Appetit und Munterkeit verlieren ſich mehr und mehr, und es er⸗ folgt eine ſehr große Abmagerung; endlich treten ein ſtinkender Durchfall und ein Faulfieber ein, und unter dieſen Zufällen der Tod. In einzelnen Fällen, wie ich ſelbſt deren mehrere ſah, verbreitet ſich der Aus⸗ ſchlag über den ganzen Körper. Früh genug, und auf zweckmäßige Weiſe, behan⸗ delt, iſt die Krankheit nicht nur nicht gefährlich, ſon⸗ dern ſogar leicht zu heben. Demungeachtet iſt ſie ſehr zu fürchten, denn ſelbſt unter den günſtigſten Umſtän⸗ den bringt ſie der Maſtung großen Schaden, weil durch die heftigen Schmerzen ſtets eine erhebliche Ab⸗ magerung erfolgt, auch iſt es oft nicht zu vermeiden, daß die Kur dem Zwecke der Maſtung mehr oder we⸗ niger entgegen wirkt. Gewöhnlich befällt die Krankheit alle oder doch die meiſten Stuͤcke eines Stalles; ſo ſah ich z. B. einmal von neunzig Häuptern eines Stalles achtzig an der Krankheit leiden, und unter ſolchen Umſtänden zieht ſich dieſelbe meiſtens mehrere Monate in einem Stalle hin, bevor es gelingt, ſie gänzlich zu tilgen. Von ſelbſt erfolgt die Heilung nicht eben oft, wenigſtens nicht leicht ohne Aenderung des Futters. Ueber die Urſachen iſt man noch nicht recht im Klaren. Die Erfahrung lehrt, daß die Fußräude faſt Fußraͤude des Rindviehes. 119 ausſchließlich nur bei Maſtvieh vorkommt, und zwar bei ſolchem, welches mit der Schlempe aus Kartoffeln gefüttert wird; mit gutem Grunde fällt der Verdacht daher auf dieſe Schlempe. Auffallend bleibt es dabei aber, daß die Fußräude nicht oͤfterer herrſcht, denn im Allgemeinen kommt ſie nicht oft vor, ungeachtet der überaus zahlreichen Kartoffel⸗Brennereien. Es giebt viele Branntweinbrenner, welchen, obſchon ſie ſeit langen Jahren aus Kartoffeln brennen, die Krankheit demungeachtet gänzlich unbekannt iſt. Deshalb iſt man auf die Vermuthung gekommen, daß die Schlempe vorzugsweiſe nur dann die Fußräude zur Folge habe, wenn ſie ſauer geworden iſt, und in der That zeigt ſich das Uebel vorzugsweiſe nur im Sommer, alſo zu einer Zeit, wo die Wärme der Luft die Schlempe zur Säuerung geneigt macht. Wenn es nun auch wahr⸗ ſcheinlich iſt, daß die Urſache oft in der ſauern Beſchaf⸗ fenheit der Schlempe gelegen iſt, ſo iſt dieſes doch keineswegs allemal der Fall, denn ich ſah die Krank⸗ heit in zwei Heerden entſtehen, bei denen durchaus friſche Schlempe verfüttert wurde, und zu welcher auf mein Anrathen, um etwa dennoch vorhandene Säure zu beſeitigen, gebrannter Kalk geſetzt wurde. Nimmt man die ſauere Beſchaffenheit der Schlempe als allei⸗ nige Urſache an, ſo müßte die Krankheit offenbar öfte⸗ rer vorkommen, denn es ereignet ſich bei den zahlreichen Brennereien gewiß ſehr oft, daß die Schlempe mehr oder weniger ſauer wird. Andere Beobachter beſchul⸗ digen als Urſache das Solanin, ein giftiges Princip der Kartoffeln, welches ſich aber vorzugsweiſe und faſt ausſchließlich nur in Kartoffeln findet, welche ge⸗ keimt haben. Grund zu dieſer Annahme hat die Be⸗ obachtung gegeben, daß die Fußräude angeblich nur im Frühjahre und Sommer vorkommen ſolle, mithin zu einer Zeit, wo die Kartoffeln meiſtens gekeimt haben. Dieſe Annahme iſt indeſſen irrig; Andere ſowohl, als ich ſelbſt, haben die Krankheit, wenn auch ſeltener, in allen Jahreszeiten beobachtet, und bei der Fütterung von Schlempe, welche von ganz friſchen, ſo eben erſt eingeerndteten Kartoffeln herrührte. Wahrſcheinlich concurriren bei dem Entſtehen der Fußräude verſchiedene Schädlichkeitenz außer der eigen⸗ thümlichen Wirkung der Schlempe, beſonders der ſauern, ſind auch der Urin, der Koth, die Feuchtigkeit, der Dunſt und die Wärme des Stalles zu beſchuldigen. Der Koth iſt bei der Schlempe meiſtens ſehr flüſſig, er wird ſehr oft abgeſetzt, und er beſpritzt dabei die 120 23. Fußraͤude des Rindviehes. Füße, zumal die Hinterfüße, und das Thier ſteht ge⸗ wöhnlich fortwährend in demſelben. Auf ſolche Weiſe wird die Haut der Füße gereizt und zu der Krankheit diſponirt, welche ſich hier um ſo leichter ausbildet, als die Füße die abhängigſten Theile am Körper ſind. Die äußeren Urſachen für ſich allein ſcheinen jedoch nicht auszureichen, um die Krankheit zur Folge zu haben, und eine gewiſſe Schärfe oder ſonſtige krank⸗ hafte Beſchaffenheit der allgemeinen Säftemaſſe iſt außerdem wahrſcheinlich gleichzeitig vorhanden; es wäre wenigſtens ſonſt nicht wohl zu erklären, wie es zugeht, daß ſich zuweilen der Ausſchlag über den gan⸗ zen Koͤrper ausgebreitet zeigt, da doch Koth ꝛc. nicht gerade überall hindringen koͤnnen. Am leichteſten wer⸗ den jene Stücke befallen, welche viel und haſtig von der Schlempe freſſen, und die früher mit anderem und trockenem Futter, z. B. mit Grünfutter ꝛc. ernährt wurden; haben ſie dagegen ſchon längere Zeit von der Schlempe gefreſſen, ſo gewöhnen ſie ſich daran, und die Krankheit kommt bei ihnen dann ſeltener zum Ausbruch. Am leichteſten und heftigſten werden jene Stücke befallen, welche nie Bewegung haben, ſondern fortwährend, wie dieſes gewöhnlich iſt, im Stalle gehalten werden; Jungvieh, Kühe und Ochſen, die zum Zuge verwendet werden, leiden ſeltener und auch weniger heftig an der Krankheit. Ob die Krankheit anſteckend iſt, oder nicht, iſt bis hierher noch nicht feſtgeſtellt. Nach den mir ſelbſt zu Gebote ſtehenden Beobachtungen möchte ich die An— ſteckbarkeit jedenfalls ſehr in Zweifel ziehen; wo ſich die Krankheit in einem Stalle zeigte, wurden keines⸗ wegs die benachbarten Stücke immer zunächſt befallen; im Gegentheile kam die Krankheit oft bei ſehr entfernt von einander ſtehenden Stücken und in bunter Reihe gleichzeitig zum Ausbruche. Die Kur der Räude iſt ſehr einfach, und wenn ſie früh genug begonnen und mit Fleiß fortgeſetzt wird, ſo kann in acht bis vierzehn Tagen die Heilung bewirkt werden. Die Hauptſache bei der Kur bleibt ein zweckmäßi⸗ ges Verhalten der Kranken. Iſt es nur irgend thun⸗ lich, ſo wird ſtatt der Schlempe, bis zur erfolgten Heilung, nur allein Heu und anderes Rauchfutter, oder ſtatt deſſen auch allenfalls Grünfutter, Kartof⸗ feln ꝛc. gegeben; wenn dieſes nicht ausführbar iſt, ſo giebt man jedenfalls weniger Schlempe und mehr Heu als ſonſt, wobei vorzüglich Sorge zu tragen iſt, daß die Schlempe friſch verfüttert wird, und nicht etwa ſchon ſauer geworden iſt. Behält man die frühere Fütterungsweiſe bei, ſo iſt zwar auch eine Heilung zu bewirken, aber ſie iſt ſchwieriger, und erfolgt viel ſpä⸗ ter, wobei dann ein Verluſt an Fleiſch und Fett ſtatt⸗ findet, welcher oft weit größer iſt, als das Opfer, welches eine andere Fütterungsweiſe für die kurze Zeit ihrer Dauer erfordert. Im Allgemeinen ſei die Füt⸗ terung eher knapp als reichlich. Von großer Wichtig⸗ keit iſt ſodann die Beobachtung einer möglichſt großen Reinlichkeit; die Kranken müſſen ſo trocken wie mög⸗ lich, am beſten auf eine oft zu erneuernde und reichliche Streu geſtellt werden; Miſt und Urin ſind täglich mehrere Male aus dem Stalle zu entfernen. Der, meiſt ſehr heiße und dunſtige, Stall wird oͤfters ge⸗ lüftet, ſo daß eine mehr kühle Temperatur in demſelben ſtattfindet. Innerliche Mittel ſind in der Regel entbehrlich; will man jedoch gleich Anfangs den Kranken eine Laxanz aus Glauberſalz(ein halbes bis dreiviertel Pfund) geben, ſo iſt das der Heilung förderlich, und ſie erfolgt dabei etwas raſcher. Auch die ſäurebre⸗ chenden Mittel ſcheinen nicht ohne Nutzen; ich gab in wiederholten Fällen jedem Kranken täglich zwei Loth Kreide mit Waſſer, und zwar acht Tage hintereinan⸗ der, ein, und es ſchien mir ſo, als ob die Heilung raſcher erfolge, als in anderen Fällen, in denen ich von dieſem Mittel keinen Gebrauch gemacht hatte. Als äußerliches Mittel ſind die Waſchungen und Bähungen mit lauwarmen, milden und ſchleimigen Flüſſigkeiten von ganz vorzüglichem Nutzen, und ſie bilden bei der Kur das Hauptmittel; es iſt ziemlich gleichgültig, was für eine Flüſſigkeit man wählt; man kann eine Abkochung von Leinſamen, von Heublumen, Kleie ꝛc. wählen. Ich habe mich ſtets dazu der dün⸗ nen, mit gleichen Theilen Waſſer verdünnten Schlempe bedient, und damit ſtets vollkommen reüſſirt. Um ſie zu appliciren, wird die kranke Haut mit Seifenwaſſer ſo viel wie möglich von allem ankleben⸗ den Schmutze, und von Borken und Schorfen gerei⸗ nigt, und hierauf mit der verdünnten Schlempe der kranke Fuß ſanft gewaſchen, wozu man ſich eines weichen, leinenen Lappens bedienen kann. In jedem Eimer voll Schlempe werden zwei Loth Bleizucker durch Umrühren aufgelöſet, und die Bähung täglich ſechs bis acht Mal wiederholt. Schon nach wenigen Tagen verliert ſich hiernach die entzündliche Spannung 24. der Haut, ſie wird ſchmerzloſer und weicher. Abends befeuchtet man die Haut, beſonders wenn ſie mit Riſ⸗ ſen verſehen iſt, mit einer Auflöſung von einem Skru⸗ pel Sublimat in einem Quart Waſſer. Im Falle nicht etwa die Klauen ergriffen ſind, oder ſonſt ein übles Geſchwür am unteren Theile des Fußes zugegen iſt, thut eine mäßige Bewegung gut, denn es erfolgt dabei um ſo leichter eine Zertheilung der Geſchwulſt; man läßt die Kranken ſich deshalb auf dem Hofe oder an einem andern nahen Orte einige Zeit lang frei⸗ willig bewegen, oder, da ſie der Schmerzen wegen gewöhnlich die Bewegung ſcheuen, führt man ſie einige Zeit umher. Sind Entzündung und Geſchwulſt großen Theils wieder verſchwunden, iſt die Haut trocken, und nicht mehr riſſig wie früher, ſo kann dann nach und nach wieder zu der urſprünglichen Fütterungsweiſe überge⸗ Staupe der Hunde. 121 gangen werden, denn es ſcheinen Rückfälle nicht leicht einzutreten, wahrſcheinlich deshalb nicht, weil ſich das Thier an das fremdartige Futter nach und nach gewöhnt hat. Die Vorſicht gebietet dabei jedoch, daß auch noch fernerhin große Reinlichkeit beobachtet werde. Im Falle tief in die Klauen eindringende Ge⸗ ſchwüre ſich gebildet haben, richtet ſich die Behandlung derſelben nach ihrer beſonderen, jedesmaligen Beſchaf⸗ fenheit; die getrennten Theile der Klauen werden weggeſchnitten, damit der Eiter oder die Jauche ſich nicht in die Tiefe ergießen kann, und die Wunde dann täglich einige Male mit etwas Aloe⸗Tinktur befeuchtet. Es laſſen ſich, bei der möglichen Verſchiedenheit der Fälle, in dieſer Hinſicht nicht gut ſpecielle Vorſchriften geben, und außerdem wird bei ihrer Ausführung in der Regel die Herbeiziehung eines Sachverſtändigen erforderlich ſein. 2⁴4. Staupe Keine Krankheit wird dem Hundegeſchlecht ſo ver⸗ derblich und fordert ſo viele Opfer, als die Staupe, welche auch Laune, Hundeſeuche, Hundekrankheit ge⸗ nannt wird; ſie decimirt die Hunde auf ähnliche Weiſe, wie früher die Pocken das Menſchengeſchlecht. Nicht jeder Hund wird indeſſen von der Krankheit befallen; etwa die Hälfte bleibt das ganze Leben hindurch von ihr verſchont. Weſentlich erſcheint die Staupe unter den Zufällen eines heftigen und bösartigen Schnupfens; außer die⸗ ſem Schnupfen ſind aber noch zahlreiche andere Krank⸗ heitszeichen vorhanden, welche aber in vielen Fällen mancherlei Abweichungen von der Regel darbieten. Der von der Staupe befallene Hund zeigt ſich matt, träge und weniger munter als früher; er liegt viel, und zwar auf der Seite und mit ausgeſtreckten Beinen; der Appetit iſt vermindert, dagegen findet ſich ſtarker Durſt, wobei er am liebſten kaltes Waſſer ſäuft. Das Haar iſt geſträubt, die Naſe heiß, die Augen ſind ge⸗ röthet und mit Thränen befeuchtet, die Naſenhaut iſt trocken, der Hund nieſet ſehr oft, reibt die Naſe häufig an verſchiedenen Gegenſtänden, oder kratzt mit den Wagenfeld, Encyel, der Hunde. Pfoten daran. Gleich Anfangs ſtellt ſich ein häufiger Huſten und ein Krächzen ein, wobei der Hund heftige Anſtrengungen macht, gerade als ob ihm ein fremder Körper, z. B. ein Knochen im Halſe ſtecken geblieben wäre; nicht ſelten endet dieſes Krächzen mit einem Er⸗ brechen, wobei jedoch nur etwas fadiger und zäher Schleim und Speichel ausgebrochen wird. Nach einiger Zeit, etwa nach acht bis zehn Tagen, wird der Anfangs trockene Huſten noch häufiger, aber feucht, und es wird durch das ihm nachfolgende Erbrechen viel Schleim ausgeworfen. Aus den Naſenlöchern hat bis jetzt ein ſehr reichlicher Ausfluß eines dicken, geruchloſen, gelblichen und grünlichen Schleimes ſtatt, welcher zum Theil zu Kruſten vertrocknet, durch welche die Naſenlöcher ſo verſtopft werden, daß der Hund kaum mehr Athem holen kann; aus dieſem Grunde macht er wiederholte Anſtrengungen, durch Nieſen, Huſten, Kratzen mit den Pfoten, den Schleim aus der Naſe zu entfernen. Die Augenlider ſind ange— ſchwollen, und durch dicken und grünlichen Schleim verklebt, welcher in Menge aus den Augen fließt. Die Kräfte des Hundes ſind jetzt ſehr geſuankant er liegt 122² faſt beſtändig, frißt faſt gar nichts mehr, magert ſehr raſch ab, iſt ſo matt, daß er ſich kaum mehr erheben kann, und ſchwankt und taumelt im Gange. Dieſer Zuſtand dauert in der Regel acht bis zehn Tage, zu⸗ weilen aber auch länger. Tritt jetzt noch keine Beſſe⸗ rung ein, ſo verſchwindet der Appetit total, aus dem Maule fließt ein zäher Speichel, es treten Zuckungen in den Gliedmaßen, auch ein ſtarker Durchfall hinzu, wel⸗ cher, ſo wie der abgehende Urin, von ſehr üblem Geruche iſt; der Hund liegt regungslos und wie todt da, und krepirt in der Regel ganz ſanft, zuweilen aber auch unter heftigen Krämpfen. Tritt dagegen Geneſung ein, ſo verringert ſich der Ausfluß aus Naſe und Augen, er wird dünner, und verliert ſich bald ganz; der Appetit kehrt zurück, ſo wie Kräfte und Munterkeit, und in drei bis vier Wo⸗ chen erſcheint der Hund hergeſtellt. Manchmal hat die Staupe noch andere Krankhei⸗ ten in ihrem Gefolge, namentlich Augen-, Lungen⸗ und Darmentzündung und Krämpfe verſchiedener Art. Bei einer ſolchen Augenentzündung ſind die Augen verſchwollen, und von dickem, eiterartigem Schleime zugeklebt; öffnet man die Lide, ſo erſcheinen dieſelben ſehr roth, und die durchſichtige Hornhaut iſt von wei⸗ ßer und undurchſichtiger Farbe, und nicht ſelten mit Geſchwüren beſetzt, welche ſogar die Hornhaut durch⸗ brechen können, ſo daß alsdann das Auge ausläuft. Leidet der Hund an einer Entzündung der Lungen, ſo holt derſelbe ſehr häͤufig, und mit ſtarker Bewegung der Rippen und des Bauches, Athem; er huſtet ſehr viel, aber ſchmerzhaft, und deshalb nur ſchwach und ohne lauten Klang. Iſt Darmentzündung zugegen, ſo bricht der Hund überaus oft, er frißt durchaus nichts, ſäuft viel, und hat einen ſtinkenden Durchfall. Die Krämpfe, welche oft mit der Staupe vorkommen, beſtehen in Zuckungen an verſchiedenen Körpertheilen, welche oft genug in die Cpilepſie ausarten. Die Dauer der Staupe beträgt durchſchnittlich zwei bis ſechs Wo⸗ chen; oft iſt die Krankheit ſo gelinde, daß ſie in kurzer Zeit, und ſelbſt ohne Kunſthülfe, wieder verſchwindet; man bemerkt dann an dem Hunde faſt gar keine Krank⸗ heit, außer einem Schnupfen, alſo einen Ausfluß von Schleim aus Naſe und Augen. Dieſer Schleimfluß macht das auffallendſte und beſtändigſte Zeichen der Staupe aus. Weit gewöhnlicher, als mit gelinden Zufällen, iſt das Uebel aber mit ſehr bösartigen und leicht tödtlich werdenden Erſcheinungen verbunden. 24. Staupe der Hunde. Junge Hunde, in dem Alter von drei bis vier Monaten, ſind der Staupe am meiſten ausgeſetzt, ſo wie denn überhaupt das jugendliche Alter beſonders für dieſe Krankheit disponirt. Zuweilen werden die Hunde ſchon in den erſten Lebenswochen befallen, wo⸗ bei ſie dann in der Regel nicht mit dem Leben davon kommen. Je zarter, ſchwächlicher und verwöhnter der Hund iſt, deſto größer iſt die Gefahr bei der Krankheit. Hat ein Hund ſchon ein Alter von mehreren Jahren erreicht, ſo iſt er nur ſelten noch der Krankheit ausge⸗ ſetzt. Es kann faſt als eine Regel gelten, daß ein Hund, welcher die Staupe einmal überſtanden hat, ſeine übrige Lebenszeit vor derſelben geſchützt iſt, denn die Fälle, in denen die Krankheit zum zweiten Male eintrat, ſind ſo ſelten, daß ſie ſich ungefähr wie eins zu hundert verhalten. Die vornehmſten Urſachen ſcheinen in Erkältungen zu liegen, doch ſind es dieſe keineswegs allein, welche die Staupe veranlaſſen. In manchen Jahren kommt dieſelbe ungleich öfterer vor, als in anderen; in heißen Jahreszeiten iſt ſie mehr vorhanden, als in kühlen und kalten. Ob die Fütterungsweiſe auf die Erzeugung derſelben bedeutenden Einfluß hat, iſt noch nicht ſicher nachgewieſen, doch ſcheint die reichliche Fleiſchfütterung bei jungen Hunden einen gerechten Verdacht zu erre⸗ gen, wofür nachſtehender Verſuch den Beweis abgiebt. Von einem aus zehn Stück beſtehenden Wurfe junger Hunde, wurde die Eine Hälfte mit Fleiſch und Kno⸗ chen, die andere Hälfte nur mit Brod und Gemüſe gefüttert; nach mehreren Monaten verfielen alle mit Fleiſch gefütterten Jungen in die Staupe, während von den mit Brod und Gemüſe gefütterten Jungen nur ein einziges, und auch dieſes nur in einem leichten Grade, befallen wurde. Ob die Staupe anſteckend iſt oder nicht, weiß man bis jetzt noch nicht; die mei⸗ ſten Beobachter erklären ſich gegen die Annahme der Anſteckung. Die Kur der Staupe iſt ſehr mißlich, und meiſtens wird durch Arzeneien nicht viel ausgerichtet. Faſt jeder Jäger und ſonſtiger Hundeliebhaber glaubt im Beſitz eines untrüglichen Mittels gegen die Krankheit zu ſein, aber in der Regel ſind dergleichen Mittel nicht nur nutzlos, ſondern ſogar ſchädlich. Wie könnte es, in Rückſicht auf die Bösartigkeit der Krankheit und die zahlreichen Verſchiedenheiten derſelben, auch wohl ein Mittel geben, welches für alle oder auch ſelbſt nur für die meiſten Fälle paßte!? 24. Der kranke Hund wird in völliger Ruhe und an einem recht warmen und trockenen Orte gehalten; Kälte und Näſſe ſchaden allemal, und namentlich ſind das Baden und Waſchen nachtheilig, ja ſogar die gewöhnlichſte Urſache der Krankheit. Bei ganz jungen, noch in den erſten Lebenswochen ſich befindenden Hun⸗ den iſt der Tod faſt unfehlbar, und man laſſe bei ihnen deshalb lieber alle Kurverſuche bei Seite. Alles, was hier geſchehen kann, beſteht darin, daß ſie recht oft an das Euter der Mutter gelegt werden, damit ſie nicht verhungern. Bei älteren Hunden beginnt man die Kur ſehr zweckmäßig mit einem Brechmittel, voraus⸗ geſetzt, daß nicht etwa die Zeichen einer Lungen⸗ oder Darmentzündung vorhanden ſind; man löſet zwei bis drei Gran Brechweinſtein in vier Loth Waſſer auf, und giebt davon alle Viertelſtunden einen Eßlöffel voll, bis ein mehrmaliges Erbrechen erfolgt. Sicherer und ſchneller wirkt die gepulverte weiße Nieswurzel, wovon, je nach der Größe des Hundes, zwei bis vier Gran trocken in das geöffnete Maul auf die Zunge geſchüttet werden. Iſt Verſtopfung zugegen, ſo ſetzt man wiederholt Klyſtiere, und giebt eine Abführung von einem halben bis zwei Loth Glauberſalz, welche in der erforderlichen Menge heißem Waſſer aufgelöſet werden. Um den Schleimfluß aus der Naſe zu beför⸗ dern und zu erleichtern, wird die Naſe des Hundes täglich einige Mal über den Dunſt von heißen Kamillen⸗ oder Fliederthee gehalten; die vorderen Naſenöffnun⸗ gen werden öfters mit lauwarmer Milch mittelſt eines Schwammes von dem anklebenden und vertrockneten Schleime gereinigt, eben ſo werden die verklebten Augen⸗ lider öfters und auf gleiche Weiſe gebähet. Iſt die Krankheit gelinde, ſo gelingt bei dieſer einfachen Kur die Heilung nicht ſelten. Schreitet dagegen das Uebel vor, ſo giebt man, achtzehn bis vierundzwanzig Stun⸗ den nach der Verabreichung des Brechmittels und der Abführung, eine Auflöſung von einem bis drei Quent⸗ chen Salmiak, und eben ſo viel Lakritzenſaft, in eine Taſſe Fliederthee, und zwar alle drei Stunden einen bis zwei Theelöffel voll. Iſt der Hund ſehr ſchwach, Staupe der Hunde. 123 und ſtellen ſich Zuckungen und andere nervöſe Zufälle ein, ſo giebt man einen Thee aus einem Loth Baldrian⸗ Wurzel und einer Taſſe heißem Waſſer, welchem, wenn er erkaltet iſt, ein bis zwei Quentchen Schwefel⸗ äther zugeſetzt werden. Von dieſer Mixtur werden alle zwei Stunden ein bis zwei Theelöffel voll gegeben. Um die Kräfte zu heben wird Fleiſchbrühe und Fleiſch gefüttert. Dauern die Zuckungen in den Gliedern fort, und erſcheint das Hintertheil des Hundes mehr oder weniger gelähmt, ſo daß der Gang ſchwankend iſt, ſo wird der Rücken, und beſonders in der Kreuz⸗ gegend, täglich zweimal mit einer Miſchung aus zwei Loth Salmiakgeiſt, vier Loth Terpentinöl und zwei Loth Baumöl eingerieben. Bei vorhandener heftiger Augenentzündung, und beſonders bei Geſchwüren auf der Hornhaut, werden die Augen oft mit warmer Milch gebähet, und täglich mehrere Male mit einem Augenwaſſer befeuchtet, wel— ches beſteht aus: Zinkvitriol zwei Gran, Roſenwaſſer ſechs Loth, Opiumtinktur ein Quentchen, und Quit⸗ tenſchleim ein Loth. Machen ſich die Zeichen einer Lungenentzündung bemerkbar, ſo paßt Anfangs ein Aderlaß von zwei bis ſechs Unzen Blut, und zu jeder Seite der Bruſt ein Eiterband. Bei heftigem, erſchö⸗ pfenden Durchfalle giebt man öfters Kamillenthee, welchem für jeden Theelöffel voll, zwei bis fünf Tropfen Opiumtinktur zugeſetzt werden; außerdem wird der Bauch täglich zwei Mal mit flüchtiger Salbe einge⸗ rieben. Iſt die Staupe beſeitigt, ſo bleibt oft für lange Zeit eine Lähmung des Hintertheils zurück; hier werden dann reizende Einreibungen in die Kreuzgegend gemacht, oder es werden daſelbſt zwei Eiterbänder gezogen; oder endlich wird das Glüheiſen applicirt. Gegen anhal⸗ tende Zuckungen iſt eine Mixtur aus einem Quentchen Aſafötida, zwei Quentchen Eſſigäther und einer Taſſe voll Baldrian-Thee von großem Nutzen; der Hund erhält davon täglich einige Male einen bis zwei Thee⸗ löffel voll, und zwar eine beträchtlich lange Zeit hin⸗ durch. 16* 124 25. Daͤmpfigkeit der Pferde. 25. Dämpfigkeit der Pferde. Unter dieſer, auch Dampf, Bauchbläſigkeit, Herz⸗ ſchlägigkeit ꝛc. benannten Krankheit, verſteht man eine langwierige, fieberloſe Beſchwerde im Athemholen, welche mit der Engbrüſtigkeit oder dem Aſthma beim Menſchen viele Aehnlichkeit hat. Weſentlich giebt es zwei verſchiedene Arten dieſer Athmungsbeſchwerde, von denen die Eine meiſtens Hartſchnaufigkeit, die andere dagegen eigentliche Ddämpfigkeit genannt wird. a) Hartſchnaufigkeit. Beiihr iſt das Athem⸗ holen erſchwert, angeſtrengt, und mehr oder weniger hörbar; der Ton beim Athmen beſteht in einem pfei⸗ fenden, rauſchenden, raſſelnden oder in einem ähnli⸗ chen Geräuſche, oder in einem heiſeren Kreiſchen, ähn⸗ lich dem, welches beim Menſchen nach ſehr ſchnellem Laufe zu entſtehen pflegt. In dem Zuſtande der Ruhe iſt an dem hartſchnaufigen Pferde in den meiſten Fäl⸗ len nichts Krankhaftes wahrzunehmen; daſſelbe iſt munter, bei Appetit, und holt ſcheinbar auf regelmä⸗ ßige Weiſe Athem. Manchmal ſind dergleichen Pferde im ſchlechten Futterzuſtande, und ſie huſten mehr oder weniger oft, zumal beim Saufen. Wird das Pferd aber einer Bewegung ausgeſetzt, ſo tritt die Krankheit deutlich hervor. Im Trabe, im Galopp, im Zuge ꝛc. wird das Athemholen ungewöhnlich und. auffallend angeſtrengt; es entſteht dabei ein kreiſchender, pfeifen⸗ der oder anderer Ton, der in der Regel ſchon in bedeu⸗ tender Entfernung zu hören iſt. Wird das Pferd zum Stillſtande gebracht, ſo verſchwinden dieſe Athmungs⸗ beſchwerden faſt auf der Stelle, oder doch in ſehr kur— zer Zeit. Wird die Bewegung des Pferdes dagegen anhaltend fortgeſetzt, ſo wird das Athmen immer lau⸗ ter und angeſtrengter, die Naſenlöcher werden weit auf⸗ geriſſen, die Flanken ſind in heftiger Bewegung, das Pferd ſchwitzt über den ganzen Körper, zeigt Angſt und Unruhe, ſperrt zuletzt das Maul auf, bleibt ſtehen, ſchwankt und zittert, und fällt um, als ob es erſtickt wäre. Hat daſſelbe jedoch wenige Minuten gelegen, ſo verſchwinden faſt jedesmal alle heftigen Zufälle ſehr ſchnell wieder, das Athmen iſt nicht mehr hörbar, und das Pferd ſteht auf, und ſcheint wieder ganz geſund. Die Hartſchnaufigkeit hat in den verſchiedenen Fällen ſehr verſchiedene Grade von Heftigkeit. So iſt z. B. bei manchem hartſchnaufigen Pferde im Zuſtande der Ruhe, und ſelbſt im Schritte und mäßigem Trabe das Athemholen ſcheinbar geſund, und die eigenthüm⸗ lichen Zufälle der Krankheit treten erſt dann hervor, wenn das Pferd anhaltend und ſehr ſchnell bewegt wird; manchmal erſt im geſtreckten Trabe oder Galopp. Andere Pferde zeigen ſich ſchon im gelinden Trabe oder im munteren Schritte hartſchnaufig. Im höchſten, jedoch nicht ſehr häufigen, Grade der Krankheit athmet das Pferd ſchon im Zuſtande der Ruhe ſehr angeſtrengt und hörbar; jede Bewegung droht Erſtickungsgefahr; die Naſenlöcher ſtehen fortwährend weit offen ꝛc. Bei jedem hartſchnaufigen Pferde werden die Zu⸗ fälle bei der Bewegung und Anſtrengung heftiger; und das Athmen, beſonders das Einathmen, wird laut hörbar. Manchmal iſt, bei ein und demſelben Pferde, die Krankheit periodiſch im ſtärkerem Grade vorhanden, als zu anderen Zeiten. Die Erkenntniß der Krankheit iſt in einigen Fällen ſchwierig, und noch ſchwieriger iſt die Erforſchung der wahren Urſache und Natur derſelben, obſchon uns dazu mancherlei Hülfsmittel zu Gebote ſtehen. Zu⸗ weilen, und ſogar meiſtens, liegt die Urſache in einem mechaniſchen Hinderniſſe des freien Luftganges durch die verſchiedenen Luftgänge; dieſe Gänge ſind an irgend einer Stelle widernatürlich verengt, wozu die Veran⸗ laſſung überaus verſchieden ſein kann. Nachſtehende ſind die hauptſächlichſten Urſachen. Die erſchlaffte und verlängerte Haut des falſchen Naſenloches, welche ſich beim Einathmen vor eine Naſenöffnung legt; Läh⸗ mungen der Naſenläppchen, welche auf gleiche Weiſe wirken; Polypen oder andere Geſchwülſte in den Na⸗ ſenhöhlen; Einbiegungen und Brüche der Naſenbeine, welche durch Stöße und Schläge, oder durch zu ſtar⸗ ken Druck einer engen Halfter oder eines Kappzaumes entſtanden ſind; Verdickung und Auflockerung der Na⸗ ſenſchleimhaut; in die Naſeneingänge eingebrachte, fremde Körper, z. B. Heede, Schwamm, Heu, wo⸗ durch betrüglicherweiſe ein vorhandener Naſenausfluß verſteckt werden ſoll; fehlerhafter Bau und Verknöche⸗ rung des Kehlkopfes, oder Polypen, oder andere in ihm entſtandene Geſchwülſte; zu platte Luftröhren, oder Brüche einiger ihrer Knorpelringe; Verletzungen 25. Daͤmpfigkeit der Pferde. der Luftröhre, allerhand Geſchwülſte in ihrer Nähe, wodurch ſie zuſammengedrückt wird ꝛc. Auch durch zu enge Kehlriemen, Druck des Geſchirres, zu kurze Zäumung, zu ſtarkes Heranbringen des Kopfes, zumal bei ſehr feurigen Pferden mit engen Ganaſchen und plumpem Hinterkiefer, können Zufälle entſtehen, welche mit der Hartſchnaufigkeit Aehnlichkeit haben, aber nicht füglich mit ihrem Namen belegt werden können. Es giebt außerdem noch einige andere Erſcheinungen, welche mehr oder weniger leicht mit der Dämpfigkeit verwech⸗ ſelt werden können. So haben z. B. manche Pferde die Gewohnheit beim Galopp, und ſelbſt im Trabe, laut zu ſchnaufen, obſchon ſie keineswegs außer Athem ſind, ſondern völlig geſundz gewöhnlich findet dieſes nur bei feurigen, temperamentvollen Pferden ſtatt, und es iſt daſſelbe entweder eine bloße Angewöhnung, oder der Ausdruck eines gewiſſen Uebermuthes und Kraftgefühles. Manche Pferde machen ein, aus einer ſchlotternden Bewegung der Naſentrompeten hervorge⸗ hendes, Geräuſch, welches nicht mit der Dämpfigkeit verwechſelt werden darf. Andere Pferde laſſen zu An⸗ fange der Bewegung ein lautes Schnarchen wahrneh⸗ men, welches ſich jedoch bei ernſthafter und anhalten⸗ der Bewegung ſehr bald verliert, und welches das Product von Furcht, Muth, oder einer ungewohnten Affektion des Geruchsſinnes zu ſein ſcheint. Manche Pferde brummen zu Anfange der Arbeit, als ob ſie dadurch den Unmuth über ſchwere Arbeit ausdrücken wollten. Alle dieſe Zuſtände unterſcheiden ſich von der Hartſchnaufigkeit weſentlich dadurch, daß ſie nicht mit einem vermehrten und angeſtrengten Athemholen verbunden ſind, und daß ſie, gerade umgekehrt, als bei der Hartſchnaufigkeit, näch kurzer Zeit der Bewe⸗ gung ſich gänzlich verlieren. Findet ſich die Urſache der Hartſchnaufigkeit in einer der Naſenhöhlen, ſo läßt ſich das dadurch ent— decken, daß, nachdem das Pferd unmittelbar vorher ſtark bewegt wurde, abwechſelnd eins der Naſenlöcher zugehalten wird. Das krankhafte Geräuſch verſchwin⸗ det, wenn das kranke, und es bleibt, wenn das ge⸗ ſunde Naſenloch zugehalten wird. In der Regel iſt die Hartſchnaufigkeit nicht gefähr⸗ lich, denn nur ſelten wird das Leben oder auch nur die allgemeine Geſundheit des mit ihr behafteten Pfer⸗ des gefährdet; nur in den ſeltenen Fällen, in denen das Thier einem ſchonungsloſen Dienſt ausgeſetzt wurde, oder in denen die Krankheit einen ungewöhnlich hohen 125 Grad erreicht hatte, kann durch ſie ein plötzlicher Er⸗ ſtickungstod herbeigeführt werden. Wie dem nun auch ſei, ſo ſtellt die Hartſchnaufigkeit doch allemal in ſo fern ein nicht unbeträchtliches Uebel dar, als durch daſſelbe der Gebrauch des Pferdes ſehr einge⸗ ſchränkt, und deshalb ſein Werth ſehr herabgeſetzt wird. Die Heilung gelingt nur in den ſeltenſten Fällen; das Uebel iſt langwierig, und bleibt gewöhnlich für die ganze Lebensdauer. Die Aufgabe bei der Kur bleibt: die Beſeitigung der veranlaſſenden Urſachen; dieſe ſind jedoch in vielen Fällen nicht mit Sicherheit zu erfor⸗ ſchen, und manchmal iſt dort, wo ſie aufgefunden worden, ihre Entfernung nicht möglich. Zunächſt unterſucht man ſorgfältig alle Umgebungen der Luft⸗ wege, und richtet dabei das Hauptaugenmerk auf Alles, was dieſelben von außen verengern oder zuſammen⸗ drücken könnte. Enges Kummet⸗ und Sielengeſchirr, enge Halfter und Zäume ꝛc. werden entfernt, und durch hinreichend weite erſetzt; zu kurze Aufſetzzügel werden vermieden; ſo wie auch zu ſtarkes Heranbrin⸗ gen des Kopfes beim Reiten und bei der Dreſſur. Iſt das Pferd ſehr eng in den Ganaſchen, oder drücken die Aeſte des Hinterkiefers beim Heranbringen des Kopfes ſtark auf die Ohrdrüſe, ſo daß dieſe nach außen herausgepreßt wird, ſo eignet ſich ein ſolches Pferd beſſer zum Zuge als zum Reiten. Hat das Hinderniß für den Luftdurchgang in den Naſenhoͤhlen oder im Kehlkopfe ſeinen Sitz, und iſt daſſelbe bedeutend, ſo kann ein ſolches Pferd durch den ſogenannten Luftröh⸗ renſchnitt noch jahrelang dienſttüchtig erhalten werden. Es wird dabei in dem mittleren Theile der Luftröhre, am vorderen Rande des Halſes, ein Loch in die Luft— röhre geſchnitten, und eine metallene Röhre in daſſelbe eingeſteckt, durch welche das Pferd frei Athem holen kann. Hatte das Pferd früher längere Zeit an der bösartigen Druſe gelitten, ſo iſt es wahrſcheinlich, daß eine Auflockerung und Verdickung der Naſenſchleim⸗ häute die Urſache der Hartſchnaufigkeit iſt. Hier paſſen dann dieſelben Räucherungen und Bähungen, welche bei der bösartigen Druſe angegeben worden ſind. Fin⸗ den ſich in der Gegend des Kehlkopfes Drüſenge⸗ ſchwülſte, ſo werden dieſe mit zertheilenden Einreibun⸗ gen, mit dem Glüheiſen oder mit ſcharfen Salben be⸗ handelt; oft iſt ſelbſt eine Operation erforderlich. Bei der Mannigfaltigkeit der möglichen Urſachen, und bei der Schwierigkeit ihrer Auffindung und ge⸗ rechten Würdigung läßt ſich im Allgemeinen hier kein 126 Heilverfahren angeben, weshalb der Laie ſich nach einer paſſenden Hülfe umſehen muß. Der Kranke wird während der Kur wo möglich zu keiner, oder allenfalls nur zu einer langſamen Arbeit, und auch das nur auf kurze Dauer, verwendet. Der Weidegang iſt der Kur förderlich, dagegen ſind die Einwirkungen von Näſſe und Kälte, von Staub ꝛc. ſchädlich, und deshalb ſo viel als möglich abzuhalten. b) Dämpfigkeit. Sie beſteht weſentlich, ganz wie es bei der Hartſchnaufigkeit der Fall iſt, in einer langwierigen, fieberloſen Störung im Mechanismus des Athmens; beide Krankheiten werden deshalb oft für gleich gehalten und mit einander verwechſelt; ob⸗ gleich ein ſehr bedeutender Unterſchied zwiſchen ihnen ſtatt hat, ſowohl im Sitze der Krankheit als auch in den Zufällen. Bei der Hartſchnaufigkeit nämlich hat die Krankheit in den, außerhalb der Bruſt gelegenen Theilen der Luftwege ihren Sitz; bei der Dämpfigkeit dagegen liegt der Fehler faſt jedesmal in den Lungen ſelbſt, obſchon nicht allemal. Im Zuſtande der Ruhe hat das dämpfige Pferd in der Regel das Anſehen der Geſundheit; daſſelbe iſt bei gutem Appetite, munter, meiſtens wohlgenährt, und ſelbſt im Athmen findet nur ſelten eine bemerkbare Störung ſtatt. Iſt die Krankheit indeſſen in einem ſehr hohen Grade vorhanden, ſo ſind auch ſchon im Zuſtande der Ruhe verſchiedene Zeichen der Krankheit wahrzunehmen. Das Athmen iſt angeſtrengter, als im geſunden Zuſtande, und auf die ſpäter näher anzuge⸗ bende Weiſe verändert, beſonders kurz nach dem Freſ⸗ ſen, und bei hochtragenden Stuten. Nicht ſelten iſt auch ein von Zeit zu Zeit eintretender Huſten zu be— merken, welcher kurz, klanglos und dumpf, ſehr ſelten ſonor iſt. Beim Freſſen und Saufen und während der Arbeit tritt dieſer Huſten am häufigſten ein. Die charakteriſtiſchen Erſcheinungen der Krankheit geben ſich vorzüglich erſt bei und nach einer mehr oder weniger bedeutenden Anſtrengung kund. Das Athemholen wird dabei unverhältnißmäßig häufig und angeſtrengt, und wenn der Lauf oder die ſonſtige An⸗ ſtrengung lange Zeit anhält, ſo treten die Zufälle von Erſtickung, und alle jene Erſcheinungen ein, wie ſie unter gleichen Umſtänden auch bei der Hartſchnaufig⸗ keit beobachtet werden. Unterwirft man das dämpfige Pferd, ſogleich nach einer ſtarken Bewegung, einer ſorgfältigen Unterſuchung, ſo entdeckt man nachſtehende Krankheitszeichen. Das Athemholen erſcheint ſehr be⸗ 25. Daͤmpfigkeit der Pferde. ſchleunigt, und überaus angeſtrengt und erſchwert; die Naſenflügel und die falſchen Naſenlöcher befinden ſich in einer ungewöhnlich ſtarken Bewegung, die Na⸗ ſenlöcher ſtehen weit offen, und werden wie krampfhaft bewegt. Das Pferd athmet mit einem, verhältniß⸗ mäßig langen Zuge Luft ein, wobei ſich die falſchen Rippen und die Flankengegend ſtark nach außen wöl⸗ ben. Nach einer ſehr kurzen Pauſe erfolgt die Aus⸗ athmung; die ſtark gehobenen Rippen und Flanken ſenken ſich plötzlich, und es erfolgt eine kurze, ſtoßweiſe Ausathmung hierauf tritt abermals eine kleine Pauſe ein, worauf dann die Ausathmung erſt vollendet wird, und zwar mit einer wogenden, wellenartigen Bewe⸗ gung der Bauchſeiten, an denen ſich dabei eine tiefe Längsfurche— die ſogenannte Dampfrinne— bildet. Bei den meiſten Pferden tritt während des Athemho⸗ lens der After rück- und vorwärts. Das erwähnte angeſtrengte und vermehrte Athmen hält noch lange Zeit nach der Bewegung an, und ungleich länger als bei Pferden, welche geſunde Lungen haben. Bei letz⸗ teren erſcheint es ſehr bald wieder wie im Zuſtande der Ruhe. Wird das dämpfige Pferd zum Huſten gereizt, oder erfolgt dieſer auch von ſelbſt, ſo iſt ſein Ton dumpf, klanglos, unterdrückt und kurz abgeſtoßen, und ähnlich wie der gewöhnliche Huſten der Schafe. Der Herzſchlag iſt gewöhnlich ſehr ſtark, und an bei⸗ den Seiten der Bruſt zu fühlen. Die Dämpfigkeit iſt eine ſehr langwierige Krank⸗ heit; ſie kann viele Jahre bei einem Pferde vorhanden ſein, und es ſcheint faſt ſo, als ob die allgemeine Ge⸗ ſundheit nicht ſonderlich darunter leide; auch ſcheint ſie das Leben nicht abzukürzen. In manchen Fällen iſt die Krankheit für einige Zeit weniger ſtark vorhan⸗ den, als zu anderen Zeiten, aber ein periodiſches tota⸗ les Verſchwinden derſelben findet faſt niemals ſtatt. Der Dienſtgebrauch und die Fütterungsweiſe üben hier einen ſehr auffallenden Einfluß aus. Bei Ruhe und den Füttern von Körnern, Kleie, Kartoffeln, Gras ꝛc. vermindern ſich die Zufaͤlle; ſie nehmen dagegen zu, bei vieler und ſchwerer Arbeit, und bei dem reichlichen Füttern von Heu. Auch die Trächtigkeit verſchlimmert die Krankheit. Wie ſchon erwähnt ſchadet die Krankheit der all⸗ gemeinen Geſundheit in der Regel nicht; dennoch giebt es Fälle in denen das Pferd nach und nach abmagert, eine trockene Haut und ſtruppiges und glanzloſes Haar bekömmt, wo dann zuweilen ein häufiger Huſten 25. fieberhafte Zufälle, Rotz, Wurm, Waſſerſucht oder Faulfieber hinzutreten. Ein plötzlich, während eines unmäßigen Dienſtgebrauches erfolgender Tod des däm⸗ pfigen Pferdes kann vorkommen, aber es ereignet ſich nur ſelten, denn wird das Pferd ganz übermäßig an⸗ geſtrengt, ſo bleibt es ſtehen, fäͤllt um, und erholt ſich dann meiſtens ſchon wieder in wenigen Minuten der Ruhe. Ganz wie bei der Hartſchnaufigkeit, giebt es auch bei der Dämpfigkeit verſchiedene Grade der Heftigkeit; oft iſt ſchon im Stande der Ruhe die Krankheit zu entdeckenz manchmal dagegen iſt erſt eine mehr oder weniger ſchnelle und anhaltende Bewegung dazu erfor⸗ derlich. Gleich nach dem Freſſen, und überhaupt bei angefülltem Bauche, auch bei der Trächtigkeit, iſt das Uebel auffallender. Das dämpfige Pferd legt ſich nicht gern nieder, und wenn es dieſes thut, ſo liegt es mehr auf dem Bruſtbeine, mit untergeſchlagenen Fü⸗ ßen und aufgerichtetem Kopfe. In der Regel iſt das Athemholen geräuſchlos. Die inneren krankhaften Zuſtände, durch welche die Dämpfigkeit zunächſt hervorgebracht wird, ſind ſehr mannigfaltig und verſchieden, gewöhnlich liegt der Krankheit eine Zerreißung oder Erweiterung der Luft⸗ zellen in den Lungen zum Grunde; manchmal ſind andere Lungenfehler, als Lungenknoten, theilweiſe Verhärtungen ꝛc. Grund der Krankheit. Am gewöhn⸗ lichſten werden feurige, hitzige Pferde, welche bei der Arbeit, wie man zu ſagen pflegt, ſich ſelbſt überneh⸗ men und ſich, auch unangetrieben, übermäßig abar⸗ beiten, befallen; ſo daß in einem hitzigen Tempera⸗ mente eine Art von Diſpoſition begründet liegt. Fül⸗ len, und überhaupt alle noch nicht zur Arbeit verwen⸗ deten Pferde, leiden faſt niemals an der Dämpfigkeit; bei Pferden von mittlerem Lebensalter tritt ſie am häufigſten ein. Die äußeren Veranlaſſungen der Dämpfigkeit be⸗ ſtehen vorzugsweiſe in übermäßigen Anſtrengungen; jeder Exceß im Dienſtgebrauche des Pferdes, beſtehe dieſer nun im ſchnellen Laufe, anhaltendem Galopp, ſchwerem und raſchem Zuge bergauf ꝛc.— kann die Krankheit zur Folge haben. Aus dieſem Grunde kommt ſie daher auch ungleich häufiger bei Kutſch⸗ und Reitpferden, ſo wie bei Luxuspferden überhaupt, und in großen Städten, als bei Bauerpferden und auf dem Lande vor. Erfahrungsmäßig wird ſie bei Poſt⸗, Courier⸗, Jagd⸗ und Rennpferden, ſo wie bei den Daͤmpfigkeit der Pferde. 127 Pferden der Pferdeverleiher und Lohnfuhrleute am häufigſten beobachtet, ſo wie bei Reitpferden, welchen der Sattel zu feſt umgelegt wird, oder bei denen, welche dreſſirt werden. Auch häufiger Huſten, zumal wäh⸗ rend der Arbeit, Krankheiten des Herzens, vorange⸗ gangene Lungenentzündungen ꝛc. können die Dämpfig⸗ keit hervorrufen. Iſt eine Erweiterung oder Zerrei⸗ ßung der Luftzellen die Urſache, wie dieſes der aller— häufigſte Fall iſt, ſo entſteht die Krankheit in der Regel faſt plötzlich, und oft nach einem einzigen Exceß im Gebrauche. Auch das anhaltende, und faſt ausſchließ⸗ liche Füttern von Heu, beſonders wenn dieſes dämpfig iſt, und wenn das Pferd gleich nach dem Freſſen einer ſtarken Arbeit unterworfen wird, hat nicht ſelten ſchon die Dämpfigkeit zur Folge gehabt. Bei der großen Verſchiedenheit der nächſten Urſa⸗ chen, welche der Dämpfigkeit zum Grunde liegen kön⸗ nen, läßt ſich im Allgemeinen nicht voraus beſtimmen, ob eine Heilung möglich iſt oder nicht. Gewöhnlich iſt die Krankheit unheilbar, und ſelbſt eine Verminde⸗ rung ihrer Heftigkeit gelingt nicht ſehr oft, und, im Falle ſie gelingt, iſt ſie ſelten von Beſtand. Aus dieſem Grunde iſt die Dämpfigkeit als ein ſehr bedeu⸗ tendes Uebel zu betrachten, denn wenn auch das mit ihm behaftete Pferd nicht unbrauchbar iſt, ſo iſt es doch ungleich weniger brauchbar als ſonſt, und des⸗ halb mehr oder weniger durch die Krankheit entwerthet. Würden bei der Haltung des Pferdes die Vorſchriften der Diätetik befolgt, und ein unmäßiger Dienſtgebrauch deſſelben, alſo gerade das, was die Krankheit in den meiſten Fällen veranlaßt, vermieden, ſo würde dadurch der Dämpfigkeit in der Regel ſicher vorgebeugt werden. Eine auf ſolche Weiſe bewirkte Verhütung der Krank⸗ heit würde aber mit einem negativen Opfer verbunden ſein, welches zu bringen nur ſelten im Intereſſe des Pferdebeſitzers liegt, indem die Dienſtverwendung eines Pferdes zu ſchnellen und ſehr anſtrengenden Arbeiten in der Regel mehr ökonomiſchen Gewinn bringt, als ein nur mäßiger Dienſtgebrauch, trotz dem, daß bei dieſem der Gebranch ſich über eine längere Reihe von Jahren erſtreckt, als bei erſterem. Alles, was daher über die Vorbeugung der Dämpfigkeit geſagt werden kann, beſchränkt ſich darauf, daß jede nutzloſe und unnöthige Strapatze des Pferdes ſo viel wie möglich vermieden, und daß, je nach der natürlichen Diſpoſition des Pferdes, eine paſſende Auswahl für die verſchie⸗ denen Dienſte getroffen wird. Es würde z. B. ein 12²8 ſchweres und plumpes Pferd nicht zum ſchnellen Rei⸗ ten, und ein feines und feuriges Pferd nicht zum ſchwe⸗ ren Zuge gebraucht werden dürfen. Ferner dürfen Pferde, welche zu ſehr ſchnellem Laufe beſtimmt ſind, nicht mit zu vielem Heu oder anderen Rauchfutter, welches die Bauchhöhle ſehr anfüllt, gefüttert werden, wobei es noch beſonders wichtig iſt, daß die Arbeit nicht zu kurze Zeit nach dem Freſſen beginnt. Hafer und anderes Körnerfutter, mit etwas Stroh, ſind unter ſolchen Umſtänden am paſſendſten. Beſonders gilt dieſes bei feurigen Pferden, welchen möglichſt wenig Heu gegeben werden muß. Iſt die Krankheit einmal vorhanden, ſo vermag die Kunſt nur ſehr wenig zu ihrer Beſeitigung; in der Regel muß man zufrieden ſein, wenn nach einer ange⸗ meſſenen Behandlung des Pferdes eine Verminderung der Krankheitszufälle erfolgt. Alles was das Athmen übermäßig anſtrengt und beſchleunigt, daher namentlich ſchneller Lauf, ſtarke Anſtrengungen im Zuge ſchwerer Laſten, beſonders bergauf, ſind ſoviel wie möglich zu vermeiden. Staub, ſcharfe Dünſte des Stalles und andere reizende Ein⸗ wirkungen auf die Lungen ſind möglichſt abzuhalten, eben ſo der Einfluß von Feuchtigkeit, Regen, kalten Winden ꝛc. Zur Nahrung erhält der Kranke am paſſendſten Hafer, Gerſte oder anderes Körnerfutter; auch Kleie, Grünfutter und der Weidegang bei heiterem und war⸗ mem Wetter ſind dem Krankheitszuſtande entſprechend. Bei beſonders gut genährten Subjekten wird von Zeit zu Zeit, etwa von acht zu acht Wochen ein Aderlaß von ſechs bis acht Pfund Blut gemacht, oder ſtatt 26. Knochen im Allgemeinen. deſſen eine Laxanz aus Aloe gegeben. Ueberhaupt gilt als Regel, daß der Darmkanal nie mit voluminöſen Futterſtoffen zu ſehr angefüllt ſei, denn bei dünnem oder doch nicht ſehr ausgedehntem Leibe wird das Athemholen allemal freier und weniger beſchwerlich. Es darf hiebei nur an die Behandlung der zum Wett⸗ rennen beſtimmten Pferde erinnert werden. Von der Anwendung eigentlicher Arzneimittel iſt faſt gar nichts zu hoffen; es iſt zwar bisher eine große Anzahl derſelben verſucht und in Vorſchlag gebracht worden, aber die meiſten haben kaum einen erſichtlichen Nutzen gebracht; es wurden mehr oder weniger bedeu⸗ tende Koſten dadurch erzeugt, aber die Krankheit blieb in ihrem alten Zuſtande. Am meiſten iſt noch von den ſogenannten Bruſtmitteln zu erwarten, zumal dann, wenn ein häufiger Huſten, einiger Naſenauswurf ꝛc. vorhanden ſind. Man nehme Schwefel und Salmiak, von jedem ſechs Loth, Brechweinſtein ein halbes Loth, Fenchel und Wachholderbeeren, von jedem zehn Loth, welches Alles mit Mehl und kaltem Waſſer zur Lat⸗ werge gemiſcht wird, von welcher täglich vier bis ſechs Mal, jedes Mal wie ein Hühnerei groß, eingegeben wird. Mitunter ſind auch Dunſtbäder aus gekochter Gerſte oder Heuſamen von einigem Nutzenz die Appli⸗ kation derſelben wird ganz auf dieſelbe Weiſe bewirkt, wie es bei der Druſe ſpecieller angegeben worden iſt. Eiterbänder oder Fontanells, unter oder vor die Bruſt geſetzt, ſind in der Regel ſo ganz ohne allen Nutzen, daß ſie füglich ganz weggelaſſen werden können. In den meiſten Staaten gehört die Dämpfigkeit(auch die Hartſchnaufigkeit) zu den geſetzlichen Gewährsmän⸗ geln. 26. Knochen im Allgemeinen.(Tab. X.) Die Knochen ſind die härteſten und ſchwerſten Or⸗ gane des Körpers; ſie ſind faſt unbiegſam, von gelb⸗ lich⸗weißer Farbe, und beſtehen theils aus Gallerte (Leim), theils aus mehreren erdigen Salzen(phos⸗ phorſaurem und kohlenſaurem Kalk). In der zarteſten Jugend iſt der Gehalt an Gallerte in ihnen überwie⸗ gend, und die Knochen ſtellen dann großentheils nur Knorpel dar; mit der Zunahme des Alters verliert ſich aber dieſer Gehalt an Gallerte oder Knorpelſubſtanz immer mehr; der Gehalt an erdiger Maſſe wird dage⸗ gen immer größer, und dadurch werden die Knochen alsdann immer mehr dicht und ſchwer. In Größe, Geſtalt und äußerem Bau ſind die Knochen überaus verſchieden; manche ſind lang, andere platt, andere 26. Knochen im Allgemeinen. rundlich ꝛc.; manche ſind eben und glatt, andere rauh und mit Hervorragungen ꝛc. verſehen. Die meiſten langen Knochen ſind inwendig hohl und mit Knochen⸗ mark angefüllt; die platten Knochen dagegen beſtehen gewoͤhnlich aus zwei Platten, welche eine ſchwammige Knochenmaſſe einſchließen, die rundlichen und unfoͤr⸗ migen Knochen endlich ſind durch und durch mehr oder weniger ſolide und hart. Von außen ſind die Knochen— die Kronen der Zähne und die Gelenk⸗ flächen ausgenommen— mit einer ziemlich dicken, ſehr feſten, gelblich⸗weißen faſerigen Haut, der ſoge⸗ nannten Knochen⸗ oder Beinhaut überzogen; dieſe iſt feſt mit ihnen verbunden, und enthält viele Blutgefäße und Nerven. Faſt alle Knochen des Körpers ſind mit einander durch Nähte, Gelenke, Bänder ꝛc. zu einem einzigen Ganzen verbunden, und ſtellen in dieſer Verbindung das Gerippe oder Skelett dar. Durch das Gerippe wird weſentlich die ganze äußere Form des Körpers bedingt, denn ohne daſſelbe wuͤrde der ganze Koͤrper zu einem formloſen Klumpen zuſammenſinken. Daſ⸗ ſelbe hat einen doppelten Zweck: einmal dient es edleren und leicht verletzbaren Theilen, durch ſeine Härte und geringe Nachgiebigkeit, zum Schutze gegen ſchädliche äußere Einwirkung; ſodann dient es ande⸗ ren Theilen zum Stütz⸗ und Anheftungspunkte.— Die einzelnen Knochen des Gerippes ſind auf ſehr verſchie⸗ dene Weiſe mit einander verbunden. Manche Knochen, z. B. faſt alle Knochen des Kopfes, ſind durch ſoge⸗ nannte Nähte mit einander verbunden; oder durch eine Art Einkeilung, wie z. B. die Zähne mit den Zahn⸗ höhlen, wobei dann die Verbindung unbeweglich iſt. Die zahlreichſten Verbindungen der Knochen dagegen ſind mehr oder weniger beweweglich, welches man eine Gelenkverbindung oder ein Gelenk nennt. An den Stellen, an welchen die Knochen mit einander zu einem Gelenke verbunden ſind, und wo ſie ſich gegen einan⸗ der mehr oder weniger bewegen, ſind die correſpondi⸗ renden Oberflächen mit einem dicken und glatten Knor⸗ pel, dem ſogenannten Gelenkknorpel, überzogen. Mei⸗ ſtens iſt eine der Gelenkflächen vertieft, und heißt dann Pfanne oder Gelenkhoͤhle, wogegen die andere Gelenk⸗ fläche, wenn ſie eine kugelige oder runde Hervorragung bildet, Gelenkkopf genannt wird. Sind Vertiefung und Hervorragung nur gering oder von unbeſtimmter Geſtalt, ſo heißen ſolche Theile ſchlechtweg Gelenk⸗ flächen. Wagenfeld Encyel. 129 Jedes Gelenk iſt von einem dünnen, häutigen Ge⸗ bilde, dem Kapſelbande, hermetiſch eingeſchloſſen. Das Kapſelband bildet eine Art von geſchloſſenem Sacke, welcher entweder die Enden zweier, oder meh⸗ rerer, Knochen einſchließt; daſſelbe ſetzt ſich außerhalb der äußeren Grenze der überknorpelten Gelenkfläche, an welcher Stelle ſich gewöhnlich ein rauher, hervor— ragender und aus Knochenmaſſe beſtehender Rand be⸗ findet, ringsum feſt. Fig. 2. d. ſtellt das Kapſel⸗ band dar, welches das aus dem unteren Ende des Schienbeines und dem oberen Ende des Feſſelbeines gebildete Gelenk umgiebt. Die innere, der Gelenk⸗ höhle zugekehrte Fläche des Kapſelbandes iſt mit zahl⸗ reichen Drüſen verſehen, welche eine durchſichtige, gelblich-⸗weiße, etwas klebrige Flüſſigkeit abſondern, welche Gelenkſchmiere(Gliedwaſſer) genannt wird. Der Zweck dieſer Gelenkſchmiere iſt, die Gelenkflächen ſchlüpfrig zu erhalten, ihre Bewegung zu erleichtern und die Nachtheile der gegenſeitigen und wiederholten Reibung der Gelenkflächen zu verhüten; es iſt hier ganz daſſelbe, als mit dem Oelen der Maſchinen und dem Schmieren der Wagenachſen mit Fett oder Theer. Außer dem Kapſelbande finden ſich an jedem Ge⸗ lenke, mit ſehr wenigen Ausnahmen, noch Gelenk— bänder; es ſind dieſes gelblich-weiße, band- oder ſtrickartige, ſehnige und faſerige Gebilde, die den Zweck haben die Gelenkenden an einander zu halten und ihr Abweichen von einander zu verhindern; das ſchlaffe, dünne und weite Kapſelband würde dazu nicht hinreichend ſein. Die Gelenkbänder liegen ober⸗ und außerhalb der Kapſelbänder, und befeſtigen ſich an den Gelenkenden der Knochen. Fig. 2. e. ſtellt das Ge⸗ lenkband dar, welches an der aͤußern Seite zwiſchen Schien- und Feſſelbein gelegen iſt. Einige Gelenke haben ſelbſt in den Gelenkhoͤhlen dergleichen Gelenk⸗ bänder; ſo z. B. das Hüft⸗ und Kniegelenk. Die Knochen, die Beinhaut, die Gelenkknorpel und die Bänder ſind mancherlei Krankheiten unterwor⸗ fen. Die Knochen koͤnnen zerbrechen, erweichen, von Entzündung und Beinfraß befallen werden ꝛc.; die Beinhaut kann ſich ebenfalls durch verſchiedene Urſa⸗ chen entzünden; ſo z. B. bei dem Ueberbein; die Ge⸗ lenkknorpel ſind ebenfalls der Entzündung und dem Beinfraß unterworfen. Ein Beiſpiel hiefür liefert der Spat. Die Kapſelbänder werden häufig durch äußere, mechaniſche Gewalt, verletzt; findet dabei eine Perforation ſtatt, ſo entſteht eine Gelentwunde, wo 130 20. Knochen im Allgemeinen. dann die Gelenkſchmiere in großer Menge ausfließt, welcher Fall ſehr oft toͤdtlichwird. Sondern die Kap⸗ ſelbänder zu viel Gelenkſchmiere ab, ſo entſteht dadurch jenes, unter dem Namen der Gelenkgallen bekannte Uebel. Die Gelenkbänder endlich können zerreißen, ſich verhaͤrten, verknoͤchern, oder auf andere Art er⸗ kranken. Die Gerippe aller Hausthiere haben einen ſehr ähnlichen Bau; es finden zwar in Form und Anzahl der verſchiedenen Knochen mancherlei Abweichungen ſtatt, jedoch ſind dieſe nicht ſo ſehr von Belang, daß der Laie genau mit den Unterſchieden bekannt zu ſein brauchte. Deshalb ſoll hier auch weſentlich nur der Bau des Pferdegerippes beſchrieben werden, da die genauere Kenntniß des anatomiſchen Baues des Pfer⸗ des vorzugsweiſe von Wichtigkeit iſt. Fig. 3 ſtellt ein Pferdegerippe dar, bei welchem durch den dunkel gezeichneten Grund die ungefähre Lage angegeben iſt, welche daſſelbe, von den verſchiedenen Weichgebilden umgeben, im Geſammtkörper einnimmt. Die Knochen des Gerippes ſind entweder unpaarig oder paarig; diejenigen, welche von der Mittellinie des Koͤrpers getroffen werden, ſind nur einmal, alſo unpaarig, vorhanden, wogegen alle andere Knochen, welche rechts und links dieſer Linie zur Seite liegen, zwei Mal, alſo paarig, vorhanden ſind. Das Gerippe beſteht auf dieſe Weiſe aus zwei einander voͤllig glei⸗ chen Hälften. Es wird daſſelbe eingetheilt in den Kopf, den Rumpf oder Stamm, und in die Glied⸗ maßen. a) Knochen des Kopfes. Die bei weitem größere Anzahl der Knochen des Kopfes ſind von plat⸗ ter Form, und beſtehen aus zwei verſchiedenen Kno⸗ chenblättern, einem äußern und einem innern; die Verbindung der Kopfknochen iſt meiſt unbeweglich und durch Nähte bewirkt. Am vorderen Rande des Ange⸗ ſichtes befindet ſich das Naſenbein(Fig. 3. a.); jeder⸗ ſeits eins. Daſſelbe iſt rundlich gewölbt, inwendig ausgehöhlt, hilft die Naſengänge bilden, und dient den Naſenlöchern zur feſten Grundlage. Ueber dem Naſenbeine, unterhalb der Augenhoͤhle, liegt das Thränenbein(b), welches einen Theil der Augenhöhle bildet. Seitlich nach außen liegt der größeſte der Ge⸗ ſichtsknochen, das große Vorderkieferbein(c.); daſſelbe bildet einen Theil der Backe, enthält an ſeinem untern Rande ſechs Backenzähne, und am vordern Ende den Hakenzahn, nach innen zu bildet daſſelbe einen Theil der Naſenhöhle und des harten Gaumens. Vor dem vorigen Knochen liegt das kleine Vorderkieferbein(d); daſſelbe enthält vorn drei Schneidezähne, und dient Maul und Naſe zur Grundlage. Oberhalb dem Na⸗ ſenbeine, zwiſchen und über den Augen, liegt das Stirnbein(e); nach außen hilft daſſelbe den größeren Theil des Augenbogens bilden; nach innen die Stirn⸗ hoͤhle und einen Theil der Gehirnhöhle. Faſt am höchſten Punkte des Kopfes findet ſich das Scheitelbein (H); daſſelbe iſt außen gewoͤlbt, inwendig concav, und dient zur Bildung der Gehirnhöhle. Noch etwas hoͤher hinauf iſt das Hinterhauptbein gelegen; es bildet daſ⸗ ſelbe einen Theil der Schädelhöhle, und ſtellt die Grundlage des Genickes dar, ſein unterer und hinterer Theil ſteht mit der Wirbelſäule in Gelenkverbindung. Seitlich von den zuletzt genannten drei Knochen findet ſich das Schläfenbein; es hilft einen Theil der Schä⸗ delhöhle und des Augenbogens bilden, und hat an ſeinem äußerſten Theile eine Gelenkfläche, zur Auf⸗ nahme des Gelenkfortſatzes des Hinterkiefers. Außer⸗ dem hat das Gehoͤrorgan im Schläfenbeine ſeinen Sitz, und die Ohrmuſchel befeſtigt ſich an einem runden und tiefen Kanale deſſelben, dem äußeren Gehörgange. Der Hinterkiefer(g) iſt mit dem Oberkiefer beweglich, und durch ein Gelenk verbunden, welches beim Kauen in Thätigkeit iſt. Der Hinterkiefer bildet den groͤßeſten Theil der Backe; er beſteht aus zwei breiten Aeſten, welche ſich vorn, als Kinn, mit einander feſt verbin⸗ den. Der obere Rand enthält jederſeits ſechs Backen⸗ zähne, und nach vorn zu einen Hakenzahn und drei Schneidezähne. Außer den genannten finden ſich noch viele andere Knochen am Kopfe, welche jedoch, da ſie am Schädel äußerlich nicht ſichtbar ſind, hier nicht weiter beſchrieben werden ſollen. Von den beſchriebe⸗ nen Knochen iſt allein das Hinterhauptbein unpaarig; alle übrigen ſind doppelt, jederſeits eins, vorhanden. b) Zu den Knochen des Rumpfes gehören die Wirbelſäule, das Bruſtbein, die Rippen und das Becken. 1 Die Wirbelſäule beſteht aus zahlreichen einzelnen Knochen, welche Wirbel genannt werden; die Form dieſer iſt, durch viele Hervorragungen, Vertiefungen, Loͤcher ꝛc. eine ſehr zuſammengeſetzte. In der Mitte jedes Wirbels befindet ſich ein beträchtlich großes Loch, welches zum Durchgange des Rückenmarkes beſtimmt iſt. Sämmtliche Wirbel ſind, theils durch Faſerknor⸗ pel, theils durch Gelenke, mit einander zu einem 26. Knochen im Allgemeinen. Ganzen verbunden, und ſtellen in dieſer Verbindung die Wirbelſäule dar, welche, mit Ausnahme der Hals⸗ wirbel, nur eine geringe Biegſamkeit beſitzt. Außer einzeln unter ſich, ſind die meiſten Wirbel noch durch ein gemeinſchaftliches, aus ſehr dicken, gelblichen Fa⸗ ſerbündeln beſtehendes Band, das lange Nackenband, mit einander verbunden. Dieſes Band, das ſtärkſte und längſte am Thiere, befeſtigt ſich am Genicke, geht über die Halswirbel fort, ohne ſie zu berühren, und heftet ſich dann an die Seachelfortſätze(00). Der Zweck dieſes großen Bandes iſt, die einzelnen Wirbel feſter mit einander zu verbinden, und den Kopf tragen zu helfen. Man unterſcheidet an der Wirbelſäule die Hals⸗ wirbel, die Rückenwirbel, die Lendenwirbel⸗ die Kreuzwirbel, und endlich die Schweifwir⸗ bel. Der Halswirbel finden ſich der Zahl nach ſieben (hh); ſie zeichnen ſich durch ihre ſchiefen(Gelenk⸗) Fortſätze aus, und durch den Mangel an Dorn⸗ oder Stachelfortſätzen. Ihre Beweglichkeit iſt, beſonders an den erſten beiden Halswirbeln, ziemlich groß, und ungleich bedeutender, als an den übrigen Wirbeln. An dem oberen ſcharfen Kamme der meiſten Halswir⸗ bel ſetzt ſich ein ſtarkes, ſehniges Band, das breite Halsband(n) feſt, welches nach oben ſteigt, und ſich dort mit dem langen Nackenbande verbindet. Dieſes breite Halsband hilft Hals und Kopf tragen. Auf die Halswirbel folgen, von vorn nach hinten, die Rückenwirbel, deren achtzehn vorhanden ſind(ii). Sämmtliche Rückenwirbel ſind an ihrem obern Theile mit langen und platten Hervorragungen, den Stachel⸗ oder Dornfortſätzen(pp), verſehen; deren Länge nicht bei allen gleich iſt. Vom erſten bis zum fünften neh⸗ men ſie an Länge zu, und dann allmälig wieder ab. Sodann folgen die ſechs Lendenwirbel(ad), welche, wie die Rückenwirbel, mit Stachelfortſätzen, und außerdem noch mit platten und bedeutend langen Quer⸗ fortſätzen verſehen ſind. Auf die Lendenwirbel folgen fünf Kreuzwirbel; nur in der früheſten Jugend ſind ſie getrennt, ſpäter verwachſen ſie zu einem einzigen Stücke, und ſtellen dann das Kreuzbein oder heilige Bein dar(!). Nach außen beiderſeits iſt mit dem Kreuzbeine das Becken durch Faſerknorpel verbunden. Den Schluß der Wirbelſäule machen achtzehn Schweifwirbel(m); ſie bilden die Grundlage der Schweifrübe.— Sämmt⸗ 131 liche Wirbel befinden ſich in der Mittellinie des Kör⸗ pers, und ſind deshalb unpaarige Knochen.— Das Bruſtbein hat an dem unterſten Theile der Bruſt ſeine Lage, und bildet die untere Wand des Bruſtkaſtens(t); ſein vorderes Ende beſteht aus einem ſenkrecht ſtehenden, platten Knorpel, dem ſogenannten Habichtsknorpel; an dem hintern Ende befindet ſich ein breiter und runder Knorpel, der Schaufelknorpel, welcher horizontal liegt.— Der dazwiſchen befindliche, größere Theil des Bruſtbeins hat an ſeinen Seiten⸗ rändern kleine Gelenkvertiefungen zur Aufnahme der unteren Gelenkenden der erſten acht Rippen. Es iſt nur ein einziges Bruſtbein vorhanden.— Die Rippen ſind lange, rundlich⸗platte und ge⸗ krümmte Knochen, welche mit dem Bruſtbein und den Rückenwirbeln zuſammen den Bruſtkaſten oder Bruſt⸗ korb, und einen Theil der Bauchhöhle bilden. Man theilt die Rippen ein in wahre und falſche; von erſte⸗ ren ſind acht(rr), von letzteren zehn(8s) vorhanden. Die wahren Rippen verbinden ſich unmittelbar mit dem Bruſtbeine; bei den falſchen Rippen dagegen iſt dieſes nur mittelbar der Fall. Das obere Ende aller Rippen iſt durch ein Gelenk mit den Rückenwirbeln verbunden; an dem unteren Ende jeder Rippe befindet ſich ein Knorpelſtück, welches ſich bei den erſten acht, alſo bei den wahren, Rippen, mit dem Bruſtbeine gelenkartig verbindet. Die Knorpel der falſchen Rip⸗ pen ſind durch Bandfaſern mit einander verbunden, und erreichen das Bruſtbein nicht. Die Rippen ſind beiderſeits, alſo paarig vorhanden. Das Becken(u), welches in dem früheſten Lebens⸗ alter aus drei getrennten Stücken, nämlich dem Darm⸗, Schaam⸗ und Sitzbeine beſieht, verwächſt ſehr bald zu einem einzigen Knochen. Der oberſte Theil des Beckens(v) vereinigt ſich nach innen mit dem Kreuz⸗ beine; nach außen findet ſich ein weit vorſpringender Kamm, die Hüfte, welche bei mageren Pferden ſehr in die Augen fällt. Das hinterſte Ende des Beckens heißt das Sitzbein(w). Vor dem Sitzbeine liegt das Schaambein.— An der Stelle, an welcher ſich Darm⸗, Schaam⸗ und Sitzbein mit einander vereinigen, findet ſich eine tiefe Höhle, die ſogenannte Pfanne, welche den Gelenkkopf des ſpäter zu beſchreibenden Backenbeins (i) aufnimmt. Es giebt zwei vordere und zwei hintere Gliedma⸗ ßen.— Die vorderen Gliedmaßen ſtehen nicht, wie faſt alle anderen Knochen, durch Gele mit dem 13² uͤbrigen Theile des Gerippes in Verbindung, ſondern es wird dieſe Verbindung lediglich durch Muskeln be wirkt. Den oberſten Theil der vorderen Gliedmaße, oder des Vorderſchenkels, bildet das Schulterblatt(X). Es iſt daſſelbe ein dreieckiger, großer und platter Kno⸗ chen, welcher an der äußeren Fläche der erſten Rippen und Rückenwirbel liegt, und in ſchräger Richtung von hinten nach vorn, und von oben nach unten geht. Sein oberes Ende iſt mit einem platten Knorpel ver⸗ ſehen; das untere Ende hat eine Gelenkhöhle, zur Aufnahme des Gelenkkopfes des Armbeins. Auf der äußeren Fläche findet ſich eine hervorſpringende, ſcharfe Knochenkante. Die innere und äußere Fläche des Schulterblattes ſind mit dicken Muskeln bedeckt. Unter dem Schulterblatte liegt das Armbein oder das Quer⸗ bein(y); beide Knochen ſind durch ein Gelenk, das Schultergelenk mit einander verbunden, und zwar ſo, daß dadurch ein ſtumpfer Winkel entſteht. Das untere Ende des Armbeins hat zwei Gelenkerhabenheiten, welche zu der Verbindung mit dem Vorarmbeine be⸗ ſtimmt ſind; beide Gelenkerhabenheiten laſſen einen Zwiſchenraum an der hinteren Seite, in welche das Ellbogenbein(a) aufgenommen wird. Senkrecht unter dem Armbeine befindet ſich das Vorarmbein(ꝛ²); daſſelbe beſteht aus einem vorderen längeren Knochen(z), der Speiche, und aus einem hinteren kürzeren, dem Ellbogenbeine(a). Letzteres ragt nach oben und hinten hervor, und bildet an ſeiner Spitze den Ellbogen. Unter dem Vorarmbeine liegen die Knieknochen(b, c), welche, ſieben an Zahl, dem Vorderknie zur Grundlage dienen. Einer dieſer Kno⸗ chen ragt nach hinten hervor(c) und heißt das Haken⸗ bein. Die Knieknochen liegen in zwei Reihen über⸗ einander. Unter den Knieknochen liegt das Schien⸗ bein(d), an deſſen hinterer Seite zwei dünne, ſpin⸗ delfoͤrmige Knochen, die Griffelbeine, ſich befinden. Ganz unten an der hinteren Fläche liegen die beiden Seſambeine(n) welches ein Paar rundliche Knochen ſind. Unterhalb dem Schienbeine hat das Feſſelbein (h ſeine Lage; daſſelbe ſteigt in ſchräger Richtung 35 26. Knochen im Allgemeinen. nach vorn herab, und verbindet ſich oben mit dem unteren Ende des Schienbeins, wodurch das Feſſelge⸗ lenk gebildet wird. Dann folgt das Kronenbein(g), und auf dieſes das Hufbein(h); letzteres, und auch ein Theil des Kronenbeins, werden vom Hufe einge⸗ ſchloſſen. Die hinteren Gliedmaßen ſind mit dem Becken verbunden, und zwar durch das Backenbein(i); an dem oberen Ende deſſelben befindet ſich ein runder Ge⸗ lenkkopf, welcher von der im Becken befindlichen Pfanne aufgenommen wird, woraus das Hüftgelenk hervor⸗ geht. Auf dem unteren Ende und auf der vorderen Fläche des Backenbeins liegt ein rundlich⸗dreieckiger Knochen, die Knieſcheibe(k), welche durch ſtarke Bän⸗ der und Sehnen mit dem Backenbeine, und mit dem folgenden Schenkelbeine das(eigentliche) Kniegelenk bildet. Das Schenkelbein(l) geht in ſchräger Rich⸗ tung von vorn nach hinten, und bildet mit dem Bak⸗ kenbeine einen ſtumpfen Winkel. Oben am Knochen, nach außen, liegt ein kleiner ſpindelförmiger Knochen, das Wadenbein. Senkrecht unter dem Schenkelbeine haben die Knochen des Sprunggelenkes ihre Lage; es ſind ihrer ſechs, welche in zwei Reihen übereinander liegen. Der größte dieſer Knochen(m) heißt das Rollenbein, und der nach hinten hervorragende wird das Sprungbein(n) genannt. Die unterhalb dem Sprunggelenke liegenden Kno⸗ chen ſind von ganz derſelben Beſchaffenheit, als die unter dem Vorderbeine liegenden Knochen. Das Gerippe der anderen Hausthiere weicht, ſo⸗ wohl in der Form als in der Zahl der Knochen, mehr oder weniger von dem des Pferdes ab. Da es jedoch hier zu weit führen, und auch keinen erheblichen Nutzen bringen würde, dieſe Abweichungen genau zu beſchrei⸗ ben, ſo ſoll in nachſtehender Tabelle nur eine verglei⸗ chende Ueberſicht der Zahl der Knochen bei den ver⸗ ſchiedenen Thieren gegeben werden.— Hiebei iſt zu bemerken, daß die Zahl der Knochen des Gerippes des Rindes mit der des Schafes ganz gleich iſt. 26. Knochen im Allgemeinen. 133 Ueberſicht der einzelnen Knochen des Skeletts, nach ihrer Benennung und Zahl, bei dem Pferde, den Wiederkäuern und dem Schweine. Theile des Skeletts mit den ſie zuſammenſetzenden 2 5 5 Theile des Skeletts mit den ſie zuſammenſetzenden 2 6 Knochen. 2 22 Knochen. 5— 2 2 88 25 5 5 6 I. Knochen des Kopfes. Transport: 161 138 151 A. Des Schädels. C. Des Bekens. Hinterhauptbein........ 1 11 1 Scheitelbein................. 2 2 2 Darmbein............... 2 2 2 Schläfenbein......... 2 2 2 Schambein..... 2 2 2 Stirnbein rne...=... l 2 2 2 Sibzbein..3.... 124 2.....2.22.⸗2....n..⸗ 2 2 2 Siebbein......... 1 1 1 Keilbein.. 1 1 4 .B. Des Geſichtes. III. Knochen der Gliedmaßen. Naſenbein. 2 2 2 A. Der Vorderſchenkel. Thränenbei.... 2 2 2 ſch Jöochbein...... 2 2 2 Schulterblatt.......... 2 2 2 Großes Vorderkieferbein.........-..-.-e-. 2 2 2 Armbein.......... 2 2] 2 Kleines Porderlieferbein:erwere. 2 2 2 Borarmbein..C 2 2 2 Gaumenbein..„ 2 2 2 Ellbogenbein......... 2 2 2 Flügelbein.P ù 2 2 2 Sicknochene... 14 12 14 Pflugſcharbei...... 1. 1 1 Schienben. 2 2. 8 Naſenmuſchel.......... 4 214 Griſſelbein... 4 2— Hinterkiefer.............. 1 41] 1 Seſambein.............. 4 8 16 Rüſſelbein......... enelee.. z1 Feſſelbei.......... 2 4 8 Schneidezähne........... 12 8 12 Kronenben... 2 4 8 Hatenzähne.. A4=4 Hufbein.. 2 4 8 Backenzähne....... 24 24] 24 Strahlbein....... 2A8 Zungenbei........ 1 4 1 B. Der Hinterſchenkel. II. Knochen des Rumpfes. B aen . ackenbein. 211 2 2 A. Der Wirbelſäule. Knieſcheibe.ieweie dernoeeheennenesde elererteee. 2 2 2 Halswirbe.... 714 7'l7 Unterſchenkelbein....... 2 2 2 Rückenwirbel.. 18 13 14 Wadenbein.... C ũ. 2 82 2 Lendenwirbel............ 6 6 7 Sprunggelenkknochen.......... 12 10 14 Kreuzwirhel..... e.... s 5 5 5 Schienbein.........d..⸗... e. 2 2 4 Schwanzwirbell.............. 18 18 18 Beffenbenn.““ 4—— eſambein..C C 4 8 16 B. Der Bruſt. Feſſelbein........... 2 4 8 Wahre Nippen..............e n-.”.- 160 b410 14. Kronenbein....e..e... 9 ,28.“nonee ee=n 2 4 8 Falſche Rippen.... 20 10] 14 Hufbein............ 2 4 8 Bruſtbein.... 1 1. 1 Strahlbein...... 2 4 8 Summa:[161/ 138 151 Summa:[245 236 300 134 27. Muskeln.— Spat des Pferdes. 27. Muskeln.(Tab. XI.) Die Muskeln ſind das, was man im gewoͤhnlichen Leben mit dem Namen Fleiſch bezeichnet. Sie be⸗ ſtehen aus weichen und biegſamen Faſern, von braun⸗ rother Farbe, welche elaſtiſch ſind, und deshalb die Fähigkeit haben, ſich zuſammenzuziehen. Durch die Muskeln wird ausſchließlich die Bewegung vermittelt, wobei ſie wechſelsweiſe ſich zuſammenziehen und wieder erſchlaffen; indem ſie ſich z. B. an die Knochen der Gliedmaßen heften, kommt durch ſie die Ortsbewe⸗ gung zu Stande; die große Beweglichkeit der Zunge iſt einzig das Reſultat zahlreicher Muskeln, denn es ſtellt die Zunge faſt lediglich nur einen zuſammen⸗ gehäuften Bündel zahlreicher Muskeln dar; das Herz, als ein großer, hohler Muskel, treibt das Blut durch ſeine Zuſammenziehung in die Adern ꝛc. Die Zuſam⸗ menziehungskraft, und daher die Wirkung, der Mus⸗ keln iſt, im Vergleiche mit ihrem Umfange, ſehr be⸗ trächtlich; beim Pferde und Hunde iſt die Muskelkraft relativ am größten; geringer beim Rinde, und am geringſten beim Schweine und Schafe. Die äußere Form und Groͤße der Muskeln iſt ſehr verſchieden, auch iſt ihr Bau nicht überall gleich.— Einige Muskeln ſind durchweg fleiſchig, andere haben an ihrem einen oder an beiden Enden Sehnen, oder ſie gehen in mehr oder weniger große Sehnenausbrei⸗ tungen aus. So beſtehen z. B. die Muskeln der Hinterbacke größtentheils nur aus Fleiſchfaſern; wäh⸗ rend die Muskeln des Vorderſchenkels meiſt mit langen und ſtarken Sehnen enden. Die Muskeln des Vor⸗ derſchenkels, welche in Fig. 1 abgebildet ſind, ſind an ihrem oberen Theile(aaa) fleiſchig; nach unten gehen ſie in lange Sehnen(bb) aus. Die Sehnen beſtehen aus dichten, gelblich⸗weißen, ſehr zähen Fa⸗ ſern, welche härter und weniger elaſtiſch ſind, als die eigentlichen Fleiſch- oder Muskelfaſern. Die Muskeln und Sehnen werden durch Sehnenausbreitungen, Seh⸗ nenſcheiden und Bänder in ihrer Lage erhalten. Die Sehnen ſind an den meiſten Stellen, namentlich an den unteren Theilen der Gliedmaßen, von einer ge⸗ ſchloſſenen, feſten, etwas weiten Hülle, der Sehnen⸗ ſcheide, umgeben, welche eine der Gelenkſchmiere ganz gleiche Flüſſigkeit, die Sehnenſcheidenſchmiere, abſon⸗ dert. Durch dieſe Flüſſigkeit wird die Sehne ſchlüpf⸗ rig erhalten, dadurch ihre Bewegung erleichtert, und nachtheilige Reibung verhindert. Die häufigeren Krankheiten der Muskeln und Seh⸗ nen beſtehen in Zerreißung, Entzündung, Verhärtung und Eiterung. Die Sehnenſcheiden ſind gleichen Zu⸗ fällen unterworfen; eine durchgehende Verletzung der⸗ ſelben hat eine ſehr heftige Entzuͤndung und das häu⸗ fige Ausfließen der Sehnenſcheidenſchmiere zur Folge, welches faſt mit derſelben Gefahr verbunden iſt, wie die Gelenkwunden. 28. Spat des Pferdes.(Tab. XI.) Der Spat iſt eine eben ſo häufige als widerwärtige Lahmheit, welche ihren Sitz in den Knochen des Sprunggelenkes hat. Unter allen an den Hinterſchen⸗ keln vorkommenden Lahmheiten iſt die Spatlahmheit ohne Vergleich die häufigſte. Ihre Erkenntniß iſt nicht in jedem Falle leicht. Im Stande der Ruhe und im Stalle ſchont das Pferd gewöhnlich den kranken Fuß; es ruht mehr auf dem geſunden, und ſchildert mit dem kranken Fuße, wie man ſich auszudrücken pflegt. Wird das Pferd gezwungen mit dem Hintertheile herumzutreten, ſo tritt daſſelbe in der Regel nur auf die Zehe des Hufes, und tritt im Feſſelgelenke nicht gehörig durch. Wird der kranke Schenkel einige Minuten hindurch, wie zum Beſchlagen, gekrümmt emporgehalten und dann losge⸗ laſſen, ſo ſetzt das Pferd den Huf nicht ſogleich nieder, 28. Spat des Pferdes. ſondern es tritt auf die Zehe, und hebt den Fuß auch wohl noch einige Male bevor es ihn feſt auf den Boden ſetzt. Im Schritte iſt in der Regel keine auf⸗ fallende Lahmheit zu bemerken; indeſſen wird der Schenkel meiſtens zuckend und wie krampfhaft oder auch mit einer gewiſſen Steifigkeit beim Vorſchreiten aufgehoben und nicht ſo feſt auf die Erde geſetzt, als der geſunde Fuß. Im Trabe iſt die Lahmheit am auffallendſten, beſonders wenn der Trab unmittelbar vom Stande der Ruhe aus beginnt; der kranke Fuß greift nicht ſo weit vor, als der geſunde; der Gang mit demſelben hat etwas ſteifes, und die Biegung des Sprunggelenkes geſchieht mit einer Art zuckenden Be⸗ wegung, bei welcher das Feſſelgelenk nicht durchtritt, und der Huf mehr auf die Zehe geſetzt wird, beſonders bei den erſten Tritten; iſt die Lahmheit ſehr bedeutend, ſo hinkt das Pferd die erſten Schritte des Trabes, manchmal ſogar faſt auf drei Beinen. Es iſt eine ziemlich conſtante Eigenſchaft der Spat⸗ lahmheit, daß ſie ſich während des Gebrauches des Pferdes mehr oder weniger verliert, ſo daß oft nichts von ihr zu entdecken iſt, wenn das Pferd bis zu einem gewiſſen Grade im Trabe warm geworden iſt. Für alle Fälle iſt dieſe Regel indeſſen nicht gültig; es giebt zuweilen Spatlahmheiten, welche während der Arbeit nichts von ihrer Stärke verlieren, und in einigen, obſchon ſeltenen, Fällen, wird die Lahmheit während anhaltender Bewegung ſogar ſtärker. In den meiſten Fällen iſt der Spar äußerlich ſicht⸗ bar; er erſcheint als eine mehr oder weniger große Geſchwulſt an der innneren Fläche des Sprunggelenkes (Fig. 2. e. Fig. 3. a.). Dieſe Geſchwulſt oder Erhöhung iſt knochenhart, und von Größe und äuße⸗ rer Form, und auch in ihrem Sitze nicht immer gleich. Es iſt, beſonders für den Ungeübten, häufig ſehr ſchwierig, den vorhandenen Spat mit Sicherheit zu entdecken, und von anderen verſteckten Lahmheiten am Hinterſchenkel zu unterſcheiden. Die diesfallſige Unter⸗ ſuchung muß deshalb, will man ſich vor Täuſchungen ſicher ſtellen, mit großer Umſicht unternommen werden; am Beſten wird dabei auf folgende Weiſe verfahren. Das zu unterſuchende Pferd wird außerhalb des Stal— les auf ebenen Boden geſtellt, und der Schweif deſſel⸗ ben aufgebunden oder zur Seite gehalten. Um den vorhandenen Spat zu entdecken, ſtellt man ſich etwa einen Schritt ſeitwärts vom Kopfe des Pferdes, und betrachtet von hier aus die innere Fläche des Sprung⸗ 13⁵ gelenkes genau. Bei geſunden Pferden bildet die Poofilanſicht der inneren Fläche des Sprunggelenkes eine faſt gerade Linie, welche ſich nach unten zu ent⸗ weder ganz unmerklich, oder doch nur mit einem gerin⸗ gen Abſatze, in die innere Fläche des Schienbeins ver⸗ liert(Fig, 2. a.). Iſt dieſe, in Gedanken gezogene, Linie an irgend einer Stelle der innern Fläche des Sprunggelenkes durch eine knochige Erhabenheit unter⸗ brochen, und iſt zugleich Lahmheit auf demſelben Schenkel vorhanden, ſo unterliegt die Anweſenheit des Spats keinem Zweifel. Gewöhnlich findet ſich die Spaterhoͤhung an dem unterſten Theile des Sprung— gelenkes, dicht oberhalb dem Schienbeine, und vor der Hornwarze(Fig. 2. c.). Hat man den verdächtigen Schenkel auf dieſe Weiſe beſichtigt, ſo betrachte man die innre Fläche des Sprunggelenkes von der Seite, indem man ſich auf die entgegengeſetzte Seite neben den Bauch des Pferdes ſtellt. Endlich betrachte man das Sprunggelenk auch von hinten, nöthigenfalls in gebückter Stellung. Dieſe Beſichtigung des kranken Sprunggelenkes muß wiederholt und abwechſelnd mit der Beſichtigung des geſunden Sprunggelenkes geſche⸗ hen, denn nur erſt durch den Vergleich beider Sprung⸗ gelenke fällt der Spat in den meiſten Fällen ſehr in die Augen. Vor der Unterſuchung der Sprunggelenke werden dieſelben mit Waſſer benetzt, und die Haare glatt angeſtrichen, weil alsdann die vorhandene wider⸗ natürliche Erhabenheit ſicherer und leichter in die Augen fällt. Oft iſt an beiden Sprunggelenken der Spat zuge⸗ gen, und dieſes vielleicht in gleich ſtarker Ausbildung; hier hält es dann manchmal ſchwer, zu beſtimmen, ob wirklich Spat vorhanden iſt, oder nicht. Es giebt nämlich Sprunggelenke; deren Knochen ſtark ausgebil⸗ det, obgleich dabei tadellos und völlig geſund ſind; bei welchen die innere Fläche des Sprunggelenkes, an ihrer Verbindung mit dem Schienbeine, eine ziemlich ſcharf markirte Hervorragung bildet Fig. 3. b.); der⸗ gleichen Sprunggelenke nennt man: ſtark abgeſetzt.— Iſt in ſolchen Fällen der Abſatz beider Sprunggelenke ganz gleich, und findet dabei kein widernatürlicher Gang ſtatt, ſo darf dieſes keine Beſorgniß etwa vor⸗ handenen Spats erregen. Hat man auf die oben beſchriebene Weiſe ſich durch das Geſicht von der Gegenwart einer widernatürlichen Erhabenheit an der inneren Fläche eines oder auch bei⸗ der Sprunggelenke überzeugt, ſo ſchreitet man zur Un⸗ 136 28. Spat des Pferdes. terſuchung durch's Gefühl mit den Fingern. Iſt die Erhöhung hart, mit den Knochen verwachſen, nicht verſchiebbar, und unterhalb der Haut gelegen, ſo iſt der Spat zugegen. Ohne eine Unterſuchung mit den Fingern koͤnnten verſchiedene andere Geſchwülſte und Erhöhungen an dieſem Orte zu einer Verwechſelung mit dem Spate Veranlaſſung geben. Durch eine übermäßige Anſammlung von Gelenkſchmiere in dem Sprunggelenke wird zuweilen das Kapſelband beträcht⸗ lich erſchlafft und ausgedehnt; es kann dadurch an der inneren Fläche des Sprunggelenkes eine mehr oder weniger große Hervorragung oder Beule(Galle) ent— ſtehen; dieſelbe erſcheint indeſſen beim Drucke der Fin⸗ ger weich und ſchwappend, und iſt auch faſt niemals mit Lahmheit verbunden; dergleichen Gallen können ſich zwar in ſeltenen Fällen verhärten, und zu wahrem Spat ausbilden, aber bevor dieſes geſchehen, laſſen ſie füglich keine Verwechſelung mit demſelben zu. Eine andere Geſchwulſt an dem fraglichen Orte entſteht zuweilen durch eine naturwidrige Erweiterung der großen Ader, welche an der inneren Fläche des Hinterſchenkels, dicht unter der Haut ihre Lage hat und die über den vorderen und inneren Rand des Sprunggelenkes hinweggeht(Fig. 7. a.). Aber auch dieſe, unter dem unpaſſenden Namen des Ochſenſpats, bekannte Geſchwulſt, iſt weich, ſchwappend, ſchmerz⸗ los und niemals Urſache von Lahmheit. Endlich koͤn⸗ nen noch allerhand ſchwielige, zufällig entſtandene Verdickungen der Haut ꝛc. den Schein von Spat er⸗ zeugen; es iſt aber in ſolchen Fällen die Geſchwulſt mit der Haut verſchiebbar, oder doch mit ihr verwach⸗ ſen, auch iſt ſie nicht hart, wie Spat, nie Urſache von Lahmheit ꝛc. In einzelnen Faͤllen, beſonders bei beginnendem Spat, zeigt die innere Flaͤche des kranken Sprungge⸗ lenkes eine vermehrte Wärme, welche zwar nie ſehr beträchtlich, aber doch groß genug iſt, um ſie entdecken zu können. Zu dieſem Behufe wird die flache Hand abwechſelnd, aber nur auf einige Augenblicke, an das geſunde und dann an das kranke Sprunggelenk gelegt, wobei ſich dann ein Vergleich anſtellen läßt. Iſt die Unterſuchung des im Zuſtande der Ruhe befindlichen Pferdes vollendet, ſo unterſucht man das Verhalten deſſelben bei und nach der Bewegung. Das Pferd wird in gerader Linie von dem Beſchauer, und von der Stelle weg, in mäßigen Trab geſetzt; am beſten iſt es dabei, wenn ein Reiter auf dem Pferde ſitzt, denn jede Lahmheit wird beim belaſteten Pferde ſichtbarer, als wenn das Pferd blos geführt wird. Man gebe dabei genau auf die Bewegung des ver⸗ dächtigen Schenkels Acht; iſt Spat vorhanden, ſo wird das Pferd, zumal Anfangs, kürzere Tritte mit dem kranken Schenkel machen, mehr mit der Zehe auf⸗ treten, im Feſſelgelenke nicht gehoͤrig durchtreten, und eine zuckende, ſchnelle Biegung des Sprunggelenkes machen, ähnlich wie im geringeren Grade des ſoge⸗ nannten Hahnentritts. Auch beim Reiten kleiner Wolten, wobei der kranke Schenkel nach der inneren Seite der Wolte kommt, wird die Lahmheit deutlich hervortreten. Beim Vorreiten ſpatlahmer Pferde muß ſorgfältig vermieden werden, daß ſie nicht, was ſehr leicht geſchieht, gleich in Galopp fallen, weil dadurch die vorhandene Lahmheit mehr oder weniger maskirt wird. Iſt dringender Verdacht auf Spat vorhanden, iſt aber der Spat äußerlich nicht in die Augen fallend, und lahmt das Pferd auch bei der Bewegung nur wenig oder gar nicht, ſo wird auf folgende Weiſe verfahren: Der verdächtige Schenkel wird einige Minuten hindurch, wie zum Beſchlagen, aufgehoben, worauf das Pferd ſofort in Trab geſetzt wird. Iſt der Spat, ſelbſt nur im geringen Grade, und zweifelhaft vorhan⸗ den, ſo wird die Lahmheit jetzt faſt gewiß ſichtbar wer⸗ den. Wird ein ſpatlahmes Pferd bis zum Schweiße angeſtrengt, bis zum Abkühlen in Ruhe gelaſſen, und dann auf's Neue, und von der Stelle weg in Trab geſetzt, ſo zeigt ſich die Lahmheit am ſtärkſten und faſt ſicher. Iſt im Sprunggelenke eine Knochenerhöhung vor⸗ handen, und lahmt das Pferd auf die beſchriebene Weiſe, ſo kann darüber, daß das Pferd wirklich mit dem Spat behaftet ſei, nicht füglich ein Zweifel auf⸗ kommen. Oefters aber findet ſich äußerlich am Sprungge⸗ lenke durchaus keine Erhabenheit, und überhaupt kein ſichtbares äußeres Zeichen von Spat, und dennoch iſt derſelbe zugegen. Aus dieſem Grunde hat man einen aͤußeren oder ſichtbaren, und einen inneren oder un⸗ ſichtbaren Spat unterſchieden, eine Unterſcheidung, die wenig paſſend erſcheint. Während der äußere Spat nicht ſchwer zu erkennen iſt, bietet der innere (d. h. innerhalb des Sprunggelenkes ſich befindende) Spat in ſeiner ſicheren Erkenntniß nicht ſelten große Schwierigkeiten dar. Liegt ein ſolcher Fall vor, ſo werden zunächſt alle Stellen des Schenkels unterſucht, 28. Spat des Pferdes. welche etwa der Sitz der Lahmheit ſein könnten; findet ſich nichts dergleichen, ſo unterſuche man, ob etwa vermehrte Wärme an der inneren Fläche des Sprung⸗ gelenkes zugegen iſt, oder eine vermehrte Empfindlich⸗ keit beim ſtarken Drucke mit den Fingern. Sodann laſſe man das Pferd auf die oben beſchriebene Weiſe bewegen; verliert ſich dabei die Lahmheit mehr oder weniger, ſo kann man ſicher darauf rechnen, daß das Pferd mit dem Spat behaftet iſt. Oft wird der un⸗ ſichtbare Spat, beſonders von Nichtkennern, für Hüft⸗ lähme gehalten, weil die Gangart manchmal den An⸗ ſchein von Hüftlähme darbietet. Leicht aber ſind beide Lahmheiten zu unterſcheiden, denn die Hüftlähme wird während des Gebrauches immer ſtärker, auch tritt das Pferd im Feſſelgelenke durch, und nicht auf die Zehen, während bei dem Spat überall das Gegentheil ſtatt⸗ findet. Das mit Spat behaftete Pferd ſchwitzt leicht, füt⸗ tert fich in der Regel ſchlecht, hat oft einen aufge⸗ ſchürzten Bauch, trotz gutem Appetite und reichlichem Futter. Bei bedeutender Lahmheit tritt nach und nach eine Abmagerung des kranken Schenkels, beſonders an Hüfte und Hinterbacke ein. Viele Pferde haben Spat ohne jemals lahm geweſen zu ſein; andere lahmen nur eine gewiſſe Zeit hindurch, und ſpäter, mit zunehmen⸗ dem Alter, verliert ſich die Lahmheit; andere endlich lahmen die ganze Lebensdauer hindurch. Aus dem außeren Anſehen läßt ſich nicht beurtheilen ob und wie ſtark ein ſpatiges Pferd lahmt; die Größe der Knochengeſchwulſt, oder ihr gänzlicher Mangel machen dabei keinen Unterſchied. Manche Pferde lahmen lange Zeit, oder auch für immer, ohne ſichtbaren Spat; andere lahmen ſelbſt bei fauſtdicker Knochengeſchwulſt vielleicht wenig oder gar nicht, und ſelbſt die Beugung des Sprunggelenkes wird dadurch manchmal nicht ge⸗ nirt. So war z. B. der engliſche Vollbluthengſt Cruth ſehr ſtark mit äußerem Spat behaftet, und doch war er häufig Sieger auf der Rennbahn; nicht ſelten giebt es ſogenannte Traber, welche ſichtbaren Spat haben ꝛc. Im Anfange und in ſeiner Entzündungsperiode i*ſt der Spat gewöhnlich mit der größten Lahmheit ver⸗ bunden; ſpäter, wenn die entzündet geweſenen Kno⸗ chen mit einander verwachſen ſind, verliert ſich die Lahmheit zum Theil oder auch wohl gänzlich; einzelne Fälle kommen vor, wo ſelbſt bei der größten Spat⸗ geſchwulſt keine Lahmheit vorhanden iſt, und auch in keiner Periode der Krankheit vorhanden war. Im Wagenfeld, Encyel. 137 Allgemeinen kann als Regel gelten, daß der innere, ſogenannte unſichtbare Spat mit entſchiedener Lahm⸗ heit verbunden iſt, während dieſes in manchen Fällen bei dem äußeren Spat nicht der Fall iſt. Bei dem äußeren, ſichtbaren Spat macht der Sitz der Knochen— geſchwulſt einen bedeutenden Unterſchied. Sitzt die Knochenerhöhung weit nach unten am Sprunggelenke, und nach vorne zu, unter und dicht hinter der Blut— ader(Fig. 7. c.), ſo iſt faſt allemal Lahmheit zuge⸗ gen. Mehr der Hornwarze nach hinten zu, oder höher im Sprunggelenke hinauf, iſt er oft ohne Lahmheit zugegen. Um einen klaren Begriff von dem Sitze und dem wahren Weſen der Spatlahmheit zu bekommen, iſt die anatomiſche Kenntniß der dabei leidenden Theile unerläßlich, und dieſe Theile ſind die Knochen des Sprunggelenkes; in ihnen hat der Spat ſeinen aus⸗ ſchließlichen Sitz. Das Sprunggelenk beſteht aus ſechs Knochen. Zu oberſt liegt das Rollenbein(Fig. 4. c. Fig. 5. c.), welches mit dem unteren Ende des Schenkelbeines(Fig. 4. a. Fig. 5. a.) ein Ge⸗ lenk bildet; dieſes Gelenk erlaubt eine bedeutende Beu⸗ gung und Streckung des Sprunggelenkes, während alle übrigen Knochen nur eine ſehr geringe Bewegung zulaſſen, und daher zur Beugung des Sprunggelenkes ſehr wenig beitragen können. Hinter dem Rollenbeine liegt das Sprungbein oder Ferſenbein(Fig. 4. b. Fig. 5. b.), an deſſen Spitze ſich die ſogenannte Achillesſehne feſtſetzt.— Unterhalb dem Rollenbeine liegt das große ſchiffförmige Bein, und unter dieſem das kleine ſchiffförmige Bein(Fig. 4. e. Fig. 5. e.). Die innere Fläche des letzteren Knochens ruht auf dem oberen Ende des Schienbeines(Fig. 4. f. Fig. 5. f.). Endlich findet ſich hinter den ſchiffförmigen Beinen das würfelförmige Bein(Fig. 4. d. Fig. 5. d.), welches auf dem Kopfe des Griffelbeines liegt(Fig. 4. g. Fig. 5. g.). Sämmtliche Knochen ſind auf ihren correſpondirenden Berührungsflächen mitGelenk⸗ knorpeln überzogen, und durch Kapſelbänder und zahl⸗ reiche Seitenbänder werden ſie in ihrer Lage erhalten. Die Bildungsweiſe des Spats iſt folgende. Es beginnt derſelbe mit einer Entzündung des Gelenkknor⸗ pels eines oder mehrerer Knochen des Sprunggelenkes; dieſer Knorpel wird, von kleinen Punkten anfangend, nach und nach ſeiner Oberhaut beraubt; dann wird der Knorpel ſelbſt angegriffen, uneben und rauh, wie ein Sieb durchlöchert, und endlich deht 8 auf einer 138 28. Spat des Pferdes. größeren oder geringeren Fläche des Knochens ganz verloren. Schreitet die Krankheit vor, ſo werden auch die des Knorpels beraubten Knochen rauh, uneben, entzündet. Durch dieſe Entzündung erfolgt die Aus— ſchwitzung von Knochenmaſſe, welche, da im Gelenk ſelbſt kein Raum für ſie vorhanden iſt, außerhalb des Sprunggelenkes, und zwar an der inneren Fläche deſ⸗ ſelben, ſich ablagert, zu Knochen verhärtet, und hier jene mehrerwähnte Spaterhöhung, oder einen Kno⸗ chenauswuchs, hervorbringt. In manchen Fällen und Anfangs hat keine Aus— ſchwitzung von Knochenmaſſe nach außen ſtatt, und die Krankheit beſchränkt ſich nur auf die Gelenkflächen, Ein ſolcher Spat wird innerer und unſichtbarer Spat genannt: wird eine Knochenerhöhung außerhalb des Gelenkes ſichtbar, ſo nennt man den Spat äußeren oder ſichtbaren Spat. Der äußere Spat beginnt faſt immer mit dem in⸗ neren Spatz; das Pferd lahmt längere Zeit, bevor ſich äußerlich eine Knochenerhöhung einfindet, und es iſt ſomit der äußere Spat in der Regel nur die Folge und der Ausgang des inneren Spats. Selten entſteht der äußere Spat zuerſt; verbreitet er ſich auf die Gelenk— flächen, ſo entſteht Lahmheit; findet dieſe Verbreitung aber nicht ſtatt, ſo erfolgt auch kein lahmer Gang. Am häufigſten zeigt ſich der Spat an den beiden ſchiffförmigen Beinen und am oberen Ende des Schien⸗ beines; wahrſcheinlich concentrirt ſich hier die Laſt des Hintertheiles des Pferdes, wie in ihrem Schwerpunkte. — Erfolgt Ausſchwitzung von Knochenmaſſe, ſo ver⸗ wachſen die genannten Theile mit einander zu Einem Stücke(Fig. 6. e.). Manchmal, beſonders wenn noch mehrere Knochen ergriffen ſind, iſt die Ausſchwiz⸗ zung von Knochenmaſſe bedeutend; es entſteht dadurch eine ſehr große Spaterhöhung. Die Lahmheit beim Spat entſteht ausſchließlich nur durch die Schmerzen, welche in den entzündeten, von Knorpel entblößten und rauhen Gelenkflächen ſtattfinden, und die durch gegenſeitige Reibung gegen einander bei der Bewegung vermehrt werden. Es iſt zwar die gewöhnliche Anſicht, daß die Lahmheit beim Spat durch die ausgeſchwitzte, rauhe und höckerige Knochenmaſſe entſtehe, durch welche angeblich die be— nachbarten Theile, beſonders die Sehnen und Bänder eine ſchmerzhafte Reizung erleiden ſollen; dieſe Anſicht aber iſt grundfalſch, welches ſehr leicht zu beweiſen iſt. Man findet nämlich die betreffenden Sehnen ꝛc. nie⸗ mals entzündet, gereizt oder rauh, ſondern ſtets glatt und in ihrer Bewegung nicht genirt.— Daß ferner die äußere Knochengeſchwulſt keinen Antheil an der Lahmheit haben könne, beweiſet der Umſtand, daß oft bei ſehr großem äußern Spat keine Lahmheit vorhan⸗ den iſt, oder daß die Lahmheit nach längerer Zeit, gerade wenn die Knochengeſchwulſt ihren größten Um⸗ fang erreicht hat, ſich verliert. Hat der Spat, ſei es der innere oder der äußere, längere Zeit hindurch beſtanden, ſo verliert ſich die Lahmheit häufig, und zwar dadurch, daß die ange⸗ griffenen Knochen mit einander zu einem unbeweglichen Stücke verwachſen, wo alsdann die ſchmerzhafte Rei⸗ bung der kranken Gelenkflächen nicht mehr ſtattfinden kann. Wie ſchon oben bemerkt, leiden die beiden ſchiff⸗ foͤrmigen Beine und das obere Ende des Schienbeines am häufigſten am Spat; nicht viel ſeltener wird das würfelförmige Bein und das obere Ende des Griffel— beines vom Spat befallen; in ſeltenen Fällen nehmen ſämmtliche Knochen des Sprunggelenkes an der Krank⸗ heit Theil, und ſelbſt das untere Ende des Schenkel⸗ beines. Erfolgt alsdann eine allgemeine Verwachſung der Knochen, ſo wird die Beugung des Sprunggelen⸗ kes ſehr beeinträchtigt, und der Schenkel erſcheint faſt ganz ſteif. Bleiben aber das Rollenbein und das untere Ende des Schenkelbeines frei, wie dieſes mei⸗ ſtens der Fall iſt, ſo leidet die Beweglichkeit des Sprunggelenkes nur ſehr wenig oder gar nicht dabei. Es können ſolche Pferde, wie die Erfahrung wieder⸗ holt gelehrt hat, ſogar Traber und Renner ſein, ſelbſt wenn alle übrigen Sprunggelenks⸗Knochen verwachſen ſind, und der Spat fauſtdick nach außen hervorragt. Ueber die Urſachen des Spats iſt bisher nicht viel Sicheres zu ermitteln geweſen. Im Allgemeinen ſieht man Pferde von gemeiner Race, welche dicke, plumpe Knochen, grobe Haare und überhaupt einen ſchwam⸗ migen Körperbau haben, am öfterſten vom Spat be⸗ fallen werden. Aber man findet auch bei orientaliſchen, ſelbſt bei arabiſchen Pferden, ſo wie bei engliſchen Vollblutpferden den Spat vorkommen, obſchon un⸗ gleich ſeltener. Am meiſten erſcheint die Krankheit im Alter von drei bis fünf Jahren; ſeltener im ſechsten bis zehnten, und noch ſeltener in einem höheren Alter. Schwacher Schenkelbau und beſonders eine kuhheſſige Stellung der Hinterſchenkel disponiren zum Spat; ebenſo iſt in manchen Fällen eine ererbte Anlage zu 28. Knochenkrankheiten im Allgemeinen und zum Spat insbeſondere nicht wohl zu verkennen. So ſah ich z. B. noch heute ein Pferd, welches an demſelben Schenkel gleichzeitig mit Spat und mit Schaale be⸗ haftet war. Zu den äußeren Urſachen zählt man ſtarke Anſtrengungen aller Art, Galopp, Springen, Dreſſur, ſchiefe Tritte, fehlerhaften Beſchlag, zu frü⸗ hen Dienſtgebrauch. Die Heilung des Spats gelingt nicht oft, und nicht einmal in der Hälfte der Fälle; die Aufgabe dabei bleibt lediglich die Beſeitigung der Lahmheit; die äußere Knochengeſchwulſt läßt ſich nicht wieder fortſchaffen, und es kann auch daran wenig gelegen ſein. Die Behandlung läßt einen gewiſſen methodi— ſchen Gang und verſchiedene Modificationen zu, und der Zweck der Kur— Hebung der Lahmheit— kann auf zwei möglichen Wegen erreicht werden; es werden die kranken Gelenkflächen in ihren geſunden Zuſtand zurückgeführt, oder es wird auf eine feſte Verwachſung der ergriffenen Knochen hingearbeitet. Leidet ein Pferd am äußeren Spat, ohne dabei lahm zu gehen, ſo iſt kein Grund vorhanden, beſon⸗ ders wenn der Spat ſchon längere Zeit hindurch ohne Lahmheit zugegen geweſen iſt, irgend etwas dagegen zu unternehmen: die Knochengeſchwulſt läßt ſich nicht beſeitigen, und es iſt nicht wahrſcheinlich, daß ſich ſpäter Lahmheit einfindet. In allen mit Lahmheit verbundenen Fällen dagegen kann ein Kurverfahren eintreten; oft genug ohne ſichtbaren Erfolg, aber da⸗ gegen auch nie mit Nachtheil. Für alle Fälle iſt hier von vorn herein zu bemerken, daß eine möglichſt große Ruhe des Pferdes bei der Kur von großer Wichtigkeit und faſt unerläßlich iſt; wird das Pferd angeſtrengt, oder auch nur öfters einer Bewegung aus⸗ geſetzt, ſo wird die Hebung der Entzündung oder der Verwachſung der kranken Knochen dadurch verhin⸗ dert, oder jedenfalls doch verzögert. Iſt der Spat erſt kurze Zeit vorhanden, und un⸗ ſichtbar, oder doch nur mit einer geringen äußeren Spat⸗Auftreibung, allenfalls auch mit vermehrter Wärme verbunden, ſo gelingt zuweilen noch die Zer— theilung der Entzündung. Zu dieſem Behufe werden äußere Ableitungs⸗Mittel in Gebrauch gezogen. Am wirkſamſten zeigt ſich hier ein über die innere Fläche des Sprunggelenkes, über den Mittelpunkt des Spats hinweggezogenes Eiterband(Fig. 7. bb.). Daſſelbe muß vier bis fünf Zoll lang ſein, etwa vierzehn Tage Spat des Pferdes. 139 liegen bleiben, und iſt mit Vorſicht zu appliciren, weil dabei leicht Sehnen, Gelenke oder die Schenkelader Fig. 7. a.) verletzt werden können. In der Regel fiebert das Pferd dabei in den erſten Tagen etwas, und der untere Theil des Schenkels ſchwillt entzündlich an, welches Beides ſich jedoch bald von ſelbſt verliert, und deshalb keine Beſorgniß erregen kann. Andere ziehen das Eiterband in horizontaler Richtung, von der Hornwarze nach der Schenkelader zu, über den Spat. Die Anwendung des Eiterbandes iſt zwar noch neu, aber ſie verdient alle Empfehlung; das Mittel iſt, wie ich in wiederholten Fällen ſelbſt erfah⸗ ren habe, oft von vortrefflicher Wirkung, und es hat noch nebenbei den Vortheil, daß es nicht, wie z. B. das Brennen ſichtbare Narben hinterläßt, welche den merkantiliſchen Werth eines Pferdes bekanntlich ſehr ſchmälern. Außerdem bleibt, nach der erfolgloſen Anwendung des Eiterbandes, der Gebrauch jedes an⸗ dern Mittels unbeſchränkt. Statt des Eiterbandes kann auch eine reizende Einreibung gebraucht werden, welche manchmal ebenfalls ſehr wirkſam iſt, und den gleichen Vortheil darbietet, keine Spur ihrer Anwen⸗ dung zu hinterlaſſen. Ein halbes Loth Canthariden⸗ Pulver, ein Quentchen Euphorbium und funfzehn Grane Sublimat werden mit Terpentin und Schweine⸗ fett, von jedem drei Loth, zur Salbe gemiſcht, von welcher Anfangs die Hälfte und zwölf Stunden ſpäter die andere Hälfte eingerieben wird, und zwar, gleich⸗ viel bei welcher Ausdehnung des Spates, auf die ganze innere Fläche des Sprunggelenkes Sind die Haare daſelbſt nicht etwa ſehr fein und kurz, ſo wer— den ſie zuvor mit der Scheere abgeſchnitten. Der Schweif des Pferdes wird aufgebunden, damit derſelbe nicht einen Theil der Einreibung wegwiſcht. Iſt in vier bis ſechs Wochen nach der Anwendung des Eiter⸗ bandes oder der Einreibung die Lahmheit nicht ver— ſchwunden, ſo wird das Glüheiſen applieirt. Iſt der Spat bedeutend groß, und ſchon längere Zeit vorhanden, ſo iſt die möglichſt ſchnelle Verwach⸗ ſung der angegriffenen Knochen wünſchenswerth. Zu dieſem Behufe ſind die oben genannten Mittel wenig geeignet, und hier paßt dann das Glüheiſen, als das faſt alleinige bekannte Mittel, von welchem oft noch Hülfe zu erwarten iſt. Man wendet das Glüheiſen beim Spat auf ſehr verſchiedene Weiſe an, welches zwar für die beabſichtigte Wirkung nicht aber in Be⸗ treff der zurückbleibenden Brandnarben, ganz gleich iſt. 18 14⁴0 Man brennt Punkte, ſenkrechte, horizontale und diagonale Striche, oder man giebt den Strichen die Form eines umgekehrten Tannenbaumes(Fig. 9.). Die Punktform(Fig. 10.), mit Geſchick gebrannt, iſt nach meiner Anſicht die wirkſamſte; leider aber läßt ſie, da hierbei ziemlich ſtark gebrannt werden muß, bedeutend ſichtbare Narben zurück. Das Gleiche gilt von der Tannenbaumform, obſchon ſie wohl am häu— figſten gewählt wird. Das Brennen ſchräger Striche (Fig. S.) ſcheint, nach meinem Dafürhalten, das Beſte zu ſein, denn bei ihnen werden die Brandnarben durch das wieder wachſende Haar ziegeldachartig be— 29. Hahnentritt des Pferdes. deckt, welches z. B. bei den ſenkrechten Strichen gar nicht, und bei den in der Form des Tannenbaums ge⸗ brannten nur zum Theil der Fall iſt. Gewohnheit und ſubjective Anſichten müſſen hier bei der Wahl entſcheiden. Dort, wo die mehrerwähnte Ader und das Kapſelband des Rollenbeines ihre Lage haben, welches durchs Fühlen mit den Fingern leicht zu ent⸗ decken iſt, darf das Glüheiſen gar nicht, oder doch nur ſehr ſchwach aufgeſetzt werden. Das gebrannte Pferd bedarf mindeſtens einer vier- bis fünfwöchigen Ruhe; daſſelbe wird in dieſer Zeit wo möglich gar nicht aus dem Stalle gelaſſen. 29. Hahnentritt des Pferdes. Der Hahnentritt— ſpaniſcher Tritt, Hahnenſpat, Zuckfuß— beſteht in einem widernatürlich hohen Aufheben eines oder beider Hinterſchenkel. Ein mit ihm behaftetes Pferd gewährt einen ſehr übeln Anblick, ſonſt aber ſchadet er ſeiner Brauchbarkeit und Tüchtig⸗ keit im Dienſte wenig oder gar nicht. Einen Beweis hiefür liefert z. B. der engliſche Vollbluthengſt Guil⸗ fort, welcher ſiebenzehn Mal Sieger auf der Renn⸗ bahn war, obgleich er zuletzt ſo ſtark auf beiden Hin⸗ terſchenkeln den Hahnentritt hatte, daß er beim Auf⸗ heben der Füße mit dem Feſſelgelenke jedesmal gegen den Bauch ſchlug, ſo daß die getroffenen Stellen des Bauches und des Feſſelgelenkes dadurch haarlos ge⸗ worden waren. Das Aufheben des Schenkels, und beſonders die Beugung des Sprunggelenkes, geſchehen ſehr raſch, zuckend und mit einer krampfhaften Bewegung, wor⸗ auf der Fuß mit der flachen Hufſohle wieder zu Boden geſetzt wird. Ein geringer Grad des Uebels wird Tappen genannt. Bei den erſten Schritten, die das Pferd macht, und bei kurzen Wendungen iſt der Hah⸗ nentritt am ſichtbarſten; im Trabe iſt derſelbe wenig oder gar nicht wahrzunehmen.— Bei vielen Pferden verſchwindet er, ähnlich wie der Spat, wenn ſie warm geworden ſind; bei anderen iſt dieſes nicht der Fall. Die Urſache des Hahnentritts iſt bis jetzt nicht er⸗ mittelt, und völlig räthſelhaft; ob er in den Sehnen, Nerven, Bändern, Muskeln oder Knochen liegt, weiß man nicht; äußerlich ſo wenig als bei der anatomi⸗ ſchen Unterſuchung nach dem Tode des Pferdes, findet ſich irgend eine materielle, krankhafte Veränderung der Theile. Wahrſcheinlich jedoch liegt die Urſache in einer Störung der Nerven, welche die Beugungsmus⸗ keln des Sprunggelenkes verſehen, und eine krampf⸗ hafte Zuſammenziehung derſelben bewirken. Die Ur⸗ ſachen ſind dunkel und unbekannt;z am häufigſten findet man den Fehler bei Pferden, die entweder ſchwach in den Hinterſchenkeln ſind, oder die ſchon ſtarke Stra⸗ patzen ausgehalten haben. Ein Heilverfahren iſt noch nicht bekannt. 30. Schaale des Pferdes. 141 30. Schaale des Pferdes.(Tab. XII.) Die Schaale(Ringbein, Leiſt) beſteht in einer Krankheit der unterſten Fußknochen; in ihrem Weſen i*ſt ſie völlig gleich mit dem Spat, und von dieſem nur durch ihren Sitz unterſchieden. Die Schaale kommt an einem einzigen, oder an beiden Vorder⸗ oder Hin⸗ terfüßen, oder, obſchon in ſeltenen Fällen, an allen vier Füßen zugleich vor. Gewöhnlich hat die Krank— heit in dem Gelenke, welches von dem unteren Ende des Feſſelbeines und dem oberen Ende des Kronenbei⸗ nes gebildet wird, ihren Sitz; ſeltner im Gelenke zwiſchen Kronen⸗ und Hufbein. Nicht allemal iſt eine Lahmheit mit dieſem Fehler verbunden; iſt dieſes jedoch der Fall, ſo ſchont das Pferd den Fuß im Stande der Ruhe; es ſetzt ihn vor, beſonders wenn den Tag zuvor eine ſtarke Arbeit vor⸗ angegangen iſt; überhaupt iſt dann, ganz wie beim Spat, die Lahmheit am ſichtbarſten. Im Schritte iſt die Lahmheit oft nur gering, doch bemerkt man häufig im Gange ein Uebergleiten des Fußes nach vorn zu, im Kronengelenke. Im Trabe tritt die Lahmheit dann ſehr ſichtbar hervor, zumal wenn ein Reiter auf dem Pferde ſitzt; durch andauernde Bewegung wird dieſe Lahmheit wenig oder gar nicht vermindert, ſondern ſie bleibt die ganze Dauer der Bewegung hindurch ziem⸗ lich gleich. Unterſucht man den lahmen Fuß näher, ſo ent⸗ deckt man in der Regel, ſowohl durch das Geſicht als durch das Gefühl, eine harte Auftreibung oberhalb der Hufkrone, in der Gegend des Feſſel⸗Kronengelenkes (Fig. 1. a.); dieſe Geſchwulſt iſt auf der vorderen Fläche des Fußes gewöhnlich am bedeutendſten; in manchen Fällen umgiebt ſie aber auch das ganze Ge— lenk in Form eines Kranzes oder Ringes, woher der Name Ringbein entſtanden iſt. Bei einer ſolchen Unterſuchung iſt es zweckmäßig an der genannten Stelle die Haare beider Füße mit Waſſer zu befeuchten, weil dann die vorhandene Knochengeſchwulſt mehr in die Augen fällt, und auch die Vergleichung des ge⸗ ſunden mit dem kranken Fuße leichter iſt. Wie beim Spat kann man auch die Schaale in eine innere und äußere eintheilen; Letztere manifeſtirt ſich allemal durch eine äußerlich ſicht- und fühlbare Knochenauftreibung, während bei der inneren Schaale die äußere Geſchwulſt mangelt. Die Lahmheit bei der Schaale entſteht lediglich durch die Entzündung und krankhafte Beſchaffenheit des Gelenkes ſelbſt, nicht aber, wie gewoͤhnlich geglaubt wird, durch die nach außen abgeſetzte, oft ſehr rauhe und höckerige, Kno⸗ chenmaſſe. Anfangs bildet ſich eine mehr oder weni⸗ ger heftige Entzündung des knorpeligen Ueberzuges der beiden correſpondirenden Gelenkenden des Feſſel⸗ und Kronenbeines, oder auch wohl des Kronen⸗ und Huf⸗ beines; der Knorpel wird nach und nach zerſtört und abgerieben, und darauf wird die darunter liegende Knochenmaſſe ebenfalls von Entzündung ergriffen, rauh und uneben. Die Folge dieſes Zuſtandes iſt die Ausſchwitzung von Knochenmaſſe, welche ſich an den Rändern des Gelenkes, und auf der äußeren Fläche der genannten Knochen ablagert(Fig. 5. d.), hier dann äußerlich als Knochengeſchwulſt(Fig. 1. a.) ſichtbar wird, und in nicht ſeltenen Fällen mit einer Verwachſung des Gelenkes endet(Fig. 5. d.). Der Eintritt der äußeren Knochenerhöhung bei der Schaale iſt nicht in allen Fällen gleich; oft erfolgt er ſehr raſch, und faſt gleichzeitig mit dem Erſcheinen der Lahmheit, oft aber lahmt das Pferd mehrere Monate hindurch, ohne daß äußerlich irgend eine Geſchwulſt ſichtbar wäre. Eine ſolche Lahmheit iſt, in Rückſicht ihres Sitzes, in der Regel nur ſchwer mit Sicherheit zu er— kennen; gewöhnlich wird dann das Pferd auf Bug⸗ lahmheit kurirt, während in der That nichts anderes als die innere oder unſichtbare Schaale vorhanden iſt. Bei einer genauen Unterſuchung findet man jedoch in der Regel das Kronengelenk vermehrt warm, und empfindlicher gegen einen Fingerdruck, als dieſes bei der entſprechenden Stelle des nicht ergriffenen Fußes der Fall iſt. Manchmal iſt auch die Umgebung des Kronen⸗ oder Hufgelenkes geſchwollen, heiß und ſchmerz⸗ haft, ſelbſt bevor noch der Proceß der Ausſchwitzung von Knochenmaſſe begonnen hat. Die Geſchwulſt der ſchon lange vorhandenen, ausgebildeten äußeren Schaale iſt in der Regel weder vermehrt warm, noch vermehrt empfindlich. Im Allgemeinen iſt die Schaale ein bedeutender Fehler, aber dennoch ein ohne Vergleich geringerer, als der Spat. Es giebt viele Pferde mit äußerlich ſtark 142² 30. Schaale des Pferdes. ſichtbarer Schale, welche nicht lahmen, und überhaupt nie gelahmt haben. Unter ſolchen Umſtänden kann das Uebel kaum ein Fehler genannt werden, denn das mit ihm behaftete Pferd verliert dadurch nichts von ſeiner Brauchbarkeit. Findet ſich die Schaale bei älteren Pferden, und hat ſie ſchon lange ohne Lahm⸗ heit beſtanden, ſo iſt keine Beſorgniß vorhanden, daß die Lahmheit zurückkehre. Erſcheint die Schaale dage⸗ gen bei jungen Pferden in Begleitung heftiger Lahm⸗ heit, ſo iſt der Fall übler, denn oft verliert ſich die Lahmheit erſt ſpät, oft bleibt ſie ſogar zeitlebens zuge— gen. Sehr junge Füllen jedoch machen hievon eine Ausnahme, indem bei ihnen die Lahmheit, ſelbſt ohne Kur, häufig von ſelbſt und bald verſchwindet, zumal wenn die Füllenlähme Urſache der Schaale war. Mit den Urſachen der Schaale verhält es ſich faſt genau ſo als beim Spat. Am häufigſten werden Pferde im erſten bis dritten Lebensjahre von der Krank⸗ heit befallen; bei ſolchen jungen Thieren geben erbliche Anlage und die ſpäter zu beſchreibende Füllenlähme die ohne Vergleich häufigſte Urſache ab; überhaupt entſteht die Schaale weit häufiger aus inneren Urſa⸗ chen, oder, wie man zu ſagen pflegt, von ſelbſt, als durch äußere Veranlaſſung. Bei älteren Pferden müſſen übertriebene Anſtrengungen, ſchneller Lauf auf hartem, ſteinigem oder unebenem Boden, Fehltritte, Erſchütterungen und Verſtauchungen der Gelenke, in ſeltenen Fällen auch Quetſchungen und äußere Ver⸗ letzungen in Verdacht genommen werden; gewöhnlich zeigt ſich das Uebel dann an den Vorderfüßen. Ge⸗ meine, dickknochige und plumpe Pferde leiden ungleich häufiger an der Schaale, als edle Pferde mit dünnen und feſten Knochen. Die Kur hat die Aufgabe entweder die vorhandene Entzündung der Gelenkknorpel oder Gelenkknochen zum Weichen, oder wo dieſes nicht mehr möglich iſt, doch zum Stillſtande zu bringen, oder auch die Verwach⸗ ſung des kranken Gelenkes zu begünſtigen; denn iſt dieſe erfolgt, ſo verſchwindet die Lahmheit damit in der Regel. Unter allen Umſtänden, gleichviel welches Heilverfahren eingeſchlagen wird, iſt völlige Ruhe des Pferdes das Haupterforderniß; daſſelbe wird wochen⸗ lang im Stalle gehalten, denn ſelbſt die freiwillige Bewegung, z. B. auf der Weide, iſt der Kur hinder⸗ lich. Bei erſt kürzlich entſtandener, auch bei innerer Schaale ſtellen die ſcharfen Einreibungen das beſte bekannte Mittel dar; daſſelbe iſt, bei ſehr jungen Pferden gebraucht, faſt ſicher mit dem Erfolge der Heilung der Lahmheit verbunden. Es werden zehn Gran Sublimat, Canthariden und Euphorbium, von jedem ein halbes Loth, mit Terpentin und Schweine⸗ fett, von jedem drei Loth, zur Salbe gemiſcht, mit wel⸗ cher die ganze vordere Fläche des Feſſelgelenkes, vom Kronenrande an bis zu den Seitenrändern des Feſſel⸗ gelenkes, und einen bis zwei Zoll über das Kronen⸗ gelenk hinauf, recht dick eingerieben wird, und zwar am Abende einmal, und am nächſten Morgen nochmals. Das Pferd darf ſich dabei in den erſten achtundvierzig Stunden nicht niederlegen, welches durch hohes An⸗ binden mit der Halfter leicht zu verhindern iſt, auch darf ſich keine Streu im Stalle befinden, weil dadurch ein Theil der Salbe abgewiſcht werden würde. Vor dem Einreiben werden die Haare auf der einzureiben⸗ den Stelle ſo dicht wie möglich abgeſchnitten. Etwa zwölf bis vierzehn Tage ſpäter wird dieſe Einreibung auf gleiche Art wiederholt, worauf dann, noch einige Wochen ſpäter, die Lahmheit in vielen Fällen ver— ſchwunden ſein wird. Das Haar geht durch das Mittel zwar für einige Zeit verloren, es findet ſich aber in wenigen Wochen ſicher wieder, und zwar ohne ſeine Farbe zu verändern. Ein anderes, wenn auch im Allgemeinen vielleicht nicht ſo kräftiges, ſo doch in vielen Fällen ſehr nützliches Mittel ſtellt eine Salbe dar, welche aus einem halben Loth jodſaurem Kali und vier Loth grauer Merkurialſalbe zuſammengeſetzt iſt. Nachdem das Haar abgeſchoren iſt, wird von die⸗ ſer Salbe täglich zweimal dick eingerieben und mindeſtens acht bis vierzehn Tage hindurch. Das Pferd wird dabei, wie in allen anderen Fällen, im Stalle gehalten, doch kann ſich daſſelbe nach Belieben niederlegen. Erſt neuerlich reüſſirte ich durch den Ge⸗ brauch dieſer Salbe bei einem ſehr werthvollen, mit der Schaale behafteten Pferde, bei welchem mich die ſchar⸗ fen Einreibungen ganz im Stich gelaſſen hatten, ſo vollkommen, daß die früher vorhanden geweſene, ſehr ſtarke Lahmheit jetzt völlig verſchwunden und ſelbſt bei anhaltendem Gebrauche des Pferdes nicht wieder zum Vorſchein gekommen iſt. Dieſe zuletzt angegebene Einreibung kann aber füglich nur zu Anfange der Schaale von Nutzen ſein; iſt die Krankheit veraltet und mit bedeutender Knochenauftreibung verbunden, ſo wird ſie ſchwerlich etwas leiſten. Bei der ausgebildeten und ſchon lange vorhanden geweſenen Schaale richten aber auch die ſcharfen Ein⸗ 31. Haſenhacke. reibungen in der Regel nicht viel aus; dennoch kann immerhin ein Verſuch mit ihnen gemacht werden. Schlägt dieſer fehl, ſo greift man zum Glüheiſen, oft mit, oft aber auch ohne erwünſchten Erfolg. Stets iſt das Brennen der Schaale unſicher, und hat noch nebenbei den Uebelſtand, ſichtbare Narben zu hinter⸗ laſſen, weßhalb nicht recht zu begreifen iſt, wodurch dieſes Kurverfahren ſich einen ſo günſtigen Ruf erwor⸗ ben hat. Man brennt entweder Striche(Fig. 2. a.), oder Punkte(Fig. 3. a.), oder Striche mit Punkten abwechſelnd; die Wahl dieſer oder jener Brandfigur hängt vom Geſchmacke und von der ſubjektiven Anſicht ab; die Wirkung iſt wohl ganz einerlei. Tootzt eine ſehr veraltete Schaale auch dieſem Mittel, ſo giebt es noch ein Ultimatum der Kur, nämlich den Nerven⸗ ſchnitt. Es werden dabei, dicht über dem Feſſelge⸗ lenke, die Nerven durchſchnitten, entweder nur an einer oder an beiden Seiten. In faſt allen Fällen 143 wird die Lahmheit dadurch gehoben, doch erfordert die Operation theils große Geſchicklichkeit, theils kann ſie einige Uebelſtände in ihrem Gefolge haben, wovon bei Gelegenheit der Abhandlung über die Operation des Nervenſchnittes ſpeciellere Angaben gemacht werden ſollen. Iſt die Lahmheit bei der Schaale, gleichviel durch welches Mittel, gehoben, ſo iſt es paſſend, das Pferd noch längere Zeit zu ſchonen, und, wenn es die Jahres⸗ zeit geſtattet, einige Monate hindurch auf die Weide zu geben. Unworſichtiger und ſtarker Dienſtgebrauch des Pferdes, gleich nach Beſeitigung der Lahmheit, hat oft einen, alsdann nur ſchwer oder auch wohl gar nicht zu heilenden, Rückfall der Lahmheit zur Folge. Zur Zucht eignet ſich ein mit Schaale behaftetes Pferd nicht, denn die Krankheit vererbt ihre Diſpoſition ganz entſchieden auf die Nachzucht. 31. Dieſer Fehler hat ſeinen Sitz an dem hinteren Rande des Sprunggelenkes; er erſcheint hier als eine mehr oder weniger große, regelwidrige Geſchwulſt, welche gewöhnlich mehrere Zoll unterhalb der Spitze des Sprungbeines oder der Hacke beginnt, und ſich etwa vier bis acht Zoll nach abwärts, am hinteren Rande des Fußes, hinunter erſtreckt(Fig. 6. a.). Am meiſten fällt die Haſenhacke in die Augen, wenn man die bezeichnete Stelle von der Seite und im Profil betrachtet; die Geſchwulſt iſt rundlich, und nach hin⸗ terwärts heraus gewölbt; dieſe Wölbung iſt in der Mitte am ſtärkſten, und verliert ſich nach oben und unten im allmäligen Uebergange in die geſunden Theile. Anfangs bietet die Haſenhacke die Zeichen der Ent⸗ zündung dar; die Geſchwulſt iſt heiß, und bei einem auf ſie angebrachten Drucke empfindet das Pferd leb⸗ hafte Schmerzen; nicht ſelten erſcheint das ganze Sprunggelenk geſchwollen, auch erſtreckt ſich die Ge— ſchwulſt zuweilen innerhalb dem Sprunggelenke bis zum Feſſelgelenke hinab. Im Stalle ſchont das Pferd den kranken Fuß; es tritt mit dem Feſſelgelenke nicht Haſenhacke.(Tab. XIII.) durch, welches den Laien mitunter verführt, den Sitz der Lahmheit im Feſſelgelenke zu ſuchen, und hier eine Verſtauchung oder Ueberköthung zu vermuthen. Das Pferd legt ſich, auch über Nacht, gewöhnlich nicht nieder. Bei der Bewegung lahmt das Pferd mehr oder weniger ſtark. Hat das Uebel einige Zeit hin— durch beſtanden, ſo verlieren ſich die heftigeren Zeichen der Entzündung nach und nach, die allgemeine Ge⸗ ſchwulſt wird geringer, und die Haſenhacke tritt dann in ihrer beſtimmteren Form, als eine längliche, einige Zoll breite, und ſechs bis acht Zoll lange Geſchwulſt hervor, welche ziemlich hart und nur mäßig empfind⸗ lich und warm iſt. Jetzt tritt das Pferd wieder beſſer auf den Fuß; es legt ſich Nachts nieder, und lahmt im Gange entweder weniger als früher, oder nur nach langer Anſtrengung, oder auch wohl gar nicht mehr. Zuweilen wird nur ein einziger Hinterſchenkel von der Haſenhacke befallen; nicht gar ſelten aber leiden auch beide Füße gleichzeitig daran. Im Allgemeinen i*ſt der Fehler gerade nicht zu den ſchlimmeren zu zäh⸗ len, denn oft iſt die Lahmheit bei ihm nur gering 144 31. Haſenhacke. oder ſie verliert ſich von ſelbſt, oder endlich iſt ſie in den meiſten Fällen faſt ſicher und auch ziemlich ſchnell zu beſeitigen. Demungeachtet kommen einzelne Fälle vor, wo die Lahmheit ſehr hartnäckig iſt, und nur einer ſehr lange fortgeſetzten Kur weicht. Weit mehr als der Lahmheit wegen wird die Haſenhacke als Schön⸗ heitsfehler gefürchtet, und es iſt nicht zu läugnen, daß das Anſehen des befallenen Schenkels ſehr darunter leidet; die ganze hintere Contour der Gliedmaſſe be⸗ kommt dadurch eine gekrümmte, ſäbelartige Form, welche in der That höchſt widrig ins Auge fällt. Der Werth des Pferdes, als Handelswaare betrachtet, wird durch Haſenhacke ſtets ſehr herabgeſetzt, denn es gelingt, ſelbſt in den glücklichſten Fällen, faſt nie⸗ mals die Geſchwulſt zu beſeitigen. Ihren Sitz hat die Haſenhacke in den über dem hinteren Rande des Sprunggelenkes hinweggleitenden Beugeſehnen des unteren Theiles des Fußes, nament⸗ lich in den Beugeſehnen des Kronen- und Hufbeines; in ſeltenen Fällen nehmen die davor gelegenen Gelenk⸗ bänder des Sprunggelenkes oder gar die Knochen die— ſes Gelenkes an der Krankheit Theil. Weſentlich ſtellt die Haſenhacke ein ganz gleiches Leiden als der Seh⸗ nenklapp dar, und der Unterſchied beider liegt nur in der Verſchiedenheit des Sitzes der Krankheit. Am häufigſten entſteht die Haſenhacke durch Ueberdehnung und Zerrung der genannten Sehnen; deshalb nach heftigen Anſtrengungen jeder Art, bei Reitpferden, welche häufig ſpringen oder anhaltend galoppiren muß⸗ ten, welche zu ſtark aufs Hintertheil geſetzt wurden ꝛc. Der Eintritt der Krankheit geſchieht dann faſt plötzlich und meiſt in einer einzigen Nacht. Am leichteſten werden junge Pferde von der Haſenhacke befallen, be⸗ ſonders ſolche von gemeiner Rage. Eine überwiegende Diſpoſition zu ihr findet ſich bei Pferden, deren Hin⸗ terſchenkel im Allgemeinen und deren Sprunggelenke insbeſondere ſchwach conſtruirt ſind; hieher gehören beſonders der ſogenannte ſäbelbeinige und kuhheſſige Stand der Hinterſchenkel, Aber auch äußere, mecha⸗ niſche Einwirkung, Stoͤße, Anſchlagen an die Wand oder die Standbäume, Schläge von anderen Pfer⸗ den ꝛc. können die Urſache der Haſenhacke abgeben. Die Kur richtet ſich nach dem Alter des Uebels. Iſt die Haſenhacke erſt friſch entſtanden, und finden ſich noch die Zeichen einer beträchtlichen Entzündung vor, ſo kann man zwei verſchiedene Heilwege ein⸗ ſchlagen. Die Geſchwulſt wird alle halbe oder ganze Stun⸗ den mit einem Gemiſch aus vier Loth Salmiak, zwei Loth Kampherſpiritus, Eſſig und Waſſer, von jedem ein Quart, befeuchtet, und Abends mit einer Salbe eingerieben, welche aus vier Loth grauer Merkurial⸗ ſalbe, einem Loth Bleizucker und zwei Loth Baumöl zu⸗ ſammengeſetzt iſt. Mit der Anwendung dieſer Mittel wird mindeſtens ſechs bis acht Tage hindurch fortge⸗ fahren, wonach ſich das Uebel jedenfalls beträchtlich verringert. Beſſer als das ſo eben angegebene Heilverfahren i*ſt, nach den Erfahrungen Anderer ſowohl, als nach meinen eigenen Erfahrungen, rückſichtslos auf den Grad der vorhandenen Entzündung, die ſofortige An⸗ wendung einer ſcharfen Salbe. An der Stelle, an welcher die Haſenhacke am deutlichſten hervortritt, wer⸗ den in einer Breite von etwa drei, und in einer Länge von etwa acht Zollen die Haare abgeſchnitten, und dann von der bei der Schaale vorgeſchriebenen ſcharfen Salbe recht dick eingerieben, und zwölf Stunden ſpä⸗ ter nochmals, wobei ſich das Pferd in den erſten acht und vierzig Stunden nicht niederlegen darf. Unterhalb der Einreibungsſtelle wird rings um den Fuß etwas grüne Seife dick aufgeſtrichen, um die Haut dieſer Theile vor der etwa herabfließenden ſcharfen Salbe möglichſt zu ſchützen. Anfangs wird die Krankheit durch die ſcharfe Salbe ſcheinbar verſchlimmert; Geſchwulſt, Schmerzen und Hitze vermehren ſich. Dieſes dauert jedoch nur wenige Tage; dann verlieren ſich alle dieſe Zeichen immer mehr; es entſteht ein dicker Schorf auf der eingeriebenen Haut, und oft iſt ſchon jetzt alle Lahmheit, und ſelbſt der größere Theil der urſprüng⸗ lichen Geſchwulſt verſchwunden. Sollte dieſes nicht der Fall ſein, ſo wiederhole man die ſcharfe Einrei⸗ bung, zehn bis vierzehn Tage nach ihrer erſten Appli⸗ kation, nochmals. Während der Kur jeder noch neuen Haſenhacke muß das Pferd in völliger Ruhe im Stalle gehalten werden. Iſt das Pferd von hohem Werthe, und liegt etwa ganz beſonders daran, daß die bei der Haſenhacke gewoͤhnlich zurückbleibende Geſchwulſt möglichſt klein ausfalle, oder auch wohl gänzlich beſeitigt werde, ſo kann noch außer der äußeren Kur ein allgemeines Heil⸗ verfahren, und zwar mit Nutzen, eintreten. Es wer⸗ den dem Pferde acht bis zwölf Pfund Blut entzogen; daſſelbe erhält eine Aloelaxanz, und wird nur dürftig gefüttert; mit Grünfutter, Stroh, Kleie ꝛc.; Heu 32. und Körner ſind demſelben die erſten acht bis zwölf Tage hindurch gänzlich zu entziehen. Iſt die Haſenhacke ſchon veraltet, ſo iſt ein inneres Heilverfahren durchaus nutzlos. Aber auch hier leiſtet die wiederholt applicirte ſcharfe Salbe oft noch erſprieß⸗ liche Dienſte. Iſt dieſes nicht der Fall, und erſcheint die Geſchwulſt ſehr hart, kühl und ganz ſchmerzlos, ſo verdient das Glüheiſen den Vorzug. Es werden dann entweder Striche, in Form eines umgekehrten Tannenbaums, gebrannt(Fig. 7. a.) oder Punkte (Fig. 8. a.). Hierbei iſt jedoch nicht zu vergeſſen, daß die unverlöſchbar zurückbleibenden Zeichen des Brennens der unter ſolchen Umſtänden nur ſelten ver⸗ ſchwindenden Geſchwulſt ein noch übleres Anſehen geben. Ohrenkrankheiten des Hundes. 145 Sind durch die Kur die Lahmheit gänzlich und die Geſchwulſt ſo viel wie möglich beſeitigt, ſo bedarf das Pferd noch längere Zeit einer gewiſſen Schonung, denn eine ſehr ernſthafte Strapatze hat nicht ſelten einen Rückfall der Lahmheit und eine Vergrößerung der Ge⸗ ſchwulſt zur Folge. Der Weidegang iſt hier beſonders zu empfehlen; bei demſelben gewinnt der Schenkel wieder an Kraft, und die geſchwächten Theile con⸗ ſolidiren ſich. Von der Zucht ſchließt man die mit Haſenhacke behafteten Pferde wo möglich aus, denn wenn ſich das Uebel an ſich auch nicht auf die Nach— kommen vererbet, ſo iſt dieſes doch mit der Anlage zu demſelben der Fall, begründet in dem unvortheilhaften Baue ſolcher Hinterſchenkel. 32. Ohrenkrankheiten des Hundes.(Tab. XII.) Die Ohren des Hundes ſind vorzüglich nachſtehen⸗ den drei Krankheiten unterworfen: dem Ohrenwurm, dem Ohrenfluß und der Ohrengeſchwulſt. a) Der ſogenannte Ohrenwurm, oder Ohrenkrebs, findet ſich faſt ausſchließlich nur bei Hunden mit gro⸗ ßen, hängenden Ohren, alſo bei ſolchen, welche nach dem Jägerausdrucke einen langen Behang haben; Jagdhunde und Pudel ſind ihm am öfterſten ausgeſetzt. Bei Hunden mit kleinen, ſpitzen und aufgerichteten Ohren, z. B. bei Spitzen, kommt er faſt niemals vor. Die Krankheit erſcheint vorzugsweiſe an dem Rande des Ohres, beſonders gegen deſſen Spitze zu; der kranke Ohrrand erſcheint in größerer oder geringerer Ausdehnung entzündet, heiß, angeſchwollen und ſehr empfindlich; an einzelnen Stellen der Geſchwulſt fin— den ſich verhärtete Knoten, die Oberfläche derſelben iſt rauh und uneben, mit tiefen, leicht blutenden Riſſen verſehen, und mit einem dunkelbraunen, ſehr feſt auf— ſitzenden Schorfe bedeckt(Fig. 10. a.). Nach und nach nimmt das Uebel an Umfang und Heftigkeit zu; die Riſſe in der Geſchwulſt werden tiefer, die kranke Stelle des Ohrrandes erſcheint wie angefreſſen, und eingekerbt, und nicht ſelten fallen halbmondförmige Stücke des Ohres aus(Fig. 10. b.), indem die ur⸗ Wagenfeld, Encyel. ſprünglich nur auf die äußere Haut des Ohres be⸗ ſchränkte Schwärung auf die Subſtanz des Ohrknor⸗ pels ſich verbreitet. Die Krankheit macht dem mit ihr befallenen Hunde offenbar die größeſte Beläſtigung; faſt unaufhörlich kratzt der Hund mit der Pfote am kranken Ohre, er ſchüttelt den Kopf, ſchlenkert die Ohren um denſelben herum, wobei in der Regel Blu⸗ tungen erfolgen; hängt den Kopf zur Seite, drückt das Ohr an die Wand oder an den Erdboden, und fährt reibend an denſelben her. Dabei winſelt und heult er vor Schmerz, und befindet ſich in unaufhör⸗ licher Unruhe und Bewegung. Die Urſachen des Ohrwurms beſtehen in der Regel in äußeren Verletzungen, welche bei Gelegenheit des haſtigen Laufens durch Hecken, Geſtrüpp, Dornen, Diſteln, Stoppelfelder ꝛc. veranlaßt werden; oder auch durch den Biß anderer Hunde ꝛc. Vielleicht iſt die Krankheit an ſich ſehr gutartig, und von Verletzun⸗ gen an anderen Theilen des Körpers nicht verſchieden; aber ſie wird hartnäckig und ſchwer zu heilen, weil der Hund durch Reiben und Kratzen und durch fortwäh⸗ rendes, heftiges Anſchlagen der Ohren gegen den eige⸗ nen Kopf die Heilung verhindert, und das Uebel zugleich verſchlimmert. Entſtände der Ohrwurm aus inneren 19 146 32. Ohrenkrankheiten des Hundes. Urſachen, wie ſehr häufig geglaubt wird, ſo wäre nicht wohl einzuſehen, warum faſt ausſchließlich nur Jagdhunde an der Krankheit leiden ſollten. Oft leidet nur Ein Ohr, oft werden beide Ohren ergriffen. Faſt niemals heilt die Krankheit von ſelbſt, und auch der Kunſthülfe gelingt es oft nur erſt ſpät, und mit vieler Mühe, die Heilung zu Stande zu brin— gen. Wichtig und faſt unerläßlich bei der Kur iſt es zunächſt, daß es dem Hunde unmoͤglich gemacht wird, das kranke Ohr zu reiben, zu ſcheuern oder auf ſonſtige Weiſe zu reizen. Dieſer Zweck wird dadurch erreicht, daß beide Ohren auf dem Kopfe übereinander geſchla⸗ gen, und hier durch eine Bandage feſtgehalten werden. Bei fügſamen Hunden kann man ſich der durch Fig. 9, a dargeſtellten Bandage bedienen. Häufig ſucht aber der Hund auf jede nur mögliche Weiſe ſich der Bandage zu entledigen, und dann muß dieſelbe ſo an— gefertigt werden, daß ſie der Hund nicht vom Kopfe abſtreifen kann. Zu dieſem Behufe wird recht ſtarke Leinwand in einer, der Form und Größe des Kopfes entſprechenden, Weiſe und in der Art zuſammengenäht, daß dadurch eine Art eines, an beiden Enden offenen, Sackes entſteht, welcher über den Kopf geſtreift wird. Der vordere Theil dieſer Kappe oder Haube reicht bis über die Naſe und die Mundwinkel hinaus, welche er eng umſchließt, jedoch auch nicht ſo feſt, daß das Freſſen dadurch gehindert wird; für die Augen werden zwei entſprechende runde Oeffnungen in die Leinwand geſchnitten. Das hintere Ende dieſer Kappe reicht bis zum oberen Ende des Halſes; am oberen und unteren Theile derſelben befinden ſich zwei keilförmige, mehrere Zoll lange Ausſchnitte, damit das hintere Ende der Haube über den dickeren Theil des Kopfes hinwegge— zogen werden kann. Die Zipfel der Ausſchnitte ſind mit Bändern verſehen, mit denen die Haube nach hin⸗ ten zu eng um den Hals befeſtigt wird. Die Heilmittel ſelbſt richten ſich nach dem Grade und dem Alter der Krankheit. In den gelinderen Fällen reicht es nicht ſelten zur Heilung ſchon aus, wenn der kranke Theil des Ohres täglich einigemal mit Baumöl, mit Bleiwaſſer, mit einer Auflöſung von einem Quentchen Alaun auf ein Viertel Quart Waſſer, mit einer Miſchung aus einem Quentchen Bleizucker und einem Loth Baumöl befeuchtet, oder mit grauer Merkurialſalbe eingerieben wird. Wollen dieſe Mittel nach längerem Gebrauche nicht helfen, oder iſt die Krankheit ſchon ſehr vorgeſchritten, ſo ätzt man die kranken Stellen mit Höllenſtein, Aetzkali ꝛc.; oder man brennt dieſelben mit dem Glüheiſen, oder man reibt täglich zwei bis drei Mal eine Salbe aus einem halben Quentchen rothen Präzipitat und einem Loth Schweinefett ein, oder endlich man befeuchtet den kran⸗ ken Theil mehrmals täglich mit einer Auflöſung von zehn Gran Sublimat in einem halben Quart Kalkwaſ⸗ ſer. Im Fall der Gebrauch irgend eines dieſer Mittel ſich erfolglos zeigt, muß man zu einem anderen der ange⸗ führten ſeine Zuflucht nehmen. In der Abſicht den Ohrwurm ſchnell und radikal zu heilen, hat man oft den kranken Theil der Ohrmuſchel fortgeſchnitten; die⸗ ſes kann jedoch nur in den Fällen helfen, wenn die Ohren nach der Operation durch eine Haube vor den nachtheiligen Folgen des Schüttelns und Kratzens ver⸗ wahrt werden; geſchieht dieſes nicht, ſo gelangt die Krankheit nicht zur Heilung; es bilden ſich an dem operirten Rande der Ohrmuſchel neue, ſchwielige, leicht blutende Geſchwüre, und wollte man auch dieſe entfernen, ſo könnte, da ſich abermals Geſchwüre bil⸗ den, bei den wiederholten Operationen zuletzt das ganze Ohr darauf gehen. Im Allgemeinen iſt das Wegſchneiden des Ohrwurmes nichtzu empfehlen, und dieſes um ſo weniger, als ein ſchöner Behang offen⸗ bar eine Zierde des Hundes ausmacht. In der neueren Zeit ſind einige andere Heilver⸗ fahren in Gebrauch gekommen, und ſie verdienen wohl der Empfehlung, da bei ihnen die etwas unbequeme Haube encbehrlich iſt; zwei Stücke weiches Leder, welche die Größe und Geſtalt der unteren Hälfte der Ohrmuſchel haben, werden mit geſchmolzenem Schu⸗ ſterpech meſſerrückendick beſtrichen, und auf die innere und äußere Fläche des Ohres je ein ſolches Pflaſter gelegt. Man läßt daſſelbe ſo lange ſitzen, bis es von ſelbſt abfällt. Noch beſſer als dieſes Pechpflaſter iſt ein ſcharfes Pflaſter; daſſelbe beſteht aus einem hal⸗ ben Quentchen Canthariden, eben ſo viel Euphorbium, Terpentin und Colophonium von jedem ein Loth. Mit dieſem Pflaſter, welches zuvor über Feuer flüſſig ge⸗ macht iſt, werden zwei kleine Stückchen weiches Leder, am beſten Schafleder, ziemlich dick beſtrichen, und beiderſeits auf das kranke Ohr angeklebt, jedoch auch nur auf einem wenig größeren Umfange, als die kran⸗ ken Stellen einnehmen. Das Schütteln der Ohren und die Schmerzen pflegen ſich nach der Applikation dieſes Pflaſters meiſtens ſehr bald zu verlieren; das Pflaſter fällt in acht bis vierzehn Tagen von ſelbſt ab⸗ 32. und die Haare finden ſich bald darauf, und vollſtändig, wieder ein. Sollte dann noch ein Reſt des Ohrwur⸗ mes vorhanden ſein, ſo kann das Pflaſter zum zweiten Male applicirt werden. b) Ohrengeſchwulſt. Nicht ganz ſelten ereignet ſich der Fall, daß eines der Ohren bedeutend anſchwillt, ſteif am Kopfe herabhängt, wobei der Hund den Kopf ſchief hält, das kranke Ohr ſchüttelt, mit den Füßen kratzt ꝛc. Bei näherer Unterſuchung findet man das kranke Ohr heiß und entzündet, oft zolldick angeſchwol⸗ len; die innere Haut des Ohres iſt glänzend, geſpannt und als eine pralle Blaſe emporgehoben; zwiſchen ihr und dem Ohrknorpel findet ſich eine röthliche oder gelb⸗ liche, gewöhnlich ganz klare Flüſſigkeit. Die Urſachen dieſes, für den Hund ſehr ſchmerz⸗ haften und deshalb läſtigen Fehlers, beſtehen meiſtens in Quetſchungen oder irgend einer anderen äußeren Gewaltthätigkeit, namentlich ſind die Biſſe anderer Hunde, bei welchen das Ohr gequetſcht, aber ſeine Haut nicht durchbohrt wurde, hierher zu zählen. Die Kur iſt mit keiner Schwierigkeit verbunden. Zunächſt wird die unter der Haut ergoſſene Flüſſig⸗ keit entleert, indem die geſpannte, innere Haut der Ohr⸗ muſchel durch einen Schnitt der ganzen Länge nach aufgeſchlitzt wird. Da die Ränder der Schnittwunde eine große Neigung haben, wieder zuſammen zu wach— ſen, ſo bildet ſich leicht eine neue Anſammlung von Flüſſigkeit; um dieſes zu verhindern iſt es zweckmäßig, in die Blaſe einen Querſchnitt zu machen, und von den dadurch gebildeten vier Hauptlappen mit einer Scheere die Spitzen abzuſchneiden. Die Wunde ſelbſt heilt dann ſehr leicht, auch von ſelbſt, jedoch muß dem Hunde die Haube angelegt werden. Sollte die Eiterung längere Zeit anhalten, ſo kann die Wunde mit etwas Oel, oder mit Bleiwaſſer oder mit einer Auflöſung von einem halben Loth Alaun in einem Viertel Quart Waſſer öfters befeuchtet werden. c) Ein drittes, nicht ſehr ſeltenes Ohrübel iſt der Ohrenfluß, oder das ſogenannte Stinkohr, welches gewöhnlich bei alten Hunden beobachtet wird. Auf der inneren Fläche der Ohrmuſchel, beſonders in der Tiefe derſelben, findet eine reichliche Abſonderung einer ſehr übelriechenden, eiterartigen Feuchtigkeit ſtatt; die Ohrenhaut erſcheint roth und entzündet, und drückt man das Ohr, zumal in der Nähe des Kopfes, ſo empfindet der Hund heftige Schmerzen. Oft iſt die ganze innere Fläche der Ohrmuſchel hochroth, mit Ohrenkrankheiten des Hundes. 147 Knötchen und Bläschen und einer eiterartigen Feuch⸗ tigkeit bedeckt, als wie bei der Flechte. Der Ohrenfluß iſt für den Hund in der Regel ſehr ſchmerzhaft; er winſelt und ſchreit, ſchüttelt und kratzt das Ohr c. Bei der Kur dieſes, in vielen Fällen ſchwer zu heilenden Uebels wird dem Hunde die Haube angelegt. Das Ohr wird mittelſt eines Schwammes oder wei⸗ cher, in Form eines Pinſels zuſammengelegter Lein⸗ wand durch lauwarme Milch ſo viel wie möglich ge— reinigt, worauf die kranke Haut in den gelinderen Fällen mit Baumöl oder Bleiwaſſer, oder mit der oben gedachten Alaunauflöſung täglich einige Mal be⸗ feuchtet wird. Sehr wirkſam fand ich in wiederholten Fällen das häufige Auspinſeln der innern Ohrfläche mit einer Miſchung aus einem Quentchen Bleizucker und einem Loth Baumöl. Helfen dieſe Mittel nicht, ſo paßt eine Auflöſung von Sublimat, und dort, wo der Geruch der abgeſonderten Feuchtigkeit ſehr übel iſt, bedient man ſich einer Auflöſung von einem Loth Chlorkalk in einem Viertel Quart kalten Waſſers. Das häufige Reinigen des Ohrs mit Milch oder Seifen⸗ waſſer iſt zur Heilung faſt unentbehrlich. Anmerkung. Auch bei den übrigen Hausthie⸗ ren kommen zuweilen Krankheiten der Ohren vor, jedoch weniger oft als beim Hunde. Das Rindvieh wird faſt nie von Ohrenkrankheiten befallen, und auch das Schaf nur äußerſt ſelten. Bei letzterem zeigt ſich zuweilen, zumal am Grunde des Ohres, und an der äußeren Fläche deſſelben, ein trockner, flechtenartiger Ausſchlag, bei welchem ſich auf der trockenen Haut Schuppen und dünne Borken bilden, und die Haare ausfallen. Gewöhnlich findet ſich ein ſolcher Aus⸗ ſchlag dann weiter über einen Theil des Kopfes ver⸗ breitet. Die Urſachen ſind nicht recht bekannt, doch ſcheint die anhaltende Einwirkung heißer Sonnenſtrah⸗ len dieſen Ausſchlag hervorbringen zu können. Uebri⸗ gens iſt derſelbe ohne allen weiteren Nachtheil, und er verſchwindet entweder von ſelbſt, oder durch das Beſtreichen mit Oel oder Theer. Beim Pferde kommt zuweilen am Grunde des Ohres, und an ſeiner inne⸗ ren Fläche, eine ſehr ſchmerzhafte Entzündung vor, welche nicht ſelten in eine ſehr hartnäckige Fiſtel über⸗ geht. Das Pferd hält das kranke Ohr ſteif und etwas geſenkt, und neigt den Kopf etwas auf die kranke Seite. Es finden ſich Hitze und eine oft ſehr beträchtliche Ge⸗ ſchwulſt am Ohre; inwendig findet die Abſonderung einer jauchigen, ſehr übelriechenden Flüſſigkeit ſtatt, 148 welche die Haut anätzt. Hat die Krankheit ſchon ſehr lange gedauert, ſo kann ſelbſt der Ohrknorpel ange⸗ griffen und durchfreſſen werden, wo dann eine hart⸗ näckige Fiſtel entſteht. Gefahr iſt mit dem Uebel nicht verbunden, nur iſt daſſelbe in ſofern unangenehm, als das Pferd mehr oder weniger, oft ſehr bedeutende Schmerzen leidet, dabei kopfſcheu werden kann ꝛc. Die Urſachen ſind in der Regel Quetſchungen aller Art, z. B. durch die Bremſe, durch die Zange der Schmiede, durch Hiebe mit dem Peitſchenſtiel ꝛc. Die Kur iſt einfach. Zuerſt wird das Ohr, wie beim Ohrenfluß des Hundes, gereinigt; findet ſich unter der Haut an⸗ geſammelte Flüſſigkeit, ſo wird ein Einſtich in das Ohr gemacht, um Flüſſigkeiten ausfließen zu machen. Da hierbei nicht gut zu dem Inneren des Ohres zu gelangen iſt, ſo wird der Einſtich von außen durch das Ohr gemacht, welches unbedenklich geſchehen kann. Zur weiteren Kur kann man ſich dann ganz derſelben Mittel bedienen, wie bei dem Ohrenfluß des Hundes. Häufiger als beim Pferde und bei Rindern und Scha⸗ fen kommen Krankheiten an den großen und dicken Ohren des Schweines vor. Durch anhaltende Ein⸗ wirkungen heißer Sonnenſtrahlen, durch den Biß der Hirtenhunde, durch Dornen oder andere ſpitzige Kör⸗ per entſtehen im Sommer ſehr oft Riſſe und Ver⸗ letzungen in der Haut der Ohren. Während derglei⸗ chen kleine Verwundungen an und für ſich leicht heilen würden, geſchieht dieſes jedoch oft deshalb nicht, weil verſchiedene Inſekten, namentlich Fliegen, ihre Cier in die Wunden legen, aus denen ſich Maden entwickeln, welche von den abgeſonderten Feuchtigkeiten in der 33. Blutſeuche der Schafe. Wunde leben. Dieſe Maden unterhalten eine nach⸗ theilige Reizung, bei der die Heilung nicht erfolgen kann; das Schwein wird dadurch ſehr beläſtigt, es ſchüttelt die Ohren oft, reibt dieſelben an allerlei Ge⸗ genſtänden ꝛc. Das ganze Ohr entzündet ſich dann nicht ſelten, und ſchwillt beträchtlich an. Die Kur iſt ſehr einfach; man reinigt das Ohr mit Seifenwaſſer, und beſtreicht die Wunden zuweilen mit Theer, oder Hirſchhornöl, oder mit einer Auflöſung von zwei Loth Chlorkalk in einem halben Quart Waſſer;z dadurch werden die Maden getödtet. Iſt das Ohr ſehr ſtark entzündet, und auf großen Flächen wund und näſſend, ſo kann man zwei Loth Alaun oder blauen Vitriol in einem Quart Waſſer auflöſen, und das ganze Ohr täglich vier bis ſechs Mal damit befeuchten; das öftere Beſtreichen mit einem Loth Bleizucker in vier Loth Rüböl leiſtet noch beſſere Dienſte. Im Fall das Ohr ſehr leiden ſollte, wird es paſſend ſein das Schwein der Einwirkung heißer Sonnenſtrahlen, ſo viel wie möglich, zu entziehen. Manchmal entſtehen auch in den Ohren der Schweine Knoten, welche in ihrem Inneren eine blutige Feuchtigkeit enthalten; unter Umſtänden gehen dieſe Knoten in tiefe, freſſende Ge⸗ ſchwüre über. Zur Heilung derſelben iſt nichts weiter erforderlich, als die Knoten durch einen Einſchnitt zu öffnen, den Inhalt dadurch zu entleeren, und etwas Theer auf die Wunde zu ſtreichen. Erfolgt hiernach etwa keine Heilung, ſo wendet man eines der vorher angegebenen Mittel an. Iſt das Ohr von tiefen Ge⸗ ſchwüren ſehr befallen, ſo ſchneidet man den kranken Theil deſſelben ab. 33. Dieſe, auch mit dem Namen Erdſturz, Blutſchlag, Blutkrankheit, rothes Feuer, St. Antoniusfeuer, Milz⸗ blut, Teufelsſchuß belegte Krankheit iſt, wo ſie er— ſcheint, oft ſehr mörderiſch, und in faſt allen Ländern Europas bekannt. Sie ſtellt eine Art des, an anderen Orten weiter beſchriebenen, Milzbrandes dar, und kommt in manchen Jahrgängen und in manchen Jah⸗ reszeiten öfterer vor, als in anderen. Auch machen Blutſeuche der Schafe. die klimatiſche Lage und die ſonſtige lokale Beſchaffen⸗ heit einen großen Unterſchied in der Häufigkeit ihres Vorkommens. Während ſie z. B. im nördlichen Deutſchland— ſo auch hier in der Provinz Weſtpreu⸗ ßen— im Allgemeinen nur ſelten und auch faſt nie als Heerdekrankheit erſcheint, leiden andere Gegenden und Länder ungleich mehr von ihr. In Schleſien und Niederſachſen kommt ſie in Deutſchland vielleicht 33. Blutſeuche der Schafe. am häufigſten vor, beſonders im Magdeburgiſchen, wo z. B. nach einer genauen ſtatiſtiſchen Berechnung, ſeit einer beträchtlichen Reihe von Jahren von den auf zwölf Gütern befindlichen ſechs und zwanzigtauſend Schafen jährlich fünftauſend Stück an der Blutſeuche krepiren, wodurch alljährlich ein Verluſt von mehr als zwanzigtauſend Thalern entſteht. Von den Schafen der, an den Ufern der Theiſſ und Donau gelegenen Beſitzungen eines Ungariſchen Magnaten ſollen, nach einer mir gemachten, mündlichen Mittheilung, jährlich gegen zehn⸗bis zwölftauſend Schafe an der Blutſeuche krepiren, und in der Schottiſchen Grafſchaft Argyleſhire gehen von ſiebenhundert tauſend Schafen jährlich ſieb⸗ zigtauſend Stück an dieſer Krankheit zu Grunde. Die⸗ ſelbe iſt zwar ſeit ſehr langer Zeit bekannt, und auch früher bei gemeinen Landſchafen beobachtet worden, ſcheint aber in neuerer Zeit, und ſeit Einführung ver⸗ edelter Schafe, häufiger und mörderiſcher zum Vor⸗ ſcheine zu kommen. Die Krankheit entſteht in der Regel plötzlich, und ohne daß dem Schafe zuvor irgend ein Uebelbefinden anzumerken wäre; daſſelbe frißt mit Appetit, iſt kräf⸗ tig und munter, zeigt eine geſunde Hautfarbe und überhaupt alle Zeichen einer ungetrübten Geſundheit. Mit einem Male zittert daſſelbe über den ganzen Kör⸗ per, läßt plötzlich vom Freſſen, ſtellt die Füße weit auseinander, taumelt und ſchwankt im Gange, rennt bewußtlos an verſchiedene Gegenſtände an, ſtürzt zu Boden, knirſcht mit den Zähnen und holt überaus ſchnell und angeſtrengt Athem. Die Augen ſind gerö⸗ thet, glänzend, aus den Augenhöhlen hervorgedrängt, und reizlos gegen die Eindrücke des Lichtes; die Schleim⸗ häute des Maules erſcheinen blutroth, Miſt und Urin gehen unwillkührlich ab, Erſterer nicht ſelten mit Blut überzogen, Letzterer mehr oder weniger von Blut ge⸗ röthet; es ſtellen ſich Krämpfe und Zuckungen ein, bei denen das Thier mit den Beinen umherſchlägt, und Hals und Kopf nach rückwärts dreht; das Athemholen iſt oft röchelnd, und ein blutiger Schaum zeigt ſich vor dem Maule. Ein ſolcher Anfall dauert oft nur fünf bis zehn Minuten, und unter demſelben erfolgt der Tod; beſonders gilt dieſes von jüngeren Schafen; ältere und kräftigere erleben nicht ſelten mehrere An⸗ fälle, worauf ſie erſt nach einigen Stunden krepiren. Nach dem Anfalle zeigt das Schaf eine allgemeine Mattigkeit und Abſpannung, Ohren und Füße ſind kalt, und es iſt Bewußtloſigkeit vorhanden. Der 149 Krankheitsanfall iſt, wie ſchon erwähnt, in der Regel urplötzlich; während das Schaf, ſcheinbar noch völlig geſund, frißt, taumelt daſſelbe, fällt um und krepirt; ſanft, oder häufiger unter Zuckungen. Des Nachts überraſcht das Uebel das Schaf im Schlafe, ſo daß es am andern Morgen nicht ſelten in der ſchlafenden Lage todt gefunden wird. Nimmt die Krankheit einen langſameren Verlauf, wie oben angegeben wurde, ſo bleibt das Schaf auf der Weide hinter der Heerde zu⸗ rück, ſenkt den Kopf tief zu Boden, geht matt und abgeſpannt, hängt die Ohren, der Hals ſchwillt ſicht⸗ bar an, die Blutgefäße der Augen ſind ſtrotzend mit ſehr dunklem Blute angefüllt, die Schleimhäute des Maules erſcheinen blauroth; der abgehende Miſt iſt hart, und mit blutigem Schleim überzogen, es finden ſich klebrige Schweiße von ſehr üblem Geruch ein. Endlich ſchwankt das Schaf, fällt um, wird von Zuckungen befallen, bei denen häufig aus Naſe, Maul und After Blut fließt. Das etwa aus der Ader ge⸗ laſſene Blut fließt leicht aus, und iſt von ſchwarzrother Farbe. Bei dieſem langſameren Verlaufe erfolgt der Tod zuweilen erſt nach einem bis drei Tagen, ſehr ſelten ſpäter. Bei manchen Stücken entſtehen beim Eintritt der Krankheit an verſchiedenen Stellen der Haut, beſonders an jenen, wo dieſelbe nur ſpärlich mit Wolle beſetzt iſt, und deshalb unterm Bauche, am Euter und an der inneren Fläche der Schenkel, rothlaufartige Flecken, welche Anfangs kleine Knoten darſtellen, welche ſich ſehr raſch auf große Flächen der Haut verbreiten. Die ergriffene Haut iſt Anfangs roth, wird aber ſehr bald violett oder blauroth; ſie ſchwillt etwas an und erſcheint hier und da mit kleinen Bläs⸗ chen beſetzt, welche eine wäſſerige Flüſſigkeit enthalten. Dieſe rothlaufige Form der Blutſeuche heißt laufendes, heiliges oder St. Antoniusfeuer, auch brandiger Roth⸗ lauf. Der Verlauf der Krankheit iſt etwas langſamer, doch iſt dieſelbe nicht minder gefährlich, und ſie tödtet meiſt in zwölf bis vierundzwanzig Stunden, oft aber auch in wenigen Stunden, ja mitunter ſogar faſt auf der Stelle. Es bedarf wohl kaum der Erwähnung, daß nicht bei jedem Kranken alle oben angegebene Krankheitszu⸗ fälle zum Vorſchein kommen; die Krankheit tödtet oft ſo überaus ſchnell, daß nur einige der beſchriebenen Zeichen zur Ausbildung gelangen. Deſſenungeachtet iſt die Blutſeuche, zumal wenn ſie bei mehreren Stük⸗ ken gleichzeitig oder kurz nach einander eintritt, ziemlich 150 33. leicht als ſolche zu erkennen, denn es giebt kaum eine andere Krankheit, welche hier eine Verwechſelung zu⸗ ließe. Zwar könnte die Trommelſucht oder das Auf⸗ blähen, wegen einer ziemlichen Aehnlichkeit der Symptome beider Krankheiten, allenfalls zu einer Verwechſelung führen; leicht jedoch wird hier jeder Zweifel durch die Betrachtung der Urſachen, durch die Ergebniſſe der Sektion und durch manche andere, ſpä⸗ ter anzugebende, weſentliche Verſchiedenheit beider Krankheiten beſeitigt werden. 4 Der Cadaver der an der Blutſeuche krepirten Schafe geht ungemein leicht in Fäulniß über; kurz nach erfolg⸗— tem Tode blähet ſich der Bauch ſtark auf, es ſtellt ſich ſchnell ein aashafter Geruch ein, aus After, Naſe und Maul fließt häufig ein dünnes, ſehr dunkles Blut. In vielen Fällen findet man die Haut an verſchiedenen Stellen, beſonders unter dem Halſe und der Bruſt von blaurother Farbe. Unter der abgezogenen Haut findet ſich an verſchiedenen Stellen ausgetretenes, ſchwarz⸗ rothes Blut, und das Blut in den Adern erſcheint nicht, wie nach anderen Todesarten, geronnen, ſon⸗ dern flüſſig und in Farbe und Anſehen dem Theer ähnlich. Das Fleiſch iſt welk, blauroth und mürbe. Die Bauchhöhle und die Gedärme ſind mit ſtinkender Luft angefüllt, wodurch der Bauch tonnenartig aus— gedehnt erſcheint, in der Regel findet ſich in der Bauch⸗ höhle mehr oder weniger eines blutigen Waſſers, oder auch reines Blut. Die Gedärme ſind dunkelroth, faſt ſchwarz, und, wie alle Eingemeide, mit Blut über⸗ füllt. Lungen und Nieren ſind welk, mürbe und dunkelroth; die Blaſe enthält blutigen Urin, und in der Luftröhre findet ſich ein blutiger, ſchaumiger Schleim. Die poſitiven Urſachen der Blutſeuche ſind bisher nur ſehr ungenügend erforſcht worden; faſt Alles er— ſcheint in dieſer Rückſicht dunkel und mit einem dichten Schleier umhüllt. Indeſſen iſt es doch gelungen, wenigſtens die Beſchaffenheit der verſchiedenen äußeren Umſtände zu ermitteln, unter deren Einfluſſe dieſe Seuche am häufigſten eintritt. Was zunächſt die Diſpoſition zu dieſem Uebel an⸗ langt, ſo gehört hierher vor Allem der Zuſtand der Voll⸗ und Dickblütigkeit. Deshalb werden auch alle⸗ mal die gut genährten, fetteſten und kräftigſten Stücke der Heerde zuerſt befallen, und die Krankheit erſcheint auch faſt nur in gut genährten, kräftigen und geſunden Heerden. Je fetter die Weiden und je höher der Boden, Blutſeuche der Schafe. auf welchem die Schafe ernährt werden, in Kultur ſteht, deſto häufiger pflegt die Krankheit im Allgemei⸗ nen einzutreten; daher ſo häufig auf den grasreichen und üppigen Weiden an den Ufern der Theiſſ und der Donau, und in der in hoher Bodencultur ſtehenden Gegend um Magdeburg. Ganz überwiegende Anlage zur Blutſeuche entſteht vorzugsweiſe dadurch, wenn bisher nur ſpärlich gefütterterte und magere Schafe ſo⸗ gleich in großer Menge fettes, ſehr nahrhaftes Futter bekommen, ſo daß ſehr raſch der Zuſtand der Voll⸗ blütigkeit bei ihnen eintritt. Heerden, die ſtets ſchwach ernährt werden, werden nicht ſo leicht von der Krank⸗ heit befallen. Eine andere zur Vollblütigkeit, und dadurch zur Blutſeuche diſponirende Urſache iſt der Mangel an hinreichender Bewegung; deshalb erſcheint die Seuche öfterer in Heerden, welche auf fetten aber zugleich wenig ausgedehnten Weiden gefüttert werden, als dort, wo ein ausgedehntes Weideterrain den Schafen eine größere Gelegenheit zur Bewegung verſchafft; auch der Mangel an Bewegung der Schafe, welche im Winter fortwährend im Stalle gehalten werden, iſt hierher zu rechnen. Was die Qualität der Futterſtoffe ſpeciell anlangt, ſo ſcheint die ſehr reichliche Fütterung mit Geſöff aus Gerſtenſchrot, Hülſenfrüchten, Brannt⸗ weinſchlempe, Körnern aller Art, jungem Klee, Kohl und anderen Blattgewächſen, Kleeheu, die Stoppel⸗ weide ꝛc. eine beſondere Anlage zu der Seuche zu geben. Mangel an Trinkwaſſer, beſonders in heißen Som⸗ mertagen, große Hitze, ſchwüle Gewitterluft, Hitze der Ställe, anhaltende Einwirkung der Sonnenſtrah⸗ len, anhaltendes und raſches Treiben, und das Hetzen der Heerde bei heißem Wetter; dann Dünſte auf feuch⸗ ten und überſchwemmt geweſenen Weiden, Sumpfluft, verdorbenes Trinkwaſſer, beſonders Waſſer, in wel— chem Flachs geröſtet wurde, verdorbenes Futter aller Art, dumpfiges und ſchimmliches Rauchfutter, ange⸗ faulte Kartoffeln, Rüben und andere Knollengewächſe, von Mehlthau, Roſtbrand(Puecinia graminis) oder ſonſt befallenes Futter ſcheinen bei der Entſtehung der Krankheit einen entſchieden nachtheiligen Einfluß aus⸗ zuüben. Bei alledem ſcheinen alle dieſe Schädlichkei⸗ ten nicht unmittelbar die Seuche hervorbringen zu können; oft wirkt ein größerer oder geringerer Theil derſelben auf eine Schafheerde ein, ohne daß die Krankheit zum Ausbruche käme, während ſie dagegen 33. Blutſeuche der Schafe. nicht ſelten unter Umſtänden erſcheint, wo faſt gar keine der genannten Schädlichkeiten eingewirkt haben. Es muß daher wohl noch ein unbekanntes Etwas hin⸗ zutreten; vielleicht iſt dieſes in der lokalen Atmoſphäre, in der topographiſchen Lage, in der elektriſchen Be⸗ ſchaffenheit der Luft, in Erkältung, oder in anderen Einflüſſen begründet; wahrſcheinlich concurriren hier⸗ bei mehrere Urſachen vereint. Bis jetzt iſt es noch Niemandem gelungen, dieſes Problem genügend auf⸗ zuklären. Kein Lebensalter ſichert gegen die Krankheit; es können die zarteſten Lämmer und die älteſten Schafe befallen werden. Junge Schafe ſind jedoch weit mehr zu der Krankheit diſponirt, als ältere. Eben ſo kann dieſelbe zu allen Jahreszeiten vorkommen; im Som⸗ mer, wie im Winter. Im Allgemeinen herrſcht die⸗ ſelbe indeſſen ohne Vergleich am häufigſten in den heißen Monaten; gewöhnlich tritt ſie im Mai ein, erreicht im Juli, Auguſt und September ihre größte Ausbreitung, und verliert ſich dann in den folgenden Monaten. Manchmal hält ſie ſich aber auch jahre⸗ lang in einer Heerde oder in einer ganzen Gegend hin, obgleich nicht zu allen Jahreszeiten mit gleich ſtarker Ausbreitung und Heftigkeit. In ganz neuerer Zeit hat ſich beſonders der De— partements⸗Thierarzt Hildebrandt zu Magdeburg um die nähere Kenntniß der Blutſeuche der Schafe verdient gemacht, und ſeine mit Umſicht und vielem Fleiße gemachten Beobachtungen in einer kleinen Schrift niedergelegt, welche wohl das Beſte ent— hält, was bisher in dieſer Hinſicht durch Druckſchriften über die Blutſeuche der Schafe bekannt geworden iſt. Bei der Wichtigkeit des Gegenſtandes wird es nicht überflüſſig ſein, hier anzugeben, unter welchen Ver⸗ hältniſſen Hildebrandt die Blutſeuche am verheerend⸗ ſten auftreten ſah. 1) Während der heißen Jahreszeit. Wenngleich auch im Winter einzelne Erkrankungen vorkommen, ſo gehört die Blutſeuche vorherrſchend doch dem Som⸗ mer an, indem überall die meiſten Erkrankungen in den Monaten Juli, Auguſt und September beobachtet worden ſind, was beſonders bei lange ausdauernder Hitze und Dürre, vorzugsweiſe aber bei ſchwüler Luft und ſtarker elektriſcher Spannung der Atmoſphäre vor Gewittern, der Fall war. 2) Auf den im beſten Kulturzuſtande befindlichen Gütern mit einem lockeren, warmen, ſehr humusrei⸗ 151 chen, durchlaſſenden Boden, auf welchem zwar leicht die Vegetation durch Hitze und Dürre leidet, nach der Erfriſchung durch Regen aber bald wieder in üppiger Fülle daſteht. 3) In tief liegenden Thälern, in welchen ſich Flüſſe und Bäche befinden, wo der Luftzug gering, die Atmoſphäre mit aufſteigenden Dünſten geſchwängert iſt, und die an den Bergabhängen abgleitenden, ſich am Thalgrunde concentrirenden Sonnenſtrahlen, ohne daß irgend eine Abkühlung durch Wind oder Luftzug ſtattfindet, unausgeſetzt auf die Thierkörper einwirken. 4) Die Krankheit zeigt ſich verheerend auf Gütern mit ungleichem Grund und Boden, wo die Pflanzen auf den Höhen leicht durch Hitze und Dürre vertrock⸗ nen, während in den Thälern noch eine üppige Vege— tation ſtattfindet, oder nach Regen ſchnell entſteht. 5) Sie kommt vorzugsweiſe auf Gütern vor, wo die Pflanzen ſehr am Befallen leiden. 6) Sie zeigt ſich aber auch auf Gütern mit ſehr leichtem, ſandigem Boden, der durch Regengüſſe fort⸗ geſchwemmt wird, und die einzelnen auf denſelben be⸗ findlichen Grasraſen verſchlemmt; wo das Terrain durch Vertiefungen coupirt iſt, die durch Abzugsgräben trocken gelegt werden müſſen, wo alſo ſelbſt bei Hitze und Dürre noch eine üppige Vegetation ſtattfindet, während die Pflanzen auf der ſandigen Höhe beinahe ſämmtlich vertrocknet ſind. 7) Sie befällt häufig Schafe, welche auf Weiden gehen, die periodiſch unter Waſſer geſetzt werden. 8) Sie befällt häufig Vieh, welches ſich nach vorhergegangener Magerkeit ſchnell erholt hat. 9) Der übermäßige Genuß ſtark blähender, ſehr ſaftreicher Futterſtoffe verurſacht die Krankheit ſelbſt in ſolchen Heerden, wo ſie ſonſt ſelten oder nie vorkommt. 10) Bei ſtarkem Körnerfutter und übermäßiger Verabreichung von Kleeheu brach die Krankheit allge⸗ mein, ſelbſt zur Winterzeit, aus. 11) Daſſelbe geſchah, wenn die Schafſtälle zu warm gehalten wurden. 12) Eben ſo veranlaßten Erkältungen, während des Sommers nach Gewittern, beſonders dann, wenn die Atmoſphäre ſich bei Hagelſchauern ſtark abkühlte; Erkältungen bei der Wäſche, beim Schwemmen der Schafe, im Hordenlager, wann Tags vorher der Erd⸗ boden von Regen durchnäßt war, den Ausbruch der Krankheit. 15² 13) Das Einathmen von Sumpfluft in der Nähe von Brüchen vermehrte die Zahl der Erkrankungen. 14) Das jugendliche Alter bis zum vierten Jahre ſcheint vorzugsweiſe zur Krankheit zu diſponiren. 15) Die Krankheit befällt gewöhnlich die fetteſten und vollſaftigſten Stücke der Heerde. Dagegen beob⸗ achtet man eine Abnahme oder gänzliches Aufhören der Krankheit unter folgenden Verhältniſſen: a) In der kalten Jahreszeit kommen wenig oder gar keine Erkrankungen vor. Bei anhaltend kühler Witterung während des Sommers vermindert ſich die Zahl der Erkrankungen, und anhaltendes Regenwetter tilgte die Seuche gänzlich. b) Bei vollſtändiger trockener Fütterung eines Theils der Heerde auf dem Stalle ereignete ſich kein einziger Erkrankungsfall, während die Seuche bei dem auf die Weide gehenden Vieh fortwüthete. Nimmt man das Vieh von der Weide auf den Stall, ſo ver⸗ mindert ſich die Zahl der Erkrankungen, und zuletzt hört die Krankheit ganz auf. Eben ſo verminderte ſich die Zahl der Erkrankungen, wenn die Heerde von üppiger Weide auf magere, aus dem Thale auf die Höhen, oder auf wenig Nahrungsſtoff enthaltende, ſauere Weiden gebracht wurde. Ueberhaupt brachte jede Veränderung der Weide eine Abnahme der Krank⸗ heit, oder gänzliches Aufhören derſelben, wenigſtens für ſo lange zu wege, bis ſich das Vieh an die Eigen⸗ thümlichkeit der neuen Weide gewöhnt hatte, und die durch das Ungewohnte derſelben bewirkte Störung in der Verdauung und Ernährung ſtattfand. Daher denn auch das Abhüten des Kartoffelkrautes, wonach weiches Miſten entſteht, für eine Zeit hindurch ſich als wohlthätig bewährt. c) Alte Schafe, oder magere Stücke, erkranken ſel⸗ tener an der Blutſeuche, als junge oder fette. Die vorſtehenden Angaben des Herrn Hildebrandt ſind das Reſumé ſeiner, im amtlichen Auftrage unter⸗ nommenen, Unterſuchungen, und dürfen daher als unzweifelhafte Thatſachen angeſehen werden. Sie geben höchſt wichtige Aufſchlüſſe über die vorbereiten⸗ den ſowohl, als die näheren Urſachen der Blutſeuche, ſo wie nicht minder zugleich über die beſten allgemei⸗ nen Mittel der Krankheit vorzubeugen oder ſie zu tilgen. Wiee bei allen ſeuchenhaft erſcheinenden Krankhei⸗ ten entſteht auch bei der Blutſeuche die wichtige Frage: kann ſich dieſelbe durch Anſteckung weiter verbreiten, 33. Blutſeuche der Schafe. oder nicht? Impft man ein geſundes Schaf mit dem Blute oder mit andern Säften eines an der Blutſeuche leidenden oder krepirten Schafes, ſo erfolgt faſt alle⸗ mal eine tödtliche Anſteckung. Auf dieſe Weiſe kön⸗ nen Hunde, welche von den Cadavern der an der Blutſeuche krepirten Schafe freſſen, anderen Schafen die Krankheit durch den Biß mittheilen; die Hunde ſelbſt leiden in der Regel dabei nicht.— Auch auf Menſchen kann die Krankheit übergehen, wenn etwas von dem Blute oder von anderen Theilen des kranken Schafes mit einer Verletzung oder vielleicht auch nur mit der unbeſchädigten Haut in Berührung kommt; vielleicht wird die Krankheit zuweilen auch durch In⸗ ſektenſtiche auf den Menſchen übertragen. Auf einem Gute im Magdeburgiſchen ſtarben drei Schäfer durch erlittene Anſteckung. Ob die Krankheit ſich durch die Luft, durch den Athem, die Ausdünſtung ꝛe. auf an⸗ dere Schafe ausbreiten kann, iſt bisher noch nicht er⸗ mittelt, jedoch wenig wahrſcheinlich; Pferde und Zie⸗ gen, welche zufällig Felle der an der Blutſeuche kre⸗ pirten Schafe berochen hatten, verfielen in dieſe Krank⸗ heit. Ob dieſes aber durch die Ausdünſtung der Felle bewirkt wurde, oder ob nicht die angeſteckten Thiere Naſe und Maul mit dem Blute dieſer Felle beſudelt hatten, und dadurch angeſteckt wurden, bleibt unent⸗ ſchieden. Bei ſolcher bedenklichen Alternative iſt jedenfalls die höchſte Vorſicht, zumal in Bezug auf Menſchen, anzuempfehlen. Von einer Kur der Krankheit kann im Allgemeinen nicht die Rede ſein, denn der Verlauf der Krankheit iſt in der Regel ſo ungemein ſchnell, daß jede Kunſt⸗ hülfe zu ſpät kommt, und ſelbſt in den Fällen, wo die Krankheit einen etwas zögernden Gang nimmt, richtet der Arzt gewöhnlich nichts aus. Das Uebel hat eine entſchieden mörderiſche Tendenz, und zeigt ſich daſſelbe einmal bei einem Individuum, ſo iſt daſſelbe faſt gewiß verloren. Die weſentliche und faſt alleinige Aufgabe bleibt daher, die Diſpoſition zu der Krankheit ſo viel wie möglich zu verringern, und alle die Schädlichkeiten möglichſt fern zu halten, welche hier im größeren oder geringeren Grade Verdacht erre⸗ gen. Dieſe unter allen Umſtänden gültige Regel gilt vorzugsweiſe dann, wenn die Blutſeuche bereits in der Heerde, oder in Nachbarheerden herrſcht, oder auch wenn bei anderem Vieh, beſonders beim Rindvieh und Schweinen, der Milzbrand ſich zeigt. In Betreff der Fütterung, welcher Umſtand von 33. beſonderer Wichtigkeit iſt, muß große Vorſicht beob⸗ achtet werden. Der Uebergang von der Winterfütte— rung zum Weidegange darf nur allmälig geſchehen; die Schafe erhalten vor dem Austreiben erſt etwas Rauchfutter, am beſten Stroh, damit ſie nicht ſehr hungrig auf die Weide kommen, und hier nicht zu haſtig freſſen. Fette und graßreiche Weiden werden wo möglich ganz vermieden, überhaupt iſt Sorge zu tragen, daß die Schafe nicht zu reichlich ernährt wer⸗ den, weil dieſes den vollblütigen Zuſtand und dadurch die Neigung zu der Blutſeuche ſteigert. Iſt das Be⸗ hüten fetter Weiden, aus Mangel an hinreichendem anderem Futter nicht gut zu vermeiden, ſo dürfen die Schafe doch nur ganz kurze Zeit auf dergleichen Wei— den getrieben werden. Nie dürfen die Schafe im dick⸗ gehüteten Zuſtande Abends in den Stall getrieben werden; es iſt ſogar beſſer die Schafe mitunter zwölf Stunden lang ganz faſten zu laſſen, als ſie ſehr reich— lich zu füttern. Man wähle abwechſelnd beſſere und magere Weiden zum Hüten der Schafe. Das nächt⸗ liche Liegen derſelben unter freiem Himmel und in Horden iſt gut, doch paßt dieſes nicht gleich nach der Schur, und wenn der Erdboden etwa ſehr naß von Regen iſt, weil dadurch eine, der Krankheit förderliche, Erkältung leicht zu entſtehen pflegt. Unter ſolchen Umſtänden werden die Schafe des Nachts lieber in den Stall getrieben, deſſen Fenſter und Thüren offen ſtehen müſſen, damit Luftzug und Kühle herrſcht. Stoppelfelder, Klee, Luzerne ꝛc. müſſen ſtets mit gro⸗ ßer Vorſicht und nur kurze Zeit hindurch behütet wer⸗ den. Kartoffelkraut, Kartoffeln und anderes Saft⸗ futter ſind paſſend, auch etwas Hafer mit Kochſalz, verdünnte und nicht zu warme Branntweinſchlempe. Feuchte, ſumpfige und überſchwemmt geweſene Weiden dürfen nicht früher behütet werden, als bis ſie gehörig ausgetrocknet ſind, auch ſind von Mehlthau oder an⸗ ders befallene Pflanzen ſorgfältig zu vermeiden, be⸗ ſonders auch Diſteln, welche vorzugsweiſe leicht befal— len zu werden pflegen. Das Tränkwaſſer muß rein, möglichſt reichlich und kühl ſein; das durch die Son⸗ nenhitze erwärmte, oder ſchlammiges, verdorbenes Waſſer iſt ſchädlich, und auch noch ganz beſonders Waſſer, worin Flachs geröſtet wurde. In heißen Sommertagen ſorge man für Quell⸗ oder Brunnen⸗ waſſer. Des Morgens dürfen die Schafe nicht eher ausgetrieben werden, bis Thau und alle Feuchtigkeit der Gewächſe völlig abgetrocknet ſind, welches weit Wagenfeld Encyel. Blutſeuche der Schafe. 153 weniger durch eine beſtimmte Zeit, als durch die Be— ſchaffenheit des Wetters bedingt wird. Bei heißer, beſonders ſchwüler Gewitterluft, iſt alles ſchnelle und weite Treiben der Schafe, das Hetzen mit dem Schä— ferhunde ꝛc. ſo viel wie möglich zu vermeiden; das Treiben der Hunde muß ſo viel wie möglich ſtets gegen den Wind geſchehen. In den Mittagſtunden ſorge man für einen ſchattigen, möglichſt kühlen Unterſtand für die Schafe. Regen, der die Schafe trifft, iſt gut; hält er lange an, ſo hört die Seuche faſt allemal auf. Im Winter dürfen die Schafe nicht zu reichlich ernährt werden, das Futter muß nicht zu maſtig, ſon⸗ dern eher mager und dürftig ſein; Heu und Körner in großer Menge ſind zu vermeiden; eben ſo befallenes Rauchfutter, beſonders befallenes Erbſenſtroh. Die Temperatur des Stalles muß ungefähr 10 Grad Reau⸗ mur betragen. Auch im Winter iſt einige Bewegung der Schafe gut; können ſie nicht auf Winterſaaten getrieben werden, ſo werden ſie täglich eine halbe oder ganze Stunde lang umhergetrieben. Da die Erfah⸗ rung lehrt, daß tragende Mutterſchafe ſelten an der Blutſeuche leiden, ſo verlege man die Lammzeit auf den Sommer, weil die Krankheit in den Sommermo— naten am ſtärkſten und verderblichſten herrſcht. Bei der Schur laſſe man den Schafen an den Köpfen die Wolle, damit die heißen Sonnenſtrahlen nicht zu heftig auf den Kopf einwirken können. Iſt die Krankheit in einer Heerde ſchon ausgebro⸗ chen, ſo müſſen, außer den angeführten, noch nachſte⸗ hende Regeln beobachtet werden. Ueberaus nützlich als Präſervativmittel— mit einer Kur der ſchon aus⸗ gebrochenen Krankheit kann man ſich kaum mit einiger Hoffnung befaſſen— ſind die kalten Begießungen; es wird mittelſt einer Feuerſpritze, an deren Röhre das Sieb einer Gießkanne befeſtigt iſt, möglichſt kal⸗ tes Waſſer eine halbe Stunde oder ſo lange auf die Schafe geſpritzt, bis ſie überall durchnäßt ſind. Man⸗ gelt eine Feuerſpritze, ſo bedient man ſich einer ge⸗ wöhnlichen Gießkanne, mit der jedes Schaf einzeln begoſſen wird. Dieſes Verfahren iſt allerdings etwas umſtändlich, aber dafür entſchädigt daſſelbe auch durch den vorzüglichen Erfolg ſeiner Anwendung. Solche kalte Begießungen werden oft, und mindeſtens einmal täglich, wiederholt. Auch das häufige Eintreiben der Schafe in recht kaltes Waſſer iſt heilſam. Tritt Regen ein, ſo entziehe man die Schafe ſeiner Einwirkung nicht, ſondern ſetze ſie vielmehr dem Nenen aus, und 154 34. Kol i k. zwar ſo lange derſelbe nur immer anhalten mag. Als äußerliches Mittel ſoll die weiße Nießwurz ganz vor— zügliche Dienſte leiſten; ich habe über ihre Wirkung keine eigenen Erfahrungen gemacht, aber es wurde mir von einem eben ſo erfahrenen als intelligenten Thierarzte die Mittheilung gemacht, daß dieſes Mittel von überaus günſtigem Erfolge ſei, indem es dem Ausbruche der Krankheit ſicherer vorbeuge als irgend ein anderes bekanntes Mittel, und ſelbſt bei erfolgtem Ausbruche der Krankheit noch manchmal eine Gene— ſung herbeiführe. Es wird ein Stück der genannten Wurzel, etwa zehn bis zwanzig Gran ſchwer, in eine kleine, vor die Bruſt in die Haut zu ſchneidende Oeff⸗ nung gebracht; in kurzer Zeit entſteht hiernach, nach Art eines Fontanells, eine ſtarke Anſchwellung, welche von den heilſamſten Folgen ſein ſoll. Die Wurzel bleibt vier bis ſechs Wochen unter der Haut liegen. Sehr gut genährten Stücken entzieht man ein Viertel⸗ bis ein halbes Pfund Blut, und zwar mit entſchiedenem Erfolge. Von Zeit zu Zeit, etwa jeden achten Tag, erhält jedes Schaf ein halbes Quentchen Salpeter, ein halbes Loth Weinſtein, und zwei bis drei Loth Glauberſalz, auch iſt es gut, jedem Schafe täglich ein Loth Chlorwaſſer, oder ſtatt deſſen ein Quentchen Chlorkalk unter das Trinkwaſſer zu ſchütten. Das reichliche Füttern von Kochſalz ſcheint mehr zu ſchaden, als zu nützen, dagegen iſt Trinkwaſſer, welches durch Eſſig oder Schwefelſaͤure ſchwach geſäuert wurde, vor⸗ theilhaft. Wechſel der Weide, Wechſel der bisheri⸗ gen Fütterungsweiſe und des Aufenthaltortes ſind in der Regel ſehr zu empfehlen. Die Dispoſition zu der Blutſeuche ſcheint ſich fort⸗ zuerben; iſt die Krankheit daher ungewöhnlich oft und ſehr anhaltend in einer Heerde zugegen, ſo darf unter ſolchen Umſtänden vielleicht das Opfer der Anſchaf⸗ fung einer anderen Heerde, gegen den möglichen Nutzen der dadurch entſteht, nicht geſcheuet werden. 34. Kolik. — 1) Kolik— Darmgicht, Bauchgrimmen, Fiebel, Feifel— beim Pferde. Dieſe ſehr häufig vorkom⸗ mende und ſehr bekannte Krankheit iſt im Allgemeinen mit großer Gefahr verbunden; eine große Menge von Pferden findet durch ſie ihren Tod, beſonders deshalb, weil in vielen Fällen eine, der Vernunft und Erfah⸗ rung Hohn ſprechende Kur mit ihnen vorgenommen, oder weil mit einer paſſenden Hülfe zu lange gezögert wird. Oft ſind freilich die Urſachen der Krankheit von ſolcher Beſchaffenheit, daß ihre Heilung abſolut unmöglich iſt, z. B. bei einem geplatzten Magen; dieſes gilt jedoch glücklicherweiſe nur von der geringe⸗ ren Zahl der Fälle. In der Regel bricht die Kolik, ohne weitere oder auffallende Vorboten, und faſt plötzlich aus. Das Pferd läßt vom Freſſen, und zeigt durch ſein Beneh⸗ men, daß es an Schmerzen leidet, welche ihren Sitz im Hinterleibe haben. Daſſelbe ſieht ſich nach dem Bauche um, ſcharrt und kratzt mit den Vorderfüßen, ſtampft damit auf den Erdboden, ſcharrt dabei die Streu nach hinten und unter ſich; oft ſchlägt es auch wiederholt mit einem der Hinterfüße nach dem Bauche; es wirft ſich zu Boden, wälzt ſich unruhig hin und her, ſieht ſich dabei nach dem Bauche um, ſpringt bald wieder auf, ſtöhnt und ächzt, quält ſich ab und benimmt ſich im hohen Grade unruhig. Gewöhnlich tritt zwiſchendurch eine ruhige Pauſe ein, und darauf beginnt das frühere unruhige Benehmen wieder von Neuem. Das Pferd ſieht ſich wiederholt nach dem Bauche um, ſchnappt und beißt zuweilen darnach, wirft ſich nieder, wälzt ſich hin und her, ſucht die Rückenlage zu gewinnen, und zieht dabei die Hinter⸗ ſchenkel an den Leib. Plötzlich ſpringt daſſelbe wieder auf, ſchuttelt ſich, ſteht dann einige Zeit ruhig, oder das Scharren und Kratzen mit den Vorderfüßen be⸗ ginnt ſofort wieder. In den meiſten Fällen findet ein häufiges Drängen auf den Abgang von Miſt und Urin ſtatt, wobei ein heftiges Stöhnen wahrzunehmen iſt. Zu Anfang der Krankheit gehen dabei wohl noch einige Kothballen und Winde ab, auch wohl etwas 34. Urin; ſpäter ſind in der Regel völlige Verſtopfung und Urinverhaltung zugegen. Das Pferd hält den Schweif vom Leibe, wedelt und zittert oft mit demſel⸗ ben, mitunter kneift es ihn auch zwiſchen die Hinter— backen ein. Gewöhnlich wechſeln, wie ſchon erwähnt, dieſe eben beſchriebenen Schmerzanfälle mit mehr oder weniger ruhigen Perioden ab; während der Anfälle athmet das Pferd angeſtrengt, kurz und überaus be⸗ ſchleunigt; das Innere des Maules iſt Anfangs noch feucht, ſpäter aber völlig trocken; die Augen ſind weit geöffnet, glänzend, der Blick iſt wild, und hat den Ausdruck eines heftigen inneren Körperſchmerzes. Der Puls iſt hart, klein und periodiſch ſehr vermehrt. Die Umfläche des Körpers, Haut, Beine und Ohren ſind kühl, ſpäter, wenn die Kolik längere Zeit hin— durch gedauert hat, tritt allgemein auf der Haut, oder nur am Halſe, in der Flankengegend ꝛc. Schweiß aus. Gleich Anfangs beim Beginne der Krankheit läßt das Pferd vom Freſſen und Saufen; nur ſelten nimmt daſſelbe noch ein Maul voll Heu oder etwas Waſſer zu ſich; ſpäter iſt dieſes faſt nie mehr der Fall. Gänz⸗ licher, oder faſt gänzlicher, Verluſt des Appetites, Scharren mit den Füßen, Umſehen nach dem Bauche, häufiges Niederwerfen und Wälzen auf dem Boden und unruhiges Benehmen ſind die erſten und weſent⸗ lichſten Zeichen bei der Kolik; oft ſind ſie nicht gerade ſämmtlich vorhanden, oft aber auch in noch größerer Anzahl und noch heftiger. Es giebt Koliken, welche oft nur ſehr kurze Zeit, wenige Stunden und ſelbſt nur zehn bis funfzehn Minuten dauern, und dann wieder verſchwinden; das Pferd hältplötzlich, vielleicht mit dem Futter im Maule, mit Kauen und Freſſen inne, ſteht einige Augenblicke, als ob es horche, ſieht ſich nach dem Bauche um, kratzt mit einem der Vor⸗ derfüße auf der Erde, wirft ſich zu Boden, ſpringt wieder auf, und iſt ſchon jetzt, oder nach einigen Wie— derholungen ſolcher Anfälle, wieder ſchmerzfrei und geſund. Solche gelinde und kurze Zeit dauernde Ko⸗ liken kommen indeſſen nicht gar oft vor, in der Regel dauert die Krankheit länger. Iſt die Kolik etwa vier bis ſechs Stunden vorhan⸗ den geweſen, ſo werden die Zufälle bedenklicher und ſtärker. Die Schmerzen werden, wie ſich untrüglich aus dem Benehmen des Pferdes ſchließen läßt, über⸗ aus heftig. Unruhe und Angſt des Pferdes vermehren ſich; es tritt kaum eine ſchmerzfreie und ruhige Pauſe mehr ein. Faſt unaufhörlich kratzt das Pferd mit den Kolik. 155 Vorderfüßen auf dem Boden, ſieht ſich nach dem Bauche um, dreht und wendet ſich im Stalle hin und her, lehnt ſich an die Seitenwände, Krippe oder Pfeiler, wirft ſich nieder, zieht alle vier Füße dicht an den Leib, ächzt und ſtöhnt. Oft beugt es die Vorderkniee ein, wie zum Niederwerfen, behält dieſe Stellung einige Zeit bei, und ſpringt dann wieder auf die Füße. Der Puls iſt jetzt ſo klein und ſchnell, daß er kaum mehr zu fühlen iſt; der Herzſchlag wird fühlbar, oft pochendz das Athmen geſchieht, doch nur periodiſch, ſtöhnend und überaus ſchnell. Alle äußere Theile ſind kalt wie Marmor, überall iſt die Haut mit kaltem Schweiße bedeckt; Maul und Zunge ſind trocken, Letztere welk und oft wie gelähmt zwiſchen den Lippen hervorhängend. Die Unterlippe hängt mehr oder we⸗ niger herab. Die Kräfte des Pferdes ſinken ungemein ſchnell; daſſelbe ſchwankt und taumelt, als ob es trunken wäre. Das Gefühl für äußere Eindrücke ver⸗ ſchwindet mit Zunahme der Krankheit faſt gänzlich, ſo daß es oft unmöglich iſt, das Pferd durch Peitſchen⸗ hiebe am Niederwerfen zu verhindern oder, wenn es liegt, zum Aufſtehen zu bringen. Manchmal, beſonders wenn der Magen der Sitz der Krankheit iſt, ſind die Aeußerungen von Schmerz wo möglich noch auffallender, als oben beſchrieben wurde. Das Pferd zeigt ſich fortwährend in der hef⸗ tigſten Unruhe; es wirft ſich nieder und ſpringt wieder auf, quält ſich unaufhörlich ab, beißt in die Streu, die Krippe oder das Steinpflaſter des Stalles, liegt auf dem Rücken, und bleibt unter heftigem Geſtöhne und kurzem ſchnellen Athemholen, mit an den Leib gezogenen Füßen einige Zeit in dieſer Stellung liegen. Oder es ſetzt ſich wie ein Hund auf den Hintern, und ſteht nur auf den Vorderfüßen; es knirſcht mit den Zähnen, reckt den Hals, hat wiederholtes Aufſtoßen, wobei zuweilen eine ſauer riechende Flüſſigkeit oder dergleichen Futterbrei, mit einem Ruck, aus den Na⸗ ſenlöchern fließen. In einigen ſeltenen Fällen wird das Pferd wild und tobend, ſteigt dabei in die Krippe, überſchlägt ſich ꝛc. Hat die Kolik einen bedeutend hohen Grad erreicht, oder eine beträchtliche Zeit hindurch angehalten, ſo erfolgt in ſehr vielen Fällen der Tod des Kranken, und zwar gewöhnlich und faſt ausſchließlich durch den Ausgang in Entzündung und Brand des Magens oder der Gedärme. Unter ſolchen Umſtänden wird der Kranke zuletzt ruhiger; der Puls wird uufühlhar, der 156 34. Athem wird kühl; alle äußeren Theile des Körpers ſind kalt, meiſt mit Schweiß bedeckt. Es tritt an verſchiedenen Stellen des Körpers ein Zittern ein, be⸗ ſonders in der Gegend der Schulter; oder einer der Vorderſchenkel geräth in eine ſchlotternde, zitternde Bewegung; manchmal findet auch ein allgemeines Zittern des Körpers ſtatt, wie bei einem heftigen Froſt⸗ ſchauer. Die Maulwinkel werden krampfhaft bewegt, die Unterlippe hängt wie gelähmt herab. Alle Schmer⸗ zensäußerungen ſind verſchwunden, das Thier ſteht ruhig und, während der Laie dadurch mitunter ver⸗ führt wird, das Pferd für gebeſſert zu halten, ſtürzt daſſelbe zuſammen und krepirt. Die Kolik iſt im Allgemeinen leicht zu erkennen, auch ſind die Zufälle bei ihr von der Art, daß ſie nicht leicht auf eine andere Krankheit paſſen, weßhalb eine Verwechſelung hier nicht ſo leicht möglich iſt. Wohl iſt es aber in der Regel ſehr ſchwierig die be⸗ ſondere Beſchaffenheit der Kolik, in Bezug auf ihre Urſachen und auf ihren eigentlichen Sitz mit Sicher⸗ heit zu beſtimmen, und doch iſt dieſe Kenntniß von Wichtigkeit, in Betreff der Wahl des einzuſchlagenden Heilverfahrens. Es iſt dieſes zwar faſt in allen Fäl⸗ len ſo ziemlich und weſentlich daſſelbe, indeſſen kann denn doch nicht geleugnet werden, daß Ein Mittel vor einem anderen bei gewiſſen Verſchiedenheiten der Krank⸗ heit den Vorzug verdient; und von beſſerem oder we⸗ niger günſtigem Erfolge iſt. Man unterſcheidet deshalb verſchiedene Arten von Kolik, welche hauptſächlich von der Art ihrer Urſachen ihre Benennung erhalten haben: a) Krampfkolik. So nennt man die Kolik als⸗ dann, wenn ſie ohne wahrnehmbare oder bekannte Urſachen entſtanden iſt; ſie beſteht in einem, meiſt aus Erkältung entſtandenen, einfachen Leibſchmerz. Die Zufälle bei ihr pflegen nicht ſehr heftig zu ſein, und auch nicht lange anzuhalten. An ſich iſt dieſe Kolik— art nicht gefährlich, und ihre Heilung iſt gewöhnlich nicht ſchwer. Man hält das Pferd warm, foottirt den Bauch deſſelben mit Strohwiſchen, reibt denſel⸗ ben mit erwärmtem Weingeiſt ein, ſetzt einige Kly⸗ ſtiere aus Seife, Kochſalz und Waſſer, und giebt inner— lich alle halbe Stunden ein Quentchen Schwefelleber mit ſtarkem Kamillenthee. Oder ſtatt deſſen Kamil⸗ lenthee mit etwas Branntwein oder Kümmel. Im Allgemeinen kommt die Krampfkolik nicht oft vor, Kolik. und ſie iſt als ſolche nicht leicht mit Sicherheit zu erkennen. b) Ueberfütterungskolik. Bei ihr ſind die Zufälle Anfangs nicht ſehr heftig; das Pferd ſcharrt mit den Vorderfüßen, ſieht ſich, obſchon ſeltener, nach dem Bauche um, wirft ſich nieder, und liegt gewöhnlich ganz ruhig und anhaltend, und mit ausgeſtreckten Füßen, als ob es todt wäre. Aufſpringen und Nie— derwerfen wechſeln nicht ſo oft mit einander, als bei andern Koliken; Futter und Getränk wird gänzlich verſchmäht. Es iſt Verſtopfung vorhanden, oder es geht doch nur zu Anfange der Krankheit noch Miſt ab; auch das Uriniren iſt aufgehoben. Das Pferd hat etwas Steifes in Gang und Bewegung, es iſt ſehr unempfindlich gegen äußere Eindrücke, ſo daß es, wenn es liegt, durch Züchtigungen nur ſchwer zum Stehen zu bringen iſt. Ohren und Füße ſind mei⸗ ſtens ganz kalt, und dieſes ſchon beim Beginne der Krankheit. Dauert die Krankheit längere Zeit, etwa zwölf bis achtzehn Stunden, ſo wird ſie gefährlich, und es treten dann mehr oder weniger die, allen ſchwe⸗ ren Koliken eigenthümlichen Erſcheinungen ein. Das Pferd rülpſt mitunter, reckt den Hals, gähnt und hat manchmal ſogar Erbrechen. Erfolgt der Tod, welches ſelten vor vierundzwanzig bis ſechsunddreißig, oft erſt nach achtundvierzig Stun⸗ den und ſelbſt noch ſpäter, erfolgt, ſo findet ſich in ziemlich häufigen Fällen der Magen geplatzt, und der Mageninhalt in die Bauchhöhle ergoſſen. Die Häute des Magens ſind dann in der Regel geröthet, verdickt und entzündet. Iſt der Magen nicht geborſten, ſo findet er ſich doch in der Regel ſtark entzündet; oder es finden ſich in andern Theilen der Gedärme über⸗ mäßige Maſſen von Futterbrei, und die Därme ſelbſt dunkelroth, faſt ſchwarz, beſonders auf ihrer inneren Fläche. Die Krankheit hat allemal in dem Genoſſenen ihre Urſache; ſei es nun, daß das Futter in zu großer Menge und zu haſtig genoſſen wurde, oder daß die zufällig geſchwächten Verdauungswerkzeuge daſſelbe nicht überwältigen koͤnnen. Alle quellenden, ſchwer verdaulichen Futterſtoffe, beſonders die Hülſenfrüchte, als Erbſen, Bohnen, Wicken; dann Roggen, friſcher Hafer, Kleie, wenn ſie trocken verfüttert wird, Schrot⸗ und Mehlbrei, verſchiedene Blattgewächſe, beſonders junger Klee, Luzerne ꝛc. gehoͤren hierher. Unter allen dieſen Futterſtoffen ſind Erbſen, Roggen und trockene 34. Kolik. 157 Kleie die gefährlichſten, beſonders wenn ſie in Menge gegeben werden, und wenn das Pferd gleich nach dem Freſſen einer anhaltenden oder ſchnellen Bewegung ausgeſetzt wird. Ungemein viele Pferde gehen auf dieſe Weiſe zu Grunde. In vielen Fällen iſt die Ue⸗ berfütterungskolik von einer übermäßigen Luftentwicke⸗ lung im Magen oder in den Gedärmen begleitet, wo dann dieſe Kolik mit der Windkolik zugleich vorhan- den iſt. Die Behandlung wird auf nachſtehende Weiſe ausgeführt. Das Pferd wird in einen warmen, zug— freien und mit hoher Streu verſehenen Stall gebracht, doch muß dieſer geräumig genug ſein, damit das Pferd für ſeine unruhigen Bewegungen hinreichenden Spielraum hat, und ſich beim Niederwerfen ꝛc. nicht beſchädigen kann. Innerlich erhält das Pferd alle halbe Stunden einen Einguß aus einem halben Quent⸗ chen Brechweinſtein, acht bis zehn Loth Glauberſalz, in einer Weinflaſche voll Kamillenthee aufgelöſt. Der Bauch des Pferdes wird wiederholt mit Strohwiſchen frottirt, und das Pferd mit einer wollenen Decke be⸗ legt. Ferner wird, nachdem der Maſtdarm des Pfer⸗ des zuvor mit der Hand von etwa darin befindlichem Miſte entleert iſt, alle fünf bis zehn Minuten ein Klyſtier aus Seife, Kochſalz und lauwarmem Waſſer applicirt. Tritt nach dieſer Behandlung in vier bis ſechs Stunden keine Beſſerung ein, ſo wächſt die Ge⸗ fahr, und es muß dann die Kur mit größerem Nach⸗ drucke gehandhabt werden. Es werden dem Pferde acht, zehn bis zwölf Pfund Blut entzogen, und dieſe Blutentziehung muß, nach weiteren ſechs bis acht Stunden, im Fall keine Beſſerung eingetreten iſt, ent⸗ weder in etwas geringerer oder auch in gleicher Stärke wiederholt werden. Innerlich erhält das Pferd eine Latwerge aus zwei Quentchen Brechweinſtein, ein und ein halbes bis zwei Loth Aloe und dreiviertel bis ein Pfund Glauberſalz, welche Subſtanzen mit Mehl und Waſſer zur Latwerge gemacht werden, von der An⸗ fangs die Hälfte, und zwei bis drei Stunden ſpäter die andere Hälfte eingegeben wird. Die Frottirungen der Haut und die häufige Applikation der Klyſtiere werden andauernd fortgeſetzt. Der ganze Umfang des Bauches wird mit einem Gemiſch aus zwei Loth Sal⸗ miakgeiſt, vier Loth Terpentinöl und ſechs Loth Rüböl auf einmal eingerieben. Das ſo übliche Reiten oder Herumjagen des Kranken iſt bei der Ueberfütterungs⸗ kolik nicht nur unnütz, ſondern oft ſogar ſchädlich. Erfolgt der Abgang von Miſt, ſo iſt die Heilung in der Regel bewirkt; das Pferd langt dann gewöhnlich ſogleich wieder nach dem Futter, es entleert auch wohl Urin, und ſcheint in ganz kurzer Zeit wieder völlig geſund. Es iſt dann weiter nichts mehr zu beobach⸗ ten, als daß Anfangs nur wenig Futter gegeben wird; Getränke kann das Pferd, auch während der Dauer der Krankheit, ſo viel bekommen, als daſſelbe nur immer zu ſich nehmen will. c) Windkolik. Sie iſt weſentlich mit einer un⸗ gewöhnlichen und großen Anſammlung von verſchie⸗ denen Luftarten in den Gedärmen, oder auch im Ma⸗ gen, verbunden. Alle den Koliken im Allgemeinen eigenen Zufälle ſind bei der Windkolik überaus heftig; das Pferd zeigt unausgeſetzt die größte Unruhe, und die Schmerzen erreichen meiſtens einen ſehr hohen Grad. Der Bauch, zumal in der Flankengegend, dehnt ſich zuſehends immer ſtärker aus; er iſt geſpannt und hart, und giebt beim Anſchlagen mit der Hand den Ton einer Trommel. Es iſt ein häufiges Knurren und Poltern im Leibe zu vernehmen; der After iſt feſt verſchloſſen, und es gehen weder Koth noch Winde ab; nur zuweilen, beſonders beim Niederwerfen des Pferdes, entweicht wohl eine kleine Blähung; das Athemholen iſt höchſt angeſtrengt und beſchleunigt, das Pferd quält ſich unaufhörlich ab, ſchlägt mit einem Hinterfuße nach dem Bauche, ſchnappt nach demſelben, ſchwankt beim Stehen mit dem Hintertheile, ſetzt ſich auf den Hintern ꝛc. Nimmt die Krankheit zu, ſo treten kalte Schweiße ein, die Umfläche des Körpers wird kalt, Maul und Zunge ſind trocken, und der Tod erfolgt entweder durch Erſtickung, durch Schlagfluß, oder Zerreißung des Magens oder der Gedärme. Nach dem Tode findet man einen Theil der Gedärme, ſeltener den Magen, bis zum Berſten von Luft ausgedehnt, und mehr oder weniger ent— zündet. Im Allgemeinen iſt die Windkolik im hohen Grade gefährlich; ihr Verlauf iſt raſch, und gelingt es nicht den Winden durch den After freien Abgang zu ver⸗ ſchaffen, ſo wird ſie meiſtens tödtlich. Die Urſachen hat dieſe Kolikart mit der Ueberfüt⸗ terungskolik gemein; Roggen, Erbſen, alle blähenden Futterſtoffe, beſonders junger Klee ꝛc. gehören hierher. Auch Erkältung kann die Urſache der Krankheit abge⸗ ben. Daß die ſogenannten Krippenſetzer oder Kopper vorzugsweiſe von der Kolik befallen werden, wie die⸗ 158 34. Koli k. ſes faſt allgemein geglaubt wird, beſtätigt die Erfah⸗ rung eben nicht. Die Kur muß ungeſäumt und mit großem Fleiße beſorgt werden; bei der Größe der Gefahr wird jede Zögerung in der Regel verderblich. Gleich von vorn herein wird ein Aderlaß von zehn bis zwölf, ſelbſt achtzehn Pfunden Blut gemacht; hierauf wird mit der zuvor mit Seife oder Oel beſtrichenen Hand in den After ſo tief wie möglich eingedrungen, und aller mit der Hand erreichbare Miſt heraus gelangt. Das Pferd pflegt dabei ſehr ſtark auf den Miſtabſatz zu drängen, und meiſtens gehen dabei Wind in größerer oder ge⸗ ringerer Menge ab. Nach der Entleerung des Maſt⸗ darmes werden ſogleich Klyſtiere geſetzt, und zwar ſehr oft; etwa alle fünf bis zehn Minuten. Das Pferd, welches in einem warmen, von Zugluft freien Stalle ſich befinden muß, wird überall, beſonders aber am Bauche, mit kleinen Strohbündeln frottirt, und zwar anhaltend und oft wiederholt. An die ganze Umfläche des Bauches und auch in die Nierengegend wird auf einmal folgende Miſchung eingerieben: Salmiakgeiſt zwei Loth, Terpentin⸗ und Rüböl von jedem vier Loth. Innerlich erhält der Kranke halbſtündlich einen Einguß aus einem halben bis ganzen Quentchen Brechwein⸗ ſtein, ſechs bis acht Loth Glauberſalz, aufgelöſt in einem ſtarken Aufguſſe von Kamillenblumen oder, was vorzuziehen iſt, von Kümmelſaamen oder Pfeffermünz⸗ kraut. Da die Erfahrung lehrt, daß die Bewegung des Pferdes den Abgang von Winden befördert, ſo wird das mit einer wollenen Decke belegte Pferd, wenn das Wetter ꝛc. keine Erkältung befürchten laſſen, gerit⸗ ten, doch nur im mäßigen Trabe, und auch nur etwa zehn bis funfzehn Minuten hindurch. Gehen dabei keine Winde ab, ſo kann das Reiten allenfalls wieder⸗ holt werden. Sind alle bisher angeführten Mittel erfolglos, und wird die Krankheit heftiger, ſo giebt es noch ein letztes Mittel, nämlich den Trokarſtich; durch denſel⸗ ben wird, ganz wie bei der Trommelſucht des Rind⸗ viehs, die angeſammelte Luft entleert, und dadurch augenblickliche Rettung des Kranken herbeigeführt. Früher wurde dieſe Operation, aus Furcht vor den nachtheiligen Folgen des Einſtiches, namentlich vor einer durch denſelben entſtehenden Darmentzündung, faſt niemals ausgeführt. In den letzten Jahren jedoch hat man ſich dieſer Operation, beſonders in Wien in zahlreichen Fällen bedient, und zwar ſehr häufig mit dem erwünſchten Erfolge. Der Trokar wird in der geſpannteſten und ausgedehnteſten Stelle der Flanke eingeſtochen, und das Stylet entfernt, wo dann auf dieſem künſtlichen Wege die in den Gedärmen ange⸗ ſammelte Luft entweicht, und augenblickliche Erleich⸗ terung und ſelbſt Heilung des Pferdes erfolgt. Am beſten wird das Inſtrument in der rechten Flankenge⸗ gend eingeſtochen, doch kann man unter Umſtänden auch an der linken Seite einſtechen; das Pferd kann dabei ſtehen oder liegen. Machen es die Umſtände nothwendig, ſo kann der Trokar nochmals eingeſtochen werden, wobei man dann gern die andere Seite des Bauches wählt. Eine Behandlung der unbedeuten⸗ den Einſtichwunde iſt nicht erforderlich. Das Nieder⸗ werfen des Pferdes kann geſtattet werden, denn es iſt eine unbegründete Beſorgniß, daß dabei eine Verwik⸗ kelung und Verſchlingung der Gedärme ſehr leicht er⸗ folge; dieſes erfolgt gewiß faſt nie, aber es kann vor⸗ kommen, daß bei einem ſehr plötzlichen und ungeſchick⸗ ten Niederfallen des Pferdes der von Luft ausgedehnte Magen oder die ausgedehnten Gedärme platzen. Die⸗ ſes ſucht man durch eine recht hohe Streu und ein möglichſt weiches Lager ſo viel wie möglich zu verhin⸗ dern. Statt zu ſchaden bringt das Werfen ꝛc. in der Regel augenſcheinlichen Nutzen; beim Akte des Nie⸗ derlegens oder Aufſpringens gehen häufig Winde ab, noch mehr aber, wenn das Pferd liegt, und dabei be⸗ müht iſt, die Rückenlage zu gewinnen. d) Verſtopfungskolik. Obgleich Verſtopfung oder Verhaltung des Miſtes ein faſt allen Koliken zukom⸗ mendes Zeichen iſt, ſo kommen doch ſehr oft Fälle vor, in denen die Verſtopfung die ausſchließliche Ur⸗ ſache der Krankheit darſtellt, welches bei der Ueber⸗ fütterungs⸗ und Windkolik nur zum Theil der Fall iſt. Es hat ſich alsdann, aus in der Regel nicht bekannten Urſachen, in irgend einem Theile des Darmkanales, gewöhnlich im Dickdarme und nicht ſehr weit vom After, eine größere oder geringere Menge Miſt ange⸗ häuft, welcher verhärtet iſt, und einen ſo beträchtlichen Umfang hat, daß er ſich in den Darm einklemmt, und von dieſem nicht weiter geſchafft werden kann. Die Zufälle, welche dadurch entſtehen, ſind die der Kolik im Allgemeinen; anfangs leidet das Pferd nicht ſehr ſtark, und es treten häufiger, als bei den früher be⸗ ſchriebenen Kolikarten ruhige und ſe chmerzfreie Perioden ein. Erfolgt aber eine Kothentleerung, ſo wird die Krankheit ſchlimmer, und es treten zuletzt alle früher 34. Kol’i k. beſchriebenen heftigen Zufälle ein. Die Dauer der Krankheit kann ſich zuweilen auf mehrere Tage erſtrecken. Geht der in den Darm eingeklemmte Kothballen nicht ab, ſo erfolgt ſicher der Tod, und zwar durch Darmentzündung. Man findet dann den Theil der Gedärme, in welchem ſich das Kothconcrement befin⸗ det, dunkelroth, ſtark entzündet oder ſelbſt brandig; beſonders unmittelbar an der Stelle, wo der Kothbal⸗ len feſtſitzt. Die Kur iſt faſt dieſelbe als bei der Ue⸗ berfütterungskolik. Der Maſtdarm wird mit der Hand von etwa in ihm enthaltenen Miſtballen entleert, wo⸗ bei der Arm ſeiner ganzen Länge nach eingeführt wer⸗ den muß. Zuweilen gelingt es alsdann den Koth⸗ klumpen zu erreichen; er wird dann mit den Fingern verkleinert und auf dieſe Weiſe heraus geſchafft. Iſt der Maſtdarm ausgeräumt, ſo werden ſehr oft wieder⸗ holt Klyſtiere geſetzt, welche Anfangs aus Kochſalz, Seife und Waſſer beſtehen können. Sind ſie erfolg— los, ſo nimmt man ſtatt Waſſer Tabacksabkochung, wodurch der Reiz und das Drängen zum Miſtabgange vermehrt wird, und dieſes zu befördern iſt hier von ganz beſonderer Wichtigkeit. Innerlich erhält das Pferd denſelben, aus Brechweinſtein, Glauberſalz und Kamillenthee beſtehenden Einguß, als bei der Ueber⸗ fütterungskolik. Weicht die Kolik in den nächſten ſechs bis acht Stunden nicht, ſo muß die Kur energiſcher betrieben werden. Es werden dem Kranken acht bis zwölf ſelbſt bis ſechzehn Pfund Blut entzogen, in den Bauch wird eine Einreibung aus Terpentinöl, Salmiakgeiſt und Leinöl gemacht, und mit der Applikation der Klyſtiere wird unausgeſetzt fortgefahren. Da es dar⸗ auf ankommt, den feſtſitzenden Kothballen wo möglich in Bewegung zu ſetzen, ſo erhält das Pferd ein ſtark wirkendes Laxirmittel; zwei Loth Aloe und dreiviertel bis ein ganzes Pfund gepulvertes Glauberſalz werden mit Mehl und Waſſer zur Latwerge gemacht, von welcher ſogleich die Hälfte und nach Verlauf von etwa drei bis vier Stunden die andere Hälfte eingegeben wird. Statt dieſer Latwerge kann man ſich auch der ſtündlich zu wiederholenden Eingüſſe von einem halben PfundGlauberſalz, einem Viertelquart Lein⸗oder Rüböl und etwas Waſſer bedienen. Solche Eingüſſe leiſten oft ſehr gute Dienſte, und es iſt dabei etwa nicht zu beſorgen, daß die große Menge Glauberſalz nachthei⸗ lige Folgen haben werde. Das Pferd kann immerhin drei bis vier Pfund Glauberſalz bekommen, ja es 159 verträgt ſelbſt eine doppelte und ſelbſt eine noch weit größere Quantität ohne allen Nachtheil Manche Schriftſteller empfehlen zwar das Glauberſalz in Ga⸗ ben von einigen wenigen Lothen; hieraus geht jedoch eine völlige Unkenntniß über die Wirkung des Glau⸗ berſalzes hervor. Große und ſehr oft wiederholte Ga⸗ ben von Glauberſalz ſind überhaupt in allen Koliken erfahrungsmäßig ſehr heilſam. e) Wurmkolik. Sie wird von Laien oft vermu⸗ thet, kommt aber in der That nur ſelten vor. Ihre Urſachen beſtehen in der Gegenwart einer großen An⸗ zahl von Würmern— meiſtens Spulwürmern— im Darmkanale, zuweilen auch von Oeſtruslarven im Magen. Mit einiger Sicherheit kann die Wurmkolik nur allein daran erkannt werden, daß von Zeit zu Zeit Würmer mit dem Miſte abgehen. Man behauptet auch wohl, daß dergleichen Pferde ungewöhnlich oft das unter dem Ausdrucke Flennen bekannte Manöver mit der Oberlippe machen, indem ſie dieſe mit hoch— gehobener Naſenſpitze auf eigenthümliche Art aufzie⸗ hen, ganz wie es Hengſte thun, die eine brünſtige Stute berochen haben. Die Zufälle dieſer Kolikart ſind nicht ſehr heftig, und an ſich bringt die Krankheit faſt nie Gefahr. Sie zeichnet ſich durch ihre öftere, periodiſche Wiederkehr und dadurch aus, daß Miſt und Urin ungehindert Abgang haben, und daß keine Auftreibung des Bau⸗ ches zugegen iſt. Das Pferd ſcharrt mit den Füßen, ſieht ſich nach dem Bauche um, wirft ſich auch wohl einigemale zu Boden, langt dabei aber zwiſchendurch nach dem Futter. Bei der Kur kommt es faſt ausſchließlich darauf an, die vorhandenen Eingeweidewürmer zu tödten; zu dieſem Behufe erhält das Pferd ſogenannte wurm⸗ widrige Mittel. Aus zwei Loth Aloe, zwei Quent⸗ chen Calomel, ſechs Loth Hirſchhornöl, eben ſo viel gepulvertem Wermuthkraut, einem Viertelpfund grüner Seife und etwas Mehl und Waſſer werden acht Pil⸗ len gemacht, von welchen dem Pferde täglich eine gegeben wird; tritt Durchfall ein, ſo wird mit Verab⸗ reichung der Pillen einige Tage ausgeſetzt. Das Fut⸗ ter muß während der Kur in Kleie, ſaftigem Grün⸗ futter und wenig nahrhaften Subſtanzen beſtehen. Ein anderes eben ſo einfaches als wirkſames Mittel gegen die Würmer ſtellt der weiße Arſenik dar. Es wird von demſelben, im gepulverten Zuſtande, täglich ein halbes Quentchen unter feuchtes Kleienfutter gegeben, 160 344 Kol uik. oder mit etwas Mehl und Waſſer zu Brei gemiſcht auf die Zunge geſtrichen. Es iſt hierbei nicht etwa eine andere nachtheilige Wirkung des Arſeniks zu fürch⸗ ten, denn auffallender Weiſe verträgt das Pferd dieſes ſonſt ſo giftige Mittel nicht nur in den genannten Ga⸗ ben, ſondern ſogar mehrere Quentchen, ſelbſt ein ganzes Loth auf einmal ohne allen Nachtheil. †) Kolik von Urinverhaltung. Leidet ein Pferd an Kolik, ſo iſt in der Regel nicht nur der Abgang von Miſt, ſondern auch der von Urin aufgehoben, und da ſich das Pferd dann häufig zum Stallen anſchickt, ohne daß Urin abginge, ſo glaubt der Ununterrichtete faſt immer, daß, weil das Pferd nicht ſtallen könne, dieſes allein der Grund der vorhandenen Krankheit und die Urſache aller vorhandenen Zufälle ſei. Mit dem wahren Weſen und Sitze der Kolik unbekannt ſpricht der Laie daher auch faſt nie von Kolik, ſondern er ſagt allein: das Pferd kann nicht ſtallen, und alle ſeine Bemühungen ſind ausſchließlich darauf hinge⸗ richtet, das Stallen herbeizuführen. Von dem un⸗ ſchädlichen und ſogar nützlichen Einführen des Pferdes in den Schafſtall geht er oft zu allerhand albernen Mitteln, die Urinentleerung zu bewirken, über, und während dabei die Zeit zur vernunft⸗ und ſachgemäßen Kur verſtreicht, geht das Pferd nicht ſelten in Folge der Kolik an Darmentzündung zu Grunde⸗ So wie bei faſt allen Koliken eine hartnäckige Verhaltung von Koth vorhanden iſt, ſo iſt dieſes auch mit dem Urin der Fall. Eine ſolche Urinverhaltung iſt aber gewöhnlich nicht die Urſache der Kolik, ſon⸗ dern nur ein zufälliges Symptom, indem der allge⸗ meine Krampf der Gedärme ſich auch der Urinblaſe mittheilt. Hunderte von Sectionen von an Kolik krepirten Pferden habe ich zu ſehen Gelegenheit gehabt, und faſt in keinem einzigen Falle war die Blaſe ge⸗ platzt, mit Urin überfüllt oder entzündet, und doch hatten ſich die Pferde in der Regel während der Krank⸗ heit ganz ſo benommen, als bei der Krankheit, bei welcher der Laie ſagt, daß das Pferd nicht ſtallen könne. Wohl aber fanden ſich bei den erwähnten Sectionen allemal brandige Entzündungen der Gedärme oder des Magens, Zerreißungen derſelben ꝛc. Wie dem nun auch ſei, ſo kommt es doch nicht gar ſelten vor, daß ein Pferd an Harnverhaltung lei⸗ det, und dann faſt alle Zeichen einer Kolik an den Tag legt. Hengſte und Wallachen ſchachten aus und drängen unter Stöhnen auf den Urinabgang; aber es erfolgen in der Regel nur einige Tropfen oder eine kleine Quantität Urin in einem dünnen Strahle. Hält dieſes einige Zeit an, ſo wird das Pferd unruhig, wirft ſich, ſieht ſich nach den Flanken um, ſchwitzt über den ganzen Körper, und erſcheint dann faſt ganz ſo, als ein kolikkrankes Pferd. Die Urſachen dieſer Harnverhaltung ſind oft unbe⸗ kannt; oft liegen ſie in Erkältung, oder in vorhande⸗ nen Blaſenſteinen, oder, und dieſes iſt der häufigſte Fall, in dem ſogenannten Uebergehen des Stallens. Wird nämlich ein Pferd unausgeſetzt eine lange Zeit hindurch in Bewegung erhalten, ſo urinirt es meiſtens dieſe Zeit hindurch nicht; einige Pferde ſind zwar ſo vernünftig, unaufgefordert ſtill zu ſtehen, und zu uri⸗ niren; dieſes gilt aber nur von der geringeren Zahl derſelben. Durch das anhaltende Verweilen und durch die beträchtliche Anſammlung von Urin in der Blaſe entſteht ein krankhafter Reiz im Blaſenhalſe, welcher dann die Urinentleerung verhindert, ſelbſt wenn das Pferd zum Stillſtande gekommen iſt. Andere Pferde haben die ſonderbare Gewohnheit, nicht anders den Urin zu laſſen, als wenn ſie Streu unter ſich haben; mangelt dieſe ſo halten ſie den Urin zurück, und be⸗ kommen dann oft die beſchriebenen Kolikzufälle. Sind Blaſenſteine Urſache der Krankheit, ſo zeichnet ſie ſich dadurch aus, daß ſie öfters und ohne alle ſichtbare Veranlaſſung wiederkehrt, daß der Urin tropfenweiſe oder in einem feinen Strahl abgeht, und daß er mit ſandigen Körnchen oder Schleim gemiſcht, oder mehr oder weniger roth und blutig iſt. Im Allgemeinen iſt die Urinverhaltung, mit Aus⸗ nahme der durch Blaſenſteine hervorgebrachten, mit keiner Gefahr verbunden; eine Berſtung der Blaſe durch übermäßige Anſammlung von Urin, oder eine dadurch hervorgebrachte Entzündung der Blaſe, erfol⸗ gen äußerſt ſelten. Hat das Pferd ſich eine Zeit hin⸗ durch mit der Urinentleerung abgemüht, ſo erfolgt dieſelbe zuletzt doch. Hengſte und Wallachen werden ungleich öfterer befallen, als Stuten. Die Kur iſt auf folgende Weiſe zu unternehmen. Das Pferd wird auf reichliche Streu geſtellt, oder paſſender noch in den Schafſtall, und der Maſtdarm deſſelben wird mit der Hand von Koth leer gemacht. Iſt die Blaſe übermäßig mit Urin angefüllt, ſo iſt ſie durch den Maſtdarm, ungefähr anderthalb Fuß vom After entfernt, und an der untern Wand des Maſt⸗ darms zu fühlen. In dieſem Falle wird mit der 34. Kolik. 161 Hand ein Anfangs geringer, nach und nach etwas ſtärkerer Druck auf die Blaſe ausgeübt, wobei nicht ſelten eine Entleerung des Urins erfolgt. Hierauf ſetzt man öfters Klyſtire, und reibt die Nierengegend mit einem Gemiſche aus zwei Loth Salmiakgeiſt, eben ſo viel Terpentinöl und vier Loth Rüb⸗ oder Leinöl ein. Bei dieſen Mitteln kann man es vier bis ſechs Stunden bewenden laſſen; erfolgt aber auch jetzt noch keine Urinentleerung, ſo macht man einen ſtarken Ader⸗ laß, welcher beſonders in dieſem Falle ſehr heilſam iſt; außerdem wird der Bauch häufig mit Strohwi⸗ ſchen frottirt, und in ſeinem ganzen Umfange mit der eben beſchriebenen Miſchung eingerieben. Die ſo häufig gegebenen urintreibenden Mittel ſind im Allge⸗ meinen nicht viel werth; beſſer giebt man Kamillen⸗ thee mit Brechweinſtein und Glauberſalz, oder ein Quentchen Schwefelleber und zwei Loth Kampherſpi⸗ ritus mit Kamillenthee, und zwar alle halben oder ganze Stunden. Sollte der Urin nach ſehr langer Zeit, der bisher empfohlenen Mittel ungeachtet, nicht entleert werden, ſo iſt Gefahr vorhanden, daß die Blaſe durch das Uebermaß von Urin platzt, was jedoch ſehr ſelten vorkommt. Es bleibt alsdann nichts weiter übrig, als den Urin durch Kunſt zu entleeren, entweder durch eine in die Harnröhre und Blaſe ein⸗ geführte elaſtiſche und hohle Röhre, das ſogenannte Catheter, oder durch den Trokar, welcher von der Höhle des Maſtdarmes aus in der Richtung nach unten in die Blaſe eingeſtochen wird. Reiten und Herum⸗ führen des Kranken iſt nicht nur nutzlos, ſondern ſelbſt ſchädlich. Die durch Blaſenſteine entſtandene Kolik iſt meiſtens gefährlich, und allenfalls nur durch eine Operation gründlich zu heben. Zuweilen ereignet ſich der Fall, daß bei Walla— chen und Hengſten im vorderen Theile des Schlauches eine große Maſſe der eigenthümlichen an dieſem Theile abgeſonderten, talgartigen Schmiere ſich anſammelt, und hier zu harten Klumpen eintrocknet, durch welche der vordere Theil der Harnröhre ſo zuſammengedrückt wird, daß der Urin nur mit Mühe und tropfenweiſe abfließen kann. Es iſt daher eine Unterſuchung dieſes Theiles, wenn die Urſachen der Harnverhaltung nicht etwa anderweitig am Tage liegen, nicht zu unterlaſſen. Außer den bisher beſchriebenen Arten der Kolik giebt es nun noch verſchiedene andere, welche gewöhn⸗ lich nach ihren Urſachen benannt ſind. So giebt es z. B. eine Steinkolik, welche ſich bei Pferden, beſon⸗ Wagenfeld, Encyel. ders bei Müllerpferden, findet, in deren Darmkanal ſich mehr oder weniger große, ſteinige Maſſen gebildet haben. Man fand dergleichen Steine zuweilen im Gewichte von zehn bis funfzehn und mehr Pfunden. Oft beſtehen dieſe Maſſen nicht ſowohl aus ſteinartiger Subſtanz, als vielmehr aus einem Convolut von Haaren, Kleie, Sand ꝛc. Sodann kommt in einigen Gegenden, zumal dort, wo ſich Bleifabriken oder Bleibergwerke befinden, die ſogenannte Bleikolik vor, welche ihre Urſachen in dem anhaltenden Genuſſe von Futter oder Getränk hat, in welchem ſich Bleitheile befinden. Außerdem giebt es noch verſchiedene, durch mancherlei Gifte entſtehende Koliken, welche man Vergiftungskoliken nennt. Da jedoch alle dieſe zuletzt angeführten Kolikarten nur ſelten vorkommen, ſo ſcheint es, im Intereſſe der bündigen Kürze dieſes Werkes, beſſer, dieſelben in Hinſicht ihrer Kennzeichen und Kur mit Stillſchweigen zu übergehen. Von der Kolik, welche weſentlich mit Durchfall verbunden iſt, und die aus demſelben entſteht, wird a. a. O. die Rede ſein. Zum Schluſſe vorſtehender Abhandlung über die Kolik des Pferdes will ich hier noch folgende praktiſche Bemerkungen machen. Die Krankheit iſt im Allge⸗ meinen mit großer Lebensgefahr verbunden, und wenn auch die bei weitem größere Zahl kolikkranker Pferde geheilt wird, ſo gehen doch auch ſehr viele Pferde, in manchen Gegenden und Jahrgängen mehr, in andern weniger, beſonders aber in großen Städten, an ihr zu Grunde. Der überaus raſche Verlauf der Krank⸗ heit von ihrem Anfange bis zur Geneſung oder bis zum Tode macht die ſchleunigſte Hülfe nothwendig; es kommt bei der Kur oft auf wenige Stunden, ich möchte faſt ſagen Minuten, an; je früher dieſelbe ein- tritt, deſto beſſer. Unſchlüſſigkeit und Säumigkeit ſtrafen ſich hier meiſtens ſehr bitter. Hat die Kolik ſchon ſechs, acht oder zehn Stunden, gar nicht oder unpaſſend behandelt, gedauert, ſo iſt die Gefahr ſehr groß. Zwar ereignet es ſich zuweilen, daß die Krank⸗ heit ſelbſt nach vier⸗ oder fünftägiger Dauer, oder ſelbſt ſpäter, noch mit Geneſung endet; dieſes ſind aber Ausnahmen von der Regel; gewöhnlich erfolgen in den erſten vierundzwanzig, ſechsunddreißig oder acht⸗ undvierzig Stunden Tod oder Heilung. Es giebt kaum einen einzigen Fall, in welchem gleich Anfangs der Ausgang der Kolik mit Sicherheit vorher zu be⸗ ſtimmen wäre; es hat dieſes vorzüglich in dem Um— ſtande ſeinen Grund, daß nur ſelten ie ſpecielle 162 34. Kolik. Beſchaffenheit der Urſachen und der Wirkungen, welche dieſe bereits hervorgebracht haben, zu beſtimmen ſind. So ereignet es ſich dann oft genug, daß die Kolik tödtlich endet, obgleich ihre Zufälle Anfangs die ge— lindeſten waren und nicht geeignet ſchienen Beſorgniſſe einzuflößen, während auf der andern Seite manche Kranke geneſen, welche bereits als verloren angeſehen wurden. Dieſes begegnet, was nicht auffallend iſt, nicht nur Laien, ſondern ſelbſt den erfahrenſten Sach⸗ verſtändigen. So lange noch Miſt und Urin oder Winde abge⸗ hen, Ohren und Beine, ſo wie die Umfläche des Körpers, noch warm und nicht mit kaltem Schweiße bedeckt ſind; das Innere des Maules und die Zunge noch warm und faucht erſcheinen, das Pferd ruhig oder faſt ruhig ſteht oder liegt, und die Krankheit noch nicht länger als etwa vier bis ſechs Stunden gedauert hat, iſt im Allgemeinen noch keine Gefahr vorhanden. Gehen dagegen weder Miſt noch Urin noch Winde ab, fließen die Klyſtire wirkungslos wieder aus dem After zurück, ſind Ohren, Beine und die Haut kalt, und mit Schweiß bedeckt; iſt die Zunge blaß, welk und vollig trocken; iſt das Pferd in ſteter Unruhe und Be⸗ wegung, blähet der Leib zuſehends und ſehr ſtark auf, ſetzt ſich das Pferd auf den Hintern, rülpſt daſſelbe oder ſtößt es Futterbrei durch die Naſenlöcher aus, iſt es gefühllos gegen Züchtigungen, ſtellt ſich Zittern an der Schultergegend oder an den Vorderſchenkeln ein, ſo ſind dieſe Zeichen theils höchſt bedenklich, theils faſt ſichere Vorläufer des Todes. Hengſte, Wallachen und gut genährte Pferde werden öfterer von der Kolik befallen, als Stuten und magere Subjekte. Unter allen Umſtänden iſt der reichliche Abgang von Miſt, oder der häufige, in langgehaltenen und ſehr lauten Tönen erfolgende Abgang von Winden ein höchſt günſtiges Zeichen; ſie ſind ein faſt ſicheres Sig⸗ nal von erfolgter oder erfolgender Heilung. Auch der Abgang von Urin iſt ein erfreuliches Zeichen, denn es wird dadurch bekundet, daß der Krampf der Bauchein— geweide mehr oder weniger gewichen iſt. Sind die Entleerungen aus After und Blaſe erfolgt, ſo iſt das Thier gewöhnlich auf der Stelle ſchmerzfrei und gänz⸗ lich hergeſtellt; es langt wieder nach dem Futter, und zeigt in ſeinem Benehmen nichts mehr von Krankheit. Die allergewöhnlichſten Urſachen der Kolik beſte⸗ hen, außer in Erkältungen, in dem Genuſſe von Rog⸗ gen, Hülſenfrüchten, beſonders Erbſen, und trockener Kleie; vorzüglich dann, wenn das Pferd gleich nach dem Füttern laufen oder ſchwer ziehen muß. In Betreff der Kur der Koliken hier noch einige allgeme ine Vorſchriften. Da die Urſachen der Kolik oft nicht zu ermitteln ſind, oder es doch ſchwer hält von der wahren Beſchaf⸗ fenheit derſelben ſich zu unterrichten, ſo wird der Laie nur ſelten wiſſen, welche beſondere Art von Kolik er vor ſich hat. Es iſt deshalb die Kenntniß eines all⸗ gemeinen Heilverfahrens erforderlich, und in der That lehrt die Erfahrung, daß die meiſten Koliken auf faſt dieſelbe Weiſe, und zwar mit Glück, behandelt werden können. Die Fälle, in denen die Kolik augenfällig von genoſſenen Giften, aus Würmern in den Gedär⸗ men und aus Blaſenſteinen entſtand, gehören natür⸗ lich nicht hierher. Wird ein Pferd von Kolik befallen, ſo iſt es zu⸗ nächſt wichtig und faſt unerläßlich, daſſelbe an einen paſſenden Orte unterzubringen; der gewöhnliche Stall⸗ raum iſt meiſtens zu ſchmal. Erlauben es die Um⸗ ſtände, ſo bringt man das Pferd in ein Lokal, in wel⸗ chem es unangebunden ſteht, ſtets muß die Streu recht hoch und auch trocken ſein, und, wenn das Pferd ſie unter ſich ſcharret, wieder gehoͤrig zurecht gelegt wer⸗ den. Kann ein Schafſtall benutzt werden, ſo iſt die⸗ ſer, wegen ſeiner Wärme und hohen weichen Streu ſehr paſſend, auch ſcheinen die ammoniakaliſchen im Schafſtalle in reicher Menge vorhandenen Dünſte gün⸗ ſtig auf den Kranken zu wirken. Derſelbe wird recht warm gehalten, mit einer wollenen Decke belegt, und vor jedem Luftzuge ꝛc. geſchützt. Unter allen Umſtän⸗ den ſind oft, alle zehn bis funfzehn Minuten wieder⸗ holte, recht kräftige Reibungen des Körpers mit klei⸗ nen, trockenen, oft zu erneuernden Strohbündeln von Nutzen. Das Niederwerfen des Kranken und ſein Wälzen auf dem Boden kann unbedenklich geſtattet werden; es iſt dieſes nicht nur ohne Gefahrz ſondern ſogar nützlich; es gehen dabei ſehr oft Winde ab, und das Pferd findet dabei auch in anderer Hinſicht einige Erleichterung für ſeine heftigen Schmerzen. In der Regel wird Alles aufgeboten, um das Pferd am Nie⸗ derwerfen zu verhindern; man fürchtet, daß ſich dabei die Gedärme verſchlingen könnten. Dieſes iſt ein Irrthum! Auf der Weide befindliche, geſunde Pferde wälzen ſich unendlich oft im Graſe, ohne daß Jemand dabei eine Verſchlingung der Gedärme befürchtet, und ſie tritt fürwahr kaum jemals ein. Bei dem kolikkran⸗ 34. Kolik. ken Pferde im Stalle iſt die Gefahr um nichts größer; ſeine von Luft, Futter, Koth oder Blut übermäßig angefüllten Gedärme hängen nicht ſo ſchlottrig im Leibe, daß ſie ſich ſo leicht verſchlingen könnten. Die zahl⸗ reichſten Leichenöffnungen kolikkrank geweſener Pferde ſprechen ebenfalls dagegen. Nicht eine Verſchlingung der Gedärme, wohl aber eine Berſtung derſelben, noch mehr aber des Magens, findet allerdings zuweilen durch ein gar zu plötzliches Niederwerfen ſtatt; dieſes kann aber theils durch ein weiches, hohes Lager ver⸗ hütet werden, theils können die ſeltenen Fälle dieſer Art gegen den großen Nutzen, den das Liegen und Wälzen des kranken Pferdes hat, nicht wohl in Betracht kommen. Das ſo ſehr übliche Reiten oder Herumfüh⸗ ren des Kranken iſt in der Regel zu tadeln; es nützt ſelten; das Pferd wirft ſich dabei leicht auf die kalte Erde, oder auf das Steinpflaſter, iſt dabei der Erkäl⸗ tung ausgeſetzt ꝛc. Nur bei der Windkolik iſt Bewe⸗ gung gut; das Pferd wird unter einer Decke— nicht mit dem Sattel— bei heitrem Wetter im Freien, ſonſt aber in einem bedeckten Raume, im mäßigen Trabe ge⸗ ritten, und zwar zehn bis funfzehn Minuten hindurch, und dies unter Umſtänden einige Male wiederholt. Iſt Verſtopfung vorhanden, und dieſes iſt faſt allemal der Fall, ſo wird ungeſäumt der im Maſt⸗ darme befindliche und mit der Hand erreichbare Miſt herausbefördert. Zu dieſem Ende werden die Hand und der entblößte Arm mit Seifenmaſſer oder, beſſer noch, mit Oel beſtrichen, die Spitzen aller Finger ſo nahe wie möglich an einander gedrückt, und dann die Hand in den After eingeführt, während ein Gehülfe den Schweif zur Seite hält. Das Pferd kneift zwar Anfangs den After zu, aber durch eine drehende Be⸗ wegung dringt die Hand doch bald ein, wo ſie dann bis auf die ganze Länge des Armes eingeführt wird, indem ſie nach und nach allen Koth herauslangt. Dieſe Manipulation muß mit einer gewiſſen Schonung und Vorſicht ausgeführt werden, und kann beim Stehen und beim Liegen des Pferdes unternommen werden. Iſt der Maſtdarm auf dieſe Weiſe entleert, ſo werden gleich darauf einige Klyſtire geſetzt, wozu grüne Seife, Kochſalz und lauwarmes Waſſer genommen werden. Auf ein genaues Verhältniß der Seife und des Sal— zes zum Waſſer kommt es nicht an. Iſt die Kolik eben erſt entſtanden, und ſind die Zufälle nur ſehr geringfügig, ſo kann es bei dem an⸗ gegebenen einfachen Verfahren eine halbe oder ganze 163 Stunde lang ſein Bewenden haben. Nicht ſelten wird ſchon jetzt das Uebel gehoben ſein. Es gehen einige Winde oder etwas Miſt ab, das Thier frißt und erſcheint wieder geſund. Iſt dieſes nicht der Fall, und ſchreitet die Krankheit vor, ſo darf mit der An⸗ wendung fernerer Mittel nicht länger gezögert werden. Das Pferd erhält einen Einguß aus einem halben oder ganzen Quentchen Brechweinſtein und acht bis zwölf Loth Glauberſalz mit einer Weinflaſche voll ſtarkem Kamillenthee; alle halbe bis ganze Stunden wird ein ſolcher Einguß wiederholt. Statt des Brechweinſteins kann man ſich auch der Schwefelleber in gleicher Menge bedienen, und ſtatt der Kamillen kann man Pfeffer⸗ münzkraut oder gequetſchten Kümmelſaamen nehmen, beſonders wenn der Bauch von Luft aufgetrieben er— ſcheint. In den meiſten Fällen wird die Kolik durch das bisherige Verfahren gehoben ſein; halten die Zu⸗ fälle aber an, und werden ſie ſchlimmer, ſo giebt man, etwa fünf bis ſechs Stunden nach dem Beginne der Kur, eine Laxanz aus anderthalb bis zwei Loth Aloe, dreiviertel bis ein Pfund Glauberſalz, zwei Loth Kümmel oder Kamillenblumen, mit Mehl und Waſſer zur Latwerge gemacht, ein, und zwar An— fangs die Hälfte derſelben, und einige Stunden ſpäter den Reſt; oder man macht einen Einguß, der aus einem Loth Aloe, zwölf Loth Glauberſalz, einem halben Pfund Lein- oder Rüböl und einem halben Quart warmem Waſſer beſteht, und wiederholt denſelben nach einigen Stunden nochmals. Gleich hinterher reibt man in den ganzen Bauch des Pferdes, bis hoch nach den Flanken hinauf, ein Gemiſch aus zwei Loth Sal⸗ miakgeiſt, ſechs Loth Terpentinöl und eben ſo viel Leinöl ein. Eine ſolche Einreibung iſt überaus wirk⸗ ſam; es iſt dabei zu bemerken, daß das Einreiben ſehr raſch geſchehen muß, denn das Pferd wird dadurch faſt immer ſo ſehr unruhig und ſo ſchmerzhaft afficirt, daß man ſich demſelben nicht ohne Gefahr annähern kann. Kurze Zeit nach dem Einreiben ſchüttelt ſich das Pferd wiederholt, es ſieht ſich, mehr als vorher, nach dem Bauche um, ſchlägt mit den Hinterfüßen darnach, wird im hohen Grade unruhig, will ſich niederwerfen, fährt mit Haſt an die Seitenwände ꝛc. Dieſer aufgeregte Zuſtand dauert indeſſen nur kurze Zeit; etwa zehn bis höchſtens funfzehn Minuten, wor⸗ auf ſich das Pferd dann wieder beruhigt. Manche Pferde werden nach der Einreibung ſo überaus unru⸗ hig und tobend, daß ſie Gefahr laufen, ſich im Stalle 164 34. zu beſchädigen; es iſt dann beſſer dieſelben kurze Zeit hindurch im ſtarken Schritte herumzuführen, und dabei durch die Peitſche zu verhindern, daß ſie ſich auf die bloße Erde niederwerfen. Nach der Einreibung bricht faſt immer ein allgemeiner Schweiß aus, oft gehen dabei Miſt und Winde ab, und wenn die durch die Einreibung erzeugten Schmerzen ſich verloren haben, iſt zugleich auch oft der Leibſchmerz weg, und die Krankheit gehoben. Noch vor der Applikation der Einreibung wird dem Pferde ein Aderlaß gemacht; die Quantität des zu entleerenden Blutes muß ver⸗ hältnißmäßig immer beträchtlich ſein, und darf nicht leicht weniger als zehn bis zwölf Pfund betragen. In vielen und in allen verzweifelten Fällen kann der Aderlaß acht bis zehn Stunden ſpäter wiederholt werden. Anmerkung. Obwohl die Kolik in der Regel nur bei älteren Pferden erſcheint, ſo bleiben doch auch die Füllen nicht ganz von derſelben verſchont. Es ereignet ſich nämlich zuweilen, daß ein, wenige Tage vorher geborenes, Füllen an Leibſchmerzen und Ver⸗ ſtopfung leidet, weil das ſogenannte Füllenpech nicht abgegangen iſt, ſondern in verhärtetem Zuſtande in den Gedärmen zurückgehalten wird. Das Füllen drängt dann wiederholt auf den Miſtabgang, benimmt ſich unruhig, ſieht ſich nach dem Leibe um, iſt traurig, langt nicht zum Euter der Mutter. Hengſtfüllen ſchachten aus, und drängen auf den Urinabgang mit zitterndem, ſenkrecht emporgehaltenen Schweife. Die Gefahr bei dieſem Uebel iſt in der Regel nicht groß. Das Thier wird recht warm gehalten, und vor jeder Zugluft verwahrt; das beſte Abführmittel ſtellt die erſte Milch der Mutter dar; das Füllen wird daher wiederholt zum Euter derſelben gebracht. Will daſ⸗ ſelbe nicht ſaugen, ſo melkt man das Euter aus, und gießt dem Füllen die Milch behutſam ein. Um noch ſicherer Kothentleerung zu bewirken, giebt man drei bis vier Eßlöffel voll Baumöl ein, oder eine Auflö⸗ ſung von zwei bis drei Loth Bitterſalz in etwas Ka⸗ millenthee. Der Bauch wird mit erwärmtem Brenn⸗ ſpiritus eingerieben, auch ſetzt man einige Klyſtire aus Seife und lauwarmem Waſſer. 2) Kolik beim Rindvieh. Ungleich ſeltener als beim Pferde zeigt ſich die Kolik beim Rindvieh; die Zufälle ſind jedoch zum Theil dieſelben, obſchon ſie nicht mit der Heftigkeit erſcheinen als beim Pferde, Kolik. was in der geringeren Erregbarkeit und Lebensenergie der Thiergattung ſeinen Grund hat. Das von Kolik befallene Rind läßt vom Freſſen und Saufen; es wird traurig, zeigt Angſt und Un⸗ ruhe, wendet ſich im Stalle hin und her, wirft ſich nieder, ſpringt wieder auf, ſieht ſich nach dem Bauche um, hält den Schweif vom Leibe bogenförmig ab, und ſchlägt auch wohl mit den Hinterfüßen nach dem Bauche. Zuweilen treibt der Bauch, beſonders in der rechten Flankengegend, etwas auf, Hörner, Ohren und Beine ſind kalt, und iſt die Krankheit heftig, ſo findet auch wohl ein wiederholtes Brüllen ſtatt. Dabei iſt in der Regel Verſtopfung zugegen, oder es gehen nur einige Blähungen ab, auch erfolgt mitunter ein wiederholtes Aufſtoßen oder Rülpſen. Die Urſachen liegen in den meiſten Fällen im Fut⸗ ter; daſſelbe wurde zu haſtig oder in zu großer Menge verſchluckt, oder war auf irgend eine Weiſe verdorben ꝛc. In der Regel iſt die Kolik beim Rindviehe nicht ge⸗ fährlich, im Fall keine zu große Luftentwickelung ſtatt⸗ findet. Das Thier erhält alle halben oder ganzen Stunden einen Einguß aus zwei Quentchen Chlorkalk, einem Loth geſtoßener Ingwerwurzel mit einem halben Quart Kamillenthee. Statt deſſen kann man auch ein bis zwei Quentchen Schwefelleber und ein Loth geſtoßenen Kümmel mit Kamillenthee geben; oder endlich ein bis zwei Quentchen Brechweinſtein und vier bis ſechs Loth Glauberſalz, mit Thee von Kamil⸗ len oder Wermuth. Dabei werden oft Klyſtire, wie beim Pferde, geſetzt, und der Bauch oft mit Stroh⸗ wiſchen frottirt. Läßt das Uebel nach zwölf bis acht⸗ zehn Stunden nicht nach, ſo wird ein Aderlaß von ſechs bis zehn Pfund Blut gemacht, und der ganze Umfang des Bauches mit einer Miſchung aus vier Loth Terpentinöl und eben ſo viel Rüb⸗ oder Leinöl auf einmal eingerieben. Auch das Schaf leidet mitunter ebenfalls an Ko⸗ lik, aber noch ſeltener, als das Rind. Zufälle und Urſachen ſind faſt genau die nämlichen, und auch die Kur iſt dieſelbe, nur mit dem Unterſchiede, daß hier natürlich die Arzneien in geringerer Menge gegeben werden müſſen. Man giebt ungefähr den dritten Theil von jenen. Ein Aderlaß iſt ſelten erforderlich; ſcheint er jedoch nöthig, ſo entzieht man etwa nur ein halbes bis dreiviertel Pfund Blut. Einreibungen in den Bauch können, wegen der bewollten Haut, keine Anwendung finden. 34. Kolik. 3) Kolik beim Schweine. Bei dieſer Thiergat⸗ tung ſind Koliken nicht ſo gar ſelten, welches zum Theil in der großen Gefräßigkeit des Schweines, bei welcher es die verſchiedenartigſten, oft ganz unverdau⸗ liche, Subſtanzen verſchluckt, begründet ſein mag. Oft veranlaſſen auch Würmer in den Gedärmen dieſe Krank⸗ heit, ferner Erkältung, der übermäßige Genuß von Schrot, friſchem Getreide, warmen Molken ꝛc.— Das kolikkranke Schwein krümmt und windet ſich, iſt unruhig, läuft hin und her, wendet ſich oft auf ſeinem Lager, ſchreit, ſtöhnt und ächzt und bekommt auch wohl Zuckungen an verſchiedenen Theilen des Körpers; Ohren, Rüſſel und Füße ſind kalt, es iſt Verſtopfung vorhanden, oder es geht nur ſehr harter Koth und in geringer Menge ab. Manchmal wird auch der Bauch von Luft aufgetrieben, oder es findet ein wiederholtes Erbrechen ſtatt. Wird die Krankheit nicht bei Zeiten geheilt, ſo erfolgt nicht ſelten der Tod, und zwar durch Entzündung des Magens und der Gedärme. Die Kur iſt nach den Umſtänden einzurichten. Das Schwein wird in einen warmen, mit vieler trockener Streu verſehenen Stall gebracht. Sind Würmer die Urſache der Krankheit, welches vorzüglich daran zu er⸗ kennen iſt, daß zu Zeiten Würmer(Spulwürmer) mit dem Kothe abgehen, und daß das Schwein trotz gutem Appetite nicht recht gedeiht, ſo giebt man nachſtehen⸗ des Mittel: Theer, glänzender Ofenruß und Hirſch⸗ hornöl, von jedem ein bis zwei Loth, werden gemiſcht, und hiervon wird dem Schweine täglich zweimal, jedesmal wie eine Wallnuß groß, mit einem Hölzchen auf die Zunge geſtrichen. Hat das Schwein ſich in ſchwerem Futter überfreſſen, ſo erhält daſſelbe Anfangs ein Brechmittel, und hinterher häufige Eingüſſe aus Oel, Leinſamenſchleim, Milch. Sind verſchluckte giftige Subſtanzen Schuld an der Krankheit, ſo paßt daſſelbe Verfahren. Bei Windkolik giebt man zwei bis vier Loth Glauberſalz mit ſtarkem Kamillenthee, reibt den Bauch mit etwas Terpentinöl ein, und ſetzt, ſo wie in allen Fällen, in welchen Verſtopfung vor⸗ 165 handen iſt, recht oft zu wiederholende Klyſtire. Bei langer Dauer und großer Heftigkeit der Kolik iſt ein Aderlaß erforderlich. Wie derſelbe gemacht wird, iſt a. a. O. angegeben worden. 4) Auch der Hund wird zuweilen von der Kolik befallen. Sie zeigt ſich durch Unruhe, Verſtopfung, Mangel an Appetit; in heftigen Fällen winſelt und ſchreit der Hund, läuft unruhig umher, wechſelt un⸗ aufhörlich ſeine Lage ꝛc. Erkältungen, Ueberfreſſen und Würmer, beſonders der Bandwurm, ſind die ge⸗ wöhnlichern Urſachen. Zunächſt erhält der Hund ein Brechmittel, welches, je nach der Größe des Hundes, in einem bis fünf Gran gepulverter, weißer Nießwur⸗ zel beſteht, welches trocken auf die Zunge geſchüttet wird. Hat der Hund hinreichend gebrochen, ſo giebt man demſelben ein bis zwei Loth Glauberſalz mit Kamillenthee, oder einige Eßlöffel voll Oel, oder zwei bis drei Loth Ricinusöl. Bricht der Hund freiwillig und ſehr oft, und zeigt er großen Durſt, ſo iſt der Magen entzündlich gereizt, vielleicht durch genoſſene ſcharfe und giftige Stoffe. Hier paßt dann natürlich kein Brechmittel; man giebt alsdann viel Oel, Milch, Haferſchleim und dergleichen milde Flüſſigkeiten ein. Ueberall, wo Verſtopfung vorhanden iſt, ſetzt man öfters Klyſtire, und in ſchlimmeren Fällen reibt man den Bauch mit flüchtiger Salbe ein, und hüllt ihn in warme Decken. Nicht ſelten entſteht das Hinderniß der Kothentleerung durch ſehr verhärteten Koth oder durch Knochenſtückchen, welche ſich im hinteren Theile des Maſtdarms, in der Nähe des Afters, feſtgeſetzt haben. In ſolchen Fällen geht man mit dem geölten Finger in den After ein, und räumt das erwähnte Hin⸗ derniß hinweg. Gingen früher Stückchen von einem Bandwurme ab, ſo kann das bisher angegebene Ver⸗ fahren, das Ricinusöl ausgenommen, nichts nützen; es muß dann eine Kur eintreten, welche den Band⸗ wurm tödtet und hinterher abtreibt, wozu das Verfah⸗ ren a. a. O. angegeben werden ſoll. 166 35. Maul⸗ und Klauenſeuche. 35. Maul⸗ und Klauenſeuche. Dieſe Krankheit, welche bei allen Hausthieren zum Vorſchein kommen kann, wird wegen der Kürze ihrer Dauer und der geringen Gefahr, mit welcher ſie ver⸗ bunden iſt, die gutartige Maul⸗ und Klauenſeuche genannt, als Gegenſatz der bösartigen Maul⸗ und Klauenſeuche. Die ſogleich zu beſchreibenden Zeichen und der Verlauf der Krankheit werden die großen Un⸗ terſchiede zwiſchen der erſten und der letzten Form der Krankheit deutlich ins Licht ſtellen. Am meiſten iſt das Rindvieh zu dieſer Krankheit geneigt, dann das Schwein, hierauf das Schaf, am wenigſten das Pferd. Die Maulſeuche iſt oft mit der Klauenſeuche verbunden; häufig aber findet dieſes auch nicht ſtatt. Beide Krankheiten haben dieſelben Urſachen, und ſind weſentlich ganz leicht; ihr verſchiedener Sitz allein bedingt ihre Verſchiedenheit. Zeigt ſich die gutartige Maul- und Klauenſeuche in einer Gegend, ſo befällt ſie in der Regel das Rind⸗ vieh, die Schweine und die Schafe zugleich; mitunter wird aber nur allein das Rindvieh befallen, oder auch wohl nur die Schweine, wovon ich einige Fälle zu be⸗ obachten Gelegenheit hatte. Pferde bleiben in der Regel verſchont, oder werden doch nur hier und da, und nur einzeln befallen, auch bleiben die Füße des Pferdes von der Krankheit ſtets frei. Die Maulſeuche des Pferdes iſt eine überaus gelinde Krankheit; das Thier geifert etwas, bekommt einige Blaſen im Maule, frißt dabei langſam und wenig, und iſt in einigen Tagen wieder hergeſtellt. Des ſeltenen Vorkommens der Maulſeuche bei Pferden und der Gelindigkeit der Zu⸗ fälle wegen, kann dieſelbe hier füglich übergangen wer⸗ den, um ſo mehr, da die Kur mit der beim Rindviehe zu beobachtenden völlig gleich iſt. Es wird hier alſo nur von der Maul- und Klau⸗ enſeuche des Rindviehes, der Schafe und Schweine die Rede ſein. a) Beim Rindvieh. Ohne bekannte oder ſichtbare Veranlaſſung, oder zwei bis drei Tage nach der muth⸗ maßlichen Anſteckung, wird das Thier von einem Froſt⸗ ſchauer befallen; es zittert, Ohren, Füße und die Umfläche des Körpers ſind kühl. Dieſer Zuſtand dauert gewöhnlich achtzehn bis vierundzwanzig Stun⸗ den, worauf überall eine vermehrte Wärme eintritt; Ohren und Höorner, ſowie das Innere des Maules, ſind vermehrt warm; die Augen erſcheinen geröthet. Das Thier iſt weniger munter, als ſonſt, unluſtig, traurig und träge, ſein Gang iſt langſam, ſteif und geſpannt, der Appetit iſt gering, Wiederkäuen findet wenig oder gar nicht mehr ſtatt, aus Augen und Naſenlöchern fließen Tropfen einer wäſſerigen Feuchtigkeit. Zwei bis drei Tage ſpäter füllt ſich das Maul mit vielem zähen Geifer, welcher in den Maulwinkeln große Bla⸗ ſen bildet, und fadenziehend aus dem Maule zur Erde herabfällt; das Haar iſt aufgeſträubt und ſtruppig, das Thier frißt entweder gar nicht, oder nur ſehr wenig, und käuet dabei ſehr langſam; es magert ab, bekommt einen dünnen Bauch, und giebt nur noch wenig Milch, welche ſchleimig und fade iſt, und beim Kochen leicht gerinnt. Bei näherer Unterſuchung findet man an den Rändern der Lippen, noch mehr aber auf der Zunge, am Gaumen, oder an dem zahnloſen Rande des Oberkiefers, mit klarer, gelblicher Flüſſigkeit ge⸗ füllte Blaſen, von der Größe einer Erbſe bis zu der einer Wallnuß und oft noch weit größer, von runder oder unregelmäßiger Geſtalt. Dieſe Blaſen, welche aus der emporgehobenen Oberhaut gebildet werden, platzen ſehr bald, entweder von ſelbſt oder durch die Bewegungen der Zunge oder des Maules; die ge⸗ trennte Oberhaut verdickt ſich, wird weiß, und hat das Anſehen eines Talglappens. In kurzer Zeit trennt ſie ſich von ihrer Umgebung und fällt ab, worauf dann die von Oberhaut entblößten Theile ſehr roth, ange⸗ ſchwollen und ſchmerzhaft erſcheinen. Nicht ſelten er⸗ ſcheinen auf ſolche Weiſe die Hälfte der Zunge oder ein großer Theil des Gaumens wund. Das Thier leidet alsdann, beſonders bei den Verſuchen zu freſſen, große Schmerzen, und es ſteht, des vorhandenen Ap⸗ petits ungeachtet, in der Regel gänzlich davon ab. Sind die Blaſen geplatzt, und hat ſich die Oberhaut abgelöſt, ſo wird das Geifern nach und nach geringer; das Thier wird munterer, die rothen und wunden Stellen im Maule werden ſchmerzloſer und blaſſer, es bildet ſich raſch eine neue Oberhaut, der Appetit kehrt zurück, das Wiederkäuen ſtellt ſich wieder ein, und das Thier erſcheint wieder geſund, wie früher. Die 35. ganze Dauer der Krankheit beträgt ſieben bis zehn, ſeltner vierzehn Tage. Wie ſie eben beſchrieben wurde erſcheint die Maul⸗ ſeuche in der Regel; manchmal iſt ſie aber auch viel gelinder; ſelten viel übler. Es giebt Fälle, und ich habe deren ſelbſt beobachtet, wo die Krankheit von dem Viehbeſitzer kaum wahrgenommen wurde. Die Thiere waren einige Tage hindurch nicht ganz ſo bei Appetit und Munterkeit wie ſonſt, ſie gaben etwas weniger Milch, und aus den Maulwinkeln floß in geringerer Menge ein fadenziehender Speichel. Ohne daß irgend ein Mittel gebraucht, oder ſonſt von der Krankheit Notiz genommen wäre, verſchwand ſie wie⸗ der ſpurlos, und zwar ſchon nach wenigen Tagen. Zuweilen wird die Maulſeuche indeſſen weit heftiger, und ihre Dauer erſtreckt ſich dann wohl auf zwölf bis vierzehn Tage; der Appetit und die Milchabſonderung verſchwinden vier bis ſechs Tage hindurch faſt gänzlich, das Maul iſt anhaltend mit zähem, ſehr übelriechen⸗ dem Geifer gefüllt, auch der Athem iſt von widrigem Geruche; das Innere des Maules iſt auf ſehr großen Flächen wund, und die von der Oberhaut entblößten Stellen bedecken ſich nur ſehr langſam mit neuer Ober⸗ haut, oder es bilden ſich auch wohl hin und wieder Geſchwüre. Unter ſolchen Umſtänden erſcheint das Thier dann heftiger krank; es liegt viel und magert ſehr bedeutend ab. Aber auch in ſolchem Falle tritt doch bald die Geneſung ein, entweder ganz von ſelbſt, ſicherer und ſchneller noch bei einer angemeſſenen Kur. Fehlt dieſe und iſt das Thier ſchon vorher elend und abgehungert geweſen, ſo kann es in ſeltenen Fällen an der Maulſeuche krepiren. Herrſcht die Maulſeuche in einer Rinderheerde, ſo findet ſich in vielen Fällen, obſchon nicht allemal, auch die Klauenſeuche ein. Manche Stücke leiden an der Maulſeuche und Klauenſeuche gleichzeitig, oder die eine Krankheit findet ſich erſt ein, nachdem die andere mehr oder weniger gewichen iſt. Bei jenen Stücken, welche ſehr heftig an der Maulſeuche leiden, ſtellt ſich ſelten die Klauenſeuche ein, und umgekehrt iſt die Maulſeuche gewöhnlich gering, wo die Klauenſeuche ſehr heftig zum Vorſchein kommt. Die Gegenwart der einen Krankheit ſchwächt die Heftigkeit der andern Krankheit. Im Allgemeinen kommt die Klauenſeuche ſeltener vor; ſie fehlt in manchen mit der Maulſeuche behafteten Rinderheerden gänzlich, oder ſie ergreift doch nur einzelne, ſelten alle, Stücke derſelben. Maul⸗ und Klauenſeuche. 167 Die allgemeinen Zufälle bei der Klauenſeuche, ihr Eintritt und ihr Verlauf ſind weſentlich dieſelben als bei der Maulſeuche; der Unterſchied wird allein durch die Beſchaffenheit der befallenen Theile bedingt. Das klauenſeuchige Rind geht lahm, geſpannt und offenbar ſchmerzhaft; es bewegt ſich langſam und ungern, und liegt deshalb viel. Die Klauen erſcheinen vermehrt warm, an ihrem oberen Theile angeſchwollen und beim Drucke ſchmerzhaft. Nach einigen Tagen zeigen ſich im Klauenſpalte, an den Ballen oder an der nahe über der Klaue befindlichen Haut mehr oder weniger große Blaſen, von ganz der Beſchaffenheit, wie ſie im Maule ſich finden. Dieſelben platzen leicht, und hinterlaſſen einen wunden, näſſenden, entzündeten und angeſchwollenen Grund. Mit Ausnahme der entzünd⸗ lichen Anſchwellung der kranken Füße, werden die übrigen Erſcheinungen in der Regel überſehen, beſon⸗ ders auch die Blaſen, welche des Haares wegen nicht ſo leicht in die Augen fallen. Macht die Klauenſeuche, wie das die Regel iſt, einen gelinden, gutartigen Ver⸗ lauf, ſo laſſen Geſchwulſt, Entzündung und Schmer⸗ zen ſehr bald immer mehr nach, und die Krankheit iſt vorüber; ihre Dauer iſt jedoch meiſtens um vier bis ſechs Tage länger, als die der Maulſeuche. Obwohl die Thiere bei der Klauenſeuche wenig oder gar nicht vom Freſſen laſſen, ſo magern ſie der Schmerzen we⸗ gen, und weil die Krankheit Anfangs fieberhaft iſt, dennoch beträchtlich ab. Unter ungünſtigen Umſtän⸗ den und bei unpaſſender Behandlung des Kranken, aber auch faſt nur allein durch ſie, kann die Klauen⸗ ſeuche ein ſehr bedeutendes Uebel werden; es können ſich an der Krone und im Klauenſpalt, beſonders an den Stellen, an denen die Blaſen befindlich waren, tiefe, freſſende Geſchwüre bilden; die allgemeine Ent⸗ zündung der Klauen und die dadurch erzeugte Lahmheit können ſich in die Länge ziehen; in den Klauen kann ſich bei anhaltender Entzündung Eiterung bilden, ſo daß ſie ſogar abfallen; oder es kann ſich der Eiter aus den Geſchwüren in den Hornſchuh ergießen, ihn zum Abfallen bringen, oder Knochen und Bänder angrei⸗ fen, und dadurch eine langwierige, ſchwer heilbare Klauenkrankheit hervorbringen, bei der das Thier zu⸗ letzt ſogar zu Grunde gehen kann. Dieſes etwas fin⸗ ſtere Bild der Klauenſeuche habe ich indeſſen nur den wenig häufigen Fällen entnommen, in denen die Kranken ſinnlos behandelt oder verwahrloſt wurden. Außer an den Klauen und im Maul entſteht zu⸗ 168 35. weilen bei Kühen noch ein Blaſenausſchlag am Euter. Das Euter und die Zitzen(Striche) zeigen Anfangs, beſonders an den Stellen, die nachher der Sitz der Blaſen werden, die Zeichen der Entzündung; es iſt heiß, geröthet, angeſchwollen und bei der Berührung ſehr empfindlich, ſo daß dergleichen Kühe gar nicht oder doch nur ſchwer zu melken ſind. Bald darauf finden ſich, in verſchiedener Anzahl und Größe, Bla⸗ ſen ein, die denen im Maule erſcheinenden durchaus gleich ſind. Dieſe Blaſen platzen, ihr Inhalt fließt aus, es bildet ſich, ohne ſonderliche Eiterung, eine neue Oberhaut, und der Ausſchlag iſt in acht bis vier⸗ zehn Tagen, ohne Narben zu hinterlaſſen, wieder fort. Nur unter gewiſſen nachtheiligen Einflüſſen erfolgt die Bildung von Geſchwüren, und dann nicht nur ſpäte Heilung, ſondern auch mancherlei Störungen in der Milchabſonderung und in deren Entleerung durch die Zitzen. Endlich noch wählt die Krankheit in einigen, ob⸗ ſchon von mir nie geſehenen, aber unzweifelhaften Fällen, die Wurzel der Hörner zu ihrem Sitze. Die Hörner ſind ſehr heiß, und an ihrer Verbindungsſtelle mit der Haut bildet ſich eine lebhafte Entzündung, wahrſcheinlich auch mit der Bildung von Bläschen, die jedoch der hier befindlichen ſehr groben und dichten Haare wegen nicht zu entdecken ſind. In den gelin⸗ deren Fällen verliert ſich die Entzündung nach und nach; andere Male bildet ſich am Rande des Hornes eine Eiterung, durch welche ſogar das ganze Horn aus ſeiner Verbindung mit dem Hornzapfen getrennt wer⸗ den und dann abfallen kann. Die Gelindigkeit der Maul- und Klauenſeuche macht in der Regel jedes ärztliche Eingreifen unnöthig und überflüßig; die meiſten Kranken werden ganz von ſelbſt wieder geſund, und es iſt beſſer lieber gar nichts dabei zu thun, als zu geſchäftig dabei zu ſein. Die kurze Dauer, welche die Krankheit zu ihrer Heilung bedarf, läßt ſich kaum abkürzen, und die Verſuche dazu, beſonders das plumpe und rohe Verfahren die Blaſen aufzukratzen, und die wunden Hautſtellen mit Salz, Pfeffer oder anderen reizenden Sachen einzurei⸗ ben, ſind nur allein dazu geeignet aus einer unbedeu⸗ tenden Krankheit eine bedeutende, aus einer ſchnell vorübergehenden eine langwierige zu machen. Wahr⸗ ſcheinlich hat eine Verwechſelung der gutartigen Maul⸗ ſeuche mit dem Zungenkrebs häufig zu der Anwendung ſcharfer Mittel verleitet. Maul⸗ und Klauenſeuche. Die vorzüglichſte und faſt alleinige Aufgabe bei der Behandlung beſteht in einer zweckmäßigen War⸗ tung und Pflege der Kranken. Die Thiere bedürfen, ſo viel wie möglich, der Ruhe; man halte ſie in einem reinlichen, trockenen und mit hoher Streu verſehenen Stalle. Iſt eine grasreiche Weide ganz in der Nähe, ſo können die Kranken ohne Nachtheil, bei heiterem Wetter und am Tage, auf derſelben gehalten werden. Näſſe und Kälte ſind zu vermeiden. Die in und am Maule befindlichen Blaſen öffnet man, am paſſendſten mit einer Scheere, doch darf dabei die Haut der Blaſe nicht entfernt werden, weil ſie, ſo lange ſie feſtſitzt, dem darunter befindlichen ſchmerzhaften Grunde das beſte Schutzmittel abgiebt. Sind Zunge und Maul nur wenig entzündet, und finden ſich die Blaſen in nicht zu großer Menge und in nur mäßiger Anzahl, ſo überlaſſe man das Heilge⸗ ſchäft ganz der Natur. Iſt das Uebel aber heftiger, ſo daß der Kranke des ſchmerzhaften Gaumens ꝛc. wegen mehrere Tage hindurch gar nichts frißt, ſo kann man einige einfache Mittel in Gebrauch ziehen; ich bediente mich ſtets, anſcheinend mit einigem Erfolge, nachſte⸗ henden Mittels. Ein Loth Alaun wurde in einem Quart warmem Waſſer aufgelöſt und eine Hand voll Mehl zugeſetzt; hiermit wurde das Maul täglich zwei bis drei Mal, mittelſt einer Klyſtirſpritze, welche vor⸗ ſichtig in die Seite des Maules eingeführt wurde, aus⸗ geſpritzt. Statt des Alauns kann man auch ein halbes Loth blauen Vitriols nehmen, und ſtatt des Mehlwaſ⸗ ſers eine Abkochung von Leinſaamen. Eſſig, Kochſalz, Honig ꝛc. ſcheinen mehr zu ſchaden, als zu nützen. Mangelt eine Spritze, ſo nehme man einen fingers⸗ dicken Stock, umgebe deſſen eines Ende mit einem Knäuel Heede von der Größe eines Hühnereies, und befeſtige darüber ein Läppchen von weicher, vielfach zuſammengelegter, Leinwand, ſo daß dieſe in Form einer kleinen Fahne an der Spitze des Stockes hängt. Dieſe Vorrichtung tauche man in die bezeichnete Flüſ⸗ ſigkeit, und pinſele damit das Maul öfters aus, jedoch ſehr behutſam, damit die wunde Haut nicht gereizt und gerieben wird. Iſt der Speichel und Geifer von üblem Geruche, und wollen die wunden Stellen nicht zur Heilung kommen, ſo ſpritze man das Maul öfters mit lauwarmem Waſſer aus, und befeuchte das Innere des Maules gleich darauf, und auf die oben beſchrie⸗ bene Weiſe, mit einer Auflöſung von einem Loth Chlor⸗ kalk in einem Quart kaltem Mehlwaſſer oder in einer 35. Maul⸗ und Klauenſeuche. erkalteten Abkochung von Leinſaamen. Auch bei der Gegenwart von flachen Geſchwüren paßt dieſes Mittel. Das Wichtigſte bei der Behandlung der Maul⸗ ſeuche beſteht in der Sorge, daß das Thier, bei dem gehinderten und ſchmerzhaften Freſſen, nicht zu ſehr von Kräften kommt. Da das Schlucken von Flüſſig⸗ keiten in der Regel noch ſtattfindet, und das Thier außerdem großen Durſt hat, ſo reiche man recht viel Geſöff, als Mehlwaſſer, Waſſer mit Kleie, Schrot oder Leinkuchen, oder mit etwas Sauerteig; verdünnte, nicht heiße Branntweinſchlempe ꝛc. In Betreff des Futters reiche man welches das Thier noch am liebſten genießen mag. Sonderbarerweiſe freſſen die Kranken Klee, Gras und das weichſte Grünfutter, ſelbſt im zerſchnittenen Zuſtande, faſt gar nicht, während ſie dagegen das vergleichungsweiſe harte Rauchfutter, be— ſonders Heu, weit lieber freſſen. Man verſäume daher nicht ihnen Heu anzubieten. Der Euterausſchlag verliert ſich gewöhnlich auch ohne Behandlung; es muß dabei verſucht werden, das Euter, jedoch ſo ſchonend und ſanft als möglich, täglich einige Male auszumelken. Iſt die Geſchwulſt des Euters ſehr groß und hart, ſo können wiederholte Waſchungen deſſelben mit irgend einer ſchleimigen lau⸗ warmen Flüſſigkeit, z. B. mit Leinſamenabkochung, die mit einem weichen Lappen zu appliciren ſind, von Nutzen ſein. Bilden ſich Geſchwüre, ſo befeuchte man ſie täglich mehrere Male mit einer Auflöſung von einem Loth Alaun oder blauen Vitriol in einem Quart Waſſer, oder mit einem Liniment aus zwei Loth Blei⸗ eſſig und acht Loth Lein⸗ oder Rüböl. Auch das ein⸗ fache und wiederholte Beſtreichen mit Milchrahm oder ungeſalzener Butter reicht oft ſchon aus. Die Milch wird weggegoſſen, da ſie für Menſchen und Thiere nachtheilige, oft ſelbſt tödtliche, Folgen hat. Gegen die etwa befallenen Hörner iſt nichts zu unternehmen; tritt der ſehr ſeltene Fall ein, daß ein Horn abfällt, ſo hat das durchaus nichts zu ſagen. Es bildet ſich von ſelbſt wieder ein neues Horn. Will man etwas thun, ſo ſchlage man ein in Oel getauch⸗ tes leinenes Läppchen um den Hornzapfen, um ihm einigen Schutz dadurch zu geben. Die Klauenſeuche heilt ebenfalls in der Regel von ſelbſt. Entſtehen indeſſen wunde Hautſtellen oder tiefer gehende Geſchwüre, ſo paſſen eine Auflöſung von Alaun, grünem Vitriol oder Chlorkalk in dem oben angegebenen Verhältniſſe. Auch eine Auflöſung Wagenfeld, Encyel. 169 von einem Loth Bleizucker in einem Quart Waſſer iſtoft heilſam. Senkt ſich der Eiter etwa in die Hornkapſel, ſo ſchneide man den getrennten Theil des Hornes weg, auch ſchere man die Haare von dem kranken Fuße ſo viel wie möglich ab. Es iſt ein häufiger Gebrauch die an der Klauenſeuche leidenden Thiere anhaltend in kaltes Waſſer zu treiben, in der Abſicht dadurch die Entzündung zu mäßigen oder zu heben. Die Erfah⸗ rung hat gelehrt, daß dieſes in der Regel nachtheilig und ſomit verwerflich iſt, denn das Uebel will ſeinen Krankheitsproceß durchmachen, und wird darin viel⸗ leicht nicht ungeſtraft aufgehalten. Ueberaus wichtig bei der Kur iſt es, daß dem Thiere die äußerſte Ruhe gegeben wird; iſt daſſelbe gezwungen zu gehen, oder zu arbeiten, oder wird daſ⸗ ſelbe vielleicht nach fernen Weiden getrieben, ſo kann das ſehr üble Folgen haben. Die Klauen entzünden ſich dabei jedenfalls, und können dann von langwie⸗ rigen Eiterungen ꝛc. befallen werden. Ein trockener, mit hoher und weicher Streu verſehener, wo möglich weder gedielter noch gepflaſterter Stall, oder ein Schup⸗ pen ſind die paſſendſten Lokalitäten für die Kranken. Die Fütterung muß mäßig reichlich ſein, und beſteht paſſend aus Gras, Klee und andern Blattgewächſen. Eine Vorbeugung der Maul- und Klauenſeuche giebt es nicht; iſt die Krankheit in einem Orte oder gar in der Heerde ausgebrochen, ſo hilft gegen ihre Verbreitung kein bekanntes Mittel, keine Separation, keine Sperre, kein Futterwechſel, keine Arznei ꝛc. Die Thiere mögen ſich auf der Weide, oder im Stalle be⸗ finden, jung oder alt ſein, ihr Befallenwerden iſt faſt gewiß. Aelteres Vieh wird gewöhnlich am leichteſten und heftigſten, jüngeres Vieh dagegen etwas ſpäter und auch gelinder ergriffen. In den letzten Jahren will man in dem gemeinen Haidekraute(Erica vulga- ris) ein vortreffliches Mittel entdeckt haben. Sechs Loth deſſelben werden mit einem Quart Waſſer gekocht, und täglich eine ſolche Abkochung eingegeben. Es ſoll die ausgebrochene Krankheit milder machen und abkürzen, und ihrem Ausbruche ſogar vorbeugen. Solche Verſuche ſind ſehr zu empfehlen. Da die Krankheit nicht nur anſteckend iſt, ſondern zugleich einige Aehnlichkeit mit den Pocken hat, ſo hat man die Impfung verſucht, und mitunter dringend empfohlen. Man impft entweder die in den Blaſen enthaltene klare Flüſſigkeit, ganz wie bei den Schaf⸗ pocken, im Ohre ein, oder man verfäßrt auf folgende 170 35. Maul⸗ und Art. Dem geſunden Thiere wird, nachdem es gefreſ⸗ ſen hat, die Zunge und der vordere Theil der Maul⸗ höhle mit einem wollenen Lappen ausgewiſcht, und demſelben hierauf der Maulſchleim oder Geifer eines vier Tage krank geweſenen Thieres mit den Fingern in das Maul geſtrichen, worauf in den nächſten drei bis vier Stunden kein Futter und Getränk gegeben werden darf. Nach beiden Impfmethoden bricht am zweiten oder dritten Tage die Maulſeuche aus. Der Vortheil der Impfung beſteht darin, daß die durch ſie erzeugte Krankheit etwas gelinder iſt, als bei der na⸗ türlichen Anſteckung, daß ſelten die Klauenſeuche zu⸗ gleich ausbricht, und daß die Seuche dadurch gleich⸗ zeitig über die ganze Heerde verbreitet wird, und ſomit etwas früher in derſelben ihr Ende erreicht. Dieſe Umſtände laſſen die Impfung empfehlenswerth er— ſcheinen, um ſo mehr, da ſie nie mit Gefahr verbun⸗ den und auch ohne Koſten iſt, und keine beſondere Ge⸗ ſchicklichkeit zu ihrer Ausführung erfordert. Viel von ihrem Werthe verliert die Impfung jedoch dadurch, daß ſie erfahrungsmäßig keine ſchützende Kraft für künftige Anfälle der Seuche hat, denn dieſe kann das geimpfte Stück aufs Neue befallen, wenn auch nicht gerade in dem gegenwärtigen Seuchezuge. b) Beim Schafe. Wo das Rindvieh an der Maul⸗ und Klauenſeuche leidet, da bleiben die Schafe ſelten von der Krankheit frei, aber ſie erſcheint hier faſt ausſchließlich, oder doch hauptſächlich, nur als Klauenſeuche; das Maul leidet nur ſelten mit. Iſt Letzteres der Fall, ſo entſtehen auch hier Hitze und Ent⸗ zündung im Maule, geringes Geifern tritt ein, es löſet ſich an verſchiedenen Stellen die Oberhaut, wo⸗ durch das Schaf einige Tage hindurch mehr oder we⸗ niger, aber nie ganz, am Freſſen gehindert wird. Die Krankheit erſcheint beim Schlafe weſentlich un⸗ ter denſelben Zufällen als beim Rindviehe. Ihre Ver⸗ breitung geſchieht überaus ſchnell, ſo daß oft wenige Tage hinreichen, um ſie in einer ganzen Heerde erſ cheinen zu ſehen. Die Thiere zeigen ſich Anfangs traurig, blei⸗ ben hinter der Heerde zurück, gehen träge, geſpannt und ſteif, ſie liegen gern und freſſen nicht ſo begierig als ſonſt. Bei der Unterſuchung findet man die be— fallenen Klauen vermehrt warm, die Haut im Klauen⸗ ſpalte zeigt eine vermehrte Röthe, es iſt einige Ge— ſchwulſt vorhanden, bei welcher die Klauen mehr als ſonſt auseinanderſtehen, und drückt man die Ballen gegen einander, ſo zeigt das Thier große Schmerzen. Klauenſeuche. Nach wenigen Tagen entſtehen kleine Blaſen am Fuße, welche platzen und einen näſſenden Grund hinterlaſſen. Die Lahmheit iſt jetzt oft ſehr beträchtlich. In den nächſten Tagen wird dieſe aber geringer, die Zeichen der Entzündung, und mit ihr die höhere Röthe und die Geſchwulſt verlieren ſich ſehr raſch, die krank ge⸗ weſenen Hautſtellen werden trocken, und das Uebel iſt vorbei. Bei einzelnen Stücken werden mitunter die Klauen heftiger ergriffen; es entſtehen Geſchwüre am Hornſaume, das Horn trennt ſich an dieſen Stellen, und es treten dann alle die Zufälle ein, als bei der bösartigen Klauenſeuche. Die Heilung erfolgt meiſtens ganz von ſelbſt; es kommt dabei faſt allein darauf an, daß die Schafe der Ruhe genießen. Man hält ſie in einem luftigen, trock⸗ nen, reichlich geſtreuten Stalle oder Schuppen, ſechs bis acht Tage hindurch, oder läßt ſie auf eine nahe Wieſe, welche weich und trocken und ſehr reichlich be⸗ wachſen iſt, damit die Schafe weich treten und auf einer kleinen Fläche viel Nahrung finden, und doch dabei nur wenig zu gehen brauchen. Nach ſechs bis zehn Tagen wird man die Heerde wieder geſund finden; befinden ſich Stücke darunter, welche noch lahmen, ſo unterſucht man ſie, und wendet daſſelbe Heilverfahren an, als beim Rindviehe unter gleichen Umſtänden. Bleibt dieſes erfolglos, ſo iſt die Kur der bei der bös⸗ artigen Klauenſeuche zu beobachtenden ganz gleich. Auch hier muß dann eine ſorgfältige Separation ſtatt⸗ finden. Die Maulſeuche der Schafe iſt ſtets eine ſo gering⸗ fügige Krankheit, daß ſie in kurativer Hinſicht ganz unbeachtet gelaſſen werden kann. Ein Verfahren, durch welches der gutartigen Klau⸗ enſeuche der Schafe vorgebeugt werden könnte iſt, wie beim Rindviehe, ſo auch hier, nicht bekannt. Auch bei ihnen hat man die Impfung verſucht, und zwar mit ſehr erwünſchtem Erfolge. Die mit Flüſſigkeit aus den Blaſen am Ohr geimpften Schafe bekamen an der Impfſtelle ähnliche Blaſen, aber von den Impf⸗ lingen wurden nur acht Procent von Lahmheit befal⸗ len, während an den übrigen Schafen keine Lahmheit zu ſpüren war. Eine ſolche Impfung iſt daher ſehr zu empfehlen, obgleich auch ſie keine ſchützende Kraft gegen künftiges Befallenwerden hat. c) Beim Schweine. Das Schwein iſt ſehr zu der Maul⸗- und Klauenſeuche diſponirt und, häufiger als beim Schafe, erſcheint bei ihnen, neben der Klau⸗ 35. Maul⸗ und Klauenſeuche. enſeuche zugleich die Maulſeuche. Die allgemeinen Zufälle ſind denen beim Rindvieh gleich. Bei der Maulſeuche entſtehen Hitze im Maule, der Rüſſel iſt wärmer, die Augen erſcheinen röther; dann zeigt ſich Geifern, ein häufiges Kauen bei leerem Maule, und die Bildung von Blaſen an den Lippen, am Rüſſel, auf der Zunge und an andern Orten im Maule. Die Blaſen berſten, die Oberhaut löſet ſich ab, und die befallenen Stellen erſcheinen wund, roth, und ſo ſchmerzhaft, daß das Schwein wenig oder gar nichts frißt. Bei ſäugenden Mutterſchweinen werden auch das Euter und die Zitzen häufig von Blaſen befallen, welche leicht in Geſchwüre übergehen, zumal wenn die Jungen daran anhaltend ſaugen. In der Regel iſt die Maulſeuche ohne alle Gefahr. Bei dem Füttern von Molken, ſaurer Milch, Waſſer mit Sauerteig ꝛe. iſt die Krankheit bald vorüber. Der Blaſenausſchlag am Euter heilt von ſelbſt; doch kann man die kranken Stellen mit Milchrahm oder Oel be⸗ ſtreichen. Sind die Zitzen ergriffen, ſo müſſen die Jungen entfernt, und die Zitzen mit etwas Wundbal⸗ ſam beſtrichen, oder zuweilen mit Bleiwaſſer befeuchtet werden; oder auch mit einer Auflöſung von Alaun oder blauem Vitriol, wie ſchon a. a. O. angegeben wurde. Die Klauenſeuche iſt meiſtens von etwas üblerer Beſchaffenheit, als die Maulſeuche; ſind viele Blaſen am Fuße, und dicht an dem Saume der Klaue, ſo trennt ſich dieſe leicht mehr oder weniger los, und fällt nicht ſelten ganz ab. Sehr oft habe ich Schweine geſehen, welche auf dieſe Weiſe ſämmtliche Klauen verloren hatten. Zu bösartigen, freſſenden Geſchwü⸗ ren an den Klauen kommt es aber beim Schweine nicht ſo leicht. Die Kur wird ganz ſo beſorgt, wie beim Rindvieh und Schafe. Ruhiges Verhalten und hohes, trockenes und weiches Lager ſind die Hauptſachen. Die etwa abgefallenen Klauen bilden ſich ungemein ſchnell wie⸗ der; das Schwein liegt einige Tage hindurch, und kann dann wieder auf den Füßen ſtehen. Ein Ver⸗ band iſt ſelten nöthig; will man ihn machen, ſo be— dient man ſich dazu weicher Leinwand oder weicher Heede. Auflöſungen von Alaun ꝛc. begünſtigen die Heilung. Die Urſachen der Maul- und Klauenſeuche bei ſämmtlichen Thieren ſind, die Anſteckung ausgenom⸗ men, nicht bekannt. Die Krankheit erſcheint nur ſehr 171 ſelten bei einzelnen Thieren, ſondern meiſtens über ganze Länderſtriche ausgebreitet. In den Jahren 1810, 11, 15, 16, 17, 19, 22, 27. herrſchte ſie ſehr ausgebreitet unter den Hausthieren verſchiedener Staa— ten Deutſchlands, in Frankreich, in der Schweiz ꝛc. Eine ungewöhnliche Ausbreitung erlangte ſie im Jahre 1838, wo ſie in nordöſtlicher Richtung, von Rußland aus, ſich in ſüdweſtlicher Richtung nach England, Spanien ꝛc. über faſt alle Länder Europas verbreitete. Aehnliche Züge, wenn auch nicht ſtets in derſelben Ausdehnung, hat die Krankheit öfters gemacht; etwa wie die Grippe beim Menſchen. Keine Haltung und Pflege, keine Lokalität, kein Lebensalter ſchützt vor der Krankheit; Vieh auf der Weide oder im Stalle, auf Bergen oder in Thälern, junges Vieh und altes, Alle können von der Krankheit befallen werden. Dieſelbe kommt zu jeder Jahreszeit vor, häufiger jedoch im Sommer; ihre Verbreitung, beſonders bei warmer und feuchtwarmer Luft geſchieht oft ſo raſch, daß in zwölf bis vierundzwanzig Stunden eine große Heerde erkrankt ſein kann. Nicht ſelten treibt der Hirte die Heerde des Morgens geſund, oder ſcheinbar geſund, auf die Weide, und Abends kommt er vielleicht mit zwanzig und mehr kranken Stücken wieder nach Hauſe; wenige Tage reichen aus um den geſammten Vieh⸗ ſtand einer Ortſchaft erkranken zu ſehen. Einzelne Stücke und ſelbſt einzelne Heerden bleiben mitunter von der Krankheit verſchont, wofür die Erklärung oft nur ſehr ſchwer aufzufinden iſt. Da die Krankheit unter den verſchiedenſten Umſtänden erſcheinen kann, da ſie ſich wie im Fluge ausbreitet, und oft nach Or⸗ ten, wo die Gelegenheit zur Anſteckung auf keine Weiſe vorhanden geweſen iſt, und da ſie ſich endlich faſt gleichzeitig auf faſt alle Hausthiere verbreitet, ſo muß angenommen werden, daß die Urſache in einer eigenthümlichen Beſchaffenheit der Luft liege, deren Weſen zu ermitteln aber noch nicht gelungen iſt, und auch ſchwerlich jemals gelingen wird. Dieſe eigen— thümliche Beſchaffenheit iſt aber nur temporair und vorübergehend; ſie hält ſich in einer Gegend einige Monate, um dann gewöhnlich für mehrere Jahre wie⸗ der zu verſchwinden. Eine andere Urſache der Maul⸗ und Klauenſeuche iſt die Anſteckung; daß die Krankheit ſich durch An— ſteckung verbreiten kann und wirklich oft verbreitet, iſt außer allem Zweifel. Der Athem, die Ausdünſtung, der Geifer des kranken Maules, die in den Blaſen 22 172 35. Maul⸗ und Klauenſeuche. enthaltene Flüſſigkeit, die Milch der kranken Kühe, kurz faſt alle Auswurfsſtoffe der kranken Thiere haben eine anſteckende Eigenſchaft, und dieſe iſt ſo groß, daß die Anſteckung nicht nur auf dieſelbe Thiergattung, ſondern ſogar auf Menſchen, Hunde und Katzen ihre Wirkſamkeit äußert. Geht geſundes Vieh über Trif⸗ ten, auf Weiden ꝛc., welche vorher von mit der Klauen⸗ ſeuche befallenem Vieh betreten geweſen waren, ſo erfolgt die Anſteckung faſt gewiß; in zwei bis drei Tagen erſcheint die geſunde Heerde, und in kurzer Zeit oder faſt gleichzeitig der geſammte Viehſtand einer Ortſchaft krank. Beſonders häufig wird die Krankheit durch Schweine verbreitet, weil mit dieſen der meiſte Verkehr, z. B. auf Viehmärkten, getrieben wird. Kommt ein einziges klauenſeuchiges Schwein in einen Ort, ſo werden häufig nicht nur die Schweine, ſondern auch die Schafe und das Rindvieh von der Krankheit befallen. Rindvieh kann Schafe und Schweine, Schafe Rindvieh ꝛc. anſtecken. Auch durch allerhand Zwiſchenkörper kann die Seuche verbreitet werden, nicht minder durch Menſchen, welche mit den kranken Thieren in Berührung gekommen waren. Daß die Krankheit entſchieden anſteckend iſt, beweiſt der Um⸗ ſtand, daß faſt immer zuerſt die dem Kranken zunächſt ſtehenden Stuͤcke erkranken, und daß die Krankheit, wie ſchon früher angeführt, ſich durch Impfung fort⸗ pflanzen läßt. Wird nämlich etwas vom Speichel oder von der in den Blaſen enthaltenen Flüſſigkeit in das Maul eines geſunden Thieres eingerieben, oder an irgend einer Stelle des Körpers unter die Oberhaut gebracht, ſo entſteht darnach in wenigen Tagen dieſelbe Krankheit, obſchon gewöhnlich in etwas milderem Grade. Einzelne Stücke einer Heerde bleiben mitunter, ſelbſt wenn ſie mit kranken Thieren zuſammenſtehen, von der Krankheit frei, auch werden zuweilen ganze Heerden von der Seuche überſprungen. Auch auf den Menſchen überträgt ſich die Krank⸗ heit durch Impfung; kommt vom Speichel, oder von der in den Blaſen enthaltenen Flüſſigkeit ꝛc. etwas mit den Lippen oder mit einer verletzten Hautſtelle in Be⸗ rührung, ſo entſtehen darnach mitunter örtliche Ent⸗ zündung, etwas Fieber, Blaſen und Schwämmchen im Munde, aber weiter keine gefährlichen Zufälle. Endlich muß hier noch von den ſchädlichen Eigen⸗ ſchaften der Milch von Kühen, welche an der Maul⸗ und Klauenſeuche litten, geredet werden, denn ſolche Milch iſt nicht nur anſteckend, wie die andern Körper⸗ ſäfte, ſondern auch außerdem noch mehr oder weniger ſchädlich. Menſchen, welche dergleichen Milch genoſ⸗ ſen, bekamen darnach alle die der Maulſeuche eigenen Zufälle, wie dieſes nicht nur durch zahlreiche zufällige Beobachtungen, ſondern auch durch direkte Verſuche dargethan iſt. Folgender Verſuch möge hier angeführt werden. Profeſſor Hertwig und zwei ſeiner Schüler tranken täglich ein Quart der mehrerwähnten Milch; es ſtellten ſich bald darnach Trockenheit und Hitze im Munde, ein geringes Fieber, und ein juckendes Gefühl an Händen und Fingern ein. Dieſer Zuſtand dauerte fünf Tage. Alsdann ſchwollen die Zunge und innere Haut des Mundes an, und überall auf der Oberfläche derſelben erſchienen kleine, mit einer weißlichen Flüſ⸗ ſigkeit gefüllte Bläschen, von der Größe eines Hirſe⸗ kornes bis zu der einer Linſe; dieſe Bläschen platzten bald nachher. Es war jetzt heftiger Durſt vorhanden, und Sprechen, Kauen oder Schlucken erregten lebhafte Schmerzen. Auch an Händen und Fingern entſtanden kleine Bläschen. Kurze Zeit nachher war Alles vor⸗ über. Säugende Kinder bekamen nach der Milch Er⸗ brechen, Durchfall, Entzündung und Bläschen im Munde. Es werden ſogar Fälle angeführt, in denen nach dem Milchgenuſſe ſehr heftige Krankheiten, ner⸗ vöſe Fieber und ſelbſt der Tod erfolgt ſein ſollen. Eben ſo ſchädlich wie die Milch, ſoll die Butter und der Käſe ſein. Dieſe Beobachtungen ſind Grund genug, um vor dem Genuͤſſe der Milch während der Maulſeuche zu warnen, und dieſelbe vorzugsweiſe nicht Kindern zu reichen. Die eben beſchriebene nachtheilige Eigenſchaſt der Milch ſcheint indeſſen nicht bei jedem Seuchen⸗ gange in demſelben Grade vorhanden zu ſein, denn es iſt nicht zu leugnen, daß dergleichen Milch überaus oft ohne allen Nachtheil genoſſen wurde. Im Jahre 1838 ſah ich ſelbſt, daß die Milch von vielen hundert an der Maulſeuche leidenden Kühen von Menſchen ge⸗ noſſen wurde, ohne daß dadurch irgend üble Folgen entſtanden wären. Demunerachtet gebietet die Vor⸗ ſicht ſich unter allen Umſtänden des Milchgenuſſes zu enthalten, und es nicht auf die Gunſt des Zufalles ankommen zu laſſen. Saugkälber, welchen die Milch gegeben wurde, krepirten faſt alle; ich ſelbſt habe fünf ſolche Fälle be⸗ obachtet. Neben der Maulſeuche entſteht durch die Milch noch nebenher bei ihnen eine Magen⸗ oder Darm⸗ entzündung und durch dieſe der Tod. Auch den Schweinen wird die Milch verderblich, beſonders den 35. Maul⸗ und Klauenſeuche. Saugferkeln; ſie bekommen Erbrechen, Durchfall, und ſterben ſogar häufig. Einen aus eilf Stück be⸗ ſtehenden Wurf ſehr junger Saugferkel ſah ich darnach in zwölf Stunden krepiren. Hunde und Katzen wer⸗ den ebenfalls krank nach der Milch; ſie erbrechen, be⸗ kommen dicke Hälſe, und können ſogar krepiren. Der Genuß des Fleiſches von Thieren, welche an der Maul⸗ und Klauenſeuche leiden, iſt nicht nachtheilig, vorausgeſetzt, daß die Thiere nicht etwa an der Krank⸗ heit krepirt waren. Im Allgemeinen iſt die Maul und Klauenſeuche nicht nur mit keiner Lebensgefahr verbunden, ſondern ſo gelinde und geringfügig, daß ſie auch dieſerhalb, und mit Recht, ausdrücklich die gutartige Maul⸗ und Klauenſeuche genannt wird. Unter einer außer⸗ ordentlichen großen Anzahl von dieſer Krankheit befal⸗ lener Rinder ſah ich nur drei Todesfälle vorkommen, und auch dieſe nur bei Subjekten, welche ſchon vor der Krankheit äußerſt mager, während der Krankheit vernachläſſigt waren, und dadurch vollends verhunger⸗ ten. Bei Schafen ſah ich nie ein Stück krepiren, und von Schweinen nur einige wenige. Es ereignet ſich nie oder doch nur unter beſonders ungünſtigen, und außerdem vermeidlichen, Umſtänden, daß die Krank⸗ heit bei einzelnen Thieren tödtlich würde; ſie heilt faſt ohne alle Kunſthülfe, verſchwindet in kurzer Zeit, und läßt nur ſelten üble Folgen zurück. Aller dieſer gün⸗ ſtigen Umſtände ungeachtet bringt die Krankheit den⸗ noch in mancher Hinſicht einen nicht unerheblichen Schaden. Während der Krankheit geht die Milch für den Gebrauch bei Menſchen und Thieren verloren; die Kranken magern beträchtlich ab, und es gehören meh⸗ rere Wochen und ein nicht unerheblicher Futterauf⸗ wand dazu, um ſie wieder zu der frühern Beleibtheit zu bringen; Arbeitsochſen ſind einige Zeit hindurch arbeitsunfähig; die Beſorgung der Kranken verurſacht Koſten und Zeitaufwand, und bei einzelnen Stücken bleiben nicht ſelten langwierige Lahmheiten zurück. Anmerkung. Zum Schluſſe muß hier noch auf einige mögliche Verwechſelungen aufmerkſam ge⸗ macht werden. Nicht zu verwechſeln iſt die gutar⸗ tige Maulſeuche des Rindviehes mit der bösartigen Maulſeuche oder dem ſogenannten Zungenkrebs derſel⸗ 173 ben Thiergattung. Bei der letzteren Krankheit, welche eine Art des Milzbrandes darſtellt, bilden ſich eben⸗ falls, wie bei der gutartigen Maulſeuche, Blaſen auf der Zunge; dieſelben enthalten aber keine helle, wäſ— ſerige Flüſſigkeit, ſondern eine dunkelgefärbte, röth⸗ liche und ſcharfe Jauche, unter welcher ſich tief in die Zunge eindringende, freſſende und die Subſtanz der Zunge zerſtörende Geſchwüre bilden. Die Zahl ſol⸗ cher Blaſen iſt nur gering. Der Zungenkrebs wird oft tödtlich, er iſt nicht mit Fieber verbunden, herrſcht nicht ſehr ausgebreitet, und kommt blos beim Rindvieh vor. Eine andere mögliche Verwechſelung könnte der Blaſenausſchlag am Euter maulſeuchiger Kühe mit den ächten Pocken herbeiführen. Die Pocken herrſchen indeſſen nie ſehr ausgebreitet, es iſt dabei keine Maul⸗ ſeuche vorhanden, auch keine Klauenſeuche; ſie heilen langſam durch Eiterung, hinterlaſſen für lange Zeit Narben; während die gedachten Blaſen groß und oft von unregelmäßiger Form ſind, viel klares Waſſer enthalten, leicht abheilen und keine Narben hinterlaſ⸗ ſen, nur aus der emporgehobenen Oberhaut beſtehen, und nicht, wie die Pocken, tiefer in dem Zellgewebe ihren Sitz haben. Eine dritte und die erheblichſte Verwechſelung könnte zwiſchen der gutartigen und der bösartigen Klauenſeuche der Schafe ſtattfinden. Letz⸗ tere Krankheit erſcheint aber immer nur bei einzelnen Heerden, und nie, wie die gutartige Klauenſeuche, allgemein, und zugleich unter Rindvieh und Schwei⸗ nen verbreitet. Sie verbreitet ſich immer nur ſehr langſam in der Heerde, ſie ſteckt nur durch Berührung an, heilt nicht von ſelbſt, iſt oft mit Zerſtörung der Klauen verbunden, und läßt ſich ſicher durch Vermei⸗ dung der Gelegenheit zur Anſteckung verhüten. A. a. O. iſt von dem Unterſchiede beider Krankheiten ausführ⸗ licher geſprochen worden. Nicht eben ſelten kommt die gutartige Maul- und Klauenſeuche mit dem Milzbrande in Verbindung, oder doch zu Zeiten vor, in denen der Milzbrand in der Gegend herrſcht. Auf eine etwanige ſolche Ver— bindung beider Krankheiten muß wohl geachtet werden, und die Entdeckung derſelben kann bei gehöriger Wür⸗ digung deſſen, was vom Milzbrande a. a. O. geſagt iſt, nicht leicht fehlen. 174 36. Athmungsproceß. 36. Athmungsproceß.(Tab. XIII.) Das Athemholen iſt eine der wichtigſten Verrich⸗ tungen des thieriſchen Körpers; es beginnt mit der Geburt und dauert ununterbrochen fort bis zum Tode. Der zum Athemholen dienende Apparat iſt aus eben ſo zahlreichen als verſchiedenen Theilen zuſammenge⸗ ſetzt; einige Kenntniß dieſer Theile iſt unerläßlich, um den beim Athmen ſtattfindenden Vorgang ſich erklären zu können. Es ſtrömt beim Athemholen die atmo⸗ ſphäriſche Luft durch die Naſenhöhlen, die Rachen— höhle, den Kehlkopf und die Luftröhre in die Lungen ein(Einathmung), und nachdem ſie hier ſehr kurze Zeit verweilt hat, ſtrömt ſie auf demſelben Wege wie⸗ der aus(Ausathmung). Dieſes ſind die auffallendſten äußeren Erſcheinungen. Der Mechanismus und der Zweck des Athemholens ſollen weiter unten angegeben, hier aber zunächſt die einzelnen beim Athemholen we⸗ ſentlich in Betracht kommenden Theile kurz beſchrieben werden. a) Die Naſenhöhlen. Sie bilden einen von meh⸗ reren Knochen des Geſichtes gebildeten Kanal, und ſind ihrer ganzen Länge nach, bis zur Naſenſpitze her⸗ ab, durch eine knorpelige Scheidewand von einander geſchieden, ſo daß es eine rechte und eine linke Naſen⸗ höhle giebt. Den vorderen Eingang bilden die Na— ſenlöcher; höher in den Naſenhöhlen hinauf befinden ſich die Naſenmuſcheln oder die Dütenbeine, zwei mehr⸗ fach in ſich gewundene, aus ſehr dünnen Blättchen beſtehende Knochen. Hinten enden die Naſenhöhlen, unterhalb der Stirn, mit zwei ziemlich weiten Oeff— nungen, welche die Choanen genannt werden; dieſel⸗ ben führen zu der Rachenhöhle, wie der hinterſte Theil des Maules genannt wird. b) Der Kehlkopf oder Luftröhrenkopf. Derſelbe hat an der hinteren Wand der Rachenhöhle, am Grunde der Zunge, und zwiſchen den beiden Hinterkieferäſten, alſo in den Ganaſchen, ſeine Lage. Der Kehlkopf wird aus mehreren Knorpeln zuſammengeſetzt, welche beweglich mit einander verbunden ſind, ſo daß die hier befindlichen Muskeln die innere Höhle des Kehl⸗ kopfes verengern oder erweitern können, welches haupt⸗ ſächlich zur Bildung der Stimme erforderlich iſt. c) Die Luftröhre iſt ein weiter, aus Knorpelrin⸗ gen gebildeter Kanal, welcher, als Fortſetzung des Kehlkopfes und an deſſen hinterem Rande anfängt, an dem vorderen Theile des Halſes hinabſteigt, in die Bruſthöhle tritt, und hier in den Lungen endet(Fig. 1. bb.). Bei ihrem Eintritte in die Lungen theilt ſie ſich gabelartig in zwei Aeſte(Fig. 2. f.), für die rechte und für die linke Lunge. In den Lungen ſelbſt geht dieſe Theilung und Veräſtelung der Luftröhre immer weiter fort(Fig. 2. g.), nach Art der Wur⸗ zeln eines Baumes. Hierbei verlieren ſich die Knor— pelringe immer mehr, bis daß zuletzt nur noch eine ſehr dünne Haut übrig bleibt, durch welche die Luft⸗ zellen gebildet werden, aus denen der größere Theil der Lungenſubſtanz beſteht. Die bisher beſchriebenen Theile werden die Luft⸗ wege genannt, denn ſie haben weſentlich nur die Ver⸗ richtung, die zum Athmen erforderliche äußere Luft nach den Lungen hin, und aus ihnen wieder hinaus zu leiten. Ueberall auf ihrer inneren Oberfläche ſind ſie mit einer Schleimhaut ausgekleidet, welche in den Naſenhöhlen von roſenrother Farbe in Kehlkopf und Luftröhre aber blaß, und gelblich⸗weiß erſcheint. Dieſe Schleimhaut ſondert auf ihrer Oberfläche Schleim ab, welcher zum Schutz gegen die mehr oder weniger rei⸗ zende Beſchaffenheit der eingeathmeten Luft dient. d) Die Lungen(Fig. 1. a. Fig. 2. a. b. c. d.) haben in den Bruſtkaſten ihre Lage. Sie ſtellen zwei weiche, ſchwammige, blaßrothe, aus Blutgefäßen, Luftzellen, Veräſtelungen der Luftröhre, Zellgewebe ꝛc. zuſammengeſetzte Organe dar. Sie ſind elaſtiſch und einer großen Ausdehnung und Zuſammenziehungfähig. Nach vorn zu bilden ſich zwei ſchmale Lappen, in ihrer Mitte ſind ſie am dickſten; ihre Form iſt unregelmäßig, und bei den verſchiedenen Thieren ſind ſie mehr oder weniger in Lappen getheilt; ihre äußere Fläche iſt rundlich gewölbt, nach der Form der Rippen; ihre nach innen gekehrte Fläche iſt etwas ausgehöhlt; der obere Rand iſt ſtumpf und rund, der untere und hin⸗ tere ſind ſcharfkantig. Ihr oberer Theil iſt durch Bänder mit den Rückenwirbeln und dem Zwerchfelle verbunden; der größere Theil aber hängt frei in der Bruſthöhle. e) Die Lungen ſind von dem Bruſtkaſten einge⸗ ſchloſſen(Fig. i.), wodurch die Bruſthöhle entſteht. 36. Athmungsprorceß. Dieſe wird gebildet: nach oben durch die Rückenwir⸗ bel I. l.), an den Seiten durch die Rippen(m. m. m. m. abgeſchnitten), nach unten durch das Bruſtbein n. n.) und nach hinten durch das Zwerchfell(i.). Vorn bleibt nur ein kleiner, durch das erſte Rippenpaar ge⸗ bildeter Raum, durch welchen die Luftröhre, der Schlund, viele Blutgefäße ꝛc. in die Bruſthöhle ein— treten, wodurch dieſe Oeffnung geſchloſſen wird. Die ganze innere Oberfläche der Bruſthöhle iſt mit einer dünnen, halbdurchſichtigen und faſt farbloſen Haut, dem Bruſtfelle, ausgekleidet. Außerdem überzieht dieſe Haut zugleich die Oberfläche der Lungen, und durch ihre Verdoppelung werden die Lungen an die Rückenwirbel und an das Zwerchfell befeſtigt. Das Bruſtfell ſondert eine wäſſerige Feuchtigkeit ab, welche als Dunſt oder eine Art Thau die Bruſthöhle er⸗ füllt. Durch dieſe Feuchtigkeit werden alle Theile ſchlüpfrig erhalten, und beſonders wird dadurch den nachtheiligen Folgen der Reibung der Lungen an dem Bruſtkaſten begegnet. f) Das Zwerchfell(Tab. 1. i.) iſt ein halb flei⸗ ſchiger, halb ſehniger, platter Muskel, welcher die Bruſthöhle nach hinten ſchließt, und dieſelbe von der Bauchhöhle trennt, und zwar ungefähr in der Mitte des Rumpfes. Im erſchlafften Zuſtande tritt die vor⸗ dere Fläche des Zwerchfelles mit einer Wölbung in die Bruſthöhle, und die hintere, der Bauchhöhle zu⸗ gekehrte Fläche iſt dann ausgehöhlt. Zieht ſich das Zwerchfell aber zuſammen, ſo verſchwindet dieſe Wöl— bung, und das Zwerchfell tritt dann mehr nach hin— ten, nach der Bauchhöhle zu. Der Vorgang, welcher beim Athmen ſtatt hat, iſt folgender. Wenn das Thier einathmet, ſo erweitert ſich zuvor die Bruſthöhle; die Rippen, welche mit den Rückenwirbeln und dem Bruſtbein beweglich verbunden ſind, werden durch zahlreiche Muskeln etwas nach außen und vorn bewegt, wodurch der Bruſtkaſten nach den Seiten einen weitern Umfang erlangt; außerdem zieht ſich das vorher erſchlaffte und nach der Bruſt— höhle hineingewölbte Zwerchfell zuſammen, weicht mehr nach hinten zu und nach der Bauchhöhle zurück, wodurch die Bruſthöhle ebenfalls an innerem Raume gewinnt. Da nun die Lungen ringsum vom Bruſt⸗ kaſten luftdicht oder hermetiſch eingeſchloſſen ſind, und ſich jetzt in einem luftverdünnten Raume befinden, ſo dringt, nach den einfachſten Geſetzen der Phyſik, die außere Luft durch die Luftröhre ein, und vertheilt ſich 175 durch die feinen Veräſtelungen der Luftröhre überall in dem Lungengewebe oder den Luftzellen. Hier kommt die eingeathmete Luft mit ungemein zahlreichen und feinen Blutadern in Berührung, welche an den Wän— den der Luftzellen ſich befinden. Kurze Zeit nach der Einathmung treten die Rippen wieder in ihre urſprüng⸗ liche Stellung zurück, das Zwerchfell erſchlafft und wird von den Baucheingeweiden wieder nach der Bruſt⸗ höhle hineingedrängt, und dadurch erfolgt eine Ver⸗ engerung der Bruſthöhle, bei welcher die in den Lun— gen enthaltene Luft wieder ausgepreßt wird, welches das Ausathmen zur Folge hat. Dieſes Wechſelſpiel von Ein- und Ausathmen dauert unaufhörlich fort, und kann bekanntlich nur ſehr kurze Zeit unterbrochen werden, wenn nicht der Tod durch Erſtickung erfolgen ſoll. Bei dem Athmungsproceſſe kommt das von dem Herzen fortwährend nach den Lungen getriebene dunkle Venenblut durch die feinen Gefäße mit der eingeath⸗ meten Luft in Berührung, ſaugt den Sauerſtoff der⸗ ſelben ein, und wird dadurch zu hellrothem oder Ar⸗ terienblute, welches dann aus den Lungen wieder in einen andern Theil des Herzens zurücktritt, und von dieſem durch die Pulsadern in alle Theile des Körpers getrieben wird. Der Hauptzweck des Athmens iſt daher die Umwandlung des dunklen Venenblutes in hellrothes Arterienblut. Außerdem erfolgt dabei noch die Umwandlung des mit dem Venenblute vermiſchten Milchſaftes, welcher durch die Verdauung entſteht, in wirkliches Blut. Endlich noch iſt das Athmen die Hauptquelle der Wärme des Körpers. Die Anzahl der Athemzüge, welche in einer gege⸗ benen Zeit gemacht werden, iſt bei den verſchiedenen Thieren verſchieden. Das Pferd athmet acht bis zwölf Mal und das Rindvieh ungefähr eben ſo oft, das Schaf achtzehn bis zwanzig Mal, der Hund gegen vierundzwanzig Mal in einer Minute. Junge Thiere athmen, nach Verhältniß ihrer Jugend, öfterer. Es giebt zahlreiche Umſtände, welche eine Abwei— chung von dieſer Regel bewirken. Anſtrengungen aller Art, Hitze ꝛc. veranlaſſen eine Vermehrung des Ath⸗ mens, ſo lange dieſe Urſachen vorhanden ſind. Oft aber dauert das vermehrte Athmen noch eine unver⸗ hältnißmäßig lange Zeit fort, wie z. B. bei der Däm⸗ pfigkeit; oder es entſteht ein unregelmäßiges Athem⸗ holen durch Einflüſſe aller Art. So iſt z. B. bei der Lungenentzündung das Athemholen andauernd und 176 ſehr vermehrt, oft bis auf dreißig und vierzig Züge in der Minute; desgleichen beim Starrkrampfe, periodiſch 37. Lungenentzuͤndung. bei der Kolik, und bei zahlreichen anderen Krankheits⸗ zuſtänden. 37. Lungenentzündung.(Tab. XIII.) Der große Blutreichthum der Lungen, der Um⸗ ſtand, daß ſie bei jedem Athemzuge mit der, oft übel beſchaffenen atmoſphäriſchen Luft in Berührung kom⸗ men, und daß ſie unaufhörlich in Bewegung und großer Thätigkeit ſind, haben die Folge, daß ſie ſehr häufig von einer Entzündung befallen werden. Lun⸗ gen⸗ oder Bruſtentzündungen gehören, vorzüglich beim Pferde, zu den häufigſten Entzündungskrankheiten; die Beſchreibung ihrer Kennzeichen und die Vorſchrif⸗ ten zu ihrer Kur ſollen hier ſogleich nachfolgen. a) Lungenentzündung beim Pferde. Keines un⸗ ſerer Hausthiere wird ſo häufig von der Lungenentzün⸗ dung befallen als das Pferd; unter den innerlichen Krankheiten dieſer Thiergattung iſt ſie, neben der Ko⸗ lik, vielleicht die häufigſte. So hatten z. B. unter dreitauſend und fünfundzwanzig, in dem von mir be⸗ ſuchten Geſtüte Mezöhegies in Ungarn, von innerlichen Krankheiten befallen geweſenen Pferden, fünfhundert und zweiundſiebzig an der Lungenentzündung gelitten, welches einen Beweis von dem häufigen Vorkommen derſelben liefert. Ihre Erkenntniß iſt im Allgemeinen nicht ſchwer. Die mit ihr verbundene Gefahr iſt zwar nicht gering, aber dennoch weit geringer, als man bei Betrachtung des anatomiſchen Baues und der Verrich⸗ tung der Athmungsorgane von vorn herein vermuthen ſollte. Ueber die Anlagen und Urſachen der Krankheit gilt weſentlich Folgendes. Im Allgemeinen werden voll⸗ ſaftige, ſehr gut genährte Pferde, welche ſich im Alter von vier bis zehn Jahren befinden, am häufigſten be⸗ fallen, obſchon ſie mitunter bei jeder körperlichen Be⸗ ſchaffenheit und bei jedem Lebensalter, z. B. bei den zarteſten Saugfüllen, zum Vorſchein kommen kann. Wallachen ſcheinen der Lungenentzündung am meiſten ausgeſetzt zu ſein; ob aber ein ſchmaler Bau des Bruſtkaſtens, wie oft behauptet iſt, eine vorherrſchende Anlage zu der Krankheit giebt, ſteht noch in Frage. Unter den zahlreichen Urſachen der Lungenentzün⸗ dung ſtehen die Erkältungen oben anz plötzlicher Wechſel der Temperatur, Luftzug, kalte, beſonders Nordoſtwinde, wenn ſie den ſchwitzenden, durch ſchnel⸗ len Lauf oder angeſtrengten Zug erhitzten Körper tref⸗ fen, anhaltende Einwirkung von Näſſe und Regen, das Schwemmen oder ſchnelle Abſatteln des ſchwitzen⸗ den Körpers, das Saufen von ſehr kaltem Waſſer ꝛc. gehören hierher; beſonders gilt dies zur Härungszeit, weßhalb denn auch die häufigſten Fälle der Krankheit im Frühjahre und Herbſte ſich ereignen. Ferner ſind hier anzuführen das Einathmen von ſchädlichen, rei⸗ zenden Dünſten, das Eingeben flüſſiger Arzneien, von denen ein Theil in die Luftröhre gelangte ꝛc. Auch mechaniſche Urſachen ſind hier anzuführen, als Stöße mit der Deichſel, Hufſchläge anderer Pferde, Stöße vom Rindvieh ꝛc., wenn ſie den Bruſtkaſten verwun⸗ deten oder ſtark erſchütterten. In ſehr vielen Fällen dagegen entſteht die Lungen⸗ entzündung ohne wahrnehmbare oder aufallende Ur⸗ ſachen, und dann aus einer ſogenannten inneren Dis⸗ poſition. Manchmal entſteht die Krankheit ziemlich plötzlich und mit einem Fieberfroſte; häufiger jedoch tritt ſie unmerklich, oder doch von dem Laien nicht für das was ſie iſt erkannt, ein; das Thier huſtet einige Tage hindurch, iſt etwas abgeſchlagen und traurig, athmet nur wenig beſchleunigt und angeſtrengt, und iſt noch ziemlich bei Appetit. Iſt jedoch die Krankheit entſchie⸗ den zugegen, ſo ſind die Krankheitszufälle deutlich und beſtimmt, und nicht ſo leicht zu verkennen. Das auffallendſte, äußerlich ſichtbare Kennzeichen, welches vor Allem in die Augen fällt, iſt die Störung im Athemholen; das Athmen wird mit ſonſt nicht beob⸗ achteter und ſehr auffallender Bewegung der Rippen und Flanken ausgeübt; das Pferd athmet angeſtrengt, mühſam und beſchleunigt, die Naſenlöcher werden 37. Lungenentzuͤndung. dabei mehr als ſonſt erweitert, und die Naſenläppchen befinden ſich dabei in ſteter Bewegung. Die Zahl der Athemzüge, welche zehn bis zwölf betragen ſollte, ſteigt auf zwanzig, dreißig bis vierzig in der Minute. Von Zeit zu Zeit läßt ſich ein Huſten hören; derſelbe i*ſt kurz abgeſtoßen, ſchwach, unterdrückt und ſchmerz⸗ haft. Huſtet das Pferd vielleicht während der Unter⸗ ſuchung deſſelben nicht, ſo wird dieſes durch Zuſam⸗ mendrücken des Kehlkopfes oder des oberen Endes der Luftröhre bewirkt(Fig. 3. a.), welches Experiment aber nicht ohne Noth zu oft wiederholt werden darf, ſondern nur ſo lange als die Erforſchung des Tones und der Art des Huſtens dieſes nöthig macht. Ein anderes, nie fehlendes, Zeichen iſt ein mehr oder weniger heftiges Fieber; der Puls ſteigt auf ſech⸗ zig, achtzig bis hundert Schläge und wohl noch dar— über in der Minute; alle ſichtbaren Schleimhäute, Zunge, Zahnfleiſch und die Bindehaut der Augen zeigen eine vermehrte Röthe. Steckt man die Hand in das Maul des Kranken, ſo entdeckt man eine ſehr bedeutend vermehrte Wärme; oft iſt auch der Körper überall vermehrt warm, manchmal ſind jedoch Ohren und Beine kühl, zumal wenn die Krankheit ſchon län⸗ gere Zeit gedauert hat. Hält man den Rücken der Hand vor die Naſenlöcher, ſo empfindet man eine höhere Wärme der ausgeathmeten Luft, welche mit einem kurzen Stoße gegen die Hand andringt. Das Pferd frißt wenig, am liebſten Heu und Stroh, oder auch Grünfutter, während es Körner gewöhnlich gänz⸗ lich verſchmäht. Ganz verſchwindet der Appetit nur erſt ſpät, welches bei der Bedeutendheit der Krankheit auffallend genug iſt. Der Durſt iſt ſtets vermehrt, das Saufen erfolgt aber angeſtrengt, unter Stöhnen und in kleinen Zügen; das Pferd ſetzt öfters dabei ab, iſt unfähig größere Portionen von Getränk in Einem Zuge zu ſchlucken, und wird dadurch leicht zum Huſten gereizt. Der Miſt geht ſelten und in kleinen, harten Ballen ab; der in geringer Menge abgehende Urin iſt dunkel; die Entleerung beider erfolgt ange— ſtrengt und unter Stöhnen. Das Benehmen des Kranken iſt, wie bei den mei⸗ ſten fieberhaften, ſchweren Krankheiten; derſelbe ſteht in abgeſchlagener Stellung, traurig und matt da; ſein Gang iſt träge und ſchleppend, ſeine früheren Gewohnheiten, Untugenden ꝛc. verlieren ſich theilweiſe oder gänzlich. Während der ganzen Dauer der Krank⸗ heit legt ſich das Pferd gar nicht, oder doch nur auf Wagenfeld, Encyel. 177 ganz kurze Zeit nieder, welches eines der Hauptzeichen bei der Lungenentzündung iſt. Wenn ein Pferd angeſtrengt und beſchleunigt und mit erweiterten Naſenlöchern Athem holt; wenn es zu Zeiten ſchwach und ſchmerzhaft huſtet, wenn es traurig iſt und ſchlecht frißt, und wenn es ſich, auch über Nacht, nicht niederlegt, ſo kann man aus dieſen Zeichen ſchon allein faſt mit Sicherheit auf die Ge— genwart einer Lungenentzündung ſchließen. Die Lungenentzündung— beſſer geſagt die Bruſt⸗ entzündung— bietet zwei weſentliche Verſchiedenheiten dar, welche durch die Verſchiedenheit der befallenen Theile bedingt werden. Werden nämlich die Lungen allein, oder doch hauptſächlich, von der Entzündung er⸗ griffen, ſo heißt die Krankheit im ſtrengeren Sinne Lungenentzündung; iſt dagegen die Haut, welche die Lungen auf ihrer äußeren Fläche überzieht, und die inneren Wände des Bruſtkaſtens, wie eine Tapete, auskleidet, alſo das Bruſtfell allein oder doch haupt⸗ ſächlich, befallen, ſo nennt man die Krankheit dann Bruſtfellentzündung. In den Hauptkrankheitszeichen ſind beide Formen der Krankheit gleich, aber außerdem finden ſich doch manche Verſchiedenheiten, welche wich⸗ tig genug ſind, um ſie hier in der Kürze anzugeben. In manchen Jahrgängen erſcheint die Bruſtfellentzün⸗ dung häufiger, als Lungenentzündung, in manchen letztere wieder öfter als Bruſtfellentzündung. Sind die Lungen allein, oder faſt allein von der Entzündung befallen, ſo geſchieht das Athemholen mit großer Anſtrengung; das Einathmen iſt tief und lang, und das Ausathmen erfolgt mit einem kurzen Stoße. Die Rippen werden dabei ſehr ſichtbar be⸗ wegt, es findet ein ſehr häufiger, dumpfer, klangloſer, und feuchter Huſten ſtatt; die Naſenlöcher werden ſehr erweitert, und es tritt häufig ein Ausfluß aus ihnen ein; eben ſo aus den entzündlich gerötheten Augen. Das Athemholen iſt gewöͤhnlich hörbar und mehr oder weniger röchelnd. Legt man das Ohr auf die Rippen, ſo läßt ſich das bei geſunden Lungen hörbare eigen⸗ thümliche Rauſchen, das Athmungsgeräuſch, nicht mehr wahrnehmen, wenigſtens nicht in der kranken Lunge. Das Pferd tritt von der Krippe zurück, und hält den Kopf zu Boden geſenkt. Faſt immer iſt die Lungenentzündung von catarrhaliſcher Art, und oft mit den Zeichen der a. a. O. beſchriebenen Druſe ver⸗ bunden. Iſt dagegen das Bruſtfell meſen hi oder aus⸗ 178 37. ſchließlich entzündet, ſo iſt das Einathmen kurz, und die Ausathmung lang und gedehnt; es verhält ſich hier umgekehrt, als im vorigen Falle, denn bei der Lungenentzündung iſt das Ausathmen am beſchwer⸗ lichſten, bei der Bruſtfellentzündung aber das Einath⸗ men. Bei letzterer Krankheit werden die Rippen nur wenig und auf kaum bemerkbare Weiſe bewegt, dage⸗ gen ſehr auffallend die Flanken. Huſten wird hier nur ſelten bemerkt; erfolgt derſelbe, ſo iſt er kurz, trocken, tönend und augenfällig ſo ſchmerzhaft, daß das Thier ihn gewöhnlich zu unterdrücken ſtrebt. Na⸗ ſenausfluß fehlt hier gewöhnlich; das Athemholen iſt entweder ſtöhnend oder gar nicht hörbar. Klopft man auf den Bruſtkaſten, ſo ſtöhnt das Pferd vor Schmerz, und ſucht auszuweichen; dieſes Zeichen iſt bei der Bruſtfellentzündung ſehr charakteriſtiſch, und oft in ſo hohem Grade vorhanden, daß ſchon ein leichter Fin⸗ gerſchlag auf die Rippen dem Thiere Schmerzen ver⸗ urſacht. Der Kranke hält den Kopf empor, weit nach vorn geſtreckt und ſehr ſteif; jede Bewegung iſt ihm zuwider, ſein Gang und ſeine ganze Haltung ſind ſteif, und das Pferd bewegt ſich nur unter Stöhnen. Faſt immer hat die Bruſtfellentzündung einen rheumatiſchen Charakter. Jetzt zur Bruſtentzündung im Allgemeinen zurück. Schreitet ſie in ihrem Gange vor, was in der Regel ohne paſſende Kur der Fall iſt, ſo erreichen die Zufälle in vier bis ſechs Tagen ihre Höhe; das Athemholen wird immer häufiger und angeſtrengter, der Huſten wird immer ſchwächer und hörbarer, es erfolgt auffal— lende Abmagerung, der Appetit verſchwindet ganz, nur der Durſt bleibt andauernd, jedoch ſäuft das Thier nur wenige Schlucke hintereinander; der Kopf wird tiefer zur Erde geſenkt, der Kranke tritt weit von der Krippe zurück, iſt ſehr matt, und wechſelt, aus Erſchö⸗ pfung, häufig mit den Hinterſchenkeln ſeine Stellung, indem er abwechſelnd einen derſelben ausruht, oder, wie man ſich auszudrücken pflegt, mit demſelben ſchil⸗ dert. Die Augen ſind matt und trübe, tief in ihre Höhlen zurückgezogen, Beine und Ohren ſind kalt, das Haar iſt ſtruppig, und durch gelindes Zupfen an Mähnen und Schweif laſſen ſich ganze Bündel Haare ausziehen. In vielen Fällen ſchwellen die Schenkel, beſonders die Hinterſchenkel, beträchtlich an, ſo auch der Schlauch, oder es tritt eine große Geſchwulſt unter Bruſt und Bauch ein. Aller dieſer Zeichen von Schwäche und Hinfälligkeit ungeachtet legt ſich das Lungenentzuͤndung. Pferd dennoch nicht niederz ohne Zweifel, weil ſein Inſtinkt ihm ſagt, daß es dabei erſticken oder nur um ſo beſchwerlicher athmen könnte. Die Dauer der Bruſtentzündung iſt verſchieden; bei Lungenentzündungen beträgt ſie gewöhnlich zehn bis achtzehn Tage, bei der Bruſtfellentzündung dagegen oft nur ſechs bis zehn Tage. Sind Lungen und Bruſt⸗ fell zugleich ergriffen, ſo iſt die Dauer der Krankheit noch kürzer. Die Bruſtentzündung kann in völlige Heilung, in andere Krankheiten oder in den Tod übergehen. Die Zertheilung der Entzündung und mit ihr die völlige Geneſung erfolgt in vielen, und bei paſſender Behand⸗ lung, in den meiſten Fällen. In dieſem Falle nehmen die Heftigkeit des Fiebers und der Entzündung allmã⸗ lig ab; das Athmen wird freier und weniger häufig, auch geſchieht daſſelbe nicht mehr mit ſo auffallender Bewegung der Rippen oder Flanken als früher, und die Naſenlöcher ſtehen nicht mehr ſo weit offen. Der Huſten wird ſeltener, aber freier, kräftiger und tönen⸗ der; die Zahl der Pulſe vermindert ſich, die Haut wird wieder weich, geſchmeidig, und das Haar legt ſich glatt an; oft tritt jetzt, wenn er nicht früher vorhan⸗ den war, ein reichlicher Ausfluß eines dicken Schlei⸗ mes aus der Naſe ein, jedoch meiſtens nur für wenige Tage. Der Miſt geht in großen Maſſen ab, Appetit und Munterkeit kehren nach und nach zurück, und das Pferd legt ſich anhaltend nieder. Dieſes Niederlegen iſt— wie bei der Kolik ein reichlicher Miſtabgang— ein ſehr erfreuliches und faſt ſicheres Zeichen von er⸗ folgter Heilung. Nimmt die Bruſtentzündung einen tödtlichen Aus⸗ gang, ſo wird das Athemholen immer kürzer und be⸗ ſchwerlicher; es iſt röchelnd, ſtöhnend, und die Na⸗ ſenlöcher werden wie im krampfhaften Zuſtande und heftig bewegt; Bruſt und Flanken ſind in ſtarker Be⸗ wegung, es ſtellt ſich ein übler, grünlich⸗gelber Na⸗ ſenausfluß von widrigem Geruche ein; der Appetit iſt total verſchwunden, die Schwäche erreicht einen hohen Grad, die Umfläche des Körpers, auch Naſe und Maul, werden kalt, und auf den äußerſten Grad er⸗ ſchöpft ſinkt der Kranke um und krepirt. Der Tod wird veranlaßt entweder durch die allgemeine Erſchöpfung, oder durch zu große Zerſtörung der Lungen, ſo daß dieſe wenig oder keine Luft mehr aufnehmen können, alſo durch eine Art Erſtickung. In manchen Fällen wird das Leben des Pferdes 37. Lungenentzuͤndung. zwar erhalten, aber die Geneſung iſt nur unvollſtän⸗ dig, und es bilden ſich verſchiedene Nachkrankheiten. Iſt z. B., wie es namentlich bei der Bruſtfellentzün⸗ dung nicht ſelten geſchieht, viel Waſſer in die Bruſt— höhle ergoſſen, ſo entſteht dadurch die Bruſtwaſſer⸗ ſucht. Fieber und Entzündung laſſen dann faſt ganz nach, der Appetit kehrt ſo ziemlich zurück, aber dennoch geſchieht das Athemholen mit weitem Aufreißen der Naſenlöcher und mit wogender, ſtarker Bewegung der Flanken. Klopft man an die Bruſt, ſo hört man einen matten, dumpfen Ton, wie beim Anſchlagen an eine mit Flüſſigkeit gefüllte Tonne. Es entſtehen an Beinen, am Schlauche und Euter und unter dem Bauche ſtarke, kühle Anſchwellungen; das Pferd legt ſich nicht nieder. Dieſer Zuſtand kann mehrere Wo⸗ chen, ſelbſt Monate dauern, bis daß das Pferd endlich doch krepirt, oder in ſeltenen Fällen noch hergeſtellt wird. Andere Male, wenn die Lungen entzündet waren, geht Eine derſelben, oder auch nur ein Theil derſelben, in Verhärtung über, wobei zuweilen für immer ein dämpfiger, kurzathmiger Zuſtand zurück⸗ bleibt. Andere Ausgänge der Bruſtentzündung, z. B. der in Eiterung, erfolgen nur ſelten. Bei der Sektion der an der Bruſtentzündung kre⸗ pirten Pferde findet man weſentlich nachſtehende Ver⸗ änderungen in den Athmungsorganen, welche jedoch nicht immer dieſelben ſind. In dem Bruſtkaſten be— findet ſich meiſtens eine beträchtliche, nicht ſelten einen Eimer voll und ſelbſt noch mehr betragende Maſſe einer wäſſerigen Flüſſigkeit, welche bald gelblich und klar, bald trübe und milchig iſt, und in welcher grö⸗ ßere oder kleinere Flocken einer gelblichen Subſtanz ſchwimmen. Das Bruſtfell iſt dunkelroth, faſt ſchwarz, und mit einer Lage derſelben Subſtanz, welche die Flocken bildet, bedeckt. Durch ſie ſind oft die Lungen mit den Rippen verwachſen. Auch auf der Oberfläche der Lungen ſelbſt findet ſich häufig dieſe Subſtanz, welche nicht, wie es ſo oft geſchieht, mit Eiter ver— wechſelt werden darf. Waren die Lungen ſelbſt von der Entzündung befallen geweſen, ſo trifft dieſes doch ſelten beide Lungen zugleich, oder doch nicht in gleich ſtarkem Grade, ſo daß oft Eine Lunge oder wenigſtens ein Theil derſelben noch ziemlich die Beſchaffenheit als im geſunden Zuſtande hat. Der kranke Theil der Lungen erſcheint vergrößert, ſchwer, ſchwarzroth, mit Blut überfüllt und ſo mürbe, daß er leicht mit den Fingern getrennt werden kann. Von ſeiner früheren 179 ſchwammigen Textur iſt nichts mehr zu ſpüren, er iſt feſt wie Leber. In den Veräſtelungen der Luftröhre findet ſich ein ſchaumiger, eiterartiger, blutiger Schleim, welcher beim Drucke auf die Lunge in Menge her⸗ ausquillt; die Luftröhrenäſtchen ſelbſt ſind mehr oder weniger geröthet. Manchmal findet ſich ein ſolcher Schleim auch höher hinauf in der Luftröhre, ſelbſt bis in die Gegend des Kehlkopfes hinauf. Manche krankhafte Veränderungen, die ſich oft noch außerhalb der Bruſthöhle in anderen Theilen des Körpers finden, ſind weniger weſentlich und auch ſehr unbeſtändig, weßhalb ſie hier mit Stillſchweigen übergangen werden. Im gewoͤhnlichen Leben wird die Bruſtentzündung häufig verkannt, und nicht für das gehalten, was ſie iſt. Der vorhandene Huſten, die feuchten Augen und der Naſenausfluß verleiten die Krankheit für die Druſe zu halten, und dann dieſelbe zu vernachläſſigen oder unangemeſſen zu behandeln. Eine Verwechſelung mit der a. a. O. beſchriebenen Druſe kann aber bei einer genauen Vergleichung der Zufälle beider Krankheiten nicht füglich ſtattfinden. Bei der Druſe nämlich iſt das Pferd nie erheblich krank; Appetit und Munterkeit verlieren ſich nur im geringen Grade oder auch gar nicht; das Athemholen iſt gar nicht oder doch nur wenig vermehrt, die Naſenlöcher werden dabei nicht aufgeriſſen und, was das Hauptzeichen iſt, das Pferd legt ſich dabei nieder. Findet man dagegen, daß ein anſcheinend nur mit der Druſe behaftetes Pferd ſich nicht legt, ſo reicht dieſes Zeichen faſt allein ſchon hin, um daraus die Gegenwart einer Bruſtentzündung zu erkennen. Auch mit der Halsentzündung iſt die Bruſt⸗ entzündung oft verwechſelt worden, aber auch hier iſt die Unterſcheidung nicht ſchwer, im Fall nicht beide Krankheiten, wie dieſes zuweilen vorkommt, mit ein⸗ ander verbunden ſind. Bei der Halsentzündung iſt das Athemholen röchelnd, es fließen das Geſöff oder auch der Futterbrei bei dem Verſuche zum Schlucken durch die Naſenlöcher zurück, das Thier geifert viel ꝛc. Die Bruſtfellentzündung kann leicht mit der rheuma⸗ tiſchen Hufentzündung oder der ſogenannten„Rehe“ verwechſelt werden, denn auch hier iſt das Athemholen ſehr beſchleunigt, es iſt Fieber vorhanden, die Hal⸗ tung des Körpers iſt ſteif ꝛc. Indeſſen mangelt der Huſten ganz, und der Appetit iſt kaum vermindert, die Naſenlöcher werden nicht auffallend erweitert, und das Thier legt ſich zuweilen nieder, und kann wenig⸗ ſtens liegen. 23 180 37. Hat man durch eine genügende Unterſuchung ſich überzeugt, daß das Pferd mit der Bruſtentzündung behaftet iſt, ſo ſäume man nicht mit der Kur, denn früh begonnen, wird der Kranke in der Regel herge⸗ ſtellt, während eine Verſpätung derſelben häufig den Tod nicht mehr abwehren kann. Bei ſofortiger und angemeſſener Behandlung krepirt durchſchnittlich unge⸗ fähr der zwölfte Kranke; unter anderen Umſtänden iſt die Sterblichkeit weit größer, ſo daß im Allgemeinen überaus viele Pferde an dieſer Krankheit zu Grunde gehen. Die Bruſtentzündung erfordert im Allgemeinen ein gleiches Heilverfahren, gleichpiel ob die Lungen oder das Bruſtfell entzündet ſind. Nur in Bezug auf die äußeren Ableitungsmittel tritt, und das mit Nutzen, eine Verſchiedenheit ein, indeſſen iſt dieſes nicht ſo groß, daß aus einer Verwechſelung derſelben erhebliche Nach⸗ theile entſtehen ſollten. Der Laie wird auch in der Regel ſchon zufrieden ſein müſſen, wenn er nur über— haupt erkennt, daß eine Bruſtentzündung vorhanden iſt. Das Pferd muß während der Kur in einem mäßig warmen, trockenen, zugfreien Stalle und in völliger Ruhe gehalten werden; Alles, was die Lungen reizen kann, z. B. die Dünſte von faulendem Miſte oder Urin, ſind ſorgfältig abzuhalten. Im Winter wird eine wollene, im Sommer eine leinene Decke auf⸗ gelegt. Die Behandlung ſelbſt beginnt vor Allem mit einem Aderlaß; derſelbe iſt ganz unentbehrlich, und leiſtet hier ganz unſchätzbare Dienſte. Die Quantität des zu entleerenden Blutes richtet ſich nach der Größe, dem Fütterungszuſtande und nach der ſonſtigen Be⸗ ſchaffenheit des Pferdes; durchſchnittlich kann er vier bis ſechs Quart betragen, und er wird in derſelben Stärke nach zwölf bis achtzehn Stunden wiederholt, ſofern das Athemholen nicht merklich freier und lang⸗ ſamer geworden iſt. Wichtig iſt es dabei, daß der Aderlaß ſo früh als möglich gemacht werde, doch paßt er auch noch am vierten bis fünften Tage der Krank⸗ heit und manchmal ſelbſt noch einige Tage ſpäter. Als innerliche Mittel erhält das Pferd eine Lat⸗ werge aus ſechs Loth Salpeter und einem Pfunde Glauberſalz, mit Mehl und Waſſer zur Latwerge ge⸗ macht, für die nächſten zwölf Stunden; tritt keine Beſſerung ein, ſo wird dieſelbe Latwerge nochmals wiederholt gegeben. Iſt die Krankheit mit Röcheln, Naſenausfluß ꝛc. verbunden, ſo ſetzt man der vorſte⸗ Lungenentzuͤndung. henden Latwerge noch vier Loth Salmiak zuz; zeigt ſich die Krankheit als eine Bruſtfellentzündung, ſo nimmt man ſtatt des Salmiaks zwei bis drei Quent⸗ chen Brechweinſtein. Zur Beförderung der ſtets wün⸗ ſchenswerthen häufigen Miſtentleerung werden öfters Klyſtire aus Salz, Seife und lauem Waſſer applicirt. Die Arznei muß ſtets in Form von Latwergen beige⸗ bracht werden, und man laſſe ſich nicht etwa verleiten ſie als Einguß zu geben, weil dieſes, zumal bei der Lungenentzündung, im hohen Grade gefährlich iſt. Neben großen Blutentziehungen und der ange— führten Latwerge ſtellen die äußern Ableitungsmittel die wichtigſten und faſt unerläßlichen Erforderniſſe bei der Kur dar. Bei vorhandener Lungenentzündung wird ungeſäumt ein Fontanell vor die Bruſt geſetzt (Fig. 6. a.); iſt die Krankheit ſehr heftig oder ſchon vorgeſchritten, ſo kann noch ein zweites Fontanell unter die Bruſt, ungefähr in die Mitte des Rumpfes, gelegt werden. Es kommt hiebei auf die Stelle, an welcher das Fontanell applicirt wird, nicht gerade ſo genau an. Iſt eine Bruſtfellentzündung zugegen, ſo paſſen, ſtatt des Fontanells, mehr die äußeren, auf den Bruſtkaſten zu machenden, reizenden Applikationen. Auf beiden Seiten der Bruſt(Fig. 5. a.) werden die Haare auf einer, mindeſtens anderthalb Fuß im Durchmeſſer betragenden Fläche abgeſchoren, und auf ſie eine ſcharfe Salbe eingerieben. Dieſelbe beſteht aus einem Quentchen Brechweinſtein, Euphorbium und Canthariden von jedem fünf Quentchen, Schwei⸗ nefett und Terpentin, von jedem ſieben Loth, und von ihr wird ſogleich die größere Hälfte, und ſechs bis acht Stunden ſpäter der Reſt eingerieben. Noch wirk⸗ ſamer als eine ſolche Einreibung, obſchon etwas um⸗ ſtändlicher, iſt ein Senfpflaſter; früh genug gelegt, iſt dabei die Heilung der Krankheit faſt gewiß;z in meiner Praxis hat daſſelbe mir, faſt ohne eine einzige Aus⸗ nahme, die erwünſchteſten Dienſte geleiſtet. Man be— reitet das Senfpflaſter aus einem Pfunde gepulvertem grünen Senf, welcher mit einem halben Pfunde Rog⸗ genmehl und kaltem Waſſer zu einem dünnen, faſt flüſſigen Brei angerührt wird. Um daſſelbe zu appli⸗ ciren nimmt man ein Stück ſtarker, zwei Fuß breiter und drei Fuß langer Leinwand, oder allenfalls eine grobe Schürze, beſtreicht dieſe mit dem Senfpflaſter, ſtreut dann ein Loth Cantharidenpulver darüber aus, und beſpritzt daſſelbe noch außerdem mit zwei Loth Terpentinöl. Die auf ſolche Weiſe mit dem Mittel 37. Lungenentzuͤndung. bedeckte Leinwand wird unter der Bruſt von einer Seite zur andern durchgeführt, und durch ſtarken Bindfaden befeſtigt, indem der Bindfaden durch die im oberen Rande der Leinwand befindlichen Löcher über den Rücken abwechſelnd von einer Seite zur andern durchgezogen wird(Fig. 4. a.). Damit der Bindfaden nicht zu ſehr auf die Haut des Rückens drücke, wird etwas Stroh auf die Mitte des Rückens gelegt(Fig. 4. b. b.). Das Pflaſter wird nun durch ſanftes Anſchlagen mit der flachen Hand überall mit der Haut in Berührung gebracht, und da die Bandage ſich gewöhnlich in kurzer Zeit etwas reckt, ſo zieht man den Bindfaden noch mehr, und ſo feſt an, daß das Pflaſter überall anſchließt. Die Wirkung eines ſolchen Senfpflaſters beginnt augenblicklich; die mei⸗ ſten Pferde werden ſogleich unruhig, ſchütteln ſich, kratzen mit den Vorderfüßen, ſehen ſich nach der Bruſt um ꝛc. Wird dieſe Unruhe vielleicht ſo ſtark, daß das Pferd ſich niederwerfen oder ſonſt der Bandage entledigen will, ſo bleibt oft nichts anderes übrig, als das Pferd einige Zeit im langſamen Schritte herum⸗ zuführen, und durch Zurufen und kleine Züchtigungen zur Ruhe zu bringen. Nach zehn bis zwanzig Minu— ten hat ſich das Pferd in der Regel wieder beruhigt, und in ſechs, acht oder zwölf Stunden wird das Senfpflaſter wieder entfernt. Hat ſich bei der Beobachtung des vorſtehend ange⸗ gebenen Kurverfahrens, nach etwa vierundzwanzig bis ſechsunddreißig Stunden, die Heftigkeit der Krankheit etwas gemildert, iſt die Zahl der Pulſe geringer ge⸗ worden, athmet das Pferd weniger beſchwerlich und weniger oft, ſo iſt die Heilung zu hoffen, ſelbſt ohne daß noch anderweitige Mittel erforderlich waͤren. Er⸗ freuliche Zeichen ſind es, wenn die Fontanells eine ſtarke Geſchwulſt bewirken, und in kurzer Zeit einen conſiſtenten Eiter abſondern, oder wenn das Senf⸗ pflaſter eine bedeutende Geſchwulſt hervorbringt. Dieſe Geſchwulſt iſt meiſtens ſehr umfangreich; ſie erſtreckt ſich unter dem ganzen Bauch entlang, hat oft die Dicke von acht bis zehn Zollen, und ragt ſeitlich über das Niveau des Bauches hervor; demungeachtet darf dieſe Geſchwulſt keine Beſorgniſſe erregen, denn ſie bringt niemals irgend eine Gefahr, und verſchwindet ganz von ſelbſt wieder. Neigt ſich die Bruſtentzündung unverkennbar zur Beſſerung, legt ſich das Pferd nieder, ſind aber etwa noch Naſenausfluß, röchelndes Athmen und häufiger 181 Huſten vorhanden, ſo giebt man nachſtehende Latwerge im Laufe von zwei Tagen ein. Salmiak ſechs Loth, Brechweinſtein ein Loth, Fenchelſaamen und Calmus⸗ wurzel von jedem acht Loth, mit Mehl und erforder⸗ licher Menge Waſſer zur Latwerge gemacht. Sind die Beine, der Schlauch ꝛc. angeſchwollen, oder läßt ſich aus den früher beſchriebenen Zeichen vermuthen, daß ein Erguß von Waſſer in die Bruſthöhle erfolgt iſt, ſo paßt nachſtehende, ebenfalls in zwei Tagen zu ver⸗ brauchende Latwerge. Gekochter Terpentin vier Loth, Salmiak ſechs Loth, Wachholderbeeren und Genzian⸗ wurzel von jedem zehn Loth, Mehl und Waſſer ſo viel als zur Latwerge erforderlich. Bei einer ſolchen Kur wird faſt allemal die Hei— lung der Bruſtentzündung in acht bis zehn Tagen zu Stande gekommen ſein. Nach dieſer Zeit kann dann auch das Fontanell entfernt werden. Gegen die durch Senfpflaſter hervorgebrachte Geſchwulſt braucht nichts unternommen zu werden, denn ſie verliert ſich nach und nach von ſelbſt. Will man ſie indeſſen ſchneller beſeitigen, ſo macht man ſehr zahlreiche, gegen drei⸗ viertel bis einen Zoll tiefe Einſtiche mit der Lanzette in dieſelbe, macht dem Pferde einige Bewegung, füt⸗ tert etwas Wachholderbeeren und Salz, oder giebt die zuletzt vorgeſchriebene Latwerge. Nach dem Senf⸗ pflaſter fällt die Oberhaut ſammt den Haaren in gro⸗ ßen Stücken ab, jedoch kommt neues und in Farbe unverändertes Haar in ſehr kurzer Zeit und vollſtändig wieder, welches bei dem Gebrauche der ſcharfen Ein⸗ reibungen nicht allemal der Fall iſt. Die Fütterung des Kranken während der Krankheit beſtimmt ſich in der Regel von ſelbſt, da derſelbe nichts oder nur wenig frißt; iſt jedoch einiger Appetit vor⸗ handen, ſo giebt man Kleie, Grünfutter, und nur ſehr wenig Heu. Das Geſöff beſteht aus nicht zu kal⸗ tem Waſſer, entweder ganz rein oder mit Zuſatz von etwas Kleie, Sauerteig, Salpeter ꝛc., wobei der Ge⸗ ſchmack des Pferdes auszuforſchen iſt. Nie darf es an hinreichender Menge des Geſöffs fehlen. Hat das Pferd die Krankheit überſtanden, ſo muß es noch mehrere Wochen hindurch geſchont und von aller Ar⸗ beit fern gehalten werden, theils weil die Bruſtorgane noch mehr oder weniger im gereizten Zuſtande ſich be⸗ finden, theils weil das Pferd durch die Krankheit ſehr von Kräften gekommen iſt. Mit dem Futter wird nach und nach zugelegt; oder man läßt das Pferd 18² 37. auf die Weide, mit ſorgfältiger Vermeidung jedoch, daß weder Regen, noch Kälte ꝛc. das Pferd treffen. Bleiben noch nach langer Zeit Athmungsbeſchwer⸗ den zurück, ſo iſt deren Beſeitigung meiſtens ſehr ſchwer, oder oft kaum möglich; dieſes gilt namentlich von der Bruſtwaſſerſucht. Bei ihr kann die aus ge⸗ kochtem Terpentin ꝛc. beſtehende Latwerge in mehrma⸗ ligen Wiederholungen gebraucht werden; iſt ſie erfolg⸗ los, ſo giebt es nur noch wenige Mittel, von denen etwas zu hoffen iſt. Oft hat man zwar verſucht das in der Bruſthöhle befindliche Waſſer durch einen Ein⸗ ſtich mit dem Trokar zu entleeren, aber der Erfolg war ſelten günſtig, denn wenn das Waſſer auch entleert wurde, ſo fand es ſich doch in kurzer Zeit wieder ein. Außerdem iſt das Bruſtfell dabei in der Regel ſo ent— artet, daß ſchon dieſerhalb die Operation ſelten den gewünſchten Erfolg haben kann. Der Einſtich mit dem Trokar, welcher eine angemeſſene Größe haben muß, kann beliebig an beiden Bruſtſeiten zwiſchen der ſiebenten und achten Rippe gemacht werden.(Fig. 5. b.). Bleibt nach beſeitigter Lungenentzündung eine Dämpfigkeit zurück, ſo iſt es wahrſcheinlich, daß die Lungen auf einem größeren oder geringeren Umfange in Verhärtung übergegangen ſind. Auch hier iſt deren Beſeitigung ſchwer, doch richten oft noch Laxanzen, aus zwei Loth Aloe und einem halben Pfund Glau⸗ berſalz, welche etwa alle ſechs Wochen wiederholt werden, etwas aus. Auch der Weidegang i*ſt hier oft ſehr erfolgreich. Anmerkung. In manchen Jahrgängen kommt die Bruſtentzündung ſeuchenhaft und unter einer gro⸗ ßen Anzahl von Pferden und mit großer Sterblichkeit vor, als ſogenannte Influenza oder Bruſtſeuche. Dieſe zeigt ſich unter ſehr verſchiedener Geſtalt, und erfordert eine Kur, die oft ſehr beträchtlich von der der eigent⸗ lichen, oben beſchriebenen Bruſtentzündung abweicht. Dieſerhalb iſt auch der Influenza ein beſonderes Ka⸗ pitel gewidmet. Außerdem kommt die Bruſtentzün⸗ dung zuweilen in Begleitung oder in Folge anderer Krankheiten, z. B. beim Rotze vor, wovon ebenfalls a. a. O. ausführlicher geſprochen worden iſt. b) Lungenentzündung beim Rindvieh.“ In der Regel erſcheint die Lungenentzündung gleichzeitig oder doch in kurzer Zeit nach einander bei mehreren Stücken einer Heerde, als eine ſeuchenhafte, anſteckende Krank⸗ heit: die Lungenſeuche, von welcher a. a. O. ausführ⸗ lich geſprochen worden iſt. Außerdem kommt aber Lungenentzuͤndung. zuweilen noch eine andere Lungenentzündung beim Rindviehe vor, welche mit der Lungenſeuche in ſo fern nichts gemein hat, als ſie weder anſteckend iſt, noch in der Regel bei mehreren oder ſogar bei vielen Stük⸗ ken zugleich vorkommt. Die Unterſcheidung beider Krankheitsarten iſt ſehr ſchwierig, und es iſt deshalb in zweifelhaften Fällen im Allgemeinen anzurathen, eher die Lungenſeuche, als die reine Lungenentzündung an dem Kranken vorauszuſetzen, und deshalb jeden⸗ falls ſogleich eine Separation vorzunehmen. Die Lungenentzündung beginnt mit einem, ge— wöhnlich jedoch überſehenen Froſtſchauder und mit Kälte der Extremitäten, Ohren und Hörner; kurze Zeit darauf tritt über den ganzen Körper eine bedeu⸗ tend vermehrte Wärme ein, welche beſonders an Oh⸗ ren, Hörnern, am Flotzmaule und im Maule ſelbſt wahrzunehmen iſt. Der Kranke tritt von der Krippe zurück, ſenkt den Kopf mehr zu Boden, athmet be⸗ ſchleunigt, mit ſehr auffallender Bewegung der Naſen⸗ flügel und des Bauches; ein ſtarkes Drücken an die Seiten der Bruſt hat Schmerzen und ein ſtöhnendes Ausweichen des Thieres zur Folge. Die Augen, ſo wie die Maulhaut, erſcheinen ſehr roth und trocken; es findet von Zeit zu Zeit ein ſchwaches und ſchmerz⸗ haftes Huſten ſtatt. Es iſt ein Fieber zugegen, bei welchem der Herzſchlag oder der Puls gegen ſechzig bis achtzig Mal, und ſelbſt wohl noch öfterer, in der Minute gefühlt werden. Der Appetit und die Milchabſonde⸗ rung ſind gering und ſpäter ganz aufgehoben, das Wiederkäuen verſchwindet gleich Anfangs; es geht ein harter, meiſtens ſehr dunkel gefärbter Koth in geringer Menge ab, oder es iſt auch wohl gänzliche Verſto⸗ pfung vorhanden. Hält die Krankheit ſechs bis acht Tage an, ſo erfolgt entweder der Tod, oder völlige oder auch nur theilweiſe Heilung. Nach dem Tode werden die Lungen und die ande⸗ ren in dem Bruſtkaſten befindlichen Theile weſentlich auf dieſelbe Weiſe verändert gefunden, als wie es unter gleichen Umſtänden beim Pferde der Fall iſt; um Wiederholungen zu vermeiden, wird deshalb hier⸗ auf verwieſen. Im Allgemeinen iſt die Krankheit ge⸗ fährlich; ſie wird leicht tödtlich, zumal deshalb, weil ſie Anfangs leicht überſehen oder nicht richtig erkannt wird, und dann, wenn dieſes ſtatt hat, nicht ſelten ſchon zu weit vorgeſchritten iſt, um noch eine Heilung zuzulaſſen. Fieber, vermehrtes und angeſtrengtes Athemholen, mit ſichtbarer Bewegung der Naſenläpp⸗ 37. Lungenentzuͤndung. chen und Flanken, Mangel an Appetit, Huſten und der Umſtand, daß das Thier ſich nur ſelten oder gar nicht niederlegt, ſind die auffallendſten Erſcheinungen bei der Krankheit. Wie bei den Lungenentzündungen aller anderen Hausthiere macht auch hier der ſofort auszuführende Aderlaß das Hauptmittel aus; man entziehe dem Kranken daher ungeſäumt, je nach deſſen Größe und Kräftezuſtande, ſechs, acht, zwölf bis funfzehn Pfund Blut auf einmal. Bei Umlegung der Aderlaßſchnur muß aber einige Vorſicht beobachtet werden, damit dem Thiere, welches ohnehin ſchon ſo beſchwerlich athmet, nicht der Hals ſo ſehr zugeſchnürt werde, daß es umfällt. An den Seiten der Bruſt, an derſelben Stelle und von demſelben Umfange, wie es bei der Lungenſeuche vorgeſchrieben wurde, werden die Haare abgeſchoren, und dann ſcharfe Einreibungen gemacht, und zwar auf dieſelbe Weiſe, als bei der Lungenent⸗ zündung des Pferdes. Innerlich erhält das Thier ein halbes Pfund Glauberſalz und ein bis ein und ein halbes Loth Salpeter in einer Weinflaſche voll Waſſer aufgelöſt, welcher Einguß nach zwölf bis achtzehn Stunden zu wiederholen iſt, im Fall bis dahin nicht ein dünnes Miſten oder ſelbſt ein entſchiedener Durch⸗ fall ſich einſtellen ſollte. Erleichtert wird die frühzei⸗ tige und ſehr wünſchenswerthe Miſtentleerung durch die häufige Applikation von Klyſtiren aus Salz, Seife und Waſſer. Iſt ein häufiger, aber feuchter und lockerer Huſten zugegen, ſo giebt man nach einge⸗ tretenem Laxiren eine Latwerge, welche aus vier Loth Salmiak, einem Loth Brechweinſtein, Wachholderbee⸗ ren, und Fenchel von jedem acht Loth, und der nöthi— gen Menge Mehl und Waſſer bereitet iſt, und zwar im Laufe zweier Tage und auf ſechs oder acht Mal. Erfolgt bei der Krankheit ein übler Naſenausfluß, oder treten die Zeichen von Bruſtwaſſerſucht ein, ſo iſt zwar oft noch eine Heilung möglich, doch kann dieſe dann in der Regel nur von einem Sachverſtändigen bewirkt werden. Während der Dauer der Krankheit wird das Thier in völliger Ruhe und in temperirter Luft gehalten, mit hinreichendem Getränke verſehen, und mit Grünfutter und anderen Saftgewächſen er⸗ nährt. Im Allgemeinen kann ganz daſſelbe Verfah⸗ ren als bei der Lungenſeuche beobachtet werden. c) Lungenentzündung beim Schafe. Von allen Hausthieren wird das Schaf am ſeltenſten von dieſer Entzündung befallen. Sie kündigt ſich durch Unluſt 183 und Traurigkeit, trägen Gang, verminderten Appetit und überhaupt durch die bei jeder ſchweren fieberhaften Krankheit gewöhnlich wahrnehmbaren Erſcheinungen an. Charakteriſtiſch ſind ein vermehrtes, angeſtreng⸗ tes Athemholen; das Athmen iſt zugleich häufiger, als im geſunden Zuſtande, die Naſenlöcher werden weiter geöffnet, als ſonſt, die Naſenflügel befinden ſich dabei in ſichtbarer Bewegung und die ausgeath⸗ mete Luft erſcheint vermehrt warm. Die Augen ſind hervorgedrängt, geröthet, Anfangs glänzend und trok⸗ ken, ſpäter mit Thränenfeuchtigkeit bedeckt; den Kopf ſenkt das Schaf tief zur Erde hinab, und von Zeit zu Zeit läßt ſich ein ſchwacher Huſten vernehmen. Die Schleimhaut im Maule, auf der Zunge und am Zahn— fleiſche zeigt eine höhere Röthe, und eine vermehrte Wärme; Anfangs iſt ſie trocken. Hat die Lungenent⸗ zündung einige Tage hindurch gedauert, ſo iſt der Appetit gänzlich verſchwunden, der Durſt dagegen er⸗ ſcheint vermehrt; es pflegt hartnäckige Verſtopfung vorhanden zu ſein. Endet die Krankheit nicht mit Geneſung, ſo tritt, meiſtens ſchon nach vier bis ſechs Tagen, der Tod ein. In dieſem Falle erſcheint das Schaf die letzten Tage der Krankheit hindurch äußerſt matt und erſchöpft; die Flanken ſind tief eingefallen, die Augen ziehen ſich in ihre Höhlen zurück, aus der Naſe, zuweilen auch aus dem Maule, zeigt ſich ein häufiger Ausfluß eines grünlich-gelben Schleims, das Athemholen iſt im hohen Grade beſchwerlich, das Thier liegt viel, und krepirt. Die gewöhnlichſten Urſachen der Lungenentzündung bei Schafen beſtehen in Erkältungen, welche ſie ſich auf mancherlei Weiſe zuziehen können; beſonders kurz nach der Schur, und dann bei regneriſchem, naßkalten Wetter; auch wenn ſie in großer Sommerhitze ſehr weite Märſche machen müſſen, und dabei vielleicht von Regen getroffen werden. Zuweilen entſteht die Lun— genentzündung auch in Folge eines ſehr heftigen Schnupfens, wo dann gleich Anfangs ein Naſenaus⸗ fluß und feuchte Augen wahrzunehmen ſind. Auch bei bösartigen, oder unpaſſend behandelten Pocken werden die Lungen nicht ſelten von einer Entzündung befallen, und es wird dadurch dann Gelegenheit gege⸗ ben die Kennzeichen der ſonſt nicht oft vorkommenden Lungenſucht zu ſtudiren. Unter dem Artikel Pocken iſt hiervon ausführlicher geſprochen worden. Nach dem Tode findet man oft Waſſer im Bruſt⸗ 184 37. Lungenentzuͤndung. kaſten, oder die Lungen erſcheinen ſehr dunkel, härter als ſonſt, und auch wohl mit Knoten in ihrer Sub⸗ ſtanz verſehen. Ausſchwitzungen von Faſerſtoff, auf der Oberfläche der Lungen oder der Rippenhaut, wie bei den übrigen Thieren, kommen hier ſeltener vor. Mit der Behandlung darf nicht gezögert werden, wenn die Entzündung nicht durch ihre Ausgänge tödt⸗ lich werden ſoll. Zuerſt wird dem Kranken ein Ader⸗ laß gemacht, welcher, je nach dem Alter und dem Fütterungszuſtande, ein halbes bis ein.Pfund Blut betragen muß; innerlich giebt man, alle drei bis vier Stunden wiederholt, eine Auflöſung von einem halben bis einem Quentchen Salpeter und zwei bis drei Loth Glauberſalz, oder ſtatt deſſen ein bis zwei Loth Wein⸗ ſtein in einem viertel Quart Waſſer aufgelöſt, und ſo lange fort, bis ein weiches Miſten eintritt. Dergleichen Eingüſſe müſſen langſam und mit großer Vorſicht gemacht werden. Häufig wiederholte Klyſtire aus Seife, Salz und Waſſer ſind zugleich nicht ohne Nutzen. Vor die Bruſt wird ein Fontanell geſetzt, indem ein Stückchen weißer Nießwurzel, zehn bis zwanzig Gran ſchwer, in eine kleine, vor der Bruſt gemachte Hautöffnung eingeſteckt wird. Iſt etwa ſehr an der Erhaltung des Kranken gelegen— iſt es z. B. ein ſehr werthvoller Bock— ſo werden an den Seiten der Bruſt reizende Einreibungen gemacht, die aus der⸗ ſelben Miſchung beſtehen, welche beim Pferde empfoh⸗ len wurde. Zur Applikation dieſer Einreibungen iſt es jedoch unerläßlich, daß zuvor die Wolle an den Seiten der Bruſt, etwa in einem Umkreiſe der die doppelte Größe einer Untertaſſe hat, abgeſchoren wird. Finden ein häufiger, feuchter Huſten und Naſen⸗ ausfluß ſtatt, oder entſtand die Krankheit etwa aus einem ſehr heftigen Schnupfen, ſo kann der Aderlaß etwas ſchwächer ſein, und ſtatt des vorhin angegebenen Einguſſes paßt dann beſſer folgende Latwerge: Sal⸗ miak zwei Loth, Brechweinſtein ein Quentchen, Fen⸗ chel und Wachholderbeeren von jedem fünf Loth wer⸗ den mit Honig und Waſſer zur Latwerge gemacht, von welcher das Schaf täglich vier bis ſechs Mal, und zwar jedesmal ſo viel erhält, daß die Portion in zwei Tagen verbraucht iſt. Einreibungen an den Bruſtſei⸗ ten ſind dann weniger paſſend, wohl aber dagegen das erwähnte Fontanell. Leidet das Schaf in Folge der Pocken an der Lungenentzündung, ſo iſt in der Regel jede Kunſthülfe vergeblich und der Tod faſt gewiß. Während der Kur muß das Schaf im Stalle ge⸗ halten werden; als Nahrung giebt man Grünfutter, und zum Geſöff reines Waſſer, oder Mehlwaſſer oder Waſſer mit Leinkuchen, und zwar ſo viel als das Schaf nur immer zu ſich nehmen will. d) Lungenentzündung beim Schweine. Das Athem⸗ holen iſt kurz, beſchwerlich, angeſtrengt, und wird mit ſehr auffallender Bewegung des Bauches ausgeübt; die ausgeathmete Luft erſcheint wärmer als ſonſt, es iſt ein häufiger, ſchwacher und ſchmerzhafter Huſten zugegen, das Thier liegt nicht, wie ſonſt in der Regel, auf der Seite, ſondern es ſteht mehr, oder ſitzt wie ein Hund, auf dem Hintern. Drückt man die Seiten der Bruſt etwas ſtark, ſo ſtöhnt das Schwein; legt ſich daſſelbe etwa nieder, ſo geſchieht dies nur auf ſehr kurze Zeit. Iſt die Lungenentzündung im hohen Grade vorhanden, ſo erſcheint das Thier ſehr matt, ſtützt dann den Rüſſel in die Krippe, oder auf einen andern Gegenſtand, lehnt ſich gegen die Wand, und ſteht wie betäubt und ſtumpfſinnig da. Die Augen ſind hervorgedrängt, ſehr roth, und Rüſſel und Ohren zeigen Anfangs eine bedeutend vermehrte Wärmez ſpä⸗ ter ſind Rüſſel, Ohren und Beine kalt. Es iſt mei⸗ ſtens Verſtopfung zugegen, und der Appetit iſt gering, oder fehlt ganz; dagegen zeigt ſich der Durſt allemal vermehrt. Die Dauer der Krankheit iſt nicht immer gleich; ſie kann vier bis ſechs, aber auch vierzehn Tage und ſelbſt noch länger anhalten. Erfolgt der Tod, was nicht ſo ſelten vorkommt, ſo erſcheinen Eine, oder auch beide Lungen ſehr dunkel von Farbe, vergrößert, hart und ſchwer, aber ſehr mürbe; zuweilen finden ſich dann noch nebenher ein ſtinkendes, trübes und gelb⸗ liches Waſſer in dem Bruſtkaſten, und auf der Bruſt⸗ haut gelblich⸗weißes Gerinnſel. Die Urſachen ſind in der Regel nicht beſtimmt nachzuweiſen; Erkältungen aller Art, unvorſichtiges Eingeben von Arzneien, von denen ein Theil in die Luftröhre gekommen war, heftige äußere Gewalten, wodurch Erſchütterung des Bruſtkaſtens oder wohl gar Rippenbrüche entſtanden, gehören beſonders hierher. Die Kur muß mit Fleiß und ſobald wie möglich beſorgt werden. Es wird ein Aderlaß von einem hal⸗ ben bis ganzen Pfunde Blut gemacht, und innerlich erhält das Schwein eine Auflöſung von zwei bis drei Quentchen Salpeter und zwei bis vier Loth Glauber⸗ ſalz in etwas Mehlwaſſer aufgelöſt. Erfolgt hiernach 37. Lungenentzuͤndung. in den nächſten zwölf bis achtzehn Stunden kein Durch⸗ fall, ſo muß daſſelbe Mittel nochmals gegeben wer⸗ den. Dergleichen Eingüſſe beim Schweine ſind ſtets mit großer Vorſicht beizubringen, um ſo mehr, da das Eingeben von Flüſſigkeiten, ſelbſt bei geſunden Lungen, nie ganz ohne Gefahr iſt, und dieſe bei vor— handener Lungenentzündung noch beträchtlich ſich ver— mehrt. An den Seiten der Bruſt kann mit Vortheil, ganz wie es beim Pferde geſchieht, eine reizende Ein— reibung gemacht werden, doch iſt es gut die Haut zu⸗ vor mit einem Meſſer an zahlreichen Stellen aufzu⸗ ritzen, weil ſonſt die Salbe auf dem ſehr dicken und wenig reizbaren Felle des Thieres nicht ſtark genug wirkt. Vermindert ſich bei dieſer Behandlung in drei bis vier Tagen die Heftigkeit der Zufälle etwas, ſo giebt man innerlich ein bis zwei Gran Brechweinſtein, ein halbes bis ganzes Quentchen Salmiak und zwei Quentchen Süßholzpulver mit etwas Milch ein, und wiederholt einen ſolchen Einguß täglich zwei bis drei Mal. Der Kranke wird während der Kur in einem trocke⸗ nen, warmen und gut geſtreuten Stalle gehalten; das Futter beſteht in Molken, ſauerer Milch, dünnem Mehlwaſſer, ſauerem Obſt und dergleichen. Wird das Athmen ruhiger, und verſchwinden auch die übri⸗ gen Zufälle der Krankheit nach und nach, ſo kann dann wieder beſſeres Futter, als Schrottrank, gekochte Kartoffeln ꝛc., gegeben werden. c) Lungenentzündung beim Hunde. Auch der Hund wird, und zwar nicht gerade ganz ſelten, von der Lungenentzündung ergriffen. Am häufigſten iſt dann eine durchs Baden oder auf andere Weiſe erlit⸗ tene Erkältung die Urſache; häufig kommt die Krank⸗ heit auch im Gefolge der Staupe, und dann beſonders bei jungen Hunden vor; in manchen Jahrgängen herrſcht ſie faſt wie eine Seuche und in großer Aus⸗ breitung. Die Zufälle der Krankheit ſind die der Lungenentzündung im Allgemeinen. Der erkrankte Hund iſt unluſtig, traurig, matt und träge; die Au— gen ſind hochgeröthet, Zahnfleiſch und Zunge desglei— chen; Letztere ſind dabei trocken und ſo wie Naſe, Ohren und Beine vermehrt warm. Der Hund ſitzt meiſt auf dem Hintern, athmet überaus ſchnell und angeſtrengt, mit geöffnetem Maule und hervorgeſtreck⸗ ter, in der Regel trockener, hochrother, ſelbſt blauro⸗ ther Zunge. Der Appetit iſt gering oder ganz ver⸗ Wagenfeld, Encyel. 185 ſchwunden, der Durſt dagegen, beſonders auf kühles Waſſer, ſehr vermehrt. Der Herzſchlag iſt ſehr ge⸗ ſchwind, der Abſatz von Koth faſt ganz unterdrückt. Gewöhnlich ſtellt ſich gleich in den erſten Tagen ein ſchnupfenartiger Ausfluß aus der Naſe ein; es findet zugleich ein ſchwacher Huſten ſtatt. Gegen das Ende der Krankheit, im Fall ſie einen üblen Ausgang nimmt, erſcheinen Ohren, Naſe und Beine ganz kalt; die Schleimhäute werden blaß-bläulich, Athem und Na⸗ ſenausfluß werden übelriechend, der Hund liegt, der großen Schwäche wegen, jetzt auf der Seite, doch hält er den Kopf noch mehr oder weniger empor. Der Tod erfolgt gewöhnlich ſchon am dritten bis fünften Tage der Krankheit; ſelten erſt nach acht bis vierzehn Tagen, und dieſes dann meiſtens, wenn Waſſer in der Bruſt ergoſſen iſt. In der Bruſt des Cadavers finden ſich dann faſt genau die Erſcheinungen, wie ſie bei den übrigen Hausthieren nach dieſer Krankheit wahrgenommen werden. Die kurze Dauer und der raſche Verlauf der Krank⸗ heit erlauben keine Zögerung bei der Behandlung. Der in einem warmen und trockenen Lokale auf einem weichen Lager gehaltene Hund wird ſogleich zur Ader gelaſſen. Kleinen Hunden werden vier bis fünf, grö⸗ ßeren zehn bis ſechzehn Loth Blut entzogen; im All⸗ gemeinen entzieht man ungefähr für jedes Pfund Kör⸗ pergewicht des Hundes ein Loth Blut; wiegt der Hund viel, ſo darf die Quantität des zu entleerenden Blutes etwa nur ein halbes Loth für jedes Pfund Körperge⸗ wicht betragen. An beiden Seiten der Bruſt werden ſcharfe Einreibungen, wie beim Pferde gemacht, doch iſt die Bruſt des Hundes dann mit einem Tuche, einer Schürze oder einer ähnlichen Umhüllung locker zu um— geben, und dadurch zu verhindern, daß der Hund die Salbe nicht etwa ablecke, welches ſehr gefährlich für ihn werden könnte. Da faſt allemal hartnäckige Ver⸗ ſtopfung vorhanden iſt, ſo ſetzt man recht oft Klyſtire aus Oel, Seife, Salz und Waſſer. Zarten Hunden giebt man als Abführmittel einen bis drei Eßlöffel voll Ricinusöl; größere Hunde erhalten eine Auflö⸗ ſung von zwei bis drei Loth Glauberſalz und einem halben bis einem Quentchen Salpeter in einem gro⸗ ßen Weinglaſe voll Waſſer, und zwar auf zwei Mal, und in Zeit von ſechs bis zehn Stunden. Sind die heftigſten Zufälle etwas gewichen, ſo giebt man, etwa am zweiten oder auch am dritten Tage der Krankheit, alle zwei bis drei Stunden eins von lgenden Pul⸗ 4 186 38. Zwangs⸗ und Ueberwaͤltigungs⸗Mittel. vern mit Waſſer ein: Fingerhutkraut zwölf Gran, Brechweinſtein drei Gran, Salpeter und Weinſtein von jedem ein halbes Quentchen, in ſechs gleiche Theile getheilt. Iſt die Lungenentzündung mit Na⸗ ſenausfluß und alſo mit den Zeichen von Schnupfen verbunden, ſo paßt, ſtatt der vorhin angeführten Pul⸗ ver, folgende Mixtur: Brechweinſtein ein Gran, Sal⸗ miak und Lakritzenſaft von jedem ein Quentchen, Flie⸗ derthee eine Obertaſſe voll. Während der Kur beſteht das Futter aus dünner Suppe, Grütze, Kartoffeln, Brod ꝛc. Als Getränke wird Milch, mit Waſſer ver⸗ dünnte Milch, oder, wenn der Hund beides verſchmäht, reines Waſſer in genügender Menge und von nicht kalter Temperatur vorgeſetzt. 38. Zwangs⸗ und Ueberwältigungs⸗Mittel. Da die Hausthiere, namentlich die größeren, eine ungleich größere Kraft beſitzen als der Menſch, ſo ſind verſchiedene äußere Hülfsmittel nöthig, um für manche Zwecke dieſe überwiegende Kraft zu paralyſiren. Es giebt in dieſer Hinſicht hauptſächlich zweierlei Mittel, nämlich ſolche, welche heftige Schmerzen erregen, und ſolche, welche auf mechaniſche Weiſe die Kraftäuße⸗ rung des Thieres vermindern oder ganz aufheben. Hier ſoll nur von jenen Hülfsmitteln die Rede ſein, welche bei einer Unterſuchung, oder zum Zweck einer Operation und ſonſtigen Kur erforderlich und die außerdem möglichſt einfach ſind, und keine koſtſpieligen oder ſehr zuſammengeſetzte Apparate erfordern. a) Zwangsmittel beim Pferde. Nähert man ſich einem Pferde im Stalle, ſomacht man demſelben durch einige freundliche Zureden ſeine Annäherung bekannt; denn wird daſſelbe plötzlich und unverſehens von einem Menſchen überraſcht, ſo erſchrickt daſſelbe in der Regel, und kann dann leicht den, der ſich ihm nähert, be⸗ ſchädigen. Am paſſendſten tritt man von der linken Seite an das Pferd heran, denn es iſt eigen, daß daſſelbe weit leichter nach rechts als nach links aus⸗ ſchlägt. Man ſtellt ſich neben den linken Vorder⸗ ſchenkel, greift mit der linken Hand in das Backenſtück der Halfter, und iſt auf dieſe Weiſe, ſelbſt bei ſehr böſen Pferden, vor Beſchädigungen ziemlich ſicher. Ueberhaupt iſt die Stellung neben der Schulter des Pferdes die gefahrloſeſte und beſte für den Menſchen. Sehr biſſigen Pferden wird während der Unterſuchung ein aus Eiſen- oder Meſſingblech, oder auch aus Leder angefertigter Maulkorb(Fig. 12.) angelegt. Iſt ein Vorderſchenkel zu unterſuchen, ſo wird der ent⸗ (Tab. XIV.) gegengeſetzte Vorderſchenkel durch einen Gehülfen auf⸗ gehoben, in der Art, als ob der Fuß beſchlagen wer⸗ den ſollte; beſſer noch iſt es, wenn der Gehülfe den aufgehobenen Fuß mit der Einen Hand an die Huf— zehe faßt, und die andere Hand auf die Mähnen als Stützpunkt legt. Man kann auch einen Strick oder Gurt um das Schienbein legen, und ihn über den Widerrüſt wegziehend auf der entgegengeſetzten Seite feſthalten laſſen; oder endlich man legt einen Strick um den Huf und den oberen Theil des Schenkels, wie in(Fig. 6.). Hat das Pferd Neigung vorn in die Höhe zu ſteigen, ſo wird der Kopf deſſelben niedrig und einer der Hinterſchenkel in die Höhe gehalten, oder es wird der Kopf des Pferdes mit dem Halfterſtrange an irgend einem paſſenden feſten Gegenſtande niedrig angebunden. Reichen dieſe Mittel nicht aus, ſo kön⸗ nen beide Füße durch einen Strick oder durch Feſſel⸗ riemen geſpannt werden. Bei der Unterſuchung der Hinterſchenkel oder ſon⸗ ſtiger nach hinten gelegener Theile wird der Kopf des Pferdes ſtets ſo hoch wie möglich gehalten, wodurch das Ausſchlagen mit den Hinterſchenkeln ſehr erſchwert wird. Bei der Unterſuchung des linken Hinterſchenkels wird der gleichſeitige Vorderſchenkel aufgehoben, und der Kopf des Pferdes nach der entgegengeſetzten Seite gehalten, wodurch das Ausſchlagen des zu unterſu⸗ chenden Schenkels ſehr erſchwert, jedoch nicht unmög⸗ lich gemacht wird. Sicherer iſt es einen Strang um den Schenkel zu legen, und dadurch das Ausſchlagen zu verhindern(Fig. 7.). In vielen Fällen, und wo man ein Ausſchlagen beider Hinterſchenkel zu fürchten hat, z. B. beim Bedecken der Stuten, iſt es paſſend, 38. Zwangs⸗ und Ueberwaͤltigungs⸗Mittel. um die Feſſelgelenke beider Hinterfüße Feſſelriemen zu legen, durch dieſe einen langen Strick zu ziehen, wel⸗ cher zwiſchen den Vorderſchenkeln hindurch geführt, über das untere Ende des Halſes umgeſchlagen und vor dem Halſe durch eine Schleife befeſtigt wird. Bei vielen, zumal bei ſchmerzhaften, Operationen, z. B. bei der Applikation von Eiterbändern ꝛc. reicht das bisherige Verfahren in der Regel nicht aus, um das Pferd fügſam zu machen, und hier ſind dann die ſogenannten Bremſen eben ſo einfache, als in der Regel auch wirkſame Mittel. Durch die Bremſen wird die Oberlippe ꝛc. ſehr ſtark zuſammengepreßt, und da in dieſem Theile ſehr zahlreiche Nerven ſich befinden, ſo entſteht dadurch ein ungemein heftiger Schmerz, bei welchem das Pferd den Schmerz der Operation nicht empfindet, und deshalb gewöhnlich ſich ruhig verhält. Die Bremſen beſtehen gewöhnlich aus Eiſen oder aus einem Hölzchen, in welchem ſich eine kleine Schnur in Form einer Schleife befindet. Die eiſerne Bremſe(Fig. 1. 2.) ſtellt eine Art Zirkel dar, an deſſen einem Ende ſich ein Charniergelenk be— findet und am anderen Ende ein gekerbter Rand und ein Ring; dieſelbe iſt leicht anzulegen, und kann mit Leichtigkeit ſehr wirkſam gemacht werden, iſt jedoch in ſo fern nicht vorzüglich, als das Pferd, um ſich der Bremſe zu entledigen, mit dem Kopfe um ſich ſchla⸗ gen, und dann durch die Bremſe leicht ſeine Umgebung beſchädigen kann. Weit beſſer iſt die Bremſe aus Holz, mit einer Schnur(Fig. 3. 4.). Die Schleife wird über die Hand geſtreift, ſodann mit den Fingern die Oberlippe erfaßt, durch die Schleife gezogen und mit der andern Hand das Ende der Bremſe umgedreht, und zwar ſo lange bis das Pferd von ſeiner Wider⸗ ſetzlichkeit nachläßt. Es iſt jedoch hierbei zu bemerken, daß es eine gewiſſe Grenze giebt, wie ſtark der Druck der Bremſe angewendet werden ſoll, denn wenn dieſer Druck auch ſehr bedeutend ſein, und ſelbſt mehrere Stunden ohne Nachtheil anhalten kann, ſo kann ein Exceß in der Wirkung der Bremſe aber auch nachthei⸗ lige Folgen haben, und z. B. ein förmliches Abdrehen der Lippe dadurch bewirkt werden. In einigen Fällen wird die Bremſe an ein Ohr oder an die Unterlippe angelegt, doch iſt dieſes im Allgemeinen nicht gut, und nur dann zuläſſig, wenn das Anlegen der Bremſe an die Oberlippe aus gewiſſen Gründen nicht ſtatt haben kann. Eine dritte Art der Bremſe iſt die ſoge⸗ nannte ruſſiſche oder polniſche Bremſe. Sie beſteht 187 in einer, nach Art einer Trenſe, durch das Maul und über das Genick gezogenen und aus einem Strick ge⸗ machten Schleife, durch deren Backentheil ein Stock geſteckt wird, welcher ſo oft umgedreht wird, bis ein weites Aufreißen des Maules erfolgt(Fig. 5.). Dieſe Art Bremſe iſt ſehr ſchmerzhaft und daher meiſtens ſehr wirkſam. Bei den meiſten größeren Operationen und über⸗ haupt ſtets da, wo das Pferd durch die bisher ange⸗ gebenen Mittel nicht gehörig gebändigt werden kann, muß daſſelbe zu Boden geworfen werden. Zu dieſem Behufe giebt es ſehr verſchiedene Methoden, von denen manche Uebung und Geſchicklichkeit erfordern. Sicher und ſehr paſſend wird bei dem Werfen eines Pferdes auf nachſtehende Weiſe verfahren. Das Pferd wird entweder auf einen weichen, grasreichen Boden, auf einen Miſthaufen oder auf eine eigens dazu bereitete, ſechs bis acht Fuß breite und zehn Fuß lange, ſehr hohe Streu niedergeworfen. Zunächſt wird dem mit einer Trenſe verſehenen Pferde eine Naſenbremſe auf⸗ geſetzt, und dann der Wurfapparat angelegt. Dieſer beſteht aus vier Feſſelriemen und einem langen Seile. Die Feſſelriemen beſtehen aus drei bis vier Zoll brei⸗ tem, ſechzehn bis achtzehn Zoll langem, ſehr ſtarkem Leder, deſſen innere Fläche mit Kuhhaaren wattirt oder mit behaartem Rehleder verſehen iſt. An dem einen Ende des Feſſelriemens befindet ſich eine Schnalle, und etwa ſechs Zoll von der Schnalle befindet ſich ein eiſerner Ring in Form eines römiſchen D angenäht. Um jeden Fuß wird dann ein ſolcher Feſſelriemen an⸗ geſchnallt; das an einem der vorderen Feſſelriemen feſtſitzende Seil wird durch ſämmtliche Ringe hindurch⸗ geführt, worauf zwei bis drei Perſonen das Ende des Seiles erfaſſen. Eine andere Perſon ſtellt ſich neben den Kopf des Pferdes, und zwar auf die Seite, auf welche das Pferd fallen ſoll, führt die Trenſenzügel an der entgegengeſetzten Seite des Halſes weg, und erfaßt ſie hier mit einem Büſchel Mähnenhaare; die andere Hand ergreift das Pferd am Ohre(Fig. 8.). Noch eine andere Perſon erfaßt das Pferd beim Schweife. Auf ein gegebenes Zeichen ziehen die Ge⸗ hülfen das Seil immer ſtärker an ſich, worauf die Füße des Pferdes ſich ſo nähern, daß es zuletzt um— fällt; durch's Ziehen am Schweife wird dieſes Um⸗ fallen erleichtert. Liegt das Pferd auf der Seite, ſo kniet die am Kopfe deſſelben befindliche Perſon auf den Hals, und hebt die Naſe des Pferdas eibas empor; 188 unter den Kopf wird eine Decke gelegt, damit das Auge nicht beſchädigt wird. Statt der Decke kann man ſich auch einer ſtarken und wattirten Bandage, der ſogenannten Augenkappe(Fig. 15.) bedienen, welche vor dem Werfen angelegt werden muß. Fehlt ein ſolcher Wurfapparat, ſo kann das Pferd auch mit bloßen Stricken geworfen werden, wobei wie folgt verfahren wird. Mit einem hinreichend ſtarken Stricke werden die Vorderfüße geſpannt, d. h. ſo zuſammen⸗ gebunden, daß ſie etwa noch einen Fuß weit ausein⸗ ander ſtehen. Um jeden der Hinterfüße wird ein lan— ger Strick mit einer Schleife um das Feſſelgelenk befeſtigt; die Enden beider Stricke werden hierauf zwiſchen den Vorderſchenkeln und unter dem dort be⸗ findlichen Stricke durchgeführt, wieder nach hinten, und zwar beide Strickenden nach Einer Seite, geführt und dann durch Gehülfen ſo ſtark angezogen, bis das Pferd umfällt. Trenſe, Bremſe ꝛc. ſind auch hier erforderlich. Auch mit einem einzigen langen Seile kann das Pferd geworfen werden, wie dieſes durch Fig. 9 und 10 verſinnlicht worden iſt. Nöoch einfa— cher und auf eine ganz gefahrloſe Art wird das Pferd geworfen, wenn eine Perſon beide Trenſenzügel auf der Einen Seite des Halſes und über den Widerrüſt führt, und ſo ſtark anzieht, daß die Naſe des Pferdes faſt den Widerrüſt berührt; das Pferd dreht ſich dabei im Kreiſe, und fällt nach wenigen Umdrehungen, oft ſchon nach einer einzigen, zu Boden. Es gehört zu dieſem Verfahren indeſſen große Gewandtheit, und das liegende Pferd iſt oft nur ſchwer liegend zu erhalten, da alle Füße frei ſind. Um zu verhindern, daß ein Pferd verſchiedene kranke Theile, z. B. die Hinterfüße benage, oder die äußerlichen Mittel ablecke, legt man demſelben einen ſogenannten ſpaniſchen Kragen um(Fig. 11.). b) Zwangsmittel beim Rindviehe. Die geringe Gewandtheit des Rindes macht deſſen Ueberwältigung ziemlich leicht; ſeine Waffen ſind die Hörner und die Hinterfüße, mit welchen letzteren es ziemlich derbe Schläge, mehr nach vorn und zur Seite, verſetzen kann. In der Regel reicht es aus, um ein Rind zu bewälti— gen, wenn es mit einem ſtarken unter die Hörner ge— legten Stricke an irgend einen feſten Gegenſtand ange⸗ bunden wird. Man kann ſich zu dieſem Behufe auch zweier Stricke bedienen, von denen die Schleifen an der äußeren Seite jedes Hornes zu liegen kommen, in⸗ dem die Enden der Stricke an zwei von einander ent⸗ 38. Zwangs⸗ und Ueberwaͤltigungs⸗Mittel. fernte Gegenſtände angebunden werden. Sollen der untere Theil des Kopfes und Naſe und Maul firirt werden, ſo wird das Ende des Strickes über den Na⸗ ſenrücken und durch das Maul geführt(Fig. 13.) und dann angebunden oder durch einen Gehülfen feſt⸗ gehalten. Das Ausſchlagen mit einem Hinterſchenkel kann oft dadurch verhindert werden, daß der Schwanz des Thieres zwiſchen den Beinen durchgeführt, um den Schenkel geſchlagen und hinten feſtgehalten wird. Iſt eine Operation ꝛc. an einem Hinterſchenkel zu machen, ſo wird ein Sack um den unteren Theil des Fußes gelegt, und dieſer von zwei ſtarken Männern in die Höhe gehoben. Oder man bindet den Kopf des Thie⸗ res an das vordere Rad eines Wagens, drängt daſſelbe gegen den Wagen, und ſteckt einen ſtarken Knüppel vor dem aufzuhebenden Hinterſchenkel weg und zwi⸗ ſchen die horizontal ſtehenden Speichen des Hinterra⸗ des. Das Thier zappelt dann wohl kurze Zeit, beru⸗ higt ſich aber bald. Iſt das Werfen des Rindes erforderlich, ſo kann dieſes ganz auf dieſelbe Weiſe als beim Pferde bewirkt werden, außerdem aber noch auf folgende Art. Soll das Rind z. B. auf die rechte Seite zu liegen kommen, ſo wird ein langer Strick um den rechten Hinterfeſſel befeſtigt, und der Strick, unter dem Bauche durch, über die linke Schulter, den Widerrüſt und dann unter den Hörnern von rechts nach links weggeführt, und hier von einem Gehülfen feſtgehalten. Ein anderer Ge⸗ hülfe ſtellt ſich an die rechte Seite des Thieres, faßt den Strick an ſeinem untern Ende, zieht denſelben feſt an, ſo daß der Fuß dem Leibe genähert wird, und drängt dabei Anfangs mit ſeiner Schulter gegen die Flanke. Gleichzeitig zieht der erſte Gehülfe den Strick feſt an, worauf das Thier umfällt. Die Füße können dann bequem zuſammengebunden werden, welches jedoch nicht immer erforderlich iſt. Beim Werfen des Rindviehes muß ſtets eine ſehr hohe Streu gemacht werden, weil ſonſt beim Niederfallen leicht ein Horn abbrechen kann. Anmerkung. Zur Bemeiſterung des ſchwachen und wehrloſen Schafes bedarf es keiner anderen Mittel als der einfachen Kraft des Menſchen. c) Zwangsmittel beim Schweine. Iſt daſſelbe biſſig, wie es z. B. die meiſten Eber ſind, ſo fängt man daſſelbe am leichteſten in dem Augenblicke, wo daſſelbe aus der etwas geöffneten Stallthüre rennen 39. Kreislauf des Blutes. will, indem es dann in der Stallthüre eingeklemmt wird. Alsdann wird ein Strick um ein oder beide Hinterfüße gelegt. Oder man legt eine an einem Ende geöffnete Tonne vor die geöoffnete Stallthüre, und legt etwas Futter in den Grund der Tonne; das gefräßige Schwein geht gewöhnlich hinein, die Tonne wird in die Höhe geſtellt, worauf dann ſehr bequem die Hinterfüße zuſammengebunden werden können. Man kann auch an einem langen Stocke, an deſſen Spitze ſich ein Stück Brod befindet, die Schlinge eines Strickes befeſtigen; wenn das Schwein das Maul öffnet, fährt man mit der Schlinge um den Oberkiefer, ſchnürt die Schlinge zu, und fängt auf dieſe Weiſe das Schwein. d) Zwangsmittel bei Hunden. Es iſt oft ſehr ſchwer einen bösartigen Hund einzufangen. Man klemmt ihn entweder, ganz wie es beim Schweine an⸗ 189 gegeben wurde, in eine etwas geöffnete Thüre ein, oder man fängt ihn mit einer langen Zange. Die⸗ ſelbe beſteht aus zwei, vier bis fünf Fuß langen Höl— zern, an deren Enden ſich zwei gabelartig getheilte, ſechs bis acht Zoll lange und nach außen gewölbte, eiſerne Arme befinden, mit denen der Hund beim Halſe oder beim Kopf erfaßt wird. Um das Beißen des Hundes während einer Operation ꝛc. zu verhin⸗ dern, legt man demſelben einen Maulkorb aus Blech oder Leder an, oder man bindet ihm das Maul mit einer ſtarken Schnur zu. Hierbei wird um den Ober⸗ kiefer die Schlinge der Schnur gelegt, die Enden der⸗ ſelben um den Unterkiefer geführt, hier in einen Kno⸗ ten vereinigt, und dann die Enden hinter den Ohren im Genicke feſtgebunden. Kleinere Hunde faßt man blos beim Genicke, und macht ſie dadurch unſchädlich. 39. Zur beſſeren Verſtändigung, beſonders in Bezug auf das Fieber, wird es erforderlich ſein, eine gedrängte Beſchreibung des Blutumlaufes oder Kreislaufes, und der dabei weſentlich thätigen Organe zu geben; es erſcheint dieſes um ſo nöthiger, als auch in vieler an⸗ derer Hinſicht einige Kenntniß des geſammten Blut⸗ gefäßſyſtems, zur beſſeren Erklärung vieler Krankheits⸗ erſcheinungen, faſt unerläßlich iſt. Die Blutbewegung im Körper wird durch das Herz und die Blutgefäße vermittelt. Das Herz hat in der Bruſthöhle, zwiſchen den beiden vorderen Lungenlappen ſeine Lage(Fig. 1. c.); daſſelbe iſt von einer weiten, aus dünnen Häuten beſtehenden, ſackartigen Umhüllung, dem Herz⸗ beutel(Fig. 1. d. d.) eingeſchloſſen. Dieſer Herz⸗ beutel iſt nach oben mit dem Herzen verbunden, nach unten befeſtigt er ſich an das Bruſtbein; ſeine innere Fläche iſt glatt, und ſondert eine dunſtartige Feuch⸗ tigkeit ab, damit das Herz ſich ungehindert und ohne Reibung und ſonſtige Nachtheile in ihm bewegen kann. Das Herz iſt der Mittelpunkt oder das Centralor⸗ gan des Kreislaufes; es ſtellt einen braunrothen, der⸗ Kreislauf des Blutes.(Tab. XIII.) ben, inwendig hohlen Muskel dar, von der bekannten Herzform(wobei aber nicht gerade das Bild des ſehr unähnlichen Coeur⸗As vorſchweben darf); daſſelbe iſt oben breit, und läuft nach unten in eine ſtumpfe Spitze aus, wodurch ungefähr die Form eines umgekehrten Zuckerhutes gebildet wird. Oben iſt das Herz durch große, aus ihm entſpringende Blutgefäße mit den Rük⸗ kenwirbeln verbunden, an denen hängend es mit ſeinem ganzen übrigen Theile frei in dem weiten Herzbeutel ſchwebend erhalten wird. Die innere Höhle des Her⸗ zens iſt durch eine ſtarke Scheidewand in zwei Ab⸗ theilungen, die Herzkammern— eine linke und eine rechte— geſchieden. Außerdem finden ſich noch zwei andere, kleinere Höhlen im Herzen, die Vorkammern, welche jedoch hier ignorirt werden ſollen, da eine aus— führliche Beſchreibung des Herzens und ſeiner ſpeciellen Verrichtung zu complicirt iſt, um ohne gründliche anatomiſche Kenntniſſe leicht begriffen werden zu können. Die Blutgefäße beſtehen aus Arterien oder Puls⸗ adern und aus Venen oder ſogenannten Blutadern. Die Arterien ſind von gelblich⸗weißer Farbe, und beſte⸗ 190 39. Kreislauf des Blutes. hen aus mehreren über einander gelagerten Häuten, welche zähe und ziemlich dick ſind, ſo daß eine leere Arterie, wenn ſie durchſchnitten iſt, offen bleibt und nicht zuſammenfällt; die Arterien entſpringen aus der linken Herzkammer mit einem ſehr großen Haupt⸗ ſtamme, der Aorta, welcher ſich ſogleich wieder in einen vorderen und hinteren Stamm theilt, welche die vordere und hintere Aorta genannt werden. Die hin⸗ tere Aorta(Fig. 1. e.), welche die ſtärkere von beiden iſt, läuft an der unteren Fläche der Wirbel nach hin— ten, und verſieht durch zahlreiche Aeſte alle hinter dem Herzen gelegenen Theile mit Blut. Der Stamm der vorderen Aorta iſt nur ſehr kurz, und theilt ſich dann ſogleich in zwei Hauptäſte, von denen der linke in Fig. 1. e. ſichtbar iſt; beide verſehen die Vorderſchen⸗ kel, den vorderen Theil der Bruſt, und Hals und Kopf mit Blut. Die beiden Aorten zertheilen ſich, je weiter vom Herzen entfernt je mehr, in unzählige Zweige, ganz wie es bei der Wurzel oder der Krone eines Baumes der Fall iſt. Bei dieſen Veräſtelungen werden die Arterien immer zahlreicher, aber immer geringer an Umfang und immer dünner in ihren Häu⸗ ten; endlich werden dieſe Gefäßchen ſo klein, daß ſie nur noch mit Hülfe der Vergrößerungsgläſer zu ſehen ſind. Sie heißen dann Haar⸗ oder Capillargefäße. Durch die Arterien wird das Blut aus dem Herzen nach allen Theilen des Körpers hingeleitet. Die Venen beſtehen ebenfalls, wie die Arterien, aus mehreren Häuten, welche jedoch weit dünner ſind, ſo daß ſie im nicht angefüllten Zuſtande beim Durch⸗— ſchneiden zuſammenfallen. Sie fangen dort an, wo die Capillargefäße der Arterien enden, indem die Letz⸗ teren in die Venen übergehen, ſo daß dieſe Anfangs ebenfalls nur aus Capillargefäßen beſtehen. Nach und nach erfolgt die Vereinigung mehrerer kleinen Venengefäße zu einem größeren, und das geht ſo fort bis daß zuletzt dadurch zwei große Venenſtämme, die vordere und hintere Hohlvene, gebildet werden, welche in der rechten Herzkammer enden. Durch die Venen wird das Blut aus allen Theilen des Körpers nach dem Herzen zurückgeführt, und es verhält ſich hier alſo gerade umgekehrt, als mit den Arterien, denn während die Arterien mit Einem Stamme aus dem Herzen entſpringen, ſich nach und nach in die kleinſten Aeſtchen verzweigen und das Blut vom Herzen weg⸗ leiten, entſpringen dagegen die Venen mit den feinſten Aeſten, enden in dem Herzen mit einem Stamme, und führen das Blut dem Herzen zu. An aͤußeren Kör⸗ pertheilen liegen die Venen in der Regel mehr an der Oberfläche, als die Arterien, welche tiefer und geſchütz⸗ ter liegen. Auf der Haut edler, feinhaariger Pferde z. B. werden, beſonders wenn ſie erhitzt ſind, oft zahlreiche und große Venen ſichtbar, wogegen hier die Arterien nicht geſehen werden, und auch in der Regel nicht gefühlt werden können. Anmerkung. Eine Art von Anhang zu den Blutgefäßen bilden die Lymphgefäße, welche jedoch nicht Blut, ſondern eine klare, farbloſe oder gelbliche Flüſſigkeit, die Lymphe oder ſogenanntes weißes Blut führen. Sie entſpringen, wie die Venen, mit den feinſten Aeſtchen in dem Gewebe aller Theile, und nehmen aus ihnen die angeführte Flüſſigkeit, die ſo⸗ genannte Lymphe, auf. Je mehr ſie ſich dem Herzen nähern, um ſo mehr verbinden ſie ſich zu einzelnen größeren Stämmen, bis daß ſie zuletzt mit mehreren großen Hauptſtämmen in den Hauptſtämmen der Ve⸗ nen münden. Auf ihrem Laufe gehen dieſe Lymphgefäße an verſchiedenen Stellen durch eigenthümliche Drüſen, die ſogenannten Lymphdrüſen, hindurch, welche Drü⸗ ſen, beſonders beim Pferde, oft erkranken, und dann nicht ſelten höchſt gefährliche Uebel darſtellen. Die Bewegung des Blutes durch den Körper wird der Kreislauf genannt, welcher auf nachſtehende Weiſe erfolgt. Das Herz zieht ſich abwechſelnd zuſammen und dehnt ſich aus, mithin werden die Höhlen des Herzens, alſo die Herzkammern, abwechſelnd verengert und wieder erweitert. Durch die Verengerung der lin⸗ ken Herzkammer wird das in ihr enthaltene Blut in die Arterien und durch dieſe in alle Theile des Körpers getrieben; dieſes Forttreiben des Blutes erfolgt ſtoß⸗ weiſe, wodurch der Pulsſchlag hervorgebracht wird. Der Puls⸗ oder Arterienſchlag iſt mithin nichts Ande⸗ res, als das Nachdringen ſtets neuer Blutwellen in die Arterien, wozu die Zuſammenziehung des Herzens den Impuls giebt. Das Blut in den Arterien wird mit großer Kraft fortgetrieben; dieſe Gefäße ſind des⸗ halb mit Blut ſtrotzend angefüllt, und werden ſie ver⸗ letzt, ſo ſpritzt das Blut aus ihnen in einem weiten Bogen heraus, bei jedem Pulsſchlage im verſtärkten Grade. Zieht ſich die rechte Herzkammer zuſammen, ſo wird das in ihr enthaltene Blut durch ein beſonderes Blutgefäß nach den Lungen getrieben. Hier vertheilt es ſich in zahlloſen kleinen Blutgefäßen an den Wän⸗ 39. Kreislauf des Blutes. den der Luftzellen, kommt dabei mit der eingeathmeten Luft in Berührung, wodurch es eine Veränderung er⸗ leidet, und geht dann in Anfangs ſehr feinen, zuletzt zu fünf bis ſieben größeren Stämmen ſich vereinigen⸗ den Blutgefäßen in die linke Herzkammer, welche daſſelbe bei ihrer Erſchlaffung und Ausdehnung auf⸗ nimmt, und dann in die Arterien treibt, wie ſchon oben beſchrieben wurde. Bei dieſer wechſelweiſen Zu⸗ ſammenziehung und Ausdehnung des Herzens ſchlägt die Spitze deſſelben an die Seiten der Bruſtwand, wodurch der Herzſchlag gebildet wird. Das in den Arterien befindliche Blut iſt von hellrother Farbe; es wird durch die Arterien nach allen Theilen des Körpers geführt, und aus ihm allein geht das Material für das Wachsthum und die Ernährung des Körpers hervor. Der größere, für dieſes Bedürfniß entweder überflüßige oder untaugliche Theil des Blutes, geht in die feinen Venenäſtchen über, welche, in nach und nach immer größer werdenden Stämmen, dieſes Blut dem Herzen wieder zuführen, indem ſie daſſelbe in die rechte Herz⸗ kammer ergießen. Aus dieſer wird daſſelbe, wie ſchon erwähnt, in die Lungen getrieben, erleidet hier die be⸗ ſchriebene Umwandlung, wodurch es wieder tauglich zur Ernährung des Körpers wird. Während das Ar⸗ terienblut hellroth iſt, und in völlig angefüllten Gefä⸗ Beim Pferde: Neugeboren............. 100— 120 Vierzehn Tage alt........... 80— 96 Ein vierkel Jahr alt......... 68— 76 Ein halbes Jahr alt.......... 64— 72 Ein Jahr alt......... 48— 56 Zwei Jahre alt..... 40— 48 Drei Jahre alt......... 38— 48 Vier Jahre alt....... 38— 50 Erwachſen....... 32— 40 Durchſchnittlich zählt man bei den erwachſenen, geſun⸗ den und im mittleren Lebensalter und im Zuſtande der Ruhe ſich befindenden Hausthieren in der Minute Puls⸗ und Herzſchläge: beim Pferde 36— 40, beim Rindviehe 38— 46, beim Schafe und Schweine 60 — 80, beim Hunde 90— 100. In dem Kreislaufe können zahlreiche Störungen 191 ßen und mit Schnelligkeit fortgetrieben wird, erſcheint dagegen das Blut der Venen von ſehr dunkelrother Farbe; die Venen werden durch daſſelbe nur ſchlaff angefüllt, und es fließt ungleich träger in ihnen als in den Arterien. Die Zahl der Venen iſt deshalb auch bei weitem größer als die der Arterien; ſie haben einen größeren Durchmeſſer, und es fehlt ihnen der Puls⸗ ſchlag. Die Umwandlung des dunkelrothen Venen⸗ blutes in hellrothes Arterienblut geſchieht in den Lun⸗ gen vermittelſt des Athmungsproceſſes; dadurch wird das Blut wieder geſchickt gemacht zur Ernährung des Körpers zu dienen, und außerdem wird dabei Wärme erzeugt, welche mit dem Blute nach allen Körperthei⸗ len hingeleitet wird. Die Schläge des Herzens erfolgen immer in dem⸗ ſelben Rhytmus wie die Schläge der Arterien; auch treffen beide auf denſelben Moment zuſammen. Ihre Anzahl in einer gegebenen Zeit iſt je nach dem ver⸗ ſchiedenen Lebensalter und nach der Thiergattung ver⸗ ſchieden. Im Allgemeinen ſind Herz⸗ und Pulsſchläge um ſo häufiger, je jünger das Thier, und um ſo ſeltener, je älter daſſelbe iſt. Nach gemachten Beob⸗ achtungen(von Hering) ſtellte ſich in dieſer Bezie— hung Folgendes heraus. Es fanden ſich Pulſe in der Minute: Beim Rindvieh: Neugeboren.......“ 92— 132 Vier his fünf Tage..... 100— 120 Vierzehn Tage. 68 Vier bis ſechs Wochen........ 64 Ein halbes bis ein Jahr..... 56— 68 Junge Küße.. 64 Vierfährige Ochſen.. 56 vorkommen; er kann verzoͤgert und langſamer werden, wie z. B. bei dem Dummkoller, oder er wird regel⸗ widrig beſchleunigt, wie z. B. bei allen Fiebern und fieberhaften Krankheiten. Eine ſolche fieberhafte Be⸗ ſchleunigung des Kreislaufes kommt überaus häufig vor, und beinahe bei allen bedeutenden Krankheiten. 40. Fieber im Allgemeinen. 40. Fieber im Allgemeinen.(Tab. XV.) Unter Fieber verſteht man eine Krankheit des gan⸗ zen Körpers; faſt alle Verrichtungen ſind dabei mehr oder weniger verändert und geſtört. Daſſelbe tritt ge⸗ wöhnlich plötzlich ein, und hält längere oder kürzere Zeit an. Als eine für ſich beſtehende Krankheit tritt das Fieber nur äußerſt ſelten auf; ſehr häufig dagegen in Begleitung und in Folge anderer Krankheiten. Alle Entzündungen wichtiger Eingeweide ſind mit einem Fieber verbunden; ſo fehlt z. B. bei der Lungenent— zündung, bei der Gehirnentzündung ꝛc. das Fieber niemals. Aber auch bei Entzündungen äußerer Theile, wenn dieſe Entzündungen entweder ſehr ausgedehnt oder ſehr ſchmerzhaft ſind, tritt ein Fieber ein; ſo z. B. bei großen Fleiſchwunden, bei Gelenkwunden, bei heftigen Hufentzündungen ꝛc. Es kommen vorzüglich zwei verſchiedene Arten von Fiebern in Betracht: das Entzündungsfieber und das Faulfieber; erſteres iſt ohne Vergleich häufiger als das Letztere. Hier ſoll weſentlich nur von dem Fieber des Pferdes gehandelt werden, da dieſes ohne Vergleich am wichtigſten iſt; das bei den übrigen Hausthieren vorkommende Fieber iſt dem des Pferdes in den Hauptpunkten ſehr ähnlich, und iſt daſſelbe bei ihnen aus Vergleichungen nicht ſchwer zu erkennen. a) Entzündliches Fieber. Nachdem das Pferd kurze Zeit hindurch durch ſein Benehmen die Zeichen eines allgemeinen Unwohlſeins an den Tag gelegt hat, tritt das entzündliche Fieber gewöhnlich mit einem Froſtanfalle ein, der jedoch oft nur ſehr kurze Zeit, z. B. nur wenige Stunden, anhält, und auch oft wohl ganz zu fehlen ſcheint. Das Pferd zittert und bekommt einen Froſtanfall; die Haare ſtehen dabei geſträubt empor; Ohren, Maul und Beine ſind kühl, die Haut iſt trocken, und liegt feſt an, das Pferd tritt von der Krippe zurück, ſteht mit geſenktem Kopfe und unter den Bauch zuſammengeſtellten Füßen in einer abgeſchlagenen Stellung da. Der Puls iſt hart, klein und kaum zu fühlen, der Herzſchlag iſt wenig oder gar nicht fühlbar. Gleich nach dem Froſtanfalle tritt ein entgegenge⸗ ſetzter Zuſtand, nämlich der einer vermehrten Wärme ein; die früher kühl geweſenen Theile, ſo wie die ganze Umfläche des Körpers ſind wärmer als ſonſt, das Haar legt ſich glatt an, die unter der Haut gele— genen Adern füllen ſich ſtärker mit Blut, und werden ſichtbar. Das wichtigſte Zeichen des Fiebers beſteht in der andauernden Vermehrung der Anzahl der Pulſe; ſtatt ſechsunddreißig bis vierzig Pulſen, welche ſonſt vorhanden waren, ſind jetzt ſechzig bis achtzig und hundert— und ſelbſt eine noch größere Anzahl zu fühlen; der Herzſchlag wird in der Regel, beſon⸗ ders an der linken Seite, fühlbar; die ausgeathmete Luft zeigt vermehrte Wärme, eben ſo das Innere des Maules. Alle ſichtbaren Schleimhäute, beſonders die Naſenhaut, Zunge und Zahnfleiſch und die Bin⸗ dehaut des Auges ſind röther wie ſonſt, und Anfangs trocken, ſpäter mit dünner Feuchtigkeit bedeckt. Die Augen treten mehr aus ihren Höhlen hervor. Es geht nur ſelten und auch nur wenig Urin abz der Miſt wird ſelten und in kleinen Maſſen entleert, und iſt hart und klein geballt. Der Appetit iſt vermindert oder ganz verſchwunden; am liebſten frißt das Pferd jetzt Heu oder Stroh, während Körner faſt ganz verſchmäht werden. Der Durſt iſt auffallend vermehrt. Das Pferd iſt abgeſchlagen und matt; ſein Gang und alle Bewegungen ſind träge und ſchleppend; der Kopf wird geſenkt gehalten, die Ohren hängen herab, und ſind nur wenig beweglich. Die früher vorhanden geweſenen Gewohnheiten und Untugenden des Pferdes ſind mehr oder weniger verſchwunden. Anmerkung. Man fühlt den Puls am paſ⸗ ſendſten an der Geſichtsarterie; dieſelbe verläuft an der inneren Fläche des Hinterkiefers(Fig. 2.), und ſchlägt ſich an dem unteren Rande deſſelben nach außen, und auf die äußere Fläche der Backe um(Fig. 1. a.). Etwas von der Stelle, wo ſie ſich nach außen um⸗ ſchlägt, an dem unteren Rande des Unterkiefers, und etwas nach der inneren Fläche zu(bei Fig. 1. b.) iſt der Puls am beſten zu fühlen. Außerdem wird der Puls auch, und zwar noch beſſer, an der inneren Fläche des oberen Endes des Vorderſchenkels gefühlt, in der Achſelgrube; jedoch läßt ſich dieſes nicht gut aus bloßer Beſchreibung erlernen, weil dazu einige, nur durch praktiſche Anweiſung zu erlernende Uebung gehört. Außerdem kann der Puls auch aus der Zahl und der Beſchaffenheit der Herzſchläge beurtheiltwerden, 40. Fieber im Allgemeinen. und dieſes vorzugsweiſe bei den kleineren Hausthieren. Der Herzſchlag, welcher eben ſo oft als der Pulsſchlag erfolgt, wird an der linken Seite der Bruſt am auf⸗ fallendſten gefühlt. Man legt zu dieſem Behufe die flache Hand an den unterſten Theil der linken Bruſt⸗ ſeite, dicht hinter den Ellbogen. Um das Auge, be— hufs der Unterſuchung der Farbe der Bindehaut, zu öffnen, legt man den Daumen auf den unteren Rand des Augenlides, und den Zeigefinger auf den Rand des oberen Augenlides, entfernt mit einem ziemlich ſtarken Drucke die Finger von einander, und macht dadurch die Bindehaut ſichtbar(Fig. 3.); wenn man etwas ſtark drückt, zugleich den Blinzknorpel. Die beſchriebenen Zufälle des Fiebers nehmen ſchneller oder langſamer, in der Regel jedoch ziemlich raſch, bis zu einem gewiſſen Punkte zu, und nehmen dann nach und nach wieder ab, im Fall nicht etwa der Tod er⸗ folgt. Der Gang des Fiebers richtet ſich hierbei faſt aus⸗ ſchließlich nach der Entzündung oder nach der örtlichen Krankheit, welche mit dem Fieber faſt allemal verbun⸗ den iſt. Iſt der Ausgang ein übler, ſo wird der Puls immer häufiger, die Kräfte und der Appetit verlieren ſich immer mehr, die Haare, beſonders an Mähnen und Schweif laſſen ſich leicht auszupfen, die ſichtba⸗ ren Schleimhäute werden blaß oder bläulich, aus Naſe und Augen bildet ſich ein Ausfluß von Schleim, es entſtehen Geſchwülſte am Schlauche, an den Bei⸗ nen oder unter dem Bauche, es tritt ein Durchfall ein, wodurch dann die Erſcheinungen des Faulfiebers ge⸗ bildet werden. Eine überwiegende Anlage zum entzündlichen Fieber haben beſonders junge, kräftige und gut ge⸗ nährte Thiere, vorzüglich ſolche, welche von ſtram— mem Faſerbaue und feurigem Temperamente ſind. Bei mageren, erſchöpften und ſehr alten Subjekten iſt das entzündliche Fieber eine weit ſeltnere Erſcheinung; bei ihnen kommt das Faulfieber ungleich öfterer vor. Zu den Urſachen des entzündlichen Fiebers gehören vorzugsweiſe folgende. Anhaltende Ruhe, oder plötz⸗ liche und übermäßige Anſtrengung; ſehr reichliches Körnerfutter, zumal ein plötzlicher Uebergang von ſehr magerem und dürftigem Futter zu ſehr reichlichem und nahrhaftem; Erkältungen aller Art, durch Regen, Wind, Luftzug ꝛc., zumal wenn dieſe Schädlichkeiten den erhitzten und ſchwitzenden Körper treffen. Am gewöhnlichſten iſt irgend eine örtliche Entzündung oder eine ſonſtige örtliche Krankheit die Veranlaſſung des Wagenfeld, Encyel. 193 entzündlichen Fiebers, ſo daß daſſelbe in der That faſt allemal nur ein Symptom einer anderen Krankheit darſtellt. Ueber die Kur des entzündlichen Fiebers ſoll hier weiter nichts geſagt werden, denn es fällt dieſelbe mit— der Kur der Hauptkrankheit, welche mit dem Fieber verbunden iſt, zuſammen, und wird hiervon an den betreffenden Orten ſpeciell die Rede ſein. b) Faulfieber. Dieſe Fieberart iſt, eben ſo wie die vorige, weſentlich durch den vermehrten Puls aus⸗ gezeichnet, nur iſt hier überall Schwäche und Erſchö⸗ pfung, während beim entzündlichen Fieber mehr Kraft und Energie in den Bewegungen des Kreislaufes vor⸗ herrſchen. Im Allgemeinen kommt das Faulfieber nicht ſehr oft und ungleich ſeltener vor, als das ent⸗ zündliche Fieber. Der Eintritt des Faulfiebers erfolgt ſo ziemlich unter denſelben Zufällen, als beim entzündlichen Fie⸗ ber; es entſteht ein Froſtanfall, und dann eine ver— mehrte Wärme. Letztere iſt indeſſen oft nur am Maule, an den Ohren ꝛc. wahrzunehmen, während alle ande⸗ ren Theile des Körpers, beſonders die Beine, andau⸗ ernd kühl bleiben. Das allgemeine Benehmen des Kranken verräth, gleich vom Anfange an, einen hohen Grad von allgemeiner Hinfälligkeit und Schwäche; Kräfte und Gefühl ſind tief geſunken. Gang und Bewegung ſind kraftlos und ſchleppend, die Füße werden dabei kaum vom Erdboden gehoben. Das Thier ſteht oder liegt ruhig da, mit hängenden Ohren, und wenig bekümmert um das, was umher vorgeht. Ohren, Schweif und Augen werden nur langſam und gleichgültig bewegt, das ganze Benehmen des Pferdes verräth eine ſchwere Krankheit. Appetit— und oft auch der Durſt ſind gleich Anfangs ſehr gering oder ganz verſchwunden. Der Puls iſt ſehr weich und wohl achtzig bis einhundert Mal, oft noch häufiger, in der Minute zu fühlen. Der Herzſchlag iſt ſehr fühlbar, oft an beiden Seiten der Bruſt. Das Aderlaßblut gerinnt nicht, ſondern trennt ſich ſchnell in ſeine Be⸗ ſtandtheile; es ſcheidet ſich viel gelbliches Blutwaſſer ab. Das Athemholen iſt etwas vermehrt, die ausge— athmete Luft iſt kühl oder von der gewöhnlichen Tem⸗ peratur; mitunter folgt von Zeit zu Zeit ein lockerer Huſten. Der nur ſelten entleerte Miſt geht in großen Maſ⸗ ſen und in lockeren, formloſen Ballen ab; oft iſt er von üblem Geruche. Der Urin mieht reichlich ab, 194 41. und hat nicht ſelten eine fadenziehende, ſchleimige Be⸗ ſchaffenheit. Alle ſichtbaren Schleimhäute ſind blaß, oder von gelblich⸗rother Farbe; die Zunge iſt welk, und Anfangs mit feinem, weißem Schaume, ſpäter mit zähem Schleime und Speichel angefeuchtet. Nimmt das Faulfieber an Heftigkeit zu, ſo ſteigt die Zahl der Pulſe auf einhundert bis einhundert und dreißig in der Minute; der Herzſchlag wird prellend, und iſt jetzt nicht nur fühlbar, ſondern ſelbſt hör⸗ und ſichtbar. Das Athemholen iſt angeſtrengt und be⸗ ſchleunigt, oft röchelnd und ſchnaufend, weil Naſen⸗ flügel, Hals ꝛc. angeſchwollen ſind. Der Athem iſt kühl; das Maul iſt mit zähem Geifer erfüllt, welcher zu den Seiten der Maulwinkel herausfließt, und beim Herunterfallen zähe Fäden bildet; aus den Naſenlö⸗ chern fließt ein übler, oft mißfarbiger, ſelbſt blutiger Schleim. Auch die Augen ſind in ihrem inneren Winkel mit Schleimklumpen erfüllt. Der jetzt reich⸗ lich abgehende Miſt iſt übelriechend, breiig, ſchlecht verdauet, und enthält meiſtens ganze, unverdaute Körner. Zuletzt tritt ein entſchiedener, ſpritzender Durchfall ein. Der Urin iſt zuweilen blutig, oder mit Klumpen von geronnenem Blute gemiſcht. Alle Auswurfsſtoffe und die ganze Atmoſphäre der Kranken ſind von üblem Geruche. Das Thier fühlt ſich überall kalt an; die geſträub⸗ ten Haare fallen leicht aus; Beine, Schlauch, die unteren Theile der Bruſt und des Bauches ſchwellen an, und dieſes oft auf ganz enorme Weiſe, ſo daß z. B. ein Schenkel das Mehrfache ſeines natürlichen Umfanges erlangen kann. Auch der Kopf, zumal Maul und Naſe, verſchwellen oft ſehr ſtark. Das Gefühl iſt beim Pferde faſt ganz verſchwunden; ſo duldet daſſelbe z. B. Fliegen auf der Haut, ohne ſie mit dem Schweife oder durch Hautſchütteln fortzuja⸗ Schieferzaͤhne des Pferdes. gen. Das Thier liegt, der großen Schwäche unge⸗ achtet, nur wenig, und kann ſich, wenn es liegt, kaum mehr erheben. Sind die Zufälle entwickelt, ſo iſt der Tod faſt gewiß. Die Cadaver der am Faulfieber krepirten Thiere ſind dadurch ausgezeichnet, daß ſie ſehr langſam erkal⸗ ten und ſteif werden, einen unerträglichen Geſtank verbreiten, und daß der Bauch ſehr ſchnell tonnenartig von Luft auftreibt. Aus Naſe und After fließt eine blutige Feuchtigkeit, und oft erſcheinen After und Scheide umgeſtülpt, ſehr angeſchwollen und wurſtartig hervorgetrieben. Unter der abgezogenen Haut finden ſich gelbe, ſulzige und wäſſerige Ergießungen; die Venen ſind mit dunklem, faſt ſchwarzem Blute ange⸗ füllt, welches nicht, wie ſonſt, geronnen, ſondern von theerartiger Flüſſigkeit iſt. Die Muskeln oder das Fleiſch, erſcheinen bleich und bleifarben; alle innere Theile ſind mit dunklem Blute überfüllt, mürbe und leicht zerrreißbar. Am hänufigſten erſcheint das Faulfieber bei ſehr alten, mageren, abgetriebenen Pferden, beſonders bei ſolchen von gemeiner Race. Schlechtes, verdorbenes, kärgliches Futter, übermäßige Anſtrengungen aller Art, großer Blutverluſt, anhaltende Durchfälle ꝛc. ſind nicht ſeltene Veranlaſſungen des Faulfiebers. Außer⸗ dem iſt daſſelbe oft der üble Ausgang des entzündli⸗ chen Fiebers, und ein gewöhnlicher Begleiter von Rotz, Wurm, Räude und vielen andern langwierigen Krank⸗ heiten. Das Faulfieber iſt allemal mit großer Gefahr verbunden, theils an und für ſich, theils wegen der Bösartigkeit der anderen Krankheiten, mit welchen es verbunden vorkommt. Ueber das Specielle der Kur ꝛc. wird an den betreffenden Orten das Erforderliche an⸗ gegeben werden. 41. Schieferzähne des Zuweilen ereignet es ſich, daß ein Pferd wegen fehlerhafter Beſchaffenheit der Backenzähne ſchlecht frißt; das Pferd hat dann augenſcheinlich guten Ap⸗ petit, langt gern nach dem Futter, iſt in jeder Bezie⸗ Pferdes.(Tab. XV.) hung munter und geſund, aber das Kauen des Fut⸗ ters, zumal des Heues, geſchieht langſam und mit Beſchwerde, der Unterkiefer wird langſam gegen den Oberkiefer bewegt, und zuweilen mit geoͤffnetem Maule 41. hin und her gereckt, ähnlich wie beim Gähnen. In der Regel kaut das Pferd eine Zeit lang an Heu oder anderem Rauchfutter fort, und läßt dann den ins Maul aufgenommenen Wiſch faſt ganz ungekauet und mit etwas Speichel beſudelt wieder in die Krippe oder auf die Erde fallen. Zuweilen ſetzt ſich auch der Fut⸗ terbiſſen zwiſchen die Backenzähne und die innere Fläche der Backen feſt, und bildet hier eine beutelartige, von außen zu ſehende oder zu fühlende Geſchwulſt. Dauert dieſes ſchlechte Kauen längere Zeit, ſo kommt das Pferd ſehr vom Fleiſche. In der Regel findet ſich dieſer Fehler nur bei ſehr alten Pferden. Es können verſchiedene regelwidrige Zuſtände der Backenzähne die Urſache ſein; zuweilen liegt es an einem hohlen Zahne, an einer ſchmerzhaften Entzündung der Zahnwurzel, an einer Zahnfiſtel ꝛc. Meiſtens liegt es jedoch an verſchiedenen ſpitzigen Hervorragungen an den Rändern der Backenzähne, durch welche Zunge oder Backenhaut gereizt und ſchmerzhaft werden, welches dann das Kauen des Futters erſchwert. Die Reibeflächen der Backenzähne haben eine etwas ſchräge Richtung; bei den oberen Backenzähnen iſt der äußere Rand des Zah⸗ nes der hervorragendſte(Fig. 4. a. b.), bei den un⸗ teren Backenzähnen dagegen ragt der innere Rand am meiſten hervor(Fig. A. c. d.). Erfolgt eine ungleiche Abnutzung der Reibeflächen, ſo entſtehen leicht an den hervorragendſten Zahnrändern(Fig. 4. b. d.) ſcharfe und rauhe Spitzen, welche Schieferzähne genannt werden, und durch dieſe wird dann das Kauen er⸗ ſchwert. Macht ſich ein Pferd der Schieferzähne verdächtig, ſo bringt man ein Maulgatter(Fig. 5. b.) in das Maul deſſelben ein, zieht die Zunge ſeitlich aus dem Maule hervor, und unterſucht dann durch das Auge und mit den Händen, ob ſich dergleichen Spitzen und Rauhigkeiten an den Zahnrändern finden. Iſt dieſes der Fall, ſo raſpelt man ſie mit einer großen Huf⸗ raſpel, oder mit einer eigens dazu gefertigten Raſpel (Fig. 7.) ab, und ſind die Spitzen und Hervorragun⸗ gen der Zähne zu ſtark, um mit der Raſpel entfernt werden zu können, ſo ſetzt man einen Meiſſel(Fig. S.) dagegen, ſchlägt auf dieſen mit einem Klöpfel, und hauet ſie ſo fort. Die Operation muß mit einer ge⸗ wiſſen Vorſicht geſchehen, damit Gaumenſegel und Backen nicht verletzt werden. Das Pferd wird dabei mit dem Hintertheile in die Ecke eines Stalles ꝛc. ge— Schieferzaͤhne des Pferdes. 195 drängt, damit es weder rückwärts, noch ſeitlich aus⸗ weichen kann; die Zunge wird allemal an der entge⸗ gengeſetzten Seite des Maules herausgezogen, ſo daß die zu beraſpelnden Backenzähne, während der Opera⸗ tion durch die Zunge nicht berührt werden. Bei jungen, beſonders zwei⸗ und dreijährigen Pferden, findet oft eine Störung im Zahnwechſel ſtatt, bei welchem einzelne Backenzähne weit, ſelbſt bis zu einem Zoll und darüber, über die Reibefläche der andern Backenzähne hervorragen, und wobei denn das Kauen ſehr erſchwert iſt. Bei der Unterſuchung des Maules, beſonders wenn das Maulgatter einge— bracht wird, iſt dieſer Fehler leicht zu entdecken. Der⸗ gleichen Zähne werden mit dem Meiſſel mit kurzen, derben Schlägen auf denſelben abgeſchlagen, und die zurückbleibenden Rauhigkeiten der Zahnoberfläche dann mit der Raſpel geebnet. Anmerkung. Die erwähnten Operationen an den Zähnen— das ſogenannte Maulputzen oder das Maulausräumen wird vielfach gemißbraucht, beſon⸗ ders von Hufſchmieden. Frißt ein Pferd ſchlecht oder gar nicht, ſo ſuchen dergleichen Pfuſcher die Urſache des geſtörten Appetits faſt allemal an den Zähnen, ohne Rückſicht darauf, ob das Pferd vielleicht an einer fieberhaften oder anderen ſchweren Krankheit leidet, durch welche die Freßluſt vermindert oder aufgehoben ſein kann. Dieſelben machen deshalb denn auch dieſe Operation faſt bei jedem ſchlecht freſſenden Pferde bei dem ſie zu Rathe gezogen werden, und oft genug ſo ungeſchickt, daß dabei erhebliche Verletzungen entſtehen. Mir ſelbſt ſind mehrere Fälle der Art bekannt, wo ein Pferd auf dieſe Weiſe umgebracht wurde. Die Ope⸗ ration muß deshalb mit Geſchick und nur da ausge⸗ führt werden, wo keine auffallende anderweitige Ur⸗ ſache des geſtörten Appetits vorliegt; man ſehe dabei auf die Art des Kauens und der Kieferbewegung, ob ungekautes Futter aus dem Maule zurückkommt, ob ſich Futter zwiſchen Backen und Zähnen feſtſetzt(das ſogenannte Einfuttern) und ob keine andere Krankheit vorhanden iſt, aus der ſich der geſtörte Appetit mit beſſerem Grunde erklären läßt. Sind die Zähne von ihren Spitzen und Hervorragungen befreiet, ſo wird das Pferd ſogleich auf die gewöhnliche Weiſe freſſen; iſt dieſes nicht der Fall, ſo liegt die Urſache in ande⸗ ren Umſtänden, als in der Regelwidrigkeit der Zäaͤhne. 25* 196 42. Brennen mit dem Gluͤheiſen. 42. Brennen mit dem Glüheiſen. Die Anwendung des glühenden Eiſens iſt ſeit ur⸗ alten Zeiten gebräuchlich, und in der That in überaus zahlreichen Fällen ein höchſt wirkſames Verfahren, welches noch nebenher den Vorzug der Wohlfeilheit hat. Man bedient ſich des glühenden Eiſens zu dem verſchiedenſten Behufe: um verſchiedene in den Körper eingedrungene Gifte, z. B. den Speichel eines tollen Hundes, zu zerſtören, um Blutungen zu ſtillen, um mancherlei krankhafte Gebilde zu zerſtören, um Ablei— tung zu bewirken, um die Thätigkeit in einem Theile zu erhöhen ꝛc. Bei Spat, Ueberbeinen, Gallen, Sehnengeſchwülſten, Stollbeulen, Wurmbeulen, Läh⸗ mungen verſchiedener Art ꝛc. ꝛc. ſtellt das Glüheiſen ein ganz vorzügliches Heilmittel dar. Die Form des Glüheiſens richtet ſich nach den verſchiedenen Zwecken, welche man dadurch zu erreichen beabſichtigt; man hat meſſerförmige Brenneiſen(Fig. 9. 10. 11.), knopf⸗ förmige(Fig. 12.), ſpitzige, birnförmige und eylin⸗ driſche(Fig. 13. 14. 15.), ringförmige(Fig. 17.) ꝛc. Gilt es bei der Anwendung des Brenneiſens die Zerſtörung eines Theiles, oder die Stillung einer Blu⸗ tung, ſo muß das Eiſen weißglühend angewendet werden, und zwar ſo oft nach einander, als man es für den beabſichtigten Zweck für dienlich erachtet. In den meiſten Fällen jedoch will man mit dem Glüheiſen nicht direkt zerſtören ꝛc., ſondern nur einen beträchtli⸗ chen Reiz oder eine Entzündung in dem zu brennenden Theile hervorbringen. In dieſem Fall darf das Eiſen nur ſchwach glühend ſein, und nur bis zur kirſchbrau⸗ nen Farbe erhitzt werden, weil bei ſtärkerer Erhitzung leicht die Haut durchgebrannt werden, und außerdem nicht ſo viel Hitze in den Theil gebracht werden könnte; auch würden dadurch ſehr auffallende Narben entſtehen, welche in der Regel ſehr ungern geſehen werden. Iſt das zu brennende Pferd in die erforderliche Lage gebracht, ſo verfährt man bei dem Brennen auf nachſtehende Weiſe. Zunächſt wird mit dem nur ſehr ſchwach erhitzten Eiſen die zu brennende Figur auf die Haut gebrannt; hierauf wird das bis zur kirſchbrau⸗ nen Farbe glühend gemachte Eiſen wiederholt, nach Umſtänden ſechs bis zehn Mal oder noch öfterer, mit der Haut in Berührung gebracht. Brennt man Striche, ſo wird das Eiſen ganz leicht auf der Haut hinweg gezogen; bei Punkten drückt man das Eiſen nur ſanft an die Haut an. Nie darf die ſo eben gebrannte Stelle ſogleich wieder gebrannt werden, ſondern nur erſt dann, wenn alle übrigen Stellen gebrannt ſind. Bei gelindem Brennen wird die Haut dunkelgelb, bei ſtärkerem Brennen hellgelb, und bei noch ſtärkerem Brennen goldgelb. Im Allgemeinen brennt man ſo lange fort, bis eine wäſſerige Feuchtigkeit auf den ge⸗ brannten Stellen erſcheint; dieſe ſieht man entweder, oder man entdeckt ſie, wenn man mit der flachen Hand ſtark auf die Brandſtelle drückt, wo dann die Hand an den entſprechenden Stellen befeuchtet erſcheint. Es iſt gut wenn zwei Brenneiſen derſelben Art vorhanden ſind; während das eine im Feuer erhitzt wird, brennt der Operateur mit dem anderen. Je langſamer man brennt, deſto beſſer; das Brennen iſt die einzige Ope⸗ ration, bei welcher Langſamkeit zu empfehlen iſt. Die Striche oder Punkte dürfen nicht zu dicht neben einan⸗ der gemacht werden, weil ſonſt die zwiſchen ihnen lie⸗ gende Haut leicht ausfallen kann, welches dann eine beträchtliche, kahle Narbe zur Folge hat; auch dürfen ſich die Striche, im Fall man nicht ſehr gelinde brennt, nicht kreuzen, weil ſonſt ebenfalls Hautſtücke auszu⸗ fallen pflegen. Sind die Haare auf dem zu brennen⸗ den Theile ſehr lang und dick, ſo werden ſie zuvor ab⸗ geſchoren; in den gewöhnlichen Fällen kann dieſes jedoch unterbleiben. Gleich nach dem Brennen wird die Stelle mit etwas Fett oder Oel beſtrichen; eine weitere Behandlung iſt nicht nur überflüßig, ſondern ſogar völlig unpaſſend. In Betreff der Figur, welche man brennt, giebt es im Allgemeinen keine beſtimmte Regel; es iſt dieſes auch ſehr unerheblich, und mehr von der Willkühr und dem Geſchmacke des Operateurs abhängig. Die Hauptſache bleibt immer dabei, ſo viel Hautſtellen wie möglich zu brennen, und doch ſo, daß das Brenn⸗ zeichen ſpäter ſo wenig ſichtbar, als möglich ausfällt, oder wenn dieſes nicht thunlich iſt, dem Brandzeichen wenigſtens eine gefällige Geſtalt zu geben. 43. Koppen des Pferdes. 197 43. Koppen des Pferdes.(Tab. XV.) Das Koppen— Krippenſetzen, Krippenbeißen, Köken, Luft⸗ oder Windſchnappen— iſt mehr eine üble Angewöhnung, als eine wirkliche Krankheit. Das Pferd ſetzt dabei den vorderen Rand der Schneidezähne auf den Grund oder den Rand der Krippe, oder auch auf den angeſpannten Halfterſtrang, auf die Deichſel, das eigene Knie oder einen anderen feſten Gegenſtand feſt auf, ſpannt dabei einige Muskeln am Halſe krampf⸗ haft an, und läßt dann ein eigenthümliches Geräuſch vernehmen, wie beim Aufſtoßen oder Rülpſen. Stützt das Pferd das Maul dabei nirgends auf, was zuwei⸗ len vorkommt, ſo nennt man daſſelbe einen Wind⸗ oder Luftkopper. Es iſt bisher noch nicht mit Sicherheit ermittelt worden, ob das Pferd beim Koppen Luft hinabſchlucke, oder aus dem Magen ausſtoße. Wie dem auch ſei, ſo glaubt man doch allgemein, daß eine geſtörte und unregelmäßige Magenverdauung die Urſache iſt, und dieſe Anſicht iſt in manchen Fällen ohne Zweifel rich⸗ tig, denn man beobachtet häufig, daß Kopper ſchlecht genährt ſind, welches zum Theil aber auch wohl daher kommen mag, daß viel Futter beim Freſſen auf die Erde verſtreut wird. Nicht allemal kann indeſſen eine ſchlechte Verdauung der Grund des Koppens ſein, denn man ſieht häufig, daß dieſe üble Gewohnheit, beſonders in Regimentern und Marſtällen, ſich durch Nachahmung auf andere Pferde verbreitet, und man kann doch nicht annehmen, daß eine ſchlechte Verdau⸗ ung bei zahlreichen Pferden nach einander eintrete. Bei den meiſten koppenden Pferden findet man den vorderen Rand der Schneidezähne durch das wieder⸗ holte Auſſetzen mehr oder weniger abgeſchliffen(Fig. 18. 19.); dieſes iſt jedoch nicht immer ein poſitives Zeichen des Koppens, denn manche Pferde haben, auch ohne Kopper zu ſein, die üble Gewohnheit, die Zähne auf dem Grunde oder dem Rande der Krippe hin und her zu ſchleifen und zu wetzen, wodurch eben⸗ falls eine Abreibung der vorderen Zahnränder erfolgt. Pferde, welche koppen, ohne aufzuſetzen, alſo die Luftkopper, zeigen die erwähnte Veränderung der Zähne natürlich nicht. Obwohl das Koppen eine ſehr widrige Gewohnheit iſt, und auch in ſo fern nachtheilig, als das Pferd, wenn es mit gefülltem Maule auf den Rand der Krippe ꝛc. aufſetzt, viel Futter auf den Boden fallen läßt, ſo ſchadet es doch der allgemeinen Geſundheit faſt gar nicht. Einige Kopper füttern ſich freilich manchmal nicht recht gut, aber dieſes kann nur in den ſelteneren Fällen dem Koppen ſelbſt zugeſchrieben wer⸗ den, und die Furcht, daß koppende Pferde, beſonders die Luftkopper, ſehr oft von Kolik, namentlich von Windkolik befallen werden können, beruht faſt immer auf einem Vorurtheile und nicht auf Thatſachen. Dennoch macht das Koppen unter allen Umſtänden einen Fehler aus, welchen man gern beſeitigt zu ſehen wünſcht. Es ſind zu dieſem Behufe ſehr zahlreiche Mittel angegeben, aber bis jetzt hat noch keines einen Erfolg gehabt, welcher in allen und ſelbſt nur in den meiſten Fällen ſicher geweſen wäre. Man entfernte ſo viel wie möglich alle Gegenſtände, auf welche das Pferd aufſetzen konnte, oder man beſchlug ſie mit Blech, legte dem Pferde einen, inwendig mit kleinen Stacheln verſehenen Maulkorb an, band daſſelbe von der Krippe zurück, und ließ es von der Erde freſſen, oder aus einem kleinen Futterſacke ꝛc. Sehr häufig wird der ſogenannte Koppriemen gebraucht und in der That verhindert er in der Regel das Koppen; er hat indeſſen den Nachtheil, daß er den Rückfluß des Blutes vom Kopfe mehr oder weniger verhindert, wo⸗ durch ſchon oft Gehirnentzündung, Koller, Augenent⸗ zündung ze. entſtanden ſind. Der Koppriemen iſt des⸗ halb auch durchaus verwerflich. Eine der neueſten Methoden gegen das Koppen beſteht in der Anwendung einer beweglichen Krippe, welche ausweicht, wenn das Pferd mit dem Maule darauf drückt, und durch Ge⸗ gengewichte ſchnell wieder in die Höhe fährt, wenn das Drücken nachläßt; hierdurch ſoll das Pferd er⸗ ſchreckt und ihm dadurch ſein Koppen abgewöhnt werden. Ueber die Wirkung dieſer beweglichen Krippe iſt mir nichts bekannt, jedoch erſcheint der Apparat zu künſtlich und zuſammengeſetzt, um praktiſch genannt werden zu können. t Das beſte Mittel gegen das Koppen iſt die Arbeit, denn hiebei findet das Pferd zu ſeiner Unart keine 198 44. Zeit. Außerdem dürfte die Verabreichung des Fut⸗ ters in einem Freßbeutel das beſte Verfahren ſein, Lungenwuͤrmerſeuche der Laͤmmer. denn es hat zugleich den Vortheil, daß kein Futter dabei verſtreuet werden kann. 44. Lungenwürmerſeuche der Lämmer.(Tab. XV.) Es erſcheint dieſe Krankheit, welche auch mit dem Namen Lungenwurmhuſten, wurmige Lungenſeuche, weiße Lungen, belegt wird, faſt ausſchließlich bei Lämmern im erſten Lebensjahre; ſehr ſelten in einem ſpätern Lebensalter. Durch dieſelbe werden zuweilen ganze Lämmerheerden zu Grunde gerichtet. Gleich Anfangs zeigen ſich die erkrankten Lämmer matt und träge und ohne die gewöhnliche Munterkeitz ſie blei⸗ ben im Wachsthume zurück, ſind ſchwächlich und ma⸗ ger, ſchleichen träge umher, laſſen ſich ohne Wider⸗ ſtand leicht ergreifen, und die Bindehaut der Augen, ſo wie die Haut unter der geſcheitelten Wolle, erſcheinen von bleicher Farbe. Es ſind dabei zugleich die Zei⸗ chen eines Katarrhs oder Schnupfens vorhanden; die Kranken huſten und krächzen ſehr häufig. Nach eini⸗ ger Zeit wird dieſer Huſten häufiger und angeſtrengter, ſcharf und krächzend, oder klanglos, feucht und dumpf; es findet ein öfteres Nieſen ſtatt, oder auch ein Recken und Würgen, als ob das Thier erbrechen wollte. Das Athemholen wird nach und nach angeſtrengt, vermehrt und mit ſichtbarer Bewegung der Flanken und der Naſenlöcher ausgeübt. Obgleich in der Regel noch ziemlicher Appetit vorhanden iſt, ſo magert das Lamm doch immer mehr ab, und wird immer ſchwächer, bis daß es zuletzt an allgemeiner Erſchöpfung oder auch wohl plötzlich durch Erſtickung krepirt. In der Regel macht die Krankheit einen ſehr langſamen Verlauf, ſo daß nicht ſelten mehrere Monate und ſelbſt eine noch weit längere Zeit verfließen, bis daß der Tod eintritt. Bei der Sektion des Cadavers findet man die vor⸗ zuͤglichſten krankhaften Veränderungen in den Lungen. Dieſe ſind ungewöhnlich welk, bleich und faſt weiß, ſehr blutarm, an einzelnen Stellen knotig aufgetrieben oder verhärtet; in der Luftröhre, und mehr noch in ihren Veräſtelungen, findet ſich viel ſchaumiger Schleim, und in dieſem eine ungemein große Menge, oft zu einem Knäuel zuſammengewickelter Würmer, welche ein bis zwei Zoll lang, nicht viel dicker als ein Zwirn⸗ faden und von gelblich⸗weißer Farbe ſind(Fig. 20.). Es iſt dieſes der ſogenannte Luftröhrenkratzer(Stron- gylus bronchialis). Ueber die Urſachen der Krankheit weiß man nichts Poſitives; wahrſcheinlich entſteht ſie urſprünglich aus einem einfachen Schnupfen und Lungencatarrh, wel⸗ cher bei langer Dauer und bei der Einwirkung verſchie⸗ dener Schädlichkeiten zu der Bildung von Lungenwür⸗ mern Veranlaſſung giebt. Am meiſten ſind daher Erkältungen aller Art zu beſchuldigen; die anhaltende Einwirkung von Näſſe und Regen, einer ſtürmiſchen und rauhen Witterung, kalter und feuchter Luft ꝛc., zumal wenn hiezu noch eine kärgliche Fütterung kommt, bei welcher die Thiere ſehr herunterkommen. Die Lungenwürmerſeuche iſt im Allgemeinen ſehr gefährlich, denn ſie tödtet die meiſten der von ihr be⸗ fallenen Stücke. Nur Anfangs und ſo lange das Thier noch bei Fleiſch und Kräften iſt, läßt ſich eine Geneſung hoffen; ſpäter erfolgt in den meiſten Fällen der Tod. Die Vorbeugung der Krankheit beſteht in einer paſſenden Wartung und Fütterung der Lämmer, und in der Vermeidung und Abhaltung Alles deſſen, was die Seuche zu veranlaſſen und namentlich eine dauernde Erkältung zu unterhalten im Stande iſt. Mit der Kur der bereits ſichtbaren Krankheit darf nicht gezögert werden; ſobald ſich die erſten Zeichen derſel⸗ ben, beſonders ein häufiger Huſten, bemerklich machen, muß ſogleich der ganze Lämmerhaufen einer paſſenden Behandlung unterworfen werden. Dieſe beſteht we⸗ ſentlich darin, daß die Thiere ſehr reichlich uud mit dem nahrhafteſten Futter, ſelbſt mit Körnern ernährt werden, und daß jede Einwirkung von Regen, Näſſe und Kälte von ihnen abgehalten wird. Um die Ver⸗ dauung zu ſtärken und die Thätigkeit von Haut und Nieren zu beleben, erhalten die Kranken öfters, etwa alle drei bis vier Tage, eine Lecke aus Wermuth, Cal⸗ 45. muswurzeln, Theer, Terpentinöl und Salz, mit Ha⸗ ferſchrot. Ein täglich zu wiederholender Einguß von einem Theelöffel voll einer Miſchung aus einem Theile Terpentinöl und drei Theilen Branntwein ſoll eben⸗ falls gute Dienſte geleiſtet haben. Dieſe Mittel pflegen aber nur zu Anfange der Krankheit von ſichtbarem Nutzen zu ſein, ſo lange die Thiere noch munter und kräftig, bei gutem Appetite und noch nicht mit auffallenden Athmungsbeſchwerden behaftet ſind. Iſt das Thier dagegen ſchon lange krank, matt und mager, huſtet es viel und athmet es angeſtrengt und beſchleunigt, ſo trotzt das Uebel mei⸗ ſtens jedem Heilverſuche; die Würmer in den Luftröh⸗ renäſten vermehren ſich nach und nach, und es wird durch ſie eine Reizung unterhalten, welche zur unheil⸗ baren Lungenſchwindſucht führt. Von dieſem richtigen Geſichtspunkte ausgehend, hat man verſchiedene Ver⸗ ſuche gemacht, die Würmer in den Lungen zu tödten, in der Hoffnung, daß ſie dann durch den häufig erfol⸗ genden Huſten ausgeworfen werden würden. Dieſes iſt auch in einzelnen Fällen gelungen, weit häufiger aber waren dergleichen Verſuche völlig erfolglos. Man bringt die Kranken in einen engen, möglichſt luftdich⸗ ten Raum, und läßt ſie hier längere Zeit die Dünſte einathmen, welche durch die Erhitzung oder durch das Verbrennen von Hornſpähnen, Wolle, Federn, Theer, Zinnober oder Chlorkalk gebildet werden. Dieſe Pro⸗ cedur kann einen Tag um den andern wiederholt wer⸗ den, doch läßt ſich bei den wenig zahlreichen bisheri⸗ gen Verſuchen nicht wohl angeben, bis zu welchem Grade die Luft mit den gedachten Dünſten geſchwän⸗ gert werden muß. Es muß hierbei verſucht werden, wie viel die Kranken in dieſer Hinſicht ohne ſichtbare Knochenbruͤchigkeit des Rindviehes. 199 Gefahr auszuhalten im Stande ſind. Durch dieſe Räucherungen, unter denen das Chlor am beſten iſt, erfolgt zuweilen ein ſehr ſtarker und häufiger Huſten, durch welchen oft ganze Klumpen von meiſtens todten Fadenwürmern ausgeworfen werden. Bei dem Ge⸗ brauche der Räucherungen ſind noch nebenher die beſte und nahrhafteſte Fütterung und die Verabreichung der oben angeführten Mittel unerläßlich. Anmerkung. Auch Kälber und Schweine lei⸗ den nicht ſelten an der Lungenwürmerſeuche; mir ſelbſt ſind zahlreiche Fälle bekannt, in welchen vorzüglich Schweine, oft in großer Anzahl, an der Krankheit zu Grunde gingen. Dieſelben huſteten ſchon als ſehr junge Ferkel, hielten ſich aber dabei Anfangs in gu⸗ tem Stande, und krepirten erſt nach vier bis ſechs Mo⸗ naten, manchmal ſogar noch ſpäter. Im Laufe dieſer Zeit vermehrte ſich der Huſten immer mehr, das Athem⸗ holen wurde immer häufiger und angeſtrengter, und die Thiere magerten zuletzt bis zum Gerippe ab. Dem⸗ ungeachtet hielten ſie ſich noch lange Zeit hindurch munter, und der Appetit war unvermindert. Aber ſelbſt die reichlichſte Schrotfütterung verhinderte die zunehmende Abmagerung nicht, bis daß zuletzt unter allen Zeichen der Lungenſchwindſucht der Tod erfolgte. Die Lungen erſchienen, beſonders an ihren äußeren Rändern, etwas aufgetrieben, und an dieſen Stellen von faſt weißer Farbe; beim Einſchnitte in dieſe Stel— len quoll aus den Luftröhrenäſtchen ein weißer, eiter⸗ artiger Schleim, in welchem zahlreiche Fadenwürmer enthalten waren.— In Betreff der Urſachen, Vor⸗ beugung und Kur gilt hier Alles, was bei der Lun⸗ genwürmerſeuche der Lämmer angeführt worden iſt. 45. Knochenbrüchigkeit des Rindviehes. Cs iſt dieſes eine ganz eigenthümliche Krankheit, von welcher manche Gegenden ſehr oft heimgeſucht werden, während ſie in anderen beinahe gänzlich un⸗ bekannt iſt. Der Verlauf derſelben iſt langſam und ſchleichend, und ſie tritt Anfangs ſo unmerklich auf, daß ſie ganz überſehen, und gewöhnlich nur erſt dann erkannt wird, wenn ſie bereits zu einem hohen Grade der Ausbildung gelangt und unheilbar geworden iſt. Bei dem von der Krankheit befallenen Thiere werden die Haare nach und nach ſtruppig und glanzlos, die Haut wird trocken und hart; ſie verliert ihre Geſchmei⸗ digkeit, läßt ſich nicht mehr in Falten emporheben, 200 45. ſondern liegt feſt auf ihrer Unterlage an, als wäre ſie aufgeleimt. Das Thier zeigt einen trägen, matten Gang, magert nach und nach ab; alle ſichtbaren Schleimhäute werden blaß und welk, und ſind mit zähem Schleime überzogen. Es ſtellt ſich eine ganz ungewöhnliche Neigung ein, fremdartige Subſtanzen zu verſchlucken; der Kranke leckt oder nagt an den Wänden, an Holzwerk, Leder, Wolle, Steinen, Scher⸗ ben, Kalk, Erde, Leinenzeug, Lumpen und ähnlichen Dingen, kauet an ihnen und verſchluckt ſie auch mit— unter. Außerdem erſcheint das Thier munter und ge⸗ ſund; es frißt und wiederkäuet faſt wie ſonſt, giebt Milch ꝛc. In vier bis ſechs Wochen hat die Krankheit nach und nach an Heftigkeit zugenommen. Abmagerung und Schwäche werden immer größer, der Kranke liegt viel, und kann ſich nur mit großer Mühe erheben; es vergehen oft fünf bis zehn Minuten bevor das Thier auf die Beine kommt, es zittert dann gewöhnlich, ſchwankt und kann nur nach und nach in eine feſte Stellung ſich verſetzen. Der Gang iſt jetzt vorſichtig, träge, ſchwerfällig, und gewöhnlich iſt einer der Füße mehr oder weniger lahm. Der Appetit vermindert ſich jetzt, die Schneidezähne werden ſehr locker, die Maul⸗ haut erſcheint gelblich, ſehr blaß und mit zähem Schleime und Speichel befeuchtet. Aus der Naſe fließt ein dünner, klarer Schleim. Die Milch verliert ſich etwas, aber ſie iſt ſonſt nicht verändert. Es ſtellt ſich ein gelindes Fieber ein. An einzelnen Muskel⸗ partieen, beſonders an den Gliedmaßen, bilden ſich Geſchwülſte, welche ſich hart und holzig anfühlen, und ſehr ſchmerzhaft ſind; der kranke Fuß iſt lahm, und wird beim Gehen und Stehen geſchont. Werden die Muskeln des Halſes befallen, ſo hält das Thier den Kopf gerade aus und ſehr ſteif, und leiden die Mus⸗ keln des Rückens ſo ſtellt das Thier alle vier Füße dicht zuſammen, und ſteht dann, katzenartig, mit ſehr ge⸗ krümmtem Rücken. Endlich, und in der Regel erſt nach Monaten, erreicht das Uebel ſeinen höchſten Grad. Das Thier magert bis zum Gerippe ab, es kann kaum mehr gehen, und liegt deshalb faſt unaufhörlich auf der Seite, oder rutſcht auf den Knieen hin und her. Wird daſſelbe durch Menſchenhülfe auf die Beine gebracht, ſo bleibt es zitternd auf derſelben Stelle ſtehen, legt ſich aber bald wieder nieder. Dieſes Niederlegen iſt augen⸗ ſcheinlich ſür das Thier ſehr mühſam und ſchmerzhaft; Knochenbruͤchigkeit des Rindviehes. einige Kranke laſſen ſich geradezu niederfallen, und hierbei zerbrechen dann nicht ſelten, einer oder mehrere Knochen. Muskeln, Sehnen und Baͤnder, beſonders an den Beinen, ſchwellen an, und werden ſehr ſchmerzhaft. Das Thier knirſcht mit den Zähnen, brummt oft, und giebt durch dieſe Zeichen zu erkennen, daß es an hef⸗ tigen Schmerzen leidet. Die ſpröde, trockene und ſehr harte Haut fühlt ſich kalt an; an vielen Theilen ſind die Muskeln geſpannt und hart wie Holz. Demun⸗ geachtet geben Kühe noch mehr oder weniger Milch, ob⸗ gleich dieſelbe leicht gerinnt, und bei Kälbern, welche damit ernährt werden, einen Durchfall erzeugt. Der abgehende Miſt iſt trocken, von ſehr dunkler Farbe und üblem Geruche; manchmal findet ein Durchfall ſtatt, und der Leib iſt periodiſch von Winden aufge⸗ trieben. Die Augen ſind trübe, matt und glanzlos, und mit einem zähen Schleime bedeckt. Das Athem⸗ holen iſt vermehrt, obgleich nicht angeſtrengt, der Athem hat einen üblen Geruch. Der Puls vermehrt ſich auf ſechzig bis hundert Schläge in der Minute, zuweilen aber iſt gar keine fieberhafte Vermehrung deſ⸗ ſelben wahrzunehmen. Bei den Verſuchen aufzuſtehen oder beim Niederlegen, erfolgen leicht Brüche von Knochen; zuweilen zerbrechen die Knochen auch ſchon in einer früherer Krankheitsperiode beim Gehen', und zwar ohne alle äußere Veranlaſſung, lediglich durch die Wirkung der Muskeln und durch die eigene Schwere des Körpers. Am häufigſten erfolgen die Brüche an der Hüfte und den Beckenknochen überhaupt, dann an den Rippen und Beinen. Hat die Krankheit dieſe zuletzt beſchriebene Höhe erreicht, ſo erfolgt der Tod, wobei jedoch zu bemerken iſt, daß nicht bei jedem Stücke ein Knochenbruch ſich einſtellt. Bei der Unterſuchung der Cadaver findet man das Fleiſch oder die Muskeln ſehr blaß, abgemagert und welk; das Fett iſt überall verſchwunden, alle Einge⸗ weide ſind welk und blaß, ſonſt wenig verändert; Zeichen von Entzündung finden ſich an ihnen ſehr ſelten oder niemals. In der Bruſt⸗- und Bauchhöhle iſt oft etwas Waſſer enthalten. Die ergriffen geweſe⸗ nen Gelenke, beſonders an den Beinen, zeigen ſich auffallend verändert. Unter der Haut an dieſen Stel⸗ len findet ſich eine gelbe, ſulzige Maſſe; alle hier gele⸗ genen Theile ſind angeſchwollen, auch die Sehnen. Die Gelenkbänder ſind manchmal zerriſſen, und in den Gelenken ſelbſt findet ſich eine große Anſammlung von 45. Knochenbruͤchigkeit des Rindviehes. 201 Gelenkſchmiere. Die Gelenkenden ſind auf ihrer inne⸗ ren, überknorpelten Fläche mit Geſchwüren beſetzt, von der Größe einer Linſe bis zu der eines Groſchens und darüber, und oft finden ſich fünf bis ſechs ſolcher Geſchwüre; durch dieſelben iſt der Gelenkknorpel zer— ſtört und angefreſſen, ſo daß die Knochenmaſſe in ihrem ſchwammigen Baue frei daliegt. Die Endſtücke der Knochen, beſonders in der Nähe der Gelenke, fin⸗ den ſich öfters in mehre Stücke zerbrochen, und mit tiefen Löchern und Aushöhlungen verſehen. Die Kno⸗ chenmaſſe ſelbſt iſt locker, ſchwammig und leicht mit den Fingern zu zerbrechen; das Mark in den Knochen iſt vermindert und in eine ſchmierige Maſſe aufgelöſt. Die Knochenbrüchigkeit iſt eine ſehr gefährliche Krankheit; hat ſie ſchon einen ſehr hohen Grad erreicht, und ſind ſchon Knochen zerbrochen, ſo erfolgt der Tod in den meiſten Fällen. Dagegen gelingt die Heilung der Krankheit ſehr oft, wenn zeitig genug ein paſſendes Heilverfahren eintritt; dieſes muß aber anhaltend fort⸗ dauern, weil ſonſt leicht, früher oder ſpäter, ein Rück⸗ fall eintritt, welcher dann um ſo leichter tödtlich wird. Ueber die Urſachen dieſer merkwürdigen Krankheit iſt man bis jetzt keineswegs im Reinen. Höchſt wahr⸗ ſcheinlich entſteht ſie aus Schädlichkeiten in der Fütte⸗ rung; von welcher beſonderen Qualität dieſe Schäd⸗ lichkeiten ſind, läßt ſich jedoch nicht angeben, denn Alles, was bisher darüber angegeben wurde, hat ſich als unſicher bewieſen. Daß gewiſſe Zuſtände der At⸗ moſphäre die Krankheit erzeugten, läßt ſich nicht wohl annehmen, und daß ſie anſteckend ſei, iſt noch von Niemand behauptet worden. Auffallend iſt der Um⸗ ſtand, daß das Uebel faſt ausſchließlich bei milchenden und beſonders leicht bei trächtigen Kühen, aber faſt nie bei Ochſen und Stieren vorkommt. Mangel an Bewegung, Erkältung und anhaltende Störung der Hautausdünſtung ſind, nebſt dürftigem, unkräftigem Futter, ohne Zweifel die vorzüglichſten Urſachen. Wer⸗ den die Kranken zu Anfange der Krankheit in eine andere Gegend verſetzt, wo Lokalität und Fütterung anders ſind als früher, ſo erfolgt in der Regel die Heilung, ſelbſt ohne alle ärztliche Behandlung; läßt ſich eine ſolche Verſetzung der Thiere nicht ausführen, ſo muß eine Kur eintreten, die um ſo ſicherer und er⸗ folgreicher iſt, je zeitiger ſie beginnt. Unter den zahl⸗ reichen Heilverfahren, welche von verſchiedenen Seiten vorgeſchlagen wurden, lieferte nachſtehendes die beſten Reſultate: Wagenfeld Encyecl. Die Kranken erhalten nahrhaftes und geſundes Futter in hinreichender Menge; feines Heu, Kleeheu, Körner und Tränke mit Mehl oder Schrot ſind am beſten. Aber auch Grünfutter, beſonders Klee, Lu— zerne ꝛc. ſind paſſend. Innerlich giebt man ein Pul⸗ ver aus Ofenruß, Wermuth, Calmuswurzel, Kreide von jedem acht Loth, gelbem Schwefel vier Loth, Koch⸗ ſalz ein Pfund, und zwar jedesmal zwei gehäufte Eß⸗ löffel voll, und täglich zwei bis drei Mal mit Waſſer ein. Kleinere Stücke erhalten nach Verhältniß weni⸗ ger. Um die Hautthätigkeit herzuſtellen und zu bele⸗ ben frottirt man das Thier täglich einige Mal recht ſtark mit Strohwiſchen oder mit einer ſteifen Bürſte. Dieſes Heilverfahren wird zehn bis vierzehn Tage hin⸗ durch beobachtet; tritt darnach nicht eine ſichtbare Beſ⸗ ſerung ein, oder iſt die Krankheit ſchon weiter vorge⸗ ſchritten, und der häufige Abgang eines ſehr übelrie⸗ chenden, dünnen Miſtes vorhanden, ſo paßt folgendes Pulver: Wermuth und Baldrian von jedem ein Loth, Schwefelleber zwei Quentchen, Terpentinöl ein Quent⸗ chen, Campher zehn Gran. Eine ſolche Portion wird Morgens und Abends mit Waſſer oder mit ſtarkem Kamillenthee eingegeben. Legt ſich nach dieſem Mittel der Durchfall in einigen Tagen, ſo geht man wieder zu dem Gebrauche des zuerſt genannten Pulvers über. Mit großem Vortheile werden zugleich reizende Einrei⸗ bungen auf den Rücken und das Kreuze gemacht; mit einer Miſchung aus ſechs Loth Salmiakgeiſt, zehn Loth Terpentinöl und vier Loth Rüb⸗ oder Leinöl wer⸗ den Rückgrath und Kreuz täglich zwei Mal eingerieben, und dieſes vier bis ſechs Tage hinter einander. Dann ſetzt man einige Tage mit der Einreibung aus, und wendet ſie hierauf auf's Neue an. Innerhalb ſech⸗ zehn bis zwanzig Tagen iſt das Thier bei der obigen Kur faſt allemal hergeſtellt, vorausgeſetzt, daß die Krankheit nicht ſchon den höchſten Grad erreicht hatte, ſo daß das Stehen gar nicht, oder kaum mehr möglich war, Knochen gebrochen waren ꝛc. Während der Kur muß das Thier warm und trocken gehalten, und, wie ſchon angeführt, mit dem beſten Futter ernährt wer⸗ den; der Stall muß mit reichlicher und trockener Streu verſehen ſein, und bei heiterem und warmen Wetter ſind eine mäßige Bewegung im Freien und auch das Austreiben auf eine geſunde, nahrhafte Weide vortheilhaft. Da bei ſchlechtem Futter leicht Rückfälle eintreten, ſo muß bei den geheilten Stücken eine beſondere Vorſicht in der Fäitternd beobachtet 202 46. Staͤtigkeit des Pferdes. werden. Iſt die Krankheit zu ihrer höchſten Ausbil⸗ dung gekommen, ſo unterlaſſe man jeden Heilverſuch, denn derſelbe gelingt theils ungemein ſelten, theils nur nach ſehr langer Zeit, auch bleibt das geheilte Thier dann meiſtens für immer elend und werthlos. Der Genuß des Fleiſches der an der Krankheit leiden⸗ den Stücke iſt der Geſundheit nicht nachtheilig. Anmerkung. Unter der Benennung der Leck⸗ ſucht hat man häufig eine beſondere Krankheit des Rindviehes begriffen, obſchon dieſe in der That nach ihrem Weſen von der Knochenbrüchigkeit nicht verſchie⸗ den und lediglich nur ein Symptom derſelben iſt. Das mit der Leckſucht behaftete Thier zeigt die Neigung, ungewöhnliche Dinge zu benagen oder ſelbſt zu ver⸗ ſchlingen, z. B. Erde, Scherben, Lumpen, Leder, Wolle, Haare, Miſt, Kalk ꝛc. Dieſer unnatürliche Appetit dauert gewöhnlich nur einige Zeit, worauf das Thier dann wieder geſund iſt; hält die Krankheit indeſſen lange an, ſo treten nach und nach alle die Zufälle wie bei der Knochenbrüchigkeit ein, obgleich es nicht immer erforderlich iſt, daß gerade ein Knochen⸗ bruch ſtattfindet, denn dieſes hat bei der Knochenbrü⸗ chigkeit keineswegs allemal ſtatt. Eben ſo unpaſſend hat man die ſogenannte Hart⸗ häutigkeit von der Knochenbrüchigkeit getrennt, denn die Harthäutigkeit iſt nur als ein Symptom der Kno⸗ chenbrüchigkeit zu betrachten, ſo wie endlich auch die mit dem Namen der Markflüſſigkeit belegte Krankheit mit der Knochenbrüchigkeit völlig ein und dieſelbe Krankheit darſtellt. Eine harte, trockne und verdickte Haut einerſeits, und ein weicher mehr oder weniger flüſſiger Zuſtand des Knochenmarkes andererſeits ſind keine beſonderen Krankheiten, wohl aber ziemlich con⸗ ſtante Zeichen der Knochenbrüchigkeit. Ueber Urſa⸗ chen und Kur dieſer drei genannten Krankheiten braucht deshalb nichts weiter geſagt zu werden, denn ſie fallen mit den bei der Knochenbrüchigkeit angegebenen zu⸗ ſammen. Auch bei ſäugenden Lämmern findet ſich zuweilen die ungewöhnliche Neigung ein, Wolle vom Euter oder von anderen Körpertheilen der Mutter zu ver⸗ ſchlucken, und nicht ſelten ſind ſchon Lämmer, und ſelbſt in beträchtlicher Anzahl, in Folge dieſes Woll⸗ freſſens zu Grunde gegangen, und zwar dadurch, daß die zu runden Kugeln zuſammengeballte Wolle, deren ſich oft zehn bis funfzehn im Labmagen finden, vor die hintere Oeffnung des Magens treten, und dieſe verſtopfen, ſo daß das Lamm Kolik bekommt, abma⸗ gert und zuletzt krepirt. Ueber die Urſachen des Woll⸗ freſſens iſt kaum etwas bekannt; vielleicht liegt es an einer Verſtimmung des Appetites, oder das Lamm zupft und frißt an der Wolle eines anderen Stückes aus Spielerei und Langerweile, oder durch das Bei⸗ ſpiel anderer Lämmer und dann aus Angewöhnung; oder endlich es gebricht der Mutter an Milch; oder ſie will das Lamm nicht annehmen. Um das Wollfreſſen zu verhüten, muß man die Lämmer von den Müttern trennen, und ſie nicht anders, als wenn ſie ſaugen ſol⸗ len, zu ihnen laſſen. Sobald das Lamm geworfen iſt, muß etwas Milch aus den Zitzen ausgemolken und dabei zugleich der käſige Pfropfen, welcher ſich meiſtens in der Oeffnung der Zitzen findet, entfernt werden; auch iſt dafür zu ſorgen, daß kitzliche Mütter das Lamm annehmen. Nimmt das Wollfreſſen unter dem Lämmerhaufen überhand, ſo kann ihnen auch eine Lecke aus Kreide, Wachholderbeeren und etwas Kochſalz vorgeſetzt werden. 46. Stätigkeit des Pferdes.— Es iſt die Stätigkeit kaum eine eigentliche Krank⸗ heit zu nennen, ſondern ſie ſtellt gewöhnlich nur einen Temperamentfehler oder eine Untugend des Pferdes dar, welche ſich durch periodiſche Widerſetzlichkeit gegen den Willen des Führers kund giebt, ſelbſt wenn die Forderungen deſſelben ganz gewöhnlich und billig ſind. Im Stalle und im Zuſtande der Ruhe erſcheint das ſtätige Pferd in der Regel geſund;z und nur beim Ge⸗ brauche zeigt ſich das Uebel. Das Pferd bleibt plötz⸗ lich und ohne alle ſichtbare äußere Veranlaſſung ſtehen, 47. und iſt weder durch Liebkoſungen, noch durch die här⸗ teſten Strafen zum Vorſchreiten zu bewegen; im Ge⸗ gentheile, daſſelbe bäumt ſich, ſchlägt hintenaus, wen— det um, drängt nach dieſer oder jener Seite, geht rück⸗ wärts und widerſetzt ſich mit unüberwindlichem Eigen⸗ ſinne, ſeltener aus Bosheit, dem Verlangen ſeines Führers, ſo daß dieſer in der Regel dem Pferde nach⸗ geben und von ſeiner Forderung abſtehen muß. Manche ſtätige Pferde laſſen ſich nicht aufzäumen oder anſpan⸗ nen, dulden keinen Sattel und Reiter, drücken Letzte⸗ ren gegen die Wand, werfen ſich, wenn ſie anziehen ſollen, zu Boden ꝛc. ꝛc. Einige ſtätige Pferde äußern den Fehler gleich Anfangs beim Gebrauche, andere erſt nach einer Bewegung, andere erſt, wenn ſie müde ſind, oder wenn mehr von ihnen verlangt wird, als ſie leiſten können, oder zu leiſten Luſt haben. Die Anfälle der Stätigkeit erfolgen periodiſch und in ganz unbeſtimmten Zwiſchenräumen; einige Pferde zeigen ſich überaus oft und bei der geringſten Veran⸗ laſſung oder ganz ohne dieſelbe ſtätig, andere wieder äußerſt ſelten. Da ſich an dem Pferde faſt nie etwas Krankhaftes entdecken läßt, ſo ſcheint der Fehler in einer Verkehrtheit des Willens oder des Vorſtellungs⸗ vermögens begründet zu ſein, oder in einer Art von firen Ideen, bei welchen man in der Regel nach den Urſachen vergeblich forſcht. Unverſtändige Behand⸗ lung, übermäßige Anſtrengung, Mißhandlungen aller Art, erduldete Brutalitäten von ihren Wärtern oder Leberentzuͤndung. 203 anderen Perſonen, öfterer Wechſel der Herren, unpaſ⸗ ſende, weder dem Temperamente noch den Kräften ent⸗ ſprechende Dienſtverwendungen, unpaſſende Zaumung und Beſpannung ꝛc. ſind die häuſigeren Urſachen der Krankheit. Manche Pferde haben mehr Anlage zur Stätigkeit als andere; beſonders oft findet man dieſen Fehler bei polniſchen, ruſſiſchen und moldauiſchen Pferden, ſo auch bei Rothſchimmeln und Füchſen, und bei Pferden mit ſogenannten Hirſchhälſen. Die Heilung der Stätigkeit iſt in vielen Fällen möglich, in anderen gelingt ſie durch kein bekanntes Verfahren; die Hauptſache bleibt dabei, daß das Pferd ſchonend und ſanft behandelt und nicht zu Dienſten verwendet wird, welche weder für ſein Tem⸗ perament noch für ſeine körperliche Beſchaffenheit ſich eignen. Bei der Zäumung und Beſchirrung ſehe man genau darauf, ob Zaum, Sattel oder Geſchirr der Körperform des Pferdes entſprechen, oder ob ſich irgendwo am Körper verletzte oder ſonſt krankhaft ver⸗ änderte Stellen finden, welche durch das Beſchirren ꝛc. ſchmerzhaft berührt werden. Iſt in dieſer Beziehung Alles in gehöriger Ordnung, ſo wird ſich durch eine angemeſſene und mit Geduld ausgeführte Dreſſur das Pferd in den meiſten Fällen fügſam machen laſſen. Mitunter können auch eine knappe Fütterung, eine Laxanz aus Aloe und Glauberſalz, und ein Aderlaß von heilſamen Folgen ſein. 47. Leberentzündung. Die Leberentzündung des Pferdes. Dieſe Krankheit kommt im Allgemeinen nicht ſehr häufig vor, und ihre ſichere Erkenntniß iſt nicht allemal leicht. Das Pferd iſt mit einem Fieber behaftet, doch iſt daſ⸗ ſelbe ſelten ſehr bedeutend; ſelten ſteigt dabei die Zahl der Pulſe auf mehr als ſechzig bis achtzig in der Mi⸗ nute. Das Athemholen iſt etwas häufiger als ſonſt, doch nicht auffallend angeſtrengt; von Zeit zu Zeit iſt auch wohl ein kurzer, trockner und ſchmerzhafter Huſten zu hören. Der Appetit iſt mehr oder weniger verſchwun⸗ den; die Verdauung iſt träge, es ſtellen ſich mitunter ein Poltern und Kollern im Leibe, der Abgang von Winden und kolikartige Zufälle ein. In der Regel iſt Verſtopfung vorhanden, oder der nur ſelten abge⸗ hende Miſt iſt kleingeballt und meiſtens von ungewöhn⸗ lich heller Farbe; in ſeltenen Fällen wird auch wohl der Abgang eines dünnen, ſehr übelriechenden Kothes beobachtet. Das wichtigſte und faſt alleinige Zeichen, aus dem die Gegenwart der Leberentzündung, wenn auch nicht immer mit Sicherheit, ſo doch mit einem hohen Grade von Wahrſcheinlichkeit, erkannt werden kann, beſteht in der Veränderung der Farbe der Schleim⸗ 204 47. Leberentzuͤndung. häute. Oeffnet man das Auge, die Naſenlöcher und das Maul, ſo erſcheint die Oberfläche dieſer Theile von gelber Farbe, in geringerer oder größerer Inten⸗ ſität. Die Zunge iſt mit einem ſchmutzigen, grauen, ſchaumigen Schleime bedeckt, und die Ränder des Zahnfleiſches erſcheinen am tiefſten gelb, oder gelblich⸗ roth, faſt kupferfarben. Der Durſt iſt vermehrt, der abgehende Urin ſehr dunkel und gelblich⸗braun. Bringt man einen ſtarken Druck auf die Leberge— gend an, alſo an der unteren Bauchfläche, etwa in der Mitte des Rumpfes, und etwas mehr nach der rechten Seite, ſo erfolgt gewöhnlich ein Stöhnen des Kranken, und er ſucht dem Drucke auszuweichen. Mit⸗ unter ſieht ſich das Pferd häufig nach dem Bauche um; das Haar iſt glanzlos und ſtruppig; das allgemeine Benehmen verräth Unluſt, Mattigkeit und Abneigung gegen jede Bewegung. Das Pferd ſteht faſt immer, oder es legt ſich nur auf kurze Zeit nieder. Der Verlauf der Krankheit iſt ziemlich ſchnell; in acht bis vierzehn Tagen geht ſie in Geneſung über, oder in mancherlei langwierige Leberkrankheiten; oder endlich in den Tod. Bei dem Ausgange in Geneſung nehmen die fieberhaften Zufälle allmählig ab, der Appetit kehrt zurück, Verdauung und Miſtentleerung werden wieder regelmäßig, die gelbe Farbe der Schleim⸗ häute wird immer matter. Erfolgt der Tod, ſo wird das Fieber immer heftiger und zuletzt faulig. Bei der Oeffnung des Cadavers findet man die Leber in den verſchiedenen Fällen auf ſehr verſchiedene Weiſe verändert. Sie iſt mit benachbarten Theilen, namentlich mit der hinteren Fläche des Zwerchfelles, verwachſen; auf ihrer Oberfläche findet ſich eine grö— ßere oder geringere Menge einer gelblich⸗weißen, ſpeck⸗ artigen Maſſe. Die Leber ſelbſt iſt von ſehr blaſſer oder von grauer Farbe, oder orangefarben; ſie iſt meiſtens ſchwerer, größer und dichter, obſchon ſehr mürbe und bröcklich, ſo daß ſie mit den Fingern leicht in Stücke zerbrochen werden kann. Außerdem finden ſich nun noch manchmal zahlreiche andere Veränderun⸗ gen, als Knoten von verſchiedener Größe und Ge⸗ ſtalt ꝛc., welche jedoch weniger die Folge der Leber⸗ entzündung zu ſein pflegen, ſondern meiſt ſchon früher vorhanden waren. Die Urſachen ſind nur wenig bekannt. Erkältun⸗ gen, heftige Anſtrengungen, Stöße in die Lebergegend, z. B. mit einer Deichſel, Gallenſteine und Verſtopfung der Gallengänge ſcheinen die vorzüglichſten Urſachen zu ſein. Außerdem entſteht die Krankheit faſt ſicher durch den übermäßig häufig wiederholten Gebrauch der Aloe, und auch des Calomels. Anhaltende Ruhe, Fettleibigkeit, reichliches, mäſtendes Futter und heiße Luft geben die meiſte Anlage, ſo auch ein plumper, ſchwammiger Bau, weßhalb gemeine Pferde weit öfte⸗ rer befallen werden, als feine und edle Thiere. Unter den innerlichen Entzündungen iſt die Leber⸗ entzündung eine der am wenigſten gefahrvollen; ſie wird ſehr oft geheilt, jedoch iſt das in den einzelnen Fällen nicht leicht vorherzuſagen, weil die ſpeciellen Urſachen der Krankheit nur ſelten zu ermitteln ſind. Hält ſie indeſſen lange an, und leiſten die angewende⸗ ten Mittel nicht nur keine Dienſte, ſondern wird die Krankheit ſogar heftiger, tritt ein Faulfieber hinzu ꝛc., ſo iſt der Tod wahrſcheinlich. Auch ein längere Zeit anhaltender, gallichter, ſtinkender Durchfall, häufige Koliken, große Anſchwellungen an den Beinen oder unterm Bauche, ſind ebenfalls unerfreuliche Zeichen. Die Kur iſt weſentlich auf nachſtehende Art ein— zurichten. Der Kranke bekommt eine Latwerge aus: Salpeter, ſechs Loth, Weinſtein und Glauberſalz, von jedem zwanzig bis vierundzwanzig Loth, Wermuth, acht Loth, mit Mehl und Waſſer gemiſcht; dieſe Lat— werge wird im Laufe zweier Tage eingegeben, und etwa in ſechs bis acht Malen. Um die Miſtentleerung zu beſchleunigen und zu vermehren, werden wiederholt Klyſtire aus Salz und Waſſer applicirt. Auf der Lebergegend werden die Haare im Umfange zweier Teller abgeſchoren, und hier eine reizende Einreibung gemacht, ganz ſo, als es bei der Bruſtfellentzündung vorgeſchrieben iſt. Gleich Anfangs beim Beginne der Kur entzieht man acht bis zwölf Pfund Blut. Der Kranke bedarf der vollſtändigſten Ruhe, und wird wo möglich mit ſaftigem Futter, als Gras, Kartoffeln, außerdem aber mit Kleien⸗ und Schrottränken ernährt; Körner und Rauchfutter ſind durchaus unpaſſend. Zur Nachkur kann man einige bittere Mittel, z. B. Wer⸗ muth, Kalmuswurzel, Wachholderbeeren, mit Koch⸗ ſalz geben, entweder als Pulver auf's Futter, oder mit Mehl und Waſſer zur Latwerge gemacht. Kann das Pferd ſpäter auf die Weide gegeben werden, ſo iſt das ſehr heilſam. Außer der eben beſchriebenen fieberhaften und hi⸗ tzigen Leberentzündung giebt es auch noch eine lang⸗ wierige, welche nur geringe Zeichen von Fieber und Entzündung bemerken läßt, und die einen ſehr lang⸗ 47. ſamen, nicht ſelten über Monate ſich ausdehnenden Verlauf nimmt. Die Erkenntniß dieſes Zuſtandes iſt faſt noch ſchwieriger, als die der fieberhaften Leberent⸗ zündung, doch ſind die Zeichen beider Krankheiten in den meiſten Punkten ziemlich dieſelben. Die Haupt⸗ zeichen beſtehen auch hier in der gelben Farbe der Schleimhäute, dem geſtörten Appetite und der ſchlech⸗ ten Verdauung. Dabei magert das Pferd nach und nach ab, die Flanken ſind eingefallen, die Haut iſt trocken und wie beſtäubt, das Haar glanzlos und ſtruppig, die Abhärung erfolgt ſchlecht und unvollſtän⸗ dig. An Beinen und Schlauch entſtehen mitunter waſſerſüchtige, kühle Geſchwülſte. Zuweilen erfolgt die theilweiſe oder gänzliche Heilung, manchmal aber geht das Thier früher oder ſpäter, oft erſt nach ſechs bis zehn Monaten, oder ſelbſt noch ſpäter, an allge⸗ meiner Abzehrung zu Grunde. Da die Urſachen dieſer langwierigen Leberentzün⸗ dung faſt nie zu erforſchen ſind, ſo kann auch die Kur nur einen Verſuch der Heilung darſtellen. Im Allge⸗ meinen gelten hiebei folgende Regeln. Zuerſt giebt man folgende, in drei Tagen zu verbrauchende, Lat⸗ werge: Brechweinſtein ein Loth, Calomel zwei Quent⸗ chen, Salmiak ſechs Loth, Kochſalz ein halbes Pfund, Wermuthkraut ſechs Loth, Mehl und Waſſer, ſo viel als erforderlich iſt. Iſt dieſes Mittel verbraucht, ſo ſetzt man acht Tage mit demſelben aus, und giebt es dann nochmals. In ſehr langwierigen Fällen iſt nach⸗ ſtehendes Mittel zuweilen von Nutzen: Senf und Ingwer von jedem ſechs Loth, Terpentinöl zwei Loth, Kalmuswurzel und Wachholderbeeren von jedem zehn Loth, Mehl und Waſſer, ſo viel zur Bildung einer Latwerge erforderlich iſt, welche in ſechs bis acht Ta⸗ gen zu verbrauchen iſt. Aeußerlich, in die Lebergegend, wird eine ſcharfe Einreibung gemacht, wie bei der fieberhaften Leberentzündung. Der Kranke wird von aller anſtrengenden und ſehr ſchnellen Arbeit fern ge⸗ halten, und nur einer gelinden und mäßigen Bewe⸗ gung, allenfalls im leichten Zuge oder Ritte ausge⸗ ſetzt. Sehr paſſend iſt der Aufenthalt deſſelben auf der Weide, vorausgeſetzt, daß das Wetter milde und trocken iſt; überhaupt ſind hier Grünfutter, Kartoffeln, Mohrrüben, Kleie ꝛc. weit beſſere Futterſtoffe als Kör⸗ ner und Rauchfutter. Verſchwindet nach und nach die gelbe Farbe im Auge und Maule, ſo kann dann nach und nach wieder zu dem gewöhnlichen Futter und Leberentzuͤndung. 7 205 zu den üblichen Dienſtverwendungen übergegangen werden. Anmerkung. Nicht gar ſelten ereignet ſich der Fall, daß die Leber berſtet, wo dann eine tödtliche innere Verblutung erfolgt. Das bisher ſcheinbar ganz geſunde Pferd wird von Kolikzufällen ergriffen, und nach einer ſehr kurzen Dauer der Krankheit geht daſ⸗ ſelbe zu Grunde. Bei der Leichenöffnung findet man die Bauchhöhle mit Blut, im theils flüſſigen, theils geronnenen Zuſtande, angefüllt; die Leber iſt gebor— ſten, oder zu einer ſchwarzbraunen, breiartigen Maſſe erweicht, und ihr häutiger Ueberzug zerriſſen. Die bei der Influenza oder Bruſtſeuche öfters er⸗ ſcheinende Leberentzündung iſt an dem betreffenden Orte beſchrieben worden. b) Leberentzündung des Rindviehes. Sie kommt nicht oft vor. Es findet bei ihr ein mehr oder weniger heftiges Fieber ſtatt; die Naſe und das Flotzmaul ſind trocken, Ohren und Hörner fühlen ſich vermehrt warm an, Augen und Zahnfleiſch erſcheinen von gelber Farbe, die Zunge iſt trocken, oder mit ſchmutzigem Schleime in geringer Menge befeuchtet. Dabei iſt zugleich Verſtopfung vorhanden, und ein in der Lebergegend angebrachter Druck erregt dem Thiere Schmerzen. Daſſelbe iſt dabei matt und träge, auch die weißhaarigen und ſehr dünn behaarten Stellen der Haut erſcheinen gelb, der abgehende Urin desgleichen, ſo wie auch die Milch etwas gelblich wird, und zugleich einen bittern Geſchmack hat. Der Appetit iſt gering, das Wiederkäuen zum Theil oder gänzlich verſchwun⸗ den, der Durſt dagegen anhaltend vermehrt. Hält das Uebel längere Zeit an, ſo kann unter Eintritt großer Abmagerung ꝛc. zuletzt der Tod eintreten. In dem Cadaver findet man dann die Leber weſentlich in demſelben Zuſtande, als dieſes bei der gleichen Krank⸗ heit des Pferdes der Fall iſt. Mit den Urſachen und der Bedeutung der Krankheit, in Bezug auf die grö⸗ ßere oder geringere Gefahr, verhält es ſich ebenfalls wie beim Pferde. Um die Krankheit zu heben, wird, im Fall ein entwickeltes Fieber vorhanden iſt, zunächſt eine ange⸗ meſſene Portion Blut entzogen; dieſelbe kann ſechs bis acht und zwölf Pfund betragen. Eine Laxanz aus einem halben bis ganzen Pfunde Glauberſalz, unter dem Zuſatze von drei Loth Salpeter, und in einem Quart Waſſer aufgelöſt, wird auf zwei Mal, und in Einem Tage gegeben. In die Lebergegend 206 47. Leberentzuͤndung. macht man reizende Einreibungen, wie beim Pferde. Iſt die Leberentzündung fieberlos, und hat ſie einen ſchleichenden Charakter, ſo wird ganz daſſelbe Verfah⸗ ren beobachtet, wie unter denſelben Umſtänden beim Pferde. Aber auch Eingüſſe von ein Loth in Waſſer aufgelöſter Potaſche, täglich zwei Mal, und acht Tage hindurch gegeben, ſind oft von gutem Erfolge. Grün⸗ futter aller Art, Kartoffeln, Rüben ꝛc. eignen ſich zum Futter am beſten; trocknes Futter iſt weniger paſſend. Erlaubt die Jahreszeit den Weidegang, ſo iſt dieſer unter allen Umſtänden, in Bezug auf Diät, das Beſte. Weicht die Krankheit nach mehrwöchiger Kur nicht, ſo iſt es am paſſendſten, das Thier zu ſchlachten, da ſein Fleiſch unbedenklich genoſſen werden kann. Anmerkung. Beim Schafe wird die reine Le⸗ berentzündung kaum jemals beobachtet. Man hat zwar mitunter behauptet, daß die a. a. O. beſchriebene Egelkrankheit mit einer ſchleichenden Leberentzündung verbunden ſei, oder aus derſelben entſpringe, doch iſt dieſes ein Irrthum. c) Leberentzündung des Schweines. Die fieberhafte, hitzige Leberentzündung erſcheint beim Schweine ungemein ſelten, wohl aber bemerkt man zuweilen einen krankhaften Zuſtand der Leber, welcher die Gelbſucht zur Folge hat. Dieſelbe wird daran erkannt, daß Augen, Maul und die ganze Hautober⸗ fläche mehr oder weniger von gelber Farbe erſcheinen; der Appetit iſt gering und unordentlich, der nur ſelten abgehende Koth iſt von blaſſer, der Urin dagegen von ſehr dunkler, braun⸗gelber Farbe. Manchmal tritt auch Erbrechen ein. Hält die Gelbſucht ſehr lange Zeit hindurch an, ſo magert das Thier ab, und krepirt zuletzt. Die Urſachen der Krankheit beſtehen in aller⸗ hand krankhaften Zuſtänden der Leber, namentlich in Verſtopfung der Gallengänge, Leberegeln, Knoten, und Verhärtungen aller Art ꝛc. Auch große Hitze, verdorbenes Futter und Getränk, zu heißes Geſöff, anhaltende Einwirkungen von Näſſe und Kälte ſind hierher zu rechnen. Iſt das Uebel mit Entzündung und Fieber verbun⸗ den, ſo kann ein Aderlaß von Nutzen ſein; in allen anderen Fällen iſt dieſer dagegen unpaſſend. In erſte⸗ rem Falle erhält das Schwein eine Laxanz aus zwei bis vier Loth Glauberſalz in Waſſer aufgelöſt, und auf einmal. Bei der Gelbſucht giebt man Calomel und Brechweinſtein, von jedem zwei Gran, täglich zwei Mal, trocken auf die Zunge, und ſechs bis acht Tage hinter einander. War der Genuß ſchlechten, verdorbenen Futters die Urſache der Gelbſucht, ſo giebt man als Einleitung der Kur ein Brechmittel aus einer Meſſerſpitze voll gepulverter weißer Nieswurzel; große Schweine bekommen davon einen geſtrichenen Thee⸗ löffel voll. Ein ſolches Brechmittel paßt auch überall da, wo das Schwein ſchon freiwillig erbricht. In Bezug auf Diät muß Sorge getragen werden, daß nur geſundes Futter und Getränk verabreicht wird. Sauere Milch, ſaures Obſt, Gurken, Kartoffeln und dergleichen ſind hier ſehr paſſend; als Geſöff reines Waſſer oder verſchiedene, nicht heiße, Brühtränke. Der Aufenthaltsort muß trocken und warm ſein. Im Sommer kann der Kranke auf die Weide gegeben werden. d) Leberentzündung des Hundes. Auch dieſe Thiergattung leidet an dieſer Krankheit, und nicht gerade ſehr ſelten; jedoch iſt ſie meiſtens ſchleichend, und erſcheint dann unter der Form der Gelbſucht. Augen, Maulhaut und Zahnfleiſch, und bei weiß⸗ haarigen Hunden auch die äußere Haut, erſcheinen gelb; der abgehende Urin iſt von derſelben Farbe; der Miſt dagegen, welcher ſelten und in ſehr feſtem Zuſtande abgeht, erſcheint faſt ganz weiß. Außerdem i*ſt der Hund unluſtig und träge, frißt ſchlecht, zeigt aber vermehrten Durſt. Oft fühlt man auch an der rechten Seite des Bauches, in der Lebergegend, eine, von der kranken Leber herrührende, Geſchwulſt. Um die Heilung zu bewirken, giebt man dem Hunde ſechs bis acht Tage lang, täglich zwei Mal, fol⸗ gende Pille: Calomel zwei bis drei Gran, Opium ein bis zwei Gran, Mehl und Waſſer, ſo viel als zur Bildung der Pille erforderlich iſt. In die Leber⸗ gegend wird täglich einmal etwas von einer Miſchung aus zwei Loth grauer Merkurialſalbe und eben ſo viel Rüb⸗ oder Baumöl eingerieben, nachdem die Haare an dieſer Stelle zuvor abgeſchoren ſind. Zeigt der Hund Neigung die Salbe abzulecken, ſo muß ihm ein Maul⸗ korb angelegt werden, oder man umgiebt denſelben mit einem Tuche, etwa einer alten Schürze. Tritt vielleicht nach mehrtägigem Gebrauche der Pillen ein Durchfall ein, ſo ſetze man damit drei bis vier Tage lang aus, und gebe ſie hierauf nach Umſtänden weiter fort. 48. Ferkelfreſſen. 48. Es kommt nicht eben ſelten der verdrießliche Fall vor, daß Mutterſchweine ihre eigenen Jungen auffreſ⸗ ſen. Die bis dahin anſcheinend ganz geſunde Sau verſchlingt gleich oder doch ſehr bald nach dem Werfen mit großer Haſt die Nachgeburt, und ſodann ihre Jungen, wobei ſie jedoch in der Regel einige Stücke verſchont. Während der Zeit, daß die Sau ihre Fer⸗ kel auffrißt, benimmt ſie ſich im hohen Grade unge— behrdig; ſie iſt in einem aufgeregten, wilden und faſt tobſüchtigen Zuſtande; ſie wühlt in der Streu oder im Erdboden, ſieht mit wildem Blicke umher, und iſt nur mit Gewalt von ihrem unnatürlichen Verfahren gegen ihre Jungen abzuhalten, indem ſie ſelbſt dem Menſchen trotzt. Dieſer aufgeregte Zuſtand dauert ge⸗ wöhnlich einige Tage. Woher das höchſt inſtinkt⸗ widrige Ferkelfreſſen entſteht, iſt nur ſchwer zu ſagen, vielleicht iſt es eine überwiegende Neigung zur Fleiſch⸗ nahrung, welche aus einer unbekannten Verſtimmung der Magennerven entſteht, und es verhält ſich hiermit wahrſcheinlich eben ſo, wie mit dem ſogenannten Ge⸗ lüſte der Frauen. Bei großer Winterkälte ſoll das Ferkelfreſſen häufiger ſein, als zu anderen Zeiten. Um das Uebel zu verhindern, iſt es nöthig, ſo ſchnell wie möglich die Nachgeburt aus dem Stalle zu entfernen, weil durch deren Verſchlingen vielleicht das Gelüſte nach Fleiſch geſteigert werden könnte. Um dieſes auf unſchädliche Weiſe zu befriedigen, kann der Sau allenfalls Fleiſch von Pferden, oder Eingeweide von 49. a) Schwindel beim Pferde. Allermeiſt zeigt ſich derſelbe während der Arbeit und Bewegung des Pferdes; faſt niemals im Stande der Ruhe und im Stalle; ſein Anfall erfolgt plötzlich und unerwartet. Das bis dahin ſcheinbar ganz geſunde Pferd fängt an zu wanken und zu taumeln, richtet den Kopf hoch in die Höhe, und hält ſich nur mit Mühe auf den weit 207 Ferkelfreſſen. Schafen oder anderen Thieren in Menge vorgeworfen werden. Dieſes iſt jedoch unnöthig, wenn man die Mutter ſogleich von den noch vorhandenen Jungen trennt, ihr ein Brechmittel giebt, und dann Milch, Kartoffeln oder ähnliches weiches Futter vorſetzt. Nach ſechs bis acht Stunden können die Ferkel wieder zur Sau gelaſſen werden, doch man muß ſodann genau darauf Acht haben, wie ſich die Sau gegen die Ferkel benimmt. In den allermeiſten Fällen nimmt die Sau dann die Ferkel ruhig zum Saugen an, doch kehrt mitunter ein Rückfall ein, welcher am Beſten dadurch verhindert wird, daß reichliches Futter, namentlich Schrotbrei in hinreichender Menge, ſtets in dem Troge vorhanden ſei. Einige Tage ſpäter iſt dann keine Be⸗ ſorgniß für die Jungen mehr vorhanden. Das Brech⸗ mittel, welches aus vier bis acht Gran Brechweinſtein, oder aus einem kleinen Theelöffel voll gepulverter wei⸗ ßer Nieswurzel beſteht, kann allenfalls am nächſten Tage nochmals wiederholt werden. Daß eine Sau, welche einmal ihre Jungen gefreſſen hat, dieſes bei jedem neuen Wurfe wiederhole, iſt nicht gerade der Fall, und es braucht deshalb eine ſonſt gute Zuchtſau aus einer diesfälligen Beſorgniß nicht gerade von der Zucht ausgeſchloſſen zu werden. Wird das Thier die erſten Tage nach dem Gebären nur ſorgfältig beobachtet, und erhält es, im Fall das Gelüſte ſich zeigen ſollte, ſogleich ein Brechmittel, ſo hat man kaum etwas zu beſorgen. Schwindel. aus einander geſtellten Beinen, oder fällt bei heftigern Anfällen zu Boden. Während des Anfalles ſind Ge— fühl und Beſinnung theilweiſe oder gänzlich erloſchen, das Athemholen iſt angeſtrengt und häufig, die Augen ſind geröthet und treten weit hervor, die in der Haut liegenden Adern ſind ſtark mit Blut angefüllt. Die Dauer eines ſolchen Anfalles iſt kurz, und beträgt ſel⸗ 208 ten mehr als fünf bis zehn Minuten. Nach dem An— falle bricht am Halſe, in den Flanken oder am ganzen Körper Schweiß aus, das Pferd erholt ſich aber raſch wieder, ſchüttelt ſich einige Male, entleert gewöhnlich Miſt und Urin, holt tief und ſeufzerartig Athem, und erſcheint dann wieder ganz geſund. Wird das Pferd während des Ganges vom Schwindel befallen, welches der häufigſte Fall iſt, ſo hebt es Anfangs die Füße ungewöhnlich hoch auf, ſteht dann ſtill, wankt und taumelt nach irgend einer Seite oder rückwärts, iſt gegen Zügel und Peitſche unempfindlich ac. Manch⸗ mal beginnt der Schwindel auch wohl mit Schnauben und mit Schütteln des Kopfes, oder das Pferd macht einige Sätze und Sprünge ꝛc. Die Wiederkehr der Anfälle iſt ſehr unbeſtimmt; manche Pferde leiden oft daran, bei andern ſtellt ſich erſt nach ſehr langer Zeit ein neuer Anfall ein. In der Zeit, welche zwiſchen den Anfällen liegt, zeigt ſich das Pferd wie ein geſundes, oder es iſt faul, träge und matt, oder auch wohl ſehr reizbar und ſchreckhaft. Am meiſten zeigt ſich der Schwindel bei fetten, maſti⸗ gen Pferden, und ſolchen von gemeiner Race. Ma⸗ gere und ſehr junge Pferde werden ſehr ſelten davon befallen. Wallachen leiden häufiger daran als Stu⸗ ten, im Sommer und in heißer Luft iſt er ungleich häufiger als im Winter und bei kaltem und naſſen Wetter. Uebermäßiger Andrang und zu große An⸗ häufung von Blut im Kopfe iſt die gewöhnlichſte Ur⸗ ſache. Enge Kehlriemen, Kummete und Sielenge— ſchirre, zu feſtes Zuſchnüren des ſogenannten Kapp⸗ riemens, zu gewaltſames Beibringen des Kopfes bei der Dreſſur, der kreiſende Umgang in einer Roßmühle mit unverbundenen Augen, ſind hier vorzüglich als veranlaſſende Urſache anzuführen. Auch der Aufent⸗ halt in dunſtigen, heißen Ställen, zu viele Ruhe bei ſehr nahrhaftem Futter, oder übertriebene Anſtrengun⸗ gen in heißen Tagen, zumal das Ziehen ſchwerer La⸗ ſten bergan, gehören nicht minder hierher. Manchmal können auch verſchiedene Fehler der Verdauung den Schwindel veranlaſſen, beſonders die Ueberfütterung mit Klee, Roggen, Erbſen ꝛc. In nicht ſeltenen Fällen indeſſen erſcheint der Schwindel unter Umſtänden, wo keine der erwähnten, ſo wie überhaupt keine ſichtbare Urſache vorhanden iſt; hier ſcheint er dann in einer eigenthümlichen Nervenkrankheit begründet zu ſein, deren Weſen nicht weiter nachgewieſen werden kann. Im Allgemeinen iſt der Schwindel keine gefähr⸗ 49. Schwindel. liche Krankheit, auch iſt der Gebrauch eines mit ihm behafteten Pferdes nur ſelten mit einiger Gefahr ver⸗ bunden; ſo findet z. B. ein Durchgehen deſſelben nie⸗ mals ſtatt; dennoch kann er, wenn er oft wiederkehrt und ſehr heftig iſt, den ſchwarzen Staar, Dummkoller, Fallſucht und, durch Schlagfluß, ſogar den Tod zur Folge haben, welches Alles aber nur in äußerſt ſelte⸗ nen Fällen beobachtet wird. Bei der Behandlung iſt vorzüglich auf die Fern⸗ haltung alles deſſen zu achten, was ſo eben als die gewöhnliche oder auch nur mögliche Urſache angeſehen werden kann. Gut genährten, vollſaftigen Pferden wird ein Aderlaß von zehn bis zwölf Pfunden Blut gemacht, und eine Laranz aus zwei Loth Aloe, und ein halbes bis ein Pfund Glauberſalz, mit Mehl und Waſſer zur Latwerge gemacht, im Laufe eines Tages, und auf zwei Mal gegeben. Aderlaß und Laranz können erforderlichen Falls nach zwei bis drei Wochen ein und ſelbſt mehrere Male wiederholt werden. Bei Ueberfütterung oder ſchlechter Verdauung kann nach der Laxanz eine, in drei Tagen zu verbrauchende, Lat⸗ werge aus drei Quentchen Brechweinſtein, vier Loth Salmiak, acht Loth Genzianwurzel und einem halben Pfund Kochſalz, mit Mehl und Waſſer bereitet, gege— ben werden. Weicht hiebei, ſelbſt nach beträchtlich langer Zeit, der Schwindel nicht, und kehren die An— fälle zurück, ſo werden an beiden Seiten des Genickes Eiterbänder gezogen, welche vier bis ſechs Wochen lang liegen bleiben müſſen. In allen Fällen nützlich ſind wiederholte Begießungen des Kopfes mit recht kaltem Waſſer, und ein leicht verdauliches, nur wenig nahrhaftes Futter; daher Grünfutter, die Weide, Kartoffeln, Kleie, Heu und Körner nur in geringer Menge oder auch für einige Zeit gar nicht. Das Pferd wird in einem recht kühlen und ſchattigen Lokale gehalten, und nur zu leichten Dienſten verwendet; jeder Gebrauch zu ſehr raſcher und anſtrengender Be⸗ wegung iſt zu vermeiden; beſonders bei heißer Witte⸗ rung und wenn das Pferd kurz zuvor gefreſſen hat. b) Schwindel beim Rindviehe. Die Zu⸗ fälle ſind faſt genau dieſelben, als beim Pferde. Das Thier wird plötzlich von Zittern und Taumeln befal⸗ len, hält ſich mit Mühe auf den Beinen, ſchüttelt den Kopf, verdreht die Augen, ſchwitzt und iſt in kurzer Zeit wieder geſund. Ein ſolcher Anfall kehrt zu un— beſtimmten Zeiten zurück; in der Zwiſchenzeit iſt das Rind meiſt ganz geſund, manchmal aber ſtumpfſinnig 49. Schwindel. und träge, langſam im Gange und beim Freſſen. Mit den Urſachen verhält es ſich im Allgemeinen ſo als beim Pferde; Andrang des Blutes nach dem Kopfe, gehinderter Rückfluß deſſelben von dort, verſchiedene krankhafte Zuſtände des Gehirns und ſeiner Umge⸗ bung, als Waſſer und Waſſerblaſen im Gehirne, Knochenauftreibungen und Knochenauswüchſe in der Schädelhöhle. In einigen Fällen ſah man den Schwin⸗ del nach dem Genuſſe von Branntweinſchlempe ent⸗ ſtehen, in welcher ſich noch ein Antheil Spiritus befun⸗ den hatte; die Thiere benahmen ſich dabei wie trun⸗ ken. Der Schwindel iſt in der Regel eine langwierige Krankheit, welche ſich häufiger bei Kühen findet, als bei Ochſen und Stieren; die Heilung iſt in der Regel zweifelhaft, und nur da mit Gewißheit vorauszuſagen, wo offenbar nur zufällig ein mechaniſches, äußeres Hinderniß des Blutabfluſſes vom Kopfe die Urſache war. Bei der Kur iſt beſonders auf Entfernung und Abhaltung der ſichtbaren oder doch muthmaßlichen Urſachen zu ſehen. Der Kranke muß an einem ſchat⸗ tigen, kühlen Orte gehalten, nicht zu reichlich gefüt⸗ tert, und nicht anſtrengenden Bewegungen ausgeſetzt werden. Dabei iſt es gut, recht häufig etwas Koch⸗ ſalz unter das Futter zu geben. Sehr gut genährten Stücken entzieht man ſechs bis zehn Pfund Blut, und wiederholt dieſes nöthigenfalls nach zwei bis drei Wochen, und innerlich giebt man zwei Loth Salpeter mit ſechzehn Loth Glauberſalz in Waſſer aufgelöſt auf einmal ein, und wiederholt dieſes einige Mal, und in Zwiſchenräumen von fünf zu fünf Tagen. An den Seiten des Genickes zieht man jederſeits ein Eiter— band, und erhält dieſes vier bis fünf Wochen in Eite⸗ rung. Bei weniger gut genährten Thieren paßt das⸗ ſelbe Heilverfahren, jedoch muß bei ihnen der Aderlaß fortbleiben. Kehrt der Schwindel, trotz dieſer Behandlung, ſehr häufig zurück, ſo iſt ſeine Heilung in der Regel unwahrſcheinlich, und es iſt dann beſſer, das Thier zu ſchlachten, da dem Genuſſe des Fleiſches nichts im Wege ſteht. c) Schwindel beim Schafe. Wenn der An⸗ fall eintreten will, ſo äußert er ſich dadurch, daß das Schaf den Kopf hängen läßt, taumelnd und wie trun⸗ ken herumgeht, wenig oder gar nicht frißt, auf der Weide hinter der Heerde geht, alle vier Füße weit von einander ſtellt, aber demungeachtet zuletzt dennoch zu Wagenfeld Encycl. 209 Boden fällt. Hier bleibt daſſelbe kurze Zeit, wie ohn⸗ mächtig, liegen, ſteht dann wieder auf, folgt der Heerde, und zeigt ſich überhaupt wieder als ein geſundes Schaf. Die Anfälle ſolchen Schwindels kehren zu unbeſtimm⸗ ten Zeiten, zuweilen früher, zuweilen ſpäter zurück. Im Allgemeinen hat der Schwindel manche Aehnlich⸗ keit mit der Drehkrankheit, und kann leicht mit der⸗ ſelben verwechſelt werden, obgleich die Urſachen und auch die wahre Beſchaffenheit beider Krankheiten be⸗ trächtlich verſchieden ſind. Die Urſachen des Schwindels ſind am häufigſten in allgemeiner Vollblütigkeit und im großen Andrange des Blutes nach dem Kopfe begründet. Oft ſieht man dieſe Krankheit zur Zeit des Ausbruchs der Bak⸗ kenzähne, und überhaupt faſt nur bei jungen, wohl⸗ genährten Schafen. Zu reichliche Nahrung, heiße, ſchwüle Luft und anhaltende Einwirkungen der Son⸗ nenſtrahlen erzeugen den Schwindel außerdem am öfterſten. An und für ſich wird die Krankheit nicht leicht tödtlich, und das damit behaftete Thier kann ſich jahrelang im guten Stande erhalten. Oft verliert ſich dieſelbe von ſelbſt; nur ſelten geht ſie in Hirnentzün⸗ dung und Schlagfluß über, wo ſie dann mit dem Tode enden kann. Um die Rückfälle des Schwindels zu verhindern, entzieht man dem Thiere zwoͤlf bis achtzehn Loth Blut, wodurch das Uebel oft ſchon allein gehoben wird. Zu Zeiten iſt es jedoch noch außerdem nöthig, dem Thiere zu zwei verſchiedenen Malen einen abführenden Trank zu reichen, welcher aus drei bis vier Loth Glauberſalz und einem Quentchen Salpeter, mit Waſſer aufgelöſt, beſteht. Die Thiere dürfen nur mäßig gefüttert wer⸗ den, auch trage man Sorge für einen ſchattigen, küh⸗ len Aufenthaltsort, und begieße den Kopf des Schafes zuweilen mit recht kaltem Waſſer. d) Schwindel bei Schweinen. Auch das Schwein wird häufig vom Schwindel befallen, doch kehrt der Anfall weniger oft zurück, ſondern er hält, wenn er einmal eingetreten, eine beträchtliche Zeit hindurch an; häufig geſellen ſich dann auch noch aller⸗ hand krampfhafte Zufälle zu ihm. Das befallene Schwein hat einen unſicheren, taumelnden Gang, hängt den Kopf mehr zu Boden, hält die Ohren ge⸗ ſenkt, dreht ſich in manchen Fällen im Kreiſe herum, wie ein drehkrankes Schaf. Meiſtens hat ein allgemeines Zittern ſtatt, auch ſtellt ſich wohl Erbrechen ein. Fällt das Schwein um, ſo liegt es meiſtens gan ruhig und 210 grunzt nur zuweilen mit leiſem Tone. Iſt die Krank⸗ heit heftig, ſo liegt das Thier mit geſchloſſenen Augen, ſtarr und wie todt da; alle ſichtbaren Schleimhäute ſind blaß und kühl, das Athemholen iſt langſam und kaum wahrzunehmen. Das Thier läßt dann ohne Widerſtand alles mit ſich vornehmen; es iſt gefühl⸗ los. Zuweilen kommen auch noch Krämpfe hinzu, bei welchen die Beine hin und her geſchlagen werden, und der Unterkiefer ſich in ſteter kauender Bewegung be⸗ findet, wobei Schaum vor das Maul.tritt. Manch⸗ mal ſind die Thiere auch wohl tobſüchtig, laufen im Stalle wild umher, ſteigen an den Wänden empor ꝛe., und fallen erſt zuletzt zu Boden. Die Dauer der Anfälle iſt verſchieden; ſie können ſchon in wenigen Stunden vorüber ſein, aber auch zwölf bis vierundzwanzig Stunden anhalten. Sind die Anfälle heftig, ſo kann in vier bis ſechs Stunden, zuweilen aber auch erſt nach einigen Tagen, der Tod erfolgen. In der Regel entſteht der Schwindel aus der beſonderen Qualität des Futters; Branntwein⸗ ſchlempe, welche noch Spiritus enthielt, ſtark in Gäh⸗ rung befindliche Flüſſigkeiten aller Art, Heringslake, Pöckelbrühe, verdorbene Heringe oder die Abgänge der Heringe, Nachtſchatten, Schierlingswurzel und Mut⸗ terkorn ſind hier ganz beſonders anzuführen. Dann hat auch noch der Buchwaizen die Eigenſchaft, bei Schweinen den Schwindel zu bewirken, aber nur bei weißen und weißbunten Schweinen, nie bei ſchwarzen. Es klingt dies fabelhaft, und die Urſache iſt ganz un⸗ erklärbar, aber dennoch iſt dieſe Thatſache nicht in Zweifel zu ziehen. 50. Fallſucht. Die Gefahr, welche der Schwindel darbietet, rich⸗ tet ſich nach der großen Verſchiedenheit der inneren und äußeren Urſachen, und iſt ſomit überaus ver⸗ ſchieden. Schwindel, welcher durch den Genuß von Buchwaizen und Branntweinſchlempe entſtand, iſt meiſtens ohne Gefahr. Sonſt iſt er in allen anderen Fällen mehr oder weniger gefährlich, und wird leicht tödlich, wenn er mit großer Heftigkeit und völliger Betäubung erſcheint, und etwa ſchon zwölf Stunden angehalten hat, ohne merkliche Beſſerung. Liegt ein Fehler im Gehirne zum Grunde, ſo iſt auf keine Hei⸗ lung zu hoffen. In allen Fällen, wo ſchädliche Stoffe genoſſen waren, giebt man ſogleich ein Brechmittel; kleinen Schweinen eine Meſſerſpitze, großen Schweinen einen kleinen Theelöffel voll gepulverter, weißer Nieswurzel, trocken auf die Zunge zu ſchütten. Iſt das Thier betäubt, ſo giebt man das Pulver mit etwas Waſſer ein. Kurze Zeit nach dem erfolgten Brechen giebt man recht viel dünnes Mehlwaſſer, mit gleichen Thei⸗ len Waſſer verdünnten Eſſig, Leinöl mit Mehlwaſſer, und ähnliche ſchleimige und milde Sachen. Das Thier, zumal der Kopf deſſelben, wird recht oft mit kaltem Waſſer begoſſen, und bei fetten Stücken wird ein Aderlaß gemacht; außerdem wird das Thier im Schat⸗ ten und ſo kühl wie möglich gehalten. Sollte das Uebel nach einiger Zeit nicht verſchwinden, ſo ſchlachte man das Schwein, da ſein Fleiſch unbedenklich ver⸗ ſpeiſt werden kann. 50. Die Fallſucht— Epilepſie, fallende Sucht, ſchwere Noth— iſt eine bei allen Hausthieren vorkommende, dem Schwindel ſehr verwandte Krankheit, welche ſich durch periodiſch eintretende Anfälle auszeichnet. a) Fallſucht beim Pferde. Das bis dahin anſcheinend ganz geſunde Pferd ſtürzt plötzlich nieder, oder der Anfall beginnt damit, daß das Pferd Zeichen von Unruhe und Angſt an den Tag legt, trippelt, zit⸗ tert, den Boden ſtampft, die Augen verdreht, mit Fallſucht. Lippen und Augenlidern krampfhafte Bewegungen macht, gähnt, den Kopf hoch emporhebt und dabei die Oberlippe krampfhaft nach oben zieht, ſich nach dem Leibe umſieht, taumelt und dann erſt zu Boden fällt. Wird das Pferd während der Bewegung von der Krankheit befallen, ſo wird ſein Gang plötzlich zögernd, daſſelbe ſteht ſtill, ſtellt die Füße weit aus einander, iſt gegen die Peitſche mehr oder weniger unempfindlich, zuweilen beginnt der Anfall mit einem 50. Fallſucht. ängſtlichem und lautem Gewieher. Iſt das Pferd zur Erde gefallen, ſo ſchlägt es mit den Beinen und dem Kopfe krampfhaft umher, zappelt mit denſelben, be⸗ wegt die Lippen krampfhaft und verzerrt; die Augen ſind dabei weit geöffnet, glotzend hervorgedrängt, es findet oft ein Zähneknirſchen ſtatt, und es tritt Schaum vor das Maul. Manchmal hängt die Zunge welk und ſchlaff aus dem Maule hervor, oder ſie wird durch die Schneidezähne eingeklemmt und nicht ſelten dabei blutig gebiſſen. Das Thier iſt jetzt ohne Gefühl und Bewußtſein; es athmet gewaltſam, angeſtrengt und röchelnd; iſt mit Schweiß bedeckt; zuweilen gehen auch Miſt und Urin dabei unwillkührlich ab. Nach Verlauf von etwa fünf bis zwanzig Minu⸗ ten, ſelten ſpäter, wird das Thier ruhig, liegt kurze Zeit wie ſchlafend da, ſpringt dann aber wieder auf, ſchüttelt ſich einige Male, gähnt, reckt ſich, entleert Miſt und Urin und langt wieder nach dem Futter, oder geht ſeinen Weg fort, obgleich etwas matt, und träger als vorher. Die Krankheit ſcheint dann faſt ſpurlos verſchwunden, und das Thier wieder geſund. Die Anfälle kehren in unbeſtimmter Zeit wieder; man ſah ſchon neun Anfälle in Einem Tage; aber oft ver⸗ gehen auch Wochen und ſelbſt Monate, bevor ein neuer Anfall eintritt. In den Zwiſchenzeiten erſcheint das Thier meiſtens völlig geſund, nur dort, wo die An⸗ fälle ſehr oft repetiren, iſt das Pferd mitunter träge, unempfindlich und ſtupide, oder auch wohl auffallend reizbar, ſcheu und ſchreckhaft. Zuweilen iſt der Anfall der Fallſucht gelinder als eben beſchrieben wurde, und das Pferd fällt dabei nicht zu Boden. In ſehr zahlreichen von mir beob⸗ achteten Fällen der Art, befand ſich das Thier allemal vor den Wagen geſpannt und im Gange; daſſelbe blieb plötzlich ſtehen, machte einige Schritte zur Seite oder rückwärts, und verfiel in ein allgemeines krampf⸗ haftes Zittern. Der Kopf wurde krampfhaft und ruck⸗ weiſe nach rückwärts und in die Höhe gezogen, an den Lippen, beſonders in den Maulwinkeln, zeigte ſich ein krampfhaftes Zucken, das Thier ſchwitzte überall, ſtand taumelnd mit aus einander geſtellten Füßen und weit geöffneten Augen. Nach Verfluß von fünf bis zehn Minuten ließen die Zuckungen nach, und das Pferd konnte dann ungehindert ſeinen Gang fortſetzen. Ueber den Ausgang der Krankheit läßt ſich im Allgemeinen nicht wohl etwas vorausſagen; je ſeltener und gelinder die Anfälle eintreten, deſto beſſer iſt es. 211 Aber auch ſehr heftige Anfaͤlle, wenn ſie nicht zu oft erſcheinen, ſind manchmal ohne weiteren Nachtheil. Außerdem können aber Koller, Lähmungen verſchiede⸗ ner Art, und ſelbſt ein plötzlicher Tod durch Schlag⸗ fluß, während und nach der Fallſucht eintreten. Die Urſachen ſind in vielen, ja in den meiſten, Fällen unbekannt und nicht nachzuweiſen, und es verhält ſich hier faſt genau ſo als beim Schwindel. Blutandrang nach dem Kopfe, große Vollſaftigkeit, Einwirkung heißer Stallluft, von Sonnenhitze, Ueber⸗ fütterung und Unverdaulichkeit, Würmer im Magen, und verſchiedene krankhafte Zuſtände des Gehirns ſind die gewöhnlicheren Urſachen. Iſt der Anfall einmal eingetreten, ſo iſt derſelbe durch kein Mittel weder in ſeiner Heftigkeit zu mäßi⸗ gen, noch in ſeiner Dauer abzukürzen; Alles, was hier geſchehen kann, beſteht darin, dem Kranken eine ſolche Lage zu geben, daß er weder ſeine Umgebung noch ſich verletzen kann. Eine möglichſt hohe Lage des Kopfes und das häufige Begießen deſſelben mit kaltem Waſſer iſt in ſo fern paſſend, als es bei hefti⸗ gen Anfällen den möglichen Eintritt eines Schlag⸗ fluſſes vielleicht mehr oder weniger verhindern kann. Der Verſuch zur Heilung kann nur in den anfallfreien Zwiſchenzeiten vorgenommen werden, und es bleibt derſelbe vorzüglich auf die Fernhaltung der muthmaß⸗ lichen Schädlichkeiten beſchränkt. Das Pferd wird den Einwirkungen der Hitze, ſei es im Stalle oder in der Sonne, ſo viel wie möglich entzogen, heftige und anhaltende und überhaupt jede ſehr erhitzende und er⸗ ſchöpfende Anſtrengung iſt zu vermeiden, dagegen iſt ein mäßiger Dienſtgebrauch bei nicht allzuwarmer Lufttemperatur ſehr wohl zuläſſig. Gut genährten, kräftigen Thieren wird ein Aderlaß von ſechs bis zehn Pfunden Blut gemacht; innerlich erhält das Pferd von Zeit zu Zeit, etwa alle zwei bis drei Wochen, eine Laxanz aus Aloe und Glauberſalz, und iſt zu vermuthen, daß Würmer im Darmkanale vorhanden ſind, ſo werden der Laxanz ſechs bis acht Loth ſtinken⸗ des Thieröl zugeſetzt. Dabei erhält das Thier leicht verdauliche Nahrung, als Grünfutter, Kartoffeln, Kleie, mit etwas Kochſalz; Körner und Heu werden entweder gar nicht, oder nur in ſehr geringer Menge gegeben. Iſt der Weidegang zuläſſig, ſo iſt dieſer ſehr paſſend. Iſt der Kranke ſchlecht genährt und elend, oder bleibt das angegebene Verfahren trfolalos, ſo nützen 212 oft noch die reizenden, erregenden Mittel, z B.. eine Latwerge aus: Kampher und Hirſchhornſalz, von jedem ein Loth, ſtinkendes Thieröl vier Loth, Angelika⸗ und Kalmuswurzeln, von jedem acht Loth, Mehl und Waſſer, ſo viel wie erforderlich iſt. Von dieſer Lat⸗ werge erhält das Thier alle zwei bis drei Stunden, jedesmal wie ein Hühnerei groß, auf die Zunge ge⸗ ſtrichen, doch iſt der Gebrauch dieſes Mittels minde⸗ ſtens zehn bis vierzehn Tage hindurch fortzuſetzen, be⸗ vor man das weitere Heilverfahren aufgiebt. Mitunter haben ſich auch wohl gleichzeitig ableitende Mittel nützlich bewieſen; man zieht zu beiden Seiten des Genickes ein Eiterband, oder man reibt hier eine ſcharfe Salbe wiederholt ein. Allenfalls kann ſtatt deſſen ein Fontanell vor die Bruſt gelegt werden, doch iſt hievon weniger zu hoffen. b) Fallſucht beim Rindviehe. Auch hier tritt der Anfall nur periodiſch ein; das befallene Rind ſtürzt plötzlich, bei der Arbeit, im Zuge, auf der Weide, oder im Stalle zu Boden, ſchlägt mit den Füßen umher, verdreht die Augen, ſchäumt mit dem Maule, hält das Maul feſt verſchloſſen oder knirſcht mit den Zähnen, ſetzt ſtoßweiſe und unwillkührlich Miſt und Urin ab, athmet ſehr angeſtrengt, ſchnell und ſtöhnend, liegt dann einige Minuten ganz ruhig, iſt am ganzen Körper mit Schweiß bedeckt, ſteht wie⸗ der auf und erſcheint dann wieder geſund, wie vorher. Zuweilen brüllt das Thier kurz vor und während des Anfalles fürchterlich, und aus dem Maule fließt ein dünner, durch eine Art Erbrechen aus dem Magen aufgeſtiegener Futterbrei. Der Anfall dauert gewöhn⸗ lich nur fünf bis zehn Minuten, ſehr ſelten viel län— ger. Wie oft die Anfälle zurückkehren, iſt ſehr unbe⸗ ſtimmt. Ueber die Urſachen gilt hier faſt Alles das, was als Urſache des Schwindels angeführt worden iſt. Aderlaß, eine Laxanz aus einem halben bis ein Pfund Glauberſalz und knappes Futter ſind die wichtigeren Mittel; außerdem iſt die Kur mit der des Schwindels ganz gleich. Kehren die Anfälle ſehr oft zurück, ſo daß das Thier an Fleiſch oder Milch verliert, ſo iſt das Schlachtmeſſer das empfehlenswertheſte Mittel. c) Fallſucht beim Schafe. Eintritt und Zufälle der Krankheit ſind weſentlich dieſelben als beim Rinde. Der Anfall dauert meiſtens fünf bis funfzehn Minuten, und nach Beendigung deſſelben bleibt das Thier noch kurze Zeit, wie im Schlafe, liegen, ſteht 50. Fallſucht. dann auf, geht einige Schritte etwas geſpannt vor⸗ wärts, ſchüttelt ſich einige Male, und iſt dann wieder völlig munter, bei gutem Appetite ꝛc. Manchmal er⸗ folgen täglich mehrere Anfälle, wodurch dann nach und nach allgemeine Schwäche, Abmagerung und der Tod eintreten können; häufiger jedoch vergehen Wochen und Monate, bevor ein neuer Anfall erſcheint, unter welchen Umſtänden das Schaf lange leben und ſelbſt ein hohes Alter erreichen kann. Mit den Urſachen ver⸗ hält es ſich eben ſo wie beim Rinde. Von der Kur iſt, wie bei allen übrigen Hausthie⸗ ren, ſo auch hier, nur wenig zu hoffen. Sind Wür⸗ mer im Darmkanale die Urſache, welches zuweilen der Fall iſt, ſo gebe man öftere Salzlecken aus Theer, Terpentinöl, glänzendem Ofenruß, Roßkaſtanien, ſtinkendem Thieröl und Kochſalz. In der Regel iſt es anzurathen, das Thier abzuſchlachten und von einer Kur ganz abzuſtehen. d) Fallſucht beim Schweine. Tritt der Anfall ein, ſo ſchreiet gewöhnlich das Schwein, tau⸗ melt und fällt um, und zeigt dann dieſelben Erſchei⸗ nungen, als die anderen Hausthiere. Iſt der Anfall vorüber, ſo erfolgt mitunter Erbrechen. Ueber die Urſachen der Krankheit iſt wenig bekannt; ſie kommt ziemlich oft vor, und wird nicht ſelten tödtlich. Will man eine Kur verſuchen, ſo gebe man von Zeit zu Zeit ein Brechmittel, halte das Thier auf der Weide, möglichſt kühl, und füttere mäßig; etwa mit ſauerer Milch, Molken, Kartoffeln. Schrot und heiße Brüh⸗ tränke ſind während der Dauer der Behandlung zu vermeiden. In der Regel iſt das Schlachten einer Kur vorzuziehen. e) Fallſucht beim Hunde. Sie kommt bei ihm überaus oft vor, und ohne Vergleich häufiger als bei irgend einem anderen Thiere. Die Zufälle ſind denen der übrigen Thiere gleich; der Hund fällt um, wird von den heftigſten Zuckungen am ganzen Körper befallen, vor das Maul tritt Schaum, Augen, Hals ꝛc. werden verdreht. Kurze Zeit darauf iſt Alles vorüber und der Hund wieder geſund. Oft kehren die Anfälle ſehr ſelten oder nie zurück, oft aber auch überaus oft, ſo daß in vierundzwanzig Stunden wohl zehn bis zwanzig Anfälle erſcheinen können. Zuweilen beginnt die Krankheit unter anderen Zufällen; der Hund rennt plötzlich und ohne ſichtbare Urſache wild und wie von Angſt getrieben umher, mit geſenktem Schwanze und unter unaufhörlichem Schreien; der Hund folgt nicht 51. Kopfroſe des Schafes. 213 mehr dem Willen ſeines Herrn, ſeine Sinne ſind ge⸗ ſchwächt, er rennt an verſchiedene Gegenſtände an ꝛc.; zuletzt ſetzt er ſich ermattet auf den Hintern, und wird dann meiſtens von Krämpfen befallen, bei denen ver⸗ ſchiedene Theile des Körpers, namentlich der Hals, krampfhaft verzogen werden, ohne daß dabei jedoch eigentliche Zuckungen eintreten. Dergleichen Anfälle, welche nicht ſelten eine halbe Stunde andauern, ſtel⸗ len eine Art des ſogenannten Veitstanzes dar, und meiſtens erregt ein ſolcher Anfall bei Laien den Glau⸗ ben, der Hund ſei toll, obſchon dieſe Beſorgniß ganz ungegründet iſt. Einzelne Anfälle der Fallſucht ſind in der Regel ohne alle Gefahr, und kehren ſie nicht zu oft wieder, ſo ſchaden ſie der ſonſtigen Geſundheit des Hundes weiter nichts; auch läßt ſich dann eine gänzliche Hei⸗ lung hoffen. Kehren dagegen die Anfälle ſehr oft zu⸗ rück, ſo krepirt der Hund meiſtens an allgemeiner Läh⸗ mung und Schlagfluß. Die Urſachen der Krankheit ſind zahlreich. Am meiſten ſind ſehr reizbare, verzärtelte, kleine Stuben⸗ hunde zu ihr diſponirt. Schreck, Zorn und verſchie⸗ dene Nervenerregungen haben oft einen Anfall zur Folge. Der Hund fällt, z. B. während des Laufens, unvermuthet von einer Treppe oder in einen Rinnſtein, und er bekommt dadurch nicht ſelten einen Anfall. Sehr häufig kommt die Krankheit nach und bei der Staupe vor, und dann auch bei Hunden, welche an Würmern, beſonders am Bandwurm leiden. Der Erfolg der Kur iſt allemal zweifelhaft. Sehr paſſend giebt man bald nach einem ſtattgehabten An⸗ falle ein Brechmittel aus zwei bis ſechs Gran weißer Nieswurzel; gut genährten Hunden außerdem eine Laxanz aus ein bis zwei Loth Glauberſalz in Waſſer aufgelöſt. Schmale Koſt und häufige, jedoch nicht zu ſtarke, Bewegung ſind zweckmäßig. Hat die Krank⸗ heit ſchon längere Zeit hindurch beſtanden, ſo beginnt man die Kur mit einem Brechmittel, giebt aber Tags darauf ſogenannte Nervenmittel. Hiezu paſſen ein bis zwei Quentchen Eſſigätber mit acht Loth Baldrian⸗ infuſum, wovon der Hund, je nach der Größe, alle zwei bis drei Stunden einen bis zwei Theelöffel voll bekommt; oder man giebt alle zwei bis drei Stunden, und zwei bis drei Tage hinter einander, ſechs bis zwölf Gran Hirſchhornſalz mit etwas Althäpulver und Waſſer zur Pille gemacht. Stets muß dafür geſorgt werden, daß der Hund hinreichende Oeffnung habe, und daß er nicht an einem zu warmen Orte, z. B. unterm Ofen, gehal⸗ ten werde. Oft verſchwindet die Fallſucht nach Abtrei⸗ bung des Bandwurms; über deren Bewirkung a. a. O. 51. Kopfroſe des Schafes. Die Kopf- oder Blatterroſe entſteht zuweilen im Frühjahre vorzüglich bei jungen, ſelten bei älteren, Schafen. Das Schaf verliert mehr oder weniger den Appetit, hat vermehrten Durſt, iſt traurig und abge⸗ ſchlagen, die Wärme des Körpers iſt vermehrt, beſon⸗ ders am Kopfe; Augen und Maulhaut ſind röther als ſonſt, und Kopf und Lippen erſcheinen angeſchwollen. In kurzer Zeit bilden ſich kleine, mit heller Flüſſigkeit gefüllte Blaſen an verſchiedenen Stellen des Kopfes; die Haut dieſer Blaſen platzt, worauf die Flüſſigkeit ausfließt; der Grund bedeckt ſich dann mit trockenen Schorfen, welche nach kurzer Zeit abfallen. In der Regel erfolgt die Heilung von ſelbſt, zuweilen jedoch gehen die Stellen, an welchen die Blaſen ihren Sitz hatten, in langwierige, näſſende Geſchwüre über, welche erſt nach mehreren Wochen heilen, oder ſelbſt ſo bös⸗ artig werden können, daß das Thier dabei zu Grunde geht. Iſt die Kopfroſe einmal vorhanden geweſen, ſo befällt ſie daſſelbe Thier leicht aufs Neue. Dieſe Krankheit kommt ausſchließlich nur bei ſehr feinen Schafen von hochedler Race vor, und ſcheint durch die Einwirkungen des ſchnellen Wechſels von Luft und Licht zu entſtehen. Ob verſchiedene Schädlichkei⸗ ten des Futters das Uebel hervorbringen können, wie wohl behauptet worden iſt, ſteht bis jetzt noch dahin. Um die Heilung zu bewirken, ſchneidet man alle vor⸗ 214 handenen Blaſen mit einer Scheere oder mit einem ſpitzen Meſſer auf, drückt die Flüſſigkeit aus ihnen heraus, und beſtreicht den entzündeten Grund der Haut täglich zwei bis drei Mal mit einem Gemiſche aus einem Loth Bleieſſig und vier Loth Baum- oder Rüböl. Iſt der Kopf beträchtlich geſchwollen, ſo kann man durch die Haut in den Ganaſchen einen oder mehrere wollene Fäden ziehen, welche acht bis 14 Tage 52. Maulgrind. 53. Teigmaul der Kaͤlber. liegen bleiben müſſen. Haben ſich bereits Geſchwüre gebildet, ſo werden dieſe täglich einige Male mit einer Auflöſung von einem Loth Chlorkalk oder blauem Vitriol in einem Pfund Waſſer befeuchtet. Das Schaf wird während der Kur im Stalle gehalten, reichlich gefüttert, und erhält nöthigenfalls mitunter eine Salz⸗ lecke mit Schwefel und Wachholderbeeren. 52. Maulgrind. Er kommt vorzugsweiſe bei Lämmern und Ferkeln vor. Bei Lämmern entſtehen um die Naſe herum, beſonders aber an den Rändern der Lippen, zuerſt kleine, entzündete Knoten, welche ſich kurz darauf mit einem dicken, weißlichen oder bräunlichen Schorfe be⸗ decken; zuweilen erſtreckt ſich dieſer Ausſchlag auch höher hinauf, und ergreift dann beſonders die Ränder der Augenlider und die Ohren. Die Krankheit iſt völlig gefahrlos, und nur dann, wenn die Lippen ſtark ergriffen ſind, werden die Thiere dadurch etwas am Saugen und Freſſen gehindert, wobei ſie mehr oder weniger herunter kommen. Die Urſachen ſind unbe⸗ kannt, doch ſcheint es ſo, als ob eine fehlerhafte Be⸗ ſchaffenheit der Muttermilch hierbei eine vorzügliche Rolle ſpiele. Die Heilung erfolgt faſt allemal von ſelbſt; man kann derſelben jedoch dadurch zu Hülfe kommen, daß man die Schuppen und Schorfe mit einem ſtumpfen Werkzeuge entfernt, und dann die kranken Hautſtellen mit Milchrahm oder Oel befeuchtet. Innerliche Mittel ſind ſelten erforderlich, doch kann man den Kranken täglich einmal einen Theelöffel voll Magneſia, oder eine kleine Meſſerſpitze voll Kreide mit Milch eingeben. Bei Schweinen werden am mei⸗ ſten die Augenlider befallen, welche dann häufig ver⸗ klebt erſcheinen, und dabei mehr oder weniger entzün⸗ det ſind. In ſolchen Fällen werden die Augen öfters mit lauwarmer Milch gebähet und gewaſchen, und wenn dadurch die Entzündung etwas beſeitigt iſt, ſo wendet man ein Augenwaſſer aus einem halben Quentchen Augenſtein und einem Pfunde Waſſer an. Zeigt ſich das Ferkel noch außerdem krank, ſo daß es nicht gut ſaugt oder frißt, ſo giebt man ihm eine Abführung aus einem halben bis ein Loth Glauber⸗ ſalz in etwas Waſſer aufgelöſt. Die Fütterung des Mutterſchweines und des Ferkels ſelbſt muß etwas knapp eingerichtet werden, und gleichzeitig iſt für einen trockenen und warmen Stall Sorge zu tragen. 53. Teigmaul der Kälber. Um Lippen und Maul herum, oder auch an an⸗ deren Theilen des Kopfes und am Halſe entſtehen An⸗ fangs haarloſe Flecken, welche ſich kurz darauf mit einem dicken, dem Brotteige ſehr ähnlichen Schorfe bedecken. Zuerſt ſind dieſe Flecken nur ſehr klein, ſie vergrößern ſich aber bald, und erreichen dann oft den Durchmeſſer von einem Zoll und ſelbſt darüber. Zu⸗ weilen empfindet das Kalb dabei ein Jucken, ſo daß 54. Maulſchwaͤmmchen. es die kranken Stellen an verſchiedenen Gegenſtänden reibt; oft iſt dieſes Jucken aber auch nicht wahrzu⸗ nehmen. Die vorhandenen, bläulich⸗weißen Kruſten fallen nach einiger Zeit ab, worauf ſich bald neue bilden. Manchmal erfolgt die Heilung von ſelbſt, oft aber wird das Kalb bei der Krankheit elend und mager, und kann ſogar krepiren, wenn nicht ein paſ⸗ ſendes Heilverfahren eintritt. Die Urſachen ſcheinen in einer fehlerhaften Be⸗ ſchaffenheit der Muttermilch begründet zu ſein; aber auch Erkältung, kalte Luft, unreine und feuchte Ställe ſcheinen in dieſer Hinſicht verdächtig. Die Kur erfordert, daß das Kalb in einem war⸗ men, reinen Stalle gehalten wird, und hier die Milch von einer anderen Kuh und nicht die der Mutter be⸗ kommt. Iſt dies nicht ausführbar, ſo erhält die Mutter eine Abführung aus einem halben bis ein 215 Pfund Glauberſalz, und das Kalb ſelbſt ein Loth Glauberſalz, Magneſia und Rhabarber, von jedem ein halbes Quentchen, auf einmal und mit Milch. Dem Kalbe kann dieſes Mittel unter Umſtänden nach ſechs bis acht Tagen nochmals gegeben werden. Die vorhandenen Schorfe und Kruſten werden mit einem dazu ſchicklichen Geräthe, ſo viel wie möglich, aber behutſam, entfernt, und dann reibt man auf den kranken Grund der Haut mehrmals täglich von einem Gemiſche aus einem Loth gelbem Schwefel und vier Loth Leinöl etwas ein. Beſſert ſich die Krankheit hier⸗ nach in ſechs bis acht Tagen nicht, ſo wäſcht man die kranken Stellen mit einer Auflöſung von einem Loth blauem Vitriol in einem halben Pfund Waſſer, oder man reibt eine Salbe ein, welche aus einem Loth Braunſtein und vier Loth Schweineſchmalz zuſammen⸗ geſetzt iſt. 54. Die Maulſchwämmchen, oder das Faſch, zeigen ſich faſt allein bei ſaugenden Kälbern und Lämmern. Die Krankheit beginnt mit Hitze und Röthe im Maule; das befallene Junge zeigt ſich traurig und matt, die Augen ſind geröthet, der Athem iſt vermehrt warm, das Athemholen etwas beſchleunigt, und das Thier ſaugt mühſam oder ſteht ganz davon ab. Unterſucht man das Innere des Maules genauer, ſo findet man daſſelbe mit Speichel und Geifer angefüllt, und nach deren Entfernung erſcheint die Haut der Zunge, des Gaumens, der inneren Fläche der Backen, ſo wie das Zahnfleiſch beträchtlich roth, aufgelockert, geſchwollen und mit ſehr zahlreichen, kleinen Bläschen und Knöt⸗ chen beſetzt. Dieſe Bläschen haben die Größe eines Hirſekornes bis zu der einer Linſe, und enthalten eine gelbliche oder milchige Flüſſigkeit. Wenige Tage nach ihrem Erſcheinen platzen dieſelben, und hinterlaſſen eine weiß⸗gelbliche, dicke Haut, welche aber bald ab⸗ fällt, und einen ſehr rothen und empfindlichen Grund hinterläßt. Das Saugen iſt jetzt ſo ſchmerzhaft, daß das Thier in der Regel davon abſteht; in ſehr kurzer Zeit bildet ſich aber eine neue Haut auf den wunden Maulſchwämmchen. Stellen, die Schmerzen verlieren ſich nach und nach, das Geifern wird immer geringer, und in zehn bis vierzehn Tagen iſt das Thier wieder geſund; es iſt wieder munter wie ſonſt, ſaugt mit Begierde ꝛc. Manch⸗ mal aber, und wenn ſehr zahlreiche Bläschen im Maule vorhanden ſind, wird das Uebel bösartiger; der im Maule befindliche Geifer nimmt einen ſehr üblen Geruch an; es bilden ſich ſtets neue Bläschen und Schwämmchen, wobei dann oft große Stellen wund werden, ſo daß das Thier, der großen Schmer⸗ zen wegen, gänzlich am Saugen gehindert wird. Hat dieſer Zuſtand etwa ſechs bis acht Tage hindurch be⸗ ſtanden, ſo bilden ſich flache Geſchwüre im Maule, das Thier magert ab, bekommt Durchfälle, und krepirt zuletzt an Erſchöpfung. Die Urſachen hat man meiſtens in einer fehler⸗ haften Beſchaffenheit der Muttermilch zu ſuchen, dann aber auch in Erkältungen, in ſchlechter Beſchaffenheit des Stalles ꝛc. Auch in Störungen in der Verdauung des Kalbes oder Lammes ſelbſt iſt die Urſache oft be⸗ gründet; namentlich durch zurückgehaltenes Mekonium (ſogenanntes Füllenpech), durch zu langes Verweilen 216 55. Stierſucht des Rindviehes. einer in Verderbniß übergegangenen Milch im Lab⸗ magen, durch Säurebildung im Magen und Darm⸗ kanale ꝛc. Die Dauer der Krankheit beträgt im günſti⸗ gen Fall zehn bis vierzehn Tage; bei üblen inneren und äußeren Verhältniſſen kann ſie ſich auf drei bis vier Wochen erſtrecken. Bei der Kur kommt es zunächſt darauf an, die muthmaßlichen Schädlichkeiten ſo ſchnell wie möglich zu beſeitigen, und dann die Krankheit ſelbſtzweckmäßig und mit Sorgfalt zu behandeln. Zu dieſem Behufe wird das kranke Thier an einem warmen, trockenen Orte, auf reichlicher Streu gehalten; ſodann reinigt man zunächſt das mit Geifer erfüllte Maul mit lauem Waſſer oder mit Milch, und pinſelt hierauf daſſelbe täglich vier bis ſechs Mal mit folgender Flüſſigkeit aus: Sechs Loth Salbeikraut werden mit zwei Pfund heißem Waſſer übergoſſen; der eine Stunde darauf durchgeſeiheten Flüſſigkeit werden einviertel Pfund Honig und ein Loth Alaun oder Borar zugeſetzt. Dieſe Flüſſigkeit wird lauwarm angewendet. Innerlich er⸗ hält das Kalb täglich zwei bis drei Mal ein Pulver aus einem Quentchen Magneſia, eindrittel Quentchen Salmiak, und eben ſo viel Rhabarber mit Milch. Iſt Durchfall vorhanden, ſo bleibt der Rhabarber weg. Findet dagegen Verſtopfung ſtatt, ſo giebt man ſtatt des vorſtehenden Mittels ein halbes Quentchen Sal⸗ peter, ein bis ein und einhalbes Loth Glauberſalz mit einem Quentchen Kreide in Milch, und wieder⸗ holt dieſen Einguß täglich zwei bis drei Mal. Läm⸗ mer erhalten von der obigen Portion etwa nur den dritten Theil. Es iſt jedesmal anzurathen, dem Kranken nicht die Milch der eigenen Mutter zu geben; man ſäugt oder tränkt denſelben daher mit der Milch eines anderen Mutterthieres, und gießt ſie demſelben ein, wenn das Saugen nicht mehr freiwillig erfolgt. Beſ⸗ ſert ſich die Krankheit bei dieſem Verfahren nicht bald, und mindeſtens in den nächſten acht Tagen, werden die Knötchen im Maule zahlreicher und von üblem Anſehen, wird der Geifer ſtinkend, bilden ſich auf der Zunge ꝛc. Geſchwüre, und iſt Durchfall vorhanden, ſo muß ein anderes Verfahren eintreten. Innerlich erhält das Kalb drei bis vier Mal täglich ein Pulver aus ſechs Gran Opium, Magneſia und Eichenrinde, von jedem ein Quentchen. Zum Auspinſeln oder Aus⸗ ſpritzen des Maules bedient man ſich eines Gemiſches aus einem Loth Borax oder Alaun, ſechs Loth Honig, Salzſaure und Myrrhentinktur, von jedem ein Loth und einem Pfund einer ſtarken Abkochung von Eichen⸗ rinde. Es iſt hierbei beſonders wichtig, das Maul öfters mit lauem Waſſer oder mit Milch zu reinigen, weil der angeſammelte, ſtinkende Geifer leicht eine ätzende Eigenſchaft annimmt. Iſt der Durchfall hart⸗ näckig, ſo wird der Bauch täglich zwei Mal mit etwas Terpentinöl eingerieben. 55. Stierſucht des Rindviehes. Dieſe Krankheit wird auch Perlſucht, Perlſeuche, Hirſeſucht, Monatreiterei und Franzoſenkrankheit be⸗ nannt. Es iſt ein ſehr langwieriges, fieberloſes, ſchleichendes und ſeltenes Uebel, welches ſich in der Regel nur bei Kühen einſtellt. Bei dem äußerſt lang⸗ wierigen Verlaufe der Stierſucht, welche oft mehrere Jahre vorhanden ſein kann, bevor ſie ihre höchſte Ausbildung erlangt, und dann tödtlich wird, iſt es ſchwer ihre Gegenwart mit Sicherheit zu erkennen; ſie kann in der Regel nur vermuthet, aber ſelten mit Ge⸗ wißheit beſtimmt werden. Das auffallendſte Zeichen, während der größeren Dauer der Krankheit hindurch, beſteht in einem ungewöhnlich ſtarken Triebe zur Be⸗ gattung; das Rind brüllt häufig, ſpringt auf andere Stücke, iſt unruhig und wild; dieſer Zuſtand von Brünſtigkeit dauert einige Tage, und kehrt dann in einigen Wochen gewöhnlich wieder zurück. Wird die Begattung gewährt, ſo iſt dieſelbe doch meiſtens er⸗ folglos, oder in den ſeltenen Fällen, in denen eine Befruchtung erfolgt, tritt doch leicht ein Verwerfen ein. Außer dieſer ungewöhnlichen und auffallenden Geilheit iſt Anfangs, und ſelbſt für lange Zeit hin— durch, nichts Krankhaftes an dem Thiere zu bemerken; daſſelbe frißt gut, iſt munter, und hält ſich lange Zeit * gut bei Fleiſche. Spaͤter macht ſich von Zeit zu Zeit ein trockener Huſten bemerkbar. Erſt wenn dieſe Er⸗ ſcheinungen des trockenen Huſtens und die häufig wie⸗ derkehrende Brunſt ein oder ſelbſt einige Jahre gedauert haben, ſtellt ſich allmählig eine ſichtbare, allgemeine Krankheit ein; das Thier magert, des beſten Futters und des guten Appetites ungeachtet, immer mehr und zuletzt bis zum Gerippe ab; es wird hinfällig und träge, der Huſten erſcheint ſehr oft, und er wird ſchmerzhaft und erſchütternd durch den ganzen Körper; das Athemholen wird mühſam, beſchleunigt und ge⸗ ſchieht in kurzen, ſtoßweiſen Zügen. Klopft man an verſchiedenen Stellen auf die Rippen, ſo zeigt das Thier Schmerzen, und weicht unter ängſtlichem Stöh⸗ nen zur Seite; das Haar wird ſtruppig und glanzlos, die Haut trocken, feſt aufliegend, die matten Augen ſinken tief in ihre Höhlen zurück, es ſtellt ſich ein übelriechender Naſenausfluß ein; unter Hals, Bruſt und Bauch entſtehen waſſerſüchtige Geſchwülſte, der Appetit iſt verſchwunden, es tritt ein ſtinkender Durch⸗ fall ein, und das auf den äußerſten Grad abgemagerte und erſchöpfte Thier krepirt. Im Allgemeinen iſt die Stierſucht Anfangs gar nicht, und ſelbſt gegen das Ende der Krankheit kaum mit einiger Sicherheit zu erkennen; erſt die Sektion des Cadavers kann darüber poſitive Aufſchlüſſe geben. Oeffnet man den Bruſtkaſten ſo findet man die innere Fläche der Rippen, die Oberfläche der Lungen und das Zwerchfell mit zahlreichen kleinen Knoten von verſchiedener Form und Größe beſetzt. Dieſe Knoten oder Auswüchſe ſind rund, länglich, birnförmig, mit einem dünnen Stiele verſehen ꝛc., ſie ſind von der Größe eines Hirſekornes bis zu der einer Wallnuß, und ſelbſt noch darüber; ihre Farbe iſt verſchieden: weiß⸗ grau, röthlich, dunkelroth oder braun; oft ſitzen ſie einzeln zerſtreut, oft in ungeheuerer Anzahl dicht, oft traubenartig, neben einander. Aeußerlich ſind dieſe Auswüchſe mit einer ſehr feinen Haut umgeben; durch⸗ ſchneidet man ſie, ſo findet man ſie aus einer breiigen käſigen Maſſe, oder aus einer erdigen, fleiſchigen oder verſchiedenartigen Maſſe beſtehen. Oft ſind ſie geruch⸗ los, oft verbreiten ſie einen unerträglichen Geſtank. Außer dieſen eben beſchriebenen Knoten findet ſich zu⸗ weilen in der Bruſthöhle und im Herzbeutel eine grö⸗ ßere oder geringere Anſammlung von Flüſſigkeit. Oeff⸗ net man die Bauchhöhle, ſo erſcheint auch hier die Oberfläche verſchiedener Eingeweide, namentlich der Wagenfeld, Encyel 55. Stierſucht des Rindviehes. 217 Leber, des Netzes und Getröſes und des Zwerchfelles mit den gedachten Knoten beſetzt; im Allgemeinen jedoch ſeltener, als bei den Organen der Bruſthöhle. Alle übrigen Theile des Körpers ſind mehr oder weni⸗ ger krankhaft verändert, doch iſt dieſes in Bezug auf die eigentliche Beſchaffenheit der Stierſucht nicht we— ſentlich. Wird ein an der Stierſucht leidendes Rind zu Anfange der Krankheit geſchlachtet, ſo zeigen ſich alle Theile geſund, ausgenommen die Häute der Bruſt⸗ und Bauchhöhle. Unter welchen Bedingungen die Stierſucht ſich ausbildet, und worin das eigentliche Weſen derſelben beſtehe, iſt bisher nicht ermittelt worden. Am öfterſten ſieht man ſie bei Kühen, ſelten bei Ochſen und Stieren. Die mitunter aufgeſtellte Behauptung, daß die Krankheit anſteckend oder erblich ſei, iſt durch zahlreiche Beobachtungen widerlegt, und es ſcheint, daß nicht die Abſtammung Urſache ſei, wenn bei Kälbern, die von ſtierſüchtigen Kühen fielen, dieſelbe Krankheit ſich allmählig entwickelt, ſondern vielmehr nur die Gleichheit der Einflüſſe, die auf die Abkömm— linge eben ſo, als auf ihre Stammeltern, nachtheilig einwirken und die Neigung zu dem Uebel hervorrufen. Zu dieſen Einflüſſen iſt vorzüglich die Beſchaffen⸗ heit der Weide und der übrigen Nahrungsmittel zu rechnen. Sehr üppige und fette Weideplätze, oder allzureichliche Fütterung im Stalle mit ſehr nahrhaf⸗ ten, ſchleimigen und quellenden Futterſtoffen, bieten dem Thiere einen Ueberfluß an Nahrungsſäften dar, welcher mit dem Bedürfniſſe des Organismus in kei⸗ nem Verhältniſſe ſteht, und eine krankhafte Bildungs⸗ thätigkeit hervorruft. Dieſes iſt eine Art Erklärungs⸗ weiſe, aber ſie iſt in der That ſehr dürftig und man⸗ gelhaft. Begünſtigt wird die Krankheit durch den Aufenthalt in tiefliegenden; feuchten Gegenden, in niedrigen Ställen, durch Mangel an Bewegung ꝛc. Daher kommt die Stierſucht auch am öfterſten beim Maſtviehe vor, beſonders bei ſolchem, welches in Bren⸗ nereien, Brauereien und Mehlmühlen gehalten und hier mit Abfällen der Fabrikate ernährt wird. Gelte oder güſt gebliebene Kühe werden ungleich häufiger befallen, als Kühe, welche reichlich Milch geben und oft trächtig ſind. Ob eine gehinderte Befriedigung des Begattungstriebes an der Entſtehung der Krankheit einigen Antheil— und welchen dieſelbe habe, läßt ſich nicht angeben. Alle die angeführten Umſtände ſehen wir indeſſen 28 218 56. häufig beim Rindviehe vorhanden, ohne daß die Stierſucht entſtände, ſo daß jede Erklärungsweiſe nur ein ſehr dürftiger Behelf iſt. Wahrſcheinlich beginnt das Uebel urſprünglich mit einer ſchleichenden Entzün⸗ dung des Bruſt⸗ oder Bauchfelles, welches dann den ungewöhnlichen Ausgang in die Bildung von Knoten und Auswüchſen macht, wenn die allgemeine Säfte⸗ maſſe von übler Beſchaffenheit iſt. Früher glaubte man die Stierſucht wäre eine der Venerie oder der ſogenannten Franzoſenkrankheit des Menſchen gleiche oder ähnliche Krankheit, weßhalb man das Uebel auch mit dem Namen„Franzoſenkrankheit“ belegt hatte. Dieſes iſt jedoch ein vollſtändiger Irrthum, denn beide Krankheiten haben durchaus nichts mit einander ge⸗ mein. Die Stierſucht wird in den meiſten Fällen tödtlich, wenn auch manchmal erſt nach Jahren. Ihre Hei⸗ lung gelänge Anfangs vielleicht mehr oder weniger leicht, wenn die Krankheit ſolche Zufälle darböte, an denen ſie ſicher erkannt werden könnte; dieſes iſt jedoch, wie ſchon früher bemerkt, nicht der Fall; das Uebel wird daher gewöhnlich gänzlich überſehen, und nur dann erſt auf daſſelbe geachtet, wenn ſchon jede Hoff⸗ nung auf eine Heilung verſchwunden iſt. Bei der großen Unbeſtimmtheit in Betreff der Urſachen läßt ſich nicht wohl ein Verfahren angeben, durch welches die Krankheit verhütet werden könnte; Alles beſchränkt ſich hierbei auf die allgemeinen Regeln der Geſund⸗ heitspflege. Kälber, welche von ſtierſüchtigen Kühen abſtammen, dürfen nicht zur Zucht verwendet werden, Milzbrand. weil bei ihnen mindeſtens eine überwiegende Anlage zu der Krankheit vorauszuſetzen iſt. Vermuthet man die Stierſucht bei einem Thiere, welches eine ungewöhnliche und oft wiederkehrende Brünſtigkeit an den Tag legt, und welches bei der Bedeckung dennoch ſtets unfruchtbar bleibt, ſo kann man folgendes Mittel verſuchen, um dadurch die Krankheit in ihrer weiteren Entwickelung vielleicht zu hindern und ſie zum Stillſtande zu bringen. Schwe⸗ fel, Spießglanz und Kalmuswurzeln, von jedem ein Loth, Terpentinöl ein Quentchen, mit etwas Mehl⸗ waſſer auf einmal zu geben,— und zwar täglich eine ſolche Portion, und mindeſtens zwölf bis achtzehn Tage hinter einander; oder: Schwefeleiſen und Pot⸗ aſche, von jedem ein halbes Loth, Wermuthkraut und Genzianwurzel, von jedem ein Loth, wie das vorige Mittel zu geben. In der Regel wird man indeſſen nicht viel durch Arzneien ausrichten, und außerdem iſt ihr anhaltender Gebrauch koſtſpielig und unbequem. Dieſerhalb thut man wohl das kranke Stück zu ſchlach⸗ ten, und zwar ſo früh wie möglich, und während daſſelbe noch ziemlich bei Fleiſch iſt. Der Genuß des Letzteren kann unbedenklich ſtatt haben, wenn nur die Theile, auf denen die Auswüchſe ihren Sitz haben, weggeworfen werden, denn das alte Vorurtheil von Venerie ꝛc. iſt ungegründet und thöricht. Iſt das Thier aber ſchon ſehr abgemagert, ſo iſt der Fleiſchgenuß, wegen der allgemeinen Verderbniß der Säftenmaſſe, nicht nur ekelhaft, ſondern ſogar ſchädlich, und deshalb werde der Cadaver, nachdem er zuvor abgehäutet iſt, vergraben. 56. Milzbrand. Dieſe Krankheit kann ſämmtliche Hausthiere, ſelbſt das Geflügel, ergreifen; ſie iſt im hohen Grade ge⸗ fährlich, tödtet in der Mehrzahl der Fälle das befal⸗ lene Thier, und iſt oft ſo raſch in ihrem Verlaufe, daß das Thier ſchon todt iſt, bevor nur irgend etwas zur Heilung unternommen werden kann. Am ge⸗ wöhnlichſten erſcheint der Milzbrand beim Rindviehe und bei Schweinen, ſeltener bei Pferden; bei Scha⸗ fen zeigt ſich derſelbe oft als eine ſehr verheerende Seuche, die ſogenannte Blutſeuche, welche ſchon a. a. O. näher beſchrieben worden iſt. Die Krankheit tritt unter ſehr verſchiedenen äußeren Formen auf, aber demungeachtet bleibt ihre wahre Natur ſtets dieſelbe, ſtets iſt ſie gefährlich, und ohne paſſende Kur faſt alle Male tödtlich; ſie kann in jedem Klima, bei jeder Lo⸗ kalität, bei jeder Fütterungsweiſe, und, ſo zu ſagen, 56. Milzbrand. unter allen Umſtänden erſcheinen. In kälteren Gegen⸗ den iſt ſie ſeltener, als in warmen, im Sommer herrſcht ſie öfterer als im Winter. Der Milzbrand iſt ſchon in den älteſten Zeiten, und faſt in allen Ländern, be⸗ kannt geweſen, ſchon in der Ilias iſt von den Verhee⸗ rungen die Rede, welche ſie unter den Rinderheerden der Griechen angerichtet hat. Der Verlauf der Krankheit iſt bald überaus ſchnell, bald langſamer, jedoch ſchließt ſie ſtets nur eine ſehr kurze Dauer ein. A. Milzbrand beim Rindviehe. Wie ſchon angegeben leidet von allen Hausthieren das Rind am häufigſten an dem Milzbrande; hauptſächlich tritt derſelbe unter nachſtehenden Formen auf: aa) Milzbrandfieber. Zuweilen, oder ſelbſt ziemlich häufig, iſt daſſelbe von überaus raſchem Ver⸗ laufe. Das bis dahin völlig geſund ſcheinende Rind wird plötzlich, oft während der Arbeit oder beim Freſ⸗ ſen, und noch mit vollem Maule, ergriffen; es fällt wie vom Blitze getroffen zu Boden, und krepirt in wenigen Minuten und unter Zuckungen. Zuweilen dauert der Anfall länger, mehrere, und ſelbſt zwölf bis ſechszehn Stunden; in ſolchem Falle wird das Thier matt und traurig, läßt vom Freſſen, taumelt und ſchwankt, ſteht betäubt und ſtumpfſinnig, oder es zeigt ſich wild und aufgeregt, brüllt öfters und ſehr laut, rennt, wie von Angſt und Unruhe getrieben, zweck⸗ los fort; aus Maul und Naſe fließt ein ſchaumiger, oft mit Blut vermiſchter Schleim, die Augen ſind geröthet, mit Thränenfeuchtigkeit bedeckt, und ſtehen weit aus ihren Höhlen hervor, an verſchiedenen Thei⸗ len des Körpers ſtellen ſich Zuckungen ein, das Thier fällt um und krepirt unter Zuckungen. Gleich nach dem Tode fließt gewöhnlich ſchwarzes, theerartiges Blut aus Naſe, Maul und After, der Bauch treibt tonnenartig auf, der After und die Schaam ſtülpen ſich um, und zeigen eine dunkelrothe oder bläuliche Farbe, und der Cadaver verbreitet überaus ſchnell einen aashaften Geruch. Nicht immer nimmt das Milzbrandfieber den be⸗ ſchriebenen, ſehr raſchen Verlauf, und es vergehen dann wohl achtzehn bis ſechsunddreißig Stunden bevor der Tod eintritt. In dieſem Falle beginnt die Krankheit mit Zittern und krampfhaften Zuckungen an verſchie⸗ denen Stellen der Haut; das ergriffene Thier tritt von der Krippe zurück, oder folgt der Heerde nur langſam und zögernd; es zeigt ſich abgeſchlagen und träge, 219 ſenkt den Kopf, achtet wenig oder gar nicht auf ſeine Umgebung, ſtellt die Füße unregelmäßig. Das Freſſen und Wiederkäuen verſchwindet in der Regel ſogleich gänzlich, Melkkühe geben keine Milch mehr, der Durſt iſt gering oder ganz verſchwunden. Manchmal fängt die Krankheit mit ungewöhnlicher Unruhe und einem tobenden Betragen des Thieres anz daſſelbe brüllt, hat einen wilden Blick, ſtampft mit den Füßen, ſchlägt mit denſelben nach dem Bauche ꝛc., auf der Weide läuft daſſelbe wild und zwecklos umher, brüllt aus Angſt ic. Die Umfläche des Körpers, Ohren, Hörner und Maul ſind abwechſelnd ſehr warm und dann wie⸗ der kühl; die Anfangs rothen und feurigen Augen werden trübe, ihr Blick iſt erloſchen und matt; öfters ſtellt ſich ein Ausfluß von Blut aus Naſe und After ein, das Maul iſt mit Geifer und Schaum erfüllt, das Athemholen iſt angeſtrengt, gewaltſam, vermehrt und ſchnaufend, es findet oft ein Zahnknirſchen ſtatt. Die Zahl der Pulſe ſteigt auf ſiebenzig bis hundert in der Minute, der Herzſchlag iſt ſehr fühlbar und po⸗ chend. Gegen das Ende der Krankheit wird die Um⸗ fläche des Körpers kühl, und das Thier, auf den höch⸗ ſten Grad erſchöpft, krepirt unter Zuckungen. Selten dauert die Krankheit mehrere Tage, und dann ſchreitet die Krankheit natürlich langſamer und mit geringerer Heftigkeit vor. bb) Milzbrandkarbunkel. In vielen, wo nicht in den meiſten, Fällen brechen gleich beim Ein⸗ tritte oder im Verlaufe des eben beſchriebenen Milz⸗ brandfiebers an verſchiedenen Stellen des Körpers Beu⸗ len, oder ſogenannte Karbunkel, hervor, beſonders am Kopfe, Halſe, an der Schulter, in den Flanken oder an den Hinterbacken; auch die Schenkel werden nicht ſelten von dem Karbunkel ergriffen. Dieſe Beulen entſtehen, in größerer oder geringerer Zahl, ſehr raſch, ſie ſind Anfangs heiß, wachſen faſt zuſehends in die Höhe und Breite, werden dann aber meiſtens kühl, und die Haut auf ihnen wird nicht ſelten gefühllos und hart wie Leder. Beim Einſchneiden in den Kar⸗ bunkel zeigt ſich unter der Haut eine gelbe, ſulzige, gallertartige Maſſe. Die Bildung des Karbunkels ändert im Gange des Milzbrandfiebers nur wenig ab; oft ſcheinen ſie als eine heilſame, natürliche Ableitung angeſehen werden zu dürfen, oft dagegen vermehren ſie die Gefahr, beſonders wenn ſie am Kopfe und Halſe ihren Sitz haben, und ſo umfangeeich ſind, daß ſie das Athemholen erſchweren oder gar unmöglich 28* 220 56. Milzbrand. machen. Andere Male werden ſie dadurch verderblich, daß ſie in brandige, zerſtörende Geſchwüre übergehen, welches nicht ſelten die verderblichſten Folgen hat. Treten die Geſchwülſte plötzlich zurück, ſo iſt das mei⸗ ſtens ein todtverkündendes Zeichen, denn es werden dann gewöhnlich innere Theile, z. B. die Lungen er⸗ griffen. dd) Zungenkrebs. In nicht ſeltenen Fällen nimmt die Karbunkelbildung ihre Richtung nach der Zunge. Das Thier läßt die allgemeinen Zeichen des Milzbrandes an ſich wahrnehmen; es iſt unluſtig und abgeſchlagen, frißt und ſäuft nicht, und geifert ſehr ſtark aus dem Maule. Oeffnet man daſſelbe, ſo findet man in demſelben große Hitze, die Zunge iſt ange⸗ ſchwollen, und an nicht immer gleichen Stellen der⸗ ſelben— an der Spitze, an den Rändern, auf dem Rük⸗ ken oder an dem hinteren Ende— findet man eine oder mehrere Blaſen, von der Größe einer Erbſe bis zu der einer kleinen Haſelnuß. Dieſe Blaſen bilden ſich oft ſchon in wenigen Stunden, und enthalten eine verſchie⸗ den gefärbte Flüſſigkeit; in ſehr raſcher Aufeinander⸗ folge erſcheinen dieſe Blaſen roth, braun, violett und zuletzt ſchwärzlich. Kurze Zeit nachher platzen die Blaſen, und hinterlaſſen eine ſchwärzliche Borke, unter welcher ſich ein brandiges, tief in die Subſtanz der Zunge eindringendes Geſchwür bildet, durch welches ganzeStücke der Zunge zerſtört werden. Dieſe Geſchwüre veerrgrößern ſich in ſechszehn bis achtzehn Stunden ſehr bedeutend; ſie ſind eckig, hart, miteiner ſtinkenden Jauche erfüllt; die ganze Zunge iſt dann überaus ſchmerzhaft und ſehr angeſchwollen; ſie iſt dunkelroth oder blau Anfangs ſehr heiß, ſpäter kühl; unaufhörlich fließt ein zäher, mit Blut und Jauche vermiſchter Geifer aus dem Maule, welcher einen unerträglichen Geſtank verbreitet. Das Umſichgreifen der Geſchwüre ſchreitet immer mehr vor, ganze Stücke der Zunge fallen ab, auch der Kehl⸗ kopf und der Schlundkopf, ſo wie die Rachenhöhle werden nicht ſelten von freſſenden Geſchwüren ergrif⸗ fen; das Fieber und alle übrigen, dem Milzbrande eigenen, Erſcheinungen erreichen den höchſten Grad; das Thier holt beſchwerlich und röchelnd Athem, zit⸗ tert, zeigt große Angſt und Unruhe, ſchwankt und tau⸗ melt, wird überall kühl und krepirt. ee) Rückenblut. In einigen Fällen bildet ſich beim Milzbrandfieber eine Anſammlung von dickem, theerartigem Blute im Maſtdarme, welches dann nach dem Volksausdrucke„Rücken⸗ oder Lendenblut“ ge⸗ nannt wird. Mit Unrecht hat man dieſes Symptom als eine eigene Krankheit betrachtet, denn es iſt daſſelbe in der That nur ein zufälliges Zeichen von vorhande⸗ nem Milzbrande. An den Cadavern der am Milzbrande gefallenen Stücke ſind nicht in jedem Falle die gleichen Reſultate der Section wahrzunehmen; bei der großen Mannich⸗ faltigkeit der Formen, unter denen der Milzbrand er⸗ ſcheint, giebt die Unterſuchung des Cadavers manchmal ſehr verſchiedene Reſultate. Demungeachtet ſind an den Cadavern ſtets einige Erſcheinungen vorhanden, welche allen Formen des Milzbrandes gemeinſam zukom⸗ men, und die ſo auffallend und eigenthümlich ſind, daß aus ihnen faſt allein ſchon der vorhandene Milz⸗ brand mit Sicherheit erkannt werden kann. Die Lei⸗ chenöffnung iſt daher in Bezug auf die richtige Er⸗ kenntniß des Milzbrandes von Wichtigkeit, denn in manchen Fällen läßt ſich die Krankheit am lebenden Thiere, beſonders wenn ſie bloß ein oder einige Stücke ergreiſt, nur ſchwer für das, was ſie iſt, erkennen. Der Cadaver verbreitet gleich nach dem Tode des Thieres einen aashaften Geruch; dieſe ſchnelle Fäulniß iſt beim Milzbrande ganz eigenthümlich, und findet ſich in dem Grade bei keiner anderen Krankheit. Aus Naſe, Maul und After fließt in der Regel gleich nach dem Tode ein dünnes, ſchwarzes Blut; der Bauch wird ungemein ſchnell auf den äußerſten Grad von Luft aufgetrieben. Wird die Haut abgezogen, ſo finden ſich unter ihr die Blutadern mit ſchwarzem Blute ungewöhnlich ſtark angefüllt, und hier und da findet ſich auch wohl eine Blutaustretung. An verſchiedenen Stellen unter der Haut, an den Gelenken, beſon⸗ ders aber da, wo ſich Karbunkel gebildet hatten, findet ſich ein gelbes, gallertartiges Weſen, welches von ſchwarzem Blute umgeben oder mit ihm durchzogen iſt. Entfernt man dieſe gelbe Gallerte, ſo erſcheinen die unter ihr gelegenen Theile mißfarbig, bleich und bran⸗ dig. Das Fleiſch iſt Anfangs ſehr blaß, wird aber dunkel und ſelbſt ſchwärzlich, wenn der Cadaver län⸗ gere Zeit hindurch gelegen hat. In der Regel werden der After und der Wurf wurſtartig nach außen hervor⸗ getrieben; die Schleimhaut dieſer Theile, welche dann zum Theil ſichtbar wird, hat eine bläulich⸗rothe, ſehr dunkle Farbe. Bei Unterſuchung der inneren Körpertheile finden ſich die großen Venen mit ſehr dunklem, faſt ſchwarzem Blute angefüllt; das Herz erſcheint meiſtens welk und 56. Milzbrand. 221 ſchlaff. Die Lungen erſcheinen oft von regelmäßiger Farbe und Beſchaffenheit, oft ſind ſie dunkelroth und in einem brandartigen Zuſtande. Die Gedärme ſind ſtellenweiſe dunkelroth und brandig; die Milz erſcheint ſehr weich und in eine breiartige Maſſe verwandelt. Die Cadaver werden nicht, wie das gewöhnlich der Fall bei Leichen iſt, nach dem Erkalten ſteif, ſondern ſie behalten ihre Biegſamkeit bei. Der Milzbrand entſteht unter ſo verſchiedenartigen Umſtänden, daß es ſchwer iſt zu beſtimmen, welches die wahren veranlaſſenden Urſachen der Krankheit ſind. Kein Lebensalter ſchützt vor der Krankheit, doch wer⸗ den ältere Stücke leichter befallen, als ſehr junge. Im Allgemeinen werden fette und robuſte Thiere eher er⸗ griffen, als magere und ſchwache; Stiere, Maſt⸗ und Zugochſen werden am häufigſten ergriffen, Kühe we⸗ niger. In Betreff der Jahreszeit in der Witterung ſieht man den Milzbrand ohne Vergleich am häufigſten im Sommer und bei großer Hitze vorkommen, obſchon der⸗ ſelbe auch in einzelnen Fällen im Winter beobachtet wird. Schwüle Gewitterluft, die anhaltende Einwir⸗ kung der Sonnenſtrahlen, heiße Tage, denen ſehr kühle Nächte folgen, diſponiren ſehr zu der Krankheit. Auch ſehr heiße und dunſtige Ställe ſind in dieſer Hinſicht ver⸗ dächtig; nicht minder jede heftige Anſtrengung, ſei es im Zuge oder durch das Treiben nach ſehr entfernten Wei⸗ den, beſonders während der Mittagszeit bei heißem Wet⸗ ter. Noch verdächtiger als die bisher erwähnten Einflüſſe ſind die durch Futter und Getränke bewirkten; beſonders ſind hier verdorbenes, verſchlammtes Futter und ver— dorbenes Saufwaſſer aus ausgetrockneten Sümpfen und Teichen, das Waſſer, worin Flachs geröſtet iſt, und der Mangel an hinreichendem Waſſer zu erwäh⸗ nen. Futter, welches vom ſogenannten Roſt oder Brand(Uredo und Puccinia) befallen iſt, ſcheint in Bezug auf die Erzeugung des Milzbrandes dringend verdächtig, und ſolches Futter verliert ſelbſt im ge— trockneten Zuſtande ſeine ſchädlichen Eigenſchaften nicht. Nicht ſelten kommt der Milzbrand indeſſen in einer Heerde zum Vorſchein, woalle die erwähnten Umſtände nicht vorhanden waren; man ſieht ihn öfters bei küh⸗ ler Luft, bei der beſten und zweckmäßigſten Viehhaltung und überhaupt unter Umſtänden, bei denen man den Eintritt einer verderblichen Seuche keineswegs erwarten durfte. Es iſt ſomit wohl anzunehmen, daß die we⸗ ſentlichſte Urſache des Milzbrandes in einer eigenthüm⸗ lichen, obgleich bis jetzt nicht weiter erforſchten, Be— ſchaffenheit der Atmoſphäre liegt, für welche Annahme auch noch die Thatſache ſpricht, daß die Krankheit oft gleichzeitig verſchiedene Thiergattungen befällt. Da wo der Milzbrand erſcheint, beſchränkt er ſich nur ſelten auf einzelne Stücke. In der Regel ſtellt er ſich im Sommer ein, wenn das Vieh auf die Weide getrieben wird. Zuerſt ergreift er die beſten und fet⸗ teſten Stücke, und dieſe ſterben dann gewöhnlich ſehr plötzlich; ſpäter wird die Krankheit öfters etwas lang⸗ ſamer in ihrem Verlaufe, und es werden dann auch magere und ſchwächliche Thiere ergriffen. Oft hält ſich die Seuche den ganzen Sommer hindurch in der Heerde, wobei ſich ſie mitunter Pauſen von acht bis vier⸗ zehn Tagen macht, und dann wieder mit verſtärkter Heftigkeit auftritt. Die Krankheit hat in ihrem Gange (auch in ihrem Weſen) ſehr viele Aehnlichkeit mit der Cholera beim Menſchen. Tritt anhaltend eine kühle, regneriſche Witterung ein, ſo hört der Milzbrand wäh⸗ rend dieſer Zeit gänzlich oder doch faſt ganz auf. Worin das wahre Weſen des Milzbrandes beſtehe, iſt nicht mit Beſtimmtheit auszuſagen; Alles iſt hier dunkel und eben ſo gut als unbekannt. Der oft ur⸗ plötzliche Tod, die Veränderung des Blutes, die ſchnelle Fäulniß des Cadavers ꝛc. ſcheinen auf eine plötzlich eintretende Entmiſchung und Zerſetzung des Blutes hinzudeuten, ähnlich der, welche durch den Blitzſchlag entſteht; der Blutumlauf in den Adern ſcheint plötzlich gehemmt zu ſein ꝛc. Der Milzbrand iſt im Allgemeinen eine überaus gefährliche Krankheit; die meiſten der von ihr ergriffe⸗ nen Stücke fallen dem Tode anheim. Es iſt deshalb um ſo wichtiger ſich vor Verwechſelungen mit anderen Krankheiten zu hüten. Fallen ein oder kurz nach ein⸗ ander mehrere Stücke Rindvieh, zumal im Sommer, plötzlich und ohne daß eine ſichtbare Krankheit voran⸗ gegangen wäre, ſo muß das ſtets einen dringenden Verdacht auf Milzbrand erwecken; kommt dazu noch die ſchnelle Fäulniß des Cadavers ꝛc. ſo iſt an der Ge⸗ genwart des Milzbrandes faſt nicht mehr zu zweifeln. Am leichteſten könnte hier noch eine Verwechſelung mit der Trommelſucht ſtattfinden, indeſſen ſind bei dieſer Krankheit die Urſachen— die Ueberfütterung— faſt immer am Tage liegend, auch finden ſich manche andere Verſchiedenheiten, welche bei der Vergleichung des Bildes beider Krankheiten leicht in die Augen fallen. Unter welcher Geſtalt der Milzbrand auch erſchei⸗ 222 56. Milzbrand. nen mag, ſo bleibt die allgemeine Behandlung doch immer in der Hauptſache dieſelbe. Oft genug iſt frei⸗ lich der Verlauf der Krankheit ſo ungemein raſch, daß an eine Kur nicht gedacht werden kannz iſt aber hierzu eine längere oder kürzere Friſt vorhanden, ſo muß dieſe ungeſäumt benutzt werden, denn unleugbar iſt ein paſ⸗ ſendes Heilverfahren zuweilen im Stande manche Kranke vor dem Untergange zu retten. Von allen Mitteln verdient der Aderlaß zuerſt ge⸗ nannt zu werden; man entzieht dem Kranken ſofort eine Portion Blut, welche um ſo größer ſein muß, je ſtürmiſcher die Zufälle ſind, und je ſchwärzer das aus⸗ fließende Blut, und je fetter und kräftiger das ergriffene Thier iſt. Unter allen Umſtänden muß der Aderlaß beträchtlich groß ſein, und acht bis zwoͤlf, ſelbſt bis achtzehn Pfund betragen, auch kann derſelbe noͤthigen Falls nach achtzehn bis vierundzwanzig Stunden in gleicher oder etwas geringerer Stärke wiederholt wer⸗ den. Innerlich erhält das Thier mit gutem Erfolge irgend eine Säure, z. B. alle ein bis zwei Stunden ein Loth Schwefelſäure mit Mehlwaſſer, und dieſes ſo lange fort bis Beſſerung eintritt. Iſt Verſtopfung vorhanden, ſo giebt man, vor Anwendung der Säuren, zuerſt eine Laxanz aus drei Loth Salpeter und drei⸗ viertel bis einem Pfund Glauberſalz mit Waſſer. Auch häufige Klyſtire aus Salz, Seife und Waſſer ſind zur ſchnelleren Bewirkung des Miſtens von Nutzen. Statt der Säuren kann man ſich auch verſchiedener anderer Mittel bedienen, ſo iſt z. B. eine Miſchung aus einem Quentchen Kampher und einem halben Loth Salpeter, alle viertel oder halbe Stunden, und zwölf bis achtzehn Mal, mit Mehlwaſſer gegeben, oft ſehr heilſam. Faſt noch beſſer wirkt der Chlorkalk, von welchem alle halbe Stunden ein Loth mit Mehlwaſſer gegeben wird. Neben dem Aderlaſſe und den inner⸗ lichen Mitteln gehört außerdem die Anwendung der Kälte noch zu den Hauptheilmitteln der Krankheit. Der Kranke wird anhaltend, ſtundenlang, in recht kal⸗ tes Waſſer geſtellt, und zwar bis an den Rücken und ſo lange fort, bis ein heftiges Zittern eintritt. Noch vorzüglicher als das Einſtellen in Waſſer iſt das Be⸗ gießen mit demſelben; zu dieſem Behufe wird dem Thiere aus einer mäßigen Höhe anhaltend recht kaltes Waſſer, mittelſt eines Eimers, auf den Körper gegoſ⸗ ſen, und zwar ebenfalls ſo lange bis Zittern eintritt. Der günſtige Erfolg dieſer kalten Begießungen iſt nicht ſelten augenblicklich; während derſelben beſſert ſich das Thier ſichtbar, das Wiederkäuen ſtellt ſich ein, und es werden Miſt und Urin entleert. Dieſes hat indeſſen leider nicht in jedem einzelnen Falle ſtatt. Tritt der Milzbrand unter weniger heftigen Zeichen auf, iſt ſein Verlauf langſamer, oder ſind die ergriffe⸗ nen Stücke mager und erſchöpft, ſo bleiben Aderläſſe und Abführmittel ganz fort. Hier(ſo wie in den Fällen, wo die heftig geweſene Krankheit ſchwächer wird und ſich zur Heilung hinneigt) giebt man Kam⸗ pher und kohlenſaures Ammonium, von jedem ein halbes Quentchen, Angelika und Wermuth, von jedem ein Loth, mit Mehlwaſſer und in zwei⸗ bis dreiſtünd⸗ lichen Wiederholungen. Anhaltende, kalte Begießun⸗ gen ſind auch hier erforderlich; auch wiederholte Wa⸗ ſchungen mit erwärmtem Eſſig ſind heilſam. Die etwa vorhandenen Geſchwülſte, alſo die Milz⸗ brandkarbunkel, müſſen nebenher örtlich behandelt werden; man ſucht ſie ſo viel wie möglich in einen heftigen Reizungszuſtand zu verſetzen, um dadurch das ſo ſchädliche Zurücktreten derſelben zu verhindern. Zu dieſem Behufe werden tiefe Einſchnitte in dieſelben gemacht, welche dann mit Terpentinöl befeuchtet wer⸗ den; oder man zieht ein oder mehrere Eiterbänder durch die Geſchwulſt, oder man durchfährt dieſelbe in verſchiedenen Richtungen mit einem glühenden Eiſen. Zeigt ſich der Milzbrand unter der Form des Zungen⸗ krebſes an einem oder mehreren Stücken der Heerde, ſo iſt es erforderlich, daß das Innere des Maules und die Zunge jedes einzelnen Stückes der Heerde täglich genau unterſucht werden. Bei den ergriffenen Thieren wird das Maul mit einem Maulgatter oder mit einem geeigneten Holze geöffnet, die Zunge hervorgezogen, worauf dann die auf ihr vorhandenen Blaſen oder Geſchwüre mit einem blechernen Löffel bis auf den Grund abgeſchabt und die wunden Stellen mit Salz⸗ waſſer oder einer Miſchung aus ſechs Loth Salzſäure und einem Pfund Waſſer befeuchtet werden. Hat ſich auf der Zunge ſchon ein ſchwarzer Schorf oder ein tiefes, freſſendes Geſchwür gebildet, ſo wird alles An⸗ gegriffene mit einem glühenden Eiſen zerſtört, und dann der Grund mit der verdünnten Salzfäure be⸗ feuchtet. Statt der Salzſäure kann faſt noch vortheil⸗ hafter der Chlorkalk benutzt werden; eben ſo iſt es gut, mit einer Auflöſung deſſelben das Maul häufig auszuſpritzen, um dadurch den meiſtens ſehr üblen Geruch der in demſelben befindlichen Feuchtigkeiten zu zerſtören. Iſt der Grund des Geſchwürs auf die an⸗ 56. Milzbrand. gegebene Weiſe gereinigt, ſo ſpritzt man das Maul täglich einige Mal mit einer Auflöſung von vier Loth Alaun in gleichen Theilen Eſſig und Waſſer(von jedem ein Pfund) aus, oder man nimmt dazu eine ſtarke Abkochung der Eichen⸗ oder Weidenrinde, wel⸗ cher auf jedes Quart vier bis ſechs Loth Weingeiſt zu⸗ geſetzt ſind. Gegen das ſogenannte Rückenblut darf örtlich kaum etwas unternommen werden; es iſt in— deſſen gut, wenn das in dem Maſtdarme angeſammelte Blut herausgeſchafft wird, welches am paſſendſten durch wiederholte Applikation von lauwarmen Seifen⸗ klyſtiren zu bewirken iſt. Man hüte ſich aber wohl das Blut mit der Hand herauszuholen, denn es kann dabei leicht eine gefährliche Anſteckung erfolgen. Das am Milzbrande leidende Stück wird während der Kur an einem ſchattigen und möglichſt kühlen Orte gehalten; jede Anſtrengung oder ſelbſt nur mä⸗ ßige Bewegung deſſelben iſt zu verhindern. Die Diät erfordert, daß nur grünes oder ſaftiges Futter gegeben wird;z zum Geſöff erhält der Kranke Waſſer, welches mit Sauerteig, Eſſig oder Schwefelſäure ſchwach ge⸗ ſäuert oder mit Kochſalz etwas geſalzen iſt. Leidet das Thier am Zungenkrebſe, ſo iſt, der Schmerzen der Zunge wegen, das Freſſen mehr oder weniger behin⸗ dert. Solche Stücke werden dann mit Mehl⸗ oder Schrottränken, oder überhaupt mit flüſſiger Nahrung ernährt. Macht ſich der Milzbrand in einer Heerde bemerk⸗ bar, ſo iſt hauptſächlich darauf zu ſehen, daß die Seuche ſo wenig wie möglich um ſich greife. Es iſt dieſes ohne Vergleich wichtiger, als die Kur der Krank⸗ heit, da dieſe manchmal, bei dem ſchnellen Verlaufe der Seuche, nicht einmal beginnen kann, und in allen anderen Fällen immer von ſehr zweifelhaftem Erfolge iſt. Um die noch nicht kranken Stücke der Heerde wo möglich vor dem Befallenwerden zu ſchützen, wird auf nachſtehende Weiſe verfahren: Die noch geſunden Thiere werden ſofort von den kranken getrennt, und jede Gemeinſchaft unter ihnen aufgehoben. Alle früher angeführten, als erregende Urſachen des Milzbrandes verdächtige Schädlichkeiten werden möglichſt fern gehalten oder vermieden. Zug⸗ thiere werden vom Ziehen diſpenſirt, ſtarke und kräftige Stücke auf mageres, ſchlecht genährte auf beſſeres Futter geſetzt. Unter allen Umſtänden muß das Futter durchaus geſund und unverdorben ſein, und es iſt da⸗ bei Grünfutter oder überhaupt Saftfutter jedem ande⸗ 223 ren Futter vorzuziehen. Beſonders wichtig iſt es, daß es dem Thiere nie an hinreichendem, kühlem und rei⸗ nem Trinkwaſſer gebreche. Der Aufenthaltsort muß geräumig, kühl und ſchattig, überhaupt ſo beſchaffen ſein, daß die Luft unaufhörlich ſich erneuere; große, dun⸗ ſtige Hitze, die Einwirkung heißer Sonnenſtrahlen ſo wie fauliger, verdorbener Sumpf⸗ oder Stalluft iſt ſorg⸗ fältig zu verhindern. Jede Erhitzung der Thiere, z. B. durch das Treiben nach ſehr entfernten Weiden und zur Mittagszeit, muß vermieden werden. Von ganz beſonderem Nutzen bei der Vorbeugung des Milzbran⸗ des hat ſich das wiederholte Schwemmen der Thiere bewieſen; wo dieſes daher nur irgend ausführbar iſt, da treibt man dieſelben täglich mehrere Male in recht kaltes, wo möglich fließendes Waſſer, und läßt ſie in demſelben eine viertel bis eine halbe Stunde lang ver⸗ weilen; iſt dieſes Schwemmen vielleicht nicht ausführ⸗ bar, ſo muß daſſelbe durch ein häufiges Begießen der Thiere erſetzt werden, welches zwar bei größeren Heer⸗ den nicht ohne Umſtände zu erreichen, dagegen aber auch von faſt noch günſtigerem Erfolge iſt, als das Schwemmen. Herrſcht der Milzbrand in einer Heerde ſchnell um ſich greifend und mit mörderiſcher, raſch vernichtender Bösartigkeit, ſo darf man ſich bei dem angegebenen Präſervativverfahren nicht begnügen; man greift dann zum Theil nach jenen Mitteln, welche bei der ſchon ausgebrochenen Krankheit erforderlich ſind. Kräftigen und gutgenährten Stücken werden ſogleich acht bis zwölf Pfund Blut entzogen; es wird nur ſehr knapp gefüttert, und jedes Stück erhält täglich vier bis ſechs Loth Kochſalz in Waſſer aufgelöſt; auch das Trink⸗ waſſer kann mit etwas Kochſalz verſetzt werden. Bei großer Sommerhitze iſt es zweckmäßig, die Thiere nur des Nachts auf die Weide zu geben, und ſie am Tage in großen und ſchattigen Lokalen zu halten. In den Bruſtlappen wird ein Fontanell geſetzt, aus funfzehn bis dreißig Granen weißer Nieswurzel. Von ganz be⸗ ſonderem Werthe hat ſich als Vorbeugungsmittel der Chlorkalk bewährt; ein bis zwei Loth deſſelben werden in einem Pfunde kaltem Mehlwaſſer aufgelöſt, und eine ſolche Portion dem Thiere Morgens und Abends gegeben; in mehreren Heerden, in denen der Milzbrand herrſchte, wurde derſelbe durch die Anwendung des Chlorkalks ſchnell zum Stillſtande gebracht, wobei jedoch gleichzeitig die Aderläſſe, das Schwemmen e. nicht unterblieben. Die letzteren Mittel müſſen daher 224 56. Milzbrand. die Wirkung des Chlorkalks unterſtützen. Sind, unter Beobachtung der angeführten Vorſchriften, in unge— fähr zehn bis vierzehn Tagen keine neuen Erkrankungen vorgekommen, ſo darf man hoffen, daß die Gefahr vorüber ſei. Demungeachtet iſt auch nach Verlauf dieſer Zeit immer noch große Vorſicht in Haltung ꝛc. der Heerde nöthig, weil das Uebel nicht ſelten nach einer gemachten Pauſe mit erneuerter Wuth zurückkehrt, wo dann alle angegebenen Maaßregeln wiederum zur Ausführung gebracht werden müſſen, Gelingt es auch nicht immer dem Milzbrande mit Sicherheit vorzubeu⸗ gen, ſo liefert das vorbeugende Verfahren dennoch immer günſtige Reſultate, indem es der eintretenden Krankheit viel von ihrer Heftigkeit und Bösartigkeit nimmt, ihren Gang verzögert und der Kur ſelbſt nütz⸗ lichen Vorſchub leiſtet. Der Milzbrand iſt mehr oder weniger anſteckend, oft in einem hohen Grade. Der Anſteckungsſtoff ſcheint ſich indeſſen nicht durch die Luft, den Athem ꝛc. zu verbreiten, ſondern nur, unter gewiſſen Bedingungen, durch unmittelbare Berührung und durch natürliche Impfung mit den verſchiedenen Flüſſigkeiten des kran⸗ ken Thieres; die bloße Berührung der Haut z. B. hat faſt nie eine Anſteckung zur Folge. Wie dem auch ſei, ſo iſt es dennoch immer anzurathen, die erkrankten Rinder von den geſunden zutrennen, und wo möglich in der Art, daß die Kranken in dem inficirten Stalle gelaſſen, die Geſunden aber anderweitig untergebracht werden. Miſt, Urin, Blut, und alles von dem kran⸗ ken Thiere Herrührende iſt ſorgfältig zu vergraben, auch i*ſt eine Reinigung aller Gegenſtände, welche mit dem Kranken in Berührung gekommen ſind, vorzunehmen; berührtes und ungenoſſen gebliebenes Futter iſt eben⸗ falls zu vertilgen. Noch mehr Sorgfalt muß auf die Vergrabung der Cadaver verwendet werden; denn freſ⸗ ſen z. B. Hunde oder Schweine davon, ſo ſind ſie der Gefahr ausgeſetzt, vom Milzbrande angeſteckt zu wer⸗ den. Geflügel, welches von dem Blute, oder die in dem entleerten Miſte etwa enthaltenen Körner frißt, verfällt dadurch leicht in einen tödtlichen Milzbrand, oder in die ſogenannte Hühnerpeſt. Aber nicht nur auf Thiere, ſondern auch auf Menſchen kann der Milz⸗ brand übergehen; eine bedeutende Anzahl der traurig⸗ ſten Fälle der Art ſind bekannt, und noch alljährlich verlieren Menſchen auf dieſe Weiſe ihr Leben; es kann deshalb in dieſer Beziehung kaum genug Vorſicht beob⸗ achtet werden. Der Milzbrand hat zwar nicht in jedes⸗ mal wenn er als Seuche erſcheint, eine gleich ſtarke Anſteckungskraft; zuweilen ſcheint es ſogar als ob eine ſolche kaum vorhanden ſei, aber es läßt ſich hier⸗ über nichts vorausbeſtimmen.. Der Genuß des Fleiſches von am Milzbrand er⸗ krankten oder krepirten Thieren muß durchaus unter⸗ bleiben; es iſtzwar oft aus Unkunde oder aus brutaler Nichtachtung der Gefahr dergleichen Fleiſch ohne allen Nachtheil genoſſen worden; dagegen giebt es aber auch überaus zahlreiche Beiſpiele, wo ſolches Fleiſch und ſelbſt die bloße Brühe davon, für ganze Familien tödt⸗ lich wurde, oder doch mehr oder weniger gefährliche Zu⸗ fälle herbeiführte. Auch die Milch der Kranken hat ſchädliche Eigenſchaften, wenn auch im minder hohen Grade. Jeder, der mit der Behandlung oder Wartung des kranken Viehes zu thun hat, muß ſich beſonders hüten, daß etwas von dem Blute oder anderen Säften deſſelben mitentblößten Körpertheilen in Berührung komme; wer verletzte Stellen an den Händen ꝛc. hat, darf ſich gar nicht mit dem Thiere befaſſen. Bei Aderläſſen, bei Applikation von Klyſtiren und Fontanells, beim Ein⸗ geben der Arzneien iſt große Vorſicht zu beobachten; die Hände müſſen zuvor mit Oel beſtrichen oder durch Handſchuhe verwahrt werden, beſonders beim Heraus⸗ ziehen der Zunge, behufs deren Unterſuchung ꝛc. beim Zungenkrebſe. Gleich nach den verſchiedenen Mani⸗ pulationen müſſen alle beſudelten Hautſtellen des Men⸗ ſchen ſofort mit Seifenwaſſer oder mit einer Auflö⸗ ſung von zwei Loth Chlorkalk iu einem Pfunde Waſſer gereinigt werden. Auch das Geſicht iſt auf gleiche Weiſe zu reinigen, wenn daſſelbe etwa mit Blut ꝛc. beſpritzt ſein ſollte. Die Anſteckung erfolgt oft über⸗ aus leicht; ſo ſah man z. B. ſchon tödtliche Folgen darnach entſtehen, wenn etwas Blut in das Auge ſpritzte, oder wenn eine Fliege, die unmittelbar vorher an milzbrandigem Blute geſogen hatte, ihren Saug⸗ rüſſel auf die Haut des Antlitzes oder anderer Körper⸗ theile des Menſchen einſenkte. Man muß daher auch das Geſicht ſo viel als möglich verwahren. Dieſe Vorſichtsmaßregeln paſſen für alle Formen des Milz⸗ brandes. Anmerkung. Der durch Anſteckung beim Men⸗ ſchen entſtandene Milzbrand wird, wenn die Infection nicht etwa durch Fleiſchgenuß milzbrandiger Thiere entſtanden war, ſchwarze Blatter oder Pocke genannt. Nicht lange nach der ſtattgehabten Anſteckung entſteht an der betroffenen Stelle ein Jucken und Brennen, 56. Milzbrand. und bald erhebt ſich daſelbſt ein Bläschen, welches eine dünne Flüſſigkeit enthält; die Stelle färbt ſich roth, braun und zuletzt dunkel violett; ſie iſt hart, und verwandelt ſich in einen Knoten, der nach und nach härter wird; nebenbei bilden ſich dann meiſtens neue Bläschen und Knoten. Einige Tage nach dem Er⸗ ſcheinen des Bläschens entſteht um die befallene Stelle herum eine allgemeine Geſchwulſt, welche ſehr ſchmerz⸗ haft iſt, und dann ſtellen ſich auch Zufälle einer all⸗ gemeinen Krankheit ein. Der Menſch wird traurig, hat Kopfweh, bekommt Uebelkeit, bald tritt Fieber ein, es wechſeln Froſtſchauder mit brennender Hitze, es iſt ein überaus heftiger Durſt vorhanden, die Zunge iſt trocken und ſchmerzlich, der Kranke redet irre, ver⸗ fällt in Ohnmachten und ſtirbt in kurzer Zeit, und unter den heftigſten Leiden. Iſt daher nur irgend Verdacht einer erfolgten Anſteckung vorhanden, ſo iſt ungeſäumt die Hülfe eines Arztes in Anſpruch zu nehmen. B. Milzbrand beim Pferde. Von allen Thieren wird das Pferd am ſeltenſten befallen. In der Hauptſache ſind die Zufälle der Krankheit denen beim Rindviehe gleich, indeſſen verläuft die Krankheit wo möglich noch ſchneller und auch mit noch größerer Heftigkeit. Die gewöhnlich ſehr plötzlich eintretende Krankheit beginnt mit Fröſteln und Zittern der Haut, mit Gähnen, Kopfſchütteln und einer gewiſſen Unruhe des Pferdes; die Augen ſind ſtier und roth, die Zunge iſt trocken oder mit ſchmutzigem Schleime belegt, der Appetit iſt verſchwunden. Sehr kurze Zeit darauf wird das Athemholen vermehrt, angeſtrengt und äch⸗ zend, aus der Naſe fließt eine blutige Flüſſigkeit, der Puls iſt klein und überaus ſchnell, Ohren und Beine ſind kalt. Das Thier zeigt fortwährend Unruhe, iſt mit kaltem Schweiße bedeckt, und benimmt ſich faſt ſo, als ob es an Kolik litte; an verſchiedenen Stellen des Körpers, beſonders am Halſe, fahren große Beulen auf, es ſtellen ſich Zuckungen ein, und der Tod erfolgt unter Zuckungen. Manchmal, beſonders wenn die Krankheit langſamer verläuft, benimmt ſich das Pferd faſt ſo, als ob es am Koller litte. Die Section des Cadavers liefert dieſelben Ergeb⸗ niſſe als beim Rindviehe; und in Betreff der Urſachen und der Anſteckungsfähigkeit auf Thiere und Menſchen verhält ſich hier alles ganz gleich; auch die Kur iſt weſentlich dieſelbe. Ruhe, kühles Verhalten, häufige Begießungen mit kaltem Waſſer, ſaueres oder ſalziges Wagenfeld, Encyel. 225 Getränk, und als Arzneien Chlorkalk, Salpeter, Glau⸗ berſalz, in gewiſſen Fällen Kampher ꝛc. ſind auch hier erforderlich. Die Aderläſſe müſſen ſehr groß ſein und zehn bis zwanzig Pfund betragen. C. Milzbrand bei Schweinen. Bei dieſer Thiergattung kommt der Milzbrand gar nicht ſelten und oft mit mörderiſcher Heftigkeit vor; das Weſen deſſelben iſt das des Milzbrandes im Allgemeinen. Wie beim Rindviehe tritt die Krankheit unter verſchie⸗ denen Formen auf, von denen die vorzüglichſten hier angeführt werden ſollen. aa) Bösartiger oder brandiger Roth⸗ lauf. Die Krankheit tritt gewöhnlich plötzlich ein; das Schwein zeigt ſich traurig und niedergeſchlagen, läßt vom Freſſen, hat einen taumelnden Gang, die Augen ſind geröthet und glotzend, es ſtellt ſich zuwei⸗ len Erbrechen ein, und unter dieſen Erſcheinungen bil⸗ den ſich am Rüſſel, am Halſe, am Vorder⸗ oder Hin⸗ tertheile, beſonders aber unterm Bauche, rothe Flek⸗ ken, welche ſich in kurzer Zeit vergrößern, in einander fließen und dann oft einen beträchtlichen Theil der Haut einnehmen. Anfangs ſind dieſe Flecken von hochrother Farbe, gegen das meiſtens tödtliche Ende der Krankheit werden dieſelben bläulich, violett und ſelbſt ſchwärzlich. Die Haut, welche der Sitz dieſer Flecken iſt, erſcheint außerdem nur wenig entzündet oder ſonſt verändert. Mit dem Ausbruche dieſer Flek⸗ ken, oder des Rothlaufes wird das Thier immer krän⸗ ker; es treten große Unruhe und Angſt ein, das Schwein ſteht im betäubten Zuſtande da, es taumelt und zittert, anſcheinend vor Froſt. Das Athmen wird häufiger und angeſtrengt, die Häute des Rüſſels und des Mau⸗ les erſcheinen blauroth oder kupferfarben; aus der Naſe und dem Maule fließt mitunter ein blutiger Schleim; Miſt und Urin gehen nicht mehr ab.— Die Krankheit macht einen ungemein raſchen Verlauf, und wenn nicht ſchleunige Hülfe geleiſtet wird, ſo iſt der Tod faſt gewiß. Nicht ſelten fängt ein bis dahin ganz geſundes Schwein plötzlich an zu taumeln, angeſtrengt zu athmen, es fällt um, verdreht die Augen, zappelt mit den Beinen und krepirt; oft ſelbſt ſchon nach we⸗ nigen Minuten. An dem Cadaver finden ſich dann, neben anderen Erſcheinungen, auch die entfärbten Stellen auf der Haut. Andere Male erfolgt der Tod nicht ganz ſo ſchnell; das Thier lebt acht bis zwölf oder auch wohl vierundzwanzig Stunden bevor der Tod eintritt. Im Allgemeinen verläuft die Krankheit 226 heftiger, wenn das Vordertheil, und langſamer und auch etwas gelinder, wenn das Hintertheil von dem Rothlaufe ergriffen wird. Im erſteren Falle hat man die Krankheit Vorderbrand, undimletzteren Hin⸗ terbrand genannt, welche Unterſcheidung aber als unerheblich angeſehen muß. bb) Rankkorn. Den Anfang der Krankheit bilden ziemlich genau dieſelben Zufälle als bei dem Rothlaufe; das Schwein iſt unruhig, zittert, verliert den Appetit, hat ein heißes mit Speichel erfülltes Maul, kauet unaufhörlich, fletſcht die Zähne. Kurze Zeit darauf bilden ſich auf der Zunge, am Gaumen oder Zahnfleiſch Blaſen von der Größe einer Erbſe oder Bohne, welche raſch eine bräunliche oder ſchwärz⸗ liche Farbe annehmen, eine ſehr ſcharfe, dünne Flüſ⸗ ſigkeit enthalten, platzen, und ſchnell in brandige Ge⸗ ſchwüre übergehen, durch welche nicht ſelten große Stücken der befallenen Theile zerſtört werden. Dieſen brandigen Geſchwüren folgt der Tod ſehr raſch nach, oft ſchon in wenigen, ſeltener erſt nach zwölf bis vier— undzwanzig Stunden. cc) Kopfkarbunkel oder weiße Borſte. Unter denſelben Zufällen als beim Rankkorn entſtehen an den Seiten des Kopfes, beſonders unterhalb des Ohres, kleine Beulen in der Haut; die hier befindli⸗ chen Borſten richten ſich büſchelförmig in die Höhe, verlieren ihren Glanz, ſehen abgeſtorben und weißer aus, als ſonſt. Dieſe Beulen, welche ſelten die Größe einer Haſelnuß überſteigen und ſehr ſchmerzhaft ſind, ſinken in ſehr kurzer Zeit ein, und die Haut dieſer Stellen wird hart, dunkel von Farbe, und erſcheint brandig und abgeſtorben. Im Fortgange der Krank⸗ heit wird das Thier nun immer matter und ſtumpffin⸗ niger, es holt mit Beſchwerde Athem, fällt nach we⸗ nigen Stunden um und krepirt unter heftigen Zuk⸗ kungen. dd) Bösartige Halsgeſchwulſt oder Bräune. Dieſe Form des Milzbrandes iſt die häu⸗ figſte von allen; meiſt kommt ſie bei vielen Schweinen gleichzeitig vor, oft in weiter Ausbreitung. Den An⸗ fang der Krankheit bilden die den vorher beſchriebenen Milzbrandformen zukommenden Erſcheinungen; in der kürzeſten Zeit, oft ſchon nach wenigen Minuten, tritt ein hörbares, keuchendes oder pfeifendes Athemholen ein, und das Thier hat eine ſehr heiſere Stimme. Am Kopfe, zumal an den Ohren und am Rüſſel, iſt die Wärme ſehr vermehrt, die Augen ſind ſehr roth, her⸗ 56. Milzbrand. vorgetrieben, und von wildem Blicke. Nicht ſelten tritt ein häufiges Würgen ein, mitunter auch wirkliches Erbrechen. Als ein Hauptzeichen der Bräune bemerkt man in der Gegend des Kehlkopfes das Auftreten einer heißen und ſehr ſchmerzhaften Geſchwulſt, welche raſch an Umfang und Ausdehnung zunimmt, und ſich oft den Hals entlang bis nach der Bruſt erſtreckt; die Haut auf dieſer Geſchwulſt erſcheint von derſelben Farbe als beim brandigen Rothlaufe. Oft iſt die Geſchwulſt am Halſe nur gering, aber die rothen Flek⸗ ken ſind dennoch vorhanden. Raſch nehmen alle Krankheitszufälle an Heftigkeit zu; das Athemholen wird immer beſchwerlicher und angeſtrengter, es wird pfeifend, das Schwein zeigt die Zufälle der Erſtickung, reißt das Maul weit auf, die Zunge hängt hervor, iſt von blau⸗ſchwarzer Farbe, aus dem Maule fließt viel Geifer, und nach wenigen Stunden, ſelten viel ſpäter, erfolgt der Tod durch Erſtickung. Manchmal, wenn die Geſchwulſt am Halſe nur unbedeutend iſt, verläuft die Krankheit etwas langſamer, und der Tod erfolgt erſt nach zwölf bis vierundzwanzig Stunden. Die Section der am Milzbrande gefallenen Schweine giebt im Allgemeinen folgende Reſultate. Der Cada⸗ ver geht überaus raſch in Fäulniß über; er verbreitet ſogleich einen aashaften Geruch, und der Bauch wird trommelartig aufgetrieben. Aus Naſe und Maul fließt oft ein dunkles, faſt ſchwarzes Blut; Rüſſel und Maulhaut erſcheinen von bläulich⸗ſchwarzer, oder blaugrauer Farbe. After und Scham ſind von der⸗ ſelben Farbe und wurſtartig hervorgetrieben. Unter dem Bauche oder unter der Bruſt iſt die Haut violett oder blau; unter der Haut iſt viel ſchwarzes Blut ausgetreten, und oft finden ſich hier auch größere oder geringere Maſſen einer gelben, gallertartigen Subſtanz; das Fleiſch iſt welk, blaß und mürbe, und hier und da auch wohl ſchwärzlich. Alle Eingeweide ſind mit einem dunklen, theerartigen Blute überfüllt; auf ihrer Oberfläche zeigen ſich öfters bläuliche oder rothe Flek⸗ ken von ausgetretenem Blute; Lungen, Leber, Milz und Nieren ſind weicher und leichter zerreißbar als ſonſt. An den Stellen, welche, je nach der verſchie⸗ denen Form des Milzbrandes, vorzüglich ergriffen wa⸗ ren, finden ſich unter der Haut theils blutige Ergüſſe, theils eine ſulzige; gelbe Gallerte, oder brandige Zer⸗ ſtörungen von geringerem oder größerem Umfange. Die Urſachen des Milzbrandes beim Schweine ſind, eben ſo wie in derſelben Krankheit bei den anderen 56. Milzbrand. Hausthieren, bis jetzt nur ſehr ungenügend ermittelt worden. Am gewöhnlichſten entſteht derſelbe in heißer Jahreszeit und überhaupt unter denſelben atmoſphäri⸗ ſchen Einflüſſen und denſelben Schädlichkeiten im Fut⸗ ter und Geſöff als beim Rindviehe; um Wiederho⸗ lungen zu vermeiden wird deshalb dorthin verwieſen. Der Milzbrand der Schweine iſt eine überaus ge⸗ fährliche Krankheit, welche meiſtens tödtlich wird, und dieſes um ſo ſicherer als die Krankheit gewöhn⸗ lich ſo kurze Zeit dauert, daß das Thier früher krepirt, als eine Kur eintreten kann. Nur dort, wo die Krank⸗ heit weniger ſchnell verläuft, uno wo die ungeſäumteſte Hülfe eintritt, läßt ſich oft noch der Kranke retten. Im Allgemeinen ſind die weiße Borſte und das Rank⸗ korn am gefährlichſten; der Rothlauf und die Bräune dagegen laſſen häufiger eine Heilung zu. Die Behandlung hat eine doppelte Aufgabe, näm⸗ lich die vorhandene Krankheit—wo möglich— zu heilen, oder ihren Ausbruch gänzlich zu verhüten. Iſt ein Schwein am Milzbrande erkrankt, ſo muß, ohne Rück⸗ ſicht unter welcher Form die Krankheit erſcheint, nach— ſtehende allgemeine Behandlung eintreten. Zuerſt ein Aderlaß; er iſt eines der vorzüglichſten Heilmittel; man entzieht dem Kranken, je nach Größe und Be⸗ leibtheit, ein halbes bis zwei Pfund Blut. Der Aderlaß paßt indeſſen nur zu Anfange der Krankheit, und wenn ſich noch nicht eine zu große Hinfälligkeit des Kranken zeigt. Ein anderes kräftiges Heilmittel ſtellen die kalten Begießungen dar, oder eine andere Anwendung der Kälte. Der Kranke wird an einem recht kühlen und ſchattigen Orte gehalten, und hier alle viertel oder halbe Stunden mit recht kaltem Waſ⸗ ſer begoſſen, und zwar mindeſtens acht bis zehn Mi⸗ nuten lang. Beſſer noch iſt das von Spinola(Lehrer an der Thierarzneiſchule zu Berlin) angegebene Ver⸗ fahren. An einem kühlen und ſchattigen Orte wird ein Loch in die Erde gegraben, welches dem Umfange des Schweines entſpricht; in dieſes Loch wird dann das Schwein, welchen die Füße zuſammengebunden ſind, geſetzt. Hierauf wird der ganze Körper mit Erde umworfen, doch ſo, daß der Kopf frei bleibt, und damit das Thier bequemer athmen könne wird unter den Rüſſel ein Raſen gelegt; iſt die Eingrabung des Schweines erfolgt, ſo legt man auf die Grabſtelle einige Raſen, und beſchwert dieſelben mit Holzſtücken, oder andren ſchweren Gegenſtänden, damit das Schwein nicht aus ſeiner Lage weichen kann. Die Grabſtelle 227 wird ſodann alle zehn bis funfzehn Minuten mit eini— gen Eimern voll recht kaltem Waſſer begoſſen, und dieſes Begießen ſo lange wiederholt, bis daß das Schwein die Zeichen von Beſſerung bemerken läßt, wieder grunzt, nicht mehr ſo heiſer ſchreit, freier ath⸗ met, ſich mit Gewalt ſeiner Haft zu entledigen ſucht ꝛc. Treten dieſe Zeichen von Beſſerung nicht in den näch— ſten zwölf bis achtzehn Stunden ein, ſo iſt der Tod faſt unabwendbar. Da in der Regel Verſtopfung vorhanden iſt, ſo iſt es paſſend dem Kranken recht oft Klyſtire aus Salz, Eſſig und Waſſer zu ſetzen; wird das Schwein eingegraben, ſo ſetzt man einige ſolcher Klyſtire vor dem Eingraben. Innerlich giebt man alle Stunden ein halbes bis ein Loth Glauberſalz und ein halbes bis ein Quentchen Salpeter mit etwas Waſſer, und ſo lange fort bis häufiges Miſten er— folgt. Iſt die Krankheit ſchon vorgeſchritten, ſo giebt man ſtatt der Laxanz lieber ein halbes bis ein Quent⸗ chen Chlorkalk mit Mehlwaſſer und alle halbe bis ganze Stundenz ſtatt deſſen kann man auch fünf bis zehn Gran Kampher in einem Theelöffel voll Brannt⸗ wein aufgelöſt und mit Mehlwaſſer vermiſcht geben, und zwar ebenfalls alle halbe bis ganze Stunden. In vielen Fällen, beſonders bei dem Rothlaufe und der Bräune, hat ſich ein, gleich Anfangs gegebenes, Brechmittel nützlich bewieſen; man giebt drei Gran Brechweinſtein und ſechs bis acht Gran gepulverte weiße Nießwurzel auf einmal mit Waſſer ein. Kleinere Schweine erhalten nur die Hälfte dieſer Portion. Iſt das Schwein in der Geneſung begriffen, ſo muß Anfangs eine beſonders ſorgfältige Pflege deſſel⸗ ben ſtatt haben; man halte das Thier in einem reinen und kalten Stalle, und ſetze daſſelbe nicht den Ein— wirkungen eines übeln und ſehr heißen Wetters aus. Zum Futter eignen ſich am beſten Diſteln, Salat, Kartoffeln, Rüben und anderes Saftfutter; auch ſauere Milch iſt paſſend. Außer der angeführten allgemeinen Behandlung, welche immer die Hauptſache bleibt, muß manch⸗ mal noch eine Kur der örtlichen Zufälle, je nach den verſchiedenen Formen der Krankheit, eintreten. Bei dem brandigen Rothlaufe kann man vor dem Eingra⸗ ben des Schweines, und zwar mit entſchiedenem Nutzen, auf die rothlaufigen Hautſtellen einen Brei aus Lehm und Eſſig, unter dem Zuſatze von einigen Lothen Chlor⸗ kalk, recht dick auftragen. Bei dem Rankkorne müſſen die brandigen Blaſen oder Geſchwii 34 Maule ſo 228 56. Milzbrand. ſchnell wie möglich zerſtört werden, damit das Umſich⸗ greifen derſelben, ſo weit es geſchehen kann, verhindert werde. Zu dem Ende ſteckt man dem Schweine einen Knüppel quer durchs Maul, zieht die Zunge hervor, und ſchabt mit einem blechernen Löffel die vorhandenen Blaſen und Geſchwüre ſo gründlich wie möglich hin⸗ weg. Damit die Hand nicht von der Brandjauche befeuchtet und dadurch vielleicht angeſteckt werde, um⸗ giebt man ſie mit cinem recht dicken Lappen oder einem Handſchuhe. Vor und nach der Operation kann auch das Maul des Schweines mit Eſſig, Salzwaſſer oder einer Auflöſung von zwei Loth Chlorkalk in einem Pfunde Waſſer ausgepinſelt oder ausgeſpritzt werden, weil ſonſt leicht eine weitere Infektion der Maulhaut ſtatt haben könnte. Sind ſchon tiefere Geſchwüre vor⸗ handen, ſo brennt man dieſelben mit einem glühenden Eiſen recht tief aus, und ſpritzt oder pinſelt ſodann das Maul alle Stunden mit der gedachten Auflöſung von Chlorkalk, oder auch nur mit Salzwaſſer und Eſſig aus. Auch bei der weißen Borſte iſt die mög⸗ lichſt frühzeitige Zerſtörung der brandigen, am Halſe befindlichen Beulen von Wichtigkeit; man brennt die⸗ ſelben recht tief mit einem ſpitzigen Brenneiſen aus, und befeuchtet die Wunde hierauf mit Chlorkalkauflöſung recht oft. Die bei der Bräune entſtehende Geſchwulſt kann mit einem Breie aus Lehm, Chlorkalk und Eſſig beſtrichen werden, oder man brennt auf die Geſchwulſt mit einem glühenden Eiſen vier bis ſechs Striche. Erfolgreicher und deshalb wichtiger als die Kur des Milzbrandes iſt ſeine Verhinderung: ſie gelingt ziemlich ſicher bei einem angemeſſenen Verfahren. Zeigt ſich der Milzbrand in einer Heerde, oder in einer Ortſchaft, ſo iſt es wahrſcheinlich, daß er ſich weiter verbreiten werde, und es iſt daher ſehr wichtig, die noch geſunden Schweine vor der Krankheit zu ſchützen. Man vermeide zu reichliche Fütterung; Stoppelfelder werden gänzlich vermieden, dagegen Brach- und An⸗ gerfelder behütet; ſtets iſt es gut einen häufigen Wech⸗ ſel in der Weide und ſonſtigen Fütterung eintreten zu laſſen, ganz ſo als es bei der Blutſeuche der Schafe angegeben worden iſt. Das weite und raſche Treiben, beſonders in großer Sonnenhitze, iſt durchaus zu ver⸗ meiden, dagegen iſt das häufige Schwemmen der Schweine uͤberaus nützlich, eben ſo wie das anhaltende, ſtundenlange Liegen des Schweines im Waſſer. Im Stalle, welcher ſo kühl wie möglich gehalten werden muß, werden die Schweine täglich mehrere Male mit kaltem Waſſer begoſſen. Man giebt nur wenig nahr⸗ haftes Futter und zum Geſöff ſauere Milch, oder Waſſer, welches mit etwas Kochſalz verſetzt, oder mit Eſſig oder Schwefelſäure ſchwach angeſäuert iſt. Waſ⸗ ſer mit zerrührtem Sauerteig iſt ebenfalls heilſam. Sauerampfer, Gurken und unreifes Obſt ſind zum Futter beſonders zu empfehlen. Alle dieſe diätetiſchen Maßregeln ſind ſo lange zu beobachten, als ſich noch Erkrankungs- oder Sterbefälle in der Heerde oder unter Schweinen der Nachbarſchaft ereignen. Von vorn herein giebt man jedem noch geſunden Schweine ein Brechmittel aus einer Meſſerſpitze oder einem kleinen Theelöffel voll weißer Nieswurzel, mit ſauerer Milch. Man kann das Brechmittel auch dem Schweine zum Ausſaufen vorſetzen, und dann am paſſendſten des Morgens früh, während es noch hung⸗ rig iſt. Von Zeit zu Zeit, etwa alle acht oder zwölf Tage, wird das Brechmittel wiederholt. Außerdem kann man auch einen Aderlaß machen, und unter die Bruſt ein Fontanell legen, wozu am paſſendſten ein zehn bis zwanzig Gran ſchweres Stück weißer Nies⸗ wurzel benutzt wird. Ein ſolches Fontanell muß min⸗ deſtens zwei bis drei Wochen liegen bleiben. Der Milzbrand des Schweines iſt anſteckend, nicht nur für andere Schweine, ſondern für alle anderen Hausthiere, und ſelbſt auf Menſchen kann ſich die Krankheit übertragen. Dieſerhalb dürfen die kranken Schweine weder mit anderen Schweinen noch mit an⸗ deren Thieren in Berührung kommen, und dies gilt ſelbſt von allen den Gegenſtänden, welche von den kranken Thieren berührt wurden. Das Streuſtroh oder das übrig gelaſſene Futter der Letzteren darf nicht bei geſunden Thieren verwendet werden;z das Aderlaß⸗ blut iſt tief zu vergraben, weil nach deſſen zufälligem Genuſſe Schweine, Hunde und ſelbſt das Federvieh tödtlich erkranken können. Bei der inficirten Heerde darf kein Hund benutzt werden, denn beißt derſelbe etwa ein krankes Schwein und gleich hinterher ein ge⸗ ſundes, ſo kann dabei der Milzbrand leicht durch den Biß übertragen werden. Die Cadaver, und alle Ab⸗ fälle der krank geweſenen oder krepirten Schweine müſ⸗ ſen tief und an Orten vergraben werden, an welchen ſie nicht etwa von Hunden wieder ausgekratzt werden können. Die Ställe ſind gehörig zu reinigen; man ſchwemmt und lüftet ſie, und ſtreicht ſie mit Kalk aus. Das Ausbraten des Fettes iſt mit großer Gefahr ver⸗ bunden, und unterbleibt deshalb am beſten gänzlich. 57. Sterzwurm des Rindviehes. 229 Anmerkung. Auch bei dem Hofgeflügel kommt zuweilen der Milzbrand zum Vorſchein, und rafft dann oft in kurzer Zeit eine große Zahl deſſelben hinweg. Man nennt die Krankheit Hühnertod oder Hühnerpeſt, obſchon nicht nur Hühner, ſondern auch Gänſe, En⸗ ten ꝛc. davon befallen werden können. Die Krankheit ergreift das Geflügel plötzlich, und tödtet daſſelbe ſehr raſch; zuweilen dauert das Uebel etwas länger, das Thier iſt matt, bekommt Erbrechen, hat ſtruppiges Gefieder, der Kamm der Hühner ꝛc. wird bläulich oder bleifarben, an verſchiedenen Stellen des Körpers zei⸗ gen ſich Brandbeulen, und es erfolgt der Tod. Der Cadaver geht ſehr ſchnell in Fäulniß über, das Blut iſt theerartig und ſchwarz, das Fleiſch iſt welk, und Lungen und Gedärme erſcheinen dunkelroth oder bran⸗ dig. Um die Krankheit, wenn ſie ſich unter dem Ge⸗ flügel zeigt, bei den noch nicht Ergriffenen zu verhü⸗ ten, ſoll beſonders der Gebrauch der Vogelbeeren ſehr nützlich ſein. Es werden Vogelbeeren(Ebereſchenbee⸗ ren) mit Waſſer gekocht, dann mit Sauerteig gemengt und dem Geflügel kalt vorgeworfen. Auch eine ſtarke Abkochung von Fichtenſproſſen oder Tannzapfen, mit Kochſalz verſetzt, ſoll ſehr gute Dienſte leiſten. Die Flüſſigkeit wird den Thieren lauwarm vorgeſetzt, und ſoll von ihnen gern genoſſen werden. Wenn Geflügel vom Blute oder den Abfällen milzbrandiger Thiere frißt, ſo krepirt es in kurzer Zeit am Milzbrande oder unter gleichen Erſcheinungen, als bei der Hühnerpeſt. 57. Sterzwurm Unter dieſer Benennung kommt in ſeltenen Fällen eine ganz eigenthümliche Krankheit an der Rübe des Schwanzes(Sterz) beim Rindvieh vor. Ohne daß das befallene Thier eine allgemeine, ſichtbare Krank⸗ heit verriethe, wird die Schwanzrübe an irgend einer Stelle von einer Entzündung befallen, welche ſehr raſch in bösartige Eiterung übergeht, durch welche ganze Stücke des Schwanzes abfallen können. Die äußere Haut an der kranken Stelle iſt meiſtens wenig verändert, und nur eine kleine Oeffnung findet ſich auf ihr, aus welcher eine ſtinkende Jauche ausſickert. Häufig werden auch die Schwanzwirbel ergriffen; ſie erweichen oder werden der Sitz eines Beinfraßes. Die Schwanzrübe iſt an der ergriffenen Stelle ſehr weich, und der Schwanz nach allen Richtungen ungewöhnlich beweglich. Mit dem Abfallen eines Theiles oder des ganzen Schwanzes erreicht die Krankheit gewöhnlich ihr Ende; nur in ſeltenen Fällen greifen die Geſchwüre, nach dem After ꝛc. zu, um ſich, wodurch dann, unter Hinzutritt eines fauligen Fiebers, ſogar der Tod er⸗ folgen kann. Ueber die Urſachen iſt durchaus nichts bekannt; des Rindviehes. brandes zu beſtehen, bei der ſich ein Karbunkel auf die Schwanzrübe wirft. Die Heilung iſt in der Regel nicht ſchwer; in den gelinderen Fällen, und wenn noch nicht die Knochen leiden, reicht es oft ſchon aus, wenn die kranke Stelle mit Seifenwaſſer gereinigt und täg⸗ lich einige Male mit recht ſtarkem Salzwaſſer ausge— waſchen wird. Sind ſchon Geſchwüre und Löcher in der Haut vorhanden, aus denen eine übelriechende Jauche fließt, ſo wäſcht man ſie täglich mehrmals mit einer Auflöſung von zwei Loth Chlorkalk in einem Quart Waſſer aus. Abends ſtreut man in die Wunden ein Gemiſch aus zwei Loth gepulverter Eichenrinde und einem Quentchen rothen Präcipitat. Im Falle das Uebel ſchon ſehr vorgeſchritten, die Geſchwulſt ſehr groß iſt, und die Knochen angefreſſen ſind, läßt ſich der Schwanz nur ſelten noch erhalten, man ſchlägt ihn dann lieber ab, indem man demſelben eine Unter⸗ lage von Holz giebt, und mit einem geeigneten Inſtru⸗ mente die Amputation verrichtet. Nach dieſer Ope⸗ ration, welche ganz gefahrlos iſt, wird die Wund— fläche, zur Stillung der Blutung, mit einem glühenden Eiſen gebrannt. zuweilen ſcheint die Krankheit in einer Form des Milz⸗ 230 58. Darrſucht der Fuͤllen. 58. Darrſucht der Füllen. Die Darrſucht oder Lähme befällt die Füllen faſt ausſchließlich nur in dem zarteſten Lebensalter, meiſt ſchon in den erſten Tagen oder Wochen nach der Ge— burt, ſelten ſpäter. Das erkrankte Füllen wird weniger munter, läßt Kopf und Ohren hängen, ſchleicht lang⸗ ſam und träge hinter der Mutter einher, ohne zu ſprin⸗ gen, mit andern Füllen zu ſpielen ꝛc. Das Saugen geſchieht nicht mit der ſonſt gewöhnlichen Haſt und Begierde, und wird ſeltener und eine kürzere Zeit hin⸗ durch ausgeübt; der Kranke iſt weniger gut genährt, hat einen aufgezogenen Bauch, ſtruppiges, glanzloſes Haar; die Augen ſind glanzlos und matt und mit wäſſeriger Feuchtigkeit bedeckt. Die erſten Hauptzeichen der Krankheit, welche ſich zu den angeführten Sympto⸗ men geſellen, ſind die der Entzündung eines oder meh⸗ rerer Gelenke, oder eine Entzündung des Darmkanals; mitunter ſind beiderlei Entzündungen zugleich vor⸗ handen. Sind die Gedärme ergriffen, ſo zeigen alle ſicht⸗ baren Schleimhäute eine vermehrte Röthe und Wärme, und aus der Naſe fließt ein klarer Schleim; es iſt ein heftiges Fieber vorhanden, und das Herz klopftſehr ſtark. Das Athemholen iſt vermehrt und wird mit ſichtba⸗ rer Bewegung der Flanken ausgeübt; Huſten wird nur ſelten beobachtet, das Füllen liegt viel. Die Zeichen einer fieberhaften, allgemeinen Krankheit dauern ge⸗ wöhnlich nur drei bis vier Tage, und werden dann nach und nach etwas gelinder; der Puls wird faſt wieder natürlich, das Athmen geſchieht weniger oft und weniger angeſtrengt, und es findet ſich wieder etwas Appetit ein. Alle dieſe Zeichen von Beſſerung ſind jedoch in der Regel trügeriſch und nur ſcheinbar, denn Magerkeit und Kraftloſigkeit, Einfallen der Flan⸗ ken und Aufgezogenſein des Bauches, Traurigkeit ꝛc. nehmen immer mehr zu, nach etwa acht bis zehn Ta⸗ gen tritt ein ſtinkender Durchfall ein, und es erfolgt der Tod. Andere Male entſteht neben den vorhin angegebe⸗ nen Erſcheinungen, oder auch für ſich allein und ohne dieſelben, am dritten bis fünften Tage nach der Ge⸗ burt ein Hinken auf einem, ſeltener gleichzeitig auf mehreren Schenkeln. Das Füllen zeigt eine Schwer⸗ beweglichkeit und einen ſteifen, geſpannten Gang, wobei der Sitz der Lahmheit nicht immer leicht zu ent⸗ decken iſt. Erſt zwei bis drei Tage ſpäter erſcheint an irgend einem Gelenke einer Extremität eine heiße, beim Drucke ſehr ſchmerzhafte und oft ſehr umfangreiche Entzündungsgeſchwulſt. Es giebt kein Gelenk, wel⸗ ches nicht der Sitz dieſer Entzündung werden könnte; von den größeren Gelenken leidet gewöhnlich nur eins, dagegen werden von den kleinen Gelenken oft mehrere zugleich befallen. Iſt ein Gelenk entzündet, ſo kann das Füllen mit dem kranken Schenkel entweder gar nicht auftreten, oder es geht mit demſelben mehr oder weniger lahm. Das Thier liegt dann fortwährend, mit ſchnellem, ſtöhnendem und angeſtrengtem Athmen, es hat Fieber ꝛc. Durch zweckmäßige Behandlung, oder auch wohl von ſelbſt, verſchwindet die Gelenkent⸗ zündung in der Regel mehr oder weniger vollſtändig; der Gang wird wieder beſſer oder auch ganz ſchmerzfrei, und alle übrigen Krankheitszeichen vermindern ſich. Früher oder ſpäter jedoch kehrt eine neue Gelenkent⸗ zündung zurück, entweder an einem anderen oder an dem früher befallen geweſenen Gelenke. Während dieſes Wechſelſpiel von Heilung und neuer Erkrankung verſchiedener Gelenke längere oder kürzere Zeit fort⸗ dauert, magert das Füllen immer mehr ab, es wird auf das Aeußerſte erſchöpft, es treten Durchfälle ꝛc. ein, und der Tod macht dem Leben ein Ende. Waren die örtlichen und allgemeinen Zufälle nicht ſehr heftig, ſo beſſert ſich das Füllen zuweilen, obgleich es in der Regel dennoch in ein oder zwei Jahren zu Grunde zu gehen pflegt. Ein ſolcher Reconvalescent bleibt gewöhnlich mager und kraftlos, ſelbſt wenn guter Appetit vorhanden iſt; der Bauch bleibt dünn und aufgeſchürzt, das Haar iſt ſtruppig und glanzlos, die Abhärung erfolgt ſpät und unvollſtändig, der Rücken iſt gekrümmt ꝛc. Ganz charakteriſtiſch iſt bei ſolchen Kränklern der häufige Eintritt von Kolikzufäl⸗ len, welche ſich von andern Koliken ziemlich beſtimmt unterſcheiden. Die Kolikanfälle wiederholen ſich näm⸗ lich überaus oft, ſie ſind faſt immer mit Durchfall verbunden, welcher ohne ſichtbare äußere Urſachen ein⸗ tritt; die Anfälle dauern lange Zeit, gewöhnlich meh⸗ rere Tage, und werden durch Zwiſchenzeiten unterbro⸗ chen, in denen das Thier ganz ſchmerzfrei iſt, bei Ap⸗ 58. Darrſucht der Fuͤllen. 231 petit ꝛc. Endlich jedoch, wenn auch manchmal erſt nach zwei bis drei Jahren, pflegt der Kranke einem ſolchen Kolikanfalle zu erliegen. Die Leichenöffnung liefert, je nach dem Alter des Thieres, nach der Dauer und dem verſchiedenen Sitze der Krankheit verſchiedene Ergebniſſe. In der Umge⸗ bung der krank geweſenen Gelenke findet ſich unter der äußeren Haut eine ſulzige Maſſe von gelblicher Farbe; die Gelenkbänder erſcheinen verdickt, hart, knorpelig und mit ihrer Unterlagung und Umgebung mehr oder weniger verwachſen, roth oder mit rothen Tupfen ver⸗ ſehen; in der Gelenkhoͤhle findet ſich viel von einer gelblichen, meiſt klaren, ſelten trüben und eiterartigen Flüſſigkeit oder Gelenkſchmiere. Die Gelenkenden der Knochen ſind zuweilen geſund, zuweilen aber auch ihres knorpeligen Ueberzuges ſtellenweiſe oder allgemein beraubt, ſo daß die rauhe Knochenmaſſe frei liegt. Bei älteren, mehrjährigen Füllen ſind die Gelenke ge⸗ wöhnlich geſund. Allemal finden ſich die in dem Ge— kröſe befindlichen Drüſen krankhaft verändert. Krepirt das Füllen wenige Tage nach der Geburt, ſo erſcheinen die Gekrösdrüſen von der Größe der Haſelnüſſe bis zu der eines Hühnereies; ſie ſtellen ein röthliches, ſulzi⸗ ges Gewebe dar, welches ſich leicht mit den Fingern zerdrücken läßt. Wird das Füllen vier bis ſechs Wo⸗ chen alt, ſo erreichen oft einige unter den Gekrösdrü⸗ ſen die Größe eines Gänſeeies; ſie ſind dann ſehr hart, und enthalten als Kern dicken Eiter. Die Ge⸗ därme erſcheinen an verſchiedenen Stellen dunkel, ſchwarzblau oder aſchgrau; ihre Höhle enthält harten oder flüſſigen Koth. War eine Lungenentzündung mit der Darrſucht verbunden, ſo ſind die Lungen ſehr dunkel, vergrößert und mit ſchwarzem Blute angefüllt. Bei mehrjährigen, an der Darrſucht krepirten Fül⸗ len findet ſich gewöhnlich nur Eine der Gekrösdrüſen verändert; ſie kann die Größe eines Straußeneies bis Menſchenkopfs erreichen. Die Wandungen dieſer Geſchwulſt ſind ſehr dick, hart, faſt knorpelig, und in ihrem Innern iſt eine eiterartige, blutige oder jauchige Flüſſigkeit enthalten. Oft iſt dieſe angeſchwollene Gekrösdrüſe an irgend einer Stelle geborſten, und ihr Inhalt in die Bauchhöhle oder auch wohl in die Ge— därme ergoſſen; die Gedärme, das Netz ꝛc. finden ſich von dunkler, faſt ſchwarzrother Farbe. Ueber die Urſachen der Darrſucht iſt man noch nicht im Reinen. Da die Beobachtung lehrt, daß manchmal die Füllen ſchon wenige Stunden nach der Geburt von der Gelenkentzündung befallen werden, und daß ſich ſelbſt bei todtgebornen Füllen die krank⸗ haften Veränderungen in den Gekrösdrüſen finden, ſo liegt es zu Tage, daß die Krankheit eine angeborene iſt, bei der das Füllen ſchon im Mutterleibe krank war, und demnach die Krankheit mit zur Welt bringt. Vor⸗ züglich rührt die krankhafte Diſpoſition von der Stute her, ungleich ſeltener vom Hengſte. Stuten, welche ſich während der Trächtigkeit in einem kränklichen, ſchlecht genährten Zuſtande befinden, welche häufig verwerfen, oder ſchon früher darrſüchtige Füllen gebo⸗ ren haben, und ſolche, welche öfters güſt(gelte) blei— ben, deren Euter nur wenig entwickelt iſt, die eine unzureichende Milch haben ꝛc. ſind beſonders zur Ge⸗ bärung darrſüchtiger Füllen diſponirt. Zu den Schäd⸗ lichkeiten, welche bei der Stute dieſe Diſpotion beſon⸗ ders herbeiführen, gehören vorzugsweiſe kärgliches, ver⸗ dorbenes Futter, ſchneller Umſprung von ſehr verſchie⸗ denen Fütterungsweiſen, und Alles, was eine ſchlechte Ernährung und Blutbereitung zur Folge hat. Auch die Einwirkung eines rauhen Klimas, der Näſſe und Kälte, erſchöpfende Anſtrengungen ꝛc. gehören hierher. Iſt das Füllen, wie dieſes die Regel iſt, durch die Mutter zur Darrſucht diſponirt, ſo ſcheint es kaum noch beſonderer Schädlichkeiten für das Füllen ſelbſt zu bedürfen, um die Krankheit entſtehen zu ſehen, denn dieſelbe bricht oft genug bei Füllen aus, welche in jeder Hinſicht paſſend gehalten und gepflegt wurden. Dennoch iſt es wahrſcheinlich, daß der Einfluß von Kälte, Näſſe, ſchlechter und unzulänglicher Mutter⸗ milch ꝛc. das Füllen leichter und heftiger an der Darr⸗ ſucht erkranken macht, als wo dieſe Einflüſſe nicht vorhanden waren. In der Regel wird die Darrſucht, wenn ſie ſich mit unzweideutigen Zeichen entwickelt hat, tödtlich; meiſtens ſchon in den erſten Lebenswochen, zuweilen erſt nach mehreren Jahren. Die Behandlung iſt in den meiſten Fällen erfolglos, doch iſt dabei weſentlich nachſtehendes Verfahren zu beobachten. Das Füllen wird in einem zugfreien, warmen und trockenen Lokale gehalten, und, wenn Zeichen von Darmentzündung vorhanden ſind, mit einer wollenen Decke umhüllt. Bei einfachen, fieberhaften Durchfällen giebt man täg⸗ lich zwei Mal einen Theelöffel voll einer Miſchung aus Kreide und Rhabarber, von jedem ein Loth, Opium ein halbes Quentchen, mit der Muttermilch und ſo lange ein, bis der Durchfall aufhört. Iſt mit 132 59. Kaͤlberlaͤhme. dem vorhandenen Durchfalle große, allgemeine Schwäche und ein prellender Herzſchlag verbunden, ſo ſetzt man dem obigen Gemiſche ein halbes Quentchen Kampher zu. Sind, bei mangelndem Durchfalle und vorhan⸗ dener Verſtopfung, die Zeichen einer Darmentzündung vorhanden, ſo giebt man täglich zwei Mal einen ge⸗ häuften Theelöffel voll von: Bitterſalz zwei Loth, Sal⸗ peter ein halbes Loth, Genzianwurzel ein Loth, mit Milch oder einer ſchleimigen Flüſſigkeit, z. B. einer Abkochung von Althäwurzel oder Leinſamen. Der Bauch wird einige Male täglich mit einem Gemiſch aus Terpentinöl und Salmiakgeiſt, von jedem zwei Loth, Lein⸗ oder Rüböl fünf Loth, eingerieben. Bei aͤlteren Kranken kann man ſtatt der Einreibungen auch ein Fontanell unter den Bauch legen. Zur ſchnelleren Miſtentleerung werden öfters Klyſtire aus Salz und Waſſer applicirt. Bei vorhandener Anſchwellung und Entzündung der Gelenke iſt die Anwendung der Kälte von augenfälligem Nutzen; es wird der kranke Theil mit vielfach über einander gelegter Leinwand mäßig feſt umwickelt, und dieſe Bandage ſo oft wie möglich mit recht kaltem Waſſer befeuchtet, und damit ſo lange fortgefahren, bis Schmerzen und Entzündung ſich be⸗ trächtlich vermindert haben, was oft ſchon in wenigen, zuweilen jedoch erſt nach zehn bis vierzehn Tagen zu erfolgen pflegt. Auf die gewöhnlich zurückbleibende, ſchmerzloſe Geſchwulſt wird ſpäter eine ſcharfe Salbe, wie beim Stollſchwamm, eingerieben. Oft erfolgt die Zertheilung einer ſolchen Geſchwulſt auch mit der Zeit ganz von ſelbſt. Bei der Entzündung der Ge⸗ lenke am oberen Theile der Schenkel, wo ſie von dicken Muskellagen bedeckt ſind, paßt die Anwendung der Kälte weniger, und hier wird beſſer ſogleich die ſcharfe Salbe eingerieben. Sind der Durchfall oder auch die fieberhaften, ent⸗ zündlichen Zeichen mehr oder weniger gewichen, ſo giebt man ſtärkende Mittel; z. B. folgendes: Pfeffer⸗ münzkraut, Kalmuswurzel und Kamillen, von jedem drei Loth, werden mit einem Quart kochendem Waſſer übergoſſen, und von der erkalteten und durchgeſeiheten Flüſſigkeit erhält das Füllen täglich drei Mal, jedes Mal ein halbes oder ganzes Weinglas voll als Ein— guß. Vor Allen iſt darauf zu ſehen, daß die Kräfte des Thieres möglichſt gehoben werden; ältere Kranke erhalten feines Heu und geſchrotene Körner, ſchwache Saugfüllen werden recht oft zum Euter der Mutter emporgehoben. Da die Darrſucht unter ſehr zahlrei⸗ chen Verſchiedenheiten vorkommt, ſo läßt ſich nicht gut ein auf alle Fälle paſſendes Heilverfahren angeben; außerdem iſt daſſelbe ſtets ſehr mißlich, da das Füllen die Krankheit ſchon mit auf die Welt bringt, oder jedenfalls doch die entſchiedene Diſpoſition dazu. Um die Krankheit zu verhüten, wird es daher vorzüglich darauf ankommen, daß die Paarung der Aeltern mit Vorſicht und Umſicht geleitet und das Mutterthier einer paſſenden diätetiſchen und ſonſtigen Pflege unter⸗ worfen wird, welches jedoch vorzugsweiſe Sache des Pferdezüchters und Geſtütsmannes iſt, und deshalb hier nicht ausführlicher beſprochen werden kann. 59. Kälberlähme. Es iſt dieſes eine, der Darrſucht der Füllen ſehr verwandte Krankheit; auch hier erſcheint dieſelbe in der nächſten Zeit nach der Geburt. An irgend einem Gelenke, ſelten an mehreren zugleich, entſteht eine be⸗ trächtliche, ſehr heiße und ſchmerzhafte Geſchwulſt; das Thier geht ſehr lahm auf dem befallenen Beine, oder es liegt fortwährend. In faſt allen Fällen iſt das Thier zugleich dabei innerlich krank; es hört auf zu ſaugen, athmet vermehrt und mit Beſchwerde, iſt unluſtig und traurig, läßt Kopf und Ohren haͤngen, es hat ein bedeutendes Fieber mit prellendem Herz⸗ ſchlage ſtatt, aus der Naſe fließt eine ſchleimige Feuch⸗ tigkeit in Menge aus, es iſt ein ſtinkender Durchfall vorhanden, und unter den Zufällen großer Erſchöpfung erfolgt der Tod des überaus abgemagerten Thieres in kurzer Zeit, oft ſchon in wenigen Tagen, und ſelbſt noch früher. Bei der Oeffnung des Kadavers findet man faſt —— 60. Laͤmmerlaͤhme. genau dieſelben krankhaften Veränderungen als bei an der Darrſucht krepirten Füllen, und in Betreff der Ur⸗ ſachen hat ſo ziemlich daſſelbe ſtatt. Ungeſundes, dumpfiges oder auf ſonſtige Weiſe verdorbenes Futter der Kuh giebt dem Kalbe eine überwiegende Diſpo— ſition zu der Lähme, und dieſe ſelbſt entſteht dann oft durch die Einwirkung von Näſſe und Kälte, oft aber auch ohne auffallende Veranlaſſung. In der Regel iſt die Kälberlähme eine gefährliche Krankheit, denn ſie wird ſehr oft tödtlich, und wo dieſes nicht der Fall iſt, hat ſie doch in der Regel allerlei Nachkrankheiten zur Folge, welche dem Gedeihen des Thieres hinder⸗ lich ſind. Die Kur iſt im Allgemeinen nur wenig erfolgreich. Das kranke Kalb wird in einen reinen, warmen, trok⸗ kenen, mit reichlicher Streu verſehenen Stall gebracht; iſt, wie dieſes gewöhnlich iſt, Verſtopfung vorhanden, ſo erhält daſſelbe eine Abführung aus drei bis ſechs Loth Glauberſalz oder Bitterſalz in Waſſer aufgelöſt. Häufig wird den Kälbern die erſte Milch der Mutter 233 entzogen, weil man fürchtet, daß dieſe denſelben ſchäd⸗ lich ſei; dies iſt aber ein großer Irrthum, denn es iſt dieſelbe nicht nur nicht ſchädlich, ſondern ſogar heil⸗ ſam, und ſie hat namentlich die Wirkung, das in den Gedärmen enthaltene, ſogenannte Füllenpech abzutrei⸗ ben. Man laſſe deshalb das Kalb die erſte Milch ausſaugen, und wenn daſſelbe aus Schwäche oder Lahmheit nicht zu dem Euter der Mutter gelangen kann, ſo ſei man dazu behülflich. Iſt Leibesöffnung erfolgt, ſo gibt man mit Vortheil einige Male täglich zwanzig bis dreißig Tropfen Schwefelſäure mit etwas Fliederthee, und iſt große, allgemeine Schwäche vor⸗ handen, ſo ſetze man jedem Einguſſe dreißig bis vierzig Tropfen Kampherſpiritus zu. Die entzündeten Ge⸗ lenke werden mit ſcharfer Salbe eingerieben, und zwar ganz auf dieſelbe Weiſe, wie es bei der Darrſucht der Füllen vorgeſchrieben iſt. Iſt das Futter, welches das Mutterthier erhält, nicht durchaus unverdächtig, ſo ändere man daſſelbe um, und gebe für die erſte Zeit dem Kalbe die Milch einer anderen Kuh. 60. Lämmerlähme. Sie iſt mit den beiden vorher beſchriebenen Krank⸗ heiten nahe verwandt oder vielmehr identiſch, und ent⸗ ſteht faſt ausſchließlich nur in den erſten Lebenswo⸗ chen, gewöhnlich in den erſten acht bis vierzehn Tagen, nur ſehr ſelten nach vier bis ſechs Wochen. Vorzugs⸗ weiſe werden die feinen, veredelten Lämmer von der Lähme befallen, gemeine Landſe chafe ſelten. Die Krank⸗ heit tritt in der Regel ſeuchenhaft auf, und rafft dann häufig einen großen Theil der Zuzucht hinweg, oft ſelbſt funfzig bis achtzig Procent des ganzen Lämmer⸗ haufens. Die Zufälle beim Eintritte der Krankheit ſind nicht immer dieſelben; gewöhnlich zeigt ſich als erſtes, auf⸗ fallendes Symptom eine Steifheit eines oder mehrerer Füße; der Gang des Lammes iſt geſpannt, erſchwert und ſteif. Daſſelbe ſteht mit gekrümmtem Rücken und unter den Leib zuſammengeſchobenen Füßen, und bei der Bewegung geht daſſelbe mit gekrümmten Knieen, rutſcht auf denſelben ꝛc. Von den zuerſt ergriffenen Wagenfeld, Encyel.. Theilen erſtreckt ſich die Steifigkeit der Muskeln mei⸗ ſtens über andere, oft über faſt alle Theile des Kör⸗ pers; ſo wird namentlich der Hals häufig nach dieſer oder jener Richtung, wie durch Krampf hinübergezogen. Während dieſer Zeit, und ſchon kurze Zeit Lor Eintritt der Steifigkeit, zeigt ſich das Thier im Allgemeinen mehr oder weniger krank; es iſt matt und traurig, geht nur ungern von ſeiner Stelle, läßt Kopf und Ohren hängen ze. Es iſt gänzliche Verſtopfung vorhanden, oder es geht doch nur ein ſehr harter Koth mit Be⸗ ſchwerde und ſelten ab, mitunter ſtellt ſich auch wohl dazwiſchen ein Durchfall ein. Sehr raſch erfolgt allgemeine Abmagerung, und der Bauch erſcheint über⸗ aus dünn und aufgeſchürzt. Im weiteren Verlaufe der Krankheit nehmen Stei⸗ figkeit und Schwäche immer mehr zu, das Lamm kann, der allgemeinen Steifigkeit wegen, nicht mehr zum Euter der Mutter gelangen, es liegt viel und faſt regungslos; aufgehoben ſinkt es aſchäift wieder zu 234 Boden. Gleich in den erſten Tagen der Krankheit entſtehen ſehr oft an verſchiedenen Gelenken Geſ chwülſte, welche weich, entzündet und ſehr ſchmerzhaft ſind; das Lamm geht dann auf dem befallenen Beine ſehr lahm, oder es kann mit demſelben gar nicht auftreten. Die Größe dieſer Geſchwülſte iſt verſchieden; oft be— trägt ſie die einer Wallnuß, oft iſt ſie auch kleiner. Die Dauer der Lämmerlähme beträgt meiſtens acht bis zwölf Tage, mitunter erfolgt der Tod aber auch ſchon in den erſten drei bis vier Tagen. Erfolgt, wie dieſes gewöhnlich iſt, der Tod, ſo erreichen Schwäche und Hinfälligkeit den höchſten Grad, es tritt ein ſtin⸗ kender Durchfall ein ꝛc. Geht die Krankheit in Gene⸗ ſung über, ſo erfolgt dieſe langſam, und ſelten früher als in mehreren Wochen. Bei der Section des Cadavers findet man faſt die⸗ ſelben krankhaften Veränderungen als bei der Darr⸗ ſucht des Füllen; Magen und Gedärme finden ſich mehr oder weniger entzündet; die geſchwollenen Ge⸗ lenke enthalten in Menge eine klare, blutige oder eiter⸗ artige Gelenkſchmiere, und die Gelenkbänder, ſeltener die Gelenkenden der Knochen, ſind entzündet. Außer⸗ dem finden ſich manchmal noch gelbe, ſulzige Ergie⸗ ßungen unter der Haut an verſchiedenen Körperſtellen, Ergießung von Waſſer, in Bruſt- und Bauchhöhle, welches von den zahlreichen Complikationen mit denen die Lähme auftreten kann, abhängig iſt. Ueber die eigentliche Natur der Lämmerlähme iſt man bis jetzt keineswegs im Reinen, doch ſcheint ſie weſentlich wohl in einer entzündlichen Affektion des Darmkanals, mit Hinzutritt von äußerem Rheumatis⸗ mus zu beſtehen. Die Urſachen der Krankheit ſind zahlreich, obgleich großen Theils noch nicht mit Si— cherheit ermittelt worden; unter ihnen ſind beſonders nachſtehende anzuführen. Ohne allen Zweifel bringen die Lämmer, wo nicht die ausgebildete Lähme, ſo doch die entſchiedene Dispoſition dazu, mit auf die Welt, und es muß daher bei der Erklärung der Urſachen auf das Mutterthier zurückgegangen werden. Hier lehrt nun die Erfahrung, daß auf irgend eine Weiſe ver⸗ dorbenes, bei den trächtigen Müttern verfüttertes, Futter meiſtens ſo nachtheilig auf die Frucht einwirkt, daß dieſelbe kurze Zeit nach der Geburt in die Lähme verfällt. Aber nicht blos verdorbenes Futter allein iſt zu beſchuldigen, ſondern auch ein jäher Wechſel mit verſchiedenem Futter während und kurze Zeit vor und nach dem Lammen iſt beſonders nachtheilig, vor⸗ 60. Laͤmmerlaͤhme. züglich ein zu reichliches Füttern gleich nach dem Lam⸗ men, wenn etwa das Futter kurz zuvor knapp und mager geweſen war. Werden die Mütter in dem letz⸗ ten Monate der Trächtigkeit ſehr reichlich mit Kleeheu, beſonders wenn es ſchimmlich geworden, oder mit Kartoffeln, vielen Körnern und Schrottränken ernährt, ſo verfallen die Lämmer bald nach der Geburt ſehr oft in die Lähme; ſchimmliches Rauchfutter aller Art, ſchimmliche Oelkuchen, gefaulte Rüben und Kartof⸗ feln ꝛc. haben denſelben nachtheiligen Erfolg; eben ſo fauliges oder irgend wie verdorbenes Tränkwaſſer. Die nachtheilige Wirkung verdorbener Futterſtoffe, in Be⸗ zug auf die Erzeugung der Lämmerlähme, iſt nicht nur durch zufällige, zahlreiche Erfahrungen, ſondern durch direkte, eben ſo intereſſante als in ihren Erfolgen ſchla⸗ gend beweiſende Verſuche über allen Zweifel erhoben. Daß die Qualität der Muttermilch ganz vorzuͤglich bei der Erzeugung der Lämmerlähme in Betracht komme, beweiſen die Beobachtungen, nach welchen geſunde Lämmer, welche an das Euter eines ſäugenden Scha⸗ fes, deſſen Lamm an der Lähme krepirt war, gelegt wurden, meiſtens ebenfalls in die Lähme verfielen. Aber nicht allein ſchlechte oder ſonſt unpaſſende Füt⸗ terung der Mutter geben der Milch eine üble Qualität, ſondern auch innere allgemeine Krankheiten des Mut⸗ terſchafes, ſo namentlich die Fäule und die Egel⸗ krankheit. Bei den Lämmern ſelbſt iſt die Erkältung die ge⸗ wöhnlichſte Urſache der Lähme, und dieſe tritt um ſo ſicherer ein, wenn die angeborene, eben angegebene Diſpoſition zu der Krankheit vorhanden iſt. Ob in⸗ deſſen nothwendig eine Erkältung ſtatt gehabt haben müſſe, und ob die Lähme ohne deren Zutritt nicht ent⸗ ſtehen könne, iſt nicht mit Beſtimmtheit auszuſagen, eben ſo wenig läßt ſich ſicher angeben, ob die Lähme, unabhängig von Diſpoſition und allen anderen Um⸗ ſtänden, ausſchließlich durch Erkältung entſtehen könne. Wahrſcheinlich läßt ſich Beides mit Grund bejahen. Am meiſten erſcheint die Lähme in den naßkalten Ta⸗ gen der Monate März und April, ſo wie überhaupt bei ſtürmiſchem und rauhen Wetter, beſonders wenn die Schafe in ſehr warmen, engenund dunſtigen Stäl⸗ len gehalten werden, und dann tritt ſie vorzugsweiſe bei ſchwachen, dünnbewollten und in der Entwickelung zurückgebliebenen Lämmern auf; vorzugsweiſe wohl deshalb, weil dieſe für Erkältungen am empfindlich⸗ ſten ſind. 60. Laͤmmerlaͤhme. Die Lämmerlähme iſt nicht anſteckend, wie dieſes auch wohl kaum jemals behauptet, außerdem auch durch Verſuche dargethan iſt. Iſt die Lähme unter einer Schafheerde ausgebro⸗ chen, ſo muß vor Allen zuerſt dahin getrachtet werden, daß die etwa noch fortwirkenden ſchädlichen Einflüſſe beſeitigt werden, und dies iſt um ſo dringender nöthig, da die Kur der bereits ausgebrochenen Krankheit mei⸗ ſtens ſehr mißlich iſt. Es erſcheint unerläßlich, daß die Fütterung der Mutterſchafe eine durchaus paſſende ſeiz im Winter gutes, unverdorbenes Heu, Rüben mit Sommerſtroh und Heu abwechſelnd ſind angemeſſen; auch die Saatweide iſt nicht unpaſſend. Alles verdor⸗ bene Rauchfutter, gefaulte Rüben oder Kartoffeln, ſchlechtes Tränkwaſſer müſſen vermieden werden; aber auch Schrottränke oder in Waſſer aufgeweichte Oel⸗ kuchen ſind in der Regel unzweckmäßig. Im Sommer räumt man den Schafen die beſte Weide ein. Nie dürfen die Lämmer zu lange Zeit hindurch von den Müttern entfernt werden, damit ſie nicht zu ſehr aus⸗ hungern und dann mit zu großer Haſt ſaugen und ſich den Magen überladen; ſeltener als alle drei bis fünf Stunden darf das Saugen nicht erfolgen. Der Stall darf weder zugig noch zu warm ſein;+ 8 bis 100 R. iſt die beſte Temperatur deſſelben. In nicht ſeltenen Fällen wird durch die Beobachtung der angegebenen Vorſchriften die in der Heerde ausgebrochene Lämmer⸗ lähme vermindert und ſogar gänzlich zum Verſchwin⸗ den gebracht; mit der Beſeitigung der Urſachen hört auch die Lähme auf, und ſelbſt die ſchon ergriffenen Lämmer geneſen dann öfters und ſelbſt ohne alle wei⸗ tere ärztliche Hülfe. Alle Lämmer, welche nicht kurze Zeit nach der Geburt einen flüſſigen, gelben Miſt abſetzen, welches an der Beſudelung der unteren Fläche des Schwanzes und der Wolle um den After herum zu erkennen iſt, ſind der Gefahr ausgeſetzt, von der Lähme befallen zu werden, und dies um ſo mehr, wenn ſchon einige Fälle der Krankheit in der Heerde ſich zeigen. Es muß dann dieſe gefährliche Verſtopfung dadurch beſei⸗ tigt werden, daß man jedem Lamme einen kleinen Theelöffel voll Glauberſalz, in Waſſer aufgelöſt, ein⸗ gießt und erforderlichen Falls dieſen Einguß ſo lange wiederholt, bis ein dünnes Miſten eintritt. Dieſes einfache Verfahren reicht gewöhnlich allein ſchon aus, um der Krankheit vorzubeugen, vorausgeſetzt, daß die übrigen diätetiſchen Vorſchriften befolgt werden. Das 235 wirklich ſchon erkrankte Lamm erhält, im Falle Verſtopf⸗ ung vorhanden iſt, ebenfalls eine ſolche Laxanz, und be⸗ darf zur Heilung oft weiter nichts; dies bezieht ſich je— doch nur auf die gutartigeren Fälle; in den meiſten an— deren laſſen ſie im Stiche. Man hat eine überaus große Anzahl und die verſchiedenartigſten Mittel zur Heilung der Lämmerlähme in Vorſchlag gebracht z da ihre Auf⸗ zählung jedoch hier zu weit führen, außerdem auch ohne praktiſchen Nutzen ſein würde, ſo ſollen hier nur jene Verfahrensweiſen angegeben werden, welche die beſte Autorität für ſich haben. Im Anfange der Krankheit und wenn ſie einen mehr gutartigen Charakter hatte, nützte folgendes Mittel ganz entſchieden: fünf Theile gepulverter Spießglanz wurden mit einem Theile Butter gemiſcht, und hiervon erhielt das kranke Lamm täglich drei Mal, jedes Mal wie eine Haſelnuß groß. Ferner: ein drit⸗ tel Quentchen Brechweinſtein, zwei Loth Salmiak und vier Loth Glauberſalz werden in einem Quart Flieder⸗ thee aufgelöſt, von welcher Arznei täglich vier Mal ein Theelöffel voll gegeben wird. Nebenher werden noch öfters Klyſtire aus Oel, Seife und Waſſer ge⸗ ſetzt und äußerlich an den kranken Theilen reizende Einreibungen gemacht. Auch eine Meſſerſpitze voll Magneſia, täglich zwei Mal, und mit etwas Kamil⸗ lenthee gegeben, iſt zuweilen heilſam, beſonders dann, wenn ſchon Miſtentleerung eingetreten iſt; ſetzt man der Magneſia eben ſo viel Rhabarberpulver zu, ſo iſt das Mittel noch wirkſamer. Iſt die Krankheit ſchon vorgerückt, oder von vorn herein ſehr bösartig, ſo richten Arzneimittel in der Regel nur wenig aus; dennoch leiſten folgende zuwei⸗ len noch einige Dienſte. Es werden vier Quentchen Brechnuß⸗Extract in zwei Pfund Waſſer aufgelöſt, und hiervon erhält das Lamm täglich drei Mal einen Thee⸗ löffel voll; iſt neben der Steifigkeit des Körpers gleich⸗ zeitig eine große Schwäche und Hinfälligkeit vorhan⸗ den, ſo giebt man dreiſtündlich, abwechſelnd mit der Brechnuß, folgende Verbindung: zwei Quentchen Kampher werden mit einem Eigelb abgerieben und dann mit einem Thee aus Kamillenblumen oder Pfef⸗ fermünzkraut, oder auch Kalmuswunrzeln durch Um— ſchütteln gemiſcht. Gegen die Steifigkeit des Körpers und die an ver⸗ ſchiedenen Theilen befindlichen Geſchwülſte hat man ſehr zahlreiche Mittel in Vorſchlag gebracht; man zieht an die kranken Schenkel ein vder niechdert Eiter⸗ 236 61. bänder unter die Haut, welche aus einem dicken Woll⸗ faden beſtehen, etwa einen Zoll lang und mit Terpen⸗ tinöl getränkt ſein müſſen. Statt deſſen kann man die ergriffenen Theile auch mit Terpentinöl und Sal⸗ miakgeiſt befeuchten, oder zwei Mal mit einer ſcharfen Salbe einreiben; auch die Anwendung des Glüheiſens i*ſt zweckdienlich. Das Oeffnen der Gelenkgeſchwülſte iſt zu widerrathen, denn meiſtens geht dadurch das Gelenk in bösartige Eiterung und Knochenfraß über. Um eine allgemeine, heilſame Wirkung nicht nur auf die ſteifen Theile, ſondern auch auf die ganze Krank⸗ heit hervorzubringen, bedient man ſich in vielen Fäl⸗ len mit Nutzen der allgemeinen kalten Bäder. Man läßt in einem kalten Bade von nur † 60 R., welchem ſehr ſtarker Kamillenthee und etwas Salz und Aſche zugeſetzt ſind, das Lamm, unter ſtarkem Reiben ſeines Gehirnentzuͤndung. Körpers, eine halbe Stunde lang verweilen, trocknet daſſelbe dann ab, umhüllt es mit wollenen Tüchern, und läßt daſſelbe ſo ſechs Stunden an dem wärmſten Orte des Stalles liegen. Es tritt durch dieſe Procedur eine ſehr vermehrte Hautthätigkeit ein, welche ſehr oft die Heilung zur Folge hat. Kehren die Kräfte des Lammes nach und nach zu⸗ rück, iſt daſſelbe munter und bei Appetite, ſo darf man der Heilung ziemlich verſichert ſein; es kommt dann nur beſonders darauf an, daß die Lämmer recht oft an das Euter der Mutter kommen, warm gehalten und ſonſt zweckmäßig gewartet werden. Die Steifigkeit, welche oft noch Wochen und Monate zurückbleibt, verliert ſich nach und nach von ſelbſt, und auch die verkrümmten und geſchwollenen Gelenke erlangen mit der Zeit ihre natürliche Richtung und Struktur wieder. 61. Gehirnentzündung. Es gehört die Gebirnentzündung zu den ſelteneren Krankheiten der Hausthiere; am häufigſten erſcheint ſie noch beim Pferde. a) Gehirnentzündung beim Pferde. Manchmal beginnt die Krankheit mit einem plötzlich ſich zeigenden Anfall von Raſerei und Tobſucht, zu⸗ weilen gehen indeſſen dem entſchiedenen Ausbruche der Krankheit mancherlei krankhafte Zufälle voraus. Das früher vielleicht lebhafte und muntere Pferd wird träge und traurig, es frißt langſamer als ſonſt, iſt ſchwer⸗ fällig und unluſtig in ſeinen Bewegungen, und ſcheint, ähnlich als beim Koller, nicht den gewöhnlichen Grad von Bewußtſein zu haben. Andere Male findet An⸗ fangs ein entgegengeſetzter Zuſtand ſtatt; das Thier iſt ungewöhnlich, und durch die geringfügigſten äuße⸗ ren Einflüſſe erregbar, es zeigt eine ſonſt nicht ge— wohnte Widerſpenſtigkeit, oder es geht mit Wagen und Reiter durch, iſt ſehr ſchreckhaft, hat einen wilden Blick, iſt ſehr unruhig ꝛc. Der wirkliche Ausbruch beginnt mit einem tob⸗ ſüchtigen Anfalle; in einem Zuſtande von völliger Bewußtloſigkeit und von Tobſucht giebt ſich das Pferd den gewaltſamſten Bewegungen hin; daſſelbe ſtampft oder hauet mit den Füßen, ſteigt in die Krippe oder Raufe, wirft ſich zur Erde, beißt in benachbarte Ge⸗ genſtände und zerbricht und zertrümmert Alles, was ſich in ſeiner Nähe befindet. Angebunden legtſich daſſelbe in die Halfter und zerreißt dabei in der Regel die ſtärkſten Stricke und ſelbſt Ketten. Im Zuſtande von Beſinnungsloſigkeit rennt das Pferd mit dem Kopfe gegen Wände und Mauern, wobei es ſich gewöhnlich an verſchiedenen Körpertheilen, beſonders an den Au⸗ genbogen, Verletzungen zuzieht. Bei der Bewegung drängt das Pferd ſtets vorwärts, bis es an irgend einen Gegenſtand anrennt und dadurch aufgehalten wird; der emporgehobene Kopf wird dann meiſt feſt an den widerſtrebenden Gegenſtand angeſtemmt, wobei oft die Naſenlöcher ſo verſchloſſen werden, daß das Athemholen nur mühſam und unter ſchnaufendem Geräuſche ſtattfindet; auch die Bruſt wird feſt gegen die Krippe, oder was ſonſt im Wege iſt, angeſtemmt, und alle Füße werden dicht unter dem Leibe vereint zuſammengeſtellt. Während des tobſüchtigen Anfalles athmet das Thier ſehr ſchnell, laut hörbar und mit weit aufgeriſſenen Naſenlöͤchern. Die Augen ſind glotzend hervorgedrängt, glänzend, roth und von wil⸗ 61. Gehirnentzuͤndung. 237 dem Blicke; das ganze Anſehen des Pferdes hat etwas Wildes und Verwegenes. Erfolgt der Anfall im Freien, ſo rennt der Kranke unaufhaltſam und gleichgültig gegen den Zügel ſo lange fort, bis er über irgend einen Gegenſtand ſtol⸗ pert oder durch ein unüberwindliches Hinderniß, z. B. eine Mauer, aufgehalten wird. Beim Gange werden die Füße hoch vom Boden gehoben, und ein Verſuch das Pferd mit Gewalt und plötzlich zum Stehen zu bringen, hat leicht ein Bäumen oder Ueberſchlagen deſſelben zur Folge. An einen Pfahl gebunden um⸗ kreiſet es denſelben unaufhörlich und wie maſchinen⸗ artig. Nachdem ein ſolcher Anfall, welcher nicht immer von gleicher Heftigkeit iſt, einige Zeit, von wenigen Minuten bis zu einer halben Stunde, gedauert hat, tritt ein Zuſtand von Abſpannung, Erſchöpfung und Ruhe einz bei der erſt jetzt ohne Gefahr auszuführenden, näheren Unterſuchung findet man folgende Symptome an dem Kranken. Die Stellung iſt unregelmäßig und ungeſchickt, die Füße ſind meiſtens unterm Bauche einander genähert, der Rumpf iſt nach vorwärts ge⸗ ſchoben und an die Krippe oder auch ſeitlich irgendwo angelehnt. Eben ſo wird der hoch gehaltene Kopf in die Krippe, in einen Winkel der Wand oder an einen andern Gegenſtand angelehnt, wobei gewöhnlich die Naſenlöcher zum Theil zugedrückt werden. Die Haut i*ſt allgemein, oder nur ſtellenweiſe mit Schweiß be— deckt; am Kopfe, beſonders an den Ohren, am Schä⸗ del und im Maule findet man die Wärme vermehrt, die Hautadern ſind mit Blut ſtrotzend angefüllt. Es iſt ein Fieber von achtzig bis hundert Pulſen vorhan⸗ den, alle ſichtbaren Schleimhäute ſind hochroth, und trocken. Das während des Anfalles vermehrte Ath⸗ men iſt jetzt faſt ganz normal: Appetit und Durſt ſind gänzlich verſchwunden, da der Kranke ohne Be⸗ ſinnung iſt. Aeußere Einwirkungen, z. B. Hiebe, Geräuſch ꝛc. empfindet der Kranke nicht. In dieſen ruhigen Zwiſchenzeiten ſtampft das Pferd zuweilen mit Heftigkeit auf den Boden, athmet ſchnarchend ꝛc. bis daß früher oder ſpäter ein neuer tobſüchtiger An⸗ fall eintritt. In einigen Fällen von Gehirnentzündung fehlen alle tobſüchtigen Zufälle; der Kranke ſteht regungslos und wie ſchlafend da, Kopf und Bruſt irgendwo gegen⸗ geſtützt, mit hängenden Ohren und zuweilen auch mit ſchlaff herabhängender Unterlippe. Seine Stellung iſt ungeſchickt, die Füße ſtehen ſehr unregelmäßig; der Gang iſt taumelnd, gerade aus oder ſeitlich drängend, wie bei einem trunkenen Menſchen. Die Füße werden dabei kaum vom Boden erhoben, und über die geringſte Erhabenheit ſtolpert das Pferd; umgefallen iſt es nur ſelten vermögend ſich wieder zu erheben; es rudert mit den Füßen und macht allerhand unregelmäßige und zweckloſe Bewegungen. Fieber, vermehrte Wärme, Mangel an Bewußtſein und Appetit ꝛc. ſind auch hier vorhanden. Allemal iſt die Gehirnentzündung nur von ſehr kurzer Dauer, oft wird ſie ſchon in achtzehn bis vier⸗ undzwanzig Stunden, zuweilen aber auch erſt nach mehreren Tagen tödtlich. Der Ausgang in den Tod i*ſt der häufigſte, mithin muß die Krankheit allemal als eine ſehr gefährliche betrachtet werden. Bei ſchneller, energiſcher und paſſender Kur gelingt die Heilung zu⸗ weilen, und in dieſem Falle tritt fie raſch ein. In nicht ſeltenen Fällen geht die Gehirnentzündung in Dummfkoller über oder in einige andere Krankheiten des Gehirns. Bei der Sektion des Cadavers finden ſich meiſtens keine ſehr auffallenden Veränderungen im Gehirne, indeſſen iſt daſſelbe allemal mehr wie ſonſt mit Blut erfüllt, auch in ſeiner Subſtanz etwas weicher, in den Gehirnkammern findet ſich gewöhnlich etwas klare, gelbliche Flüſſigkeit; die Adergeflechte ſtrotzen von Blut. Eine vorwaltende Anlage zur Gehirnentzündung findet ſich bei feiſten, edlen und feurigen Pferden, des⸗ halb beſonders bei Luxuspferden; aber auch gemeine und ſchlechte Pferde werden zuweilen, obgleich ſeltener, von der Krankheit befallen. Die gelegentlichen Urſa⸗ chen ſelbſt ſind ſehr zahlreich. Große Wärme, ſchwüle Gewitterluft, heiße, dunſtige Ställe, heiße Sonnen⸗ ſtrahlen, welche anhaltend auf den Kopf des Thieres einwirken, erzeugen die Krankheit am häufigſten. Auch anhaltende Ruhe, beſonders wenn ſie mit ſchneller und angeſtrengter Bewegung plötzlich wechſelt, große Fettleibigkeit durch ſehr maſtiges Futter, Erkältungen aller Art, ſchneller Uebergang von ſehr dürftigem zu ſehr nährendem Futter, oder von dem längeren Auf⸗ enthalte im Freien mit dem im Stalle gehören hierher; nicht minder Alles, welches den freien Blutumlauf im Kopfe mehr oder weniger hemmt. Hierher ſind zu rechnen: zu enge Kehlriemen und Kummete, zu kurze Aufſetzzügel, das zu ſtarke Heranbringen des Kopfes 238 61. Gehirnentzuͤndung. bei der Dreſſur, zumal wenn die Ganaſchen enge ge— bauet ſind; die Anwendung des Koppriemens und überhaupt Alles, was auf mechaniſche Weiſe den Rück⸗ fluß des Blutes vom Kopfe zu beeinträchtigen im Stande iſt Zu den mechaniſch wirkenden Schädlich⸗ keiten gehören Stöße, Schläge und Erſchütterungen, die den Schädel treffen, z. B. beim Ueberſchlagen des Pferdes. Außerdem giebt es auch noch manche ent⸗ ferntere Urſachen, z. B. die Milchverſetzung bei ſäu⸗ genden Stuten, die Druſe, der Zahnwechſel ꝛc. Ehe zur Behandlung der Krankheit ſelbſt geſchrit⸗ ten wird, muß zunächſt der Kranke für ſich und An⸗ dere unſchädlich gemacht werden. Man nahet ſich demſelben mit der gehörigen Vorſicht während einer ruhigen Periode der Krankheit, legt ihm eine ſehr ſtarke Halfter an, und bringt ihn an einen geräumi⸗ gen, kühlen und ſchattigen Ort, an welchem ſich nichts befindet, woran er ſich beſchädigen könnte. Eine Reitbahn, ein Schuppen, eine Dreſchdiele, eine um⸗ zäunte Koppel c. ſind die geeignetſten Orte, und hier wird das Pferd an zwei Pfählen, oder an zwei frei ſtehende Bäume etwas lang angebunden, und zwar ſo, daß der Strick nöthigen Falls leicht losgebunden werden kann. Es muß hierbei, je nach den Umſtän⸗ den, ein geſchicktes Wechſelſpiel zwiſchen entſchiedenem Zwange und völliger Freiheit eintreten, ſo daß dem Thiere für ſeine Kraftäußerungen noch ein gewiſſer Spielraum übrig bleibt.. Iſt die Gehirnentzündung nicht mit tobſüchtigen Anfällen verbunden, ſo kann das Pferd in ſeinem gewöhnlichen Raume bleiben, vorausgeſetzt, daß dieſer kühl und ſchattig iſt. Zunächſt wird nun unter allen Umſtänden ein großer Aderlaß gemacht, von zwölf bis achtzehn Pfund Blut, welcher ſelbſt, im Falle die Heftigkeit der Zufälle ſich nicht mindert, nach zwölf bis achtzehn Stunden in gleicher oder etwas geringerer Stärke wiederholt werden kann. Iſt der Aderlaß ausgeführt, ſo muß die Aderöffnung mit ganz beſonderer Sorgfalt verſchloſſen werden, weil ſonſt leicht die Ader aufgehen und eine tödtliche Nachblutung eintreten könnte. Manchmal iſt das Thier faſt unaufhörlich ſo unruhig, daß man ſich dem⸗ ſelben Behufs des Aderlaſſens nicht gut nähern kann; in ſolchen Fällen bringt man daſſelbe meiſtens dadurch für einige Zeit zur Ruhe, daß man ihm etwa acht bis zwölf Eimer voll recht kaltes Waſſer über den Kopf gießt. Innerlich giebt man eine Latwerge aus zwei Quentchen Brechweinſtein, drei Loth Salpeter und zwanzig bis vierundzwanzig Loth Doppelſalz, mit Mehl und Waſſer bereitet, im Laufe von vierundzwanzig Stunden ein, und wiederholt dieſelbe Portion, wenn zwölf bis achtzehn Stunden ſpäter keine merkbare Beſſerung ſich einſtellt. Da es wichtig iſt, daß die Miſtentleerung möglichſt oft und reichlich erfolge, ſo ſucht man dieſe durch häufige Anwendung von Klyſti⸗ ren zu befördern, jedoch iſt hierbei große Vorſicht nöthig, um ſich vor Beſchädigungen durch den Kran⸗ ken zu hüten. Eines der Hauptmittel bei der Gehirn⸗ entzündung ſtellt die örtliche Anwendung der Kälte dar; in einem leinenen Beutel wird Schnee oder zer⸗ klopftes Eis auf dem Schädel haltbar gemacht, und ſo oft erneuert, als es geſchmolzen iſt. Mangelt, wie dieſes in der Regel der Fall iſt, das Eis, ſo füllt man den Beutel mit Heede und befeuchtet ihn unausgeſetzt mit recht kaltem Waſſer. Auch häufige Sturzbäder auf den Kopf ſind von Nutzen. Wichtig iſt dabei, daß die kalten Umſchläge unausgeſetzt Tag und Nacht und mindeſtens ſechsunddreißig bis achtundvierzig Stunden hindurch, unterhalten werden. Außerdem iſt ein Fontanell vor die Bruſt geſetzt zu empfehlen. Er⸗ folgt bei dieſer Behandlung in den nächſten zwei bis drei Tagen nicht eine ſichtbare Beſſerung des Kranken, ſo iſt nur wenig Hoffnung vorhanden denſelben zu er⸗ halten; tritt Beſſerung ein, ſo iſt weiter nichts zu beobachten, als das Pferd noch längere Zeit kühl und völlig ruhig zu halten. b) Gehirnentzündung beim Rindoieh. Im Allgemeinen ſind die Zufälle denen beim Pferde gleich; das Thier verfällt, meiſtens ziemlich plötzlich, in Raſerei und Tobſucht, iſt ohne alle Beſinnung, brüllt häufig, zeigt große Unruhe, ſtößt mit dem Kopfe an Gegenſtände an, hat Verſtopfung, hervor⸗ gedrängte, glänzende und geröthete Augen, wilden Blick, heißes Maul ꝛc. Nachdem ein ſolcher Anfall einige Zeit gedauert hat, tritt Ruhe ein, und bei der Unterſuchung findet man dann ein Fieber von achtzig bis hundert Pulſen, heißes, trockenes Maul, heiße Hörner, Ohren und Stirn. Bei dem gärzlich verlo⸗ renen Bewußtſein frißt und ſäuft der Kranke gar nichts. Die Dauer der Krankheit iſt ſehr kurz; gewöhnlich folgt ſchon in ſechsunddreißig bis achtundvierzig Stun⸗ den der Tod, ſelten Geneſung, welche dann etwas ſpäter eintritt. Bei der Oeffnung des Cadavers findet man weſentlich dieſelben Veränderungen, als bei der⸗ ſelben Krankheit des Pferdes. — 61. Gehirnentzuͤndung. 239 Am gewöhnlichſten werden ſehr kräftige, gutge⸗ nährte und junge Stücke von der Gehirnentzündung befallen. Brüche der Hörner, plötzliche Erkältung nach vorhergegangener ſtarker Erhitzung erzeugen die Krankheit am häufigſten. Aber auch Ueberfütterung, die Einwirkung heißer Sonnenſtrahlen, großer Stall⸗ wärme ꝛc. ſind als verdächtig zu betrachten. Bei der Kur muß vor Allem das kranke Thier hinreichend befeſtigt werden; zu dem Ende wird ein ſtarker Strick um die Hörner geſchlungen, dieſer— wo möglich— durch ein in einer ſtarken Bretterwand be⸗ findliches Loch gezogen und von Menſchen feſtgehalten, aber nicht feſtgebunden, damit der Kopf mehr oder weniger freigelaſſen werden kann, wenn es erforderlich iſt; im entgegengeſetzten Falle könnte das Thier bei ſeiner Raſerei und beim etwanigen Niederſtürzen den Hals verdrehen und ſelbſt das Genick brechen. Nach⸗ dem man dem Kranken nöthigen Falls einige Eimer kaltes Waſſer über den Kopf gegoſſen hat, entzieht man demſelben zehn bis zwölf, ja unter Umſtänden bis achtzehn Pfund Blut; auf den Kopf wird Schnee, Eis oder eine mit kaltem Waſſer ſtets feucht zu erhal— tende Bandage befeſtigt. An den Seiten des Halſes kann man eine ſcharfe Einreibung, wie beim Dumm⸗ koller, machen. Innerlich giebt man dieſelben Mittel als bei der Gehirnentzündung des Pferdes, jedoch nicht als Latwerge, ſondern in Waſſer aufgelöſt und als Einguß; oder man nimmt drei Quentchen Brechwein⸗ ſtein, vier Loth Salpeter und dreiviertel bis ein Pfund Glauberſalz, löſet dieſes in der erforderlichen Menge Waſſer auf, und gießt es dem Kranken auf zwei Mal, von zwölf zu zwölf Stunden, ein. Während und noch einige Zeit nach der Kur wird das Thier ſo kühl wie möglich und an einem ſchattigen Orte ge⸗ halten. c) Gehirnentzündung beim Schafe. Bei der geringen Energie aller Körperverrichtungen leidet das Schaf, mit Ausnahme der Lämmer, nur ſelten an einer Gehirnentzündung; auch ſind die Zufälle der⸗ ſelben nicht ſo heftig, als bei den meiſten anderen Hausthieren. Das erkrankte Schaf frißt wenig oder gar nicht, ſteht traurig und mit geſenktem Kopfe; der Schädel, die ſchlaff herabhängenden Ohren und das Innere des Maules fühlen ſich vermehrt warm an, die Augen ſind weit geöffnet, glänzend, Puls und Athemholen ſind vermehrt, der Athem iſt wärmer als ſonſt. Alle ſichtbaren Schleimhäute ſind hochroth und trocken, der Gang des Kranken iſt unſicher, ſchwan⸗ kend, und leicht fällt derſelbe dabei zu Boden. Manch⸗ mal blöckt das Schaf öfters, aber ein tobendes, ſehr wildes Benehmen findet faſt niemals ſtatt. Der Tod iſt der gewöhnlichſte Ausgang der Krankheit, und es erfolgt dieſer in kurzer Zeit; außerdem geht dieſelbe ſehr leicht in die Drehkrankheit über; aber faſt nur bei Lämmern. Die Urſachen ſind faſt dieſelben als beim Schwindel. Um die Krankheit zu heben wird das Schaf an einem kühlen und ſchattigen Orte gehalten, und ſogleich zur Ader gelaſſen; man entzieht ein halbes bis ein Pfund Blut. Innerlich giebt man ein Quentchen Salpeter und ein Loth Glauberſalz in Waſſer aufge⸗ löſt, täglich vier bis fünf Mal ein, und ſetzt dieſes bis zum Eintritte der Beſſerung fort. Der Kopf wird möglichſt oft mit kaltem Waſſer begoſſen oder auf andere Weiſe mit Waſſer feucht und kühl erhalten. Erfolgt nach einigen Tagen Beſſerung, ſo kann man auf den Scheidel zwei kleine Eiterbänder ziehen, und dieſe zwei bis drei Wochen lang liegen laſſen, wodurch dem Ausgang in die Drehkrankheit möglichſt vorgebeugt wird. d) Gehirnentzündung beim Schweine. Das Schwein hat einen taumelnden Gang, ſenkt den Kopf zur Erde, rennt wie blind überall an, iſt ſehr unruhig, ſtampft und kratzt mit den Füßen, will an den Wänden emporſteigen, und zeigt andere ähnliche Erſcheinungen, bei völliger Beſinnungsloſigkeit. Gegen das Ende des Anfalles ſtürzt das Thier gewöhnlich zur Erde, zappelt dann mit den Füßen, hat allerhand Krämpfe, fletſcht die Zähne, kauet mit dem Maule, vor welches gewöhnlich ein ſchaumiger Geifer tritt. Die Augen ſind roth, glänzend und von wildem Blicke, alle ſichtbaren Schleimhäute ſind ſehr roth, Ohren, Schädel und Rüſſel ſind vermehrt warm. Das Herz klopft überaus oft, das Athemholen iſt, beſonders während des Anfalles, ſehr vermehrt, Miſt wird ſelten entleert, Appetit und Durſt ſind verſchwunden. Tritt eine Beſſerung ein, ſo liegt das Schwein zuletzt gänz⸗ lich ohne Gefühl und Beſinnung, zuckt zuweilen mit den Beinen, grunzt und ſtöhnt auch wohl, und krepirt in ſehr kurzer Zeit; gewöhnlich in den erſten vierund⸗ zwanzig bis achtundvierzig Stunden der Krankheit. Die Urſachen hat die Gehirnentzündung mit dem Schwindel gemein; die Krankheit iſt allemal höchſt lebensgefährlich. Um die Heilung wenigſtens zu ver⸗ 240 62. ſuchen, wird der Kranke an einem kühlen Orte auf reichliche und trockene Streu gebracht, und hier dem⸗ ſelben ſogleich ein recht großer Aderlaß gemacht. So⸗ dann begieße man den Kopf mit recht kaltem Waſſer, oder ſchlage um denſelben in kaltes Waſſer getauchte Lappen; innerlich giebt man alle zwei Stunden ein Viertel⸗Quentchen Salpeter und ein bis zwei Loth Glauberſalz, bis ein ſehr dünner Miſt abgeht. War die Krankheit vielleicht durch den Genuß giftiger oder betäubender Subſtanzen entſtanden, ſo giebt man zuvor ein Brechmittel aus weißer Nieswurzel, in der bekannten Gabe. Beſſert ſich das Thier, ohne jedoch gründlich geheilt zu ſein, ſo kann man an den beiden Seiten des Halſes ſcharfe Einreibungen machen oder Eiterbänder ziehen, welche dann zwei bis drei Wochen liegen bleiben müſſen. e) Gehirnentzündung beim Hunde. Sie kommt nur ſehr ſelten vor, und entſteht am leichteſten durch zu feſtes Umlegen des Halsbandes oder durch das Liegen unter einem heißen Ofen. Der befallene Hund iſt traurig, frißt und ſäuft nicht, iſt betäubt, läßt den Kopf hängen, hat rothe Augen, heißes Maul und heiße Naſe, und zeigt Neigung zum Erbrechen. Manche Hunde heulen oder winſeln dabei ſehr viel, andere ſind unruhig, laufen mit ſchwankendem Gange, Drehkrankheit der Schafe. und werfen den Kopf beſtändig von der einen Seite zur andern. Kurz darauf verfällt der Hund in einen Zuſtand von Raſerei, er beißt in verſchiedene Gegen⸗ ſtände, hat ein wildes Anſehen, fällt zuletzt in Krämpfe und Zuckungen— und krepirt. Die Urſachen, im Falle ſie nicht in äͤußeren mechaniſchen Einwirkungen beſte⸗ hen, ſind nur wenig bekannt; der Tod iſt der faſt ſichere Ausgang der Krankheit. Will man eine Hei⸗ lung verſuchen, ſo halte man den Hund an einem kühlen Orte, entziehe ihm recht viel Blut, und begieße ſeinen Kopf öfters mit kaltem Waſſer, oder mache um denſelben Umſchläge von Eis, Schnee oder kaltem Waſſer. Um dem Waſſer, bei Mangel an Eis und Schnee, eine kältere Temperatur zu geben, ſetzt man demſelben etwas Kochſalz und Eſſig zu. Außerdem ſetze man öfters Klyſtire, und gebe innerlich alle zwei Stunden ein viertel Quentchen Salpeter und ein hal⸗ bes bis ein Loth Glauberſalz in etwas Waſſer aufge⸗ löſt. Bleibt nach etwa gehobener Entzündung viel⸗ leicht noch ein Zuſtand von Betäubung zurück, ſo zieht man an beiden Seiten des Genickes ein Eiterband, und innerlich giebt man von Zeit zu Zeit, etwa von zehn zu zehn Tagen, eine Laxanz aus zwei Gran Ka⸗ lomel, fünf Gran Aloe, mit etwas Seife zur Pille gemacht. 62. Drehkrankbheit der Schafe.(Tab. XVI.) Der große Schaden, welchen dieſe Krankheit den Schäfereien zufügt, iſt allgemein bekannt; es ſind in einzelnen Jahrgängen mitunter ſchon funfzig, ſogar ſiebenzig Procent der Zuzucht an ihr zu Grunde ge⸗ gangen. Man kann mit Grund annehmen, daß von ſämmtlichen Schafen Deutſchlands alljährlich minde⸗ ſtens fünf bis ſechs Procent an der Drehkrankheit ab⸗ gehen; in Frankreich hat man dieſen Verluſt auf fünf Procent berechnet, und da dieſe Krankheit in einigen Heerden, unter ſo vielen, ſtets vorhanden iſt, ſo iſt ſie vielleicht die relativ verheerendſte von allen. Die Drehkrankheit befällt faſt ausſchließlich nur Lämmer; am häufigſten in dem Alter von fünf bis acht, ſelten noch nach zwölf Monaten; ein noch ſpäteres Vorkom⸗ men derſelben gehört zu den ſeltenen Ausnahmen von der Regel. Die ausgebildete Krankheit iſt mit nachſtehenden Zufällen verbunden. Das drehkranke Lamm iſt des natürlichen Gebrauchs ſeiner Sinne und ſeiner Bewe⸗ gungsorgane mehr oder weniger beraubt; es iſt matt und ſchwerfällig in ſeinen Bewegungen, bleibt hinter der Heerde zurück, geht ſchwankend, mit geſenktem Kopfe, legt ſich oft nieder, bleibt im Zuſtande von Betäubung liegen, und frißt langſam und ohne Luſt. Gewöhnlich drängt der Kranke im Gange nach irgend einer Seite, und beſchreibt dann einen größeren oder kleineren Bogen; ſpäter, auf der Höhe der Krankheit, macht das Schaf einen immer kleineren Kreis, in 62. drehender Bewegung; nur ſelten behält das Schaf im Gange die gerade Richtung bei, es hebt dann die Füße ungewöhnlich hoch von der Erde, rennt mit dem Kopfe an alle Gegenſtände an ꝛc. Die Betäubung und der bewußtloſe Zuſtand werden nach und nach immer merklicher; das Thier iſt unfähig ſeine Nahrung zu ſuchen, und frißt nur dann, wenn ihm Futter in das Maul geſteckt wird, aber häufig iſt es ſo bewußtlos, daß es mitten im Kauen innehält, weil es vergißt, daß ſich Futter im Maule befindet; es verhält ſich dann hier ganz ſo als mit einem dummkollerigen Pferde. Gegen das Ende der Krankheit läßt das Lamm gänz⸗ lich vom Freſſen, es liegt faſt beſtändig, legt den Kopf nach einer Seite, iſt, wie im ſchlafſüchtigen Zu⸗ ſtande, ohne Empfindung und Bewegung, und krepirt früher oder ſpäter; oft ſchon einige Wochen nach dem Eintritte der Krankheit, oft erſt nach einigen Monaten. Iſt die Krankheit ſchon zu einem höheren Grade gekommen, ſo entdeckt man in ſehr vielen Fällen durch einen ſtarken Druck mit den Daumen beider Hände an irgend einer Stelle der Hirnſchale(innerhalb des Krei⸗ ſes in Fig. 3) einen mehr oder weniger weichen und nachgiebigen Punkt; an dieſer Stelle hat die ſpäter zu beſchreibende Wurmblaſe ihre Lage, und durch den Druck, welchen ſie auf die Schädelknochen ausgeübt hat, ſind dieſe dünner geworden und daher beim Drucke nachgiebig, welches an anderen Stellen des Schädels nicht der Fall iſt. Durch die Anweſenheit dieſer Wurm⸗ blaſe werden die Zufälle der Drehkrankheit hervorge⸗ bracht, und dieſe Zufälle ſind, je nach dem verſchiede⸗ nen Sitze der Blaſe verſchieden. Liegt dieſelbe an der Seite im oder am großen Gehirn, ſo dreht das Schaf nach der Seite, an welcher die Blaſe ihre Lage hat; zuweilen liegt die Blaſe auf dem hintern Theile des Gehirns, wo dann das Thier mit emporgehaltener Naſe und mehr oder weniger in gerader Richtung ſich be⸗ wegt: oder die Blaſe liegt am untern Theile des Ge— hirns, in welchem Falle der Kopf ganz nach unten gehalten wird. Oeffnet man ein an der Drehkrankheit krepirtes Lamm, ſo findet man, je nachdem die Krankheit ſchnel⸗ ler oder langſamer verlief, verſchiedene Ergebniſſe; weſentlich und konſtant jedoch finden ſich innerhalb der Schädelhöhle eine oder mehrere belebte Wurmblaſen, deren Sitz und Größe nicht immer gleich iſt. Dieſe Wurmblaſe ſtellt eine dünne, geſchloſſene, mit einer Wagenfeld, Encyecl. Drehkrankheit der Schafe. 241 klaren, gelblichen, wäſſerigen Flüſſigkeit nur mäßig angefüllte Membran dar, an deren innerer Wandung man eine große Anzahl kleiner, weißer Körper entdeckt, welche dem unbewaffneten Auge wie Mohnſamen er⸗ ſcheinen, und deren Anzahl ſich nicht ſelten auf meh— rere Hundert erſtreckt(Fig. 1). Bringt man dieſe Blaſe mit ihren weißen Körperchen unter ein Vergrö⸗ ßerungsglas, ſo zeigen ſich die weißen Körper als lebende Thiere, von länglichem, runzlichen Baue, deren Kopf mit vier Saugmündungen(Fig. 2. d.) und einen doppelten Hakenkranze(Fig. 2. a.) verſehen iſt. Dieſe Thierchen ſind mit der Blaſe ſo incorporirt, daß ſie nur den Kopf und Hals darſtellen, während die Blaſe ſelbſt das gemeinſchaftliche Schwanzende für alle Thierchen ausmacht. Kopf und Hals dieſer Thiere können ſich, nach Art der Finger eines Handſchuhes, aus der Blaſe herausſtrecken, und wieder in ſie zurück— ziehen(Fig. 2. c.); mit dem Hakenkranze greifen ſie in die Gehirnmaſſe ein, und mit den Saugmündungen ſaugen ſie die im Gehirne abgeſonderten Säfte ein; dadurch findet man die Gehirnmaſſe an der Stelle, wo die Blaſen liegen, geſchwunden, und in manchen Fäl⸗ len die benachbarte Gehirnmaſſe in eine härtliche, gelbe Subſtanz umgewandelt. Liegt die Blaſe an der Ober⸗ fläche des Gehirns, ſo findet ſie ſich dicht unter den Schädelknochen und unter der harten Hirnhaut. Bei ihrer Vergrößerung übt ſie einen anhaltenden Druck auf die Knochen aus, durch welche dieſe an der ent— ſprechenden Stelle nach und nach verdünnt werden, und oft ſo ſehr, daß nur allein die Häute noch die Blaſe bedecken. Unter dieſen Umſtänden kann man dann den Sitz der Blaſe, durch die Nachgiebigkeit des Schädels an der kranken Stelle, leicht entdecken. Häu⸗ figer als an der Oberfläche liegt die Wurmblaſe in der Maſſe des Gehirns, ſeltener in den Seitenkammern oder an anderen Stellen; überall wo ſie ſehr groß wird, kann ſie die Schädelknochen durch unmittelbaren oder mittelbaren Druck verdünnen, oder ſelbſt ganz ſchwinden machen. Die Zahl der Wurmblaſen iſt verſchieden; meiſtens iſt nur eine einzige vorhanden, aber man fand auch ſchon bis zehn Stück; Anfangs ſind die Blaſen nur klein, wie eine Erbſe, und noch kleiner; ſpäter können ſie bis zur Größe eines Hühner⸗ eies und zu einer noch beträchtlichern anwachſen. Durch die Gegenwart der beſchriebenen Wurmblaſe werden zunächſt die Zufälle der Drehkrankheit herbei⸗ geführt; hieran zweifelt jetzt Niemand mehr. Es muß 31 242 62. Drehkrankheit der Schafe. auch einleuchten, wie die Gegenwart eines belebten und ſo fremdartigen Körpers, wie die Wurmblaſe iſt, in dem Gehirne, als dem edelſten Theile des Körpers, nichts anders als ſehr auffallende Zufälle herbeiführen kann; theils, und zunächſt vorzüglich nachtheilig, wirkt die Blaſe durch ihren Druck, theils durch die Störun⸗ gen, welche ſie in der Organiſation des Gehirns her⸗ vorbringt. So ſehr man nun auch darüber im Klaren iſt, daß die belebte Wurmblaſe die nächſte Veranlaſ⸗ ſung der Zufälle der entwickelten Drehkrankheit iſt, ſo ſehr iſt man bis jetzt noch über die Beſchaffenheit jener Urſachen im Dunkeln, welche zu der Entwickelung der Wurmblaſe Veranlaſſung geben. Unter den hierher gehörigen, ungemein zahlreichen Vermuthungen und Hypotheſen befinden ſich nur wenig annehmbare; die meiſten ſind entweder völlig abſurd, oder es liegt ihnen eine größere oder geringere Unkunde über den Bau und die Verrichtungen des Hirns und des ganzen Thierkör⸗ pers zum Grunde; nur einige wenige Erklärungsweiſen zeugen von Sachkenntniß und ächter Beobachtung zu⸗ gleich, und hierher gehört namentlich die von Kuers. Mit der gründlichſten Kenntniß, ſorgfältiger eigener Beobachtung und ſcharfſinniger Kritik der Beobachtun⸗ gen Anderer hat der genannte Arzt eine Theorie der Entſtehungsweiſe der Drehkrankheit durch eine kleine Druckſchrift bekannt gemacht, welche die höchſte Be⸗ achtung aller Schafzüchter verdient, denn ſie kann in der That dahin führen, der Drehkrankheit mehr oder weniger ſicher zu begegnen. In der Mehrzahl der Fälle geht der Bildung der Wurmblaſe im Gehirne, und deshalb der Drehkrank⸗ heit, eine mehr oder weniger heftige Entzündung des Gehirnes voraus, meiſtens werden die beſten und kräf⸗ tigſten Lämmer zuerſt befallen. Bei einer ſolchen Gehirnentzündung iſt das Lamm traurig, hält den Kopf geſenkt, hat ſtiere Augen, und zeigt einige Be— wußtloſigkeit durch ſein Benehmen, es iſt Verſtopfung vorhanden, oder der Miſt geht nur ſelten und ſehr hart ab. Obwohl dabei in den gelinderen Fällen noch Appetit vorhanden iſt, ſo reicht dieſer geringe Grad von Gehirnentzündung doch ſchon hin, um die Bildung einer Wurmblaſe zur Folge zu haben. Iſt die Gehirnentzündung heftiger, ſo benimmt ſich das Thier wie in dem Artikel„Gehirnentzündung“ angege⸗ ben iſt; manche Kranke gehen dann ſchon jetzt an ihr zu Grunde. Bei den leichteren Anfällen von Gehirn⸗ entzündung iſt kein Fieber vorhanden, aber die Augen ſind röther, als ſonſt; oft geht die Krankheit ſchon nach zwei Tagen und faſt unbemerkt vorüber, oft dauert ſie auch fünf bis ſechs Tage, und iſt dann erſichtlicher. Bei den meiſten von einem nicht zu hohen Grade der Gehirnentzündung befallenen Lämmern erfolgtHeilung entweder von ſelbſt, oder durch Kunſthülfe; die Thiere erſcheinen dann eine längere Zeit hindurch als wären ſie völlig geſund, bis daß früher oder ſpäter ſich bei vielen derſelben die Drehkrankheit ausbildet. Auf welche Weiſe ſich dann die Blaſe ſelbſt bildet iſt eben ſo un⸗ bekannt, als die Bildungsart aller Eingeweidewürmer. Zenker ſah in einem Sommer zweihundert Lämmer an der Gehirnentzündung leiden, und im nächſten Winter verfielen einhundertundſechzig Stück in die Drehkrankheit; Kuers berichtet, daß unter gleichen Umſtänden von vierhundert Lämmern zweihundert von der Drehkrankheit befallen wurden und daran krepirten. Wenn aus den angeführten und zahlreichen ande⸗ ren Umſtänden, deren nähere Crörterung hier zu weit führen würde, hervorgeht, daß die Drehkrankheit, wenn auch nicht allemal, ſo doch meiſtens durch eine früher dageweſene Gehirnentzündung veranlaßt wird, ſo iſt es wichtig zu unterſuchen, unter welchen Umſtänden dieſe letztere Krankheit ſich ausbildet. Eine zu reich⸗ liche und zu nährende Fütterungsweiſe der trächtigen Mutterſchafe und der Lämmer im Winter iſt ohne Zweifel eine häufige Urſache der Gehirnentzündung, oder es wird dadurch wenigſtens eine übermäßige Voll⸗ blütigkeit bei den Lämmern erzeugt, welche ſpäter, be⸗ ſonders bei zu warmer Haltung der Thiere, leicht zur Gehirnentzündung führen kann. Im Sommer tritt die Gehirnentzündung oft als Heerdenkrankheit auf, wenn die bisher ſchlecht und dürftig gefütterten Läm⸗ mer plötzlich ſehr reichlich ernährt werden, welches meiſtens ſogleich nach der Ernte, bei Behütung der Stoppelweide, der Fall iſt. So erzählt Kuers einen Fall, in welchem eine, vierhundert Häupter zählende, Lämmerheerde, welche den Sommer hindurch nur äußerſt dürftig gehalten werden konnte, und dann bei ſehr heißem Wetter auf eine üppige Kleeſtoppel getrieben wurde, nach dreitägigem Weiden durchweg in die Ge⸗ hirnentzündung verfiel; im nächſten Winter krepirten hiervon zweihundert Lämmer an der Drehfkrankheit. Aus dieſer Beobachtung, ſo wie aus dem Umſtande, daß die Drehkrankheit meiſtens bei den beſten und kräf⸗ tigſten Lämmern entſteht, ſcheint hervorzugehen, daß jede ſehr reichliche Fütterung der Lämmer, und nament⸗ 62. lich ein zu plötzlicher Uebergang von dürftigem zu ſehr nährendem Futter, eine große Diſpoſition zu der Ge⸗ hirnentzündung giebt, indem dadurch eine allgemeine Vollblütigkeit und ein Andrang des Blutes nach dem Kopfe hervorgebracht wird, welchem leicht die Gehirn— entzündung— ſpäter die Drehkrankheit— nachfolgt, zumal wenn zugleich der Einfluß großer Wärme ſtatt hat. Daß große Wärme, beſonders heiße Sonnen⸗ ſtrahlen, in dieſer Beziehung ſehr nachtheilig ſind, iſt allgemein anerkannt und durch Verſuche bewieſen; deshalb tritt die Gehirnentzündung, als Heerdekrank⸗ heit, auch meiſtens an ſehr heißen Tagen ein. Simon Strumpf ließ, nachdem er durch das Treiben ſeiner Lämmer in der Sonnenhitze ſiebenzig Dreher bekommen hatte, zehn geſunde Lämmer an den Füßen binden, und ſie dann der anhaltenden Wirkung der heißen Sonnenſtrahlen ausſetzen. Nach mehreren Wochen waren alle dieſe Lämmer drehkrank, und er fand in dem Gehirne Wurmblaſen von der Größe der Haſel⸗ nüſſe. Werden die Lämmer bis nach der Ernte im Stalle gehalten, und dann in großer Hitze auf die Stoppeln getrieben, ſo bekommen ſie ſehr oft die Ge⸗ hirnentzündung und ſpäter dann die Drehkrankheit. Auch die zu große Stallwärme iſt nachtheilig und faſt noch verderblicher für die Lämmer, als die Son⸗ nenhitze; in heißen Ställen finden ſich immer mehr Dreher, als in luftig gehaltenen. Eine Temperatur des Stalles von+ 6 bis 80 R., iſt die angemeſſenſte; aber wie oft beträgt die Wärme nicht doppelt ſo viele Grade! Zuweilen zeigt ſich nun aber auch die Dreh⸗ krankheit unter Umſtänden, wo weder zu reichliche Er⸗ nährung noch zu hohe Temperatur vorhanden waren; hier iſt dann die Erklärungsweiſe ſchwieriger, zumal weil ſolchen Fällen oft keine ſichtbare, vielleicht auch gar keine Gehirnentzündung zum Grunde liegt. Ob dann das gegenſeitige Stoßen der Lämmer, gewiſſe Futterarten, Erkältungen, der Zahnwechſel, die Be⸗ nutzung ſehr alter Böcke ꝛc. zu beſchuldigen ſind, wie wohl behauptet wird, iſt noch erſt näher zu beweiſen. Die Verhütung und Vorbauung der Drehkrankheit iſt weſentlich in der Vermeidung deſſen, was oben als Schädlichkeit angeführt wurde, begründet. Die Som⸗ merlammung hat in dieſer Hinſicht den Vorzug, denn auf der Weide findet die Mutter und dadurch die Frucht die naturgemäßeſte Ernährung. Gleichmäßige, und weder zu dürftige noch zu reichliche Fütterung der Läm⸗ mer, und beſonders die Vermeidung eines plötzlichen Drehkrankheit der Schafe. 243 Ueberganges von magerem zu fettem Futter, ſind ſehr zu empfehlen; eben ſo die Haltung der Lämmer im Sommer bei gutem Grünfutter im kühlen und luftigen Stalle; das zeitweilige Verabreichen von Salzlecken aus Salpeter, Glauberſalz und Kochſalz. In den heißeſten Sommermonaten gab man mit Erfolg alle Wochen für hundert Lämmer eine Lecke aus einem hal⸗ ben Pfund Salpeter, ein und einem halben Pfund Glauberſalz mit etwas Kochſalz und Kleie. In meh⸗ reren Heerden, in denen ſich die Drehkrankheit alljähr⸗ lich und ſehr bösartig zeigte, wurde durch ſolche Lecken die Krankheit verhütet. Man ſetze die Lämmer nicht der Wirkung heißer Sonnenſtrahlen aus, auch laſſe man die Wolle auf dem Schädel nicht abſcheren, denn dieſe ſchützt, als ſchlechter Wärmeleiter, das Gehirn ſehr. Zeigt ſich die Gehirnentzündung in einer Heerde, ſo giebt man Salze bis zum dünnen Miſten, und macht nebenbei einen Aderlaß; man entzieht etwa eine Obertaſſe voll Blut. Auch ein Eiterband im Genicke iſt dann nützlich. Iſt die Drehkrankheit ſelbſt ausgebildet, mithin die Bildung einer Wurmblaſe im Gehirn erfolgt, ſo kann kein allgemeines oder örtliches Verfahren irgend etwas nützen, ausgenommen die Entleerung oder die Entfer⸗ nung der Blaſe mittelſt eines operativen Verfahrens. Hat man den Sitz der Blaſe durch die weiche Stelle des Schädels aufgefunden, ſo ſticht man mit einem kleinen Trokar, oder allenfalls mit jedem ſpitzigen In⸗ ſtrumente, durch die äußere Haut und in die Blaſe ein, giebt der Einſtichsſtelle eine abhängige Lage, und läßt das in der angeſtochenen Wurmblaſe enthaltene Waſſer ausfließen. Das Lamm iſt gewöhnlich auf der Stelle wieder bei Beſinnung, frißt und benimmt ſich wie ein geſundes Lamm. Oft iſt dann die Heilung dauernd, oft aber geht das Thier dennoch nach einigen Tagen zu Grunde. Im Allgemeinen iſt die Operation nicht ſehr oft mit glücklichem Erfolge verbunden; häufig entſteht darnach eine tödtliche Eiterung im Gehirne, oft auch finden ſich mehrere Blaſen, ſo daß die Entleerung einer nicht viel helfen kann. Tiefer als dreiviertel Zoll darf man nicht in das Gehirn einſtechen. Vor der Operation entfernt man die Wolle von dem Ein⸗ ſtichsorte. Oft kommt die Blaſe in der gemachten Oeffnung zum Vorſchein; man erfaßt ſie dann mit einer Pincette oder einer Stecknadel, und zieht ſie her⸗ aus; will dieſes aber nicht gelingen, ſo kann die Blaſe auch ohne ſonderlichen Nachtheil im Gehirge bleiben. 244 63. Alle anderen Mittel ſind zur Kur erfolglos, ausgenom⸗ men etwa das Durchbrennen der Blaſe mit einem ſpitzen Glüheiſen; dieſes hat jedoch vor der Operation des Einſtichs(Punktion) nichts voraus. Kein äußeres Mittel, ſelbſt die ſtärkſten Arzneimittel, z. B. der einſt⸗ mals ſo ſehr empfohlene ſalzſaure Zink, ſind im Stande, Raͤude. die Wurmblaſe zuzerſtören, und darauf kommt es doch ganz allein bei der Kur der Drehkrankheit an. In der Regel iſt es anzurathen jeden Dreher, ehe er abma⸗ gert, zu ſchlachten, denn ſein Fleiſch iſt dann noch ſo gut, wie das jedes anderen Lammes. 63. Räude.(Tahb. XVI.) Unter Räude, Krätze, Schäbe oder Schorf wird ein anſteckender, mit der Krätze des Menſchen gleicher, Ausſchlag begriffen, welcher bei allen Hausthieren, und zwar unter faſt denſelben Erſcheinungen vorkommt. Am häufigſten leidet das Schaf, dann der Hund und das Pferd an der Räude; Rindvieh und Schweine ungleich ſeltener. Es iſt eine intereſſante, und in der neueſten Zeit durch Verſuche und Beobachtungen zur Gewißheit erhobene Thatſache, daß ſich auf den von der Räude befallenen Hautſtellen kleine Inſekten, die ſogenannten Räudemilben, finden, durch deren An⸗ weſenheit die Krankheit weſentlich bedingt wird, ob⸗ wohl dieſe Milben vielleicht nicht nothwendig in jedem Falle von Räude vorhanden zu ſein brauchen. Die Räude iſt im hohen Grade anſteckend, und dieſe An⸗ ſteckung erfolgt ausſchließlich durch die ſo eben genann⸗ ten Milben. Werden lebende Milben von einem räu⸗ digen Individuum auf die Haut eines anderen, geſunden Individuums geſetzt, ſo verſchwinden dieſelben in kur⸗ zer Zeit, indem ſie ſich unter die Oberhaut einbohren, und unter ihr Gänge von verſchiedener Länge und Richtung bilden. Einige Tage nach der Einbohrung des Inſektes bildet ſich auf oder dicht neben dem ge— bildeten Kanale eine kleine, knotige Verdickung der Haut; es erfolgt die Ausſchwitzung einer klaren, kleb⸗ rigen Flüſſigkeit, durch welche an dieſer Stelle ein ſehr kleines Bläschen entſteht. In den folgenden ſechs bis acht Tagen vertrocknet dieſe Flüſſigkeit zu einem braunen Schorfe, und fällt ſammt Haaren und Oberhaut ab. Eine ſolche Ausſchwitzung, Schorf⸗ bildung und Abſchuppung der Oberhaut wiederholt ſich an benachbarten Stellen, indem der Ausſchlag ſich immer mehr ausbreitet; der entzündliche, dabei vor⸗ gehende Proceß, erregt ſehr lebhaftes Jucken, weßhalb das befallene Thier, zumal in der Wärme, ſich faſt unaufhörlich ſcheuert, kratzt, beißt ꝛc. Die Räudemilbe(acarus) iſt bei den verſchiedenen Thieren zwar etwas verſchieden, aber in der Hauptſache von gleicher Beſchaffenheit; obſchon ſehr klein, kann ſie dennoch ſehr wohl mit unbewaffnetem Auge geſe⸗ hen werden(Fig. 4 und 5 ſtellt Männchen und Weib⸗ chen der ſehr vergrößerten Pferdemilbe dar). a) Räude beim Pferde. In der Regel wird die Räude nur erſt dann erkannt, wenn ſie bereits eine beträchtliche Zeit hindurch beſtanden hat, und an grö⸗ ßeren oder begränzteren Stellen ihre völlige Ausbil⸗ dung zu Stande gekommen iſt. Das Haar an den befallenen Stellen erſcheint glanzlos, ſtruppig und, durch ausgeſchwitzte Feuchtigkeit, verfilzt und verklebt. Durch ein gelindes Zupfen an dieſen Haaren laſſen ſich mit Leichtigkeit ganze Büſchel derſelben entfernen, ſo daß ein kahler Flecken auf der Haut entſteht. Hatte die Räude ſchon längere Zeit hindurch beſtanden, ſo bilden ſich dieſe kahlen Hautſtellen von ſelbſt, indem die Haare freiwillig, ſammt der unter ihnen befindli⸗ chen Oberhaut abfallen; oder das wiederholte Kratzen und Scheuern des Kranken bewirkte dieſes ſchon früher. Es findet allemal ein heftiges Jucken an den ergriffenen Hautſtellen ſtatt, weßhalb das Pferd überaus oft ſich an verſchiedenen Gegenſtänden reibt, ſich mit den Zähnen begnabbert, auf dem Erdboden wälzt ꝛc. Kratzt man an den kranken Stellen, ſo ſcheint dem Thiere dadurch eine angenehme Empfindung zu entſte⸗ hen, welches daſſelbe durch ein eigenthümliches Auf⸗ ziehen der Oberlippe— das ſogenannte Flennen— 63. Raͤude. zu erkennen giebt, oder dadurch, daß es den Körper zu der kratzenden Hand hinneigt. Die haarlos gewordene Haut iſt mit mehr oder weniger dicken, braunen Schorfen bedeckt, welche ſehr feſt aufliegen, und nach deren Entfernung die Haut etwas verdickt, mäßig entzündet, und heller von Farbe als ſonſt erſcheint; ſie iſt entweder trocken oder mit einem ſehr flachen Geſchwüre verſehen. Am Rande der kahlen Hautſtellen befinden ſich meiſtens kleine, mit klarer Flüſſigkeit gefüllte Bläschen, welche jedoch theils ſchwer zu entdecken ſind, theils ſehr bald platzen und zu Schorfen vertrocknen. Anfangs erſcheint die Räude gewöhnlich nur auf ſehr kleine, begränzte Hautſtellen beſchränkt, oft tritt ſie aber an mehreren Stellen zugleich auf. Die ge⸗ wöhnlichſten Orte ihres Ausbruches ſind die Seiten⸗ flächen des Halſes, die Schultergegend, die Rücken⸗ fläche des Schweifs. Dieſes gilt jedoch nur von der Räude, welche ſich urſprünglich entwickelt hatte; ent— ſtand ſie durch Anſteckung, ſo zeigt ſie ſich begreiflicher Weiſe zuerſt dort, wo die Anſteckung zunächſt erfolgt war. Allemal breitet ſich die einmal vorhandene Räude, ſchneller oder langſamer, immer mehr aus, ſo daß ſie bei ſehr langer Dauer faſt die ganze Hautoberfläche einnimmt; ſelbſt die Schenkel, der Hodenſack, das Euter ꝛc. können der Sitz der Räude werden. Die weitere Verbreitung der Krankheit erfolgt nicht in jedem Falle mit gleicher Schnelligkeit; in der Regel geht es damit langſam, ſo daß mehrere Monate dazu gehören, bevor der größere Theil der Haut ergriffen iſt. Im Allgemeinen ſchreitet die Räude im Sommer und in heißen Ställen ſehr raſch vor; Kälte dagegen verzögert ihren Gang. Hat die Räude ſchon lange Zeit über beſtanden, ſo erſcheint die völlig haarloſe Haut ſehr verdickt und dort, wo ſie nicht von Geſchwüren oder Schorfen be⸗ deckt iſt, von hellgrauer, weißlicher oder blaßrother Farbe. Sehr bemerkenswerth iſt die Neigung der Haut ſich in Falten zu legen und ſich zu runzeln; am häufigſten und reichlichſten hat dieſe Faltenbildung an den Seitenflächen des Halſes ſtatt, befonders an dem Bruſtende des Halſes, wo die Falten in faſt ſenkrechter Richtung herablaufen. Die räudige Haut wird über⸗ haupt ſchlaff und welk, ſo daß ſie ſich leicht in großen Falten in die Höhe ziehen läßt; auch gleichen ſich dieſe künſtlichen Falten nur langſam und ſpät wieder aus. Die kahle, verdickte und ſchlaffe Haut erſcheint rauh, 245 riſſig, und iſt mit dicken, braunen Schorfen bedeckt, welche ſich nur ſchwer entfernen laſſen. Nicht ſelten bilden ſich tiefe Riſſe und Spalten in der Haut, in denen eine klebrige, blutige, oder klare Feuchtigkeit abgeſondert wird, welche in kurzer Zeit zu dunklen Schorfen vertrocknet; oft reibt und beißt der Kranke ſich ſo heftig, daß ganze Hautſtellen davon blutrünſtig erſcheinen. Die Räude iſt von unbeſtimmter Dauer; ſie kann Monate und ſelbſt Jahre hindurch bei einem Pferde vorhanden ſeinz ſich ſelbſt überlaſſen und ohne ärzt⸗ liche Behandlung wird ſie endlich tödtlich, nicht ſowohl an und für ſich, äls durch ihre Folgen. Der Kranke magert nach und nach ab, Beine, Hodenſackꝛc. ſchwel⸗ len an, es entſtehen ein ſchleichendes Fieber, Wurm, Rotz, und durch deren Folgen der Tod. Die Räude entſteht durch Selbſtbildung,(generatie aequivoca), Anſteckung; letztere iſt ohne Zweifel die hänfigere Urſache. Am meiſten ſieht man die Räude bei elenden, mageren, ausgemergelten Pferden, bei ſchlechter Wartung und Pflege, bei der anhaltenden Einwirkung von Staub und Schmutz aller Art, bei vernachläſſigter Reinlichkeit, und dann noch beſonders nach der anhaltenden Einwirkung von Näſſe und Regen. Ränude bei ſehr mageren Pferden hat man wohl Hungerräude genannt, und jene, die nach häu⸗ figem Regen entſtand, Regenräude. Dieſe Unterſchei⸗ dung hat jedoch keinen praktiſchen Werth, denn das Weſen und die Kur der Krankheit erleiden dadurch keine erhebliche Aenderung. Die Anſteckung der Räude erfolgt ausſchließlich durch die Uebertragung lebender Räudemilben, und es bedarf in dieſem Falle auf keine Weiſe einer weiteren krankhaften Diſpotion für die Krankheit. Die Uebertragung erfolgt entweder direkt und durch die unmittelbare Berührung des räudigen und des geſunden Pferdes, oder ſie wird durch aller— hand Zwiſchenkörper, an denen die Milben zufällig haften, bewirkt, beſonders oft durch Decken, Bürſten, Striegel, und dadurch, daß ſich das geſunde Pferd an Pfoſten und Wänden reibt, an denen ſich zuvor das räudige Pferd gerieben hatte. Im Allgemeinen und an und für ſich iſt die Räude keine gefährliche Krankheit, und bei paſſender und nicht gar zu ſpät begonnener Kur iſt ſie ohne Schwierigkeit und gründlich zu heilen. Iſt das Thier aber ſehr mager und alt, oder noch außerdem mit einer anderen Krankheit behaftet, oder hat die Räude ſchon ſehr lange 246 gedauert und die ganze Oberfläche der Haut ergriffen, ſo iſt die Heilung ſchwieriger und oft ſelbſt unmöglich. Es ſind zur Kur der Räude ungemein viele und verſchiedene Mittel vorgeſchlagen worden, und ein ſehr großer Theil derſelben iſt in der That auch heilſam, im Fall nur die Art ihrer Applikation eine zweckmäßige iſt. Früher glaubte man, daß der Räude eine eigen⸗ thümliche Schärfe im Blute zum Grunde läge, und man war vor Allem bemüht dieſe Schärfe durch inner⸗ liche Mittel zu beſeitigen. Jetzt weiß man jedoch, daß die Räude lediglich eine Krankheit der Haut iſt, an welcher weder das Blut noch andere Säfte Antheil haben, und man bewirkt ihre Heilung ganz allein durch aͤußere Mittel, und auch ſicher. Um die kranke Haut für die Aufnahme des Mittels empfänglicher zu machen, und um ſie von anklebenden Schorfen und von Schmutz zu reinigen, iſt es zuvörderſt paſſend, dieſelbe durch warmes Seifenwaſſer zu reinigen; iſt dieſes geſchehen, ſo kann man eins der nachſtehenden Mittel zur An⸗ wendung bringen. Wenn der Ausſchlag noch auf eine kleine Fläche beſchränkt iſt, ſo nimmt man zwei Loth Schwefelleber, ein Loth Terpentinöl und zwölf Loth grüne Seife, miſcht dieſes zur Salbe, und be⸗ ſtreicht damit die Haut täglich einmal recht dick, und ſechs bis acht Tage hinter einander; jeden dritten Tag, wird dabei die Haut mit warmem Seifenwaſſer gründ⸗ lich gereinigt. Statt dieſes Mittels kann man auch eine Salbe aus vier Loth gepulvertem Braunſtein, zwei Loth Schwefelleber, drei Loth Hirſchhornöl und ein halbes Pfund grüner Seife anwenden. Hat die Räude eine größere Ausbreitung erlangt, ſo iſt die Anwen⸗ dung der Salben nicht nur umſtändlich, ſondern auch koſtſpielig, und man bedient ſich dann weit paſſender folgender Mittel. Zwei Loth Canthariden werden mit einem Quart Rüböl achtundvierzig Stunden lang an einem ſehr warmen Orte digerirt, und dann ſetzt man ein halbes Quentchen in Waſſer aufgelöſten Sublimat dazu, und miſcht Alles durch anhaltendes Umſchütteln. Mit dieſem Oele wird die kranke Haut täglich einmal, und etwa drei bis vier Tage hindurch, beſtrichen, wonach faſt in allen Fällen Heilung erfolgt. Statt deſſen kann man auch ein Viertelpfund gepul⸗ verten, gelben Schwefel, ein Quentchen Sublimat, ein halbes Pfund grüner Seife und ein Quart Theer über dem Feuer zuſammenmiſchen, und die noch ſehr warme, und dadurch flüſſig gewordene Miſchung auf alle räudigen Stellen mittelſt einer Bürſte oder eines 63. Raͤude. Maurerpinſels recht dick auftragen. Mit dieſ em Mittel heilte ich einmal einundvierzig räudige Pferde, welche überall kahl, und ſchon ſeit zwei Jahren von einem Pfuſcher vergeblich behandelt worden waren. Ein einmaliges Beſtreichen der Haut reichte im genannten Falle aus; ſollte dieſes aber in andern Fällen nicht genügen, ſo kann man acht Tage ſpäter das Mittel nochmals auftragen. Dies Mittel empfiehlt ſich be⸗ ſonders, nicht nur wegen ſeiner ſchnellen Wirkung, ſondern auch wegen ſeiner Wohlfeilheit. Eine inner⸗ liche Behandlung iſt, wie ſchon oben geſagt, nicht nur entbehrlich, ſondern ſelbſt ganz nutzlos. Nicht ſo verhält es ſich dagegen mit dem diätetiſchen und ſonſtigen Halten des Kranken während der Kur. Der⸗ ſelbe wird, zur Verhütung der weiteren Verbreitung der Krankheit auf andere Pferde, ſtrenge ſeparirt, und außer aller Gemeinſchaft mit ihnen geſetzt, und dieſes muß ſich ſelbſt auf die lebloſen Gegenſtände, mit denen das räudige Pferd in Berührung kommt, erſtrecken. So dürfen die bei ihm gebrauchten Geräthe, als Bürſte, Striegel, Decken ꝛc. nicht bei geſunden Pferden ver⸗ wendet werden. Da ſich indeſſen die Räude nicht durch die Luft weiter verbreitet, ſondern nur durch unmittel⸗ bare oder mittelbare Berührung, ſo iſt die Aufſtellung des Kranken in einem beſonderen Stalle nicht gerade erforderlich; es reicht aus, wenn der Kranke von den geſunden Pferden nur etwa durch einen Bretterver⸗ ſchlag, oder ſelbſt nur durch eine angemeſſene Entfer⸗ nung getrennt iſt, und dies, wo möglich, ſo, daß ſich keine Gegenſtände in der Nähe befinden, an denen ſich das kranke Pferd ſcheuern und reiben kann. Die Er⸗ fahrung lehrt, daß die Wärme der Kur der Räude förderlich iſt, ungeachtet die unbehandelt gebliebene Räude, ſich in der Wärme raſcher ausbreitet. Das Pferd wird deshalb ſo warm wie möglich gehalten, und vor Kälte, noch mehr aber vor Näſſe und Regen, in Acht genommen. Es iſt ſchon wiederholt erwähnt worden, daß die Räude, als eine rein äußerliche Krankheit, auch durch rein äußerliche Mittel geheilt wird. Sind indeſſen die Kräfte des Pferdes durch die Ausdehnung und Dauer der Krankheit, oder durch andere Umſtände ſehr herunter gekommen, ſo giebt man, neben dem beſten Heu und Hafer in reichlicher Menge, etwas Kochſalz und gepulverte Kalmuswurzeln unter das Kurzfutter; oder man giebt, im Laufe einiger Tage, eine Latwerge aus Wermuth, Ingwer, von jedem ſechs Loth, Kochſalz 63. acht Loth, mit der erforderlichen Menge Mehl und Waſſer bereitet. Sind die unteren Enden der Beine und der Hodenſack geſchwollen, oder finden ſich unter dem Bauche oder an anderen Körpertheilen kalte Ge⸗ ſchwülſte, ſo giebt man auf gleiche Weiſe drei Loth gekochten Terpentin, Senf und Genzianwurzel, von jedem acht Loth, Wachholderbeeren zwölf Loth, mit Waſſer und Mehl zur Latwerge gemacht. Im Allgemeinen iſt es bei der Kur Regel, die Kräfte des Kranken zu ſchonen, oder, wo ſie ſchon ge⸗ ſunken ſind, ſo viel wie möglich zu heben; es kann alsdann die Kur mit uneingeſchränktem Nachdrucke ausgeführt werden. Aderläfſe und Laxranzen ſind gänz⸗ lich zu entbehren, und nur allenfalls da zuläſſig, wo das Pferd ganz ungewöhnlich fettleibig ſein ſollte. Wenn die Heilung erfolgt iſt, ſo müſſen das Lokal, in welchem der Kranke geſtanden hat, und alle Gegen⸗ ſtände, welche mit ihm in Berührung gekommen ſind, und an denen vielleicht der Anſteckungsſtoff haften könnte, ſorgfältig gereinigt werden, weil ſonſt, ſelbſt noch nach mehreren Wochen, eine neue Infektion ſtatt haben könnte. Wände, Raufen, Ständer ꝛc. werden mit Kalk überſtrichen; Decken, Putzgeſchirr, Futterge⸗ räthe xc. werden mit heißer Salz⸗ oder Aſchenlauge abgewaſchen, und dann mehrere Tage in freier Luft getrocknet. Anmerkung. Die Pferderäude geht zuweilen auch auf Menſchen über; ich ſelbſt ſah ſieben Knechte, welche mit der Behandlung räudiger Pferde zu thun hatten, auf Armen, Bruſt und Bauch von einem räu⸗ digen Ausſchlage befallen werden. Die Heilung er— folgte zwar leicht, und ſchon durch bloßes Waſchen mit grüner Seife und heißem Waſſer, indeſſen litten dieſe Perſonen doch mehrere Wochen und bis zur er⸗ folgten Heilung an einem faſt unerträglichen Jucken. Es iſt deshalb räthlich in dieſer Beziehung einige Vor⸗ ſicht zu beobachten, und jedenfalls die etwa beſudelten Hautſtellen jedes Mal wieder nachdrücklich zu reinigen. Ob die Pferderäude auf andere Hausthiere übergehen kann, iſt noch nicht ſicher feſtgeſtellt; nach den bishe⸗ rigen Beobachtungen ſcheint die Beſorgniß in dieſer Hinſicht nur gering ſein zu dürfen. b) Räude beim Rindviehe. Bei dieſer Thiergattung beobachtet man die Räude nur ſelten. Am häufigſten zeigt ſich der Ausſchlag am Halſe und Rücken, in den Flanken, und beſonders auf dem Kreuze und der Schwanzrübe; faſt nie unterm Bauche oder Raͤude. 247 zwiſchen den Schenkeln, überhaupt nicht leicht an dünnhaarigen Stellen der Haut. Im größeren oder geringeren Umfange bilden ſich zuerſt kleine, haarloſe Stellen, welche mit einem dünnen Schorfe bedeckt ſind, nach deſſen Entfernung dieſe Hautſtellen entzün⸗ det, etwas geſchwollen und geröthet erſcheinen, und bei einigem Kratzen leicht bluten. Dieſe Art der Räude hat man trockne Räude genannt. Andere Male iſt die haarlos gewordene Stelle mit dicken, mit tiefen Riſſen verſehenen Schorfen bedeckt, in welchen Riſſen eine klebrige Flüſſigkeit enthalten iſt. Dieſe Form der Krankheit hat man die naſſe Räude genannt, indeſſen iſt dieſe Unterſcheidung in jeder Hinſicht als unerheblich zu betrachten. Entweder von ſelbſt oder durch das Reiben der Thiere an allerlei Gegenſtänden, vergrößern ſich dieſe Flecken, ihre Zahl nimmt zu, ſie fließen in einander, ſo daß bei langer Dauer der Krankheit mitunter der größere Theil der ganzen Hautoberfläche haarlos und mit Schorfen und näſſenden Stellen bedeckt erſcheint. Hat die Räude ſchon lange Zeit gedauert, und einen beträchtlichen Umfang erlangt, ſo wird die Haut immer mehr entartet; ſie wird runzlig, ſchlaff, ſehr verdickt. Dieſe beträchtliche Ausbildung der Krankheit geſchieht ziemlich ſchnell, und oft ſchon in wenigen Wochen. Bei langer Dauer der Räude kommt das mit ihr befallene Stück ſehr herunter; es wird mager und elend, frißt und wiederkäuet nicht ſo gut als ſonſt, und auch die Milch vermindert ſich bedeutend. Unbe⸗ handelt geblieben geht das Rind zuletzt an der Krank⸗ heit, unter allgemeiner Erſchöpfung und unter Hinzu⸗ tritt eines Zehrfiebers, zu Grunde, wenn auch in der Regel erſt nach acht bis zehn Monaten, und ſelbſt noch viel ſpäter. Zu einem ſolchen ungünſtigen, tödtlichen Aus⸗ gange kommt es jedoch faſt niemals, wenn das Thier paſſend behandelt wird, denn die Heilung iſt leicht, und unterliegt gar keiner Schwierigkeit. Die Dauer der Räude iſt unbegrenzt; von ſelbſt heilt ſie nie, ärztlich behandelt in wenigen Wochen. In Bezug auf die Urſachen gilt hier Alles, was bei der Räude des Pferdes geſagt wurde; Unreinlichkeit aller Art, lange Einwirkung von Regen, feuchte und ſchmutzige Ställe, knappes oder verdorbenes Futter ꝛc. ſind im Stande die Räude hervorzubringen. Außer⸗ dem aber entſteht ſie noch, und dieſes wohl am öfter⸗ ſten, durch erlittene Anſteckung. Junge Thiere, beſon⸗ 248 63. ders wenn ſie an Läuſen leiden, und ſehr elend ſind, haben die meiſte Anlage zu der Krankheit. Das Heilgeſchäft wird mit der Seperation der räudigen Rinder von den noch geſunden begonnen; ſodann ſorgt man für einen hellen, luftigen, reinen und möglichſt trockenen Aufenthaltsort, und giebt dem Kranken geſundes und nahrhaftes Futter in hinreichen⸗ der Menge. Während der Kur muß auf Reinlichkeit des Patienten ſorgfältig Acht gegeben werden, denn ohne Reinlichkeit iſt die Kur langſam und zweifelhaft. Zunächſt wäſcht man das kranke Thier mit grüner Seife und recht warmem Waſſer, beſſer noch mit war⸗ mer Aſchenlauge, über dem ganzen Körper, beſonders ſorgfältig an den räudigen Stellen. Dieſes Waſchen kann, damit die Haut recht rein und von Schorfen frei werde, mit einer ſteifen Bürſte geſchehen. Nach— dem die Haut wieder trocken geworden iſt, reibt man, in den gelinderen Graden der Krankheit, und wenn keine Geſchwüre, tiefe Riſſe ꝛc. in der Haut vorhanden ſind, von nachſtehendem Mittel täglich ein Mal, und ſechs bis acht Tage hinter einander, etwas ein. Schwe⸗ fel und weißer Vitriol, von jedem vier Loth, Leinöl und Hirſchhornöl, von jedem ein halbes Pfund. In den höheren Graden der Krankheit und wenn ſie tief eingewurzelt iſt, bedient man ſich mit Erfolg, beſon— ders bei der naſſen Räude, folgender Miſchung. Schwefelleber und gepulverte weiße Nieswurzel, von jedem vier Loth, Schweinefett ein Pfund, Terpentinöl ſechs Loth. Sehr näſſende und geſchwürige Stellen werden mit einem Pulver aus rothem Präcipitat, ein halbes Loth, Eichenrinde und Holzkohle, von jedem drei Loth, beſtreuet, und zwar täglich ein Mal und bis zur erfolgenden Beſſerung. Die Heilung der Räude giebt ſich dadurch zu erkennen, daß die Haut wieder glatt, weich und geſchmeidig wird, und frei von Schuppen, Borken und näſſenden Stellen, und daß junges Haar auf ihr wieder ſichtbar wird. Wäh⸗— rend der Kur müſſen die eingeriebenen Stellen der Haut von Zeit zu Zeit, etwa jeden dritten Tag, von allem anklebenden Schmutze ꝛc. gereinigt werden; wor⸗ auf dann wieder mit der Applikation des Mittels fort⸗ gefahren wird. In nicht ſeltenen Fällen leiden viele Stücke einer Heerde gleichzeitig an dieſem Uebel, wo dann die An⸗ wendung von Einreibungen nicht nur umſtändlich, ſondern auch ziemlich koſtſpielig wird; hier bedient man ſich dann lieber der Waſchungen. Vier Pfund Raͤude. Taback werden mit einem Eimer voll Waſſer eine Stunde hindurch gekocht, und dann ſetzt man zu der Tabacksabkochung, nachdem die Blätter aus ihr entfernt ſind, ein Pfund Schwefel und ein und ein halbes Pfund Potaſche, kocht die Lauge noch eine halbe Stunde fort, und ſetzt, wenn ſie zuvor vom Feuer genommen iſt, ein Pfund Hirſchhornöl unter ſtetem Umrühren, hinzu. Mit dieſer, ſtets lauwarm anzu⸗ wendenden, Lauge wird die räudige Haut täglich ein Mal, und vier bis ſechs Tage hindurch ſtark befeuchtet. Machen ſich nach zehn bis vierzehn Tagen die Zeichen der Heilung noch nicht bemerkbar, ſo wiederholt man die Waſchungen noch einige Male. Während der Kur wird der Kranke, wie ſchon er⸗ wähnt, ſehr gut und reichlich gefüttert, und wenn Appetit und Kräfte bereits ſehr geſunken ſein ſollten, ſo giebt man Schwefel, Wermuthkraut und Wachhol— derbeeren, von jedem ein Loth, täglich einmal, und ſo lange es erforderlich iſt, mit etwas Waſſer ein. Iſt die Heilung bewirkt, ſo muß dieſelbe Reinigung des Stalles, der Stallgeräthe ꝛc. eintreten, als bei der Räude des Pferdes. Ob die Räude des Rindes ſich auf andere Thiere, oder auch auf Menſchen verbreiten kann, iſt noch nicht ſicher ermittelt wordenz jedenfalls ereignet ſich eine Anſteckung nur ſelten. c) Räude beim Schafe. Die Schafräude iſt eine ſeit undenklichen Zeiten und in der ganzen Welt bekannte Krankheit, welche früher ſehr gefürchtet wurde, denn überaus viele Schafe gingen durch ſie zu Grunde. Jetzt verhält es ſich hiermit ganz anders, denn, durch Erfahrung belehrt, weiß man nun, daß die Schafräude ohne ſonderliche Schwierigkeiten in jedem einzelnen Falle faſt ſicher geheilt werden kann, und es iſt deshalb gar kein Grund zu der übertriebenen Furcht vorhanden, welche viele Schäfereibeſitzer noch jetzt vor dem etwanigen Erſcheinen der Räude in ihren Schaf⸗ heerden haben. Die Erkenntniß der Krankheit iſt nicht ſchwer. Bemerkt man in einer Schafheerde, daß bei verſchiedenen Schafen einzelne Wollflocken über das Niveau des Vließes hervorragen, welche Flocken von reinerer und weißerer Farbe ſind, als die übrigen Ober⸗ flächen des Vließes, und daß das Schaf ſolche Stellen öfters mit den Zähnen benagt, mit den Füßen kratzt, oder ſich an allerhand Gegenſtänden ſcheuert, ſo reichen dieſe Zeichen faſt allein ſchon aus, um auf die Gegen⸗ wart der Räude in der Heerde zu ſchließen. Unterſucht man die kranken Stellen näher, ſo findet man die 63. Raͤude.. 249 Haut entfärbt, grünlich⸗gelb, blaſſer als die Umgegend, oder auch wohl etwas röther; es iſt die Haut verdickt, mehr oder weniger mit einer klaren Feuchtigkeit bedeckt; faltet man die kranke Hautſtelle, und drückt man die alſo gebildete Hautfalte, ſo zeigt das Thier ziemlich lebhafte Schmerzen, und reibt und kratzt man ſie mit den Fingern, ſo giebt das Thier dabei das Gefühl der Behaglichkeit zu erkennen, indem es mit dem Schwanze wedelt, mit einem Fuße ſtampft, den Kopf nach der Hand umdrehet, und mit dem Maule und der Zunge eine lebhafte Bewegung macht, welches Manöver das ſogenannte Bebbern darſtellt. Die Wolle an der be⸗ fallenen Hautſtelle, und an ihrer nächſten Umgränzung fällt aus, oder iſt doch durch ſehr gelindes Zupfen an ihr leicht auszureißen. In manchen Fällen entdeckt man auch auf der kranken Hautſtelle, oder an deren nächſter Umgebung, kleine Knötchen oder Bläschen, von der Größe eines Hirſekornes, in welchen eine klare, klebrige Flüſſigkeit eingeſchloſſen iſt. Dieſe macht die Haut theils feucht, theils vertrocknet ſie zu dünnen Borken, welche nach und nach dicker werden, an Um⸗ fang zunehmen, und ſehr feſt auf der Haut aufliegen. Entfernt man dieſe Borken, ſo erſcheint die darunter gelegene Haut hart, blaß, verdickt, uneben, riſſig und rauh. Das Thier empfindet das lebhafteſte Jucken; faſt unaufhörlich ſucht es die kranken Stellen auf irgend eine Weiſe zu reiben, um ſich dadurch einige Erleichterung zu verſchaffen; bei dieſen Bemühungen wird die Wolle durch die ausgeſchwitzte Feuchtigkeit verfilzt, ſchmutzig und verworren, bis ſie zuletzt ganz ausfällt. Am gewöhnlichſten erſcheint die Räude zuerſt auf dem Rücken, an den Seiten der Schultern und des Bauches, und an den Hinterbacken; der Kopf, die Beine, die Geſchlechtstheile und die untere Fläche des Bauches werden entweder gar nicht, oder doch nur bei dem höchſten Grade der Ausbildung der Räude befal⸗ len. Oft erſcheint ſie nur an einer einzigen, oft an verſchiedenen und von einander mehr oder weniger entfernten Stellen. Stets beginnt ſie Anfangs auf einer kleinen Stelle; von hier aus breitet ſie ſich in kürzerer oder längerer Zeit immer mehr aus, bis daß endlich die ganze Oberfläche des Rumpfes ergriffen und das Schaf von Wolle entblößt iſt. Dieſe allge⸗ meine Verbreitung der Räude bei demſelben Thiere geſchieht früher oder ſpäter, allemal aber ſo langſam, daß vier, ſechs bis acht Monate dazu gehören. In Wagenfeld, Encyel. heißen Ställen, im Sommer und überhaupt in war⸗ mer Luft greift die Räude ſchnell um ſich, Kälte da— gegen verzögert ihren Gang ſehr auffallend. Obwohl die Räude an ſich nicht gefährlich iſt, ſo wird ſie doch bei langer Dauer zuletzt durch ihre Fol⸗ gen ſicher tödtlich; das Schaf magert, der fortbeſtehen— den Freßluſt ungeachtet, nach und nach— endlich bis zum Gerippe ab; die mit dicken Schorfen bedeckte und wolleloſe Haut wird gänzlich entartet, an verſchiedenen Stellen derſelben findet eine reichliche Abſonderung einer verſchieden gefärbten, nicht ſelten ſehr übel rie— chenden, eiterartigen Flüſſigkeit ſtatt; es entſtehen ein waſſerſüchtiger Zuſtand, Lungenübel, Egelkrankheit, ein ſchleichendes Fieber ꝛc., welche den Tod zur Folge haben. Hierzu kommt es, wenn das Schaf urſprüng⸗ lich geſund war, und während der Krankheit gut ge— füttert wurde, erſt ſehr ſpät, manchmal erſt nach einem und ſelbſt erſt nach mehreren Jahren. Die Urſachen der Schafräude ſind zwiefach; ſie entwickelt ſich urſprünglich, oder ſie entſteht durch An⸗ ſteckung. Die nicht durch Anſteckung, alſo, wie man“ zu ſagen pflegt, von ſelbſt entſtandene Räude hat zahl— reiche Veranlaſſungen; vorzüglich aber ſieht man die⸗ ſelbe durch anhaltende Einwirkung von Näſſe, und deshalb in Sommern entſtehen, in denen die Schafe vielleicht viele Wochen hindurch vom Regen getroffen wurden; außerdem geben ſchlechte, wenige Nahrung und verſchiedene krankhafte Zuſtände des Schafes eine große Diſpoſition zur Entwickelung der Räude. Weit häufiger als aus ſich ſelbſt entſteht die Räude durch Anſteckung. Unterſucht man die kranke Haut eines räudigen Schafes genau, ſo entdeckt man mit bloßen Augen, oder noch leichter mit einem Vergrößerungs— glaſe, zahlreiche, kleine Inſekten, die ſchon Eingangs erwähnten Räudemilben, welche mit den auf Tafel XVI. Fig. 4 und 5 in ſehr vergrößertem Maaßſtabe abgebildeten Räudemilben des Pferdes faſt in jeder Hinſicht gleich ſind. Gehen lebende Milben von den räudigen Schafen auf ein anderes Schaf über, ſo wird Letzteres dadurch ebenfalls von der Räude inficirt, und nur durch eine ſolche Uebertragung der Milben erfolgt ausſchließlich und allein die Anſteckung. Der Ausbruch der Räude nach erfolgter Anſteckung, es mag dieſe nun zufällig oder Behufs eines Verſuches abſichtlich erfolgt ſein, erfolgt ziemlich beſtimmt zwi— ſchen dem zehnten und ſechzehnten Tage; vor dem ſiebenten Tage läßt ſich auf der Haut des angeſteckten 32 250 63. Schafes nichts Krankhaftes entdeckenz zwiſchen dem ſiebenten und achten Tage zeigen ſich Milben auf der Haut; zwiſchen dem neunten und zwölften Tage zeigen einzelne kleine Hautſtellen eine gelblich rothe Farbe, und eine geringe Verdickung; zwiſchen dem zehnten und ſechzehnten Tage entſtehen nach und nach ſehr kleine Knötchen auf der hart und empfindlich geworde⸗ nen Haut, welche Feuchtigkeit ausſchwitzen, die bald zu Schorfen vertrocknet. Späterhin iſt dann die Räude mit allen ihren Erſcheinungen ausgebildet. Die Anſteckung erfolgt unter verſchiedenen Umſtän⸗ den mehr oder weniger leicht; wird ein räudiges Schaf etwa zwölf bis vierundzwanzig Stunden unter eine geſunde Heerde gelaſſen, ſo kann man ſicher ſein, daß wenigſtens einige Schafe angeſteckt worden ſind. Die Anſteckung, alſo der Uebergang der Milben von dem räudigen zu dem geſunden Schafe, erfolgt entweder durch gegenſeitige Berührung der Schafe, oder es wird dieſer Uebergang durch allerhand Zwiſchenkörper ver⸗ mittelt. Reibt ſich z. B. ein räudiges Schaf an einem „Pfahle, und reibt ſich ſpäter ein geſundes Schaf an demſelben Pfahle, ſo erfolgt dadurch ſehr leicht eine Anſteckung, ohne Zweifel, weil das kranke Schaf einige Milben an dem Pfahle abgeſetzt hatte, die nun auf die Haut des geſunden Schafes kriechen. Es iſt hier⸗ bei keineswegs nöthig, daß das geſunde Schaf unmit⸗ telbar nach dem kranken Schafe ſich an dem inficirten Gegenſtande reibe; denn dieſer iſt ſelbſt nach zwei bis drei Wochen noch anſteckungsfähig, weil die Milben ſich ſo lange lebend erhalten, ausgenommen bei großer Kälte. So wie die Ausbreitung der Räude bei dem er⸗ griffenen Thiere mit verſchiedener Schnelligkeit erfolgt, ſo iſt dieſes auch mit der Weiterverbreitung unter gan⸗ zen Heerden der Fall. Im Allgemeinen begünſtigen Wärme, und eine feuchte, ſchwüle Luft die ſchnelle Verbreitung der Krankheit; auch enges Zuſammenſein in Ställen. Kälte, rauhes und windiges Wetter, der Aufenthalt der Heerde im Freien und auf ſehr ausge⸗ dehnten Weideplätzen machen den Gang der Krankheit und ihre Ausbreitung ſehr zögernd und langſam. Immer verfließen wenigſtens mehrere Monate, bevor die Räude den größeren Theil der Heerde ergriffen hat; in der Regel erfolgt dieſes erſt nach vier bis ſechs Mo⸗ naten, und unter Umſtänden ſelbſt noch ſpäter. Die weitere Verbreitung der Räude auf dem einzelnen Thiere erfolgt vorzugsweiſe, wo nicht ausſchließlich, Raͤude. durch die nach und nach erfolgende Vermehrung der Milben. Indem dieſe ſich nämlich unter die Ober⸗ haut einbohren, legen ſie ihre Eier in dieſelbe, aus denen neue Milben entſtehen, welche dann weiter krie⸗ chen und in benachbarten Hautſtellen ſich einbohren. Auf dieſe Weiſe vervielfältigen ſich die Milben in kur⸗ zer Zeit ungemein; bei warmer Luft, und beſonders bei Sonnenſchein, kommen ſie oft in unzählbarer Menge auf die äußere Fläche der Haut; bei Kälte und Regen ſind ſie weniger ſichtbar, und ſie gehen dann wahr⸗ ſcheinlich in ihre unter die Oberhaut eingegrabenen Kanäle. In ſeltenen Fällen kann ſich die Schafräude auch auf Menſchen übertragen, und hier einen ähnlichen oder gleichen Ausſchlag erzeugen, welcher jedoch einen milderen Verlauf nimmt, als die wahre Menſchenkrätze. Dieſe Fälle ſind aber ohne Zweifel ſehr ſelten, denn ſonſt müßte, bei dem häufigen Vorkommen der Schaf⸗ räude und der öfteren Gelegenheit zur Anſteckung, dieſe weit öfter beobachtet werden, als es in der That der Fall iſt; mir ſelbſt ſteht nicht eine einzige derartige Beobachtung zu Gebote. Auch auf andere Hausthiere, und namentlich auf Schäferhunde, ſoll die Schafräude übergehen können, welches vielleicht nicht durchaus in Zweifel zu ziehen, aber doch noch erſt mit untrüglicher Sicherheit feſtzuſtellen iſt. Es giebt einige Zuſtände der Haut, die mit der Räude verwechſelt werden könnten. Zuweilen verliert ein Schaf ſeine Wolle, und da Anfangs dabei nur einzelne Wollflocken über das Vließ hervorragen, ſo könnte dieſes, bei flüchtiger Betrachtung, mit der Räude verwechſelt werden. Durch die nähere Unterſuchung der Haut an den Stellen, an denen die Wolle ausfällt, wird jedoch jeder Zweifel leicht beſeitigt, denn es er— ſcheint hier die kahl gewordene Haut in Farbe und Anſehen völlig geſundz; ſie iſt weich, elaſtiſch und ohne alle Ausſchwitzung oder Schorfe, auch iſt nie Jucken vorhanden. Ein ſolches Ausgehen der Wolle kommt am meiſten im Frühjahre und im Anfange des Som⸗ mers vor, und findet ſich gewöhnlich nur bei ſchwäch⸗ lichen Subjekten. Ferner iſt der Maulgrind oder Lip⸗ penſchorf nicht mit der Räude zu verwechſeln; erſtere Ausſchlagskrankheit bleibt auf die Lippen, oder doch auf das Geſicht beſchränkt, und findet ſich gewöhnlich nur bei jungen Thieren, während die Räude das An⸗ geſicht faſt allemal verſchont, und ſich an kein Lebens⸗ alter bindet. Zuweilen kratzt und begnabbert ſich ein 63. Schaf, weil es Läuſe hat; die Unterſuchung führt hier leicht zur Quelle des Juckens. Man hüte ſich auch den in der Wolle ziemlich dicht auf der Haut, und oft in Menge angeſammelten Fettſchweiß für Räudeſchorfe zu halten, und iſt man dieſerhalb in Zweifel, ſo ſcheere man die Wolle dicht ab, und unterſuche den Zuſtand der wollfreien Haut ganz genau. Nicht ganz ſelten findet ſich bei Schafen ein flechtenartiger Aus— ſchlag, indeſſen greift dieſer nicht weit um ſich, die Wolle fällt, was bei der Räude erſt ſpät erfolgt, bald und total aus, und es findet gar kein oder doch nur ein geringes Jucken ſtatt. Eine Verwechſelung mit den Schafpocken würde eine große Unkenntniß beider Krankheiten verrathen, und kann deshalb wohl nicht leicht vorkommen. Die Pocken finden ſich, umgekehrt als die Räude, beſonders an den wolleloſen Hautſtel⸗ len, alſo zwiſchen den Beinen und auch im Geſichte; ſie fangen mit Fieber an, verlaufen in beſtimmter Pe⸗ riode, ſind nie mit Jucken verbunden, und in jeder Hinſicht der Räude ſo unähnlich, daß es kaum nöthig zu ſein ſcheint auf den Unterſchied zwiſchen beiden Krankheiten aufmerkſam zu machen. Findet ſich ein mit heftigem Jucken, der Bildung von Schorfen und Ausfallen der Wolle verbundener Hautausſchlag, ſo kann man aus dieſen Zeichen ſchon allein faſt zuverläſſig auf Räude ſchließen, und ſind außerdem noch Milben auf der kranken Haut vorhanden, ſo iſt aller Zweifel niedergeſchlagen. In Betreff der Milben iſt indeſſen zu bemerken, daß ſie zwar gewöhnlich, aber nicht alle— mal vorhanden ſind, und daß der Mangel derſelben keineswegs die Gegenwart der Räude ausſchließt. Wie die Räude aller Hausthiere, ſo iſt auch die der Schafe an ſich eine gefahrloſe Krankheit; ſie geht nicht, wie man ſonſt glaubte, von einer beſonderen Schärfe oder Verderbniß der Säfte aus, ſondern ſie ſtellt eine rein örtliche Krankheit der Haut dar, bei welcher die allgemeine Geſundheit ungetrübt iſt; nur bei ſehr langer Dauer, durch ihre Folgen und zufällig, wird ſie verderblich, und zuletzt faſt ſicher tödlich, denn eine Heilung erfolgt ohne Kur kaum jemals. Wie dem nun auch ſei, ſo iſt die Räude, iſt ſie einmal in einer Heerde in beträchtlichem Grade ausgebrochen, immer eine ſehr widerwärtige Krankheit; ihre Kur macht Umſtände und Koſten, es wird ein größerer Futteraufwand nöthig; es geht Wolle verloren, und die bleibende verliert durch die Heilmittel etwas von ihrem Werthe. Leidet ein Schaf neben der Räude an Raͤude. 251 einer andern und allgemeinen Krankheit, z. B. an Bleichſucht und Egelkrankheit, oder iſt das räudige Thier ſchon ſehr abgemagert und elend durch den Aus⸗ ſchlag geworden, ſo iſt dann freilich der Erfolg der Kur zweifelhaft, und der Ausgang der Räude von dem allgemeinen Zuſtande des Schafes abhängig. Daß die Räude der Schafe gründlich und für die ganze Lebensdauer geheilt werden kann, iſt außer allem Zwei⸗ fel; ſchlecht unterrichtete Perſonen ſind oft geneigt in die Möglichkeit einer radicalen Heilung Zweifel zu ſetzen, weil ſich allerdings oft genung Fälle ereignet haben, wo eine an der Räude behandelte Schafheerde nach längerer Zeit, oft erſt nach ſechs bis acht Mona⸗ ten, auf's Neue in die Krankheit verfiel. Bei einem ſolchen Rückfalle der Räude kann man aber faſt poſitiv ſicher annehmen, daß die Kur nicht gründlich noch mit der erforderlichen Umſicht geleitet war, und daß ſich Gelegenheit zu neuer Infektion der Heerde gefunden hatte, weil die nöthige Reinigung der angeſteckten Ge⸗ genſtände gar nicht oder ſchlecht ausgeführt wurde. Eine Vorbeugung der Schafräude, im gewöhnli⸗ chen Sinne des Wortes, durch arzneiliche oder andere Mittel, giebt es nicht; Alles, was in dieſer Beziehung geſchehen kann, beſteht darin, daß die Schafe, ſo viel es zuläſſig iſt, in Wartung und Fütterung nach den Regeln der allgemeinen Diätetik gehalten, noch mehr aber, daß ſie vor einer möglichen Anſteckung bewahrt werden; denn die ohne Vergleich häufigſte Urſache iſt die erfolgte Anſteckung. Man nehme daher kein frem⸗ des Schaf in die Heerde auf, wenn man nicht völlig von deſſen Geſundheit überzeugt iſt, oder darüber zu⸗ vor die ſorgfältigſten Unterſuchungen angeſtellt hat; man vermeide, ſo viel wie möglich, Wege und Triften, welche häufig von anderen Schafen betreten werden, und dieſe Vorſicht muß ſich verdoppeln, wenn die Räude notoriſch in benachbarten Heerden herrſcht. Es iſt Thatſache, daß ſich die Räudemilben, alſo das, was ausſchließlich die Räude zu verbreiten im Stande i*ſt, ſelbſt vom Schafe getrennt, und auf lebloſen Ge— genſtänden, z. B. auf Holzwerk, zwei bis drei Wochen lebend erhalten, und es kann ſomit die Räude in einer Heerde entſtehen, wenn ſie durch Triften getrieben, oder an einen Ort gebracht wird, wo mehrere Wochen zuvor räudige Schafe ſich befunden, und hier durch Scheuern an einen Gegenſtand zufällig Milben abge— ſetzt hatten. In Hinſicht der Kur der Räude iſt gleich von vorn 32 252 63. herein zu bemerken, daß, da die Räude eine rein ört⸗ liche und äußerliche Krankheit iſt, ihre Heilung auch im Allgemeinen nur örtliche und äußerliche Mittel erheiſcht; in faſt allen Fällen ſind innerliche Mittel nicht nur entbehrlich, ſondern auch völlig nutzlos, und bei ihrer Anwendung giebt man ſich nur einem unge— gründeten Vorurtheile hin, und verſchwendet vermeid⸗ liche Koſten. Dieſer Ausſpruch iſt nicht etwa ein blo— ßes Theorem, ſondern ein durch die zahlreichſten Be— obachtungen feſtgeſtelltes Faktum. Sind die räudigen Schafe elend und ſchwach, ſo kann ihnen zuweilen eine Lecke aus Schwefel, Wachholderbeeren, Kalmus⸗ wurzel, Theer, Terpentinöl und Schrot, in paſſenden Portionen, von Nutzen ſein, und leiden ſie an Fäule, Egelkrankheit ꝛc. ſo erhalten ſie, im Falle dann noch auf Erhaltung der Schafe gerechnet werden kann, Mittel, welche dieſen Krankheiten entſprechen. Die Kur der Räude zerfällt in die palliative und in die radikale. Zeigt ſich die Krankheit in einer Heerde nur erſt bei wenigen Stücken, und auch bei dieſen nur im geringen Grade, ſo gelingt es zuweilen durch Se⸗ paration der allgemeinen Verbreitung zu begegnen. Die kranken Stücke werden dann an einem anderen Orte untergebracht, und mit jedem neu erkrankten Schafe der unausgeſetzt und wochenlang zu beobach— tenden Heerde wird es auf gleiche Weiſe gehalten. Zur Heilung der kranken Schafe reicht es dann oft ſchon aus, wenn der Schäfer Taback kauet und mit dem dadurch imprägnirten Speichel die räudigen Stellen täglich einmal, und bis zur erfolgten Heilung, be⸗ feuchtet und einreibt. Statt deſſen kann man ſich aber auch einer Miſchung aus einem Theile grauer Queckſilberſalbe und drei Theilen Terpentinöl bedienen, oder einer Salbe aus Schwefel oder weißer Nieswurzel, von jedem zwei Loth, Theer und Terpentinöl von jedem vier Loth. Vor der Anwendung des Mittels wird die räudige Hautſtelle durch Kratzen mit den Nägeln oder mit einem ſtumpfen Meſſer von allen anhängenden Schorfen befreit. In der Regel gelingt es aber durch das angegebene Verfahren nur ſelten die weitere und allgemeine Ver⸗ breitung der Räude in der Heerde zu verhindern; wird ſie entdeckt, ſo kann man faſt ſicher ſein, daß ſchon ein beträchtlicher Theil der Heerde von der Krankheit er⸗ griffen iſt, ſelbſt wenn es bei einer näheren Unterſu⸗ chung nicht den Anſchein davon haben ſollte. Die Krankheit bleibt bei der dicht bewollten Haut längere Raͤude. Zeit verborgen, und iſt ſie einmal bei einigen Schafen vorhanden, ſo findet ſie durch das enge Zuſammenſein im Stalle oder in Hurten ſo vielfache und leichte Ver⸗ breitungswege, daß kaum zu hoffen iſt, es werde mit wenigen Erkrankungen abgemacht ſein. So lehrt es die gewohnlichſte Erfahrung. Dennoch iſt die pal— liative Kur der Räude in manchen Fällen in ſo fern von Nutzen, als ſie die Verbreitung der Krankheit ſehr verlangſamt, wodurch ſie bis zu einer, für die allge— meine Kur der Heerde paſſenderen Zeit hingehalten werden kann.. Unzweifelhaft ſicher, und daher in faſt jedem Falle anzurathen, iſt die Radikalbehandlung oder die gleich⸗ zeitige Kur der ganzen Heerde; denn hat ſich die Räude einmal in derſelben gezeigt, ſo iſt ſie in ihrer Totalität als inficirt zu betrachten. Früher war man in ſolchen Fällen bei der Ausrottung der Krankheit nur wenig glücklich; man verſuchte die verſchiedenartigſten Mittel und in mannigfacher Zuſammenſetzung, und dennoch oft ohne Erfolg; meiſt lag dieſes aber weniger in der unpaſſenden Wahl des Mittels, als an ihrer unange⸗ meſſenen Application. In der neueren Zeit iſt man in dieſer Hinſicht glücklicher geweſen, und jetzt iſt die Heilung der Schafräude in den meiſten Fällen eine Bagatelle zu nennen: man kann die Heilung garan— tiren, in der billigen Vorausſetzung, daß die Thiere nicht gleichzeitig an einer andern, ſchon an und für ſich gefährlichen Krankheit leiden. Sonſt wandte man faſt allgemein Salben und von der verſchiedenſten Zuſammenſetzung an; Schwe⸗ fel, Queckſilber, Terpentinöl, Theer ꝛc. machten ihre gewoͤhnlichſten Beſtandtheile aus. Obwohl nicht zu beſtreiten, daß alle dieſe Mittel an ſich ſehr paſſend ſind, ſo iſt doch ihre Anwendung in Salbenſorm ver⸗ werflich, denn die Kur wird dadurch umſtändlich, theuer, und deshalb langwierig, weil es kaum möglich iſt unter der dichten Wolle jeden einzelnen Räudefleck aufzufinden, und hierauf kommt es bei der radikalen Behandlung doch ſo ganz beſonders an. Daher kam es denn auch, daß die Kur mit Salbe oft viele Mo⸗ nate fortgeſetzt werden mußte, obgleich dennoch die Krankheit nicht gänzlich wich. Heut zu Tage iſt man allgemein darüber einverſtanden, daß die Heilung der Räude durch allgemeine Waſchmittel oder Bäder das beſte Heilverfahren abgeben, denn es kommt dabei die geſammte Hautoberfläche mit dem Heilmittel in Be— rührung, und es bedarf daher nicht der ſchwierigen 8 63. Raͤude. und zweifelhaften Aufſuchung der räudigen Stellen. Die Zuſammenſetzung dieſer Waſchmittel, ſo wie die An⸗ wendungsart derſelben, iſt bei den verſchiedenen Sach— verſtändigen mehr oder weniger verſchieden. Einen ſehr großen Ruf hat ſich dieLaugenwäſche von Walzerwor⸗ ben, obſchon ſie denſelben nicht vollſtändig verdient; das Mittel iſt ſehr ſchwach, und deshalb, wie ich und Andere wiederholt erfahren haben, zuweilen ungenü— gend zur Heilung der Räude. In mehreren Fällen habe ich zwar damit räudige Schafheerden gründlich geheilt, in einigen anderen Fällen aber war dieſes nicht der Fall; ich blamirte mich dadurch, und kompro— mittirte meinen ärztlichen Ruf. Ohne weiter auf eine kritiſche Beurtheilung der zahlreichen Zuſammenſetzun⸗ gen, welche nach und nach empfohlen wurden, mich hier weiter einzulaſſen, will ich mich auf die Angabe nachſtehender beſchränken, und zunächſt von dem Ver⸗ fahren ſprechen, deſſen ich mich in den letzten Jahren, und zwar mit ſtets glücklichem Erfolge, bedient habe. Es werden in einem paſſenden Kochgeſchirre ſechs Pfund gebrannter und ungelöſchter Kalk durch Beſprengen mit Waſſer gelöſcht; hierauf ſechs Pfund Potaſche zu⸗ geſetzt, das Ganze mit zehn Quart Waſſer verdünnt, und eine Stunde auf dem Feuer kochend erhalten, wobei die Miſchung zuweilen umgerührt wird, weil ſich der Kalk ſonſt an dem Boden des Gefäßes feſtſetzt. Hat die Lauge die genannte Zeit hindurch gekocht, ſo wird ſie vom Feuer genommen und, heiß wie ſie iſt, ſetzt man ihr acht Pfund Kienöl und zwei Quart Theer zu, und miſcht Alles mittelſt ſtarken Umrührens durch⸗ einander. In einem anderen, größeren Gefäße wer⸗ den zwanzig Pfund gemeine Tabakblätter mit einhun⸗ dert und dreißig Quart Waſſer zwei bis drei Stunden gekocht, worauf die Tabakabkochung in eine hinrei— chend große Tonne oder ein anderes paſſendes Gefäß gegoſſen wird, während die Tabaksblätter, als weiter nicht brauchbar, weggeworfen werden. Zu dieſer Tabacksabkochung gießt man ſodann die in dem ande⸗ ren Kochgeſchirre bereitete Lauge, bewirkt die Vermi⸗ ſchung Beider durch Umrühren, worauf das Mittel fertig iſt. Daſſelbe iſt auf einhundert Schafe berech⸗ net. Um daſſelbe anzuwenden verfährt man wie folgt: Das zu waſchende Schaf wird auf einen Tiſch oder auf ein breites Brett auf die Seite gelegt; einer der Gehülfen hält alle vier Füße deſſelben feſt, und ein anderer drückt den Kopf des Schafes nieder; ein drit⸗ ter Gehülfe bildet in dem Vließe einen Scheitel, welcher 253 vom Grunde des Ohres anfängt, am oberen Cheile der Hinterbacke endet, etwa drei bis vier Zoll von der Mittellinie des Rückens entfernt iſt, und mit derſelben parallel verläuft. Ein vierter Gehülfe gießt ſodann von der Lauge, welche ſo warm ſein muß, daß man nur gerade die Hand darin laſſen kann,+ 40— 500 R., mittelſt eines Topfes oder einer Flaſche etwas in das geſcheitelte und dadurch geöffnete Vließ. Das Schaf wird ſodann auf den Rücken übergekollert, ſo daß es auf die andere Seite zu liegen kommt, an welcher ge⸗ rade ſo verfahren wird, als auf der erſten Seite. So⸗ dann wird das Schaf auf die Füße geſtellt; vom Genick bis zur Schwanzwurzel, gerade in der Mittel— linie des Rückens, wird ein dritter Wollſcheitel ge— macht, und auch in dieſen etwas Lauge gegoſſen. Für jedes ungeſchorene Schaf iſt ein Quart Lauge erforder⸗ lich; die einzelnen kahlen und mit Schorfen bedeckten Hautſtellen werden mit den Nägeln oder einem ſtum⸗ pfen Meſſer abgekratzt, und noch beſonders mit etwas Lauge befeuchtet, ſonſt iſt aber in allen anderen Fällen kein weiteres Verreiben des Waſchmittels nöthig, denn daſſelbe vertheilt ſich von ſelbſt gleichmäßig auf der Haut, und befeuchtet deren ganze Oberfläche. Das auf ſolche Weiſe befeuchtete Schaf wird dann entlaſ— ſen, und ein anderes vorgenommen. In der Regel iſt es nöthig, oder doch jedenfalls anzurathen, nach ſechs bis acht Tagen das Mittel zum zweiten Male anzuwenden; es gewährt dieſes dann um ſo größere Sicherheit einer durchaus gründlichen Heilung, obſchon in den gelinderen Graden der Krankheit eine einmalige Wäſche, wie ich ſelbſt wiederholt erfahren habe, aus— reicht. Auf die vorſtehend angegebene Weiſe habe ich im Laufe des letzten Jahres dreizehn verſchiedene, mit der Räude behaftete Schafheerden geheilt, und zwar gründlich und ohne daß ſich ein einziger Rückfall der Krankheit gezeigt hätte. Das Verfahren geht ziemlich raſch, ſo daß ich mit einigen Gehülfen, ſelbſt in den kürzeſten Wintertagen, gegen vierhundert Schafe in einem einzigen Tage waſchen konnte. Iſt die Heerde ſehr groß, ſo wird man wohlthun zu veranſtalten, daß gleichzeitig mehrere Schafe mit Lauge befeuchtet wer— den, damit dieſes etwas läſtige Geſchäft wo möglich in Einem Tage abgemacht wird; übrigens iſt zu be⸗ merken, daß die Lauge längere Zeit ſtehen kann, ohne erheblich von ihrer Wirkſamkeit zu verlieren. Iſt die Lauge kühl geworden, ſo wird ſie wieder hinreichend warm gemacht. Außerdurch ihre Wirkſamkeit empfiehlt 254 63. ſich dieſe Lauge auch noch durch ihre Billigkeit; die Koſten für die einmalige Befeuchtung eines Schafes betragen ungefähr einen Silbergroſchen(Neugroſchen) und mithin für die ganze Kur, bei zweimaliger Be⸗ feuchtung, den geringen Betrag von nur zwei Silber⸗ groſchen. In einigen Fällen reicht die vorſtehende Anwen⸗ dungsart der Lauge nicht aus, um die Heilung der Räude zu bewirken. Iſt dieſelbe veraltet und in einem ſehr hohen Grade vorhanden, ſo daß die Haut auf großen Flächen, und ſogar total, entartet und mit ſehr dicken Schorfen und Borken bedeckt iſt ꝛc., ſo muß ein Verfahren eintreten, welches energiſcher und tiefer in das kranke Hautgewebe eingreift. Hier bedient man ſich dann der allgemeinen Bäder, alſo des Eintauchens der Schafe in das Heilmittel; daſſelbe wird auf die— ſelbe Weiſe bereitet, wie ſchon angegeben, oder es kann folgende Zuſammenſetzung haben. Auf einhun⸗ dert Schafe werden ſechs Pfund Potaſche, ſechs Pfund ungelöſchter Kalk und vier Pfund gelber Schwefel mit zwanzig Quart Waſſer eine Stunde gekocht und zu der vom Feuer entfernten, noch heißen Lauge zwei Quart Theer gerührt. In einem großen Keſſel erhält man einhundert Quart dünne Miſtjauche heiß, ſodann werden in eine Badewanne, einen Feuerküben oder ein anderes Gefäß, in welchem das ganze Schaf bequem untergetaucht werden kann, ein Theil der Lauge und fünf Theile heiße Miſtjauche zuſammengerührt, und zwar in der Menge, daß das Schaf beim Eintauchen überall von Flüſſigkeit bedeckt wird. Das Schaf wird dann von einem Gehülfen an den Hinterfüßen, und von einem anderen Gehülfen an den Vorderfüßen ge⸗ faßt; ein dritter Gehülfe faßt das Thier beim Kopfe, worauf das Schaf, mit dem Rücken nach unten, in die Lauge untergetaucht und in ihr einige Minuten gehalten wird. Der Gehülfe, welcher den Kopf hält, muß Ohren und Augen des Schafes zudrücken, damit nicht etwa Lauge hineinläuft, ſo wie dann überhaupt das Geſicht nie untergetaucht werden darf. Das Schaf wird aus dem Bade in einen dicht daneben ſtehenden Trog geſtellt, und die in der Wolle zum Uebermaße befindliche Lauge durch Streichen mit den Händen ausgedrückt. Statt das aus dem Bade ge⸗ nommene Schaf in einen Trog zu ſtellen, kann man daſſelbe auch auf eine, über eine offene Tonne gelegte Leiter legen, und hier die Lauge ausdrücken, und finden ſich dicke Borken auf der Haut, ſo werden dieſe dann Raͤude. noch nebenbei mit meſſerförmigen Hölzchen ſo viel wie möglich abgekratzt. Vermindert ſich die Lauge in der Wanne ſo ſehr, daß das Schaf beim Eintauchen nicht mehr davon bedeckt wird, ſo wird wieder etwas Lauge und Miſtjauche in der angegebenen Proportion, zuge⸗ goſſen, und auch die von den gebadeten Schafen ab⸗ gefloßene Lauge wird von Zeit zu Zeit in die Bade⸗ wanne zurückgegoſſen. Stets iſt dafür zu ſorgen, daß das Bad hinreichend warm ſei, und eine Temperatur von+ 40— 500 R. habe. Nach Verlauf von vier bis ſechs Tagen wird ein zweites Bad gemacht, und unter Umſtänden ſelbſt ein drittes; die zu dem zweiten und dritten Bade beſtimmte Flüſſigkeit kann etwa um ein Drittel ſchwächer ſein, als das erſte Bad, deſſen Ueberbleibſel zu den ferneren Bädern aufgehoben wer⸗ den. Durch ſolche allgemeine Laugenbäder wird die bösartigſte Räude ſicher geheilt; ſie haben indeſſen das Unangenehme, daß ſie viel Lauge erfordern, und dadurch ziemlich koſtſpielig werden, und daß ſie außerdem um⸗ ſtändlich ſind, indem nicht ſehr viele Schafe in einem Troge gebadet werden können; denn wenn auch Gehül⸗ fen in Menge vorhanden wären, um mehrere Schafe zugleich zu baden, ſo mangelt es doch in der Regel an hinreichenden Geräthſchaften. Kann man ſich daher mit dem von mir beobachteten Verfahren behelfen, ſo verdient dieſes den Vorzug, wo jedoch die Räude zu eingewurzelt iſt, da wird man ſchon nicht umhin kön⸗ nen, zu dieſer letzten Methode ſeine Zuflucht zu neh⸗ men. Durch die Lauge verliert die Wolle einen nicht unbeträchtlichen Theil ihres Werthes; zwar nicht eigentlich ihres wahren, aber doch ihres Handelswer⸗ thes; ſie wird durch den Verluſt ihres Fettſchweißes ſpröde und trocken, und deshalb geht viel von ihrem Gewichte verloren. Deshalb iſt es um ſo räthlicher, die Kur bis nach der Schur aufzuſchieben, denn ſpäter gleicht ſich der der Wolle zugefügte Schaden faſt ganz wieder aus. Die mit Lauge befeuchtete, oder in ihr gebadete Heerde wird im Sommer, wenn das Wetter warm und trocken iſt, ſogleich auf die Weide gejagt, aber die nächſte Nacht im Stalle gehalten. Im Winter hält man ſolche Schafe in einem möglichſt warmen Stalle. Es kommen bei der Kur der Räude außerdem noch einige Umſtände in Betracht, welche hier in der Kürze erörtert werden ſollen. Wahl der Jahreszeit, ſo verdienen die wärmſten Hat man bei der Kur die 63. Raͤude. Sommermonate ohne Vergleich den Vorzug. Je kürzer die Wolle iſt, deſto leichter und ſicherer erfolgt die Heilung, auch iſt die Kur darum billiger, weil nur wenig Lauge erforderlich iſt; iſt es daher möglich die radikale Behandlung bis zur erfolgten Schur der Schafe aufzuſchieben, ſo iſt dieſes dringend anzurathen. Zeigt ſich z. B. die Räude in einer Heerde etwa we⸗ nige Monate vor der Schurzeit, ſo ſuche man, im Falle die Polizeibehörde dieſes zuläßt, die Krankheit durch Palliativ⸗Behandlung bis zu der günſtigen Zeit hinzuhalten; macht ſie ſich aber im Spätherbſte oder im Winter bemerkbar, ſo bleibt freilich nichts übrig, als die Kur ſofort vorzunehmen. Obwohl die wärmſte Jahreszeit, wie ſchon bemerkt, für die Heilung die günſtigſte iſt, ſo kann dieſelbe jedoch auch im ſtrengen Winter erfolgen; hier muß die Stallwärme die Son⸗ nenwärme erſetzen. Uebrigens halten die Schafe bei der Kur einen ziemlichen Grad von Kälte aus; ich habe oft die allgemeinen Befeuchtungen mitten im Winter vorgenommen, und bei Heerden, die in nur ſehr ſchlecht verwahrten und deshalb ſehr kalten Stäl⸗ len gehalten wurden. Daß dieſes tödtliche Folgen gehabt, oder den Erfolg der Behandlung weſentlich beeinträchtigt hätte, habe ich kaum jemals zu bemerken Gelegenheit gehabt. Bei edlen und deshalb empfind⸗ licheren Schafen darf man indeſſen in dieſer Hinſicht nicht allzu ſorglos, und ein recht warmer Stall wird hier ſtets ſehr wünſchenswerth ſein. Da die Schafe bei der Kur— ich weiß zwar nicht recht wodurch?— in der Regel beträchtlich angegriffen werden, und von Fleiſch kommen, ſo müſſen ſie möglichſt reichlich und gut gefüttert werden, ſo wie denn überhaupt ein ro⸗ buſter Körperzuſtand die Heilung unter allen Umſtän⸗ den ſehr begünſtigt. Zum Schluß iſt hier noch auf einen ſehr wichti⸗ gen Umſtand aufmerkſam zu machen, nämlich auf die Verhütung einer neuen Infektion der Heerde; wird in dieſer Hinſicht nicht eine große Sorgfalt beobachtet, ſo iſt kaum zu hoffen, daß jemals eine definitive Hei⸗ lung der Krankheit erfolge. Durch eine ſtets unter⸗ haltene neue Anſteckung hat ſich die Räude oft ſchon jahrelang in einer Heerde erhalten, und es ſind dadurch mitunter die beſten Heilmethoden ohne Grund in Miß⸗ kredit gekommen. Entdeckt man die Räude in einer Heerde, ſo laſſe man dieſe ruhig in dem bisherigen Lokale, und halte ſie auch nach dem erſten Bade ꝛc. in demſelben, denn es liegt nichts daran, ob einzelne 25⁵ Schafe vielleicht nach dem erſten Bade durch den in— ficirten Stall ꝛc. angeſteckt werden ſollten, weil das zweite Bad in wenigen Tagen nachfolgt, wodurch die etwa in der Zwiſchenzeit entſtandene Räude, bei ihrer Geringfügigkeit und kurzen Dauer, ſicher geheilt wird. Iſt aber das zweite oder überhaupt das letzte Bad ge⸗ macht, ſo muß die behandelte Heerde zunächſt in einem anderen Lokale untergebracht werden, und eine ſorg⸗ ſame Disinfection erfolgen. Der Miſt des Stalles wird an einen, für Schafe unzügänglichen, Ort ge— bracht; die Wände des Stalles, Krippen, Raufen und überhaupt Alles, was ſich als Oberfläche in dem⸗ ſelben dem Auge darbietet, wird mit Kalkmilch, wel— cher auf jeden Eimer voll ein Pfund Chlorkalk zuge— ſetzt iſt, recht dick überſtrichen; eben ſo wird mit den Schafhürten, dem Schäferkarren und überhaupt mit allen Gegenſtänden verfahren, mit denen die räudige Heerde etwa in Berührung gekommen ſein ſollte. Da ſich der Anſteckungsſtoff— alſo die lebenden Milben — mehrere Wochen wirkſam erhält, ſo halte man die geheilte Heerde für dieſe Zeit ſo viel wie möglich von allen Orten entfernt, welche von der inficirten Heerde betreten waren. d) Räude beim Schweine. Sie kommt nur ſelten vor. Auf der Haut, beſonders an der inneren Fläche des oberen Theiles des Schenkels, er⸗ ſcheint die Haut geröthet, es bilden ſich Waſſerbläs⸗ chen, welche platzen, eine klebrige Flüſſigkeit entleeren, kleine Geſchwüre und Schorfe hinterlaſſen, wobei das Schwein ſich öfters ſcheuert und kratzt. Manchmal greifen dergleichen Geſchwüre ſehr um ſich; ſie errei⸗ chen einen großen Umfang, die Haut wird dann ſehr dick, runzlich und von ſpeckartigem Anſehen. Die Urſachen beſtehen in Unreinlichkeit und in erlittener Anſteckung; es wird behauptet, daß räudige Pferde, Rinder und Schafe die Schweine anſtecken können, welches jedoch wohl kaum wahr ſein dürfte, denn ſonſt würde die Schweineräude öfterer vorkommen, als es der Fall iſt. Um die Heilung zu bewirken wird die, zuvor mit Seifenwaſſer gereinigte, Haut mit irgend einem Räudemittel behandelt. Hiezu paſſen alle die bei der Räude des Rindviehes oder auch des Pferdes empfohlenen Mittel; iſt die Haut ſehr geſchwü⸗ rig und mit Eiter oder anderer Feuchtigkeit ſehr benetzt, ſo wendet man für einige Zeit austrocknende Mittel an, und hiezu paßt das täglich zwei Mal zu wieder⸗ holende Aufſtreuen eines Pulvers aus rothem Präcipitat 256 63. und gebranntem Alaun, von jedem zwei Quentchen, Holzkohle und Eichen- oder Weidenrinde, von jedem vier Loth. Iſt die abgeſonderte Feuchtigkeit von ſehr üblem Geruche, ſo kann die kranke Hautſtelle zwiſchen⸗ durch mit einer Auflöſung von zwei Loth Chlorkalk in ein Pfund Waſſer befeuchtet werden. Während der Kur muß für einen reinlichen, trok⸗ kenen, möglichſt warmen und mit reichlicher Streu verſehenen Stall geſorgt werden, und das Futter muß reichlich und unverdorben ſein. Fetten Schweinen giebt man eine Laxanz aus zwei bis vier Loth Glau⸗ berſalz in Waſſer gelöſet als Einguß, und füttert ſie mäßig, nicht mit Schrot oder andern erhitzenden Nah⸗ rungsmitteln. Magere und elende Schweine erhal⸗ ten dagegen Schrot oder Körnerfutter, und innerlich giebt man ihnen nöthigen Falls täglich ein bis zwei Quentchen Schwefel und eben ſo viel Spießglanz unter den Futterbrei. Da die räudigen Schweine andern Schweinen die Krankheit mittheilen können, ſo iſt eine ſorgfältige Reinigung des Stalles ꝛc. vorzunehmen, ganz als bei der Räude der anderen Thiere. e) Räude beim Hunde. Bei ihm iſt dieſe Krankheit ſehr gewöhnlich, und ſie kommt bei allen Arten deſſelben vor; oft iſt ſie ſehr anſteckend, oft nur im geringen Grade, ſo daß ein räudiger Hund lange Zeit mit andern Hunden in Gemeinſchaft ſein kann, ohne dieſelben anzuſtecken. Iſt die Mutter indeſſen zufällig räudig, ſo verfallen die Jungen faſt ſicher in dieſelbe Krankheit. Auch auf den Menſchen kann die Hunde⸗ räude übergehen, beſonders wenn ein ſolcher Hund, wie dieſes nicht ſelten geſchieht, mit ins Bett genom⸗ men wird; mir ſelbſt ſind Fälle bekannt, wo auf dieſe Weiſe ganze Familien, namentlich kleine Kinder ange⸗ ſteckt wurden. Eine ſolche vom Hunde auf Menſchen übertragene Räude heilt zwar etwas leichter als die gewöhnliche Menſchenkrätze, aber dennoch iſt ſie immer ſehr unbequem. Die Urſachen beſtehen in Unreinlichkeiten verſchie⸗ dener Art, in Kälte und Näſſe, in ſchlechtem, noch mehr aber in zu reichlichem Futter; deshalb werden auch ſehr fettleibige Hunde, zumal wenn ſie nur wenig Bewegung haben, leicht von der Räude befallen, auch dann, wenn ſie anhaltend mit ſehr ſalziger Nahrung z. B. mit Heringen oder Fleiſch gefüttert werden. Die Räude erſcheint unter verſchiedenen Formen, aber We⸗ ſen und Kur erleiden dadurch keine beträchtliche Ab⸗ weichung von einander. Auf dem Rücken, am oberen Raͤude. Rande des Halſes, oder an andern Stellen werden die Haare ſtruppig und glanzlos, und fallen nach und nach aus; die Haut iſt verdickt, faltig, ſchlaff und mit Schuppen, Schorfen oder Riſſen bedeckt. Der Hund empſindet Jucken, und reibt und kratzt ſich die kranken Hautſtellen, oder er benagt ſie mit den Zähnen. Nach und nach gewinnt derAusſchlag an Ausbreitung, bis zuletzt die ganze Haut befallen und kahl wird, und hievon ſind ſelbſt die Beine nicht ausgeſchloſſen. In einigen Fällen iſt der Ausſchlag mehr trocken, und die Haut iſt nur mit dünnen Schuppen und Locken, wie mit Kleie, bedeckt; oder es iſt die Haut mit tiefen Riſſen verſehen, aus denen eine blutige, oder gelbliche, oft ſehr übelriechende Feuchtigkeit fließt; zuweilen iſt auch eine größere Hautfläche wund und eiterig und von ſpeckartigem Anſehen. Eine ſolche Räude hat man Fett⸗ oder Speckräude genannt, während die andere mit dem Namen der trockenen Räude belegt wird. Die Heilung iſt im Allgemeinen nicht ſehr ſchwer, im Falle die Krankheit noch nicht gar zu lange beſteht, und die Haut nicht etwa überall kahl und in dicke und tiefe Falten verwandelt iſt. Der kranke Hund wird von andern Hunden getrennt, reinlich, trocken und warm gehalten und zuerſt in ein warmes Seifenbad geſteckt, oder mit Seifenwaſſer abgewaſchen; hierauf wendet man eines der folgenden Mittel an. Man nimmt zwei Loth Chlorkalk, in einem Pfund Waſſer aufgelöſt, und wäſcht die kranke Haut täglich zwei Mal damit, bis Heilung erfolgt, oder man nimmt zwei Loth Schwefelleber, bei gleicher Menge des Waſſers. Iſt der Ausſchlag noch auf einzelne Stellen der Haut beſchränkt, ſo reibt man täglich zwei Mal etwas ory⸗ dirtes Fett ein, oder eine Salbe aus einem Loth grauer Merkurialſalbe und zwei Loth Rüböl; oder man miſcht funfzehn Gran oxydulirtes, ſalpeterſaures Queckſilber mit zwei Loth grüner Seife, reibt damit die Haut dünn ein, und wäſcht dieſes Mittel am andern Tage mittelſt einer weichen Bürſte und heißem Waſſer wieder ab. Auch eine Auflöſung von ſechs bis acht Gran Jodine in zwei Loth Branntwein, oder von acht Gran oxydu⸗ lirtem, ſalpeterſauren Queckſilber in zwei Loth Waſſer, womit die Haut täglich einmal dünn befeuchtet wird, iſt ein ſehr wirkſames Mittel. Bei der Kur muß die Haut alle Paar Tage ein Mal mit warmem Seifen⸗ waſſer abgewaſchen werden. Iſt der Hund ſehr fett, ſo reicht man ihm eine Abführung aus einem bis drei Loth Glauberſalz mit Waſſer, giebt ihm Gelegenheit 64. Maͤhnengrind des Pferdes. ſich Bewegung zu machen, und füttert ihn knapp und nur mit Pflanzenkoſt, Brod, Milch, nicht aber mit Fleiſch. Bei mageren und ſchwachen Hunden muß die Fütterung reichlich ſein, und ſie kann hier ſelbſt in Fleiſch beſtehen, vorausgeſetzt, daß daſſelbe nicht ſehr 65. Hautjucken des Pferdes. 257 geſalzen iſt. Nach der Heilung des Hundes muß eine entſprechende Reinigung des Stalles ꝛc. eintreten; Lagerſtroh, Ruhekiſſen ꝛc. müſſen durch andere erſetzt werden. 64. Mähnengrind des NRindviehes. Der Mähnengrind hat in der Haut der Mähnen, am Grunde der Haare ſeinen Sitz; er erſcheint ziemlich oft, und einmal dageweſen kehrt er leicht zurück, be⸗ ſonders im Frühjahre. Die Haare fallen nach und nach aus, und die Haut erſcheint mit dicken Borken oder mit kleienartigen Schuppen bedeckt; manchmal bilden ſich tiefe Querriſſe, in deren Tiefe eine gelbliche, oder röthliche, klebrige Flüſſigkeit abgeſondert wird. An⸗ ſteckend iſt dieſer Ausſchlag, wie es ſcheint, nicht. Die Kur iſt nicht ſehr ſchwierig; häufiges Reinigen der kranken Haut mit Seifenwaſſer, das Beſtreichen oder Waſchen derſelben mit einer Auflöſung von Chlorkalk oder blauem Vitriol, oder mit Terpentinöl, oder mit einer Salbe aus zwei Loth Schwefelleber oder zwei Loth Braunſteinoxyd mit ſechs Loth Schweineſchmalz reicht bei anhaltendem Gebrauche zur Heilung aus. 65. Hautjucken des Pferdes. Obgleich ein Jucken der Haut auch bei der Räude, bei angetrocknetem Schweiße und manchen anderen Umſtänden beim Pferde beobachtet wird, ſo giebt es doch eine eigenthümliche Hautkrankheit, deren vorzüg⸗ lichſtes Zeichen in ſehr heftigem Jucken beſteht. Die Krankheit iſt theilweiſe oder gänzlich über die Haut verbreitet; das Pferd empfindet ein faſt unausgeſetztes Jucken, welches es durch Scheuern, Reiben, Benagen mit den Zähnen, Wälzen auf der Erde oder auf an⸗ dere Weiſe zu erkennen giebt. Anfangs findet ſich auf der Haut keine bemerkbare Veränderung; bei längerer Dauer aber entſtehen kleine Knötchen auf der Haut, welche durch das Scheuern des Pferdes in braune Schorfe übergehen, und— iſt das Hautjucken ſehrheftig, ſo reibt das Pferd oft große Stellen der Haut wund und blutrünſtig. Die Krankheit iſt völlig gefahrlos, aber in der Regel ſehr langwierig und deshalb ſehr läſtig; manchmal vermindert ſie ſich etwas, und kehrt Wagenfeld, Encyel. dann periodiſch mit größerer Heftigkeit wieder. Die Urſachen ſind unbekannt. Aeußere Mittel richten theils in der Regel nicht viel aus, theils würde ihre Anwen⸗ dung, da ſie ſich über die geſammte Oberfläche der Haut verbreiten müßte, mit manchen Inconvenienzen verbunden ſein; indeſſen ſcheinen Reinlichkeit, häufiges Waſchen mit Seifenwaſſer oder mit einer ſchwachen Aſchenlauge nicht ganz ohne guten Erfolg zu ſein. Wichtiger bei der Kur ſind innerliche Mittel, als Ader⸗ laſſe, Laxanzen, und ſpäter eine Latwerge aus Schwe⸗ felſpießglanz und Sadebaumblättern, von jedem acht Loth, Wachholderbeeren und Kalmuswurzeln, von jeden zwolf Loth, mit Mehl und Waſſer bereitet, und in drei bis vier Tagen zu verbrauchen. Acht oder vier⸗ zehn Tage ſpäter kann eine ſolche Latwerge, im Falle das Hautjucken ſich nicht mindert, wiederholt gegeben werden. Oefterer wie das allgemeine Haunjutten kommt das 258 66. örtliche Hautjucken beim Pferde vor, und dann ge⸗ wöhnlich an dem dicken Ende und auf der behaarten Rückenfläche der Schweifrübe. Das Pferd reibt ſich dieſe Stelle an den Stallwänden, den Standbäumen oder an jedem nur irgend erreichbaren Gegenſtande; die Haare werden dadurch abgerieben, und hat die Krankheit lange gedauert, ſo fallen nach und nach die Haare aus, welches dann den ſogenannten Ratten⸗ ſchweif zur Folge hat, wodurch das Pferd ſehr entſtellt wird. Die Haut ſelbſt erſcheint Anfangs nicht krank⸗ haft verändert; ſpäter aber bilden ſich Knötchen und Borken auf ihr, oder ein ſchuppiger, kleienartiger Ausſchlag. Um dieſen zwar nicht gefährlichen, aber doch ſehr widerwärtigen Fehler zu heben, muß vor Allem darauf Oeſtruslarven. geſehen werden, daß das Pferd ſich ferner nicht mehr den Schweif reiben kann; ſodann wird die Schweif⸗ rübe mit Seifenwaſſer von allen anklebenden Schorfen und Schuppen gereinigt, und auf ſie eines der nach⸗ ſtehenden Mittel applicirt. Zwei Loth graue Merku⸗ rialſalbe und acht Loth Rüböl werden gemiſcht, und hiemit die kranke Haut täglich zwei Mal eingerieben; oder ſtatt deſſen mit zwei Loth Schwefelleber und acht Loth Rüböl. Iſt die Haut entzündet und riſſig, ſo beſtreicht man ſie täglich einige Male mit einem Ge⸗ miſche aus zwei Loth Bleieſſig und ſechs Loth Rüböl. Schweifjucken, welches zufällig durch Schweiß, Staub und dergl. entſteht, wird leicht durch einfaches Abwa⸗ ſchen mit Seifenwaſſer beſeitigt, und gehört deshalb nicht hierher. 66. Oeſtruslarven.(Tab. XVI.) Unter dem Namen Oeſtrusfliege, Viehbremſe oder Daſſelfliege wird ein zu dem Fliegengeſchlechte gehö⸗ riges Inſekt begriffen, welches dem Pferde, Rinde und Schafe mancherlei Unbequemlichkeiten, mitunter ſogar den Tod bringt. Es giebt verſchiedene Arten dieſer Bremſe, auf deren nähere naturgeſchichtliche Beſchrei⸗ bung hier jedoch nicht weiter eingegangen werden kann; ihre Entwickelungsgeſchichte iſt in der Kürze folgende: Im Sommer legt die Bremſe ihre Eier auf die Haare oder die Haut der Thiere; aus dieſen Eiern kriechen nach kurzer Zeit Maden oder Larven, welche ſich dann entweder(wie beim Rindviehe) unter die Haut einboh⸗ ren, oder(wie beim Schafe) in Stirn⸗ und Naſenhöh⸗ len, oder(wie beim Pferde) in den Magen kriechen. An dieſen Orten bleiben die Larven bis zum nächſten Frühjahre ſitzen, erreichen in dieſer Zeit ihre gehörige Größe und Ausbildung, gehen dann mit dem Miſte ab, oder kriechen aus der Haut hervor, verwandeln ſich ſehr ſchnell in Puppen, aus denen dann eine aus⸗ gebildete neue Bremſe hervorkommt, fortfliegt, Eier legt ꝛc. a) Pferdebremſe(Fig. 7 und 8 Männchen und Weibchen). Es giebt mehrere Arten dieſer Bremſe, und deshalb finden ſich beim Pferde auch in der Regel, gewöhnlich gleichzeitig, mehrere Arten der Bremſen⸗oder Oeſtruslarven im Magen, und zwar faſt nur aus⸗ ſchließlich bei Weide- oder ſogenannten Graſepferden; faſt nie bei ſolchen, die fortwährend im Stalle gehalten werden, denn hierher gehen die Bremſen faſt niemals. Im Juni, noch mehr aber im Juli, Auguſt und Sep⸗ tember umſchwärmt die Bremſe, beſonders an ſehr heißen und ſchwülen Tagen, das Pferd, und legt an verſchiedenen Stellen ſeine Eier auf die Haare nieder; am gewöhnlichſten an das Mähnenhaar und an das untere Ende der Vorderſchenkel(Fig. 10 und 11). Nach ſechs bis acht Tagen hat das Ei ſeine Reife er— langt, es platzt am dickeren Ende, und aus ihm kriecht eine mit bloßen Augen kaum ſichtbare Oeſtruslarve hervor(Fig. 12 in natürlicher, Fig. 13 und 14 in vermehrter Größe). Wie dieſe nun in den Magen des Pferdes gelangt, iſt noch nicht ganz beſtimmt ausge⸗ macht; wahrſcheinlich kriecht die kleine Larve, vom natürlichen Inſtinkt geleitet, unter oder auf den Haa⸗ ren bis zum Maule, und von hier durch den Schlund in den Magen, welches dem Thiere in ſo fern nicht ſchwer werden kann, als es mit vielen harten, haken⸗ artigen Spitzen, in Form von Ringen, mehrfach um⸗ geben iſt. Vielleicht auch verurſachen die eben ausge⸗ 66. Oeſtruslarven. 259 krochenen Larven ein Jucken auf der Haut, ſo daß das Pferd ſich beleckt, und auf dieſe Weiſe die Larven auf die Zunge bringt, oder auch verſchluckt; indem die Pferde ſich gegenſeitig den Dienſt erweiſen, ſich an den Mähnen und anderen Körperſtellen zu benagen, mag die Larve ebenfalls wohl in den Magen gebracht wer⸗ den. Hier angelangt bohrt ſich die Larve mit ihrem harten, hornartigen Rüſſel in die Schleimhaut ſehr feſt ein, ſetzt ſich hier feſt, und ernährt ſich von den eiterartigen Säften, welche das Produkt der durch das Einbohren entſtandenen Entzündung ſind; ſie verweilt im Magen zehn bis zwölf Monate, erreicht in dieſer Zeit ihre Größe, und erſcheint dann als ein rundes, braunrothes oder gelbliches Tönnchen(Fig. 6). Oft finden ſich im Magen gleichzeitig Larven von verſchie— dener Größe und Farbe. Haben ſie ihre Reife erlangt, ſo laſſen ſie mit dem Rüſſel los, und gehen dann mit dem Miſte ab; manche derſelben hängen ſich bei ihrer Reiſe durch die Gedärme an verſchiedenen Stellen der⸗ ſelben, vorzüglich aber am hinteren Ende des Maſtdar⸗ mes, an, werden dann, beſonders beim Miſten des Pferdes, ſichtbar, haften ungemein feſt, aber nur kurze Zeit, meiſt nur ein oder zwei Tage. Nach außen ge⸗ kommen verwandelt ſich die Larve ſehr ſchnell in eine Puppe(Fig. 9), und aus dieſer fliegt die ausgebildete Bremſe in vier bis acht Wochen aus, legt Eier und wiederholt den beſchriebenen Cyklus. Alle Weidepferde ohne Ausnahme können von Oeſtruslarven befallen werden; am häufigſten jedoch kommen ſie bei jungen Pferden vor. Die Weidepferde werden durch die Bremſenlarven oft ſehr beunruhigt, ſie laufen oft wild umher, wenn ſie nur das ſingende Geräuſch einer Bremſe wahrnehmen. Die Oeſtruslarven des Pferdes können von größe⸗ rem oder geringerem Nachtheil für daſſelbe ſein; leider giebt es kein ſicheres Kennzeichen aus denen die Ge— genwart dieſer Larven im Maule oder im Magen zu beurtheilen iſt, gleichviel ob nur wenige oder viele Lar⸗ ven vorhanden ſind. In der Regel kann man voraus⸗ ſetzen, daß jedes Pferd, welches längere Zeit auf der Weide ſich befunden hat, Larven im Magen hat; auch iſt dieſes an den auf den Haaren vorhandenen Ciern zu ſehen, denn ihre leeren Hüllen bleiben noch ſehr lange Zeit, und bis ſie zufällig durch Putzen oder durch Regen fortgehen, ſitzen. Einzelne Larven ſetzen ſich zuweilen an das Gaumenſegel, an den Schlundkopf, im Schlunde und am Kehlkopfe feſt, und erzeugen hier oft mancherlei Störungen, von denen die Urſache am lebenden Thiere freilich wohl nie ſicher zu entdecken iſt; das Pferd iſt im Schlucken mehr oder weniger genirt, oder das Athemholen iſt erſchwert, ſo daß ein ſolches Pferd ſchon alle Zufälle der Dämpſigkeit dargeboten hat. Hat man in ſolchen Fällen Verdacht, daß Oe⸗ ſtruslarven im hinteren Theile des Maules oder am Schlund⸗ oder Kehlkopfe ſich befinden, ſo unterſuche man mit Hülfe des Maulgatters Alles ſo gut wie es geht, und iſt namentlich das Schlingen erſchwert, ſo ſtoße man mit Vorſicht einen glatten, elaſtiſchen Stock, am beſten von Fiſchbein oder Rohr, an deſſen vorderem Ende ſich ein Knopf aus Heede oder Leinwand befindet, durch das Maul in den Schlund ein; zuweilen gelingt es hierdurch die feſtſitzenden Larven zu entfernen. Das Vorkommen der Larven an den gedachten Orten gehört indeſſen zu den ſeltenen Erſcheinungen. Im Magen können dieſelben mancherlei Störungen veranlaſſen; ſie durchbohren die Schleimhaut(Fig. 6. a.) und machen ſelbſt eine Grube in die darunter liegende Mus⸗ kelhaut(Fig. 6. b.), welche Wunden jedoch nach Abgang der Larven ſchnell heilen, und ohne Narben zu hinterlaſſen. Die Anzahl der Larven, welche ſich in dem Magen finden, iſt oft ſehr beträchtlich; nicht ſel⸗ ten iſt ein großer Theil der inneren Magenhaut mit ihnen faſt überall und ſo dicht bedeckt, daß die Magen⸗ haut kaum zu ſehen iſt, und wie gepflaſtert erſcheint; man fand ſchon eintauſend und fünfundſechzig Larven in einem Pferdemagen, häufiger jedoch weit weniger, gewöhnlich auf kreisförmigen Stellen gehäuft. Manch⸗ mal ſind auch nur einzelne Larven vorhanden. Sind die Larven in ſehr großer Anzahl vorhanden, ſo kann die Ernährung des Pferdes dadurch leiden; daſſelbe wird mager und elend, und kann in Folge der ge⸗ ſtörten Magenverdauung ſogar in allgemeine Schwäche und Faulfieber verfallen und daran krepiren; oder es es bekommt durch den Reiz im Magen Schwindel und Fallſucht, obſchon dieſes wahrſcheinlich nur äußerſt ſelten beobachtet wird; oder die Larven können Kolik erzeugen, ſämmtliche Magenhäute durchbohren, durch Anfreſſung kleiner Blutgefäße Blutungen hervorbrin⸗ gen, durch welches Alles ſchon hier und da ein Pferd zu Grunde gegangen iſt. Die am After und Maſtdarme kurze Zeit feſtſitzen⸗ den Larven können keinen erheblichen Schaden bringen; zuweilen jedoch wird ein Pferd dadurch ſehr beunru⸗ higt, und in einem beobachteten Faͤle dänte das 260 Pferd dabei ſo heftig und oft auf den Miſtabgang, daß der Maſtdarm vorfiel, und die Heilung eine Ope⸗ ration nöthig machte. Im Allgemeinen iſt anzuführen, daß die Oeſtrus⸗ larven, ſelbſt wenn ſie in großer Anzahl im Magen vorhanden ſind, nur ſelten auffallenden Nachtheil bringen, ja weit geringeren als man wohl glauben ſollte. Viele halten dieſe Larven unter allen Umſtän⸗ den, wenigſtens wenn ſie nur im Magen ſich befinden, für unſchädlich; dieſes iſt aber offenbar zu weit ge⸗ gangen und ein Irrthum; denn daß ſie nachtheilig und ſelbſt tödtlich werden können, iſt durch Erfahrung unzweifelhaft bewieſen. Viele Pferde leiden den Win⸗ ter hindurch an einem hartnäckigen Huſten, gegen den die meiſten Mittel vergeblich angewendet werden; es iſt ſehr leicht möglich, daß dieſer Huſten oft durch Oeſtruslarven, die in der Naſenhöhle, im Schlunde und am Magenmunde ꝛc. ihren Sitz haben, veranlaßt wird, und zwar durch die Reizung der Nerven dieſer Theile. Nicht ſelten verliert ſich dieſer Huſten, wenn die Pferde wieder auf die Weide gehen; man ſchreibt das dann dem jungen Graſe zu, aber vielleicht kommt es durch das Verſchwinden der Larven, welche um dieſe Zeit den Körper verlaſſen. Es giebt faſt kein Mittel, durch welches die im Magen befindlichen Larven getödtet werden können; dieſe haben ein ſo zähes Leben, daß man mit dem Arzneimittel eher die Magenhäute zerſtört, als die Larven tödtet, und dadurch zum Abgange bringt; haben ſie aber ihre Reife erlangt, ſo werden ſie loſe, und gehen dann von ſelbſt ab. Vielleicht könnte es von Nutzen ſein, wenn dem Pferde täglich ein halbes Quentchen Arſenik, und zwar mindeſtens acht bis vier⸗ zehn Tage lang mit dem Futter gegeben würde; das Mittel könnte die Larven tödten, und ſchadet dem Pferde außerdem in keiner Weiſe, denn es verträgt weit grö⸗ ßere Gaben dieſes Giftes ohne allen Nachtheil. Die zahlreichſten und kräftigſten andern Arzneikörper ſind bis jetzt ſtets vergeblich angewendet worden. Eine reichliche Fütterung des mit Oeſtruslarven behafteten Pferdes wird unter allen Umſtänden paſſend ſein, zu⸗ mal wenn das Pferd nur wenig gut genährt iſt. Ver⸗ hütet wird die Krankheit am leichteſten dadurch, daß das Pferd nicht auf die Weide gegeben wird, welches indeſſen meiſtens nicht ohne ökonomiſchen Nachtheil geſchehen kann. Da die Bremſeneier auf den Haaren leicht als gelbe Punkte zu ſehen ſind, ſo ſchneide man 66. Oeſtruslarven. oft die Spitzen ſolcher Haare ab, kämme und waſche ſie. Das Beſtreichen der Haut mit verſchiedenen Mit⸗ teln, um dadurch das Anſetzen der Bremſen zu ver⸗ hindern, iſt, bei vielen Pferden zugleich, koſtſpielig, und erfordert zu viel Sorgfalt und Mühe. b) Rindviehbremſe. Das Rindvieh leidet faſt noch häufiger durch Bremſen, als das Pferd, aber faſt ausſchließlich nur in der äußeren Haut. Das Inſekt und die daraus hervorgehende Larve iſt in Form und ſonſtiger Beſchaffenheit dem des Pferdes faſt gleich; die Bremſe hält ſich im Sommer beſonders auf Rind⸗ viehweiden auf, und macht beim Fliegen ein eigen⸗ thümliches Geräuſch, welches man wohl„Biſſen“nennt, woher dieſe Bremſe auch unter dem Namen„Bißfliege“ bekannt iſt. Das Rindvieh kennt dieſen biſſenden Ton der Bremſe ſehr gut; es geräth dadurch in Angſt und Unruhe, ſchnaubt, hebt zitternd den Schweif, und rennt oft eilig davon, oder wild durch einander. Nicht ſel⸗ ten wird durch eine einzige Bremſe eine ganze Vieh⸗ heerde aus einander gejagt, und daſſelbe geſchieht manchmal ſogar ſchon wenn ein Menſch den Ton der Bremſe nachahmt. Dieſes wilde Benehmen des Viehes wird„das Vieh“ genannt, oder man ſagt,„das Vieh biſſet.“ Man kennt bis jetzt die Urſache der Angſt des Rindviehes nicht; wahrſcheinlich ſagt der Inſtinkt dem Thiere, daß die Bremſe ihm ein Leid zufüge, vielleicht iſt es auch durch die Erfahrung gewitzigt; ſitzt die Bremſe einmal auf dem Thiere, ſo duldet es dieſelbe ganz ruhig, und ſcheint alſo direkt nicht beläſtigt zu werden. Die weibliche Bremſe legt dann ihre Eier auf die Haare des Rindes; meiſt auf die Seiten des Rückens, ſeltener an andere Stellen. In wenigen Tagen kriecht aus dem Ei eine kleine Larve, welche die Lederhaut durchbohrt, und hier bis zu ihrer Reife liegen bleibt. Durch dieſe Larve entſteht unter der Haut eine, bald in Eiterung übergehende, Entzündung, welche auf der Haut als eine runde Beule von der Größe eines Tauben⸗ oder Hühnereies erſcheint, die man„Daſſel⸗ beule“ nennt; die Larven dagegen heißen Engerlinge. Im Laufe des Winters wird die Larve etwas größer, erreicht bis zum nächſten Sommer ihre Reife, kriecht dann aus der Haut hervor, fällt auf die Erde und verpuppt ſich; nicht lange nachher bricht aus der Puppe eine neue Bremſe hervor, die dann wieder Cier legt ꝛc. Die Daſſelbeulen finden ſich bei Rindern jeder Art; am häufigſten bei jungen und kräftigen Stücken; 66. Oeſtruslarven. 261 bei Käͤlbern und ſehr alten Stücken nur ſelten. Die Gerber wiſſen ſehr wohl, daß ſich die meiſten Enger⸗ lingslöcher in den beſten und dickſten Häuten finden. Die Anzahl der Daſſelbeulen bei einem Individuum iſt verſchieden; oft iſt nur eine vorhanden, meiſtens finden ſich fünf bis zehn, aber man ſah deren auch ſchon bis funfzig. Die Larve nährt ſich während ihrer Ausbildung von dem Eiter der ſich fortwährend in der Daſſelbeule bildet, denn die Larve wirkt unter der Haut wie ein Fontanell; ihre gewöhnliche Abgangszeit iſt von Mitte Mai bis Ende Juli. Hat ein Rind viele Daſſelbeulen, ſo wird es da⸗— durch ſehr beunruhigt, und leidet nebenher durch den Verluſt an Säften, der mit der fortdauernden Eiterung verbunden iſt, nicht unbedeutend. Außerdem verliert die Haut, im Falle das mit Daſſelbeulen behaftete Rind in dieſer Zeit geſchlachtet wird, an Werth, denn jede ſolcher Beulen hat ein die Haut durchbohrendes Loch von der Größe einer Erbſe. Iſt die Larve aber hervorgekrochen, ſo heilt dieſes Loch leicht wieder zu, und ohne dem Leder dann weiter ſonderlich zu ſchaden. Es iſt unter allen Umſtänden gut die Engerlinge zu entfernen; zu dieſem Behufe ſchneidet man die Daſ⸗ ſelbeulen mit einem ſpitzigen Meſſer auf, drückt oder zieht die Larve hervor, und gießt etwas Kienöl oder Theer in die Oeffnung. Die Heilung erfolgt dann ſehr raſch. Die Verhütung der Daſſelbeulen iſt ſchwer, wenigſtens ſind die dazu vorgeſchlagenen Mittel ohne praktiſchen Werth. Rindvieh, das im Stalle gehalten wird, bleibt meiſt frei davon. c) Schafbremſe. Am nachtheiligſten werden die Bremſen den Schafen, welche oft dadurch zu Grunde gehen. Die Schafbremſen finden ſich den ganzen Sommer hindurch auf den Schafweiden und deren Nachbarſchaft, und umſchwärmen, beſonders bei hei⸗ ßem Wetter und um die Mittagszeit, die Schafheer⸗ den. Es iſt noch nicht recht ausgemacht, an welcher Koͤrperſtelle die Eier abgeſetzt werden; wahrſcheinlich geſchieht dieſes aber an der Naſe und den Lippen. Man bemerkt nämlich, daß, wenn ſich eine Bremſe dem Schafe genähert hat, daſſelbe dann ſogleich heftig mit dem Kopfe ſchüttelt, mit einem Fuße ſtampft, die Naſe gegen die Erde reibt, oft pruſtet, umher rennt, und mit tief geſenktem Kopfe ängſtlich zur Seite ſieht. Wenn die Schafe in der Mittagshitze beim Stillſtehen dicht zuſammengedrängt ſtehen, und dabei die Naſe tief gegen den Boden ſenken, ſo thun ſie dieſes wahrſe cheinlich nur deshalb, um den Bremſen den Zugang zu Naſen und Lippen zu erſchweren. Die aus dem Ei gekom⸗ mene Larve kriecht durch die Naſenlöcher höher hinauf in die Stirn- und Kinnbackenhöhle, in die Zellen des Siebbeines oder in die Höhlen der Hornzapfen; man nennt deshalb die Schafbremſe auch Naſenbremſe oder „Stirngrübler.“ Hier halten ſich die Larven mit ihren Haken an der Schleimhaut feſt, nähren ſich von den zufließenden, eiterartigen Säften, erlangen in zehn Monaten ihrer Reife, und fallen dann von ſelbſt aus der Naſe, oder ſie werden durch häufiges Pruſten aus⸗ geſchleudert; meiſtens vom März bis Auguſt. Nach außen gelangt tritt dann dieſelbe weitere Verwandlung ein, als bei der Pferd- und Rindviehbremſe. Wenn die Larven in beträchtlicher Anzahl in den genannten Kopfhöhlen des Schafes vorhanden ſind, ſo verurſachen ſie, gewöhnlich aber erſt, wenn ſie ſehr ausgebildet ſind, alſo vom Frühjahre an, durch die fortwährende Reizung der Schleimhäute, mancherlei Krankheitszufälle und ſelbſt den Tod. Dieſe Krank⸗ heit nennt man Oeſtruslarvenkrankheit oder Bremſen⸗ ſchwindel. In geringerem Grade nieſen die Schafe oft, und es fließt Schleim aus der Naſe; ſie reiben die Naſe und den Kopf an verſchiedenen Gegenſtänden, ſchütteln denſelben heftig, oder ſie heben die Naſe in die Höhe, und bleiben ſo eine Weile ſtehen, oder ſie halten ſie zur Seite ꝛc. Im höheren Grade der Krank⸗ heit ſenkt das Schaf den Kopf zu Boden, geht wie trunken, drehet mitunter nach einer Seite, iſt ſtumpf⸗ ſinnig und traurig, und läßt vom Freſſen, weßhalb ſie oft mit der Drehkrankheit verwechſelt wird. Hat die Krankheit ihre Höhe erreicht, ſo magert das Thier ab, fällt oft zu Boden, knirſcht mit den Zähnen, ver— drehet die gerötheten Augen, und krepirt dann am vier⸗ ten bis achten Tage ſeit dem Anfange der bemerkten Krankheit. In leichterem Grade derſelben erfolgt die Heilung von ſelbſt; durch das häufige Nieſen werden mitunter Larven mit Schleim ausgeworfen; ein ſolcher Abgang von Larven iſt das einzige ſichere Zeichen der Krankheit, wenigſtens für den Laien. Zuweilen iſt neben dieſer Krankheit auch noch die Drehkrankheit zugegen. Oeffnet man den Kopf des krepirten Schafes, ſo findet man in den oben genannten Höhlen mehr oder weniger Larven, die denen im Pferdemagen ſehr ähn⸗ lich ſind; die dieſe Höhlen auskleidende Schleimhaut i*ſt entzündet, roth, bläulich, dunkelroth, auch aſchgrau 262 67. Buglahmheit des Pferdes. und zuweilen ſogar ſtellenweiſe brandig. Man hat ſchon dreißig bis vierzig Stück Larven gefunden; mei⸗ ſtens ſind ihrer aber weit weniger vorhanden. Um die Krankheit zu heilen kommt es darauf an, die Larven zu entfernen; zu dieſem Ende bringt man dem Schafe täglich einige Male eine Priſe von Tabak, weißer Nieswurzel, Kalk ꝛc. in die Naſe, welches ſo heftiges Nieſen erregt, daß dadurch die Larven zuweilen nach und nach ausgeworfen werden; oder man ſpritzt zwanzig bis dreißig Tropfen Thieröl in die Naſenlöcher ein. In vielen Fällen helfen dieſe Mittel nicht, und man muß dann, zumal wenn die Zufälle heftig ſind, die Mittel direkt in die Höhlen bringen; man ſägt zu dieſem Behufe die Hörner dicht am Kopfe ab, oder ſticht die Stirn⸗ und Kinnbackenhöhlen mit einem Tro⸗ kar an, und bringt durch die Kanüle die Mittel ein. Die Larven können die äußere Luft anſcheinend nicht vertragen, und krepiren bald, worauf ſie dann durch Nieſen ausgeworfen werden. Die gemachten Oeffnun⸗ gen heilen von ſelbſt und in kurzer Zeit. Leiden viele Schafe zugleich an der Krankheit, ſo iſt die Behand⸗ lung der einzelnen Stücke ſehr umſtändlich; man kann dann, um ſtarkes Nieſen zu erregen, Haare, Federn, Theer oder Hornſpäne im Stalle verbrennen. Um das Anſetzen der Larven zu verhüten, und das Haften der Eier zu erſchweren, ſoll man die Naſe und die Lippen, beſonders zu der Zeit, in welcher die Bremſen am meiſten ſchwärmen, mit Oel oder Fett beſtreichen, oder mit Theer, oder Hirſchhornöl; dieſes iſt dann beſonders bei Lämmern und Jährlingen nöthig, weil dieſe am meiſten von den Bremſen heimgeſucht werden. 67. Buglahmheit des Pferdes. Dieſe Lahmheit, welche auch Schulter⸗oder Bruſt⸗ lähme genannt wird, kann in verſchiedenen Theilen der Schulter ihren Sitz haben, als im Schultergelenk (Fig. 1. a.), in den Muskeln und Sehnen der Schul⸗ ter, der Bruſt und anderer benachbarten Theile. Die gewöhnlichſten Urſachen beſtehen im Ausgleiten, ſchie⸗ fen Tritten, plötzlichen Niederfallen, Auseinander⸗ ſpreizen der Vorderſchenkel auf glattem Grunde, in Stößen, Erſchütterungen der Schultergegend ꝛc.; auch kann die Buglahmheit leicht dadurch entſtehen, wenn das Pferd über die Streuklappe, Krippe, über den Halfterſtrang, in ein Loch ꝛc. getreten hat, und beim Zurückziehen des Fußes ſich ſehr abquält; oder bei Sprüngen und beim Setzen über Gräben und Hecken ꝛc. Oft, und dieſes iſt vielleicht der häufigſte Fall, entſteht die Lahmheit aus Rheumatismus. Manchmal iſt auch eine Verſtauchung, ſelten eine Verrenkung, der Grund der Lahmheit. Die Erkenntniß dieſer Krankheit iſt in vielen Fäl⸗ len ſchwierig; ſie kommt weit ſeltener vor, als man in der Regel glaubt, und wird aus Unkunde überaus oft vermuthet, obgleich die Lahmheit in der That mei⸗ ſtens an irgend einer andern Stelle des Schenkels ihren Sitz hat. Im Stande der Ruhe ſchont das Pferd den kranken Vorderſchenkel; es ſetzt ihn vor⸗ wärts, doch immer ſo, daß es mit dem ganzen Hufe den Erdboden berührt. Beim Gange wird der kranke Schenkel nicht frei gehoben, das Pferd lahmt, beſon⸗ ders bei kurzen Wendungen nach der kranken Seite, und wenn ein ſchwerer Reiter auf demſelben ſitzt; das Bein wird ſchleppend und ohne die gehörige Beugung der Gelenke vorwärts bewegt, gewöhnlich mit einer bogenförmigen Bewegung nach außen. Das Pferd ſchleppt beim Zurücktreten den Schenkel auf dem Bo⸗ den nach, oder hebt ihn doch nicht ſo ſtark, als den anderen; ſoll daſſelbe über hervorragende Gegenſtände, z. B. über die Thürſchwelle, treten, ſo ſtößt es leicht an dieſelbe an. Die Lahmheit iſt faſt eben ſo ſtark auf weichem Boden, als auf hartem oder auf Stein⸗ pflaſter. Faßt man den kranken Schenkel an das Feſ⸗ ſelgelenk, und zieht man ſo die ganze Extremität weit nach vorwärts, oder nach außen, oder auch nach rück⸗ wärts, ſo zeigt das Pferd oft Schmerzen, und ſteigt dann mit dem Vordertheile in die Höhe; um ſich hier⸗ bei nicht zu täuſchen, muß man abwechſelnd den kran⸗ ken Fuß und den geſunden aufheben, und dann eine 67. Buglahmheit des Pferdes. 263 Vergleichung anſtellen. Zeichen von Entzündung, Geſchwulſt, Schmerzen beim Betaſten und Drücken der Schultergegend ꝛc. ſind nur in ſeltenen Fällen vor⸗ handen. In ſehr vielen Fällen von Buglahmheit ſind manche der angeführten Zeichen entweder gar nicht oder doch nur in ſehr geringem Grade vorhanden, und wieder iſt manche andere Lahmheit oft mit ſehr ähnli⸗ chen Erſcheinungen verbunden. Es iſt daher, um einen Irrthum zu vermeiden, durchaus erforderlich, daß bei einem der Buglahmheit verdächtigen Pferde vorerſt alle anderen Stellen des kranken Schenkels, an denen möglicherweiſe die Lahmheit ihren Sitz haben könnte, genau unterſucht werden; denn es iſt ſchon ſehr oft vorgekommen, daß nicht nur Laien, ſondern ſelbſt Thierärzte ein Pferd lange Zeit auf Buglahmheit kurirten, während die Lahmheit, wie ſich ſpäter gele— gentlich auswies, an einer ganz anderen Stelle als in der Schultergegend ſaß. Vorzüglich iſt der Huf zu unterſuchen, und dann die Beugeſehnen hinter dem Schienbein, ob dieſe nicht mit Sehnenklapp behaftet ſind; außerdem unterſucht man beſonders noch das Feſſelgelenk. Am öfterſten wird wohl die Buglähme mit der Hufgelenklähme verwechſelt, wovon an anderen Orten weitläufiger geſprochen iſt. Nur ſelten iſt die Buglahmheit ſo beträchtlich, daß das damit behaftete Pferd nicht noch einige Arbeit ſollte verrichten können; demungeachtet wird der Gebrauch deſſelben dadurch eingeſchränkt, und da die Kur meiſtens langwierig und die Heilung oft kaum möglich iſt, und außerdem bei dem geheilten Pferde leicht ein Rückfall der Lahmheit eintritt, ſo iſt dieſer Fehler immer als ein ſehr übler zu betrachten. Von vorn herein gilt bei der Kur als Regel, daß das Pferd bis zur erfolgten Heilung Ruhe haben und von aller Arbeit befreit werden muß. Zuvörderſt kommt es dann darauf an, ob die Lahmheit friſch ent⸗ ſtanden, oder ſchon veraltet iſt? denn dieſes ändert das Heilverfahren weſentlich ab. Iſt die Buglahmheit durch äußere Gewalt entſtanden, mit Geſchwulſt, Hitze, alſo überhaupt mit den Zufällen von Entzündung ver⸗ bunden, ſo bedient man ſich für die erſten acht bis zehn Tage der kalten Umſchläge; man bedeckt die Schulter mit einer Bandage aus Leinwand, und hält dieſe durch Befeuchten mit möglichſt kaltem Waſſer fortwährend kühl. Nach dieſer Zeit wäſcht man die kranke Gegend täglich einige Male mit einer Miſchung aus Salmiak und Kampherſpiritus, von jedem vier Loth, Eſſig und Waſſer von jedem ein Quart. Weicht hierbei die Lahmheit nicht, ſo geht man, wie denn überhaupt bei jeder veralteten Buglahmheit, zur An⸗ wendung der mehr oder weniger heftigen Reizmittel über. Anfangs reibt man die Schultergegend(im Kreiſe bb. Fig. 1) zwei bis drei Mal täglich mit fol⸗ gender Miſchung ein: Salmiakgeiſt und Kampherſpi⸗ ritus, von jedem drei Loth, Branntwein zwölf Loth; oder auch ein ſtärkeres Mittel aus: Salmiakgeiſt und Kienöl, von jedem zwei Loth, Rüböl und Spiritus von jedem ſechs Loth, Cantharidenpulver ein halbes Loth. Zeigt ſich nach dem mehrwöchigen Gebrauche dieſes Mittels keine auffallende Beſſerung, ſo applicirt man auf die Schultergegend zwei Eiterbänder(Fig. 1. cc.), oder wenn auch dieſes mehrere Wochen nach⸗ her nichts gefruchtet hat, ſo brennt man mit dem Glüh⸗ eiſen; etwa die Figur eines umgekehrten Tannenbau⸗ mes(Fig. 2. a.). Da die Buglahmheit langwierig in ihrem Verlaufe und hartnäckig bei der Kur iſt, ſo muß man hierin Geduld haben. Will man unterſuchen, ob nach dem Gebrauche irgend eines der genannten Mittel die Lahm⸗ heit beſeitigt iſt, ſo muß der Gebrauch der Mittel zu⸗ vor einige Zeit ausgeſetzt werden, denn es leuchtet ein, daß ein Pferd bei dem die Haut der Schulter in einem großen Umfange durch ſehr reizende Mittel in ſtarke Entzündung verſetzt iſt, ſchon in Folge dieſer Entzün⸗ dung einen ſchmerzhaften und deshalb lahmen Gang haben muß. Wie ſchon geſagt, darf das Pferd wäh⸗ rend der Kur nicht zur Arbeit verwendet werden; ſchon wegen der Nachtheile nicht, welche das Sielengeſchirr bei der entzündeten Schultergegend veranlaſſen würde. Das Pferd wird etwas knapp gefüttert, damit es nicht zu muthig und dadurch allzu ſehr zu vielen Sprüngen geneigt werde, denn es könnte dabei die Lahmheit ſich leicht verſchlimmern; man führt das Pferd täglich eine kurze Zeit im Schritt; oder hält es unangebunden in einem befriedigten Raume. Man hat ganz kürzlich ein eigenthümliches Ver⸗ fahren in Vorſchlag gebracht, durch welches angeblich die hartnäckigſten, allen anderen Heilverſuchen wider⸗ ſtehenden, Buglahmheiten geheilt werden ſollen. Es wird nämlich in der Schultergelenkgegend die Haut auf eine Länge von ſechs bis acht Zoll durchſchnitten, von ihrer Unterlage in einem Umkreiſe mehrerer Zolle getrennt, worauf dann mit einem platten, glühenden Eiſen unmittelbar auf die entblößten Muskeln oder 264 68. Hüftlahmheit des Pferdes. das Fleiſch, und zwar ziemlich ſtark, gebrannt wird. Die Wirkung dieſes Verfahrens iſt allerdings ſehr groß, und es iſt thatſächlich dadurch gelungen mehrere als unheilbar betrachtete Buglahmheiten damit zu beſeiti⸗ gen. Dennoch hat dieſe Methode auch ihre Nachtheile, ſo daß ſie nur in den ſeltenſten Fällen Anwendung verdient. Einige Male ſah ich von ihr erfolglos Ge⸗ brauch machen, und dann iſt die Operation äußerſt ſchmerzhaft, ihre Folgen verſchwinden erſt nach langer Dauer, und außerdem können mancherlei üble Zufälle dadurch herbeigeführt werden. Anmerkung. Auch beim Rindviehe, ſo wie bei allen anderen Hausthieren kann die Buglahmheit vorkommen. Urſachen und Kur ſind weſentlich die⸗ ſelben als beim Pferde, weshalb, um Wiederholungen zu vermeiden, dorthin verwieſen wird. 68. Hüftlahmheit des Auch dieſe Lahmheit wird öfters unrichtig beur⸗ theilt; beſonders häufig wird ein am unſichtbaren Spat leidendes Pferd für hüftlahm gehalten, und es iſt in der That eine ſolche Verwechſelung bei dem Laien ſehr leicht möglich. Dieſe Lahmheit entſteht meiſtens durch Fehltritte, Sprünge, Niederfallen auf glattem Boden, z. B. auf dem Eiſe, durch Stöße, die die Gelenkgegend treffen ꝛc.; oft iſt die Urſache Rheuma⸗ tismus. Der ſpecielle Sitz des Uebels iſt in der Regel dunkel, und kaum mit einiger Sicherheit zu erforſchen; es können das Gelenk, die Gelenkbänder oder die be⸗ nachbarten Muskeln krankhaft affieirt ſein. Im Stalle ſteht das Pferd gewoͤhnlich feſt auf dem kranken Fuße, oder es ſetzt ihn häufiger vor, als den andern; im Gange, beſonders im Trabe, zeigt es eine mehr oder weniger beträchtliche Lahmheit; es greift mit dem kranken Schenkel nicht ſo weit vor, als mit dem ge⸗ ſunden, hebt ihn ſchleppend und weniger hoch, als dieſen, und beſchreibt während des Aufhebens damit einen Bogen nach auswärts. Auffallend iſt beim Trabe das jedesmalige tiefe Einbiegen der Hüfte der kranken Seite. Das Pferd tritt ungern zurück, und lahmt beſonders ſtark bei kurzen, nach der kranken Seite gemachten Wendungen. Bevor man ein Pferd für hüftlahm erklärt, muß man durch eine ſorgfältige Unterſuchung aller andern Theile des Schenkels ſich überzeugen, ob nicht etwa an ihnen der Grund der Lahmheit ſich befindet; ſind Huf, Feſſelgelenk und Sehnen unterſucht, ſo wende man ſeine vorzügliche Aufmerkſamkeit auf das Sprunggelenk; nur zu oft iſt es Spat, wo auf Hüftlahmheit kurirt wird. Die Pferdes.(Tab. XVII.) Beſchreibung beider Krankheiten wird den bedeutenden Unterſchied in den Erſcheinungen bemerken laſſen; beim Spat tritt das Pferd Anfangs gern auf die Zehe, bei der Hüftlahmheit ſtets auf die ganze Hufſohle; beim Spat verliert oder verringert ſich die Lahmheit nach Maaßgabe der Dauer der ſtattgehabten Bewe⸗ gung; bei der Hüftlähme verhält ſich dieſes umgekehrt, ſie wird immer heftiger während des Ganges; beim Spat wird der Schenkel hoch und zuckend emporgeho⸗ ben; bei Hüftlähme ſchleppend und nicht hoch vom Boden. Die Hüftlahmheit iſt ein noch üblerer Fehler als die Buglahmheit; die Heilung i*ſt ſchwer, ſelten vollſtändig, und bei ſtarkem Gebrauche kehrt das Uebel leicht wieder zurück. Die Kur fällt mit der der Buglahmheit zuſammen, nur iſt die bei dieſer unter Umſtänden empfohlene Behandlung mit kaltem Waſſer ꝛc. ſelten anwendbar, weil ſich nur äußerſt ſelten Zeichen äußerer Entzündung vorfinden; man geht deshalb ſogleich zu den reizenden Mitteln über. Anfangs macht man reizende Einrei⸗ bungenz(in dem durch ee. Fig. 1. bezeichneten Kreiſe), ſpäter zieht man hier zwei Eiterbänder(Fig. 1. fl.), oder endlich man brennt mit dem Glüheiſen, willkühr— lich irgend eine ſymmetriſche Figur, etwa einen Stern (Fig. 2. c.). Bei der Erfolgloſigkeit aller dieſer mindeſtens drei bis vier Wochen hindurch zu gebrau⸗ chenden Mittel, hat man auch hier, wie bei der Bug— lähme, das unmittelbare Brennen der Muskeln em⸗ pfohlen, und zwar mit einem Erfolge, der hier noch günſtiger geweſen iſt. Es paßt auch dieſes Verfahren hier beſſer, weil die Muskellagen hier dicker, und 60. Kreuzlaͤhme des Pferdes. deshalb das Gelenk tiefer gelegen iſt, als bei der Buglahmheit. Während der Kur giebt man dem Pferde völlige Ruhe, und ſelbſt nach erfolgter Heilung muß der Dienſtgebrauch noch lange Zeit ſchonend ſein, und namentlich darf das Pferd nicht auf holprigen, mora⸗ 265 ſtigen, ſehr ſchlechten oder auf bergigen Wegen benutzt werden. Anmerkung. Die auch bei den übrigen Haus⸗ thieren vorkommende Hüftlahmheit wird auf ähnliche Weiſe behandelt, als beim Pferde. 69. Kreuzlähme des Pferdes.(Tab. XVIII.) Die Krankheit iſt leicht zu erkennen, denn ſie giebt ſich allemal durch unzweideutige und leicht in die Augen fallende Symptome kund.— Der Anfang der Kreuzlähme iſt nicht in jedem Falle derſelbe; zu⸗ weilen ſtürzt das bis dahin anſcheinend ganz geſunde Pferd, nachdem es kurze Zeit mit dem Hintertheile hin⸗ und her geſchwankt hat, plötzlich zu Boden, oder es erfolgt dies Niederfallen erſt nach einiger Zeit, und nachdem verſchiedene Zufälle vorausgegangen ſind. Das Pferd zeigt eine Schwäche im Kreuze, welche ſich durch einen ſchleppenden, wackelnden Gang, durch ein Einbiegen der Lendengegend, zumal bei kurzen Wen⸗ dungen, zu erkennen giebt; zuweilen geht der Krank⸗ heit auch eine plötzlich entſtehende Lahmheit auf einem der Hinterſchenkel, welche nur wenige Stunden oder auch einige Tage dauert, voraus. Mit der ſtufenweiſen Vermehrung der angeführten Erſe cheinungen tritt endlich die Krankheit ſelbſt ein; das Pferd verliert die Kraft ſich ſtehend auf dem Hintertheile zu erhalten, und ſinkt deshalb zu Boden. In dieſer Lage macht daſſelbe wiederholte, faſt unausgeſetzte, gewaltſame Verſuche, ſich wieder zu erheben, welche jedoch, je nach dem Grade der Krankheit, mehr oder weniger unvollſtändig ausfallen. In einigen Fällen gelingt es dem Kranken ſich mit dem Vordertheile zu erheben, wo er dann die Figur eines auf den Hintern ſitzenden Hundesdarſtellt; andere, häufigere Male iſt ſelbſt dieſer Grad von Auf⸗ richtung nicht mehr möglich; das Pferd hebt blos den Kopf ſeitlich in die Höhe, und rudert faſt unaufhörlich mit den Vorder⸗, zuweilen auch mit den Hinterfüßen auf der Erde und in der Luft umher. Gleich mit oder kurz nach dem Eintritte der Krankheit erfolgt ein allgemeiner Schweißausbruch; das Pferd iſt wie im Wagenfeld, Encyel. Schweiße gebadet; das Athemholen iſt ſehr vermehrt, der Kranke ſieht ſich öfters nach dem Bauche um, und verräth dadurch, ſo wie durch Stöhnen, daß er an heftigen Schmerzen leide. Miſt und Urin gehen nicht ab, alle ſichtbaren Schleimhäute ſind röther, als ſonſt. Der Grad der Lähmung iſt verſchieden. Bei voll⸗ ſtändiger Lähmung des Hintertheiles iſt daſſelbe ohne Bewegung und Gefühl, ſo daß man z. B. tiefe Ein⸗ ſtiche in die Hinterbacken machen kann, ohne daß das Pferd etwas davon empfindet; Hinterſchenkel und Schweif bleiben unverändert in der Lage, die man ihnen giebt, ſie ſind kühl; der Urin fließt unwillkühr⸗ lich und tropfenweiſe ab. Bei unvollſtändiger Läh⸗ mung des Hintertheiles, welche häufiger iſt, bleibt das Gefühl noch zugegen, und auch die Wärme ver⸗ ſchwindet nicht, aber demungeachtet kann ſich das Pferd nicht auf die Beine erheben. Zu Anfange iſt kein Fieber vorhanden, und das Pferd frißt und ſäuft mit Appetit, faſt wie ein geſundes Pferd. Entweder krepirt das Pferd, was am öfterſten ge⸗ ſchieht, oder es wird theilweiſe oder gänzlich geheilt. Erfolgt der Tod, ſo geſchieht dies weit weniger durch die Lähmung ſelbſt, als durch die Folgen, welche da⸗ bei zufällig eintreten. Bei der fortwährenden Unruhe des Pferdes und den fruchtloſen Bemühungen, ſich zu erheben, quält das Pferd ſich ab, es wird matt und erſchöpft; am Kopfe, an den Ellbogen, an dem Bauche, an den Hüften und an der ſogenannten Hoſe liegt und ſchlägt ſich das Pferd durch; es entſtehen an dieſen Theilen beträchtliche Geſchwülſte, die Haut auf ihnen wird trocken, lederartig und brandig, unter ihr findet eine jauchige Eiterung ſtatt, welche benachbarte Theile 34 266 angreift und zerſtört. Unter dieſen Umſtänden tritt ein entzündliches Fieber ein, welches dem Leben, meiſt ſchon am dritten bis ſechsten Tage der Krankheit, ein Ende macht. Geht die Krankheit in Geneſung über, ſo gelingt es dem Pferde nach und nach, zumal wenn es durch Menſchenhülfe unterſtützt wird, mit dem Hin⸗ tertheile ſich zu erheben, und, wenn auch Anfangs nur ſchwach, ſich ſtehend zu erhalten, bis daß nach und nach mehr Kraft in den kranken Theil kommt, der Stand ſicherer und die Bewegungen freier werden. Nach längerer oder kürzerer Zeit, etwa nach drei bis fünf Wochen, iſt dann die Heilung erfolgt, entweder gründlich oder nur theilweiſe und mit Hinterlaſſung einer Schwäche im Hintertheile. In ſehr ſeltenen Fällen erfolgt auch wohl faſt plötzlich eine gänzliche Heilung. Im Allgemeinen iſt die Kreuzlähme ſehr gefähr⸗ lich; von zehn Kranken krepiren mindeſtens acht, und bei den beiden übrigen iſt zuweilen die Heilung nicht vollſtändig, ſo daß der Dienſtgebrauch eines ſolchen Pferdes dadurch ſehr eingeſchränkt wird, auch treten nicht ſelten Rückfälle ein. An den Cadavern kreuz⸗ lahm geweſener Pferde findet man, mit Ausnahme der zufälligen äußerlichen Verletzungen, oft keine ſehr erheblichen Veränderungen; oft aber iſt das Rücken⸗ mark der Lendengegend entzündet, erweicht oder ver⸗ härtet; oder es finden ſich hier ein Knochenauswuchs, ein Bruch oder eine Ueberdehnung der Lendenwirbel. Die Urſachen ſind manchmal nicht ſehr auffallend. Plötzliche Erkältung, große Blutungen, große und ſehr ſchmerzhafte Operationen, Nierenkrankheiten, ſchwere Geburten, das Ziehen ſchwerer Laſten, das Tragen ſchwerer Reiter, das Ausgleiten und Fallen im Stalle oder auf glattem Boden, plötzliches Anhalten aus ſchnellem Laufe, Sprünge, Stöße, Schläge und Erſchütterungen der Lendengegend ſind als Urſachen am meiſten anzuklagen. Füllen und magere Pferde werden ſelten befallen, meiſt ältere und ſehr maſtige Pferde, dann auch alte Beſchäler, welche ſehr viel gedeckt haben. Es kommt bei der Kur vor Allem darauf an, dem Kranken eine zweckmäßige Lage und einen paſſenden Aufenthaltsort zu geben. Iſt derſelbe, was jedoch nur ſelten der Fall iſt, noch fähig, allein oder doch mit nur geringer Unterſtützung, ſich ſtehend zu erhal⸗ ten, ſo wird es durch einen Hängegurt ſtehend erhal⸗ ten, damit das Stehen erleichtert und das Niederfallen 69. Kreuzlaͤhme des Pferdes. verhütet wird. In der Regel jedoch muß man hierauf verzichten; denn theils iſt es ſehr ſchwer das Pferd in die Höhe zu bringen, theils iſt es auch ſehr nachtheilig, wenn daſſelbe mit ſeiner ganzen Schwere in dem Gurte hängen würde. Man giebt deshalb dem Pferde eine möglichſt hohe und weiche Unterlage von Stroh, und zwar in einem warmen, zugfreien Lokale, welches geräumig genug iſt, um dem Kranken für ſeine nicht zu verhindernden Bewegungen noch einigen Spielraum zu laſſen. Damit das Pferd nicht ſich und ſeine Um— gebungen beſchädige, werden die Hufeiſen abgeriſſen, auch werden wo möglich die Stallwände mit Stroh⸗ matten ausgeſchlagen, oder der Kopf mit einer Decke umhüllt, um dieſen vor Selbſtverletzungen möglichſt zu ſchützen. Das Heilverfahren ſelbſt muß nach den ſichtbaren oder muthmaßlichen Urſachen, nach der Beſchaffenheit des Pferdes ꝛc. eingerichtet werden. Entſtand die Krankheit durch mechaniſche Urſache, als Stoß, Druckꝛc. der Lendengegend, und ſind die Zeichen örtlicher Ent⸗ zündung vorhanden, ſo werden an dieſen Theilen un⸗ ausgeſetzt Umſchläge aus Eis, Schnee oder ſehr kaltem Waſſer gemacht. Sodann wird ein Aderlaß von zwölf bis funfzehn Pfund Blut gemacht, welcher nach vier⸗ undzwanzig bis ſechsunddreißig Stunden nöthigenfalls wiederholt werden kann; um die Entleerung des ver⸗ haltenen Miſtes zu befördern, ſetzt man recht oft Kly⸗ ſtire, und giebt innerlich eine Latwerge aus zwei Quentchen Kalomel, vier Loth Salpeter, einem Pfund Glauberſalz mit Mehl und Waſſer, und in acht bis zwölf Stunden. Bringen dieſe Mittel in einigen Ta⸗ gen noch keine günſtige Wirkungen hervor, oder iſt die Kreuzlähme aus unbekannten Urſachen entſtanden, ſo paſſen mehr die reizenden, ſogenannten Nervenmittel. Man giebt dann Kampher und Hirſchhornſalz, von jedem ein Loth, Baldrianwurzel und Senf, von jedem acht Loth, in Latwergenform, und dieſe Portion wird in zwölf bis achtzehn Stunden verbraucht. Während der Kur muß beſonders Sorge getragen werden, daß das Pferd ſtets offenen Leib habe, welches durch häufige Klyſtire aus Salz, Seife und Waſſer am beſten erreicht wird. Das Futter beſteht am paſ⸗ ſendſten aus Hafer und Mehlwaſſer; Heu und Rauch⸗ futter füllen den Bauch zu ſehr, und paſſen deshalb nicht. Die ohne Vergleich wirkſamſten Mittel bei der Kreuzlähme ſtellen die örtlichen Reiz⸗ und Ableitungs⸗ 70. Blutharnen. mittel dar. Es werden deshalb in der Lendengegend zwei Eiterbänder gezogen(Fig. 1. h.), oder ſcharfe Einreibungen gemacht, oder endlich man brennt dieſe Stelle mit dem Glüheiſen(Fig. 2. b.). Das Glüh⸗ eiſen paßt am meiſten in langwierigen Fällen und in der Convalescenz, während Eiterbänder und ſcharfe Salben zu Anfange der Krankheit nützlicher ſind. Damit die Hautthätigkeit recht kräftig geweckt und unterhalten werde, wird der ganze Körper öfters mit Strohwiſchen frottirt, und nachher in wollene Decken eingehüllt. Die gelähmten Hinterſchenkel werden außer⸗ dem noch mit erwärmtem Spiritus, flüchtigem Lini⸗ mente, oder einer Miſchung aus zwei Loth Salmiak— geiſt, vier Loth Terpentinöl und einem Pfund Spiritus täglich einmal eingerieben. Sehrwichtig, und deshalb nichtzu vernachläſſigen, iſt die Behandlung der verſchiedenen, leider nie fehlen⸗ den, durchgelegenen Stellen. Der Kranke wird von Zeit zu Zeit durch Umkollern über den Rücken auf eine andere Seite gelegt, und die entzündeten Stellen werden dann mit Eſſig und kaltem Waſſer oft gekühlt. Hat ſich ſchon Eiter in der Tiefe der Geſchwülſte gebil— det, ſo entleert man dieſen durch einen kleinen Einſtich. Die Streu muß ſtets weich erhalten, und deshalb oft aufgeſchüttelt oder erneuert werden. Iſt es Sommer, ſo kann man das Pferd allenfalls auf einen trockenen aber weichen Grasplatz lagern. Machen ſich die Zeichen von Beſſerung bemerkbar, werden die früher regungslos geweſenen Theile wieder beweglich, kehren Wärme und Gefühl zurück, und 267 gelingt es dem Thiere, wenn auch nur durch äußere Hülfe, ſich zu erheben und ſtehend zu erhalten, ſo be⸗ feſtige man einen Hängegurt unter ſeinem Bauche, und ſuche das Thier, wo möglich, in ſtehender Richtung zu erhalten, damit es den Nachtheilen des Durchliegens ſo bald wie möglich entzogen wird. Das Futter kann unter dieſen Umſtänden dann reichlich ſein, damit der Kranke um ſoſchneller wieder zu Kräften kommt. Eine unerläßliche Regel bleibt es endlich noch, das geneſene Pferd nur erſt ſpät wieder zum Dienſtgebrauche zu ver⸗ wenden, und noch wochenlang vom ſchweren Zuge, dem Tragen von Laſten, ſo wie überhaupt von jeder anſtrengenden Arbeit entfernt zu halten, denn nur erſt ſpät findet ſich die Kraft im Hintertheile in ihrer Voll⸗ ſtändigkeit wieder ein, und eine Nichtachtung der an⸗ gegebenen Vorſicht kann leicht einen gefährlichen Rück⸗ fall veranlaſſen. Anmerkung. Auch beim Rinde kommt die Kreuzlähme, obſchon ſelten, vor; ihre Kur iſt weſent— lich dieſelbe, als beim Pferde. Die Kreuzlähme der Schafe erſcheint als ſogenannte Gnubberkrankheit, und iſt in einem beſonderen Artikel abgehandelt worden. Die ſo ſehr häufige Kreuzlähme der Hunde iſt in der Regel eine Folge der Staupe, und bei dieſer Krankheit näher beſchrieben.— Man hüte ſich, die Kreuzlähme des Pferdes mit Kolik oder Urinverhaltung zu verwech⸗ ſeln; bei letzterer Krankheit verliert das Pferd nie die Fähigkeit zu ſtehen, und dieſer Umſtand iſt deshalb zu berückſichtigen. 70. Blutharnen. Man erkennt die Krankheit leicht an dem Abgange eines mehr oder weniger von Blut gerötheten Urins. Sie wird beim Pferde, Rinde, Schafe und Hunde beobachtet. a) Blutharnen beim Pferde. Am häu⸗ figſten ſieht man das Blutharnen bei Wallachen und Hengſten, bei Stuten ſeltener. Der abgehende Urin iſt mehr oder weniger roth, oft nur im geringen Grade, zuweilen aber iſt der Urin dunkelroth, und hat beinahe (Tab. XVIII.) die Farbe des Blutes ſelbſt. Meiſtens iſt das Urini⸗ ren mit Anſtrengung und Schmerzen verbunden; es wird öfterer Urin entleert, als ſonſt, aber in geringerer Menge, oft geht derſelbe unter häufigem Drängen und in einem ſehr dünnen Strahle oder auch wohl nur tropfenweiſe ab. In einigen Fällen zeigt der Kranke einige Zufälle, wie bei der Kolik, er ſieht ſich oft nach der Lendengegend um, ſchlägt mit den Hinterfüßen nach dem Bauche, trippelt mit ihnen hin und her, und 268 70. Blutharnen. ſchachtet beim Urinlaſſen nur wenig oder gar nicht aus. Der Appetit iſt meiſtens ungeſtört, der Durſt vermehrt, der Miſt iſt hart, und wird ſelten entleert. Die Krankheit beginnt gewöhnlich ziemlich plötzlich. Iſt der Urin nur wenig roth, und erfolgt ſein Abgang reichlich und ſchmerzfrei, ſo zeigt ſich das Pferd wie ein geſundes; je dunkler dagegen der Urin, und je ſparſamer und ſchmerzhafter ſein Abgang iſt, deſto mehr erſcheint das Pferd krank, und es verhält ſich dann faſt ganz ſo, als bei der Nierenentzündung. In dieſem Falle biegt ſich das Pferd beim Drucke in die Lenden⸗ oder Nierengegend tief nieder, es hat eine ſteife Haltung des Hintertheiles, legt ſich nicht leicht und iſt ſchwer beweglich. Der Verlauf des Bluthar⸗ nens iſt manchmal raſch, manchmal aber auch ſehr langwierig, welches hauptſächlich von der Beſchaffen⸗ heit der Urſachen abhängt.— Das Blut kann ſowohl aus den Nieren, als aus der Blaſe kommen; in erſte— rem Falle iſt der Urin gleichmäßig geröthet, in letzte⸗ rem Falle ſchwimmen in ihm meiſtens Stückchen von geronnenem Blute. Ueber die Gefahr der Krankheit läßt ſich im All⸗ gemeinen nichts angeben, da die Urſache und wahre Quelle der Blutung ſo verſchieden ſein kann. Je we⸗ niger roth der Urin iſt, deſto weniger iſt Gefahr vor⸗ handen, je dunkler dagegen, deſto mehr. Die gewöhn⸗ lichſten Urſachen beſtehen in dem Genoſſenen; die Sproſſen der Nadelhölzer, Erlen, Pappeln, Eſchen, das Kraut der Wolfsmilch, des Hahnenfußes, Sade⸗ baums, Ginſters ꝛc. geben oft die Urſache ab. Aus dieſem Grunde kommt das Blutharnen auch ohne Ver⸗ gleich am öfterſten in warmer Jahreszeit, im Frühjahr und Sommer, und bei Waldweide vor. Auch innerliche Urſachen können das Blutharnen veranlaſſen, z. B. Steine und Gries in Nieren und Blaſe, Geſchwüre daſelbſtꝛc. Uebertriebene Geilheit, Stöße und Schläge in die Nierengegend, Sprünge, das Tragen ſchwerer Reiter ꝛc. gehören nicht minder hierher. Bei der Behandlung der Krankheit iſt das vorzüg⸗ lichſte Augenmerk auf die bisherige Fütterungsweiſe des Pferdes zu richten; das Pferd wird von der ver⸗ dächtigen Weide entfernt, und mit unſchädlichen Stof⸗ fen ernährt; Stroh, Klee, Kleie, Kartoffeln ꝛc. paſſen hier am meiſten. Iſt der Urin ſehr von Blut geröthet, und zeigt ſich das Pferd im Allgemeinen dabei krank, ſo iſt ganz dieſelbe Behandlung einzuſchlagen, wie ſie bei der Nierenentzündung angegeben worden iſt. Geht der Urin aber reichlich und nicht ſehr roth ab, ſo giebt man zuſammenziehende Mittel. Alaun und ſchwefel⸗ ſaures Eiſen, von jedem drei Loth, Kalmuswurzel und Wermuthkraut, von jedem acht Loth, werden zur Lat⸗ werge gemacht, von welcher der Kranke alle drei bis vier Stunden eine Portion wie ein Hühnerei groß erhält. Weicht hierbei die Krankheit nach zehn bis vierzehn Tagen nicht, ſo macht man in die Nieren⸗ gegend(Fig. 1. g.) eine reizende Einreibung aus Salmiakgeiſt und Kienöl, von jedem drei Loth, Wein⸗ geiſt und Rüböl, von jedem ſechs Loth, von welcher täglich zwei Mal etwas eingerieben wird. Innerlich giebt man eine Latwerge aus Kampher, zwei Loth, Eichenrinde und Wachholderbeeren, von jedem acht Loth, mit Mehl und Waſſer bereitet, und in drei Tagen zu verbrauchen. Entſtand das Blutharnen durch äußere, mechaniſche Urſachen, ſo tritt ganz die Behandlung ein, als bei der Nierenentzündung. b) Blutharnen beim Rinde. Ungleich häu⸗ figer erſcheint das Blutharnen beim Rindviehe, als beim Pferde, und hier oft bei vielen Stücken einer Heerde zugleich. Der abgehende Urin iſt mehr oder weniger von Blut geröthet; das Thier zeigt dabei in der Regel außerdem nichts Krankhaftes, es frißt, wie⸗ derkäuet, iſt munter und ſelbſt die Milchſekretion iſt nicht vermindert; zuweilen aber iſt auch die Milch von Blut geröthet. Fieber iſt gar nicht, oder doch nur im geringen Grade vorhanden; bei der Bewegung zeigt der Kranke zuweilen einen ſteifen, geſpannten Gang und ein eigenthümliches Nachſchleppen der Hin⸗ terſchenkel. Die Dauer des Blutharnens iſt langwie⸗ rig; ſie kann ſich von wenigen Tagen bis auf mehrere Monate erſtrecken. In der Regel iſt das Blutharnen eine gefahrloſe Krankheit, zumal wenn eine paſſende Behandlung eintritt; fehlt dieſe, und wirken die ſchäd⸗ lichen Urſachen fort, ſo wird ſie dann oft tödtlich, ob⸗ ſchon immer erſt nach langer Zeit ihres Beſtehens. Am gewöhnlichſten entſteht das Blutharnen durch ſchädliches Futter, weßhalb denn auch meiſtens meh⸗ rere Stücke einer Heerde zugleich leiden; im Winter und Frühjahr, wenn das Vieh, bei dem Mangel an Gras, gezwungen iſt, die Sproſſen von Bäumen, beſonders Fichtenſproſſen zu freſſen. Waldhutungen ſind deshalb in dieſer Hinſicht immer gefährlich, aber auch durch Hahnenfuß, Porſch, Wolfsmilch und manche ſchilfige und andere Pflanzen kann Blutharnen entſtehen. Daß der Genuß ſolcher Pflanzen häufig 71. Nierenentzuͤndung. die Krankheit hervorbringt iſt dadurch erſichtlich, daß ſie in der Regel in kurzer Zeit, und ohne weiteres Zu⸗ thun, verſchwindet, wenn die Thiere von den ſchädli⸗ chen Weiden einige Zeit entfernt werden. Außerdem kann das Blutharnen durch zu große Anſtrengung, beſonders in heißer Jahreszeit, und dann auch durch anhaltende Einwirkung von Regen entſtehen; letzterer Fall iſt ſehr häufig. Um eine Heilung der Krankheit herbeizuführen, entfernt man den Kranken von der Weide, und füttert ihn mit geſundem Futter, mit Stroh, Heu, Häckſel, Schlempe, Waſſer mit Oelkuchen oder Kleie, Kartof⸗ feln ꝛc. Bekommt Stallvieh das Blutharnen, ſo andert man das Futter; ſtatt Heu giebt man Grünes, oder umgekehrt. Oft gelingt es ſchon durch eine Aen⸗ derung des Futters allein das Blutharnen zu beſeitigen, oft genug iſt aber dieſes nicht der Fall, und hier müſ⸗ ſen dann innere Mittel gegeben werden; ſehr bewährte ſind folgende: Ein halbes Loth Steinöl auf Brod, täglich ein Mal zu geben; oder funfzehn Gran Blei⸗ zucker, täglich zwei Mal mit Milch zu geben; oder ein Loth Kienöl mit Mehlwaſſer, täglich ein Mal; oder endlich ein halbes Quentchen Kampher, ein Loth Weidenrinde und ein halbes Loth Alaun, täglich ein Mal, mit Milch. Man wählt von dieſen Mitteln irgend eins aus, und gebraucht daſſelbe mindeſtens acht bis zehn Tage hintereinander fort; weicht die Krankheit dann nicht, ſo geht man zu einem anderen Mittel über, denn nicht jedes derſelben heilt in jedem beſonderen Falle die Krankheit gleich ſchnell. Manch⸗ mal hilft gegen das Blutharnen auch das Einrühren von etwas Lehm oder rothem Lebus, etwa vier bis acht Loth, auf jeden Eimer voll Geſöff, oder auch das täglich wiederholte Aufſtreichen von Theer auf die Zunge des Kranken. 269 c) Blutharnen beim Schafe. Die Krank⸗ heit zeigt ſich bei Schafen nicht ſehr oft, kommt aber dann gewöhnlich unter einem beträchtlichen Theile der Heerde gleichzeitig zum Vorſchein. Der abgehende Urin iſt blutig gefärbt, das Schaf hat Hitze, großen Durſt, zeigt einen ſteifen, geſpannten Gang, iſt ſehr empfindlich beim Druck in die Nierengegend, und uri⸗ nirt mit Schmerzen. Wirken die Urſachen fort, ſo hört nach und nach das Thier auf zu freſſen, bekommt Kolikſchmerzen, Fieber, Entzündung der Nieren, und krepirt. Die Dauer der Krankheit beträgt gewöhnlich zwei bis drei Wochen; das Uebel iſt ſelten gefährlich, wenn nur die Urſachen ferner vermieden werden, und eine paſſende Kur eintritt; außerdem kann leicht der Tod die Folge ſein. Die Urſachen beſtehen in dem Genuſſe faſt aller der Schädlichkeiten, welche bei dem Blutharnen des Rindes bereits angeführt wurden. Zeigt ſich die Krankheit in einer Heerde, ſo reiche man den Schafen des Morgens vor dem Austreiben erſt etwas Nauch⸗ futter, damit ſie nicht ſehr hungrig auf die Weide kommen; ſodann vermeide man beſonders die Wald⸗ weiden, auch halte man die Schafe von Hecken und Gebüſch, und von ſauren, ſchilfigen Weiden entfernt. Der Kranke bekommt Anfangs täglich ein Mal ein Quentchen Salpeter und ein Loth Glauberſalz in Mehlwaſſer aufgelöſt; einige Tage ſpäter giebt man dann täglich ein Quentchen Alaun in Waſſer gelöſet, oder dreißig Tropfen Steinöl, oder eben ſo viel Kienöl mit Mehlwaſſer. Anmerkung. Das Blutharnen beim Hunde hat ſo verſchiedenartige Urſachen, und es können dem⸗ ſelben ſo zahlreiche Organiſationsfehler zum Grunde liegen, daß es zu weit führen würde, daſſelbe hier ſpeciell abzuhandeln. 71. Nierenentzündung.(Tab. XVII.) Sie kommt bei allen Hausthieren, oft in Verbin⸗ dung mit Entzündung der Harnblaſe, vor; oft iſt ſie ein höherer Grad des Blutharnens, oder vielmehr Letzteres ein geringerer Grad der Nierenentzündung. Beide Krankheiten gehen leicht in einander über, ihre Symptome ſind manchmal ſehr ähnlich, und deshalb iſt eine Verwechſelung möglich, zumal da die Urſachen faſt dieſelben ſind. 270 71. Nierenentzuͤndung. a) Nierenentzündung beim Pferde. Zu⸗ weilen kündigt ſich die Krankheit durch einige Vorboten an, welche in einem etwas ſteifen Gange, und in einer beſchwerlichen Urinentleerung beſtehen, gewöhnlicher jedoch tritt das Uebel raſch auf, und erreicht ſchnell ſeine Höhe. Das Pferd ſteht und geht mit ſteifer Haltung des Hintertheils; es ſieht ſich oft nach den Seiten um, die Hinterſchenkel ſtehen aus einander und mehr nach hinterwärts. Zuweilen ſind auch Zufälle, wie bei der Kolik, vorhanden, das Pferd wirft ſich nieder, und beim Aufſpringen kommt es nur unter Stöhnen und mit Beſchwerde wieder auf das Hinter⸗ theil. Die Nierengegend zeigt ſich vermehrt warm, zuweilen auch etwas angeſchwollen; bei einem Drucke auf dieſe Stelle biegt das Pferd dieſelbe tief nach ab⸗ wärts. Der Kranke ſtellt ſich alle Augenblicke zum Uriniren, drängt dabei heftig, wobei Anfangs, obwohl unter Schmerzen, noch ein ziemlich reichlicher, aber ſehr gefärbter Urin abgeht; hat die Krankheit ſpäter ihre Höhe erreicht, ſo geht entweder gar kein Urin mehr ab, oder es erfolgen, der heftigen Anſtrengungen des Pferdes ungeachtet, nur noch einzelne Tropfen eines ſehr rothen, faſt allein aus Blut beſtehenden Urins. Meiſtens verbreitet ſich die Entzündung der Nieren auf benachbarte Theile; der Wurf und die Scheide, der Schlauch, auch der After, ſind ſehr angeſchwollen, heiß und empfindlich. Es iſt Verſtopfung vorhanden, oder es geht nur ſehr wenig und harter Miſt unter Stöhnen ab. Neben allen dieſen Zufällen finden ſich außerdem noch die eines Fiebers; das Pferd frißt nicht, hat großen Durſt, alle Schleimhäute ſind hochroth und trocken; die Haut iſt ſtellenweiſe oder allgemein mit Schweiß bedeckt. In drei bis vier Tagen hat die Krankheit gewöhn⸗ lich ihre Höhe erreicht, und ſie geht dann in Geneſung über, oder in den Tod, oder in langwierige Nieren⸗ krankheiten. Tritt Beſſerung ein, ſo erfolgt nach und nach der Urin reichlicher und heller von Farbe; auch das Miſten iſt nicht mehr ſo beſchwerlich, und all⸗ mälig verlieren ſich alle anderen Zufälle der Krank⸗ heit. Beim tödlichen Ausgange hört alle Urinentlee⸗ rung auf, die äußeren Geſchlechtstheile ſind ungemein angeſchwollen und brennend heiß, die Umfläche des Körpers iſt mit kaltem Schweiße bedeckt, das Thier ſinkt wie kreuzlahm zu Boden, kann ſich nicht mehr erheben, und krepirt meiſt am fünften bis achten Tage der Krankheit. Unterſucht man den Cadaver, ſo findet man eine, öfterer jedoch beide Nieren krankhaft verändert; ſie ſind hochroth, vergrößert, mürbe und leicht zerreißbar; manchmal iſt ihre Farbe aſchgrau oder auch ſchwarz⸗ roth. Außerdem finden ſich dann gewöhnlich noch die Zeichen von Entzündung benachbarter Theile. Die Urſachen der Nierenentzündung ſind faſt die⸗ ſelben, als theils bei der Kreuzlähme, theils beim Blutharnen. Die Gefahr bei der Krankheit iſt groß; geht kein Urin mehr ab, oder doch nur blutig und tropfenweiſe, frißt das Pferd wenig oder gar nichts mehr ꝛc., ſo iſt der Tod die nicht ſeltene Folge. Ein reichlicher, nicht gar zu blutiger Urinabgang, vorhan⸗ dener Appetit und der Mangel an kolikartigen Schmer⸗ zen laſſen auf einen günſtigen Ausgang rechnen. Der raſche Verlauf der Krankheit erheiſcht eine ſchnelle und energiſche Kur. Sogleich wird ein Ader⸗ laß von zwölf bis achtzehn Pfund Blut gemacht, der nach Umſtänden in achtzehn bis vierundzwanzig Stun⸗ den wiederholt werden muß. Innerlich giebt man vier Loth Salpeter, ein halbes Pfund Doppelſalz und eben ſo viel Weinſtein mit Mehl und Waſſer zur Lat⸗ werge gemacht, in einem Tage ein, und wiederholt das Mittel nöthigenfalls zwei bis drei Tage nach ein⸗ ander. Auch ein Einguß von einem halben Pfunde Glauberſalz, einem halben Pfunde Rüböl und der nöthigen Menge Waſſers, alle ſechs bis zehn Stunden wiederholt, iſt angemeſſen. Der in dem Maſtdarme enthaltene Miſt wird mit der Hand herausgeholt, wor⸗ auf dann recht oft Klyſtire aus Salz, Seife und Waſſer geſetzt werden. Befindet ſich äußerlich in der Nierengegend eine Verletzung oder eine durch äußere Urſachen entſtandene Entzündungsgeſchwulſt, ſo wird ſie mit kaltem Waſſer, Eis oder Schnee fortwährend kühl erhalten. Mangelt aber eine ſolche äußere Ent— zündung, ſo macht man in die Nierengegend(Fig. g.) eine ſcharfe Einreibung aus einem Quentchen Brech⸗ weinſtein, fünf Quentchen Euphorbium, und Terpen⸗ tin und Schweinefett, von jedem zwei Loth, welche auf einmal eingerieben werden muß. Das Pferd wird an einem mäßig warmen, zugfreien Orte gehalten und mit einer Decke belegt; das Futter beſteht aus etwas Kleie und Gras; Heu und Körner werden ihm gänz⸗ lich entzogen; dagegen erhält das Pferd ſo viel Geſ öff, als es nur immer mag; man giebt reines Waſſer, beſſer noch mit dem Zuſatze von Sauerteig, Oelku⸗ chen, Salpeter und etwas Mehl. 72. Gallen des Pferdes. 271 b) Nierenentzündung beim Rindviehe. Am häufigſten leiden Stiere und Ochſen an dieſer Entzündung. Der Kranke ſteht mit gekrümmtem Rük⸗ ken und mit geſenktem Kopf in trauriger Stellung da; er drängt ſehr oft auf den Abgang von Urin, welcher jedoch nur in geringer Menge und von blutiger Farbe abgeht. Miſtabgang erfolgt ſelten, und der etwa ab⸗ gehende Miſt iſt hart und trocken, undwird unter Stöh⸗ nen entleert. Der Puls iſt fieberhaft. Die Nieren⸗ gegend fühlt ſich vermehrt warm an, und ein Druck auf ſie hat Einbiegen des Rückens zur Folge; das Thier legt ſich nicht gern, und verändert ſeine Stellung nur ungern, und mit ſteifem Gange. Der Durſt iſt ſehr vermehrt, dagegen ſind Appetit und Wiederkäuen theil⸗ weiſe oder gänzlich verſchwunden. Macht die Krank⸗ heit einen üblen Ausgang, ſo nehmen alle Zufälle an Heftigkeit zu; das Thier ſtöhnt unausgeſetzt, trippelt mit den Hinterfüßen, und benimmt ſich als hätte es Kolik, wird überall kalt, und krepirt in der Regel nach ſechs bis zehn Tagen ſeit dem Anfange der Krankheit. Die Urſachen ſind theils unbekannt, theils ſind es ganz dieſelben als bei dem Blutharnen, welches Letz⸗ tere ſehr leicht in die Nierenentzündung übergehen kann; ſo wie denn überhaupt das Blutharnen oft nur in einer ſchleichenden Nierenentzündung beſteht. Die Krankheit iſt nicht ſelten tödlich, zumal wenn in ſechs bis acht Tagen kein Urin abgeht, wo dann die Entzün⸗ dung gewöhnlich in Brand übergeht. Die Kur iſt faſt ganz ſo wie beim Pferde. Der Kranke erhält wenig oder gar kein Futter, dagegen viel Geſöff; ſodann entzieht man acht bis funfzehn Pfund Blut, und allenfalls nach achtzehn bis vierundzwanzig Stunden nochmals, aber in halber Menge. Der Miſt wird durch die Hand herausgelangt, worauf fleißig Klyſtire geſetzt werden. In die Nierengegend macht man dieſelbe ſcharfe Einreibung, welche beim Pferde empfohlen iſt. Innerlich giebt man alle drei bis vier Stunden, jedesmal ein Loth Salpeter und ſechs Loth Glauberſalz mit etwas Mehlwaſſer. Läßt die Entzün⸗ dung nach, fließt der Urin wieder freier und von min⸗ der rother Farbe ab, ſo erfolgt dann die weitere Hei⸗ lung in der Regel von ſelbſt. c) Nierenentzündung beim Schafe. Dieſe im Allgemeinen nur ſelten vorkommende Krankheit giebt ſich durch Zeichen eines entzündlichen Fiebers, durch ein gekrümmtes Stehen und dadurch zu erkennen, daß das Schaf ſich oft zum Urinlaſſen anſchickt, und doch nur wenigen und blutigen Urin entleert. Beim Drucke in die Nierengegend verräth der Kranke Schmer⸗ zen; er ſieht ſich oft nach den Seiten um, zeigt Un⸗ ruhe, ſcharrt mit den Hinterfüßen, und frißt nicht. Zuletzt werden alle äußeren Theile kühl, es bricht ein allgemeiner, kalter Schweiß aus, es ſtellt ſich Zittern ein, und der Tod erfolgt. Die Urſachen ſind weſentlich dieſelben als beim Blutharnen. Man macht ungeſäumt einen Aderlaß von einem halben bis einem Pfund Blut, giebt inner⸗ lich alle drei bis vier Stunden ein halbes Quentchen Salpeter und ein Loth Glauberſalz, ſetzt Klyſtire und reibt in die Nierengegend, nachdem die Wolle zuvor abgeſchoren iſt, eine ſcharfe Einreibung. Im Allge⸗ meinen gelingt die Kur ſelten, zumal deshalb nicht, weil ſie meiſtens zu ſpät begonnen wird. Anmerkung. Auch bei Schweinen und Hun⸗ den kommt die Nierenentzündung vor, aber zu ſelten, als daß ihre ſpecielle Beſchreibung nöthig erſcheinen ſollte. 72. Gallen des Pferdes.(Tab. XVII.) Unter der Benennung„Gallen“ begreift man weiche, meiſt rundliche Geſchwülſte, welche an verſchiedenen Stellen der Schenkel, in der Nähe von Sehnen und Gelenken vorkommen. Am häufigſten ſieht man die thengelenke(Fig. 3. b. Fig. 4. b.), und am Sprung⸗ gelenke(Fig. 4. a.); ſeltner am Vorderknie(Fig. 3. a.) oder auf der vorderen Fläche des Feſſelgelenkes Fig. 4. c.). Die Gallen beſtehen in einer übermä⸗ Gallen an der hinteren Seite und oberhalb dem Kö⸗ ßigen Anſammlung von Gelenkſchmiere oder Sehnen⸗ 272 72. Gallen ſcheidenſchmiere, wodurch die Kapſelbänder oder Seh⸗ nenſcheiden ausgedehnt und erſchlafft werden; das aͤußerlich ſichtbare Produkt davon iſt dann eine weiche, runde Geſchwulſt, oder die Galle. Man theilt die Gallen ein: in Gelenkgallen und Sehnengallen; die Galle am Sprunggelenke iſt meiſt eine Gelenkgalle, wogegen die an anderen Theilen vorkommenden ge⸗ wöhnlich Sehnengallen ſind. Haben ſie in den Beu⸗ geſehnen über dem Feſſelgelenke ihren Sitz, ſo heißen ſie Feſſel- oder Flußgallen. Gewöhnlich ſind die Gallen durchgehend, das heißt, ſie laſſen ſich durch einen Druck von innen nach außen verſchieben, indem die Flüſſigkeit der Galle dem Drucke ausweicht. Am häufigſten finden ſich die Gallen bei gemeinen Pferden, von ſchlaffem Faſerbaue. Heftige und lange Anſtrengungen, Entzündungen, Verſtauchungen und Ueberdrehungen der Gelenke und Sehnen, ſo wie manche mechaniſche Urſachen können die Gallen her⸗ vorbringen. Während ihrer Bildung ſind ſie oft mit einer Ent⸗ zündung der umgebenden Theile verbunden, und dann geht das Pferd zuweilen lahm; ſpäter, wenn ſich die Entzündung verloren hat, tritt die Galle in ihrer be⸗ ſtimmten Form hervor; ſie iſt dann geſpannt, ohne vermehrte Wärme und ſchmerzlos, und nur ſelten findet eine Lahmheit bei ihr ſtatt, ausgenommen in den ſel⸗ tenen Fällen, wo ſie ſich nach und nach, gewöhnlich aber erſt nach ſehr langem Beſtehen, verhärtet und in eine knorpelige oder knöcherne Maſſe verwandelt hat, wodurch dann die Bewegung des Gelenkes oder der Sehnen mehr oder weniger beeinträchtigt wird. Die Größe der Gallen iſt verſchieden; manche erſcheinen nur ſo groß, als eine Haſelnuß, andere als ein Tau⸗ ben⸗ oder Hühnerei, andere endlich, aber dieſe faſt nur am Sprunggelenke, ſo groß als eine oder mehrere Fäͤuſte. Iſt die Sprunggelenkgalle durchgehend und bedeutend groß, ſo wird durch ſie die über ſie fortlau⸗ fende, große Hautvene emporgehoben und zuweilen ausgedehnt, welches unter dem unpaſſenden Namen „Blutſpat“ bekannt iſt, ein Fehler, der keinen oder nur geringen Nachtheil bringt. Im Allgemeinen wird die freie Bewegung der Sehnen und Gelenke durch die Gallen auf keine be⸗ merkbare Weiſe beeinträchtigt, ausgenommen da, wo die Gallen von ungewöhnlich großem Umfange oder des Pferdes. in Verhärtung übergegangen oder noch friſch und mit Entzündung und deshalb mit Schmerzen verbunden ſind. Es giebt viele vortreffliche Pferde mit Gallen, und es werden die unbedeutenden Nachtheile dieſes Fehlers in der Regel viel zu hoch angeſchlagen; iſt der Gang eines Pferdes nur ſonſt tadellos, ſo braucht man ſich wenig an die Gallen zu ſtoßen, es ſei denn in ſo fern, als ſie in der Regel ein Zeichen abgeben, daß ein ſolches Pferd ſchon beträchtlich gearbeitet hat. Eine radikale Heilung der Gallen gelingt nicht oft, und iſt dieſes ſelbſt gelungen, ſo kehren ſie doch durch den Dienſtgebrauch des Pferdes leicht zurück. Iſt die Galle neu entſtanden, vermehrt warm und mit anderen Zeichen von Entzündung verſehen, ſo paßt vorerſt die Anwendung der Kälte; den Tag hindurch wird der kranke Fuß in recht kaltes Waſſer geſtellt oder mit kaltem Waſſer befeuchtet; Abends wird der kranke Theil recht feſt mit einer Flanellbinde umwickelt, und dieſe des Nachts zuweilen mit einer Miſchung aus zwei Loth Alaun, ein halbes Quart Eſſig und ein Quart Waſſer befeuchtet. Sind Entzündung und Lahmheit großen Theils beſeitigt, ſo wäſcht man den kranken Theil täglich ſechs bis acht Mal mit einem Gemiſche aus Salmiak und Kampherſpiritus, von jedem zwei Loth, Eſſig und kaltem Waſſer, von jedem ein halbes Quart. Abends reibt man dann auf die Galle etwas graue Merkurialſalbe ein. Bei allen veralteten Gal⸗ len nützen die angegebenen Mittel wenig oder gar nichts; hier bedient man ſich, und das oft genug mit erwünſchtem Erfolge, der ſcharfen Einreibungen. Die Haare auf der Galle werden abgeſchoren, worauf etwas von der beim Sehnenklapp vorgeſchriebenen, ſcharfen Salbe aufgetragen wird; vierzehn Tage ſpäter wieder⸗ holt man eine ſolche Einreibung, und nöthigenfalls nach vierzehn Tagen nochmals. Statt der ſcharfen Einreibung kann man ſich auch, und zwar mit ziem⸗ lich gleichem Erfolge, des Glüheiſens bedienen; man brennt entweder Punkte oder Striche, und zwar recht dicht neben einander und recht tief; ein oberflächliches Brennen der Haut iſt erfolglos. Zu verſchiednen Zeiten hat man das Oeffnen der Gallen in Vorſchlag und hier und da zur Ausführung gebracht. Die Operation iſt aber nicht ohne Gefahr, und oft mit mancherlei Nachtheilen verbunden, weß⸗ halb man am Beſten ganz davon abſteht. 73. Magenwuͤrmerſeuche der Schafe. 74. Bandwurm des Hundes. 273 73. Magenwürmerſeuche der Schafe.(Tab. XVIII.) Dieſe Krankheit beſteht in einem allgemeinen kränk⸗ lichen Zuſtande der Lämmer und Jährlinge, bei wel⸗ chem ſich eine große Menge eines kleinen Eingeweide⸗ wurmes— des gedrehten Palliſadenwurmes, Stron- gylus contortus, Fig. 5. a, b.— im Magen bildet. Die Krankheit iſt in ihren Erſcheinungen der Lungen⸗ würmerſeuche ſehr ähnlich, ausgenommen, daß das Athemholen ungeſtört und kein Krächzen und Huſten vorhanden iſt; nicht ſelten kommen beide Krankheiten bei demſelben Lamme gleichzeitig vor. Eine ſichere Erkenntniß der Krankheit ergiebt ſich nur erſt bei der Oeffnung des Cadavers; neben den Zeichen allgemei⸗ ner Bläſſe, Schlaffheit und Abmagerung findet ſich im Labmagen, zuweilen auch im Zwölffingerdarme, eine größere oder geringere Menge der erwähnten Wür⸗ mer, umhüllt von zähem Schleime. Sind ein oder mehrere Lämmer unter denſelben Krankheitszeichen kre⸗ pirt, und haben ſie alle dieſelben Reſultate bei der Sektion gegeben, ſo kann man den Schluß daraus ziehen, daß die übrigen kranken Lämmer der Heerde, im Falle die Zufälle bei ihnen dieſelben ſind, auch an derſelben Krankheit leiden. Wenn die Krankheit noch nicht zu ſehr vorgeſchrit⸗ ten iſt, und die Lämmer noch einigen Appetit und einen gewiſſen Grad von Kraft und Munterkeit haben, ſo gelingt die Erhaltung des Kranken nicht gar ſelten. Man giebt jedem Lamme täglich zwei Mal, und meh⸗ rere Tage hintereinander, einen halben Theelöffel voll von folgender Miſchung: gereinigtes Hirſchhornöl und Terpentinöl, von jedem ein Loth, Brantwein ſieben Loth. Das übrige Verhalten in Fütterung ꝛc. iſt dem bei der Lungenwürmerſeuche ganz gleich. 74. Bandwurm des Hundes.(Tab. XVIII.) Der Hund leidet an verſchiedenen Eingeweidewür⸗ mern, beſonders oft aber am Bandwurm. Der mit ihm behaftete Hund frißt ſtark, und wird doch ſelten dabei fett, er erbricht zuweilen und ohne bekannte Ur⸗ ſachen, er miſtet ſehr unregelmäßig, wird oft von Ko⸗ liken befallen, rutſcht häufig auf dem Hintern, und entleert mit dem Kothe von Zeit zu Zeit Stücke eines Bandwurmes, von denen manchmal Enden längere Zeit aus dem After hervorhängen. Manchmal fängt der Hund plötzlich an zu ſchreien, läuft zwecklos und wild umher, und verfällt in Epilepſie, wodurch der Beſitzer nicht ſelten in den äußerſten Schreck verſetzt und zu dem falſchen Glauben veranlaßt wird, daß der Hund toll geworden ſei.— Es giebt verſchiedene Arten des Bandwurmes(Fig. 6. 7); in der Regel gehen nur einzelne Glieder deſſelben ab, während das Kopf⸗ ende ſitzen bleibt, an welchem ſich ſtets neue Glieder wieder erzeugen. Die Hauptaufgabe der Kur bleibt daher den ganzen Wurm abzutreiben, welches nur durch ſeine zuvorige Tödtung gelingen kann. Dieſes Geſchäft iſt ſehr ſchwierig, obſchon die zahlreichſten Mittel dazu vorgeſchlagen worden ſind; ſehr paſſend iſt folgendes: Terpentinöl und gereinigtes Hirſchhornöl, von jedem ein Loth, mit dem Gelben von zwei Eiern abgerieben; hiervon dem Hunde, je nach Alter und Größe, täglich ein bis zwei Theelöffel voll gegeben, und mehrere, ſelbſt vier bis ſechs Tage hintereinander; — oder Hirſchhornöl und Terpentinöl, von jedem ein Quentchen, Aloe zwei Skrupel, Gummigutti ein Skrupel, Wermuthkrautpulver ein Loth, mit etwas Mehl und Waſſer zu zwanzig Pillen gemacht, von denen dem Hunde täglich zwei bis vier eingegeben werden. Oft iſt es bei der Kur nützlich das bisherige Futter mit einem anderen und möglichſt verſchiedenen zu vertauſchen. Wagenfeld, Encycl. e Ot 274 75. Alter des Hundes zu erkennen. 76. Aderlaßfiſtel des Pferdes. 75. Alter des Hundes zu Die Hunde erreichen ein ſehr verſchiedenes Lebens⸗ alter; es ſchwankt daſſelbe zwiſchen zwölf und zwanzig Jahren, ein höheres Alter gehört zu den Seltenheiten. Im Allgemeinen leben große Hunde länger, als kleine. Die Beurtheilung des Alters eines Hundes kann mit ziemlicher Genauigkeit an dem Zuſtande der Zähne erfolgen. Iſt der Hund vier Monate alt, ſo wechſelt er die beiden mittelſten Schneidezähne im Unterkiefer, die ſogenannten Zangenzähne; im fünften und ſechs⸗ ten Monate die übrigen Schneidezähne, die Hakenzähne und auch die erſten drei Backenzähne; im neunten bis zwölften Monate ſind alle Zähne gehörig ausgebildet. Sie ſind dann alle milchweiß, die Schneidezähne ſcharf und halbdurchſichtig, wie Porzellan, die Hakenzähne ſehr ſpitz und nur wenig nach außen gebogen. Bis zum zweiten Jahre verliert ſich die Schärfe der Zähne immer mehr, ſie werden dicker, und ihre Spitzen run⸗ den ſich mehr ab. Vom zweiten Jahre ab werden erkennen.(Tab. XVIII.) die Zähne immer ſtumpfer; ihr ſcharfer Rand ſchleift ſich ab, und ſie werden mehr gelblich⸗weiß; im ſpäte⸗ ren Alter werden die Kronen der Schneidezähne bis auf die Wurzel des Zahnes abgerieben, und die Ha⸗ kenzähne werden ganz rund, ſtumpf und gelb; zuletzt werden die Zähne ſehr loſe, und fallen nach und nach aus, ſo daß ſehr alte Hunde oft zahnlos ſind. In ſehr hohem Alter bekommt der Hund, beſonders am Kopfe, graue Haare, er erblindet, gewöhnlich am grauen Staare, wird taub, und ſo ſteif und hinfällig, daß er nur mit Mühe ſich noch fortbewegen kann. Fig. 1 ſtellt die Zähne im Unterkiefer eines Hundes von zwölf Tagen dar; Fig. 2 von vier Monaten; Fig. 3 von ſechs Monaten; Fig. 4 von neun Mo⸗ naten; Fig. 5 von eilf Monaten; Fig. 6 von zwei Jahren; Fig. 7 von drei Jahren, und Fig. 8 von vier Jahren. 76. Aderlaßfiſtel des Pferdes. Tab. XVIIII.) Nach dem Aderlaſſen aus der Halsblutader ereig— net ſich zuweilen der Fall, daß eine Geſchwulſt an der Aderlaßſtelle entſteht, welche, wenn ſie nicht in wenigen Tagen verſchwindet, eine Aderlaßfiſtel(beſſer geſagt: eine Aderfiſtel) darſtellt. Dieſer Fehler wird daran erkannt, daß aus der gemachten Aderöffnung anhaltend eine dünne, röthliche Feuchtigkeit ausſickert, indem die Oeffnung nicht, wie es ſonſt gewöhnlich geſchieht, zuheilt. Mit dieſer Fiſtelöffnung findet ſich im Laufe der Blutader eine bedeutende Geſchwulſt am Halſe, welche gewöhnlich nach dem Kopfe zu ihre Richtung nimmt(Fig. 9. a.), und oft ſehr beträcht⸗ lich iſt, ſo daß das Pferd in der Bewegung und zumal in der Beugung des Kopfes ſehr behindert iſt, und dabei hörbar Athem holt. Das Weſen dieſer Krank⸗ heit beſteht in einer Entzündung der Droſſelvene; ihre Urſachen ſind verſchieden. Zunächſt zwar wird die Aderfiſtel durch die abſichtliche, zum Zwecke des Ader⸗ laſſens in die Ader gemachte Oeffnung hervorge⸗ bracht; da jedoch ein Aderlaß überaus oft gemacht wird, dagegen eine Aderfiſtel nach Verhältniß nur ſel⸗ ten vorkommt, ſo müſſen noch einige andere Umſtände hinzukommen, um ſie zur Folge zu haben. Weſentlich ſind ungeſchicktes, oft wiederholtes, und zu tiefes Ein⸗ ſchlagen in die Ader, ſo wie die Benutzung eines ſtum⸗ pfen, roſtigen oder ſchartigen Inſtruments hierher zu rechnen. Häufiger noch entſteht die Aderfiſtel, wenn das Pferd die Aderlaßſtelle reibt, wenn die Verſchließung der Venenöffnung ſchlecht und unvollſtändig bewirkt wurde, ſo daß eine Nachblutung erfolgt. Manchmal tritt ſie aber auch nach der tadelloſeſten Ausführung des Aderlaſſens und aus unbekannten Urſachen ein. Es iſt die Aderfiſtel nicht ſelten mit Gefahr verbunden; es kann unerwartet eine ſtarke und dadurch tödtlich 77. Genickbeule des Pferdes. 275 werdende Blutung eintreten, oder es kann die Entzün⸗ dung in Eiterung übergehen, wo dann der Eiter zu⸗ weilen durch die Venen nach den Lungen geleitet wird, und hier eine tödtliche Lungenentzündung bewirkt; endlich iſt das Uebel manchmal ſehr hartnäckig, auch kann die Geſchwulſt ſo beträchtlich werden, daß ſie die Luftröhre dergeſtalt zuſammendrückt, daß eine Er⸗ ſtickung erfolgt. Früh genug begonnen iſt die Kur indeſſen gewöhnlich mit dem Erfolge der Heilung ver⸗ bunden. Es giebt faſt nur ein einziges Mittel die Aderfiſtel, nach Verhältniß ſchnell und ſicher, zu heilen, und dieſes beſteht in der Anwendung ſcharfer Einrei⸗ bungen; ihre Wirkung bei dieſem ſonſt ſo hartnäckigen und ſogar gefährlichen Schaden, iſt ganz unſchätzbar. Entdeckt man, daß an der Aderlaßſtelle noch nach ſechs bis acht Tagen eine Flüſſigkeit ausſickert, und daß ſich ringsum eine beträchtliche Geſchwulſt gebildet hat, ſo leidet es keinen Zweifel, daß eine Aderfiſtel zugegen iſt. In dieſem Falle werden dann die Haare auf dem Umfange der Geſchwulſt abgeſchoren, worauf man auf die Geſchwulſt eine ſcharfe Salbe aufträgt, und zwar dieſelbe Miſchung, welche beim Stoll— ſchwamme empfohlen wurde. In den erſten Tagen wird ſich das Uebel ſcheinbar vermehren, indem die Geſchwulſt etwas im Umfange zunimmt; aber noch einige Tage ſpäter nimmt die Geſchwulſt nach und nach ab, und ver⸗ liert ſich zuletzt ganz. Hat die Einreibung nach zehn bis vierzehn Tagen noch nicht den gewünſchten Er⸗ folg gehabt, ſo muß ſie nochmals gemacht, ja ſie kann, erforderlichen Falls, zum dritten Male wiederholt werden. Die Fiſtelöffnung ſelbſt bleibt unberückſich⸗ tigt, außer daß man ſich hütet, daß etwas von der Salbe in ſie dringt; man läßt deshalb die Hautſtelle, in der ſie ſich befindet, etwa im Umfange eines Dop⸗ pelthalers, uneingerieben. Das Aufſchlitzen der Fiſtel und der entzündeten Ader, das Brennen derſelben ꝛe. iſt theils nutzlos und gefährlich, theils gehört dazu eine beträchtliche Sachkenntniß und Geſchicklichkeit. Während der Kur muß man das Pferd ſo ſtellen, daß es ſich auf keinen Fall an der Aderfiſtel reiben kann; man befeſtigt daſſelbe deshalb nicht etwa mit einem Halsbande, ſondern mit einer Halfter, man läßt daſſelbe auf die Weide ꝛc. Ein Gebrauch des Pferdes während der Krankheit iſt nicht ohne Gefahr, denn hat das Sielengeſchirr vor der Bruſt eine unpaſ⸗ ſende Lage, ſo kann eine gefährliche Blutung eintreten, oder es wird durch Anſtauung des Blutes in der Droſ⸗ ſelader das Uebel verſchlimmert. Anmerkung. Es ereignet ſich ſehr oft, daß nach dem Aderlaſſen, gleich nachdem die Ader ver⸗ ſchloſſen iſt, eine beträchtliche Geſchwulſt entſteht, welche von dem Blute herrührt, welches ſich unter die Haut er⸗ goſſen hat. Gewöhnlich hat ein ſolcher Fall nichts wei⸗ ter auf ſich; das Blut wird wieder aufgeſogen, und in zwei bis drei Tagen iſt die Geſchwulſt ſpurlos und ohne alles weitere Zuthun verſchwunden. Erfolgt aber in dergleichen Fällen zufällig ein Reiben und Quetſchen der Geſchwulſt, ſo kann ſie dann freilich eine Aderfiſtel zur Folge haben. Auch beim Rindviehe kommt zuweilen die Ader⸗ fiſtel vor; Kennzeichen und Kur ſind hier ganz die⸗ ſelben, wie beim Pferde.. 77. Genickbeule des Pferdes.(Tab. XVIII.) Die Genickbeule, auch wohl Maulwurfsgeſchwulſt genannt, beſteht in einer rundlichen und mehr oder weniger erhabenen Geſchwulſt, welche im Genicke (Fig. 10. a.) ihren Sitz hat. Das Pferd läßt die Ohren hängen, hält den Kopf geradeaus und ſteif, oder ſenkt ihn zur Erde herab, als ob es am Koller litte. Die Geſchwulſt iſt heiß, beim Drucke ſehr ſchmerzhaft, und ein Verſuch den Kopf des Pferdes nach unten oder ſeitwärts zu beugen, erregt ſichtlich Schmerzen. Die Geſchwulſt hat oft mehr ſeitlich ihre Lage, oft dehnt ſie ſich am Kamme nach hinten, oft bis auf den obe⸗ ren Theil der Stirn aus. In der Regel entſteht die Genickbeule plötzlich, und oft erreicht ſie ſchon in vierundzwanzig bis ſechs— unddreißig Stunden ihren höchſten Umfang; manch⸗ mal vergehen darüber aber auch megreer dage. In 276 78. Widerruͤſtſchaden des Pferdes. nicht ſeltenen Fällen, zumal wenn ſie ſehr ausgedehnt iſt, fiebert das Pferd dabei, und frißt dann ſchlecht ꝛc. Geht die Geſchwulſt nicht bald in Zertheilung aus, ſo bildet ſich Eiterung, wo dann das Uebel langwierig und ſelbſt lebensgefährlich werden kann. Der Eiter ſenkt ſich dann in die Tiefe, zwiſchen die Muskeln, das Nackenband wird angegriffen, und ſelbſt die Hals⸗ wirbel und durch ſie das Rückenmark können durch ſie Eiterung leiden, in welchem letzteren Falle eine Ver⸗ wachſung der Wirbel oder ſogar der Tod die Folge ſein kann. Hat ſich Eiter gebildet, ſo bricht die Ge⸗ ſchwulſt gewöhnlich an irgend einer Stelle auf, und bildet dann eine ſchwer zu heilende Genick⸗ oder Na⸗ ckenfiſtel. Gewöhnlich entſteht die Genickbeule durch äußere, mechaniſche Urſachen, welche einen ſtarken Druck oder eine Quetſchung im Genick erzeugten. So haben namentlich Schläge mit dem Peitſchenſtiele, ein Sturz des Pferdes, heftige Stöße, welche daſſelbe ſich am unteren Rande der Krippe oder an irgend einem ande⸗ ren Gegenſtande beibrachte, zu enge und zu ſchwere Halfter und Zügel ꝛc. nicht ſelten die Genickbeule zur Folge. Zuweilen entſteht die Genickbeule aus einer verſetzten Druſe, welche ſich auf den Nacken ablagert; manchmal iſt keine bekannte Urſache vorhanden. Die Kur richtet ſich nach dem Grade, der Dauer und der ſonſtigen Beſchaffenheit des Uebels. Iſt daſ⸗ ſelbe erſt kurze Zeit vorher entſtanden, ſo nimmt man vielfach zuſammengelegte Leinwand, befeſtigt dieſe auf der Geſchwulſt, und hält ſie durch häufig wiederholtes Anfeuchten mit einer Miſchung aus einem Theile Eſſig und vier Theilen Waſſer feucht und kühl. Wird hier⸗ bei nach einigen Tagen die Geſchwulſt nicht kleiner, oder iſt ſie ſchon überhaupt etwas älter, ſo geht ſie gewöhnlich in Eiterung über, und es findet ſich dann an irgend einer Stelle ein weicher Punkt. In ſolchem Falle macht man an der weichſten Stelle einen Ein⸗ ſtich, um Eiter, Blutwaſſer, oder was ſonſt ſich in der Geſchwulſt befindet, zu entleeren, ſcheert die auf ihr befindlichen Haare ab, und reibt von der ſcharfen Salbe, wie bei der Aderfiſtel, ein. Eine ſolche Ein⸗ reibung kann nöthigenfalls nach zehn bis vierzehn Tagen wiederholt werden. Hat ſich der Eiter ſchon ſehr in die Tiefe geſenkt, ſo unterſuche man den Fi⸗ ſtelgang mit der Sonde, und erweitere den zuerſt ge⸗ machten Einſtich bis zum Grunde des Kanales, oder man mache hier eine Gegenöffnung. Hiezu gehören aber Sachkenntniß und Geſchicklichkeit, denn ohne ſie kann, bei der Wichtigkeit der hier gelagerten Theile, leicht ein ſehr übler Zufall entſtehen. Von Zeit zu Zeit wird die Geſchwulſt von anklebendem Eiter mit lauem Sei⸗ fenwaͤſſer gereinigt, und der obere Theil der Mähnen⸗ haare wird eingeflochten, damit er nicht die Wunde reizt, und mit ihr durch Eiter verklebt. Bis zur Heilung muß das Pferd in Ruhe gehalten werden; Zügel und Halfter oder was ſonſt die Ge⸗ ſchwulſt drücken könnte, ſind zu vermeiden, und das Pferd muß entweder mit einem Halsriemen befeſtigt oder unangebunden gelaſſen werden. 78. Widerrüſtſchaden des Pferdes.(Tab. XVIII.) Dieſer Fehler iſt dem vorigen in jeder Beziehung gleich, und nur allein durch den verſchiedenen Sitz von ihm verſchieden; er entſteht durch einen Druck des Sattels, des Kummets, oder womit der Widerrüſt ſonſt beſchwert worden war. Manchmal ſcheint auch eine hierher verſetzte Druſenmaterie die Veranlaſſung zu ſein. Der Widerrüſtſchaden erſcheint unter ſehr ver⸗ ſchiedener Geſtalt; zuweilen iſt nur allein die Haut entzündet, welche dann gewöhnlich brandig iſt, und als ein lederartiges Stück abgeſtoßen wird; andere Male iſt die Haut unverletzt, aber unter ihr bildet ſich eine runde und begränzte, oder flache und mehr aus⸗ gebreitete Geſchwulſt, gerade auf dem Widerrüſte, dort wo die Mähnen aufhören(Fig. 11. a.). Zuweilen hat die Geſchwulſt auch mehr ſeitlich, am oberen Ende des Schulterblattes ihre Lage. Es finden ſich an ihr alle Zeichen der Entzündung; ſie iſt heiß und ſehr ſchmerzhaft beim Drucke. Gewöhnlich iſt gleich An⸗ 79. Harnſteine beim Rindviehe. fangs eine dünne Flüſſigkeit in ihr enthalten, welche jedoch, da ſie meiſtens ſehr tief unter der Haut liegt, nicht ſo leicht zu entdecken iſt; ſpäter geht die Ge⸗ ſchwulſt in Eiterbildung über, wo ſie dann häufig aufbricht, den Eiter nach Außen entleert und eine, meiſtens ſehr langwierige, Widerrüſtfiſtel bildet. An⸗ dere Male, und dieſes iſt der gewöhnlichſte Fall, ſelbſt wenn ſich eine Oeffnung nach Außen bildet, ſenkt ſich der Citer in die Tiefe; er macht weite und lange Gänge, frißt das Nackenband, die Dornfortſätze der Rücken⸗ wirbel und ſelbſt das obere Ende des Schulterblat⸗ tes an. Im Allgemeinen iſt der Widerrüſtſchaden eine langwierige Krankheit, und ſind Bänder und Knochen angegriffen, ſo iſt die Heilung zuweilen kaum möglich; auch kann ſogar der Tod der endliche Ausgang der Krankheit ſein, namentlich dadurch, daß Eiter oder Jauche in das Blut tritt, und dann das Pferd in Wurm oder Rotz verfällt. So lange jedoch die Ge— ſchwulſt noch neu und nicht aufgebrochen iſt, pflegt die Heilung in einigen Wochen zu erfolgen, und iſt nur die Haut allein gequetſcht und von Entzündung ergriffen, ſo hat das nur wenig zu bedeuten. Die Kur iſt genau dieſelbe, wie bei der Genick⸗ beule; Anfangs kalte Umſchläge, wenn es ſein kann aus Eis oder Schnee, oder aus damit erkaltetem Waſ⸗ ſer; ſpäter ſcharfe Einreibungen auf den ganzen Um⸗ fang der Geſchwulſt. Dieſe Einreibungen find ſelbſt dort zu machen, wo die Geſchwulſt ſchon aufgebrochen iſt, und ſie können, unter Umſtänden, ſelbſt mit Vortheil wiederholt werden. Haben ſich Fiſtelgänge unter der Haut gebildet, ſo werden dieſe mit dem Meſſer dreiſt aufgeſchlitzt, wobei der Schnitt ſtets, ſo viel wie mög⸗ lich, eine ſenkrechte Richtung haben muß, damit der Citer leicht abfließen kann. Sind die Knochen ange⸗ 277 griffen, oder das Nackenband, ſo iſt die Heilung ſehr ſchwierig; die Anwendung des glühenden Eiſens und verſchiedener Aetzmittel iſt dann erforderlich. Hat man es blos nur noch mit einer offenen, breiten und ſtark eiternden Wunde zu thun, ſo ſtreuet man in dieſelbe täglich ein Mal recht dick von einem Pulver aus Eichenrinde und Holzkohle, von jedem drei Loth, Alaun, ein Loth, ein, wornach die Vernarbung raſchzu erfolgen pflegt. Iſt der Eiter jauchig und übelriechend, ſo wäſcht man die Wunde täglich zwei Mal mit einer Auflöſung von drei Loth Chlorkalk in einem Quart kalten Waſſer aus. Während der Kur muß das Pferd— ſo viel wie möglich— Ruhe haben; daß jeder Druck auf die kranke Stelle, mithin das Auflegen des Sattels, Kummets oder des Sattelkiſſens des Sielengeſchirres unterbleiben muß, verſteht ſich von ſelbſt. Erſtreckt ſich der Scha⸗ den indeſſen nicht ſehr weit nach hinten, ſo kann das Pferd in vielen Fällen wohl zur Arbeit verwendet werden, wenn man nur dafür ſorgt, daß das Rücken⸗ ſtück des Geſchirres durch einen Schweifriemen recht weit nach hinterwärts gebracht wird. Iſt die Heilung erfolgt, ſo hüte man ſich die kranke Stelle Anfangs zu ſehr zu beſchweren, denn es bleibt für lange Zeit noch eine große Empfindlichkeit der Haut und dadurch eine große Neigung zu einem Rückfalle des Schadens zurück. Anmerkung. Es iſt ein ſehr übliches Verfah⸗ ren bei friſchen Widerrüſtſchaden einen friſchen Raſen auf die Geſchwulſt zu legen. Dies iſt tadelnswerth;— denn wenn auch die Kühle des Raſens einigen Nutzen ſchafft, ſo ſchadet doch dagegen ſein Gewicht weit mehr, und es iſt daher ungleich beſſer ſich der feuchten, lei⸗ nenen Compreſſen zu bedienen. 79. Harnſteine beim Nindviehe.(Tab. XVIII.) Nicht gar ſelten ereignet ſich der Fall, daß Ochſen und Stiere an einer Harnverhaltung leiden, welche durch einen Harnſtein hervorgebracht wird. Ein ſol⸗ cher Harnſtein bildet ſich urſprünglich in der Blaſe, und geht ſpäter mit dem Urin in die Harnröhre, durch deren engen Kanal er aber in der Regel nicht hindurch gehen kann, und mithin in ihm eingeklemmt wird. Dadurch wird die Harnröhre verſtopft, und der Urin 278 79. Harnſteine beim Rindviehe. kann dann entweder gar nicht, oder doch nur unvoll⸗ ſtändig abgehen. Gewöhnlich hat der Harnſtein die Größe einer Erbſe, eine runde Form, und er iſt mehr oder weniger rauh und höckerig auf ſeiner Ober— fläche.— Man erkennt den Fehler daran, daß der Urin bei dem ſonſt munteren und geſunden Thiere nicht abfließt, oder, wie dieſes meiſtens der Fall iſt, nur tropfenweiſe, obſchon ein öfteres Drängen auf den Urinabgang ſtatt hat. Später vermehrt ſich dieſes Drängen; das Thier tritt von der Krippe zurück, wird unruhig, trippelt mit den Hinterfüßen, ſieht ſich nach dem Bauche um, ſchlägt mit dem Schwanze ꝛc. Geht man mit der Hand in den Maſtdarm ein, ſo fühlt man nach unter⸗ wärts die vom Urin auf das Aeußerſte ausgedehnte Blaſe. Das Thier ſtöhnt dabei heftig und unter ſtar⸗ kem Drängen. Nach und nach wird der Kranke trau⸗ rig, er tritt von der Krippe zurück, frißt nur wenig, magert ab und bekommt ein krankes Anſehen; der Urin wird fortwährend zurückgehalten, die Flanken und der Bauch erſcheinen ausgedehnt, ungeachtet das Thier faſt gar nichts frißt, und übt man einen Druck auf die Flankengegend aus, ſo hört man das Schwap⸗ pen und Plätſchern einer Flüſſigkeit. Endlich, wenn auch zuweilen erſt nach acht bis vierzehn Tagen ſeit dem Eintritte der Harnverhaltung, erfolgt ein plötzli⸗ cher Tod. Oeffnet man den Cadaver, ſo findet man die Bauchhöhle mit Urin gefüllt, deſſen Menge mehrere Eimer voll beträgt; die Urinblaſe iſt zuſammenge⸗ ſchrumpft, verdickt, und an irgend einer Stelle derſel⸗ ben findet ſich eine Oeffnung oder ein Riß, deſſen Ränder wulſtig und blutrünſtig ſind. Schlitzt man die Harnröhre auf, ſo findet man irgendwo in ihr einen eingeklemmten Harnſtein, und an dieſer Stelle erſcheint die Harnröhre verengt, entzündet und röther, als an anderen Stellen. Der Urin konnte des⸗ halb nicht abfließen, er ſammelte ſich in der Blaſe an, dieſe wurde dadurch endlich ſo gefüllt und ausgedehnt, daß ſie platzte, und ihren Inhalt in die Bauchhöhle ergoß. Der Tod erfolgt nicht gleich beim Berſten der Blaſe, welches aus der außerordentlichen Menge von Urin, welcher ſich nach dem Tode in der Bauchhoͤhle findet, ſo wie aus einigen anderen Erſcheinungen ge⸗ ſchloſſen werden kann; das Thier iſt ſogar, ſelbſt bei geborſtener Blaſe, Anfangs noch ziemlich munter, es frißt noch ꝛc. und ſcheint in dieſem Zuſtande vielleicht noch acht Tage und länger leben zu können, bis zuletzt der Tod, wahrſcheinlich durch Erſtickung, erfolgt. Das einzige Mittel, welches bei dieſer Harnverhal⸗ tung das Thier zu retten im Stande iſt, beſteht in der Entfernung des eingeklemmten Harnſteines, und zwar auf dem Wege der Operation. Um ſie auszuführen, muß man ſich aber theils erſt verſichern, daß ein Stein die Urſache der Krankheit iſt, theils muß man vorher eine Unterſuchung anſtellen, ob die Blaſe auch noch nicht geborſten iſt; denn hier kommt natürlich die Operation zu ſpät. Daß die Blaſe geborſten iſt, erkennt man an folgenden Zeichen: Die Urinverhaltung hat min⸗ deſtens ſchon ſechs bis acht Tage gedauert; bei der Unterſuchung durch den Maſtdarm findet man die Blaſe nicht nur nicht gefüllt, ſondern leer, oder man fühlt ſie vielmehr gar nicht; Bauch und Flanken ſind unge⸗ wöhnlich ausgedehnt, und durch Kneten und Drücken hört man ein plätſcherndes Geräuſch; die ganze Atmo⸗ ſphäre des Kranken hat einen urinartigen Geruch. Findet man dagegen die Blaſe bei der Unterſuchung geſpannt und gefüllt, und ſind die anderen, oben be⸗ ſchriebenen Zeichen der Krankheit vorhanden, ſo ſchrei⸗ tet man zur Operation. Am zweckmäßigſten wird die⸗ ſelbe am ſtehenden Thiere gemacht, denn ein Werfen deſſelben hat leicht eine Berſtung der Blaſe zur Folge. Es wird das Thier deshalb mit dem Kopfe an irgend einen Gegenſtand befeſtigt, während die Hinterfüße mit Stricken geſpannt werden. Zunächſt nun unter⸗ ſucht man, an welcher Stelle der Harnröhre der Stein ſich befindet; zu dem Ende betaſtet und drückt man dieſelbe mit den Fingern von ihrem Austritt aus dem Becken(Fig. 12. a.) zwiſchen den Hinterſchenkeln hin⸗ ab(Fig. 12. b.), durch den Hodenſack und endlich bis zu ihrer Spitze. An der Stelle, an welcher der Stein ſeinen Sitz hat, empfindet das Thier bei ſtärke⸗ rem Drucke Schmerzen, welche es durch eine zuckende Bewegung zu erkennen giebt. An dieſer Stelle ſpannt man dann mit den Fingern der linken Hand die Haut ſtraff an, ſchneidet mit einem ſcharfen Meſſer zuerſt die Haut auf eine Länge von anderthalb bis zwei Zoll durch, und hierauf macht man einen kleine⸗ ren Einſchnitt in die Harnröhre und bis auf den Stein. Dieſer wird jetzt ſichtbar, und ſpringt von ſelbſt durch einen Druck heraus; oder man ſucht ihn durch eine kleine Zange oder ein anderes Inſtrument heraus zu holen. Gleich beim Einſchneiden in die Harnröhre quillt der Urin in großer Menge durch die Schnitt⸗ ——ᷓZyqineamnaq¼q g——— 80. Dummkoller des Pferdes. 279 wunde heraus, wodurch der Stein oft mit heraus ge⸗ ſpült wird. Die Wunde wird dann blos äußerlich geheftet, und heilt ziemlich ſchnell und ohne weiteres Zuthun. Nicht immer gelingt es den Sitz des Stei— nes aufzufinden, zumal wenn er, wie dieſes ſo oft der Fall iſt, vom Hodenſacke verdeckt wird. Hier macht man dann an irgend einer höher hinauf liegenden Stelle einen Einſchnitt in die Harnröhre, führt eine Sonde in ſie ein, und ſucht mit ihr den Stein auf. Stößt man auf denſelben, ſo macht man an dieſer Stelle einen zweiten Einſchnitt, um ihn zu entfernen. Selbſt in den Fällen, in welchen der Stein gar nicht aufzu— finden iſt, gewährt das Einſchneiden in die Harnröhre große Vortheile, denn es kann ſogleich der Harn ab⸗ fließen; das Thier iſt gerettet, und kann ſelbſt durch dieſe künſtliche Oeffnung, bis zur erfolgten Maſtung, ohne ſonderliche Nachtheile uriniren, beſonders wenn in dieſe Oeffnung eine zinnerne Röhre von paſſender Form eingebracht wird. Quillt beim Einſchneiden in die Harnröhre kein Urin hervor, ſo iſt das ein ſicheres Zeichen, daß der Stein höher hinauf, und mehr nach der Blaſe zu, ſeine Lage hat; hier muß dann die Sonde nach oben geführt werden, und— im Fall man den Stein auch jetzt nicht entdecken ſollte, ſo ſchneidet man, um das Thier zu erhalten, dicht unter dem After (Fig. 12. a.) eine Oeffnung in die Harnröhre ein. 80. Dummkoller des Pferdes.(Tab. XVIII.) Der Dummkoller oder Koller beginnt entweder plötzlich, oder, und dieß iſt weit häufiger, es gehen ihm längere oder kürzere Zeit mancherlei Vorläufer voraus, welche alle darin zuſammentreffen, daß ſie auf eine geſtörte Verrichtung des Gehirns hindeuten. Eine ſonſt an dem Pferde nicht gewohnte Stumpfſinnig⸗ keit, Trägheit und ein Phlegma, oder auch ein entge⸗ gengeſetzter Zuſtand, nämlich der einer erhöhten Reiz⸗ barkeit und Empfindlichkeit ſind hierher zu rechnen. In letzterem Falle iſt das Pferd widerſpenſtig, ſcheu und kapriciös; es geht mit dem Reiter oder im Zuge durch, iſt ſehr empfindlich gegen Züchtigungen, drängt nach dieſer oder jener Seite, fährt bei geringer äußerer Veranlaſſung erſchrocken zuſammen ꝛc. Iſt der Koller zu entſchiedener Ausbildung ge⸗ kommen, ſo bietet er weſentlich folgende Erſcheinungen dar. Das ganze Aeußere, ich möchte ſagen die Phy⸗ ſiognomie des Pferdes, bietet das Bild eines geſtörten und verminderten Bewußtſeins dar. Die Stellung des Kranken iſt ungewöhnlich und ungeſchickt; die Füße ſtehen unregelmäßig, oft einander ſehr genähert, unter dem Leibe dicht zuſammen, und ſie bleiben au⸗ tomatiſch in jeder Richtung ſtehen, die man denſelben etwa giebt. Stellt man z. B. die Vorderfüße des Pferdes kreuzweiſe über einander, ſo bleiben ſie mei⸗ ſtens in dieſer ſehr unnatürlichen Richtung ſo lange ſtehen, bis das Pferd bei einer verſuchten Bewegung die Balance verliert, und erſt dann die Beine wieder etwas paſſender unter den Rumpf ſetzt. Gewöhnlich wird die Bruſt ſtark gegen die Krippe gedrängt, oder es wird der Körper ſeitlich an die Wand angelehnt, wobei das Pferd den Kopf entweder auf den Grund der Krippe ſtützt, oder ihn tief zur Erde und unter die Krippe hält. Das Pferd ſteht wie ſchlafend oder träu⸗ mend da, mit halb geſchloſſenen, ſtier und dumm blickenden Augen. Die Richtung des Blickes und die Bewegung der Ohren ſtehen in gar keiner harmoniſchen Beziehung zu einander, denn während z. B. die Ohren beide nach hinten, oder das eine nach hinten und das andere nach vorn gewendet ſind, iſt der Blick vielleicht gerade aus. Heftiges Geräuſch, eine ſtarke Berührung und ähnliche Einflüſſe machen das Pferd entweder erſchrocken zuſammenfahren, oder es empfindet dieſel⸗ ben ganz und gar nicht. Ein Verſuch den Kranken durch lautes Zurufen zur Aenderung ſeiner Stellung zu bewegen, bleibt meiſtens erfolglos, oder das Pferd folgt demſelben nur erſt ſpät und langſam. In vielen Fällen rennt das Pferd mit der Naſe an nahe Gegen⸗ ſtände an, ein Beweis, daß auch die Sehkraft getrübt iſt. Faſt nie ändert das Pferd die Stellung, die es einmal hatz ſoll dieſes geſchehen, ſo muß es geſtoßen und geſchoben werden, wie eine todte Maſſe, und 280 beſonders ſchwierig iſt es dabei ein Zurückſchreiten zu bewirken. Faßt man zu dieſem Behufe den ſchwer beweglichen Kopf, ſo weicht der Rumpf ſo weit wie möglich nach hinten, während die Füße feſt auf dem Erdboden haften; nur erſt wenn das Gleichgewicht verloren geht, werden die Füße nachgezogen. Nur ſel⸗ ten legt ſich das Pferd nieder; erfolgt dieſes, ſo iſt dieſes gewöhnlich unfreiwillig und durch ein Stolpern entſtanden. Sehr auffallend und charakteriſtiſch iſt die große Abſtumpfung des Gefühls; in vielen Fällen ſcheint daſ⸗ ſelbe faſt ganz erloſchen. Schmerzerregende Eindrücke, welche geſunde Pferde in die heftigſte Alteration ver⸗ ſetzen, bringen nur geringe oder auch wohl gar keine Wirkung hervor. Bei einem Hiebe mit der Peitſche oder einem Stocke z. B. fährt das Thier nur wenig zuſammen, und drängt etwas feſter an Krippe oder Wand, aber ſonſt behauptet es ſeine Stellung und rührt ſich nicht. Das Eingreifen in die Ohren und das Treten auf die ſonſt ſo empfindliche Hufkrone duldet das Pferd gewöhnlich ganz ruhig, und ohne mit dem Kopfe zu ſchütteln oder den Fuß fortzuneh⸗ men. Die ziemlich allgemein herrſchende Volksmei⸗ nung legt auf dieſe beiden letzten Symptome, als we⸗ ſentliche Erkennungszeichen des Kollers, eine ſehr gro⸗ ßes Gewicht. Das iſt aber falſch! Es kommt nämlich gar nicht ſelten vor, daß ganz geſunde Pferde ſich ruhig in die Ohren greifen oder auf die Krone treten laſſen, während manchmal ſehr kollerige Pferde hier⸗ gegen ſehr empfindlich ſind. Geltung haben deshalb die gedachten Symptome nur dann, wenn die übrigen Zeichen des Kollers zugegen ſind. Der Puls iſt lang⸗ ſamer als ſonſt; ſtatt achtunddreißig bis vierzig Pulſen hat das Pferd deren nur vierundzwanzig bis achtund⸗ zwanzig in der Minute; auch das Athemholen iſt um einige Züge vermindert, und zwiſchendurch erfolgt öfters eine tiefe, ſeufzerartige Einathmung. Iſt das Athmen ſchnarchend und ſchnaufend, ſo hat das darin ſeinen Grund, daß das Pferd, bewußtlos wie es iſt, die Naſenlöcher gegen irgend einen Gegenſtand andrückt, ſo daß ſie theilweiſe verſchloſſen werden. Ganz eigenthümlich, und für die Erkenntniß we⸗ ſentlich, iſt die Art der Aufnahme von Futter und Geſöff. Wird dem Pferde z. B. Hafer in die Krippe geſchüttet, ſo macht es gewöhnlich einige ſtoßweiſe und ſchnell auf einander folgende Biſſe in denſelben, indem es mit dem Maule auf den Grund der Krippe 80. Dummkoller des Pferdes. fährt, und hier mit geſchloſſenen Kiefern und geöffne⸗ ten Lippen, anſcheinend lauſchend, daſſelbe geſtützt hält. Nach einiger Zeit erſt fängt das Pferd an den aufgefaßten Hafer zu kauen, wobei jedoch gewöhnlich ein großer Theil aus dem Maule zurückfällt, und auf die Erde verſtreut wird. Oft hält das Pferd plötzlich und ohne allen ſichtbaren Grund mitten im Kauen inne, obſchon ſich noch Hafer im Maule befindet, oder es kauet fort, obſchon das Maul leer iſt. Auf ähn⸗ liche, ungewöhnliche Art erfolgt die Aufnahme von Rauchfutter. Das Pferd faßt z. B. einen Wiſch Heu, kauet einige Zeit langſam und wie träumend fort, und hält dann plötzlich ein, wobei in der Regel einige Halme aus den Maulwinkeln hervorragen. Zupft man an dieſen, ſo kommt das bewußtloſe Kauen wie⸗ der für einige Zeit in Gang. Am liebſten frißt das Pferd das Rauchfutter von der Erde, und deshalb kauet es auch gern am Streuſtroh. Beim Saufen ſenkt das Pferd den Kopf gewöhnlich bis über die Naſe, ja ſelbſt bis an die Augen in den Eimer, und ſäuft dann ſo lange fort, bis es aus Mangel an Luft den Kopf zurückziehen muß; ein großer Theil des Waſſers fließt dann aus dem Maule zurück, und das Pferd kauet an dem Waſſer, als ob ſich feſtes Futter im Maule befände. Der Miſt wird ſelten und dann in großen Maſſen entleert; die Augenlider ſind halb geſchloſſen, etwas aufgedunſen, und das Auge ſelbſt von dummem Anſehen, feucht und ohne Ausdruck und Glanz. 1. Die bisher beſchriebenen Zufälle ſind die, welche bei dem kollerigen Pferde im Zuſtande der Ruhe ſich wahrnehmen laſſen; jetzt ſollen die beſchrieben werden, welche es bei und nach der Bewegung an den TJag legt. Sehr eigenthümlich iſt der Gang des kollerigen Pfer⸗ des; alle Bewegungen dabei ſind bleiern und maſchi⸗ nenartig, und nur ſchwer iſt das Pferd in Gang zu bringen; iſt dies jedoch einmal erfolgt, ſo iſt eben es ſo ſchwer denſelben plötzlich zu hemmen. Die Füße hebt das Pferd im Gange hoch vom Boden, als ob es im Waſſer watete oder über erhöhte Gegenſtände weg⸗ ſchritte; die Schenkel fallen dabei, mit flacher Huf⸗ ſohle, wie todte Maſſen zur Erde. Kurze Wendungen des Pferdes ſind nur ſchwer zu bewirken, und ein Verſuch dazu macht das Pferd leicht umfallen; alle Bewegungen ſind ſchwerfällig und ungeſchickt, und zu⸗ weilen findet ein ſtetes Drängen nach dieſer oder jener Seite ſtatt. 80. Dumnkoller des Pferdes. Wird das Pferd in Trab gebracht, ſo rennt es bewußtlos fort, und iſt nur ſchwer aufzuhalten, und nie auf der Stelle. Mit der Zunahme der bei der Bewegung im raſchen Gange ſtatthabenden Erhitzung wird das Pferd immer ſtumpfſinniger und unempfind⸗ licher; der Zügel iſt faſt wirkungslos, es legt den Kopf immer ſchwerer in denſelben, und ſenkt ihn immer tiefer herab. Wendungen deſſelben ſind ſehr ſchwer und nur im großen Bogen möglich, Peitſche und Sporen wirken immer weniger. Ein Zurücktreten des erhitzten Pferdes iſt kaum zu bewirken; bei ſtark angezogenem Zügel reißt das Pferd das Maul weit auf, und nur der Rumpf weicht nach hinten, ſo daß ſelbſt ein Ueberſchlagen ſtattfinden kann. In den Stall zurückgeführt, ſtößt das Pferd mit der Naſe an Krippe, Raufe oder Stallwände, und nimmt eine noch ungeſchicktere Stellung an als vor der Bewegung; das Pferd iſt dummer als vorher, unempfindlicher ꝛc. Nicht in jedem Falle iſt es leicht den an einem Pferde vorhandenen Koller zu entdecken, denn es giebt ſehr verſchiedene Grade deſſelben. Manche ſolcher Pferde ſcheinen im Zuſtande der Ruhe beinahe oder auch völlig geſund, und nur erſt wenn ſie anhaltend und bis zum ſtarken Schweiße erhitzt werden treten die Erſcheinungen des Kollers hervor. Man darf daher in zweifelhaften Fällen das ſtarke Warmreiten des Pferdes nicht unterlaſſen; treten aber auch dann noch nicht die weſentlichſten Zeichen des Kollers hervor, ſo iſt kein Grund vorhanden denſelben zu vermuthen. Es giebt einige Krankheiten, mit denen der Koller von Unkundigen verwechſelt werden könnte; hierher gehören z. B. der Schwindel und die Fallſucht. Dieſe beiden Krankheiten treten jedoch ſtets plötzlich ein, und verſchwinden in ſehr kurzer Zeit gänzlich wieder, wel⸗ ches mit dem Koller nicht der Fall iſt. Mit der Scheue und der Stätigkeit kann der Koller, wenn man die Symptome dieſer Krankheiten mit einander vergleicht, nicht wohl verwechſelt werden, und von der Gehirn⸗ entzündung unterſcheidet er ſich durch ſeinen langſamen Verlauf, durch den Mangel an Fieber ꝛc. Der Koller iſt nicht in jedem Falle mit denſelben Zufällen verbunden, und außerdem von ſehr verſchie⸗ denen Graden von Stärke. Manche kollerige Pferde ſind im Zuſtande der Ruhe anſcheinend geſund, und nur erſt nachdem ſie in der Arbeit warm geworden ſind, treten die Erſcheinungen der Krankheit hervor. Im Allgemeinen bemerkt man, daß eine reichliche Füt⸗ Wagenfeld, Encyel. 281 terung mit ſehr nahrhaften Stoffen, namentlich mit vielen Körnern, dann der Aufenthalt in einem w armen, dunſtigen Stalle, große Sonnenhitze und warme Luft⸗ temperatur überhaupt den Koller verſchlimmern, wäh⸗ rend dagegen kühle Temperatur, kärgliches oder ſafti⸗ ges Futter, der Aufenthalt auf der Weide ꝛc. die Krankheitszufälle vermindern. Im Winter verſchwin⸗ det der Koller bei manchen Pferden beinahe ganz, und kehrt dann im Sommer mehr oder weniger entwickelt zurück; deshalb tritt der Koller auch ungleich ſeltener im Winter ein, als in heißer Jahreszeit. Die Dauer des Kollers iſt verſchieden; innere Dispoſition, die Beſchaffenheit äußerer Umſtände, als Fütterungsweiſe, Dienſtgebrauch, Jahreszeit ꝛc. ändern den Verlauf ſehr ab. Sehr heftiger Koller wird zu⸗ weilen ſchon in zwei bis drei Wochen tödtlich, weit häufiger jedoch dauert er Monate und ſelbſt Jahre; im letzteren Falle mit zwiſchendurchlaufenden, ziemlich geſunden Perioden, wo dann dergleichen Pferde zu langſamen Dienſten oft noch zu gebrauchen ſind. Der Koller endet entweder mit dem Tode, welches, wenn auch oft ſehr ſpät, doch in der Regel der Fall iſt, oder er geht in Blindheit, Lähmung verſchiedener Theile, Gehirnentzündung ꝛc. über, oder endlich er wird ge⸗ heilt. Eine gründliche Heilung der Krankheit erfolgt mitunter, aber nicht ſehr oft, denn wenn auch Anfangs der Koller verſchwunden zu ſein ſcheint, ſo kehrt er doch früher oder ſpäter leicht zurück, beſonders in hei⸗ ßer Jahreszeit bei ſtarkem Dienſtgebrauche; er iſt daher allemal als eine ſehr bedeutende Krankheit zu betrach⸗ ten, welche das mit ihm behaftete Pferd faſt gänzlich entwerthet. Nach dem Tode des kollerigen Pferdes findet man allemal die in dem Gehirn befindlichen Höhlen, die Gehirnkammern, mit einem, meiſtens klaren und etwas gelblichen Waſſer angefüllt, während alle anderen Theile des Körpers geſund zu ſein pflegen. Was die Anlage zum Koller betrifft, ſo ſteht es feſt, daß Pferde von gemeinem, unedlem, grobem Schlage, von lockerem Faſerbau und ſchwammiger Textur ungleich häufiger in den Koller verfallen, als edle und feurige Pferde. Die Pferde der Niederungen, mit dicken Knochen, langen und groben Haaren, trä⸗ gem und phlegmatiſchem Temperamente ꝛc. werden be⸗ ſonders oft befallen, auch ſolche, welche einen ſoge⸗ nannten Rammskopf haben. Fette, maſtige und vollblütige Pferde ſind dem Koller am nſen ausge⸗ 282 80. Dummkoller des Pferdes. ſetzt, dann auch ältere Pferde. Die Urſachen ſelbſt ſind ſo ziemlich dieſelben, als bei der Gehirnentzün⸗ dung; hierher gehört beſonders Alles das, was eine übermäßige Anhäufung von Blut im Kopfe veranlaßt. Demnach ſind hierher zu zählen: die anhaltende Einwir⸗ kung heißer Sonnenſtrahlen auf den Kopf, zu enges Geſchirr, enge Hals- und Kehlriemen, enge Kummete, zu hoch liegendes Bruſtblatt des Sielengeſchirres, die Wirkung des ſogenannten Koppriemens ꝛc. Auch der ſchnelle Uebergang von magerem Futter zu ſehr reichli⸗ chem und nahrhaftem, von der Weide zu einem heißen Stalle, von ſehr häufiger Bewegung zu anhal⸗ tender Ruhe ꝛc. gehört hierher. Anmerkung. Bei der Roſſigkeit laſſen manche Stuten verſchiedene Symptome des Kollers wahrneh⸗ men, und einen ſolchen Zuſtand hat man Mutterkoller genannt. Wird eine ſolche Stute fruchtbar begattet, ſo verlieren ſich die Kollerzufälle gewöhnlich von ſelbſt, weßhalb die Krankheit nicht eigentlich mit dem Namen des Kollers belegt werden kann, indem ſie nur ein zufälliges Zeichen ſehr ſtarker Brünſtigkeit war. Dauert der Koller aber lange Zeit und ſelbſt noch nach erfolg— ter Bedeckung fort, ſo iſt die Roſſigkeit nur als ein zufälliges Zeichen vom wahren Koller zu betrachten. Bei kollerigen Hengſten tritt manchmal ein hoher Grad von Geilheit ein, und man hat dann dieſe Er⸗ ſcheinung den Samenkoller genannt, aber mit Un⸗ recht, denn faſt allemal iſt dieſe Geilheit nur ein zu— fälliges Symptom des vorhandenen Kollers ſelbſt. Eine Heilung des Kollers erfolgt nicht oft, we⸗ nigſtens iſt die Heilung ſelten radikal und dauernd; man verfährt bei der Kur wie folgt: Zunächſt iſt es wichtig den Kranken an einem paſſenden Orte unter⸗ zubringen; man hält denſelben in einem freien, ſchat⸗ tigen und luftigen Lokale, alſo etwa in einer Reit⸗ bahn, einer Koppel, einem Schuppen ꝛc. wo möglich unangebunden. Dieſer Ort muß kühl ſein, ſo daß deſſen Temperatur etwa nur+ 8— 100 R. beträgt. Sodann macht man einen Aderlaß, denn es iſt ein ſolcher in den bei weiten meiſten Fällen von Nutzen; die Menge des zu entleerenden Blutes richtet ſich nach den Umſtänden, aber in der Regel wird man zehn bis funfzehn Pfund entziehen können. Innerlich giebt man Laxirmittel, z. B. drei Loth Aloe und ein hal⸗ bes bis dreiviertel Pfund Glauberſalz, welche mit Mehl und Waſſer zur Latwerge gemacht und im Laufe Eines Tages eingegeben werden. Statt deſſen kann man auch eine Miſchung aus einem Quentchen Calo⸗ mel, zwei Quentchen Brechweinſtein und zwei Loth Aloe und etwas Mehl und Waſſer machen, und dieſe dem Pferde in Einem Tage und auf zwei Mal einge⸗ ben. Tritt nach ſechsunddreißig bis achtundvierzig Stunden ein reichliches und dünnes Miſten, oder ein Durchfall nicht ein, ſo wiederholt man eins der vorſtehen⸗ den Laxirmittel. Zur ſchnelleren Entleerung des Miſtes ſetzt man von Zeit zu Zeit ein Klyſtir aus Salz und Waſſer. Unter den äußerlich anzuwendenden Mitteln zeigen ſich die oft wiederholten Sturzbäder von guter Wirkung; weſentlich durch ſie habe ich ſchon oft die Heilung eines kollerigen Pferdes erfolgen ſehen: Aus einer etwa acht bis zwölf Fuß betragenden Höhe läßt man möglichſtkaltes Waſſer in einem armdicken Strahle, in Form eines Waſſerfalles, auf den Schädel des Kranken herabfallen; man wiederholt dies täglich zwei bis drei Mal, und benutzt dazu jedesmal mindeſtens zwanzig bis dreißig Eimer voll Waſſer. Nach dem Bade wird das Pferd allemal wieder ſorgfältig trocken gerieben. So wirkſam dieſe Begießungen nun zwar in vielen Fällen auch ſind, ſo iſt doch ihre Applikation theils umſtändlich und, weil mehrere Menſchen dazu gehören, und weil ſie acht bis vierzehn Tage fortgeſetzt werden müſſen, etwas theuer; theils iſt nicht überall die erforderliche Lokalität vorhanden. Sind ſie daher nicht gut auszuführen, ſo erſetzt man ſie durch die faſt gleich wirkenden kalten Umſchläge, welche man ganz in der Art anwendet, wie bei der Gehirnentzündung. Andere wichtige äußere Mittel ſind Eiterbänder und ſcharfe Einreibungen; durch ſie wird eine kräftige Ab⸗ leitung vom Gehirne veranlaßt. Da dieſe Ableitung kaum kräftig genug ſein kann, ſo zieht man zu beiden Seiten des oberen Endes des Halſes ein Citerband von ſechs bis zehn Zoll Länge, und macht außerdem noch gleichzeitig eine ſcharfe Einreibung auf die zuvor abgeſchorene Haut(Fig. 13). Die ſcharfe Salbe kann dieſelbe Zuſammenſetzung haben, als beim Stollſchwamme; auch ſie wird auf zwei Mal einge⸗ rieben. In dem Angegebenen nun ſind die wichtigſten Heilmittel gegen den Koller enthalten; ihre geſammte oder nur theilweiſe Anwendung, ihre etwanige Wie⸗ derholung ꝛc. richtet ſich nach den Umſtänden, und es laͤßt ſich hierfür keine, auf alle Fälle paſſende Vor⸗ ſchrift geben. Zuweilen reichen ſchon ein einziger großer Aderlaß, einige Tage hindurch applieirte Sturz⸗ 81. Druſe des Pferdes. bäder, ja ſchon der bloße Aufenthalt des Kranken im Freien hin, um ein Verſchwinden des Kollers zu be⸗ wirken. In der Regel iſt dieseindeſſen nicht der Fall, und es iſt dann oft genug die Anwendung ſämmtlicher angeführter Mittel nothwendig, und ſelbſt ſie reichen oft noch nicht aus. Das Pferd wird während der Kur, wie ſchon an⸗ gegeben, recht kühl und fern von allen Einwirkungen der Hitze, feuchter und regneriſcher Witterung, ſo wie auch ſtarker Kälte gehalten. Mit einer leichten Decke belegt, läßt man den Kranken in einem freien Raume nach Willkühr herumgehen, oder man macht ihm bei kühler Morgen⸗ und Abendluft eine mäßige Bewegung im langſamen Schritte. Das Futter beſteht im Som⸗ mer am paſſendſten aus Grünfutter aller Art, im Winter aus Stroh, feinem Heu, Kleie und nur wenig Hafer. Es gilt bei der Fütterung ſtets als Regel, daß nur leicht verdauliche und wenig nährende und blutmachende Stoffe gegeben werden dürfen; iſt das Pferd indeſſen ſehr erſchöpft und mager, dann muß freilich beſſer gefüttert, und Hafer gegeben werden. Das Geſöff beſteht in reinem und kühlem Waſſer, 283 welchem man etwas Kochſalz zuſetzen kann, im Falle das Pferd das Waſſer dann noch ſäuft. Hat man durch das früher angegebene Kurverfah⸗ ren nichts ausgerichtet, und iſt die Krankheit nach zwei bis drei Wochen noch nicht weſentlich verändert, ſo kann man zu den reizenden Mitteln übergehen. Man giebt dann Terpentinöl, Senf und Kalmuswurzeln von jedem ſechs Loth, Kampher ein Loth, Mehl und Waſſer ſoviel zur Latwerge erforderlich iſt, und ver⸗ braucht dieſe in zwei bis drei Tagen; acht Tage ſpäter kann ſie wiederholt werden. Auch eine Latwerge aus Wermuthkraut, Angelika⸗ wurzeln und Wachholderbeeren, von jedem acht Loth, Schwefeleiſen und Schwefelleber, von jedem vier Loth, mit Mehl und Waſſer bereitet und wie die vorige Lat⸗ werge gegeben, iſt zuweilen von Nutzen. Die Eiter⸗ bänder bleiben unter allen Umſtänden vier bis ſechs Wochen liegen. Beſſert ſich das Thier, ſo hält man daſſelbe noch lange Zeit von aller anſtrengenden Arbeit entfernt, und geht nur nach und nach zu der früheren Fütterungsweiſe über. Der Weidegang iſt für ſolche Umſtände dann das Empfehlenswertheſte. 81. Die Druſe wird häufig auch Kropf, Schnupfen, Drüſen, Strengel, Naſenentzündung, Naſencatarrh genannt. Ehe ich zu den näheren Erörterungen der⸗ ſelben übergehe, will ich hier eine kurze anatomiſche Beſchreibung derjenigen Theile geben, welche bei ihr weſentlich in Betracht kommen. Die beiden Naſen⸗ höhlen werden durch verſchiedene Knochen gebildet, namentlich durch die Naſenbeine(Fig. 1. bb.), die großen und kleinen Vorderkieferbeine(c), das Gau⸗ menbein(g), und zum Theil auch durch das Stirn⸗ bein und Siebbein(k). Beide Naſenhöhlen werden in der Mitte durch eine knorpelige Scheidewand(Fig. 3. a.) von einander geſchieden, welche von der Spitze der Naſe bis zum Siebbeine reicht; in den Naſenhöh⸗ len haben jederſeits zwei, vielfach in einander gewun⸗ dene, aus ſehr dünner Knochenmaſſe beſtehende Or⸗ gane, die ſogenannten Naſenmuſcheln(Fig. 1. i. k.) Druſe des Pferdes. ihre Lage, zwiſchen denen hindurch die drei Naſengänge gehen, durch welche die Luft zu der Luftröhre und durch dieſe zu den Lungen eintritt. Die ganze innere Ober⸗ fläche der Naſenhöhlen iſt mit einer Schleimhaut be⸗ kleidet, welche, der Naſenſpitze zu, eine roſenrothe Farbe hat(Fig. 3. a.), höher hinauf aber blaſſer und gelblich-weiß wird. In den Ganaſchen liegt jederſeits ein Häufchen Lymphdrüſen, welche die Lymph⸗ gefäße der Naſenhöhlen und der äußeren Theile des Geſichts aufnehmen(Fig. 2. a.). Im geſunden Zu⸗ ſtande ſind dieſe Drüſen entweder gar nicht, oder doch nur als kleine Körner zu fühlen. Die Druſe iſt eine der gewöhnlichſten Pferdekrank⸗ heiten, welche es giebt; nur ſelten erreicht ein Pferd ein gewiſſes Alter, ohne ein und ſelbſt mehrere Male von der Druſe befallen geweſen zu ſein. Die Krank⸗ heit beſteht weſentlich in einer Entzündumg der in den 284 81. Naſenhöhlen befindlichen Schleimhaut, welcher in kurzer Zeit eine ſehr reichliche Schleimabſonderung nachfolgt; gleichzeitig ſind dann auch in der Regel die in den Ganaſchen befindlichen Lymphdrüſen ange⸗ ſchwollen und entzündet. Im Allgemeinen hat die Druſe ſehr viele Aehnlichkeit mit dem gewöhnlichen Schnupfen des Menſchen. Ehe ſich die Entzündung der Naſenſchleimhaut aus⸗ bildet, ſind einige allgemeine Krankheitszeichen an dem Pferde, namentlich ein mehr oder weniger heftiges Fie⸗ ber, wahrzunehmen. Das Pferd iſt matt, träge und un⸗ luſtig, es ſchwitzt und ermüdet leicht bei der Arbeit, das Haar iſt geſträubt, es ſtellen ſich abwechſelnd kleine Froſtſchauder ein, worauf dann bald eine anhaltend vermehrte Wärme des Körpers eintritt. Kurze Zeit, gewöhnlich ſchon wenige Tage, nach dieſen allgemei⸗ nen, oft kaum bemerkten Zufällen bildet ſich die Na⸗ ſenentzündung aus. Die Naſenſchleimhäute erſcheinen ſehr roth und etwas angeſchwollen, die Augen ſind gegen das Licht empfindlicher als ſonſt, halbgeſchloſ⸗ ſen, und die Bindehaut erſcheint röther als ſonſt. Nach und nach ſtellt ſich ein Ausfluß einer wäſſerigen Flüſ⸗ ſigkeit aus den Naſenlöchern ein; es tropfelt klares Waſſer aus denſelben; das Pferd nieſet oder prüſtet oft. Bald darauf wird der Naſenausfluß reichlicher; er wird dicklich, trübe, von faſt weißer Farbe, wie Milch⸗ rahm oder flüchtiges Liniment; die früher beträchtliche Röthe der Naſenſchleimhaut verliert ſich dann nach und nach, und kommt der im geſunden Zuſtande ſo ziemlich wieder gleich, doch bleibt ſie angeſchwollen, und dieſes oft ſo ſehr, daß die Naſengänge dadurch verengt werden, und ein ſchnarchendes oder ſchnaufen⸗ des Athemholen dadurch entſteht. Die an der Naſen⸗ ſchleimhaut bemerkbaren Veränderungen erfolgen gleichmäßig auch an den Augen; der Anfangs wäſſe⸗ rige Ausfluß wird trübe und dicklich, und ſammelt ſich als ein großer Klumpen im inneren Augenwinkel an; die Bindehaut verliert ihre hohe Röthe, die Geſchwulſt der Augenlider verſchwindet allmälig, das Auge wird wieder geöffnet, und bald erſcheint daſſelbe wieder geſund. In den meiſten Fällen bildet ſich in den erſten Tagen des Naſenausfluſſes, oft gleichzeitig mit dem— ſelben, eine Entzündungsgeſchwulſt im Kehlgange; die daſelbſt gelegenen Lymphdrüſen ſchwellen an, nicht ſelten bis zum Umfange eines Hühnereies und darüber, ſie ſind heiß und beim Drucke ſehr ſchmerzhaft. Häufig Druſe des Pferdes. bildet ſich im Kehlgange eine ſehr beträchtliche Ge⸗ ſchwulſt, welche oft den ganzen Raum zwiſchen den Hinterkieferäſten einnimmt, und ſelbſt wohl noch als runde Geſchwulſt nach außen hervorragt. Hat eine ſolche allgemeine und beträchtliche Anſchwellung ſtatt, ſo iſt das Pferd im Kauen und in der Bewegung des Halſes mehr oder weniger genirt; das Thier hält dann den Hals geſtreckt und ſteif. Gewöhnlich iſt das Pferd bei der Druſe nicht auffallend krank; das Maul iſt wärmer als ſonſt, das Athemholen iſt nur ſelten, und auch dann nur wenig, vermehrt, es findet von Zeit zu Zeit ein Anfangs trockener, ſpäter feucht und locker werdender Huſten ſtatt, welcher jedoch ſchmerzlos zu ſein ſcheint. Das Fieber verſchwindet ſchon in den erſten Tagen der Krankheit; der Appetit iſt, wenn auch für einige Tage mehr oder weniger vermindert, doch nie ganz verſchwunden, das Pferd kommt etwas vom Fleiſche, ſchwitzt ſchon bei leichter Arbeit ꝛc. Die Druſe hat ſehr verſchiedene Grade von Hef⸗ tigkeit. In den ſehr gelinden Fällen derſelben, welche eben nicht ſelten ſind, findet nur ein geringer Naſen⸗ ausfluß ſtatt; die Augen ſind wenig oder gar nicht entzündet, nur etwas feucht, die Ganaſchendrüſen wenig oder gar nicht angeſchwollen, und das Pferd erſcheint außerdem faſt völlig geſund. Andere Male ſind die Zufälle weit heftiger; das vorangehende Fie⸗ ber iſt beträchtlich, Mattigkeit, Unluſt und Trägheit ſind auffallend; das Pferd huſtet und prüſtet öfters, ſcheuet jede Bewegung, frißt ſchlecht, obſchon der Appetit niemals ganz verloren geht. In einigen Fäl⸗ len von heftiger Druſe tritt der Kranke von der Krippe zurück, ſenkt den Kopf zur Erde, oder ſtützt denſelben in eine Ecke der Krippe, und ſteht wie betäubt und un⸗ beweglich da. Der Naſenausfluß pflegt dann ſehr reichlich zu werden und die Geſchwulſt in den Gana⸗ ſchen ſehr ausgedehnt. Die Druſe, als ſolche, iſt nur von kurzer Dauer; der Froſtanfall und die Fieberzufälle dauern meiſtens nur einen halben oder ganzen Tag, worauf in den nächſten Tagen ein reichlicher Naſenausfluß aus beiden Naſenlöchern ſich einſtellt und die Ganaſchendrüſen anſchwellen. Nachdem der Naſenausfluß etwa ſechs, acht bis zehn Tage gedauert hat, vermindert ſich ſeine Menge nach und nach, der Ausfluß wird dünner, durchſichtiger und wäſſerig, und verſchwindet zuletzt ganz. Etwa um dieſelbe Zeit hat die Geſchwulſt in den Ganaſchen ihre Höhe erreicht; ſie geht in Eiterung 81. über, wird weich und berſtet, oder ſie geht nach und nach in Zertheilung über, und verſchwindet auf dieſe Weiſe. Die ganze Dauer der Druſe, von ihrem erſten Entſtehen an bis zu ihrem gänzlichen Verſchwinden, beträgt gewöhnlich ſechzehn bis zwanzig Tagez iſt ihre Dauer beträchtlich länger, ſo heißt ſie dann die bös⸗ artige oder verdächtige Druſe, von welcher weiter unten die Rede ſein wird. Zuweilen wird durch irgend eine bekannte oder unbekannte Urſache der regelmäßige Gang der Druſe unterbrochen; man nennt dieſe dann unterdrückte oder verſchlagene Druſe. In ſolchen Fällen hört der Na⸗ ſenausfluß auf, und der ausfließende Schleim wird dünner und klarer; dagegen erſcheint an irgend einer anderen Stelle eine Entzündung oder eine Geſchwulſt. Selten wirft ſich die Krankheit auf die Lungen, wo dann eine Lungenentzündung entſteht; weit häufiger dagegen erſcheint an irgend einem äußeren Theile eine mehr oder weniger große Geſchwulſt, welche entweder heiß und entzündet oder auch kühl und ſchmerzlos iſt. Die gewöhnlichſten Theile, welche auf dieſe Weiſe be⸗ fallen werden, ſind der Schlauch, der Hodenſack, das Euter, ein oder beide Hinterſchenkel oder auch nur ein Sprunggelenk allein, der Widerrüſt, das Genick und die untere Fläche des Bauches. Die Geſchwulſt iſt gewöhnlich weder ſehr heiß noch ſehr empfindlich; zu⸗ weilen iſt ſie teigig, und hinterläßt Gruben, wenn man mit den Fingern einen ſtarken Druck auf ſie anbringt. Die Druſe geht entweder in völlige Geneſung über, oder in andere Krankheiten; tödtlich wird ſie an und für ſich niemals. Die Geneſung iſt der faſt ſichere Ausgang der Druſe, im Falle das Pferd außerdem geſund iſt, und keiner unpaſſenden Behandlung unter⸗ worfen wird. Im entgegengeſetzten Falle zieht ſich die Krankheit in die Länge, und kann dann leicht, wenn auch oft erſt nach ſehr langer Zeit, in Rotz übergehen. Die Urſachen der Druſe ſind zum Theil noch nicht hinreichend bekannt; am häufigſten iſt eine plötzliche Erkältung zu beſchuldigen. Daher haben Regen, kalte Bäder, kalte Nordoſtwinde, Zugluft aller Art, beſon⸗ ders wenn ſie den erhitzten Körper des Thieres treffen, ſehr oft die Druſe zur Folge. In naſſen, regneriſchen Jahren, im Frühjahre und Herbſte, zumal bei feucht⸗ kalter Luft, pflegt die Druſe am öfterſten zu herrſchen. Der nächtliche Aufenthalt im Freien, an Flußufern, Meeresküſten, auf feuchten, ſumpfigen Weiden ꝛc. Druſe des Pferdes. 285 giebt leicht Veranlaſſung zur Druſe. Sehr oft kommt die Druſe zur Härungszeit vor, weil dann um ſo leichter eine Erkältung erfolgt. Nicht ſelten entſteht die Krankheit ſcheinbar ohne alle äußere Veranlaſſung, und in einigen Fällen kann ſie durch Anſteckung ent⸗ ſtehen. Diſponirt zur Druſe ſind beſonders junge Pferde, in dem Alter von zwei bis fünf Jahren, aber außerdem kommt ſie auch zu jedem Lebensalter vor, bei dem zarteſten Saugfüllen, wie bei den älteſten Thieren. Plötzlicher Uebergang zu einer anderen Füt⸗ terungsweiſe, ſo wie der plötzliche Wechſel des anhal⸗ tenden Aufenhaltes im Stalle mit dem auf der Weide iſt ebenfalls, und mit Grund, als eine nicht ſeltene Urſache der Druſe zu betrachten. Die Druſe iſt weit häufiger eine überaus gelinde und ſehr unbedeutende Krankheit, als eine gefährliche. Trifft die Krankheit ein geſundes Individuum, ſo iſt der völlige und auch baldige Ausgang in Heilung faſt ſicher, und dieſe erfolgt meiſtens ſogar ſelbſt dann, wenn in Fütterung, Dienſtgebrauch ꝛc. kaum Rückſicht auf die Krankheit genommen wird. Um ſo ſicherer iſt eine Heilung zu erwarten, wenn das Pferd einige Zeit hindurch geſchont und einer paſſenden diätetiſchen Pflege unterworfen wird. Ein regelmäßiger Verlauf der Druſe, und der Ausgang der Druſengeſchwulſt in Zertheilung oder Eiterung ſind als günſtige Umſtände zu betrachten. Uebler ſchon iſt es, wenn das Pferd längere Zeit hindurch fiebert und ſchlecht frißt, obwohl auch dann noch keine Gefahr vorhanden iſt. Bildet ſich die Krankheit zur Hals⸗ oder Lungenentzündung aus, ſo iſt ihre Gefahr nach den bei dieſen Krankheiten gegebenen Belehrungen zu beurtheilen. Manchmal entſteht bei der Druſe eine ſo große Entzündung in den Ganaſchen, daß dadurch das Athemholen erſchwert und hörbar wird; dieſer Umſtand hat jedoch nur ſelten üble Folgen; gewöhnlich tritt eine Eiterung der Ge⸗ ſchwulſt ein, welches ſtets gutartig iſt, und ſchon von ſelbſt zu heilen pflegt. Kommt die Druſe und beſon⸗ ders der Naſenausfluß nicht recht zu Stande, oder verſchwindet er, wenn er bereits vorhanden war, plötz⸗ lich, ſo hat man es mit der verſchlagenen Druſe zu thun. Dieſer Fall iſt zwar nicht eben wünſchenswerth, aber darum in den meiſten Fällen noch nicht gerade ſehr übel zu nennen. Die äußeren Ablagerungs⸗ Geſchwülſte gehen meiſtens von ſelbſt oder durch einige einfache Mittel in Zertheilung, ſeltener in Eiterung, über, und hinterlaſſen auf die Weiſe keine weitere 286 81. üble Folgen. Nur dann, wenn ſich die Druſenmaterie auf das Genick oder den Widerrüſt wirft, kann leicht ein hartnäckiger Widerrüſt⸗ oder Genickſchaden entſte⸗ hen. Am leichteſten überſtehen Pferde im erſten bis ſechſten Jahre die Druſe; trifft ſie ſehr zarte Saug— füllen, ſo gehen dieſe nicht ſelten an ihr zu Grunde, und in einem ſehr hohen Lebensalter des Pferdes geht die Druſe leicht in die bösartige Druſe und ſelbſt in Rotz über. Je geſunder und kräftiger das Pferd iſt, deſto leichter überſteht es die Druſe; iſt daſſelbe aber elend und mager, leidet daſſelbe vielleicht an Räude, Maucke ꝛc. oder wird daſſelbe ſchlecht gefüttert, dem Regen und der Kälte ausgeſetzt, ſtrapazirt ꝛc., ſo kann die Druſe ſehr leicht in Rotz übergehen. Dauert die Druſe, beſonders der Naſenausfluß, länger als drei bis vier Wochen, und zieht derſelbe ſich in's Unbeſtimmte hin, geht die Druſengeſchwulſt in den Ganaſchen weder in Zertheilung noch in Eite⸗ rung über, ſondern bleibt ſie als ein harter, feſter Knoten ſitzen, und wollen etwa vorhandene äußere Ab⸗ lagerungs⸗Geſchwülſte nicht weichen, ſo iſt der Aus⸗ gang der Druſe in die bösartige Form zu fürchten, wovon weiter unten die Rede ſein wird. Die Druſe iſt, wie ſchon erwähnt, meiſtens eine ſo gelinde Krankheit, daß ſie füglich ſich ſelbſt über⸗ laſſen bleiben kann, vorausgeſetzt, daß für Abwen⸗ dung ſchädlicher Einflüſſe Sorge getragen wird. Der Kranke wird in einem warmen, dem Wechſel der Temperatur und dem Luftzuge nicht ausgeſetzen Lokale gehalten, und möglichſt gegen die Einwirkung der Kälte verwahrt. Da die Krankheit in den meiſten Fällen durch Erkältung, alſo durch unterdrückte Haut⸗ ausdünſtung, entſtanden iſt, ſo iſt es beſonders wich⸗ tig, daß dieſe wo möglich befördert und wieder herge⸗ ſtellt werde. Zu dem Ende wird das Pferd öfters mit Strohwiſchen frottirt, mit der Striegel gekratzt, und mit einer dicken, wollenen Decke belegt. Gegen den Naſenausfluß ſelbſt wird, wenn derſelbe gutartig iſt, weiter nichts unternommen; wir laſſen denſelben ungeſtört ſeinen Gang gehen. Eben ſo wenig iſt gegen die gewöhnlich vorhandene Augenentzündung irgend erwas zu unternehmen; denn dieſe iſt allemal uner⸗ heblich und gefahrlos und verſchwindet in kurzer Zeit, meiſtens ſchon in wenigen Tagen, von ſelbſt. Sind die Ganaſchendrüſen angeſchwollen, iſt aber die Ent⸗ zündung derſelben nicht ſehr beträchtlich, ſo werden dieſelben täglich einige Male mit einer Miſchung aus Druſe des Pferdes. zwei Loth grauer Merkurialſalbe und drei Loth flüchti⸗ ger Salbe eingerieben; oder mit einer Salbe aus einem Quentchen jodſaurem Kali und zwei Loth grauer Merkurialſalbe. In der Regel wird darnach eine Zer⸗ theilung der Druſengeſchwulſt erfolgen. Der Kranke erhält Grünfutter, Kartoffeln, Moor⸗ rüben, Kleie; Heu und Hafer nur in kleinen Portio⸗ nen, oder auch gar nicht. Das Geſöff beſteht aus Kleientrank, Waſſer mit Oelkuchen, oder auch in rei⸗ nem Waſſer; nie darf das Geſöff ſehr kalt ſein. In den erſten Tagen der Druſe, und ſo lange das Pferd fiebert, matt und traurig iſt, muß daſſelbe völlige Ruhe haben; ſind dagegen die Zeichen von Fieber verſchwunden, iſt das Thier munter und bei gutem Appetite und hat ſich ein reichlicher, dicker und weißer Naſenausfluß eingeſtellt, ſo kann das Pferd ohne Nachtheil, aber nur bei trockenem, heiteren Wetter, zu einer mäßigen Arbeit ſehr wohl verwendet werden; hiebei darf es jedoch nie bis zur großen Erhitzung kommen, weil dabei leicht eine neue Erkältung und durch dieſe eine Verſchlimmerung der Krankheit eintre⸗ ten könnte. Erlauben es die Umſtände, ſo iſt es beſſer das Pferd, während der kurzen Dauer der Krankheit, von aller Arbeit zu diſpenſiren und im Stalle zu hal— ten; im Sommer und bei heiterem Wetter allenfalls auch auf der Weide, jedoch nur den Tag hindurch; des Nachts iſt das Pferd im Stalle zu halten. Das vorſtehend angeführte, einfache Verfahren reicht in den gewöhnlichen und auch häufigſten Fällen, zu einer glücklichen Beſeitigung der Krankheit aus, und es ſind dabei weder innere Mittel noch äußere Applikationen erforderlich; jede Geſchäftigkeit und die Anwendung der zahlreichen Druſenmittel, welche Un⸗ kenntniß und Unverſtand in den Gebrauch gebracht haben, ſind hier nicht nur überflüßig, ſondern meiſtens ſogar poſitiv ſchädlich. Anders verhält es ſich indeſ— ſen wenn die Druſe durch Heftigkeit, Unregelmäßig⸗ keit, Verſetzung auf andere Theile ꝛc. eine Abweichung von ihrem gewöhnlichen Gange bemerken läßt. In ſol⸗ chen Fällen ſind dann allerdings oft genug mancherlei Arzneimittel nicht nur heilſam, ſondern ſelbſt mehr oder weniger unentbehrlich.— Iſt das Fieber bedeutend, das Pferd ſehr abgeſchlagen, matt und traurig, aber dabei in gutem Fütterungszuſtande, ſo macht man einen Aderlaß von ſechs bis zehn Pfund Blut, und giebt innerlich folgende Latwerge ein, im Laufe von drei Tagen und auf zwoͤlf Mal: Brechweinſtein ein 81. Druſe des Pferdes. Loth, Salmiak und Schwefel von jedem ſechs Loth, Fenchel und Wachholderbeeren von jedem acht Loth, Mehl und Waſſer ſo viel zur Bildung einer Latwerge erforderlich iſt. Machen ſich die Zufälle von Hals— entzündung bemerkbar oder, was ſeltner geſchieht, von Lungenentzündung, ſo tritt dann ganz die Behandlung ein, wie ſie bei dieſen Krankheiten angegeben worden iſt. Bei einer unvollſtändigen Entwickelung des Na⸗ ſenausfluſſes,— welcher Zufall in der Regel mit einer Verſetzung der Druſe auf entfernte Theile verbunden iſt Dkommt es beſonders darauf an, den Naſenausfluß möglichſt zu befördern und in Gang zu bringen. Die⸗ ſer Zweck wird meiſtens ſicher dadurch erreicht, daß man das Pferd wiederholt heiße Waſſerdämpfe durch die Naſe einziehen läßt. Zu dem Ende werden einige Hände voll Heuſaamen in einen, mit kochendem Waſ— ſer bis zur Hälfte angefüllten Eimer geſchüttet, und das Gefäß dem Pferde funfzehn bis zwanzig Minuten lang unter die Naſe gehalten. Damit die heißen Waſſerdünſte nicht nach außen entweichen, wird eine wollene Decke über den Kopf des Pferdes gehängt, welche Decke zugleich den Eimer umhüllt. Dieſe Dunſtbäder werden täglich zwei Mal, und zwei bis drei Tage lang hintereinander applicirt; tritt nach ihnen nicht der gewünſchte Naſenausfluß ein, ſo verſucht man denſelben durch folgendes Verfahren zu erzielen. Es wird ungefähr eine Metze Gerſte eine halbe Stunde lang mit Waſſer gekocht, dann in einen kleinen Sack geſchüttet, ſo daß das heiße Waſſer abfließt; ſogleich wird dann der Kopf des Pferdes bis unter die Augen, in dieſen mit heißer Gerſte erfüllten Sack geſteckt, Letzterer mit einem über das Genickzu führenden Bande haltbar gemacht, und funfzehn bis zwanzig Minuten in dieſer Lage erhalten, oder überhaupt ſo lange, bis die Gerſte erkaltet iſt, und keine heißen Waſſerdünſte mehr aushaucht. Dieſe Applikation heißer Dunſtbä⸗ der iſt zwar etwas umſtändlicher, als mittelſt eines Eimers, aber dafür auch von kräftigerer Wirkung. Innerlich erhält das Pferd auch hier dieſelbe Latwerge, welche oben angegeben worden iſt. Bei der Kur der an verſchiedenen Körpertheilen entſtandenen Geſchwülſte, kommt es weſentlich darauf an, von welcher Beſchaffenheit dieſelben ſind, und an welcher Stelle des Körpers ſie ihren Sitz haben. Zei⸗ gen ſich dergleichen Geſchwülſte im Genick oder auf dem Widerrüſte, ſo macht man auf dieſelben, gleich⸗ viel ob ſie heiß oder kühl ſind, ſogleich eine ſcharfe 287 Einreibung; man wählt dazu dieſelbe Miſchung, wie ſie bei der Stollbeule vorgeſchrieben worden iſt, und wendet ſie auf gleiche Weiſe an. Andere Geſchwülſte am Körper, wenn ſie heiß und ſchmerzhaft ſind, z. B. die, welche am Hodenſack und Schlauche und an dem Sprunggelenke oder an den oberen Theilen der Hin— terſchenkel erſcheinen, werden ſechs bis acht Mal täg⸗ lich, und mehrere Tage hindurch mit einer lauwarmen Brühe gebähet und gewaſchen. Hierzu paßt ein Auf⸗ guß von heißem Waſſer auf Kleie, Heuſaamen oder Kamillen; noch mehr eignet ſich dazu die warme Branntweinſchlämpe. In der Regel wird dadurch die Zertheilung bewirkt, zumal wenn die Geſchwulſt Abends mit einer Miſchung aus drei Loth grauer Mer⸗ kurialſalbe und ſechs Loth Rüböl dünn beſtrichen wird. Sind die Geſchwülſte kühl und teigig, ſo werden ſie mit reizenden Subſtanzen, z. B. mit Kienöl, flüchti⸗ ger Salbe, täglich zwei Mal, eingerieben, und wollen ſie hernach in ſechs bis acht Tagen nicht weichen, ſo zieht man ein Eiterband durch die Geſchwulſt, oder man macht Einſtiche mit der Lanzette in dieſelbe. Wenn die im Kehlgange befindliche Geſchwulſt bei der Anwendung der früher angeführten Einreibung nicht in Zertheilung übergeht, ſondern dagegen an Hitze, Umfang und Empfindlichkeit zunimmt, ſo iſt ihr Ausgang in Eiterung wahrſcheinlich; dieſen muß man alsdann womöglich zu befördern ſuchen; denn es iſt faſt eben ſo günſtig, wenn die Entzündung der Geſchwulſt in Eiterung als in Zertheilung übergeht. Um dieſen Zweckzu erreichen, reibt man die Geſchwulſt mit einer Miſchung aus zwei Loth Salmiackgeiſt, vier Loth Terpentinöl und drei Loth Rüböl täglich zwei bis drei Mal ein, und umhüllt darauf die Gana— ſchengegend mit einem wollenen Zeuge. Hierzu nimmt man entweder dicken Flanell oder noch beſſer ein Lammfell, welches mit Bändern am Kopfe befeſtigt wird(Fig. 5. a.). Es verſteht ſich dabei von ſelbſt, daß dabei die bewollte Seite des Fells nach innen, und die Fleiſchſeite deſſelben nach außen kommen muß. Bleibt die Geſchwulſt längere Zeit, vielleicht acht Tage hindurch, fortwährend hart und ſehr geſpannt, ſo kann man ihre Eiterung dadurch beſchleunigen, daß man ein großes glühendes Eiſen in ihre Nähe hält, doch ſo, daß die Haut nicht ſelbſt berührt wird, ſon— dern, daß nur allein die Hitze des Eiſens in ſie ein— ſtrömt. Die häufig empfohlenen warmen Breium⸗ 288 82. Bösartige Druſe des Pferdes. ſchläge ſind nur mit Mühe auszuführen, deshalb un⸗ praktiſch und außerdem auch entbehrlich. Bildet ſich an irgend einer Stelle der Geſchwulſt ein weicher Punkt, ſo iſt die Eiterung eingetreten. Man ſticht alsdann an dieſer Stelle mit einem ſpitzen Meſſer ein, um den Citer zu entleeren; mit dieſem Einſtiche eile man jedoch nicht zu ſehr, damit die Eiterbildung nicht unterbrochen wird. Außerdem bricht auch die Geſchwulſt von ſelbſt auf, weil die Haut ſich nach und nach verdünnt, abſtirbt und berſtet. Iſt der Eiter, ſei es nun durch einen Einſtich, oder von ſelbſt, ausgefloſſen, ſo iſt weiter nichts zu thun, als die Ganaſchengegend täglich ein Mal mit lauwar⸗ mem Seifenwaſſer von allem Eiter und anklebendem Schmutze zu reinigen; Wundbalſam und andere Mittel ſind völlig überflüßig, da die Heilung der Wunde alle⸗ mal, und ſehr bald, von ſelbſt erfolgt. Hat das Pferd die Druſe überſtanden, ſind Na⸗ ſenausfluß und Druſengeſchwulſt gewichen, ſo iſt eine weitere Nachbehandlung in der Regel nicht erforderlich. Schonender Dienſtgebrauch für die erſte Zeit, reichli⸗ ches und gutes Futter werden ſehr bald den früheren Zuſtand des Thieres wieder herſtellen. Sollte daſſelbe ſehr erſchöpft und abgemagert ſein, und nicht recht freſ⸗ ſen wollen, ſo giebt man einige bittere, gewürzhafte Mittel, z. B. Genzian⸗ und Kalmuswurzel, Wachhol⸗ derbeeren und Wermuth von jedem ſechs Loth, als Pulver auf das Futter geſtreuet, oder mit Mehl und Waſſer zur Latwerge gemacht. Anmerkung. Die Druſe iſt eine ausſchließlich und allein das Pferd befallende Krankheit; kein ande⸗ res Hausthier iſt derſelben unterworfen. Das Rind⸗ vieh leidet nur äußerſt ſelten an einem der Druſe ähn⸗ lichen Schnupfen, weßhalb derſelbe hier füglich ganz mit Stillſchweigen übergangen werden kann. Bei Schafen iſt der Schnupfen häufiger; er kommt ziem⸗ lich oft bei dieſen Thieren, beſonders in naſſen Som⸗ mern, vor. Das mit dem Schnupfen behaftete Schaf hat einen ſtarken Schleimausfluß aus der Naſe; die Naſenlöcher ſind mehr oder weniger verſtopft, wodurch das Athemholen erſchwert und hörbar wird. Dabei leidet das Thier aber in der Regel nicht bedeutend, auch verſchwindet das Uebel gewöhnlich ſchon dadurch, daß der Kranke im Trockenen und im Stalle gehalten wird; im Winter ſieht man den Schnupfen der Schafe daher nur ſelten. Unter ungünſtigen Umſtänden kann der Schnupfen der Schafe in eine rotzähnliche Krank⸗ heit ausarten, und ſogar tödtlich werden. Hier iſt dann eine ganz beſonders reichliche und gute Fütterung nöthig, auch ſind von Zeit zu Zeit Salzlecken mit Wermuth, Spießglanz, Schwefel, Fenchel und etwas Kienöl zu geben. Der Schnupfen und ſtarke Naſen⸗ ausfluß der Schafe, welcher bei den Pocken vorkommt, gehört nicht hierher. Beim Hunde iſt ein ſtarker Schnupfen ein weſentliches Zeichen der Staupe, welche an andern Orten beſchrieben worden iſt. Von dem Schnupfen der Schweine wird ſpäter die Rede ſein. 82. Bösartige Druſe des Pferdes. Die bösartige Druſe wird mit verſchiedenen Na⸗ men belegt: langwierige, verdächtige, bedenkliche, rotzverdächtige Druſe, Steinkropf. Bösartig nennt man ſie im Gegenſatze zu der vorhin beſchriebenen gut⸗ artigen Druſe. Die auffallendſten Zeichen dieſer bösartigen Druſe beſtehen in einem langwierigen Ausfluſſe von Schleim oder einer ähnlichen Flüſſigkeit aus der Naſe, meiſtens nur aus Einem Naſenloche, wobei gewöhnlich die Ganaſchendrüſen angeſchwollen ſind. Nicht immer bietet die Krankheit genau dieſelben Erſcheinungen dar, auch iſt ſie nicht allemal von gleichem Grade der Hef⸗ tigkeit; deshalb will ich hier ihre ſtufenweiſe Entwicke⸗ lung beſchreiben. Anfangs erfolgt der Schleimausfluß in der Regel aus beiden Naſenlöchern oder aus dem einen Naſenloche mehr als aus dem anderen; oft aber hat der Ausfluß nur allein aus einem der Naſenlöcher ſtatt, während das andere gänzlich frei davon iſt. Der ausfließende Schleim, deſſen Menge mehr oder weni⸗ ger beträchtlich, jedoch nicht ſo reichlich als bei der 82. Boͤsartige Druſe des Pferdes. 289 gutartigen Druſe iſt, waͤſſerig, mehr oder weniger klar, oder trübe und weißlich. Der ſichtbare Theil der Naſenſchleimhaut iſt blaſſer, als im geſunden Zu⸗ ſtande, oft etwas gelblich. Die Lymphdrüſen des Kehlganges der Seite, auf welcher der Naſenausfluß Statt hat, ſind angeſchwollen; ſie bilden entweder ein Häufchen von Knötchen von der Größe der Erbſen bis Haſelnüſſe, oder ſie bilden nur Ein Stück von be⸗ trächtlicher Größe und von runder oder kugeliger Ge⸗ ſtalt. Meiſtens iſt die Drüſengeſchwulſt, wenn man mit den Fingern darauf drückt, wenig oder gar nicht empfindlich, nicht vermehrt warm, und unter der Haut verſchiebbar, oder feſt und unbeweglich an dem Kiefer anliegend. Außer den angeführten Krankheits⸗ zeichen erſcheint das Pferd meiſtens ganz geſund; es iſt bei gutem Appetite, hält ſich bei Leibe, iſt munter ꝛc. Häufig aber iſt ſchon jetzt das Haar weniger glänzend, als ſonſt. Der ſo eben beſchriebene erſte Grad der bösartigen Druſe kann ziemlich unverändert oft lange Zeit, ſogar Monate hindurch beſtehen; manchmal jedoch nimmt das Uebel weit raſcher eine ſchlimme Wendung. Der allgemeine Zuſtand und die Haltung des Pferdes, ſeine Dienſtverwendung, Jahreszeit und Witterung, dann auch das Alter und die innere Dispoſition des Pferdes üben hierin einen großen Einfluß aus. Manch⸗ mal läßt auch wohl der Ausfluß für einige Zeit mehr oder weniger nach, um ſpäter wieder zurückzukehren; mit dem Außfluſſe correſpondirend vermindert oder ver⸗ größert ſich gewöhnlich auch die Drüſengeſchwulſt. Im Allgemeinen wird der Naſenausfluß durch die Einwir⸗ kung von Näſſe und Kälte und durch ſtarke Bewegung vermehrt; warme und trockne Luft hat die entgegen— geſetzte Wirkung. Deßhalb iſt auch der Ausfluß im Sommer meiſtens geringer, als im Winter. Schreitet die Krankheit vor, ſo firirt ſich dieſelbe faſt allemal in Einem Naſenloche;— nur ſelten hat ein beiderſeitiger Ausfluß ſtatt. Der ausfließende Schleim verändert ſeine frühere Beſchaffenheit mehr oder weniger; er wird dicker, trübe, graulich oder gelblich, ſehr reichlich, zähe und klebrig, ſo daß er ſich an dem Rande des Naſenloches, dann auch an den feinen, daſelbſt befindlichen Haaren anſetzt, und zu Schorfen und Kruſten vertrocknet, welche dem Klei⸗ ſter oder dem gekochten Tiſcherleime ähnlich ſind. Der Ausfluß wird mehr oder weniger ſcharf, und iſt nicht ſelten von üblem Geruche. Beim Huſten und Pruſten, Wagenfeld, Encyel. auch beim Senken des Kopfes und bei verſchiedenen andern Wendungen deſſelben, fließt der Schleim oft in großen Haufen aus. Die Naſenſchleimhaut iſt blaß oder erdfahl, aſchgrau oder bläulich; ihre Farbe iſt ungleich, es zeigen ſich auf ihr bläuliche, kupfer⸗ farbene Streifen und Tupfenz ſie iſt aufgelockert und mit Schleim bedeckt. Nicht ſelten wird die Schleim⸗ haut der Naſengänge ſo ſehr aufgelockert, daß dadurch dieſe Kanäle verengt werden, und ein ſchnaufendes, mühſames Athemholen entſteht. Dieſes iſt beſonders auffallend, wenn das Pferd raſch bewegt wird. Die Drüſengeſchwulſt in den Ganaſchen, deren Sitz ſtets die kranke Seite der Naſe iſt, erſcheint beträchtlich groß, kuglig, hart, kühl und ſchmerzlos; ſie iſt wenig oder gar nicht beweglich. In dem Auge der kranken Seite findet eine vermehrte Schleimabſonderung ſtatt, ſo daß im inneren Augenwinkel ein dicker Schleim⸗ klumpen ſich anſammelt; zuweilen thränt auch das Auge bedeutend, wodurch die Haut auf der Backe be⸗ netzt erſcheint. In dieſem vorgeſchrittenen Zuſtande der Krankheit erſcheint das Pferd gewöhnlich auch außerdem noch mehr oder weniger krank. Es iſt öfters ein feuchter, klangloſer Huſten zugegen, das Pferd magert etwas ab, das Haar iſt glanzlos, die Haut trocken, es erfolgt leicht Ermüdung ꝛc. Zuweilen aber erſcheint das Pferd im Allgemeinen auch wohl jetzt noch völlig ge— ſund, außer daß der Naſenausfluß zugegen iſt. Erreicht die bösartige Druſe ihren höchſten Grad, ſo erfolgt der Naſenausfluß unausgeſetzt und ſehr reichlich; die ausfließende Materie iſt ätzend, ſo daß durch ſie die äußere Haut des Naſenloches wund er— ſcheint; der Ausfluß riecht meiſtens ſehr übel, die Farbe der Naſenſchleimhaut iſt ſehr ungleich, es ent— ſtehen an verſchiedenen Stellen derſelben Bläschen und Geſchwüre, die Oberhaut löſet ſich los, es erheben ſich dunkelrothe Punkte. Der Rand des Naſenloches iſt angeſchwollen, das Naſenloch deshalb verengt, und das Athemholen gewöhnlich ſchnaufend. Hat die Krankheit dieſen Grad erreicht, ſo iſt ſie von dem ſpä⸗ ter zu beſchreibenden Rotze kaum noch, und nur un⸗ ſicher, zu unterſcheiden. Der endliche Ausgang der bösartigen Druſe iſt: in Geſundheit oder in den Rotz, oder auch in mancherlei andere Krankheiten. Erfolgt die Geneſung, ſo ver⸗ ſchwindet der Ausfluß nach und nach, der Schleim wird wäſſeriger, klarer, geruchlos ꝛc. Naſen⸗ 290 82. Boͤsartige Druſe des Pferdes. ſchleimhaut erlangt ihre natürliche und gleichmäßige Färbung wieder; die Drüſengeſchwulſt wird kleiner, und verſchwindet zuletzt ganz. Zuweilen jedoch bleibt eine kleine Drüſengeſchwulſt, ſelbſt für die ganze Le⸗ benszeit, zurück, obwohl ohne weiteren Nachtheil für das Pferd. Der Tod erfolgt durch die bösartige Druſe an und für ſich eigentlich nie, ſondern nur durch ihre Folgen und ihren Uebergang in verſchiedene andere Krankheiten. Unter dieſen iſt der Rotz die gewöhn⸗ lichſte. Tritt unter ſolchen Umſtänden der wahre Rotz ein, ſo erſcheint die früher blaß geweſene Schleimhaut der Naſe hochroth und entzündet, es bilden ſich auf ihr dunkelrothe Knötchen, welche bald in Geſchwüre übergehen, die ſich nach und nach vergrößern, eine dünne Jauche abſondern, aufgeworfene, ſpeckige Rän⸗ der haben ꝛc. Die bösartige Druſe iſt allemal langwierig, außer⸗ dem aber von ſehr verſchiedener Dauer. Zuweilen ver⸗ ſchwindet ſie ſchon in vier bis ſechs Wochen, oder ſie geht ſchon in dieſer Zeit in Rotz über; andere Male kann ſie ſogar mehrere Jahre dauern ehe dieſes erfolgt. Sind einmal Geſchwüre auf der Schleimhaut vorhan⸗ den, ſo iſt die Dauer jedoch weit kürzer. Die Erfahrung zeigt, daß jedes Pferd von der bösartigen Druſe befallen werden kann. Am öfterſten kommt ſie bei unedlen, gemeinen Pferden vor; bei feinen und edlen ſeltner. Sehr alte Pferde und ſolche, die mager und elend ſind, und die ſchon öfters an Druſe gelitten haben, haben große Dispoſition zur bösartigen Druſe. Die Urſachen ſind zahlreich; in der Regel iſt die bösartige Druſe der üble Ausgang der gutartigen, gewöhnlichen Druſe. Wenn letztere in wenigen Wochen nicht verſchwindet, wenn dagegen der Naſenausfluß und die Drüſengeſchwulſt hartnäckig fortbeſtehen, ſo iſt der Ausgang in die bösartige Druſe gemacht. Leidet ein Pferd an der gutartigen Druſe, und wird daſſelbe in dieſer Zeit ſehr unpaſſend behan⸗ delt, unzulänglich und ſchlecht ernährt, der Näſſe und Kälte ausgeſetzt, übermäßig angeſtrengt; oder ſteht daſſelbe in einem zugigen oder auch in einem dunſtigen Stalle; wird daſſelbe im Regenwetter, oder Tag und Nacht auf der Weide gehalten, oder verſetzt ſich die Druſenmaterie nach andern Theilen, ſo iſt leicht die Folge von alle dem die bösartige Druſe. Zuweilen kommt dieſe aber auch faſt plötzlich, und ohne daß kurz vorher eine gutartige Druſe vorangegangen wäre. Ob die bösartige Druſe durch Anſteckung entſtehen könne, iſt noch nicht ſicher ermittelt, in vielen Fällen ſcheint die Annahme dafür wohl nicht unbegründet zu ſein. 1 Die bösartige Druſe iſt, wie ſchon ihre Bezeich⸗ nung ſagt, eine ſehr üble Krankheit, und in Betreff ihrer Kur eine der widerwärtigſten und hartnäckigſten, die es giebt. An und für ſich wird ſie zwar nicht tödtlich, aber ſie iſt in der Regel nur nach langer und mühſamer Kur zu beſeitigen, und außerdem in ſehr vielen Fällen unheilbar, ſo daß ihr endlicher Ausgang in Rotz faſt ſicher iſt; es iſt eine Krankheit an der der Arzt ſeine Schande kuriren kann. Iſt das Pferd jung und kräftig, leidet daſſelbe nicht etwa an einer ander⸗ weitigen Krankheit, und ſind die Lokalitäten und ſon⸗ ſtigen Umſtände der Kur günſtig, ſo darf man wenig⸗ ſtens in manchen Fällen auf eine Heilung hoffen. Alte, elende Pferde bei armen Leuten werden ſelten beſſer. Je kürzere Zeit die bösartige Druſe gedauert hat, deſto beſſer; hat ſie dagegen ſchon Monate hin⸗ durch beſtanden, iſt der Naſenausfluß einſeitig, iſt die Flüſſigkeit klumprig, mißfarbig, eiterartig, zähe und klebrig, oder übelriechend, und ſetzt ſich dieſelbe in Maſſe an den Rändern der Naſenlöcher feſt, ſo kann kaum noch einige Hoffnung gehegt werden. Je mehr die Naſenſchleimhaut in Farbe und Textur von der Norm abweicht, deſto übler iſt der Fall; Tupfen und Striemen, Knötchen, Bläschen oder gar Geſchwüre auf ihre ſind ſehr bedenkliche Zeichen, und kaum von denen des Rotzes unterſchieden. Auch ein ſchnarchen⸗ des Athemholen iſt übel, eben ſo ein hartnäckiges Fortbeſtehen der Drüſengeſchwülſte. Die Kur der Krankheit ſollte billig nur bei ſolchen Pferden unternommen werden, welche noch einen ziem⸗ lich bedeutenden Werth repräſentiren, und bei denen die Krankheit noch nicht zu alt und zu ſehr vorgeſchrit⸗ ten iſt; außerdem iſt die Kur, bei der geringen Aus⸗ ſicht auf Erfolg und bei den Umſtänden und Koſten derſelben, nicht wohl anzurathen, weil das Opfer leicht beträchtlicher ausfallen könnte, als der Preis. Das Pferd muß innerlich und äußerlich behandelt werden; hier zuerſt von der innerlichen Behandlung, welche für alle Fälle ziemlich dieſelbe bleibt. Von vorn herein muß bemerkt werden, daß alle ſchwächenden Mittel, als Aderläſſe und Laxanzen unpaſſend ſind; die Krank⸗ heit iſt eine Schwächekrankheit, und muß nur allein mit ſtärkenden, erregenden Arzneien behandelt werden. Im Allgemeinen bringen die inneren Arzneien keine 82. Bosartige Druſe des Pferdes. 291 ſehr ſichtbare Wirkung hervor; man mache einige Verſuche, und leiſten dieſe nichts, ſo ſtehe man lieber davon ab, um nicht Geld und Mühe umſonſt zu ver⸗ lieren. Eins der wirkſameren Mittel ſtellen die Can⸗ thariden dar, welche in der Art, wie bei dem Wurme (ſiehe den Artikel) gegeben werden müſſen, jedoch an⸗ dauernd wiederholt. Statt deſſen kann man folgende Latwerge geben: gekochter Terpentin drei Loth, Spieß⸗ glanz und Schwefel von jedem acht Loth, Genzian⸗ wurzel und Wermuthkraut von jedem zehn Loth, Mehl und Waſſer ſo viel nöthig. Dieſe Portion wird in vier bis fünf Tagen eingegeben und nach Umſtänden ein Mal oder auch einige Male wiederholt. Oder man giebt nachſtehende Zuſammenſetzung: Schwefel⸗ eiſen vier Lotb, Schwefel und Spießglanz von jedem zehn Loth, Wachholderbeeren und Kalmuswurzeln von beiden je zwölf Loth, Terpentinöl vier bis ſechs Loth, mit Mehl und Waſſer und als Latwerge. Salmiak, Goldſchwefel, Potaſche, blauer Vitriol und zahlreiche andere Mittel ſind oft empfohlen, aber ſie leiſten faſt gar nichts. Die Hauptſache bei der Kur iſt immer die äußerliche, örtliche Behandlung; ſie iſt in vielen Fäl⸗ len von entſchiedenem Nutzen, und ich will namentlich jenes hier angeben, durch welches ich, ſelbſt in ſchein⸗ bar verzweifelten und hoffnungsloſen Fällen, nicht ſelten vollkommen reüſſirt habe. Es iſt hier nämlich die Aufgabe, den in den Naſenhöhlen und in deren zahlreichen Gängen angeſammelten und ſich ſtets er⸗ neuernden Schleim oft zu entfernen, und dann die kranke Schleimhaut möglichſt wieder in ihren natürli⸗ chen Zuſtand zurückzuführen. Früher hat man zu dieſem Behufe das Cinblaſen verſchiedener Pulver in die Naſenlöcher, das Einſpritzen verſchiedener Flüſſig⸗ keiten in dieſelben ꝛc. empfohlen und auch zur Ausfüh⸗ rung gebracht, aber nur ſelten mit günſtigem Erfolge. Auch die Räucherung von erhitztem Theer oder brennendem Harze, Horn, Salz⸗ und Salpeterſäure ſind verſucht worden, mit demſelben negativen Reſul⸗ tate. Ohne Anmaßung glaube ich behaupten zu dür⸗ fen, daß das von mir ſeit einer Reihe von Jahren beobachtete Verfahren das rationellſte und wirkſamſte zugleich iſt; obgleich ich leider geſtehen muß, daß die Heilung der Krankheit keineswegs allemal gelang. Die Methode iſt folgende. Es wird eine Quantität Gerſte oder Gerſtenmalz, etwa ein⸗ oder anderthalb Metzen, gegen eine Stunde lang mit Waſſer gekocht, ſodann in einen kleinen Sack geſchüttet, und, nachdem der größere Theil des Waſſers abgelaufen iſt, der Kopf des Pferdes bis unter die Augen in den mit hei⸗ ßem Dunſt erfüllten Beutel, welcher über dem Genicke mit einem Bande am Kopfe haltbar gemacht wird, geſteckt. Während die Gerſte kocht, überſchüttet man in einer Schüſſel einige Hände voll gewöhnliche Sä⸗ geſpähne mit zwei bis vier Loth Terpentinöl, miſcht beides etwas, und ſchüttet das Gemiſch unmittelbar vorher, ehe der Beutel dem Pferde vor die Naſe ge⸗ hängt wird, in den Beutel auf die heiße Gerſte. Auf dieſe Weiſe wird das Terpentinöl durch die Hitze der Gerſte mit den Waſſerdünſten verflüchtigt, dringt beim Athmen des Pferdes durch die Naſenhöhlen, und übt hier nicht ſelten die heilſamſten Wirkungen aus. Ein ſolches Dunſtbad wird täglich einmal wiederholt, und mindeſtens ſechs bis acht Tage hintereinander, worauf dann eine Pauſe von acht bis zehn Tagen eintritt und dann eine Wiederholung der Räucherungen, im Falle es nöthig erſcheint. Wie ſich von ſelbſt verſteht, muß zu jeder Räucherung eine neue Miſchung aus Terpen⸗ tinöl und Sägeſpähnen genommen werden; dieſe Er⸗ neuerung iſt mit der Gerſte nicht nöthig, und ſie kann füglich, zu drei bis vier Räucherungen verwendet, hierauf den Schweinen zu freſſen gegeben werden. Hilft das Terpentinöl nichts, ſo nimmt man ſtatt deſſen zwei bis drei Loth guten Chlorkalk, welcher ebenfalls unmittelbar, ehe das Pferd den Beutel an⸗ gebunden erhält, auf die heiße Gerſte geſchüttet wird; das Chlorgas iſt flüchtig, und ſteigt dann mit den Waſ⸗ ſerdünſten empor. Gefahr iſt bei dieſem etwas heroi⸗ ſchen Verfahren nicht vorhanden; niemals habe ich einen üblen Zufall entſtehen ſehen. Manche Pferde erdulden die Räucherung ganz ruhig und ohne da⸗ durch alterirt zu werden; andere Pferde dagegen fan⸗ gen an zu taumeln, kratzen mit einem Vorderfuße, ſchlagen ſtark mit den Flanken, wenden den Kopf un⸗ ruhig hin und her, ſchwitzen überall ꝛc. In ſolchen Fällen muß der Beutel augenblicklich für eine kurze Zeit vom Kopfe entfernt werden, doch kann er, wenn das Pferd ſich etwas erholt hat, ſogleich wieder an ſeinen früheren Platz gebracht werden. Zeigt ſich das Pferd noch einige Zeit nach dem Bade etwas be⸗ täubt, ſo hat das nichts zu bedeuten, denn es verliert ſich dieſes ſehr bald, und von ſelbſt. Beim Befeſtigen des Beutels muß dafür geſorgt werden, daß die Augen frei bleiben, und daß der Beutel höchſtens bis zu vier Zoll unterhalb derſelben hinaufreicht. Von Zeit zu 37* 292 83. Rotz des Pferdes. Zeit wird die Gerſte im Beutel durch Unterfaſſen mit der Hand umgerührt, damit eine neue Lage heißer Gerſte an die Oberfläche kommt. Das ganze Bad dauert bis zum Erkalten der Gerſte, alſo funfzehn bis zwanzig Minuten. Faſt eben ſo ſchwierig, als die Beſeitigung des Naſenausfluſſes, iſt die Entfernung der Drüſengeſchwulſt in den Ganaſchen; ſie iſt nie, oder doch nur äußerſt ſelten, in Eiterung zu ſetzen, ſondern nur durch Zertheilung zum Weichen zu brin⸗ gen. Man reibt dieſelbe Anfangs wiederholt mit der bei der Stollbeule verordneten ſcharfen Salbe ein; iſt die Haut nach längerer Zeit wieder von Schorfen frei und nicht mehr entzündet, und iſt die Geſchwulſt immer noch zugegen, ſo bedient man ſich einer Salbe aus: zwei Quentchen jodſaurem Kali, grauer Mer⸗ kurialſalbe und Rüböl von jedem zwei Loth, wodurch man faſt immer ſeinen Zweck erreicht. Uebrigens iſt hier zu bemerken, daß die Drüſengeſchwulſt nur ein Nebenzeichen der Hauptkrankheit ausmacht, und daß ihre Abweſenheit oder ihr Verſchwinden von weit ge⸗ ringerer Wichtigkeit iſt, als der Laie allgemein glaubt; dieſem machen vorzüglich die Drüſen und deren Ent⸗ fernung Sorge, und doch liegt daran in Wahrheit nur ſehr wenig. Dennoch iſt es wünſchenswerth, daß die Geſchwulſt verſchwinde, und außerdem iſt dieſes auch in der Regel eine günſtige Vorbedeutung für den guten Ausgang der ganzen Krankheit. Fontanelle und Eiterbänder unter der Bruſt, die man ſo oft anzuwen⸗ den pflegt, paſſen nicht; wohl aber iſt es zweckmäßig zu beiden Seiten des Genickes(wie beim Koller) Citer⸗ bänder zu ziehen, und dieſe vier bis ſechs Wochen liegen zu laſſen. In ſehr hartnäckigen Fällen hat auch eine ſcharfe Einreihung, auf die ganze Naſe des Pferdes gemacht, von den Augen an bis zur Naſenſpitze her⸗ unter, und in der Breite von ſechs bis acht Zollen, ſehr viel zur Heilung des Naſenausfluſſes beigetragen. Iſt die Einreibung gemacht, ſo müſſen dann natürlich die Räucherungen für einige Zeit eingeſtellt werden. Soll die Kur eine verſtändige genannt werden, ſo muß der Kranke während der Kur von allen Schädlichkeiten fern gehalten und einer paſſenden Pflege ꝛc. unterwor⸗ fen ſein. Alles, was die kranke Naſenſchleimhaut reizt, iſt ſchädlich; daher ſcharfe Stalldünſte, kalte Luft, Staub ꝛc. Der Stall muß zwar recht warm, aber hell, geſund und geräumig ſein. Regen, Nebel und Feuchtigkeit ſind ſorgfältig abzuhalten, auch Winter⸗ kälte, Zugwind ꝛc. Das Pferd wird ſehr oft und anhaltend geputzt und mit einer Decke belegt; die Streu muß ſtets trocken und reichlich vorhanden ſein. Das Pferd wird mit dem beſten Futter, als Körnern, feinem Heu ꝛc. reichlich ernährt, das Geſöff darf nie ſehr kalt ſein. Die Volksmeinung legt ein großes Gewicht auf das Grünfutter in Betreff der Heilung dieſer Krankheit; auf der Weide, meinen die meiſten Pferdebeſitzer, wird ſich das Thier ſchon auskuriren. Es iſt dies allerdings zuweilen der Fall, aber nicht ſowohl durch die Weide, als durch die Milde der Jahreszeit und durch die Länge der Zeit. Sachver⸗ ſtändige ſind hierin beſſer unterrichtet; ſie wiſſen, daß das Grünfutter zur Heilung der Krankheit ohnmächtig iſt. Endlich noch iſt zu bemerken, daß jede raſche und anſtrengende Bewegung des Kranken unterbleiben muß; aber eine mäßige Bewegung in gutem Wetter iſt zu empfehlen. Bei warmem, guten Wetter kann das Pferd den Tag über immerhin auf die Weide ge⸗ geben werden; tritt jedoch Regen und Sturm ein, ſo muß, wie des Nachts immer, das Thier im Stalle verbleiben. 83. Notz des Pferdes.(Tab. XIX.) Es giebt keine Krankheit des Pferdes, welche ſo gefürchtet wäre, als der Rotz oder die Rotzkrankheit, und dieſes auch mit vollem Rechte; denn einmal iſt der Rotz unheilbar und ſomit ſicher tödlich, und dann iſt er auch anſteckend. Die ſichere Erkenntniß des Rotzes, und namentlich ſeine Unterſcheidung von der bösartigen Druſe, iſt oft ſehr ſchwer, ſelbſt für Sach⸗ kenner. Gewöhnlich macht der Rotz folgenden Ver⸗ lauf. Nachdem Wochen oder Monate lang die bös⸗ artige Druſe vorangegangen iſt, wird die bis dahin 83. Rotz des Pferdes. gewöhnlich ſehr blaſſe Naſenſchleimhaut hochroth und entzündet; an einzelnen Stellen bilden ſich kleine, ſehr langſam ſich vergrößernde Geſchwüre, welche als ein kleiner, hohrother und etwas erhabener Punkt begin⸗ nen und ſich bald in ein Geſchwür umwandeln; oder es nimmt das Geſchwür mit einem kleinen Bläschen ſeinen Anfang. Die Ganaſchendrüſen, wenn ſie viel⸗ leicht bisher noch nicht angeſchwollen waren, ſchwellen jetzt an; ſie ſind beim Drucke ſehr ſchmerzhaft. Ge⸗ wöhnlich ſtellt ſich auch ein mehr oder weniger häufi⸗ ger Huſten ein. Beim Fortſchreiten des Rotzes ver⸗ liert die Naſenſchleimhaut zum Theil ihre frühere Röthe, ſie wird blaß, falb und hier und da mit rothen Striemen beſetzt; die Geſchwüre werden größer und tiefer, ſie haben zackige, aufgeworfene Ränder, und einen hochrothen Kranz(Fig. 4.); ſie ſondern eine wäſſerige, mißfarbige Jauche ab, durch deren Schärfe die Umgebung angeätzt wird. Der Naſenausfluß wird unter den erwähnten Umſtänden immer übelartiger; er iſt flockig, trübe oder halbdurchſichtig, gelb, grün⸗ lich, oft mit Knötchen und Blutſtreifen vermiſcht. Am Rande des Naſenloches ſetzt ſich ein Theil des Aus— fluſſes als eine ſchmierige Borke feſt; aus dem Auge fließt ein dicker, grünlicher Schleim. Hat die Krank⸗ heit lange Zeit beſtanden, ſo magert das Pferd nach und nach ab, es wird matt und kraftlos, ſtruppig von Haar; an verſchiedenen Stellen des Körpers, beſon⸗ ders an den Füßen und am Schlauche bilden ſich kalte Geſchwülſte, in denen ſich oft Wurmbeulen entwickeln. Zuletzt wird der Naſenausfluß ſtinkend, das Naſenloch iſt verſchwollen, das Athemholen ſchnaufend; endlich tritt Faulfieber, Lungenentzündung ꝛc. hinzu, worauf dann der Tod bald nachfolgt. Entſteht der Rotz nicht, wie es gewöhnlich der Fall iſt, aus einer bösartigen Druſe, ſo bildet ſich gewöhnlich ſehr raſch und unerwartet eine einſeitige Drüſengeſchwulſt in den Ganaſchen; die Naſenſchleim⸗ haut entzündet ſich, es bilden ſich Geſchwüre auf ihr, und es tritt ein Naſenausfluß ein. Die Dauer des Rotzes iſt ungemein unbeſtimmt; oft krepirt das an ihm leidende Pferd ſchon in vier bis ſechs Wochen, aber auch erſt nach mehreren Jahren. Cs hängt hierbei viel von der allgemeinen Beſchaffen⸗ heit des Thieres und von äußeren Umſtänden ab. Selten oder niemals endet der Rotz anders, als mit dem Tode, denn die Fälle, in denen er, von ſelbſt 293 oder durch Arzneimittel, geheilt worden iſt, find ſehr ſelten. 3 3 Es iſt in vielen Fällen nicht leicht zu beſtimmen, ob ein Pferd an dem wahren Rotze oder nur an der bösartigen Druſe leide, und dieſes um ſo weniger, als beide Krankheiten ſehr nahe an einander gränzen. Hauptzeichen ſind beim Rotze ein bösartiger Naſen⸗ ausfluß, die Gegenwart von Rotzgeſchwüren und die Geſchwulſt der Ganaſchendrüſen; zuweilen ſind aber nicht alle dieſe Zeichen vorhanden, und manchmal ſind ſie zum Theil vorhanden, aber von außen nicht zu entdecken. Meiſtens hat die Krankheit nur an der Einem Seite des Kopfes ſtatt, während das andere Naſenloch ꝛc. ganz geſund erſcheint; zuweilen iſt der Rotz aber auch beiderſeitig vorhanden, beſonders gegen das Ende der Krankheit. a) Naſenausfluß. Er fehlt faſt nie, wenig⸗ ſtens nicht bei völlig entwickeltem Rotze. Die Menge des Ausfluſſes wechſelt; Kälte und Näſſe, auch An⸗ ſtrengungen ꝛc. vermehren ihn; beim Huſten und Pru⸗ ſten, ſo wie beim Senken des Kopfes wird der Schleim oft in Menge ausgeworfen. Gewöhnlich iſt der Schleim dünn und wäſſerig, er klebt leicht am Naſenloche feſt, und bildet hier Kruſten, und an den Haaren pinſelar⸗ tige Büſchel. Das Anſehen des Ausfluſſes iſt glaſig, halbdurchſichtig, grünlich, auch wohl bläulich oder grau, nicht ſelten iſt er mit Blutſtreifen untermiſcht, oder es erfolgt auch wohl ein tropfenweiſes Ausfließen von Blut, welches ein übels Zeichen iſt. Eiterartiger, flockiger, chololadefarbener Ausfluß deutet meiſt ſicher auf Rotz. Gewöhnlich wird der Ausfluß ſpäterhin ſcharf, ſo daß durch ihn das Naſenloch angegriffen wird, und mehr oder weniger verſchwillt, wodurch dann ein ſchnaufendes Athemholen entſteht; zuletzt wird der Ausfluß ſtinkend. Aus dem Auge der kran— ken Seite erfolgt ebenfalls eine widernatürliche Abſon⸗ derung eines dicken, grünlich gelben Schleimes, der ſich als ein dicker Tropfen im inneren Augenwinkel feſtſetzt. Dieſer Schleim iſt oft von ſcharfer Beſchaffenheit, ſo daß er die Haare unter dem Auge wegfrißt. Manch⸗ mal verſchwindet der Naſenausfluß beim Rotze für kurze Zeit mehr oder minder, jedoch um ſtets zurück⸗ zukehren. b) Geſchwüre. Dieſe fehlen beim wahren Rotze faſt nie; jedoch haben ſie zuweilen nicht an dem vorderen Theile der Naſenſcheidewand, ſondern höͤher hinauf, oder an den Naſenmuſcheln ihren Sitz, ſo 294 83. daß ſie dann nicht geſehen, und nur mehr oder weni⸗ ger ſicher vermuthet werden können. Die Geſchwüre ſind mit zackigen und ungleichen Rändern verſehen, die wie angefreſſen erſcheinen(Fig. 6); die Ränder ſind aufgeworfen, wulſtig, der Grund weißlich und ſpeckartig, und ringsum befindet ſich ein blaurother Hof(Fig. 4). Die Anzahl der Rotzgeſchwüre iſt ver⸗ ſchieden; oft ſind nur eins oder zwei, oft mehrere zu⸗ gegen; das Geſchwür vergrößert ſich nur langſam, geht dann aber auch in die Tiefe, greift die unter der Schleimhaut gelegenen Knorpel und Knochen an, und zerſtört ſie ſogar. Auf dieſe Weiſe findet man die Naſenſcheidewand zuweilen durchlöchert, und Naſen⸗ muſcheln und Siebbein erweicht und in einen Brei verwandelt. Die Naſenſchleimhaut der kranken Naſe erſcheint gewöhnlich uneben und rauh, von ungleicher Farbe. Hin und wieder findet ſich mitunter die Narbe eines geheilten Rotzgeſchwürs; dergleichen Narben ſind ſternförmig oder ſtrahlig, weißer und feſter als ihre Umgebung und etwas über dieſelbe hervorragend. c) Drüſengeſchwulſt. Es findet ſich dieſe allemal auf derſelben Seite, auf der der Naſenausfluß ſtatt hat. Die Größe der Geſchwulſt iſt verſchieden, eben ſo ihre Form ꝛc.; ſie iſt länglich, rundlich, feſt⸗ ſitzend oder beweglich, höckerig, von der Haut dicht umſchloſſen oder locker unter ihr liegend, aus Einem Stücke, oder aus vielen Stücken zuſammengeſetzt, ſchmerzhaft beim Drucke oder unſchmerzhaft ꝛc. Manch⸗ mal wird die Geſchwulſt etwas kleiner, dann wieder etwas größer, je nach der Beſchaffenheit des Naſen⸗ ausfluſſes. Wenn der Rotz ausgebildet iſt, ſo pflegt das Pferd öfters zu huſten, und zwar trocken, kurz und klanglos; gegen Abend und bei der Bewegung iſt die⸗ ſer Huſten am häufigſten; nach und nach wird auch das Athemholen vermehrt und etwas angeſtrengt. Der Verlauf der Krankheit iſt oft ſehr unregelmäßig; manche Pferde halten ſich lange Zeit in einem allgemeinen Zuſtande, der das Bild einer völligen Geſundheit vor— ſpiegelt; andere Pferde ſind elend und mager, verfal⸗ len ſehr bald in ein ſchleichendes Fieber, in rotzige Lungenentzündung ꝛc. Hat der Rotz ſeinen höchſten Grad erreicht, ſo tritt oft noch Wurm hinzu, ſo wie der Wurm zuletzt in der Regel den Rotz zum Beglei⸗ ter hat. Wird ein am Rotze krepirtes, oder getödtetes Pferd geöffnet, ſo finden ſich dabei faſt jedes Mal ſolche Rotz des Pferdes. Ergebniſſe, daß daraus mit Sicherheit beurtheilt wer⸗ den kann, ob das Pferd wirklich rotzig war oder nicht. Es iſt dieſes von Wichtigkeit, denn ſo lange das Pferd lebt, iſt es in einigen Fällen nicht ſo leicht, ja kaum möglich, in dieſer Hinſicht ein poſitives Urtheil zu fällen, welches zur Erledigung einer etwanigen Streit⸗ ſache nothig werden kann. Man findet an dem Cada⸗ ver weſentlich nachſtehende krankhafte Zuſtände. Die Naſengänge, die Windungen der Naſenmuſcheln, die Zellen des Siebbeines, die Stirn⸗ und Kinnbacken⸗ höhlen ſind mehr oder weniger mit einem dicken, eiter⸗ artigen, käſigen, geruchloſen oder übelriechenden Schleime erfüllt; die kranke Schleimhaut iſt ſchwam⸗ mig, aufgelockert, an verſchiedenen Stellen mit Ge— ſchwüren beſetzt. Dieſe Geſchwüre haben am häufig— ſten an der Scheidewand der Naſe ihren Sitz, ſeltener an den Naſenmuſcheln; die Naſenmuſcheln, die Zellen des Siebbeines und die Naſenſcheidewand ſind an den Stellen, an welchen die Geſchwüre ihren Sitz haben, angegriffen und mehr oder weniger zerſtört. Zwiſchen den einzelnen Geſchwüren erſcheint die Schleimhaut blaß oder bläulich, uneben und rauh, oft mit vielen blauen Adern durchzogen. Die weſentlichſten und deshalb nie fehlenden krankhaften Veränderungen finden ſich in den Lungen, vorzugsweiſe oder oft ausſchließ⸗ lich nur in der Lunge der Seite, welche der kranken Naſe entſpricht. Endete der Rotz nicht etwa mit einer fauligen Lungenentzündung, ſo ſehen die Lungen auf den oberflächlichen Blick meiſtens ganz geſund aus; zuweilen ſind fie aber blaß und welk, und kleiner als eine geſunde Lunge. Fährt man mit den Fingerſpitzen über die Oberfläche der Lungen hin, ſo entdeckt man dicht über der dünnen Haut, welche die Lungen über⸗ zieht, unzählige kleine Knötchen oder ſogenannte Tu⸗ berkeln, welche meiſtens nicht größer als ein Hirſekorn oder eine kleine Erbſe ſind; ſchneidet man die Lungen durch, ſo finden ſich ähnliche Tuberkeln in der Maſſe der Lungen zerſtreut; dieſelben ſind gelblich, hart und rundlich. An einigen Stellen finden ſich auch häaufige Eiterbeulen von größerem Umfange und in den feinen Luftröhrenäſten iſt ein eiterartiger Schleim enthalten. Andere Male iſt die kranke Lunge in eine dunkle, rothe oder graue Maſſe und zu einem Brei erweicht, ſie iſt an die Rippen angewachſen, in der Bruſthöhle findet ſich eine jauchige Flüſſigkeit ꝛc. Gemeine und unedle, desgleichen ſehr alte und ab⸗ gemagerte Pferde werden am leichteſten rotzig; Füllen 83. Rotz des Pferdes. 295 und Pferde unter zwei bis drei Jahren werden nur ſelten befallen. Was die Urſachen anbelangt, ſo ſind dieſe überaus mannigfaltig und oft ganz unbekannt; es verhält ſich in dieſer Hinſicht ſo ziemlich wie mit der bösartigen Druſe. Schlechtes, verdorbenes und unzureichendes Futter, der Aufenthalt in dumpfigen, ungeſunden Räumen, übertriebene Anſtrengungen aller Art, Mißbrauch von Aderläſſen, Laxanzen, Eiterbän⸗ dern und Fontanells, große, mit ſtarker Eiterung ver⸗ bundene Geſchwüre, veraltete Räude und Mauke ꝛc. geben leicht Veranlaſſung zum Rotz. Unter allen Urſachen iſt indeſſen eine vorhergehende bösartige Druſe die gewöhnlichſte; denn Letztere macht faſt keinen anderen Ausgang als den in Rotz, im Falle nicht Heilung eintritt. Unter zehn Fällen von Rotz iſt er neun Mal aus der Druſe entſtanden, ſelten auf andere Weiſe. Gewöhnlich entſteht der Rotz nach der Druſe aber nur dann, wenn Letztere bereits ſehr lange Zeit, oder auch wiederholt zugegen geweſen iſt. Auch nach anderen Krankheiten kann der Rotz entſtehen, beſon⸗ ders nach dem Wurm, und dann nach verſchiedenen Bruſtkrankheiten und äußerlichen Fehlern; ſo z. B. nach Brüchen und großen Verletzungen der Geſichts— knochen. Endlich noch entſteht der Rotz nicht gar ſelten durch Anſteckung, und zwar durch das enge Zu⸗ ſammenſein eines rotzigen und geſunden Pferdes oder auf anderweitige Art. Am anſteckendſten iſt der Aus⸗ fluß aus Naſe und Auge; aber auch der Schweiß und andere Säfte des Kranken ſind vielleicht fähig den Rotz weiter zu verbreiten. Man hat oft die Anſteck⸗ barkeit des Rotzes in Zweifel gezogen, obwohl mit Unrecht, denn durch direkte Verſuche hat ſich Folgen⸗ des ergeben. Wird etwas von dem Naſenausfluſſe eines wirklich rotzigen Pferdes auf die Naſenſchleim⸗ haut eines geſunden Pferdes gebracht, ſei es durch Impfung oder durch bloßes Aufſtreichen, oder Auf⸗ ſpritzen, ſo erſcheint die Naſenſchleimhaut nach A bis 8 Tagen hochroth und entzündet, gleichzeitig oder etwas ſpäter entſteht eine Geſchwulſt der Ganaſchendrüſe der⸗ ſelben Seite, um dieſelbe Zeit, oder auch etwas ſpäter, entſtehen ächte Rotzgeſchwüre auf der Naſenſt chleimhaut; der Rotz iſt dann völlig ausgebildet, und unterſcheidet ſich von dem aus anderen Urſachen entſtandenen Rotze in weiter nichts, als durch einen etwas raſcheren Verlauf. Die Rotzmaterie iſt in der Regel nur dann fähig die Krankheit zu verbreiten, wenn etwas von ihr auf die Naſenſchleimhaut, oder in einen verletzten Theil gebracht wird; auf den Haaren, oder verſchluckt iſt ſie meiſt unſchädlich. Aus dieſem Grunde erklärt es ſich, daß nicht ſelten rotzige Pferde lange Zeit mit geſunden Pferden in Berührung ſind, ohne dieſe anzuſtecken, und dieſer Umſtand hat zu dem oberflächlichen Urtheile verleitet, daß der Rotz nie anſtecke; ein Irrthum, der ſchon unendlichen Schaden gebracht hat. Der Athem und der ſonſtige Dunſtkreis des rotzigen Pferdes ſcheint nicht anzuſtecken.— Auch auf Menſchen kann der Rotz übergehen, wenn zufällig etwas von der Rotzmaterie in einen verletzten Theil gelangt; es entſteht darnach leicht eine heftige und bösartige Entzündung, welche raſch ein, mit rotzartigen Zufällen verbundenes Faul⸗ fieber, und dann leider nur zu oft ſchon den Tod zur Folge gehabt hat. Mir ſelbſt ſind ſieben dergleichen Todesfälle beim Menſchen bekannt. Wer daher mit rotzigen Pferden zu thun hat, darf keine verletzte Fin⸗ ger haben, auch muß er ſich hüten, daß etwas von der Materie in's Auge oder Geſicht ſpritze, wenigſtens iſt ſogleich eine ſorgfältige Reinigung nöthig. Auf andere Hausthiere geht der Rotz nicht über, ſo daß z. B. ein rotziges Pferd ohne Gefahr unter Rindvieh geſtellt werden kann. Es iſt allgemein bekannt, daß der Rotz eine ſehr gefährliche Krankheit iſt; in der That wird ſie auch faſt ſicher tödtlich, indem es bis jetzt noch keine be— kannte Methode giebt, die Krankheit zu heilen. Alle die Fälle, in denen angeblich ſelbſt entſchiedener Rotz geheilt ſein ſoll, ſind zweifelhaft, und wahrſcheinlich litten dergleichen Pferde nicht an ausgebildetem Rotz, ſondern nur an der bösartigen Druſe, welche freilich von dem Rotze in manchen Fällen gar nicht zu unter— ſcheiden iſt. Möglich vielleicht, daß es ſpäter, und auch ſchon jetzt mitunter, gelingt, den Rotz, wenn er noch nicht ſtark entwickelt iſt, zu heilen, aber es läßt ſich dieſes in den einzelnen Fällen nicht voraus beſtim⸗ men. Bei der Wichtigkeit des Gegenſtandes hat man ſeit undenklichen Zeiten nach Mitteln zur Heilung des Rotzes geforſcht, meiſtens vergeblich. Will man einen Heilverſuch machen, ſo verfahre man dabei genau ſo, als es bei der Kur der bösartigen Druſe angegeben worden iſt. Es würde indeſſen thörigt ſein, ein Pferd, welches ſehr alt, werthlos oder im hohen Grade rotzig iſt, in die Kur zu nehmen; hier iſt die ſofortige Töd⸗ tung das beſte Mittel, denn man ſpart Mühe und Geld, und beſeitigt zugleich die Gefahr einer weiteren Verbreitung des Rotzes. Bei jungen, werthvollen und 296 84. Halsentzuͤndung. kräftigen Stücken, bei denen die Krankheit noch nicht zu alt und nicht zu ausgebildet iſt, kann wohl mit einiger Ausſicht auf Heilung ein Kurverſuch gemacht werden, jedoch iſt hier dann die hinreichende Vorſicht zur Verhütung der Anſteckung zu gebrauchen. Iſt ein rotziges Pferd getödtet oder etwa geheilt, ſo müſſen die Lokalitäten und Geräthe, welche infieirt ſind, ſehr ſorgfältig gereinigt werden; es langt jedoch in dieſer Hinſicht das Abwaſchen mit heißer Aſchenlauge und das nachherige, mehrmalige Ueberſtreichen mit Kalk, unter dem Zuſatz von Chlorkalk, völlig aus; das Verbrennen des Holzwerkes, des Geſchirres ꝛc. iſt un⸗ nöthig und ein vermeidliches Opfer. 84. Halsentzündung. Es beſteht dieſe— auch Bräune genannte— Krank⸗ heit in einer Entzündung des Kehlkopfes, oder des Luft⸗ röhrenkopfes und der benachbarten Theile; meiſtens iſt ſie catarrhaliſcher Natur, und kommt beim Pferde nicht ſelten gleichzeitig mit der Druſe verbunden vor. a) Halsentzündung des Pferdes. Der Kranke tritt von der Krippe zurück, und ſteht mit ſteif gehaltenem und etwas geſenktem Kopfe und Halſe, indem er die Naſe gerade aus und möglichſt weit nach vorn ſtreckt. Jede Annäherung von Menſchen und ſelbſt ſtarkes Geräuſch erſchrecken den Kranken; Berüh⸗ rung und Druck der Kehlgegend erregen Schmerzen. Die Bewegung des Kopfes iſt erſchwert und vermin⸗ dert, ſo daß das Pferd nur mit Mühe den Kopf ſeit⸗ wärts drehn kann. Das auffallendſte Zeichen beſteht in der Schwierigkeit zu ſchlucken; bei dem Verſuche dazu kommen Getränke und Futterbrei theilweiſe oder gäͤnzlich durch die Naſenlöcher wieder zurück; dabei ſind Durſt und Appetit ſtets ziemlich vorhanden. Auch das Kauen iſt ſchwierig, weil die Bewegung der Kie⸗ fern erſchwert oder ſchmerzhaft iſt. In vielen Fällen iſt auch das Athemholen erſchwert; daſſelbe iſt röch elnd, pfeifend und angeſtrengt; die Naſenflügel werden dabei aufgeriſſen, es iſt ein häufiger aber ſchwacher und feuchter Huſten vorhanden, beſonders, wenn das Pferd ſchlucken will. Die Maulhöhle iſt heiß und mit vielen zähem Speichel und Geifer erfüllt, die Augen ſind geröthet und hervorgetrieben, ſo auch iſt die Naſenſchleimhaut hochroth und entzündet. Häufig hat aus ihnen ein druſenartiger Ausfluß ſtatt. Das Pferd hat ein mehr oder weniger heftiges Fieber, iſt matt und abgeſchlagen, und legt ſich während der Heftigkeit (Tab. XIX.) der Krankheit nicht nieder. Oft iſt äußerlich in der Kehlgegend eine heiße und geſpannte Entzündungsge⸗ ſchwulſt zugegen, beſonders dort, wo die große Ohr⸗ drüſe(Fig. 8. aa.) ihre Lage hat; zuweilen fehlt alle äußere Geſchwulſt, oder ſie iſt doch ſehr unbedeutend. Die Halsentzündung iſt meiſtens catarrhaliſcher Natur; zuweilen aber auch faulig oder eine Form des Milz⸗ brandes; ſie ſtellt oft einen Begleiter der Druſe dar, oder ſie verbindet ſich, obſchon ſeltener, mit einer Lungenentzündung. Die Urſachen ſind oft unbekannt, meiſt beſtehen ſie aber in vorangegangener Erkältung. Auch mecha⸗ niſche Urſachen, z. B. das Feſtſtecken fremder Körper im Schlundkopfe ꝛc. geben zuweilen Veranlaſſung zur Halsentzündung. In der Regel iſt die Halsentzün⸗ dung nicht eben gefährlich, beſonders wenn ſie früh genug und angemeſſen behandelt wird; ſie geht in Zertheilung aus, wobei oft die etwa vorhandene äußere Geſchwulſt in Eiterung übergeht. Sind die Zufälle ſehr heftig, nehmen ſie raſchzu, ſo iſt das Athemholen pfeifend und ſehr erſchwert, und iſt aͤußerlich eine große Geſchwulſt vorhanden, ſo kann der Tod durch Erſtickung erfolgen. Am gelindeſten iſt die catarrha⸗ liſche Halsentzündung, wenn ſie mit reichlichem Na⸗ ſenausfluſſe verbunden iſt. Zuweilen bleiben nach ge⸗ hobener Halsentzündung Anſammlungen von Eiter in den Luftſäcken zurück, oder andere Male eine langwie⸗ rige, faſt nie zu heilende Athmungsbeſchwerde, welche man Hartſchnaufigkeit nennt. Die Kur wird durch den verſchiedenen Grad der Entzündung und durch ihren Charakter etwas modifi⸗ eirt, jedoch bleibt das allgemeine Heilverfahren 84. Halsentzuͤndung. 297 weſentlich daſſelbe. Das Pferd wird in einen warmen, zugfreien Stall geſtellt, und mit einer wollenen Decke belegt. Bei ſtarkem Fieber, großer Hitze und heftigen Zufällen wird ein Aderlaß von zehn bis zwölf Pfund Blut gemacht; in den gelinderen Graden der Krank⸗ heit kann die Menge etwas weniger betragen. Nur allein bei fauliger Halsentzündung paßt der Aderlaß gar nicht. Da das Schlucken gewöhnlich nicht mög— lich iſt, ſo kann man auch keine innerlichen Arznei⸗ mittel beibringen; ſollte dieſes aber noch möglich ſein, ſo verſuche man eine dünne Latwerge aus: drei Quent⸗ chen Brechweinſtein, vier Loth Salmiak, zwölf Loth Glauberſalz, ſechs Loth Anis und Mehl und Waſſer— im Laufe eines Tages beizubringen. Um die entzün⸗ deten Theile im Halſe zu erſchlaffen, macht man häufig, etwa drei bis vier Mal täglich, heiße Dunſtbäder, in⸗ dem man gekochte Gerſte in einem Beutel dem Thiere unter die Naſe bindet. Iſt das Athemholen ſehr er⸗ ſchwert, ſo iſt bei dieſen Bähungen große Vorſicht anzuwendenz ſobald ein heftiger Huſten oder große Ath⸗ mungsbeſchwerden eintreten, muß der Beutel ſofort ent⸗ fernt werden; es könnte ſonſt eine plötzliche Erſtickung ſtatthaben. Auch Dunſtbäder von Eſſig, welcher auf einen in einem Eimer befindlichen, heiß gemachten Stein gegoſſen und unter die Naſe des Pferdes gehal⸗ ten wird, ſind oft ſehr heilſam. In die Maulhöhle wird ſehr oft eine lauwarme Flüſſigkeit möglichſt hoch hinauf, jedoch mit Vorſicht, eingeſpritzt. Zu dieſem Behufe nimmt man eine Mi⸗ ſchung aus Mehl, Honig und Eſſig, oder eine Ab⸗ kochung von Leinſamen, unter dem Zuſatze von Honig, Syrup und etwas Salzſäure. Das Auspinſeln des Maules, welches oft angerathen wird, iſt verwerflich und nutzlos. Um die Entzündung der inneren Theile des Halſes nach außen zu leiten, macht man in der Gegend der Ohrdrüſe(Fig. 8. aa.) reizende Einrei⸗ bungen aus gleichen Theilen flüchtiger Salbe und Terpentinöl, oder jener ſcharfen Salbe, welche bei der Stollbeule verordnet worden iſt. Iſt äußerlich eine bedeutende Geſchwulſt vorhanden, ſo paſſen die ſehr reizenden Einreibungen nicht, denn ſie können die Ent⸗ zündung oft ſo ſteigern, daß Erſtickung erfolgt. In ſolchen Fällen macht man dann lieber gar keine Ein— reibung, und umhüllt die Geſchwulſt allein mit einem Schaffelle, oder einem wollenen Zeuge, jedoch auf ſolche Art, daß dadurch auf keine Weiſe ein Druck auf die Kehlgegend hervorgebracht wird. Sonſt kann man Wagenfeld, Encyel. auch mit Vortheil eine Salbe aus gleichen Theilen grauer Merkurial⸗ und Althäſalbe auf die Geſchwulſt einreiben. Iſt die Geſchwulſt reif, ſo entleere man den in ihr enthaltenen Eiter durch einen Einſtich, doch nicht zu früh und auch mit der gehörigen Vorſicht, weil hier Adern und Nerven liegen, deren Verletzung gefährlich iſt. Iſt die Halsentzundung überaus heftig, ſteigen die Athmungsbeſchwerden ſehr raſch ꝛc. ſo kann die Erſtickung und mithin der Tod nur durch ſchleunige Eröffnung der Luftröhre abgewendet werden. Die Operation wird am mittleren Theile des Halſes ge⸗ macht, und iſt ohne weitere Nachtheile. Hat nach mehrtägiger Kur die Heftigkeit der Zu— fälle etwas nachgelaſſen, iſt das Athmen freier und das Schlucken leichter geworden, ſo werden die Dunſt⸗ bäder ganz ausgeſetzt, und man macht jetzt allenfalls nur noch eine Einſpritzung in das Maul; welches auch ſchon deshalb gut iſt, um den reichlich angeſam⸗ melten und leicht ſtinkend werdenden Schleim zu ent⸗ fernen. Iſt die Geſchwulſt am Halſe, entweder von ſelbſt oder durch einen Einſtich, geöffnet, ſo ſorge man nur dafür, daß der Eiter freien Abfluß habe; die Hei⸗ lung der Wunde erſolgt dann ohne weiteres Zuthun. Während der Krankheit wird das Pferd nurallein mit flüſſigen Nahrungsmitteln ernährt; Schrottrank, Branntweinſchlämpe, Sauerteigwaſſer, oder Waſſer mit Kleie oder Oelkuchen ſind hier paſſend. b) Halsentzündung beim Rindvieh. Im allgemeinen kommt ſie nicht oft vor; ihre Zufälle ſind denen beim Pferde ſehr ähnlich. Gehindertes oder aufgehobenes Schlucken, röchelndes Athemholen, Zu⸗ rückfließen des Geſöffs durch die Naſenlöcher, ſteife Haltung des Kopfes und Fieber ſind auch hier die Hauptzeichen. Es hat ein öfteres Huſten ſtatt, aus dem Maule fließt viel zäher Geifer, in der Kehlgegend findet ſich eine ſchmerzhafte Geſchwulſt. Die Urſachen der Krankheit ſind im Allgemeinen dieſelben, wie beim Pferde; die Gefahr iſt hier ſo wie dort im Allgemeinen nicht ſehr beträchtlich, vorausgeſetzt, daß die Halsent⸗ zündung nicht etwa ein Symptom des Milzbrandes iſt, wo dann Gefahr, und im hohen Grade, vorhanden iſt(ſiehe den Artikel Milzbrand). Die Kur wird eben ſo beſorgt, als beim Pferde; häufige Ausſpritzungen des Maules, Bähungen, äußere Einreibungen in die Halsgegend, Klyſtire und flüſſi⸗ ges, weiches Futter ſind hier erforderlich. Bei augen⸗ ſcheinlicher Erſtickungsgefahr muß die Biferohre eröffnet 38 298 85. werden. Sind fremde, im Halſe ſtecken gebliebene Körper die Urſache der Halsentzündung, ſo ſuche man dieſe unter allen Umſtänden zu entfernen. c) Halsentzündung beim Schafe. Sie erſcheint nur ſelten, und iſt gewöhnlich in wenigen Tagen gehoben. Man macht einen Aderlaß von einem halben bis ganzem Pfund Blut, giebt vieles lauwar⸗ mes, ſchleimiges Getränk, und macht in die Kehlge⸗ gend eine Einreibung aus gleichen Theilen flüchtiger Salbe und Kienöl, nachdem zuvor die Wolle des Thei⸗ les abgeſchoren iſt. d) Halsentzündung beim Schweine. Dieſe Thiergattung wird nicht ſelten von der Halsent⸗ zündung befallen; es iſt Fieber vorhanden, angeſtreng⸗ tes und beſchwerliches Athemholen, Unvermögen zu ſchlucken, Hitze im Maule, und am Rüſſel ꝛc. Die Urſachen beſtehen meiſtens in Erkältung, weßhalb die Krankheit auch häufig bei naßkaltem Wetter und bei jähem Witterungswechſel erſcheint; auch das unvor⸗ ſichtige Eingeben von Arzneien kann die Krankheit zur Folge haben. Zur Heilung macht man einen ſtarken Aderlaß, reibt eine ſcharfe Salbe in die Kehlgegend ein, oder, und was noch beſſer iſt, man brennt hier mit einem glühenden Eiſen. Das Eingeben von Arzneien iſt, des erſchwerten Schluckens wegen, in der Regel unausführbarz ſollte es ſich aber thun laſſen, ſo giebt man fünf bis zehn Gran Brechweinſtein mit wenig Mehlwaſſer, und ſechs bis acht Stunden ſpäter ein halbes bis ein Quentchen Salpeter, mit drei bis vier Loth Glauberſalz, in dünnem Mehlwaſſer aufge⸗ löſt. Erſcheint die Halsentzündung, wie es zuweilen der Fall iſt, ausgebreitet unter ganzen Heerden, ſo giebt man als Präſervativ ein Brechmittel aus weißer Nieswurzel, zu zehn bis zwanzig Gran, hält die Thiere Wurm des Pferdes. warm und vor Regen und Näſſe geſchützt, und legt allenfalls an den Ohren ein Fontanell aus ſchwarzer Nieswurzel. Nicht zu verwechſeln mit der hier be⸗ ſchriebenen, gutartigen Halsentzündung iſt die bösar⸗ tige, welche eine Form des a. a. O. beſchriebenen Milzbrandes iſt. e) Halsentzündung beim Hunde. Der Hund läßt vom Freſſen, leidet an Uebelkeit oder Er⸗ brechen, würgt wiederholt, als ob er einen fremden Körper im Halſe ſtecken habe, kann nicht ſchlucken, liegt viel, hat rothe Augen, heiße Naſe, eine heiſere Stimme. Im hohen Grade der Krankheit hält der Hund den Kopf ſehr ſteif, athmet ſehr beſchwerlich mit offenem Maule, und aus dem Maule fließt viel zäher Speichel. Die Kur erfordert unter Umſtänden einen Aderlaß, ein Brechmittel aus zwei bis vier Gran Brechweinſtein in etwas Waſſer aufgelöſt. Sodann giebt man, im Falle das Schlucken noch nicht unmög⸗ lich iſt, alle zwei bis drei Stunden von folgender Mirtur einen bis zwei Eßlöffel voll ein: Brechweinſtein ein Gran, Salmiak ein Quentchen, Glauberſalz drei Loth, Fliederthee zwölf Loth. Aeußerlich reibt man täglich einige Male flüchtige Salbe ein, und ſpritzt das Maul mit einer erwärmten Miſchung aus Eſſig, Honig und Waſſer öfters aus. Während der Kur wird der Hund ruhig und warm gehaltenz zum Freſſen erhält derſelbe Milch, oder dünne Hafergrütze. Man hüte ſich wohl die Halsentzündung mit der ſtillen Wuth zu verwechſeln, denn bei dieſer Letzteren hat der Hund ebenfalls das Maul offen, geifert viel, er kann nicht ſchlucken, hat rothe Augen ꝛc. Es iſt deshalb hier große Vorſicht in Hinſicht der Beſtimmung der Krank⸗ heit(Diagnoſe) zu beobachten. 85. Wurm des Pferdes.(Tab. XV.) Der Wurm— Hautwurm, Purzel— giebt ſich durch Knoten und Beulen zu erkennen, welche an ver⸗ ſchiedenen äußeren Stellen des Körpers, unter der Haut, zum Vorſchein kommen. Am gewöhnlichſten erſcheinen die Wurmbeulen an den Lippen, an den Seitenflächen der Bruſt und des Halſes, und nachher an der inneren Fläche der Schenkel. Anfangs ſind ſie klein, wie eine Erbſe, vergrößern ſich aber raſch, und erreichen dann gewöhnlich den Umfang einer Haſelnuß bis Wallnuß. In dieſem Zuſtande ſind ſie dann 85. Wurm des Pferdes. äußerlich zu ſehen, oder doch mit den Fingern unter der Haut zu fühlen. Der Wurm hat nicht immer genau dieſelben Symptome, indeſſen ſind manche derſelben doch weſentlich und deshalb allemal zugegen. Gewöhnlich, wenn auch nicht immer, kündigt ſich der Eintritt des Wurms durch verſchiedene Vorläufer an. Das Pferd wird matt und träge, frißt ſchlecht, hat ſtruppiges Haar, das Haar geht leicht aus ꝛc. Im Falle einer der Schenkel zuerſt von Wurmbeulen be— fallen wird, bemerkt man in der Regel Anfangs ein Hinken und einen geſpannten Gang, und das Bein ſchwillt an. Das erſte weſentliche Zeichen des Wurms iſt das Erſcheinen von kleinen Knoten und Beulen unter der Haut; Anfangs ſind dieſe Knötchen klein, entzündet und beim Drucke auf ſie ſehr empfindlich; ſpäter, und bei ihrer Vergrößerung, werden ſie dann ſchmerzloſer. Obſchon es kaum einen äußeren Theil des Körpers giebt, an welchem die Wurmbeulen nicht zum Vorſchein kommen könnten, ſo treten ſie doch gewöhnlich und am häufigſten an den ſchon oben ge⸗ nannten Stellen auf. Anfangs erſcheinen in der Re⸗ gel nur einzelne Beulen, deren Zahl ſich nach und nach, immer aber ziemlich ſchnell, zu vermehren pflegt.— Gewöhnlich ſind die Wurmbeulen, und dieſes i*ſt ganz eigenthümlich, der Länge nach in einer mehr oder minder geraden Linie an einander gereihet; und durch einen ſtrangförmigen, ſicht⸗ und fühlbaren Körper mit einander verbunden. Dieſe ſtrangförmige Ge⸗ ſchwulſt iſt ein entzündetes und deshalb angeſchwolle⸗ nen Lymphgefäß, welches eine verſchiedene Dicke er⸗ reicht; wie eine Federpoſe oder wie auch ein Finger. Die ganze Geſchwulſt erhält auf die angegebene Weiſe ein ganz eigenthümliches Anſehen, ähnlich einer Perlen⸗ ſchnur oder einem Knotenſtocke. Zuweilen indeſſen wird dieſe ſchnur⸗ oder kettenartige Verbindung der ein⸗ zelnen Wurmbeulen vermißt; ſie ſtehen dann einzeln oder in Gruppen gehäuft. Die ausgebildeten Wurmbeulen ſind rund, be— trächtlich hart, wenig empfindlich oder ganz ſchmerzlos; ſie ragen als Beulen über die Oberfläche der Haut hervor, oder ſie liegen tiefer, und können dann nur durch das Gefühl entdeckt werden. Oft iſt die Umgegend der Wurmbeulen ſehr entzündet und angeſchwollen, beſon⸗ ders an den Schenkeln, auch an den Lippen; manch— mal fehlt dieſe Entzündung aber auch ganz. Früher oder ſpäter, in zwei bis drei Wochen, oder erſt nach eben ſo viel Monaten, gehen die Wurmbeulen in Eite⸗ 299 rung über, und ſind ſie ſehr oberflächlich gelegen, ſo brechen ſie auf. In dieſem Falle werden die auf den Beulen befindlichen Haare durch eine zähe Feuchtigkeit verklebt, auf der Spitze der Geſchwulſt zeigt ſich eine kleine Oeffnung, aus welcher eine zähe, jauchige Ma— terie ausfließt. Es bildet ſich ein Geſchwür, welches nach und nach an Umfang zunimmt, und ein Wurmige⸗ ſchwür genannt wird; daſſelbe hat aufgeworfene, wulſtige Ränder, iſt ausgehöhlt, von bleicher, violet⸗ ter Farbe.— Befinden ſich viele Wurmgeſchwüre dicht neben einander, ſo fließen ſie leicht zu einem einzigen zuſammen, indem ganze Hautſtücke ausfallen. Das Geſchwür ſondert eine üble Materie ab, welche blutig, flockig, mißfarbig und ſo ätzend iſt, daß die benach⸗ barten Haare ausfallen(Fig. 9.). Die Eiterung der Beulen tritt in derſelben Reihefolge ein, in der ſie entſtanden ſind; auf dieſe Weiſe ſieht man Geſchwüre und Beulen meiſt neben einander. Zuweilen geht die Wurmbeule, wenn ſie tief unter der Haut liegt, nicht in ein Geſchwür über, indem ſie nicht aufbricht, ſon⸗ dern einen dicken Eiter in ſich eingeſchloſſen behält. Mit der Eiterung der Wurmbeulen pflegen ſich Ge— ſchwulſt, Spannung und Hitze der befallenen Theile mehr oder weniger zu verlieren; eben ſo verſchwinden dann gewöhnlich die ſtrangartigen Geſchwülſte. Sind nur wenige Wurmbeulen vorhanden, ſo er— ſcheint das Pferd außerdem nicht ſichtbar krank; ſind jedoch die Beulen in Maſſe vorhanden, und zugleich irgend eine bedeutende Geſchwulſt, ſo fiebert das Thier, und iſt entſchieden und allgemein krank. Der Wurm kann in Heilung übergehen oder in den Tod; in letz⸗ terem Falle nehmen die Beulen und Geſchwüre an Zahl und Umfang zu; die Geſchwüre füllen ſich mit wildem Fleiſche, bluten leicht, und ſondern eine freſſende, ſtinkende Jauche ab; es fallen ganze Haut— ſtücke aus, und oft bilden ſich hohle und weite Gänge unter der Haut. Der von Geſchwüren befallene Theil ſchwillt immer mehr an, erlangt ein unförmiges An⸗ ſehen, ein kurzer und trockner Huſten ſtellt ſich ein, das ſtruppige und glanzloſe Haar fällt leicht aus, der Appetit iſt gering, die Beine und der Schlauch ſchwel⸗ len an, aus der Naſe fließt eine ſtinkende Jauche, es bilden ſich Geſchwüre auf der Schleimhaut der Naſe, es tritt Faulfieber hinzu, worauf der Tod bald nach⸗ folgt. Der Wurm iſt von ſehr verſchiedener Dauer; in den gelinderen Fällen kann er mehrere Mionat zugegen 300 85. Wurm des Pferdes. ſein, in bösartigeren Fällen aber auch ſchon in weni⸗ gen Wochen tödtlich werden. Man muß ſich wohl hüten, den Wurm mit einigen anderen Beulen und Knoten auf der Haut zu verwechſeln; namentlich mit jenen, welche durch Stiche verſchiedener Inſekten, beim Neſſelfieber und bei einigen Hautkrankheiten zuweilen erſcheinen. Die meiſte Anlage zum Wurm haben gemeine und unedle Pferde; dann ſehr alte, abgemergelte und ma⸗ gere Thiere, welche vielleicht außerdem noch an einer allgemeinen oder örtlichen Krankheit leiden. Die Ur⸗ ſachen ſelbſt ſind ſehr zahlreich; bösartige Druſe und Rotz, verſchlagene Druſe, veraltete Räude, große Ei⸗ terungen, Widerrüſt⸗ und Hufſchaden und Erkältungen ſind hier beſonders anzuführen. Der Wurm iſt in ſeiner wahren Natur mit dem Rotze nahe verwandt; beide Krankheiten unterſcheiden ſich faſt allein durch die Verſchiedenheit ihres Sitzes, denn man kann durch Impfung mit Rotzmaterie den Wurm und durch Wurm⸗ eiter den Rotz faſt jedesmal ſicher hervorbringen. Außerdem wird ein rotziges Pferd zuletzt faſt allemal wurmig, und ein wurmiges Pferd zuletzt rotzig. Der Wurm iſt daheranſteckend, und erheiſcht dieſelben Vor⸗ ſichtsmaßregeln als der Rotz; ob aber nur allein der Wurmeiter oder auch der Athem, Schweiß ꝛc. an⸗ ſteckende Eigenſchaften haben, iſt noch nicht ſicher aus⸗ gemacht. Der Wurm iſt eine ſehr gefährliche Krankheit, und nicht viel günſtiger als der Rotz; die Heilung gelingt gewöhnlich nur dann, wenn das Pferd jung und krãf⸗ tig iſt, und nicht zu zahlreiche Wurmbeulen vorhanden ſind. Verfallen alte, magere Stücke in den Wurm, ſo ſind ſie meiſtens verloren. Zuweilen iſt auch die Heilung nur ſcheinbar, und der Wurm kommt ſpäter, allenfalls auch unter der Form des Rotzes, wieder zum Vorſchein. Die Behandlung hat es mit der Kur der Wurmbeule und Geſchwüre zu thun, dann aber auch mit der Verbeſſerung des allgemeinen Geſundheitszu⸗ ſtandes. Innerlich giebt man reizende und ſtärkende Mittel, in Verbindung mit ſolchen, welche die Säfte verbeſſern, z. B. folgende Latwerge: Spießglanzmoor und Ingwer von jedem drei Loth, Genzian- und Kal⸗ muswurzel von jedem acht Loth, Wachholderbeeren zwölf Loth, Mehl und Waſſer ſo viel als erforderlich i*ſt. Dieſe Quantität verbraucht man in vier bis ſechs Tagen, macht dann eine Pauſe von etwa ſechs bis acht Tagen, und wiederholt die Arznei nochmals. Sollte ſie erfolglos ſein, ſo kann man ſich folgender Miſchung bedienen: Schwefeleiſen und Spießglanz von jedem ſechs Loth, gekochter Terpentin drei Loth, Kalmuswurzel und Wermuthkraut von jedem acht Loth, Mehl und Waſſer ſo viel als nöthig. Auch dieſe Latwerge kann, unter Umſtänden und nach einer gemachten Pauſe, wiederholt gegeben werden. Da der Wurm meiſtens langwierig in ſeinem Verlaufe und hartnäckig bei der Kur iſt, ſo ſind die Mittel immer ziemlich andauernd zu gebrauchen. In Eng⸗ land ſoll folgende Pille beim Wurm beſonders gün⸗ ſtige Dienſte geleiſtet haben: Zehn Gran Canthariden⸗ pulver, Kümmel und Genzianwurzel von jedem zwei Quentchen, werden mit Mehl und Waſſer zur Pille gemacht, und acht Tage lang hintereinander erhält das Pferd täglich eine ſolche Pille; dann wird das Mittel acht Tage lang ausgeſetzt und dann abermals, ſelbſt zum dritten Male, gegeben. Damit die Canthariden in den Pillen den Hals des Pferdes nicht anfreſſen, müſſen die Pillen mit einem dicken Mehlbrei überzogen und vor dem Eingeben getrocknet werden. Faſt eben ſo wichtig als die innere Kur des Wur⸗ mes iſt die äußere. Entſtand der Wurm durch offen⸗ bar äußere Urſachen, z. B. durch einen böſen Wider⸗ rüſtſchaden oder durch ein Hufgeſchwür, ſo muß ſofort eine paſſende Kur dieſer Fehler eintreten, wie ſie a. a. O. angegeben worden iſt. Auf alle noch nicht auf⸗ gebrochene Wurmbeulen wird ſogleich eine ſcharfe Salbe eingerieben, wozu man ſich der bei der Stoll⸗ beule vorgeſchriebenen Miſchung bedienen kann. Das Mittel wird nicht nur auf die einzelnen Beulen, ſon⸗ dern auch auf die ſtrangartigen Geſchwülſte aufgetra⸗ gen. Findet es ſich, daß nach zehn bis vierzehn Ta⸗ gen die Beulen und Stränge noch nicht verſchwunden ſind, ſo wird die Einreibung wiederholt. Bei Wurm⸗ beulen, welche tief unter der Haut liegen, gelingt hierdurch die Zertheilung jedoch nur ſelten; man muß dieſe dann ſpäter mit einem ſchmalen Meſſer aufſtechen, und den in ihnen enthaltenen Eiter ausdrücken. Ha⸗ ben die Beulen an den Lippen, an dem Schlauche oder Euter ihren Sitz, dann iſt die ſcharfe Salbe un⸗ paſſend; hier reibt man dann beſſer eine Miſchung aus grauer Merkurialſalbe und Rüböl, von jedem drei Loth, jodſaurem Kali zwei Quentchen, täglich zwei bis drei Mal ein. Bei vorhandener, beträchtlicher Ge⸗ ſchwulſt, zumal an den Schenkeln, muß zunächſt die allgemeine Entzündung durch häufige Waſchungen und 86. Einſchuß des Pferdes. Bähungen mit lauwarmen Flüſſigkeiten„ ſo viel wie möglich, zertheilt und vermindert werden; ſpäter findet dann die ſcharfe Salbe auch hier ihre Anwendung. Die Behandlung der bereits aufgebrochenen Wurm— beulen, alſo der Wurmgeſchwüre, richtet ſich nach den jedesmaligen Umſtänden. Bietet der von Wurmbeu⸗ len befallene Theil die Zufälle von beträchtlicher Hitze, Geſchwulſt, Spannung und Schmerzhaftigkeit dar, ſo muß man zuvörderſt dieſe Symptome durch häufige Bähungen mit Branntweinſchlempe, Kleienwaſſer oder Heuſamenaufguß zu beſeitigen oder doch zu mäßigen ſuchen. Bei der Kur der Geſchwüre kommt es weſent— lich darauf an, daß das Geſchwür in eine gutartige Eiterung und dadurch zur Vernarbung und Heilung gebracht werde. Hierzu dienen täglich drei Mal wie⸗ derholte Waſchungen mit einer Auflöſung von zwei Loth Chlorkalk in einem Quart Waſſer, oder von einem halben Quentchen Sublimat in einem Quart Kalk⸗ waſſer. Wie auch immer die Beſchaffenheit der Ge⸗ ſchwüre ſein mag, ſo iſt es ſtets gut, dieſelben täglich einmal mit einer Auflöſung von Chlorkalk in Waſſer zu befeuchten, denn dadurch wird dem Eiter ſogleich ſeine bösartige Beſchaffenheit genommen, auch verliert ſich der etwa vorhandene, üble Geruch deſſelben auf der Stelle. Vor Anwendung der Arzneimittel werden die Geſchwüre und die umgränzende Haut durch war— mes Seifenwaſſer vom angetrockneten Eiter ꝛc. gerei⸗ nigt. Haben die Geſchwüre ſehr aufgeworfene Rän⸗ der, und befindet ſich wildes Fleiſch in denſelben, ſo befeuchtet man ſie täglich zwei Mal mit einer Mi⸗ ſchung aus einem Theile Schwefelſäure und fünf Thei⸗ len Waſſer; oder man ſtreut in ſie gebrannten Alaun, Chlorkalk, Zinkvitriol ꝛc. Schneller erreicht man den Zweck, wenn man die Geſchwüre bis zum geſunden 86. Der ſogenannte Einſchuß oder die hitzige Schen⸗ kelgeſchwulſt des Pferdes gehört zu den weniger häu⸗ figen Krankheiten; gewöhnlich entſteht derſelbe unver⸗ muthet und ohne bekannte Urſachen ſehr raſch, mei⸗ ſtens in einer einzigen Nacht. Einer der Hinterſchenkel, 301 Grunde mit einem glühenden Eiſen, welches ſpitz, knopfförmig oder birnförmig ſein muß, je nach der Form des Geſchwüres, ſtark ausbrennt und hierauf ſpäter nur allein mit Chlorwaſſer befeuchtet. Haben ſich Kanäle unter der Haut gebildet, ſo ritzt man dieſe auf, und verſchafft dadurch dem angeſammelten Eiter freien Abfluß. Sind, wie dieſes nicht ſelten beim Wurme vorkommt, die Achſel⸗ oder die Leiſtendrüſen angeſchwollen, ſo werden dieſe täglich zwei Mal mit einer Salbe aus zwei Quentchen jodſaurem Kali und grauer Merkurialſalbe und Rüböl, von jedem zwei Loth, eingerieben. Eiterbänder und Fontanelle, ſo wie Aderläſſe und Laranzen, von denen ſo oft bei dem Wurm Gebrauch gemacht wird, ſind in den allermei⸗ ſten Fällen entſchieden ſchädlich und außerdem in kei— nem Falle nothwendig. Nicht ohne Wichtigkeit end⸗ lich iſt noch eine paſſende Pflege des Kranken. Da der Wurm anſteckend für andere Pferde iſt, ſo wird der Kranke von jeder Berührung und Gemeinſchaft mit ihnen ausgeſchloſſen; das Pferd wird möglichſt warm und in trockener Luft gehalten; Kälte und Näſſe ſchaden unfehlbar. Häufiges Putzen und Frottiren der nicht befallenen Hautſtellen, das Belegen mit einer wollenen Decke, Ruhe oder eine mäßige Bewe⸗ gung im Schritt bei heiterem Wetter ſind der Heilung förderlich. Sind die Beulen oder Geſchwüre in nur geringer Anzahl vorhanden, ſo kann das Pferd allen— falls zu einiger Arbeit verwendet werden. Gutgenährte und junge Pferde erhalten Grünfutter, Kleie, und nur wenig Körner und Heu; ältere und weniger gut ge⸗ nährte Thiere erhalten reichliches und nahrhaftes Fut⸗ ter, als Körner ꝛc. Im Allgemeinen iſt eine ſehr gute und nährende Fütterung beſſer, als eine knappe und karge. Einſchuß des Pferdes. ſelten beide Schenkel, wird von einer heftigen Entzün⸗ dung befallen, welche mit Hitze, bedeutender Ge⸗ ſchwulſt und auffallend heftigen Schmerzen verbunden iſt. Das Pferd hat Fieber, frißt wenig oder gar nicht, legt ſich nicht nieder, und ſcheut jede Bewegung 30² mit dem kranken Beine. Drückt man mit den Fingern an den inneren Theil des geſchwollenen Oberſchenkels, ſo äußert das Pferd die heftigſten Schmerzen; es hebt das Bein ſeitlich in die Höhe, und dieſes oft ſo weit, daß es dem Umfallen nahe iſt. Vorzugsweiſe iſt die innere Fläche des Oberſchenkels, bis zum Bauche hin⸗ auf, geſchwollen und entzündet, und in der Regel fühlt man in der Längsrichtung des Schenkels einige ſtrang⸗ artige Anſchwellungen, welches die dort gelagerten und entzündeten Venen, vielleicht auch Lymphgefäße, ſind. Das Uebel hat viele Aehnlichkeit mit dem Wurm, und kann leicht damit verwechſelt werden; der Mangel an Wurmbeulen jedoch, das überaus raſche Erſcheinen der Geſchwulſt und die Beobachtung des weiteren Verlaufes der Krankheit wird die Unterſcheidung mög⸗ lich machen. Das Uebel iſt ſehr ſchmerzhaft und zuweilen etwas hartnäckig in ſeiner Beſeitigung, ſonſt aber im Allge⸗ meinen nicht gefährlich und auch meiſtens heilbar. Iſt das Pferd gut genährt, ſo macht man, um die Heftigkeit der Entzündung dadurch herabzuſtimmen, ſogleich einen Aderlaß von acht, zehn bis zwölf Pfund Blut, und giebt innerlich eine Laxanz aus zwei bis drei Loth Aloe mit zwölf bis ſechzehn Loth Glauber⸗ ſalz, mit Mehl und Waſſer zur Latwerge gemacht. Futter erhält das Pferd nur wenig; am beſten Grün⸗ futter, Stroh, Kleie ꝛc.; Körner und Heu gar nicht, oder doch nur in ſehr geringer Menge. Der geſchwol⸗ 87. Schnupfen der Schweine. lene Schenkel, zumal ſeine innere obere Fläche wird alle halbe Stunden, und ſelbſt noch öfterer, mit lau⸗ warmen, ſchleimigen Flüſſigkeiten befeuchtet und ge⸗ bähet; man wählt hierzu Abkochungen von Leinſa⸗ men, Branntweinſchlämpe, Aufgüſſe von heißem Waſſer auf Kleie, Heuſamen oder Kamillenblumen. Abends werden die Bähungen eingeſtellt, und die ganze innere Fläche des Schenkels recht dick mit folgender Miſchung beſtrichen; Bleizucker zwei Loth, graue Mer⸗ kurialſalbe vier Loth, Rüböl acht Loth. Das ange⸗ gebene äußere Verfahren wird vier bis ſechs Tage hin⸗ durch beobachtet, worauf dann in der Regel, wenn auch noch nicht völlige Heilung, ſo doch entſchiedene Beſſerung eingetreten ſein wird. Sollte dieſes nicht der Fall ſein, ſo können die Laxanzen in ganzer und der Aderlaß in etwas geringerer Stärke wiederholt werden. Anfangs, und ſo lange das Pferd den Schen⸗ kel nur unter großen Schmerzen bewegen und kaum beugen kann, bleibt das Pferd ruhig im Stalle; ſpä⸗ ter kann daſſelbe, jedoch ohne Zwang, etwas im Schritte herumgeführt werden. Iſt eine paſſende Weide in der Nähe, ſo kann das Pferd den Tag hin⸗ durch auf dieſe gegeben werden. Häufig bleibt noch lange Zeit einige Geſchwulſt des krank geweſenen Schenkels zurück, welche ſich aber nach und nach ver⸗ liert, wenn das Pferd in der Arbeit oder auf der Weide viele Bewegung hat.— 87. Schnupfen der Schweine. Dieſe Krankheit befällt die Schweine ſehr oft; ſie iſt meiſtens nicht gefährlich, kann aber zu Zeiten, unter beſonders ungünſtigen Umſtänden zu langwierigen Krankheiten und durch ſie zum Tode des Thieres füh⸗ ren. Das ſchnupfige Schwein hat Hitze, viel Durſt, frißt ſchlecht, hat rothe Augen, etwas Huſten, aus der Naſe und auch aus den Augen fließt viel Schleim, wodurch Naſenlöcher und Augen meiſtens verklebt wer⸗ den. Dieſe Zufälle dauern aber in der Regel nur kurze Zeit; Munterkeit und Appetit kehren bald zurück, der Ausfluß aus Naſe und Augen verliert ſich nach und nach, und in acht bis vierzehn Tagen iſt das Schwein wieder geſund. Unter gewiſſen ungünſtigen äußeren Umſtänden kann der Schnupfen eine üble Wendung nehmen, be⸗ ſonders bei elenden und mageren Schweinen, die viel⸗ leicht durch weite Transporte geſchwächt ſind ꝛc. Der Naſenausfluß wird dann langwierig, er wird eiterartig und übelriechend, es ſtellt ſich ein ſchwacher Huſten ein, Rüſſel und Auge ſind verklebt, das Athmen iſt angeſtrengt, der Appetit iſt gering, das Thier wird 87. Schnupfen der Schweine. äußerſt mager und kraftlos, und krepirt an Lungen⸗ ſchwindſucht. Manchmal verſchwindet der Naſenausfluß, und es erſcheinen, wie bei der Druſe des Pferdes, an ver⸗ ſchiedenen Körperſtellen Beulen, welche in Eiterung übergehen, und dann zuheilen, oder auch bösartige Geſchwüre bilden. Andere Male entſteht bei fort⸗ dauerndem Naſenfluſſe eine bedeutende Auflockerung der Naſenſchleimhaut, wobei die Thiere ſchnaufend und mit Mühe athmen oder ſchnüffeln, weßhalb man dieſe Krankheit hier und da auch wohl die Schnüffel⸗ krankheit genannt hat. Später ſchwillt der Rüſſel an, die Geſchwulſt verbreitet ſich weiter über den Kopf, ergreift die Augenlider, ſo daß ſie ganz zuſchwellen; auch der Hals ſchwillt an, und der Kopf erhält ein unförmiges Anſehen. Der Naſenausfluß wird blutig, es erfolgt öfters Naſenbluten, das Thier wird elend und kraftlos, und geht zuletzt zu Grunde. Die Urſachen des Catarrhs im Allgemeinen ſind Erkältungen aller Art, weßhalb derſelbe auch am häufigſten im Herbſte und Frühjahre vorkommt, be⸗ ſonders bei Schweinen, welche von Händlern in jedem Wetter im Lande umhergetrieben werden. Näſſe und Regen, der Aufenthalt in feuchten und ſchmutzigen Ställen ꝛc. ſind ebenfalls hierher zu rechnen. Magere Schweine, welche noch im Wachſen ſind, werden am leichteſten befallen. Ueber die Urſachen der ſogenann⸗ ten Schnüffelkrankheit iſt bisher nichts bekannt. In einzelnen Gegenden iſt ſie häufig, in anderen faſt un⸗ bekannt; es muß daher wohl an Lokalität und Klima, auch wohl an der Fütterungsweiſe liegen. Der einfache Schnupfen iſt nicht gefährlich, ſon⸗ dern ſogar eine eher unbedeutende Krankheit; bei lan⸗ ger Dauer, Abmagerung, häufigem und kraftloſen Huſten ꝛc. iſt aber die Ausſicht ſehr ungünſtig. Die Schnüffelkrankheit iſt gewöhnlich tödtlich, ſo auch bei langwierigem Schnupfen, wo viele Beulen und Ge⸗ ſchwüre auffahren, und das Schwein elend und mager wird. 303 Die Behandlung richtet ſich nach dem Grade der Krankheit. In den gelinderen Fällen iſt nichts weiter nöthig, als das Schwein warm und trocken zu halten, mit warmen Brühtränken zu füttern, und, wenn Ver⸗ ſtopfung vorhanden iſt, eine Abführung aus drei bis ſechs Loth Glauberſalz in Waſſer aufgelöſt zu geben. Auch ein Brechmittel iſt zuweilen im erſten Anfange der Krankheit von gutem Erfolge. Iſt der Schnupfen ſchon langwierig geworden, und Abmagerung einge⸗ treten, ſo füttert man Schrot, Milch, Mehlſuppen und überhaupt ſtark nährende Futterſtoffe. Innerlich giebt man eine Latwerge aus: Spießglanz— ein Loth, Fenchel und Calmuspulver— von jedem drei Loth, mit Mehl und Waſſer, und in ſechsunddreißig bis acht⸗ undvierzig Stunden. Iſt anhaltender Huſten vorhan— den, ſo ſetzt man der Latwerge ein bis ein und ein halbes Loth Salmiak zu. Im Stalle kann man alle paar Tage Räucherungen aus Theer oder Wachholder⸗ reiſig machen. Iſt ſchon eine entſchiedene Lungen⸗ ſchwindſucht eingetreten, ſo ſind alle Hülfsmittel ver⸗ gebens. Etwa vorhandene Beulen, wenn ſie reif ſind und Eiter enthalten, werden geoͤffnet, Geſchwüre mit Chlor⸗ waſſer befeuchtet, oder auch mit einem glühenden Ei⸗ ſen leicht gebrannt. Sind die Beulen noch nicht reif und nicht weich, ſo ſtreicht man heißen Theer auf die⸗ ſelben. Die Schnüffelkrankheit iſt meiſtens unheilbar, und nur zu Anfange der Kranheit kann man mit einiger Ausſicht einen Kurverſuch machen. Anfangs giebt man ein Brechmittel aus fünf bis zehn Gran Brech⸗ weinſtein in Waſſer gelöſet, an den Seiten des Hal⸗ ſes macht man eine ſcharfe Einreibung, oder man legt ſtatt deſſen vor die Bruſt ein Fontanell. Das Schwein muß trocken und reinlich, aber nicht zu warm gehalten und mit nahrhaften Futter ernährt werden; Schrot⸗ tränke, Mehlſuppen, auch ſaure Milch, Kartoffeln und Grünes ſind paſſend. 304 88. Augenkrankheiten im Allgemeinen. SS. Augenkrankheiten im Allgemeinen. In praktiſcher Beziehung kommen vorzüglich nur die Augenkrankheiten des Pferdes in Betracht; ſie ver⸗ mindern deſſen Brauchbarkeit und ſomit den Werth oft ſehr bedeutend. Bei den übrigen Hausthieren erſcheinen die Augenkrankheiten theils ſeltener, theils ſchaden ſie hier weniger, weil das Thier gemäſtet und geſchlachtet werden kann. Es ſollen daher hier vor⸗ züglich auch nur die Augenkrankheiten des Pferdes betrachtet, und zum beſſeren Verſtändniſſe eine kurze Beſchreibung des anatomiſchen Baues des Auges vor⸗ angeſchickt werden. Das Auge hat in der Augenhöhle ſeine Lage, und i*ſt durch Knochen, welche daſſelbe rings umgeben, vor aͤußeren Verletzungen ſo viel als möglich geſchützt. Es finden ſich an demſelben zwei Augenlider; das obere iſt länger, und hat an ſeinem Rande mehrere Reihen ſteifer Haare, die Augenwimpern;z an dem un⸗ teren, kürzeren Augenlide ſind dieſe Haare dünner. Aus der Vereinigung beider Augenlider gehen der innere und äußere Augenwinkel hervor; in dem erſteren findet ſich ein kleiner warzenartiger Körper, die Thränenka⸗ runkel(Fig. I. d.). Auf der Seite der Augenhöhle und im inneren Augenwinkel findet ſich ein breiter und etwas ausgehöhlter Knorpel; der Blinzknorpel, Nagel oder die Nickhaut, welcher vor und über den Augapfel tritt, wenn ſich ein fremder Körper auf demſelben befindet; außerdem tritt dieſer Knorpel her⸗ vor, wenn das Auge entzündet iſt; oder wenn man einen ſtarken Druck auf die Ränder der Augenlider ausübt. Der Augapfel ſelbſt liegt in der Tiefe der Augenhöhle, ſo daß nur ein kleiner Theil deſſelben nach außen ſichtbar iſt; er iſt von faſt runder Form, und beſteht aus verſchiedenen Häuten, welche durch— ſichtige Flüſſigkeiten einſchließen. Der hintere Theil des Augapfels wird von vier Muskeln umfaßt(Fig. 2. ccc.), welche ſeine Bewegung vermitteln, und ihn außerdem mit in der Augenhöhle feſthalten helfen. Die Häute des Auges ſind folgende: a) Die weiße oder undurchſichtige Hornhaut; ſie nimmt den größeren Theil des äußeren Umfangs des Auges ein(Fig. 2. b.); vorn hat ſie eine ovale Oeffnung, in welcher ſich die durchſichtige Hornhaut(Fig. 2. a. Fig. 1. a.) befindet, wodurch die Kugelform des Auges geſchloſſen wird. Die undurchſichtige Hornhaut iſt ſtark und dick, wie ein ſtarker Meſſerrücken. b) Die durchſichtige Hornhaut iſt gewölbt, wie ein Uhrglas, völlig durchſichtig, und beſteht aus mehreren Blättern, obſchon dieſes nicht ſichtbar iſt. c) Die Aderhautbz ſie iſt eine dünne, ſchwarze Haut, welche an der innern Fläche der undurchſichtigen Hornhaut liegt, und hat einen bläulichen oder grünlichen Schim⸗ mer. d) Die Regenbogenhaut(Fig. 4. e.); ſie iſt quer durch die ganze Höhle des Augapfels aus⸗ geſpannt, wodurch dieſe in zwei Kammern, die vordere und die hintere Augenkammer getrennt wird. Ihre hintere Fläche iſt mit der ſchwarzen Aderhaut verbun⸗ den; in ihrer Mitte befindet ſich eine ovale Oeffnung, der Stern oder die Pupille(Fig 4. f.), welche ſich erweitert oder verengt, je nachdem mehr oder weniger Licht in's Auge fällt. Am oberen Rande der Pupille hängen einige ſammtſchwarze Kügelchen, die Trauben⸗ körner, in die Oeffnung der Pupille herab. Die Farbe der Pupille iſt meiſtens dunkelbraun, zuweilen auch weiß, bei den ſogenannten Glasaugen. e) Die Netz⸗ hautb; ſie entſteht aus dem Sehnerven(Fig. 3. a.), welcher, aus dem Gehirn kommend, den hinteren Theil des Augapfels durchbohrt, hier ſich zu einer ſehr dün⸗ nen Hautausbreitet, und ſich auf die innere Fläche der Aderhaut anlegt. Von dieſen verſchiedenen Häuten ſind mehrere durchſichtige Feuchtigkeiten eingeſchloſſen. f) Die wäſſerige Feuchtigkeit; ſie füllt die vordere Augenkammer(Fig 5. g.) aus, und liegt zwiſchen der durchſichtigen Hornhaut und der Regen⸗ bogenhaut. g) Die Kryſtalllinſez ſie iſt platt rundlich, völlig durchſichtig, liegt dicht hinter der Pu⸗ pille(Fig. 5. e.) in der hinteren Augenkammer. Sie ſtellt eine ziemlich feſte, gallertartige Maſſe dar, und wird von einer eigenen, durchſichtigen Haut, der Lin⸗ ſenkapſel, eingeſchloſſen. Den übrigen großen Raum der hinteren Augenkammer füllt der Glaskörper aus Fig. 5. d.). a) Augenkrankheiten des Pferdes. aa) Gewöhnliche Augenentzündung. Das Auge iſt entweder gänzlich geſchloſſen oder daſſelbe 88. Augenkrankheiten im Allgemeinen. wird doch nur wenig geöffnet; die Augenlider ſind angeſchwollen, heiß und gegen jede Berührung ſehr empfindlich, es findet ein häufiges Thränen derſelben ſtatt; öffnet man das Auge, ſo erſcheinen die Augen⸗ lidränder und die Nickhaut hochroth und angeſchwol⸗ len, und das Weiße im Auge iſt mit vielen rothen Adern bedeckt. Die durchſichtige Hornhaut bleibt mei⸗ ſtens klar und durchſichtig. Die Urſachen dieſer ein⸗ fachen Augenentzündung beſtehen gewöhnlich in äuße⸗ ren, mechaniſchen Schädlichkeiten, z. B. Stößen und Schlägen auf das Auge. Bei der Kur verfährt man wie folgt: Es wird eine Compreſſe von vielfach zu⸗ ſammengelegter Leinwand ſo auf dem kranken Auge haltbar gemacht, daß ſie daſſelbe bedeckt, und in Form einer Gardine über daſſelbe herabhängt, ohne dabei zu drücken. Dieſe Bandage wird alle halben Stun⸗ den, und ſelbſt noch öfterer, mit möglichſt kaltem Waſſer befeuchtet, und zwar wenigſtens drei bis vier Tage hindurch. Sehr gut genährten Pferden kann auch ein Aderlaß gemacht werden; das Pferd wird in einen finſtern oder doch nicht zu hellen Stall geſtellt, und knapp gefüttert. Iſt die Geſchwulſt bedeutend gerin⸗ ger geworden, und öffnet das Pferd das Auge wieder in etwas, ſo nimmt man jetzt die Bandage fort, rei⸗ nigt das Auge mit lauwarmem Waſſer und einem Schwamme oder einem Stückchen feiner Leinwand, und wendet folgendes Augenwaſſer an: Zinkvitriol ein Viertel⸗Quentchen, Opiumtinktur zwei Quentchen, Waſſer ein halbes Quart. Mit dieſem Waſſer wird das Auge täglich drei bis vier Mal und bis zur erfolg⸗ ten Heilung befeuchtet, entweder mit einem feinen Läppchen oder mit einem kleinen Schwamme. bb) Katarrhaliſche Augenentzündung. Dieſe Entzündung kommt faſt allein in Verbindung mit der Druſe vor, meiſtens auf beiden Augen zu⸗ gleich. Es ſind ſo ziemlich alle die Zeichen, als bei der gewöhnlichen Augenentzündung, vorhanden,— das Auge ſchwimmt in Thränen, und im inneren Augen⸗ winkel ſammelt ſich Schleim an. Die Urſachen beſte⸗ hen lediglich in Erkältung. Die Heilung erfolgt ge⸗ wöhnlich ganz von ſelbſt, auch ohne weitere Hülfe. Man vermeide die Anwendung kalten Waſſers, reinige das Auge öfters mit lauem Waſſer vom anklebenden Schleime, und halte das Pferd warm und im Stalle. cc) Mondblindheit, Monatsblindheit oder periodiſche Augenentzündung. Dieſe Entzündung des Auges iſt eine im hohen Grade bös⸗ Wagenfeld, Encyel 305 artige, denn ſelten hat ſie einen anderen Ausgang, als den in totale Blindheit, und zwar durch den grauen Staar. Gewöhnlich entſteht die Mondblindheit plötz⸗ lich, oft während Einer Nacht. Es ſind bei ihr die allgemeinen Zeichen der Entzündung zugegen, die Au⸗ genlider ſind entzündet und geſchwollen, heiß, und aus dem Auge fließen ſo reichlich Thränen, daß die Wange davon benetzt erſcheint. Das Pferd empfindet die hef⸗ tigſten Schmerzen, ſenkt den Kopf, iſt traurig, ſchließt das Auge fortwährend; öffnet man das Auge, ſo ſtürzt ein Strom von Thränen hervor, die Nickhaut und die innere Fläche der Augenlider ſind hochroth, die Hornhaut iſt weißlich und getrübt, und am unteren Rande der vorderen Augenkammer findet ſich ein gelb⸗ liches Weſen, welches wie Eiter ausſieht, oder Flocken darſtellt. Dieſes letztere Zeichen iſt charakteriſtiſch für dieſe Mondblindheit. In der Regel verſchwinden nach und nach alle Krankheitszeichen vollkommen, und das Auge erſcheint dann wieder ſcheinbar ganz geſund; in unbeſtimmter Zeit, in zwei bis ſechs Wochen, kehrt aber der Anfall zurück, verſchwindet abermals, um ſpäter nochmals wiederzukehren, wo dann das Auge nach und nach vom grauen Staar befallen und blind wird. In der Regel wird Anfangs nur Ein Auge befallen; iſt die Entzündung gewichen, ſo wird auch das andere Auge krank, und dieſes wechſelt ſo fort, bis Blindheit beider Augen eingetreten iſt. Große Anlage zu der Mondblindheit geben kleine, tiefliegende, ſogenannte Schweinsaugen, welche einen matten Glanz haben. Pferde mit dicken und kurzen Köpfen, runden und platten Jochleiſten, aufgedunſe⸗ nen und ſchlaffen Augenlidern, mit ſchwerem Halſe, von grobem Baue ꝛc. ſind beſonders dazu disponirt. Dann erbt ſich auch die Krankheit ganz entſchieden von den Aeltern an. Die veranlaſſenden Urſachen ſind zum Theil dunkel. Erkältungen, feuchtes, nebliges Wet⸗ ter, Nordoſtwinde, die Einwirkung von ſtarkem Licht⸗ reiz, von Stalldunſt c. ſind hier beſonders zu erwähnen. Die Mondblindheit kommt im Allgemeinen ſehr oft vor; in manchen Gegenden jedoch öfterer, als in anderen. Die Mehrzahl aller blinden Pferde iſt durch dieſe Krankheit blind geworden. Die Heilung iſt überaus ſchwer, und gelingt ſo ſelten, daß es faſt räthlich erſcheint, gar keinen Verſuch zu machen; die einzelnen Anfälle ſind zwar zu heben, nicht aber iſt die Verhütung ihrer Rückfälle möglich. Dennoch ſind einzelne Fälle bekannt, in denen eine mditale Heilung 306 gelang, weßhalb hier von der Kur in der Kürze die Rede ſein ſoll. Zunächſt müſſen alle ferneren Schäd⸗ lichkeiten abgehalten werden; das Pferd wird an einen warmen, dunkeln Ort geſtellt, und hier vor Zugluft, Kälte und Feuchtigkeit ſorgfältig verwahrt. Sodann macht man einen Aderlaß von mindeſtens zehn bis vierzehn Pfund, und giebt innerlich eine Laxanz aus drei Loth Aloe und acht Loth Glauberſalz, mit Mehl und Waſſer zur Latwerge gemacht. Das kranke Auge wird ſehr oft, etwa halbſtündlich, mit einer lauwarm gemachten Flüſſigkeit befeuchtet, welche aus einem halben Quentchen Bleizucker oder Alaun und einem halben Quart Fliederthee beſteht. Die Befeuchtung des Auges geſchieht mit einem kleinen Schwamme oder feiner Leinewand, nur muß ſorgfältig jeder Druck auf das Auge vermieden werden. Iſt die Heftigkeit der Entzündung etwas gewichen, und wird das Auge wieder etwas geöffnet, ſo läßt man die Waſchungen fort, und pinſelt täglich zwei bis drei Mal mit einer Taubenfeder etwas von einem Gemiſche aus einem Quentchen Calomel und einem Loth Baumöl in das geöffnete Auge; ſtatt deſſen kann man auch ein Viertel⸗ Quentchen Opium oder halbes Quentchen Bilſenkraut⸗ extract, in einem Loth Waſſer gelöſet, zum Einpinſeln wählen. Früher pflegte man als Ableitungsmittel an der Backe und dicht unter dem Auge ein Eiterband zu ziehen; dieſes iſt aber wenig paſſend, und man thut beſſer an dem Genicke eine ſcharfe Salbe einzureiben. Während der Kur wird das Pferd ſehr knapp gefüttert, gar nicht gebraucht, und auch ſpäter anfänglich nur zu leichten Dienſten bei gutem Wetter verwendet. dd) Hornhautflecken. Im geſunden Zuſtande iſt die Hornhaut farblos, klar und durchſichtig; oft bilden ſich aber Trübungen auf derſelben, welche von größerem oder geringeren Umfange und gewöhnlich von milchweißer oder blaͤulich⸗weißer Farbe ſind. Dieſe Trübungen ſind entweder über die ganze Ausdehnung der Hornhaut verbreitet, oder nur auf eine kleine Stelle beſchränkt. Die allgemeinen Trübungen der Hornhaut entſtehen faſt immer in Folge von Augenentzündungen, beſonders der Mondblindheit; die ſtellenweiſen Trü⸗ bungen oder Hornhautflecken dagegen entſtehen häufiger durch äußere, mechaniſche Einflüſſe. Sind die Zei⸗ chen der Entzündung zuvor beſeitigt, wird das Auge wieder geöffnet ꝛc. und bleibt dennoch die Hornhaut getrübt und undurchſichtig, ſo wird mit einem Pinſel täglich drei Nal etwas von folgender Salbe in das 88. Augenkrankheiten im Allgemeinen. Auge geſtrichen: rother Präcipitat— ein Quentchen, Opiumtinktur— ein halbes Quentchen, ungeſalzene Butter— zwei Loth. Nachdem dieſes Mittel zwei bis drei Wochen hindurch angewandt worden iſt, wird die Hornhaut meiſtens wieder ungetrübt und klar erſchei⸗ nen; ſollte dieſes jedoch nicht der Fall ſein, ſo bringt man auf die Weiſe wie vorhin von nachſtehender Salbe täglich zwei Mal etwas in das Auge: kohlenſaures Kali — ein Quentchen, Opiumtinktur— ein Drittel⸗Quent⸗ chen, Schweinfett— ein Loth. Oft ſind die Mittel an⸗ haltend zu gebrauchen, bevor die Trübung gehoben iſt. ee) Grauer Staar(Fig. 20. Fig. 6.). Der⸗ ſelbe beſteht in einer Trübung der Linſe oder deren häutiger Kapſel, und erſcheint im Hintergrunde des Auges und in der Pupille als eine weiße Trübung von verſchiedener Beſchaffenheit. Oft iſt dieſe Trübung milchweiß, oder kreideweiß, oder gelblich, oder perl⸗ mutterfarben. Durch den grauen Staar, wenn er ausgebildet iſt, iſt das Auge blind. Es gehört einige Uebung dazu, um den grauen Staar nicht mit einer Trübung der Hornhaut zu verwechſeln; um einem ſolchen Irrthume zu entgehen, muß man das Auge in verſchiedener Beleuchtung, und dann beſonders von der Seite betrachten, wo man ſich dann leicht überzeu⸗ gen kann, ob die Trübung vorn auf der Haut oder hinter der Pupille ſitzt. Der graue Staar entſteht in den meiſten Fällen durch die Mondblindheit, und iſt überaus häufig; dann kann er aber auch durch jede andere heftige Augenentzündung entſtehen. In der Regel beginnt der Staar Anfangs mit einem kleinen weißen Punkte, dem ſogenannten Staarpunkte, wel⸗ cher ſich nach und nach, oft ſehr langſam, vergrößert, bis er zuletzt die ganze Linſe eingenommen hat. Eine Heilung des grauen Staars, ſelbſt wenn er erſt im Beginnen iſt, gelingt kaum jemals; das einzige Mit⸗ tel bleibt die Operation, welche indeſſen in der Regel ohne Erfolg, und dann auch nur ſchwer, auszuführen iſt. fl) Schwarzer Staar. Das Auge iſt blind, ohne daß ſich irgend an demſelben eine Trübung oder eine andere auffallende Erſcheinung vorfände. Bei näherer Unterſuchung findet man jedoch die Pupille gewöhnlich ſehr erweitert, ſtarr oder wenig beweglich, und der Hintergrund des Auges hat ein bläulich⸗grü⸗ nes Anſehen. Die Form des Auges iſt wie beim ge⸗ ſunden Auge. Urſachen ſind häufig die Mondblind⸗ heit, auch andere heftige Augenentzündungen, verſchie⸗ dene Gehirnleiden ꝛc. Die Heilung des ſchwarzen 89. Applikation der Eiterbaͤnder und Fontanelle. Staars iſt nicht möglich, denn der Sehnerv iſt ge⸗ wöhnlich gelähmt und krankhaft verändert. b) Augenkrankheiten des Rindviehes. Das Rindvieh wird nicht ſehr häufig von Augen⸗ übeln befallen; Entzündungen des Auges und Trü⸗ bungen der Hornhaut werden eben ſo, als beim Pferde, behandelt. In manchen Jahren erſcheint eine Augen⸗ entzündung, welche ſeuchenartig viele Stücke zugleich ergreift, und Augenſeuche oder Augenſtaupe genannt wird. Das Auge bietet die Zeichen der all⸗ gemeinen Entzündung dar, iſt ſehr empfindlich gegen das Licht und deshalb geſchloſſen, und es hat ein ſtarker Thränenfluß ſtatt. Meiſtens iſt die Krankheit gutartig und in acht bis zwölf Tagen vorüber; unter ungünſtigen Umſtänden kann aber auch das Auge am grauen Staar erblinden, oder Hornhautflecken bekom⸗ men. Da dieſe Augenſtaupe mit fieberhaftem Allge⸗ meinleiden verbunden iſt, ſo hält man das Thier ruhig 307 im Stalle, füttert es nur mäßig, und giebt ihm ein halbes bis ein Pfund Glauberſalz in Waſſer aufge⸗ löſt. Die Augen werden öfters mit warmer Milch gebähet und befeuchtet, und, wenn die Entzündung ziem⸗ lich gewichen iſt, ſo wäſcht man ſie mit einer Auflö⸗ ſung von einem halben Quentchen weißen Vitriols in einem halben Quart Waſſer. Bleiben Trübungen der Hornhaut zurück, ſo werden dieſe ganz ſo als beim Pferde behandelt. Bei Schafen kommt die Augenentzündung manch⸗ mal mit dem Schnupfen, dann aber mit den Pocken vor, wovon ſchon a. a. O. ausführlicher die Rede geweſen iſt. Bei Schweinen kommen nicht ſelten beim Schnu⸗ pfen, dann auch durch äußere Urſachen Augenentzün⸗ dungen vor. Ihre Behandlung iſt im Allgemeinen wie beim Pferde. Augenentzündungen des Hundes werden ähnlich behandelt; die welche mit der Staupe erſcheint, iſt ſchon an dem betreffenden Orte ſpeciell erörtert worden. 89. Applikation der Eiterbänder und Fontanelle.(Tab. XX.) Die Eiterbänder oder Haarſeile gehören zu den ſehr wirkſamen äußeren Mitteln, und man bezweckt dadurch, entweder eine Ableitung oder einen vermehr⸗ ten Reiz und Säftezufluß zu einem Theile hervorzu⸗ bringen. Man bedient ſich zur Applikation der Eiter⸗ bänder der Haarſeilnadeln, welche je nach der Thierart und nach dem Orte, an dem ſie angebracht werden ſollen, eine verſchiedene Größe haben. In den ge⸗ wöhnlichen Fällen reicht die bei Pferden gebräuchliche Nadel(Fig. 7. a. b.) aus; beim Spat muß ſie jedoch etwas kleiner ſein(Fig. 8. a. b.), und beim Rindviehe, um Eiterbänder an der Bruſt zu ziehen, beträchtlich größer. Zum Eiterbande ſelbſt wählt man am paſſendſten eine Tuchecke, welche hinreichend ſtark und breit ſein muß; ſtatt derſelben kann man auch ein Band aus ſtarker, grober Leinwand nehmen. Früher brauchte man gewöhnlich zum Eiterbande einen aus den Schweifhaaren des Pferdes zuſammengeflochtenen Strick— daher der Name Haarſeil— welcher aber füglich entbehrt und durch Tuchkanten erſetzt werden kann. Um das ECiterband zu ziehen, wird an der Stelle, wo die Nadel eingeführt, und an der Stelle, wo ſie wieder herausgeſchoben werden ſoll, je eine Oeffnung gemacht; zu dieſem Behufe wird an den ge⸗ dachten Stellen die Haut in Form einer Falte in die Höhe gehoben, und in dieſe Falte ein Einſchnitt von einem bis anderthalb Zoll Länge gemacht, und zwar in ſenkrechter Richtung. Sodann wird die Nadel, in deren Oehr ſich die Tuchecke befindet, mit ihrem breiten Ende in die obere Oeffnung eingeführt, unter der Haut fort und zur unteren Oeffnung wieder herausgezogen, wo dann die Tuchecke unter der Haut ſitzen bleibt. Die Tuchecke, welche ſchon vorher mit Terpentinöl befeuchtet ſein muß, muß aus beiden Oeff⸗ nungen der Haut mindeſtens vier bis ſechs Zoll her— vorhängen; man befeſtigt an dieſe Enden kleine Hölz⸗ chen in der Quere, damit die Tuchecke nicht von ſelbſt oder durch irgend einen Zufall herüsfüllt. Am dritten 308 bis vierten Tage pflegt Eiterung einzutreten; es iſt dann weiter nichts nöthig, als täglich einmal die Wundöffnungen ꝛc. vom anklebenden Eiter zu reinigen. Bei Lämmern, Hunden und kleineren Thieren kann man ſich in Ermangelung einer kleinen Haarſeilnadel, einer großen Heftnadel, allenfalls auch einer Stopfnadel bedienen, und ſchmaler Bänder oder mehrerer wollener Fäden. Die Fontanelle ſetzt man in der Regel nur um eine ſtarke Ableitung von inneren Theilen zu bewirken. Sie wirken raſcher als die Eiterbänder, und bewirken eine bedeutende Entzündungsgeſchwulſt. Um das Fontanell zu legen, ſchneidet man in eine gemachte Hautfalte einen ſenkrechten Schnitt von ein und einem halben bis zwei Zoll Länge, geht mit den Fingern in die Oeffnung ein, und trennt durch Stoßen und Reißen die Haut von ihrer Unterlage; ſitzt die Haut zu feſt 90. Aderlaſſen. auf, ſo nimmt man zu ihrer Lostrennung das ſcharfe Ende der Haarſeilnadel oder ein Meſſer. Die Haut wird wenigſtens im Umfange von drei Quadratzollen losgetrennt. In dieſe Oeffnung legt man dann ein Stück Filz, Leder, Pappe oder einen ähnlichen Kör⸗ per, der die Größe eines Doppelthalers und in der Mitte eine Oeffnung haben muß, ein(Fig. 10.), damit durch ſie der gebildete Eiter frei abfließen kann. Vor dem Einbringen unter die Haut wird das Fontanell mit Terpentinöl getränkt. Gewöhnlich entſteht nach dem Fontanell ſchon in zwölf bis achtzehn Stunden eine bedeutende Geſchwulſt und in zwei bis drei Tagen Eiterung. Von Zeit zu Zeit wird der um die Wunde klebende Eiter abgewaſchen, und wenn das Fontanell die gewünſchte Wirkung gemacht hat, ſo nimmt man daſſelbe heraus, drückt die Wunde aus, und überläßt die Heilung derſelben der Natur. 90. Der Aderlaß oder die Blutentziehung gehört mit unter die wichtigſten Heilmittel; viele Krankheiten würden ohne ihn kaum zu heilen ſein. Am rechten Orte und zu rechter Zeit angewendet, reicht er oft allein ſchon aus, um ſelbſt den gefährlichſten Krank⸗ heiten ſchnell eine günſtige Wendung zu geben, und ihre Heilung zu bewirken; dagegen kann aber auch der Aderlaß von unendlichem Nachtheile ſein, wie dieſes das ſinnloſe Verfahren unwiſſender Pfuſcher und an⸗ derer ſchlecht unterrichteter Perſonen täglich beweiſt. Bei der Angabe der Kur der einzelnen Krankheiten iſt angemerkt worden, wo der Aderlaß paßt oder nicht, und in welcher Stärke derſelbe ausgeführt werden muß; deshalb kann und ſoll auch hier über dieſe Punkte nicht weiter die Rede davon ſein. a) Aderlaß beim Pferde. Man läßt faſt ausſchließlich nur aus der großen Halsblutader, der Jugularvene, zur Ader. Dieſe Ader hat zu beiden Seiten des Halſes, neben und hinter der Luftröhre, ihre Lage(Fig. 1. aa. Fig. 2. a.), und zwar in der Rinne, welche am vorderen Rande des Halſes, un⸗ mittelbar hinter der Luftröhre ſich findet. Das beſte Aderlaſſen.(Tab. XXI.) Inſtrument zum Aderlaſſen iſt die Fliete(Fig. 3.); dieſelbe iſt einfach, leicht zu reinigen und nicht theuer, Eigenſchaften, welche dem ſonſt ſo üblichen Schnep⸗ per abgehen. Statt der Fliete kann man ſich auch der Lanzette(Fig. 4.) zum Aderlaſſen bedienen; doch gehört zu ihrem Gebrauche eine gewiſſe Geſchicklichkeit. Um den Aderlaß auszuführen, läßt man dem Pferde von einem Gehülfen den Kopf etwas emporheben und ausſtrecken; der Operateur ſelbſt ſtellt ſich neben die linke Schulter des Pferdes, drückt mit den Spitzen der drei letzten Finger der linken Hand in die genannte Rinne am Halſe, und läßt dadurch die Ader anſchwel⸗ len; dieſelbe iſt dann als ein runder Strang zu ſehen oder jedenfalls zu fühlen. Damit ſie mehr in die Augen falle, kann man die Haare dieſer Stelle zuvor mit Waſſer benetzen und glatt anſtreichen. Mit Dau⸗ men und Zeigefinger der linken Hand erfaßt der Ope⸗ rateur die Fliete an ihrem unteren Dritttheile, ſetzt die Spitze der Fliete auf die Ader auf, und führt mit einem in der rechten Hand gehaltenen Hölzchen einen kurzen aber etwas derben Schlag auf das obere Ende der Fliete. Das Blut ſpritzt ſogleich in einem dicken 90. Aderlaſſen. 309 Strahle hervor, und wird in einem Gefäße aufgefangen. Gewöhnlich fängt man das Blut nicht auf, ſondern läßt es auf die Erde laufen; dieſes iſt aber ſehr tadelnswerth, denn es kann hierbei nie die Menge des entleerten Blutes beſtimmt werden, und da der Blut— verluſt in ſolchen Fällen in der Regel ſehr überſchätzt wird, ſo fließt meiſtens viel zu wenig Blut aus. So lange man das Blut fließen laſſen will, muß man den Druck mit den Fingern der linken Hand fortſetzen; werden dieſe entfernt, ſo hört die Blutung auf. Um die Ader kräftiger anſchwellen zu laſſen, und ſie dann leichter zu finden, kann man auch eine Schnur um das Bruſtende des Halſes etwas feſt anlegen; indeſſen iſt dieſes im Allgemeinen nicht zu empfehlen, denn theils verliert das Pferd dabei, namentlich bei Hals⸗ und Lungenentzündung zu leicht die Luft, theils iſt auch einige Gefahr in ſo fern damit verbunden, weil, wenn das Pferd zufällig ſich losmachen und entlaufen ſollte, leicht eine tödtliche Verblutung eintreten könnte. Iſt die nöthige Menge Blut entleert, ſo muß die Haut⸗ öffnung geſchloſſen werden; zu dem Ende faßt man mit dem Daumen und Zeigefinger der linken Hand die Wundlefzen, zieht ſie etwas hervor und die Wund⸗ ränder nach außen, und durchſticht ſie in ihrer Mitte und etwa einen Strohhalm breit von ihrem Rande mit einer Stecknadel, um welche man dann einige Pferdehaare oder einige Fäden bindet oder umwindet. Zuweilen entſteht gleich nach dem Schließen der Ader⸗ öffnung eine mehr oder weniger große Geſchwulſt, welche von ausgetretenem Blute herrührt; dieſelbe hat ſelten etwas zu bedeuten, und verſchwindet wieder von ſelbſt, indem das Blut aufgeſogen wird.— Unter gewiſſen Umſtänden aber kann ſich daraus eine Ader⸗ fiſtel bilden(ſiehe den Artikel).— Man kann an beiden Seiten des Halſes zur Ader laſſen; mit der Fliete läßt man aber am bequemſten an der linken Seite zur Ader, weil man hier weniger der Gefahr ausgeſetzt iſt von dem Blutſtrahle getroffen zu werden. Will oder muß man an der rechten Seite des Halſes zur Ader laſſen, ſo ſtellt man ſich dann vor den vorderen Rand des Halſes, ſo daß der Blutſtrahl links vorbei geht. Mit der Lanzette läßt man dagegen an der rechten Seite des Halſes am beſten zur Ader; man ſtellt ſich neben die Schulter des Pferdes, unterdrückt mit den Fingern der linken Hand die Ader, und ſticht die Lanzette mit der rechten Hand in dieſelbe ein. Die Lanzette wird ſo weit von ihrer Spitze mit dem Daumen und Zeige⸗ finger der rechten Hand gefaßt, als ungefähr die Flie⸗ tenklinge lang iſt(Fig. 4. bei a.), mit der Spitze auf die Ader geſetzt und durch einen kurzen aber kräftigen Stoß eingeſtochen. Es kommt nicht ſo genau auf die Stelle am Halſe an, an welcher die Ader geöffnet wird, denn es iſt dazu ein großer Spielraum vorhanden, welcher jedoch auch ſeine Gränzen hat. Zu hoch hinauf theilt ſich die Ader in zwei Aeſte(Fig. 2. a.), und außerdem liegen daſelbſt viele andere wichtige Theile, weßhalb hier der Aderlaß nicht paſſend iſt; zu tief hinunter iſt die Ader von Muskeln bedeckt, und liegt zu tief unter der Haut. Man wählt daher den mittleren Theil des Halſes(den Raum zwiſchen a und a in Fig. 1). In früheren Zeiten ließ man, außer an der Halsvene, noch an verſchiedenen anderen Stellen zur Ader; ſo z. B. an der Gaumen- und Schläfenarterie, an der Spor⸗ und Schenkelader ꝛc. Dieſes iſt jetzt, und mit Recht, außer Gebrauch gekommen, denn der Aderlaß am Halſe macht den an anderen Stellen entbehrlich. Ausgenommen hiervon iſt der Aderlaß an den Füßen, im Falle die Hufe heftig entzündet ſind; hier iſt eine Eröffnung der Feſſelvene von unläugbarem Nutzen. Um die Operation auszuführen, wird um das Feſſel⸗ gelenk eine Schnur feſt angelegt(Fig. 10. a.); an der inneren oder äußeren Seite des Feſſelgelenkes, etwa anderthalb bis zwei Zoll über der Hufkrone, werden die Haare kurz abgeſchoren, wo in die alsdann ſicht⸗ oder fühlbare Ader mit der Lanzette oder mit der Fliete eingeſtochen wird. Soll die Blutung aufhören, ſo wird die Schnur entfernt, und die Aderöffnung ent⸗ weder, wie am Halſe, mit einer Stecknadel geſchloſſen, oder es wird ein dünnes Strohſeil feſt um die Ader⸗ laßſtelle gelegt, und zwar ſo, daß der Knoten gerade auf die Aderöffnung zu liegen kommt. b) Aderlaß beim Rinde. Beim Rinde läßt man nur allein aus der großen Halsblutader Blut. Bei der Dicke und leichtem Verſchiebbarkeit der Haut iſt hier die Anlegung einer Schnur(Fig. 5.) für den Laien nicht gut zu entbehren. Die Ader ſchwillt dann an, und iſt als ein ſehr dicker, runder Strang(Fig. 5. a.) eben ſo leicht zu ſehen als zu fühlen. Bei der Anlegung der Schnur verſchiebt und runzelt ſich die Haut auf der Ader gewöhnlich ſo ſehr, daß die Ader mit großen und dicken Hautfalten bedeckt wird; aus die⸗ ſem Grunde muß die Haut mit den Händen nach unten zu erſt wieder glatt gezogen werden, ehe man die 310 91. Ader öffnet. Man nimmt hierzu entweder die bei Pferden gebräuchliche Fliete, oder, wenn die Haut des Thieres ſehr dick iſt, eine etwas größere(Fig. 6.). Iſt genug Blut entleert, ſo wird die Schnur entfernt, und die Ader mit einer Stecknadel verſchloſſen. c) Aderlaß beim Schafe. Die geringe ent⸗ zündliche Anlage der Schafe macht einen Aderlaß bei ihnen nur ſelten nothwendig; indeſſen kommen doch Fälle vor, wo eine Blutentziehung nothwendig und nützlich werden kann. Man kann am Halſe, wie beim Pferde, aus der großen Halsvene zur Ader laſſen. Zu dem Ende wird die Wolle an der entſprechenden Stelle abgeſchoren, eine Schnur um den Hals gelegt, und eine etwas kleinere Fliete(Fig. 8.) in die Ader ein⸗ geſchlagen. Außerdem kann man auch, und dieſes iſt bequemer, an der Angeſichtsvene zur Ader laſſen, nur muß es mit mehr Geſchick geſchehen, als es die Schä⸗ fer thun. Dieſe durchſtechen gewöhnlich die ſogenannte Augenader mit einem ſpitzen Meſſer, worauf ſelten mehr, als einige Tropfen, höͤchſtens ein Theelöffel voll Blut fließt; eine ſo geringe Blutentleerung kann aber nichts nützen. Will man einen reichlichen Ader⸗ laß an der Geſichtsvene machen, ſo unterdrückt man dieſelbe am Rande des Unterkiefers, und ſticht etwas vor dieſer Stelle(Fig. 7. a.) in die Ader ein, ent⸗ weder mit einer Lanzette oder mit einem anderen ſpitzen Meſſer, oder auch mit der Spitze der Fliete. Auf dieſe Weiſe fließt das Blut in genügender Menge, wenn nur der Druck auf die Ader fortgeſetzt wird. Eine Verſchließung der Ader iſt nicht erforderlich, denn der geringe Blutfluß der etwa noch ſtattfindet, nachdem die Ader nicht mehr unterdrückt wird, ſtillt ſich bald von ſelbſt. d) Aderlaß beim Schweine. Beim Schweine iſt der Aderlaß ſchwer auszuführen, denn am Halſe Grundzuͤge der aͤußern Pferdekenntniß. liegt die Ader unter der dicken Haut und in vielem Fette begraben, welche ihre Auffindung kaum möglich machen; man muß daher an andern Orten die nöthige Menge Blut zu entziehen ſuchen, welches freilich nicht allemal gelingt, wenigſtens nicht in dem Maße, als man es wünſcht. Man läßt am Ohre oder am Schwanze zur Ader. Um am Ohre zur Ader zu laſ⸗ ſen ſchneidet man an der Rückenfläche des Ohres und dicht an ſeiner Baſis, rings um die Haut bis auf den Knorpel mit einem ſcharfen Meſſer durch, wornach meiſtens eine reichliche Blutung erfolgt; iſt dieſe nicht ausgiebig genug, ſo kann man mit dem andern Ohre auf gleiche Weiſe verfahren. Um am Schwanze zur Ader zu laſſen, iſt weiter nichts nöthig, als dieſen, etwa einen bis zwei Zoll vom After entfernt, mit einem ſcharfen Meſſer abzuhauen, indem unter den Schwanz ein Klözchen gelegt und mit einem Holze ein derber Schlag auf den Rucken des Meſſers geführt wird. Sollte die Blutung länger dauern, als man wünſcht, ſo wird um die Spitze des noch ſitzenden Schwanzes ein Bindfaden feſt umgebunden.. Die Blutung am Ohre ſtillt ſich von ſelbſt. e) Aderlaß beim Hunde. Man kann an der Halsblutader zur Ader laſſen, mit Schnur und Lanzette, jedoch iſt dies bei den meiſten Hunden nicht ſo leicht, als beim Pferde und Rindviehe. Deshalb wählt man die große Vene, welche an der inneren Fläche des Hinterſchenkels ihre Lage hat. Man ſchiert die Haare an dieſer Stelle ab, legt eine Schnur feſt um den oberſten Theil des Schenkels, ſucht dann die Vene, welche als ein blauer, platter Strang erſcheint, auf, und ſticht ſie mit der Lanzette oder mit einem Federmeſſer an. Eine Verſchließung der Wunde iſt überflüſſig. 91. Grundzüge der äußern Pferdekenntniß. Betrachten wir die mannigfaltigen Dienſte, welche uns das Pferd leiſtet, ſo müſſen wir geſtehen, daß daſſelbe eines der größten Geſchenke aus der Hand des Schöpfers iſt, und wenn ſchon die Hausthiere im Allgemeinen eine der wichtigſten Rollen in der Ent⸗ wickelung des Menſchengeſchlechts ſpielen, ſo gilt die⸗ ſes doch vom Pferde vorzugsweiſe. Wo nur die Geſchichte eines Volkes anhebt, und 91. Grundzuͤge der aͤußern Pferdekenntniß. 311 ſo weit nur die Ueberlieferungen, bis in das graueſte Alterthum, hinaufreichen, finden wir, neben andern Hausthieren, auch das Pferd dem Menſchen zugeſellt, welches ihm über alle urbaren Striche des Erdbodens gefolgt iſt: vom Miſſiſippi bis zum Cap der guten Hoffnung, von den unwirthlichen Steppen Sibiriens bis an die Ufer des Ganges. Aber gerade dadurch wird der unberechenbare Vortheil, den ſein Beſitz von jeher gewährte, am klarſten bewieſen. Es half Städte bauen und Staaten gründen, und hat dadurch den mächtigſten Antheil an der Civiliſation der Völker. Durch ſeine Kraft und ſeine Ausdauer hilft es den Acker bebauen, und macht Induſtrie und commerziellen Verkehr möglich; durch ſeine Schnelligkeit macht es die Entfernungen verſchwinden, und bringt dadurch die Menſchen einander näher; der Austauſch der Ideen iſt erleichtert und die Annehmlichkeiten des Lebens ſind vermehrt. Auf welcher Stufe ſocialer Entwickelung und moraliſcher Veredelung ſich der Menſch noch jetzt be⸗ fände, wenn er ſich nicht von jeher der Dienſtleiſtun⸗ gen des Pferdes bedient hätte, iſt in der That gar nicht zu berechnen! Weder unſer Rind, noch der Eſel, weder das Kameel des Orientalen, noch das Rennthier des Lappländers ſind im Stande das Pferd zu erſetzen. Mit ſolch unſchätzbaren Eigenſchaften für unſern Vortheil und für unſer Vergnügen ausgerüſtet, findet ſich in dem edlen Pferde eine ſeltene Schönheit der Körperformen vereinigt;— der feurige, lebhafte Blick, der aufrecht und hochgetragene Kopf, das glänzende Haar, die wallende Mähne, der ſchlanke Leib und der gracile Schenkelbau erheben daſſelbe zu einem der ſchönſten Thiere der Schöpfung, ſo daß man verſucht werden könnte zu behaupten, daß bei keinem Geſchöpfe — vielleicht ſelbſt nicht beim menſchlichen Weibe— das Abgerundete der Formen und die Hogarth'ſchen Schön⸗ heitslinien ſo ſehr entwickelt erſcheinen, als beim Pferde. Von Natur iſt das Pferd gutmüthig und gelehrig, ſtolz und muthig, doch nicht boshaft; ſein Gedächtniß iſt ſtark, und ſein Geruch ſehr empfindlich. Es kommt wie ſchon bemerkt, in allen Welttheilen fort, und. erträgt jedes Klima; ſeine Schnelligkeit iſt bedeutend, und in der Ausdauer und Kraft kommt ihm kaum ein anderes Thier gleich. Durch Erfahrung, mittelſt häufiger Beobach⸗ tung ſolcher Pferde, welche alle wünſchenswerthen Eigenſchaften möglichſt vollkommen in ſich vereinigen, aufmerkſam gemacht, iſt man von jeher bemüht gewe⸗ ſen, allgemeine und dabei möglichſt ſichere Kennzeichen aufzufinden, nach welchen die größere oder geringere Brauchbarkeit, Geſundheit und Schönheit eines Pfer— des zu beurtheilen iſt. Dieſe Bemühungen haben denn auch zu dem glücklichſten Reſultate geführt, ſo daß in der That ziemlich ſichere Regeln feſtſtehen, nach welchen die Güte eines Pferdes beurtheilt werden kann, vorausgeſetzt, daß der Unterſuchende viele Uebung und Erfahrung und einen praktiſchen Blick ſich zu eigen gemacht hat. In dem Nachfolgenden ſoll nun eine Anweiſung gegeben werden, nach welcher dieſe angegebene Fähig⸗ keit zu erlangen iſt, indem wir in folgender Ordnung darſtellen: Die einzelnen Theile des Pferdekörpers in Bezug auf ihre Vorzüge und ihre Mängel; Die verſchiedenen Gangarten; Die verſchiedenen Ragen des Pferdes, nebſt Be⸗ merkungen über die verſchiedenen Farben derſelben. A. Die einzelnen Theile des Pferdekörpers in Bezug auf ihre Vorzüge und ihre Mängel. Der bequemeren Ueberſicht wegen, und um ſich ſicher und leicht verſtändigen zu können, hat man den Körper des Pferdes imaginär in drei verſchiedene Re⸗ gionen oder Abſchnitte getheilt, von denen der erſte: die Vorhand, der zweite: der Leib, und der dritte endlich: die Nach⸗ oder Hinterhand genannt wird. Die Vorhand begreift die Theile in ſich, welche ſich vor der Hand des Reiters befinden, nämlich: den Kopf, den Hals, den Widerrüſt, die Bruſt und die Vorderſchenkel. Der Leib wird durch die Theile gebildet, welche ſich zwiſchen dem Widerrüſte und dem Kreuze befin⸗ den, als: der Rücken, die Rippen, der Bauch, die Flanken, die Lenden, die männlichen Geſchlechtstheile und das Euter der Stuten. Die Nach⸗ oder Hinterhand wird aus dem Kreuze, dem Schweife, den Hüften, dem After, den Geſchlechts⸗ theilen, den Hinterbacken und den Hinterſchenkeln zu⸗ ſammengeſetzt. 312 92. Die Vorhand. 92. Die Vorhand. 1) Der Kopf. Diejenigen Theile deſſelben, welche einer näheren Unterſuchung bedürfen, ſind fol⸗ gende: a) Die Ohren. Sie erhalten ihre Form durch einen dütenförmigen Knorpel, welcher ſich nach unten trichterförmig verengert, und mit dem äußern Gehör⸗ gange vereinigt, wodurch die Schallwellen in das Innere des Ohres geleitet werden.— Schöne Ohren müſſen Proportion zum ganzen Kopf haben, mit einer dünnen, feinbehaarten Haut überzogen, mit ſcharfen Rändern verſehen und nach oben fein zugeſpitzt ſein. Die Bewegung derſelben, welche durch zahlreiche Muskeln vermittelt wird, muß lebhaft und ungehin⸗ dert von Statten gehen. So ſehr nun gut geformte Ohren zur Schönheit eines Pferdes beitragen, eben ſo ſehr entſtellend wer⸗ den ſie durch unangemeſſene Form und Stellung; die weſentlichſten Abweichungen ſind folgende:„Haſen⸗ ohren,“ werden Ohren genannt, welche ſehr nahe an einander ſtehen, wie dieſes bei den Haſen der Fall iſt; „Eſelsohren“ heißen ſie bei ungewöhnlicher Größe; „Schweins⸗oder Hängeohren,“ wenn ſie groß ſind, und dabei ſchlaff herunterhängen;„Ochſenohren,“ wenn ſie⸗ ebenfalls ſehr groß ſind, und ſehr weit von einander entfernt ſtehen;„Mauſeohren,“ wenn ſie ungewöhnlich klein ſind. Dieſe letzteren beleidigen von allen andern noch am wenigſten das Auge, indem ſie dem Pferde ein nettes, munteres Anſehen geben. Pferde mit ſehr dicken Ohrmuſcheln, zumal wenn dieſelbe ſtark bewach⸗ ſen ſind, verrathen gewohnlich eine gemeine Abkunft. b) Das Genick. Es hat ſeine Lage hinter den Ohren, und wird durch die Gelenkverbindung des Hinterhauptes mit dem erſten Halswirbel, über welche ſich das Nackenband herlegt, gebildet. Es muß wenn der Kopf eine recht freie Bewegung haben ſoll; gehoͤrig breit und lang ſein, nach den Ohrdrüſen zu muß es ſich ſanft abrunden. c) Der Schopf. Er wird durch den Theil Mäh⸗ nenhaare gebildet, welcher zwiſchen den Ohren auf den Vorkopf und die Stirn herabfällt; er muß, wenn er ſchön heißen ſoll, aus einer nur mäßigen Anzahl ziemlich langer Haare beſtehen. Sehr ſtark iſt der Schopf gewöhnlich nur bei gemeinen Pferden, vor⸗ züglich bei Hengſten. d) Zwiſchen den Ohren, dem Genicke und der Stirn hat der Vorkopf ſeine Lage, welchem die Schei⸗ telbeine zur Grundlage dienen; bei ſchönen Pferden iſt er beträchtlich gewölbt. e) Die Stirn. Sie befindet ſich zwiſchen den Augen, der Naſe und dem Vorkopfe, und hat die Stirnbeine zur Baſis; ſie ſei recht breit und flach; weder gewölbt noch eingedrückt. †) Die Augengruben. Sie befinden ſich ſeitwärts der Stirn und hinter den Augenbogen. Schön ſind ſie, wenn ſie eine nur mäßige Vertiefung bilden; ſind ſie ſehr tief, ſo geben ſie dem Pferde ein finſteres, altes Anſehen; ſind ſie dagegen zu ſehr ausgefüllt, ſo findet man die Augen meiſtens ſehr zu Entzündungen geneigt. g) Unmittelbar unter und vor den Augengruben befinden ſich die Augenbogen, an welchen das obere Augenlid ſeine Befeſtigung nimmt. Stehen ſie zu ſehr hervor, ſo erzeugen ſie dadurch tiefe Augengruben. Finden ſich auf den Augenbogen weiße Haare bei far⸗ bigen Pferden, ſo iſt dies ein ſicheres Zeichen des Greiſenalters. b) Die Augenlider. die Augenhöhle an, und dienen zum Schutze des Aug⸗ apfels; ſie müſſen mit einer feinen Haut überzogen, recht mager, und mit ſcharfen Rändern verſehen ſein, welche recht dicht an den Augapfel anſchließen; ihre Bewegung muß lebhaft und ungehindert von Statten gehen, auch müſſen ſie recht weit geöffnet ſein. ¹) Der Nagel oder die Nickhaut. Er iſt nur zum kleineren Theile im inneren Augenwinkel ſichtbar, und erſcheint größtentheils nur dann, wenn ein fremder Körper dem Auge zu nahe kommt. Er beſteht aus einem dünnen Knorpel, deſſen feiner, ſcharfer Rand dicht an den Augapfel anſchließt. Bei Entzündungen des Auges ſchwillt er oft beträchtlich an, und wird dann als ein rother, fleiſchiger Körper im Auge ſichtbar. k) Der Augapfel. Dieſes iſt bekanntlich jener Theil, durch den das Sehen vermitteltwird, das Organ des Ge⸗ Sie heften ſich rings um 92. ſichtsſinnes. Die Natur hat dieſes wichtige Organ ringsum durch eine knöcherne Augenhöhle geſchützt, und durch die Augenlider vor der Einwirkung äußerer Schädlichkeiten noch mehr geſichert. Jener Theil des Augapfels, welcher am weiteſten aus der Augenhoöhle hervorſteht, wird die durchſichtige Hornhaut genannt; ſie beſteht aus einer ziemlich dicken, vollkommen farbloſen und durchſichtigen Haut, hat eine oblonge Peripherie, und iſt, wie ein Uhrglas, nach außen gewölbt, wodurch zum Theil die Brechung der Lichtſtrahlen vermittelt wird. In ihrem ganzen Umkreiſe verbindet ſie ſich mit der undurchſichtigen Hornhaut; dieſe beſteht aus einer gelblich⸗weißen, dicken, lederar⸗ tigen Haut, welche dem Augapfel die runde Form giebt, indem ſie ringsum den Augapfel umgiebt, und nur nach vorn eine Oeffnung läßt, um die ſchon be⸗ ſchriebene durchſichtige Hornhaut aufzunehmen. An ihren hintern Grund ſetzen ſich ſieben ſtarke Muskeln feſt, durch die das Auge nach allen Richtungen be— wegt wird. Durch die beiden vorgedachten Häute iſt der Aug— apfel zu einer Kugel geſtaltet, deren Inneres durch eine quer durchgehende Haut— die Regenbogenhaut — in zwei Hälften getheilt iſt, welche man Augen— kammern nennt. Die vordere Augenkammer bildet den Raum zwiſchen der durchſichtigen Hornhaut und der Regenbogenhaut; ſie iſt mit einer waſſerhellen, dünnen Flüſſigkeit— der wäſſerigen Feuchtigkeit— gefüllt. Die Regenbogenhaut oder Blendung geht quer und ſenkrecht durch die Höhle des Augapfels: ſie iſt ſehr dünn, und hat meiſtens eine braune Farbe. Zu⸗ weilen jedoch iſt ſie weiß, wie bei den Glasaugen; oder hellbraun, wie bei den Birk⸗ oder Falkaugen; oder in höchſt ſeltenen Fällen endlich roth, wie bei den ſogenannten Kakerlaken. In der Mitte der Regen⸗ bogenhaut befindet ſich eine länglich⸗runde Oeffnung, welche Pupille oder Sehſtern heißt, und die, wegen Mangel des Lichts im Hintergrunde des Auges, als ein ſchwarzer Flecken erſcheint. Durch dieſe Pupille gelangen die Lichtſtrahlen zum Sehnerven; an ihrem obern Rande bemerkt man zwei oder drei ſammet⸗ ſchwarze, rundliche Flocken nach unten herabhängen, welche Traubenkörner genannt werden, und einen Theil der Aderhaut ausmachen. Die Pupille veren⸗ gert oder erweitert ſich, je nachdem das Licht mehr Wagenfeld, Encyel. Die Vorhand. 313 oder weniger hell iſt; im hellſten Lichte erſcheint daher die Pupille am kleinſten, in der Dunkelheit ſehr groß. Hinter der Regenbogenhaut, und hinter der Pu⸗ pille, iſt die hintere Augenkammer, welche mit einem gallertartigen, vollkommen durchſichtigen und farblo⸗ ſen Körper, der glasähnlichen Feuchtigkeit, erfüllt iſt, in deren Mitte, gerade hinter der Pupille, ſich die Kryſtalllinſe befindet, ein völlig durchſichtiger, farb⸗ loſer, auf beiden Seiten linſenartig gewölbter Körper, von ziemlich feſter Conſiſtenz, und von der Groͤße einer kleinen Haſelnuß. Durch dieſe verſchiedenen Feuchtigkeiten auf das mannigfaltigſte gebrochen, ge⸗ langen die Lichtſtrahlen des Objekts endlich zur Netz⸗ haut, welche ſie durch den Sehnerven zum Gehirne leitet, und auf dieſe Weiſe zur inneren Anſchauung bringt. Der Sehnerve entſpringt vor der Grundfläche des Gehirns, tritt, mit der Dicke eines thönernen Pfeifenſtils, aus der Schädelhöhle heraus, und in— dem er den hinteren Theil der harten Hirnhaut durch⸗ bohrt, breitet er ſich netzförmig(als Netzhaut) an der hinteren Wand der vorderen Augenkammer aus. Da die Unterſuchung der Augen ein wichtiger Ge⸗ genſtand bei der Beurtheilung eines Pferdes iſt, ſo wollen wir dieſelbe etwas näher durchgehen. Zunächſt ſehe man darauf, ob die Augenlider gehörig geöffnet, nicht angeſchwollen, entzündet, triefend, ſehr geröthet ſind; ob im inneren Augenwinkel kein angeſammelter Schleim haftet; ob das Auge etwa gegen das Licht ſehr empfindlich iſt; ob die Nickhaut angeſchwollen, hervorgetreten und ſehr geröthet iſt; ob der Augapfel ſeine gehörige Größe hat, oder ob der eine Augapfel kleiner erſcheint, als der andere; ob der Augapfel ſelbſt ſehr geröthet und entzündet iſt; ob die durchſichtige Horn⸗ haut vollkommen klar, oder mit Narben, oder bläuli⸗ chen, grauen und weißen Trübungen bedeckt iſt; ob die wäſſerige Feuchtigkeit röthlich, waſſerhell oder ge⸗ trübt, und am Grunde mit einem eiterartigen Weſen vermengt iſt; ob die Pupille völlig ſchwarz, oder grau, oder weiß erſcheint(grauer Staar); ob ſie ferner ſich, je nach der Stärke des einwirkenden Lichtreizes, zu⸗ ſammenzieht oder erweitert? Entdeckt man an den genannten Theilen nichts Krankhaftes, ſo überzeuge man ſich, ob das Pferd auch wirklich ſehen kann. Man ſtelle ſich ſeitlich vor daſ⸗ ſelbe, und verſetze ihm mit einem Stocke einen ziemlich derben Schlag quer an den Hals, oder über die Schul⸗ ter; das Pferd mag nun ſehend ſein ih nicht, ſo 314 92. wird es natürlich nach dem erlittenen Schmerze mehr oder weniger heftige Bewegungen machen, und zur Seite ſpringen; hat das Pferd ſich wieder beruhigt, ſo hole man von Neuem mit dem Stocke, wie beim erſten Schlage, aus, indem man dem Pferde mehrere Male mit demſelben drohet; ſiehet das Pferd auf dem Auge dieſer Seite, ſo wird es jedenfalls durch abweh— rende Bewegungen ſich dem Schlage zu entziehen ſuchen, iſt dieſes nicht der Fall, ſo kann man ziemlich ſicher ſein, daß dieſes Auge blind iſt. Auf dieſelbe Weiſe unterſucht man nun auch das Auge der andern Seite. Iſt das Pferd auf beiden Augen blind, ſo macht ſich dieſes ſchon durch den Gang bemerkbar; es geht nämlich ein blindes Pferd gerade ſo, als wenn es im Waſſer watete, indem es die Füße ungewöhn— lich hoch hebt, als wenn es ſich fürchtete überall an⸗ zuſtoßen; außerdem trägt ein blindes Pferd den Kopf ſehr hoch, und hat fortwährend die Ohren, wie zum Horchen, geſpitzt, um durch das Gehör das Auge zu erſetzen. Man führe ferner ein blindes Pferd gegen feſte Gegenſtände, z. B. eine Wand, ſo wird es mit der Naſe daran ſtoßen. Fürchtet man, daß ein Auge blind iſt, ſo verbinde man das ſehende, und mache dann die Unterſuchung, wie angegeben.(Die Krank⸗ heiten der Augen ſelbſt, werden bei den übrigen Krank⸗ heiten des Pferdes näher abgehandelt werden.) 1) Die Naſe. Sie erſtreckt ſich von der Stirn bis zu der Oberlippe herab; die Naſenbeine dienen ihr zur Grundlage. Die Richtung der Naſe beſtimmt vorzüglich die Geſtalt des Kopfes; iſt ſie gerade und nur gegen die Spitze zu ſanft gebogen, ſo hält man ſie allgemein für die ſchönſte Form. m) Seitwärts der Naſe und unterhalb dem Auge befindet ſich der Vorderkinnbacken, mit dem Knochen gleichen Namens zur Grundlage. Er ſei mager und trocken; die auf ihm befindlichen Adern müſſen recht ſtark nach außen hervortreten, und ſichtbar ſein. n) Die Naſenlöcher. Dieſe bilden die vordere Oeffnung der Naſenhöhlen, durch welche die Luft zu den Lungen geleitet, und die riechbaren Stoffe dem Riechnerven zugeführt werden. Bei edlen Pferden ſind ſie von großem Umfange, weit geöffnet, von markirten, ſcharfen Umriſſen, und mit einer feinen Haut überzogen. Ihre Ränder müſſen trocken, und weder geſchwollen, noch mit Schleim, Eiter, Blut u. ſ. w. verklebt ſein. Das ſchnellere oder langſamere Spiel der Naſenflügel iſt von großer Wichtigkeit für Die Vorhand. die Erkenntniß mancher Krankheiten, beſonders jener der Bruſt. 0) Wenn die Naſenlöcher geöffnet werden, ſo ſieht man die Naſenhöhlen mit der ſie auskleidenden Schleim⸗ haut. Letztere muß von roſenrother Farbe, und nur wenig feucht ſein. Iſt die Farbe hochroth, oder bläu— lich, oder ſehr blaß u. ſ. w., oder iſt die Schleimhaut mit vielem Schleime, mit Eiter, Blut u. ſ. w. be⸗ deckt, oder—endlich— befinden ſich auf ihr Knötchen, Bläschen, Geſchwüre u. ſ. w., ſo iſt dieſes ein Zei⸗ chen von vorhandener Druſe, vom Rotze, oder von ande⸗ ren Krankheiten.— An der vorderen Oeffnung der Naſenhöhle befindet ſich nach Außen eine kleine Oeff⸗ nung, welche den untern Ausführungsgang des Thrä⸗ nenkanals darſtellt; man hüte ſich dieſen für ein Rotz⸗ geſchwür zu halten, wie dieſes nicht ſelten vorgekom⸗ men iſt. p) Die Lippen. Sie ſchließen die Maulhöhle nach vorne; ſie müſſen fein und mit ſcharfen Rändern verſehen ſein, auch überall ſich genau auf einander legen. Die Oeffnung, welche die Lippen zwiſchen ſich laſſen, nennt man die Maulſpalte, und die Grenze derſelben, die Maulwinkel; letztere findet man nicht ſelten von zu ſtarker Wirkung des Mundſtückes ge⸗ quetſcht, blutend oder ſchwielig. Die Lippen ſelbſt ſind manchmal angeſchwollen, mit Wurmknoten beſetzt u. ſ. w. J) Innerhalb der Maulhöhle befinden ſich die Zäͤhne, deren jedoch ſpäter, bei der Anweiſung zur Erkenntniß des Alters der Pferde, gedacht werden wird. r) Die Zunge. Dieſe hat ihre Lage in der Maul⸗ höhle, in deren hinterem Grunde ſie mittelſt des Zun⸗ genbeins und vieler Muskeln befeſtigt iſt; im geſun⸗ den Zuſtande iſt ſie geſchmeidig, mäßig warm und feucht. Befinden ſich auf ihr Riſſe, Bläschen, Wun⸗ den, tiefe Einſchnitte, Geſchwüre u. ſ. w., ſo deutet dieſes entweder auf einen örtlichen oder allgemeinen krankhaften Zuſtand. Viele Pferde laſſen die Zunge aus einem der Maulwinkel heraushängen, welches entweder in einer Lähmung, oder blos in übler Ge— wohnheit ſeine Begründung hat, und jedenfalls einen ſehr widrigen Anblick gewährt. s) Oberhalb der Zunge bemerken wir den harten Gaumen, welcher hinter den oberen Schneidezähnen ſeinen Anfang nimmt, und an der Rachenhöhle endet, indem er ſich dort mit dem weichen Gaumen verbindet. Er hat den Gaumenfortſatz des Oberkieferbeines zur 92. Die Grundlage, und bildet die gewölbte Decke und vordere Begrenzung der Maulhöhle. Durch Erhabenheiten und Vertiefungen iſt der harte Gaumen in viele(ge— wöhnlich achtzehn) Querfurchen getheilt, welche der Zunge beim Hinabſchlucken als Stützpunkt dienen, und ſomit der Deglutition zu Hülfe kommen. Pfu⸗ ſcher machen an dem Gaumen, ſelbſt noch jetzt, eine Operation, die unter der Benennung des Kernſtechens bekannt iſt; mit irgend einem ſchneidenden Inſtrumente ritzen ſie das Gaumenfleiſch dergeſtalt, daß eine, oft ziemlich beträchtliche, Blutung erfolgt, und ſie glau— ben dadurch den kranken Zuſtand des Pferdes, der aus den verſchiedenſten Urſachen entſtanden ſein kann, zu heben. Das Thörichte dieſes Verfahrens bedarf jedoch wohl nicht der Widerlegung. Ferner iſt man häufig der Meinung, daß durch das Vortreten des Gaumenfleiſches über die oberen Schneidezähne das Pferd am Freſſen gehindert werde; es iſt dies jedoch allemal eine ganz falſche Vorausſetzung, und es iſt thöricht, dagegen irgend etwas zu unternehmen; es hat dies nämlich ſeine natürlichen Gründe darin, daß bei jungen Pferden, bei welchen dieſes ſogenannte Vor⸗ wachſen des Gaumens faſtallein ſtattfindet, die Zähne einer Seite ſehr kurz ſind, auf der anderen Seite das Zahnfleiſch durch den häufigen Zahnwechſel eine lange Zeit hindurch in einem entzündlich gereizten, und des⸗ halb angeſchwollenen Zuſtande ſich befindet. t) Die Laden oder Träger. So nennt man die zahnloſen Ränder am Hinterkiefer, welche ſich zwiſchen den Schneide⸗ und Backzähnen befinden; auf ihnen hat das Gebiß des Zügels ſeine Lage. Häufig iſt ihr Rand ſehr ſcharf, wodurch das Pferd ſehr empfindlich gegen den Zügel wird, oder aber der Rand iſt zu ſtumpf abgerundet, wodurch große Unempfindlichkeit gegen den Zügel entſteht, welche beide Uebelſtände man mit den Ausdrücken: Hart⸗ und Weichmäuligkeit bezeichnet. Nicht ſelten finden ſich auf den Laden, durch zu ſtarken Druck des Mundſtückes, Quetſchun⸗ gen, Schwielen, und ſelbſt Knochenfiſteln. u) Das Kinn. Es iſt diejenige ſpitzige, fleiſchige Erhabenheit, die ſich hinter der Hinterlippe befindet; dicht hinter dem Kinn, befindet ſich eine Vertiefung, welche die Kinnkettengrube genannt wird. v) Die Ganaſchen. Sie werden durch die beiden Aeſte des Hinterkiefers gebildet; ſie dürfen nicht zu ſtark und zu eckig ſein, wenn das Pferd den Kopf gehörig herbeibringen ſoll. Durch die Ganaſchen wird Vorhand. 315 w) der Kehlgang gebildet, in welchem die Zunge, der Schlund⸗ und Kehlkopf ihre Lage haben; er muß gehörig weit ſein; auch dürfen ſich in demſelben keine Knoten fühlen laſſen, weil dies ſonſt ein Anzeichen auf vorhandene Druſe oder Rotz iſt. Wir wollen nun, nachdem alle wichtigeren Theile des Kopfes einzeln beſchrieben ſind, zur Betrachtung des ganzen Kopfes übergehen, da deſſen Form, Hal— tung und Anheftung von großer Wichtigkeit für die Brauchbarkeit und Schönheit des ganzen Thieres iſt. Der ſchöne Kopf hat eine gehörige Proportion zum ganzen Körper; er iſt verhältnißmäßig kurz, ſtark markirt, und an der Stirn breit; die Naſe läuft mit der Stirn in gerader Linie bis zur Naſenſpitze herab, indem ſie ſich mäßig abrundet; die Augen ſind groß und lebhaft, ſie ſtehen weit hervor; der Blick iſt ent— ſchloſſen und trotzig; die Naſenſpitze iſt ſehr beweglich und, ſo wie das aufwärts gezogene Maul, beim Spiele mit eigenthümlichen Falten verſehen; die Na— ſenlöcher ſind groß und weit geöffnet; das Kinn iſt ſpitzig und von kleinem Umfange; die Ganaſchen ſind ſcharfrandig und hervorſtehend. Außerdem muß der Kopf mager und trocken ſein, ſo daß die Muskeln und Adern auf ihm recht deutlich ins Geſicht ſpringen; die Verbindung mit dem Halſe ſei hoch und frei, damit eine leichte und freie Bewegung Statt haben kann. Große, fleiſchige und niedrig angeſetzte Köpfe ſind gewöhnlich ein Zeichen gemeiner Race, und da ſie nicht nur für häßlich gehalten werden müſſen, ſondern auch durch ihr zu großes Gewicht die Vorhand be⸗ ſchweren, und dadurch dem Reiter unangenehm in der Hand ſind, zumal wenn ein dünner Hals damit ver⸗ bunden iſt, ſo eignen ſich dergleichen Pferde nicht zum Reitdienſte, ſondern ſie können nur als Zugpferde gute Dienſte leiſten. Man hat dem Kopfe, nach ſeiner verſchiedenen Geſtaltung verſchiedene Benennungen gegeben, von denen die gewöhnlichſten hier angeführt werden ſollen: a) Der grade Kopf zeichnet ſich durch ſeine breite Stirn und gerade hinablaufende Naſe aus, und wird allgemein für die ſchonſte Form gehalten. b) Der Ramskopf hat eine gewölbte Stirn und gekrümmte Naſe; er giebt dem Pferde ein dummes, unfreundliches Anſehen, und iſt gewöhnlich nur bei ſchweren, dickknochigen Pferden anzutreffen; fängt die Krümmung erſt von der Mitte der Naſe an, ſo nennt man dieſe Bildung: einen halben Ramskopf. 40* 316 92. c) Der Schweinekopf iſt an der Stirn und den Naſenbeinen, wie bei dem Schweine, eingedrückt, da⸗ gegen ſind die Ganaſchen plump, und ſehr ſtark her⸗ vorgewölbt; ſind hiermit, wie dieſes gewöhnlich der Fall iſt, noch große Ohren verbunden, ſo iſt der Uebelſtand nur um ſo größer. d) Der Ochſenkopf; dieſer iſt plump, übermäßig kurz, und ſehr breit an der Stirn; mit großen, tief angeſetzten Ohren. e) Ein ſehr ſchmaler und dabei langer Kopf, wel⸗ cher zugleich ſehr enge Ganaſchen hat, heißt ein Alter⸗ Weiberkopf. 2) Der Hals. Dieſem dienen die ſieben Hals⸗ wirbel zur Grundlage, welche unter einander durch Gelenke verbunden ſind, und außerdem durch zwei ſtarke, ſehnige Bänder, das breite Halsband und das lange Nackenband zuſammengehalten werden. Nach oben verbindet ſich der Hals mit dem Kopfe, indem er das Genick bildet; nach unten und hinten mit dem Widerrüſte und der Bruſt. Man betrachtet am Halſe den obern und den untern Rand, und die beiden Seitenflächen. a) Der obere Rand, oder der Kamm iſt der Theil des Halſes, auf dem die Mähnen ſitzen; letztere, welche dem Pferde lediglich zur Zierde zu dienen ſchei⸗ nen, müſſen nicht zu dick, und nur mäßig lang ſein, wenn ſie ſchön genannt werden ſollen; bei edlen Pfer⸗ den iſt die Mähne gewöhnlich dünn und fein, bei Pferden von gemeinem Schlage iſt ſie dagegen in der Regel ſehr dick und buſchig, und oft auch bedeutend lang. Hengſte haben dickere Mähnen, als Stuten und Wallachen. Der Kamm ſelbſt muß dünn und ſcharf ſein, und gerade aufrecht ſtehen; iſt derſelbe zu breit und zu dick, ſo nennt man den Hals einen Speckhals, und hat ſich neben dem Kamme eine ſo große Menge Fett angeſammelt, daß er durch die eigene Schwere nach einer der beiden Seite herunter hängt, ſo nennt man ihn einen hängenden Speckhals. b) Der vordere Rand des Halſes wird durch die Luftröhre gebildet, welche aus den Ganaſchen in die Bruſthöhle hinabſteigt. Um ſich von der Beſchaffen⸗ heit der Lungen zu überzeugen, drückt man die Luft— röhre da, wo ſie aus den Ganaſchen ſteigt, zuſam⸗ men, um das Pferd künſtlich zum Huſten zu reizen; erfolgt letzterer nicht gar zu ſchnell, und iſt der Ton deſſelben hell und kräftig, ſo kann man in der Regel auf geſunde Lungen ſchließen. Die Vorhand. c) Die Seitenflächen des Halſes werden durch ſtarke Muskeln gebildet, welche zur Aufrechthaltung und Bewegung des Kopfes dienen; ſie müſſen feſt und markirt, und nicht zu ſtark nach außen gewölbt ſein. Zwiſchen den Seitenflächen des Halſes und der Luft⸗ röhre befindet ſich eine Rinne, in welcher die Hals⸗ blutader ihre Lage hat, an welcher gewöhnlich der Aderlaß vorgenommen wird. Ein ſchoner Hals muß ſchlank, gehörig lang und ſowohl mit dem Kopf als mit dem Widerrüſte auf eine leichte, gefällige Art verbunden ſein; vom Wi⸗ derrüſte muß er gehörig in die Höhe ſteigen, und ſich nach dem Kopfe zu ſanft krümmen, welches man einen guten Aufſatz nennt. Die hauptſäͤchlichſten Formen ſind: 1) Der Schwanenhals; er iſt beträchtlich lang und ſtark, und ſtellt eine zweifache Krümmung dar. Nichtkenner halten dieſe gefällige Form für die beſte, obwohl mit Unrecht, denn ſie beſchwert durch ihr Gewicht die Vorhand, und macht dergleichen Pferde gewöhnlich nur zu Zugpferden tauglich. 2) Der Hirſch⸗ oder verkehrte Hals, iſt, umge⸗ kehrt wie der vorige, am Kamme vertieft und am vor⸗ deren Rande bogenförmig herausgewölbt; findet ſich bei dieſer Geſtalt dicht über dem Widerrüſte ein tiefer Ausſchnitt, ſo nennt man einen ſolchen Hals ausge⸗ hauen. 3) Iſt der Hals ſehr dick und kurz, ſo heißt er ein Schweinehals, welcher gewöhnlich ſehr niedrig aus der Bruſt hervorgewachſen iſt. Da ein ſolcher Hals den Reiter nicht deckt, und keine gute Führung verſtattet, ſo eignet ſich ein Pferd mit einem Schwei⸗ nehalſe zum Reiten nicht. Iſt der Hals zu dünn und zu lang, ſo wird das Pferd dadurch nicht nur entſtellt, ſondern ein ſolcher Hals iſt unfähig, zumal wenn ein ſchwerer Kopf damit verbunden iſt, den Kopf gehörig und leicht zu tragen, weßhalb ein ſolcher Hals die Arbeit des Reiters ſehr erſchwert. Zu dicke und plumpe Hälſe beſchweren ebenfalls die Vorhand, und verſtat⸗ ten dem ganzen Thiere keinen freien und lebhaften Gang. Hengſte haben dickere und plumpere Hälſe als Stuten und Wallachen. 4) Der Widerrüſt. Er bildet jene Erhabenheit, welche ſich zwiſchen dem Halſe und dem Rücken befin⸗ det; ſeine Grundlage ſtellen die Dornfortſätze mehrerer Rückenwirbel dar, über welche das lange Nackenband hinwegläuft. Ein ſchöner Widerrüſt muß nicht zu fleiſchig ſein, und vom Halſe abwärts ſteigend ſich 92. recht weit in den Rücken, obgleich unmerklich, verlie⸗ ren; iſt er zu hoch und zu ſcharf, ſo bildet er nicht nur einen Schönheitsfehler, ſondern er verſtattet dem Sattel keine feſte Lage, und giebt dadurch Veranlaſſung zu Quetſchungen und Druck; ein runder und zu flei⸗ ſchiger Widerrüſt dagegen iſt meiſtens zu niedrig und mit einem zu dicken Halſe verbunden. Iſt das Pferd vom Vorderhufe bis zum höchſten Punkte des Wider⸗ rüſtes etwa einen Zoll höher, als die Kruppe, ſo iſt dieſes die beſte Proportion. 5) Die Bruſt. Sie begreift die Theile in ſich, welche ſich zwiſchen dem untern Ende des Halſes, den Vorderſchenkeln und dem Anfange des Bauches befin⸗ den. Zur Grundlage dient ihr das Bruſtbein. In der Mitte der Bruſt befindet ſich eine lange Rinne, welche die Bruſtgrube heißt, zu deren beiden Seiten ſich die fleiſchigen, runden Bruſt-Muskeln bemerken laſſen. Eine gute Bruſt muß gehörig breit und flei⸗ ſchig ſein, wenn ſie Geſundheit und Kraft verrathen ſoll; iſt ſie zu ſchmal, ſo zeugt das nicht nur von wenig Vermögen, ſondern, da dieſer Uebelſtand ſtets mit einem ſchmalen Bruſtkaſten verbunden iſt, ſo liegt darin ſchon ein Fehler der Bruſteingeweide, oder doch eine große Anlage zu Lungenkrankheiten. Eine gar zu breite und zu fleiſchige Bruſt dagegen, macht die Vorhand zu ſchwer, und da hiermit gewöhnlich ein ſchwerfälliger, ſchaukelnder Gang verbunden iſt, ſo eignet ſich ein ſolches Pferd nur zum Zuge. Zuweilen ragt das Bruſtbein als ein ſcharfer Kamm hervor, wo dann die Bruſt eine Habichtsbruſt genannt wird; es iſt dies, außer daß er das Auge be⸗ leidigt, kein weſentlicher Fehler, und kann nur bei ſehr ſtarker Ausbildung ein Pferd im Zuge durch den Druck des Geſchirres beläſtigen. 6) Die Vorderſchenkel. Ihre einzelnen Theile, von oben herab bis zum Hufe, ſind folgende: a) Die Schulter, der das Schulterblatt, ein drei⸗ eckiger, platter Knochen, zur Grundlage dient; ſie ſteigt in ſchräger Richtung vom Widerrüſte bis zum Buge herab. Gute Schultern müſſen nicht zu fett, und mit ſtrammen, eher magern Muskeln bedeckt ſein; je länger die Schultern ſind, und je ſchräger ihre Lage iſt, deſto beſſer, denn deſto räumlicher iſt der Schritt, und deſto kraftvoller das Vordertheil. Kurze Schultern, und wenn ſie eine mehr gerade Richtung haben, wer⸗ den leicht abgenutzt und ſtumpf, obwohl die Bewe⸗ gungen ſchnell ſind; gebunden heißt die Schulter, Die Vorhand. 317 wenn ſie wenig oder gar keine Bewegung hat, ſo daß die Vorderſchenkel ganz allein arbeiten müſſen; zu locker hingegen iſt die Schulter, wenn ihre Bewegung unbeſtimmt und ſchwankend iſt. Zu fleiſchige, über⸗ ladene Schultern eignen ſich nur zum Zuge; ſehr ma⸗ gere, flache Schultern verrathen wenig Kraft und Ausdauer. b) Mit dem unteren Ende des Schulterblattes verbindet ſich das Oberarm- oder Querbein, und bil⸗ det damit das Bug. Dieſes muß nicht über das Bruſtbein hervorragen, und bei Reitpferden nur mäßig fleiſchig ſein. Von der richtigen Lage dieſes Knochens hängt ſehr viel für die Stellung und Bewegung des Vorderſchenkels ab. Iſt die Lage zu ſchräg, ſo erhält der ganze Schenkel dadurch eine Stellung nach rück⸗ wärts, und unter die Bruſt, in welchem Falle man das Pferd überbauet oder überhängend nennt; zu⸗ weilen iſt dieſer Uebelſtand auch Folge von zu ſtarkem Gebrauche des Pferdes. Sehr fette, fleiſchige Buge eignen ſich mehr zum Zuge als zum Reiten. c) Nach unten und hinten verbindet ſich das Bug mit dem Vor⸗ oder Unterarm, indem ſich das untere Ende des Oberarmbeines mit dem Kegel⸗ und Ellen⸗ bogenbeine verbindet. Der Arm muß recht lang, und mit ſtrammen, ſcharf conturirten Muskeln belegt ſein; er muß ferner gerade unter der Schulter ſtehen und ſenkrecht hinabſteigen, von der Seite geſehen, muß die Breite beträchtlich ſein. Der Ellbogen muß weder zu nahe an der Bruſt, noch zu entfernt von ihr abſtehen; im erſten Falle erhält der ganze Schenkel dadurch eine Stellung nach auswärts, wo man ein ſolches Pferd dann einen Tanzmeiſter nennt, oder ſagt: daſſelbe ſtehe franzöſiſch; im entgegengeſetzten Falle ſind die Hufe nach innen einander entgegen gekehrt, und das Pferd heißt dann ein Zehentreter. Iſt der Vorarm ſehr kurz, und das Schienbein um ſo viel länger, ſo wird der Gang dadurch zwar erhaben und elegant; er verliert aber dagegen an Ausdauer und Schnelligkeit. Magere, dünne Arme verrathen wenig Kraft, und ſind daher zu tadeln. Ungefähr in der Mitte der inneren Seite des Ar⸗ mes befindet ſich ein hornartiger, länglich⸗runder Aus⸗ wuchs, die Kaſtanie oder Hornwarze, welche gänzlich ohne Funktion iſt, und die als ein Rudiment des Daumens vielzehiger Thiere angeſehen werden muß. Bei edlen, feinen Pferden iſt ſie klein und mager, bei gemeinen, und Pferden mit langem Haar hat ſie ge⸗ 318 92. Die Vorhand. wöhnlich einen beträchtlichen Umfang, und wächſt oft zu einer bedeutenden Länge. b) Das Vorderknie befindet ſich zwiſchen dem Arme und dem Schienbeine, und es wird aus den ſieben Knieknochen gebildet; daſſelbe muß derb, mager, von vorn geſehen recht breit, und nach den Seiten zu etwas abgerundet ſein. Betrachtet man das Knie von der Seite, ſo muß daſſelbe mit dem Arme und mit dem Schienbeine eine ſenkrecht zur Erde ſteigende, gerade Linie bilden; ragt das Knie hervor, ſo befindet ſich auf demſelben entweder eine Geſchwulſt, oder wenn der ganze Schenkel im Knie eine krumme Linie nach vorn beſchreibt, ſo iſt der Schenkel abgenutzt und ſtruppirt, und das Pferd heißt dann bockbeinig. Die Beugeſehnen, welche an der hintern Fläche des Knie's (der Kniebeuge) hinablaufen, müſſen breit ſein, und recht weit vom Knie abſtehen, wenn der Schenkel Kraft und Ausdauer verrathen ſoll; befindet ſich dicht unterm Knie ein Ausſchnitt, und liegen die Sehnen hier ſehr dicht am Knochen, ſo deutet dieſes auf das Gegentheil. e) Das Schienbein iſt zwiſchen Knie und Feſſel gelegen, und wird durch den Knochen gleiches Namens und die beiden Griffelbeine gebildet. Auf der vorde⸗ ren Fläche dieſes Knochens liegen die Streck⸗, auf der hinteren die Beugeſehnen des Hufes; letztere müſſen derb und breit ſein, und recht weit vom Knochen ab⸗ ſtehen, ſo daß zwiſchen Knochen und Sehnen noch eine merkliche Längsrinne übrig bleibt. Die Trocken⸗ heit und Breite des Schienbeines zeigen Ausdauer und edle Abkunft an. Iſt das Haar am hintern Rande ſehr lang und dick, und iſt das Schienbein abgerundet, und die Haut auf demſelben dick und ſchwammig, ſo iſt dieſes ein Zeichen gemeiner Race. —h Der Feſſel, welcher das Feſſelbein zur Baſis hat, verbindet ſich mit dem Schienen⸗ und Kronen⸗ beine, und ſteigt von erſterem in ſchräger Richtung nach vorn herab. Lage und Länge dieſes Theiles ſind von der größten Wichtigkeit; iſt der Feſſel zu lang und zu ſchräge geſtellt, ſo iſt er gemeinhin mit Schwäche verbunden; hat dieſer Uebelſtand einen ſo hohen Grad erreicht, daß die Köthe die Erde berührt, ſo nennt man ein ſolches Pferd bärenfüßig. Dergleichen Pferde eignen ſich noch eher zum Reiten als zum Zuge. Iſt im Gegentheil der Feſſel zu kurz, und zu gerade geſtellt, ſo ſind die Bewegungen hart und ſtoßend, auch wird bei dieſer Bildung der Schenkel leicht ſteif, wovon man den höchſten Grad Stelzfüßigkeit nennt. Durch die Vereinigung des Feſſels mit dem Schien⸗ beine wird das Köthengelenke erzeugt, hinter dem noch zwei kleine Knochen befindlich ſind, über welche die Beugeſehnen des Hufes, wie über eine Rolle, hin⸗ weggleiten. Dieſes Gelenk muß mager und trocken, und nur wenig dicker ſein, als der Feſſel. Am hinteren Theile deſſelben befindet ſich der Köthen⸗ oder Feſſel⸗ zopf, welcher bei edlen Pferden einen nur ſehr dünnen Büſchel mäßig langer Haare darſtellt, bei gemeinen, ſchweren Pferden hingegen meiſt ſehr dick und lang iſt, ſo daß er auf die Erde herabreicht. In der Mitte des Köthenzopfes iſt eine kleine Hornwarze, der Sporn, welcher jedoch gänzlich ohne Bedeutung iſt. g) Die Krone, welche durch das Kronenbein ge⸗ bildet wird, macht den Uebergang des Feſſels zum Hufe, und bildet den behaarten, oberen Rand des letz⸗ teren. Sie darf nicht vertieft und eingefallen ſein, ſondern muß ein wenig über den Saum des Hufes hervorragen. 4 n) Der Huf bildet das untere Ende des Schen⸗ kels, und ſtellt eine hörnerne Kapſel, oder eine Art Schuh dar, wodurch das untere Ende des Kronenbei⸗ nes, das Hufbein, das Strahlbein, und außerdem noch mehrere Sehnen und fleiſchige Theile eingeſchloſ⸗ ſen werden. Der Huf beſteht aus der Hornwand, der Hornſohle und dem Hornſtrahle. Die Hornwand iſt der Theil des Hufes, der beim ſtehenden Pferde ſicht⸗ bar iſt; ſie muß eine gehörige Richtung haben, und darf weder zu ſteil noch zu flach ſein; ihre äußere Fläche ſei glatt und mit einer glänzenden Haut über⸗ zogen. Die Hornſohle macht den unteren, der Erde zugekehrten Theil des Hufes aus, und wird erſt bei dem Aufheben deſſelben ſichtbar; ringsum verbindet ſie ſich mit der Hornwand. Die Sohle muß gehörig hohl ſein, und darf weder flach, noch gar nach außen hervorgewölbt erſcheinen. Der Hornſtrahl endlich bil⸗ det jenen keilförmigen Theil, welcher ſich zwiſchen dem hintern Ende der Sohle befindet; er muß recht derb und elaſtiſch, und mäßig groß ſein. Oberhalb dem Strahle, nach hinten zu, befinden ſich die Ferſen oder Ballen, welche durch eine Spalte von einander ge⸗ trennt ſind. Von oben ſind ſie mit Haaren, von unten aber mit einer feinen, hornartigen Haut, die eine Fortſetzung des Strahles iſt, bedeckt. Sie müſſen 93. recht elaſtiſch und nicht zu trocken ſein, noch ſich zu nahe an einander befinden. Der Huf kann auf mannigfache Weiſe in ſeiner Form und Struktur vom geſunden Zuſtande abwei⸗ chen, welches entweder angeboren, oder erſt ſpäter durch üble Behandlung oder Krankheiten erlangt iſt; die weſentlichſten Abweichungen von der Norm ſind folgende: 1) Der Ringelhuf; er hat auf ſeiner äußern Fläche mehrere erhabene, querlaufende Ringe, welche allemal auf eine vorangegangene Entzündung der fleiſchigen Theile des Hufes hindeuten. Sind dieſe Ringe nur flach, und iſt der Huf nicht zuſammengeſchrumpft, zu klein und zu trocken, ſo iſt der Fehler nicht von Bedeu⸗ tung; im entgegengeſetzten Falle jedoch iſt der Ringel⸗ huf um ſo übler, als er Anlage zu neuen Entzündun⸗ gen giebt, und in Folge deſſen einen ſchmerzhaften Gang verurſacht. 2) Der Platt⸗ oder Flachhuf; er iſt gewöhnlich von ſehr großem Umfange, mit ſehr flach hinabſtei⸗ gender Hornwand, und einer Sohle, welche nicht hohl, ſondern ſo flach iſt, daß ſie beim Auftreten überall den Erdboden berührt. Pferde mit ſolchen Hufen eignen ſich nicht zum Gebrauche auf hartem Boden und auf Chauſſeen, weil die Fleiſchtheile des Hufes dabei häufig einer Quetſchung ausgeſetzt ſind, in deren Folge Steingallen, Eiteranſammlung im Hufe, und dadurch Lahmheit entſtehen. Durch einen guten Beſchlag kann ein platthufiges Pferd jedoch auf Der Leib. 319 dem Lande oder im langſamen Gange oft gute Dienſte leiſten. Iſt die Hornſohle nicht nur nicht hohl, ſon— dern ſogar nach außen heraus gewölbt, ſo nennt man dieſen Fehler einen Vollhuf. Dieſer iſt noch mehr zu tadeln, als der Flachhuf, und er iſt nur durch den ſorgfältigſten Beſchlag im langſamen Zuge auf wei⸗ chem Boden einigermaßen brauchbar zu erhalten. 3) Der Zwanghuf; er iſt zu klein und zu trocken, und ſeine Ferſen ſind einander zu ſehr genähert; da— durch werden die Fleiſchtheile des Hufes gedrückt, und es entſteht ein ſchmerzhafter Gang, und bei langem Gebrauche Entzündung der Hufe. Es iſt dieſe Bil⸗ dung deshalb ſehr zu tadeln. 4) Der Eſels⸗ oder Bockhuf; er iſt dem vorigen ſehr ähnlich, nur zeichnet er ſich noch beſonders durch ſeine hohen, zu gerade hinaufſteigenden Trachtenwände aus. Ein geſunder Huf iſt bei dem Pferde eine Haupt⸗ bedingniß für deſſen Brauchbarkeit, er darf weder zu groß noch zu klein und zu trocken ſein, ſondern muß eine, dem Schenkel und dem ganzen Pferde angemeſ⸗ ſene Proportion haben. Zu große Hufe ſind dem freien, ſchnellen Gange nicht nur hinderlich, ſondern ſie beleidigen auch das Auge, und haben nebenbei viele Anlagen zu Krankheiten; zu kleine Hufe hingegen ſind zwar dem Auge wohlgefällig, doch ſind ſie der Erfah⸗ rung nach ebenfalls zu Entzündungen u. ſ. w. ſehr geneigt. 93. 1) Der Rücken. Er iſt eine Fortſetzung des Widerrüſtes nach hinten, und erreicht mit der letzten Rippe, Anfangs der Lenden⸗ oder Nierengegend, ſein Ende. Seine Grundlage bilden eine Anzahl Rücken⸗ wirbel mit ihren Dornfortſätzen und das obere Ende der Rippen. Ein ſchöner Rücken muß breit und gut gerundet ſein, und vom Widerrüſte ſanft abwärts ſtei⸗ gend nach hinten laufen, und zwar ſo, daß ſein oberer Rand zwiſchen dem Widerrüſte und dem höchſten Der Leib. Punkte der Kruppe, einen nur ſchwach geſenkten Bogen bildet; dabei muß der Rücken gehörig lang ſein, um ein geſtrecktes Pferd zu bilden. Ein gar zu langer Rücken jedoch ſchwächt das Pferd, und macht daſſelbe unfähig Laſten zu tragen; iſt der Rücken hingegen zu kurz, ſo verliert das Pferd dadurch das ſchöne, ſchlanke Anſehen, und die Räumlichkeit in dem Vorwärts⸗ ſchreiten, obgleich nicht zu leugnen iſt, daß dadurch die Kraft gewinnt. Iſt der Rücken zu ſehr nach unten 320 93. gebogen, ſo heißt das Pferd ſenkrückig, oder eingeſat⸗ telt; es iſt dieſes nicht nur ein bedeutender Schön⸗ heitsfehler, ſondern es liegt auch nach den einfachſten Geſetzen der Mechanik ſehr nahe, daß ein ſolcher Rük⸗ ken weder Kraft noch Ausdauer haben kann. Sind die Dornfortſätze der Wirbel ſehr lang, ſo erzeugen ſie, vorzüglich wenn damit ein ſchmaler Bruſtkaſten ver⸗ bunden iſt, einen ſcharfen, mageren Rücken; ſind die Dornfortſätze dagegen ſehr kurz, und die Rippen hoch herausgewölbt, ſo entſteht in der Mitte eine vertiefte Rinne. Beide ſind fehlerhaft, jedoch der ſcharfe Rük⸗ ken mehr, als der geſpaltene. 2) Als eine Fortſetzung des Rückens muß die Lenden⸗ oder Nierengegend angeſehen werden, welcher die ſechs Lendenwirbel zur Grundlage dienen. Sie muß mit dem Rücken in horizontaler Richtung verlau⸗ fen, recht breit, kurz und voll ſein, und nach den Sei⸗ ten hin ſich ſanft abrunden. Iſt die Lende zu lang, ſo wird der Raum zwiſchen der letzten Rippe und der Hüfte zu groß, und das Pferd heißt dann langgerippt, welches allemal ein Tadel iſt. Pferde mit kurzer Lende heißen geſchloſſen oder kurzgerippt, und ſind meiſtens dauerhafte und gute Arbeiter. Eine Krümmung der Lende mit einem Theile des Rückens nach oben, nennt man einen Karpfen⸗ oder Kameelrücken. 3) Die Rippen; ſie bilden eine geräumige, ge⸗ wölbte Höhle, den Bruſtkaſten, welcher die Lungen und das Herz einſchließt. Nach vorn reichen ſie an die Schultern und das Bug, nach hinten an den Leib und die Flanken, und nach oben verbinden ſie ſich mit dem Rücken. Die Rippen müſſen tonnenartig, rund und tief herabgewölbt ſein, wenn die Lungen eine freie Lage und Bewegung haben ſollen. Iſt der Bruſtka⸗ ſten ſchmal, und von den Seiten zuſammengedrückt, ſo heißt er plattgerippt, und iſt als ein weſentlicher Fehler zu betrachten, weil er die freie Reſpiration nicht nur beeinträchtigt, ſondern auch gewöhnlich mit einem ſchwachen Knochenbaue verbunden iſt. 4) Der Bauch; er verbindet ſich mit der Bruſt nach vorn, und mit dem Becken nach hinten, und wird allein von Muskeln bedeckt. Derſelbe muß rund und von gleichem Umfange wie die Rippen ſein, und darf weder aufgebläht, noch aufgeſchürzt erſcheinen. Durch einen guten Bauch erhält der ganze Körper eine ſchlanke, runde Geſtalt, und der Raum, welcher ſich zwiſchen den vordern und hintern Schenkeln befindet, Der Leib. wird dadurch weit und offen. Iſt der Bauch ſehr dünn und aufgezogen, ſo iſt er nicht nur häßlich, ſon⸗ dern er iſt gemeinhin ein Zeichen, daß das Pferd dämpfig, zu hitzig, kein guter Freſſer, oder auf ſonſt eine Weiſe krank iſt. Kuh- oder Hängebauch heißt er, wenn er nach unten ungewöhnlich dick iſt, und tief herabhängt, wie es meiſt bei ſenkrückigen Pferden der Fall iſt; Heubauch wird er genannt, wenn der Bauch gleichfalls ſehr dick, aber nicht ſowohl nach unten als an den Seiten ſtark herausgewölbt iſt. Dickbäuchige Pferde ſind meiſt ſchwer, langſam und zu keiner an⸗ ſtrengenden Arbeit brauchbar. Stuten iſt durchweg, zumal wenn ſie ſchon getragen haben, ein ſtärkerer Bauch eigen, als Hengſten und Wallachen. 5) Die Flanken oder Weichen; ſie werden durch die letzte Rippe, die Querfortſätze der Lendenwirbel und durch das Darmbein eingeſchloſſen. Sie dürfen keine Vertiefung bilden, ſondern müſſen ausgefüllt und recht kurz ſein. 6) Am hintern und untern Theile des Bauches haben die männlichen Geſchlechtstheile ihre Lage. Man theilt ſie in den Schlauch, die Ruthe und das Geſchröte. a) Der Schlauch oder die Vorhaut iſt die ſchei⸗ denartige, doppelgefaltete Haut, in welcher die Ruthe im Zuſtande der Ruhe ihre Lage hat; er muß nicht zu groß und zu fett, und nur an dem vorderen Theile etwas behaart ſein. Iſt derſelbe ſehr klein, und zu⸗ ſammengeſchrumpft und ſtark bewachſen, ſo deutet dies in der Regel auf einen ſchwächlichen Körper. b) Die Ruthe oder das Hengſtglied hat in dem Schlauche ihre Lage, aus welchem ſie nur zum Theil beim Urinlaſſen hervortritt, aber dann gänzlich ſicht⸗ bar wird, wenn das Pferd zum Begatten ſich anſchickt. Bei Beſchälern verdient dieſer Theil in Bezug auf Dicke, Länge, Richtung u. ſ. w. genaue Berückſich⸗ tigung.- c) Das Geſchröte wird der Hodenſack mit den beiden in ihm enthaltenen Hoden oder Teſtikeln ge⸗ nannt. Der Hodenſack muß aus einer dünnen, nur wenig behaarten Haut beſtehen, welche ſich beim An⸗ fühlen kräuſelt und zuſammenzieht; die Hoden müſſen von derber Beſchaffenheit ſein, doch keine Geſchwulſt oder Verhärtung zeigen. Bei den ſogenannten Klopf⸗ hengſten iſt nur ein Hode zu fühlen; der andere iſt 94. Die Nach⸗ oder Hinterhand. in der Bauchhöhle zurückgeblieben. Der Geſund⸗ 321 7) Das Euter der Stuten hat ſeine Lage an dem heit bringt dieſes zwar keinen Nachtheil, jedoch iſt ein Orte, wo ſich bei Hengſten der Hodenſack befindet ſolches Pferd nie ganz zu kaſtriren, und muß deshalb ſtets Hengſt bleiben. Daſſelbe darf weder Geſchwulſt noch Verhärtungen zeigen. 94. Die Nach⸗oder Hinterhand. 1) Das Kreuz oder die Kruppe hat das Darmbein und das Kreuz⸗ oder Heiligenbein zur Grundlage. Ein ſchönes Kreuz muß, von der Seite geſehen, recht lang und gefüllt ſein, mit den Lenden in horizontaler Rich⸗ tung fortlaufen, und gegen den Schweif zu ſich nur mäßig abrunden und ſenken; eben ſo, von hinten ge⸗ ſehen, muß das Kreuz angemeſſen breit und abgerundet erſcheinen, und mit feſten, ſtraffen Muskeln bedeckt ſein. Senkt ſich die Kruppe von ihrem Urſprunge bis zum Schweife ſehr herab, ſtatt gerade zu ſein, ſo heißt ſie abſchüſſig oder abgeſchliffen, und bildet einen ſehr be⸗ deutenden Schönheitsfehler. Ein geſpaltenes oder gekerbtes Kreuz entſteht, wenn daſſelbe ſehr breit iſt, und die Seitentheile mit übermäßig fetten Muskeln belegt ſind, ſo daß in der Mitte eine Rinne entſteht. Es iſt dieſes nur ein Fehler für's Auge, und kommt lediglich nur bei gut genährten und kräftigen Pferden vor. Bildet die Kruppe im entgegengeſetzten Falle in der Mitte eine ſcharf hervorragende Erhabenheit, und i*ſt dieſelbe überhaupt ſehr abſchüſſig und bogenförmig gekrümmt, ſo heißt dieſer bedeutende Schönheitsfehler eine Schweinekreuz. Der vordere Theil der Kruppe wird nach außen durch die Hüften oder Hanken be⸗ gränzt, welche bei ſchönen Pferden heruntergebogen ſein müſſen, wodurch die Kruppe, von hinten geſehen, eine oval abgerundete und daher gefällige Form erhält. Sehr breite und ſpitz hervorſtehende Hüften entſtellen das ſchönſte Pferd, und ſind entweder angeboren, oder Folge großer Magerkeit. Stuten haben gewöhnlich breitere Hüften als Wallachen und Hengſte. 2) Der Schweif entſpringt aus dem hinteren Theile der Kruppe, und ſchließt ſechzehn bis achtzehn Schweif⸗ wirbel ein.„Gut angeſetzt“ nennt man den Schweif, wenn er aus einem vollen, geraden Kreuze recht hoch hervorgeht; der fleiſchige Theil deſſelben, die Rübe, Wagenfeld, Encyel. muß nicht zu dick, aber derb und feſt ſein; ſchön iſt der Schweif alsdann, wenn ſeine Haare nicht zu dick, doch recht lang ſind. Ein niedrig angeſetzter Schweif bei abſchüſſiger Kruppe; eine dicke, ſehr fleiſchige Rübe und ſehr ſtarke und lange Schweifhaare ſind gemein⸗ hin, wenn gleich nicht allemal, ein Zeichen gemeiner Race. 3) Der After iſt die äußere Mündung des Maſt⸗ darms, und befindet ſich dicht unter dem Schweife. Er muß gehörig geſchloſſen ſein, und darf weder zu weit hervorragen, noch die innere Schleimhaut zeigen. 4) Unmittelbar unter dem After befindet ſich bei Stuten der Wurf oder das Geburtsglied. Es iſt im geſunden Zuſtande durch die beiden Schamlefzen ge⸗ ſchloſſen, und darf nicht angeſchwollen erſcheinen, außer wenn die Stute roſſig oder trächtig iſt. 5) Das Dickbein hat das Backen⸗ oder Schenkel⸗ bein zur Baſis, und verbindet ſich nach vorn mit den Flanken und der Knieſcheibe, nach oben mit der Kruppe und nach unten mit der Hoſe. Die Hoſe muß recht breit und mit dicken, feſten Muskeln bedeckt ſein. Nach hinten zu bildet das Dickbein die Hinterbacke, welche wohl abgerundet und gefüllt ſein muß, wenn ſie nicht widrig ausſehen ſoll, wie dieß z. B. bei ſehr magern Pferden der Fall iſt. 6) Die Knieſcheibe oder der Leiſt befindet ſich auf dem untern Ende des Backenbeines, und wird auf demſelben durch ſehr ſtarke Muskeln, welche ſich an ſie heften, bewegt. Sie ſei derb und mager und recht beſtimmt unter der Haut zu fühlen. 7) Der Unterſchenkel befindet ſich zwiſchen dem Knie und dem Sprunggelenke, und wird durch das (eigentliche) Schien- und Wadenbein zuſammengeſetzt. Durch eine Anhäufung vieler Muskeln wird auf der äußeren Fläche, etwa in der Mitte, die ſogenannte 41 322 94. Die Nach⸗ oder Hinterhand. Hoſe oder Keule gebildet, welche derb, recht hoch nach außen gewölbt, und, von der Seite geſehen, recht breit erſcheinen muß. Iſt die Richtung des Unterſchenkels zu ſchräg und zu weit nach hinten gehend, ſo heißt ein Pferd mit ſolchen Schenkeln„ſäbelbeinig;“ ſteht der Schenkel dagegen zu gerade, und zu weit unter dem Bauche, ſo macht dieſes, wie jenes, einen weſentlichen Uebelſtand aus. 8) Das Sprunggelenk(fälſchlich Hinterknie ge⸗ nannt) befindet ſich unter dem Unterſchenkel, und wird aus den Sprunggelenks-Knochen gebildet, von denen die beiden größern die Rolle und das Hakenbein hei⸗ ßen. Es giebt faſt kein Gelenk am ganzen Körper des Pferdes, welches von ſolcher Wichtigkeit wäre, wie dieſes, und kaum iſt irgend ein Gelenk ſo vielen Feh— lern unterworfen, als gerade dieſes. Das Sprung⸗ gelenk muß breit, mager, trocken und die darüber lie⸗ gende Haut ſo feſt angeſpannt ſein, daß die Umriſſe der einzelnen Knochen ſichtbar werden. Alle Aufge— dunſenheit und Rundung im Sprunggelenke verräth Schwäche und einen ſchwammigen, lockeren Knochen⸗ bau. Das Hakenbein ſei recht lang, weil dadurch die Hoſe an Breite und deshalb auch an Kraft gewinnt. Von rückwärts geſehen, erſcheinen die Sprunggelenke etwas gegen einander geneigt, ohne jedoch ſehr enge zu ſtehen: iſt die Stellung derſelben zu nahe an einander, ſo nennt man den Stand einen„kuhheſſigen.“ Unterhalb dem Sprunggelenke befinden ſich dieſel⸗ ben Theile, wie unter dem Kniedes Vorderſchenkels. Das Schienbein muß ebenfalls recht trocken und breit ſein, die am hintern Randedeſſelben herablaufenden Sehnen aber müſſen recht weit vom Knochen abſtehen. Die Stel⸗ lung des Schienbeines muß ſo ſein, daß der hintere Rand deſſelben, in Verbindung mit dem Hakenbeine, eine ſenkrecht zur Erde gehende Linie bildet. Steht das Schienbein zu weit unterm Leibe nach vorn, ſo ent⸗ ſteht dadurch jener häßliche Schenkelbau, den man „ſäbelbeinig“ nennt. Nach dieſer Beſchreibung aller wichtigeren Theile des Pferdes im einzelnen, wollen wir dieſelben nun in ihrer Verbindung mit und unter einander durchgehen, jedoch dieſelben nur im Zuſtande der Ruhe betrachten. Die Knochen bilden die Grundlage der ganzen Ma⸗ ſchine. Ihre Struktur, Lage, Verbindung und Propor⸗ tion beſtimmen nicht nur das Verhältniß der einzelnen Theile, ſondern zugleich das des ganzen Körpers. Feine und feſte Knochen zeugen von feſtem Faſerbaue, von Kraft und Energie; und daher von edler Abkunft; dicke, ſchwammige Knochen ſind ein Beweis gemeiner Race. Die bewegende Kraft der Knochen wird durch die Muskeln(gewöhnlich„Fleiſch“ genannt) gebildet; ihre Vorzüglichkeit zeigen ſie durch Strammheit, Ela⸗ ſticität und Kraft. Zeigen ſich die Muskeln im Zu⸗ ſtande der Ruhe derb und feſt, ſo läßt das auf Kraft und Ausdauer bei der Bewegung ſchließen; ſind ſie gegentheils ſchwammig, locker und beim Anfühlen ſchwappend und weich, ſo iſt allemal wenig Vermögen und Ausdauer damit verbunden. Im Allgemeinen iſt anzunehmen, daß die Muskeln, je voller, runder und dicker ſie ſind, und je mehr ſie— jedoch ohne fett zu ſein— die Theile ausfüllen, deſto kräftiger ſind; daß ma⸗ gere, dünne und zuſammengedrückte Muskeln hingegen weniger abſolute Kraft vermuthen laſſen. Bei vorzügli⸗ chen, beſonders edlen Pferden findet man die Muskeln, beſonders am Kopfe, Halſe, den Schultern und vor⸗ zugsweiſe an den Schenkeln, durch Vertiefungen, Gruben und Rinnen von einander abgeſondert. Bei gemeinen, unkräftigen Pferden dagegen ſind die Contu⸗ ren der Muskeln nicht wahrzunehmen, ſondern Alles bildet ein Stück. Die Dicke der lockeren Muskeln gemeiner Pferde, wird bei den dünneren Muskeln der edlen Pferde, durch größere Strammheit und feſteren Faſerbau erſetzt. Einen ziemlich ſichern Maßſtab für die Energie und Muskelkraft des ganzen Körpers giebt der Verſuch des Aufhebens des Schweifes.— Je größerer Kraft es bedarf um den Schweif nach oben zu biegen, und je kräftiger das Pferd die Schweifrübe zwi⸗ ſchen die Schenkel klemmt, um ſo ſtärker und ausdauern⸗ der pflegen auch die übrigen Muskel⸗Aktionen zu ſein. Man betrachte bei dem ſtillſtehenden Pferde nun zunächſt den Kopf;z deſſen Forme Haltung, ſo wie ſeine Verbindung mit dem Halſe. Ob derſelbe proportionirt und kurz, an der Stirn breit, und die Naſe gerade iſt?— oder ob er plump, ſchwer, an Stirn und Naſe nach außen krummgebogen oder nach innen eingedrückt iſt? Ob derſelbe ſtark markirte Züge hat, ob die Muskeln mager ſind, und ob deren Umriſſe, ſo wie die Adern, durch die Haut durchſcheinen? Ob er fleiſchig und ohne ſcharfe und beſtimmte Umriſſe iſt? Ob die Ohren fein, klein und ſcharfrandig, nach vorn gerich⸗ tet ſind, und lebhaft bewegt werden?— oder ob ſie dick, ſehr groß und ſtark bewachſen ſind, ob ſie träge und nachläſſig bewegt werden, zu nahe bei, oder zu entfernt von einander ſtehen und ſchlaff herunter 94. hängen? Ob die Augen weit geöffnet und groß ſind, und einen feurigen, lebhaften Blick haben?— oder ob ſie klein und trübe, halb geſchloſſen und ohne Glanz ſind? Die Naſenlöcher,— ob ſie von großem Umfange, weit geöffnet, mit einer feinen Haut überzogen und mit ſcharfen Rändern verſehen ſind? oder ob ſie von kleinem Umfange, verſchwollen, mit Schleim und Eiter verklebt und dickrandig ſind? Ob die Lippen und das Kinn derb und fein? oder ob ſie dick, ſchwam— mig und grob ſind? Ob die Hinterkieferäſte ſcharf⸗ randig, mager und winklich?— oder ob ſie dick, flei⸗ ſchig und plump ſind? Ob der Kopf mit dem Halſe durch ein langes, breites Genick verbunden und recht hoch und frei angeſetzt— oder ob er niedrig, ſteif und wenig beweglich iſt? Ob der Hals recht ſchlank und lang iſt, aus dem Widerrüſte hoch emporſteigt, und nach dem Kopfe zu einen gefälligen Bogen macht; ob der Kamm ſcharf und mager iſt, die Muskeln des Halſes recht deutlich konturirt ſind?— oder ob der Hals kurz, dick, ſchlecht angeſetzt und niedrig aus der Bruſt hervorgewachſen, am KammeV ſehr fett, hängend, bogenartig ausge— ſchnitten, der vordere Rand herausgewölbt iſt? Iſt der Widerrüſt mäßig fleiſchig, und mit dem Halſe und Rücken, in welchen er ſich recht weit hinein erſtreckt, gut verbunden?— oder iſt er ſehr niedrig und fleiſchig, zu hoch, ſcharf und mager? Der Rücken; ob dieſer vom Widerrüſte ſanft ab⸗ wärts ſteigt, und in faſt gerader Linie ſich mit den Lenden verbindet, recht breit und ſtark iſt? oder ob er ſchmal und mager, zu ſehr nach auf⸗-, oder zu ſehr nach niederwärts gebogen, zu lang oder zu kurz iſt? Sind die Lenden breit, ſchön gefüllt, kurz, hori— zontal, geſchloſſen, mit Rücken und Kreuz ſchön ver⸗ bunden?— oder ſind ſie nach unten oder aufwärts gebogen, zu lang oder zu kurz? Das Kreuz; ob dieſes recht gerade und breit, lang, hübſch oval, mit ſtrammen, feſten Muskeln belegt iſt?— oder ob daſſelbe ſehr kurz, abſchüſſig, geſpal⸗ ten, in der Mitte durch einen Kamm erhaben, ſehr ſchmal und mager, mit Lenden und Schweif ſchlecht verbunden iſt? Ob die Hüften rund, tief herabgedrückt, in den Muskeln verborgen, und— von der Seite geſehen— oval ſind?— oder ob ſie ſehr plump, breit, weit her⸗ vorragend und winklich ſind? Der Schweif; iſt er recht hoch mit der Kruppe Die Nach⸗ oder Hinterhand. 323 verbunden; iſt die Rübe dünn und derb, vom Leibe etwas entfernt gehalten?— oder ſitzt er niedrig, iſt er zwiſchen den Hinterbacken eingeklemmt, ſehr dickhaarig, die Rübe ſehr dick, ſchwammig und ohne großen Widerſtand beim Aufheben? Ob die Bruſt— von vorn geſehen— gehörig breit und fleiſchig iſt?— oder ob ſie ſehr ſchmal, zuſammen⸗ gedrückt, übermäßig breit, plump und fett, das Bruſt⸗ bein ſcharf hervorſtehend iſt? Sind der Bruſtkaſten oder die Rippen recht breit, tonnenartig und tief her⸗ untergewölbt?— oder ſind ſie ſchmal, platt und von geringem Umfange? Iſt der Bauch gehörig rund, von gleichem Um— fange, wie die Rippen, ſchlank und faßartig?— oder iſt er hinabhängend, ſehr dick an den Seiten, oder unter oder in den Flanken ſehr dünn und aufgezogen? Sind die Flanken kurz, ſchön geſchloſſen und gefüllt? — oder ſind ſie lang, hohl und eingefallen? Die Vorderſchenkel; iſt an ihnen das Schulter— blatt recht lang, recht ſchräg gelagert, mit feſten, mäßig dicken Muskeln bedeckt?— oder iſt die Schul— ter kurz, ſehr gerade geſtellt, ſehr mager und trocken, mit ſehr dicken Muskeln und mit Fett beladen? Iſt der Oberarm recht lang, mit deutlich unterſcheidbaren, ſtraffen und kräftigen Muskeln belegt, von der Seite geſehen recht breit?— oder iſt er dünn, mager und ſchmal und ohne Muskel⸗Conturen. Iſt das Vorderknie— von vorn geſehen— recht breit, mager und völlig gerade? oder iſt daſſelbe dick, rund und ſchmal, und nach vorn gebogen? Iſt das Schienbein kurz, breit, trocken und mager, die Sehne vom hintern Rande recht entfernt, ſtramm und derb? — oder iſt es rundlich, und die Sehne dicht am Kno⸗ chen liegend, wie damit verwachſen, ſo daß ſie nicht durchs Geſicht vom Knochen zu unterſcheiden iſt? Iſt der Feſſel mager und trocken, ſchön geſtellt und mäßig lang?— oder iſt er ſehr lang, ſehr kurz, ſehr gerade oder ſehr ſchräg geſtellt? Sind die Hufe mäßig groß und hoch, feſt, auf der äußern Fläche glatt und glänzend; iſt die Sohle gehörig ausgehöhlt; die äußere Wand ſpröde, mit Ringen und Knollen verſehen, zu ſteil oder zu flach hinabſteigend; der Huf ſelbſt zu groß, zu klein oder zu trocken; die Sohle zu flach, nach außen gewölbt; der Strahl zu trocken und ſind die Ballen zu eng zuſammen? Die Hinterſchenkel; iſt die Hoſe oder der Unter— ſchenkel mit recht ſtrammen, markirten Muskeln bedeckt; 41* 324 von der Seite geſehen recht breit, ſeine Richtung ge⸗ hörig nach hinten ſteigend— oder iſt derſelbe ſehr ſchmal, mager und unkräftig;z ſeine Stellung zu gerade oder zu ſehr nach hinterwärts? Iſt das Sprunggelenk recht breit und mager; iſt die Haut über die Knochen deſſelben feſt angeſpannt, ſo daß die Umriſſe derſelben deutlich ſichtbar werden— oder iſt daſſelbe ſchmal und ſchwach, aufgedunſen und anſcheinend zu einer gleichförmig runden Maſſe verſchmolzen? Von der höchſten Wichtigkeit iſt die Stellung der Schenkel, und zwar zunächſt der vorderen. Stehen dieſe ſenkrecht unter der Schulter, und bildet die vordere Fläche derſelben, vom Buge herab bis zum Feſſelge— lenke, eine gerade hinabſteigende Linie?— oder ſtehen ſie zu weit nach vorn, oder nach hinten, oder ſind die Linien krumm? Stehen dieſelben an der Bruſt mäßig entfernt von einander, und iſt dieſer Abſtand an den Hufen nur etwas geringer? oder ſtehen ſie an der Bruſt ſehr eng zuſammen, und entfernen ſich nach unten von einander? oder ſind ſie an der Bruſt ſehr weit und unten dagegen ſehr eng geſtellt? Stehen die Hufe mit der Längenlinie des Körpers parallel?— oder ſtehen ſie nach innen, oder nach außen gerichtet? Stehen die Hinterſchenkel gerade unter der Hüfte, von hinten geſehen, mäßig weit von einander?— oder ſtehen die Schenkel zu weit unterm Leibe, oder zu ſehr nach hinten, mit den Sprunggelenken zu nahe an⸗ oder zu weit auseinander? Auf ſolche Weiſe prüfe man die einzelnen Par⸗ thien des Körpers im Allgemeinen, und überſehe keine derſelben. Es iſt rathſam, daß man ſich gegen das Pferd einnehme, um deſto unbefangener zu urtheilen, und damit man demſelben nichts nachſehe. Ein hoch⸗ getragener Kopf auf einem gut heraus gewachſenen Halſe, ein gerades Kreuz, ein gut angeſetzter und ab vom Leibe getragener Schweif blenden und beſtechen das Auge häufig ſo ſehr, daß die weſentlicheren Theile überſehen werden. Die vorzüglichſte Berückſichtigung bei der Unter⸗ ſuchung verdienen immer: die Augen, die Bruſt, die Rippen, der Bauch und vor Allem die Schenkel mit den Hufen; durch ſchlechte Hufe wird das volllom— 94. Die Nach⸗ oder Hinterhand. menſte und beſtgebauete Pferd zur Schindmähre, denn ein Pferd, das nicht gehen kann, taugt nichts. Ein kleiner Kopf, ſchlanker Hals, gerade Kruppe, und ſchöne Farbe und Abzeichen ſind allerdings wün⸗ ſchenswerth, aber weniger wichtig. Um die Höhe eines Pferdes zu meſſen bedient man ſich entweder des Stock⸗ oder Galgen⸗, oder des Band⸗ maßes. Obwohl das erſtere allein die abſolute Höhe des Pferdes richtig angiebt, ſo iſt doch ſein Gebrauch nicht ſo bequem, als der des Bandmaßes, weßhalb man ſich des letztern faſt ausſchließlich bedient. Das Meſſen ſelbſt geſchieht auf folgende Art: nachdem das Pferd auf einem egalen Boden regelmäßig auf ſeine Schenkel geſtellt iſt, zieht man ein, etwa zollbreites Band, welches in Fuße, Zolle und Linien u. ſ. w. eingetheilt iſt, von dem Stollen eines Vorderhufes gerade am Beine hinauf, und über die Schulter hin⸗ weg bis zum höchſten Punkte des Widerrüſtes. Es iſt klar, daß bei dieſem Verfahren nie die wahre Höhe des Pferdes genau zu erfahren iſt, indem die größere oder geringere Dicke der Schultermuskeln die Höhe ungemein modificirt, ſo daß ein fettes Pferd höher meſſen wird, als ein mageres, obgleich daſſelbe wirklich nicht höher iſt, als das letztere. Was die Beſchaffenheit des Pferdes zu den ver⸗ ſchiedenen Dienſtleiſtungen anlangt, ſo iſt im Allge⸗ meinen feſtzuſtellen: daß leichtere, ſchlanke Pferde, von mittelmäßiger Taille, ſich vornehmlich zum Reitdienſte; ſehr große, dickknochige, ſchwere und langſame Pferde hingegen mehr zum Wagendienſte eignen. Von einem Reitpferde verlangt man beſonders: harmoniſchen Bau, mittlere Größe; kleinen hochan⸗ geſetzten Kopf; ſchlanken, gut angeſetzten Hals; leichte Vorhand; breiten Rücken; gerade Kruppez kräftiges Hintertheil; leichten und ſchnellen Gang und ein lebhaftes Temperament. Bei Kutſch⸗f, Wagen⸗ und überhaupt bei Zugpfer⸗ den wird weniger auf Eleganz geſehen, als vielmehr auf: bedeutende Größe, ſtarkes Gebäude, und um— fangreichen Rumpf; auf gut herausgewachſenen, etwas gebogenen Hals, breite Bruſt, fleiſchige Schultern, kräftiges Hintertheil und ſtarke, muskulöſe Schenkel. 95. Die verſchiedenen Gangarten des Pferdes. 7 325 95. Die verſchiedenen Gangarten des Pferdes. Nachdem alle einzelnen Theile des Pferdes, ſelbſt die weniger wichtigen, auf das Genaueſte unterſucht ſind, wobei man nicht mißtrauiſch und ängſtlich genug zu Werke gehen kann, betrachte man nun das Pferd in ſeinen verſchiedenen Bewegungen. Eine richtige Beurtheilung derſelben iſt weit ſchwieriger, als die der Vollkommenheiten der einzelnen Theile im Zuſtande der Ruhe; auch weit wichtiger als letztere, denn ein Pferd, ſei es auch mit allen Vorzügen und Vollkom⸗ menheiten im Baue ausgerüſtet, welches demunerachtet nicht gehen kann, bleibt immer eine Schindmähre.— Vorzüglich iſt es der Gang, welcher den Werth und die Brauchbarkeit des Pferdes beſtimmt; denn alle Vorzüge des Pferdes ſind lediglich nur in ſo fern ſchätzbar, als ſie Mittel zum Zwecke— der Ortsbe⸗ wegung— ſind. Wir wollen nun die einzelnen, natürlichen Gänge des Pferdes näher betrachten, und mit dem Schritte anfangen. Dieſer iſt die langſamſte ſanfteſte— und die Bewegung, bei welcher das Thier am wenigſten ermüdet. Ein Pferd, welches ſeinen guten Schritt geht, iſt auch gewöhnlich in ſeinen andern Gängen tadellos; ein guter Schritt des Vorderſchenkels muß entſchloſſen, geſchwind und leicht ſein; dabei der Schenkel über ſo viel Boden greifen, als nur immer möglich. Das Knie muß ſich nur wenig biegen, der Schenkel recht hoch gehoben und eine Zeit lang ſchwebend in der Luft erhalten werden; letzteres iſt ein Zeichen von Kraft. Wird das Pferd in gerader Linie vorwärts geführt, ſo müſſen die vorderen Schenkel von den hinteren gedeckt werden, welches beweiſet, daß ſie gerade und harmoniſch fortſchreiten. Tadelnswerth iſt die Bewegung nach außen, welches man„Fuchteln“ nennt; oder der zu enge Gang, nach innen, wobei ſich die Schenkel ſtreichen; eben ſo fehlerhaft iſt es, wenn der eine Fuß in gerader Linie vor den andern geſetzt wird, welches man„Kreuzen“ nennt. Vorder⸗ ſchenkel, welche nur wenig vom Boden entfernt wer⸗ den, welche oft an kleine Erhabenheiten, oder gar an den gleichen Erdboden ſelbſt anſtoßen, welche über⸗ eilte und doch kurze Schritte machen, ſind entweder urſprünglich ſchwach, oder von zu vieler Arbeit ſteif. Die Hinterſchenkel müſſen frei und ungezwungen den vorderen nachfolgen, und zwar ebenfalls in gerader Linie, und ſo, daß ſie von den Vorderſchenkeln gedeckt werden, wenn das Pferd von vorn geſehen wird; die Hinterhufe müſſen wo möglich gerade in die Tritte der Vorderfüße treffen; treten ſie weit über dieſelben hin⸗ aus, ſo greift das Pferd leicht in die Vordereiſen, und man ſagt:„es haut ein;“ bleiben die Hinterſchenkel zu weit zurück, ſo haben ſie keine Folge, wo denn auch keine Schnelligkeit zu erwarten iſt. Die Richtung an⸗ langend, ſo müſſen die Hinterſchenkel parallel mit der Längsrichtung des Körpers vorwärts ſchreiten; iſt die Bewegung zu eng, nach einwärts, ſo ſtreicht ſich das Pferd; iſt die Bewegung nach außen und rotirend, ſo iſt das Uebel nicht weniger bedeutend. Ungleich ſchneller und fördernder als der Schritt, iſt der Trab, bei welchem das Pferd in zwei Tempi ſo weit kommt, als beim Schritt in vieren. Gut iſt der Trab, wenn die Schenkel mit Leichtigkeit, Freiheit, und ohne alle ſichtliche Anſtrengung, in regelmäßiger Folge raſch vorſchreiten; dabei müſſen die Vorderſchen⸗ kel recht hoch gehoben, im Knie mäßig gebogen wer⸗ den, dabei in gerader Linie möglichſt weit vorgreifen, und mit der Zehe zuerſt auf den Boden kommen. Die Hinterſchenkel können den Vorderſchenkeln im Trabe nicht ſchnell genug folgen, auch können dieſelben nicht weit genug unter den Bauch geſchoben werden, und über die Fußtritte der erſteren hinaustreten. Kopf und Hals müſſen dabei hoch und frei getragen, und, ſo wie der ganze Körper, faſt unbeweglich gehalten werden. Alle ſichtbaren Anſtrengungen, das Wackeln, Schwanken mit dem Kreuze u. ſ. w. ſind tadelhaft. Im Trabe machen ſich alle die Fehler, die ſchon beim Schritte erwähnt ſind, um ſo mehr bemerkbar, weß⸗ halb derſelbe um ſo genauer zu unterſuchen iſt. Vom Trabe geht das Pferd in den Galopp über. In dieſer Gangart muß das Pferd mit unbeweglichem Kopfe, Halſe und feſtſtehendem, etwas geſenktem Kreuze, auf eine leichte und gefällige Weiſe ſich fort⸗ bewegen, und das ganze Thier wie durch Stahlfedern fortgeſchnellt werden. Da der Galopp nur eine Wie⸗ derholung von aufeinander folgenden Sprüngen iſt, ſo iſt dazu ein kräftiges Hintertheil nicht zu entbehren. 326 Die verſchiedenen Racen des Pferdes, nebſt Bemerkungen uͤber die Farben der Haare u. uͤber die Abzeichen. Alle Unſicherheit, jedes Schwanken u. ſ. w. iſt ein Beweis von Unbeholfenheit oder Schwäche. Fehlerhafte Gänge nennt man jene, welche von den angeführten auf irgend eine Weiſe wefentlich ab⸗ weichen. Zunächſt gehört hierher der Paß; bei ihm werden immer die beiden Schenkel der einen Seite gehoben, während die der andern Seite zugleich wieder auf die Erde kommen. Hierdurch wird ein Schaukeln des ganzen Körpers hervorgebracht, das zwar für den Reiter nicht unangenehm iſt, jedoch in mehr als einer Hinſicht für einen Mangel gelten muß, indem der Paß⸗ gänger nur allein auf ganz ebenem Boden gut gehen kann, auch der Paß faſt allein ſehr alten und abge⸗ triebenen Pferden eigen zu ſein pflegt. Der fliegende Paß iſt aus dem Trabe und dem Galopp zuſammengeſetzt, und zwar ſo, daß das Pferd vorn zu traben und hinten zu galoppiren ſcheint. Auch dieſe Art des fehlerhaften Ganges kommt nur bei ab⸗ genutzten, aber feurigen Pferden vor, und iſt daher ein großer Tadel, obwohl nicht zu läugnen iſt, daß derſelbe ungemein ſchnell vorwärts bringt. 96. Die verſchiedenen Racen des Pferdes, nebſt Bemerkungen über die Farben der Haare und über die Abzeichen. Nach Kant und Blumenbach wird unter Race ein ſolcher, durch Abweichung von der urſprünglichen Geſtalt entſtandener Charakter verſtanden, der ſich durch die Forterbung unausbleiblich und nothwendig fortpflanzt; da hingegen dieſes nothwendige Forterben bei bloßen Spielarten nicht Statt hat. Ob es ur⸗ ſprünglich verſchiedene Racen gegeben, oder ob ſich dieſelben erſt ſpäter durch die klimatiſche Verſchieden⸗ heit der Himmelsſtriche gebildet haben; und nun, bei der andauernden Einwirkung derſelben Außenverhält⸗ niſſe, conſtant und ſtabil geworden ſind? läßt ſich nicht mit völliger Gewißheit angeben. Eben ſo bleibt das urſprüngliche Vaterland des Pferdes ungewiß. Die meiſten Naturforſcher halten das mittlere Aſien, zumal die Tartarei und Mongolei, für des Pferdes Vater⸗ land, weil in der That, und noch jetzt, große Heerden wilder Pferde in jenen Ländern angetroffen werden, und weil die Thatſache, daß im Oriente die beſten Pferde vorkommen, zu beſtätigen ſcheint, daß das heiße Klima denſelben am meiſten zuträglich iſt. Bei der Entdeckung von Amerifa fand Columbus das Pferd in dieſem Welttheile nicht, auch ſchien es dort gänzlich unbekannt zu ſein; eben ſo wenig wurde das Pferd von le Vaillant bei ſeinem Eindringen in das Innere von Afrika irgendwo wahrgenommen, und auf keiner neu entdeckten Inſel des Oceans wurde das Pferd jemals von dem Entdecker angetroffen. Auf dieſe Weiſe ſcheint es ſich denn wohl zu beſtätigen, daß das Pferd nur erſt durch den Menſchen überall dahin verſetzt iſt, wohin ihn ſelbſt ſeine Abſicht oder Zufall führten, und ſo treffen wir denn daſſelbe jetzt nicht nur in allen fünf Erdtheilen, ſondern ſelbſt auf allen bekannten Inſeln des Weltmeeres. Die wichtigſten, bis jetzt näher gekannten Racen des Pferdes ſollen jetzt in der Kürze beſchrieben werden. d Außerordentliche Kraft, Biegſamkeit, Geſchicklich⸗ keit und Leichtigkeit ſind die bewundernswürdigen Eigenſchaften, welche faſt ausſchließlich den morgen⸗ ländiſchen Pferden eigen ſind, unter denen das Arabi⸗ ſche obenan ſteht; dieſes iſt unter allen Pferden nicht nur Vorbild in Hinſicht auf Schönheit, ſondern auch das geſchwindeſte, ausdauerndſte und ſtärkſte, ſo daß ſich alle Vollkommenheiten und Vorzüge in dem Ara⸗ ber möglichſt vereinigen. Daſſelbe iſt von mäßiger Größe, und mehr mager als fett, doch ſind die Mus⸗ keln kräftig ausgedrückt und ſcharf conturirt. Der Kopf iſt kurz, die Stirn breit und, ſo wie die Naſe, völlig gerade; die weit geöffneten Augen, die winkli⸗ chen, doch magern Ganaſchen, die markirten Muskeln und hervortretenden Adern auf demſelben, zeichnen dieſen Kopf charakteriſtiſch vor allen andern aus. Der Hals iſt ſchön und ſchlank, und hoch angeſetzt; der Widerrüſt erſtreckt ſich weit in den geraden und kräfti⸗ gen Rücken; an die gerade und ovale Kruppe iſt der Die verſchiedenen Ragen des Pferdes, nebſt Bemerkungen uͤber die Farben der Haare u. uͤber die Abzeichen. 327 Schweif hoch angeſetzt; die Schenkel ſind mehr dünn, aber mit äußerſt feſten und kräftigen Muskeln und Sehnen verſehen; der Feſſel iſt lang, doch ſchön ge— ſtellt, und das Pferd tritt nicht durch; die Hufe ſind klein, trocken, hoch und glänzend. Außerdem zeichnet ſich der Araber durch ſein ſeidenartiges, kurzes und glänzendes Haar, ſeine ſanfte, elaſtiſche Haut und durch den allenthalben ſehr deutlich ausgedrückten Muskel⸗ und Sehnenapparat vorzüglich aus. Das Perſiſche Pferd iſt nächſt dem Arabiſchen das ſchönſte und beſte; es hat im Allgemeinen die Bildung des letzteren; nur iſt der Hals deſſelben etwas dünner, die Kruppe etwas ſpitz, jedoch gerade und mit hoch und ſchön angeſetztem Schweife verſehen. Die Hufe ſind ſehr hoch, faſt zu klein, und von ungemein har⸗ tem Horne. Auf das Perſiſche Pferd folgt zunächſt das Tartari⸗ ſche, welches etwas größer, wie jenes, und ebenfalls ſtark, ſchnell und beſonders gelehrig iſt; der Kopf iſt leicht und klein, doch wird er auf dem etwas ſteifen und langen Halſe mit der Naſe ſehr hoch getragen, welches demſelben allerdings nicht zur Zierde gereicht. Bruſt und Bauch ſind nicht von bedeutendem Um— fange; die Kruppe iſt abſchüſſig und der Schweif niedrig angeſetzt. Ein Gemiſch von Araber, Perſer und Tartar ſtellt das Türkiſche Pferd dar, welches im Weſentlichen die Bildung und die Vorzüge jener Pferde beſitzt. Daſſelbe iſt nicht nur ſchön und feurig, ſondern von kaum zu verwüſtender Dauerhaftigkeit. Nun folgt das Barbariſche Pferd, oder der Barbe, welches an der Nordküſte von Afrika, beſonders in Fez und Marokko zu Hauſe iſt. Sein Kopf iſt etwas gebogen, doch leicht; die Mähnen und der Schweif ſind kurz, die Lenden lang, doch kräftig; der Schweif iſt an dem geraden Kreuze gut angeſetzt. Das Tem⸗ perament des Barben iſt zwar nicht das feurigſte, doch die Ausdauer ungemein. Das Polniſche Pferd iſt gemeinhin mehr klein als groß; der Kopf iſt ziemlich gut geformt, doch etwas groß und die Ganaſchen ſtark. Der Hals iſt zwar ſchlank und auch gut angeſetzt, doch meiſtens an ſeinem Kamme etwas ausgeſchnitten, ſo daß er einem Hirſch⸗ halſe ähnelt; der Rücken iſt gerade und, wie die kur⸗ zen Lenden ſehr kräftig; die Kruppe iſt in der Mitte etwas ſcharf, doch gerade; die Hüften ſtehen etwas hervor; der Schweif iſt gut angeſetzt, und wird bogen⸗ förmig getragen; die Schenkel ſind mehr dünn, doch kurz behaart, und mit ſtrammen, derben Muskeln und Sehnen bedeckt; die Hufe ſind hoch, trocken und an den Trachten faſt zu enge. In der Regel vereinigen die Polniſchen Pferde Schnelligkeit mit großer Aus⸗ dauer. Bei dem Ungariſchen Pferde iſt der Kopf etwas ſchwer, und die Naſenlöcher ſind eng; der Leib iſt langgeſtreckt und die Flanken ſind ſchlecht geſchloſſen, doch ſind die Schenkel gut gebaut. Selbſt bei nur mäßiger Nahrung erträgt dieſes Pferd große Stra⸗ patzen. Größer als alle vorhergehenden iſt das Spaniſche Pferd, dem ein edles ſtolzes Anſehen, viel Feuer und Muth eigen ſind; beſonders denen aus Andaluſien. Der Kopf iſt etwas groß und von der Stirn bis zur Naſenſpitze mäßig gekrümmt, ſo daß dadurch ein Rammskopf gebildet wird; die Ganaſchen ſind ſchmal und die Augen groß und lebhaft; der Hals iſt zwar etwas ſtark, doch auf eine ſchöne, gefällige Weiſe ge— bogen, ſo daß er einen Schwanenhals bildet; Mäh⸗ nen und Schweif ſind vollhaarig und ſehr lang; Leib und Rippen ſind ſtark, die Bruſt iſt breit; die Kruppe ſenkt ſich ein wenig, doch iſt ſie ſehr kräftig. Die Schenkel ſind zwar ſtark, doch haben ſie auffallend lange Schienbeine, wodurch der Gang wohl an Anſe⸗ hen und Erhabenheit gewinnt, aber in der Schnelligkeit beeinträchtigt wird. Die Hufe ſind hoch, trocken und ſehr enge. Nahe verwandt dem Spaniſchen iſt das Neapolita⸗ niſche Pferd, dem jedoch die Sanftheit des erſteren abgeht, denn es iſt tückiſch, boshaft und ungelehrig. Daſſelbe hat einen ſchweren Rammskopf, und iſt groß und fleiſchig, weßhalb es ſich vorzüglich nur zum Wa— gendienſte eignet. Die beſten liefert Calabrien. Das Engliſche Vollblut-Pferd gehört mit zu den vorzüglichſten ſeines Geſchlechts, und ſtammt vom Araber und dem Barben, obwohl es ungleich größer iſt, als eins dieſer Beiden. Der Kopf iſt ſchön, gerade und mager, und auf dem ſchlanken, guten Halſe hoch und ſo angeſetzt, daß die Naſe etwas hoch und nach vorn getragen wird. Der Widerrüſt iſt recht hoch und mäßig fleiſchig; die Schultern ſind lang, und vorzüg— lich ſchräg gelagert, auch nicht überladen; Rücken und Kreuz ſind gerade und kräftig, und der Schweif iſt gut angeſetzt. Was aber vorzüglich das Engliſche Pferd dem Morgenländiſchen, von dem es abſtammt, 328 Die verſchiedenen Ragen des Pferdes, nebſt Bemerkungen uͤber die Farben der Haare u. uber die Abzeichen. ſo nahe ſtellt, iſt die Vortrefflichkeit ſeiner etwas lan⸗ gen Schenkel. Für die ungeheure und faſt unglaub— liche Schnelligkeit derſelben geben die Wettrennen hin⸗ reichendes Zeugniß. In Frankreich ſind die Pferde der Normandie die beſten. Des dicken Halſes, der fleiſchigen Schultern, der breiten Bruſt, ſo wie überhaupt des maſſiven Kör⸗ perbaues wegen, eignen ſie ſich vornehmlich nur zum Zuge ſchwerer Laſten.— Aehnlich dem Normänni⸗ ſchen iſt das Däniſche und das Holſteiniſche Pferd, welche gewöhnlich Rammsköpfe haben. Das Mecklenburgiſche Pferd iſt bedeutend groß, ſchön gebaut, mit geradem, mageren Kopfe, gutem Rücken, geradem Kreuze, ziemlich gut angeſetztem Schweife und mit ſchlanken, jedoch kräftigen Schen⸗ keln. Ihres guten, gefälligen Baues und ihrer Kraft und beträchtlichen Schnelligkeit wegen, werden ſie beſonders zu eleganten Wagenpferden geſucht. Unterden Deutſchen Pferden ſind die Hannöverſchen und die Preußiſchen noch meiſtens die beſten. Die gewöhnlichen Deutſchen Landpferde ſind, außer dem Ruſſiſchen Steppenpferde, die unanſehnlichſten und ſchlechteſten von allen. Wir kommen nun zu dem Haar und deſſen ver⸗ ſchiedenen Farben. Die Haare ſelbſt entſpringen in der Lederhaut, und dienen dem Körper zum Schutze gegen die Einwirkung äußerer, zumal Witterungs⸗ Einflüſſe. Bei geſunden, gut gehaltenen Pferden iſt das Haar glänzend und glatt anliegend, und wird, mit Ausnahme der Schweif⸗ und Mähnenhaare, zwei Mal im Jahre— im Frühling und Herbſte— ge⸗ wechſelt. Das Winterhaar iſt gewöhnlich dicht und lang, während das Sommerhaar kürzer und dünner zu ſein pflegt; eben ſo iſt das Haar der Pferde in kal⸗ ten Himmelsſtrichen, z. B. im nördlichen Rußland, ſehr lang und dick, wogegen daſſelbe in heißen Ge⸗ genden, z. B. im Oriente, ſehr kurz und fein zu ſein pflegt. Kurzes, ſeidenartiges Haar iſt gewöhnlich nur edlen; grobes, dickes und langes Haar dagegen ge⸗ meinen Pferden eigen. Im Betreff der Farbe iſt das Haar entweder einfarbig oder zuſammengeſetzt; einfar⸗ big iſt es, wenn es über den ganzen Körper und durchweg, mit Ausnahme der Abzeichen, einerlei Farbe hat; zuſammengeſetzt dagegen, wenn mehrere Farben vermiſcht ſind. Pferde mit weißem Haare heißen„Schimmel;“ ſie werden, je nach der Verſchiedenheit der Intenſität und des Lichtreflexes, Atlas⸗ oder Glanzſchimmel, Silber⸗ ſchimmel und Milchſchimmel genannt. Pferde mit gelber Farbe giebt es von den verſchie⸗ denſten Nüangen, und werden ſolche Iſabellen genannt; als; Hell⸗Iſabelle, Gold⸗Iſabelle u. ſ. w. Gewöhn⸗ lich haben die Iſabellen Glasaugen. Sehr häufig iſt die rothe Farbe, und ſo gefärbte Pferde heißen Füchſe; die vielen Arten derſelben ſind vornämlich; Rothfuchs, Goldfuchs, Hellfuchs, Schwarzfuchs, Kohlfuchs, Dunkelfuchs, Schweiß⸗ fuchs, Brandfuchs u. ſ. w. Braune Pferde zeichnen ſich durch die ſchwarze Farbe der Schweif- und Mähnenhaare aus, wodurch ſie ſich vorzüglich von den Füchſen unterſcheiden, deren Schweif⸗ und Mähnenhaare dieſelbe Farbe, wie die des Körpers, haben. Die kaſtanienbraune, hellbraune, goldbraune, rothbraune, ſchwarzbraune Farbe ſind vorzüglich zu bemerken.. In Grau hat man die dunkle und helle Mauſe⸗ falbe; in Schwarz den Glanzrappen, den Kohlrappen und den Sommerrappen. Zu den Pferden mit gemiſchtem Haare gehören beſonders: der Schwarzſchimmel, der Blauſchimmel, der Grauſchimmel, der Rothſchimmel, der Fliegen⸗ ſchimmel; die Schwarzſchäcke, die Fuchsſchäcke, die Braunſchäcke u. ſ. w. Die Abzeichen werden durch beſonders bezeichnete Flecken gebildet, die entweder angeboren oder durch Zufall erlangt ſind. Der„Stern“ iſt ein weißer Fleck, der ſich auf der Stirn befindet; die„Bläſſe“ iſt, wie der Stern, weiß gefärbt, nur erſtreckt ſie ſich von der Stirn abwärts bis zur Naſe, und ſelbſt bis zum Maule herab; iſt die Bläſſe ſehr breit und lang, ſo wird ſie„Leuchte oder Laterne“ genannt. Eine„Schnippe“ iſt ein ſchmaler, weißer Strich auf der Naſe; bei dem weißen Fuße erſtreckt ſich die weiße Farbe vom Hufe bis zu einer unbeſtimmten Höhe an den Schenkeln hinauf. 97. Eingeben der Arzneien. 329 97. Eingeben der Arzneien. a) Beim Pferde. Man kann die Arznei dem Pferde auf ſehr verſchiedene Weiſe und in ſehr ver⸗ ſchiedener Form beibringen. Die beſte Arzneiform iſt im Allgemeinen die der Latwerge; die Arzneiſtoffe wer⸗ den mit Mehl und Waſſer zu einem ſteifen Brei(Lat⸗ werge) angerührt, und dieſer dann mittelſt der Hand, oder beſſer noch mit einem hölzernen Spatel(Tab. XX. Fig. 9.), dem Pferde auf die Zunge geſtrichen. Zu dem Ende ſtellt man ſich auf die rechte Seite vor den Kopf des Pferdes, faßt die Zunge deſſelben mit der linken Hand, zieht ſie aus dem Maule hervor, ſtreicht die Latwerge auf den Hintergrund der Zunge, und faßt mit der linken Hand unter das Kinn, indem man den Kopf des Pferdes emporhebt. Auf ſolche Art giebt ſich die Arznei nicht nur leicht ein, ſondern es fällt auch nichts aus dem Maule zurück. Einige Uebung wird hierbei beſſer unterrichten, als die bloße Beſchrei⸗ bung. Früher bereitete man die Latwerge gewöhnlich mit Honig, Flieder- oder Wachholderſaft; dieſes iſt aber eine faſt nutzloſe und deshalb unnöthige Vertheue⸗ rung der Arznei; Mehl und Waſſer erfüllen denſelben Zweck.— Eine andere Form des Arzneimittels iſt die der Pillen; ſie ſind bequem einzugeben, und man be⸗ dient ſich ihrer beſonders dort, wo es darauf ankommt, jedesmal eine genau beſtimmte Menge des Mittels bei⸗ zubringen, wie z. B. bei Laxanzen, und dann auch da, wo das Mittel, wegen ſehr widrigen Geruchs und Ge— ſchmacks, nicht leicht von dem Pferde in Latwergenform verſchluckt wird. Die Pillen werden gewöhnlich mit Seife, auch mit Honig oder mit Mehl und Waſſer, bereitet; man macht ſie von der zwei⸗ bis dreifachen Größe eines Hühnereies, giebt ihnen eine ovale Geſtalt, und bringt ſie auf folgende Art bei: Man ſtellt ſich vor den Kopf des Pferdes, zieht mit der linken Hand die Zunge an der rechten Seite aus dem Maule, ſtellt den Zeigefinger unter den Gaumen des Pferdes, damit das Maul ſich öffne, und führt dann die auf einen etwas zugeſpitzten, etwa zwei bis zwei und einen halben Fuß langen Stock geſteckte Pille über den Grund der Zunge und tief in den hinteren Theil des Maules ein. Damit die Pille beſſer hinabgleite, kann man ſie zuvor mit Waſſer oder noch beſſer mit Oel befeuchten. Man Wagenfeld, Encyel. kann die Pille, und dieſes iſt faſt noch bequemer, mit Hülfe eines Maulgatters beibringen; zu dieſem Be— hufe wird das genannte Inſtrument in das Maul ein⸗ geſetzt, die Zunge zur rechten Seite herausgezogen, und die Pille dann mit der Hand, oder mit einem Stocke, in den Hintergrund des Maules geſteckt. Ferner kann man die Arznei als Einguß oder Trank geben; es iſt dies ſehr üblich, aber nicht ohne Gefahr. Da bei dem Einguſſe der Kopf des Pferdes hoch empor— gehoben werden muß, und das Thier ſich in der Regel ſehr gegen dieſe Procedur ſträubt, und in ganz unnatür⸗ licher Stellung des Kopfes zum Schlucken gezwungen wird, ſo ereignen ſich nicht ſelten üble Zufälle darnach. Es fließt dabei oͤfters ein Theil der Flüſſigkeit in die Luft⸗ röhre; das Pferd huſtet dann wiederholt, wird ſehr un⸗ ruhig, bekommt vermehrtes Athemholen ꝛc. Gelangt ein beträchtlicher Theil der Arznei durch die Luftröhre in die Lungen, ſo entſteht leicht eine kaum zu heilende Lun⸗ genentzündung. Durch die Eingüſſe ſind auf dieſe Weiſe ſchon überaus viele Pferde zu Grunde gegangen; der Laie ahnet dann in der Regel nicht, daß nur das Eingießen der Arznei den Verluſt des Pferdes herbei⸗ führt, ſondern ſchiebt ihn der urſprünglichen Krank⸗ heit zu. Man bediene ſich daher der Tränke nur aus⸗ nahmsweiſe, und beſchränke ihren Gebrauch ausſchließ⸗ lich zur Kur der Kolik; bei dieſer Krankheit ſind ſie nicht füglich zu entbehren. Um den Einguß zu machen wird das Pferd aufgezäumt, die Zügel über den obern Baum der Raufe gezogen, ſo daß das Maul recht hoch kommt, worauf dann aus der Flaſche die Flüſ⸗ ſigkeit ſeitlich in das Maul eingegoſſen wird. Man hat dabei Acht zu nehmen, daß das Pferd die Flaſche nicht zerbeiße, auch darf nicht zu viel Flüſſigkeit auf einmal in das Maul gegoſſen werden, damit das Pſerd nach einigen gemachten Schlucken wieder etwas verſchnaufen kann, und damit auch nicht ein großer Theil des Mittels wieder aus dem Maule herabfließt. Huſtet das Pferd beim Eingießen etwa, ſo muß der Kopf ſogleich freigelaſſen werden, bis ſich der Huſten wieder verloren hat. Von Laien und Pfuſchern wurde ſonſt die Flüſſigkeit gewöhnlich durch die Naſenlöcher eingegoſſen; es fließt auf dieſe Art allerding nichts vor⸗ 330 97. Eingeben bei, dagegen iſt aber dieſes Verfahren in hohem Grade gefährlich und tadelnswerth, denn ungemein leicht fließt ein Theil der Arznei in die Luftröhre, und bewirkt eine tödtliche Lungenentzündung. Außerdem wird die Na⸗ ſenſchleimhaut gereizt und entzündet. Eine wenig günſtige Art die Arznei zu geben, iſt die in Pulver, welches unter das etwas angefeuchtete kurze Futter ge⸗ miſcht wird. Wachholderbeeren und einige bittre, ge⸗ würzhafte Mittel ſind auf dieſe bequeme Weiſe wohl beizubringen; manche Pferde freſſen ein ſo verſetztes Futter aber nicht leicht, und dann iſt auch nie die Quantität der Arznei genau zu beſtimmen, welche das Pferd in einer gegebenen Zeit zu ſich nimmt. In manchen Fällen läßt ſich das Mittel auch wohl mit dem Geſöff geben; ſo z. B. Salpeter, Alaun, Eiſen⸗ vitriol ꝛc.; größere Quantitäten ſolcher Subſtanzen dem Geſöff zugeſetzt, machen daſſelbe für das Pferd jedoch meiſtens ungenießbar. b) Beim Rindviehe. Keinem unſerer Hausthiere iſt die Arznei ſo leicht beizubringen, als dem Rinde. Kann man das Mittel nicht etwa mit Futterbrei geben oder im Geſöff, ſo giebt man daſſelbe faſt ausſchließ⸗ lich als Einguß, bei welchem jedoch einige Verſchie⸗ denheiten in Betracht kommen. Gießt man die Flüſ⸗ ſigkeit aus einem weithalſigen Gefäße und mit einem Male in großer Menge in das Maul des Thieres ein, ſo gelangt das Mittel größentheils in den erſten Ma⸗ gen oder den Panſen. Dieſes iſt aber in der Regel nur bei der Trommelſucht wünſchenswerth; bei faſt allen anderen Krankheiten ſoll die Arznei, wo möglich, thun⸗ lichſt ſchnell in den Labmagen und den Darmkanal gelangen, damit die Wirkung ſchneller und allgemeiner ſei. Dieſes erreicht man dadurch, daß man die Arznei aus einer Flaſche mit nur mäßig großer Oeffnung— etwa eine Bierflaſche— langſam und in kleinen Por⸗ tionen nach und nach eingießt. Die Procedur des Eingießens iſt ſo einfach, daß es kaum einer Anwei⸗ ſung dazu bedarf; wird das Maul des Thieres nur mäßig emporgehoben, ſo läßt ſich die Flüſſigkeit, ohne daß etwas vorbeiflöſſe, ſehr leicht ſeitlich in das Maul eingießen. Huſtet das Thier dabei, ſo halte man der Arzneien. kurze Zeit mit dem Eingießen inne, auch halte man den Kopf deſſelben nicht unnöthig hoch, oder gar ſeit⸗ lich gedreht. Pillen und Latwergen giebt man dem Rinde kaum jemals ein. Das Eingeben bei Schafen wird ebenſo bewirkt als beim Rinde; kann das Mittel nicht als Lecke bei⸗ gebracht werden, ſo giebt man daſſelbe als Einguß; allenfalls auch als Latwerge. c) Beim Schweine. Dieſem Thiere iſt die Arznei nur mit Mühe und auch nicht ohne Gefahr fürdaſſelbe zu reichen. Das Schwein ſchreit beim Eingeben faſt unaufhörlich, und da fällt dann leicht etwas Arznei in die Luftröhre, welches ſehr üble, ſelbſt tödtliche Fol⸗ gen haben kann. Paſſend giebt man die Arznei als Latwerge, welche mit einem Hölzchen auf die Zunge geſtrichen wird; geringe Portionen Pulver, z. B. Brechmittel, ſtreut man trocken auf die Zunge, oder man giebt ſie in einer ausgehöhlten Kartoffel, in einem Mehlklos oder in dickem Mehl⸗ oder Schrotbrei. In vielen Fällen, zumal wenn eine ſchnelle Wirkung er⸗ forderlich iſt, kann man die Eingüſſe nicht gut ent⸗ behren; man flößt dieſelben mit einem Löffel nach und nach, und mit der gehörigen Vorſicht, ein, und wählt dazu immer die Momente, in denen das Schwein gerade nicht ſchreit. Um den Einguß auszuführen, verſichern ſich mehrere Perſonen des Thieres; es wird dann ein mäßig dicker Knittel in ſchräger Richtung in das Maul geſteckt, und in das alſo geöffnete Maul die Medicin eingegoſſen. b) Beim Hunde. Man kann ſehr paſſend die Arznei in Pillen geben, welche, auf einen kleinen Stab geſteckt, in das geöffnete Maul in den Hintergrund deſ⸗ ſelben gebracht werden. Brechmittel kann man trocken, als Pulver, auf die Zunge ſchütten. Flüſſige Mittel gießt man in das geöffnete Maul, oder, was noch leichter iſt, man hält den Kopf des Hundes empor, zieht einen der Maulwinkel nach oben und außen, und gießt die Arznei in die dadurch gebildete Taſche ein; die Zähne laſſen ſo weite Lücken hinter ſich, daß die Flüſſigkeit durch ſie leicht in das Maul einfließt. 98. Faͤule der Schafe. 98. Die Fäule(auch Waſſerſucht, Faulſucht, Bleich⸗ ſucht, Fäuliſchſein) iſt eine gewöhnlich über viele Stücke der Heerde verbreitete Krankheit, welche den Schäfe⸗ reien oft ſehr verderblich wird. Sie iſt mit der a. a. O. beſchriebenen Egelkrankheit nahe verwandt. Meiſtens iſt das fäuliſche Schaf ſchon in der Entfernung an einem matten, trägen Gange, an dem wackelnden Kopfe und den hängenden Ohren zu erkennen, wobei das kranke Thier hinter dem geſunden Theile der Heerde zurückbleibt. Solche Schafe freſſen ſchlecht, leiſten beim Ergreifen und Feſthalten faſt gar keinen Wider⸗ ſtand, und beugen den Rücken, ſelbſt bei nur geringem Drucke, tief ein. Das Auge iſt bleich, die Bindehaut ganz weiß und ohne rothe Adern, und die Augenlider ſind aufgedunſen; die Augen ſind ohne Glanz und mehr oder weniger feucht. Das Zahnfleiſch, ſo wie die Haut des inneren Maules, iſt ebenfalls bleich, eben ſo die äußere Haut des Körpers. Die Wolle verliert ihre Kräuſelung, wird verworren, matt und glanzlos, läßt ſich mit Leichtigkeit in großen Flocken ausziehen, und hat weder Kern noch Nerv. Die Ver⸗ dauung iſt mehr oder weniger in Unordnung, meiſtens iſt Durchfall zugegen. Mit der Zunahme der Fäule bildet ſich in den Ganaſchen und an dem oberen Theile des Halſes eine ſchmerzloſe Geſchwulſt, welche nach und nach an Umfange zunimmt. Das Schaf magert ab, wird kraft⸗ los und hinfällig; der Appetit wird geringer, das Wiederkäuen hört faſt ganz auf; es iſt großer Durſt vorhanden. Die Augen triefen von Schleim, das Zahnfleiſch wird ſchwammig, aufgedunſen, und blutet leicht; der Bauch ſchwillt an, indem ſich Waſſer in demſelben anſammelt; das endlich bis zum Gerippe abgemagerte Thier liegt zuletzt faſt beſtändig, bekommt einen ſtinkenden Durchfall— und krepirt. Die Dauer der Krankheit iſt in den verſchiedenen Fällen verſchieden; oft dauert ſie nur acht bis zehn Wochen, ſie kann aber auch ein ganzes Jahr hindurch anhalten, bevor ſie tödtlich wird. Bei dem krepirten Schafe findet ſich viel wäſſerige Feuchtigkeit unter der Haut, in der Regel auch im Herzbeutel, und im 331 Fänle der Schafe. Bauche; das Blut iſt blaß, wäſſerig, dünn; alle Eingeweide, namentlich das Herz, ſind ungewöhnlich blaß und welk. Die Fäule hat zahlreiche Urſachen, doch ſind manche derſelben noch nicht genügend erforſcht. Am leichteſten entſteht ſie in naſſen Jahren, durch den Genuß verdorbener Futterſtoffe, durch's Behüten ſum⸗ pfiger, ſaurer Weiden. Nach regneriſchen Sommern tritt die Fäule gewöhnlich erſt im Spätherbſt ein, herrſcht Winter und Frühling hindurch, und vernichtet dann erſt im nächſten Sommer oft die ganze Heerde. Im Frühjahre ſcheint das Behüten ſumpfiger Weiden weit weniger ſchädlich zu ſein, als im Herbſte. Im Allgemeinen muß man annehmen, daß mehrere Schäd⸗ lichkeiten bei der Erzeugung der Fäule zuſammentreffen müſſen. Die Heilung der Fäule gelingt ſelten, und läßt ſich überhaupt nur dann erwarten, wenn die Krankheit noch nicht beträchtlich vorgeſchritten iſt. Weit wichti⸗ ger iſt die Vorbeugung der Krankheit; man vermeide alle früher genannten Schädlichkeiten, halte die Thiere fern von ſumpfigen, feuchten und tiefgelegenen Weiden, gebe im Stalle geſundes Rauchfutter ꝛc. Beſonders gilt dieſe Vorſchrift in naſſen Jahren; bei anhalten⸗ dem Regen und Nebel halte man die Schafe im Stalle, treibe ſie nicht zu zeitig auf die Weide, und gebe zuweilen Salzlecken mit Kienöl, Theer, Wermuth, Kalmuswurzel, Wachholderbeeren ꝛc. Zur Heilung der ſchon eingetretenen Fäule iſt eine ganz exquiſite Fütterungsweiſe erforderlich; beſonders iſt für gutes Heu, Schrottränke und auch anderes Körnerfutter zu ſorgen, auch ſoll die Brandweinſchlempe, zu zwölf Pfund täglich gegeben, ganz beſonders gut ſein. Gleichzeitig aber iſt hierbei der Gebrauch von Arznei⸗ mitteln erforderlich, welche man am zweckmäßigſten in Form von Salzlecken verabreicht; für hundert Schafe folgendes Gemiſch: Kalmuswurzeln loder ſtatt deren Wermuthkraut) und Wachholderbeeren, von jedem drei Pfund, Kochſalz ein bis zwei Pfund, mit Haferſchrot zur Lecke bereitet. Eine ſolche Lecke wird wöchentlich zwei Mal gegeben. Auh nachſtehende 332 99. Egelkrankheit der Schafe. Lecke iſt zweckmäßig: Senf ein Pfund, Wachholder⸗ beeren und Kochſalz von jedem zwei Pfund, mit Schrot. Stets muß der Gebrauch dieſer Mittel beträchtlich lange Zeit hindurch fortgeſetzt werden. Hat die Fäule ſchon einen ſehr hohen Grad erreicht, ſo thut man wohl von der Kur abzuſtehen; das Fleiſch kann ohne Nachtheil gegeſſen werden. 99. Egelkrankheit der Schafe. Die Egelkrankheit(Egelſeuche, Egelſucht, Leber⸗ fäule, Anbruch, Anbrüchigkeit) iſt ein langwieriges Leiden, mit der Fäule nahe verwandt und nicht minder verheerend, als dieſe. Anfangs hat die Krankheit keine ſehr in die Augen fallenden Zeichen; nur erſt wenn ſie vorgeſchritten iſt, giebt ſie ſich deutlich zu erkennen. Das Auge des kranken Schafes iſt bleich und mit zähem Schleime belegt. Das Thier wird nach und nach matter, magert ſehr ab, und bekommt einen geſchwollenen Bauch; ein in der Lebergegend angebrachter Druck erregt Schmerzen. Der Appetit iſt vermindert, dagegen iſt großer Durſt vorhanden; das Schaf beleckt gern Holzwerk, Kalkwände, Erde ꝛc. Der abgehende Darmkoth iſt in große Klumpen geballt, auch wohl breiig und dünn. Der weitere Verlauf der Egelkrankheit iſt dann faſt genau ſo, als bei der Fäule; daſſelbe gilt von dem Zuſtande des Cadavers. Man findet Waſſer unter der Haut und in verſchiedenen Körperhöhlen, das Fett mangelt gänzlich, alle Theile ſind blaß und welk ꝛc. Was die Cgelkrankheit vor der Fäule beſonders auszeichnet, iſt die Beſchaffenheit der Leber; ſie iſt äußerſt mürbe, ſehr aufgetrieben und oft doppelt ſo ſchwer, als im geſunden Zuſtande; auf ihrer Oberfläche erſcheint ſie von falber, bläulicher oder bleigrauer Farbe, mit Knoten oder Waſſerblaſen beſetzt; die Gallenblaſe iſt meiſt übermäßig mit Galle angefüllt. In der Gallenblaſe und in den Gallen⸗ gängen der Leber findet ſich eine große Menge der ſo⸗ genannten Leberegel, welche Eingeweidewürmer von ovaler Form, platt und gewöhnlich vier bis fünf Linien breit und einen Zoll lang ſind. Die Egelkrankheit iſt gewöhnlich noch langſamer in ihrem Verlaufe, als die Fäule; bei guter Pflege kann ein ſolcher Kranker ſelbſt mehrere Jahre am Leben erhalten werden. Ueber die Urſachen der Cgelſeuche weiß man bis jetzt nichts Gewiſſes; am häufigſten entſteht ſie unter denſelben Umſtänden, als die Fäule, in naſſen Jahren, nach ſchlechtem Futter ꝛc. Die Leberegel ſelbſt entſtehen durch freiwillige Erzeugung, wie alle Cingeweidewürmer; daß ſie von außen, etwa mit Futter und Getränk, in den Körper gelangten, wie wohl behauptet iſt, muß als ein Irrthum bezeich⸗ net werden. Vorbeugung und Kur verhalten ſich faſt ganz gleich, als bei der Fäule; die Heilung gelingt indeſſen hier noch ſeltener, weil die in der Leber befindlichen Egel ſich nicht aus ihr entfernen laſſen. Dennoch ge⸗ lingt es zu Anfange der Krankheit zuweilen dieſelbe zu heilen, d. h. die Krankheit zum Stillſtande zu brin⸗ gen, was auch ſchon genügt, indem eine geringe Zahl von Egeln ohne Nachtheil in der Leber befindlich ſein können. In der That finden ſich auch in der Leber ſelbſt der geſundeſten Schafe häufig einige Leberegel vor. Bei der Kur kann man ſich derſelben Mittel, als bei der Fäule, bedienen, oder folgender: Vier Theile Wermuth und eben ſo viel Calmuswurzel, zwei Theile glänzender Ofenruß, ein Theil ſchwarzgebrann⸗ ter Knochen und eben ſo viel Terpentin⸗ oder Hirſch⸗ hornöl werden gemiſcht, und hiervon erhält der Kranke die Woche zwei bis drei Mal, jedesmal ein bis zwei Loth, als Lecke, mit etwas Salz und Haferſchrot, vorgeſetzt. Zum Geſöff paßt Kalkwaſſer, oder Waſſer, welchem auf den Eimer ein bis zwei Loth Eiſenvitriol zugeſetzt ſind. Iſt die Egelſeuche ſchon beträchtlich vorgeſchritten, ſo ſchlachte man den Kranken zum Verſpeiſen. Alle Kränkler ſind von der Zucht auszuſchließen. 100. Gnubberkrankheit der Schafe. 100. Dieſe Krankheit, welche auch Kreuzdrehe oder Traberkrankheit genannt wird, iſt in manchem Be⸗ trachte der Drehkrankheit verwandt; ſie erſcheint am häufigſten im zweiten Lebensjahre; ſelten bevor das Schaf ein und ein halbes, noch ſeltener, wenn daſ⸗ ſelbe ſchon drei Jahre und darüber alt iſt. Die Gnub⸗ berkrankheit hat faſt allemal im Rückenmarke ihren Sitz, beſonders in dem Kreuz⸗ und Lendentheile deſſel⸗ ben. Anfangs tritt die Krankheit mit ſehr geringfü⸗ gigen, leicht überſehbaren Zufällen ein; das Thier zeigt eine geringe Schwäche im Hintertheile, und pflegt häufig das Hintertheil, beſonders die Schwanz⸗ wurzel, und die Hinterſchenkel zu benagen, oder zu begnubbern, woher der Name:„Gnubberkrankheit“. Nach und nach— in manchen Fällen früher, in man⸗ chen ſpäter— nimmt die Schwäche zu, und auch das Hautjucken vermehrt ſich; das Thier macht mit den Hinterſchenkeln breitere und kürzere Schritte, es kann nicht mehr über erhöhte Gegenſtände ſpringen, und nicht leicht über etwas hohe Thürſchwellen ſchreiten; macht der Kranke etwa noch einen Satz, ſo knickt er dabei im Kreuze ein, und zittert auf den Vorderfüßen, oder er ſinkt auch wohl dabei zu Boden. Daſſelbe erfolgt, wenn man das Schaf emporhebt, und dann zu Boden fallen läßt; auch macht das Schaf mit dem Kopfe gewöhnlich eine wackelnde Bewegung. Unter ſichtbarer Zunahme der Schwäche im Hintertheile ver⸗ mehrt ſich das Uebel von Woche zu Woche, und fällt dann ſehr in die Augen; das Schaf kann nicht mehr im Galopp gehen, ſondern nur allein noch im kurzen Trabe(daher der Name; Traberkrankheit). Wird das Thier etwa durch Hunde zum ſchnellen Laufe an⸗ getrieben, ſo ſtürzt es gewöhnlich zuſammen, und kann ſich dann nur mit Mühe wieder erheben. Im Ver⸗ laufe der Krankheit zeigt das Thier ſich dumm, die Ohren hängen ſchlaff herab, die Lähmung, welche zuerſt nur das Hintertheil befallen hatte, wird immer allgemeiner. In den erſten Wochen der Krankheit iſt das Schaf bei gutem Appetite, und hält ſich bei Flei⸗ ſche; nach und nach aber tritt Abmagerung ein, ſelbſt wenn der Appetit noch gut ſein ſollte. Zuletzt, oft erſt nach mehreren Monaten, erfolgt der Tod. Die 333 Gnubberkrankheit der Schafe. meiſten Schafe begnubbern ſich, wie ſchon oben be⸗ merkt, am Hintertheile; indeſſen iſt dieſes Symptom nicht in jedem Falle vorhanden, und deshalb nicht gerade charakteriſtiſch. Die benagten Hautſtellen ver⸗ lieren die Wolle, und wenn ſie wieder wächſt, ſo iſt ſie blaſſer und gröber als früher und ohne alle Kräu⸗ ſelung. Manchmal beißen ſich die Kranken die Haut ſehr blutig, und es entſteht dann ein Schorf auf die⸗ ſen Stellen, welcher nicht etwa mit einem Ausſchlage zu verwechſeln oder als Urſache des Juckens, Bena⸗ gens und Scheuerns anzuſehen iſt. Die Krankheit befällt meiſtens ſcheinbar ganz ge⸗ ſunde und wohlgenährte Stücke, und zwar mehr im Herbſte, als in anderen Jahreszeiten; am meiſten zeigt ſie ſich in edlen oder veredelten Heerden, doch beobachtet man ſie auch bei ganz gemeinen Landſcha⸗ fen. Durch Kreuzung entſtandene Schafe ſcheinen am meiſten disponirt. Der gewöhnliche Ausgang der Gnubberkrankheit iſt der Tod, und dieſer iſt bei der entwickelten Krankheit faſt gewiß; aber es kommt in den gelinderen Fällen zuweilen auch Geneſung vor. Manche Schafe benagen ſich, gehen etwas kreuzlahm, und, nachdem dieſes mehrere Wochen, ohne ſonſtige Krankheitszeichen, angehalten hat, geneſen ſie von ſelbſt. Allemal iſt aber ein ſo günſtiger Fall als eine Ausnahme von der Regel zu betrachten. Die Dauer der Krankheit, von ihren erſten ſichtbaren Merkmalen an, bis zum Tode, beträgt in der Regel zwei bis drei Monate; einige Kranke ſterben jedoch noch früher; andere, beſonders wenn ſie bei guter Pflege gehalten werden, oft weit ſpäter. Bei der Sektion des Cada⸗ vers fand Kuers(welcher überhaupt vortreffliche Auf⸗ ſchlüſſe in Betreff des Weſens und der Urſachen dieſer Krankheit gegeben hat) allemal etwas Waſſer in der Höhle des Rückenwirbel⸗Canals, beſondes in der Gegend der letzten Lenden- underſten Kreuzwirbel. Er fand das Rückenmark an dieſen Stellen oft weicher, ſelten härter, als im geſunden Zuſtande, auch etwas geſchwunden. Auch im Gehirn fand ſich meiſtens etwas Waſſer; alle anderen Theile erſcheinen gewöhn⸗ lich ganz geſund. Zuweilen fand man auch im Wirbel⸗ kanale eine Wurmblaſe, und zwar ganz von derſelben 33⁴ 101. Art, als bei der Drehkrankheit im Schädel, welches jedoch als Ausnahme von Regel anzuſehen iſt. Die entfernten Urſachen der Gnubberkrankheit ſind noch ziemlich dunkel, jedoch haben neuere, beſonders von Kuers gemachte Beobachtungen hierin etwas weiter geführt, ſo daß man faſt hoffen darf, einmal zu einem beſtimmten Reſultate zu gelangen. Es iſt durch Beobachtungen feſtgeſtellt, daß in den Jahren, in welchen ſich häufig die Gnubberkrankheit in einer Heerde zeigt, die Drehkrankheit ſelten vorkommt, und ſo umgekehrt. Dieſer Umſtand läßt auf eine gewiſſe Aehnlichkeit, nicht nur in dem Weſen beider Krank⸗ heiten, ſondern auch in Rückſicht der Urſachen, ſchließen. Eine unpaſſende Fütterungsweiſe ſpielt bei beiden Krankheiten die Hauptrolle; außerdem ſcheint ſich die Dispoſition zu der Traberkrankheit ganz entſchieden fortzuerben. Eine Heilung der entwickelten Krankheit iſt faſt ſtets unausführbar, weßhalb bis jetzt das Schlachtmeſſer als das beſte Mittel anzuſehen iſt. Dagegen iſt eine Vorbeugung ziemlich ſicher, wenn man nachſtehende Regeln beobachtet: a) Man vermeide ſehr ſtarke Winterfütterung, be⸗ Borſtenfaͤule der Schweine. ſonders Körner, und ſuche die Ernährung möglichſt gleichmäßig einzurichten. b) Eben ſo vermeide man zu üppige Sommer⸗ weiden. c) In Heerden, wo die Lokalität der Traberkrank⸗ heit günſtig iſt, benütze man nicht jüngere Thiere, als von zwei und einem halben bis drei Jahren, zur Zucht. d) Man vermeide ſorgfältig den Ankauf von Böcken und Mutterſchafen aus Heerden, in denen no⸗ toriſch die Gnubberkrankheit herrſcht. e) Endlich vermeide man die Zucht allzuzarter Schafracen. Sodann ſoll auch noch folgendes Verfahren ſich, in Bezug auf Vorbeugung der Krankheit, als ſehr er⸗ folgreich bewieſen haben. Es wurden in den Monaten September, Oktober und November den zu beſprin⸗ genden Mutterſchafen von vier zu vier Tagen abwech⸗ ſelnd ein Mal Glauberſalz und das andere Mal ge⸗ ſtoßene Lorbeeren gegeben, und zwar auf hundert Schafe zwei und ein halbes Pfund Glauberſalz und ein halbes Pfund Lorbeeren. Im Dezember und Ja⸗ nuar erhielten ſie dieſe Mittel von acht zu acht Tagen, und jetzt auch die Sprungböcke. 101. Borſtenfäule der Schweine. Die Krankheit hat allemal einen ſehrſ chleichenden Gang; das Schwein zeigt ſich matt, träge und trau⸗ rig, der Appetit iſt vermindert, der Durſt dagegen vermehrt; das Zahnfleiſcherſcheint aufgelockert, ſchmerz⸗ haft, blauroth, und blutet ſehr leicht, beſonders beim Kauen harter Futterſtoffe. Das Thier ſpeichelt viel, und hat Hitze im Maule. Die äußere Haut ſchwillt an, iſt beim Befühlen teigartig, die Borſten verlieren hier und da ihren Glanz, ſtehen geſträubt, und ſitzen ſo locker in der erweichten Haut, daß ſie theils von ſelbſt, theils durch geringes Zupfen an ihnen, ausfal— len, wobei die Haarwurzel angeſchwollen und blutig erſcheint. Im ausgebildeten Zuſtande der Krankheit finden ſich unter der Haut blaurothe Flecken von aus⸗ getretenem Blute. Meiſt dauert das Uebel mehrere Monate. Das Schwein wird zuletzt ſehr elend und matt, es kann ſich kaum bewegen, iſt, beſonders auf dem Hintertheile, wie gelähmt, frißt und ſäuft nicht mehr, es treten ſtinkende Durchfälle und der Tod ein. Die Borſtenfäule entſteht faſt ausſchließlich durch Mangel an Bewegung in freier Luft und an Reinlich⸗ keit; daher kommt ſie auch faſt allein nur bei ſolchen Thieren vor, welche fortdauernd in feuchten, ſchmutzi⸗ gen Ställen gehalten und mit ſchlechtem, verdorbenem Futter ernährt werden. Schweine, welche auf Wei⸗ den gehütet oder im Stalle reinlich und trocken gehal⸗ ten werden, bleiben von der Krankheit verſchont. Die Heilung erfolgt allein dann, wenn das Uebel nur erſt mäßig vorgeſchritten iſt; indeſſen iſt auch hier die Kur unſicher, und das Schlachten der alsdann noch genießbaren Schweine im Allgemeinen anzurathen. Später iſt das Fleiſch nicht nur ekelhaft, ſondern ſelbſt 102. der menſchlichen Geſundheit ſchädlich. Will man die Kur verſuchen, ſo entferne man zunächſt die veranlaſ⸗ ſenden Urſachen; der Kranke wird deshalb an einem reinlichen, trockenen Orte und außerdem viel in freier Luft gehalten. Das Futter muß reinlich und von der beſten Qualität gegeben werden; Schrot, Bohnen, Eicheln, Malz ꝛc. ſind beſonders paſſend, nebenher ſäuerliche Subſtanzen, als ſauere Milch, unreifes Herzentzuͤndung des Rindviehes. 335 Obſt, Sauerkohl, Meerrettig. In das Geſöff giebt man etwas Eiſenvitriol, etwa ein Quentchen täglich; außerdem miſcht man unter das Futter täglich zwei Mal einen Eßlöffel von folgendem Pulver: Eichen⸗ rinde, Wermuth und Wachholderbeeren— von jedem vier Loth; Alaun zwei Loth. In warmer Jahreszeit wird das Thier oft geſchwemmt oder mit kaltem Waſ— ſer begoſſen. 102. Herzentzündung des Rindviehes. Dieſe Entzündung, welche meiſtens das Herz und den Herzbeutel zugleich betrifft, erſcheint gar nicht ſo ſelten, doch iſt ſie nur ſchwer mit Sicherheit zu erken⸗ nen, und gewöhnlich nur erſt dann, wenn ſie ſchon ſehr vorgeſchritten und deshalb kaum jemals noch zu heilen iſt. Das mit dieſer Krankheit behaftete Thier wird, ſelbſt bei dem beſten Futter, immer magerer, das Haar iſt ſtruppig, die Temperatur des Körpers, zumal an den Hörnern, wechſelt; bald ſind letztere kalt, bald warm. Es iſt ein Fieber von ſiebzig bis neunzig Pulſen vorhanden, der Herzſchlag iſt meiſtens unfühlbar, oder er iſt klopfend und prellend; das Athemholen iſt etwas vermehrtund anſcheinend ſchmerz⸗ haft; der Kranke bewegt ſich ungern, legt ſich nicht gern nieder und ſtöhnt, wenn man auf den unteren Theil der Bruſt einen ſtarken Druck ausübt. Nach längerer Dauer der Krankheit bilden ſich im Bruſtlap⸗ pen, im Kehlgange und den Hals entlang kalte, tei⸗ gige Geſchwülſte von ſehr beträchtlicher Ausdehnung, wodurch nicht ſelten das Athemholen ſehr erſchwert wird. Der Patient ſteht dann faſt immer, frißt und wiederkäuet nicht mehr, es entſteht ein ſtinkender Durch⸗ fall, und das höchſt abgemagerte Thier krepirt. Zu⸗ weilen erfolgt auch wohl plötzlich ein unerwarteter Tod. Auffallend iſt die lange Dauer der Krankheit; ſie kann zwei bis zwölf Monate anhalten. Im Cada⸗ ver findet man im Herzbeutel viel Waſſer, Herzbeutel und Herz verdickt und von blaſſer Farbe; oft ſind beide Organe mit einander verwachſen oder mit Aus⸗ ſchwitzungen bedeckt. Zuweilen iſt das Herz unge⸗ wöhnlich groß, und an irgend einer Stelle findet ſich ein eingedrungener fremder Körper, und dann ein Geſchwür mit Eiter. Meiſtens iſt auch in der Bruſt⸗ höhle eine große Anſammlung von Waſſer zugegen. Die Urſachen der Herzentzündung ſind meiſtens mechaniſcher Art; irgend ein ſpitziger, ſchneidender oder anderer harter Körper, welcher von dem Thiere mit dem Futter verſchluckt wurde, dringt durch die Be⸗ wegung der Eingeweide, durch die Wände des Magens, durch das Zwerchfell bis in den Herzbeutel und das Herz ein, und bleibt gewöhnlich in letzerem ſtecken. Auf dieſe Weiſe findet man zuweilen Nadeln, Nägel, Meſ⸗ ſerklingen, ſelbſt Scheeren und größere Geräthe in dem Herzen ſtecken; daß ſie hier wirklich lange Zeit geſteckt haben müſſen, ergiebt ſich aus der Dauer der Krankheit und aus dem Befunde der Sektion. Aber auch durch andere, als mechaniſche, Urſachen kann die Herzentzündung entſtehen, denn oft findet ſich durch⸗ aus kein fremder Körper vor. Die Kur gelingt ſehr ſelten, und kann überhaupt nur da von Erfolg ſein, wo kein fremder Körper die Krankheit erzeugte. Hier macht man dann einen Ader⸗ laß von ſechs bis zehn Pfund Blut, und giebt Anfangs eine Laxanz aus einem halben bis ganzen Pfund Glau⸗ berſalz, ſpäter einige bittere Mittel. Im Allgemeinen iſt das Schlachten des Kranken der ſehr mißlichen Kur vorzuziehen. 336 103. Langwierige Unverdaulichkeit des Rindviehes. 103. Langwierige Unverdaulichkeit des Nindviehes. Das Uebel tritt meiſt ſehr gelinde und allmählig auf, und ſchreitet nur langſam und ohne heftige Zu⸗ fälle ſeinem, nicht ſelten tödlichen, Ausgange entge— gen. Das Thier frißt unregelmäßig und ſchlecht; eben ſo verhält es ſich mit dem Wiederkäuen, welches träge und nachläſſig ausgeübt wird, und oft für längere Zeit ganz unterbleibt. Der Miſt iſt oft hart und ver⸗ halten, andere Male ſtellt ſich ein Durchfall von üblem Geruche ein. Das Thier verliert etwas an Munterkeit und Fleiſch, auch der Milchertrag vermindert ſich. Schmerzen laſſen ſich Anfangs nicht wahrnehmen, auch iſt kein Fieber zugegen. Mit dem Vorſchreiten der Krankheit werden ihre Zeichen auffallender; das Thier wird traurig, ſein Gang iſt träge und matt; mit hängenden Ohren und trübem Blicke ſteht daſſelbe da, bedeutend abgemagert und mit ſtruppigen, glanz⸗ loſen Haaren. Appetit und Wiederkäuen verlieren ſich mehr und mehr und verſchwinden zuletzt ganz; Kühe geben keine Milch mehr; das Thier liegt viel, und kann nur mit Mühe ſich erheben; Verſtopfung und Durch⸗ fall wechſeln mit einander ab, es ſtellen ſich öfters trommelſüchtige Auftreibungen des Bauches ein. Zu⸗ letzt iſt das Thier bis zum Gerippe abgemagert, und krepirt unter ſtinkendem Durchfall und Zeichen von Faulfieber. Die Unverdaulichkeit hält meiſtens zwei bis drei Wochen an, ja ſie kann vier bis fünf Wochen dauern, ehe ſie in Geſundheit oder mit dem Tode endet. In den gelinderen Fällen, und bei guter Kur, kann die Hei⸗ lung jedoch in acht bis zehn Tagen bewirkt werden, und dieſes faſt ſicher. Als Veranlaſſung ſind alle jene Urſachen anzuklagen, welche direkt oder indirekt eine weſentliche Störung im Verdauungsgeſchäfte bewirken. Daher kommt die Krankheit am häufigſten nach Ko⸗ liken, nach anhaltendem Durchfalle, nach der Trom⸗ mel⸗ und Leckſucht ꝛc. vor. Aber auch verſchiedene Leber⸗ krankheiten und andere organiſche Uebel können die Unverdaulichkeit zur Folge haben. Nur in den ſelt⸗ neren Fällen kommt ſie von ſchlechtem Futter und Geſöff. Ueber den wahrſcheinlichen Ausgang läßt ſich im Allgemeinen nicht gut etwas vorausſagen, da die wahre Urſache meiſtens unbekannt iſt; indeſſen geben kurze Dauer und geringe Heftigkeit der Krankheit Hoffnung für die Herſtellung des Kranken. Findet ſich die Krankheit bei gut genährten Stük⸗ ken, ſo kann zu Anfange ein Aderlaß von ſechs bis zehn Pfund Blut gemacht werden; unter allen ande⸗ ren Umſtänden jedoch iſt der Aderlaß zu verwerfen. Man giebt bei vorhandener Verſtopfung eine Laxirpille aus: Calomel zwei Quentchen, Aloe zwei Loth, Seife drei Loth. Iſt die Krankheit wechſelsweiſe mit Ver⸗ ſtopfung und dann wieder mit Durchfall verbunden, ſo paßt die Laxanz nicht, eben ſo wenig als der Ader⸗ laß. Hier giebt man dann bittere, gewürzhafte Mit⸗ tel, z. B. Wermuthkraut, Münze, Kümmel und Genzianwurzel, von jedem ein Loth, Kochſalz zwei bis drei Loth, welche Portion täglich zwei Mal mit Waſſer eingegeben wird. Zum Futter erhält der Patient feines Heu, Körner, Schrottränke, auch Grün⸗ futter, wobei die Wahl ſich nach dem Appetite des Kranken und darnach richtet, ob mehr Durchfall oder Verſtopfung vorhanden iſt. Bei Verſtopfung giebt man mehr flüſſige und ſaftige Futterſtoffe, und bei Durchfall mehr trockne und feſte. Hält die Krankheit längere Zeit an, ſo zieht man folgendes Mittel in Gebrauch: Aloe und Brechweinſtein, von jedem ein halbes Quentchen, Bitterklee und Kalmuswurzel, von jedem ein Loth, täglich zwei bis drei Mal mit Waſſer zu geben. Der Bauch des Kranken kann zuweilen mit Terpentinöl eingerieben werden. Ein beſonders wirkſames Mittel, ſelbſt in den höheren und gefährli⸗ chen Graden der Krankheit, ſtellt die Salzſäure dar; man giebt dieſelbe auf folgende Weiſe. Es werden acht Loth gemeine Salzſäure mit zwölf Loth Weingeiſt oder Branntwein und zwei Pfund Waſſer zuſammen⸗ gemiſcht, und dieſe Portion im Laufe eines Tages und in drei Malen gegeben. Nur ſelten wird es nöthig das Mittel noch am folgenden oder ſogar noch am dritten Tage zu wiederholen, welches jedoch geſchehen muß, wenn keine ſichtliche Beſſerung eintritt. In 104. Weißer Fluß bei Kuͤhen. vielen Fällen ſtellt ſich beim Gebrauche der Salzſäure, ſchon am erſten Tage ihres Gebrauches, das bis dahin verſchwunden geweſene Wiederkäuen ein, mit ihm die Freßluſt und endlich die völlige Geneſung. Während 105. Erbrechen bei Schweinen. 337 der Kur wird der Kranke im Stalle, oder bei gutem Wetter auch auf der Weide gehalten. Mäßige Bewe⸗ gung iſt unter allen Umſtänden zu empfehlen. 104. Weißer Fluß bei Kühen. Aus der Scham fließt mehr oder weniger oft ein weißer, dicker, zäher und trüber Schleim, der ſich auf dem Erdboden nicht ſelten in großer Menge an— häuft; die äußeren Schamtheile und der Schweif erſcheinen davon beſudelt. Zeitweiſe vermindert ſich der Ausfluß mehr oder weniger, und keht dann ſtark wieder zurück; er iſt mitunter von üblem Geruche, und hält lange Zeit hindurch an. Die Schamtheile ſind welk und blaß, der Urin geht zuweilen ſchmerzhaft ab. Obwohl die Kuh im Allgemeinen geſund iſt, und gut frißt, ſo magert ſie doch nach und nach ab, und giebt weniger Milch. Dauert die Krankheit ſehr lange, und iſt der Ausfluß ſehr reichlich, ſo kann der Tod der endliche Ausgang ſein. Die kranken Kühe verwerfen leicht. Gewöhnlich entſteht der weiße Fluß nach dem Kalben, beſonders wenn dieſes ſchwer von ſtatten ging, oder wenn dabei auf eine rohe und unpaſſende Weiſe Hülfe geleiſtet wurde; außerdem können Er— kältungen und eine natürliche Anlage die Urſachen abgeben. Die Heilung iſt mitunter ſchwierig, und zieht ſich in die Länge. Man ſpritzt in die Scheide und Ge— bärmutter täglich zwei Mal etwas Kalkwaſſer ein, oder eine Auflöſung von zwei Loth Alaun in einem Quart Waſſer; auch ſtarke Abkochungen von Eichen- oder Weidenrinde, oder auch der Gerberlohe, ſind paſſende Mittel. Innerlicher Mittel bedarf es zuweilen gar nicht; will indeſſen das Uebel nicht weichen, ſo kann man ſich derſelben mit Vortheil bedienen. Man giebt dann, täglich ein Mal, folgendes Pulver mit Waſſer ein: gekochten Terpentin— ein halbes Loth, Sadebaum— ein Loth, Wachholderbeeren und Kalmus⸗ wurzel— von jedem zwei Loth, Kochſalz drei— Loth. Auch bei Stuten findet ſich in ſeltenen Fällen der weiße Fluß; man ziehe dann die bei Kühen empfoh⸗ lenen Mittel auch hier in Gebrauch. 105. Oft iſt das Erbrechen nur das Zeichen einer ande⸗ ren Krankheit, und kann dann ſogar heilſam werden; zuweilen liegt demſelben aber nur eine Schwäche oder eine zu große Reizbarkeit des Magens zum Grunde, wobei das Schwein das Genoſſene ſogleich wieder Erbrechen bei Schweinen. ausbricht. In ſolchen Fällen füttert man ſehr knapp— etwas Schrot, Kartoffeln, Diſteln oder anderes gutes Grünfutter— und giebt innerlich etwas Kamillenthee, mit zwei bis vier Gran Opium, täglich zwei Mal ein. Wagenfeld, Encyel. 43 338 106. Erbrechen beim Hunde. 106. Bei ſeiner ungewöhnlichen Gefräßigkeit erbricht der Hund überaus leicht. Es iſt dieſes jedoch nur dann eine Krankheit zu nennen, wenn das Erbrechen anhält, und der Hund dabei entſchieden krank iſt, ab⸗ magert zc. Zur Hebung des Uebels giebt man fünf bis zehn Tropfen Opiumtinktur mit Haferſchleim, täglich einige Male; hilft dieſes nichts, und iſt eine Schwäche des Magens vorhanden, ſo gebe man zuerſt 107. Bruſtſeuche des Pferdes. Erbrechen beim Hunde. ein Brechmittel, und am nächſten Tage folgende Pil⸗ len: Potaſche und Bilſenkrautextrakt—von jedem ein Quentchen, Eberwurzpulver— zwei Quentchen, Wer⸗ muthkrautextrakt— ſo viel zur Bildung einer Pillenmaſſe erforderlich iſt, aus welcher dreißig Pillen gemacht werden. Hunde von mittlerer Größe bekommen täglich drei ſolcher Pillen. 107. Bruſtſeuche des Pferdes. Dieſe, auch Influenza genannte, Krankheit kommt in der Regel gleichzeitig bei vielen Pferden einer gan⸗ zen Gegend, ja ganzer Länderſtriche, ſeuchenartig vor, und rafft nicht ſelten eine große Anzahl Pferde hin⸗ weg. Die Krankheit ſtellt ein Gemiſch von Entzün— dungs⸗ und Nervenfieber dar, wobei gewöhnlich die Lungen und das Bruſtfell, oft auch die Leber und die Gedärme von einer Entzündung befallen werden. Je nach dieſen Verſchiedenheiten zeigt ſich auch das Leiden unter ſehr verſchiedener Geſtalt, ſo daß Erkenntniß und Kur dadurch ſehr beträchtlich erſchwert werden. In der Regel ſind die Zufälle denen, welche man bei einer Bruſtentzündung beobachtet, ſehr ähnlich. Das Pferd zeigt ſich matt und träge, abgeſtumpft, wie beim Dummkoller, Zunge und Zahnfleich ſind von gelb⸗ licher Farbe, der Appetit iſt vermindert. Nachdem dieſes einen oder einige Tage gedauert hat, tritt ein Fieber hinzu, Puls und Herz ſchlagen ſechzig bis achtzig Mal, und darüber, in der Minute, die ſicht— baren Schleimhäute ſind hochroth, ins Gelbliche ſpie⸗ lend, im Maule iſt große Hitze, das Haar iſt geſträubt, Ohren und Naſe ꝛc. zeigen vermehrte Wärme. Der Appetit iſt vermindert, doch ſelten ganz verſchwunden, Durſt iſt im vermehrten Grade vorhanden. Das Pferd ſteht matt und abgeſchlagen, oft wie betäubt. Manch⸗ mal finden ſich auch Zeichen von Druſe und Augen— entzündung. Weſentlich ſind nur noch die Symptome einer Entzündung der Lungen und der Leber, auch wohl der Gedärme; Lungen und Leber leiden am häufigſten, oft beide gleichzeitig. In dieſem Falle holt das Pferd vermehrt Athem, mit weit aufgeriſſenen Naſenlöchern, frißt wenig oder gar nicht, hat ein Fie⸗ ber von achtzig bis hundert Pulſen, legt ſich nicht nieder und huſtet, mehr oder weniger oft, ſchmerzhaft und unterdrückt. Alle ſichtbaren Schleimhäute, ſo auch die Bindehaut der Augen, zeigen eine gelbliche Farbe, die Zunge iſt mit ſchaumigem, ſchmutzigem Speichel belegt. Manchmal finden ſich auch Kolikzufälle ein; das Pferd ſieht ſich unter Stöhnen öfters nach dem Bauche um, ſcharrt mit den Vorderfüßen ꝛc.— Halten dieſe Zufälle längere Zeit an, ſo ſind Bauchfell oder Gedärme von Entzündung ergriffen.— Die Influenza wird ſehr oft tödlich.— In den Cadavern findet man dann gewöhnlich eine beträchtliche Menge in die Bruſt⸗ höhle ergoſſenes Waſſer und gelbe Ausſchwitzungen; die Lungen dunkel von Farbe, vergrößert, ſchwer und feſt, und mit dem Rippenfell verwachſen. Die Leber iſt orangefarben, vergrößert und ſo mürbe, daß ſie ſich leicht zerbröckeln läßt. Oft ſind auch Bauchfell und Gedärme entzündet und dann ſehr dunkel geröthet, mit Ausſchwitzungen bedeckt ꝛc. Die Urſachen der Influenza ſind meiſtens in einer 108. Die Rinderpeſt. eigenthümlichen, obwohl nicht weiter nachweisbaren Beſchaffenheit der Atmoſphäre begründet; es iſt we— nigſtens nicht gut anders die Beobachtung zu erklären, daß oft viele Jahre vergehen, in denen kein einziger Fall dieſer Krankheit vorkommt, und dann wieder in einzelnen Jahren ſehr zahlreiche, über große Länder⸗ ſtrecken verbreitete Fälle. Es ſcheint ſich hierin faſt genau ſo zu verhalten, als mit der ziemlich ähnlichen Grippe beim Menſchen. Außerdem iſt die Influenza anſteckend, ſo daß eine Uebertragung, und zwar ziem⸗ lich leicht, auf andere, geſunde Pferde ſtattfinden kann. Die Kur erleidet nach den verſchiedenen Umſtänden manche Verſchiedenheiten, welche der Laie nur ſchwer zu würdigen wiſſen wird. Erkrankt unter vielen Pfer⸗ den etwa nur eins an der Influenza, ſo wird man den Fall in der Regel für eine gewöhnliche Bruſtentzün⸗ dung halten, und es iſt auch in der That, ſelbſt für den Sachverſtändigen, nicht leicht, ſogleich feſtzuſtel⸗ len, welche von beiden Krankheiten man vor ſich habe. Nur dann erſt wird man hierüber aufgeklärt werden, wenn mehrere Pferde ſchnell nach einander von derſelben Krankheit befallen werden. Hat man die Krankheit erkannt, ſo gebietet die Vorſicht das kranke Pferd ſogleich von den übrigen Pferden abzuſondern, und in einem entfernten Stalle, etwa im Kuhſtalle, unter⸗ zubringen; auch der Wärter des kranken Pferdes darf nicht mit geſunden Pferden in Berührung kommen. In der Mehrzahl der Fälle iſt ein Aderlaß nütz⸗ lich, indeſſen iſt bei Anwendung deſſelben einige Vor⸗ ſicht zu gebrauchen, beſonders dort, wo das kranke 108. Dieſe verheerende Seuche hat ſchon zu wiederhol⸗ ten Malen ganze Provinzen und Länder von Rindvieh entblößt, und dadurch den Wohlſtand ihrer Bewohner mehr oder weniger zu Grunde gerichtet. So krepirten z. B. 1717 an dieſer Seuche im Gebiete von Piemont 70,000 Stücke Rindvieh; in demſelben Jahre in Hol⸗ land 300,000; im Kirchenſtaate 26,000 zin Dänemark fielen— in den Jahren 1745 bis 1749— 280,000 Stück Rindvieh; 1776 verlor Holland abermals nahe 339 Pferd ſehr matt und hinfällig iſt, und mehr eine Leber⸗ als Lungenentzündung ſich kund giebt. Iſt Verſto⸗ pfung vorhanden, ſo giebt man folgende Latwerge im Laufezweier Tage ein: Calomel— drei Quentchen, Sal⸗ peter— drei Loth, Glauberſalz— zwanzig bis vierund⸗ zwanzig Loth, Genzianwurzel— ſechs Loth, Mehl und Waſſer— ſo viel als erforderlich iſt. Bei vorhandenem Durchfalle und bei Leibſchmerzen giebt man drei bis vier Quentchen Opiumtinktur mit einem halben Pfund Oel und einem halben Quart ſtarkem Kamillenthee— alle vier bis fünf Stunden ein. Der Kranke wird warm gehalten, öfters frottirt und gebürſtet, mit einer Decke belegt, und mit Kleien, Grünfutter, Kartoffeln und wenig Heu und Hafer ernährt. Von Wichtigkeit iſt es äußere Ableitungsmittel anzubringen; ſind die Lungen vorherrſchend ergriffen, ſo ſetzt man ein Fon⸗ tanell vor die Bruſt, und reibt an beide Bruſtſeiten eine ſcharfe Einreibung ein, oder applicirt daſelbſt ein Senfpflaſter, ganz ſo als bei der gewöhnlichen Bruſt⸗ entzündung. Leidet die Leber vorzugsweiſe, ſo macht man in die Lebergegend eine ſcharfe Einreibung, und zeigen ſich endlich die Zufälle von Kolik und Darm— entzündung, ſo wird der Bauch wiederholt mit einer Miſchung— aus Salmiakgeiſtund Terpentinöl,— von jedem vier Loth, Rüböl acht Loth, Cantharidenpulver, ein halbes Loth— eingerieben. Gewöhnlich iſt die Krankheit von ſehr unbeſtimmtem Verlaufe, underfor⸗ dert demnach ein complicirtes Heilverfahren, auf deſſen ſpecielle Vorſchrift hier nicht füglich eingegangen wer⸗ den kann. Rinderpeſt. an 300,000 Stück ꝛc. Glücklicherweiſe erzeugt ſich die Rinderpeſt in Deutſchland niemals urſprünglich, ſondern ſie wird lediglich durch Schlachtvieh, Rinds⸗ häute ꝛc. dahin eingeſchleppt, und verbreitet ſich dann auf dem Wege der Anſteckung weiter. Das eigentliche Vaterland der Krankheit iſt das ſüdliche Rußland, beſonders Beſſarabien, Podolien, Kiew, die Ukraine und das Land der Doniſchen Koſacken; dann die Gegend der Moldau und auch ein Theil von 43* 304 Gallizien. Die Rinderpeſt iſt im hohen Grade an⸗ ſteckend, ſo daß nicht nur krankes Rindvieh, ſondern auch deſſen ungegerbte Häute und zahlreiche Zwiſchen⸗ körper die Anſteckung auf geſunde Stücke vermitteln können; auf andere Thiere, als auf Rindvieh, ver⸗ verbreitet ſich die Seuche nicht, wohl abe rauf Menſchen. Die Anſteckungsfähigkeit auf Rindvieh iſt dagegen ſo groß, daß ſelbſt von großen Heerden oft kaum einige Thiere verſchont bleiben, auch fallen faſt alle Kranken dem Tode anheim. Durch die großen Verheerungen, welche die Rin— derpeſt ſchon wiederholt in Deutſchland, beſonders in Kriegszeiten, angerichtet hat, in welchen inficirtes Rindvieh aus den oben genannten Ländern nach Deutſch⸗ land eingeführt wurde, ſind ſeit langen Jahren von den reſpectiven Regierungen an den entſprechenden Grenzen angemeſſene Maßregeln in Wirkſamkeit geſetzt, um Deutſchland vor der Rinderpeſt ſicher zu ſtellen, und zwar durch die Anlegung von Quarantainen. Unter ſolchen Umſtänden hat der Privatmann von der Ninderpeſt kaum etwas zu fürchten, indeſſen kann es doch, beſonders für die Grenzbewohner, von Intereſſe und, für mögliche Fälle, ſelbſt von Nutzen ſein, die weſentlichen Symptome der Rinderpeſt kennen zu ler⸗ nen, weßhalb die Krankheit hier in der Kürze geſchil⸗ dert werden ſoll. Die Krankheit tritt ziemlich plötzlich ein. Das früher muntere Thier zeigt ſich auffallend matt und niedergeſchlagen, der Gang iſt ſchwerfällig und wan— kend, und äußere Eindrücke werden weniger empfun⸗ den; die Ohren hängen herab, der Kopf desgleichen. An den Halsmuskeln zeigt ſich öfters eine krampfhafte, zitternde Bewegung, wobei die Haare ſich ſtellenweiſe emporrichten; dieſer Hautkrampf geht zuweilen in allgemeinen Schauder und wirkliche Zuckungen über. Ohren und Hörner ſind wechſelsweiſe kalt und warm, im Maule findet ſich ſtets große Hitze. Die Augen ſind geröthet, thränend; bald nimmt der Augenaus⸗ fluß eine gelbgrüne Farbe an, wird dick, und ſetzt ſich unterm Auge als eine Borke feſt. Ein ähnlicher Schleim träuft aus den Naſenlöchern, und aus dem Maule fließt ein zäher, fadenſpinnender Geifer. Das Athemholen wird etwas angeſtrengt, und von Zeit zu Zeit erfolgt ein ſchwacher, kurzer Huſten. Es ſtellt ſich ein Fieber— von achtzig bis hundert Pulſen— ein; das Aderlaßblut iſt ſehr wäſſerig und dünn, und gerinnt nicht. Das Wiederkäuen findet nicht mehr 108. Rinderpeſt. ſtatt.— Anfangs iſt heftiger Durſt und noch einiger Appetit vorhanden, ſpäter frißt und ſäuft der Kranke gar nichts mehr. Bald ſtellt ſich ein nicht nachlaſ⸗ ſender Durchfall ein, der Anfangs aus braunem Kothe, ſpäter aus einer übelriechenden, ſchwarzbraunen Flüſ⸗ ſigkeit, oder aus einem weißen, gallertartigen Schleime beſteht, und ſich in langen Schnüren zur Erde zieht, oft mit Blutſtreifen vermiſcht, oder eiterartig und gelb werdend. Hat der Durchfall längere Zeit gedauert, ſo ſtehen Maſtdarm und Scheide offen; dieſe Theile treten hervor, und nehmen eine blaurothe Farbe an; die Ausleerungen erfolgen zuletzt faſt unwillkührlich. Die Milch verſiegt, und das Euter ſchrumpft zuſammen. Der Kranke ſieht ſich öfters nach dem Bauche um, ſteht mit gekrümmtem Rücken, und biegt dieſen bei einem auf ihn angebrachten Druck tief einz er knirſcht mit den Zähnen, und wird an verſchiedenen Theilen, beſonders am Halſe, von Krämpfen befallen. Bei zunehmender Hinfälligkeit kann das Thier ſich nicht mehr auf den Beinen erhalten, und iſt zuletzt unfähig ſich wieder zu erheben. Der Tod endigt, in der Regel zwiſchen dem dritten und ſiebenten Tage nach dem Ausbruche, die Krankheit. Bei den Kranken, welche wieder geneſen, ſind die Ausflüſſe aus Maul und Naſe und auch der Durchfall nicht völlig von der beſchriebenen, üblen Beſchaffenheit; die Symptome ſind dann überhaupt minder heftig, ge⸗ ringer an Zahl, und die Hinfälligkeit iſt nicht ſo beträcht⸗ lich. Allmälig hört der Ausfluß aus Naſe und Augen auf, der Speichel wird ſchäumend, und die Geneſung iſt faſt gewiß, wenn ſchon am ſiebenten Tage der Krankheit Appetit und Wiederkäuen zurückkehren. Manche Stücke erholen ſich indeß nur ſehr langſam von der Krank⸗ heit, ſo daß ſie noch wochenlang matt und wankend einhergehen, ſtruppiges Haar haben ꝛc. Die Rinderpeſt zeigt mancherlei Abweichungen ſo⸗ wohl in Betreff ihrer Symptome ſelbſt, als auch in deren Aufeinderfolge. Bei dem Steppenviehe und überhaupt bei dem Rindviehe der Länder, in welchen ſich die Rinderpeſt urſprünglich entwickelt, iſt der Gang der Krankheit milde und ſehr gutartig, während andere Racen, und namentlich Deutſches Rindvieh, ſelten mit dem Leben davon kommt. In vielen Fällen zeigt ſich im Ver⸗ laufe der Krankheit ein kleienartiger Ausſchlag, beſon— ders bei denen, welche die Krankheit überſtehen, weß⸗ halb der Ausſchlag als ein günſtiges Zeichen anzuſe⸗ 109. Tripper bei Hunden. hen iſt. Oft entſtehen an verſchiedenen Stellen unter der Haut, beſonders auf dem Rücken, Luftgeſchwülſte, welche beim Drucke ein eigenes, kniſterndes Geräuſch geben. Oefters auch zeigen ſich Blaſen oder wunde Stellen auf Zunge und Maulhaut, wobei die Ober⸗ haut oft in großen Stücken ſich lostrennt, ähnlich als bei der Maulſeuche. An den Cadavern finden ſich weſentlich folgende Veränderungen. Das ſtruppige, glanzloſe Haar iſt an verſchiedenen Stellen von den ſtattgehabten Ausflüſſen beſudelt, der After hervorgedrängt. Das Blut iſt ge⸗ wöhnlich dünnflüſſig. Im Maule findet ſich viel zäher Schleim, die Zähne ſitzen ſehr locker; die Luftröhre iſt mit röthlichem Schleime bedeckt. Im Panſen 110. Beſchaͤlſeuche des Pferdes.. 341 findet ſich ſtets viel Futter, oft auch entwickelte Luft, die innere Haut dieſes Magens löſet ſich ſehr leicht ab; dieſelbe Beſchaffenheit zeigt auch der zweite Magen oder die Haube. Der Blättermagen iſt hart und aus⸗ gedehnt, und enthält eine ſehr trockene, leicht zerreib⸗ liche Futtermaſſe. Der Labmagen iſt allemal leer und ſtark entzündet, ſeine ganze innere Oberfläche er⸗ ſcheint kirſchbraun oder dunkelroth, und auf gleiche Weiſe verhält es ſich mit den dünnen Gedärmen. An den dicken Gedärmen finden ſich rothe Tupfen und Striemen. Die Leber iſt ſehr mürbe und blaß, die Gal⸗ lenblaſe allemal ſtrotzend mit Galle gefüllt und um das Doppelte ihres Umfangs und darüber ausgedehntz nicht ſelten zeigt ſie ſich von der Größe eines Kinderkopfes. 109. Tripper Es kommt ziemlich oft vor, daß bei männlichen Hunden, beſonders bei den älteren und größeren, unter der Vorhaut ein grüngelblicher, eiterartiger Schleim in Menge hervorfließt. Dieſer Ausfluß kommt faſt alle⸗ mal aus der inneren Fläche der Vorhaut, und durch denſelben wird oft die Eichel angeätzt und wund, und es können auf ihr darnach ſelbſt feigwarzenartige Aus⸗ wüchſe entſtehen, welche dann in ihrem höheren Grade dem Hunde viele Schmerzen verurſachen, und ſogar Urſache des Todes ſein können. Iſt die Krankheit noch neu, ſo reicht es gewöhnlich ſchon zur Heilung bei Hunden. aus, wenn die kranken Theile recht oft mit lauwarmer Milch gebähet werden. Bei längerer Dauer des Uebels ſpritzt man täglich zwei Mal etwas von folgender Flüſ⸗ ſigkeit in die vordere Oeffnung der Vorhaut: Sublimat — zwei Gran, Alaun— ein halbes Quentchen, Regen⸗ waſſer— ein Viertel⸗Quart. Auch innerliche Mittel ſind in hartnäckigen Fällen zuweilen heilſam, z. B. ein Quentchen Terpentin, zwei Quenchen Arabiſches Gummi und vier Unzen Waſſer, welche Portion dem Hunde in zwei Tagen eingegeben wird. 110. Die Chankerſeuche, veneriſche Krankheit, Beſchäl⸗ ſeuche iſt eine, obſchon alte, ſo doch in der neueſten Zeit erſt näher bekannt gewordene Krankheit bei Hengſten und Stuten, welche beſonders in Schleſien in den letzteren Jahren großen Schaden angerichtet hat. Eine beſon⸗ ders gute, auf eigene Beobachtungen geſtützte Beſchrei⸗ bung der Krankheit hat der Dr. Haxthauſen zu Beſchälſeuche des Pferdes. Neiſſe gegeben, deren weſentlichen Inhalt ich hier mittheilen will, genügender eigener Erfahrung in die⸗ ſer Hinſicht entbehrend. Allemal entſteht das Uebel nach dem Begattungs⸗ akte, und in der Regel ſtellen ſich erſt nach einigen Wochen krankhafte Zufälle an den Geſchlechtstheilen ein, welchen jedoch einige Vorläufer vorangehen. 342 6 110. Beſchaͤlſeuche des Pferdes. Schon in den erſten Tagen nach dem Begattungsakte i*ſt das Pferd niedergeſchlagen; es drängt öfterer auf Miſt und Urin, wedelt oft mit dem Schweife ꝛc., doch iſt dies Alles nicht ſo auffallend, um nicht leicht überſehen werden zu können. Erſt nach 2 bis 6 Wochen giebt ſich die Krankheit deutlich durch Anſchwellung der Geſchlechtstheile kund, welche jedoch kühl und ſchmerzlos zu ſein pflegt; aus der Scham fließt eine weiße, ſchleimige Flüſſigkeit. Oeffnet man die Scham, ſo findet man die Haut derſelben blaßroth angeſchwol⸗ len und mit einer klebrigen Feuchtigkeit bedeckt; hier und da finden ſich etwas röthere Flecken, von einem viertel bis einem halben Zoll im Durchmeſſer. Nach und nach wird die Schleimabſonderung in der Scham reichlicher; der Schleim wird dicker, röthlich⸗gelb, und trocknet am Rande der Schamſpalte leicht zu gelben Kruſten an; auch der Schweif wird bisweilen von Schleim und vertrockneten Kruſten beſudelt. Die Scham ſchwillt mehr und mehr an, runzelt ſich äußerlich in Falten, und ſteht nicht ſelten erſchlafft offen. Auf der äußeren Fläche der Schamlippen entſtehen kleine Blaſen, welche ſich bald in Geſchwürchen verwandeln, die ſich mit einem Schorfe bedecken; nie erreichen dieſe Geſchwüre eine beträchtlichere Größe, als die einer Linſe oder eines Silbergroſchens. Die innere Schei⸗ denhaut hat ein marmorirtes Anſehen, doch Geſchwüre ſieht man auf ihr ſelten. Nach und nach zeigen ſich auch an anderen Körpertheilen Geſchwüre, beſonders am Kopfe und Halſe, nie jedoch an den Schenkeln; die Geſchwüre ſind weder vertieft, noch ausgehöhlt, und hinterlaſſen bei ihrer Heilung keine ſichtbaren Narben. Nie vergrößern ſich die Geſchwüre, ſie bleiben ſtets kreisrund, und ihre Abſonderung iſt geruchlos. Je länger dieſe Geſchwüre vorhanden ſind, deſto mehr er⸗ krankt das Pferd auch innerlich; es magert ab, iſt matt und kraftlos, beſonders im Kreuze; es ſteht daſſelbe, mit geſenktem Kopfe, ſtumpfſinnig da. Jeder Schritt i*ſt ſchwankend, mit häufigem Ueberknicken im Feſſelge⸗ lenke, und nur mit Mühe kann ſich der Kranke vom Bo⸗ den erheben; es iſt offenbar eine allgemeine Erſchöpfung der Nervenkraft zugegen. Bei alledem iſt der Appetit noch faſt unvermindert. Nach längerem Beſtehen der Krankheit kommen an verſchiedenen Stellen unter der Haut Knoten zum Vorſchein, welche nicht ſelten den Umfang eines Thalers erreichen; dieſe Knoten ſind ſcharf begrenzt, rund, beim Drucke ſchmerzlos und ohne Zeichen von Entzündung. Hüften, Kopf und Hals pflegen am eheſten von dieſen Knoten befallen zu werden; ſpäter auch andere Theile des Rumpfes, ähn⸗ lich als beim Hautwurm. Manchedieſer Knoten brechen auf und heilen, oder ſie verſchwinden an einer Stelle von ſelbſt, um an einer anderen wieder zum Vorſchein zu kommen. Zuletzt ſchwellen auch die Ganaſchen⸗ drüſen, ſo wie Leiſten- und Achſeldrüſen an, wo dann mitunter der wahre Rotz eintritt, oder auch der Wurm. Indeſſen macht die Beſchälſeuche nur in ſeltenen Fäl⸗ len dieſen Ausgang. Haben die oben beſchriebenen Geſchwüre mehrere Wochen hindurch beſtanden, ſo magert das Thier auffallend ab, bekommt Zittern und Zuckungen an einzelnen Körpertheilen, beſonders an den Schultern und Hinterbacken; die Lähmung im Hintertheile wird immer größer, aber auch einzelne andere Theile werden zuweilen gelähmt, z. B. ein Ohr, die Lippen, welche dann ſchlaff herabhängen. Unter den erwähnten Zufällen, welche in ſehr ver⸗ ſchiedenem Grade vorhanden ſein können, quält ſich das Pferd gewöhnlich mehrere Wochen, ja mehrere Monate hin; in dieſer Zeit iſt daſſelbe nur ſelten noch zu irgend einem Dienſte zu verwenden. Zuletzt errei⸗ chen Schwäche und Abmagerung den höchſten Grad, das Thier kann nicht mehr aufſtehen, ſitzt auf dem Hintern, wie ein Hund, aber Appetit und Durſt dauern noch in einem gewiſſen Grade fort. Auf Hüften, Schultern und an andern Stellen liegt ſich das Pferd durch, und der Tod endigt dann bald die traurige Scene. Die ganze Dauer der Krankheit beträgt mei⸗ ſtens vier bis neun Monate. Die bisher beſchriebene Krankheit bezieht ſich auf Stuten; bei Hengſten iſt der Verlauf beträchtlich verſchieden. Ohne daß aͤußer⸗ lich an dem Hengſte eine Krankheit ſichtbar wäre, wird derſelbe, ſelbſt bei dem beſten Futter, matt und träge— und ſchwach im Kreuze. Nachher hinkt er auf einem oder dem andern Hinterfuße, dehnt den Rücken häufig nach unten oder aufwärts, und tritt mit den Hinterfüßen unruhig hin und her. In den nächſten Wochen tritt Abmagerung ein, einzelne Theile werden gelähmt, die Hoden ſchwellen an, es bilden ſich Kno⸗ ten unter der Haut, und am Hengſtgliede Blaſen und kleine Geſchwüre; es entſteht ein übler Naſenausfluß ꝛc. ganz wie bei den Stuten. Iſt der Hengſt angeſteckt, ſo zeigen ſich die Symptome in umgekehrter Folge. Die Anſteckung äußert ſich durch Geſchwulſt des Schlauches, durch Bläschen an der Ruthe, Geſchwulſt der Hoden und Knoten unter der Haut. Mehrere 111. Wochen hindurch hält ſich der Hengſt im guten Stande, frißt gut ꝛc. Gewöhnlich beginnt— und dies Zeichen iſt ſehr wichtig— die Anſteckung an deräußerſten Spitze der Harnröhre; es zeigen ſich hier kleine Bläschen und Geſchwüre. Um dieſes zu entdecken, führt man dem Hengſte eine Stute vor, damit er ausſchachtet. Mit der Syphilis oder der Venerie hat die Be⸗ ſchälſeuche nichts gemein, und der Ausdruck„veneri⸗ ſche Krankheit““ iſt deshalb durchaus unpaſſend. We⸗ ſentlich beſteht das Uebel in einer Krankheit des Rük⸗ kenmarkes, mit hinzukommendem Leiden des Lymph⸗ ſyſtems. Die Krankheit entſteht am häufigſten durch Anſteckung, weßhalb der Name„Beſchälſeuche“ ſehr paſſend iſt; aber auch urſprünglich kann ſie ſich ent— wickeln, und zwar unter ſehr verſchiedenen Umſtänden, Lebensalter des Pferdes zu erkennen. 343 deren ſpecielle Auseinanderſetzung jedoch hier zu weit führen würde. Die Krankheit iſt, in Rückſicht ihres ſchleichenden Charakters und ihrer häufigen Tödlichkeit, als eine ſehr gefährliche zu betrachten; ſchlaffe, alte und ma— gere Pferde geneſen ſelten. Früh genug erkannt iſt die Krankheit dagegen im Allgemeinen leicht zu heben; da aber die Krankheit in der Regel nur erſt nach ihrer vollkommneren Ausbildung erkanntwird, ſo gelingt des⸗ halb auch die Heilung nur ſelten. In manchen Jahren iſt ſie weniger bösartig, als in andern, wie dieſes faſt mit allen Seuchen der Fall iſt. Bei der großen Wichtigkeit der Krankheit iſt es jedenfalls anzurathen die Hülfe eines Thierarztes in Anſpruch zu nehmen; dies ſichert die Erkenntniß und auch die beſte Kur. 111. Lebensalter des Pferdes zu erkennen.(Tab. XXII-XXIV.) Das faſt ausſchließliche, aber dafürzugleich ziem— lich ſichere Kennzeichen, wonach das Alter des Pfer⸗ des beurtheilt werden kann, gründet ſich auf den Wech⸗ ſel der Zähne, die Veränderung ihrer Farbe, Form, Richtung ꝛc. Hiezu dienen weſentlich die Schneide⸗ zähne, beſonders die im Unterkiefer. Schneidezähne werden die am vorderen Theile des Maules unter den Lippen befindlichen Zähne genannt; es befinden ſich deren ſechs im Unterkiefer und ſechs im Oberkiefer. Außerdem finden ſich bei Hengſten und Wallachen hinter den Schneidezähnen in beiden Kiefern noch je zwei Hakenzähne; bei Stuten fehlen dieſe Letzteren, oder ſie ſind doch nur ausnahmsweiſe und in kleinerer Geſtalt vorhanden. Die beiden mittelſten Zähne hei⸗ ßen„Zangen“, die beiden dieſen zunächſt, rechts und links, ſtehenden,„Mittelzähne“, und die beiden äußer⸗ ſten,„Eckzähne“. Bis zu zwei und einem halben Jahre iſt das Alter eines Pferdes mit ziemlicher Sicherheit nach ſeinem Aeußerem und nach ſeiner Größe zu beſtimmen.— Bei dem einjährigen Pferde geben die Größe, das krauſe, wollige Haar, die kurzhaarige, gekräuſelte Mähne und der mit eben ſolchen Haaren beſetzte Schweif, welcher kaum bis zum Sprunggelenke herabreicht, einen ziemlich ſicheren Anhalt für die Beurtheilung des Alters ab. Im 2. Lebensjahre iſt die Größe ſchon beträchtlicher; das Haar fängt an glänzend zu werden, die Mähnen⸗ haare ſind länger und ſchlichter, eben ſo die Schweif⸗ haare, welche ſchon bis unterhalb des Sprunggelenkes herabhängen. Von zwei und einem halben Jahre an, und ſpäter, iſt die Beurtheilung ziemlich ſicher nach den Zähnen zu bewerkſtelligen. Bei der Geburt hat das Füllen keine Zähne; erſt nach acht bis vierzehn Tagen brechen vier Schneide⸗ zähne, zwei im Unter⸗ und zwei im Oberkiefer, aus, welche„Zangen“ heißen; in drei Wochen bricht neben den genannten jederſeits wieder ein neuer Zahn— alſo vier in beiden Kiefern—aus, welche„Mittelzähne“ genannt werden; in vier bis fünf Monaten endlich kommen dieſen zur Seite aufs Neue zwei Zähne— in beiden Kiefern vier—hervor, nämlich die„Eckzähne“. Dieſe Zähne heißen„Füllen⸗ oder Milchzähne,“ weil ſie nur im Füllenalter vorhanden ſind; ſie ſind durch ihre Kürze und milchweiße Farbe von den ſpäter erſchei⸗ nenden, bleibenden Zähnen unterſchieden. Dieſe Milchzähne werden in beſtimmten Lebensepochen und 344 111. Lebensalter des Pferdes zu erkennen. in regelmäßiger Folge durch neue Zähne erſetzt, welche „bleibende Zähne oder Pferdezähne“ genannt werden; dieſe ſind gelblich, weniger glänzend und glatt, als die Milchzähne, und auch länger. Iſt das Pferd zwei Jahre alt, ſo haben alle Milchzähne— es iſt hier allemal von den Schneide⸗ zähnen im Unterkiefer die Rede— ihre Ausbildung erlangt(Tab, XXII. Fig. 1.); mit zwei und einem halben Jahre fallen die beiden Zangen aus, und wer⸗ den durch neue erſetzt(Fig. 2. a.), welche mit vollen drei Jahren herangewachſen ſind, und die gleiche Höhe mit den nebenſtehenden Milchzähnen haben. Beträgt das Alter des Pferdes drei und ein halbes Jahr, ſo fallen auch die Mittelzähne aus, und werden durch zwei neue erſetzt(Fig. 3. a.), welche mit dem vollen vierten Jahre die gleiche Höhe mit den noch vorhan⸗ denen Milcheckzähnen(Fig. 3. b.) haben. Mit vier und einem halben Jahre fallen nun auch die Milch⸗ eckzähne aus und werden durch neue erſetzt(Fig. 4. a.) welche mit vollen fünf Jahren mit den andern bereits vorhandenen Schneidezähnen eine gleiche Höhe erlan⸗ gen. Alle Schneidezähne haben im Mittelpunkte ihrer Reibefläche länglich⸗runde, ſchwarze Vertiefungen, welche Kunden, Marken oder Bohnen heißen, dieſelben verſchwinden durch Abreibung in derſelben Ordnung, in welcher die Pferdezähne zum Vorſchein gekommen ſind. Iſt das Pferd ſechs Jahre alt, ſo verlieren ſich die Kunden auf den Zangen(Fig. 5. aa.), während ſie noch auf den Mittel- und Eckzähnen zugegen ſind. Mit ſieben Jahren ſind auch die Kunden der Mittel⸗ zähne abgerieben(Fig. aa.), und mit acht Jahren verlieren ſich auch die Kunden der Eckzähne(Tab. XXIII. Fig. 1.). Iſt das Pferd drei und ein halbes Jahr alt, ſo kommen die Spitzen der Hakenzähne zum Vorſchein; mit vier und einem halben Jahre iſt dies noch mehr der Fall, und mit ſechs Jahren ſind die Hakenzähne völlig ausgebildet; ſie ſind dann ſpitz, mäßig gebogen, nach innen etwas ausgehöhlt und ſcharfrandig. Vom achten Jahre an iſt die Erkenntniß des Alters weniger beſtimmt, doch geben die Kunden in den Schneidezähnen des Oberkiefers noch ziemlich ſichere Kennzeichen ab. Mit neun Jahren nämlich verſchwin⸗ den die Kunden in den Zangen; mit zehn Jahren in den Mittelzähnen und mit eilf Jahren in den Eckzäh⸗ nen. Dies iſt jedoch nicht ſo beſtimmt, als bei den Kunden im Unterkiefer. Wenn nun ſchon nach dem achten Jahre das Alter des Pferdes nur ſelten mit Gewißheit angegeben werden kann, ſo iſt dieſes nach dem eilften Jahre noch unſicherer, obſchon auch hier noch der Stand, die Länge und Form der Zähne einige Anhaltspunkte gewähren. Vom achten Jahre an bil⸗ det ſich in der Regel an dem hintern Theile des Eck⸗ zahnes im Oberkiefer eine vorſtehende Knochenſpitze, welche der„Einbiß“ genannt wird; im neunten Jahre iſt dieſer Einbiß am ſtärkſten(Tab. XXIV. Fig. 4. 5. a.) und im ſpätern Alter pflegt er wieder zu ver⸗ ſchwinden. Die Veränderungen, welche nach dem achten Jahre an den Schneidezähnen vorgehen, in ſo fern ſie zur Beſtimmung des Alters dienen, ſind folgende: Die Zähne werden länger, indem ſie ſich weiter aus den Kinnladen hervorſchieben; ſie werden von Jahr zu Jahr ſchmäler, und bekommen an ihrer Reibfläche eine immer mehr dreieckige Geſtalt(Tab. XXIII. Fig. 6.). Dieſes Letztere iſt das Haupt⸗ kennzeichen für das höhere Alter und faſt untrüglich. Die Reibeflächen der Zähne haben in der Jugend einen großen Durchmeſſer in die Breite(Tab. XXIV. Fig. 6. a.); je höher das Alter ſteigt, deſto ſchmäler wird dieſer Durchmeſſer, wogegen der der Tiefe, oder von vorn nach hinten, immer größer wird(Fig. 6. d.), Endlich erhalten im höheren Alter die Zähne noch eine mit dem Kiefer immer mehr parallel laufende Richtung(Fig. 5. b.), während in der Jugend die Zähne mehr gekrümmt und in einem größeren Winkel zu dem Kiefer ſtehen. Wenn nun gleich nach den angegebenen Regeln das Alter des Pferdes aus der Beſchaffenheit der Zähne meiſtens ganz richtig beurtheilt werden kann, ſo kommen doch oft genug Abweichungen von dieſen Regeln vor, welche zu ſehr erheblichen Täuſchungen Veranlaſ⸗ ſung geben können. Je nach der Art und Beſchaffenheit des Futters reiben ſich die Kunden bei manchen Pferden früher ab, als bei andern; bei Weidepferden ſind oft ſchon im ſiebenten Jahre keine Kunden mehr vorhan⸗ den, während Pferde, die ſtets im Stalle gefüttert wurden, oft im eilften bis zwölften Jahre noch alle Kunden haben. Pferde, bei denen ſich dergleichen Widerſprüche in Betreff der Kunden, Form ꝛc. an den Zähnen finden; nennt man„Zweifler“. In ſolchen Fällen muß man ſich dann beſonders an die Richtung der Zähne und die Geſtalt ihrer Reibeflächen halten. Außerdem iſt auch noch die Geſtalt des Hakenzahnes 112. Zur Geburtshuͤlfe bei Kuͤhen. von Wichtigkeit. Während dieſer beim ſechsjährigen Pferde ſpitz, ausgehöhlt und ſcharfrandig iſt, wird derſelbe im höheren Alter immer ſtumpfer, dicker, runder, auch neigt er ſich mehr nach außen. Die Be⸗ trachtung der Form des Hakenzahnes in Bezug auf die Beurtheilung des Alters iſt um ſo wichtiger, je weniger ſich hierbei Künſteleien anbringen laſſen, wie bei den Kunden ꝛc. der Schneidezähne. Sehr 345 hohes Alter kündigt ſich durch weiße Haare am Kopfe, beſonders auf den Augenbogen, dem Naſenrücken und der Stirn, dann auch an den Mähnen an. Ferner durch eingefallene Augengruben, durch das Schwinden der Muskeln am Halſe und durch eine nicht weiter zu beſchreibende Phyſiognomie, die eben keine andre als die des Alters iſt. 112. Zur Geburtshülfe bei Kühen. Kurze Zeit vor dem Kalben wird die Kuh etwas unruhig, frißt weniger gut als vorher, brüllt öfters, drängt häufig auf Miſt und Urinabgang, trippelt hin und herꝛc. Unter ſolchen Umſtänden ſind die Wehen eingetreten, welche in einer krampfhaften Zuſammen⸗ ziehung der Gebärmutter und der Bauchmuskeln be⸗ ſtehen, zum Zweck der Heraustreibung des Kalbes. Anfangs ſind die Wehen nur ſchwach; nach und nach erfolgen ſie öfterer und heftiger; man vermeide in die⸗ ſer Zeit jede Beunruhigung der kreiſenden Kuh, und verhalte ſich ſo ruhig wie möglich. Zuerſt tritt die ſogenannte Blaſe nach außen durch die Scham vor, welche gewöhnlich bald platzt, ſo daß das in ihr enthaltene Waſſer ausfließt. Je ſpäter dieſes Ausfließen erfolgt, deſto beſſer, und es iſt des⸗ halb unpaſſend, die Blaſe aufzuritzen. Die Wehen treten nun noch heftiger ein, es werden die Zehen der Vorderfüße des Kalbes nach außen ſichtbar; bei regel⸗ mäßiger Lage müſſen die Ballen der Klauen nach unten, die Spitze der Zehen aber nach oben gerichtet ſein. Gleich nach den Zehen, und oberhalb derſelben gelagert, tritt auch die Spitze des Kopfes hervor; der⸗ ſelbe wird durch kräftige Wehen bald ganz hervorge⸗ ſchoben; es entſteht dann immer eine neue Pauſe, und ruckweiſe bei jeder neuen Wehe wird ein größerer Theil des Kalbes zu Tage gefördert, bis es endlich ganz geboren iſt. Iſt das Kalb geboren, welches fünf Minuten bis ein oder zwei Stunden dauert, ſo erfolgt bei der Kuh für einige Zeit Ruhe. Gewöhnlich ſind die Eihäute, welche das Kalb umgeben, dann ſchon zerriſſen; iſt dieſes jedoch nicht der Fall, ſo muß man zeitig dafür ſorgen, weil das Kalb ſonſt erſtickt. Die Wagenfeld, Encyel. (¶Tab. XXIV.) Mutter leckt dann das Kalb trocken, und dieſes kommt bald zum Stehen. Die Nabelſchnur zerreißt von ſelbſt durch das Aufſtehen der Mutter oder des Kalbes; ſollte dieſes nicht geſchehen, ſo bindet man einen Bind⸗ faden um die Nabelſchnur, etwa einen halben Fuß vom Bauche des Kalbes entfernt, feſt um, und ſchnei⸗ det dieſelbe dann außerhalb der Unterbindungsſtelle ab. Die Nachgeburt geht gewöhnlich bald nach dem Kalben von ſelbſt abz man entfernt ſie alsdann, weil manche Kühe dieſelbe verſchlingen, was üble Folgen haben kann. In nicht ſeltenen Fällen bleibt die Nach⸗ geburt ſitzen, und die Eihäute hängen dann aus dem Wurfe heraus. Dauert dies Sitzenbleiben der Nach⸗ geburt ſehr lange Zeit, etwa acht bis vierzehn Tage, ſo können dadurch üble Zufälle entſtehen, denen man durch die künſtliche Entfernung der Nachgeburt zu be⸗ gegnen ſuchen muß. Alles Ziehen an den aushän⸗ genden Eihäuten iſt nachtheilig, ſo auch das übliche Anhängen von Gewichten ꝛc. Dagegen nützt ſehr oft folgendes Pulver: vier Loth Sadebaumblätter und ſechs Loth Ingwerwurzeln werden auf 4 Mal, und von vier zu vier Stunden, der Kuh mit Waſſer ein— gegeben, worauf in den meiſten Fällen die Nachgeburt am nächſten oder doch in den nächſten Tagen abgeht. Iſt dieſes jedoch nicht der Fall, ſo verfährt man auf nachſtehende Weiſe: Man faſſe den heraushängenden Theil der Nachgeburt mit der einen Hand, undgleite mit der andern eingeölten Hand an derſelben bis zu dem Punkte, wo ſie feſtſitzt; oft iſt dieſes der verſchloſſene Muttermund, in den man dann mit der keilförmig zuge⸗ ſpitzten Hand vorſichtig eindringt, und die Nachgeburt entfernt. Sitzt die Nachgeburt aber, wie dieſes gewöhn⸗ 44 346 112. iſt, an den Wänden der Gebärmutter feſt, ſo loͤſe man dieſelbe nach und nach mit den Fingern, indem man mit der andern Hand mäßig an ihr zieht. Da die Kühe häufig dabei ſehr unruhig ſind, ſo klemme man ſie zwiſchen zwei Bretter oder Bäume ein, damit ſie nicht ſeitlich ausweichen können; auch iſt es gut wäh⸗ rend der Operation den Bauch der Kuh durch einen untergeſchobenen Baum heben zu laſſen, weil dann die Manipulation leichter von Statten geht. Die künſtliche Ablöſung der Nachgeburt iſt beſonders in allen den Fällen dringend nothwendig, in welchen das Thier heftig preßt, oder wenn Scheide oder Gebär⸗ mutter nach außen herausgedrängt ſind. Uebrigens kann man die Nachgeburt zwei bis drei Tage ruhig ſitzen laſſen, weil ſie in dieſer Zeit meiſtens von ſelbſt abgehen wird. Iſt die Nachgeburt bereits in Fäulniß übergegangen, ſo drängt das Thier häufig, und es geht eine ſtinkende Jauche ab; alsdann ſpritze man häufig einen Aufguß von heißer Milch auf Kamillen⸗ blumen lauwarm ein. Kleine Blutungen, welche zuweilen nach der künſtlichen Ablöſung der Nachgeburt entſtehen, haben nichts zu bedeuten, und ſind deshalb nicht weiter zu berückſichtigen. Vorfall der Scheidez es kann hier ein drei⸗ facher Fall ſtattfinden, jenachdem die Scheide vor, wäh⸗ rend oder nach dem Kalben hervortritt. Tritt die Scheide vor dem Kalben nach außen, ſo iſt ſie bis zur vollen⸗ deten Geburt nicht mehr zurückzubringen. Man be— ſchränkt ſich dann darauf, das Thier hinten recht hoch zu ſtellen, knappes und mehr flüſſiges Futter, allenfalls auch ein halbes Pfund Glauberſalz zu geben, und den vorgetretenen Theil zuweilen mit lauwarmen, ſchlei⸗ migen Flüſſigkeiten zu bähen, und mit einem damit be⸗ feuchteten Tuche zuweilen ſanft zurück zu drücken. Tritt die Scheide während der Geburt nach außen vor, ſo iſt kaum dagegen etwas zu unternehmen, wohl aber wenn die Scheide nach vollendetem Kalben umgeſtülpt und vorgetreten erſcheint. Zunächſt iſt dann für die Entfernung der Nachgeburt Sorge zu tragen. Sodann bähe man den vorgetretenen Theil der Scheide mit lauwarmer Milch, reinige ihn ſorgfältig von ankleben⸗ dem Blute ꝛc., und verſuche ihn durch ſanftes Drücken in die natürliche Lage zurückzubringen. Gewöhnlich drängt aber die Kuh ſehr oft und ſo ſtark, daß die Scheide aufs Neue vorfällt; es bleibt alsdann weiter nichts übrig, als entweder ein Paar ſtarke Heftbänd⸗ chen durch die Schamlippen zu ziehen oder ein Netz Zur Geburtshuͤlfe bei Kuͤhen. oder ſtarke Gurten hinter der Scham zu befeſtigen, jedoch ſo, daß der Urinabgang dadurch nicht verhindert wird. Die Kuh wird mit dem Hintertheile recht hoch geſtellt, und bekommt nur wenig Futter. Zuweilen, beſonders wenn die Nachgeburt nicht abgegangen iſt, fällt die Gebärmutter oder Tracht vor, und ſtülpt ſich dann um. Dieſes iſt gefährlicher, als wenn blos die Scheide vorfällt. Die vorgefallene Gebärmutter iſt ſtets entzündet, mit Miſt, Stroh ꝛc. beklebt; man legt ſie in ein paſſendes, flaches Gefäß, reinigt ſie durch häufiges Aufgießen einer lauwarmen, ſchleimigen Flüſſigkeit, z. B. einer Abkochung von Leinſamen, ſorgfältig, ſetzt dieſe Bähungen anhaltend und ſo lange fort, bis die entzündliche Spannung etwas gewichen iſt. Sollte noch ein Theil der Nach⸗ geburt an der Gebärmutter haften, ſo iſt dieſe natür⸗ lich und vor allen Dingen mit den Händen abzulöſen. Jetzt verſuche man die Gebärmutter zurückzubringen, und zwar ſo, daß ſie in ſich ſelbſt hineingeſtülptwird; die Kuh muß ſich dabei—wo möglich— in der Rücken⸗ lage befinden, und hinten recht hoch liegen; außerdem kann die Manipulation auch bei dem ſtehenden Thiere ausgeführt werden, wenn daſſelbe nur mit den Hinterfü⸗ ßen weit höher als vorn geſtellt wird. Der, welcher die Manipulation ausführt, ölt die rechte Hand ſtark ein, ſetzt ſie unter die unterſte Spitze der Gebärmutter, und drückt dieſelbe dann ſtark nach oben, wobei mit der andern Hand an den Seiten der Scham nachgehol⸗ fen wird. Ein Gehülfe unterſtützt dieſes Bemühen. Iſt die Gebärmutter in den Bauch zurückgebracht, ſo hält man beide Hände mit Kraft gegen die Scham, damit die Gebärmutter nicht wieder vorfalle, was bei dem heftigen Drängen des Thieres ſonſt leicht erfolgen würde. War die Gebärmutter ſchon längere Zeit vor⸗ gefallen, ſo iſt ſie meiſtens ſehr angeſchwollen und ent⸗ zündet, oder kühl und von blaurother Farbe; hier muß dann zunäͤchſt zur Ader gelaſſen und die Gebär⸗ mutter anhaltend gebähet werden, und zwar immer ſo, daß dieſelbe nicht frei hängt, ſondern auf irgend einer weichen und reinlichen Unterlage ruht. Später verſucht man dann die Repoſition auf die oben be⸗ ſchriebene Weiſe zu bewirken. Meiſtens drängt das Thier aber unaufhörlich, und es iſt ein neuer Austritt der Gebärmutter zu befürchten. In einigen Fällen nützt das Durchziehen von vier bis fünf Heften durch die Schamlippen; indeſſen drängt das Thier meiſtens ſo ſtark, daß die Hefte ausreißen, und man dann zu 112. anderen Mittel ſeine Zuflucht nehmen muß. Iſt die Gebärmutter zurückgebracht, ſo erhält man ſie mit feuch⸗ ten Tüchern durch einen ſtarken Gegendruck zurück, ſucht ſpäter durch Drohungen und kleine Hiebe die Kuh vom Drängen abzuhalten, auch iſt oft das Her— umführen im Schritt von Nutzen. Will alles nichts helfen, ſo nimmt man eine im Waſſer aufgeweichte, mäßig große Schweinsblaſe, befeſtigt an deren offenes Ende ein Pfeifen⸗ oder Hollunderrohr, bringt die er⸗ ſchlaffte Blaſe in die Scheide, bläßt ſie auf und bindet ſie vorn zu, indem man das Rohr entfernt. Von Zeit zu Zeit, etwa zwei Mal täglich, wird die Blaſe herausgenommen, damit das Thier den Urin laſſen kann. Beim Entfernen der Blaſe muß ſie zuvor durch Losbinden des Bandes von Luft entleert werden. Statt eine Blaſe in die Scheidezu bringen, kann man auch ein Netz oder einige Gurte hinter dem Wurfe haltbar machen, ganz ſo als beim Vorfall der Scheide. Während der Kur muß die Kuh faſt ausſchließlich mit kühlen, weder ſehr nahrhaften, noch erhitzenden Brüh⸗ tränken ernährt werden; z. B. mit Kleien⸗ oder dün⸗ nem Mehltrank, gekochten und in Waſſer zerrührten Kartoffeln ꝛc. Kalbefieber. Es iſt dies eine, meiſtens einen bis drei Tage nach den Kalben eintretende, oft tödt⸗ liche Krankheit, welche in manchen Gegenden öfterer erſcheint, als in anderen. Das Uebel tritt plötzlich und unerwartet mit einem ſtarken Fieberfroſt ein, bei welchem die Kuh eine gewiſſe Unruhe zeigt, hin und her trippelt, und leichte Zuckungen bekommt. Kurze Zeit darauf, oft ſchon nach einer Stunde, zeigt ſich vermehrte Wärme der Haut, während Ohren und Hör⸗ ner, auch die Füße, meiſtens kühl bleiben; es iſt ein Fieber von achtzig bis hundert Pulſen vorhanden, und der Herzſchlag meiſtens ſehr fühlbar. Der Blick der Kuh verräth Angſt und Schmerz, ſie kann ſich nicht lange auf den Beinen erhalten, liegt faſt beſtändig, und legt dann den Kopf nach hinterwärts auf den Bauch. Bringt man den Kopf mit Gewalt in eine natürliche Lage, ſo fährt er, wie krampfhaftz, wieder auf die Seite des Bauches zurück. Das Euter iſt ſchlaff, und giebt kaum etwas Milch, Appetit und Wiederkäuen ſind gering oder ganz verſchwunden; das Thier iſt ſehr erſchöpft, wie gelähmt, ſtöhnt, brüllt auch wohl, und kann ſich nur ſelten auf die Beine erheben. Gewöhnlich iſt hartnäckige Verſtopfung vor⸗ handen, ſelten Durchfall; ans dem Maule fließt oft Zur Geburtshuͤlfe bei Kuͤhen. 347 ein klarer Geifer. Viele Kranke knirſchen mit den Zähnen, haben Rülpſen, ſind unruhig und ſchlagen mit den weit ausgeſtreckten Füßen hin und her, auch wohl mit dem Kopfe. Aus dem Wurfe fließt eine ſchleimige Flüſſigkeit. Geht die Krankheit ihrem tödt⸗ lichen Ende entgegen, ſo wird die Erſchöpfung immer größer; das Thier zieht die Füße mit Heftigkeit ab— wechſelnd an den Bauch, macht vergebliche Anſtren⸗ gungen ſich zu erheben, die Umfläche des Körpers iſt ſehr warm, Puls und Athemholen werden ausſetzend, die Augen ſind tief eingefallen, der Urin geht unwill⸗ kührlich ab, und in vierundzwanzig bis ſechsunddreißig Stunden, ſeltener erſt nach zwei bis drei Tagen, er⸗ folgt der Tod. Die Krankheit iſt zunächſt Folge des Kalbens, aber die näheren Urſachen ihres Entſtehens ſind oft unbe⸗ kannt. Am häufigſten ſieht man ſie nach ſchweren Geburten, und bei Kühen, die ſehr gut genährt ſind, beſonders dann, wenn gegen das Ende der Trächtigkeit die früher nur dürftig genährte Kuh plötzlich auf ſehr nahrhaftes und reichliches Futter geſetzt wird. Dann ſind auch Erkältungen und Mangel an Bewegung als Urſachen in Verdacht zu nehmen. Die Kur dieſer nur zu oft tödtlichen Krankheit muß ſo bald wie möglich begonnen werden; ſie erleidet je nach der Verſchiedenheit der Zufälle ꝛc. mancherlei Abweichungen. Auf dieſe kann jedoch hier nicht wohl eingegangen werden, weßhalb nur ein Kurverfahren angegeben werden ſoll, welches durchſchnittlich für die Mehrzahl der Fälle paßt. Zunächſt ſorge man dafür, daß die Kuh in einem warmen, trockenen Lokale und auf reichlicher Streu gehalten werde; man belegt dieſelbe mit einer Decke, und vermeidet alles Geräuſch oder was ſonſt das Thier beunruhigen könnte. Ge⸗ wöhnlich iſt Verſtopfung vorhanden; alsdann giebt man alle vier Stunden ein Quentchen Kampher und ſechs Loth Glauberſalz in einem halben Quart Kamil⸗ lenthee, und mindeſtens vier bis ſechs Mal wiederholt, ein. Miſtet die Kuh, oder iſt etwa Durchfall vorhan⸗ den, ſo paßt dann folgendes Mittel: achtzehn Loth Baldrianwurzel werden mit drei Qnart kochendem Waſſer übergoſſen, und nach einer Stunde giebt man von dieſem Aufguſſe ſtündlich ein halbes Quart mit zwei Quentchen Aether lauwarm ein, und zwar ſechs bis acht ſolcher Eingüſſe. Bei vorhandener Verſto⸗ pfung ſetzt man recht oft Klyſtire aus warmem Waſſer mit Kochſalz und Seife. Kann die Kuh, wie dieſes 44 348 112. meiſtens der Fall iſt, nicht aufſtehen, und zeigt ſich dieſelbe im Kreuze gelähmt, ſo reibt man die Kreuz⸗ gegend täglich drei Mal mit einem Gemiſche von einem Loth Cantharidenpulver und Salmiakgeiſt und Ter⸗ pentinöl, von jedem ſechs Loth, ein. Außerdem kann man die kühlen Extremitäten öfters mit Strohwiſchen oder mit einer Bürſte frottiren. Zum Futter dienen etwas feines Heu und Tränke aus Kleie oder Leinöl— kuchen. Bei ſehr robuſten und fetten Stücken macht man zu Anfange der Krankheit einen Aderlaß von ſechs bis acht Pfund Blut. Iſt die Krankheit vorge⸗ ſchritten, ſo paßt derſelbe indeſſen nicht mehr. Das Euter muß täglich mehrere Male ausgemolken werden. Einſchuß oder Euterentzündung. Nicht ſelten entſteht bei ſäugenden Kühen, zumal in den erſten Wochen nach dem Kalben, eine ſehr heftige Entzündung des Euters, gewöhnlich nur der einen Hälfte deſſelben, wobei eine oder mehrere Zitzen gleich⸗ zeitig mit angeſchwollen und entzündet ſind. Das Thier hat Fieber, frißt und wiederkäuet ſchlecht, hat ſtrup⸗ piges Haar ꝛc. Die Geſchwulſt kommt plötzlich, der entzündete Theil des Euters, ſo wie die ergriffene Zitze ſind heiß, ſehr roth, angeſchwollen und beim Drucke ſehr empfindlich. Aus der kranken Zitze kommt, ſtatt Milch, eine klebrige oder eiterartige Flüſſigkeit, oder ſie iſt gänzlich verſtopft. Die Kuh geht ſehr geſpannt und ſchmerzhaft, und iſt, wenn ſie liegt, nur ſchwer zum Aufſtehen zu bringen, ſo daß man den Fehler bei ober⸗ flächlicher Unterſuchung wohl ſchon mit einer Kreuz⸗ lähmung oder mit einem Beinbruche verwechſelt hat. Die Urſachen beſtehen in Erkältungen oder in ei⸗ ner inneren Dispoſition; die Krankheit hat oft ganz die Beſchaffenheit einer rothlaufartigen Entzündung. Die Kur beſteht in einem Aderlaſſe, der, je nach der Größe des Thieres und der Heftigkeit der Entzündungꝛc., ſechs bis zwölf Pfund betragen muß. Sodann giebt man eine Laxanz aus einem halben bis einem Pfund Glau⸗ berſalz in Waſſer aufgelöſt. Bei ſehr heftiger Ge⸗ ſchwulſt und Entzündung ſetzt man unter den Bauch, etwa zwei Fuß vor das Euter, ein Fontanell, melkt das Euter, und beſonders die kranken Zitzen, täglich vier bis fünf Mal ſanft aus, läßt aber das Kalb nicht am Euter ſaugen. Das Euter ſelbſt wird ſo oft wie möglich mit lauwarmen Flüſſigkeiten gebähet, z. B. mit dünner Branntweinſchlempe, mit einer Abkochung von Leinſamen, mit Kamillenaufguß, Kleienwaſſer ꝛc. Abends beſtreicht man die Geſchwulſt mit einer Salbe Zur Geburtshuͤlfe bei Kuͤhen. aus gleichen Theilen Merkurialſalbe und Oel, allen⸗ falls auch blos mit ungeſalzener Butter. Wird die Kur zu ſpät begonnen, ſo verhärten oft einzelne Theile des Euters, welches dann ſchwer zu beſeitigen iſt; außerdem werden auch wohl einzelne Zitzen für immer verſtopft. Wiewol ſolche Verhärtungen nur ſelten zu heilen ſind, ſo gelingt es denn doch noch zuweilen, durch anhaltende Bähungen und Einreibungen von Merkurialſalbe. Die verſtopfte Zitze kann man durch wiederholtes aber vorſichtiges Einbringen einer dicken Stricknadel zuweilen wieder in Gang bringen. Iſt ein Theil des Euters in Eiterung übergegangen, ſo ſuche man dieſen durch einen Einſtich zu entleeren, oder beſſer noch durch Einführung einer dünnen Röhre, ein ſogenanntes Milchkatheter, in die Zitzenöffnung. Zuweilen entſteht ohne bekannte Urſachen eine Entzündung an der Zitzenöffnung, wodurch das Mel⸗ ken ſchmerzhaft wird, und die Zitze zuwachſen und auftrocknen kann. Die Heilung wird dadurch bewirkt, daß man eine dicke Darmſaite in die Zitze einführt, welche beim jedesmaligen Melken herausgenommen wird. Die Zitze wird außerdem mit Bleiwaſſer oder lauwarmer Milch recht oft gewaſchen und gebähet. Verwerfen oder Verkalben. Hierbei er⸗ folgt das Gebären früher, als das Kalb ausgetragen iſt. In vielen Fällen iſt das Verwerfen eine Folge irgend einer ſchweren Krankheit, z. B. der Lungen⸗ ſeuche, und dann oft ſogar heilſam für das Mutter⸗ thier; in allen anderen Fällen iſt das Verwerfen als ein unerwünſchtes Ereigniß zu betrachten, bei dem nicht nur das Kalb verloren geht, ſondern auch mehr oder minder größere Uebelſtände für die Kuh entſtehen können. Es giebt ſehr viele Urſachen des Verwerfens; oft liegt daſſelbe in ſchlechtem und ungeſundem Futter, in naſſem Wetter, bereiften und beſchneiten Weiden, ſchlechtem Tränkwaſſer ꝛc., oft in zu ſtarker Anſtren⸗ gung, großen Sprüngen, Stößen und Schlägen auf den Hinterleib, in zu abhängiger Stellung des Hinter⸗ theils im Stalle. Auch nach großen Aderläſſen ent⸗ ſteht häͤufig ein Verwerfen. Da ſich das Verwerfen in der Regel vorher durch nichts ankündigt, ſo läßt ſich daſſelbe auch nicht wohl verhüten; es kommt daher nur auf eine paſſende Behandlung des Mutterthieres nach dem Verwerfen an. Ruhe, gutes Futter, auch einige ſtärkende Mittel, z. B. Brod mit Branntwein, gehören hierher. Die Erfahrung lehrt, daß Kühe 112. Zur Geburtshuͤlfe bei Kuͤhen. die ſchon ein oder mehrere Male verworfen haben, leicht aufs Neue verwerfen; man thut daher wohl ſolche Stücke von der Zucht auszuſchließen und zu mäſten. Regelwidrige Geburten. Sie kommen unter den zahlreichſten Verſchiedenheiten vor, und nur zu oft iſt die dabei geleiſtete Hülfe eben ſo unklug als brutal. a) Manchmal iſt der Kopf in die Geburt einge— treten, aber das Kalben geht nicht von ſtatten, weil das Junge zu groß, das Fruchtwaſſer zu früh abge⸗ laufen, die Wehen zu ſchwach ſind ꝛc., obgleich die Lage des Kalbes regelmäßig iſt. In ſolchen Fällen muß man durch Ziehen an dem Kalbe der Mutter zu Hülfe kommen. Man biingt eine in Oel getauchte Schleife aus weichem Leder(Fig. 8.) oder Gurten über den Kopf des Jungen, eine ähnliche über beide Vorderfüße, und läßt mehrere Gehülfen daran ziehen während Eine Perſon den Kopf des Jungen nach ver⸗ ſchiedenen Seiten hin und her biegt, je nachdem es die Lage deſſelben erfordert. Oft reicht die Kraft weniger Perſonen nicht aus, und man kann ſich dann ſehr paſſend eines Wagenrades bedienen, um deſſen Nabe man die durch Stricke verlängerte Schleife auf⸗ rollt. Das übliche Vorſpannen eines Pferdes iſt brutal und unſicher. Um die ſchwachen Wehen der Kuh zu befördern, giebt man ihr Wein oder Brod mit Branntwein. b) In einigen Fällen iſt das Kalb ſo ſehr groß, daß ſein Durchgang durchs Becken und ſomit ſeine Geburt unmöglich iſt. Hier iſt dann nichts anderes übrig, als das Kalb im Mutterleibe zu zerſtückeln, und auf dieſe Weiſe ſtückweiſe nach außen zu beför⸗ dern. Das Kalb geht dabei natürlich verloren, aber die Mutter wird doch oft gerettet; indeſſen entſchließe man ſich zu dieſer Operation nur im äußerſten Noth⸗ falle. Ihre Ausführung erfordert einen tüchtigen Sach⸗ verſtändigen.— Zuweilen iſt auch der Muttermund verwachſen, oder ſo feſt verſchloſſen, daß er ſich durch die Wehen ſelbſt nicht öffnet. Hier muß derſelbe dann durch ein ſchneidendes Inſtrument geöffnet werden. 349 c) Sehr oft kommen regelwidrige Lagen des Kalbes vor, welche die natürliche Geburt unmöglich machen. So liegt z. B. der Kopf nach rückwärts, während die Vorderſchenkel über dem Kopfe liegen (Fig. 7.); oder die Vorderſchenkel ſind unter die Bruſt geſchlagen; oder der Kopf liegt quer vor dem Muttermunde; oder das Kalb liegt mit dem Rücken nach unten, oder mit dem Hintern vor dem Mutter⸗ munde ꝛc. Für alle ſolche Fälle giebt es ein paſſendes manuelles Verfahren, deſſen ſpecielle Angabe aber die Gränzen dieſes Werkes überſchreiten würde. Bei ſolcher regelwidrigen Lage des Jungen kommt es ſtets darauf an, daß man ſich zuerſt durch die Unterſuchung mit der Hand von der wahren Lage des Kalbes über⸗ zeuge, und dann durch Wendungen deſſelben oder ein— zelner Theile deſſelben, z. B. der Füße, die Geburt möglich zu machen ſuche; ſo wie durch Anlegung von Schlingen und Gurten, durch den Gebrauch von Haken und Zangen ꝛc. Da bei dem beginnenden Geburts⸗ akte das Kalb, wie auch immer ſeine Lage ſein mag, durch die Wehen der Gebärmutter vor den Mutter⸗ mund gedrängt wird, ſo iſt das Eingehen der Hand in die Gebärmutter, behufs der Unterſuchung der Lage des Jungen, in der Regel nicht möglich. Deshalb drängt man das Kalb mit der Hand zunächſt nach vorn(Fig. 7.), oder, da der bloße Arm in der Regel zu ſchwach dazu iſt, bedient man ſich dazu eines vorn gabelartig geſtalteten, eiſernen Inſtrumentes, der ſoge⸗ nannten Krücke(Fig. 9.), deren Heft man vor die Bruſt ſetzt, und auf dieſe Weiſe mit größerer Kraft das Junge zurückdrängt. Die Hand kann nun in die Ge⸗ bärmutter eingehen, unterſuchen, die nöthigen Wen⸗ dungen machen, Gurten umlegen ꝛc. d) Kann das Kalb, aus irgend einer Urſache, nicht auf natürlichem Wege geboren werden, und liegt an ſeiner Erhaltung mehr als an der Mutter, ſo macht man wohl den Kaiſerſchnitt. Es wird dann das Kalb durch einen Einſtich in Bauch und Gebärmutter der Kuh herausbefördert. Oſt bleiben Beide dabei am Leben. 350 113. Verrenkungen und Verſtauchungen. 113. Verrenkungen und Verſtauchungen. Es finden die Verrenkung und Verſtauchung nur bei den Knochen ſtatt, welche durch ein Gelenk mit einander verbunden ſind. Bei der Verrenkung iſt der Gelenkkopf aus der Gelenkhöhle gewichen, und befindet ſich auf dem Rande oder ganz außerhalb der Gelenk⸗ höhle; bei der Verſtauchung hat derſelbe Fall ſich er— eignet, jedoch iſt der Gelenkkopf gleich darauf wieder in ſeine natürliche Lage, in die Gelenkhöhle, zurück⸗ getreten. a) Verrenkungen des Hinterkiefers. Sie kommen faſt nur allein bei Hunden, beſonders bei Hirtenhun⸗ den und Windhunden, vor. Das Maul des Hundes ſteht weit offen, und es hat den Anſchein, als ob ein Knochen oder ſonſt ein fremder Körper im Halſe ſtecken geblieben wäre; der Unterkiefer, hat gegen den Oberkiefer, eine ſeitliche Richtung, die Zunge iſt an⸗ geſchwollen, hervorgeſtreckt und dunkelfarbig. Um die Einrichtung des verrenkten Unterkiefers zu bewir⸗ ken, verfährt man wie folgt: Es werden dem Hunde die Füße gebunden, ſodann wird quer durch deſſen Maul ein Stock von der Dicke eines ſtarken Daumens geſteckt, und zwar ſo weit wie möglich nach hinten, worauf dann die Spitzen von Unter⸗ und Oberkiefer mit einem ſtarken Drucke gegen einander gedrückt wer⸗ den. Auf dieſe Weiſe renkt ſich der Unterkiefer wieder ein, und es iſt dann nichts weiter nöthig, als den Hund die erſten Wochen hindurch nur mit flüſſiger Nahrung zu füttern, und demſelben allenfalls einen Maulkorb anzulegen. Sollte die Geſchwulſt in der Gelenkgegend, alſo am hinteren Theile der Backe, ſehr heftig ſein, ſo kann man ſie täglich einige Male mit gleichen Theilen Eſſig und recht kaltem Waſſer be⸗ feuchten. b) Verrenkung der Halswirbel. Es iſt dieſes eigentlich nur eine Verſtauchung, die ſich zuweilen bei Pferden ereignet, und durchs Stürzen des Pferdes, durch heftige Stöße und andere mechaniſche Einflüſſe entſteht. Das Pferd hält Hals und Kopf ſteif nach der Seite, und die eine Seite des Halſes iſt ſtark bogenförmig nach außen gewölbt, während die andere Halsſeite eine entſprechende Vertiefung bemerken läßt. Die Kur iſt ſchwer und oft ohne guten Erfolg, jedoch i*ſt ſie allemal zu verſuchen; da der Hals von ſelbſt nur ſelten ſeine natürliche Richtung wieder annimmt. Man nimmt zwei Bretter von je anderthalb Fuß Länge und einem Fuß Breite; am oberen und unte⸗ ren Rande derſelben befinde ſich eine Leiſte, welche über das Ende des Brettes hinten und vorn um einen halben Fuß vorragt, und am äußerſten Ende mit einem Knopfe verſehen iſt. An jede Seite des Halſes wird eins dieſer Bretter gelegt, worauf ſie durch Stricke, Riemen oder Gurte an den vorſpringenden Enden der Leiſten ſo feſt wie möglich gegen einander geſchnürt werden. Vor Anlegung der Bretter wird auf die ausgebogene Seite des Halſes ein dickes, mit Heu oder Kuhhaaren ausgefülltes Kiſſen gelegt, damit die aus gewichenen Halswirbel möglichſt ſtark nach der ent⸗ gegengeſetzten Seite gedrückt werden; auch an die andere Seite des Halſes kann ein weicher Körper gelegt werden, um die nachtheilige Wirkung von dem Drucke des Holzes auf die Haut zu mildern. Der Apparat bleibt acht bis vierzehn Tage liegen, oder ſo lange es erfor⸗ derlich erſcheint. Später wird der Hals, zur Stär⸗ kung der Bänder und Muskeln, oft mit ſpirituöſen Waſchungen befeuchtet. c) Verrenkungen und Verſtauchungen der Rücken⸗ und Lendenwirbel ereignen ſich nicht oft, und dann faſt nur bei Pferden, durch ſtarke Sprünge, zumal mit einem ſchweren Reiter, dadurch daß ein Pferd beim Aufſpringen unter den Letterbaum kommt, durch Stöße und andere mechaniſche Einwirkungen. Die kranke Stelle iſt ſchmerzhaft und entzündet, und das Hintertheil gewöhnlich gänzlich gelähmt, ſo daß das Pferd nicht aufſtehen kann, ähnlich als bei der Kreuz⸗ lähme. Die Heilung gelingt nicht ſehr oft, und wird weſentlich ganz ſo bewirkt, als bei der Kreuzlähme. Häufig bleibt das geheilte Pferd ſenkrückig, oder doch ſchwach im Hintertheile. Sind Wirbelverbindungen gebrochen, ſo iſt der Tod unvermeidlich. b) Verrenkungen und Verſtauchungen des Schul⸗ terblattes. Bei der nicht oft ſich ereignenden Verren⸗ kung des Schulterblattes tritt das Pferd mit dem kranken Vorderſchenkel nicht auf, der Schenkel ſteht nach außen, und wird beim Gange weder vorgeſchoben, 113. Verrenkungen und Verſtauchungen. noch auf den Erdboden geſetzt, indem das Pferd auf drei Beinen vorwärts hinkt, und den kranken Schenkel nachſchlenkert. Die Gegend des Schultergelenkes iſt angeſchwollen, heiß und entzündet, und jede Bewegung des unteren Theiles der Gliedmaße erregt heftige Schmerzen. Zur Kur werden häufig kalte Umſchläge auf die Gegend des Schultergelenkes gemacht; zu dem Ende wird an dieſer Stelle ein Beutel mit Eis oder Schnee haltbar übergelegt, oder man behängt den Theil mit vielfach zuſammengelegter Leinwand, und hält dieſe durch Begießen mit recht kaltem Waſſer fortwäh⸗ rend feucht; beſſer noch mit einem Gemiſch aus einem Theil Eſſig, einem halben Theile Branntwein und drei Theilen kaltem Waſſer. Dieſe Umſchläge werden vier bis acht Tage, oder überhaupt ſo lange fortgeſetzt, bis die Entzündung ſich großen Theils verloren hat. Eine Einrenkung iſt wegen der Dicke und Stärke der um das Schultergelenk gelagerten Muskeln nicht wohl möglich, indeſſen auch überflüßig, da das Gewicht der Gliedmaße die Einrenkung freiwillig bewirkt, wenn erſt die entzündliche und krampfhafte Zuſammenziehung der Schultermuskeln beſeitigt iſt. Während der Kur wird das Pferd ruhig im Stalle gehalten; iſt die Ein⸗ renkung erfolgt, und tritt das Pferd wieder auf, ſo kann daſſelbe zuweilen etwas im Schritt herumgeführt werden, doch ſuche man dabei etwanige Sprünge des Pferdes zu verhindern, weil ſonſt leicht eine neue Verrenkung ſtattfinden könnte. Zum Schluſſe der Kur werden dann, um die krank geweſenen Theile zu ſtärken, öfters reizende Einreibungen gemacht, ähnlich als bei der Buglähme. Ungleich öfterer als wirkliche Verrenkungen des Schultergelenkes kommen Verſtauchungen deſſelben vor; ſie conſtituiren die Schulter- oder Buglähme, von welcher a. a. O. ſpeciell die Rede iſt. e) Verrenkungen des Ellbogengelenkes können bei den größeren Hausthieren, ohne einen Knochenbruch kaum jemals eintreten; nur allein bei Hunden ereignet ſich eine ſolche Verrenkung auch ohne Knochenbruch. Man fühlt dann den Gelenkkopf des Vorderarms an der inneren oder äußeren Seite des Ellbogengelenkes als eine runde und harte Beule, der Hund kann nicht auftreten, iſt beim Druck auf dieſe Stelle ſehr empfind⸗ lich, und der Schenkel hat eine unregelmäßige Rich⸗ tung, auch erſcheint er um etwas verkürzt, gegen den geſunden Schenkel. Man bewirkt die Einrenkung, indem man den Schenkel mit einem ſtarken Zuge in 351 derſelben Richtung, nach welcher er verrenkt iſt, aus⸗ dehnt, während ein Gehülfe den ausgerenkten Gelenk⸗ kopf in ſeine natürliche Lage zurückdrückt. Sodann wird das Gelenk recht feſt mit Streifen ſtarker Lein⸗ wand umwickelt, und die Bandage mit Eſſig, Waſſer und etwas Branntwein fortwährend kühl und feucht erhalten. f) Das Vorderknie kann nicht anders verrenken, als durch Zerreißung der Bänder und Sehnen dieſes Theiles; ein ſeltener Fall, der faſt immer mit einer äußeren Wunde verbunden iſt. g) Verrenkungen und Verſtauchungen des Feſſel⸗ gelenkes. Dieſe kommen unter Allen ohne Vergleich am häufigſten vor, aber faſt ausſchließlich an den Hin⸗ terfüßen, man nennt den Fehler Ueberköthen, Ueber⸗ kothſchießen. Die wirkliche Verrenkung iſt ſelten;— es ſind dann die Gelenkbänder zerriſſen, das Pferd iſt gänzlich unvermögend auf den kranken Fuß zu treten, und das untere Ende des Schienbeins ragt über das obere Ende des Feſſelbeins als eine harte, runde Beule hervor. Bei der ungleich häufigeren Verſtauchung ſind die Gelenkbänder nur erſchlafft, das Pferd ſchont im Stande der Ruhe den kranken Fuß, lahmt im Gange mehr oder weniger auf demſelben, aber das untere Ende des Schienbeins gleitet beim Auftreten des Fußes in die Gelenkfläche des Feſſelbeins zurück, ſo daß dann die beulenartige Hervorragung nach vorn verſchwindet. Die Verſtauchung iſt nur ſchwer, und auch ſelten gründlich, zu heilen; gewöhnlich bleibt eine anhaltende Lahmheit, Stelzfuß, Verwachſung des Gelenkes ꝛc. zurück, welche das Thier faſt unbrauchbar macht. Die bloße Verſtauchung dagegen wird oft gründlich geheilt, obſchon in den meiſten Fällen nur nach längerer Zeit. Iſt das Uebel noch neu und mit den Zeichen von Entzündung behaftet, ſo dienen anhaltende kalte Umſchläge und Waſchungen, oder beſſer noch, man ſtellt den kranken Fuß mehrere Tage hindurch in ein Gefäß mit kaltem Waſſer. Will das Pferd nicht darin ſtehen, ſo muß daſſelbe bis an die Knie anhaltend in einen Bach oder überhaupt in Waſſer geſtellt werden, jedoch ſo, daß das Hintertheil höher zu ſtehen kommt, als das Vordertheil. Sind die Zeichen von Entzündung beſeitigt, oder ſchon bei dem Beginne der Kur nicht mehr zugegen, ſo werden reizende und ſtärkende Waſchungen gemacht. Hierzu paßt ein Gemiſch von einem Theile Salmiakgeiſt, und Terpentinöl und Rüböl von jedem zwei Theile. Bleibt 35² 113. dieſes Mittel, nach etwa achttägiger Anwendung, erfolg⸗ los, ſo wendet man die ſcharfe Salbe, wie bei der Stollbeule, an; man reibt von derſelben zwei Mal rings um das Feſſelgelenk ein. Statt dieſer Salbe kann man auch die Umfläche des Gelenkes mit dem Glüheiſen brennen, entweder in Strich- oder Punkt⸗ form. Gleich beim Beginne der Kur wird das Huf— eiſen abgeriſſen, und dann auch gleich das des geſun— den Nachbarfußes; in manchen hartnäckigen Fällen iſt es gut, ein Hufeiſen aufzuſchlagen, welches an ſeinem Zehentheile mit einer ſchnabelartigen Verlän⸗ gerung(Tab. XXX. Fig 4.) verſehen iſt, wobei das untere Ende des Feſſelbeins beim Niederſetzen und Auftreten des Fußes in die Gelenkfläche des Feſſelbeins zurückgedrängt wird. Während der Kur wird das Pferd, ſo viel nur immer möglich, ruhig im Stalle gehalten. Eine wirkliche Verrenkung des Feſſelgelenkes kommt, wie ſchon bemerkt, nicht oft vor, und ihre Kur erfordert Geſchicklichkeit und Ausdauer. Der Laie hält in der Regel jede Verſtauchung des Feſſel⸗ gelenkes für eine wirkliche Verrenkung, und, von die⸗ ſer Anſicht geleitet, werden dann in der Regel allerhand gewaltſame Verſuche gemacht, die vermeintliche Ver⸗ renkung des Schienbeins wieder einzurenken. In ſel⸗ tenen Fällen ſind ſolche Verſuche erfolgreich, weil in der That eine wirkliche Verrenkung vorhanden war, in allen anderen Fällen aber ſchaden ſie poſitiv; das geſchwaͤchte Gelenk wird nur noch ſchwächer. b) Verrenkungen des Hüftgelenkes ereignen ſich wegen der Tiefe des Gelenkes und der Maſſe der darum gelagerten, dicken Muskeln kaum jemals; hat ein ſol⸗ cher Fall ſtatt, ſo bricht in der Regel die Pfanne, oder der Hals des Backenbeins, und der Fall iſt unheil⸗ bar. Quetſchungen des Gelenkes dagegen kommen zu⸗ weilen vor, und ſtellen dann eine Art Verſtauchung dar, welche man Hüftlähme nennt. Sie iſt a. a. O. näher beſchrieben; doch mag hier noch bemerkt werden, daß Verrenkungen und Verſtauchungen. die Hüftlähme weit ſeltener in dem Hüftgelenke ſelbſt, als in den umgebenden Theilen ihren Sitz hat. i) Verrenkung der Knieſcheibe ereignet ſich zuwei⸗ len bei Pferden; bei anderen Thieren ſeltener. Ge⸗ wöͤhnlich entſteht dieſer Fehler, wie die meiſten Ver⸗ renkungen, urplötzlich. Das Pferd hält den kranken Schenkel ſteif und ganz ausgeſtreckt, ſo daß er länger zu ſein ſcheint als der geſunde; es kann nicht auftre⸗ ten, und zwingt man es zum Gehen, ſo knickt das Feſſelgelenk nach vorn über, als wenn daſſelbe ver⸗ ſtaucht wäre, und der Schenkel wird mit Mühe nach⸗ geſchleppt. Zeichen von Entzündung find nur in den ſeltneren Fällen vorhanden. Häufig renkt ſich die Knieſcheibe durch verſchiedene Bewegungen, die das Pferd macht, und namentlich beim Niederlegen, von ſelbſt wieder ein; oft aber iſt dieſes nicht der Fall, und es muß dann Kunſthülfe eintreten. Man beugt den kranken Schenkel mit der Hand oder mit Hülfe eines Stricks ſo ſtark wie möglich gegen den Bauch, wobei die Knieſcheibe häufig wieder eingleitet; erfolgt dieſes nicht, ſo bringt man das Pferd durch Hiebe zum Ausſchlagen, oder man wirft daſſelbe mit dem Wurfzeuge nieder, und zieht dann den kranken Schen⸗ kel mit einem Gurt ſo weit wie möglich nach der Schulter vor, indem man mit der Hand—erforderlichen Falls— die Knieſcheibe in ihre natürliche Lage zurück⸗ drückt. Iſt die Einrenkung erfolgt, ſo wird die Ge⸗ lenkgegend, um die erſchlafften Gelenkbänder zu ſtär⸗ ken, mit reizenden Flüſſigkeiten eingerieben, ganz ſo als bei der Verſtauchung des Feſſelgelenkes; oft iſt dazu ſelbſt das Brennen mit dem Glüheiſen erforder⸗ lich. Nach erfolgter Einrenkung muß das Pferd noch längere Zeit hindurch mit dem Hintertheile höher ge⸗ ſtellt werden, als mit dem Vordertheile, weil die Verrenkung ſanſt leicht, und ſelbſt auf geringe Veran⸗ laſſung, wiederkehrt. 114. Hufkrankheiten. 114. Hufkrankheiten.(Tab. XXV— XXVII.) Unter den zahlreichen Lahmheiten, von denen das Pferd nur zu häufig befallen wird, kommen keine ſo oft vor, als Huflahmheiten, und man kann anneh— men, daß von zehn Lahmheiten mindeſtens ſechs bis ſieben durch irgend ein Hufübel entſtehen. Die unna— türliche Lebensweiſe des Pferdes, ſeine Haltung und ſein Dienſtgebrauch ſind die Urſachen davon; hierzu kommt noch die unpaſſende Pflege der Hufe und ein unpaſſender Hufbeſchlag. Am nachtheiligſten auf die Hufe wirkt die zu große Austrocknung derſelben, und die meiſten Hufübel nehmen direct oder indireet daher ihren Urſprung. Man ſorge deshalb dafür, daß die Hufe öfters auf irgend eine Weiſe befeuchtet werden; man ſtreiche von Zeit zu Zeit Kuhmiſt unter die be⸗ ſchlagenen Hufe auf die Sohle ꝛc. Früher glaubte man durch ſogenannte Huf⸗ oder Hornſalben dem Zwecke des Wachsthums und der Geſchmeidigkeit des Hufes forderlich zu ſein, und es giebt in dieſer Hin— ſicht zahlreiche Vorſchriften zu großen Theils ſehr zu⸗ ſammengeſetzten Miſchungen. Dergleichen Salben ſind indeſſen nutzlos; denn das Element der Erwei⸗ chung und Ausdehnung des Hufes iſt Waſſer, aber nicht Fett. Bei jeder Lahmheit iſt der Huf ſorgfältig zu unterſuchen, vorausgeſetzt, daß ſich ihr Sitz nicht durch die unzweideutigſten Zeichen an einem anderen Orte kund giebt; nur zu oft hat man ein Pferd z. B. auf Bug- oder Hüftlahmheit kurirt, während daͤs Uebel in der That ausſchließlich im Hufe ſaß. Wie oft ſchon hat man Haarſeile an der Schulter gezogen, und einige Zeit ſpäter ſtieg Eiter an der Krone des Hufes hervor!— Da die meiſten Hufkrankheiten ohne gründliche Kenntniß des Hufes nicht wohl ſicher erkannt werden können, ſo ſoll hier zuvörderſt eine Darſtel⸗ lung der einzelnen Theile des Hufes und eine anato— miſche Beſchreibung deſſelben gegeben werden. Der Huf ſtellt eine feſte, hornartige Kapſel, oder eine Art Schuh, dar, welcher weſentlich das Huf⸗ und Strahlbein, dann auch die unteren Enden des Kro⸗ nenbeins und verſchiedener Sehnen umgiebt. Am Hornſchuh kommen folgende Theile in Betracht: a) Die äußere Fläche deſſelben; ſie iſt glatt und mit einem glänzenden Ueberzuge verſehen. Die innere Wagenfeld, Encyel. Fläche iſt ausgehöhlt, und beſteht aus einer großen An⸗ zahl(gegen 500) dünner Hornblättchen(Tab. XXV. Fig. 3.), welche zwiſchen ſich die Fleiſchblättchen aufnehmen. Der untere Rand des Hufes berührt den Erdboden; er iſt dicker in Hornmaſſe als der obere Rand des Hufes, ragt über die Hornſohle hervor, und verbindet ſich nach innen in der weißen Linie(Fig, 2. ce.) mit der Hornſohle. Der obere Rand des Hufes (Fig. 1. dd.), welcher Krone oder Saum genannt wird, enthält an ſeiner inneren Seite eine ausgehöhlte Rinne(Fig. 3. a.), welche die Fleiſchkrone in ſich aufnimmt; in dieſer Rinne befinden ſich viele Oeff⸗ nungen, durch welche die Blutgefäße in die Hufwand eintreten. b) An der Hornwand unterſcheidet man die Zehen⸗ wand(Fig. 1. a.), welche den längſten Theil der Hufwand bildet, und am dickſten iſt. c) Die Seitenwand(Fig. 1. b.), welche zwi⸗ ſchen der Zehenwand liegt und zwiſchen der d) Ferſen⸗ oder Trachtenwand(Fig. 1. c.); ſie iſt von oben nach unten am kürzeſten, und verbindet ſich nach hinten mit der e) Eckſtrebe. Es iſt dieſes der hintere Theil der Ferſenwand, welche ſich nach innen aufſchlägt und an der Spitze des Strahls mit der entgegengeſetzten Eckſtrebe verbindet(Fig. 2. dd.), indem ſie den Strahl zwiſchen ſich aufnehmen. f) Die Hornſohle(Fig. 2. a.) iſt der untere Theil des Hufes und dem Erdboden zugekehrt; nach hinten geht ſie in zwei Aeſte aus, die die Eckſtreben und den Strahl zwiſchen ſich aufnehmen(Fig. 2. g.). Ihre obere Fläche verbindet ſich mit der Fleiſchſohle, ihre untere Fläche iſt etwas ausgehöhlt und von weicherer Hornmaſſe, als die Hornwand. 9) Der Hornſtrahl(Fig. 2. e.) liegt wie ein Keil an der unteren Fläche des Hufes und zwiſchen den Eckſtreben; er iſt von dreieckiger Geſtalt, weicher und elaſtiſcher, als der übrige Theil des Hornſchuhes. Von ſeiner Spitze nach rückwärts theilt ſich der Strahl in zwei Aeſte(Fig. 2. ff.), deren hintere Enden Bal⸗ len heißen; zwiſchen dieſen beiden Aeſten beſindet ſich 49 354 eine tiefe Rinne. Die Ballen verbinden ſich hinten mit der Ferſenwand und der Krone. h) Die Fleiſchwand(Fig. 6. m.) bedeckt das Hufbein auf ſeiner äußeren Fläche; ſie zerfällt in die eigentliche Fleiſchwand(Fig. 4. a.) und in die Fleiſchkrone(Fig. 4. b.). Die Fleiſchkrone liegt als eine dicke Wulſt am oberen Rande des Hufes, und in der Rinne des oberen Hufrandes; ſie enthält ſehr viele Nerven und Gefäße, und entſpricht dem Saum an den Nägeln des Menſchen. Die Fleiſchwand bedeckt die ganze äußere Fläche des Hufbeins, und hat zahl— reiche, dünne Fleiſchblättchen(Fig. 4. a.), welche ſich zwiſchen die Hornblättchen der Hornwand einſen⸗ ken. Unter der Fleiſchwand befinden ſich ſehr zahl⸗ reiche Blutgefäße(Fig. 5. b.), welche theils in die Fleiſchwand, theils in das Hufbein gehen. i) Die Fleiſchſohle, das ſogenannte Leben, über⸗ zieht die untere Fläche des Hufbeins(Fig. 6. a.), und verbindet ſich mit der oberen Fläche der Hornſohle und der Eckſtreben. k) Der Fleiſchſtrahl; er liegt unter dem Horn⸗ ſtrahle(Fig. 6. i.), iſt weich und elaſtiſch, bedeckt das untere Ende der Beugeſehne des Hufes(Fig. 6. h.), und ſchützt dieſe, ſo wie das Hufgelenk ſelbſt, vor Erſchütterungen und Verletzungen. Die hinteren, ge⸗ wölbten Wülſte heißen Ballen oder Ferſen. Den Kern des Hufes bilden das Hufbein(Fig. 6. d.), das untere Ende des Kronenbeins(Fig. 6. c.) und das Strahlbein(Fig. 6. e.), ſo wie die Endi⸗ gungen der Beuge⸗ und Streckſehne des Hufes(Fig. 6. h. f.). Der Huf dient den von ihm eingeſchloſſe⸗ nen Theilen zum Schutze gegen äußere Einwirkun⸗ gen, und erleichtert ſomit den Gang des Pferdes. 1) Hufentzündung oder Verbällen. Wenn das unbeſchlagene Pferd anhaltend auf Chauſſeen, har⸗ ten und holperigen Wegen gehen muß, oder wenn es, ſelbſt mit Hufeiſen verſehen, auf ungleichen, holperi⸗ gen und gefrorenen Wegen geht, ſo entſteht leicht eine allgemeine Entzündung des Hufes, beſonders an Ballen und Fleiſchſtrahl, undzwar vorzugsweiſe dann, wenn die Hufe weich, oder nur mit ſchwacher Hornſohle, verſehen ſind. Das verbällte Pferd tritt zaghaft und, wie man zu ſagen pflegt, blöde auf, mehr mit der Zehe als mit dem Ballen; jeder Tritt auf hartem, ungleichem Boden hat ein zuckendes Heben des auftre⸗ tenden Fußes zur Folge. Legt man die Hand an den Huf, ſo findet man ihn bedeutend wärmer, als im ge⸗ 114. Hufkrankheiten. ſunden Zuſtande, und drückt man auf die Ballen oder den Strahl, ſo zeigt das Pferd Schmerzen. Manchmal iſt der ganze Huf von der Entzündung ergriffen, doch vorzugsweiſe nur ſeine untere Fläche. Die Arterien an den Seiten des Fußes klopfen ſtärker als ſonſt. In den gelinderen Fällen geht die Entzündung leicht in Zertheilung über; bei verſäumter Kur und bei heftiger Entzündung aber kann auch Eiterung entſtehen, zu⸗ nächſt am Fleiſchſtrahle, ſeltener an der Fleiſchſohle. Die Kur richtet ſich nach den Umſtänden. Zeigt ſich ein Pferd nach einem gemachten Marſche verbällt, ſo ſtelle man daſſelbe täglich vier bis ſechs Stunden bis an die Knie in recht kaltes Waſſer, oder anhaltend in angefeuchteten Kuhmiſt; auch laſſe man demſelben Hufeiſen auflegen, doch ſo, daß dieſe um Druck zu ver⸗ meiden, weder die Sohle noch die Ballen berühren. Huf⸗ eiſen ſind beſonders dann nöthig, wenn die Hornwand und die Sohle durch den Marſch ſo weit weggeſchliffen ſind, daß die Fleiſchtheile nur noch geringen Schutz haben. Bei dieſer einfachen Kur, wobei dem Pferde völlige Ruhe geſtattet werden muß, wird die Heilung in wenigen Tagen zu Stande gekommen ſein. Iſt das Uebel älter, und lahmt das Pferd ſehr, ſo muß auch die Kur energiſcher ſein; zunächſt iſt hier zu unterſuchen, ob ſich nicht etwa im Strahle oder unter der Sohle ſchon Eiter gebildet habe, welches mit der Viſitirzange zu ermitteln iſt. Bei Eiterungen des Strahls bricht ſich der Eiter gewöhnlich von ſelbſt Bahn an dem hinteren Theile der Ballen; man kann dann mit der Sonde mit Leichtigkeit unter den Strahl bis zu ſeiner Spitze eindringen. Gewöhnlich lahmt das Pferd dabei nicht ſo ſehr beträchtlich, denn der Strahl iſt am ganzen Hufe der am wenigſten em⸗ pfindliche Theil. Die Kur iſt in ſolchen Fällen ein⸗ fach genug;, man ſchneidet den aus ſeiner natürlichen feſten Verbindung mit den Fleiſchtheilen getrennten, Theil des Strahls, und wenn es der ganze Strahl wäre, mit dem Wirkmeſſer fort, und befeuchtet die von Horn entblößte Fläche täglich einige Male mit Aloetinktur. Sodann legt man auf die untere Fläche des ganzen Hufes ein weiches Polſter von Heede, be⸗ feſtigt dieſes mit einer Bandage um den Huf, und ſtellt das Pferd auf recht weiche Streu. In wenigen Tagen iſt die Eiterung gewichen, und der neue Horn⸗ ſtrahl erzeugt ſich in ungemein kurzer Zeit wieder; ge⸗ wöhnlich liegt ſchon ein neuer Strahl unter dem alten faſt ausgebildet da. Gut iſt es das Pferd, gleich nach Entfernung des alten Strahls, mit einem Huf⸗ eiſen zu verſehen. Hat ſich Eiter unter der Sohle gebildet, ſo iſt der Fall nicht ſo unbedeutend, denn wird nicht bei Zeiten der Eiter durch einen Einſchnitt in die Hufſohle entleert, ſo ergießt er ſich nicht nur unterhalb der ganzen Sohle, ſondern ſteigt endlich an irgend einem Theile der Krone heraus. Bei Eiterer⸗ guß zwiſchen der Sohle lahmt das Pferd ſehr bedeu⸗ tend, die Schmerzen ſind ſehr heftig, und— ſind meh⸗ rere Hufe ergriffen, ſo kann das Pferd kaum noch ſtehen, und liegt dann meiſtens. Unterſuchung und Kur dieſes Zuſtandes verhalten ſich genau ſo, als bei eiternden Steingallen. 2) Steingallen oder blaue Mähler. Lahmheiten aus Steingallen kommen überaus häufig vor, und zwar am gewöhnlichſten an den Vorderhu— fen und an der inneren Seite der Hufſohle, in der Gegend der Eckſtreben(Fig. 2. g.) Sie beſtehen ihrem Weſen nach in einer partiellen Quetſchung der Fleiſchſohle; dadurch entſtehen Entzündung derſelben und ein Austritt von Blut, worauf ſehr oft Eiterung, und, in deren Folge, ſehr langwierige Hufübel nach⸗ folgen. Die Urſachen der Steingallen ſind immer me⸗ chaniſcher Art, und beſtehen in einem erlittenen Drucke eines Theils der Hufſohle. Schlecht gerichtete Huf⸗ eiſen, welche den hintern Theil der Sohle drücken, Eiſen, welche durch zu große Abnutzung dünn gewor⸗ den ſind, und ſich dann nach der Sohle zu gebogen haben; das Einklemmen von Steinen unter das Eiſen, das Gehen auf ſteinigen Wegen, das Einlau⸗ fen der Hufwände ꝛc. ſind die häufigſten Urſachen des Uebels. Am meiſten findet ſich daſſelbe bei Pferden, welche anhaltend und viel auf harten oder gepflaſterten Wegen laufen müſſen, wie z. B. bei Poſt⸗ und Fuhr⸗ mannspferden. Flache Hufe und Zwanghufe haben die meiſte Anlage zu Steingallen. Die Erkenntniß dieſes Hufleidens iſt nicht ſchwer; das Pferd ſetzt im Stalle den leidenden Fuß vor, ruht nicht auf demſelben, und im Gangezeigt es mehr oder weniger Schmerzen, beſonders auf hartem Boden. Der Huf hat, beſonders an der leidenden Seite, eine vermehrte Wärme, der Puls dieſer Seite klopft ſtärker. Unterſucht man den kranken Huf mit der Viſitirzange (Tab. XXVI. Fig. 13.), ſo macht das Pferd beim Kneipen der kranken Stelle eine zuckende, Schmerz verrathende Bewegung; dieſes geſchieht ſchon beim Aufklopfen mit einem Hammer auf die kranke Stelle. 114. Hufkrankheiten. 355 Wird, nachdem das Hufeiſen abgenommen iſt, ein Theil der Hornſohle weggenommen, ſo zeigen ſich die abgeſchnittenen Hornſpähne an der kranken Stelle mit einem dunkelrothen, geronnenen Blute injizirt und wie geſprenkelt. Schneidet man tiefer ein, ſo kommt, bei friſchen Steingallen, ſchwarzrothes, ergoſſenes Blut zum Vorſchein; bei veralteten Steingallen aber eine dünne, grauliche und ſehr übelriechende Jauche. In letzterem Falle findet man dann einen Theil der Horn⸗ ſohle von der Jauche unterminirt, und von ihrer Ver⸗ bindung mit der Fleiſchſohle getrennt. Hat dieſe Jauchebildung ſchon längere Zeit beſtanden, ſo er⸗ ſcheint nicht nur ein großer Theil der Hornſohle ge⸗ trennt, ſondern die Jauche bricht ſich, wenn ſie nicht durch eine in die Sohle gemachte Oeffnung entleert wird, Bahn nach oben an der Hufkrone, und hat dann meiſtens eine ſehr langwierige, mit ſtarker Lahm⸗ heit verbundene Fiſtel an dem Hufknorpel zur Folge. Die Kur der Steingallen iſt nach dem Grade der Krankheit, nach ihrer Dauer und manchen Umſtän⸗ den verſchieden; im Allgemeinen aber ſehr einfach. Hat man ſich durch den Gang des Pferdes, durch die Unterſuchung des Pulſes und mit der Viſitirzange ꝛc. von der Gegenwart und dem Sitze der Gallen unterrich⸗ tet, ſo wird zunächſt das Eiſen abgenommen, jedoch mit Behutſamkeit, und mit ſchonender Rückſicht auf die meiſt beträchtlichen Schmerzen des Pferdes. So⸗ dann wird die Wand des ganzen Hufes niedergeſchnit⸗ ten, und dann die Sohle im Allgemeinen beträchtlich verdünnt; an der kranken Stelle wird mit dem Wirk⸗ meſſer die Verdünnung der Sohle fortgeſetzt. Es werden ſich bald blaurothe Stellen im Horne finden, welche über die Gegenwart der Steingallen keinen Zweifel laſſen; hat ſich indeſſen ſchon Jauche gebil— get, ſo vermißt man dieſe blauen Mähler häufig. Dieſes darf jedoch nicht abhalten, beſonders bei bedeu— tender Lahmheit, und wenn dieſelbe ſchon mehrere Tage gedauert hat, immer mehr Horn fortzunehmen, bis die ganze Sohle durchſchnitten iſt, und entweder Blut oder Jauche zum Vorſchein kommen. Zum Durch⸗ ſchneiden der Sohle kann man ſich, ſtatt des Wirk⸗ meſſers, des hierzu ungleich beſſeren Rinnenmeſſers (Tab. XXVII. Fig. 10.) bedienen. Findet ſich beim Durchſchneiden der Hufſohle nur ergoſſenes Blut, ſo wird der kranke Huf, mittelſt eines leinenen Lap⸗ pens, mit Kuhmiſt umgeben, und dieſer recht oft mit kaltem Waſſer begoſſen, während, dus Pferd auf 5⸗ 356 114. Hufkrankheiten. weiche, feuchte Streu geſtellt wird. In wenigen Tagen bildet ſich auf der entblößten Fleiſchſohle neues Horn; Entzündung und Schmerzen verlieren ſich, das Pferd iſt geſund, und kann, gut beſchlagen, wieder gebraucht werden. Nichts iſt verwerflicher als, wie es Pfuſcher und Schmiede gewöhnlich thun, die Steingallen, wie ſie es nennen, auszubeizen; zu dieſem vermeintlichen Nutzen gießen ſie Terpentin- oder Vitriolöl in die Wundöffnung, brennen Zucker in dieſelbe einꝛc. Es leuchtet aber ein, daß alle dieſe Mittel nur geeignet ſind die Entzündung zu vermehren, und deshalb die Heilung zu verzögern; oft ſind ſelbſtdurch die großen Schmerzen, welche ein ſolcher Heilverſuch veranlaßt, ſchon ſehr üble Zufälle, z. B. tödtliche Maulſperre, entſtanden. Zeigt ſich beim Durchſchneiden der Sohle Jauche unter ihr, ſo hat auch dieſes nicht viel zu be— deuten; die Jauche quillt beim Durchſchneiden der Sohle ſogleich hervor; man mache die Oeffnung etwa nur ſo groß als einen Neugroſchen, und gieße etwas Aloetinktur in dieſelbe. Iſt der Huf ſehr entzündet, ſo lege man nachher auf die Oeffnung etwas in Aloe⸗ tinktur getauchte Heede, und umgebe den ganzen Huf mit feuchtem Kuhmiſt, wie oben angegeben. Iſt die Entzündung weniger heftig, ſo kann das Pferd auf trockene Streu geſtellt werden, und es ſind die Um⸗ ſchläge dann überflüßig. In vier bis ſechs Tagen pflegt die Lahmheit beſeitigt zu ſein; das Pferd wird dann mit einem Hufeiſen beſchlagen, welches an ſei⸗ nem hintern Ende ſo breit iſt, daß es die Wundöff⸗ nung bedeckt; denn das junge Horn kann ſonſt leicht durch Steine ꝛc. aufs Neue gereizt und dadurch ent⸗ zündet werden. An der kranken Stelle ſtopft man etwas Werg unter das Eiſen in die Wunde ein. Haben die Steingallen nicht, wie dieſes meiſtens der Fall iſt, am hinteren Theile der Sohle, in den Winkeln der Eckſtreben, ihren Sitz, ſondern vielleicht mitten in der Hufſohle, an der Spitze des Strahls(etwa bei a in Fig. 2. Tab. XXV.), ſo dauert die Heilung nicht ſelten länger, weil hier die Fleiſchſohle empfindlicher iſt, und ſich auch weniger ſchnell wieder erzeugt. Wie dem auch ſei, ſo bleibt die Kur weſentlich dieſelbe; man entleert die Jauche durch einen Einſchnitt in die Sohle, und entfernt hier alles getrennte Horn, wor⸗ auf man einen Verband aus Heede anlegt. War es nöthig einen großen Theil der Hornſohle zu entfer⸗ nen, ſo muß ein Verband angelegt werden, welcher die blosgelegte Fleiſchſohle möglichſt vor äußeren Schädlichkeiten ſchützt. Zu dem Ende wird ein Huf⸗ eiſen aufgeſchlagen, ein in Aloetinktur getauchtes Wergbäuſchchen auf die Wundfläche gelegt, und hier⸗ auf einige dünne Holzſpänchen in der Längsrichtung des Hufes unter das Hufeiſen geſchoben, welche Holz⸗ ſpänchen durch ein quer unter die Stollenenden einge⸗ klemmtes Hölzchen haltbar gemacht werden(Tab. XXVII. Fig. 9.). Iſt die im Hufe gebildete Jauche bereits am Saume der Krone herausgeſtiegen, ſo iſt ſofort ſenkrecht unter dieſer Stelle am Hufe eine hin⸗ reichend große Oeffnung zu machen, damit die Jauche nach unten ausfließen kann, worauf die weitere Be⸗ handlung dann auf die beſchriebene Art geleitet wird. Oft aber erfolgt hierbei die Heilung nicht; die Krone zeigt ſich an der kranken Stelle ſtark entzündet und aufgetrieben, und in ihrer Mitte befindet ſich eine Fiſtelöffnung, aus welcher fortwährend eine dünne Jauche ausſickert. Hier muß dann die Kur eine an⸗ dere ſein, wie gleich folgt. 3) Kronen⸗ oder Knorpeffiſtel. An bei⸗ den Seiten des Hufes liegt, zur Hälfte von den Trachtwänden des Hufes, zur Hälfte von der Krone dieſer Stelle bedeckt, ein ovaler Knorpel, etwa von der Größe eines Thalers; dieſer Knorpel wird nicht ſelten geſchwürig, geht in eine Art Knochenfraß über, der eine ſehr langwierige und oft nur nach langer Zeit zu heilende Lahmheit erzeugt. Die gewöhnlich⸗ ſten Urſachen der Knorpelfiſtel beſtehen darin, daß unter der Hufſohle erzeugter und nicht bei Zeiten ent⸗ leerter Eiter nach aufwärts geſtiegen iſt, und hier den Knorpel angegriffen hat: jede heftige und in Eiterung übergegangene Hufentzündung durch Steingallen, Ver⸗ letzungen der Sohle, Vernagelungen ꝛc. können die Urſache abgeben. Aber auch direkte Verletzungen des Knorpels, z. B. durch Kronentritte, können den Fehler zur Folge haben. Die Erkenntniß der Krankheit iſt leicht; meiſt findet ſie ſich an den Vorderhufen, und zwar an der inneren Seite derſelben. Der über der Hufkrone die⸗ ſer Stelle gelegene Theil iſt angeſchwollen und ent⸗ zündet; oft umgiebt den ganzen oberen Rand des Hufes eine große, wurſtartige Geſchwulſt, welche weit über den oberen Rand des Hufes hervorragt. Die ganze Hufkrone hat ihre natürliche Geſtalt verloren, das Haar auf ihr iſt borſtig und büſchelartig emporge⸗ ſträubt; nicht ſelten iſt auch der ganze untere Theil des Fußes, zumal im Feſſelgelenke, beträchtlich ge⸗ ſchwollen. Auf dem höchſten Punkte der Geſchwulſt, meiſt ein bis zwei Zoll über der Hufkrone, ſeltener unmittelbar über ihr, finden ſich eine oder mehrere Oeffnungen(Tab. XXVII. Fig. 2.), aus denen eine dünne Jauche ausſickert. Das Pferd geht mehr oder weniger lahm, beſonders auf hartem Boden, und leidet zuweilen ſo ſehr, daß es fiebert und allgemein krank ſich zeigt. Führt man eine Sonde in die Fiſtel⸗ öffnung ein, ſo findet man Letztere oft beträchtlich tief, und am Grunde des Fiſtelganges ſtößt man auf einen harten und rauhen Körper, welches der angegriffene Hufknorpel iſt. Die Knorpelfiſtel iſt allemal als ein ſehr bedeu⸗ tendes Uebel zu betrachten, nicht nur wird der Huf darnach mehr oder weniger verunſtaltet, ſondern die Kur dauert, ſelbſt in den günſtigſten Fällen, ſelten eine kürzere Zeit als vier bis ſechs Wochen. Manch⸗ mal aber gehen eben ſo viele Monate darauf hin, und es können ſelbſt Knochen und Bänder des Hufgelenks angegriffen werden, wo dann nicht ſelten der Fehler unheilbar und ſogar tödtlich werden kann. Die Kur verſucht man wie folgt. Zunächſt wird der ganze Huf einen Tag in ſehr feuchten Kuhmiſt eingeſchlagen, und dadurch, ſo viel wie möglich, für die nachfolgende Behandlung erweicht und vorbereitet. Sodann wird die Hufſohle recht dünn geſchnitten, und ſenkrecht unter die Fiſtelöffnung eine Oeffnung in die Hufſohle gemacht, damit hier die in der Fiſtel ge⸗ bildete Jauche abfließen kann. Nur in den ſeltenern Fällen findet jedoch hier noch eine Communikation zwiſchen der Fiſtel und der Fleiſchſohle ſtatt, ungeach⸗ tet die Jauche urſprünglich von unten nach oben ge— ſtiegen war. In manchen Fällen kann man auch verſuchen der Jauche der Kronenfiſtel durch einen Sei⸗ teneinſchnitt in die Trachtenwand(Tab. XXVII. Fig. 2. b.) freien Abfluß zu ſchaffen. Dieſe Ver— ſuche indeſſen gelingen theils ſelten, theils ſind ſie auch von keinem erheblichen Nutzen. Wirkſamer iſt folgendes Verfahren: die unterhalb der Kronenfiſtel befindliche Trachtenwand raſpelt man mit einer Huf⸗ raſpel oder ſchneidet ſie mit dem Rinnenmeſſer in der Breite von zwei Zoll ſo dünn, daß ſie ſich leicht ein⸗ drücken läßt; hierauf führt man eine Hohlſonde in den Fiſtelgang ein, und ritzt ſie mit einem ſchmalen und ſtarken Meſſer bis zu ihrem Grunde auf. Sind mehrere Fiſtelgänge vorhanden, ſo werden ſie auf gleiche Weiſe aufgeſchlitzt. Hat ſich die Blutung ver⸗ 114. Hufkrankheiten. 357 loren, ſo drückt man Streifen von feuchter Heede, welche mit gepulvertem Sublimat beſtreut ſind, in die aufgeſchlitzten Fiſtelgänge ein, und wiederhole dieſes täglich ein Mal, und ſechs bis acht Tage hinter⸗ einander. Hierauf bähe man den kranken Huf öfter mit lauwarmen Flüſſigkeiten, z. B. mit dünner Brannt⸗ weinſchlämpe, Kleienwaſſer, Heuſamenaufguß ꝛc. Andere, jedoch weniger wirkſame, Kurverfahren beſte⸗ hen in wiederholten Einſpritzungen der Auflöſungen von Sublimat, Höllenſtein ꝛc. Auch das Brennen des Fiſtelganges mit einem dazu paſſend geformten glühenden Eiſen, bis auf ſeinen Grund, iſt zuweilen von gutem Erfolge. Außerdem wird auch zuweilen die Kronenfiſtel durch die Wegnahme des ganzen Huf⸗ knorpels geheilt. Da jedoch die Operation theils ſehr ſchwierig, theils das Pferd dabei ſehr lange Zeit völlig unbrauchbar iſt, und auch nur ſelten wieder einen feh⸗ lerfreien Gang bekommt, ſo verdient dieſe Operation kaum empfohlen zu werden. Oefters heilt die Fiſtel auch, wenn auch erſt nach vier bis ſechs Monaten, von ſelbſt, und ohne weitere Kunſthülfe. Während der Kur wird das Pferd mit einem geſchloſſenen Eiſen beſchlagen, wo es dann in vielen Fällen während der Krankheit, im langſamen Zuge, zumal auf weichem Boden, zur Arbeit benutzt werden kann. 4) Vernageln beim Beſchlage. Dieſer Krankheit liegt gewöhnlich eine Ungeſchicklichkeit des Hufſchmidts zu Grunde; das Eiſen iſt entweder zu klein; oder die Löcher in demſelben befinden ſich zu weit nach innen, oder die Nagelzwecke hat eine falſche Richtung, oder iſt geſpalten, oder der Nagel wird falſch eingeſchlagen, iſt zu ſchwach und zu biegſam, oder es ſitzen noch alte Nagelſtifte in der Hufwand, oder das Pferd iſt unruhig und widerſetzlich beim Be⸗ ſchlage. In irgend einem dieſer Fälle verletzt der ein⸗ geſchlagene Nagel die Fleiſchwand des Hufes, es ent— ſteht, da die Urſache bei ſtecken bleibendem Nagel fort⸗ wirkt, zunächſt eine ſehr ſchmerzhafte Entzündung, welcher eine Eiterung folgt, die dann zu Kronenfiſteln und andern, meiſt ſehr ſchlimmen, Hufſchaden die Urſache abgeben kann. Das vernagelte Pferd zeigt, je nach dem Grade und der Dauer des Uebels, mehr oder minder große Schmerzen im Hufe; es ſetzt den kranken Schenkel vor, ſcharret mit demſelben, hebt denſelben öfters, wie krampfhaft, empor. Im Gange zeigt ſich das Pferd mehr oder weniger lahm, weſentlich wie bei 358 Steingallen. Unterſucht man den Huf, ſo findet man denſelben vermehrt warm; klopft man an die muthmaßlich kranke Stelle der Hornwand, ſo zuckt das Pferd vor Schmerz mit dem Fuße. In noch ſtär⸗ kerem Maße iſt dieſes der Fall, wenn mit einem Ham⸗ mer auf den Kopf des verletzenden Nagels geklopft wird; beim Herausziehen dieſes Nagels findet man denſelben mit einer grauen ſtinkenden Jauche befeuch⸗ tet, und nach Abnahme des Eiſens quillt aus dem Nagelloche im Hufe eine gleiche Feuchtigkeit. Wird ein zu tief und in die Fleiſchtheile des Hu⸗ fes eingeſchlagener Nagel ſogleich wieder herausgezo— gen, oder hat er vielleicht erſt wenige Stunden im Hufe geſteckt, ſo hat das nicht viel zu ſagen; nach der Entfernung des betreffenden Nagels wird das Eiſen ſo aufgeſchlagen, daß dieſes Nagelloch ohne Nagel bleibt. Sollte das Pferd noch am nächſten Tage lahm gehen, ſo ſtelle man den kranken Fuß in kaltes Waſſer, oder umhülle ihn mit feuchtem Kuhmiſt. Anders verhält es ſich, wenn der Nagel ſchon längere Zeit, vielleicht ſchon mehrere Tage, im Hufe geſteckt hatte; hier iſt die Lahmheit meiſt ſehr bedeutend. Das Eiſen wird auch hier abgeriſſen, und das Nagelloch in der Sohle mit dem Rinnenmeſſer beträchtlich— und bis aufs Leben erweitert, damit der etwa gebildete Eiter nach unten abfließen kann; oft ſtagnirt der Eiter an der Fleiſch⸗ wand, ohne ſich bis zur Sohle geſenkt zu haben; hier muß dann ein Theil der dem Nagelloche entſprechenden Hornwand rinnenartig fortgenommen, und die Oeff⸗ nung der Sohle damit in Kommunikation gebracht werden. Die Heilung erfolgt dann leicht; allenfalls kann etwas Aloetinktur in die Wunde gebracht und der Huf in Kuhmiſt eingeſchlagen werden. Zuweilen iſt ein in die Fleiſchwand eingedrungener Nagelſtift, oder eine abgebrochene Nagelſpitze die andauernde Ur⸗ ſache der Lahmheit, wo dann dieſer fremde Körper mit Meſſer und Pinzette, wenn nur irgend möglich, herausbefördert werden muß. Hat ſich der Eiter einen Ausweg an der Hufkrone gebildet, ſo mache man unterhalb im Hufe eine hinreichend große Gegenöff⸗ nung, und verfahre ganz ſo, als in gleichen Fällen bei den eiternden Steingallen. Nicht ſelten gehören die Vernagelungen zu den verſteckteſten Lahmheiten, denn es giebt Pferde von ſo geringer Empfindlichkeit, daß ſie oft mehrere Tage nach der Vernagelung keine Lahmheit zeigen. Zuwei⸗ len iſt auch der Nagel nicht in die Fleiſchwand ſelbſt 114. Hufkrankheiten. eingedrungen, ſondern er hat dieſelbe nur geſtreift und mäßig gequetſcht, ſo daß erſt nach längerer Zeit, und wenn das Pferd vielleicht anhaltend auf hartem Bo⸗ den laufen mußte, Entzündung, und in deren Folge Lahmheit, entſtehen. 5) Verletzungen der Hufſohle durch eingedrungene fremde Körper. Es ereignet ſich oft, daß Pferde Glasſcherben, Nagel, Knochen⸗ ſplitter und andere ſpitzige und ſchneidende Körper in die untere Fläche des Hufes eintreten, wodurch dann, je nach dem Grade und dem Sitze der Verletzung, die übelſten Folgen entſtehen. Manchmal findet dabei nur eine einfache Verletzung oder Quetſchung der Fleiſchſohle oder des Fleiſchſtrahles ſtatt, oft aber ſind das Hufbein, das Hufgelenk, die Beugeſehne des Hufes ꝛc. verletzt. Gewöhnlich ſind es Radnägel oder Glasſcherben, die ſich ein Pferd in den Huf eintritt. Die Erkenntniß dieſes Hufleidens iſt meiſtens nicht ſchwer; theils findet ſich bei der Unterſuchung des lahmen Pferdes der eingedrungene fremde Körper noch im Hufe ſteckend, theils entſteht die Lahmheit plötzlich und unerwartet, und zwar gewöhnlich nur außerhalb des Stalles. Manchmal jedoch iſt der Fehler auch verſteckt, indem der fremde Körper, vielleicht ſpitz und klein, gänzlich in den Huf eingedrungen und ſomit nicht ſichtbar iſt, oder es iſt derſelbe herausgefallen, hat aber eine ſo kleine Stichwunde hinterlaſſen, daß ſie nicht in die Augen fällt. Hier müſſen dann die Unterſuchung mit der Viſitirzange und das glatte und reinliche Auswirken des Strahles und der Sohle zu der Quelle der Lahmheit führen. Steckt der fremde Körper noch im Hufe, ſo wird man Blut an ihm finden, wenn er erſt kurz zuvor eingedrungen war; Eiter aber bei längerer Dauer des Eindringens. Sehr oft iſt die Lahmheit kurze Zeit nach Entfer⸗ nung des eingedrungenen fremden Körpers verſchwun⸗ den, ſelbſt ohne unſer weiteres Zuthun; öfters aber dauert die Lahmheit noch längere oder kürzere Zeit fort, was von der Tiefe, dem Umfange und Sitze der Verwundung abhängig iſt. Unter allen Umſtän⸗ den iſt zunächſt der fremde Körper zu entfernen und Sorge zu tragen, daß nicht einzelne Theile deſſelben in der Wunde ſtecken bleiben; die ganze Sehne nebſt Strahl werden beträchtlich niedergeſchnitten und aus⸗ gewirkt, und ſodann an der Stelle, an welcher die Hornſohle verletzt iſt, mit einem Rinnmeſſer das Horn auf den Umfang eines Neugroſchens, oder noch weit größer, bis auf die Fleiſchſohle oder den Fleiſchſtrahl, weggenommen, ſo daß hier der rothe, blutende Grund ſichtbar wird und blosliegt. Nun unterſuche man mit einer Sonde, allenfalls auch mit einer dicken Stricknadel, die Richtung und die Tiefe der Ver⸗ letzung; ging dieſe etwa nicht tiefer als in einen Theil der Fleiſchſohle oder des Strahles, ſo ſtelle man den kranken Fuß einige Tage hindurch in kaltes Waſſer, und verbinde ihn hierauf mit Aloetinktur, ganz ſo als es bei eiternden Steingallen angegeben worden iſt. Hatte ſich ſchon Eiter unter der Hufſohle gebildet, ſo macht man zur Entleerung deſſelben eine Oeffnung in die Sohle, und verbindet auf gleiche Weiſe. Sind die Beugeſehnen des Hufes oder das Hufgelenk verletzt, ſo iſt die Lahmheit in der Regel überaus heftig, das Pferd fiebert, tritt mit dem kranken Hufe gar nicht, oder doch nur mit der Spitze der Zehe auf, und hält die Hufſohle fortwährend nach rückwärts gebogen. Verletzungen ſolcher Art haben gewöhnlich an der Spitze des Strahles ihren Sitz. Sie ſind ſehr ge— fährlich, oft ſogar tödtlich, oder haben in anderen Fällen Stelzfuß, Hufgelenklähme, Maulſperre ꝛc. zur Folge. Auch bei Verletzungen dieſer Art werden Sohle und Strahl dünn geſchnitten, und eine recht große Oeffnung gemacht; darauf kann der kranke Fuß in den erſten zwei bis drei Tagen in kaltes Waſſer ge⸗ geſtellt werden. Sind aber die Schmerzen überaus ſtark, ſo paßt die Anwendung des kalten Waſſers nicht; hier müſſen lauwarme Breiumſchläge aus ge⸗ ſtoßenem Leinſamen oder Mehl und gepulvertem Bil⸗ ſenkraut um den Huf befeſtigt werden, zur Linderung der heftigen Schmerzen. Ein ſolcher Umſchlag wird täglich drei bis vier Mal wiederholt, und vor der jedesmaligen Anlegung deſſelben wird die Wundöff⸗ nung mit einem Stückchen Heede bedeckt, welches mit etwas Perubalſam befeuchtet iſt. Sind die ſtärkſten Zeichen der Entzündung, ſowie die Schmerzen großen Theils beſeitigt, ſo iſt dann die weitere Kur einfach, und ganz ſo als bei eiternden Steingallen einzurichten. Leider iſt aber oft alle Behandlung erfolglos, oder ſie hat doch ein unerwünſchtes Reſultat, indem, wie ſchon erwähnt, Stelzfuß und unheilbare Lahmheiten zurückbleiben. Hier iſt dann, je nach den Umſtänden, ein weiterer Heilverſuch zu machen. 6) Fauler Strahl. Zwiſchen den beiden Schenkeln des Strahles, in der Mittelfurche deſſelben, bemerkt man die Ausſchwitzung einer ungemein ſtin⸗ 114. Hufkrankheiten. 359 kenden, eiterartigen Feuchtigkeit; das Horn des Strah⸗ les erſcheint mehr oder weniger angegriffen, ſchwam⸗ mig, an den Ballen ſind die Haare verklebt, und die hier befindliche Haut iſt mehr oder weniger entzündet. Im höheren Grade des Uebels wird der Strahl völlig entartet, die hornige Subſtanz deſſelben erweicht und geht in zottige, leicht blutende Auswüchſe über, wel— ches dann den Strahlkrebs darſtellt. Iſt die Krank⸗ heit von ſehr übler Beſchaffenheit, ſo wird nach und nach auch die Hornſohle angegriffen, und in eine weiche, zottige und ſchwammige Maſſe verwandelt, welches dann den Sohlenkrebs darſtellt.(Tab. XXVI. Fig. 12.) Die Urſachen des faulen Strahles ſind theils innerliche, theils äußerliche; am häufigſten findet man ſie bei kleinen und zuſammengeſchrumpften Hufen mit hohen und engen Trachtenwänden. Aber auch bei Flach⸗ und Vollhufen findet er ſich nicht ſelten. Die äußerlichen Urſachen beſtehen vornämlich in der anhal⸗ tenden Einwirkung von Feuchtigkeiten, Schmutz, Miſt und Urin, Straßenkoth ꝛc.; auf der anderen Seite hat wieder zu trockenes Halten der Hufe oft den Fehler zur Folge. An den hinteren Hufen zeigt ſich aus letzterer Urſache der faule Strahl ſeltener, als an den Vorder⸗ hufen; die inneren Urſachen beſtehen in Mauke, ver⸗ ſchiedenen Hautausſchlägen, verſetzter Druſe ꝛc. Die Erkenntniß der Krankheit iſt leicht, da ſie bei der Unterſuchung des Hufes in die Augen fällt. Ge⸗ ringere Grade derſelben haben nicht viel zu bedeuten, indem ſie theils leicht geheilt werden, theils faſt nie mit Lahmheit oder anderen üblen Zufällen verbunden ſind. Es giebt ungemein viele Pferde bei denen ſich in der Strahlſpalte eine ſtinkende Schmiere und ſomit ein fauler Strahl findet, und dennoch kann dieſer Zu⸗ ſtand jahrelang, ſelbſt ganz unberückſichtigt, vorhan⸗ den ſein, ohne irgend einen Nachtheil. Iſt dagegen der ganze Strahl ergriffen, in eine ſchwammige, lok⸗ kere, warzenartige Maſſe umgewandelt, alſo krebsartig, dann lahmt das Pferd in Folge dieſes Fehlers nicht ſelten ſehr bedeutend. Uebler noch iſt der Sohlenkrebs, denn hier iſt jedesmal ein ſehr ſchmerzhafter und des⸗ halb lahmer Gang vorhanden, der das Pferd faſt un- brauchbar macht. Bei der Kur verfährt man auf nachſtehende Art. Iſt der faule Strahl nur im geringen Grade vorhan⸗ den, ſo wende man einige austrocknende Mittel an, z. B.: zwei Loth Chlorkalk in einer Weinflaſche voll 360 114. Hufkrankheiten. Waſſer aufgelöſt, oder, ſtatt des Chlorkalkes, blauen Vitriol. Mit dieſer Flüſſigkeit wird eine Flocke Heede getränkt, welche dann mittelſt eines ſtumpfen Meſſers in die Strahlſpalte, bis auf ihren Grund, eingedrückt wird. Ein ſolches Verfahren iſt täglich zwei Mal zu wiederholen. Iſt der Huf zwanghufig und ſehr trocken, und hoch in den Trachten, ſo ſchlage man ihn zuweilen in Kuhmiſt ein, oder ſtelle ihn in Waſſer; iſt der kranke Huf dagegen ein Flach- oder Vollhuf, ſo laſſe man ihn beſchlagen, und zwar mit einem recht breiten Eiſen, wodurch der kranke Strahl, ſo viel wie möglich, vor äußerer, mechaniſcher Reizung geſchützt wird. Iſt es ausführbar, ſo wird das Pferd einige Zeit hindurch auf einer grasreichen Weide gehalten, ſoll daſſelbe aber zur Arbeit benutzt werden, ſo vermeide man dabei möglichſt kothige, ungleiche und ſteinige Straßen. Ueberall iſt für Reinlichkeit und häufiges Abwaſchen des kranken Fußes zu ſorgen. Iſt die Krankheit be⸗ deutender, zeigt ſich die Hornmaſſe ſehr entartet, mit ſchwammigen Auswüchſen ꝛc. verſehen, ſo gelingt die Heilung keineswegs allemal leicht; oft iſt dann der Fehler ſogar ſehr hartnäckig. In ſolchen Fällen wird mit dem Wirkmeſſer die üppig wuchernde Maſſe ſo weit weggenommen, daß der Reſt die natürliche Ge⸗ ſtalt des Strahles darſtellt; dieſer wird dann mehrere Male täglich mit der eben erwähnten Auflöſung von Chlorkalk befeuchtet. Hilft dieſes Mittel nach mehr⸗ wöchiger Anwendung nicht, ſo ſtreue man auf den Strahl und in die Strahlſpalte Chlorkalk in Pulver⸗ form, oder ein Pulver aus gleichen Theilen gebrann⸗ tem Alaun und Kohlenpulver. Bei völlig krebsarti— ger Entartung der Hornmaſſe ſtreue man ein Pulver aus einem Theile rothem Präcipitat, ſechs Theilen ge⸗ branntem Alaun und zehn Theilen Eichenrinde auf die entartete Oberfläche. Gelingt es hierdurch nicht die feigwarzenartigen Auswüchſe zu zerſtören, oder ihren raſchen Wiederwuchs zu verhindern, ſo brennt man dieſelben mit einem glühenden Eiſen, oderätzt ſie durch Befeuchten mit Schwefelſäure, Scheidewaſſer, oder Spießglanzbutter. In einigen bösartigen und hartnäckigen Fällen zeigt ſich die Application eines vor die Bruſt oder an der äußern Seite der Hoſe ge— zogenen, und vier bis ſechs Wochen in Eiterung erhal⸗ tenen Eiterbandes von Nutzen. Trockner Stand des Pferdes, und häufiges Abwaſchen und Reinhalten des kranken Hufes ſind der Heilung förderlich. Hat der Strahlkrebs bereits die Sohle ergriffen, und iſt dieſe mehr oder weniger dadurch entartet, er⸗ weicht, in eine ſchwammartige, mit ſtinkender Schmiere überzogene Maſſe verwandelt, iſt mit einem Worte der Sohlenkrebs zugegen, ſo iſt die Kur nicht ſehr erfolgreich; indeſſen muß dieſelbe verſucht werden, und zwar durch Anwendung deſſelben Verfahrens, welches bei der Kur des Strahlkrebſes angegeben worden iſt. 7) Abgetrennte Hornwände. Hohle oder abgetrennte Wände des Hufes kommen am häufigſten bei Hufen vor, welche ſchief, ſehr ſpröde oder auch breit und platt ſind; gewöhnlich ſieht man dieſen Fehler nur an den Vorderhufen, die Hinterhufe blei⸗ ben meiſtens frei davon, und vorzüglichwohl deshalb, weil dieſe nicht ſo ſehr als die Vorderhufe austrocknen, ſondern durch Urin und Miſt mehr feucht erhalten werden. Die Trennung der Wand hat in der weißen Linie ſtatt, und ſie geht entweder rings um den Huf, oder ſie beſchränkt ſich nur auf eine kleine Stelle, und dann meiſtens nur auf die innere Seite des Hufes. (Tab. XXVII. Fig. 7.) Die abgetrennten Wände verurſachen oft die ver⸗ ſteckteſten Lahmheiten; Hitze, Schmerzen und ſonſtige Zeichen von Hufentzündung ſind gewöhnlich nicht zugegen. Hat man ſich durch Abreißen des Eiſens und Niederſchneiden des Hufes überzeugt, daß die Horn⸗ wand an irgend einer Stelle aus ihrer Verbindung mit der Hornſohle getreten iſt, ſo klopfe man mit der Zange oder dem Hammer an den hohlen Theil der Wand; es entſteht dann ein hohler, eigenthümlicher Klang, und das Pferd zeigt ſich dabei mehr oder we⸗ niger empfindlich. Auf hartem Boden lahmt das Pferd oft beträchtlich, während es auf ſehr weichem Grunde nur wenig oder gar nicht lahm geht. Zwiſchen die abgetrennte Hornwand ſetzen ſich gewöhnlich Sand und kleine Steinchen ein, welche den Gang des Pfer⸗ des noch ſchmerzhafter machen. Iſt der Huf nicht verunſtaltet, und die Trennung der Wand nicht ringsum und nicht zu hoch hinauf, ſo hat der Fehler nicht viel zu bedeuten; in allen Fällen aber erfordert der Beſchlag ſolcher Hufe große Sorg⸗ falt, und oft iſt es nur ſehr ſchwer auf demſelben ein Hufeiſen gehörig haltbar zu machen. Die Heilung erfolgt nur ſehr langſam und nur dadurch, daß die Hornwand nach und nach von oben herab auf geſund⸗ heitsgemäße Weiſe nachwächſt; die einmal erfolgte Trennung verbindet ſich nicht mehr. Rheumatiſche Hufentzündung, fehlerhafter, ungleicher Beſchlag, 114. anhaltendes Gehen auf ſteinigem oder unebenem Bo⸗ den ſind die gewönlicheren Urſachen. Flach⸗, Voll⸗ oder Ringelhufe, ſo wie die mit brüchiger und mürber Hornſohle, ſind zu den loſen Wänden am meiſten disponirt. Die Heilung beſteht allein in einer zweckmäßigen Pflege des kranken Hufes und in einem angemeſſenen Hufbeſchlage. Der Huf wird oft in Kuhmiſt oder Lehmbrei geſtellt, oder in Waſſer; oder endlich das Pferd wird auf eine Weide mit feuchtem Boden gege— ben. In ſehr üblen, mit großer Lahmheit verbun⸗ denen Fällen kann man das ganze Feſſelgelenk alle ein bis zwei Monate einmal mit ſcharfer Salbe ein— reiben, weil dadurch das Wachsthum der Hufwand vermehrt und beſchleunigt, auch eine dickere Hufwand erzielt wird. Das aufgelegte Hufeiſen darf nicht zu ſchwer ſein, weil ſonſt die Nagel in der loſen Wand leicht ausreißen, was um ſo leichter geſchieht, da die Wand meiſtens ſehr mürbe und brüchig iſt. An der Stelle, an welcher die Wand getrennt iſt, macht man einen ſogenannten Aufzug an das Eiſen, damit durch dieſen das Abweichen der Wand nach außen verhin⸗ dert werde; iſt die Trennung von größerem Umfange, ſo werden mehrere Aufzüge gemacht. An der getrenn⸗ ten Stelle läßt man den Nagel fehlen, auch ſchneidet man die Hornwand ſo weit weg, daß ſie nicht auf das Eiſen zu ruhen kommt. Dieſes kann jedoch bloß da gelten, wo nur ein geringer Theil der Wand abgetrennt iſt. Bevor das Eiſen aufgeſchlagen wird, reinigt man die Spalte mit einem ſpitzigen Inſtrumente von Sand und anderen etwa darin befindlichen Unreinig⸗ keiten, und füllt dieſelbe dann mit Baumwachs, Heede ꝛc. aus, damit nicht abermals Steinchen ꝛc. in ſie eindringen, welche die Gelegenheitsurſache zu Lahmheiten und dauernder Trennung der Hornwand abgeben. 8) Hornſpalten. Man verſteht hierunter eine Trennung der Faſern der Hornwand, in der Richtung der Hornfaſern(Tab. XXVI. Fig. 8.), wodurch ein mehr oder weniger klaffender Spalt in der Hornwand entſteht. Die Spalte kann vom Kronenrande bis zum unteren Hufrande reichen, oder ſie geht von oben nach unten nur einen Theil des Hufes hinab, oder endlich von unten nach oben nur auf eine gewiſſe Höhe hinauf. Iſt bei der Hornſpalte nur die äußere Schicht der Hornwand getrennt, ſo findet dabei keine Lahmheit ſtatt; man nennt ſie dann eine unvollkommene Horn⸗ Wagenfeld, Encyel. Hufkrankheiten. 361 ſpalte. Geht die Trennung aber bis auf die Fleiſch⸗ wand, und iſt die Spalte im Horne durchgehend, ſo nennt man ſie eine vollkommene Hornſpalte. Im letzteren Falle lahmt das Pferd in der Regel, je nach dem Grade des Uebels, mehr oder minder beträchtlich, zumal auf unebenem und hartem Boden. Die ſehr empfindliche Fleiſchwand klemmt ſich in die Hornſpalte ein undwird dadurch entzündet; es drücken ſich Sand und Steinchen in die Spalte ein, und durch dieſes Alles werden heftige Schmerzen erzeugt. In vielen Fällen iſt die Hornſpalte nicht ſehr in die Augen fallend, ob⸗ gleich ſie beträchtlich und mit großer Lahmheit ver⸗ bunden ſein kann. Oft nämlich, und dieſes iſt faſt Regel, ſteht das hintere Stück der Hornſpalte als eine Schuppe über den vorderen Rand der Hornſpalte vor, ſo daß der eigentliche Sitz des Uebels dadurch ſehr verſteckt wird; die Spalte iſt dann nur bei genauer Unterſuchung zu entdecken, denn äußerlich erſcheint ſie bloß als ein ſchmaler Ritz in der Hornwand. Am häufigſten ſieht man die Hornſpalten an den Vorder⸗ füßen, und zwar an der inneren Seite der Hufwand, mehr nach hinten zu; die Hornwand iſt an dieſer Stelle, außer daß ſie getrennt iſt, zuweilen auch noch uneben, mit Ringen und Verdickungen verſehen, auch tritt nicht ſelten, durch Quetſchung der Fleiſchwand, Blut in die Spalte. Manchmal hat die Hornſpalte an dem Zehentheile des Hufes ihren Sitz(Tab. XXVI. Fig. 9.), wo ſie dann„Ochſenſpalte“ genannt wird; in ihrem Weſen ſind jedoch beide Uebel einan— der gleich. Die meiſte Anlage zur Hornſpalte haben Hufe mit ſehr dünnen Hufwänden, wie ſie gewöhnlich bei edlen Pferden gefunden werden; tiefe Verletzungen an der Krone, z. B. durch Kronentritte, Knorpelfiſtel, Sprö⸗ digkeit durch zu trockenes Halten des Hufes, fehler⸗ hafter Beſchlag, zu ſtarkes Abraſpeln und Verdünnen der Hornwände ſind die gewöhnlichen Urſachen, eben ſo unvollkommene Hornſpalten, welche durch leichte Veranlaſſung in vollkommene ſich verwandeln. Häufig findet ſich der Fehler bei Zwanghufen, daher bei fei⸗ nen Reitpferden. Auch unbeſchlagene Pferde leiden zuweilen an Hornſpalten, wenn die Hufwand zu weit über die Hufſohle vorſteht, und dann im Gange auf hartem Boden abſplittert. Solche Spalten gehen aber gewöhnlich von unten nach oben, und nur bis zu einer gewiſſen Höhe hinauf. Die vollkommene Hornſpalte bildet ſich gewöhnlich von innen, von der 46 362 114. Fleiſchwand, aus, und wird oft erſt nach mehreren Monaten ſichtbar. Unter ſolchen Umſtänden zeigt ſich das Pferd lahm, ohne daß in der Regel die Urſachen davon zu entdecken wären. Die durchgehende Hornſpalte heilt nie von ſelbſt, und kann deshalb viele Jahre zugegen ſein; wächſt die Hornwand nicht von der Krone an geſchloſſen herab, ſo erfolgt keine Heilung, denn eine ſeitliche Vereini⸗ gung der getrennten Spaltränder erfolgt nicht. Eine paſſende Kur dagegen bringt die gründliche Heilung in kurzer Zeit zu Stande. Die am häufigſten in Ge⸗ brauch gezogenen Kurmethoden taugen nichts; ſie ſind nur palliativ, mildern die Lahmheit wohl für einige Zeit, aber bewirken keine radikale Heilung. Das Erweichen des Hufes, das Einſtreichen von Fett, Theer, Wundbalſam in die Spalte, nützen wenig oder gar nichts; eben ſo wenig iſt ein Hufeiſen allein im Stande die Heilung weſentlich zu befrdern. Folgen⸗ des Verfahren iſt das beſte, und keins kann ihm an die Seite geſetzt werden. Iſt die Hornſpalte unvoll⸗ kommen, befindet ſie ſich alſo nur in der Oberfläche der Hornwand, ohne auf die Fleiſchwand durchzudrin⸗ gen, ſo iſt nur dafür zu ſorgen, daß keine durchgehende Hornſpalte daraus entſtehe. Um dieſes zu verhüten, halte man den Huf ſo feucht als möglich, ſchlage ihn oft in Kuhmiſt ein, und laſſe das Pferd nie unbe— ſchlagen gehen, ſelbſt nicht auf der Weide. Geht die Hornſpalte vom unteren Hufrande bis auf eine nur mäßige Höhe nach oben, und iſt keine Lahmheit zuge⸗ gen, ſo ſchneide man den Huf ſo viel als möglich nie— der, ſchneide ein keilförmiges Stück aus dem unteren Rande der Hornwand aus, lege ein paſſendes Eiſen auf, und halte den Huf feucht. Nach kurzer Zeit wird durch den Nachwuchs der Hornwand die Spalte ver⸗ ſchwunden ſein. Geht die vollkommene Hornſpalte dagegen von oben nach unten, oder von oben auch nur einen Theil am Hufe herab, ſo reicht das angege⸗ bene Verfahren nicht aus; hier iſt eine Operation erforderlich. Da der kranke Huf gewöhnlich ſehr hart iſt, ſo muß man ihn zunächſt weicher zu machen ſuchen; deshalb ſtellt man denſelben in Waſſer, Kuhmiſt, Lehmbrei ꝛc., und zwar mindeſtens zwei bis drei Tage hindurch. Sodann wird das Horn an beiden Seiten der Spalte, und zwar ihrer gan— zen Länge nach, jederſeits bis auf dreiviertel oder einen Zoll, ſo weit verdünnt, daß die Dicke der Wand an dieſen Stellen nur noch die eines Karten— Hufkrankheiten. blattes beträgt. Hat ſich der hintere Theil der Horn⸗ wand als eine Schuppe über die Spalte gelegt, ſo wird dieſe Schuppe gewöhnlich entfernt. Der hinter der Hornſpalte befindliche Theil des unteren Hufran⸗ des, welcher gewöhnlich nur einen bis zwei Zoll lang iſt, wird darauf zu einem drittel bis halben Zoll tiefer niedergeſchnitten, als der übrige ganze Hufrand. Iſt die Operation vollendet, ſo legt man dem Hufe ein Eiſen auf, welches keine Stollen hat, und deſſen Stel— lenenden mit einander verbunden ſind, alſo ein ſoge⸗ nanntes geſchloſſenes Eiſen. Das Eiſen muß ſo gerich⸗ tet ſein, daß der hinter der Hornſpalte befindliche Theil des unteren Hufrandes nicht aufliegt, auch dürfen in der Nähe der Spalte keine Nägel eingeſchlagen wer— den. Iſt alles ſo weit ausgeführt, ſo werden oberhalb der kranken Seite des Hufes, vom Kronenrande an bis drei Zoll zum Feſſelgelenke hinauf, die Haare ab⸗ geſchoren, und hier die beim Stollſchwamm vorge— ſchriebene ſcharfe Salbe eingerieben. Das Pferd wird dann auf trocknen Boden geſtellt, und achtzehn bis vier⸗ undzwanzig Stunden ſpäterwird nochmals ſcharfe Salbe eingerieben. Schon in den nächſten ſechs bis acht Ta⸗ gen findet man die Hornſpalte mit dicker Hornmaſſe nicht nur ausgefüllt, ſondern ſelbſt über die Hornwand hervorragen; die durch die Einreibung bewirkte Ent⸗ zundung an der Krone hat ſich in dieſer Zeit vorloren, das Pferd geht ſchmerzlos, und iſt geheilt. Man hat dann weiter nichts zu thun, als den Huf recht feucht zu halten; von der Krone wächſt das Horn geſchloſſen herab, und zwar dicker als an anderen Stellen der Horn⸗ wand, welches um ſo mehr Garantie giebt, daß ſich nicht wieder ein Riß in der Wand bilden wird. Ragt das neue Horn in der früheren Hornſpalte gar zu ſehr hervor, ſo ſchneide man daſſelbe mit dem Rinnmeſſer etwas fort, doch hüte man ſich dieſe Stelle ſehr zu verdünnen. Befindet ſich die Hornſpalte am Zehentheile des Hufes, iſt alſo eine Ochſenſpalte(Tab. XXVI. Fig. 9.) vorhanden, ſo wird weſentlich auf dieſelbe Weiſe, wie bei der Hornſpalte, verfahren, nur erleidet der Beſchlag hier eine Verſchiedenheit. Es wird nämlich der Zehen⸗ theil der Hornwand beträchtlich verkürzt, und ein Huf⸗ eiſen von horizontaler Fläche aufgelegt, ſo daß es den Zehentheil der Hornwand nicht berührt; das Eiſen muß ohne Stollen und an beiden Seiten der Hornſpalte mit einem Aufzuge oder einer Kappe verſehen ſein. 9. Hornkluft(Tab. XXVI. Fig. 11.). Es beſteht dieſes Uebel ebenfalls in einer Spaltung der Hornwand, allein in einer ſolchen, welche das Horn nicht in der Richtung ſeiner Längs-, ſondern ſeiner Querfaſern trennt. Sie entſteht durch Kronentritte, Verletzungen der Hornwand, ſelbſt durch Tritte mit einem ſcharfen Stollen, durch eiternde Steingallen, bei denen der Eiter an der Krone herausſtieg ꝛc. Nur in ſehr ſeltenen Fällen geht das Pferd auf der Hornkluft lahm, und nur dann, wenn eine große mechaniſche Gewalt die Hornwand bis in die Fleiſchwand durch⸗ bohrt, welcher Fall nur ſelten vorkommt. Iſt dieſes jedoch der Fall, ſo nehme man alle in die Fleiſchwand eingedrungene Hornſtückeweg, und befeuchte die Wunde täglich einigemale mit Aloetinktur. In allen den Fällen, in denen die Kluft nicht durch das ganze Horn hin— durchgedrungen iſt, lahmt das Pferd gar nicht, und es iſt kaum nöthig, etwas zur Kur zu unternehmen, denn das Loch füllt ſich unter keinen Umſtänden früher aus, als bis der Huf von oben nachgewachſen iſt. Damit nicht etwa Sand und Steinchen ſich in die Hornkluft einklemmen, welches unter Umſtänden nach⸗ theilig werden könnte, füllt man die Oeffnung mit Baumwachs oder auch nur mit Theer aus. 10. Kronentritt. Man verſteht darunter eine Quetſchung an irgend einer Stelle oberhalb des obern Randes der Hufwand, alſo der ſogenannten Krone. Der Grad und die Bedeutung des Uebels hängen von der Tiefe, dem Umfange und dem Sitze der Verletzung ab. Manchmal iſt gar keine Wunde vorhanden, ſon⸗ dern nur eine Quetſchung, z. B. durch ein übergegan⸗ genes Wagenrad, entſtanden. Der Fehler fällt in die Augen; der beſchädigte Theil der Krone iſt angeſchwol⸗ len, entzündet und bei der Berührung ſehr ſchmerzhaft; meiſtens findet ſich eine mehr oder weniger tiefe Wunde vor. In letzterem Falle ſind dann meiſt die Haare des Kronenrandes und der hornige Theil der Krone in die Wunde hineingedrückt. Das Pferd lahmt in der Regel ſehr bedeutend, zumal dann, wenn ſich die Wunde in der Mittellinie des Hufes befindet, wo leicht die Streck⸗ ſehne des Hufes verletzt werden kann, oder auch zu den Seiten, wo die Hufknorpel ihre Lage haben. Oft bleiben, ſelbſt nach der Beſeitigung des Kronentrittes, Hornſpalten, Hornklüfte und ſelbſt Knorpelfiſtel zurück. Die Urſachen beſtehen meiſtens in Tritten, die ſich das Pferd ſelbſt mit dem Stollen des Nachbarhu— fes zufügt, beſonders dann leicht, wenn die Stollen geſchärft ſind. Aber auch durch andere Pferde kann das 114. Hufkrankheiten. 363 verletzte Pferd getreten ſein. Iſt die Verletzung nur oberflächlich, ſo heilt ſie bald und ohne ſonderliches Zuthun; in anderen Fällen aber können ſehr langwie⸗ rige Lahmheiten und boſe Huffehler darnach entſtehen, namentlich Knorpelfiſtel, Senkungen von Eiter hinter die Hornwand, Knollhuf ꝛc. Die Kur beginnt zunächſt mit der ſorgfältigen Rei⸗ nigung des Schadens; Blut, Eiter und Schmuz wer⸗ den durch warmes Seifenwaſſer entfernt, worauf dann der Umfang und die Tiefe der Wunde mit dem Finger oder der Sonde genau unterſucht werden. Die in die Wunde etwa eingedrückten Haare, ſo wie eingedrückte Horntheile werden mit Scheere und Meſſer entfernt, damit ſie nicht einen dauernden Reiz, und dadurch die Entzündung, unterhalten. Hat ſich der Eiter hinter die Hornwand ergoſſen, ſo entfernt man den hohlen Theil der Hornwand bis auf den Grund der Eiterſen⸗ kung, damit der Eiter ſich nicht tiefer ſenken kann, und freien Abfluß hat. In den gelinderen Fällen ſtellt man den kranken Fuß einige Tage in kaltes Waſſer, und gießt ſpäter in die Wunde täglich einige Male etwas Aloetinktur. Iſt das Uebel mit bedeutenden Schmer⸗ zen verbunden, und ſind die Sehnen verletzt, ſo macht man Umſchläge von irgend einem erwärmten Brei, etwa von Kuhmiſt, Leinſamenmehl mit Waſſer ꝛc., oder man ſtellt den Fuß einige Tage in eine lauwarme Brühe von Kamillen oder Heuſamenaufguß. Später wird dann die Wunde mit Aloetinktur befeuchtet. Iſt die Krone in Folge einer ſehr heftigen Quetſchung all⸗ gemein und ſehr bedeutend angeſchwollen, und will das Stellen in kaltes Waſſer nichts helfen, ſo reibt man, mit Ausnahme der etwa verletzten Stelle, die geſammte Krone mit ſcharfer Salbe ein. Qulllt wil⸗ des Fleiſch aus der Wunde, und legt ſich daſſelbe über den Kronenrand, ſo nimmt man es mit dem Meſſer weg, oder man beſtreut es mit gepulvertem Sublimat oder gebranntem Alaun. Bilden ſich Knorpelfiſtel, Hornſpalten ꝛc., ſo werden dieſe nach den gegebenen Vorſchriften behandelt. So lange die Wunde offen iſt, muß das Pferd von der Arbeit diſpenſirt werden, denn es würden dabei Sand und andere Unreinigkei⸗ ten in die Wunde kommen, wodurch ihre Heilung ver⸗ zögert würde. 11. Platthuf und Vollhuf. Bei dem Platt⸗ hufe erſcheint die untere Fläche der Hufſohle, ſtatt, wie bei dem normalen Hufe, concav zu ſein, flach und hori⸗ zontal, ſo daß ſie mit dem unteren Rande der Horn⸗ 46* 364 114. wand eine gerade Fläche bildet. Dergleichen Hufe ſind meiſtens ſehr groß und von weitem Umkreiſe(Tab. XXVI. Fig. 7.). Gewöhnlich findet ſich der Platt— huf bei Pferden von gemeiner Race aus Niederungen und Marſchgegenden; außerdem kann er auch durch verſchiedene Krankheiten entſtehen, beſonders durch die rheumatiſche Hufentzündung; im erſteren Falle iſt die äußere Hornwand glatt und eben, durch Hufent⸗ zündung entſtanden aber mit erhabenen Ringen verſe⸗ hen(Tab. XXVI. Fig. 3. 4.). Eine wirkliche Kur des Platthufes giebt es nicht, denn es läßt ſich dieſer Formfehler nicht weſentlich verbeſſern. Wird das Pferd indeſſen mit zweckmäßigen Hufeiſen verſehen, und der Huf außerdem gut behandelt, ſo kann ein ſolches Pferd, ohne Lahmheit, ſehr gute Dienſte lei⸗ ſten. Auf ſteinigem und hartem Boden bilden ſich je⸗ doch leicht Quetſchungen der Sohle und Steingallen, weshalb man das Pferd— wo möglich— von der— gleichen Wegen entfernt hält. Iſt die Hornſohle mit dem Sohlenrande der Horn⸗ wand nicht nur gleich vorſtehend, ſondern ragt die Hornſohle wohl gar über ihn hervor, ſo daß ſie, ſtatt concav zu ſein, hervortretend und convex iſt, ſo nennt man dieſe üble Geſtaltung einen Vollhuf. Beim Voll⸗ huf iſt meiſtens auch zugleich mit der Hornſohle die Huf⸗ wand von unregelmäßiger Form; ſie ſteigt vorn ſehr flach herab, der Zehentheil iſt eingedrückt, es fehlt der glänzende Ueberzug, und es finden ſich verſchiedene ringartige Erhabenheiten auf der Wand(Tab. XXVI. Fig. 4. 5.). Häufig finden ſich dabei auch loſe Wände, und das Horn der Sohle ſowohl, als auch der Wand, iſt mürbe und brüchig. Der Strahl iſt auffallend groß. Das Pferd geht auf dem Vollhufe mehr oder weniger blöde und lahm, zumal auf hartem, ſteinigem Boden; Die Sohle erleidet dabei einen Druck, wodurch die Fleiſchſohle gequetſcht wird. Ohne Hufeiſen kann ein mit Vollhuf behaftetes Pferd kaum gehen. Meiſtens leiden ausſchließlich die Vorderhufe an dieſem Fehler; bei Hinterhufen beobachtet man ihn kaum jemals. Die Hornwand wird nach und nach ſehr dick, nimmt an der Zehe eine immer mehr nach aufwärts gehende Richtung an; durch die übermäßige Menge Horn wird allmälig die Spitze des Hufbeins herabgedrückt, ſo daß dieſes eine mehr ſenkrechte Richtung nach der Sohle zu bekommt(Tab. XXVII. Fig. 1.); Sohle und Wand ſind dann an dem Zehentheile des Hufes oft auf einen Zoll, und weiter, von einander in der Hufkrankheiten. weißen Linie getrennt, und hier findet ſich ein mehli⸗ ges, ſehr lockeres Horn. Die meiſte Anlage zu Vollhufen haben Pferde mit breiten, weichen und platten Hufen; edle Pferde mit harten und kleinen Hufen werden ſehr ſelten mit Voll⸗ huf behaftet gefunden. Die gewöhnlichſte Urſache des Vollhufes iſt die rheumatiſche Hufentzündung, im Falle dieſe ſehr heftig war, und nicht gründlich geheilt wurde. Eine Heilung des Vollhufes iſt nicht möglich; es läßt ſich die Mißbildung des Hufes weder weſent— lich ändern, noch gar derſelbe ſich in ſeine natürliche Geſtalt zurückbringen. Iſt der Vollhuf noch in der Ausbildung begriffen, ſo kann durch kühle Umſchläge das Uebel in etwas gehemmt werden, auch wohl durch ſcharfe Einreibungen an der Krone. Das Dünnſchnei⸗ den der Sohle, das Abraſpeln der mißgeſtalteten Wand c., können nichts helfen. Das einzige Mittel ein mit Vollhuf behaftetes Pferd noch mehr oder we⸗ niger brauchbar zu machen, beſteht in einem zweckmä⸗ ßigen Beſchlag des Hufes; im langſamen Zuge und auf weichem Boden kann ein ſolches Pferd oft noch gute Dienſte leiſten, und ſelbſt ohne ſichtbare Lahmheit. 12. Zwanghuf. Es iſt dieſes eine, dem Voll⸗ hufe faſt gerade entgegengeſetzte, fehlerhafte Form des Hufes. Die Trachten am hinteren Theile des Hufes ſind einander ſo ſehr genähert, daß die Ballen faſt in Ein Stück zuſammenfließen; der Strahl iſt ſehr ſchmal und mager, und der ganze Huf hat dabei eine birn⸗ förmige Peripherie(Tab. XXVII. Fig. 6.). Die Trachtenwände ſind mehr nach einwärts gebogen, und die Sohle erſcheint meiſtens ungewöhnlich ausgehöhlt. Häufig geht das zwanghufige Pferd blöde, be⸗ ſonders nach anhaltendem Marſche; die Ballen ſind dann nicht ſelten vermehrt warm, das Pferd ſetzt ab⸗ wechſelnd einen Vorderfuß nach vorwärts ꝛc. In vie⸗ len Fällen aber iſt an dem zwanghufigen Pferde durch⸗ aus kein krankhafter Gang zu bemerken, ſelbſt wenn der Zwanghuf ſeine höchſte Ausbildung erlangt hat. Die gewöhnlicheren Urſachen des Zwanghufes beſtehen in zu trockner Haltung des Hufes; wird ein an und für ſich ſchon trockner und enger Huf nicht zuweilen auf irgend eine Weiſe der Einwirkung von Feuchtig⸗ keit ausgeſetzt, ſo trocknet derſelbe leicht ſo ein, daß er zwanghufig wird. Manche Schmiede haben die Ge⸗ wohnheit, um einen ſehr harten Huf vor dem Beſchla⸗ gen zu erweichen, glühende Kohlen auf die untere Huf⸗ fläche zu ſchütten, wodurch allerdings der beabſichtigte 115. Zweck momentan erreicht, zugleich aber auch der Huf ſelbſt ſehr ausgetrocknet wird, welches dann der Ausbil⸗ dung des Zwanghufes Vorſchub leiſtet. Ferner entſteht der Zwanghuf durch zu ſtarkes Ausſchneiden des Horn⸗ ſtrahls und der Eckſtrebenwinkel. Fehlerhafter Beſchlag endlich iſt auch noch zu den vorzüglichſten Urſachen zu rechnen. Der Zwanghuf iſt nie gründlich zu heilen, wohl aber zu beſſern, ſo daß das Pferd mindeſtens ſchmerzlos gehen kann; hiezu dient weſentlich ein an— gemeſſener Hufbeſchlag. 13. Schiefer Huf. Bei dieſer unregelmäßigen Form iſt die eine Wand des Hufes zu weit nach innen, die andere dagegen zu ſehr nach außen gerichtet (Tab. XXVI. Fig. 2.). Bei einer ſolchen Geſtalt des Hufes ruht die Körperlaſt mehr auf der eingezoge⸗ nen Wand, welche ſich ſtärker abnutzt, als die andere, und ſich auch wohl nach unten umſchlägt; die andere Wand dagegen trägt nur wenig, und wächſt deshalb ſtärker vor. Die Kur beſteht in einem guten Beſchlage; übrigens iſt der Fehler von keiner großen Bedeutung. 14. Bockhuf. Die Trachtenwände ſind hier ſehr hoch, und faſt eben ſo hoch als die Zehenwand(Tab. XXVI. Fig. 1.), welche letztere ſenkrechter hinab⸗ läuft, als an einem geſunden Hufe. Gewöhnlich liegt dieſer Mißbildung des Hufes irgend ein Fehler im In⸗ nern des Hufes zum Grunde, namentlich die Hufge— Hufbeſchlag. 365 lenklähme; aber auch ein fehlerhafter Beſchlag kann nach und nach den Bockhuf zur Folge haben. Die Kur beſteht in der Anwendung paſſender Hufeiſen und außerdem in der Beſeitigung der Urſachen, welche den Bockhuf erzeugt haben. 15. Ringel⸗ und Knollhuf. Bei erſterem finden ſich auf der Hornwand verſchiedene mehr oder weniger große Erhabenheiten, welche den Huf in Form von Ringen umgeben(Tab. XXVI. Fig. 4. 5.); häufig ſteigt die Zehenwand dabei flacher hinab, als am geſunden Hufe.— Der Knollhuf iſt meiſtens auch mit Ringen verſehen; aber außerdem noch mit unför⸗ migen Auswüchſen auf der Hornwand, ſo daß der ganze Huf dadurch ein knollenartiges Anſehen erhält. Beide fehlerhafte Hufe entſtehen aus irgend einer vor⸗ angegangenen Entzündung des Hufes; die rheuma⸗ tiſche Hufentzündung, Kronentritt und Knorpelfiſtel ſind die gewöhnlichen Urſachen. Es giebt kein Mittel, dieſe fehlerhafte Hufform erheblich zu beſſern, indeſſen kann ein guter Beſchlag dergleichen Hufe, welche ge⸗ wöhnlich mit einer flachen Sohle verbunden ſind, zu⸗ weilen noch mehr oder weniger dienſttüchtig erhalten. Anmerkung. Vom Stelzfuß und der Hufge⸗ lenklähme, welche eigentlich an dieſer Stelle abgehan⸗ delt werden müßten, ſoll ſpäter die Rede ſein. 115. Hufbeſchlag.(Tab. XXVII. XXVIII.) Bei Pferden, welche im natürlichen, freien Zu⸗ ſtande leben, ſind die empfindlichen Theile der unte⸗ ren Fußenden durch den Huf hinreichend geſchützt; es nutzt ſich von denſelben nicht mehr ab, als ſich wie— dererzeugt, und der Huf behält ſomit immer ſeine natürliche Beſchaffenheit. Nicht ſo bei den unter der Herrſchaft des Menſchen befindlichen Pferden. Iſt das Pferd gezwungen anhaltend auf harten und ſteinigen Wegen, z. B. Straßenpflaſter und Chauſſeen zu gehen, ſo ſchleift ſich vom Hufe mehr Horñ ab, als nach— wächſt; die empfindlichen Theile werden dadurch ihres natürlichen Schutzes beraubt, und die Folgen davon ſind Entzündung und Lahmheit im Hufe. Um dieſe übermäßige Abnutzung des Hufes und die daraus ent⸗ ſtehenden üblen Folgen zu verhindern, belegt man die untere Fläche des Hufes mit Eiſen, welches Verfah⸗ ren den Hufbeſchlag darſtellt. Schon in den älteſten Zeiten hat man ſich des Hufbeſchlages bedient, doch hat das dabei beobachtete Verfahren nach und nach große Abänderungen erlit⸗ ten, und auch jetzt iſt daſſelbe noch nicht in allen Län⸗ dern gleich. Leider iſt daſſelbe aber in vielen Fällen noch ſehr mangelhaft; unwiſſende Schmiede machen noch alle Tage Pferde durch den Beſchlag mehr oder weniger, oft für immer, unbrauchbar. Es iſt der Huf⸗ beſchlag deshalb ein weit wichtigerer Gegenſtand, als 366 115. es bei flüchtiger Betrachtung wohl den Anſchein hat; auch iſt der Beſchlag keineswegs ſo leicht auszuführen. Es gehören dazu genaue Kenntniſſe der einzelnen Theile des Hufes, und eine nur durch längere Uebung zu erwer⸗ bende techniſche Fertigkeit. Da der anatomiſche Bau des Pferdehufes ſchon früher(vgl. den vor. Abſchnitt 114) beſchrieben iſt, ſo muß hier darauf verwieſen werden; ich gehe deshalb gleich zu den Vorſchriften über, wie geſunde und kranke Hufe zweckmäßig zu beſchlagen ſind. a. Beſchlag geſunder Hufe. Vorbereitung des Hufes zum Beſchlage. Gewoͤhnlich trocknen die Hufe durch die Art der Haltung des Pferdes und durch den Dienſtgebrauch auf hartem und trocknem Boden ſehr aus; das Horn wird dadurch widernatürlich hart, brüchig und ſpröde, und es entſte— hen dadurch die zahlreichſten Hufkrankheiten. Um Letz⸗ tere zu vermeiden, und beim Beſchlage den Huf gehö⸗ rig und auch bequemer beſchneiden zu können, müſſen die Hufe häufig angefeuchtet, und namentlich einige Zeit vor der Ausführung des Beſchlages ſelbſt in Kuhmiſt, Lehmbrei oder Waſſer geſtellt werden, oder man kann auch feuchten Kuhmiſt unter die Sohle und zwiſchen das Hufeiſen ſtreichen. Um den Huf zum Zwecke des Beſchlagens zu erweichen, ſchütten die Schmiede zuweilen glühende Kohlen auf die Sohle;— ein durchaus tadelnswerthes Verfahren! Weniger nach⸗ theilig iſt das Auflegen eines noch ſehr heißen Hufei⸗ ſens auf die Sohle; doch darf das Eiſen weder allzu heiß ſein, noch ſehr lange liegen bleiben, weil ſonſt der Huf zu ſehr austrocknet, und eben dadurch leicht mancherlei Fehler entſtehen können. Statt das glü⸗ hende Eiſen aufzulegen iſt es beſſer, heißes Waſſer auf die Hufſohle zu gießen; es iſt dieß völlig unſchädlich, und macht das Horn zur bequemeren Bearbeitung hin⸗ reichend weich. Daß bei Pferden, welche häufig auf feuchtem Boden gehen, z. B. in Niederungen, die Hufe in der Regel nicht zuvor durch Befeuchten er⸗ weicht werden dürfen, verſteht ſich wohl von ſelbſt; eben ſo iſt dies gewöhnlich bei den Hinterhufen über⸗ flüſſig, da dieſelben dem Austrocknen weniger ausgeſetzt ſind, indem ſie durch Urin, Miſt ꝛc., welche ſich unter den Hinterfüßen mehr anhäufen, als unter den Vor⸗ derfüßen, gewöhnlich hinreichend feucht erhalten werden. Die gewöhnlichen Handgriffe beim Aufhalten der Füße müſſen als bekannt vorausgeſetzt werden. Oft aber ſind Pferde gegen das Beſchlagen widerſpenſtig, Hufbeſchlag. und man iſt dann gezwungen verſchiedene Kunſtgriffe zu Hülfe zu nehmen. Das gewöhnlichſte und ein⸗ fachſte Mittel beſteht in der Anwendung irgend einer Art der verſchiedenen, ſogenannten Bremſen; viele Pferde, die ſich ſonſt nicht wohl beſchlagen laſſen, ſte⸗ hen mit der Bremſe ruhig, und laſſen an ſich den Be⸗ ſchlag ohne Schwierigkeit ausführen. Statt ſich der Bremſe zu bedienen, haben viele Schmiede die Ge⸗ wohnheit, ein Ohr des Pferdes mit der Zange zu er⸗ faſſen, und dieſe ſo lange um ihre eigene Achſe zu dre⸗ hen, bis dadurch ein äußerſt heftiger Schmerz für das Pferd entſteht. Dieſe Methode iſt jedoch ſehr tadelns⸗ werth; denn in vielen Fällen reißt dabei ein Stüͤck oder auch das ganze Ohr ab, oder das Ohr wird gelähmt, und hängt dann für immer ſchlaff herunter; außer⸗ dem wird das Pferd dadurch leicht kopfſcheu. Manche Pferde dulden durchaus nicht, daß ihnen ein Hinter⸗ fuß aufgehoben wird; in ſolchen Fällen kann ein dicker Strick oder Gurt mittelſt eines Knotens im Schweife befeſtigt werden, welcher Strick dann vor dem Aufhalter um das Feſſelgelenk geſchlungen wird (Tab. XXVIII. Fig. 2.). Weniger paſſend iſt das ſehr übliche Verfahren, einen um das Feſſelgelenk gelegten Strick durch einen in den Schweif gemachten Knoten zu ziehen, und den Fuß auf dieſe Weiſe durch Anzie⸗ hen des Strickes aufzuheben. Bei der gehörigen Vor⸗ ſicht kann das Verfahren allenfalls noch paſſiren, aber es können leicht die Schweifhaare ausreißen, das Pferd die Knieſcheibe ausrenken u. ſ. w. Bei einigen Pferden wollen die angeführten Zwangsmittel nicht ausreichen; aus Verſchüchterung oder Bösartigkeit widerſetzt ſich das Pferd dem Aufheben der Füße zum Zwecke des Beſchlagens mit ſo unüberwindlicher Hartnäckigkeit, daß hier andere Hülfsmittel in Ge⸗ brauch gezogen werden müſſen. Früher, zum Theil auch noch jetzt, bediente man ſich in ſolchen Fällen des ſogenannten Nothſtalles; das Pferd wurde in dem⸗ ſelben durch Gurte vom Erdboden emporgehoben, an eine Seitenwand befeſtigt ꝛc. Da der Nothſtall aber eine koſtſpielige Vorrichtung iſt, und da erfahrungs⸗ mäßig manche Pferde in demſelben ihr Leben einge⸗ büßt haben, ſo iſt er jetzt ſo ziemlich außer Gebrauch gekommen. An deſſen Stelle iſt in der neueren Zeit ein Verfahren eingetreten, welches gefahrlos, nicht nur für das zu beſchlagende Pferd, ſondern auch für die dabei beſchäftigten Menſchen iſt, vorausgeſetzt, daß man dabei mit Umſicht und Gewandtheit zu Werke 115. geht. Dieſes neue Verfahren beruht vorzüglich auf einer paſſenden pſychologiſchen Behandlung des Pfer⸗ des, und gründet ſich auf die Vorausſetzung, daß es von Natur kein böſes oder widerſpenſtiges Pferd gebe, ſondern daß die Widerſpenſtigkeit nur von der verkehrten Behandlung herrühre, welche dem Pferde von Seiten der Menſchen zu Theil wurde. Namentlich haben Ba⸗ laſſa und Korſepa dieſes neue Bändigungsverfahren ſogenannter böſer Pferde zuerſt angegeben, und ſich dadurch ein großes Verdienſt erworben. Nach ihren Vor⸗ ſchriften kann ſelbſt das bösartigſte Pferd in kurzer Zeit, ſelbſt ſchon in einer Stunde, dahin gebracht werden, daß es ſich faſt ruhig beſchlagen läßt. Balaſſa ſpricht ſich über dieſes Verfahren und die dabei anzu⸗ wendenden Hilfsmittel folgendermaßen aus: Stimme:„Wenn ich ein Pferd ſcharf anrufe, ſo wird es zurück oder vorwärts prallen, ſo daß der ſcharfe Ton der menſchlichen Stimme auf das Pferd beinahe dieſelbe Wirkung ausübt, als ein Peitſchen⸗ hieb; ſpreche ich aber zu dem Pferde mit ſanfter Stimme, ſo legt es mir freundlich den Kopf auf die Schultern und gehorcht mir willig in Allem; beſonders wenn es einmal an dieſe Behandlungsart gewöhnt iſt.“ Miene:„Wenn ich bei dem ſcharfen Anrufen eine finſtere, unfreundliche Miene mache, ſo bringt dies auch bei dem Pferde einen doppelt ſcharfen Ein⸗ druck hervor; zeige ich ihm aber eine freundliche Miene, während ich es ſanft anſpreche, ſo wird es zutraulich und gehorſam, ohne daß ich zur Peitſche meine Zuflucht zu nehmen brauche.“ Blick:„Jeder Pferdekenner wird ſich leicht über⸗ zeugen, daß der ſtarre Blick eines Menſchen dem Pferde unwiderſtehlich iſt. Die Erfahrung hat mich gelehrt, daß man dadurch eine außerordentliche Ge⸗ walt über das Pferd gewinnen kann. Man kann mit freundlichen Blicken das Pferd aufmuntern und beloh⸗ nen, mit finſtern und unfreundlichen beſtrafen, durch feſte, unverwandte zum Gehorſam bringen. Durch an⸗ geſtellte Verſuche habe ich außer Zweifel geſetzt, daß das Pferd durch einen ſtarren Blick dahin gebracht wird, zurück zu gehen, den Kopf empor zu heben, Hals und Rücken ſteif zu machen, und daß man demſelben ſo imponiren kann, daß manches Pferd ſich nicht rührt, ſelbſt wenn in ſeiner Nähe geſchoſſen wird.“ Streichen über Stirn und Augen.„Das kreuzweiſe Streichen mit der flachen Hand über Stirn und Augen des Pferdes iſt ein treffliches Hülfsmit⸗ Hufbeſchlag. 367 tel, durch welches das furchtſamſte, ſowie das feurigſte und ſchlimmſte Pferd ſo beruhigt und beſänftigt wird, daß es, wenn nur keine Gegenſtände in der Nähe ſind, durch die es zerſtreut werden kann, den Kopf ganz herunter beugt, und gleichſam eingeſchläfert wird.“ Kappzaun ſammt Leine.„Der Kappzaun iſt bekanntlich ein den Pferden fürchterliches Inſtrument, über deſſen richtigen Gebrauch bei Behandlung bö⸗ ſer Pferde ich Anfangs in Zweifel war. Ich war nämlich mit Vielen der Meinung, daß man dem Pferde um ſo mehr imponire, und deſto früher ſein Ziel er⸗ reichen könne, je ſtärkere Riſſe man demſelben durch Anziehen des Kappzauns beibringe; aber ich habe in der Folge gefunden, daß das Pferd ſich von den ſchmerz⸗ lichen Riſſen mit Gewalt loszumachen ſucht,— man daher durch dieſelben ſeinen Zweck nicht erxreicht, viel⸗ mehr die Aufmerkſamkeit des Pferdes auf Stimme, Miene und Augen des Abrichters gänzlich ſtört. Seit dieſer Zeit ſehe ich den Kappzaun als ein bloßes Er⸗ innerungsmittel an, und bediene mich deſſelben, durch leiſes Schütteln der Leine auf die rechte und linke Seite, bloß dann, wenn das Pferd unaufmerkſam iſt, um ſeine Aufmerkſamkeit wieder herzuſtellen.“(Tab. XXVIII. Fig. 3. verſinnlicht einen Akt der Anwen⸗ dung des Kappzauns zum Zweck des Aufhebens eines Fußes.) Es iſt hier nicht der Ort über die Anwendung des Kappzauns ſpezielle Vorſchriften zu geben; es kann genügen auf dieſes vorzügliche Ueberwältigungsmittel wiederſpenſtiger Pferde aufmerkſam gemacht zu haben, und muß ich die, welche ſich in dieſer Hinſicht gründ⸗ lich belehren wollen, auf die beiden Druckſchriften von Balaſſa und Korſepa verweiſen. Iſt der Huf durch gehörige Befeuchtung zum Beſchlage vorbereitet, ſo wird er zuvörderſt mit dem Wirkmeſſer beſchnitten, und ihm dadurch die gehörige Form gegeben. Bei Pferden, die früher nie beſchlagen waren, darf vom Zehenrande der Hornwand gemein⸗ hin wenig oder gar nichts fortgenommen werden, weil dieſe Stelle hinreichend abgenutzt zu ſein pflegt; dage⸗ gen ſind die Trachtenwände gewöhnlich etwas zu lang, und müſſen daher verkürzt werden. Unterbleibt dieß, ſo bekommt der Huf eine falſche Stellung, wodurch dann Stelzfuß und viele andere Fehler entſtehen kön⸗ nen. War das Pferd ſchon beſchlagen, ſo wird das Eiſen vorſichtig abgenommen und ſodann die untere Fläche des Hufes gehörig gereinigt. Sehr vorſprin⸗ 368 115. gende Ränder der Hornwand werden mit der Hauklinge weggehauen, auch wohl die obere Schicht der Horn⸗ ſohle, im Falle dieſelbe ſehr dick iſt. Es iſt nicht gut möglich ein auf alle Fälle paſſendes Maaß anzugeben, wie viel Horn vom Hufe weggenommen werden muß; es richtet ſich dieß nach der Beſchaffenheit des Hufes, nach deſſen Wachsthume, nach der Dauer, welche das alte Eiſen gelegen hatꝛc. Im Allgemeinen muß vom Soh⸗ lenrande der Hornwand ſoviel fortgenommen werden, daß man zur feſten Verbindung derſelben mit der Sohle gelangt; doch muß der Sohlenrand der Horn⸗ wand immer anderthalb biszwei Linien oder überhaupt ſoviel über die Sohle vorragen, daß das aufzulegende Eiſen nur allein die Hornwand, nichtaber die Sohle berührt. Die Sohle nämlich iſt wie zum Tragen der Körperlaſt beſtimmt; liegt das Eiſen auf der Sohle, ſo entſtehen ſehr leicht Quetſchungen derſelben, und daher Entzündung und Eiterung. Die Steingallen nehmen gewöhnlich aus dem Drucke des Eiſens auf die Sohle ihren Urſprung. Daß nicht die Sohle ſondern nur die Wand zum Tragen des Körpers beſtimmt ſei, beweiſt nicht nur die Betrachtung geſunder, nicht beſchlagener Hufe, ſondern auch noch folgender Verſuch: man riß einem Pferde die Hufſohlen beider Vorderhufe aus, und trieb es dann mit der Peitſche zum Gehen an; das Pferd ſchlug dabei mit beiden Hinterfüßen zugleich aus. Der Sohlenrand muß wagerecht beſchnitten werden und ſo, daß die natürliche Form des Hufes dabei genau in Obacht genommen wird; beſonders iſt noch darauf zu ſehen, daß die innere und äußere Seite der Wand gleich ſtark niedergeſchnitten werde, damit der Huf den Erdboden horizontal berührt, und damit kein ſchiefer Tritt herauskommt. An der Zehe wird von der Wand etwas weggenommen, weil das Eiſen da⸗ ſelbſt eine kleine Aufbiegung erhält. Die Eckſtrebe muß glatt und rund, nicht ſcharfkan⸗ tig beſchnitten werden, und zwar ſo, daß ſie mit den Trachten eine gerade Fläche bildet. Nichts iſt verwerf⸗ licher, als das ſo ſehr übliche Durchſchneiden der Eck⸗ ſtrebenwinkel, denn es entſtehen dadurch leicht Zwang⸗ huf und andere Fehler. Von der Sohle wird nur das mehlige, ſchuppige und loſe Horn fortgenommen; ſie muß mäßig ausgehöhlt werden. Nie darf die Sohle zu dünn ausgewirkt werden, weil ſie ſonſt leicht äuße⸗ ren Verletzungen durch das Eindringen fremder Körper ausgeſetzt iſt; auch trocknet dann der Huf leichter ein, Eiſen nicht ſo leicht abgenutzt werde. Hufbeſchlag. wird eng ꝛc. Vom Strahl darf ebenfalls nur das bröckliche, loſe Horn fortgenommen werden; es iſt höchſt tadelnswerth den Strahl zu ſehr zu verkleinern, denn er trocknet dann leicht ein, und giebt Veranlaſſung zu verſchiedenen Huffehlern. Iſt der Huf auf die angege⸗ bene Weiſe gehörig beſchnitten, ſo ſchreitet man zur Auflegung des Eiſens. i Das Hufeiſen beſteht aus dem Zehenſtücke, den beiden Seitenſtücken und den Stollenenden. Größe, Stärke und Breite deſſelben richten ſich nach dem Ge⸗ brauche und der Beſchaffenheit des Pferdes; daſſelbe muß genau der Form des Hufes entſprechen. An den hinteren Enden iſt das Hufeiſen gewöhnlich rechtwink⸗ lich umgebogen, wodurch die ſogenannten Stollen ge⸗ bildet werden; bei ſchweren Pferden, z. B. denen der Frachtfuhrleute, iſt in dem Zehentheile ein dritter Stollen, ſogenannter Griff, eingeſchweißt, damit das Gewöhnlich wird das Hufeiſen nach dem Augenmaaße angefertigt, und bei gehöriger Uebung läßt ſich die erforderliche Größe auch ſehr wohl treffen. Ein franzöſiſcher Thier⸗ arzt hat unlängſt ein Inſtrument zur genauen Aus⸗ meſſung der unteren Huffläche angegeben, um darnach das Eiſen anzufertigen(Tab. XXVIII. Fig. 1.). Beim Gebrauche dieſes Inſtruments kann das Pferd im Stalle beſchlagen, und das Eiſen kalt aufgelegt werden, weil die Form des Eiſens vorher genau zu beſtimmen iſt. Offenbar bietet dieſes Verfahren manche Vortheile dar. Beide Flächen des Hufeiſens müſſen glatt und eben geſchmiedet ſein; beſonders gilt dieſes von der oberen Fläche, damit ſie überall auf dem Huf⸗ rande gleich aufliege. Gewöhnlich verſieht man das Hufeiſen mit drei oder vier Nagellöchern in jedem Arme; bei leichteren Pferden ſind drei Löcher genug; bei ſchweren Zugpferden macht man, zur ſtärkeren Be⸗ feſtigung des Eiſens, gewöhnlich vier Löcher jederſeits. Die Nagellöcher ſind entweder viereckig und iſolirt (Tab. XXVII. Fig. 4.) oder ſie befinden ſich in einem Falz oder einer Rinne(Fig. 5.); im Allge⸗ meinen verdienen die erſteren den Vorzug, weil der Falz das Eiſen unnöthig ſchwächt. Länge und Breite des Eiſens müſſen genau der unteren Peripherie des Hufes entſprechen, weder die Wand, noch das Eiſen dürfen vorſtehen. Am vorderen Theile erhält das Eiſen eine mäßige Aufbiegung(Fig. 4.). Die Stollenden dürfen nicht zu lang und nicht zu kurz ſeinz ſind ſie zu Eiſens den Huf unnütz, und ſind ſie wieder zu kurz, ſo ſind die Ballen dabei Quetſchungen und Druck aus⸗ geſetzt. Beim Aufſchlagen des Eiſens iſt dafür zu ſorgen, daß alle Nagelſpitzen in angemeſſener und gleicher Höhe an der Hornwand herauskommen(Fig. 6.); kommt der Nagel zu früh und zu tief nach unten her⸗ aus, ſo hält er das Eiſen nicht hinreichend feſt, und die Hornwand reißt an dieſer Stelle leicht aus; wird der Nagel dagegen zu hoch hinaufgetrieben, ſo kann ſehr leicht eine Vernagelung entſtehen. Alle Nägel müſſen genau in die weiße Linie treffen(Fig. 3.); kommen ſie weiter in die Sohle, ſo entſteht eine Ver⸗ nagelung; kommen ſie weiter nach außen, ſo halten ſie das Eiſen nicht hinreichend feſt. Sind alle Nägel eingeſchlagen, ſo werden ſie abgekneipt und gehörig umgenietet, nachdem man zuvor die Nietſtelle unter⸗ feilt hat. Das Abraſpeln des ganzen Hufes, um ihn ein netteres Anſehen zu geben, iſt ſehr verwerflich, eben ſo das Abhauen der überſtehenden Hornwand bei fehlerhaft gemachten und zu kleinen Eiſen. Nur allein der untere, rauhe Rand, dicht über dem Eiſen, wird abgeraſpelt, damit hier nicht etwa kleine Theile der Hornwand abſplittern. Im Winter werden die Stollen gewöhnlich geſchärft, indem man ihnen eine keilförmige oder pyramidale Form giebt. 2. Beſchlag kranker Hufe. a. Beſchlag des ſchiefen Hufes. Der untere Rand der zu ſtark gewachſenen Wand muß bedeutend, da⸗ hingegen die andere gar nicht, oder nur mäßig beſchnit⸗ ten werden. Es wird dann ein Eiſen aufgeſchlagen, deſſen Arme und Stollen an der zurückgebliebenen Wand ſtärker und höher ſind, als an der entgegenge⸗ ſetzten Seite. Oefteres Feuchthalten des Hufes iſt au⸗ ßerdem zu empfehlen. b. Beſchlag des Bockhufes. Es wird hiervon bei Gelegenheit der Beſchreibung des Stelzfußes näher die Rede ſein. c. Beſchlag des Zwanghufes. Oft iſt es ſehr nützlich zwanghufige Pferde längere Zeit unbeſchlagen auf eine recht feuchte Weide gehen zu laſſen; ſollen ſolche Pferde aber gebraucht werden, ſo muß man ſie beſchlagen. Das dazu paſſende Eiſen muß an ſeinen hinteren Stollenden geſchloſſen ſein, und darf keine Stollen haben; auch muß man mit den Nagellöchern Wagenfeld, Encycl. 315. Hufbeſchlag. lang, ſo beſchweren ſie durch das größere Gewicht des 369 ſo weit als möglich von dem hinteren Theile des Hu⸗ fes entfernt bleiben. d. Beſchlag des Platt- und Vollhufes. Es muß hier ein Eiſen aufgelegt werden, welches nicht nur die hervorſtehende Sohle nicht drückt, ſondern welches die⸗ ſelbe auch möglichſt vor anderweitigem Drucke ſicher ſtellt. Das Eiſen muß daher an ſeiner unteren Fläche recht breit ſein, und muß, je nach dem Grade der Herauswölbung der Hufſohle nach außen, gewölbt ſein, oft faſt keſſelartig(Tab. XXVII. Fig. 8.); nirgends darf das Eiſen die Sohle berühren, und da— mit das Eiſen ſich beim Auftreten nicht biege, muß es recht dick und mit hohen Stollen ſowohl, als mit einem Griff verſehen ſein. Dadurch wird die kranke Hufſohle möglichſt iſolirt und vom Erdboden entfernt. e. Beſchlag bei Hornſpalten. Befindet ſich die Spalte an der Seite der Hornwand, ſo ſchlägt man ein geſchloſſenes Hufeiſen auf, welches keine Stollen hat; oder ein ſolches, an dem ſich an der kranken Hufſeite der Stollen nicht am Ende des Eiſens, ſon⸗ dern etwa einen Zoll vor der Spalte, befindet, welcher Stollen ein Beiſtollen genannt wird. Das überra— gende Ende des Eiſens muß dann gehörig ſtark ſein, damit es ſich nicht beim Treten nach aufwärts biege. Bei der Achſenſpalte wird das Eiſen ebenfalls ohne Stollen angefertigt, und neben der Spalte, jederſeits einen Zoll von deren Rändern entfernt, erhält das Eiſen einen ſogenannten Aufzug. f. Beſchlag bei loſen Wänden. Zunächſt entferne man aus der Rinne der abgetrennten Hornwand alle Unreinigkeiten ꝛc., und fülle ſie dann mit Heede, Theer oder Baumwachs aus. Das aufzuſchlagende Hufeiſen muß horizontal gerichtet ſein, und ohne Stollen. An der kranken Stelle werden eine oder mehrere Aufzüge gemacht, auch dürfen weder an ihr noch in ihrer Nähe Nägel eingeſchlagen werden. g. Beſchlag beim Streichen oder Streifen. Bei dieſem fehlerhaften Gange ſchlägt das Pferd mit dem unteren Rande des Hufes oder Hufeiſens an die innere Seite des Feſſelgelenkes des anderen Fußes, wodurch die Haut an dieſer Stelle wund und blutig wird. Hat ſich das Pferd geſtreift, ſo hinkt es gewöhnlich die nächſten Schritte mit nach auswärts gebogenen Schenkeln auf drei Beinen. Am meiſten kommt das Streifen an den Hinterfüßen vor, und zwar durch zu enge, fehlerhafte Stellung des Hinterſchenkels, bei großer Ermüdung ꝛc. Auch ein ſehlerhafter Beſchlag 1 370 kann die Urſache ſein. Man glaubt faſt allgemein, daß das Pferd ſich an dem Stollen ſtreife; dieſes iſt falſch, denn es ſind immer der innere Trachtenrand und noch mehr die Nieten der letzten Hufnägel, welche das Strei⸗ chen bewirken. Ein guter Beſchlag hebt den Fehler in der Regel. Es wird die innere Seite der Hornwand ſoviel als möglich mit der Raſpel weggenommen, und ein Eiſen aufgelegt, welches keine Stollen hat, deſſen innerer Arm aber allmählig von der Zehe nach hin⸗ terwärts ſich verdickt, ſo daß das Stollende die Dicke eines gewöhnlichen Stollens hat. Sind die Nieten dann nur gehörig fein und abgeraſpelt, ſo iſt das Streifen faſt jedesmal gehoben. h. Beſchlag beim Einhauen. Das Pferd ſchlägt mit den Hintereiſen an die Vordereiſen, und es ent— ſteht dadurch ein Geräuſch, welches man Schmieden nennt. Man glaubt faſt allgemein, daß der Zehentheil des Hintereiſens das Stollende des Vordereiſens treffe; aber dieſes iſt meiſtens ein Irrthum, denn das Hinter⸗ eiſen trifft die untere Fläche der Zehe des Vordereiſens. Deshalb ſtürzt ein Pferd beim Einhauen auch faſt nie zu Boden, und die Vordereiſen werden dadurch faſt nie abgeriſſen. Um dieſen Fehler zu heben, macht man die Hintereiſen vorn ſo kurz als möglich, und giebt ih⸗ nen eine ſtarke Aufrichtung; mit den Vordereiſen ver⸗ fährt man auf gleiche Weiſe, auch können dieſe an ih⸗ ren Stollenden recht kurz ſein, weil doch der Fall vor⸗ kommen kann, daß das Pferd mit dem Hinterfuße das Stollende trifft. Anmerkung. Beſchlag beim Eſel und beim Rindvieh. Bei Eſeln und Maulthieren iſt weſentlich ganz ſo zu verfahren, als beim Beſchlage des Pferdes. Die Maulthiere haben öfters den fehlerhaften Gang, daß ſie einhauen; es iſt dann der Beſchlag ſo, als un⸗ 116. Rheumatiſche Hufentzuͤndung des Pferdes. ter gleichen Umſtänden beim Pferde einzurichten. Da das Maulthier ſtark mit der Zehe auftritt, ſo kann das Eiſen hier etwas dicker gemacht werden. Beim Eſel ſind im Eiſen nur fünf Nagellöcher erforderlich: drei für den äußeren und zwei für den inneren Arm. Ochſen, welche viel auf Chauſſeen oder Steinpfla⸗ ſter arbeiten, nützen die Klauen ſehr ab, ſo daß ſie be⸗ ſchlagen werden müſſen; ein ſolcher Beſchlag weicht aber ſehr von dem beim Pferde ab. Für jede der bei⸗ den Klauen des Fußes wird ein beſonderes Eiſen an⸗ gefertigt; daſſelbe beſteht aus einer eiſernen Platte, welche die ganze untere Fläche der Klaue bedeckt, und genau ihrem Umfange entſpricht. Am äußeren Rande dieſes Eiſens bringt man fünf Nagellöcher an, von denen das erſte etwa einen drittel Zoll von der Zehen⸗ ſpitze entfernt iſt, und die andere etwa je einen halben Zollvon einanderabſtehen. Da die Wand der Klaue ſehr dünn iſt, ſo müſſen die Nagellöcher nicht weit vom Rande der Platte abſtehen, auch dürfen ſie nicht hö⸗ her als einen halben Zoll an der Wand herausgetrieben werden. Vor dem Beſchlage wird die Klaue beſchnit⸗ ten, wie beim Pferde. An den inneren Rand der Platte, einen Zoll von der Spitze entfernt, macht man einen zwei Zoll langen und drei viertel Zoll breiten Aufzug, welcher nach außen um die Spitze der Klaue umgebogen wird, um dadurch dem Eiſen mehr Halt⸗ barkeit zu geben. In einigen Gegenden werden auch wohl beide Klauen mit einem gemeinſamen und wie beim Pferde geformten Hufeiſen beſchlagen, ſo daß die Klauen mit einander unbeweglich verbunden ſind. Hierbei klemmen ſich aber leicht Steinchen und andere fremde Körper in den Klauenſpalt ein, welches dann leicht zu Entzündung und Eiterung derſelben führen kann. 116. Rheumatiſche Hufentzündung des Pferdes.(Tab. XXVI. XXVII.) Dieſe Krankheit, welche auch unter den Benen⸗ nungen: Rehe, Hufverſchlag, Verfangen— bekannt iſt, tritt ſehr oft beim Pferde ein, und giebt ſich durch nachſtehende Zufälle zu erkennen. Gewöhnlich beginnt die Krankheit urſprünglich mit einem rheumatiſchen Fieber, und ziemlich plötzlich, worauf ſehr bald eine mehr oder weniger heftige Entzündung der Hufe nach⸗ folgt. Das Pferd wird von wiederholten Froſtſchau⸗ dern befallen, denen ſehr bald eine über den ganzen Körper verbreitete, vermehrte Wärme nachfolgt; das 116. Rheumatiſche Hufentzuͤndung des Pferdes. Pferd hat heftiges Fieber, vermehrten Puls, das Athemholen iſt kurz, ſchnell und angeſtrengt, doch ohne Huſten; die ausgeathmete Luft iſt heiß, alle ſichtbaren Schleimhäute zeigen eine vermehrte Röthe, ſie ſind trocken, und das Innere des Maules iſt heiß. Bei allen dieſen heftigen Zeichen frißt das Pferd dennoch ziem⸗ lich gut, nur zeigt es ſich abgeſchlagen und unluſtig. Das Pferd zeigt eine ſteife Haltung des Körpers und eine große Schwerbeweglichkeit; jede Aenderung der Stellung geſchieht mit Mühe und unter ächzendem Geſtöhne. Die trockne, ſehr empfindliche Haut zeigt eine große Empfindlichkeit, und an verſchiedenen Kör— perſtellen, beſonders in der Flankengegend und an der Schulter, eine zitternde Bewegung. Der Ort, wo ſich die rheumatiſche Entzündung am gewöhnlichſten und am deutlichſten ausſpricht, ſind die Hufe. Dieſe Huf⸗ entzündung geſellt ſich häufig zu einem rheuma- tiſchen Fieber, und tritt gewöhnlich gleichzeitig oder kurze Zeit nach dem Eintritte deſſelben ein. Die entzündeten Hufe ſind heiß, bei jedem, ſelbſt bei dem geringſten, Drucke mit der Zange oder beim Anklopfen ſehr empfindlich; die Feſſelarterien klopfen ſtark und ſchnell. Sind alle vier Hufe entzündet, ſo iſt das Pferd kaum vermögend zu ſtehen; daſſelbe liegt dann meiſt, und zieht unter heftigem Stöhnen die ſchmerzhaften Füße wechſelweiſe an den Leib. Das ganze Beneh⸗ men des Pferdes deutet darauf hin, daß es an den heftigſten Schmerzen leide. Sind die Hufe nicht ganz heftig affizirt, ſo hält ſich das Thier meiſtens auf den Füßen, doch iſt der Gang ſehr ſchmerzhaft, und nur mit Mühe zu erzwingen. Die Füße, zumal die Hinter⸗ füße werden unter den Bauch geſchoben, und gewöhn— lich ſtützt das Pferd im Stalle das Maul auf den Rand oder den Grund der Krippe, um die Körperlaſt, welche auf den ſchmerzhaften Füßen ruht, etwas zu verringern. Zuweilen werden nur zwei, und dann ge— wöhnlich die Vorderhufe von der Entzündung befal⸗ len, oder doch heftiger, als die Hinterhufe. Das Pferd pflegt dann meiſtens zu ſtehen, doch werden die Hinterfüße weit unter den Bauch geſchoben, damit die Laſt des Körpers faſt allein auf ſie, und weniger auf die Vorderfüße, zu ruhen kommt. Der Verſuch einen der kranken Vorderfüße aufzuheben iſt dann meiſtens unausführbar. Der Gang des Pferdes iſt ganz eigen⸗ thümlich; nachdem nämlich beide Hinterfüße möglichſt weit unter den Leib vorgeſchoben ſind, greift das Pferd mit geſtrecktem Vorderſchenkel aus, und berührt mit 371 demſelben den Erdboden ſehr vorſichtig, indem es zu⸗ erſt den Ballen des Hufes niederſetzt. Die Krankheit entſcheidet ſich gewöhnlich in acht bis zehn Tagen, und meiſt in Geneſung; oft ſind ſchon nach drei bis vier Tagen alle Krankheitszeichen gewi⸗ chen. Das Fieber verliert ſich bald, und die Hufent— zündung geht in Zertheilung über. So im günſtigen und auch gewöhnlichen Falle. Zuweilen jedoch iſt der Verlauf der Krankheit weit minder günſtig; die Schmer⸗ zen erreichen eine große Höhe, das Pferd iſt unvermö⸗ gend ſich auf den entzündeten Hufen zu erhalten, und es liegt deshalb faſt beſtändig, die Schenkel weit vom Leibe geſtreckt. Verſucht das Pferd aufzuſtehen, ſo gelingt dies nur mit großer Mühe; daſſelbe ſteht dann zitternd, und iſt kaum von der Stelle zu bringen; es haftet am Boden, als wären die Füße an demſelben feſtgenagelt. Die Ausgänge, welche die rheumatiſche Hufent⸗ zündung in ſolchen heftigen Fällen macht, ſind ver— ſchieden: iſt vorzugsweiſe die Fleiſchſohle ergriffen, ſo wölbt ſich nach und nach die Sohle nach außen her⸗ aus, wo dann Platthuf, oder, im ſchlimmeren Falle, Vollhuf entſtehen. Leidet dagegen hauptſächlich die Fleiſchwand, ſo wird der Huf in ſeiner Peripherie ſtark vergrößert; es bilden ſich hohle Wände, indem die Verbindungen zwiſchen Sohle und Wand ſich trennen (Tab. XXVI. Fig. 7. a.); die Hornwand bekommt mehr oder weniger ſtarke Ringe(Fig. 3. 4.), das Hufbein ſenkt ſich an ſeiner Spitze nach abwärts (Tab. XXVII. Fig. 1. b.), die andere Fläche der Hornwand ſinkt tief ein(Tab. XXVI. Fig. 5.), während ſich die Zehenſpitze ſehr verdickt, und die Richtung mehr nach aufwärts nimmt(Tab. XXVII. Fig. 1. g. h.). Der übelſte Ausgang der rheumatiſchen Hufent⸗ zündung iſt der in Eiterung oder in Brand; denn in faſt allen Fällen geht das Pferd dabei zu Grunde. Unter dieſen Umſtänden erlangen die Schmerzen eine ungeheure Höhe; das Pferd liegt fortwährend unter Stöhnen und Aechzen, es entſtehen durch das anhal⸗ tende Liegen an der Schulter, den Hüften und anderen Stellen Entzündungsgeſchwülſte, welche ſchnell in Eiterung übergehen, und auf denen die Haut brandig abſtirbt. Geht die Hufentzündung in Eiterung aus, ſo bricht der gebildete Eiter an den Ballen und am Kronenrande nach außen hervor, und— iſt die Eiterung im Hufe allgemein, ſo kann das ſogar ein Abfallen 47* 372 des Hornſchuhes, das ſogenannte Ausſchuhen, die Folge ſein. Hierzu kommt es indeſſen nur ſelten; weit häufiger dagegen geht die heftige Entzündung in den kalten Brand aus; dieſes jedoch ſelten vor dem achten bis zwölften Tage ſeit dem Beginne der Entzün⸗ dung. Tritt der Brand ein, ſo verlieren ſich Wärme und Schmerzen im Hufe nach und nach gänzlich, die frü⸗ her etwas angeſchwollene Hufkrone ſinkt ein, und bil⸗ det eine rinnenartige Vertiefung, die Feſſelarterien pulſiren nicht mehr fühlbar, worauf dann bald der Tod nachfolgt. Die gewohnlichſte Urſache der rheumatiſchen Huf⸗ entzündung beſteht in einer plötzlichen Erkältung und in der dadurch herbeigeführten Unterdrückung der Haut⸗ ausdünſtung. Pferde, welche zu ſchnellen Arbeiten verwendet werden, verfallen am leichteſten in dieſe Krankheit, beſonders wenn ſie ſchwitzend und im er⸗ hitzten Zuſtande der Zugluft, dem Regen ausgeſetzt, oder geſchwemmt werden. Aber auch bei anhaltender Ruhe, und bei Pferden, die lange im Stalle gehalten wurden, erſcheint das Uebel zuweilen, beſonders nach gewiſſen Futterſtoffen, z. B. nach Roggen und Hülſenfrüchten, wenn dieſe in großer Menge gegeben werden. An und für ſich iſt die Krankheit nicht gefährlich, doch kann ſie dieſes durch verſchiedene üble Ausgänge werden. Früh genug und paſſend behandelt erfolgt die gründliche Heilung in der Regel und dieſes ſelbſt in kurzer Zeit, etwa in ſechs bis zehn, oft ſchon in we⸗ nigen Tagen. Iſt die Entzündung jedoch ungewöhnlich heftig, wurde das Pferd nach dem Ausbruche der Krankheit noch einige Zeit, vielleicht gar auf Chauſ⸗ ſeen und harten Wegen, gebraucht, ſo iſt die Kur ſchon ſchwieriger, und es bleibt dann meiſtens irgend eine krankhafte Veränderung des Hufes zurück, bei der das Pferde blöde und ſchmerzhaft geht, auf die Ballen tritt ꝛc. Hat ſich die Spitze des Hufbeins geſenkt, iſt Knoll⸗ oder Vollhuf entſtanden, ſo bleibt zeitlebens eine Lahmheit zurück, die meiſt ſo beträchtlich iſt, daß das Pferd dabei gar nicht, oder doch nur noch auf weichem Boden einige Arbeit verrichten kann. Eite⸗ rung und Brand der Hufe ſind faſt allemal tödtlich. Die Kur zerfällt in die allgemeine, gegen das Fieber gerichtete, und in die, welche es mit dem kran⸗ ken Hufe zu thun hat. Das kranke Pferd wird ſogleich in einem trocknen, möglichſt warmen und zugfreien Stalle untergebracht, worauf ſogleich die Hufeiſen 116. Rheumatiſche Hufentzuͤndung des Pferdes. vorſichtig abgenommen werden; die Hufſohle wird dann mit dem Wirkmeſſer ſtark verdünnt, doch darf dabei von der Hornwand nichts fortgenommen werden. Das erſte Erforderniß iſt alsdann ein allgemeiner Ader⸗ laß aus der Halsader; man entzieht dem Pferde, je nach deſſen Größe, Beleibtheit ꝛc. zehn bis funfzehn Pfunde Blut, und giebt innerlich eine Laxanz aus zwei Loth Aloe und dreivirtel Pfund Glauberſalz, mit Mehl und Waſſer zur Latwerge gemacht, auf einmal ein. Das Pferd wird mit einer Decke belegt. Nach dieſer allgemeinen Behandlung iſt das Hauptaugen⸗ merk auf die entzündeten Hufe zu richten; wie ſchon früher bemerkt, ſind es in der Regel nur die Vorder⸗ füße, welche ausſchließlich oder doch vorzugsweiſe lei⸗ den. Bei mäßiger Hufentzündung, bei welcher das Pferd noch ziemlich gut gehen kann, führt man daſ⸗ ſelbe noch täglich vier bis ſechs Stunden in kaltes Waſſer und zwar bis an die Kniee. Iſt das Auftreten ſo ſchmerzhaft, daß der Gang nach dem Waſſer nur mit Mühe oder gar nicht ausführbar iſt, ſo ſtellt man das Pferd in einen durch kaltes Waſſer verdünnten, fuß⸗ hohen Brei von Kuhmiſt oder Lehm. Kuhmiſt iſt im Allgemeinen vorzuziehen; will man ſich jedoch des Lehms bedienen, ſo ſorge man dafür, daß ſich nicht etwa Steinchen in demſelben befinden, weil dieſe auf die verdünnte Sohle einen ſehr nachtheiligen Druck ausüben würden. Der Stand des Pferdes muß— wo möglich— ungepflaſtertſein. In den gelinderen Fällen kann man auch Kuhmiſt um die kranken Hufe umſchla⸗ gen, und dieſen mit einem Lappen haltbar machen. Ein ſolcher Umſchlag wird dann ſo oft wie möglich mit kaltem Waſſer befeuchtet, und das Pferd auf recht hohe, feuchte Streu geſtellt. Umſchläge von Lehm, welche oft gebraucht werden, ſind weit weniger paſſend; der Lehm trocknet auf den heißen Hufen feſt, verhin⸗ dert das Einziehen des Waſſers, und ballt ſich unter der Hufſohle leicht zu einer feſten Maſſe zuſammen, wodurch das Pferd nur noch ſchmerzhafter ſteht. Sind die erwähnten, auf irgend eine Weiſe applizirten, äuße⸗ ren Kühlungsmittel etwa drei bis vier Tage lang an⸗ gewandt, ſo werden die Hufeiſen wieder unter den kran⸗ ken Hufen befeſtigt; das Pferd ſteht und geht alsdann beſſer, und durch die Hufeiſen wird zugleich die ſchmerz⸗ hafte Sohle mehr vom Erdboden iſolirt, ſo daß nicht leicht ein Druck auf ſie entſtehen kann. Um dieſe Zeit läßt man dann auch die kalten Umſchläge und Befeuch⸗ tungen fort, und macht ſtatt derſelben reizende Einrei⸗ 117. Rheumatismus beim Rindvieh. bungen oberhalb dem Hufe. Zu dem Ende werden die Haare, von der Krone bis zum Feſſelgelenke hinauf, ringsum, ſo kurz wie möglich, abgeſchoren, worauf dann dieſe Stelle mit der beim Stollſchwamm angege⸗ benen, ſcharfen Salbe eingerieben wird, und zwarzwei⸗ mal, in einem Zwiſchenraume von ſechs bis acht Stunden. Das Pferd muß alsdann trocken ſtehen, auf den bloßen Brettern, oder auf weniger, trockener Streu. In den erſten Tagen wird das Uebel durch die Einreibung ſcheinbar ſchlimmer; die Haut ſchwillt an, wird ſtark entzündet, und ſchwitzt eine klebrige Feuch⸗ tigkeit aus. Dieſe Zufälle dürfen jedoch keine Beſorg— niß erregen, denn ſchon nach wenigen Tagen wird das Pferd ſchmerzloſer und beſſer ſtehen und gehen, als zu⸗ vor, und die künſtlich erregte Entzündung legt ſich ganz von ſelbſt, und ohne weiteres Zuthun. Während der ganzen Kur wird das Pferd in Ruhe gehalten und ſparſam genährt, mit etwas Kleie, Grünfutter ꝛc. Heu und Hafer werden entweder gar nicht, oder doch nur in geringer Menge gegeben. Iſt die Krankheit etwa drei bis vier Tage mit kalten Umſchlägen behandelt, und ſind die Hufeiſen wieder aufgelegt, ſo kann, wenn es geht, das Pferd täglich einmal etwas im Schritte herumgeführt werden; jedoch nur auf weichem Boden, und wenn die Schmerzen des Thieres nicht gar zu hef⸗ tig ſind. Iſt die Hufentzündung von vorn herein überaus heftig, ſo muß das oben angegebene Verfahrentheilweiſe in etwas verſchieden gehandhabt werden. Der allge⸗ meine Aderlaß iſt dann nach achtzehn bis vierundzwan⸗ 373 zig Stunden zu wiederholen, und dafür zu ſorgen, daß ein entſchiedener Durchfall eintritt; ſollte daher die zuerſt gegebene Laxanz nach vierundzwanzig Stunden dieſe Wirkung nicht gehabt haben, ſo iſt ſie ein gleicher oder in etwas geringerer Stärke zu wiederholen. In die ſehr dünn geſchnittene Hufſohle werden mit dem Wirk⸗ oder Rinnmeſſer kleine Einſchnitte gemacht, da⸗ mit hier eine Blutung entſtehe; und an der äußeren Seite des Feſſelgelenkes läßt man zu Ader. Durch dieſe Mittel, wenn ſie zeitig genug angewendet werden, gelingt es in der Regel dem Ausgang in Eiterung oder Brand vorzubeugen; ſind dieſe Zuſtände jedoch eingetreten, ſo iſt meiſtentheils jede Kunſthülfe ohn⸗ mächtig. Geht das Pferd, ſelbſt nach zwei bis drei Wochen, noch blöde und ſchmerzhaft, ſo gebe man daſſelbe auf eine grasreiche, feuchte Weide, oder ge⸗ brauche daſſelbe doch nur auf weichem Boden, etwa im Pfluge, und nicht unbeſchlagen. Mäßige Ringel, welche ſich oft nach längerer Zeit an der Hornwand finden, bringen dem Gange des Pferdes keinen erheb⸗ lichen Schaden; iſt der Huf aber am Zehentheile ein⸗ gefallen, an ſeiner Spitze aufgebogen, und ſtellt er einen Knollhuf dar, ſo iſt der Fehler ſehr bedeutend, und nur ein paſſender Beſchlag und dieſer allein iſt im Stande, ein ſolches Pferd in manchen Fällen noch für einige Dienſte brauchbar zu erhalten. Flach⸗ und Voll⸗ huf ſind ebenfalls nicht zu heilen, wohl aber kann ein paſſender Beſchlag ein damit behaftetes Pferd dienſt⸗ tüchtig erhalten.(Tab. XXVII. Fig. 8.) 117. Rheumatismus beim Nindvieh. Der Rheumatismus tritt beim Rindvieh zuweilen mit Fieber auf, häufiger jedoch ohne daſſelbe; im Allge⸗ meinen wird dieſe Thierart nicht oft von demſelben be⸗ fallen. Die Hauptzeichen offenbaren ſich in der Art der Bewegung des Kranken. Der Gang iſt geſpannt, ſteif und ſchmerzhaft, die Gelenke laſſen dabei häufig ein knackendes Geräuſch wahrnehmen. Das Thier iſt weni⸗ ger munter als ſonſt; Ohren, Hörner und Beine ſind kalt, der Hals hat eine auffallende Steifigkeit und Un⸗ biegſamkeit, der Appetit und das Wiederkäuen ſind ver⸗ ringert, ſelten jedoch ganz verſchwunden. Hat die Krankheit einen höheren Grad von Heftigkeit, und iſt Fieber damit verbunden, ſo erſcheint das Thier auch kränker; Appetit und Wiederkäuen fehlen dann oft gänzlich, der Miſt geht ſelten und ſehr hart ab, Augen und Maulhaut zeigen eine vermehrte Röthe, im Maule, an den Ohren und Hörnern iſt die Wärme erhöht. Zuweilen zeigt ſich eine Entzündung der 374 117. Rheumatismus beim Rindvieh. Klauen, welche dann ſo ſchmerzhaft ſind, daß das Thier nur mit Mühe gehen und ſtehen kann, und des⸗ halb meiſtens liegt. Alle Bewegungen ſind ungelenk und ſteif, und mitunter bilden ſich, beſonders an den Gelenken der Beine, mehr oder weniger große Ge⸗ ſchwülſte. Die Erkenntniß der Krankheit iſt gewöhn— lich nicht ſo leicht; es muß genau unterſucht werden, ob nicht irgend eine andere Krankheit als der Rheuma⸗ tismus zugegen iſt, denn ſonſt kann ſehr leicht eine nachtheilige Verwechſelung entſtehen. Die Dauer iſt verſchieden; der fieberhafte Rheu— matismus kann unter günſtigen Umſtänden in ſechs bis zehn Tagen gänzlich beſeitigt ſein; iſt derſelbe aber vernachläſſigt oder fehlerhaft behandelt, ſo kann er langwierig werden, und, wie der fieberloſe Rheumatis⸗ mus, ſelbſt mehrere Monate dauern. Gewöhnlich iſt eine Erkältung die Urſache der Krankheit;— beſonders leicht erfolgt dieſe im Frühjahr und Herbſte, bei rauher und ſehr unbeſtändiger Witte⸗ rung. Je jünger, kräftiger und fetter das Rind iſt, um ſo leichter entſteht die Krankheit in Begleitung von Fieber. Gefahr bringt die Krankheit nicht mit ſich, weshalb mit Sicherheit auf die Heilung gehofft wer⸗ den kann; aber manchmal iſt das Uebel langwierig; es können Verwachſungen der Gelenke ꝛc. entſtehen, wobei das Thier dann ſehr herunterkommt, ſteif und lahm geht ꝛc.— Bei der Kur iſt vornämlich zu berückſichtigen, ob Fieber vorhanden iſt, oder nicht. Im erſteren Falle macht man, je nach dem Zuſtande des Thieres, einen Aderlaß von zehn bis vierzehn Pfunden Blut, und giebt innerlich drei⸗bis vierſtündlich Salmiak und Sal⸗ peter, von jedem ein Loth, Glauberſalz acht Loth, in der erforderlichen Menge Waſſer aufgelöſt, und ſo lange fort, bis ein dünnes Miſten oder auch ein entſchiede⸗ ner Durchfall eintritt. Sind die Klauen bedeutend ergriffen, ſo werden ſie mit Heede umhüllt, und dieſe ſelbſt oft mit kaltem Waſſer befeuchtet; ſteht das Thier noch, und ohne ſonderliche Schmerzen, ſo kann man daſſelbe in einen dünnen Brei von Kuhmiſt ſtellen. Auch im andern Falle, wenn die Krankheit ohne alles Fieber auftritt, kann man mit Vortheil, je⸗ doch nur bei wohlgenährten, kräftigen Stücken, einen Aderlaß machen, der jedoch nur etwa ſechs bis zehn Pfund zu betragen braucht. Innerlich giebt man fol⸗ gendes Mittel: Sechs Loth Wachholderbeeren und ebenſoviel Arnikablumen werden mit zwei Quart ko⸗ chendem Waſſer übergoſſen, nach einer Stunde wird der Aufguß durchgeſeihet, und die ganze Portion im Laufe eines Tages, und in Zwiſchenräumen von drei zu drei Stunden, lauwarm eingegoſſen. Werden in der Flüſ⸗ ſigkeit drei bis vier Quentchen Brechweinſtein aufge⸗ löſt, ſo iſt das Mittel noch wirkſamer. Gegen die all⸗ gemeine Steifigkeit des Körpers wird dieſer ſehr oft mit Strohwiſchen und ſteifen Bürſten frottirt; nebenher werden Rücken und Beine täglich zweimal mit einem Gemiſche aus gleichen Theilen Terpentinöl und Kam⸗ pherſpiritus eingerieben. Zum Futter dienen warme Brühtränke, gekochte Kartoffeln und nur wenig Heu. Weicht das Uebel bei dieſer Behandlung in etwa acht bis zehn Tagen nicht, ſo wird der Aderlaß wiederholt, und innerlich ein Loth Brechweinſtein, drei Loth Sal⸗ miak und ein halbes bis dreiviertel Pfund Glauberſalz in dem oben genannten Aufguß während eines Tages eingegeben. Derſelbe wird am zweiten und ſelbſt am dritten Tage wiederholt, wenn ſich keine Beſſerung zeigt, und nicht bereits ein Durchfall eingetreten ſein ſollte. Zeigt ſich in den nächſten acht Tagen, ſelbſt bei dem Gebrauche des letzteren Mittels, noch keine ſicht⸗ liche Abnahme der Krankheit, ſo werden drei Quent⸗ chen Kampher in zwei Loth Terpentinöl aufgelöſt, dem mehrgenannten Aufguß zugeſetzt und auf zweimal und in einem Tage eingegoſſen. In die fleiſchigen Theile der Schenkel, ſo wie in die Rückenmuskeln, macht man mit der Fliete zahlreiche Einſtiche, und reibt dann an dieſe Stelle eine Miſchung aus zwei Loth Canthari⸗ denpulver, Salmiakgeiſt und Terpentinöl, von jedem ſechs Loth, zwei bis dreimal ein. Während der Kur wird das Thier ſo warm wie nur immer möglich gehalten, mit einer wollenen Decke belegt, mit reichlicher, trockener und weicher Streu ver⸗ ſehen. Zeigen die etwa vorhandenen Geſchwülſte eine ſchwappende Weichheit, ſo wird die in ihnen enthal⸗ tene Flüſſigkeit durch einen Einſtich mit dem Meſſer entleert; iſt die Geſchwulſt hart, heiß und entzündet, ſo wird ſie mit lauwarmen Brühen öfters gebähet, iſt aber die Geſchwulſt etwa kühl und ſchmerzlos, ſo reibt man ſie mit einer ſcharfen Salbe ein, oder zieht ein Haarſeil durch dieſelbe, oder man brennt ſie mit dem glühenden Eiſen. 118. Rheumatismus bei Schweinen. 118. Rheumatismus bei Schweinen. Das Schwein wird von dieſer Krankheit nicht oft befallen; ſeine dicke, mit Speck verſehene Haut ſchützt daſſelbe, wie es ſcheint, gegen Erkältungen beträcht⸗ lich, dagegen kommt das Uebel häufiger nach dem Ge— nuſſe gewiſſer Futterarten zum Vorſchein. Das erkrankte Schwein hat einen ſteifen, geſpannten Gang, ſetzt da⸗ bei die Hinterfüße weit unter den Leib, krümmt den Rücken, und ſchwankt im Hintertheile; manchmal er⸗ ſcheint das Thier ſogar wie kreuzlahm. Das Schwein liegt, der Schmerzen wegen, faſt beſtändig, es rührt ſich nur ungern von der Stelle und grunzt oft. Häufig ſind die Klauen heiß und entzündet, und bei einem auf ſie angebrachten Drucke ſehr empfindlich. Maul und Naſe, ſo auch die Augen, ſind röther als ge— wöhnlich, erſtere auch wärmer. Der Miſt geht ſelten und ſehr hart ab; der Appetit iſt vermindert, dagegen der Durſt vermehrt. Häufig erfolgt die Heilung durch Hunger allein; es geht häufig Koth ab, und die Stei⸗ figkeit der Gliedmaßen verliert ſich nach und nach. Iſt die Krankheit ſehr heftig, und mit Fieber verbunden, ſo leidet das Schwein ſtärker, und oft bleibt zeitlebens ein lahmer, ſteifer Gang zurück. Die Urſachen beſtehen in der ſpecifiſchen Beſchaf⸗ fenheit der Futterſtoffe. Wird ein bis dahin nur dürf⸗ tig, etwa mit Grünfutter, ernährtes Schwein plötzlich mit Körnerfutter ſehr reichlich ernährt, ſo erzeugt die— ſer jähe Uebergang zuweilen die Krankheit. Auch das Saufen ſehr kalten Waſſers bei durch weite Märſche in heißer Jahreszeit erhitztem Körper hat dieſelbe Folge. Desgleichen kann ſie bei Stoppelhutung in ſchlech⸗ tem, naßkaltem Wetter zum Vorſchein kommen. Im Allgemeinen iſt der Rheumatismus der Schweine mit keiner ſonderlichen Gefahr verbunden; manchmal kann jedoch wirkliche Kreuzlähme darnach entſtehen, ſo auch Verkrüppelung und dauernde Lahm⸗ heit einzelner Gelenke. Die gelinderen Fälle heilen, wie ſchon oben bemerkt, von ſelbſt, und dieſes um ſo leichter, wenn die fernere Einwirkung der veranlaſſen⸗ den Schädlichkeiten fern gehalten wird. Man halte das Thier in einem warmen, trockenen Stalle auf reichlicher Streu, und füttere daſſelbe mäßig, mit Vermeidung von Körnerfutter. Schneller und ſicherer erreicht man den Zweck der Heilung auf nachſtehende Art. Zuerſt giebt man ein Brechmittel aus gepulverter, weißer Nießwurzel, oder zehn bis zwanzig Gran Brechwein⸗ ſtein, trocken auf die Zunge geſchüttet. Oft reicht die dadurch herbeigeführte Entleerung des Magens allein ſchon aus, um alle Krankheitszeichen zu beſeitigen. Iſt dieſes nicht der Fall, ſo giebt man eine Laxanz aus zwei bis vier Loth Glauberſalz in Waſſer aufge⸗ löſt, welchem Mittel man, wenn Fieber und heißer Rüſſel vorhanden, ein halbes bis ein Quentchen Sal⸗ peter zuſetzen kann. Zeigen ſich etwa Kolikzufälle, ſo giebt man das Mittel mit ſtarken Kamillenthee, und macht außerdem einen Aderlaß. Sind die Klauen ent⸗ zündet, ſo daß das Thier nur unter heftigen Schmer⸗ zen ſtehen und gehen kann, ſo treibe man daſſelbe täglich einige Stunden auf eine kothige oder moraſtige Stelle; oder— will man ſich die Mühe geben— ſo ſchlage man die Klauen in Kuhmiſt ein, der dann öfters be⸗ goſſen werden muß, und zwar mit möglichſt kaltem Waſſer. Wird dieſe Kur vier bis ſechs Tage fortgeſetzt, ſo iſt die Krankheit meiſtens gehoben. Bleibt das Schwein noch längere Zeit ſteif, ſo giebt man von Zeit zu Zeit, etwa alle acht Tage, ein Brechmittel, und reibt die ſteifen Schenkel täglich einigemale mit gleichen Theilen Terpentinöl und Kampherſpiritus ein. Gegen etwa vorhandene Kreuzlähme wendet man die ſcharfe Salbe oder das Glüheiſen an. Sind die Klauen durch die vorhanden geweſene Entzündung ungebühr⸗ lich verlängert oder verunſtaltet, ſo bringt man ſie mit dem Meſſer in die natürliche Form. Ruhe, knappes Futter, z. B. Kleienwaſſer, dünne Brühtränke, Kar⸗ toffeln ꝛc. begünſtigen die ſchnelle und gründliche Heilung. 376 119. Rheumatismus beim Hunde. 120. Verbaͤllen der Klauen. 119. Rheumatismus beim Hunde. Der Hund iſt überaus zu verſchiedenen rheumati⸗ ſchen Affektionen geneigt, ſie zeigen ſich an den ver⸗ ſchiedenſten Körperſtellen und unter der verſchiedenſten Geſtalt. Erkältung iſt die gewöhnlichſte Urſache. Ver⸗ zärtelte Stubenhunde, wenn ſie plötzlich der Näſſe und rauhen Witterung ausgeſetzt werden, dann auch auf der Jagd ſehr erhitzte Hunde, wenn ſie kaltes Waſſer ſaufen oder in daſſelbe eintauchten, leiden am öfterſten am Rheumatismus. Gewöhnlich werden die Schenkel oder nur der eine oder andere davon befallen; die kranken Schenkel ſchwellen dabei nicht ſelten an, und der kranke Hund kann kaum von der Stelle. Iſt vor⸗ zugsweiſe das Hintertheil ergriffen, ſo geht der Hund wie kreuzlahm, wackelnd; er ſchreit, wenn er laufen, beſonders eine Treppe hinangehen ſoll, hält das Kreuz ſteif, und hat Fieber, heiße Naſe c. Betaſtet man die pefallenen Theile etwas derb, ſo ſtößt der Hund einen Schrei aus. Manchmal leiden gleichzeitig, oder für ſich allein, auch die Vorderſchenkel und ſelbſt der ganze Rumpf. Sehr alte Hunde werden häufig von einer beſonderen Art des Rheumatismus, der Gicht, befallen; ſie können nur ſteif und mit Beſ chwerde gehen, und haben oft heiße und geſchwollene Gelenke. Manchmal heilt der Rheumatismus von ſelbſt, oft iſt er aber ſehr hartnäckig, ſelbſt bei einer paſſen⸗ den Behandlung; Hunde, die einmal an ihm gelitten haben, erkranken ſehr leicht, ſelbſt auf geringe Veran⸗ laſſung, aufs Neue daran. Für alle Fälle ſind Ruhe, warmes Verhalten und eine ſehr knappe Fütterung an⸗ gemeſſen. Iſt die Krankheit gelinde, ſo waſche man die befallenen Theile täglich einige Male mit erwärm⸗ tem Kampherſpiritus, und gebe innerlich täglich drei⸗ bis viermal einen Eßlöffel voll Thee oder Leinöl, bis ein weicher Miſt abgeht. Iſt Verſtopfung vorhanden, und das Uebel heftiger, ſo gebe man, großen und— ſtarken Hunden, folgende Laxanz: Kalomel vier Gran, Aloe ein Quentchen, mit Butter zur Pille gemacht. Eine ſolche Pille wird von acht zu acht Stunden wie⸗ derholt, bis Laxiren erfolgt. Zur ſchnelleren Beförde⸗ rung deſſelben kann man auch oft wiederholte Kly⸗ ſtire aus Salz, Seife und warmem Waſſer ſetzen. Von Zeit zu Zeit giebt man ſpäter den Thran in gro⸗ ßen Gaben. Sehr heilſam zeigen ſich in dieſer Krank⸗ heit die lauwarmen Bäder; man hält den Hund funf⸗ zehn bis zwanzig Minuten in denſelben, reibt ihn nachher trocken, hüllt ihn in eine warme Decke, und legt ihn an einen recht warmen Ort. Alle ein bis zwei Tage wird ein ſolches Bad wiederholt. Iſt die Krankheit ſchon veraltet, ſo iſt ſie oft ſehr hartnäckig; ein Eiterband an den leidenden Theilen applicirt, ſelbſt das Glüheiſen, ſind dann zuweilen er⸗ forderlich. Auch die ſcharfe Salbe und ein Pechpflaſter ſind manchmal heilſam, doch müſſen vor ihrer An⸗ wendung die Haare des Theiles ſo kurz als möglich abgeſchoren werden. Vielleicht ſind auch kalte Sturz⸗ bäder von Nutzen; es müßte dann aber der Hund gleich nachher, wie bei den warmen Bädern, ſehr ſorg⸗ fältig trocken gerieben und, in wollene Decken gehüllt, an einen ſehr warmen Ort gelegt werden. Gegen die Gicht ſehr alter Hunde giebt es kaum ein Mittel. Mäßige Fütterung, warmes Verhalten, von Zeit zu Zeit eine Abführung— iſt faſt Alles, was hier geſchehen kann. 120. Das Verbällen beſteht in einer einfachen Entzün⸗ dung, welche meiſtens durch anhaltendes Gehen oder Laufen erzeugt wird, zumal wenn dieſes auf hartem und unebenem Boden ſtatt hatte. Verbällen der Klauen. a. Verbällen beim Rindvieh. Die Klauen ſind mehr oder weniger heiß, entzündet und ſchmerz⸗ haft; das Thier tritt, beſonders auf hartem Boden, ſchmerzhaft auf, geht blöde und zaghaft, ähnlich als —— 121. bei der Klauenſeuche. Im Stehen hebt es die kranken Füße wechſelweiſe auf, die Klauen ſtehen weiter aus— einander als ſonſt, und drückt man dieſelben mit einer gewiſſen Kraft zuſammen, ſo verräth das Thier durch eine zuckende Bewegung Schmerzen. Das Verbällen entſteht durch anhaltendes Gehen auf trocknen, ſteinigen und harten Wegen; daher beim Transporte auf Reiſen, bei weiten Maͤrſchen zur Trift oder zur Arbeit ꝛc. Die Heilung iſt leicht zu bewirken. Man gönne dem Thiere Ruhe, und ſtelle daſſelbe bis an die Knie ins Waſſer, oder bis über die Klauen in einen feuch— ten Brei aus Kuhmiſt; oder man treibe das Thier auf eine ſumpfige Weide ꝛc. Welches Verfahren man auch wählen möge, immer kommt es darauf an, die Klauen feucht und kühl zu halten. Iſt die Klauenentzündung heftig, ſo kann man auch einen Aderlaß von ſechs bis zehn Pfund Blut machen, und eine Laxanz aus einem halben bis einem Pfund Glauberſalz geben; nebenher kann man in die Krone der Klaue kleine Meſſerein⸗ ſchnitte machen, ſo daß hier eine reichliche Blutung erfolgt. In wenigen Tagen wird die Heilung erfolgt ſein. Sollte ſich Eiterung in einer oder der anderen Klaue zeigen, ſo erfolgt dieſe meiſtens am Saume der Krone oder an den Ballen; man ſorge dann nur da⸗ für, daß der Eiter freien Abfluß habe, ſchneide das loſe Horn weg, und überlaſſe die Heilung der Natur. Muß das Thier weite Märſche machen, oder oft und weit auf hartem Boden gehen, ſo muß daſſelbe mit Eiſen beſchlagen werden. Milchdruͤſenverhaͤrtung beim Hunde. 377 b. Verbällen beim Schafe. Wenn Schafe im Winter lange Zeit in einem vielleicht kothigen Stalle geſtanden haben, oder in anderer Jahreszeit anhaltend auf feuchtem Boden gehütet wurden, ſo er— weichen die Klauen mitunter ſo ſehr, daß ſie leicht ver⸗ bällen, wenn ſolche Schafe einen weiten Marſch auf gefrornem oder anderem harten Boden zu machen haben. Die Kur iſt dann der beim Rindviehe ganz gleich. c. Verbällen bei Schweinen. Auch dieſes Hausthier wird zuweilen von der einfachen Klauenent— zündung befallen. Das Thier geht ſchmerzhaft, und es ſind an den Klauen faſt alle die Erſcheinungen als bei der gutartigen Klauenſeuche vorhanden. Die Ur⸗ ſachen ſind dieſelben als beim Verbällen der Schafe, und auch die Kur iſt auf dieſelbe Weiſe zu leiten. d. Verbällen beim Hunde. Es kommt zu⸗ weilen, zumal bei Jagdhunden, vor, daß ſie die Bal— len wund laufen, und dann einen ſehr ſchmerzhaften Gang habenz die Klaue iſt erhitzt und angeſchwollen, und der Hund liegt dann faſt beſtändig. Um dieſes unbedeutende Uebel recht ſchnell zu beſeitigen, nimmt man das Gelbe von zwei ECiern, miſcht unter daſſelbe etwas Weineſſig und Kienruß, beſtreicht mit dieſem Mittel ein Stückchen Leinwand, und umgiebt damit die kranke Klaue. Damit der Hund den Verband nicht abreiße, legt man ihm einen Maulkorb an. Ein ſol— cher Verband wird täglich zweimal erneuert, und der Hund in völliger Ruhe gehalten, wo dann in wenigen Tagen die Heilung erfolgt ſein wird. 121. Es kommt bei Hündinnen, beſonders wenn ſie ſchon Junge gehabt haben, ſehr oft vor, daß ſich eine Verhärtung in den Milchdrüſen bildet, die oft in ein offenes Krebsgeſchwür ſich verwandelt. Bei manchen Hündinnen entſtehen ein oder mehrere Knoten in den genannten Drüſen, welche jedoch von weiter keinem Nachtheile ſind, und deshalb keine ſonderliche Berück— ſichtigung erheiſchen. Anderemale ſind dieſe Drüſen— geſchwülſte aber krebsartig und dann ſehr übel; eine ſolche Geſchwulſt iſt hart und höckerig; ſie wird bald Wagenfeld, Encyel. Milchdrüſenverhärtung beim Hunde. größer, die ſie überziehende Haut wird bleich oder bläulichroth, und die Venen der Nachbarſchaft erſchei⸗ nen ausgedehnter als ſonſt. Später bilden ſich kleine Blaſen auf der Geſchwulſt, welche eine ſtinkende, ſcharfe, dünne Flüſſigkeit entleeren; dieſe Abſonderung dauert unaufhörlich fort. Der Hund leckt meiſtens an den wunden Stellen, das Geſchwür wird nach und nach größer, der Hund magert zuletzt ab und krepirt endlich an dieſer Krankheit. Bei männlichen Hunden zeigt ſich det Krebs zu⸗ 378 122. weilen in den Hoden; dieſe erſcheinen dann hart, ge— ſchwollen, der Hodenſack iſt geſpannt und glän⸗ zend. Nicht ſelten wird auch der Penis von krebsarti⸗ gen Auswüchſen befallen; es geht dann oft eine blu⸗ tige Flüſſigkeit aus der Vorhaut ab, der Penis ſchwillt an, und endlich kann der Tod die Folge des Uebels ſein. Eine Zertheilung der Milchdrüſenverhärtung und des Krebſes gelingt nur ſelten, und ſchon deshalb nicht leicht, weil der Hund das Arzneimittel gewöhnlich ab⸗ leckt. Das ſchnellſte und einfachſte Verfahren bleibt deshalb die Operation derſelben; man durchſchneidet Abſchlagen des Schwanzes und der Ohren beim Hunde. die Haut auf dem Knoten, und ſchält dieſen mit dem Meſſer vorſichtig aus. Die Hautwunde kann man mit einigen Heften zuſammennähen, worauf die Heilung der Wunde von ſelbſt erfolgt, oder durch die einfach— ſten Mittel. Krebſige Hoden entfernt man durch die Kaſtration. Krebsgeſchwülſte am Penis werden fort⸗ geſchnitten, und der operirte Theil mit gleichen Thei⸗ len eines Pulvers aus rothem Präcipitat und gebrann⸗ tem Alaun beſtreut, täglich einmal, und etwa ſechs Tage hindurch. Hilft dieſes nichts, ſo muß der ganze Penis mit dem Meſſer entfernt werden. 122. Abſchlagen des Schwanzes und der Ohren beim Hunde. Wenn Hunde zwei bis drei Wochen alt ſind, wird ihnen, zu vermeintlicher Verſchönerung, häufig der Schwanz geſtutzt. Bei kleinen und feinen Hunden ſchneidet man den dazu beſtimmten Theil des Schwan⸗ zes mit der Scheere ab; iſt der Hund groß und viel— leicht ſchon älter, ſo ſcheert man an der Amputations⸗ ſtelle einen Theil der Haare ringförmig fort, gieht dem Schwanze eine feſte Unterlage auf irgend einem Brete oder anderem Holze, ſetzt ein ſcharfes und ſtarkes Meſ⸗ ſer auf die Stelle, und giebt dann auf den Meſſer⸗ rücken einen ſtarken Schlag mit der Hand. Wo mög⸗ lich ſuche man das Meſſer ſo auf die Schwanzrübe zu ſetzen, daß der Schnitt gerade zwiſchen zwei Wirbeln hindurchgeht. Die nachfolgende Blutung iſt nie ſo be— deutend, daß ſie nicht von ſelbſt aufhörte. Außer dem Schwanze werden auch öfters die Oh⸗ ren durch Stutzen verkürzt; je nach der Laune des Be⸗ ſitzers mehr oder weniger. Will man das Ohr dicht am Kopfe abnehmen, welches übrigens von beiden Methoden die tadelnswertheſte iſt, ſo kann man den, höchſtens einige Tage alten, Hund am Grunde beider Ohren faſſen, und ihn mit Gewalt um ſich herum⸗ ſchwenken— ein grauſames und ſchlechtes Verfahren. Beſſer iſt das Abſchneiden der Ohren, und zwar mit der Scheere; man ſchneidet mit Einem Schnitte ſo viel von der Ohrmuſchel weg, als man will, ſchlägt: den abgeſchnittenen Theil der Ohrmuſchel verkehrt auf die andere Ohrmuſchel, und ſchneidet von dieſer nach dem aufliegenden Maße ebenfalls den erforderlichen Theil hinweg. Die nachfolgende Blutung bedarf keiner weiteren Beachtung. 123. Alter des Rindviehs zu erkennen.(Tab. XXIX. XXX.) Wie bei allen anderen Hausthieren, ſo geben der Wechſel und die Beſchaffenheit der Schneidezähne das ſicherſte Mittel zur Erkenntniß des Lebensalters des Rindes ab. Es finden ſich beim Rinde nur Schneide⸗ zähne im Unterkiefer, und zwar acht an der Zahl; im Oberkiefer fehlen die Schneidezähne, auch ſind keine Hakenzähne vorhanden. Die beiden mittelſten Schnei⸗ dezähne heißen Zangen; die beiden nächſten jederſeits, 123. Alter des Rindviehs zu erkennen. 379 erſte Mittelzähne; die folgenden beiden jederſeits, zweite Mittelzähne, und endlich die beiden letzten jederſeits, Eckzähne. Sämmtliche Schneidezähne fal⸗ len in verſchiedenen Lebensepochen aus, und werden durch neue Zähne erſetzt; die erſteren heißen Milch— zähne, die ſpäteren bleibenden aber Erſatzzähne. Ei⸗ nige Tage nach der Geburt kommen beim Kalbe die Milch⸗Zangen hervor, und ſo nach und nachmehrere, bis in vierundzwanzig bis achtundzwanzig Tagen nach der Geburt alle Milch-Schneidezähne vorhanden ſind (Tab. XXIX. Fig. 1.). Iſt das Kalb ſechs bis ſie— ben Monate alt, ſo erſcheinen die Kronen der Zangen⸗ zähne bedeutend abgeſchliffen(Fig. 2.), und ſo geht das nach und nach mit den übrigen Schneidezähnen fort, bis nach funfzehn bis achtzehn Monaten die Kro⸗ nen ſämmtlicher acht Schneidezähne faſt bis auf die Wurzel abgenutzt erſcheinen(Fig. 3.). Iſt das Rind achtzehn bis zwanzig Monate alt, ſo kommen die Zan⸗ gen⸗Erſatzzähne zum Vorſchein(Fig. 4.); die erſten Erſatz⸗Mittelzähne nach zwei und einem halben Jahre; die zweiten Erſatz⸗Mittelzähne nach drei und einem hal⸗ ben Jahre, und die Erſatz⸗Eckzähne endlich nach vier und einem halben Jahre. Mit dem fünften Jahre ſind alle Erſatz⸗Schneidezähne vollſtändig ausgebildet vor⸗ handen(Fig. 5.). Nach und nach beginnt nun auch an den Kronen dieſer bleibenden Zähne die Abſchlei— fung, und ſie erfolgt, wenn auch nicht ſo auffallend, in derſelben Art und Reihenfolge, als an den Milch⸗ zähnen. Die anfangs ſcharfrandigen Kanten der Zahn⸗ krone werden ſtumpfer, und der Quer⸗Durchmeſſer, der Anfangs überwiegend war, wird immer geringer; die Kronenfläche wird, ganz wie beim Pferde, immer mehr der dreieckigen Geſtalt zugeführt. Fig. 6. iſt das Ge⸗ biß eines ſiebenjährigen Rindes; die Zahnkronen ſind ſchon bedeutend kürzer, ſtumpfer und dreieckiger, als beim fünfjährigen Rinde in Fig. 5. Zuletzt werden die Kronen faſt gänzlich abgerieben, ſo daß nur noch die Stumpfe der Wurzeln, welche im ſehr hohen Alter ſogar ganz ausfallen, übrig bleiben; Fig. 7. ſtellt das Gebiß eines zehnjährigen Rindes dar. Außer an den Zähnen beſtimmt man das Alter des Rindes auch wohl nach der Beſchaffenheit der Klauen und der Hoͤrner; indeſſen iſt dieſes ſehr un⸗ ſicher und weit weniger zuverläſſig, als mit den Zäh⸗ nen. Man bemerkt im Allgemeinen, daß die Klauen um ſo kürzer und glatter ſind, und ihre Wand um ſo ſenfrechter hinabſteigt, je jünger das Rind iſt; daß dagegen die Klauen um ſo länger und auf ihrer Ober⸗ fläche runzlicher werden, je älter das Thier iſt; die Klauenſpitze nimmt dann gewöhnlich eine aufwärts gekehrte Richtung. Wenn man nun auch im Allgemei⸗ nen annehmen kann, daß Rinder mit ſehr langgewach⸗ ſenen Klauen nicht mehr jung ſein können, ſo läßt ſich daraus doch das wahre Lebensalter kaum einigerma⸗ ßen ſicher beſtimmen. Es leuchtet ein, daß Zufällig⸗ keiten, Dienſtgebrauch ꝛc. des Rindes hier ſehr große Verſchiedenheiten hervorbringen müſſen. Arbeitsochſen, Handelsvieh und Rinder, die vielleicht oft zu fernen Weiden getrieben werden, müſſen nothwendig die Klauen mehr abſchleifen, als etwa Kühe, die fort⸗ während im Stalle gehalten werden, bei denen faſt gar kein Horn abgenutzt wird; ſo daß Erſtere ſehr kurze, Letztere aber ſehr lange Klauen haben können, obgleich das Alter bei Allen daſſelbe ſein kann. Mehr Sicherheit in Betreff der Beſtimmung des Alters ge— währt die Betrachtung der Hörner. Man bemerkt näm⸗ lich, daß das Horn um ſo kürzer und gerader iſt, je jünger das Thier; bis zum dritten Jahre erſcheint das Horn auf ſeiner Oberfläche eben und glatt. Iſt das Thier aber gegen vier Jahre alt, ſo bildet ſich am un⸗ tern Ende des Horns eine Erhabenheit, welche das Horn in Form eines Ringes umgiebt(Tab. XXX. Fig. 1.); mit jedem folgenden Jahre zeigt ſich ein Ring mehr, ſo daß die Anzahl der Ringe, mit der Zahl 3 addirt, ſo ziemlich genau das Alter des Thie⸗ res angiebt. Anfangs ſtehen die Ringe in großer Entfernung von einander; im höheren Alter ſtehen ſie dagegen immer gedrängter, ſo daß ſie leicht in einan⸗ der fließen, wo dann das Alter nicht mehr mit Sicher⸗ heit zu beſtimmen iſt. Das Horn wird nach und nach immer länger; aber vom neunten bis zehnten Jahre an wird der Nachwuchs der Hornmaſſe dünner, ſo daß am Horne ein knollenartiger Abſatz entſteht(Fig. 2. ein zehn⸗bis elfjähriges Rind). Anmerkung. Die Schneidezähne beim Rinde ſitzen nie ganz feſt, wie bei den übrigen, nicht wieder⸗ käuenden, Hausthieren, denn ihre Wurzel ſteckt nur locker in den Zahnhöhlen, und wird vorzüglich nur durch das Zahnfleiſch feſtgehalten. Mitunter ſitzen aber die Zähne unnatürlich locker, ſo daß das Thier dadurch mehr oder weniger am Freſſen, beſonders auf der Weide, gehindert wird; oft iſt eine Krankheit oder ein allgemeiner Schwächezuſtand des Thieres die Ur⸗ ſache dieſes bedeutenden Fehlers. NWebefe der Haupt⸗ — 380 124. Durchfall und Ruhr. kur kann man dann mit einigem Erfolge den Zähnen eine größere Feſtigkeit geben, wenn man das Zahn⸗ fleiſch von Zeit zu Zeit mit einem Gemiſche aus glän⸗ zendem Ofenruß und Kochſalz, zu gleichen Theilen, trocken mit der Hand reibt, und zwar ziemlich ſtark, damit ein mäßiger Reiz darnach entſteht. Staͤtt des Kochſalzes kann man ſich mit größerem Nutzen des gepulverten Alauns bedienen. 124. Durchfall und Ruhr. Entleert ein Thier ungewöhnlich oft einen auffal— lend dünnen, wäſſerigen Koth, ſo nennt man dieſes einen Durchfall; iſt die Entleerung mit ſtarkem Drän⸗ gen und großem Reize im After und Maſtdarme ver⸗ bunden, und ſind die abgehenden Flüſſigkeiten mit Blut gemiſcht, alſo geröthet, oder beſtehen ſie aus einem weißen Schleime, ſo nennt man das Uebel im erſtern Falle die„rothe“ im zweiten die„weiße“ Ruhr. a. Durchfall beim Pferde. Gewöhnlich eut⸗ ſteht ein häufiges Kollern im Leibe und der Abgang von Winden. Anfangs hat der Koth noch die gewöhn— liche Apfelform, doch ſind die Kothballen mit Schleim, ſpäter mit einer wäßrigen Feuchtigkeit überzogen; nach und nach wird der Koth breiig, wie Kuhmiſt, ſpäter noch dünner, faſt wie Waſſer, und bei der Entleerung wird er oft in einem Strahle weggeſpritzt. Schweif und Hinterſchenkel erſcheinen dann von dünnem Kothe beſudelt. Meiſt iſt der abgehende Koth geruchlos, zu⸗ weilen aber auch von ſäuerlichem oder widrigem Ge⸗ ruche; es finden ſich in ihm viel unverdaute Futter⸗ ſtoffe, z. B. unzerkleinerte Körner. In vielen Fällen ſind ſonſt keine weiteren Krankheitserſcheinungen zuge⸗ gen; das Pferd frißt gut, iſt munter ꝛc. Manchmal jedoch zeigt ſich das Pferd auch im Allgemeinen krank; es frißt ſchlecht, hat Leibſchmerzen und kolikartige Zu⸗ fälle, großen Durſt; es geht nur wenig Urin ab, Haut, Ohren und Beine ſind trocken und kühl, die Zunge welk. Die Dauer des Durchfalls iſt verſchieden, er kann von zwölf bis achtzehn Stunden, bis zu meh⸗ reren Wochen, ſelbſt Monaten anhalten. Gewöhnlich geht der Durchfall in Geneſung über; der Koth wird nach und nach feſter, und erlangt dann zuletzt ſeine gewöhnliche Apfelform wieder. In einigen Fällen, wenn Leibſchmerzen oder Kolikzufälle ſich zeigen, kommt aber mitunter ein Fieber hinzu, die Krankheit geht in Entzündung der Gedärme und durch dieſe, im ungün⸗ ſtigen Falle, in den Tod über. Bei der Sektion des Kadavers findet man dann beſonders die innere Haut der Gedärme, alſo die Schleimhaut, roth, verdickt und mehr oder weniger entzündet. Gewöhnlich liegt die Urſache des Durchfalls in der beſonderen Beſchaffenheit des Genoſſenen, oder in Erkältung. Der Genuß von Grünfutter aller Art, von Kartoffeln, Rüben, Möhren ꝛe. hat faſt jedesmal einen Durchfall zur Folge, wenn das bisher gegebene Futter trocken war, und etwa aus Heu, Hafer, Stroh ꝛc. beſtand. So bekommt das Pferd, wenn es im Frühjahre aus dem Stalle auf die Weide gegeben wird, faſt jedesmal einen Durchfall. Auch ſalzige, ſauere, verdorbene Futterſtoffe, bereiftes Gras, Kleie, Treber ꝛc. haben denſelben Erfolg; nicht minder ſehr kaltes Geſöff. Verſchiedene Laxirmittel, z. B. Aloe und Calomel, gehören ebenfalls hierher. Häufig ent⸗ ſteht der Durchfall durch plötzliche Erkältung. Viele langwierige und hitzige Krankheiten ſind gegen ihr Ende hin mit einem Durchfalle verbunden. Es haben manche Pferde eine große Neigung zum Durchfalle, ſo daß jede leichte Erkältung und jeder plötzliche Wechſel des Futters bei ihnen einen Durchfall hervor⸗ bringt; junge Pferde ſind demſelben mehr ausgeſetzt, als ältere. Bei der unendlichen Verſchiedenheit der wahren Urſachen und Beſchaffenheit des Durchfalls läßt ſich nicht gut im Allgemeinen etwas über den Grad von Gefahr, den er mit ſich führt, ſagen; die häufigſten Fälle ſind ſo durchaus gefahrlos, daß man ſolchen Durchfällen nicht einmal den Namen einer Krankheit zu geben pflegt. Dieſes iſt faſt bei allen Durchfällen der Fall, welche durch Futter, Geſöff und auch zum Theil aus Erkältung entſtanden ſind. Die Dauer iſt meiſtens ſehr kurz, und die Heilung erfolgt häufig von ſelbſt. Zeigen ſich Kolikzufälle beim Durchfalle, halten dieſe ——————— 124. längere Zeit an, und nehmen ſie an Heftigkeit zu, ſo iſt die Krankheit gefährlich, beſonders wenn ſie durch ſtarke Laxirmittel erzeugt war; ſie endet hier leicht mit einer tödtlichen Darmentzündung. Oft iſt der Durch⸗ fall an ſich nicht gefährlich, aber durch ſehr lange Dauer in ſofern nachtheilig, als das Pferd, ſelbſt bei gutem Appetite und dem beſten Futter, nie recht zu Fleiſch und Kräften kommt. Iſt der Durchfall von einer an⸗ deren Krankheit abhängig, ſo kommt es auf dieſe Krankheit ſelbſt an; Durchfall nach anhaltender Ver⸗ ſtopfung und Kolik iſt wünſchenswerth und heilſam. Uebler Geruch, fieberhafte Zeichen und jede ſchwere innere Krankheit geben dem Durchfalle meiſtens eine bedenkliche Bedeutung. Die Kur hat zunächſt die Aufgabe, die Urſachen wo möglich zu entfernen; meiſtens reicht dieſes zur Kur für ſich allein ſchon aus. Dauert der Durchfall bei Grünfutter ſehr lange Zeit, und zeigen ſich Zu⸗ fälle, welche Beſorgniß erregen, ſo füttere man trock⸗ nes Futter, und halte das Pferd einige Zeit im Stalle und recht warm. Iſt der Durchfall augenſcheinlich aus Erkältung entſtanden, ſo verfahre man wie oben, reibe das Thier öfters mit Strohwiſchen, und belege es mit einer wollenen Decke. Steigert ſich die Krankheit bis zur Kolik, ſo giebt man innerlich ſtarken Thee von Kamillen, Kümmel ꝛc., unter dem Zuſatze von etwa vier Loth Branntwein auf die Bierflaſche voll Thee; außerdem reibt man den Bauch mit Terpentinöl, und macht einen Aderlaß. Die Kur iſt hier dann weſentlich ſo, als bei der Kolik angegeben worden iſt. Wenn der Durchfall Wochen und Monate anhält, ohne daß die⸗ ſes vom Futter herzuleiten wäre, ſo iſt ſeine Heilung oft ſehr ſchwierig. Man giebt dann etwa folgende Latwerge von Zeit zu Zeit ein; Enzianwurzel, Eichen⸗ rinde und Wermuth, von jedem acht Loth, Wachhol⸗ derbeeren zwölf Loth, Mehl und Waſſer ſo viel wie nöthig. Täglich erhält das Pferd vier bis ſechs Spatel voll. Riecht der Koth etwa ſauer, ſo ſetzt man der Latwerge acht Loth gepulverte, weiße Kreide zu. Das Pferd wird warm gehalten und lediglich mit trocknem Futter ernährt; das Geſöff darf nie ſehr kalt ſein. Weicht der Durchfall nach mehreren Wochen nicht, ſo ſetzt man ein Fontanell unter den Bauch, und giebt in jeden Eimer voll Geſöff ein bis zwei Loth Eiſen⸗ vitriol. Auch bei Saugfüllen zeigt ſich nicht ſelten ein Durchfall, welcher öfters gefährlich iſt; Schweif und Durchfall und Ruhr. 381 Hinterſchenkel des Füllens erſcheinen dann mit weißen, graulichen und grünen Exkrementen beſudelt. Manch⸗ mal iſt das Füllen dabei munter und geſund; zuwei— len aber iſt es dabei traurig, ſpringt nicht herum wie ſonſt, hält ſich fortwährend an der Mutter, hat ſtrup— piges Haar ꝛc. Iſt das Füllen ſehr jung, vielleicht erſt wenige Tage alt, ſo wird es von dem Durchfall ſo entkräftet, daß es kaum aufſtehen kann. Manchmal herrſcht der Durchfall unter vielen Füllen, z. B. in Geſtüten, zugleich, und nicht ſelten iſt durch ihn ſchon faſt eine ganze Zuzucht weggerafft worden. Die Ur⸗ ſachen beſtehen vornämlich in Erkältungen, Wechſel des Futters und Geſöffs, Schwäche der Mutterſtute ꝛc. Oft iſt auch die beſondere Beſchaffenheit der Milch der Mutterſtute am Durchfalle des Saugfüllens Schuld. Hat z. B. die Stute, etwa durch plötzlichen Futter⸗ wechſel, einen Durchfall bekommen, ſo wird auch das Füllen leicht davon befallen, ſo auch wenn die Stute erhitzt wurde, und das Füllen, nach vielleicht langer Abweſenheit der Stute, mit großer Haſt und viel ſaugt. Werden viele Füllen in einem Geſtüte zugleich befallen, ſo muß man epidemiſche Einflüſſe als Urſache voraus ſetzen. Die Verhütung des Durchfalles fällt weſentlich mit der Verhütung der Urſachen zuſammen; das ſpe— ciellere Verfahren in dieſer Hinſicht iſt Sache des Züch⸗ ters und Geſtütsmannes, und gehört weniger hierher. Man hält die Stute trocken und warm, im Stalle und bei trocknem Futter; leidet dieſelbe etwa am Durch⸗ falle, ſo ſucht man dieſen durch die vorher angegebe— nen Mittel zu heben. Das Füllen ſelbſt erhält täglich zwei bis dreimal, jedesmal ein Quentchen Kreide mit dem Gelben eines Eies, oder mit etwas Kamillen— thee; den Bauch deſſelben reibt man öfters mit Stroh⸗ wiſchen, dann auch mit erwärmtem Branntwein, ein, und umhüllt ihn mit einer wollenen Decke. b. Durchfall beim Rindviehe. Wie das Pferd, ſo leidet auch das Rind zuweilen am Durchfalle; die Kennzeichen ſind ſo augenfällig, daß es keiner wei— teren Beſchreibung bedarf. Dauert der Durchfall län⸗ gere Zeit, ſo wird das Thier dadurch bedeutend ge⸗ ſchwächt, die Milch vermindert ſich, es magert ab, frißt und wiederkäuet weniger, fällt vom Fleiſche, leidet periodiſch an Aufblähen ꝛc. Der Durchfall kann acht bis vierzehn Tage, unter Umſtänden auch mehrere Mo⸗ nate, und ſelbſt länger anhalten; es hängt dieſes theils von den Urſachen, theils von anderen Umſtänden ab; er kann zu allen Jahreszeiten erſcheinen, und oft über 382 52 124. ganze Heerden ſich verbreiten. Im Frühjahre, wenn das Stallvieh auf die Weide kommt, wird daſſelbe faſt durchweg vom Durchfall ergriffen, als einer Folge vom Wechſel des Stallfutters mit der Weide. Hier iſt er aber in der Ordnung, und nicht wohl eine Krank⸗ heit zu nennen. Im Laufe des Sommers entſteht er ebenfalls zuweilen durch den Genuß beſonderer Fut⸗ terarten, mehr aber noch durch Erkältung, bei anhal⸗ tend naſſem und kühlem Wetter. Im Winter kommt er häufig nach gefrornen oder angefaulten Kartoffeln und anderen Knollengewächſen vor. Außerdem iſt der Durchfall zuweilen ein Symptom oder eine Folge an⸗ derer Krankheiten. Im Allgemeinen iſt der Durchfall eine leichtere Krankheit, welche in kurzer Zeit von ſelbſt, oder durch diätetiſche, oder gelinde Arzneimittel zu heben iſt. Entſteht der Durchfall im Frühjahre bei dem erſten Weidegange unter einer Heerde, ſo iſt ſeine Heilung gänzlich der Natur zu überlaſſen; in einigen Tagen verſchwindet er in der Regel von ſelbſt, und ohne ir⸗ gend einen Nachtheil auf das Thier ausgeübt zu ha⸗ ben. Sollte derſelbe jedoch länger, als gewöhnlich, anhalten, ſo reicht man dem Thiere vor dem Austrei⸗ ben etwas Heu oder andres trocknes Futter, und treibt daſſelbe nicht früher aus, als bis Reif und Thau von der Sonne aufgetrocknet ſind, ſo wie bei Regen das Rind im Stalle gehalten werden muß. Iſt der Durchfall durch Erkältung entſtanden, und hält er länger als ſechs bis acht Tage an, ſo halte man das Thier im Stalle und warm, und füttere wo möglich nur trockenes Futter. Der im Winter durch Rüben ꝛc. entſtandene Durchfall weicht gewöhnlich bald, wenn ſolches Futter nicht mehr gegeben wird; Frottirungen der Haut mit Strohwiſchen, das Auflegen einer Decke ꝛc. ſind unter den meiſten Umſtänden zu empfehlen. Manchmal will der Durchfall unter der Beobachtung des angeführ— ten Verfahrens nicht weichen, und es müſſen dann einige Arzneimittel in Gebrauch gezogen werden, wozu ſich nachſtehende eignen: Eichenrinde, Kalmuswurzel und Wachholderbeeren, von jedem acht Loth, werden täglich zwei bis dreimal mit etwas Mehlwaſſer einge⸗ goſſen. Zuweilen iſt auch ein etwas reizenderes Mit⸗ tel nützlich, z. B. Angelikawurzel zwei Loth, Hirſch⸗ hornöl ein Loth, Branntwein vier Loth, täglich drei⸗ bis viermal mit Mehlwaſſer eingegoſſen. Einreibun⸗ gen des Bauches mit Terpentinöl begünſtigen und beſchleunigen die Heilung. Durchfall und Ruhr. In einigen Gegenden herrſcht ein ſehr bösartiger, oft tödtlich werdender, Durchfall unter dem Rindviehe; es geht demſelben Monate, ja ſelbſt Jahre hindurch, ein ſehr dünner Koth ab, welcher mehr die Beſchaf⸗ fenheit eines ſehr zähen Schleimes hat. Appetit und Munterkeit dauern dabei fort, aber dennoch magert das Stück immer mehr ab, wird entkräftet, giebt keine Milch mehr, und geht endlich an allgemeiner Erſchö⸗ pfung zu Grunde. In dem Cadaver findet man mei⸗ ſtens nur allein die Leber in einem krankhaften Zu⸗ ſtande. Die wahrſcheinlicheren Urſachen beſtehen in einer eigenthümlichen, jedoch bis jetzt nicht weiter be⸗ kannten Beſchaffenheit des Futters, vielleicht auch des Geſöffs. Die Kur gelingt nicht oft, und es würde am Beſten ſein, ein ſolches Thier in eine andere Ge⸗ gend zu verſetzen, wo ſich die genannten Schädlich⸗ keiten nicht vorfinden. Auch bei Kälbern zeigt ſich häufig ein Durchfall, welcher leicht in wirkliche Ruhr übergeht, und dann oft tödlich wird. Schwanz und Hinterſchenkel des Kalbes erſcheinen von einem gelben, grauen und weiß⸗ lichen Kothe beſudelt; das Kalb wird nach und nach mager und ſchwach, will nicht mehr ſaugen, und nach zehn bis vierzehn Tagen erfolgt der Tod. Mit dieſem Durchfall iſt nicht jener zu verwechſeln, welcher, und zwar bei allen Hausthieren, gleich nach der Geburt ſich zeigt, und zwar in Folge des Genuſſes der erſten Muttermilch, welche ſtets eine laxirende Wirkung auf das Thier hat. Die Urſachen der Kälberruhr beſtehen in Erkältun⸗ gen oder in einer üblen Beſchaffenheit der Muttermilch. Es iſt nicht rathſam, die Heilung allein von der Natur zu erwarten, denn es erfolgt unter dieſen Umſtänden leicht der Tod des Kalbes. Daſſelbe iſt ſo warm als möglich zu halten, auf trockner Streu, und mit einer wollenen Decke belegt; in den Bauch deſſelben reibt man täglich einige Male ein Gemiſch aus gleichen Theilen Kampferſpiritus und Terpentinöl ein, und giebt innerlich folgendes Mittel: Kreide ein halbes Loth, Opium und Alaun, von jeden acht Gran, mit Milch, und bis zur Heilung, von acht zu acht Stunden wie⸗ derholt. Da häufig die Milch der Mutter die Urſache des Durchfalls iſt, ſo tränkt man das Kalb lieber mit der Milch einer andern Kuh. In manchen Gegenden, und in manchen Jahren, zeigt ſich, obwohl ſelten, dann aber ausgebreitet, ein Durchfall unter dem Rindviehe, welcher große Aehn⸗ 124. lichkeit mit der Rinderpeſt hat, und Ruhrſeuche genannt wird. Es wird deshalb nicht unpaſſend ſein, dieſe Krankheit in der Kürze zu beſchreiben. Das an der Ruhrſeuche erkrankte Rind iſt matt und traurig, liegt viel, die Augen ſind matt und feucht, das Maul iſt mit zähem Speichel erfüllt. Gleich Anfangs hören Appetit und Wiederkäuen auf, das Thier gähnt und rülpſt, der Miſt iſt dünn und ſtinkend, braun, ſpäter ſogar blutig. Der Herzſchlag iſt fühlbar, ſiebenzig bis hundert Mal in der Minute zu zählen; das Athem— holen iſt ſtöhnend und beſchleunigt. Nimmt die Krank⸗ heit, wie das gewöhnlich der Fall iſt, einen üblen Ausgang, ſo ſteigt das Fieber immer mehr, der Bauch treibt auf, Beine, Ohren und Hörner werden kalt, der Miſt geht als dünne, blutige Flüſſigkeit ab, der After, deſſen Schließmuskel gelähmt iſt, ſteht anhaltend offen, der Athem wird ſtinkend, und der Tod erfolgt unter den Erſcheinungen des Faulfiebers. Die Dauer der Krankheit erſtreckt ſich auf zwei bis drei Wochen; in glücklichen Fällen zeigen ſich aber ſchon in den erſten ſechs bis acht Tagen die Zeichen der Beſſerung. Die Krankheit entſteht, ſoviel man bis jetzt darüber weiß, aus anhaltender, ermüdender Be⸗ wegung, welche den Rindern nicht Zeit zum Wider⸗ käuen läßt, vorzugsweiſe bei anhaltend naſſer und hei⸗ ßer Witterung. Am häufigſten kommt die Ruhrſeuche daher auch, und ſogar faſt allein, bei weit getriebe⸗ nen Handelsheerden vor, dann auch bei Arbeitsvieh. Obwohlſie meiſt bei mehren Stückengleichzeitig herrſcht, ſo zeigt ſie ſich doch nur in einzelnen Heerden, und nie über ganze Landſchaften ausgebreitet; ein weſentli⸗ cher Unterſchied zwiſchen ihr und der Rinderpeſt. Die Verhütung des Uebels liegt in der Vermeidung der Urſachen, welche als veranlaſſende Schädlichkeiten an⸗ geführt ſind. Zur Kur dient folgendes Verfahren, welches jedoch nicht allemal im Stande iſt den Tod abzuwenden, beſonders dann nicht, wenn die Krank⸗ heit ſchon beträchtliche Fortſchritte gemacht hat. An⸗ fangs giebt man von folgendem Mittel alle zwei bis drei Stunden mit etwas Mehlwaſſer ein: Angelika⸗ wurzel und Eichenrinde, von jedem ein Loth, Senf und Ingwerwurzel, von jedem zwei Quentchen. Stei⸗ gen die Zufälle dennoch, oder iſt die Krankheit ſehr heftig, ſo giebt man drei⸗ bis viermal täglich, mit etwas Mehlwaſſer: Campher und Terpentinöl, von jedem ein Quentchen, Baldrianwurzel, Genzianwur⸗ zel und Eichenrinde, von jedem ein Loth. An der Durchfall und Ruhr. 383 Umfläche des Bauches macht man häufig Reibungen mit Strohwiſchen, und täglich eine Einreibung aus zwei Loth Salmiakgeiſt und ſechs Loth Terpentinöl. Klyſtire aus Eſſig und Waſſer oder von Abkochungen der Weidenrinde oder Eichenrinde ſind ebenfalls heil⸗ ſam. Zum Futter dient Schrot, geröſtetes Mehl in Waſſer, Brod mit Branntwein befeuchtet. Der Si⸗ cherheit willen trenne man das kranke Thier von den noch geſunden Stücken. c) Durchfall bei Schafen. Bei erwachſe⸗ nen Schafen entſteht der Durchfall oft unter einer ganzen Heerde nach dem plöͤtzlichen Wechſel des trock⸗ nen Futters mit Grünfutter, und daher meiſtens im Frühjahre, in welchem Falle das Uebel aber eben ſo unerheblich iſt, als beim Rindviehe. In manchen anderen Fällen kann es aber, bei langer Dauer und unter Umſtänden, bösartig und ſelbſt tödtlich werden, indem ſich eine Darmentzündung hinzugeſellt. Unter ſolchen Umſtänden giebt man lediglich trocknes Futter und von Zeit zu Zeit Lecken aus Wermuth, Roßkaſta⸗ nien, Eichenrinde, etwas Kienöl und Kochſalz; auch ein Trank von ein ſiebentel Quart Wachholderaufguß, unter dem Zuſatze von zwei Loth Branntwein, täg⸗ lich einmal gegeben, iſt oft ſehr heilſam. Am meiſten wird der Durchfall unter Umſtän⸗ den den Sauglämmern verderblich, welche oft in großer Anzahl von ihm weggerafft werden. Die Krankheit ſtellt ſich ohne auffallende Vorboten ein; das erkrankte Lamm iſt traurig und matt, trennt ſich von den übrigen Lämmern, ſteht mit krummen Rü— cken oder liegt viel. Der häufig entleerte Koth iſt dünn, weißlich oder grünlich, ſpäter wäßrig und ſchleimig, am Ende oft mit Blut gemiſcht. Das Thier ſaugt und frißt nicht mehr, hat aber großen Durſt, es blökt öfters, hat Schmerzen beim Drucke auf den Bauch, und drängt oft auf den Kothabgang, obgleich zuletzt kaum noch eine Entleerung erfolgt. Das Lamm ma⸗ gert ſehr ſchnell ab, hat einen eingefallenen Leib, und krepirt in der Regel am zweiten bis fünften, oft ſchon am erſten Tage der Krankheit. Oeffnet man den Ca⸗ daver, ſo findet man beſonders den Labmagen ent⸗ zündet, oder auch einen Theil der Gedärme. Der Lab⸗ magen enthält dann viel käſeartig geronnene Milch, und dieſe findet ſich auch in den Gedärmen, beſonders an den Stellen, wo ſich die Zeichen von Entzündung vorfinden. Die beſten Stücke werden am leichteſten befallen, oft aber, zumal wenn die Krankheit ſeuchen⸗ 384 124. Durchfall und Ruhr. haft erſcheint, trifft ſie die meiſten Lämmer ohne Un⸗ terſchied. Urſachen ſind Erkältungen aller Art, beſon⸗ ders die Einwirkung von Näſſe und Regen; dann auch ſind verſchiedene Futterſtoffe oft Urſache der Krankheit. Je kräftiger und reichlicher das Lamm durch die Mut⸗ termilch ernährt wird, deſto eher fällt es in die Ruhr, und zwar meiſtens ſchon wenige Tage nach der Geburt. Gefährlich iſt die Krankheit beſonders in den heißen Ställen im Winter, wenn ſtark gefüttert und kaltes Saufen gereicht wird. Die Heilung iſt nicht leicht, und die Mehrzahl der Lämmer geht gewöhnlich an der Krankheit verloren. Es iſt deshalb beſonders wichtig der Krankheit ſoviel als möglich vorzubeugen, und zwar durch die Vermeidung der angeführten Schäd⸗ lichkeiten. Trocknes Futter, warmes Verhalten, meh⸗ lige Getränke ſind paſſend. Zeigt ſich das Uebel un⸗ ter einer Heerde, ſo iſt jedenfalls das Futter zu wech⸗ ſeln, ſelbſt wenn es bisher tadellos erſchien. Die Kur der Krankheit verhält ſich weſentlich ſo, als bei dem gleichen Leiden der Kälber, nur daß hier ohnge⸗ fähr ein Drittel der dort angegebenen Portion gereicht wird. Paſſend ſind auch noch folgende Mittel: Opium zehn bis zwanzig Gran, Rhabarber ein Quentchen, auf einmal mit Mehlwaſſer oder Kamillenthee zu ge⸗ ben, und täglich zwei bis dreimal eine ſolche Portion; in manchen Fällen kann man auch ein halbes Quent⸗ chen Kreide zuſetzen. d. Durchfall bei Schweinen. Häufig liegt die Urſache am Futter oder in Erkältung; oft iſt er nur ein Zeichen einer anderen Krankheit. Dauert der⸗ ſelbe, ohne ſichtliche anderweitige Krankheiten, längere Zeit, ſo läßt das Schwein vom Freſſen, wird mager und elend, es kommt ein Abgang von Blut oder eine Darmentzündung hinzu, und der Tod kann ſogar die Folge davon ſein. Bei der Kur hält man das Schwein warm, auf trockner Streu, giebt Aufgüſſe von Kamil⸗ len, Kalmuswurzeln und Thymianzc.; hilft dieſes nicht, ſo reicht man Abkochungen von Weiden- oder Eichen⸗ rinde Tromentillwurzel ꝛc.; unter dem Zuſatze von einem halben Quentchen Eiſenvitriol, oder drei bis fünf Gran Bleizucker, für jedes ein viertel Quart Einguß, welcher täglich zwei- bis dreimal zu wiederholen iſt. Sind Zeichen von Kolik und Darmentzündung vor⸗ handen, oder iſt der Darmkoth blutig, ſo giebt man viele ſchleimige Mittel, z. B. eine Abkochung von Leinſamen, oder aufgelöſten Tiſchlerleim, unter dem Zuſatze von zwei bis drei Gran Opium, täglich vier⸗ bis fünfmal wiederholt, ein. Bei Ruhr ſoll Eiweiß mit Waſſer geſchüttelt beſonders gute Dienſte leiſten. Hat das Schwein giftige Pflanzen gefreſſen, ſo giebt man viel Eſſig, vorher aber ein Brechmittel. Aeußere Einreibungen— z. B. vonTerpentinöl,— in den Bauch ſind manchmal ebenfalls heilſam. Bei entſchiedener Darmentzündung iſt ein Aderlaß zu machen, und ganz ſo zu verfahren, wie bei dieſer Krankheit vorgeſchrie⸗ ben worden iſt.— Der Durchfall der Saugferkel entſteht gewöhnlich aus einer krankhaften Beſchaffenheit der Muttermilch; um dieſe deshalb, wie es durchaus nöthig iſt, umzu⸗ ändern, wechſelt man mit dem Futter, giebt Bohnen, Erbſen, Eicheln ꝛc. Reicht dieſes nicht aus, ſo giebt man den Ferkeln öfters Eiweiß mit Waſſer und et⸗ was Opium, unter Umſtänden mit dem Zuſatze einer Meſſerſpitze voll Kreide für jede Gabe, auch wohl von ebenſoviel Rhabarber. Außerdem ſetze man die Ferkel ſobald als möglich ab, und laſſe ſie nach Belieben von einer Miſchung aus Gerſtenſchrot und dicker Milch freſſen. e. Durchfall bei Hunden. Hunde leiden ſehr oft am Durchfalle, und zwar aus ſehr verſchiede⸗ nen Urſachen; bei Staupe, Leberleiden, Würmern ꝛc. iſt er eine ſehr gewöhnliche Erſcheinung. Aber er kommt auch für ſich vor, und zwar nach Erkältungen, Ueberfreſſen, ſchlechtem Futter ꝛc. Oft dauert er nur einige Tage, und verſchwindet dann von ſelbſt, oft aber hält er an, und geht dann nicht ſelten in Ruhr über, mit dem Abgange von Blut ꝛc. Gelinde Durchfälle, welche erſt kurze Zeit dauern, werden durch knappes Futter und warmes Verhalten des Hundes leicht ge— heilt. Hat ſich der Hund überfreſſen, ſo giebt man ein Brechmittel. Stillt ſich der Durchfall jedoch nicht, ſo giebt man täglich zweimal einem mittelgroßen Hunde folgendes Pulver mit Waſſer ein: Rhabarber ſechs Gran, Opium ein Gran, Magneſia zehn Gran. Sind Bauchſchmerzen vorhanden, ſo reibt man den Bauch mit warmem Branntwein ein, und umhüllt ihn mit einer wollenen Decke. Viele ſchleimige Flüſſigkeit aus Stärkemehl und ungeſalzener Fleiſchbrühe ſind einzu⸗ geben. Iſt der After ſchmerzhaft, ſo beſtreicht man ihn oft mit Oel oder ungeſalzener Butter. Wenn der Durchfall nicht weichen will und hartnäckig iſt, ſo giebt man täglich zweimal mit Waſſer folgendes Pul⸗ ver: Katechu und Arabiſches Gummi, von jedem ein drittel Quentchen, Kreide ein halb Quentchen; oder —— ſtatt deſſen: Opium einen bis zwei Gran, Althäpulver ein Quentchen, mit Waſſer, täglich zweimal wiederholt. Auch gepulvertes Colophonium ein halbes Quentchen, zwei bis dreimal täglich mit Brod gegeben, iſt oft in 125. Verſtopfung. 385 langwierigen Fällen von Nutzen geweſen. Klyſtire aus ſchleimigen Flüſſigkeiten, unter Umſtänden auch von Abkochungen der Eichenrinde, ſind nebenher ſehr gut. 125. Verſtopfung. Hierunter verſteht man einen, dem Durchfalle gerade entgegengeſetzten Zuſtand, nämlich den zu ſeltenen Ab⸗ gang eines meiſt zu harten Kothes, oder die gänzliche Verhaltung deſſelben. Beim Pferde findet man wohl kaum je Veranlaſſung einer bloßen, für ſich allein beſtehenden Verſtopfung wegen irgend etwas zu unternehmen, da die Verſto⸗ pfung an ſich keine Krankheit darſtellt, ſondern faſt immer nur ein begleitendes Symptom irgend einer an⸗ dern Krankheit iſt; ſo z. B. der Kolik. Zuweilen kommt es indeſſen vor, daß ein Pferd ſehr harten und ſehr klein geballten Koth abſetzt, was in einer einfa⸗ chen Unordnung der Verdauung begründet iſt. Unter ſolchen Umſtänden füttert man viel Kleie, Grünfutter, in Waſſer zerlaſſene Oelkuchen ꝛc.; in die Raufe wird ein Stück Steinſalz gelegt, damit das Pferd daran nach Belieben lecken kann, oder man miſcht etwas Kochſalz unter das kurze Futter. Bleibt der Miſt an— dauernd ſehr hart, ſo giebt man eine Laxanz aus Aloe und Glauberſalz, in der bekannten Menge. Mitunter ein Klyſtir iſt ebenfalls zweckdienlich. Verſtopfungen zeigen ſich auch beim Rindviehe ſelten für ſich allein, und ohne ein Zeichen einer anderen Krankheit zu ſein; der Appetit und das Wie⸗ derkäuen ſind vermindert, der Leib dunſtet an ꝛc. Die gewöhnlichſte Urſache liegt in dem übermäßigen Ge⸗ nuſſe irgend eines Futterſtoffs, wodurch eine Art Unver⸗ daulichkeit entſteht. Um die Miſtung zu befördern, giebt man ein halbes bis ein Pfund Glauberſalz in Waſſer aufgelöſt, ſetzt öfters Klyſtire, und giebt zur Nahrung dünnes Geſöff, z. B. Klei nwaſſer, Brannt⸗ weinſchlämpe, gekochte Kartoffeln und anderes weiches und ſaftiges Futter, doch immernurin kleinen Portionen. Bei Schafen iſt der Fall ganz ſo, als beim Rinde; der plötzliche Uebergang von Grünfutter zum trocknen Wagenfeld, Encyel. 3 Futter, zumal wenn das Saufwaſſer dabei mangelt, hat oft eine für ſich beſtehende Verſtopfung zur Folge Man giebt, um die Verſtopfung zu heben, viel Oel⸗ kuchen und Kleienwaſſer, etwas ſaftiges Futter und täglich zwei bis drei Loth Kochſalz. Sollte die Ver⸗ ſtopfung hierdurch nicht gehoben werden, ſo giebt man zwei bis vier Loth Glauberſalz in Waſſer aufgelöſt, und ſetzt öfters eröffnende Klyſtire. An Saufwaſ⸗ ſer darf es beſonders nie fehlen.— Bei Schwei— nen kommt die Verſtopfung für ſich allein faſt nie⸗ mals vor. Unter allen Hausthieren iſt es der Hund, welcher oft an einer für ſich beſtehenden Verſtopfung leidet; der Mangel an Bewegung iſt die häufigere Urſache derſelben. Nicht minder iſt der Genuß verſchiedener Stoffe, z. B. Knochen, Erde ꝛc., welche die Hunde mitunter freſſen, hierher zu rechnen. Der an hartnäcki⸗ ger Verſtopfung leidende Hund wird unruhig, winſelt und ſchreiet, macht vergebliche Verſuche Koth zu ent— leeren, reibt den After an der Erde, und kann ſogar Darmentzündung bekommen, welche dann tödtlich wer⸗ den kann. Bei ganz jungen Hunden hebt man den Durchfall beſonders dadurch, daß man ihm ein Stück⸗ chen in Oel getauchter und paſſend geformter weißer Seife in den After drückt; nebenher ſetzt man öfters Klyſtire. Sehr ſtarke Laxirmittel, z. B. Aloe, ſind nie ohne Gefahr, weshalb man ſie hier lieber vermei⸗ det. Einige Eßlöffel voll Oel oder Thran ſind eben⸗ falls oft wirkſam. Zuweilen findet ſich im unteren Ende des Maſtdarms eine harte Maſſe von grob zerkau⸗ ten Knochen, oder es iſt im After ſelbſt ein ſpitziger Knochen ſtecken geblieben; man geht deshalb bei hart— näckiger Verſtopfung mit einem geölten Finger in den Maſtdarm ein, und nimmt das etwa hier Befindliche heraus. Iſt der Finger zu dick, ſo hedient man ſich 386 126. Huſten. zu dieſer Manipulation eines paſſenden Werkzeuges, z. B. des Stils eines kleinen Theelöffels. Manch— mal iſt ein großer Theil der Gedärme mit harten, faſt unerreichbaren Kothmaſſen gefüllt, wo dann innerlich viel Oel mit ſchleimigen Flüſſigkeiten gegeben, und öftere Klyſtire geſetzt werden müſſen. 126. Huſten. Es verhält ſich mit dem Huſten faſt genau ſo, als mit der Verſtopfung; er bildet faſt nie eine ſelbſtſtän⸗ dige Krankheit, ſondern gewöhnlich nur ein Symptom einer anderen Krankheit, meiſtens irgend eines Leidens der Luftwege und der Lungen. Bei Pferden bemerkt man ſehr häufigen Huſten bei Lungenentzündung, Dampf, Druſe ꝛc. Zuweilen hat das Pferd aber auch einen häufigen Huſten, ohne daß ſich außerdem etwas Krankhaftes an demſelben be⸗ merken ließe. Hier iſt denn oft eine einfache Reizung der Luftwege die Urſache, welche an ſich zwar nicht gefährlich, aber doch läſtig für das Thier iſt. Unter ſolchen Umſtänden hält man das Pferd warm, verhü⸗ tet die Einwirkung von Näſſe und Kälte, füttert et⸗ was Kleie, neben wenig Hafer, noch weniger Heu, und giebt als innerliches Mittel folgendes Pulver un⸗ ter das kurze Futter: Wachholderbeeren, Fenchelſamen, Schwefel, von jedem acht Loth, Salmiak vier Loth. Verliert ſich der Huſten in acht bis vierzehn Tagen nicht, ſo kann man einige Bähungen mit Heuſamen machen, und zwar ganz auf die bei der Kur der Druſe angegebene Art. Rindvieh leidet ſelten an einem ſelbſtſtändigen Huſten, dagegen ſieht man ihn bei Lungenſeuche, ver— ſchiedenen anderen Bruſtkrankheiten ꝛc., als ein we⸗ ſentliches Zeichen; dann auch bei der Lungenwurm⸗ ſeuche der Kälber. Beim Füttern von ſtaubigem Heu, heißer Schlämpe ꝛc. huſtet das Rindvieh ebenfalls ziemlich oft; doch da die Urſachen in dieſem Falle mecha⸗ niſcher Art ſind, ſo bedarf dieſer Huſten keiner weiteren Berückſichtigung, ſondern nur Entfernung der Urſachen. Bei Schafen kommt der Huſten, außer bei Bruſt⸗ krankheiten, bei Lungenwurmſeuche ꝛc. auch ſonſt ziemlich oft vor, wahrſcheinlich und wohl vorzüglich deshalb, weil das Schaf ſehr oft den Witterungs⸗ einfluͤſſen ausgeſetzt iſt. Der Huſten, von dem hier die Rede, iſt von gedehntem, klangvollen Tone, wodurch er ſich beſonders von dem aus anderen Urſa⸗ chen entſtandenen Huſten unterſcheidet. Im Frühjahre und Herbſte huſtet oft ein großer Theil der Heerde gleichzeitig; in der Regel zeigen die Schafe dabei kein weiteres Zeichen von Krankheit, als daß ſie vielleicht etwas weniger gut freſſen, und nicht ganz ſo munter ſind, als ſonſt. Kaltes Saufen, kaltes und naſſes Wetter ꝛe. ſind die gewöhnlicheren Urſachen dieſer un⸗ erheblichen Krankheit. Der Huſten verſchwindet leicht durch die Beſeitigung der denſelben veranlaſſenden Ur⸗ ſachen; von Zeit zu Zeit eine Salzlecke aus Schwe— fel, Wachholderbeeren und Kochſalz beſchleunigen die Heilung. Beim Schweine iſt der für ſich beſtehende Huſten nicht häufig; er iſt von ſehr verſchiedenem Klange, häu⸗ figer oder ſeltner; er kann in kurzer Zeit verſchwinden, aber auch bis zum Tode anhalten. Dauert er ſehr lange Zeit, ſo kann ſich Lungenſchwindſucht daraus ent⸗ wickeln, und bei Ferkeln iſt er häufig lediglich ein Zei⸗ chen von Fadenwürmern in den Lungen. Die Urſachen beſtehen in Erkältungen durch Regen, Wind, in ſchlechtem Futter ꝛc. Die Kur iſt einfach genug; man halte das Schwein trocken und warm, vermeide an⸗ haltendes Treiben deſſelbenz füttere Mohrrüben, Grün⸗ futter aller Art, Buttermilch ꝛc. In Fällen, in denen der Huſten hartnäckig iſt, kann man von folgendem Pulver täglich zweimal, jedesmal ein halbes Loth unter den Futterbrei miſchen: Salmiak, Schwefel, Spieß⸗ glanz, von jedem gleiche Theile. Iſt das Schwein durch ſchlechtes Futter ſehr verſchleimt, und geifert es bei dem Huſten viel, ſo giebt man demſelben vorher ein Brechmittel. Sehr häufig beobachtet man den Huſten bei Hun⸗ den; aber auch hier entſteht er aus den verſchiedenſten Zuſtänden des Körpers. Während, und noch mehr vor dem Ausbruche der Staupe huſtet der Hund über⸗ aus oft; iſt ein ſolcher Hund noch jung, bekommt er bei dem Huſten ſtruppiges Haar, magert er ab und leidet er an häufigem Nieſen, ſo kann man faſt gewiß ſein, daß die Staupe im Anzuge iſt. Auch bei Lun— genentzündung, Lungenſchwindſucht und Würmern, wird oft ein Huſten wahrgenommen. Hier kann jedoch nur von jenem Huſten die Rede ſein, welcher für ſich beſteht, und mit keinen weiteren Krankheitszeichen ver⸗ bunden iſt. Erkältungen ſind ſeine gewöhnlichſte Ur⸗ ſache. In vielen Fällen zeigt der Hund nach dem Hu⸗ ſten ein Krächzen und Würgen, wobei nicht ſelten ein zäher Schleim durch das Maul ausgeworfen wird. 127. Mangel an Freßluſt. 387 Hier giebt man zunächſt ein Brechmittel, und an den folgenden Tagen täglich drei⸗ bis viermal, jedesmal einen Eßlöffel voll von folgender Mixtur: Salmiak und Lakritzen⸗Saft von jedem ein Quentchen, Waſſer ein viertel Quart. In hartnäckigen Fällen iſt auch fol⸗ gende Miſchung oft ſehr heilſam: Baumöl und Gum⸗ miarabicum, von jedem ein Loth, Opiumtinktur ein halbes Quentchen, Waſſer zwölf Loth. Hiervon wird, je nach der Größe des Hundes, täglich drei⸗ bis vier⸗ mal ein Eßlöffel oder Theelöffel voll gegeben. War⸗ mes Verhalten und Ruhe, ſo wie reizloſe Koſt, ſind hierbei dem Hunde zuträglich. 127. Mangel an Freßluſt. Alle fieberhaften, dann überaus viele innere und äußere Krankheiten ſind mit einer Verminderung oder auch wohl mit gänzlichem Verluſte des Appetits ver⸗ bunden; davon kann jedoch hier nicht die Rede ſein, ſondern nur von jenen Appetitsfehlern, welche ohne ſonſtige erſichtliche Krankheit vorhanden ſind, und an⸗ ſcheinend für ſich beſtehen. Das Pferd frißt langſam und ohne Luſt, es bleibt ein Theil des Futters in der Krippe zurück, ein anderer Theil wird auf die Erde verſtreut; oft verſchmäht das Thier den Hafer, und frißt ſtatt deſſen lieber Stroh, oder ſelbſt die mit Urin und Miſt beſudelte Streu; es leckt und nagt gern an Holz⸗ werk und Wänden, verſchluckt wohl ſelbſt Holzſpäne; die Zunge iſt blaß und mit ſchmutzigem Schleime be⸗ legt; der Miſt iſt meiſtens hart und in ſehr kleine Aepfel geballt. Dauert dieſer Zuſtand längere Zeit, ſo wird das Haar ſtruppig, es tritt Abmagerung ein ꝛc. Um dieſes Uebel zu heben, iſt es vor Allem wich⸗ tig die muthmaßliche Urſache deſſelben zu erfor⸗ ſchen. Manche Pferde freſſen zuweilen Anfangs ſchlecht, wenn ſie in einen fremden Stall verſetzt wer⸗ den; oder wenn ein neben ihnen ſtehendes Pferd, an welches ſie ſich gewöhnt hatten, fortgenommen wird; oder wenn ſie kurz zuvor eine ſtarke Arbeit verrichtet haben. Unter allen dieſen Umſtänden warte man; das Pferd wird nach einiger Zeit ſein Futter ſchon zu ſich neh⸗ men. Oft ſind unreine, mit halb verfaultem Futter be⸗ ſudelte Krippen Schuld, daß ein Pferd ſchlecht frißt, in welchem Falle man durch die erforderliche Reinigung dem Pferde die fehlende Freßluſt wiedergeben wird. Oefters finden ſich viele Ratten im Stalle, welche dann gelegentlich das Futter in der Krippe mit ihrem Unrathe verunreinigen; hier ſorge man für die Ver⸗ treibung der Ratten. Andere Male iſt das Futter ſchlecht, dumpfig oder auf irgend eine Weiſe verdorben, wo man dann für gutes Futter ſorgen muß; gleiche Rück⸗ ſicht verdient das dem Pferde gereichte Geſöff. Viele Pferde freſſen nicht gut, wenn ihnen zu viel Futter auf einmal gereicht wird, weshalb man wohlthut, lie⸗ ber öfters, als ſehr viel auf einmal zu geben. Nicht ſelten iſt auch eine üble Beſchafſenheit der Zähne die Urſache des ſchlechten Freſſens, wovon ſchon a. a. O. ausführlicher geſprochen worden iſt. Viele ſchlecht unter⸗ richtete Perſonen glauben, daß der Mangel an Freßluſt daher rühre, daß der Gaumen über die Zähne vorgewach⸗ ſen ſei, und es wird dann ſehr oft die Operation des ſo⸗ genannten Gaumenſtechens gemacht; dieſe Operation iſt aber durchaus abſurd, denn nie iſt dieſes der Grund des ſchlechten Freſſens, wohl aber können Verletzungen 49* —y—— —— 388 des Gaumens, des Zahnfleiſches und der Zunge, ein hohler oder ſchadhafter Zahn, den Grund des ſchlech⸗ ten Freſſens abgeben. Hat man ſich durch eine genaue Unterſuchung überzeugt, daß der Mangel an Freßluß nur in einem Verdauungsfehler begründet iſt, ſo kann man dieſen ſehr oft durch nachſtehendes Verfahren beſeitigen. Zu⸗ erſt giebt man dem Pferde eine Laxanz aus zwei Loth Aloe und drei viertel Pfund Glauberſalz, mit Mehl und Waſſer als Latwerge. Den dritten Tag darauf giebt man viermal, jedesmal wie zwei Hühnereier groß, von nachſtehender Latwerge: Brechweinſtein— ein halbes Loth, Genzian⸗und Kalmuswurzel, Wermuth und Wachholderbeeren— von jedem acht Loth, mit Mehl und Waſſer bereitet. Das zu gebende Futter muß von der beſten Qualität ſein; etwas gutes Grünfutter, feines Heu, geſunder Hafer und feines Strohhäckſel paſſen hier am beſten. Zum Geſöff dient reines Waſſer. Nagt und leckt das Pferd öfters an Wän⸗ den und Holzwerk, ſo legt man ein Stück Steinſalz in die Raufe, und miſcht etwas Kreide unter das Ge⸗ ſöff; etwa zwei bis vier Loth für jeden Eimer voll. Bei Rindvieh und Schafen beobachtet man nur ſelten Appetitloſigkeit, ohne daß zugleich eine andere auffallende Krankheit zugegen wäre, wohl aber findet 128. Bruͤche der Eingeweide. ſich dieſes mitunter bei Schweinen, welches um ſo ſtörender iſt, als dadurch die Maſtung zurückge⸗ halten wird. Zuerſt ſuche man den Grund zu erfor⸗ ſchen, warum das Schwein weniger frißt, als früher; häufig wird man die Urſache im Futter finden. Manche Pflanzen, ob ſchon an ſich unſchädlich, ſind dem Schweine zuwider, z. B. Spinat und ähnliche Kräu⸗ ter; andere Male iſt das Futter dem Schweine zwar angenehm, aber der fortwährende und ſehr reichliche Genuß erregt mitunter dem Schweine Ekel, ſo ſelbſt Schrotfutter, beſonders aus Erbſen, auch gekochte Kartoffeln ꝛc. Iſt ein derartiger Verdacht vorhanden, ſo ändere man für immer, oder auch nur auf kurze Zeit, das Futter, und hat dieſes nicht den erwünſchten Erfolg, ſo kann man ſich einiger Arzneimittel bedienen; man giebt z. B. einem Schweine von mittlerer Größe, acht Tage hintereinander und täglich einmal, folgendes Pul⸗ ver ein: Spießglanz ein halbes Quentchen, Wermuth⸗ kraut und glänzenden Ofenruß von jedem ein Quent⸗ chen. In den meiſten Fällen thut man wohl, die Kur mit Verabreichung eines Brechmittels zu beginnen; ein ſolches reicht oft allein ſchon aus, um den verlorenen Appetit wieder herzuſtellen. Oefters iſt auch eine Laxanz aus zwei bis ſechs Loth Glauberſalz, in ſtarkem Ka— millenthee aufgelöſt, ſehr nützlich. 128. Brüche der Eingeweide.(Tab. XXX.) Unter dem Namen„Bruch“ verſteht man das Her⸗ vortreten irgend eines Eingeweides oder Eingeweidethei⸗ les aus natürlichen oder widernatürlichen Oeffnungen, wobei jedoch die äußere Haut das vorgefallene Einge⸗ weide noch bedeckt und einſchließt; der Bruch erſcheint ſomit ſtets als eine, an der Umfläche des Rumpfes, her⸗ vortretende Geſchwulſt von größerem oder geringerem Umfange, welche mehr oder weniger weich, und gewöhn⸗ lich ſchmerzlos und kühl iſt. Bringt man mit den Fingern einen ſtarken Druck auf den Bruch durch Kneten und an⸗ dere Manipulationen an, ſo tritt der vorgefallene Theil des Eingeweides gewöhnlich in ſeine natürliche Lage zurück; der Bruchſack iſt dann für einige Zeit leer, und die Geſchwulſt verſchwindet, ſo lange die Finger den bezeichneten Druck ausüben. Durch dieſes Verſchwinden mittelſt eines auf ihn angebrachten Druckes unterſchei⸗ det ſich der Bruch weſentlich von anderen äußeren Ge⸗ ſchwülſten, z. B. von Entzündungsgeſchwülſten, Eiter⸗ beulen ꝛc., denn ſolche verlieren durch Druck wenig oder nichts von ihrem Umfange. Die meiſten Brüche kommen am Bauche vor; am meiſten in der Nabel- und Leiſtengegend; übrigens können ſie an jeder anderen Stelle zum Vorſchein kom⸗ men. Gewöhnlich iſt der Bruch anfangs klein, er ver⸗ größert ſich jedoch ſehr bald, indem ein größerer Theil von Baucheingeweiden durch die getrennten Bauchwandun⸗ gen hervortritt, und die äußere Haut, welche ihn bedeckt, immer mehr erſchlafft und nachgiebt. Bei friſchen 128. Bruͤche der Eingeweide. Brüchen ſind oft Zeichen von Entzündung vorhanden; auch zeigt ſich das Thier wohl im Allgemeinen krank, es hat Fieber, Kolikſchmerzen ꝛc.; häufig werden dieſe Zufälle aber vermißt, und der Bruch wird gewöhn— lich nur zufällig und gelegentlich an dem Thiere entdeckt. Man unterſcheidet die Brüche, je nach ihrem Sitze in„Bauchbrüche, Nabelbrüche und Leiſtenbrüche.“ Bauchbrüche heißen alle die Brüche, welche an irgend einem Theile der äußeren Bauchwandungen vorkommen, mit Ausnahme der Nabel⸗ und Leiſten⸗ gegend. Nabelbrüche werden die genannt, bei denen ein Theil der Gedärme durch den Nabelring vorgefal⸗ len iſt, und unter Leiſtenbrüchen, endlich verſteht man das Hervortreten eines Stückes Darm oder Netz durch den Leiſtenring. Zuweilen treten die genannten Theile auch in den Hodenſack. In der Regel ſind bei den Bauchbrüchen die Muskeln auf einer Stelle zerriſſen, und es befindet ſich dann hier ein widernatürliches Loch, der„Bruchring.“ Drückt man den Bruch zurück, ſo kann man dieſe Oeffnung mit den Fingern ſehr deutlich fühlen. Die Brüche entſtehen aus verſchiedenen Urſachen; äußere Gewaltthätigkeiten, z. B. Hornſtöße, Hufſchläge, dann auch ſtarke Sprünge, ſchweres Ziehen, gewaltſa⸗ mes Abreißen des Nabelſtrangs neugeborner Thiere ꝛc. können Veranlaſſung zu Brüchen abgeben; nicht ſelten ſind die Urſachen aber auch unbekannt. In der Regel ver⸗ größert ſich der Bruch nach und nach; oft kann er Jahre hindurch ohne Nachtheil beſtehen, oft wird er in kur— zer Zeit gefährlich und dann ſelbſt tödtlich. In dieſem Falle wird der vorgefallene Theil, welches meiſtens Gedärme ſind, von der Bruchpforte ſo eingeklemmt, daß der Koth nicht mehr frei durchgehen kann, wo dann Entzündung und Brand dieſer Theile, und in deren Folge, der Tod entſteht. Unter ſolchen Um⸗ ſtänden läßt ſich der Bruch nicht mehr zurückdrücken, welcher Fall am öfterſten bei Leiſtenbrüchen ſich ereig⸗ net. Das Thier hat Schmerz und Hitze am leidenden Theile, fiebert, zeigt die Zufälle von Kolik und Darm⸗ entzündung; es liegt meiſt auf dem Rücken, zieht die Hinterſchenkel an den Bauch ꝛc. a. Bauchbruch. Derſelbe kommt häufig bei Pferden, noch öfterer aber beim Rindviehe vor, und zwar an irgend einer Stelle des Bauches, in den Flanken, an den Seiten des Bauches ꝛc. Seine Größe i*ſt verſchieden, er kann den Umfang eines Hühnereies 389 haben, aber auch den eines Menſchenkopfes, und beim Rindviehe hat er oft den mehrfachen Umfang, ja es kommt vor, daß ſämtliche Eingeweide einer Bauchſeite durch einen großen Spalt der Bauchmuskeln treten, ſo daß ſie nur allein von der äußeren Haut umſchloſſen bleiben. Deichſelſtöße, Hufſchläge, Stoß mit Hör⸗ nern, ein plötzlicher Fall ꝛc. ſind die gewöhnlichen Urſachen. Die Heilung wird gewöhnlich auf dem Wege der Operation bewirkt. Sind an der Bruch⸗ ſtelle etwa Zeichen von Entzündung vorhanden, ſo macht man auf dieſelbe fortwährend Aufſchläge von kaltem Waſſer, läßt zur Ader, giebt innerlich eine Laranz, und füttert das Thier ſehr knapp; am paſſend⸗ ſten ausſchließlich mit Kleien- oder Mehltränken, Branntweinſchlämpe ꝛc. Sind die Zufälle der Entzün⸗ dung beſeitigt, oder waren ſie vielleicht gar nicht vor⸗ handen, ſo ſchreitet man zur Operation; es iſt in⸗ deſſen paſſend, zumal bei etwas größeren Brüchen, das Thier zur Operation vorzubereiten. Zu dem Ende erhält daſſelbe ſogleich eine Laxanz, wird die nächſten zwei bis drei Tage ſehr knapp gefüttert, und erhält faſt ausſchließlich nur dünnes Geſöff, damit die Ge— därme ſo viel als möglich entleert, und der Bauch recht dünn werde. Auf dieſe Weiſe vorbereitet, wird das Thier geworfen und ſo gelegt, daß der Bruch möglichſt nach oben zu liegen kommt, und die höchſte Stelle am Bauche einnimmt. Nun drückt man mit den Fingern die in dem Bruchſacke befindlichen Einge⸗ weide in die Bauchhöhle zurück, ſpaltet hierauf den Bruchſack durch einen langen Schnitt mit dem Meſſer, ſchneidet die Ränder des inneren Bruchringes an ihren Rändern mit einer krummen Scheere etwas wund, hef⸗ tet dann die Wundränder durch mehrere, einen halben bis drei viertel Zoll von einander entfernte, ſtarke Hefte, ſchneidet den durch zu ſtarke Erſchlaffung überflüſſig gewordnen Theil des Bruchſackes fort, legt auch hier einige Hefte durch die äußere Haut, und überläßt dann die fernere Heilung der Natur. Der Bruchring heilt in kurzer Zeit zuſammen, die Hefte fallen durch Eite⸗ rung von ſelbſt aus, und in zwei bis drei Wochen iſt die Heilung erfolgt. In dieſer Zeit muß das Thier Ruhe haben, und darf nur mäßig gefüttert werden. In neuerer Zeit bedient man ſich eines anderen Verfahrens einen Bruch zu operiren, und es iſt dies weniger umſtändlich, leichter auszuführen und bringt auch ſicherer und ſchneller zum Ziele. Iſt das Thier auf die vorhin angeführte Weiſe niedergeworfen, ſo 390 wird der vorgefallene Theil der Eingeweide in die Bauchhöhle zurückgedrängt, der leere Bruchſack wird dann dicht am Leibe ergriffen, und ein Gehülfe faßt denſelben in die Bruchklammer(Fig. 8.) ein. Hierbei iſt die Vorſicht zu gebrauchen, daß nicht etwa ein Darmtheil von der Klammer mit erfaßt werde; auch iſt die Klammer ſo dicht am Leibe anzulegen, als nur immer möglich. Hierauf wird der über die Klammer her⸗ vorſtehende Bruchſack, und zwar dicht auf der äußeren Fläche der Klammer, abgenähet, mit dünnem Bind⸗ faden. Man benutzt dazu entweder zwei Packnadeln, oder eine eigends dazu gefertigte, an ihrem vorderen Ende durchbrochene Bruchnadel(Fig. 9.), und nähet damit eine ſogenannte Schuſternaht. Iſt das Abnähen erfolgt, ſo wird die Klammer abgenommen, und dann daſſelbe Verfahren in Bezug auf Fütterung ꝛc. beob⸗ achtet, als bei der oben beſchriebenen Operation des Bruches. Gleich nach dem Abnähen wird der Bruch⸗ ſack kalt, er ſtirbt ab, und nach acht bis zwölf Tagen fällt er als ein brandiges Hautſtück ab, mit Hinter⸗ laſſung einer langen Hautwunde, welche aber in kur⸗ zer Zeit von ſelbſt heilt. Iſt der Bruch von bedeu⸗ tendem Umfange, etwa viel größer als ein Menſchen⸗ kopf, ſo iſt die Operation deſſelben, welche man auch wählen möge, nie ohne einige Gefahr, und hat der Bruch, wie das oft beim Rindvieh vorkommt, einen noch weit größeren Umfang, ſo iſt die Operation un⸗ ausführbar, und außerdem nicht gut eine Heilung möglich. Glücklicherweiſe ſchaden dergleichen ſehr große Brüche dem Rindvieh nur ſelten; ſie erleiden dadurch keinerlei Stoͤrung, und können ſelbſt geſunde Kälber ge⸗ bären. Beſſer iſt es indeſſen, dergleichen Thiere fett zu machen und zu ſchlachten. Neu entſtandene Brüche, wenn ſie von nur gerin⸗ gem Umfange find, heilt man oft auch ohne alle Ope⸗ ration. Nachdem die Zeichen etwa vorhanden gewe⸗ ſener Entzündung beſeitigt ſind, legt man einen brei⸗ ten Gurt um den Bauch, und zwar über die Stelle, an welcher ſich der Bruch befindet; unterhalb des Gurtes wird auf dieſelbe Stelle ein feſtes Knäul Heede gelegt, und darüber noch ein kleines Bret. Der Gurt muß ſehr feſt angelegt werden, und es iſt Sorge zu tragen, daß er ſich nicht verſchiebe. Durch den dadurch her⸗ vorgebrachten, anhaltenden Druck auf den Bauch ver⸗ wächſt der Bruchring, und in vierzehn Tagen iſt der Bruch geheilt. Während der Kur muß das Thier im Stalle bei ſparſamer Diät gehalten und dafuͤr geſorgt 128. Bruͤche der Eingeweide. werden, daß immer ein weiches Miſten ſtatt habe. Dieſe Art der Heilung des Bruches läßt ſich indeſſen vorzüg⸗ lich nur bei Pferden anwenden. Bei Ochſen entſteht zuweilen ein eigenthümlicher, ſogenannter innerer Bruch, deſſen Erkenntniß aber zu ſchwer iſt, als daß es paſſend erſchiene, von demſelben hier näher Erwäh⸗ nung zu machen. b. Nabelbruch. Er zeigt ſich faſt allein bei ſehr jungen Thieren, und hat in der Regel nicht viel auf ſich; dennoch iſt es gut denſelben zu beſeitigen, denn er kann dann doch größer und dadurch endlich nachtheilig und gefährlich werden. Iſt der Bruch nur ſehr klein, ſo heilt er ſpäter in der Regel von ſelbſt; wenn er beträchtliche Größe hat, ſo findet dies aber nicht ſo leicht ſtatt. Bei Füllen, bei denen der Na⸗ belbruch ziemlich oft vorkommt, kann man einen Gurt um den Bauch legen, und denſelben vierzehn Tage liegen laſſen, worauf der Bruch oft verheilt iſt. Es iſt indeſſen ziemlich ſchwer einen Gurt ſo zu befeſtigen, daß er ſich nicht von Zeit zu Zeit verſchöbe, weshalb man paſſender zur Operation ſeine Zuflucht nimmt. Das Verfahren derſelben beſteht in dem Abnähen, mit Hülfe der Bruchklammer, und daſſelbe wird ganz ſo ausgeführt, als es bei den erwachſenen Pferden ange⸗ geben worden iſt. Eine kalte oder nur wenig entzün⸗ dete Geſchwulſt, welche ſich meiſtens kurze Zeit nach der Operation einſtellt, iſt ohne Gefahr, und verdient deshalb nicht weiter berückſichtigt zu werden. Noch einfacher, als das Abnähen, iſt das Abbinden des Bruchſackes. Der Bruchſackwird durch einen an einem hölzernen Stiele befindlichen Ring, der, je nach Erfor⸗ dern, einen halben bis einen Zoll Durchmeſſer hat, hindurchgezogen, und dann um den Bruchſack zwiſchen Bauch und Ring, ein dünner, aber ſtarker Bindfaden gebunden. Wie beim Abnähen, ſo muß man auch hier beim Abbinden ſorgfältig ſich hüten, ein Stück von dem Gedärme mit einzubinden, denn es würde dies faſt allemal den Tod nach ſich ziehen. Der ab⸗ gebundene Bruchſack wird ſogleich kühl, er ſtirbt und fällt nach einiger Zeit ab; der Bruchring ſelbſt iſt dann verwachſen und der Bruch geheilt. Bei Kälbern kann man auf gleiche Weiſe verfah⸗ ren; man legt einen Gurt an, nähet oder bindet den Bruchſack ab. Iſt derſelbe von keinem bedeutenden Umfange, ſo kann man auch durch verſchiedene Aetz⸗ mittel den Bruch heilen. Zu dieſem Behufe ſcheert man in einem drei bis vier Zoll breiten Umkreiſe um 129. Ungeziefer. die Bruchgeſchwulſt die Haare ab, und beſtreicht dieſe mit Schmalz oder, was beſſer iſt, mit flüſſig gemach⸗ tem Talg. Sodann beſtreicht man die ganze Oberfläche des Bruchſackes, mittelſt eines Hölzchens, mit concen⸗ trirter Schwefelſäure(Vitriolöl), und zwar zweimal am erſten, und noch einmal am folgenden Tage. Durch dieſes Mittel entſteht an der Bruchſtelle eine ziemlich beträchtliche Geſchwulſt und Entzündung; die mit Vi⸗ triolöl befeuchtete Haut wird brandig, ſchwarz und trocken, und nach einiger Zeit durch Eiterung abge⸗ ſtoßen. Dieſen ganzen Vorgang überläßt man ſich ſelbſt, denn es erfolgt die Heilung und Vernarbung ohne unſer Zuthun. Beim Nabelbruch der Lämmer kann man ſich ent⸗ weder des Abbindens oder des Aetzens mit Schwefel⸗ ſäure bedienen; das Gleiche gilt von Schweinen und Hunden. Da die Hunde jedoch gewöhnlich an den be⸗ netzten Stellen lecken, welches unter dieſen Umſtänden nachtheilig werden könnte, ſo bindet man den Bruch⸗ ſack lieber ab. Man drückt den Bruch zurück, durch⸗ ſticht den ſo weit als möglich hervorgezogenen Bruch⸗ ſack dicht an ſeiner Baſis mit einer Stecknadel, und legt unterhalb dieſer Nadel ein hinreichend ſtarkes Band an. Der Bruchſack fällt dann bald nebſt Nadel ab. c. Leiſtenbrüche. Sie kommen nicht ſehr oft und dann noch am häufigſten beim Pferde vor; bei ihnen tritt ein Theil der Gedärme durch den Bauch⸗ oder Leiſtenring nach außen, zuweilen auch in den Hodenſack. Dieſe Art der Brüche iſt die gefährlichſte, theils wegen ihrer Lage, theils weil ſie ſehr leicht ein⸗ geklemmt werden. Um die Heilung zu bewirken, wirft man das Thier zu Boden, legt es auf den Rücken, und verſucht die vorgefallenen Theile durch paſſende Mani⸗ pulationen mit den Fingern wieder in die Bauchhöhle 391 zurückzuſchieben. Gelingt dieß nicht, ſo bleibt ſelten etwas anderes übrig, als die blutige Operation; die Haut des Bruchſackes wird durch einen langen Schnitt getrennt, die Ränder des Bauchringes mit Meſſer oder Scheere wund gemacht, und hierauf die Oeffnung durch mehrere Hefte zugenäht. Iſt der Bruch ein Ho⸗ denſackbruch, ſo kaſtrirt man das Thier gleich darauf. Aderläſſe, Ruhe und wenig oder gar kein Futter ſind dem glücklichen Ausgange der Operation förderlich. d. Eingeklemmter Bruch. Hierbei ſind die durch den Bruchring getretenen Theile von ihm derge⸗ ſtalt eingeſchnürt, daß ſie ſich nicht zurückbringen laſ⸗ ſen, weil die Oeffnung des Bruchringes zu klein iſt. Am häufigſten werden die Leiſtenbrüche eingeklemmt. Die Bruchſtelle iſt entzündet und bei der Berührung empfindlich; der Bruch fühlt ſich mehr oder weniger heiß und hart an. Dabei äußert das Thier allgemeine Krankheitszeichen, es fiebert, benimmt ſich wie bei der Kolik, und geht endlich unter den Zufällen von Darm⸗ entzündung zu Grunde. Im Allgemeinen iſt ein ein⸗ geklemmter Bruch mit großer Gefahr verbunden; tritt nicht zeitig eine angemeſſene Hülfe ein, ſo geht der Inhalt des Bruches in Entzündung und Brand über, welches dann unausbleiblich den Tod zur Folge hat. Das einzige Mittel iſt in ſolchen Fällen eine zeitig ausgeführte Operation; der Bruchſack wird aufge⸗ ſchnitten, der verengte Bruchring mit dem Meſſer er⸗ weitert, der vorgefallene Theil dann zurückgeſchoben, und die Wunde geheftet. Starke Aderläſſe, Hunger, Ruhe, öftere Klyſtire und Abführungen aus Calo— mel mit Glauberſalz ſind dann die entſprechenden Mit⸗ tel. Zur Ausführung der Operation eines einge⸗ klemmten Bruches ſind Sachkenntniß und operative Geſchicklichkeit unentbehrlich. 129. Ungeziefer. Die Hausthiere werden öfters von verſchiedenen auf ihrer Haut befindlichen, kleinen Schmarotzerthieren geplagt, welche, wenn ſie in großer Anzahl vorhan⸗ den, mindeſtens dem guten Gedeihen des Thieres mehr oder weniger hinderlich ſind. a. Beim Pferde. Daſſelbe leidet von allen Hausthieren am wenigſten an Ungeziefer; ſein kurzes Haar, die Gewohnheit daſſelbe zu putzen ꝛc. mögen wohl den Grund dafür abgeben. Es ereignet ſich zu⸗ weilen, daß Pferde, beſonders Füllen, von Läuſen 392 befallen werden, welche denen des Menſchen ſehr ähn⸗ lich, nur größer ſind; gewöhnlich ſind dergleichen be⸗ fallene Thiere Kümmerlinge und ſchlecht gepflegt. Aber mitunter ſieht man auch Läuſe bei den beſtgenährten und ſehr reinlich gehaltenen Stücken. Sie haben mei⸗ ſtens in den Mähnen, dem Schweife und auf dem Kreuze ihren Sitz; ſie ſcheinen das Thier nicht ſehr zu incommodiren, und nicht mit einem erheblichen Jucken verbunden zu ſein. Sind dieſelben in großer Zahl vorhan⸗ den, ſo können ſie vielleicht die Ernährung des Thieres etwas ſtören, weshalb ihre Entfernung bewirkt werden muß. Dieſes geſchieht leicht dadurch, daß man von Zeit zu Zeit, und bis zum Verſchwinden der Läuſe, etwas graue Merkurialſalbe auf den Grund der Haare an den befallenen Stellen ſtreicht. Noch beſſer iſt fol⸗ gendes Mittel: Ein viertel Pfund Peterſilienſamen wird mit einem Quart kochenden Waſſers übergoſſen, und mit dieſem Aufguſſe, nachdem er etwa eine Stunde hindurch gezogen hat, werden Mähnen, Schweif und Kreuz gründlich gewaſchen; die Läuſe verſchwinden ge⸗ wöhnlich ſchon nach einer einzigen Waſchung. Sollte dieſes nicht der Fall ſein, ſo kann man ſie nach etwa acht Tagen wiederholen. Ein anderes Inſekt, von welchem das Pferd oft ſehr gepeinigt wird, iſt die Pferdelaus⸗ fliege; dieſelbe iſt faſt ſo groß als eine Stubenfliege, platt und von brauner Farbe. Gewöhnlich ſetzt ſich dieſes Inſekt an die dünnbehaarten Theile des Bau⸗ ches, deshalb an Euter und Schlauch, und an die innere Fläche der Hinterſchenkel; hier ſaugt es ſich mit ſeinem Rüſſel ſehr feſt ein, und erregt dem Pferde nicht ſelten ſolche Schmerzen, daß daſſelbe unruhig und wild wird, hintenausſchlägt, und ſich wie raſend ge⸗ berdet. Oft iſt eine einzige derartige Fliege im Stande dieſes Benehmen des Pferdes hervorzubringen. In einem ſolchen Falle ſuche man ſich dem Pferde mit Vorſicht zu nähern, um die Lausfliege mit den Fin⸗ gern oder mit einem Stöckchen zu entfernen. Manch⸗ mal aber häufen ſich dieſe Inſekten ſo ſehr, daß ſie dem Thiere durch den erzeugten Säfteverluſt ſichtbaren Schaden bringen, und da hier dann das Ableſen nicht gut ausführbar ſein würde, ſo wendet man folgendes Mittel an. Mineraliſcher Moor, vier Loth, und Schweinefett, ein halbes Pfund, werden zur Salbe gemiſcht; mit ihr wird das Haar an den befallenen Stellen dünn beſtrichen; vierundzwanzig Stunden ſpä⸗ ter ſind die Lausfliegen verſchwunden, und es iſt dann anzurathen, die Salbe mit grüner Seife und warmem 1 129. Ungeziefer. Waſſer wieder abzuwaſchen. Oft werden die Pferde, beſonders im Sommer und Herbſte, durch verſchiedene fliegenartige Inſekten geplagt; namentlich durch die ſogenannte blinde oder Stechfliege; es entſtehen nach ihren Stichen kleine Beulen auf der Haut, und das Pferd leidet von ſolchen Fliegen oft ſehr, beſonders wenn ſie ſich in das Ohr, an den Schlauch, die Naſe zc. ſetzen; das Pferd wird unruhig, ſtampft und ſchlägt mit den Füßen ꝛc. Noch ſchmerzhafter, und ſelbſt gefährlich, ſind die Stiche der Bienen, Weſpen und Horniſſen, und es ſind ſogar Fälle bekannt, in de⸗ nen Pferde durch ganze Schwärme ſolcher Inſekten ge⸗ tödtet wurden. Durch Fliegennetze kann man die Flie⸗ gen zum Theil abhalten, und es würde dieſes noch ſicherer durch verſchiedene Mittel, z. B. durch Wa⸗ ſchungen mit einer Abkochung von Coloquinten gelin⸗ gen, allein dieſes müßte oft wiederholt werden, wo⸗ durch das Mittel theils theuer, theils umſtändlich wird. Sollte ſich der Fall ereignen, daß ein Pferd von einem Bienenſchwarm ꝛc. überfallen würde, ſo müßte man ſofort ſehr ſtark zur Ader laſſen, und das Pferd ent⸗ weder ſehr oft mit kaltem Waſſer begießen, oder noch beſſer bis über den Rücken anhaltend ins kalte Waſſer ſtellen. Der Oeſtrusfliegen und der Krätzmilben, welche ebenfalls hierher gehören, iſt ſchon a. a. O. ausführ⸗ licher Erwähnung geſchehen. b. Beim Rinde. Auch das Rind wird zuwei⸗ len von Läuſen befallen, zumal Kälber und Jungvieh, beſonders ſolches, welches unrein gehalten und ſchlecht gefüttert wird. Kopf, Hals, Schultern und Rücken ſind der häufigere Sitz der Läuſe; geſchieht nichts zu ihrer Vertreibung, ſo kann das befallene Stück ſo ſehr herunterkommen, daß es zu Grunde geht. Die Kur kann ganz ſo eingerichtet werden, als bei den Läuſen des Pferdes; außerdem ſind auch noch folgende Mit⸗ tel ſehr wirkſam. Es wird ein Pfund Tabak mit vier Quart Waſſer eine halbe Stunde hindurch gekocht, die Flüſſigkeit durchgeſeihet, mit zwei Quart Branntwein gemiſcht, und mit dieſer noch heißen Flüſſigkeit der befallene Theil der Haut gewaſchen oder ſtark benetzt. Reinliches Halten des Thieres, öfteres Putzen und gutes und hinreichendes Futter beſchleunigen und befe⸗ ſtigen die Kur. Der Viehbremſen iſt ſchon früher erwähnt. c. Beim Schafe. Die Laus der Schafe iſt die kleinſte von allen; ſie findet ſich zuweilen, ſelbſt bei den beſtgenährten und geſundeſten Stücken, ohne be⸗ kannte Urſachen. Iſt das Schaf ungeſchoren und lang⸗ 129. Ungeziefer. bewollt, ſo macht die Beſeitigung einige Umſtände, indeſſen kann man die Wolle, beſonders längs dem Rücken, ſcheiteln und hier etwas graue Queckſilber⸗ ſalbe auf die Haut ſtreichen, doch mit der Vorſicht, daß man eine nicht zu große Menge der Salbe ver— wendet, denn dieſes kann Nachtheil bringen. Ein Loth iſt für jede, etwa von acht zu acht Tagen zu wieder⸗ holende, Einreibung eine hinreichende Quantität. Will man ſich eines anderen Mittels bedienen, ſo nimmt man die beim Rindvieh empfohlene Tabaksab⸗ kochung. Außer durch eigentliche Läuſe wird das Schaf ungemein oft von der Schafzecke, oder fälſch⸗ lich, aber gewöhnlich, ſogenannten Schaflaus geplagt. Sie iſt braun von Farbe, ziemlich groß und allgemein bekannt. Sie ſitzt zuweilen in Menge unter der Wolle auf der Haut, und ſaugt ſich voll vom Blute des Schafes. Abkochungen von Tabak oder auch von den zerſchnittenen Wurzeln des Ahornbaumes, mit welchen das Schaf gewaſchen wird, vertreiben dieſe Schma⸗ rotzer; die Anwendung des Mittels iſt jedoch unbe⸗ quem und umſtändlich. Sind deshalb nicht gar zu viele Lausfliegen bei dem Individuum zugegen, ſo warte man bis zur Schur; mit dem Verluſte der Wolle verlieren ſie ſich ebenfalls. Von den Schafbremſen iſt ſchon früher gehandelt worden. b. Beim Schweine. Bei dieſem unreinlichen Thiere finden ſich oft Läuſe, beſonders bei ſehr unrein gehaltenen Ferkeln; ſind die Läuſe in großer Anzahl vorhanden, ſo ſcheuert ſich das Thier unaufhörlich, reibt zum Theile die Borſten ab, und die Haut wund. Unter ungünſtigen Umſtänden magert das Thier ab, und verfällt in allgemeine Abzehrung. Hier iſt es dann um ſo dringender erforderlich, die Läuſe durch ſie tödtende Mittel zu vertreiben, zu welchem Behufe die nachſtehenden geeignet ſind. Zuerſt wird das Schwein mit warmem Seifenwaſſer mittelſt einer Bürſte ſorgfältig gereinigt, und dann an einem trocknen, mit hinreichender Streu verſehenen Ort untergebracht; darauf beſtreicht man die am meiſten befallenen Stellen täglich einmal, und vier bis ſechs Tage hinter⸗ einander, jedoch nur dünn, mit einer Salbe aus zwei Quentchen ſalpeterſaurem Queckſilberorydul und einem halben Pfunde grüner Seife. Vor der jedesmaligen neuen Anwendung der Salbe wird die Tags zuvor eingeriebene mit warmem Waſſer, unter Anwendung der Bürſte, abgewaſchen. Sollte die⸗ 393 ſes Mittel nicht helfen, ſo kann man eine ſtarke Ab⸗ kochung von Peterſilienſamen benutzen, oder eine mäßig ſtarke Abkochung von Tabak(etwa ein halbes Pfund Tabak auf vier Quart Waſſer). Reinliches und gutes Futter wird die Wiederkehr der Läuſe verhüten. e. Beim Hunde. Bei ihn finden ſich Läuſe und Flöhe, oft beide gleichzeitig und nicht ſelten in ungemein großer Menge. Der Hund kratzt ſich mit den Füßen, benagt die Haut mit den Zähnen, winſelt auch wohl, und befindet ſich in ſteter Unruhe. Sind ſehr viele Flöhe vorhanden, ſo wird die Haut dadurch roth und wund, und hat das Anſehen wie bei der Räude. Die Beſeitigung dieſes Ungeziefers iſt nicht ſchwer, und es ſtehen ſehr viele und ſehr wirkſame Mittel in dieſer Hinſicht zu Gebote, von denen hier nur einige genannt werden ſollen. In einigen Fällen reichen häufige Waſchungen mit Seifenwaſſer, ſo wie das wiederholte Kämmen der Haare, aus; oft iſt dieſes aber auch nicht der Fall, und es ſind dann einige andre Mittel anzuwenden, z. B. vier Loth Schwefelleber werden in einem halben Quart warmen Waſſers auf— gelöſt, und hiermit die ganze Haut des Hundes be⸗ feuchtet, und zwar vier bis ſechs Tage hintereinander; oder es wird von einer Salbe aus einem halben Quent⸗ chen ſalpeterſauren Queckſilberoxyduls und vier Lothen grüner Seife täglich einmal, und vier Tage hindurch, an verſchiedenen Stellen etwas auf die Haut geſtrichen, und dieſe Salbe allemal am nächſten Tage mit war⸗ mem Waſſer und einer Bürſte wieder entfernt. Ab⸗ kochungen von Coloquinten und Tabak ſind ebenfalls ſehr wirkſam, aber nicht ohne alle Gefahr in ihren Folgen; beſſer— und auch unſe chädlich— iſtein Aufguß von Peterſilienſamen. Auch das Beſprengen der Haut mit Anisöl bringt, namentlich die Flöhe, zum Wei⸗ chen. Alle dieſe Mittel ſind jedoch nicht im Stande, die Wiederkehr von Ungeziefer zu verhindern; denn da die Hunde gewöhnlich mit anderen Hunden in Berüh⸗ rung kommen, ſo ſammeln ſie von dieſen wieder auf. Das einzige Sicherungsmittel dagegen ſoll darin be⸗ ſtehen, daß man dem Hunde eine Lagerſtätte aus Ho⸗ belſpänen von friſchem Tannenholze giebt. Dieſe Hobelſpäne müſſen ſo fein ſein, daß ſie ein weiches Lager abgeben, auch ſind ſie alle vierzehn Tage mit neuen zu wechſeln. Das wöchentlich zweimalige Be⸗ ſtreuen jedes anderen Hundelagers mit etwas gepul⸗ vertem Colophonium ſoll denſelben guten Erfolg haben. Wagenfeld, Encyel. 50 130. Zahnfiſtel beim Pferde. 131. Knochenbruͤche. 130. Zahnfiſtel beim Pferde. Die Zahnfiſtel giebt ſich durch eine knochenharte Geſchwulſt an dem unteren Rande des Hinterkiefers zu erkennen; in der Mitte der Geſchwulſt befindet ſich eine kleine Oeffnung, aus welcher ein dünner, meiſt ſehr übelriechender Eiter ausfickert. Geht man mit einer Sonde oder Stricknadel in dieſe Oeffnung ein, ſo ſtößt man auf die angegriffene Zahnwurzel. Ge⸗ wöhnlich hat die Fiſtel an der Stelle ihren Sitz, welche der Wurzel des zweiten oder dritten vorderen Backen⸗ zahnes im Unterkiefer entſpricht. Die Krankheit macht dem Pferde oft große Schmerzen, ſo daß es ſchlecht frißt; die Knochenauftreibung wird immer größer, ſo daß zuletzt der Fall ſehr üble Folgen haben kann. Man glaubt faſt allgemein, daß eine äußere Ver⸗ letzung, z. B. ein Schlag c., die Urſache der Zahnfiſtel abgebe, aber das iſt meiſtens irrig. Das Uebel entſteht nämlich faſt allemal nur bei drei⸗ bis drei und ein halbjährigen Pferden und zwar dadurch, daß der zum Wechſeln beſtimmte Milch⸗Backzahn nicht aus⸗ fällt, und deshalb einen Druck auf den nachfolgenden Zahn ausübt. Meiſtens leidet nicht der Zahn ſelbſt, ſondern nur die Zahnhöhle des Kiefers. Am häufig⸗ ſten entſteht der Fehler bei weichem Futter. Man hat zur Kur verſchiedene Verfahrungsweiſen angegeben. So ſoll man den angeblich ergriffenen Zahn herausnehmen, entweder mit einer eigens dazu gefertigten großen Zange, oder dadurch, daß man den Unterkiefer an der kranken Stelle anbohrt, und den Zahn, mittelſt eines Stemmeiſens und Hammers, nach der Maulhöhle zu herausſchlägt. Dieſes Verfahren iſt aber theils brutal, theils auch ganz entbehrlich. Da nämlich der Zahn ſelbſt in der Regel geſund und nur der Kiefer vom Knochenfraß ergriffen iſt, ſo ver⸗ fährt man weit paſſender, wie folgt: Man macht in die Haut an der Stelle, an welcher ſich die Fiſtelöff⸗ nung befindet, einen hinreichend großen Kreuzſchnitt, trennt die Hautlappen von ihrer Unterlage, bohrt mit einem Trepan oder Hufbohrer eine hinreichend große Oeffnung in den Kiefer ein, und ſteckt täglich einmal eine mit Kreoſot befeuchtete Heedeflocke in die gemachte Oeffnung, und bis auf die Zahnwurzel, ein. In acht Tagen iſt die Heilung meiſtens erfolgt, und man über⸗ läßt die Zuheilung der äußeren Wunde dann ſich ſelbſt. Sollte, was ſelten iſt, die Zahnfiſtel ſich am Oberkiefer zeigen, ſo wird auf ähnliche Weiſe ver⸗ fahren. Anmerkung. Auch beim Rindvieh, jedoch meiſtens nur bei Ochſen, entſteht zuweilen eine Zahn⸗ fiſtel, welche nicht ſelten eine mehere Fäuſte große Auf⸗ treibung des Kiefers erzeugt. Oft kommen dergleichen Geſchwülſte auch am Oberkiefer, neben den Naſenrücken und unterhalb des Auges, vor. Urſachen und Kur ſind weſentlich dieſelben wie beim Pferde. Oft beſteht die Geſchwulſt nur aus einer weicheren, oft aber auch aus einer ſehr harten Maſſe. Man ſpalte die Haut, und haue mit Meißel und Hammer die Geſchwulſt, im Falle ſie knochenhart iſt, weg, oder, wenn ſie weicher iſt, durch⸗ fahre man ſie mehrfach, und bis auf den Grund, mit einem glühenden Eiſen. 131. Knochenbrüche.(Tab. XXX.) Es ereignet ſich nicht ſelten bei unſeren Hausthie⸗ ren, daß ein Knochen bricht, und in dieſem Falle tödtet man gewöhnlich das Thier, ohne irgend einen Heilverſuch zu machen. Es iſt nämlich ein faſt all⸗ gemein herrſchendes Vorurtheil, daß die meiſten Kno⸗ chenbrüche, beſonders bei den größeren Hausthieren, als Pferd und Rind, unheilbar ſeien; dieſes iſt aber ſehr oft ein Irrthum; denn in ſehr vielen Fällen iſt der Knochenbruch eines Pferdes oder Rindes ſehr wohl zu heilen, wenn auch in der Regel ſchwieriger, als bei 131. den kleineren Hausthieren. Daß bei Schafen und Schweinen viele Knochenbrüche leicht zu heilen ſind, wiſſen die meiſten Hirten. Die Heilung eines Kno⸗ chenbruches geſchieht auf folgende Art: An der Bruch⸗ ſtelle entſteht ſehr bald nach erfolgtem Bruche eine beträchtliche Entzündung, welche mit Ausſchwitzung einer Flüſſigkeit verbunden iſt. Dieſe Flüſſigkeit wird nach und nach hart, verwandelt ſich in Knorpel und ſpäter in Knochenmaſſe. Durch dieſe neue Knochen⸗ maſſe werden die Bruchenden des Knochens mit einan— der, wie durch einen Kitt, verklebt, und zwar in der Regel ſo feſt, daß leichter an jeder anderen Stelle des Knochens, als an der geheilten, ein neuer Bruch entſteht. Die Urſachen der Knochenbrüche ſind zahlreich; faſt allemal ſind ſie mechaniſcher Art; indeſſen ſchei⸗ nen manche Individuen leichter einen Knochen zu bre⸗ chen, als andere, ſo daß dazu eine Verſchiedenheit in der Dispoſition ſtatt zu haben ſcheint. Eine überaus große Anlage zu Knochenbrüchen giebt die Knochenbrüchig⸗ keit des Rindviehs; da dieſe Krankheit jedoch ſchon früher ausführlich beſprochen worden iſt, ſo kann von ihr jetzt nicht weiter die Rede ſein. Die gewöhnlich⸗ ſten äußeren Veranlaſſungen der Knochenbrüche beſte⸗ hen in ſehr heftigen Stößen und anderen zerſchmet⸗ ternd wirkenden Gewaltthätigkeiten, z. B. Hufſchlä⸗ gen, Stürzen, heftigen Anſtrengungen und Sprüngenzc. Bei Zugpferden kann leicht ein Knochen brechen, wenn der Wagen umfällt, die Deichſel bricht ꝛc.; beim Wer⸗ fen, zum Zweck einer Operation, kann ein Pferd Rippen und ſelbſt Schenkelknochen brechen. Sogar das plötzliche Aufſpringen vom Lager kann einen Schenkelbruch zur Folge haben, und zwar durch das bloße Gewicht des Körpers. a. Brüche am Kopfe. Es ereignet ſich zu⸗ weilen, daß beim Pferde, beſonders beim Ueberſchla⸗ gen auf Steinpflaſter oder durch Anrennen an eine Mauer, das Hinterhaupts⸗ oder das Schläfenbein zer⸗ ſplittert oder eingedrückt wird; ein Fall, der meiſtens tödtlich wird, da das dicht unter jenen Knochen gelegene Gehirn dabei mehr oder weniger leidet. Das Pferd liegt dann faſt gewöhnlich bewußtlos da, in heftigen tumultuariſchen Bewegungen, oder betäubt und wie ſchlafend. Hier iſt faſt jedes Hülfsmittel vergeblich; indeſſen kann man allenfalls verſuchen die Gehirnent⸗ zündung, welche hier allein den Tod bringt, durch ſtarke und wiederholte Aderläſſe, unausgeſetzte Um⸗ Knochenbruͤche. 395 ſchläge von Schnee, Eis oder eiskaltem Waſſer auf den Schädel, ſo wie durch häufige Klyſtire und innerlich mit Glauberſalz, Salpeter und Calomel zu bekämpfen. Häufiger als die genannten Knochen brechen die Stirnbeine, und beſonders die Augenbogen deſſelben; Anrennen mit dem Kopfe gegen harte Gegenſtände, Schläge mit dem Peitſchenſtile ꝛc. ſind die gewöhn⸗ lichſten Veranlaſſungen. Iſt bei dem Stirnbeine die äußere Haut verletzt, und ſtehen etwa Knochenſplitter hervor, ſo entferne man dieſe durch die Zange; in allen Fällen aber macht man anhaltend recht kalte Umſchläge, und ſind die Zeichen von Fieber, Betäu⸗ bung ꝛc. vorhanden, ſo pafſen Aderläſſe, Laxanzen, Klyſtire ꝛc. Iſt der Augenbogen des Stirnbeins ge⸗ brochen, ſo entſteht gewöhnlich eine ſehr heftige Augen⸗ entzündung. Dieſe ſucht man durch fortgeſetzte kalte Umſchläge zu mäßigen, allenfalls auch unter Ausfüh⸗ rung eines Aderlaſſes; iſt der Augenbogenknochen nie⸗ dergedrückt, ſo ſuche man ihn mit einem Haken wieder in ſeine natürliche Lage empor zu heben. Beim Rindvieh ereignet es ſich ziemlich oft, daß ein Horn abbricht; entweder iſt das Horn nur vom Hornzapfen getrennt, oder letzterer ſelbſt iſt, ſammt dem Horne, abgebrochen; beide Fälle haben nicht viel zu bedeuten, und die dabei ſtattfindende Blutung ſtillt ſich von ſelbſt. Iſt das Horn blos vom Hornzapfen abgegangen, ſo ſchlage man einen mit Theer beſtrichenen Leinwandlappen um denſelben; in wenigen Monaten hat ſich der Zapfen mit neuer Hornmaſſe bedeckt. Iſt das Horn ganz abgebrochen, ſo kann man durch die entſtandene Oeffnung bis in die Stirnhöhle ſehen; auch hierbei iſt keine Gefahr. Man legt über die Oeff⸗ nung einen Theerlappen, und überläßt die Heilung der Natur. Nach und nach ſchließt ſich die Oeffnung, in⸗ dem ſich theils Haut, theils eine unfoͤrmige Hornmaſſe über der Oeffnung bildet. Sollte der Hornzapfen einen ſplittrigen Bruch haben, ſo ſäge man ihn bis zu der Stelle, wo die Splitterung aufhört, ab, und lege dann über denſelben einen Theerlappen. Nicht ſelten ereignet es ſich beim Pferde, daß durch irgend eine Gewaltthätigkeit die Naſenbeine zerbrechen und eingedrückt werden; man findet dann an der Stelle eine widernatürliche Vertiefung. Die Naſenſchleim⸗ haut wird dadurch entzündet und verdickt, der Naſen— kanal aber verengt, wodurch dann der Luftſtrom durch die Naſengänge erſchwert iſt, ſo daß ein ſchnaufendes Athemholen entſteht. Durch die dadurch 50* 396 bewirkte, anhaltende Reizung der Naſenſchleimhaut kann ein langwieriger Naſenausfluß und ſelbſt, in deſſen Folge, die Rotzkrankheit entſtehen. Sind Knochen⸗ ſplitter nach außen hervorragend, ſo entfernt man ſie; außerdem geht man mit einem mit Leinwand umwickel⸗ ten Holzchen in die Naſenlöcher ein, und verſucht durch einen ſtarken Druck die eingedrückten Knochen zu heben und in ihre natürliche Lage zurück zu bringen. Iſt der Knochenbruch ſehr weit nach oben und der Stirn nahe, ſo kann man denſelben mit dem Hölzchen nicht erreichen. Es müſſen dann die eingedrückten Knochentheile mit Trepan und Hebel emporgehoben werden. Brüche des Unterkiefers kommen nicht ſelten vor, und zwar mei⸗ ſtens durch Stürzen und heftige Stöße. Es giebt mehrere Beiſpiele von gelungener Heilung. Man legt auf den unteren Rand des Unterkiefers mehrere mit Leinwand umwickelte Schienen, und befeſtigt dieſe mit Riemen, welche Unterkiefer und Oberkiefer ſo zu⸗ ſammenhalten, daß das Pferd das Maul fortwährend geſchloſſen halten muß. Das Pferd wird mit dicken Mehltränken ernährt, welche ihm mit einer Spritze ſeitlich in das Maul eingeſpritzt werden. Nach etwa vier Wochen kann man den Verband abnehmen, doch iſt das Pferd mindeſtens noch die nächſten zwei Wochen ausſchließlich mit Mehlwaſſer zu nähren. Alsdann giebt man weiches Futter, als Kleie, Schrot⸗ brei ꝛc. Iſt die Heilung erfolgt, ſo wird dann das gewöhnliche Futter wieder gereicht. d. Brüche der Hals⸗ und Rumpfkno⸗ chen. Es ereignet ſich nicht ſelten, daß die Wirbel brechen; tritt ein ſolcher Fall ein, ſo iſt die Kunſthülfe meiſtentheils ohnmächtig und unvermögend einen we⸗ ſentlichen Nutzen zu leiſten. Gewöhnlich wird das Rük⸗ kenmark dabei gequetſcht, das Thier vermag nicht zu ſtehen ꝛc., und geht in kurzer Zeit, theils durch die Krankheit ſelbſt, theils durch die Folgen des anhal— tenden Liegens, zu Grunde. Brüche der Rippen kommen oft vor; Hufſchläge, Deichſelſtöße, plötzliches Niederfallen auf hartem, un— gleichem Boden, brutale, dem Pferde mit einem Ham⸗ mer oder Knippel verſetzte, Hiebe, Stöße mit den Hör⸗ nern ꝛc. ſind die häufigeren Veranlaſſungen der Rip⸗ penbrüche. Oft iſt nur eine Rippe gebrochen, zuweilen auch mehrere zugleich. Die Erkenntniß iſt gewöhnlich nicht ſchwer; man findet nämlich an der Bruchſtelle eine Vertiefung, welche beſonders bemerkbar wird, wenn man mit den Fingern auf der Rippe von oben 131. Knochenbruͤche. nach unten mit einem ſtarken Drucke herabgleitet, und nebenbei daſſelbe Manöver an den Nachbarrippen, rechts und links, ausführt. Die Rippe iſt entweder nur geknickt, oder ganz gebrochen; erſterer Fall iſt mei⸗ ſtens ohne üble Folge; bei wirklichem Bruche aber reizen die Bruchenden das Bruſtfell und die Lunge nicht ſelten ſo ſehr, daß darnach eine Bruſtentzündung ent⸗ ſteht, die leicht tödlich wird. Iſt neben dem Rippen⸗ bruch zugleich eine die Bruſtwand durchbohrende Ver⸗ letzung vorhanden, ſo iſt die Gefahr durch das Ein⸗ dringen der äußeren Luft noch größer; es kommt dann ein blutiger Schaum vor die äußere Wundöffnung, und durch Eingehen mit dem Finger kann man ſich von dem Zuſtande des Bruches genauer unterrichten. Sind die Rippen blos geknickt, ſo iſt kaum etwas dagegen zu thun nöthig; man findet, zumal bei ge⸗ ſchlachtetem Rindviehe, überaus oft geheilte Rippen⸗ brüche, ohne daß es beim Leben der Thiere bemerkt worden wäre, daß ſie Rippen gebrochen hatten. Iſt aber ein wirklicher Rippenbruch vorhanden, ſo ſind, beſonders beim Pferde, die Folgen oft verderblich, wes⸗ halb hier eine Kur nie unterbleiben darf. Iſt äußer⸗ lich eine Geſchwulſt vorhanden, ſo behandelt man dieſe durch kalte Umſchläge, und iſt eine Bruſtwunde zuge⸗ gen, ſo heftet man dieſe zuvor und zwar ſo, daß keine Luft mehr von außen in die Bruſthöhle treten kann. Sodann macht man einen Aderlaß(beim Pferde) von zwölf bis funfzehn Pfunden Blut, ſetzt vor die Bruſt ein Fontanell, und giebt eine Laxanz aus Oel und Glauberſalz. Treten die entſchiedenen Zeichen von Bruſtentzündung ein, ſo wird der Aderlaß, vierund⸗ zwanzig bis ſechsunddreißig Stunden ſpäter, in gleicher Stärke wiederholt. Man hat wohl vorgeſchlagen, die eingedrückten Rippenenden mit geeigneten Inſtrumen⸗ ten zu heben; dieſes iſt jedoch kaum anzurathen, theils weil die vorhandene Geſchwulſt die Hebung gewöhnlich erſchwert oder ganz verhindert, theils weil dazu zwei Oeffnungen in die Bruſt, neben der Bruchſtelle, ge⸗ macht werden müſſen, was nicht ohne Gefahr in ſeinen Folgen iſt. 4 Von den Beckenknochen brechen am häufigſten die der Hüfte. Plötzlicher Fall, heftiges Anſtoßen mit der Hüfte, z. B. beim ſchnellen Rennen in den Stall, geben die gewöhnlichen Urſachen ab. Oft bricht nur der äußere Winkel des Hüftknochens ab, oft aber auch der ganze Knochen. Betrachtet man das Thier von hin⸗ ten, ſo findet man die eine Hüftſeite niedriger und 131. mehr eingedrückt, als die andere; ein ſolches Thier nennt man dann einhüftig. Gewöhnlich entſteht nach dem Bruche an der Bruchſtelle eine Geſchwulſt; iſt jedoch dieſe noch nicht vorhanden oder ſchon gewi⸗ chen, ſo kann man das abgebrochene Knochenſtück ge⸗ wöhnlich unter der Haut und, von mehr oder weniger Muskeln bedeckt, fühlen; meiſtens liegt daſſelbe mehr nach vorn, und oft vier bis ſechs Zoll unter der Hüft— ſtelle. Der Fall hat nicht viel zu ſagen, denn die An⸗ fangs in der Regel vorhandene Lahmheit verliert ſich nach und nach, und gewöhnlich ganz nach dem Ver⸗ ſchwinden der Entzündung; wohl aber ſtellt die Ein⸗ hüftigkeit beim Pferde einen nicht unbeträchtlichen Schönheitsfehler dar. Umſchläge von kaltem Waſſer, anhaltende Ruhe und die Zeit bringen die Heilung zu Stande; eine Repoſition des gebrochenen Knochen⸗ ſtückes oder das Zurückbiegen in ſeine frühere Lage iſt jedoch unausführbar, indem die am Knochenſtückbefind⸗ lichen Muskeln daſſelbe mit zu großer Gewalt abwärts ziehen. Zuweilen entſteht an der Stelle, wo das ab⸗ gebrochene Knochenſtück liegt, eine ſehr bedeutende Entzündung, welche in Eiterung übergeht, und der Eiter ſenkt ſich dann oft bis in die Gegend der Knie— ſcheibe nach unten. Tritt ein ſolcher Fall ein, ſo ent⸗ leere man den Eiter durch einen am unterſten Theile der Geſchwulſt gemachten Einſtich mit dem Meſſer, und ſorge dafür, daß der ferner ſich bildende Eiter immer freien Abfluß nach unten habe. Die Heilung kann man dann ohne weiteres Hinzuthun der Natur überlaſſen. Andere Brüche am Becken, als an der Hüfte, ſind faſt immer ſehr bedenklich, zumal wenn der Bruch in der Gegend der Gelenkpfanne ſtatt hat. Es erfolgt zwar häufig eine Heilung, aber das Pferd iſt dennoch gewöhnlich zu jeder Dienſtleiſtung unbrauchbar. Ereig⸗ net ſich ein ſolcher Fall beim Rindviehe, ſo iſt eine ſchnelle Mäſtung das Rathſamſte. c. Brüche an den Gliedmaßen. Bei Pfer⸗ den und Rindvieh ſind die Beinbrüche in vielen Fäl⸗ len ſchwer zu heilen; Unfügſamkeit der Thiere, große Muskelkraft und viele andere Umſtände treten dem gu⸗ ten Erfolge der Heilung nur zu oft in den Weg. Den⸗ noch giebt es überaus zahlreiche Beiſpiele von glücklich geheilten Beinbrüchen dieſer beiden Thiergattungen, und es iſt daher anzurathen, zumal bei Pferden, die Kur in den meiſten Fällen wenigſtens zu verſuchen, beſonders dort, wo ein bedeutender Werth des Pferdes die Kurkoſten nicht in Betracht kommen läßt. Iſt Knochenbruͤche. 397 an einer Extremität irgend ein Knochen gebrochen, ſo kann das Pferd in der Regel von dieſer Gliedmaße gar keinen Gebrauch machen; es ſteht und geht auf drei Beinen. Da nun Pferd und Rind nicht ohne große Gefahr während der Dauer der Kur, liegend erhalten werden können, ſo müſſen ſie ſtehen; um ihnen nun das anhaltende Stehen, zumal da daſſelbe nur auf drei Beinen möglich iſt, zu erleichtern, müſſen ſie durch einen ſogenannten Hängegurt unterſtützt werden. Der⸗ ſelbe kann ſehr einfach auf folgende Weiſe gemacht werden: Man nimmt einen gewöhnlichen Kornſack, befeſtigt an deſſen beide Enden, durch mehrmaliges Umwinden und Feſtnähen, jederſeits einen hinreichend ſtarken Stock, deſſen Enden etwa einen halben Fuß über die Seitenränder des Sackes hervorſtehen. Dieſer Apparat wird unter dem Bauche hinweggezogen, und an die vorſpringenden Enden der Stöcke werden ſtarke Stricke befeſtigt, welche man an der Decke des Stal— les mit einem dickeren Stricke oder mit einer Kette und zwar ſo anbringt, daß der Rumpf des Thieres dadurch weſentlich unterſtützt wird(Fig. 10.). Auf dieſe Weiſe hat das Pferd oder Rind im Hängegurte einigen Stützpunkt, und wird, was noch weſentlicher i*ſt, dadurch zugleich am Niederlegen verhindert. a. a. Brüche des Schulterblattes. Dieſer Knochen bricht ſelten, und dann faſt nur beim Pferde; der Bruch kann verſchiedene Richtungen haben, in die Quere, in die Länge oder ſchräg; bewirkt wird er faſt ausſchließlich durch äußere Gewaltthätigkeiten, z. B. Hufſchläge, Deichſelſtöße, Niederfallen auf ſehr hartem, unebenem Boden ꝛc. Ein ſolcher Knochenbruch iſt nicht ſo leicht zu erkennen; das Thier hinkt ſehr ſtark, und ſchleppt, wenn es vorwärts geht, den Schenkel nach, wobei es mit der Zehe des Hufes faſt den Erdboden berührt. Iſt der Bruch friſch, ſo ſind Schmerz, Geſchwulſt und Hitze vorhanden; hebt man das kranke Bein und bewegt es nach verſchiedenen Richtungen, ſo zeigt das Pferd heftige Schmerzen, hebt ſich, oder weicht zur Seite. Legt man die Hand feſt auf die Bruchſtelle, und läßt man den Schenkel durch einen Gehülfen nach verſchiedenen Richtungen bewe⸗ gen, ſo wird man das Knarren der gegen einander ſich reibenden, gebrochenen Knochenſtücke fühlen, oder legt man das Ohr unter gleichen Umſtänden dicht auf die Schulter, ſo kann man das Knarren(Krepitation) hören. Die Heilung erfolgt meiſtens ohne ſonderliches Zuthun der Kunſthülfe, denn die Knochenſtücke werden durch ihre 398 131. Knochenbruͤche. Form und Lage, und durch die bedeckenden Muskeln faſt genau in ihrer natürlichen Lage erhalten. Man ſtelle daher ein ſolches Pferd vier bis fünf Wochen in den Hängegurt, und thue außerdem— Nichts!— Die vorhandene Geſchwulſt iſt ſelten größer, als dieſes zur Heilung erforderlich iſt; ſollte dieſelbe aber ſehr bedeu⸗ tend ſein und lange anhalten, ſo kann man kalte Um⸗ ſchläge machen, und bildet ſich in ihr, was ſelten vor⸗ kommt, etwa Eiter, ſo entleere man dieſen durch einen angemeſſenen Einſtich am unterſten Theile der Ge⸗ ſchwulſt. b. b. Brüche des Arm⸗ oder Querbeins. Dieſe Brüche kommen bei allen Hausthieren vor, ob⸗ ſchon nicht eben ſehr oft; ſelten geht der Bruch in die Quere, ſondern meiſtens in mehr oder weniger ſchräger Richtung. Hinken und Schleppen des Beines ſind noch ſtärker als beim Bruche des Schulterblattes; die Erkennt⸗ niß iſt auch hier nicht leicht, weil der Knochen von dicken Muskellagen verdecktwird; indeſſen gelingt es doch durch die genaue Unterſuchung mit der Hand, an dem Knarren der gegen einander bewegten Knochenenden ꝛc. den Schaden zu erkennen. Daſich an dieſer Stelle eine Ban⸗ dagenicht wohl anlegen läßt, ſo überlaſſe man die Hei⸗ lung der Natur; durch ſie allein wird der Knochen in der Regel wieder zuſammenwachſen. Pferde und Rind⸗ vieh ſtellt man in den Hängegurt, kleinere Hausthiere laſſe man frei, doch iſt es paſſend, ſie im Stalle zu halten, ſo daß ſie nur wenig gehen oder laufen kön⸗ nen. In vier bis ſechs Wochen iſt meiſtens die Hei⸗ lung vollendet, oft ohne die geringſte Lahmheit zu hinterlaſſen. c. c. Brüche des Ellnbogenhöckers. Es kommt dieſer Fall zuweilen vor; man erkennt ihn daran, daß die Spitze des einen Ellnbogens weni⸗ ger vorſpringt, als die des anderen, und man kann, wenn noch keine bedeutende Geſchwulſt vorhanden iſt, das abgebrochene Knochenſtückunter der Haut fühlen. Daſſelbe wird durch die daran befindliche Sehne nach aufwärts gezogen; das Thier hinkt ſtark, und kann die Schenkel nichtſtrecken. Zum Gehen gezwungen ſchleift es den Schenkel nach. Die Heilung iſt ſchwer, da ſich das abgebrochene Knochenſtück nicht an ſeinen früheren Ort verſetzen läßt. Man halte das Thier in Ruhe, und ſehe einige Wochen an, was aus der Sache wird; zuweilen erfolgt noch eine erträgliche Heilung. d. d. Brüche des Vorarms, oder des Ellenbogenbeines und des Vorarmbeines. Dieſe beiden Knochen ſind dem Zerbrechen ziemlich oft ausgeſetzt, da ſie weit vom Rumpfe abſtehen, und nur von wenig dicken Muskellagen bedeckt werden. Ein un⸗ glücklicher Fall und äußere Gewaltthätigkeit ſind die häufigeren Veranlaſſungen. Die Erkenntniß iſt leicht; das Thier iſt unvermögend auf den kranken Schenkel zu treten; erfaßt man ihn an ſeinem unteren Theile, und macht hier verſchiedene Bewegungen, beſonders nach der äußeren Seite, ſo wird man eine Biegſam⸗ keit an irgend einer Stelle des Vorarms finden, die am geſunden Thiere nicht vorhanden iſt. Außerdem ſind Schmerzen, Entzündung und die allen Knochen⸗ brüchen eigenen Erſcheinungen zugegen. Bei Pfer⸗ den und Rindvieh wird die Kur auf nachſtehende Weiſe bewerkſtelligt. Zuerſt ſuche man genau die Stelle des Knochenbruches zu erforſchen; iſt dieſe gefunden, ſo ſuche man zuvörderſt die etwa gegeneinander ver⸗ ſchobenen Bruchenden der Knochen wieder in ihre na⸗ türliche Lage zu bringen. Zu dem Ende wird das Pferd gebremſet; ein Gehülfe ſtreckt den Fuß nach vorn, und der Arzt drückt und biegt die Knochenſtücke an ihren urſprünglichen Ort. Iſt dieſes erfolgt, ſo legt man eine etwa drei⸗ bis vier Zoll breite Binde aus ſtarker Leinwand recht feſt um die Bruchſtelle; über dieſelbe legt man von allen Seiten Schienen aus Holz, umwickelt dieſe abermals mit Leinewand, und legt dann den ganzen Schenkel in die Rinnmaſchine. Dieſe beſteht aus einem etwas gekrümmten und an ſeiner vorderen Fläche rinnenartig ausgehöhlten Holze, welches etwas länger, als der Schenkel ſelbſt iſt. Die Aushöhlung dieſer Maſchine iſt entweder mit Filz oder mit einem anderen weichen Körper auszuklei⸗ den; der Schenkel ſelbſt wird, wie geſagt, in die Rinne gelegt, und durch lederne, mit Schnallen verſehene, Riemen in derſelben haltbar gemacht. Damit aber der Schenkel durch die Riemen keinen Druck erleide, ſo lege man unter dieſelben etwas Stroh, Kuhhaare, Heede oder ähnliche weiche Körper. Am oberen hin⸗ teren Ende der Maſchine, befindet ſich ein Vorſprung, an welchem ein breiter Gurt oder Riemen befeſtigt und auf dem Widerrüſt zuſammengefügt wird. Unten ragt die Maſchine etwa vier Zoll über den Huf hin⸗ aus(Fig. 10.). In den erſten vier bis ſechs Tagen wird das ganze Bein öfters mit kaltem Waſſer begoſ⸗ ſen, zur Mäßigung der Entzündung; hat man Urſache zu fürchten, daß dieſe ſehr heftig iſt, ſo wird von Zeit zu Zeit die Bandage gelüftet, um nachzuſehen, ob ſie ———————— —³—— 8———— erfolgt zu ſein. 131. Knochenbruͤche. 399 nicht etwa zu feſt liegt, und ſo einen nachtheiligen Druck ausübt. Damit das Pferd theils eine Unterſtützung habe, theils um zu verhindern, daß es ſich nieder⸗ lege, ſtellt man es in einen Hängegurt. Nach vier bis fünf Wochen kann man die Bandage entfernen und verſuchen, ob etwa der Bruch feſt geheilt ſei; zeigt ſich noch Beweglichkeit an der Bruchſtelle, ſo wird die Bandage wieder auf einige Zeit angelegt. Zeigte ſich, gleich beim Beginn der Kur, eine bedeutende Geſchwulſt, ſo muß man die Einrichtung der Knochen ſo lange verſchieben, bis die Geſchwulſt zum Theil beſeitigt iſt. Kalte Umſchläge, ſelbſt Aderläſſe und Laxanzen ſind dann paſſend. Bei kleineren Hausthieren umwindet man die Bruchſtelle mehrfach mit Leinwand, legt dann über dieſelbe mit Leinwand umwickelte Schienen von Holz⸗ ſpähnen, befeſtigt dieſe mit Bändern oder Riemen, und hält das Thier ruhig— und im Stalle. Anfangs werden öfters Begießungen mit kaltem Waſſer gemacht, auch iſt oft nachzuſehen, ob ſich der Verband nicht verſchoben hat, oder etwa zu feſt oder zu locker ange⸗ legt iſt. Nach drei bis vier Wochen pflegt die Heilung Bei Hunden iſt es oft nöthig einen Maulkorb anzulegen, weil ſie leicht den Verband mit den Zähnen abreißen. Statt des Schienenverbandes kann man auch einen anderen wählen; man nimmt Papierſtreifen von anderthalb bis drei Zoll Breite, beſtreicht dieſe mit Kleiſter oder warmem Tiſcherleim, und legt dieſe Streifen um die Bruchſtelle, und zwar ſo oft übereinander, bis das Glied an der Bruchſtelle ſteif erſcheint. Ein ſolcher Verband, mit Geſchick an⸗ gelegt, iſt ſehr paſſend, denn Kleiſter und Leim trock⸗ nen und verhärten ſehr bald, und halten dann die Knochenenden in ihrer Lage. e. e. Brüche der Knochen im Vorder⸗ knie ereignen ſich ſehr ſelten; die ganze Kur beſchränkt ſich auf kuͤhle Umſchläge und ruhiges Halten des Thieres. f. f. Brüche des vorderen Schienbeins. Die Heilung erfolgt ziemlich leicht, ſelbſt beim Pferde und Rinde. Bei ihnen verfährt man weſentlich ſo, wie bei dem Bruche des Vorarms; Umwickelungen mit Leinwandſtreifen, Befeſtigung durch Schienen und das Legen des Schenkels in die Rinnmaſchine ſind auch hier erforderlich. Bei kleineren Hausthieren wird ein Verband aus Papierſtreifen mit Kleiſter oder Leim an⸗ gelegt, oder das Schienbein mit ſteifem Leder um⸗ wickelt, oder mit Schienen verbunden. . g. Brüche des Feſſelbeins. Sie hei⸗ len ziemlich leicht und auch vollkommen. Zu ihrer Heilung(bei Pferden) nimmt man ein Stück ſehr di⸗ ckes Leder, läßt daſſelbe in Waſſer erweichen, wickelt es alsdann feſt, und zwar in zwei Touren, um das gebrochene Feſſelbein, und befeſtigt es mittelſt ſtarker Bänder. Statt deſſen kann man auch einen Gips⸗ verband anlegen. Es wird eine Quantität Gips, mit feingeſchnittener Heede und etwas Sägeſpähnen ver⸗ miſcht, mit der erforderlichen Menge Waſſer angerührt, und der gebrochene Fuß bis zum Feſſelgelenke in die⸗ ſen Gipsbrei geſtellt. Dieſer Gipsverband wird in we⸗ nigen Minuten feſt, und hält die gebrochenen Knochen⸗ enden in ihrer Lage. Fünf bis ſechs Wochen ſpäter entfernt man den Gipsverband. Derſelbe muß unge⸗ fähr den Feſſel in einer Dicke von fünf bis ſechs Zollen umgeben. h. h. Bei Brüchen des Kronenbeins iſt ebenfalls der Gipsverband am paſſendſten, andere Ar⸗ ten des Verbandes ſind hier nicht gut anzubringen. i. i. Brüche des Hufbeins. Sie kommen ſelten vor; doch erfolgt ihre Heilung von ſelbſt, indem der Huf die Knochen in ihrer Lage erhält. Man ſchnei⸗ det die Sohle des Hufes recht dünn, und hält den Huf ſtets feucht und kühl; in zwei bis drei Monaten iſt die Heilung meiſtens erfolgt. k. k. Brüche des Backenbeins. Im All⸗ gemeinen heilen Knochenbrüche des Hinterſchenkels bei Pferden und Rindvieh viel ſchwerer, als die des Vor⸗ derſchenkels, beſonders deshalb, weil das Thier wäͤh⸗ rend der langen Dauer der Kur nicht gut auf einem Hinterſchenkel allein ſtehen kann. Die Heilung iſt ganz der Natur zu überlaſſen, denn der Knochen liegt zu tief in Muskeln, um hier irgend eine Bandage an⸗ zubringen. Rind und Pferd ſtellt man in einen Hãän⸗ gegurt; kleine Thiere läßt man unbeachtet, denn die Heilung erfolgt meiſtens dennoch. l. I. Brüche der Knieſcheibe ſind ſchwer zu heilen. Die Natur faſt nur allein kann hier möglicher⸗ weiſe eine Heilung zu Stande bringen. m. m. Brüche des Schenkelbeins bei kleinen Hausthieren werden ebenſo behandelt, wie die Brüche des Vorarmbeins; beim Pferde wird ebenfalls auf gleiche Weiſe verfahren, doch iſt die Heilung pro⸗ 400 132. blematiſch. Ereignet ſich ein ſolcher Bruch beim Rind⸗ viehe, ſo thut man wohl das Stück zu ſchlachten. n. n. Bei Brüchen der Sprunggelenk⸗ knochen erfolgt meiſtens eine Verwachſung der⸗ ſelben und deshalb Steifigkeit des Gelenkes, gegen die ſich kaum etwas unternehmen läßt. Die unter⸗ halb dem Sprunggelenke vorkommenden Knochen⸗ brüche werden ebenſo wie die am Vorderſchenkel be⸗ handelt. Amputationen oder Ablöſung eines größeren oder geringeren Stückes einer Gliedmaſſe ſind, namentlich beim Pferde und Rinde, nicht gut und nur in außer⸗ ordentlichen Fällen zuläſſig, z. B. wo es ſich um die Erhaltung eines Zuchtthieres handelt. An ſich iſt die Amputation ſonſt im Allgemeinen leichter auszuführen, als beim Menſchen. Man ſchreitet zur Amputation nur dort, wo unheilbarer Knochenbruch oder Knochen⸗ fraß vorhanden ſind. Einige Male hat man beim Feſtſtecken fremder Koͤrper im Schlunde. Pferde einen Theil einer Gliedmaſſe mit Meſſer und Säge fortgenommen, und den verloren gegangenen Theil alsdann durch ein künſtliches Glied erſetzt. So amputirte z. B. ein Thierarzt(Steiner) vor eini⸗ gen Jahren eine hochtragende Stute am Schienbeine eines Hinterſchenkels, und erſetzte den Verluſt des Schen⸗ kels durch ein hölzernes Bein, wovon Fig. 11. eine bildliche Darſtellung giebt. Die Stute gebar ein ge⸗ ſundes Füllen, nährte daſſelbe, und konnte ſpäter mit dem künſtlichen Fuße auf die Weide gehen. Beim Rindviehe ſind ähnliche Verſuche ſchon wiederholt mit Glück ausgeführt worden. Einzelne Klauen, ſo⸗ wohl beim Rinde als bei anderen Hausthieren, kön⸗ nen ohne ſonderlichen Nachtheil abgelöſt werden, und es muß dieſes ſogar allemal da geſchehen, wo Knochen⸗ fraß oder ein anderer Zuſtand der Klauen keine Hei⸗ lung erwarten laſſen. 132. Feſtſtecken fremder Körper im Schlunde. Es kommt zuweilen vor, zumal beim Pferde und beim Rinde, daß ein zum Verſchlucken beſtimmter Körper, wegen ſeiner Form oder ſeiner Größe, nicht den Schlund hinabgleitet, ſondern in demſelben ſtecken bleibt, und zwar an irgend einer Stelle der Hals⸗ theile des Schlundes. Kartoffeln, Stücke von Rüben, auch eine eingegebene Pille zꝛc. bleiben am öfterſten im Schlunde ſtecken. Daß ſich ein ſolcher Fall ereignet hat, erkennt man an dem plötzlichen Eintritte deſſel⸗ ben, und daran, daß das Thier nicht ſchlucken kann, ſtark geifert, ohne daß im Maule die Urſache davon zu entdecken wäre; auch findet ein häufiges Rackſen ſtatt; das Thier zeigt ſich ängſtlich und unruhig, athmet an⸗ geſtrengt und nicht ſelten pfeifend und hörbar. Mei⸗ ſtens findet ſich auch an einer der Halsſeiten, in der Rinne, in welcher die Halsader liegt, eine mehr oder weniger große Wulſt, welche den Sitz des fremden Körpers andeutet. Die Hülfe muß hier ſo ſchnell als möglich kom⸗ men, weil ſonſt, indem der fremde Körper die Luft⸗ röhre zuſammendrückt und verengt, leicht durch Erſtik⸗ kung der Tod erfolgen kann. Zuerſt ſetzt man dem Thiere ein Maulgatter ein, und unterſucht mit der Hand, ob der fremde Körper nicht etwa im hinteren Theile des Rachens ſtecken geblieben iſt. Findet dieſes nicht ſtatt, ſo gieße man etwa ein viertel Quart Oel in das Maul des Thieres, und verſuche den in dem Schlunde von außen fühlbaren Körper, durch einen Druck unterhalb deſſelben, nach und nach in die Höhe und nach dem Kopfe hin zu drücken. Dieſes gelingt jedoch ſelten, weil der fremde Körper gewöhnlich ziem⸗ lich feſt eingeklemmt wird; man ſucht ihn alsdann weiter in den Schlund hinabzuſtoßen, und zwar mit Hülfe eines hinreichend langen, etwa daumendicken und elaſtiſchen Stockes. Derſelbe wird an ſeinem vorderen Ende mit einem in Oel eingetauchten Knäul Heede umgeben, damit der Schlund nicht etwa verletzt werde. Ein Rohr oder eine ſtarke Weidenruthe ſind zu dieſem Behufe am paſſendſten; hat man etwa nichts anderes zur Hand, und iſt die Gefahr dringend, ſo kann man ſich auch eines geflochtenen Peitſchenſtils bedienen, der mit dem dünneren Theil voran in den Schlund eingeführt 133. Hufgelenklaͤhme. 40¹1 wird. Bei dem Einführen des Stockes hebt man den Kopf des Thieres hoch empor, und ſetzt ein Maulgatter ein; iſt ein ſolches aber nicht vorhanden, ſo wird die Zunge ſeitlich herausgezogen, damit das Thier den Stock nicht etwa abbeißt, und derſelbe dann im Schlunde ſtecken bleibt. Gelingt es nicht den fremden Körper auf die an⸗ geführte Art hinabzuſtoßen, ſo bleibt nichts anderes übrig, als denſelben durch die Operation zu entfernen. Zu dem Ende wird auf dem höchſten Punkte der äußer⸗ lich fühlbaren Geſchwulſt ein hinreichend großer Ein⸗ ſchnitt durch die Haut und den Schlund bis auf den fremden Körper gemacht, welcher dann herausgenom⸗ men wird, worauf man die Schlundwunde mit eini— gen Heften wieder vereinigt. In den erſten Wochen, und bis zur Vernarbung der Wunde, darf das Thier überhaupt nur flüſſiges Futter bekommen; Mehl⸗- und Schrottränke eignen ſich dazu am beſten. Die Operation des Schlundſchnittes iſt nicht leicht auszuführen und, wegen der leicht möglichen Verletzung großer Blutgefäße und Nerven, nicht ohne Gefahr, d. h. wenn der Ope⸗ rateur keine Geſchicklichkeit beſitzt. 133. Hufgelenklähme. Es kommt dieſe Lahmheit beim Pferde ziemlich oft vor, und ungleich öfterer, als man im Allgemei⸗ nen glaubt; ſie erſcheint faſt ausſchließlich an den Vorderfüßen. Läßt ſich an dem lahmen Schenkel nirgends eine auffallende Veränderung eines Theils entdecken, ſo wird der Fehler gewöhnlich für Bug⸗ lähme gehalten; dieſe iſt aber nach Verhältniß nur ſelten, und in der Regel hat man es in ſolchen Fällen mit der Hufgelenklähme zu thun. Das Pferd lahmt dabei mehr oder weniger ſtark; nach anhaltender Be— wegung wird die Lahmheit ſtärker; und es bleibt ſich dabei ziemlich gleich, ob das Pferd auf hartem oder wei⸗ chem Boden geht. Manchmal iſt die Lahmheit zu Zeiten geringer, ſo daß es ſcheint, als ob die Witte— rung einigen Einfluß darauf ausübe. Das Pferd tritt, umgekehrt als bei der rheumatiſchen Hufentzün⸗ dung, mehr auf die Zehe, und ſchont die Ballen; der Huf iſt ſelten vermehrt warm, der Puls klopft nicht ſtärker, und beim Drucke mit der Zange zeigt das Pferd keine Schmerzen im Hufe. Dieſer erſcheint in allen Theilen verkleinert, zuſammengezogen, wie zwanghu⸗ fig; die Trachten ſind ſehr hoch und eng, der Strahl mager. Leiden beide Füße zugleich, ſo hat das Pferd einen ſtuppigen Gang, ſtößt oft an und ſtolpert oft, greift im Gange nicht weit aus, und ſchont bald den einen, bald den andern Fuß, und wechſelt oft, um einen der Füße auf kurze Zeit zu ſchonen. Faſt alle zwanghufigen Pferde, wenn ſie lahm gehen, leiden an Wagenfeld, Encyel. der Hufgelenklähme, denn der bloße Zwanghuf macht das Pferd nicht lahm. Am häufigſten entſteht die Krankheit durch ſtarke Sprünge, Fehltritte, durch Druck und Verletzung der Ballengegend. Feine und feurige Pferde leiden am öf⸗ terſten an dieſer Lahmheit. Ihren Sitz hat ſie theils im Strahlbeine, theils in dem Theile der Beugeſehne des Hufes, welcher über das Strahlbein hinwegglei— tet, und ſich am hinteren Rande des Hufbeins feſtſetzt. Anfangs iſt einer dieſer Theile, oder auch beide zu⸗ gleich, nur einfach entzündet; ſpäter wird das Gewebe der Theile angegriffen. Der Knorpel des Strahlbeins wird rauh und angefreſſen, ebenſo die Sehne. Die Kur gelingt Anfangs in vielen Fällen. Der kranke Fuß wird in kaltes Waſſer geſtellt und in Kuh— miſt eingeſchlagen. Unter allen Umſtänden muß das Pferd im Stalle und in völliger Ruhe gehalten wer⸗ den, denn jede Bewegung vermehrt das Uebel, und verzögert oder hindert ſeine Heilung. Zeigt ſich bei dem Gebrauche der kalten Umſchläge nach zehn bis vierzehn Tagen nicht eine merkliche Beſſerung, ſo macht man rings um das Feſſelgelenk eine ſcharfe Ein⸗ reibung, und zwar mit der bei der Stollbeule verord⸗ netem Salbe; von ihr wird Abends einmal, und am nächſten Morgen nochmals, recht dick eingerieben. Sollte auch dieſes erfolglos bleiben, ſo zieht man acht bis vierzehn Tage ein Eiterband durch den Strahl. Man ſticht mit einer gekrümmten, ägends dazu ge⸗ 402 machten Nadel, im hinteren Theile des Feſſelgelenkes ein, und führt dieſelbe an der Spitze des Strahls wie⸗ der heraus, läßt das Band im Stichcanale ſitzen, und vereinigt ſeine Enden durch eine Schleife. Vor der Applikation des Eiterbandes werden Strahl und Sohle ſehr dünn geſchnitten, und nachher wird dem Pferde ein Hufeiſen mit Stollen aufgeſchlagen. Man läßt das Eiterband etwa vierzehn Tage liegen, befeuchtet den Huf oft, und hüllt ihn allenfalls in einen weichen Verband aus Heede und Leinwand. Hat die Hufgelenklähme ſchon einige Monate gedauert, ſo reichen die vorgenannten Mittel in der Regel nicht aus, und es bleibt dann nur noch der ſogenannte Nervenſchnitt übrig. Um ihn auszuführen, wird auf folgende Weiſe verfahren. Man ſcheert die Haare über dem Feſſelgelenke und an der inneren Fläche des Schienbeins kurz ab, wirft das Pferd nieder, ſpannt die Haut an der Opertionsſtelle an, durchſchneidet ſie, trennt den Nerven etwas los, hebt ihn mit einer krum⸗ men Nadel empor, und ſchneidet etwa ein Zoll langes Stück deſſelben mit dem Meſſer heraus. Hierauf wird die Hautwunde geheftet oder, noch beſſer, durch Heft⸗ pflaſterſtreifen vereinigt. Daß Pferd muß vier bis ſechs 134. Stelzfuß des Pferdes. Wochen im Stalle gehalten und der operirte Fuß angefeuchtet werden. Es entſteht allemal nach der Operation eine beträchtliche Entzündung, die aber weiter keine Gefahr hat. Oft iſt gleich nach der Ope⸗ ration die frühere Lahmheit verſchwunden. Manchmal braucht nur der Nerv einer Seite des Fußes durch⸗ ſchnitten zu werden, oft muß dieſes auf beiden Sei⸗ ten geſchehen. Gewöhnlich reicht aber die Durchſchnei⸗ dung des Nerven an der inneren Seite hin. Derſelbe liegt dicht vor den Beugeſehnen und neben der Puls- ader des Fußes; um dieſe nicht zu verletzen, iſt die ana⸗ tomiſche Kenntniß der Theile zur Operation erforderlich. Der Zweck der Operation iſt: die Empfind⸗ lichkeit der kranken Theile im Hufe zu vernichten, was auf die Durchſchneidung des Nerven ſicher erfolgt. Der Nervenſchnitt iſt auch bei vielen anderen langwie⸗ rigen Lahmheiten am unteren Theile der Füße nützlich; ſo z. B. bei verhärteten Gallen, bei Schaale, bei Ver⸗ knöcherung des Hufknorpels und bei vielen anderen Hufübeln. Nur bei Flach- und Vollhuf paßt er nicht, auch nicht dort, wo Zeichen von Entzündung im Hufe vorhanden ſind. 2 134. Stelzfuß des Pferdes.(Tab. XXX.) Der Stelzfuß kommt ſowohl an den Vorder⸗ als Hinterfüßen vor. Man verſteht darunter eine fehler⸗ hafte Stellung des unterſten Theiles der Gliedmaße; Feſſel und Kronengelenk ſtehen zu ſenkrecht und faſt gerade, wie eine Stelze; das Pferd tritt mehr mit der Zehe, als mit dem hinteren Theile des Hufes auf den Boden(Fig. 3.). Iſt das Uebel ſtärker, ſo be⸗ rührt der Huf nur mit der Zehe den Boden(Fig. 2.), die Gelenke ſind gekrümmt und nach rückwärts gebo⸗ gen. Der Gang eines ſolchen Pferdes iſt, je nach dem Grade des Fehlers, mehr oder weniger fehlerhaft und lahm; tritt das Pferd nur noch mit der Zehe auf, ſo iſt es kaum mehr zur Arbeit zu gebrauchen. Bei dem Stelzfuße können verſchiedene Zuſtände ſtattfinden; das Hufbein hat eine fehlerhafte, mehr ſenkrechte Stellung, die Gelenke ſind um und dicht über dem Hufe verwachſen, es iſt eine alte Hufgelenklähme vor⸗ handen, die Beugeſehnen des Huf- und Kronenbeins ſind verkürzt, es iſt ein Knoll⸗ oder Ringelhuf zuge⸗ gen. Die entfernteren Urſachen beſtehen in früheren Entzündungen, Verletzungen der Beugeſehnen und des Hufgelenkes, in Verſtauchungen des Feſſelgelenkes, Sehnenklapp ꝛc. Die Heilung iſt allemal mißlich. In den gelin⸗ deren Fällen kann oft durch einen paſſenden Beſchlag der Fehler mehr oder weniger gehoben werden. Der Huf wird nach und nach an ſeinen Trachten immer mehr niedergeſchnitten, und bekommt ſodann ein Huf⸗ eiſen ohne Stollen, an deſſen vorderem Rande eine ſchnabelartige Verlängerung ſich befindet(Fig. 3. a.). Im langſamen Zuge iſt das Pferd mit einem ſolchen Eiſen nicht nur brauchbar, ſondern der Fehler wird 135. oft dadurch ſelbſt weſentlich gebeſſert. Iſt die Rückbie⸗ gung des Hufes ſchon ſehr bedeutend, wie z. B. in Fig. 4, ſo richtet man mit dem Schnabeleiſen ſelten noch etwas aus, und es bleibt dann nur noch die Opera— tion des Sehnenſchnitts übrig. In der Mitte des Schienbeins wird ein drei bis vier Zoll breiter Ring kahl geſchoren, das Pferd geworfen, und mit einem ſichelförmigen Meſſer(Fig. 6.)der Sehnenſchnitt aus⸗ geführt. Manchmal iſt es hinreichend nur die Seh⸗ nen des Hufbeinbeugers(Fig. 5. b.) zu durchſchnei⸗ den, oft aber müſſen beide Sehnen, mithin auch die des Kronenbeinbeugers(Fig. 5. a.) durchſchnitten werden, zumal dann, wenn beide Sehnen mit einan— der verwachſen ſind. Iſt die Durchſchneidung der Seh⸗ nen erfolgt, ſo wird die Wunde mit Heftpſtaſterſtrei⸗ fen verbunden, der Fuß oft mit kalten Waſſer gekühlt, und das Pferd ſechs bis acht Wochen im Stalle ge⸗ laſſen. Gleich nach der Durchſchneidung der Sehnen Bockbeinigkeit des Pferdes. 136. Anlaufen der Beine beim Pferde. 403 tritt das Pferd mit dem Hufe nicht nur gehörig durch, ſondern ſtärker, als mit dem geſunden Fuße. Die ver⸗ kürzt geweſenen Sehnen weichen nämlich nach dem Durchſchneiden ein bis zwei Zoll auseinander; nach und nach treten ſie wieder etwas näher zuſammen, und heilen durch verhärtetes Zellgewebe, welches eine Art Sehne abgiebt, wieder zuſammen. Mitunter geht das operirte Pferd ſpäter ziemlich, oder ſogar völlig, gut; oft aber iſt dieſes nicht der Fall, und die Operation im Allgemeinen von keinem beträchtlichen Nutzen. Es kommt nicht ſelten vor, daß Füllen den Stelz⸗ fuß mit zur Welt bringen, ohne bekannte Urſache. Das Füllen tritt dann auf die Zehe; die Sohlenfläche des Hufes ꝛc. iſt nach hinten gerichtet ꝛc. In ſolchen Fällen zeigt ſich oft die Anwendung eines geſchnabel— ten Hufeiſens(Tab. XXVIII. Fig. 4.) von großem Nutzen, denn oft wird dadurch eine gründliche Hei⸗ lung des Fehlers bewirkt. 135. Bockbeinigkeit des Pferdes. Das Pferd iſt bockbeinig, ſtruppirt, hängt in den Knieen ꝛc. ſagt man, wenn das Vorderknie des ſtehen⸗ den Pferdes nicht ſenkrecht unter dem Oberſchenkel ſteht, ſondern nach vorwärts weicht, ſo daß der ganze Vorderſchenkel eine nach vorwärts gekrümmte Richtung nimmt. Der Fehler iſt zu bekanut, als daß es nöthig erſchiene denſelben hier näher zu beſchreiben. Mei⸗ ſtens ſind die Muskeln des Schenkels ſehr mager und dünn, unter dem Knie liegen ſie dicht am Knochen, und es findet ſich deshalb hier eine ſogenannte Aus⸗ kehlung. Die Urſachen ſind überaus zahlreich; mei⸗ ſtens iſt ein langer und ſtarker Gebrauch des Pferdes die Urſache. Zuweilen jedoch leiden ganz junge, bis⸗ her kaum gebrauchte Pferde an dieſem bedeutenden Uebel, und hier kann daſſelbe, wenn auch nicht ganz gehoben, ſo doch gebeſſert werden. Vor Allem iſt das Pferd zu ſchonen; im Sommer giebt man daſſelbe auf die Weide. Zur Stärkung der ſchwachen Sehnen und Muskeln reibt man den ganzen Schenkel öfters mit ſpirituöſen Flüſſigkeiten ein, oder mit einem Gemiſch aus gleichen Theilen Weingeiſt, Terpentinöl und Leinöl. Beſſer und kräftiger noch wirkt das ge⸗ linde Brennen des ganzen Schenkels, zumal des Ober⸗ ſchenkels, mit einem Glüheiſen. Iſt das Pferd durch Strapatzen, Gallen, Sehnenklapp, Huffehler ꝛc. bock⸗ beinig, ſo hilft ſelten noch ein Mittel; in einigen Fällen allenfalls noch der Sehnenſchnitt. 136. Anlaufen der Beine beim Pferde. Man ſieht ſehr oft, zumal bei Pferden von ge⸗ meiner Race, oder bei ſchwachen und jungen Pferden, daß die unteren Enden der Beine, zumal der Hinter⸗ beine, anſchwellen, und ohne daß eine Urſache, z. B. Mauke, Wurm, Huffehler ꝛc. daran erſichtlich wären. Die Geſchwulſt iſt kühl, ſchmerzlos und nimmt beim 51* 404 137. Drücken mit den Fingern Eindrücke an, ähnlich wie der Brotteig. Das Pferd lahmt dabei im Gange nicht; dauert die Bewegung lange, und iſt ſie raſch, ſo ver— ſchwindet die Anſchwellung gewöhnlich ganz; ſteht das Pferd aber wieder einige Tage, ſo kehrt dieſelbe wieder. Im Allgemeinen iſt dieſer Fehler, zumal wenn er an beiden Füßen gleich ſtark erſcheint, ſehr unerheblich, und kann meiſtens ganz unbeachtet blei— ben. Indeſſen verräth es doch immer einen gewiſſen Grad von allgemeiner Schlaffheit der Gewebe und deshalb von Schwäche. Gutes und reichliches Futter, warmes, trocknes Verhalten, häufiges Putzen und mäßige, öftere Bewegung heben den Fehler meiſtens. Iſt dieſes nicht der Fall, ſo miſche man unter das Futter täglich eine Hand voll Wachholderbeeren, und lege ein Stück Steinſalz in die Raufe; auch kann man die angelaufenen Theile zuweilen mit Branntwein ꝛc. waſchen. Manchmal iſt das Anlaufen der Füße Folge einer vorhanden geweſenen, ſchweren, inneren Krankheit oder der Druſe, wo dann der Fehler mit der Beſeitigung der gedachten Krankheit ſchon von ſelbſt weichen wird. Außer den Beinen, oder gleichzeitig mit ihnen, zeigen ſich auch zuweilen Geſchwülſte unterm Bauche oder am Schlauche, welche hier ebenfalls ſchmerzlos, kalt und teigig ſind. Solche Fälle deuten auf einen Warzen. größeren Grad von allgemeiner Schwäche, aber auch ſie ſind ſelten als bedenkliche Uebel zu betrachten. Oft reicht es zu ihrer Beſeitigung hin, zolltiefe, ſehr zahl⸗ reiche Einſtiche in die Geſchwulſt zu machen; es tropft dann anhaltend eine klare, wäſſerige Flüſſigkeit aus, mit der, da ſie den Inhalt der Geſchwulſt bildet, dieſe ſelbſt zugleich verſchwindet. Manchmal hat dieſes aber nicht ſtatt, oder ſie kehrt aufs Neue zurück. In ſolchen Fällen bähet man dann die Geſchwulſt ſehr oft mit recht warmer Heuſaamenbrühe, mit Branntweinſchlämpenc., oder man ſetzt unter den Bauch, mitten auf die Ge⸗ ſchwulſt ein Fontanell. Hierdurch werden ſolche An⸗ ſchwellungen faſt ſicher zum Weichen gebracht; man thut jedoch wohl, dem Pferde einige innere Mittel zu geben, denn es deutet der Fall immer auf eine bedeu⸗ tende allgemeine Schwäche des Körpers. Deshalb giebt man zur Stärkung folgendes Mittel: Genzian⸗ wurzel, Senf, Kümmel und Wachholderbeeren, von jedem ſechs Loth, gekochten Terpentin und Schwefelei⸗ ſen, von jedem zwei Loth, Mehl und Waſſer, ſo viel zur Latwerge erforderlich iſt. Dieſe wird in drei bis vier Tagen verbraucht. Viele Körner und geſundes Geſöff, häufiges Putzen und Frottiren der Haut, das Belegen mit einer wollenen Decke und Warmhalten des Pferdes werden die Heilung befeſtigen. 137. Warzen. Man verſteht darunter größere oder kleinere Aus⸗ wüchſe, welche an den verſchiedenſten Stellen der Haut, beſonders beim Pferde, Rindvieh und Hunde vorkommen; ſie ſind meiſtens haarlos, von grauer Farbe, mit einem dünneren Stile verſehen oder breit aufſitzend; gewöhnlich ſind ſie vielfach geſpalten, vom Anſehen des Blumenkohls, mit einem grauen Staube überzogen und härter, als die Haut ſelbſt. Sind ſie ſehr groß, und hängen ſie nur durch einen dünnen Stil mit der Haut zuſammen, ſo ſchleift man einen ſtarken aber dünnen Bindfaden, um den Stil, und zieht den Knoten feſt an; in wenigen Tagen fällt die Warze ab, und die Narbe verheilt von ſelbſt. Sind ſie breit aufſitzend, ſo ſchneidet man den über die Haut hervorſtehenden Theil der Warze mit dem Meſſer oder der Scheere ab, und ſtillt die Blutung mittelſt eines glühenden Eiſens. Da ſie unter dieſen Umſtänden aber leicht aufs Neue emporwachſen, ſo befeuchtet man ſie ſpäter, wenn Eiterung auf der Hautoberfläche einge⸗ treten iſt, mehreremale mit Schwefelſäure, Spieß⸗ glanzbutter, oder man beſtreuet ſie mit dem Pulver von gebranntem Alaun oder Sublimat. 138. Samenſtrangfiſtel beim Pferde. 139. Wunden. 405 138. Samenſtrangfiſtel beim Pferde. Nach einer mit wenig Geſchick ausgeführten Ca⸗ ſtration der Hengſte, oder durch unerwartete Zufällig— keiten entſteht zuweilen eine Fiſtel des Samenſtran⸗ ges. Unter ſolchen Umſtänden heilt die bei der Ka⸗ ſtration in den Hodenſack gemachte Schnittwunde nicht zu, und ſelbſt noch nach vier bis acht Wochen nicht; immer tröpfelt Eiter aus der Wunde, welche freilich jetzt nur noch eine kleine Fiſtelöffnung mit aufgewor⸗ fenen Rändern darſtellt. Der Samenſtrang iſt ſehr verdickt und verhärtet, und läßt ſich als ſolcher von außen durch den Hodenſack fühlen. In manchen Fäl⸗ len wird der Samenſtrang immer größer, er wird faſt krebsartig, iſt ſehr ſchmerzhaft, und in Folge deſſen behält das Pferd nicht ſelten einen lahmen Gang. Bei ſehr langer Dauer dieſes Uebels magert das Pferd ab, bekommt einen aufgeſchürzten Bauch, und kann ſo⸗ gar endlich dadurch zu Grunde gehen. Von ſelbſt erfolgt die Heilung faſt niemals. Iſt der Fehler noch nicht alt, ſo gelingt es zuweilen, noch eine Zertheilung zu bewirken; und zwar durch ſehr häufig wiederholte lauwarme Bähungen mit Heuſamen⸗ 139. Alles was von ihnen hier geſagt wird, bezieht ſich zunächſt auf das Pferd; im Allgemeinen aber findet daſſelbe auch bei den Wunden aller andern Hausthiere Anwendung. Unter einer Wunde verſteht man eine aus mechaniſchen Urſachen entſtandene Trennung der Haut und oft mehr oder minder der darunter gelegenen Theile. Es leuchtet ein, daß jede Stelle der Oberfläche des Körpers der Sitz einer Wunde werden kann, und des⸗ halb kommen ſie auch überaus häufig vor. Die Be⸗ deutung einer Wunde, in Bezug auf Geringfügigkeit und größere oder geringere Gefahr, hängt von der Größe und Tiefe derſelben, und beſonders noch von der Beſchaffenheit und dem Werthe des verletzten Theiles aufguß, warmem Seifenwaſſer ꝛc. Abends reibt man die Seite des Hodenſackes, an welcher der Samen⸗ ſtrang angeſchwollen iſt, mit einer Salbe aus gleichen Theilen Oel und grauer Merkurialſalbe ein. Iſt die Verhärtung umfangreich und ſchon alt, ſo kann die Heilung nur auf dem Wege der Operation bewirkt werden. Das Pferd wird geworfen, der Hodenſack an der kranken Seite durch einen langen Schnitt, ganz wie bei der Kaſtration ſelbſt, aufgeſchnitten und durch das obere Ende des verhärteten Samenſtranges, mit⸗ telſt einer krummen Nadel, ein ſtarkes Band gezogen. Mit dieſem Bande zieht man den Samenſtrang ſo weit als möglich, doch mit der gehörigen Vorſicht, hervor, trennt ringsum ſeine etwaigen Verbindungen mit dem Hodenſacke durch das Meſſer, klemmt ihn an ſeinem unterſten Theile in die Bruchklammer ein, und brennt dann den über die Klammer vorſtehenden Theil mit einem meſſerförmigen Glüheiſen ab. Sollten, wie dieſes häufig iſt, einzelne größere Blutgefäße noch blu⸗ ten, ſo werden dieſe wiederholt, und bis zur Stillung des Blutes, mit einem ſpitzen Glüheiſen zugebrannt. Wunden. ab. Jede Wunde hat eine größere oder geringere Entzün⸗ dung zur Folge, deren Ausgang nach der Art der Verle⸗ tzung, nach der Wichtigkeit des verletzten Theiles, nach der Behandlungsweiſe ꝛc. verſchieden iſt; es muß in dieſer Beziehung auf das verwieſen werden, was am Eingange dieſes Werkes über die Entzündung im Allgemeinen geſagt worden iſt. Die erſte Rückſicht, welche bei einer friſchen Wunde in Betracht kommt, iſt die Stillung der Blutung; iſt dieſe nur unbedeutend, ſo wird ſie ſich bald von ſelbſt ſtillen; erfolgt dies aber nicht, ſo muß man ſie durch die Kunſt zu hemmen ſuchen. Bei nur mäßigen Blutungen reicht das Waſchen und Befeuchten des ver⸗ 406 139. letzten Theiles mit kaltem Waſſer oder mit Eſſig und Waſſer gewöhnlich ſchon aus; iſt dieſes nicht der Fall, ſo nimmt man, wenn es Winter ſein ſollte, zerklopftes Eis, Schnee, oder durch Schnee und Eis erkaltetes Waſſer. Hierdurch kann man ſelbſt ſehr ſtarke Blu⸗ tungen zum Stillſtande bringen. Sind weder Schnee noch Eis zu haben, ſo befeuchtet man die Wunde oft mit einem Gemiſche aus einem Theile Schwefelſäure und acht bis zehn Theilen Waſſer. Iſt die Wunde vielleicht tief und ſo gelegen, daß die Flüſſigkeit nicht gut zu appliziren iſt, ſo füllt man ſie mit Heede aus, und bringt einen ſtarken Druckverband an. Sind be⸗ deutende Blutgefäße verletzt, welche eine Verblutung des Thieres fürchten laſſen, ſo werden dieſelben mit der Pinzette erfaßt und mit einem Faden zuge— bunden, oder man brennt das Gefäß mit einem glü⸗ henden Eiſen zu. Iſt bei der Verwundung ein fremder Körper eingedrungen, der noch in der Wunde haftet, ſo wird derſelbe ſobald als möglich entfernt. a. Haut- und Fleiſchwunden. Sie ſind faſt nie mit Gefahr verbunden, ſelbſt wenn ſie große Länge und Tiefe haben, und durch ein ſchneidendes oder ſcharfes Inſtrument hervorgebracht ſind. So hei⸗ len die Wunden an den Hinterbacken, an den fleiſchi⸗ gen Theilen der Schenkel, am Halſe und dem vorde⸗ ren Theile der Bruſt meiſtens ſehr leicht. Anfangs wäſcht man die Wunde ſehr oft mit kaltem Waſſer, und ſetzt dieſes etwa zwei Tage lang fort; am dritten Tage pflegt Eiterung einzutreten, bei der dann weiter nichts zu thun nöthig iſt, als zu ſorgen, daß der Eiter freien Abfluß habe. Iſt zwar blos die Haut, aber in bedeutendem Umfange, von ihrer Unterlage getrennt, oder klafft die Wunde ſehr weit, ſo hat man eine mehr oder weniger breite Narbe zu fürchten, welche, wenn ſie auch keinen weiteren Nachtheil bringt, doch immer ein auffallendes Zeichen der dageweſenen Ver⸗ letzung hinterläßt. Um dieſes zu vermeiden, heftet man die getrennten Hautränder durch ein ſchmales Bändchen zuſammen. Will die Eiterung, ſelbſt meh⸗ rere Tage nach der Verletzung, nicht recht zu Stande kommen, ſo befeuchtet man die Wunde ſehr oft mit lauwarmem Seifenwaſſer, oder mit einem Gemiſche aus 2 Eidottern, 2 Loth Terpentin und einem Quart kaltem Waſſer. In einigen Fällen füllt ſich die Wunde zwar mit neuer Fleiſchmaſſe aus, aber ſie kommt nicht zur Heilung, iſt immer mit dünnem Eiter bedeckt, und ein ſchwammiges, rothes, ſogenanntes„wildes“ Wunden. Fleiſch, wächſt wuchernd über die Wundränder und das Niveau der Haut hervor. Unter ſolchen Umſtänden be⸗ feuchtet man die Haut mit einer Auflöſung von zwei Loth Chlorkalk in einem halben Quart kaltem Waſſer, oder ſtreuet auf ſie Pulver von gebranntem Alaun, blauen oder weißen Vitriol, oder Chlorkalk und Eichenrinde. Zeigen ſich dieſe Mittel wirkungslos, ſo zerſtört man einen Theil des wilden Fleiſches mit dem glühenden Eiſen. Gelenk⸗ und Sehnenwunden. Gelenkwun⸗ den kommen faſt nur allein an den Beinen vor, am häufigſten bei Pferden; das Schultergelenk, das Vorderknie, dann das Hinterknie und Sprunggelenk, ſind dieſen Wunden am öfterſten ausgeſetzt. Die Ur⸗ ſachen geben äußere Verletzungen durch irgend ein ſpitzes oder ſchneidendes Inſtrument, welches nicht nur die äußeren Bedeckungen des Gelenkes, ſondern auch die äußere Gelenkkapſel durchbohrt hat; Huf— ſchläge mit ſcharfen Stollen eines anderen Pferdes, Stiche mit der Miſt- oder Heugabel ꝛc. geben die ge⸗ wöhnlichſten Veranlaſſungen. Man erkennt eine Ge⸗ lenkwunde daran, daß aus ihr fortwährend Gelenk⸗ ſchmiere ausfließt; dieſe kommt als waſſerhelle und dünne Flüſſigkeit aus der Wundöffnung hervor, gerinnt aber, wenn ſie einige Zeit mit der Luft in Berührung geweſen iſt, hat dann das Anſehen von gekochtem Eiweis, und ſetzt ſich meiſt in großen Maſſen unterhalb der Wunde feſt. Durch das Eingehen in die Wunde mit der Sonde, kann man ſich leicht Gewißheit darüber ver⸗ ſchaffen, daß die Wunde bis an das Gelenk gedrun— gen iſt. Die Zufälle ſind gewöhnlich ſehr heftig, und ſtehen in der Regel mit dem unbedeutenden Umfange der Verletzung in keinem mit Wunden anderer Art vergleichbaren Verhältniſſe. Das Pferd leidet bedeu— tend durch die Heftigkeit des Schmerzes, es fiebert, holt vermehrt Athem, ſtöhnt, ſchwitzt über den ganzen Körper, frißt ſchlecht ꝛc., tritt faſt gar nicht auf die kranke Gliedmaſſe, und lahmt ſehr ſtark. Kurz nach erfolgter Verwundung ſchwillt der Theil bedeutend an, er iſt heiß, geſpannt und lebhaft ent⸗ zündet. In ſehr vielen Fällen wird die Gelenkwunde durch ihre Folgen tödlich, in manchen anderen bleiben Verwachſungen und Steifigkeit des Gelenkes für die ganze Lebensdauer zurück. Alle dieſe Umſtände erfor⸗ dern eine ſchleunige und angemeſſene Behandlung. Hat man ſich von der Gegenwart einer Gelenkwunde überzeugt; ſo entferne man zuvörderſt alle in die 149. Wunden. 407 Wunde etwa eingedrungenen, fremden Körper z. B. Haare ꝛc.; ſodann mache man rings um die Geſchwulſt einen mit Schnee oder Eis gefüllten Beutel haltbar, oder in Ermangelung deſſen, bediene man ſich der unausgeſetzten Befeuchtungen mit möglichſt kaltem Waſſer. Da beſonders der Eintritt von Luft in das geöffnete Gelenk nachtheilig wirkt, ſo ſuche man die äußere Wunde ſo ſchnell wie möglich zu ſchließen, was am zweckmäßigſten dadurch geſchieht, daß man ſie mit einem hiezupaſſend geformten Glüheiſen zubrennt. Oft gelingt es hiedurch die Wundöffnung dauernd zu verſchließen, oft aber ſammelt ſich im Gelenke eine ſo große Menge Gelenkſchmiere an, daß der äußere, verſtopfende Brandſchorf abgeſtoßen wird, und der Ausfluß ſich erneuert. In vielen Fällen hilft dann oft noch das Heften der Wunde oder das Anle— gen eines ſtark drückenden Verbäandes. Hat man die kalten Umſchläge etwa ſechs bis acht Tage ohne ſicht— baren Erfolg gebraucht, ſo ſtehe man davon ab, und bediene ſich der ſcharfen Salbe, und zwar der bei der Stollbeule vorgeſchriebenen; mit derſelben wird die ganze Umgegend des Gelenkes, in Zwiſchenräumen von acht zu acht Stunden, zweimal eingerieben. Die⸗ ſes Mittel paßt ſelbſt dort, wo die Entzündung den höchſten Grad erreicht hat, und ſeine Wirkung iſt ge⸗ wöhnlich ganz unvergleichlich. Gleich beim Beginne der Kur wird dem Pferde ſtark zur Ader gelaſſen, dann erhält es eine Laxanz und nur ſehr wenig Futter. b. Sehnenwunden haben eine faſt gleiche Bedeutung als die Gelenkwunden, doch ſind ſie ge— wöhnlich mit nicht ganz ſo großer Gefahr verbunden. Auch bei ihnen fließt eine, der Gelenkſchmiere ganz gleiche, Flüſſigkeit aus, das Pferd leidet an Fieber, den heftigſten Schmerzen ꝛc. Mit der Kur verhält es ſich weſentlich ſo, als bei den Gelenkwunden. c. Verwundungen der Knochen ſind oft mit Gefahr verbunden, oft heilen ſie aber auch ohne Schwiergkeit und ohne ſonderliches Zuthun der Kunſt; ſie ſind ſehr ſchmerzhaſt, und namentlich gilt dies von Wunden der die Knochen überziehenden Beinhaut. An⸗ fangs kalte Umſchläge, ſpäter ſcharfe Salbe und das Glüheiſen ſind hier anzuwenden. Zuweilen bildet ſich ſogenannter Knochenfraß; kann man dieſen nicht mit Zange oder Meſſer entfernen, ſo brennt man ſtark mit dem Glüheiſen, oder man befeuchtet ihn täglich zwei⸗ mal mit Kreoſot, welches man mittelſt eines Stück⸗ chens Heede in die Wunde bringt. d. Die Bruſt⸗ oder Bauchhöhle durch⸗ dringende Wunden ſind allemal mit Gefahr ver⸗ bunden. Sind etwa Eingeweide durch die Wunde nach außen getreten, ſo bringt man dieſe zurück, und heftet dann die Wunde. Aeußerlich kalte Umſchläge, ſpäter ſcharfe Salbe, ſtarke Aderläſſe, Laxanzen und Ruhe ſind zur Kur erforderlich. e. Blutungen aus der Naſe kommen zu⸗ weilen, beſonders beim Pferde, vor. Entweder befindet ſich auf irgend einem Theile der Naſenſchleimhaut ein freſſendes Geſchwür, oder ein Polyp, oder das Pferd iſt durch einen übermäßigen Lauf ſehr alterirt ꝛc. Es iſt in vielen Fällen nöthig ein ſolches Naſenbluten zu ſtillen, weil ſonſt eine tödliche Verblutung entſtehen könnte. Um dieſes zu verhindern, ſpritzt man mit einer Klyſtir⸗ ſpritze ſehr oft eiskaltes Waſſer, oder Eſſig und Waſſer in das kranke Naſenloch, und bindet das Pferd mit dem Kopfe recht hoch. Steht die Blutung nach einiger Zeit nicht, ſo wendet man Räucherungen von Eſſig an, und zwar auf die Weiſe, daß auf heißgemachte und in einen Eimer gelegte Steine, am beſten Feld⸗ ſteine, Eſſig gegoſſen wird, welcher Eimer dann dem Pferde unter die Naſe gehalten wird, damit die heißen Eſſigdünſte beim Athemholen in die Naſenhöhlen ein⸗ gezogen werden. Um die Eſſigdünſte beſſer zuſam⸗ menzuhalten, ſchlägt man eine Decke über den Kopf des Pferdes, welche zugleich den Eimer mit einſchließt. So lange die Blutung dauert, und auch noch kurze Zeit nachher, muß das Pferd faſten, weil durch die Erſchütterung des Kauens leicht die Blutung aufs Neue eintreten kann. Quetſchungen und Geſchwülſte werden je nach ihrem Sitze und nach ihrer beſonderen Beſchaffenheit behandelt. Sind ſie heiß und entzündet, ſo paßt die Anwendung der Kälte; ſind ſie dagegen kühl und ſchmerzlos, ſo paſſen lauwarme, zertheilende Bähun⸗ gen, ſpirituöſe Waſchungen, ſcharfe Salbe, Eiterbän⸗ der, Einſtiche mit dem Meſſer ꝛc. Schwammige Ge⸗ ſchwülſte werden mit dem Meſſer entfernt, durch das Glüheiſen oder durch verſchiedene Aetzmittel zerſtört ꝛc. 408 104. Nichts iſt empörender und häufiger zugleich, als der Betrug im Pferdehandel; der Bruder betrügt den Bru⸗ der, der Freund den Freund; das lehrt die tägliche Erfahrung! Es iſt in der That kaum zu erklären, wie ſo häufig ſelbſt Männer, die in keiner anderen Bezie⸗ hung einer unredlichen Handlung fähig wären, ſich nichts daraus machen, im Pferdehandel zum Schurken zu werden— und ein ſolcher iſt doch offenbar der, wel⸗ cher z. B. einem ſehr alten Pferde durch Künſteleien an den Zähnen ein jüngeres Anſehn giebt; der Käufer wird dadurch getäuſcht, und mindeſtens um die Hälfte des Kaufpreiſes betrogen. Heißt das nicht mit Recht ein ſchurkiſcher Betrug?! Merkwürdigerweiſe gelten dergleichen Täuſchungen, Verheimlichungen und Mas⸗ kirungen von Fehlern eines Pferdes, um demſelben den Schein eines größeren Werthes zu geben, als den, welchen es wirklich hat, im gemeinen Leben nicht für Betrug; im Gegentheil iſt der Betrüger dieſer Art oft ein Gegenſtand der Bewunderung und des Neides ſei⸗ ner Bekannten; er gewinnt ſogar an Reputation, ſtatt daß er aus der Geſellſchaft jedes Ehrenmannes ausgeſchloſſen werden ſollte.„Das iſt ein Teufels⸗ kerl, der N. N., er hat geſtern dem N. N. ſeine bei⸗ den alten, bockſteifen Braunen für einen ſehr hohen Preis verkauft; aber der verſteht ſich auch auf die Sache: das ſpatlahme Pferd war vorher warm gerit⸗ ten, die Zähne des andern Pferdes waren gefeilt ꝛc.,“ ſo ſpricht man an öffentlichen Orten und in Geſell⸗ ſchaften von dem Handel, nicht etwa mit Entrüſtung und Verachtung gegen den Verkäufer, ſondern mit einer Art neidiſcher Akklamation.„Gott weiß, wie es zugeht, der N. N. bringt ſeine Schindmähren, und wenn ſie jeden möglichen Fehler haben, allemal für einen hohen Preis an den Mann; der hat im Pferde⸗ handel Glück.“ Glück?! nennt man ſolchen infamen Betrug, wenn er durch ſpitzbübiſches Raffinement reüſ⸗ ſirt? Das heißt ſonderbare Begriffe von Glück und Rechtlichkeit haben! Wahrlich, es iſt der Räuber, der auf der Landſtraße die Reiſenden überfällt und aus⸗ plündert, verächtlich im hohen Grade, aber er ſteht doch immer noch auf einer höheren Stufe der Achtbar⸗ keit, als der Roßtäuſcher. Der Straßenräuber ſtiehlt Betruͤgereien im Pferdehandel. 104. Betrügereien im Pferdehandel. mindeſtens mit Muth und perſönlicher Gefahr; Noth und Umſtände haben ihn vielleicht zur Verzweiflung getrieben; Der Roßtäuſcher dagegen iſt ein feiger Dieb; ſicher vor dem Arme der Gerchtigkeit, bereichert er ſich dnrch Lügen oder Kunſtgriffe anderer Art; er hintergeht das Vertrauen des Käufers oft genug durch Ehren⸗ wort und die feierlichſten Betheuerungen. In vielen Fällen freuet ſich der unredliche Pferdeverkäufer—oft ein wohlhabender Mann— nicht ſowohl über den, für ihn völlig entbehrlichen, größeren Gewinn, den er gemacht hat, als vielmehr über die Art und Weiſe, wie er ihn zu Stande brachte; es ſchmeichelt ſeiner Eitelkeit einen Anderen überliſtet zu haben, und dieſer jämmerliche Sieg ſeiner Intelligenz veranlaßt die ver⸗ ächtliche Feier ſeines Triumphs! Tauſende von Beiſpie⸗ len könnten hierfür den Beleg abgeben, und es führt dieſes zu der demüthigenden Betrachtung, daß überaus viele, vielleicht die meiſten Menſchen, ſelbſt des gemei⸗ nen Verbrechens des Betruges, richtiger des feigen Dieb⸗ ſtahls, fähig ſind; es ſcheint dabei weſentlich nur auf die äußere Form deſſelben anzukommen, und der Aus⸗ ſpruch des großen Britten:„das Kind iſt ein werdender Böſewicht, und der Greis ein ausgemachter Schurke!“ ſchließt vielleicht keine allzugroße Hyperbel ein. Es würde theils unmöglich ſein, theils hier zu weit führen, wenn alle die verſchiedenen moraliſchen und materiellen Hülfsmittel angeführt werden ſollten, durch welche der Pferdekäufer übervortheilt und betro⸗ gen werden kann. Im Allgemeinen mache es ſich der Käufer zum Grundſatze, nichts von dem zu glauben, was der Verkäufer etwa über die vorzüglichen Eigen⸗ ſchaften des im Handel ſtehenden Pferdes ſagt; er muß ſelbſt ſehen und prüfen, und hat er dazu weder Luſt noch Geſchick, ſo thut er wohl den Rath eines wahren Sachverſtändigen, deſſen Rechtlichkeit unzwei⸗ felhaft iſt, in Anſpruch zu nehmen. Hier nur von einigen der plumpeſten und gewöhnlichſten Roßtäu⸗ ſcherkünſte. Um einem alten Pferde das Anſehen eines jünge⸗ ren zu geben, werden verſchiedene Künſteleien vorge⸗ nommen; die weißen Haare in den Mähnen und den den Augenbogen alter Pferde werden theils ausgerupft, —— theils dunkel gefärbt; die eingefallenen Augengruben werden durch Luft aufgeblaſen, und zwar mit Hülfe einer kleinen Röhre, z. B. eines Strohhalms, welcher in eine kleine, in die Haut der Augengrube gemachte Oeffnung eingeführt wird. Das Hauptmittel der künſt⸗ lichen Pferdeverjüngung beſteht aber in einer gewiſſen Operation an den Zähnen, welche in der Roßtäuſcher⸗ ſprache„Malochen, Gitſchen oder Biſchoffen“ heißt. Es werden nämlich verſchwundene Kunden auf die Reib⸗ oberflächen der Schneidezähne künſtlich eingegraben, und zwar mit Hülfe eines Grabſtichels; dieſe künſt⸗ lichen Marken oder Kunden werden gewöhnlich nur auf den Eckzähnen angebracht, ſo daß das Pferd das An⸗ ſehen eines ſiebenjährigen Pferdes bekommt. Durch die Betrachtung der Länge, der Form und der Stellung der Zähne iſt der Betrug ziemlich leicht zu entdecken; noch leichter aber durch eine genaue Unterſuchung der Kunden ſelbſt; dieſe ſind nämlich gewöhnlich eckig und von unregelmäßiger Form, und, was die Hauptſache iſt, es fehlt ihnen der erhöhte Rand der Schmelzſub⸗ ſtanz, der ſich an natürlichen Kunden findet, und der ſich durch keine Kunſt hervorbringen läßt. Zuweilen liegt es im Intereſſe des Verkäufers ein Pferd älter ſcheinen zu machen, als es wirklich iſt; hier werden dann z. B. die Füllen⸗Eckzähne des vierjährigen Pfer⸗ des ausgebrochen, um dem Pferde das Anſehen eines fünfjährigen zu geben, indem der Käufer glauben ſoll, die Zähne wären von ſelbſt durch den natürlichen Zahnwechſel ausgefallen. Der Schönheitsfehler ſehr ſchlaffer, herabhängen⸗ der Ohren wird oft dadurch verſteckt, daß der Stirn⸗ riemen des Zügels ſehr hoch hinaufgeſchoben wird, ſo daß die Ohren durch ihn unterſtützt und aufrecht er⸗ halten werden. Bei Blindheit eines Auges wird irgend ein reizen⸗ des Pulver in das Auge geblaſen, um dadurch eine Entzündung deſſelben hervorzubringen, die dann als zufällig durch irgend eine äußere Urſache entſtanden geſchildert wird, und bei welcher es alsdann ſchwer hält, die Blindheit ſelbſt zu entdecken. Fehler an den Augen werden auch wohl durch Scheuklappen des Zügels ꝛc. verſteckt. Der Naſenausfluß bei Rotz und bösartiger Druſe ' 140. Betruͤgereien im Pferdehandel. 409 wird theils durch häufiges Abwiſchen der Naſenlöcher verborgen, theils dadurch, daß etwas Heede oder ein anderer weicher Körper hoch hinauf in das kranke Na— ſenloch geſteckt wird, ſo daß der Ausfluß nicht ſtatt⸗ haben kann. Pferde, die Krippenſetzer ſind, oder eine verwun⸗ dete oder eingeſchnittene Zunge haben, werden kopf⸗ ſcheu gemacht, ſo daß ſie ſich gegen das Oeffnen des Maules ſträuben. Um den Fehler der Dämpfigkeit zu verheimlichen, wird das Pferd in ſo großer Entfer⸗ nung vom Käufer im Trabe geritten, daß er das be⸗ ſchwerliche, ſchnaufende Athmen nicht hören kann. Zum Käufer zurück wird das Pferd dann im Schritte geritten. Um dem Pferde das Anſehen eines guten Schweifträgers zu geben, wird demſelben kurz vor der Unterſuchung eine kleine Pille aus gepulvertem Pfeffer in den After geſteckt. Die Rübe rattenſchweifiger Pferde wird mit Oel beſtrichen, und der Verkäufer verſichert dann: daß das Haar ſich bald wiederfinden werde, weil es erſt kürzlich ausgegangen ſei. Abzeichen, als Stern, weiße Füße ꝛc. werden mit Höllenſtein und anderen Mitteln gefärbt. 6 Steife und ſtruppirte Pferde werden zuvor warm geritten, weil ſie dann beſſer gehen; lahme Pferde werden nur auf weichem Boden geritten; Pferde mit Spat, Gallen, Sehnenklapp ꝛc. werden zuvor warm geritten und von dem Reiter in ſteter Unruhe und Be⸗ wegung erhalten, weil dann die Steifigkeit und Lahm⸗ heit weit weniger ſichtbar ſind. Pferde mit Widerrüſt⸗ ſchäden und anderen Fehlern auf dem Rücken werden unter der Decke oder dem Sattel dem Käufer vorgeführt. Leidet das Pferd an verſchiedenen Huffehlern, an Mauke, Schaale ꝛc., ſo wird das Pferd zuvor in Koth geführt, um die Unterſuchung des Hufes zu erſchweren und den Fehler zu verſtecken; Hornſpalten werden mit Pech oder Baumwachs ausgefüllt. Bei vorhandener Raſpe oder Mauke wird verſichert: das Pferd habe über den Halfterſtrang getreten. Hat das Pferd auf einem Fuße vielleicht eine langwierige oder unheilbare Lahmheit, ſo wird das Hufeiſen des kranken Fußes abgeriſſen und verſichert: das Pferd habe das Eiſen verloren, und den Huf auf dem Marſche zum Käufer nur etwas verbällt. Wagenfeld, Encyel. 410 141. Gewaͤhrsmaͤngel beim Viehhandel. 141. Gewährsmängel beim Viehhandel. Da es bei den verſchiedenen Hausthieren manche Krankheiten giebt, welche im gewöhnlichen Handel und von Laien nur ſchwer zu erkennen ſind, ſo hat dies zu verſchiedenen Geſetzen Veranlaſſung gegeben, welche jedoch in den verſchiedenen Deutſchen Staaten nicht überall gleich ſind. Dieſe Geſetze berechtigen den Käu⸗ fer eines Thieres, bei gewiſſen Krankheiten deſſelben das bezahlte Geld zurückzufordern, und auf Anullirung des Kaufgeſchäftes zu beſtehen. Dergleichen Krank⸗ heiten und Fehler, welche einen Handel in einer be⸗ ſtimmten Friſt gefetzlich rückgängig machen, heißen Gewährsmängel, und die dafür geſetzte Friſt heißt Währzeit oder Gewährszeit. a. Gewährsmängel im Königreiche Preußen. a. a. Beim Pferde. Stätigkeit; Währzeit vier Tage. Räude, Rotz, Wurm; Währzeit vierzehn Tage. Dampf, ſchwarzer Staar, Mondblindheit, Dummkol⸗ ler; Währzeit vier Wochen. b. b. Beim Rindvieh. Räude, Franzoſen⸗ krankheit, Dampf(bei Zugochſen); Währzeit vier Wo⸗ chen. Chroniſche Lungenſeuche, Nichtgedeihen; Währ⸗ zeit ſechs Wochen. c. c. Bei Schafen. Fäule oder Faulſucht, Rotz oder faulige Schwindſucht der Lungen, Gnubberkrank⸗ heit; Währzeit vierzehn Tage. d. d. Bei Schweinen. Borſtenfäule; Währ⸗ zeit vierzehn Tage. Lungenſucht; Währzeit drei Wo⸗ chen. Räude; Währzeit vier Wochen. Außer dieſen benannten Krankheiten gilt noch fol⸗ gende Beſtimmung nach dem Landrechte; es heißt: „Wenn ein Stück Vieh binnen vierundzwanzig Stun⸗ den nach der Uebergabe krank befunden wird, ſo gilt die Vermuthung, es ſei ſchon vor der Uebergabe krank geweſen; doch muß der Käufer, bei Verluſt ſeines Rechts, die entdeckte Krankheit dem Verkäufer ſo zeitig anzeigen, daß noch eine Unterſuchung über den Zeit⸗ punkt ihres Entſtehens ſtattfinden kann. Iſt der Ver⸗ käufer nicht an dem Orte zugegen, ſo muß die Anzeige bei dem Ortsgerichte, oder bei einem Sachverſtändigen geſchehen. Stirbt das Thier binnen vierundzwanzig Stunden nach der Uebergabe, ſo iſt der Verkäufer zur Vertretung verpflichtet, wenn nicht klar ausgemittelt werden kann, daß die Krankheit erſt nach der Ueber⸗ gabe entſtanden ſei.“ b. Kaiſerthum Oeſtreich. a. a. Beim Pferde. Verdächtige Druſe und Rotz, Dampf; Währzeit funfzehn Tage. Dummkoller, Wurm, Stätigkeit, ſchwarzer Staar, Mondblindheit; Währzeit dreißig Tage. b. b. Beim Rindviehe. Stierſucht oder Dru⸗ ſenkrankheit; Währzeit dreißig Tage. c. c. Beim Schweine. Finnen; Währzeit acht Tage. d. d. Bei Schafen. Pocken und Räude; Währ⸗ zeit acht Tage; Lungen- und Egelwürmer; Währzeit zwei Monate. Wenn ein Stück Vieh binnen vierundzwanzig Stunden nach der Uebernahme erkrankt und umfällt, ſo wird vermuthet, daß es ſchon vor der Uebernahme krank geweſen ſei. C. Anſpach und Baireuth. Rotz, Räude, Herzſchlechtigkeit(Dampf); Währ⸗ zeit vier Wochen. d. Baden. a. a. Beim Pferde. Rotz, Koller aller Art, Räude, Wurm, Dampf, Fallſucht; Währzeit vier Wochen. Mondblindheit; Währzeit acht Wochen. b. b. Beim Rindviehe. Stierſucht; Währ⸗ zeit zwei Monate. Fallſucht, Drehkrankheit, Lungen⸗ fäule; Währzeit vier Wochen drei Tage. c. c. Bei Schafen. Räude, Fäule; Währzeit zwei Wochen einen Tag. d. d. Bei Schweinen. Lungenfäule, Finnen; Währzeit vier Wochen drei Tage. e. Baiern. a. a. Bei Pferden. Räude, Rotz, Dampf; Währzeit vier Wochen. b. b. Beim Rindviehe. Stierſucht; Währzeit vier Wochen. — — 141. Gewaͤhrsmaͤngel beim Viehhandel. 411 c. c. Bei Schweinen. Finnen; Währzeit vier Wochen. d. d. Bei Schafen. Räude; Währzeit vier Wochen. f. Braunſchweig. Bei Pferden. Stätigkeit, Staarblindheit, Rotz, Dampf; Währzeit—? g. Calenberg. Bei Pferden. Rotz, Koller, Dampf; Währ⸗ zeit—? h. Frankfurt a. M. Bei Pferden. Rotz, Dampf, Stätigkeit, Kop⸗ pen; Währzeit acht bis vierzehn Tage. i. Hamburg. Iſt das Pferd auf offenem Markte verkauft, ſo ent⸗ bindet es den Verkäufer von allen Anſprüchen des Käufers. k. Heſſen. Beim Pferde. Rotz, Dampf, geſtohlen; Währ⸗ zeit—?2 I. Hildesheim. Beim Pferde. Koller, Rotz, Dampf, Mond⸗ blindheit; Währzeit zwölf Wochen. m. Lübeck. Beim Pferde. Fäule(Lungenfäule), Stätig⸗ keit, Koller; Währzeit— 2 n. Lüneburg. Beim Pferde. Dampf, Stätigkeit, Rotz; Währzeit— 2 0. Nürnberg. Beim Pferde. Rotz, Räude, Dampf; Währ⸗ zeit vierzehn Tage. P. Reuß⸗Schleiz. a. a. Beim Pferde. Dampf, Rotz, Stätigkeit, Staar, Koller, Lungen- und Leberfäule, Räude; Währzeit vier Wochen. b. b. Beim Rindvieh. Stierſucht; Währzeit zwei Monate. c. c. Beim Schweine. Finnen; Währzeit zwei Monate. d. Sachſen. Bei Pferden. Staar, Stätigkeit; Währzeit acht Tage. Mondblindheit, Dampf, Räude; Währzeit vier Wochen. Wurm, Rotz, Koller aller Art, Taubheit, Fallſucht; Währzeit ſechs Wochen. r. Würtemberg. Wie in Baden. S. Würzburg. Beim Pferde. Koller, Rotz, Dampf, Mond⸗ blindheit; Währzeit— 2 t. Zelle. Beim Pferde. Rotz, Koller, Dampf, Mond⸗ blindheit; Währzeit drei Monate. 52* Erklärung der Abbildungen. Tab. 1. Fig. 1. Ein Stück einer geſunden Lunge vom Rind⸗ viehe; a. Oberfläche der Lunge, b. Schnittfläche. Die Rindslunge iſt aus zahlreichen einzelnen Lappen zuſammengeſetzt, welches beſon⸗ ders auf ihrer Oberfläche(a.) ſichtbar iſt. Fig. 2. Ein Stück einer durch die Lungenſeuche krankhaft veränderten Rindslunge; ihre Ober⸗ fläche a. b. b. iſt mit einer dicken Lage einer gelben, ſpeckigen Maſſe bedeckt; auf der Schnittfläche erſcheint das Gewebe dunkel von Farbe, c. c., und die ganze Maſſe wird von gelben Adern d. d. d. durchzo⸗ gen. Fig. 3. Durch a. a. iſt ein, bei der Lungenſeuche durch den Bruſtlappen oder Triel zu ziehendes, Eiterband dargeſtellt; bei b. b. befindet ſich ein ſolches an der Seite der Bruſt; der Kreis d. bezeichnet umfang und Stelle, an der bei der Lungenſeuche ſcharfe Einreibungen gemacht werden. Fig. 4. Eine Haarſeilnadel zur Application von Eiterbändern bei der Lungenſeuche; Fig. 5. dieſelbe Nadel von der Kante beſehen. Tab. II. Fig. 1. In einem Glaſe befindliche Milch, auf deren Rahm a. ſich indigoblaue Flecken befinden, b. b. c. e., welches den Fehler der ſogenannten blauen Milch darſtellt; d. Rand des Gefäßes. Fig. 2. Die Milchzähne eines Lammes von drei Wochen; Fig. 3., die Milchzähne eines einjährigen Lammes; der obere Rand jedes Zahnes bildet eine Spitze, a. Fig. 4. Schneidezähne eines Lammes von acht⸗ zehn bis zwanzig Monaten; die beiden mittelſten Zähne a. a. ſind neue oder bleibende Zähne; Fig. 5. Schneidezähne eines drittehalb⸗ jährigen Schafes; die vier mittelſten Zähne a. a. a. a. ſind neue Zähne. Fig. 6. Schneidezähne eines viertehalbjährigen Schafes; die ſechs mittelſten Zähne a. a. a. a. a. a., ſind gewechſelt und neu; b. Krone des Zahns; c. Hais deſſelben; d. Wurzel deſſelben. Fig. 7. Schneidezähne eines fünftehalbjährigen Schafes; alle acht Schneide⸗ zähne ſind jetzt gewechſelt, und ein ſolches Schaf heißt ein Achtſchauf⸗ ler oder Vollſätzer. Fig. 8. Schneidezähne eines ſechſtehalbjähri⸗ gen Schafes. Fig. 9. Schneidezähne eines ſiebenjährigen Schafes; die Kronenränder der beiden mittelſten Zähne a. a. ſind ſchartig ge⸗ worden. Fig. 10. Schneidezähne eines achtjährigen Schafes, wo⸗ von ſchon mehrere Zähne ſchartig ſind. Fig. 11. Schneidezähne eines neunjährigen Schafes, wo die Kronen der vier mittelſten Zähne a. a. a. a. tief ausgebrochen erſcheinen. Fig. 12. Schneidezähne eines zehn bis zwölfjährigen Schafes, bei welchem die Zahnkronen faſt alle bis zur Wurzel abgebrochen ſind. Fig. 13. a. Stollſchwamm beim Pferde; b. zeigt die Stelle an, an welcher unter Umſtänden ein Einſtich gemacht wird. Fig. 14. Stollſchwamm mit den zu ſeiner Kur unter Umſtänden zu brennenden Strichen. Fig. 15. An der Stelle a. und in dem Um⸗ fange bis zu der punktirten Linie werden grüne Seife oder Fett bei der Kur des Stollſchwamms eingerieben. b. Ellbogenſpitze. Fig. 16. Form der Infuſionsthiere, welche die blaue Milch darſtellen, ſtark vergrößert. Tab. III. Fig. 1. Vorderfuß eines Pferdes mit einem Knie⸗ ſchwamm, bei a. Fig. 2. Vorderfuß mit Sehnenklapp am untern Theile, bei a. Fig. 3. Vorderfuß mit ſtarkem Sehnenklapp, bei a. a. Fig. 4. a. Beugeſehne des Kronenbeins; b. Beugeſehne des Hufbeins; c. Beugeſehne des Feſſelbeins. Fig. 5. Richtung der beim Seh⸗ nenklapp zu brennenden Striche. Fig. 6. Anſicht und Lage der Sehnen am hinteren Rande und unterem Theile des Vorderſchen⸗ kels des Pferdes; a. unteres Ende der abgeſchnittenen Sehnen des Kronenbeinbeugers; b. b. Beugeſehne des Hufbeins; d. Hakenbein der Knieknochen, hinter deſſen Aushöhlung die genannten Sehnen weg⸗ gleiten. Fig. 7. Unteres Ende des Hinterſchenkels mit Piphacke, bei a. Fig. 8. Dieſelbe Figur mit, behufs der Kur gebrannten, Punkten. Tab. IV. Fig. 1. Der Magen eines Schafes, von ſeiner obe⸗ ren Fläche geſehen. a. linke Abtheilung des Panſen oder Wanſtes, b. rechte Abtheilung deſſelben. c. Haube oder Netzmagen. d. Blät⸗ termagen,(Buch, Pſalter). e. Labmagen. f. unteres Ende des Schlundes, welcher in die linke Abtheilung des Panſen einmündet. g. Anfang des Zwölffingerdarms, welcher am hinteren Ende des Labmagens ſeinen Anfang nimmt. Fig. 2. Die vorige Figur, auf⸗ geſchnitten. a. Unteres Ende des Schlundes; es befindet ſich an demſelben eine eingeſchnittene Oeffnung, in welche mehrere Sonden eingeführt ſind, um durch ſie verſchiedene innere Oeffnungen an⸗ ſchaulich zu machen. m. Gang des Schlundes, welcher zur linken Hälfte des Panſen führt. c. d. d. Innere Fläche des Panſen. e. Gang des Schlundes zur Haube. f. Innere Fläche der Haube. g. Oeffnung zwiſchen Haube und Blättermagen. h. Innere Fläche des Blättermagens. i. Oeffnung zwiſchen dem Blättermagen und dem Labmagen. k. Innere Flaͤche des Labmagens. I. Anfang des Zwölfingerdarms. n. Der ſogenannte Pförtner. o. Oeffnung zwi⸗ ſchen Panſen und Haube. Fig. 3. Ein Rind, an welchem die linke Bauchſeite aufgeſchnitten iſt, um die Lage des Panſen zu zeigen. a. Rechte, b. linke Abtheilung des Panſen. c. Ein Theil der dün⸗ nen Gedärme. d. d. d. Durchſchnittene Theile der Bauchmuskeln. e. e. e. Zurückgeſchlagene Haut. f. Die punktirte Linie deutet die Lage der linken Hüfte an. Tab. V. Hinterer Theil eines Rindes von der linken Seite, zur Darſtellung der Stelle, an welcher der Panſenſtich zu machen iſt. a. Querfortſätze der Lendenwirbel. b. Hinterer Rand der Rip⸗ pen. c. Hüfte. d. Ort des Einſtichs. Fig. 2. a. c. Richtung der vorderen Linie, längs dem hinteren Rande der falſchen Rippen. b. c. Richtung der hinteren Linie über die Hüfte. c. Ort des Ein⸗ ſtichs. Fig. 3. Trokar beim Rindviehe, in natürlicher Größe. Fig. 3. a. Stilet des Trokars, ohne Hülſe. Fig. 3. b. Hülſe, ohne Stilet. Fig. 3. c. Obere Platte der Hülſe. Fig. 4. Kno⸗ chen des unteren Theils vom Vorderſchenkel des Pferdes. a. Un⸗ teres Ende des Kegels. b. Knieknochen. c. Kleines keilförmiges Bein. d. Schienbein. e. Inneres Griffelbein. f. Oberes Ende deſſelben. g. Unteres Ende deſſelben. h. Seſambein. i. Feſſelbein. k. Kronenbein. l. Hufbein. Fig. 5. Unteres Ende des Vorder⸗ ſchenkels eines Pferdes, mit einem Ueberbeine, bei a. Fig. 6, Un⸗ teres Ende eines Schaffußes von vorn und mit auseinandergeboge⸗ nen Klauen. a. Oeffnung des Klauenſäckchens. Fig. 7. Schaf⸗ fuß von der Seite; die linke Hälfte der Klaue iſt weggeſchnitten. a. Gang des Klauenkanals. b. Innere Seite der rechten Klaue. Fig. 8. Die Knochen der vorigen beiden Figuren. a. Unteres Ende des Schienbeins. b. Feſſelbein. c. Seſambein. d. Kronenbeine. e. Strahlbein. f. Hufbeine. g. Gelenk zwiſchen Kronen⸗ und Hufbein. Tab. VI. Fig. 1. Euter einer Kuh zmit echten Pocken; die einzelnen Pocken befinden ſich in verſchiedenen Stadien ihrer Aus⸗ bildung, in der Reihefolge der in der Figur befindlichen Buchſta⸗ ben. Fig. 2. Finne eines Schweins, in natürlicher Größe. Als dünnhäutige, nur theilweiſe mit Waſſer erfüllte Blaſe erſcheint ſie platt, und in ihrer Mitte läßt ſich ein weißer Punkt in der Blaſe bemerken, welches der Kopf des Thieres iſt. Fig. 3. Der gedachte Kopf in ſehr ſtarker Vergrößerung. a. Hakenkranz. b. Saugmün⸗ dungen. c. Hals. Tab. VII. Fig. 1. Bauchtheiles eines Schafes mit gutartigen Pocken. finden ſich in verſchiedenen Stufen ihrer Ausbildung, Alter ihres Hervortritts. Tab. VIII. Fig. 1. Bösartige Schafpocken; dieſelben ſtehen ſehr dicht neben einander, ſind ohne runde Geſtalt, platt, und ſie haben, wie die geſammte Haut, eine kupferrothe Farbe. Fig. 3. Profilanſicht bösartiger Schafpocken, welche ihre platte, eingedrückte Erhebung andeutet. Fig. 2. a. a. Impfnadel von der Oberfläche und im Profil geſehen.— Tab. IX. Fig. 1. Hinterſchenkel eines Pferdes von hinten geſehen, mit Mauke in der Feſſelgelenkbeuge; bei a. Fig. 2. Die⸗ ſelbe Figur von der Seite geſehen mit Mauke, bei a. Fig. 3. Hin⸗ terſchenkel eines Pferdes von der äußeren Seite. Bei a. iſt Straub⸗ oder Igelfuß ſichtbar, bei c. die Raſpe an der Beugefläche des Sprunggelenkes, und bei b. befindet ſich ein Eiterband. Fig. 4. Striche, welche bei Igelfuß gebrannt werden. Fig. 5. Ausfal⸗ lende Mauke am oberen Rande der Hufkrone, bei a. Fig. 6. Vor⸗ derſchenkel des Pferdes mit der Raſpe in der Kniebeuge, bei a. Bei b. iſt ein Eiterband gezogen. Fig. 7. Hinterfuß eines Ochſen mit der ſogenannten Fußräude; die Haare ſtehen ſtruppig und verwor⸗ ren, der Schenkel iſt bis zum Sprunggelenke ſtark angeſchwollen. Tab. X. Fig. 3. Gerippe eines Pferdes von den Weichgebil⸗ den umgeben. a. Naſenbein, b. Thränenbein, c. großes Vorder⸗ kiefer- oder Kinnbackenbein, d. kleines Vorderkieferbein, mit den darin beſindlichen obern Schneidezähnen, e. Stirnbein, f. Schei⸗ telbein, g. Unterkiefer, h. die ſieben Halswirbel, i. i. die achtzehn Rückenwirbel, k. k. die ſechs Lendenwirbel, 1. Kreuzwirbel, m.(bis zu Ende) die achtzehn Schwanzwirbel, n. das breite Halsband, 0. o. das lange Nackenband, p. p. die Dorn⸗ oder Stachelfort⸗ ſätze der Rückenwirbel, q. q. die Dornfortſätze der Lendenwirbel, r. r. s. s. die achtzehn Rippen, t. das Bruſtbein, u. das Becken⸗, v. das Hüftbein, w. das Sitzbein, x. das Schulterblatt, v. das Arm⸗ oder Querbein, z. der Kegel; a. das Ellbogenbein, b. die Knieknochen, c. das Hakenbein derſelben, d. das Schienbein, e. das Sehnenbein, f. das Feſſelbein, g. das Kronenbein, h. das Huf⸗ bein, i. das Backenbein, k. die Knieſcheibe, l. das Schenkelbein, Die untere, wolleloſe Fläche des hinteren Dieſelben be— je nach dem Erklaͤrung der Abbildungen. 413 m. das Rollenbein, n. das Sprungbein. Fig. 1. a. Das Schien⸗ bein, b. das Griffelbein, c. das Seſambein, d. das Feſſelbein. Fig. 2. a. das Schienbein, b. das Griffelbein; zwiſchen beiden ſtarke Bandfaſern, welche ſie mit einander verbinden, c. das Feſ⸗ ſelbein, d. das Kapſelband, welches das Gelenk des unteren Endes des Schienbeins mit dem oberen Ende des Feſſelbeins umgiebt, e. eitenband beider Knochen, f. Band zwiſchen Seſam- und Feſ⸗ bein. Tab. XI. Fig. 1. Vorderſchenkel des Pferdes mit den an der äußeren Seite gelegenen Muskeln; das obere Ende der Muskeln, a. a. a. iſt fleiſchig, das untere, b. b. läuft in eine Sehne aus; c. Ellbogengelenk, d. d. Kniegelenk und Feſſelgelenk. Fig. 2. Die Hinterſchenkel des Pferdes, von hinten geſehen; a. innere Fläche des Sprunggelenkes in der Profilanſicht; b. dieſelbe Anſicht; bei c. iſt der Spat ſichtbar. Fig. 3. Die geringe Erhabenheit bei b. be⸗ zeichnet ein ſogenanntes ſtark abgeſetztes Sprunggelenk; a. ſehr aus⸗ gebildeter Spat. Fig. 4. Die Knochen des Sprunggelenkes von der äußeren Seite; a. unteres Ende des Schenkelbeins; b. Haken⸗ bein, c. Rollenbein, d. würfelförmiges Bein, e. ſchiffförmige Beine, f. oberes Ende des Schienbeins, g. oberes Ende des Griffelbeins. Fig. 5. Die Knochen des Sprunggelenkes von der inneren Seite; a. unteres Ende des Schenkelbeins, b. Hakenbein, c. Rollenbein, d. pyramidenförmiges Bein, e. ſchiffförmige Beine, f. oberes Ende des Schienbeins, g. oberes Ende des Griffelbeins. Fig. 6. Sprung⸗ gelenkknochen von der inneren Seite, mit Spat; a. unteres Ende des Schenkelbeins, b. Hakenbein, c. Rollenbein, d. pyramidenför⸗ miges Bein, verwachſen mit den beiden ſchiffförmigen Beinen und dem oberen Ende des Schienbeins f., g. Griffelbein. Fig. 7. Hin⸗ terſchenkel von der inneren Seite mit Spat bei c.; b, b. ein über die innere Fläche und den Spat gezogenes Eiterband; a. innere große Hautader. Fig. 8. 9. 10. Innere Fläche des Sprunggelen⸗ kes mit Spat, auf verſchiedene Weiſe gebrannt. Tab. XII. Vorderfuß des Pferdes mit Schale, bei a. Fig. 2 und 3. Gebrannte Striche und Punkte bei Schale. Fig. 4. Kno⸗ chen des Vorderfußes mit den Umriſſen der Weichgebilde dargeſtellt; a. Schienbein, b. Feſſelbein, c. Kronenbein, d. Hufbein. Fig. 5. Die vorige Figur mit Verwachſung des Feſſel⸗Kronengelenkes, bei d. Fig. 6. Hinterfuß des Pferdes mit Haſenhake, bei a. Fig. 7 und 8. Dieſelbe Figur von hinten geſehen, mit Strichen und Punk⸗ ten gebrannt. Fig. 9. Hundekopf mit einer Bandage zur Kur des Ohrwurms. Fig. 10. Innere Fläche eines Hundeohrs mit Wurm; a. Schorfe am Rande der Ohrmuſchel, b. ausgefreſſene Stellen der Ohrmuſchel.. Tab. 13. Bruſtkaſten eines Pferdes, an deſſen linker Seite ſämmtliche Rippen entfernt ſind, ſo daß die inneren Theile der Bruſt⸗ höhle ſichtbar werden; a. linke Lunge, b. b. Luftröhre nach vorn abgeſchnitten; c. das Herz, umhüllt vom Herzbeutel, d. d.; e. e. hintere und vordere Aorte, k. die beiden Droſſelarterien, g. vordere Hohlvene, b. linke Droſſelvene, i. Zwerchfell, k. Schlund, l. J. Rücken⸗ wirbel, m. m. m. m. Enden der abgeſchnittenen Rippen, n. n. Bruſt⸗ bein. Fig. 2. Die Lungen von oben geſehen; a. rechte Lunge, b. linke Lunge, c, d. vordere Lungenlappen, e. Luftröhre, f. gabelartige Theilung derſelben in beide Lungen, g. aufgeſchnittener Luftröhren⸗ aſt, h. kleine Oeffnungen in denſelben, aus denen Seitenzweige der Luftröhrenäſte ausgehen. Fig. 4. Bruſttheil des Pferdes mit einem angelegten Senfpflaſter, bei a.; b. b. Stroh unterhalb des Bind⸗ fadens, um das Einſchnüren in die Haut zu verhindern. Fig. 5. Die vorige Figur; der Kreis a. bezeichnet die Stelle, an welcher ſcharfe Einreibungen gemacht werden; bei b. wird der Einſtich ge⸗ macht, um bei Bruſtwaſſerſucht das in der Bruſt befindliche Waſ⸗ ſer zu entleeren. Fig. 3. Art ein Pferd künſtlich zum Huſten zu bringen. Fig. 6. a. vor der Bruſt bezeichnet die Stelle zur Ap⸗ plikation eines Fontanells. Tab. XIV. Fig. 1— 5. Verſchiedene Bremſen und ihre Ap⸗ plikation. Fig. 6. u. 7 erklären ſich von ſelbſt. Fig. 8. Ein um die Füße des Pferdes gelegtes Wurfzeug zum Niederwerfen des Pferdes. Fig. 9. u. 10. AÄndere Art ein Pferd zu werfen. Fig. 11. Ein ſogenanntes Halsband. Fig. 12. Maulkorb aus Eiſenblech für beißige Pferde. Fig. 13. Art ein Rind bequem am Kopfe zu hal⸗ ten. Fig. 14. Zwei durch den Rüſſel des Schweins gezogene Ringe von dickem Drath, um das Schwein am Wühlen im Erdboden zu hindern. Tab. XV. Pferdekopf, an deſſen linker Backe die Haut durch⸗ ſchnitten iſt, um die Lage der Kinnbackenader a. zu zeigen; b. die Stelle, an welcher der Puls zu fühlen. Fig. 2. Die vorige Figur von unten und hinten; die rothe Ader bedeutet die Kinnbackenpuls⸗ ader, die blaue Ader die Geſichtsvene, das gelbe Gefäß den Spei⸗ chelgang der Ohrdrüſe; a. Oeffnung im Schädel, aus welcher das verlängerte Mark hervortritt; b. durchſchnittener Schlund, c. durch⸗ ſchnittener Kehlkopf; d. d. hinterer Rand des Hinterkiefers. Fig. 3. Art das Auge des Pferdes zu öffnen. Fig. 4. Backenzähne des Pferdes von der linken Kopfſeite; a. oberer Zahn, b. deſſen äuße⸗ rer vorſpringender Rand. Fig. 5. Maulgatter mit einem Schrau⸗ bengewinde, um daſſelbe nach Belieben enger und weiter zu machen. Fig. 7. Zahnrapſel bei Schieferzähnen. Fig. 9— 16. Verſchiedene Brenneiſen. Fig. 18. Schneidezähne eines Krippenſetzers von vorn geſehen; a. Oberkiefer. b. Unterkiefer. Fig. 19. Die vorige Figur, von der Seite; a. Oberkiefer, b. Unterkiefer, Fig. 20. Luftröh⸗ renkratzer der Lämmer. Eingeweidewurm bei der wurmigen Lun⸗ genſeuche. Tab. XVI. Fig. 1. Wurmblaſe eines drehkranken Schafcs. Fig. 2. Ein Theil dieſer Wurmblaſe, in ſtarker Vergrößerung; a. c. Hakenkranz, b. d. Saugmündungen; c. ein Wurmkopf, wel⸗ cher ſich in ſeinen Hals zurückgezogen hat. Fig. 3. Der Kreis auf dem Schädel des Schafes bedeutet den Umfang, in welchem die Wurmblaſen meiſtens ihre Lage haben. Fig. 4. Männliche Räude⸗ milbe vom Pferde. Fig. 5. Weibliche Räudemilbe vom Pferde; beide in ſehr ſtarker Vergrößerung. Fig. 6. Ein Stück Pferdema⸗ gen auf der inneren Fläche mit Bremſenlarven. Fig. 7. Männliche Pferdebremſe. Fig. 8. Weibliche Pferdebremſe. Fig. 9. Puppe der Pferdebremſe. Fig. 10 und 11. Bremſeneier an den Haaren des Pferdes. Fig. 12. Bremſeneier und Larven am Mähnenhaare, in natürlicher Größe. Fig. 13. 14. Dieſelben in ſehr ſtarker Ver⸗ größerung. T'ab. XVII. Bei a. iſt die Stelle des Buggelenkes; b. der Kreis bedeutet Ort und Umfang, in welchem Einreibungen bei der Buglähme gemacht werden; c. c. Eiterbänder zur Kur derſelben Krankheit; d. Ort des Hüftgelenkes; e. der Kreis bedeutet Ort und Umfang, wo u. in welchem Einreibungen bei der Hüftlähme gemacht werden; f. f. Eiterbänder bei derſelben Krankheit; g. der Kreis be⸗ deutet Ort und Umfang, wo u. in welchem bei der Kreuzlaͤhme(auch Nierenentzündung) Einreibungen gemacht werden; h. Eiterband ber der Kreuzlähme. Fig. 2. Bei a. eine Brandfigur bei der Bug⸗ lähme, b. Brandfigur bei der Kreuzlähme, c. Brandfigur bei der Hüftlähme. Fig. 3. a. Vorderkniegallen. Fig. 4. a. Sprungge⸗ lenkgallen; b. Fluß⸗ oder Sehnengallen; c. Sehnengallen auf der vorderen Fläche des Feſſelgelenkes. Fig. 5. a. b. Männchen und Weibchen des Palliſadenwurms(bei Magenwurmſeuche der Schafe). Fig. 6. und 7. Bandwürmer vom Hunde. Tab. XVIII. Fig. 1— 8. unterkiefer vom Hunde, zur Erklä⸗ rung des Alters an den Zähnen. Fig. 1. unterkiefer eines Hundes von zwölf Tagen; a. Backenzähne; b. Hakenzahn; c. Schneide⸗ zähne. Fig. 2. Unterkiefer von vier Monaten; die beiden mittel⸗ ſten Schneidezähne befinden ſich im Wechſeln. Fig. 3. Unterkiefer von ſechs Monaten; Schneide⸗ und Hakenzähne ſind gewechſelt, oder noch im Wechſeln begriffen. Fig. 4. unterkiefer von neun Mo⸗ naten. Fig. 5. Unterkiefer von eilf Monaten; alle Zähne ſind ge⸗ hörig ausgebildet; a. Backenzähne; b. Hakenzahn; c. Schneidezähne. Fig. 7. Unterkiefer von drei Jahren. Fig, 8. Unterkiefer von vier Jahren. Fig. 9. Bei a. Aderfiſtel am Halſe des Pferdes. Fig. 10. Bei a. Genickbeule des Pferdes. Fig. 11. Bei a. Widerrüſtſcha⸗ den. Fig. 12. a. b. Lage der Harnröhre beim Ochſen. Fig. 13. Der Kreis an der Seite des Halſes deutet Ort und Umfang zu Einreibungen bei Dummkoller an; das Eiterband bei derſelben Krankheit. Tab. XIX. Fig. 1. In der Mitte durchſägter Pferdeſchädel; rechte Hälfte. a. Stirnbein mit den Stirnhöhlen b. b. Naſen⸗ bein; c. kleines Vorderkieferbein mit d. den Schneidezähnen; c. Hakenzahn, Backenzähne; g. Gaumenbein; h. untere Naſenmuſchel; i. obere Naſenmuſchel; k. Siebbein; J. Hirnhöhle; m. Oeffnung für das verlängerte Mark des Gehirns. Fig. 2. Abgehäuteter Pfer⸗ dekopf; a. Ganaſchendruͤſen; b. hinterer Rand des Hinterkiefers rechter Seite; c. Luftröhre. Fig. 3. Pferdekopf mit entfernter lin⸗ ken Naſenwand, um die Schleimhaut der Naſenſcheidewand a., ſichtbar zu machen. Fig. 4. Die vorige Figur, mit Rotzgeſchwü⸗ ren. Fig. 5. Pferdekopf mit einer um die Ganaſchen angebrachten Bandage aus Lammfell a. Fig. 6. Ein Stück der knorpeligen Na⸗ ſenſcheidewand mit tiefen und großen Rotzgeſchwüren. Fig. 7. Na⸗ ſenſcheidewand mit ſtrahligen und ſternförmigen Narben von geheil⸗ ten Rotzgeſchwüren. Fig. 8. Abgehaͤuteter Pferdekopf mit der Ohr⸗ drüſe(Fibel) bei a., dahinter die Theilung der großen Halsader. Fig. 9. Hinterſchenkel des Pferdes mit eiternden Wurmbeulen; in⸗ nere Seite des Schenkels. Tab. XX. Fig. 2. Augapfel des Pferdes; a. durchſichtige Hornhaut; b. undurchſichtige Hornhaut. c. c. e. gerade Augen⸗ muskeln. Fig. 1. Pferdeauge; a. Regenbogenhaut, in der Mitte die Pupille; b. Bindehaut; c. Nickhaut oder Nagel; d. Thränen⸗ karunkel. Fig. 3. Augapfel mit durchſchnittener, undurchſichtiger Hornhaut; a. Sehnerv; b. b. b. b. innere Fläche der durchſchnit⸗ tenen Theile der undurchſichtigen Hornhaut; die ſchwarze Kugel iſt rings von der Aderhaut umgeben, in deren Mitte die Regen⸗ bogenhaut und Pupille. Fig. 4. Augapfel mit entfernter undurch⸗ 414 Erklaͤrung der Abbildungen.. ſichtiger Hornhaut; a. Sehnerv; b. b. Schnittfläche der undurch⸗ ſichtigen Hornhaut; e. Aderhaut; d. Nervenfäden; e. Regenbo⸗ genhaut; k. Pupille mit der Linſe im Hintergrunde. Fig. 5. Senkrechter Durchſchnitt eines Pferdeauges; a. Sehnerv; b. b. durchſchnittene undurchſichtige Hornhaut; c. c. durchſchnittene Ader⸗ haut; d. hintere Augenkammer; e. Cryſtallinſe, umhüllt von der Linſenkapſel; g. vordere Augenkammer; h. durchſichtige Hornhaut; f. f. Regenbogenhaut mit den Traubenkörnern an ihrem Ende. Fig. 6. Pferdeauge mit grauem Staar. Fig. 7. a. b. Haarſeil⸗ nadel; Fig. 8 a. b. Haarſeilnadel beim Spat von der Oberfläche und von der Kante geſehen. Fig. 9. Hölzerner Spatel zum Ein⸗ geben von Latwerge. Fig. 10. Fontanell von Filz, in natuͤrlicher Größe. Tab. XXI. Fig. 1. a. a. Droßelader am Halſe des Pferdes; b. beſte Stelle zum Aderlaſſen; c. Luftröhre. Fig. 2. Die vorige Figur mit bloß gelegter Droßelader und Luftröhre; a. Droßelader, b. Luftröhre; c. c. innere Fläche der durchſchnittenen Haut. Die braunen Theile ſtellen Muskeln dar. Fig. 3. Fliete zum Ader⸗ laſſen beim Pferde. Fig. 4. Lanzette zum Aderlaſſen beim Pferde. Fig. 5. a. Droſſelader beim Rinde. Fig. 6. Fliete beim Rinde. Fig. 7. Schafskopf, an welchem die Angeſichtsvene bloßgelegt iſt; bei a. wird die Ader durchſtochen. Fig. 8. Fliete beim Schaf. Fig. 9. Alle drei Flieten im verjüngten Maßſtabe, in einer einzi⸗ gen Hülſe verbunden. Fig. 10. Vorderfuß eines Pferdes; bei a. iſt eine Schnur um das Feſſelgelenk gelegt; bei b. iſt die Haut ge⸗ trennt, um die Feſſelvene(blau) und die Feſſelarterie(roth) in ihrer e zu zeigen. Tab. XXII. Schneidezähne im unterkiefer des Pferdes, zur rrung des Alters. Fig. 1. Gebiß eines zweijährigen Pferdes; tlich noch Milchzähne; die Hakenzähne fehlen noch. Fig. 2. biß eines dritthalbjährigen Pferdes; die Zangenzähne a. a. ſind ewechſelt; die anderen Zähne b. b. b. b. ſind noch Milchzähne; die Hakenzähne c. kommen mit der Spitze hervor. Fig. 3. Gebiß eines vierthalbjährigen Pferdes; nicht nur die Zangen⸗ ſondeyn auch die Mittelzähne a. a. a. a. ſind gewechſelt, und nur die Eckzähne b. b. ſind noch Füllenzähne. Die Hakenzähne c. treten mehr hervor. Fig. 4. Gebiß eines fünfthalbjährigen Pferdes; alle Zähne ſind gewechſelt; die Eckzähne ſind noch nicht in Reibung getreten. Die Hakenzähne b. ſind größer geworden. Fig. 5. Gebiß eines ſechs⸗ jährigen Pferdes; die Kunden in den Zangenzähnen a. a. ſind ver⸗ ſchwunden, aber in den Mittel⸗ und Eckzähnen b. b. b. b. noch vorhanden. Die Hakenzaͤhne haben ihre völlige Größe erlangt. Fig. 6. Gebiß eines ſiebenjährigen Pferdes; die Kunden ſind nur noch auf den Eckzähnen vorhanden. Tab. XXIII. Schneidezähne im Unterkiefer des Pferdes, zur Erklärung des Alters. Fig. 1. Gebiß eines achtjährigen Pferdes; die Kunden auf allen Zähnen ſind verſchwunden, die Hakenzähne beginnen ſich nach außen zu biegen und zu wenden. Fig. 2. Gebiß eines neunjährigen Pferdes. Fig. 3. Gebiß eines eilfjährigen Pfer⸗ des. Fig. 4. Gebiß eines zwolfjährigen Pferdes. Pig. 5. Gebiß eines ſechzehnjährigen Pferdes. Fig. 6. Gebiß eines achtzehnjähri⸗ gen Pferdes. Tab. XXIV. Fig. 1. Schneidezähne im Unterkiefer eines dritt⸗ halbjährigen Pferdes von der Seite geſehen; a. iſt ein gewechſelter Zahn; b. b. ſind noch Milchzähne. Fig. 2. Gebiß eines vierthalb⸗ jährigen Pferdes, a. a. ſind gewechſelt, b. iſt noch ein Milchzahn, der Hakenzahn iſt hervorgetreten. Fig. 3. Gebiß eines fünfthalb⸗ jährigen Pferdes; alle Zähne ſind gewechſelt; die Hakenzähne ſtark hervorgetreten. Fig. 4. Schneidezähne im Oberkiefer eines neunjäh⸗ rigen Pferdes, mit einem ſtarken Einbiß amgoberen Eckzahne bei a. Fig. 5. Bei a. derſelbe Einbiß; im höheren Alter nehmen die Zähne eine mit dem Kiefer mehr parallele Richtung an, wie die Contour b. zeigt. Fig. 6. Reibeflächen von Schneidezähnen aus dem Unterkiefer; in der Jugend iſt ihr Seitendurchmeſſer am größ⸗ ten; im Ater der Durchmeſſer von vorn nach hinten; a. ſieben Jahre; b. zwölf Jahre; c. achtzehn Jahre; d. fünfundzwanzig Jahre. Fig. 7. Geöffnete Gebärmutter einer Kuh mit einem Kalbe, welches eine regelwidrige Kopflage hat; es iſt die in dieſem Falle zur Entbindung geeignete Manipulation dargeſtellt. Fig. 8. Eine Schlinge von Leder oder Gurten, wie dieſelbe in die Gebärmutter einzuführen und am paſſendſten um einen Theil des Jungen anzu⸗ tchen iſ. Fig. 9. Das geburtshülfliche Inſtrument, die ſogenannte rücke. Tab. XXV. Der Huf, anatomiſch dargeſtellt, zur Erklärung ſeiner einzelnen Theile. Fig. el. Huf von der Seite geſehen; a. die Zehe; b. die Seitenwand; c. der Ballen; d. die Krone. Fig, 2. Huf von unten geſehen; a. die Sohle; b. b. b. die Hornwänd; c. c. die weiße Linie, als die Verbindungsſtelle der Sohlen⸗ mit der Hornwand; d. d. die Eckſtreben; e. der Strahl; f. f. die Ballen; g. hinterer Aſt der Sohle; h. Eckſtrebagwinkel. Fig. 3. Der bloße Hornſchuh, ſenkrecht in der Mitte durchſchnitten, ſo daß das Innere deſſelben ſichtbar wird; a. innere Fläche der Krone, zur Aufnahme der Fleiſchkrone; b. Hornwand; c. Sohle; d. Strahh Pig. 4. Huf, von dem der Hornſchuh entfernt iſt; a. die Fleiſch⸗ blättchen; b. die Fleiſchkrone. Fig. 5. Die vorige Fiaur, an wel⸗ cher die Fleiſchblättchen fortgenommen ſind, um die ſehr zahlreichen Blutgefäße des Hufes zu zeigen. Fig. 6. Senkrechter Durchſchnitt eines Fußes; a. unteres Ende des Schienbeins; b. Feſſelbein; c. Kronenbein; d. Hufbein; e. Strahlbein; k. Streckſehne des Huf⸗ beins; g. Beugeſehne des Kronenbeins; h. Beugeſehne des Huf⸗ beins; i. Schwammgewebe des Ballen; k. Hornſohle; l. Horn⸗ wand; m. Fleiſchwand; n. Fleiſchſohle. Tab. XXVI. Fig. 1. und 2. Schiefe und mißgeſtaltete Hufez Fig. 3., 4. und 5. Ringelhufe in verſchiedenen Graden. Fig. 6. Zwanghuf; die Ballen a. a. ſind einander ſehr genähert. Fig. 7. Huf mit einer loſen Wand; bei a. Fig. 8. Huf mit Hornſpalt. Fig. 9. Huf mit Ochſenklaue. Fig. 10. Dieſelbe Figur von unten; die Spalte durchdringt die ganze Hornwand. Fig. 11. Huf mit Hornkluft; es iſt zugleich ein Bockhuf mit ſehr hohen Trachten. Fig. 12. Huf mit Sohlen⸗ und Strahlkrebs. Fig. 13. Viſitirzange zur Unterſuchung kranker Hufe. 7 Tab. XXVII. Fig. 1. Senkrechter Durchſchnitt eines Voll⸗ hufs, in Folge der rheumatiſchen Hufentzündung entſtanden; a. Kronenbein; b. Hufbein, deſſen Spitze ſich mehr ſenkrecht abwärts neigt; c. Strahlbein; d. Beugeſehne des Hufes; e. Fleiſchſohle; f. entartete und verdickte Hornſohle; g. b. entartete und übermäßig verdickte Hornwand. Fig. 2. Huf mit alter Knorpelfiſtel; a. Fiſtel⸗ öffnung; b. deren Kommunikation mit dem ſeitlichen, unteren Theile des Hufes. Fis. 3. Huf von unten, zum Beſchlage vorbe⸗ reitet. Die Nagellöcher treffen genau in die weiße Linie. Fig. 4. und 5. Hufe mit verſenkten Nagellöchern und mit einem Falz. Fig. 6. Beſchlagener Huf von der Seite. Fig. 7- Hufeiſen ohne Stollen. Fig. 8. Hufeiſen beim Vollhufr Fig. 9. Huf mit zwei verſchiedenen Verbänden. Fig. 10. Rinnmeſſer. Fig. 11. Methode das Feſſelgelenk aufzubiegen, welches bei Mauke u. ſ. w. oft nöthig, aber mit der bloßen Hand und ohne Anwendung des hier gezeigten Hebels, nicht gut auszuführen iſt. Tab. XXVIII. Fig. 1. Inſtrument zum Fixiren der Form der unteren Fläche des Hufes, um darnach ein Hufeiſen ohne weiteres Aufprobiren anfertigen, und daſſelbe tah und im Stalle aufſchla⸗ gen zu können; a. a. a. Hufſohle; b. Strahl; c. e. einzelne Glie⸗ der des Inſtruments. Fig. 2. Methode einem nicht ganz fügſamen Pferde beim Beſchlagen den Fuß aufzuheben. Fig. 3. Stellt einen Akt der Anwendufig des Kappzaums bei einem widerſpenſtigen Pferde, behufs des Beſchlagens, dar; nach der Methode von Balaſſa. Fig. 4. Bockhuf eines Füllens mit einem Schnabeleiſen; a. Spitze des Schnabels; b. Vereinigung der beiden obern Flügel des Eiſens. Fig. 5. Das Schnabeleiſen fuͤr ſich dargeſtellt; a. der Schnabel; b. die beiden Flügel; e. die beiden Enden, welche beim Befeſtigen des Eiſens an den Huf(wie Fig. 4. a.) mit einander verkröpft werden. Tab. XXIX. Schneidezähne von Rindvieh, zur Darſtellung des Alters. Fig. 1. Gebiß eines Kalbes von zwanzig bis fünfundzwan⸗ zig Tagen. Fig. 2. Gebiß eines Kalbes von ſechs bis ſieben Mo⸗ naten. Fig. 3. Gebiß eines Rindes von fünfzehn bis achtzehn Mo⸗ naten. Fig. 4. Gebiß eines Rindes von zwei Jahren. Fig. 5. Ge⸗ biß von fünf Jahren. Fig. 6. von ſieben Jahren. Fis- 7. von zehn Jahren. Tab. XXX. Fig. 1. Horn eines Rindes von vier Jahren; der Ring bei a. zeigt das vierte Jahr an. Fig. 2. Horn eines Rin⸗ des von zehn bis eilf Jahren. Fig. 3. Stelzfuß des Pferdes. Fig. 4. Geringer Stelzfuß mit einem Schnabeleiſen. Fig. 5. Vorderfuß eines Pferdes, an deſſen innerer Seite durch Oeffnung der Haut Sehnen, Nerv und Gefäße blos gelegt ſind; a. Beugeſehne des Kronenbeines; b. Beuger des Hufbeins. Fig. 6. Meſſer zum Seh⸗ nenſchnitt. Fig. 7. Vorderfuß eines Pferdes, an deſſen innerer Seite der Nerv blos gelegt iſt; a. Arterie; b. Beugeſehne; c. Nervz d. Vene. Fig. 8. Bruchklemmer. Fig. 9. Nadel zur Bruchopera⸗ tion. Fig. 10. Pferd im Hängegurt; der rechte Vorderfuß ruht, behufs der Kur eines Beinbruchs, in einer hölzernen Rinnmaſchine. * 2 Inhaltverzeichniß. Seite eite. Seite Entzündung im Allgemeinen......... 1 Lungenentzündung beim Rindvieh...... 182 Kreuzlähme des Pferdes............ 265 Harnruhr des Pferdcse.. 10 2 ⸗ Schafe.... 183 Blutharnen...... 267 — ⸗ Schafes.. 12 2 ⸗ Schweine... 184 Nierenentzündung............ 269 Lungenſeuche des Rindviehs.........o.. 12 ⸗ ⸗ Hunde.......... 185 Gallen des Pferdes..............-. 271 Lebensalter der Schafe zu erkennen.. 28 Zwangs⸗ und Ueberwäl⸗ Magenwürmerſeuche der Schafe..... 273 Milchfehler bei Kühen..... 30 tigungsmittel......... 186 Bandwurm des Hundes.... 2 Stollſchwamm des Pferdes... 38 ⸗ ⸗ beim Pferde..... 186 Alter des Hundes zu erkennen Knieſchwamm des Pferdes............. 41 2 ⸗ ⸗ Rindvieh.. 188 Aderfiſtel des Pferdes...... * Rindvichs...... 41 ⸗ ⸗ ⸗ Schweine. 188 Genickbeule des Pferdees.... 6. Sehnenklapp des Pferdes......... 42 ⸗ ⸗ 5 Hunde... 189 Widerrüſtſchaden........... Piphacke des Pferdes....... 45 Kreislauf des Blutes..........eeee. 189 Harnſteine beim Berhen. 32*.e-eeue. Wuthkrankheit.......... 46 Fieber im Allgemeinen......... 192 Dummkoller des Pferdees... 2 ber Hunden........... 48 Schieferzähne des Pferdes........ 194 DOruſe des Pferdes........ ⸗ ⸗ Pferden......... 34 Brennen mit dem Glüheiſenn..... 196 Bösartige Druſe des Pferdes...— ⸗* Rindvieh......... 56 Koppen des Pferdes........ a. 197 Rotz des Pferdes......... ⸗* Schafen......... 58- Lungenwürmerſeuche der Lämmer...... 198 Halsentzündung............... Starrkrampf des Pferdees..... 60 Knochenbrüchigkeit des Rindviehs.... 199 Wurm des Pferdes............ 3 ⸗ beim Rindvieh..... 63 Stätigkeit des Pferdes.........202 Einſchuß des Pferdtdvdes.... 2* Schafe....... 63 Lebeentzündung beim Pferde...... 203 Schnupfen der Schweinine...... 302 ⸗ Hunde....... 63—* Rindvieh..... 203 Augenkrankheiten........... 304 Trommelſucht des Rindviehes......... 64 ⸗ ⸗ Schweine........ 206 ⸗ beim Pferde....... 304 Ueberbein beim Pferde......... 73 5*2 Hunde....... 206 ⸗ ⸗ Ninde......... 307 Bösartige Brunſeuche der Schafe.. 76 Ferkelfreſſen......... 207 ⸗ ⸗ Schafe.. 307 Finnen der Schweine............. 83 Schwindel beim Pferde.............. 207 ⸗ ⸗ Schweine A. 307 Kuhpocken............ 86 5* Rindvich......... 208 ⸗ ⸗ Hunde...... 307 Schaſpocken................ 89 ⸗ ⸗ Schafe........... 209 Applikation der Eiterbänder und Fon⸗ Schweinepocken............. 109 ⸗ Schweine.......... 209 kanels. 307 Hundepocken........... 111 Fallſucht beim Pferde........... 210 Aderlaſſen... 308 Mauke des Pferdes..........s... 111 2* Rindvieh............. 212 ⸗ beim Pferde......... 308 Ausfallende Mauke des Pferdes....... 116 ⸗ s Schafe....... 212 ⸗ ⸗ Rindbiehe.... 30⁰9 Raſpe des Pferdes....... 1 ⸗ 2 Schweine........... 212 5 ²2 Schafe........ 310 Fußräude des Rindviehs 5 s Hunde....... 2.. 212 ⸗ ⸗ Schweine...... 310 Staupe der Hunde./.. Kopfroſe des Schafes............ 213 ⸗- Hunde rereneeeeeee 3¹0 Dämpfigkeit des Pferdes Maulgrind............. 214 Grundzüge der aͤußeren Pferdekenntniß 310 Knochen im Allgemeinen Teigmaul des Kalbes. 214 Eingeben der Arzneiernrn.... 329 Muskeln................ Maulſchwämmchen.......... 215 ⸗ ⸗ ⸗ beim Pferde... 329 Spat des Pferdes............... Stierſucht des Rindvieehhs... 216 ⸗ ⸗ ⸗ ⸗ Rinde.. 330 Hahnentritt des Pferdes Milzbrand... 219 ⸗ ⸗ ⸗ ⸗ Schafe... 330 6 Schaale bes Pferdes............. Sterzwurm des Rindvieehs.. 229 ⸗ ⸗ ⸗ ⸗ Schweine. 330 Haſenhacke................ Darrſucht der Füllen..... 230 ⸗ ⸗ ⸗ ⸗ Hunde 330 Ohrenkrankheiten des Hundes.........e⸗ 145 Kälberlähme............. 2. 232 Fäule der Schae.... Blutſeuche der Schafe Lämmerlähme........ 232 Egelkrankheit der Schafe..... 2 Kolik beim Pferde..... 8..... Gehirnentzündung........... 236 Guubberkrankheit der Schafe.... ⸗ ⸗ Rindvieh.. 3 Drehkrankheit der Schafee...... 240 Borſtenfäule der Schweie.. ⸗* Schafe............ Räude beim Pferde............... 244 Herzentzündung beim Rindvieh ⸗ ⸗ Schweine ⸗ ⸗ Rindvieh....... 247 Langwierige uUnverdaulichkeit beim Rind⸗ 2 ⸗ Hunde......... ⸗ 2 Schafe....... 248 vich.......... 336 Maul⸗ un Klauenſeuche..... 166 ⸗ 2 Schweine......... 255 Weißer Fluß bei Kühen......... 337 5 5 beim Rindvieh 166 ⸗* Hunde.............. 256 Erbrechen beim Schweine...... 337 ⸗ 2-⸗=⸗ Schafe... 170 Mähnengrind des Pferdes......... 257 2 Hunde........ 338 ⸗ 5„ Schweine 170 Hautjucken des Pferdees 257 Bruſtſeuche des Pferdes...... 338 Athmungsprozeß.......*e..... e.e.“: 174 Oeſtruslarven... 259 Ninderpeſt............ 339 —„Lungenentzündung........... 176 Buglahmheit des Pferdes........ 262 Tripper beim Hunde, 341 .— ⸗ beim Pferde..... 176 Hüftlahmheit des Pferdes...... 264 Beſchälſeuche des Pferdes.......... 341 416 Inhaltverzeichniß. Seite. Seite. Seite. Lebensalter des Pferdes zu erkennen.. 343 Abſchlagen des Schwanzes und der Oh⸗ Feſtſtecken fremder Körper im Schlunde 400 Zur Geburtshülfe bei Kühen... 345 ren beim Hunde............. 378 Hufgelenklähme.............. 401 Verrenkungen und Verſtauchungen..... 350 Alter des Rindviehs zu erkennen...... 378 Stelzfuß des Pferdes.... 402 Hufkrankheiten.... 351 Durchfall und Ruhr............ 380 Bockbeinigkeit des Pferdes 403 Hufbeſchlag........... 365 Verſtopfung.............„ 385 Anlaufen der Fuͤße beim Pferde..... 40³ Rheumatiſche Hufentzündung d. Pferdes 370 Huſten............... 386 Warzen.......... 404 Rheumatismus beim Rindoiech........ 373 Mangel an Fpeßluſt.............. 387 Samenſtrangfiſtel beim Pferde........ 40⁵ ⸗ bei Schweinen...... 375 Brüche der Eingeweide........ 388 Wunden.......... 40⁵ ⸗* Hunden......... 376 ungeziefer............... Betrügereien im Pferdehandel......... 408 Verbällen der Klaeeen... 376 Zahnfiſtel...... Geſetze im Viehhandteeel.... 4⁰9 Milchdrüſenverhärtung beim Hunde... 377 Knochenbrüche Anmerkung. Ueberall, wo in dem Buche von einem Quarte die Rede iſt, wird hierunter ſtets ein Berliner Quart verſtanden; es enthält daſſelbe zwei und ein viertel Pfunde, und das Verhältniß deſſelben zu den übrigen Gemäßen, welche in Deutſchland am häufigſten im Gebrauche ſind, iſt folgendes: Ein Berliner Quart iſt gleich fuͤnf Sechſtel Wiener Maaß, oder zwei Drittel Rheiniſchem Maaß, oder fünf Viertel Hamburger Quartier, oder fünf Viertel Dresdner Kanne, oder ein Drittel Bremer Stübchen, oder viertehalb Schoppen, oder vier Fünftel Cölniſchem Zapfmaaß. d I. Auf das Pferd bezuͤglich. Abgetrennte Hufwände 360. Aderfiſtel) 274 Aderlaßfiſtel 7 Aderlaſſen 308. Alter, Erkenntniß deſſelben 343. Anlaufen der Füße 403. Anſchwellung der Beugeſehne 42. Appetitloſigkeit 387. Arznei 329. Athemholen 174 Athmungsprozeß 74. Aufwallen des Blutes 192. Augenkrankheiten 304. Augenentzündung, einfache 304. ⸗ ,catarrhaliſche ,periodiſche 305. , rückkehrende NA n u Bauchblas 124 Bauchblähigkeit! 124. Bauchbruch 389. Bauchgrimmen 154. Beſchälſeuche 341. Betrügereien im Pferdehandel 408. Blaue Mähler 355. Blattlähme 262. Blutlauf 189. Blutharnen 267. Blutlaſſen 308. Blutpiſſen 267. Blutumlauf 189. Bockbeinigkeit 403. Bockhuf 364. Bräune 296. Bremſe(ungeziefer) 258. Bremſe(Zwangsmittel) 186. Brennen, mit dem Glüheiſen 196. Bruſtentzündung Bruſtfellentzündung 176. Bruſtſeuche 338. Brüche 388. Bruſtlähme Buglahmheit! 262. Buglähme Catarrh 283. Chankerſeuche 341. Dampf Dämpſggkeit 124. Darmgicht Darmentzündung 1 Wagenfeld, Encycl. 54. Regiſter. Darrſucht der Füllen 230. Dicke Füße 403. Druſe , bedenkliche ,„ bösartige , verdächtige 283. , verſchlagene , wandernde Dummkoller 279. Durchfall 380. 2 der Füllen 381. Uun a n Eingeben der Arzneien 329. Einſchuß 301. Eintreten fremder Körper in den Huf 358. Eiterband 307. Entzündung im Allgemeinen 1. Entzündungsfieber 192. Epilepſie 212. 3 Fallſucht 212. Faulfieber 193. Feifel 154. Feſtſtecken fremder Körper im Schlunde 400. Fibel 154. Fieber, im Allgemeinen 192. ⸗, entzündliches 192. ⸗, fauliges 193. Flecken auf der Hornhaut 306. Fleiſch 134. Fluß 273. Flußgallen 271. Fontanell 307. Füllenlähme 230. Gallen 271. Gangarten des Pferdes 325. Geburtshülfe(zur) bei Kühen 345. Gehirnentzündung 236. Gelenkgallen 271. Genickbeule, 275 Genickfiſtel* 275: Gerippe 128. Geſetze im herdehanel 41⁰ Gewährsmängel. Glüheiſen 196. Gnatze 244. Grundzüge der äußeren Pferdekenntniß 310. Halbſchlag 265. Hahnenſpat 140. Hahnentritt 4 Halsentzündung 296. Harnruhr 10. Hartſchnaufigkeit 124. Haſenhacke 143. Hautjucken 257. Hautwurm 298. Herzſchlägigkeit 124 Herzſchlechtigkeit 4 Hirnentzündun Hirnwuth 37 236. Hornhautflecken 306. Hornkluft 362. Hornſpalt 361. Hufbeſchlag 365. Hufentzuͤndung 354. Hufgelenklähme 401. Hufkrankheiten 333. Hundswuth 54. Huſten 386. üftlähme Lifthuer 264. Influenza 338. Kalte Piſſe 10 Klare Piſſe 8 Knieſchwamm 41. Knochen im Allgemeinen 128. Knochenbrüche 394. Knochenſpat 134. Knollhuf 368. Knorpelfiſtel 356. Kolik 154. Koller 279. ⸗, raſender 236. K75, ſtiller 279. öcken Koppen 197. Krätze 244. Kreislauf des Blutes 189. Krippenbeißen oder ⸗ſetzen 197. Kreuzlähme 265 Kreuzlahmheit 3 Kronenfiſtel 356. Kronentritt 363. Kropf 283. Läuſe 392. Lauterſtall 10. Leberentzündung 203. Leiſt 141. Loſe Wände 360. Luftſchnappen 197. Lungenentzündung 176. Mähnengrind 257. Mangel an Freßluſt 287. Maulklemme 60. 53 418 Mauke 111. ⸗ ausfallende ., adee 7 116⸗ Maulausräumen) 19; Maulputzen 4. Maulſchwämmchen 215. Maulſperre 60. Maulwurfsgeſchwulſt 275. Milzbrand 225. Monatblindheit Mondblindheit 305. Muke Munke 111. Muskeln 134. Nabelbruch 390. Nierenentzündung 370. Ochſenklaue 361 Ochſenſpalt 3 Oeſtruslarven 258. Ohrenkrankheiten 347. Pferdebremſen 258. Pferdekenntniß, Grundzüge derſelben 310. Pferdeſeuche 338. Pfeiferdampf 124. Plattfuß) 36 Platthuf 363. Piphake 45. Puls 189. Pürzel 298. Rapfen, oder Raſpe, 117. Räude 244. Rattenſchweif 258. Rehbein 134. Rehe Rheumatismus Rheumatiſche Hufentzündung Ringbein 141. Ringelhuf 365. 270. Rotz Rotzkrankheit 292. Saamenſtrangfiſtel 405. Satteldruck 276. Schaale 141. Schäbe 244. Schenkelgeſchwulſt 301. Schiefer 72. Schieferzähne 194. Schieferhuf 365. Schnupfen 283. Schorf 244. Schulterlähme 262. Schweifjucken 258 Schweifräude o⸗ Schwerenoth 212. Schwindel 207. Sehnen 134. Sehnengallen 271. Sehnenklapp 42. Skelett 271. Spaniſcher Tritt 140. Spat 134. Sperrknochen 72. Senangallen 271. taar, grauer 2„ ſhaaeraer) 306. Starrkrampf 60. Stätigkeit 202. Steingallen 355. Steinkropf 283. Stelzfuß 402. Stollbeule) 38 Stollbeutel. Regiſter. Stollſchwamm 38. Strahlpiſſe 10. Tobſucht 236. Ueberbein 72. Uebergehen des Stallens 154. Ungeziefer 392. Urinverhaltung 154. Venerie 341 Veneriſche Krankheit 3 Verbällen 354. 4 Verhitzung 192. Vernageln 357. Verrenkung 2 Verdetune 320. Verſtopfung 385. Vollhuf 364. Vorderkniegallen 271. Warzen 404. Widerrüſtfiſtel Widerruͤſtſchaden Windſchnappen 197. Wolf 111. Wunden 405. Wurm 298. Wuthkrankheit 54. 276. Zahnfiſtel 394. Zahnſpitzen 194. Zuckfuß 140. Zwanghuf 364. Zwangsmittel 186. II. Auf das Rindvieh be⸗ zuͤglich. Aderfiſtel 275. Aderlaſſen 309. Aderlaßfiſtel 275. Alter, Erkenntniß deſſelben 378. Anthrax 219. Aufblähen. 64. Augenkrankheiten 307. Augenſeuche 307 Augenſtaupe t Bauchgrimmen 164 Bauchſchmerzen 16 Blattern 86. Blähſucht 64. Blaue Milch 35. Blutlaſſen 308. Blutharnen Blutnetzen ½ 268. Blutpiſſen Blutſchlag 219. Bräune 279. Bruſtentzuͤndung 182. Bruſtlähme 264. Brüche 398. Buglähme 264. Chroniſche Lungenentzündung 12. Daſſelbeulen 260. Durchfall 381. ⸗ der Kälber 382. Eingeben der Arzneien 330. Einſchuß 348.— Eiterbänder 307. Engerlinge 260. Entzündung im Allgemeinen 1. Epilepſie 212. Erdſturz 219. Euterentzündung 348. Fallſucht 212. Faſch 215. Feſtſtecken fremder Körper im Schlunde 400. Fontanell 307. Franzoſenkrankheit 216. Fußräude 118. Geburtshülfe 345. Gehirnentzündung 238. Geile Seuche 216. Gelbe Geſchwulſt 219 Gelber Schelm. Geſetze im Viehhandel; Gewährsmängel 410. Halsentzündung 279. Harnſteine 277 Harnverhaltung 4 Harthäutigkeit 199. Herzentzündung 335. Hirnwuth 279. Hirſchkrankheit 63. Hirſeſucht 216. Hundswuth 56. Huſten 386. Jähes Gebluͤt 219. Kalbefieber 347. Kälberlähme 232. Karbunkelſeuche 219 Karfunkel 8 Klauenentzündung 375. Klauenſeuche 166. Knieſchwamm 41. Knochenbruͤchigkeit 199. Knochenbrüche 394. Kolik 164. Krätze 246. Kreuzlähme 267. Langwierige Unverdaulichkeit 336. Läuſe 392. Lebensalter 378. Leberentzündung 205. Leckſucht 394. Lendenblut 220. Lungenentzündung 182. Lungenfäule 12 Lungenſeuche 3 Mangel an Freßluſt 308. Maulfäule 166. Maulſeuche, gutartige 166. ⸗„ bösartige 225. Maulſchwämmchen 215. Maulſperre 63. Milchborke 214. Milchfehler 30. Milch, blaue 35. „bittre 32. , gelbe 37. , rothe 33. „ Sauerwerden 33. „Verſiegen 34. , wäſſerige 31. nuunn n ⸗„zähe 32. Milchſchorf 214. Milzbrand Milzbrandfieber 219. Milzbrandkarbunkel Monatreiterei 216. Mundfäule 166. Regiſter. Nierenentzündung 271. Drehe Schwindel 209. Drehkrankheit 240. Starrkrampf 63. Oeſtruslarven 260. Drehſucht Ohrenkrankheiten 148. Padde 64. Durchfall 383. ⸗ ſ der Lämmer 383. Teufelsſchuß 148. Tollwuth 58. Traberkrankheit 333. i Trommelſucht 72. Perlſanche; 216. E Eheltbanthet 332. rommelſuch Periinut. Eingeben der Arzneien 330. Ungeziefer 392. Pogge 64. Eiterbänder 307. Verbelln S7. Raͤude 246. Regelwidrige Geburt 349. Rheumatismus 273. Rinderpeſt 339. Entzündung im Allgemeinen 1. Epilepſie 212. Erdſturz 148. Fallſucht 212. Rindviehbremſe 260. Fäule Rnde hüen en Fäuliſchſein 331. Rückenblut 220. Faulſucht Ruhr 381. Saͤurekrankheit 199. Schorf 246. Schwindel 209. Starrkrampf 63. Sterzwurm 229. Stierſucht 216. Teigmaul 214. Tollwuth 56. Träberausſchlag 118. Trommelſucht 64. Ungeziefer 392. — Klauenfäule Durchfall 384. Verbällen der Klauen 375. Klauenweh ⸗ der Ferkel 384. Verfangen 273. Knochenbrüche 394. 3 Verkuben 483 Kolik 164. Cienaeben er, Arzneien 330. erſtauchung 350. Kopfroſe 213. iterbänder 307. Verſtopfung 392. Krnge ſe, 21 Entzündung im Allgemeinen 1. Verrenkung 350. Kreuzdrehe 333 Epilepſie 212. Vorfall der Gebärmutter— 346 Kreuzlähme* Erbrechen 337. ⸗ Scheide 3 Krümme ¼ 70 Krümpe Fallſucht 212. Warzen 404. Fontanell 307. Gehirnentzündung 239. Geſetze im Handel 410. Gnubberkrankheit 333. Halsentzündung 298. Harnruhr 12. Hundswuth 58. Huſten 386. Klauenſeuche, gutartige 79. ⸗, bösartige „franzöſiſche, „ ſpaniſche„ à u u Verſtopfung 385. Waſſerſucht 331. Wunden 405. Wuthkrankheit 58. 4¹9 IV. Auf das Schwein be⸗ zuͤglich. Aderlaſſen 310. Antoniusfeuer 225. Auffreſſen der Ferkel 207. Augenkrankheiten 307. Blattern 109. Blutlaſſen 310. Borſte, weiße, 225. Borſtenfäule 334. Bräune, bösartige, 225. Brüche 389. Bruſtentzündung 184. Ferkelfreſſen 207. Weidebruch 268. 5„ Feuer, heiliges . L 1„ 2„. Weißer Fluß 337. Ec ninnle mni, 53 Feuer, St. Antonius,— 223. Windſucht 64. Finnen 83. Läuſe 392. t Wof 26. Lebensalter 28. Fontanell 307. Wuthkrankheit 56. Aiisreſchandang. od. Lungen, weiße,) 198 Lungenwurmhuſten. Lungenentzündung 183. Lungenſeuche, wurmige,— 198 Lungenwurmſeuche der Lämmer 3 Gehirnentzündung 239. Gelbſucht 206. Gerſtenkorn 226. Geſetze im Handel 410. Zahnalter 378. Zahnfiſtel 397. Zungenkrebs 220. Zwangsmittel 188. Halsgeſchwulſt, bösartige 226. Hundswuth 59. Huſten 386. Klauenſeuche 170. Magenwuͤrmerſeuche 273. Maulgrind 214. Maulſchwämmchen 215. — 7 4 94. III. Auf das Schaf bezuͤglich. Maulſeuche 170. Karcharäh ſo⸗ Maulſperre 63. Kopfkarbunkel 225. Milch, blaue 37. Krätze 255. Aderlaſſen 310. Milzblut— 148 Alter, Erkenntniß deſſelben 28. Milzbrand 3 Läuſe 393. Anbrüchigkeit 331. Antoniusfeuer 148. Augenkrankheiten 307. Leberentzündung 206. Nierenentzündung 271. Lungenentzündung 184. Maulfäule 226. Maulgrind 214. Maulſchwämmchen 215. Maulſeuche, gutartige 170. Pocken 89. Milzbrand 225. 3 Oeſtruslarvenkrankheit 216. Venlattem 87 Ohrenkrankheiten 148. Bleichſucht 331. Blutlaſſen 310. Blutharnen 269. Blutkrankheit Raͤude 248. Ohrenkrankheiten 148. Blutſchlag 148. Rothes Feuer 148. Blutſeuche Pocken 109. Bräune 298.. Schafbremſe 261. Bruſtentzündung 183. Schorf 248. Räude 255. Bruͤche 389. Schrückigſein 333. Rankkorn 226. 3 53- 420 Rheumnatiswu 375. Rothlauf, brandiger 2 ⸗„ bösartiger— 223. Schnüffelkrankheit 303. Schnupfen 302. Schwindel 209. Tollwuth 59. Ungeziefer 393. Verbällen 377. Verfangen 375. Wunden 405. Wuthkrankheit 59. Zwangsmittel 188. V. Auf den Hund bezuͤglich. Abſchlagen der Ohren 9. 3 des Sbaanzes) 378. Aderlaſſen 310. Alter, Erkenntniß deſſelben 274. Arzneien, Eingeben derſelben 330. Augenkrankheiten 307. Bandwurm 272. Blähſucht 72. Blattern 111. Bräune 298. Regiſter. Brüche 389. Bruſtentzündung 185. Durchfall 384. Eingeben der Arzneien 330. Eiterbänder 307 Entzündung im Allgemeinen 1. Epilepſie 212. Erbrechen 338. Fallſucht 212. Feſtſtecken fremder Körper im Schlunde 400. Flöhe 393. Fluß 273. Fontanell 307. Gehirnentzündung 240. Gelbſucht 206. Halsentzündung 298. Hundekrankheit 121 Hundeſeuche) 8 Hundswuth 46. Huſten 386. Kolik 165. Krätze 256. Krebs am Euter 377. Kreuzlähme 121. Laune 121. Läuſe 393. Lebensalter 274. Leberentzündung 206. Lungenentzündung 185. Druck von Breitkopf und Härtel in Leipzig. Maulſperre 63. Milchdrüſenverhärtung 377. Ohrenfluß 147. Ohrengeſchwulſt 147. Ohrenkrankheiten 145. Ohrenkrebs 145. Ohrenwurm 145. Pocken 111. Räude 256. Schwerenoth 212. Starrkrampf 63. Staupe 121. Stinkohr 147. Tollheit— 46 Tollwuth 4 Tripper 341. uUngeziefer 393. B erchällen 377. errenkung 5 Verſtauchung) 350. Verſtopfung 385. Warzen 404. Wunden 405. Wuthkrankheit 46. Zwangsmittel 186. * 2 A* —————— 1 — “ 4358 1 . O1L4 eeAdea