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Gekrönte Preisschrift. Anbau der Hülsenfrüchte von C. Fruwirth, Professor in Hohenheim 4 Braugerste von H. Heine. Gekrönte Preisschrift. 8 4 Khunauers Rübenbau. Bearbeitet von Prof. Dr. M. Hollrung in Halle a. S. 9. Auflage. Flachsbau und Verarbeitung von R. Kuhnert in Marburg. 3 8 Rationeller Futterbau von Dr. F. G. Stebler in Zürich. 5. Aufage. Samen und Saat von Dr. William Loebe-Leipzig. Ernährung der landw. Kulturpflanzen von Prof. Dr. Ad. Mayer. 2. Auflage. Getreidebau von Dr. A. Nowacki, Professor in Zürich. Gekrönte Preisschrift. 4. Auflage. 8 Kartoffelbau von Geheimrat Dr. H. Wern er, Professor in Berliuä. 4. Auflage. Krankheiten der landw. Nutzpflanzen von professor Dr. Wolf. Forstkulturen von Urff, Kgl. Forstmeister in Neunaus bei Berlinchen. 2. KeAuflage. Tierzucht und Fütterungslehre. Berlepsche Bienenzucht. Bearbeitet von G. Lehzen in Hannover. 4. Auflage. Zoologie für Landwirte von Dr. J. Ritzema Bos, Professor in Amsterdam. 4. Auflage. Pferdezucht von F. Oldenburg in Sondershausen. Rindviehzucht von Dr. V. Funk. Direktor in Zoppor. 5. Auflage. Wirtschaftsfeinde aus dem Tierreich von Dr. G. von Hayck, Professor in Wien. Mays Schweinezucht. Bearbeitet von E. Meyer-Friedrichswerth. 5. Auflage. Bakterienkunde für Landwirte von Dr. w. Migula in Karlsruhe. Pribyls Geflügelzucht, neubearbeitet von Oberstleutn. a. D. Sabel in Trier. 5. Auflage. Wolffs landwirtschaftliche Fütterungslehre. 7. Auflage. Konservierung der Futtermittel von Dr. F. Albert, Professor in Giessen. Betrieb. Landw. Betriebslehre von Geh.-R. Dr. Freih. v. d. Goltz, Prof. in Doppelsdorf. 2. Auflage. Landw. Buchführung von Geh.-R. Dr. Freih. v. d. Goltz, Prof. in Poppelsdorf. 9. Auflage. 3 Geschichte der Landwirtschaft von Michelsen u. Nedderich. 4. Auflage. Rechtsbeistand des Landwirts von M. Löwenherz, Amtsgerichtsrat in Köln. 3. Auflage. An- und Verkaufs-Genossenschaften von H. v. Mendel, Landesökonomierat in Halle. Das Schriftwerk des Landwirts von C. Petri in Hohenwesteddt. 3. Auflage. MWMirtschaftsdirektion d. Landgutes von Geh. Rat Prof. Dr. A. Thaer. 3. Auflage Handelskunde für den Landwirt. Von C. Petri in Hohenwestedt. Landwirtschaftliche Gewerbe. Maerckers Anleit. zum Brennereibetrieb. Herausg. v. M. Delbrück u. HI Lange. 3. Aufage. Apfelweinbereitung von Dr. Ernst Kramer in Klagenfurt. Bierbrauerei von Dr. C. J. I intner, Professor in München. 3. Aunage. Die Milch und ihre Pro A Ottorin Halle a. S. Ziegelei von Otto Bock,. 2 ei n 2 Bffeln 4 3. Auflage. 4 1. ZLZu— ch 44+ Raehbandane —8 3e. age. Re lan von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10. ree THAER BIBLIOTHEK nrrerr. Baukunde. Kalk- Sand-Pisebau: von Baurat F. Engel. Bearbeitet von H. Hotop. 4. Auflage. Pferdestall(Rau und Einrichtung) von Baurat F. Engel in Berlin. 2. Auflage Engel's Viehstall(Bau u. Einrichtung) neubearb. von G. Meyer in Kattowitz. 3. Auflage. Bauernhof(Aulage und Einrichtung) von G. Jaspers, Generalsekretär in Osnabrück. Schubert's ldw. Baukunde. Neubearb. von G. Meyer in Magdeburg. 7. Auflage. Geflügelställe(Bau und Einrichtung) von Architekt A. Schubert in Höxter. 2. Auflage. Kalk-, Gips- und Zementfabrikation von H. Stegmann in Braunschweig. Kulturtechnik, Maschinenkunde, Ingenieurwesen. Land. Plan- und Situationszeichnen von H. Kutscher in Hohenwestedt. Behandlung der Lokomobilen von Professor Paul Lazar in Budapest. Perels' Ratgeber bei der W ahl landw. Geräte und Maschinen. 8. Anflage. Schubert's landw. Rechenwesen. Bearb. von H. Kuts cherin Hlohenwestedt. 4. Auflage. Be- und Entwässerung der Acker und Wiesen von ék.-Rat L. Vincent. 4. Auflage. Wiüst's Feldmessen und Nivellieren. Bearb. von A. Nachtwenh, Prof, in Halle. 5. Auflage. Der Landwirt als Kulturingenieur von Fr. Zajisek, Prof. in Mödling. 2. Auflage. Veterinärwesen. Fnglischer Hufbeschlag von H. Behrens, Lehrschmied in Rostock. 2. Auflage. Eingeweidewürmer der Haussäugetiere von Dr. J. Dewitz in Berlin. Physiologie und Pathologie der Haussäugetiere von F. Flemming, Tierarat in Lübz. Innere Krankheiten der Idw. Haussäugetiere von F. Grosswendt, Kgl. Oberrossarzt. Gesundheitspflege der landw. Haussäugetiere von Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Johne. Landw. Giftlehre von Med.-Rat Dr. G. Müller, Professor in Dresden. 3 Der kranke Hund von Med.-Rat Dr. G. Müller, Professor in Dresden. 2. Auflage. Der gesunde Hund von Med.-Rat Dr. G. Müller, Professor in Dresden. Beschlagkunde von Dr. A. von Rueff in Stuttgart. Aussere Krankheiten der ldw. Haussäugetiere von B. Zorn, Kgl. Korpsrossarat. Geburtshilfe von Amtstierarzt Tapken in Varel. 4 2. Auflage. Jagd, Sport und Fischerei. Khünstliche Fischzucht von M. 10 dem Borne. 5. Auflage. Sürsswasserfischerei von M. von dem Borne. Teichwirtschaft von M. von dem Borne. 4. Auflage. Goedde's Fasanenzucht. Bearbeitet von Fasanenjäger Staffel in Fürstenweld. 3. Auflage. Jagd-, Hof- und Schäferhunde von Leutnant Schlotfeldt in Hannoser. Ratgeber beim Pferdekauf von Stallmeister B. Schoenbeck in Höxter. 3. Auflage. Widersetzlichkeiten des Pferdes von Stallmeister B. Schoenbeck in Höxter. — Reiten und Nahren von Major R. Schoenbeck in Berlin. 4. Aufage. Gartenbau. Gehölzzucht von J. Hartwig, Grossherzogl. Hofparteninspektor in Weimar. 2. Auflage. Gewächshäuser von J. Hartwig, Grossherzogl. Hofgarteninspektor in Weimar. 2. Audnse Weinbau von Ph. Held, Gartenbau-Inspektor in Hohenheim. Meyer's Immerwährender Gartenkalender. 3. Auflage. Obstbau von R. Noack, Grossherzogl. Hofgarteninspektor in Darmstadt. 4. Auflage. Gartenblumen(Zucht und Pflege) von Th. Rümpler, General-Sekretär in Erfurt. 2. Auflage. Rümpler' 8 Zimmergärtnerei. Bearbeitet von W. Mönkemeyer in Leipzig. 3. Auflage. Obstbaumkrankheiten von Professor Dr. Paul Sorauer in Proskau. Gärtnerische Veredlungskunst von O. Teiche rt. Bearb. von Fintelmann. 3. Auflage. Gemüsebau von B. von Uslar in Hannover. 3. Auflage. Gärtnerische Betriebslehre von A. Bode, Obst- und Gartenbaulehrer in Altenburg. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannser 10. Illustriertes Landwirtſchafts- Lexikon. Dritte, neubearbeitete Auflage. Mit 1126 Textabbildungen. In Halbjuchten gebunden, Preis 23 M. Das Landwirtschafts-Lexikon enthält Tausende einzelner Artikel und gibt— aufgeschlagen an der betreffenden Stelle des Alphabets—— eine augen- blickliche, klare und bündige Antwort auf alle Fragen, wie sie sich täglich im landwirtschaftlichen Betriebe aufwerfen. 3 Schlipct: popuar res„öhadbuch der twauntaaan Gekrönte Preisschrift. Fünfgzehnte, neubearbeitete und vermehrte Auflage. Mit 4 524 in den Text gedruckten Abbildungen und 20 Tafeln in Farbendruck. Gebunden, Preis 7 M. Wem es um ein Handbuch zu tun ist, welches alle Zweige der Landwirtschaft 4 auf Grund der neuesten Erfahrungen in’ besonders verständlicher Schreibweise behandelt, dem darf das bewährte Werk von Schlipf unbedingt empfohlen werden. kehrbuch der Landwirtschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Von Dr. Guido Krafft, Drofessor der Landwirtschaft an der k. k. tochnischen Hochschule in Wien. Mit 889 Textabbildungen und 27 E arbendrucktafeln. Vier Bände.— Gebunden, preis 20 M. Daraus einzeln: I. Aekerbanlehre. Achte Auflage. III. Tierzuchtlehre. Siebente Aufl. AMiit 313 Textabbildungen u. 1 Tafel- Mit 289 Textabbildg. und 15 Tafeln Gebunden, Preis 5 M. mit 44 Farpisen, Rassebildern. HI. Pflanzenbaulehre- Siebente Aud.„u Sebunden, Preis 5 Mit 262 Textabbildg. und 8, Tafeln IV. Betriepslehre. Siebente Auflage. mit 148 farbigen Abbildungen. Mit 25 Textabbildg. und 3 Tafoln. Gebunden, Preis 5 M. Gebunden, Preis 5 M. Schwerlich dürfte ein anderes landwirtschaftliches Lehrbuch gleichen Anklang uunnd gleiche Verbreitung in den Kreisen der lernenden wie ausübenden, der aka- demisch wie nichtakademisch vorgebildeten Landwirte gefunden haben wie Guido Kraffts»Lehrbuch der Tandwirtschaſt auf wissenschaftlicher und Praktischer Grundlagec. Es entspricht auch wieder in seiner neuesten Auflage allen Anſorderungen an ein modernes Handbuch der gesamten Landwirtschaft. Zu beziehen durch jede Rehhandlong Inskitut für pflanzenbau und Pflanzenzi u an der Justus Lie nschule Die Scha tzucht 2 SS Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes, Wollkunde und techniſche Verarbeitung der Wolle. Von Johannes Heyne, Schäferei⸗Direktor. & Berlin. Verlagsbuchhandlung Paul Parey. Verlag für Landwirtſchaft, Gartenbau und Forſtweſen. SW., Hedemannſtraße 10. 1906. Alle Rechte, auch das der Überſetzung, vorbehalten. Einleikung und Vorwort. Um ein Tier ſorgfältig aufzuziehen, um aus der be⸗ treffenden Tierhaltung den größten Nutzen zu gewinnen, bedarf es vor allen Dingen ſowohl der Kenntnis des Individuums ſelbſt als auch der Züchtung und Haltung der Raſſe. Bei der Schafzucht iſt dieſe Kenntnis doppelt notwendig, zuerſt zur Beurteilung des Tieres ſelbſt als auch zur Beurteilung der Wolle, Obwohl die Schafhaltung gerade in letzter Zeit viele Feinde aufweiſt, ſo muß doch zugegeben werden, daß die Haltung von Schafen eine beſtändige und gleichmäßige Vieh⸗ haltung verkörpert; das Schaf paßt, bei richtiger Anpaſſung der Richtung, ſo recht für extenſivere Wirtſchaften, und welch großen Nutzen bringt dieſelbe erſt den intenſiven Wirtſchaften. Vorliegende Schrift ſoll allen Landwirten Aufklärung geben über die notwendigſten Grundſätze. Die Schrift iſt nicht ge⸗ ſchrieben, um einen literariſchen Meinungsaustauſch heraus⸗ zufordern, nein, dieſelbe ſoll beruhigend wirken, zur Üüberlegung anſpornen und dann zum Handeln; denn es iſt unbedingt eine Schafhaltung nebſt Rindvieh⸗ und Schweinehaltung auf faſt jedem Gute am Platze. Die Schrift ſelbſt zerfällt in drei Hauptteile: a) Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes, b) Wollkunde, c) techniſche Verarbeitung der Wolle. Den letzten Abſchnitt hat der Verfaſſer ausführlich mit be⸗ handelt, um die Landwirte darauf hinzuweiſen, wie die Ver⸗ arbeitung der Wolle geſchieht, und was der Fabrikant verlangt. * IV Einleitung und Vorwort. Seit mehr als zehn Jahren iſt der Verfaſſer in praktiſcher Tätigkeit; die landwirtſchaftlichen Fortſchritte ſind beachtet worden; auf Grund ſowohl der bisher ſchätzbaren Literatur wie auf Grund von Mitteilungen der Zeitſchriften glaubt Verfaſſer, daß dieſe Schrift ein Leitfaden für den Anfänger ſein kann, wie auch für den erprobten Praktiker in Kürze dasjenige bietet, was dieſem wegen Mangel an Zeit zu erfahren nicht möglich war. Die der Schrift beigegebenen Raſſebilder und Zeichnungen ſind, was die Raſſebilder anbetrifft, nach der Natur aufgenommen, die Zeichnungen ſelbſt entworfen, teils reproduziert. Sollte der gute Wille des Verfaſſers Anerkennung finden, ſo wird er für ſein Beſtreben belohnt ſein. So möge auch dieſe Schrift, wie die Vorgänger, gaſtliche Aufnahme finden. Leipzig, Frühjahr 1906. Johannes Beyne. -— œç—— —6 ☚——-—— Hauptſächlichſte Bilfsmittel und Quellen. v. Nathuſius, Wollhaar des Schafes. Berlin 1866. Jeppe, Terminologie der Schafzucht und Wollkunde. Lohren, Die Kämmmaſchinen für Wolle uſw. J. G. Cottaſche Buchhandlung. Stuttgart. Booth, Specialities for Ring Spinning and Doubling. Preſton 1878. Bohm, Schafzucht und Wollkunde. Berlin 1883. Paul Parey. v. Schmidt, Schafzucht. Berlin 1869. Paul Parey. Karmarſch⸗Hartig, Handbuch der mechaniſchen Technologie. Berlin 1877. Julius Springer. May, Schafzucht. Breslau 1869. Trewendt. v. Neidſchütz, Geſchichte des Schafes. Danzig 1876. A. W. Kafemann. Reißner, Beiträge zur Kenntnis der Haare des Menſchen und der Säugetiere. Breslau 1859. Kölliker, Mikroſkopiſche Anatomie oder Gewebelehre des Menſchen. Leipzig 1850. Mentzel, Schafzucht. Berlin. Paul Parey. Körte, Deutſches Merinoſchaf. Breslau 1862. Grothe, Dr. H., Appretur der Gewebe. Berlin 1882. Julius Springer. Grothe, Dr. H., Technologie der Geſpinſtfaſer. Berlin 1882. Julius Springer. Inhalt. Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. Schafraſſen.. Woll⸗ und Fleiſchſ chafe. Züchtung des Schafes Zeugung.... Raſſebegriff. Zuchtmethoden..... Züchtungsgrundſätze. Pererlnä Züchtung. Auswahl der Zuchitiere ur Paarung Klaſſifikation der Mutterſchafe Paarung.. Wahl der Eprung⸗ und Lammrzeit. Wartung und Haltung, Lur hni hode Aufzucht.. Exterieur des Schafes Schafheilkunde. Ernährung des Schafes Die Maſtung Betriebsweiſe der Schäfereien und hauptſächliche Richtung Zweiter Teil. Wollkunde. Anatomiſcher Bau. Die Elaſtizität und Krimpkraft der Wolle Die Wolle im Stapel.. Die Kräuſelung im Stapel Die Wolle im Vlieſe... Die innere Beſchaffenheit des Vlieſes 23 23 36 42 43 58 86 89 91 95 Inhalt. Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. Seite A. Tuchfabrikation............... 101 Die Streichgarnſpinnerei........... 103 Die Tuchweberei...................109 Die Appretur des Tuches......... 115 Die wichtigſten Arten der Gewebe aus Streichgarn..... 118 B. Kammgarnfabrikation....... 120 Die Manipulationen bei der Nerarbeitung der Wolle.... 121 V Appretur der Kammgarnſtoffe............1938 Fabrikation gewirkter und geſtrickter Waren........ 139 Die wichtigſten Arten der Gewebe aus Kammgarn..... 142 Was verlangt der Baairant von einer Wolle?2...... 144 Schlußbetrachtung... 145 Welche Eigenſchaften zeüſe en die Tuchwoie und die Kammwolle beſitzen?............. —————————— 8£ Erſter Teil. Raſſen, Büchtung und Ernährung des Schafes. Die Schafzucht iſt ſeit den früheſten Zeiten faſt in allen Erdteilen und Zonen betrieben worden. Auch in Zukunft werden Schafe gehalten werden, weil ihre Wolle zur Bekleidung der Menſchen unentbehrlich iſt. Das Schaf gehört zu den begünſtigten Haustieren; es wird nicht nur der Wolle und des Fleiſches, ſondern auch der Milch wegen gezüchtet. Dasſelbe beſitzt eine hohe Akklimatiſationsfähigkeit; es gewöhnt ſich ſchnell an örtliche Verhältniſſe. Während es im hohen Norden ein ſehr dichtes Vlies trägt, iſt ſeine Wolle in den wärmeren Ländern ſchlichter und dünner. Kaum eine Tiergattung kann bei ſo dürftigem Futter exiſtieren als das Schaf. Man denke nur an die ſpärlichen, knappen Weiden im ſüdlichen Rußland und in Auſtralien, mit denen es gleichwohl ſein Leben friſtet; bei kräftigerem Futter lohnt es reichlich durch größere Pro⸗ duktivität der Wolle, des Fleiſches, der Milch, des Düngers uſw. In naturgeſchichtlicher Beziehung gehört das Schaf zu der Ordnung der Wiederkäuer(Ruminantia). Man unterſcheidet ziegenartige und ſchafähnliche Wiederkäuer. Von letzteren gibt es dreierlei Varietäten: den Argali(Ovis Ammon), den Muflon (Ovis Musimon) und das zahme Schaf oder Hausſchaf(Ovis Aries). Die beiden erſten Arten kommen hier nicht näher in Betracht; das letztere dagegen ſoll uns hier weiter beſchäftigen. Die ſchafähnlichen Wiederkäuer ſind entweder gehörnt oder ungehörnt. Sind Hörner vorhanden, ſo iſt das rechte Horn nach links, das linke nach rechts gewunden. Durch dieſe Windungen treten die Hornſpitzen nach außen. Der Vorder⸗ kopf iſt gewölbt. Das Schaf hat nichts an ſich, was einem Heyne, Schafzucht. 1 2 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. Barte ähnlich wäre; ſein Kinn iſt bartlos. Es hat Klauen⸗ drüſen und zwei bauchſtändige Zitzen. Sein Schweif iſt lang herabhängend; er hat 10—22 Wirbel; der ganze Körper iſt wollig behaart. Gchafraſſen. Das Schaf erſcheint in einer Menge von Abarten und Raſſen; um eine Überſicht im großen und ganzen zu erlangen, ſollen hier nur diejenigen angeführt und kurz beſprochen werden, welche a) von ſeiten des Menſchen wenig Zucht und Sorgfalt genießen und b) beſonders in Europa Intereſſe erregen. Zu a) gehören: das langſchwänzige Schaf(Ovis dolichura) und das fettſchwänzige Schaf(Ovis platyura). Dasſelbe lebt in der Bucharei, weshalb es auch buchariſches Schaf genannt wird; außerdem findet es ſich im ſüdlichen Rußland, im Kaukaſus⸗ gebirge und in Perſien. Seine Wolle ſteht dicht auf dem Körper; ſie iſt weich und elaſtiſch und zeigt eine hübſche Kräuſelung, meiſtens ſchwarz in Farbe. Von dieſen Schafen rühren die ſogenannten Krimmerfelle her. Zu den fett⸗ ſchwänzigen Schafen gehören noch das tuneſiſche, das berberiſche, das kapiſche, das anatoliſche und das mazedoniſche Schaf. Dasfettſteißige Schaf(Ovis steatopyga). Abb. 1. Dieſe Schafraſſe iſt ſehr verbreitet; ſie findet ſich vom Schwarzen Meere über ganz Mittelaſien bis nach China hinein. Das Tier ſelbſt iſt ziemlich groß; ſein Kopf iſt geſtreckt; Ohren, Hals und Rücken ſind lang und ziemlich fleiſchig; die Beine ſind hoch, aber nicht kräftig; der Schwanz beſteht als ein Rudiment aus drei Wirbeln; zwiſchen den auf dem Kreuze eingelagerten Fettmaſſen ragt er wie ein kleiner Knoten hervor. Die Wirbelkette beſteht aus 32 Wirbeln, und zwar aus 7 Hals⸗ wirbeln, 13 Rückenwirbeln, 5 Lendenwirbeln, 4 Kreuz⸗ und 3 Schweifwirbeln. An der Schweifwurzel am Steiß lagern in der Regel zwei große Fettmaſſen ab, die gegen 15— 20 kg und mehr wiegen können. Ich habe dieſe Tiere oft in den ſüd⸗ ruſſiſchen Steppen geſehen; man teilt ſie nach Ort und Klima ein in tartariſche, tauriſche, mongoliſche, kirgiſiſche, kalmückiſche und burätiſche Fettſteißſchafe. Das Stummelſchwanzſchaf(Ovis pachycera). Dasſelbe kommt in Oberägypten, Perſien und Arabien vor. Ty 11 Schafraſſen. 3 Daas kurzſchwänzige Schaf des Nordens(Ovis brachyura borealis). Unterarten dieſes Schafes ſind das Hebridenſchaf(Ovis brachyura hebridica) und das Shetlandſchaf(Ovis brachyura zetlandica). Abb. 1. Fettſteißſchaf. Das Mähnenſchaf(Ovis jubata). Man unterſcheidet das angoleſiſche, das ſenegaliſche und das marokkaniſche Mähnenſchaf. Das hochbeinige Schaf(Ovis longipes). Das Hängeohrſchaf(Ovis catotis). Abb. 2. Das Hängeohrſchaf bildet die größte Schafgattung. Von 1* Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. Erſter Teil. 2. Hängeohr⸗(Bergamasker⸗)Schaf Schafraſſen. 5 ihm ſtammen ab: das Bergamasker, das paduaniſche und das Münſterſchaf. Das Bergamasker Schaf hat eine größere Be⸗ deutung; es wurde in Steiermark und Kärnten ſowie im ober⸗ bayeriſchen Gebirge eingeführt. In Kärnten findet ſich auch noch das Seeländer und in den Salzburger Alpen das ſogen. wälliſche Schaf. Das Zackelſchaf(Ovis strepsiceros) hat ſehr lange, gerade, ſchraubenförmig gewundene Hörner. Man unterſcheidet das kretiſche(griechiſche), das walachiſche, das türkiſche und das ungariſche Zackelſchaf. Dasſelbe wird in kultivierten Ländern immer mehr verdrängt, da die Rente wenig ergibt; zu Kreuzungen mit Rambouillets eignet es ſich gut. Seine Milch wird zu verſchiedenen Käſeſorten(Liptauer und Brinſenkäſe) verarbeitet. Noch haben wir des Heideſchafes(Ovis brachyura campestris) zu gedenken. Man unterſcheidet das deutſche Heideſchaf(auch die Heideſchnucke genannt), das däniſche, das franzöſiſche, das ſpaniſche, das ſchottiſche(Dunfaced Breed) und das engliſche Heideſchaf oder den ſchottiſchen Schwarzkopf(Blackfaced Breed). Im weiteren Verlaufe unſerer Darſtellung haben wir die⸗ jenigen Schafe zu behandeln, welche mehr züchteriſches Inter⸗ eſſe gewähren und beſonders in Europa Beachtung verdienen. Man kann ſie nach dem Werte der Wolle oder nach dem des Fleiſches einteilen. Unter den Wollſchafen wieder unterſcheidet man a) filzwollige, b) glanzwollige und c) merinoartige, welche von den ſpaniſchen Merinos abſtammen. Zu den filzwolligen gehören alle bisher genannten, zu den glanzwolligen jene, welche grobe und mittelfeine Wolle tragen; der Merinoklaſſe ſind nur die Schafe einzureihen, welche feine Wolle liefern und Merinoblut haben. Die eben vorgenommene Einteilung dürfte für die Landwirtſchaft am verſtändlichſten ſein. Woll⸗ und Kleiſchſchafe. Das Zaupelſchaf(Ovis Aries germanicus rusti- cus). Es findet ſich verbreitet von Mitteldeutſchland nord⸗ wärts bis Belgien, ſüdwärts bis Italien, gegen Oſten bis Ungarn und gegen Weſten bis über den Rhein. Am meiſten wird es jetzt noch gezüchtet in Oberſchwaben, Ober⸗ und Niederbayern, in Steiermark, Kärnten, Krain und Tirol. Das 6 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. Zaupelſchaf iſt nicht groß; ein ausgewachſenes Muttertier wiegt höchſtens 30— 35 kg; die Knochen ſind nur mittelſtark; der Kopf iſt lang, aber ſchmal; die Ohren ſind mäßig lang, das Widerriſt ſcharf und ſpitz; das ſchmale Kreuz iſt abgeſchliffen; der Hals und der Rumpf ſind mit ſtark glänzender Wolle be⸗ wachſen; bei vielen Tieren finden ſich unter den langen, groben Haaren noch Flaumhaare; das Schurgewicht beträgt höchſtens 1 ½ kg. Man unterſcheidet das hannoverſche und das pommerſche Schaf, das Wallisſchaf in der Schweiz und das veredelte ſchwarze Schweizerſchaf. Das ſchlichtwollige deutſche Schaf(Ovis Aries germanicus lanosus). Dieſes Schaf wird auch gewöhnliches deutſches oder thüringiſches Schaf genannt. Unterarten desſelben ſind: das fränkiſche Schaf, das Rhönſchaf(Abb. 3) und das Mecklenburger Land⸗ oder Höhenſchaf.— Nunmehr haben wir den Ovis Aries germanicus nobilis zu erwähnen, der ein Baſtard von deutſchem und Merinoſchaf iſt. Die deutſchen Merinobaſtardſchafe gehen gewöhnlich aus der Kreuzung mit Negrettiſchafen hervor, wes⸗ halb die Baſtarde in Größe und Körperbeſchaffenheit verſchieden ſind. Für Württemberg und Baden haben ſie höhere Bedeutung. Ihre Wolle bildet die ſog. Mittelwolle und iſt um ſo feiner, je mehr Merinoblut den Tieren beigemiſcht iſt. Das Marſch-⸗oder Niederungsſchaf. Zu demſelben ge⸗ hört auch das Eiderſtädter, das Dithmarſcher, das frieſiſche und das holländiſche ſowie das Faggas⸗Schaf in der Elbinger und Nogat⸗ Niederung. Das engliſche Leiceſter⸗ oder Diſhleyſchaf(Leicester- Breed) und die übrigen engliſchen langwolligen Raſſen, nämlich das Lincoln⸗(Lincolnshire-Breed) und das Cotswoldſchaf (Cotswold-Breed). Abb. 4. Die engliſchen Raſſen mit mittellanger Wolle, Southdown, Cheviot, Hampfhire, Oxfordſhire, Shropſhire, das Kent⸗ oder Romneyſchaf. Als grob⸗ oder langwollige engliſche Raſſen ſind noch zu nennen: das Walliſer⸗, das Cornwalls⸗, das Somerſet⸗, das Norfolk-⸗, das Willſhire⸗, das Dorſet⸗, das Cumberland⸗, das Hereford⸗, das Devon⸗, das Durham⸗, das inländiſche Marſch⸗ und das Kerryſchaf. Das franzöſiſche Schaf(Moulon ordinaire). Man unterſchied früher in Frankreich als beſondere Stämme Brebis de Schafraſſen. 2vcplughs g9 8 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. Berry, das Solognesſchaf(Solognôte), das Ardennenſchaf(Brebis de Bourgogne), das normanniſche Schaf(Brebis de Beauvais) und das edle franzöſiſche Schaf(Race roussilonaise). Das ſpaniſche⸗ oder Merinoſchaf(Ovis Aries hispanicus rusticus). Die Merinoſchafe tragen wellenförmig geſchlängeltes Woll⸗ Abb. 4. Cotswoldſchaf(Bock). haar. Nach Prof. Freytags tabellariſcher Überſicht der euro⸗ päiſchen Schafraſſen ſind dieſelben folgendermaßen verteilt: 1. In Spanien. Razas transhumantes und Razas estamtes ö riberiegas. Raza leonesa in der Provinz Leon. Raza segovia in der Provinz Segovia. Raza soriana in der Provinz Soria. Raza burgalesa in der Provinz Burgos(Alt⸗Kaſtilien). Mit verſchiedenen Unterraſſen oder Schlägen(Castas). 2. In Deutſchland, Öſterreich und Ungarn. a) Die altſächſiſche oder ſanftwollige Elek⸗ toral⸗Raſſe(Abb. 5). Schafraſſen. 9 b) Die derb⸗oder kraftwollige Negretti⸗ Raſſe(Abb. 6). c) Die ſanftwollige Eskurial⸗Raſſe(as ſchleſiſche Edelſchaf), wird auch häufig als Elektoral⸗Negretti⸗Raſſe bezeichnet. d) Die deutſche Merinokammwoll⸗Raſſe. e) Die neuere franzöſiſche Merinokammwoll⸗, ſog. Rambouillet⸗Raſſe. Abb. 5. Sächſiſcher Elektoralbock aus dem Jahre 1824. Aus Kreuzung entſtandene Formen: f) Das württembergiſche Baſtardſchaf l(aus Merino und Frankenſchaf)(Abb. 7). g) Southdown⸗Merinoſtämme, z. B. Imperial⸗ Southdown in der Provinz Sachſen. Southdown⸗ Frankenmerinos im ſüdweſtlichen Deutſchland. 3. Frankreich. a) Race de Naz in der Umgegend von Gex und in der Ebene von Arles im Département des Pyrénées-Orien- tales. b) Race de Rambouillet im nördlichen und mittleren Frankreich. 10 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. c) Race de Brie im Département Seine et Marne. 1) Le mérinos de l'Oise et de l'Aisne(Picardie soisson- naise). 6 e) Le mérinos champenois in der Champagne und Burgund. f) Le mérinos bourguignon auf dem felſigen Terrain des Ooliths in den Arrondiſſements von Dijon und Chatillon. Abb. 6. Vollblut⸗Negretti⸗Stammſchafherde aus dem Jahre 1860. g) Sousrace soyeuse de Mauchamp im Département de l'Aisne. h) Sousrace morvandelle auf den Morvan⸗Bergen von Burgund. i) Sousrace de Lahayevaux in den Vogeſen, wird auch Sousrace de Gevrolles(Côte d'or) genannt. 4. Rußland. a) Elektoral⸗Raſſe. b) Negretti⸗Raſſe. c) Franzöſiſche Kammwoll⸗Merino⸗ oder ſog. Rambouillet⸗Raſſe. b Schafraſſen. 11 Die Merinos ſind über die meiſten Gouvernements von Groß⸗, Klein⸗, Süd⸗ und Weſtrußland, zum Teil auch über die Oſtſeeprovinzen und alle Gouvernements von Polen ver⸗ breitet. Die edelſten Schafe jener Raſſen kommen im Gou⸗ Württembergiſches Baſtardſchaf. Abb. 7. 12 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. vernement Jekaterinoslaw vor; aber auch Taurien beſitzt ſehr ſchöne Merinoherden, die großen Herden von Falz⸗Fein und Vaſall. Von den oſtruſſiſchen Gouvernements wird beſonders Saratow als merinozüchtende Landſchaft genannt. 5. In Rumänien. a) Pollſpanca⸗Raſſe, in der Moldau, Dobrudſcha und Beſſarabien von den Mokanen(Schäfereibeſitzern) ge⸗ züchtet, iſt wahrſcheinlich ein Kreuzungsprodukt von altpolniſchen Landſchafen und ſpaniſchen Merinos. b) Tonca⸗Raſſe kommt ebenfalls in den rumäniſchen Provinzen und in Beſſarabien an der unteren Donau vor und ſoll gleichfalls den Merinos verwandt ſein.— 6. In Italien. a) La razza dell' Agro Romano e quella della Gentile di Puglia werden beide vom italieniſchen Zootechniker A. Zanelli in Reggio zu den Merinos gezählt. Die beſte sottorazza des Agro-Romana nennt man„Sopra- vissana“ und hält ſie für ein Kreuzungsprodukt der Merinos mit Schafen von Viſſo.— b) La razza piemontese in der Umgegend von Turin, Chiari, Cocconato, Paſſerona uſw. ſtammt von einer ſpaniſchen Merinoheerde ab, welche am Ende des vorvorigen Jahr⸗ hunderts nach Piemont geführt worden iſt. 7. In Schweden. Die Merino⸗Kammwollraſſe wird an ver⸗ ſchiedenen Orten der ſüdlichen Landſchaften der Provinz Gothland und nur vereinzelt in Swealand gezüchtet. Die Merino⸗Raſſe wurde wahrſcheinlich ſchon in älteſter Zeit vom Orient(Milet) aus nach Griechenland, Italien (Tarent) und Südſpanien(Turdetanien) geführt, gelangte von hier aus im 18. Jahrhundert nach England, Frankreich, Deutſchland, Öſterreich⸗Ungarn und iſt im vorigen Jahrhundert nicht nur über die meiſten Länder Europas, ſondern auch über die anderen Weltteile verbreitet. Ehe ich zur eigentlichen Züchtungskunde übergehe, dürfen —=—==— — 2—————— — — —= — ſehr und Züchtung des Schafes. 13 die Bedingungen nicht unerwähnt bleiben, unter welchen ſich Schafhaltung empfiehlt und verlohnt. Vor allem ſind es die örtlichen Verhältniſſe, welche bei der Schafzucht in hohem Grade in Betracht kommen und daher eingehender Prüfung bedürfen. Die Schafhaltung, beſonders die Züchtung des Wollſchafes, wird ſich rentieren, wenn man größere, wenig kulturfähige Feldflächen und geſunde, trockene Weideplätze beſitzt, an denen das Waſſer leichten Abfluß hat. Von der Beſchaffenheit der Weideplätze hängt es hauptſächlich ab, ob Zuchtſchäferei, alſo Muttertierhaltung mit Aufzucht, oder nur die Haltung von Hammeln ratſam iſt. Können die Schafe im Winter und Sommer gleichmäßig ernährt werden, ſo iſt Zuchtſchäferei vor⸗ zuziehen; iſt dagegen die Weide ungeſund, und will man mehr Schlempe und Zuckerfabrikabfälle verfüttern, ſo dürfte der Betrieb der Hammelſchäferei, d. h. die Haltung von Hammeln, welche in einem gewiſſen Alter angekauft und ſpäter wieder verkauft werden, zu empfehlen ſein. Doch ich halte auch unter ungünſtigeren Futterverhältniſſen Zuchtſchäferei für vorteilhafter; überhaupt iſt meiner Anſicht nach das Schaf mit der land⸗ wirtſchaftlichen Tierhaltung ſo innig verknüpft, daß das Glück und Gedeihen derſelben durch ſeine Züchtung mitbedingt wird. Die Vermutung, daß die Schäferei in demſelben Grade ab⸗ nehme, als die Kultur fortſchreite, iſt nicht mehr zutreffend; denn gerade die Landgüter, auf denen intenſiv gewirtſchaftet wird, halten noch viel Schafe. Ich erinnere nur an die Provinz Sachſen uſw. Züchtung des Borkafes. ZBeugung. Die geſchlechtliche Zeugung des Schafes vollzieht ſich, wie die der übrigen Säugetiere, durch das regelrechte Zuſammen⸗ wirken der männlichen und weiblichen Geſchlechtsorgane. Der Akt der Begattung bildet die Grundbedingung der Zeugung; das Ei(ovum) muß durch den männlichen Samen(sperma) befruchtet werden. Die Dauer der Trächtigkeit beträgt am häufigſten fünf Monate, d. h. etwa 150 Tage; manche Schafe lammen ſchon am 145., andere erſt am 160. Tage nach der 14 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. Befruchtung; die Zeit der Trächtigkeit bewegt ſich alſo zwiſchen 146 und 161 Tagen. Die hüufigſten Kennzeichen derſelben ſind geſteigerte Freßluſt, Anſchwellen des Bauches und des Euters; mit voller Beſtimmtheit läßt ſich dieſelbe erſt in der zweiten Hälfte ihrer Dauer feſtſtellen. Abnormitäten der Trächtigkeit ſind: a) das Verlammen oder Verwerfen(abortus), b) die Frühgeburt, c) die Bauch⸗ oder Scheinſchwangerſchaft. Gewöhnlich gebärt das Schaf nur ein Lamm; Zwillinge und Drillinge kommen meiſtens nur bei den grobwolligen Raſſen und den engliſchen Fleiſchſchafen vor. Die engliſchen Fleiſch⸗ ſchafe geben zuzeiten 20— 30% Zwillinge. Als Wiederkäuer hat das Schaf im Oberkiefer keine Schneide⸗ zähne, ſondern an deren Stelle eine knorpelige Wulſt, im Unterkiefer 8 Schneidezähne und in dieſem ſowie auch im Ober⸗ kiefer an jeder Seite 6, alſo im ganzen 24 Backenzähne. Die Schneidezähne dienen zur Ergreifung des Futters, das, wenn es von einem feſtſitzenden Teile getrennt werden ſoll, wie es bei Gras und Klee⸗ weide der Fall iſt, vermittelſt der Schneide⸗ zähne an den anderen zahnloſen Teil des Oberkiefers feſt angedrückt und durch eine ſtoßende Bewegung des Kopfes nach vorn abgeriſſen wird. Im allgemeinen hat das Schaf bei ſeiner Geburt 8 Milch⸗ zähne(Abb. 8), welche vorn in der unteren Kinnlade ſtehen; manchmal zeigen ſich dieſelben erſt nach 4 Wochen. Der Neb de Antanekeſteinen Wechſel der Schneidezähne geſchieht nun durchſchnittlich folgendermaßen: Bis zu 17 Monaten fallen die mittleren Zähne aus(Abb. 9); von 18 bis 26 Monaten tritt ein Wechſel der beiden nebenſtehenden Zähne(Abb. 10) ein. Mit 2 ½ bis 3 Jahren wechſeln die zweiten Mittelzähne(Abb. 11); mit 3 ¼ bis 4 ¼ Jahren wechſeln die Eckzähne(Abb. 12). Nun hängt das Wechſeln der Zähne allerdings ab von der körperlichen Entwicklung. Man unter⸗ ſcheidet folgende Zahnungen. Tabelle für frühes Zahnen. Bei der Geburt 2 Schneidezähne und der 2. wechſelnde Backenzahn, mit 8 Tagen 4„ Züchtung des Schafes. 15 mit 10 Tagen 6 Schneidezähne und der 1. u. 2. Backenzahn mit 3 Wochen 8 7 1., 2. u. 3. // 2 In dieſem Alter hat das Lamm das ganze Milchzahn⸗ gebiß oder diejenigen? Zähne, welche dem Wechſel unterworfen ſind. Die Bockenzähne werden bei dieſer Bezeichnung von vorn 1 1. M 1 3 WV Abb. 9. Alter bis zu 17 Monaten. 1 1 die beiden Erſatzzähne. Abb. 11. Unterkiefer eines 2 ½— 3 Jahre alten Schafes. 3 3 treten hervor. — Säöhäöan N Abb. 10. Alter 18—26 Monate. 2 2 das zweite Paar der Schneidezähne tritt hervor. G 1d GTTNG S88 Abb. 12. Unterkiefer eines 3 ½— 4 ½ Jahre alten Schafes. 4 4 treten hervor. nach hinten gezählt; an den dritten Milchbackenzahn ſchließt ſich alſo der erſte bleibende an. 16 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. Mit 3 Monaten der 1. bleibende Backenzahn, mit 9 Monaten der 2. bleibende Backenzahn, mit 11—13 Monaten werden die Milchzangenzähne gewechſelt, mit 1 Jahr und 6 Monaten erſcheint der 3. und letzte bleibende Backenzahn, mit 1 Jahr und 6 Monaten werden die inneren Milchmittel⸗ zähne gewechſelt, mit 1 Jahr und 9 Monaten werden die drei Milchbacken⸗ zähne gewechſelt, mit 2 Jahren und 3 Monaten werden die äußeren Milch⸗ mittelzähne gewechſelt, mit 3 Jahren und 1 Monat werden die Milcheckzähne ge⸗ wechſelt. Tabelle für ſpätes Zahnen. Bei der Geburt keine Zähne, mit 8 Tagen 2 Schneidezähne und der 2. Milchbackenzahn, mit 2 Wochen 4 Schneidezähne und der 1. u. 2. Milch⸗ backenzahn, mit 3 Wochen 6 Schneidezähne und der 1., 2. u. 3. Milch⸗ backenzahn, mit 4 Wochen 8 Schneidezähne, mit 3 Monaten der 1. bleibende Backenzahn, mit 9 Monaten der 2. bleibende Backenzahn, mit 1 Jahr und 3 Monaten werden die Milchzangenzähne gewechſelt, mit 1 Jahr und 6 Monaten der 3. bleibende Backenzahn, mit 1 Jahr und 9 Monaten werden die 3 Milchbackenzähne gewechſelt, mit 2 Jahren werden die inneren Milchmittelzähne gewechſelt, mit 2 Jahren und 9 Monaten werden die äußeren Milch⸗ mittelzähne gewechſelt, mit 3 Jahren und 6 Monaten werden die Miilcheckzähne gewechſelt. Auf dieſem Wechſel der Zähne beruht die Einteilung der Schafe in Altersklaſſen. Nach der Geburt heißt das Tier Lamm, nach dem erſten Zahnwechſel Zweiſchaufler, Jährling oder Zweizähner, nach dem zweiten Zahnwechſel Vierſchaufler, Zeitbock, Hammel oder Zeitſchaf(auch Zutreter); im Alter von Zeugung. 17 3 ½ bis 4 ½ Jahren wird es Sechsſchaufler, im fünften Jahre Achtſchaufler genannt. Vom ſechſten bis zum neunten Jahre nutzen ſich die Zähne ab, werden gelb und ſchartig und brechen mehr oder weniger ab; im zehnten bis zwölften Jahre ſind ſie alle bis auf einen Stumpf abgebrochen. Dieſes Alter erreichen nur ſehr wenige Schafe; die meiſten leben höchſtens bis zu neun Jahren.— Nach dem Geſchlechte unterſcheidet man die Schafe in männliche und weibliche; erſtere heißen Böcke, Widder, Schöpſe und Hammel; letztere werden Muttern und Gelt⸗, auch Göltſchafe genannt. Die hohen Preiſe, welche anfangs des vorigen Jahrhunderts für feine Wolle bezahlt wurden, waren die erſte Veranlaſſung zu der großartigen Verbreitung der Schafhaltung, nicht nur in Deutſchland, ſondern in ganz Europa. Die Staats⸗Regierungen gingen mit gutem Beiſpiel voran und kauften aus Spanien ganze Herden von Merinoſchafen und trugen zur ſchnellen Verbreitung des feinwolligen Schafes weſentlich bei, indem ſie aus den Merinoherden Zuchttiere zur Veredelung des grob⸗ wolligen Landſchafes abgaben; ich erinnere nur an Möglin und Lohmen, an die Staatsſchäfereien in Öſterreich. In Süd⸗ Rußland(Taurien) wurden Herrn Rouvier Tauſende von Hek⸗ taren Land von der Regierung gegeben, um Schafe anzuſiedeln. Dabei war die Produktion einer feinen Wolle die ausſchließliche Richtung, denn das Schlachtgewicht eines Schafes belief ſich 1750 auf 15 kg, 1826 auf 18 kg, 1836 auf 22 kg, 1851 auf 25 kg, 1894 auf 31 kg und 1902 auf 31,8 kg; dieſe Zahlen erzählen eine Geſchichte. Die Wandlungen und Phaſen der Schafzucht durchzuſprechen würde zu weit führen, wie man anfangs auf die Konſtanztheorie ſchwur, alſo daß eine Konſtanz in der Vererbung nur durch reinblütige Tiere, bei welchen eine Blutmiſchung niemals ſtattgefunden hat, zu erzielen ſei und daher dieſe nur für die Zucht verwendet werden dürften. Der Konſtanztheorie wurde durch die Lehre der Individualpotenz der Todesſtoß verſetzt. Die Bezeichnung Individualpotenz deutet ſchon darauf hin, daß die Vererbung von den Eigen⸗ ſchaften des Individuums und nicht von der Abſtammung desſelben abhängig ſei. Durch dieſe Lehre mußte der Konſtanz⸗ theorie das Ende bereitet werden, denn wenn die Abſtammung des Zuchttieres ohne Einfluß auf ſeine Vererbung und für dieſelbe Heyne, Schafzucht. 2 18 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. nur ſeine individuellen Eigenſchaften maßgebend ſein ſollten, ſo ſtürzte das mit ſo vieler Mühe errichtete und mit Sorgfalt gepflegte Gebäude der Vererbung des reinen Blutes in ſich zuſammen. Je verſchiedener nun die Individuen in ihren Eigenſchaften waren, die in früheren Zeiten miteinander gepaart wurden, deſto mehr Rückſchläge kamen vor, und dieſe Rückſchläge, die Unſicherheit in der Vererbung warfen die Theorie der Individual⸗ potenz über den Haufen. So richtig es iſt, bei der Auswahl der Zuchttiere die individuellen Eigenſchaften zu berückſichtigen und das Heil der Zucht nicht allein im reinen Blute zu ſuchen, ſo iſt es doch unzweifelhaft notwendig, auf die Befeſtigung der Zuchtrichtung und auf die Ausgleichung und Verſchmelzung der Eigenſchaften in den Individuen einer Herde durch mehrere Generationen Gewicht zu legen, wenn die Vererbung Sicherheit gewähren und vor Rückſchlägen bewahrt bleiben ſoll; ob eine Blutmiſchung ſtattgefunden, iſt gleichgültig, wenn nur die in den Herden gewählte Zuchtrichtung ſich ſo weit konſolidiert hat, daß die Vererbung derſelben durch eine Reihe von Generationen ſtattgefunden hat. Die Herde muß der Züchtungskonſtanz Gewähr leiſten; die Züchtungskonſtanz beachtet ebenſo gut die Abſtammung als die Individualpotenz des Zuchttieres, aber ohne Berückſichtigung der Konſtanz des reinen Blutes. Nach dieſer allgemeinen Überſicht über die verſchiedenen Theorien gehen wir zur Züchtung, zu den Methoden der Zucht über. Die Fortpflanzung geſchieht bekanntlich bei den meiſten Tieren durch Paarung. Die weitere Entwicklung hängt nur von natürlichen oder künſtlichen Einflüſſen ab; über die Ver⸗ wendung des betreffenden Tieres zur Fortpflanzung entſcheidet die Erwägung des Züchtungszweckes. Zu beachten bleibt daher der Zweck der Züchtung, der Raſſebegriff, die Zuchtmethode, die Zeugung und Vererbung und das Exterieur. Der Züchtungs⸗ zweck muß jedesmal unwandelbar feſtſtehen; nichts rächt ſich in der Tierzüchtung mehr als Ungewißheit des Zweckes derſelben. Die Züchtungsobjekte dürfen nur aus dem beſten Material gewählt und es muß immer erwogen werden, ob es ſich um Nutz⸗ oder um Zuchttiere handelt. Letztere erfordern ein höheres Maß von Intelligenz und größeres Kapital. Was die Leiſtungs⸗ fähigkeit betrifft, ſo kann der Zweck der Züchtung je nach der Tierart auf die Nutzung der Wolle, des Fleiſches oder der Milch greichtet ſein. neratone gskuniwn benſo g ieres r ts. Nh hängt m rdi We entſcede lebt dir Hneth güchtug⸗ it it derſeber mMrrii e ſih w äi ſiha Leſttng⸗ j 1 3 3dad Raſſebegriff. 19 Raſſebegriff. Um eine Unterſcheidung der Individuen zu ermöglichen, teilt man die Tiere gewöhnlich in Klaſſen, Ordnungen, Familien und Geſchlechter ein; bei den Schafen unterſcheidet man noch Raſſen, Schläge, Stämme und Zuchtfamilien. Mit dem Namen „Raſſe“ bezeichnet man die Geſamtheit von Tieren einer Art, welche ſich durch ihre Körperformen und Nutzungseigenſchaften von anderen auffallend unterſcheiden und dieſe Eigenſchaften ſelbſt bei anderen äußeren Einflüſſen auch auf ihre Nachkommen übertragen. Man ſpricht daher von Raſſe⸗, auch Original⸗ Raſſetieren. Sind die Eigenſchaften der in einer Gegend vorkommenden Tiere nicht ſo auffällig und charakteriſtiſch, um eine eigene Raſſe begründen zu können, ſo faßt man ſie unter der Benennung„Schlag“ zuſammen. Tiere, welche durch beſonders glückliche Zucht die günſtigen Eigenſchaften der Raſſe, welcher ſie angehören, in hervorragender Weiſe entwickeln und vererben, werden als Stämme und ihre Züchtung wird als Stammtierzucht bezeichnet. Innerhalb des Stammes werden einzelne Zuchten oder Herden, innerhalb der Herden werden Gruppen von Individuen gleicher Abſtammung als Familie unterſchieden. Jedes Tier iſt das Produkt der Summe der von ſeinen Eltern und Voreltern ererbten Eigenſchaften ſowie jener Eigenſchaften, die es durch Anpaſſung an äußere Ver⸗ hältniſſe angenommen hat. AÄußere Einflüſſe, wie Klima, Nahrung, Benutzung, Bewegung uſw., wirken auf die Ver⸗ änderung der Tiergruppen und führen zur Bildung neuer Raſſen. Zuchtmethoden. Man unterſcheidet natürliche, Kultur⸗ und Züchtungsraſſen. Unter natürlichen Raſſen verſteht man ſolche, welche durch natürliche Wahlzucht innerhalb der Raſſe ihre Eigenſchaften im Laufe der Zeit ſo feſt entwickelt haben, daß die dazu gehörigen Individuen ähnlich ſind, dieſe Ähnlichkeit auf die Nachkommen vererben und ſich dadurch von den Individuen einer anderen Raſſe unterſcheiden. Dagegen ſind Kulturraſſen ſolche, welche aus der künſtlichen Wahlzucht der Menſchen hervorgegangen ſind, dann aber mit der Zeit ihre Eigenſchaften ſo befeſtigt haben, daß ſie ohne Rückſchläge vererben und aus dieſem Grunde die 2* 20 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. Bezeichnung als Raſſe erhalten haben; dieſelben werden auch Züchtungsraſſen genannt. Bei der Züchtung ſelbſt ſtehen ſich zwei Methoden gegenüber, deren man ſich bedient, nämlich die Reinzucht und die Kreuzung. Die Reinzucht iſt die Züchtung in reinem Blute einer Raſſe. In der Reinzucht hat der Züchter die meiſte Garantie gegen Rückſchläge; findet man daher Tiere, welche in Körperform und Leiſtung den Anforderungen für das geſteckte Zuchtziel genügen, ſo wird die Reinzucht am ſicherſten und ſchnellſten zum Ziele führen. Paart man bei der Reinzucht Tiere, welche auch in nebenſächlichen Eigenſchaften möglichſt einander gleichen, ſo züchtet man homogen, paart man dagegen reinblütige Tiere, welche in den neben⸗ ſächlichen Eigenſchaften voneinander verſchieden ſind, ſo züchtet man heterogen. Als jene Zuchtmethoden führe ich an: a) Veredelung eines Stammes in ſich ſelbſt, d. h. Inzucht. Man unterſcheidet Zucht in der Raſſe und das Verbleiben der Zucht im eigenen Stamme. Bei der Inzucht werden nur die Abkommen des Stammes zur Fortpflanzung benutzt. Nimmt dieſe Inzucht darauf Rückſicht, daß die Paarung nur unter Tieren derſelben Familie erfolgt, ſo wird ſie zur Familienzucht (Verwandtſchaftszucht). Das Syſtem der Inzucht hat es offen⸗ bar darauf abgeſehen, die Befeſtigung aller in einer Herde vor⸗ handenen Eigenſchaften am ſtetigſten zu erhalten. Die Inzucht iſt zu empfehlen, um die Homogenität eines Stammes und die Konſtanz der Eigenſchaften weſentlich zu fördern bei einer be⸗ reits auf hoher Stufe angelangten Herde, bei welcher auch durch Einführung fremder Zuchttiere eine weſentliche Ver⸗ beſſerung nicht zu erwarten wäre. Es iſt aber darauf zu achten, daß bei Paarung naher und nächſter Verwandten große Vorſicht angewendet werde. Das entgegengeſetzte Verfahren iſt die Kreuzung, d. h. die Umwandlung einer Herde durch Einführung fremder Vater⸗ oder Muttertiere. Kreuzung iſt ja die Vermiſchung verſchiedener Raſſen, Schläge und Zuchtrichtungen, die in ihrem Typus verſchieden ſind. Auch bei Schlägen und Zuchten einer und derſelben Raſſe findet eine Kreuzung ſtatt, wenn dieſelben durch charakteriſtiſche Eigenſchaften ſich von⸗ einander trennen. Das Produkt der Kreuzung bilden die Meſtizen. Die Kreuzung iſt ein weit verbreitetes Züchtungs⸗ ſyſtem und wird, im weiteren Sinne verſtanden, beſonders bei Zuchtmethoden. 21 der Züchtung der Woll⸗ und Fleiſchherden im großen Maß⸗ ſtabe in Anwendung gebracht, um a) einem Stamme die ihm fehlenden Eigenſchaften beizubringen oder ihn zu vervollkommen, b) die vorhandenen Mängel zu beſeitigen, c) die Vorzüge zweier Raſſen für einen beſtimmten Zweck zu vereinigen. Jede Kreuzung iſt, da ſie immer mit mehr oder weniger heterogenen Zuchttieren vorgenommen wird, in ihrem Erfolg zweifelhaft. Man unterſcheidet a) vorübergehende Kreuzung(Blutauffriſchung) und b) dauernde Kreuzung. Dieſe wendet man bei Herden an, welche noch auf einer niedrigen Stufe ſtehen. Sie wird konſequent, wenn bei der Wahl der anzuwendenden männlichen Tiere ſtets ein und dasſelbe Prinzip befolgt wird. Wechſelnd wird ſie, ſobald das angenommene Prinzip verlaſſen und mit Tieren verſchiedener Stämme oder Raſſen gekreuzt wird. Dieſe letzte Art der Züchtung iſt zu verwerfen, da ſchon manche gute Herde durch den beſtändigen Wechſel des Prinzips der Züchtung verdorben worden iſt. Die angeführten Arten der Kreuzung gehören der rationellen Züchtung an. Die bleibend urſprüng liche Kreuzung tritt ein, wenn zwei Tiere heterogener Raſſen miteinander gepaart werden, um die Vorzüge beider Raſſen für einen beſtimmten Zweck zu erreichen, und wenn die daraus hervorgegangenen Meſtizen von der weiteren Verwendung zur Zucht ausgeſchloſſen werden. Die gemiſchte Kreuzung findet ſtatt, wenn Tiére zufällig oder abſichtlich ohne beſtimmten Zweck miteinander gepaart werden, welche verſchiedenen Raſſen an⸗ gehören oder ungewiſſen Urſprungs ſind. Dieſe Kreuzung iſt eine wilde, unwürdige Züchtung. Mathematiſch drückt man die Veredelung durch Zahlen aus, indem von Halb⸗ und Dreiviertel⸗ blut geſprochen wird. Das Halbblut iſt aus halb edlem und halb unedlem, das Dreiviertelblut aus ¾ edelm und ¼ un⸗ edlem Blute zuſammengeſetzt. Vollblut, mit unedlem Blute gepaart, gibt in 1. Generation ½ Blut, ½ Blut gibt in 2. Generation ¾ Blut, ¾ Blut gibt in 3. Generation% Blut, s Blut gibt in 4. Generation 15⁄16 Blut, 1 ⁄16 Blut gibt in 5. Generation 3½ 2 Blut, 31⁄12 Blut gibt in 6. Generation 63/64 Blut, 3364 Blut gibt in 7. Generation 12/128 Blut, 127/128 Blut gibt in 8. Generation 255256 Blut. Im 2²55/½36 Blute iſt nur noch ½ 5e unedles Blut vorhanden, welches kaum mehr zum Ausdrucke gelangt. Man erkennt es daher als Vollblut an.— 22 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. Züchtungsgrundſätze. Vererbung. Den Grundſatz:„Gleiches mit Gleichem gepaart gibt Aus⸗ gleichung“ halte ich für vorteilhaft; obwohl dieſer Grundſatz in der Konſtanzlehre beruht, ſo wird in der Deſzendenz einer Zucht Ausgleichung geſucht, und zwar ausgeſuchte Gleichheit der Individuen, und dies kann man erreichen, wenn man Eltern paart, welche ähnlich⸗gleiche Eigenſchaften beſitzen; denn man kann annehmen, daß beide Geſchlechter in der Vererbung ihrer Eigenſchaften gleichen Einfluß auf das Zeugungsprodukt aus⸗ üben. Daher kann der Satz„Ungleiches mit Ungleichem gepaart gibt Ausgleichung“ nur unter gewiſſen Bedingungen und Vor⸗ ausſetzungen Geltung haben. Wie ich bereits erwähnte, haben nicht nur die Eltern, ſondern auch die Voreltern auf das Zeugungsprodukt Einfluß. Es ſteht feſt, daß die Auswahl der Zuchttiere die Individualität in der Raſſe das wichtigſte Moment iſt für Erhaltung und Fortbildung der erwünſchten Eigenſchaften des Züchtungsproduktes. Die Erfahrung lehrt weiter, daß die Körpergröße der Nachzucht mehr durch die Mutter als durch den Vater bedingt wird, und zwar deshalb, weil eine größere Mutter eine größere Frucht austragen kann, und weil dieſe Frucht auch nach der Geburt ihr Gedeihen vorzugsweiſe der mütter⸗ lichen Milch verdankt und ein Zurückbleiben der Größen⸗ entwicklung in dieſer Periode ſchwer wahrnehmbar iſt. Im Vater prägt ſich ſtärker der Individualismus der Raſſe — Zuchttypus— aus; vor allem ſind die Körperformen beim Vatertier genau zu berückſichtigen, weil infolge der Polygamie bei unſeren Haustieren die Eigenſchaften auf eine mehr oder minder große Anzahl der Nachkommen einwirken werden, und weil in einem im Charakter der Zucht gut gebildeten Tier⸗ körper neben anderen Vorzügen zugleich eine weſentliche Be⸗ dingung der Geſundheit und günſtigen Leiſtung liegt. Bei der Beobachtung nun, wie die Tiere vererbt haben, ſetzt das Genie des Züchters ein; es läßt ſich ſchwer, aber doch vorausſehen, wie ein Tier vererbt; ſo können die direkten Elterntiere ver⸗ erben; es können aber auch Eigenſchaften vererbt werden, welche in den Großeltern vorhanden waren. Dieſes Vorkommen, bei welchem die Individuen mehr den Großeltern als den Eltern Züchtung. 23 gleichen, heißt Rückſchlag(Atavismus). Auf gewiſſe Ver⸗ erbungserſcheinungen komme ich im folgenden Abſchnitte zurück. ZBüchtung. Man hat a) Züchtung des Wollſchafes und b) Züchtung des Fleiſchſchafes zu unterſcheiden. Welche von dieſen beiden Richtungen zweckmäßiger ſei, kann hier nicht erörtert werden. Die Züchtung des Wollſchafes verfolgt den Zweck, den Geld⸗ erwerb(die Verwertung des Futters) aus der Wolle zu nehmen. Dieſen Zweck kann man auf verſchiedene Weiſe erreichen: 1. durch Verfolgung des höchſten Adels mit möglichſter Ver⸗ einigung von Feinheit und Maſſe der Wolle(Elektoral). Dieſe Richtung iſt nicht mehr häufig vorzufinden und lohnt ſich nicht, da die Einſeitigkeit— nur Erlös von Wolle— das Futter nicht verwertet. 2. Durch Vereinigung von Wollmaſſe(hohes Schurgewicht bei Feinheit und Adel der Wolle) unter Berück⸗ ſichtigung der Fleiſchproduktion(Negretti). Dieſe Richtung iſt ſehr lohnend, beſonders in der verbeſſerten Tuchwollrichtung. 3. Durch Hinarbeiten auf Wollmenge mit mehr oder weniger Hintanſetzung des Adels und Beſatzes, d. h. unter bedeutender Berückſichtigung der Fleiſchproduktion. Hierher gehören: die Kreuzung der Negretti mit Kammwollſchafen, die Kammwoll⸗ ſchafe ſelbſt und die Kammwollſchafe, auf wenig Beſitz gezüchtet (Merino⸗Fleiſchſchafe). In der Fleiſchrichtung kennt oder züchtet man nur auf Körper oder doch wenigſtens mit wenig Berückſichtigung der Wolle die bekannten Raſſen Southdown, Shropſhire(Abb. 13, 14), Hampſhire(Abb. 15, 16), Oxford⸗ ſhire(Abb. 17), Cotswold, Lincoln uſw. Auswahl der Zuchttiere zur Paarung. Die Auswahl der Zuchttiere iſt von der höchſten Be⸗ deutung. Wenden wir uns zunächſt den Böcken zu! Ein guter Bock muß lebhafte Augen und einen breiten, aber kurzen Kopf mit bewollter Stirn haben. Auch die Ohren ſind von Belang; dünne Ohren laſſen befürchten, daß bei Wollzucht in der Nachzucht von ſolchen Böcken wollarme Tiere, bei Fleiſch⸗ zucht Tiere mit zu feinen Knochen gezeugt werden; die Ohren müſſen alſo dick und kurz und unten bewollt, oben aber nur mit Haaren beſetzt ſein. Die Beſchaffenheit der Wolle bei den S0Po S⸗oarHdoch Seue Lde ecd , . S 8 ☛ — ρ . — — — — 5 2 — 3 . — — ₰ A e — B — 8 35 — 38 6 — 24 2⁵5 Züchtung. 26 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. Elternſchafen iſt von Einfluß auf ihren Charakter bei der Nach⸗ kommenſchaft; matte, glanzloſe Wolle gibt ſchlechte Vererbung. Die Bruſt des Bockes muß tief, die Schultern rund, der Leib und Rücken breit und gedrungen, die Beine kurz, der Hoden⸗ ſack groß und ſtraff herabhängend ſein. Er muß einen korrekten Gang haben und ſelbſt bei ſtarkem Drucke auf das Kreuz ſteif auf den Beinen ſtehen. Man unterſcheidet in der Wollzucht a) Normal⸗ und Korrektionsböcke, welche die Fehler und Mängel der Muttertiere verbeſſern ſollen; b) Maſſenböcke; ſie müſſen ein dichtes Vlies haben und dem Mangel an Körpergewicht und Wollmaſſe abhelfen; c) Regulierungsböcke; dieſe haben die Aufgabe, in der Nachzucht Unregelmäßigkeiten der Woll⸗ eigenſchaften auszugleichen; d) die Veredelungsböcke; ſie ſollen den Wolladel in ihren Nachkommen vermehren. Rlaſſifikation der Mutterſchafe. Was die Mutterſchafe betrifft, ſo werden alte, kranke, in den Zeugungsorganen und Eutern fehlerhafte Individuen von der Zucht ausgeſchloſſen. Die Klaſſifikation derſelben iſt nicht leicht; ſie erfordert große Aufmerkſamkeit und genaue Kenntnis aller in Betracht kommenden Eigenſchaften. Läßt man z. B. eine Herde wild, d. h. in beliebiger Weiſe ſich begatten, ſo wird die Einwirkung der Böcke niemals ſo ausgleichende Reſultate liefern als bei beſonnener Einteilung der Herde in Klaſſen; denn durch dieſe kommt jeder Bock zu dem Mutter⸗ ſchafe, bei welchem ſeine Eigenſchaften zu ihrer vollen Wirkung gelangen. Deshalb iſt die Klaſſifikation der Schafe beinahe überall eingeführt und wird meiſt von erprobten Fachleuten (Schafklaſſifikatoren, Schäfereidirektoren, Züchtern) vorgenommen. Beſonderen Ruf hierin haben erlangt: in England Backwell, in Deutſchland Kunitz, Behmer, Adolf Heyne, Buchwald, Thilo und andere. Soll die Klaſſifikation ihren Zweck erreichen, ſo muß der Züchter ein beſtimmtes, aber nicht ein zu hohes Ziel verfolgen. Von den verſchiedenen Klaſſifikationsſyſtemen will ich nur eins hervorheben, welches meiner Meinung nach allen Anforderungen entſpricht und jeder Zuchtrichtung ſich leicht an⸗ paßt. Nimmt man an, daß man eine völlig unausgeglichene, aus den heterogenſten Tieren zuſammengeſetzte Herde vor ſich hat, ſo teilt man dieſe in folgende Klaſſen ein: ſi niſe rpergewit ieſe hcbe der Ll ſe ſole kronk i duen ꝛm riſ rit Hennui⸗ on;8 ttten, ſ eiceni Herde u 1. Klaſſe: 2. Klaſſe: Klaſſifikation der Mutterſchafe. 27 Ausgeglichenheit und Adel in Wolle bei guter Körper⸗ form; mäßig gedrängte Kräuſelung, überall gut be⸗ ampſhiredown⸗Bock. Abb. 15. ſetzt, gute Feinheit, normale Statur, ſtraffe Ohren, — ſogenannte Konſtantierungsklaſſe. Wolle zu dicht, Faltenbildung kommt vor, Feinheit abfallend, unausgeglichen, der Körper geringer,— ſogenannte Veredelungsklaſſe. Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. 28 Hampfhiredown Schafe Klaſſifikation der Mutterſchafe. 29 3. Klaſſe: Wolle und Ausgeglichenheit normal, zu lang im Stapel, Hautdichtigkeit mangelt, Körper groß(hoch⸗ beinige Tiere kommen vor),— Verdichtungsklaſſe. Orfordſhire⸗Bock. Abb. 17. 4. Klaſſe: Ausgeglichenheit und Adel der Wolle nehmen ab, ſchwächliche Körperfigur vorhanden,— Korrektions⸗ klaſſe. 30 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. 5. Klaſſe: Zwirner, allgemeine überbildung, kahler Kopf, ſpitzer Körper, d. h. Knochenbau zu fein, Vlies un⸗ regelmäßig gebildet, zwirnig, Hautdichtigkeit und Beſatz ſehr mangelhaft. 6. Klaſſe: Unausgeglichenheit in Wolle und Vlies tritt deutlich hervor; das ganze Tier zeigt ſchwächlichen Körper⸗ bau; ſeine Wolle iſt unedel. Die Klaſſifikation wird am beſten nicht vor dem achten Monate, alſo etwa acht Monate nach der Schur vorgenommen. Sie kann zuweilen rektifiziert werden, beſonders bei Schafen, welche die erſten Lämmer erhalten haben. Ein erfahrener Züchter freilich nimmt Rückſicht auf die zweite Schur; denn nach dieſer wird die Wolle dichter. Die Klaſſen werden ge⸗ wöhnlich durch Kerbe bezeichnet; folgende Kerbung, wie Schema auf S. 31, iſt zu empfehlen. Nach Ausführung der Klaſſifikation werden die Böcke ausgewählt; die Auswahl muß nach dem Typus der Klaſſe erfolgen. Für die Paarung mit den in der erſten Klaſſe be— findlichen Schafen, bei deren Nachzucht eine Verfeinerung der Wolle nicht angeſtrebt wird, muß der dazu beſtimmte Bock etwas ſtärker im Haar ſein; man wählt daher einen Bock, der im Durchmeſſer des Haares etwa um eine halbe bis ganze Feinheitsklaſſe ſtärker iſt, wenn eine Verfeinerung bei der Nachzucht nicht eintreten ſoll. Dagegen iſt bei der zweiten Klaſſe, bei welcher eine Veredelung der Wolle bei der Nachzucht angeſtrebt wird, der Bock etwas feiner oder mindeſtens von gleicher Feinheit der Wolle zu wählen. Dagegen iſt bei der Wahl des Bockes für die dritte Klaſſe vorzugsweiſe auf Wollreichtum Gewicht zu legen; man bezeichnet dieſe Böcke mit Maſſenböcken; für alle drei Klaſſen muß die Körperform des Bockes tadellos ſein. Die vierte Klaſſe muß Böcke haben, welche ſowohl in Wolle als auch beſonders im Körper tadellos ſind uſw. Bei Klaſſifikation von engliſchen Fleiſchtieren macht man ge⸗ wöhnlich nur drei Klaſſen, und zwar da hier die Wolle weniger in Betracht kommt, meiſtens nach Typus der betreffenden Richtung und nach dem Exterieur des Körpers; auch die Klaſſi⸗ fikation der Fleiſchherden iſt von großer Wichtigkeit, da durch Klaſſifikation der Mutterſchafe. 31 Kof 1 1 Paarungsüberſicht der Mutterherde. Die Rlaſſiſikation der Mutterherde ergab: d tich* — Alte 1% hri Zuſammen⸗ nr aeiie. ieen deein, Stamm Stüc Stück Stück achten men. tein Klaſſe I— 1 Kerb uinten hrene 3 ¹ 3 demn g, en wec. ſheme 3 Kerbe unten Klaſſell„ büt— 1n.--„ Klſe ſe b Klaſſe IV 1 Kerb bhen J de„„„ Wot 2 5 gok, Klaſſe V a. erbe hen ganz— 2— de 3 Kerbe oben eiten Klaſſe VI ca.„„„ zucht eicher Bc Summa htum. en. ells( 1 Kerb rechts l i Reſerve in der Spitze rſw. be⸗ 2 Kerbe rechts iget Draen(— und links den in der Spitze iſſ⸗.— 1 Stück Zeitſchafe. „ Alte Mütter Summa Stück zur Zucht. 32 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. eine Einteilung viele Fehler ausgemerzt und die Vorteile raſcher zur Geltung kommen. Man darf nun nicht an⸗ nehmen, daß nach einer einmaligen Klaſſifikation ſämtliche Nachzucht ſchon normal ſei; dieſelbe wird dem Muttertiere erſt ähnlicher; die Natur macht keine Sprünge; je ruhiger man vorſchreitet, deſto ſchneller gelangt man zum Ziele. Hat eine Herde durch richtig geleitete Gruppenzüchtung einen ſolchen Höhepunkt erreicht, daß eine gewiſſe Vererbungsſicherheit vor⸗ handen iſt, ſo genügt die Klaſſeneinteilung nicht mehr; hier greift die Hochzucht Platz; das Individuum muß ſelbſt beurteilt werden. Zu dieſem Zwecke legt man Bonitierungsregiſter an, welche dem Züchter zu Hilfe kommen. Freilich bin ich der feſten Überzeugung, daß alles Schreiben in dieſe Liſten wenig Zweck hat, wenn die Grundlage nicht vorhanden iſt, d. h. das Sehen und die Anſchauung des lebenden Weſens. Dieſe Verzeichniſſe ſollen die Abſtammung und Vererbung des Indi— viduums kennen lehren. Bei den Bonitur⸗Tabellen gebraucht man ſtatt der Worte Zeichen und Abkürzungen; es muß dabei ein leicht faßliches Syſtem vorherrſchen. Bekannt ſind die Bonitur⸗Syſteme von Kunitz, Behmer und anderen. Nach⸗ folgend(S. 33) gebe ich mein Syſtem an. Außer dem Stammbuche ſollte von jedem Schafmeiſter ein kurz gefaßtes Sprung⸗ und Zucht⸗Regiſter geführt werden. Es müßte folgende Rubriken enthalten: 1. Nummer der Mutter, die lammen ſoll, 2. Geburtsjahr der Mutter, 3. Nummer des zugeteilten Bockes, 4. Tag der Zulaſſung, 5. Tag der Geburt, 6. Geſchlecht des Lammes, 7. Bemerkung. Die Numerierung der Schafe geſchieht entweder durch Kerbung, ſog. alte Schäfer-Nummern(ſiehe Abb. 18) oder zweckmäßiger durch Tätowierung im Ohre. Man drückt die Nummer ins Ohr ein und reibt dieſe Stelle mit einer aus Ruß, Pulver und Spiritus gemiſchten Flüſſigkeit gut ein. Dieſes Verfahren iſt der Bezeichnung mit Marken ohne Zweifel vorzuziehen. 33 Klaſſifikation der Mutterſchafe. S8 zaoagbunzqeng S — 5 2llv un 5 11b uv 5 Hᷣ bun 3 apL g1- 1b2bSn] 5 a0caga 8 8 A bvaw 3locks e 2 8 8 aazgvar zuv 8 G8 110 0 u ⸗ L lchog † G8 G — 21 C 6 Douu 8— 8 NRanerr 8 w⸗li e e 9 uuL S pog& 8O 2 u 2— 88 5 urg 5 4 s ℛ— 3 S 95 lchox 8—— bunjler 88 ——„— 5SäI 3 uxjyqa⸗ 8 00 2 Ipqao 88 8 1ag e 0 2vg 8 888 6 X△N 5 ½ 2—V ☛— ,— Lg 3 5 Ans —— 5 — 83. 25 s E e annaſs 6 2 8 SOrOSS u1240929 pnvaqo 3 8 8 8 8 8 S 8 * 865— Heyne, Schafzucht. 34 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. Boniturſchlüſſel. Raſſe. Bezeichnet durch E Elektoral. „„ N Negretti. EN Elektoral⸗Negretti. NE Negretti⸗Elektoral. RN Ramboulllet⸗Negretti. R Rambouillet. 8 Southdown. 0 Oxfordſhiredown. H Hanpſhiredown. Sr Shropſhire. Körperbau. Bezeichnet durch a normal, tieftonniger, kräftiger, breiter, großer Körper. „„ p nicht ganz entſprechend, ſchon etwas zu hochgeſtellt, auch ſpitzig gebaute Körper. e kleine, ſchwache, ſchmale Körper, mit dünnen Knochen uſw. edle; zu lange, Kopfbildung. Bezeichnet durch a normal, bewachſener breiter, kurzer Kopf. „„ b hinneigend zu normal, fehlt das harte Kopfbildung. „„ b ſpitze, ſchmale, lange Kopfbildung. 3 b— bewachſene, aber zu weiche, moſige(auch ſchwammige) Köpfe. C nackte, kahle, überbildete und ordinäre, gemeine Köpfe. Wollfeinheit. 3 Kräuſelungsbögen Bezeichnet durch aaaa Super Super Electa. 32 und darüber „„ aaa+ Super Electa 30— 32 „„ aaa Electa I 28— 30 „„ 2a Electa II.... 24— 28 „„ 2 Prima I(hohe Prima) 23—24 „„ ab Prima II.... 21—23 „„ b+ Secunda I(hohe) 19— 20 „„ b Seeunda.... 17— 19 „„ b— Secunda II. 16—17 „„ 0 Tertia. 13— 16 „„ d Quarta.— 13 . Wollcharaktere. Bezeichnet durchn normal(durchaus gleichmäßiges, treues Haar), normale Biegung. „„ m. markiertes Haar, oft ſchon zu ſehr markiert, be⸗ „„ kr kreppartig. ſonders am Vorderarm und den Bauchpartien. Schere Iucar groſer Ki. cgeſeltu Klaſſifikation der Mutterſchge. 35 Bezeichnet durch schl ſchlicht. „„ klb klarer Bau. „„ vrw verwachſene, unklare Wollen, unregelmäßige Biegungen ohne Glanz und Lüſter. „„ 1 rohes, hartes, ſprödes Haar. „„ bwg baumwollige, leichte, hohle, leere Wollen. Dichtheit. Bezeichnet durch a ſehr gedrängtes, dichtſtehendes Wollvlies. „„ b nicht ganz genügend, locker, leer. „„ c locker und loſes Wollvlies, wo folglich auch die nor⸗ male Stapelbildung fehlt. Stapelbau. Bezeichnet durch g gute, regelmäßige Stapelbildung(normah. „„ br. zwar breit, dennoch edler Stapel. „„ br-— zu breit, daher gewöhnlich hart und ſpröd in der Wolle. „„ 8p ſpitzer, zarter Stapel, ohne offen zu ſein. „„ sp— zu ſpitzer Stapel, wo ſich die Untreue im Haar ausſpricht. „„ ol offener, loſer Stapel. Wollſtand. Bezeichnet durch n normale Länge. 1 1 t tief. 1 „„ tt ſehr tief. „„ k kurz. ,„ kk ſehr kurz. „„ à2 vorzüglicher Beſatz an den Extremitäten. „„ b mangelhaft am Bauch und Vorderarm. „„ c kahler, nackter Beſatz. Kraft. Bezeichnet durch a ſehr kräftig, feſtes gedrängtes Haar. „„ b etwas zu weiches Haar. „„ c kraftloſes, mattes Haar. Ausgeglichenheit. Bezeichnet durch aa ganz ausgeglichen an allen Teilen. „„ a ausgeglichen. „„ au nicht ganz ausgeglichen am Kopfe, Widerriſt oder Beinen. „„ u ganz ausgeglichen. Stellung des Tieres. Bezeichnet durch a normal, breite Stellung mit kräftigen und ſtarken Gliedern verbunden. „„ b breite Stellung, jedoch mit zu ſchwachen, zarten Sprung⸗ gelenken. „„ cec ſchiefe, einwärtsſtehende Hinter⸗ und Vorderſtellung mit zu engem, ſchmalem Bruſtkaſten. —— 3* 36 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. Züchtungswert. Bezeichnet durch 000000 höchſtes Züchtungsmaterial. 00000 minus. 0000 minus. 000 minus. 00 minus. 2 Paarung. Das Mutterſchaf bleibt 24 bis 30 Stunden brünſtig, d. h. geneigt, den Bock anzunehmen. Ein Sprung genügt, um es trächtig zu machen. Wird es während der angegebenen Zeit nicht trächtig, ſo kehrt die Brunſt nach zwei bis drei Wochen wieder. Ein normal konſtituierter Bock kann täglich bis acht Schafe decken; beſſer iſt es freilich nur bis fünf decken zu laſſen. Gewöhnlich rechnet man auf einen Bock bis fünfzig Mutterſchafe. Die Dauer der Sprungzeit iſt verſchieden; ich bin der Anſicht, daß, je kürzer die Sprungzeit iſt, es für die Ausgeglichenheit der Lämmer deſto beſſer iſt. Man ſollte vier, höchſtens fünf Wochen zulaſſen. Welcher Unterſchied in den Lämmern! Beim Sprung unterſcheidet man wilden Sprung, yuu⸗ S 4 A X 8 9* A. V 2 9 4 8 8— y) A..„ F Abb. 18. Eine Kerbe linkes Ohr untere Seite(hinten)— 1 3 3 7„ obere„„— 3 „„ rechtes„ untere„„= 10 „„„ obere„„— 30 „„ Spitze des linken Ohres= 100 „„„„ rechten Ohres= 200 Ein Loch im linken Ohr= 400 = 800 „„„ rechten Ohr ——.— ——'—.——=— == ———— Klaſſifikation der Mutterſchafe. 37 welcher ganz zu verwerfen iſt, Klaſſen⸗ oder Haremſprung und Sprung aus der Hand. Der Sprung aus der Hand muß bei Hochzuchten angewendet werden; bei Woll⸗ oder Fleiſch⸗ herden im Klaſſenſprung gibt es ein einfaches Verfahren. Man läßt einen oder zwei Probier⸗Böcke in die Herde; dieſe ſuchen die brünſtigen Mütter; dieſelben werden dann, je nach der Klaſſe, in eine beſtimmte Boxe getan und der dazu be⸗ ſtimmte Bock wird in dieſe Boxe zugelaſſen. Man beobachte, daß der Begattungstrieb bei den Muttertieren etwa ſechs Wochen nach dem Lammen wieder eintritt, was von Bedeutung iſt, wenn man aus außerordentlichen Gründen zwei Lämmer in einem Jahre züchten will. Nach dieſer Zeit wird das Schaf erſt nach zehn Monaten wieder brünſtig. Auch das Wetter hat großen Einfluß; bei trockenem, angenehmem Wetter geht die Begattung viel beſſer vor ſich; auch müſſen die Schafe dabei Bewegung haben. Ein Bock erreicht ſeine Vollkraft mit 2 ½ Jahren; man läßt aber jetzt allgemein Böcke mit 1 ¼— 1 ⅜¾ Jahren zu, ja in frühreifen engliſchen Zuchten in einem Alter von 9— 10 Monaten, aber die Erfahrung hat gelehrt, daß ſich dieſelben raſch abnutzen; man ſollte deshalb einen Bock nicht früher als nach dem 12. Monat zulaſſen. Es kommen mitunter Fälle vor, wo junge Böcke, die zum erſten Male für die Zucht verwendet werden, nicht gleich decken wollen und für impotent erklärt und aus dieſem Grunde dem Verkäufer zurückgegeben werden. Faſt immer liegt aber ein Grund vor; denn impotent kann der Bock nur durch fehlerhafte Zeugungsorgane werden, was aber ſelten vorkommt. Ein ſolcher Grund kann ſein, die Vorführung von unpaſſenden Schafen, die entweder zu hoch oder zu unruhig ſind oder einen zu ſtarken Beſatz von Wolle unter dem Bauch haben, der bei dem Bock durch Abſcheren beſeitigt werden muß; auch kaufe man die Böcke nicht unmittelbar vor der Sprungzeit, ſondern mindeſtens drei Wochen vorher, damit ſich dieſelben an den Stall, Futter und Waſſer gewöhnen. Den Nachweis einer möglichſt hohen Züchtungskonſtanz kann nur der Stammbaum, das Stammregiſter liefern; an dem vorſtehenden Schema(S. 33) ſehen wir die genaue Bonitur der Mutter, ſowie alles was dazu gehört, um die Nachkommen⸗ 38 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. ſchaft auf die Leiſtung zu prüfen; der Raum iſt auf neun Züchtungsjahre eingerichtet; rechnet man, daß ein Schaf in einem Alter von drei Jahren das erſte Lamm bekommt, ſo kann ich das Schaf neunmal zuteilen, habe die Nachzucht über⸗ ſichtlich nebeneinander ſtehen. Bei Anfertigung des Regiſters zum Gebrauch ſind auf jeder Seite 27 Zeilen, alſo auf jeder Seite 3 Mütter zu neunmaliger Zuteilung; die geborenen Lämmer erhalten entweder die Nummer der Mutter oder eine laufende Nummer, welche aber dann im Stammreegiſter ver⸗ merkt werden muß. Es gibt ja ganz verſchiedene Bonitureinteilungen, auch Werteinſchätzungen nach Graden und Punkten; bekannt iſt der Boniturſchlüſſel von Kunitz, welcher eine größere Verbreitung gefunden hat; ich laſſe denſelben folgen. E Elektoralform, EN Elektoral⸗Negrettiform, N= Negretti⸗ form, NN= extreme Negrettiform(ſehr faltige Haut), R Rambouilletform, RN Rambouillet⸗Negretti, der Negrettiform ſich nähernd. Der Zuchtwert, den die Tiere in den Herden haben, wird durch die römiſchen Zahlen I, II und III ausgedrückt. II. Wollqualität. a. Feinheit. 1 a, anzuſtrebende Feinheit, 1 aa, 1 aaa, höhere Feinheitsgrade, V 1 ab, 1 b, 2b, geringere Feinheitsgrade. Plus⸗ und Minus⸗ zeichen, z. B. 1a+ und 1a— werden bei den Fein⸗ heitsgraden gebraucht. b. Wollcharakter. 1. Tuchwolle. m, muſtermäßig, d. h. gedrängter normaler Stand des Stapels bei normaler mittlerer Tiefe, mm, ſehr gedrängt dicht, mt, wie m, aber größere Tiefe des Stapels, mk, wie m, aber kürzer im Stapel, mmk, ſehr gedrängt, aber kürzer wie bei mm, mmkk, ſehr gedrängt, ſehr kurz, mmkl, normales Haar, am Bauch und Beinen zu Zwirn ſich neigend. ſiter ur en, nt t it w treitun Negretr Minr⸗ Feir win Klaſſifikation der Mutterſchafe. 39 2. Kammwolle. ml, normale Stapellänge, leichtwüchſiger, mlt, wie ml, aber größere Tiefe des Stapels. mml, größere Dichtheit häufig auf Koſten der Tiefe, mll, ungenügende Dichtheit, leichtes Haar, mkl, wie ml, etwas kürzer im Stapel. Eigenſchaften des Wollhaares. a, ausgeglichen und unausgeglichen, f, fehlerhafte Form der Kräuſelung, ff, fehlerhaft bei dünnem Stand der Wollhaare, origl, originales Haar, nach jeder Hinſicht normal, origl m, Original mild, m origl matt original, weniger klar im Wollhaar, m, mattes Haar, geringe Haltbuirleit tr, trockenes Haar, ſchlechte Ernährung, st, ſchwerer Fettſchweiß, kr. Krepphaar, ungenügende Elaſtizität, glafiges Haar. III. Körperform. 1. Wollſchafe. Die Körperformen finden ihre Beſchaffenheit durch 1/1— 3⁄¶ und zwar /1— für Wollſchafe und /⅞—% bei Fleiſchſchafen, Wollſchafe /[ normale Figur gute Entwicklung, ⅛ große ſchwere Form mit PBretent Jormien⸗ Neigung zur Form der Fleiſchſchafe. ⁄ geringere Form an Durchbildung als ⅜, aber brauchbar für die Zucht. unhaltbare Form.„Zu einer weiteren Bezeichmung werden dann noch die Buchſtaben e und ü gebraucht. Das e hinter den Achteln drückt eine Vergröberung des Organismus aus. Das e vor den Achteln deutet dagegen auf eine gewiſſe Zartheit und Schwächung des Organismus hin, die, wenn ſie vollſtändig ausgeſprochen, mit eu begeichnet wird und das Tier für die Zucht wertlos macht. 332. Fleiſchſchafe. Für dieſe gelten die Bezeichnungen 76-%4, dis. voll⸗ komunenſte Körperform wird mit 7/⁄ bezeichnet. ͤͤͤ———————— 40 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. IV. Zeichen für den Grad der Veredelung. Man verwendet dann die Nullen in folgender Weiſe: 00000 als Zeichen des höchſten Zuchtwertes, 000 für ein Tier von mittlerem Zuchtwert, 00—0„„ für ein unedles Tier mit geringem Zuchtwert. * 2 Ein vorzügliches Mutterſchaf mit Tuchwollcharakter würde folgende Bezeichnung erhalten: E 1a+ m a origl ⅞ I 00000, dagegen ein Kammwollſchaf von beſter Qualität R 1a+ mlt a origl m% I 00000. Als weitere Beurteilung von Schafen hat man Punkt⸗ zahlen eingeführt. Settegaſt nimmt 100 als Norm an und hat 5 Gruppen zu 20 Punkten. Auch Behmers Punktierſyſtem, praktiſch und gut, will ich hier nicht näher beſchreiben, da es bekannt iſt. Alle dieſe Syſteme beruhen nun auf Abſchätzungs⸗ zahlen und individueller Anſicht, welche für ſich keine wirkliche Norm geben können; aber immerhin iſt die Beurteilung der Tiere nach Wertſkalen oder Points ſehr angebracht, denn es übt das Auge des noch nicht genügend erfahrenen Züchters. Nachſtehende Skala wird vielfach angewandt. 1. Bonitierung von Wollſchafen. A. Körperbau. 1. Typus der Raſſe....... 2. Entſprechendes Raſſegewicht..... 3. Verhältnis— der Höhe zur Länge des Rumpfes=........... 3 4. Umfang des Rumpfes hinter der Schulter 3 5. Umfang des Rumpfes an den Hüften. 3 . Form des Vorderkopfes. 6 „ des Hinterkopfes... 4 „ der Hörner......... 3„ 3 4 4 4 5 Punkte, 4 7/ .Länge und Stärke der Ohre. .Stellung und Höhe der Vorderbeine. „„„ der Hinterbeine... „Stärke der Schienenbeine und Unterſchenkel .‚Beſchaffenheit der Haut. Summa 50 Punkte. —. fes Klaſſifikation der Mutterſchafe. 41 ung. B. Wolle. a. Eigenſchaften des Wollhaares. Charakter der Tuch⸗, Kamm⸗ oder Stoffwolle 4 Feinheit je nach Richtung 3 Krauſelumng.......... 3„ 3 3 3 geiſe uchtwen erinen Elaſtizität, Krimpkraft Ausgeglichenheit Haltbarkeit-........ Adel............. 6„ Summa 25 Punkte. r pürd 1 ARF d punk⸗ b. Eigenſchaften der Stapelung. Form der Stapelung....... 4 Punkte, Gleichförmigkeit.. Tiefe... Dürftigkeit Stapelſchluß.... mx Bewachſenheit, Reichwolligkeit.. nl 6 Fettſchweiß, Natur desſelben 1 cter⸗ Summa 25 Punkte. Für Wollſchafe 100 Punkte. 2. Bonitierung von Fleiſchſchafen. A. Körperbau. Typus der Raſſe... Körpergewicht der Raſſe entſprechend.. Verhältnis der Höhe zur Länge des Rumpfes Umfang des Rumpfes a) hinter der Schulter b) vor den Hüften Breite und Tiefe der Bruſt Breite zwiſchen den Hüften Form des Kopfes. Stellung der Vorderbeine Stellung der Hinterbeine Beſchaffenheit der Haut.... Form des Rumpſes⸗ Parallelepipedon.. 10„ Summa 60 Punkte. mn und foſten das hunge⸗ irlice . 00 00 Co unkee Punkte, dd Gr Ar 80 . SSOSOSE Æ —— 42 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. B. Wolle. 1. Länge der Wolle 6 Punkte, 2. Glanz(Lüſter). 4„ 3. Kraft Holtwarkeit)...... 4„ 4. Feinheit.......... 4„ 5. Ausgeglichenheit... 4„ 6. Brauchbarkeit als Wolle. S„ 7. Bewachſenheit.......... 4„ 8. Wertklaſſe der Wolle....... 6„ Summa 40 Punkte. Für Fleiſchſchafe 100 Punkte. Wahl der Syxung- und Lammzeit. In manchen Herden hat man die Lammung noch das ganze Jahr hindurch. Von dieſer Lammung iſt abzuraten; ſie bringt verſchiedene Nachteile. Die Wahl der Sprungzeit hat ſich im allgemeinen nach den wirtſchaftlichen Verhältniſſen zu richten. Man unterſcheidet: a) Winterlammung im Dezember und Januar, die Sprungzeit dafür iſt der Juli und Auguſt. b) Frühjahrslammung im März und April; die Sprungzeit dafür iſt im Oktober und November. c) Sommerlammung im Juni und Juli; die Sprungzeit dafür iſt der Dezember und Januar⸗ Bei der Winterlammung Bftaken die Lämmer, ehe ſie zur Weide kommen. Dieſelbe iſt unbedingt vorteilhaft für Stammzüchter, beſonders engliſche, bei denen die Lämmer gleich von Anfang an kräftig genährt werden ſollen. Die Frühjahrs⸗ lammung iſt jetzt noch gebräuchlich in Deutſchland, Öſterreich⸗ Ungarn und Rußland und entſpricht am meiſten der Natur, weil der Begattungstrieb im Herbſte infolge der kräftigen Weide am meiſten rege iſt. Der Hauptvorteil der Frühjahrs⸗ lammung liegt darin, daß ſie am wenigſten koſtſpielig iſt, weil die ſäugenden Mütter den größten Teil der Nahrung auf der Weide finden, wenn auch andrerſeits die jungen Lämmer zu dieſer Zeit zum Weiden noch ſchwach ſind und die Wolle der Mütter durch das Säugen im Wachstum gehindert wird. Die Sommerlammung erſcheint dadurch vorteilhaft, daß die Mutter⸗ tiere infolge reichlicher Nahrung weniger angegriffen werden. Wahl der Sprung⸗ und Lammzeit. 43 Ihre Lämmer liefern daher bei der erſten Schur lange, reichliche und wertvolle Wolle. Doch muß in dieſem Falle die Sprung⸗ tätigkeit in der kälteſten Zeit des Jahres vor ſich gehen, wes⸗ halb mehr als zehn Prozent der Mutterſchafe unbefruchtet bleiben. Wartung und Haltung, Waſchmethoden. Die Ernährung eines Bockes muß gleich kräftig während des ganzen Jahres ſein; am beſten beſteht dieſelbe im Winter aus ½ Pfund Hafer und ½¼ Pfund trocken angelegten zer⸗ kleinerten Leinſamenkuchen, 1 Pfund Rüben und etwa 2 ½ bis 3 Pfund gutem Wieſenheu neben klarem Waſſer zur Tränke und einem Stückchen Steinſalz zum beliebigen Lecken. Während des Sommers auf der Weide wird nur der Hafer verabreicht und auf 1 Pfund vermehrt; nach dem Genuß von Grünfutter darf nicht getränkt werden. Bei vorſchreitender Trächtigkeit der Mutterſchafe muß eine ſchonende Behandlung derſelben eintreten, dazu gehören beim Beſuchen der Weide das Ver⸗ meiden langer Triften und kotiger Wege, jede Beunruhigung der Herde durch Hetzen mit Hunden, das Drängen in den Stalltüren beim Aus-⸗ und Eintreiben, das Vermeiden von feuchten wenig nahrhaften Weiden. Als Futter gebe man gutes Wieſen⸗ oder Kleeheu und geſundes Stroh und als milch⸗ treibendes Futter Mohrrüben oder Kartoffeln, an erſteren bis 2 Pfund, an letzteren bis zu 1 Pfund. Auch ein übermäßiges Saufen ſollte nicht ſtattfinden, da dadurch leicht ein Verwerfen der Frucht eintreten kann; als Kraftfutter gebe man gebrochenen Rapskuchen oder Roggenfuttermehl. Zur Einhaltung einer möglichſt gleichmäßig zu haltenden Temperatur iſt ein Thermo⸗ meter im Stalle aufzuhängen; die Temperatur ſoll nie über 12 ⁰ C. betragen. Bei der Geburt iſt es zweckmäßig, wenn der Schäfer dem Schafe zu Hilfe kommt; nach der Geburt wird das Lamm dem Schafe zum Belecken vorgelegt und darauf vom Schäfer das Euter des letzteren von Schmutz und Wolle frei gemacht. Hat die Mutter das Lamm zum Saugen ohne Widerſtand zugelaſſen, ſo werden beide in diejenige Abteilung im Stalle geſetzt, welche dazu beſtimmt iſt, die Mütter mit deß Lämmern aufzunehmen. Widerſpenſtige Mütter, welche erſt an ihr Lamm gewöhnt 44 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. werden müſſen, kommen mit demſelben in eine Koje, eine kleine Bucht, in welcher ſie ſo lange bleiben, bis die Mutter ſich an das Lamm gewöhnt hat. Wird ein wertvolles Lamm durch den Tod der Mutter verwaiſt, ſo kann es einer kräftigen und milchreichen Mutter zu ihrem Lamm noch zugeſetzt werden, jedoch muß dieſes gleich nach der Geburt des eigenen Lammes geſchehen; auch das Aufziehen verwaiſter Lämmer mit Kuh⸗ milch aus einer Flaſche mit Saugſtöpſel gelingt in den meiſten Fällen. Der Aufenthaltsort der Schafe, der Stall, iſt von hoher Bedeutung. Der Stall ſollte die Form eines Parallelo⸗ grammes haben und genügend geräumig ſein; es iſt daher eine lichte Stallhöhe von mindeſtens 3,1 m erforderlich. Dieſe Höhe genügt nur, wenn nicht mehr als 500 Stück Schafe eingeſtellt werden; bei Unterbringung von mehr als 500 Stück iſt eine Stallhöhe von 4 m erforderlich. Man rechnet als er⸗ forderlichen Flächenraum pro Schaf 0,6— 0,7 qm für Wollſchaf, 0,78— 1,0 am für ein Fleiſchſchaf, für einen Bock in beſonderer Abteilung 1,1— 1,9 qam. Das Bedürfnis, im Innern des Stalles einen möglichſt freien Raum zu erhalten, in welchem die einzelnen Herden durch leicht zu beſeitigende Hürden ab⸗ gegrenzt werden, gibt Veranlaſſung, möglichſt wenig Träger im Stalle zu haben. Der Fußboden muß 15—18 em höher als das um⸗ gebende Terrain liegen, er erhält keine Pflaſterung, ſondern nur eine Sandausfüllung, welche bei der Düngerabfuhr mit entfernt und neu erſetzt wird. Zum Ein⸗ und Austreiben der Herden und zum Herausſchaffen des Düngers ſind in den beiden Giebeln, zuweilen auch in der Mitte der Hoffront Torwege von 3,13 m Breite und 3,8 m Höhe, ferner an der Hoffront in Entfernung von 9,4—16,6 m zweiflüglig ſich nach außen öffnende Türen von 1,3—1,8 m Breite anzulegen; die Fenſter werden namentlich an der Südſeite des Stalles in reichlicher Anzahl, 0,78— 0,98 m groß, 2,2— 2,5 m über dem Fußboden hoch angelegt. Als Fütterungsvorrichtungen verwende man Lang⸗ oder Rundraufen, die gewöhnliche Länge einer Raufe(Lang⸗) beträgt 1,88— 2,50 m, die Entfernung der Sproſſen aneinander 10,4 cä. An Raufenraum erfordert ein Mutterſchaf oder Hammel 0,39 m, ein Jährling 0,31 m, ein Lamm bis 4 Monate alt 15,7— 21 cm; an Futterbodenraum 4 ————”,/— 2 Wartung und Haltung, Waſchmethoden. 45 rechnet man für die Monate von Oktober bis Mai für jedes Schaf durchſchnittlich 100 kg Heu, mithin 1,236 chm Boden⸗ raum. In dem Stall ſoll Ruhe herrſchen, weil plötzlich aus⸗ brechender Lärm die Schafe erſchreckt. Man trennt hier die Herden gewöhnlich nach Müttern und Böcken; eine Scheidung der Mütter erſcheint erſt bei vorgeſchrittener Trächtigkeit und in dem Stadium der Säugung durch die veränderte Art der Fütterung und die ſchonende Behandlung geboten. Unter den Lämmern trenne man die ſchwächlichen von den ſtärkeren; in der Bockherde ſtelle man die Sprungböcke in eine große Boxe, nicht in einen Winkel des Stalles; die Hammel ſind getrennt zu halten! Die Schafherden nach Jahrgängen zu ſondern, iſt gleichfalls von Vorteil. Das Schaf verlangt zum Stehen und Liegen trockenen Grund; weich braucht ſeine Lagerſtätte nicht zu ſein. Dieſelbée wird mit Stroh reichlich bedeckt, da täglich ½— ½ Pfund dazu verwendet wird; ſind die Schafe nur bei Nacht im Stalle, ſo genügt ¼ Pfund pro Kopf. Kann dieſes Quantum Stroh geſtreut werden und iſt der Stall breit genug, ſo darf die auf dem Boden anwachſende Dungſchicht zwei bis drei Monate lang liegen bleiben; fehlt es an Stroh und erwärmt ſich die Dungſchicht, ſo iſt der Dünger früher herauszuſchaffen. Auf der Weide iſt beim Hüten auf Klee und Luzerne Vorſicht anzuwenden; naſſe ſumpfige Wieſen ſind zu meiden; ſchädlich iſt auch zu große Hitze und das Durchnäſſen des Pelzes. Das Naßwerden der Schafe ſollte nicht ſo ängſt⸗ lich genommen werden; leichte Sprühregen ſchaden nichts, nament⸗ lich nicht engliſchen Raſſen; mit Tau noch benetzte Wieſen ſind freilich zu meiden. Das Tränken des Schafes ſollte nur ein— mal geſchehen. Die Wolle wird entweder ſchwarz geſchoren, d. h. im Schmutz vom Schafe abgeſchoren, und man verkauft dieſe ungewaſchen. Dieſe Wolle ſetzt ſich aus Fettſchweiß, Woll⸗ haar, Unreinlichkeit und Feuchtigkeit zuſammen; die Feuchtigkeit beträgt 11— 13%, der Schmutz variiert von 1— 20%, der Fett⸗ ſchweiß an 45— 60%, und zwar ſtehen Schmutz und Fett⸗ ſchweiß in einem ſich ergänzenden Verhältnis, ſo daß bei weniger Fettſchweiß mehr Schmutz und umgekehrt ſich vorfindet. Der Gehalt an Wollhaar ſchwankt daher zwiſchen 20 und 40%. An Rückenwäſche, wie ſie gewöhnlich zum Verkauf kommt, gibt das 46 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. ungewaſchene Vlies 30— 60%; in der Regel geht bei Tuch⸗ wolle nicht mehr als die Hälfte verloren; fabrikmäßig gewaſchen bleiben 20— 35% des ungewaſchenen Vlieſes übrig. Man unterſcheidet daher Wolle, welche nicht gewaſchen wird, alſo im Schweiß vom Schafe geſchoren wird, ſog. Schmutz⸗ oder Schweißwolle. Die Schafe im Schweiß zu ſcheren wird jetzt überall mehr eingeführt; dies hat Vorteile dadurch, daß man die Schafe ſcheren kann, wann man will und ganz un⸗ abhängig vom Wetter iſt; auch kauft der Fabrikant dieſe Schweiß⸗ wolle gern. Weiter unterſcheidet man gewaſchene Wolle, und zwar die Pelzwäſche oder Rückenwäſche, bei welcher die Wolle auf dem Körper der Schafe gewaſchen wird; bei der Pelzwäſche unterſcheidet man weiter Schwemm⸗, Hand⸗, Sturz⸗, Spritz⸗ und Kunſtwäſche; einem jeden Verfahren geht das Einwäſchen der Schafe voran. Als zweite Art iſt die Vlieswäſche zu er⸗ wähnen, bei welcher das Vlies im ungewaſchenen Zuſtande durch Abſcheren von dem Körper des Schafes entfernt wird; die Vlieswäſche iſt abſolut nicht zu empfehlen. Bei beiden Wäſchen ſpielt das Waſſer eine große Rolle. Waſſer, welches Salze mit erdigen Baſen enthält, wirkt nachteilig, weil ſich dieſe mit der Seife des Fettſchweißes zerſetzen und dadurch eine unlösliche Kalkſeife bilden, die in der Wolle beharrt und ihr Klebrigkeit und Rauhheit im Gefühle erteilt. Das Vor⸗ handenſein von Kalkſalzen im Waſſer iſt dadurch zu ermitteln, daß in ein mit Waſſer gefülltes Glas etwas Seifenſpiritus geſchüttet wird. Entſteht hierdurch ein ſtarker Niederſchlag, ſo iſt es reich an Kalk und Magneſiaſalzen und für das Waſchen der Wolle ungeeignet. Die im Waſſer enthaltenen Salze verbinden ſich nämlich mit der darin aufgelöſten Seife und bilden dadurch eine unlösliche Kalkſeife, die ſich in Flocken ausſcheidet und auf dem Boden des Gefäßes niederſetzt. Eine zweite Probe beſteht darin, daß das Waſſer eine Zeitlang der Kochhitze ausgeſetzt wird; das kalkhaltige Waſſer wird dann trübe und zeigt die deutliche Ausſcheidung eines feinen weißlichen Niederſchlages. Eiſen⸗ haltiges Waſſer verleiht der Wolle einen roſtfarbenen Schein; um das Waſſer auf Eiſen zu prüfen, ſoll man, nachdem es etwas eingekocht und erkaltet iſt, einige Tropfen Salpeterſäure zuſetzen, um das in Form von Eiſenoxydul darin enthaltene Eiſen in Eiſenoxyd zu verwandeln; werden dann einige Tropfen Wartung und Haltung, Waſchmethoden. 47 gelbes Blutlaugenſalz zugeſetzt, ſo nimmt das Waſſer eine blaue Farbe an. Enthält das Waſſer Gerbſäure, ſo wird die Wolle blau; es iſt daher Waſſer, welches beim Laufen durch Laubwald Gerbſäure aufgenommen hat, vorſichtig zu benutzen. Die An⸗ weſenheit derſelben prüft man durch einen Zuſatz von Eiſen⸗ oxydlöſung, der das Waſſer blau macht. Bei der Pelzwäſche, der ſogen. Rückenwäſche, das Waſſer einen gewiſſen Wärmegrad haben, von 140 an iſt es zum Waſchen geeignet, weiches Waſſer iſt erforderlich; gips⸗, kalk⸗ und eiſenhaltiges Waſſer iſt hierzu nicht geeignet, weil auf die Reinheit der Wolle viel ankommt. Bei der gewöhn⸗ lichen Wäſche, der ſogenannten Schwemme, werden die Schafe ins Waſſer getrieben, in demſelben gerieben und die Wolle ausgedrückt,— ein Verfahren, welches nach fünf bis ſechs Stunden wiederholt wird. Eine andere Methode, welche Sturz⸗ wäſche heißt, beſteht darin, daß das Waſſer 1,50 bis 2 m von oben auf die Schafe herabgeſtürzt kommt, während eine dritte Art warme oder Kunſtwäſche genannt wird. Der warmen Wäſche werden Zuſätze verſchiedener Art zugeſetzt, um deſſen Wirkſamkeit namentlich für ſehr fettſchweißreiche Wollen zu er— höhen. Als ſolche Zuſätze dienen bei hartem Waſſer Soda, Guano, von letzterem werden auf je 1001 Waſchhaſſer 0,5 kg genommen. Außerdem verwendet, man grüne Seife, Saponin enthaltende Pflanzenſtoffe, wie Seifenwurzel(Saponaria officinalis), Quillaja⸗ rinde(Quillaja saponaria Mol.), Hétſeys, vorzugsweiſe Seifen⸗ wurzel und Hirſch's Soda und Seifenwurzel enthaltende Waſch⸗ mittel. Die Waſchmittel werden ſtets warmem Waſſer zu⸗ geſetzt. Um dieſelben beſtmöglich auszunutzen, verwende man ſtatt der Bottiche ſchräg ſtehende Tröge, welche mit einer unten offenen Scheidewand in zwei Abteilungen geteilt ſind. In der unteren Abteilung werden die Schafe gewaſchen und dann in die obere Abteilung gebracht, damit das durch Aus⸗ drücken ablaufende Waſſer durch die Offnung in der Scheide⸗ wand wieder in die untere Abteilung fließt. Von der Seifen⸗ wurzel, welche in Waſſer gekocht als Lauge den Bottichen zu⸗ geſetzt wird, ſind für 1000 Schafe 60 kg(Preis pro 100 kg 60— 72 Mk.) erforderlich, von dem Heétſeyſchen Waſchmittel 30— 40 kg, von der Quillajarinde 30 kg. Bei der Anwendung von Waſchmitteln muß ſehr vorſichtig vorgegangen werden, damit 48 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. die Wolle nicht zu ſehr entfettet wird und dadurch ihre Halt⸗ barkeit verringert und der Waſchverluſt vermehrt wird. über 1 den Verluſt, den die Wolle bei der Wüäſche erleidet und über den Gehalt an Haarſubſtanz der im Schmutz geſchorenen Wolle nach vollſtändiger Entfettung hat Hartmann folgende Tabelle zuſammengeſtellt: Länge der Hygro⸗ 5 Anzaht Broben ſkopiſche Waſch, Haar⸗ Gerinnſe Gebße Proben Zoll Feuchtig- verluſt Subſtanz g 3 0 keit V Haarſubſtanz 48 1 11,77 71,33 16,90 11,08 23,89 130 1 ¼ 11,28 66,99 21,75 16,34 28,79 50 1 ½ 12,57 62,77 24,66 18,29 V 30,59 11 1 ¾ V 1217 58,88 28,97F 25,19 35713 Bei den längeren Kammwollen ſteigert die Haarſubſtanz ſich über 48%. Bei gut ausgefallener Pelzwäſche verliert die Wolle durchſchnittlich die Hälfte des Gewichtes, von 50 kg Schmutzwolle werden 25 kg gewaſchene Wolle erzielt, die dann in der Fabrikwäſche je nach ihrem Gehalt an Fett und Schmutz noch 5— 15 kg verlieren kann. Über die Schur und Verkauf der Wolle ſiehe in der Wollkunde(Schur). Auch das Trocknen der Schafe nach der Schur iſt nicht zu vernachläſſigen. Sie müſſen vor Schmutz und Staub bewahrt bleiben, wenn die Wolle als gutes Produkt erſcheinen ſoll. Aufzucht. Nach der Geburt eines Lammes, bei welcher die Nabel⸗ ſchnur entweder von ſelbſt abreißt oder dicht am Körper des Jungen abgeſchnitten werden muß, beleckt gewöhnlich die Mutter ihr Kind, wodurch ermutigt ſich dieſes erhebt und nach dem Euter ſucht. Das Mutterſchaf muß in dieſer Zeit kräftiges Futter erhalten, weil dieſes auf die Beſchaffenheit der Milch Einfluß hat, von welcher das Wachstum und Gedeihen des Lammes weſentlich abhängt. Die Zuſammenſetzung der Milch vom Merinoſchafe und der Kuhmilch, in 100 Teilen ausgedrückt, iſt folgende: hel⸗ ds de ach ges ich es nd Aufzucht. 49 Milch vom Merinoſchaf Kuhmilch Waſſer... 78,40 87,50 Salze.....0,661 0,60 Milchzucker... 4,37 4,60 Fett...... 7,60 3,50 Kaſein... 9,02 3,80 Die günſtige Wirkung der an Fett und Proteinſubſtanz reichen Schafmilch auf die ſchnelle Entwicklung des Lammes iſt recht wahrnehmbar, wenn ein Lamm, das ſeine Mutter verloren hat, mit Kuhmilch ernährt wird, ſo bleibt das Lamm doch in der Entwicklung zurück; daraus geht hervor, daß eine ungenügende Ernährung in der Jugend die übelſten Folgen für die Ausbildung des Körpers hat. Man kann in der Er⸗ nährung des jungen Tieres weit eher einen Luxus als eine unnütze Sparſamkeit üben; ein gut ernährtes Lamm wird ſich immer vorteilhafter verwerten laſſen. Nach vierzehn Tagen oder drei Wochen fängt das junge Lamm an, ſpielend an dem Futter der Mutter zu knappern und gewöhnt ſich dadurch allmählich an andere Nahrung. Nach drei⸗ oder viermonatiger Säugung ſollte das Lamm entwöhnt werden. Es zeigt in dieſem Alter die größte Aufnahmefähig— keit und beſte Verwertung des Futters und ſollte daher mit ſolchem ſtets reichlich bedacht werden. In dieſer Zeit Ver⸗ ſäumtes, welches die Körpergröße und Knochenfeſtigkeit be⸗ einträchtigt, kann nie wieder nachgeholt werden; Hafer erweiſt ſich hier als äußerſt wirkſam. Das Ausſchneiden(Kaſtrieren) der Lämmer, welches noch vor der Entwöhnung vorgenommen werden ſollte, beſteht darin, daß man mit einem ſcharfen Meſſer die Spitze des Hodenſackes abſchneidet und aus der entſtandenen Offnung die Hoden mit den Händen herausdrückt und heraus⸗ zieht, wobei die Samenſtränge größtenteils abreißen. Bei älteren Tieren geſchieht das Kaſtrieren durch Abbinden und Abſchnüren.— Das Numerieren der Lämmer ſollte erſt im ſechſten Monate ihres Daſeins ſtattfinden. Da ich das Ein⸗ kerben verwerfe, ſo müſſen die Lämmer nach der Boniturliſte tätowiert werden. Nach ſechs Monaten iſt das Ohr ſo weit gefeſtigt, daß die Nummer auf die innere, haarloſe Fläche des⸗ ſelben eingeſtochen werden kann; im rechten Ohre findet ge⸗ wöhnlich die Nummer und der Jahrgang, im linken die Ab⸗ Heyne, Schafzucht. 4 50 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. ſtammung ihren Platz. Bis zur Tätowierung wird gewöhnlich die Nummer dem Lamme mit roter Olfarbe auf das Fell gedrückt. Erterieur des Schafes. Die Lehre Settegaſts, daß die Harmonie des Körperbaues beim Schafe in der Form des Parallelogramms zu finden ſei, iſt nicht ſtichhaltig; denn auch ohne Parallelogramm findet man normal gebaute Schafe. Settegaſt zieht eine wagerechte Linie durch die Mitte des Widerriſtes nach der Schwanzwurzel, eine zweite dieſer parallel, alſo auch wagerecht, vom Ellbogen nach dem Hinterteil, welche dort das Knie durchſchneidet; von der oberen zieht er dann zwei ſenkrechte Linien auf die untere wagerechte, die eine, die vordere, berührt die Bugſpitze, die zweite, die hintere, die Spitze des Sitzbeines. Ich behalte als praktiſcher Züchter ſtets drei Punkte des Schafes im Auge: das Exterieur des Halſes, des Kopfes und der Bruſt. Bei wohlgeformten Tieren muß der Hals faſt in gerader Linie in den Rücken übergehen, ſo daß eine Linie, die man ſich vom Kreuz bis an die Ohren gezogen denkt, nur ſehr wenig von einer geraden Linie abweicht. Gegen die Schulter und Bruſt⸗ höhle hin ſoll der Hals dick ſein; denn ein derber Anſatz an dieſer Stelle deutet auf Fleiſchreichtum des Rückens und völlige Entwicklung des Bruſtkorbes, gegen den Kopf ſoll er dünner werden. Ein langer Hals iſt immer ein Zeichen von Schwäche der Konſtitution und von Hochbeinigkeit. Auch der Kopf ge⸗ hört zu den wichtigen Körperteilen, nach welchen die Qualität und Nutzbarkeit des Schafes zu bemeſſen iſt. Er muß im richtigen Verhältnis zu der Körpergröße des Tieres ſtehen und darf zwiſchen den Augen nicht zu weit ſein. Eine ſehr lange, dabei aber ſchmale Beſchaffenheit desſelben zeugt von Über⸗ bildung, zu große Breite der Stirn iſt ein ſicheres Zeichen ſchwerer Ernährung. Auch die Geſtalt der Bruſt hat ihre Be⸗ deutung. Die Rippen gehen in horizontaler Richtung von den Wirbeln aus; dies bedingt aber größere Rundung und Räumig⸗ keit der Bruſt. Von der Rundung und Geräumigkeit der Bruſt hängt die Größe und Stärke der wichtigen Teile ab, welche in ihr enthalten ſind, nämlich des Herzens und der Lungen, und im Verhältnis zu deren Größe ſteht die Fähig⸗ Exterieur des Schafes. 51 keit, Futter in Nahrungsſtoff zu verwandeln. Aus dieſem Grunde wird der horizontale Anſatz der Rippen an die Wirbel und die hieraus folgende Rundung und größere Geräumigkeit der Bruſt zu dem wichtigſten Verhältniſſe beim Schafe gezählt. Um der Bruſt ihre vollkommene Abrundung zu geben und da⸗ mit die größtmöglichſte Geräumigkeit zu verſchaffen, iſt das Bruſtbein des Schafes von bedeutender Breite, nicht aber ſchmal und tief, wie beim Pferde. Beim jungen Tiere beſteht es aus ſieben unterſcheidbaren Stücken, welche unter ſich durch Knorpel vereinigt ſind; je älter das Schaf wird, deſto mehr verſchwindet der Knorpel, und das Bruſtbein wird ein zuſammenhängender Knochen. Da die Bruſt durch dieſe Anordnung ſehr weit wird, ſo erklärt ſich hieraus die weite Stellung der Vorderfüße bei wohlgeſtalteten Schafen. Nach vorn zu entſpringt von dem Bruſtbein ein Fortſatz. Beim Rind iſt dieſer Teil mit viel Fett und Zellgewebe um⸗ geben, das zwiſchen den Vorderbeinen des Tieres herabhängt und bekanntlich Triel genannt wird. Auch beim Schafe iſt dieſer Teil wichtig, wiewohl nicht ſo ausgebildet als beim Rind; ein Tier, das an dieſer Stelle viel Fleiſch und Fett anſetzt, wird an anderen Partien nicht mager ſein. Zwiſchen dem Handgriffe des Bruſtbeines und dem Bruſtbeine ſelbſt findet einige gelenkartige Beweglichkeit ſtatt, welche von der Rechten zur Linken geht und daher trotz der Hervorragung des Bruſt⸗ beines das Tier im freien Gebrauch ſeiner Vorderbeine nicht hindert. Der Umſtand, daß die Rippen von den Rückenwirbeln horizontal ausgehen, ſichert der Bruſt eine gewiſſe Geräumig⸗ keit; hierbei iſt aber noch ein anderer Punkt nicht zu vergeſſen, nämlich die Tiefe des Bruſtkaſtens, die ebenſo wichtig iſt als deſſen Weite. Zwar iſt eine tiefe Bruſt nicht geräumig, wenn ſie nicht verhältnismäßig breit iſt; vereinigt ſich aber oben das tonnenförmige Hervorragen der Rippen mit der gehörigen Breite des Bruſtbeines, ſo ſind alle Bedingungen einer ſchnellen Maſtfähigkeit gegeben, wenn zugleich das Bruſtbein weit genug von der Wirbelſäule entfernt iſt. Die Schwierigkeit, mit welcher die älteren Raſſen zu mäſten waren, ja die Unmöglich⸗ keit, ſie wenigſtens vor einem gewiſſen Alter fett zu machen, liegt in gar nichts anderem als darin, daß die Rippen ſich 4* 52 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. oben nicht ſo ſtark wölbten, und daß die Tiere zu hochbeinig erſchienen, mit anderen Worten: keine Tiefe des Bruſtkorbes hatten, wodurch es denjenigen Organen an Raum gebrach, welche dazu dienen, das für das Wachstum des Tieres nötige Blut gehörig fortzutreiben und zu animaliſieren. Im FHinterleib liegen die Magen und die Eingeweide. Die Magen des Schafes ſind verhältnismäßig außerordentlich groß und bedürfen überdies eines ziemlichen Raumes zur Aus⸗ übung ihrer Funktion. Die Natur hat hierfür geſorgt; denn die Querfortſätze der Lendenwirbel, welche die Breite der Lenden beſtimmen, ſind verhältnismäßig größer als beim Pferd und ſelbſt etwas größer als beim Rind. Hierdurch wird für das vordere und mittlere Drittel ein gehörig weiter Raum geſichert. Das ſehr ſichtbare Hervorſtehen der Hüftknochen zeugt eines⸗ teils für den nötigen Raum bei Entwicklung des Fötus im Muttertier; anderſeits ſpricht es für vollkommene Entwicklung der Hinterviertel(des wertvollſten Teiles des Schafes) und trägt zur Geräumigkeit des Rumpfes in dieſer Richtung bei. Das Hervorſpringen der falſchen Rippen verleiht den Flanken Rundung, und der Schwertfortſatz des Bruſtbeines, der nach hinten hervorragt, ſowie die kräftigen und dicken Bauchmuskeln bewahren die natürliche Geſtalt des Bauches, während ſie demſelben Stärke verleihen. Zunächſt der geraden Linie des Rückens, der Rundung der Seiten und der Völligkeit der Flanken ſteht ein ebener Bauch nach unten an Wichtigkeit nicht nach. Ein Hängebauch ſieht zwar aus, als gebe er mehr Raum; er zeigt aber Schwäche der Bauchmuskeln und Unfähigkeit derſelben an, die über ihnen liegenden Baucheingeweide gehörig zu unterſtützen, was für eine richtige Verdauung weſentlich notwendig iſt. Schlimmer als alles dieſes iſt die dabei ſtattfindende Neigung, die Abfall⸗ teile auf Koſten wertvollerer zu vergrößern. Die eben beſprochenen Punkte ſind deshalb ſo wichtig, weil ſie die Harmonie im Körperbau des Schafes, welche vom Kopfe, Halſe und Bauche weſentlich abhängt, bedingen. Zur weiteren Beurteilung gehört noch die Höhe des Tieres. Die Höhe eines Tieres, von der Klaue bis zur Spitze des Wider⸗ riſtes gemeſſen, ſoll entſprechend der Länge des Rumpfes ſein von der Spitze des Buggelenkes bis zum Ende des Sitzbeines. 9 Gbeino ſtore peeac rütgt eweide dentic Als⸗ Bdenn Lenden Exterieur des Schafes. 53 Beim Wollſchaf iſt das Verhältnis ein anderes als beim Fleiſch⸗ ſchaf, weil durch die Länge des Rumpfes das Wollfeld und damit die Reichwolligkeit des Tieres beſtimmt wird, während die Geſtalt des Fleiſchſchafes mehr abgerundete Formen zeigen muß. Das Verhältnis der Höhe zur Länge des Rumpfes iſt beim Wollſchaf wie 12: 18, beim Fleiſchſchaf wie 12: 15 durchſchnittlich anzunehmen. Die Höhe der Beine von der Klaue bis zum Ellenbogen darf auch beim Wollſchaf nicht mehr als die Hälfte der Höhe von der Klaue bis zum Wider⸗ riſt betragen; die Schienbeine müſſen kürzer als der Oberarm und trocken und feſt im Knochen, unter dem Knie nicht aus⸗ geſchnitten ſein. Die Beſchaffenheit der Haut, auf welche immer noch nicht genügende Rückſicht genommen wird, iſt gleichfalls von Wichtigkeit und einer genauen Prüfung zu unterziehen. Ein Streben nach dicker, faltenreicher Haut iſt immer ein Fehler bei der Zucht des Schafes; es zieht immer ein Zurückgehen der Tiere im Körperbau nach ſich. Soll die Haut des Tieres den Anſprüchen genügen, die wir an dieſelbe zu ſtellen haben, wenn bei einer ungeſtörten Geſundheit das Gleichgewicht zwiſchen Produktion, Wolle oder Fleiſch und leichter Ernährung feſtgehalten werden ſoll, ſo muß dieſelbe ein feines und elaſtiſches Bindegewebe beſitzen, ſich leicht hin und her ſchieben und mit der Haut ſich falten und vom Körper abziehen laſſen, wogegen ſie an den Extremitäten und an den unbewollten Teilen des Kopfes feſt(ſtraff) aufliegen muß (ſchwammige Köpfe ſind zu verwerfen). Bei den Fleiſchſchafen iſt die Haut faſt immer feiner als bei den Wollſchafen, wird aber durch die Wucherung von Fettzellen im Unterhautzellen⸗ gewebe bei der Maſtung ſtärker im Durchmeſſer, behält aber die weiche elaſtiſche Beſchaffenheit und läßt auf dem Körper ſich leicht hin und her ſchieben, ohne Hautfalten zu bilden. Das Körpergewicht der Tiere ſoll dem Raſſentypus entſprechend ſein: bei dem Elektoral⸗ und Negretti⸗Typus⸗Bock 60— 65 kg, beim Schaf 40— 45 kg, bei dem Kammwolltypus beim Bock 70 bis 80 kg(Jährlinge), Schafe 60—70 kg. Bei engliſchen Raſſen durchſchnittlich 75— 90 kg bei Jährlingsböcken. Erwähnen möchte ich, daß bei einer Kreuzung einer kleineren Raſſe mit einer ſchwereren immer die größeren, ſchwereren Raſſen vor⸗ zuziehen ſind. Das Lamm iſt zwar bei der Geburt nicht größer, 54 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. entwickelt ſich aber bei entſprechender Fütterung ſchneller und kräftiger, ſo daß bereits nach 3— 4 Generationen das Gewicht der ſchwereren Raſſe erreicht iſt. Ich komme nun zu den Bezeichnungen der einzelnen Körperteile des Schafes; nachſtehende Figur wird dies am beſten ſehen laſſen. Der Körper wird eingeteilt in Kopf, Rumpf und Glied⸗ maßen, oder Extremitäten. Wird der Körper in eine Linie Abb. 19. von vorn nach hinten geſpalten, ſo zerfällt derſelbe in eine rechte und linke Hälfte. Es kommen vor: a) am Kopf: 1. Oberhaupt, 2. Stirn, 3. Naſenrücken, 4. Naſenlöcher, 5. Oberlippe, 6. Unterlippe, 7. Hinterkiefer, 8. Backe, 9. Wange, 10. Auge(oberes und unteres Augenlid), 11. die Schläfe, 12. Ohr, 13. das Horn, 14. der Kehlgang, 15. die Kehlgegend; b) der Rumpf zerfällt in Hals, Bruſt, Bauch, Kreuz. Am Halſe kommen vor: 16. Genick, 17. Kamm, 18. Anſatz, 19. Seite, 20. Köder oder die Wamme, 21. Droſſelrinne. in eil rrüchn rlief end) „oen Nf Antg Gele Schafheilkunde. 55 An der Bruſt kommen vor: 22. der Stock, 23. Rücken, 24. Bruſtſpitze, 25. Seitenbruſtwand, 26. die untere Bruſtwand. Am Bauch kommen vor: 27. Lende, 28. Seitenbauchwand (Flanke), 29. Hungergrube, 30. die untere Bauchwand, 31. Schlauch, vor demſelben der Nabel, 32. Schenkelbogen (Gardine), 33. Hodenſack(männlich),(weiblich: Euter). Am Kreuz kommen vor: 34. Kreuz, 35. Hüfte, 36. die Schwanzwurzel, 37. der Schwanz, 38. der Damm oder das Mittelfleiſch. Die Gliedmaßen werden in vordere und hintere unter⸗ ſchieden. Vordere Gliedmaßen: 39. Schulter(Blatt), 40. der Ober⸗ arm, 41. der Ellenbogen, 42. der Vorarm, 43. das Vorderknie, 44. das Schienbein, 45. Feſſel, 46. die Krone, 47. die Klauen, zwiſchen ſich die Klauenſpalte. Hintere Gliedmaßen: 48. Ober⸗ ſchenkel, 49. Hinterknie, 50. Unterſchenkel(der hintere Rand wird Hoſe oder Wolfsbiß genannt), 51. das Sprunggelenk, 52. Schienbein, 53. Feſſelgelenk mit den Afterklauen, 54. Feſſel, 55. Krone, 56. Klauen(Klauenſpalten). Schafheilkunde. Es können hier nur die am häufigſten vorkommenden und deshalb am meiſten intereſſierenden Krankheiten der Schafe Erwähnung und kurze Beſprechung finden. Die Pocken oder Blattern treten in Deutſchland unter den Schafen nur noch äußerſt ſelten, weit häufiger aber in Oſterreich⸗Ungarn und Rußland auf. Man unterſcheidet bei ihnen die Erregungs⸗, die Ausbruchs⸗, die Eiterungs⸗ und die Abtrocknungsperiode. Am wirkſamſten wird dieſer Krankheit Einhalt getan durch Abſonderung der von ihr befallenen Tiere und durch Impfung derſelben, welche in den meiner Zucht unterſtellten umfangreichen Schäfereien im ſüdlichen Rußland ſchon oft mit beſtem Erfolge vorgenommen worden iſt. Die Räude oder Krätze war früher eine der häufigſten Krankheiten der Schafe, welche nicht ſelten ganze Herden ver⸗ nichtete. Sie beſteht in einem fieberloſen Hautausſchlage, der ſich durch juckende, aufſproſſende Puſteln und Schorfe be⸗ merkbar macht. Man unterſcheidet trockene und naſſe Räude. Die Anzeichen ſind: Die Wolle wird an den von dem Aus⸗ 56 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. ſchlage ergriffenen Stellen matt; ſie klebt zuſammen, ſtirbt ab und wird ſchließlich abgeſtoßen, ſo daß kahle Stellen entſtehen. Da der Ausſchlag den Tieren Jucken verurſacht, ſo ſuchen ſie ſich durch Stampfen mit den Füßen und Reiben an den Wänden Linderung zu verſchaffen. Mittel gegen die Räude ſind Reinhaltung und Bäder in verdünnter Karbolſäure. Die Maul⸗ und Klauenſeuche iſt in jüngſter Zeit in ſo vielen Schriften behandelt worden, daß ich ſie hier übergehen kann. Der Blutſchlag, Milzbrand und die Blutſeuche ſind ge⸗ fährliche Krankheiten; doch treten ſie glücklicherweiſe in Deutſch⸗ land ſelten auf. Bleichſucht, Fäule kommen denjenigen Krankheiten am nächſten, welche von den AÄArzten Cachexia genannt werden. Kennzeichen derſelben ſind: die Tiere wackeln mit dem Kopfe, laſſen die Ohren hängen und zeigen einen trägen, matten Gang. Ihre Haut iſt blaß und ver⸗ ſchlafft, ſo, daß die Wolle abfällt. Die Schleimhäute, beſonders im inneren Augenwinkel, ſind ganz bleich; das Verlangen nach Futter nimmt immer mehr ab. Zuletzt zeigt ſich am oberen Teile des Halſes eine weißliche Geſchwulſt; die Tiere magern und ſterben ab. Gewöhnlich tritt die Bleichſucht in Verbindung mit den Bauch⸗, Lungen⸗ oder Magenwürmern auf. Herbei⸗ geführt wird dieſe Krankheit durch Weiden auf naſſen Wieſen und Aufnahme zu vielen wäſſerigen Futters. Heilung kann nur im erſten Stadium durch gutes Heu⸗ und Körnerfutter, dem Eiſenvitriol(1 Gramm) und Salz beigemiſcht wird, be⸗ wirkt werden. Lecken von Wermutkrautpulver, Eichenrinde, Nußbaumblätter und Wacholderbeeren leiſtet gleichfalls gute Dienſte. Dieſe Krankheit iſt ein Hauptmangel und hat eine Gewährzeit von 14 bis 30 Tagen. Die Trommelſucht. Wenn die Schafe zuviel und zu gierig freſſen, beſonders von jungem Klee, ſo geht das auf⸗ genommene Futter im Panſen in Gärung über und entwickelt Gaſe, welche den Magen ausdehnen und die Schließmuskeln zerreißen, wodurch ſie ſich den Ausgang ſelbſt verſperren. Durch die Ausdehnung des Panſens wird die Bruſthöhle beengt und dadurch das Atmen und die Zirkulation des Blutes beeinträchtigt oder ganz gehemmt. Daher tritt durch Erſtickung oder Zerſprengung des Panſens der Tod ein. Die Krankheit ſin g⸗ Dautſt⸗ penige Laber Ten zeiyen d wr onder dn vac dhelen nagen indung Herbe⸗ Wißſe ken futte Schafheilkunde. 57 ſtellt ſich plötzlich ein und äußert ſich durch ſtarkes Auftreiben des Bauches, beſonders in der linken Hungergrube. Ein pro⸗ bates Mittel zur Heilung iſt Begießen mit kaltem Waſſer. Die Drehkrankheit befällt meiſt junge Tiere, Lämmer und FJährlinge. Nach Haubner wird ſie verurſacht durch Einwanderung reifer Eier des Hunde⸗Bandwurms(taenia coenurus) in das Hirn des Schafes. Der Umſtand, daß dieſe Krankheit meiſt junge Schafe befällt, läßt ſich erklären durch die zarte Be⸗ ſchaffenheit der Weichteile im jugendlichen Organismus. Die Anzeichen der Krankheit ſind hinlänglich bekannt. Ein wirk⸗ ſames Mittel dagegen gibt es nicht; das Herausziehen des Wurmes durch Trepanation nützt wenig; das beſte Vorbeugungs⸗ mittel wäre, die Hunde jedes Jahr einer Bandwurmkur zu unterwerfen. Die Lämmerruhr(Dysenteria) beſteht in bösartigem Durch⸗ fall. Sie ergreift meiſt nur ganz junge Lämmer; ſind dieſelben vier Wochen alt, ſo erliſcht ſie. Die Urſachen derſelben können in ſchlechtem verdorbenem Futter oder plötzlicher, ſtarker Er⸗ kältung liegen. Um ſie abzuwehren, ſind die Lämmer warm— zuhalten, und es iſt ihnen weiche, trockene Streu zu bereiten. Die Lämmerlähme kommt nur bei Sauglämmern vor. Sie entſteht durch fehlerhafte, d. h. zu reiche, intenſive Fütte⸗ rung der tragenden und ſäugenden Mutterſchafe; zu maſtiges Kleeheu, zuviel Körner und Kartoffeln wirken hier verderblich. Die Krankheit äußert ſich in Mattigkeit und Trägheit der Lämmer; es ſtellt ſich Steifheit der Gliedmaßen, krampfhafte Spannung der Muskeln ſowie Geſchwulſt der Gelenke und anderer Körperteile ein. Die Krankheit dauert bis drei Wochen und endigt nicht ſelten mit dem durch Abzehrung eingetretenen Tode. Heilung kann nur durch Einwirkung auf die Mutter⸗ ſchafe, d. h. durch verbeſſerte Milchabſonderung(gutes Futter, reichliches Waſſer mit Salz, gelinde Abführmittel) bewirkt werden. Iſt das Leiden der Lämmer rheumatiſch, ſo ſind warme Bäder und Abführmittel(Rhabarber) anzuwenden; be⸗ ſteht es mehr in Gelenkgeſchwülſten, ſo iſt außer Abführmitteln eine geringe Quantität Spießglanz(antimonium crudum)(etwa 10 bis 15 Gramm),, mit Butter gemiſcht, zu empfehlen. Die Gelenkgeſchwülſte ſind mit einem mit friſchem Teer beſtrichenen Flanelllappen zu umwickeln. 58 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. Die Traberkrankheit, auch Kreuzdrehe, Gnupper⸗ oder Knupper⸗Krankheit genannt, iſt ſehr gefürchtet, kommt aber, Gott ſei dank!, nur noch ſelten vor. Bei ihrem Eintreten zittern die Tiere am ganzen Körper und laſſen die Ohren ſchlaf herabhängen; Spannung der Gliedmaßen tritt ein; die Fortbewegung geſchieht durch weites Vorſchieben der Hinter⸗ beine, wobei der Hinterteil ſchwankt(Kreuzdreher) und die Vorderbeine trabartig bewegt werden(Traber). Die Tiere magern, obwohl ſie freſſen, immer mehr ab und gehen ſchließlich an Entkräftung zugrunde. Meiner Anſicht nach wird die Krankheit durch Störung des Nervenſyſtems, d. h. durch zu lange fortgeſetzte Paarung in enger Verwandtſchaft, hervor⸗ gerufen. Heilung iſt bei dieſer Krankheit faſt ausgeſchloſſen; eine Prophylaxis beſteht in Auffriſchung des Blutes aus ge⸗ ſunden Herden. Das Wollfreſſen wird erſt zur Krankheit, wenn es in einer ganzen Herde vorkommt. Es läßt ſich meiſt im Winter bei zu ſtarker Schlempe⸗ oder Strohfütterung beobachten; auch kann die Urſache am Waſſer liegen. Zur Vorbeugung gebe man den Tieren Salz oder phosphorſauren Kalk ein. AÄußerlich reibe man die betreffende Stelle mit einer Löſung von Wermut ein, deſſen Geruch den Schafen widerwärtig iſt. Ernährung des Schafes. Der Magen des Schafes iſt, wie bei allen Wiederkäuern, aus vier Abteilungen zuſammengeſetzt und liegt in der Bauch⸗ höhle, die durch die Wirbelſäule, die Bauchmuskeln, das Zwerch⸗ fell und die Beckenknochen gebildet und von einer ſeröſen Haut, das Bauchfell, ausgekleidet wird. Die vier Abteilungen des Magens, von welcher die drei erſten als Vormagen be⸗ zeichnet werden können, während im letzten der eigentliche Vorgang der Verdauung vor ſich geht, ſind: 1. der Panſen, 2. die Haube, 3. der Pſalter und 4. der Labmagen. Beiſtehende Figur wird den Magen des Schafes erläutern. I. Die Magenaͤbteilungen befinden ſich in ihrer natürlichen Lage zu einander. H Haube. V Labmagen(Abomasum). M Milz. P Pſalter. W linker Wanſtſack. W'* rechter Wanſt⸗ ſack. 8 Schlundrinne.** rechter Blindſack. I1. Der Pſalter Ernährung des Schafes. 59 iſt ſeitlich von dem Wanſte abgezogen, um ſeine Verbindung mit der Haube und dem Labmagen zu zeigen. Die Bezeich⸗ nungen wie in T. Wichtig iſt der Pſalter, der Löſer oder das Buch(Centi- ſh ₰⸗ 1 N — K KW M N K N N N d. A N N N N N X X X 4 N X S X 8 X½X 8 D BBBWD Abb. 20. Magen des Schafes. pellio), alſo der dritte Magen mit ſeiner doppelten Muskel⸗ haut, die den Zweck hat, vermittelſt der im Innern befind⸗ lichen, mit kleinen, rauhen, warzenartigen Erhöhungen beſetzten Blättern dieſes Magens härtere Futterſtücke durch ihre Be⸗ wegung zu zerkleinern, welche dem Kauen durch die Zähne entgangen ſind. Auch der Laab(L), der vierte oder der eigentliche Magen beſitzt ähnliche Muskelhäute. Iſt das Futter gehörig vorbereitet, ſo verwandelt er dieſes in Speiſebrei (Chymus). Der Darm zerfällt in zwei Abteilungen, in den Dünndarm und in den Dickdarm; der Dünndarm iſt das engſte Stück des 60 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. Darmkanals; man unterſcheidet den Zwölffingerdarm, den Leerdarm und das hintere Stück, den Krumm⸗ oder Hüftdarm. Der Dickdarm, der viel weiter, aber noch kürzer als der Dünn⸗ darm iſt, wird eingeteilt in den Blinddarm, Grimmdarm und Maſtdarm. Der geſamte Verdauungsapparat hat eine nach den Tierarten verſchiedene Länge, iſt aber bei den Wieder⸗ käuern bei weitem länger als bei den einmagigen Tieren; bei den Schafen beträgt er das 27—28 fache der ganzen Körper⸗ länge. Nach Unterſuchungen über die Aufenthaltsdauer des Futters im Verdauungskanale berechnet ſich das Verweilen desſelben in den erſten drei Magenabteilungen zu 20 Stunden, im Labmagen........„ 1,2„ im Dünndarm.......„ 2,3„ im Blinddarm.....„ 7,0„ im Grimmdarme....... 1,5„ im Maſtdarmm.......„ 4,0„ im ganzen alſo auf 36 Stunden. Die Nährſtoffe nun ſelbſt, welcher der Körper des Tieres zu ſeiner Formbildung und Erhaltung bedarf, zerfallen in zwei Abteilungen, nämlich in organiſche und in mineraliſche Subſtanzen. Die erſten zerfallen wieder in zwei Gruppen, in ſtickſtoffhaltige(Nh) und ſtickſtoffloſe(Nl), auch ſtickſtofffreie (Nfr). Stickſtoffhaltige Nährſtoffe(Nh). Die ſtickſtoffhaltigen Nährſtoffe enthalten neben den in den ſtickſtoffloſen enthaltenen Subſtanzen noch Stickſtoff, Phosphor und Schwefel und ſind in den Futtermitteln in der gleichen Zuſammenſetzung enthalten wie in den Beſtandteilen des tieriſchen Körpers, z. B. wie im Fleiſch, im Eiweiß der Eier uſw. Zu ihnen zählen alle Repräſentanten der Eiweißſubſtanzen (Albuminate); die Albuminate dienen vorzugsweiſe für die Blut⸗ und Gewebebildung im Tierkörper, beteiligen ſich an der Fettbildung, durchtränken das Muskelgewebe und geben dem⸗ ſelben ſeine Spannkraft; man nennt ſie Proteinſtoffe. Als hauptſächlichſte Vertreter der Eiweißſtoffe ſind zu nennen: ffes im, de üftdamm. er Dünn⸗ drm und ne uc Wedder ren, hi Küer ner Re rweilon dn, N. ieres n in liſche n i feie den hot hen ds ſw. en di er ſ⸗ Ernährung des Schafes. 61 1. Das Eiweiß(Albumin) kommt faſt in allen Pflanzen⸗ ſäften vor und bildet den Hauptbeſtandteil des Protoplasmas, der Bildungsmaſſe der Zellen, und iſt daher in allen jüngeren Pflanzenteilen vorzugsweiſe verbreitet. Auf ihm beruht die große Nahrhaftigkeit der jungen Gräſer; es findet ſich in den Samenkörnern unſerer Kulturpflanzen, beſonders in den Samen⸗ körnern der zur Familie der Kruziferen gehörigen Olgewächſe und bildet nach dem Auspreſſen des Oles in den Rückſtänden der Olfrüchte, in den Olkuchen, den für die Fütterung wichtigſten Beſtandteil. 2. Der Käſeſtoff, Kaſein, iſt beſonders in den Samen⸗ körnern der Leguminoſen, alſo in Erbſen, Linſen, Wicken, Lupinen und Bohnen, verbreitet und hat aus dieſem Grunde auch die Bezeichnung Legumin. 3. Der Faſerſtoff oder Fibrin. Man unterſcheidet vege— tabiliſchen und tieriſchen Faſerſtoff. Der erſtere, Kleber genannt, iſt ein Beſtandteil der Früchte der Zerealien, nament⸗ lich des Weizens und des Roggens. Der tieriſche Faſerſtoff iſt der Grundbeſtandteil der Muskeln, gehört auch zu den weſentlichſten Beſtandteilen des Blutes, in welchem er im ungeronnenen Zuſtande ſich befindet, aber ſofort gerinnt, ſobald das Blut aus dem Körper des Tieres entfernt wird. Stickſtoffloſe Nährſtoffe(NI1). Die ſtickſtoffloſen Nährſtoffe in den Futtermitteln beſtehen aus Kohlenſtoff und Waſſer; es fehlt ihnen alſo der Stickſtoff. Die ſtickſtoffloſen Nährſtoffe zerfallen in zwei Gruppen, nämlich in die Fette und in die Kohlenhydrate. Die letzteren unter⸗ ſcheiden ſich dadurch von den erſteren, daß ſie den Kohlenſtoff in Verbindung mit den Elementen des Waſſers, alſo mehr Sauerſtoff als die Fette, in ihrer Zuſammenſetzung enthalten. a) Die Fette. Die Fette ſind arm an Sauerſtoff im Verhältnis zu dem darin enthaltenen Kohlenſtoff und Waſſer⸗ ſtoff. Man nimmt an, daß ein Teil Fett ſo viel Material für den Oxydationsprozeß in der Lunge liefert als 2,44 Teile Kohlehydrat. Die Fette kommen faſt in allen Pflanzenteilen vor, am meiſten in den Samen der Ölgewächſe, der Legumi⸗ 62 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. noſen und des Maiſes. Bei der Fütterung gibt man den etwa notwendigen Zuſatz von Fett am beſten durch die Olkuchen; je reicher dieſelben zugleich an Proteinſtoffen, deſto wirkſamer ſind ſie für die Ernährung. b) Kohlenhydrate. Zu denſelben werden gerechnet die Stärke(Amylum), der Zucker(Trauben⸗, Rohr⸗ und Milch⸗ zucker). Die Zelluloſe, der Zellſtoff oder die Holzfaſer, bildet die Wände der Pflanzenlamellen und iſt ſomit ein weſentlicher Be⸗ ſtandteil aller vegetabiliſchen Futterſtoffe. Von geringer Be⸗ deutung für die Fütterung ſind zu nennen das Inulin, Pektin und verſchiedene Pflanzenſäuren. Mineraliſche Nährſtoffe. Von den Mineralſtoffen, welche die Nahrungsmittel ent⸗ halten, ſind Phosphorſäure und Kalk von großer Wichtigkeit, weil dieſelben für die Knochenbildung unentbehrlich ſind. Ferner ſind zu erwähnen Kali, Natron, ſchwefelſaure Salze, Eiſen, Schwefel und Kochſalz; beſonders reich an Mineralſtoffen ſind die Milch, die Samenkörner des Getreides, die Knollen⸗ und Wurzelfrüchte. Die Futtermittel werden nun eingeteilt in konzentrierte und in voluminöſe; die konzentrierten Futter⸗ mittel ſind reich an Nährſtoffen; die voluminöſen ſind reicher an Rohfaſer und ärmer an Nährſtoffen. Zu den konzentrierten Futtermitteln werden gerechnet die Früchte der Zerealien und Leguminoſen, die Knollen⸗ und Wurzelgewächſe, die Abfälle von techniſchen Gewerben uſw., zu den voluminöſen dagegen Heu, Stroh, Spreu, Grünfutter und die viel Waſſer ent⸗ haltenden Abfälle der techniſchen Gewerbe. Bevor ich auf die“ Futtermittel eingehe, die in den Wirtſchaften ſelbſt gewonnen werden und den Schafen zur Ernährung dienen, ſei folgendes vorher erwähnt. Das Schaf liebt Gleichmäßigkeit in der Nahrung; ſchädlich iſt der plötzliche Übergang von zu reicher zu zu knapper Fütterung. Auch in der Ort des Futters darf der Wechſel nur allmählich eintreten. Der Art der Ernährung kann der Stall, der Weideplatz oder es können beide zugleich ſein. Der Nahrungsbedarf in ſeiner Quantität wird nach dem Erfordernis zur Erhaltung des Körpers des Tieres im ausgewachſenen Zuſtande beſtimmt. Derſelbe bleibt ſich bei geſunder Konſtitution in der Ernährung des Schafes. 63 Regel gleich und ſteht im Verhältniſſe zur Größe und Schwere des Körpers. Iſt die Ernährung zu dürftig, ſo muß das Tier das Fehlende am eigenen Körper erſetzen; es magert allmählich ab und verfällt ſchließlich dem Tode. Überſteigt aber die Menge des Futters das Bedürfnis, ſo bilden ſich die Muskeln und andere Körperteile vollkommener aus; beim einzelnen Schafe z. B. wird in dieſem Falle mehr Milch erzeugt, oder der Überfluß ſetzt ſich in Fett ab; die über die bloße Erhaltung des Körpers hinausgehende Ernährung liefert alſo neue Pro⸗ dukte, und dies dazu dienende Ernährungsquantum wird im Gegenſatz zu jenem, dem Erhaltungsfutter, Produktionsfutter genannt. Das Schaf muß nun Produktionsfutter erhalten beſonders im jugendlichen Alter zum Wachstum des Körpers, zur Erweiterung der Knochen, und dies iſt beim Schaf wichtig, da das Schaf bis zum Alter von 9 Monaten das Futter am beſten verwertet. Auch die Erzeugung der Wolle bildet, wie die Hautbedeckung jeder anderen Tierart, einen naturgemäßen Vorgang des animaliſchen Lebens. Die Wolle wächſt ſelbſt bei ungenügender Ernährung langſam fort; bei verſtärkter Fütterung nimmt ſie verhältnismäßig raſcher zu, allein nicht in einem der geſteigerten Fütterung parallel laufenden Ver⸗ hältniſſe; eine reiche Ernährung erhöht die Wollerzeugung nur um ein geringes, nur der Fettſchweiß nimmt zu. Zur Erzeugung von Maſtvieh iſt Produktionsfutter not⸗ wendig; die Zunahme der verſtärkten Ernährung äußert ſich durch größere Ausdehnung der Muskeln, indem deren Subſtanz durch reichere Zellenbildung ſich vermehrt, zugleich aber auch durch immer reichere Zwiſchenlagerung von Fettſchichten, wor⸗ aus das ſogenannte Durchwachſenſein des Fleiſches hervorgeht. Außer dieſer mit den Muskeln in unmittelbarer Verbindung ſtehenden Fettbildung beſteht noch die anderweitige, mehr ſelbſtändige Fettbildung an den Bauchwandungen, am Darm⸗ kanal und unter der Haut; bei einigen Schafarten überwiegt die innere mehr den Eingeweiden und deren Umgebung ſich anſchließende Fettbildung, bei anderen die äußere zwiſchen Muskeln und Haut; eigentümlich iſt die Ablagerung von Fett am Schwanz(Fettſchwanzſchafe). Die Ernährung ſteht auch in direktem Verhältniſſe zu der Menge der dem Lamm gewährten Milch; zuletzt iſt noch zu 64 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. erwähnen, daß den Böcken während der Sprungzeit vermehrtes Erhaltungsfutter zu geben iſt.— Nunmehr wollen wir zu den Futterſtoffen und deren Nährgehalt übergehen. Die von ein⸗ zelnen Fachmännern, wie J. Kühn, Wolff und Settegaſt, ent⸗ worfenen Tabellen, in welchen die Analyſen der einzelnen Pflanzen angegeben ſind, brauchen hier nur erwähnt zu werden, da ſie überall leicht zu erlangen ſind. Wichtiger ſind die Weiden, welche in natürliche und künſtliche unterſchieden werden. Die natürlichen Weiden wieder können geſunde oder ungeſunde ſein. Ungeſund, d. h. den Schafen ſchädlich, ſind tief gelegene, nicht gehörig entwäſſerte Wieſen mit ſaueren Binſen⸗(Scirpi), Cyperngräſern(Cyperi), Simſen(Junci) und Wollgräſern (Eriophora) ſowie Schachtelhalmen(Equiseta). Geſund ſind trockene, hochgelegene Weiden; als gute Gräſer ſind zu nennen: die verſchiedenen Arten von Klee, die Eſparſette, die Riſpen⸗ gräſer und die Schwingelarten. Künſtliche Weiden, welche aus⸗ gedehnte Schafzucht möglich machen, ſind bereits mehrfach in Gebrauch. Man verwendet dazu mehr die blattreichen Klee⸗ arten, wie Rot⸗ und Weißklee, Luzerne, Raigras, Kammgras, Wieſenfuchsſchwanz, Kümmel, Wegerich und Wieſenkopf. Als gelegentliche Weiden kommen noch die Waldweiden in Hoch⸗ waldungen und Nadelhölzern ſowie die Weiden auf Brach⸗, Stoppel⸗ und Winterſaatfeldern in Betracht. Die Winterſaaten können, wenn ſie ſtark beſtockt ſind, im Spätherbſte gute zu⸗ fällige Weide liefern. Geſchieht die Abweidung vorſichtig, d. h. nur auf trockenem, gefrorenem Boden, ſo erleiden die Saaten keinen Schaden. Das Weiden auf Wieſen findet entweder im Herbſte(nach dem letzten Schnitte) oder im Frühjahre ſtatt; erſteres eignet ſich mehr zur Mäſtung; letzteres paßt beſſer für Mutterſchafe. Im Sommer geſchieht die Ernährung der Schafe am natürlichſten und häufigſten auf der Weide; aber auch in dieſer Jahreszeit kann manchmal völlige oder teilweiſe Stall⸗ fütterung notwendig werden. In erſterem Falle verwendet man dazu gutes Stroh und Heu; in letzterem läßt man einen Teil des Stallfutters in Grünfutter beſtehen. Im Winter ſpielt bei Ernährung der Schafe das Heu die größte Rolle. Das Heu iſt das einzige unter den nachſtehend aufgeführten Futtermitteln, das geeignet erſcheint, ohne Vermiſchung mit anderen Stoffen— Waſſer und Salz abgerechnet— eine be⸗ ie vun a tegai a einzehe zu werd t ſind en wedd ungeſun gelegae (Fii ollgriſe end ſi rrennen Rjper che a hefec i en fle emmgrrs f. Ab n boch duc⸗ rcaten nh j 9d Sanben der in ſtet er fit Schoe ch in Sial endet iinen wiet Ernährung des Schafes. 65 ſtändige Nahrung des Schafes zu bilden. Es liegen viele Be⸗ weiſe vor, daß ſich das Schaf von dem Alter an, da es der Muttermilch entwachſen iſt, viele Jahre lang allein mit Heu neben Waſſer und Salz in Geſundheit und Nutzung erhalten laſſe. Keines der übrigen Winterfuttermittel teilt mit dem Heu dieſe Eigenſchaft; jedes andere verlangt noch die Zugabe eines weiteren Futterſtoffes, und es iſt deshalb das Heu als das naturgemäßeſte Winternahrungsmittel anzuſehen und als dasjenige, welches wenigſtens in allen Schäfereien einen Haupt⸗ teil der Fütterung über Winter bilden ſollte. Auf ſeine Be⸗ ſchaffenheit haben teils der Ort, auf dem es gewachſen, teils die Methode ſeiner Gewinnung und Trocknung, teils ſein Alter und ſeine beſſere oder ſorgloſere Erhaltung Einfluß. Diejenigen Pflanzen, welche als die zuträglichſten für Weide und Grün⸗ fütterung angegeben wurden, ſind auch im getrockneten Zuſtande die gedeihlichſten zum Winterfutter, vorausgeſetzt, daß ſie gemäht wurden, ehe die Stengel und Halme ſich verhärteten, daß ſie ohne Beeinträchtigung durch Regen gut getrocknet heimkamen, und daß ſie gegen Näſſe, Stalldunſt uſw. geſchützt aufbewahrt werden. Dementſprechend iſt das ſorgfältig bereitete Heu und Grummet von trockenen und in gutem Stande erhaltenen Höhe⸗ wieſen in erſte Linie zu ſetzen. Das Heu von rotem Klee, Wicken und Luzerne iſt ebenfalls gut. In dem Maße, als die Wieſen naſſer und ihre Gräſer und Kräuter hartſtengliger wurden, vermindert ſich der Wert des Heues. Wenn es von ſaueren oder verſchlammten Wieſen herrührt, oder wenn es nachläſſig getrocknet wurde oder im Magazine verſtaubte und verſchimmelte, ſo wird es unbrauchbar und ſchädlich. Das getrocknete Laub von Pappeln, Ulmen und Erlen kann in dem Falle, wenn es im Safte abgebracht und ſorg⸗ fältig gedörrt iſt, ein ſchätzenswertes Beifutter bilden an allen den Orten, wo wegen Mangels an Heu ungewöhnlichere Futtermittel(Kartoffeln, Schlempe uſw.) in größerer Menge gegeben werden müſſen. Es empfiehlt ſich zu ſolcher Zuſammen⸗ ſetzung nicht nur durch die ihm innewohnenden Nahrungsteile, ſondern auch durch ſeinen Gehalt an ſolchen Beſtandteilen, welche auf die geſtörte Verdauung günſtig einwirken. Daraus läßt es ſich erklären, warum das getrocknete Baumlaub an den Orten, wo die Hauptfütterung in dem den Schafen an— Heyne, Schafzucht. 5 66 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. gemeſſenſten Futter— in Heu— beſteht, nur ſelten An⸗ wendung findet. Das Stroh ſchließt in großem Volumem eine geringere Menge von Nährſtoffen ein. Es nützt in dreierlei Weiſe: als wirklicher Nährſtoff, zur Herſtellung eines richtigen Verhältniſſes zwiſchen Feuchtigkeit und trockener Subſtanz und als Mittel zu ökonomiſcher Zuſammenſetzung des Futters. In erſter Beziehung als wirklicher Nährſtoff hat es einen höchſt verſchiedenen Wert, je nachdem die Früchte, von denen es herrührt, in mehr oder weniger vorgerücktem Zuſtande der Reife eingebracht ſind, und je nachdem es mehr oder weniger in Unkraut durchwachſen iſt. Das Stroh von den Hülſenfrüchten und der Hirſe iſt das zuträglichſte; nach ihm folgt das Stroh von den Sommergetreidearten, die meiſt einen weicheren Stengel haben. Aus den beiden letzten Beziehungen läßt ſich die Erſcheinung erklären, daß das Stroh am gierigſten von den Schafen gefreſſen wird, welche im kräftigſten Zuſtande ſind. Sie treibt der Inſtinkt zu weiterer Ausfüllung des Magens mit minder nahrhaften Stoffen, während das ſchlecht genährte Schaf nur mit Widerwillen ein Futter zu ſich nehmen kann, das den Magen anfüllt, ehe der Hunger geſtillt iſt.„Will man alſo— ſagt v. Weckherlin— ſein Stroh durch Schafe am vorteilhafteſten verwerten, ſo muß man dieſe nie in notleidenden Zuſtand kommen laſſen, und es ſtraft ſich der Geiz vielleicht nie härter, als wenn man den Schafen das nahrhafte Futter in der Abſicht ſchmälert, um ſie zum Verzehren des Strohes zu zwingen.“ Da das Schaf die Neigung hat, die Futtermittel zu durchſuchen und das ihm zuträglichſte herauszuleſen, ſo iſt in vielen Wirtſchaften der nützliche Gebrauch eingeführt, ſämt⸗ liches Streuſtroh vorher den Schafen vorzulegen, ehe es unter⸗ geſtreut wird. Sie ſuchen die noch darin enthaltenen Ähren, Blätter, Gras, feinere Halme uſw. heraus, viel beſſer, als es das Rindvieh zu tun imſtande iſt. Die Kartoffeln äußern auf die trächtigen und ſäugenden Mutterſchafe hin und wieder einen nachteiligen Einfluß. Dieſer Eigenſchaft ungeachtet bilden ſie aber in weiter Ausdehnung einen ſehr belangreichen Beſtandteil der Winterernährung. Viele laſſen die Hälfte des Bedarfes in dem entſprechenden Gewichte von Kartoffeln beſtehen bei einer Zugabe von Heu oder auch nur Ernährung des Schafes. 67 von gutem Stroh für die andere Hälfte. Anfänglich wieder⸗ ſtehen die Kartoffeln den meiſten Schafen; ſie laſſen ſich nur nach und nach an dieſelben gewöhnen; ſpäter aber werden ſie, l di wenigſtens den ſtärkeren Schafen, zu einer ſo beliebten Nahrung, titi daß ſie mehr davon freſſen, als ihnen zuträglich iſt. Schlecht d6 genährte Schafe gewöhnen ſich nicht ſo gern an ſie, und es gilt deshalb von den Kartoffeln, was vom Stroh geſagt iſt, lit daß ſie hungernde Schafe nicht vor Futternot ſchützen. Sie k, von h ſind den Schafen am zuträglichſten in rohem Zuſtande. Man dutnde ſchneidet ſie auf der bekannten Wurzelſchneidemaſchine in kleine or den Scheiben. Sind ſie aus ſchmierigem Boden geerntet, ſo werden äüſfatüte ſie vorher gewaſchen; kommen ſie aus trockenem Lande, ſo gt de n genügt es, ſie auf dem Siebe hin und her zu rütteln, damit un wiihe der anklebende Boden abfalle. Die Kartoffeln haben die Eigen⸗ wen lät ſchaft, ſo übermäßigen Durſt zu erregen, daß ſich die Schafe ſten vrd gern überſaufen. Es iſt deshalb Regel, die Schafe jedesmal rftendeſ vorher zu tränken, ehe man das Kartoffelfutter vorlegt. des Mn Die verſchiedenen Rübenſorten, Runkeln, Steckrüben und ect guüt Turnips, bilden gleichfalls einen ſchätzenswerten Beſtandteil jhmen be zur Winterfütterung für alle erwachſenen Schafe. Unter den Verhältniſſen Deutſchlands erſcheinen mehr die erſten als die angemeſſeneren Sorten. Die zwei letztgenannten haben den Vorteil, daß ſie in feuchtem Klima ſichereren Ertrag geben, die Kälte eher ertragen und den Winter beſſer ausdauern. In England ſind ſie, mit Stroh und Ölkuchen verſetzt, das Hauptfutter. Körner ſind reicher an Eiweiß, Fett und Extraktſtoffen als Heu. Der Hafer enthält 20% weniger von der wohl⸗ führ, ir feileren Rohfaſer und 3% weniger von den wohlfeileren 1 Mineralſalzen, dagegen ein Mehr von 4% Eiweiß, 4% Fett enen dher und 15% Stärke, Kleber uſw. Wegen dieſes größeren Ge⸗ eſer, haltes an verdaulichen Nährſtoffen können durch etwas weniger als 50 Pfund Hafer oder mit ungefähr 50 Pfund Gerſte ſiunn 100 Pfund Wieſenheu erſetzt werden. Gemeiniglich ſteht der 1 9 Preis der Körner zu hoch, als daß es ſich empfehlen könnte, de ſie als Hauptfuttermittel an die Stelle von Heu zu ſetzen; un.b aber in den Ausnahmefällen, wo die Heuernte fehlgeſchlagen n Grt hat, oder wo es ſich um Herbeiführung eines außerordentlichen — Reſultates handelt, das auch einem erhöhten Aufwande gegen⸗ 5* 68 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. über als nicht zu teuer erkauft erſcheint, ſind ſie als Beimiſchung zu anderen Futtermitteln ſehr ſchätzenswert. Aus dem letzteren Geſichtspunkte trifft man die Körnerfütterung als gewohnte und geſchätzte Nebengabe für Böcke während der Sprungzeit, für die der Muttermilch entwachſenen Lämmer, für die durch Lammung oder Säugung geſchwächten Mütter, endlich für die zur Maſt aufgeſtellten Tiere. Hafer und Gerſte ſchätzt man als die den Schafen zuträglichſten Körner; Roggen iſt weniger leicht ver⸗ daulich; Weizen bekommt ihnen eher. Man rühmt den günſtigen Einfluß des Körnerfutters auf die Wolle des Merinoſchafes. Kein anderes Futtermittel gibt der Wolle zu gleicher Zeit ſo große Weichheit und Stärke. Hafer wird den älteren Schafen häufig in ganzen Körnern vorgeſetzt. Gerſte, Roggen und Erbſen werden entweder in grobe Teile zerkleinert oder im Waſſer aufgeweicht. Für ſäugende Mutterſchafe oder für Lämmer macht man aus ihnen auch wohl eine eigene Tränke an, zu welchem Behufe die Körner zuvor geſchrotet werden müſſen. Die eingeweichten Erbſen ſondern einen Stoff ab, der den Schafen unangenehm iſt. Um ihn auszuziehen, werden ſie mehrmals mit friſchem Waſſer übergoſſen. Die Schlempe aus Kartoffelbranntweinbrennereien bildet in manchen Gegenden einen nicht unweſentlichen Beſtandteil des Winterfutters der Schafe. Bei Maſtſchafen kann die Schlempe unter die übrige Fütterung in ſo großem Verhältniſſe eintreten, daß jedes Schaf täglich den Rückſtand von 5 bis 6 Pfund Kartoffeln erhält, vorausgeſetzt, daß die 6 Pfund Rückſtände mit nicht mehr als 9 Pfund Waſſer vermiſcht ſind, wie dies beim dicken Einmaiſchen der Fall iſt. Handelt es ſich um die Ernährung von Schafen, die nicht zur Maſt beſtimmt ſind, ſondern die noch längere Jahre beibehalten werden ſollen, ſo wird nicht gern mehr als der dritte Teil des ebenbenannten Quantums gegeben, und man hält ſtreng die weitere Bedingung ein, neben der Schlempe nicht nur ein anſehnliches Gewicht Stroh, ſondern auch mindeſtens noch täglich 1 ¾ Pfund Heu per Schaf vorzuſetzen. Auch der Beiſatz von Olkuchen erweiſt ſich als ſehr nützlich. Die Schlempe darf— es wäre denn, daß ſie Maſtſchafen vorgeſetzt wird— nicht ſauer ſein. Weil ſie ſauer wird, wenn ſie langſam erkaltet, und weil ſie warm xi, iti hnnnwg e im Ri als wh Jlit e⸗ enginſhn erinſtei cer git en Könn ntwede i icht. zi als iher Rehur d ngeveiten wangenie it fiſte ein bl etmni kann erhätnſ 18 6 pind Küctud vie de d un d anmt ſn olen,ſ henanate Gedingun sGewit fund dn en eri äte dm. n. W ſie wa d Ernährung des Schafes. 69 gereicht ebenfalls Nachteil bringt, ſo pflegen einige ſie durch Zumiſchung von Waſſer zu erkalten. Eine weitere Zumiſchung von Waſſer, als ſie an ſich ſchon enthält, ſcheint aber nur in dem Falle zweckmäßig, wenn überhaupt nur ganz kleine Portionen gereicht werden. Die Olkuchen von Lein und Raps enthalten gegen 9 und 10% fettartige Materie, während ſich im Hafer gegen 6, im Wieſenheu ungefähr 2, im Haferſtroh 2, in Kartoffeln, Runkeln und Möhren nur 1/10— 3/10% finden. Wenn auch dargetan iſt, daß der Organismus des Schafes aus Stärke und Zucker, alſo aus Stoffen, die kein Fett enthalten, Fett bilden könne, ſo lehren doch alle in dieſer Richtung angeſtellten Verſuche, daß die Tiere von den Nahrungsmitteln, welche ſchon fertig gebildetes Fett enthalten, wenigſtens eine viel größere Menge Fett abſondern als von den fettloſen Futterſtoffen. Aus dieſem Geſichtspunkte muß einleuchten, daß die Olkuchen wegen ihres Gehaltes an fettartiger Materie eine um ſo zuträglichere Beigabe zur Nahrung bilden, je mehr es ſich einerſeits um Ausſcheidung von Fett in der Milch und zwiſchen der Wolle oder um Anhäufung desſelben im Körper des Schafes handelt, und je weniger Fett anderſeits die übrige Fütterung enthält. Sie ſind übrigens ſchwer verdaulich und wirken deshalb nach⸗ teilig, wenn ſie in zu großer Menge vorgeſetzt werden. Das Verhältnis, welches nicht wohl ohne Gefahr überſchritten werden kann, iſt bei Heufütterung 1 Pfund Olkuchen auf 3 Pfund Heu und bei Rübenfütterung 1 Pfund Olkuchen auf 14 Pfund Rüben. Man reicht ſie entweder in Waſſer aufgelöſt als Tränke oder in Form von feinem Mehl über das übrige Futter geſtreut. Auch wenn ſie im Waſſer aufgelöſt werden ſollen, müſſen ſie zuvor ſorgfältig zerkleinert ſein, damit keine Klumpen bleiben. Zu erwähnen bleibt noch die Lupine, welche früher für ein vortreffliches Futtermittel in der Schafzucht gehalten wurde. Seit dem Auftreten der Lupinoſe kann ſie nur in beſchränktem Maße gefüttert reſp. durch Entbitterung zum Füttern brauchbar gemacht werden. Bei der Fütterung der Schafe iſt im all— gemeinen darauf zu achten, daß die ſtickſtoffhaltigen und ſtick⸗ ſtofffreien Futtermittel im richtigen Verhältniſſe zueinander ſtehen. Nur bei richtiger Miſchung kann die Nahrungskraft 70 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. des Futters zur vollen Geltung gelangen. Die Fütterung der Schafe wird am beſten dreimal am Tage vorgenommen. Die erſte Speiſung findet um 7 Uhr morgens, die zweite zu Mittag die dritte gegen Abend ſtatt; in vielen Schäfereien wird noch über die Nacht Stroh aufgeſteckt. Vor dem Einlegen friſchen Futters in die Tröge und Raufen müſſen die alten Futterreſte entfernt und die Schafe während dieſer Zeit davon getrennt gehalten werden. Nicht minder wichtig und notwendig als das Futter iſt das Waſſer für die Schafe. Sie ſollten regelmäßig wenigſtens einmal am Tage getränkt werden. Die Verdauung wird am beſten durch Salz befördert. Daher erſcheint es zweckmäßig, daß ein Block Steinſalz mitten im Stalle hänge, an dem die Schafe nach Belieben lecken können. Ebenſo vorteilhaft iſt es, den Schafen, beſonders den Lämmern, ein kleines Quantum (3 g pro Kopf) phosphorſauren Kalk zu geben. Die Maſtung. Bei der Maſtung ſollte das Verhältnis der Nährſtoffe zu⸗ einander bei jüngeren Tieren nicht weiter als 1 Nh.= 4 bis 5 Nl., bei älteren Tieren bis 5 bis 6 Nl. betragen. Die zur Maſt beſtimmten Tiere ſollten von vornherein gut gefüttert werden. Die Mäſtung der Schafe erfolgt bei dem aus⸗ gewachſenen Tiere nur durch Ablagerung von Fett in dem Fettgewebe, bei jüngeren Tieren aber durch Ausbildung von Muskelgewebe. Schafe, die mit Vorteil gemäſtet werden ſollen, müſſen Anlage zur Fettſucht haben, wie dies mehr oder minder bei allen Fleiſchraſſen der Fall iſt. Wird dieſen Tieren unter Ge⸗ währung von Ruhe eine entſprechende Nahrung verabreicht, ſo tritt ſehr bald eine rege Neubildung im Fettgewebe ein. Bei älteren Schafen kommt leicht eine Verfettung des Muskelgewebes vor, welches den Genuß des Fleiſches beeinträchtigt, bei jüngeren Schafen iſt dies nicht zu befürchten, weil hier nicht allein Fett, ſondern auch Muskelgewebe gebildet wird; jüngere Schafe haben daher gemäſtet immer einen höheren Preis, und wenn Schafe mit Vorteil gemäſtet werden ſollen, ſo muß man zu Raſſen greifen, welche eine frühe körperliche Entwicklung, die ſogenannte Frühreife, zur Maſtung zeigen; die frühreifere Entwicklung 8 rung de en. di Mitw ftd uc friſcen atterwſt getremn effeze 4 bi die zu geüttr n ale⸗ in d m eir ſolle minder ner be⸗ ſo rit älteren es lll üngere n git 5 haben Stui Raſen nanat iclung Maſtung. Betriebsweiſe der Schäfereien und hauptſächliche Richtung. 71 kann bei Merinoherden durch Kreuzung mit größeren Raſſen, Kammwolltieren oder engliſchen Raſſen, gehoben werden. Bei der Maſtung im Stalle ſpielt die zuckerhaltige Rübe eine Rolle, bei der Maſtung auf der Weide ſind den Schafen junge Gräſer und Futterkräuter anzuweiſen; im übrigen gelten die für die Fütterung angegebenen Regeln und Grundſätze. Nach Zuſammenſtellung von Wolff im Landwirtſchaftlichen Kalender von Menzel und Lengerke enthält das lebende Schaf, je nachdem es mager, halb⸗ oder ganz fett iſt, in 50 kg folgende Beſtandteile. Mittel⸗. Mager mäßig Halh- Fett Geh genährt ſett %%% 0% Fett........ 8,6 13,2 18,3 28,1 37,2 Stickſtoffverbindung..... 15,4 14,8 1318 122 11,0 Mineralſtoffe....... 3,4 33 3,2.2,7 2,8 Waſſer....... 56,6 53,7 50,7 44,8 32,0 Inhalt von Magen und Darm. 16,0 15,0 14,0 12,0 10,0 Betriebsweiſe der Schäfereien und hauptſächliche Richtung. Man unterſcheidet Zucht- und Hammelſchäfereien. Die Zuchtſchäfereien halten Schafe, um Lämmer zu bekommen, von denen der eine Teil dazu dienen ſoll, in der Herde ſelbſt ver⸗ wendet zu werden, während der andere die Beſtimmung hat, in angemeſſenem Alter verkauft oder zu Schlachtvieh heran⸗ gezogen zu werden. Hundert lammfähige Mütter werfen im Jahre etwa neunzig Lämmer; von dieſen bleiben bis zum ſechſten Monat etwa achtzig Stück, teils männlichen, teils weib⸗ lichen Geſchlechts. Je höher ſich die jährliche Ablammung ſtellt, deſto früher können die alten, ſchwächlichen Jahrgänge aus⸗ gemerzt werden.— Die Hammelſchäfereien ſind angebracht in Orten mit üppig gelegenen Weideplätzen und kräftiger, fetter Stallfütterung(Schlempe, Zuckerrüben), wo die Lämmer zwar ſchnell heranwachſen, aber nicht auf die Dauer geſund bleiben. Die Hammelſchäfereien ziehen die Lämmer in der Regel nicht auf, ſondern kaufen aus anderen Herden jüngere, zu körper⸗ licher Zunahme geeignete Tiere(Kreuzungs⸗ oder rein engliſche Lämmer), die ſie nach beſtimmter Zeit als Schlachtvieh ver⸗ 72 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. kaufen(Maſtſchafe). In einer Hammel⸗ oder Maſtſchäferei kommt viel auf die Frühreife der Tiere an; je ſchneller der Umſatz, deſto größer der Gewinn. Anlangend die Zuchtrichtung, ſo kann ſie entweder auf Wolle oder auf Fleiſch abzielen. In der Züchtung auf Wolle könnte man nach dem Schema der Deutſchen Landwirtſchaftlichen Geſellſchaft hoch- und mittelfeine Tuchwolle und Stoffwolle unterſcheiden. Die Richtung der hochedlen Tuchwolle iſt meiner Meinung nach nicht nutzbringend, weil ihr Preis nicht der Mühe entſpricht und genügende Verwertung des Fleiſches nicht erzielt werden kann. Mittelfeine Tuch⸗ und Stoffwolle dagegen erſcheint berechtigt, weil ſie in jeder Beziehung lohnend iſt. Bei der Tuchwollrichtung läßt ſich nicht in Abrede ſtellen, daß die Tuchwollzucht große Enthuſiaſten, zugleich aber auch entſchiedene Gegner hat. Jede Partei hat ihre Berechtigung. Die Wolle iſt in keinem Falle Kunſtprodukt, ſie iſt vielmehr reines Naturerzeugnis. Will man Tuchwolle züchten, ſo frage man ſich zuerſt:„In welcher Gegend wohne ich, was für ein Klima herrſcht hier, wie iſt der Boden beſchaffen, und wie ſind die Fütterungsverhältniſſe?“ Das Tuchwollſchaf, welches die höchſte Rente bringen ſoll, muß eine normale, breitgebaute, abgerundete, kurz der Richtung angemeſſene Körperform ohne große Faltenbildung, ſowie gute Prima⸗ bis Elektawolle be⸗ ſitzen. Die Leiſtungsfähigkeit des Individuums hängt auch hier mit ſeiner Körpergeſtalt eng zuſammen. Ob das Schur⸗ gewicht durch den dichten Stand und die feine Kräuſelung oder durch die Länge der Wolle bedingt wird, iſt für die Rentabilität des Individuums von keinem Belang. Die einen nämlich wollen das Schurgewicht durch dichten Stand und feine, nervige Kräuſelung, die anderen dagegen durch Länge des Wollhaares hervorbringen. Ich halte eines ſo richtig wie das andere, wenn nur überhaupt ein hohes Schurgewicht herauskommt. Die Stoffwollrichtung iſt eigentlich hervorgegangen aus Tuchwollſchafen, welche mit Rambouilletböcken gepaart wurden. Der Vorzug der Stoffwolltiere beſteht darin, daß unter Bei⸗ behaltung— ſoweit es möglich war— der Feinheit der Wolle, guter Beſatz der Tiere zu finden iſt, bei einem beſſer aus⸗ gebildeten Körper, als in der Tuchwollrichtung. In der beſſeren Körperausbildung liegt der Vorteil der Stoffwolle; 3 ſſhäfee eller d eder ni aj Val hͤftihe ufwol ſt nener ſorn ühn woll k⸗ Pngt ai a Stle dung o rnnrbiüt n rwünlt ne wewi Colhons n andel diommt. dr ll beſer al⸗ a d VU Surfeul Betriebsweiſe der Schäfereien und hauptſächliche Richtung. 73 denn man erzielt doch zwenigſtens einen angemeſſenen Preis für die Hammel. Auch die Wollpreiſe haben ſich für beſſere Qualitäten der Wolle immer höher gehalten als für hochfeine Wollen. Es wurden bezahlt für hochfeine Wollen 1851 pro 50 kg(Rückenwäſche) 306— 405 Mk., für feine 268— 296 Mk, dagegen 1885 für hochfeine 230, für feine auch 220 Mk., und die Preiſe ſtellen ſich in neueſter Zeit weiter zugunſten der feinen Wolle, und ſo hat die Züchtung auf Stoffwolle, ſagen wir deutlicher die Züchtung eines Schafes mit hoher Prima⸗ wolle, doch ſeine Berechtigung. Das Streben der Züchter ging Merinobock. Kammwoll 21 Abb. 74 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. ja weiter, man führte die Kammwollſchafe ein und züchtete auf möglichſt großen Körpern eine Primawolle mit gutem Er⸗ folg; denn klar iſt es doch, daß eine Schäferei, welche wirklich rentieren ſoll, auf möglichſt großen Körper hinarbeiten muß. Man unterſcheidet nun in der Kammwollrichtung wieder feine, mittelfeine und gröbere Kammwolle. Die erſte Richtung iſt hauptſächlich darauf bedacht, ein edles, feineres, gutes A—AA⸗ Haar herauszuzüchten, und läßt deshalb die Fleiſcherzeugung zurücktreten. Die mittelfeine Richtung(A⸗ und feine B⸗Wolle) ſtrebt weniger feine Wolle an; ſie geht vielmehr darauf aus, einen breiten, gut gerippten, ſtarken Körper heranzuziehen, läßt aber den Beſatz der Tiere nicht aus dem Auge, ſoweit derſelbe nicht ohne hemmenden Einfluß auf die Frühreife der Tiere iſt. Die Richtung der gröberen Kammwolle läßt die Wolle mehr in den Hintergrund treten und züchtet eine B⸗Wolle unter Be⸗ obachtung möglichſt guter Körperformen. Hieran ſchließt ſich die Merino⸗Fleiſchſchafzucht. In dieſer Richtung ſieht man weniger auf Beſatz als auf runde Körper⸗ formen. Es kommen gehörnte und hornloſe Böcke vor. Zu bemerken iſt, daß nach längerem Durchzüchten einer Herde mit hornloſen Böcken gewöhnlich eine Verweichlichung im Typus eintritt. Die Richtung der Merino⸗Sleiſchſchafe hat entſchieden Vorteil, in der frühreifen Entwicklung der Tiere; nur möchte man den Beſatz der Tiere nicht zu ſehr außer acht laſſen; denn man kann ebenſogut bei mittelmäßigem Beſatz frühreife Körper züchten, wie die Klaſſe Kammwolle gröber als A den Beweis liefert. Die Hornloſigkeit der Böcke als Kriterium in Betracht zu ziehen, iſt wohl kaum anzuerkennen; denn der Beweis fehlt vollſtändig, welche Raſſe frühreifer iſt, die ſogen. Richtung in hornloſen Böcken oder die alten Richtungen der gehörnten Böcke. Man unterſcheidet hier die Richtung des Merino⸗Fleiſchſchaftypus der größten Form und die Richtung der mittleren Form. In den engliſchen Zuchtrichtungen ſind wichtig: a) South⸗ down, b) Shropſhire, c) Hampſhire, d) Oxfordſhire. Die Southdown werden wenig gehalten; dagegen treten die Shrop⸗ ſhire mehr hervor. An Größe ſtehen dieſelben zwiſchen South⸗ down und Hampſhire; den Shropſhire iſt eine kräftige Kon⸗ ſtitution eigen, ihre Entwicklung geſchieht ſchnell, und ſie mäſten ſeſet pper Betriebsweiſe der Schäfereien und hauptſächliche Richtung. 75 ſich leicht. Bei den Hampſhire ſind Geſicht, Ohren und Beine ganz dunkelbraun bis ſchwarz. Sie haben einen langgeſtreckten, tiefen Körper und ſtehen auf kurzen Beinen; ihre Entwicklung erfolgt ſchnell, ſie zeigen große Ausdauer und hochbefriedigende Maſtfähigkeit. Bekannt ſind die Herden von Würchwitz bei Klopſchen und andere. Die Orfordſhire ſind urſprünglich das Produkt einer Kreuzung von Hampſhire(auch Southdown) mit Cotswold. Durch ſorgfältige Pflege wurde eine Zucht erzielt, die in ſich ausgeglichen bei harter Konſtitution einen großen, maſſigen Körper beſitzt. Ihre Wolle iſt ziemlich grob, das Fleiſch dagegen von guter Qualität. Die Farbe dieſer Tiere iſt dunkelbraun; ſie zeigen hohe Maſtfähigkeit und eignen ſich daher beſonders für futterreiche Wirtſchaften und zu Kreuzungen mit Kammwollſchafen. Die anderen engliſchen Raſſen, wie Cotswold, Lincoln, werden hier ſeltener gezüchtet und ſpielen wohl für den Kontinent keine große Rolle. Ebenſo verhält es ſich mit den deutſchen Raſſen und Schlägen, Baſtardſchafe, Rhön⸗ und Frankenſchafe. Die Schafzucht der ganzen Welt iſt eigentlich in der Stückzahl zurückgegangen, und beſonders in Deutſchland. Man kann aber einen allzuſtrengen Maßſtab nicht anlegen, wenn man folgende drei Punkte annimmt: Schurgewicht, Wollerlös und Körpergewicht. In den Jahren 1831— 1855 betrug das Schurgewicht höchſtens 1 kg Wolle und das Schlachtgewicht der Schafe ſtellte ſich auf 20 kg. Durch die Züchtung auf mehr Beſatz unter Beobachtung der Ausbildung des Körpers iſt man im Schur⸗, ſowie im Schlacht⸗ gewicht ſehr geſtiegen; heute beträgt das Schurgewicht durch⸗ ſchnittlich 2 ½ kg(Rückenwäſche) und das Schlachtgewicht be⸗ trug 1894 für ein Schaf 31 kg und wird in den letzten Jahren mindeſtens 31,8 kg betragen. Die Figuren, die Körper⸗ verhältniſſe ſind infolge der Züchtung um etwa den dritten Teil größer geworden; wenn auch ein größeres Futterquantum dafür in Anſatz gebracht werden muß, wird dieſe Mehrausgabe durch einen ungleich höheren Fleiſchertrag mehr als kompenſiert. Auch die Wollpreiſe ſtellen ſich günſtig; berechnet man den Durchſchnitt der erzielten Preiſe auf den Wollmärkten Breslau, Berlin, Poſen, ſo ſtellt ſich der Preis im Durchſchnitt feine Wolle(AA— AAA) 250 Mk. pro 50 kg Rückenwäſche, mittelfeine(AA— A) 180 // 76 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. mittel Wolle(A— B) 150 Mk. pro 50 kg Rückenwäſche, geringe„(B und C) 130„„ Die Zählungen der Schafe ergaben folgende Reſultate (Deutſches Reich): 1. Dezember 1904 7 907 173 Schafe 1.„ 1897 10 589 662„ 1.. 1892 13 589 663„ 10. Januar 1883 19 189 715„ 10.„ 1873 24 999 406 Anfang der 60 er Jahre 28 016 769 Es entfielen auf 100 Einwohner Schafe: 1892 1900 1904 26,9 17,2 13,2. Zweiter Teil. Wollkunde. Anatomiſcher Bau. Die Wollkunde ſchließt die Lehre von dem Baue, der Entwicklung und den Eigenſchaften des Wollhaares, Stapels und Vlieſes in ſich. Sie iſt für die Züchtung des Schafes von großer Bedeutung; je höher die Nutzung ſein ſoll, deſto reichere und umfaſſendere Kenntniſſe ſind erforderlich. Die Wollhaare entſpringen der Haut; dieſelbe iſt als Schutzdecke des ganzen tieriſchen Organismus zu betrachten und iſt an den einzelnen Teilen des Körpers ungleich dick und dünn; dicker iſt ſie an den Gliedmaßen, auf dem Rücken und am Halſe, dünner an den Seiten⸗, Bruſt⸗ und Bauchwänden, am dünnſten an der inneren Fläche der Schenkel, am Bauche und Euter ſowie an einzelnen Stellen des Kopfes. Sie beſteht aus drei ver⸗ ſchiedenen Schichten: a) der Oberhaut(epidermis), b) der Leder⸗ haut(cutis) und c) dem Unterhautbindegewebe. Die Oberhaut (epidermis) bedeckt die Lederhaut und hat weder Gefäße noch Nerven. Sie iſt gefühllos und beſteht aus ſelbſtändig gebliebenen, übereinandergereihten Zellen, die miteinander zwei unter⸗ ſcheidbare Schichten bilden: eine obere, d. h. die durchſcheinende Hornſchicht, und eine untere, d. h. die ſog. Malpighiſche Schleimſchicht. Dieſe lagert auf der Lederhaut, wächſt aus derſelben hervor und iſt feuchtweich; jene dagegen erſcheint vertrocknet, ſtößt ſich in feinen Schüppchen los und findet ſich im Fettſchweiß. Während die obere Schicht bei weißen Schafen farblos iſt, findet ſich in der Schleimſchicht bei grau, braun 78 Zweiter Teil. Wollkunde. oder ſchwarz gefärbten Schafen das Hautpigment, von welcher Einlagerung die Hautoberfläche ſowie die Färbung der Haare abhängt. Die Lederhaut liegt als dickere Membran unter der Epidermis und beſteht aus einem an elaſtiſchen Faſern reichen Bindegewebe. In der Lederhaut, unter der die ſog. Fetthaut liegt, ſind viele Nervenendigungen; die zu ihr gelangenden zahlreichen blutzuführenden Gefäße löſen ſich in viele Ver⸗ zweigungen und Haargefäße auf; in ihr befinden ſich die Schweiß- und Talgdrüſen. Die Schweißdrüſen liegen beinahe an allen Körperſtellen; ihr Balg verengert ſich nach oben zu einem feinen Kanale, der nach mehreren Windungen auf der Oberfläche der Oberhaut trichterförmig in Offnungen endigt, die Poren genannt werden. Die zahlreich vorhandenen Talg⸗ drüſen liefern den Hauttalg. Dieſelben liegen nicht ſo tief als die Schweißdrüſen; die einzelnen Ausführungsgänge der Drüſen⸗ hörner vereinigen ſich entweder zu einem Gange, der an den Haarſchaft führt, oder es gehen mehrere Gänge an den Haar⸗ ſchaft über. Wo Haare fehlen, da mündet der gemeinſchaftliche Ausführungsgang unmittelbar auf der Oberhaut; meiſtens gehen die Ausführungsgänge von zwei Talgdrüſen zu einem Haare. Das von den Talgdrüſen bereitete Sekret dient zur Erhaltung der Geſchmeidigkeit und zum Schutze gegen äußere, ungünſtige Einflüſſe des Haares. Das durch die Talgdrüſen abgeſonderte Fett zeigt ſich verſchieden; es enthält in ſeiner Zuſammenſetzung Elain und Stearin. Elain iſt ein ölartiges Fett, während Stearin mehr ſchwerflüſſig erſcheint. Mit dieſem Fett ſcheint ſich auch der Schweiß bei Schafen zu verbinden. Dieſe Vermengung bezeichnet man allgemein mit dem Namen Fettſchweiß. Der normale Fettſchweiß kennzeichnet ſich dadurch, daß er die einzelnen Wollhaare mit einer gleichmäßigen Schicht überzieht, ohne durch ſtärkere Anhäufung in Klümpchen ſich zu vereinigen oder größere Haarpartien zu verkleben. Seine Natur iſt gut, d. h. er iſt leicht löslich, miſcht ſich gut ohne Anwendung von Waſchmitteln und hinterläßt die Wolle weich und klar. Mangel an Fettſchweiß gibt der Wolle ein blaſſes, mattes, trübes Ausſehen und macht dieſelbe kraftlos. Überfluß an Fettſchweiß wird in der Regel durch maſſige Fütterung hervorgerufen. Man unterſcheidet: a) den weißen Fettſchweiß; die Wolle erſcheint weiß und läßt ſich leicht waſchen; b) den Platten⸗Epithelien, welche entweder, wie Anatomiſcher Bau. 79 hellgelben Fettſchweiß, der gleichfalls leicht löslich iſt; c) den dunkelgelben Fettſchweiß; ſeine Beſchaffenheit iſt zäher und ſchwerer löslich; d) den grünlichen Fettſchweiß; derſelbe iſt zäh und von wachsartiger Beſchaffenheit. Wolle mit grünlichem Schweiße ſollte eigentlich nur in erwärmtem Waſſer mit Zuſatz von Seife gewaſchen werden, weil in dieſem Schweiße das ſchwer lösliche Stearin vorkommt. Schließlich bleibt noch zu erwähnen: e) der roſtfarbige oder rotgelbe Fettſchweiß. Er zeigt im Inneren der Stapel ſtellenweiſe rötliche, gegen den Gipfel mehr gelblich gefärbte Beſchaffenheit. Bei ſolchem Schweiße iſt die Stapelung und der Stapelſchluß nur ſelten ohne Fehler. Das Wollhaar iſt, wie jedes Haar, ein Produkt der Haut. Das Haar wurzelt nicht auf der Oberfläche oder direkt in der Oberhaut, ſondern nimmt ſeinen Ur⸗ 0 ſprung in einer engen Vertiefung, dem ſog. Haarſäckchen(Haarbalg). Dieſes liegt in der Lederhaut; ſein Boden wird von der Malpighiſchen Schleimſchicht ge⸗ bildet und Haarpapille genannt. Das eigentliche Wollhaar beſteht aus drei Schichten: dem Oberhäutchen(Cuticula pili), der Rindenſubſtanz(Substantia fibrosa, v. corticalis) und der Mark⸗ ſubſtanz. Das Oberhäutchen beſteht aus durchſcheinenden, dünnen Pflaſter⸗ oder bei dem markhaltigen Grannenhaar, dicht aneinandergereiht ſind oder ſich, wie bei den markfreien Langwollen, dach⸗ Abv. 22. Schematiſcher Längen⸗ 3;; durchſchnitt eines Haares. förmig decken, 1 infolgedeſſen der Rand„ Voenftiche der herßant. des Haares ſägeförmig ausgezackt er⸗»»Malpighiſche Schicht. ;;;; d freie Haarſchicht.« ver⸗ ſcheint. Bei den feinen Merinohaaren vorgene Saarſchicht. Haar⸗ reicht ein Schüppchen um die Peripherie zwiebel.„h und Ae Kns⸗ ,1. 5 1, führungsgänge der Talgdrüſen. desſelben; demzufolge gleicht das Haar 5 Baartehm. 7 Wurzelſcheide. einer Reihe ineinandergeſchobener Trichter.„"¹äußere Wurzelſcheide. Die Anordnung der Oberhautſchüppchen hat Einfluß auf den Glanz und iſt auch mit Bezug auf die techniſche Aufarbeitung der Wolle nicht ohne Bedeutung. Die Rindenſubſtanz beſteht an der Haarpapille aus rundlichen, im Schafte aus ſchmalen, 80 Zweiter Teil. Wollkunde. ſpindelförmigen, mit länglichen Zellen verſehenen Epithelzellen. Bei gefärbten Haaren ſind hier Pigmentkörper abgelagert, oder man findet in der Rindenſubſtanz einen diffuſen Farbſtoff. Die Grannenhaare ſowie manche Glanzhaare enthalten auch Markſubſtanz(Substantia medullaris), welche aus rhombiſchen oder kubiſchen Zellen beſteht. Letztere bilden einen zuſammen⸗ hängenden oder ununterbrochenen Strang, der als Fortſetzung der Papille zu betrachten iſt. Die Markſubſtanz wird bei den eigentlichen Haaren von der Rindenſubſtanz umſchloſſen. Die⸗ ſelbe iſt nach Kölliker ein in der Achſe des Haares von der Gegend über der Zwiebel an bis nahe an die Spitze ziehender Streif oder Strang. Derſelbe beſteht einfach aus einer einzigen oder meiſt mehrfachen geraden Reihe im Zentrum der Rinden⸗ ſubſtanz untereinanderliegender Zellen und iſt keine mit einer beſonderen, zuſammenhängenden Subſtanz erfüllte, einfache Höhlung, noch ein Kanal mit beſonderen Wandungen. Die Markſubſtanz iſt in den feineren Haaren nicht zu finden. Nach dieſer Beobachtung iſt alſo das Fehlen der Markſubſtanz charakteriſtiſch für das Wollhaar. Das Fehlen dieſer Subſtanz trägt zur feſten Textur und Geſchmeidigkeit des Wollhaares bei. Es iſt ferner die Größenverſchiedenheit der Oberhautſchüppchen bei feinen und groben Wollen deutlich zu beobachten. Das Wollhaar iſt mehr als jedes andere Haar in ſeiner inneren Struktur gleichmäßig gebildet, worin der Grund einer Menge wichtiger Eigenſchaften zu ſuchen iſt. Über die Bildung des Wollhaares hat Reißner an Schaf⸗ embryonen Beobachtungen gemacht, welche hier Platz finden mögen „Sobald die Oherhaut von der Lederhaut deutlich unterſchieden werden kann, beginnt die Bildung der Haaranlagen, indem gleich⸗ zeitig die Oberhaut und die Lederhaut ſich zu kleinen Hügeln erheben. Dann fängt die Lederhaut an, in der Peripherie der Anlage zurückzuweichen, während die Oberhaut an derſelben Stelle in die dadurch entſtandene Furche hineinwuchert. Im zentralen Teil bleibt die Lederhaut faſt unverändert und gibt ſo die erſte Veranlaſſung zur Bildung einer Papille. Das Zurückweichen der Lederhaut geht immer weiter bei gleichzeitigem Vordringen der Oberhaut, ſo daß letztere bald zylindriſche, ſchräg abwärts gerichtete Fortſätze gebildet hat, die von dem Haarbalge umfaßt werden und mit ihrem unteren Ende die kegelförmige Anatomiſcher Bau. 81 Papille aufnehmen. Schon jetzt gelingt es, in dieſem Fortſatze der Oberhaut einen inneren, lichten, längsgeſtreiften Teil von dem äußeren, dunkleren, aus rundlichen Zellen beſtehenden zu unterſcheiden; bloß an gefärbten Haaren kann man ſich davon überzeugen, daß ebenfalls jetzt ſchon das Haar ſelbſt angelegt und von der inneren Haarſcheide verſchieden iſt. Bei zunehmender Vergrößerung der Haaranlage entſteht an der Oberfläche der Oberhaut ein länglicher Wulſt oder eine kegelförmige, oben abgerundete Erhöhung, in welche der innere Teil des abwärts gehenden Fortſatzes, welcher nun deutlich in innere Haarſcheide und Haar differenziert iſt, hineinwächſt. Endlich durchbricht das Haar die Oberhaut, während vorher ſchon die Papille an der Baſis, d. i. an der Vereinigungsſtelle mit dem Haarbalge, ſich verengert und nach oben in eine ſchmale Verlängerung ausläuft. Die innere Haarſcheide läßt in der Mitte längliche, ſenkrecht ſtehende Stellen und an ihrer Innenfläche ein Ober⸗ häutchen erkennen. Das Haar ſelbſt iſt im oberen Teile voll⸗ ſtändig ausgebildet, beſitzt ein Oberhäutchen; im unteren Teile ſind ſeine Elemente noch unentwickelt; dieſer und der ent⸗ ſprechende Teil der inneren Haarſcheide ſteht mit dem Keim— lager, in dem die Bildungszellen des Haares liegen, in Ver⸗ bindung. Die äußere Haarſcheide mit dem Haarbalge entwickelt unterhalb ihrer Vereinigung mit den unterſten Schichten der Oberhaut durch ſeitliche Wucherungen und Bildungen von Fettkörpern in den Zellen die Anlage der Talgdrüſen. Man unterſcheidet vier verſchiedene Arten von Haaren: Flaum⸗, Zackel⸗, Grannen⸗ und Stichelhaar. Stichelhaar, d. h. glattes, kurzes, ſtraffes, markhaltiges Haar, finden wir als teilweiſen Fehler bei den Merinoſchafen am Geſichte, an den Knien und Extremitäten. Dieſes Haar hat keinen Fabrikations⸗ wert; es bildet die ausſchließliche Körperbedeckung der in den Tropen einheimiſchen Schafraſſen, deren Felle nur als Be⸗ kleidungsmittel oder zu Lagerſtätten Verwendung finden. Grannenhaar iſt das langgewellte, markhaltige oder markloſe Haar der langwolligen Schafraſſen. Zackelhaar heißt das mit einem Markkanal verſehene Oberhaar der nicht veredelten Schafraſſen. Dasſelbe iſt geeignet, dem Körper Schutz zu ge⸗ währen; es läßt Waſſer ſchnell herabrinnen und den Pelz raſch wieder austrocknen. In der kälteren Jahreszeit entſteht Heyne, Schafzucht. 6 82 Zweiter Teil. Wollkunde. unter demſelben ein Flaum, der eine dichte, leicht verfilzende Bedeckung des Körpers bildet. So iſt aus den Schafen der Zackelform das Merinoſchaf hervorgegangen; es mußte in Spanien, einem regenarmen Lande, entſtehen. Hier aber wurde das lange, glatte Zackelhaar bald überflüſſig und un⸗ nötig; die Natur ließ es allmählich ſchwächer werden, gab es ſchließlich nur noch den Lämmern bei der Geburt mit und ſchuf im Merinoſchafe ein Tier, welches reinen Flaum trägt. Der Flaum iſt ein feines, gewelltes, gekräuſeltes, markfreies Wollhaar mit feſter Textur. Was die Gruppierung der Haare in der Haut anlangt, ſo liegen die kurzen, geraden Haare in ſchräger Richtung und einander parallel, aber vereinzelt; die Grannenhaare gehen in ziemlich gleichen Zwiſchenräumen mit der Wurzel faſt ſenkrecht tief in die Lederhaut hinab; dagegen tritt das Flaumenhaar ſtets in Bündel vereinigt auf. Die von den Bündeln iſolierten Haare heißen Binder und dienen zum Zuſammenhalten des Vlieſes. Die chemiſche Zuſammen⸗ ſetzung des Wollhaares iſt ſehr kompliziert. Folgende Analyſen mögen Aufſchluß geben: Analyſe nach Analyſe nach Analyſe nach Maercker Schulze Scherer Landſchaft MRamboutllet Merino Kohlenſtoff.. 49,45— 49,89% 50,46% 50,661% Waſſerſtoff... 7,46— 7,58„ 7,87„ 7,062„ Stickſtoff.... 16,55— 15,08„ 17,73„ 17,518„ Schwefel.. 3,41— 3,79„ 3,43„ 3,636„ Sauerſtoff... 23,13— 23,66„ 21,01„ 21,023„ So zeigt die Gödelitzer Wolle(Stammſchäferei Gödelitz bei Leuben, Kgr. Sachſen) folgende Zuſammenſetzung(nach eigener Unterſuchung): Rambouillet⸗Wolle(Kamm). Kohlenſtoff 49,99 Waſſerſtoff 7,04 Stickſtoff 17,36 Schwefel 1,99 Sauerſtoff 23,62 100,00 Prozent. Nur der Schwefelgehalt iſt beträchtlichen Schwankungen unterworfen; am größten ſoll er bei groben, am geringſten bei feineren Wollen ſein. Anatomiſcher Bau. 83 Nunmehr haben wir von den Eigenſchaften der Wolle zu reden. Das Wort„Wolle“ wird verſchieden erklärt. Nathuſius verſteht unter Wolle diejenigen Haare, welche ſich ſtapeln. Wiſſenſchaftlich kann man nach Bohm Wolle nur das markfreie, die Eigenſchaft der Krimpkraft beſitzende Flaumhaar des Schafes nennen. Wenn Nathuſius ſagt:„Wolle ſind ge⸗ kräuſelte Haare, deren Kräuſelungsverhältniſſe von der Art ſind, daß auch nach der Trennung von der Körperfläche die Geſamtheit derſelben eine zuſammenhängende Maſſe, ein Vlies, bildet“, ſo geht daraus hervor, daß das Wollhaar die ihm ganz eigentümliche Eigenſchaft beſitzt, ſich mit anderen, ihm gleichartigen Wollhaaren desſelben Individuums zu verbinden, um das Strähnchen, den Stapel, das Vlies zu bilden. Bei Betrachtung der Eigenſchaften der Wolle haben wir zu unter⸗ ſcheiden: das einzelne Wollhaar und das Wollhaar als zuſammen⸗ hängendes Ganze. Einzelnes Wollhaar. Das Wollhaar iſt, ſeiner Form nach betrachtet, ein zylin⸗ driſcher Körper. Bei dem Wollhaar der Lämmer vor der erſten Schur erſcheint der Zylinder am oberen Ende kegel⸗ förmig zugeſpitzt, hat alſo eine Spitze. Bei geſchorenen Schafen iſt das obere wie untere Ende völlig gleich. Feinheit der Wolle(des Wollhaares). Unter Fein⸗ heit der Wolle verſteht man den Durchmeſſer des Wollhaares; je kleiner der Querdurchmeſſer iſt, deſto größer iſt die Feinheit. Die Beurteilung des Feinheitsgrades kann durch das bloße Auge ausgeführt werden; durch praktiſche Übung läßt ſich hier Unglaubliches erreichen. Auch bedient man ſich beſtimmter Meßinſtrumente. Solche Wollmeſſer(Eirometer) ſind von Dollond, Pilgram, Skiadan, Winkler, Grawert und Voigt⸗ laender konſtruiert worden. Sie geben die Diametralſtärke in bekannten Maßeinheiten an. Wollvergleicher(Eiroskope) lieferten Koehler und v. Poſtacky, Inſtrumente, die nur vergleichsweiſe den größeren oder geringeren Durchmeſſer angaben. Alle dieſe In⸗ ſtrumente ergaben mehr oder weniger richtige Reſultate; ein über⸗ zeugendes Reſultat kann nur das Mikroſkop liefern. Die Meſſungen laſſen ſich mit einem Okular⸗Mikrometer oder mit einer Mikro⸗ meterſchraube genau und ſchnell ausführen. Für mikrometriſche 6* 84 Zweiter Teil. Wollkunde. Meſſungen hat man als Einheit den Millimeter angenommen und dieſen wieder in tauſend Teile geteilt; jeden Teilungsgrad nennt man Millimillimeter; derſelbe wird durch ein griechiſches u bezeichnet. Nach eigenen Meſſungen ergibt ſich der Fein⸗ heitsgrad bei den verſchiedenen Sortimenten, zugleich um⸗ gerechnet nach Dollond, Koehler, Grawert: Grade V Grade V Grade V Milli⸗ Dollond V Koehler Grawert miilllimeter Super⸗Elekta... 6 ½ 7 1—2 b 39- 46 164— 17,8 Elektka 7 ½— 8 2—3 44—52 18,7— 20,1 Prima I...]S8 ¼ 5½ 3 4 48.56 20,2—22,3 Prima II... 8 ¾— 9 ¾ 4- 4 ½ 54—58 22,5— 24,4 Selundad 10— 10 ½ 4 ½2—= 5 /2 58.— 64 24,9 26,4 Tertia. l11 13 5 ½. 7f 60 70 26,5— 32,8 HQuarta..... 14—18 7 9 70—80 33,9— 40,6 Ob ein Schaf feinere oder gröbere Wolle trägt, hängt von der Raſſe ab, der es angehört; das Merinoſchaf hat feinere Wolle als das Landſchaf; die Kunſt, die Wolle zu ver⸗ feinern oder zu vergröbern, liegt in der Hand des Züchters. Mutterſchafe tragen gewöhnlich feinere Wolle als Böcke; auch durch das Hammeln wird die Wolle feiner. Die Theorie P. de Jotemps, daß feine Wolle nur auf dünner Haut wachſe, iſt ſchon längſt widerlegt und nachgewieſen worden, daß die Beſchaffenheit der Wolle ſich im weſentlichen nach der Art der Raſſe richte; auch kann Futterwechſel Veränderung hervorrufen. Die Kräuſelung oder Wellung des Woll⸗ haares. Jedes markfreie Wollhaar iſt mehr oder weniger gekräuſelt. Die Kräuſelung folgt aber nicht direkt der Spirale, ſondern wendet ſich nach verſchiedenen Richtungen hin. Sie wird gewöhnlich nicht am einzelnen Haare, ſondern in der Vereinigung vieler zu einem Strähnchen beobachtet; dieſelben erſcheinen in dieſem Falle meiſtens in regelmäßiger Form. Die Art, in welcher die Stellungen in den Strähnchen zum Ausdrucke gelangen, heißt in der Technik Markierung oder Charakter der Wolle. Zum Zwecke der Beſtimmung der Form einer Wellung unterſcheidet man, je nach Höhe und Spannung des Bogens, folgende Gruppen.(Siehe Abb. 23, 24, 25.) Einzelnes Wollhaar. 85 Die Treue des Haares. Koerte nennt ein Wollhaar treu, wenn es ſich uns in ſeiner ganzen Länge gleichmäßig zeigt. Dieſen Zuſtand könnte man aber mit mehr Recht Gleichmäßigkeit im Wuchſe nennen. Als treu ſollte ein Haar bezeichnet werden, wenn es von der Spitze bis zum Schur⸗ ende gleiche Feinheit, gleiche Stärke und gleiche Kraft zeigt. Die Treue iſt eine wichtige Eigenſchaft der Wolle und wird von Fabrikanten hoch geſchätzt. Unterbrochene Treue erkennt ) 6 1 1 JA* 3 G 6 5 AA 2 7, a a Abb. 23. Abb. 24. Abb. 25. Einzelne aus einem 1 ſchlichtbogig 1 normalbogig Strähnchen gelöſte 2 gedehntbogig 2 gedrängtbogig Wollhaare. 3 flachbogig. 3 hochbogig 4 überbogig. man an dem Abſatze oder Knicke der Wolle; dieſelbe iſt dann in einer beſtimmten Höhenſchicht dünn, matt und kraftlos. Verdünnungen der Wolle zeigen ſich auch nach anhaltender Störung in der Ernährung des Organismus. Die Länge des Wollhaares. Einem periodiſchen Haarwechſel ſind die Schafe nicht unterworfen; ihre Wolle kann jahrelang fortwachſen; doch das größte Wachstum geſchieht in den erſten zwölf Monaten. Nach dieſer Zeit wächſt die Wolle nicht mehr in dem Maße. Wenn man nun von einer Länge des Wollhaares ſpricht, ſo muß man den Jahreswuchs an— nehmen. Man unterſcheidet natürliche Länge und die Länge des Haares, wie ſolche im Stapel zu ſehen iſt, die man richtiger Höhe oder Tiefe nennen könnte; die wirkliche Länge erhält man, nachdem das Wollhaar entkräuſelt, d. h. geradegeſtreckt, aber nicht gedehnt worden iſt. Die Dehnbarkeit, Feſtigkeit und Kraft des Wollhaares. Wird ein Wollhaar über die Entkräuſelung 86 Zweiter Teil. Wollkunde. geſtreckt, ſo wird es gedehnt. Mit dieſem Worte bezeichnet man diejenige Eigenſchaft des Haares, vermöge deren es bei größter Ausdehnung möglichſt langen Widerſtand zu leiſten vermag. Die Dehnbarkeit und Kraft ſetzen normale Beſchaffen⸗ heit der Rindenſubſtanz und der Oberhaut voraus. Zur Prüfung der Haltbarkeit ſind eigene Inſtrumente(Kraftmeſſer) konſtruiert worden von Grawert und Bohm. Im praktiſchen Leben ermittelt man die Feſtigkeit dadurch, daß man ein Strähnchen zuerſt langſam ausdehnt und dann die Kraft, welche zum Zerreißen desſelben erforderlich iſt, prüft, oder daß man das ſtraff mit den Fingern geſpannte Strähnchen wie die Saite eines Muſikinſtrumentes anſchlägt und dann den me⸗ talliſchen Klang ertönen läßt(Metall der Wolle). Die Dehn⸗ bahrkeit ſchwankt bei feiner Merinowolle zwiſchen 11,1 bis 15,2%, bei Kammwollſchafen zwiſchen 16,5 bis 23,0%. Es rangieren nach Kraft und Dehnbarkeit a) deutſche Kamm⸗ oder Tuchwolle, b) auſtraliſche Wolle, c) La-Plata-Wolle und d) Kap⸗Wolle. Die Elaſtizität und Krimpkraft der Wolle. Die Elaſtizität, welche bei feiner Wolle größer iſt als bei grober, iſt eine äußerſt wichtige Eigenſchaft. Man verſteht darunter die Fähigkeit des Wollhaares, nach gewaltſamer Zerrung und Dehnung in ſeine urſprüngliche Form wieder zurückzukehren. Man ſpricht von Elaſtizität der Kräuſelung, d. h. der Kraft, durch welche ein gekräuſeltes Haar ſeine ur⸗ ſprüngliche Geſtalt wieder annimmt; der Elaſtizität der Auf⸗ richtung, die Kraft, Richtung und Form wieder anzunehmen, der Elaſtizität der Zurückziehung, d. h. der Kraft, ſeine frühere Länge wieder anzunehmen, und endlich von zuſammenſchnirrender Elaſtizität; dieſe zeigt ſich darin, daß das Wollhaar, wenn es bis zum Zerreißen ausgedehnt wird, ſchnell in eine Locke mit engeren oder weiteren Windungen zurückſpringt. Mit der Elaſtizität hängt die Krimpkraft zuſammen; ſie iſt eine Folge der zuſammenſchnirrenden Elaſtizitätp. Der Ausdruck„Krimp⸗ kraft“ bezeichnet die Eigenſchaft der Wollhaare, vermöge welcher das aus ihnen gefertigte Tuch beim Anfeuchten und Walken ſich verdichtet und verfilzt. Die Krimpkraft ſchließt alſo die Walkfähigkeit ein; denn das feſte Ineinanderſchlingen der peihne es bi leiten ſchaffe⸗ an rmeſſr ktiſcen lan en t der dij wie d en me Dhhr 11 bi 4. G Konn⸗ le un als be verſelt tſawer wieder ſſelun ine ur rWur Die Elaſtizität und Krimpkraft der Wolle. 87 Wollhaare im Tuche läßt ſich nur durch ſeine Elaſtizität er⸗ klären. Daher iſt dieſe Eigenſchaft, welche toten und ſchlaffen Wollen fehlt, für die Tuchfabrikation unentbehrlich. Die Geſchmeidigkeit. Geſchmeidigkeit iſt die Fügſam⸗ keit des Haares, d. h. die Fähigkeit, jede ihm gegebene Richtung anzunehmen. Man prüft die Geſchmeidigkeit dadurch, daß man beim lebenden Tiere den Stapel nach irgendeiner Seite drückt; dieſer muß dann langſam zurückkehren. Identiſch mit dem Ausdruck„geſchmeidig“ iſt der Ausdruck„mild“. Verbindet das Wollhaar mit der Geſchmeidigkeit eine gewiſſe Feinheit, ſo entſteht Sanftheit, Zartheit, Weichheit. Schafe, welche in beſtändig warmem Klima leben, zeigen größere Sanftheit des Wollhaares als Schafe, die ſich unter nördlicheren Himmels⸗ ſtrichen aufhalten. Sanftheit bedingt Feinheit und Kräuſelung; ohne dieſe Eigenſchaften erſcheint die Wolle rauh, hart und barſch. Unter Kraft verſteht man die Vereinigung von Dehnbarkeit, Elaſtizität und Krimpkraft mit Treue und Milde. Das Gegenteil hiervon iſt die Kraftloſigkeit und Mattigkeit. Glanz und Farbe. Die Merinowolle ſoll einen ſeiden⸗ artigen Glanz(Edelglanz) haben, den man mit mattem Silber⸗ glanze vergleichen kann. Fehlt dieſer normale Glanz, ſo er⸗ ſcheint das Haar matt oder baumwollenartig; fehlerhaft iſt meiſtens der harter und ſpröder Wolle anhaftende Glasglanz. Der Glanz iſt für die Fabrikation von hohem Werte; die Schönheit und Lebendigkeit der Farbe hängt von ihm ab. Die Farbe des Wollhaares iſt weiß; nur dieſe Sorte iſt für Fabrikation brauchbar. Durch den Fettſchweiß wird die Farbe oft gelblich, ja gelblichgrün; nach Entfernung desſelben erſcheint das Haar wieder weiß. Nur wirklich dunkle oder ſchwarze Haare laſſen ſich nicht bleichen; mit weißen vermiſcht, erſcheinen ſie grau. Das ſpezifiſche Gewicht der Wolle iſt ſchwer zu beſtimmen; nach Stoeckhardt(„Chemiſcher Ackersmann“, Jahrgang 1861) ergab Merinowolle..... 1,295 ſpezifiſches Gewicht, Southdown⸗Frankenwolle 1,271„„ Southdown⸗Merino.. 1,257„„ Hygroſkopizität. Die Hygroſkopizität wird verurſacht durch Hohlräume der Rindenſubſtanz, in welche Waſſerdampf ein⸗ 88 Zweiter Teil. Wollkunde. dringen kann. Die markfreien Haare, welche eine feſtere Textur haben als die markhaltigen, beſitzen weniger Hohlräume als dieſe, und an den erſteren haben die feineren wieder weniger als die gröberen; daraus geht hervor, daß die groben Haare mehr Feuchtigkeit aufzunehmen imſtande ſind als die feinen, alſo eine größere Hygroſkopizität beſitzen. Nach Unterſuchung iſt die Differenz im Gewicht zwiſchen der waſſerfrei gemachten und der im Waſſerbade befindlich geweſenen Wolle folgende (nach Rohde): Weihgſenbei Enthält Waſſer⸗ haltende unterinhn Wolle Waſſer wolſaſer Schweiß Schmutz Nraft Negrettiwolle, ſchweres Fett, Bockwolle... 5,61 19,15 43,86 31,38 25,38 Elektoralwolle, Schaf⸗ wolle....... 12,59 26,17 39,75 21,49 23,49 Kammwolle, talgartiges Fett, Bockwolle... 10,24 29,30 44,29 13,17 23,17 Lincoln⸗Merino.. 12,65 45,84 29,24 12,27 24,24 Lincoln⸗Wolle.... 14,94 65,76 15,26 4,04 49,30 Nach der Tabelle nimmt die Wolle, die ein ſchwerflüſſiges Fett beſitzt, das die einzelnen Wollhaare durch einen feſten überzug gegen äußere Einflüſſe ſchützt, am wenigſten Feuchtig⸗ keit auf, während dagegen im entfetteten Zuſtande die gröbere Wolle die größere Neigung zur Aufnahme von Feuchtigkeit zeigt. Wenn nun die Hygroſkopizität des Wollhaares eine wichtige Eigenſchaft derſelben, nämlich die Formbarkeit, bedingt, ſo geht doch hervor, daß der Fabrikant ſolche Wollen, die nach der Wäſche nicht gut getrocknet ſind, ungern kauft, weil ſie einen größeren Gehalt an Feuchtigkeit und einen geringeren an Wollhaar haben. Wollfett nimmt die Feuchtigkeit am wenigſten auf. Nach Rohde hatte alſo entfettete, waſſerfreie Landwolle 49,30 in gleicher Weiſe behandelte Kammwolle nur 21,66%. Wolle mit mittelſchwerem Fettſchweiß enthält 10 bis 12% Waſſer, welches ſich bis 15% ſteigern kann(gewaſchene Wolle). Nach W. v. Nathuſius quillt die Wolle ſchon in gewöhnlichem, reinem Waſſer, noch mehr in alkoholiſchen und Seifenlaugen, am ſtärkſten bei Erhitzung in ihrer Dicke auf, Neru une ül veniye tdamr feine ucen mache folgen keit un ſferkei olle wu tlöbi vaſchene con i hen un ite wi Die Wolle im Stapel. 89 in welchem Falle die Aufquellung ½, ja bis ½ der urſprüng⸗ lichen Dicke betragen kann. Die Wolle im Stapel. Bis jetzt haben wir das Wollhaar als einzelnes betrachtet; in der Praxis kommt dies ſelten vor, höchſtens um die Fein⸗ heit zu beſtimmen. Nunmehr ſoll das Haar behandelt werden, wie es in Verbindung mit vielen anderen Haaren im Stapel ſich zeigt. Bei der Beſichtigung der Wollmaſſe eines Schafes von außen iſt jeder Wollſtapel durch eine mehr oder weniger deutlich bemerkbare Furche von den übrigen Stapeln abgegrenzt, was ſich bei der Betrachtung der Stapel im Innern des Vlieſes gleichfalls durch einen kleinen Abſtand der Wollbündel voneinander bemerken läßt. Die um jeden Stapel laufende Furche nennt man die Wollnaht. Der Stapel zeigt ſich uns als Wollbüſchel in Form aufrechtſtehender Zylinder oder Kegel; nur aus normalen Haaren kann ein guter Stapel ent⸗ ſtehen. Die Furche iſt zugleich ein Zeichen der Dichtigkeit des Stapels. Die Dichtigkeit könnte man auch durch Zählung der Haare beſtimmen, doch iſt dieſe Arbeit außerordentlich ſchwierig. Petri und Jeppe haben ſolche Zählungen vorgenommen; ſie fanden beim gemeinen Landſchaf auf den Quadratzoll 5000 Haare(ein Quadratzoll= 694 Quadratmillimeter), auf den Quadratmillimeter 7,3, bei Merinos 29— 88, bei ſehr dichtem Stande 58 672, bei dünnem Stande 43 360 Haare auf dem Quadratzoll= 88 reſp. 64 pro Quadratmillimeter. Die Strähnchen, gewiſſermaßen die kleinſten Teile des Stapels, werden durch 20—50 Haare gebildet; hier im Strähnchen ſehen wir alles viel deutlicher als im einzelnen Wollhaar, ſo z. B. die Kräuſelungsbogen. Mit der Spannung der Wellungen ſteht die Feinheit des Wollhaares in ziemlich genauem Verhältniſſe: je kürzer die Stellungen, deſto feiner das Haar, woraus zu ſchließen iſt, daß auf einer gewiſſen Länge(Zentimeter) um ſo mehr Wellungen ſich finden, je feiner die Wolle iſt. Kräuſelungsmeſſer ſind von Bloch, Pabſt, Hartmann und Bohm konſtruiert worden. Nach vielen eigenen Meſſungen und vergleichenden Beobachtungen beträgt die Anzahl der Kräuſelungen auf einem Zentimeter, reſp. rheiniſchen Zoll: Wollkunde. Zweiter Teil. — db0 80 ☛ — —1 Super⸗Super⸗Elekta. 32 Kräuſelungen Super⸗Elekta. 30— 32 Kr. Elekta. 26—30 Kr. Prima I. 22—24 Kr. Prima II. 20— 21 Kr. Setunda I. 19—20 Kr. Sekunda II. 18—19 Kr. Tertia. 14—17 Kr. Quarta, 13—15 Kr. Die Wolle im Stapel. Die Kräuſelung im Stapel. 91 auf auf 1 rhein. Zoll 1 cm= 25 mm für Super⸗Super⸗Elekta 13 32 und darüber „ Super⸗Elelta.. 11— 12,9 30— 32 „ Elekta. 9-—11 26—30 „ Prima I.. 89 22— 24 „ Prima II... 7— 8 20— 21 „ Sekunda 1.. 6,5— 7,4 20— 19 „ Sekunda II.. 5,5— 6,2 18— 19 „ Tertia. 4— 5 14—17 Quarta 3 4 13— 15 Je nach der Wollnaht teilt man den Stapel in einen groß gebauten, bei welchem eine große Menge einzelner Stäpelchen in großen Wollnahtfeldern liegt, und in einen klein gebauten, bei welchem das Gegenteil ſtattfindet. Der Form nach unterſcheidet man die koniſche oder ſpitze Form, die keulen⸗ oder trichterartige Form und die zylindriſche oder gleichförmige Form. Die Kräuſelung im Stapel. Bei normaler Kräuſelung unterſcheidet man: a) den ge⸗ wäſſerten Stapel(Abb. 27). Dieſer Charakter kommt nur bei Wollhaaren mit größter Feinheit vor; die Wellungen erſcheinen ſehr zart; b) den klaren Stapel. Dieſer Charakter des Stapels zeigt große Gleichmäßigkeit der Wollhaare im Strähnchen; die Kräuſelung iſt ſehr leicht erkennbar; c) den geſträngten Stapel (Abb. 28). Dieſen Charakter kann man zu klar nennen; die Form der Wellungen iſt hier gedrängt bogiger; d) geſtricht (Abb. 29), auch verſchleiert, nennt man den Charakter, bei welchem die Wellungen zwar noch zu erkennen ſind, aber ſchon etwas verſchwimmen; e) Krepp(Abb. 30) nennt man den Charakter, bei welchem von einer Kräuſelung nichts mehr zu erkennen iſt. May und Koerte fanden in dieſem Kreppcharakter das Höchſte, was die Merinozucht zu produzieren vermag. Ich teile nicht dieſe Überzeugung mit ihnen; auch bezweifle ich die größte Dichtigkeit der Wolle bei dieſem Charakter. Bei der hochbogigen Kräuſelung kommt ein markierter (Abb. 31) und ſtark markierter(Abb. 32), ein gebänderter und einſtieliger, bei der überbogigen Kräuſelung ein überbildeter 92 Zweiter Teil. Wollkunde. Charakter vor, bei welchem die Treue im Haare fehlt. Zwirnig (Abb. 34) nennt man den Charakter einer Wolle, bei welchem von einer Strähnchenbildung nicht mehr die Rede ſein kann. In überbildeter(Abb. 33) Kräuſelung wächſt jedes Wollhaar nach Belieben; man unterſcheidet hierbei noch Neigung zum 4 3 Abb. 27. Gewäſſert. Abb. 28. Geſträngt. Abb. 29. Geſtricht. Abb. 30.) Krepp. 23 S., Abb. 31. Markiert. Abb. 32. Stark markiert. Abb. 33. überbildet. Abb. 34. Zwirn. Zwirn und knötrigen Zwirn. Dieſe beiden Charaktere ſind große Fehler bei einer Zucht. Bei der flachbogigen Kräuſelung endlich treten die Bögen flacher auf. Solche Wolle wird aber gern gekauft, beſonders zur Fabrikation glatter Zeuge. Man unterſcheidet glatten, ge⸗ dehnten und ſchlichten Stapel. Der Stapel nach Höhe und Dicke. Je nachdem die Stellungen flacher oder höher, gedrängter(enger) oder weiter ſind, iſt das Verhältnis der Stapelhöhe zur Stapellänge ein verſchiedenes. Am beſten läßt ſich dasſelbe durch Aus⸗ ziehen der Wolle erproben; man nennt dies den Zug des Die Kräuſelung im Stapel. 93 vini Stapels. Ein gedrängter Stapel hat ſtarken, ein gedehnter elhen ſchwachen Zug. d um Die Höhe des Stapels— das obere Ende des Stapels olhen nennt man Gipfel, das untere Schnittende— iſt für das g zun Schurgewicht von Bedeutung; welche Höhe aber ſeine zweck— mäßigſte ſei, iſt ſchwer zu beſtimmen. Kammwollen können nicht leicht zu lang ſein, vielleicht bis 10 cm, Tuchwollen bis 5 cm. Die Dicke des Stapels wird am Schnittende unterſucht und durch den Durchmeſſer desſelben beſtimmt. Die Form des Stapels kann im Gipfel geſchloſſen oder offen ſein. Man unterſcheidet am geſchloſſenen Stapel den Quaderſtapel(Abb. 35), Abb. 37. Abb. 35. Rapskornſtapel. Quaderſtapel. Abb. 36. Brettſtapel. Abb. 38. Blumenkohlſtapel. Spießiger Stapel. welcher beinahe ein Quadrat darſtellt und gewöhnlich nur bei gröberen Wollen vorkommt, und den Panzerſtapel. Die Stapel ſtehen nicht ganz ſenkrecht, ſondern etwas gedrückt und oval Bögen geformt. Dieſer Stapel kommt noch bei normalen Wollen vor, ders doch iſt der Schweiß verklebt; die Wäſche bei ſolchen Tieren 1. ge iſt immer ſchwierig. Brettartiger Stapel(Abb. 36) iſt ein ſchlimmer Stapelbau; die Spitzen der Haare zeigen bereits dden Verfilzung; ein übermäßiger Fettſchweiß verklebt das Vlies. dder Der Rapskornſtapel(Abb. 37), ſo genannt wegen ſeiner Ähn⸗ länge lichkeit mit ausgeſtreuten Rapskörnern, wird im gewaſchenen Alb⸗ Vlieſe als Blumenkohlſtapel(Abb. 38) bezeichnet. Derſelbe des reſultiert aus einer höheren Feinheit der Wolle, gleicher Länge 94 Zweiter Teil. Wollkunde. und treuem Wuchſe. Zu erwähnen bleibt noch der Baſalt⸗ ſtapel. Die Stapelchen ſind hier nicht ſo innig verbunden. In der Form des offenen Stapels kommen vor: der buſchige Stapel— er iſt am Gipfelende nicht gehörig abgeſtumpft, ſondern hat einen ungleichen Abſchluß— der mooſige Stapel mit vielen Binde⸗ und falſchen Haaren, der ſchilfige Stapel, ſpitze oder ſpießige(Abb. 39) Stapel, der zopfige, der knötrige, der mürbe und der überſponnene Stapel. Die letztgenannten Stapel⸗ bildungen ſind fehlerhaft und ſollten bei einer Zucht vermieden werden. Die Wolle im Vlieſe. Die einzelnen Stapel verbinden ſich zum Vlieſe; man nennt die Körperbedeckung des Schafes eigentlich Pelz; erſt die abgeſchorene Wolle des Tieres heißt Vlies. Die Verbindung der Stapel zum Vlieſe, reſp. Pelze, geſchieht nicht durch bloßes Aneinanderſchmiegen, ſondern vollzieht ſich als wirkliche Ver⸗ bindung durch die Bindehaare. Je nach der Dichtheit unter⸗ ſcheidet man: Vlieſe mit dichtem Stande. Hier ſtehen die Wollhaare zahlreich auf dem Wollfelde; ſie drängen ſich und unterſtützen ſich in ihrer aufrechtſtehenden Richtung. Das Vlies wird dadurch voll und geſchloſſen; man nennt dieſen Wollſtand auch hautdicht, voll, reich und das Vlies ein dichtes, gedrängtes, hautdichtes, geſchloſſenes. Beim offenen Stande ſtehen weniger Haare auf dem Wollfelde; die Wollmaſſe iſt offener; man be⸗ zeichnet den Stand als dünner, flatteriger, ärmer und loſer, oder als ſchütteres, flatteriges, offenes Vlies. Filzig wird ein Vlies, wenn dasſelbe am Schnittende ſo dicht verbunden und eng zuſammengewachſen iſt, daß ſich die Wollhaare nicht daraus löſen können; filzige Wolle iſt zur Fabrikation faſt untauglich. Eine weitere fehlerhafte Verbindung der Stapel geſchieht durch einzelne Wollhaare, welche von einem Stapel zum anderen überlaufen, von den Bindehaaren aber ganz verſchieden ſind. Man nennt dieſelben falſche Haare oder Überläufer. Ferner können im Vlieſe eigentümliche Glanz⸗ oder Hundshaare vor⸗ kommen; dieſelben finden ſich meiſtens am Kopfe und am Wolfsbiſſe. Solange ſie nur an einzelnen Stellen vorkommen, begründen ſie keinen beſonderen Tadel für das Vlies. Mit ihnen nicht zu verwechſeln ſind die Stichelhaare. Dieſe ſind kurze, dicke Haare, welche ſich bei Lämmern und in Vlieſen ralt den. ſchig dern pelen dder ütbe pel⸗ eden nan die unng hes ter⸗ und Die Wolle im Vlieſe. Die innere Beſchaffenheit des Vlieſes. 95 älterer Tiere vorfinden. Die Wolle wird durch ſie nicht allzu tadelhaft, da ſie bei der Sortierung wegen ihrer Kürze herausfallen. Die innere Beſchaffenheit des Plieſes. Ein normales Vlies muß rein ſein, d. h. frei von der Einmiſchung fremder Stoffe(Futterteile, Kletten). Im ſüd⸗ lichen Rußland, Auſtralien z. B. werden die Vlieſe nicht ſelten durch Kletten und Grasſamen(stipa pennata und capillata) verunreinigt. Ein zweites unerläßliches Erfordernis iſt die Ausgeglichenheit, d. h. es müſſen alle wichtigeren Eigenſchatten, wie Elaſtizität, Kraft, gute Stapelung uſw., vorhanden ſein. Auch ſollte man nicht zu viele Feinheitsſorten in einem Vlieſe finden; je geringer die Feinheitsunterſchiede in demſelben ſind, deſto ausgeglichener iſt es. Doch wäre es widerſinnig, ein Vlies von gleicher Feinheit in allen ſeinen Teilen erzeugen zu wollen; es ſoll nur möglichſte Vollkommenheit der Aus⸗ geglichenheit angeſtrebt werden, beſonders bei den Muttertieren. Die Kunſt des Züchtens iſt jetzt ſchon ſo weit gediehen, daß vier Fünftel des ganzen Vlieſes in ein Sortiment geſtellt werden können. Früher teilte man, wie Jeppe in ſeiner „Terminologie der Schafzucht und Wollkunde“ lehrt, das Vlies in 118 Teile ein, welche Einteilung ich aber für unnötig und zwecklos halte. Für die Beobachtung der Ausgeglichenheit genügen folgende Körperſtellen: a) am Hauptteil(Blatt, Seiten, Rücken, Bauch), b) am Vorderteil(Widerriſt, Hals, Kopf, Oberarm), c) am Hinterteil(Kreuz, Schwanzwurzel, Wolfsbiß). Oder man teilt die Wollpartien eines Schafes nach ſieben Graden ein. Die Figur 40 zeigt die Güte der Wolle, reſp. die Beobachtung auf die Güte fängt bei Nr. 1 an; die Güte der Wolle nimmt ab, je höher die Zahl ſteigt. Es ſcheint zweckmäßig, noch nachſtehende Beobachtungen hinzuzufügen. Kopf: Ein hohle Wolle am Kopf gilt als Zeichen von Woll⸗ armut. Widerriſt: Der Fehler des Zwirnens offenbart ſich hier am Bauche zuerſt; flattrige oder längere offene Wollen ſcheiteln ſich hier am Widerriſt und geben dadurch die Begünſtigung ungünſtiger äußerer Einflüſſe. Der Übelſtand findet in um ſo 96 Zweiter Teil. Wollkunde. höherem Maße ſtatt, wenn der Körper des Schafes hinter dem Widerriſt eingeſchlagen und wenn der Rücken ſchmal iſt, ſo daß Widerriſt und Rückgrat herausſtehen. Keule: Da die Ausdehnung dieſer Stelle ziemlich groß iſt, . — d 3 : 4 ————— 7 — — 45½01l 16 a ee ee e ee lo& a0g vS 1 u e eee er iieeee ſo leuchtet es ein, daß hier die verlockendſte Stelle iſt, um die Wolle durch paſſendere Auswahl der Zuchttiere zu veredeln. Bauch: Die geringere Beſchaffenheit der Bauchwolle hat den hauptſächlichſten Grund in äußeren Einflüſſen. Je mehr dieſe durch reichliche Einſtreu und zweckmäßige Haltung beſeitigt werden, um ſo mehr nimmt die von Natur feinere Bauchwolle Die innere Beſchaffenheit des Vlieſes. 97 auch in Beziehung auf ihre übrige Brauchbarkeit zu. Ein gut bewollter Bauch iſt immer ein gutes Zeichen. Der untere Teil der Füße trägt eine kürzere Wolle von viel geringerer Beſchaffenheit. Je nach der Zuchtrichtung hat man mehr oder weniger gut bewollte Füße; aber ein dichter bewollter Unterfuß gilt als Zeichen einer guten Bewachſenheit. Bei Unterſuchung von Zuchttieren, beſonders Zuchtböcken, iſt es von Wichtigkeit, die Wolle an den benannten Körperteilen zu prüfen. Handelt es ſich darum, ſich ein flüchtiges Urteil zu verſchaffen, ſo genügt es, die Unterſuchung auf die Hauptteile(Blatt, Kreuz, Schwanz⸗ wurzel) zu erſtrecken. Über die Beurteilung des Vlieſes im ungewaſchenen Zu⸗ ſtande auf dem Schafe habe ich bereits im Teile der Züchtungs⸗ kunde das Nötige erwähnt. Was die Beurteilung des ge⸗ waſchenen Vlieſes betrifft, ſo beſteht die wichtigſte Veränderung in einer Verringerung der Stapelhöhe, welche durch Zuſammen⸗ ziehen und Ineinanderlaufen der Kräuſelungsbögen herbeigeführt wird. Auch ſonſt beobachtet und prüft man die Wolle auf die Elaſtizität, Krimpkraft uſw., wie erwähnt. Der Geruch iſt ebenfalls maßgebend; je aromatiſcher und kräftiger derſelbe iſt, deſto mehr Nerv hat die Wolle. Eine weitere Beurteilung der Wolle kann durch Entfetten derſelben mittelſt Schwefel⸗ kohlenſtoffes vorgenommen werden. Schließlich läßt ſich die Wolle nach Proben beurteilen. Bei der Beurteilung eines Vlieſes auf die Wertſchätzung kommt die Wollmenge und das Vlies⸗ gewicht in Betracht. Das Schurgewicht eines Schafes, alſo die Wollmenge, wird durch die Größe und Art des Wollfeldes, den Gehalt an Fettſchweiß und durch den Körperumfang des Tieres beſtimmt. Beim Vliesgewicht unterſcheidet man das ſcheinbare und das wirkliche Gewicht. Der Wert eines Vlieſes geht her⸗ vor aus der Summe aller guten Eigenſchaften, ausgedrückt in Geldwert für eine Gewichtseinheit, multipliziert mit dem Ge⸗ wichte des Vlieſes. Die Wolle unterſcheidet man nach dem Alter in Lammwolle(erſte Schur) und Jährlingswolle (zweite Schur) und nach dem Geſchlechte in Bock-, Mutter⸗ und Hammelwolle; ferner unterſcheidet man ſie noch als Schur⸗, Rauf⸗, Sterblings⸗ und Gerberwolle. Raufwolle heißt die nach einer Krankheit abgeſtoßene, Sterblingswolle die von Fellen Heyne, Schafzucht. 7 98 gweiter Teil. Wollkunde. abgeſchorene, und Gerberwolle die beim Gerben der Felle ab⸗ gebrachte Wolle; dieſe drei letzten Arten ſind aber minderwertiger als die Schurwolle. Bei der Schurwolle ſpricht man von Vlies⸗ wolle, die aus ganzen, zuſammenhängenden Vlieſen beſteht, und von Lockenwolle, welche die abfallenden kleineren Partien der Extremitäten in ſich ſchließe. Man unterſcheidet ein- und zweiſchürige Schurwolle; die zweiſchürige iſt immer etwas minderwertiger; zuletzt kommt die Schurwolle als Schweiß⸗ (ungewaſchen) und Waſchwolle(nach der Schur gewaſchen) vor. Unter Griff und Natur der Wolle verſteht man das Verhalten der Wolle in der Volumenveränderung. Bei Beſichtigung einer Wolle greift der Fabrikant aus dem Ballen ein volles Quantum heraus und preßt dasſelbe durch feſtes Schließen der Hand zu⸗ ſammen. Vermindert ſich das Volumen wenig, ſo heißt der Griff voll und iſt ein Beweis dafür, daß die Wolle dicht und gleichmäßig iſt; nimmt aber der Griff Wolle, nachdem die Hand ſich geöffnet hat, ſein früheres Volumen ſchnell wieder an, ſo quillt die Wolle und zeigt hohe Geſchmeidigkeit. Der Fabrikant liebt ſolche Wolle. Der Griff iſt hohl und leer, wenn ſich das Volumen ſehr vermindert.— Mit dem Worte„Natur“ be⸗ zeichnet der Fabrikant vorzugsweiſe das Geeignetſein der Wolle für die Fabrikation. Die Schur. Der Ort, an welchem die Schur ſtattfinden ſoll, richtet ſich ganz nach den Lokalitäten. Derſelbe muß gut gereinigt und völlig ſtaubfrei ſein. Soll die Schur gut ſein, ſo muß das Abſcheren möglichſt dicht an der Haut und ganz glatt vorgenommen werden. Das Vlies muß in ſeinem natürlichen Zuſtande erhalten bleiben und darf nicht beſchmutzt werden. In welcher Weiſe geſchoren wird, iſt genügend be⸗ kannt. Empfehlenswert ſind die einfachen engliſchen Schaf⸗ ſcheren; die Schermaſchine(Haubner in Berlin) iſt nur bei faltenloſen Tieren angebracht. Bevor die Wolle auf den Markt gebracht wird, iſt das Zuſammenlegen, Binden und Verpacken derſelben vorzunehmen. Sobald ein Schaf geſchoren iſt, ſollte ſein Vlies gewogen, die haarigen und ſchmutzigen Stücke, welche ſich am Bauche und an den Hinterbeinen befinden, abgeriſſen und die Futterreſte herausgeleſen werden. Nachdem das Vlies von allen verſchlechternden Anhängſeln befreit iſt, legt man dasſelbe zuſammen, ſchiebt ſeine Mitte in den Stapeln zu⸗ ln elle d verbye Nos T Ules beſtet Arti Die Schur. 99 ſammen, packt, wenn einzelne, abgeriſſene, weiße Stücke vor⸗ handen ſind, dieſe ſo auf das Vlies, daß ſie mit ihrem Schnitt⸗ ende auf die Stapelgipfel zu liegen kommen, ſchlägt zuerſt die beiden Bauchſeiten ein, doch ſo, daß kein Rand über den anderen hinausreicht, verfährt ebenſo bei dem Kopfe und Schwanzende und klappt das Ganze in der Mitte noch einmal zuſammen, rollt die ſo entſtandene Wulſt von beiden Enden her gleichmäßig zuſammen und bindet das auf dieſe Weiſe würfelartig geformte Vlies kreuzweiſe mit einem Bindfaden. In manchen Gegenden legt man zwei bis drei Vlieſe auf⸗ einander. Es iſt dann darauf zu achten, daß das Schnittende des zweiten Vlieſes auf das Gipfelende des erſten uſw. und Hals auf Hals zu liegen kommt. Man ſollte unter allen Umſtänden nicht zu feſt packen, ſodann die einzelnen Gattungen, wie Mutter⸗, Bock⸗, Hammel⸗, Jährlings⸗, Lamm⸗ und Locken⸗ wolle für ſich getrennt in Ballen verpacken. Bei Schweiß⸗ wollen ſoll die Wolle, ehe ſie verpackt wird, zwei bis drei Tage auf trockenem Boden offen liegen bleiben. Eine ſpezielle Sortierung der Wolle nach Feinheit ſeitens des Produzenten halte ich für unnötig, weil der Fabrikant doch die Wolle nach eigenem Sortiment ſortieren muß. Über den Verkauf läßt ſich nicht viel ſagen. Man verkaufe nach landesüblicher Sitte und konjunkturgemäß oder ſende die Wolle auf eine Wollauktion; man liefere die Wolle ſo gut als möglich ab; jeder Produzent ſollte beſtrebt ſein, die Wolle auf das ſauberſte zum Verkaufe herzuſtellen.— Wie die Wolle nun vom Fabrikanten verarbeitet wird, über dieſe Manipulation wird ſich der dritte Teil aus⸗ laſſen. Dritter Teil. Techniſche Verarbeitung der Wolle. Schon im Altertum verwendete man Tierhaare zur An⸗ fertigung von Geweben. Beſonders war und iſt es noch heute die Schafwolle, welche in der Verarbeitung eine wichtige Rolle ſpielt; die Benutzung anderer Tierhaare verſchwindet faſt. Die heutige Wollinduſtrie verarbeitet aber auch noch die Haare von verſchiedenen anderen Tieren zu Geweben; namentlich ſind noch folgende Rohſtoffe von Bedeutung: 1. die feine, aber kurze Vigognewolle(Vicunna) ſtammt von einer in Amerika lebenden Lamaart gleichen Namens und wird meiſt zu Strumpfgarn verarbeitet. 2. Die Alpakawolle rührt her von einer Art des Lama, dem Pako, Alpako(Auchenia paco). Das Wollhaar iſt vor⸗ trefflich in Glanz, Weichheit und Länge und wird in Verbindung mit anderen Stoffen viel zur Herſtellung von Modeſtoffen gebraucht. 3. Die Lamawolle, weniger bedeutend, wird meiſtens mit Alpakawolle gemiſcht. 4. Die Angora⸗ oder Mohairwolle ſtammt von der Angoraziege(Capra hircus angorensis). Das Haar ſelbſt hat eine wunderbar weiße Farbe, weshalb es viel verarbeitet wird. 5. Die Kaſchmirwolle beſteht aus dem feinen Grundhaare der perſiſchen und tibetaniſchen Kaſchmirziege(Capra hircus laniger) und wird viel zu Schals verarbeitet. 6. Endlich wird noch das Unterhaar des Kamels zu manchen Fabrikationszwecken gebraucht. amel Lana, t vo⸗ ndung ſfen ns nit n der Tuchfabrikation. 101 Die Verwendung dieſer Wollen iſt nun eine ſpärliche; im reinen Zuſtande werden dieſelben faſt nie verarbeitet, ſondern ſtets der Schafwolle beigemiſcht. So verſchiedenartig auch die Wollfabrikation iſt, ſo verfolgt ſie doch in ihrem Betriebe zwei Hauptzurichtungen: 1. die Herſtellung tuchartiger Zeuge, 2. die Herſtellung glatter Wollenzeuge oder Kammwollen⸗ zeuge. A. Tuchfabrikation. Im großen und ganzen unterſcheidet man die Wollen in kurze und lange. Die kurzen Wollen werden Tuch⸗ oder Streichwollen ge⸗ nannt. Zu Halbkammgarnen dienen meiſt die Wollen von mittlerer Länge und Kräuſelung. Unter den Tuch⸗ oder Streich⸗ wollen ſtehen die Merinowollen obenan. Für die Tuch⸗ manufaktur ſind günſtig: deutſche Merinowollen, ſpaniſche ungariſche Wollen, Kapwollen, auſtraliſche Wollen, La Plata⸗ Wollen, ſüdruſſiſche Wollen. Die erſte Manipulation bezieht ſich auf die Sortierung der Wolle. Dieſes geſchieht in derſelben Weiſe wie bei der Kammgarnfabrikation, nur mit dem Unterſchiede, daß in der Tuchfabrik viel ſchärfer und genauer ſortiert wird. Man ſtellt folgende Sortimente auf: Super Elekta I, Super Elekta II, Elekta, Prima I, Prima II, Sekunda l, Sekunda II, Tertia. Natürlich ſind die Einteilungen ganz willkürlich genommen; ſo z. B. wurde in der Tuchfabrik von Hermann und Sohn in Biſchofswerda nach Nummern ſortiert. Nr. 13 kam gleich Super Elekta I, 12„„ Super Elekta II, 11 wurde ausgelaſſen 10 kam gleich Elekta II, / „ 9„„ Prima 1, „ 8„„ Prima II, „ 7„„ Selunda 1, „ 6„„ Sekunda II, „ 5„„ Toertia, „ 4 Quarta. 102 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. Iſt nun die Wolle ſortiert, ſo kommt ſie ebenſo wie in der Kammgarnfabrikation in die Wäſcherei, wird aber nicht erſt gewolft, ſondern kommt direkt in den Leviathan, d. h. wenn die Wolle als Rückenwäſche eingekauft worden iſt; wenn ſie der Fabrikant in Schmutz gekauft hat, ſo iſt ſie einer Vorwäſche in warmem Waſſer zu unterwerfen. Da es Aufgabe des Streichgarnſpinners ſein ſoll, die Krimpkraft zu erhalten und womöglich zu erhöhen, ſo glaubt er dieſes am beſten erreichen zu können, wenn er die Wolle in Urin wäſcht; er ſagt ſich, Soda greift die Wolle zu ſehr an, ſie wird hart und barſch. Den Urin verdünnt man mit warmem Waſſer, erwärmt die Miſchung bis zu 38— 50°R. und läßt die Wolle im erſten Baſſin 10—15 Minuten lang ſtehen, um dann durch die anderen Bäder zu gehen. In einigen Fabriken erſetzt man den gefaulten Urin künſtlich, wobei auf 100 kg Wolle 1 kg kohlenſaures Ammoniak kommtt; bekanntlich enthält der gefaulte Urin freies und kohlenſaures Ammoniak. In anderen Fabriken wieder ſtellt man Laugen von Harz⸗ oder Fettkernſeife her (5— 15 kg auf 100 kg Wolle). Hat die Wolle den Waſch⸗ apparat verlaſſen, ſo kommt ſie in ein Bad kalten Waſſers, um ſie vollends zu reinigen und zu entfetten. Gerade bei der Tuchfabrikation ſpielt dieſer Akt eine große Rolle; denn je kälter das Spülwaſſer iſt, um ſo reiner und ſchöner wird die Wolle; die höchſte Temperatur iſt wohl 8⁰ R. Nachdem die Wolle die Spüle verlaſſen hat, muß ſie getrocknet werden. Dieſes geſchieht entweder durch die Zentrifugaltrockenmaſchine oder in einer Trockenſtube. Aus der Trockenſtube wird die Wolle entweder gefärbt, oder ſie kommt ungefärbt in die Spinnerei. Im erſteren Falle iſt zu bemerken, daß nur mit echten Farben gefärbt werden darf, z. B. mit Indigoblau. Die ge⸗ färbten Wollen kommen, ehe ſie in die Spinnerei gehen, noch⸗ mals auf den Trockenboden; die ungefärbten dagegen wandern ſofort in die Spinnerei. Bis hierher unterſchied ſich die Tuch⸗ fabrikation von der Kammgarnfabrikation ſehr wenig; von nun an aber ſchlagen beide Richtungen ihren beſonderen Weg ein; die Streichgarnſpinnerei verlangt möglichſt viel Faſerenden an der Oberfläche des Haares. Die Kräuſelung des Haares iſt erwünſcht und die kurzen Wollen ganz erwünſcht. Doch ehe vie i t nich . vem ſie dr wwüſte he de en und rricen it ſih barſt. ent di eer ch d t mm 61 gecul abribe ffe her Viſc⸗ t, um dei de enn je ird de em di verden gichne id d in d echen die ge loh⸗ anden Tl⸗ n vun gei. den al ns ii G— Die Streichgarnſpinnerei. 103 wir zur Spinnerei übergehen, will ich noch einige Ergebniſſe über Wollverluſte der einzelnen Sortimente geben. Während meines Aufenthaltes in der Tuchfabrik von Hermann und Sohn in Biſchofswerda im Jahre 1889 bin ich zu folgenden Reſultaten gelangt. Bei der Verſchiedenartigkeit der Wollwaſchverluſte der einzelnen Schäfereien, indem nur Rückenwäſchen verarbeitet wurden, differierte der Waſchverluſt in dem Sortiment Super Elekta II zwiſchen 51— 55%; dagegen zeigte Sortiment Prima 36— 45%, Sekunda 32— 35%: Tertia ſchwankte zwiſchen 25— 30%. Aus den verſchiedenſten, aber genau beſtimmten Reſultaten ergab ſich folgendes Durchſchnittsmittel: Der Waſchverluſt betrug bei Rückenwäſche im Sortiment: Nr. 13 Super Elekta 1¹)(konnte nicht ermittelt werden) „ 12„„ II. 5 3— 56 0%% „ 10 Elekta 48— 52% „ 9 Prima 1 44— 47% 2 50 „ 8„ II 38— 47% 39. 47% „ 7 Selunda l 35— 39% 0 „ 6„ II 30— 45% 30 39 10 5 Tertia 25— 29% 4 Quarta(konnte nicht ermittelt werden). Die Streichgarnſpinnerei. Nach dem Waſchen und Trocknen, reſp. Färben, muß die Wolle zunächſt aufgelockert, dann aber auch von den Unreinig⸗ keiten befreit werden. Es geſchieht dies mittelſt Maſchinen, die den Namen„Wölfe“ führen und je nach dem Zwecke, welchem ſie dienen, verſchieden konſtruiert ſind. Man unter⸗ ſcheidet: Klopf- oder Schlagwölfe, Reißwölfe, Klettenwölfe. In den Klopf⸗ oder Schlagwölfen ſoll der noch vorhandene Staub aus der Wolle entfernt werden. Die Reißwölfe haben die Aufgabe, ſämtliche Wollhärchen aus ihrer engſten Ver⸗ bindung zu befreien und die einzelnen Wollhaare ſo kurz als möglich zu zerreißen ſowie die Wolle zu mengen. Um eine dritte Farbe zu erlangen, werden häufig zwei Wollfarben ge⸗ ¹) Super Elekta I und Quarta wurden nicht gewaſchen.— 104 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. miſcht, z. B. weiß und ſchwarz, was graue Wolle gibt; der Fabrikant nennt ſolche gemiſchte Wolle„Melange“. Bei Melange wird zuerſt jede Farbe für ſich, erſt nach gehörigen Mengen werden beide Farben zuſammen gewolft. Die Klettenwölfe haben die Aufgabe, die Wolle von der Klette zu befreien. Dieſelben ſind nach zwei Syſtemen kon⸗ ſtruiert: 1. Die Kletten werden aus der Wolle herausgeſchnitten. 2. Die Wollfaſer wird von der Klette abgezogen und dieſe ſomit iſoliert. Das Entkletten der Wolle findet in neueſter Zeit auch auf chemiſchen Wege ſtatt, durch Karboniſieren. Dieſes Verfahren beſteht darin, daß man die Wolle mit ver⸗ dünnter Schwefel⸗ oder Salzſäure behandelt; die Wollfaſer wird hierdurch nicht angegriffen, während die vegetabiliſchen Subſtanzen durch Einwirkung der Säure verkohlen und die verkohlten Kletten durch Verarbeitung in einem Schlagwolf ausgeſchieden werden. Ehe die Wolle verarbeitet werden kann, muß ſie geölt oder gefettet werden. Der Zweck des Einölens iſt, die Wolle zum Krempeln und Spinnen tauglicher zu machen; der des Einfettens geht dahin, der Wolle auf künſtlichem Wege einen höheren Grad von Elaſtizität zu verleihen, um ſie fähiger zu machen, einmal den angreifenden Manipulationen bei Ver⸗ arbeiten ſtärkeren Widerſtand zu leiſten, dann aber auch, um das Aneinanderlegen der Haare zu erleichtern und dadurch ein glattes, haltbares Garn zu erzielen. Zum Einfetten eignet ſich am beſten dünnes flüſſiges Ol, welches ſchwer oder gar nicht austrocknet und keinen der Wolle ſchädlichen Sand noch auch Alkalium enthält; man verwendet dazu Baumöl, Rüböl, Tran, Olein, welches aber frei von Schwefelſäure ſein muß; auf 100 Pfund Wolle 12 Pfund Ol. Je feiner die Wolle iſt, deſto mehr Ol iſt notwendig; bereits gefärbte Wolle bedarf mehr als weiße. Das Einölen ſelbſt geſchieht entweder mit der Hand oder mittelſt automatiſch wirkender Einölapparate, welche an dem Wolfe ſelbſt angebracht ſein können, oder ver⸗ mittelſt eines Olerwolfes ſelbſt. Bei Anwendung der letzteren wird nicht nur Zeit erſpart, ſondern die Miſchung und Ver⸗ teilung des Ols auf die Wolle findet auch weit gleichmäßiger ſtatt. Die gewolfte Wolle bringt man in Körbe und übergibt ſnitt. dee eleſte ſeren t ver Uüicer lſche d de gwof get Vole r do einen er i der —, unl heil t ſch rict ·adch Tun. „aij e ſt eder nnt arate Die Streichgarnſpinnerei. 105 ſie der nächſten Maſchine, der Krempel. Das Krempeln, auch Streichen(daher der Name Streichgarn), Kratzen oder Kar⸗ tätſchen genannt, wird durch die Maſchine der Krempel aus⸗ geführt. Der Zweck des Krempelns der Wolle iſt, die ein⸗ zelnen Haare noch mehr zu zerreißen und möglichſt viel Rich⸗ tungen miteinander zu verwirren, teils um ſie inniger zu verfilzen, teils um mehr Haarenden zu erhalten, die ſich an die Oberfläche ziehen laſſen. Der weitere Zweck iſt, die Wollhaare zu einer gleich— förmigen Maſſe umzuwandeln, um ſie zum kräftigen Filzen vor⸗ zubereiten. Weiter werden die noch vorhandenen Unreinigkeiten ſowie die zu kurzen Härchen abgeſondert. Zu dieſem Prozeſſe werden drei, zuweilen vier Krempeln angewendet, nämlich eine Reißkrempel, eine Pelzkrempel und eine Vorſpinnkrempel. Der Gang der Fabrikation iſt folgender: Die gewolfte Wolle wird auf dem Zufuhrtiſch der Reißkrempel in gleichmäßigen Mengen aufgelegt und durch Krempel ſelbſt ſo zerteilt, daß die Haare in gleicher Richtung nebeneinander und in ununterbrochener Aufeinanderfolge als ein zuſammenhängendes Stück, als Pelz, hervorkommen. Die Reißkrempel vereinzelt die Wollhaare noch bei weitem nicht ſo, als es für ein gutes Garn notwendig iſt. Um ſie noch mehr zu vereinzelnen, bringt man den von der Reißkrempel erzeugten Pelz oder Vlies auf die Pelzkrempel, wo dieſelbe Bearbeitung, nur mit feineren Kratzenbeſchlägen vor ſich geht. Das Vlies darf hier nicht der Lage der Haare entſprechend aufgelegt, ſondern muß gekreuzt, d. h. ſo auf den Zufuhrtiſch gelegt werden, daß das Wollhaar querüber zu liegen kommt. Obgleich die Pelzkrempel die Wollhaare feiner zerteilt, ſo wird doch durch das Kreuzen bewirkt, daß die Haare durcheinanderkommen. Von der Pelzkrempel iſt der bearbeitete Pelz regelmäßig abzunehmen und in derſelben Richtung der Vorſpinnkrempel zu übergeben. Dieſe, mit noch feineren Kratzenbeſchlägen verſehen, bewirkt eine noch feinere Zuberei⸗ tung der zuſammenhängenden Wollhaare und vollendet die Vermengung der Farben und die Regelmäßigkeit der Lage der Wollfaſer. Das Krempeln endet mit den von dem Vorſpinn⸗ krempel erhaltenen, loſe zuſammengehaltenen Vorgarnfäden, die, von Walzen aufgenommen, in dieſem Zuſtande der Fein⸗ ſpinnmaſchine übergeben werden. Der Zweck der Feinſpinn⸗ maſchine iſt, das loſe Vorgarn vermittelſt Drehung und Aus⸗ 106 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. ziehung zu einem feſten Faden zu bringen. Das Ausziehen bewirkt die Feſtigkeit nicht allein, daneben muß auch gedreht werden, um Haltbarkeit hervorzurufen. Die Drehung der Fäden kann lang oder kurz, rechts oder links ſein. Je feiner das Garn iſt, um ſo mehr Drehungen bedarf es; im allge⸗ meinen hängt die Drehung von der Wolle, der Garnfeinheit und der Verwendung des Garnes ab. Nach der Verwendung des Garnes richtet ſich ſeine Drehung; man unterſcheidet Ketten⸗, Halbketten⸗ und Einſchlagdrehung. Die Kettendrehung muß ſelbſtverſtändlich ſo ſtark ſein, daß das Garn ſeinen nötigen Halt hat, wie ihn Ketten für Tuch erfordern. Unter Halbketten verſteht man ein Garn mit etwas ſcharfer Drehung, welches zu Schluß verwendet werden ſoll; Einſchlagdrehung iſt eine loſe Drehung, die wenigſtens ſo ſtark ſein muß, daß das Garn das Abwinden von der Spule und das Schließen bei dem mechaniſchen Vorweben aushält. In Anbetracht der verſchiedenen ſcharfen Drehungen haben Garne von gleicher Nummer nicht die gleiche Fadendicke. So ſieht z. B. Ketten⸗ garn um eine Nummer feiner aus als loſe gedrehtes Schuß⸗ garn von gleicher Nummer und Färbung. Die Drehungsrichtung iſt für die Kette meiſtens von links nach rechts, für Schuß von rechts nach links. Wie bereits erwähnt, iſt der von der Vorſpinnkrempel erhaltene Faden auf die Feinſpinnmaſchine durch mehrmaliges Ausziehen und ſtärkeres Drehen in Garn zu verwandeln. Man unterſcheidet in der Tuchfabrikation drei Arten von Spinnmaſchinen: 1. die Watermaſchine, 2. die Ring⸗ ſpinnmaſchine, 3. den Selfaktor. Die ausführliche Beſchreibung dieſer Maſchinen iſt nicht Zweck dieſer Schrift, doch bleibe nicht unerwähnt, daß am meiſten der Selfaktor angewendet wird. Die Hauptteile eines Selfaktors ſind: das Streckwerk, der Kopf, der Wagen. Der Selfaktor verrichtet in beſtimmten Zeiträumen ver⸗ ſchiedene Arbeiten in ſtets gleicher Reihenfolge. Hierin liegt der Grund, warum er in faſt allen Spinnereien der Neuzeit angewendet wird. Durch geiſtreiche Kombinationen wirkt er ſelbſttätig, braucht wenig Menſchenhände zur Bedienung. Sind die Walzen durch die Feinſpinnmaſchine gefüllt, ſo wird das Garn abgehaſpelt. Der Umfang des Haſpelns, ſowie die Garn⸗ maſſe zum Verkauf waren bis zur Einführung der einheitlichen Wjiehen Ndret ing de e fäier Rallg⸗ peinhet dendan ſſchde drehan einen Unte prehung drebeng ſictem Sötut von der nſſchi rGemn on dii Nn⸗ Die Streichgarnſpinnerei. 107 Garnnumerierung ſehr verſchieden, man hatte acht Haupt⸗ einteilungen zu unterſcheiden, die in Deutſchland, England und Frankreich in Gebrauch waren. Nach dem metriſchen Syſtem iſt der Haſpelumfang für Streichgarn zu 1,50 m vorzuſchlagen oder er iſt in Einheit mit dem engliſchen Yard und den franzöſiſchen gebräuchlichen Maßen für faſt alle Spinnſtoffe: 1,37 m. Die einheitliche Nummer gibt die Anzahl der Stränge à 1000 m an, die auf 1 kg gehen. Sodann iſt die Nummer auf die Konditionierung zu baſieren, und zwar bis zum abſoluten Trocknen bei einem niedrigeren Temperaturgrade als derjenige iſt, bei welchem die Faſer ſich zerſetzt. Wie bereits erwähnt, hat der Garnhaſpel oder die Weife in den verſchiedenen Ländern einen verſchiedenen Umfang. Die engliſche Weife hat 54 Zoll engl.= 1 ½ Yards= 1,371 m Umfang. Die Menge der Zahlen, welche auf 1 Pfund engl. (0,4536 kg) gehen, bezeichnet die Garnnummer. Haſpelumzüge. Zahl Gebinde oder Fäden NYards Meter 1 7 560 860 768 — 1 80 120 109(5/1) —— 1 1,5 1,371 0,847 mal engliſche Nummer gibt die franzöſiſche Garn⸗ nummer. Die franzöſiſche Weife hat 1,42861 m Umfang. Die Menge der Zahlen, welche auf 0,5 kg lauten, bezeichnet die franzöſiſche Garnnummer. Haſpelumzüge. Zahl Gebinde oder Fäden Meter 1 10 700 1000 — 1 70 100 —— 1 1,4286. 0,768 ſind= 1 engliſche Zahl und 1,0971 Gebinde ſind = 1 engliſches Gebinde; 1,18 mal franzöſiſche Nummer gibt die engliſche Nummer. Die öſterreichiſche Weife hat 2 ¶ Wiener Ellenumfang. Die Menge der Zahlen, welche auf ein Wiener Pfund gehen, bezeichnet die öſterreichiſche Nummer. Die öſter⸗ reichiſche Zahl= 7 Gebinde= 700 Fäden. 108 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. 8 Vergleichstabelle der früheren verſchiedenen Streichgarnnummern mit der einheitlichen Nummer. „. 2. Einheitliche, 5 3 Garnnummern 55 V 2* 2 5⁸ 5* 15 25 55.1 1 4,43 2,04 4,13 2,76 1,74 1,64 V 0,69 1 6 5,31 2,45 4 46 3,31 2,09 97 0,83 3 8 7,09 3,26 6,62 4,41 2,79 2,62 1,11 10 8,86 4,08 8,27 5.51 3,49 3,28 1,39 d 12 10,6 4,90 9,92 6,61 4.19 3,84 1,67 15 13,3 6,12 124 8,27 5,23 4,82 2,08 20 17,7 8,16 16,5 11,0 6,97 6,56 2,78 25 22,2 10,2 20,7 13,8 8,71 8,20 3,47 30 26,6 12,2 24,8 16,5 10,4 9,83 4,17 40 35,4 16,3 33,1 22,1 13,9 13,1 5,56 50 44,3 20,4 41,3 27.6 174 16,4 6,54 60 53,4 20,5 49,6 33 20, 19,7 8,33 . ſ Es wird alſo auch die Feinheit des Streichgarns durch die Länge des Fadens, alſo durch die Meterzahl beſtimmt, welche auf 1 Pfund geht. Die Ausdrücke Nr. 3, 4, 7, 8 uſw. Bezeichnung der Feinhelt In Böhmen und In Preußen In Sachſen Meter Mähren Stücke von— in 1 Pfund 1 Strähne von 20 Gebind Zahlen von Strähne von von 500 g b 22 Klapp oder 1808 m 1434 m 452 m 678 m auf 1 Wiener Pfund p 3 — 560,012 g V auf 1 Pfund von 500 g 2ſtückig 1 ⅛(1,878) 66G 958) 4(3,972) 2 693 3„ 2 5(2,816) 9(8.936) 6(5,957) 4 038 4„ 3 ¾ 3,756) 12(11,915) 807,943) 5 386 5„ 4 6(4,694) 15(14,894) 10 9,929) 6 732 6„ 5 ½ 55,633) 18(17,874) 12(11,915) 8 078 7„ 6 ½(6,572) 21(20,851) 14(13,901) 9 425 S8„ 7 ½ 77,511) 24(23,830) 16(15,887) 10 771 b 9„ 8 ½(8,450) 27(26,808) 18(17,872) 12 118 10„ 9 ⅞ 9,389) 30(29,787) 20(19,85) 13 464 I1„ 10 ⅓(10,328) 33(32,766) 22(21,844) 14 810 12„ 11 ¼(11,267) 26(35,745) 24(23,830) 16 157 15„ 14(14,083) 45(44,681) 30(29,787) 20 196 20„ 18 ¼(18,778) 60(59,575) 40(39,716) 256 928 25„ 22 ½(23,473) 74(74,469) 50(49,646) 33 660 30„ 28 ⅛(28,167) 89(89,363) 60(59,575) 40 392 Die Tuchweberei. 109 können nur unter Vorausſetzung einer gewiſſen Länge und eines gewiſſen Pfundes Sinn haben. Vorſtehende Tabelle ſoll die Erläuterung dazu geben ¹). Sind die Garne abgehaſpelt, ſo kommen wir zur Weberei. Die Tuchweberei. Nachdem der Spinner die geſponnenen Garne abgeliefert hat, können dieſelben nicht ſofort zur Weberei verwendet werden; es ſind noch verſchiedene Vorbereitungen nötig, um die fertig geſponnenen Garne zu verwenden, ſei es Ketten⸗ oder Schußgarn. Mit der ſtrengen Unterſcheidung der Kette vom Schuß hat es die Weberei überhaupt zu tun, da der Begriff„Weben“, „Gewebe“ dieſe Unterſcheidung als unerläßlich vorausſetzt; denn unter dem Namen„Gewebe“ verſteht man eine durch Verſchlingung von zwei rechtwinklig gegeneinander gerichteten Fadenſyſtemen hervorgebrachte Fläche. Das Weben unter⸗ ſcheidet ſich vom Stricken dadurch, daß bei dieſem der Stoff durch einen einzigen Faden, durch ein Fadenſyſtem, welches künſtlich verflochten iſt, gebildet wird. Zur Anwendung kommt dasſelbe beim Verfertigen der Strümpfe, indem der Faden einfach zu Maſchen verſchlungen wird, während dieſe beim Stricken der Netze zur Befeſtigung mit Knoten verſehen werden. Ein Strumpf kann daher durch Offnen einer Maſche vollſtändig auseinandergezogen werden, ein Netz dagegen nicht. Von den beiden Syſtemen von Fäden, welche ein Gewebe bilden, läuft das eine der Länge nach und wird von dem anderen in trans⸗ verſaler Richtung durchſchnitten. Erſtere Fäden bilden die Kette des Gewebes, während letztere Schuß(Einſchlag) genannt werden. Während die Fäden der Kette einzeln getrennt von⸗ einander und demnach an den beiden Bändern zur Umkehr genötigt ſind, bilden die Schußfäden in der Regel ein fort⸗ laufendes Band, welches jene von rechts nach links und von links nach rechts durchkreuzt. Hierdurch entſteht an ſämtlichen Enden des Gewebes die ſogenannte Kante, die man zum Zwecke des beſſeren Anſehens und der größeren Feſtigkeit des Stoffes ſehr häufig aus verſchiedenfarbigen Kettenfäden beſtehen läßt. Die ¹) Karmarſch, Technologie. 110 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. Vorbereitungsarbeiten der Kette zerfallen in die Operationen des Spulens, Scherens, Leimens und Bäumens. Der Spinner liefert die Streichgarne in Form von Strängen; deshalb iſt das Spulen eine Notwendigkeit. Das Spulen geſchieht auf die einfachſte Weiſe mittelſt eines dem Handſpinnrad ähnlichen Inſtrumentes; der Faden des Strähns wird von einer Garn⸗ winde, welche ſich leicht drehbar auf einem Geſtelle bewegt, auf die Spule geleitet, die ſich auf einer mittelſt Treibrades in Drehung verſetzten Spindel befindet. Im großen Maß⸗ ſtabe geſchieht das Spulen auf mechaniſchem Wege mittelſt der Kette. Scheren oder Schweifen heißt die Geſamtheit der zu einer Kette gehörigen Fäden in paralleler Richtung zu einer beſtimmten Länge unter derſelben Spannung miteinander ver⸗ einigen. Man bedient ſich dazu einer Vorrichtung, die Scher⸗ rahmen(Schweifrahmen) genannt wird. Auf die gewöhnliche Einrichtung eines Scherrahmens kann ich nicht eingehen; nur will ich noch angeben, was man unter der Länge einer Kette verſteht. Die Länge einer Kette berechnet man nach der Anzahl der Umgänge, welche die Fäden um den Anfang des Ketten⸗ rahmens nehmen. Dieſer beſteht aus 5 oder 7 ½ Ellen und bildet ſo die Einheit für die Länge, Schmitz genannt(5 Ellen). Die Länge der Garne läßt ſich beim Berechnen der Stoffe nicht nach dem Maße aufſtellen, nach welchem es geſponnen wird, ſondern iſt ſtets danach anzunehmen, was die Strähne nach dem bei der Verwebung üblichen Maße für eine Länge hat. Die Länge der vorkommenden Garne iſt folgende: . 4— 1 Brabanter ziger Zoll 1 Strähn ſächſiſchen Streichgarns 800 678 640 494 452 1„ preußiſchen„ 2584 2200 2076 1604 1466 1„ Elboeufer„ 6372 5400 5097 3938 3600 1„ Sedaner„ 2644 2241 2115 1633 1493 1„ Vigognegarn ¹) 760———— Nach dem Scheren folgt das Leimen der Kette. Der von dem Scherrahmen abgerundete Knäuel wird in dünne, lauwarme ¹) Vigogne beſteht aus einem Gemiſch von Wolle und Baumwolle. —=2—=— q=—r =2— wionen inner alb ſt ht auf nüihen Gar⸗ wewegt brodes Maſ⸗ ſt der er zu einer r ver⸗ Scher gnüke zur Kette nzehl etton⸗ und ille Stoff nnen tähne bänge Die Tuchweberei. 111 Leimauflöſung getaucht und dieſe gleichmäßig ausgepreßt, ſo daß nur ſo viel zurückbleibt, um die Fäden durchdringen zu können. Gewöhnlich kommen auf 7—9 Pfund Garn 1 Pfund Leim und 5 Pfund Waſſer. Das Leimen hat den Zweck, das Garn haltbarer zu machen und die loſe am Garn ſitzenden Wollhärchen feſt mit dem Faden zu verbinden. Iſt die ge⸗ leimte Kette an der Luft wieder getrocknet, ſo kommen wir zur letzten Operation, zum Bäumen der Kette. Unter Bäumen verſteht man die Fertigkeit, die vom Scherrahmen abgenommene Kette gleichmäßig in verlangter Breite auf einer hölzernen Walze, Kettenbaum genannt, aufzuwickeln. Das andere der beiden erwähnten Fadenſyſteme iſt der Einſchlag, Schuß, im Gegenſatz zur Kette. Dieſe beiden Fadenſyſteme unterſcheiden ſich gewöhnlich auf ihre Drehung, obwohl dies keine Bedingung iſt für ihre Eigenſchaft, als Kette oder als Schuß verwendet zu werden. Die Richtung der Drehung iſt nur zweifach, entweder von links nach rechts oder von rechts nach links. Spinnt man das Garn auf einem Selfaktor, ſo kann ſich die Spindel nur nach einer Richtung hin drehen; das erſtere iſt Einſchlag-, das letztere Kettendrehung. Die Vorbereitungen des Einſchuſſes für das Weben ſind bedeutend geringer als die der Kette. Iſt letztere zum Weben genugſam vorbereitet, ſo müſſen nach bekannter Weiſe die Fäden derſelben durch die ſich rechtwinklig dazwiſchenlegenden Schußfäden zu einem Gewebe gebildet werden. Dies geſchieht dadurch, daß ein Teil der Kettenfäden nach beſtimmter Ordnung, durch meiſt mechaniſche Vorrichtungen, Offnungen, Fächer genannt, hervor⸗ dringt. Das Einſchußmaterial muß daher auf kleinen Spulen gedreht werden, damit es ſich beim Weben leicht wieder ab⸗ winden kann. Es muß daher der Einſchußfaden geſpult werden, wozu man ſich im kleinen des Spulrades, im großen einer Schußſpulmaſchine bedient. Das Spulen des Schuſſes hat den Zweck, denſelben in geeigneter Geſtalt in das Weber⸗ ſchiffchen zu bringen ſowie das Ablaufen aus demſelben ſo regelmäßig, ſo ſchnell und mit ſo geringem Verluſte wie möglich zu geſtatten. Die Schußſpulen ſind 2—3 Zoll lange, in der Mitte durchbohrte Röllchen aus Holz, Rohr oder Pappe, an den Rändern häufig mit einem etwas dickeren Rande verſehen, um das Heruntergleiten der Fäden zu verhüten. Die Vor⸗ 112 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. bereitungen ſind nun zu Ende; wir kommen zum eigentlichen Verweben der Fäden. Es gibt kaum eine Maſchine, bei welcher deutlicher zutage tritt, daß im Laufe langer Jahr⸗ hunderte ſtetige Verbeſſerungen, die frühere Handarbeit des Menſchen erſetzend, ſtattgefunden haben, als beim Webſtuhl, und da ſchon ſeit uralten Zeiten einzelne Teile, welche der Webſtuhl auch in der Neuzeit noch beſitzt, erfunden waren, ſo kennzeichnet er recht eigentlich die mühſelige Geſchichte der verſchiedenſten Verbeſſerungen und Erfindungen, durch welche er nach tauſend— jähriger Arbeit endlich das geworden iſt, was wir in ihm jetzt haben. Die Aufgabe bes Webſtuhls beſteht darin, daß in ihm die Fäden der Kette, je nachdem ſie im Gewebe über oder unter die Schußfäden zu liegen kommen ſollten, in verſchiedener Weiſe durch zwiſchen Stäben befindliche Schleifen oder ſie ver⸗ tretende Öffnungen gezogen und in und mit denſelben mittelſt vom Fuße des Webers bewegter Hebel(Tritte) gehoben oder geſenkt werden. Die Webſtühle der alten Ägypter, deren Zuſammenſetzung wir aus Darſtellungen auf in den Pyramiden gefundenen Gräbern kennen, zeigen die erwähnte Vorrichtung noch nicht; bei ihnen wurde in der teils vertikal, teils horizontal aufgeſpannten Kette die zur Einführung des Schuſſes nötige Spal⸗ tung mittelſt dazwiſchengeſteckter Stäbe herbeigeführt. Römiſche Abbildungen aus dem 4. oder 5. Jahrhundert vor Chriſti zeigen deutlich, daß die Anwendung von Tritten, in ähnlicher Weiſe wie heute, ſchon damals im Gebrauch war. Die aus⸗ führliche Beſchreibung eines Webſtuhles übergehe ich; übrigens iſt die Arbeit des Webens bekannt genug, braucht alſo nicht näher geſchildert zu werden; auch eine nähere Beſchreibung der Kombinationen für Tuche und tuchartige Stoffe liegt nicht in dem Bereiche unſerer Aufgabe. Iſt das Stück Tuch fertig⸗ gewebt, ſo nennt man es mit dem techniſchen Namen„Loden“. Der Loden ſieht wie ein Stück gewöhnliches Leinengewebe aus; man ſieht noch nichts von der filzartigen Oberfläche, welche das fertige Tuch charakteriſiert. Der Loden, ſobald er vom Webſtuhl kommt, wird nun zum erſten Male genoppt. Das Noppen, auch Fettnoppen genannt, beſteht darin, daß man ſämtliche fremdartigen Gegenſtände, welche beim Weben mit in den Loden hineingewebt worden ſind, z. B. feine Wollfäden, Stroh und dergl., daraus entfernt. Die Arbeit wird von ——— ꝗ—— —— Lebſtu zeichne ddenſten couſend⸗ hm ett in ihn er Oder ſiedener ſie ver nittoſt en oder deren amiden ſchtung fzonta eSpal⸗ ömiſche Ehrſti jnlicer e all⸗⸗ rigens Hrict eibung trict ferti⸗ oden“. e alls welche vom Das z man nit in fäden, —Hvon Die Tuchweberei. 113 ſogen. Nopperinnen verrichtet; auch unregelmäßige, undichte Stellen ſowie Knoten im Gewebe werden ausgeglichen und entfernt. Nach dieſem erſten Noppen kommt der Loden in die Vorwäſche, um den noch darin ſteckenden Leim oder Schmutz auszuwaſchen. Zu dieſem Behufe wird der Loden in eine Flüſſigkeit gelegt, welche aus einer Miſchung von Waſſer, Seife und Urin beſteht. Bis zur Sättigung bleibt er in dieſem Bade, geht dann durch Preßwalzen in einen Behälter mit reinem Waſſer und aus dieſem in einen anderen Behälter, der gleichfalls mit reinem Waſſer gefüllt iſt. Dieſes Verfahren ſetzt ſich ſo lange fort, bis aus dem Loden reines, ungetrübtes Waſſer abläuft. Nach dieſen Manipulationen wird der Loden auf Trockenrahmen getrocknet und dann nochmals einer genauen Durchſicht unterworfen, um alle Unregelmäßigkeiten im Gewebe zu verhüten. Nun kommen wir zu der wichtigſten Bearbeitung des Lodens, zu dem Walken. Noch bleibt hier zu erwähnen, daß man dasjenige Tuch, welches bis jetzt noch nicht gefärbt war, vor der Walke der Färbung unterwirft. Indes alle Tuche können auch jetzt noch nicht gefärbt werden, weil manche Farben, z. B. die ſchwarze, einen ſehr nachteiligen Einfluß auf die Krimpkraft der Wolle ausübt. Demnach unterſcheidet der Fabrikant: 1. Tuch, in der Wolle gefärbt, 2. Tuch, im Loden gefärbt, 3. Tuch, im Stück gefärbt. Nunmehr wollen wir zu dem Prozeß übergehen, in welchem der Loden in Tuch verwandelt wird, nämlich zum Walkprozeß. Das Reſultat dieſer Bearbeitung, die Verfilzung beider Ober⸗ flächen, beruht lediglich auf der Krimpkraft des Wollhaares. Walken nennen wir denjenigen Prozeß, welchen man ein Ge⸗ webe durchmachen läßt, um durch eine Verfilzung der Woll⸗ härchen auf beiden Oberflächen eine das Gewebe ſelbſt verdeckende Filzbekleidung zu erhalten. Die wirkenden Faktoren bei dieſem Verfahren ſind teils chemiſcher, teils mechaniſcher Natur, indem man die zu walkenden Gewebe mit Hilfe der Wärme und Walkflüſſigkeit in den Walkmaſchinen einem fortgeſetzten Kneten, Drücken, Schieben und Stoßen ausſetzt. Man bezweckt alſo mit dem Walken eine möglichſt vollſtändige Verfilzung der einzelnen Fäſerchen der Garnfäden, nicht nur an der Oberfläche, Heyne, Schafzucht. 8 114 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. ſondern auch im Innern. Vermöge der Tuchwolle eigen⸗ tümlichen hohen Kräuſelung ſtehen dieſe Faſern nicht in gerader Form hervor, ſondern krümmen ſich als kleine Härchen ſchon ineinander. Durch die innere Verdichtung und Verfilzung des Gewebes ziehen ſich naturgemäß die Garnfäden mehr zuſammen, laufen ein; dadurch wird aber das Gewebe dichter und feſter. Der Loden geht aus der Walke als„Tuch“ hervor. Die Be⸗ arbeitung des Lodens kann auf zweifache Weiſe geſchehen: durch die Hammerwalke oder durch die Walzenwalkmaſchinen. Die Hammerwalken, auch Walkmühlen genannt, beſtehen aus 2—3 Zentner ſchweren Holzhämmern, welche mittelſt einer Dauer⸗ welle gehoben werden, um beim Niederfallen das in einem offenen Behälter liegende, durchnäßte und zuſammengefaltete Tuch durch ihr Gewicht zu quetſchen. Damit alle Stellen des Tuches eine gleichmäßige Bearbeitung erfahren, bewirken die Hämmer durch ihre treppenförmige Abſtufung im Verein mit den eigentümlich geformten Seitenwänden des Walkkaſtens ein fortwährendes Umwenden des Stoffes. Die Walzenwalken, bei denen die wirkenden Teile Walzen ſind, haben vor den Hammerwalken den großen Vorteil, daß ſie das Tuch viel gleichmäßiger walken und keine ſo läſtigen Erſchütterungen verurſachen als dieſe. Die Walkflüſſigkeit beſteht nicht in reinem Waſſer allein, da dieſes die Erweichung des Wollhaares nicht in dem Grade beſchleunigen würde, als zu einer guten Verfilzung notwendig iſt; man ſetzt vielmehr zu dem Waſſer Alkalien in Form ge⸗ faulten Urins und Talgſeife hinzu. Statt der Seife nimmt man wohl auch Walkererde oder Smektit. Die Walkererde iſt ein feiner, kieſelſäurereicher Ton; er fühlt ſich mild und fettig an und zerfällt im Waſſer unter Ausſtoßung von Luftbläschen zu einer breiartigen, aber nicht plaſtiſchen Maſſe. Die beſte Walkererde ſoll die von Hampſhire in England ſein; nach ihr folgt die von Roßwein und Riegersdorf in Schleſien. Die Analyſen ¹) der Walkererde ſind folgende: Kieſelerde 46,8, Tonerde 26,7, Eiſenoxyd 5,0, Magneſia 0,4, Kalk 3,0, Waſſer 13,5, Kali. ¹) Berthier, Traité des Essais. 4 k. le ſdin. n gerde en ſto 8,3 zung d tor ſlel e Dauar in einen ngefalde tellen de ſirken ͤ erein mi ſtens ein er allen, n Grad twendd Die Appretur des Tuches. Die Rauherei. 115 Eine andere Analyſe ¹) zeigt folgende Zuſammenſetzung: Kieſelerde 51,91, Tonerde 12,25, Eiſenoxyd 2,07, Magneſia 4,89, Kalkerde 2,13, Waſſer 27,89. Dem Fabrikanten iſt die Walkererde ſehr erwünſcht; erſtens iſt ſie bedeutend billiger als die Seife, und zweitens geht bei Anwendung derſelben die Verfilzung leichter vor ſich. Über den Gebrauch der Walkerflüſſigkeit ſind die Anſichten geteilt; die einen Fabrikanten wenden ſie kalt, die anderen warm an; ſo viel ſteht feſt, daß die kalt angewendete Walkerflüſſigkeit den Loden mehr durchdringt und beſſer verfilzt, während die Ver⸗ filzung der warmen Walkerflüſſigkeit nur als eine leichte, ober⸗ flächliche zu bezeichnen iſt. Die letzte Manipulation vor der Appretur iſt das aber⸗ malige Waſchen und Trocknen des Tuches. Hat das Tuch die Walke paſſiert, ſo wird es, um es nochmals gründlich zu reinigen, in kaltem, aber weichem Waſſer gewaſchen und nachher auf dem Trockenrahmen getrocknet, zugleich aber auch gereckt, d. h. ſoweit gedehnt, bis es in allen ſeinen Teilen gleich breit und gleich lang iſt, da der Loden in der Walke ſich zuſammengezogen hat. Mit dieſer Manipulation könnte eigentlich die Herſtellung des Tuches als beendet angeſehen werden, denn es hat nun⸗ mehr die erforderliche Feſtigkeit; bevor es aber als Marktware aus der Fabrik hervorgeht, iſt es noch verſchiedenen Mani⸗ pulationen unterworfen, welche man unter dem Namen Appretur zuſammenſetzt. Die Appretur des Tuches. Die Appretur des Tuches zerfällt im allgemeinen: 1. in Rauherei, 2. Rahmen, 3. Scheren und Preſſen, 4. Dekatieren des Tuches. Die Rauherei. Der Zweck des Rauhens iſt, einen dicht⸗ beſetzten, glatten Stapel auf der Oberfläche des Tuches zu erzeugen. ¹) Annalen der Phyſik und Chemie von Poggendorf. 8* 116 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. Bekanntlich zeigt das aus der Walke hervorgegangene Tuch eine wirre Oberfläche, die Haarendchen liegen verworren durcheinander; dieſe zu ordnen und nach einer Seite zu ſtreichen, iſt Aufgabe des Rauhens. Nimmt man ein Stück Tuch, welches die Walke verlaſſen hat, in Augenſchein, ſo zeigen die beiden Seiten des⸗ ſelben keine Verſchiedenheit. Um eine rechte Seite zu gewinnen, wird das Tuch auf der einen Seite der Appretur unterworfen, während die andere Seite vernachläſſigt wird. Auf dieſe Weiſe erhalten wir eine rechte und eine linke Seite des Tuches. Das Rauhen ſelbſt geſchieht mittelſt der Kardendiſtel(Dipsacus fullonum), welche in den verſchiedenen Gegenden gezüchtet wird. Die beſte Kardendiſtel liefert Frankreich(Avignon), nächſtdem Bayern, Baden, Sachſen(Lommatzſch) und Schleſien. Zum Zwecke ihrer Verwendung werden die Karden in einer Art Rahmen(Rauhſtab genannt) feſt aneinandergeſetzt und in dieſem Zuſtande auf das vorher genäßte Tuch geſtrichen. Bei dieſer Manipulation faſſen die kleinen Widerhaken dieſer Diſteln die kleinen Haarendchen und ziehen dieſelben aus dem Gewebe hervor. Je beſſer und feiner das Tuch iſt, um ſo öfter muß es gerauht werden; feine Tuche rauht man fünf- bis ſechsmal, mittelfeine dreimal, grobe ein⸗ bis zweimal. Nachdem die ge⸗ rauhten Tuche gut abgelaufen ſind, werden ſie in den Rahmen genommen und ſo lange in die Länge und Breite geſpannt, bis ſämtliche Falten ausgeglichen ſind. Sobald die Stücke am Rahmen völlig gleich breit genommen ſind, werden ſie mit einer Rahmbürſte geſtrichen. Das Bürſten muß möglichſt gleich⸗ mäßig, ohne abzuſetzen, ausgeführt werden; denn es darf nicht überſehen werden, daß das Wollhaar die Eigentümlichkeit be⸗ ſitzt, in derjenigen Lage dauernd zu verharren, in welche es in naſſem Zuſtande gebracht und erſt getrocknet worden iſt. Gleich⸗ zeitig mit dem Rahmen wird das Trocknen des Tuches durch hohe Wärmegrade vollzogen. Nachdem die gerauhte Wolle ge⸗ trocknet iſt, wird ſie auf Scher⸗Zylindern geſchoren; in einigen Fabriken wird auch mit der Hand geſchoren. Welcher Art auch immer die Vorrichtungen ſein mögen, ſie alle verfolgen nur den Zweck, die auf dem Tuche noch vorſtehenden Härchen zu entfernen. Man unterſcheidet hier wieder das Scheren der Halbwollen und das Scheren der Rechtſeiten. Unter letzterer Manipulation verſteht man glatte Streichwaren, welche ſämt⸗ czes dut Poll g⸗ in eirien Ar an leen m drchn d eren A lezten te bi⸗ Die Rauherei. 117 liche Stadien der Appretur durchlaufen haben müſſen, während die erſteren nur einer teilweiſen Appretur unterworfen worden ſind. Natürlich kommt auch hier der Satz zur Geltung: Je feiner das Tuch werden ſoll, deſto öfter muß es geſchoren werden. Nach dieſer Operation werden die Tuche, welche noch nicht gefärbt ſind, der Färbung unterzogen. Empfindliche Farben können erſt jetzt auf das Tuch aufgetragen werden. Es iſt auch klar zu erkennen, daß auf dieſe Weiſe gefärbte Tuche die Farbe nur oberflächlich aufnehmen, von ihr nicht durch⸗ drungen werden können, da das Tuch nach der Walke ſchon viel zu feſt und dicht iſt. Das geſchorene und gefärbte Tuch kommt nun in die Preſſe. Hierdurch werden zweierlei Wir⸗ kungen erzielt: einerſeits erhält das Tuch Glanz und Glätte, anderſeits einen feſten Griff. Dieſe Eigenſchaften beruhen auf der hornartigen Beſchaffenheit des Wollhaares, indem näm⸗ lich dieſes durch die bei der Preſſe angewendete Wärme er⸗ weicht und durch Druck gegen einen feſten, glatten Körper ge⸗ glättet und poliert wird. Durch die erwähnte Operation wird ein dritter Faktor freigemacht, nämlich die in der Wollfaſer aufgeſaugte Flüſſigkeit, welche ungefähr 3—5% des Gewichts der Ware beträgt. Das Preſſen ſelbſt geſchieht durch Preß⸗ vorrichtungen; man unterſcheidet gewöhnlich Spindelpreſſen, hydrauliſche oder Waſſerpreſſen und Walzenpreſſen. Der Vor⸗ gang iſt in kurzen Worten folgender: Das Tuch wird zwiſchen Preßplatten gelegt, welche anfangs nur halben Druck ausüben, nach ein⸗- bis zweiſtündiger Durchwärmung ſchraubt man die Druckplatten feſt und läßt das Tuch 12—16 Stunden zwiſchen den Preßplatten liegen, alsdann nimmt man es heraus. Hat das Tuch die Preſſe verlaſſen, ſo wird es dekatiert. Die Dekatur hat den Zweck, diejenigen Eigenſchaften, welche man der Ware durch die Rauherei, Schur und Preſſe beigebracht hat, zu fixieren. Die Wirkung der Dekatur beſteht darin, daß die hornartige Subſtanz des Wollhaares durch die geſpannten Dämpfe ungemein erweicht wird und die Ware während dieſer Operation mehr oder weniger unter mechaniſchem Drucke ſtehen bleibt. Das bereits erweichte Wollhaar wird auf dieſe Weiſe gewiſſermaßen umgeformt und flacher gedrückt. Indem durch den durchgehenden Dampf die ſchmutzigen Beſtandteile aus dem Wollhaare entfernt werden, wird es ſpröde und behält nach 118 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. dem Erkalten dieſe Eigenſchaften dauernd bei. Die Dekatur geſchieht auf Walzen. Man unterſcheidet die trockene und die naſſe Dekatur; letztere kann auch als Erſatz oder Fortſetzung der erſteren angeſehen werden. Die letzte Manipulation, ehe das Tuch in die Hand des Schneiders kommt, iſt das Noppen oder Tinktieren der Ware. Nachdem nun das Tuch vollſtändig fertig iſt, wird es noch einmal einer genauen Durchſicht unterworfen. Finden ſich noch irgendwelche Beſtandteile von Stroh oder anderen Unreinig⸗ keiten darin, ſo muß es nochmals genoppt werden, ehe es ver⸗ ſandt werden kann. Unter Tinktieren verſteht man folgendes: Es gibt vegetabiliſche Körperchen, welche beim Farbprozeß die loſe Wolle nicht mitfärben; ſie ſtellen ſich im farbigen Stück als feine, weiße oder gelbliche Punkte und Spitzen dar, die dann entweder vermittelſt des Noppeiſens herausgezogen oder durch eine feingeſchnittene Gänſefeder mit Tinktur betupft werden. Die Tinktur iſt gleichſam eine ſtark konzentrierte, nur für die vegetabiliſchen Faſern hergeſtellte Farblöſung, welche in allen Farbentönen angefertigt wird; ſie iſt derartig zu⸗ ſammengeſetzt, daß ſie ſich nur mit den vegetabiliſchen Faſern verbindet, während ſie auf den animaliſchen nur mechaniſch haftet und durch Reiben von denſelben wieder entfernt werden kann. Wenn nun das Stück ſorgfältig genoppt und tinktiert iſt, ſo wird es nochmals einer Durchſicht unterworfen und vom Fachkenner ordentlich geprüft. Iſt nunmehr die Ware für fehlerfrei erklärt, ſo wird ſie verpackt und gelangt dann in den Handel. Die wichtigſten Arten der Gewebe aus Streichgarn. Die Art und Weiſe der Entſtehung des Tuches haben wir nunmehr beſchrieben. Doch der Begriff Tuch iſt zu eng be⸗ grenzt; durch die Tuchweberei werden noch viele andere Woll⸗ fabrikate hergeſtellt, welche wir nun kurz betrachten wollen. Wir erwähnen zuerſt die hochfeinen Tuchwaren. Gewöhnlich wendet man zur Herſtellung der hochfeinen Tuche Zephir und Croiſés, aber keine Wollmiſchungen an, namentlich keine Miſchungen mit Kämmlingen. Für das Wollmaterial kommen faſt nur die feinſten Sortierungen ſchleſiſcher, polniſcher und ſächſiſcher Einſchuren oder hochfeine Sydneywollen, endlich die Dait und d Ntennn ſond de r W. ds loc ſch woh reini ed b⸗ betwyt rte nur welce iig zr Faſen aniſh wetden finttiet nd von we fir in di r. en wi n be Pol⸗ wolle. öhnäc ſit ud beine vmnel er und ic d Die wichtigſten Arten der Gewebe aus Streichgarn. 119 hochfeinen ungariſchen Einſchuren in Betracht. Die wertvollſten Tuchwollen werden von den Elektoralſchafen geliefert, worauf die Wollen von den Kreuzungen der Elektoral⸗ und Negretti⸗ ſchafe folgen. Sehr gute Tuchwollen liefern auch diejenigen Negrettiſchafe, welche mit Rambouillets gekreuzt ſind, deren Wolle aber nicht zu hoch emporwächſt. Minder wertvolle, wenn auch noch brauchbare Wollen zur Herſtellung geringerer Tücher liefern endlich die Baſtardtiere, aus der Kreuzung der Merinos und deutſchen Schafe hervorgegangen, wobei das Merinoblut die Güte der Wolle erhöht. Aus hochfeinen und dabei möglichſt kurz geſtapelten Wollen werden angefertigt: Zephir, die leichteſte Gattung Tuch, auch wohl Royal genannt; Croiſés. Der Stoff beſitzt hohe Geſchmeidigkeit und große Weichheit; Satin, Esquimaux Floconne. Für dieſe Stoffe kommen ausſchließlich feine Einſchuren in Betracht; für den Schuß werden mittelfeine Kämmlinge verwendet; Cirkaß, auch Cirkaſſienne. Es können nur kurze Wollen bis zu einer Feinheit gleich der erſten Elekta verwendet werden. Aus weniger feinen Wollen wird der Flanell ge—⸗ arbeitet. Zur Kette wird teils Florettſeide, teils Baumwolle benutzt. Während bei den feineren Tuchwaren das Hauptgewicht auf Schönheit und Eleganz der Ware gelegt wird, iſt bei den Mittelwaren der Preis die Hauptſache, ohne daß die Ware ſchlecht zu werden braucht; die Hauptrückſicht wird allemal auf den Preis genommen; erſt dann wird gefragt, ob bei ſo und ſo hohem Preiſe etwas Konkurrenzfähiges zu liefern möglich iſt. Bei der Herſtellung billigen Tuches kann die Erſparnis nur im Schuß und etwa darin geſucht werden, daß man den Einſchlag dicker macht und daher für denſelben geringeres Material gebrauchen kann, ohne gerade grobes Wollhaar ver⸗ wenden zu müſſen. Eine beſondere Art ſchwerer, ordinärer Tuche bilden die Kaſtorins, Doskins und Buckſkins; zur Fabrikation des Buckſkins werden meiſt Zweiſchuren, Stücke, Sterblinge, Gerberwolle, klettige Kämmlinge(chemiſch gereinigt), 120 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. Landwolle und Buenos Aires⸗Wollen verwendet. Aus gröberen Wollen werden Düffel, Fries, Plüſch, Kalmuk, Ratinés und Velours gewonnen. Zu den Velourswaren werden Wollen ohne beſondere gute Natur, aber mit etwas feinem Haar an⸗ gewendet. Für feinere Alpaka⸗Velours nimmt man Alpaka⸗ Cheviot oder Gebirgswolle. Ehe wir weitergehen, müſſen wir ein Wort über„Kunſt⸗ wollen“ ſagen. Dieſes Produkt zerfällt, je nach der Länge der Faſer und der Feinheit des Stoffes, in ſog. Mungo und Schoddy. Erſteres Produkt wird meiſt aus gewalkten Stoffen, gebrauchten Tuchen und ſolchen Stoffen, in welchen zwar feinere, aber kürzere Wollen verwendet waren, gewonnen; letzteres dagegen vorwiegend aus alten Bekleidungsſtücken durch Zerreißen, Waſchen, Färben, Kondieren hergeſtellt. Sie werden entweder allein oder unter Zuſatz von Prozenten reiner Wolle verſponnen; die Garne dienen nicht für Unter⸗ ſchuß, bei billigen Männerſtoffen auch für die Webewaren ſelbſt. Was die Militärtuche anbelangt, ſo unterſcheidet man zwei Arten derſelben, graumelierte gröbere, und blauſchwarze feinere; zur Kette wird meiſt feinere Schurwolle, mit ¼½—⁄ feinen Kämmlingen vermiſcht, zum Schuß werdem feine Kämmlinge mit ¼— ë1 Schurwolle gemiſcht, verwendet. Andere Tuche und tuchartige Wollenſtoffe ſind: Kaſchmir, Doppel⸗Kaſchmir, Molton, Drap⸗Köpertuch, Papiermacherfilz, Hutfilz, Satin⸗ cloth uſw. B. Rammgarnfabrikativn. Bevor wir auf die Fabrikation des Kammgarns ſelbſt eingehen, wollen wir einige allgemeine Bemerkungen über das Wollhaar, wie es der Kammgarnfabrikant braucht, voraus⸗ ſchicken. Der Kammgarnſpinner hat vor allem auf Ausgeglichenheit, Gleichmäßigkeit und Treue des Wollhaares zu achten. Bei Betrachtung der Haare verſchiedener Vlieſe findet man ſehr oft, daß eines derſelben unten vom Hautende an bis vielleicht in die Mitte gleichartig gewachſen iſt, dann aber nach der Spitze zu ſchwächer oder ſtärker wird. Man bezeichnet dies mit dem Worte„Untreue“. Solche Untreue vermindert den Wert der Wolle bedeutend, da dieſe zu hohen Nummern beim öbere dis und Walen dor ir Auxie „Runi nge d zo und Stofen 1 zwa onnen Kſüttn . Ci zenten Die Manipulation bei der Verarbeitung der Wolle. 121 Spinnen unbrauchbar wird. Dieſe Untreue kann ſich aber nicht nur auf ein Tier, ſondern auch auf die ganze Herde er— ſtrecken; ſie rührt zum Teil von unregelmäßiger Ernährung her. Zur Ausgeglichenheit einer Wolle gehört möglichſt gleichmäßige Länge derſelben; Wolle, welche auffallend kurze neben langen Fäden enthält, hat für den Kammgarnſpinner faſt gar keinen Wert. Die Länge des Haares iſt äquivalent der Höhe des Stapels; man meint damit in beiderlei Beziehung ſolche Wolle, welche ein volles Jahr lang gewachſen iſt. Die abſolute Länge des Wollhaares wechſelt zwiſchen 30— 300 mm; Wollen unter und über dieſer Länge ſind nicht mehr als normal an⸗ zuſehen. Zu kurze Wollen kann der Kammgarnſpinner nicht gebrauchen, da die bis jetzt beſtehenden mechaniſchen Vor⸗ richtungen zum Kämmen kurze Haare nicht zu faſſen vermögen; ihre Länge muß wenigſtens zwei Zoll betragen. Doch darf dieſelbe auch nicht zu lang ſein; eine Länge von ſechs Zoll iſt die höchſte; über dieſe Grenze hinaus wird die Wolle vor dem Kämmen entzweigeſchnitten, geht alſo verloren. Die Manipulationen bei der Verarbeitung der Wolle. Sortieren der Wolle. Bekanntlich finden ſich auf dem Vlieſe eines Schafes ver⸗ ſchiedene Wollfeinheiten. Dieſe voneinander zu trennen, iſt die Aufgabe des Sortierens. Sei es nun Rückenwäſche oder Schweißwolle, die Wolle muß ſortiert werden, und zwar ge⸗ ſchieht dieſes auf dem hölzernen Geſtelle eines länglichen Tiſches. Manche Sortiertiſche haben eine Platte, andere ſtatt der Platte ſtraff geſpannte Stricke mit kleinen Abſtänden, um Leiſten, Kletten und Sand das Durchfallen zu geſtatten. Der Sortierer muß vor allem ein geübtes, ſcharfes Auge und ein empfindliches Gefühl in den Fingerſpitzen haben; außerdem braucht er eine Schafſchere, einen Klopfer und Körbe zu den verſchiedenen Sortimenten. Die Schere dient zum Abſchneiden der Band⸗ oder Pechſpitzen. Gleich beim Öffnen eines Vlieſes wird ein geübter Sortierer erkennen, was er von demſelben zu halten hat. Iſt das Vlies normal gewachſen, ſo bereißt er dasſelbe, d. h. die Seiten, wo die feinſte Qualität zu finden iſt, zuerſt und dann die anderen Teile. In der Kammgarn— fabrikation ſortiert man gewöhnlich nur 122 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. AAA entſprechend Prima I, AA„ Prima, A„ Prima II, B„ Sekunda, C„ Tertia, D„ Quarta, E„ Leiſten, Locken; in der Tuchfabrikation iſt man, wie bereits bemerkt, viel ge⸗ nauer. Üüber das Quantum, welches ein Sortierer liefern kann, läßt ſich nichts Beſtimmtes angeben; dasſelbe hängt in erſter Linie von der Gewandtheit des Sortierers, ſeiner Intelligenz und ſeinem Fleiße ab. Erſt, nachdem die Wolle ſortiert iſt, gelangt man zu dem Ergebnis der Sortierung; man ſieht ſich oft in den Wollen getäuſcht; ja, um dieſelben richtig kennen zu lernen, um ſie zu taxieren, hat man eine eigene Wiſſenſchaft erfunden. Die Sortierung ergab bei einer Partie Rückenwäſche: Rückenwäſche(Böhmen). Deutſche Schweißwolle. An AAAI Wolle= 2,31% An AA Wolle= 3,00% „ AA I„= 24,57 o„ AI„= 46,40% „ A„= 43,45%„A gelbe„= 8,10 /% „ A gelbe„= 5,90%„ B 1„= 29,90% „ BI„= 16,55%„ B II„= 2,80% „ B II„ 0,82 0„ 0„= 0,90% „ 0„= 0,80 ⁰%„ D„= 7,30% „ D„= 0,20%„ Futterſtückwolle= 1,00% „Futterwolle= 0,10%„Lockenwolle= 0,60% „Lockenwolle= 5,30% Summa 100,00% Summa 100,00% Die Wäſcherei. Der Produzent verkauft ſeine Wolle entweder als Rücken⸗ wäſche oder als Schweißwolle; letzteren Verkaufsmodus würde ich vorziehen; denn wenn Wolle nicht blendend weiß gewaſchen iſt, verliert ſie bedeutend an Wert. Mit Schweißwollen hat der Produzent faſt gar keine Mühe. In beiden Fällen muß die Wolle fabrikmäßig gewaſchen, d. h. von allen Beimiſchungen, —== ⁊ ——,=cS==—-:çLnͤ—j-·— Gl= —————— riel e ern kan, in ert nteligen riet i ſieht ſt g kene ſenihei ſche. voll 2 m Die Wäſcherei. 123 wie Staub, Kletten und dergl., befreit werden. Überdies iſt ſie von einer anſehnlichen Menge Fettſchweiß durchdrungen, welches nur durch erhöhte Wärmetemperatur unter Zumiſchung von Alkalien befeitigt werden kann. Wie für die Weberei die Baſis die Entwicklung einer Spinnerei bildet, ſo iſt eine gute Wäſcherei das Fundament der geſamten Kammgarnſpinnerei. Eine auf der Waſchmaſchine vollſtändig entſchweißte, geöffnete Wolle wird die Maſchine elaſtiſch mit klarer, heller Farbe ver⸗ laſſen; mit einem Worte: ſie gibt zuletzt ein gutes Garn. Hat die Wolle den Sortiertiſch verlaſſen, ſo bilden die Vlieſe immer noch große, zuſammenhängende Stücke, und eine Menge un⸗ gehöriger Teile, wie Kletten, Futter, Sand, befinden ſich darin. Ehe die Wolle in die Waſchmaſchine kommt, bedient man ſich allgemein des Wolfens, d. h. einer Maſchine, welche die Vlieſe in kleine Stücke zerreißt und das Futter, die Kletten, den Sand herausſchüttet. Das Wolfen hat den Zweck, die Wolle in möglichſt aufgelockertem Zuſtande in das Bad zu bringen; je lockerer eine Wolle iſt, deſto ſchneller weicht ſie durch; wir erſparen an Seife, weil wir wenig Schmutz aufzulöſen haben, und produzieren mehr, weil wir die Bäder länger gebrauchen können. Gleichwohl iſt immerhin ein Unterſchied zu machen; bei beſſerer, deutſcher Rückenwäſche z. B. wird das Wolfen unterbleiben können; bei Schweißwolle, klettigen, ſandigen Wollen dagegen wird es ſogar geboten ſein; denn gutes Wolfen entfernt eine Menge Schmutz aus einer Partie. Ehe wir aber zu dem mechaniſchen Prozeſſe des Waſchens übergehen, dürfen zwei Punkte nicht unerwähnt bleiben, erſtens das Waſſer und zweitens die Seife. Was das Waſſer anlangt, ſo iſt zu bedenken, daß ſog. hartes Waſſer mehr Seife braucht als weiches. Zum beſſeren Verſtändnis ſei bemerkt, daß man unter 1 Grad Härte des Waſſers den Gehalt von 1 Teil Kalk oder Magneſia uſw. in 100 000 Teilen Waſſer zu verſtehen hat. Man unterſcheidet die temporäre Härte; die nach dem Kochen des Waſſers noch vorhandene heißt die bleibende Härte. Nachdem nun die Wolle den Wolf verlaſſen hat, wird ſie in manchen Fabriken mittelſt kalten Waſſers entſchweißt. Dieſes Verfahren wird wohl allmählich ganz eingeſtellt werden; 124 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. denn es hat keinen Zweck und verurſacht in ökonomiſcher Be— ziehung eine Verteuerung der Wäſcherei. Das Verfahren iſt höchſt einfach. In Figur 41 ſehen wir die ſog. Glocke. a iſt das Geſtell, b das zylindriſche Gefäß ſelbſt; c ſind die beiden Zapfen, welche in den Lagern des Ge⸗ ſtells liegen und zum Umkippen der Glocke dienen; d iſt die in einer großen Brauſe endigende Waſſerleitung. Das kalte Waſſer ſtrömt auf die Welle nieder; indem dieſe durchnäßt wird, drückt ſie ſich durch ihr eigenes Gewicht ge⸗ hörig zuſammen; der Schweiß wird auf dieſe Weiſe gehörig ausgepreßt und fließt bei e ab. Der Abfluß erfolgt ſo lange, bis er ganz rein iſt; ſobald man helles Waſſer bemerkt, ſchließt man den Hahn, kippt die Glocke um und entleert ſie in das erſte Bad der Waſchmaſchine. Dieſes Verfahren hat immerhin Einfluß auf das Reinwerden der Wolle und erſpart vornehmlich Seife. Die Fabrikwäſche bei der Kammgarnſpinnerei befolgt das Prinzip, das Wollhaar zu erweichen, ohne daß die Wolle irgend verfilzt oder verwirrt wird oder an Weichheit und Stärke verliert; vielmehr wird ſie in erweichter Form dem Krempeln übergeben, damit dieſes dem Wollhaare alle Kräuſelung ent— ziehe und dadurch der Wolle die Krimpkraft raube. Die frühere alte Methode will ich gar nicht näher beſchreiben, ſondern gehe ſofort zu der Waſchmaſchine, dem„Leviathan“, über. Die Leviathans ſind gewöhnlich aus mehreren einzelnen Maſchinen zuſammengeſetzt, wobei jedoch das Waſchen ganz ſelbſtändig geſchieht. Stellt man z. B. drei ſolche Maſchinen hintereinander, ſo wird in I die Entſchweißung, in II das Waſchen und in III das Ausſpülen vorgenommen. Indem nun von Zeit zu Zeit die Flüſſigkeiten aus I abgelaſſen, aus II nach 1. und aus III nach II transportiert werden und in III reines Abb. 41. gt dos Wolb Stüit empell gelt rüher n gehe zelnen ganh cinen gſchen 1 von noch! reines Die Wäſcherei. 125 Waſſer eingelaſſen wird, enthält man bei wenig Waſſerverbrauch ziemlich konzentrierte Laugen. Nehmen wir an, die Leviathan⸗ maſchine ſei aus vier Kufen zuſammengeſtellt. Die Kufe 1 beſteht dann aus dem zweiteiligen Einweichbottich mit einer Temperatur von 50 bis 60° Celſius und dem Abführtiſch mit Preſſe; in Kufe II ſind zwei Rechen angebracht zur Fort⸗ bewegung der Wolle und ein Elevator für die Preſſe; Kufe III gleicht Kufe II, und Kufe IV dient zum Nachſpülen in kaltem Waſſer und liefert die vollkommene, reine Wolle an eine Woll⸗ quetſchmaſchine ab. Aus der Quetſchmaſchine gelangt die Wolle in die Trockentrommel. Früher bewerkſtelligte man das Trocknen der Wolle durch Ausbreitung derſelben an der Sonne; jetzt wendet man beſondere Trockenvorrichtungen an, welche künſtlich erwärmt werden und das Waſſer(bis auf 8% hygro⸗ ſkopiſche Feuchtigkeit der Wolle) verdampfen. Dank der Chemie wird das Waſſer der Einweichbottiche nicht, wie früher, einfach abgelaſſen, ſondern man gewinnt daraus Pottaſche. Die kon⸗ zentrierte Lauge der Einweichbottiche wird in großen Sammel⸗ baſſins aufgefangen. Iſt ein ſolches Baſſin gefüllt, ſo bewirkt man die Zerſetzung der Lauge durch Kalkmilch und Salzſäure; es ſcheidet ſich dadurch Kalkſeife in flockigem Zuſtande aus; dieſe ſinkt zu Boden und verdichtet ſich hier zu einem dickſchlammigen Niederſchlage, worauf das geklärte Waſſer abgelaſſen wird. Die Kalkſeife wird nach dem Trocknen mit Säure zerſetzt, und wird daraus durch darauffolgende heiße Waſſerbäder eine direkt zur Deſtillation verwendbare Fettſubſtanz gewonnen, welche man meiſt zur Erzeugung von Leuchtgas verwendet. Die Rückſtände in den Retorten enthalten ziemlich reine Pottaſche, weshalb man in mehreren Wollwäſchereien die ſämtlichen Wollfette direkt zur Gewinnung von Pottaſche kalziniert. Durch den Verkauf des gewonnenen Produktes werden meiſt die Sortier⸗ und Waſch⸗ koſten gedeckt. Größere Wollkämmereien haben täglich 1200 cbm Wollwaſchwaſſer zu verzeichnen; ſelbige gewinnen dann 20 000 Zentner Wollfett und 20 000 Zentner Pottaſche. Der Wollverluſt ¹) verſchiedener Wollen bei der Fabrikwäſche iſt folgender: Sächſiſche Wolle 58— 60% Mecklenburger„ 50— 70„ 126 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. Weſtfäliſche Wolle 54— 60% Thüringiſche„ 60— 65„ Poſenſche„ 58— 63„ Schleſiſche„ 60— 75„ Ruſſiſche„ 60— 65„ Auſtraliſche„ 45— 60„ Kap⸗„ 61—68„ Buenos Aires⸗, 60— 73 Montevideo⸗„ 55— 66„ Bei Feſtſtellung der Waſchergebniſſe bildet 12 ſtündige Arbeitszeit die Grundlage. Zur Bedienung der Wäſcherei gehört ein Meiſter, ein Wolfer, ein Aufleger, ein Einweicher und ein Arbeiter an der Trockenmaſchine. Nachdem die Wolle die Trockenmaſchine verlaſſen hat, muß dieſelbe, bevor ſie weiterverarbeitet wird, geölt werden. Man verwendet gewöhnlich auf 100 Teile Wolle 5—6 Teile Ol, oder in Kilogrammen auf 5 kg Wolle ½ kg Ol; man kann dazu Olivenöl oder auch zerlaſſene Butter gebrauchen. Das Krempeln der Wolle. Die von den Waſchmaſchinen kommende, auch ſchon geölte Wolle gelangt zu den Krempeln, welche die Aufgabe haben, die Wolle vollends zu zerreißen, ſie alſo ganz und gar zu öffnen, die einzelnen Faſern parallel zu legen(Fig. 42), Kletten und noch vorhandene Holzteile zu entfernen und die ſo verarbeitete Wolle als ein gleichmäßiges Vlies zu entlaſſen, einem ſich drehenden Trichter zuzuführen, wodurch jenes zu einem loſen Bande vereinigt wird. Bei dem Krempel⸗ prozeß handelt es ſich fortwährend um Ver⸗ ziehen und Strecken der Wollflocken; deshalb bringt man die Wolle etwas feucht auf die Krempel, um einerſeits ein leichteres Offnen zu bewirken, anderſeits das Zerreißen der ein⸗ Abb. 42. zelnen Wollfaſern zu verhüten, was bekanntlich bei ganz trockener Wolle eher vorkommt. Man muß immer darauf achten, daß die Kammgarnfabrikation parallele Fäden erzielen will. Würde dagegen die Wolle zu naß auf die ſtündie ei ghin und in ſen he. werden. 6 Nill an kam Das Krempeln der Wolle. 127 Krempel kommen, ſo wäre ein richtiges Verarbeiten derſelben unmöglich; vielmehr würden die Zähne der Beſchläge roſten und nach kurzer Zeit ausbrechen. Von einem Zufuhrtiſch gelangt die Wolle durch Speiſe⸗ walzen zunächſt an die Klettenwalze, von deren Umfang die etwa vorhandenen Kletten durch eine Meſſerwalze abgeſchlagen und nach einer Mulde befördert werden. Die Überführung nach einem kleinen Tambour erfolgt durch den erſten Wender; dieſer Tambour mit den darüber befindlichen drei Arbeitern und den drei Wendern bildet den Avant⸗Train. Die Üüber⸗ tragungswalze befördert die Wolle nach dem großen Tambour, mit welchem vier Arbeiter und vier Wender zuſammenarbeiten. Ein Volant ſchiebt die Wollhaare an die Spitzen der Beſchlag⸗ zähne, und erfolgt darauf auf dem Umfange des Peigners (Abnehmer) die regelmäßige Anſtauung des Materials für die erforderliche Dichte eines Vlieſes. Der Hacker lößt das Vlies ab, und der Trichter faßt dasſelbe zu einem Bande zuſammen, welches durch die Wickelwalzen nach dem Wickelapparat weiter⸗ befördert wird. Nach Hartig ¹) liefert eine Krempel pro Stunde 5,65 bis 11,38 kg. Effektive ſtündliche Lieferung 4,65— 9,06 kg. Dabei betrug die Arbeitsbreite 1105— 1930 mm. Umfangsweg des Tambours 5,45— 6,83 pro Sekunde. Anzahl der Wender und Arbeiter 4—7; Vorzug zwiſchen Arbeits⸗ und Abzugswalze 20,2— 40,0. Auflage pro 1 qm Speiſewalzenoberfläche 0,342 bis 0,380. Koeffizient des normalen Arbeitsganges 0,796 bis 0,858. Die techniſche Zuſammenſetzung der Krempel ſowie die Harmonie der einzelnen Walzen zu erörtern, iſt Sache des Ingenieurs; bemerkt ſei noch, daß die Regulierung einer Krempel große Schwierigkeiten bereitet. Es iſt daher die erſte Aufgabe des Krempelmeiſters, ſich mit dem Charakter der ver⸗ ſchiedenen Wollen genau vertraut zu machen, um jedesmal die Stellung der Maſchine anzuwenden, welche bei Offnung der Wolle bis in die kleinſten Knötchen dieſelbe nebſt den Be⸗ ſchlägen am meiſten ſchont. Darin liegt die Kunſt des Krempelns, und in dem Maße, wie ſich dieſelbe ein Meiſter zu eigen macht, wird ſein Erfolg wachſen, und er wird von ſelbſt ſich in der Fabrik unentbehrlich machen. ¹) Hartig, Berechnungstabellen für die Krempel. 128 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. Das Kämmen der Wolle. Wie ſchon im Krempeln die Kamm⸗ von der Streichgarn⸗ ſpinnerei abweicht, ſo trennt ſich vollends der Weg beider Fabrikationsarten. Bei der Kammgarnſpinnerei verlangt man einen glatten, geſtreckten Faden, der möglichſt wenig Enden an ſeiner Oberfläche zeigt. Um dieſes zu erreichen, machen ſich Bearbeitungen der Wollfaſer notwendig, welche die Streichgarn⸗ ſpinnerei gar nicht kennt. Es faſſen ſich dieſe Arbeiten in das Kämmen der Wolle zuſammen; durch dasſelbe werden die kurzen Härchen(Kämmlinge) von den langen getrennt, alle Unreinigkeiten, Kletten und dergl., aus denſelben entfernt und dem Wollhaar ſeine Kräuſelung genommen. Doch verſteht man unter dem Ausdruck„Kämmen der Wolle“ vier Operationen, nämlich: a) das Strecken der Krempelbänder auf dem ſogen. Rohſtrecker, b) das eigentliche Kämmen, c) das Strecken des Kammzuges, d) das Plätten des Zuges. Die erſte Operation nach dem Krempeln iſt alſo das Strecken der Krempelbänder. Hat die Wolle die Krempel ver⸗ laſſen, ſo ſind zwar die einzelnen Haare aufgelöſt, aber doch noch wirr untereinandergemiſcht, ſo daß das Band einmal dicke und dann wieder dünne Stellen zeigt. Um dieſe Un⸗ gleichheit auszugleichen, ſtreckt man drei bis ſechs Bänder auf dem Rohſtrecker ſo auf, daß ſie durch eine Nadelwalze neben⸗ einandergehen und bei dieſem Paſſieren der Streckzylinder der Maſchine ſich zu einem Bande vereinigen. Immer wieder beginnt nun ein neues Strecken der Bänder der Art, daß drei bis vier ſolche Strecken oder Paſſagen einer neuen Streck⸗ maſchine übergeben werden, wodurch man für die Kammſtühle ein recht ſtrammes und feſtes Band erhält. Nun kommen wir zu einem ſehr wichtigen Teile der Kammgarnſpinnerei, zu dem Kämmen der Wolle ſelbſt. Bei dieſer Operation kommen die komplizierteſten Maſchinen in Betracht, die in ihrer heutigen Vollendung einen hohen Grad von Intelligenz, raſtloſes Sinnen und praktiſches Probieren erfordern; ſtarb doch der Erfinder des Heilmannſchen Syſtems in Geiſtesverwirrung. Bei der Manipulation ſelbſt wird ſtets eine größere oder kleinere Zahl von Haaren, welche man Kämmlinge nennt, zur Kammwolle untauglich gemacht. Das Kämmen der Wolle. 129 Wir erhalten drei Produkte: die langen Haare, welche den Kammzug bilden, die kürzeren Haare, welche Kämmlinge trchmn. heißen, und die ganz kleinen Wollteilchen, welche Kammflug deg beder oder Kammſtaub genannt werden. Der Zweck des Kämmens langt mmr wird um ſo beſſer erreicht, je weniger Haarenden ſich in einer Erden a beſtimmten Fadenlänge vorfinden; zu kurze Wollen vermögen nachen ſt die Kammmaſchinen nicht zu faſſen; die Länge der zur Kammwoll⸗ treitgen fabrikation beſtimmten Wollen ſoll mindeſtens 6,5 cm betragen. ten in wi Die Landwirte ſollen ſich aber auch davor hüten, zu lange verden d Wollen zu produzieren; denn dieſe ſind für die Kammwoll⸗ ennt, dl fabrikation doch erſt recht unbrauchbar; ſie werden von den ffernt un Kämmen einfach entzweigeſchnitten und haben dann weder als tſteft nar Kämmlinge noch als Kammzug einen Wert. Das Kämmen verotinn der Wolle iſt wohl der wichtigſte Teil für die Spinnerei; ich em ſchn halte es daher für angemeſſen, Erklärungen der dazu not⸗ treen d wendigen Maſchinen zu geben. Während früher die Wolle allgemein mit der Hand gekämmt wurde, gebraucht man jetzt alſo do Maſchinen dazu. Auf die Syſteme ſelbſt kann ich natürlich anpel ur nicht eingehen; nur ſei bemerkt, daß zwei Syſteme in Deutſch⸗ über duh land faſt allgemein angewendet werden, das Liſterſche Syſtem d einna und das Syſtem Heilmann oder Schlumberger. Die Maſchinen⸗ diſe l⸗ arbeit beſteht in vier Operationen, nämlich: 1. in der Zu⸗ andet uj führung der von dem Strecken kommenden, zu kämmenden e vir Bänder, 2. in der Trennung des Kammzuges von den Kämm⸗ tzaind lingen(oder in der Trennung der langen von den zu kurzen er wid Wollfaſern), 3. im Trennen des gekämmten Bandes von den dh vi noch nicht gekämmten Bändern, 4. im Reinigen der Kämme n Eirt und der übrigen zum Kämmen dienenden Maſchinenteile. annſtib Dieſe vier Operationen charakteriſieren wieder drei Haupt⸗ mmen ri organe, welche dieſelben ausführen, nämlich 1. den Speiſe⸗ 1,* oder Einſchlagapparat, 2. den Arbeits⸗ oder Kämmapparat, 1 3. den Ausziehapparat mit den Unterorganen für die Ver⸗ un einigung der einzelnen Züge zu einem zuſammenhängenden Bande und für die paſſende Entfernung der Kämmlinge. Die 1 Konſtruktion der Kämmmaſchinen iſt ſehr verſchieden aus⸗ geid geführt, und kann der Kämmapparat allein nach drei ver⸗ ſchiedenen Prinzipien konſtruiert werden. Da jeder Kämm⸗ apparat, ähnlich der Handkämmerei, aus zwei Elementen be⸗ ſtehen muß, nämlich aus einem feſtſtehenden und einem be— Heyne, Schafzucht. 9 130 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. wegten Kamme, ſo beſitzt der Kammapparat einer Kämm⸗ maſchine gewöhnlich auch einen nach Art der Handkämme ein⸗ gerichteten ſowie einen beweglichen Kamm, welcher dadurch eine kontinuierliche Bewegung erhält, daß er aus einem rotierenden oder fortrückenden Körper beſteht. Solche rotierende Körper, auf welchen die Nadeln der Kämme befeſtigt worden ſind, bilden entweder Ringe(Kammringe, Ringkämme) oder Zylinder(Kammwalzen, Walzenkämme); die fortrückende Be⸗ wegung wird durch Ketten ohne Ende hervorgebracht(Kamm⸗ ketten, Kettenkämme); der feſtſtehende Kamm kann auch aus einer Zange beſtehen. Der Einſchlagapparat hat dem Kämm⸗ apparat die Wolle portionsweiſe durch Einſchlagen in die Zähne desſelben zu überliefern; er fungiert periodiſch wie die Hand des Kämmens. Der Ausziehapparat zieht den ge⸗ kämmten Bart aus den Kämmorganen heraus und legt die einzelnen Kammzüge ſo zuſammen, daß ein zuſammenhängendes und möglichſt gleichförmiges Band entſteht. Zur Ingangſetzung der Maſchine werden die zu kämmenden Bänder in die Zuführung gebracht und vermittelſt eines glatten Blechſtreifens durch die Stäbe des Speiſeapparats eingeführt. Die Reinheit des Zuges hängt außer von der Feinheit der Wolle namentlich davon ab, daß die Zange in dem Moment, wo ſie gegen die Kämmwalze gerichtet iſt, ſich ſchließt, ſowie davon, ob die Nadelſtäbe in der Kammwalze und der Vorſteh⸗ kamm mehr oder weniger feine und dichtgeſtellte Nadeln haben. Stimmen die Nadelſegmente nicht, ſo wird der Zug nicht rein gekämmt. Die Leiſtungen einer Maſchine kann man pro Stunde auf durchſchnittlich 11— 13 kg Zug und 27—30 kg Kämmling an⸗ geben; doch iſt dabei zu bemerken, daß man von AAA Wolle nicht das gleiche Quantum verlangen kann wie von AA oder A und B; je feiner die Wolle, um ſo länger hat man zu kämmen. Anbei folgt eine Einteilung der Nadelſegmente und Vorſtechkämme. (Siehe Tabelle S. 131.) Die Nummer der Nadeln zeigt an, wie viel auf 1 cm nebeneinander gehen. Dieſe Einteilung iſt ſelbſtverſtändlich vielerlei Abänderungen fähig und ſoll nur einen Anhalt geben. et Käͤnn⸗ fümme ar er dadu nus ein rotierad⸗ gt vode mme dhe ckende ge t(Kamn⸗ auch u n Rünn⸗ en in ü ch wie d den g⸗ hlegt d hängende inmender es glatk ingefihe inheit de Moment ft, ſowi Vorſtt⸗ — 11 ln haben nicht vin unde auf ling or 4 Well ALoder! kümmen. te und 1f 1! ttndit t geben. Das Kämmen der Wolle. 131 Länge 0 Nadelſegmente Nummer Gattung der Gelötet 30 der der der Nadeln in ange aaſAAAAA Nadeln Kämme in mm nn— mm St. Nr. St. Nr. St. Nr. 6 13,00 6,0 7,0 1 6 1 6[1 6 8 q. 13,00 6,0 7,0 2 8 1 81 8 12 Nadelſtäbe 13,00 6,0 7,6 1 12 1 12 1 12 16 für die 12,50 7,5 5,0 1 16 1 16 1 16 19 Segmente 12,50 8,0 4,5 1 19 1 19%2 19 22 12,50 8,0 4,0 2 22 2 22 1 22 25 9,25 5,75 3,5[1 25] 1 25] 1 25 19 5. 15,75 7,0 8,75 A B[cCDE 20 JMabeli ſür le3 do e 22 en oorſierh⸗ 15,50 7,5 8,00[St. Nr. St. Nr.) St. Ar 25 16,00 7,5 9,00 161161 6 1 8 1 82 8 1 12 1 12 1 12 1 16 2 16 2 16 2 19 2 19 2 19 2 22 1 22 Das Verhältnis vom Zuge zum Kämmling wird durch⸗ ſchnittlich zu 70% Zug; 30% Kämmling bei AA Wolle und zu 75% Zug und 25% Kämmling angegeben. Hat die Wolle den Kämmſtuhl verlaſſen, ſo wandert der Zug in die Streckmaſchine; der Kämmling dagegen wird ab⸗ geſondert und an die Tuchfabrikanten verkauft; er hat für dieſe einen hohen Wert, der ſich natürlich nach der Güte der Ware ſelbſt richtet. Wie bereits erwähnt, bildet der Zug, wenn er vom Kammſtuhle kommt, ein loſes Band; er muß daher noch einmal geſtreckt werden, was in den Topfſtrecken geſchieht. Hat der Zug auch dieſes hinter ſich, ſo ſchreitet er zu der letzten Vorbereitung vor dem Vorſpinnen vor, nämlich zu dem Plätten, welches den Zweck hat, die Bänder vollends zu ent⸗ falten, zu reinigen und zu entkräuſeln, da bei dem Vorſpinnen das Material aus der reinſten Haarſubſtanz beſtehen und das kleinſte Atom Staub daraus entfernt werden muß. Die von der Kämmmaſchine erhaltenen Zugbänder kommen nun auf die Plättmaſchine oder Liſſeuſe. Durch Einziehwalzen gelangen die Bänder in das erſte Seifenbad. Sie paſſieren hierauf das erſte Preßwalzenpaar und demnächſt noch hohle, mit Dampf 9* 132 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. geheizte, äußerlich polierten Kupferwalze, welche das Trocknen, Entkräuſeln, Spannen und Glätten der Bänder bewirken. Nach dem Verlaſſen der Plättmaſchine wird der Zug zu Spulen aufgewickelt und iſt zur Spinnerei fertig. Im Anſchluß an die Kämmerei folgen die Kämmereiergebniſſe von verſchiedenen Wollen nebſt den Durchſchnittsergebniſſen aus einer größeren Zahl verſchiedenen Ländern entſtammenden Kammwollen. I. Partie. Deutſche Schweißwolle. Ergebnis: Rohe Wolle 131 000 kg. An Zug 35,32% „ Kämmlingen 3,96„ „ Kammflug 0,31„ „ Abgängen 1,24„ Rendement 40,83% Waſchverluſt 59,17„ Summa 100,00% Auf der Kämmlingswage gewogen An Zug 85% An Kämmlingen 15„ Summa 100% Deutſche Schweißwollen. Ergebnis: An Zug 25,00% „ Kämmlingen 4,70„ „ Kammflug 0,55„ „ Abgang 1 „ Abgang 11 2,04„ Rendement 32,29„ Waſchverluſt 67,71„ Summa 100,00 ſo Kämmereiunkoſten An Kammlohn 1066,80 Mk.= 65,52% „ Steinkohlen 278,30„ 17,09„ „ Talg 10,50„= 0,65„ „ Wollöl 48,60„= 2,99„ „ Schmieröl 52,92„— 3.,25„ „ Reparaturen 171,00„= 10,50„ Summa 1628,12 Mk.= 100,00% Troce zewitn. Syucn dluh a Hiedenn glößern len. Spinnerei. 133 Kämmlohn 0,28 Mk. Waſchlohn 0,02„ Summa 0,30 Mk. Ruſſiſche Wollen. An Zug 35,00% „ Kämmlingen 3,05„ „ Kämmflug 0,02„ „ Abgängen 5,00„ Rendement 43,07„ Waſchverluſt 56,93„ Summa 100,00% An Zug 78,25% Kämmlingen 21,75„ Summa 100,00% Das Durchſchnittsreſultat dürfte man in folgenden Zahlen richtig bezeichnen: Deutſche Schweißwolle 31— 35% Rendement „ Rückenwäſche 55— 65%„ Pommerſche Schweißwolle 24— 30%„ Thüringiſche„ 28— 31%„ Poſenſche„ 39— 32%„ Auſtraliſche„ 40— 45%„ „ Rückenwäſche 75— 82%„ Buenos Aires 6 Montevideo 38 44 z0 5 Kap⸗Wolle Rückenwolle 75— 88%„ 3„ Schweißwolle 58— 35%„ Spinnerei. Mit Recht kann man die Spinnerei als Grundlage der Weberei anſehen, und eine gute Vorbereitung zur Spinnerei iſt der ſicherſte Grundſtein für das eigentliche Spinnen. Was einmal in der Vorbereitung verdorben iſt, kann auch der Spinnmaſchine nicht wieder gutgemacht werden. Die Vor⸗ bereitungen haben den Zweck, die von der Kämmerei gelieferten Bänder durch Doublieren und Strecken auf den Grad von 134 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. Feinheit und Gleichmäßigkeit zu bringen, wie er unbedingt erforderlich iſt, um auf der Feinſpinnmaſchine ein den An⸗ forderungen der Weberei entſprechendes Garn zu liefern. Iſt das Vorgarn normal, ſo hat der Spinner bloß ſeine Maſchine richtig zu ſtellen, um ein gutes Garn zu liefern. Iſt das Vorgarn ſchlecht, ſo mag die Maſchine noch ſo genau arbeiten, das Reſultat wird doch mangelhaft ſein. Die Vorarbeiten beſtehen nur der Hauptſache nach in einem vielfach wieder⸗ holten Strecken, um ein Band mit vollkommenen, parallel liegenden Wollhaaren von ſolcher Beſchaffenheit zu erzielen, daß ſich in jedem Querſchnitte ſo annähernd als möglich eine gleich große Anzahl von Wollhaaren vorfindet, d. h. daß das Band überall gleiche Stärke beſitzt. Das Band, welches die Kämmerei liefert, hat meiſtens ein Gewicht von 15— 20 g pro Meter. Die Beſchaffenheit der Wollfaſer verlangt, daß das Vorſtrecken nicht zu gewaltſam vor ſich geht. Dadurch wird notwendig, daß eine gewiſſe Anzahl von Maſchinen ſich in die Arbeit teile und die nachfolgende das Produkt der vor⸗ hergehenden übernimmt, um es dann in immer verbeſſertem Zuſtande der nächſtfolgenden zu übergeben. Eine ſolche Zu⸗ ſammenſtellung von Maſchinen nennt man ein Sortiment. Die einzelnen Maſchinen des Sortiments bilden die Paſſagen desſelben und werden der Reihenfolge nach als die 1., 2., 3., 4., 5. uſw. bezeichnet. Die Anzahl der Paſſagen hängt von der Feinheit des Garnes ab; zum Strickgarn ſind oft nur fünf Paſſagen, für feinere Wollen oft zehn Paſſagen notwendig; dasſelbe Ver⸗ hältnis findet auch bei dem Dublieren ſtatt. Die Verarbeitung der Bänder geſchieht auf allen Maſchinen in gleicher Weiſe. Hinter der Maſchine befindet ſich ein Spulengeſtell, welches bei den erſten Paſſagen durch eine Kette vom Hinterzylinder der Maſchine aus getrieben wird. Hier werden die von der Kämmerei gelieferten Bänder auf ſenkrecht ſtehenden Spindeln aufgeſteckt. Das ſich abwickelnde Band gelangt über ſich drehenden Walzen nach dem Speiſezylinder, welcher mit einer eiſernen Druckwalze belaſtet iſt. Zwiſchen beiden hindurchgehend, kommt es zu dem ſogen. Führungs⸗ zylinder, der ebenfalls eine kleine Druckwalze hat. Dicht hinter dieſem legt ſich das Band in die Zähne der Nadel⸗ walzen und wird vom Haupte der Ausgangszylinder ergriffen. ſagen Das Feinſpinnen. 135⁵5 Dieſe ſind geriffelt; das hier austretende Band geht durch einen Trichter, wird zwiſchen den Frottiers oder Reibledern gerollt, paſſiert einen zweiten Trichter, gelangt zum Spulen⸗ wagen und wird von dieſem auf Holzſpulen aufgerollt. Dieſer Gang bleibt immer derſelbe; nur werden die Verhältniſſe der Zylinder, der Nadelwalzen, des Druckes und der Geſchwindig⸗ keiten mit der zunehmenden Verfeinerung der der Bänder andere. Das Verſpinnen ſelbſt wird durch Anwendung von Spulmaſchinen(ʒflyers) charakteriſiert; von dieſen werden ge⸗ wöhnlich drei gebraucht, Grob⸗, Mittel⸗ und Feinflyers, an welche ſich für feinere Garnnummern wohl noch ein vierter anſchließt. Die Numerierung der Kammgarne geſchieht auf folgende Weiſe: Das Kilogramm bildet die Gewichtseinheit, und die Nummer ſoll gleich einer Anzahl Stränge von 1000 m ſein, welche ein Kilogramm wiegen. Das gültige Maß iſt alſo das Meter: das alleinige Gewicht das Kilogramm; die Nummer des Feingarns wird beſtimmt durch die Zahl, welche angibt, wie viel mal tauſend Meter auf ein Kilogramm gehen. Somit ſind 1000 m= 1 kg= Nr. 1. 25 000 m= 1 kg = Nr. 25. Nr. 50 enthält alſo 50 Stränge zu 1000 m= 50 000 m. Nr. 35 enthält 35 Stränge zu 1000 m= 35 000 m im Zuſammenhange. Nr. 1= 1 kg zu 1000 m ſind 1000 m „ 2= 1 o„ 1000„„ 2000„ „ 3= 1„„ 1000„„ 3000„ „ 4= 1„„ 1000„„ 4000„ „ 10= 1„„ 1000„„ 10 000„ 40== 1„„ 1000„„ 40 000„ „ 50= 1„„ 1000„„ 50 000„ Nr. 50 Wir ſchließen daraus, daß die Nummer ſteigt, je feiner das Garn wird, daß ſie ſinkt, wenn der Faden ſtärker wird, oder: je ſtärker das Garn, deſto niedriger die Nummer, je feiner das Garn, deſto höher die Nummer. Das Feinſpinnen. Die Arbeit wird von der Spinnmaſchine ausgeführt. Je nach der Konſtruktion nennt man die Maſchinen Water⸗ Mulemaſchinen und Selfaktor. Die meiſten Anwendungen, namentlich für feinere Garne, findet der Selfaktor, während 136 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. die Water⸗ und Mulemaſchinen ſich beſſer für gröbere oder Strickgarne eignen. Auf Watermaſchinen werden durchaus lange und ſchlichte Wollen geſponnen; kürzere und feinere Wollen werden vorzugsweiſe auf dieſen Maſchinen zu den ſtärker gedrehten Kettengarnen, auf Mulemaſchinen zu wenig ſtark gedrehten und daher vorzugsweiſe zu Schußgarnen ver⸗ ſponnen. Bei der vielfachen Anwendung des Selfaktors dürfte es wohl angemeſſen erſcheinen, auf die Konſtruktion desſelben näher einzugehen. Der Selfaktor beſteht aus zwei Hauptteilen, dem feſtſtehenden hinteren Teile, welcher den Aufſteckrahmen für die Vorgarnſpulen, den Zylinderbaum mit dem darauf be⸗ findlichen Stockwerk und in der Mitte das Hauptgeſtell, den ſog. Handſtock, mit dem Getriebe enthält; der zweite Haupt⸗ teil des Selfaktors wird gebildet durch den Wagen, welcher auf eiſernen Bahnen läuft, und die Spindeltrommel ſowie die Spindeln nebſt dem Apparate zum Aufwinden des fertigen Garnes auf die Spindeln erhält. Im Spinnen ſelbſt laſſen ſich vier Stadien unterſcheiden: 1. das Ausfahren des Wagens, 2. der Nachdraht, 3. das Ab⸗ ſchlagen der Fäden, 4. das Einfahren des Wagens. Iſt das Vorgarn auf dem Spulgeſtell aufgeſteckt, ſo werden die einzelnen Bänder, jedes durch den ihm zukommenden Trichter, unter den Druckwalzen der Zylinder hindurch ein⸗ gezogen. Da das eingezogene Vorgarn zwiſchen den Zylindern noch keinen Vorzug hat, ſo läßt man erſt eine gewiſſe Länge herauslaufen, führt den Wagen ein und dreht das auf den Spindeln befindliche Garn mit dem Vorgarn zuſammen. Nach⸗ dem man zur Sicherheit immer noch zwei bis drei Auszüge geſponnen hat, führt man den Wagen ein, ſchiebt denſelben etwas vor, damit die Fäden ſchlaff herunterhängen, und zwar ſo viel, daß das bis jetzt auf die leeren Spindeln gewundene Garn ganz in die Höhe geſchoben werden kann. Iſt dieſes geſchehen, ſo windet man drei bis vier Umgänge auf die Spindeln. Hierauf werden die in die Höhe geſchobenen An⸗ fänge abgeriſſen, abgezogen und nun erſt Hülſen aufgeſteckt, worauf der Wagen eingefahren wird. Iſt ſo viel geſponnen, daß auf jeder Spindel 100 m vorhanden ſind, ſo muß von fünf oder zehn Spindeln Probe gemacht werden, um zu ſehen, ob die Nummern ſtimmen; iſt alles in Ordnung, ſo kann ruhig weitergeſponnen werden. — 4 4 heiden 6 A verden Das Feinſpinnen. 137 Nachdem nun das Garn auf der Feinſpinnmaſchine fertig⸗ geſtellt iſt, kommt es zur Verſendung in die Weberei; entweder wird es als Schuß auf Kötzer gewickelt, oder, iſt es als Kette beſtimmt, ſo wird es von den Maſchinenſpulen abgehaſpelt oder geweift. Bekanntlich ſpinnt man das Garn auf Kötzer oder Spulen, das Kettengarn auf lange(15—16 em), das Schußgarn auf kurze(12 cm) Blechſpulen. Die Garnhaſpel oder Weife hat in den verſchiedenſten Ländern einen ver⸗ ſchiedenen Umfang. Für Kammgarngeſpinſte beträgt der Umfang 1,27 m; nach früherem Maße betrug der Umfang des Haſpels: nach früherem Maße nach Metern bei deutſchen Kammgarnen 1 ½ Yard 1,370 „ engliſchen„(warp) 1 ½„ 1,370 „ 3.(weft) 1 1 0,914 Wie ſchon bei der Tuchfabrikation erwähnt, gibt man den Umfang von 1 m 37 em ſämtlichen Geſpinſten. Die Größe des engliſchen Haſpels iſt ebenſo für Kamm⸗ als Streich⸗ und Baumwollgarne paſſend. Die Länge des Garnes bei einer Umdrehung des Haſpels nennt man einen Faden; 80 Um⸗ drehungen geben ein Gebind, 7 Gebind ein Stück(auch Strähn⸗ Nummer); dasſelbe hat alſo 4 ½(Länge des Fadens bei einer Umdrehung)* 80* 7= 2530 engl. Fuß= 840 Yard = 768 Meter. Die Nummer des Garnes drückt man nach der Anzahl Meter, welche auf ein Gramm gehen, aus, alſo in Zahlen; wiegen 15 m 1 g, ſo iſt das Garn Nr. 15, wiegen 20 m 1, ſo iſt es Nr. 20. Die Feſtſtellung der Garnnummer in der Spinnerei ſtellt ſich aber ganz anders. Sollte z. B. Nr. 22 geſponnen werden, ſo würde das Garn richtig ſein, wenn 22 m 1g wiegen; würden 23 m auf 1 g gehen, ſo wäre das Garn auf eine Nummer zu fein. Die neue Garnnummer wird ſelbſtverſtändlich eine andere, und zwar um ſo viel anders, als die alte Strähnlänge von der neuen entfernt iſt. Zur Erleichterung der vorzunehmenden Reduktion der Garnnummer diene folgende Tabelle(S. 138). Das nunmehr für die Weberei beſtimmte Garn wird nach der Ablieferung von den Spinnmaſchinen eine Zeitlang der Einwirkung von Waſſerdämpfen ausgeſetzt, damit der Faden 138 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. 2 Gewicht Koeffizient er Garnſorte reetrh umrechnung Umrechnung Deiee ſethertges ann ezheradens Szſtenaudns neue alte deutſches Kammgarn 840 Yard 1 Pfund 468 1,64 0,61 franzöſ.„ 720 Meter½ Kilogr. 500 1,44 0,70 engl.„(varp) 840 Yard 1 engl. Pfd. 454 1,69 0,59 „„(weft) 560 Yard„ 454 1,13 0,88 recht glatt bleibe. Man benutzt zu dieſen Dämpfen große eiſerne Kaſten, in neueſter Zeit auch größere gemauerte oder aus Beton hergeſtellte Räume. Nach dem Dämpfen läßt man das Garn in feuchtem Raume ſtehen, damit es dann verſendet werden könne. Das Weben der Kammgarnwolle findet in derſelben Weiſe ſtatt wie in der Tuchfabrikation; ich brauche daher nicht mehr auf dasſelbe einzugehen. Zur Herſtellung gewiſſer ſchöner und glatter Stoffe wird das Zettel oder Ein⸗ ſchußgarn gleich genommen; zu anderen Stoffen wird als Einſchuß Streichgarn verwendet, zu noch anderen Baumwolle oder Seide benutzt. Appretur der Rammgarnſtoffe. Die Appretur der Kammgarnſtoffe iſt nicht in dem Maße ausgedehnt wie die der Tuchfabrikation. Wie den Tuchſtoffen die Krimpkraft erhalten werden muß, ſo ſoll den Kammgarn⸗ ſtoffen die Krimpkraft möglichſt entzogen werden. Es iſt Aufgabe der Kammgarnfabrikation, einen möglichſt glatten Faden und glattes Gewebe herzuſtellen. Von einer Walke iſt nicht die Rede; auch das Rauhen und Scheren entbehren manche Kammgarnſtoffe; eine Ausnahme bilden nur die ſammetartigen Stoffe. Bei der Verarbeitung eines auch noch ſo glatten Fadens zu allen nicht ſammetartigen Kammwollzeugen iſt es trotz der größten Achtſamkeit nicht zu vermeiden, daß hier und da kleine Haarendchen aus dem Gewebe hervortreten. Obgleich man auch bei den Kammwollzeugen das Scheren verſucht hat, ſo wird doch überall das Sengen angewendet. Dasſelbe geſchieht entweder in der Weiſe, daß glühende Metallſtäbe über das ausgeſpannte Zeug hinweggezogen werden, oder es wird neacung es teuen ſtenz in alte — Oäl 0”” 0ag 08 gruſe te oder ßt man erendet det in brauc ſtellung er Ein⸗ 1d ad mwole Maße ſtöffen ngenn. Es if glaten nle it nanch rrigen Appretur der mmgarnſtoffe. 139 mittelſt einer Gasſengmaſchine ausgeführt. Gleich nach dem Sengen muß das Noppen vorgenommen werden, da ſich auch hier bei dem Weben fremde Stoffe einmiſchen oder Fäden in unregelmäßige Lage gekommen ſind, welche wieder geordnet werden müſſen. Nach dem Noppen folgt das Auswaſchen. Das Waſchen geſchieht in den ſog. Prätmaſchinen. Nach der Wäſche muß natürlich das Zeug getrocknet werden, welches entweder durch Aufhängen oder durch Zentrifugaltrockenmaſchinen geſchieht; nach dieſer Manipulation wird es gefärbt. Nach der Färbung iſt die nächſterſte Arbeit das Steifen und Kareien. Bei dem Kareien wird das Gewebe durch verdünntes Leimwaſſer gezogen und dann in naſſem Zuſtande ganz ſtramm auf eine Walze gewickelt. Während des Aufwickelns wird das Gewebe trockener Luft ausgeſetzt oder auch über ein Kohlen⸗ feuer gezogen, das Gewebe wird dadurch feſt und erhält eine gewiſſe Steifheit. Nach dem Kareien wird das Gewebe noch⸗ mals geſtreckt, um ſich dann der Manipulation des Kalanderns zu unterziehen. Die Kalander dienen dazu, die Stücke gleich⸗ mäßig auszubreiten. Dieſe Maſchinen werden von übereinander⸗ liegenden Walzen gebildet, von denen die eine hohl, aus Kupfer oder Gußeiſen hergeſtellt, durch Dampf geheizt werden kann, während die andere aus Holz oder Papier gefertigt iſt. Die Benutzung von Papierkalandern an Stelle hölzerner verdankt man den Engländern, welche ſich zuerſt papierner Walzen be⸗ dienten und dieſelben vor etwa vierzig Jahren einführten. Während das Stück zwiſchen beiden Walzen hindurchgeht, wird es ſtark zuſammengepreßt, ſeine Oberfläche wird dadurch gleich⸗ förmig glatt, ſogar glänzend, wenn die Appretur, mit welcher der Stoff imprägniert, widerſtandsfähig iſt und Subſtanzen enthält, welche imſtande ſind, bei der Reibung eine gewiſſe Politur anzunehmen, wie Wachs, Stearin. Die letzte Appretur iſt das Preſſen, welches in derſelben Weiſe wie bei der Tuch⸗ fabrikation vollzogen wird. Fabrikation gewirkter und geſtrickter Waren. Das Wirk⸗ und Strickgarn unterſcheidet ſich von dem aus Wolle hergeſtellten Garn dadurch, daß bei den Strickwaren die 140 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. Garnfäden ſich in glatter, gerader Linie im rechten Winkel durchkreuzen; außerdem kommt das Garn bei den gewirkten Waren nur in gezwirnter, dublierter Form zur Verarbeitung. Die auf ſolche Art hergeſtellten Zeuge haben lange nicht die Dichtigkeit der gewebten Stoffe, beſitzen aber eine höhere Elaſtizität und ſchließen ſich dem Körper viel inniger an. Die Strickwaren ſind das Produkt einer Handarbeit, des Strickens; erſt in neueſter Zeit hat man Strickmaſchinen konſtruiert. Die Wirkwaren werden auf dem Strumpfwirkerſtuhle hergeſtellt. Die Fertigung der für dieſe Warengattungen geeigneten Garne geſchieht entweder durch Handgeſpinſt oder durch Maſchinen⸗ arbeit. Die für Strick- und Wirkwaren geeigneten Garne nennt man Halbkammgarne. Eine andere Art der Verarbeitung der Halbkammgarne iſt die Tapiſſeriearbeit; zu derſelben wird ein beſonderes Garn verwendet und nur mit der Hand ver⸗ arbeitet. Sämtliche Halbkammgarne werden nicht gewalkt; ſie ſollen nicht ein filzartiges, feſtes Ausſehen haben, vielmehr eine lockere, elaſtiſche Form zeigen; ſie dürfen beim Gebrauche nicht einſchrumpfen. Zu Halbkammgarn für das Handgeſpinſt werden Wollen verarbeitet, welche ſehr geringe oder gar keine Krimp⸗ kraft haben. Hierher gehören die Wollen von der Heidſchnucke, von polniſchen Land⸗ und norddeutſchen Marſch⸗ und vom Zackelſchafe. Für das Maſchinengeſpinſt liefern das haupt⸗ ſächlichſte Material die halbveredelten Schafraſſen. Hierher gehören beſonders die ruſſiſchen und ungariſchen Einſchuren, die deutſchen Landwollen, ſowie die Kreuzungen von Merinos und engliſchen, namentlich kurzwolligen Raſſen, aber auch reine Merinowollen, ja ſelbſt Wollen aus Mecklenburg und Pommern werden zu Halbkammgarn verarbeitet. Die Herſtellung des Garns iſt ſehr einfach. Die für das Handgeſpinſt beſtimmte Wolle wird möglichſt warm gewaſchen. Nach der Wäſche wird die Wolle getrocknet; damit ſind die Vorarbeiten beendet und die Wolle iſt zum Verſpinnen ge⸗ eignet. In früherer Zeit geſchah dies mittelſt einer Spindel; heute wendet man das Spinnrad an. Auf eine nähere Be⸗ ſchreibung desſelben einzugehen, dürfte wohl überflüſſig ſein, da es genügend bekannt iſt. Iſt das Garn auf Spulen ge⸗ wickelt, ſo wird es gezwirnt. Das Zwirnen verrichtet das Spinnrad; mit dem Zwirnen iſt zugleich ein Dublieren ver⸗ MM. Fabrikation gewirkter und geſtrickter Waren. 141 bunden, je nachdem der Strickzwirn zwei⸗, drei⸗ oder vierdrähtig werden ſoll. Ein Färben der Wolle vor oder nach dem Ver⸗ ſpinnen findet in der Regel nicht ſtatt, indem die Wolle der Schafraſſen, aus welcher Handgeſpinſt hergeſtellt wird, ſchon an ſich ſchwarzbraun iſt oder eine gemiſchte Farbe zeigt. Da die Wolle trotz der warmen Wäſche noch einige Krimpkraft annehmen könnte, wird in den meiſten Fällen das gezwirnte Garn noch einmal gebrüht. Die von Maſchinen geſponnenen Strickgarne zeigen eine größere Verbreitung; ihre Herſtellung iſt der der Kammgarne ſehr ähnlich, unterſcheidet ſich aber in einem Punkte weſentlich von derſelben. Die Kammgarnſpinnerei ſucht durch das ſo⸗ genannte Kämmen alle zu kurzen Haare aus dem Material zu entfernen; bei der Fabrikation von Halbkammgarnen werden dagegen auch die kürzeſten, in der Wolle ſich vorfindenden Haare mitverſponnen, das Kämmen bleibt alſo aus. Die Vorarbeiten bei der Halbkammgarnfabrikation ſind faſt dieſelben wie bei der Kammgarnfabrikation. Das Sortieren, Auflockern, Reinigen und Einölen der Wäſche geſchieht ganz ſo, wie bei der Kammgarnfabrikation. Die nächſte Arbeit nach dem Einölen iſt das Kratzen auf den Streichgarnkrempeln, woraus die Wolle als Wolle oder Vlies hervorgeht. Die Halbkammgarnfabrikation verläßt hier wieder die Streichgarn⸗ fabrikation und wendet ſich dem bei der Kammwollſpinnerei üblichen Verfahren zu; es wird aber nicht das deutſche, ſondern das engliſche Syſtem angewendet. Nachdem die Wolle, zur Watte oder zum Vlies geformt, die Kratzmaſchine verlaſſen hat, kommt ſie auf eine Art Schrubbelmaſchine, welche mit der Vorrichtung verſehen iſt, aus dem Vlies ein Band zu bilden, in welchem die Haare möglichſt gleichmäßig parallel neben⸗ und übereinander liegen müſſen. Das auf dieſe Weiſe gewonnene Band wird dann durch eine einfache Streckmaſchine, welche ſtets drei aus der vorigen Maſchine hervorgegangene Bänder zuſammenfaßt, ge⸗ führt und das ſo dublierte Band kommt dann auf den Sliverbox, d. h. die Anſtückelmaſchine. Dieſen Namen führt ſie, weil hier die einzelnen, aus der vorigen Maſchine hervorgegangenen Bänder, mit ihren Fäden aneinandergeſtückt, zuſammengeſetzt werden. Die dem Box 142 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. übergebenen Bänder werden hier um das Fünffache geſtreckt und in einen ſchwach gedrehten, lockeren Strang von der Stärke eines Fingers verarbeitet. Dieſer Strang kommt nnn auf die Streckmaſchine, drawing-heads. Derſelbe paſſiert drei Streckmaſchinen; auf jeder werden fünf Stränge zuſammen⸗ gelegt und in einen Faden zuſammengedreht, wobei derſelbe auf den drei nacheinander arbeitenden Maſchinen um das Fünffache geſtreckt wird. Die aus der letzten Streckmaſchine hervorgegangenen Fäden empfängt der Fertigſtuhl, finishingbox; er nimmt gewöhnlich drei derſelben zuſammen und ſtreckt die⸗ ſelben dergeſtalt, daß die Wolle als ein ſchwach gedrehter Faden von der Stärke einer Spule heraustritt. Hiermit be⸗ ginnt das eigentliche Spinnen; es geſchieht in derſelben Weiſe wie bei der Kammgarnfabrikation und zerfällt, wie dieſe, in das Vor⸗ und Feinſpinnen. Die anderen Manipulationen, das Zwirnen, Weifen, Waſchen, Trocknen, ſind ganz ſo wie in der Kammgarnfabrikation; nur das Färben unterſcheidet ſich noch etwas, wird aber ebenfalls ſo ausgeführt. Nachdem das fertige Garn, beſonders Strick⸗ und Tapiſſerie⸗ garn, gefärbt iſt, kommt es, nachdem es in der üblichen Weiſe gehaſpelt und verpackt iſt, in den Handel. Aus Halbkamm⸗ garnen werden hergeſtellt: Zephir⸗, Strick⸗, Phantaſie⸗, Strumpf⸗ und Kaſtorgarne. Die wichtigſten Arten der Gewebe aus RKammgarn. Die durch die Zeugweberei hergeſtellten Stoffe ſind von unendlicher Mannigfaltigkeit; der Wechſel der Mode liefert täglich neue Muſter und Kombinationen. Die Verſchiedenheit der Stoffe wird einerſeits durch die verſchiedenen Qualitäten von Kammwollen, anderſeits aber dadurch ermöglicht, daß man Kammgarn entweder rein für ſich oder in Verbindung mit Streich-, Baumwoll⸗ oder Seidengarn verarbeitet. Je nach der Herſtellung unterſcheidet man: I. Glatte oder ſchlichte Gewebe. Bei den glatten Fäden läßt der Eintragfaden, in ſeinem Laufe quer durch die Kette abwechſelnd, einen Kettenfaden unten und einen anderen über ſich liegen, ſo daß er die eine Hälfte der Kettenfäden bedeckt, von der anderen bedeckt wird. ——.—— har 8 ſorner dih un w nothe diuenn vctde Die wichtigſten Arten der Gewebe aus Kammgarn. 143 Von dieſer Art iſt das Gewebe bei Kattun, Schirting, Battiſt, Kaliko, Rips, Stramin, Taft, Bombaſin, Berkan, Krepp, Orleans, Wollmuſſelin, Kamelott, Beuteltuch und Chaly. II. Geköperte Stoffe. Der Eintragfaden läßt nicht immer nur einen Faden der Kette über oder unter ſich, ſondern oft zwei oder mehrere Fäden; ſodann wechſeln ſtets mehr als zwei verſchiedene Lagen des Eintrags miteinander ab. Zu den geköperten Stoffen gehört vor allem der Kleiderſtoff für Frauen, Merino, wobei Schuß und Kette aus Kammgarn hergeſtellt wird, ferner Tibet, Baſting, wollener Atlas, Sarſche, Olpreßtuch. III. Gemuſterte oder faconierte Stoffe. Die gemuſterten Stoffe bieten ein Muſter dar infolge eigentümlicher Verſchlingungen von Ketten und Eintragfäden. Der Grund iſt entweder leinwand⸗ oder gazeartig oder geköpert. Man erzeugt Muſter in den Geweben auf folgende Art: a) durch regelmäßige, auf verſchiedenen Teilen der Fläche verſchiedene Verſchlingungen der nämlichen Kette und des nämlichen Eintrags, welche zugleich das Grundgewebe bilden, z. B. Drell, Damaſt, Weſtenſtoffe, Beinkleiderzeuge, Schals, Umſchlagetücher; b) durch Einweben beſonderer, nur zum Muſter gehöriger, vom Grundgewebe unabhängiger Einſchlagfäden: broſchierte Stoffe, z. B. Kleiderſtoffe, Schals; c) durch regelmäßiges Zu⸗ ſammenweben zweier aufeinanderliegenden meiſt glatten Ge⸗ webe, wobei die Art des Zuſammenwebens das Muſter erzeugt, z. B. Pikee und gewiſſe Teppiche, Möbelſtoffe, wollene Tapeten und Gobelins; d) durch Hervorbringung gitterartiger Offnungen mittelſt einer dem Gazeſtuhl ähnlichen Vorrichtung, entweder in Gaze⸗ oder in Leinwandgrund, z. B. gewiſſe Damenkleider, Vorhänge; e) durch Anwendung beſonderer, nur für das Muſter beſtimmter, in das für ſich beſtehende Grundgewebe eingeſchalteter Kettenfaden, z. B. Bänder. IV. Sammetartige Stoffe. Auf einem leinwandartigen Grundgewebe iſt eine haarartige Decke angebracht, auf der feine, gleichlange Fäden aufrecht⸗ ſtehen oder bei größerer Länge nach dem Striche niedergelegt 144 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. werden. Bei dem baumwollenen Sammet(Mancheſter, Velvet) wird der Flor durch den Eintrag hervorgebracht. Er verbindet zunächſt die Kettenfäden miteinander zu einem konſiſtenten, nur auf der Rückſeite des Stoffes ſichtbaren Grundgewebe und läuft auf ſolche Art durch die Kette, daß er zu wenigſtens drei Viertel auf der rechten Seite des Stoffes flott liegt und hier lauter parallele Längsſtreifen bildet, welche unten das Grund⸗ gewebe, oben die ungebundenen Teile des Eintrags zur Wand haben. Die flottliegenden Teile des Eintrags werden nach dem Weben mit einem Meſſer aufgeſchnitten und ihre Endchen mittelſt einer Maſchine aufgebürſtet, wodurch das dicht deckende Haar entſteht, welches ſpäter abgeſchoren wird. Der Flor wird bei dem echten Sammet durch eine zweite Kette hervor⸗ gebracht, welche auf dem Webſtuhl oberhalb der Kette des Grundgewebes aufgeſpannt iſt. Aus der Polkette werden beim Weben kleine Schleifen oder Maſchen gebildet, indem man in jedes beim Weben von der Polkette gebildete Fach eine Nadel einſchiebt. Dieſe Schleifen werden nachher an der oberen Biegung ausgeſchnitten und durch Bürſten und Scheren ver⸗ arbeitet. Zu den ſammetartigen Stoffen gehören: echter Sammet, Mancheſterſammet, ſammetartige Teppiche, Plüſch und Mohair⸗ plüſch, ſammetartige Tapeten. V. Gazenartige Stoffe. Je zwei Nachbarfäden der Kette legen ſich abwechſelnd von links nach rechts übereinander und halten die Schußfäden zwiſchen dieſen Kreuzungen feſt. Es entſtehen Stoffe mit ge⸗ kreuzter Kette, wobei der eine Kettenfaden ſämtliche Schußfäden unter ſich, der andere ſämtliche Schußfäden über ſich läßt. Zu den Stoffen gehören die Zylindergaze. Was verlangt der Fabrikant von einer Wolle? Die Eigenſchaft, welche ſowohl in der Tuch⸗ als auch in der Kammgarnfabrikation die größte Rolle ſpielt, iſt die Aus⸗ geglichenheit im Vlieſe. Möge doch jeder Landwirt ſich bemühen, ausgeglichen zu züchten! Gerade an dieſer Eigenſchaft krankt unſere Schafzucht und wird von der überſeeiſchen übertroffen; ſolange der deutſche Schafzüchter dieſe Eigenſchaft nicht wieder⸗ erobert, bleibt er hinter den überſeeiſchen Ländern zurück. Meiner Was verlangt der Fabrikant von einer Wolle? Schlußbetrachtung. 145 Anſicht nach iſt allerdings die Ausgeglichenheit ein Produkt der Reinzucht, aber auch durch Kreuzung kann man ausgeglichen züchten. Möchte doch jeder Landwirt darauf achten, ob eine Wolle fein iſt oder grob, ausgeglichen muß ſie ſein; je aus⸗ geglichener ſie iſt, deſto höheren Wert hat ſie für die Fabrikation. Andere allgemeine Eigenſchaften ſind noch die Formbarkeit und Widerſtandskraft der Wolle; letztere iſt nicht zu unter⸗ ſchätzen; denn je höher der Grad von KrLaft iſt, um die Wolle zu zerreißen, deſto größeren Wert hat ſie für den Fabrikanten, und deſto haltbarer wird das daraus gewonnene Fabrikat ſein. Beſonders ſpielt die Widerſtandskraft in der Kammgarnfabrikation eine Rolle, da dieſelbe bei den letzten Vorarbeiten der Wolle ſehr in Anſpruch genommen wird. Srhlußbekrachtung. Welche Eigenſchaften müſſen die Tuchwolle und die Kammwolle beſitzen? A. Tuchwolle. Krimpkraft. Die Krimpkraft iſt wohl die wichtigſte Eigenſchaft des Wollhaares zur Herſtellung von Tuch. Beſäße die Wolle dieſe Eigenſchaft nicht, ſo wäre eine Tuchfabrikation überhaupt nicht möglich; die Krimpkraft bedingt die Walk— barkeit des Wollhaares. Ein hoher Grad von Krimpkraft in⸗ folge Einwirkung von Wärme und Feuchtigkeit auf das hygro⸗ ſkopiſche Wollhaar iſt bei der Tuchwolle unerläßlich, weil, wie wir geſehen, aus demſelben Stoffe hergeſtellt werden ſollen, bei denen die ſich kreuzenden Fäden im Gewebe nicht zu er⸗ kennen ſind, dasſelbe vielmehr eine kompakte, filzartige Be⸗ ſchaffenheit zeigen ſoll. Der Züchter muß daher darauf hin⸗ wirken, in ſeiner Herde die Krimpkraft zu erhöhen. Wodurch dies geſchehen könne, iſt zwar phyſiologiſch noch nicht klar dargelegt, aber, wie ich bereits bemerkt habe, hängt die Krimp⸗ kraft mit der Kräuſelung und der Treue des Wollhaares eng zuſammen; durch richtige Auswahl von Zuchttieren kann die Krimpkraft in einer Tuchwollherde erhalten bleiben. Kräuſelung. Wolle mit normaler Kräuſelung kann der Tuchfabrikant noch gebrauchen. Die Erfahrung hat gelehrt, Heyne, Schafzucht. 10 146 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. daß die hochbogigen Wollhaare ſich am meiſten krümmen; hierauf aber iſt zu entgegnen, daß hochbogige Wollen ſich zu ſchwer verſpinnen, eine zu geringe Elaſtizität und eine für die Tuchfabrikation zu große Härte beſitzen. Es iſt daher dem Züchter zu raten, eine Wolle mit normal oder höchſtens gedrängt⸗ bogiger Kräuſelung zu züchten. Zu eng mit der Kräuſelung iſt die Treue des Wollhaares verbunden; ja den Prüfſtein der Treue geben die Kräuſelungsbögen ab. Sind dieſelben gleich, ſo läßt ſich der Schluß ziehen, daß die Wolle treu iſt; nur aus treuer Wolle läßt ſich, beſonders in der Tuchfabrikation, ein gleichartiges Fabrikat erzielen. Wollte man den letzten Satz genau nehmen, wie wenn in der ganzen Länge des Wollhaares nicht die leiſeſte Abweichung vorkommen dürfte, ſo würde er eine Anforderung in ſich ſchließen, welche ſehr ſchwer zu erfüllen wäre; denn der Wechſel in den Lebensverrichtungen des Schafes und in den äußeren Einflüſſen, die der Lauf des Jahres mit ſich bringt, veranlaßt auch bei der forgfältigſten Haltung immer kleine Abweichungen in der Richtung, daß z. B. der Teil des Wollhaares, welcher während der Säugezeit emporwächſt, etwas ſchlaffer, die äußerſte Spitze, welche während der Weidezeit hervorkommt und die überdies den Einflüſſen der Sonne, des Staubes und Regens am meiſten ausgeſetzt iſt, etwas gröber wird. Doch es genügt ſchon, wenn die Eigenſchaften, mit welchen ein Wollhaar am Hautende ausgeſtattet iſt, von denen am entgegengeſetzten Ende, oder in der Mitte, oder an irgendeiner anderen Stelle nicht zu be⸗ deutend abweichen. Die Länge der Tuchwolle. Der althergebrachte Satz:„Je feiner die Wolle, deſto kürzer“ hat auch heute noch ſeine Gültigkeit. Nach meinen Meſſungen betrug die Länge des Haares in natürlich ge⸗ kräuſeltem Zuſtande im Sortiment: Elekta I... 30— 35 mm Elekta II... 40—45„ Primawollen I. 45— 55„ Es eignen ſich alſo zur Tuchfabrikation Wollen, deren Jahreswuchs 60 mm nicht überſteigt. Zu lange Wollen haben als Tuchwollen keinen Zweck; ſie werden vom Fabrikanten deren 11 nrtn Schlußbetrachtung. 147 erſt durchſchnitten, geben aber dann kein gutes Fabrikat; deshalb werden zu lange Tuchwollen vom Fabrikanten nicht gern geſehen; das Maximum darf 60 mm nicht überſteigen. Feinheit der Wolle. Im großen und ganzen dürfte wohl das wirtſchaftlich Richtige ſein, daß diejenigen Landwirte, welche Tuchwollen züchten, eine Wolle produzieren, welche ſich in den Grenzen von hoher Prima bis Elekta bewegt, in Kräuſelungsbögen und Millimetern angegeben: Prima I 22— 24 Kräuſelung 20— 22,5 mm Durchmeſſer Elekta. 26— 33, 19.20,5„„ Dieſe Wolle wird jeder Tuchfabrikant gern und willig kaufen. B. Kammwolle. Während die Krimpkraft für den Streichgarnſpinner von faſt unſchätzbarem Werte iſt, hat ſie für die Kammgarnſpinnerei bei der Herſtellung glatter Zeuge faſt gar keinen Wert. Dieſe werden nicht gewalkt, ſollen alſo in der Wäſche nicht einlaufen. Der Kammgarnſpinner wünſcht und muß einen glatten Faden haben; der Züchter von Kammwollſchafen wird daher ſolche Wollen mit möglichſt geringer Krimpkraft zu produzieren ſuchen. Jede Merinowolle beſitzt eine gewiſſe Krimpkraft; um dieſelbe zu entfernen, wird ſie bei der Kammgarnfabrikation in den Vorarbeiten durch Strecken der Wolle in noch feuchtem und warmem Zuſtande ſo viel wie möglich zu entfernen geſucht. Arbeite alſo der Kammgarnzüchter dem Fabrikanten in die Hand und liefere eine Wolle mit möglichſt geringer Krimpkraft. Kräuſelung. Je hochbogiger die Kräuſelung iſt, deſto intenſiver die Krimpkraft; je flacher, deſto geringer die Krimpkraft. Letztere Eigenſchaft iſt für die Kammwollſpinnerei wichtig; ja, in früheren Jahren konnte der Kammgarnſpinner keine Wolle mit nur normaler Kräuſelung verarbeiten; aber jetzt iſt es ihm durch Erfindung neuer Maſchinen, beſonders der Plättmaſchinen, gelungen, auch Kammwollen mit Kräuſelung zu verarbeiten; doch der Fabrikant verarbeitet am liebſten Kammwollen, welche gedehnt und flachbogig ſind; dagegen iſt eine allzu ſtarke 10* 148 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. Markierung zu vermeiden. Auch auf Treue des Wollhaares legt hier der Fabrikant einen Wert; denn untreues Haar er⸗ zielt in der Kammwollfabrikation zuviel Kämmlinge, da die Widerſtandskraft ſehr in Anſpruch genommen wird. Iſt alſo ein Wollhaar in ſeinen Teilen nicht gleich, ſo zerreißt es beim Kämmen; auf feſtgeſchloſſenen Stapel ſieht der Kammwoll⸗ fabrikant nicht allzu ſehr. Beſonders aber muß ich die Land⸗ wirte darauf hinweiſen, den Quaderſtapel zu vermeiden; denn derſelbe läßt immer auf eine keulenartige Strähnbildung ſchließen Die Länge der Kammwolle. Unter den Züchtern herrſcht jetzt vielfach die Anſicht, Kammwolle könne nicht lang genug ſein; dieſes zeugt aber von wenig Kenntnis der Fabrikation; denn zu lange Wolle können unſere Fabrikanten überhaupt nicht verarbeiten. Wolle von 7—9 em Länge befriedigt vollſtändig den Fabrikanten; es wäre Unſinn, längere heranzuzüchten, da ſie über eine gewiſſe Grenze von Länge untauglich für die Fabrikation wird. Feinheit der Kammwolle. Vielfach hört man jetzt von Züchtern die Behauptung aufſtellen, Kammwolle könne nicht grob genug ſein, man müſſe Tertiafeinheit züchten; demgegenüber muß ich geltendmachen, daß man Tertiafeinheit von unſeren Kammwollſchafen nicht braucht; dafür gibt es engliſche Kreuzungen. Der Kammgarn⸗ fabrikant braucht keine ſo große Feinheit wie der Streichgarn⸗ ſpinner, aber das Sortiment einer Kammwolle ſollte ſich in den Grenzen einer geringen Prima bis geringen Sekunda bewegen. Pierer ſche Hofbuchdruckerei Stephan Geibel& Co. in Altenburg. mmwole ßie Lud en; du ſchleje Ariit Igt abe e Pal⸗ . Pal nten, 6 geviſe ). 5 3 auptan in wiſt macen n uict nnganr icgmr ſichu ekunde Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstrafse 10. Mentzel's Schafzucht. Dritte, neubearbeitete Auflage. Mit Textabbildungen und 40 Rassebildern. Gebunden, DPreis I2 M. Man kann dieses Buch den besten Arbeiten über Tierzucht beizählen, nichts ist übersehen worden, alles, was in der Theorie wie in der Praxis der Schaf- zucht in Betracht kommt, ward ausführlich und in allgemein verständlicher Weise abgehandelt. Das Buch ist in neun Hauptkapitel eingeteilt: Natur- geschichtliches, die Einführung der Merinos, die Wolle und ihre Eigenschaften, Behandlung und Ge- sundheitspflege, Ernährung, Mästung, Verwertung der Produkte, Stallungen. Ein besonderer Schmuck des Werkes sind die vierzig technisch ganz vor-— trefflich ausgeführten Rassebilder, welche ein so gutes Bild von der Statur, dem Bau und der Be- haarung der einzelnen Schafarten bieten, wie man es kaum noch gesehen hat. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstraſse 10. Schwarzneckers Pferdezucht. Rassen, Züchtung und Haltung des Pferdes. Vierte Auflage, durchgesehen und ergänzt von Professor Dr. Simon v. Nathusius in Jena. Mit 88 Textabbildungen und 40 Rassebildern. Gebunden, Preis 16 M. Die ERinderzucht. Körperbau, Schläge, Züchtung, Haltung und Nutzung des Rindes. Praktisches Handbuch von Dr. H. Werner, Geh. Regierungsrat, Professor für Landwirtschaft an der Kgl. landwirtschaftl. Hochschule und Dozent für Tierzuchtlehre an der Kgl. tierärztlichen Hochschule in Berlin. Zweite, vollständig neubearbeitete Auflage. Mit Textabbildungen und 128 Tafeln mit Rinderporträts. Gebunden, Preis 20 M. Rohde's Schweinezucht. Fünfte, neubearbeitete Auflage, herausgegeben von H. Schmidt, Königl. Domänenpächter in Ostrowo. Mit Abbildungen im Text und 31 Rassebildern. Gebunden, Preis 12 M. Die Geflügelzucht nach ihrem jetzigen rationellen Standpunkt. Von B. Dürigen. Zweite, gänzlich neubearbeitete Auflage. Mit 196 Rassebildern auf 20 vielfarbigen Tafeln und im Text, 286 anderen Textabbildungen, sowie einer Porträtgruppe verdienstvoller Geflügelzüchter. Gebunden, Preis 25 M. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Ge les Rülks irtsebacd. Hochsehdl akt Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstraſse 10. Die Ernährung der landwirtschaftl. Nutztiere. Lehrbuch auf der Grundlage physiologischer Forschung und praktischer Erfahrung bearbeitet von Dr. O. Kellner, Geh. Hofrat und Professor, Vorstand der Königl. landw. Versuchsstation Möckern. Zweite, neubearbeitete Auflage. Gebunden, Preis 19 M. Futter-Ersatzzahlen. Ein Nachschlagebuch für den praktischen Landwirt bei der Auswahl der Futtermittel. Von Dr. H. Clausen, Direktor der landwirtschaftlichen Schule in Heide. Zweite Auflage. Kartoniert, Preis I M. Anleitung zur zweckmäßigen Aufstellung von Futtermischungen für Milchkühe, Jung-⸗, Mast⸗ und Zugrinder nebst einem Anhange über den Wert und die Verwendung der wichtigsten Futtermittel. Von G. Becker, prakt. Landwirt und Winterschuldirektor a. D. Dritte, vermehrte Auflage. Preis I M. 20 Pf., 12 Exemplare 12 M., 25 EFxemplare 22 M. Fütterungsplan und Futterrationen. Aufgestellt nach d. Nährstofftabelle in Mentzel und v. Lengerkes Kalender. Von C. v. Stoeltzer, Oberlehrer an der Landwirtschaftsschule zu Dahme. Zweite, vermehrte Auflage. Ppeis I M. Berechnung der Futterrationen. Praktische Anleitung für den Gebrauch von Landwirten und zum Unterricht bearbeitet von Dr. A. Stutzer, 0. ö. Professor und Direktor des agrikultur-chemischen Institutes der Universität Königsberg. Zweite, vollständig neubearbeitete Auflage. Preis I M., 10 Exemplare 9 M., 20 Exemplare 17 N. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstrafse 10. Das Buch vom gesunden und kranken Haustier. Leichtverständlicher Ratgeber. Pferde, Rinder, Schafe, Schweine, Hunde und Geflügel zu schützen und zu heilen. Aus der Praxis für die Praxis bearbeitet von Dr. L. Steuert, Prof. an der Königl. Bayer. Akademie für Landwirtschaft in Weihenstephan. Dritte, neubearbeitete Auflage. Mit 345 Textabbildungen und einem Anhang über Viehkauf und Verkauf, Pflege der Ausstellungstiere, Viehtransport und Versicherung. Gebunden, Preis 5 M. Zucht- und Mastschweine, ihre sachgemäſse Haltung und Ernähnrung. Aus der Praxis für die Praxis. Von H. Schmidt, Kgl. Domänenpächter in Ostrowo. Preis I M. 80 Pf. Wie ist es möglich, Schweinezucht und-Haltung ertragreich zu machen? Erfahrungen aus der Praxis von H. Schmidt, Kgl. Domänenpächter in Ostrowo. Preis I M. Anleitung zur Ziegenzucht und Ziegenhaltung mit Berücksichtigung der Schweizer Ziegen. Von Felix Hilpert, Landwirtschaftslehrer in Arendsee(Altm.). Vierte, vermehrte und verbesserte Auflage. Mit 12 Textabbildungen. Preis 75 Pf. K. Römer, Die landwirtschaftliche Geflügelhaltung. Herausgeg. im Auftrage des Grofsherzogl. Badischen Ministeriums des Innern. Dritte Auflage. Neubearbeitet von August Fehsenmeier, und H. Doll, Veterinär-Assessor beim Grofsherzogl. Wanderlehrer für Geflügelzucht beim Ministerium des Innern. Grofsh. Ministerium des Innern. Mit 25 Textabbildungen und I0 Rassebildern. Preis 2 I. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. ——————— —-— — 8e 10 — lotier ten ul nern. Betracht kommen kann. in der Rocktasche jedes Landwirts zu finden ist. Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstrasse 10. Begründet 1874. Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Wöchentlich zwei Handelsbeilagen. Monatlich eine Farbendrucktafel. 3 MNMonatlich eine Beilage„Zeitschriften-Schau“. Durch jedes deutsche Postamt bezogen, Preis vierteljährlich 5 M. Die»Deutsche Landwirtschaftliche Presse« ist nach Inhalt und Ausstattung eine vornehme Fachzeitung grössten Stils für den gebildeten Landwirt. 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Der Mentzel und von Lengerke'sche Kalender folgt mit seinem ganzen Inhalt den modernen Bedürfnissen der Landwirtschaft und ist der treueste und zuverlässigste tägliche Begleiter jedes deutschen Landwirts. Der I. Teil, das gebundene Taschenbuch, dessen Formulare für wirt- schaftliche Eintragungen der verschiedensten Art von über 35 Tausend Land- wirten jahraus jahrein benutzt werden, enthält ausserdem Tabellen für Be- rechnungen, wie sie sich täglich im praktischen Betriebe aufwerfen, Tabellen, welche absolut unentbehrlich sind und es erklärlich machen, dass der»Mentzel« Der II. Teil, das ahrbuch, enthält alljährlich auf das Peinlichste revidierte Zusammenstellungen über die landw. Behörden, es sind ferner die landw. Berufs- genossenschaften, die landw. Genossenschafts-Vorstände, die Landwirtschafts- kammern, die Zuchtgenossenschaften, die landw. Vereine, ebenso wie die landw. Unterrichtsanstalten und Versuchsstationen aufgeführt. Ferner enthält dieser Teil alljährlich einen für praktische Landwirte lehrreichen Artikel. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Vverlag von Paul Parey m Berlin SW., Hedemannstrasse 10. Landwirtschaftliche Unterrichtsbücher. Ackerbau einschliesslich. Gerätelehre von, Dir. Dr. Droysen in Herford und Prof. Dr. Gisevius in Giessen. Sechste Aufl. Mit 175 Textabb. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. 3 Leitfaden der Ackerbaulehre füur Lehranstalten und zum Selbstunterricht von Dr. H. Biedenkopf, Oberlehrer an der landw. Schule in Chemnitz. Zoeite Auflage. Mit 46 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 40 f. Leitfaden für einfache landw. Untersuchungen. Von Dr. HI. Biedenkopf, Oberlehrer an der landw. Schule zu Chemnitz. Mit 35 Textabb. Geb., Preis I M. Düngerlehre von Direktor A. Conradi in Hohenwestedt. Zuoeite Auflage. Preis 60 Pf. Grundzüge der Agrikulturchemie. Für land- und forstwirtschaftliche, sowie gärtnerische Lehranstalten und zum Selbstunterricht bearbeitet von Dr. R. Otto in Proskau. Mit 44 Textabbildungen. Geb., Preis 4 M. Bodenkunde. Ein Leitfaden für den Unterricht an mittleren und niederen land- wirischaftlichen Lehranstalten. Von Dr. W. Lilienthal, Winterschul-Direktor in Genthin. Mit 13 Textabbildungen. Zweite Auflage. Geb., Preis I M. 20 P). Bodenkunde von A. Wirtz, Direktor der landwirtschaftlichen Winterschule in Odenkirchen.. Preis 50 Mineralogie u. Gesteinslehre von V. Uhrmann, Direktor der landw. Schule in Annaberg im Erzgeb. Zweile Auflage. Mit 26 Textabbildungen. Geb., Preis I M. Pflanzenbau von Direktor Dr. Birnbaum. Sechste Auflage, bearpeitet von Professor Dr. Gisevius in Giessen. Mit 222 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Grundzüge der Pflanzenvermehrung von Max Löbner, Obergärtner, und Gartenbaulehrer in Wädensweil. Geb., Preis 70 Pf. Wiesenbau von H. Kutscher, Lehrer in Hohenwestedt. Zweite Auflage. Mit SGeb., Preis 1 M. 20 Pf. 67 Textabbildungen. Lehrbuch der Botanik. von Oberlehrer Dr. G. Meyer in Dahme. Zoeite Auflage. 8 3 Geb., Preis M. Leitfaden der Botanik für landw. winterschulen und Landwirte. Von Ober- Mit 291 Textabbildungen. jehrer Dr. G. Meyer. Zoeite Auflage. Mit 248 Textabb. Geb., Preis 1 M. 50 Pf Botanik von F. Ganl, Landwirtschaftslehrer in Schweidnitz. Mit 113 Textabbild Geb. Preis I M. 30 Nf pflanzliche und tierische Schädlinge der landw. Kulturpflanzen. vVon W. Tillmann in Hohenwestedt. Mit 147 Textabb. Geb., Preis I M. 20 Pf. Jeitfaden der Zoologie für niedere landw. Schulen. Von R. Hillmann und A. Wolschner in Annaberg i. Erzg. Mit 112 Textabb. Geb., Preis 1 M. 40 Pf. Lehrbuch der Tierzucht. von Dr. H. Biedenkopf. Oberlehrer in Gross Umstadt. Zweite Auflage. Mit 8 biolog. Rassebildern u. 86 Textabb. Geb., Preis 2 M. 80 Pf. Viehzucht von v. Patzig, Professor in Marienburg. Fünfte auag. Mit 107 Text. abbildungen. 8 eb., Preis I M. 60 PLj. Fütterungslehre von Dir. A. Conradi in Hohenwestedt. Zweits Auflage. (ch, nra 1. 0 pf. wierzuchtlehre von Dir. A. Conradi in Hohenwestedt. Mit 95 Textabp. Geb., Preis I M Bau und Leben der landw. Haussäugetiere. Von Dr. E. Laur, Lehrer in Brugß. 7. Zweite Auflage. Mit 91 Textabbildungen und 5 Tafeln. Geb., Preis 1 M. 20 Der Körper der landwirtschaftlichen Haussäugetiere-Von Dir. Dr.. Becker in Lage(Lippe). Mit 67 Textabb. 3 Geb., Preis 1 M. 40 Pf. Landwirtschaftliche Betriebslehre bearbeitet von Dr. R. Roth, Direktor der landw. Schule in Chemnitz. Sechste Auflage. Geb., Preis 1 M. 50 Pf. Wirtschaftsbetrieb von Dr. P. Gabler, Lehrer in Eldena. Kart., Preis 1 M. 20 P. Landw. Betriebslehre von Dr. Luberg, Oberlehrer in Dahme. Zoeite Auflage. (Geb, Preis 1 M. 60 f. Betriebslehre von Direktor A. Conradi in Hohenwestedt. Dritte Aufl. Geb., Preis 1M. Wirtschaftslehre von Direktor Dr. V. Funk in Zoppot. Fünfte Aufl. Geb., Preis M. Taxationslehre von. Petri in Hohenwestedt. Zweite Aufl. Geb., Preis I M. 60 f. Volkswirtschaftslehre von d. Petri in Hohenwestedt. Geb., Preis I M. 26 Pf Landwirtschaftsgeschichte von Direktor Dr. V. Funk. Geb., Preis 1 4aäaä=õ.. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. — 2, Su Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10. Landwirtschaftliche Unterrichtsbucher. Landmanns Buchführung. Von Dr. H. Clausen, Direktor in Heide. Zeeite Anfaße. Geb., Breis 1 M. 20 F, Einfache landwirtschaftliche Buchführung von Dr. P. Habernoll, Land- 3 wirtschaftslehrer in Schweidnitz. Geb., Preis 1 M. 0 P. Tabellen z. einf. landw. Buchführung v. Dr. P. Habernoll. Zweite Aufl. Preis I M Selbstverwaltungsämter. vonc. Petri, Lehrer in Hohenwestedt. Dritte Auflage. CNa. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Gesetzeskunde. Von Dr. jur. Kollath. 1 Geb., Preis I Mark. Landw. Berechnungen. Pür mittl. u. niedere landw. Schulen. Von Dr. E. Roth, BDirektor der landw. Schule in Chemnitz. Zaeite Auflage. Geb., Preis 1 M. 50 Pf. 3 Lösungen. DPreis 50 Pf. Rechenbuch für niedere u. mittl. landwirtschaftliche Lehranstalten von L. Lemke, Eehrer in Stargard i. P. I. Teil. Unterklassen. Dritte Aufl. Geb., Preis 1 4. 40 H. II. Teil. Mittel- und Oberklassen. Zweite Aufl. Mit 112 Textabb. Geb., Pyreis M. bösungen(für beide Teile). Zweite Auflage. Preis I M. Rechenbuch für Ackerbauschulen, landw. Winterschulen und ländl. Fortbildungs. Schulen von P. Knak, Lehrer in Wittstock. Fierte Aufl. Geb., Preis I M. 20 Pf. Lösungen. Preis 1 M. Geometrie, Feldmessen u. Nivellieren von H. Kutscher, Lehrer in, Hohen- westedt. Zoeite Auflage. Mit 164 Textabbildungen. Geb., Preis I M. 40 P. Geometrie der Ebene von Prof. L. Bosse in Dahme und Prof. H. Müller in Friedrichs- hagen. Zuweite Auflage. Mit 200 Textabb. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Stereometrie für Landwirtschaftsschulen von Prof. L. Bosse in Dahme und Prof. H. MHüller in Eldena. Mit 30 Textabbildungen. Preis 50 Pf. Algebra für Landwirtschaftsschulen von Prof. L. Bosse in Dahme und , Prof. H. Müller in Eldena. Preis 1 M 0 Pf. Unterricht im Feldmessen mit den einfachsten Messgeräten. Von Dr. G. Wilsdorf. BDritie Auflago.—. Geb. Preis I M. 40 Pf. Feldmess- und Niyellierkunde und das Drainieren von Chr. Nielsen, Ober- lehrer in Varel. Zaoeite Auflage. Mit 102 Textabb. und 3 Tafein. Geb., Preis 2 M. Physik von M. Hollmann, Oberlehrer in Thorn. Sechste Auflage. Mit 160 Text- apbbildungen.. Geb., Preis I M. 30 Pf. Lehrbuch der Physik in methodischer Bearbeitung für Landwirtschaftsschulen von Prof. Dr. Lautenschläger, vorm. Oberlehrer in Samter. Zweite Auflage. NMit 405 Textabbildungen. Geb., Preis 2 M. 80 Ff. Mechanik, Wärmelenre und Witterungskunde. Leitfaden der Physik von J. Bohn, rwasallehror zu Trier. Mit Anhang: Licht und Elektrizität. Mit 129 Textabbildungen. 3 Geb., Preis I M. 50 Ff. Geräte- und Maschinenkunde von J. Gaul, Landwirtschaftslehrer in Schweid- n nitz. Mit 177 Textabbildungen. Geb. Preis 1 M. 60 P. (Chemie von P. J. Murzel, Direktor der landw. Winterschule in Saarlouis. Dritte „ Auflage. 4 Geb., Preis 1 M. 40 l'j. Chemie von A. Maas, Lehrer in Wittstock. Zuweite Auflage. Mit 10 Textabbildungen. e5., Preis I M. 80 f9I. Chemie fur Ackerbau- u. landw. Winterschulen von W. Wellershaus, Landwirtschafts- lehrer. I. Teil: Anorganische Chemie. Zooeite Auflage. Geb., Preis 70 f. Teil: Organische Chemie. BPreis 50 17. Meyer's Forstwirtschaft. Dritte Auflage, bearbeitet von Reg. und Forstrat Berlin in Arnsberg. 3 Geb., Preis I M. 20 Pf. Obst- und Gemüsebau von Otto Nattermüller. Dritte Auflage. Mit 71 Textab- bildungen. Geb., Preis 1 M. 601 f. Obstbau. Von Erust Kümmerlen. Mit 72 Textabb. Geb., Preis I M. 20 Lf. Deutsche Gedichte, herausgegeben für den Unterricht an Landwirtschafts- 3 schulen von Direktor Dr. R. Schultz in Marggrabowa. Geb., Preis 2 M. Deutsches Lesebuch für Ackerbauschulen, landwirtsch. Winterschulen und ländliche Fortbildungsschulen herausgegeben von M. Hollmann und P. Knak. Dritte Auflage. 4 Geòb., Preis£ M. Lehr- und Lesebuch für ländliche Fortbildungsschulen von k. Deissmann, H. Jung, Fr. Kolb, W. Scheid und R. Wobig. Dratte Auflage. Geb., Preis 2 M. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. — 525 — 82. 1. 2 7 .e: — 3* — 13 8.. 4 82 8 8 — — 1 8 . — — — = 1 — — — 4 = “ — “ * S — . 4 — 5 5. ——— .““ “ — 5 “ 8 1 3 — — — 5 ““ “ 8 — “ 8 2 “ — 8* 2 — — * “ 3 5 . — “ — “ “ 32* 5 2 ee * “ : — * — 8 5 8 8 — 5 “ 3 25 “ “ 8 8 “ 8 “ 8 * 7 8 8 er — 2 “ —— “ “ “ 8 6 9 8 V ö“ n anandataärnnnrrurrrannarnaqmEnrmammmmmNnmnqnmumaun Ülh- V Ocm 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12