1 8 — 8—* — —— 1 “ . 5 “ . — 1 — “ 8 8 “ 8 — — * = * . ₰ 5 — 8. 1 66, MM Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstrasse 10. Jeder Band H AER-BIBLI THEK Prels des Bandes elnzeln käuflich. IT 0 In Leinen geb. 2 M. 50 Pf. Ackerbau und Düngerwesen. Urbarmachung und Verbesserung des Bodens von Ok.-Rat Dr. R. Buerstenbinder. Praktische Bodenkunde von Dr. A. Nowacki, Professor in Zürich. 3. Auflage. Käufliche Düngestoffe von Dr. A. Rümpler in Breslau. 4. Auflage. Anwendung künstlicher Düngemittel von Prof. Dr. P. Wagner in Darmstadt. 3. Auflage. Wolff's praktische Düngerlehre. 13. Auflage. Wolff's Anleitung zur chem. Untersuchung landw. Stoffe. 4. Auflage. Pflanzenbau. Tabaksbau von A. Freiherrn von Babo in Klosterneuburg. 3. Auflage. Wiesen- und Weidenbau von Dr. F. Burgtorf, Direktor in Herford. 4. Auflage. Feldholzzucht, Korbweidenkultur etc. von R. Fischer in Berlin. Hopfenbau von C. Fruwirth, Professor in Hohenheim. Gekrönte Preissehrift. Anbau der Hülsenfrüchte von C. Fru wirth, Professor in Hohenheim. Braugerste von H. Heine. Gekrönte Preisschrift. 1 Lupinen- und Serradellabau von Kette-Jassen und König-Zörnigall. 9. Auflage. Knauer's Rübenbau. Bearbeitet von Prof. Dr. M. Hollrung in Halle a. S.) 8. Auflage. Flachsbau und Verarbeitung von R. Kuhnert in Marburg. IAae Landw. Futterbau von Dr. William Loebe-Leipzig. 7 3. Auflage. Rationeller F utterbau von Dr. F. G. Stebler in Zürich. 1—₰ 4. Auflage. Samen und Saat von Dr. William Loebe-Leipzig. Ernährung der landw. Kulturpflanzen von Dr. Ad. Mayer, Prof. in Wageningen. 2. Auflage. Getreidebau von Dr. A. Nowacki„Professor in Zürich. Gekrönte Preisschrift. 3. Auflage Risler's Weizenbau. Herausgegeben von Amtsrat Dr. W. Rimpau in Schlanstedt. Kartoffelbau von Geheimrat Dr. H. Werner, Professor in Berlin. 4 4. Auflage. Krankheiten der landw. Nutzpflanzen von Protessor Dr. Wolf. F orstkulturen von Urff, Kgl. Forstmeister in Neuhaus bei Berlinchen. Auflage. Tierzucht und Fütterungslehre. Berlepsch' Bienenzucht. Bearbeitet von G. Lehzen in Hannover. Auflage. Zoologie für Landwirte von Dr. J. Ritzema Bos, Professor in Amsterdam. Auflage. Pferdezucht von F. Oldenburg in Sondershausen. 3 4 Rindviehzucht von Dr. V. Funk, Direktor in Zoppot.. Auflage. Wirtschaftsfeinde aus dem Tierreich von Dr. G. von Hayek, Proſessor in Wien. May's Schweinezucht. Bearbeitet von E. Meyer-Friedrichswerth. Auflage. Bakterienkunde für Landwirte von Dr. wW. Migula in Karlsruhe. Pribyl's Geflügelzucht, neubearbeitet von Oberstleutnant a. D. Sabel in Trier. Auflage. Wolffs landwirtschaftliche Fütterungslehre..Auflage. Betrieb. Birnbaum's landw. Taxationslehre. 1.Auflage. Landw. Betriebslehre von Geheimrat Dr. Freiherr v. d. Goltz, Prof. in Poppelsdorf. 2. Auflage. Landw. Buchführung von Geheimrat Dr. Freih. v. d. Goltz, Prof. in Poppelsdorf. 8. Auflage. Geschichte der Landwirtschaft von Michelsen u. Nedderich. 4. Auflage. Rechisbeistand des Landwirts von M. Löwenherz, Amtsgerichtsrat in Köln. 3. Auflage. An- und Verkaufs Genossenschaften von H. v. Mendel, Landesökonomierat in Halle. Das Schriftwerk des Landwirts von C. Petri in Hohenwestedt. 3. Auflage. Wirtschaftsdirektion d. Landgutes von Geh.-Rat Dr. A. Thaer, Prof. in Giessen. 3. Auflage. Baukunde. Ziegelei von Ziexelei-Ingenieur O. Bock in Berlin. 2. Auflage. Kalk-Sand-Pisébau von Baurat F. Engel. Bearbeitet von H. Hotop. 3 4. Auflage. Pferdestall(Bau und Einrichtung) von Baurat F. Engel in Berlin. 2. Auflage. Engel's Viehstall(Bau u. Einrichtung. 5 ne Fre Gktor G. Meyer in Kattowitz. 3. Auflage. Bauernhof(Anlage und Einrichtung) 4½ 1 spers, Gendtalsekretär in Osnabrück. Schubert'’s ldw. Baukunde. Neul a Ien haman r G. Meyer in Buxtehude. 6. Augage. Geflügelställe(Bau und Einriehtung) von- takt 8 35 ubert in Höxter. 2. Auflage. Kalk-, Gips- und Zementfabrikation ſebied te Hann in! in Braunschweig. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. lage. lage. lage. dage. lage. fage dage. faage. gage. flage. fage. age. lfage. 3 ahage. uuge. afaage. uflage. ufage. uflage. 9 uflage. ufage. ulage. uflage. uflage. ufage. uflage. uflage. —— Weinbau von Ph. Held, Gartenbau-Inspektor in Hohenheim. Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstrasse 10. Jeder Band 3— HE Prels des Bandes elnzeln käuflich. TH AER BIBLIOT K in Leinen geb. 2 M. 50 Pf. Landwirtschaftliche Gewerbe. Apfelweinbereitung von Dr. Erust Kramer in Klagenfurt.. Bierbrauerei von Dr. C. J. Lintner, Professor in München. 3 2. Auflage. Milchwirtschaft von Dr. William Loebe in Leipzig. 2. Auflage. Anleitung Zzum Brennereibetrieb von Geh.-Rat Prof. Dr. Maercker in Halle a. S. 2. Auflage. Die Milch und ihre Produkte von A. Otto in Halle a. S. Stärkefabrikation von Dr. F. Stohmann, Professor an der Universität in Leipzig. Kulturtechnik, Maschinenkunde, Ingenieurwesen. Der Petersensche Wiesenbau von Dr. E. Fuchs in Kappeln. Landw. Plan- und Situationszeichnen von H. Kutscher in Hohenwestedt. Behandlung der Lokomobilen von Professor Paul Lazar in Budapest. Perels' Ratgeber bei der Wahl landw. Geräte und Maschinen. 8. Auflage. Schubert's jandw. Rechenwesen. Bearb. von H. Kutscher in Hohenwestedt. 4. Aufage. Dynamite von Isidor Trauzl, Ingenieur in Wien. Be- und Entwässerung der Acker und Wiesen von k. Rat L. Vincent. 4. Auflage. Wüst's Feldmessen und Nivellieren. Bearb. von A. Nachtweh, Prof. in Halle. 5. Auflage. Der Landwirt als Kulturingenieur von Fr. zajicek, Professor in Mödling. 2. Auflage. Veterinärwesen. Englischer Hufbeschlag von fl. Benrens, Lehrschmied in Rostock. 2. Auflage. Eingeweidewürmer der Haussäugetiere von Dr. J. Dewitz in Berlin. Heilungs- und Tierarzneimittellehre von P. Flemming, Grossh. Tierarzt in Lübz. Physiologie und Pathologie der Haussäugetiere von F. Flemming, Tierarzt in Lübz. Innere Krankheiten der Idw. Haussäugetiere von F. Grosswendt, Kgl. Oberrossarzt. Gesundheitspflege der landw. Haussäugetiere von Med. Rat Prof. Dr. Johne in Dresden. Landw. Giftlehre von Dr. G. Müller, Professor in Dresden. Der kranke Hund von Dr. G. Müller, Professor in Dresden. 2. Auflage. Der gesunde Hund von Dr. G. Müller, Professor in Dresden. Beschlagkunde von Dr. A. von Rueff in Stuttgart. 1 Aussere Krankheiten der ldw. Haussäugetiere von E. Zorn, Kgl. Korpsrossarzt. Geburtshilfe von Amtstierarzt Tapken in Varel. 4 2. Auflage. Jagd, Sport und Fischerei. Künstliche Fischzucht von M. von dem Borne auf Berneuchen. 4. Auflage. Süsswasserfischerei von M. von dem Borne auf Berneuchen. 3 Teichwirtschaft von M. von dem Borne auf Berneuchen. 4. Auflage. Goedde's Fasanenzucht. Bearbeitet von Fasanenjäger Staffel in Fürstenwald. 3. Auflage. Die Jagd und ihr Betrieb von A. Goedde, Herzogl. Jägermeister in Coburg 2. Auflage. J agd-, Hof- und Schäferhunde von Leutnant Schlotfeldt in Hannover. Ratgeber beim Pferdekauf von Stallmeister B. Schoenbeck in Höxter. 2. Aufdge. Widersetzlichkeiten des Pferdes von stallmeister B. Schoenbeck in. Höxter. Reiten und Fahren von Major R. Schoenbeck in Berlin. 3 3. Auflage. Gartenbau.. Gehölzzucht von J. Hartwig, Grossherzogl. Hofgarteninspektor in Weimar. 2. Auflage. Gewächshäuser von J. Hartwig, Grossherzogl. Hofgarteninspektor in Weimar. 2. Auflage. Meyer's Immerwährender Gartenkalender. 3. Auflage. Obstbau von R. Noack, Grossherzogl. Hofgarteninspektor in Darmstadt. 4. Auflage. Gartenblumen(Zucht und Pflege) von Th. Rümpler, General-Sekretär in Erfurt. 2. Auflage. Rümpler's Zimmergärtnerei. Bearbeitet von W. Mönkemeyer in Leipzig. 3. Auflage. Obstbaumkrankheiten von Professor Dr. Paul Sorauer in Proskau. 4 Gärtnerische Veredlungskunst von O. Teichert. Bearbeitet von Fintelmann. 3. Auflage. Gemüsebau von B. von Uslar in Hannover. 3. Auflage. IMustriertes Tanquittlchatts. Lexikon. Dritte, neubearbeitete Auflage. Mit 1126 Textabbildungen. In Halbjuchten gebunden, Preis 23 M. Das Landwirtschafts-Lexikon enthält Tausende einzelner Artikel und gibt— aufgeschlagen an der betreffenden Stelle des Alphabets-— eine augenblickliche, klare und ünvide Antwort auf alle Vragen wie sie sich täglich im landwirtschaftlichen Schlipf's vopuii äres Handbuch r Landwirtschaft. Gekrönte Preisschrift. Vierzehnte, neubearbeitete und vermehrte Auflage. 3 Wi 466 i in den Text gedruckten Abbildungen und 17 Tafeln in Farbendr uck. Gebunden, Preis 7 M. Wem es um ein Handbuch zu tun ist, welches alle Zweige der Landwiftschaft auf Grund der neuesten Erfahrungen in besonders verständlicher Schreibweise behandelt, dem darf das bewährte Werk von Schlipf unbedliugt empfohlen werden. Lehrbuch der Landwirtschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Von Dr. Guido Krafft, Professor der Landwirtschaft an der k. k. technischen Hochschule in Wien. Mit 860 Textabbildungen und 27 Farbendrucktafeln. Vier Sände.— Gebunden, preis 20 M. Par aus einzeln: I. Ackerbaulehre. siebente Auflage. III. Tier⸗uchtlehro. Siebente Auflag e. Mit 285 Textabbildungen und 1 Tafel. Mit 289 Textabbildungen und 15 Tatsln Gebunden, Preis 5 M. mit 44 farbigen Rassebildern. Gebunden, II. Pflanzenbaulehre. siebente Auflage. Pres h Mit 262 Textabbildungen und 8 Tafein IV. Betriebslehre. Sechste Auflage. mit 148 farbigen Abbildungen. Ge- Mit 24 Textabbildungen und 3 Tafeln. bunden, Preis 5 M. Gebunden, Preis 5 M. Schwerlich dürfte ein anderes landwirtschaftliches Lehrbuch gleichen Anklang und gleiche Verbreitung in den Kreisen der lernenden wie ausübenden, der akademisch wie nichtakademisch vorgebildeten Landwirte gefunden haben wie Guido Kraffts »Lehrbuch der Landwirtschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage«. Es entspricht auch wieder in seiner neuesten Auflage allen Anforderungen an ein modernes Handbuch der gesamten Landwirtschaft. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. A ken eeee,RaA 22 Unstitut für P PDeranig 9 an der lustus edn md Schschule Giessen, Der 2720 rationelle Futterban. Praktiſche Anleitung für Landwirte und für den Anterricht an landw. Lehranklalten. Von Dr. F. G. Stebler, Vorſtand der ſchweizeriſchen landw. Verſuchs⸗ und Samen⸗Unterſuchungs⸗Anſtalt in Zürich. Fünfte, umgearbeitete und erweiterte Auflage. & Mit 159 Tertabbildungen. Berlin. Verlagsbuchhandlung Paul Parep. Verlag für Landwirtſchaft, Gartenbau und Forſtweſen. SW., Hedemannſtraße 10. 1903. Üüberſetzungsrecht vorbehalten. Aus dem Vorwort zur erſten Auflage. Ich überreiche dem Landwirt hiermit eine Schrift, handelnd über ein Gebiet, welches für die Zukunft der europäiſchen Land⸗ wirtſchaft als eines der wichtigſten bezeichnet werden darf und von deſſen Entwicklung die Lage des Landbaues vor allen Dingen abhängig ſein wird. Der größte und wichtigſte Teil des Inhaltes iſt jahrelang fortgeſetzten, im Vereine mit vielen Landwirten gemachten praktiſchen Beobachtungen und eigenen wiſſenſchaftlichen Verſuchen entnommen. Namentlich ſtützt ſich die Arbeit auf die in meiner amtlichen Stellung gemachten Erfahrungen. Bei Behandlung iſt die bisher eingehaltene, rein empiriſche Richtung aufgegeben und ſo viel als möglich nur die natur⸗ geſetzliche Forſchung als Baſis benutzt worden. Die entwickelten Grundſätze und Regeln haben ſelbſtverſtändlich nicht nur für eine beſtimmte Gegend Geltung; ihre Anwendung iſt an kein beſtimmtes Gebiet gebunden, ſondern dieſelben behalten ihre Gültigkeit überall und ohne Ausnahme. Der Bauer des Alpen⸗ landes wie der norddeutſche Landwirt, der Rheinländer wie der Donauländer, der Süddeutſche wie der Marſchbauer wird die Schrift mit gleichem Vorteil als Anleitung benutzen können, wenn er die naturgeſetzlichen Grundlagen berückſichtigt und nicht nach der Schablone ins Blaue hinein arbeiten will. Zürich, den 9. Januar 1881. Aus dem Vorwort zur dritten und vierten Auflage. Seit dem Erſcheinen der letzten Auflage hat die Lehre des Futterbaues bedeutende Fortſchritte gemacht. Es galt hier, dieſelben der Praxis nutzbar zu machen. In unſeren zum Teil ſchon ſeit dem Jahre 1882 beſtehenden Verſuchsfeldern und bei den ſeit 1885 nicht nur in der Schweiz, ſondern auch im Auslande vor⸗ genommenen zahlreichen Wieſenunterſuchungen haben wir neue Er⸗ fahrungen geſammelt. Die von uns eingeführten und nun auch in den Nachbarſtaaten eingebürgerten Futterbaukurſe haben dem IV Vorwort. Verfaſſer Gelegenheit gegeben, ſeine Theorien in den verſchiedenſten Gegenden zu erproben. Derſelbe tritt deshalb hier nicht mit einer unreifen Frucht vor die Leſer, ſondern das Mitgeteilte hat ſich praktiſch bewährt und als gut erwieſen. Zürich, den 23. Januar 1895. Die Anleitung ſoll in ſyſtematiſcher Folge ein Geſamtbild entwerfen von der primitivſten Art des Futterbaues bis zu den modernſten Grundſätzen der Anlage von Kunſtwieſen, ein Bild, das zeigt, wie es war, wie es iſt und wie es ſein ſollte. Zürich, den 24. April 1900. Vorwort zur fünften Auflage. Die fünfte Auflage des rationellen Futterbaues iſt ſorgfältig durchgeſehen, verbeſſert, ergänzt und in einzelnen Abſchnitten ganz umgearbeitet worden. Eine gründliche Umarbeitung hat beſonders der Abſchnitt über die einjährigen Futterpflanzen erfahren. Manches Neue findet ſich ſodann in dem Kapitel über die Klee⸗ kultur. Da ſich die vom Autor eingeführte Berechnungsmethode der Miſchungen bewährt hat und ſich immer mehr einbürgert, ſo beſchränkte ſich hier die Neubearbeitung weſentlich nur auf die Herſtellung einer möglichſt präziſen Form der Ausdruckweiſe. Die am Schluſſe des Werkes neu hinzugekommenen Saattabellen werden diejenigen Leſer begrüßen, welche das Buch öfters zur Ent⸗ werfung von Miſchungen zur Hand nehmen. Ganz neu bearbeitet ſind die Abſätze über die Dauerwieſen auf Moorboden und die Miſchungen für Gartenraſen. Bei den Beſchreibungen der einzelnen Arten und der Beſprechung der Pflege der Naturwieſen iſt vieles verbeſſert und erweitert worden. Viele Bilder ſind durch neue, paſſendere erſetzt worden und deren Zahl iſt von 141 auf 159 geſtiegen. In gleicher Weiſe vermehrte ſich auch die Seitenzahl von 220 auf 240. Die neue Auflage dürfte deshalb den Anforderungen von Praxis und Theorie in noch erhöhtem Maße entſprechen, als dies bei den früheren der Fall war. Zürich, den 18. Juni 1903. Der Verfaſſer. 8 Inhalt. Seite Erſtes Kapitel. Die Bedentung des Futterbaues. 1 Zweites Kapitel. Die natürliche Veraſfung..... 5 Natürliche Beraſung nach Getreiie. ẽ.. 6 Natürliche Beraſung nach Rotllee.......... 15 Natürliche Beraſung nach Luzerne......... 17 Natürliche Beraſung nach Eſparſette..... 19 Natürliche Beraſung nach kurzlebigen Gräſern....... 21 Drittes Kapitel. Die Henblumenſaat....... 23 A. Die guten Samen der Heublumen...... 24 B. Die minderwertigen Samen der Heublumen.... 25 O. Die Unkrautſamen der Heublumen..... 26 Wie ſind die Heublumenwieſen zuſammengeſetzt?....... 30 Viertes Kapitel. Die einjährigen Eutterpflanzen... 34 Saatmengen der Grünfuttergewächſe.......... 37 1. Futterwicke..................... 38 2. Zottelwicke.................... 40 3. Futtererbſe................... 41 4. Grünmais..................... 42 5 Zuckermohrhirſe.............. 43 6. Mohar....................... 44 7. Futterroggen.................... 44 8. Inkarnatklee..................... 45 9. Weißer Senf................... 46 10. Spörgel.................... 48 11. Buchweizen................. 49 12. Serradella................... 50 13. Gelbe Lupine.................... 51 14. Ackertreſpe.................... 52 Fünftes Kapitel. Die Kleeknltur...... 53 1. Roiklee....................... 53 2. Luzerne....................... 58 3. Eſparſette..................... 61 Sechstes Kapitel. Die Grasmiſchungen....... 63 Siebentes Kapitel. Die Berechnung der Grasſamen- Miſchungen..................... 74 Berechnung der Miſchungen nach Kilo....... 75 Berechnung der Miſchungen nach Kiloprozenten...... 78 VI Inhalt. Seite Achtes Raßſicle Die Kleegrasmiſchungen...... 84 I. Kleegras mit Rotklee als Hauptart......... 84 II. Kleegras mit Baſtardklee als Hauptart........ 86 III. Kleegras mit Rotklee und Baſtardklee als Hauptarten.. 87 IV. Kleegras mit Luzerne als Hauptart......... 88 V. Kleegras mit Eſparſette als Hauptart......... 89 VI. Kleegras mit gemeinem Schotenklee als Hauptart... 89 VII. Kleegras mit Weißklee als Hauptart....... 89 VIII. Kleegras mit Rotklee, Baſtardklee und Weißklee als Haupt⸗ arten.................. Gemenge von Kleearten................. 91 Neuntes Kapitel. Die Miſchungen für Mechfelwiefen.. 91 Grundſätze für die Zuſammenſtellung der Miſchungen für Wechſel⸗ wieſen..................... Wheihſellwieſen für Weidenutzung(Wechſelweiden)....... 98 I. Wechſelwieſe für mittelſchweren Boden...... 98 II. Wechſelwieſe für guten Tonboden.......... 99 III. Wechſelwieſe für leichten Boden........... 100 IV. Wechſelwieſe für Moorboden............. 101 Zehntes Kapitel. Die Miſchungen für Dauerwieſen. 102 I. Dauerwieſen für guten Mittelboden(Matte und Weide). 105 II. Dauerwieſen für bindigen Boden(Matte und Weide) 106 III. Dauerwieſen für guten leichten Boden(Matte und Weide) · 107 IV. Kunſtwieſen auf armem Sand............ 109 V. Dauerwieſen für Moorboden............. 110 VI. Grasſamenmiſchungen Ar Wäſſerwieſen........ 115 VII. Kunſtwieſen in hohen Lagen............. 118 VIII. Dauermiſchungen für Gartenraſen......... 119 IX. Beraſung von Böſchungen und Rutſchflächen. Befeſtigung von Dünenſand................. Elftes Kapitel. Die Auswahl der Pflanzen..... 123 A. Die Futtergräſer................. 125 1. Knaulgras.................... 126 2. Fromental................. 127 3. Timothe..................... 129 4. Italieniſch Raigras............... 130 5. Engliſch Raigras................ 130 6. Goldhafer.................... 131 7. Wieſenſchwingel................. 133 8. Rohrſchwingel.................. 134 9. Notſchwingel.................. 135 10. Schafſchwingel.................. 136 11. Wieſenfuchsſchwanz................ 137 12. Kammgrag................... 138 13. Wieſenriſpengras................. 138 14. Fioringras................. 140 15. Wolliges Honiggras................ 142 16. Aufrechte Treſpe................. 143 Seite 17. Wehrloſe Treſpe................. 144 18. Geruchgras.... 144 19. Rohrglanzgras............. 146 20. Waſſerſchwaden.................. 146 B. Die Schmetterlingsblütler(Kleearten)... 147 1. Rotklee.................... 147 2. Baſtardklee..... 148 3. Weißklee.................. 149 4. Eſparſette.................... 150 5. Luzerne.................... 151 6. Hopfenklee......... 151 7. Gemeiner Schotenklee............ 152 8. Sumpfſchotenklee............. 152 9. Wundklee.................. 152 C. Die Kräuter.................... 155 1. Kümmel..................... 155 2. Schafgarbe„................. 156 3. Pimpernelle„.................. 156 4. Wieſenflockenbluem..... 157 Zwölftes Kapitel. Der Ankanf des Samens..... 159 Die gemachten Miſchungen............... 159 Ankauf ungemiſchter Scamedndn...... 160 Garantie..................... 161 Samenkontrolle..................... 161 Dreizehntes Kapitel. Vorfrucht, Düngung und Vorbe⸗- reitung des Bodens.............. 166 Die Vorfrüchte................ 167 Düngung vor der Saat................. 168 Bodenbearbeitung............... 169 Vierzehntes Kapitel. Die Uberfrucht.......... 172 A. Das Grüngetreide als Überfrucht.......... 172 B. Das reifende Getreide als Überfrucht......... 174 I. Wintergetreide................. 174 II. Sommergetreidearte............. 175 Lein.............. 177 Italieniſch Raigras............ 177 Fünfzehntes Kapitel. Die Zeit der Ausſaat... 177 Sechzehntes Kapitel. Die Faat und die Unterbringung 179 Siebzehntes Kapitel. Das Uerhalten der einzelnen Arten in den Miſchungen nach der Faat....... 184 Erſtes Beiſpiel(Adlisberg)................ 185 Zweites Beiſpiel(Wollishofen).............. 188 Drittes Beiſpiel(Fürſtenalp)............ 189 Viertes Beiſpiel(Fürſtenalp)h............ 191 Andere Verſuche................... 191 VIII Inhalt. Achtzehntes Kapitel. Die Pflege der Kunſtwieſen und die Nachſaat von Grasſamen in beſtehende Mieſen 194 Neunzehntes Kapitel. Die Pflege der Naturwieſen. 199 Unterſchied gegenüber dem Kunſtfutterbau....... 199 Die Düngung der Wieſen mit Stallmiſt und Gülle. 200 Güllebereitung.......... 203 Die Ammoniak⸗ oder Miſtpflanzen........ 207 Der Kompot·y...„........ 208 Das Abweiden der Wieſen.... 209 Die Düngung der Wieſen mit Kunſtdünger..... 212 Das Wieſeneggen:n.......... 217 Das Verjüngen der Wieſen...... 220 Das Verwundungsverfahren und das Nachſäen von Grasſamen 222 Die Vertilgung größerer Wieſenunkräuter...... 224 Die Herbſtzeitloſe................... 224 Die großen Ampferarte............ 226 Der Breitwegeriichhhhhl.. 227 Der Weinbergslauch u—ua..... 230 Der Umbruch der Naturwieſen.... 232 Die Ent⸗ und Bewäſſerung... 233 Anhang. Saattabellen.................. 233 Alphabetiſches Sachregiſte....... 237 2 Erſtes Kapitel. Die Bedentung des Eutterbaues. Der Futterbau iſt in den altkultivierten Ländern der nörd⸗ lichen gemäßigten Zone der wichtigſte Zweig der landwirtſchaftlichen Bodenproduktion. Keine andere Kultur nimmt eine ſo bedeutende Fläche ein. Ganz beſonders iſt dies der Fall in den nördlichen Küſtenſtrichen und in dem Gebirgs⸗ und Hügelland des europäiſchen Kontinents, wo die atmoſphäriſchen Niederſchläge und ein meiſt bindiger Boden den Graswuchs begünſtigen. Den richtigſten Begriff von der Bedeutung des Futterbaues bekommt man in einfachſter Weiſe, wenn man den Viehſtand als Maßſtab annimmt, den jährlichen Futterbedarf ermittelt und kapitaliſiert. Trotz der hohen Bedeutung läßt der Betrieb im allgemeinen noch ſehr zu wünſchen übrig. Die Naturwieſen ſind ſehr häufig verunkrautet, mangelhaft gedüngt oder verſauert. Aber auch bei der Anlage von Wieſen und Futterfeldern werden ungemein viele Fehler begangen. Vielerorts überläßt man die Beraſung des Bodens ganz oder teilweiſe der Natur, anſtatt daß man ihn rationell bebaut, oder ſäet den Samen in einen verunkrauteten, ungenügend vorbereiteten, ſchlecht gedüngten Acker, oder fehlt ſonſtwie bei der Anlage. Infolge⸗ deſſen geben dieſe Wieſen einen geringen Ertrag und vielfach auch ein ſchlechtes Futter. Der Futterbau hat in den letzten Jahren ganz bedeutende Fortſchritte gemacht, und dieſe Fortſchritte muß ſich der Landwirt dienſtbar machen, wenn er den„Kampf um das tägliche Brot“ beſtehen will. Bei keiner andern Bodenkultur iſt der Ertrag in dem Maße ſteigerungsfähig, wie beim Futterbau. Beim Getreidebau z. B. Stebler. 5. Auflage. 4 2 Erſtes Kapitel. Die Bedeutung des Futterbaues. können wir trotz ſorgfältiger Kultur von demſelben Grundſtück jähr⸗ lich immer nur eine Ernte erzielen. Ebenſo bei den Kartoffeln; wenn wir das Land noch ſo gut bearbeiten und noch ſo gut düngen, ſo ſind wir dennoch nur imſtande, einen Ertrag zu ernten; nur ausnahmsweiſe kann noch eine unbedeutende Nachfrucht gebaut werden. Anders beim Futterbaul! Hier iſt es möglich, bei guter Düngung und ſorgfältiger Pflege im gleichen Jahr von demſelben Grundſtück zwei, drei, vier, ja ſogar fünf Schnitte zu ernten. Fellenberg in Hofwyl erzielte ſogar von einer Parzelle italieniſchem Raigras in demſelben Jahr ſieben Schnitte, und auf den Rieſelwieſen in Oberitalien und in der Umgebung einzelner deutſcher Städte werden ſogar bis acht Schnitte geerntet. Mr. Dickinſon erntete in England vom italieniſchen Raigras in 7 Schnitten jährlich 280 Ztr. Heu per Acker(= 350 qu per Hektar). Nach ſeinen Berichten ſind(nach Hartſtein) in einzelnen Jahren ſogar 8— 9 Schnitte(entſprechend 455— 540 qu per Hektar) geerntet worden.— Fulton erwähnt(nach Werner), daß das italieniſche Raigras in England bei inten⸗ ſiver Jauchedüngung im größten Triebe per Tag 4,8 Zentimeter wachſe. Der Futterbau macht deshalb gegenüber den anderen Kulturen eine Ausnahme und es ſteht demſelben daher noch eine bedeutende Zukunft bevor. Hand in Hand mit dem Futterbau geht die Viehhaltung. Bei nachläſſigem Betriebe des Futterbaues leidet auch die Vieh⸗ haltung, während bei rationellem Betrieb die Einnahmen aus dem Stalle ſich ſteigern. Durch rationellen Betrieb des Futterbaues iſt es uns möglich, den Viehſtand zu vermehren, zu verdoppeln und zu vervielfachen, und ſo den Kraftzuſtand des Landes im gleichen Maße zu ſteigern. Beiſpiele von Landgütern, wo der Viehſtand infolge verbeſſerten Futterbaues innerhalb 10—20 Jahren verdoppelt oder vervielfacht wurde, laſſen ſich zu Hunderten aufführen, während es umgekehrt auch noch Fälle genug gibt, wo infolge Stationärbleibens des Futterbaues auch die Vieh⸗ haltung ſtationär blieb und der Landwirt deshalb auf keinen grünen Zweig kam. Hier gilt das Sprichwort: „Viel Futter, viel Vieh; viel Milch, viel Geld!“ Der Landwirt iſt heutzutage gezwungen, beim Betriebe der Landwirtſchaft keinen Vorteil unbenutzt zu laſſen, wenn er beſtehen will. Gegenwärtig machen ſich in der Landwirtſchaft ganz andere volkswirtſchaftliche Geſetze geltend als noch vor wenigen Jahrzehnten. Der Preis des Grund und Bodens iſt heute weſentlich höher Erſtes Kapitel. Die Bedeutung des Futterbaues. 3 als noch vor wenig Dezennien. Die Bodenverſchuldung hat aber in gleichem Maße oder noch ſtärker zugenommen. Dieſe höhere Schuldenlaſt erfordert auch eine höhere Zinsquote; infolgedeſſen muß der Landwirt heute, wenn er beſtehen will, mehr einnehmen, als es früher der Fall war.— Aber auch die ſonſtigen Betriebsſpeſen ſind geſtiegen: die Tagelöhne,¹) die Steuern, die Auslagen für den Unter⸗ halt der Familie u. ſ. f. Dieſes alles drückt auf den Landwirt gegenwärtig viel ſtärker als früher. Zudem macht ſich die auswärtige Konkurrenz in das kleinſte Dörfchen hinaus geltend. Noch vor vierzig, fünfzig Jahren war faſt jeder Hof, jeder Bezirk, jedes Land größtenteils auf ſich ſelbſt angewieſen. Damals mußte jeder Land⸗ wirt das Brot ſelber bauen, oder, wenn ihm das nicht möglich war, ſo holte er das fehlende in der nächſten Nachbarſchaft. Erſt zu Anfang der ſechziger Jahre letzten Jahrhunderts haben ſich Ungarn und die Donauländer als Getreideexportländer aufgetan. Die Vieh⸗ haltung und die Milchwirtſchaft hatten damals nur in den eigent⸗ lichen Gebirgsländern einige Bedeutung. Die Sachlage änderte ſich jedoch mit der Eröffnung der Eiſenbahnen. Im Jahre 1829 erfand der engliſche Ingenieur Stephenſon die erſte für den größeren Verkehr brauchbare Loko⸗ motive; im Jahre 1835— 1840 wurden in England die erſten Eiſen⸗ bahnen gebaut und in den vierziger Jahren auch auf dem Kontinent. Vorerſt wurden einzelne verkehrsreiche Knotenpunkte miteinander ver⸗ bunden. Nach und nach dehnte ſich der Eiſenſtrang bis über die Landesgrenze aus und ſchließlich bis in entfernte Länder. Die Ausdehnung des Eiſenbahnnetzes betrug in Europa: 1840 2 925 km. 1850 22 504„ 1860 51 862„ 1870 104 914„ 1880 168 983„ 1890 223 869„ 1899 277 748„ Auf den glatten Schienen rollte der Eiſenbahnzug viel leichter und ſchneller durch das Land als früher das einfache Frachtfuhr⸗ werk— und in dem Maße verringerten ſich die Transportkoſten, ins⸗ 1) Naſſe ſagt:„Die Leiſtungen der landwirtſchaftlichen Arbeiter ſind geringer geworden und die geleiſtete Arbeit um 25% im Preiſe geſtiegen.“ 1* 4 Erſtes Kapitel. Die Bedeutung des Futterbaues. beſondere die des Getreides. Länder, wo früher das Getreide faſt gar keinen Wert beſaß, fanden es nun lohnend, ihren Überfluß auf den fremden Markt zu werfen, und dehnten den Getreidebau aus. Ungarn, überhaupt die Donauländer, ſpäter auch Rußland führten von Jahr zu Jahr immer größere Quantitäten aus. Der Getreide⸗ und Mehlexport Rußlands betrug z. B. 1800— 1813 jährlich rund 3 ½ Millionen Hektoliter, 1840— 1853 jährlich 11 Millionen. 1894 betrug die Ausfuhr 110 Millionen qu, 1897= 89 Millionen qu. Dieſe Konkurrenz der ausländiſchen Getreideſtaaten konnten Gegenden, wo die Verhältniſſe für die Getreidekultur weniger günſtig waren, nicht aushalten. Die Getreidekultur wurde deshalb hier immer mehr eingeſchränkt und die Schwerkraft nach und nach auf den Futterbau, die Viehhaltung und Milchwirtſchaft verlegt. Begünſtigt wurde dieſe Umgeſtaltung durch die immer mehr ſich ſteigernden Vieh⸗ und Milchpreiſe. In neuerer Zeit tritt auf dem Gebiete des Getreidebaues Nordamerika, ja ſogar Indien, Auſtralien und die ſüdamerikaniſchen Staaten in die Konkurrenz. Infolgedeſſen ſanken die Getreidepreiſe ſo bedeutend, daß ſich die größeren Staaten des europäiſchen Konti⸗ nentes veranlaßt ſahen, hohe Getreidezölle für das fremde Ge⸗ treide einzuführen, um ſo den Niedergang der Landwirtſchaft zu verhüten. Aber auch dieſe vermögen die Umwälzung nicht aufzuhalten, ſo daß der europäiſche Landwirt gleichſam gezwungen wird, ſein altes Betriebsſyſtem zu verlaſſen und ſich mehr und mehr dem Futter⸗ bau und der Viehhaltung zuzuwenden. Welch große Fortſchritte auf dieſen Gebieten in den letzten Dezennien gemacht wurden, iſt bekannt. Das neue Syſtem bietet zudem den Vorteil, daß weniger Arbeitskräfte notwendig ſind und daß man einen großen Teil der Arbeit mit Maſchinen beſorgen kann. Durch die vermehrte Viehhaltung wird auch die Düngerproduktion geſteigert, wodurch der Kraftzuſtand des Bodens und damit der Ertrag erhöht werden kann. Der Futterbau iſt alſo indirekt ein Mittel zur Hebung des Getreidebaues. Anſtatt daß man, wie bisher, das Feld nur alle ſechs bis neun Jahre düngen kann, kann man es nun alle zwei bis drei Jahre, wodurch bei gleichbleibendem Auf⸗ wand an Arbeit und Kapital der Getreideertrag geſteigert und der Reingewinn vielleicht verdoppelt werden kann, ſo daß der Getreide⸗ bau wieder lohnender wird. Die Viehzucht bildet in dieſem Falle Zweites Kapitel. Die natürliche Beraſung. 5 im Zuſammenhang mit dem Futterbau die Hauptgrundlage des Landwirtſchaftsbetriebes. Uber kurz oder lang wird ſich aber auch auf dem Gebiete des Futterbaues, der Viehhaltung und Milchwirtſchaft eine Kon⸗ kurrenz geltend machen, wie ſie ſeiner Zeit beim Getreidebau ein⸗ trat. Die einzigen Kampfmittel hiergegen ſind die Herſtellung wertvoller Produkte(Vieh und Milchprodukte) und rationeller Futterbau. In Bezug auf letztern Punkt nur ein Beiſpiel: Angenommen der jetzige Milchpreis betrage 10 Pfg. per Kilo, er ſinke aber infolge der Konkurrenz auf 8 Pfg. Wir bringen es aber durch rationellen Kunſtfutterbau dazu, von einem Hektar 70 dz. Heu zu ernten, ſtatt, wie bisher, nur 50 dz. Auf dieſe Weiſe finden wir in Zukunft trotz des niedrigeren Milchpreiſes unſere Rechnung beſſer, als es bisher der Fall war, wie folgendes Rechenexempel zeigt: 1 dz. Heu gibt im Mittel 50 kg Milch(bei einer Normalkuh mit 25 dz. Milchertrag und 50 dz. Heukonſum per Jahr). Alſo gibt 1 Hektar bisher 50 dz. Heu= 2500 kg Milch à 10 Pfg.= Mk. 250 Ertrag, in Zukunft 70 dz. Heu= 3500 kg Milch à 8 Pfg.=„ 280„ im letzteren Falle alſo per Hektar mehr Mk. 30 Das iſt der einzige Weg, auf welchem unſer Landwirt ſich heutzutage noch konkurrenzfähig erhalten kann— durch rationellen Futterbau, Hand in Hand mit rationeller Viehhaltung, rationeller Viehzucht und rationellem Milchwirtſchafts⸗ betrieb! Sweites Kapitel. Die natürliche Beraſung. Bei der Beraſung eines Stückes Ackerfeld oder, beſſer ge⸗ ſagt, bei der Umwandlung von Ackerland in Wieswachs wird verſchieden verfahren. Die älteſte Methode iſt jene, bei welcher man die Beraſung ganz und gar der Natur überläßt. Der Boden wird, ſolange es behagt oder ſolange er einen Ertrag gibt, als Ackerland benutzt und dann liegen gelaſſen. Man verwendet ihn vielleicht zu Getreide, bis er ſchließlich ſo ſtark verunkrautet, daß man„dem wilden Raſen“ nicht mehr Meiſter wird, und überläßt nun den 6 Zweites Kapitel. Die natürliche Beraſung. Acker ſich ſelbſt— man läßt„Gras wachſen“, ein Verfahren, das man als„natürliche Beraſung“ bezeichnet, weil man die Be⸗ raſung der Natur überläßt. Die natürliche Beraſung iſt das Verfahren, auf welches man früher ausſchließlich angewieſen war. Erſt mit der Entwickelung der Landwirtſchaft und dem Teurerwerden von Grund und Boden, des Betriebes und der Produkte fing man an, Klee⸗ und Grasarten aus⸗ zuſäen, um ſo eine höhere Rente zu erzielen. Vielerorts hat es ſich jedoch bis auf den heutigen Tag erhalten und iſt unter dem Namen„Egartenwirtſchaft“,„Dreeſchwirtſchaft“,„wilde Feldgraswirtſchaft“ bekannt. In Gegenden mit fortgeſchrittener Landwirtſchaft glaubt man, ſei ſie verſchwunden und es ſei das ein überwundener Standpunkt; wenn man aber genauer zuſieht, ſo trifft man das alte Verfahren auch hier noch, wenn auch nicht in ſeiuer urſprünglichen Form. Aus dieſem Grunde iſt es notwendig, dieſen„alten Zopf“ zur allgemeinen Schande ans Tageslicht zu ziehen. Natürliche Beraſung nach Getreide. Man läßt die natürliche Beraſung gewöhnlich nach Getreide eintreten. Anſtatt daß man die Stoppel nach der Ernte ſtürzt, läßt man ſie liegen und läßt den Boden ſich ſelbſt beraſen. In dem Ge⸗ treide kommen auf graswüchſigem Boden, wie folgende Beſtandes⸗ unterſuchung zeigt, allerlei wilde Pflanzen vor, die ſich, ſoweit es zwei⸗ oder mehrjährige Pflanzen ſind, weiter entwickeln. Beſtand eines Roggenfeldes, das nach der Aberntung zu einem„Egarten“ beſtimmt war, in Hinterthal bei Saalfelden, Salzburg, 1000 m ü. M. Unterſucht am 21. Juni 1895. () Roggen......... Secale cereale.. V 63,09 - Hundslamille.. Anthemis arvensis... V 22,86 O l Ackerſtiefmütterchen.Viola tricolor... 4,62 () Gemeiner Rainkohl... Lampsana communis-. 1,73 X. Geißfuß.... Aegopodium Podagraria. 1,06 ()) Ackerhohlzahn...... Galeopsis Tetrahit. 0,89 X½⁹ Roter Schwingel.. Festuca rubra-.. 0,88 4 Vogelwicke........ Vicia Cracca..... V 0,87 A. Zaunwicke.. Vicia sepium... 0,87 Natürliche Beraſung nach Getreide. 7 . übertrag 96,87 — Knollentragende Platterbſe. Lathyrus tuberosus... 0,81 — Gemeine Schafgarbe.... Achillea Millefolium-.. 0,73 = Kornrade.... Agrostemma Githago.. V 0,54 (MA)2. Mäuſeohr........ Myosotis intermedia... 0,34 ) Feld⸗Ehrenpreis.... Veronica arvensis.... 0,22 Kornblume.. Centaurea cyanus.... 0,19 + Acker⸗Kratzdiſtel.. Cirsium arvense.. 0,16 + Wieſenriſpengras.. Poa pratensis.... 0,10 +. Weißllee........ Trifolium repens. 0,03 ( Kletterndes Labkraut.... Galium Aparine... 0,01 100,00 Die einjährigen(O) Sommergewächſe verſchwinden größten⸗ teils über den Winter, erhalten ſich aber teilweiſe durch Samen oft noch ein Jahr. Dagegen finden ſich im zweiten Jahre noch ſehr häufig die einjährigen Wintergewächſe(O) und die eigentlich zweijährigen(O) Arten. So trifft man in dem einjährigen Egarten oft in großer Menge die Hundskamille(Fig. 1), Mäuſe⸗ ohr(Myosotis intermedia). Das Ackerſtiefmütterchen(Viola tricolor) tritt oft in ſo großer Menge auf, daß es dominiert. Bei warmem Wetter erfüllt es zur Blütezeit die Luft weithin mit ſeinem Veilchenduft und ſolches riecht wie Thee. Vom zweiten Jahre an beherrſchen aber die perennierenden (A.) Arten den Beſtand, deren Wurzelſtöcke bereits auf dem ver⸗ unkrauteten Acker vorhanden waren und ſich nun raſch vermehren. Die Quecke(Fig. 2) fehlt faſt keiner derartigen Wieſe. Sie iſt ein gefürchtetes Wurzelunkraut auf lockerem Boden und dehnt ſich bei der natürlichen Beraſung raſch aus. Ein faſt ſtändiger Be⸗ gleiter iſt das weiche Honiggras(Holcus mollis). Dieſes Gras iſt im Gebirgsland das, was im Tiefland die Quecke. Es bildet unterirdiſche queckenartige Kriechtriebe, iſt deshalb ſchwer zu vertilgen und findet ſich aus dieſem Grunde im Gebirge als Unkraut überall vor. AÄußerlich dem wolligen Honiggras ſehr ähnlich, iſt es in ſeinem Wuchſe grundverſchieden, denn das wollige Honiggras bildet keine Aus⸗ läufer, ſondern Horſte. Die Granne des weichen Honiggras, welche an der oberen Karyopſe entſpringt, iſt gekniet und ragt etwas aus den Frucht⸗ klappen heraus, während dieſe Granne beim wolligen Honiggras kürzer und oben hakenförmig gebogen iſt. Zweites Kapitel. Die natürliche Beraſung. Im erſten Jahr des Raſenbeſtandes iſt das weiche Honig⸗ gras noch wenig entwickelt, bildet aber nach und nach den über⸗ wiegenden Beſtandteil. Es iſt aber ein unergiebiges Gras, deſſen Heu ungemein leicht iſt. Auf leichterem Boden geſellt ſich ihm das ebenfalls durch unterirdiſche Kriechtriebe ſich vermehrende Wieſenriſpengras Fig. 1. Hundskamille, Anthemis arvensis 1 a Blütenkörbchen von der Rückſeite; à. Randblüte; Scheibenblüte mit Deck⸗ d Schüppchen; e Fruchtknoten mit blättchen und Bliteedens d Scheibenblüte; Narben und Schüppchen. e Frucht.. (Poa pratensis) bei, das in geringem Prozentſatz als Untergras in der Wieſe ganz am Platze iſt. Wenn es aber dominiert, ſo drückt es den Ertrag herab. Im Jura ſtellt ſich gerne ein geſchätztes Futterkraut, der gemeine Taumantel(Fig. 3) ein. Faſt überall findet ſich der ebenfalls als Wurzelunkraut eine verderbliche Rolle ſpielende Geißfuß(Fig. 4).— Zu dieſem tritt oft eine ganze Schar anderer Ackerunkräuter: Die weiße Wucherblume(Leucanthemum vulgare) färbt zur Zeit ihrer Blüte das ganze Feld weiß. Das gemeine Riſpengras(Poa triyvialis) bildet auf den beſſeren, —— —— —.,———łù Natürliche Beraſung nach Getreide. 9 friſchen Böden eine Filzdecke. Auf leichteren, beſonders etwas eiſen⸗ ſchüſſigen Bodenarten entwickelt ſich der kleine Sauerampfer (Rumex Acetosella) zu einem dichten Beſtand. In tieferen Lagen überzieht der kriechende Hahnenfuß(Ranunculus repens) mit ſeinen weithin kriechenden Stolonen den Boden mit einem förm⸗ lichen Netz, gibt aber ſchlechtes Futter und geringen Ertrag. Alle liefern nicht nur geringen Ertrag, ſondern auch ein geringes Futter. J; 0; — — , — 4— A S, Fig. 3. Gemeiner Taumantel, Alchimilla Fig. 4. Gemeiner Geißfuß, Aegopodium vulgaris. a Blüte; b Kelch mit Außenkelch, Podagraria L. a Blüte; b unreife Frucht, in c längs durchſchnitten; d Früchtchen. bei c deren Querſchnitt. Nach und nach ſtellt ſich auch das gemeine Straußgras (Agrostis vulgaris) ein, das zwar ein feines Heu, aber einen geringen Ertrag liefert. Dieſem ſchließt ſich der Rotſchwingel(Festuca rubra var. genuina) an, deſſen Kriechtriebe ſich, wie diejenigen der Straußgräſer, im Acker jahrelang vermehrungsfähig erhalten. Auf etwas friſchem bis feuchtem Boden tritt ſehr gerne der Sauerampfer (Rumex Acetosa) auf, liefert aber eine ungeſunde, kraft⸗ und ſaftloſe Nahrung. Auch die gemeine Schafgarbe(Achillea Millefolium) fehlt infolge der großen Reſiſtenzkraft ihrer Wurzelausläufer ſelten. 10 folgende Beiſpiel illuſtriert: Einjähriger Egarten thal bei Saalfelden, Salzburg, 1000 m ü. ſchwerem Boden. Unterſucht am 19. Juni 1895. Zweites Kapitel. Die natürliche Beraſung. Immer bilden aber noch die Unkräuter und die minderwertigen Arten den überwiegenden Beſtandteil des Raſens, wie dies das (im erſten Jahr nach Roggen) von Hinter⸗ M., von gutem, reichem, mittel⸗ Eine Durchſchnittsprobe enthielt: oſo% Hahnenfußgewächſe Ranunculaceen· 45,99 0 Kriechender Hahnenfuß⸗ Ranunculus repens.. 45,99 Gräſer Gramineen· 35,54 G Gemeines Straußgras Agcrostis vulgaris.. 15,57 M Quecke........ Agropyrum repens..... 14,47 G Wieſenriſpengras Poa pratensisl.. 3,37 M Weiches Honiggras Holcus mollis.. 1,75 U Angergras..... Poa annua.·.. 0,38 Knöterichgewächſe Polygoneen 11,87 U Sauerampfer.. Rumex Acetooeao.. 11,87 Verſchiedene Familien.. 6,60 G Zaunwicke... Vicia sepium-.. 3,03 G Gemeine Schafgarbe.. Achillea Millefolium.. 1,42 U Gemeiner Hohlzahn Galeopsis Tetrahit... 0,99 Acker⸗Ehrenpreis Veronica arvensis-.... 0,66 U Breitwegerich.. Plantago media... 0,22 U Stiefmütterchen.... Viola trieolor...... 90,10 U Rote Schuppenmiere.. Spergularia rubra... 0,07 U Gemeiner Rainkohl Lampsana communis.... 0,07 G Gemeiner Taumantel Alchimilla vulgaris.. ,0,04 G= Gute Futterpflanzen= 23,43% 100,00 M= Minderwertige„— 16,22„ U= Unkräuter= 60,35„ Die kleineren minderwertigen Arten treten bald etwas zurück, während die hochwachſenden Pflanzen mit ſtarken vegetativen Ver⸗ mehrungsorganen ihre Stelle ausfüllen. Der Geißfuß bildet auf lockerem Erdreich oft förmliche Beſtände; die Quecke, der kriechende Rotſchwingel, der kriechende Hahnenfuß, das gemeine Riſpengras, das Wieſenriſpengras, die Zaunwicke, die Vogelwicke, die Schafgarbe, die Wieſenplatterbſe, alles Arten mit unter⸗ oder oberirdiſchen Kriechtrieben, ſind die tonangebenden Arten, während die horſt⸗ bildenden Gräſer mehr zurücktreten. Es geht dies aus folgender Raſenanalyſe hervor. ende ras, rbe, hen orſt⸗ nder Natürliche Beraſung nach Getreide. 11 Zweijähriger guter Egarten(nach Roggen) von Hinterthal bei Saalfelden, Salzburg, 1000 m ü. M. Unterſucht am 21. Juni 1895. Eine Durchſchnittsprobe enthielt: 0% 0% Gräſer Gramineen · 59,79 M Quecke....... Agropyrum repens...... 29,76 G Rotſchwingel.. Festuca rubra genuina... 17,04 M Gemeines Riſpengras Poa trivialis......... 7,35 G Wieſenriſpengras... Poa pratensdis.. 4,72 G Knaulgras.. Dactylis glomerata.. 0,92 Schmetterlingsblütler Papilionaceen 6,27 G Zaunwicke...... Vicia sepium..... 2,55 G Vogelwicke.. Vicia Cracca......... 1,94 G Wieſenplatterbſe.... Lathyrus pratensis...... 1,62 G Rotkleer.... Trifolium pratende.. 0,16 Schirmblütler Umbelliferen 19,26 U Geißfuß...... Aegopodium Podagraria... 19,26 Verſchiedene Familien.. 14,68 U Kriechender Hahnenfuß. Ranunculus repens..... 10,04 M Gemeine Schafgarbe. Achillea Millefolium...... 1,701 U Gemeines Hornkraut. Cerastium triviale....... 1,29 U Gemeiner Rainkohl.. Lampsana communis..... 0,72 U Fingerkraut⸗Art.... Potentilla spec.. 0,58 U Acker⸗Ehrenpreis.. Veronica arvensis....... 0,25 G Gemeiner Taumantel. Alchimilla vulgaris.. 0,09 100,00 G= Gute Futterpflanzen= 29,04%. M= Minderwertige„ 38,82„ U= Unkräuter= 32,14„ Mit vorſchreitendem Alter treten mehr und mehr auch beſſere Arten, namentlich Rotklee, Weißklee, Knaulgras auf, trotzdem die geringen Futterpflanzen immer noch einen Hauptbeſtandteil bilden, wie folgendes Unterſuchungsergebnis einer ſehr ſchönen Egartenwieſe im Alpenlande zeigt. Vierjähriger Ggarten von Hinterthal bei Saalfelden in Salz⸗ burg, 1000 m ü. M. Unterſucht am 22. Juni 1895. Eine Durchſchnitts⸗ probe enthielt: Zweites Kapitel. Die natürliche Beraſung. 0%% Gräſer Gramineen· 50,83 G Goldhafer... Trisetum flavescens.... 33,34 G Wieſenriſpengras Poa pratensis... 9,07 M Gemeines Riſpengras Poa trivialiess.. 3,37 M Quece... Agropyrum repens.. 3,34 G Echter Rotſchwingel Festuca rubra var. genuina 1,71 Schmetterlingsblütler Papilionaceen. 40,38 G Weißklee..... Trifolium repens...... 24,76 G Rotklee... Trifolium pratense.... 15,62 Verſchiedene Familien.. 8,79 M Gemeiner Löwenzahn Leontodon Taraxacum.. 4,93 U Geißfuß.. Aegopodium Podagraria... 3,51 U Acker⸗Ehrenpreis Veronica arvensis...... 0,35 100,00 Es dauert aber immer 3—4 Jahre, bis der Beſtand ein leidlicher iſt, und dann geht der Ertrag, wie vielfache Erfahrung beweiſt, raſch zurück. Einen ſehr wichtigen Faktor bei der natürlichen Beraſung bildet der Dünger— und zwar ſowohl der Stallmiſt, wie die Gülle. Auf allen mit Stalldünger gedüngten Egartenwieſen ſtellen ſich, wie die zuletzt angeführte Analyſe zeigt, ſehr bald Weißklee und Rot⸗ klee ein, namentlich erſterer. Dieſer verdankt ſein häufiges Auf⸗ treten zwar zum großen Teil ſeinen ausgiebigen vegetativen Ver⸗ mehrungsorganen: den weit über den Boden ſich hinſpinnenden Kriechtrieben. Beide werden aber in allererſter Linie durch den Dünger eingeſchleppt. Wenn man im Nachſommer nach einem Regentage über eine Weide geht, wo viel Klee vorkommt, ſo kann man in den Kuhfladen oft in großer Zahl kleine gelbe und violette Samen beobachten, die durch den Regen ausgewaſchen wurden. Es ſind dies meiſt Weißklee⸗ und Rotkleeſamen(Fig. 5 u. 6). Die⸗ ſelben ſind von dem Vieh in dem Futter aufgenommen und im Dünger wieder ausgeſchieden worden, paſſierten alſo ohne Schaden den Verdauungskanal. Das Futter enthält beſonders im Nachſommer und Herbſt immer reife Samen, die vom Vieh mit aufgenommen und ſpäter wieder ausgeſchieden werden. Die Samen der wild⸗ wachſenden Kleearten ſind beſonders widerſtandsfähig gegen äußere Agentien. Der Same des wildwachſenden Weißklees kann beiſpielsweiſe den Verdauungskanal des Tieres paſſiren, 2— 3 Monate Natürliche Beraſung nach Getreide. 13 oder länger im Waſſer, im Miſt oder in der Gülle liegen, ohne daß er vollſtändig zu Grunde geht. 20 bis 30 bis 50% der Samen nehmen zwar in dieſer Zeit Waſſer auf, quellen und faulen dann. Ein ſehr bedeutender Prozentſatz kann aber 6 Monate und länger im Miſt oder in der Gülle liegen, ohne Schaden zu nehmen, und kann alſo früher oder ſpäter, wenn der Same mit dem Dünger auf das Feld gebracht wird, keimen und eine Pflanze erzeugen. Darum iſt eine jede Düngung mit Viehgülle und Miſt mit einer ſchwachen Anſaat von Weiß⸗ und Rotklee zu vergleichen, und hieraus erklärt ſich das Auftreten dieſer Arten nach einer ſolchen Düngung. Keinesfalls iſt es aber rationell, ſich auf dieſe Beſamung allein zu verlaſſen. Wer beim Futterbau den höchſten Ertrag er⸗ Vc Fig. 5. Weißklee, Trifolium repens L. Fig. 6. Rotklee, Trifolium pratense L. à Same in natürlicher Größe; b Same a Same in natürlicher Größe; b, c und d 7 fach von der Seite; e Profil; 7 fach vergrößert. vergrößert; d keimend. zielen will, darf weder auf die natürliche Beraſung, noch auf die Wirkung des Düngers allein abſtellen. Aber auch durch Anflug ſtellen ſich nach und nach gute Gräſer ein, ſo z. B. der Goldhafer(Fig. 7), deſſen Same mit einem Flugapparat verſehen iſt und ſich vermöge ſeiner Behaarung leicht an die Kleider der Menſchen und das Fell der Tiere anheftet und ſo verſchleppt wird. Die Früchte des Löwenzahns werden vermöge ihrer ausgebreiteten Haarkrone vom Winde weithin durch die Luft getragen. Bei ſchwachem Luftzuge ſegeln ſie aufrecht, oben der ausgebreitete Fallſchirm des Pappus, unten die ſpitzen Früchtchen, die ſich leicht zwiſchen andere Gewächſe in die Erde ſenken und hier zur Keimung gelangen. In gleicher Weiſe ſiedeln ſich ſeine Ver⸗ wandten, der gemeine Pippau(Crepis biennis), das Bitterkraut (Picris hieracioides), das rauhe und das Herbſt⸗Milchkraut(Leontodon 14 Zweites Kapitel. Die natürliche Beraſung. hispidus und autumnalis, Fig. 8), das Habermark(Tragopogon orientalis) u. a. an, die alle einen ähnlichen Haarſchopf beſitzen. So ändert ſich der Beſtand von Jahr zu Jahr, ſtets beſteht eine ſolche Wieſe aber aus einem hohen Prozentſatz geringer Arten. Im Tieflande iſt man deshalb von dieſer Methode größten⸗ teils abgekommen, weil die Erfahrung bewieſen hat, daß der Ertrag in den erſten Jahren nicht nur quantitativ, ſondern auch qualitativ ſehr gering iſt. Im Gebirge hat ſie ſich aber bis auf den heutigen Tag erhalten. Noch jetzt überläßt hier der Bauer, wenn er eine Wieſe anlegen will, die Beraſung meiſt der Fig. 7. Goldhafer, Trisetum flavescens Fig. 8. Herbſt⸗Milchkraut, Leontodon Beauv. c Frucht in natürlicher Größe; autumnalis L. a Frucht mit Pappus a und b 7fach vergrößert. in natürlicher Größe; b dieſelbe 5 fach vergrößert; c eine Pappusfeder ſtark vergrößert. Natur, und nur die fortgeſchritteneren Landwirte wenden die künſt⸗ liche Beſamung an. Im Bündner Oberlande nutzt man den Boden gewöhnlich drei Jahre als Ackerland und läßt ihn nachher ſich ſelbſt beraſfen. Man baut im erſten Jahr Roggen, im zweiten Kartoffeln, im dritten wieder Roggen, und läßt dann die Stoppel liegen. Im Lugnetz(ſo z. B. in Vrin) pflanzt man das erſte Jahr Kartoffeln, dann zwei Jahre abwechſelnd Roggen und Gerſte. Hernach folgen einige Jahre Gras. Im Oberwallis baut man gewöhnlich länger Roggen, ſelten in Abwechslung mit Gerſte und Kartoffeln, und läßt die Roggenſtoppel ſpäter ebenfalls ſich ſelbſt beraſfen. Im Goms(Wallis) nennt man eine ſolche Neuwieſe„Märweri“. Die natürliche Beraſung nach Rotklee. 15 Scn Im Pinzgau baut man gewöhnlich zwei Jahre Roggen und hält tzen. dann meiſt nur zwei Jahre Grasland. eine Bei Kitzbühel im Tirol benutzt man das Land nur ein Jahr zur Kultur von Roggen und hernach 4—5 Jahre als Wieſe. ten⸗ trag Die natürliche Beraſung nach Rotklee. alid Wenn man in den Gegenden mit fortgeſchrittener Landwirt⸗ 1 ſie ſchaft auch längſt von dieſer primitiven Methode der natürlichen Be⸗ Tag raſung abge⸗ hier kommen iſt, ſo ieſe findet man ſie in der anderer Form dennoch ſehr häufig. Es wird z. B. Rotklee geſäet. Derſelbe iſt aber bekannt⸗ lich nur zwei⸗ jährig und ver⸗ ſchwindet dann größtenteils. Sehr häufig läßt man nun, ohne todon künſtliche Anſaat, buwme einen ſolchen rſſtark Acker zu einer Wieſe liegen und künſt⸗ läßt alſo die natürliche Be⸗ j dei raſung eintreten. wbaut„Man läßt oggen, Gras wach⸗ a. 1 b ſen!“ Sulh Fig. 9. Gemeines Iipenatac aprr alis L. Pflanze mit alte Kleeäcker Vr finden ſich faſt in jeder Gemeinde, wo Klee gebaut wird. Es iſt das eine ſui verfehlte, ſchlechte Methode der Wieſenanlage und nicht beſſer als die ſoeben beſchriebene, wie ſie im Gebirge geübt wird, denn die guten 16 Zweites Kapitel. Die natürliche Beraſung. Gräſer kommen nicht von ſelbſt oder doch nur ſehr allmählich und in geringen Prozentſätzen. Das gemeine Riſpengras(Fig. 9) bildet in ſolchen alten Kleeäckern den Hauptbeſtandteil. Schon unter dem Klee hatte ſich dasſelbe eingeniſtet und in dem Maße durch ſeine oberirdiſchen Kriechtriebe vermehrt, als ſich der Klee verminderte. Oft bildet es faſt reine Beſtände, iſt aber kein Gras erſter Güte. Im erſten Schnitt treibt es zwar zahlreiche, ziemlich hohe Halme und bildet einen dichten Beſtand; im zweiten Schnitt dagegen erzeugt es auf dem Boden nur einen halbfingerhohen Raſenfilz, ohne einen nennenswerten Ertrag zu geben. Im erſten Schnitt lobt man es als„feines Gras“ und im zweiten wird es als Unkraut(„Schnuder⸗ gras“) verflucht. Aber auch im erſten Schnitt erſcheint es für beſſere Bodenarten nicht ſo empfehlenswert, wie gewöhnlich angenommen wird, wenn man die Sache genau betrachtet; das Heu iſt ſehr leicht, die unteren Stengelblätter des Halmes vergilben vorzeitig, weshalb das Futter meiſt ſehr nährſtoffarm und leicht iſt.— Ge⸗ wöhnlich ſtellt ſich auch der Löwenzahn in großer Menge ein, der zwar ein gutes Grünfutter, aber einen geringen Ertrag gibt. Folgende zwei Unterſuchungen mögen als Beiſpiele dienen. Dreijährige Wieſe, entſtanden durch natürliche Beraſung nach Rotklee, in Wermatsweil bei Uſter(Kanton Zürich), 570 m ü. M. 1884 wurde in Grünhafer als Überfrucht Rotklee geſäet und letzterer 2 Jahre genutzt. Unterſucht den 7. Juni 1886. Eine Durchſchnittsprobe enthielt: 3% G Rotklee........ Trifolium pratense... 30,67 M GemeinesRiſpengras⸗ Poa trivialis......... 60,34 M Knolliger Glatthafer(Bätti⸗ Arrhenatherum elatius var. tube- gras)........ rosum.. 4,55 M Gemeiner Löwenzahn. Taraxacum officinale...... 1,61 G Weißklee....... Trifolium repens... 1,46 G Italieniſches Raigras.. Lolium italicum.... 0,65 G Engliſches Raigras.. Lolium perenne........ 0,26 U Stumpfblättriger Ampfer⸗ Rumex obtusifolius..... 0,24 U Kriechender Hahnenfuß. Ranunculus repens...... 0,15 M Gemeine Schafgarbe.. Achillea Millefolium...... 0,07 100,00 G= Gute Futterpflanzen= 33,04%. M= Minderwertige„= 66,57„„ U= Unkräuter= 0,39„ —.,——— Natürliche Beraſung nach Luzerne. 17 Bechsjährige Wieſe, entſtanden durch natürliche Be⸗ raſung nach Rotklee, auf dem Krenelacker in Äſch(Baſelland), 320 m ü. M., auf friſchem, humoſem, düngerkräftigem, mildem Lehmboden, mit Miſt, Gülle und Kunſtdünger gedüngt. 1881 wurde Rotklee geſäet. Nach deſſen Weggang entſtand ein Naturraſen. Unterſucht den 11. Mai 1886. Eine Probe enthielt: % M Löwenzehhhan....... 69,67 MG Gräſer(meiſt gemeines Riſpengras und engl. Raigras). 23,58 G Kleearten(Weißklee, Rotklee, Hopfenklee)y... 5,92 U Scharfer Hahnenfuß u. derlntntgl... 0,83 100,00 G u. M Gute und mittelgute Futterpflanzen= 29,50%. = Minderwertige— 69,67„ L= Unkräuter— 0,83„ Selbſtverſtändlich können ſolche Wieſenanlagen, die größten⸗ teils aus minderwertigen Pflanzen und Unkraut beſtehen, quantitativ und qualitativ nur einen beſcheidenen Ertrag abwerfen. Natürliche Beraſung nach Luzerne. Sehr häufig läßt man alte Luzerne⸗Acker durch natürliche Be⸗ raſung ſich in eine Wieſe umwandeln. Das iſt das allerſchlechteſte Verfahren, das der Landwirt einſchlagen kann; denn nach Luzerne kommt nie gutes Gras zum Vorſchein, es iſt als ob die Luzerne das Land vergiftet hätte. Dennoch trifft man überall ſolche alte Luzerne⸗Acker, die dem Landwirt zum großen Schaden gereichen. So ſchnell als möglich fahre man mit denſelben ab, nehme ſie unter den Pflug, pflanze Getreide, eventuell Hackfrüchte, und wenn man eine Kunſtwieſe haben will, ſo ſäe man innerhalb kurzer Friſt eine Miſchung paſſender Gräſer. In alter Luzerne iſt es ebenfalls das gemeine Riſpen⸗ gras, das ſich, wie nach abgegangenem Rotklee, in großer Menge einſtellt und unter ſeiner Filzdecke die Luzerne vollends zum Abſterben bringt. Hierzu tritt in der Regel der Löwenzahn, dann nicht ſelten das kriechende Straußgras u. a. Als Beleg möge die Zuſammenſetzung einer ſolchen alten Wieſe im zwölften Jahre nach der Luzerneſaat folgen. Stebler. 5. Auflage. 2 18 Zweites Kapitel. Die natürliche Beraſung. Zwölfjährige Wieſe, entſtanden durch natürliche Be⸗ raſung nach Luzerne, hinter dem Oberdorf Dietikon(Kanton Zürich), 400 m ü. M. Unterſucht den 29. Mai 1886. Die Probe enthielt: b’o 0 Gräſer Gramineen 75,52 U Kriechendes Straußgras Agrostis alba var. stolonifera.· 23,80 M Gemeines Riſpengras Poa trivialis.... 27,22 G Engliſches Raigras.. Lolium perenne..... 15,64 M Quecke..... Agropyrum repens... 4,48 U Weiche Treſpe... Bromus mollis.... 4,10 G Wieſenriſpengras.. Poa pratens’is.. 0,13 M Einjähriges Riſpengras. Poa annua.. 0,15 Schmetterlingsblütler Papilionaceen 19,67 G Luzerne....... Medicago sativa... 17,80 G Weißklee... Trifolium repens.. 1,87 Verſchiedene Familien... 4,81 U Gemeine Sternmiere.. Stellaria media... 2,65 U Gemeines Hornkraut.. Cerastium triviale.. 1,31 U Gemeines Mäuſeohr.. Myosotis intermedia... 0,52 M Löwenzah-.. Taraxacum officinale... 0,22 U Maßliebcher.. Bellis perennis.. 0,05 U Hirtentäſchel.... Capsella bursa pastoris.... 0,05 U Unbeſtimmaar................. 0,01 G= Gute Futterpflanzen= 35,44%. 100,00 M= Minderwertige„—= 32,07„ U= Unkräuter= 32,49„ Nie, ſelbſt bei beſter Behandlung nicht, entſteht nach alter Luzerne ein ſchöner Raſen, wie folgendes Beiſpiel einer fünf⸗ undzwanzigjährigen Wieſe zeigt: Fünfundzwanzigjährige Wieſe, entſtanden durch natür⸗ liche Beraſung nach Luzerne, in Zurzach(Kanton Aargau), 326 m ü. M., auf düngerkräftigem, lehmigem Sandboden, mit Gülle gedüngt. Unterſucht den 3. Juni 1885. Eine Durchſchnittsprobe enthielt: 0%] 0 Gräſer Gramineen 46,51 M Weichhaariger Hafer.. Avena pubescens.. 14,83 G Rotſchwingel.. Festuca rubra....... 11,57 M Gemeines Riſpengras⸗ Poa trivialis... 10,73 G Wieſenriſpengras.. Poa pratensis...... 5,00 U Weiche Treſſpe.. Bromus mollis.... 2,46 U Kriechendes Straußgras· Agrostis alba var. stolonifera.. 1,11 M Mittleres Zittergras Briza media... 0,71 G Aufrechte Treſſpe.. Bromus erectus... 0,05 G Geruchgras.. Anthoxanthum odoratum- 0,05 zu übertragen 46,51 Natürliche Beraſung nach Eſparſette. 19 . 1 Übertrag 46,51 Schmetterlingsblütler Papilionaceen 14,73 G Weißklec.... Trifolium repens... 8,38 G Rotklee...... Trifolium pratene... 6,35 Korbblütler Hompositen · 16,76 M Gemeiner Löwenzahn Taraxacum officinale.. 16,58 M Gemeine Schafgarbe.. Achillea Millefolium-.... 0,18 Schirmblütler Umbelliferen 17,26 U Wilde Möhre.. Daucus Carota.... 17,26 Verſchiedene Familie.. 4,74 U Weiches Labkraut Galium Mollugo-..... 4,25 U Sauerampfer.. Rumex acetosea.. 0,27 U Gundelrebe.. Glechoma hederacea.... 0,17 U Scharfer Hahnenfuß Ranunculus acris..... 0,05 100,00 G= Gute Futterpflanzen= 31,40%. M= Minderwertige„= 43,03„ U= Unkräuter= 25,57„ Die fünfundzwanzigjährige ſorgfältige Behandlung hat alſo nicht vermocht, einen leidlichen Raſen zu erzeugen. Natürliche Beraſung nach Eſparſette. „Nach altem Klee und nach Luzerne gibt es nichts Rechtes. Wenn man eine ſchöne Dauerwieſe erzeugen will, ſo muß man Eſparſette ſäen. Nach altem Eſper gibt es ſtets die ſchönſten Wieſen“, ſo hört man häufig alte Praktiker räſonnieren. In der Tat iſt der Raſen, der in altem Eſper entſteht, weſentlich beſſer als in alter Luzerne und nach abgegangenem Klee. Der geringe Nachwuchs der Eſparſette nach dem erſten Schnitt iſt für die Entwickelung der übrigen Pflanzen ſehr günſtig. Trotzdem läßt der Raſenbeſtand noch ſehr zu wünſchen übrig. Die durch Anflug entſtehenden geringen Pflanzen, ſowie die durch den Dünger hergebrachten Kleearten und die urſprünglich auf dem Felde vorkommenden Unkräuter bilden die Hauptmaſſe, während der Prozentſatz der guten edlen Gräſer anfänglich ſehr klein iſt und ſich erſt allmählich durch Beſtockung und Selbſtbeſamung vermehrt. Als Beleg laſſen wir die Unterſuchungsreſultate einer ſieben⸗ und einer zehnjährigen Eſperwieſe folgen. 2 ½ 20 Zweites Kapitel. Die natürliche Beraſung. 1¹* Biebenjährige Wieſe, entſtanden durch natürliche Be⸗ raſung nach Eſparſette, in der Rützelen in Niederbipp(Kanton Bern), 515 m ü. M., auf mildem, kalkreichem Lehmboden. 1879 wurde Eſpar⸗ ſette geſäet. Unterſucht den 12. Juni 1886. Eine Probe enthielt: % G Weißkleey... Trifolium repens.. 36,84 M Löwenzahn... Taraxacum officinale.. 21,84 G Rotklee...... Trifolium pratense... 11,06 M Gemeines Riſpengras Poa trivialis... 7,06 M Weichhaariger Hafer.. Avena pubescens... 5,93 G Eſparſete.. Onobrychis sativa... 4,48 G Geruchgras.. Anthoxanthum odoratum. 2,65 M Wolliges Honiggras Holcus lanatus........ 1,14 G Hopfenkle.. Medicago lupulina....... 0,68 0 Verſchiedene Kräuter(gemeine Wucherblume, Fadenklee, ſcharfer Hahnenfuß, gemeines Hornkraut, Spitzwegerich, kriechender Günſel, gemeines Habermark, wilde Möhre, Gundelrebe).. 8,32 G= Gute Futterpflanzen= 55,71%. 100,00 M= Minderwertige„= 35,97„ 1 U= Unkräuter 8,32„ Zehnjährige Wieſe, entſtanden durch natürliche Beraſung nach Eſparſette, in den Pferlen in Dietikon(Kanton Zürich), 430 m ü. M., auf mildem, kalkreichem Lehmboden. Unterſucht den 29. Mai 1886. Eine Durchſchnittsprobe enthielt: 0%% Gräſer Gramineen 24,50 G Fromental.. Arrhenatherum elatius·.... 5,47 G Goldhafer... Trisetum flavescens... 4,04 M Gemeines Riſpengras Poa trivialis... 3,91 G Engliſches Raigras.. Lolium perenne... 3,29 M Wolliges Honiggras Holcus lanatus.... 2,44 G Knaulgras.. Dactylis glomerata... 1,56 G Wieſenriſpengras Poa pratensis......... 1,50 M Weichhaariger Hafer. Avena pubescens....... 1,17 G Wieſenſchwingel.. Festuca pratensis....... 0,60 G Roter Schwingel Festuca rubra......... 0,52 Schmetterlingsblütler Papilionaceen · 15,25 G Rotklee....... Trifolium pratene... 12,89 G Hopfenklee.. Medicago lupulina-.. 1,28 G Weißklee.. Trifolium repens... 0,96 M Zaunwicke...... Vicia sepium..... 0,12 Korbblütler KHompositen 47,64 U Habichtskrautart. Bitter⸗ fraut....... Picris hieracioides... 26,86 M Löwenzahn... Taraxacum officinale.. 12,45 U Gemeine Wucherblume: Leucanthemum vulgare. 6,01 G Rauhhaar. Milchkraut. Leontodon hispidus.. 2,32 zu übertragen 87,39 T T b L D ———,,—,— Natürliche Beraſung nach kurzlebigen Gräſern. 21 . w e6 Übertrag 87,39 Verſchiedene Familien.. 12,61 I Spitzwegeric... Plantago lanceolata...... 5,84 U Gemeine Braunelle Brunella vulgaris....... 4,73 U Wieſenſkabioſe. Knautia arvensis....... 1,43 U Scharfer Hahnenfuß. Ranunculus acris..... 0,57 U Weiches Labkraut.. Galium Mollugo-.... 0,02 U Wilde Möhre... Daucus Carota... 0,02 100,00 00 G= Gute Futterpflanzen= 34,43%. M= Minderwertige„ 20,09„ U= Unkräuter= 45,48„ Natürliche Beraſung nach kurzlebigen Gräſern. Der Hans, der Heiri, der Joggi, der Peter, der Friedli, der Toni und wie ſie alle heißen, die Tauſende und aber Tauſende, welche meinen,„Gras“ ſei„Gras“, gehen zum Krämer und ver⸗ langen„Grasſamen“. Der gewöhnliche Krämer hat aber nur eng⸗ liſches oder italieniſches Raigras. Der Bauer kauft nun davon und ſäet es aus, vielleicht in Miſchung mit Klee, in der Meinung, das Beſte getan zu haben, was möglich ſei. Welche Beobachtungen macht er nun? Er erzielt ein, vielleicht zwei Jahre ziemlich gute bis ſehr gute Erträge, dann aber hört es auf. Weder das italieniſche, noch das engliſche Raigras ſind eben dauernde Gräſer, ſondern ſie verſchwinden nach 1 bis 2 bis 3 Jahren, und nun macht ſich die natürliche Beraſung geltend; aber der Ertrag iſt ſehr ge⸗ ring. Der Bauer ſchimpft auf den Krämer, ſchimpft auf das Gras und den Wanderlehrer, der über den Kunſtfutterbau predigt, bedenkt aber nicht, daß er ſelbſt der Sünder iſt. Er überdüngt die Wieſe, kommt mit Gülle oder Miſt ein⸗, zweimal und will„mit Gewalt“ das Gras aus dem Boden heraustreiben,— aber alles Düngen hilft nichts. Statt daß gute Gräſer zum Vorſchein kommen, nimmt der Löwenzahn immer mehr zu. Der Mann verſchwendet den Dünger förmlich, aber,„wo nichts iſt, hat der Kaiſer das Recht verloren“, wo keine guten Gräſer vorhanden ſind, kann der Dünger nicht zur Wirkung kommen; es iſt als ob man ihn auf eine Steinwüſte brächte. „Aus einem Ochs gibts nie eine Milchkuh!“ 22 Zweites Kapitel. Die natürliche Beraſung. Wenn der Dünger zur vollen Wirkung gelangen ſoll, ſo muß der Raſenbeſtand aus guten, ertragreichen Futterpflanzen beſtehen; je ſchlechter die Pflanzen, deſto ſchlechter verwertet ſich der Dünger, — je beſſer der Beſtand, deſto höher die Rendite des Düngers. Hier ein Beiſpiel einer ſolchen Wieſe! 1881 wurde auf einer Parzelle italieniſches Raigras und Klee ge⸗ ſäet. Nach fünf Jahren fand ſich folgender Beſtand: Fünfjährige Wieſe, entſtanden durch natürliche Beraſung nach italieniſchem Raigras, im Garten des Altersaſyls„zum Wäldli“ in Zürich; 450 m ü. M. Unterſucht den 7. Mai 1886. Eine Durch⸗ ſchnittsprobe enthielt: 07 o M Löwenzahn.................... 88,4 G Gräſer....................... 6,7 U Kräuter(Zaunwicke, Maßliebchen, Spitzwegerichh... 4,0 G Rotklee........................ 0,9 100,00 G= Gute Futterpflanzen= 7,6%. M= Minderwertige„„ 88,4„ U= Unkräuter= 4,0„ Der Raſen beſteht alſo zu ⁄ aus Löwenzahn.. Solche Wieſen gibt es Hunderte und aber Hunderte; ſie wären aber lange nicht ſo häufig, wenn ſich der Landwirt bei der Wieſenanlage den beabſichtigten Zweck genauer vergegenwärtigen und für länger dauernde Wieſenanlagen auch dauernde Gräſer ver⸗ wenden würde. So ſehen wir, daß die natürliche Beraſung bei der Wieſenanlage in dieſer oder jener Form häufiger an⸗ gewendet wird, als man glaubt, daß es aber ein großer wirtſchaftlicher Fehler iſt, wenn ſich der Landwirt auf dieſelbe verläßt. Wenn man den größten Futterertrag von beſter Qualität erzielen will, ſo muß man der Natur zuvorkommen und jene Arten ausſäen, die für den be⸗ treffenden Fall gerade paſſen. Die natürliche Beraſung wird zwar nach wie vor ihren Einfluß geltend machen, aber immerhin iſt dieſer kein ſo großer, als wenn man ihr von vornherein das ganze Feld überläßt. ⸗ ſie ei der rigen r ver⸗ ei der an⸗ roßer t auf ertrag Natur en be⸗ aſung achen, n man Drittes Kapitel. Die Heublumenſaat. 23 Drittes Kapitel. Die Heublumenſaat. Unter dem Namen„Heublumen“ verſteht man die vom Dürrfutter abgefallenen Grasblüten, Ährchen und Samen, die mit allerlei kleinſpreuigen und erdigen Beſtandteilen vermiſcht ſind. Dieſe Heublumen werden ſehr häufig benutzt zur Anlage von Wieſen, erſtens weil man ſo nicht nötig hat, Geld für Saatgut auszugeben. Man rechtfertigt ſich damit,„man müſſe dem Boden diejenigen Samen geben, welche er ſelbſt erzeugt habe“. Ein anderer ſagt,„wenn man eine ſchöne Dauerwieſe haben wolle, ſo müſſe man hierzu die Heublumen ebenfalls von einer Naturwieſe ernten“. Wenn man aber glaubt, daß die von einer Wieſe erzeugten Heublumen botaniſch gleich zuſammengeſetzt ſind, wie der Raſenbeſtand derſelben, ſo iſt man in einem gewaltigen Irrtum, denn man ſchneidet die Wieſe zu einer Zeit, da die guten Gräſer blühen. Die Heublumen können deshalb nur ſolche Samen enthalten, die zur Zeit der Ernte reif ſind oder deren Blüten auch in unreifem Zuſtande leicht abfallen. Die guten Futterpflanzen haben aber um dieſe Zeit in der Regel noch keine oder ſehr wenige reife Samen; dies iſt nur der Fall bei ganz frühen Arten, welche meiſt zu den Unkräutern zu rechnen ſind. Aus dieſem Grunde be⸗ ſtehen die Heublumen, neben den lebloſen Elementen, zum größten Teil aus Unkrautſamen und Samen von minderwertigen Arten, und die guten Arten bilden in der Regel einen ſehr geringen Prozent⸗ ſatz. Heublumen von ſchlechten, verunkrauteten Wieſen enthalten ſelbſtverſtändlich mehr Unkrautſamen als ſolche von Wieſen, die wenig Unkraut enthalten. Die Heublumen vom zweiten Schnitt be⸗ ſitzen mehr Unkrautſamen als ſolche vom erſten Schnitt. Wir unterſuchten eine ſehr große Zahl von Heublumen⸗ muſtern und laſſen, ohne Auswahl, zum Belege des Geſagten die ſummariſchen Reſultate einiger weniger hier folgen. Drittes Kapitel. Die Heublumenſaat. Samen Samen Spren Unkraut⸗ minder⸗ guter Herkunft der Heublumen Unt at Samen wertiger Futter⸗ Arten pflanzen %%%% Wädensweil(Kt. Zürich) 67 26 2 5 Oberdiesbach(Kt. Bern).. 68 20 9 3 Rütti bei Ber.. 86 4 4 6 Waldau bei Bern... 67 4 7(22) Realta(Kt. Graubünden). 87 8 3 2 Neuenkirch(Kt. Luzern).. 63 20 4 13 Buttisholz(Kt. Luzern).. 75 17 6 2 Witzwil(Kt. Bern).. 74 20 2 4 Erlach(Kt. Bern).. 53 12 12(23) Thunſtetten(Kt. Bern). 82 5 8 5 Walliſellen(Kt. Zürich).. 73 12 8 7 In allen Fällen iſt alſo der Hauptbeſtandteil Spreu und Unrat(abgefallene Blättchen, Stengelſtückchen, Erde u. dergl.). Groß iſt in der Regel auch der Gehalt an Unkrautſamen und Samen minderwertiger Arten, während der Prozentſatz der Samen guter Futterpflanzen gering iſt. Nur in zwei Fällen erreicht er 22 und 23%; aber beide Mal war es faſt ausſchließlich leichtes italieniſches Raigras, das bei der Samengewinnung als Überbleibſel am Stroh hängen blieb und nun in die Heublumen kam. Wertvoll iſt dieſes Gras im vorliegenden Falle auch nicht. Betrachten wir die einzelnen Beſtandteile etwas genauer! A. Die guten Samen der Heublumen. Der Prozentſatz der Samen guter Futterpflanzen iſt alſo(das italieniſche Raigras abgerechnet) überall gering. Er beträgt nur 2, 3, 4, 6, 7%, in einem einzigen Falle 13%. Letztere beſtanden im weſentlichen aus 6,6% Rotklee, 3,6% engliſch Raigras, 0,6% Wieſenſchwingel, 0,5% Knaulgras, 0,2% Wieſenriſpen⸗ gras u. ſ. f. Die 7% guten Samen der„Blumen“ von Walliſellen beſtanden aus 3,2% engliſch Raigras, 1,6% Knaulgras, 0,9% Wieſen⸗ ſchwingel, 0,8% Fromental, 0,7% Schafſchwingel, 0,1% Wieſenriſpen⸗ gras. Jene von der Rütti aus 4,6% italieniſch Raigras u. ſ. w. Von den guten Samen bilden alſo das billige engliſche und das italieniſche Raigras in der Regel den Haupt⸗ beſtandteil. Dieſe ſind aber ſtets unreif und verdorben, weshalb die Keimfähigkeit bei allen ſtets gering iſt. B. Minderwertige Samen der Heublumen. 25 So z. B. keimte in der Probe von Willisau das Geruchgras nur zu 4%, Knaulgras 7%, Rotklee 30% und der Hopfenklee faulte gänzlich. Der Name„Heublumen“ iſt denn auch ganz bezeichnend. Die guten Samen ſind meiſt„Blumen“, nicht „Samen“. Der Wert der in den Heublumen enthaltenen guten Samen iſt alſo ſehr unbedeutend; was aber viel wichtiger iſt, man muß eine Menge minderwertiger und Unkraut⸗ ſamen mit in Kauf nehmen. B. Minderwertige Samen der Heublumen. Von den minderwertigen Futterpflanzen iſt ein häufiger und oft überwiegender Beſtandteil der Heublumen das wollige Honiggras(Holcus lanatus). Die Ährchen(Fig. 10) fallen beim Abladen und Zurüſten des Heues ſehr leicht ab, ohne daß die Samen reif ſind, und gelangen dan in die Heublumen.. Wir unterſuchten eine Probe gut ge⸗ reinigter Heublumen von Willisau; dieſelbe enthielt: 45,8% Spreu, 49,9% unreifes wolliges Honiggras und 4,3% verſchiedene Samen.., Der betreffende Landwirt hielt die kleinen Fig. 10. Wolliges Honiggras, Grasährchen des wolligen Honiggraſes für„gutes Holcuslanatus L aSchein⸗ Gras“, da dieſe Ährchen beim Honiggras im Farhte natürliche Gadh zen AÄußeren ganz gleich ſind, ob ſie nur Blüten⸗ c. Ahrchen ohne Klappen. knoſpen, Blüten oder Samen enthalten. Offnet man aber ein ſolches Ährchen aus den Heublumen, ſo findet man keinen Samen in demſelben eingeſchloſſen, ſondern nur Blüten. Von dem wolligen Honiggras keimten 6%, alſo enthielten 100 kg dieſer Heublumen 3 kg reine und keimfähige Samen von wolligem Honig⸗ gras. 1 kg reine und keimfähige Samen des wolligen Honiggraſes kann man im Samenhandel leicht zu 1,20 Mk. kaufen, ſo daß dieſe Heublumen, wenn man ſie nach dieſem Grasſamen taxiert, einen Saatwert von 3,60 Mk. per 100 kg beſaßen, während der Futterwert das Doppelte war. Deshalb iſt es vorteilhafter, ſolche Heublumen zu verfüttern. Zudem iſt das wollige Honiggras in der Regel kein paſſendes Gras zur Wieſenanlage. Es bildet hohe Raſenpolſter und gibt ein ſehr leichtes, ſchwammiges Heu. Nur für geringere Bodenarten hat es als Lückenbüßer einigen Wert. Drittes Kapitel. Die Heublumenſaat. C. Die Unkrautſamen der Heublumen. Den wichtigſten Beſtandteil unter den Samen bilden ſtets die Unkrautſamen. Unter dieſen gibt der Spitzwegerich(Fig. 11) 9 den Ton an. Der Same desſelben gelangt nament⸗ lich im zweiten Schnitt in Menge zur Reife, fällt ſehr leicht ab und kommt dann in die Heublumen. Vor Jahren kam der Verfaſſer auf ein Gut am Zürichſee; daſelbſt waren gerade mehrere Tragkörbe voll Heublumen zur Wieſen⸗ anlage bereit gemacht. Die Gelegenheit war günſtig, ich Fig. 11. Spitzwegerich, Plantago lanceolata L. nahm eine Probe davon und a Frucht; p Fruchtdeckel; c Doppelſame; d Same unterſuchte ſie. Es fanden von der Innenſeite; e Same von der Rückſeite; ſich darin: f Samenträger; Vergrößerung ſiebenfach; g Same in natürlicher Größe. Die Samen beſtanden aus: U Spitzwegerich. 24,32%. MG Riſpengräſer 2,89„ M Wolliges Honiggras 1,69„ G Wieſenſchwingel 0,64„ G Goldhafer.. 0,48„ U Weiche Treſpe 0,48„ G Knaulgras.. 0,32„ G Wieſenfuchsſchwanz · 0,32„ U Klappertopf. 0,32 U Habichtskräuter. 0,32„ G Engliſch Raigras. 0,16„ M Schafſchwingel... 0,16„ Spreu und Unrat 66,5 %. Allerlei Samen 33,5%. G Geruchgras.. 0,16%. G Rotklee..... 0,16„ G Hopfenklee 0,16„ U Sauerampfer 0,16„ M Große Geißleiter 0,16„ M Kümmel.. 0,16„ U Scharfer Hahnenfuß 0,12„ M Roter Wieſenknopf. 0,12„ U Mäuſeohr.. 0,12„ U Gemeine Wucherblume 0,03„ U Unbeſtimmbar 0,03„ Zuſammen 35,48 Fſ. Es ſind alſo: gute Futterpflanzen= 2,40%. minderwertige Futterpflanzen= 5,18„ Unkräuter= 25,90„ Den Hauptbeſtandteil bilden ſomit die Unkräuter, und unter dieſen nimmt der Spitzwegerich den erſten Rang(24,3%) ein. Spitzwegerich.. Habichtskräuter.. Klappertopf... Weiche Treſſpe. Mäuſeohrr.. Scharfer Hahnenfuß. Wucherblume.. Unbekannte.. Die Zahl der Unkrautſamen im Kilo Heublumen betrug: ... 183 869 Körner .. 6 120 ... 322 196 110 Körner. C. Die Unkrautſamen der Heublumen. 27 Ein Kilo dieſer Heublumen enthielt alſo 196110 Körner Unkrautſamen. Die Vollkommenheit der meiſten Unkräuter ließ nichts zu wünſchen übrig, was aus ihrer guten Keimfähigkeit bei der Ausſaat hervorgeht. Es iſt leicht begreiflich, daß ein derartiges Gemenge für die land⸗ wirtſchaftliche Kultur keinen Wert beſitzt. Es iſt ſchade für jeden Quadrat⸗ fuß Land, welcher der Ausſaat desſelben geopfert wird. Die Heublumen vom erſten Schnitt enthalten ſtets weniger Spitzwegerich als jene vom zweiten, weil die Pflanze erſt im Sommer ihre Samen reift. Der Gehalt an Spitzwegerich beträgt in den anderen Fällen: 0,3, 0,6, 0,7, 1,9, 2,0, 2,3, 2,4, 3,3, 4,0, 12,60%f. Ein faſt ſtändiger Begleiter iſt die weiße Wucherblume (Fig. 12), ein kleiner, weißlicher, längsgeriefter und leicht keimender Same. Die Pflanze iſt ein gefürchtetes Wieſen⸗ und Ackerunkraut, Fig. 12. Weiße Wucherblume, Fig. 13. Scharfer Hahnenfuß, Ranunculus Leucanthemum vulgare Dec. acris E. Frucht 7fach vergrößert und a Frucht vom Strahl, b von der natürliche Größe. Scheibe, 7 fach vergrößert. In der Mitte natürliche Größe. gibt wenig und ſchlechtes, holziges, nährſtoffarmes Futter und ver⸗ drängt durch ihren kriechenden und ausgebreiteten Wuchs die beſſeren Arten. Der Gehalt dieſes Samens betrug in den genannten Fällen: 0,1, 0,2, 0,3, 0,4, 1,2, 5,3, 6,4%. Wenn man die Kleinheit und die gute Keimfähigkeit des Samens berückſichtigt, ſo kann man begreifen, daß die Heublumenwieſen vielfach infolge der ſchönen weißen Blüten der Wucherblume aus der Ferne wie mit Schnee überdeckt erſcheinen. Ein böſer, regelmäßiger Gaſt der Heublumen iſt der ſcharfe Hahnenfuß(Fig. 13). Die Pflanze iſt gemein auf feuchten Wieſen, ſetzt reichlich Samen an, die leicht abfallen. Deshalb ſind ſie in den Heublumen meiſt reichlich vertreten. Wir fanden 0,4, 0,6, 0,9, 1,2, 1,3, 2,4, 2,7, 3,0, 4,1, 4,5%. 28 Drittes Kapitel. Die Heublumenſaat. Im grünen Zuſtande iſt der ſcharfe Hahnenfuß giftig und gibt ſtets ſchlechtes Futter und geringen Ertrag. Es würde zu weit führen, hier ein vollſtändiges Verzeichnis aller Unkrautſamen anzuführen, die in den Heublumen vorkommen, denn die Zahl iſt ſo groß, wie die Unkräuter auf der Wieſe, und dieſe iſt bekanntlich ſehr bedeutend. 7,(Man vergleiche die Arbeit von Stebler und Schröter, Die wichtigſten Unkräuter der Futter⸗ wieſen und ihre Be⸗ kämpfung“ mit 20 Farben⸗ drucktafeln.) Die Igelfrüchte Fig. 14. Wilde WMohee Haupns 3e L. a oelſrucht der wilden Mö hre von innen, b von außen, 7 fach vergrößert; c natür röße... (Fig. 14) ſind oft in 1△ großer Menge vorhan⸗ W W W„, den und bürgern ſich auf der Wieſe leicht ein. — In den Heublumen von naſſen Wieſen findet ſich häufig in großer Zahl die Kohldiſtel (Fig. 15). Der Same der Braunelle(Fig. 16) fehlt faſt nie und bildet dann auf der Wieſe ein häßliches Un⸗ kraut, das den Boden Fig. 15. Kohldiſtel, Cirsium oleraceum L. a Frucht durch ſeine Kriechtriebe mit Pappus, natürliche Größe; b Frucht 7 fach vergrößert; mit einer niedrigen Filz⸗ c Pappus abgelöſt. decke überſpinnt, ganz ähnlich wie der kriechende Günſel(Ajuga reptans L.), der eben⸗ falls häufig iſt. Selten fehlt der Breitwegerich(Plantago media L.) und der große Wegerich(Fig. 17), die, wie der Spitzwegerich, beſonders im zweiten Schnitte ihre Samen reifen. Die Knötericharten, Polygonum lapathifolium L.(Fig. 18), P. aviculare L.(Fig. 19), der Sauerampfer(Rumex Acetosa L.), der ſtumpfblätterige Ampfer(Rumex obtusifolius L.), der kleine ð W =—— S= —===a—== C. Die Unkrautſamen der Heublumen. 29 Ampfer(Fig. 20) ſind in den Heublumen gemein. Wenn ſie von düngerkräftigen Wieſen ſtammen, enthalten ſie faſt regelmäßig auch die Samen des ſchädlichen Wieſenkerbels(Fig. 21) und der Bärenklau(Fig. 22). Auf Bergwieſen kommen ſehr leicht auch die Samen der Klappertopfarten„ (Fig. 23) hinein, die um ſo ſſ( ſchädlicher ſind, weil ſie zu den Halbſchmarotzern gehören und die Wieſenpflanzen durch ihren Paraſitismus ſchädigen. Von a. 5 Fig. 16. Braunelle, Brunella Fig. 17. Großer Wegerich, Plantago major vulgaris L. a Früchtchen natür⸗ P. a Frucht mit Kelch; b Fruchtdeckel mit liche Größe; b 7fach vergrößerte Samenträger und Samen; c Samenträger; Unterſeite, e Oberſeite. d Samen, Innenſeite, e Rückſeite. 7 fach vergr. den übrigen Arten ſeien nur angeführt: der Löwenzahn (Taraxacum officinale), die Habichtskräuter(Hieracium spec.), 1⁴ b A& 0 2 0 ☛. Fig. 18. Floh⸗Knöterich, Fig. 19. Vogelknöterich, Fig. 20. Kleiner Ampfer, Polygonum lapathi- Polygonum aviculare L Rumex acetosella L. folium L. a—e Frucht a und b Frucht 7fach vergr. a Frucht mit Perigon; natürl. Größe, d 7 fach In der Mitte natürl. Größe b nackte Frucht; 7 fach vergrößert. vergr.; c natürl. Größe das Habermark(Tragopogon orientalis), die Klatſchnelke (Silene inflata), der zweijährige Pippau(Crepis biennis), das habichtskrautartige Bitterkraut(Pieris hieracioides), der Purgierlein(Linum catharticum), verſchiedene Seggen (Carex) und Hainſimſen(Luzula), Treſpen(Bromus) u. ſ. f. Drittes Kapitel. Die Heublumenſaat. Wie ſind die Heublumenwieſen zuſammengeſetzt? Wenn ſich irgendwo das Sprichwort:„Wie die Saat, ſo die Ernte!“ bewahrheitet, ſo iſt es hier der Fall. Die guten Samen keimen ſchlecht, während die Unkräuter meiſtens gute Keimfähigkeit beſitzen und ſich teilweiſe raſch entwickeln. So kommt der Spitzwegerich„dicht Fig. 21. Wieſenkerbel, Fig. 22. Bärenklau, Heracleum Sphondylium L. Anthriscus sylvestris a Teilfrucht vom Rücken; b ganze Frucht von der Seite; Hoffm. Natürl. Größe c Teilfrucht von innen; natürliche Größe. und 3 fach vergrößert. wie Kreſſe“ zum Vorſchein. Allerdings bringt„die Erde und der Dünger“ auch gewiſſe gute Pflanzen mit ſich; ſtets haben Fig. 23. Klappertopfarten, Rhinantus. a Kleiner Klappertopf, Rh. minor Ehrh.; b. Großer Klappertopf, Rh. major Ehrh.; c Behaarter Klappertopf, Rh. hirsutus Ehrh. Natürliche Größe und 7 fach vergrößert. aber das Unkraut und die minderwertigen Elemente die Oberhand, wie folgende Beiſpiele von ſehr graswüchſigem Boden bezeugen. Einjährige Heublumenwieſe in Wollerau(Kanton Schwyz,, 640 m ü. M., auf düngerkräftigem, tiefgründigem Boden. Unterſucht am 7. Juli 1895. Der Beſtand enthielt: M Wolliges Honiggras. Holcus lanatus........ 52,6 M Spitzwegerich.. Plantago lanceolata. 19,5 U Gemeine Wucherblume. Leucanthemum vulgare.... 5,5 G Knaulgras... Dactylis glomerata...... 4,1 G Rotklee... Trifolium pratense.. 3,1 3 Engliſch Raigras... Lolium perenne........ 2,7 U Hühnerdarm... Stellaria modia........ 2,0 zu übertragen 89,5 —————————„. C. Die Unkrautſamen der Heublumen. Übertrag U Gemeines Hornkraut.. Cerastium triviale,e.. M Gemeines Riſpengras Poa trivialiss.. G Geruchgras.. Anthoxanthum odoratum.. G Gemeiner Schotenklee Lotus corniculatus.. U Zweijähriger Pippau.. Crepis biennis...... G Wieſenplatterbſe.... Lathyrus pratensis..... 3 G Weißklee... Trifolium repens.. U Weiches Labkraut.. Galium Mollugo-.. G Gemeines Straußgras Agrostis vulgaris....... U Kuckucksblute Lychnis flos cuculi.. G Gemeiner Taumantel Alchimilla vulgaris... G Vogelwicke.. Vicia Cracca.. U Tormentill..... Potentilla Tormentillaa.. U Kleiner Ampfer.. Rumex Acetosella.. U Gemeiner Löwenzahn Taraxacum officinale.... U Rundblättriges Pfennig⸗ lraut.... Lysimachia Nummularia.... G Hopfenklee..... Medicago lupulina-...... G= Gute Futterpflanzen= 14,7%. M= Minderwertige 5= 73,7„ U= Unkräuter = 11,6„ Vierjährige Heublumenwieſe in Ottikon(Kt. Zürich). tiefgründig, mit Gülle gedüngt. Unterſucht am 5. Juni 1896. Der Be⸗ ſtand enthielt: — Boden M Wolliges Honiggras Holcus lanatus.. 3 G Knaulgras... Dactylis glomerata...... G Weißkleye.. Trifolium repens. U Löwenzahn...... Taraxacum officinale.. M Spitzwegerichch.. Plantago lanceolata. G Goldhafer.. Trisetum flavescens.. G Engliſch Raigras Lolium perenne. G Fromental...... Arrhenatherum elati1us. M Gemeines Riſpengras Poa trivialis......... G Roter Schwingel Festuca rubra....... G Rotklee... Frifolium pratense....... G Wieſenſchwingel... Festuca pratensdis.. G Geruchgras.. Anthoxanthum odoratum-.. U Krauſer Ampfer.. Rumex crispus.·....... U Wucherblunme.. Leucanthemum vulgare.. U Kriechender Hahnenfußs. Ranunculus repens. G Hopfenklee..... Medicago lupulina..... G= Gute Futterpflanzen= 38,4%. M= Minderwertige„= 53,1„ U= Unkräuter 8,5„ — ——————— —=e Sdo do rn — — Oo 00 0 32 Drittes Kapitel. Die Heublumenſaat. Selbſtverſtändlich macht ſich auch bei der Heublumenſaat die natürliche Beraſung geltend und es ſtellen ſich eine Anzahl Arten ein, welche der Boden ſchon beherbergt oder deren Samen vom In den erſten Jahren ſpielt der Spitzwegerich(Fig. 24) ſtets eine wichtige Rolle, er gibt wenig Ertrag und ein wäſſeriges Futter. Allmählich verſchwindet er, wenn er ſich nicht ſelbſt be— ſamt, wie folgendes Beiſpiel zeigt. Es wurde geerntet von einem Beet von 2 qm Fläche im erſten Jahr 21 kg Grünfutter. „ zweiten„ 15„„ „ dritten„ 5„„ „ vierten„ 1„ Der Waſſergehalt des Futters betrug 1882 vom I. Schnitt 90,5%. „ II.„ 87,2 Einen hervorragenden An⸗ teil an den Heublumenwieſen hat, wie ſchon aus obigem zu ent⸗ nehmen iſt, das wollige Honig⸗ gras, weshalb das Heu auch ſehr leicht iſt. Nicht zu ver⸗ ſchweigen iſt allerdings, daß auch Fig. 24. Spitzwegerich, Plantago gute Gräſer zum Vorſchein lanceolata L.. kommen, ſo namentlich das Knaulgras und die Raigräſer. Letztere kann man aber um billiges Geld im Samenhandel rein kaufen. Unter allen Umſtänden muß man mit dieſen guten Arten, wie bereits betont, eine außerordentlich große Menge geringwertiger Arten und Unkräuter mit in den Kauf nehmen, wodurch die erzielten Erſparniſſe dahinfallen. In einem Kilo einer guten Miſchung gekaufter Samen ſäen wir ſo viel keimfähige Samen edler Pflanzen aus, als in einem Zentner Heublumen, und bringen dann kein Unkraut mit auf das Feld, während in einem Zentner Heublumen gleichzeitig mindeſtens 7 . rs lich auf tem ens C. Die Unkrautſamen der Heublumen. 33 2 ½ Millionen Unkrautſamen ausgeſäet werden, die den Ertrag beeinträchtigen. Erſt dann können wir den höchſten Futterertrag von unſeren Grundſtücken erzielen, wenn die ausgeſäeten Samen frei von Unkäutern ſind und eine hohe Keimfähigkeit beſitzen. Je unreiner und ſchlechter das Saatgut, um ſo geringer der Ertrag. Im Kanton Zürich, wo die Heublumen hie und da einen Handels⸗ artikel bilden, koſtet der Sack 1 bis 1,20 Mk.; zur Beſamung eines Hektars ſind 60 Säcke erforderlich, ſo daß ſich die Auslagen beim Ankauf der⸗ ſelben auf 60 bis 72 Mk. belaufen. Um den gleichen Preis könnte man aber reine und gute Gras⸗ und Kleeſamen zur Anſaat eines Hektars kaufen, ſo daß die Saat von Heublumen nicht nur nicht gut, ſondern auch teuer iſt. Daß man bei Ausſaat von Heublumen nicht nur einen be⸗ deutend geringern Ertrag erhält, ſondern auch ſchlechteres Futter als bei geeigneten Grasmiſchungen, davon kann ſich jederman durch einen Ausſaatverſuch ſelbſt überzeugen. Um nicht zu weitläufig zu werden, wollen wir nur die Stimmen einiger Praktiker hier hören, welche genaue Verſuche machten. J. Blumenſtein in Erlach ſchreibt:„Die Heublumenſaat hat im Vergleich zu einer Grasmiſchung höchſtens die Hälfte Ertrag abgeworfen, trotzdem noch extra Gülle darüber geführt wurde.“— Großrat Klening in Witzwyl:„Da, wo ich Heublumen ſäete, kamen nur Unkräuter, infolge⸗ deſſen ich das Feld umpflügte.“— Witſchi in Hindelbank:„Zwei Miſchungen gaben pro Juchart 76 und 73 Zentner Heuertrag, die Heu⸗ blumen 56 Zentner.“— Sommi⸗Kohli in Ollon:„Aus den Heublumen wird bei uns nichts, mit der Miſchung konnte ich auf der Juchart eine ſchwere Kuh das ganze Jahr ernähren.“— Franz Raſt in Neuenkirch: „Von der Grasmiſchung erhielt ich 68 Zentner Heuertrag pro Juchart, von den Heublumen 62, weil ſich hier ausnehmend viel Naturklee entwickelt hat.“— Jb. Werndli in Walliſellen:„Die Grasmiſchung gab einen doppelt ſo großen Ertrag als die Heublumen.“ Ähnlich ſprechen ſich viele andere Landwirte aus. Solche Reſultate erzielte man in Gegenden mit gutem gras⸗ wüchſigem Boden, wie viel ungünſtiger werden ſie aber an Orten ausfallen, wo die Natur bei der Beraſung weniger mithilft! Der Fortſchritt bei Anwendung der Heublumenſaat, gegenüber der natürlichen Beraſung, iſt alſo kein großer; in beiden Fällen iſt der Ertrag, namentlich in den erſten Jahren, ein ſehr mäßiger, das Futter iſt von geringer Qualität und mit einer Menge Unkräuter und minder⸗ wertiger Pflanzen untermiſcht. Natürlich gehört der Futterbau nicht zu den rentabeln Kulturen, wenn ein Stebler. 5. Auflage. 3 34 Viertes Kapitel. Die einjährigen Futterpflanzen. derartiges Syſtem befolgt wird; das iſt aber keinrationeller Futterbau nach unſern heutigen Begriffen, ſondern eine Graswirtſchaft, wie ſie vor einem Jahrhundert und früher gerechtfertigt war, ſich bei den heutigen Boden⸗, Arbeits⸗ und Produktenpreiſen aber nicht mehr rechtfertigt. Die Heublumen können unter Umſtänden am Platze ſein zur Nachſaat in alte verunkrautete Wieſen, wo man nicht mehr viel verderben kann, zur Ausſaat auf ſterilen Plätzen, an Wegrändern und dgl.; zur Anlage von Kunſtwieſen ſollte man ſie nicht mehr benutzen. Wenn der Landwirt heute beſtehen will, ſo muß er Methoden anwenden, nach welchen er ſeinem Lande den größten Ertrag abzugewinnen imſtande iſt, und dies iſt nur möglich, wenn er reine, gute Samen ausſäet. Die letzten Zentner Futter, welche man über die landläufige Menge hinaus von einem Grundſtücke erzielt, bedingen in den meiſten Fällen den Reinertrag. 80 au Heuertrag per Hektar ſind beiſpielsweiſe nötig zur Deckung der Produktionskoſten. Wer nun eine Methode an⸗ wendet, nach welcher er nur 60 qu erzielt, der kommt nicht auf die Koſten, wer aber den Betrieb ſo rationell einrichtet, daß er über die Produktionskoſten hinaus noch 5—10 oder mehr Zentner Futter frei hat, der allein erzielt eine Rente. Viertes Kapitel. 144 Die einjährigen Eutterpflanzen. Bei der künſtlichen Futterkultur durch Ausſaat von Samen auf dem Acker können ſehr verſchiedene Wege eingeſchlagen werden. Es können einjährige Pflanzen ausgeſäet werden oder ſolche, die länger dauern; die Pflanzen können einzeln oder in Miſchung angebaut werden. Was zunächſt die einjährigen Futterpflanzen anbetrifft, ſo handelt es ſich hier größenteils um Pflanzen, die im Frühjahr oder Sommer ausgeſäet werden und dann im gleichen Jahre nach 2—3 Monaten einen Schnitt gewähren. Die Pflanze ſtirbt hernach bei den meiſten Arten ab und der Acker wird um⸗ men den. die ung zen im chen anze um⸗ Viertes Kapitel. Die einjährigen Futterpflanzen. 35 gepflügt. Es ſind das die Sommergewächſe(O).— Oder die Pflanze wird im Sommer oder Herbſt ausgeſäet und wird erſt nächſtes Frühjahr Ende April bis Ende Mai genutzt. Da ſie ihren Lebenszyklus damit ebenfalls abgeſchloſſen hat, ſo wird nun das Feld mit etwas anderem bebaut. Letzteres ſind die Winter⸗ gewächſe(O), nicht zu verwechſeln mit den eigentlich Zweijährigen Gewächſen(—)— das ſind jene Pflanzen, welche von der Keimung bis zur Samenreife zwei Jahre oder doch mehr als zwölf Monate gebrauchen, wie das Habermark(Tragopogon orientalis L.), der gemeine Pippau(Crepis biennis L.), die ſich in einem Jahr ver⸗ ſamen und keimen, im nächſten ſterile Triebe erzeugen und erſt im folgenden Blüten und Früchte bilden, ſich dann wieder verſamen oder hernach abſterben. Weil die Kultur und die Nutzung der einjährigen Sommer⸗ und Wintergewächſe übereinſtimmt und ſie das Feld höchſtens 10—11 Monate in Anſpruch nehmen, ſo ſind ſie in Wirklichkeit nur einjährige Pflanzen und man rechnet ſie deshalb zu dieſen. Allerdings erſtreckt ſich ihr Leben auf zwei verſchiedene Jahre. Bei manchen Arten gibt es allerdings ſowohl Kulturformen, die als Sommergewächſe, und ſolche, die als Wintergewächſe gebaut werden können, ſo z. B. gibt es bei Wicken: Sommerwicken und Winterwicken; bei den Erbſen: Sommererbſen und Wintererbſen; beim Roggen: Sommerroggen und Winterroggen. Beim Inkarnat⸗ klee kann ſogar die gleiche Saat ſowohl als Sommergewächs wie als Wintergewächs gebaut werden, während Mais, Buchweizen, weißer Senf u. a. m. nur Sommergewächſe ſind. Einzelne Arten werden als Nachfrüchte irgend einer Pflanze, die das Feld früh verläßt, angebaut, in der Regel nach Getreide. Da ſie in dieſem Falle nach mehr oder weniger gründlicher Be⸗ arbeitung des Bodens in die Stoppel geſäet werden, ſo nennt man ſie auch„Stoppelfrüchte“. Die Ernte fällt dann in den Herbſt, weshalb man dieſe Ge⸗ wächſe auch als„Herbſtfutterpflanzen“ bezeichnet. Zu dieſen Arten gehören: Wicken, weißer Senf, Spörgel, Sommergetreide, weiße Rüben und unter Umſtänden auch die Möhren. Wenn man jedoch letztere Pflanzen(die Möhren) als Stoppelfrüchte bauen will, ſo muß der Same ſchon im Frühjahr in das Getreide geſäet werden. Iſt der Stand des Getreides nicht zu dicht, verläßt 3*½ 36 Viertes Kapitel. Die einjährigen Futterpflanzen. dasſelbe das Feld etwas zeitig, und wird hernach der Boden gut von Unkraut gereinigt, behackt und mit Gülle gedüngt, ſo erhält man auf dieſe Weiſe noch ganz gute Wurzelerträge. Der Ertrag hängt bei allen einjährigen Futterpflanzen vor⸗ erſt von der Witterung, dann aber von der Qualität und der Be⸗ arbeitung des Bodens und von der Düngung ab. Einige Arten verlangen eine ſtarke Düngung, ſo z. B. Mais, Runkelrüben. Alle ſind dankbar für eine gute Bearbeitung. Während die perennierenden Futtergewächſe faſt ausſchließlich nur zwei Pflanzenfamilien angehören, der Familie der Gräſer (Gramineen) und der Familie der Schmetterlingsblütler(Papilionaceen), ſtammen die einjährigen aus ſehr verſchiedenen Familien, wie folgende Überſicht zeigt. Gräſer(Gramineen): Grüngetreide, Grünmais, Mohrhirſe, Mohar. Schmetterlingsblütler(Papilionaceen): Saatwicke, Zottelwicke, Erbſe, Inkarnatklee, Serradella, Lupinen. Kreuzblütler(Cruciferen): Weißer Senf, Raps, Kohlarten. Knöterichgewächſe(Polygoneen): Buchweizen. Mierengewächſe(Alſineen): Spörgel. Schirmblütler(Umbelliferen): Möhre. Gänſefußgewächſe(Chenopodiaceen): Runkelrübe, Mangold. Da ſie meiſt grün gefüttert werden, ſo werden ſie oft kurzweg als„Grünfuttergewächſe“ bezeichnet. Einige werden aber auch gedörrt, z. B. der Mohar. Mehrere Arten gehören zu den Wurzel⸗ gewächſen und dienen dann im Winter als Beifutter zu Heu (Runkelrüben, Kohlrüben, weiße Rüben, Möhren). Alle dieſe Pflanzen ſind von beſonders großer Bedeutung in trockenen, futter⸗ armen Jahren, als Erſatz des Heues und des Grünfutters der Wieſen⸗ und Kleeäcker. Sie heißen aus dieſem Grunde auch„Erſatz⸗ futterpflanzen.“ Sie werden deshalb in trockenen Jahren in großer Ausdehnung kultiviert, während ſie in guten Futterjahren weniger häufig angebaut werden. Da man aber im Frühjahr bei Beginn der Vegetation nicht wiſſen kann, wie die Futterernte aus⸗ fällt, ſo werden beſonders die Landwirte in den trocken gelegenen Gegenden des Tieflandes gut tun, zur Vorſicht ſtets derartige Pflanzen anzubauen. Wo man Stalffütterung hat, können ſolche Erſatzfutterpflanzen ſehr häufig im Sommer, zwiſchen dem zweiten und dritten Kleeſchnitt, wenn anderes Grünfutter fehlt, von Bedeu⸗ tung ſein. Namentlich ſei hier der Grünmais hervorgehoben. Viertes Kapitel. Die einjährigen Futterpflanzen. 37 Über die verwendeten Saatmengen bei den verſchiedenen Saat⸗ methoden gibt folgende Tabelle Auskunft: Saatquantum per Hektar in Kilo an Samen von beigeſetzter Qualität. . Samen⸗ Drillſaat qualität S5 4 8 Nr. Samenart Breitſaat 22 Saat⸗ 225 E quantum== 3 88. ᷣ5 G kg cm kg 00]% Kg 1 Sommerwicke..[200— 250— 300 10— 20 150— 180— 220] 90 90 78 2 Winterwicke...[200— 250— 300[10— 20 200— 220— 240 90 90 78 3 Zottelwicke...[150— 180— 200 10— 20 120— 140— 160 94 85 78 4 Futtererbſe... 120— 260— 300[10— 15 160— 200— 240 98 85 78 5 Pferdezahnmais 200— 250— 300720,30160 150 1180 95 90 74 6 Zuckerhirſe... 80— 100— 120 20— 30 40— 50— 60 99 80 65 7 Mohar..... 30— 35— 40 10 20— 25— 30 94 90 70 8 Futterroggen[200— 240— 280 10— 20 200— 220— 240 96 90 72 9 Grünhafer...[150— 200— 250 10— 20 100— 150— 200 98 90 45 10 Inkarnatklee. 30— 35— 40 ſ10— 20 25— 30— 35 96 90 73 11 Weißer Senf.. 25— 30— 35 ſ10— 20 20— 25— 30 95 85 66 12 Olrettig..... 30— 35— 40[10— 20 25— 30— 35 95 90 62 13 Naps...... 20— 25— 30[10— 20 15— 20— 25 95 90 70 14 Spörgel..... 20— 25— 30 8— 10 15— 20— 25 97 85 60 15 Buchweizen... 120— 140— 160[10— 20 110— 120— 140 98 85 64 16 Serradella. 30— 40- 50 10 20— 30— 40 95 80 47 17 Gelbe Lupine.[220— 240— 260[20— 30 200— 220— 240 98 80 82 18 AQAckertreſpe... 40— 50— 60 ſ10— 20 30— 40— 50 90 90 20 ziemlich weiten Grenzen. Das Saatquantum ein und derſelben Art bewegt ſich alſo in ringer, je weiter die Drillreihen. Es iſt geringer bei Drillſaat, um ſo ge⸗ Bei den Grünfutterpflanzen empfehlen ſich tunlichſt enge Reihenabſtände, weil ſo das Futter feinſtengeliger und zarter wird. Unter gewöhnlichen Verhältniſſen benutzt man zur Feſtſtellung des Saatquantums die mittlere(fett⸗ gedruckte) Zahlenreihe, unter günſtigen Boden⸗ und Witterungs⸗ verhältniſſen nimmt man die niedrige Zahl oder geht gar noch darunter, während bei wenig günſtigem Boden und in ungünſtiger Jahreszeit die höchſte Zahl nicht zu groß iſt. Iſt die Qualität des Samens, beſonders die Keimfähigkeit, geringer als in der Tabelle 38 Viertes Kapitel. Die einjährigen Futterpflanzen. angegeben, ſo muß man entſprechend mehr Samen verwenden, während man umgekehrt bei ſehr guter Qualität mit weniger auskommt. Die meiſten der genannten Arten werden auch in Miſchung gebaut. Die Miſchungen ſind aber gewöhnlich viel einfacher als bei den Gras⸗ und Kleearten. In der Regel miſcht man nur zwei Arten, ſelten drei oder mehr. Deshalb genügen bei der Berechnung der Saat⸗ mengen jeder Art die in der Tabelle angeführten Zahlen vollkommen. Wenn man z. B. eine Miſchung von Zottelwicken und ½ Roggen ſäen will, ſo beträgt das Saatquantum bei Drillſaat im Mittel 140 2293 kg Zottelwicke und 220= 73 kg Roggen. 3 Bei der Kultur kommen hauptſächlich folgende Arten in Betracht: 1. Die Futterwicke. Bei der gewöhnlichen Saatwicke(Fig. 25) werden zwei Kultur⸗ formen unterſchieden, eine Som⸗ merwicke und eine Winterwicke. a) Die Sommerwicke wird entweder im Frühjahr früh zur Sommernutzung oder als Stoppelfrucht zur Herbſtnutzung geſäet. Die Frühjahrsſaat iſt nur dort rentabel, wo man billiges Land hat und deshalb nicht auf eine hohe Rendite rechnen muß, ſowie auch da, wo man das Land von Unkraut ſäubern will, denn die Wicke beſchattet den Boden ſehr ſtark und unterdrückt ſo bei dichtem Stande das Un⸗ kraut.— Ihren höchſten Wert hat ſie jedoch als Nachfrucht Fig. 25. Futterwicke, Vicia sativa L.. doedenulättres 1 eii Nederhls tchenee von Getreide, Raps u. dergl. g'Staubgefäße mit Griffel; h Hülſe. Sie liefert ein nährſtoff⸗ reiches, ausgezeichnetes Milch⸗ futter. Da ſie ſich bei Einzelſaat auf den Boden legt, niedrig bleibt und leicht fault, beſonders bei feuchtem Wetter und auf friſchem Boden, 1. Die Futterwicke. 39 ſo ſäet man ſie am beſten in Miſchung mit einer andern Pflanze, die ſie in die Höhe hält. Meiſt wählt man hierzu Hafer, eine Miſchung, die man als„Wickhafer“ bezeichnet. Sehr allgemein wird etwa ¾ Wicken und ¼ Hafer geſäet, was nach obiger Tabelle bei Breitſaat im Mittel 187 kg Wicken und 50 kg Hafer trifft oder etwa 2,4 hl Wicken und 1,1 hl Hafer. Fruwirth empfiehlt bei Breitſaat 160—240 kg, bei Drillſaat 130 bis 200 kg Wicken und dazu 35 bis 45 kg Hafer. Guido Krafft rechnet bei Drillſaat zuſammen 3,2 hl Hafer und Wicken— und zwar bei billigen Wickenpreiſen 2,2 hl Wicken und 1 hl. Hafer, bei hohen Wickenpreiſen 1,6 hl Wicken und 1,6 hl Hafer pro Hektar. Oft ſetzt man der Miſchung noch etwas Sommerroggen bei. Man ſäet ½— Wicken und ⅛— ⁄½ Sommerroggen. Seltener miſcht man Raps oder Gerſte bei, dagegen oft Erbſen und Acker⸗ bohnen. In Hohenheim baute man lange Jahre breitwürfig folgende Miſchung pro Hektar: 6⁄513= 97 kg Wicken; 1⁄12= 63 kg Hafer; ⁰¼1 23= 16 kg Ackerbohnen; ⁄1½= 16 kg Erbſen. Gegenwärtig ſäet man dagegen da⸗ ſelbſt bei Drillſaat nach Strebel: 61%= 110 kg Wicken; 25%= 45 kg Hafer; 14%= 25 kg Gerſte. Von der Saat bis zum Schnitte rechnet man drei Monate. Sehr dankbar ſind die Wicken für eine Superphosphat⸗ düngung, während das beigemengte Getreide eine Düngung mit Miſt liebt.. Fruwirth rechnet pro Hektar 60— 80 kg lösliche Phosphorſäure. Im Getreide kommen mehrere Wickenarten, ſo namentlich Vicia hirsuta, tetrasperma, angustifolia etc., dann auch einjährige Lathyrus- Arten als Unkraut vor und gelangen auch in das Ernteprodukt; die Samen derſelben werden häufig mittelſt Trieur aus der Saat ausgeputzt und in den Handel gebracht, die feinkörnigeren Arten als„Vogelwicke“, die größeren als„Saatwicke“. Sie können aber die Saatwicke keineswegs erſetzen und ſind im Ertrag viel geringer. Die im Handel vorkommenden oſteuropäiſchen(ungariſchen und ruſſiſchen) und aſiatiſchen(Levantiner) Wicken enthalten häufig ſehr viel ſolche geringwertige Arten, oft auch einjährige Platterbſen bei⸗ gemiſcht. Natürlich hat eine derartige Ware auch einen untergeordneten Wert, während die aus Süddeutſchland in den Verkehr gebrachten„Erbs⸗ wicken“, eine Miſchung von Ackererbſen und Saatwicken darſtellen und als ſolche ſich zur Saat ſehr empfehlen. b) Die Winterwicke wird gewöhnlich Ende Auguſt in Miſchung mit Roggen geſäet. Da der Roggen ſich jedoch ſchneller entwickelt, ſo wurde empfohlen, dieſen erſt ſpäter mit der Säe⸗ 40 Viertes Kapitel. Die einjährigen Futterpflanzen. maſchine einzudrillen. Trotzdem übereilt der Roggen im Frühjahr die Wicken. Beſſer dürfte ſich deshalb als Beimiſchung zu den Winterwicken Spelz(Korn, Dinkel) eignen. Man ſäet gewöhnlich ⅛— ½ Wicken und ½— Roggen oder pro Hektar bei Breitſaat 85— 125 kg Wicken und 120— 160 kg Roggen. Statt des Roggens nimmt man nicht ſelten das doppelte Quantum Spelz. Auf leichtem Boden miſcht man der Winterwicke auch Inkarnatklee(ſ. d.) bei. Sehr häufig werden Sommerwickenſamen als Winterwicken verkauft, da letztere teurer ſind. Die Sommerwicken halten aber den Winter nicht aus, weshalb der Schaden ſehr bedeutend iſt. Die Winterwicken ſind großkörniger und heller in der Farbe, oft marmoriert. Sicher ſind ſie jedoch im Einzelfalle von den Sommer⸗ wicken nicht zu unterſcheiden. Da der Saatbedarf bei der Wickkultur groß und der Preis ziemlich hoch iſt, ſo kommt das Saatgut ziemlich teuer zu ſtehen, weshalb ſich die Kultur als Nachfrucht nur auf den beſſeren Boden⸗ arten lohnt, wo der Ertrag ſicher iſt. 2. Die Zottelwicke. Die Zottel⸗ oder Sandwicke(Fig. 26), iſt Sommer⸗ und Wintergewächs, wird jedoch meiſt als Winterfutterpflanze gebaut und iſt auch viel winterharter als die Winterwicke. Blätter und Stengel ſind zottig behaart, deshalb der Name„Zottelwicke“. Sie iſt be⸗ ſonders wertvoll für leichte Bodenarten, gedeiht aber auch auf bindigen Bodenarten ganz gut. Man ſäet ſie wegen ihres rankenden Wuchſes am beſten in Miſchung mit Roggen, der ihr eine Stütze gibt. Man verwendet meiſt ⅛6 Zottelwicken und ⅛ Roggen, was per Hektar bei Drillſaat im Mittel rund 90 kg Wicken und 70 kg Roggen ausmacht.— Bei der Frühjahrsſaat verwendet man als Beimiſchung Hafer oder Sommerroggen oder beides zugleich. Man ſäet dann ½ Zottelwicke und je ½¼ Hafer und Roggen. Die Saat muß aber zeitig im März geſchehen. Mit Vorteil kann die Zottel⸗ wicke im Frühjahr auch in Winterwicken gedrillt werden. Über die Miſchung mit Inkarnatklee iſt bei letzterem die Rede. Da ſie ſich in der Jugendzeit langſam entwickelt, ſo muß ſie im Herbſt zeitig 3. Die Futtererbſe. 41 geſäet werden, tunlichſt ſchon Ende Auguſt. Die Samen ſind ſammet⸗ ſchwarz, kugelrund und etwas kleiner als jene der Saatwicke. 112 Fig. 26. Zottelwicke, Vicia villosa Roth. 3. Die Futtererbſe. Von der Futtererbſe(Fig. 27) gibt es, ähnlich wie bei der Saatwicke, eine Sommererbſe und eine Wintererbſe. Sie iſt die Stammform der Saaterbſe(Pisum sativum L.); die Blüten ſind aber meiſt einzeln oder zu zweien und die Samen ſind meiſt kantig eingedrückt, graugrün mit braunen Punkten, die Fahne blaßviolett, die Flügel purpurrot und das Schiffchen weiß. Wie die Wicken, 42 Viertes Kapitel. Die einjährigen Futterpflanzen. ſo werden auch die Erbſen wegen ihrer rankenden Stengel in der Regel in Miſchung mit Roggen oder Hafer gebaut. Die Sommer⸗ erbſen mit Hafer, die Wintererbſen mit Roggen. Man verwendet gewöhnlich ¼— ⅞½ Hafer oder Roggen und— ³ Erbſen. Strebel empfiehlt von der Wintererbſe bei Breitſaat Ende Auguſt oder Anfang September 150— 200 kg Erbſen und 40— 50 kg Roggen. Ein Teil der Erbſen kann auch durch Wicken erſetzt werden; es ſind das die bereits genannten„Erbswicken“. Die in Nordoſtdeutſchland Fig. 27. Futtererbſe, Pisum arvense L. Fig. 28. Pferdezahnmais. Zweig mit Blüten, Hülſe, Blätter u. Ranken. gebaute„Peluſchke“ iſt eine kleinkörnige Varietät der Ackererbſe, die beſonders für Sandboden geeignet iſt. 4. Der Grünmais. Von allen Grünfutterpflanzen iſt ohne allen Zweifel der Grün⸗ mais(Fig. 28) die ergiebigſte, beſonders in Gegenden mit mildem Klima. Am ertragreichſten ſind die hochwüchſigen großen Sorten, darunter vor allem der Pferdezahnmais. Der Same des⸗ ſelben hat die Form eines Pferdezahnes, deshalb der Name„Pferde⸗ zahnmais“. Der Same des Handels ſtammt größtenteils aus Virginien, da er bei uns nur unter ſehr günſtigen Verhältniſſen reift. Die in Ungarn nachgebaute Saat iſt weniger vollkommen. Die einheimiſchen 5. Die Zuckermohrhirſe. 43 Maisſorten entwickeln ſich zwar raſcher, liefern aber geringere Er⸗ träge, werden jedoch ebenfalls zur Kultur als Grünfutter benutzt, weil der Same billiger iſt. Am beſten gedeiht der Grünmais in warmen Lagen und auf leichteren Bodenarten. Er iſt ſehr anſpruchs⸗ voll und verlangt eine reiche Düngung von Miſt oder Gülle. Unter günſtigen Verhältniſſen kann man aber pro Hektar einen Grün⸗ futterertrag von 800— 1000 Kilozentner ernten. Das Futter wird vom Vieh gerne gefreſſen, iſt aber eiweißarm, weshalb eine Bei⸗ fütterung von Rotklee oder Luzerne oder gutem Gras angezeigt iſt. Man ſäet den Mais einzeln von Mitte Mai bis Mitte Juli; frühere und ſpätere Saat iſt immer riskiert. Miſchſaaten ſind nicht ratſam, da der Mais bei gutem Stande neben ſich nichts aufkommen läßt. 5. Die Zuckermohrhirſe. Die Zuckermohrhirſe, Sorghum saccharatum Pers.,(Fig. 29) — — Fig. 29. Zuckermohrhirſe. Fig. 30. Mohar. iſt noch wärmebedürftiger als der Mais, liefert aber in warmen Sommern, in warmen Gegenden und auf gutem Boden noch größere 44 Viertes Kapitel. Die einjährigen Futterpflanzen. Erträge als dieſer, während in naſſen Jahren und in kalten Lagen der Ertrag gering ausfällt. Man ſäet die Mohrhirſe von Mitte Mai bis Mitte Juni. Da ſie ſich langſamer entwickelt als der Mais, ſo würde bei einer ſpätern Anſaat die Pflanze vor Eintritt der kalten Nächte ſich nicht vollſtändig entwickeln können. 6. Der Mohar. Der Mohar, Setaria germanica P. B.(Fig. 30), iſt eine wert⸗ volle Futterpflanze für trockene Gegenden mit heißen Sommern. In gewöhnlichen Jahren wird er bei uns im Ertrag vom Grün⸗ mais übertroffen, dagegen wurde er im Notjahr 1893 vielfach mit Erfolg angebaut. Er iſt jedoch mehr eine Pflanze des Südens, namentlich Südungarns. Sehr gut gedeiht er auf ſandigen, leichteren Bodenarten und erträgt die Trockenheit wie kaum eine andere Pflanze; für ſchwere, feuchte Bodenarten iſt er weniger geeignet. Für die Düngung iſt er ſehr dankbar, aber nicht anſpruchsvoll. Die Saat kommt auch bedeutend billiger zu ſtehen als beim Mais. Man ſäet ihn vom Mai bis Mitte Juli. 7. Der Futterroggen. Der Futterroggen iſt beſonders wertvoll als Winterfutter⸗ pflanze. Ende Auguſt oder anfangs September dicht geſäet liefert er Ende April bis Anfang Mai nächſten Jahres auf gutem Boden einen reichen Schnitt. Das Futter bildet einen guten Übergang vom Dürrfutter zum Grünfutter, da es bezüglich des Waſſergehaltes zwiſchen beiden ungefähr die Mitte hält. Aus dieſem Grunde ſollte man auf jedem Gute, wo man einige Ackerkultur hat, eine Parzelle mit Futterroggen bepflanzen. Er liebt leichteren guten Boden und gute Bearbeitung. Man ſäet ihn etwa ein Drittel dichter als zur Körnergewinnung. Sehr häufig wird er in Miſchung mit Winterwicken, Wintererbſen oder Zottelwicken gebaut, überwuchert dieſelben bei üppigem Stande aber leicht, weshalb man den Roggen bei der Saat zurücktreten läßt und den Wicken und Erbſen die Oberhand läßt. Wir haben dieſe Miſchungen bereits kennen gelernt (ſ. S. 40.) Der Futterroggen wird aber aber auch als Sommerfutter⸗ pflanze angebaut, für welchen Zweck Sommerroggen benutzt werden 8. Der Inkarnatklee. 45 muß. Jedoch wird der Sommerroggen zur Grünfütterung ſelten für ſich allein, ſondern in der Regel in Miſchung mit Wicken aus⸗ geſäet, welchen ſehr häufig auch Hafer beigemiſcht wird. Eine Winter⸗ roggenform, die ſich durch ſehr ſtarke Be⸗ ſtockung ausgezeichnet und deshalb als Futter hin und wieder ange⸗ baut wird, iſt der Jo⸗ hannisroggen, der, wenn er zeitig im Sommer geſäet wird, im Herbſt noch einen Schnitt oder eine Weide gewährt, dann wieder nachſchießt und im Frühjahr nochmals ge⸗ mäht werden oder zur Körnergewinnung dienen kann. 8. Der Inkarnatklee. Der Inkarnatklee, (Fig. 31) iſt ebenfalls eine Winterfutter⸗ pflanze. Er wird im Auguſt geſäet und gibt dann Ende Mai näch⸗ ſten Jahres einen Schnitt. Die Pflanze iſt jedoch nur dort von größerer Bedeutung, wo Fig. 31. Inkarnatklee, Trifolium incarnatum L. a Ganze Pflanze, verkleinert; b Blütenkopf, verkleinert; c Blüte mit Kelch; D Kelch; EF Blüte; g Nebenblättchen; h Laubblatt. man infolge der geringen Qualität des Bodens nicht Rotklee anbauen kann. Wo der Roktklee ſicher iſt, da verzichtet man auf die Kultur des Inkarnatklees, weil durch die Inkarnatkleekultur das ſpätere 46 Viertes Kapitel. Die einjährigen Futterpflanzen. Gedeihen des Rotklees in Frage geſtellt würde. Auf ganz leichten Bodenarten, wo der Rotklee nicht mehr fortkommt, kann der Inkarnatklee noch gut gebaut werden und iſt deshalb hier von Be⸗ deutung. Man ſäet ihn breitwürfig und verwendet per Hektar etwa 30— 40 kg Samen. Mit Vorteil miſcht man der Saat einige Kilo italieniſch Raigras bei. Mit Vor⸗ teil iſt auch die Miſchung von In⸗ karnatklee(½) und Zottelwicke(⁄½) verſucht worden. Da der Inkarnat⸗ klee auf lockerem Boden leicht aus⸗ wintert, ſo empfiehlt es ſich in ſolchen c 0 ◻. Fig. 32. Inkarnatklee, Trifolium in- Fällen, den Acker vor der Saat carnatum L. a Same natürl. Größe; nicht umzuackern, ſondern nur mit b und c 7fach vergrößert. der Pferdehacke zu bearbeiten. Schirmer⸗Neuhaus empfiehlt 50 kg Zottelwicke und 10 kg Inkarnat⸗ klee per Hektar. Der Inkarnatklee kann aber auch im zeitigen Frühjahr geſäet werden. Die Samen(Fig. 32) ſind etwa doppelt ſo groß als jene des Rotklees, im friſchen Zuſtande hellbraun, im Alter rotbraun. 9. Der weiße Senf. Der weiße Senf(Fig. 33), der als Grünfutter angebaut wird, iſt nicht zu verwechſeln mit dem weißblühenden Ackerunkraut, das im Volke vielfach mit dem Namen„weißer Senf“ bezeichnet wird. Der Name„weißer Senf“ iſt für letzteres Unkraut nicht richtig, da dieſes nicht zu den Senfarten(Sinapis) gehört; ſein richtiger Name iſt „Ackerrettig“(Raphanistrum arvense); er iſt als ſolcher mit dem Radis verwandt. Der weiße Senf, der zu Futterzwecken verwendet wird, blüht gelb, hat aber große, kugelrunde, gelblichweiße Samen, von der Größe eines großen Hirſekornes. Dieſe Samen werden benutzt zur Herſtellung des beliebten Tafelſenfes, der als Würze zu Würſten, Käſe und Fleiſch auf dem Tiſche der Bier⸗ wirtſchaften eine ſo große Rolle ſpielt. Der weiße Senf iſt eine ſehr raſch wachſende Erſatzfutter⸗ pflanze, die vorzugsweiſe in hohen, etwas feuchten Lagen einen großen Wert beſitzt. Er gedeiht am beſten auf mildem Lehm- und humoſem Sandboden. Gewöhnlich wird er als Nachfrucht gebaut. 9. Der weiße Senf. 47 Sechs Wochen nach der Saat liefert er auf gutem Boden oft ſchon einen Schnitt. Da die Milch der Kühe, welche mit ſolchem Futter gefüttert werden, leicht einen Senf⸗ geſchmack an⸗ nimmt, wenn die Pflanzen in der Entwickelung etwas vorgerückt ſind, ſo muß man den Senf ſchon zu Beginn der Blüte ſchneiden. Die Samen ent⸗ halten nämlich Senföl, welches ſchädlich auf die Milch und auf die Geſundheit der Tiere ein⸗ wirkt. Der weiße Senf wird ge⸗ wöhnlich rein ge⸗ ſäet, kann aber auch in Miſchung mit Olrettig, Buchweizen, Serradella, Zottelwicken und Roggen geſäet werden. A Fig. 33. Weißer Senf, Sinapis alba L. Zweig mit Blüten, jungen Schoten und Blättern. Schirmer⸗Neuhaus empfiehlt ein Gemenge von 30 kg Zottel⸗ wicke, 30 kg Johannisroggen, 30 kg Buchweizen, 8 kg weißem Senf und 12 kg Ölrettig per Hektar oder 15 kg weißer Senf und 40 kg Buch⸗ weizen oder 10 kg weißer Senf, 25 kg Buchweizen und 20 kg Olrettig. Von dem erſtgenannten Gemenge kann man zwei Schnitte ernten, den erſten 48 Viertes Kapitel. Fig. 34. Hlrettig, Raphanus olei- ferus L. a⸗, Schote; b dieſelbe längs halbiert; c Same nat. Größe; d vergrößert; e Samenoberhaut; f† Same mit Embryo. Fig. 35. Ackerſpörgel. Pflanze mit Blättern und Blüten. Die einjährigen Futterpflanzen. ſobald der Senf, der Hlrettig und der Buchweizen entwickelt ſind und im zweiten kommen dann der Johannisroggen und die Zottelwicke. Die Miſchungen werden im Mai und Juni geſäet. Der Hlrettig, von welchem hier die Rede, iſt ein verwandter Kreuz⸗ blütler, mit nicht aufſpringenden Schoten(Fig. 34), iſt empfindlicher als der Senf, ſonſt aber etwas er⸗ giebiger. 10. Der Spörgel. Es werden in der Landwirtſchaft zwei Spörgelſorten(Fig. 35), unter⸗ ſchieden, der Acker⸗ ſpörgel (Spergula arvensis) und der Rieſen⸗ ſpörgel (Spergula maxima). Letzterer iſt nur die grö⸗ ßere, höher wachſende Form des erſteren, mit etwas grö⸗ ßeren Samen. Beide geben ein vorzüg⸗ liches Futter; im Ertrag ſtehen ſie aber den ergiebi⸗ n d 4 11. Der Buchweizen. 49 geren Grünfutterpflanzen nach. Der Spörgel wird vorzugs⸗ weiſe als Nachfrucht gebaut. Die Frühfröſte im Herbſt ſchaden ihm nicht, ſelbſt eine vorübergehende Schnee⸗ ☛ bedeckung verträgt er, ſo daß man ihn oft noch im November füttern kann. Auf leichterem gutem Boden und in Gegenden mit feuchtem Klima gedeiht er am beſten. Ein größerer Kalkgehalt 4 im Boden beeinträchtigt das Gedeihen. Niena P cergegrgel cneenne Der feinkörnige, ſammetſchwarze, flach⸗ natürl. Größe; b, cu. d 7 fach vergr. rundliche Same iſt ſchmal geflügelt(Fig. 36). Es empfiehlt ſich, dem Spörgel etwas Raps beizumiſchen. Eine kleine Form des Ackerſpörgels iſt in feuchten Gegenden ein gemeines Ackerunkraut und auch der gebaute Ackerſpörgel ver⸗ unkrautet das Land gerne, da ein Teil der Samen erſt im zweiten Jahre aufgeht. 11. Der Buchweizen. Der Buchweizen(Fig. 37), iſt als Futterpflanze mehr für ſüd⸗ liche, warme Lagen geeignet, da er gegen Kälte ſehr empfindlich iſt. Er wird deshalb bei uns ſelten gebaut. Er iſt eine ſchöne, dekorative Pflanze und liefert eine ausgezeichnete Bienenweide. Das Vieh frißt aber den Buchweizen ungern und das Futter erzeugt leicht Durchfall; es ſollte deshalb nicht rein gegeben werden. Er iſt auch ziemlich an⸗ ſpruchsvoll bezüglich des Bodens.— Der Buchweizen iſt eine Sommer⸗ futterpflanze. Er wird von Mitte Mai bis Ende Juni geſäet. Frühere und ſpätere Saat iſt bei uns riskiert. gi de Vuchwegel Pagopprun esen. Am beliebteſten iſt der ſilbergraue lentum L. a Rückſeite; b Vorderſeite ſchottiſche Buchweizen. Als Bei⸗ rache nnt Kiche e Sennenmerfahene Stebler. 5. Auflage. 4 50 Viertes Kapitel. Die einjährigen Futterpflanzen. miſchung zum Buchweizen eignen ſich die Hirſearten und der Spörgel ganz gut. Statt der Reinſaat kann dem Buchweizen auch weißer Senf, Olrettich, Serradella, Zottelwicken, Inkarnatklee, Spörgel oder Mohar beigemiſcht werden. . Strebel empfiehlt eine Gemengeſaat von 75 kg Buchweizen und 15—16 kg Rieſenſpörgel; Guido Krafft ein Gemenge von 1—1 ½ hl Buchweizen und ½— ¾ hl Hirſe. 1 ℳ Blomeyer empfiehlt bei dem Buchweizen⸗Serradella⸗Gemenge letztere einige Zeit vorher zu ſäen und den Buchweizen erſt einzudrillen, wenn die Serradella handhoch, wozu frei⸗ lich eine gewiſſe Lockerheit des Bodens nötig iſt. Auch der tartariſche Buch⸗ Fig. 38. Tartariſcher Buchweizen, Poly- welzen, deſſen Früchte(Fig. 38) Sonum tartaricum L. a Frucht natürl. gekerbte Kanten beſitzen, wird als Größe; b dieſelbe vergr.; c im Querſchnitt. 3,„ 3 Grünfutter gebaut. Derſelbe wird eher etwas höher, iſt blattreicher und weniger empfindlich als der gemeine Buchweizen. 12. Die Serradella. Die Serradella(Fig. 39) iſt eine Pflanze des Sandbodens. Auf kalkreichem Boden gedeiht ſie nicht, wie auch direkte Kalkdüngung auf ihr Gedeihen ſchädigend wirkt. Auf dem Sande dagegen, wo andere ergiebigere Futterpflanzen mit Not gebaut werden können, liefert die Serradella einen ſicheren Ertrag und ein ganz vorzügliches Futter. Zudem bereichert ſie, wie alle Schmetterlings⸗ blütler, den Boden an Stickſtoff und ermöglicht auf dieſe Weiſe die Kultur anſpruchsvollerer Pflanzen als Nach⸗ frucht. Vorzüglich iſt ſie geeignet zur Vertilgung der Quecke, die auf Fig. 39. Serradella, Ornithopus sativus leichtem Boden oft ſehr ſchädlich iſt. Brot. a Blütenzweig; b Zweig mit. Glieder⸗Hülſen; c Blüte; d Schiffchen. Bei dichtem Stande der Serradella 12. Die Serradella.— 13. Die gelbe Lupine. 51 wird dieſes Unkraut unterdrückt. Die Serradella iſt ein Sommer⸗ gewächs. Sie wird von Mitte April bis Mitte Juli geſäet. Man drillt ſie oftmals Ende April bis Anfang Mai in Winterroggen und erntet dann nach Aberntung des Roggens im Herbſt einen Schnitt. Sehr empfehlenswert ſind die Miſchun⸗ gen von Serradella mit weißem Senf oder Spörgel, ſeltener iſt die Miſchung mit Buchweizen(ſ. oben). Neuhaus⸗Selchow empfiehlt folgende Gemenge: 1. Auf magerem Boden, Ende April geſäet: 40 kg Serradella und 20 kg weißer Senf. Der raſch wachſende Senf wird in der Blüte gemäht, worauf die Serradella ſich entwickelt und einen zweiten Schnitt gibt. 2. Auf leichterem Boden, zeitig im Früh⸗ jahr geſäet: 40 kg Serradella und 20 kg Rieſen⸗ ſpörgel. Letzterer gibt dann den erſten, erſtere den zweiten Schnitt. Tig 40. Serraball de 3 ..„ ig.. rradella, TIII- Man ſchneidet die Serradella in voller dpas Setixue Brot, a Blüte. Der Same, wie er im Handel vor⸗ b vefeheeſwergee we Pries kommt, iſt noch von der Hülſe umgeben watie hrühe aroei, venn (Fig. 40). Derſelbe iſt oft ſchlecht, weshalb beim Ankauf Vorſicht nötig iſt. Die Hülſen und die in denſelben eingeſchloſſenen Samen werden durch das Beregnen und mit dem Alter dunkelbraun bis ſchwarz. 13. Die gelbe Lupine. Die gelbe Lupine(Fig. 41) iſt wie die Serradella eine ausgeſprochene Sandpflanze, iſt wie dieſe empfindlich gegen Kalk und hat nur für Sandboden einen Wert. Die Pflanze hat aber einen Giftſtoff(das Iktrogen), der dem Vieh nicht zuträglich iſt. Einzig das Schaf kann denſelben vertragen, wenn nicht allzu reichliche Mengen gegeben werden. Die Lupine iſt alſo ein Lückenbüßer. Man ſäet den Samen Mitte März bis Mitte April und hat dann nach 20 bis 24 Wochen einen ergiebigen Schnitt. Die Ernte findet erſt nach dem Anſatz der erſten Hülſen ſtatt, weil die Erfahrung gezeigt hat, daß dann das Futter den Schafen zuträglicher iſt. Die Pflanzen werden ſowohl grün verfüttert, als zu Heu gedörrt. 4* Viertes Kapitel. Die einjährigen Futterpflanzen. Die gelbe Lupine wird auch in Miſchung mit Peluſchken, 3— Serradella, Roggen, Hafer und Erbſen gebaut.— Die weiße und die blaue Lupine eignen ſich wegen ihrer Bitterkeit nicht als Futter und ſind zu hart⸗ ſtengelig, weshalb die Schafe ſie verſchmähen. Die„weiße Lupine“ des Handels iſt in der Regel nichts anderes als eine weißſamige Form der blauen Lupine(Lu- pinus angustifolius var. leuco- spermus). Die echte weiße Lupine (Lupinus albus) wird ſelten gebaut. — 3 7; 1 2 D 2 I 4 9, S 2 I ‿O‿ Vs JAW K 7 I ₰☛ ſſ 14. Die Ackertreſpe. Fig. 41. Gelbe Lupine, Lupinus luteus L. Die Ackertreſpe(Bromus Blühende Pflanze und Wurzelſtock. a Blüte arvensis) wird in neuerer Zeit Arn ne ende der Sülte dan uue Lune. auf leichtem Boden als Futter angebaut. Sie wird im Auguſt oder Anfang September geſäet und gibt Ende Mai oder Anfang Juni nächſten Jahres einen ergiebigen Schnitt. Die einjährigen Futtergewächſe werden öfters auch als Grün⸗ düngungspflanzen kultiviert. Unter dieſen kommen beſonders die ſchmetterlingsblütigen Arten in Betracht, weil dieſe imſtande ſind, den freien Stickſtoff der Luft zu aſſimilieren und ſo den Boden an dieſem wichtigen Nährſtoff zu bereichern. In der Regel wird der Landwirt jedoch beſſer tun, dieſe Pflanzen zu verfüttern, da die Pflanzennährſtoffe hernach im Dünger doch dem Boden zum größten Teil wieder zu gute kommen. Eine Ausnahme macht die Lupine, bei deren Verwendung als Futter ſehr enge Schranken gezogen ſind. Dieſe wird deshalb für lockeren Sandboden als Gründüngungspflanze immer eine hervorragende Rolle ſpielen. Die meiſten Grünfutterpflanzen ſind ſehr dankbar für eine paſſende Düngung, die Schmetterlingsblütler beſonders für eine Fünftes Kapitel. Die Kleekultur(Rotklee, Luzerne und Eſparſette). 53 Superphosphatdüngung, auf leichtem Boden auch für eine Kalidüngung, während die übrigen Arten ziemlich hohe Anforderungen an den Stickſtoffgehalt machen. Fünftes Kapitel. Die Kleekultur(Rotklee, Luzerne und Eſparſette). Viel wichtiger für den Futterbau als die einjährigen Futter⸗ pflanzen ſind die Kleearten und kleeartigen Gewächſe. Von dieſen werden hauptſächlich drei Arten im großen einzeln kultiviert— der Rotklee, die Luzerne und die Eſparſette. In manchen Gegenden ſind dies, neben den Wurzelgewächſen, die einzigen auf dem Acker angebauten Futterpflanzen. 1. Der Rotklee. Der Rotklee oder der rote Wieſenklee(Dreiblatt, Dreiblattklee) (Fig. 42) wird von den drei genannten Arten am häufigſten an⸗ gebaut. Man ſäet ihn meiſt im Frühjahr in eine Getreideart und hat dann unter günſtigen Verhältniſſen nach Aberntung des Ge⸗ treides im Herbſt noch einen Schnitt(Stoppelklee). Die Haupt⸗ nutzung fällt jedoch in das zweite Jahr. Er liefert ein aus⸗ gezeichnetes Grünfutter, das vom Vieh gerne genommen wird und einen hohen Eiweißgehalt beſitzt. Zum Dörren iſt er weniger ge⸗ eignet, wird aber dennoch häufig zur Heubereitung verwendet. Wenn man eine gute Kleeſorte hat, ſo gibt dieſe bei rationeller Kultur auf gutem kleefähigem Boden einen großen Ertrag, während dieſer auf weniger geeignetem Land meiſt gering ausfällt, beſonders wenn man zudem noch eine ſchlechte Kleeſorte ausſäet. Die beſte und er⸗ tragreichſte Kleeſorte iſt der hochwachſende einheimiſche Rotklee, dann der ſüddeutſche, der Pfälzer, der ſächſiſche und der ſchleſiſche. Gut bewährt hat ſich auch der böhmiſche und ſteiriſche Klee. Unter letzterem Namen kommen jedoch in neuerer Zeit faſt alle öſter⸗ reichiſchen Kleeſorten in den Handel. Der böhmiſche und der nieder⸗ öſterreichiſche Klee ſind dem ſteiriſchen faſt ebenbürtig. Dies iſt aber nicht der Fall beim ungariſchen. Derſelbe iſt weniger ergiebig, auch wenn das Korn noch ſo ſchön und grobkörnig iſt. 54 Fünftes Kapitel. Die Kleekultur(Rotklee, Luzerne und Eſparſette). Ein ſog. Rieſenklee von einem der erſten Züchter Ungarns blieb im Ertrag hinter dem böhmiſchen zurück, trotzdem der Same des erſteren bezüglich Vollkommenheit und Größe unvergleichlich viel ſchöner war— ein Beweis, daß nicht die Großkörnigkeit, ſondern die Provenienz in erſter Linie maß⸗ gebend iſt. Der in neueſter Zeit aus dem weſtlichen Rußland in den Handel gebrachte Same bewährte ſich bei unſeren Verſuchen ziem⸗ lich gut. Eine wichtige Rolle ſpielen in einzel⸗ nen Jahren die aus Mittel⸗ frankreich kom⸗ menden Sorten. Dieſelben haben ſich ganz gut ge— halten, obſchon ſie im Ertrag den böhmiſchen Saaten nach⸗ ſſtehen. Viel gelobt von Händ⸗ lern, welche gerne A von dieſen Fig. 42. Rotklee, Trifolium pratense L. Samen verkaufen möchten, wird der amerikaniſche Rotklee. Derſelbe kann jedoch mit den beſſern europäiſchen Kleeſorten nicht konkurrieren und iſt zudem ſtark behaart und dem Meltau unterworfen. Der amerikaniſche Rotklee hat im allgemeinen einen geringeren Nachwuchs als die beſſern euro⸗ päiſchen Provenienzen. Trotz den immer und immer wieder auf⸗ tauchenden günſtigen Berichten bleibt dieſer Tatbeſtand aufrecht; perfi bli in ſzii Revei er in gei as ſlien dind erache ewägt unſern wzen⸗ En Pule ainze ren de ittel chun⸗ Sorke haben gut g⸗ üöſch tng niſchen nal⸗ del Hind egente fe faufen idde beſeen ehaen ſct in eur- rai⸗ frct 1. Der Rotklee. 4 55 freilich gibt es aber noch ſchlechtere Sorten als den amerikaniſchen und nicht alle amerikaniſchen haben die Mängel in gleichem Maße. Die am wenigſten ertragreichen und am wenigſten ſicheren Kleeſorten ſind die mittäglichen aus Südfrankreich und Italien. ¹) Bei einigermaßen ſtrengem Winter fallen die Pflanzen der Kälte zum Opfer, in welchem Falle man bei denjenigen AÄckern, wo der Fig. 43. Kleeteufel, Orobranche minor Sut., auf Rotklee ſchmarotzend. Klee in Getreide geſäet wurde, ſozuſagen keine Nutzung hat. Auch wenn ſie gut überwintern, ſind ſie in der Regel weniger ergiebig als die beſſeren Sorten. Die Unterſchiede zwiſchen den einzelnen Provenienzen treten um ſo ſtärker hervor, je weniger geeignet der Acker zur Kleekultur iſt, und um ſo weniger, je kleefähiger der Boden. Auf ſehr 1) Über die Erkennung dieſer Provenienzen vergleiche man Stebler und Schröter, Die beſten Futterpflanzen, I, 3. Aufl., S. 103ff., Bern 1902. 56 Fuünftes Kapitel. Die Kleekultur(Rotklee, Luzerne und Eſparſette). gutem kleefähigem Boden kann man z. B. beim amerikaniſchen Rotklee keinen ſo auffallenden Unterſchied beobachten als auf ge⸗ ringerem Boden. Fig. 44. Same des Kleeteufels. a nat. Größe, b 200 fach vergr. Ertrag iſt dann gering. Unter allen Umſtänden iſt der Rotklee eine relativ unſichere Futterpflanze. Über Winter faulen oft große Plätze aus. Häufig richten der Stengelbrand und der Kleeteufel (Fig. 43)(Kleezäpfen, Kleetannen, Fran⸗ zoſen) die Pflanzen zu Grunde, und der Am widerſtandsfähigſten gegen dieſe Paraſiten ſind die raſch nachwachſenden, üppigen Sorten, während die geringeren Pro⸗ venienzen(Italiener, ſüdfranzöſiſcher, Amerikaner) den⸗ ſelben oft total zum Opfer fallen. Der außerordentlich fein⸗ körnige Same(Fig. 44) wird durch den Wind verbreitet. Wenn ſich die Üüberfrucht lagert, ſo wird der Beſtand lückenhaft. Nicht ſelten richtet auf dem Felde ein anderer Schma⸗ Fig. 45. Kleeſeide, Cuscuta Trifolii Bab. Natürliche 1 2 Große⸗ 2 vergr. Steugel mit Hanſtoriene unten Samen, rotzer, die Klee— links durchſchnitten, c Endoſperm, r Vegetationspunkt, vergr.; j rechts drei Keimlinge. 3 ſeide(ig. 45), arge Verheerungen an, der in der Regel durch unreines Saatgut eingeſchleppt wird. Bei der Samenbeſchaffung iſt alſo alle Vorſicht am Platze. Wenn trotzdem die Kleeſeide ſich eingeſchlichen hat, ſo vertilgt man ſie am ſicherſten durch tiefes Abſchneiden, Überſtreuen mit Kaliſuperphosphat und Feſtklopfen der betreffenden Stelle mit einem Holzſchlägel. 1 1. Rotklee. 57 Der Same der gewöhnlichen Kleeſeide iſt kleinkörniger als der Rotkleeſame(Fig. 46) und läßt ſich deshalb durch geeignete Siebe entfernen. Ausnahmsweiſe enthält die Saat jedoch doppelte Seide⸗ körner und Samen der amerikaniſchen Seidenarten(ſ. Fig. 48 u. 49), die viel grobkörniger und deshalb nicht abzubringen ſind. Block, ein ausgezeichneter landwirtſchaftlicher Rechner, ſagt auf Grund ſeiner vierzigjährigen Erfahrung, daß man auf ganz kleefähigem Boden beim Rotklee in 4 Ernten nur auf 3 volle Ernten rechnen könne, die vierte ſei als eine totale Fehlernte zu betrachten. Der Rotklee iſt nur zweijährig. In einem Jahr wird er geſäet und im zweiten genutzt; dann geht er ab und der Acker wird umgepflügt. Nur ausnahmsweiſe liefert er noch im dritten Jahre eine Nutzung. Dies iſt beſonders der Fall, wenn der Acker mit Superphosphat oder Thomasmehl gedüngt wird. Dann kann auf gutem kleefähigem Boden der Rotklee zwei Jahre genutzt werden. Der ſchweizeriſche Matten⸗ oder Naturklee iſt dauerhafter als die im Handel vorkommenden Sorten und kann ohne Extradüngung zwei Jahre genutzt werden; auf beſonders gutem Boden wird er ſogar drei Jahre zur Nutzung ſtehen gelaſſen und liefert bei einer Nachdüngung mit phosphorſäurereichem Dünger immer gute Erträge. Echter Mattenkleeſamen iſt leider nicht gut erhältlich. Der aus Schottland unter dem Namen„Cowgras“ in den Handel gebrachte Rotklee iſt nur gewöhnlicher Rotklee, ebenſo wie der unter der Bezeichnung„Bullenklee“ angeprieſene. Wer das Geld für ſolche Saat opfert, der iſt ſchlecht beraten. Wenn ein Feld Rotklee getragen hat, ſo muß man, wie die Erfahrung lehrt, 6—9 Jahre warten, bevor man auf dem be⸗ treffenden Grundſtück wieder Klee anbauen darf. Auf gut klee⸗ fähigem Boden darf man mit dem Klee ſchon nach 6, auf weniger gutem Kleeboden aber erſt nach 9 Jahren wiederkommen, denn nach der Kleekultur iſt der Boden„kleemüde“, und dieſe Klee⸗ müdigkeit verliert ſich erſt nach längeren Jahren. Läßt man ihn früher wiederkehren, ſo keimt der Kleeſame zwar, entwickelt ſich 2 0 Fig. 46. Rotkleeſame. 58 Fünftes Kapitel. Die Kleekultur(Rotklee, Luzerne und Eſparſette). in der erſten Zeit ganz gut, wird aber im Winter dünn, bleibt im zweiten Jahr klein und ſerbelt; der Beſtand lichtet ſich mehr und mehr, die Pflanzen werden ſchwarz und der Ertrag iſt infolge deſſen ſehr gering. Wenn man einen Boden ſtark mit Phosphat⸗ und Kalidünger düngt, ſo kann man mit dem Rotklee ſchneller wiederkehren. In England z. B. hat man es bei kräftiger Düngung mit dieſen Düngern fertig gebracht, den Rotklee auf gutem Boden ſchon nach 4 Jahren mit Erfolg anbauen zu können. 2. Die Luzerne. Die Luzerne oder der blaue Klee(Fig. 47) übertrifft im Ertrag den Rotklee. Sie kann 3— 4mal geſchnitten werden, liefert gutes Grün⸗ futter, während ſie ſich zum Dörren wegen des Blattverluſtes weniger eignet. Trotzdem wird ſie an Orten, wo ſie ſicher gedeiht, häufig gedörrt. Sie dauert auf paſſendem Boden 5—6 Jahre und in ver⸗ einzelten Stöcken noch länger. Die Luzerne verlangt aber einen warmen, tiefgründigen, im Untergrunde nicht feuchten Boden. Iſt dies nicht der Fall, ſo gedeiht ſie nicht gut, der Beſtand wird in 2—3 Jahren dünn und der Ertrag iſt dann gering. Auf ſolchen Bodenarten ſoll man keine Luzerne bauen, da man mit anderen Futterpflanzen beſſere Reſultate erzielt. Die Luzernekultur iſt nur auf Bodenarten zu empfehlen, wo der Beſtand bei richtiger Behandlung mindeſtens 4—5 Jahre ſchön und dicht bleibt. Wenn ein Acker Luzerne getragen, ſo muß man doppelt ſo lange warten, als ſie das Feld in Anſpruch genommen hat, bevor man wieder mit Luzerne kommen darf, denn der Boden iſt„luzernemüde“. Kommt man zu raſch wieder, ſo ſtirbt die Luzerne im zweiten und dritten Jahr ab, der Beſtand wird licht und der Ertrag bleibt gering. Bei Anwendung von Phosphat⸗ dünger kann man raſcher wiederkehren, als wenn kein ſolcher an⸗ gewendet wird. Von den Sorten des Handels haben ſich die Provencer⸗ und italieniſchen Saaten am beſten bewährt, weniger die ungariſchen; ganz und gar nicht bewährt hat ſich die amerikaniſche Saat, die beſonders von Hamburg aus in Verkehr gebracht wird. Die amerikaniſche Provenienz ſchlägt nach dem Schnitt ſehr langſam aus und wird deshalb vom Unkraut, namentlich vom gemeinen ———L, EF 2. Die Luzerne. 59 Riſpengras(Fig. 9) und dem Löwenzahn überwachſen. Die nordameri⸗ kaniſche Saat iſt zudem ſehr häufig mit einer grobkörnigen Seide(Fig. 48) verunreinigt, die ſich bereits in Europa eingebürgert hat. Dieſe Seidenart Fig. 47. Luzerne, Medicago sativa L. A ein Zweig mit Blättern und Blüten; a eine einzelne Blütentraube, natürliche Größe. iſt nahe verwandt mit der aus Südamerika ſtammenden traubigen Seide (Fig. 49), die nicht ſelten in europäiſcher Kleeſaat vorkommt(vergl. Zwei amerikaniſche Kleeſeidearten. Schweiz. landw. Zeitſchr. 1901, S. 662 ff. und ebenda 1891, S. 740; 1889, S. 590). Die gelbbraun gefärbten Samen(Fig. 50) der Luzerne ſind bohnen⸗ förmig, 2— 2 ½ mm lang und 1 mm dick, mit deutlich abgegrenztem Würzelchen und rundlichem, in einer Vertiefung liegendem Nabel; er unter⸗ 60 Fünftes Kapitel. Die Kleekultur(Rotklee, Luzerne und Eſparſette). ſcheidet ſich durch dieſe Merkmale von dem ſehr ähnlichen Samen des Hopfenklees(ſ. d.). Ein großer Fehler, der bei der Luzernekultur ſehr häufig ge⸗ macht wird, iſt der, daß man die Luzerne mit Gülle oder Miſt Fig. 48. Nordamerikaniſche Kleeſeide, Fig. 49. Traubige Kleeſeide, Cuscuta race- Cuscuta arvensis Bey., in nat. Größe. mosa Marxt., in natürlicher Größe; a Blüte a Blüte von der Seite, b von oben; zweifach und b Same zehnfach vergrößert. c Fruchtkapſel von der Seite, d von oben; alles zweifach vergrößert; e Same zehnfach vergrößert. düngt. Die Luzerne iſt eine Phosphorſäurepflanze und muß des⸗ halb mit phosphorſäurereichem Dünger(Superphosphat und Thomas⸗ mehl) gedüngt werden und nicht mit einem Stickſtoffdünger, wie die Gülle einer iſt. Die Gülle gehört auf die Wieſen oder zu den Runkelrüben, Möhren, den Kohlarten, zum Getreide, zum Mais und 3. Die Eſparſette. 61 dergl., aber nicht zu den Kleearten. Durch Anwendung von Gülle auf dem Luzerneacker wird das Aufkommen des Filzgraſes und des Löwenzahnes beför⸗ dert, dieſer zwei Hauptfeinde der Luzerne. 3. Die Eſparſette. Die Eſparſette(Fig. 51) hat den Vorteil, daß ſie ſogar auf magerem Lande gedeiht, wenn der Boden nicht naß iſt. Es iſt aber ein Irrtum, wenn 1 ℳ behauptet wird, daß zum easgriches Hrße und zſach werhre d teimende Gedeihen der Eſparſette ein ziemlich bedeutender Kalkgehalt im Boden notwendig ſei, denn ſie kommt ſogar von Natur in Menge wild auf kalkarmer Unterlage vor und gedeiht daſelbſt auch bei der Kultur ſehr gut, wenn die phyſikaliſche Eigenſchaft des Bodens ſonſt günſtig iſt. Als Beleg hierfür führen wir eine natürliche Eſperwieſe im Ried in Viſper⸗ terminen(Wallis) an, wo der Untergrund kalkarm und die Krume nur 0,4% Kalk(CaO) enthält. Solche Beiſpiele ließen ſich mit Leichtigkeit vermehren. Die Eſparſette iſt deshalb ſehr wertvoll für die trockenen kalkreichen Böden. Sie liefert auch ein gutes Futter, das im erſten Schnitt ſich vorzüglich zum Dörren eignet, während der zweite, weniger ergiebige Schnitt beſſer zur Grünfütterung paßt. Die Eſparſette iſt auch dauerhaft. Sie hält 5—6 Jahre an und auf beſonders tauglichem Boden noch länger. Am dauerhafteſten iſt die wildwachſende Eſparſette; dieſelbe iſt aber, weil kleiner, weniger ergiebig. Zu den dauerhafteſten kultivierten Sorten gehören die Pfälzer, die Schwarzwälder und die Elſäſſer. Schon weniger reſiſtent iſt die mähriſche; dieſelbe hat aber den Vorzug, daß ſie viel reiner iſt als die gewöhnlichen Handelsſorten. Am wenigſten empfehlens⸗ wert iſt die franzöſiſche, einerſeits wegen des hohen Gehaltes an Pimpernelle(Fig. 52), einer gefürchteten Verunreinigung, anderſeits wegen der geringen Dauerhaftigkeit. Der Same der Eſparſette kommt in der Regel in den lederigen Hülſen(Fig. 53 a und c), ſelten ent⸗ 62 Fünftes Kapitel. Die Kleekultur(Rotklee, Luzerne und Eſparſette). hülſt(b und d) im Handel vor, obzwar letzterer viel raſcher keimt und regelmäßiger aufgeht. Es iſt deshalb ſehr zu wünſchen, daß die Produzenten oder Händler Einrichtungen zur Enthülſung des Samens treffen. Die Eſpar⸗ We ſette iſt ab Qen S ſe E iſ aber 9 NA A nicht beſon⸗ N ſ„— ders ertrag⸗ NG&NNe P) I reich. Sie h 4— ¹ 5 liefert eigentlich nur einen guten Schnitt, im zweiten Schnitt treibt ſie keine Stengel mehr, ſondern nur Wurzelblätter, die keinen großen Ertrag geben. Infolgedeſſen ſteht ſie in der Regel im Ertrag dem Rotklee und der Luzerne nach. Wie bei allen Kleearten, ſo verhält es ſich auch bei der Eſparſette: der Boden wird durch Fig. 51. Eſparſette, Onobrychis sativa L. Stengel mit Blättern die Eſparſette⸗ und Blüten. kultur„eſpar⸗ ſettemüde“. Man muß deshalb auch bei ihr 10 bis 12 Jahre warten, bevor man wieder mit Eſparſette kommen darf. Zwar kann man auch der Eſparſettemüdigkeit durch Anwendung von Phosphatdünger etwa entgegenarbeiten. 1 25(⏑⁸8—— Sechſtes Kapitel. Die Grasmiſchungen. 63 Bei allen Kleearten kann das Gedeihen weſentlich begünſtit werden, wenn man dem Acker bei der Zube⸗ reitung des Bodens eine gute Beidüngung von Thomasmehl, even⸗ tuell in Miſchung mit Kainit gibt, und wenn ſpäter nach Bedürfnis mit phosphorſäure⸗ 4 reichem Dünger nachge⸗ Fig. 52. Pimpernelle, Poterium Sanguisorba L. Frucht⸗ 7; körper, a und c natürliche Größe, b und d vergrößert; holfen wird. Auf kalk⸗ e Querſchnitt durch den Fruchtkörper mit 2 Früchten. armen Bodenarten iſt eine Kalkdüngung vor der Saat am Platze. Auf reichem Boden ſind ſpäter alle Kleearten dankbar für eine Düngung mit Gips. Alle drei genannten einzeln kulti⸗ vierten Kleearten haben, wie man aus der Beſchreibung erſieht, für den Land⸗ wirt großen Wert. Trotzdem kommen doch Fälle genug vor, wo andere Futter⸗ Fig. 53. Same der Eſparſette. pflanzen am Platze ſind oder wo es ratſam erſcheint, der betreffenden Kleeart noch andere Arten beizu⸗ miſchen.— Eingehende Beſchreibungen und Kulturanweiſungen findet der Leſer in dem Werke„Die beſten Futterpflanzen“. Sechſtes Kapitel. Die Grasmiſchungen. Wenn es, wie wir geſehen haben, ſehr häufig vorkommt, daß die Kleearten einzeln kultiviert werden, ſo iſt dies bei den Gräſern höchſt ſelten der Fall. Die Erfahrung hat hinlänglich bewieſen, daß der Ertrag bei der Einzelkultur der Gräſer viel geringer iſt, als wenn ſie in Miſchung mit Kleearten angebaut werden. Aber 64 Sechſtes Kapitel. Die Grasmiſchungen. auch bei den Kleearten erzielt man im allgemeinen größere Erträge, wenn ſie in Miſchung mit Gräſern gebaut werden, mit Ausnahme vielleicht auf trockenen Bodenarten, auf denen die Eſparſette und Luzerne ſicher gedeihen, während die ertragreicheren Grasarten hier nicht mehr gut fortkommen. Auf allen beſſeren Bodenarten erntet man dagegen die größten und nachhaltigſten Er⸗ träge, wenn die Klee⸗ und Grasarten in zweckentſprechendem Miſchungsverhältnis gebaut werden. Es iſt dies begründet in dem verſchiedenen Verhalten der einzelnen Arten und Familien, und zwar: 1. In der Verſchiedenheit der Vegetationsorgane. Die Kleearten verbreiten ihr Wurzelſyſtem auch in den tiefen Bodenſchichten und entnehmen das Waſſer und die übrigen Nährſtoffe zum Teil großen Bodentiefen, während die Gräſer bei ihrer flachen Bewurzelung hauptſächlich die Krume ausnützen. Ähnlich verhält es ſich bei den oberirdiſchen Pflanzen⸗ organen, dem Blatt⸗ und Halmſyſtem. Die hohen Gräſer breiten ihre Halme und Blätter zum Teil in hohen Luftſchichten aus und nützen hier Luft, Licht und Wärme aus, während die mittelhohen und niedrigen Gräſer und Kleearten die tieferen Lücken ausfüllen. Deshalb werden bei einem Gemiſch von tief, mitteltief und flach wurzelnden, von niedrig, mittelhoch und hoch wachſenden Pflanzen die verſchiedenen Boden⸗ und Luftſchichten am beſten aus⸗ genutzt und infolgedeſſen iſt der Ertrag auch am größten. 2. In der Verſchiedenheit der Ernährung. Aber auch in chemiſcher Beziehung machen die Arten der verſchiedenen Pflanzenfamilien verſchiedene Anſprüche an den Boden. Die Kleearten machen große Anſprüche an den Boden hinſichtlich ſeines Gehaltes an Phosphorſäure und an Kali, während die Gräſer den Stickſtoffgehalt des Bodens ſehr ſtark beanſpruchen. Die Kleearten, wie überhaupt alle ſchmetterlingsblütigen Arten, ſind Phosphorſäurepflanzen, während die Gräſer Stickſtoffpflanzen ſind. Die eine Pflanzengruppe entnimmt alſo dem Boden hauptſächlich dieſen Stoff, die andere jenen. So ergänzen ſich Gräſer und Klee⸗ arten gegenſeitig, wenn ſie in Miſchung gebaut werden. ie 2. Verſchiedenheit der Ernährung. 65 Aber noch mehr! Die Kleearten ſind imſtande, den Stickſtoff der Luft aufzunehmen und teilweiſe im Boden aufzuſpeichern. „Daß die Leguminoſen, insbeſondere die kleeartigen Gewächſe, auch bei Aberntung des oberirdiſchen Teiles den Boden an Kraft reicher zurück⸗ laſſen, als ſie ihn bei der Saat vorfanden, folgerten bereits die alten Statiker aus ihren Beobachtungen; ſie wußten auch, daß das Maß dieſer Bereicherung ein um ſo größeres iſt, je höher die Ernte ſich zeigt. Emil John wies ſodann ſchon vor mehr denn 40 Jahren durch genaue analytiſche Beſtimmungen nach, daß dieſe Bereicherung nicht nur in einer Vermehrung der humusbildenden Subſtanz beſtehe, ſondern auch eine bedeutende Ver⸗ mehrung der ſtickſtoffhaltigen Beſtandteile des Bodens einſchließe. Wodurch aber die Leguminoſen zu einer ſo eigenartigen Leiſtung befähigt werden, das wurde erſt durch die Hellriegel'ſchen Unterſuchungen aufgeklärt.“ (Jul. Kühn.) Obgleich die Kleearten in der Ernte mehr Stickſtoff enthalten als die Gräſer, wird doch der Boden durch ihre Kultur und ihre Aberntung nicht ärmer an Stick— Fig. 54. Knöllchen⸗Bakterie, Fig. 55. Wurzel A einer ſt off, ſ ondern Rhizobium leguminosarum Hülſenfrucht mit Wurzel⸗ 1 4 Frank. 2000 mal vergrößert. knöllchen w. reicher. In ihren im Boden verbleibenden Teilen führen ſie demſelben ein aus der Luft ſtammendes Quantum Stickſtoff zu. Die Gräſer dagegen haben dieſe Eigenſchaft nicht, ſie ſind nicht befähigt, den Luft⸗ ſtickſtoff zu aſſimilieren, ſondern müſſen ihren Stickſtoffbedarf im Boden vorfinden. Die Kleearten ſind imſtande, um ſo mehr Stick⸗ ſtoff zu ſammeln, je reicher der Boden an mineraliſchen Nährſtoffen iſt. In neuerer Zeit iſt beſonders durch Hellriegel auf theoretiſchem und durch Schultz⸗Lupitz auf praktiſchem Wege der Beweis dieſes Verhaltens erbracht worden. Die Aufnahme des Stickſtoffs geſchieht durch Vermittlung eines Bodenbakteriums(Fig. 54), welches an den Wurzeln der Schmetterlingsblütler die Bildung kleiner Knöllchen(Fig. 55) verurſacht. Nicht alle Bodenarten enthalten dieſe zum Wachstum der Leguminoſen notwendigen Bakterien. Man kann dieſelben dem Boden Stebler. 5. Auflage. 5 66 Sechſtes Kapitel. Die Grasmiſchungen. aber künſtlich zuführen, ein Verfahren, das man als„Boden⸗ impfung“ bezeichnet. Dies geſchieht durch künſtliche Zufuhr von Erde von einem Boden, wo die betreffenden Leguminoſen gut ge⸗ deihen, Erde, in welcher alſo die Bakterien enthalten ſind. In neuerer Zeit gelangen dieſe Bakterien unter dem Namen„Nitragin“ künſtlich gezüchtet in den Handel, haben aber bisher noch wenig zu⸗ verläſſige Reſultate ergeben. Schon früher fand E. Heiden, daß der Boden durch den Kleebau eine Anreicherung von Stickſtoff von 0,034 auf 0,057% erfahren hatte, trotzdem er keine Stickſtoffdüngung erhielt. Agathon ermittelte, daß bei einer Fruchtfolge mit ausgedehntem Luzernebau der Stickſtoffgehalt der Ackererde von 2,04 auf 2,48 g im Kilogramm erhöht wurde. Dehérain beobachtete, daß ſich der Stickſtoffgehalt eines Kilo⸗ gramms Boden bei der Kultur mit Eſparſette in drei Jahren im Mittel von 1,49 auf 1,56 g erhöhte. Eine Düngung der kleeartigen Pflanzen mit Stickſtoff iſt des⸗ halb meiſt überflüſſig und Verſchwendung. Einzig im jugendlichen Stadium, wenn die Pflanzen ihre Aſſimilationsorgane noch nicht entwickelt haben, iſt ein Zuſchuß von Stickſtoff durch den Dünger nötig. Die Kleearten und alle ſchmetterlingsblütigen Pflanzen werden deshalb als Stickſtoffſammler oder Stickſtoffmehrer bezeichnet, während die Gräſer Stickſtoffzehrer oder Stickſtoffreſſer ſind. Wenn man alſo Kleearten in Miſchung mit Gras baut, ſo hat man Stickſtoffſammler und Stickſtoffzehrer. Der Klee ſammelt den Stick⸗ ſtoff, den das Gras zu ſeinem Wachstum nötig hat. Ob dieſer Stickſtoffvorrat zur Ernährung aber genügt, iſt eine andere Frage. Iſt der Prozentſatz der Kleearten gering, ſo wird er nicht genügen. Da man jedoch ſehr häufig in den Miſchungen, um den nach⸗ haltigſten Futterertrag zu erzielen, die Grasarten überwiegen läßt, ſo iſt eine Beidüngung von Stickſtoff notwendig, aber die Düngung braucht weniger ſtark zu ſein als bei einem reinen Grasbeſtand. Dieſes Verhalten der Kleearten und Gräſer iſt der Haupt⸗ grund, weshalb Miſchungen von Klee und Gras bei gleicher Düngung einen größeren Ertrag geben, als wenn jede einzelne Art für ſich allein gebaut würde. Beim Anbau von Gras allein iſt der Boden raſch erſchöpft an Stickſtoff, während beim Kleebau der Stickſtoff⸗ gehalt, wenigſtens zum Teil, eine Zeitlang nutzlos im Boden liegt 3. Größere Widerſtandskraft derſelben. 67 und teilweiſe verloren geht. Bei einer Miſchung von Klee und Gras dagegen wird der lösliche Stickſtoff ſofort von den Pflanzen aufgenommen und in nutzbare Pflanzenſubſtanz umgewandelt. Aus dieſem Grunde iſt es von großem Wert, daß in der Miſchung der Klee und das Gras ſtets in richtigem Miſchungsverhältnis vorhanden ſind. Deshalb ſollte man bei der Anlage von länger dauernden Kunſtwieſen ſtets darauf Rückſicht nehmen, daß auch dauernde Kleearten verwendet werden. Man verwende deshalb perennierenden Wieſenklee(Mattenklee, Naturklee). Der gewöhnliche Rotklee des Handels verſchwindet zu ſchnell. Ebenſo verliert ſich der eingeſäete Baſtard⸗ und Weißklee in wenig Jahren. Der Hopfen⸗ und der Wundklee ſind nur zwei⸗ jährig. Die Eſparſette wird im üppigen Graswuchs bald unter⸗ drückt. Die Luzerne eignet ſich nicht für ſtändige Wieſen, da die vereinzelten Luzerneſtöcke in einem alten Raſen keine beliebten Gäſte ſind. So bleiben uns für Dauerwieſen von den Kleearten nur der Mattenklee und der gehörnte Schotenklee übrig. Der Sumpfſchoten⸗ klee paßt nur für feuchte Bodenarten. Es gibt zwar eine Anzahl wirklich dauerhafter Kleearten und ähnlicher ſchmetterlingsblütiger Pflanzen; deren Samen ſind aber im Handel nicht erhältlich(Zaunwicke, Vogelwicke, mittlerer Klee, Purpurklee, panonniſcher Klee, Bergklee, zweiköpfiger Klee, Wieſen⸗ platterbſe ꝛc.) oder, wenn ſie ausgeſäet werden, ſo werden ſie in dem üppigen Raſen unterdrückt.— Es iſt deshalb ein Mangel des Futterbaues, daß man zu wenig ſchmetterlingsblütige Pflanzenarten beſitzt, welche ſich zur Anlage dauernder Wieſen eignen. Es bleibt ſonach einſtweilen nichts anderes übrig, als durch Nachſaat von Klee⸗ ſamen und Ausſaat von Phosphaten für Ergänzung der abgehenden Kleearten zu ſorgen. Kehren wir jedoch nach dieſer Abſchweifung zum Thema zurück! Der größere Ertrag der Miſchungen iſt ferner begründet: 3. In der größeren Widerſtandskraft derſelben. Die Miſchungen haben von ſchädigenden äußeren Einflüſſen (Näſſe, Trockenheit, Fröſten, Krankheiten, Inſekten ꝛc.) weniger zu leiden als Reinſaaten.. 5* 68 Sechſtes Kapitel. Die Grasmiſchungen. Leidet eine Pflanze an Trockenheit, ſo füllt eine andere die Lücke aus, welche die Trockenheit beſſer ertragen kann; ebenſo umgekehrt: leidet eine Pflanze an übermäßiger Näſſe, ſo tritt eine andere an ihre Stelle, welche gerade die Näſſe liebt.— Reinſaaten ſind auch den Krankheiten(Kleeſeide, Kleeteufel, Pilze, Inſekten) weſentlich mehr ausgeſetzt als Miſchungen; wenn beſtimmte Pflanzen in der Miſchung davon auch befallen werden, ſo füllen andere die dadurch entſtandene Lücke aus. Auch der Froſt iſt ihnen weniger gefährlich, da die weniger empfindlichen Pflanzen den übrigen Schutz gewähren. Deshalb ſind die Miſchungen nicht nur ertrag⸗ reicher, ſondern auch ſicherer als Reinſaaten. 4. In der Verſchiedenheit der Entwickelung. Man verwendet in der Miſchung raſch ſich entwickelnde Arten, die ſchon im erſten Jahr der Nutzung einen vollen Ertrag abwerfen, und Arten, welche ſich langſamer entwickeln und erſt im dritten bis vierten Jahr ihre volle Ertragsfähigkeit erlangen. Infolgedeſſen iſt der Ertrag ſowohl im erſten als die folgenden Jahre ein guter. Man verwendet ferner frühe und ſpäte Pflanzen, ſo daß man nicht nur einen guten erſten Schnitt hat, ſondern noch im zweiten Schnitt einen guten Ertrag erntet und auf gutem Boden noch auf einen dritten Schnitt rechnen kann. 5. In der Verſchiedenheit des Wuchſes. Die Kleearten erreichen in den Miſchungen mit Gras auch eine größere Höhe als bei Einzelkultur. Sie werden in dem dichten Beſtande hochwachſender Gräſer gleichſam in die Höhe getrieben, da ſie mit ihren Blättern dem Lichte zuſtreben. Auch dies iſt ein Grund des höheren Ertrages der Grasmiſchungen. Dürrfuttererträge von 100—150 Meterzentner per Hektar ſind bei rationell zuſammengeſetzten Grasmiſchungen auf gutem Boden leicht zu erzielen. Es können aber unter günſtigen Ver⸗ hältniſſen noch größere Erträge erreicht werden. Wir könnten Dutzende von Beiſpielen hier anführen. Nur eines ſei hier mitgeteilt. Hr. Dr. Billwiler auf Schloß Sulzberg ſchreibt: „Wie Ihnen vielleicht noch im Gedächtnis, waren Sie ſeinerzeit ſo freundlich, mir mit Aufſtellung einer Grasmiſchung behufs Anlage einer ——ꝛs—— ◻☛————— ——4³— Vorteile der Grasmiſchungen. 69 Wechſelwieſe behilflich an die Hand zu gehen. Durch ſehr günſtige Reſul⸗ tate erfreut, fühle ich mich veranlaßt, Ihnen, geehrter Herr, meinen beſten Dank abzuſtatten und erlaube mir gleichzeitig, Ihnen mit einigen Zeilen aufzuwarten:. „Heu erntete ich per Juchart 75 Zentner, Emd 55 Zentner, zuſammen alſo 130 Zentner(= 180 Meterzentner per Hektar), Erträge, wie ſolche auf beſten Naturwieſen nie zu erwarten ſind, wie ich mich ſelbſt überzeugte. Es bleibt noch beizufügen, daß der Boden ohne Hackfrucht, im Jahr vorher bepflanzt, nicht ganz unkrautfrei war, auch daß die Saat noch hätte etwas gleichmäßiger ausfallen können, alles Punkte, bei deren Vermeidung noch größere Erträge in Sicht wären. „Dagegen war der Boden in günſtigſten Nahrungsverhältniſſen; auch die Bearbeitung ließ nicht zu wünſchen übrig. „Wird ganz genau nach Ihren Vorſchlägen operiert, beſonders auch möglichſt gleichmäßig geſäet, ſo bin ich feſt überzeugt, daß die Erträge mit Leichtigkeit auch in unſerem nicht ſehr günſtigen Klima auf 150 Zentner per Juchart(= 200 Meterzentner per Hektar) in zwei Schnitten geſteigert werden können.“ Die Miſchungen gewähren aber noch andere Vorteile: 1. Das Miſchfutter iſt richtiger zuſammengeſetzt als Gras und Klee allein. Das Gras allein hat zu wenig, Klee dagegen zu viel Eiweiß zur rationellen Ernährung der Tiere. Bei einer Miſchung von Klee und Gras iſt aber gerade das richtige Nähr⸗ ſtoffverhältnis annähernd vorhanden. 2. Miſchfutter von Klee und Gras iſt dem Vieh auch viel gedeihlicher und teilweiſe angenehmer als Klee oder Gras allein. Bei Verfütterung von grünem Klee bläht ſich das Vieh leicht, was bei Miſchfutter viel weniger der Fall iſt. Gras allein wird vom Vieh, wenn die Pflanzen einigermaßen entwickelt ſind, nicht gerne aufgenommen, während eine Miſchung von Klee und Gras den Tieren viel angenehmer iſt. 3. Miſchfutter von Klee und Gras iſt auch viel beſſer ge⸗ eignet zur Heubereitung als Klee allein. Der hohe Ertrag der Kunſtwieſen iſt hauptſächlich begründet in dem guten Nachwuchs, welcher ebenſo ergiebig oder faſt ebenſo groß iſt wie der erſte Schnitt. Dann beſteht die Wieſe faſt aus⸗ ſchließlich nur aus guten, edlen und ſchweren Futterpflanzen. Das Gewicht des Kunſtfutters iſt deshalb bei richtiger Auswahl der Arten ſehr groß, weshalb der Ernteertrag im allgemeinen größer iſt als man nach dem bloßen Augenſchein im Vergleich mit den Natur⸗ wieſen urteilt. 70 Sechſtes Kapitel. Die Grasmiſchungen. Die Kunſtwieſen erfordern freilich auch viel Dünger, wenn man die angegebenen hohen Erträge erzielen will. Die Stickſtoff⸗ aſſimilation der Kleearten genügt für den Stickſtoffbedarf der Gräſer nicht. Wer da meint, man habe nur nötig, auf mageres Land irgend eine gute Grasmiſchung auszuſäen, um den größten Ertrag zu er⸗ zielen, der iſt im Irrtum. Wenn man viel ernten will, ſo muß man auch viel düngen. Aber! Wenn wir viel Futter haben, ſo haben wir auch viel Dünger: „Viel Dünger, viel Futter, viel Vieh, viel Milch, viel Geld!“ Namentlich wenn wir neben dem Rauhfutter auch die Kraft⸗ futtermittel(Schlempe, Biertreber, Kleie, Olkuchen) in rationeller Weiſe anwenden, ſo ſind wir imſtande den Kraftzuſtand eines Gutes bedeutend zu ſteigern, denn der größte Teil der im Futter enthaltenen Pflanzennährſtoffe kommt im Dünger wieder zum Vor⸗ ſchein und kommt alſo dem Boden zu gut. Nur ein relativ kleiner Prozentſatz wird in Milch und tieriſche Subſtanz verwandelt. Folgende Prozentſätze der im Futter enthaltenen Pflanzennährſtoffe werden im Dünger wieder ausgeſchieden: Stickſtoff Phosphorſäure Kali Bei Milchvieh.. 81% 72 7 95%. Bei Jungvieh.. 83„ 68, 96„ Bei der Maſt alter Tiere 94 98 98 Beiſpielsweiſe enthalten 100 kg Seſamkuchen 5 9 kg Stickſtoff, 3,3 kg Phosphorſäure und 1,5 kg Kali. Nach obigen Zahlen berechnet finden ſich davon im Dünger wieder: 4,2 kg Stickſtoff, 2,3 kg Phosphorſäure und 1,4 kg Kali. Wertet man das Kilogramm Stickſtoff nur zu 90 Pfg., das Kilogramm Phosphorſäure zu 20 Pfg. und das Kilogramm Kali zu 30 Pfg., ſo ſtellt ſich die Rechnung wie folgt: Gehalt im Futter Davon im Dünger Wert Stickſtoff. 5,9 kg 4,2 kg à Pfg. 90= Mk. 3,78 Phognhorſäure 3,3* 2,3 11 à* 20= 1 0,46 Kali. 1,5„ 1,4„ à„ 30=„ 0,42 zuſammen Mk. 4,66. Von jedem Doppelzentner Seſamkuchen, der gefüttert wird, kommt alſo, niedrig veranſchlagt, im Dünger ein Wert von rund 4 ½ Mark zum Vorſchein. Jedermann kann die Rechnung auf beliebige andere Futter⸗ mittel ausdehnen. Das Kraftfutter hat ſich bei rationeller Fütterung ſchon bezahlt gemacht durch den Mehrertrag an Milch oder Fleiſch, ſo daß man den Düngerwert umſonſt hat. Darum iſt der Stall, -2= ͤ ——— 92 Einteilung der Grasmiſchungen. 71 der eigene Stall,„die billigſte Düngerfabrik“. Der Stall iſt aber eine einſeitige Düngerfabrik. Der Hauptwert dieſes Düngers liegt in ſeinem Stickſtoffgehalt, während der Wert der Phosphorſäure und des Kalis geringer iſt.(Bei den Rauhfutter⸗ mitteln iſt der Phosphorſäuregehalt geringer als der Gehalt an Kali.) Aus dieſem Grunde iſt bei rationeller Bewirtſchaftung ein Zukauf von Phosphorſäuredünger, eventuell von Kali, dennoch angezeigt, während ein Zukauf von Stickſtoff, der im Handel zugleich am teuerſten iſt, bei rationeller Viehwirtſchaft in der Regel nicht nötig und ſehr häufig Verſchwendung iſt. Aus dieſer Betrachtung geht hervor, daß bei rationellem Futterbau und rationeller Viehwirtſchaft auch viel Dünger vorhanden iſt, ſo daß man den Boden reichlich düngen kann. Gute Wieſenanlagen bezahlen den Dünger aber auch, während Wieſen, wo das Unkraut und die minderwertigen Pflanzen über⸗ wiegen, den Dünger ſchlecht verwerten. Zur Erzielung des größten Futterertrages gehört ferner eine richtig zuſammengeſtellte, dem Boden und dem Nutzungszweck entſprechende Miſchung. Unter der Bezeichnung„Grasmiſchung“ im weiteſten Sinne des Wortes verſteht man eine Miſchung von grasartigen und kraut⸗ artigen Pflanzen. Die Grasmiſchungen, die man auf dem Felde kultiviert, können in drei Hauptkategorien unterſchieden werden: 1. Die Kleegrasmiſchungen. 2. Die Miſchungen für Wechſelwieſen. 3. Die Miſchungen für Dauerwieſen. Beim Kleegras überwiegt der Klee und das Gras tritt zu⸗ rück, bei den Wechſel⸗ und Dauerwieſen überwiegt dagegen in der Regel das Gras. Dieſe könnten deshalb, im Gegenſatz zum Kleegras, als„Graskleemiſchungen“ bezeichnet werden. Deshalb wird das Wort„Gras“ vorangeſtellt, während beim Kleegras die Bezeichnung„Klee“ vorgeſetzt iſt. 8 Für den Betrieb des Kunſtfutterbaues haben das Kleegras und die Wechſelwieſe viel größere Bedeutung als die Dauerwieſe, da bei jeder Wieſenanlage der Ertrag nach einer gewiſſen Reihe von Jahren abnimmt, weil ſich immer mehr Unkräuter und minder⸗ wertige Pflanzen einſtellen, der Boden feſt und der Untergrund er⸗ 72 Sechſtes Kapitel. Die Grasmiſchungen. ſchöpft wird. Man wird deshalb nur da eine Dauerwieſe anlegen, wo man aus irgend einem Grunde das Land nicht umbrechen kann. Für alles beackerungsfähige beſſere Land iſt ein periodiſcher Um⸗ bruch angezeigt. In dieſem Falle ſäet man ein Kleegras oder eine Miſchung für eine Wechſelwieſe. 1. Das Kleegras. Bei den Kleegrasmiſchungen verwendet man als Haupt⸗ beſtandteile Hopfenklee, Rotklee, Baſtardklee, Weißklee, Eſparſette, Luzerne oder gehörnten Schotenklee. Ein Kleegras mit vorzugs⸗ weiſe Hopfenklee iſt nur 1⸗jährig, mit vorwiegend Rotklee 2⸗jährig, mit vorwiegend Baſtard⸗ und Weißklee 2—3⸗jährig, mit Eſparſette 3— 4⸗jährig, mit Luzerne 4—5⸗jährig und nur mit gemeinem Schotenklee länger dauernd. Selbſtverſtändlich müſſen bei den letzteren Arten auch Gräſer von gleicher Lebensdauer mitgeſäet werden; ſo z. B. paſſen italieniſches Raigras und Luzerne nicht zuſammen, weil erſteres nicht ausdauernd iſt. 2. Die Wechſelwieſe. . Vielfach iſt aber ein Kleegras auf einem beſtimmten Boden nicht angezeigt, ſei es, daß der Boden nicht geeignet iſt, oder das Feld kurz vorher Klee oder Kleegras trug, oder die Dauer der Nutzung ſcheint zu gering, oder aus andern Gründen. In dieſem Falle empfiehlt ſich eine Miſchung für eine Wechſelwieſe. Man verwendet hierfür in der Regel 30%, nur wenn man dauerhafte Kleearten(echten Mattenklee, echten gehörnten Schotenklee) hat 40, bis allerhöchſtens 50% Kleearten und für den Reſt Gräſer. Von den Gräſern berückſichtigt man die länger dauernden, ertragreichern Arten, während die Gräſer mit kurzer Nutzungsdauer weggelaſſen werden oder ſtark zurücktreten. Namentlich ſollte man nie mehr als 5%(entſprechend 3,5 kg per Hektar) italieniſches Raigras nehmen. Alle Miſchungen für Wechſelwieſen mit mehr italieniſchem Raigras ſind verfehlt, denn das italieniſche Raigras überwuchert in dieſem Falle in den beiden erſten Jahren die übrigen, langſam ſich entwickelnden Gräſer, und wenn dann im dritten Jahr das Raigras weg iſt, ſo hat man einen lückenhaften Beſtand; infolgedeſſen ſiedelt ſich der Löwenzahn an, der jedes leere Plätzchen ausfüllt. Das 1. Das Kleegras.— 2. Die Wechſelwieſe.— 3. Die Dauerwieſe. 73 iſt mit ein Grund, warum man ſo viele Kunſtwieſen ſieht, die vom dritten Jahr an faſt reine Löwenzahnplantagen ſind. Auch Fromen⸗ tal und engliſches Raigras ſollten höchſtens je 10% benutzt werden und der Hopfenklee iſt in der Regel ganz wegzulaſſen. Umgekehrt paſſen die ſehr langſam ſich entwickelnden Arten nur für ſolche Wechſelwieſenanlagen, die länger genutzt werden. Ge⸗ wöhnlich beträgt die Nutzungsdauer 4—6 Jahre. Nach dieſer Zeit wird das Land umgebrochen, 1, 2, 3 oder mehr Jahre als Ackerland genutzt und hernach wieder zu Wieſe niedergelegt. Ein ſolches Syſtem der Feldbebauung bezeichnet man als Wechſel⸗ wieſen⸗ oder Feldgraswirtſchaft. Es iſt diejenige Betriebs⸗ methode, welche für den beackerungsfähigen Boden in Gegenden mit überwiegender Viehwirtſchaft am beſten paßt. Um eine Abwechs⸗ lung in der Benutzung eintreten zu laſſen, kann man eine Abwechs⸗ lung zwiſchen einem Kleegras und einer Wechſelwieſe auf demſelben Acker bewerkſtelligen, z. B. 5 Jahre Wechſelwieſe, 3 Jahre Acker⸗ land, 2 Jahre Kleegras, 3 Jahre Ackerland u. ſ. f. Wenn nämlich die Ackernutzung kurze Zeit dauert, ſo kann man auf ein Klee⸗ gras nicht wieder ein Kleegras folgen laſſen, weil ſonſt der Boden kleemüde wird, was bei einer Miſchung mit vorwiegend Klee ebenſo gut eintritt als bei reinem Klee. 3. Dauerwieſe. Es gibt aber Fälle, in welchen ein Umbruch der Wieſe inner⸗ halb 4—6 Jahren nicht möglich oder nicht rentabel iſt, oder wo man den Boden aus einem andern Grunde ſtändig als Wieſe nutzen will. In dieſem Falle muß man ſelbſtverſtändlich zur Anlegung der Wieſe dauerhafte Pflanzenarten verwenden, ſonſt verſchwinden nach Zurücklegung ihres Lebenscyklus die eingeſäeten Arten und es macht ſich die natürliche Beraſung geltend. Es ſtellt ſich Löwen⸗ zahn ein, das gemeine Riſpengras überzieht mit ſeinem Filz den Boden, die wilde Möhre macht ſich breit u. ſ. f. In einem ſpäteren Kapitel wird von dieſen Miſchungen noch ausführlicher die Rede ſein. 74 Siebentes Kapitel. Die Berechnung der Grasſamen⸗Miſchungen. Siebentes Kapitel. Die Berechnung der Grasſamen⸗-Mliſchungen. Zur Erzielung des größten Futterertrages gehört eine richtig zuſammengeſetzte Miſchung. Die Auswahl der einzelnen Arten muß nicht nur unter Berückſichtigung des Bodens, ſondern auch des Nutzungszweckes(ob Matte oder Weide, ob Grünfutter oder Dürrfutter, ob für kurze oder lange Nutzungsdauer) geſchehen. Erſt geſtützt hierauf ſind diejenigen Pflanzen auszuwählen, welche den größten Ertrag verſprechen. Da aber die Verhältniſſe, je nach den Gemengeteilen des Bodens, je nach dem Feuchtigkeitsgehalt desſelben, je nach dem Düngungszuſtand, je nach dem Klima, je nach der Höhenlage ꝛc. außerordentlich verſchieden ſind, ſo iſt es unmöglich, in einem Buche ein für allemal gültige Rezepte auf⸗ zuſtellen, ſelbſt wenn man deren viele Dutzende aufführen würde. Faſt bei jeder Gelegenheit würde man in der Praxis auf Fälle ſtoßen, für welche unter den vielen keine paſſende Miſchung vor⸗ handen wäre. Aus dieſem Grunde können in einem Buche nur Beiſpiele aufgeführt werden, die der Landwirt ſeinen Verhältniſſen entſprechend abändern muß. Das Richtigſte allein iſt, wenn der Praktiker ſich die für ſeinen Boden paſſenden Miſchungen ſelbſt zuſammenſtellt, wobei er allen Faktoren Rechnung tragen kann. Denn nur der, welcher ſeinen Boden ſelbſt bebaut und ſeit Jahren kennt, iſt in der Lage, denſelben vollkommen zu beurteilen und eine wirklich paſſende Miſchung auszuwählen. Zur richtigen Auswahl der Arten gehört zwar auch eine ge⸗ naue und allſeitige Pflanzenkenntnis, die ſich der Landwirt aus der Literatur und durch praktiſche Erfahrungen verſchaffen muß. Geſtützt hierauf müſſen die paſſenden Samenmiſchungen be⸗ rechnet werden, wobei gewiſſe Grundſätze zur Anwendung kommen. Eine richtige Samenmiſchung läßt ſich nicht einfach wie ein Koch⸗ rezept in Kilo und Pfunden aus dem Ärmel ſchreiben, trotzdem ſich noch heute viele dieſe Fähigkeit anmaßen, ſondern hierzu gehören gewiſſe Vorbereitungen und Berechnungen. Wie berechnet man eine Grasſamenmiſchung? 75 Wie berechnet man eine Grasſamenmiſchung? Wir haben ſchon vor zwanzig Jahren hierfür gewiſſe Regeln aufgeſtellt, welche in der Literatur Eingang gefunden haben. Der Ausgangspunkt unſerer Berechnungsmethode iſt analog der zuerſt von Vianne(Prairies et plantes fourragères par Ed. Vianne, Paris 1870) angewandten Methode. Zuerſt muß entſchieden werden, ob ein Kleegras, eine Wechſel⸗ wieſe oder eine Dauerwieſe am Platze iſt, was auf Grund der im vorhergehenden und im folgenden Kapitel gemachten Erörterungen nicht ſchwer iſt zu entſcheiden. In zweiter Linie muß man diejenigen Pflanzenarten auswählen, die in Rückſicht auf den Boden, die Nutzungsdauer und die Nutzungsart den beſten Ertrag verſprechen. Darüber wird in einem Abſchnitt(Kapitel 11) Anleitung gegeben. Drittens muß man von jeder Art die Quantität des zu verwendenden Samens beſtimmen— und das iſt es, womit wir uns hier befaſſen wollen! Angenommen, man wolle eine Miſchung von Rotklee, Baſtard⸗ klee und Timothegras zuſammenſtellen. Vom Rotklee ſäet man bei Einzelſaat 23 kg, vom Baſtardklee 14 kg und vom Timothe 19 kg per Hektar. Wenn man nun eine Miſchung macht von allen drei Arten, ſo nimmt man nicht von jeder einzelnen Art dieſes Quantum, ſondern nur einen relativen Teil, weil ſonſt der Stand zu dicht würde und die Pflanzen wegen Mangel an Licht und Luft ausfaulen würden. Wenn man alle drei Arten im gleichen Verhältnis(alſo zu ⅓) vertreten laſſen will, ſo nimmt man ⅛ von 23 kg= 7,7 kg Rotklee, dazu 4,7 kg Baſtardklee und 6,3 kg Timothe. In dieſem Fall iſt alſo in der Miſchung jede Art zu 33 G% der Einzelſaat vorhanden. Will man alſo das Quantum jeder einzelnen Art einer Miſchung berechnen, ſo muß man vorerſt wiſſen, wie viel man von den Arten verwendet, wenn man ſie einzeln ſäet; dann wird von jeder Pflanze der Prozent⸗ ſatz beſtimmt, in welchem ſie in der Samenmiſchung ver⸗ reten ſein ſoll. In der Regel nimmt man nicht von allen Arten das gleiche Verhältnis an. Die Saatmengen aller Arten zuſammen ſollen eine Vollſaat(100%) geben. 76 Siebentes Kapitel. Die Berechnung der Grasſamen⸗Miſchungen. In Miſchungen muß aber erfahrungsgemäß im allgemeinen dichter geſäet werden als bei Einzelſaat, um ſo dichter, je größer die Zahl der verwendeten Arten iſt und um ſo verſchiedenartiger dieſelben ſind. Bei einer Miſchung von zwei Arten iſt eine dichtere Saat kaum nötig, bei 3—6 Arten muß aber etwa 25% und bei einer noch größeren Artenzahl etwa 50% dichter geſäet werden. Bei Miſchungen von vorwiegend langſam ſich ent⸗ wickelnden dauerhaften Arten nimmt man außerdem noch 25% mehr, bei Dauerwieſen alſo 75% Zuſchlag, bei Kleegras mit gemeinem Schotenklee 50— 75% Zuſchlag. Auf ganz ſchwerem, ganz leichtem, auf magerem, trockenem oder naſſem Land muß man dichter ſäen als unter günſtigen Bodenverhälniſſen. Auf ſchlecht zubereitetem, ungünſtig gelegenem Land und unter ungünſtigen klimatiſchen und Witterungsverhält⸗ niſſen ſäet man mehr als da, wo dieſe Bedingungen günſtige ſind. In der folgenden Tabelle findet ſich für alle wichtigeren Futterpflanzen, welche in Betracht fallen, das Saatquantum angegeben, in der erſten Zahlenkolonne(Kol. 3) das Quantum der Voll⸗ oder Einzelſaat, in den folgenden die Quantitäten mit 25, 50, 75 und 100% Zuſchlag, d. h. 1 5¼ 2, 1 ½⸗, 1 ¾-⸗ und 2 fache Vollſaat. Das angenommene Quantum ſtützt ſich auf zahlreiche Angaben in der Literatur, ſowie auf eigene Beobachtungen. Hierbei ſind nur ſolche Arten aufgenommen, deren Samen im Handel erhältlich ſind. Saatquantum pro Hektar bei Einzelſaat in Kilogramm. Tabelle I. 3 Samenqualität Mit Mit Mit Mit = 25% 50% 75% 100% †£f 2&☛. Nr. Samenart 5 V 55 5 5 Zuſchla Zuſchlag 06 ſ0 V 78 1 2. 3. 4. 5. 6. 7 s. 9. 10. 1 Rotklee..... 23 28,8 34,5 40,3 46,0 98 90 88 2 Weißklee...... 14 17,5 21,0 24,5 28,0 96 80 77 3 Baſtardklee..... 14 17,5 21,0 24,5 28,0 97 80 78 4 Luzerne...... 31 38,8 46,5 54,3 62,0 98 90 88 5 Hopfenklee..... 23 28,8 34,5 40,3 46,0 97 80 78 SeDranch) wert Wie berechnet man eine Grasſamenmiſchung? 77 Samenqualität Mit Mit Mit Mit 7 [25% 50% 75% 100%£Æ☛ ½ Nr. Samenart V 5535 — kSZ& S 5 ⁵⁸☛ S uſchla 8 Buſ hl 22— 1. 2. 3.. 5. 6. 7 8. 9. 10. 6] Eſparſette...... 194/242,5 291,0 339,5 388,0 98 80 78 7 Wundklecwe. 23 28,8 34,5 40,3 46,0] 90 85 77 8 Gemeiner Schotenklee 23] 28,8 34,5 40,3 46,0 90 60 54 9 Sumpfſchotenklee... 14] 17,5 21,0 24,5 28,0 90 70 63 10 Fadenkle... 20 25,0 30,0 35,0 40,0 90 70 63 11 Großer Goldklee. 20] 25,0 30,0 35,0 40,0 90 70 63 12 Engliſches Raigras. 50] 62,5 75,0 87,5 100,0 96 80 76 13 Italieniſches Raigras⸗· 48 60,0 72,0 84,0 96,0 95 80 76 14 Fromental..... 60 75,0 90,0 105,0 120,0 70 70 49 15 Goldhafer..... 20 25,0 30,0 35,0 40,0 70 50 35 16 Wieſenſchwingel. 47 58,8 70,5 82,3 94,0] 90 85 77 17 Rohrſchwingel.... 47 58,8 70,5 82,3 94,0 90 85 77 18 Roter Schwingel⸗ 36 45,0 54,0 63,0 72,0 80 60 48 19 Schafſchwingel⸗. 33] 41,3 49,5 57,8 66,0 85 70 60 20 Verſchiedenbl. Schwingel 39 48,8 58,5 68,3 78,0 80 50 40 21 Knaulgras.. 40 50,0 60,0 70,0 80,0 76 75 57 22 Timothe. 19 23,8 28,5 33,3 38,0/ 98 90 88 23 Wolliges Honiggras 23 28,8 34,5 40,3 46,0] 70 50 35 24 Wieſenfuchsſchwanz. 25 31,3 37,5 43,8 50,0 80 70 56 25 Kammgras.. 28 35,0 42,0 49,0 56,0 93 75 70 26 Wieſenriſpengras. 23 28,8 34,5 40,3 46,0 85 50 43 27 Gemeines Riſpengras⸗· 23 28,8 34,5 40,3 46,0 85 70 60 28 Hainriſpengras. 34 42,5 51,0 59,5 68,0 80 70 56 29 Platthalm⸗Riſpengras 30 37,5 45,0 52,5 60,0 90 80 72 30 Fruchtbares Riſpengras 20] 25,0 30,0 35,0 40,0 80 70 56 31 Fioringras.. 17 21,3 25,5 29,8 34,0 85 85 72 32 Geruchgras.. 33 41,3 49,5 57,8 66,0 90 40 36 33 Rohrglanzgras.. 25] 31,3 37,5 43,8 50,0 90 70 63 34 Aufrechte Treſpe 61] 76,3 91,5 106,8 122,0 80 60 48 35 Wehrloſe Treſpe. 55 68,8 82,5 96,3 110,0 80 85 68 36 Gefiederte Zwenke. 70 87,5 105,0 122,5 140,0 70 40 28 37 Flutendes Süßgras- 50] 62,5 75,0 87,5 100,0 95 80 76 38 Rieſenſüßgras 50 62,5 75,0 87,5 100,0 50 50 25 39 Mittleres Zittergras 30 37,5 45,0 52,5 60,0 80 30 24 40 Raſenſchmiele 40 50,0 60,0 70,0 80,0 80 50 40 41 Streuriedgras 60 75,0 90,0 105,0 120,0 80 40 32 42 Gemeine Schafgarbe· 12] 15,0 18,0 21,0 24,0 90 65 59 43 Wieſenflockenblume 10] 12,5 15,0 17,5 20,0 90 50 45 44 Becherblume.... 42 52,5 63,0 73,5 84,0 70 90 63 45 Kümmel...... 23] 28,8 34,5 40,3 46,0] 98 70 69 78 Siebentes Kapitel. Die Berechnung der Grasſamen⸗Miſchungen. Ein Beiſpiel ſoll die Anwendung der Tabelle erläutern. Es ſoll eine Miſchung von 20% Rotklee, 13% Baſtardklee, 7% Fromental, 5% italieniſchem und 10% engliſchem Raigras, 10% Timothe, 15% Knaul⸗ gras, 10% Wieſenſchwingel und 10% Goldhafer zuſammengeſtellt werden. Die Berechnung für 1 ha geſchieht dann wie folgt: Saatquantum *& per Hektar bei.. 4 ben Peun mit Alſo ſind notwendig Nr Samenart 5 50% Zuſchlag per Hektar 8 P(ſiehe Tabelle I, Spalte 5) kg kg 1 Rotklee..... 20 34,5(34,5: 100)= 20= 6,9 2 Baſtardklee 13 21,0(21100)* 13= 2,7 3 Fromental.. 7 90,0(90: 100) 7 ⸗ 6,3 4 Italieniſches Raigras 5 72,0(72: 100)* 5— 3,6 5 Engliſches Raigras· 10 75,0(75: 100) 10= 7,5 6 Timothe... 10 28,5(28,5: 100)= 10= 2,9 7(Knaulgras 15 60,0(60: 100)* 15= 9,0 8 Wieſenſchwingel 10 70,5(70,5: 100) 10= 7,1 9 Goldhafer.. 10 45,0(45:100)= 10= 4,5 Vollſaat 100 100= 50,5 kg Hierbei iſt überall vorausgeſetzt, daß die Samen von gut durchſchnittlicher Qualität ſind, d. h. ungefähr die in der Tabelle in Spalte 8 und 9 angegebene durchſchnittliche Reinheit und Keim⸗ fähigkeit und den daraus berechneten Gebrauchswert(Spalte 10) beſitzen. Iſt die Ware geringer als dort angegeben ſteht, ſo muß ein größeres Qnantum genommen werden. Hat das italieniſche Rai⸗ gras z. B. nur 50% Gebrauchswert(ſtatt 76%), ſo nimmt man mehr als 3,6 kg, hat es aber 90%, ſo nimmt man entſprechend weniger. Ähnlich bei den übrigen Samen. Berechnung der Miſchungen nach Kiloprozenten. Am zuverläſſigſten iſt die Berechung, wenn ſie nach„Kilo⸗ prozenten“ geſchieht, d. h. wenn man beim Saatquantum zugleich auch den Gebrauchswert berückſichtigt. Bevor jedoch auf dieſe Be⸗ rechnung eingetreten werden kann, müſſen einige Begriffe über die prozentiſche Qualitätsbeurteilung des Samens erörtert werden. ———- r——-— GC Berechnung der Miſchungen nach Kiloprozenten. 79 Die Qualität des Samens derſelben Art, Varietät oder Kulturform wird im allgemeinen beurteilt nach der Reinheit, der Keimfähigkeit, der Grobkörnigkeit und dem Volumgewicht. Je größer die Reinheit, die Keimfähigkeit und das Volumgewicht ſind, und je grobkörniger der Same iſt, um ſo wertvoller iſt derſelbe. Unter „Reinheit“ verſteht man den Prozentſatz der in einer Ware ent⸗ haltenen echten Samen nach dem Gewicht; unter„Keimfähigkeit“ den Prozentſatz der keimfähigen echten Samen nach der Zahl. Wenn man alſo ſagt, eine Ware habe 90% Reinheit und 90% Keim⸗ fähigkeit, ſo will das heißen, daß in der Ware 90 Gevichtsprozente „reine“ Samen(und alſo 10% fremde Beſtandteile, Spreu ec.) enthalten ſeien, und daß von je 100 Samen dieſer 90 Gewichts⸗ prozente 80 Stück keimfähig ſind. In der Regel haben in der Ware nur die reinen und keimfähigen Samen einen Wert, ſeltener enthalten auch noch die Beimengungen brauchbare Samen. Eine Ware mit 90% Reinheit und 80% Keimfähigkeit hat 72% reine und keimfähige Samen, die übrigen 28% ſind fremde Beſtandteile (10%) und reine, nicht keimfähige Samen(18%). Denn wenn von den 90% reinen Samen nur 1% keimen würde, ſo enthielte die betreffende Ware 90: 100= 0,9% reine und keimfähige Samen; da nun aber 80% keimen, ſo beträgt der Gehalt der reinen und keimfähigen Samen(90: 100 ℳ 80= 72% oder was auf dasſelbe 90 80 herauskommt 16005 mit der Keimfähigkeit multipliziert und das Reſultat mit 100 dividiert, ſo erhält man den Prozentſatz der reinen und keimfähigen Samen in der Ware, eine Zahl, die man nach dem Vorſchlage von Nobbe als„Gebrauchswert“ bezeichnet. Schlechtweg bezeichnen wir eine Ware mit 72% Gebrauchswert als 72 prozentig. So ſprechen wir von 10⸗, 20⸗, 30⸗bis 100 prozentiger Ware. Eine 100 prozentige Ware iſt frei von fremden Beſtandteilen (100% Reinheit), enthält alſo lauter reine Samen, und von dieſen reinen Samen keimen alle(100% Keimfähigkeit). Unter den Futter⸗ ſämereien kommen 100 prozentige Saaten nicht vor, denn ſelbſt die vorzüglichſten Qualitäten enthalten immer noch fremde Beſtandteile, wie Erde, Bruch ꝛc., und von den reinen Samen keimen ſelten alle. Wenn ein Saatgut eine Reinheit und eine Keimfähigkeit hat, wie in = 72%; wenn man alſo die Reinheit 80 Siebentes Kapitel. Die Berechnung der Grasſamen⸗Miſchungen, Spalte 8 und 9 der Tabelle I(Seite 76 ff.) angegeben iſt, ſo kann ſie nach unſeren Unterſuchungen und Vergleichungen als eine gute Durchſchnittsqualität bezeichnet werden. Man kann auch ſagen: 100 kg einer 72 prozentigen Ware enthalten 72 kg reine und keimfähige Ware. Man kann die Quantität einer Saatware mit der pro⸗ zentiſchen Qualität der Reinheit und Keimfähigkeit auch in einer einzigen Zahl, den Kiloprozenten, zum Ausdruck bringen, wo⸗ durch es in einfachſter Weiſe ermöglicht wird, das Saatquantum genau zu beſtimmen. Die Kiloprozente(kg%) berechnet man, in⸗ dem man den Gebrauchswert einer Ware mit dem Kilo⸗ gewicht multipliziert. Unter einem Kiloprozent verſtehen wir ein Kilogramm einer 1 prozentigen Ware(oder 1⁄100% kg= 10 g reine und keimfähige Samen oder 1% eines Kilogramms reiner und keimfähiger Samen). 100 Kiloprozente entſprechen alſo einem Kilogramm reiner, keimfähiger Samen. 1 kg einer 1 prozentigen Ware enthält 1 Kiloprozent, 4 kg einer 2 prozentigen Ware ſind 8 Kiloprozente, 4 kg einer 72 prozentigen 288 Kiloprozente. Ein Sack 80 prozentiger Eſparſette von 50 kg Gewicht enthält(50% 80=) 4000 Kiloprozente; ein Sack von ebenfalls 50 kg bei 50 pro⸗ zentigem Samen aber nur 2500 Kiloprozente. In nachfolgender Tabelle II iſt das Saatquantum bei den hauptſächlichſten bei Entwerfung von Miſchungen in Betracht fallen⸗ den Arten in Kiloprozenten bei Normalſaat und mit 25, 50, 75 und 100% Zuſchlag angegeben. Saatquantum bei Einzelſaatper Hektar in Kiloprozenten(kg%¼). Tabelle II. .2 Mit Mit Mit Mit Nr. Samenart 5 25% 50% 750% 100% Zuſchlag 1. 2. 3. 4. V 5. 6. 7. 1 Rotklee...... 2024 2530 3036 3542 4048 2 Weißkle.. 1078] 1348 1617 1887 2156 3 Baſtardklee.. 1092 1365 1638 1911 2184 4 Luzerne......... 2728 3410 4092 4774 5456 5 Hopfenklee...... 1794] 2243 2692 3141 3590 6 Eſparſette.... 17072 21340 25608 29876 34144 en. ann gute Pare t pu⸗ einer ·NI, wo⸗ uanten an, ir diln⸗ en wir 10 G viiner denen enliyen ne ſid 2. E (G= 50 p⸗ bei der fälln Ä, 5 Berechnung der Miſchungen nach Kiloprozenten. 81 (Fortſetzung von Tabelle II. Mit Mit Mit Mit Nr. Samenart S 25 7 50 0 135 /9. 1000% 2 Zuſchlag 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 7 Wundkley.... 1707 2134 2561 2988 3414 8] Gemeiner Schotenklee 1242 1553 1863 2174 2484 9 Sumpfſchotenkle... 882 1103 1324 1545 1766 10 Fadenkle... 1260] 1575 1890 2205 2520 11 Großer Goldklee... 1260 1575 1890 2205 2520 12 Engliſch Raigras... 3850 4813 5775 6738 7700 13 Italieniſch Raigras 3648 4560 5472 6384 7296 14 Fromenttl.. 2940 3675 4410 5145 5880 15 Goldhafer.. 700 875 1050 1225 1400 16 Wieſenſchwingel.. 3619 4524 5429 6334 7238 17 Rohrſchwingel..... 3619 4524 5429 6334 7238 18] Roter Schwinge.. 1728 2160 2592 3024 3456 19 Schafſchwinge.. 1980 2475 2970 3465 3960 20 Verſchiedenblättr. Schwingel · 1560 1950 2340 2730 3120 21 Knaulgrass.. 2280 2850 3420 3990 4560 22 Timothe.... 1672 2090 2508 2926 3344 23 Wolliges Honiggras... 805 1006 1208 1409 1610 24 Wieſenfuchsſchwanz... 1400 1750 2¹00 2450 2800 25 Kammgras... 1960 2450 2940 3430 3920 26 Wieſenriſpengras.. 989 1236 1484 1731 1978 27 Gemeines Riſpengras 1380] 1725 2070 2415 2760 28 Hainriſpengres.. 1704 2130 2556 2982 3408 29 Platthalm⸗Riſpengras 2160] 2700 3240 3780 4320 30 Fruchtbares Riſpengras- 1120 1400 1680 1960 2240 31 Fioringres.. 1224 1530 1836 2142 2448 32 Geruchgras... 1224 1530 1836 2142 2448 33 Rohrglanzgras.. 1575 1969 2363 2756 3150 34] Aufrechte Treſſpe.. 2928 3660 4392 5124 5856 35 Wehrloſe Treſpe.. 3740 4675 5610 6545 7480 36 Gefiederte Zwenke.. 1960 2450 2940 3430 3920 37 Flutendes Süßgras.. 3800 4750 5700 6650 7600 38 Rieſenſüßgras.... 1250 1562 1874 2186 2498 39 Mittleres Zittergras.. 720 900 1080 1260 1440 40 Raſenſchmilel.. 1600 2000 2400 2800 3200 41 Streuriedgras.. 1920 2400 2880 3360 3840 42 Gemeine Schafgarbre 708 885 1062 1239 1416 43 Wieſenflockenblume.. 450 562 674 786 898 44 Becherblute:.. 2646 3307 3968 4629 5290 45 Kümmel.. 1587 1984 2381 2778 3175 Stebler. 5. Auflage. 6 82 Siebentes Kapitel. Die Berechnung der Grasſamen⸗Miſchungen. Auch hier möge zur Erläuterung ein Beiſpiel der Berechnung einer Miſchung nach Kiloprozenten Platz finden. Alſo ſind per Hektar erforderlich: Volles 1 3 X 2 Saat⸗ 88 855 1quantum 88S 588 8 = per Hektar 5 5 8 ☛ 5 2 3ι Nr. Samenart 3 mit 50% 8 ☚ 2 kg 53 2 hr 8 Zuſchlag in 3 3. 5—— Riilo- E B2s 83 prozenten S8 238 %% 1 Rotklee 40 3036 1214 80 15,2 70 17,3 2 Baſtardklee. 30 1533 460 90 5,1 85 5,4 .3 Fromental 10% 4410 441 60 74 35 12,6 4 Timothe 10 2508 251 80 3,1 70 3,6 5 Knaulgras. 10 3420 342 70 4,6 30 ſ11,4 Zuſammen 100 2708 35,4 50,3 Bei Umrechnung der Kiloprozente in Kilogramm muß natür⸗ lich bei jeder Art die Qualität der zur Verfügung ſtehenden Ware zu Grunde gelegt werden. Angenommen, dieſe enthalte z. B. beim Rotklee 85% reine und keimfähige Samen(Gebrauchswert), ſo ſind 1214: 85= 14,3 kg erforderlich, denn 1 kg hat 85 Kilo⸗ prozente; ſo oft alſo 85 in 1214 enthalten ſind, ſo oft iſt ein Kilo⸗ gramm nötig.. Wenn die zur Verfügung ſtehende Ware dagegen nur 80% Gebrauchswert hat, ſo ſind 15,2 kg erforderlich. Beim Knaulgras ſind von einer Ware mit 57% Gebrauchswert 6,0 kg nötig, von einer Ware mit 30% Gebrauchswert dagegen 11,4 kg, von einer Ware mit 80% Gebrauchswert 4,3 kg. Wenn man von der zweiten Ware nur 6 kg nehmen würde, ſo enthielten dieſelben nur 180 Kiloprozente, und ſtatt der gewünſchten 10% der Vollſaat hätte man nur 5%. Umgekehrt würde man 14% der Vollſaat erhalten, wenn man von der 80prozentigen Saat 6 kg nehmen würde, alſo eine Differenz von 9%. Dieſe Differenz iſt aber noch viel größer, wenn der Prozentſatz der Art ein höherer iſt, oder wenn die Ware ſehr ſtark von der Durchſchnittsqualität abweicht. Ange⸗ nommen, wir haben eine Eſparſettemiſchung mit 80% Eſparſette, ſo = — b (GebraltchSnerr uulü n War B. bein ech, ſ fil⸗ zin ſil⸗ t nalgre iig, wo on äle von de lben nu Polſſr Volſec nehwen ber löt der venn ä fſtte Berechnung der Miſchungen nach Kiloprozenten. 83 ſind bei 25% Zuſchlag per Hektar 17,072 kg% nötig oder von einer guten Durchſchnittsqualität(77% Gebrauchswert) 222 kg; von einer Ware mit 30% Gebrauchswert aber 569 kg, von einer Ware mit 90% Gebrauchswert dagegen nur 190 kg. Wenn man von der 30 prozentigen Ware nur 222 kg ausſäen würde, ſo wären das nur 31% der Einzel⸗ oder Vollſaat, von der 90 prozentigen Qualität brächte es dagegen 94% der Vollſaat, alſo dreimal mehr; im erſteren Fall wäre die Saat zu dünn und ein Fehlſchlag unausbleiblich, in letzterem dagegen zu dicht, was ebenfalls von Nachteil iſt. Aus dieſem Grunde kann nicht genug darauf aufmerkſam ge⸗ macht werden, bei der Feſtſtellung des Saatquantums die Saatqualität zu berückſichtigen, was am einfachſten bei der Berechnung nach Kiloprozenten geſchieht. Wenn die zur Verfügung ſtehende Ware einen mit dem in der Tabelle I(Seite 76) angegebenen überein⸗ ſtimmenden oder annäherndübereinſtimmenden Gebrauchs⸗ wert beſitzt, ſo berechnet man die Miſchung nach dieſer Tabelle in Kilo. Weicht aber der Prozentſatz merklich ab, ſo iſt der einfachſte und ſicherſte Weg die Berechnung nach Kiloprozenten. Wer die Qualität einer Ware nicht oder nur annähernd kennt, iſt gezwungen, bei der Berechnung die erſte Tabelle zu benutzen. Iſt dagegen der Gebrauchswert bekannt, dann iſt die Sache ja ſehr einfach und erfordert nur eine Diviſion mehr mit einer zweiſtelligen Zahl. Namentlich ſollten an landwirtſchaftlichen Lehranſtalten die Lehrer die Schüler in dieſe Berechnungsmethode einführen. In beſonderen Tabellen am Schluſſe des Buches finden ſich von den wichtigſten Arten die Saatquantitäten für den preußiſchen Morgen(25 a) und die Schweizer Juchart, den badiſchen Morgen (36 a) angegeben. Letztere Angaben paſſen auch annähernd für das bayeriſche Tagwerk(34 a), während der württembergiſche Morgen (31 ½ a) die Mitte hält zwiſchen dem preußiſchen und dem badiſchen. 6 ¾ 84 Achtes Kapitel. Die Kleegrasmiſchungen. Achtes Kapitel. Die Kleegrasmiſchungen. Unter einer Kleegrasmiſchung verſteht man alſo eine Miſchung von Klee und Gras, in welcher der Klee überwiegt; deshalb der Name„Kleegras“ zum Unterſchied von„Grasklee“. Es kommt häufig der Fall vor, daß eine Kleeart, für ſich allein geſäet, nicht oder nicht ſicher gedeiht oder einen geringen Ertrag abwerfen würde; wird dem Klee aber etwas Gras beigemiſcht, ſo iſt der Ertrag in der Regel ſicherer, größer und nachhaltiger. Das Kleegras ſoll den reinen Klee erſetzen und hat vor dieſem gewiſſe Vorteile. Es iſt in allen Fällen am Platze, wo man es nicht wagt, reinen Klee zu ſäen. Wenn der Klee nicht gut kommt, ſo wird der Ausfall ganz oder teilweiſe durch das Gras erſetzt. Das Kleegras verdient wegen des größeren Ertrages vor dem reinen Klee vorzugs⸗ weiſe auf allen graswüchſigen Bodenarten den Vorzug. Bei den Kleegrasmiſchungen kommen von den Kleearten vor allem der Rotklee, der Baſtardklee und die Luzerne in Be⸗ tracht, dann aber auch die Eſparſette, der Hopfenklee, der Weißklee und der gemeine Schotenklee. Von den Gräſern werden das italieniſche und das engliſche Raigras, das Timothe, das Knaulgras und das Fromental in erſter Linie berückſichtigt. Die Auswahl der Grasarten richtet ſich nach den verwendeten Kleearten, d. h. man muß dem Kllee ſolche Gräſer beigeben, die zu demſelben paſſen, d. h. bezüglich Dauer, Entwickelung, Wuchs u. ſ. w. mit dieſem annähernd übereinſtimmen. Bei der Auswahl der Kleeart iſt der Boden und das Klima in erſter Linie maßgebend. Bei der Berechnung des Saatquantums iſt bei den folgenden Kleegrasmiſchungen überall eine Vollſaat mit 25% Zuſchlag zu Grunde gelegt(Spalte 4 in Tabelle I u. II), nur bei Miſchung h ein ſolcher von 50%. I. Kleegras mit Rotklee als Hauptart. Der Rotklee iſt für die Zuſammenſtellung von Kleegras die wichtigſte Art. ſchung pb der kommt „richt wetfen iſt de da gewiſe twagt fird de leeguns orzuge⸗ 9 ten vor in ⸗ ee, de werden nothe, fichin. ch den ſolhe Dauer timwen. 3 Klnnd jantune ant ni 1. gras de I. Kleegras mit Rotklee als Hauptart. 8⁵ a) Kleegras für guten mittelſchweren Boden. (Nutzungsdauer 1—2 Jahre.) Prozent der Saatquantum Per Hektar Einzelſaat kg kg% 1. Notklee.... 90 25,9 2277 2. Italieniſch Raigras.. 10 6,0 456 Zuſammen 100 31,9 2733 Mehr als 10%(= 6 kg per Hektar) italieniſches Raigras zu verwenden, iſt in den meiſten Fällen nicht zu empfehlen, da der Ertrag ſonſt niedriger wird. Als Beleg dafür mögen die vom ſchweizeriſchen landwirtſchaftlichen Verein in den Jahren 1884 bis 1885 veranſtalteten Futterbauverſuche dienen; bei denſelben hat ſich bei zweijähriger Nutzung die Miſchung mit 10% italieniſchem Raigras und 90% Rotklee in 8 Fällen(von 11) als die ertragreichere erwieſen und nur in drei Fällen die Miſchung mit 35% italieniſchem Raigras und 65% Rotklee(vergl. Schweiz. landw. Zeitſchrift 1886, Seite 229). Die erſtere war alſo in den meiſten Fällen die beſſere. Da zudem bei Verwendung eines großen Prozentſatzes von italieniſchem Raigras die Qualität des Futters geringer iſt und das nachfolgende Getreide ſchlechter gedeiht, ſo iſt von der Ver⸗ wendung einer größeren Menge italieniſchen Raigraſes für gewöhn⸗ liche Verhältniſſe abzuraten. Nur auf ganz leichtem Boden, auf welchem der Rotklee nicht mehr gut fortkommt, nimmt man 20— 35% italieniſches Raigras. Ebenſo verwerflich iſt es, dem Rotklee auf kleefähigem Boden Hopfenklee zuzuſetzen, weil dieſer nur einen Schnitt gewährt. b) Kleegras für ſchweren guten Boden. (Nutzungsdauer 2—3 Jahre.) Prozent der Saatquantum Per Hektar Einzelſaat kg kg% 1. Notklee....... 85 24,5 2151 2. Timothe...... 15 3,6 314 Zuſammen 100 28,1 2465 Zeeb(Futterbau, 3. Aufl.) empfiehlt per Hektar= 16 kg Rotklee und 12 kg Timothe(1!). Für gewöhnliche Fälle liefert die von uns aufgeſtellte Miſchung größeren Ertrag, beſſeres Futter und die Nachfrucht gedeiht beſſer. 86 Achtes Kapitel. Die Kleegrasmiſchungen. c) Kleegras für mittelſchweren bis ſchweren guten Boden. (Nutzungsdauer 2—3 Jahre.) Saatquantum 2 ftar Prozent der Per Hekta Einzelſaat kg V kg% 1. Notklee...... 85 24,5 2151 2. Timothe...... 10 2,4 209 3. Italieniſch Raigras.. 5 3,0 228 Zuſammen 100 29,9 2588 Es iſt dies eine Kombination von Miſchung a und b; ſie iſt für jene Fälle angezeigt, wo man im Zweifel iſt, ob die eine oder die andere den Vorzug verdient. Zeeb empfiehlt(a. a. O.) eine Miſchung von 12 kg Rotklee und 8 kg engliſchem Raigras per Hektar. Das engliſche Raigras hat jedoch geringen Nachwuchs, abgeſehen davon, daß ein ſo hoher Raigraszuſatz aus an⸗ gegebenen Gründen viel zu hoch iſt. Werner(Handbuch des Futterbaues, 2. Aufl., Berlin 1889) empfiehlt für fruchtbaren, ſandigen Lehmboden und lehmigen Sandboden für 1 Jahr Mäheklee, 1 Jahr Kuhweide und 1 Jahr Schafweide: 9 kg Rotklee, 9 kg Hopfenklee, 13,5 kg engliſches Raigras, 7,5 kg italieniſches Rai⸗ gras, 3 kg Timothegras und 6,8 kg härtlichen Schwingel. II. Kleegras mit Baſtardklee als Hauptart. Auf naßkaltem, aber ſonſt gutem Boden und in hohen Lagen gedeiht der rote Klee nicht mehr ſicher. Hier iſt es der Baſtard⸗ klee, welcher ſeine Stelle auszufüllen geeignet iſt; man geſellt ihm am beſten Timothegras bei. Eine ſolche Miſchung zeigt das folgende Beiſpiel. d) Kleegras für naßkalten guten Boden und hohe Lagen. (Nutzungsdauer 2—3 Jahre.) Saatquantum I Hektar Prozent der Per Herta Einzelſaat kg V kg% 1. Baſtardklerer.. 75 13,1 1024 2. Timothe... 25 6,0 523 Zuſammen 100 19,1 1547 Iſt der Boden ganz ſchwer, ſo kann man mit dem Timothe⸗ gras bis auf 40% anſteigen und dementſprechend etwas Baſtard⸗ klee weglaſſen. äl 09 2 88 „ſie i ne odet und Sk geringe aus an⸗ empfethl r1Jähr Rotlle, hes R⸗ en Layer zaſtard⸗ gell in folgene III. Kleegras mit Rotklee und Baſtardklee als Hauptarten. 87 III. Kleegras mit Rotklee und Baſtardklee als Hauptarten. Sind die Verhältniſſe für den Rotklee etwas günſtiger, ſo kann man neben dem Baſtardklee noch den Rotklee berückſichtigen, ſo daß man dann eine Miſchung von zwei Kleearten und einer Grasart hat. Ein Beiſpiel dieſer Art iſt folgendes: e) Für ſchweren kalten Boden und höhere Lagen. (Nutzungsdauer 2—3 Jahre.) Saatquantum kt Prozent der Per Hettar Einzelſaat kg V kg% 1. Rotklee..... 45 13,0 1139 2. Baſtardklee..... 40 7,0 546 3. Timothe... 15 3,6 314 Zuſammen 100 23,6 1999 Zeeb gibt folgende Miſchung an: 8 kg Rotklee, 8 kg Baſtardklee und 16(1!) kg Timothe. Werner(a. a. O.) empfiehlt: a) Für kalten, zähen, undurchlaſſenden Tonboden: 7,5 kg Rotklee, 8 kg Baſtardklee und 3,5 kg Timothe per Hektar. b) Für reichen Aue⸗, Lehm⸗ und Tonboden für 1—2 Jahre Mäheklee, darauf Weide: 18 kg Rotklee, 3 kg Baſtardklee, 9 kg engliſches Raigras, 3,8 kg italieniſches Raigras und 2% Timothegras. c) Für kräftigen, mäßig feuchten Tonboden für 1—2 Jahre Mäheklee, dann Kuhweide: 12 kg Rotklee, 6,8 kg Baſtardklee, 9 kg eng⸗ liſches Raigras, 3,8 kg italieniſches Raigras, 2 kg Timothegras und 4 kg Kümmel. d) Für zähen, kalten, feuchten Lehm⸗ und Tonboden für 1 Jahr Mäheklee, dann Rindvieh⸗ und Pferdeweide: 9 kg Rotklee, 8 kg Baſtardklee, 3,5 kg engliſches Raigras, 3 kg Timothegras und 6 kg Kümmel per Hektar. e) Für reichen, ſandigen oder lehmigen Humusboden für 4—5 Jahre Kuhweide: 2,6 kg Rotklee, 6,8 kg Baſtardklee, 7,2 kg Timothe⸗ gras, 15 kg Wieſenſchwingel und 1,5 kg Kümmel. Strebel) ſchlägt vor: 30%= 6,6 kg Rotklee, 30%= 4,9 kg Baſtardklee, 20%= 6,7 kg Timothe und 20%= 14,6 kg engliſches Raigras. Lehrkes) empfiehlt für ſchweren, kräftigen, mäßig durchlaſſenden Tonboden: 40%= 9,4 kg Rotklee, 10%= 2,6 kg Baſtardklee und 40%= 20,2 kg italieniſches Raigras(Timothe eignet ſich für ſolchen Boden beſſer). Für kalten zähen Ton⸗ und Lehmboden: 40%= 5,3 kg Baſtardklee, 30%= 7 kg Rotklee und 30%= 5,3 kg Timothe. ¹) Th. v. d. Goltz, Handbuch. Tübingen 1889, II. Bd. S. 513. ²) J. Lehrke, Miſchung und Ausſaat von Grasſämereien. Breslau 1888, S. 108. 88 Achtes Kapitel. Die Kleegrasmiſchungen. IV. Kleegras mit Luzerne als Hauptart. Die Luzerne iſt bekanntlich eine der ertragreichſten Kleearten. Oft gedeiht dieſelbe aber nicht ſicher und wird ſchon nach 2 bis 4 Jahren dünn. In den Lücken ſiedeln ſich Löwenzahn und ge⸗ meines Riſpengras an und dezimieren die Luzerne vollends. In ſolchen Fällen iſt es ratſam, der Luzerne von vornherein ein Gras (einen Stickſtoffreſſer) beizumiſchen und ſo dem Auftreten der ge⸗ nannten Unkräuter entgegen zu arbeiten. Dasjenige Gras, das ſich am beſten zur Beimiſchung unter die Luzerne eignet, iſt das Knaul⸗ gras: es iſt dauerhaft, ſchnellwachſend und beeinträchtigt durch ſeinen Wuchs die Luzerne nicht. Unter die Luzerne geſäet, tritt es in den erſten beiden Jahren nicht ſtark hervor; erſt im dritten Jahr hat es ſeine volle Entwicklungsfähigkeit erreicht, und in dem Maße, als die Luzerne abnimmt, nimmt das Knaulgras zu, ſo daß in der Regel eine 5— 6 jährige Nutzung ſicher iſt, während dies bei reiner Luzerne nicht der Fall wäre. Aus dieſem Grunde ſollte man der⸗ ſelben auf allen Grundſtücken, die mit Miſt oder Gülle gedüngt werden, und auf Boden, wo die Luzerne nicht ganz ſicher gedeiht, bei der Saat ſtets etwas Knaulgras beimiſchen. Eine ſolche Miſchung iſt in folgendem Beiſpiel aufgeſtellt. f) Für guten, tiefgründigen, im Untergrunde nicht naſſen Boden. (Nutzungsdauer 4—5 Jahre.) Prozent der Saatquantum Per Heltar Einzelſaat kg V kg% 1. Luzerne... 90 34,9 3069 2. Knaulgras..... 10 5,0 285⁵ Zuſammen 100 39,9 3354 Auf ſehr düngerkräftigem Boden iſt es unter Umſtänden an⸗ gezeigt, etwas weniger Knaulgras(5% genügen hier) zu benutzen, während auf trockenem, weniger gedüngtem Boden bis 15% ver⸗ wendet werden können. Fehlerhaft iſt es, der Luzerne Rotklee bei⸗ zumiſchen, weil dieſer zu raſch verſchwindet und der Stand dann licht wird. Zur Luzerne paſſen nur dauernde Pflanzen, deshalb ſind auch die Raigräſer zur Beimiſchung unter Luzerne nicht geeignet. feinen n den hr hot e, als in der winer n der⸗ ddüngt edeiht ſchung Zoden. V., VI., VII. Kleegras mit Eſparſette, Schotenklee, Weißklee als Hauptart. 89 Es iſt zwar nicht zu leugnen, daß durch einen Zuſatz von Rotklee der Ertrag im erſten und zweiten Jahre größer iſt und eine geringe Bei⸗ miſchung die Luzerne wenig beeinträchtigt. So z. B. ſäete der verſtorbene Landrat Walther Meier mit Erfolg per Juchart 20 Pfd. Luzerne, 1 Pfd. Rotklee, 6 Pfd. Knaulgras, 1 Pfd. Fromental und 1 Pfd. Goldhafer. V. Kleegras mit Eſparſette als Hauptart. g) Für eſparſetteſichern Boden. (Nutzungsdauer 3—4 Jahre.) Prozent der Saatquantum Per Hektar Eingelkaat 12 1g b„ 1. Eſparſette...... 85 206,1 18 139 2. Fromental.... 15 11,3 551 Zuſammen 100 217,4 18 690 Auf kräftigem Boden kann das Fromental zum Teil durch Knaulgras erſetzt werden, das zwar im Nachwuchs größer iſt als die Eſparſette und dann dieſe leicht überwächſt. VI. Kleegras mit gemeinem Schotenklee als Hauptart. Der gemeine Schotenklee iſt eine wirklich dauerhafte Kleeart für trockene Bodenarten. Als Beimiſchung eignen ſich nur peren⸗ nierende Gräſer, namentlich Knaulgras und Goldhafer. h) Für trockene Bodenarten. (Für dauernde Nutzung.) Saatquantum mit 50% Zuſchlag r Hekt Prozent der Per Hertar Einzelſaat kg kg% 1. Gemeiner Schobenilee. 80 27,6 1490 2. Knaulgras...— 10 6,0 342 3. Goldhafer..... 10 3,0 105 Zuſammen 100 36,6 1937 Wenn mehr Grasarten gewünſcht werden, ſo würden ſich noch Wieſenriſpengras, Rotſchwingel und aufrechte Treſpe empfehlen. VII. Kleegras mit Weißklee als Hauptart. Als Kleegras wird der Weißklee nur zur Weidenutzung in ſtarkem Prozentſatz angewendet und ihm beſonders engliſches Raigras beigeſellt. Ein Beiſpiel dieſer Art wird in folgender Miſchung notiert. 90 Achtes Kapitel. Die Kleegrasmiſchungen. i) Für Weidenutzung. (Nutzungsdauer 3 Jahre.) 3 Prozent der Saatquantum Per Hektar Einzelſaat kg kg% 1. Weißklee..... 80 14,0 1078 2. Engliſch Raigras... 20 12,5 963 Zuſammen 100 26,5 2041 Neben Weißklee wird hin und wieder auch etwas Baſtardklee benutzt(Weißklee 60%, Baſtardklee 20% und engliſches Rai⸗ gras 20%). Werner empfiehlt für leichten, magern, lehmigen Sand⸗ boden für mehrere Jahre Schafweide: 5,4 kg Weißklee, 9 kg Hopfenklee, 9 kg engliſches Raigras, 3 kg Timothegras, 16,8 kg härtlichen Schwingel, und 6 kg Pimpernelle per Hektar, oder für armen Kalkboden für 3—5 Jahre Schafweide: 3,6 kg Weiß⸗ klee, 6 kg fadenförmigen Klee, 4 kg Timothegras, 30 kg Fromental, 4,5 kg aufrechte Treſpe und 10 kg Pimpernelle. Strebel ſtellt für dreijährige Nutzung für kleeunſicheren Boden folgende Miſchung auf: 30%= 4,9 kg Baſtardklee, 20%= 4,7 kg Hopfenklee, 10%= 1,6 kg Weißklee, 20%= 15,3 kg engliſches Raigras, und 20%= 12,4 kg italieniſches Raigras. VIII. Kleegras mit Rotklee, Baſtardklee und Weißklee als Hauptarten. Die Miſchungen dieſer Arten nähern ſich in ihrer Zuſammen⸗ ſetzung ſchon den Wechſelwieſen, unterſcheiden ſich aber von dieſen durch den höheren Prozentſatz von Klee und ſind nicht ſo dauerhaft. k) Für guten kleefähigen Boden. (Nutzungsdauer 3 Jahre.) Per Hektar Einzelſaat kg kg% 1. Rotklee...... 30 8,6 759 2. Baſtardklee. 20 3,5 273 3. Weißklee..... 20 3,5 270 4. Italieniſch Raigras.. 10 6,0 456 5. Engliſch Raigras... 10 6,3 481 6. Fromental..... 10 7,5 368 Zuſammen 100 35,4 2607 opfenile chwinge e Wii⸗ tomenta, 2n Boden 47 k zNaigrcs klee ab uſenmer⸗ ſon düſt dauerhet Neuntes Kapitel. Die Miſchungen für Wechſelwieſen. 91 Auf den Lehmböden des öſtlichen Schleswig⸗Holſtein ſäet man in der Regel zu dem Zwecke, im erſten Jahr Mäheklee, um die folgenden Jahre Weide zu bekommen, nach Tancré(Deutſche Landw. Preſſe 1899, S. 1100) per Hektar: 8—12 kg Rotklee, 2—3 kg Weißklee, 1—3 kg Baſtardklee, 1— 2 kg Hopfenklee, 1—3 kg Timothe, 1—5 kg engliſches Raigras, 1—5 kg italieniſches Raigras, 1—3 kg Fromental, 1—5 kg Knaulgras. Ähnlich wie man Kleegrasgemenge macht, ſäet man Gemenge von verſchiedenen Kleearten aus, z. B. Rotklee und Baſtard⸗ klee auf ſchwerem, naßkaltem Boden; Rotklee und Eſparſette u. ſ. f. Lehrke empfiehlt z. B. für reichen, tiefen, milden Ton⸗ und Aue⸗ boden, ſowie für tiefen, friſchen, humoſen Lehmboden mit durchlaſſendem Untergrund: 40%= 9,4 kg Rotklee, 40%= 13,5 kg Luzerne und 20% = 42,6 kg Eſparſette. Strebel: 70%= 15,4 kg Rotklee und 30%= 6,9 kg Hopfen⸗ klee, oder 40%= 9,2 kg Rotklee, 30%= 9,8 kg Luzerne, 20%= 40,3 kg Eſparſette und 10%= 2,2 kg Hopfenklee, oder 40%= 9,8 kg Rotklee, 40%= 6,8 kg Baſtardklee, 10%= 2,3 kg Hopfenklee und 10%= 1,8 kg Weißklee. Werner für dieſelbe Bodenart: 40%= 10 kg Rotklee, 40% = 15 kg Luzerne und 20%= 60 kg Eſparſette u. ſ. w., alles per Hektar. Im Ertrag ſtehen jedoch ſolche Kleegemenge auf allen beſſern Bodenarten den Kleegrasmiſchungen nach, weshalb ſie für die Regel nicht zu empfehlen ſind. Neuntes Kapitel. Die Miſchungen für Wechſelmieſen. Wechſelwieſen ſind ſolche Wieſenanlagen, welche nach einer Reihe von Jahren umgebrochen werden. Der Boden wird nun ein, zwei oder mehr Jahre als Ackerland genutzt und dann wieder zu Wieſe niedergelegt. Ackerland wechſelt alſo mit Grasland auf demſelben Grundſtücke. Ein ſolches Syſtem der Feldbenutzung wird, wie erwähnt, als Wechſelwieſenwirtſchaft oder Feldgraswirt⸗ ſchaft bezeichnet. Eine Form der Feldgraswirtſchaft iſt die Egarten⸗ wirtſchaft der Gebirgsgegenden, bei welcher man aber die Beraſung der Natur überläßt. Zu dieſem Betriebsſyſtem gehören ferner die Koppelwirtſchaft der Holſteiner und Mecklenburger und die Schlag⸗ wirtſchaft in Weſtfalen und der Mark. 92 Neuntes Kapitel. Die Miſchungen für Wechſelwieſen. Das beackerungsfähige Land iſt bei der Feldgras⸗ oder Wechſel⸗ wieſenwirtſchaft in zwei Teile geſchieden: in Ackerland und in Wieſenland, welche beide miteinander abwechſeln, ſo zwar, daß jedes Jahr die in der Regel am längſten als Wieſenland benützten Grund⸗ ſtücke umgebrochen und dafür die am längſten offenen Parzellen wieder zu Wieſe niedergelegt werden. Es iſt dies dasjenige Syſtem der Landbebauung, das ganz beſonders für die Gebirgs⸗ und Küſten⸗ gegenden, wo man noch einige Ackerkultur hat und wo die Vieh⸗ haltung eine wichtige Rolle ſpielt, am geeignetſten iſt. Namentlich dort, wo man das Feld noch nach dem Dreifelderturnus bebaut — und dies iſt noch im größten Teil von Deutſchland, öſterreich und der Schweiz der Fall— ſollte man zu dieſem Syſtem übergehen. Wie lange ſoll man aber das Feld als Wieſe und wie lange als Acker nutzen? Die Beantwortung dieſer Frage iſt geeignet, uns über das Weſen und die Vorteile der Wechſel⸗ wieſenwirtſchaft Aufſchluß zu geben. Die Dauer der AOcker⸗ und der Grasnutzung richtet ſich in allererſter Linie nach der Rendite der Ackerkultur, insbeſondere des Getreidebaues, und nach dem Reinertrag des Futterbaues und der Viehhaltung. Dieſe ſind wieder bedingt durch die wirtſchaft⸗ lichen und die natürlichen Verhältniſſe. Iſt der Getreidepreis hoch und ſind die Boden⸗ und Wirtſchaftsverhältniſſe dem Getreidebau günſtig, ſo wird man auf den Ackerbau die Schwerkraft verlegen und ſich vielleicht mit dem Anbau von Klee oder kurzlebigem Klee⸗ gras begnügen. Sind dagegen umgekehrt die Vieh⸗ und Milchpreiſe hoch, die örtlichen Verhältniſſe dem Futterbau günſtig, ſo wird man die Grasnutzung bevorzugen. Die Dauer der Grasnutzung iſt aber in allererſter Linie bedingt durch die natürlichen Verhältniſſe(Boden und Klima). Auf bindigem, graswüchſigem Boden und in feuchtem Klima, wo das Gras gut fortkommt, wird man die Wieſe zweckmäßig länger liegen laſſen als dort, wo das Gras weniger ſicher gedeiht. Sie richtet ſich aber auch nach den wirtſchaftlichen Verhältniſſen. Bei intenſivem Land⸗ wirtſchaftsbetrieb z. B. bricht man ſchneller um, als bei mehr extenſivem. Die geringſte Nutzungsdauer bei Wechſelwieſen iſt 3 Jahre. Für kürzere Dauer ſäet man beſſer ein Kleegras. In der Regel nutzt man die Wechſelwieſe aber 4—5 Jahre. In ebſtl d in jedes Jrund⸗ tzelen Syſtem Nüſten⸗ Vieh⸗ nentlich bebaut terreic rgehen. e und riche ſonder des und rſchi⸗ is doch eideben verlegen m Kle⸗ chpreie dd men er Line h) A Grai ſend ch ober n Land— i negt eſen ſt 6. J' e. Il Neuntes Kapitel. Die Miſchungen für Wechſelwieſen. 93 dieſer Zeit wird der Boden feſt, dem Beſtand haben ſich ſpontan viele geringe Arten beigemiſcht, weshalb der Ertrag ſtark abnimmt. Eine Grasmiſchung, beſtehend aus dauerndem Fromental und Klee, ausgeſäet im Verſuchsfeld in Wollishofen, enthielt jeweilen im erſten Schnitt folgenden Prozentſatz nach dem Gewicht: Spontane Geſäete Arten Pflanzen Im 1. Jahr 2,4% 97,6 0%. 7 2. 1/ 15,3 77 84,7/ 1 3. 2 19,7 2 80,3 7„ „ 4.„ 11,4„ 88,6„ „ 5.„ 32,8„ 67,2„ 77 6.* 55,7 44,3 77 7.„ 46,2„ 53,8„ Der Gehalt der wilden Arten nimmt alſo von Jahr zu Jahr zu und der Prozentſatz der geſäeten Arten geht zuſehends zurück. Da erſtere meiſt zu den wenig ergiebigen und geringwertigen Arten gehören, ſo nimmt der Ertrag allmählich ab, weshalb bei jeder Wieſe früher oder ſpäter der Zeitpunkt kommt, wo es wirtſchaftlich gerechtfertigt iſt, den Boden, wenn es möglich iſt, umzubrechen und über kurz oder lang wieder neu zu beſamen. Nur unter beſonders günſtigen Verhältniſſen nutzt man die Wechſelwieſe länger als 5 Jahre. Es iſt ein Fehler, wenn man mit dem Umbruch wartet,„bis es nichts mehr gibt“; der Beſtand ſoll bei der Umackerung im Gegenteil noch ſo ſchön ſein, daß man den Umbruch faſt bereut. Lieber kehre man dann raſcher mit der Wieſenanlage wieder. Wie lange ſoll man das Land unter dem Pflug be⸗ halten? Auf graswüchſigem Boden und in Gebirgsgegenden, wo die Ackerkultur unſicher oder weniger rentabel iſt, wird man das Ackerland ſo bald wie möglich wieder zu Wieſe niederlegen. Es kommt ſogar vor, daß man einfach die Grasnarbe ſtürzt und dann auf der umgekehrten Furche wieder Grasſamen ſäet. Eine Ackernutzung fällt alſo weg. Mit beſtem Erfolge wird dies z. B. ſeit Jahren von Herrn Dr. Stierlin auf Rigi⸗Scheidegg praktiziert, da der Anbau von Getreide, Kartoffeln oder ähnlichen Ackerpflanzen in dieſer Meereshöhe nicht möglich iſt.—(Die Station Rigi⸗Scheidegg liegt 1607 m über Meer, der höchſte Punkt 1665 m; das umgeackerte Land liegt zwiſchen beiden Punkten.) Beſſer iſt es jedoch immer, wenn man eine Zwiſchenfrucht einſchaltet oder wenn das Land einige Zeit offen gehalten und vor 94 Neuntes Kapitel. Die Miſchungen für Wechſelwieſen. der Wieſenanlage ein⸗ oder zweimal gepflügt(gebracht) wird. Als Zwiſchenfrucht kann man z. B. irgend eine Grünfutterpflanze(ſ. Seite 34 ff.) oder eine Hackfrucht(Runkelrübe) einfügen. Man bricht die Wieſe vielleicht erſt nach dem erſten Schnitt(Anfang Juni) um, bebaut den Boden ſofort mit der Zwiſchenkultur, im Herbſt wird nochmals geackert und nächſtes Frühjahr eine Grasmiſchung aus⸗ geſäet. In dieſem Falle iſt das Land nur ungefähr eine halbe Vegetationsperiode offen. Noch beſſer iſt es, wenn man den Boden ſchon im Herbſt ſtürzen und nächſtes Jahr mit einer Hackfrucht bebauen kann; im darauffolgenden Jahre läßt man dann die Grasſaat folgen. Das Land iſt in dieſem Falle alſo eine volle Vegetationsperiode und zwei Winter offen; eine Zerſetzung des Raſens, eine Durch⸗ düngung, Durchlüftung und Durchfrierung des Bodens iſt ſo eher möglich. In Gebirgsgegenden mit vorwiegend Graskultur wird dieſe Kulturmethode in vielen Fällen die zweckmäßigſte ſein. Statt der Hackfrucht kann auch eine Grünfutterpflanze gebaut werden. Immerhin iſt es in den meiſten Fällen angezeigt, das Feld doch volle zwei Jahre unter dem Pflug zu behalten; man kann in dieſer Zeit den Boden gründlicher bearbeiten, von Unkraut reinigen und durchdüngen, ſo daß ſpäter die Wieſe viel beſſer gedeiht und einen größeren Ertrag abwirft. Das eine Jahr baut man in der Regel eine Hackfrucht und das andere Jahr Getreide. Wenn man eine fünfjährige Grasnutzung annimmt, ſo wären nach dieſer Methode zwei Fruchtfolgen möglich: 45 Jahr Wechſelwieſe, „ Hackfrüchte, 7.„ Getreide, oder: 1.—5. Jahr Wechſelwieſe, 6.„ Getreide, 7.„ Hackfrüchte. In beiden Fällen würde im achten Jahre wieder Gras folgen. Nach dem erſten Turnus könnte man die Grasſamen im Frühjahr des ſiebenten Jahres in das Getreide ſäen, nach dem zweiten würde die Grasanſaat erſt im achten Jahr in Grünhafer oder ohne Über⸗ frucht geſchehen. An vielen Orten glaubt man, es ſei notwendig, den Boden drei Jahre unter dem Pflug zu behalten, ſei es, um mehr Fläche .A nze. ichde i un, t wid g ul⸗ halbe =’S Hertſ inn; in . DM eriode Aut⸗ ſo eher ind diſe datt de das ded kann in reinigen eict ud nin di man eie Methode ds folgen Früha ten vürd ni lher en Boden hr Jäch Neuntes Kapitel. Die Miſchungen für Wechſelwieſen. 95 zu Getreidekultur zu erhalten und dann auch genügend Stroh zur Einſtreu zu bekommen, oder ſei es, um das Land gründlicher be⸗ arbeiten und durchdüngen zu können. Nehmen wir zweimalige Ge⸗ treidekultur und eine fünfjährige Grasnutzung an, ſo würde folgende Fruchtfolge am Platze ſein: 1ee5 Jahr Wechſelwieſe, „ Getreide, 7.„ Kackfrüchte, 8.„ Wetreide. Im neunten Jahr würde wieder Gras folgen, das entweder im Frühjahr des achten Jahres in das Getreide oder erſt im neunten Jahr in Grünhafer oder ohne Überfrucht geſäet würde. Es wäre aber auch folgende Fruchtfolge anwendbar: 1.5. Jahr Wechſelwieſe, „ Wintergetreide, 7.„ Getreide(Hafer oder Roggen), 8.„ Hackfrüchte. Bei der Nutzung als Ackerland hat man hier alſo den Drei⸗ felderturnus. Im erſten Falle hätte das zweite Getreide einen günſtigeren Stand, im letzteren hat man den Vorteil, daß die Hackfrucht für das Gras eine beſſere Vorfrucht iſt. Zwiſchen hinein kann, anſtatt Gras, auch Rotklee gebaut werden. Dann müßte man aber bis zur Wiederkehr der Graskultur mindeſtens vier Jahre warten und das Land inzwiſchen nach dem Turnus des Norfolker Fruchtwechſels bebauen, was auf gutem Klee⸗ boden und bei Stallfütterung angezeigt ſein dürfte. Man hätte dann folgende Reihenfolge: 1.— 5. Jahr Wechſelwieſe, 6.„ Hackfrüchte, 7.„ Getreide, 8.„ RNotklee, 9.„ GWetreide. Der intenſive Kunſtfutterbau tritt hier in den Vordergrund %%) und auch die Getreidekultur hat eine ziemliche Ausdehnung(%). Schiebt man Luzerne ein, ſo könnte man folgende Frucht⸗ folge kombinieren: 1.—5. Jahr Wechſelwieſe, 6.„ Getreide, 7.„ Hackfrüchte oder Grünfutter, 96 Neuntes Kapitel. Die Miſchungen für Wechſelwieſen. 8.—12. Jahr Luzerne(eventuell mit Knaulgras), 13.„ Getreide, 14.„ Hackfrüchte oder Grünfutter, 15.„ Getreide oder Gras. Selbſtverſtändlich laſſen ſich noch zahlreiche andere Kom⸗ binationen von allerlei Fruchtfolgen in Abwechslung mit Wechſel⸗ wieſen und mit Rotklee oder Luzerne aufſtellen. Ein Hauptgrund⸗ ſatz ſoll dabei ſtets der ſein, daß der Fruchtwechſel ein rationeller iſt, d. h. daß jede Frucht eine gute Vorfrucht für die nach⸗ folgende iſt. Wir haben in dieſen Beiſpielen überall eine fünfjährige Gras⸗ nutzung angenommen. Wie bereits erwähnt, kann es aber oft an⸗ gezeigt ſein, die Wechſelwieſe nur 4 Jahre zu nutzen, oder aber umgekehrt 6 Jahre oder mehr. Auch hierauf muß bei Aufſtellung des Fruchtwechſels Rückſicht genommen werden. Selbſtverſtändlich iſt es einem Landwirt heutzutage nicht möglich, ſich beim Anbau der Feldfrüchte ſtrikte an eine Reihen⸗ folge zu binden, da unvorhergeſehene Verhältniſſe die Pläne oft durchkreuzen können. Die Hauptſache iſt aber, daß er das Syſtem ſtets vor Augen habe und das Land mit denjenigen Früchten be⸗ baue, welche ihm den größten Reinertrag geben. Um dies zu wiſſen, iſt es notwendig, daß man ſich über die Rendite der einzelnen Kulturen durch Reinertragsberechnungen Klarheit verſchaffe. Bevor wir auf die Zuſammenſtellungen der Miſchungen für Wechſelwieſen eintreten, müſſen wir auch noch eine althergebrachte Methode der Ackerkultur erwähnen, wie ſie im Gebirge vielfach zu Hauſe iſt: es iſt die Ackerwirtſchaft ohne irgend einen Wechſel. Man benutzt ſeit Jahrzehnten, ja ſeit Jahrhunderten das gleiche Land als Ackerland. An manchen Orten baut man Jahr für Jahr Kartoffeln oder dergl. auf demſelben Grundſtück, während es hier angezeigt wäre, zur Abwechslung für einige Jahre eine Kunſtwieſe anzulegen und dafür irgend eine verunkrautete Wieſe als Kartoffel⸗ feld zu benutzen. Oder man bepflanzt den Boden jahrelang immer nur mit Getreide(Erzkörnerwirtſchaft), während auch hier ein Wechſel mit Gras am Platze wäre. Hunderte und aber Hunderte von Hektaren Landes werden im Gebirge ſo bebaut, würden aber bei Abwechslung mit Wiesland weſentlich größere Erträge abwerfen. ele Kan⸗ tWeiſt⸗ uuttgrun⸗ müonele de mi. rige or⸗ er dft ar der ace Aufſellmn tage nit ne Keih Plne i das Shſtr rüchtn n dis i er einzehen erſchff cunyenſt hetgebutt diefech en Bthl das lit 1 ür für end 8 — gui hri Karbf Grundſätze für die Zuſammenſtellung der Miſchungen für Wechſelwieſen. 97 Wenn man es nicht als angezeigt erachtet, ſo iſt in letzterem Falle eine Einſchränkung des Getreidebaues nicht nötig. Zwar iſt der Um⸗ bruch von Grasland ſchwieriger und mühſamer als die Bearbeitung eines Bodens, der ſchon jahrelang mit Hacke oder Pflug gelockert wurde. Die Miſchungen für Wechſelwieſen haben gegenüber dem Klee⸗ gras den Vorteil der längeren Nutzungsdauer; ſie liefern einen größeren oder ebenſo hohen Ertrag, und das Futter iſt beſſer geeignet zur Heubereitung; dagegen iſt die Anlage etwas teurer, und die Zuſammenſtellung erfordert größere Fachkenntnis und Er⸗ fahrung. Sie übertreffen die Dauerwieſen ganz entſchieden im Er⸗ trag, und auch die Anlage iſt billiger als bei dieſen; dagegen ſind die Betriebskoſten etwas größer. Die Wechſelwieſen ſind beſonders auf Landgütern mit intenſiver Graskultur am Platze, alſo auf guten Bodenarten, die zudem in gutem Düngungszuſtande ſind; hier liefern ſie oft ganz erſtaun⸗ liche Erträge(ſiehe Seite 68 f.). Grundſätze für die Zuſammenſtellung der Miſchungen für Wechſelwieſen. Bei der Zuſammenſtellung ſind folgende Grundſätze im Auge zu behalten: 1. Die Kleearten dürfen im Mittel nicht ſtärker als zu einem Drittel(33%) in der Miſchung vertreten ſein; nur bei dem gemeinen Schotenklee, der wirklich dauerhaft iſt, darf man bis auf 50% gehen. Von dem Rotklee verwende man, wenn irgend möglich, den länger dauernden Mattenklee(Naturklee). 2. Der Prozentſatz des italieniſchen Raigraſes darf in der Miſchung nicht mehr als höchſtens 5% betragen, weil das⸗ ſelbe in den beiden erſten Jahren ſonſt zu dicht kommt und dabei die ſich langſamer entwickelnden dauerhaften Gräſer ſchädigt. Die Folge wäre, daß der Beſtand nach dem Wegbleiben desſelben im dritten Jahre zu dünn würde. Auf düngerkräftigem, warmem Boden läßt man das italieniſche Raigras am beſten ganz weg, da man auch ohne dasſelbe in dem erſten Jahre einen guten Ertrag erzielt. 3. Aus demſelben Grunde darf auch nicht mehr als höchſtens 10% engliſches Raigras genommen werden. Dasſelbe iſt zwar etwas dauerhafter als das italieniſche. Stebler. 5. Auflage. 7 98 Neuntes Kapitel. Die Miſchungen für Wechſelwieſen. 4. Die ausdauernden Gräſer dagegen müſſen die Ober⸗ hand haben, vor allem das Knaulgras; auf ſchwerem Boden und in hohen Lagen auch das Timothe, in warmen Lagen und auf mittelſchwerem bis leichtem Boden der Goldhafer, in feuchten Lagen der Wieſenſchwingel und der Wieſenfuchsſchwanz. 5. Auf entſprechendem Boden ſind auch die dauerhaften Unter⸗ gräſer zu berückſichtigen. Für Miſchungen bei Wechſelwieſen ließen ſich Dutzende von Beiſpielen anführen. Wir beſchränken uns jedoch auf vier, eines für mittelſchweren, eines für ſchweren, eines für leichten und eines für Moorboden, und müſſen es dem Landwirt überlaſſen, an Hand der beigefügten Bemerkungen hieraus die für ihn geeigneten Varianten ſelbſt zu entwerfen. Bei der Berechnung des Gewichtes iſt überall die Saatquantität mit 50% Zuſchlag angenommen(Tabelle I und II Spalte 5, Seite 76 f. und 80 f.). Für Weidenutzung werden die Miſchungen in der Weiſe abgeändert, daß die zur Weide geeigneten Arten(Weißklee, engliſches Raigras, Kammgras, Wieſenſchwingel, Hopfenklee, Wundklee, Schoten⸗ klee, Rotſchwingel, Schafſchwingel, Wieſenriſpengras) ſtärker(5 bis 10%) berückſichtigt, oder(wenn ſie in der Miſchung nicht vertreten ſind, der Boden für ſie aber geeignet iſt) daß ſie zu 5 bis 10% aufgenommen werden. Man vergleiche übrigens die Kleegras⸗ miſchungen im vorſtehenden und die Miſchungen für dauernde Weiden im folgenden Kapitel. I. Wechſelwieſe für mittelſchweren Boden (milder Lehmboden, Mergelboden). Prozent der Saatquantum6 Per Hektar Einzelſaat Le ſ Le 1. Mattenklee oikle⸗).. 20 6,9 607 2. Weißklee.... 5 1,1 81 3. Baſtardklee.... 10 2,1 164 4. Fromental... 10 9,0 441 5. Italieniſch Raigras. 5 3,6 274 6. Engliſch Raigras... 5 3,7 289 7. Timoihe. 15 4,2 376 8. Knaulgras..... 20 12,0 684 9. Goldhaferr... 5 1,5 5² 10. Wieſenſchwingel... 5 4,9 149 Zuſammen 100 49,0 3117 ſe Oher den ud und an feucte anz. Unte⸗ ende ton er, eine und eine an Hen Vriantn iſt überel eTudl. I. und II. Wechſelwieſen für mittelſchweren und guten Tonboden. 99 Bemerkungen betreffend: 1. Luzerne. Auf luzernefähigem Boden verwendet man auch etwa 10% Luzerne und dementſprechend weniger von den übrigen Kleearten. 2. Baſtardklee. Auf etwas feuchtem Land nimmt man etwas mehr Baſtardklee und weniger Mattenklee. 3. Wieſenfuchsſchwanz. Der Goldhafer und das Fromental werden auf feuchtem Boden ganz oder teilweiſe durch Wieſenfuchs⸗ ſchwanz erſetzt. 4. Fioringras. Auf feuchtem Boden verdient auch dieſes Gras Beachtung, wogegen das italieniſche Raigras weggelaſſen werden kann. 5. Kammgras und Rotſchwingel. Für länger dauernde Wechſelwieſen ſind auch dieſe beiden Gräſer zu berückſichtigen. Lehrke empfiehlt für reichen, tiefen, milden Ton⸗, Aue⸗ oder Lehmboden: 20% Rotklee, 10% Baſtardklee, 5% Weißklee, 5% Hopfenklee, 10% engliſches, 10% italieniſches Raigras, 5% Fromental, 10% Knaulgras, 10% Wieſenſchwingel, 10% Timothegras und 5% ge⸗ meines Riſpengras. Hans Schreiber, Staab(Böhmen)!) hat unſere Miſchungen adoptiert. Auch die Weinzierl'ſchen Miſchungen²) ſtimmen im weſent⸗ lichen mit den unſrigen überein. II. Wechſelwieſe für guten Tonboden (ſchweren Boden). Prozent der Saatquantum Per Hektar Eiugelſaat i1e, 1. Mattenklee(Rotklee).. 20 6,9 607 2. Baſtardklee..... 15 3,6 286 3. Fromental.... 5 4,5 220 4. Engliſch Raigras... 5 3,8 289 5. Timothe..... 20 6,6 585⁵ 6. Knaulgras..... 20 12,0 684 7. Wieſenſchwingel... 10 8,2 633 8. Kammgras..... 5 2,4 171 Zuſammen 100 48,0 3475 ¹) Wieſen der Randgebirge Böhmens. Staab 1898. 2²) Über die Zuſammenſtellung und den Anbau der Grasſamen⸗ Miſchungen. Wien 1898. 7*¾ 100 Neuntes Kapitel. Die Miſchungen für Wechſelwieſen. Bemerkungen betreffend: 1. Baſtardklee. Auf etwas feuchtem Boden erſetzt man den Mattenklee teilweiſe durch Baſtardklee. 1 2. Fromental. Dieſes Gras kann auf feuchtem Boden weggelaſſen werden. 3. Wieſenfuchsſchwanz. Bei feuchtem Boden erſetzt man das Fromental durch Wieſenfuchsſchwanz.. 4. Fioringras. Für länger dauernde Wechſelwieſen auf feuchtem Boden iſt auch das Fioringras zu berückſichtigen. Lehrke empfiehlt für ſchweren, kräftigen, mäßig durch⸗ laſſenden, drainierten Tonboden: 20% Rotklee, 15% Baſtardklee, 5% Weißklee, 5% Kümmel, 10% italieniſches Raigras, 5% Fromental, 5% Knaulgras, 10% Timothegras, 5% Wieſenriſpengras, 5% gemeines Riſpengras und 5% Wieſenfuchsſchwanz. Für kalten, zähen, undurchlaſſenden Ton⸗ und Lehm⸗ boden: 10% Rotklee, 20% Baſtardklee, 10% Weißklee, 10% engliſches Raigras, 5% Fromental, 7,5% Knaulgras, 5% Wieſenfuchsſchwanz, 5% Kammgras, 2,5% Wieſenſchwingel, 15% Timothegras, 5% Wieſen⸗ riſpengras und 5% gemeines Riſpengras. III. Wechſelwieſe für leichten Boden(lehmiger Sand und ſandiger Lehm). „r Prozent der Saatquantum Per Heltar Einzelſaat kg kg% 1. Mattenklee(Rotklee)... 20 6,9 607 2. Weißklee....... 15 3,1 242 3. Fromental....... 10 9,0 441 4. Italieniſch Raigras.. 5 3,6 274 5. Knaulgras....... 20 12,0 684 6. Timothe....... 15 4,3 376 7. Goldhafer....... 5 1,7 61 8. Wieſenriſpengras.. 10 3,4 148 Zuſammen 100 44,0 2833 Bemerkungen betreffend: 1. Baſtardklee. Auf etwas feuchtem Boden erſetzt man den Mattenklee teilweiſe durch Baſtardklee. 2. Luzerne. Wenn die Luzerne gedeiht, ſo kann auch dieſe berück⸗ ſichtigt werden. Man läßt dafür etwas Baſtardklee und Mattenklee weg. 3. Fromental. Dieſes Gras kann auf feuchtem Boden weg⸗ fallen. III. u. IV. Wechſelwieſen für leichten Boden und Moorboden. 101 4. Wieſenfuchsſchwanz. Bei feuchtem Boden Erſozi man das Fromental durch Wieſenfuchsſchwanz. Aun 5. Kammgras. Für länger dauernde Weſetnife iſt auch das Kammgras zu berückſichtigen. 6. Für lockeren Sandboden wäre die wehrloſe Treſpe ein t n ett man 1 vorzüglich geeignetes Gras. En g 7. Für trockene Bodenarten verdient die aufrechte Treſpe 1 Berückſichtigung.— Lehrke empfiehlt für milden, tiefen, friſchen Lehm⸗ und durt⸗ Sandboden: 25% Rotklee, 10% Weißklee, 5% Hopfenklee, 2,5% Kümmel, nterdle 7,5% engliſches, 10% italieniſches Raigras, 5% Fromental, 5% Knaul⸗ tomeutul gras, 5% Wieſenfuchsſchwanz, 5% Goldhafer, 10% härtlichen Schwingel, geneine 10% Timothegras. Für leichten, ſandigen Lehm⸗ und lehmigen Sandboden: Lehn⸗ 10% Rotklee, 5% Weißklee, 5% Hopfenklee, 5% Eſparſette, 5% Gold⸗ engliche klee, 50% fadenförmigen Klee, 5% Wundklee, 5% engliſches, 5% italieniſches sſchwnn, Raigras, 10% Fromental, 10% Knaulgras, 5% Goldhafer, 5% Kamm⸗ Weir⸗ gras, 10% härtlichen Schwingel, 5% Wieſenſchwingel, 5% Timothegras. Für leichten, magern, lehmigen Sandboden: 15% Weiß⸗ klee, 15% Hopfenklee, 5% niederliegenden Klee, 5% Wundklee, 5% Eſpar⸗ d m ſette, 5% Pimpernelle, 10% engliſches Raigras, 25% härtlichen Schwingel, 5% wolliges Honiggras, 10% Timothegras. FürarmenKalkboden: 10% Weißklee, 15% Hopfenklee, 5% Gold⸗ — klee, 5% fadenförmigen Klee, 5% niederliegenden Klee, 10% Pimpernelle, un 20% Fromental, 5% Goldhafer, 10% aufrechte Treſpe, 15% Timothegras. Für guten, tiefgründigen Kalk⸗, Kalkmergel⸗ und Sand⸗ 1 mergelboden: 15% Rotklee, 10% Weißklee, 10% Hopfenklee, 5%% Eſpar⸗ 9 ſette, 5% italieniſches Raigras, 20% Fromental, 10% Knaulgras, 5% Gold⸗ 607 hafer, 10% härtlichen Schwingel, 3% Wieſenſchwingel, 5% Timothegras. 9 9 IV. Wechſelwieſe für Moorboden. N(Dauer 4—6 Jahre.) 681 5 Per Hektar Prozent der 4 Saatquantum 6l Einzelſaat kg V kg 15 1. Baſtardkle 40 87 613 2. Fromental...... 5 5,3 257 3. Knaulgras.... 5 3,5 200 4. Timothe....... 10 2,8 251 tman de 5. Engliſch Raigras.. 5 3,7 289 6. Wieſenſchwingel... 10 8,2 633 eſe beil 7. Goldhafer.. 5 1,7 61 llem 8. Wieſenfuchsſchwanz... 5 1,9 84 enbee he 9. Wieſenriſpengras 5 1,7 74 oden vir 10. Wolliges Honiggras 5 1,7 60 11. Fioringras.. 5 1,3 92 Zuſammen 100 40,2 2614 102 Zehntes Kapitel. Miſchungen für Dauerwieſen. Auf Moorboden legt man in der Regel zweckmäßiger Dauer⸗ wieſen an. Nur auf den beſſeren Moorböden ſind Wechſelwieſen am Platze. Bemerkungen betreffend: 1. Hopfenklee. Auf trocken gelegtem Moorboden würde auch der Hopfenklee gedeihen. In dieſem Falle kann der Baſtardklee zu etwa ¼ durch dieſen erſetzt werden. 2. Sumpfſchotenklee. Für länger dauernde Wechſelwieſen kann der Baſtardklee zur Hälfte durch Sumpfſchotenklee erſetzt werden. 3. Rohrglanzgras. Auf feuchtem bis naſſem Moorboden iſt auch das Rohrglanzgras am Platze. Lehrke empfiehlt für guten drainierten Humusboden: 10% Rotklee, 20% Baſtardklee, 2,5% Weißklee, 2,5% Kümmel, 5% engliſches, 10% italieniſches Raigras, 5% Fromental, 5% Knaulgras, 5% Wieſenfuchsſchwanz, 5% Wieſenſchwingel, 20% Timothegras und 10% gemeines Riſpengras. Für milden, mäßig feuchten und von Säure freien Humusboden mit Lehm⸗ und Sandbeimiſchung: 100% Rotklee, 10% Baſtardklee, 5% Weißklee, 5% engliſches, 10% italieniſches Rai⸗ gras, 10% Fromental, 10% Knaulgras, 10% Wieſenfuchsſchwanz, 10% Kammgras, 10% Wieſenſchwingel, 10% Timothegras. Zehntes Kapitel. Miſchungen für Dauerwieſen. Handelt es ſich um Wieſenanlagen für längere oder dauernde Nutzung, ſo gelangen bei der Zuſammenſtellung der Miſchungen wieder beſondere Grundſätze zur Anwendung. Das engliſche und das italieniſche Raigras, beides Gräſer von kurzer Lebensdauer, läßt man in der Regel ganz weg; einzig bei geringeren Bodenarten werden ſie in mäßigem Prozentſatz zugeſetzt; außerdem verdient das engliſche Raigras für Weide und das italieniſche Raigras bei Anlage für Spüljauchenberieſelung Berückſichtigung. Das Fromental darf höchſtens zu 5% in die Miſchung eintreten, es ſei denn, daß dasſelbe einer länger dauernden Form angehöre. Duuer ewieſen de uch dllee u ſelwieſe werden. vorboden Sboden. mel, ö, naulgros gras ud efreien Rotlle ſches Ru⸗ anz, 1007 dauend Niſchungen s, büe ganz ue Projenic Wedde un beriefln Nite nden denl Zehntes Kapitel. Miſchungen für Dauerwieſen. 103 Timothe darf nur auf friſchem, bindigem Boden und im Gebirge ſtark berückſichtigt werden. Von den Kleearten nimmt man höchſtens 20%, nur bei Verwendung von echtem, gehörntem Schotenklee darf man im Maximum auf 50% gehen. Von dem Rotklee verwende man tunlichſt den dauerhafteren Mattenklee. Eſparſette iſt auf trockenem, kalkhaltigem Boden am Platze. Baſtardklee auf feuchtem Boden und in hohen Lagen. Rot⸗ klee, Weißklee und Baſtardklee ſollten aber zuſammen nicht mehr als 15% ausmachen; auf gutem, kleefähigem Boden genügt meiſt ein Prozentſatz von 5— 10%. Luzerne iſt für Dauerwieſen nicht geeignet, da vereinzelte Luzerneſtöcke in alten Wieſen eine förmliche Plage ſind. Hopfenklee und Wundklee ſind nur für geringe, leichte, trockene Bodenarten, beſonders für Weiden angezeigt, wo ſich die⸗ ſelben durch Selbſtbeſamung von Generation zu Generation erhalten können. Dagegen verdient für Dauerwieſen der gemeine Schoten⸗ klee ſtarke Vertretung. Das Hauptgewicht iſt aber auf die dauerhaften Gräſer zu verlegen, beſonders auf das Knaulgras und den Goldhafer, auf den Wieſenſchwingel und auf den Wieſenfuchsſchwanz. Dann ſind auch die dauerhaften Untergräſer zu verwenden: Kamm⸗ gras, Rotſchwingel, Wieſenriſpengras, Fioringras. Für Spezialfälle ſind auch wolliges Honiggras, gemeines Riſpengras, Rohrglanzgras, aufrechte Treſpe, wehrloſe Treſpe, Schafſchwingel, verſchiedenblättriger Schwingel, Sumpfſchotenklee, Schafgarbe, Kümmel, Pimpernelle u. a. zu empfehlen. Üüber den landwirtſchaftlichen Wert dieſer und anderer Arten finden ſich nähere Angaben im folgenden Kapitel. Da die dauerhaften Gräſer, welche bei den Dauerwieſen in den Vordergrund treten, teilweiſe weniger ergiebig ſind als die vorübergehenden Arten, da zudem bei jeder Wieſe, auch wenn ſie aus dauerhaften Arten beſteht, nach und nach minderwertige wilde Arten auftreten, der Boden feſt und in der Tiefe nach und nach erſchöpft wird, ſo kann der Ertrag einer Dauerwieſe nie ſo groß ſein, wie 104 Zehntes Kapitel. Miſchungen für Dauerwieſen. der einer Wechſelwieſe oder einer Kleegrasmiſchung. Aus dieſem Grunde wird man nur dort eine Dauerwieſe anlegen, wo eine periodiſche Umackerung des Bodens nicht möglich oder nicht rentabel iſt, oder wo infolge günſtiger klimatiſcher und Bodenverhältniſſe auch eine Dauerwieſe einen ziemlich guten Ertrag abwirft, während der Ertrag des Ackerlandes gering wäre. Die Anlage einer Dauerwieſe iſt alſo am Platze: 1. auf Grundſtücken, die der Uberſchwemmung ausgeſetzt ſind; 2. in ſteilen Lagen, wo ein öfterer Umbruch nicht möglich iſt; 3. auf widerſpenſtig ſchwerem Boden, welcher ſchwierig zu bearbeiten iſt und als Ackerland nur einen geringen Ertrag abwerfen würde, oder umgekehrt auf ganz leichtem Boden, ſowie auf Moorboden, wo die Ackerkultur unſicher iſt; 4. in hohen Lagen, wo der Ackerbau unmöglich und die klimatiſchen Verhältniſſe dem Futterbau günſtig ſind; 5. wo man eine Wäſſerwieſe anlegen will; 6. in Hofſtätten und Baumgütern, wo die Bäume dicht in⸗ einander ſtehen oder mittelſt einer Dauerwieſenanlage bei intenſiver Gülledüngung ohne häufigeren Umbruch gute Erträge erzielt werden können; 7. auf Grundſtücken in großer Entfernung vom Wirtſchafts⸗ hof und überhaupt auf Bodenarten, wo eine intenſivere Kultur nicht angezeigt iſt, z. B. auf allzu naſſem, allzu trockenem oder auf zu magerem Land. Die Verhältniſſe, unter welchen Dauerwieſen angelegt werden oder wo die Anlage einer Dauerwieſe angezeigt wäre, ſind noch viel verſchiedenartiger als bei dem Kleegras und den Wechſelwieſen, weshalb die hier aufgeſtellten Miſchungen noch viel weniger, als es dort der Fall war, als Rezepte benutzt werden dürfen, ſondern ſie müſſen auf Grund der angegebenen Regeln abgeändert werden. Wir ſtellen für die vier wichtigſten Bodentypen Miſchungen für Matte(Mähewieſe) und Weide nebeneinander. Die letzteren unter⸗ ſcheiden ſich in der Regel nicht weſentlich. Die Weidemiſchungen ſollten, wenn immer möglich, erſt vom zweiten oder noch beſſer erſt vom dritten Jahre an beweidet werden, da die Pflanzen das Beweiden im jugendlichen Stadium nicht gut ertragen und der Raſen durch den Huf der Tiere leidet. lic ü erig i Ertng Boden, und de dict i⸗ age bi Errih hafts⸗ eKulmn em üder verder nd wot elwicen ger il onden werden gen fi n unter ſhungen h beſer zen d erRaſer I. Dauerwieſen für guten Mittelboden. 105 Bei der Berechnung des Saatquantums iſt überall das in der Ausſaattabelle angeſetzte Quantum mit 75% Zuſchlag zu Grunde gelegt. I. Dauerwieſen für guten Mittelboden. (Milder Lehmboden, Lehmmergelboden). Matte(Mähewieſe) Weide der Hekta de ntuuntan der Sahrnuanwun Einzel⸗ V Einzel⸗ faat kg V kg% ſaät ko ko% 1. Rotklee Mattentlec). 10 4,0 354 5 2,0 177 2. Weißklee. 5 1,2 94 13 3,/ 245 3. Baſtardklee... 2 0,5 36 2 0,5 36 4. Gemeiner Schotenklee. 8 3,2 166 5 2,0 104 5. Engliſch Raigras—— 5 4,4 337 6. Fromental 5 5,2 257——— 7. Goldhafer. 5 1,7 61 5 1,7 61 8. Wieſenſchwingel. 10 8,2 633 15 12,3 949 9. Roter Schwingel.. 10 6,3 302 5 3,1 151 10. Knaulgras.. 15 10,5 599 10 7,0 399 11. Timothe..... 10 3,3 293 10 3,3 293 12. Kammgras.. 10 4,9) 343 15 7,3 514 13. Wieſenriſpengras. 10 4,0/ 173 10 4,0 173 Zuſammen 100 53,0 3311 100 50,8 3439 Bemerkungen betreffend: 1. Rotklee. Auf Boden, wo der Klee gut gedeiht, kann man den Prozentſatz um die Hälfte reduzieren. 2. Rohrſchwingel. Auf friſchem, feuchtem Boden kann auch der Rohrſchwingel benutzt werden. In dieſem Falle kann man den Prozentſatz des Wieſenſchwingels etwas herabſetzen. 3. Wieſenfuchsſchwanz und Fioringras. Dieſelben ſind für feuchte und naſſe Bodenarten ebenfalls zu verwenden. Zur Aus⸗ gleichung nimmt man dafür weniger Goldhafer und Kammgras. 4. Aufrechte Treſpe. Dieſe Art iſt für trockene Böden angezeigt. 5. Durch Reduktion des Prozentſatzes des Goldhafers und Kammgraſes und entſprechende Erhöhung der übrigen Arten können die Koſten reduziert werden. 106 Zehntes Kapitel. Miſchungen für Dauerwieſen. Weinzierl empfiehlt für friſchen milden Lehmboden für Mähe⸗ wieſen außer den genannten Arten noch 5% Rohrſchwingel, 10% Wieſen⸗ fuchsſihwan und 2% Geruchgras und reduziert dementſprechend andere rten. II. Dauerwieſen für bindigen Boden. (Tonboden und ſtrenger Lehmboden.) Matte(Mähewieſe) Weide 0„ ſſe 0 Per Hektar d0 Saatquantum d0 Saatquantum Einzel⸗ Einzel⸗ ſat ke kg(% ſadt ke kgo(% 1. Rotklee(Mattenklee). 5 2,0 177 5 2,0 177 2. Baſtardklee..... 5 1,2 89 5 1,2 89 3. Weißklee...... 5 1,2 94 10 2,4 189 4. Gemeiner Schotenklee. 5 2,0 104——— 5. Engliſch Raigras——— 35 30,6 2358 6. Fromental... 5 5,2 257——— 7. Goldhafer...... 5 1,7 61 2 1,0 31 8. Wieſenſchwingel 10 8,2 633 13 10,7 823 9. Roter Schwingel... 5 3,1 808 5 3,1 151 10. Knaulgras... 20 14,0 151 5 3,5 199 11. Timothe... 15 5,0 439 5 1,6 146 12. Wieſenfuchsſchwanz 10 4,4 245 13. Kammgras... 5 2,4 171 15 7,4 514 14. Fioringras..... 5 1,5 107—— V— Zuſammen 100 51,9 3336 100 63,5 4677 Bemerkungen betreffend: 1. Rotklee und Baſtardklee. Auf trockenem Boden erſetzt man den Baſtardklee durch Mattenklee und umgekehrt auf feuchtem Boden den Mattenklee durch Baſtardklee. 2. Wieſenfuchsſchwanz und Fioringras. Auf feuchtem Boden kann man von dieſen Arten etwas mehr verwenden und er⸗ mäßigt dagegen das Kammgras und den Goldhafer. C. A. Weber empfiehlt, geſtützt auf ſeine eigenen eingehenden Unterſuchungen und die praktiſchen Erfahrungen von Landwirten, für An⸗ lage von Dauerweiden auf Marſchboden: 1. Engliſches Raigras 67—90, Wieſenſchwingel 3—4, Weißklee 1—1 ½ und Timothe ½— 1 kg per Hektar. .In vielen Fällen würden genügen 95% engliſches Raigras und 5% Weißklee. 3 3. Oder Miſchung 1 und 2 kombiniert: 71% engliſches Raigras, 25% Weißklee, 3% Wieſenſchwingel und 1% Timothe.(Beiträge zur Kenntnis der Dauerweiden in den Marſchen Norddeutſchlands, Berlin 1901.) b en erſet feuchte feuchen und e- gehende für Y⸗ Rrigro, träge z 3, Rerln II. und III. Dauerwieſen für bindigen und guten, leichten Boden. 107 Der verſtorbene J. Stromeier ſchlug, geſtützt auf ſeine reichen Erfahrungen, für Wieſen von längerer Dauer auf dem bindigen, kalkreichen Boden des Baſellander Jura folgende Miſchung vor: Gemeiner Schotenklee 2, Eſparſette 15, Mattenklee 1,2, Fromental 2,2, Knaulgras 3,4, Timothe 0,5, italieniſches Raigras 1,2, engliſches Raigras 1,3, Gold⸗ hafer 1,8, Wieſenſchwingel 1,6 und Wieſenriſpengras 0,5 kg per Juchart. Weinzierl läßt den Schotenklee und den Rotſchwingel weg und nimmt je 5% gemeines Riſpengras und für Mähewieſen ebenfalls 10% engliſches Raigras. Lehrke empfiehlt für Dauerwieſen(Matten) für kalten Tonboden: 5% Rotklee, 5% Weißklee, 10% Baſtardklee, 5% eng⸗ liſches Raigras, 2,5% italieniſches Raigras, 5% Knaulgras, 10% Fiorin⸗ gras, 10% Wieſenfuchsſchwanz, 2,5% Geruchgras, 10% Goldhafer, 5% Kammgras, 5% Rohrſchwingel, 10% Wieſenſchwingel, 5% Timothe, 5% ſpätes Riſpengras, 5% gemeines Riſpenglras. Für Dauerweiden: Für ſchweren, genügend durchlaſſen⸗ den Boden in feuchtem Klima.— Rindviehweide: 5% Rotklee, 5% Weißklee, 5% Baſtardklee, 2,5 09 Hopfenklee, 5% engliſches Raigras, 2,5% italieniſches Raigras, 2,5% Fromental, 5% Knaulgras, 15% Fiorin⸗ gras, 10% Wieſenfuchsſchwanz, 2,5% Goldhafer, 2,5% Kammgras, 2,5% Rohrſchwingel, 5% Wieſenſchwingel, 10% Timothe, 5% Wieſenriſpengras, 2,5% ſpätes Riſpengras, 10% gemeines Riſpengras, 2,5% Vogelwicke. Für kalten, zähen, undurchlaſſenden Tonboden.— Pferde⸗ und Kuhweide: 2,5% Rotklee, 2,5% Weißklee, 5% Baſtardklee, 2,5% Hopfenklee, 10% engliſches Raigras, 5% italieniſches Raigras, 10% Knaulgras, 10% geknieten Fuchsſchwanz, 5% Rohrglanzgras, 15% Kamm⸗ gras, 2,5% Rohrſchwingel, 5% Wieſenſchwingel, 5% Timothe, 5% Wieſenriſpengras, 5% ſpätes Riſpengras, 10% gemeines Riſpengras. III. Dauerwieſen für guten, leichten Boden. (Lehmiger Sand, ſandiger Lehm und Sandmergel.) Matte(Mähewieſe) Weide Per Hettar e Snanneaenun d7 Sninzarane Einzel⸗ 4„0% Einzel⸗. 0 1. Mattenklee(Rotklee). 8 3,2 283 5 2,0 177 2. Weißklee...... 761,7 132 20 4,8 377 3. Gemeiner Schotenklee. 5 2,0 104 5 2,0 104 4. Engliſch Raigras..——— 10 8,7 674 5. Fromental..... 10 5,1 514 5 5,2 257 6. Goldhafer...... 5 1,7 61 5 1,7 61 7. Rotſchwingel..... 10 3,1 302 10 3,1 302 8. Knaulgres 15 10,5 599 5 3,5 200 9. Timothe...... 15 5,0 439 10 3,3 334 10. Kammgras.... 5 2,4 171 5 2,4 171 11. Wieſenriſpengras.. 10 4,0 173 20 8,0 346 12. Aufrechte Treſſe. 10 10, 512——— Zuſammen ſ 100 49,4 3290 ſ 100 ſ 44,7 3003 108 Zehntes Kapitel. Miſchungen für Dauerwieſen. Bemerkungen betreffend: 1. Baſtardklee und Sumpfſchotenklee. Auf feuchtem bis naſſem Boden erſetzt man den Mattenklee und den gemeinen Schoten⸗ klee durch dieſe zwei Arten. 2. Hopfenklee. Zur Weidenutzung iſt auf trockenem Sande auch eine kleine Beigabe von Hopfenklee am Platze. 3. Wieſenſchwingel und Wieſenfuchsſchwanz werden auf feuchtem Boden ebenfalls berückſichtigt und zur Ausgleichung werden Fromental, Goldhafer und Kammgras herabgeſetzt oder weggelaſſen. 4. Das Fioringras kann auf naſſem Boden auf 10 bis 15% erhöht werden. 5. Rohrglanzgras. Auf naſſem Land iſt auch dieſes Gras ganz am Platze. 6. Wehrloſe Treſpe. Auf ausgeſprochen trockenem Sand⸗ boden iſt die wehrloſe Treſpe zu empfehlen. Lehrke empfiehlt: a) Für Dauerwieſen(Matten): Für Sand⸗, Lehm⸗ und lehmigen Sandboden: 10% Rotklee, 5% Weißklee, 5% engliſches Raigras, 5% italieniſches Raigras, 5% Fromental, 10% Knaulgras, 5% Wieſenfuchsſchwanz, 2,5% Geruchgras, 10% Goldhafer, 2,5% weichhaarigen Hafer, 5% Zittergras, 10% Wieſenſchwingel, 5% roten Schwingel, 5% wolliges Honiggras, 5% Timothe, 10% Wieſen⸗ riſpengras. Für tiefgründigen, ſandigen Lehmboden: 5% Rotklee, 5% Weißklee, 10% Baſtardklee, 5% engliſches Raigras, 2,5% italieniſches Raigras, 5% Fromental, 10% Knaulgraus, 10% Fioringras, 10% Wieſenfuchsſchwanz, 1% Geruchgras, 1,5% Zittergras, 10% Kammgras, 2,5% Wieſenſchwingel, 5% Timothe, 10% Wieſenriſpengras, 5% ſpätes Riſpengras, 2,5% gemeines Riſpengras. Für Sandboden: 5% Rotklee, 10% Weißklee, 5% Baſtardklee, 5% engliſches Raigras, 5% italieniſches Raigras, 10% Fioringras, 10% Wieſenfuchsſchwanz, 2,5% Zittergras, 10% Kammgras, 5% Rohr⸗ ſchwingel, 5% Wieſenſchwingel, 10% Timothe, 2,5% Wieſenriſpengras, 10% ſpätes Riſpengras, 5% gemeines Riſpengras. b) Für Dauerweiden: Für fruchtbaren, ſandigen Lehm⸗ und lehmigen Sandboden.— Gute Weide für alles Nutzvieh: 5% Rotklee, 5% Weißklee, 2,5% Baſtardklee, 2,5% Hopfenklee, 2,5% Schoten⸗ klee, 2,5% niederliegenden Klee, 2,5% Erdbeerklee, 5% Kümmel, 10% engliſches Raigras, 7,5% italieniſches Raigras, 2,5% Wieſenfuchsſchwanz, 5% Goldhafer, 5% weichhaarigen Hafer, 10% Kammgras, 10% härt⸗ lichen Schwingel, 10% Timothe, 5% Wieſenriſpengras, 5 ,% gemeines Riſpengras, 2,5% Zaunwicke. Zur Anlage einer Wieſe in Südrußland auf ſehr fruchtbarem Boden, der aber trocken iſt und zeitweiſe an Dürre leidet, empfahlen wir: Luzerne 10%, Hopfenklee 5%, Fromental 5%, wehrloſe Treſpe 40%, aufrechte Treſpe 10%, Wieſenriſpengras 10%, Platthalmriſpengras 5%, Schafſchwingel 10%, Schafgarbe 5%. IV. Kunſtwieſen auf armem Sand. 4 109 IV. Kunſtwieſen auf armem Sand. Für den armen Sandboden, wie er beſonders in Norddeutſch⸗ land in ausgedehnten Flächen vorkommt, eignen ſich hauptſächlich nur genügſame Weidemiſchungen. Iſt der Boden kalkhaltig, oder wird er mit Mergel oder mit Kaliphosphat gedüngt, ſo ge⸗ deihen einige Kleearten noch ganz gut. Iſt der Boden aber arm an Kalk, ſo ſpielen die genügſamen Sandgräſer(beſonders Schaf⸗ ſchwingel) die Hauptrolle; in dieſem Falle liefert das Gras nur eine magere Schafweide. In folgender Überſicht finden ſich zwei Miſchungen für ſolche Verhältniſſe. Dauerweiden für armen Sandboden. (Loſer Sand). Boden kalkarm: Boden kalkhaltig: per Hektar dn Saatguantum dn Suotnugntum . KEinzel⸗„o, Einzel⸗ fast ke kgw fant kg Kg G 1. Weißklee...... 5 1,2 95 5 111,2 95 2. Hopfenklee.. 5 2,0) 157 5 2,0 457 3. Eſparſette......——— 5 17,0 1494 4. Wundklee......——— 10 4,0 299 5. Acker⸗Goldklee.. 5 1,7 119——— 6. Engliſch Raigras... 5 4,4 337 5 4,4 337 7. Fromental.. 3 3,1 154 3 3,1 154 8. Rotſchwingel..... 5 3,1 151 5 3,1 151 9. Schafſchwingel.. 40 23,2 1386 25 14,4 867 10. Knaulgras..... 5 3,5 118 5 3,5 118 11. Timothe...... 10 3,3 293 10 3,3 293 12. Platthalm⸗Riſpengras. 5 2,6 189 5 2,6 189 13. Fioringras..——— 5 15 107 14. Aufrechte Treſpe.——— 5 5,3 256 15. Wehrloſe Treſpe.. 10 9,6 654——— 16. Gemeine Schafgarbe 2 0,4 25 2 0,4 25 17. Becherblume..——— 5 3,7 231 Zuſammen 100 58,1 3678 100 69,5 4773 Werner empfiehlt für Dauerwieſen folgende Miſchungen: a) Auf armem, kalkloſem Sand: Weißklee 5%= 1,2 kg, Fadenklee 2,5%, = 1 kg, Hopfenklee 7,5%= 4,8 kg, Timothe 20%= 6 kg, härtlichen Schwingel 50%= 45 kg, Platthalm⸗Riſpengras 5%= 2 kg, Hain⸗ riſpengras 5%= 3,6 kg, Wieſenhafer 5%= 10 kg; Wieſenknopf 6 kg, Schafgarbe 1 kg und Spitzwegerich 1 kg. 110 Zehntes Kapitel. Miſchungen für Dauerwieſen. b) Auf armem, kalkhaltigem Sand: Weißklee 10%= 2,4 kg, Fadenklee 2,5%= 1 kg, Hopfenklee 5%= 3,2 kg, Vogelwicke 2,5% = 7,5 kg, Eſparſette 10%= 45,4 kg, härtlichen Schwingel 25%= 22,5 kg, Platthalm⸗Riſpengras 5%= 2 kg, Wieſenhafer 5%= 10 kg; Wieſen⸗ knopf 6 kg, Schafgarbe 1 kg und Spitzwegerich 1 kg. c) Auf feuchtem, humoſem Niederungsſand: Baſtardklee 10%= 2,4 kg, Hopfenklee 5%= 3,2 kg, Wieſenſchwingel 10%= 20 kg, Wieſenfuchsſchwanz 5%= 6 kg, Timothe 25%= 7 kg, Wieſenriſpengras 7,5%= 3 kg, gemeines Riſpengras 2,5%= 1 kg, Kammgras 5%= 3 kg, geknieten Fuchsſchwanz 5%= 4 kg, roten Schwingel 15%= 13,6 kg Fioringras 5%= 1,2 kg und Kümmel 4 kg. V. Dauerwieſen für Moorboden. Bei der Auswahl für Pflanzen für Beraſung des Moorbodens entſcheidet in erſter Linie die Höhe des Grundwaſſerſtandes, dann in zweiter Linie der Kulturzuſtand(ob beſandet oder nicht), die Kulturmethode(Umbruch oder Verwundungsverfahren), die Art des Moores(ob Niederungsmoor oder Hochmoor), das Klima, die Nutzung und die Gemengeteile des Moores. Wenn man alle dieſe Verhältniſſe berückſichtigen wollte, ſo ließen ſich für den Moorboden Dutzende von Miſchungen für Dauerwieſen aufſtellen. Dr. C. A. Weber, der hierüber eingehende Beobachtungen und Unterſuchungen gemacht hat, ſtellt nicht weniger als 33 Miſchungen auf.¹) Wir ſtützen uns in folgenden Angaben neben unſeren eigenen ältern Unterſuchungen auf diejenigen von L. Wittmack und jene von Weber. Geſtützt auf dieſe Reſultate und auf praktiſche Erwägungen ergeben ſich folgende allgemeine Lehrſätze für Anlage von Dauerwieſen auf Moorboden. 1. Zu den wertvollſten Gräſern und Kleearten für Anlage von Dauerwieſen auf Moorboden gehören das Timothe, der Wieſen⸗ ſchwingel, der Rotſchwingel, das Knaulgras, das Wieſenriſpengras, der Baſtardklee, der Weißklee, der Sumpfſchotenklee; für geringeren Boden auch das gemeine Riſpengras und das wollige Honiggras. 2. Für beſſeren, kultivierten und gedüngten Moorboden eignen ſich ferner das Fromental, der Rotklee, der Goldhafer, das Kamm⸗ gras und der gemeine Schotenklee. ¹) Neue Saatmiſchungen der Moor⸗Verſuchsſtation in Bremen (Mitteilungen d. Ver. z. Förderung der Moorkultur, XXI. Jahrg. Nr. 1, Berlin 1903). cordle 2kg, dengras =3g, 36 ke bodens „ dann ci), de Att d na, de le diee orboden .64 ſunge ) A älen ene von ägungen age won Nhleh Weſe ſpengue eringere wnigge 1 V. Dauerwieſen für Moorboden. 111 3. Iſt der Boden feucht oder gar naß, ſo empfiehlt ſich auch der Wieſenfuchsſchwanz, das flutende Süßgras, das Rohrglanzgras, das Fioringras und das gemeine Riſpengras. 4. Für die Nutzung in dem erſten Jahre ſind auch geringe Mengen engliſches und italieniſches Raigras am Platze. 5. Ein geringer Zuſatz von Kümmel und Geruchgras iſt als Würze empfehlenswert. In folgendem ſtellen wir als allgemeinen Typus eine Miſchung für genügend entwäſſerten Moorboden auf für die Verhältniſſe, wie ſie am gewöhnlichſten vorkommen. Daran knüpfen wir dann die Variationen für die Spezialfälle. Wegen der Schwierigkeit der Be⸗ raſung des Moorbodens iſt überall der Zuſchlag von 75% an⸗ genommen. Dauerwieſe für genügend entwäſſerten Moorboden in einiger Kultur. Matte(Mähewieſe) Weide Per Hektar d 1. keo, he be Einzel⸗ 5 S o Einzel⸗* g% ſaat ſaat 1. Rotklee.... 5 2,0 177——— 2. Weißklee... 5 1,2 94 20 4,9 377 3. Baſtardklee.. 5 1,2 95——— 4. Gemeiner Schotenklee. 5 2,0 109——— 5. Sumpfſchotenklee. 5 1,2 77 20 4,2 309 6. Engliſch Raigras. 5 4,4 337 5 4,4 337 7. Italieniſch Raigras.. 5 4,2 319——— 8. Fromental.. 5 5,2 257——— 9. Wieſenſchwingel. 10 8,2 633 10 8,2 633 10. Rotſchwingel.. 10 6,3 302 10 6,3 302 11. Knaulgras... 10 7,0 399——— 12. Timothe...... 10 3,3 293] 10 3,3 293 13. Wolliges Honiggras.. 5 2,0 70——— 14. Kammgras.... 5 2,4 171 5 2,4 171 15. Wieſenriſpengras 10 4,0 173 15 6,0 259 16. Gemeines Riſpengras——— 5 2,0 121 Zuſammen 100 54,6 3506] 100 41,7 2802 Von dieſer Normalmiſchung ſind folgende Abänderungen nötig: 112 Zehntes Kapitel. Miſchungen für Dauerwieſen. 1. Rotklee. Bei hohem Grundwaſſerſtande und feuchtem Boden läßt man den Rotklee ganz weg. Auch zur Weide iſt er nicht geeignet. 2. Weißklee. Bei Weidenutzung kann dagegen der Prozent⸗ ſatz des Weißklees bis auf das Doppelte erhöht werden, je mehr, um ſo trockener der Boden. 3. Baſtardklee. Auf feuchtem und naſſem Boden tritt der Baſtardklee an Stelle des Rotklees. 4. Gemeiner Schotenklee. Derſelbe iſt am Platze, wenn das Moor ziemlich viel mineraliſche Subſtanz enthält oder überſandet iſt. 5. Sumpfſchotenklee. Dieſer iſt für Dauerwieſen auf Moor trefflich geeignet. Man darf deshalb der Miſchung unbedenklich bis auf 20— 30% zuſetzen. 6. Engliſches Raigras. Für Weiden darf man bis auf 10% verwenden, während es für Mähewieſen weniger am Platze iſt. 7. Das Fromental iſt nur für trockenen, beſtkultivierten Moorboden am Platze. 8. Goldhafer. Für ſolche gute Moorböden wäre auch eine kleine Beimiſchung von Goldhafer angezeigt. 9. Wieſenſchwingel. Derſelbe iſt ein vortreffliches Gras für alle Moorböden, die nicht zu trocken ſind. Leider iſt die Anſaat wegen des benötigten hohen Saatquantums etwas teuer, ſo daß man ſelten höher als 10% geht. 10. Rotſchwingel. Auch der Rotſchwingel iſt trefflich ge⸗ eignet. Nur auf ganz naſſem Moor kommt er nicht fort. Leider iſt der Same im Handel ſelten echt. 11. Knaulgras paßt nur für beſſer kultivierten Moorboden und hier vornehmlich nur zur Anlage von Mähewieſen. 12. Timothe iſt für jedes Moor, für Matte wie für Weide, zu 10— 15— 20% angezeigt. 13. Wolliges Honiggras benützt man als Lückenbüßer nur für trockene Moore. 14. Wieſenfuchsſchwanz iſt umgekehrt nur in naſſen Lagen am Platze. Man verwendet jedoch ſelten mehr als 5— 10%. 15. Kammgras iſt für die beſſeren, nicht zu naſſen Moore, beſonders zu Weide angezeigt; wegen des hohen Preiſes geht man jedoch ſelten höher als 5%. hten iſt er wzen⸗ meht, it der In das aet it Moor ſich di bis af laße it iviert uch eine s GOri eArſer daß un flih he Ledet vorboden r Wedde. üßer nn en Lag 0p - n Mooke geht man V. Dauerwieſen für Moorboden. 113 16. Wieſenriſpengras iſt ein treffliches Gras für alle nicht zu naſſen Moorböden. Man verwende hiervon bis 20%. 17. Das gemeine Riſpengras kommt nur für die geringeren feuchteren Moore in Frage und hier hauptſächlich als Weide. 18. Fioringras. Auf feuchten Mooren empfiehlt ſich eine Bei⸗ gabe von 5— 10— 15% Fioringras; je feuchter das Moor, deſto mehr. 19. Rohrglanzgras und flutendes Süßgras. Auf naſſem Moorland iſt für Mähewieſen auch ein kleiner Zuſatz von Rohr⸗ glanzgras am Platze und auf ganz naſſem Lande eine Beigabe von flutendem Süßgras. 20. Geruchgras und Kümmel. Als Würze empfiehlt ſich auch ein geringer Prozentſatz(vielleicht 1%) von Geruchgras und Kümmel— und zwar nicht nur für Mähewieſen, ſondern auch für Weide(!). Auf beſandetem Moor kann man die ergiebigeren Arten etwas ſtärker berückſichtigen und diejenigen, welche weniger groß werden, zurücktreten laſſen. Im weſentlichen iſt auch die angegebene Miſchung maßgebend. C. A. Weber empfiehlt(a. a. O.) per Hektar für: Unbeſandetes Niederungsmoor bei einem Grundwaſſerſtande von 50— 60 cm im Binnenlande und 60—70 cm im Küſtenklima: a) Zu Mähe⸗ wieſe: Geruchgras 0,2, Timothe 4, Wieſenriſpengras 5, Knaulgras 7, Kammgras 2, roter Schwingel 3, Wieſenſchwingel 8, italieniſches Raigras 3, Sumpfſchotenklee 4, Rotklee 1,5, Baſtardklee 1, Weißklee 2,5, Kümmel 0,2 kg. b) Zu Weide: Timothe 4, Wieſenriſpengras 7, gemeines Riſpengras 2, Kammgras 2, roter Schwingel 3, Wieſenſchwingel 6, eng⸗ liſches Raigras 4, Sumpfſchotenklee 5, Weißklee 5 kg. Beſandetes Niederungsmoor bei Entwäſſerung bis auf 60 bis 80 cm Tiefe: Für das Küſtenklima: a) Für Mähewieſe: Ge⸗ ruchgras 0,2, Timothe 4, Fromental 6, Wieſenriſpengras 7, Knaul⸗ gras 6, Wieſenſchwingel 6, roter Schwingel 2, Kammgras 2, engliſches Raigras 3, italieniſches Raigras 3, Sumpfſchotenklee 2, Rotklee 1,5, Baſtardklee 1, Weißklee 2, Kümmel 0,2 kg. b) Für Weide: Timothe 4, Wieſenriſpengras 10, Wieſen⸗ ſchwingel 4, roter Schwingel 2, Kammgras 2, engliſches Raigras 10, Sumpfſchotenklee 2, Weißklee 8, Hopfenklee 3 kg. Für das Binnenland: a) Für Mähewieſe: Geruchgras 0,2, Timothe 4, Fromental 5, Wieſenriſpengras 7, Knaulgras 8, Wieſen⸗ ſchwingel 4, Rotſchwingel 3, Kammgras 2, engliſches Raigras 3, italieniſches Raigras 3, Sumpfſchotenklee 1,5, Rotklee 1,5, Baſtardklee 1, Weißklee 2,5, Kümmel 0,2 kg. b) Für Weide: Timothe 4, Goldhafer 1,5, Wieſenriſpengras 10, roter Schwingel 4, Kammgras 2, engliſches Raigras 10, Sumpfſchoten⸗ klee 1, Weißklee 8, Hopfenklee 2 kg. Stebler. 5. Auflage. 8 114 Zehntes Kapitel. Miſchungen für Dauerwieſen. Anmoorigen Sand, im Frühjahr naß, im Sommer ſehr trocken, für das norddeutſche Binnenland als Mähewieſe: Timothe 3, Fromental 5, Goldhafer 1, wolliges Honiggras 5, Wieſen⸗ riſpengras 6, Knaulgras 8, roter Schwingel 4, engliſches Raigras 5, italieniſches Raigras 2, Sumpfſchotenklee 1, gemeiner Schotenklee 4, Rot⸗ klee 1, Baſtardklee 1, Weißklee 2 kg. Nicht abgetragenes Hochmoor und abgetragenes Hoch⸗ moor mit trockenen Bodenverhältniſſen für neukultivierten Boden als Mähewieſe: Geruchgras 0,2, Timothe 4, Fromental 4, gemeines Riſpengras 1,5, Wieſenriſpengras 4, Knaulgras 10, Kammgras 2, roter Schwingel 2, italieniſches Raigras 3, engliſches Raigras 3, Sumpf⸗ ſchotenklee 3,5, Rotklee 1, Baſtardklee 1, Weißklee 2, Kümmel 0,2 kg. Wittmacki) empfiehlt für beſandeten Moorboden per ha: Fioringras 5%= 1,5 kg, Wieſenfuchsſchwanz 5%= 2 kg, Geruchgras 1%= 0,5 kg, Fromental 5%= 7 kg, Goldhafer 2%= 1 kg, Kammgras 2%= 1 kg, Knaulgras 5%= 3,5 kg, Rohrſchwingel 5%= 4 kg, Wieſenſchwingel 10%= 8 kg, Rotſchwingel 5%= 3 kg, italieniſches Raigras 3%= 3 kg, engliſches Raigras 5%= 4,5 kg, Rohrglanzgras 5%= 2,5 kg, Timothe 10%= 3,5 kg, Wieſenriſpengras 10%= 4 kg, Sumpfſchoten⸗ klee 5%= 1 kg, Baſtardklee 10%= 2,5 kg, Mattenklee 5%= 2 kg und Kümmel 2%= 1 kg. Dieſer hervorragende Autor, auf deſſen Urteil Wert gelegt werden darf, kommt, geſtützt auf 9 Jahre fortgeſetzte Verſuche auf beſandetem und unbeſandetem, anmoorigem Boden u. a. zu folgenden Schlußreſultaten: ²) „Es iſt bei Saatmiſchungen für Moorwieſen darauf zu achten, daß die 4 Gräſer Timothe, Wieſenſchwingel, Wieſenriſpen⸗ gras und Rohrglanzgras in größerem Prozentſatze vorhanden ſeien.— Damit ſoll aber nicht geſagt werden, daß nicht auch andere gute Gräſer hinzugenommen werden müſſen; für die erſten Jahre ſind engliſches und italieniſches Raigras unbedingt nötig, einmal damit ſie den anderen Gräſern, die ſich langſamer entwickeln, Schutz geben, zweitens damit man in den erſten beiden Jahren ſchon hohe Erträge habe. Auch Knaulgras, franzöſiſches Raigras und Wieſen⸗ fuchsſchwanz ſind ſehr geeignet; als Untergras Rotſchwingel, Gold⸗ hafer, Kammgras und Fioringras. Die Zehdenicker Moorwieſen(die jetzt 9 Jahre alt ſind) zeigen, daß manche Gräſer, beſonders die 4 genannten, viel länger dauern, als man oft annimmt. Wenn nur tüchtig geeggt wird, bilden die ¹) In C. A. Vogler, Grundlehren der Kulturtechnik, I, 3. Aufl. S. 346. Berlin 1903, Verlag von Paul Parey. ²) Thiels landw. Jahrbücher 1899. IX. Die Wieſen auf Moor⸗ dämmen von L. Wittmack. genden wachte riſpen⸗ rhande hander n Jöhr einnal Sh pon hui Piſfe , God⸗ d zeige jdaue. iden i 3 N uf Meor⸗ VI. Grasſamen⸗Miſchungen für Wäſſerwieſen. 115 alten Stöcke immer wieder neue Triebe, und wenn dazu eine gute Düngung kommt, ſo bleibt der Ertrag ein angemeſſener. Da der Klee meiſt nach 2 bis 3 Jahren verſchwindet, empfiehlt ſich eine Nachſaat, falls das Gras nicht ſo dicht iſt, daß es den Klee nicht aufkommen läßt. Nachſaaten, ſowohl von Klee wie von Gräſern, ſollten, wie Stebler mit Recht rät, nach dem 2. Schnitt ge⸗ macht werden, da ſie im Frühjahr zu leicht unterdrückt werden.“ Dieſes Verfahren der Einſaat von Klee⸗ und Grasſamen in beſtehende Moorwieſen wird von Weber als Verwundungsver⸗ fahren bezeichnet und hat ſich auch in Deutſchland eingebürgert. Wir kommen hierauf bei der Pflege der Naturwieſen(Kapitel 19) zu ſprechen.— 1 Dr. A. Baumannn) rät für Hochmoorboden von Wieſenfuchsſchwanz, gemeinem Riſpengras, Fromental, engliſchem und italieniſchem Raigras, Fioringras, wehrloſer und weicher Treſpe ab, empfiehlt dagegen bei Stick⸗ ſtoffdüngung u. a. das Fioringras, das Knaulgras und das Timothegras, ferner Baſtardklee, Weißklee und Sumpfſchotenklee. VI. Grasſamen⸗Miſchungen für Wüſſerwieſen. Obzwar der Fall nicht häufig iſt, kommt es doch vor, daß umgeackertes Land zum Behufe der Anlage von Wäſſerwieſen beraſt wird. Dieſem Zwecke entſprechend ſtellt man bei ſolchen Miſchungen jene beſſeren Arten in den Vordergrund, welche ſich wild auf den Wäſſerwieſen unter ähnlichen Verhältniſſen vorfinden, und fügt den⸗ ſelben noch einige andere bei, von denen man annehmen kann, daß ſie ebenfalls gedeihen. Da die Boden⸗ und Waſſerverhältniſſe und die Lage außerordentlich verſchieden ſind, ſo kann man nicht ein für allemal dieſelbe Miſchung ausſäen. Wir ſtellen deshalb als allgemeinen Anhalt vorerſt eine Normalmiſchung für Wäſſer⸗ wieſen auf und fügen derſelben eine Anzahl Abänderungsvorſchläge für abweichende Verhältniſſe bei. Naturgemäß ſpielen in den Wäſſerwieſen die Kleearten meiſt eine untergeordnete Rolle. Da jedoch die künſtlich beſamte Wäſſerwieſe in den beiden erſten Jahren in der Regel nicht bewäſſert(höchſtens angefeuchtet) wird, ſo iſt ein geringer Prozentſatz von Klee für dieſe Zeit am Platze. ¹) Mitteilg. d. Ver. zur Förderung d. Moorkultur. Berlin 1898. S. 302 ff. 8* 116 Zehntes Kapitel. Miſchungen für Dauerwieſen. Rieſelwieſe mit genügendem Waſſerabfluß. Prozent Saatquantum Per Hektar der Einzelſaatt kg kg% a) Gräſer: 1. Wieſenſchwingel... 15 12,3 949 2. Wieſenfuchsſchwanz... 10 4,4 197 3. Timothe........... 10 3,3 293 4. Knaulgras..... 15 10,5 598 5. Goldhafer......... 3 1,0 37 6. Rotſchwingel.... 10 6,3 302 7. Wieſenriſpengras.... 10 4,0 173 8. Fioringras.......... 10 3,0 214 9. Kammgras...... 5 2,5 171 10. Rohrglanzgras....... 2 0,9 5⁵ b) Kleearten: 11. Baſtardklee......... 5 1,2 89 12. Weißklee.......... 5 1,2 94 Zuſammen 100 50,6 3172 Abänderungen für Wäſſerwieſen. 1. Wieſenſchwingel. Bei fettem Waſſer und zeitweiſe ungenügender Waſſermenge reduziert man den Wieſenſchwingel. 2. Wieſenfuchs⸗ ſchwanz, ebenſo. 3. Timothe. Bei ungenügender Waſſermenge wird der Prozentſatz bis auf das Doppelte erhöht. 4. Knaulgras. Iſt das Land reich an Stickſtoff, ſo wird der Prozentſatz verdoppelt. 5. Gold⸗ hafer. Das Gras iſt beſonders geeignet für warme Lagen und reichen Boden. 6. Rotſchwingel. Iſt das Waſſer reich an Dungſtoffen, ſo läßt man dieſes Gras weg. 7. Wieſenriſpengras, ebenſo. 8. Fiorin⸗ gras, ebenſo. 9. Kammgras, ebenſo. 10. Rohrglanzgras. In lockerem Boden und bei reichlichen Waſſermengen wird der Anſatz bis auf 20% erhöht. 11. Baſtardklee. Bei reichem Boden kann der Anſatz verdoppelt werden. 12. Weißklee, ebenſo. 13. Sumpfſchotenklee. Für Wäſſerwieſen, die ab und zu mit Phosphat oder Kaliphosphat ge⸗ düngt werden, iſt eine Beigabe von 5—10% Sumpfſchotenklee angezeigt. Außerdem verdienen unter Umſtänden noch folgende Gräſer und Kleearten Berückſichtigung: 1. Engliſches Raigras auf reichem Boden und gutem Waſſer⸗ abfluß. 2. Italieniſches Raigras bei Spüljauchenberieſelung, über⸗ haupt bei düngerkräftigem Waſſer und gutem Abfluß. Werner empfiehlt 50% und alljährliche Nachſaat mit einem Drittel dieſes Saatquantums, da das Gras ſonſt ſehr bald eingeht. 3. Flutendes Süßgras bei großen Waſſerquantitäten(der Same iſt billig). 4. Rieſenſüßgras, ebenſo. VI. Grasſamen⸗Miſchungen für Wäſſerwieſen. 117 5. Fruchtbares Riſpengras, wenn es echt erhältlich iſt. 6. Fromen⸗ tal bei gutem Waſſerabzug und durchläſſigem Boden. 7. Rotklee iſt auf gutem, warmem Boden am Platze. Man verwende aber nur den Mattenklee, keinen gewöhnlichen Rotklee. 1 Dagegen iſt von folgenden Arten, welche von andern Autoren empfohlen ſind, abzuraten: Weiche Treſpe, weichhaariger Hafer, gemeines Riſpengras, einjähriges Riſpengras(Unkraut), wolliges Honiggras, härt⸗ licher Schwingel, Sandluzerne, gelbe Luzerne(nicht erhältlich), Vogelwicke (im Handel nicht erhältlich), Wieſenplatterbſe(weil nicht erhältlich). Lehrke(a. a. O.) empfiehlt für Rieſel⸗ und Überſtauungswieſen folgende Miſchungen: a) Für Rieſelwieſen. 1. Für ſchweren Boden: 10% Rotklee, 5% Weißklee, 5% Baſtardklee, 10% engliſches Raigras, 5% italieniſches Raigras, 2,5% Fromental, 10% Knaulgras, 2,5% Fioringras, 10% Wieſenfuchsſchwanz, 10% Goldhafer, 10% Kammgras, 2,5% Wieſenſchwingel, 2,5% Timothe, 5% Wieſenriſpengras und 10% gemeines Riſpengras. 2. Für mittelſchweren Boden: 10% Rotklee, 5% Weißklee, 5% Baſtardklee, 10% engliſches Raigras, 2,5% italieniſches Raigras, 2,5% Fromental, 5% Knaulgras, 5% Fioringras, 10% Wieſenfuchs⸗ ſchwanz, 10% Goldhafer, 5% Kammgras, 2,5% härtlichen Schwingel, 10% Wieſenſchwingel, 5% Timothe, 10% Wieſenriſpengras, 2,5% ge⸗ meines Riſpengras. 3. Für leichten Boden: 5% Rotklee, 5% Weißklee, 10% Baſtard⸗ klee, 5% engliſches Raigras, 5% italieniſches Raigras, 5% Fromental, 2,5% Knaulgras, 10% Fioringras, 10% Wieſenfuchsſchwanz, 5% Gold⸗ hafer, 5% Kammgras, 5% härtlichen Schwingel, 10% Wieſenſchwingel, 2,5% roten Schwingel, 5% Timothe, 10% Wieſenriſpengras. b) Für Überſtauungswieſen. 4. Für mittelſchweren Boden. Nährſtoffreiches Waſſer, reich⸗ liche, natürliche Düngung: 15% Baſtardklee, 5% Sumpfſchotenklee, 20% italieniſches Raigras, 10% Fromental, 10% Fioringras, 5% geknieten Fuchsſchwanz, 5% Wieſenfuchsſchwanz, 5% härtlichen Schwingel, 2,5% Rieſenſüßgras, 2,5% Timothe, 5% einjähriges Riſpengras, 10% ſpätes Riſpengras, 5% gemeines Riſpengras. 5. Für leichten Boden. Armes Gebirgswaſſer, mäßige Düngung: 20% Baſtardklee, 5% Sumpfſchotenklee, 10% italieniſches Raigras, 10% Fromental, 5% Fioringras, 10% geknieten Fuchsſchwanz, 5% Wieſen⸗ fuchsſchwanz, 1% Rohrglanzgras, 1,5% Rohrſchwingel, 5% Rieſenſüß⸗ gras, 5% wolliges Honiggras, 2,5% Timothe, 5% einjähriges Riſpen⸗ gras, 5% ſpätes Riſpengras, 10% gemeines Riſpengras. 6. Für Anſtau⸗ und Peterſen'ſches Syſtem. Für mittel⸗ ſchweren Boden im normalen Düngungszuſtande: 5% Weiß⸗ klee, 15% Baſtardklee, 10% engliſches Raigras, 2,5% italieniſches Rai⸗ gras, 5% Fromental, 10% Knaulgras, 10% Wieſenfuchsſchwanz, 5% Goldhafer, 5% Kammgras, 5% härtlichen Schwingel, 5% Wieſen⸗ ſchwingel, 2,5% wolliges Honiggras, 5% Timothe, 10% Wieſenriſpen⸗ gras, 5% gemeines Riſpengras.. 118 Zehntes Kapitel. Miſchungen für Dauerwieſen. VII. Kunſtwieſen in hohen Lagen. Angeregt durch unſere Verſuche, werden in neuerer Zeit im Gebirge öfters Kunſtwieſen angelegt. Bis in eine Meereshöhe von 1100— 1200 m eignen ſich die im Vorhergehenden angegebenen Miſchungen meiſt ganz gut, abgeſehen von ſchattigen, winterlichen Lagen, wo man ſchon mit 900— 1000 m Meereshöhe gezwungen iſt, die alpinen Miſchungen anzuwenden. In großen Meereshöhen paſſen meiſt nur die beſſeren Bodenarten zur Kunſtwieſenanlage, während geringere Böden dieſe Kulturmaßregel nicht mehr rentieren. Beſonders ſind es die in der Nähe der Sennhütten, Wohngebäude und Ställe gelegenen, mit Ammoniakpflanzen oder Alpenerlen ſtark beſetzten Plätze, die ſich hierzu eignen. Dieſelben werden, weil ſie wenig oder keinen Ertrag geben, am beſten umgebrochen, 1—3 Jahre unter dem Pflug behalten und, wenn möglich, in dieſen Jahren mit paſſenden Sommergewächſen bebaut, damit das Unkraut möglichſt vollſtändig vertilgt werden kann. Hernach wird eine Kunſtwieſe angelegt. Da innerhalb der Waldregion noch gewiſſe wertvolle Futterpflanzen fortkommen, welche über der Waldgrenze nicht mehr gedeihen, ſo ſtellen wir¹) im folgenden zwei Miſchungen auf. (Siehe die Tabelle auf Seite 119.) Es wäre zwar freilich empfehlenswert, Samen ſpeziell alpiner Futterpflanzen in die Miſchung eintreten zu laſſen, wie Muttern (Meum Mutellina), blaſſer Klee(Trifolium pallescens), gemeiner Taumantel(Alchimilla vulgaris), Alpenlieſchgras(Phleum alpinum), Alpenriſpengras(Poa alpina) ꝛc. Da die Samen jedoch im Handel nicht erhältlich ſind, ſo müßte man dieſelben ſelbſt ſammeln, was aber ſelten geſchieht. Übrigens hat die Aufſtellung einer ſolchen Miſchung wegen ungenügender Erfahrungen über das Saatquantum keinen Zweck. Ein Gras für hohe Lagen wäre auch das Vanillengras(Hierochloa borealis), das durch Teilung von Stöcken vermehrt wird. Da das Gras unterirdiſch ſtark kriecht, ſo iſt die Kultur ohne Schwierigkeiten. Man pflanzt die geteilten Stöcke in ſchrittweiſen Entfernungen aus. Der Be⸗ ſtand ſchließt ſich in 3— 4 Jahren von ſelbſt. ¹) Vergl. die Anlage von Kunſtwieſen auf höheren Alpen. Von Dr. F. G. Stebler und Dr. A. Volkart(Landw. Jahrbuch der Schweiz. Bern 1902). er dän Nereste ngegben rineaüte Pinune leeredäe jſenwite N vanie ohngedin nerlen i en, vilſ 1- 3 Jahren n rigie Krnri ſe vechel erict ri d af die Sm ieſebe a giend Da d M gheit 3 aus. Dab VII. Kunſtwieſen in hohen Lagen. 119 Dauerwieſe für guten Boden im Gebirge. Unter 1500 m Über 1500 m Meereshöhe: Meereshöhe: H 0 0 Per Hektar d Saatquantum d Saatquantum Einzel⸗⸗ EEinzele ſaat kg kg% ſaat kg kg% 1. Baſtardklee.. 10 2,4 129 5 1,2 89 2. Mattenklle. 5 2,0 12½——— 3. Weißklee...... 5 1,2 95——— 4. Timothe..... 20 6,6 586 15 4,9 439 5. Knaulgras.. 15 10,5 410——— 6. Wieſenſchwingel.. 5 4,1 317 5 4,1 317 7. Roter Schwingel... 10 6,3 302 20 12,6 604 8. Goldhafe.. 3 1,0 37 5 1,7 61 9. Wieſenfuchsſchwanz.. 5 2,2 99 10 4,4 197 10. Wieſenriſpengras... 10 4,0 173 10 4,0 173 11. Fioringraes.. 10 3,0 214 10 3,0 214 12. Kammgras... 2 1,0 69——— 13. Rohrglanzgras..——— 10 4,4 276 14. Kümmel......——— 5 2,0 139 15. Schafgarre..——— 5 1,0 64 Zuſammen 100 ſ 44,3 2658 100 43,3 2573 Die Saat des Grasſamens geſchieht am beſten im Vorſommer, ſobald die Alp bezogen wird, und zwar wird der Same tunlichſt ohne Überfrucht geſäet. In dieſem Falle iſt aber dafür zu ſorgen, daß das Unkraut nicht überhand nimmt. Die Kunſtwieſenanlagen müſſen gut eingefriedet ſein und dürfen die erſten Jahre nicht beweidet werden, bis ſich der Raſen genügend konſolidiert hat. Auch ſpäter weide man ſie nur bei trockenem Wetter. Von ſolchen Grasſamenmiſchungen ernteten wir auf der Fürſtenalp¹) auf vordem ertragloſem Lägerboden per Hektar 45 bis 50 qu Heu. VIII. Dauermiſchungen für Gartenraſen. Zur Anlage des niedrigen dunkelgrünen Teppichraſens in Gärten und Parkanlagen eignen ſich beſonders die niedrigen Arten, ¹) Das 1884 auf der Fürſtenalp ob Trimmis bei Chur eingerichtete Verſuchsfeld liegt an einem nach Nordweſten geneigten Hange in einer Meereshöhe von 1782 m. 120 Zehntes Kapitel. Miſchungen für Dauerwieſen. welche einen ſchönen ebenen und zuſammenhängenden Raſen bilden. Das ſchönſte Gras dieſer Art wäre das engliſche Raigras; das⸗ ſelbe hat jedoch den Nachteil, daß es nicht ausdauert, weshalb der Raſen nach 2—3 Jahren lückig wird. Nichtsdeſtoweniger benützt man es meiſt für Gartenraſen, da es ſich raſch entwickelt und ſchon im erſten Jahr einen ſchönen Raſen erzeugt. Man miſcht ihm jedoch zweckmäßig perennierende Arten bei, die die Lücken ausfüllen, welche das engliſche Raigras läßt. Es ſind dies beſonders: Wieſenriſpengras, Rotſchwingel, Wieſenſchwingel, Fioringras(be⸗ ſonders für feuchte Lagen), Kammgras(iſt teuer), Hainriſpengras (für ſchattige Lagen), feinblättriger Schafſchwingel(für ſchattige Lagen), verſchiedenblättriger Schwingel(für ſchattige Lagen), gemeines Riſpen⸗ gras(für friſche Lagen), Platthalm⸗Riſpengras(für hitzige Lagen), Weißklee, Schafgarbe(für heiße Lagen). Da es ſich bei dem Gartenraſen um die Herſtellung eines möglichſt dichten, niedrigen Raſens handelt, der nie höher als zollhoch werden ſollte, ſo muß man ſehr dicht ſäen. Ein Saatquantum von 100% Zuſchlag nach der Tabelle auf Seite 76 f. iſt gering und 200% Zuſchlag gilt noch als ſchwache Saat, gewöhnlich gibt man aber das 4—5 fache Saatquantum. In folgender Tabelle ſind von den Arten, die hier in Betracht fallen, die Saatquantitäten mit 100, 200, 300 und 400% Zuſchlag angeben. (Siehe die erſte Tabelle auf Seite 121.) . In folgenden von uns aufgeſtellten Miſchungsbeiſpielen iſt das 4fache Saatquantum(Spalte 4) zu Grunde gelegt. (Siehe die zweite Tabelle auf Seite 121.) Die Gärtner wenden meiſt Miſchungsrezepte an, in welchen die von den einzelnen Arten zu verwendenden Mengen in Gewichts⸗ teilen angegeben ſind, ohne Rückſicht auf die zu beſäende Fläche. Die Berliner Pariſerplatz⸗Miſchung beſteht z. B. aus: Engliſches Raigras.... 3 Gewichtsteile. Fioringras...... 3„ Wieſenriſpengras..... 3„ -B==—JSS e= Se ͤ — VIII. Dauermiſchungen für Gartenraſen. 121 lide Saattabelle für Gartenraſen. di Bei Einzelſaat ſäet man per Ar in Gramm(abgerundet): alb de—— benit 8 S— X— Be : un GS8S 82888888S ri 55 55 55 55 8 dcct 8 8 8— n Samenart: S„ olN Co2 oe. Lüt 8=8S⸗ZSS8=S8. ⸗ —E8S 8.SS— 8 S8.8S 85 8 5* 8 S* 8 G 8 H———— nräte 1. 2. 3. 4. 5. denges 1. Engliſch Raigras...... 1000 1500 2000 2500 Lnr 2. Wieſenſchwingel...... 1000 1500 2000 2500 1 3. Rotſchwingel.... 800 1200 1600 2000 Rijpe 4. Feinbl. Schafſchwingel... 600 900 1200 1500 Lagen 5. Verſchiedenbl. Schwingel.. 800 1200 1600 2000 6. Kammgras... 500 750 1000 1250 7. Wieſenriſpengras.... 500 750 1000 1250 ag eine 8. Gemeines Riſpengras.. 500 750 1000 1250 zollot 9. Hainriſpengras.... 600 900 1200 1500 dn n 10. Platthalmriſpengraes 600 900 1200 1500 11. Fioringras........ 400 600 800 1000 ing un 12. Weißklee......... 300 450 600 750 it nm 13. Gemeine Schafgarbe... 240 360 480 600 ſnd u Miſchung für Gartenraſen auf Boden von mittlerem dten ni Bindigkeits⸗ und Feuchtigkeitsgrad. Per Ar(100 qm): Für offene Lagen Für ſchattige Lagen nelen i Samenart: % 9% 8 1. Engliſch Raigras... 20 400 20 400 2. Wieſenſchwingel deutſcher) 10 200—— tun 3. Rotſchwingel...... 25 400 10 160 6 4. Wieſenriſpengras.. 20 200 10 100 gexihe 5. Fioringras(kriechendes). 20 160 10 80 e Nlte 6. Kammgras.... 5 50—— 7. Hainriſpengras..—— 20 240 3 8. Feinbl. Schafſchwingel..—— 10 120 9. Gemeines Riſpengras..—— 10 100 10. Verſchiedenbl. Schwingel.—— 10 160 Zuſammen 100 1410 100 1360 122² Zehntes Kapitel. Miſchungen für Dauerwieſen. Die Berliner Tiergarten⸗Niſchungen beſtehen aus: 1. Beſſerer Boden: Engliſch Raigrass.. 60 kg Wieſenriſpengras....... 20„ Fioringras. ·.......... 20„ 2. LCeichter Boden: Engliſch Raigras...... 40 kg Fioringras......... 25„ Wieſenriſpengreaes.. 15„ Kammgras............ 10„ Feinbl. Schafſchwingel... 10„ 3. Für ſchattige Stellen: Engliſch Raigras... 30 kg Italieniſch Raigras........ 30„ Hainriſpengras.......... 15„ Fioringras.... 15„ Drahtſchmiele........... 10„ zuſammen 100 kg. Um den Gartenraſen dauerhaft und hübſch zu erhalten, ſollte er hin und wieder gedüngt werden. Durch den Dünger wird jedoch viel Unkraut eingeſchleppt. Zur Düngung eignen ſich beſonders Stickſtoffdünger. Die beiden im Handel vorkommenden Stickſtoff⸗ dünger(Chiliſalpeter und ſchwefelſaures Ammoniakh ſind ſehr wenig nachhaltig und wirken leicht ätzend. Viel beſſer würden ſich die ge⸗ ringen Olkuchen eignen, die nicht zu Fütterung verwendbar ſind. IX. Beraſung von Böſchungen und Rutſchflächen. Für Beraſung von Böſchungen und Rutſchflächen laſſen ſich noch viel weniger als bei den Dauerwieſen beſtimmte Regeln auf⸗ ſtellen, ſondern man muß ſich auf allgemeine Anhalte beſchränken. Da es ſich weniger um einen Ertrag, als vielmehr darum handelt, den Boden zu befeſtigen, benutzt man wenn immer möglich Arten, deren Samen billig erhältlich ſind, immer aber ſolche, welche einen ſoliden Raſen erzeugen, wozu in allererſter Linie tief wurzelnde und kriechende Arten gehören. Es eignen ſich beſonders: Engliſches Raigras, das ſich raſch entwickelt; Timothe, das billig iſt; Knaulgras iſt teuer, aber dauerhaft; Rotſchwingel macht einen ſoliden Raſen, iſt aber teuer; Schafſchwingel iſt billig; Wieſenriſpengras macht dichten Raſen; Platthalmriſpengras iſt billig und eignet ſich für hitzige ——ͤS—, ſgſetſt dpelr u eſchinn in h ich lir elche eie murxh Elftes Kapitel. Die Auswahl der Pflanzen. 123 Lagen; Rohrglanzgras liebt Feuchtigkeit, bildet aber ſehr dichten Raſen; aufrechte Treſpe erträgt Trockenheit; wehrloſe Treſpe verlangt lockeren Boden; gefiederte Zwenke bildet dichte Raſen; Eſparſette liebt trockenen Boden; Luzerne treibt lange Wurzeln; Hopfenklee iſt billig, entwickelt ſich raſch und verſamt ſich leicht; Wundklee verſamt ſich leicht. Zur Beraſung einer Rutſchhalde ob der Bahnlinie der Gotthardbahn in Osco ob Faido, 1160 m ü. M., wurde mit gutem Erfolge nachſtehende Miſchung pro Hektar geſäet: Eſparſette 15, Wundklee 3 ½, Luzerne 2, Hopfenklee 2, Fromental 4 ½, engliſches Raigras 4, Timothe 1 ½, Knaul⸗ gras 3, Schafſchwingel 5, Wieſenriſpengras 3 ½, Platthalmriſpengras 3 ½, aufrechte Treſpe 9, wehrloſe Treſpe 8, gemeine Schafgarbe ½ kg.— Mit ſehr gutem Erfolg wurde mit einer ähnlichen Miſchung der Bergſturz in Airolo beſamt. Zur Befeſtigung von Dünenſand ſind zu empfehlen: Das Sandhaargras(Elymus arenarius), das Sandrohr(Ammophila arenaria) und das graue Silbergras(Corynephorus canescens). Für Beraſung von viel begangenen Plätzen, wie Spielplätzen, Bleichplätzen, Feldwegen, Exerzierplätzen ꝛc., verdienen beſonders das eng⸗ liſche Raigras und der Weißklee Berückſichtigung. Wieſenſchwingel, Kamm⸗ gras, Schafgarbe wären ebenfalls trefflich geeignet, ſind aber teuer. Für Beraſung eines Exerzierplatzes haben wir empfohlen per Hektar: Weißklee 2,5 kg, Hopfenklee 4, Fromental 5, engliſches Rai⸗ gras 30, Timothe 3, Wieſenſchwingel 2, Wieſenriſpengras 2, Kamm⸗ gras 1, Fioringras 1,5, Rotſchwingel 5, gemeines Riſpengras 2, Schaf⸗ garbe 0,5 kg,— oder folgende billige Miſchung: 30 kg engliſches Raigras, 6 Hopfenklee, 1 Weißklee, 2 Timothe, 10 Platthalmriſpengras, 12 kg Schafſchwingel. Elftes Kapitel. Die Auswahl der Pflanzen. Die Hauptſache bei der künſtlichen Wieſenanlage iſt die richtige Auswahl der Pflanzen. Nicht nur kann bei richtiger Wahl ſéhr viel Geld für unnötiges Saatgut erſpart werden, ſondern dieſe bedingt zugleich weſentlich auch den Erfolg. In dieſer Beziehung wird ungemein viel geſündigt. Wir finden in Lehrbüchern und land⸗ wirtſchaftlichen Kalendern ſogar Arten empfohlen, die total wert⸗ los ſind und mit welchen der Landwirt von vornherein be⸗ trogen iſt. Wer eine richtige Samenmiſchung zuſammenſtellen will, ſollte die in Betracht fallenden Pflanzen kennen und ſollte wiſſen, ob dieſelben im Verkehr erhältlich ſind oder nicht. —;——;—XX—— — 124 Elftes Kapitel. Die Auswahl der Pflanzen. Die Kenntnis der einzelnen Futterpflanzen iſt das A⸗B⸗C des Futterbaues. Wer das A⸗B⸗C der Schulfibel nicht kennt, kann nicht buchſtabieren, kann nicht leſen. Wer die Futterpflanzen nicht kennt, kann den Futterbau nicht rationell betreiben. Hier hapert es aber bei den meiſten Landwirten. Sie kennen die Kulturpflanzen des Ackers ganz gut— den Weizen, den Roggen, den Hafer, die Gerſte, die Kartoffeln, die Runkelrüben und wie ſie alle heißen, aber die Futtergräſer kennen ſie nicht oder nur unvollkommen, trotzdem der Futterbau ebenſo wichtig iſt als der Getreidebau, der Kartoffelbau, der Anbau von Runkelrüben u. ſ. w. Der Landwirt weiß bei allen dieſen Pflanzen genau, auf welcher Boden⸗ art ſie am beſten gedeihen, wie man ſie düngen und pflegen muß, wie viel und wann man ſäüet u. ſ. f. So ſollte es auch bei den Futtergräſern der Fall ſein. Der Futterbauer ſoll die Gräſer nicht nur dem Namen nach kennen, ſondern auch ihren Wuchs, ihre Lebensdauer, ihre Bodenanſprüche, ihren Ertrag, ihren Futterwert ec. Er ſollte wiſſen, ob das Gras einen Horſt bildet oder kriecht, ob es ein- oder zweijährig oder dauerhaft iſt, ob es auf ſchwerem oder leichtem, auf trockenem, friſchem, feuchtem oder naſſem Boden ge⸗ deiht, ob es einen guten Nachwuchs gibt ꝛc.— Dieſe Belehrung dem Landwirt zu teil werden zu laſſen, iſt Zweck der Werke über die Futterpflanzen. Es würde natürlich zu weit führen, hier die einzelnen Futtergräſer und Kleearten nach allen dieſen Richtungen zu beſchreiben; wir müſſen auf unſer Werk über„Die beſten Futter⸗ pflanzen“¹) verweiſen, in welchem alle wichtigeren Arten ausführlich beſchrieben und in ihren natürlichen Farben abgebildet ſind. Was in dem Nachfolgenden geboten werden kann, iſt nur eine kurze Überſicht. Bei dem Betriebe des Futterbaues kommen für gewöhnliche Fälle nur relativ wenige Arten in Betracht, in der Hauptſache ſind es nur etwa 7—8 Gräſer und 6 Kleearten. Nur für Spezialfälle und für Anlage dauerhafter Wieſen werden noch weitere Arten beigezogen. Wir unterſcheiden im weſentlichen drei Pflanzengruppen: 1. Futtergräſer. 2. Kleearten oder Schmetterlingsblütler. 3. Kräuter. ¹) Die beſten Futterpflanzen. Abbildungen und Beſchreibungen nebſt Angaben über Kultur, landwirtſchaftlichen Wert, Samengewinnung, ⸗verunreinigungen, ⸗verfälſchungen ꝛc. Bern, Verlag von K. J. Wyß. I. Teil 3. Aufl. 1902. II. Teil 2. Aufl. 1895. III. Teil: Die Alpen⸗ futterpflanzen, 1889. 18 t, kemn ſriech,0 erem dd aden g⸗ Belehrn erke ihe ewühlit ſeche ſi leudi eigezege ppen. 3. Krä creibunge gewirmm die Ale A. Die Futtergräſer. 125 A. Die Futtergräſer. Bei der Beurteilung des landwirtſchaftlichen Wertes eines Futtergraſes iſt die Kenntnis der Lebensdauer ſehr wichtig. Ein einjähriges Gras hat in der folgenden Beſchreibung das Zeichen O, ein einjähriges Wintergewächs O, ein zweijähriges O und ein dauerhaftes das Zeichen+. Fig. 56. Ein Horſtgras. Fig. 57. Ein Ausläufergras. 1 Letztjähriger Halm; 2 diesjähriger blühender Halm; 3 ſteriler Trieb, der nächſtes Jahr einen Halm erzeugt. An eine gute Wieſe machen wir in Bezug auf die Faktoren, welche durch die Wuchsform bedingt ſind, die Anforderung, daß die Pflanzen einerſeits den Boden gleichmäßig bedecken, eine zu⸗ ſammenhängende, geſchloſſene Raſennarbe erzeugen, anderſeits, daß die oberirdiſchen Grastriebe keine erhöhten Raſenbüſchel, ſondern einen ebenen Raſen bilden. Aus dieſem Grunde macht z. B. das wollige Honiggras eine ſchlechte Narbe, weil es hohe Raſenpolſter entwickelt, welche einen gleichmäßigen Schnitt unmöglich machen und deshalb die Nutzung beeinträchtigen. Gräſer mit dicht ge⸗ drängtem Horſt(Fig. 56)(Knaulgras, italieniſches Raigras, Fromental), auch wenn ſie keinen erhöhten Raſen bilden, ſind ebenfalls nicht zur Herſtellung einer zuſammenhängenden Raſendecke geeignet. 126 Elftes Kapitel. Die Auswahl der Pflanzen. Deshalb müſſen neben denſelben, wo es ſich darum handelt, einen geſchloſſenen Raſen zu erzielen, auch Pflanzen ausgeſäet werden, welche imſtande ſind, die Lücken auszufüllen. Hierzu eignen ſich diejenigen Gräſer, welche einen ausgebreiteten Horſt bilden, wie engliſches Raigras, Wieſenſchwingel, Goldhafer, Timothe, Kamm⸗ gras ꝛc., die aber in der Regel den Nachteil haben, daß ſie nur einen dünnen Raſen erzeugen. Den dichteſten Raſen machen die ausläufertreibenden Gräſer(Fig. 57), z. B. Wieſenriſpengras, gemeines Riſpengras, Fioringras, roter Schwingel. Der Wieſenfuchs⸗ ſchwanz hält die Mitte zwiſchen den kriechenden Arten und den Gräſern mit ausgebreitetem Horſt, bildet aber auch einen dichten Raſen, wenn er ſich irgendwo angeſiedelt hat. Ein horſtbildendes Gras bezeichnen wir mit co, ein oberirdiſch kriechendes mit h, ein unterirdiſch krie⸗ chendes mit ½. Wichtig iſt dann auch die Schnelligkeit der Entwicke⸗ lung, der Nachwuchs, die Höhe des Graſes ꝛc. Hoch⸗ wachſende Gräſer werden als Obergräſer, niedrige Gräſer als Untergräſer bezeichnet. Einen großen praktiſchen Wert hat jedoch dieſe Unterſcheidung nicht, da der Ertrag und die Raſenbildung nicht nur von der Höhe der Halme, ſondern auch von der Länge und Zahl der entwickelten Wurzelblätter abhängt. Von den Gräſern kommen beim künſtlichen Futterbau hauptſächlich folgende in Betracht: 1. Das Knaulgras, ½%(Fig. 58 und 59). Das Knaulgras(engliſch„Cocksfoot“) iſt nicht nur ein dauer⸗ haftes, ſondern auch ein ertragreiches Gras. Die hohen Halme ſind etwas dick und ſchon zur Blütezeit hart, aber markig. Es entwickelt zahlreiche, lange, breite und dickliche Halm⸗ und Wurzel⸗ blätter, die ein gutes Futter geben. Auch im zweiten Schnitt iſt es ergiebig, und vermöge der zahlreichen Wurzelblätter(ſterile Triebe) iſt dieſes Futter ganz vorzüglich. Aus dieſem Grunde iſt das Knaulgras, wenn nicht das wertvollſte, ſo doch eines der beſten Futtergräſer. Es gedeiht am beſten auf friſchem, tiefgründigem Mittelboden, kann aber auch auf den beſſeren Sandböden, zähen Tonböden und guten Moorböden mit Erfolg angebaut werden. Die Entwickelung iſt eine relativ langſame, da es erſt im dritten Jahr ſeine Hauptentwickelung erreicht. Für die Düngung iſt es ſehr wKnen werden en ſch en, wi Kann⸗ ſie mur hen de dengte⸗ ſenjuch⸗ ind da Rraſer ſer u dt jäͤrc ungnit Inge ud Griſen Tetract ſin daue n Hile rg. d E tniti le Tiihh it w. der bi rindie 3 en, zibe den. d ten zur dss ſh A. Die Futtergräſer. 127 dankbar. Das Knaulgras iſt ein Hauptgras der gut gedüngten Naturwieſen auf allen friſchen und ſchweren Bodenarten. Es eignet ſich ſehr gut zur Kultur gemeinſam mit der Luzerne (ſ. Kleegras, S. 88), dann aber auch für Wechſel⸗ und Dauerwieſen. Für zwei⸗ bis dreijährige Nutzung iſt es dagegen wegen der lang⸗ ſamen Entwicklung nicht am Platze. Fig. 58. Knaulgras, Dactylis glomerata L. Fig. 59. Knaulgras, Dactylis glomerata L. 2, Halmſtück mit Blatthäutchen; b blühendes aà u. b Ährchen; d beſpelzter Same, Rück⸗ AÄhrchen. ſeite; d derſelbe, Innenſeite. Natürl. Größe und 7fach vergrößert. Die in neuerer Zeit aus Neuſeeland importierte Saat erzeugt weniger ergiebige Pflanzen als die gewöhnliche, aus den franzöſiſchen Alpen importierte Ware. 2. Das Fromental“) oder franzöſiſche Raigras, A † (Fig. 60 und 61). Das Fromental iſt das größte unſerer Wieſengräſer, da es 1—2 m hoch wird. Es iſt aber viel wähleriſcher als das Knaul⸗ ¹) Wir ziehen den franzöſiſchen, aber ins Deutſche übergegangenen Namen„Fromental“ vor, weil die Bezeichnung„franzöſiſches Raigras“ Veranlaſſung zu Verwechslungen mit dem engliſchen und italieniſchen Rai⸗ gras gibt, mit denen das Fromental gar nichts Verwandtes hat, außer die Angehörigkeit zu der großen Familie der Gräſer. 128 Elftes Kapitel. Die Auswahl der Pflanzen. gras und lange nicht ſo dauerhaft. Auf ſchwerem Boden ver⸗ ſchwindet es ſchon nach drei Jahren, während es auf leichterem, gutem Boden und in warmen Lagen fünf Jahre anhält. Nur die wildwachſende Form unſerer Wieſen iſt längerdauernd. Es iſt weniger ergiebig als das Knaulgras, da es weniger Blätter bildet und die Halme hohl ſind. Auch der Nachwuchs iſt geringer. Nichtsdeſto⸗ weniger iſt es zur Anlage von Wechſel⸗ wieſen ein ſehr wertvolles Gras, das Fig. 60. Fromental, Avena elatior L. Fig. 61. Fromental, Avena elatior L., a Blühendes Ahrchen; b entſpelzte Frucht. elatius M. K. a u. b Ährchen; c u. d nackte Frucht. Natürliche Größe und 7 fach vergrößert. ſich raſch entwickelt und ſchon im zweiten Jahr den Hauptertrag abwirft. Am beſten gedeiht es auf nicht allzu ſchwerem Boden in etwas warmen Lagen. Für hohe Gebirgsgegenden iſt es nicht ge⸗ eignet. Unter gewöhnlichen Verhältniſſen ſteigt es ſelten über 1000 m. Es eignet ſich ſehr gut zur Miſchkultur mit der Eſparſette (f. Kleegras, S. 89) für Wechſelwieſen, während es bei Dauerwieſen wegen ſeiner beſchränkten Lebensdauer etwas zurücktreten muß. A. Die Futtergräſer. 129 Vaden e Das nahe verwandte weichhaarige Hafergras, Avena pubes- jleichen cens Huds., X„, iſt zwar perennierend, gibt aber nur einen Schnitt t. Au und das Futter iſt hart und 2a nährſtoffarm. Übrigens iſt m. Gi der Same(Fig. 62) teuer und läter idt ſelten echt zu bekommen. 3. Das Timothe⸗ oder Wieſenlieſchgras, +—%(Fig. 63 und 64). Das Timothegras iſt ebenfalls ein hochwach⸗ ſendes Gras, das beſon⸗ 5 Fig. 62. Weichhaariges Hafergras, Avena pubescens ders für ſchwere und uds. a Beſpelzte Frucht in zweifacher Vergrößerung, etwas feuchte Böden Bauchſeite, b Rin.jeite e, die elbs natürliche Größe; und für hohe Logen geeignet iſt. Für naßkalten Ton⸗ boden und guten Moorboden iſt dasſelbe unerſetzlich. Auf paſſen⸗ dem Boden iſt es ſehr ergiebig und das Futter iſt ungemein ſchwer. Das Timothegras ent⸗ wickelt ſich ziemlich raſch und liefert den Hauptertrag ſchon im zweiten Jahr. Auf ſchwerem, gutem Boden dauert es 6 Jahre und länger, während es auf trockenem, leichtem Boden ſchon — nach 4 Jahren verſchwindet. Der Nachwuchs iſt gut. Das Timothe⸗ gras iſt ein ſpätes Gras; es iſt das aber ein Vorteil, da es im Alter leicht hart wird. Zur Zeit der Heuernte treten die Schein⸗ Fig. 63. Timothegras, Phleum pratense 5. L. a Blühendes AÄhrchen; b Hüllſpelzen; ähren erſt aus den Scheiden, W eine einzelne Hüllſpelze; d Same mit den und das iſ für dieſes Gras die inneren Spelzen; e nackte Frucht. richtige Zeit der Ernte. Ein Vorteil iſt auch die billige Ausſaat. her 10002 Ffrrtt. 1 dn Es iſt ein ganz vortreffliches Gras zur Ausſaat in Miſchung un mit Rotklee und Baſtardklee auf bindigen oder etwas feuchten Boden⸗ Stebler. 5. Auflage. 9 130 Elftes Kapitel. Die Auswahl der Pflanzen. arten(ſ. Kleegras S. 85 ff.), leiſtet aber auch für Wechſel⸗ und Fig. 64. Timothegras, Phleum pratense L. àa u. b beſpelzte Frucht; c u. d nackte Frucht. Natürliche Größe und Ffach vergrößert. Fig. 65. Italieniſches Raigras, Lolium italicum A. Br. àa be⸗ ſpelzte Frucht, natürliche Größe; b dieſelbe, Rückſeite; c dieſelbe, Bauchſeite; d nackte Frucht; b— d 7 fach vergrößert. Dauerwieſen die beſten Dienſte. Sogar auf armem Sandboden verdient es als Weide die beſte Empfehlung. 4. Das italieniſche Raigras Ol*¶—„h(Fig. 65 und 66). Das italieniſche Raigras iſt ein mittelhohes Gras, das in dem erſten und zweiten Jahr den Hauptertrag liefert, dann aber raſch zurückgeht und verſchwindet. Da es mit anderen Gräſern unverträglich iſt und dieſelben bei dichtem Stande im erſten und zweiten Jahre gerne unterdrückt, ſo ſollte man in Miſchungen für Wechſel⸗ wieſen nur wenig davon nehmen, weil man ſonſt vom dritten Jahr an leicht einen dünnen Beſtand erhält. In Dauerwieſen⸗ miſchungen läßt man es auf beſſeren Böden meiſt ganz weg. Am beſten gedeiht es auf reichen Mittelböden; es kommt jedoch auf leichteren Böden fort, wenn die Krume gut und nicht zu trocken iſt. Für ſchwere und Humusböden iſt dasſelbe ebenfalls geeignet, wenn dieſelben nicht an Näſſe leiden. Wegen ſeiner raſchen Entwickelung und ſeiner mit dem Rotklee übereinſtimmen⸗ den Lebensdauer wird es häufig in Miſchung mit dieſem ausgeſäet(ſ. Keegras Seite 85). 5. Das engliſche Raigras, O4 h (Fig. 67 u. 68). Das engliſche Raigras iſt in der Regel nur 2— 4jährig, auf weniger geeig⸗ netem Boden und in hohen Lagen nimmt dasſelbe ſchon nach einem Jahre ab. Es iſt ein Untergras, das ſich raſch entwickelt, aber nicht ſehr ergiebig iſt. Die Blattentwickelung iſt auch eine ſehr geringe und die Halme ſind etwas zäh, weshalb das Futter, zur Blütezeit geſchnitten, ſehr d A. Die Futtergräſer. 131 mittelmäßig iſt. Die billige Saat, die raſche und ſichere Entwickelung machen aber dennoch das engliſche Raigras als Beimiſchung zu anderen paſſenden Pflanzen für Kleegras⸗ und Wechſelwieſen ſehr wertvoll. Am beſten gedeiht es auf ſchwe⸗ rem, friſchem Boden; auf leichteren Böden iſt es weniger ſicher. Als Weidegras und als Beſtandteil der Miſchungen für Raſenanlagen in Gärten, auf Spiel⸗ und Bleichplätzen und dergleichen iſt es vortrefflich geeig⸗ net und unerſetzlich. 6. Der Gold⸗ hafer, A—(Fig. 69 und 70). Kein Gras wäre, neben dem Knaulgras, zu Wechſel⸗ und Dauer⸗ wieſen ſo vorzüglich geeignet, wie der Goldhafer. Er iſt dauerhaft, ertrag⸗ reich, kommt im Be⸗. ſtand leicht auf und Flihende Tianze ſches Sin ihr hen, m, d beipenie Irucht bildet einen ſchönen Rücken⸗ und Bauchſeite. Raſen. Er hat aber den großen Nachteil, daß der Same ſehr teuer iſt, da gute Qualität jetzt noch 4—5 Mk. das Kilo koſtet. Allerdings ſind die Samen leicht und feinkörnig, weshalb der Saat⸗ bedarf gering iſt. Man wird deshalb unter heutigen Verhältniſſen dieſes Gras in den Miſchungen berückſichtigen, beſchränkt ſich aber der Koſten halber gewöhnlich auf einen mäßigen Prozentſatz. Nur 9*½ 132 Elftes Kapitel. Die Auswahl der Pflanzen. bei Anlage von Dauerwieſen, wo der Preis des Saatgutes viel weniger in Betracht fällt, wird man ſtärkere Prozentſätze ver⸗ wenden. Am beſten gedeiht der Goldhafer auf leichterem bis mittel⸗ ſchwerem Boden. Die Pflanze iſt ziemlich groß, gehört zu den Obergräſern und, was die Hauptſache iſt, der Nachwuchs iſt ſehr ergiebig. Auch im zweiten Schnitt treibt der Goldhafer Halme. Die Hauptentwickelung erlangt er im zweiten oder dritten Jahre. Fig. 67. Engliſches Raigras, Lolium perenne L. Fig. 68. Engliſches Raigras, Lolium a Ährchen; b Blüte; e Fruchtknoten; perenne L. a beſpelzte Frucht in d Schüppchen. natürlicher Größe; b dieſelbe, Rückſeite, c Bauchſeite; d nackte Frucht. b— d 7 fach vergrößert. Trotzdem ſeit drei Jahrzehnten auf den Schwindel aufmerkſam ge⸗ macht wird, kommt es heute noch ab und zu vor, daß der Same der Drahtſchmiele(Aira flexuosa L.) als Goldhafer verkauft wird, ein Vor⸗ gehen, das um ſo ſträflicher iſt, als die Drahtſchmiele ein ganz wertloſes Waldgras iſt. Der Same läßt ſich jedoch ohne Schwierigkeit unterſcheiden. Die Frucht der Drahtſchmiele(Fig. 71) iſt rötlichbraun und die gekniete Granne entſpringt an der Baſis der äußern Spelze. Der Goldhafer (Fig. 70) iſt hellgelb gefärbt und die Granne entſpringt in der Mitte der Deckſpelze. Jede Verſuchsſtation gibt Intereſſenten gerne Vergleichs⸗ muſter ab. en ſr A. Die Futtergräſer. 133 7. Der Wieſenſchwingel ½.(Fig. 72.) Der Wieſenſchwingel iſt eines der ſchätzbarſten Mähe⸗ und Weidegräſer, denn er iſt ziemlich ertragreich, ausdauernd und bildet einen ſchönen geſchloſſenen Raſen. Leider kommt die Saat etwas teuer zu ſtehen, da der Saat⸗ bedarf groß iſt. Seine Kultur eignet ſich beſon⸗ ders für tiefge⸗ legene Aueböden, für feuchte und naſſe Lagen, für enge Täler mit viel Nebel, für hohe Lagen im Gebirge. Er gehört zu den Obergräſern, hat aber zahlreiche Wurzelblätter, vermöge welcher er einen dichten Beſtand bildet. Der Nachwuchs iſt mittelgut, er bildet im zweiten Schnitt nur ſpärliche Halme, aberzahl⸗ Fig. 69. Goldhafer, Trisetum flavescens L. a beſpelzte Frucht. reiche ſterile Triebe. Seine Hauptentwickelung erlangt er im dritten Jahr. Für kurzlebige Kleegrasmiſchungen iſt er nicht am Platze, dagegen iſt er für Wechſel⸗ und Dauerwieſen geeignet und iſt auch bei den Gärtnern zur Anlage von Teppichraſen beliebt. Leider tritt in neuerer Zeit ein Umſtand erſchwerend ein: der in Verkehr gelangende Same iſt zum größten Teil nordamerikaniſchen Urſprunges. 134 Elftes Kapitel. Die Auswahl der Pflanzen. Wie nun durch unſere Verſuche nachgewieſen und durch andere wiederholt beſtätigt wurde, iſt der amerikaniſche Wieſenſchwingel dem Roſt ſehr ſtark unterworfen, gibt geringen Ertrag und geht raſch weg, weshalb wir vor dem Ankauf von amerikaniſchem Wieſenſchwingel warnen müſſen. Man ſei alſo bei der Samen⸗ beſchaffung vorſichtig. Leider iſt deutſcher Wieſenſchwingel ſchwer erhältlich, dagegen wird dieſe Saat in jüngſter Zeit aus Dänemark importiert. Die däniſche Saat iſt der deutſchen ebenbürtig. Fig. 70. Goldhafer, Trisetum Fig. 71. Drahtſchmiele, Aira flexuosa L. a u. d Haavescens Beauv. Beſpelzte Scheinfrucht von der Seite; c dieſelbe vom Früchte. a u. b 7fach vergrößert, Rücken; b Fruchtſtand; e u. f nackte Frucht. c natürliche Größe. Natürliche Größe und 7fach vergrößert. Die Handelsſaat iſt ſehr häufig mit dem billigeren Samen des eng⸗ liſchen Raigraſes vermiſcht. Da die Erkennung dieſer Beimiſchung nur dem Geübten möglich iſt, ſo iſt Garantie und Nachunterſuchung unerläßlich, wenn man ſicher ſein will. Beide Samen ſind ungefähr gleich groß und gleich geformt. Das Stielchen(Stück der Ährchenachſe) iſt beim Wieſen⸗ ſchwingel meiſt länger, im Querſchnitt kreisrund, in der Mitte etwas ver⸗ dünnt und am oberen Ende knopfförmig verdickt. Beim engliſchen Raigras (ſiehe S. 132, Fig. 68) iſt dieſes Stielchen kürzer, flachgedrückt, oft längs gerillt, oben nicht verdickt. 8. Der Rohrſchwingel, A.(Fig. 73.) Verwandt mit dem Wieſenſchwingel und durch Übergangs⸗ formen mit demſelben verbunden iſt der Rohrſchwingel. Die A. Die Futtergräſer. 135 typiſche Form iſt ein hohes, ſteifes Gras mit ſtarren Blättern, aber zahlreichen Wurzelblättern, wie beim Wieſenſchwingel. Bis vor kurzem wurde viel Same aus Neuſeeland importiert, der einer Zwiſchenform des Wieſen⸗ und Rohrſchwingels angehört und die Nachteile des typiſchen Rohr⸗ ſchwingels nicht beſaß. Leider iſt dieſer Import in neuerer Zeit ſtark zurückgegangen, ſonſt wäre dieſe Provenienz ein vorzüglicher Erſatz für den Wieſenſchwingel. Der Neuſeeländer Rohrſchwingel wird größer als der Wieſen⸗ ſchwingel und unter⸗ ſcheidet ſich von dieſem durch die ausgebrei⸗ tete, z. T. überhängende Riſpe und die zahl⸗ reichen Ährchen an den Riſpenäſten. Der unterſte kürzere Riſpen⸗ aſt trägt beim Wieſen⸗ ſchwingel 1—2, der län⸗ gere 3—5 Ahrchen, während beim Rohr⸗ V ſchwingel beide ÄAſte a.gbxTBEKN.K1 3— 12 und mehr AÄhr⸗ Fig. 72. Wieſenſchwingel, Festuca pratensis Huds. chen beſitzen. 1 Spitze der Riſpe; 2 Ährchen; 3 Blüte; 4 Rückenſpelze. 9. Der Rotſchwingel, A*☚&☛(Fig. 74). Von dem Rotſchwingel gibt es, wie die Zeichen andeuten, zwei Formen, eine dichtraſige(%e) und eine Form mit unterirdiſchen Kriechtrieben(½☚). Im Handel kommt vorzugsweiſe nur der Same der erſteren Varietät vor. Beide ſind als Untergräſer für Dauerwieſenanlagen ſowie für Gartenraſen ſehr gut geeignet. Die 136 Elftes Kapitel. Die Auswahl der Pflanzen. Handelsſaat des Rotſchwingels war bisher in der Regel ſtark mit Schaf- und verſchiedenblättrigem Schwingel verunreinigt. In jüngſter Zeit kommt aber eine ſehr ſchöne Saat aus Neuſeeland. D 4 N S N d T ßig 73. Rohrſchwingel, Festuca arundinacea Schreb. a beſpelzte Frucht, Bauchſeite; b dieſelbe, Rückſeite; c nackte Frucht mit dem Keimling an der Baſis; d dieſelbe, Bauchſeite. 10. Der Schafſchwingel, 4½[%(Fig. 75). Der Schafſchwingel mit ſeinen zahlreichen Varietäten hat nur für geringe Sandböden und für trockene Bodenarten einigen Wert, wo andere beſſere Arten nicht mehr fortkommen. Eine kleine Varietät mit grannenloſen Früchten, der haarfeine Schafſchwingel, Festuca ovina capillata Lam., eignet ſich zur Anlage von Gartenraſen an ſchattigen Plätzen. ———o, —,——————— ——— nit te ge A. Die Futtergräſer. 137 Der verſchiedenblättrige Schwingel, Festuca heterophylla Lam., und der Rieſenſchwingel, Festuca gigantea Vill., haben eben⸗ falls nur für ſchattige Plätze einigen Wert. 11. Der Wieſenfuchsſchwanz, ½ ½☚⅔(Fig. 76 und 77). Der Wieſenfuchsſchwanz(engliſch„Foxtail“) iſt ein unerſetz⸗ liches Gras für naſſe Wieſen, für Rieſelwieſen und hohe Lagen. Er widerſteht der größten Kälte, erträgt Näſſe und leidet auch nicht Fig. 74. Kriechender Rotſchwingel, Fig. 75. Schafſchwingel, Festuca ovina L. Festuca rubra L. var. genuina Hack. Kurzgrannige kleine Varietät. Links Frucht, Blatthäutchen und Blatt⸗ querſchnitt. unter der langen Schneebedeckung des Winters. Er iſt dauerhaft, bildet hohe Halme und zahlreiche, ſehr lange Wurzelblätter. Auch im zweiten Schnitt treibt er Halme und viele ſterile Triebe; infolge⸗ deſſen iſt er ergiebig. Zwar iſt das Futter wegen ſeiner frühen Entwickelung nur mittelmäßig. Der Wieſenfuchsſchwanz kommt in der Natur in mehreren abweichenden Formen vor. Die gewöhnliche Form des Handels kriecht ſchwach. Wir kultivieren ſeit Jahren mit gutem Erfolg eine größere Varietät, welche längere Ausläufer treibt und deshalb einen dichteren Raſen erzeugt. Dieſe Abart ſollte von den Samenzüchtern in Kultur genommen werden. 138 Elftes Kapitel. Die Auswahl der Pflanzen. Der gekniete Fuchsſchwanz(Alopecurus geniculatus) verdient Beachtung für Dauerweiden mit naſſem Boden. Der Same, der ab und zu im Handel vorkommt(wahrſcheinlich als Ausputz aus dem Wieſenfuchs⸗ ſchwanz), iſt kleiner als derjenige des Wieſenfuchsſchwanzes. 12. Das Kammgras A(Fig. 78). Dieſes niedrige Gras verdient beſon⸗ ders Berückſichti⸗ gung zur Anlage von Dauerweiden und als Unter⸗ gras für Dauer⸗ wieſen auf trocke⸗ nen bis friſchen Bodenarten. Es entwickelt ſich langſam und wird auf nicht geeig⸗ netem Boden leicht durch andere Arten unterdrückt. Der Same (Fig. 79) iſt teuer, weshalb man der Miſchung meiſt Fig. 76. Wieſenfuchsſchwanz, Alopecurus pratensis L. nur wenig zuſetzt. Beſonders als Weidegras verdient das Kammgras eine erſte Stelle. Das Beweiden ſagt ihm auf bindigen Bodenarten ſo gut zu, daß es oft die domi⸗ nierende Stelle einnimmt. 13. Das Wieſenriſpengras ½ ½☛☛☚l᷑(Fig. 80 und 81). Das Wieſenriſpengras(Bluegrass= Blaugras der Amerikaner) eignet ſich als Untergras für alle lockeren Bodenarten, ſeien die⸗ A. Die Futtergräſer. 139 ſelben trocken oder naß; es verlangt nur Lockerheit des Bodens. Fig. 77. Wieſenfuchsſchwanz, Alopecurus Fig. 78. Kammgras, Cynosurus pratensis L. a Frucht in natürlicher eristatus L. a Ährchen; b dasſelbe Größe; Frucht b, c u. d 7fach vergrößert; blühend, mit den Kammſpelzen; e Blüt⸗ d nackte. chen; d Staubgefäße und Stempel. Da es ſich langſam ent— wickelt und von den höher wachſenden Arten leicht unterdrückt wird, ſo nehme man nicht zu wenig davon in die Miſchungen. Wegen ſeiner langſamen Entwicke⸗ lung iſt es nur für Dauer⸗ wieſen am Platze. Da auch der Nachwuchs gering Fig. 79. Kammgras, Fig. 80. Wieſenriſpen⸗ 1 3 Cynosurus cristatus gras, Poa pratensiss L. iſt ſo beruht ſein Haupt L. a Frucht und a Spelzfrucht; b nackte ert in de twickel Karyopſe in natürlicher Frucht? fach vergrößert. In w 11 r Entwick ung Größe; b u. e Schein⸗ der Mitte in natürlicher eines dichten Raſens, wo⸗ frucht,„ſach vergr. Größe. durch das Aufkommen der Rüchen⸗und Bauchſeite. wilden Flora vermieden wird. Von den übrigen Riſpengräſern verdienen noch folgende Arten Be⸗ rückſichtigung: 140 Elftes Kapitel. Die Auswahl der Pflanzen. Das gemeine Riſpengras, Poa trivialis L., iſt für naſſe, geringe Fig. 81. Wieſenriſpengras, Poa pratensis L. 14. Das Fioringras. Bodenarten, be⸗ ſonders zur Anlage von Weiden geeig⸗ net, wo man ſich miteinem Schnitt begnügt. Auch auf Hochmoorboden hat es ſich ſehr gut bewährt. Das Hain⸗ riſpengras, Poa nemoralis L., paßt für Gartenraſen an ſchattigen Stellen. Das Platt⸗ halmriſpen⸗ gras, Poa com- pressa L.(Fig. 82), (das„Canadian Bluegrass“ der Amerikaner), ein niedriges, krie⸗ chendes Gras, hat nur zur Bodenbe⸗ feſtigung auf hitzi⸗ gen Bodenarten Bedeutung. Das frucht⸗ bare oder ſpäte Riſpengras, Poa fertilis Host. (serotina Ehrh.) (Fig. 83), eignet ſich zur Anlage von Wäſſerwieſen und zur Beraſung von naſſen Bodenarten. Der Same ſoll in neueſter Zeit in Handel gelangen. Sehr häufig wird aber das billige Platthalmriſpen⸗ gras unter dieſer Etikette an Mann gebracht. Dasſelbe kommt im Samenhandel in zwei Formen vor: ““ ———— A. Die Futtergräſer. 141 a) Das hohe Fioringras(Fig. 84) mit hohem, aufrechtem Wuchs. Es macht ſchwache unterirdiſche Kriechtriebe, kriecht aber nicht oberirdiſch, wie die folgende Art. — 5* S 2 d —ẽ= S uu 85 S 3 N Z 7 76 h AN 71☛☛ 3 k h A Fig. 82. Platthalm⸗Riſpengras, Poa compressa L. Fig. 83. Fruchtbares oder ſpätes Riſpengras, Poa fertilis Host. b) Das kriechende Fioringras(Fig. 85) mit mehr oder weniger langen ober⸗ und unterirdiſchen Ausläufern und wurzelnden Halmen. Es erzeugt einen niedrigen, wenig ergiebigen Raſen und iſt auf allen beſſeren Bodenarten ein Unkraut, wäre aber zur Boden⸗ befeſtigung waſſerzügiger Stellen ſehr am Platze. 142 Elftes Kapitel. Die Auswahl der Pflanzen. Der Same des Handels gehört faſt ausſchließlich erſterer Form an. Er ſtammt meiſt aus Nordamerika, wo das Gras den Namen„Red top“(Rotkopf) führt. Das Fioringras iſt ein ſpätes Gras, das beſonders für feuchte Bodenarten am Platze iſt. In den Samenkatalogen findet man ferner empfohlen: Raſenſtrauß⸗ gras(Agrostis capillaris) und gemeines Straußgras(Agrostis vulgaris). Es iſt dies jedoch meiſt nichts anderes als oben genannte kriechende Form I S 9 , S 5 7 s 8 O) Fig. 84. Hohes Fioringras, Agrostis alba Fig. 85. Kriechendes Fioringras, Agrostis L. var. major. a Blatthäutchen; b Riſpen⸗ alba L. var. stolonifera E. Meyer. aſt mit blühenden Ährchen; c ein einzelnes Ahrchen; d Deck⸗ und Vorſpelze; e Stempel. des Fioringraſes. Das echte gemeine Straußgras kommt im Handel nicht vor. Trotzdem findet es ſich in Miſchungsrezepten landwirtſchaftlicher Kalender. 15. Das wollige Honiggras,+ch(Fig. 86). Dasſelbe treibt ziemlich hohe Halme, zahlreiche Blätter und liefert ein ſüßes Futter(deshalb heißt es auch„Zuckerſchmale“). Leider hat es aber große Mängel: die ganze Pflanze iſt ſammetartig behaart, das Futter iſt ſchwammig und ungemein leicht und das Gras bildet erhabene Horſte(Bülten, Höcker, Böſchen), ſo daß der Raſen ſehr unegal wird. Aus dieſen Gründen empfiehlt ſich deſſen Verwendung erſerr d N pits enſteni⸗ uieni de gon A. Die Futtergräſer. 143 nur für geringere Bodenarten, wo beſſere Gräſer nicht fortkommen. Namentlich iſt es am Platze auf anmoorigen und Moorböden; hier Fig. 86. Wolliges Honiggras, Holcus Fig. 87. Aufrechte Treſpe, Bromus lanatus L. erectus Huds. iſt es ein wertvoller Lückenbüßer. Leichte, etwas feuchte, anmoorige Böden ſagen ihm am beſten zu. Der Same iſt zudem ſehr billig. 16. Die aufrechte Treſpe(Fig. 87) ½% iſt zwar nur ein Gras zweiter Güte, aber dennoch für gewiſſe Verhältniſſe ſehr wert⸗ voll. Die ſteif aufrechten Halme ſind hart, die Blätter ſpärlich und 144 Elftes Kapitel. Die Auswahl der Pflanzen. der Nachwuchs gering. Das Futter iſt deshalb etwas trocken, aber ſüß und geſund. Das Gras iſt dauerhaft und gedeiht auf armen, trockenen Böden. Für ſolche Bodenarten iſt es zur Anlage von Dauerwieſen und zur Bodenbefeſtigung von unſchätzbarem Werte. Der Same iſt in der Regel mit Fromental verunreinigt. Nicht ſelten werden aber auch andere minderwertige Treſpen unter dieſem Namen geliefert. Beim Samenankauf ſei man alſo vorſichtig. Der Same kommt im Handel meiſt unter dem Namen„Wieſentreſpe“, Bromus pratensis(franzöſiſch„Brome des prés“) vor. 17. Die wehrloſe Treſpe, ½☚☛(Fig. 88), ſo genannt wegen der grannenloſen(unbewehrten, wehrloſen) Frucht, iſt ein unterirdiſch kriechendes, ausdauerndes Gras, das zwar ein etwas hartes Futter liefert und, wie die aufrechte Treſpe, nur einen Schnitt gewährt, da der Nachwuchs gering iſt. Am beſten gedeiht es auf lockeren Sandböden, die einige Nährkraft beſitzen. Für Wieſenanlagen kommt es in Betracht zur Anlage von Dauerwieſen und zur Bodenbefeſtigung auf lockerem Sandboden. Von den übrigen Treſpen werden ferner empfohlen: Die weiche Treſpe, Bromus mollis L., DOch, eine ein⸗ jährige Pflanze, die nur einen Schnitt gewährt. Sie iſt für alle beſſeren Böden wertlos. Die verwechſelte Treſpe, Bromus commutatus Schr., Oc„h, ebenfalls nur einjährig und nur einen Schnitt gewährend. Sie kommt meiſt als weiche Treſpe in den Handel. Der Same wird als Ausputz aus engliſchem Raigras ꝛc. gewonnen und iſt in der Regel noch mit Roggen⸗ treſpe(Bromus secalinus L.) vermiſcht. Dieſer Ausputz bildet häufig einen weſentlichen Beſtandteil der käuflichen Miſchungen. Die Ackertreſpe, Bromus arvensis L.,(Dyh, haben wir bereits bei den einjährigen Futtergewächſen kennen gelernt. Zur Anlage eigent⸗ licher Wieſen iſt ſie ohne Wert. Ferner ſei erwähnt: Die gefiederte Zwenke, Brachypodium pinnatum P. B., ☚̈̈Q—, ein dauerhaftes, unterirdiſch kriechendes Gras, das zwar keinen großen Er⸗ trag und geringes Futter liefert, aber zur Bodenbefeſtigung ganz gut ge⸗ eignet iſt, namentlich deshalb, weil der Same billig iſt. 18. Das Geruchgras, ½%(Fig. 89 und 90), iſt ein kleines, ſehr frühes, dauerhaftes, ſtark ſüßlich aromatiſches Gras, das ſich wegen dieſes beliebten Aromas eines gewiſſen Anſehens erfreut. Man benutzt es deshalb gerne in geringen Prozentſätzen bei Anlage ken abr if rne, lage wn n Wer. t Aü er diſen ig. N entreſde Nnon „it ei in eves Scrit e einiy nach zu locere ine ei⸗ beſere 104 ie unm pu u⸗ Kogger⸗ fig ena r beri eeihen⸗ 1A ſjen br gut g⸗ kleines ds ſch erftelt Anloge A. Die Futtergräſer. 145 von Dauerwieſen als Gewürzgras. Für alle anderen Fälle iſt es nicht am Platze, da echter Same ſehr teuer iſt. Billiger erhältlich iſt das nur zwei⸗ jährige Puel'ſche Ruchgras(Anthoxan- thum Puelii Lecoq& Lamotte), das in den Roggenfeldern des nordweſtlichen Deutſch⸗ lands als Unkraut vorkommt, mit dem Fig. 89. Geruchgras, Anthoxanthum odoratum L. a Blühendes Ährchen; b dasſelbe geöffnet; c Blütenſpelzen; d Staubgefäße und Stempel. Fig. 88. Wehrloſe Tleihe, Bromus inermis Fig. 90. Geruchgras, Anthoxanthum odoratum L. a Scheinfrucht und Karyopſe, natürliche Größe; b und dieſelbe 7 fach vergrößert. eyss. Roggen geerntet, gedroſchen und dann als Abfallprodukt beim Reinigen ge⸗ wonnen wird. Der Same wird namentlich von Hamburger Händlern unter dem Namen„Ruchgras“ in den Handel gebracht, iſt aber zur Wieſenanlage Stebler. 5. Auflage. 10 146 Elftes Kapitel. Die Auswahl der Pflanzen. wertlos. Die Früchte ſind etwas heller als jene des Geruchgraſes und, ent⸗ ſprechend ihrer Herkunft, in der Regel mit ſpitzigen Roggenkörnern, blauer Kornblume(Fig. 91), Ackerwindhalm(Fig. 92), einjährigem Knäul(Fig. 93), kleinem Hainſalat(Arnoseris pusilla Grtn.), kahlem Ferkelkraut(Hypochaeris glabra L.), Frühlings⸗ Spörgel(Spergula vernalis Willd.) zc. verunreinigt(vgl. Die beſten Futterpflanzen, I, S. 92 ff.). 19. Das Rohr⸗ glanzgras, 4 ½☚☚☛l Fig. 94)(Havelmilitz), ein hohes, etwas hartes, aber ſüßes und geſundes, unterirdiſch kriechendes, perennierendes Gras, verdient Berückſichti⸗ gung auf feuchten und naſſen Moorböden, anmoorigen Bodenarten und Wäſſer⸗ wieſen. 20. Der Waſſer⸗ . ſchwaden oder das Waſſer⸗ hidne. A Mter Wind ſüßgras, Glyceria aquatica venti L. a u. b Be⸗ Wahlb.(spectabilis M.& Pruors Fe ſd K.), A Peh, ein Gras natürliche Größe. mit ähnlichen Eigenſchaften wie das Rohrglanzgras Fähs Seiniheiger(hoch, perennierend, unterirdiſch kriechend), iſt umüh drt Gchein am Platze auf Wäſſerwieſen, welche reichlich be⸗ b dieſelbe 7fach vergr. wäſſert oder vorübergehend überſtaut werden können. Hier verdient auch der flutende Schwaden(Fig. 95) Verwendung, der ebenfalls perenniert und deſſen Same gut und billig iſt. Der Same liefert die ſog. Manna⸗ grütze oder Schwadengrütze. Eine kleine Art der gleichen Gattung, der abſtehende Schwaden(Fig. 96), kommt auf Salzböden vor; der Same gelangt auch in den Handel und wird meiſt zur Bei⸗ miſchung unter die Riſpengräſer benutzt. Fig. 91. Blaue Korn⸗ blume, Centaurea cyanus L. a Frucht mit Pappus, natürliche Größe; b dieſelbe 7 fach vergr.; c Pappus⸗ haar, ſtark vergrößert. „—— , B. Die Schmetterlingsblütler(Kleearten). 147 Von den übrigen Gräſern, deren Samen im Handel erhältlich ſind, ſeien noch erwähnt: Das Beſenried, ½.(Fig. 97), wird in der Schweiz benutzt zur Anlage von künſtlichen Streuewieſen. Die kammförmige Koeleria, Koeleria cristata Pers., 4.[ hat einigen Wert zur Befeſtigung ſteriler, trockener Bodenarten. 1 Die Raſenſchmiele, ½(Fig. 98), hat zur Bodenbefeſtigung auf friſcher und feuchter Unterlage Bedeutung. D) Fig. 94. Rohrglanzgras, Phalaris arundi- Fig. 95. Flutender Schwaden, Glyceria nacea L. a ÄAhrchen; b Hüllſpelzen; c die fluitans R. Br. a Ährchen; b Blütchen. übrigen Teile des Ahrchens; d Stempel; e Frucht Die Waldhirſe, 2.%☚(Fig. 99), paßt für Waldwieſen und für fetten Boden im Gebirge. B. Die Schmetterlingsblütler(Kleearten). Die wichtigſten derſelben(Rotklee, Luzerne und Eſparſette) werden einzeln gebaut, weshalb dieſelben ſchon bei den Einzel⸗ kulturen im fünften Kapitel beſprochen wurden. Wir führen dieſelben deshalb hier nur mit den Namen auf. 1. Der Rotklee, Trifolium pratense L.(ſ. Seite 53). 10* 148 Elftes Kapitel. Die Auswahl der Pflanzen. 2. Der Baſtardklee(Fig. 100) iſt eine Kleeart für ſchwere und etwas feuchte Bodenarten und für hohe Lagen. Er iſt etwas dauerhafter als der Rotklee, hält aber auch auf paſſendem Standort kaum länger als vier Jahre aus. Der Same des Handels wird in neueſter Zeit zum großen Teil aus Kanada bezogen. Nach Fig. 96. Abſtehender Schwaden, Fig. 97. Beſenried, Molinia coerulea Mönch. Glyceria distans Wahlb. a Ähr⸗ a Scheinfrucht, natürliche Größe; b u. d dieſelbe chen; b Blütchen; c Staubgefäße 7 fach vergrößert; d nackte Frucht, natürliche und Fruchtknoten. Größe; e dieſelbe 7 fach vergrößert. Fig. 98. Raſenſchmiele, Aira caespitosa L. Fig. 99. Waldhirſe, Milium effusum L. a u. b Scheinfrucht; e nackte Frucht; 7 fach a Scheinfrucht, natürliche Größe; b u. c vergrößert und natürliche Größe. dieſelbe 7 fach vergrößert. den bisherigen Verſuchen iſt dieſe Saat der deutſchen im Ertrag nicht nachſtehend, zudem iſt die amerikaniſche Saat in der Regel ſeidefrei, was bei der deutſchen ſehr häufig nicht der Fall iſt. Der klein⸗ körnige Same(Fig. 101) des Baſtardklees ſoll, wenn er friſch und geſund iſt, lebhaft gelbgrün bis dunkelgrün marmoriert ſein. a Nönoh. odiefelbe natürlche ert. B. Die Schmetterlingsblütler(Kleearten). 149 3. Der Weißklee(Fig. 102), welcher als ſog.„Untergras“ eine wichtige Rolle ſpielt, iſt dreijährig. Nur die wildwachſende Form unſerer Wieſen iſt dauerhaft. Er eignet ſich beſonders zur Fig. 100. Baſtardklee, Trifolium hybri- dum L. a Kelch; b ganze Blüte von der Seite; c dieſelbe von rückwärts; d Fahne; e Flügel; †Schiffchen; g Staub⸗ fadenröhre und Griffel; h Fruchtknoten; i unreife, k reife Nußhülſe. Fig. 101. Baſtardklee, Trifolium hybridum L. a Same, natürliche Größe; b u. c 7 fach vergrößert. Fig. 102. Weißklee, Trifolium repens L. a Kelch; b Blüte von vorn, c von rück⸗ wärts; d Hülſe; e Same; † Laubblättchen; g u. h Stengeldurchſchnitte. 6 Fig. 103. Weißklee, Trifolium repens . 3 Same, natürliche Größe; b u. c 7fach vergrößert, b von der Seite, c im Profil. Anlage von Weiden, während er als Mähefutter weniger ergiebig iſt. Am ſchönſten entwickelt er ſich auf reichem, mittelmäßig ge⸗ bundenem Boden. Er kann jedoch auch auf armem Sand⸗ und auf Moorboden angebaut werden, wenn der Boden kalkhaltig und mit Phosphat gedüngt iſt. Näſſe im Boden kann er dagegen nicht er⸗ tragen. Der Same(Fig. 103) iſt in Form und Größe mit demjenigen 150 Elftes Kapitel. Die Auswahl der Pflanzen. des Baſtardklees übereinſtimmend, unterſcheidet ſich aber durch die Farbe. Friſcher Same ſoll lebhaft ſchwefelgelb bis orangegelb ge⸗ färbt ſein. Im Alter wird der Same mißfarbig und rot. Von den übrigen Kleearten der Gattung Trifolium fällt hauptſächlich nur der Acker⸗-Goldklee, Trifolium agrarium Pollich (nicht zu verwechſeln mit Trifolium agrarium Linné) in Betracht. Der Same kommt im Handel meiſt als Fadenklee(Trifolium filiforme) vor. Der Fadenklee iſt jedoch kleiner und mehr aufrecht, wenigblütig, während der Ackergold⸗ klee größere Köpfchen hat und größer wird. Der Same findet ſich als Verunreinigung unter dem engliſchen und italieniſchen Raigras, wird in Fig. 104. 1Hdſonkles, Medicago Fig. 105. Hopfenklee, Mdicaso lupulina upulina L. L. a Same, natürliche Größe; b u. c Same 7 fach vergrößert; c Profil; d Hülſe, natürl. Größe; e 7fach vergrößert. England aus dieſem ausgeputzt und dort als„Suckling“ oder„Red Suckling“ in den Handel gebracht. So iſt es zwar leicht möglich, daß auf dieſe Weiſe auch andere nahe verwandte Arten dieſer ſchwierigen Gruppe in die Saat gelangen, zumeiſt iſt es aber, wie wir durch Kulturverſuche konſtatierten, Ackergoldklee, eine zweijährige Kleeart, die beſonders zur Kultur kalkarmer Sandböden geeignet iſt. 4. Die Eſparſette, Onobrychis sativa Lam.(ſ. Seite 61), kann auf ſolchen Böden, wo die Eſparſette gedeiht, ebenfalls in die Miſchung genommen werden, doch erträgt dieſelbe das häufige Schneiden nicht gut und verſchwindet bald. B. Die Schmetterlingsblütler(Kleearten). 151 5. Die Luzerne, Medicago sativa L.(ſ. S. 58), iſt in Miſchung für trockenen, guten, tiefgründigen Boden für intenſive Kultur am Platze; die Miſchungen ſind aber im Jahre mindeſtens dreimal zu ſchneiden, weil die Luzerneſtengel ſonſt hart werden. Zur Anlage dauernder Wieſen iſt ſie nicht zu empfehlen. 6. Der Hopfen⸗ klee(Fig. 104) iſt nur zweijährig. Da er ſich jedoch wegen der niederliegenden Stengel leicht ſelbſt beſamt, ſo hält er ſich an paſſen⸗ dem Standort länger. Er liefert ein vorzüg⸗ liches Futter, iſt im Ertrag aber den beſſe⸗ ren Kleearten nach⸗ ſtehend, da er einen ſehr geringen Nach⸗ wuchs hat. Aus dieſem Grunde iſt er vorzugs⸗ weiſe nur dort am Platze, wo die beſſeren Arten nicht mehr fort⸗ kommen, beſonders auf geringen Bodenarten. Fig. 106. Gemeiner Schotenklee, Lotus corniculatus L. Pflanze mit Blüten und Hülſen. Der grünlichgelbe, rundliche Same(Fig. 105) iſt billig, was ſeine Verwendung begünſtigt. Aber gerade wegen der Billigkeit und der Ähnlichkeit mit dem Samen des Rotklees(Fig. 46, Seite 57) und der Luzerne(Fig. 50, Seite 61) wird er öfters dieſen Saaten bei⸗ gemiſcht. 152 Elftes Kapitel. Die Auswahl der Pflanzen. 7. Der gemeine Schotenklee(Fig. 106) kommt in mehreren Formen vor, wovon jedoch nur von zweien die Samen im Handel erhältlich ſind: a) Der echte gemeine Schotenklee, eine ſehr dauerhafte Kleeart, welche ſich beſonders zu dauernden Wieſenanlagen auf ge⸗ ringen Bodenarten eignet. Dieſe Kleeſorte iſt mit großem Erfolge im deutſchen Jura gebaut worden. Der Same(Fig. 107) kommt ſelten in den Handel. b) Der ſchmalblättrige Schotenklee. Das was unter dem Namen gemeiner Schotenklee in den Verkehr gelangt, iſt eine ſchmalblättrige, weniger dauerhafte Form. Der Same ſtammt meiſt aus Oberitalien, teilweiſe auch aus Ungarn. Die Samen beider Formen ſind gleich, haben kugelige Geſtalt und ſind ſchwarz⸗ braun gefärbt. Auf der Weide ſoll der Schoten⸗ klee jedoch nicht gerne gefreſſen werden, wäh⸗ rend man im Jura Fig. 107. Gemeiner Schotenklee, Lotus corniculatus L.. ſeine vorzüglichen a Same, natürliche Größe; b, c u. d Same 7fach ver⸗ Eigenſchaften als Mähe⸗ größert; c im Profil; d Längsſchnitt durch den Samen. 8 futter rühmt. 8. Der Sumpfſchotenklee(Fig. 108) iſt für naſſe Böden zur Anlage von Dauerwieſen zu empfehlen. Er iſt ſehr dauerhaft, kriecht unterirdiſch und bildet infolgedeſſen oft dichte Beſtände, namentlich wenn ihm der Boden zuſagt und wenn mit Phosphat reichlich gedüngt wird. Der Same iſt kleiner als jener des gemeinen Schotenklees, kugelig und glänzend gelblichgrün gefärbt. 9. Der Wundklee(Fig. 109) iſt nur zweijährig. Da er ſich wegen ſeines ausgebreiteten Wuchſes jedoch leicht ſelbſt beſamt, ſo hält er ſich auf geeigneten Bodenarten leicht dauernd. Die Pflanze wird aber nicht groß und hat faſt keinen Nachwuchs, weshalb der Ertrag ſtets gering ausfällt. Er hat deshalb nur für geringe Boden⸗ arten einen Wert, wo beſſere Arten nicht mehr fortkommen. Der Wundklee iſt jedoch außerordentlich genügſam und gedeiht auf dem ſchlechteſten Schutt. Sehr dankbar iſt er aber für einen gewiſſen e⸗ B. Die Schmetterlingsblütler(Kleearten). 153 Kalkgehalt im Boden. Der große, gelblichgrüne Same(Fig. 110) mit grünen Bäckchen iſt oft mit Hopfenklee(ſ. dieſen) vermiſcht; da letzterer billiger iſt, wird er wohl auch abſichtlich beigemiſcht. Man ſei alſo beim Samenankauf vorſichtig.— Von den übrigen Schmetterlings⸗ blütlern werden ferner empfohlen: Die Sand⸗ luzerne, NMedi- cago media Pers. Dieſelbe eignet ſich für leichte Boden⸗ arten, wo die blaue Luzerne nicht mehr gedeiht. Der als Sandluzerne ver⸗ kaufte Same iſt jedoch, wie wir durch Ausſaatver⸗ ſuche konſtatierten, in der Regel nur gewöhnliche Lu⸗ zerne, weshalb wir von der Empfeh⸗ lung dieſer Kleeart abſtrahieren, da die Unterſcheidung nach dem Samen unmöglich iſt. Die Echtheit muß durch einen Ausſaatver⸗ ſuch feſtgeſtellt werden. Fig. 108. Sumpfſchotenklee, Lotus uliginosus Schk. Pflanze mit Blüten und Hülſen. Die gelbe Sichelluzerne, Medicago falcata L. iſt in Wirklichkeit nichts anderes als eine wilde Form der gewöhnlichen Luzerne und die Sandluzerne iſt nur eine Übergangsform der Sichelluzerne zu der blauen Luzerne. Die echte Sichelluzerne iſt nirgends in Kultur, und wenn man ſie anbaut, ſo entſtehen ſofort Übergangsformen zu der blauen Luzerne. Der Same iſt alſo auch im Handel nicht erhältlich, weshalb eine Empfehlung keinen Sinn hat. 154 Elftes Kapitel. Die Auswahl der Pflanzen. Der gelbe Honigklee, Melilotus officinalis Desr., und Fig. 109. Wundklee, Anthyllis vulneraria L. a Kelch; b ganze Blüte; c deren Fahne; d d deren Flügel: e deren Schiffchen; f g Staubgefäßröhre; h Fruchtkelch mit der reifen Nußhülſe. Fig. 111. Haarige Wicke, Vicia hirsuta Koch. a Zweig mit Hülſen; b Same mit Samenmantel, natürliche Größe; derſelbe vergrößert; d Same mit der Samennaht und dem Nabel, vergrößert. der weiße Honigklee, Melilotus albus Desr., ſind hoch⸗ wachſende, grobſtengelige, zwei⸗ jährige Kleearten, die nur einen Schnitt gewähren. Sie kommen jedoch nur zur Bodenbefeſtigung an Böſchungen und als Gründüngungs⸗ pflanzen in Betracht, da das Futter nicht nur hart, ſondern auch bitter iſt, weshalb das Vieh dasſelbe ver⸗ ſchmäht. Die Vogelwicke, cracca L., und Vicia Fig. 110. Wundklee, Anthyllis vul- neraria L. a Hülſe; b desgleichen ge⸗ öffnet, mit Same, 7 fach vergr.; c Hülſe, d Same, natürliche Größe. Fig. 112. Vierſamige Wicke, Vicia tetrasperma Koch. a Hülſe, natürliche Größe; b Same mit der Samennaht; rechts geöffnete Hülſe mit 4 Samen vergr. links unten Same in natürlicher Größe. die Zaunwicke, Vicia sepium L., findet man in der Literatur ſehr allgemein zum Anbau in Grasmiſchungen empfohlen, obzwar beide yul. n ge⸗ ülſe, C. Die Kräuter. 155 Samen im Handel ſozuſagen gar nicht vorkommen. Das was im Handel als Vogelwicke und Zaunwicke feilgeboten wird, iſt nichts anderes als die aus dem Getreide ausgeputzten einjährigen Unkrautwicken, die haarige Wicke, Vicia hirsuta Koch(Fig. 111) und die vierſamige Wicke, Vicia tetrasperma Koch(Fig. 112). Man verleitet alſo den Landwirt mindeſtens zu un⸗ nützen Ausgaben, wenn man ihn zum Ankauf von ſolchem Zeug ermuntert. Das gleiche gilt von der Wieſenplatterbſe, Lathyrus pratensis L. C. Die Kränter. Die Zahl der Kräuter aus anderen Familien als derjenigen der Schmetterlingsblütler, welche zur Anlage von Kunſtwieſen be⸗ SOoAS V S. S “ 5E, — N 99 & S 0 2 Fig. 113. Wieſenkümmel, Carum Carvi Fig. 114. Gemeine Schafgarbe, Achillea L. a Blüte; b dieſelbe längs durch⸗ Millefolium L. a Hüllkelch; b Blüten⸗ ſchnitten; c Teilfrüchtchen; d zwei Teil⸗ körbchen; c« Randblüte; d Scheibenblüte; früchtchen quer durchſchnitten. e Blütenkörbchen(ohne die Randblüten) längs durchſchnitten. nutzt werden können, iſt eine ſehr geringe, trotz der großen Zahl krautartiger Pflanzen, die auf der Wieſe vorkommen, denn die meiſten gehören zum Unkraut oder den minderwertigen Arten. Einzig folgende haben einigen Wert: 1. Der Kümmel(Fig. 113) verdient als Gewürzpflanze einige Beachtung. Der Futterwert iſt aber gering. 156 Elftes Kapitel. Die Auswahl der Pflanzen. 2. Die Schafgarbe(Fig. 114), eine ausdauernde, unter⸗ irdiſch kriechende Pflanze, verdient zur Wieſenanlage in hohen Lagen, ſowie zur Bodenbefeſtigung und für Wieſenanlagen auf Fig. 115. Pimpernelle, Poterium Sanguisorba L. hitzigen Bodenarten Beachtung. Auf beſſeren Bodenarten verdrängt ſie gerne die wertvolleren Arten. 3. Die Pimpernelle oder Becherblume(Fig. 115) iſt am Platze für geringe, trockene Bodenarten, magere Halden und Böſchungen. Der Same des Handels wird aus der Eſparſette ausgeputzt, weshalb die Handelsſaat ſtets auch viel Eſparſette enthält. ter⸗ hen auf C. Die Kräuter. 157 4. Die Wieſenflockenblume, Centaurea Jacea L., hat ebenfalls nur Wert zur Befeſtigung des Bodens. ₰ Fig. 116. Waldplatterbſe, Lathyrus sylvestris L. Ab und zu werden noch andere Pflanzen zur Kultur empfohlen; aber nur die wenigſten verdienen die Empfehlung, welche ihnen auf den Weg gegeben wird. Wir nennen hier nur folgende: 1. Die Waldplatterbſe, Lathyrus sylvestris L.(Fig. 116), deren Ruhm vor ungefähr zehn Jahren mit Poſaunenſchall in die Welt hinausgeſandt wurde, wird jetzt ſelten mehr angebaut und hat in der Tat nur für einige Spezialfälle Bedeutung. Freiherr von Wangenheim in Weißenborn bei Freiberg i. S. baut ſie mit Erfolg auf ſteinigem, flach⸗ 158 Elftes Kapitel. Die Auswahl der Pflanzen. gründigem Gneisverwitterungsboden auf über 20 ha. Der Same wird im Frühjahr auf 38 cm Reihenabſtand 4 em tief gedrillt(50 kg Samen per Hektar). Sobald die erſten Unkrautkeime erſcheinen, wird das Saatfeld mit einer ſtählernen, dreibalkigen Ackerſchleppe mit einem Ochſen 1 cm tief abgeſchleift. Dieſe Operation wird bis zum Aufgang der Saat jede Woche wiederholt. Dadurch bekommt der aufſchießende Lathyruskeim ſofort Licht und Luft. Nachdem die Saat aufgegangen iſt, wird ſie im gleichen Jahr noch 4mal mit der Doppelrad⸗Handhacke Planet junior behackt. Es iſt eine Hauptſache, daß man im erſten Jahre des Unkrautes Herr wird. Im 2. Jahre entwickeln ſich die Lathyruspflanzen bis zu 1 m Höhe, aber nur vereinzelte Exemplare gelangen zur Blüte. Von Mitte September an kann das Futter geerntet werden, das grün oder dürr verfüttert wird. Die Kultur der Lathyrus iſt be⸗ ſonders für ſteinige Schuttböden oder armen Sand zu empfehlen; aber der Grund⸗ waſſerſtand muß 4—8 m tief ſein, ſonſt gedeiht ſie nicht. Auf allen beſſern Böden, wo die Kleearten und die Gräſer einiger⸗ maßen fortkommen, iſt ſie nicht am Platze. Die Waldplatterbſe iſt alſo nur ein Lücken⸗ büßer für Böden, wo die beſſeren Futterpflanzen nicht fortkommen. 2. Die Aleppo⸗ hirſe, Sorghum hale- pense Pers., eignet ſich zur Beraſung guter Sand⸗ böden in warmen Gegen⸗ den. Sie iſt ausdauernd und kriecht unterirdiſch. 3. Der Stachel⸗ — 1 ginſter,(Fig. 117 u. 118) Fig. 117. Stachelginſter, Ulex Fig. 118. Hülſe iſt ein dorniger Strauch, europaeus L. des Stachelginſters. der in England und Frank⸗ reich auf trockenem Sand als Futterpflanze gebaut wird. 4. Die kaukaſiſche Comfrey, Symphytum asperimum M. B., eine ausdauernde, hohe, aber rauhhaarige, wäſſerige Pflanze. 5. Der Sachalinknöterich, Polygonum sachalinense Sieb.& Zucc., eine unterirdiſch kriechende, mächtige Knöterichart mit groben, harten Stengeln. Er bildet jedoch nur einen lockern Beſtand, leidet durch die Frühjahrsfröſte und verlangt, wie die Comfrey, guten Boden, für welchen wir genug andere beſſere Futtergewächſe beſitzen. —— Zwölftes Kapitel. Der Ankauf des Samens. 159 Zwölftes Kapitel. Der Ankauf des Samens. Nur in ſeltenen Fällen baut der Landwirt die zur Wieſen⸗ anlage notwendigen Sämereien ſelbſt. Am häufigſten werden der Rotklee, die Eſparſette und die Samen der einjährigen Futter⸗ gewächſe ſelbſt gezüchtet, die übrigen Sämereien werden aber meiſt durch den Handel bezogen, obſchon bei einzelnen die Kultur ſehr angezeigt und auch lohnend wäre. Iſt man nun beim Samen⸗ ankauf nicht vorſichtig, ſo iſt der Fall ganz leicht möglich, daß man ſchlechte Samen bekommt. Mit der ſchönſten Miſchung auf dem Papier wird man aber die ſchlechteſten Reſultate erzielen, wenn die verwendeten Samen unecht, unrein oder mangelhaft keimfähig ſind. Der einfachſte, aber auch gefährlichſte Weg, ſich die Samen zur Wieſenanlage zu beſchaffen, iſt der, daß man zum Händler geht und ſich eine gemachte Miſchung kauft. Vor dieſem Ver⸗ fahren kann nicht genug gewarnt werden, denn dieſe gemachten Miſchungen beſtehen, wie die Erfahrung hundertfach bewieſen hat, meiſt aus dem ſchlechteſten Zeug, das ſonſt nicht verwertbar iſt. Die ſchlechten, in den Wäldern zuſammengerafften Samenarten werden hierzu benutzt: Drahtſchmiele, Raſenſchmiele, Schafſchwingel. Von den billigſten Arten werden die ſchlechteſten Qualitäten ver⸗ wendet, wie leichtes Honiggras, ſpreuiges engliſches Raigras, Fenaſſe und dergl. Sogar der Ausputz von Kleearten, der Gräſer und Getreidearten, der zum größten Teil aus Unkraut beſteht, wird hineingeworfen— Roggentreſpe, verwechſelte Treſpe, weiche und unfruchtbare Treſpe, Unkrautwicken, Spitzwegerich, Treſpenſchwingel ꝛc. Ein ſolches Miſchmaſch wird nun ſehr häufig unter irgend einem ſchönen Namen angeprieſen und von den Landwirten auch gekauft. Wie die Saat, ſo die Ernte! Wenn irgendwo dieſer Satz am Platze iſt, ſo iſt es hier der Fall. Wenn dann auf dem Felde die erwarteten guten Reſultate ausbleiben, ſo wird das Kind mit dem Bade ausgeſchüttet, der Kunſtfutterbau wird verſchimpft, und es geht wieder einige Zeit im alten Geleiſe weiter, bis ſich die beſſere Erkenntnis endlich Bahn —— 160 Zwölftes Kapitel. Der Ankauf des Samens. bricht. Der Landwirt bedenkt gewöhnlich nicht, daß er ſelber der Fehlbare iſt. Als Beiſpiele, wie die fertigen Grasmiſchungen zuſammengeſetzt ſind, mögen ſechs in den letzten Jahren von uns unterſuchte Miſchungen dienen. Es können nur die Hauptreſultate mitgeteilt werden. Die Miſchungen enthielten: I. II. III. IV. V. VI. 6%o o o oho ofo ſo Spreu und Schmutz 54,8 52,8 48,9 48,8 41,4 41,2 Samen 45,2 47,2 51,1 51,2 58,6 58,8 Die Samen beſtanden aus: Samen guter Futtergräſer 12,5 7,8 8,5 8,3 9,4 8,7 Samen von Kleearten 4,3 3,1 2,9 3,14 0,9 2,1 Samen minderwertiger Arten 19,9 21,6 36,6 20,1 32,0 29,0 Samen von Unkräutern 8,5 14,4 3,1 19,4 16,3 19,0 Die Miſchung enthielt keim⸗ fähige Samen guter Arten 6,6 2,14 3,4 1,8 1,3 4,9 Die beſte Miſchung enthielt alſo nur 6,6% keimfähige gute Samen. Dieſe wenigen Beiſpiele könnten leicht um Dutzende vermehrt werden. Es gibt zwar redliche Samenhandlungen genug, welche nur gute Qualitäten auch zu Miſchungen verwenden; dieſe ſtreben aber ſelbſt danach, daß der Landwirt jede Samenſorte einzeln verlange, damit er ſich von der guten Qualität um ſo ſicherer überzeuge und den Wert ſchätze. Eine Samenmiſchung läßt ſich nur ſchwer beur⸗ teilen; am allerwenigſten iſt dies der Landwirt imſtande, während ihm die Beurteilung viel eher möglich iſt, wenn er jede Samenſorte einzeln vor ſich hat. Zwar kommen auch bei den reinen, ungemiſchten Samen des Handels ſchlechte Qualitäten vor. Man kann ſich aber ſchützen, während beim Kaufe von Miſchungen der Käufer von vornherein ausgeliefert iſt. Aus dieſem Grunde kaufe man jede Samenart für ſich und nehme dann die Miſchung ſelber vor. Man weiß dann, was man hat, oder weiß doch beſſer, was man gekauft hat. An einen guten Samen ſtellen wir die Anforderung, wie ſchon im VII. Kapitel(Seite 79 ff.) auseinandergeſetzt wurde, daß der Same echt, daß er rein und daß er gut keimfähig ſei. Der Same muß der Art angehören, für welche man ihn gekauft hat, dann iſt der Same echt. Unecht dagegen iſt ein Same, wenn man z. B., ſtatt Rotklee oder Luzerne, Hopfenklee(Steinklee) erhält; ———— Zwölftes Kapitel. Der Ankauf des Samens. 161 ſtatt Wieſenſchwingel, engliſches Raigras; ſtatt Goldhafer, Draht⸗ ſchmiele; ſtatt Geruchgras, Puelſches Ruchgras; ſtatt Wieſenriſpen⸗ gras, Platthalmriſpengras; ſtatt ſteiriſchem Rotklee, amerikaniſchen; ſtatt deutſchem Rotklee, mittäglichen; ſtatt Mattenklee, Ackerklee u. ſ. f. In zweiter Linie ſoll der Same tunlichſt rein ſein, nament⸗ lich ſoll er keine Samen ſchädlicher Unkrautpflanzen enthalten. Die Kleearten müſſen frei ſein von Kleeſeide(ſ. S. 56 und 60), die Eſparſette darf nur wenig(höchſtens 20 Körner per Kilo) Pimper⸗ nelle(ſ. S. 63) enthalten u. ſ. w. Drittens muß der Same gut keimfähig ſein. Bei Verwendung eines ſchlechten Saatgutes iſt nicht nur das ausgelegte Geld für das Saatgut verloren, ſondern die übrigen Schäden durch den Ausfall der Ernte, durch Verunkrautung des Feldes ꝛc. ſind in der Regel noch viel größer. Aus dieſem Grunde laſſe man ſich beim Ankaufe für Echtheit, Reinheit und Keimfähigkeit des Samens Garantie geben und zwar für letztere beiden Faktoren eine in Prozenten ausgedrückte Garantie. Das gewöhnliche Wortſpiel„ich garantiere dir, daß der Same keim⸗ fähig iſt“ genügt nicht, denn wenn ſchließlich auch nur 1% keimt, ſo iſt der Same keimfähig.. Man laſſe ſich deshalb eine prozentiſche Garantie geben, und zwar eine möglichſt hohe. Eine gute Durchſchnittsſaat ſoll die in Tabelle I(Seite 76/77) in Spalte 8 und 9 angegebene Reinheit und Keimfähigkeit haben. Die Begriffe von„Reinheit“ und„Keimfähigkeit“ ſind Seite 79 feſtgeſtellt. Die Samenhandlungen, die unter Kontrolle einer Samen⸗ kontrollſtation ſtehen, geben meiſt ſchriftliche Garantie. Aber da⸗ mit hat man noch nicht Sicherheit, daß der gelieferte Same der Garantie wirklich entſpricht, denn der Fall iſt gar nicht ſelten, daß die Ware geringer iſt, als garantiert. Aus dieſem Grunde laſſe der Käufer die Ware kontrollieren. Wenn die Samenkontroll⸗ ſtationen ihren Zweck erfüllen ſollen, ſo ſollte jeder Land⸗ und Forſtwirt bei Abnahme eines Minimalquantums, das nicht zu hoch ſein darf(ſagen wir 5 kg), berechtigt ſein, eine vorſchriftsgemäß vor Zeugen gezogene und mit dem Siegel eines Zeugen verſiegelte Stebler. 5. Auflage. 11 162 Zwölftes Kapitel. Der Ankauf des Samens. Probe unentgeltlich bei der Station daraufhin unterſuchen zu laſſen, ob die gelieferte Ware der Garantie entſpricht oder nicht. Der Abnehmer erhält zu dieſem Zweck einen Ausweisſchein, in welchem die genaue Garantie angegeben iſt. — Dieſer Schein enthält: 1. Die genaue Angabe der Art, Sorte, Provenienz(Echtheitsgarantie). 2. Den Prozentſatz der Reinheit. 3. Den Prozentſatz der Keimfähigkeit. 4. Die Garantie, ob kleeſeidefrei, pimpernelle⸗ frei ꝛc. Wenn man nun einen ſolchen Ausweisſchein mit Garantieangabe beſitzt, ſo nimmt man bei An⸗ kunft der Ware unter Anweſenheit von zwei un⸗ parteiiſchen Zeugen aus dem noch uneröffneten Sacke eine Probe, füllt ſie in eine Verſanddüte (die man unentgeltlich bei der Samenkontrollſtation beziehen kann), läßt dieſe mit dem Siegel eines der beiden Zeugen verſiegeln und ſendet ſie an die Kontrollſtation. Nach 3—4 Tagen iſt das vor⸗ läufige und Reinheitsgutachten der Station ſchon da, aus welchem hervorgeht, ob der Same echt iſt, welche Reinheit er hat, ob er Kleeſeide oder Pimpernelle enthalte und wie die Keimfähigkeit un⸗ gefähr ausfallen werde. Das endgültige Gutachten folgt aber erſt nach beendigter Keimung, welche bei Fienfi aben den Kleearten bis zum Abſchluß 10—12 Tage, bei wnd Düne, den meiſten Gräſern aber 14 Tage bis 3 Wochen P Zedel, hald ge⸗ dauert. Jedoch erhält der Einſender ſchon vorher von Zeit zu Zeit Bericht über den Gang der Keimung, ſo daß er über die Qualität des Samens vor dem Abſchluß ziemlich genau orientiert iſt. Dies iſt der Gang, wie er von der ſchweize⸗ riſchen Samenunterſuchungsanſtalt eingehalten wird und wie er zum Teil auch von ausländiſchen Stationen adoptiert wurde. Zur Probeentnahme bedient man ſich am zweckmäßigſten eines Probenziehers. Unter dieſen hat ſich beſonders der in Fig. 119 abgebildete bewährt. Das 88 em lange, meſſingene Inſtrument hat unten eine zu⸗ geſpitzte Kapſel B, die durch Drehen des Griffes G geöffnet und geſchloſſen Zwölftes Kapitel. Der Ankauf des Samens. 163 werden kann, da der Griff durch die bis zum Bügel reichende hohle Stange mit dem Deckel D in Verbindung ſteht. Man ſchiebt den Probe⸗ zieher in verſchloſſenem Zuſtande in den Sack, öffnet die Kapſel, worauf dieſe ſich mit Samen füllt, ſchließt ſie wieder und zieht ſo die Probe von der gewünſchten Stelle heraus. Kleeſeidehaltige Samen weiſt der Landwirt zurück, und er hat bei einem Gehalte von mehr als 10 Körnern Kleeſeide pro Kilogramm das Recht, für ſeinen Mühewalt noch 5% Entſchädigung zu verlangen. Ergibt die Kontrolle, daß die Reinheit und die Keim⸗ fähigkeit der gelieferten Ware weſentlich geringer ſind, als die Garantie angibt, ſo iſt der Lieferant zum Erſatz verpflichtet. Bei einem Minderwert von nur 5% und weniger iſt der Lieferant nicht erſatzpflichtig, denn ſo geringe Manko können im Bereiche der Fehlergrenze der Unterſuchung liegen. Es iſt deshalb eine Latitüde von 5% Gebrauchswert aufgeſtellt. Überſteigt aber der Minder⸗ wert dieſe 5%, ſo muß dieſer vergütet werden. Angenommen, man kaufe zum Preiſe von Mk. 1,30 per Kilo eine Ware mit der Garantie von 90% Reinheit und 80% Keimfähigkeit⸗ 90„20 = 72% Gebrauchswert; die Ware enthalte aber nur 80% Reinheit und 70% Keimfähigkeit= 56% Gebrauchswert(reine und keimfähige Samen), ſo ſind 16% zu vergüten. Da 1 Kilo der Ware Mk. 1,30 koſtet und 72% Gebrauchswert garantiert ſind, ſo koſtet jedes Prozent(das Kiloprozent) Mk. 1,30: 72= 1,81 Pfg. Der Minderwert der gelieferten Ware beträgt 16%, alſo ſind für jedes Kilo der gelieferten Ware 1,81 16= 28,96 Pfg., per 100 Kilo alſo Mk. 28,96 zu vergüten. Überſichtlich zuſammengeſtellt macht ſich die Erſatzberechnung folgendermaßen: Reinheit Keimfähigkeit Gebrauchswert Preis .% 7% ſo per kg per 1 kg% Garantie: 90 80 1 72 Mk. 1,30 1,81 Pfg. Reſultat: 80 70= 56 Alſo weniger als garantiert: 16%* 1,81= 28,96 Pfg. p. Kilo. Bei einem Minderwert von nur 5% und weniger wird keine Vergütung geleiſtet. Oft aber wird der Preis zwiſchen Käufer und Verkäufer nach dem Ergebnis der Unterſuchung feſtgeſetzt. In dieſem Falle vereinbaren die Kontrahenten neben dem Preis beſtimmte Prozente der Reinheit und Keimfähigkeit. Ergibt ſich ein Plus oder ein Minus, ſo wird dasſelbe vergütet. Für dieſen Fall iſt es aber notwendig, daß das Reſultat der Unterſuchung zuverläſſig iſt. 11* 164 Zwölftes Kapitel. Der Ankauf des Samens. Die Nachunterſuchung iſt alſo bei Abnahme des Minimal⸗ quantums für den Landwirt meiſt gratis. Da nun aber für Wieſen⸗ anlagen der Samenbedarf von den einzelnen Sorten gering iſt, ſo bezieht der einzelne Landwirt dennoch ſehr häufig nicht dieſes Quantum, oder doch nicht von allen Arten. In dieſem Falle ver⸗ einige man ſich mit ſeinem Nachbar zu einem gemeinſamen An⸗ kaufe und erwerbe das Recht der koſtenfreien Nachunterſuchung mit ihm gemeinſam. Das beſte iſt es ſogar, wenn ſich die Land⸗ wirte eines ganzen Dorfes zuſammentun und gemeinſchaftlich einkaufen; ſie erhalten den Samen auf dieſe Weiſe nicht nur billiger, ſondern, was viel wichtiger iſt, derſelbe iſt viel beſſer, und eine Übervorteilung von ſeiten des Lieferanten iſt nicht möglich, da das oberſte Prinzip ſolcher Vereine das Verlangen von Garantie und die Kontrolle durch die Samenkontrollſtation iſt. Durch ein ſolches Vorgehen wird auch der nachläſſige Bauer, der ſonſt aufs Geratewohl einkauft und die Folgen davon oft ſchwer büßen muß, des Vorteiles eines guten Saatgutes teilhaftig; aus dieſem Grunde ſind ſolche Vereine auch volkswirtſchaftlich ſehr wichtig und verdienen deshalb die volle Unterſtützung der Behörden und der landwirt⸗ ſchaftlichen Geſellſchaften. Das beim genoſſenſchaftlichen Sameneinkauf einzu⸗ ſchlagende Verfahren iſt ſehr einfach. Es werden vom Vorſtand der Vereinigung zeitig genug an die Intereſſenten Formulare ver⸗ teilt, in welche die Beſteller das von jeder Samenſorte gewünſchte Quantum eintragen und den Schein dann einem Vorſtandsmitgliede oder einem Sammler abgeben. Das Quantum aller Beſtellungen wird nun addiert und auf Grund deſſen eine Ausſchreibung erlaſſen, worin die unter Kontrolle ſtehenden Handlungen aufgefordert werden, hre Eingaben mit Preis⸗ und Garantie⸗Angaben bis zu einem be⸗ ſtimmten Termin zu machen. Hierbei werden diejenigen Offerten berückſichtigt, welche am vorteilhafteſten ſind. Diejenige iſt in der Regel die vorteilhafteſte Offerte, bei welcher das Kilo reine und keimfähige Samen am billigſten zuſtehen kommt, wobei gar oft durch einfache Rechnung die Erfahrung gemacht werden kann, daß die nach dem Bruttopreiſe billigſte Ware in Wirklichkeit die am wenigſten preiswürdige iſt. Zwölftes Kapitel. Der Ankauf des Samens. 165 Das folgende, der Wirklichkeit entnommene Beiſpiel möge dieſes Verhältnis illuſtrieren. Ein Haus in Glasgow(Schottland), welches ſich in ausgedehnter Weiſe mit dem Grasſamenhandel nach dem Kontinent befaßt, offerierte vier verſchiedene Qualitäten engliſches Raigras zu verſchiedenen Preiſen. Die Muſter ſind vom Verfaſſer unterſucht worden, ſo daß derſelbe Gelegenheit hatte, genaue Be⸗ rechnungen über den Wert der betreffenden Waren anzuſtellen, welche hier mitgeteilt werden. J. II. III. 1. Die Waren enthielten: Qualität Qualität Qualität Qualität Reine Samen(Reinheit). 96,9% 91,1% 82,6% 32,5% Fremde Beſtandteil.. 3,1„ 8,9„ 17,4„ 67,5„ Von den reinen Samen keimten 73,0, 53,0„ 34,„ 10,0„ 1 Kilo der Ware enthielt alſo reine und keimfähige Samen 70,7, 48,3„ 28,1„ 3,3„ Preis der Ware ab Rotterdam. per 100 Kilo... 40,44 Mk. 38,— Mk. 24,— Mk. 14,80 Mk. 1 Kilo reine und keimfähige Samen koſtet demmaeh.—,57„—,79„—,86„ 4,48„ Wenn die I. Ware 96,9% reine Samen beſitzt und dieſe zu 73% ... 96,9„ 73 keimen, ſo enthält dieſelbe— 100— Der Reſt beſteht aus nicht keimfähigen Samen und aus fremden Beſtand⸗ teilen. Mit anderen Worten: 100 Kilo der Ware enthalten 70,7 Kilo reine und keimfähige Samen. Dieſe koſten Mk. 40,44, alſo koſtet 1 Kilo reine und keimfähige Samen 40,44:70,7= 57 Pfg.— bei der II. Qualität 79 Pfg., der III. 86 Pfg. und der IV. ſogar Mk. 4,48. Trotzdem alſo die IV. Qualität im Preiſe nahezu dreimal billiger iſt, iſt ſie gegenüber der I. Qualität doch achtmal zu teuer. Wer alſo meint, er tue bei der billigſten Ware den glück⸗ lichſten Griff, verrechnet ſich gewaltig. Die Dorfkrämer und jene Samenhändler, welche von einer Kontrolle nichts wiſſen wollen, kaufen in der Regel jene wohlfeilſte Ware; ob dieſelbe nun 2— 3% oder umgekehrt 90% reine und keimfähige Samen enthalte, iſt ihnen Nebenſache, wenn ſie nur möglichſt viel dabei verdienen. Das ſoll aber dem Landwirt nicht gleichgültig ſein, denn ſchließlich iſt er allein der Geprellte. Darum laſſe er ſich bei allen Samen, welche er kauft, eine beſtimmte Garantie geben, daß dieſelben ſo und ſo viel Prozent reine, echte Samen enthalten, welche zu ſo und ſo viel Prozent keimen. Iſt die Ware angekommen, ſo werden ſofort Proben ge⸗ zogen und an die Samenkontrollſtation zur Kontrolle geſandt. = 70,7 reine und keimfähige Samen. 166 Dreizehntes Kapitel. Vorfrucht, Düngung und Vorbereitung ꝛc. Schon in 2—3 Tagen iſt das vorläufige Gutachten da; lautet dieſes günſtig, ſo wird die Ware an die einzelnen Beſteller verteilt, andernfalls wird dieſelbe dem Lieferanten zur Verfügung geſtellt. Man ſollte dem Landmann die Sache ſogar noch mehr er⸗ leichtern. Die meiſten Landwirte verſtehen es nicht, die für ihren Zweck entſprechenden Miſchungen zuſammenzuſtellen; um ihnen nun die Verwendung ſolcher Miſchungen zu ermöglichen, ſollte die Ein⸗ richtung getroffen werden, daß der Bauer nichts anderes zu tun hat, als beim Vereinsvorſtand das Areal, die Bodenart, den Düngungszuſtand und den Nutzungszweck anzugeben, und der Vorſtand würde dann die zu verwendenden Samenſorten danach feſtſtellen. Überhaupt ſteht hier den Vereinen ein ſo großes und dank⸗ bares Feld offen, daß ſie ſich unmöglich von demſelben fern halten können, wenn ſie dem Bedürfnis der Landwirtſchaft Rechnung tragen wollen. Ddie Deutſche Landwirtſchafts⸗Geſellſchaft hat die Einrichtung getroffen, daß ſie denjenigen ihrer Mitglieder, welche Wieſen anlegen wollen und zu dieſem Zwecke genaue Angaben über Boden, Klima, Nutzungszweck machen, paſſend erſcheinende Miſchungen zuſammenſtellt und die einzelnen Beſtand⸗ teile durch die„Saatſtelle“(Berlin SW., Deſſauerſtr. 14) liefert. Dreizehntes Kapitel. Vorfrucht, Düngung und Vorbereitung des Bodens. Auf jedem Acker kommen gewiſſe Pflanzen vor, welche, ſich ſelbſt überlaſſen, mit der Zeit einen Raſen bilden oder doch zur Beraſung beitragen. Wir haben dieſe Pflanzen bereits im 2. Kapitel kennen gelernt. Es gibt auch Leute, welche glauben, ein Acker, welcher ſo recht vergraſt ſei, eigne ſich am beſten zur Wieſenanlage, weil„das Gras“ hier von Natur vorkomme. Dieſe Annahme be⸗ ruht aber auf einem gewaltigen Irrtum, denn das Umgekehrte iſt richtig. Das Aufkommen der geſäeten guten Futterpflanzen wird auf einem vergraſten Boden durch dieſe Unkräuter verhindert, und Die Vorfrüchte. 167 da nun die auf dem Acker wildwachſenden Gräſer und Unkräuter: das kriechende Straußgras, das gemeine Riſpengras, das weiche Honiggras, die Quecke, der kriechende Hahnenfuß ꝛc. nicht zu den ertragreichſten und beſten Arten gehören, ſo iſt der Ertrag ſolcher Wieſen ſtets gering. Auf einem halbvergraſten Acker kommt die Kunſtwieſe an denjenigen Stellen am ſchönſten, wo das Feld am reinſten war, während an den vergraſten Plätzen, wo das geſäete Gras nicht aufkam, der Ertrag ſtets am geringſten iſt. Erſtes Er⸗ fordernis zum Gelingen einer Wieſenanlage iſt deshalb, daß der Boden unkrautrein ſei. Damit die Samen gut keimen und die Pflanzen möglichſt gut gedeihen können, ſoll der Boden ferner gut bearbeitet, gut gelockert und gut gedüngt ſein. Die Vorfrüchte. Aus genannten Gründen ſind die Hackfrüchte die beſten Vorfrüchte für die Kunſtwieſenanlagen, weil ſie den Boden am unkrautreinſten, gut gelockert und in der Regel auch gut gedüngt hinterlaſſen. Dieſelben werden während ihrer Vegetationsperiode mehrmals behackt(deshalb der Name„Hackfrucht“), das Unkraut wird vertilgt und ſie werden in der Regel auch gut gedüngt (namentlich die Rüben). Der Boden wird im Herbſt frei und kann im Spätherbſt, im Laufe des Winters oder zeitig im Früh⸗ jahr geackert und gedüngt werden, ſo daß der Same auf einen lockeren, reinen und gedüngten Boden fällt.— Aus denſelben Gründen ſind der Tabak und der vielfach zur Körnergewinnung angebaute Mais vorzügliche Vorfrüchte; die wichtigſte Hackfrucht iſt aber die Kartoffel. Zu den Hackfrüchten gehören ferner die Möhren und die Kohlarten. Säntlich ſind ſie vorzügliche Vorfrüchte für die Grasmiſchungen. Die Kartoffeln verlaſſen das Feld ziemlich zeitig im Herbſt, weshalb vor Winter noch eine gründliche Bearbeitung des Bodens möglich iſt. Die Rüben, Möhren und Kohlarten werden in der Regel ſtark gedüngt, was auch der Nachfrucht zu ſtatten kommt. Der Tabak erfährt eine außerordentlich ſorgfältige Pflege, und der Mais, der zur Körner⸗ gewinnung gebaut wird, wird ebenfalls behackt und behäufelt. Die Getreidearten ſind als Vorfrüchte weniger geeignet, weil ſie den Boden in der Regel ziemlich verunkrautet und ver⸗ 168 Dreizehntes Kapitel. Vorfrucht, Düngung und Vorbereitung ꝛc. kruſtet hinterlaſſen und im allgemeinen auch nicht ſo ſtark gedüngt werden wie die Hackfrüchte; doch läßt ſich nach Aberntung des Ge⸗ treides im Herbſt noch vieles nachholen, da dasſelbe den Acker noch früher verläßt als die Hackfrüchte. Will man nach Getreide im nächſten Frühjahr eine Grasſaat machen, ſo ſtürze man möglichſt bald nach der Ernte die Stoppel; haben dann die Unkräuter die erſten Blättchen getrieben, ſo wird geeggt und bald darauf tüchtig gedüngt und gepflügt. Will man im Herbſt drei Furchen geben, ſo wird der Dünger erſt beim drittenmal eingepflügt; in dieſem Falle geſchieht die zweite Pflugfahrt möglichſt tief. Man kann die Grasmiſchungen auch nach Gras ſäen, ſo zwar, daß entweder die Grasnarbe einfach umgekehrt, die nach oben gekehrte Erde bearbeitet und ſofort wieder mit Gras beſäet wird — oder man ſchaltet eine Zwiſchenfrucht ein. Über dieſes Ver⸗ fahren haben wir uns ſchon in einem früheren Kapitel ausgeſprochen (Seite 93 f.) und dort geſehen, daß dasſelbe nur da am Platze iſt, wo eine Ackerkultur nicht möglich iſt. Wenn irgend möglich, ſo laſſe man eine halbe Brache dazwiſchen treten. Man kann z. B. folgende Methoden anwenden: Der Raſen wird nach dem zweiten Grasſchnitt geſchält, nach einigen Tagen vereggt, gedüngt und gepflügt; nachdem der Boden ſich begrünt hat, wird geeggt und dieſes nach Bedürfnis wiederholt; im Herbſt wird eine zweite tiefe Pflugfurche gegeben. Über Winter wird der Boden in der rauhen Furche liegen gelaſſen und eventuell im Frühjahr noch einmal gepflügt und gedüngt, um im April neu angeſäet zu werden. Statt der reinen Brache kann man auch eine Brachfrucht dazwiſchen treten laſſen. Der Boden wird ſchon nach dem erſten Schnitt geſchält, kräftig gedüngt und gepflügt und mit einem Grünfutterſamen, am beſten Mais, beſäet; findet die Saat Ende Juni ſtatt, ſo kann man nach acht Wochen ſchneiden. Unter dem Beſtande des Grünfutters geht der Raſen einer ſchnellen Zerſetzung entgegen, und die Bearbeitung im Herbſt, welche ähnlich wie im vorhin erwähnten Falle geſchieht, iſt dann um ſo leichter. Die Neubeſamung findet ebenfalls im April ſtatt.— Anſtatt der Saat einer Grünfutterpflanze kann man auch Runkelrüben pflanzen. Düngung vor der Saat. Eine weitere Bedingung zum guten Gedeihen der Gras⸗ miſchung iſt die, daß der Boden in gutem Düngungszuſtande iſt, und zwar ſowohl von der Vorfrucht her, als aber ganz beſonders, daß vor der Wieſenanlage ſelbſt gut gedüngt werde. Dies iſt vor allen Dingen nötig bei Anlage von Wechſel⸗ und Dauerwieſen, bei welchen ſpäter viele Jahre kein Dünger mehr in den Boden ge⸗ ——————— ——n Düngung vor der Saat.— Bodenbearbeitung 169 bracht werden kann. Man kann der Wieſe ſpäter wohl eine Kopf⸗ düngung geben, aber dieſe oberirdiſche Düngung kann die unter⸗ irdiſche nie erſetzen, da das Kali, die Phosphorſäure und die orga⸗ niſchen Stoffe von den oberſten Bodenſchichten feſtgehalten werden und nur in geringem Maße tiefer in die Erde gelangen. Aus dieſem Grunde dünge man den Boden vor der Wieſenanlage ſtark mit Stallmiſt. Ratſam iſt es auch, mittelſt Kunſtdünger vor der Saat reichlich Phosphorſäure in den Boden zu bringen, wozu ſich beſonders das Thomasmehl eignet. Dasſelbe wird im Herbſt oder im Frühjahr über die rauhe Furche geſäet. Eine Düngung von 200— 300 J Stallmiſt per Hektar wird als eine„volle“ Düngung bezeichnet. Zum freudigen Gedeihen der Kleearten iſt aber nebſtdem noch eine Phosphatdüngung nötig. Eine Düngung mit 800— 1000 kg Thomasmehl per Hektar wird als ſtarke Düngung angeſehen. Auf leichten Bodenarten und Moorboden iſt dann noch eine Beigabe von Kali ratſam. Aber auch andere Böden ſind oft dankbar für Kalidüngung.— übrigens ſei betreffs Anwendung von Kunſtdünger auf das treffliche Werk von Wagner, Anwendung künſtlicher Düngemittel(Band 100 der Thaerbibliothek) verwieſen. Bodenbearbeitung. Vor der Wieſenanlage ſoll der Boden ferner gut und, wenn tunlich, tief bearbeitet werden. Hierzu gehört aber ein guter Pflug. Die neueren Selbſthalterpflüge leiſten in dieſer Beziehung ausgezeichnetes. Eine möglichſt tiefe Bearbeitung iſt beſonders auf tiefgründigen, bindigen Bodenarten angezeigt, denn dadurch wird die Wurzelbildung und damit die Entwickelung der ganzen Pflanze gefördert. Wenn ein feſter Boden, der bisher nur 15 em tief ge⸗ pflügt wurde, nun 30 em gepflügt wird, ſo ſteht der Pflanze ein bedeutend größeres Bodenkapital zur Verfügung. Die Pflanzen haben zwar früher auch tiefer als 15 cm gewurzelt, da der Boden aber feſt war, ſo war die Entwickelung der Wurzel in der feſten Erdſchicht eine ſehr mäßige. Wird dieſe aber gelockert, ſo bildet die Pflanze ein weit größeres Wurzelſyſtem, es ſteht ihr eine viel größere Menge Pflanzennährſtoffe zur Dispoſition, ſie wird deshalb größer, und der Ertrag iſt dementſprechend bedeutender. Man hat in dieſem 170 Dreizehntes Kapitel. Vorfrucht, Düngung und Vorbereitung ꝛc. Falle gleichſam zwei Acker aufeinander, und es iſt beſſer, man habe zwei Acker aufeinander als nebeneinander, d. h. es iſt profitabler, durch gute Bearbeitung den Acker in den Zuſtand zu ſetzen, daß er den doppelten Ertrag gibt, als daß man durch nachläſſige Beackerung nur den halben Ertrag erzielt. Auf einem tief bearbeiteten Boden ſind die Erträge viel ſicherer als auf einem flach bearbeiteten. Das bei naſſer Witterung überſchüſſige Waſſer geht wegen Lockerheit des Bodens raſcher in die Tiefe, und wegen der beſſeren Bewurzelung in der Tiefe leiden die Pflanzen in Trockenperioden weniger von der Dürre; denn wenn die oberſten Schichten an Feuchtigkeit erſchöpft ſind, ſo iſt der Boden in den tieferen Lagen noch friſch und liefert der Pflanze das nötige Waſſer.— Ein tief gelockerter Boden leidet alſo viel weniger von Näſſe, aber auch viel weniger von der Trockenheit. Selbſtverſtändlich iſt bei einem von Natur lockeren Boden die Tiefkultur nicht in dem Maße notwendig, wie bei einem bindigen Boden, kann aber auch dort ſehr vorteilhaft ſein. Nur wenn der Untergrund von ſchlechter Qualität iſt, wird man ſich hüten, den⸗ ſelben an die Oberfläche zu bringen. Man darf aber die Ackerkrume eines Bodens nicht auf ein⸗ mal vertiefen. Wenn man die„wilde“ Erde des Untergrundes mit einem Male an die Oberfläche bringen würde, ſo wäre ein ſolcher Boden unfruchtbar. Deshalb vertiefe man die Ackerkrume nur allmählich, vielleicht alle Jahre 2— 3 cm, und gebe bei jeder Ver⸗ tiefung eine Düngung mit Miſt. Dieſer Dünger wirkt dann mildernd auf die Erde des Untergrundes. Das Tiefpflügen geſchieht am beſten im Spätherbſte. Man läßt dann den Acker über Winter in der rauhen Furche liegen, damit der Froſt und die Luft ihre zerſetzende Wirkung auf ſchädliche und ungelöſte Verbindungen ausüben können. Wenn dann im nächſten Frühling der Boden durch richtige Bearbeitung gemiſcht wird, ſo wird eine ſolche Arbeit die beſten Folgen haben. Wenn man den Boden zur Vorbereitung der Wieſenanlage ſchon im Herbſt bearbeitet, ſo unterlaſſe man es dennoch nicht, im Frühjahr den Acker nochmals zu bearbeiten. Es iſt das beſonders nötig auf bindigen Bodenarten, weil der im Herbſt geackerte Boden habe übler ch er erung viel derung her i leide vem Boden uf ein⸗ guunde Kſolhe me mn der Le⸗ niden enandt nich, in veſorden e Bde Bodenbearbeitung. 171 über Winter und im frühen Frühjahr durch den Regen und das einſickernde Schneewaſſer teilweiſe wieder feſtgeſchlämmt wird. Des⸗ halb lockere und bearbeite man im Frühjahr nochmals und ſäe erſt nachher. Nur auf gut gelockertem und von Natur lockerem Boden kann man auf die Arbeit verzichten. Die Wurzelunkräuter, welche auf dem Acker herumliegen, müſſen ſorgfältig aufgeleſen werden; dieſelben ſind vorzüglich geeignet zur Kompoſtbereitung. Beſonders leſe man das gemeine Riſpengras, Fig. 120. Einjähriges Riſpengras, Poa Fig. 121. Gemeine Wucherblume, annua L. a Ährchen; b Blüte; c Stempel; Leucanthemum vulgare Lmk. a Hüll⸗ d Frucht. kelch, Rückſeite; b Blütenköpfchen; c Hüll⸗ kelch mit Fruchtboden; d Randblüte; e Scheibenblüte, bei f ohne Krone; g Früchtchen. das einjährige Riſpengras(Fig. 120), den kriechenden Hahnenfuß, die Stöcke der Wucherblume(Fig. 121), des kriechenden Straußgraſes, die Blackenwurzeln u. dergl. gewiſſenhaft auf. Alle größeren Schollen auf dem Felde müſſen von Hand oder mittelſt Walze und Egge zerkleinert werden, ſo daß das Feld vor der Grasſaat ausſieht wie ein zur Saat bereites Gemüſebeet. Der Boden muß alſo gleichſam gartenmäßig vorbereitet werden— erſt dann iſt man ſicher, daß die Saat auch gelingt. 172 Vierzehntes Kapitel. Die Überfrucht. Vierzehntes Kapitel. Die Uberfrucht. Die Grasſamenmiſchungen werden mit und ohne überfrucht geſäet. Für hohe Lagen im Gebirge iſt die Saat ohne Über⸗ frucht in der Regel das beſte Verfahren. Auf gutem gras⸗ wüchſigen Boden kommen die Grasmiſchungen auch im Tieflande ohne Überfrucht ganz gut, jedoch iſt die Gefahr vorhanden, daß das Sommerunkraut die Grasſaat unterdrückt, wenn dasſelbe nicht ausgejätet wird. Entfernt man jedoch das Unkraut, ſo gelingt auch hier auf gutem Boden eine ſolche Miſchung vortrefflich. Da das Jäten jedoch eine zeitraubende und deshalb koſtſpielige Arbeit iſt, ſo ſäet man die Grasſamen gewöhnlich in eine Überfrucht. Das Unkraut kommt dann weniger leicht auf, und wenn man eine paſſende Überfrucht wählt, ſo kommt der eingeſäete Same dennoch gut fort. Als Überfrüchte werden in der Regel Getreidearten verwendet und zwar entweder zur Körnergewinnung oder zur Grünfutternutzung — reifendes Getreide oder Grüngetreide. A. Das Grüngetreide als überfrucht. Die verſchiedenen Getreidearten werden da und dort zur Grünfütterung angebaut, und mit ſehr gutem Erfolg kann man in ſolches grün als Futter zu ſchneidendes Getreide auch Gras⸗ ſamen ſäen. Man iſt bei ihm nicht der Gefahr des Lagerns aus⸗ geſetzt, wie dies beim reifenden Getreide der Fall iſt; findet man, der Stand ſei für die eingeſäeten Futterpflanzen zu dicht, ſo ſchneidet man das Grüngetreide ab, damit das Gras Luft und Licht bekommt. Beim reifenden Getreide kann man alles dieſes nicht. Als Grünfutter wird vornehmlich Hafer und Roggen angebaut. 1. Der Grünhafer. Von allen Grüngetreidearten iſt wohl der Grünhafer die geeignetſte und ſicherſte Überfrucht, nicht nur für die Grasmiſchungen, ſondern auch für die Kleearten; er gewährt den jungen Graspflanzen Schutz, ohne den Boden zu lange in Anſpruch zu nehmen, und liefert zu einer Zeit, da die Gräſer und Kleearten noch nicht entwickelt ſind, einen guten Futterertrag. Be⸗ ſonders in feuchten Jahren und auf allen beſſeren Bodenarten iſt A. Das Grüngetreide als überfrucht. 173 der Grünhafer für Klee und Gras die beſte Überfrucht. Man ver⸗ wendet hierzu hohe Haferſorten und ſäet den Hafer ſehr dicht. Als Saatquantum empfehlen wir 5 hl per Hektar. Bei dieſem Quantum kommt der Hafer bürſtendicht. Wenn er eine Höhe von 20 em erreicht hat, ſo muß er dann aber abgeſchnitten werden, ſonſt leidet die Grasſaat. Bei ſo frühem Schnitt ſchießt der Hafer nochmals nach, der Stand iſt immerhin viel lockerer als beim erſten Schnitt. Den zweiten Schnitt läßt man höher werden— zwei, drei Fuß, bis die Riſpen gucken. Nun ſchneidet man den Hafer wieder grün. Man erhält dann einen großen Ertrag an Hafer und dazwiſchen gewachſenem Gras und Klee. Zum dritten Male bleibt der Hafer zurück, und der Klee und das Gras bilden den alleinigen Beſtand. Auf gutem Boden kann man aber Ende September noch einen dritten Schnitt nehmen und hat nun einen ſchönen geſchloſſenen Raſen. Nach Ende September ſollte nicht mehr geſchnitten werden. Die dichte Saat und der zeitige erſte Schnitt des Hafers haben den Zweck, den Pflanzen zur Zeit der erſten Entwickelung, während der großen Hitze im Juli, einen Schutz zu gewähren. Säet man den Hafer dünn und nimmt den erſten Schnitt ſpäter, ſo ſchießt er nicht mehr nach, und die kleinen Gras⸗ und Kleepflänzchen ſind im Hochſommer, wenn der Hafer weg iſt, den ſengenden Sonnenſtrahlen und dem Unkraut preisgegeben, viele ver⸗ welken und gehen zu Grunde. Deshalb iſt dichte Haferſaat und früher erſter Schnitt das beſte Verfahren. Im erſten Jahre fahre man ſo wenig wie möglich mit Vieh und Wagen auf dem Grundſtück herum und keinesfalls bei naſſem Wetter. Am beſten iſt es, das Grünfutter abzutragen. 2. Grünroggen. Auch der Grünroggen iſt eine vorzügliche Überfrucht und bei Herbſtſaaten wohl die empfehlenswerteſte. Bei Frühjahrsſaaten verwendet man Sommerroggen, bei Herbſtſaaten Winterroggen. Der Winterroggen, in welchen im Herbſt Gras⸗ ſamen geſäet werden ſoll, darf nur dünn beſtellt werden: 1 ½ hl per Hektar genügen. Immerhin iſt bei Herbſtſaaten die Saat ohne Überfrucht ebenſo vorteilhaft. 3. Spelz oder Weizen. Für Winterfuttergewächſe, die im Herbſt geſäet werden, wendet man als Überfrucht auch Spelz oder 174 Vierzehntes Kapitel. Die Überfrucht. Weizen an, wenn die betreffenden Gewächſe nicht rein geſäet werden (Winterwicken, Inkarnatklee, Treſpen). B. Das reifende Getreide als überfrucht. Als Grundſatz ſoll bei der Wahl von reifendem Getreide als Überfrucht gelten, daß die Saat desſelben dünn zu geſchehen hat; denn iſt der Stand der Überfrucht zu dicht, ſo wird die Grasſaat zu ſtark beſchattet, das Getreide lagert ſich, und der Klee und das Gras ſchlagen fehl. Man muß alſo bei der Saat des Getreides auf die einzuſäende Grasſaat Rückſicht nehmen und extra dünn ſäen. Aber trotzdem kann ſich das Getreide ſpäter lagern und die Einſaat gefährden. Das reifende Getreide nimmt das Feld auch eine lange Zeit in Anſpruch. Infolgedeſſen iſt reifendes Getreide für die Regel keine ſo günſtige Überfrucht für das Gras, wie Grün⸗ getreide. Nur in trockenen Jahren und auf trockenem Boden kann es am Platze ſein, weil zur Zeit der längſten Sommertage das Getreide den Boden etwas vor der Trockenheit ſchützt. Dem gegen⸗ über iſt aber der Stroh⸗ und Körnerertrag in Anſchlag zu bringen. Da man ferner ſehr häufig für das Grüngetreide nicht genügende Verwendung hat, ſo wird noch ſehr allgemein das Gras in reifendes Getreide geſäet. Man hat nur den Ausfall einer halben Grasernte und dafür eine volle Getreideernte. Nicht daß das Getreide die vorzüglichere Überfrucht iſt, ſondern der höhere Ertrag im Saatjahre iſt es, welcher den Landwirt in der Regel beſtimmt, das Gras in reifendes Getreide zu ſäen. Dieſer höhere Ertrag wird aber ſehr häufig durch einen Minderertrag der Grasmiſchung in den folgenden Jahren doppelt und dreifach wieder aufgezehrt. Von den reifenden Getreidearten werden entweder Winter⸗ getreidearten oder Sommergetreidearten als Überfrucht benutzt. I. Das Wintergetreide. Nachdem das Wintergetreide im Herbſt beſtellt wurde, wird der Grasſame gewöhnlich erſt im folgenden Frühjahr eingeſäet, ſelten ſchon im Herbſt. Alle Wintergetreidearten dienen als Überfrüchte. 1. Der Winterweizen iſt als Überfrucht ganz gut geeignet, wenn er ſich nicht lagert. Man verwende deshalb tunlichſt Weizen⸗ ſorten mit ſtarkem Halm, weil dieſe gegen das Lagern am wider⸗ den als hat ſaat das ides ünn die auch reide rün⸗ tann das gen⸗ ngen. ende ndes ernte die jahre s in ſehr nnden tter⸗ nutzt wird ſelten üchte. ignet, eizen⸗ vider⸗ B. Das reifende Getreide als Überfrucht. 175 ſtandsfähigſten ſind. Eine ſolche Weizenſorte iſt z. B. der Dick⸗ kopfweizen oder Square-head. Man ſäet per Hektar breitwürfig etwa 2 II, bei Drillſaat 1 ½ hl. 2. Der Spelz(Dinkel, Korn, Fäſen) lagert ſich weniger leicht als der Weizen, entwickelt ſich aber im Frühjahr etwa 14 Tage zeitiger, weshalb das eingeſäete Gras zu ſchnell beſchattet wird und weniger leicht aufkommt. Man ſäet breitwürfig per Hektar 4 hl oder 180 kg, bei Drillſaat 3 hl oder 130 kg. 3. Der Winterroggen hat den gleichen Nachteil; da er aber meiſt in trockenen Lagen und auf leichtem Boden gebaut wird, wo das Getreide nicht ſo üppig wächſt, ſo wird dies weniger ver⸗ ſpürt. Roggen lagert ſich wegen ſeines hohen Wuchſes viel leichter, dagegen verläßt er das Feld ſehr zeitig. Das Saatquantum beträgt bei Breitſaat etwa 170 1 oder 125 kg per Hektar, bei Drillſaat 120— 150 l oder 90— 120 kg.. 4. Das Einkorn wäre ebenfalls als Überfrucht geeignet, wird aber nur auf geringem Boden und in zweiter Tracht gebaut. Auf allen beſſeren Bodenarten ſind die anderen Getreidearten ergiebiger. Man ſäet per Hektar breitwürfig 3— 4 hl, bei Drillſaat 2 ¼— 3 hl. „ 5. Die Wintergerſte wird ebenfalls ſelten gebaut, wäre aber als überfrucht für Gras ebenſo vorteilhaft als Weizen. II. Die Sommergetreidearten. Wählt man Sommergetreide als Überfrucht, ſo iſt man im Frühjahr noch imſtande, das Feld zu bearbeiten und zu ſäubern, was beim Wintergetreide nicht mehr möglich iſt. Die verſchiedenen Sommergetreidearten ſind als Üüberfrüchte in ſehr verſchiedenem Maße geeignet. 1. Der Sommerweizen iſt als Überfrucht am empfehlens⸗ werteſten. Er beſtockt ſich nicht ſo ſtärk, lagert ſich nicht ſo leicht und iſt früher reif als Hafer. Wenn man deshalb des Strohes wegen oder aus einem anderen Grunde Getreide als Überfrucht wählen muß, ſo iſt dem Sommerweizen wenn möglich der Vorzug zu geben. Man ſäet breitwürfig per Hektar 2 hl oder 150 kg, bei Drillſaat 1 ½— 2 hl oder 120— 150 kg Samen. Die Saat hat jedoch zeitig im Frühjahr zu geſchehen, ſonſt leidet der Weizen über Sommer ſtark vom Roſt. Die Grasſaat erfolgt ge⸗ wöhnlich erſt nachträglich im April. 176 Vierzehntes Kapitel. Die Überfrucht. 2. Der Sommerroggen iſt ebenſo wie der Sommerweizen als Überfrucht ſehr geeignet. Beide Getreidearten beſtocken ſich wenig. Man hat deshalb bei der Saat die Dichtheit des Standes mehr in der Hand, als bei den Arten mit ſtarker Beſtockungsfähig⸗ keit. Das Saatquantum wird etwas größer genommen als beim Winterroggen. 3. Der Sommerſpelz iſt betreffs Tauglichkeit als überfrucht für Gras mit dem Sommerweizen auf gleiche Linie zu ſtellen. Er wird jedoch ſelten gebaut. 4. Die Sommergerſte iſt viel anſpruchsvoller und gedeiht ſicher nur auf den beſſern Böden, kann aber hier als Überfrucht oft vortreffliche Dienſte leiſten. Sie liefert indes wenig Stroh, be⸗ ſtockt ſich in günſtigen Jahren ſehr ſtark, in ungünſtigen ſchwach, weshalb man bei der Saat die Dichtigkeit nicht in dem Maße in der Hand hat, wie bei dem Sommerweizen und dem Roggen. An denjenigen Stellen, wo die Gerſtenſtöcke geſtanden haben, zeigen ſich ſpäter häufig Lücken, entſtanden durch die ſtarke Beſtockung und den ausgebreiteten Wuchs der Gerſte. Dagegen kann ſie ſpät geſäet werden und räumt das Feld zeitig. Aus dieſem Grunde wird häufig in Gerſte Gras und Klee geſäet. Zur Saat darf man nur die Hälfte bis zwei Drittel des gewöhnlichen Saatquantums ver⸗ wenden, etwa 70— 90 1 per Hektar, auf ſehr günſtigem Boden noch weniger. 5. Hafer zur Körnergewinnung iſt als Überfrucht für die Regel nicht empfehlenswert, weil er das Feld zu lange und zu ſtark in Anſpruch nimmt und ſich leicht lagert.— Es kommt auch der Fall vor, daß man zwar den Hafer als Überfrucht zum Grün⸗ ſchneiden ausſäet und den erſten Schnitt wirklich auch nach Vor⸗ ſchrift grün erntet, den zweiten aber reifen läßt, ſei es, daß man das Grünfutter nicht verwenden kann oder nicht nötig hat, ſei es, daß die Witterung ungünſtig oder daß man eine größere Rendite erwartet, wenn man den Hafer reifen läßt. Obſchon dieſes Ver⸗ fahren in trockenen Jahren gelingen kann, iſt dies im allgemeinen doch nicht der Fall. Der Hafer wird entweder zu ſpät oder oft gar nicht reif, weshalb im Herbſt der Nutzen gering ausfällt, weſentlich geringer, als wenn man rechtzeitig grün geſchnitten hätte. Zudem leidet die Miſchung oft weſentlich. Fünfzehntes Kapitel. Die Zeit der Ausſaat. 177 Von den übrigen Kulturpflanzen kann auch der Lein(Flachs) mit Vorteil als Überfrucht dienen. Es iſt endlich empfohlen worden, italieniſches Raigras als Überfrucht zu verwenden, in der Weiſe, daß man an Stelle einer Überfrucht etwa 5—7mal mehr italieniſches Raigras in die Miſchung nimmt, als gewöhnlich. Vor dieſem Verfahren kann nicht genug gewarnt werden, denn das italieniſche Raigras unterdrückt, in ſtarkem Prozentſatz einer Miſchung zugeſetzt, die übrigen Pflanzen, und wenn dasſelbe dann nach 1—2 Jahren verſchwindet, ſo ſind infolgedeſſen auch diejenigen Gräſer, welche ſonſt länger dauern, nicht mehr da, weshalb man die Anlage umpflügen muß. Aus dem gleichen Grunde darf man bei einer Miſchung für eine Wechſelwieſe höchſtens 5% davon nehmen; für Dauerwieſen läßt man es in der Regel ganz weg. Fünfzehntes Kapitel. Die Zeit der Ausſaat. Die günſtigſte Zeit zur Ausſaat der Miſchungen iſt das Frühjahr; zwar können, wenn die Witterung nicht zu trocken iſt, den ganzen Sommer hindurch, vom März bis in den September, Saaten gemacht werden. Die ſicherſte Ausſaatzeit iſt aber von Anfang April bis Ende Mai. Hin und wieder werden zwar ſchon im März Saaten gemacht, doch ſind dieſelben zu dieſer Zeit etwas riskiert. Treten Spätfröſte ein, ſo kann auf dieſe Weiſe die Miſchung großen Schaden nehmen. Am wenigſten leidet dieſelbe unter einer Überfrucht von Wintergetreide, weil dieſes den jungen Graspflanzen Schutz gewährt; man darf daher in Wintergetreide etwas früher ſäen als da, wo die Überfrucht erſt im Frühjahr geſäet wird. Das Gleiche bezweckt man, wenn man die Sommer⸗Überfrucht einige Zeit vor der Miſchung ausſäet, doch iſt in dieſem Falle die nachträg⸗ liche Unterbringung der Miſchung weſentlich ſchwieriger, deshalb ſäet man die Überfrucht im Frühjahr in der Regel gleichzeitig mit der Miſchung. Man warte in dieſem Falle mit der Saat bis Anfang oder Mitte April, denn Märzſaaten wären gefährdet, und dieſelben ſtehen meiſt den im Mai geſäeten im Ertrag nach, trotzdem jene Stebler. 5. Auflage. 12 178 Fünfzehntes Kapitel. Die Zeit der Ausſaat. nahezu zwei Monate früher in die Erde kamen.— Auch im Juni kann man mit Erfolg Ausſaaten vornehmen, etwa nach Futterroggen, Wicken, Inkarnatklee, dem erſten Heuſchnitt ꝛc. In feuchten Jahren macht man nach Aberntung von Frühkartoffeln, Raps, Grünmais, Getreide ꝛc. im Auguſt und September noch Saaten; doch ſind die letzteren gefährdet, einerſeits, weil ſie etwas jung in den Winter kommen und deshalb oft ſtark leiden, anderſeits, weil bei Eintritt von trockenem Wetter die Saat mangelhaft aufgeht oder ſonſt von der Dürre leidet. Tritt nach der Saat im Frühjahr Trockenheit ein, ſo leiden die Pflanzen weniger als im Herbſt, weil den Früh⸗ lingsſaaten die Winterfeuchte zu ſtatten kommt, was bei der Herbſt⸗ ſaat nicht der Fall iſt. Wenn irgend⸗ wie möglich, Fig. 122. Graue Ackerſchnecke, Limax agrestis L. vergrößert. ſo ſãe man . deshalb die Miſchungen im Frühjahr und nur ausnahmsweiſe in feuchten Jahren im Auguſt oder Anfang September. Die Herbſtſaaten leiden bei feuchter Witterung auch ſehr ſtark durch die Ackerſchnecke, Limax agrestis L.(Fig. 122.) Dieſe etwa 2 ½ cm lange, bräunlichgraue Nacktſchnecke frißt oft in kurzer Zeit die jungen Pflanzen ganzer Äcker weg. Die zwitterigen Tiere befruchten ſich wechſelſeitig und legen von Mai bis in den November Hunderte von Eiern. Aus dem Ei entwickelt ſich in 2—3 Wochen eine junge Schnecke und in zwei Monaten iſt dieſes Schneckchen bei gutem Futter zu halber Größe herangewachſen. Zur Bekämpfung werden ver⸗ ſchiedene Mittel angewendet: 1. Sorgfältige Bodenbearbeitung mit Egge und Walze, damit die Tiere moͤglichſt wenig Erdſchollen finden, welche ihnen willkommene Schlupfwinkel ieten. 2. Überſtreuen der Saaten mit Gerſtengrannen(Dreſchabfall von Gerſte) oder ungelöſchtem Kalk, Kalkſtaub(in den Morgenſtunden), Thomas⸗ mehl, Aſche, Äpfeltreſtern, Beſpritzen mit Tabakwaſſer oder Anwendung anderer Inſektengifte. 3. Auslegen von Krautblättern, Kürbis⸗ oder Rübenſtückchen, an welche ſich die Schnecken mit Vorliebe ſetzen und dann mit dieſen Lockmitteln gefangen werden können. 4. Wegfangen durch Eintreiben von Geflügelherden. 5. Anbau von Lockpflanzen, z. B. Weißrüben, Spelz. aat Auh n ät tenne fäute n faos, Grirr aten, vtt in w bn eil bei bmn dder ſni ahr Tui veil de ſi bei drget ſcot ntt Fali Weminf vie nini ſo ſäe n deshab u ucken Ji uch ſehrie 2) ee ſiitt fie zwitein den Nobente Poche a n bei git werden de mitdieTn Schluywit tufil n , Thonu⸗ Anwendu üticen, d Lotiitt Sechzehntes Kapitel. Die Saat und die Unterbringung. 179 Sechzehntes Kapitel. Die Saat und die AÄnterbringung. Nicht alle Samen einer Grasmiſchung können miteinander ge⸗ ſäet werden. Auch die Überfrucht kann nicht mit der Miſchung geſäet und auch nicht mit derſelben untergebracht werden, denn die ſchweren Getreidekörner laſſen ſich nicht gut mit den feinen Grasſamen miſchen, und wenn dies auch möglich wäre, ſo ließen ſie ſich nicht zuſammen ausſäen. Die Getreidearten erfordern ferner eine viel tiefere Unterbringung als die Gras⸗ und Kleeſamen. Wenn man die letzteren ebenſo tief unterbringen würde, wie dies für das Getreide notwendig iſt, ſo würde nur der kleinſte Teil keimen; ein Fehlſchlag wäre deshalb unvermeidlich. Für Getreide⸗ arten zur Körnergewinnung iſt die Reihenſaat mittelſt der Säe⸗ maſchine zu empfehlen, einerſeits wegen der Erſparnis an Saatgut, dann aber auch, weil bei der Drillſaat das Getreide weniger leicht lagert. Die Saat. Wenn alſo die Grasſamenmiſchung in eine Körnerfrucht ge⸗ ſäet wird, wie das in der Regel der Fall iſt, ſo wird dieſe zuerſt geſäet und untergebracht, und erſt hernach können die Gras⸗ und Kleeſamen ausgeſtreut werden. Aber auch dieſe letzteren kann man bei der Handſaat nicht alle ſchlechtweg zuſammenmiſchen und ſäen, da die Gras⸗ und die Kleeſamen in Größe, Geſtalt und Ge⸗ wicht ſehr verſchieden ſind. Der Kleeſame iſt rund, glatt und ſchwer, der Grasſame meiſt lang und beſpelzt, oft begrannt oder behaart und relativ leicht. Der Kleeſame würde deshalb im Säe⸗ ſack immer zu Boden ſinken, ſo daß man am Anfange vorzugs⸗ weiſe nur Grasſamen ausſäen würde und am Ende nur die ſchweren Kleeſamen. Aber auch angenommen, es wäre eine gleich⸗ mäßige Miſchung möglich, ſo wäre dennoch eine gleichmäßige Aus⸗ ſaat unausführbar. Der ſchwere Kleeſame würde beim Wurfe am weiteſten wegfliegen, während der leichte Grasſame, bei welchem der Widerſtand der Luft ein größerer iſt, in der Nähe des Säe⸗ manns liegen bliebe. Eine unegale Saat wäre alſo unvermeidlich. Am gleichmäßigſten wäre die Verteilung möglich, wenn man jede 12* 180 Sechzehntes Kapitel. Die Saat und die Unterbringung. Samenart für ſich ausſäen würde, denn faſt jeder Same hat ſeine ſpezifiſchen Eigenſchaften: der eine iſt klein, der andere groß, der eine iſt lang, der andere rund und der dritte flach, der eine iſt begrannt, der andere unbegrannt, der eine glatt, der andere behaart. Deshalb iſt eine ganz gleichmäßige Miſchung und Saat, auch wenn mehrere Portionen gleichartiger Samen gemacht werden, nicht möglich. Sobald man aber zu der Miſchung eine größere Anzahl Arten ver⸗ wendet, iſt die Ausſaat jeder einzelnen Samenart für ſich zu zeit⸗ raubend und praktiſch unausführbar. Man beſchränkt ſich aus dieſem Grunde gewöhnlich darauf, zwei Portionen zu machen und jede Portion für ſich auszuſäen. Nur wenn man Eſparſette mitver⸗ wendet, ſo ſprengt man dieſe ſeparat über das Ganze ein, da dies ſehr raſch von ſtatten geht. Zu der erſten Portion nimmt man die Kleeſamen und die ſpezifiſch ſchweren Grasſamen, vorerſt das Timothegras, das eben⸗ falls einen rundlichen ſchweren Samen beſitzt und ſich deshalb gut mit den Kleeſamen miſchen und ſäen läßt. Auch die ſchweren Qualitäten des Kammgraſes, des Wieſenriſpengraſes und des Fiorin⸗ graſes können ganz gut mit den Kleeſamen geſäet werden. In die zweite Portion kommen die leichteren Grasſamen: die Raigräſer, das Fromental, das Knaulgras, die Schwingel, der Wieſenfuchsſchwanz, der Goldhafer u. dergl. Jede dieſer zwei Portionen wird für ſich in ein Gefäß ge⸗ ſchüttet und hier tüchtig gemiſcht. Das Miſchen iſt beſonders beim Grasſamen ſchwierig und oft nur dann gründlich ausführbar, wenn die Samen zuſammen zwiſchen den Händen ſchwach gerieben werden, da die behaarten Arten wie Kletten aneinanderhängen. Als Ideal jeder Ausſaat ſoll dem Säemann ſtets vorſchweben, die Saat ſo egal zu machen, daß auf dem Felde jedes Samenkorn gleich weit von den anderen zu liegen kommt und daß nie zwei Körner an dieſelbe Stelle fallen. Dieſes Ideal läßt ſich natürlich nie erreichen. Man laſſe ſich aber die Zeit nicht gereuen, dieſem Ziele ſo viel als möglich gerecht zu werden, denn eine unegale Saat rächt ſich bei länger dauernden Wieſen jahrelang. Zu dichte, wie zu dünne Saat ſind nachteilig. Da wo zu wenig Samen hinkommt, iſt der Ertrag infolge des zu dünnen Standes geringer, und da wo zu viel Samen hinfällt, iſt er es infolge zu dichten Standes. Bei Die Saat. 181 unegaler Saat hat man außerdem zu dem Schaden noch den Spott der Nachbarn. Am gleichmäßigſten iſt die Saat möglich, wenn dieſe kreuz⸗ weiſe geſchieht. Jede Portion wird in zwei Teile geſchieden, die eine Hälfte wird der Länge, die andere Hälfte der Breite nach über den Acker geſäet, ſo daß wenn man beim erſten Gang einen Fehler gemacht hat, dieſer beim zweiten einigermaßen ausgebeſſert wird. Bei ſchmalen Ackerſtücken iſt allerdings die kreuzweiſe Saat nicht gut ausführbar. In dieſem Falle überſäet man den Acker mindeſtens zweimal der Länge nach. Man ſtecke mit Schindeln oder dergl. ganz ſchmale Saatbreiten von drei Schritten ab und marſchiere beim erſten Gang in der Mitte dieſer Saatbreite, ſo zwar, daß die ganze Breite überſäet wird. Beim zweiten Gang marſchiert man auf der Grenze der erſten und zweiten Saatbreite, ſo daß der Same zur Hälfte in die erſte, zur anderen Hälfte in die zweite Saatbreite zu liegen kommt. Beim dritten Gang über⸗ ſäet man die zweite Saatbreite ganz, beim vierten die zweite Hälfte der zweiten und die erſte Hälfte der dritten u. ſ. f. So wird jede Stelle des Ackers zweimal beſäet, wodurch eine tunlichſt gleichmäßige Verteilung möglich iſt. Bevor man jedoch an die Saat geht, ſtecke man den Acker in der angedeuteten Weiſe ganz genau aus, denn die praktiſche Übung läßt auch den tüchtigſten Säemann häufig im Stich, wie hundert Beiſpiele landauf und landab beweiſen. Der Anfänger macht nicht ſelten den Fehler, daß er zuerſt zu reichlich ſäet, und dann, wenn er ſieht, daß er mit dem Samen nicht auskommt, gegen das Ende hin„ſtreckt“. Deshalb ſpare man anfänglich den Samen und übergehe den Acker, anſtatt nur zweimal, lieber drei- oder viermal. Zur gleichmäßigen Saat iſt auch wind⸗ ſtilles Wetter nötig. Am wenigſten bläſt der Wind in der Regel am frühen Morgen oder am Abend. Man benutze deshalb dieſe Zeitperioden. Am gleichmäßigſten iſt die Saat mit der Säemaſchine möglich. Die einfachſte Maſchine dieſer Art iſt die Kleeſäemaſchine. Der Same kann mit Hilfe dieſer Maſchine viel gleichmäßiger ver⸗ teilt werden als dies von Hand möglich iſt. Die einfachſte und billigſte Maſchine dieſer Art iſt die Schub⸗ karrenſäemaſchine(Fig. 123). Das Gerät iſt im weſentlichen 182 Sechzehntes Kapitel. Die Saat und die Unterbringung. nichts anderes als ein Schubkarren, auf welchem ein Säekaſten liegt. Durch dieſen Kaſten geht von einem Ende zum andern eine eiſerne Welle, an welcher in kürzeren Diſtanzen kleine Rollen mit Bürſtchen (Fig. 124) angebracht ſind. Unterhalb jeder Rolle iſt im Säekaſten eine Offnung, die durch einen Schieber verengert und erweitert werden kann. Die Säewelle ſteht durch eine Übertragung mit dem Rad des Schubkarrens in Verbindung, ſo daß, wenn man denſelben über das Feld ſtößt, die Säewelle ſich dreht und der im Säekaſten liegende Samen durch die Offnungen des Säekaſtens hinaus⸗ gebürſtet wird. Bequemer ſind die Maſchinen mit Fahr⸗ rädern für Pferdebetrieb (Fig. 125). Obſchon die Klee⸗ Fig. 123. Kartan Kerſäeweſchine wenn. F. Eckert AG ſäemaſchinen urſprüng⸗ Arbeitsbreite 3,76 m, Gewicht 48 kg. Preis 85 M. lich zum Säen von Klee konſtruiert wurden, ſo laſſen ſich dieſelben auch für Grasſamen benutzen; einzig der wider⸗ haaride Same des 3 Fromentals läßt ſich nicht damit ſäen. Bei der Saat von Grasſamen öffne man aber die Schieber ganz. Gut iſt 5 es, wenn die Kleeſamen(mit dem Fig. 124. Bürſtenwalze. Timothe) und die Grasſamen beſonders geſäet werden, was aber nicht abſolut notwendig iſt, namentlich dann nicht, wenn man immer nur wenig in den Säekaſten füllt. In neuerer Zeit kommen mehr und mehr die ſog. Univerſal⸗ ſäemaſchinen auf, mit welchen man alle Sämereien zu ſäen imſtande iſt. Wir nennen u. a. die Univerſalbreitſäemaſchinen von Rud. Sack in Plagwitz⸗Leipzig und H. F. Eckert A.⸗G. in Berlin. Unterbringung. Wenn der Same geſäet iſt, ſo muß derſelbe untergebracht werden. Säet man die Grasmiſchung in Wintergetreide, ſo wird der Boden zweckmäßig zuerſt geeggt, dann wird die Miſchung geſäet und hernach gewalzt. Oft wird zuerſt geſäet und hernach erſt liet iieree ritche elaſte weitet ſit den ſnſelbe eldſe inaui⸗ find tgohr hetrich ele⸗ prüne n Kle en, ſo wider⸗ ei de e man Put ü it den ſenen zaber mmer elſil dande Sat racht , ſo hung erſt Unterbringung. 183 geeggt oder gewalzt. Es gehen ſo aber viele Samen verloren, die in die Riſſe des Bodens fallen, was bei vorgängigem Eggen weniger möglich iſt. Wenn die Überfrucht eine Sommerfrucht iſt, alſo erſt im Frühjahr geſäet wird, ſo wird auf leichtem oder trockenem Boden der Gras⸗ und Kleeſame ganz ſchwach mit einer hölzernen Egge, die rückwärts ge⸗— zogen wird, einge⸗ eggt. Wenn die Egge vorwärts ge⸗ zogen würde, ſo ———y— ta die S Sorats n rewER arälin. MaA. ämen. le amen Fig. 125. Klee⸗Säemaſchine auf Fahrrädern von H. F. Eckert zu tief in den Boden, ACG in Berlin, Friedrichsberg. „ 4 Arbeitsbreite 3,76 m, Gewicht 100 kg. Preis 145 M. es wäre denn, die Egge ſei ganz leicht, wie man ſie an vielen Orten zum Eineggen des Hanfes beſitzt. Man kann die Egge auch mit Dornen durch⸗ — Fig. 126. Dreiteilige Cambridgewalze mit Deichſel von Groß& Co. in Leipzig⸗Eutritzſch. Arbeitsbreite Ringe auf einem Gewicht Preis kg Mk. Walzenkörper 9 Nr. 1 2,1 m 13 620 230 „ 2 2,5 15 715 345 flechten, damit ſie weniger tief eingreift. In dieſem Falle kann man ſie allerdings mit vorwärts gerichteten Zähnen anwenden. Auf ſchwerem friſchen Boden genügt meiſt das bloße Anwalzen. Nur die Eſparſette ſollte immer etwas eingeeggt werden. Geriffelte Walzen, ſog. Cambridgewalzen(Fig. 126), eignen ſich zum Walzen von geackertem Boden beſſer als glatte, weil der Boden nachher viel weniger leicht verkruſtet. 184 Siebzehntes Kapitel. Das Verhalten der einzelnen Pflanzenarten ec. Siebzehntes Kapitel. Das Verhalten der einzelnen Pflanzenarten in den Miſchungen nach der Saat. Die einzelnen Pflanzenarten verhalten ſich nach der Saat in den Miſchungen meiſt ganz anders als wenn ſie für ſich allein geſät werden, denn in den Miſchungen treten die Arten mit ein⸗ ander in Konkurrenz, und beim Kampfe um das Daſein werden bei mächtigem Auftreten der Starken die Schwächeren unterliegen. Es iſt alſo nicht erwieſen, daß, wenn eine Grasart in Einzelkultur an einem Orte gedeiht, ſie ſich auch in einer Miſchung bewährt. Die Kenntnis des Verhaltens der einzelnen Pflanzenarten in den Miſchungen iſt deshalb eine der wichtigſten, aber auch eine der am wenigſten erforſchten Fragen. Wichtig iſt ſie deshalb, weil von ihr die Zuſammenſtellung der Miſchungen abhängt. Die in den Miſchungstabellen dieſer Schrift angegebenen Prozentſätze geben das Verhältnis an, in welchem jede Samenart im Verhältnis zum vollen Saatquantum der betreffenden Art ver⸗ treten iſt. Es will damit nicht geſagt werden, daß die Arten ſpäter auf dem Felde auch in dieſem Verhältnis auftreten. Man wünſcht es zwar, doch iſt dies nicht erreichbar, ſchon aus dem Grunde nicht, weil die Entwickelung der Arten eine ſehr verſchieden raſche iſt. Im erſten Jahr werden die ſchnell ſich entwickelnden, vorübergehenden Arten die Oberhand haben. Dieſe werden nach und nach verſchwinden, und die langſamer ſich entwickelnden, aber dauerhaften Pflanzen treten an ihre Stelle, ſofern ſie nicht durch den dichten Stand der üppigen und kurzlebenden Arten unterdrückt wurden. Behagt der Boden einer Art beſonders gut und iſt ſie dauerhaft, ſo vermehrt ſie ſich durch Beſtockung, eventuell durch Selbſtbeſamung ſo ſtark, daß ſie mit der Zeit den dominierenden Beſtandteil bilden kann. Bei ſehr dichtem Stande der kurzlebigen Arten können dieſe aber die ſich langſam entwickelnden, langlebigen Pflanzen durch Beſchattung unterdrücken und dann hat man nach dem Verſchwinden der erſteren einen lückigen Raſen. Man darf deshalb für Wieſen, welche länger dauern ſollen, von erſteren nicht zu viel verwenden, ſelbſt auf die Gefahr hin, das erſtenund zweite Jahr einen geringeren Ertrag zu erzielen. ger die Siebzehntes Kapitel. Das Verhalten der einzelnen Pflanzenarten ꝛec. 185 Da die Anſprüche der einzelnen Arten an den Boden und die Witterung ſehr verſchieden ſind und die Bodenarten und die Witterung ſehr ſtark wechſeln, ſo wird ſich die gleiche Art nicht überall und jederzeit gleich verhalten. Es laſſen ſich deshalb über das Verhalten eines beſtimmten Graſes in der Miſchung nie genaue, ſondern nur annähernde Angaben machen und dieſe durch konkrete Beiſpiele belegen. Bis jetzt ſind nur wenige exakte Verſuche bekannt geworden, wo eine Miſchung auf ihre Veränderungen während längerer Dauer geprüft wurde. Folgende Unterſuchungsergebniſſe, die ſich ſämtlich auf den erſten Schnitt beziehen, mögen dieſes Verhalten genauer erläutern: Erſtes Beiſpiek. Im Jahre 1889 haben wir in dem Verſuchs⸗ garten der ſchweizeriſchen Zentralanſtalt für das forſtliche Verſuchsweſen auf dem Adlisberg in Zürich ¹), 676 m übek Meer, auf 64 Beeten von je 2 Quadratmeter Fläche 64 genau gleiche Grasmiſchungen, beſtehend aus 24 Arten, jede zu 4—5% ausgeſäet. Es wurden 4 Bodenarten(Ton Kalk, Sand und Humus) verwendet. Von jeder Bodenart wurden Beete mit Oſt⸗, Süd⸗, Weſt⸗ und Nordexpoſitionen mit Neigungen von 10, 20, 30 und 400° angelegt und am 18. Juni 1889 beſäet. Um von jeder Samen⸗ art eine genügende Portion zu erhalten, geſchah die Saat ſehr dicht(Zu⸗ ſchlag 400%), wodurch die Keimung und Entwickelung der kleineren und langſamer ſich entwickelnden Arten allerdings, wie die Reſultate zeigen, ſtark beeinträchtigt wurden. Eine Düngung wurde nicht gegeben und alle Böden waren von Natur arm, weshalb die düngerliebenden Gräſer ſich ſchwach entfalteten. Nach einem Jahre wurde auf 10 Beeten die Zahl der vor⸗ handenen Pflanzenindividuen ermittelt, um zu erfahren, welcher Prozent⸗ ſatz der keimfähigen echten Pflanzen ſich entwickelt und bis zum zweiten Jahre erhalten hat. Die Reſultate ſind in nachſtehender Überſicht enthalten. (Siehe die Tabelle auf Seite 186.) Nur ein relativ kleiner Prozentſatz der geſäeten Samen brachte es alſo zur Entwickelung. Den höchſten Prozentſatz weiſen die raſch ſich ent⸗ wickelnden Arten auf: Rotklee 76,6%, Weißklee 39,2%, Luzerne 34,1% u. ſ. f. Zwar übte der Boden einen eminenten Einfluß aus. Für einzelne Arten war derſelbe wenig geeignet, ſo daß bei manchen ein minimales Auf⸗ treten vorauszuſehen war(gemeines Riſpengras, Rohrglanzgras, Wieſen⸗ fuchsſchwanz, Fioringras ec.) Seither haben wir das Verhalten der Miſchungen auf jedem Beete alljährlich vor dem erſten Schnitt beobachtet und notiert. Überblicken wir die Reſultate genauer, ſo ergibt ſich über das Verhalten der einzelnen Arten folgendes Bild: Im erſten Jahre nach der Saat erreichten das engliſche und das italieniſche Raigras, der Hopfenklee, der Baſtardklee und Weißklee ihre 1) Man vergleiche die erſte Publikation über dieſe Verſuche im I. Band, 1. Heft der Mitteilungen der ſchweizeriſchen Zentralanſtalt für das forſtliche Verſuchsweſen 1891. 186 Siebzehntes Kapitel. Das Verhalten der einzelnen Pflanzenarten ꝛc. günſtigſte Entwickelung und gingen dann aber prozentiſch mehr oder weniger raſch zurück. Verhältnis der geſäeten Samen zu den entwickelten Pflanzenindividuen. . Von den Geſäet wurde: geſäeten N 6 Individuen r. amenart Reine und waren im Profeutſaß reinfäbhige ti Jahr — amen vorhanden Einzelſaat per Beet% 1 Notklee......... 4 332 76,6 2 Weißklee.......... 4 530 39,2 9 Luzerne........ 6*.. 4 446 34,1 4 Fromental........ 4 515 33,4 5 Hopfenklee..... 4 344 28,4 6 Engliſch Raigras... 4 828 26,1 7 Wieſenſchwingel... 4 959 25,0 8 Baſtardklee..... 4 549 21,7 9 Rotſchwingel..... 4 476 14,3 10 Knaulgras........ 4 1398 12,3 11 Gemeines Riſpengras.. 4 4022 10,1 12 Verſchiedenblättriger Schwingel. 4 629 9,5 13 Eſparſette........ 4 281 9,1 14 Timothe........... 4 1730 7,9 15 Italieniſch Raigras... 4 833 6,7 16 Rohrglanzgras... 4 712 6,2 17 Wieſenriſpengras...... 5 2480 5,6 18 Kammgras... 4 1819 5,7 19 Wieſenfuchsſchwanz... 4 733 4,9 20 Goldhafer.......... 4 2226 4,0 21 Wolliges Honiggras... 5 885 3,2 22 Gemeine Schafgarbe.. 4 1518 2,3 23 Fioringra...... 5 4834 0,5 24 Hainriſpengra.... 5 2814— Im zweiten Jahre nach der Saat erreichten der Mattenklee, das Fromental und der Wieſenſchwingel ihren Kulminationspunkt. Im dritten Jahre nach der Saat kommen folgende Pflanzen zu ihrer Hauptentwickelung: Knaulgras, Timothegras, Honiggras, Goldhafer, Eſparſette. In den folgenden Jahren bis Schluß des Verſuches haben der rote und der verſchiedenblättrige Schwingel, das Wieſenriſpengras, das Rohrglanz⸗ gras und die Luzerne beſtändig im Ertrage zugenommen. Dceer Verſuch wurde bis im achten Jahre nach der Saat fortgeſetzt. Die Arten, die alſo bis zum Schluß beſtändig geſtiegen ſind, können wir als ausdauernd bezeichnen. Die einzelnen Arten verhielten ſich unter den vorliegenden Verhältniſſen ſehr verſchieden. Die kalkhaltigen, aber durchweg ten z. eniget n — — den jeten viduen en im Jahr anden Jo 6,6 92 41 34 Siebzehntes Kapitel. Das Verhalten der einzelnen Pflanzenarten ꝛc. 187 mageren Bodenarten waren den Kleearten förderlicher, die Grasarten traten etwas zurück. Das Fromental nimmt bis zum zweiten Jahre zu und geht dann langſam, aber ſtetig zurück bis zum fünften Jahre nach der Saat, dann aber blieb der Ertrag ſtetig bis zum Schluß. Das engliſche Raigras dominiert im erſten Jahre, tritt dann aber raſch zurück. faß Das italieniſche Raigras verſchwindet nach dem erſten Jahre aſt ganz. Der Wieſenſchwingel erreichte im zweiten und dritten Jahre den größten Ertrag. Er geht dann allmählich zurück. Die Südlage ſagte der Pflanze am wenigſten, die Oſtlage am meiſten zu. Auf Tonboden zeigte ſie den größten Ertrag, weil der Boden am fruchtbarſten war. Der rote und der verſchiedenblättrige Schwingel zeigten bis Schluß des Verſuches eine ſtetige Zunahme. Sie ſind alſo aus⸗ dauernd. Die Südlage und der Sandboden ſagten ihnen beſonders zu. Sie lieben trockene Standorte. Das Knaulgras hatte im dritten Jahre nach der Saat ſeine Haupt⸗ entwickelung. Bis zum Schluß des Verſuches blieb es aber in ſtarken Prozentſätzen vertreten. Nach acht Jahren war es noch ſtärker im Durch⸗ ſchnitt vertreten als es an der Samenmiſchung Anteil hatte. Es hat ſich als ausdauernd gezeigt. Das wollige Honiggras ſteigt bis zum dritten Jahre im Ertrag, geht dann etwas zurück, bleibt aber bis zu Ende des Verſuches erhalten. Der Goldhafer nahm bis zum vierten Jahre beſtändig zu, dann ging er etwas zurück und hielt ſich aber bis zum achten Jahre gut. Ohne Zweifel hat bei dieſem Gras, wie beim Knaulgras, der Düngermangel des Bodens ſeiner Entwickelung ſtark Einhalt geboten. Von den drei Riſpengräſern iſt keines zu ordentlicher Entwickelung gelangt. Das Wieſenriſpengras nimmt bis Schluß des Verſuches beſtändig etwas zu. Das gemeine und das Hainriſpengras brachten es nie und in keinem Beete zu einer ordentlichen Entwickelung. Wahrſcheinlich ſind die lichtbedürftigen Keimlinge dieſer Pflanze unter dem dichten Pflanzenbeſtand der erſten Jahre zu Grunde gegangen. Das Timothegras nahm bis zum dritten Jahre zu und ging dann raſch zurück. Das Fioringras, das Kammgras, der Wieſenfuchs⸗ ſchwanz und das Rohrglanzgras haben ſich wegen der Trockenheit des Bodens nur ſehr ſchwächlich entwickelt. Der Rotklee erreicht im zweiten Jahre den höchſten Ertrag, hält ſich im dritten Jahre noch gut und geht dann aber raſch zurück. Der Baſtardklee gelangte wegen zu großer Trockenheit des Terrains nie zu ordentlicher Entwickelung. Die Luzerne nahm bis zum Schluß des Verſuches beſtändig zu. Die Tiefgründigkeit des Bodens und ſein Kalkgehalt brachten ſie zu mächtiger Entwickelung. Die Verſuchsdauer war zu wenig lang, um ihren Rückgang zu verfolgen. Auf dem kalkhaltigen Ton zeigte ſie die günſtigſte Ent⸗ wickelung, und die beſte Expoſition war die Südlage. Der Hopfenklee bildet im erſten Jahre einen bedeutenden Prozent⸗ ſatz, geht dann aber ziemlich raſch zurück. 188 Siebzehntes Kapitel. Das Verhalten der einzelnen Pflanzenarten ꝛc. Die Eſparſette nimmt bis zum vierten Jahre beſtändig zu, bleibt bis zum fünften in dieſer Entwickelung und ſinkt ſodann raſch. Die Schafgarbe vermehrt ſich bis zum Schluß beſtändig. Sie dauert alſo gut aus. Die ihr am beſten zuſagenden Böden ſind die lockeren Sand⸗ und Humusböden. Zweites Beiſpiel. Am 23. April 1892 wurde in unſerem Ver⸗ ſuchsfeld Wollishofen⸗Zürich auf mildem, tiefgründigem Lehmboden er⸗ ratiſchen Urſprungs eine Dauerwieſenmiſchung dicht geſäet und nachher genau unterſucht. Die prozentiſche Zuſammenſetzung und der abſolute Ge⸗ halt jeder einzelnen Sorte einer Durchſchnittsprobe war im 1. Schnitt die einzelnen Jahre folgender: Die prozentiſche Zuſammenſetzung Geſäet des Futters, dürr gewogen: Nr. Arten wurden 1892 1893 1894 1895 1896 % ſl. Jahr 2. Jahr 3. Jahr 4. Jahr 5. Jahr 1 Fromental.. 8 27,50 37,62 4,20 4,9 0,7 2 Timothe.. 8 1,37 8,57 5,43 0,5— 3 Knaulgras, neuſeeländ. 8 0,13 0,20 0,68 1,8 2,2 4 Wieſenſchwingel... 8 1,34 1,67 3,19 1,6 0,1 5 Goldhafer 8 0,19 5,89 4,94 1,2 0,2 6 Wieſenriſpengras 8— 0,077 0,87 0,9 0,5 7 Kammgras.. 8 0,26———— 8 Fioringras.... 8— 0,80—— 0,1 9[Roter Schwingel.. 8——— 0,3 0,1 10 Mattenklee.. 10 45,00 36,32 75,62 63,5 3,4 11 Gemeiner Schotenklee· 20 4,78 1,83 2,95 4,5 0,7 12 Spontane Arte— 19,43 7,03 2,12 20,8 92,0 Zuſammen 102 ſ100,00 100,00 100,00 100,0 100,0 Ertrag von 1 am dürr, 1. Schnitt g— 7721 608 652 502 2. Schnitt g 353 534 686 400 192 Geſamtertrag von 100 qm grün, kg 230 496 611 391 298 Die Unterſuchung geſchah in dieſen Fällen in der Weiſe, daß von der Parzelle eine Durchſchnittsprobe von 1 qm abgeſchnitten, ſortiert und in getrocknetem Zuſtande gewogen wurde. Die mitgeteilten Zahlen ſind die hieraus berechneten Gewichtsprozente. Es ergeben ſich aus dieſer Tabelle folgende Schlüſſe: Das Fromental erreichte im zweiten Jahr ſeine Hauptentwickelung, ebenſo das Timothe und der Goldhafer; das Knaulgras, der Wieſenſchwingel und der Mattenklee dagegen erſt im dritten Jahre. Wieſenriſpengras, Kammgras, Fioringras und Rotſchwingel kamen in dem dichten Stand gar nicht auf. Der Schotenklee hielt nicht aus, weil er der kurzlebigen ſüdeuropäiſchen Varietät angehörte. Dagegen entwickelte ſich der Mattenklee auf dem für die Kleekultur vorzüglich ge⸗ eigneten Boden, der zudem mit Superphosphat gedüngt wurde, ſo mächtig enarten au bläü ndig e die lockrn erem der woden e nd uuche ſſolutee . Schuit — enſezung ogen. 5 1 ahr5 Ii „daj b iiet ui ahlen ſi Siebzehntes Kapitel. Das Verhalten der einzelnen Pflanzenarten ꝛc. 189 und ſtand ſo dicht, daß er im dritten Jahre über 3¾ des Beſtandes aus⸗ machte, wodurch aber die andern Arten unterdrückt wurden, weshalb dieſe im vierten Jahre entweder ganz verſchwunden oder nur mehr in ge⸗ ringen und im fünften Jahre nur noch in minimalen Prozentſätzen vorhanden waren. Als dann im fünften Jahre auch der Mattenklee weg war, machte ſich die natürliche Beraſung geltend. Der Beſtand enthielt 1896 nicht weniger als 92% ſpontane Pflanzen, darunter 88,6% Löwenzahn. Wenn der Mattenklee entweder ganz weggelaſſen oder doch nur in einem geringen Prozentſatz geſäet worden wäre, ſo wäre die Miſchung dauerhafter geweſen, aber der Ertrag in den erſten Jahren etwas geringer ausgefallen. Drittes Beiſpiek. Am 8. Juli 1890 wurde in unſerm Verſuchs⸗ feld auf der Fürſtenalp bei Chur, 1782 m über Meer gelegen, auf fettem, friſchem, nach Norden geneigtem Lägerboden eine Grasmiſchung geſäet (80% Zuſchlag) und ſeither beobachtet. ¹) Die prozentiſche Zuſammenſetzung des Futters war in den folgenden Jahren die nachſtehend verzeichnete: (Siehe die Tabelle auf Seite 190.) Das Timothe bildete alſo im erſten Jahre nach der Saat die Hälfte des Raſens, ging dann aber zurück und war im ſechſten Jahre nur noch in Spuren vorhanden, hat ſich aber ſpäter wieder etwas erholt. Der Wieſenſchwingel und der Baſtardklee erreichten ebenfalls ſchon im erſten Jahre nach der Saat ihren Höhepunkt, ungefähr dem Prozentſatz der Saat entſprechend, waren aber im ſechſten Jahre auch weg. Der Goldhafer erreichte erſt im dritten Jahre nach der Saat das Maximum, reduzierte ſich dann aber weſentlich, ohne jedoch gänzlich zu verſchwinden. Die Lage iſt ihm hier zu kalt. Der Wieſenfuchsſchwanz hat ſich dagegen in dieſer rauhen, winterlichen Lage, entſprechend ſeiner nordiſchen Abkunft, trefflich bewährt. Im zweiten Jahre nach der Saat noch ſpärlich vertreten, hob ſich der Prozentſatz bis zum ſechſten Jahre bis auf über 60%, ging aber in der Folge etwas zurück, immerhin dominierte er aber noch im zwölften Jahre mit 24,83%. Für ſolche Verhältniſſe iſt er deshalb, wie wir ſchon wieder⸗ holt konſtatiert haben, ein treffliches, wirklich dauerhaftes Gras. Das Wieſenriſpengras, ein Gras von langſamer Entwickelung, hob ſich von 0,06% im zweiten Jahre allmählich auf 25,9% im neunten Jahre und wird ſich wegen der großen Reſiſtenzkraft ſeiner Rhizome noch lange behaupten.. Das Fioringras, und zwar die hohe amerikaniſche Varietät des Handels, hat ſich nicht zu behaupten vermocht. Der Rotſchwingel dagegen hat ſich gut bewährt, er erreichte im fünften Jahre den Höhepunkt, ging dann etwas zurück, hat ſich aber dann wieder erholt. Das Rohrglanzgras, das anfänglich nur ſpurweiſe oder in ge⸗ ringen Prozentſätzen vorhanden war, iſt allmählich dermaßen erſtarkt, daß es im dreizehnten Jahre faſt 22% des Raſens ausmachte. Die hohe, nörd⸗ liche, feuchte Lage behagt dem Graſe vortrefflich. ¹) Vergl. Stebler, F. G. und Volkart, A., Die Anlage von Kunſt⸗ wieſen auf den höheren Alpen. Landw. Jahrbuch der Schweiz. Bern 1902. 5ͤESSS=F 2”5 EÆELEEIEE=EE=EE=EZEEͤ EEEEE=SS — Prozentiſche Zuſammenſetzung des Futters, dürr gewogen: SS— Nr. Arten 5 1891 1893 1894 1895 1896 1897 1898 1899 1900 1901 1902 II. IV. V. VI. vVII. vIII. IX. X. XI. XII. XIII. .% Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr 1 Timothe...... 15 50,11 21,84 11,20——— 1,60— 2,19 2,76 1,06 2 Wieſenſchwingel, amerik. 5 8,53 3,42 0,76———————— 3 Goldhafer..... 5 4,26 5,36 10,85 0,12 0,42 0,19 0,25 0,52 0,13 0,23 1,16 4 Wieſenfuchsſchwanz. 10 4,27 18,82 32,99 60,61 44,85 48,40 41,28 30,14 27,16 24,83 26,45 5 Wieſenriſpengras 10 0,06 5,56 3,04 8,52 21,30 22,36 25,91 22,03 16,94 15,35 13,29 6 Fioringras..10 1,70 0,67 1,05—— 0,28—— 0,87 0,07— 7 Roter Schwingel... 20 0,20 9,82 11,72 1,15 4,15 5,02 6,84 7,95 8,24 11,19 6,95 8 Rohrglanzgras... 5— 0,72—-— 10,21 8,15 7,90 14,84 17,17 19,32 21,93 9 Baſtardklee..... 5 7,68 2,18 2,86———————— 10 Schafgarbe.... 10 20,48 30,35 24,31 26,87 16,19 12,45 12,16 19,71 17,72 18,05 19,17 11[Kümmel...... 5 2,30 0,96————————— 12 Andere Arten— 0,41 0,30 1,22 2,73 2,88 3,15 4,06 4,81 9,58 8,20 9,99 . Zuſammen 100 100,00 100,00 100,00 100 00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 Ertrag von 1 qm dürr g 989 1152 946 705 V 431 486 548 442 ten z. u2 Bocues aand Saollung Sod Bundelusaunelne 3 uLaast. Siebzehntes Kapitel. Das Verhalten der einzelnen Pflanzenarten ꝛc. 191 Die Scharfgarbe trat ſchon im erſten Jahre ſtark auf, erreichte im vierten den Höhepunkt und behauptete wegen ihrer Reproduktionskraft durch Kriechtriebe ihre mit tonangebende Stelle bis zuletzt. Der kurzlebige Kümmel iſt dagegen bis auf Spuren ſchon im fünften Jahre zum Opfer gefallen, da er eben nur zweijährig iſt. Der Gehalt an andern Pflanzen ſtieg allmählich von Jahr zu Jahr von 0,3— 0,4% auf 9,99%. Im letzteren Falle waren es meiſt Sauer⸗ ampfer 2,4%, gemeiner Taumantel 1,1%, Braunklee 0,2%, kriechender Hahnenfuß, Tormentill, rauhes Milchkraut ꝛc. Der Geſamtertrag ſtieg bis zum fünften und ſechſten Jahre und ging dann ganz allmählich zurück. Biertes Beiſpiel. Eine andere, daſelbſt am 30. Juni 1891 auf weniger fettem Boden ausgeſäete Dauerwieſenmiſchung(300% Zuſchlag) ergab: (Siehe die Tabelle auf Seite 192.) Das Verhalten dieſer Miſchung bietet faſt das nämliche Bild wie die vorherige. Entſprechend des weniger kräftigen Bodens entwickelte ſich das Timothe im erſten Jahre weniger ausgiebig. Dagegen dominiert an ſeiner Stelle der Wieſenſchwingel, der diesmal deutſcher Abkunft war. Der Goldhafer erreichte erſt im dritten Jahre ſeinen Höhepunkt und entwickelte ſich in dem weniger üppigen Raſen beſſer. Der Wieſen⸗ fuchsſchwanz verhielt ſich wie oben. Das Wieſenriſpengras kommt ſehr langſam. Das Kammgras, das Fioringras und der Schoten⸗ klee konnten ſich nicht halten. Dagegen hat hier der Rotſchwingel ſeinen günſtigſten Stand gefunden. Die langſame Erſtarkung des Rohr⸗ glanzgraſes erklärt ſich aus der geringen Fruchtbarkeit des Bodens, wogegen dieſer der Schafgarbe beſſer behagt. Der hohe Prozentſatz der letzteren im vierten Jahre hat ſeinen Grund in dem frühen Schnitt. Ausnahmsweiſe ſind in dieſem Jahre zwei Schnitte genommen worden, weshalb der erſte früher als gewöhnlich geerntet werden mußte. Der Prozentſatz der übrigen Arten hob ſich auf 34,59%, darunter ſind: 8,1% Sauerampfer, 12,8% gemeiner Taumantel, 4,8% Alpenriſpen⸗ gras, 4,4% Alpenkreuzkraut, 2,4% rauhes Milchkraut ꝛc. Dieſe Arten haben ſich größtenteils aus den benachbarten Parzellen durch Samen hierher verpflanzt. Der Ertrag erreichte auch hier im dritten Jahre den Höhe⸗ punkt, ſank dann allmählich, ſtieg aber im achten Jahre wieder, wegen der im Jahr vorher erhaltenen Stallmiſtdüngung. Ähnliche Unterſuchung hat L. Wittmack) angeſtellt; ſeine Beob⸗ achtungen erſtrecken ſich jedoch nur auf wenige Arten. Er machte ſeine Verſuche auf 8—10 cm hoch überſandetem, jedenfalls feuchtem, anmoorigem en Aus denſelben läßt ſich für die vorliegende Frage folgendes ent⸗ nehmen: Wieſenſchwingel. In der Miſchung waren pro Hektar enthalten je 2 kg. Im Raſen fanden ſich: ¹) Die Wieſen auf den Moordämmen in der königl. Oberförſterei Vehdeuie IX. Bericht und Schlußbericht. In Landwiriſchaftl. Jahrbücher, erlin 1899. 3 ———.— 2.——————— —⁵ʃ 8 B—ᷣ̃—-—SS S g=Zz===Z F——:= 8= 8S==S=S 8 5 3 2 Prozentiſche Zuſammenſetzung des Futters, dürr gewogen: Nr. Arten S55 5% 1891 1893 1894 1895 1896 1897 1898 1899 1900 1901 1902 5 14. 2. 3 4. 5. 6. 7„ 9. 10. ſii. Jahr. 5 A 1 Timothe... 10 10,23 4,35 2,35— 1,29 0,18 0,46— 0,33— 0,30 *½ 2 Wieſenſchwingel... 10 57,72 2,68 1,34 005 S 3 Goldhafer... 5 1,32 8,05 32,91 3,35 2,97 1,01 0,32 0,24 0,44 0,24 0,43 4 Wieſenfuchsſchwanz.. 10 8,52 29,47 25,42 48,81 48,75 38,30 36,10 28,54 29,79 23,56 12,04 5 Wieſenriſpengras 10— 0,1—— 021 0,13 0,06 0,09 0,08 0,12 0,33 ₰ 6[Kammgras.... 5—— 0,07———————— 2 SFioringras..... 10 2,93 1,67 1,57 085 0,22-— 0),11 0,12 0,50 *8(Hotſchwingel.... 25 6,76 10,18 6,37 3,33 11,24 7,72 21,94 21,98 24,50 36,04 30,08 8 9 Rohrglanzgras.. 5—— 0,70— 3,68 0,36 3,74 5,31 4,55 7,57 13,64 10(Gemeiner Schotenklee. 5——————————— 8 11 Schafgarbe..... 5 8,03 40,75 27,47 40,99 21,63 39,64 16,86,] 14,27 10,27 6,42 8,09 12 Andere Arten....— 449 2,72 1,80 3,46 9,38 12,44 20,52] 29,57 29,93 25,93 34,59 9 Zuſammen 100 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 3 Ertrag von 1 qm dürr g 411 319 637 510 462 454 297 350 302 430 249 enatten. 112 1 4 u1 Gl12LaaAst⸗ ———— uSBacuss xana Sasaan Sodh Buuerenn Siebzehntes Kapitel. Das Verhalten der einzelnen Pflanzenarten ꝛc. 193 1891 1892 1893 1894 1895 1896 1897 1898 Jagen, geſäet 1888= 26 26 28 21 17 14 13 18% Weſendorf,„ 1890=- 2 21 22 20 16 2 29 12„ Timothe. Geſäet wurde in der Miſchung in Jagen 1888= 24 kg, Weſendorf 20 kg per Hektar. Der Raſen enthielt: 1891 1892 1893 1894 1895 1896 1897 1898 Jagen.... 42 26 26 28 22 32 46 290% Wejendorf... 2 46 36 35 20 2 2 43„ Rohrglanzgras, 1890 in Weſendorf 4 kg per Hektar in die Miſchung geſäet. Der Raſen enthielt: 1892 1893 1894 1895 1898 17 26 29 37 18%. Die drei Arten haben ſich alſo ſehr gut gehalten und verdienen deshalb für Dauerwieſen unter genannten Verhältniſſen Berückſichtigung. Das engliſche Raigras dagegen, das zu 4 kg per Hektar geſäet wurde, konnte ſchon im zweiten Jahre nach der Saat nicht mehr konſtatiert werden. Die Ermittelungen von Weinzierl“¹) ſind nicht vergleichbar mit obigen Reſultaten, weil er nur die fertilen Triebe berückſichtigt hat. So kommt es vor, daß eine Pflanze in einem Jahr gar nicht konſtatiert werden kann, während ſie das Jahr vor⸗ und nachher einen bedeutenden Prozentſatz bildet. Da bei gewiſſen Pflanzen(Weißklee, manche Gräſer) die ſterilen Triebe wichtiger ſind als die fertilen, ſo ſollten dieſelben in erſter Linie feſtgeſtellt werden. Außer unſeren ſporadiſchen Wieſenunterſuchungen, die jedoch weſentlich beſchränkteren Wert haben, iſt dies das geſamte Material, das über dieſe Frage vorliegt, obzwar ſolche Beobachtungen eigent⸗ lich das Fundament des Futterbaues ſind. Freilich ſind derartige Arbeiten nicht nur zeitraubend, ſondern erfordern eine große Sach⸗ kenntnis. Es liegt in erſter Linie in der Aufgabe der agrar⸗ botaniſchen Verſuchsſtationen, derſelben näher zu treten. Zu dieſem Behufe iſt aber notwendig: 1. Daß die geſäete Miſchung nach allen Grundſätzen der Wiſſenſchaft zuſammengeſetzt und quantitativ und qualitativ ganz genau bekannt iſt. 2. Daß an zwei bis drei Stellen der Verſuchsfelder Probe⸗ meter abgeſteckt werden, welche bei jedem Schnitt ganz genau zu unterſuchen ſind. Die Pflanzen werden ſorgfältig nach Arten ſortiert, an der Luft getrocknet, im trockenen Zuſtande gewogen und prozentiſch repartiert. 1¹) Weinzierl, Th. v., Alpine Futterbauverſuche. Wien 1902. Stebler. 5. Auflage. 13 194 Achtzehntes Kapitel. Die Pflege der Kunſtwieſen ꝛc. Außer dieſen Probemetern wird auf dem ganzen Verſuchs⸗ felde der Prozentſatz jeder einzelnen Art durch Schätzung beſtimmt, um einen Vergleich mit der Wägung zu haben und um die unter⸗ geordneten Arten zu ermitteln. Für Dauerwieſen hat ſich der Verſuch auf etwa 10—12 Jahre zu erſtrecken. So wird man nach und nach für jede Bodenart und für jede Lage die paſſendſte Miſchung herausfinden müſſen, wodurch dem Lande große Summen Geld erſpart und zugleich der Ertrag des Bodens ganz bedeutend geſteigert werden kann. Achtzehntes Kapitel. Die Pflege der Kunſtwieſen und die Nachſaat von Grasſamen in beſtehende Wieſen. Um die Ausſchlagsfähigkeit der Gräſer und Kleearten zu be⸗ günſtigen, ſollte beim Schnitt im erſten Jahre die Senſe etwas hoch geführt werden. Fig. 127. Dreiteilige Glattwalze mit Eiſenrahmen von Groß& Co. in Leipzig⸗Euntritzſch. Durchmeſſer der Arbeitsbreite Eiſenwalze Gewicht Preis m em kg Mk. Nr. 1 2,0 40 520 182 Nr. 2 2,3 40 590 210 Junge Wieſenanlagen ſollten auch im Frühjahr, ſobald der Boden abgetrocknet iſt, ſtets mit einer glatten ſchweren Walze ge⸗ walzt werden. Hierzu eignen ſich am beſten die dreiteiligen Eiſen⸗ walzen(Fig. 127). Da die Grasnarbe noch nicht ſo eng geſchloſſen iſt und die jungen Graspflanzen noch eine ſchwache Bewurzelung haben, Gttibſ ld d he ge⸗ öſer ſeni Achtzehntes Kapitel. Die Pflege der Kunſtwieſen ꝛc. 195 ſo werden viele derſelben durch Auf- und Zufrieren des Bodens im Februar und März aufgezogen und liegen nun im Frühjahr z. T. mit entblößten oder halbentblößten Wurzeln auf der Erde. In dieſem Zuſtande würden ſie zu Grunde gehen oder ſerbeln. Walzt man dagegen die Wieſe, ſo werden ſie in den Boden gedrückt und können ſich wieder bewurzeln. Aus dieſem Grunde iſt das Walzen der Kunſtwieſen in den erſten Jahren unerläßlich. Auf lockerem Boden ſollte ſogar ſchon im Herbſt gewalzt werden; auch bei alten Wieſen iſt auf lockerem Boden das Walzen angezeigt.— Viele Gräſer haben zudem die Eigenſchaft, erhabene Grashorſte zu bilden, wodurch der Raſen unegal wird, was nicht nur das Schneiden er⸗ ſchwert, ſondern auch die Ertragsfähigkeit einer Wieſe beeinträchtigt. Werden ſolche Wieſen dagegen im Frühjahr gewalzt, ſo werden die Hörſtchen etwas in den Boden gedrückt und ſo der Raſen egaliſiert. Junge Wieſenanlagen dürfen auch nicht begüllt werden, da durch die Gülle der Klee geſchädigt wird und die langſamer ſich ent⸗ wickelnden Gräſer in ihrem Jugendſtadium die Gülle nicht ertragen. Wenn man den Boden vor der Wieſenanlage, wie es ſich geziemt, mit Miſt, eventuell auch mit Kunſtdünger und Gülle durchdüngt hat, ſo iſt im erſten Jahr eine Düngung gar nicht notwendig. Will man aber düngen, ſo verwende man niemals Gülle, ſondern Kunſt⸗ dünger oder ſtrohigen Miſt; letzterer wird im Herbſt ganz fein über den Raſen verteilt. Die Anwendung von ſtrohigem Miſt iſt beſonders in exponierten Lagen empfehlenswert, wo derſelbe den Raſen zugleich auch vor Froſt ſchützt. Der Miſt befördert die Entwickelung der Gräſer, während die Phosphate die Kleearten be⸗ günſtigen. Eine ähnliche ſchützende Wirkung wie ſtrohiger Miſt hat das Über⸗ decken mit Stroh oder Kartoffelkraut während des Winters. Wollny erntete von einer je 6 qm großen Wieſenparzelle folgende Gewichts⸗ einheiten Heu: unbedeckt.......... 100 mit Kartoffelkraut bedeckt.ä. 113— 123 „ Erbſenſtroh„..... 119 „ Bohnenſtroh„..... 110. Er führt den Mehrertrag bei den bedeckten Parzellen einerſeits auf die düngende Wirkung des Materials, dann aber auch auf die ſchützende Eigenſchaft gegen den Froſt zurück. Auch Holzaſche, die, neben Kalk, ziemlich viel Kali und Phosphor⸗ ſäure enthält, wirkt auf den Klee ſehr günſtig ein; dieſelbe muß jedoch 13*⅔ 196 Achtzehntes Kapitel. Die Pflege der Kunſtwieſen ꝛc. frühzeitig ausgebracht werden. Erſt vom dritten Jahre, wenn der Ertrag der Kunſtwieſe etwas abgenommen hat, wende man Gülle an, und zwar ſtets gut vergorene und nicht dickflüſſige Gülle. Dicke Gülle, bei trockenem Wetter angewendet, bildet eine Kruſte, unter welcher der Raſen erſtickt. Iſt die Wieſe entlegen, ſo daß die Transportkoſten bei Anwendung verdünnter Gülle zu große wären, ſo kann die Verdünnung bei Vorhandenſein von Waſſer auf der Wieſe ſelbſt geſchehen, in der Weiſe, daß man daſelbſt Güllebehälter einrichtet. Man transportiert dann einfach die konzen⸗ trierte Gülle hinaus und verdünnt ſie daſelbſt mit der 3— 4 fachen Menge Waſſer. Durch Zuſatz von Blut und Konſervierungsmitteln kann ihr Wert erhöht werden. Wie bemerkt, ertragen die Kleearten die Gülle weniger gut, und von den Gräſern verhalten ſich die verſchiedenen Arten ſehr verſchieden. Sehr dankbar für Gülle ſind das Knaulgras, das italieniſche und das engliſche Raigras; die übrigen Futtergräſer ſind gegen ſcharfe Gülle etwas empfindlich, obſchon ihr Wachstum ebenfalls weſentlich gefördert wird. Man trifft oft Wieſen, wo der Raſenbeſtand ein ſchlechter oder dünner iſt. Jedem Landwirt taucht unwillkürlich die Frage auf, ob ſolche Wieſen nicht durch Nachſaat geeigneter Gras⸗ oder Kleeſamen zu verbeſſern wären. Allerdings iſt dies möglich und das Nachſäen von Grasſamen wird viel zu wenig angewendet, denn man iſt damit im ſtande, den Raſen bedeutend zu verbeſſern. Man empfiehlt, Wieſen mit filzigem Raſen zu eggen, um das Unkraut zu zerſtören, was ohne Zweifel ſehr gut iſt. Wenn man aber nichts anderes an die Stelle des ausgeeggten Unkrautes ſetzt, ſo ſtellt ſich dieſes ſehr bald wieder ein. Dem ſollte durch die Nachſaat geeigneter Gräſer vorgebeugt werden. Dieſes Nachſäen geſchieht am beſten nach der Heuernte(d. h. nach dem erſten Schnitt), denn, im Frühjahr geſäet, käme der Grasſamen im erſten Schnitt nicht gut auf, weil der Grasbeſtand zu dicht und der Wuchs des Graſes zu hoch iſt. Dies iſt im Sommer viel weniger der Fall. Deshalb ſollte man ſolche Wieſen nach der Heu⸗ oder Emd⸗ ernte eggen und hernach Grasſamen einſäen. In den meiſten Fällen iſt zu empfehlen, die Wieſe vor dem Säen zu übereggen, damit der geſäete Grasſamen„Erde faſſen“ kann. Nach dem enn de Gil Gülle Arit ſod 1geoßr Puſer daſect kunzer ffache miten ger git en ſäh 6, d ergriſe achsthn bleche Irnge 8 da ch und t, denn beſſen. m do in nat s ſeht ri d acſſien erſten elſte Vuch er der End⸗ neiſen eggen, dem Achtzehntes Kapitel. Die Pflege der Kunſtwieſen ec. 197 Eggen wird zweckmäßig noch gewalzt. Das Eggen muß aber nach einem Regentage ſtattfinden, wenn der Boden etwas aufgeweicht iſt. Das Walzen kann ſpäter vorgenommen werden, ſobald der Boden wieder abgetrocknet iſt. Wo man die Anſiedelung des Löwen⸗ zahnes zu befürchten hat, iſt die Nachſaat nach der Emdernte (d. h. nach dem zweiten Schnitt), vorzuziehen, weil durch das Eggen und Walzen die Keimung und Entwickelung auch des an⸗ geflogenen Löwenzahns begünſtigt wird, was nach dem zweiten Schnitt nicht der Fall iſt, da in dieſer Zeit der Löwenzahn längſt verſamt hat. Von den Gräſern iſt zur Nachſaat beſonders das Knaulgras zu empfehlen. Je nach dem Beſtande verwendet man 1¼— ½ der Vollſaat, bei dünnem Raſen mehr, bei weniger dünnem weniger. Auch der Goldhafer iſt zur Nachſaat geeignet. Auf paſſendem Boden iſt ferner die Nachſaat von Timothe, Wieſen⸗ fuchsſchwanz, Rohrglanzgras, Wieſenſchwingel und Kamm⸗ gras ratſam. Das Fromental iſt für warme Böden am Platze. Das engliſche und das italieniſche Raigras paſſen nur für Wieſen zu vorübergehender Nutzung. Fehlt auf einer Wieſe der Klee, ſo können auch die Kleearten nachgeſäet werden: Rokklee, Baſtardklee, Weißklee, Hopfenklee, Schotenklee und Eſparſette, je nach der Bodenart. Zu empfehlen iſt in dieſem Falle, wenn Kleearten nachgeſäet werden, eine Beidüngung mittelſt Superphosphat, Thomas⸗ mehl oder Aſche zu geben. Zwar iſt der Prozentſatz der Arten, welche ſich aus dem ge⸗ ſäeten Samen entwickelt, ein viel geringerer als bei einer Kunſt⸗ wieſenanlage, bei welcher man den Boden ſorgſam vorbereiten kann. Eine große Anzahl der geſäeten Samen geht aber dennoch auf, wenn die Nachſaat recht ausgeführt wird. Das ſieht man am beſten, wenn man die Naturwieſen unterſucht. In denſelben findet man ſtets Keimpflanzen und zwar oft in ſehr großer Zahl. So z. B. fanden wir auf einem Quadratfuß folgende Anzahl Keim⸗ pflanzen: Auf einer Fromentalwieſe Beſtand von Fromental). Geruch⸗ gras 16, wolliges Honiggras 14, Wieſenſchwingel 1, Weichhafer 1, Rot⸗ klee 10, Fadenklee 2, Weißklee 1, rauhes Milchkraut 12, Löwenzahn 3, Habermark 1, Wucherblume 1, große Geißleiter 1, wilde Möhre 1, Wieſenkreſſe 3, unbeſtimmbar 21, zuſammen 121 Keimpflanzen. Auf einer Burſtwieſe(Beſtand der aufrechten Treſpe). Knaul⸗ gras 8, aufrechte Treſpe 3, Hopfenklee 41, gemeiner Schotenklee 5 u. ſ. f., zuſammen 87 Keimpflanzen. 198 Achtzehntes Kapitel. Die Pflege der Kunſtwieſen ꝛc. Auf einer Straußgraswieſe(Beſtand des gemeinen Strauß⸗ graſes). Geruchgras 66, Goldhafer 10, Rotſchwingel 3, goldfarbiges Fingerkraut 16, gemeiner Taumantel 12, rundblättrige Glockenblume 33 u. ſ. f., zuſammen 148 Keimpflanzen. Aufeiner Mutternwieſe(Beſtand von Muttern, Meum Mutellina). Alpenriſpengras 26, Geruchgras 2, Raſenklee 2, Wundklee 1. Sternliebchen 12, rauhes Milchkraut 6, Muttern 1, Adelgras 5 u. ſ. f., zuſammen 131 Keimpflanzen. Es ſind das durchaus nicht Ausnahmefälle, da wir viele Proben mit über hundert Keimpflanzen auf den Quadratfuß unter⸗ ſuchten; umgekehrt kamen zwar auch ſolche vor, wo ſich gar keine oder doch ſehr wenige vorfanden.— Wenn wir alſo künſtlich Gras⸗ und Kleeſamen in beſtehende Wieſen ſäen, ſo ahmen wir nur die Natur nach, mit dem Unterſchiede jedoch, daß wir nur Samen guter Arten ausſtreuen, während in der Natur eben auch ſehr viel Un⸗ krautſamen abfallen und von den guten meiſt nur jene der früh⸗ reifenden Arten. Aus dieſem Grunde iſt es nicht ratſam, die Selbſt⸗ beſamung der Natur zu überlaſſen, um ſo einen dichteren Raſen zu erzeugen, wie es auch empfohlen wird, in der Weiſe, daß man den Heuſchnitt bis zur Samenreife hinausſchiebt, in welchem Falle bei der Ernte eine Menge Samen auf den Boden fallen. Ab⸗ geſehen davon, daß man ſo ein ſchlechtes Futter erzielt, iſt die Be⸗ ſamung auf dieſem Wege in der Regel(nicht immer) eine ſehr ſchlechte und einſeitige. Um eine Selbſtbeſamung des Rotklees, des Baſtard⸗ und Weißklees zu erreichen, müßte man übrigens den zweiten Schnitt reifen laſſen. Aus genannten Gründen überläßt man die Beſamung am zweckmäßigſten nicht der Natur, ſondern man kommt derſelben zuvor, indem man künſtlich jene Arten ein⸗ ſäet, die man gerade wünſcht. Sehr günſtig auf die Keimung und Entwickelung der nach⸗ geſäeten Samen iſt es, wenn man die Wieſe vor der Saat mit Kompoſt überführt und denſelben fein verteilt. Dieſe Kompoſt⸗ erde bildet für viele Samen ein weit beſſeres Keimbett als die bloß aufgeeggte Wieſenerde. Will man in den ausgebreiteten Kompoſt Grasſamen ſäen, ſo bringe man denſelben ſofort nach der Emdernte, im Auguſt, aus und ſtreue den Samen dann ſofort ein. Im folgenden Kapitel wird weiter von dieſem Düngemittel die Rede ſein (ſ. S. 208). Strau⸗ artige une 3 tellin) liechen en l3l t viel Unter erlift Indern mein⸗ Neunzehntes Kapitel. Die Pflege der Naturwieſen. 199 Neunzehntes Kapitel. Die Pflege der Naturwieſen. Trotzdem man beim Kunſtfutterbau im allgemeinen von der gleichen Flächeneinheit größere Erträge erzielt als bei einer Natur⸗ wieſe, ſo iſt das Areal, das dem Naturfutterbau gewidmet iſt, weſentlich größer als jenes, das dem Kunſtfutterbau dient. Dieſer geringe relative Ertrag der Naturwieſen iſt durch verſchiedene Um⸗ ſtände bedingt: 1. Man hat den Pflanzenbeſtand beim Naturfutterbau nicht in dem Maße in der Hand, wie bei den Kunſtwieſen. Man muß manches Unkraut und manche minderwertige Pflanze mit in den Kauf nehmen. Man ſieht ſie zwar nicht gerne, aber man iſt außer ſtande, ſie zu beſeitigen und etwas beſſeres an deren Stelle zu ſetzen, oder wenn man ſie vertilgen könnte, ſo wären die Koſten im Ver⸗ hältnis zum Nutzen viel zu groß. 2. Bei den Naturwieſen iſt es ferner nicht möglich, den Boden zu lockern. Die Erde iſt infolgedeſſen feſter, und die Pflanzenwurzeln können nicht ſo tief in den Boden eindringen, wie bei gelockertem Lande. Die Pflanzen haben deshalb ein geringeres Wurzelwerk und es ſteht ihnen ein weniger großes Bodenmaterial zur Verfügung, weshalb der Ertrag auch geringer ausfällt. 3. Man kann endlich bei den Naturwieſen den Boden nicht durchdüngen. Man kann wohl den Boden oberirdiſch mit Miſt, Kunſtdünger, Gülle und dergleichen verſehen, aber dieſe Kopfdüngung kann die unterirdiſche Düngung nie vollſtändig erſetzen. Aus allen dieſen Gründen kann der Ertrag bei einer Natur⸗ wieſe bei gleichen Bodenverhältniſſen nie ſo groß ſein, wie bei einer Kunſtwieſe. Beim Kunſtfutterbau kann man den Boden vor der Wieſenanlage tief bearbeiten und lockern, die Pflanzenwurzeln dringen deshalb tiefer ein und entwickeln bedeutend mehr Faſerwurzeln, ſo daß den Pflanzenwurzeln eine bedeutend größere Bodenmenge zur Verfügung ſteht. Man iſt bei der Umackerung im ſtande den Boden unterirdiſch zu durchdüngen, zu durchlüften und durch entſprechende Kultur von Unkraut zu ſäubern. Werden hernach in richtiger Weiſe paſſende, reine und gut keimende Samen ausgeſäet, ſo erhält man 200 Neunzehntes Kapitel. Die Pflege der Naturwieſen. eine Wieſe, bei welcher die Unkrautpflanzen einen verſchwindenden Prozentſatz ausmachen und— was die Hauptſache iſt— der Er⸗ trag iſt weſentlich größer als bei den Naturwieſen. Aber trotzdem iſt man an vielen Orten faſt ausſchließlich auf den Naturfutterbau angewieſen. 1. weil man für den Betrieb des Kunſtfutterbaues nicht ein⸗ gerichtet iſt, oder 2. weil die Umackerung des Bodens zu koſtſpielig wäre, oder 3. weil die Ackerkultur zu unſicher iſt(ſ. ferner S. 104). In allen dieſen Fällen iſt es Aufgabe des Landwirts, durch angemeſſene Pflege der Naturwieſen den größtmöglichen Ertrag abzugewinnen. Die Pflege der Naturwieſen hat ſich hauptſächlich auf die Reinigung des Beſtandes von Unkraut, auf die Ver⸗ mehrung der guten, ertragsfähigen Pflanzen, auf eine entſprechende Düngung und die Regulierung der Feuchtig⸗ keit zu erſtrecken. Die Düngung der Wieſen mit Stallmiſt und Gülle. Bei der Düngung der Wieſen wird hauptſächlich nach zwei Richtungen gefehlt, entweder werden ſie zu ſchwach oder gar nicht gedüngt, und dann iſt der Ertrag gering— oder ſie werden zu einſeitig gedüngt, und dann wird der Raſenbeſtand verdorben. Die gewöhnlichen bei der Wieſenwirtſchaft angewendeten Dünger⸗ arten ſind der Stallmiſt und die Gülle. Die Gülle wirkt ungemein raſch, weil die Pflanzennährſtoffe in feinverteilter, teilweiſe flüſſiger Form vorhanden und der Pflanze ſofort oder doch in kürzeſter Friſt zugänglich ſind. Schon in wenig Wochen hat man den Ertrag für den aufgewendeten Dünger. Viel langſamer wirkt der Miſt, weil ſich derſelbe erſt zerſetzen, d. h. verflüſſigt werden muß, bevor er von der Pflanzenwurzel auf⸗ genommen und zur Wirkung gelangen kann. Es dauert dies mehrere Monate, oft ſogar ein Jahr oder mehr. Die Dauer der Zerſetzung des Stallmiſtes bei der Kopfdüngung iſt von mancherlei Faktoren abhängig: 1. Von der Witterung. Bei trockener und kalter Witterung wächſt der Miſt viel langſamer ein als bei feuchtem, warmem Wetter. d fel i wer ver übe ſud Sta tit was ſe zuſt af ſüch ſch verd Bod ozuſ nüg der; Verfa Umor da 9 von e einem nit E Raſen Raſenf nit de ſcheib die be di Fr uter ur ei dennoc — denden 5 Er⸗ ich au jt ei e, Oder h mwe t gnr rerden orben. ünger⸗ rſufe flanz wenig ſzen, lalf⸗ ehrere ug it terung el, Die Düngung der Wieſen mit Stallmiſt und Gülle. 201 2. Vom Boden. Sowohl auf trockenem, wie auf naſſem Land geht der Miſt ſehr langſam in Zerſetzung über; auf trockenem Boden wegen der fehlenden Feuchtigkeit, auf naſſem Land wegen der Säure des Bodens und weil das Waſſer die Luft abſchließt, wodurch die Zerſetzung verhindert wird. 3. Von der Feinheit der Verteilung. Der Miſt ſollte ſo fein verteilt ſein, daß die Wieſe ganz gleichmäßig mit einer dünnen Schicht überdeckt erſcheint. Es dürfen keine Stücke Miſt von der Größe eines Kuh⸗ fladens vorkommen. 4. Von der Qualität des Miſtes. Friſcher ſowie ſpeckiger Stallmiſt zerſetzt ſich langſam. Der mit Einſtreu gewonnene Dünger zer⸗ ſetzt ſich am ſchnellſten, wenn er etwas gemürbt iſt, ohne kompakt zu ſein, was nach ungefähr 4—6 Wochen der Fall iſt. Ohne Streu gewonnener ſog. Schorrmiſt oder„Bloder“ hat dagegen ſeine beſte Wirkung in friſchem Zuſtande. Wenn der Stallmiſt längere Zeit, ohne ſich zu zerſetzen, oben⸗ auf liegt, ſo geht ein beträchtlicher Teil der Nährſtoffe durch Ver⸗ flüchtigung und Abſchwemmung verloren. Am raſcheſten zerſetzt er ſich und am ſchnellſten kann er von den Pflanzen aufgenommen werden, wenn die Witterung feuchtwarm und der Boden graswüchſig iſt. Seine beſte Wirkung hat der Stallmiſt aber, wenn er in den Boden gebracht wird, weil ſo durch Verflüchtigung und Abſchwemmung ſozuſagen nichts verloren geht. Er ſollte deshalb, wenn immer möglich, untergepflügt werden. Es gibt zwar auch eine Methode der unterirdiſchen Düngung der Wieſen mit Stalldünger, ohne den Boden umzupflügen, ein Verfahren, das beſonders im Gebirge angewendet wird, wo der Umbruch der Wieſen nur ſehr ſchwer möglich iſt. Im Appenzellerlande hat man zu dieſem Zwecke beſondere Geräte, den Hohlſpaten(Fig. 128) und die Hohlhacke(Fig. 129). In Entfernungen von etwa 60 cm wird mit der Hacke der Boden umgelegt, was mit einem Fußtritt auch mit dem Spaten geſchieht, dann werden die Löcher mit Stallmiſt gefüllt oder mehrere Male mit Gülle vollgegoſſen und die Raſenſcholle hernach wieder aufgedeckt. Wird Miſt eingefüllt, ſo wird die Raſenſcholle, nachdem ſich der Miſt etwas zerſetzt hat, in 10—14 Tagen mit dem Fuß feſtgeſtampft. Die Löcher werden im Verband gemacht. Ein Appenzeller Landwirt ſchreibt: ¹)„So viel ich bis jetzt erfahren habe, war die Spätherbſtdüngung die beſte, dann die Sommerdüngung(alſo nach dem Grasſchnitt), zuletzt die Frühjahrsdüngung. Da die Arbeit die Koſten der Düngung bedeutend erhöht, ſo iſt nur guter kräftiger Miſt anzuraten, indem dann die Wirkung, obſchon vielleicht nur ein Drittel der Quantität in dieſem Falle in die Löcher kommt, dennoch größer iſt und der Boden dadurch nicht ſo uneben wird. ¹) Alpwirtſchaftliche Monatsblätter, 1868, Seite 29. 202 Neunzehntes Kapitel. Die Pflege der Naturwieſen. Da bei dieſer Methode auch ohne Düngerzufuhr der Boden in wenigen Jahren den doppelten Ertrag abwerfen kann, ſo glaube ich, daß dieſe Mühe, beſonders in den Alpen, wo die Leute nicht ſo überhäuft ſind mit Arbeit, ſich reichlich lohnen würde.“ Fig. 128. Hohlſpaten. Fig. 129. Hohlhacke. rung durch Spannarbeit erſetzen ſoll. Schatzmann empfahl¹) für Berge und Alpenwieſen fol⸗ gende Methode: „Der Raſen wird in viereckigen Stücken(Platten) 2 bis 3 Zoll tief abge⸗ ſchält, die darunter liegende Erde mit einem Karſt oder mit einem engliſchen Furkel gut gelockert, darauf der Miſt ver⸗ zettelt und die Platten wieder aufgelegt. Er (Schatzmann) habe dieſe Arbeit mehrmals ausführen laſſen, und der Erfolg ſei ein über⸗ raſchender geweſen; viele Jahre lang zeich⸗ neten ſich die einmal ſo behandelten Stellen vor den unterdeſſen mehrmals obenauf ge⸗ düngten aus. Die Koſten dürfen bei dem großen Ertrage nicht abſchrecken.“ Die Maſchinen⸗ fabrik Groß& Co. in Leipzig⸗Eutritzſch hat in jüngſter Zeit einen Pflug konſtruiert, welcher dieſe Hand⸗ arbeit der Bodenlocke⸗ Der Stallmiſt als Kopfdünger wächſt am beſten ein und wirkt in der Regel am intenſivſten, wenn er im Vorherbſt nach der Emd⸗ ernte(Grummeternte) ausgebreitet wird. Häufig wird er erſt im Laufe des Winters oder im frühen Frühjahr ausgetan. In feuchten ¹) Alpwirtſchaftliche Monatsblätter 1871, Seite 76. dierecier Paatter tif ah : duruie Erde mi ſt oder ni nolichen t geloce NMit be⸗ die Plate gelegt. d n) hb mehruu laſſen, w ei einile⸗ geweſe langzeik die einne ten Sülln unteddſer benaljge 1. Ä en bei dn ruye uit 1 Raſciier⸗ &G n riſt i geit eimn ſtruiet ſe örn⸗ odenlot⸗ und vitt el End⸗ ert i feuche Die Düngung der Wieſen mit Stallmiſt und Gülle. 203 Klimaten und bei feuchter Witterung zerſetzt er ſich vor der Heuernte auch dann ziemlich vollſtändig. In trockenen Gegenden und bei trockener Witterung wächſt er auf wenig graswüchſigem Boden nicht mehr ein und verunreinigt dann das Heu. In Gebirgsgegenden bringt man ſogar während der Vegetationszeit den Dünger auf die Wieſen, oft ſogar direkt aus dem Stall. Iſt der Boden ſehr gras⸗ wüchſig und die Witterung günſtig, ſo zerſetzt er ſich bis zum nächſten Schnitt vollſtändig und dann hat der Miſt die beſte Wirkung. Auf dem weniger graswüchſigen Boden des ebenen Landes darf man dieſes Verfahren jedoch nicht einſchlagen, weil der Dünger längere Zeit braucht zur Zerſetzung. Im Sommer angewendet könnte man ihn unzerſetzt im Heu wieder heimführen und Dünger und Heu wären faſt entwertet. Dieſe Nachteile hat die Gülle nicht. Bei der Güllewirtſchaft kann man ferner mit dem gleichen Düngerquantum eine weit größere Fläche überdüngen, weil die Gülle wirkſamer iſt. Des⸗ halb bietet die Anwendung der Gülle große Vorteile, um ſo größere, je trockener der Boden und je trockener das Klima iſt. In den Gegenden mit den intenſiven Graswirtſchaften, z. B. im ſchweizeriſchen Alpenlande, beurteilt man vielfach die Tüchtigkeit eines Land⸗ wirtes nach der Größe der Güllenbehälter und nach der Sorgfalt, welche er auf die Bereitung und Verwendung der Gülle verwendet. Unter dem Begriff„Gülle“ wird nicht nur der vom Stalle abfließende Urin verſtanden; zur Güllebereitung wird in der Regel auch derjenige Teil des tieriſchen Kotes benutzt, der im Stalle bequem von der Streue abgeharkt werden kann. Im Sommer, wenn man viel Gülle nötig hat, werden öfters ſogar alle Exkremente zur Güllebereitung verwendet, dieſe mit der Hälfte oder zwei Drittel Waſſer verdünnt und nach der ammoniakaliſchen Gärung(in 3 bis 4 bis 6 Wochen) auf die Wieſe gebracht. In beſſer eingerichteten Güllewirtſchaften hat man zwei Güllebehälter, einen gefüllten mit älterer Gülle, welche die komplette Gärung durchmacht, und einen in der Füllung begriffenen mit friſcher Gülle. Eine beſondere Methode der Düngerbehandlung iſt das ſog. „Flotſchen“, das beſonders am Zürichſee und im Kanton Zug zur Anwendung kommt. Meiſt vor der Stalltüre draußen(ſelten im Stallgange ſelbſt) iſt ein kleiner Trog angebracht, der durch eine Offnung in der Mauer mit dem Düngergraben des Stalles in Ver⸗ 204 Neunzehntes Kapitel. Die Pflege der Naturwieſen. bindung ſteht, die dem Viehſtande entlang etwas vertieft angebracht gec iſt und in welcher zwiſchen den Fütterungen der Kot ſich ſammelt. füg Der Urin findet ſeinen Weg durch dieſe„Schale“ direkt in den kleinen Trog. Dieſer wird halb mit Waſſer gefüllt, dann bei jeder a Fütterung der Kot und aller vorhandene Miſt von der Schale durch RNi die Lucke in denſelben befördert und, wenn er angefüllt iſt, die Vñ ganze Maſſe ſorgfältig durcheinander„geflotſcht“, daher der Name Hrj Fig. 130. Ein Mann„flotſcht“ den Miſt im Flotſchtrog und wirft ihn hernach auf die nebenanliegende, mit einer Mauer umgebene Miſſſtätte. a. „Flotſchtrog“(ſiehe Fig. 130), der Miſt auf den Stock befördert und die dicke Jauche in einen großen Trog abgelaſſen, der ebenfalls wieder halb mit Waſſer gefüllt iſt. 1 Der Miſt darf aber im Flotſchtrog nicht förmlich ausgewaſchen, I ae ſondern ſoll gleichſam nur von der Jauche durchfeuchtet werden, eh dann erhält man einen vorzüglichen Miſt und gute Gülle. Im a Stalle ſelbſt iſt nämlich eine ebenſo gründliche Durchfeuchtung nie u möglich, wie ſie im Flotſchtrog ausführbar iſt. Der Miſt aus dem en Flotſchtrog lagert ſich gleichmäßig und feſt, die Luft wird gut ab⸗ h raach uid dert ud ebenfal- waſche werde le. J cung ii nus den gut lh⸗ Die Düngung der Wieſen mit Stallmiſt und Gülle. 205⁵ geſchloſſen und deshalb hat man einen geringen Verluſt und vor⸗ züglichen, gleichmäßig zerſetzten Miſt. Man unterſcheidet gewöhnlich zwiſchen„Gülle“ und„Jauche“. Unter „Jauche“ verſteht man in der Regel nur die auf der Düngerſtätte vom Miſte abfließende Flüſſigkeit; iſt derſelben viel Waſſer beigemiſcht, ſo ſpricht man auch von„Miſtwaſſer“, das wenig Wert beſitzt. Die„Gülle“ (Bſchütti) hingegen iſt eine Miſchung von Urin und Kot, verdünnt mit Waſſer, wozu in der Regel auch das Miſtwaſſer benutzt wird. Fig. 131. Güllenbehälter mit Auslauf. Fig. 132. Güllen⸗Aus⸗ Fig. 133. Güllen⸗Schieber⸗ Fig. 134. Güllen⸗ laufhahn. verſchluß. Schieberverſchluß. Zur Erleichterung des Ausbringens der Gülle hat man viel⸗ fach unterirdiſche Güllenausläufe(Fig. 131). Es ſind das eiſerne oder zementene Rohrleitungen, welche von der Sohle des Güllen⸗ behälters direkt auf den Güllenwagen führen. Zum Abſchluß iſt am Ausfluß ein Hahn(Fig. 132) oder ein Schieberverſchluß(Fig. 133) angebracht und ſehr häufig an der Sohle des Güllenbehälters noch ein Schieberverſchluß mit Stange(Fig. 134). Dieſe Anlagen ſind ſelbſtverſtändlich nur in geneigtem Terrain möglich. 206 Neunzehntes Kapitel. Die Pflege der Naturwieſen. Zum Transport der Gülle eignen ſich am beſten niedrige Wagen, mit breiten Wagenfelgen, einem großen, viereckigen Kaſten, der nach Belieben nach hinten geſenkt werden kann, mit Jauchever⸗ teiler und großem, aber gut verſchließbarem Deckel(Fig. 135). In der Regel wird im Frühjahr und Vorſommer Gülle in großen Mengen bereitet, während im Herbſt und Winter, wenn man ſie weniger vorteilhaft verwerten kann, feſter Dünger pro⸗ duziert wird. In den intenſiven Graswirtſchaften werden die näher ge⸗ legenen Wieſen in der Regel jährlich zweimal begüllt und man Fig. 135. Güllen⸗Transportwagen. erzielt dann gewöhnlich drei bis vier Schnitte, unter Umſtänden ſogar fünf. Trotz der großen Vorteile der Anwendung flüſſigen Düngers gibt es Gegenden, wo man keine Güllenbehälter beſitzt, obſchon man hier bei Anwendung von Gülle den Ertrag der Wieſen verdoppeln und vervielfachen könnte. Freilich erfordert eine richtige Güllen⸗ wirtſchaft viel Arbeit, um ſo mehr, je zerſtückelter der Grundbeſitz und je coupierter das Terrain iſt. Aber auch unter relativ un⸗ günſtigen Verhältniſſen läßt ſich dieſe einführen, wenn man ſich richtig einrichtet. Für entferntere Wieſen kann die Sache weſentlich erleichtert werden, wenn man auf freiem Felde Güllebehälter aufſtellt. Die Exkremente werden in konzentrierter Form in dieſe auf der Wieſe befindlichen zementierten Tröge gebracht und erſt hier mit Waſſer verdünnt, um dieſen Ballaſt nicht unnötig weit transportieren zu müſſen. Man richtet zu dieſem Behufe den Be⸗ änden inger⸗ mman oppeln züllen⸗ adbeſtz v un⸗ n ſich ſentich älter dieſe d erſt weit n Be⸗ Die Düngung der Wieſen mit Stallmiſt und Gülle. 207 hälter am Wege eines kleinen Waſſerlaufes ein. Auch Schlachthaus⸗ abfälle, Blut, ſtädtiſche Latrinenſtoffe u. ſ. f. könnten hier mit Vorteil zur Herſtellung von Gülle dienen. Zum Schutze kann der Behälter mit einem einfachen Dache gedeckt werden(Fig. 136). So große Vorteile die Anwendung von Gülle bietet, ſo machen ſich bei unrationeller Verwendung auch große Mängel geltend. Die gleichen Mängel finden ſich aber auch beim Stallmiſt. Früher hörte man ganz allgemein die Meinung vertreten, der Miſt ſei ein Univerſaldünger, das heißt er enthalte alle Fig. 136. Güllebehälter auf freiem Felde, mit einem Schutzdach. Nährſtoffe, welche die Pflanze zu ihrem Wachstum nötig habe, ins⸗ beſondere Stickſtoff, Phosphorſäure und Kali. Dies iſt aber nicht richtig! Der Miſt enthält zwar alle die drei genannten Nährſtoffe, aber nicht von allen genug. Der Miſt iſt vorzugsweiſe ein Stickſtoff⸗ dünger; er enthält in der Regel auch genug Kali, aber zu wenig Phosphorſäure. Er iſt deshalb kein Univerſaldünger! Noch viel weniger iſt dies bei der Gülle der Fall. Wenn man deshalb eine Wieſe fortdauernd nur einſeitig mit Miſt oder gar nur mit Gülle düngt, ſo wird dieſelbe überſättigt mit Stickſtoff, der gleiche Boden kann aber Mangel leiden an Phosphorſäure. Die Folge davon iſt, daß die Phosphorſäure⸗ pflanzen verſchwinden und die Ammoniak⸗ oder Miſtpflanzen 208 Neunzehntes Kapitel. Die Pflege der Naturwieſen. an deren Stelle treten. Die Kleearten ſind Phosphorſäurepflanzen. Dieſe gehen weg, höchſtens bleibt noch der Weißklee, deſſen Samen durch Gülle und Miſt ſtets in großer Zahl friſch zugeführt wird. Ebenſo verſchwinden die feineren, edleren Gräſer, weil dieſe durch robuſtere Pflanzen verdrängt werden. Nur das gemeine Riſpen⸗ gras überzieht den Boden mit ſeinem Pelz und hilft noch mit zur Verdrängung der beſſeren Arten. Der Raſen wird nach und nach dünn. An den kahlen Stellen ſiedelt ſich der Löwenzahn an, und zu ihm geſellen ſich die grobſtengligen Schirmblütler: der Wieſen⸗ kerbel(Anthriscus sylvestris), die Bärenklau(Heracleum Sphon- dylium), der rauhe Kälberkropf(Chaerophyllum Cicutaria) und in hohen Lagen Villars Kälberkropf(Chaerophillum Villarsii). Dieſe bilden mit der Zeit einen förmlichen Wald und unterdrücken alles andere neben ſich.¹) Die bis fingerdicken Stengel wären beſſer geeignet zum Heizen als zum Füttern. Der Kompoſt. Ein zur Wieſenwirtſchaft vorzüglich geeigneter Dünger iſt, wie bereits früher(Seite 198) betont, der Kompoſt. Der weſentliche Beſtandteil desſelben iſt Erde, herrührend von Grabenaushub oder dergl., welche mit allerlei ſich im Wirtſchaftsbetriebe ergebenden Ab⸗ gangsſtoffen durchſetzt iſt, wie Kehricht, Unkräuter, Schutt, Ruß, Hühnermiſt, Straßenabraum, Schlachtabfälle u. ſ. f. Alle dieſe Stoffe werden jahraus jahrein ſorgfältig geſammelt, aufgeſchichtet, ab und zu mit Jauche oder Latrinenſtoffen übergoſſen. Die Ober⸗ fläche wird zu dieſem Zwecke am Rande etwas erhöht, damit die Flüſſigkeit nicht über den Stock herabläuft. Nach einem halben Jahre wird derſelbe ſorgfältig umgearbeitet, damit eine innige Ver⸗ mengung der Materialien und eine gleichmäßige Zerſetzung ſtatt⸗ findet. Vor dem dritten Jahre ſollte aber der Kompoſt nicht Ver⸗ wendung finden, weil derſelbe ſonſt keine genügende Fermentation durchgemacht hat. Inzwiſchen wird er ſtändig durch Übergießen mit Jauche ꝛc. feucht erhalten. Im zweiten Jahre wird er nochmals 1¹) Man vergleiche unſere Unterſuchungsreſultate im Landw. Jahrbuch der Schweiz I. 1887, S. 137 ff. in der Arbeit über den„Einfluß der Düngung auf die Zuſammenſetzung der Grasnarbe“. Ferner Braungart, Handbuch der rationellen Wieſen⸗ und Weidenkultur. München 1899. Der Kompoſt.— Das Abweiden der Wieſen. 209 umgeſchafft und iſt dann im dritten Jahr zur Verwendung bereit. Um die bequeme Umarbeitung zu ermöglichen, ſollte der Haufen nicht über 1 m hoch und nicht mehr als etwa 2 m breit ſein. Die Länge richtet ſich nach der Menge des Materials. Der Kompoſt darf nicht nur nach ſeinen düngenden Beſtand⸗ teilen beurteilt werden, da auch ſeine phyſikaliſchen Eigenſchaften für die Wieſe außerordentlich wohltätig wirken. Er kann gleich⸗ mäßig verteilt werden und hat nicht die Mängel des Miſtes und der Gülle. Unebenheiten im Raſen werden durch ihn ausgeglichen. Was ihn aber beſonders wertvoll macht, iſt, daß er ein ſehr gutes Keimbett für einzuſäende Sämereien bildet. Je beſſer der Kompoſt, deſto beſſer gedeihen auch die in denſelben geſäeten Samen. Das Abweiden der Wieſen. Die Pflege der Naturwieſen iſt hauptſächlich ein Kampf gegen das Unkraut. Die gefürchtetſten Feinde auf den gedüngten Wieſen ſind aber die genannten Schirmblütler. Man bekämpft ſie in erſter Linie, indem man den Samenanſatz verhütet, der nament⸗ lich beim Wieſenkerbel und der Bärenklau ein ſehr reichlicher iſt. An einem einzigen Stock des Wieſenkerbels von einer fetten Wieſe im Hard bei Zürich zählte ich am 18. Juni 1887= 16061 Samen. Man ſchneide deshalb ſolche Wieſen ſtets, bevor die Samen dieſer Unkräuter reif ſind. Mit Erfolg iſt auch das bloße Abköpfen der Stengel zur Blütezeit mit einer ſtumpfen Senſe angewendet worden. Ein einfaches und ſicheres Mittel iſt ferner das Abweiden, und zwar zur Zeit der Hauptentwickelung der betreffenden Pflanzen: die„Heuſtengel“(Wieſenkerbel, Kälberkropf), indem man den erſten Schnitt, die„Emdſtengel“(die Bärenklau), indem man den zweiten und folgenden Schnitt abweidet. Die Bärenklau entwickelt bekanntlich ihre Stengel vorzugsweiſe erſt im zweiten Schnitt(im Emd), während die anderen Arten ſchon im erſten Schnitt(im Heu) ſtengeln, daher der Name„Heu⸗“ und„Endſtengel“. Die ſchirmblütigen Unkrautgewächſe ertragen das Abweiden nicht, deshalb verſchwinden ſie und machen anderen beſſeren Pflanzen Platz. Auch gewiſſe andere Unkräuter werden durch das Beweiden bekämpft, ſo namentlich der Klappertopf(Rhinanthus), ein gefähr⸗ Stebler. 5. Auflage. 14 —— ——— 210 Neunzehntes Kapitel. Die Pflege der Naturwieſen. licher Halbſchmarotzer friſcher und feuchter Wieſen(Fig. 137). Um⸗ gekehrt werden gewiſſe Arten durch den Zahn und den Tritt der Tiere zur Entwickelung zahlreicher Sproſſe angeregt und vermehren ſich deshalb weſentlich, ſo das engliſche Raigras, der Weißklee, der Rotſchwingel, der Wieſenſchwingel, das Kammgras ꝛc., wodurch der Raſen viel dichter wird. Eine gemähte Fettwieſe im Baurenboden am Schnebelhorn, Kt. Zürich, 1025 m ü. M., enthielt 30% Wieſenkerbel und im Quadratfuß 666 Triebe, während die gleiche Wieſe nebenan, die ſeit 3 Jahren geweidet wurde, nur mehr 2% Schirmblütler, dagegen im Quadratfuß 1129 Triebe enthielt(vergl.„Einfluß des Be⸗ weidens auf die Zuſammenſetzung des Raſens“ im landw. Jahrbuch der Schweiz 1887). Als Beiſpiel eines typiſchen Weideraſens laſſen wir das Unter⸗ ſuchungsreſultat eines ſogen.„Atz⸗ mahdes“ folgen, einer Wieſe, die im Vorſommer und Herbſt beweidet, im Sommer aber geheuet wird. (Siehe die Tabelle auf Seite 211.) Der Quadratfuß enthält alſo die enorme Zahl von 2956 Trieben, meiſt aus typiſchen Weidepflanzen beſtehend: Rotſchwingel, Kammgras, engliſches Raigras, Weißklee, Fig. 137. 1. Großer Klappertopf, Rhinanthus Kümmel, Fioringras, gemeines major Rchb. var. hirsutus All. aBlumen⸗ Riſpengras u. ſ. f. krone, aufgeſchlitzt, mit zwei ſeitlichen dunklen Zähnen; b Kronröhre: e Griffel; d e Kapſel; Behunn; de eanrin er icpperedpf, Kl. m Ganz die gleiche Wirkung Grab. Blüte. wie im Gebirge hat das Beweiden auch in der Ebene und es ſind zum Teil auch die gleichen Arten, welche durch das Beweiden be⸗ günſtigt werden. Nach C. A. Weber ſind in Weſtholſtein, Dithmarſchen und Eiderſtedt hauptſächlich das gemeine Straußgras, das Wieſenriſpengras, das engliſche Raigras, das Kammgras und der Rotſchwingel, welche auf den Weiden den Beſtand beherrſchen; auf den Seedeichen auch die Wieſengerſte(Hordeum secalinum); in feuchteren Lagen der Wieſenfuchsſchwanz, das gemeine Riſpengras und das Fioringras.— Weber, C. A.: Beiträge zur Kenntnis der Dauerweiden in den Marſchen Norddeutſchlands. Berlin 1901. 11 je in im / 11.) alſo eben, mzen gras, e, eines kung eiden ſind be⸗ rſtedt liſche eiden deum neine 13 ntnis Das Abweiden der Wieſen. 211 Ätzmahd auf dem Maienſäß Run im Somvixertal(Kt. Grau⸗ bünden), 1400 m ü. M., unterſucht am 19. Juli 1899. Zahl der Triebe 8 5 in 1 ◻Fuß 0 ——. 8 2 Name der Pflanze: 85 5F35 5⁵ S EE Gräſer Gramineen · 68,15 23 808 7[Rotſchwingel.... Festuca rubra.. 12,69 40 243— Kammgras.. Cynosurus cristatus 12,56 29 191 15 Engliſch Raigras.. Lolium perenne 12,40 39 174— Fioringras.. Agrostis alba. 10,98 — 44—(Knaulgras.. Dactylis glomerata.. 5,28 13 195—(Gemeines Riſpengras Poa trivialis.. 5,05 2 89—(Einjähriges Riſpengras Poa annua var. zupina 4,63 2 105— Wieſenriſpengras. Poa pratensis... 4,56 Schmetterlingsblütler Papilionaceen 15,52 1 737— Weißkllee...... Trifolium repens 15,52 Verſchiedene Familien 16,33 1 29 25 Wieſenkümmel.. Carum carvi.... 7,97 5 8 6 Sauerampfer. Rumex Acetosa.. 3,74 77——(QAcker⸗Ehrenpreis. Veronica agrestis. 2,39 1 10 3(Scharfer Hahnenfuß Ranunculus acris... 1,20 7— 25 Gemeines Hornkraut Cerastium triviale. 0,63 1— Gemeiner Augentroſt Euphrasia officinalis. 0,28 1—— Maßliebchen.. Bellis perennis- 0,12 242 2633 81 100,00 —— 2956 Wo keine anderen Abgrenzungen vorhanden ſind und das Vieh nicht gehütet wird, ſind bei dem Beweiden der Wieſen Ab⸗ zäunungen nötig. Hierzu eignen ſich für vorübergehende Weide⸗ nutzung ganz beſonders transportable Stangenzäune(Fig. 138). Etwa 3 m auseinander kommen hölzerne Pfähle(Fig. 139) mit zwei eiſernen Schlaufen zum Einſchieben der Stangen. Um das Einrammen zu erleichtern, bedient man ſich zum Vorbohren eines Pfahlbohrers mit Hebel und Zwinge(Fig. 140). Wird die Wieſe nicht mehr beweidet, ſo iſt der Zaun in kürzeſter Friſt demontiert und kann anderswo aufgeſtellt oder, wenn nicht geweidet wird, unter Dach aufbewahrt werden. Zur vorübergehenden Einfriedigung kleinerer Parzellen, insbeſondere zum Pferchen der Schafe, womit 14*½ 212 Neunzehntes Kapitel. Die Pflege der Naturwieſen. mehr eine Düngung bezweckt wird, eignen ſich ſehr gut bewegliche Hürden. Für Großvieh genügen Hürden mit drei Sproſſen, während für Schafe die Sproſſen nicht mehr als etwa 20 cem voneinander entfernt ſein dürfen(Fig. 141), weil die Tiere ſonſt durchſchlüpfen. Bei freiem Weidegang frißt jedoch das Vieh nicht alle Pflanzen. Will man daſſelbe zwingen, gewiſſe Pflanzen abzuweiden, ſo wendet man die Pflöckweide an, damit dem Tiere nur eine ſehr beſchränkte Weidefläche zur Verfügung ſteht. So z. B. frißt das Vieh bei freiem Weidegang das weiche Labkraut nicht gerne, während es bei der Pflöckweide gefreſſen wird, weil die Tiere viel weniger Auswahl haben. Fig. 138. Transportabler Stangenzaun. Links ein Pfahl mit zwei Schlaufen von der Seite. Nach dem Beweiden werden die ſtehen gelaſſenen Pflanzen mit der Senſe abgeſchnitten und geſammelt, die Kuhfladen werden verteilt und allfällig durchgetretene Stellen ausgeebnet und friſch beſamt, wovon bereits im vorigen Kapitel(S. 196 ff.) die Rede war. Die ganze Wieſe wird hernach in der Regel gedüngt, und zwar ſollte hier nicht nur Miſt oder Gülle, ſondern auch ein Phos⸗ phatdünger angewendet werden. Düngung der Wieſen mit Kunſtdünger. Gülle und Miſt ſind alſo, ſo wie ſie gewöhnlich produziert werden, einſeitige Dünger— es fehlt ihnen hauptſächlich an Phos⸗ ——O—— — —.—̃——⸗——.— ——S ͤ——————2ù —— —9—₰2— — b d Düngung der Wieſen mit Kunſtdünger. 213 phorſäure, weniger an Kali. Dieſe fehlenden Beſtandteile können denſelben aber zugeſetzt werden. Der Zuſatz von Phosphorſäure geſchieht am beſten in Form von hochprozentigem Superphosphat. Man ſtreut dasſelbe entweder vor der Einſtreu auf den Stand der Tiere oder, wo täglich ausge⸗ miſtet wird, auf die Dünger⸗ ſtätte. Man rechnet per Tag und Stück Großvieh etwa ½ kg SP 20. Das Kali wird in Form von Kainit erſt auf der Dünger⸗ ſtätte verwendet, weil es(im Stalle eingeſtreut) auf die Klauen der Tiere ätzend wirkt. Man rechnet per Stück Großvieh ¼ bis 1 kg. In gleicher Weiſe wird die Gülle verbeſſert. Wenn man jedoch im Stall Super⸗ phosphat anwendet, ſo geht ein Teil mit in die Gülle über, ſo daß ein Zuſatz weniger nötig iſt. Will man aber dennoch eine Zu⸗ gabe machen, ſo wird das Super⸗ phosphat vorerſt in einem Bottich in ſcharfer Gülle aufgelöſt und das Aufgelöſte alle 2—3 Tage in den Güllenbehälter gebracht, während der Bodenſatz ſpäter auf dem Felde verwendet wird. Dieſe Beigaben bereichern nicht nur den Dünger an Phosphor⸗ Fig. 139. Pfahl mit Fig. 140. Pfahl⸗ eiſerner Zwinge s und bohrer. zwei Schlaufen B. ſäure reſp. Kali, ſondern ſie binden zugleich das leicht flüchtige Ammoniak und konſervieren den Dünger. Ein ſo bereiteter Dünger iſt dann allerdings kein einſeitiger Dünger mehr, ſondern in Tat und Wahrheit ein Univerſal⸗ dünger; er hat die erwähnten Nachteile nicht und man erzielt von demſelben die größten Erträge. 214 Neunzehntes Kapitel. Die Pflege der Naturwieſen. Sehr häufig iſt man aber nicht imſtande, allen Wieſen einen ſolchen Dünger zu geben, ſondern man iſt auf die Kunſtdünger allein angewieſen. Mit Vorteil werden auf der Wieſe beſonders das Thomasmehl und Superphosphat angewendet. Das ſchwerer lösliche Thomasmehl wird im Herbſt gegeben, ſpäteſtens im Laufe des Winters, bis in den Februar(jedoch nie auf gefrorenem Boden). Das Superphosphat dagegen, das die Phosphorſäure größtenteils in waſſerlöslicher Form enthält, wird erſt im Frühjahr, etwa drei Wochen vor Erwachen der Vegetation ausgeſtreut. Fig. 141. Hürde mit 6 Sproſſen, zum Pferchen der Schafe. Von 16⸗prozentigem Thomasmehl rechnet man per Hektar 500 kg, von Superphosphat mit ähnlichem Gehalte an waſſerlöslicher Phosphor⸗ ſäure ungefähr die Hälfte.. Auf allen leichten und trockenen Bodenarten ſowie auf Moor⸗ boden wendet man neben Phosphorſäure mit Erfolg auch Kali an. Man nimmt entweder Kaliſuperphosphat(K S) oder macht ſelbſt eine Miſchung von Thomasmehl(per Hektar etwa 400— 500 kg) und Kainit(per Hektar etwa 500— 700 kg). Auf den Gülle⸗ und Miſt⸗ wieſen iſt dagegen in der Regel nur die Anwendung von Pohsphat⸗ dünger nötig, dagegen das Kali ganz oder teilweiſe entbehrlich. Eine wichtige Regel bei dem Betriebe des Futterbaues iſt die, daß man mit dem Dünger abwechſle, damit die Pflanzen ſtets mit allen Nährſtoffen verſehen ſind. Man wechſle tunlichſt mit —— Düngung der Wieſen mit Kunſtdünger. 215 Miſt, Gülle und Superphosphat oder Thomasmehl. Und zwar iſt es beſſer, im gleichen Jahr eine halbe Düngung von Superphos⸗ phat oder Thomasmehl und eine halbe Düngung von Miſt oder Gülle zu geben, als das eine Jahr eine volle Düngung von Miſt oder Gülle und das andere Jahr eine ganze Düngung von Super⸗ phosphat oder Thomasmehl. Man wechſle alſo häufig und gebe auf einmal lieber weniger! Auf Magerwieſen, die man nicht mit Miſt oder Gülle düngen kann, iſt es in der Regel angezeigt, einen Kunſtdünger anzuwenden, der neben Phosphorſäure und Kali auch etwas(1—2%) Stick⸗ ſtoff enthält, z. B. Kaliammoniakſuperphosphat(KA). Wenn der Boden einigermaßen gut iſt, ſo iſt es erſtaunlich, wie der Ertrag durch Anwendung dieſes Düngers geſteigert werden kann. Aber nicht nur der Ertrag wird vermehrt, ſondern die Qualität des Futters wird verbeſſert, da die Kleearten infolge der Phosphorſäurezufuhr ſtark zunehmen. Weil nun aber die Klee⸗ arten ſehr reich ſind an Eiweiß, ſo erzielt man gleichſam ein Kraft⸗ futter, wodurch der Bedarf von eigentlichen Kraftfuttermitteln ein⸗ geſchränkt werden kann. Auch das knochenbildende Material, der phosphorſaure Kalk, iſt reichlicher vorhanden, was beſonders für die Jungviehhaltung ſehr wichtig iſt. Wir ermittelten bei unſern Verſuchen im Jahre 1889 und 1890 folgende Prozentſätze an Kleearten im Raſen nach voraus⸗ gegangener Superphosphatdüngung: 1 Mit Superphosphat Ort Schnitt Ungedüngt rdirun ph %% Großmatt.. I. Schnitt 24,4 37,6 II.„ 2,8 45,2 Rotberg.. 2,5 51,3 Dietikoen.. I. Schnitt 1,0 42,5 II.„— 20,5 Niederbipp.. 10,5 35,4 Bei den Verſuchen des ſchweizeriſchen landwirtſchaftlichen Vereins fand Dr. Grete in dem 1886 geernteten Dürrfutter im Mittel einen Ei⸗ weißgehalt: 216 Neunzehntes Kapitel. Die Pflege der Naturwieſen. Ungedüngt Mit Superphosphat gedüngt 11,05% 12,8%. 1 0 Fn einzelnen Fällen ſtieg der Eiweißgehalt durch die Düngung bis auf 20%. Wir erzielten bei unſeren Verſuchen bei den ungedüngten Parzellen per Ar Erträge von 21 bis höchſtens 51,5 kg, von den mit Phosphat gedüngten dagegen 24— 89 kg. Hoensbroech⸗Türnich erntete per Hektar: Ungedüngt 146,52 Ztr. Heu mit 7,91% Eiweiß, 1,91% Fett und 0,3% Phosphorſäure; Mit 1000 kg Thomasmehl und 600 kg Kainit gedüngt 266 Ztr. Heu mit 11,46% Eiweiß, 2,56% Fett und 0,59% Phosphorſäure. Infolge Verwendung von Phosphorſäuredüngernahm alſo der Prozentſatz der Kleearten zu, das Futter wurde beſſer und der Ertrag größer. Aber auch auf Wieſen, welche mit Miſt oder Gülle gedüngt wurden, nimmt bei Anwendung von Phosphatdünger der Prozent⸗ ſatz des Klees zu, am langſamſten bei den eigentlichen Ammoniak⸗ wieſen, weil die Kleepflanzen hier meiſt fehlen, oder weil die robuſten Ammoniakpflanzen das Aufkommen derſelben hindern. Durch Nach⸗ ſaat von Kleeſamen und durch direkte Bekämpfung der Unkräuter läßt ſich aber auch hier nach einigen Jahren bei Zufuhr von Phosphorſäuredünger etwas erreichen. Gleichzeitig muß man aber, wie ſchon erwähnt, jedwede Düngung mit Miſt unterlaſſen. Durch den Phosphat⸗ und Kalidünger wird auf der Wieſe zugleich auch das Moos vertrieben, wenn ſolches vorhanden iſt. Beſonders iſt dies bei Anwendung von Kaliſalzen der Fall. Da das Moos den Boden verſauert und den guten Pflanzen ſchadet, ſo iſt dies eine weitere vorteilhafte Wirkung dieſer Dünger. Wäſſerwieſen ſind beſonders dankbar für eine Phosphat⸗ düngung. Für die Düngung von Rieſelwieſen mit Kunſtdünger ſtellen J. König und E. Haſelhoff, geſtützt auf Verſuche, folgende Regeln auf: 1. Man dünge tunlichſt nur bei vorhandenem mehr oder weniger lebhaftem Pflanzenwachstum. 2. Im Falle der Düngung mit Kali empfiehlt es ſich mehr, wieder⸗ holt kleine Mengen in Zwiſchenräumen, als die ganze Menge auf einmal zu verwenden. 3. Iſt das Rieſelwaſſer arm an Salpeterſäure und ſind die Wieſen dankbar für Stickſtoff⸗Düngung, ſo kann man auch Rieſelwieſen unter Be⸗ achtung der obigen Regel mit Salpeter düngen, ohne weſentliche Verluſte an Stickſtoff befürchten zu müſſen. Das Wieſeneggen. 217 Das Wieſeneggen. Faſt auf jeder Wieſe kommen kleine, oberirdiſch kriechende Un⸗ kräuter vor, welche die beſſe⸗ ren Arten ſchä⸗ digen und ſelbſt keinen oder einen geringen Ertrag abwerfen. Hier⸗ her gehören: Das gemeine Riſpengras(Poa trivialis), die Gundelrebe(Gle- Fig. 142. Gundelrebe, Glechoma hederacea L. a Kelch; b Blüte; choma hederacea) c aufgeſchlitzte Blumenkrone mit Staubgefäßen; d in ein Kreuz (Fig. 1 42), der geſtellte Staubbeutel. kriechende Guünſel(Ajuga reptans) (Fig. 143), verſchiedene Ehrenpreisarten (Veronica), der kriechende Hahnenfuß (Banunculus repens). Dieſe bilden über dem Boden oft einen förmlichen Filz, unter wel⸗ chem der Boden verſauert. Kein Wunder, daß dann das Moos, dieſer ärgſte Feind der Naturwieſen, ſich mit Vorliebe anſiedelt. Gegen dieſes und die genannten Feinde iſt ein vorzügliches Mittel das Eggen der Wieſen mit der Wieſenegge. Dadurch wird zugleich die oberſte Schicht des Bodens etwas gelockert und dem Luftzutritt geöffnet, die guten Arten können ſich beſſer ent⸗ falten, weshalb der Ertrag größer Fig. 143. Kriechender Günſel, Ajuga, ausfällt. 3; 7„; t L. a Kelch; b Blüte; c Blumen⸗ uf ch t v de Hannf reuz eiteman nilänm Tel ne un Stauvgefaße, 8 Stempel. kalkreichem Lehmboden in zwei Jahren (1891 und 1892) folgende Dürrfuttererträge per Hektar: 218 Neunzehntes Kapitel. Die Pflege der Naturwieſen. Nicht geeggt Geeggt kg kg. Ungedüngt.......... 8 100 8 550 Mit Kainit gedüngt... 10 850 9 225 Mit Thomasmehl gedüngt.. 11 775 10 775 Mit Thomasmehl und Kainit gedüngt 13 300 11 825 Zuſammen: 44 025 40 375 Im Mittel pro Jahr 5 503 5 047 Er ſagt:„Für Wieſen, welche nicht mooſig ſind und keinen zu ſchweren Boden haben, glaube ich von dem Eggen der Wieſen, wenn die⸗ ſelben mit Thomasſchlacke und Kainit gedüngt werden ſollen, abraten zu müſſen“. Das Eggen der Wieſen iſt alſo nicht überall am Platze. Es iſt angezeigt auf Wieſen, die mit Moos oder ſtark mit genannten Unkräutern beſetzt ſind, beſonders wenn der Boden bindig, friſch und graswüchſig iſt. Auf allen trockenen Wieſen und leichten Böden, wo genannte Unkräuter nicht ſchädigend auftreten, unterlaſſe man das Eggen und beſchränke ſich, wie Hanſen ganz richtig betont, auf die Düngung. Ein Beleg hierfür liefert uns ein Verſuch von P. de Calüwe, angeſtellt im Verſuchsfeld in Gand(Belgien). Eine alte, 20 a große Wieſe, welche bisher jährlich mit 600— 700 hl Gülle per Hektar gedüngt wurde, wurde in fünf Parzellen von je 4 a abgeteilt und wie folgt behandelt: Düngung. Die Parzellen 1—4 wurden am 30. März gedüngt mit 500 kg gewöhnlichem Superphosphat, 250 kg Chlorkali und 250 kg Chiliſalpeter, per Hektar berechnet. Parzelle 5 blieb ungedüngt. Eggen. Parzelle 1 wurde einmal geeggt. 2 zweimal„ / 7 „ 3„ dreimal„ „ 4„ nicht„ „ 5„„„ und nicht gedüngt. Ertrag an Heu am 23. und 24. Juni, per Hektar berechnet: Parzelle 1 einmal geeggt und gedüngt...... 7640 kg. „ 2 zweimal„„„........ 7650„ „ 3 dreimal„„„........ 7127„ „ 4 nicht geeggt, aber gedüngt... 8382„ „ 5„„ und nicht gedüngt...... 5727„ Vergl. P. de Calüwe, Exposé des Cultures expérimentales 1896/97, Gand bei Gyselynch, S. 55.) Der Verſuch beſtätigt alſo obige Tatſache, daß ein intenſives Eggen ſchädlich ſein kann, wie die Erfahrung übrigens vielfach be⸗ wieſen hat. Bachmann erntete auf einer Moorwieſe nach dem Eggen und einer Nachſaat von Klee⸗ und Grasſamen 56 qu Heu, ungeeggt aber nur ſein Tie Das Wieſeneggen. 219 36,2 qu. Auf einer nicht vermooſten Wieſe auf Lehmboden erntete er dagegen per Hektar: Nicht geeggt Geeggt 1. Ungedüngt.......... 29,5 qu Heu 16,5 qu Heu. 2. Mit 10 qu Kainit gedüngt... 28,0„„ 21,0„„ 3.„ 8„ Thomasmehl gedüngt 26,5„„ 25,5„„ 4.„ 10„ Kainit und 8 qu Tho⸗ 20,0 7// masmehl gedüngt 5 4 a. Fig. 144. Gleichſeitiges Eggen⸗ Fig. 145. Ungleichſeitiges Fig. 146. Zähne der glied der Laacke'ſchen Wieſen⸗ Eggenglied der Laacke'ſchen Laacke'ſchen Wieſen⸗ egge. Wieſenegge. egge. a Hartguß; b ſchmiedbarer Stahlguß. Bei ſeinen neueren Verſuchen kommt Hanſen zu dem nämlichen, ſeine früheren Verſuche beſtätigenden Reſultate(vergl. Deutſche landw. Tierzucht 1903, S. 49). Fig. 147. Dornegge. Wenn auf das Eggen trockene, rauhe Witterung folgt, ſo erzielt man in den Wieſen in der Regel keine vorteilhafte, ſondern eher eine nachteilige Wirkung. Deshalb ſollte das Eggen im Früh⸗ jahr erſt vorgenommen werden, wenn das Gras zu wachſen be⸗ ginnt, alſo erſt im April. Allzu frühes Eggen ſchadet! Die älteſte Wieſenegge iſt die Kettenegge von J.& E. Howard in Bedford. In neuerer Zeit hat aber in Deutſchland die Laacke'ſche ſchmiede⸗ eiſerne Wieſenegge von Groß& Co. in Leipzig⸗Eutritzſch ſtarke Verbreitung gefunden, welche aus 11—37 Kettengliedern von obenſtehend abgebildeter Geſtalt(Fig. 144 und 145) beſteht, die nebeneinander in 3—5 Reihen an⸗ geordnet ſind. 220 Neunzehntes Kapitel. Die Pflege der Naturwieſen. 1 Das neueſte Modell, die ſogen.„Sternegge“ bietet den Vorteil, daß durch einfache Drehung um ¾¼ Kreis die im Gehäuſe des Eggen⸗ gliedes gedeckt liegenden Zähne heraus⸗ und die ſtumpfen in daſſelbe hinein⸗ treten und ſo durch eine leichte, von jedermann vorzunehmende Bewegung die Egge neu gezahnt werden kann. Mit der Wieſenegge kann man auch in einfachſter Weiſe die Maulwurfshaufen verebnen und den im Frühjahr noch unvollſtändig zerſetzten Dünger verreiben, ſo daß dann das noch unzerſetzte Stroh leicht abgerecht werden kann. Zu letzterem Zwecke kann man aller⸗ dings auch eine gewöhnliche hölzerne Egge verwenden, in welche der Länge nach zwiſchen die Zähne Dornen eingeflochten ſind oder eine eigentliche Dornegge, die Strauchſchleife, benutzen(Fig. 147). Das Verjüngen der Wieſen. Unter Umſtänden kann es angezeigt ſein, eine noch gründlichere Bearbeitung der Wieſe vorzunehmen, als es durch bloßes Wieſen⸗ Fig. 148. Neuer Wieſenpflug„Sappeur“. eggen der Fall iſt. Ein ſolches Verfahren wurde weiter oben (S. 201 f.) bereits beſchrieben. In neuerer Zeit ſind jedoch beſondere Spanngeräte konſtruiert worden. Schon vor mehr als fünfzig Jahren empfahl der Hohenheimer Wieſenbaumeiſter F. Häfener in ſeinem Buche über Wieſenbau (Reutlingen und Leipzig 1847, S. 461 f.) einen zu dieſem Zwecke konſtruierten Sechpflug mit 8 Rillmeſſern, welche in den Raſen in Abſtänden von 3—4 Zollen 5 Zoll tiefe Rillen ſchneiden. Ein ähnliches Rillverfahren iſt ſpäter auch von dem Kultur⸗ tei, gen⸗ nein. gng de ndij 8tro ler⸗ der eine cere eſen⸗ Das Verjüngen der Wieſen. 221 ingenieur Bruno Schneider und in neueſter Zeit wieder von Okonomierat Touſſaint in Baden⸗Baden in Vorſchlag gebracht worden, auf deſſen Veranlaſſung die Pflugfabrik Gebr. Eberhard in Ulm a. D. den Wieſenpflug„Sappeur“(Fig. 148) konſtruiert hat, mit welchem man auf den Feldwieſen in Abſtänden von 40 bis 50 cm im Herbſt 17 em tiefe Gräben zieht und im Frühjahr nach einer kräftigen Düngung wieder zueggt. Dazu gibt man eine Gras⸗ ſaat von 20— 25 kg per Hektar. ☛☛ Fig. 149. Auras er Wieſenegge, Modell 1902, zur Arbei geſtellt. Ein zu demſelben Zwecke dienliches Gerät iſt der Laacke'ſche Wieſenkulturpflug und der Schälriefer oder Raſenimpfer von Groß& Co. Letzterer zieht mit Schneidemeſſern auf einmal in Abſtänden von 30—40 cm zwei oder drei 3—7 em tiefe und 2— 3 em breite Riefen in den Raſen. Später brachte genannte Fabrik eine ſtellbare Egge mit Raſenmeſſern in den Handel. Das allerneueſte und vollkommenſte Gerät derſelben Firma iſt aber die Auras'er Wieſenegge(Fig. 149 u. 150), mit welcher man in Abſtänden von 7 cm auf einmal 24 Rillen in die Narbe ziehen kann. Sie beſteht aus zwei zickzackförmigen Eggen mit meſſerartigen Zinken. Durch eine gut funktionierende Reinigungsvorrichtung können die Zinken während der Arbeit gereinigt werden. Eine ähnliche Reinigungsvorrichtung beſitzt Bambergers Wieſen⸗ egge von Fr. Hollmann& Sohn in Oberndorfer Hütte bei Braunfels (Rheinprovinz). 222 Neunzehntes Kapitel. Die Pflege der Naturwieſen. Solche Geräte ſind jedoch nur ein Notbehelf für Wieſen mit lockerem, vermooſtem Boden, wo ein Umbruch nicht möglich iſt, oder wo die künſtliche Beraſung Schwierigkeiten bietet, wie z. B. bei Moorboden. Wo dagegen die Umackerung möglich iſt und die Ackerkultur einigen Ertrag verſpricht, da iſt es beſſer, man pflüge Fig. 150. Auras'er Wieſenegge, Modell 1902, Reinigungsvorrichtung in Tätigkeit. die Wieſe um, vertilge das Unkraut, lockere und durchdünge den Boden und erzeuge nachher durch künſtliche Anſaat einen regel⸗ rechten Raſen. Das Verwundungsverfahren und das Nachſäen von Grasſamen. Durch alle genannten Behandlungen mit der Wieſenegge, dem Wieſenkulturpfluge u. ſ. f. wird der Stand des Raſens gelockert. Wenn auch ein großer Teil der zerſtörten Pflanzen zu den Un⸗ kräutern und den minderwertigen Pflanzen zählten, ſo haben die⸗ ſelben doch dazu beigetragen, den Beſtand zu ſchließen. Nach der Bearbeitung weiſt der Raſen deshalb mehr oder weniger große Lücken auf und die nackte Erde iſt an vielen Orten an der Ober⸗ fläche. Die leeren Stellen werden auf graswüchſigem Boden zwar „in Ja, verz ſ Nadh Dur eſen ☛== — lig = Das Verwundungsverfahren und das Nachſäen von Grasſamen. 223 nach und nach wieder überwachſen, wobei jedoch die oberirdiſch kriechenden Gewächſe(gemeines Riſpengras, kriechendes Straußgras, kriechender Hahnenfuß, weiße Wucherblume, Gundelrebe, kriechender Günſel, Ehrenpreisarten ꝛc.) und die durch Anflug oder Selbſt⸗ beſamung ſich verbreitenden Arten(Löwenzahn, Spitzwegerich, Breit⸗ wegerich), alſo alles minderwertige oder ſchlechte Arten, den Haupt⸗ anteil ausmachen. Dieſer wilden Beraſung ſollte ſo viel als mög⸗ lich vorgebeugt werden, indem man in die beſtehenden Lücken zu geeigneter Zeit Samen guter und ertragreicher Arten ausſäet. Welches iſt die geeignetſte Zeit zur Nachſaat von Samen in verwundete Wieſen, und welche Samen ſollen nachgeſäet werden? Wir verweiſen hierüber auf das auf Seite 196 ff. Geſagte, das auch für die Naturwieſen vollſtändig paßt. Wie viel Samen ſoll man ſäen? Hierbei ſind vorerſt die Koſten ausſchlaggebend. Ein großer Aufwand iſt in der Regel nicht angezeigt, ſonſt dürfte der Umbruch und die Neuanſaat vor⸗ zuziehen ſein. Man begnügt ſich gewöhnlich mit einer Nachſaat von 1¼— ½(25— 50%) der Vollſaat. Wenn man z. B. 1= 33% der Vollſaat von Knaulgras, Fromental und Timothe zu gleichen Teilen gibt, ſo nimmt man von jedem 11%. Das ganze Verfahren beſteht alſo darin, daß der Raſen bei genügend feuchtem Wetter verwundet, dann Samen geſäet und dieſer hernach untergebracht wird, was in der Regel am zweckmäßigſten durch Anwalzen geſchieht. Die Saat kann vorher auch ſchwach eingeeggt werden(mit der Dornegge ꝛc.). Da es auf Moorboden ſchwierig iſt, auf umgebrochenem Land einen neuen Raſen zu erzeugen, ſo iſt auf alten Moorwieſen das Verwundungsverfahren in der Regel der empfehlenswerteſte Weg, den Raſen zu verbeſſern.„Es genügt hierfür“, ſchreibt C. A. Weber, „in den allermeiſten Fällen eine ſcharfe, hinreichend beſchwerte, weit⸗ zähnige Egge, mit der der Boden einigermaßen verletzt werden kann. Ja, wir können in manchen Fällen ſogar vollſtändig auf die Egge verzichten; es genügt, den Boden mit dem Grabenaushub zu über⸗ ſchütten, damit die wilde Vegetation hier und da zu überdecken und ſo ein Keimbett für die guten Pflanzen zu ſchaffen. Der große Nachteil dieſes Verfahrens aber iſt der, daß es langſam geht. Durchſchnittlich dauert es fünf, unter Umſtänden noch mehr Jahre.“ 224 Neunzehntes Kapitel. Die Pflege der Naturwieſen. Weber empfiehlt dann ſpezielle Miſchungen zur Nachſaat. Man ſollte ſich hierbei auf wenige hochwachſende, ergiebige Arten beſchränken. Die Vertilgung größerer Wieſenunkräuter. Die Wieſe beherbergt vielfach eine große Anzahl Unkräuter, welche ſich weder durch entſprechende Düngung, noch durch Be⸗ weiden, noch durch das Eggen vertilgen laſſen, ſondern nur durch Ausrottung von Hand vollſtändig zu beſeitigen ſind. Zu dieſen böſen Gäſten zählen: Die Herbſtzeitloſe, Colchicum autumnale L. Die großen Ampferarten, Rumex obtusifolius L., crispus L. etc. Der Breitwegerich, Plantago media L. Die Wieſenſkabioſe, Knautia arvensis Coult. L. Die Wieſenflockenblume, Centaurea Jacea L. Die Skabioſenflockenblume, Centaurea Scabiosa L. Das langwurzlige Ferkelkraut, Hypochaeris radicata L. Die Cypreſſen⸗Wolfsmilch, Euphorbia Cyparissias L. Der Weinbergslauch, Allium vineale L. u. a. m. Die Landwirte ſchenken im allgemeinen der Vertilgung der⸗ ſelben viel zu wenig Aufmerkſamkeit und laſſen ſie jahrelang fort⸗ wuchern, bis der Futterbeſtand vorherrſchend nur aus minderwertigen Arten beſteht. Die Erfahrung hat bewieſen, daß dort, wo dieſelben nicht in großer Menge vorkommen, ſie mit relativ wenig Mühe vertilgt oder doch eingeſchränkt werden können. Wo ſie ſich aber zu ſtark vermehrt haben, da bleibt nichts anderes übrig, als den Boden umzubrechen und früher oder ſpäter friſch mit Grasſamen zu beſäen. Wo ſie dagegen in nicht zu ſtarkem Maße auftreten, da laſſen ſie ſich ohne große Koſten leicht vertilgen. Zu dieſem Zwecke werden verſchiedene Methoden und mancherlei eigenartige Geräte angewendet, denn der Landmann iſt in ſolchen kleinen Sachen ſehr erfinderiſch. Die Vertilgungsmethode muß ſich dem Wuchſe der Pflanze anpaſſen, weshalb eine Beſprechung der wichtigſten Arten notwendig iſt. Die Herbſtzeitloſe. Zu den unliebſten Unkräutern dieſer Art gehört die Herbſtzeitloſe(Colchicum autumnale), deren Blüten ſich bekanntlich im Herbſt entfalten, wogegen die Früchte erſt im Frühjahr zum Vorſchein kommen(Fig. 151). Nachdem die Blüten im Herbſt verblüht und abgeſtorben ſind, entwickeln ſich ſchon während des Winters im Boden die Samenkapſel und die Blatt⸗ ete Die Vertilgung größerer Wieſenunkräuter. 225 anlagen. Im Frühling ſtreckt ſich der Stengel und es erſcheinen eine bis mehrere Kapſeln, umgeben von den fleiſchigen, breiten und langen Blättern. Die Kapſeln öffnen ſich gewöhnlich vor dem Heuſchnitt, zur Zeit der Grasblüte, und entleeren die Samen, die ſich durch ein klebriges Anhängſel an den Fuß von Menſch und Tier anhängen und ſo verſchleppt werden. Aus ihnen entwickeln ſich im nächſten Frühjahr neue Pflanzen, deren Knollen im Laufe der Jahre durch fortwährende Neubildung immer tiefer wandern, bis ſie die ihnen am beſten paſſende Erdſchicht gefunden haben. Wo ſie ſich einmal eingeniſtet, da bleiben ſie lange, gehören doch die Knollen⸗ gewächſe zu den ausdauerndſten Pflanzen. So iſt ihre Verbreitung ſowohl durch ihre lange Lebensdauer, als auch durch leichte Verſamung begünſtigt. Sie findet aber auch durch die Wanderung der Knolle viel leichter paſſende Bodenverhältniſſe als die meiſten übrigen Pflanzen. Wir treffen ſie daher ſowohl auf fetten, als auch auf magern Wieſen, in ſchattigen wie offenen Lagen, im Tale wie im Gebirge. Unzuträglich ſind ihr nur alle flachgründigen Böden(mit felſigem Untergrund), erazt, Perogſitie gettwamman ſowie alle bis in größere Tiefe. zwei Fruchtkapſeln. trockene, hitzige Bodenarten. Daß die Herbſtzeitloſe ein Unkraut iſt, wird nicht beſtritten. Die Giftigkeit der grünen Pflanze wird allgemein anerkannt. Aber auch die getrocknete Pflanze iſt giftig, trotz vielverbreiteter gegen⸗ teiliger Anſicht. Nicht alle Haustiere ſind für ihren Giftſtoff Stebler. 5. Auflage. 15 226 Neunzehntes Kapitel. Die Pflege der Naturwieſen. (das Colchicin) gleich empfindlich. Am ſtärkſten wirkt es auf das Schwein, das ſehr oft infolge des Genuſſes der Herbſtzeitloſe zu Grunde geht. Dann ſind auch Vergiftungen von Pferd und Rind (verbunden mit Durchfall) nicht ſelten. Am widerſtandsfähigſten ſind Schaf und Ziege. Radikal hilft nur die direkte Zerſtörung der Knolle. Man benutzt am beſten einen ſchmalen Spaten(Stechſchaufel). Mit dieſem wird an der Stelle, wo ſich die Knolle befindet, der Raſen tief um⸗ gelegt, die Knolle herausgenommen und die Erdſcholle hernach wieder umgelegt. In neuerer Zeit iſt ein Inſtrument, beſtehend aus einer eiſernen Stachelſpitze mit einer beweglichen Klaue, konſtruiert worden, das ſich ſehr gut zur Vertilgung der Herbſtzeitloſe und ähnlicher Gewächſe eignen ſoll. Auf waſſerzügigem Boden iſt die Drainage oft ſehr wirk⸗ ſam. Auch durch das Beweiden im Frühjahr wird das Unkraut bald verdrängt, denn durch den Huf der Tiere wird es ſtark geſchädigt. Die großen Ampferarten. Meiſt iſt es der ſtumpf⸗ blättrige Ampfer(Rumex obtusifolius), der beſonders auf gut ge⸗ düngten Wieſen mit tiefgründigem, gutem Boden auftritt und den Ertrag herabmindert. Seltener iſt es der krausblättrige(Rumex crispus). Beide haben lange, rübenartige Wurzeln, die ein ſtarkes Ausſchlagsvermögen beſitzen. Will man die Pflanzen vertilgen, ſo müſſen die Wurzeln ausgerottet werden. Man bedient ſich hierbei meiſt des Spatens, ſeltener verwendet man dazu eigene Inſtrumente. Ein derartiges Gerät iſt der Blackenſpaten. Fig. 152 ſtellt einen verbeſſerten Blackenſpaten dar, wie er in der Nähe von Zürich im Gebrauch iſt. Derſelbe beſteht aus dem eigentlichen Spaten, dem Tritt, der Hebelſtütze und dem Stiel. Der Spaten iſt zweizinkig, die beiden Zinken ſtehen unten etwa 3—5 cm aus⸗ einander. Dieſer Zwiſchenraum verjüngt ſich nach oben etwa 1 cm. Bei der Handhabung ſchiebt man mittelſt eines Fußtrittes das In⸗ ſtrument in den Boden, ſo daß die Blackenwurzel zwiſchen die beiden Zinken kommt, drückt den Stiel auf den Boden und hebt die Wurzel auf der Stütze ſo aus der Erde. Ein Mann kann per Tag mit dem Inſtrument viele Hundert Wurzeln aus dem Boden ziehen. Zu dem gleichen Zwecke dient der Blackenkarſt. Es iſt dies ein zweizinkiger Karſt(Fig. 153) mit zwei ebenfalls eng aneinander Die Vertilgung größerer Wieſenunkräuter. 227 ſtehenden Zinken, der ſo in den Boden eingeſchlagen wird, daß die Wurzel mit den Zinken gefangen wird; dann drückt man den Karſt rückwärts und hebt auf dieſe Weiſe die Wurzel aus der Erde. Natürlich erfordert es einen ſichern— Streich, damit die Wurzel von den Zinken erfaßt wird. Sicherer arbeitet man deshalb wohl mit dem Blackenſpaten. Der Breitwegerich. Ebenſo gefürchtet iſt vielerorts der Breitwegerich, Plantago media(Fig. 154), auch„Balle⸗ tätſch“,„Heudieb“,„Säuohre“, „Balleblacke“ genannt. Auf der Wieſe macht er ſich breit wie eine Gluckhenne. Früh im Frühling, Ende März und Anfang April ſchon, entwickelt die letztjährige Pfahlwurzel eine oder mehrere Blattroſetten, die bald die bogig aufſteigenden Ährenſtiele hervor⸗ ſenden. Die Blüten erſchließen ſich lange vor denjenigen der Gräſer, und ſo hat der Wegerich Zeit, bis zum Heuſchnitte eine Menge reifer Samen zu entwickeln und dieſe nach allen Richtungen auszuſtreuen. Wo ſich eine Lücke im Raſen findet, da kommen junge 2 1 Wegerichpflanzen auf, oft in Fig. ran Plaätlen⸗ Fig. 153. Blackenkarſt. ganzen Neſtern, und vermindern den Heuertrag bedeutend. Denn das Weidevieh läßt die Pflanze un⸗ berührt; die Senſe faßt nur die holzigen Stengel, die gar keinen Futterwert haben. So bleibt der ganze Platz, den die breite Blattroſette einnimmt, durchaus ertraglos. Eine einzige kräftige Pflanze beanſprucht einen Raum von einem Quadratdezimeter; ſind nun deren Tauſende und Zehntauſende 15* N S TW 3 A 228 Neunzehntes Kapitel. Die Pflege der Naturwieſen. vorhanden, ſo macht der Bodenverluſt auf einen Hektar ſchon eine bedeutende Fläche. Wo dieſes Unkraut zahlreich vorkommt, ſind deshalb die Futtererträge gering. Es iſt daher die Aufgabe des Landwirtes, gegen Überhand⸗ nahme dieſes Unkrautes einzu⸗ ſchreiten, und dazu bieten ſich ihm verſchiedene Wege dar.— Iſt die Wieſe ſtark mit Wegerich — — beſetzt und ſonſt auch verunkrautet, ſo iſt, wenn es die Lage erlaubt, — — — Umbruch und Neuanſaat mit Klee⸗ und Grasſamen am Platze. Fig. 154. Breitwegerich(Plantago media). Blattroſette mit zwei Blütenſtengeln. Das iſt das Radikalmittel und namentlich auch zu empfehlen für 6 lückige Kleefelder. b Die Vertilgung größerer Wieſenunkräuter. 229 le Wenn die Verunkrautung nicht ſo ſtark vorgeſchritten iſt, oder 8 die Verhältniſſe den Umbruch nicht erlauben, dann iſt der Wegerich d 9. de ⸗ 1⸗ 4 d Fig. 155. Inſtrument zur Ausrottung des Breitwegerichs. 3 einzeln auszujäten. Dazu eignet ſich am beſten ein Inſtrument, beſtehend aus einem zweizinkigen Haken, befeſtigt an einem Schaufel⸗ Fig. 156. Inſtrument zur Ausrottung des Breitwegerichs und ähnlicher Pflanzen. ſtiel(Fig. 155). Die Zinken treten gegen die Spitzen allmählich auseinander, ſind aber gegen den Stiel eng nebeneinander. Fig. 157. Geißfuß. b Wird dieſer Haken horizontal über den Boden gezogen, dann it fängt ſich die Wurzel des Wegerichs zwiſchen den Zinken, keilt ſich darin feſt, ſo daß die ganze Pflanze ſo tief ausgeriſſen wird, daß 230 Neunzehntes Kapitel. Die Pflege der Naturwieſen. ſie keine neuen Blattroſetten mehr bilden kann. Die Vertilgung geſchieht ſo müheloſer und ſchneller als durch Ausſtechen. In der Oſtſchweiz verwendet man mit Vorteil ein 3⸗ bis Fig. 158. Weinbergslauch, Allium vineale L. 5zinkiges Gerät gleicher Art(Fig. 156). Ein für den gleichen Zweck be⸗ ſtimmtes Inſtrument iſt der„Geißfuß“ (Fig. 157), eine Gabel mit zwei nahe bei⸗ ſammen ſtehenden Zinken. Dasſelbe wird ſo angeſetzt, daß der Hals der Roſette zwiſchen die zwei Zinken kommt, dann drückt man den Stiel gegen die Erde. Da dieſer am untern Ende eine Stütze hat, ſo werden die Zähne in die Höhe gedrückt und mit ihr die erfaßte Pflanze aus dem Boden gehoben.— Der Geißfuß wird zur Vertilgung aller Art Pflanzen mit roſettenartigen Wurzelblättern benutzt. Die zwei Zinken werden, je nach der Beſchaffenheit des Wurzelſtockes, mehr oder weniger lang gemacht, mehr oder weniger gekrümmt, mehr oder weniger weit voneinander entfernt; auch der Stiel wird nach Bedarf verlängert und der Unterſatz vergrößert. Der Weinbergslauch. Eine Wieſenpflanze, welche im frühen Frühling in Baumgärten und Hofſtatten im Raſen oft in großer Menge auftritt, iſt der Wein⸗ bergslauch(Allium vineale) oder wilder Schnittlauch genannt(Fig. 158). Mit dem Gras den Kühen verabreicht, gibt er der Milch einen Knoblauchgeruch, gleich wie der Schnittlauch der Alpen und der Bärenlauch. Auch dem Fleiſch der Tiere ſelber wird ein unangenehmer Geſchmack ver⸗ liehen. Der Weinbergslauch, der in den Wieſen ſelten blüht, ſondern nur dichte Büſche bildet, hat in der Erde zahlreiche Zwiebeln, wes⸗ ———--d-d—ſd— ——+—=e=ͤ=R2ͤneͤ eV e———, ——— 2— Die tieriſchen Feinde der Wieſenkultur. 231 halb eine Vertilgung ſehr ſchwierig iſt. Da er kalkarmen Boden liebt, ſo kann ihm etwas entgegengearbeitet werden durch Kalken. Radikal hilft nur das Ausſtechen mit ſamt der Zwiebel, wie bei der Herbſtzeitloſe. In der Umgebung des weißen Hauſes in Waſhington hat man ihn gründlich vertilgt dadurch, daß man zu jedem Buſch eine kleine Doſis(ungefähr 1 cem) rohe Karbolſäure mittelſt eines Maſchinenölers auf die Erde brachte. Die andern genannten Arten werden in ähnlicher Weiſe vertilgt. Die Zahl der Unkräuter iſt Legion und ihr Schaden und die Be⸗ kämpfung ſehr verſchieden. Es würde aber den Rahmen dieſer Schrift über⸗ ſchreiten, wenn dieſelben hier einzeln behandelt würden. Wir verweiſen auf unſere Arbeiten„Die wichtigſten Unkräuter der Futterwieſen und ihre Bekämpfung“(im Landw. Jahrbuch der Schweiz 1891) und„Die Unkräuter der Alpweiden und Alpmatten und ihre Bekämpfung“(ebenda Jahrgang 1899), mit je 20 Farbendrucktafeln und zahlreichen Textbildern. Die tieriſchen Feinde der Wieſenkultur. Auch aus dem Tierreiche hat die Wieſe von zahlreichen Feinden zu leiden, wovon einer der ſchädlichſten die Larve des Mai⸗ käfers, der Enger⸗ ling, iſt(Fig. 159). Das Weibchen des Maikäfers legt nach dem Fluge(im Mai, deshalb Maikäfer) F. 20— 30 Eier in die Erde, aus welchen 4—6 Wochen ſpäter Larven auskriechen, die bis zum 3. oder Fig. 159. Maikäfer. A Männchen; B Hinterleib desſelben; 4. Jahre in der Erde C Engerling; D Weibchen; E Hinterleib desſelben. leben, hier allmählich größer werden und ſchließlich durch Abfreſſen der Wurzeln großen Schaden anrichten können. Die Maſchinenfabrik U. Ammann in Langenthal hat einen Wieſenkultivator konſtruiert, der ſich zur Engerlingsvertilgung vorzüglich eignet. Er beſteht aus einer ſchweren Walze, hinter welcher 30. Scheibenmeſſer den Raſen zerſchneiden. Die Berichte beſtätigen übereinſtimmend, daß bei Anwendung dieſes Apparates über die Hälfte Engerlinge unter dem Raſen getötet werden. Übrigens ſollten die Maikäfer 232 Neunzehntes Kapitel. Die Pflege der Naturwieſen. während der Flugzeit des morgens von den Bäumen geſchüttelt und geſammelt werden. Die Regierungen ſollten von Geſetzes wegen das Sammeln vorſchreiben. Die Wühlmäuſe und Maulwürfe werden am beſten mittels Fallen weggefangen. Letzterer lebt zwar von dem Un⸗ geziefer im Boden, ſo daß dem Schaden, den er durch Aufwerfen von Haufen verurſacht, auch ein Nutzen gegenüber ſteht. Die kleinen Feldmäuſe vertilgt man durch Schwefelkohlenſtoff, Saccharin, Strychninhafer oder durch Anwendung des Mäuſebazillus. Übrigens hat ſich das Beweiden als ein treffliches Gegenmittel erwieſen.— Die auf der Wieſe vorkommenden Ameiſenhaufen werden im Herbſt umgehackt, über Winter obenauf liegen gelaſſen, wobei die Ameiſen zu Grunde gehen; im Frühjahr werden die Schollen wieder in die Löcher gefüllt. Der Umbruch der Naturwieſen. Viele Unkräuter können nur vollſtändig vertilgt werden, indem die Wieſe umgebrochen und einige Jahre unter dem Pflug behalten wird. Das iſt das radikalſte und ſicherſte Mittel! Mancher Landwirt ſchreckt zwar vor einem Umbruch zurück, und überall iſt dieſer auch nicht zu empfehlen. Sehr häufig iſt es aber nur ein Vorurteil, welches dagegen ſpricht; man ſagt, es ſei Sünde, eine Naturwieſe umzubrechen, denn es dauere faſt zwanzig Jahre, bevor man wieder eine rechte Wieſe habe. Ein altes Sprich⸗ wort lautet:„Eine Wieſe anzulegen und ein Kind zu erziehen, dauert gleich lange“. Das mag früher, als man noch auf die natürliche Beraſung angewieſen war, richtig geweſen ſein. Heute, da man Samen guter und dauerhafter Gräſer im Handel leicht kaufen kann, iſt es nicht mehr gerechtfertigt. Heute iſt man bei ſach⸗ gemäßer Auswahl der Gräſer und bei rationeller Wieſenanlage im⸗ ſtande, eine dauernde Wieſe zu erzielen, welche die frühere Naturwieſe ſchon nach einem Jahre im Ertrag übertrifft. Tatſache iſt, daß die alten, verunkrauteten und deshalb wenig ergiebigen Wieſen je länger je mehr umgebrochen und ſpäter neu beſamt werden. Selbſtverſtänd⸗ lich wird man eine Naturwieſe nicht umbrechen, ſolange die guten Futterpflanzen überwiegen und ſolange dieſelbe mit andern ein⸗ fachern Mitteln verbeſſert werden kann. Wenn aber einmal das —- Der Umbruch der Naturwieſen.— Die Ent⸗ und Bewäſſerung. 233 Unkraut die Oberhand hat, und wenn kein anderes Mittel mehr hilft, ſo breche man den Raſen ohne Zaudern um und beſäe ſpäter das gereinigte Land wieder mit paſſenden Grasſamen. Insbeſondere trocken gelegene Wieſen mit ſchlechtem Raſen und gutem Boden ſind für einen Umbruch ſehr dankbar. Die Ent⸗ und Bewäſſerung. Eine Urſache des geringen Ertrages iſt nicht ſelten die über⸗ große Menge an Feuchtigkeit im Boden oder aber der Mangel an Feuchtigkeit. Beides iſt gleich nachteilig. Iſt ein Boden zu feucht oder gar naß, ſo ſtellen ſich auf der Wieſe ſaure Gräſer (Seggen, Binſen, Simſen und andere Sumpfpflanzen) ein, die in der Regel geringen Ertrag und ſtets ſchlechtes Futter geben. Alles Düngen hilft hier nichts. Am wirkſamſten ſind noch Materialien, welche Kalk enthalten, wie Mergel, Straßenabraum, Kalkſchutt, Kalkſtaub, Kalkkies u. dgl. Der Kalk bindet hier die Humusſäure des Bodens, wodurch die guten Pflanzen begünſtigt werden. Dauernd und gründlich allein hilft aber nur die Entwäſſerung. Umgekehrt kann durch künſtliche Bewäſſerung bei trockenen Wieſen der Ertrag oft bedeutend geſteigert werden. Es liegt nicht in der Aufgabe dieſer Schrift, hierüber ein⸗ gehender zu berichten. Wir verweiſen auf die Spezialwerke(z. B F. Zajicek, Der Landwirt als Kulturingenieur, Thaerbibliothek.— Kopps Anleitung zur Drainage). Jaattabellen. Saatguantum pro Hektar bei Einzelſaat in Kilogramm. V V Samenqualität S Mit Mit V Mit Mit S 25 in0 h 75% 100% f ˖. Nr. Samenart 2 5 S, 3 5 8 △ 8 65 3 5 Zuſchlag 8. 2 9% C 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7 8 9. 10. 1[Rottlee....... 23 28,8 34,5 40,3 46,0] 98 90 88 2 Weißflee...... 14 17,5 21,0 24,5 28,0 96 80 77 3 Baſtardklee..... 14 17,5 21,0 24,5 28,0 97 80 78 4 Luzerne...... 31 38,8 46,5 54,3 62,0 98 90 88 5 Hopfenklee..... 23 28,8 34,5 40,3 46,0 97 80 78 234 Saattabellen. Samenqualität Mit Mit Mit Mit 2 [25% 50% 75% 100%% fh Nr. Samenart 5 V ½ FE 5/3 5 2 5 Zuſchlag 2 oſa 3%%% 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 6 Eſparſett.. 194 242,5 291,0 339,5 388,0 98 80 78 7 Wundklee... 23 28,8 34,5 40,3 46,0 90 85 77 8 Gemeiner Schotenklee 23] 28,8 34,5 40,3 46,0 90 60 54 9 Sumpfſchotenklee. 14] 17,5 21,0 24,5 28,0 90 70 63 10 Fadenklee.. 20]° 25,0 30,0 35,0 40,0 90 70 63 11 Großer Goldklee 20] 25,0 30,0 35,0 40,0 90 70 63 12 Engliſches Raigras· 50] 62,5 75,0 87,5 100,0 96 80 76 13 Italieniſches Raigras· 48 60,0 72,0 84,0 96,0 95 80 76 14 Fromental.. 60 75,0 90,0 105,0 120,0 70 70 49 15 Goldhafer...... 20 25,0 30,0 35,0 40,0 70 50 35 16 Wieſenſchwingel—. 47 58,8 70,5 82,3 94,0 90 85 77 17 Rohrſchwingel.. 47 58,8 70,5 82,3 94,0 90 85 77 18 Roter Schwingel. 36 45,0 54,0 63,0 72,0 80 60 48 19 Schafſchwingel... 33 41,3 49,5 57,8 66,0 85 70 60 20 Verſchiedenbl. Schwingel 39 48,8 58,5 68,3 78,0 80 50 40 21 Knaulgras..... 40 50,0 60,0 70,0 80,0 76 75 57 22 Timothe.. 19 23,8 28,5 33,3 38,0 98 90 88 23 Wolliges Honiggras 23 28,8 34,5 40,3 46,0 70 50 35 24 Wieſenfuchsſchwanz.. 25] 31,3 37,5 43,8 50,0 80 70 56 25 Kammgras... 28 35,0 42,0 49,0 56,0 93 75 70 26 Wieſenriſpengras. 23 28,8 34,5 40,3 46,0 85 50 43 27 Gemeines Riſpengras· 23] 28,8 34,5 40,3 46,0 85 70 60 28 Hainriſpengras. 34] 42,5 51,0 59,5 68,0 80 70 56 29 Platthalm⸗Riſpengras 30 37,5 45,0 52,5 60,0 90 80 72 30 Fruchtbares Riſpengras 20 25,0 30,0 35,0 40,0] 80 70 56 31 Fioringras.. 17 21,3 25,5 29,8 34,0 85 85 72 32 Geruchgras.. 33 41,3 49,5 57,8 66,0 90 40 36 33 Rohrglanzgras. 25 31,3 37,5 43,8 50,0 90 70 63 34 Aufrechte Treſpe 61] 76,3 91,5 106,8 122,0 80 60 48 35 Wehrloſe Treſpe. 55 68,8 82,5 96,3 110,0 80 85 68 36 Gefiederte Zwenke 70 87,5 105,0 122,5 140,0 70 40 28 37 Flutendes Süßgras. 50 62,5 75,0 87,5 100,0/ 95 80 76 38 Rieſenſüßgras 50 62,5 75,0 87,5 100,0 50 50 25 39 Mittleres Zittergras 30 37,5 45,0 52,5 60,0/ 80 30 24 40 Raſenſchmiele 40 50,0 60,0 70,0 80,0 80 50 40 41 Streuriedgras.... 60] 75,0 90,0 105,0 120,0/ 80 40 32 42 Gemeine Schafgarbe· 12] 15,0 18,0 21,0 24,0 90 65 59 43 Wieſenflockenblume. 10 12,5 15,0 17,5 20,0 90 50 45 44 Becherblume.. 42 52,5 63,0 73,5 84,0 70 90 63 45 Kümmel... 23] 28,8 34,5 40,3 46,0 98 70 69 * —,———————— Co dNo dondoNNRNSNS So SSGSͤS Saattabellen. 235 Saatquantum per 25 Ar(preußiſcher, heſſiſcher, Oldenburger Morgen.) 8 5 In Kilogramm In Kiloprozent 53 Nr. Samenart S8SSes eg=e=e=g 8S=SSESSSSE=SS S S8= R b- G. 8A =S=nS—2 0%o E E e e e 1. 2. 3. 4. 3. 5 7. 8. 9. 1 Rotklee.. 88 7,3 8,7 10,2 633 759 886 2 Weißklee.. 77 4,4 5,2 6,1 336 404 471 3 Baſtardkleey.. 78 4,4 5,2 6,1 341 410 478 4 Luzerne.. 88 9,8 11,7 13,7] 853 1023 1194 5 Hopfenklee.... 78 7,3 8,7 10,2 560 673 785 6 Eſparſette... 78 60,6 72,7 84,8 5335 6402 7469 7 Wundkle.. 77 7,3 S8,7 10,2 533 640 746 8 Gemeiner Schotenklee· 54 7,3 8,7 10,2 388 466 543 9 Sumpfſchotenklee 63 4,4 5,2 6,1 276 332 387 10 Engliſch Raigras 76 15,6 18,7 21,8 1203 1441 1681 11 Italieniſch Raigras 76 15,0 18,0 21,0 1140 1368 1596 12 Fromental.. 49 19,0 22,9 26,9 919 1104 1288 13 Goldhafer.. 35 6,3 7,5 S,s 219 262 306 14 Wieſenſchwingel. 77 14,7 17,7 20,6 1131 1358 1584 15 Roter Schwingel... 48 11,3 13,5 15,8 540 648 756 16 Schafſchwingel.... 60 10,4 12,4 14,5 619 742 866 17 Knaulgras.... 57 12,5 15,0 17,5 712 855 997 18 Timothe... 88 6,0 7,1 8,3 523 627 732 19 Wolliges Honiggras 35 7,3 S,7 10,2 252 302 353 20 Wieſenfuchsſchwanz 56 7,9 9,4 11,0 438 525 613 21 Kammgras... 70 8,8 10,5 12,3 613 735 858 22 Wieſenriſpengras. 43 7,3 S,7 10,2 309 370 432 23 Gemeines Riſpengras· 60 7,3 8,7 10,2 431 516 602 24 Fioringras.. 72 5,3 6,4 7,5 383 459 536 25 Geruchgras.. 36 10,3 12,4 14,4 383 459 536 26 Rohrglanzgras. 63 7,9 9,4 11,0 493 591 690 27 Aufrechte Treſpe. 48 19,0 22,8 26,6 915 1098 1281 28 Wehrloſe Treſpe... 68 17,5 20,9 24,4 1169 1402 1636 29 Flutendes Süßgras 76 15,6 18,7 21,8 1188 1425 1663 30] Rieſenſüßgras. 25 15,6 18,7 21,8 391 470 548 31 Raſenſchmiele. 40 12,5 15,0 17,5 500 600 700 32 Gemeine Schafgarbe· 59 3,8 4,5 5,3 221 266 310 33 Becherblume.. 63 13,1 15,6 18,2 827 993 1158 34 Kümmel.. 69 7,3 8,7 10,2 496 595 694 Saattabellen. Saatquantum per 36 Ar(badiſcher Morgen, Schweizer Juchart, bairiſches Tagwerk[34 Ar)]). In Kilogramm In Kiloprozent swert Samenart B ₰ —2 8 S 2 — 8S — 8 B — hlag uſchlag Zuſchlag ſch Zuſchlag jt 25 0/ mit 25% 8 mit 50% e o, mit 75% Sumpfſ chotenklee 3 Engliſch Raigras X½ 4. 5 Buſchlag Alphabetiſches Sachregiſter. Ablöpfen der Stengel Abewelden derWieſen 209. Abzäunungen 211. Ackergoldklee 150. Ackerſchnecke 178. Ackerſpörgel 48. Ackerſtiefmütterchen 6, 7. Ackertreſpe 52. Aleppohirſe 158. Alpenlieſchgras 118. Alpenriſpengras 118. Ameiſenhaufen 232. Ammoniakpflanzen 207. Ampfer, kleiner 28. — krausblättriger 226. — Sauer⸗ 9, 10, 28. — ſtumpfblättriger 28, 226. Atzmahd 210. Auras'er Wieſenegge 221. Ausdauernde Gräſer 98. Ausläufertreibende Gräſer 126. Ausſaat, Zeit der 177. Auswahl der Pflanzen 123. Bambergers Wieſenegge 221. Bärenklau 29. Baſtardklee 86, 103, 148. Becherblume 156. Bedeutung des Futter⸗ baues 1. Beraſung, natürliche 5. Beſenried 147. Bewäſſerung 233. Bitterkraut, habichtkraut⸗ artiges 20. Blackenkarſt 226. Blackenſpaten 226. Blackenwurzeln 171. Bodenbearbeitung 169. Bodenimpfung 66. Böſchungen 122. Brachfrucht 168. Braunelle 28. Breitwegerich 28, 227. Buchweizen 49. Bullenklee 57. Cambridgewalze 183. Comfrey, kaukaſiſche 158. Cowgras 57. Dauerweiden 109. Dauerwieſe 73, 102. Dornegge 219. Drahtſchmiele 132. Dreeſchwirtſchaft 6. Dünenſand 123. Düngung 168. — Kopf⸗ 200. — unterirdiſche 201. Dürrfuttererträge 68. Egarten 10, 11, 91. Egartenwirtſchaft 6. Einkorn 175. Eiſenbahnen 3. Engliſch Raigras 90, 97, 102, 165. Entwäſſerung 233. Erbswicken 42. Erſatzberechnung 163. Erſatzfutterpflanzen 36. Erzkörnerwirtſchaft 96. Eſparſette 19, 61, 89, 103, 150. Fadenklee 150. Feldgraswirtſchaft 6, 91. Feldmäuſe 232. Fioringras 140. Flachs 177. Flotſchen 203. Flotſchtrog 204. Fromental 39, 102, 127. Fruchtbares Riſpengras 140. Fruchtfolgen 94. Iruchtmechjei⸗ Norfolker ugeſcwans geknieter Futtererbſe 41. Futtergräſer 125. Futterpflanzen, ein⸗ jährige 34. Futterroggen 44. Futterwicke 38. Garantie 161. Gartenraſen 119. — Saattabellen für 121. Gebrauchswert 79. Geißfuß(Inſtrument) 229. —(Pflanze) 8, 9, 11. Gemeines Riſpengras 140. Gemenge von Kleearten 91 Genoſſenſchaftl. Samen⸗ einkauf 164. Gerſte 176. Geruchgras 144. Getreidearten 167. Getreidebau 1. Getreidekultur 4. Getreide, reifendes 174. Getreidezölle 4. Glattwalze, dreiteilige 194. Goldhafer 12, 13, 89, 103, 131. Gräſer 21. — ausdauernde 98. — ausläufertreibende 126. — horſtbildende 126. Grasmiſchungen 63. Grasſamenhandel 165. Gründüngungspflanzen 52. Grünfuttergewächſe 36. Grüngetreide 172. Grünhafer 172. Grünmais 42. Grünroggen 172. Gülle 200, 203. Güllenausläufe 205. 238 Güllen⸗Auslaufhahn 205 5. Güllenbehälter 205, 206. Güllen⸗Schieberverſchluß 205. Güllen⸗Transportwagen 206. Gundelrebe 217. Günſel, kriechender 28, 217. Hackfrüchte 167. Hafer 176. — weichhaariger 18, 129. Hahnenfuß, 9, 10,. 11. — ſcharfer 27. Hainriſpengras 140. Handſaat 179. Havelmilitz 146. Herbſtfutterpflanzen 35. Herbſtzeitloſe 224. Heublumen 23. Heublumenſaat 23. Hochmoor 114. Hochmoorboden 115. Hohlhacke 201, 202. Hohlſpaten 201, 202. Holzaſche 195. Honiggras, weiches 7. — wolliges 25, 30, 31, 142. Honigklee, gelber 154. — weißer 154. Hopfenklee 103, 151. Horſtbildendes Gras 126. Hundskamille 6, 7, 8. Hürde 214. kriechender Jauche 205. Inkarnatklee 40, 45. Johannisroggen 45. Italieniſches Raigras 2, 85, 86, 97, 102, 177. Kälberkropf 209. Kammgras 138. Kartoffel 167. Keimfähigkeit 79. Keimpflanzen 197. Kettenegge 219. Alphabetiſches Sachregiſter. Kiloprozente 78, 80. Klappertopf 209. Klappertopfarten 29. Kleearten 97, 215. — dauernde 67. — wildwachſende 12. Klee, blaſſer 118. — blauer 58. Kleegras 72. Kleenrasmiſchungen 71, 4 Kleekultur 53. Kleemüdigkeit 57. Kleeſäemaſchinen 181. Kleeſeide 56, 161. — nordamerikaniſche 60. — traubige 60. Kleeteufel 56. Knaulgras 88, 89, 103, 126. Knöllchen⸗Bakterie 65. Knötericharten 28. Koeleria, kammförmige 147. Kohlarten 167. Kohldiſtel 28. Kompoſt 198, 208. Kontrolle einer Samen⸗ kontrollſtation 161. Kopfdüngung 200. Koppelwirtſchaft 91. Kräuter 155. Kümmel 155. Kunſtdünger 212. Kunſtfutterbau 199. Kunſtwieſen in hohen Lagen 118. Latitüde 163. Lebensdauer der Futter⸗ gräſer 125. Lein 177. Löwenzahn 13, 17, 19, 0 20. Lupine, blaue 52. — gelbe 51. — weiße 52. Luzerne 17, 58, 88, 103, 151. Mähewieſe 104. Maikäfer 231. Mais 167. Mattenklee 57, 103. Maulwürfe 232. Mälchkraut, Herbſt⸗ 13, — rauhes 13. Miſchungen für Dauer⸗ wieſen 71. — gemachte 159. — für Wechſelwieſen 71. Miſt 200. — ſtrohiger 195. Miſtpflanzen 207. Mohar 44. Möhre, wilde 19, 28. Möhren 167. Moorboden 110, 223. Moos 216. Muttern 118. Nachfrüchte 35. Nachſaat von Grasſamen 194, 196, 222. Nachwuchs 126. Naturfutterbau 199. Naturklee 57. Natürliche Beraſung 5. Naturwieſen, Umbruch der 232. Niederungsmoor 113. Nitragin 66. Obergräſer 126. Olrettig 48. Pariſerplatz⸗Miſchung 120 Peluſchke 42. Pferdezahnmais 42. Pflege der Kunſtwieſen 194 —— Naturwieſen 199. Pflöckweide 212. Pimpernelle 61,156,161. Platterbſe 39. Platthalmriſpengras 140. Plätze, viel begangene 123. Probenzieher 162. Quecke 7, 8, 10, 11 ent Alphabetiſches Sachregiſter. Raigras, engliſch 90, 97, 102, 134, 165. — franzöſiſch 89, 102, 127, 130. — italieniſch 2, 97, 102, 130, 177. Raſenimpfer 221. Raſenſchmiele 147. Raſenſtraußgras 142. Reifendes Getreide 174. Rieſenſchwingel 137. Rieſenſpörgel 48. Rillverfahren 220. Riſpengras, einjähriges 171. — fruchtbares 140. — gemeines 8, 11, 15, 16, 17, 18, 140. — Hain⸗ 140. — Platthalm⸗ 140. — ſpätes 140. Roggen 39, 45, 176. Rohrglanzgras 114,146, 193. Rohrſchwingel 134. Rotklee 12, 15, 53 85, 86, 147. Rotſchwingel 9, 11, 18, 135. Ruchgras, Puelſches 145. Rutſchflächen 122. Kaat 179. — kreuzweiſe 181. Saaterbſe 41. Saatmengen 37,76, 233. Saatquantum in Kilo⸗ prozenten 80. Saattabelle für Garten⸗ raſen 121. Saattabellen 37, 76, 233. Sachalinknöterich 158. Säemaſchinen 182. Samenhandel, genoſſen⸗ ſchaftl. 164. Sandluzerne 153. Sandwicke 40. Sauerampfer 9, 10, 28. Schafgarbe 9, 156. Schafſchwingel 136. Schälriefer 221. Schlagwirtſchaft 91. Schmetterlingsblütler 147. Schotenklee, 89, 152. — ſchmalblättr. 152. Schubkarrenſüemaſchine 181. Schwaden, 146. — flutender 146. — Waſſer⸗ 146. Schwingel, Rieſen⸗ 136. — Rohr⸗ 134. — RNot⸗ 9, 11, 18, 135. — Schaf⸗ 136. — verſchiedenbl. 137. — Wieſen⸗ 103, 114, 133. Selbſtbeſamung 198. Senf, weißer 46. Serradella 50. Sichelluzerne 153. Sommergerſte 176. Sommergetreidearten 175. Sommergewächſe 7, 35. Sommerroggen 39, 45, 176. Sommerſpelz 176. Sommerweizen 175. Sommerwicke 38. Spätes Riſpengras 140. Spelz 173, 175. Spitzwegerich 26, 30, 32. Spörgel, Acker⸗ 48. — Rieſen⸗ 48. Stachelginſter 158. Stangenzäune, transpor⸗ table 211, 212. Sternegge 220. Stickſtoffſammler 66. Stickſtoffzehrer 66. Stoppelfrüchte 35. Straußgras, gemeines 9, 10, 142. — kriechendes 17,18, 171. Sumpfſchotenklee 152. gemeiner abſtehender Tabak 167. Taumantel, gemeiner 8, 9, 118. Tiefpflügen 170. Tieriſche Feinde 231. Timothe 85, 86, 103, 114, 129, 193. Treſpe, Acker⸗ 52, 144. — aufrechte 143. — verwechſelte 144. — wehrloſe 144. — weiche 144. — Wieſen⸗ 144. iberfrucht 172. Umbruch der Naturwieſen 232. Univerſalſäemaſchinen 182. Unkräuter, kriechende 217. Unkrautſamen 26. Unterbringung 182. Untergräſer 98, 126. Unterirdiſche 201. Vanillengras 118. Verjüngen der Wieſen 220. Verſchiedenbl. Schwingel 137. Vertilgung größerer Wieſenunkräuter 224. Verwundungsverfahren 115, 222. Viehhaltung 2 Vielbegangene 123. Düngung Plätze Vogelwicke 154. Waldhirſe 147. Waldplatterbſe 157. Walze 194. Walzen 183, 194. Waſſerſchwaden 146. Waſſerſüßgras 146. Wäſſerwieſen 115, 217. Wechſelweide 98. Wechſelwieſe 72. neſßierwieſeniriſchaft Wegerich, Breit⸗ 28, 227. — großer 28. — Spitz⸗ 28. Weide 104. Weidenutzung 89, 98. 240 Weinbergslauch 230. Weißklee 12, 20, 89, 90, 149. Weizen 173. Wickenarten 39. Wickhafer 39. Wieſenegge 217. — Auras'er 221. — Bambergers 221. Wieſenflockenblume 157. Wieſentuchsſihwanz 103, 137 Wieſenkerbel 29. Wieſenlieſchgras 129. Wieſenpflug 220. Alphabetiſches Sachregiſter. Wieſenplatterbſe 155. Wieſenriſpengras 8, 114, 138 Wieſenſchwingel 103, 114, 133. Wieſenunkräuter 224. Wieſenunterſuchungen 193. Wintergetreide 174. Wintergerſte 175. Wintergewächſe 7, 35. Winterroggen 175. Winterweizen 174. Winterwicke 39. Wucherblume, weiße 8, 27, 171. Wuchsform 125. Wühlmäuſe 232. Wundklee 103, 152. Wurzelgewächſe 36. Wurzelknöllchen 65. Wurzelunkräuter 171. Zaunwicke 154. Zeit der Ausſaat 177. Zottelwicke 40, 46. Zuckermohrhirſe 43. Zweijährige Arten 7, 35. Zwenke, gefiederte 144. Von dem Verfaſſer dieſes Buches ſind im Verlag von K. J. Wyß in Bern erſchienen: Die beſten Futterpflanzen. Abbildungen und Beſchreibungen derſelben, nebſt Angaben über Kultur, landwirtſchaftlichen Wert, Samen⸗Gewinnung, Verunreinigungen,⸗Verfälſchungen u. ſ. w. Zwei Bände in Großquart. I. Teil unter Mitwirkung von C. Schröter. Tafeln. zöſiſcher, engliſcher und ruſſiſcher Sprache. Die Alpenfutterpflanzen. Abbildungen und Beſchreibungen von 33 alpwirtſchaftlich wichtigen Futterpflanzen. Unter Mitwirkung von C. Schröter. Großquartband mit 16 farbigen Tafeln. Die beſten Streuepflanzen. Dritte Auflage. Mit je 15 farbigen Auch in fran⸗ Abbildungen und Beſchreibungen derſelben, mit einem einleitenden Teil über die Streue⸗ materialien, einer Überſicht der wichtigſten Pflanzen der Streuewieſen und einem allgemein wirtſchaftlichen Abſchnitt über Produktion, Nutzung und Verwendung der Riedſtreue. Großquartband mit 16 farbigen Tafeln. Die wichtigſten Unkräuter der Futterwieſen und ihre Be⸗ kämpfung. Unter Mitwirkung von C. Schröter. Mit 20 Farbentafeln. (Im landwirtſchaftlichen Jahrbuch der Schweiz 1891. Preis 3 Fr.) Die Unkräuter der Alpweiden und Alpmatten und ihre Bekämpfung. Mit 20 Farbentafeln.(Im landwirtſchaftlichen Jahrbuch der Schweiz 1899. Preis 3 Fr.) Druck von Fr. Stollberg in Merſeburg. Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstrasse 10. Deulſche a dwirſchaſtliche Lrrſſe — Begründet 1874. Erscheint Mittwochs und Sonnabends. wöchemtlioh zwel Handelsbeilagen. Monatlich eine Farbendrucktafel- Monatlich eine Beilage:„Zeitschriften-Schau“. Durch jedes deutsche Postamt bezogen, Preis vierteljährlich 5 M. Die»Deutsche Landwirtschaftliche Presse« ist nach Inhalt und Aus- stattung die Fachzeitung grössten Stils. Ein grosser Mitarbeiter- stab ausgezeichneter Vertreter aus Wissenschaft und Praxis, ein vortrefflich geleiteter Handelsteil machen die Lektüre der»Deutschen Landwirtschaft- ſichen Presse« für jeden Landwirt zu einer direkt nutzenbringenden, wogegen der geringe Abonnementspreis nicht in Betracht kommen kann. Wegen der grossen Verbreitung bestes Blatt für alle landwirtsch. Anzeigen. Die Einheitszeile oder deren Raum 33 Pf.; auf der ersten und letzten Umschlagseite 5So Pf. Probenummern mit Handelsbeilage umsonst und postfrei. Heentzel und von Lengerke's Landwirischaftlicher Hülfs- und Schreib-Kalender 56. Jahrgang. Herausgeg. von Dr. H. Thiel, Ministerialdirektor im Ministerium für Landwirtschaft etc. I. Teil(Taschenbuch) gebunden.— II. Teil(Jahrbuch) geheftet. Ausgabe mit ⁰½ Seite weiss Papier pro Tag. In Leinen geb. 2,50 M., in Leder geb. 3 M. Ausgabe mit 1 Seite weiss Papier pro Tag. In Leinen geb. 3 M., in Leder geb. 4 M. Der Mentzel und von Lengerke'sche Kalender folgt mit seinem ganzen Inhalt den modernen Bedürfnissen der Landwirtschaft, und nach wie vor wird er sich be- währen als ein Freund des Landwirts, wie man ihn oft lobend bezeichnet. Der I. Teil, das gebundene Taschenbuch, dessen Formulare für wirtschaftliche Eintragungen der verschiedensten Art von über 35 Tausend Landwirten jahraus jahrein benutzt werden, enthält ausserdem Tabellen für Berechnungen, wie sie sich täglich im praktischen Betriebe aufwerfen, Tabellen, welche absolut unentbehrlich sind und es erklärlich machen, dass der»Mentzel« in der Rocktasche jedes Landwirts zu finden ist. Der II. Teil, das Jahrbuch, enthält alljährlich auf das Peinlichste revidierte Zu- sammenstellungen über die landw. Behörden, es sind ferner die landw. Berufsgenossen- schaften, die landw. Genossenschafts-Vorstände, die Landwirtschaftskammern, die Zuchtgenossenschaften, die landw. Vereine, ebenso wie die landw. Unterrichtsanstalten und Versuchsstationen aufgeführt. Ferner enthält dieser Teil alljährlich einen für praktische Landwirte lehrreichen Artikel. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstrasse 10. Landwirtschaflliche Unterrichtsbücher. Ackerbau einschliesslich Gerätelehre von Direktor Dr. Droysen in Herford und Prof. Dr. Gisevius in Königsberg. Eünfte Auflage. Mit 175 Textabb. Geb., Preis I M. 60 Pf. Leitfaden der Ackerbaulehre für Lehranstalten und zum Selbstunterricht von Dr. H. Biedenkopf, Landwirtschaftslehrer in Chemnitz. Zaeite Auflage. Mit 46 Text- abbildungen. Geb., Preis I M. 40 f. Leitfaden für einfache landw. Untersnchungen. von Dr. Herm. Biedenkopf, Lehrer an der landw. Schule zu Chemnitz. Mit 35 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. Düngerlehre von Direktor A. Conradi in Hohenwestedt. Zweite Auflage. Preis 60 Pf. Grundzüge der Agrikulturchemie, Für land- und forstwirtschaftliche, sowie gärtnerische Lehranstalten und zum Selbstunterricht bearbeitet von Dr. R. Otto in Proskau. Mit 44 Textabbildungen.(eb., Preis 4 M. Bodenkunde. Rin Leitfaden für den Unterricht an mittleren und niederen landwirt- schaftlichen Lehranstalten. Von Dr. W. Lilienthal, Winterschul-Direktor in Genthin. Mit 13 Textabbildungen. 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Geb., Preis M. Leitfaden der Botanik für landw. Winterschulen und Landwirte. Von Oberlehrer Dr. G. Meyer in Dahme. Mit 248 Textabbildungen. Geb., Preis I M. 50 B. Leitfaden der Zoologie für niedere landw. Schulen, Von R. Hillmann und A. Wolschner, Lehrern an der landw. Schule zu Annaberg i. Erzg. Mit 112 Textabb. Geb., Preis I M. 40 Pf. Viehzucht von v. Patzig, Professor in Marienburg. Fünfte Aufage Mit 107 Text- abbildungen. Geb., Preis 1 M. 60 P). Fütterungslehre von Direktor A. Conradi in Hohenwestedt. Zweite Auflage. Geb., Preis 1 MI. 20 P. Tierzuchtlehre von Direktor A. Conradi in Hohenwestedt. Mit 95 Toxtavvfldungen. Geb., Preis I 1l. Bau und Leben der landw. Haussäugetiere. Von Dr. E. Laur, Lehrer in Bxnß. Eweite Auflage. Mit 91 Textabbildungen und 5 Tafeln. Geb., Preis 1 M. 20 Der Körper der landwirtschaftlichen Haussäugetiere. Von Dr. J. Becker, Direktor der landw. Schule zu Lage(Lippe). Mit 67 Textabb. Geb., Preis 1 M. 40 Pf. Wirtschaftsbetrieb von Dr. P. Gabler, Lehrer in Eldena. Kart., Preis I M. 20 Pf. Betriebslehre von Direktor A. Conradi in Hohenwestedt. Dritte Auflage. Geb., Preis 1 M. Wirtschaftslehre von Direktor Dr. V. Funk in Zoppot. V'ierte Auflage. Geb., Preis 1 M. Taxationslehre von C. Petri, Lehrer in Hohenwestedt. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Betriebseinrichtung kleinerer Wirtschaften in den Sand- und Moorgegenden. des nord- westl. Deutschland von Oekonomierat Dr. Salfeld in Lingen. eis 60 f. Landwirtschaftliche Betriebslehre für mittlere und niedere landw. Lehranstalten, sowie zum Selbstunterricht, bearbeitet von Dr. R. Roth, Direktor der landw. Schule in Chemnitz. Fünfte Autflage. Geb., Preis I M. 50 Pf. Landwirtschaftsgeschichte von Landwirtschaftsschuldirektor Dr. V. Funk. Geb., Preis I M. 6 Zu beziehen durch jede Fuclhandſung. I. NMe i chole 30 M Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstrasse 10. Landwirtschaftliche Unterrichtsbücher. beispiel. Von Dr. H. Clausen, Direktor in Heide-„Preis 1 M. 20 P). Landmanns Buchführung. Leichtfassliche Anleitung mit dureygefunntgn Jahres- Einfache landwirtschaftliche Buchführung von Dr. P. Habernoll, Landwirtschafts- lehrer in Schweidnitz.. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Selbstverwaltungsämter, vorbereitung für staatliche und kommunale Ehrenämter des Landwirts. Von C. Petri, Lehrer in Hohenwestedt. Zweite Auflage, Geb., ſ'reis 1 M. 20 Pf. Landwirtschaftsgeschichte. von Dr. V. Funk, Landwirtschaftsschuldirektgr. Geb., Preis I M Landw. Berechnungen. Für mittlere und niedere Jandw. Schulen. pon Dr. R. Roth, Direktor der landw. Schule in Chemnitz. Zoeite Auflage. Geb., Preis I M. 50 Pf. Rechenbuch für niedere und mittlere landwirtschaftliche Lehranstalten von L. Lemke, Lehrer in Stargard i. P. Prster Teil. Unterklassen. Zweite Auflage. Geb., Preis I M. 40 P. Zweiter Teil. Mittel- und Oberklassen. Zuweite Auflage. Mit 112 Textabbildungen — Geb., Breis M. Lösungen(für beide Teile). Zweite Auflage. Preis I M. Rechenbuch für Ackerbauschulen, landw. Winterschulen und länd]. Fortbildungs- schulen von P. Knak, Lehrer in Wittstock. Dritte Auflage. Geb., Preis I M. 20 Pf. Lösungen. Preis 1 M. Geometrie, Feldmessen u. Nivellieren von Hl. Kutscher, Lehrer in Hohenwestedt. Zweite Auflage. Mit 164 Textabbildungen. Geb., Preis I M. 40 Pf. Geometrie der Ebene für Landwirtschaftsschulen von Prof. L. Bosse in Dahme und prof. H. Müller in Friedrichshagen. Mit 200 Textabb. Zweite Aufl. Geb., Preis I M. 20 P). Stereometrie tür Landwirtschaftsschulen von Prof. L. Bosse in Dahme und Pręf. H. Müller in Eldena. Mit 30 Textabbildungen. Preis 50 Pf. Algebra für Landwirtschaftsschulen von Prof. L. Bosse in Dahme und Prof. HI. Müller in Eldena.— Preis I 2. 80 Pf. Feldmess- und Nivellierkunde und das Drainieren von Chr. Nielsen, Operlehrer in Varel. Zweite Auflage. Mit 102 Textabbildungen und 3 Tafeln. Geb., Preis 2 A Physik von M. Hollmann, Oberlehrer in Thorn. Vierte Auflage. Mit 160 Textabbildungen. 3 Geb., Preis 1 M. 30 Py. Lehrbueh der Physik in methodischer Bearbeitung für Landwirtschaftsschulen von Dr. Lautenschläger, Oberlehrer in Samter. Geb., Preis 2 M. 80 P). Mechanik, Würmelehre und Witterungskunde. Leitfaden der Physik für Wein- und Obstbau- und Landwirtschaftsschulen bearbeitet von J. Bohn, Gymnasiallehrer zu Trier. Mit Anhang: Licht und Elektricität. Mit 129 Textabb. Geb., Preis I M. 50 F Chemie von P. J. Murzel, Direktor der landw. Winterschule in Saarlouis. Dritte Auflage. 3 6 Geb., Preis 1. 40 57 Chemie von A. Maas, Lehrer in Wittstock. Zweite Auflage. Mit 10 Textapbildungen. Geb., Preis 1 Al. S0 Pf. Chomie für Ackerbau- u. landw. Wintorschulen von W. Wellershaus, Landwirtschatwslghror Erster Teil: Anorganische Chemie 3 Teis Hf. Zweiter Teil: Organische Chemie. Zweite Auflage. Geb., Preis 70 Pf. Meyer's Forstwirtschaft. Zoweite Auflage, bearbeitet von Obexförster Berlin in FProskau.(eb., Preis I M. 90 Pf. Obst- und Gemüsebau von Otto Nattermüller. Zweite Auflage. Mit 71 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 60 f. Dentsche Gedichte, herausgegeben für den Unterricht an Landwirtschaftsschulen von Direktor Dr. R. Schultz in Marggrabowa. Geb., Preis 2 M. Deutsches Lesebuch für Ackerbauschulen, landwirtsch. Winterschulen und ländliche Fortbildungsschulen herausgegeben von M. Hollmann und P. Knak. Zweile Auflage. 4 Geb., Preis 2 M. Lehr- und Lesebuch für ländliche Fortbildungsschulen von K. Deissmann, H. Jun Fr. Kolb, W. Scheid und R. Wobig. Zapeite Auflage. Geb., Preis M. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. 1 8* * — 8 8 77. 1 5 1.. * 3 1::er. I:ee. 8 5 . * 8 2 4.S. .: = 2 — 3 ..L. 83 12. 2 . . 7 5 85 1 3 — 8* ſ “— — 2 1 “ * “ — 3 “ 4 5 8 21 Seer. 8 . 8 “ 1 8 2: 1 . 3 din 27äe 8S SLr 5 , 822 *2 3 88 8. 3 “ “ .. 8 * 3— 2 2 21 8 2 — — 5 8 “ 8 “ 888 — 5 e „S. 8. 4 * 2. “ 7 e “ 8 — 2 8 8 — * — “ “ 8 — , 8 S. .. 8 * 8 8 8 S 8 — 5 85 1 5 “ 4 5 h.n 5 6 8 L 9 9 öCa..“ V ncnrannnarnrnzmmannmralmmanmlmmannnEmmwmMnmnmrmwqmwnnndaqnn 1 ! Oem 1 2 3 4 6 9 10 11 2 — 3 4 8— —— =—— 6