BAND 100 Paul Wagner Anwendung künstlcher Düngemittel Sbente Auflage eesRuchHAaNDiUNG EAUIL PRREYIN BFRIIX. — Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10 u. I1 r Thaer-Bibliothek. Die Thaer-Bibliothek erfreut sich einer fast beispiellosen Verbreitung unter den praktischen Landwirten und an landwirtschaftlichen Unterrichtsanstalten. Die bedeutendsten Fachleute haben sich hier vereinigt, um auf wissenschaft.. Ackerbau und Düngewesen. Praktische Bodenkunde von Prof. Dr. A. Nowac-k i. 7. Auflage. 14 M. Anwendung künstl. Düngemittel v. Prof. Dr. P. Wagner. 7. Auflage. 13 M. Wolffs Düngerlehre. Bearb. von Prof. Dr. H. C. Müller. 17. Auflage. 14 M. Ernährung der landw. Kulturpflanzen von Prof. Dr. A d. Mayver. 2. Auflage. 8 M. Beurteilung u. Begutachtung landw. wicht. Hilfsstoffe v. Dr. M. Passon. 8 M. Die wichtigsten landw. Unkräuter von Prof. Dr. F. Bornemann. 2. Aufl. 8 M. Pflanzenbau. Tabakbau von Okonomierat Hoffmann, Speyer. 5. Auflage. 8 M. Knauers Rübenbau. Bearb. von Prof. Dr. P. Holdefleiß. 11. Auflage. 8 M. Flachsbau und Verarbeitung von R. Kuhnert in Blankenese. 3. Auflage. 12 M. Hanfbau von Direktor Benno Marquart. 8 M. Rationeller Futterbau von Dr. F. G. Stebler in Zürich. 9. Auflage. 13 M. Praktischer Kleegrasbau von Prof. Dr. A. Nowacki. 5. Auflage. Samen und Saat von Dr. William Loebe, Leipzig. 8 M. Getreidebau von Prof. Dr. A. Nowacki. Gekrönte Preisschrift. 7. Aufl. 13 M. Hopfenbau von Dr. C. Fruwirth, Prof. in Wien. 2. Auflage. 8 M. Werner's Kartoffelbau, bearb. von Prof. v. Eckenbrecher. 8. Aufl. 8 M. Schädlinge der landwirtschaftlichen Kulturpflanzen von Dr. E. Riehm. 8 M. Tierzucht. Zoologie für Landwirte von Prof. Dr. J. Ritzema Bos. 7. Auflage. 10 M. Pferdezucht v. F. Oldenburg, neubearb. v. Prof. Dr. Frölich. 4. Aufl. 9 M. Rindviehzucht. Neubearb. v. Tierz. Insp. Gutbrod. 9. Aufl. 14 M. Milchwirtschaft v. Dr. V. Fun k. Neubearb. v. Prof. Dr. Grimmer. 3. Aufl. 9M. Wirtschaftsfeinde aus dem Tierreich von Prof. Dr. G. von Hayek. 8 M. 14 Schweinezucht v. Domänenrat E d. Meyer in Friedrichswerth. 9. Aufl. 13 M. Schafzucht von J. Heine, Schäfereidirektor in Leipzig. 3. Auflage. 8 M. d Pribyls Geflügelzucht. Neubearb. von Bruno Dürigen. 8. Aufl. 8 M. A Berlepsch's Bienenzucht. Bearbeitet von Ed. Knoke. 7. Auflage 12 M. 1 Betrieb. Ge† 2. Néüßéaßb. v. Dr. C. v. Seelhorst. f. 6. Aufl. 8 M., Goltz. Neubealb. v. Dr. C. v, Seelhorst. . 5 8 12. Aufl. 8 M. Geschichte der Landwirtschaftt(Gadie 23 L dderich. 5. Aufl. 1 Rechtsbeistand des Landwirts Töowenherz. 4. Auflage. Das Schriftwerk des Landwirts von K. Petri. 6. Auflage. kunde für den Landwirt. Vo ng der Immobilien. Von Landw. Betriebslehre V. v. Landw. Buchführung v. v. M. M. M. M. M. M. = EEESEEESSESEE 5 ESSS =n 5 ESE Verlag von Paul Parey in Berlin SWI., Hedemannstr. 10 u. 11 Thaer-Bibliothek. licher Grundlage das ihnen eigene Sondergebiet allgemeinverständlich in Wort und Bild zu behandeln. Gesammelt bilden die einzeln käuflichen Bände eine wert- volle Bücherei, die selbst im kleinsten Landwirtschaftsbetriebe zu finden sein sollte. Landwirtschaftliche Gewerbe. Bierbrauerei von Dr. C. J. Lintner, Professor in München. 5. Auflage. 12 M. Ziegelei v. Otto Bock, neubearb. v. Ziegelei-Ing. A. Nawrath. 4. Aufl. 8 M. Baukunde. Engels Pferdestall, neubearb. v. Reg.-Baum. G. Meyer. 3. Auflage. 8 M. Engels Viehstall, neubearb. v. Prof. A. Schubert. 5. Auflage. 8 M. Schuberts Idw. Baukunde. Neubearb. v. Prof. A. Schubert. 9. Auflage. 8 M. Geflügelställe(Bau u. Einrichtg.) v. Prof. A. Schubert in Kassel. 5. Aufl. Geb., Preis 15 M. Kulturtechnik, Maschinenkunde, Ingenieurwesen. Wüsts Feldmessen u. Nivellieren. Bearb. v. Prof. Dr.-Ing. A. Nachtweh. 8. Auflage. 12 M. Der Landwirt als Kulturingenieur von Prof. Fr. Zajicek. 3. Auflage. 8 M. Wind-Elektrizität von Dr.-Ing. G. Liebe in Dresden. 8 M. Veterinärwesen. Hufpflege, Hufschutz und Beschlag. von Prof. Dr. H. Möller, Berlin. 8 M. Englischer Hufbeschlag von H. Behrens, Lehrschmied. 2. Aufl. 8 M. Eingeweidewürmer der Haussäugetiere von J. Dewitz in Berlin. 8 M. Gesundheitspflege der Idw. Haussäugetiere v. Prof. Dr. Klimmer. 2. Aufl. 8 M. Landw. Giftlehre von Geh. Med.-Rat Dr. G. Müller, Prof. in Dresden. 8 M. Der kranke Hund von Geh. Med.-Rat Prof. Dr. G. Müller. 4. Auflage. 8 M. Der gesunde Hund von Geh. Med.-Rat Prof. Dr. G. Müller. 3. Aufl. 14 M. Geburtshilfe von Veterinärrat A. Tapken in Varel. 5. Auflage. 14 M. Jagd, Sport und Fischerei. Teichwirtschaft v. M. v. dem Borne. Neubearb. v. H. v. Debschitz. 6. Aufl. 8 M. Goeddes Fasanenzucht. Bearb. v. Fasanenjäger Staffel. 4. Aufl. 8 M. Jagd-, Hof- und Schäferhunde v. Ernst Schlotfeldt. 2. Aufl. 8 M. Ratgeber beim Pferdekauf von Stallmeister B. Schoenbeck. 5. Auflage. 8 M. Widersetzlichkeiten des Pferdes v. Stallmeister B. schoenbeck. 2. Aufl. 8 M. Reiten und Fahren von Major R. Schoenbec k in Berlin. 6. Aufl. 8 M. Gartenbau. Gehölzzucht von Hofgarteninspektor J. Hartwig. 2. Auflage. 8 M. Gewächshäuser von J. Hartwig. Bearbeitet von C. Reiter. 4. Aufl. Im Druck. Meyers immerwährender Gartenkalender. 6. Auflage. 8 M. obstbau v. R. Noack. Neubearb. v. Diplomgartenmstr. W. Mü t z e. 7. Aufl. 12 M. Gemüsebau von B. von USl a r. Neubearb. V. Amtsrat Koch. 6. Aufl. 10 M. Gärtnerische Betriebslehre von Oberlehrer Dr. A. B d e. 2. Auflage. 8 M. Gartenblumen v. T h. Rü mpler. Neubearb. v. O. Krauss. 3. Aufl. 8 M. Weinbau und Weinbehandlung von A. Dern. 8 M. * Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10 u. 11 Lan dwirtschaftliche Hefte Herausgeber: Dr. L. Kießling, Professor in München. Preis jeder Nummer 2 M. 40 Pf. 1. Der Einfluß der klimatischen Lage auf den Landwirtschaftsbetrieb in Deutsch- land. Von Prof. Dr. A. Schnider in München.. 2/2a. Kurze Einleitung in die Technik der Getreidezüchtung. Von Dr. L. Kieß- l1ing, Prof. in München. Zweite Auflage. Mit 13 Textabbildungen. 3/3a. Das Unkraut und seine Bekümpfung aut dem Ackerland. Von Dr. C. Fru- wirth, Prof. in Wien. Zweite Auflage. Mit 29 Abb. im Text u. auf Tafeln. 4. Zusammenseizung und Futterwert von Heu und Grummet. Von Prof. Dr. Ahr. 5. Bodenkartierung und geologisch-agronomische Karten. Von Dr. W. Koehne. 6. Die Bedeutung des Schafes für die Land- und Volkswirtschaft. Von Dr. Emil Pott, Professor in München. 7. Welterkunde und Landwirtschaft. Von Dr. August Schmau B., Direktor 8 9 der Bayerischen meteorologischen Zentralstation. Mit 7 Textabbildungen. Anwendung und Wirkung von Eggen und Schlichten. Von Dr. P. Gise- vius, Prof. in Gießen. Mit 57 Textabbildungen. Walze, Krümmer, Kultivatoren und Federzahngeräte. Von Dr. P. Gise- vius, Frof. in Gießen. Mit 67 Textabbildungen. 10. UÜber Kartoffeitrocknung u. Kartoffelfütterung. Von Dr. J. Paechtner. 2. Aufl. 11. Die Bedeutung— Licht- und Schattenseiten— der Maschinen im Landwirt- 2 schaftsbetrieb. Von Prof. Dr. Schnider in München. 12/13. Anlage und Pilege von Dauerfutterflächen. Von Dr. H. Lang in Hoch- burg. Zweite Auflage. Von Dr. J. Raum in Weihenstephan. 14. Neuerungen an den Pflugwerkzeugen und der neueste Stand des Motor- pfluges. Von Dr. P. Gisevius, Prof. in Gießen. Mit 39 Textabbildungen. 15. Der Feldobstbau. Anlage landw. Obstpflanzungen. Von A. Janson. 2. Aufl. 16/17. Mechanische SsSicherheitsvorrichtungen im Landwirtschaftsbetrieb. Von Dr. H. Puchner, Prof. in Weihenstephan. Mit 79 Textabbildungen. 18. Feld- und Konservengemüsebau. Von A. Janson, Gartendirektor. 2. Aufl. 19/20. Ackerbauvereine zur Förderung des Acker- und Saatfruchtbaues. Von Prof. Dr. L. kbießling in München. 21. Die mechanische Saatgutzubereitung und ihr Einfluß auf die Ernte. Von Dr. Wacker, Prof. in Hohenheim. Mit 18 Textabbildungen. 22/22a. Der Anbau des Getreides mit neuen Hilfsmitteln und nach neuen Methoden. Von Prof. Dr. Kraus. Zweite Aufl., neubearbeitet von Prof. Dr. Kie Bling. 23. Hagel, Hagelschädenbeurteilung und Versicherung. Von Dr. W. Rohrbeck. 24. Steigerung der Pflanzenerträge unter dem Einflusse der Vegetationsfaktoren. Von Dr. Mitscherlich, Prof. in Königsberg i. Pr. Die Gerste mit besonderer Berücksichtigung ihrer Eignung als Brauware. Von C. Bleisch, Prof. in Weihenstephan. Mit 6 Textabbildungen. 26/26a. Futtersilos und Silagefutter. Von Prof. Dr. A. Stutzer, Geh. Reg.-Rat. Zweite Auflage. Mit 13 Textabbildungen. 27. Einjährige Futterpflanzen. Von Prof. Dr. C. Fruwirth in Wien. 28. Die Sicherung der Getreideernte, insbesondere durch die künstliche Trock- nung. Von Dr. J. F. Hoffmann, Prof. in Berlin. Mit 10 Textabbildungen. 29. Landw. wichtige Hülsenfruchter. Von Dr. C. Fruwirth in Wien. I. Heft: Erbse, Wicke, Ackerbohne, Lupine und Linse. 2. Aufl. Mit 9 Textabbildungen. 30/31. Landw. wichtige Hülsenfruchter. Von Dr. C. Fruwirth in Wien. II. Heft: Soja, Fisole, Kicher, Erve, Ervilie, Platterbse u. andere Hülsen- fruchter. Zweite Auflage. Mit 4 Tafeln und 11 Textabbildungen. 32/33. Die ölfrüchte. Von Prof. Dr. H. Wacker. Mit 20 Textabbildungen. 34. Der praktische Haferbau. Von Privatdozent Dr. Zade. Mit 10 Textabb. 35. Die Pflanzkartoffel. Von Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. O. Appel in Berlin- Dahlem. Zweite Auflage. Mit 7 Textabbildungen. 36. Der Anbau von Rauchtabak in Deutschland. Von Gk.-Rat Hoffmann, Tabaksachverständigem der Pfalz. Mit Textabbildungen. 37/38. Die Feldberegnung. Von Geh. Reg.-Rat Prof. E. Krüger. Mit 12 Textabb. 39/40. Anleitung zur Dränage. Von Dr. Artur Grünert, Kulturingenieur in 3 Weimar. Mit 1 Titelbild und 38 Textabbildungen. 41/43. Gemüsesamenbau. Keg.-Rat Prof. Dr. L. Wittmac k. Mit 39 Textabb. 44/45. Erfahrungen im Ackerbau zur UÜberwindung der Kriegsschäden für Groß- und Kleinbetrieb. Von E. Bippart in Arnstadt. Mit 4 Textabbildungen. 46. Rindertuberkulose. Von Dr. Alfred Meyer. Mit 9 Textabbildungen. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. efte d in Deutsek- k. L. Kieß. mgen. Dr. C. Fru- u. auf Tateln. erol. Dr. Ahr. W. Koehne. ait. Von Dr. u. Mrektor bildungen. Nr. P. Gise- N. P. Gise- Rtner. 2. Nll. im landüiti. ang in Wär I. nd des Notek- Xtabbildungen. nSOn. 2. Alll. sbetrleb. NVon ldungen. rektor. 2. Alll ues. Von Pral. lie Ernte. Von 1. neuen Methodel, N. Kießling 7. Rohrbeet etationstaktoren- Brauware. Vol enl. „Geh. Reg-R Wien. ünsillehe Trod Textabbildungen. n Wien. I. It. Textabbildunge irth in W. andere Hilöel- gen. dbildungel. t 10 Terubb. Dpel in BR t HoOIIE4¹¹, . Mit L Textzöd. Gulturingenielt n 6k. JitagTerud. chäden füt 10 Textabbildungan ldungel. rtadbilimke — 4 gllnt eur wflanenbau S 7 1 6 3 1* Wau 144 1 6* 87 4 .. 1 . 4 ☛*☛ „ 3 1 3 d 8 49— 4 3 „=*7 lieennneeeeee 13 Anwendung künſtlicher Düngemittel. ͤͤ— nneen Anwendung künſtlicher Düngemittel. Von Profeſſor Dr. phil. Paul Wagner, Geh. Hofrat, Dr.⸗Ing. h. c., Vorſtand der Heſſ. landwirtſchaftlichen Verſuchsſtation Darmſtadt. 4 siebente, neubearbeitete Auflage. Berlin verlagsbuchhandlung Paul Parey Berlag für Landwirtſchaft, Gartenbau und Forſtweſen SW. 11, Bedemannſtraße 10 u. 11 1920. 3 —= —= — — — Alle Rechte, auch das der Überſetzung vorbehalten. — 2 Vorbemerkung des Verlegers Es ſind gerade 25 Jahre her, ſeit der erſte Band der Thaer⸗Bibliothek zur Ausgabe gelangte, und jetzt an der Wende des Jahrhunderts erſcheint der hundertſte Band. Die Ausgabe des erſten Bandes wurde eingeleitet durch eine Anzeige der Verlagshandlung, deren Wiederabdruck an dieſer Stelle geſtattet ſein möge. Es geſchieht das mit einigem Stolz, weil die Angehörigen der landwirt⸗ ſchaftlichen Wiſſenſchaft ſowohl, wie die Praktiker der Thaer⸗Bibliothek das Zeugnis nicht verſagen werden, daß ſie gehalten hat, was ſie vor 25 Jahren verſprochen. Die Anzeige lautete: Nach mehrjähriger Vorbereitung und nachdem eine Reihe von Bänden bereits gedruckt, ſowie andere im Manuſkript voll⸗ endet vorliegen, reſp. in der Bearbeitung begriffen ſind, ver⸗ einigen wir eine größere Anzahl je ein Gebiet der Landwirtſchaft behandelnder Bücher zu einer übereinſtimmend ausgeſtatteten Kollektion unter dem General⸗Titel: Thaer⸗Bibliothek. Wir wählten dieſen Namen, um durch unſere Bibliothek, welche das ganze Gebiet der Landwirtſchaft auf ſtreng wiſſen⸗ ſchaftlicher Baſis, aber in populärer Form behandelt und an der Hand der bedeutendſten landwirtſchaftlichen Schriftſteller die Wiſſenſchaft hinausführt auf das Feld, dem großen Manne, welcher der Vater der rationellen Landwirtſchaft genannt werden muß, ein Denkmal zu errichten, um Albr echt Thaer im Ge⸗ dächtnis der deutſchen Landwirte ſtets lebendig zu erhalten. VI Vorbemerkung. Bei der nahen Beziehung der Landwirtſchaft zu Gartenbau und Forſtweſen werden wir auch auf dieſe Gebiete überzugreifen haben. Die Bände der Thaer⸗Bibliothek gelangen nicht in broſchier⸗ tem Zuſtande, ſondern ſämtlich feſt in Leinen gebunden zur Ausgabe. Jeder Band iſt einzeln verkäuflich und koſtet 2 ½ Mark, ein Preis, welcher nur mit Rückſicht auf eine große Verbreitung der Bände ſo niedrig normiert werden konnte. Die Bücher eignen ſich ebenſo zum Selbſtunterricht, wie zu Lehrbüchern für landwirtſchaftliche Lehranſtalten, und bilden in ihrer Geſamtheit eine vollſtändige landwirtſchaftliche Haus⸗ bibliothek, in welcher man bei keiner Gelegenheit vergeblich um Rat ſuchen wird. Wir beginnen die Thaer⸗Bibliothek mit der ſeit Jahren er⸗ warteten Landw. Fütterungslehre von Emil Wolff. Deer Erfolg, welcher der Thaer⸗Bibliothek zuteil wurde, nämlich die Verbreitung, welche dieſelbe gefunden, hat alle Erwartungen übertroffen; denn es ſind bereits weit über eine halbe Million Bände verkauft, und der Jahresabſatz iſt noch immer im Steigen begriffen. Man hat geſagt, der Grund dafür ſei die wiſſenſchaftliche Zuverläſſigkeit, die praktiſche Brauchbarkeit, die gute Ausſtattung und der übereinſtimmende wohlfeile Preis der einzelnen Bände. Die meiſten Bände ſind bereits wiederholt in Neu⸗ bearbeitungen erſchienen, und bei den anderen ſtehen neue Auflagen in naher Ausſicht. Die Natur des Gegenſtandes begründet ſehr ungleiche Abſatzfähigkeit der einzelnen Bände, auch iſt dabei ins Gewicht gefallen, ob ein Band ſich auch zum Lehrbuche an landwirtſchaftlichen Inſtituten eignete oder nicht. Die Sammlung iſt auch mit Band 100 nicht abgeſchloſſen, ſondern je nachdem es angezeigt erſcheint, werden neue Bände in kürzerer oder ſchneller Folge bearbeitet werden. 3 —2—2————— Vorbemerkungen. VII Daß kein Geringerer als Paul Wagner⸗ Darm⸗ ſtadt ſich hat bereit finden laſſen, als Band 100 eine„An⸗ leitung zur Anwendung der künſtlichen Düngemittel“ zu veröffentlichen, wird man überall mit Beifall begrüßen. Der unterzeichnete Verleger der Thaer⸗Bibliothek er⸗ füllt aber nur eine Pflicht, wenn er bei Ausgabe des hun⸗ dertſten Bandes an der Schwelle eines neuen Jahrhun⸗ derts auch an dieſer Stelle ſeinem Danke Ausdruck gibt gegenüber den ausgezeichneten Männern, welche während der verfloſſenen 25 Jahre ihm die Ehre erwieſen haben, an der Thaer⸗Bibliothek mitzuarbeiten, und ſich die Hand gereicht haben, um dem Begründer der rationellen Landa wirtſchaft Albrecht Thaer in der Thaer⸗Bibliothek ein Denkmal zu errichten aere perennius. Berlin SW., Hedemannſtraße 10, Neujahr 1900. Vorwort des Verfaſſers zu Band 100. Zur erſten Auflage. Ich ſchätze viele Bände der Thaer⸗Bibliothek außer⸗ ordentlich, erblicke in der überraſchend großen Verbreitung derſelben einen ſchlagenden Beweis für die im letzten Viertel des ſcheidenden Jahrhunderts erfreulich gewachſene Durchdringung der Praxis mit Ergebniſſen der Wiſſen⸗ ſchaft und habe auf Erſuchen des Herrn Dr. Parey, Ver⸗ legers der Thaer⸗Bibliothek, deshalb gern die Bearbeitung des hundertſten Bandes übernommen. Ich habe verſucht, die praktiſch wichtigſten Fragen der Anwendung künſtlicher Düngemittel, wie ſie zum Teil be⸗ reits in Sonderabhandlungen von mir beſprochen worden ſind, in logiſch geordnetem Zuſammenhang darzuſtellen, und ich bin bemüht geweſen, eine möglichſt knappe, präziſe und allgemein verſtändliche Form der Darſtellung zu bieten. Man wird Altes und Neues aus den Ergebniſſen meiner und meiner Mitarbeiter Forſchungen finden, und ich hoffe, daß die kleine Schrift beitragen wird, Klarheit unnd Sicherheit in der BVeurteilung praktiſcher Düngungs⸗ fragen zu geben. . Vorwort. IX Zur ſiebenten Auflage. Bei der Bearbeitung dieſer neuen Auflage habe ich die Ergebniſſe neuer zum Abſchluß gebrachter Arbeiten benutzen können, um weſentliche Vervollſtändigungen und Ergänzungen des Textes vorzunehmen und auch über die Wirkung neuer in den Handel kommender Stickſtoffdünge⸗ mittel Mitteilungen zu machen. Überall habe ich, wie auch bei den früheren Auflagen, den Grundſatz befolgt, nur das zu bieten, was durch exakte Forſchung und ſtrenge Kritik ſoweit geprüft worden iſt, daß es als vollkommen ſichergeſtellt erachtet werden darf. Darmſtadt, im Juli 1920. Paul Wagner. Inhalt. Von welchen Stoffen lebt die Pflanze?........ Mit welchen Stoffen hat man den Boden zu düngen? Unter welchen Verhältniſſen iſt es möglich, die Bodenerträge durch Anwendung künſtlicher Düngemittel zu erhöhen? Mit welchen Nährſtoffen und mit welchen Mengen derſelben iſt ein beſtimmter Boden zu düngen?......... Wie iſt das Düngebedürfnis eines Bodens feſtzuſtellen? Iſt die chemiſche Analyſe imſtande, das Düngebedürfnis eines Bodens zu ermitteln?.......... Wie läßt ſich der Löslichkeitsgrad der Bodennährſiffe feſtſtellen?................... Läßt ſich etwa aus dem prozentiſchen Nährſtoffgehalt der Ernteſubſtanz ein Schluß auf den Gehalt des betr. Bodens an löslichen Pflanzennährſtoffen ziehen? Die Ermittelung des Düngebedürfniſſes eines Bodens durch den Gefäß⸗ und Feldverſuch........ Die Ausführung genauer Feldverſuche.......... Die Frageſtellung................ 3 Die Größe der Parzellen.............. Die Beſchaffenheit des Verſuchsfeldes....... Die Feſtſtellung der Ergebniſſe........... Ergebniſſe einiger Feldverſuche............. I. Verſuche mit Winterroggen in Arheilgen II. Verſuche mit Gerſte in Wolfskehlen....... Die Phosphorſäuredüngung.............. Nach welchen Grundſätzen iſt die Stärke der Phosphor⸗ ſäuredüngung zu bemeſſen?.......... Welche Pflanzen bedürfen am meiſten ber Phosphor⸗ fäuredüngunge................ Unter welchen Verhältniſſen ſoll man mit Superphos⸗ phat, unter welchen mit Thomasmehl düngen?. 2 Inhalt. 4 XI Seite Die Verwendung von Knochenmehl⸗Phosphorſäure.. 69 Zu welcher Zeit und in welcher Weiſe iſt die Phos⸗ phorſäuredüngung zu geben?.......... 41 Die Kalidüngung................. 74 Nach welchen Grundſätzen iſt die Stärke der Kalidüngung zu bemeſſen?................. 74 Welche Kururpflunse bedürfen am meiſten der Kali⸗ düngunge................. 74 Welche Bodenarten bedürfen am meiſten der Kali⸗ düngung,................. 78 Welche Kaliſalze ſind für die Düngung die wichtigſten? 82 Martellin und Phonolithmehl........... 87 Wann und in welcher Weiſe ſind die Kaliſalze in den Boden zu bringen?............... 39 6 de Stickſtoffdüngung................. 91 Nach welchen Grundſätzen iſt die Stärle der Stickſtoff⸗ düngung zu bemeſſen?.............. 91 Welche Pflanzen bedürfen in erſter Linie der Stickſtoff⸗ düngung?................... 94 3 Werden die Stroh⸗ und Blättererträge mehr als die Körner⸗ und Rübenerträge durch Stickſtoffdüngung 4 geſteigert?.................. 100 Welche Handelsdünger ſtehen für die Stick ſtoffernährung der Pflanzen zur Verfügung?......... 101 In welchem Wertverhältnis ſteht das Ammoniatſalz zum Natronſalpeter?.............. 103 Nebenwirkungen des Natronſalpeters........ 107 In welchem Wertverhältnis ſteht der Kalkſalpeter zum Natronſalpeter?................ 110 Wie ſind Natronſalpeter und Kalkſalpeter am zweck⸗ mäßigſten zu verwenden?............ 113 Wie iſt das Ammoniakſalz zu verwenden, um es zu höchſtmöglicher Wirkung zu bringen?....... 114 Der Kalkſtickſtoff............... 116 Der Wirkungswert von ſchwefelſaurem Ammoniatnatron, kohlenſaurem, ſalsſaurem, ſalpeterſaurem Ammoniak und Harnſtoff im Vergleich zu ſchwefeljaurem Am⸗ moniak.................... 125 Organiſche Stickſtofſdünger.......... 127 XII Inhalt. Welche Düngermengen ſind für die verſchiedenen Kultur⸗ pflanzen zu verwenden? Halmgewächſe. Kleearten und Hülſenfrüchte Kartoffeln und Rüben. Tabak. Wieſen. Die Stickiffdiagung der Wieſen Die Kalidüngung der Wieſen Die Phosphorſäuredüngung der Wuſen Weinberge.. Aufſtellung eines Dinungeplons für eine aulfendie Rotation Von welchen Stoffen lebt die Pflanze? Verbrennt man Holz, Blätter, Stroh, Körner oder Wurzeln, ſo verwandelt ſich die Subſtanz in Waſſer, Kohlen⸗ ſäure und Ammoniak(Stickſtoff), in farbloſe Dämpfe und Gaſe, die in die Luft entweichen, unter Zurücklaſſung von „Aſche“, die aus Phosphorſäure, Kali, Kalk, Magneſia, Schwefelſäure, Chlor, Eiſenoxyd, Kieſelſäure und Natron beſteht. Aus dieſen zwölf Nährſtoffen ſetzt ſich der Pflanzen⸗ körper zuſammen. Nun die Frage: Iſt jeder der zwölf Stoffe unentbehrlich für das Pflanzenleben, oder iſt eine normale Entwickelung der Pflanze möglich, auch wenn der eine oder der andere von ihnen fehlt? Um dieſe Frage zu prüfen, hat man Pflanzen in Waſſer gezogen, in welchen bald ſämtliche der oben genann⸗ ten Aſchenbeſtandteile nebſt Stickſtoffſalz aufgelöſt waren, bald einer von ihnen fehlte, um zu beobachten, welchen Ein⸗ fluß das Fehlen eines Stoffes auf die Entwickelung der Pflanze haben werde, und man iſt zu intereſſanten und wertvollen Ergebniſſen dabei gelangt. Es ſei ſolgendos darüber mitgeteilt. Bringt man mit Ausnahme der Kohlenſäure, die ja in ausreichender Menge von der atmoſphäriſchen Luft geliefert wird, alle Stoffe, die die chemiſche Analyſe als Grund⸗ beſtandteile der Pflanzen nachgewieſen hat, in geeigneter Menge und geeigneter Form in die Vegetationsflüſſigkeit, ſo entwickelt ſich die Pflanze ſo üppig, als wachſe ſie im Wagner, Düngemittel. Siebente Auflage. 1 2 Von welchen Stoffen lebt die Pflanze? fruchtbarſten Ackerboden. Läßt man aber beiſpielsweiſe das Eiſenoxyd fehlen, ſo verliert die Pflanze ihre grüne Farbe, ſie wird bleichſüchtig und hört auf zu wachſen. Wie der rote Farbſtoff des Blutes nicht ohne Eiſenoxyd entſtehen kann, ſo iſt die Erzeugung des grünen Farbſtoffes in der Pflan⸗ zenzelle von der Ernährung mit Eiſenoxyd abhängig. Oder läßt man etwa den Stickſtoff fehlen, ſo entwickelt ſich die Pflanze nur ſo lange normal, als die im Samenkorn ent⸗ haltene Stickſtofffubſtanz zur Bildung von Blättern und Wurzeln reicht. Iſt dieſe verbraucht, ſo hungert die Pflanze; ſie wird gelb, die Wurzelfaſern verlängern ſich und ſuchen nach Stickſtoff. Stoffe, die aus dem Samenkorn in die Zllätter gewandert ſind, treten jetzt in die Wurzeln zurück. Die unterſten Blätter werden von Tag zu Tag dünner, ſie ſchrumpfen ein, werden förmlich ausgeſogen und vertrock⸗ nen. Die Wurzeln wachſen auf Koſten der Blattſubſtanz, und einzelne Faſern erreichen oft eine Länge von mehreren Metern, während der oberirdiſche Teil der Pflanze immer weiter zurückgeht. Dabei aber erſchöpft ſie ſich nicht ganz. Finden die ausgeſandten Wurzelfaſern keine Nahrung, ſo gibt die Pflanze ſchließlich das Suchen auf, ſie zieht die den Wurzeln geliehenen Stoffe wieder zurück, ſie bildet noch ein paar Blätter und ſucht, wenn irgend möglich, den Ab⸗ ſcchluß ihrer zwerghaften Entwicklung durch Bildung eines wenn auch nur winzigen Samenkorns zu erreichen. Das Gewicht ihrer Geſamttrockenſubſtanz beträgt dann kaum mehr, als das Ganrentvrn gewogen hat, aus welchem ſie entſtanden iſt. Ähnliche Erſcheinungen treten auf, wenn man eine kalifreie Nahrung oder eine kalkfreie oder phosphorſäure⸗ freie bietet. Die Pflanze wächſt nicht, d. h. ſie erzeugt keine organiſche Subſtanz. Sie wandelt nur die im Samenkorn enthaltenen Stoffe um in Blatt⸗ und Wurzelmaſſe. Sie Von welchen Stoffen lebt die Pflanze? 3 ſendet ihre Wurzeln aus, um den fehlenden Nährſtoff zu ſuchen, und verkümmert, wenn ſie ihn nicht findet. Aber nicht jeder der oben genannten Stoffe— ſo haben Verſuche es ergeben— iſt als unentbehrlich für die Pflanze zu bezeichnen. In jedem Grashalm z. B. findet ſich Kieſelſäure. Das Gras aber wächſt normal, auch wenn man ihm eine Nahrung bietet, die frei von Kieſelſäure iſt. Ähnliches gilt für das Natron. Auch das Natron iſt ein Stoff, den man zwar in jeder Pflanze findet und der auch manchen Kulturpflanzen ſo notwendig iſt, daß ſie ſich ohne Natron nicht üppig entwickeln, aber man rechnet Natron doch nicht zu den überall unentbehrlichen Nährſtoffen der Pflanze. Nur für Waſſer, Kohlenſäure, Stickſtoff, Phos⸗ phorſäure, Kali, Kalk, Magneſia, Eiſenoxyd, Schwefelſäure und Chlor iſt beſtimmt nachgewieſen, daß keine Kultur⸗ pflanze ſie entbehren kann; denn wenn ein einziger von ihnen fehlt, ſo iſt die Ernährung der Pflanze, die Er⸗ zeugung von organiſcher Subſtanz, das eigentliche „Wachſen“ der Pflanze nicht möglich. 1* Mit welchen Stoffen hat man den Boden zu düngen? Von den zehn Stoffen, die wir als unentbehrlich für die Pflanze bezeichnet haben, wird die Kohlenſäure aus der atmoſphäriſ chen Luft, das Waſſer durch den Regen ge⸗ liefert; alle übrigen entnimmt die Pflanze dem Nährſtoff⸗ vorrat des Bodens, und ſoweit dieſer nicht reicht, muß er durch Düngung vermehrt und ergänzt werden. Auch der Stickſtoff gehört hierher, denn wenn auch die atmoſphäriſche Luft in mehrfacher Richtung eine nicht zu unterſchätzende Stickſtoffquelle bietet, ſo iſt dieſe doch bei weitem nicht ergiebig genug, den Bedarf aller Pflanzen zu decken. 4 Stickſtoff, Phosphorſäure, Kali, Kalk, Magneſia, Schwefel⸗ ſäure, Chlor und Eiſenoxyd alſo müſſen in ausreichendem Vorrat im Boden enthalten ſein bzw. dem Boden gegeben werden, wenn hohe Erträge erzielt werden ſollen. Aber es fragt ſich, ob jeder dieſer acht Stoffe die gleiche Be⸗ ddeeutung für Düngezwecke hat; denn es iſt zu berückſichtigen, ddaß die Pflanze von dem einen Nährſtoff viel, von dem andern wenig bedarf, und daß der Boden an dem einen Nährſtoff reich, an dem andern arm ſein kann. Ich will als Beiſpiel anführen, daß die Futterrüben, um einen hohen Ertrag zu liefern, auf den Hektar gerechnet 500 kg Kali und 5 kg Eiſenoxyd aufzunehmen hat. Ein mittelguter Ackerboden aber enthält bis zur Tiefe von ½ m auf den Hektar berechnet etwa 10 000 kg Kali und 150 000 kg Eiſenoxyd. Mithin würde der Rechnung nach Mit welchen Stoffen hat man den Boden zu düngen? 5 der Kalivorrat nur für 20 Rübenernten, der Vorrat an Eiſenoxyd aber für nicht weniger als 30 000 Rübenernten reichen. Daraus ergibt ſich, daß man bezüglich des Eiſen⸗ vorrats im Boden beruhigt ſein darf, und daß in Rückſicht auf das Düngebedürfnis des Bodens das Kali viel wich⸗ tiger als Eiſenoxyd iſt. AÄhnlich verhält es ſich mit der Magneſia, der Schwefelſäure und dem Kalk. Gibt es auch zahlreiche Böden, die ſo wenig Kalk enthalten, daß ſie den Bedarf der Pflanze an dieſem Nährſtoff nicht decken, ſo iſt doch das Bedürfnis für Kalkdüngung oder für eine Zufuhr von Schwefelſäure oder Magneſia bei weitem nicht ſo allgemein wie für Stickſtoff, Phosphorſäure und Kali. Dieſe drei Stoffe ſind meiſt in verhältnismäßig geringer Menge im Boden enthalten, ſie müſſen faſt überall durch Düngung zugeführt werden. Die Düngerfabrikanten ſtellen daher Stickſtoffdünger, Phosphorſäuredünger und Kali⸗ dünger(bzw. Phosphorſäure⸗Stickſtoffdünger uſw.) her, ſie garantieren darin einen beſtimmten Gehalt an Stick⸗ ſtoff, Phosphorſäure und Kali, und man berechnet den Marktwert der Handelsdünger lediglich nach ihrem Gehalt an dieſen drei Stoffen. Nebenbeſtandteile der Handels⸗ dünger, wie Kalk, Schwefelſäure, Chlor, Natron, Magne⸗ ſia, Eiſenoxyd und organiſche Subſtanz, bleiben bei der handelsüblichen Bewertung unberückſichtigt, wenngleich ſie für die Wirkungen der Düngemittel nicht immer bedeu⸗ tungslos ſind. Unter welchen Verhältniſſen iſt es mög⸗ lich, die Bodenerträge durch Anwendung künſtlicher Düngemittel zu erhöhen? Ich antworte hierauf: überall da, wo die Pflanzen hun⸗ gern. Wo der Boden Pflanzen erzeugt, die nach Stickſtoff, Phosphorſäure oder Kali hungern, da wird man durch An⸗ wendung von Handelsdüngern die Erträge ſteigern können. Nicht immer iſt es ja der Hunger, der einer geringen Entwicklung der Pflanzen zugrunde liegt; gar oft iſt es der Durſt, unter dem die Pflanzen leiden, oder es iſt man⸗ gelhafte Lockerung des Bodens, wodurch die Wurzelent⸗ wicklung erſchwert wird, oder Kruſtenbildung, welche ſchädigend wirkt, oder Undurchläſſigkeit des Bodens, wo⸗ durch ſtauendes Waſſer mit all ſeinen ſchädlichen Folgen entſteht, oder Kalkarmut, Humusarmut uſw., kurz— es ſind oft ungünſtige phyſikaliſche oder chemiſche Bodenver⸗ hältniſſe oder ungünſtige Verhältniſſe des Klimas oder der Witterung, die die Pflanzen nicht zu einer geſunden, freu⸗ digen Entwicklung kommen laſſen und die Produktion be⸗ ſchränken. In ſolchen Fällen kann es vorkommen, daß die Pflanze kein Bedürfnis nach einer größeren Zufuhr von Nährſtoffen hat, ſie hungert nicht, es genügen ihr die Mengen, die der Boden bietet, um die unter den gegebenen Verhältniſſen zu ermöglichenden geringen Erträge zu er⸗ zeugen. Erſt durch Herſtellung beſſerer Verhältniſſe, wie man ſie durch Bewäſſerung oder Entwäſſerung, durch Tief⸗ kultur, beſſeres Pflügen, Eggen, Behacken, durch Merge⸗ lung, Humusbereicherung uſw. erzielt, werden Bedingun⸗ gen geſchaffen, die eine kräftigere Entwicklung der Pflan⸗ Wann ſind Bodenerträge durch künſtl. Düngemittel zu erhöhen? 7 zen, eine Steigerung der Erträge ermöglichen und dem⸗ gemäß den Nährſtoffbedarf erhöhen. Der tiefgründige, wohlbearbeitete, humusreiche, in guter Kultur befindliche und klimatiſch begünſtigte mittlere Lehmboden bietet die verhältnismäßig größte Gewähr für eine ſichere Wirkung der Handelsdünger, und jedes Mittel, das zur Verbeſſerung der Bodeneigenſchaften beiträgt, fördert den Erfolg der Düngung. Je günſtiger ſich die außer Stickſtoff, Phosphorſäure und Kali in Betracht kom⸗ menden Bedingungen der Pflanzenproduktion geſtalten, um ſo ſchneller wird ein Verbrauch, um ſo früher ein Hunger nach Nährſtoffen eintreten, und um ſo eher wird man wagen dürfen, den Kulturpflanzen noch mehr Nähr⸗ ſtoffe zuzuführen, als ihrem eigentlichen Bedürfnis, ihrem Hunger, entſpricht. Man wird die Kulturpflanzen gleich⸗ ſam„mäſten“ können. Bei intenſiv betriebener Viehfütterung geht man ja auch weiter, als dem eigentlichen Bedürfnis der Tiere ent⸗ ſpricht. Käme es nur darauf an, ihren Hunger zu ſtillen, ſo könnte man an Futter ſparen. Aber man bezweckt mehr, man bezweckt eine Intenſität der Futterumwandlung im Tierorganismus, eine Produktion von Milch, Fleiſch und Fett, welche erheblich größer iſt, als dem notwendigſten Futterbedarf der Tiere entſpricht, und die nur dadurch er⸗ zielt werden kann, daß man die Nährſtoffaufnahme durch Angebot beſonders ſchmackhafter, leicht verdaulicher und konzentrierter Futtermittel ſteigert. Ebenſo aber iſt es bei der Pflanzenproduktion. Wo die Verhältniſſe günſtig liegen, da wird man Pflanzenvarie⸗ täten von hervorragender Leiſtungsfähigkeit, gleichſam von großer„Maſtfähigkeit“ bauen, und man wird die Pflanzen durch ein reichliches Angebot leicht löslicher und ſchnell wirkender Düngemittel zu einer Nährſtoffaufnahme und 8 Wann ſind Bodenerträge durch künſtl. Düngemittel zu erhöhen? Nährſtoffumwandlung anzuregen ſuchen, die reichlicher iſt, als ihrer normalen Entwicklung entſpricht. In weiteſtgehendem Maße iſt dies, wie geſagt, unter verhältnismäßig günſtigen Bedingungen auf ſog.„beſſeren“ Bodenarten möglich; doch würde es ein großer Irrtum ſein, wenn man glauben wollte, die künſtlichen Düngemittel ſeien überhaupt nur auf beſſeren Böden mit Vorteil zu verwen⸗ den. Das iſt durchaus nicht der Fall. Ebenſo große, unter Umſtänden ſenar noch größere Gewinne laſſen ſich durch Anwendung künſtlicher Düngemittel auch auf den gerin⸗ geren, auch auf vernachläſſigten und ausgeraubten Böden er⸗ zielen. Es muß in ſolchen Fällen die Anwendung der Dünge⸗ mittel nur mit mehr Umſicht und Verſtändnis geſchehen; denn ſie fordert eine weit größere Rückſichtnahme auf die vor⸗ liegenden Sonderverhältniſſe und ſchließt in der Regel ein größeres Wagnis ein, als auf den beſſer beſchaffenen Böden. Vor allem iſt es die Stickſtoffdüngung, die auf Böden von außergewöhnlicher Beſchaffenheit mehr Vorſicht bean⸗ ſprucht als auf mittleren Bodenarten. Mit der Gefahr eeiner Stickſtoffverſickerung durch anhaltende Regengüſſe hat man auf ſehr durchläſſigen Böden, mit leicht eintretender Verhärtung und Kruſtenbildung nach Salpeterdüngung auf ſehr ſchweren Böden zu rechnen. Ferner läßt ein ſehr leichter Boden die Pflanzen oft durſten und macht ſie un⸗ fähig zur Verarbeitung großer Stickſtoffmengen, weshalb man auf ſolchem Boden mehr die Winterfrüchte zur An⸗ wendung künſtlicher Düngemittel benutzen und die Ernäh⸗ rung der Sommerfrüchte auf ein möglichſt frühes Entwicke⸗ lungsſtadium derſelben legen muß. Bietet der Boden ungünſtige phyſikaliſche Verhältniſſe, ſo wird er, wie oben hervorgehoben, geringere Gewähr für eine befriedigende Wirkung der Handelsdünger bieten; doch iſt man ander⸗ ſeits auch wieder imſtande, den ungünſtigen Bodeneigen⸗ ————— Wann ſind Bodenerträge durch künſtl. Düngemittel zu erhöhen? 9 ſchaften durch Anwendung künſtlicher Düngemittel entgegen zu wirken und ſie weniger fühlbar für die Pflanzenent⸗ wickelung zu machen. Intenſive Ernährung der Pflanze in ihrer erſten Jugend bewirkt einen größeren Tiefgang der Wurzeln, wodurch dem Waſſermangel vorgebeugt wird, ſie bewirkt ferner eine frühzeitige Beſchattung des Bodens, wodurch der Kruſtenbildung entgegengewirkt wird, und ſie bewirkt eine ſchnellere und kräftigere Entwickelung der Pflanze, wodurch die Gefahren vermindert werden, die in ober⸗ und unterirdiſchen Feinden, in der Ungunſt der Witterung, in Pilzkrankheiten uſw. der Vegetation drohen und welche auf einem phyſikaliſch ungünſtig beſchaffenen Boden bekanntlich weit größer ſind als auf beſſeren Böden. Iſt es alſo auch richtig, daß ein in gutem Kultur⸗ und Düngungszuſtande befindlicher Boden die Wirkung der künſtlichen Düngemittel mehr ſichert als ein vernachläſſigter und abgewirtſchafteter, ſo iſt doch hervorzuheben, daß eine vorſichtige und den beſonderen Verhältniſſen gut angepaßte Verwendung von Handelsdüngern gerade auf einem ab⸗ gewirtſchafteten Boden höchſt wertvolle Dienſte leiſtet. Allgemein bekannt iſt, daß eine Stallmiſtdüngung auf ſolchen Böden zunächſt von unbefriedigender Wirkung iſt; erſt nach einer Reihe von Jahren und durch wiederholte ſtarke Düngungen iſt die Fruchtbarkeit des Bodens wieder herzuſtellen. Durch Zuhilfenahme von künſtlichen Dünge⸗ mitteln aber iſt man in der Lage, den Boden ſofort wieder in hohe Ertragsfähigkeit zu bringen und ihn ſo lange darin zu erhalten, bis die Stallmiſtdüngungen zu aus⸗ giebiger Wirkung kommen und ſie den durch Raubbau auf⸗ gezehrten Bodenreichtum wieder erſetzt haben. Aus dieſen Andeutungen wird man erkennen, daß die künſtlichen Düngemittel nicht nur auf den beſſeren Boden⸗ arten, ſondern auch auf den geringeren anwendbar ſind und 10 Wann ſind Bodenerträge durch künſtl. Düngemittel zu erhöhen? daß ſie dem erfahrenen, einſichtsvollen und umſichtigen Landwirt überall— ſein Boden mag beſchaffen ſein wie er will— höchſt wertvolle Dienſte leiſten können. Soll ich die Bedeutung der künſtlichen Düngemittel ganz kurz zuſammenfaſſen, ſo ſage ich folgendes: 1. Die Handelsdünger ſetzen den intenſiv wirtſchaften⸗ den Landwirt in den Stand, die Kulturpflanzen, ſelbſt die nährſtoffbedürftigſten bzw. leiſtungsfähigſten Varietäten derſelben, auf das Höchſtmaß ihrer Entwickelung zu brin⸗ gen, Ertragsſteigerungen zu bewirken, wie ſie durch reine Stallmiſtwirtſchaft nicht erzielbar ſind, und ſie ſetzen ihn in den Stand, den Boden ſtark angreifende Pflanzen in verhältnismäßig kurzen Unterbrechungen auf dem gleichen Acker wiederkehren zu laſſen, ohne daß die Erträge ab⸗ nehmen und eine Erſchöpfung des Bodens zu bemerken iſt. 2. Die Handelsdünger machen es möglich, die Er⸗ nährung der Kulturpflanzen den beſonderen Verhältniſſen des Bodens, des Klimas und der Witterung dermaßen an⸗ zupaſſen, daß die günſtigen Einflüſſe dieſer Verhältniſſe ausgenutzt, die ungünſtigen abgeſchwächt oder auch ganz beſeitigt werden. 3. Die Handelsdünger ſetzen den Landwirt in den Stand, die ihm zur Verfügung ſtehende Bodenfläche zur Einſammlung von atmoſphäriſchem Stickſtoff ergiebig aus⸗ zunutzen. Phosphate und Kaliſalze geben den Lupinen, dem Klee, den Wicken, Erbſen, der Serradella, den Wieſen⸗ pflanzen uſw. unter Vermittelung von Bakterien die Fähigkeit, große Mengen von Stickſtoff der atmoſphäriſchen Luft zu entnehmen und mit dieſem wichtigen und wert⸗ vollſten aller Nährſtoffe die Wirtſchaft zu bereichern, das Düngerkapital zu vermehren und die extenſive Produktion in eine intenſive umzuwandeln, wodurch der Bodenwert geſteigert und die Rente erhöht wird. Mit welchen Nährſtoffen und mit welchen Mengen derſelben iſt ein beſtimmter Boden zu düngen? Die Beantwortung dieſer Frage macht einige Schwie⸗ rigkeit. Ob es im gegebenen Fall überhaupt möglich iſt, durch Anwendung von Handelsdüngern eine Ertragsſteige⸗ rung zu erzielen, das iſt leicht zu ermitteln. Oft ſieht man es den Pflanzen ſchon an, ob ſie hungern oder nicht; ihre blaſſe Farbe verrät, daß der Stickſtoff nicht reicht, oder ein rötlich⸗brauner Ton im Grün der Blätter zeigt, daß die Trägheit, mit welcher die Pflanze trotz Sonnenſchein und Regen in ihrer Entwicklung fortſchreitet, die Folge un⸗ genügender Ernährung mit Phosphorſäure iſt. Und gelbe Flecke, die bald ins Bräunliche übergehen und oft von einer Kräuſelung der Blätter begleitet ſind, laſſen Kalihunger erkennen. Auch durch einfache Verſuche kann man ja prüfen, ob der Boden empfänglich oder unempfänglich für Düngungen iſt, ſelbſt eine annähernde Schätzung der Größe ſolcher Wirkung macht dem geübten Auge des Praktikers keine Schwierigkeit. Die Frage aber: welche Nährſtoffe ſind nötig, welche dagegen überflüſſig, und wieviel iſt von jedem derſelben im beſtimmten Fall zu geben, um den höchſtmöglichen Reingewinn zu erzielen, iſt nicht ſo leicht zu beantworten. An einem Beiſpiel will ich dies klar⸗ zuſtellen verſuchen. Geſetzt, die außer der Düngung in Betracht kommen⸗ den Verhältniſſe eines Weizenackers ſeien derart, daß durch 12 Mit welchen Nährſtoffen iſt ein beſtimmter Boden zu düngen? Nährſtoffzufuhr eine Ertragsſteigerung um 1000 kg Körner möglich iſt. Wie iſt nun der Acker zu düngen? In 1000 kg Weizenkörner mit entſprechendem Stroh ſind rund ent⸗ halten: 15 kg Phosphorſäure, 16„ Kali, 35„ Stickſtoff. Werden wir nun den gewünſchten Mehrertrag er⸗ halten, wenn wir dieſe Nähſtoffmengen in den Boden bringen? Nein, denn mit der größeren Produktion an oberirdiſcher Subſtanz bilden ſich auch mehr Wurzeln, und auch dieſe haben Nährſtoffe nötig. Dazu kommt, daß der Boden nicht ſogleich die ganze Nährſtoffmenge, die er empfangen hat, den Pflanzen gibt, er hält bald mehr, bald weniger davon für die nachfolgenden Kulturen zurück. Wir müſſen alſo erheblich mehr Nährſtoffe in den Boden bringen, als der Rechnung entſpricht. Ich will annehmen, es ſeien gegeben worden: 3 90 kg Phosphorſäure, 30„ Kali, 70„ Stickſtoff. Werden wir jetzt auf einen Mehrertrag von 1000 kg Körner und etwa 1500 kg Stroh rechnen können? Ja. Aber iſt man gewiß, daß die verwendete Düngung die un⸗ boedingt richtigſte geweſen iſt? Nein. Und weshalb nicht? 8 Weil wir mit dem einen oder dem andern der genannten Nährſtoffe vielleicht Verſchwendung getrieben haben. Unſere Aufgabe iſt ja, den Mehrertrag von 1000 kg Körner unter Aufwendung der geringſtmöglichen Koſten zu erzielen; denn es kommt uns nicht auf die Höhe des Rohertrages, ſondern auf die des Reingewinnes an. Wir müſſen alſo fragen: Hat es dem Boden tatſächlich an allen drei Nährſtoffen ge⸗ fehlt und waren die genannten Mengen derſelben erforder⸗ Wie iſt das Düngebedürfnis eines Bodens feſtzuſtellen? 13 lich, oder iſt es möglich, daß wir anſtatt der 90 kg ſchon mit etwa 50 kg Phosphorſäure hätten auskommen können, da der Boden vielleicht aus früheren Düngungen noch Phosphorſäure enthielt? Oder iſt es möglich, daß wir etwa die Kalidüngung ganz hätten ſparen können, indem der Boden vielleicht von Natur ſo reich an Kali iſt, daß er der Zufuhr von Kaliſalzen noch nicht bedarf? Oder aber, wenn wirklich 90 kg Phosphorſäure und 30 kg Kali notwendig waren, um den gewünſchten Mehrertrag zu erzielen— iſt es dann nicht möglich, daß wir an der teuren Stickſtoffdüngung hätten ſparen können; iſt es nicht mög⸗ lich, daß der Boden vorzugsweiſe nur an Phosphorſäure und Kali ausgeraubt geweſen iſt und infolge großen Humusgehalts oder ſtickſtoffreicher Wurzelreſte von Erbſen, Wicken, Klee, Lupinen uſw. einen Überſchuß an Stickſtoff enthielt? In der Tat, dies alles iſt möglich; wir haben vielleicht große Verſchwendung getrieben und hätten die Düngung erheblich billiger einrichten können, ohne einen geringeren Ertrag zu erhalten. Wir müſſen, um die rich⸗ tigſte und vorteilhafteſte Düngung zu finden, nicht nur das Bedürfnis der zu bauenden Kulturpflanze, ſondern auch den„Düngungszuſtand“, den Nährſtoffvorrat bzw. das Düngebedürfnis des betreffenden Bodens kennen und fragen daher: 2* Wie iſ das Düngebedürfnis eines Bodens 3 feſtzuſtellen Wie iſt feſtzuſtellen, ob ein beſtimmter Boden arm oder reich an Nährſtoffen iſt, einer ſtarken oder einer ſchwachen Düngung mit Stickſtoff, Phosphorſäure oder Kali bedarf? Die Antwort lautet: durch den Düngungs 14 Wie iſt das Düngebedürfnis eines Bodens feſtzuſtellen? verſuch. Bis zum Überdruß hat man dargelegt, daß die genannte Frage nicht durch die chemiſche Analyſe zu löſen iſt; ſie muß direkt an den Boden gerichtet werden, der Landwirt muß einen Teil ſeines Ackers oder ſeiner Wieſe in eine Anzahl Parzellen teilen, den Parzellen verſchieden zu⸗ ſammengeſetzte Düngungen geben, den Erfolg der Düngun⸗ gen feſtſtellen und auf ſolche Weiſe Aufſchluß über das Düngebedürfnis des betreffenden Bodens zu gewinnen ſuchen. Aber pflegt der Landwirt dies zu tun? Nein! Nur in ſehr ſeltenen Fällen hat man ſich entſchloſſen, Düngungs⸗ verſuche auszuführen, und wo man es getan hat, da iſt man der Sache bald müde geworden. Die Arbeit iſt zu groß und der Erfolg zu gering geweſen. Ungleichmäßig⸗ keit des Bodens, Wildſchaden, Vogel⸗ und Mäuſefraß, In⸗ ſekten und Pilze, Dürre und Näſſe, Lagerfrucht und Hagelſchaden, Körnerausfall und ſonſtige Zufälligkeiten haben die Ergebniſſe oft ſo ungenau und unſicher gemacht, daß ſie eher zu Fehlſchlüſſen als zu einer wahrheits⸗ getreuen Beantwortung der geſtellten Fragen geführt haben. Und dazu kommt, daß alle Verſuchsarbeiten in die Zeit fallen, in welcher es ganz beſonders ſchwierig iſt, die notwendigen Kräfte dafür bereit zu ſtellen. Dies erwägend, hat man wieder und immer wieder verſucht, dem Praktiker die Arbeit zu erleichtern oder ganz aobzunehmen; man hat aufs neue und nach verſchiedenen Riichtungen hin die Frage geprüft: Iſt die chemiſche Analyſe imſtande, das Düngebedürfnis eines Bodens zu ermitteln? Es iſt bekannt, daß der Gehalt eines Bodens an Stickſtoff, Phosphorſäure und Kali ohne Schwierigkeit durch die chemiſche Analyſe feſtgeſtellt werden kann. Acker⸗ und Wieſenböden, die wir unterſucht und zu Düngungs⸗ —— ͦ— Wie iſt das Düngebedürfnis eines Bodens feſtzuſtellen? 15 verſuchen benutzt haben, enthielten im Doppelzentner bei⸗ ſpielsweiſe zwiſchen 40 und 500 g der einzelnen Nähr⸗ ſtoffe. Aber kann man aus ſolchen Zahlen einen Schluß auf das Düngebedürfnis des betreffenden Bodens ziehen? Ja. Wenn ein Ackerboden nur 40 g Phosphorſäure im Doppelzentner enthält, ſo kann man mit vollkommener Beſtimmtheit ſagen, daß er düngebedürftig für Phosphor⸗ ſäure iſt, und mit der gleichen Beſtimmtheit kann man ſagen, daß ein Boden, der 400 oder gar 500 g Phosphor⸗ ſäure im Doppelzentner enthält, ausnehmend reich an Phosphorſäure iſt, ſo reich, daß er ſelbſt Jahrzehnte lang eine Beraubung an Phosphorſäure vertragen kann, ohne daß ſeine Fruchtbarkeit, ſoweit ſie die Verſorgung der Pflanze mit Phosphorſäure betrifft, darunter leidet. Wie nun aber, wenn ein Boden vorkommt, der etwa 100 oder 150 g Phosphorſäure im Doppelzentner enthält, können wir auch dann ein beſtimmtes Urteil über ſein Dünge⸗ bedürfnis fällen? Nein. Ein Beiſpiel wird zeigen, daß das nicht geht. Wir führten Feldverſuche auf einem Lehmboden und einem Sandboden aus. Der Lehmboden enthielt 158 g, der Sandboden nur 91 g Phosphorſäure im Doppelzentner. Bei einer„Volldüngung“ von Kali, Phosphorſäure und Stickſtoff wurde auf dem Lehmboden ein Ertrag von 40,5 dz Haferkörner erhalten. Fehlte an der Düngung die Phosphorſäure, ſo ſank der Ertrag auf 34,9 dz. Bei der gleichen„Volldüngung“ wurden auf dem Sandboden 38,0 dz Haferkörner erhalten; fehlte an Düngung die Phosphorſäure, ſo ſank der Ertrag nicht. Der phosphorſäurereichere Lehmboden alſo bedurfte einer Phosphorſäuredüngung, um den Höchſtertrag zu erbringen; der phosphorſäureärmere Sandboden dagegen lieferte ſchon bei phosphorfreier Düngung einen Ertrag von 38 da Haferkörner, und Phosphorſäuredüngung war nicht im⸗ 16 Wie iſt das Düngebedürfnis eines Bodens feſtzuſtellen? ſtande, den Ertrag noch mehr zu ſteigern. Der phosphor⸗ ſäurereichere Boden war düngebedürftig für Phosphor⸗ ſäure, der phosphorſäureärmere bedurfte der Phosphor⸗ ſäuredüngung nicht. Was lehrt dieſer Verſuch? Doch ge⸗ wiß nichts anderes, als daß es nicht nur auf den Geſamt⸗ gehalt des Bodens an Phosphorſäure, ſondern weſentlich auch auf den Löslichkeitsgrad derſelben, auf den Grad ihrer Aufnehmbarkeit, ankommt. Wir haben es hier mit den gleichen Verhältniſſen zu tun wie bei der Thomasſchlacke. Zwei Thomasmehle un⸗ gleicher Herkunft, die beide gleich viel Phosphorſäure ent⸗ halten, können in ihrem Düngewert doch ſehr verſchieden ſein. Das eine Thomasmehl kann zu 100%, das andere 3u 50% löslich ſein, das eine kann doppelt ſo ſchnell wirken als das andere. Und ſo iſt es auch mit den Boden⸗ phosphaten. Der Gehalt des Bodens an Geſamtphos⸗ phorſäure iſt nicht maßgebend, es kommt weſentlich mit auf den Löslichkeitsgrad der Bodenphosphate an. V Das dies wirklich der Fall iſt, daß die Phosphate des Bodens tatſächlich ſehr verſchiedenen Löslichkeitsgrad beſitzen, will ich an einer Reihe von Verſuchen, die wir ausführten, zeigen. Wir füllten Vegetationsgefäße, die 7 kg Erde faßten, mit 14 verſchiedenen, der Krume von AÄckern und Wieſen entnommenen Böden. Die Gefäße wurden mit ſo viel Kali und Stickſtoff gedüngt, wie zur Erzeugung einer Maximal⸗ ernte erforderlich war; ſie wurden darauf mit Hafer be⸗ pflanzt, der Hafer wurde reif geerntet, das Erntegewicht beſtimmt und in Stroh und Körnern der Phosphorſäure⸗ gehalt ermittelt. Auf dieſe Weiſe erfuhren wir, wieviel Phosphorſäure die verſchiedenen Böden, deren Geſamtgehalt an Phosphorſäure analytiſch feſtgeſtellt war, an die Hafer⸗ pilange Abgegeben hatten. Bezeichnen wir dieſe Phos⸗ — Wie iſt das Düngebedürfnis eines Bodens feſtzuſtellen? 17 phorſäure als„löslich“, ſo ergab ſich bei unſeren Verſuchen, daß die verſchiedenen Böden auf je 100 Teile Geſamt⸗ Phosphorſäure die folgenden Mengen löslicher Phosphor⸗ ſäure enthielten, oder daß die prozentiſche„Löslichkeit“ der Boden⸗Phosphorſäure die folgende war: Setzt man die Löslichkeit der . Phosphorſäure des Bodens Löslichkeit der Nr. 1= 100, ſo berechnen ſich Boden⸗ für die Löslichkeit der Phos⸗ Phosphorſäure phorſäure der übrigen Böden % folgende Zahlen: bei Boden Nr. 1 3,4 100 „„„ 2 3,1 91 .„ 3. 2,7 79 4. 2,6 76 3 3 5 2,5 74 6 2,4 71 7 1,9 56 8. 1,8 53 „. 9 1,7 50 „„ 10 1,5 44 .„ 11 1,4 41 .„ 12 1,2 35 „„„ 18 1,1 32 „„„ 1141.0.,7 21 Das ſind große Unterſchiede. Die Löslichkeit der Boden⸗Phosphorſäure ſchwankte zwiſchen 0,7% und 3,4% und die relative Löslichkeit zwiſchen 21 und 100ol) Es iſt alſo klar: Die chemiſche Analyſe kann nur ſelten ein ſicheres Urteil über das Düngebedürfnis des Boden geben; nur in außergewöhnlichen Fällen, nur bei ausnehmend hohem oder ausnehmend geringem Nährſtoff⸗ gehalt des Bodens kann man auf Grund der Ergebniſſe einer chemiſchen Analyſe hinreichend ſicher über die Frage urteilen, ob und in welchem Maße der Boden dünge⸗ bedürftig iſt oder nicht. In normalen Fällen, alſo bei Wagner. Düngemittel. Siebente Auflage. 2 3 18 Wie iſt das Düngebedürfnis eines Bodens feſtzuſtellen? mittlerem Nährſtoffgehalt, läßt die Analyſe im Stich, weil hier der Löslichkeitsgrad der Nährſtoffe den Ausſchlag gibt. Wir haben ſomit die Frage zu prüfen: Wie läßt ſich der Löslichkeitsgrad der Bodennührſtoffe feſtſtellen? Der Vegetationsverſuch, ſo haben wir geſehen, iſt hierzu geeignet. Durch den Vegetationsverſuch läßt ſich ermitteln, wieviel Kali, Phosphorſäure oder Stickſtoff ein Boden unter beſtimmten Verhältniſſen an die Pflanze ab⸗ zugeben vermag, und wenn wir feſtgeſtellt haben, daß unnter den für die Verſuche gewählten Verhältniſſen der eine Boden vom Doppelzentner etwa ⁄½ g, der andere 1 g, der dritte 2 g Phosphorſäure abgegeben hat, ſo iſt gewiß, daß dieſe Zahlen ſehr wertvolle Anhaltspunkte für die Beurteilung des Düngebedürfniſſes der Böden bieten. Aber ich frage: Gibt es nicht einen noch einfacheren Weg, den Löslichkeitsgrad der Bodennährſtoffe feſtzuſtellen, als den immerhin recht umſtändlichen Vegetationsverſuch? Haben wir doch beiſpielsweiſe für die Thomasſchlacke ein chemiſch⸗analytiſches Mittel gefunden, ihren Löslichkeits⸗ grad zu ermitteln. Was hindert uns, nach genau der gleichen, ſehr einfachen und ſchnell ausführbaren Methode auch die Löslichkeit der Bodenphosphate zu beſtimmen? Durch den Vegetationsverſuch hatten wir gefunden, daß das eine Thomasmehl 90%, das andere 80%, das dritte 70% ſeiner Phosphorſäure an die Pflanzen abgab, und nachdem wir das gefunden hatten, ſuchten wir ein chemi⸗ ſches Mittel, ein chemiſches Reagens, welches in annähernd dem gleichen Verhältnis die Phosphorſäure der Thomas⸗ mehle löſte, wie ſie beim Vegetationsverſuch durch die Pflanzen aufgenommen war. In einer Löſung von 20 g Zitronenſäure auf 1 1 Waſſer fanden wir ein ſolches Wie läßt ſich der Löslichkeitsgrad der Bodennährſtoffe feſtſtellen? 19 Reagens, und wenn uns jetzt ein Thomasmehl von un⸗ bekanntem Löslichkeitsgrad in die Hände kommt, ſo ſtellen wir nicht erſt einen Vegetationsverſuch mit demſelben an, der ſechs Monate dauert, ſondern behandeln es einfach mit Zitronenſäurelöſung, und in einigen Stunden iſt der rela⸗ tive Wert des fraglichen Thomasmehles feſtgeſtellt. Was hindert uns nun, mit den Bodenphosphaten genau ſo zu verfahren, wie mit dem Thomasmehl? Was hindert uns, auch die Bodenphosphate bzw. die in Frage kommenden Proben von Kulturböden mit 2% iger Zitronenſäure oder, wenn es damit nicht geht, mit einem anderen ge⸗ eigneten Löſungsmittel zu behandeln und innerhalb weniger Stunden feſtzuſtellen, was der Vegetationsverſuch erſt in ſechs Monaten ergibt? In der Tat, wir haben uns bemüht, auf dieſem Wege zum Ziel zu kommen. Wir haben verſucht, ein analytiſches Verfahren zu finden, bei welchem in dem gleichen Verhält⸗ nis die Phosphorſäure aus den Bodenphosphaten gelöſt wird, wie die in dem betreffenden Boden vegetierende Kulturpflanze es tut; wir ſind aber zu dem Ergebnis ge⸗ kommen, daß dieſer Aufgabe ſich Hinderniſſe entgegen⸗ ſtellen, Hinderniſſe, wie ſie bei der Prüfung der Thomas⸗ mehle nicht beſtehen bzw. leicht überwunden werden können. Die Hauptſchwierigkeit liegt in folgenden zwei Punk⸗ ten. Zunächſt iſt der Umſtand ſtörend, daß die Kulturböden kohlenſauren Kalk und zwar wechſelnde Mengen davon enthalten. Behandeln wir eine Probe des Bodens mit 2% iger Zitronenſäurelöſung, um die darin lösliche Phos⸗ phorſäure zu ermitteln, ſo werden wir vielleicht ein voll⸗ kommen richtiges Reſultat erhalten, wenn der Boden frei von kohlenſaurem Kalk iſt. Enthält er aber kohlenſauren Kalk— und das iſt ja in der Regel der Fall—, ſo wird 2* 20 Wie iſt das Düngebedürfnis eines Bodens feſtzuſtellen? der Befund unrichtig ſein, denn wir finden dann nicht die Menge von Phosphorſäure, die ſich bei der Behandlung des Bodens mit 2% iger Zitronenſäure löſt, ſondern die Menge, die ſich bei der Behandlung mit mehr oder weniger geſchwächter Zitronenſäure löſt. Der kohlenſaure Kalk ſchwächt die Löſung, er entſäuert ſie, er nimmt die Zitronenſäure ganz oder zum Teil fort und dadurch ent⸗ ſteht ein unrichtiges Ergebnis. Denken wir uns zwei Böden, deren Phosphate tatſächlich etwa 2% in Zitronen⸗ ſäure löslicher Phosphorſäure enthalten. Der eine Boden eenthält— ſo wollen wir annehmen— ſo gut wie gar keeinen kohlenſauren Kalk. Behandeln wir dieſen mit Zi⸗ tronenſäure, ſo finden wir, daß ſich 2% ſeiner Phosphor⸗ ſäure löſen. Der andere aber ſei reich an kohlenſaurem Kalk. Behandeln wir dieſen mit Zitronenſäure, ſo finden wir, daß ſich ſo gut wie gar keine Phosphorſäure löſt, weeil eben der kohlenſaure Kalk des Bodens die Zitronen⸗ ſäure an ſich genommen und eine Flüſſigkeit hinterlaſſen hat, die auf die Bodenphosphate nicht wirkt. Aber noch eine andere Schwierigkeit liegt vor. Es handelt ſich bei Feſtſtellung des Gehaltes eines Bodens an löslicher, d. h. für die Pflanzen zur Verfügung ſtehender Phosphorſäure um nur ſehr geringe Mengen, um Mengen, die unter Umſtänden ſo gering ſind, daß ſie durch die chemiſche Analyſe nicht nachgewieſen werden können, wäh⸗ reend ihre Wirkung auf die Pflanze deutlich hervortritt. Die Pflanze bietet ein viel ſchärferes Reagens auf lösliche Phosphorſäure im Boden, als die analytiſche Chemie es beſitzt. Bringt man etwa 6 kg eines phosphorſäurearmen Bodens in ein Vegetationsgefäß, ſtellt man daneben ein zweites mit ebenfalls 6 kg des gleichen Bodens auf, welchem aber 0,05 g lösliche Phosphorſäure beigemengt iſt, und baut man in beiden Gefäßen Hafer, ſo wird man Läßt ſich aus dem Gehalt der Ernteſubſtanz ein Schluß ziehen? 21. finden, daß in dem gedüngten Gefäß der Hafer viel üppiger ſich entwickelt, als in dem nicht gedüngten. Man wird finden, daß die Düngung von nur 0,05 g Phosphorſäure einen Mehrertrag von etwa 12 g Ernteſubſtanz hervor⸗ bringt, während kein Chemiker imſtande iſt, nachzuweiſen, daß der eine Boden um 0,05 g löslicher Phosphorſäure in 6 kg Erde reicher iſt als der andere. Alſo wir ſehen: Die Feſtſtellung des Löslichkeits⸗ grades der Bodennährſtoffe durch chemiſch⸗analytiſche Prü⸗ fungen bietet große Schwierigkeiten, und es iſt wenig Aus⸗ ſicht vorhanden, daß weiter in dieſer Richtung unter⸗ nommene Forſchungen einen befriedigenden Erfolg haben. Zur Begründung dieſes Urteils mögen folgende Er⸗ gebniſſe aus unſeren Verſuchen dienen. Wir haben einer⸗ ſeits ermittelt, wieviel zitronenſäurelösliche, ſalzſäurelös⸗ liche und Geſamtphosphorſäure in 10 verſchiedenen Boden⸗ arten enthalten waren, und wir haben andererſeits durch den Vegetationsverſuch feſtgeſtellt, wieviel von je 100 Tei⸗ len ſolcher Phosphorſäure durch die Haferpflanzen von der Einſaat bis zur Reife aufgenommen wurde. Die Ergeb⸗ niſſe waren wie folgt: Die Pflanzen haben aufgenommen aus je 100 Teilen Boden zitronenſäurelöslicher ſalzſäurelöslicher Geſamtphosphor⸗ Nr. Phosphorfäure Phosphorſäure fäure Teile Phosphorſäure Teile Phosphorſäure Teile Phosphorſäure 1 5 5 2 2 27 14 2 3 15 6 3 4 10 3 1 5 16 6 3 6 22 7 2 7 36 3 1 8 23 3 2 9 23 5 3 10 11 2 1 22 Wie iſt das Düngebedürfnis eines Bodens feſtzuſtellen? Man ſieht, daß die Menge von Phosphorſäure, die voon den Böden an die Haferpflanzen abgegeben wurde, in keinem gleichbleibenden Verhältnis zu dem Gehalt der Böden an zitronenſäurelöslicher, ſalzſäurelöslicher oder Geſamtphosphorſäure ſtand, ſo daß man aus der chemiſchen Unterſuchung der Böden keinen Anhaltspunkt zur Beur⸗ teilung ihres Düngebedürfniſſes für Phosphorſäure ge⸗ winnen konnte. Vielleicht aber iſt ein anderer Weg möglich. Ich frage: Läßt ſich etwa aus dem prozentiſchen Nährſtoffgehalt der Ernteſubſtanz ein Schluß auf den Gehalt des betr. Bodens an löslichen Pflanzennährſtoffen ziehen? Man hat geſagt: Ein nach Phosphorſäure hungern⸗ 1 der Boden liefert phosphorſäurearme, ein mit Phosphor⸗ ſäure geſättigter phosphorſäurereiche Pflanzen. Man wird alſo aus der Analyſe der gewonnenen Ernteſubſtanz einen Schluß auf das Düngebedürfnis des Bodens ziehen können. Iſt das richtig? Ja. Aber auch hier gilt zunächſt das, was bezüglich der Anwendbarkeit der Bodenanalyſe geſagt iſt: Nur in außergewöhnlichen Fällen wird man zu brauchbaren Anhaltspunkten gelangen, und auch in ſolchen nur dann, wenn man vorſichtig und mit Kritik die Reſultate beurteilt. Auf einer ungedüngten, ſehr ertragarnren und ſehr hungrigen Wieſe ernteten wir beiſpielsweiſe ein Heu, das nur 0,2% Phosphorſäure und nur 0,8% Kali enthielt, während wir auf der gleichen Wieſe bei reichlicher Dün⸗ gung ein Heu mit nicht weniger als 0,9% Phosphor⸗ ſäure und 2,6% Kali erhielten, und mit Beſtimmtheit läßt ſich behaupten, daß eine Wieſe, die ein Heu liefert, Läßt ſich aus dem Gehalt der Ernteſubſtanz ein Schluß ziehen? 23 das den angegebenen niedrigen Gehalt an Phosphorſäure und Kali aufweiſt, düngebedürftig iſt, während mit der gleichen Beſtimmtheit der Schluß gezogen werden kann, daß die Wieſenpflanzen mit Kali und Phosphorſäure hin⸗ reichend verſorgt geweſen ſind, wenn ihr Gehalt den an⸗ gegebenen hohen Zahlen entſpricht. Weiteres hierüber unter Düngung der Wieſen. Ich habe verſucht, auch aus dem prozentiſchen Nähr⸗ ſtoffgehalt der bei Ackerkulturen gewonnenen Ernteſubſtanz Grenzwerte zu gewinnen, die zur Beurteilung des Dün⸗ gungsbedürfniſſes der Böden dienen könnten. In meiner Schrift„Die Wirkung von Stallmiſt und Handelsdün⸗ gern“, Heft 279 der Arbeiten der D. L. G., habe ich Mit⸗ teilung über einen großen Teil unſerer diesbezüglichen Arbeiten gemacht. Wir haben feſtgeſtellt, daß der Phos⸗ phorſäure⸗ und Kaligehalt der Getreidekörner ſehr wenig wechſelt. Er iſt vom Gehalt des Bodens, bzw. ſeines Düngungszuſtandes wenig abhängig. Der Gehalt des Getreideſtrohes dagegen, wie auch der Gehalt der Trocken⸗ ſubſtanz von Kartoffeln, Zuckerrüben und Futterrüben weiſt je nach ſtärkerer oder geringerer Düngung ſo große Unterſchiede auf, daß man Grenzwerte feſtſtellen kann, die einen wenn auch nur ganz ungefähren Anhalt zur Be⸗ urteilung des Düngebedürfniſſes des betreffenden Bodens bieten. Aber ich warne davor, den Wert und die Zu⸗ verläſſigkeit ſolcher Grenzwerte zu überſchätzen. Ich hebe hervor, daß nur bei ausnehmend großer Armut oder aus⸗ nehmend großem Reichtum des Bodens an Nährſtoffen überhaupt größere Unterſchiede im prozentiſchen Gehalt der Ernteſubſtanzen auftreten, woraus folgt, daß auch nur bei ausnehmend hohem oder ausnehmend geringem Gehalt der Ernteſubſtanz ein Rückſchluß auf den Düngungszuſtand des Bodens gezogen werden kann. Die weitaus meiſten 24 Wie iſt das Düngebedürfnis eines Bodens feſtzuſtellen? praktiſch vorkommenden Fälle aber ſind nicht die Ptrornen, ſondern die mittleren. Auch folgendes iſt zu beachten. Es kann unter Um⸗ ſſtänden vorkommen, daß ein an löslicher Phosphorſäure armer Boden eine prozentiſch reichere Ernteſubſtanz liefert als ein reicherer. Von vielen Beiſpielen, die dies zeigen, möge das folgende hier angeführt ſein. Bei Feldverſuchen mit Winterroggen erhielten wir auf der ungedüngten Par⸗ zelle ein Stroh mit 0,194% Phosphorſäure, auf der mit 300 kg Superphosphat und 200 kg Chiliſalpeter ge⸗ düngten ein Stroh, das nur 0,168% Phosphorſäure enthielt. Wie iſt dies ſeltſame Ergebnis zu erklären? Wie iſt es möglich, daß der mit Superphosphat gedüngte Boden ein phosphorſäureärmeres Stroh geliefert hat als der ungedüngte? Das iſt ſehr einfach. Auf der un⸗ gedüngten Parzelle nahmen die Pflanzen die Phosphor⸗ ſäure, die der Boden ihnen bot, auf, aber ſie konnten nicht viel damit anfangen, weil es an Stickſtoff fehlte; die Phos⸗ phorſäure lagerte ſich ab, reicherte die Halme und Blätter an und es wurde ein prozentiſch phosphorſäurereiches Stroh geerntet. Auf dem gedüngten Boden dagegen fehlte es nicht an Stickſtoff, der zugeführte Salpeterſtickſtoff ſetzte die Pflanzen in den Stand, nicht nur die aus dem Boden erhaltene, ſondern auch noch die aus der Superphosphat⸗ düngung aufgenommene Phosphorſäure zu Pflanzenſub⸗ ſtanz zu verarbeiten und den erheblichen Mehrertrag von 2550 kg Stroh+ Körner vom Hektar zu erzeugen. Die Phosphorſäure lagerte ſich hier nicht ab, ſie reicherte die Blätter und Halme nicht an; ſie wurde zu Ernteſubſtanz verarbeitet, und ſo kam es, das nach Phosphorſäure⸗ düngung(unter Zugabe von Stickſtoff) Stroh geerntet wurde, das phosphorſäureärmer war als das vom un⸗ ldüngten Boden erhaltene. Läßt ſich aus dem Gehalt der Ernteſ ubſtanz ein Schluß ziehen? 25 Das iſt ein Beiſpiel, welches deutlich zeigt, wie vor⸗ ſichtig man urteilen muß, wenn man aus dem prozentiſchen Gehalt der Ernteſubſtanz einen Schluß auf den Gehalt des Bodens an löslichen Nährſtoffen ziehen will. Die Grenzwerte, wie ſie ſich aus unſeren in oben ge⸗ nannter Schrift beſprochenen Verſuchen ergeben haben, ſollen hier mit dem ausdrücklichen Bemerken wieder⸗ gegeben werden, daß ſie nur als Grundlage für eine weitere Prüfung dieſer wichtigen Frage dienen dürfen. Weitere Erfahrungen werden ergeben, ob die Grenzwerte erweitert werden müſſen, oder ob man ſie enger ziehen lann. Je enger die Grenzen gezogen werden können, ohne daß man 4 Unſicheres bietet, um ſo wertvoller werden ſie ja für die Praxis ſein. Zieht man ſie der größeren Sicherheit halber ſo weit, daß nur ſelten in der landwirtſchaftlichen Praxis vorkommende Ausnahmen über ſie hinausgehen, ſo hat eine Feſtſtellung des prozentiſchen Kali⸗ und Phosphor⸗ ſäuregehaltes der Ernteſubſtanz wenig praktiſchen Wert. Man kann dann keinen beſtimmteren Schluß aus den analytiſchen Ergebniſſen ziehen als den, daß mit der grö-⸗ ßeren Annäherung an den unteren oder an den oberen Grenzwert die Wahrſcheinlichkeit ſteigt oder fällt, daß eine ſtärkere Phosphorſäure⸗ oder Kalidüngung befriedigenden Erfolg haben wird. Aus unſeren beiſpielsweiſe mit Roggen ausgeführten Verſuchen hat ſich ergeben, daß bei den uns vorliegenden 24 Verſuchen der Gehalt des Roggenſtrohs an Phosphor⸗ ſäure bei ſtärkſter Düngung im Mittel 0,27% betragen hat. Fiel der Gehalt bei phosphorſäurefreier Düngung unter 0,12%, ſo wurde ausnahmslos ein Mehrertrag an Roggenkörnern durch Phosphorſäuredüngung erzielt. War dagegen der prozentiſche Phosphorſäuregehalt des Roggen⸗ ſtrohs höher als 0,42%, ſo übte die Phosphorſäuredün⸗ 26 Wie iſt das Düngebedürfnis eines Bodens feſtzuſtellen? ——ñꝛ½—— Di 8⸗ j 2; die hne. Shorſehe. Die Phos⸗ (bezw. Kali⸗)(bezw. Kali⸗)] phorſäure Mitt⸗ Hüngumg. düngung[(bezw. Kali⸗) lexer mäßig einen hatte degeln düngung An⸗ Gehalt Mehrertrag Mehrertrag hatte einen der rerseuigt, erzeugt, Mehrertrag zahl 8. wenn L erzeugt, Ernte⸗ Ppellhgw. eosore lelbſt bei dem der[ſubſtanz Kali⸗) gehalt Kali⸗) gehalt bei Phos⸗ der bei Nhos⸗der bei Phos⸗ phorſäure⸗ Ver⸗ bei phorſäure⸗ phorſäure⸗ p 4 ſtärkſter(bezw. kali⸗(bezw. kali⸗)(bezw. kali⸗) freier Dün⸗ freier Dün⸗ freier Dün⸗ ſuche Dün⸗ gung erhal⸗ gung erhal⸗ tenen Ernte⸗ſtenen Ernte⸗‚gung gefun⸗ gung ſubſtanz ſubſtanz hö⸗ denen Höchſt⸗ . geringes her war als gehalt von %⁰%%% Phosphorſäure. Winterroggenſtroh. 24 0,27 0,12 0,24 Winterweizenſtroh 24 0,21 0,14— 0,27 Haferſttuh.. 17 0,44 0,17 0,37— Gerſteſtroh. 16 0,20 0,18 0,30— Kartoffeltrockenſubſt. 25 0,60 0,40— 0,65 Zuckerrübentrocken⸗ ſubſtanz... 8 0,37 0,30— 0,44 Futterrübentrocken⸗ ſubſtanz... 24 0,64 0,35— 0,66 Kali. Winterroggenſtroh. 24 1,11 0,70 1,0— Winterweizenſtroh 24 0,98 0,68— 1,12 Haferſtroh.. 17 1,72— ¹)— 2,29 Gerſteſtroh.. 16 11,11— ²)— 1,42 Kartoffeltrockenſubſt. 25 2,53 1,80 3,0— Zuckerrübentrocken⸗ ſubſtanz... 8 1,10 0,80— 1,14 Futterrübentrocken⸗ ſubſtanz... 24 4,04— ³)— ³)— ⁸) ¹) Hier war kein unterer Grenzwert feſtzuſtellen. Der geringſte bei kalifreier Düngung feſtgeſtellte Kaligehalt im Haferſtroh, betrug 0,69% und bei ddieſem war keine Wirkung der Kalidüngung eingetreten. ²) Hier war kein unterer Grenzwert feſtzuſtellen. Der geringſte bei kalifreier Düngung feſtgeſtellte Kaligehalt im Gerſteſtroh betrug 0,38% und bei dieſem war keine Wirkung der Kalidüngung eingetreten. Hier war weder eine unterſte noch eine oberſte Grenze feſtzuſtellen, da Kaliwirkung bei allen Verſuchen, ſelbſt noch bei einem Kali⸗ gehalt, der bei kalifreier Düngung 4,0% betrug, eingetreten war. 3 Die Ermittlung des Düngebedürfniſſes eines Bodens uſw. 27 gung in keinem Fall eine merkliche Wirkung aus. In folgender Zuſammenſtellung finden ſich die Grenzwerte, die unſere Verſuche ergeben haben.(Siehe umſtehend.) Ich habe oben hervorgehoben, welche Bedeutung dieſen Zahlen beizulegen iſt. Ich ermahne nochmals zu größter Vorſicht und Kritik, damit man ſich vor Fehlſchlüſſen be⸗ wahre. Der chemiſch⸗analytiſche, alſo der indirekte Weg zur Ermittlung des Düngebedürfniſſes eines Bodens be⸗ darf noch weiterer Ausbildung, um hinreichend zuverläſſige Anhaltspunkte gewinnen zu laſſen, und es iſt gewiß, daß der umſtändlichere direkte Weg, der im Düngungsverſuche geboten iſt, immer noch am ſicherſten zum Ziel führt. Wir wollen uns ihm wieder zuwenden und zunächſt prüfen, ob wir uns für den Geſäßvorſuch oder für den Feldverſuch. entſcheiden ſollen. Die Ermittelung des Düngebedürfniſſes eines Bodens durch den Gefäß⸗ und Feldverſuch. 6 Auf Seite 17 findet ſich eine mit 14 verſchiedenen Böden von uns ausgeführte Reihe von Gefäßverſuchen, die prüfen ſollte, wieviel Phosphorſäure die verſchiedenen Bodenarten an die Haferpflanze abgeben konnten. Wir fanden, daß beiſpielsweiſe Boden 4. 125 Phosphorſäure aus je 33, 1000 kg Boden den 7. 2 „ D 55„ Pflanzen lieferte. Dieſe Ergebniſſe zeigen, wie ungleich die Mengen von Phosphorſäure ſein können, die die verſchiedenen Böden unter ſonſt gleichen Verhältniſſen den Pflanzen liefern. Nun aber frage ich: Kann aus der Tatſache, daß beim Gefäßverſuch der Boden A 12 g, der Boden B 25 g Phos⸗ phorſäure an die Haferpflanze gibt— was auf den Hektar, 28 Wie iſt das Düngebedürfnis eines Bodens feſtzuſtellen? bis zur Tiefe von ½ m gerechnet, etwa 60 kg Phosphor⸗ ſäure für den Boden A und 145 kg Phosphorſäure für den Boden B ausmacht— der Schluß gezogen werden, daß auf eine gleich große Phosphorſäureabgabe des Bodens auch bei der Feldkultur des Hafers gerechnet werden darf? Dieſe Frage iſt aus folgendem Grunde mit nein zu beant⸗ worten. Beim Gefäßverſuch iſt infolge der gleichmäßig günſtigen Feuchtigkeitsverhältniſſe, der beſſeren Belichtung und der vollkommeneren Lockerung des Bodens die Ent⸗ wickelung der ober⸗ und unterirdiſchen Organe der Pflanze erheblich üppiger, und die Wurzelfaſern treten in viel um⸗ fangreichere Berührung mit den Bodenphosphaten als auf ddeer gleich großen Fläche des feldmäßig beſtellten Ackers. Daraus folgt, daß auch die Aufnahme von Phosphorſäure aus dem Boden beim Gefäßverſuch größer iſt als auf der gleich großen Ackerfläche. Das beim Gefäßverſuch er⸗ mittelte Reſultat kann alſo nicht direkt auf den Acker über⸗ tragen werden; aber es fragt ſich, ob nicht relativ das beim Gefäßverſuch erhaltene Ergebnis auch für den Acker gilt. Hat der Boden A beim Gefäßverſuch 50 Teile, der Bo⸗ den B 100 Teile Phosphorſäure den Pflanzen geliefert, ſo wird das annähernd gleiche Verhältnis auch auf dem Acker wiederkehren müſſen. Liefert der Boden A, auf 1 ha Ackerfläche gerechnet, etwa 20 kg Phosphorſäure an die Pflanzen, ſo wird der Boden B 40 kg liefern. Iſt dieſe Annahme richtig? Ja und auch nein! Jeden⸗ 3 falls iſt hier wieder die größte Vorſicht geboten, denn ich bemerke, daß jene Annahme nur unter einer beſtimmten Vorausſetzung richtig ſein kann, unter der Vorausſetzung nämlich, daß die Bedingungen für die Wurzelentwicklung auf den Ackern A und B keine größeren Unterſchiede auf⸗ weiſen, als ſie beim Gefäßverſuch vorhanden waren. Dies müſſen wir näher prüfen. Der Boden A war in unſerm ———P— Die Ermittlung des Düngebedürfniſſes eines Bodens uſw. 29 Beiſpiel ein Sandboden, der Boden B ein Lehmboden. Beide Böden waren in beſtgelockertem Zuſtande in die Ge⸗ fäße gebracht. Jedes Gefäß hatte die gleiche Höhe und in jedes derſelben war die gleiche Anzahl Samenkörner geſät worden; alſo auch die Pflanzweite war bei A und B gleich. War aber dies auch auf den betreffenden Ackern der Fall? Nein! Den Sandboden hatte man tief, den Lehmboden flach gepflügt: der Sandboden war tief und gleichmäßig, der Lehmboden flach und weniger gleichmäßig gelockert; dem Sandboden hatte man eine ſtarke, dem Lehmboden eine ſchwächere Einſaat gegeben; kurz— der Unterſchied in den Bedingungen, welche auf die Wurzelentwickelung und da⸗ mit auch auf die Nährſtoffaufnahme von Einfluß ſind, war unter den zwei Böden auf dem Acker größer als beim Ge⸗ fäßverſuch. Bei der Ackerkultur bot der Sandboden gün⸗ ſtigere Bedingungen für die Wurzelentwickelung und die Nährſtoffaufnahme als der Lehmboden, während beim Ge⸗ fäßverſuch der Unterſchied bei weitem nicht ſo groß war. Und was mußte die Folge davon ſein? Beim Gefäßverſuch hatte der Boden A 50 Teile, der Boden B 100 Teile Phosphorſäure abgegeben, bei der Ackerkultur dagegen hatte der Boden A 50 Teile, der Boden B nicht 100, ſondern nur 60 Teile Phosphorſäure den Pflanzen gegeben. Der Gefäßverſuch alſo hatte in dieſem Fall ein Er⸗ gebnis geliefert, das weder abſolut noch relativ auf den Acker zu übertragen war, und das uns, wenn wir es kritik los hingenommen hätten, zu einem Fehlſchluß verleitet 6 haben würde. 3 Auch hier kommen wir ſomit wieder zu dem ſchon mehrfach gezogenen Schluß: Nur in außergewöhnlichen Fällen, nur bei ausnehmend großer Nährſtoffarmut oder ausnehmend großem Nährſtoffreichtum des Bodens kann der Goſißperſuch uns zuverläſſige Auskunft über das 30 Wie iſt das Düngebedürfnis eines Bodens feſtzuſtellen? Düngebedürfnis eines Bodens geben, und ich ſage nun folgendes: Die Frage, auf welche der Praktiker Antwort haben will, lautet: Iſt unter den vorliegenden ganz beſtimmten Verhältniſſen, wie die Beſchaffenheit der Krume und des Untergrundes ſie darſtellen, und wie die Bearbeitung des Bodens, die Fruchtfolge, die Art der Kulturpflanze, die Stärke der Saat, das Klima uſw. ſie bedingen, eine Dün⸗ gung mit Phosphorſäure oder Kali oder Stickſtoff oder mehreren dieſer Stoffe notwendig und wie ſtark muß die evtl. Düngung bemeſſen ſein, um den höchſtmöglichen Rein⸗ gewinn zu erzielen? Auf dieſe Frage eine vollkommen ſichere Antwort zu geben, iſt ſelbſtverſtändlich nur der Ver⸗ ſuch geeignet, der unter denjenigen Verhältniſſen angeſtellt ſſt, die der betreffende Acker bietet. Kann man aber beim Gefäßverſuch nicht alle auf dem Acker vorhandenen Ver⸗ hältniſſe genau herſtellen— und das kann man eben nicht— ſo iſt in letzter Inſtanz nur der direkte, auf dem betreffenden Acker ausgeführte Verſuch imſtande, die ge⸗ wünſchte Antwort zu geben. Die chemiſche Analyſe und auch der Gefäßverſuch können nur ganz ungefähre Anhaltspunkte geben. Der Geſamtgehalt des Bodens an Nährſtoffen, oder ſein ana⸗ lytiſch ermittelter Gehalt an löslichen Nährſtoffen, oder der prozentiſche Nährſtoffgehalt der auf ihm gewachſenen Ernteſubſtanz, oder endlich die Reſultate eines Gefäßver⸗ ſuches können nur dann einen beſtimmten Aufſchluß geben, wenn der Boden entweder ausnehmend arm oder aus⸗ nehmend reich an dem betreffenden Nährſtoff iſt. So kommen wir denn auf den Feldverſuch zurück und müſſen erkennen, daß die Ausführung desſelben dem Land⸗ wirt nicht erſpart werden kann. Aber ich hoffe, daß es ge⸗ lingen wird, die zurzeit unter den Praktikern noch herr⸗ 4 6 1 Die Ermittlung des Düngebedürfniſſes eines Bodens uſw. 31 ſchende große Abneigung gegen den Feldverſuch mehr und mehr ſchwinden zu ſehen, denn es wird möglich ſein, durch Vereinfachung der Verſuche und durch präziſere Frage⸗ ſtellung die Arbeit zu erleichtern und den Erfolg mehr zu ſichern. Man hat in der Anſtellung der Verſuche oft Fehler gemacht. Man hat die zu beantwortenden Fragen nicht klar und einfach genug geſtellt, auch die Ausführung der Verſuche iſt oft derart geweſen, daß von vornherein keine brauchbaren Reſultate erwartet werden konnten. Ich habe mich bemüht, eine möglichſt einfache, bequeme und ſichere Methode der Feldverſuche auszubilden und zur Durch⸗ lührung zu bringen. In der kleinen Schrift„Die Ausführung von Feld⸗ düngungsverſuchen nach exakter Methode und verſchiedene Fragen der Salpeter⸗ und Ammoniakſalzdüngung“ ¹) habe ich die Methode ausführlich beſchrieben, die wir ſeit einer längeren Reihe von Jahren mit ſehr befriedigendem Er⸗ folg angewendet haben, und ich will an dieſer Stelle nur einige kurze Notizen über die Hauptgrundſätze derſelben geben. ¹) Verlag von Paul Parey in Berlin. die Ausführung genauer Jeldverſache⸗ Die Frageſtellung. Scharf begrenzte, möglichſt einfache und klare Frage⸗ ſtellung iſt der erſte Grundſatz beim Feldverſuch. Wird dieſer Grundſatz nicht befolgt, ſo iſt die ganze Arbeit um⸗ ſonſt. Die einfachſte Frage lautet: Iſt es möglich, auf dem vorliegenden Grundſtück durch Anwendung von Han⸗ delsdüngern die Erträge zu ſteigern, und wie groß kann die Steigerung ſein? Zur Beantwortung dieſer Frage genügen zwei Parzellen; die eine bleibt ohne Düngung, die andere wird mit Stickſtoff, Phosphorſäure und Kali gedüngt. Will man zugleich eine weitere Frage ſtellen, ſo würde die nächſtliegende ſein: Um wieviel vermindert ſich die durch Volldüngung von Stickſtoff, Phosphorſäure und Kali erzielbare Ertragsſteigerung, wenn an derſelben der Stickſtoff oder die Phosphorſäure oder das Kali fehlt? Um dies zu prüfen, wird man folgenden Verſuch anſtellen: Parzelle 1 ohne Düngung, 2 Volldüngung(Stickſtoff, Phosphorſäure, Kali), 3 1 ohne Stickſtoff, 4„„ Phosphorſäure, 5„ Kali. Die Größe der Parzellen. Man hat 3—6 a große Einzelparzellen empfohlen. Dieſe ſind zu groß. Ich habe gefunden, daß Verſuche auf nur 1 a großen Parzellen genauere und zuverläſſigere Re⸗ Die Beſchaffenheit des Verſuchsfeldes. 33 ſultate geben. Ein Feldſtück von etwa 24 a, das in 24 unter ſich gleich beſchaffene Parzellen geteilt werden kann, iſt ohne Schwierigkeit zu finden. Die Arbeit des Ab⸗ wiegens, Miſchens und Ausſtreuens der Düngemittel, der getrennten Erntenahme, der Feſtſtellung des Erntegewichts uſw. iſt auf kleinen Parzellen viel geringer als auf großen. Auch die Koſten der Düngung ſind dann ſo gering, daß ſie ebenſowenig in Betracht kommen wie der Ausfall des Ertrages auf den nicht oder ungenügend gedüngten Parzellen. Selbſtverſtändlich aber iſt, daß jede Düngung in vier bis fünf möglichſt gleichmäßig verteilt liegenden Parzellen vertreten ſein muß. Die geeignetſte Form der Parzellen iſt die quadra⸗ tiſche; je mehr man ſich von dieſer entfernt, um ſo größer iſt der Fehler, der aus der Berührung mit der Nachbar⸗ parzellen entſtehen kann. Die Beſchaffenheit des Verſuchsfeldes. 1 Das Verſuchsfeld muß möglichſt horizontal liegen, möglichſt gleichmäßig in ſeiner Bodenbeſchaffenheit, na⸗ mentlich auch in ſeinen Feuchtigkeitsverhältniſſen ſein, und es iſt bezüglich der Wahl desſelben noch das Folgende zu bemerken.* Will man prüfen, ob der Ertrag einer beſtimmten Kulturpflanze, ſo wie ſie ſich einreiht in die übliche Frucht⸗ folge der betreffenden Wirtſchaft und wie ſie eintritt in den durch die beſtehende Rotation und Fruchtfolge ge⸗ gebenen Düngungszuſtand des Ackers, zu ſteigern iſt, ſo iſt es ganz ſelbſtverſtändlich, daß für einen etwa mit Rüben auszuführenden Düngungsverſuch derjenige Acker allein geeignet iſt, der dem Plan der Wirtſchaft gemäß in dem betreffenden Jahre mit Rüben beſtellt werden ſoll. Will Wagner, Düngemittel. Siebente Auflage. 3 34 Die Ausführung genauer Feldverſuche. man dagegen prüfen, welche Nährſtoffe dem Acker fehlen, wenn er in letzter Tracht ſich befindet, wenn er unmittel⸗ bar vor neu einzubringender Stallmiſtdüngung ſteht und den verhältnismäßig höchſten Grad der Erſchöpfung er⸗ reicht hat, ſo iſt wiederum ſelbſtverſtändlich, daß man das betreffende Ackerſtück, alſo das im relativ geringſten Dün⸗ gungszuſtand befindliche für den Verſuch wählt. Die Feſtſtellung der Ergebniſſe. Der Ertrag einer jeden Einzelparzelle wird durch ge⸗ naues Wägen auf dem Acker ſofort nach der Ernte feſt⸗ geſtellt, und der Erntemaſſe werden ſofort Proben von eetwa 7 kg bei Halmgewächſen, 10 kg bei Kartoffeln, 20 kg bei Rüben entnommen. In dieſen Proben wird der Gehalt an Trockenſubſtanz, ſowie bei Halmgewächſen das Verhältnis von Stroh zu Körnern feſtgeſtellt und auf die Geſamternte berechnet. Die getrocknete und ge⸗ mahlene Erntemaſſe dient dann weiter zu den für erfor⸗ derlich erachteten chemiſch⸗analytiſchen Beſtimmungen. Alles Nähere über die anzuwendenden Düngemittel, über das Abmeſſen und Abgrenzen der Parzellen, über die Herſtellung der Düngermiſchungen, das Ausſtreuen der⸗ ſelben uſw. findet ſich in der oben genannten Schrift. Ich will hier nur noch durch einige Beiſpiele zeigen, welch klares und anſchauliches Bild die Reſultate ſolcher Ver⸗ ſuche über das Düngebedürfnis eines beſtimmten Ackers liefern. Ergebniſſe einiger Feldverſuche. I. Verſuch mit Winterroggen in Arheiligen bei Joh. Völger.— Acker: Mühlberg. Boden: Sandboden. Gehalt des Bodens: 0,058% Phosphorſäure, 0,109„Kali, 0,093„ Stickſtoff, Körnung des Bodens: 35% Staub, 18„ Feinſand, 33„Grobſand, 14„Kies. Vorfrucht: Kartoffeln, in 300 dz Stallmiſt pro Hektar gebaut. Als Volldüngung pro Hektar gegeben: 50 kg Phosphorſäure, 100„ Kali, 31„ Salpeterſtickſtoff. Düngungsplan und Verſuchsergebniſſe erſieht man aus fol⸗ gender Zuſammenſtellung: (Siehe Tabellen S. 36.) Schlußfolgerungen. Die Nachwirkung der Stallmiſtdüngung von 300 d pro Hektar, welche der Vorfrucht gegeben war, hat bei weitem nicht gereicht, das Nährſtoffbedürfnis des Roggens für Phosphorſäure, Kali und Stickſtoff zu decken. Sie hat im Verein mit dem Nährſtoffgehalt des Bodens einen Ertrag von nur 17,2 dz Roggenkörner vom Hektar er⸗ 3* A 1 36 Ergebniſſe einiger Feldverſuche. bringen können, während durch die von uns verwendete „Volldüngung. der Ertrag auf 29,3 dz geſteigert wurde. Tabelle l. Mittelerträge Mehrerträge aus je 8 Parallel⸗ gegen ungediingt ll Düngung 1Iellenauf von 1 nla 8 Stroh Körner Stroh Körner 6 dz dz dz dz 3 1. Ungedüngt.. 37,4 17,2 y—— 2. Phosphorſäure, Kali, Stickſtoff 63,6 29,3 26,2 12,1 3.— Kali, Stickſtoff 57,6 24,7 20,/ 7,5 4. Phosphorſäure,— Stickſtoff 57,0 24,9 19,6 7,7 5. Phosphorſäure, Kali,— 44,8 21,1 7,4 3,9 6. —— Stickſtoff 53,0 23,7 15,6 6,5 Tabelle II. Die Erträge erhielten folgende Mengen von Phosphorſäure, Kali und Stickſtoff auf 1 ha berechnet: Phosphor⸗ 4 Stick⸗ Düngung ſäure Kali ſwoff kg kg kg 1. Ungedüngt..... 23,1 33,0 46,0 2. Phosphorſäure, Kali, Stickſtoff.. 35,7 62,7 75,4 3.— Kali, Stickſtoff.. 30,9 55,8 65,5 4. Phosphorſäure,— Stickſtoff.. 31,5 49,4 64,5 5. Phosphorſäure, Kali,—.. 28,7 41,9 58,4 5 6.—— Stickſtoff 29,1 51,0 61,8 6 Aus den Ertragszahlen ergibt ſich weiter, daß der 1 Acker ſowohl für Stickſtoff, wie auch für Phosphorſäure und Kali düngebedürftig war, denn es wurde an Mehr⸗ ertrag vom Hektar erhalten: — Verſuche mit Winterroggen in Arheiligen uſw. 37 12,1 dz Roggenkörner, wenn die Volldüngung gegeben war, 7,5„„ wenn an der Volldüngung die Phosphor⸗ ſäure fehlte, 7,7»„ wenn an der Volldüngung das Kali fehlte, 3,9„„ wenn an der Volldüngung der Sitickſtoff fehlte, 6,5„„ wenn an der Volldüngung die Phosphor⸗ ſäure und das Kali fehlten. Wie oben angegeben, hatten wir folgende Düngungen für ein Hektar gewählt: 50 kg Phosphorſäure, 100„ Kali, 31„ Salpeterſtickſtoff, und es iſt zu fragen, ob dieſe Düngermengen dem Nähr⸗ ſtoffbedürfnis des Ackers entſprochen haben. Auch hier⸗ über geben die Verſuche Auskunft. Wir wollen die Fragen einzeln prüfen. Die Phosphorſäure. Vergleicht man Verſuch 2 mit 1, ſo ergibt ſich aus Tabelle II, daß der Roggen bei Volldüngung um 12,6 kg Phosphorſäure mehr als bei ungedüngt aufgenommen hatte. Dieſer Mehrbedarf von 12,6 kg konnte zum Teil aus dem Bodenvorrat gedeckt werden, denn wir erſehen aus Verſuch 3, bei welchem mit Stickſtoff und Kali gedüngt war, daß der Roggen hier um 7,8 kg mehr Phosphor⸗ ſäure aufgenommen hatte, als bei ungedüngt. Es waren alſo der Rechnung nach nur noch 4,8 kg Phosphorſäure durch Düngung zu beſchaffen, um den bei Verſuch 2 er⸗ zielten Mehrertrag zu erhalten. Die von uns gegebene Phosphorſäuredüngung betrug 50 kg, alſo das Zehnfache der zu beſchaffenden Menge, und es iſt zu fragen, ob dieſe Düngung nicht zu reichlich war. Ich antworte darauf, daß ich die Düngung für angemeſſen halte, denn der 38 Ergebniſſe einiger Feldverſuche. Boden war ſehr arm an Phosphorſäure, ſein Gehalt be⸗ trug nur 0,058%, und er erwies ſich als ſo düngebedürftig, daß der Ertrag um nicht weniger als 4,6 kg Körner ſank, wenn an der Volldüngung die Phosphorſäure fehlte. Es iſt aber ſelbſtverſtändlich, daß eine ſo große Überſchuß⸗ düngung zugleich als Vorratsdüngung für die ſpäter fol⸗ ggenden Früchte anzuſehen und bei der Düngung derſelben àu berückſichtigen iſt. Das Kali. Vergleicht man Verſuch 2 mit 1, ſo ergibt ſich, daß der bei Volldüngung erhaltene Mehrertrag einen Mehr⸗ bedarf von 29,7 kg Kali erfordert hatte. Dieſer Mehr⸗ bedarf konnte, wie Verſuch 4 im Vergleich mit 2 ergibt, bis auf einen Reſt von 13,3 kg aus dem Bodenvorrat gedeckt werden. Unſere Düngung betrug 100 kg Kali, alſo faſt achtmal mehr, als der Roggen aufzunehmen hatte. War das zuviel? Ja. Denn wenn auch der Boden arm an Kali war, indem er nur 0,109% enthielt, ſo iſt doch vom Kali bei weitem nicht ein ſo großer überſchuß anzu⸗ wenden wie von der Phosphorſäure. Das Kali iſt leichter beweglich im Boden. Man kann annehmen, daß im vor⸗ liegenden Fall ſchon 60 kg Kali gereicht haben würden. Dieſe 60 kg hätten auch den Entzug von Kali völlig gedeckt. Der Stickſtoff. LVgrergleicht man Verſuch 2 mit 1, ſo ergibt ſich, daß der Ertrag von 2 einen Mehrbedarf von 29,4 kg Stick⸗ ſſtoff beanſprucht hat, der, wie man aus Verſuch 5 verglichen mit? erſieht, bis auf einen Reſt von 17,0 kg durch den 6 Bodenvorrat gedeckt werden konnte. Unſere Düngung be⸗ trug 31 kg Salpeterſtickſtoff. Von je 100 Teilen dieſes Stickſtoffs alſo haben die Pflanzen 55 Teile in Stroh und Verſuche mit Gerſte in Wolfskehlen uſw. 39 Körnern zurückgegeben. Iſt das eine normale Ausnutzung? Ja. Die Düngung von 31 kg Salpeterſtickſtoff iſt im vorliegenden Fall nicht zu ſtark geweſen. Sie hat auch normal gewirkt, denn der durch 2 dz Chileſalpeter im Vergleich zu ſtickſtoffreier Düngung(Verſuch 5) erzielte Mehrertrag an Körnern hat 8,2 da betragen. Welche Düngerkoſten waren aufzuwenden, um die Mehr⸗ erträge an Stroh und Körnern zu erzeugen? Im Mai 1920 ſind die Düngerpreiſe durchſchnittlich zehnmal ſo hoch geweſen als im März 1914. Berechnen wir nach den früheren und den jetzigen Preiſen die Dünger⸗ koſten, ſo erhält man folgendes Bild. Die Düngerkoſten betrugen: Im Frühjahr 1914.... 64,57 Mark für 1 ha, „ 1920. 775,—„„ 1„. Der Mehrertrag an Körnern im Vergleich zu ungedüngt betrug 12,1 dz. Auf je 1 dz Mehrertrag an Körnern berechneten ſich die Düngerkoſten: im Frühjahr 1914 auf 5,34 Mark, „. 1920„ 64,05„ Es ſei noch eine Verſuchsreihe angeführt, die mit Gerſte auf einem Lehmboden ausgeführt wurde. II. Verſuch mit Gerſte in Wolſskehlen bei Paul Heddäus.— Acker: Eſpen. Boden: Leichter Lehmboden. Gehalt des Bodens: 0,12% Phosphorſäure, 0,30„ Kali, 0,138„Stickſtoff. Körnung des Bodens: 39% Staub, „Feinſand, 10„ Grobſand, 4„Kies. 40 Ergebniſſe einiger Feldverſuche. Vorfrucht: Futterrüben, in 400 dz Stallmiſt pro Hektar ge⸗ A baut und mit 80 Hektoliter Jauche gedüngt. Als Volldüngung pro Hektar gegeben: 50 kg Phosphorſäure, 100„ Kali, 46,5„Salpeterſtickſtoff Die Verſuche ergaben folgende Erträge: Tabelle I.— Mittelerträge Mehrerträge aus jes Parallel⸗ gegen parzellen auf ungedüngt auf Düngung Tha berechnet 1 ha berechnet Stroh Körner Stroh Körner dz dz dz dz 1. Ungedüngt.. 28,8 22,5—— 2. Phosphorſäure, Kali, Stickſtoff 47,5 36,9 18,7 14,4 3.— Kali, Stickſtoff 43,7 31,0 14,9 8,5 4. Phosphorſäure,— Stickſtoff 44,2 32,1 15,4 9,6 5. Phosphorſäure, Kali,— 30,9 24,4 2,1 1,9 6.—— Stickſtoff 45,5 31,5 16,7 9,0 Tabelle II. Die Erträge enthielten folgende Mengen von Phosphorſäure’:,“ Kali und Stickſtoff auf 1 ha berechnet: Phosphor⸗ Stick⸗ Düngung ſäure Kali ſtoff kg kg kg 1. Ungedüngt..... 23,8 28,8 46,1 2. Phosphorſäure, Kali, Sticftof.. 38,9 55,8 82,0 8 3.— Kali, Stickſtoff.. 32,0 53,9 65,7 4. Phosphorſäure,— Stickſtoff.. 35,1 46,0 71,1 5. Phosphorſäure, Kalii—.. 206,6 36,1 50,3. 6.—— Stickſtoff.. 32,9 50,2 70,8 Verſuche mit Gerſte in Wolfskehlen uſw. 41 Schlußfolgerungen. Die Nachwirkung der ſtarken Düngung von 400 dz Stallmiſt und 80 hl Jauche auf den Hektar, welche der Vorfrucht(Futterrüben) gegeben war, hat, wie man aus Tabelle I erſieht, bei weitem nicht gereicht, das Nährſtoff⸗ bedürfnis der Gerſte zu decken. Die Nachwirkung der Stallmiſt- und Jauchedüngung hat im Verein mit dem Nährſtoffvorrat des Bodens einen Ertrag von nur 22,5 dz Gerſtekörner vom Hektar hervorbringen können, während durch die beigegebene Volldüngung der Ertrag auf 36,9 d geſtiegen iſt. Aus den Ertragszahlen erſieht man ferner, daß der Acker ſowohl für Stickſtoff als auch für Phosphorſäure und Kali ſehr düngebedürftig war, denn es wurden an Mehr⸗ ertrag erhalten: 14,4 dz Körner, wenn Volldüngung gegeben war, 8,5„„ wenn an der Volldüngung die Phosphorſäure fehlte, 9,6„„ wenn an der Volldüngung das Kali fehlte, 1,9„„ wenn an der Volldüngung der Stickſtoff fehlte, 9,0„„ wenn an der Volldüngung die Phoaphorſäure und das Kali fehlten. Es iſt nun zu prüfen, ob die von uns gewählte Düngung, welche aus 50 kg Phosphorſäure, 100 kg Kali und 46,5 kg Salpeterſtickſtoff beſtanden hatte, dem Nährſtoffbedürfnis des Ackers entſprechend war. Die Phosphorſäure. Vergleicht man Verſuch 2 mit 1, ſo ergibt ſich aus Tabelle II, daß die Gerſte bei Volldüngung um 15,1 kg Phosphorſäure mehr aufgenommen hatte, als bei un⸗ gedüngt. Dieſer Mehrbedarf konnte, wie Verſuch 3 ver⸗ glichen mit 2 ergibt, bis auf einen Reſt von 6,9 kg aus dem Bodenvorrat gedeckt werden. Dieſer Reſt von 6,9 kg 42 1 Ergebniſſe einiger Feldverſuche. mußte der von uns gegebenen Düngung entnommen wer⸗ den, und da dieſe 50 kg betrug, ſo hatten wir ſiebenmal mehr Phosphorſäure gegeben, als die Pflanze aufzunehmen haͤtte. Aber dieſe Düngung war nicht zu reichlich geweſen, denn auch hier gilt das, was ich oben bei Beſprechung der in der Verſuchsreihe I gegebenen Phosphorſäuremenge geſagt habe. Das Kali. Wie aus Verſuch 2 verglichen mit 1 ſich ergibt, hat der bei Volldüngung erzielte Ertrag um 27,0 kg Kali mehr beanſprucht, als der bei ungedüngt erhaltene. Dieſer Mehrbedarf wurde, wie aus Verſuch 4 verglichen mit 2 ſich ergibt, bis auf einen Reſt von 9,8 kg durch den Bodenvorrat gedeckt, und da unſere Düngung 100 kg Kali betrug, ſo hatten wir zehnmal mehr gegeben, als der Reaechnung nach dem Bedarf entſprach. Auch hier iſt alſo der bei Verſuchsreihe I gezogene Schluß zutreffend: ſchon 60 kg Kali würden gereicht haben, den Bedarf zu decken und den Entzug zu erſetzen. Bemerkenswert aber iſt, daß ſich überhaupt ein deut⸗ lich ausgeſprochenes Düngebedürfnis des vorliegenden Bodens für Kali gezeigt hatte, obgleich er 0,3% in Salz⸗ ſäure lösliches Kali enthielt, er alſo unter diejenigen Lehmböden zu rechnen war, von denen man annimmt, daß ſie in der Regel einer Kalidüngung nicht bedürfen. In einem ſpäteren Abſchnitt dieſer Schrift komme ich hierauf zurück. Der Stickſtoff. Der bei Volldüngung erzielte Ertrag hat um 35,9 kg Stickſtoff mehr beanſprucht, als der bei ungedüngt er⸗ haltene. Für dieſen Mehrbedarf hat, wie Verſuch 5 ver⸗ Verſuche mit Gerſte in Wolfskehlen uſw. 43 glichen mit 1 ergibt, der Bodenvorrat nur 4,2 kg liefern können; 31,7 kg Stickſtoff alſo mußten zugeführt werden, und da die von uns gewählte Düngung 46,5 kg Salpeter⸗ ſtickſtoff betrug, ſo ergibt ſich, daß dieſe zu 68% ausgenutzt worden iſt. Das iſt eine ſehr hohe Ausnutzung. Die Düngung von 300 kg Chiliſalpeter für den Hektar iſt alſo nicht zu hoch geweſen. Sie hat auch vollkommen nor⸗ mal gewirkt, denn der durch 3 dz Chileſalpeter im Ver⸗ gleich zu ſtickſtoffreier Düngung(Verſuch 5) erzielte Mehr⸗ ertrag an Gerſtekörnern hat 12,5 dz betragen. Welche Düngerkoſten waren aufzuwenden, um die Mehr⸗ erträge an Stroh und Körnern zu erzeugen? Berechnen wir nach den früheren und den jetzigen Preiſen die Düngerkoſten, ſo erhält man folgendes Bild. Die Düngerkoſten betrugen: Im Frühjahr 1914... 85,81 Mark für 1 ha, „„ 1920... 1007,50„„ 1„. Der Mehrertrag an Körnern im Vergleich zu ungedüngt betrug 14,4 dz. Auf je 1 dz Mehrertrag an Körnern berechnen ſich die Düngerkoſten: 4 im Frühjahr 1914 auf 5,96 Mark, „„ 1920„ 60,97„ Es mag ſchließlich noch erwähnt werden, daß die reich⸗ liche Beidüngung von Phosphorſäure und Kali die Gerſte⸗ pflanzen in den Stand geſetzt hatte, den aus der ſtarken Salpeterdüngung aufgenommenen Stickſtoff zu vollkommen normal zuſammengeſetzten Körnern zu verarbeiten und daß eine für Brauzwecke ungünſtige Proteinanreicherung nicht eingetreten iſt. Die geernteten Körner enthielteenn: bei ungedüngt.... 9,44% Protein, „ Volldüngung.. 9,62„. 44 Ergebniſſe einiger Feldverſuche. Die Differenz von 0,18% Protein hat ſelbſtverſtänd⸗ lich keine Bedeutung. Und nun frage ich: Sind die Aufſchlüſſe, die die be⸗ ſprochenen beiden Verſuchsreihen über das Düngebedürf⸗ nis der betreffenden Böden gegeben haben, nicht ungemein klar und wertvoll, und ſind ſie nicht weit klarer und ſicherer und wertvoller als die Anhaltspunkte, die man durch chemiſch⸗analytiſche Unterſuchungen der Ackererde oder durch die Analyſe der Ernteprodukte oder durch Düngungsver⸗ ſuche in Gefäßen erzielen kann? Ich warne nochmals da⸗ vor, den indirekten Ermittelungen zu großen Wert beizu⸗ legen, und hebe hervor, daß die eigentliche Bedeutung der Gefäßverſuche überhaupt nicht auf dem hier in Rede ſtehen⸗ den Gebiete liegt. Ortliche Fragen können nicht durch den Gefäßverſuch, ſondern nur durch eine örtliche Prüfung, durch den Verſuch auf dem betreffenden Acker gelöſt werden. Der Gefäßverſuch iſt berufen, Klarheit über allgemeine Düngungsfragen zu erbringen und Material für den Aus⸗ bau einer wiſſenſchaftlichen Düngungslehre zu ſchaffen. Eine Prüfung aber, wie die Lehren der Wiſſenſchaft den örtlichen Verhältniſſen des Bodens, des Klimas und der Wirtſchaft anzupaſſen ſind, hat der Feldverſuch vorzu⸗ nehmen, und es ſei bemerkt, daß ich die ſeit 25 Jahren von mir befolgte Methode der Feldverſuche, wie ſie in der oben genannten Schrift eingehend dargelegt worden iſt, nach jeder Richtung bewährt gefunden habe. Ich habe jetzt die Fragen der Phosphorſäure⸗, der Kali⸗ und der Stickſtoffdüngung näher zu beſprechen. Die Phosphorſäuredüngung. Nach welchen Grundſätzen iſt die Stärke der Phosphor⸗ ſäuredüngung zu bemeſſen? Schon auf S. 37 dieſer Schrift habe ich geſagt, daß die Düngung, die einem phosphorſäurearmen Boden zu geben iſt, nicht einfach nach dem durch Rechnung ſich er⸗ gebenden Bedarf der zu bauenden Kulturpflanze bemeſſen werden darf. Für die Erzeugung von beiſpielsweiſe 10 dz Gerſtekörner ſind rund 12 kg Phosphorſäure nötig. Die Düngung aber muß, wenn der Boden arm iſt, das Fünf⸗ bis Acht⸗ bis Zehnfache betragen. Die Phosphorſäure iſt ſchwer beweglich im Boden; ſie kommt der Pflanzenwur⸗ zel nicht entgegen, ſie folgt nicht dem Lauf des Regen⸗ waſſers, nicht der Zirkulation der Bodenfeuchtigkeit, wie Salpeterſtickſtoff es tut. Das kohlenſäurehaltige Boden⸗ waſſer führt den Pflanzen nicht die ganze Menge an Phos⸗ phorſäure zu, die ſie aufzunehmen haben. Die Pflanzen⸗ wurzeln müſſen die Phosphorſäure aufſuchen, ſie müſſen in direkte Berührung mit den Phosphaten treten, der ſaure Saft der Wurzel muß Phosphorſäure löſen, und daraus ergibt ſich, daß der Boden in nicht zu großer Verdünnung die Phosphate enthalten darf. Er muß einen größeren Vorrat leicht aufnehmbarer Phosphorſäure den Pflanzen bieten, wenn Höchſterträge erzielt werden ſollen. Den Pflanzen muß es möglich ſein, innerhalb kurzer Zeit⸗ abſchnitte viel Phosphorſäure aufzunehmen. Wirtſchaftet 46 Die Phosphorſäuredüngung. man extenſiv, iſt man mit etwa 20 dz Körner vom Hektar zufrieden, ſo eilt die Phosphorſäureaufnahme ja nicht; will man aber 40 dz Körner ernten oder noch mehr, ſo haben die Pflanzen nicht zu ſäumen, ſie müſſen zeitweiſe auftretende beſonders günſtige Vegetationsverhältniſſe auf das eiligſte ausnutzen. Nimmt man an, daß von der in einem Boden enthaltenen Phosphorſäure täglich etwa 1 kg vom Hektar durch die Pflanzen aufgenommen werden kann, ſo mag dies ſelbſt für intenſive Produktion genügen, wenn die Entwicklung der Pflanzen gleichmäßig fortſchreitend iſt und die Witterung während des ganzen Verlaufs der Vegetation ſich günſtig geſtaltet. Dauernd günſtige Witte⸗ rung aber kommt nicht vor. Die Pflanzen werden einmal längere Zeit durſten, dann nehmen ſie wenig Phosphor⸗ ſſure auf und produzieren auch wenig. Kommt jetzt Regen und folgt auf den Regen warme Witterung, ſo müſſen ddie Pflanzen, wollen ſie Höchſterträge bringen, das Ver⸗ ſäumte nachholen; ſie müſſen innerhalb der nächſten acht Tage ſo viel produzieren, wie ſie ſonſt in vielleicht vier⸗ zehn Tagen produziert hätten. Für die doppelte Tages⸗ produktion aber brauchen ſie auch die doppelte Menge Phosphorſäure, und dieſe können ſie nur dann erhalten, wenn ein entſprechender Überſchuß an löslicher Phosphor⸗ ſäure vorhanden iſt, ein Vorrat, aus welchem ſie inner⸗ halb ſehr kurzer Zeitabſchnitte erheblich mehr aufnehmen können, als unter normalen Verhältniſſen notwendig iſt. Sichere Erträge und Höchſterträge können unter praktiſch wenn die Pflanze imſtande iſt, ganz beſonders günſtige Witterung, wie ſie oft nur während ſehr kurzer Perioden eintritt, voll auszunutzen. Der Phosphorſäurereichtum des Bodens muß daher ſo groß ſein, daß er nicht nur den normalen Phosphorſäurehunger der Pflanze ſtillt; er muß vorkommenden Verhältniſſen nur dann erzielt werden, —, — ſäure bekommt. Man bedenke, wie groß die Pflanzenmaſſen kurzer Zeit von den Pflanzen aufgenommen und ver⸗ an Phosphorſäure iſt, der die Wirkung einer Phosphor⸗ 3 ſäurearmen Wieſe, die ohne Düngung nur 15 dz Heu vom Sektar ergab, wurden Düngungsverſuche von uns aus⸗ geführt. Zwei Parallelparzellen von 625 qm wurden am Nach welchen Grundſätzen iſt die Stärke uſw. zu bemeſſen? 47 auch dann Ausreichendes bieten, wenn die Pflanze zeit⸗ weiſe einmal einen förmlichen Heißhunger auf Phosphor⸗ ſind, die auf einem reichen Acker bei feuchtwarmer Witte⸗ rung oft innerhalb weniger Tage produziert werden, und welch große Mengen von Phosphorſäure da innerhalb ſehr arbeitet werden müſſen. Für einen Boden alſo, der arm ſäuredüngung deutlich erkennen läßt, ſind reichliche Gaben vorzuſehen, und man wird erfahren, daß ſie rentabel ſind. Es iſt über dieſe Frage viel geſtritten worden. Meinem Rat, einem armen Boden ſehr ſtarke Phosphorſäuredün⸗ W gung zu geben, iſt man entgegengetreten. Man hat eine Nachwirkung im Überſchuß gegebener Phosphorſäure be⸗ ſtritten und behauptet, daß es unrentabel ſei, das Phos⸗ phorſäurekapital eines armen Bodens zu vermehren; ja, man hat ſogar nachweiſen wollen, daß eine Düngung von ſelbſt 200 dz Thomasmehl auf den Hektar ſchon nach einem bis längſtens drei Jahren unwirkſam werde. Ich kann hierauf nur antworten, daß unſerer gegenwärtigen chemi⸗ ſchen Erkenntnis nach ein ſo ſchnelles Unlöslichwerden der Thomasmehlphosphorſäure im Boden einfach unmöglich iſt. Damit wir aber Gewißheit in dieſer Frage haben, will ich noch zwei von uns ausgeführte BVerjuchzweihen hier mitteilen. Auf einer nahe bei Darmſtadt gelegenen phvaphor⸗ 6 30. Oktober 1889 mit 8 dz Thomasmehl(gleich 128 Phosphorſäure) auf den Hektar gedüngt. Die Phosphor ſäuredüngung wurde nicht wiederholt. Zwei andere guich 48 Die Phosphorſäuredüngung. große Parallelparzellen blieben ohne Phosphorſäuredün⸗ gung. An Kali wurde den Parallelparzellen folgendes ge⸗ geben. Die mit Phosphorſäure gedüngten erhielten im erſten Jahre 74,4 kg, in den drei weiter folgenden Jahren kein Kali, vom fünften bis neunten Jahre Erſatz der durch die Erträge entzogenen Kalimengen und außerdem im fünften und ſechſten Jahre je 8 dz Kainit pro Hektar. Die ohne Düngung gebliebenen Parallelparzellen erhielten in den vier erſten Jahren kein Kali, in den fünf letzten Jahren Erſatz der durch die Erträge entzogenen Kalimengen und außerdem im fünften Jahre eine Düngung von je 8 dz Kainit. Die einmalige Phosphorſäuredüngung ergab nun im Vergleich zu ungedüngt bzw. ausſchließlicher Kalidüngung im Jahre 1890 einen Mehrertrag von 7,5 dz Heu vom Hektar „» 1891„„„ 23,0„ o„„ „„ 1892„„„ 26,0„„„„ „„ 1893„„„ 14,4„„„ 3 „„ 1894„„„ 28,9„„„„ „„ 1895„„„ 9,7„„„ 4 „„ 1890„„„ 8,3„„„„ „„ 1897„„„ 6,4„„„„ „„ 1898„„„ 5,5„„„ Summa: 129,7 dz Die einmal gegebene Düngung von 8 dz Thomasmehl hat alſo ſelbſt noch im achten und neunten Jahre nach der Düngung den Ertrag geſteigert. Während der letzten fünf⸗ Verſuchsjahre, in welchen alle Parallelparzellen erhebliche Überſchußdüngung an Kali erhalten hatten, in welchen es alſo nirgends an Kali mangeln konnte, haben die ohne Phosphorſäuredüngung gebliebenen Parzellen insgeſamt nur 151,1 dz Heu mit 40,9 kg Phosphorſäure, die im eerſten Verſuchsjahre mit Thomasmehl gedüngten dagegen 209,9 dz Heu mit 65,8 kg Phosphorſäure erbracht. Nach welchen Grundſätzen iſt die Stärke uſw. zu bemeſſen? 49 Von einem ſchnellen Unwirkſamwerden der Thomas⸗ mehlphosphorſäure iſt bei dieſem Verſuch alſo nichts zu merken geweſen und auch nichts von einer ungenügenden Rentabilität der Vorratsdüngung! Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß dieſer Verſuch nur zeigen ſollte, wie es mit der Nach⸗ wirkung einer einmal gegebenen Thomasmehldüngung ſich verhält, denn eine Vorratsdüngung geben und dieſe neun Jahre lang wirken laſſen, ohne das Verbrauchte wieder zu erſetzen, iſt natürlich ganz unrationell. Auch bei den er⸗ wähnten Verſuchen, die noch in vielſeitiger Richtung von uns variiert worden ſind, hat ſich gezeigt, daß durch jähr⸗ lich wiederholte Düngungen die Mehreerträge noch erheb⸗ lich geſteigert werden konnten. Noch ein zweiter Verſuch ſei hier mitgeteilt. Zu dem Verſuch dienten in den Boden gelaſſene, unten offene Zylinder aus verzinktem Eiſenblech, die eine Tiefe von 133 cm und einen Durchmeſſer von 60 cm hatten. Die Zylinder wurden mit Lehmboden gefüllt. Alle Zylinder erhielten jährlich ſo viel Kali und Stickſtoff, wie zur Er⸗ zeugung des unter den gegebenen Verhältniſſen erzielbaren Höchſtertrages notwendig war, und außerdem olgende Differenzdüngung: bei Verſuch 1: keine Phosphorſäure, „„ 2: 60 g Phosphorſäure als Thomasmehl. Dieſe Düngung wurde nur bei Beginn der Verſuche, alſo nur im erſten Jahr gegeben. In den weiter folgenden Jahren wurde die Nachwirkung der Düngung geprüft, während die nötige Menge von Kali und Stickſtoff in jedem Jahr wiederholt wurde. Der Verſuch wurde vom Jahre 1892 bis zum Jahre 1916, alſo 25 Jahre lang, durchgeführt. Um an dieſer Stelle nicht zuviel Zahlen zu bringen, habe ich die Phos⸗ Wangner, Düngemittel. Siebente Auflage. 4 50 Die Phosphorſäuredüngung. phorſäuremengen, die im Mittel aus je 2 Parallelber⸗ ſuchen und in 2 Verſuchsjahren zuſammengenommen in ddeen abgeernteten Erträgen erhalten waren, in folgender uſammenſtellung angegeben. Mi h Phrs⸗ Wbazodes. 4 phorſäure⸗ äure im Verſuchs⸗ Frucht düngung erſten Jahre jahre gedüngt Phosphorſäure in den Erträgen g 1892 u. 1893 Hafer, Hafer und Senf.. 3,303 7,079 1894 u. 1895 Winterroggen, Weißkraut. 2,202 6,354 1896 u. 1897 Winterroggen, Rotklee... 3,922 9,246 1898 u. 1899 Hafer u. Weißrüben, Hafer. 4,118 8,701 1900 u. 1901 Hafer u. Erbſen, Hafer u. Erbſen 3,634 8,307 1902 u. 1903 Hafer u. Erbſen, Weißkraut 2,330 5,069 19904 u. 1905 Winterroggen und Erbſen, Futterrüben... 1,978 4,127 1906 u. 1907] Hafer, Gerſte..... 1,572 2,800 1908 u. 1909 Winterweizen, Möhren.. 1,353 2,433 1910 u. 1911 Hafer, Futterrüben.... 1,455 2,525 1912 u. 1913 Sommerroggen, Hafer... 1,393 1,824 1914 u. 1915] Möhren, Sommerweizen.. 2,099 2,871 1916 Winterweigen..... 0,925 1,284 30,284 62,620 Aus den Zahlen erſicht man, daß die Wirkung der im erſten Verſuchsjahre gegebenen ſehr großen Vorrats⸗ düngung von Thomasmehl 25 Jahre lang zu verfolgen ggeweſen iſt. Selbſt im 25. Verſuchsjahre hat der Weizen aus dem 25 Jahre zuvor mit Thomasmehl gedüngten ls aus dem ohne Phosphorſäuredüngung gebliebenen. Die Tatſache, daß die Thomasmehlreſte nicht unwirk⸗ oden verbleiben, zeigt dieſer Verſuch auf das beſtimmteſte. Boden erheblich mehr Phosphorſäure aufnehmen können, am werden, die aus den jährlich gegebenen Düngungen im — — Nach welchen Grundſätzen iſt die Stärke uſw. zu bemeſſen? 51 Hat man alſo geſagt: wenn Superphosphat oder Thomasmehl in den Boden gebracht werden, ſo nimmt ihre Löslichkeit ſofort ab, Eiſenoxyd, Tonerde und Kalk des Bodens verbinden ſich mit der Phosphorſäure, führen ſie zunächſt in den„gefällten“ Zuſtand und ſchließlich in die ſchwerlösliche Verbindungsform der„Bodenphosphate“ über, von welcher jährlich nicht mehr als 1—2 oder höch⸗ ſtens 3% an die Pflanzen abgegeben werden, ſo iſt das nicht richtig, wenigſtens nicht in dem Maße, wie man es ſich vorſtellt. Ich will ſagen, wie es iſt. Bringt man Superphosphat oder Thomasmehl in den Boden und überläßt man den Boden ſich ſelbſt, läßt man ihn liegen, ohne ihn zu ackern, ohne ihn zu bepflanzen, was wird dann geſchehen? Dann wird das durch den Boden ſickernde Regenwaſſer die Phosphorſäure des Superphos⸗ phats und des Thomasmehls allmählich löſen, allmählich tiefer hinabführen in den Boden, mit Eiſenoxyd, Tonerde und Kalk in Berührung bringen und die Phosphorſäure wird mit dieſen Stoffen ſich verbinden, ſie wird ſchwerer und immer ſchwerer löslich werden, bis ſie vielleicht nach hundert oder zweihundert Jahren— ſo genau weiß man das noch nicht— faſt ſo ſchwer löslich iſt, wie die in den Mineralbeſtandteilen des Bodens enthaltene Phosphor⸗ ſäure. Zunächſt aber iſt ſicher, daß dieſer Prozeß von einer Dauer iſt, die nicht beunruhigend ſein kann. Und ebenſo gewiß iſt ferner, daß in einem„Kulturboden“, in einem Boden alſo, den man nicht jahrzehnte⸗ oder jahrhunderte⸗ lang ſich ſelbſt überläßt, ſondern den man düngt und pflügt und bepflanzt, der Prozeß des Unlöslichwerdens der Phosphorſäure fortwährend geſtört wird. Der Kultur⸗ boden ſtellt nämlich dieſem Prozeß einen anderen ent⸗ gegen, den Prozeß des Wiederlöslichwerdens. Humusſäure, Kohlenſäure, Ammoniakſalz, Chiliſalpeter, Kaliſal⸗ 52 Die Phosphorſäuredüngung. Pflanzenwurzeln, Algen, Bakterien, Durchlüftung und Durchfeuchtung der Ackerkrume uſw. laſſen die Phosphor⸗ ſäure nicht zur Ruhe kommen. Sobald aus der Super⸗ phosphat⸗Phosphorſäure ſich Präzipitate im Boden ge⸗ bildet haben, ſobald auch von der Thomasmehlphosphor⸗ ſäure ein Teil in die Form von Präzipitaten übergegan⸗ gen iſt, machen die genannten Agentien des Bodens ihren löſenden Einfluß geltend, ſie löſen die Präzipitat⸗ Phos⸗ phorſäure wieder auf, Kalk, Tonerde und Eiſenoxyd ſchlagen ſie wieder nieder, und ſo geht es im Kreiſe weiter. Die Phosphorſäure ruht nicht im Kulturboden, ſie wandelt ſich von der einen Verbindung um in die andere, ſie wandert von dem einen Stoff zum andern; bindende und löſende Agentien des Bodens ſtreiten ſich um die Phos⸗ phorſäure, bald ſiegen die einen, bald die andern; ſtets aber iſt der Sieg nur ein vorübergehender; der Wechſel bleibt, die Phosphorſäure kommt nicht zur Ruhe, und je intenſiver die Kultur, je beſſer durchlüftet der Boden, je reicher ſein Gehalt an Humus, je intenſiver die Düngung mit Salpeter, mit Ammoniak⸗ und Kaliſalzen, je tiefer die Pflugfurche, und je reicher die Erträge ſind, um ſo weniger iſt die Möglichkeit gegeben, daß die in den Boden gebrachte Phosphorſäure in ſo kurzer Zeit und in ſo großer Maenge ſo ſchwer löslich wird, daß man auf eine Nach⸗ wirkung der im überſchuß gegebenen Phosphorſäure nicht rechnen dürfte. Wünſcht man zu dem oben gelieferten noch weitere Beweiſe für die befriedigende Nachwirkung im Üüberſchuß gegebener Düngungen, namentlich im überſchuß gegebenen Thomasmehls, deſſen Phosphorſäure natur⸗ gemäß langſamer in die Form gefällter Phosphate über⸗ geht als die des Superphosphates, ſo brauche ich weder auf ddie Vegetationsverſuche Maerck ers zu verweiſen, noch aaauch über die zahlreichen Verſuche, die wir in Darmſtadt — Nach welchen Grundſätzen iſt die Stärke uſw. zu bemeſſen? 53 über dieſe Frage ausgeführt haben, hier zu berichten. Ich kann mich darauf beſchränken, an die langjährigen und vielſeitigen Erfahrungen der Praxis zu erinnern. Aus den vielen Fällen, in welchen man durch allmäh⸗ liche Phosphorſäureanreicherung der Böden die Erträge von Jahr zu Jahr geſteigert hat, brauche ich nur einen einzigen hier vorzuführen: Die Erfolge auf dem in der Rheinpfalz gelegenen Schniftenberger Hofe. Als vor reichlich dreißig Jahren die Thomasſchlacke zu äußerſt billigem Preiſe auf den Markt kam, riet ich den heſſiſchen Landwirten, allen phosphorſäurearmen Wieſen, Ackern und Weinbergen ſtarke Überſchußdüngungen von Thomasmehl zu geben. Zu den Landwirten, die dieſen Rat befolgten, gehörte auch der Pächter des Schniften⸗ berger Hofes L. Schickert. Dieſer düngte mehrere Jahre hintereinander ſeinen phosphorſäurearmen, nur ge⸗ ringe Erträge liefernden Lehmboden mit jährlich 12 dz Thomasmehl auf den Hektar. Dadurch gelang es ihm, wie ich ſelbſt es verfolgt habe, die Hafererträge(ſelbſt⸗ verſtändlich unter Beihilfe von Kaliſalz und Chiliſalpeter) von 14—18 dz vom Hektar auf 28—44 und ſelbſt 48 dz in die Höhe zu bringen und die Gerſtenerträge von 16 bis 22 dz auf 36— 44 dz zu ſteigern, während ihm früher nicht möglich geweſen war, durch Kali, Chiliſalpeter und mäßige Superphosphatdüngung erhebliche Ertragsſteige⸗ rungen zu erzielen. Der Boden iſt durch wiederholte überſchußdüngungen mit Phosphorſäure geſättigt worden. Er iſt fähig geworden, den Pflanzen jährlich ſo viel Phos⸗ phorſäure zu liefern, wie für die Hervorbringung von Höchſt⸗ erträgen notwendig iſt; und um ihn auf dieſer Höhe der Leiſtungsfähigkeit zu erhalten, genügt jetzt erfahrungsgemäßsz nur ein wenig mehr als der einfache Erſatz der durch die Ernte entzogenen Phosphorſäure in Form von Thomasmehl. 1 54 Die Phosphorſäuredüngung. Aber dieſer Fall ſteht nicht vereinzelt da. Ich kenne Landwirte in Rheinheſſen, die nicht weniger als 50 dz Thomasmehl auf den Hektar in ihre Weinberge gerodet haben, und die Vegetation der Reben iſt dort die geſun⸗ deſte und kräftigſte, die man ſich denken kann. Klee konnte man faſt in ganz Rheinheſſen vor vier Jahrzehnten nur mit geringem Erfolge bauen; erſt durch die reichen Super⸗ phosphat⸗ und Thomasmehldüngungen ſind die Böden „kleefähig“ geworden, erſt ſeit der„Sättigung“ des Bo⸗ dens mit Phosphorſäure liefern die Luzernefelder dau⸗ ernde und reiche Erträge, und in gleicher Weiſe iſt es dort gelungen, nach Anreicherung des Bodens mit Phos⸗ phorſäure die Körnerernten auf das höchſtmögliche zu ſteigern. Reeiche Kleeerträge erzielt man nur auf phosphor⸗ ſäurereichem Boden, und daß es nicht möglich iſt, durch einige mittlere Thomasmehldüngungen einen phosphor⸗ ſäurearmen Boden ſogleich kleefähig zu machen, möge das folgende Beiſpiel zeigen. Auf dem Gute Neuhof bei Langen in Heſſen haben wir auf einem lehmigen Sandboden Phosphorſäurever⸗ ſuche ausgeführt, die auf den gleichen Parzellen 5 Jahre. lang fortgeſetzt wurden.. Wir erhielten vom Hektar: 4 im Jahre 1898: mit Phosphorſäure 25,0 dz Roggenkörner, ohne„ 12,8„„ im Jahre 1899: mit„ 20,0„ Haferkörner, — ohne„ 16,0„„ im Jahre 1900: mit„ 188,0„Kartoffeln, ohne„ 92,0„„ im Jahre 1901: mit e 25,6„ Roggenkörner, ohne„ 16,8„„ Der Boden war alſo äußerſt hungrig auf Phosphor⸗ ſäure. Nun aber hatten wir während der Jahre 1898 bis Nach welchen Grundſätzen iſt die Stärke uſw. zu bemeſſen? 55 1901, alſo während der vier Jahre zuſammen dem Boden 216 kg Phosphorſäure auf den Hektar zugeführt, während die durch die Erträge entzogene Phosphorſäure nur 90 kä. betrug. Alſo mehr als die doppelte Menge Phosphorſäure war dem Boden zugeführt worden. Sollte man den Acker jetzt als geſättigt anſehen dürfen? Ein Blick auf den Klee, der im Frühjahr 1902 auf den Parzellen ſtand, gab Ant⸗ wort auf dieſe Frage. Wo nicht mit Phosphorſäure ge⸗ düngt war, ſah man keinen Klee, aber ſelbſt auf den mit Phosphorſäure gedüngten Parzellen ſtand der Klee ſo ſchlecht, daß er umgepflügt werden mußte, während er auf unmittelbar anliegenden Nachbarparzellen, die etwa dreimal ſoviel Phosphorſäure erhalten hatten, ganz aus⸗ gezeichnet ſtand und hohe Erträge lieferte. Dies Beiſpiel zeigt, daß es nicht immer genügt, einem armen Boden 4 oder 5 oder 6 Jahre lang etwa doppelt ſoviel Phosphorſäure zu geben, als die Pflanzen ihm ent⸗ ziehen, und von da ab ſich auf den einfachen Erſatz zu be⸗ ſchränken. Im vorliegenden Fall mußte jährlich 6—8 mal ſoviel Phosphorſäure gegeben werden, als die Erträge auf⸗ nehmen konnten, um den Boden ſo weit zu ſättigen, daß er Höchſterträge lieferte und diejenigen Pflanzen ernähren konnte, die einen ganz beſonders phosphorſäurereichen Boden beanſpruchen. Das aber ſind die Klee⸗ und Rüben⸗ pflanzen. Ich will noch ein anderes Beiſpiel anführen, einen Verſuch, den wir in Ernſthofen im Odenwald auf einem ſehr phosphorſäurearmen Boden der Herchenröder Gemar⸗ kung 12 Jahre lang durchgeführt haben. Bei allen Ve ſuchen wurde eine für Höchſterträge ausreichende Kali⸗ und Stickſtoffdüngung gegeben und an Differenz⸗ Düngung ſteigende Mengen von Thomasmehl. Folgende Zuſam⸗ menſtellung zeigt Düngung und Erträge. 56 Die Phosphorſäuredüngung. Ergebniſſe der Verſuchs⸗ 3 Tabelle Mittel⸗ Nr. 4 des Differensdüngung 1905 1906 1907 1908 Ver⸗ auf Hektar Futter⸗Winter⸗ Hafer Futter⸗ ſuches rüben weizen rüben dz da dz dz 4— 249 14,3 33,5 244 2 2 dz Thomasmehl. 326 20,2 36,2 472 3 4„„ 380 21,6 43,2 507 4 6„„ 401 23,1 44,5 530 5 8„„ 445 25,4 44,8 521 6 10„„ 437 27,7 45,0 562 Tabelle An Dem Boden wurden folgende Phosphorſäure⸗ Nr. Phos⸗ phbor. des fäure 1905 1906 1907 1908 1909 1910 wurde G Ver⸗.e durch durch du durch durch dur Ibrich Futter⸗ Winter⸗ H dih Futter⸗ Winter⸗ H ur ſuches geg rüben weizen r rüben weizen kg kg kg kg kg kg kg 1—— 21,5 29,5 17,6 18, 227,6 2 32 15,9 27,1 38,1 35,2 25,7 35,5 3 64 19,3 31,5 43,8 40,3 32,5 41,0 4 96 21,5 36,3 50,4 43,1 44,/ 43,7 5 128 25,6 41,0 57,9 46,9 43,3 51,6 6 160 24,1 40,8 63,2 44,8 51,8 53,3 Nach welchen Grundſätzen iſt die Stärke uſw. zu bemeſſen? 57 reihe 929(1905— 1916). J. erträge vom Hektar. 1909 1910 1911 1912 1913 1914 1915 1916 Winter⸗ Hafer Futter⸗ Winter⸗Winter⸗ Hafer Möhren Winter⸗ weizen rüben weizen roggen weizen dz dz dz dz dz dz dz dz 10,6 23,2 268 18,8 19,9 22,5 285 26,7 13,2 28,2 345 27,5 25,3 31,2 393 32,2 16,3 32,3 412 29,9 26,8 32,4 453 32,2 24,5 32,7 452 32,1 30,3 34,1 486 32,3 26,0 33,9 463 34,6 31,8 33,3 540 32,2 28,9 35,0 475 33,9 35,0 34,0 541 35,5 II. mengen durch die Ernte entzogen: In den 12 Jah⸗ Im ren zu⸗ Mi 1911 1912 1913 1914 1915 1916 n⸗ necue 7 er durch durch durch dur durch durch arom⸗ Futter⸗ Winter⸗ Winter⸗ 8 d Mnu Winter⸗ Lenon Jahre rüben weizen roggen weizen kg kg kg kg kg kg kg kg 10,5 19,7 16.3 25,6 26,2 26,9 252,5 21,0 15,0 29,1 23,9 36,8 37,3 33,7 353,3 29,4 20,2 34,2 29,3 44,1 51,0 33,6 420,8 25,7 40,7 34,7 51,4 54,2 35,9 481,8 40,2 30,5 45,0 35,9 54,9 70,9 38,3 541,8 29,7 46,8 38,2 60,7 71,4 40,0 564,8 47,1 35,11 45,2 58 Die Phosphorſ äuredüngun g.. Aus den Zahlen erkennt man, daß wiederholte ſehr ſtarke überſchußdüngungen an Thomasmehlphosphorſäure erforderlich waren, um den phosphorſäurearmen Boden bis zu Höchſterträgen zu bringen. Mit der ſteigenden Dün⸗ gung hat der Ertrag regelmäßig zugenommen, und ſelbſt noch im 12. Verſuchsjahr hat die jährlich wiederholte Dün⸗ gung von 10 dz Thomasmehl noch um 3,3 d Weizenkörner mehr als die Düngung von 8 da erbracht. Vergleicht man das Mehr an Phosphorſäure, das die gedüngten Pflanzen im Vergleich zu phosphorſäurefreier Düngung aufgenom⸗ men haben, mit den verwendeten Phosphorſäuregaben, ſo berechnet ſich, daß im Mittel der 12 Verſuchsjahre von je 100 Teilen Thomasmehlphosphorſäure in den Erträgen zurückgewonnen wurden: bei einer Gabe von 32 kg Phosphorſäure 26 Teile „„„„ 624„„ 22„ „„,„ 96„„ 20„ „„ 3„ 128„„ 19„ „„„„ 160„„ 16„ Als Gegenſtück zu dieſem Beiſpiel ſei das folgende angeführt. Auf einem Gute in Rheinheſſen wurde auf 1%¼ ha 1 Stück Großvieh gehalten und ſämtlicher Stallmiſt in der Wirtſchaft verwendet. Es wurde alſo normale Stallmiſtdüngung gegeben. Außerdem aber hatte der be⸗ treffende Beſitzer ſeit 15 Jahren in jedem Jahr 8 dz Tho⸗ masmehl auf den Hektar gebracht. War das Verſchwendung? Ich weiß es nicht. Die Frage iſt mit Vorſicht zu behandeln. denfalls ſteht feſt, daß durch ſolche Düngung ein Kapital m ſchnell wirkender Phosphorſäure im Boden geſchaffen d damit— ſoweit die Phosphorſäureernährung der Pflanzen in Betracht kommt— die Bedingung zu ganz ausnehmend hohen Erträgen gegeben war. Zum Beweis Nach welchen Grundſätzen iſt die Stärke uſw. zu bemeſſen? 59 hierfür ſei angegeben, daß bei Verſuchen im Jahre 1902, welche Dr. Hermann Wagner in Verbindung mit der Verſuchsſtation Darmſtadt auf dieſem Gute ausführte, ſchon ohne Phosphorſäuredüngung erhalten wurden: Parzelle 1: 47,7 dz Gerſtekörner vom Hektar, 7 2: 47,1 11 7* 7 3: 46,6 7 7' 7 und daß eine Phosphorſäuredüngung auf ſo ſtark ange⸗ reichertem Boden natürlich wirkungslos blieb. Es iſt zweifellos, daß ein ſo ausnehmend hoher Ertrag an Gerſtekörnern wie der angeführte nur da erzielt werden kann, wo dem Boden ausnehmend viel lösliche Phosphor⸗ ſäure zur Verfügung ſteht, bzw. die Bodenkrume in allen Schichten ſtark mit Phosphorſäure angereichert iſt. Wenn man ſich nur die Mühe geben wollte, derartige Fälle ſorgfältiger zu beobachten und zu verfolgen, ſo würde man finden, daß die von mir aufgeſtellte Forde⸗ rung, den Pflanzen 4 bis 6 bis 8mal mehr Phosphor⸗ ſäure zu geben als der zu erzielende Mehrertrag der Rech⸗ nung nach bedarf, faſt überall— wenn auch meiſt un⸗ bewußt— in der Praxis befolgt wird und ſich vorzüglich bewährt hat. Überſchußdüngungen von Phosphorſäure gibt jeder intenſiv wirtſchaftende Landwirt; man rechne nur nach. Eine Düngung von beiſpielsweiſe 4 dz 18 pro⸗- zentigem Superphosphat auf den Hektar für Halmgewächſe iſt keine ungewöhnlich ſtarke Düngung, ſie wird recht oft in der Praxis gegeben, und der Landwirt iſt gewiß zu⸗ frieden, wenn er dadurch unter Mitwirkung von Stickſtoff⸗ und Kalidüngung einen Mehrertrag von etwa 6 dz Kör⸗ ner erzielt. Aber hat man in dieſer Düngung nicht ſchon erheblichen Überſchuß an Phosphorſäure gegeben? In 60 Die Phosphorſäuredüngung. den 6 dz Körnern mit entſprechendem Stroh ſind ja nur 7,5 kg Phosphorſäure enthalten, während man in den 4 dz Superphosphat 72 kg Phosphorſäure, alſo nicht we⸗ niger als das Zehnfache gibt. Seltſam! Man verwirft es, wenn ich eine Überſchußdüngung von Phosphorſäure auf armen Böden für nötig erachte, aber man hält die ge⸗ nannte Stärke der Superphosphatdüngung, durch die man zehnmal ſoviel gibt, als der Rechnung nach zur Erzeugung des erzielbaren Mehrertrages notwendig iſt, für ganz nor⸗ mal und rationell! Man täuſche ſich doch nicht: Daß einem hungernden Boden viel mehr Phosphorſäure gegeben werden muß, als zur Bildung des zu erzielenden Mehr⸗ ertrages der Rechnung nach notwendig iſt, das weiß jeder Landwirt ſchon aus Erfahrung, denn niemand iſt ſo töricht, zu glauben, daß er durch eine Düngung von 7,5 kg Phos⸗ phorſäure oder auch durch die doppelte Menge auf den Hektar einen Mehrertrag von 6 dz Körner erzielen könnte.. Nun aber gehe ich weiter und frage: Mit wieviel Phosphorſäure ſoll man einen Boden düngen, der auf der Höhe ſeiner Leiſtungsfähigkeit ſteht, der ſo viel Phosphor⸗ ſäure den Pflanzen zur Verfügung hält, als ſie zur Pro⸗ duktion des erzielbaren Höchſtertrags bedürfen, der alſo mit Phosphorſäure„geſättigt“ iſt? Geſetzt, wir haben 40 dz Körner vom Hektar geerntet. Dadurch ſind rund 50 kg Phosphorſäure dem Boden entzogen worden. Wie⸗ viel ſollen wir ihm zurückgeben? Weniger als 50 kg? Das geht doch wohl nicht, denn dann müßte er ja ſchneller dder langſamer in ſeiner Leiſtungsfähigkeit zurückgehen. Wir müſſen ihm alſo mindeſtens 50 kg geben, um ihn dauernd auf der Höhe ſeines Gehaltes bzw. ſeiner Lei⸗ ſtungsfähigkeit zu erhalten. Aber iſt das genug? Müſſen wir ihm nicht erheblich mehr geben, als wir ihm entzogen Nach welchen Grundſätzen iſt die Stärke uſw. zu bemeſſen? 61 haben, da doch immer ein Teil der Düngerphosphorſäure ſchwerer löslich im Boden wird? Die Frage iſt wichtig. Maercker hat ſie vor Jahren eingehend beſprochen. Er hat nachgewieſen, daß in zahl⸗ reichen Wirtſchaften der Provinz Sachſen ſehr viel mehr Phosphorſäure in den Boden gebracht worden iſt, als man herausgenommen hat, obgleich die Böden längſt auf der erzielbaren Höhe ihrer Produktionsfähigkeit angelangt waren. Ja, es iſt nachgewieſen worden, daß man in einer größeren Wirtſchaft während einer langen Reihe von Jah⸗ ren nicht weniger als 60 kg Phosphorſäure auf den Hektar jährlich mehr in den Boden gebracht hat, als durch die Erträge entnommen worden iſt. Was iſt nun rationell? Soll man einem Boden, der auf der Höhe ſeiner Leiſtungsfähigkeit ſteht, alljährlich nur ſo viel oder vielleicht ein wenig mehr Phosphorſäure er⸗ ſetzen, als man ihm durch die Ernte nimmt? Oder muß man ihm erheblich mehr geben? Bleibt der Boden auf der Höhe ſeiner Leiſtungsfähigkeit, wenn man auf je 100 kg durch die Ernten entzogener Phosphorſäure nur 100 kg als Erſatz bietet, oder vermindert ſich ſeine Leiſtungs⸗ fähigkeit bei dieſem Erſatz? Ich will einen vierjährigen Verſuch vorführen, der uns Aufſchluß hierüber gibt. Wir füllten ſechs Vegetationsgefäße mit je 18 kg Lehmboden. Alle Gefäße wurden gleichmäßig mit Kali und Stickſtoff gedüngt und mit Hafer bepflanzt. Drei derſelben bildeten den Verſuch 1, die drei anderen den Verſuch 2. Beim Verſuch 1 wurde in jedem Jahr mit einem Überſchuß von Kali und Stickſtoff, nicht aber mit Phosphorſäure gedüngt, während die Gefäße vom Verſuch 2 außer Kali und Stickſtoff jedes Jahr genau ſo viel Phos⸗ phorſäure erhielten, als die Ernte dem Boden entnahm. Die Phosphorſäuredüngung. Es wurde bei dieſen Verſuchen geerntet: Verſuch 1 Verſuch 2 (kein Phosphor⸗(ährlicher Erſatz der ent⸗ ſäureerſatz) zogenen Phosphorſäure) im erſten Jahr.. 86 g Hafer, 85 g Hafer, „ zweiten„... 131„ Rotklee, 177„ Rotklee, „ dritten„... 47„Hafer, 120„Hafer, „ vierten„... 51„„. 179„„ Beim Verſuch 1, bei welchem die Phosphorſäure nicht eerſſetzt wurde, iſt der Ertrag zurückgegangen, beim Verſuch 2 dagegen iſt er von Jahr zu Jahr geſtiegen: im erſten JIahr ſind nur 85 g, im vierten 179 g Hafer geerntet beim Verſuch 1 die Erträge zurückgehen mußten, weil der Boden von Jahr zu Jahr phosphorſäureärmer wurde, iſt ja nakürlich; daß aber beim Verſuch 2, bei welchem nur der einfache Phosphorſäureerſatz gegeben war, von Jahr zu Jahr höhere Erträge erzielt wurden, i*ſt doch ſehr auf⸗ fallend. Wie kann es überhaupt als möglich gedacht wer⸗ die Düngung zurückempfängt, als man ihm durch die Ernten entzieht, an Leiſtungsfähigkeit gewinnt? Ich glaube, ſo unwahrſcheinlich dies auf den erſten Zlick erſcheint, ſo nahe liegt doch die Erklärung. Die Thomasmehl⸗Phosphorſäure iſt leichter löslich als die Bodenphosphorſäure. Entziehen wir nun dem Acker 100 kg Bodenphosphorſäure und geben wir ihm dafür 100 kg Phosphorſäure in einer Verbindungsform zurück, die leichter löslich iſt als die Bodenphosphorſäure, ſo wird zwar ſein Geſamtgehalt an Phosphorſäure dadurch nicht vermehrt, aber ſein Gehalt an löslicher Phosphorſäure wird geſteigert, und daraus folgt, daß der Boden, der ur⸗ ſprünglich 100 kg Phosphorſäure den Pflanzen liefern worden. Wie iſt dies ſeltſame Reſultat zu erklären? Daß den, daß ein Boden, der nur ſoviel Phosphorſäure durch konnte, nach erhaltener Erſatzdüngung nicht wieder nur “ Nach welchen Grundſätzen iſt die Stärke uſw. zu bemeſſen? 63 100, ſondern vielleicht 110 kg Phosphorſäure zu liefern imſtande iſt. Daraus aber folgt weiter, daß ein Boden, der von Natur ſo reich an Phosphorſäure iſt, oder der durch wiederholte ſtarke Phosphatdüngungen ſo weit an⸗ gereichert worden iſt, daß er ſelbſt den denkbar höchſten Anſprüchen der Kulturpflanzen genügt, auf dieſer ſeiner Leiſtungsfähigkeit erhalten bleibt, wenn man ihm jährlich ſo viel Phosphorſäure in Form von Superphosphat oder Thomasmehl zuführt, wie man ihm durch die Erträge ent⸗ zieht. Maercker hat alſo recht, wenn er die in manchen Wirtſchaften üblich geweſene große Überſchußdüngung ſehr reicher, mit Phosphorſäure bereits überſättigter Böden als Verſchwendung erklärt. Ein einfacher Erſatz der ent⸗ zogenen Phosphorſäure oder etwas mehr iſt auf ſolchen Böden ausreichend. Ebenſo gewiß aber iſt, daß man ra⸗ tionell verfährt, wenn man Böden, die wegen Mangel an Phosphorſäure noch nicht auf der Höhe ihrer Leiſtungs⸗ fähigkeit ſtehen, erhebliche Überſchußdüngungen gibt, bis ſie vollkommen geſättigt ſind, d. h. bis bei einem auf eine ganze Rotation ausgedehnten, alſo etwa vier Jahre hinter⸗ einander auf den gleichen Parzellen wiederholten Verſuch ſelbſt bei reichlicher Beidüngung von Stickſtoff und Kali die Phosphorſäuredüngung wirkungslos bleibt. Iſt dies der Fall, ſo genügt es, jährlich ſo viel Phosphorſäure— 8 oder ein wenig mehr, indem man den geringen Verluſten, die durch Verſickerung entſtehen können, Rechnung trägt— dem Boden zu erſetzen, als man durch die Erträge Göchſt erträge angenommen) ihm entzieht. Das iſt ein wichtiges Ergebnis, und es geſtaltet ſich nun die Aufgabe der Phosphorſäuredüngung ſehr einfach. 4 Reagiert der Boden auf eine Phosphatdüngung, und das iſt ja ſehr leicht und ohne umſtändliche Verſuche feſtzu⸗ ſtellen, ſo gibt man ihm ſo lange Üüberſchußdüngungen von 64 Die Phosphorſäuredüngung. Thomasmehl und Superphosphat— je ärmer er iſt, um ſo größere— bis er mit Phosphorſäure in oben gedachtem Sinne geſättigt iſt. Iſt dieſer Sättigungspunkt erreicht, ſoo genügt auf normalem Ackerboden eine jährliche Dün⸗ gung von etwa 60 kg Thomasmehl⸗ oder Superphosphat⸗ Phosphorſäure auf 1 ha, um den Bedarf von Höchſterträgen zu decken und auch dem geringen Phosphorſäureverluſt, der durch Verſickerung entſtehen kann, Rechnung zu tragen. Das iſt die Grundregel der Phosphorſäuredüngung. Und nun würden die Nebenfragen kommen. Wir würden zu fragen haben: Wie kann die für die geſamte Rotation vorgeſehene Phosphorſäuremenge am beſten verteilt wer⸗ den je nach dem beſonderen Bedürfnis der Kulturpflanzen? Und ferner: In welchen Fällen ſoll man die Phosphorſäure in Form von Thomasmehl, in welchen in Form von Superphosphat geben? Und ferner: Wie tief ſollen Tho⸗ masmehl und Superphosphat untergebracht werden, je nach Boden, Jahreszeit, Art der Kulturpflanzen uſw.? Aber ich frage: Iſt denn dies alles tatſächlich von ſo großer Bedeutung? Nein. Man hat mit viel zu viel theore⸗. tiſchen Einzelheiten dieſe Fragen behandelt, man hat die Phosphorſäuredüngung dem Landwirt viel zu ſchwierig, viel zu verwickelt gemacht. Erwägt man die Darlegun⸗ gen, die ich über den Grundſatz, nach welchem die Phos⸗ phorſäuredüngung bemeſſen werden ſoll, gegeben habe, ſo wird man mir beiſtimmen, wenn ich ſage: Je phosphorſäurereicher der Boden iſt, je mehr er mmit Phosphorſäure geſättigt iſt, je mehr die Phosphor⸗ ſäuredüngung nur den Zweck hat, dafür zu ſorgen, daß der Boden nicht verarmt und ſeine Erträge nicht zurückgehen, uum ſo weniger kommt es auf eine peinliche Berückſichtigung der genannten Fragen an. Sie haben eigentlich nur für ärmere Böden Bedeutung, für Böden, auf welchen die —————õõM—— 1 Nach welchen Grundſätzen iſt die Stärke uſw. zu bemeſſen? 65 Pflanzen noch hungern nach Phosphorſäure. Ich werde daher nur die weſentlichſten dieſer Nebenfragen kurz be⸗ ſprechen. Welche Pflanzen bedürfen am meiſten der Phosphor⸗ ſäuredüngung? Die Unterſchiede, welche die landwirtſchaftlichen Kul⸗ turpflanzen bezüglich ihres Bedarfs an Phosphorſäure auf⸗ weiſen, ſind nicht ſehr groß, bei weitem nicht ſo groß, wie ſie im Kali⸗ und Stickſtoffbedarf auftreten. Aber man kann doch ſagen, daß zunächſt der Raps, die Kohlarten, die Kartoffeln, die Rüben⸗ und Kleearten einen phosphor⸗ ſäurereichen Boden verlangen, und es hat ſich gezeigt, daß die erſte Entwickelung dieſer Pflanzen ſehr gefördert wer⸗ den kann, wenn man bei ihrer Einſaat Superphosphat oder Thomasmehl in den Boden eggt. Selbſt dann hat ſich dies als vorteilhaft erwieſen, wenn der Boden ſchon verhältnismäßig reich an Phosphorſäure war. Die Er⸗ klärung dafür iſt nicht ſchwer. Kleinſamige Pflanzen ent⸗ halten wenig Nahrung aus dem Samenkorn, die Keim⸗ pflänzchen müſſen ſchon früh ihre Nahrung im Boden ſuchen, und das wird ihnen ſchwer, ſolange die Wurzeln erſt wenig entwickelt ſind. Kommt man ihnen daher durch leicht lösliche Phosphorſäure zu Hilfe— die Düngung braucht gar nicht ſehr ſtark zu ſein—, ſo entwickeln ſie ſich ſchnell und ent⸗ wachſen leicht den Angriffen ihrer Feinde. Als ganz be⸗ ſonders empfehlenswert habe ich gefunden, der erſten Stick⸗ ſtoffgabe, die man den Rüben bietet, etwas Superphosphat, 75— 100 kg auf den Hektar, beizumengen. Bei der Einſaat von Luzerneſchlägen iſt zu be⸗ achten, daß dieſe während einer Reihe von Jahren etwa 70— 80 kg Phosphorſäure jährlich beanſpruchen, ohne daß man den Boden aufs neue bearbeiten und tiefere Schichten Wagner, Düngemittel. Siebente Auflage. 1 5 66 Die Phosphorſäuredüngung. düngen kann. Es empfiehlt ſich daher, vor der Einſaat der Luzerne eine ſtarke Thomasmehldüngung zu geben. Überhaupt ſei es Grundſatz, die in der Wirtſchaft zur Ver⸗ fütterung gelangenden Pflanzen reichlich mit Phosphor⸗ ſäure zu düngen, alſo auch die Wieſen nicht zu vergeſſen. Sollten die Futtergewächſe durch reichliche Düngung ſelbſt. zu einem Luxusverbrauch verleitet werden, d. h. ſollten ſie mehr Phosphorſäure aufnehmen, als zur Erzeugung der Erntemaſſe unbedingt erforderlich iſt, ſo macht das nicht viel aus, denn die Phosphorſäure kommt in Form von Stallmiſt auf den Acker zurück. Wir haben feſtgeſtellt, daß der Phosphorſäuregehalt des Stallmiſtes ſehr ſchwankt. In Wirtſchaften mit phos⸗ phorſäurereichem Boden ſtieg er auf 0,52%, in Wirt⸗ ſchaften mit ſehr phosphorſäurearmem Boden ſank er auf 0,18%. Unter welchen Verhältniſſen ſoll man mit Superphosphat, unter welchen mit Thomasmehl düngen? Hierüber iſt viel geſprochen und geſchrieben worden. Auch ich habe dieſe Frage öfters behandelt und will hier kurz das folgende darüber ſagen. Auf ſauren Moorböden, Wieſenböden, humusreichen, lockeren, gut durchlüfteten Ackerböden und kalkarmen Sand⸗ Böden wird die Phosphorſäure des Thomasmehls ganz be⸗ ſonders gute Dienſte leiſten. Superphosphat wirkt ſchneller als Thomasmehl. Mit Superphosphat gedüngte Pflan⸗ zen entwickeln ſich in der Regel ſchneller als mit Thomas⸗ mehl gedüngte und kommen etwas früher zur Reife. Wo man alſo ein unvollkommenes Ausreifen der Früchte zu befürchten hat, wie bei der Kultur der Zuckerrübe auf ſchweren und kälteren Böden, bei Kulturen auf Höhen⸗ lagen oder in kalten, feuchten Niederungen, bei Kulturen Wann ſoll man mit Superphosphat uſw. düngen? 67 im nördlichen Klima uſw., da hat man auf Superphos⸗ phatdüngung den Schwerpunkt zu legen. Wo aber eine ſchnellere Entwickelung der Pflanzen, eine Kürzung ihrer Vegetationsdauer nicht nur keine Vorteile, ſondern ſogar Nachteile bringen kann, wie mitunter bei der Kultur von Sommerhalmfrüchten, namentlich der Gerſte, auf leichten, trockenen, warmen Böden, da bietet wiederum die Thomas⸗ mehldüngung die größeren Vorteile. Nicht ſelten kommt es vor, daß die Gerſte nach ſtarker Superphosphatdüngung bei gleichzeitig mäßiger Stickſtoffgabe eine ſehr üppige An⸗ fangsentwickelung, eine ſtarke Beſtockung zeigt; tritt dann aber trockene, heiße Witterung ein, ſo bleibt die Entwicke⸗ lung zurück, die Gerſte wird frühzeitig gelb, die Körner⸗ bildung iſt unvollkommen, der Reifeprozeß abnorm be⸗ ſchleunigt und der Ertrag gering, während eine mit Tho⸗ masmehl gedüngte Gerſte unter ſolchen Verhältniſſen oft gleichmäßiger und vollkommener ſich entwickelt und höhere Erträge liefert. Und weiter: iſt der Boden ſehr arm an Phosphor⸗ ſäure, ſo ſind Höchſterträge oft nicht ohne Mitverwendung von Superphosphat zu erzielen; für alle Kulturen ſoll man in ſolchem Fall nicht ausſchließlich mit Thomasmehl dün⸗ gen. Es empfiehlt ſich, in einen phosphorſäurearmen Bo⸗ den eine ſtarke Thomasmehldüngung(8— 10 dz auf den Hektar) einzupflügen und dann noch etwa 2 dz Superphos⸗ phat auf die rauhe Furche zu ſtreuen. Iſt der Boden da⸗ gegen reich an Phosphorſäure, hat er während einer län⸗ geren Reihe von Jahren ſtarke Phosphorſäuredüngungen erhalten, iſt er ſo angereichert, daß der Ertrag nicht zurück⸗ gehen würde, ſelbſt, wenn man während der Dauer einer ganzen Rotation die Phosphorſäuredüngung ausſetzen wollte, ſo bedarf er der Superphosphatdüngung nur in be⸗ ſonderen Fällen. In der Regel genügt es, ſolchem Boden 5e 68 Die Phosphorſäuredüngung. die entzogene Phosphorſäure durch Thomasmehl zu er⸗ ſetzen, und es tritt hier tatſächlich das ein, was Maercker über den relativen Wert der löslichen Phosphorſäure des Thomasmehls ausgeſprochen hat, die viel umſtrittene Be⸗ hauptung:„1 kg löslicher Thomasmehl⸗Phosphorſäure hat unter Umſtänden den gleichen Düngewert wie 1 kg Superphosphat⸗Phosphorſäure.“ Im Anſchluß hieran will ich bemerken, daß die von Jahr zu Jahr allgemeiner werdende Bewertung der Tho⸗ masmehle nach ihrem Gehalt an löslicher Phosphorſäure gute Früchte getragen hat. Denn ſeit man weiß, daß der Düngewert der früher auf den Markt gekommenen Tho⸗ masmehle ſehr verſchieden war, ſeit man weiß, daß der Grad der Zitronenſäurelöslichkeit der Thomasmehl⸗Phos⸗ phorſäure einen genügend zutreffenden Ausdruck für den relativen Düngewert derſelben bietet, und man beſtrebt iſt, die Thomasmehle nicht mehr nach dem Gehalt an Geſamt⸗ phosphorſäure, ſondern nach dem an zitronenſäurelöslicher zu handeln, ſeit man ferner weiß, daß mit dem höheren Gehalt der Thomasmehle an chemiſch gebundener Kieſel⸗ ſäure auch der Löslichkeitsgrad der Phosphorſäure ſteigt, und man erfahren hat, daß es techniſch ausführbar iſt, den Grad der Löslichkeit zu erhöhen: ſeitdemverſchwin⸗ den die weniger löslichen Thomasmehle vom Markt und die durcehſchnittliche Qua⸗ lität derſelben iſt weſentlich beſſer ge⸗ worden. In allen Thomaswerken bemüht man ſich, den Löslichkeitsgrad der Mehle auf das Höchſtmögliche zu ſteigern, und während in früheren Jahren Thomasmehle von nur 70 oder 60% Löslichkeit vorgekommen ſind, in einzelnen Fällen ſogar nur 40% feſtgeſtellt wurde, kommt ſolche Ware jetzt kaum noch auf den Markt. Man kann annehmen, daß der durchſchnittliche Löslichkeitsgrad der Wann ſoll man mit Superphosphat uſw. düngen? 69 in Deutſchland zurzeit auf den Markt kommenden Thomas⸗ mehle auf 90% geſtiegen iſt. Die Frage, ob im beſonderen Fall das Superphosphat oder beſſer das Thomasmehl zu verwenden iſt, hat zur Zeit geringe Bedeutung. Das Kilo Superphosphat⸗Phosphor⸗ ſäure koſtet zurzeit(Juni 1920) 10,60 ℳ, das Kilo zitronenſäurelösliche Thomasmehlphosphorſäure 5,00 ℳ und das Superphosphat iſt in nur ſehr geringen Mengen im Handel zu haben. Die Verwendung von Knochenmehl⸗Phosphorſäure. Es ſei hier auch der Knochenmehl⸗Phosphorſäure ge⸗ dacht, wenngleich ihr Angebot zurzeit ſo gering iſt, daß ſie nur wenig Bedeutung hat. Die Wirkung der Knochen⸗ mehl⸗Phosphorſäure hat man oft unrichtig beurteilt. Schon vor dreißig Jahren habe ich einige von uns aus⸗ geführte Verſuche veröffentlicht, aus welchen ſich ergab, daß im Vergleich zum Superphosphat und Thomasmehl die Knochenmehl⸗Phosphorſäure auffallend langſam wirkte, und ich empfahl, anſtatt der erheblich teureren Knochen⸗ mehl⸗Phosphorſäure das billigere Thomasmehl zu kaufen. Mein Urteil wurde vielfach mit Befremden aufgenommen; man verſuchte, es als unrichtig nachzuweiſen; das gelang aber nicht. Auch die Arbeiten anderer Forſcher, nament⸗ .lich Maerckers Verſuche, beſtätigten die langſamere Wir⸗ kung der Knochenmehl⸗Phosphorſäure, und die Fortſetzung unſerer hierauf bezüglichen Arbeiten hat ergeben, daß das Thomasmehl überall ſchneller wirkt, als ſelbſt das beſt be⸗ ſchaffene Knochenmehl. Nur auf gewiſſen Wieſenböden und auf ſehr kalkarmen Ackerböden wirkt das Knochenmehl be⸗ friedigend, und überall da, wo man ſehr geringe Anforde⸗ rungen an die Phosphate des Bodens ſtellt, wo die Erträge niedrig ſind, wo die Pflanzen wenig Phosphorſäure vom 70 Die Phosphorſäuredüngung. SHektar aufzunehmen haben, da wird auch das Knochen⸗ mmehl ausreichen, den Bedarf zu decken. Es kommt ja auf die Anforderungen an, die man ſtellt. Angenommen, man habe in der Krume eines Hektar Boden einen Vorrat von 3000 kg Phosphorſäure. Iſt man nun mit Erträgen von etwa 12 dz Körner vom Hektar zufrieden, ſo brauchen die Pflanzen nicht mehr als 15 kg Phosphorſäure dem Boden zu entnehmen. Von den Bodenphosphaten wird dann alſo eine Löslichkeit von nur 0,5% verlangt, und ich ſehe nicht ein, weshalb es in ſolchem Falle nicht genügen ſoll, wenn man die dem Boden entzogene Phosphorſäure durch Knochenmehl erſetzt. Will man dagegen nicht 12, ſondern 2a oder gar 36 dz Körner vom Hektar ernten, ſo haben ddie Pflanzen nicht 15, ſondern 30 bzw. 45 kg Phosphor⸗ ſäure aufzunehmen, und von den Bodenphosphaten wird ein doppelter bis dreimal ſo hoher Löslichkeitsgrad ver⸗ langt. Je intenſiver die Kultur und je ärmer der Boden iſt, um ſo größer muß der Löslichkeitsgrad der im Boden enthaltenen oder der zur Düngung verwendeten Phosphate ſein; je extenſiver dagegen die Kultur oder je reicher der Boden an Phosphorſäure iſt, um ſo geringer ſind die An⸗ forderungen, die man an den Löslichkeitsgrad des Phos⸗ phorſäurekapitals ſtellt. Unzweifelhaft werden alſo Fälle in der Praxis vorkommen, in welchen es genügt, dem Boden die entzogene Phosphorſäure durch das wenngleich langſamer wirkende Knochenmehl zu erſetzen; aber trotzdem bleibt der Satz beſtehen, daß es unrichtig iſt, die ſchwerer lösliche und langſamer wirkende Phosphorſäure des Knochenmehls höher zu bezahlen, als die erheblich ſchneller wirkende des Thomasmehls; und niemals wird man einen phosphorſäurearmen Boden zu Höchſterträgen bringen, wweenn man ihm keine ſchneller wirkende Phosphorſäure zu⸗ führt, als das Knochenmehl ſie bietet. Wann und wie iſt die Phosphorſäuredüngung zu geben? 71 Zu welcher Zeit und in welcher Weiſe iſt die Phosphor⸗ ſäuredüngung zu geben? Herbſtdüngung und möglichſt tiefes Einpflügen iſt lange Zeit hindurch die Forderung für eine rationelle An⸗ wendung der Phosphate geweſen. Beſonders für Thomas⸗ ſchlacke glaubte man dies fordern zu müſſen. Aber es war nicht richtig. Im Frühjahr in den Boden gebrachtes Super⸗ phosphat wirkt mindeſtens ebenſo gut, oft noch beſſer, als das im Herbſt angewendete, und ſelbſt bei Verſuchen mit Thomasſchlacke haben wir, wenn ſie ſehr leicht löslich iſt, gefunden, daß es auf die Wirkung keinen Einfluß hatte, ob das Thomasmehl im Herbſt oder im Frühjahr gegeben war. Leicht lösliche Phosphorſäure wird durch Aufnahme von Kalk, Eiſenoxyd, Tonerde, Magneſia etwas ſchwerer beweglich, ſo daß die im Herbſt in den Boden gebrachte in der Regel nicht ganz ſo ſchnell wirkt, wie die im Früh⸗ jahr gegebene. Aber der Unterſchied iſt ſo gering, daß man keinen Wert darauf legen kann; wirtſchaftliche Rückſichten mögen hier entſcheiden. Winterfrüchten gibt man im Herbſt die Phosphorſäure, Sommerfrüchten im Herbſt oder im Frühjahr. Ich hebe hervor, daß man Superphosphat und Thomasſchlacke mit gleichem Erfolg auch während der Wintermonate oder im Frühjahr auf die rauhe Furche ſtreuen kann. Iſt der Boden arm, ſo empfehle ich ſogar die Phosphorſäuredüngung nicht einzupflügen, ſondern auf die rauhe Furche zu ſtreuen, damit ſie den Keimpflänzchen möglichſt nahe gebracht werde. Es iſt unrichtig, wenn man glaubt, daß nur tiefes Unterbringen die Wirkung ſichere. Superphosphat und auch Thomasmehl kann man mit be⸗ friedigendem Erfolg ſogar als Kopfdüngung für Winter⸗ getreide geben. In einem Bericht über die Tätigkeit der Verſuchs⸗ ſtation Darmſtadt 1909 habe ich eingehende Miteilungen 72 Die Phosphorſäuredüngung. über Ergebniſſe gemacht, die wir bei Herbſt⸗ und Früh⸗ jahrsdüngung mit Superphosphat und Thomasmehl er⸗ halten haben. Unter ſonſt gleichen Verhältniſſen haben wir bei Gefäßverſuchen, die mit Sommerroggen und Sommer⸗ gerſte ausgeführt wurden, im Vergleich zu phosphorſäure⸗ freier Düngung folgende Mehrerträge erhalten: Mehrertrag darin Phos⸗ an Körnern phorſäure Sommerroggen. g g Superphosphat Herbſtdüngung.... 43,5 0,22 „ Frühjahrsdüngung.. 56,4 0,40 Thomasmehl Herbſtdüngung.... 81,6 0,69 „ Frühjahrsdüngung.. 82,5 0,76 Sommergerſte. Superphosphat Herbſtdüngung... 150,3 0,77 „ Frühjahrsdüngung.. 210,9 1,14 Thomasmehl Herbſtdüngung.... 241,2 1,58 „ Frühjahrsdüngung.. 262,2 1,62 Es iſt alſo richtig, daß die im Herbſt gegebene Super⸗ phosphat⸗Phosphorſäure, wie es ja auch nicht anders ſein kann, während der Wintermonate in ſchwerer lösliche Ver⸗ bindungen übergegangen iſt. Sie verliert während der Vuiinterlagerung von ihrer Wirkſamkeit. Frühjahrsgaben wirken beſſer als Herbſtgaben. Unrichtig aber iſt, daß es ſich beim Thomasmehl umgekehrt verhalten ſoll. Das Thomasmehl wird während der Winterlagerung im Boden nicht leichter löslich. Frühjahrsdüngung mit Thomasmehl wirkt mindeſtens ebenſo gut wie Herbſtdüngung. Beſteht 8 ein Unterſchied, ſo iſt die Frühjahrsdüngung im Vorteil. Mein Urteil iſt folgendes: Es iſt in der Regel gleich⸗ gültig, zu welcher Zeit und wie tief die Phosphate in den Boden gebracht werden, denn man wird einen armen Boden durch ſtarke Üüberſchußdüngung bald ſo weit an⸗ reichern, daß die Pflanzen nicht mehr„von der Hand in 4 Wann und wie iſt die Phosphorſäuredüngung zu geben? 73 den Mund“ leben, ſondern aus einem Vorrat nehmen. Nur ſolange der Boden noch ſehr arm iſt und die Wirkung einer Phosphorſäuredüngung deutlich hervortritt, muß man den Pflanzen die Phosphorſäure möglichſt nahe brin⸗ gen. Ich empfehle, wie geſagt, für ſolche Fälle reichliche und zu beliebiger Zeit zu verwendende Thomasmehldün⸗ gungen, daneben aber die Zuhilfenahme von Superphos⸗ phat, das in mäßigen Gaben bei der Einſaat, und zwar recht zweckmäßig im Gemenge mit gleichzeitig einzubrin⸗ gendem Ammoniakſalz oder Chiliſalpeter zur Verwendung kommt. Die Kalidüngung. Nach welchen Grundſätzen iſt die Stärke der Kalidüngung zu bemeſſen? Ddie Kalidüngung fordert mehr Sorgfalt als die Phosphorſäuredüngung. Die Phosphorſäure iſt ſchwer be⸗ weeglich im Boden und kann in erheblichem Überſchuß ge⸗ geben werden, ohne daß man ſchädigende Wirkungen oder Verluſte zu befürchten hat. Das Kali aber bleibt leichter beweglich, und die Kalidüngung hat man dem beſonderen Bedarf des Bodens und der Pflanze genauer anzupaſſen als die Phosphorſäure. Wenn von 100 Teilen in den Boden gebrachter Phosphorſäure 10—15— 20 Teile im erſten Jahr nach erfolgter Düngung aufgenommen werden, ſo kann man rechnen, daß unter den gleichen Verhältniſſen on je 100 Teilen Kali 40— 60 Teile in die Pflanze wan⸗ dern. Es würde alſo ganz verkehrt ſein, wenn man kali⸗ arme Böden ſo behandeln wollte wie phosphorſäurearme. Große Überſchußdüngungen ſind hier nicht am Platze. Das Kalibedürfnis der zu düngenden Kulturpflanze und der Kalivorrat des betreffenden Bodens, der in der Regel größer iſt als der Vorrat an Phosphorſäure, iſt hier ſorg⸗ fältiger zu berückſichtigen. Ich wende mich daher ſogleich zu der Frage: Welche Kulturpflanzen bebürfen am meiſten der Kalidüngung? Als die kalibedürftigſten der landwirtſchaftlichen Kul⸗ turpflanzen kann man die Rübenarten, die Kohlarten, die die Welche Kulturpflanzen bedürfen am meiſten der Kalidüngung? 75 Kartoffeln und unter den Halmgewächſen die Gerſte be⸗ zeichnen. Rüben und Kartoffeln iſt zwar die Fähigkeit eigen, die Kalivorräte des Bodens in hervorragendem Maße auszunutzen, aber ihr Bedarf an Kali iſt ſo aus⸗ nehmend groß, daß ſie ſelbſt auf verhältnismäßig reichen Böden meiſt nicht imſtande ſind, die für den Höchſtertrag notwendigen Kalimengen dem Boden, ſelbſt nicht dem mit Stallmiſt gedüngten, zu entnehmen. Unſere Verſuche haben dies erwieſen, und ich will folgendes Beiſpiel daraus mitteilen. Ein Lehmacker in Ernſthofen i. O. erhielt im Januar 700 dz Stallmiſt auf den Hektar und wurde Anfang Juni, kurz vor dem Bepflanzen mit Futterrüben, wie folgt gebüngt: Parzelle 1: Ohne Düngung. „ 2: 6 dz Thomasmehl, 12 dz Kainit, 3 dz Chiliſalpeter au den Hektar. „ 3: 6 dz Thomasmehl, 3 dz Chiliſalpeter auf den Hektar. Die vorſtehende Salpetermenge wurde am 5. Juli nochmals gegeben. 1 — Im Mittel aus je zwei Parallelverſuchen wurden vom Hektar geerntet: Parzelle 1: Ungedüngt....... 521 dz Futterrüben. „ 2: Volldüngung..... 831,„ „ 3: Volldüngung ohne Kali. 711„„ Wo das Kali an der Volldüngung gefehlt hatte, war alſo ein um 120 dz Rüben verminderter Ertrag erhalten worden, woraus ſich ergibt, daß ſelbſt die ſehr ſtarke Dün⸗ gung von 700 d Stallmiſt auf den Hektar das Kalibedürf⸗ nis der Rüben noch nicht hatte befriedigen können. Das Düngebedürfnis der Rüben für Kali wird in der Praxis oft unterſchätzt. Ich habe nicht ſelten erfahren, daß man verſuchsweiſe dem Stallmiſt dun beigegeben und aus der dann beobachteten Nichtwirkung des Kaliſalzes geſchloſſen hat, daß die Rüben genügend mit Kali verſorgt ſeien. Solcher Verſuch aber iſt falſch angelegt, und der aus ihm 76 Die Kalidüngung. gezogene Schluß iſt unrichtig. Futterrüben, die mit Stall⸗ miſt gedüngt ſind, bedürfen in erſter Linie einer Zugabe von Stickſtoff, und erſt die reichere Ernährung mit Stick⸗ ſtoff macht ſie fähig, auch eine Kalimenge zu verarbeiten, die größer iſt, als der Stallmiſt und der Bodenvorrat ſie bieten. So iſt es Regel. Auf einen anderen dabei in Betracht kommenden Punkt will ich noch hinweiſen. Wenn eine Düngung von etwa 2 dz 40% igem Kaliſalz, die heute 80 ℳ koſtet, den Futterrübenertrag von etwa 800 d auf 850 dz vom Hektar vermehrt, ſo iſt das eine Ertragsſteigerung, die man als hinreichend rentabel erachten darf. Aber kann man mit dem Auge wahrnehmen, daß auf dem einen Ackerſtück 800, auf dem anderen 850 dz Rüben gewachſen ſind? Nein. Selbſt ddeer geübteſte Praktiker ſieht das nicht. Daraus aber folgt, daß eine Kalidüngung ſelbſt dann ſchon rentabel gewirkt haben kann, wenn der Mehrertrag ſo gering iſt, daß er mit dem Auge noch nicht wahrgenommen, erſt durch einen ſehr genau ausgeführten und hinreichend kontrollierten Ver⸗ ſuch feſtgeſtellt werden kann. Es gibt zahlreiche Fälle, in welchen man mit kalihungrigen Pflanzen zu tun hat, in welchen aber der Kalihunger bzw. die Wirkung einer Kali⸗ düngung der Wahrnehmung ſich entzieht, weil die Beob⸗ achtung und Prüfung nicht genau genug iſt. Weniger Kali als die Rüben, Kartoffeln und Kohl⸗ arten bedürfen die Halmgewächſe. Haben die Futterrüben 500— 600 kg Kali vom Hektar aufzunehmen, um Höchſt⸗ erträge zu liefern, ſo ſind die Halmgewächſe ſchon mit 100 bis 150 kg zufrieden. Ein Irrtum aber iſt, wenn man glaubt, daß die Kalidüngung dementſprechend geringere Bedeutung für Halmgewächſe hat. Als Beiſpiel ſei an⸗ geführt, daß die von uns vorgenommene Fortſetzung des oben angeführten Verſuches ein Reſultat ergeben hat, wel⸗ Welche Kulturpflanzen bedürfen am meiſten der Kalidüngung? 77 ches erkennen läßt, daß der Acker, der trotz reichlicher Stall⸗ miſtdüngung die Futterrüben nach Kali hungern ließ, auch dem nachfolgenden Weizen nicht genug Kali zur Verfügung ſtellte. Der Verſuch wurde in der Weiſe fortgeführt, daß der auf die Rüben folgende Weizen nur Stickſtoff erhielt, die Kali⸗ und Phosphorſäuredüngung alſo nicht wieder⸗ holt wurde. Eine Nachwirkung des Kalis aber machte ſich auf das deutlichſte bemerkbar, denn wir erhielten im Mittel aus je zwei Parallelverſuchen auf den Hektar berechnet folgendes: Stroh Körner dz dz Parzelle 1: Ohne Düngung...... 44,0 21,0 „ 2: Kali und Phosphorſäure 1897, — Chiliſalpeter 1898..... 92,2 34,9 „ 3: Phosphorſäure 1897, Chili⸗ ſalpeter 1898....... 76,4 27,6 Wo alſo die Vorfrucht eine Kalidüngung erhalten hatte, war unter ſonſt gleichen Verhältniſſen ein Mehr⸗ ertrag von 15,8 dz Stroh und 7,3 dz Weizenkörner erzielt worden.. 3 Auch auf die Frage, ob unter den verſchiedenen Arten der Halmfrüchte ein Unterſchied bezüglich ihres Dünge⸗ bedürfniſſes für Kali beſteht, kann eine Antwort gegeben werden, und zwar die Antwort, daß— ſoweit bis jetzt Ermittelungen vorliegen— die Gerſte das größte, der Hafer das geringſte Düngebedürfnis für Kali hat. Um ein Zahlenbeiſpiel zu geben, führe ich an, daß wir bei Gefäß⸗ verſuchen unter ſonſt gleichen Verhältniſſen folgendes er⸗ hielten: Ohne Kalidüngung 22 g Gerſtekörner, 64 g Haferkörner. Mit 7 80 71 1 90 1 71. 3 Der nicht mit Kali gedüngte Boden lieferte alſo bei überſchüſſiger Phosphorſäure⸗ und Stickſtoffgabe 64 g Die Kalidüngung. Haferkörner, aber nur 22 g Gerſtekörner, und daß dieſer Minderertrag an Gerſtekörnern tatſächlich auf Kalihunger beruhte, beweiſt der Umſtand, daß die Kalidüngung den Gerſteertrag von 22 g auf 80 g Körner ſteigerte. Ich füge bei, daß auch zuhlreiche Fälle aus der Praxis die Gerſte als in hohem Grade düngebedürftig für Kali erwieſen haben, und daß man zugleich eine erheblich beſſere Quali⸗ tät der Körner erzielt hat, wenn für reichliche Kaliernäh⸗ rung Sorge getragen war. 4 Es ſei ſchließlich noch derſelbe Rat hier erteilt, den icch bezüglich der Phosphorſäuredüngung gegeben habe: Man dünge vor allem diejenigen Pflanzen reichlich mit Kali— insbeſondere die Kleefelder, die Wieſen und die Futterrübenäcker—, deren Produkte in der Wirtſchaft zur Verfütterung kommen. Im Üüberſchuß aufgenommenes Kali geht dann nicht verloren, es bleibt in der Wirtſchaft. Kalireiches Futter liefert kalireichen Miſt, und das im Stallmiſt der Pflanze dargebotene Kali bietet die verhält⸗ smäßig größte Garantie für ſichere Wirkung. Der Kaligehalt des Stallmiſtes ſchwankt ſehr. In Wirtſchaften, in welchen Acker und Wieſen mit viel Kali edüngt wurden, fanden wir Stallmiſt, deſſen Kaligehalt icht weniger als 0,82% betrug, während er in„kali⸗ armen“ Wirtſchaften auf 0,28% ſank. Welche Bodenarten bedürfen am meiſten der Kalidüngung? „Sandböden, Moorböden, leichte Wieſenböden müſſen mit Kali gedüngt werden, die beſſeren Lehmböden aber bedürfen der Kalidüngung nicht“, das iſt der Satz, der vielfach als allgemein gültig aufgeſtellt wird. Iſt der Satz richtig? Nein. In ſeiner Allgemeinheit iſt er falſch. Daß Sandböden, Moorböden und leichte Wieſenböden durchweg Welche Bodenarten bedürfen am meiſten der Kalidügung? 79 arm an Kali ſind, iſt ſo allgemein bekannt, daß ich über dieſe Frage hinweggehen kann. Die Tatſache aber, daß auch unter verhältnismäßig reichen Lehmböden Kalihunger vorkommt, muß ich mit Nachdruck hervorheben. Es kommt freilich darauf an, was man unter„Kalihunger“ verſteht, und um dies klar zu machen, will ich das oben angeführte Beiſpiel, das unſeren Verſuchen entnommen iſt, nochmals vor Augen führen. Der von uns verwendete Acker hatte eine Düngung von 700 dz Stallmiſt auf den Hektar erhalten. War man nun zufrieden, wenn der ſo gedüngte Boden 521 dz Futter⸗ rüben lieferte, ſo mußte er als nicht kalihungrig bezeichnet werden, denn er lieferte nicht nur den genannten Ertrag, ſondern er hielt noch erheblich mehr Kali den Pflanzen zur Verfügung; er enthielt einen„Überſchuß“ an Kali, denn er lieferte, als der Boden mit Stickſtoff und Phosphorſäure 4 gedüngt wurde, den Pflanzen noch ſo viel Kali, wie zu einer Produktion von weiteren 190 dz Rüben erforderlich 4 war. Damit aber war die Grenze erreicht. Die angewen⸗ dete Stickſtoff⸗ und Phosphorſäuredüngung konnte mit dem in Boden und Stallmiſtdüngung zur Verfügung ſtehenden 3 Kali eine weitere Ertragsſteigerung nicht bewirken. Sie bedurfte der Zugabe von Kali, um voll zur Wirkung zu kommen. Eine Beigabe von Kali ſteigerte den Ertrag um weitere 120 dz Rüben vom Hektar. Ich denke, dies Beiſpiel ſtellt die Sache klar. Ein und derſelbe Boden kann je nach Umſtänden als nicht kali⸗ hungrig und auch als kalihungrig ſich erweiſen. Iſt man mit geringen Erträgen zufrieden, begnügt man ſich mit dem, was die Stallmiſtdüngung erzeugt, ſo iſt ein Boden wie der vorliegende nicht kalihungrig. Gibt man aber dem Boden außer Stallmiſt noch Phosphorſäure und Stick⸗ ſtoff, um Höchſterträge zu erzielen, ſo iſt er damit kalihun⸗ 80 Die Kalidüngung. grig geworden, denn der Kalivorrat im Boden und im Stallmiſt reichen nicht, um den Pflanzen ſo viel lösliches Kali zuzuführen, wie der erzielbare Höchſtertrag bean⸗ ſprucht. Der in unſerm Beiſpiel vorliegende Boden erthielt nicht weniger als 0,44% in Salzſäure lösliches Kali, und das iſt ein Gehalt, wie er nach weit verbreiteter Meinung zu der Vorausſage berechtigt, daß eine Kalidüngung keine Wirkung äußert. Wir haben aber geſehen, daß ſolche Vor⸗ ausſage nicht immer zutrifft. Bei ſchwacher Phosphor⸗ ſäure⸗ und Stickſtoffdüngung finden die Pflanzen in vielen Böden genug Kali, um ſo viel Ernteſubſtanz zu erzeugen, wie der ſchwachen Phosphorſäure⸗Stickſtoffdüngung ent⸗ — ſpricht. Steigert man aber dieſe Düngung ſo weit, daß Höchſterträge erzielt werden können, ſo reicht in der Regel dder Kalivorrat des Bodens nicht; Kalidüngungen ſind jetzt von Erfolg und der Boden ſtellt ſich als„kalihungrig“ dar. An einem Beiſpiel aus der Praxis ſei gezeigt, wie hoch die Anforderungen an das Kalikapital des Bodens ſind, die man bei intenſiver Kultur ſtellt. In der Wirtſchaft, die ich weiter unten näher beſpreche, ſind jährlich in Kultur: 1,375 ha Futterrüben, 1,375„Kartoffeln, 5,5„ Weizen, 5,5„ Hafer, und nach unſern Ermittelungen ſind die Erträge dort bei intenſiver Verwendung von Handelsdüngern zu ſteigern auf: 2,75„ Rotklee, 1000 dz Futterrüben vom Hektar, 300„ Kartoffeln„„ 40„ Weizenkörner„ 40„ Haferkörner„. 150„ Rotkleeheu„„ Welche Bodenarten bedürfen am meiſten der Kalidüngung? 81 mn Dieſe Erträge ſind natürlich nicht in jedem Jahr zu hes erhalten, aber es empfiehlt ſich, den Pflanzen jährlich ſo ie viel leicht aufnehmbares Kali zur Verfügung zu ſtellen, wie zur Produktion der erzielbaren Erträge erforderlich elt iſt. Die jährlich erforderliche Kalimenge berechnet ſich auf nd 3280 kg für die bebaute Fläche, und zur Deckung dieſes 1g Bedarfs ſtehen in der gedachten Wirtſchaft zur Verfügung: he 1640 dz Stallmiſt mit 985 kg Kali 1. 780 hl Jauche„ 701„„ A zuſammen: 1686 kg Kali. en, Bringt man dieſe 1686 kg betragende, in Miſt und ni⸗ Jauche zur Verfügung ſtehende Kalimenge von obigen 3ß 3281 kg in Abzug, ſo bleibt ein Reſt von 1595 kg Kali el als ungedeckter Bedarf für die geſamte Ackerfläche oder von t 96 kg Kali für den Hektar. r. Nun die Frage: Wird der Boden imſtande ſein, jähr⸗ 9 lich 96 kg Kali aus ſeinem Vorrat zu liefern, bzw. wie d, lange wird er dazu imſtande bleiben, wenn man ihm das entzogene Kali nicht erſetzt? Bezieht man dieſe Frage auf he, den in unſerm Beiſpiel vorliegenden Boden, ſo lautet die Antwort: Der Boden iſt trotz ſeines verhältnismäßig hohen Gehaltes von 0,33% Kali nicht imſtande, die geforderte Kalimenge zur Verfügung zu ſtellen; die erzielbaren Er⸗ träge werden, wie wir nachgewieſen haben, nur dann er⸗ halten, wenn neben intenſiver Phosphorſäure⸗ und Stick⸗ ei ſtoffdüngung auch eine reichlich bemeſſene Kalidüngung ge⸗ ff. gegeben wird, und es iſt als rationell zu erachten, dem in Rede ſtehenden Boden annähernd vollen Erſatz für die ihm entzogenen Mengen von Kali zu geben.. Da nun aber ſehr viel„beſſere Lehmböden“ vorkom⸗ men, die nicht kalireicher ſind als der vorliegende, und denen auch nicht mehr Stallmiſt und Jauche zur Verfügung Wagner, Düngemittel. Siebente Auflage. 6 4 Die Kalidüngung. 82 ſteht, als in unſerm Fall, ſo iſt anzunehmen, daß auch auf vielen beſſeren Lehmböden Höchſterträge nur dann erziel⸗ bar ſind, wenn außer Phosphorſäure⸗ und Stickſtoffgaben nicht zu gering bemeſſene Kaligaben verwendet werden. Zur Unterſtützung dieſer Annahme ſeien noch einige 88 Ergebniſſe hier mitgeteilt, die wir bei Düngungsverſuchen auf kalireichen Lehmäckern erhalten haben. Gehalt Durch„Volldüngung“ Fehlte an der ſuchs⸗ an in Salz⸗ und Kali) wurde gegen das Kali, ſo ſank reihe ſäure lösl. ungedüngt an Mehrertrag der Mehrertrag Kali vom Hektar erzielt vom Hektar auf Nr. 531 b 0,466% 222 dz Rüben 104 dz 566 a 0,483„ 230„„ 160„ 424 a 0,476„ 33„ Kartoffeln 13,2„ 1 4 46,9„„ 16,9„ „„ 7,4„ Hafer 83,9„ „ 607 a 0,439„ 14,7„ Gerſte 8,5„ elche Kaliſalze ſind für die Düngung die wichtigſten? Frrüher wurde faſt ausſchließlich der Kainit zur Dün⸗ gung verwendet. Die konzentrierten Salze waren ſehr wenig im Gebrauch, da ihnen das Kali erheblich höher be⸗ zahlt werden mußte, als im Kainit. Mehr und mehr aber hat ſich das Bedürfnis nach einem K Kaliſalz herausgeſtellt, das weniger Chlor und Natron enthält als der Kainit. Auf je 100 Teile Kali enthält der Kainit nicht weniger als 160 Teile Natron und 250 Teile Chlor. Das iſt mehr, mmehr, als ihnen zuträglich iſt, denn Chlor ſowohl wie Na⸗ ron können einerſeits günſtig, andererſeits aber auch, ſo⸗ bald ſie in ſehr großer Menge in den Boden gelangen, ungünſtig wirken. Eine günſtige Wirkung des Chlors zeigt ſich beſonders bei Futterrüben. Halmgewächſe nehmen nur 10 kg, Zuckerrüben, Kleearten, Raps 15—30 kg, die Ver⸗ des Bodens(Stickſtoff, Phosphorſäure„Volldüngung“ als die Kulturpflanzen bedürfen, unter Umſtänden ſogar 8 ‿ 8—— Boden verteile und zum Teil verſickere. gen ſtarker Natrongaben auf die Entwickelung der Pflan⸗ Welche Kaliſalze ſind für die Düngung die wichtigſten? 83 Futterrüben aber nicht weniger als 120— 150 kg Chlor auf den Hektar gerechnet auf. Die Futterrübe hat ſich bei unſeren Verſuchen als empfänglich für Chlor erwieſen. Nach einer Düngung mit chlorreichen Kaliſalzen wurden erheb⸗ lich höhere Erträge erzielt als nach Düngungen mit ſchwefelſaurem Kali, kohlenſaurem Kali, ſchwelſaurer Kali⸗ magneſia, ſalpeterſaurem Kali, kieſelſaurem Kali, alſo durch Düngung mit Salzen, die frei von Chlor waren. Eine nachteilige Wirkung des Chlors zeigte ſich bei Futterrüben ſelbſt nach ſtarker Düngung nicht. Auf Zuckerrüben, Kar⸗ toffeln und Halmgewächſe dagegen wirkt reich bemeſſene Düngung mit Chlor leicht ſchädlich; man hat für dieſe Pflanzen möglichſt nicht bei der Einſaat, ſondern bei der Herbſtbeſtellung, im Winter oder im zeitigen Frühjahr die chlorreichen Kaliſalze zu geben, damit das Chlor ſich im Wie das Chlor, ſo kann auch das Natron, je nach 6 Umſtänden, bald günſtig, bald ungünſtig wirken. Das Natron rechnet man nicht zu den allgemein notwendigen Pflanzennährſtoffen, da man erſt einzelne Kulturpflanzen gefunden hat, die ohne Aufnahme beachtenswerter Mengen von Natron keine Höchſterträge liefern. Die meiſten Kul⸗ turpflanzen— man weiß dies zwar noch nicht genau ſcheinen nur wenig, einige derſelben gar kein Natron zu be⸗ dürfen. Vor allem ſind es wieder die Futterrüben, die Natron lieben, beſonders dann, wenn der Boden nicht reich an Kali iſt. Auch die Menge an Natron, die die Futter⸗ rübe in ihrer Erntemaſſe enthält, iſt weitaus größer als bei anderen Pflanzen. Während die Halmgewächſe, Kartoffeln, Kleearten 7— 15 kg, die Zuckerrüben 50 kg in ihren Er⸗ trägen aufweiſen, nehmen die Futterrüben nicht weniger als 200 kg Natron vom Hektar auf. Nachteilige Wirkun⸗ 6* 84 Die Kalidüngung. zen ſind bisher nicht nachgewieſen worden, wenigſtens keine direkten. Indirekt aber kann das Natron dadurch nach⸗ teilig wirken, daß es die phyſikaliſche Beſchaffenheit des Bodens ungünſtig beeinflußt. Das Natron wird von den tonigen Teilen des Bodens gebunden, und die Anziehungs⸗ kraft zwiſchen Natron und Tonteilen iſt ſo groß, daß ein mit Natron ſtark gedüngter Lehm⸗ oder Tonboden zähe wird, ſich ſchwer bearbeiten läßt, zur Kruſtenbildung neigt, beim Austrocknen harte Schollen bildet, das Waſſer nicht leicht durchſickern läßt und dem Eindringen der atmoſphä⸗ n riſchen Luft Widerſtand leiſtet. Auf leichtem Sandboden treten dieſe Erſcheinungen viel weniger auf. Es kann die geſchilderte Wirkung des Natrons auf ſehr leichtem, allzu loſem und allzu durchläſſigem Sandboden ſogar vorteilhaft ſein, falls ſie eine beſtimmte Grenze nicht überſchreitet. Da nun der hohe Chlor⸗ und Natrongehalt des Kainits unter Umſtänden nachteilig auf die Pflanzen wirkt, ſoo hat ſich das Bedürfnis nach einem Kaliſalz fühlbar ge⸗ macht, das ärmer an Chlor und Natron iſt als der Kainit, 8 zugleich aber nicht ſo hoch im Preiſe ſteht, wie das 50% ige Chlorkalium, das ſchwefelſaure Kali, die ſchwefelſaure Kali⸗ mmagneſia und die übrigen reineren Salze. Die Kaliwerke ſind dieſem Bedürfnis entgegen gekommen, ſie bringen einige konzentriertere Düngeſalze zu Preiſen in den Han⸗ del, die eine Konkurrenz mit dem Kainit ermöglichen. Unter dieſen Salzen iſt das„40% ige Kaliſalz“ das wichtigſte. Es enthält auf je 100 Teile Kali nur 120 Teile Chlor und 40 Teile Natron, während im Kainit auf je 100 Teile Kali 250 Teile Chlor und 160 Teile Natron enthalten ſind. Das 40% ige Kaliſalz iſt alſo weſentlich ärmer an Chlor und Natron als der Kainit, und man wird Welche Kaliſalze ſind für die Düngung die wichtigſten? 85 dem 40% igen Salz um ſo mehr den Vorzug geben, je größer die Entfernung zwiſchen Verbrauchsort und Kali⸗ fabrik iſt, denn um die gleiche Menge reines Kali zu trans⸗ portieren, iſt für den Kainit dreimal ſo viel Fracht zu zahlen als für das 40% ige Salz. Es bleibt zum Schluß noch ein weiteres Moment an⸗ zuführen. Kommt das Chlor der Kaliſalze mit dem Kalk des Bodens in Berührung, ſo entſteht Chlorkalzium, wel⸗ ches als leicht lösliches Salz gelegentlich in tiefere Boden⸗ ſchichten verſickert. Das Chlor der Kaliſalze bewirkt alſo einen gewiſſen Verluſt der Bodenkrume an Kalk, und dieſer wird um ſo fühlbarer ſein, je reicher das Kaliſalz an Chlor und je ärmer der Boden an Kalk iſt. Durch je 100 kg Kali, die man in Form von Kainit verwendet und mit welchen man zugleich 250 kg Chlor in den Boden bringt, werden rund 200 kg Kalk dem Boden entführt, die durch Kalkdüngung erſetzt werden müſſen, falls der Boden den Verluſt nicht tragen kann. Gibt man die 100 kg Kali dagegen in Form von 40% igem Kalidünger, ſo iſt dem halben Chlorgehalt dieſes Salzes entſprechend auch der Kalkverluſt nur halb ſo groß als beim Kainit. Üüber die Frage, in welchen Fällen beſſer das 40% ige Kaliſalz, in welchen dagegen nach wie vor der Kainit ver⸗ wendet werden kann, iſt, wenn ich die bis heute erhaltenen Ergebniſſe unſerer Verſuche zuſammenfaſſe, folgendos zu ſagen. G Zunächſt hat man die Bodenart zu berückſichtigen. Je ſchwerer der Boden iſt, um ſo mehr ſoll man von der Kainitdüngung ſich abwenden und das natronärmere 40% ige Kaliſalz benutzen. Sodann iſt die Art der Kulturpflanze zu berückſich⸗ tigen. Am meiſten Chlor verlangt und verträgt die Futterrübe. Erheblich weniger bedarf und verträgt die 86 Die Kalidüngung. Zuckerrübe. Dann folgen die Halmgewächſe, dann der Kllee, dann die Kartoffeln. Futterrüben und Kartoffeln ſind bezüglich ihres Chlor⸗ und Natrongehaltes als Gegen⸗ ſätze anzuſehen. Futterrüben bedürfen und vertragen am meiſten Chlor und Natron, die Kartoffeln am wenigſten, und dazwiſchen liegen die übrigen Kulturpflanzen in der genannten Folge. Als die zuträglichſte Kaliform für Kar⸗ toffeln darf der Stallmiſt und die Miſtjauche gelten, und man hat dies auch in der landwirtſchaftlichen Praxis er⸗ kannt. Im Stallmiſt und in der Miſtjauche kommen auf je 100 Teile Kali nur 25 Teile Chlor, während im 40% igen Salz auf 100 Teile Kali 120 Teile und im Kainit 250 Teile Chlor kommen. Es iſt alſo empfehlens⸗ wert, beſonders da, wo Kartoffeln im Stallmiſt gebaut 1 werden, möglichſt kalireichen Stallmiſt zu produzieren. Solchen erhält man, wenn man diejenigen Acker, von wel⸗ chen das Streuſtroh geerntet wird, ſowie die Wieſen und Futterfelder reichlich mit Kali düngt. Führt man Halm⸗ gewächſen viel Kali zu, ſo erhöht ſich der prozentiſche Kali⸗ gehalt der Körner zwar nicht, derjenige des Strohes aber ſteigert ſich erheblich. Wir haben bei Feldverſuchen gefun⸗ den, daß 1000 kg Getreideſtroh bald 10, bald 15 kg Kali enthielten, je nachdem der Acker nicht oder ſtark mit Kali gedüngt war. Wir haben ferner gefunden, daß 1000 kg Wiieſenheu bald 10, bald 20 kg Kali enthielten, je nach⸗ dem die Wieſe hungerte oder mit Kali geſättigt war, und wir haben endlich gefunden, daß 100 dz Stallmiſt bald 28, bald 82 kg Kali enthielten, je nachdem der Miſt in einer Wirtſchaft gewonnen war, die einen kaliarmen oder aber einen kalireichen bzw. mit viel Kali gedüngten Boden beſaß. Sodann iſt bezüglich der Wahl des Kaliſalzes auch die Jahreszeit, in welcher die Düngung gegeben werden ſoll, Martellin und Phonolithmehl. 87 zu berückſichtigen. Herbſtdüngung mit Kainit hat eine ſtär⸗ kere Verdünnung der Salzlöſung zur Folge als die Früh⸗ jahrsdüngung. Erſtere ſchließt daher die Gefahr einer nachteiligen Wirkung mehr aus als letztere. Endlich aber kommt noch die Stärke der Düngung in Betracht. Je ſtärker die Kalidüngung bemeſſen wird, um ſo mehr wird man das reinere Salz vorziehen; je geringer das Bedürf⸗ nis des Bodens für Kali iſt, um ſo weniger Vorſicht iſt not⸗ wendig. Iſt es ausreichend, wenn man dem Boden nicht mehr als etwa 3 dz Kainit auf den Hektar zuführt, ſo werden die in dieſer geringen Kalidüngung enthaltenen Nebenſalze nicht ſchaden. Hat man aber ſo viel Kali dem Boden zuzuführen, wie einer Düngung von etwa 8 oder 10 dz Kainit auf den Hektar entſpricht, ſo wird man beſſer das chlor⸗ und natwdiſätmäre 40% ige Salz ver⸗ 1 wenden. Martellin und Phonolithmehl. Als ein vollkommen chlor⸗ und natronfreies Kaliſalz hat man kieſelſaures Kali, ſog. Martellin den Landwirten angeboten, das ſich beſonders gut zur Tabakdüngung eignen ſoll. Wir haben viel Verſuche mit dieſem Salz aus⸗ geführt und dabei gefunden, daß die Wirkung des kieſel⸗ ſauren Kalis nichts zu wünſchen übrig läßt. Es würde ſehr willkommen ſein, wenn es ſo billig hergeſtellt werden könnte, daß es in der großen landwirtſchaftlichen Praxis verwendbar wäre. Das ſcheint aber nicht möglich zu ſein. Das Kali hat im Martellin 3 mal bis 4 mal ſo viel als ſelbſt im teuerſten Staßfurter Kaliſalz, dem hochprozen⸗ tigen ſchwefelſauren Kali, gekoſtet. Auch für Tabakkultur war der Preis viel zu hoch, denn unſere Verſuche haben er⸗ geben, daß die Glimmbarkeit der Tabakblätter nach Mar⸗ tellindüngung kaum beſſer war als da, wo man unter ſonſt 88 Die Kalidüngung. gleichen Verhältniſſen das billigere hochprozentige ſchwefel⸗ ſaure Kali gegeben hatte. Vor Jahren hat man ein Kalidüngemittel in den Handel gebracht, das leicht mit dem kieſelſauren Kali ver⸗ wechſelt werden könnte. Man hat dies Düngemittel, das aus fein gemahlenem Phonolith, einem in der Eifel ſich findenden Eruptiv⸗Geſtein beſteht, Kaliſilikat genannt. In dieſem Geſteinmehl aber iſt das Kali ſo feſt an Kieſel⸗ ſäure gebunden, daß es den Pflanzenwurzeln nur ſehr langſam zugänglich iſt. Unter den Verhältniſſen, wie ſie bei unſeren Gefäßverſuchen vorlagen, iſt es nicht möglich geweſen, den Kalihunger der Kulturpflanzen durch Phono⸗ lithmehldüngung zu heben, ſelbſt nicht durch ſo ſtarke Gaben, wie ſie in der landwirtſchaftlichen Praxis auch nicht einmal annähernd verwendet werden können. Wenn das Phoynolithmehl dem kieſelſauren Kali, dem ſog. Martellin, in ſeiner Wirkung gleichgeſtellt worden iſt, ſo iſt das falſch. Das Martellin iſt leicht zerſetzbar und von ſchneller Wir⸗ kung, das Kali des Phonolithmehls aber iſt ſo feſt an Kieſelſäure gebunden, daß 10% ige Salzſäure kaum die Hälfte davon löſt. Die Möglichkeit, daß man Verhältniſſe in der landwirtſchaftlichen Praxis finden wird, unter welchen die Kulturpflanzen aus je 100 Teilen Phonolith⸗ kali auch nur annähernd ſo viel Kali aufnehmen könnten, wie aus je 100 Teilen in Form von Staßfurter Salz ge⸗ botenem Kali, iſt ganz ausgeſchloſſen. Auf Ackern und Wieſen von uns ausgeführte Verſuche haben das Ergebnis beſtätigt, das wir bei Gefäßkulturen erhalten haben. Die Wirkung des Phonolithmehls war ſelbſt auf humusreichem Wieſenboden ſo gering, daß an eine vorteilhafte Verwen⸗ dung dieſes Düngemittels nicht gedacht werden kann. Auf einer Wieſe in Bickenbach an der Bergſtraße (Reihe 1072) wurde im 4. Verſuchsjahre nach Düngung ——————— Wann uſw. ſind die Kaliſalze in den Boden zu bringen? 89 mit 40% igem Kaliſalz ein Mehrertrag von 33 dz Heu, durch mehr als doppelt ſo ſtarke Phonolithmehldüngung ein Mehrertrag von nur 5,6 dz Heu erhalten. Auf einer zweiten Wieſe in Bickenbach(Reihe 1073) erhielten wir im 4. Verſuchsjahre durch 40% iges Kaliſalz einen Mehr⸗ ertrag von 48,1 dz, durch eine doppelt ſo ſtarke Phonolith⸗ mehldüngung nur 12,0 dz Heu. Auf einer Wieſe in Hüttenfeld⸗Seehof(Reihe 1053) erhielten wir im Mittel von vier Jahren durch 40% iges Kaliſalz einen Mehrertrag von 31,2 d, durch die ent⸗ ſprechende Phonolithmehldüngung 9,3 dz Heu. Während der letzten fünf Verſuchsjahre wurde die Kalidüngung auf die Hälfte der Parzellen eingeſtellt, um die Nachwirkung zu prüfen. Wir erhielten folgende Mehrerträge: Als Nachwirkung des Als Nachwirkung des Im Jahr 40% igen Kaliſalzes Phonolithmehlkalis 1914..... 33,3 dz Heu 18,8 dz Heu 1915.... 31,9„„ 22,8„„ 1916.... 21,8„„ 14,5„„ 1917..... 23,4„„ 15,0„„ 1918..... 13,5„„ 14,1„„ 123,4 dz Heu 85,2 dz Heu Man ſieht, daß die Kalidüngungen erhebliche Nach⸗ wirkungen ausgeübt haben. Die Nachwirkung der Pho⸗ nolithmehldüngung aber iſt erheblich gegen die des 40%⸗: igen Kaliſalzes zurückgeblieben. Wann und in welcher Weiſe ſind die Kaliſalze in den Boden zu bringen? Der beſſeren Verteilung des Chlors halber ſoll man die Kaliſalze möglichſt im Herbſt, im Winter oder im zeitigen Frühjahr in den Boden bringen bzw. auf die rauhe Furche ſtreuen, beſonders dann, wenn man den an 90 SDie Kalidüngung. Chlor reicheren Kainit verwendet. Nur bei der Düngung der Futterrüben braucht man nicht ſo vorſichtig zu ſein, denn das Chlor wirkt günſtig auf Rüben, und ſelbſt ein eerbheblicher Überſchuß davon tut noch keinen Schaden. Auch die Halmgewächſe ſind nicht ſo empfindlich, jedenfalls weniger empfindlich gegen friſche Kalidüngung als Kar⸗ toffeln. Es empfiehlt ſich, den Kartoffeln dadurch einen an Kali reicheren Boden zu bieten, daß man, ſoweit tun⸗ lich, die Vorfrucht reichlich mit Kali düngt und für die artoffeln dann keine oder nur geringe und im Herbſt zu gebende Kalidüngung verwendet. Zur Frage des Unterbringens ſei bemerkt, daß man die Kaliſalze, die mit jedem andern Handelsdünger im Gemenge ausgeſtreut werden können, am beſten in den Boden pflügt oder auf die rauhe Furche ſtreut. Miſichungen von Kaliſalz mit Thomasmehl erhärten leicht, wenn ſie nicht bald geſtreut werden; die Beimiſchung einiger Prozente Torfmull oder Sägeſpäne verhindert die Erhärtung und iſt auch da zu empfehlen, wo man die Kaliſalze ohne Zumiſchung von Thomasmehl längere Zeit aufbewahrt. Die Stickſtoffdüngung. Nach welchen Grundſätzen iſt die Stärke der Stiukſtoff⸗ düngung zu bemeſſen? Die Phosphorſäure— ſo haben wir geſehen— iſt in großem Üüberſchuß zu geben, bis genügender Vorrat angeſammelt iſt. Vom Kali gibt man nicht viel mehr, als dem berechneten Bedarf der Pflanze entſpricht. Die Stärke der Stickſtoffdüngung hat man möglichſt genau dem Be⸗ darf des Bodens und der Pflanze anzupaſſen. Wenn wir Phosphorſäure in den Boden bringen, ſo bleibt ſie in ganzer Menge den Pflanzen zur Verfügung, es geht nichts oder nur wenig davon verloren. In die 3 Luft entweicht keine Phosphorſäure, und in das Grund⸗ waſſer wird ſehr wenig davon gewaſchen. Dazu kommt, daß die Düngung die einzige Quelle iſt, aus welcher der Boden Phosphorſäure erhält; wir haben es alſo mit be⸗ ſtimmten und kontrollierbaren Verhältniſſen zu tun, wir können mit einem hohen Grad von Zuverläſſigkeit mit dem Phosphorſäurevorrat des Bodens rechnen. Wie aber ſteht es mit dem Stickſtoff? Bleibt auch ein Überſchuß von Stickſtoff, den man in den Boden bringt, in ſeiner ganzen Menge den Pflanzen erhalten? Nein, es iſt bekannt, daß der Salpeterſtickſtoff, in den ja ſchließ⸗ lich alle Stickſtoffverbindungen, mit denen wir es zu tun haben,— Humusſtickſtoff, Stallmiſtſtickſtoff, Guanoſtick⸗ ſtoff, Gründüngerſtickſtoff, Knochenmehl⸗, Hornmehl⸗, Blut⸗ 92 Die Stickſtoffdüngung. mehl⸗, Fleiſchmehlſtickſtoff, Ammoniakfſtickſtoff, Kalkſtickſtoff uſw.— übergehen, vom Boden nicht gebunden wird. Er folgt dem Lauf des Bodenwaſſers und es kann bald mehr, bald weniger Salpeterſtickſtoff in das Grundwaſſer oder in das Drainwaſſer geführt werden. Wieviel das iſt, können wir im Einzelfall nicht berechnen, wir haben es hier alſo ſchon mit einem unſicheren Faktor zu tun. Nun aber weiter. Während der Phosphorſäurevor⸗ rrat im Voden den Pflanzen eine gleichmäßig und un⸗ abhängig von der Witterung fließende Nährſtoffquelle bietet, mit der man rechnen kann, iſt dies beim Stickſtoff nicht der Fall. Der organiſche Stickſtoff im Boden geht bald ſchneller, bald langſamer, je nachdem die Temperatur, ddie Durchlüftung, die Feuchtigkeit des Bodens ſich gün⸗ ſtiger oder ungünſtiger geſtalten, in lösliche und aufnehm⸗ bare Form über. Wir können nicht vorausberechnen, wie⸗ viel Stickſtoff ſich im kommenden Sommer den Pflanzen zur Verfügung ſtellt. Wir haben hier alſo wieder einen unſicheren Faktor. Und endlich noch der folgende Um⸗ ſtand. Der Dünger iſt nicht die einzige Quelle, aus welcher der Boden Stickſtoff erhält, und das etwaige Ver⸗ ſickern von Salpeterſtickſtoff iſt nicht die einzige Verluſt⸗ quelle, mit der wir zu rechnen haben. Der Kulturboden ſteht in dauerndem Stickſtoffaustauſch mit der atmoſphä⸗ riſchen Luft. Er nimmt Stickſtoff aus der Luft und gibt Sdttickſtoff an ſie ab. Regen, Tau und Bakterien führen ihm Stickſtoff zu und ſalpeterzerſetzende Bakterien führen wieder Stickſtoff fort. Wir kennen dieſe Prozeſſe erſt zum Teil genauer, und mit welcher Intenſität ſie im gegebenen Fall verlaufen, wiſſen wir nicht. Wieviel Stickſtoff der Boden im gegebenen Fall an die Luft abgibt und wie⸗ viel er aus ihr empfängt, wiſſen wir nicht, können es auch nicht berechnen, nicht einmal annähernd ſchätzen. Alſo „* Nach welchen Grundſätzen iſt die Stärke uſw. zu bemeſſen? 93 alles in allem: Mit der Phosphorſäure können wir rechnen, wir können über Gewinn und Verluſt des Bodens an Phosphorſäure genügend ſichere Rechnung führen und auf Grund dieſer Rechnung den Gehalt des Bodens an verfügbarer Phosphorſäure regeln. Mit dem Sticktcoff geht das nicht. Eine ſtatiſche Rechnung iſt nicht aus⸗ führbar, und eine Erſatzdüngung in der Art, wie wir die Phosphorſäuregaben bemeſſen, würde für den Stickſtoff nicht richtig ſein. Dies aber führt uns zu einem tiefgreifenden Unter⸗ ſchied der Grundlagen, nach welchen wir einerſeits die Phosphorſäuredüngung und andererſeits die Stickſtoff⸗ düngung zu regeln haben. Bei der Phosphorſäuredün⸗ gung ſuchen wir in erſter Linie einen Sättigungszuſtand des Bodens herzuſtellen, die Anſammlung eines Vorrates von Phosphorſäure, aus welchem jede Kulturpflanze— ſie mag heißen wie ſie will und ſie mag viel oder wenig Phosphorſäure bedürfen— die genügende Menge aufzu⸗ nehmen vermag, und wir ſuchen dieſen Vorrat durch ge⸗ eignete Erſatzdüngung auf gleichbleibender Höhe zu er⸗ halten. Für die Höhe der Stickſtoffgabe aber iſt in erſter Linie das beſondere Bedürfnis der Pflanzen maßgebend. Durch Stallmiſt⸗ und Gründüngung bringen wir zwar auch einen Vorrat von Stickſtoff in den Boden, aber— und das iſt das Weſentliche— wir ſuchen dadurch keinen dauernden Sättigungszuſtand des Bodens zu erzielen. In jedem beſtimmten Fall müſſen wir fragen: Mit wieviel Stickſtoff iſt die zu bauende Kulturpflanze je nach ihrer Art und ihrer Varietät, je nach der Art der Vorfrucht, je nach Klima, Bodenbeſchaffenheit, Bodenbearbeitung, dem augenblicklichen Düngungszuſtand des Bodens, der beabſichtigten Intenſität der Produktion, der Größe des Riſikos, welches man tragen will, zu düngen? Mit Phos⸗ 94 Die Stickſtoffdüngung. „borſäure düngen wir den Boden, mit Stickſtoff die Pflanze. Man wird verſtehen, wie ich das meine. Durch Säittigung des Bodens mit Phosphorſäure ſtellt man die Möglichkeit her, Höchſterträge zu erzielen; durch geeignete Düngung mit Stickſtoffſalzen regelt man die Produktion, lenkt man die Entwickelung der Pflanzen in diejenigen Bahnen, die zu der als Ziel geſetzten Höhe des Ertrages führen. Das iſt der Grundſatz, nach welchem man die Stick⸗ ſtoffdüngung der Kulturpflanzen einzurichten hat, und nun wenden wir uns zu der praktiſchen Befolgung dieſes Grundſatzes. Ich frage zunächſt: 1 Welche Pflanzen bedürfen in erſter Linie der Stickſtoffdüngung? Auch bei dieſer Frage haben wir es mit ganz anderen Verhältniſſen zu tun, als bei der Phosphorſäure⸗ und Kalidüngung. Im Düngebedürfnis der Pflanzen für Phosphorſäure zeigen ſich die relativ geringſten Unter⸗ ſchiede, im Düngebedürfnis für Kali erheblich größere, im Duüngebedürfnis für Stickſtoff aber die weitaus größten. Die Unterſchiede ſind ſo groß, daß wir die Kulturpflanzen in zwei weſentlich voneinander verſchiedene Gruppen teilen können: in ſolche, die in der Regel einer Stickſtoffdüngung nicht bedürfen, und in ſolche, die unter normalen Boden⸗ verhältniſſen nur dann zu Höchſterträgen befähigt ſind, wenn ſie mit Stickſtoffſalz gedüngt werden. Zur erſteren Gruppe gehören alle Arten von Legu⸗ minoſen, alſo die Kleearten, Lupinen, Eſparſette, Wicken, Erbſen, Bohnen, Serradella uſw., zur zweiten alle Nicht⸗ leguminoſen, alſo die Halmfrüchte, Rüben, Kartoffeln, der Raps, Tabak, Hanf, Flachs, Hopfen uſw. Die Pflanzen der erſten Gruppe bezeichnet man als„Stickſtoffmehrer“, Welche Pflanzen bedürfen in erſter Linie der Stickſtoffdüngung? 95 denn ſie decken ihren Stickſtoffbedarf aus der atmoſphä⸗ riſchen Luft, ſie überführen freien, luftförmigen Stickſtoff in feſte, gebundene Form und mehren damit das um⸗ laufende Stickſtoffkapital der Wirtſchaft, während die Pflanzen der zweiten Gruppe als„Stickſtoffzehrer“ be⸗ kannt ſind, denn ſie haben nicht die Fähigkeit, ſich Stick⸗ ſtoff aus der Luft anzueignen, ſie müſſen ihren Geſamt⸗ bedarf dem Boden entnehmen und zehren ſomit vom Stick ſtoffkapital der Wirtſchaft. Aber eins iſt hier zu beachten. Ich habe geſagt, daß die Leguminoſen„in der Regel“ der Stickſtoffdüngung nicht bedürfen. Jede Regel aber hat Ausnahmen, und ſo auch dieſe. Es gibt Fälle, in welchen eine Düngung der Leguminoſen mit Stickſtoff lohnend ſein kann. Erbſen, Bohnen, Kleearten uſw. haben bekanntlich nicht von Be⸗ ginn ihrer Entwickelung an die Fähigkeit, atmoſp häriſchen Stickſtoff aufzunehmen. Erſt durch Einwirkung von Bak⸗ terien erlangen ſie dieſe Fähigkeit, und erſt nachdem der 6 lösliche Bodenſtickſtoff von ihnen aufgezehrt iſt und ſie nach Stickſtoff hungern, öffnet ſich die Stickſtoffquelle der atmoſphäriſchen Luft. Finden nun die genannten Pflanzen nur wenig lös⸗ lichen Stickſtoff im Boden, iſt der Boden arm an Humus und befindet er ſich in geringem Düngungszuſtand, ſo kann es vorkommen, daß unter ſolchen Verhältniſſen der Stick⸗ ſtoffhunger in einem zu frühen Entwicklungsſtadium der Pflanzen auftritt, in einem Entwicklungsſtadium, in wel⸗ chem ſie noch nicht genügend Widerſtand den vielerlei feindlichen Angriffen entgegenſetzen können, denen ſie durch ungünſtige Witterung, durch Pilzkrankheiten, Inſekten uſw. ausgeſetzt ſind. Beim Üübergang von der Ernährung mit Bodenſtickſtoff zur Ernährung mit Luftſtickſtoff können die Pflanzen unter ſolchen Verhältniſſen ſo ſehr leiden, daß 96 Die Stickſtoffdüngung. es von günſtigem Erfolge ſein kann, wenn man ihnen durch ſchwache Stickſtoffgabe über das kritiſche Stadium hinweghilft. In einer kleinen Schrift über den Chiliſalpeter ¹) habe ich die Richtigkeit dieſes Satzes durch einige Beiſpiele aus unſern Verſuchen belegt, und auch in der landwirtſchaftlichen Praxis hat man ihn beſtätigt gefunden. Ich führe hier namentlich den von Maercker mitgeteilten Verſuch an, der in der Verſuchswirtſchaft Lauchſtädt ausgeführt wurde. 1 dz Chiliſalpeter auf den Hektar hat den Ertrag an Erbſenkörnern von 21,4 auf 29,8 dz, bei einem andern Verſuch von 19 auf 23,2 dz vom Hektar geſteigert. Ich hebe nochmals hervor, daß nur geringe Salpeter⸗ gaben für Erbſen, Bohnen uſw. rationell ſein können, denn die Hauptſtickſtoffernährung dieſer Pflanzen ſoll ja nicht durch den Dünger, ſondern durch die atmoſphäriſche Luft geſchehen. Eine mit erhöhten Stickſtoffdüngungen gleichen Schritt haltende Steigerung der Erträge tritt auch nicht bei Leguminoſen, ſondern nur bei Nichtleguminoſen ein. Starke Gaben von Stickſtoffſalz können ſogar nach⸗ teilig auf die Entwicklung der Leguminoſen wirken, indem ſſiie den Hungerzuſtand in ein ſo ſpätes Entwicklungsſtadium der Pflanze fallen laſſen können, daß er nachteilig auf Blüten⸗ und Samenentwicklung wirkt. Als Beiſpiel aus unſeren Verſuchen ſei angeführt, daß wir erhielten: bei Buſchbohnen ohne Stickſtoffdüngung...... 24,0 dz Bohnen vom Hektar, nach Düngung von 62 kg Stickſtoff 22,4„„„„ bei Rankerbſen ohne Stickſtoffdüngung...... 51,1 dz Erbſen vom Hektar, nach Düngung von 62 kg Stickſtoff 39,0„„„„ ¹) Kurze Anleitung zur rationellen Stickſtoffdüngung landw. Kulturpflanzen, unter beſonderer Berückſichtigung des Chiliſalpers. Verlag von Paul Parey in Berlin. Welche Sflanzen bedürfen in erſter Linie der Stickſtoffdüngung? 97 Nun aber die Frage: Wieviel Stickſtoff ſoll den Nichtleguminoſen gegeben werden, bzw. wie findet man die richtigſte Menge im gegebenen Fall? Ich will einige Beiſpiele aus unſerer Praxis vor⸗ führen, die dies deutlich machen. 1. Beiſpiel. Auf dem Gute Wickſtadt in Oberheſſen ſollte Hafer mit Chiliſalpeter gedüngt werden. Auf Grund der dort gemachten Erfahrungen war anzunehmen, daß ohne Sal⸗ peterdüngung etwa 28 dz vom Hektar erhalten wurden. Andererſeits war anzunehmen, daß man durch ent⸗ ſprechende Düngung den Ertrag bis auf 40 dz ſteigern könnte. Wir ſtellten uns ſomit die Aufgabe, den Ertrag um 12 dz zu erhöhen. Wieviel Salpeter war dazu er⸗ forderlich? Das war leicht zu berechnen. Um 4 dz Körner zu erzeugen, iſt nach unſeren Ermittelungen 1 dz Chili⸗ ſalpeter erforderlich. Alſo hatten wir, um einen Mehr⸗ ertrag von 12 dz Körner zu erzielen, 3 dz Chiliſalpeter zu verwenden. Dies geſchah. Es wurden 1 ½ dz Salpeter bei der Einſaat, 1 ½ dz vier Wochen ſpäter gegeben. Der Erfolg war, daß wir ohne Salpeterdüngung 27 dz, mit Salpeterdüngung 38 dz Körner erhielten. Das Ziel war alſo faſt erreicht. Die Düngung von 3 d⸗z Chiliſalpeter hatte einen Mehrertrag von 11 dz Körner erbracht. Der Salpeter war alſo zu normaler Wirkung gekommen. 2. Beiſpiel. In Ernſthofen im Odenwald ſollte Gerſte mit Chili⸗ ſalpeter gedüngt werden. Der Boden war arm. Auf mehr als 24 dz Körner vom ungedüngten Acker glaubten wir auf Grund der dort gemachten Erfahrungen nicht rechnen Wagner, Düngemittel. Siebente Auflage. 4 7 98. Die Stickſtoffdüngung. zu dürfen. Als erzielbaren Ertrag aber konnten wir 36 dz Gerſtekörner annehmen. Alſo faßten wir eine Ertrags⸗ ſteigerung um 12 dz Körner ins Auge und düngten ebenſo wie auf dem Gute Wickſtadt mit 3 d Chiliſalpeter, von welchem die Hälfte bei der Einſaat, die Hälfte fünf Wochen ſpäter gegeben wurde. Der Ertrag war wie folgt: ohne Salpeterdüngung wurden 22 dz Körner, mmit 4 5 32„ 7 erhalten. Die 3 dz Chiliſalpeter hatten alſo 10 dz Körner er⸗ racht. Die Salpeterdüngung war infolge großer Trocken⸗ heit nicht voll zur Wirkung gekommen. Je 1 dz Chili⸗ ſalpeter hatte nur 3,3 dz Körner erzeugt. Es wäre in dieſem Fall vorteilhafter geweſen, wenn wir nur 2 ½ dz Salpeter gegeben hätten. Immerhin war der Gewinn befriedigend, denn die Produktion von 1 d Gerſtekörner mit entſprechendem Stroh berechnete ſich auf 7,50 Mark. 3. Beiſpiel. Auf dem Gute Wolsskehlen ſollte für Gerſte gedüngt werden. Der Boden war reich; wir durften ohne Sal⸗ peterdüngung auf einen Ertrag von 30 dz Körner rechnen und als Höchſtertrag 40 dz Körner annehmen. Wir ſetzten uns eine Ertragsſteigerung um 10 dz als Ziel, für welche der Rechnung nach 2,5 dz Chiliſalpeter erforderlich waren. Dieſe Düngung wurde gegeben, und der Erfolg war, daß ohne Stickſtoffdüngung... 28,5 dz Körner, mit Salpeterdüngung... 42,0„„ erhalten wurden. Die Salpeterdüngung hatte einen Mehrertrag von 13,5 dz Körner erbracht. Das macht auf 1 dz Chiliſalpeter al⸗ nen ten lche heter Welche Pflanzen bedürfen in erſter Linie der Stickſtoffdbüngung? 99 5,4 dz Körner. Mithin war eine ausnehmend große Wir⸗ kung des Chiliſalpeters eingetreten. 4. Beiſpiel. Ein Roggenacker in Arheilgen bei Darmſtadt, der im Vorjahr— es wurde Roggen auf Roggen gebaut— ohne Stickſtoffdüngung 20 dz Körner erbracht hatte, der aber, da der Boden gute Waſſerverhältniſſe bot, vorausſichtlich um 14 dz Körner mehr tragen konnte, wurde, um dieſen Mehrertrag zu erzielen, mit 3,5 dz Chiliſalpeter gedüngt. 2 dz Chiliſalpeter wurden Ende Februar, 1 ½ dz Ende März gegeben. Wir erhielten: ohne Stickſtoffdüngung... 17 dz Roggenkörner, mit„.. 30„„ Die Stickſtoffdüngung hatte alſo einen Mehrertrag von 13 dz Körner erbracht, woraus ſich auf 1 1 dz Salpeter 3,7 dz Körner berechnen. Das ſind wohl der Beiſpiele genug. In derſelben Weiſe, wie hier bei Hafer, Gerſte und Roggen, kann man auch für die übrigen Kulturpflanzen die Salpetergaben berechnen, die anzuwenden ſind, um den erzielbaren Mehr⸗ ertrag zu erhalten. Man überlegt, um wieviel der ohne Stickſtoffbüngung zu erwartende Ertrag des betreffenden Ackers wohl geſteigert werden kann. Man ſetzt eine be⸗ ſtimmte Ertragsſteigerung als Ziel und berechnet, wieviel Chiliſalpeter notwendig iſt, um dieſe Erkragsſteigerung zu bewirken. Für ſolche Berechnungen liegen von uns ermittelte Zahlen vor, und ich habe den Nachweis erbracht, daß ſie ſich mit den Ergebniſſen befriedigend decken, die wir bei Feldverſuchen erhalten haben und die namentlich auch Maercker bei ſeinen Verſuchen in der Provinz Sachſen 7* 100 8 Die Stickſtoffdüngung. ggewonnen hat. Man kann annehmen, daß 1 dz Chili⸗ ſalpeter unter Mitwirkung eines genügenden Vorrats bzw. eeiner genügenden Beidüngung von Phosphorſäure und Kali. 3,5— 4 dz Getreidekörner mit entſprechendem Stroh, 20— 30„Kartoffeln(je nach Sorte), 20— 30„ Zuckerrüben mit entſprechenden Blättern, 40— 50„ Futterrüben mit entſprechenden Blättern erzeugt. Werden die Stroh⸗ und Blättererträge mehr als die Körner⸗ und Rübenerträge durch Stickſtoffdüngung geſteigert? Im Mittel unſerer Verſuche ſind auf je 100 Teile Stroh bzw. Blätter geerntet worden: (Siehe die Tabelle S. 101.) Man ſieht, daß die Stickſtoffdüngung das Verhältnis zwiſchen Stroh und Körnern, wie zwiſchen Blättern und Rüben im Mittel ſehr wenig beeinflußt hat. Nur bei Zuckerrüben iſt deutlich hervorgetreten, daß der Ertrag an Blättern unter dem Einfluß der ſtärkeren Stickſtoff⸗ ernährung verhältnismäßig etwas mehr als der Ertrag an Rüben geſtiegen iſt. Im übrigen aber erkennt man aus den mitgeteilten Zahlen, daß die Meinung, eine Stick⸗ ſtoffdüngung wirke mehr auf den Strohertrag als auf den Körnerertrag, durchaus unrichtig iſt. Salpeter⸗ und Ammoniakſalzdüngungen ſteigern den Körnerertrag in genau dem gleichen Maße wie den Strohertrag. Kommt es vor, daß nach ſtarker Stickſtoffdüngung der Strohertrag mehr als der Körnerertrag geſteigert wird, ſo iſt die Ur⸗ ſache in der Bildung von Lagerfrucht zu ſuchen und nicht in einem beſonderen Einfluß des Chiliſalpeters oder des Ammoniakſalzes auf einſeitige Bildung von Blättern und Halmen. die und umt icht und Werd. Stroh u. Blättererträge d. Stickſtoffdüngung geſteigert? 101 Bei ſtick⸗ Bei Bei ſtoffreier Salpeter⸗ Ammoniak⸗ 100 Teile Stroh bzw. Blätter Hafer(Mittel aus 38 Verſuchs⸗ reihen)........... 66,4 65,7 68,3 Roggen(Mittel aus 73 Verſuchs⸗ reihen)........... 52,3 52,0 51,3 Weizen(Mittel aus 19 Verſuchs⸗ reihen........... 57,2 51,1 52,9 Gerſte(Mittel aus 56 Verſuchs⸗ reihen)........... 83,5 83,0 85,4 Zuckerrüben(Mittel aus 22 Ver⸗ ſuchsreihen)......... 303 269 282 Futterrüben(Mittel aus 45 Ver⸗ ſuchsreihen)......... 767 787 753 Welche Handelsdünger ſtehen für die Stickſtoffernährung der Pflanzen zur Verfügung? Natronſalpeter, Ammoniakſalz, Kalkſtickſtoff und orga⸗ niſche Stickſtoffdünger ſind die hauptſächlichſten für die Stickſtoffernährung der landwirtſchaftlichen Kulturpflanzen zur Verfügung ſtehenden Handelsdünger. Der Salpeter⸗ ſtickſtoff wird direkt von den Pflanzen aufgenommen, der Ammoniakſtickſtoff geht im Boden allmählich in Salpeter⸗ ſäure über und erlangt erſt dadurch die für die meiſten Kulturpflanzen zuträglichſte Stickſtofform, während der als Kalkſtickſtoff oder in organiſcher Form in den Boden ge⸗ brachte Stickſtoff zunächſt in Ammoniak und dann in Sal⸗ peterſäure ſich verwandelt. Am ſchnellſten wirkt ſomit der Natronſalpeter, etwas langſamer das Ammoniakſalz, dann folgen der Kalkſtickſtoff, der Guano und die Poudrette, das Blutmehl, Fleiſchmehl, Hornmehl, dann das Ol⸗ Düngung düngung ſalzdüngung Teile Körner bzw. Rüben auf je 102 Die Stickſtoffdüngung. duchenmehl, Knochenmehl, dann der langſam wirkende Wollſtaub und zuletzt das äußerſt langſam wirkende Ledermehl. Im Vergleich zu den jährlich 12 Millionen Doppel⸗ entner Chiliſalpeter und Ammoniakſalz, die vor Kriegs⸗ ausbruch im Deutſchen Reich verbraucht wurden, ſteht an organiſchen Stickſtoffdüngern nur ein ſehr geringes Quan⸗ tum zur Verfügung, und dieſe Düngemittel haben auch weniger für den Großbetrieb der Landwirtſchaft als viel⸗ mehr für Garten⸗ und Gemüſekulturen Bedeutung. Wenn Natronſalpeter, Ammoniakſalz und Kalkſtickſtoff voll zur Ausnutzung kommen ſollen, ſo iſt die im Einzelfall zu verwendende Menge dieſer Stickſtoffſalze dem Bedürfnis der Kulturpflanzen möglichſt genau anzupaſſen. Dieſer Forderung kann der Landwirt leichter entſprechen als der Gemüſebauer und der Gärtner. Der Landwirt hat mit einer verhältnismäßig geringen Anzahl von Pflanzen⸗ arten zu rechnen, Gemüſebauer und Gärtner haben mit weit mehr Arten zu tun, und dazu kommt, daß ein Gemüſefeld oft mehrere Kulturen gleichzeitig oder doch innerhalb eines Jahres trägt. Dem beſonderen Stickſtoff⸗ bedarf einer jeden Gemüſe⸗ oder Gartenpflanze iſt die Stickſtoffdüngung nicht genau anzupaſſen, und daher muß es für dieſe Kulturen von beſonderem Wert ſein, in Fleiſch⸗ mehl, Hornmehl, Blutmehl, Guano, Poudrette, Olkuchen⸗ mehl uſw. Düngemittel zu beſitzen, die allmählicher wirken und von welchen man bei der Beſtellung der Felder oder Beete reichlichere Gaben verwenden darf, ohne befürchten zu müſſen, daß durch ein Übermaß von Stickſtoff eine nachteilige Wirkung eintrete, oder daß durch anhaltenden Regen zu viel Stickſtoff ausgewaſchen werde. Es iſt daher erklärlich, daß die organiſchen Stickſtoffdünger ganz be⸗ ſonders für Garten⸗ und Gemüſekulturen geſucht und für In welch. Wertverhältn. ſteht d. Ammoniakſalz z. Natronſalp.? 103 dieſe meiſt mit höheren Preiſen bezahlt werden, als der Landwirt ſie bewilligen kann. In welchem Wertverhältnis ſteht das Ammoniakſalz zum Natronſalpeter? Durch ſehr umfaſſende vieljährige Verſuche haben wir feſtgeſtellt, daß der Wirkungswert des Ammo⸗ niakſtickſtoffs im Mittel 94 beträgt, wenn man den Wir⸗ kungswert des Salpeterſtickſtoffs gleich 100 ſetzt, oder daß man je 106 Teile Ammoniakſtickſtoff aufzuwenden hat, um diejenige Erntemaſſe zu erzeugen, die man durch je 100 Teile Salpeterſtickſtoff erhält. Dieſer Wirkungswert des Ammoniakſtickſtoffs iſt unter Verhältniſſen feſtgeſtellt worden, die jede Störung in der Pflanzenentwicklung, jede Hemmung in der Wirkung der Stickſtoffſalze und jeden Verluſt an Stickſtoff ausſchließen. Der 94% der Salpeter⸗ wirkung betragende Wirkungswert des Ammonialſtick⸗ ſtoffs iſt ſomit als das zu erzielende Höchſtmaß anzuſehen, als das in der großen landwirtſchaftlichen Praxis zu erſtrebende Ziel, und es bleibt zu fragen, inwieweit dies Ziel unter den praktiſch vorkommenden Verhältniſſen er⸗ reichbar iſt. Ich habe im Heft 80 und 129 der„Arbeiten der Deutſchen Landw.⸗Geſellſchaft“ die Ergebniſſe vieljähriger und zahlreicher von uns ausgeführter Feldverſuche mit⸗ geteilt. Auf Grund der Erfahrungen, die wir bei dieſen Verſuchen über die zweckmäßigſte Art der Verwendung von Chiliſalpeter und Ammoniakſalz gewonnen haben, ſind in den Jahren 1907— 1912 neue umfängliche Verſuche zur Ausführung gekommen, die ich im Heft 40 der„Berichte über Landwirtſchaft, herausgegeben im Reichsamt des Innern“, veröffentlicht habe. Nach dem gleichen Plan, 104 Die Stickſtoffdüngung. nach dem dieſe Arbeiten ausgeführt wurden, haben auch die Verſuchsſtationen Bernburg, Bremen, Breslau, Brom⸗ berg, Halle und Jena in den Jahren 1907— 1909 Ver⸗ ſuche über die Wirkung von Ammoniakſalz und Natron⸗ ſalpeter ausgeführt, deren Ergebniſſe im Heft 34 der „Berichte über Landwirtſchaft“ von Profeſſor Gerlach mitgeteilt worden ſind. Vergleicht man die aus Gerlachs Zuſammenſtellung von uns berechneten Mittelzahlen mit den aus unſeren Verſuchen berechneten, ſo ergibt ſich folgendes. Die Ergebniſſe der Ammoniakſalzwirkung decken ſich ſehr genau. Im Mittel der bei Halmgewächſen er⸗ haltenen Zahlen hat ſich ergeben, daß, wenn man die Wirrkung des Natronſalpeters= 100 ſetzt, die Wirkung des Ammoniakſalzes betragen hat: im Mittel aus Gerlachs Zuſammenſtellung 92 „„„ Darmſtädter Verſuchen 93 und ſetzt man die Ausnutzung des Salpeterſtickſtoffs= 100, ſoo hat die Ausnutzung des Ammoniakſtickſtoffs betragen: im Mittel aus Gerlachs Zuſammenſtellung 80 „„„ Darmſtädter Verſuchen 80 Auch bei Kartoffeln und Futterrüben decken ſich die Zahlen gut. Setzt man die Wirkung des Natronſalpeters= 100, ſo hat die Wirkung des Ammoniakſalzes betragen: Kar⸗ Futter⸗ toffeln rüben im Mittel aus Gerlachs Zuſammenſtellung 93 61 „„„ Darmſtädter Verſuchen 96 69 und die Stickſtoffausnutzung bei Ammoniakſalzdüngung hat, wenn man die Ausnutzung des Salpeterſtickſtoffs 100 ſetzt, betragen: In welch. Wertverhältn. ſteht d. Ammoniakſalz 3. Natronſalp.? 10) Kar⸗ Futter⸗ toffeln rüben im Mittel aus Gerlachs Zuſammenſtellung 88 76 „„ Darmſtädter Verſuchen 88 76 Man ſieht, daß die übereinſtimmung unter den Darm⸗ ſtädter Verſuchen und den von Gerlach mitgeteilten Arbeiten der übrigen 6 Verſuchsſtationen ſehr groß iſt und als Mittelergebniſſe aller Verſuche berechnen ſich folgende Werte. Setzt man die Wirkung des in Form von Natron⸗ ſalpeter verwendeten Stickſtoffs= 100, ſo hat die Wirkung des in Form von ſchwefelſ. Ammoniak gegebenen Stick⸗ ſtoffs betragen: bei Halmgewächſen 93 „Kartoffeln 94 „Rüben 85 und ſetzt man die Ausnutzung des Salpeterſtickſtoffs= 100, ſo hat die Ausnutzung des Ammoniaklſtickſtoffs betragen: bei Halmgewächſen 80 „Kartoffeln 85 „Rüben 76 Dieſe Zahlen beſtätigen unſere früheren Erfahrungen, daß die Ammoniakſalzdüngung auf Rüben erheblich weniger wirkt als auf Halmgewächſe und Kartoffeln. Auch die früheren Arbeiten der Verſuchsſtation Darm⸗ ſtadt, die in den Heften 80 und 129 der Arbeiten der D. L. G. mitgeteilt ſind, und die in gleicher Richtung aus⸗ geführten Arbeiten der Verſuchsſtationen Halle, Bernburg, Bonn und Köslin, die ſich im Heft 121 der Arbeiten der D. L. G. dargeſtellt finden, zeigen in der Ausnutzung der in Rede ſtehenden Stickſtofformen große Übereinſtimmung untereinander. Im Mittel der Verſuche berechnen ſich folgende Zahlen.— 106 Die Stickſtoffdüngung. Auf je 100 Teile des für Halmgewächſe gegebenen Stickſtoſfs ſind im Ertrag zurückerhalten: wenn der Stickſtoff gegeben war in Form von in Form von Natronſalpeter Ammoniakſalz Teile Teile a) bei den früheren Darm ttdtar Verſuchen....... 61 45 b) bei den Berfuchen von Halle, . Bernburg, Bonn und Köslin. 66 48 Goe) bei den neuen Darmſtädter Verſuchen......... 62 46 Mittel: 63 46 Auf je 100 Teile des für Futter⸗ und Zuckerrüben verwendeten Stickſtoffs ſind im Ertrag zurückerhalten: wenn der Stickſtoff gegeben war in Form von in Form von Natronſalpeter Ammoniakſalz Teile Teile a) bei den früheren Darm ſtädte Verſuchen....... 66 41 b) bei den Verſuchen von Halle, 3 Bernburg, Bonn und Köslin. 60 45 c) bei den neuen Darmſtädter Verſuchen......... 63 44 Mittel: 63 43 Auf Grund der bisherigen umfänglichen Arbeiten kann man annehmen, daß im Nittel der in der land⸗ wirtſchaftlichen Praxis vorkommenden Verhältniſſe auf je 100 Teile des in den Boden gebrachten Salpeterſtickſtoffs rund 60 Teile und auf je 100 Teile des in den Boden gebrachten Ammoniakſtickſtoffs rund 45 Teile in den Er⸗ trägen zurückerhalten werden. enen wa von diſalz Nebenwirkungen des Natronſalpetere. 107 Nebenwirkungen des Natronſalpeters. In 1 dz Natronſalpeter ſind ungefähr 30 kg Natron enthalten. Das Natron aber bindet die Bodenteilchen feſter aneinander und wirkt dadurch hemmend auf die Be⸗ wegung des Waſſers im Boden. Dieſe Wirkung iſt bald günſtig, bald ungünſtig für die Pflanzen. Wird die waſſer⸗ haltende Kraft ſehr leichter Böden durch das Natron ge⸗ ſteigert, ſo iſt das von Vorteil. Düngt man aber ſehr tonreiche Böden wiederholt mit ſehr ſtarken Salpeter⸗ gaben, ſo wird die unangenehme Neigung ſolcher Böden, zähe, hart, riſſig zu werden und zu verkruſten, dadurch erhöht, und man muß dieſem ungünſtigen Einfluß des Natrons durch Kalkdüngung entgegenzuwirken ſuchen. Aus dieſem Grunde wird es ſich empfehlen, ſehr ſchwere Böden nicht mit Natronſalpeter, ſondern mit Ammoniak⸗ ſalz zu düngen. Man darf aber nicht unterſchätzen, daß das Natron auch einen günſtigen⸗ Einfluß auf die Ernährung der Pflan⸗ zen ausübt, der beſonders dann ſich bemerkbar macht, wenn der Kaligehalt des Bodens gering iſt. Ich habe in Heft 80 der„Arbeiten der Deutſchen Landwirtſchafts⸗Geſellſchaft“ über Verſuche berichtet, die den Nachweis hierfür er⸗ bringen. Das folgende Beiſpiel mag angeführt werden. Setzt man den durch Salpeterdüngung erzielten Mehrertrag gleich 100, ſo erhielten wir bei Verſuchen mit Futterrüben durch Ammoniakdüngung 72. Wurde der Ammoniakdüngung Natron beigegeben, ſo ſteigerte ſich der Ertrag auf 83. Auch bei den auf die Futterrüben folgenden Gerſtetulturen der gleichen Verſuchsreihe wurden ähnliche Ergebniſſe erhalten. Setzt man den durch Salpeterdüngung erzielten Mehrertrag gleich 100, ſo ergab die Ammoniakdüngung 84. Durch Kalidüngung konnte der Ertrag der Ammoniakpflanzen geſteigert werden, und zwar durch geringe Kaligabe auf 114, ſtärkere„„ 118. 108 Die Sticſtoffdüngung. Ebenſo konten ober auch durch Natrondüngung die Gerſteerträge geſteigert werden, und zwar auf 111. Nach den Futterrüben im erſten und der Gerſte im zweiten Jahr wurden bei der gleichen Verſuchsreihe im dritten Jahr wieder Futterrüben gebaut und dabei beſtätigte ſich das im erſten Jahr erhaltene Ergebnis vollkommen. Setzt man die Wirkung der Salpeterdüngung gleich 100, ſo wurde durch Ammoniak 52 erhalten. Durch Beidüngung von Natron aber ließ ſich der Er⸗ trag der Ammoniakpflanzen auf 98 ſteigern. Es ſteht feſt: der Natronſalpeter kann unter Um⸗ ſtänden durch ſeinen Natrongehalt ſehr günſtige Neben⸗ wirkungen ausüben, beſonders dann, wenn der Boden kali⸗ arm iſt und Futterrüben gebaut werden. Nun ſei noch ein Umſtand erwähnt, der Beachtung verdient. Man hat gefunden, daß Chiliſalpeter im Handel vorkommen kann, der nicht frei von einer auf die Pflanzen ſchädigend wirkenden Subſtanz iſt, einer Verunreinigung mit überchlorſaurem Kali, ſogenanntem Perchlorat. Das Perchlorat wirkt giftig auf die Pflanzen, beſonders auf Roggen, weniger auf andere Halmgewächſe und am wenig⸗ ſten auf Rüben. Die Krankheitserſcheinungen, die durch Perchlorat hervorgerufen werden, ſind bei Halmgewächſen 1 ſehr charakteriſtiſch. Die Vergiftung äußert ſich in auf⸗ fallend niedrigem Wucks der Pflanzen, in eigentümlichen Faltungen der Blätter und in der Erſcheinung, daß die noch unentwickelten Blätter mit ihrer Spitze ſtecken bleiben, ſich krümmen und bei fortſchreitender Entwickelung leicht zerreißen. Im Salpeter darf nicht mehr als höchſtens 0,8% Perchlorat vorkommen. Iſt der Gehalt höher, ſo kann— namentlich bei Roggen— nachteilige Wirkung eintreten. Auf Moorboden iſt von Tacke ſchon eine Schädi⸗ gung der Pflanzen beobachtet worden, wenn die Roggen⸗ felder mit 2 dz eines 0,4% Perchlorat enthaltenden Sal⸗ peters gedüngt waren. Die Witterung und das Ent⸗ — wicklungsſtadium der Pflanzen ſind dabei von großem Nebenwirkungen des Natronſalpeters. 109 Einfluß. Bei Verſuchen, die wir im Frühjahr 1900 auf 8 verſchiedenen Roggenfeldern ausführten, erhielten wir folgende Mittelergebniſſe. Je 1 dz Natronſalpeter erzeugte im Vergleich zu ſtickſtoffreier Düngung:. 1. 3,3 dz Körner, wenn der Salpeter mit nur 0,2% Per⸗ chlorat verunreinigt war, alſo faſt den normalen Ertrag, 2. 1,6 dz Körner, wenn dem gleichen Salpeter 1 ½% Per⸗ chhlorat beigemengt waren, 3. 1,0 dz Körner, wenn dem gleichen Salpeter 2% Per⸗ chlorat beigemengt waren, 4. 0,5 dz Körner, wenn dem gleichen Salpeter 3% Perchlorat beigemengt waren. Der Salpeter wurde in dieſen Fällen Anfang März gegeben, die Roggenpflänzchen waren überall erſt ſerr ſpärlich entwickelt, und ſie hatten durch die nachfolgende kalte und ungünſtige Witterung zu leiden. Unter dieſen Verhältniſſen wirkte, wie die mitgeteilten Reſultate zeigen, ſchon eine Beimengung von 1,5% Perchlorat ſchädlich. Man kaufe den Natronſalpeter unter der Garantie, daß ſein Perchloratgehalt nicht mehr als 0,5% betrage und ganz beſonders vermeide man perchloratreichen Sal⸗ peter bei der Roggendüngung. Aber auch die Vorfrucht des Roggens dünge man nicht mit perchlorathaltigem Salpeter. Im Frühjahr 1903 haben wir bei mehreren von uns ausgeführten Ver⸗ ſuchsreihen eine ſchädigende Nachwirkung von Perchlorat beobachten können. Die Parzellen hatten im Jahre 1902 Kartoffeln getragen, die mit 3 dz Natronſalpeter, welcher 0,6% Perchlorat enthielt, gedüngt waren. Das Per⸗ chlorat hatte den Kartoffeln nicht geſchadet. Der auf die Kartoffeln folgende Roggen aber ließ die untrüglichen Zeichen einer Perchloratſchädigung erkennen, die mit zu⸗ 110 8 Ddie Stickſtoffdüngung. In ihrer Entwicklung ruhende, dem Froſt und allerlei ſonſtigen ungünſtigen Einflüſſen ausgeſetzte Roggenpflan⸗ zen ſind doppelt empfindlich gegen Perchlorat. Erſt mit Beginn der Vegetation mindert ſich der nachteilige Ein⸗ kluß und nicht ſelten ſchwindet er dann ganz. dn welchem Wertverhältnis ſteht der alſalpeter zum Natronſalpeter? Dcer Kalkſalpeter wird bekanntlich in Norwegen aus Auftſtickſtoff gewonnen. Wir haben Felddüngungsverſuche über die Wirkung dieſes neuen Stickſtoffdüngemittels mit Futterrüben, Zuckerrüben, Kartoffeln, Winterroggen, Hafer und Gerſte in verſchiedenen Gemarkungen Heſſens ausgeführt. Die Mittelergebniſſe ſind in der folgenden Tabelle zuſammengeſtellt. (Siehe Tabelle Seite 111.) Überblickt man die Zahlen, ſo ergibt ſich, daß bei Verwendung gleicher Stickſtoffmengen Natronſalpeter und Kalkſalpeter entweder gleich gut gewirkt haben, oder, wenn ein Unterſchied feſtzuſtellen war, der Chiliſalpeter in der Regel etwas beſſer als der Kalkſalpeter gewirkt hat. Dies Ergebnis war vorauszuſehen. In beiden Düngemitteln iſt der Stickſtoff in gleicher Form, in Form von Salpeter⸗ ſäure vorhanden. Die Stickſtoffwirkung beider Salpeter⸗ arten muß alſo gleich ſein. Treten Unterſchiede auf, ſo können ſie nur durch eine ſog. Nebenwirkung, durch die Wirkung der Nebenbeſtandteile der genannten Stickſtoff⸗ dünger, alſo durch Natron oder Kalk, verurſacht worden ſein. Daß der Kalk des norwegiſchen Salpeters in der Regel etwas weniger günſtige Nebenwirkung auf den Ertrag ausgeübt hat als das Natron des Natronſalpeters, iſt ebenfalls nicht befremdlich. Wir haben durchweg ſtarke — nehmender Entwicklung der Pflanzen wieder ſchwanden. In welch. Wertverhältnis ſteht d. Kalkſalp. 3. Natronſalp. 111 Auf je 1 ds Mehrert ili V Stick⸗ dntehieteeſte Cailiidldeter Ver ds dün auna die engpre Verſuchs⸗ Verſuchs⸗ toff⸗ der Stickloff haltienpertn ſuchs⸗ Bodenart gabe gegeben war wurde Mehr⸗ ort pflanze auf in Form von ſertrag erzielt veihe 1 ha Chili⸗ Kalk⸗ beim beim ſal⸗ ſal⸗ Ghili⸗ Kalk⸗ peter peter Peer peter kg dz dz dz dz 1035 Bayers⸗ lehmiger Futter⸗ 62,00 226,0 206,0 57,0 52,0 eich Sand⸗ rüben 77,50 291,0 211,0 58,0 42,0 G boden 1 1028 Mons⸗ Lehm⸗ Futter⸗ 46,50 124,0 157,0 41,0 52,0 heim boden rüben 62,00 168,0 182,0 42,0 46,0 1009 Nonnen⸗ Lehm⸗ Fntter⸗ 62,00 248,0 232,0 62,0 58,0 hof boden rüben 77,50 345,0 335,0 69,0 67,0 1045 Hof Stu⸗ ſandiger Zucker⸗ 46,50 75,0 99,0 25,0 33,0 benwald Tonboden rüben 1010 Nonnen⸗Lehm⸗(Kar⸗ 54,25 56,0 59,0 16,0 17,0 hof boden toffeln 1039 Ernſt⸗ kieſiger Winter⸗ 31,00] 12,0 11,8 6,0 5,9 hofen Lehm⸗ roggen 46,50] 16,1 15,4 5,4 5,1 boden 784 Kranich⸗ Sand⸗ Winter⸗ 62,00 19,2 16,9 4,8 4,2 ſtein boden roggen 77,50] 20,0 20,1] 4,0 4,0 977 Kranich⸗ Sand⸗ Winter⸗ 62,00 15,4 14,0 3,9 3,5 ſtein boden roggen 1052 Pfifflig⸗ Lehm⸗ Winter⸗ 31,00 7,4] 7,2 3,7 3,6 — heim boden roggen 976 Ernſt⸗ Lehm⸗ Hafer 62,00 14,6 15,5 3,7 3,9 hofen boden 1006 Hof Waſ⸗ Lehm⸗ Gerſte 31,00 10,9 8,5] 5,5 4,3 ſerbiblos boden 46,50] 13,8 12,6] 4,6 4,2 773 Wolfs⸗ Lehm⸗ Gerſte(46,50 13,1 12,6 4,4 4,2 kehlen boden Stickſtoffdüngungen gegeben, die ja auch bis auf den Ver⸗ ſuch mit Zuckerrüben und Kartoffeln voll zur Wirkung gekommen ſind. Bei ſehr ſtarken Gaben aber kann der Kalk des norwegiſchen Salpeters die Vegetation— wenn auch meiſt nur vorübergehend— etwas ungünſtig be⸗ t aſtoffvünguns Kulturpflanzen empfindlich. Es iſt bekannt, daß man mit Kalkdü üngung vorſichtig ſein muß. Tacke hat mehrfach erfahren, daß man auf ſauren Moorböden, die ja wenig Kalk enthalten und daher der Kalkdüngung bedürfen, leicht chädigende Wirkungen hervorrufen kann, wenn man ſehr ſtarke Gaben verwendet. Wir haben das gleiche Reſultat bei der Düngung mineraliſcher Böden erhalten, und wir haben auch bei der Verwendung von Kalkſalpeter feſt⸗ geſtellt, daß die Pflanzen nicht außergewöhnlich ſtarke Gaben dieſes Düngemittels vertragen, ſobald der Boden ſchon reich an Kalk iſt. Wir haben in ſolchen Fällen gefunden, daß, wenn wir gleiche Stickſtoffmengen einer⸗ ſeits in Form von Natronſalpeter, andererſeits in Form von norwegiſchem Kalkſalpeter verwendeten, der Natron⸗ ſalpeter etwas beſſer wirkte als der Kalkſalpeter. Es iſt alſo wahrſcheinlich, daß die etwas geringere Wirkung, die der Kalkſalpeter im Vergleich zum Natronſalpeter bei den oben angeführten Feldverſuchen hervorgebracht hat, auf die Empfindlichkeit der Pflanzen gegen konzentrierte Kalk⸗ löſungen zurückgeführt werden kann. 3 Unter Umſtänden aber kann der Kalkſalpeter noch etwas beſſer als Natronſalpeter wirken, nämlich dann, wenn ein ſehr kalkarmer oder ein ſehr ſchwerer Boden vor⸗ liegt. Wo den Pflanzen nicht genug Kalk zur Verfügung ſteht, da bietet der Kalkſalpeter neben dem Stickſtoff zu⸗ gleich leicht löslichen und leicht aufnehmbaren Kalk, und wo man es mit einem ſchweren Tonboden zu tun hat, da verbeſſert er die phyſikaliſche Beſchaffenheit ſolchen Bodens. Er macht den Boden mürber und durchläſſiger füfr Waſſer und atmoſphäriſche Luft, während ſtarke Dün⸗ gung mit Natronſalpeter das Gegenteil bewirkt. Das influſſen. Gegen tonzentrierke Kalklöſungen ſind die Natron des Natronſalpeters bewirkt, daß die Tonteilchen we find Hatronfalpeter u. garfalhete am aweckmäß. uſw. 118 3 ndc feſter aneinander haften, der Boden ſich noch ſchwerer nit bearbeiten läßt und noch weniger durchläſſig für Waſſer 1 und Luft wird, als er es ohnedies ſchon iſt. Nur bei d Rüben wird Kalkſalpeter in der Regel etwas geringer d wirken als Natronſalpeter. Die Rüben lieben Natron. it Sie lieben daher den Natronſalpeter mehr als andere ut Stickſtoffdünger. Will man auch bei Rüben den dit Kalkſalpeter zu höchſtmöglicher Wirkung bringen, o ſe empfiehlt es ſich, auf 1 ha eine Beidüngung von etrwa ke 2 dz Viehſalz zu geben, falls man nicht ſchon durch ſtarrte en Kainitdüngung die nötige Menge Natron gegeben hat 2Z3 en übrigen hat man vom Kalkſalpeter genau dieſelbe Stick⸗ er⸗ ſtoffmenge zu geben, die man in Form von t Natronſal⸗ mm peter gibt. n⸗ ſt Wie ſind Natronſalpeter und Kalkſalpeter am zweck⸗ ie mäßigſten zu verwenden? en Der Salpeterſtickſtoff iſt leicht löslich und frei beweg⸗ uf lich im Boden, und er wird von den Kulturpflanzen ſchnell k⸗ aufgenommen und ſofort verarbeitet. Hieraus ergibt ſich, wie der Salpeter verwendet werden muß. Hat man es ch mit einem ſehr leichten, ſehr durchläſſigen Sandboden zu , tun, ſo muß man Vorſicht üben. Die Gefahr einer Ver⸗ r⸗ drängung des Salpeterſtickſtoffs in zu tiefe Bodenſchichten ng bei ſtarkem Regen iſt ins Auge zu faſſen. Es iſt unter u⸗ ſolchen Verhältniſſen zu empfehlen, den Salpeter, falls nd man mehr als 1 ½ dz auf den ha verwenden will, nicht u, ungeteilt, ſondern in 2 Portionen, etwa die Hälfte bei der en Saat, bzw. den Winterfrüchten als erſte Düngung, und ſr die andere Hälfte etwa 4 Wochen ſpäter zu geben. Liegt n ein beſſerer Lehmboden vor, der weniger durchläſſig iſt, 1 ſo iſt ſolche Vorſicht nicht nötig. Man wird dann die Salpetergabe nur teilen, wenn ſehr ſtarke Stickſtoffdün⸗ Wagner, Düngemittel. Siebente Auflage. 8 Die Stickſtoffdüngung. 114 gungen, etwa 4—6 dz Salpeter auf den ha, vorgeſehen ſind. Vor allem achte man darauf, daß die Salpeter⸗ düngung nicht zu ſpät gegeben wird. Sobald die Vege⸗ taation der Winterfrüchte beginnt, muß Salpeter geſtreut werden, damit die Pflanzen ſich ſchnell entwickeln und hin⸗ reichend beſtocken. Herbſtdüngung iſt nur ausnahmsweiſe, nur dann, wenn der Boden ausnehmend ſtickſtoffarm iſt, oder wenn ſtark ausraubende Früchte ihn arm an lös⸗ lichem Stickſtoff gemacht haben, zu geben. Auch für Sommerfrüchte iſt der Salpeter früh zu verwenden, nicht ſpäter als bei der Einſaat, und in geteilter Gabe nur dann, wenn ausnehmend ſtarke Stickſtoffdbüngung vor⸗ geſehen, oder wenn der Boden ſehr leicht und durchläſſig iſt. Da der Salpeterſtickſtoff ſehr leicht löslich iſt und ſofort zur Wirkung kommt, bietet er ein höchſt wirkſames Nitittl zu ſchneller Kräftigung beſchädigter oder zurück⸗ gebliebener Pflanzen. Zeigt ſich etwa, daß die verwendete und von den Pflanzen bereits verbrauchte Stickſtoffgabe zu gering geweſen iſt, ſo kann man das Verſäumte durch Kopfdüngung mit Salpeter nachholen. Man achte darauf, daß der Salpeter möglichſt nicht auf beregnete oder be⸗ taute Pflanzen geſtreut wird. An den Blättern haften⸗ gebliebener Kalkſalpeter wirkt noch ätzender als Natron⸗ ſalpeter. Wie iſt das Ammoniakſalz zu verwenden, um es zu hoch möglicher Wirkung zu bringen? Die Wirkung von 1 kg Ammoniakſtckſtoff ſteht der Wirkung von 1 kg Salpeterſtickſtoff bei Halmgewächſen und Kartoffeln wenig nach, wenn man die nötige Vorſicht und Umſicht bei ſeiner Verwendung beobachtet. Vor allem kommt es darauf an, Stickſtoffverluſte zu vermeiden, die durch Verflüchtigung von Ammoniak entſtehen können. 1 Wie iſt das Ammoniakſalz zu verwenden? 115 Durch eine leicht ausführbare Prüfung läßt ſich erkennen, daß ſolche Verluſte tatſächlich möglich ſind. Man miſche etwas Ammoniakſalz mit einer Handvoll feuchten kalk⸗ reichen Ackerbodens. Man wird finden, daß alsbald ſtarker Geruch nach Ammoniak auftritt. Der Ammoniakſtickſtoff, der an Schwefelſäure gebunden war, iſt durch den Kalk des Bodens freigeworden und verflüchtigt ſich. Der⸗ ſelbe Vorgang wird ſtattfinden, wenn man Ammoniak⸗ ſalz auf die feuchte Oberfläche eines kalkreichen und ton⸗ armen Ackerbodens ſtreut und es nicht ſogleich unter⸗ bringt. Das ausgeſtreute Ammoniakſalz muß man in ſolchem Fall ohne Verzug in den Boden bringen. Noch ſicherer iſt es, wenn man auf kalkreichen und tonarmen Böden das Ammoniakſalz nicht für ſich, ſondern mit Superphosphat gemengt, alſo als Ammoniakſuperphos⸗ phat verwendet. Die Säure des Superphosphates bindet das Ammoniak und hindert ſeine Verdunſtung. Man hat gemeint, daß das Ammoniakſalz erheblich früher als Natronſalpeter geſtreut werden müſſe, weil es ſich nur langſam im Boden in Salpeter umſetze. Das iſt aber nicht in dem Maße zutreffend, als man es gemeint hat. Der Salpeterbildungsprozeß verläuft in der Regel nicht langſam. Er geht um ſo ſchneller vor ſich, je wärmer der Boden iſt, je mehr Kalk der Boden enthält und je leichter die atmoſphäriſche Luft den Boden durchdringt. Nur wenn man es mit einem kalkarmen, ſchweren Boden zu tun hat, wird man gut tun, das Ammoniakſalz acht bis vierzehn Tage früher als den Salpeter zu ſtreuen. Auf die Frage, welche Kulturpflanzen für Ammoniakſalzdün⸗ gung die geeignetſten ſind, iſt zu antworten, daß Halm⸗ gewächſe und Kartoffeln die Ammoniakſalzdüngung mehr lohnen als Futterrüben und Zuckerrüben. Auf die Rübe wirkt Natronſalpeter beſſer als Ammoniakſalz, weil die 8* Rübe das Natron des Salpeters liebt, das ſie im Ammoniakſalz nicht findet. Die Stammform der Rübe iſt eine Pflanze mit dünner Wurzel, die am Meeresſtrande wild wächſt. Durch Kultur hat man die Wurzel der Rübe verdickt und ihren Zuckergehalt vermehrt. Vor hundert Jahren enthielt die Zuckerrübe 8% Zucker, heute enthält ſie 16— 19%. Man hat der Rübe allerlei nützliche Eigen⸗ ſchaften anerzogen. Das eine aber hat man ihr nicht aobgewöhnen können: das Bedürfnis, Meerwaſſer zu trinken. Die Rübe liebt Meerſalz, Kochſalz. Will man ſie zu geſunder und üppiger Entwicklung bringen, ſo muß mman ihr Kochſalz reichen. Man muß ſie mit Viehſalz düngen oder ihr den kochſalzreichen Kainit bieten, wenn kein Salpeter zur Verfügung ſteht, der den Rüben das erforderliche Natron liefert. Das Ammoniakſalz alſo, da es kein Natron enthält, wird als Stickſtoffdünger für Rüben in der Regel nur dann annähernd den Erfolg er⸗ zielen laſſen, der bei Salpeterdüngung erhalten wird, wenn man der Rübe, namentlich der Futterrübe, eine Beidüngung von etwa 2 dz Viehſalz gibt, falls man nicht ſchon durch Kainitdüngung für die nötige Menge von Natron geſorgt hat. Der Kalkſtickſtofſ. Wenn man ein Gemenge von Kohle und gebranntem Kalk im elektriſchen Ofen glüht, ſo entſteht eine Verbin⸗ dung von Calcium mit Kohlenſtoff, die unter dem Namen Carbid bekannt iſt. Leitet man über gepulvertes und erhitztes Carbid getrocknete und von Sauerſtoff befreite atmoſphäriſche Luft, ſo nimmt das Carbid den Luftſtick⸗ ſtoff direkt auf, und es entſteht eine Verbindung von Calcium mit Kohlenſtoff und Stickſtoff, die man in der Chemie Calcium⸗Cyanamid, in der Technik und im Dün⸗ Der Kalkſtickſoff. i. gerhandel Kalkſtickſtoff nennt. In feingemahlener Form und— um das läſtige Stauben zu verhindern— mit etwas Erdöl verſetzt, bringt man dies Produkt, das außer Calcium⸗Cyanamid noch Kohle und etwas unzerſetz⸗ tes Carbid enthält, als Stickſtoffdüngemittel in den Handel und bewertet es nach ſeinem prozentiſchen Gehalt an Stick⸗ ſtoff. 100 Teile des gemahlenen Kalkſtickſtoffs enthalten: 18— 20 Teile Stickſtoff, etwa 20„ Kohle, „ 60„ Calcium, die 84 Teilen Kalk entſprechen. Obgleich der Kalkſtickſtoff ſchon ſeit über 12 Jahren in den Handel kommt, und obgleich ich wiederholt günſtige Reſultate über ſeine Wirkung veröffentlicht habe, iſt es doch nicht leicht geweſen, ihm dauernd Freunde zu werben. Man hat ſich vor dem läſtigen Ausſtreuen des ſtaubigen Pulvers geſcheut und man hat zu oft von Mißerfolgen gehört, die bei der Düngung mit Kallſtickſtoff eingetreten ſind. Seit Kriegsausbruch aber hat uns die Not zu dieſem Düngemittel getrieben, und wir können den Kalk⸗ ſticktoffwerken nur dankbar ſein, wenn ſie uns recht viel davon liefern. Ich kann aber auch Hoffnung auf eine viel beſſere Wirkung des Kalkſtickſtoffs machen als man ſie bis⸗ her erhalten hat. Die Verſuche, Re wir in den letzten Jahren mit dieſem Stickſtoffdünger ausgeführt haben, ſind durchweg viel günſtiger als in früheren Jahren ausgefallen. Es iſt den Kalkſtickſtoffwerken gelungen, die Beſchaffenheit des Fabrikates erheblich zu verbeſſern. Das jetzt in den Handel kommende Fabrikat ſtaubt bei weitem nicht ſo als das früher gelieferte, und auch die chemiſche Beſchaffen⸗ heit hat ſich verbeſſert. Der Kalkſtickſtoff iſt prozentiſch reicher an Stickſtoff geworden und in dem gleichen Ver⸗ hältnis hat der Gehalt an ungünſtig wirkenden Neben⸗ beſtandteilen abgenommen. 118 Die Stickſtoffdüngung. Viir haben durch ſehr zahlreiche Vegetationsver⸗ ſuche ¹) feſtgeſtellt, daß die Wirkung des Kalkſtickſtoffs unter gänſtigen Verhältniſſen durchſchnittlich 90% beträgt, wenn man die unter den gleichen Verhältniſſen erhaltene Wir⸗ kung des Salpeterſtickſtoffs gleich 100 ſetzt. Dieſe Wir⸗ kung des Kalkſtickſtoffs wird in der großen landwirtſchaft⸗ Verhältniſſe ſehr günſtig liegen und die Verwendung dieſes Düngemittels in richtiger Weiſe geſchieht. Hier⸗ über iſt folgendes anzugeben: 1. Hochmoorböden darf man, falls ſie nicht zuvor ausreichend gekalkt ſind, nicht mit Kalkſtickſtoff düngen. 2. Man hat geſagt, daß Kalkſtickſtoff auf Sandboden und bei Roggenkulturen keine günſtigen Reſultate ergibt. Das iſt unzutreffend. Gerade auf Sandboden und bei Roggenkulturen haben wir durchweg vorzügliche Ergebniſſe mit der Kalkſtickſtoffdüngung erhalten. In Nr. 73—75 der„Deutſchen Landw. Preſſe“ vom Jahre 1915 habe ich über eine große Anzahl von Roggenverſuchen mit Kalkſtickſtoff auf Sandboden Mitteilung gemacht. Im Mittel der 12 auf verſchiedenen Sandäckern und in ver⸗ ſchiedenen Jahren auf dem Hofgut Kranichſtein bei Darm⸗ ſtadt ausgeführten Roggenverſuche berechnet ſich die Wir⸗ kung des Natronſalpeters auf 95, wenn man den durch Salpeter erhaltenen Ertrag= 100 ſetzt. Dies iſt ein vorzügliches Ergebnis der Kalkſtickſtoffdüngung. Es deckt ſich mit der theoretiſch überhaupt möglichen Wirkung dieſes Düngemittels. Zu berückſichtigen iſt dabei freilich, daß der Natronſalpeter bei den 12 Verſuchsreihen nicht immer ¹) Landw. Verſuchs⸗Stationen Bd. 66, Berlin, Verlag Paul Parey. lichen Praxis aber nur dann annähernd erreicht, wenn die kung der Kalkſtickſtoffdüngung im Vergleich zu der Wir⸗ or Der Kalkſtickſtoff. 119 zu voller Wirkung gekommen iſt. Im Mittel aller Ver⸗ ſuche haben je 15,5 kg Salpeterſtickſtoff 3,2 dz Roggen⸗ körner erzeugt. Das iſt zwar eine für die Praxis ſehr befriedigende Wirkung, um ſo befriedigender als die Stick⸗ ſtoffgabe hoch war. Sie betrug in 9 Jahren je 4 dz Salpeter auf den ha * 3 77 77* 3 7* 7* 1* Aber auch wenn man das Reſultat derjenigen Verſuche berechnet, bei denen die volle Wirkung des Salpeters erreicht wurde, ſo kommt man zu dem gleichen Ergebnis. Im Mittel der betreffenden Verſuche haben je 15,5 kg Salpeterſtickſtoff 4,0 dz Roggenkörner, alſo genau die als normal angenommene Wirkung des Salpeterſtickſtoffs er⸗ bracht, und bei den mit Kalkſtickſtoff ausgeführten Gegen⸗ verſuchen haben je 15,5 kg Stickſtoff 3,8 dz Körner er⸗ zeugt. Das iſt eine Wirkung von 94, wenn man die Salpeterwirkung= 100 ſetzt. Wenn ich eingangs an⸗ gegeben habe, daß die theoretiſch mögliche Wirkung des Kalkſtickſtoffs zu rund 90 vom 100 der Salpeterwirkung angenommen werden kann, ſo iſt es ſehr beachtenswert, daß dieſe Wirkung des Kalkſtickſtoffs im Mittel unſerer auf typiſchem Roggenboden ausgeführten 12 Verſuchs⸗ reihen tatſächlich erreicht worden iſt, ſelbſt bei verhältnis⸗ mäßig ſtarker, 3— 4 dz Stickſtoffſals betragenden Dün⸗ gung. Dieſe vorzügliche Wirkung wurde da erreicht, wo der Kalkſtickſtoff nicht, auch nicht teilweiſe im Herbſt, ſon⸗ dern in ganzer Menge im Frühjahr gegeben wurde. Als ganz unzutreffend muß ſomit die mehrfach gemachte An⸗ gabe bezeichnet werden, daß der Kalkſtickſtoff auf Sand⸗ boden unbefriedigend wirke und er nicht zur Kopfdün⸗ gung dienen könne. 3. Über die Frage, ob man Winterfrüchte beſſer im Herbſt oder beſſer im Frühjahr oder im Herbſt und im Frühjahr mit Kalkſtickſtoff düngen ſoll, iſt viel geſchrieben worden. Es kommt bei dieſer Frage auf den Boden und auf die Vorfrucht an. Im Herbſt haben die Winter⸗ frrüchte nicht viel Stickſtoff nötig, um ſich ſoweit zu ent⸗ wickeln, daß ſie kräftig genug in den Winter kommen. Der Hauptbedarf fällt bekanntlich in die Frühjahrsmonate. Hat der Boden Klee getragen oder folgen die Winter⸗ früchte auf Bohnen, Erbſen, Wicken, Frühkartoffeln, Rüben, oder iſt der Acker durch langjährige intenſive Stall⸗ miſtdüngung ſtickſtoffreich geworden, iſt er„in alter Kraft“ und in guter Kultur, ſo wird es meiſt unnötig ſein, Roggen und Weizen im Herbſt mit Stickſtoff zu düngen. Handelt es ſich aber um einen leichten nährſtoffarmen Sandboden, und hat der Acker überdies ſtickſtoffzehrende Pflanzen ge⸗ tragen, ſo daß der Stickſtoffmangel die Winterfrucht hin⸗ dert, eine ausreichende Herbſtentwicklung zu erlangen, ſo kann man mit der Kaliphosphatdüngung zuſammen, die mman bei der Einſaat unterbringt, eine geringe Stickſtoff⸗ gabe verwenden. Dabei ſoll der Grundſatz gelten, daß man dem Roggen und Weizen im Herbſt nur ſoviel Stick⸗ ſtoff gibt, als die Pflanzen vor Eintritt der Winterruhe noch verarbeiten können. Der Frühjahrsbedarf ſoll erſt im Frühjahr gedeckt werden. So ſoll es Regel ſein. Aber es bleibt zu überlegen, ob es Umſtände gibt, unter weelchen es erlaubt oder gar empfohlen werden kann, von dieſer Regel abzuweichen. Im Herbſt gegebener Stick⸗ ſtoffvorrat ſchließt die Gefahr in ſich, daß Stickſtoffverluſte durch Verſickerung entſtehen. Dieſe Gefahr iſt bei durch⸗ läſſigem Sandboden viel größer als bei ſchwerem Boden, und bei Düngung mit Natronſalpeter viel größer als bei Düngung mit Kalkſtickſtoff. Durchläſſigem Sandboden im Herbſt eine Vorratsdüngung von Natronſalpeter für Roggen und Weizen zu geben, iſt unter allen Umſtänden Der Kalkſticſtoff.“ 121 unzuläſſig. Sandboden, ſondern um ſchwereren Boden handelt, aus dem ſehr wenig oder gar kein Waſſer verſickert, und wenn es ſich nicht um Salpeter⸗, ſondern um Kalkſtickſtoffdün⸗ gung handelt, ſollte es dann vielleicht erlaubt ſein, die ganze oder die Hälfte der Stickſtoffgabe, die man dem Roggen oder dem Weizen zugedacht hat, ſchon im Herbſt zu verwenden? Die Verluſtgefahr durch Verſickerung iſt in dieſem Fall ja gering, vielleicht ganz ausgeſchloſſen. Auch bleibt zu erwägen, daß der Kalkſtickſtoff ja erſt eine Reihe von Umwandlungen durchmachen muß, bis er den Pflanzen das Endprodukt ſeiner Umſetzungen, den Sal⸗ peterſtickſtoff, bietet. Sollte dies im ſchweren Boden lang⸗ ſam vor ſich gehen, ſo wäre die Möglichkeit nicht aus⸗ geſchloſſen, daß der aus Kalkſtickſtoff entſtehende Salpeter⸗ ſtickſtoff den Pflanzen zu ſpät geboten würde, wenn man die Kalkſtickſtoffdüngung erſt im Frühjahr geben wollte. Schneidewind hat Verſuchsergebniſſe veröffentlicht ¹), auf Grund deren er Herbſtdüngung mit Kalkſtickſtoff auf beſſeren Böden empfiehlt, auf leichteren ſie verwirft. Bei Schneidewinds Roggenverſuchen auf Lößlehmboden wurde die volle Wirkung der Kalkſtickſtoffdüngung erzielt, wenn man dieſe im Herbſt gab. Je 15,5 kg Stickſtoff erbrachten im Jahre 1908 3,64 dz Körner und im Jahre 1913 ſogar 5,03 dz Körner. Das iſt mehr als normale Wirkung. Wurde die Kallſtickſtoffdüngung unter ſonſt gleichen Verhältniſſen im Frühjahr gegeben, ſo ſank der Ertrag im Jahr 1908 auf 2,13 dz, alſo erheblich, im Jahr 1913 auf 4,64 dé, alſo unerheblich. über die Wir⸗ kung einer Kalkſtickſtoffdüngung auf Sandboden hat Schneidewind keine Verſuche angeführt. Auch in ¹) Deutſche Landw. Preſſe Nr. 59. 1915. Aber wenn es ſich nicht um durchläſſigen 122 Die Encftoffdüngung. Darmſtadt haben wir über die in Rede ſtehende Frage ſowohl auf Lehmboden als auch auf Sandboden eine größere Anzahl von Verſuchen ausgeführt, über die ich in der„Deutſchen Landw. Preſſe“ Nr. 73—75, 1915 berichtet habe. Die auf Lehmboden erzielten Ergebniſſe ſind nicht übereinſtimmend. Sie bilden keine Regel. Bald hat die Herſtdüngung, bald die Frühjahrsdüngung beſſer geewirkt. Berechnet man das Mittel, ſo hat die Herbſt⸗ gabe bzw. die teilweiſe Herbſtgabe von Kallkſtickſtoff einen Mehrertrag von 7,8 dz, die Frühjahrsgabe einen Mehr⸗ ertrag von 8,3 dz Körner erbracht. Der Unterſchied iſt alſo im Mittel der Verſuche gering und fällt zugunſten der Frühjahrsgabe aus. Auf Grund der von Schneide⸗ wind und urns erhaltenen Reſultate wird man folgendes ſagen dürfen. Die Gefahr, daß die Winterfeuchtigkeit aus der im Herbſt gegebenen Kalkſtickſtoffbüngung einen Teil des Stickſtoffs zur Verſickerung bringen kann, iſt ge⸗ ring, wenn ein beſſerer, wenig durchläſſiger Lehmboden vorliegt. Aber auch unter dieſen Verhältniſſen wird es im Mittel keine Vorteile bringen, wenn man den Früh⸗ jahrsbedarf der Pflanzen an Kallkſtickſtoff ſchon im Herbſt in den Boden bringt. Sehr beſtimmte Ergebniſſe haben unſere Verſuche über die Frage der Herbſt⸗ oder Früh⸗ jahrsdüngung mit Kalkſtickſtoff auf Sandboden ergeben. Unter den 12 auf verſchiedenen Sandäckern und in ver⸗ ſchiedenen Jahren auf dem Hofgut Kranichſtein ausgeführ⸗ ten Verſuchen findet ſich kein einziger, bei welchem die Herbſtgabe von Kalkſtickſtoff ein beſſeres Ergebnis als die Frühjahrsgabe erbracht hätte. In 9 Fällen hat die Früh⸗ jahrsgabe erheblich beſſer als die Herbſtgabe gewirkt und in drei Fällen iſt die Wirkung gleich geweſen. Im Mittel aller Verſuche berechnet ſich die Wirkung der Herbſtdüngung bzw. der teilweiſen Herbſtdüngung auf 77, wenn man Der Kalkſtickſtoff. 123 die Wirkung der im Frühjahr gegebenen Kalkſtickſtoff⸗ düngung= 100 ſetzt. Es darf angenommen werden, daß einige Wochen vor dem Erwachen der Vegetation den Winterfrüchten gegebene Kalkſtickſtoffbüngungen am ſicher⸗ ſten wirken. Nach unſeren Erfahrungen wird ſich emp⸗ fehlen, den Kalkſtickſtoff, ſoweit es ſich um mittelwarmes Klima handelt, für Winterroggen in der Regel nicht ſpäter als vom 1. Februar ab und für Winterweizen in der Regel nicht ſpäter als vom 15. Februar ab zu ſtreuen. Liegt noch Schnee, ſo wird man beſſer warten, denn Kalk⸗ ſtickſtoff und noch mehr eine Miſchung von Kallttickſtoff mit Kaliſalz, bringt den Schnee zu ſchnellem Schmelzen und entzieht den Pflanzen die ſchützende Decke. Auch wenn der Boden Anfang oder Mitte Februar noch zu naß iſt, muß man warten, und man braucht auch nicht allzu ungeduldig zu warten, ſelbſt wenn die Düngung nicht vor Anfang März ausführbar ſein ſollte. Kräftig entwickelte Pflanzen und günſtige Witterung werden auch ſpät ge⸗ ſtreuten Kalkſtickſtoff zu befriedigender Wirkung bringen. In Ausnahmefällen empfiehlt ſich ſogar, auch wenn Wetter und Bodenzuſtand kein Hindernis bilden, mit der Dün⸗ gung zu zögern, nämlich dann, wenn die Pflanzen wenig gekräftigt in den Winter gekommen und infolge ungünſtiger Witterung ſo wenig entwickelt geblieben ſind, daß eine vor dem Erwachen der Vegetation gegebene Kalkſtickſtoffdün⸗ gung eine zu ſtarke bzw. zu anhaltende Schädigung be⸗ fürchten läßt. In ſolchen Fällen wird vorzuziehen ſein, den Kalkſtickſtoff erſt dann zu ſtreuen, wenn die Vegetation kräftig eingeſetzt hat, und die Pflanzen dadurch wider⸗ ſtandsfähiger geworden ſind. Die vorgeſehene Kallkſtick⸗ ſtoffgabe wird man, falls ſie nicht ganz ausnehmend hoch iſt, am beſten ungeteilt verwenden, und der Kalkſtick⸗ ſtoff darf nicht auf naſſe Pflanzen geſtreut werden. Gleich⸗ mäßigſt Verteilung des„Raltſicffta n über die Ackerfläche muß als eine der Hauptbedingungen für die Sicherung der Kalkſtickſtoffwirkung angeſehen werden. Auch für Sommerfrüchte wird man den Kalkſtickſtoff am beſten un⸗ geteilt ſtreuen und ihn durch Grubbern und Eggen mög⸗ lichſt vollſtändig mit der Bodenkrume vermiſchen. Er kommt dann mit größerer Sicherheit zur ausgiebigen Wir⸗ kung. Im Mittel unſerer Verſuche haben wir durch Kalk⸗ ſticckſtoff, der niehet lt bei der Einſaat in den Boden gebracht wurde, einen Mehrertrag von 11,8 dz Haferkörner, 45,0„Kartoffeln, 160,0„ Futterrüben erhalten. Wurde der Kallſtickſtoff zur Hälfte bei der Einſaat, zur Hälfte als Kopfdüngung gegeben, ſo betrug der Mehrertrag 9,2 dz Haferkörner, 39,0„Kartoffeln, 115,0„ Futterrüben. 88 Im Mittel unſerer Verſuche ſind die Ergebniſſe alſo merklich beſſer geweſen, wenn die ganze den Sommer⸗ früchten zugedachte Kalkſtickſtoffmenge unmittelbar bei der Einſaat in den Boden gebracht und eine ſpätere Kopf⸗ düngung vermieden wurde. 4. Der Kallſtickſtoff iſt möglichſt gleichmäßig mit dem Boden zu miſchen. Streut man ihn ungleichmäßig aus unnd wird er ungenügend mit dem Boden vermengt, ſo kommt er nicht zur vollen Wirkung, weil an den Stellen, in welchen er in größerer Anhäufung zu liegen kommt und dementſprechend konzentrierte Löſungen ſich bilden, leicht nachteilige Wirkungen entſtehen können. 5. Wird der Kalkſtickſtoff mit der Hand geſtreut, ſo miſche man ihn mit feuchter Erde oder Torfmull. Mit 125 Ammomintſaſz und Euperphraphat darf man ihn nicht miſchen. Dagegen iſt zweckmäßig, ihn mit Kaliſalz zu miſchen, wenn gleichzeitig eine Kalidüngung gegeben werden ſoll. 6. Düngt man Halmgewächſe mit Kalkſtickſtoff, ſo tritt oft eine gelbliche Färbung der Blätter ein, die meiſt nach kurzer Zeit wieder verſchwindet. Man achte aber ſorg⸗ fältig darauf, daß der Kalkſtickſtoff nicht auf beregnete oder betaute Pflanzen geſtreut werde. 7. Hederichpflanzen werden zerſtört, wenn man Kalk⸗ ſtickſtoff als Kopfdünger gibt. Ein mit Hederich verun⸗ krauteter Acker iſt daher beſonders vorteilhaft mit Kalk⸗ ſtickſtoff zu düngen. 8. Der Kalkſtickſtoff hat am beſten bei Winterfrüchten, dann bei Sommergetreide und am wenigſten befriedigend bei Futterrüben gewirkt. Ammoniatnatron ufr w. Der Wirkungswert von ſchwefelſaurem Ammoniaknatron, kohlenſaurem, ſalzſaurem, ſalpeterſaurem Ammoniak und Harnſtoff im Vergleich zum ſchwefelſauren Ammoniak. Notwendige Einſchränkungen in der Herſtellung von Schwefelſäure, die durch den Krieg gefordert wurden, haben die Stickſtoffinduſtrie veranlaßt, zur Bindung von Ammoniak verſuchsweiſe Salzſäure, Kohlenſäure und ſaures ſchwefelſaures Natron(Natrium⸗Biſulfat), ein bei der Salpeterſäurefabrikation gewonnenes Nebenprodukt zu verwenden. Wir haben den Wirkungswert der dabei ent⸗ ſtehenden neuen Ammoniakſalze, alſo des ſalzſauren Am⸗ moniaks, des kohlenſauren Ammoniaks und des ſchwefel⸗ ſauren Ammoniaknatrons im Vergleich zum ſchwefelſauren Ammoniak bei Kulturen von Sommerroggen, Sommer⸗ weizen und Weißem Sen f feſtgeſtellt. In den Mitteilungen 126 Die Stickſtoffdüngung. der D. L. G. Stück 47, 1915 habe ich über dieſe Verſuche berichtet. Der in Form von ſchwefelſaurem Ammoniaknatron gegebene Stickſtoff hat bei Roggen wie bei Weizen auf Sandboden nicht geringer, auf Lehmboden etwas geringer als der in Form von ſchwefelſaurem Ammoniak gegebene gewirkt. Im Mittel der auf Sandboden und Lehmboden mit Roggen und Weizen ausgeführten Verſuche hat der Stickſtoff des ſchwefelſauren Ammoniaknatrons einen Körnerertrag von 93 und eine Stickſtoffausnutzung von 93 ergeben, wenn man Ertrag und Ausnutzung des ſchwefel⸗ ſauren Ammoniaks= 100 ſetzt. Der Stickſtoff des kohlenſauren Ammoniaks hat nicht geringer als der des ſchwefelſauren Ammoniaks gewirkt. Er hat einen Körnerertrag von 102 und eine Stickſtoff⸗ ausnutzung von 103 erbracht, wenn man Ertrag und Aus⸗ nutzung des ſchwefelſauren Ammoniaks= 100 ſetzt. Der Stickſtoff des ſalzſauren Ammoniaks hat nicht geringer als der des ſchwefelſauren Ammoniaks gewirkt. Setzt man Wirkung und Ausnutzung des ſchwefelſauren Ammoniaks= 100, ſo wurden durch ſalzſaures Ammo⸗ niak erhalten Ernteſubſtanz 104 Stickſtoff in der„„ 98 Dieſe neuen Ammoniakſalze ſind genau ſo zu verwenden wie das ſchwefelſaure Ammoniak. Später von uns ausgeführte Verſuche haben dies Er⸗ gebnis beſtätigt. Im Jahre 1919 führten wir einen grö⸗ ßeren Verſuch mit Hafer in Vegetationsgefäßen aus, bei welchem ſchwefelſaures, ſalpeterſaures, kohlenſaures, ſalz⸗ ſaures Ammoniak, auch ein Doppelſalz, der„Kaliammo⸗ niakſalpeter“ und Harnſtoff verwendet wurden. Die Er⸗ enl Organiſche Stickſtoffdünger. 127 gebniſſe dieſer Verſuche zeigen eine außerordentlich große ůbereinſtimmung in den Parallelverſuchen. Im Mittel aus je 4 Parallelverſuchen wurden im Vergleich zu ſtickſtoff⸗ freier Düngung folgende Mehrerträge an Haferkörnern erhalten: Stif⸗ Er⸗ Techrertrag Sum⸗ ; ſto trag ſan Körnern im Stickſtoff gegeben eu oan de gleich zu me der .. 8 ör⸗ ſtickſtofffreier 4 in Form von: Gefäß nern Düngung erträge 8 g g g —— 21,8 5— ſchwefelſaurem Ammoniak 1,0 68,6 4239 116,3 4. 1,5 91,3 69,51 3 ſalpeterſaurem Ammoniak 1,0 77,0 592 130,6 9.„ 1,5 97,2 75,4 3 kohlenſaurem Ammoniak 1,0 74,0 3,2 127,6 „. 1,5 97,2 75,4 4 ſalsſaurem Ammoniak 1,0 71,6 275 119,0 „„. 1,5 91,0 69,2 4 Kaliammoniakſalpeter. 1,0 75,4 275] 124,3 .„ 1,5 92,5 70,7 Harnſtoff 41,0 73,8 24,0] 126,1 „.... 1,5 95,9 74,1 3 Man ſieht, daß in der Wirkung der Stickſtoffſalze nur ganz geringe Unterſchiede aufgetreten ſind. Organiſche Stickſtoffdünger. Von Handelsdüngemitteln, die den Stickſtoff in orga⸗ niſcher Form enthalten, ſind zu nennen der Peruguano mit 3— 7%, das rohe Knochenmehl mit 4%, das entleimte Knochenmehl mit 1%, das Blutmehl mit 12%, das Horn⸗ mehl mit 10%, Fleiſchdüngemehl mit 6%, Kadaver⸗ m —— 4 mehl mit 61% e, Poudrette mit 7 ½%, Ledermehl mit 7%, Wollſtaub mit 3% Stickſtoff. Zu dieſen iſt kürzlich noch ein neuer Stickſtoffdünger, das Rehmsdorfer Stickſtoffdüngemehl, getreten. Aus tieriſchen Ab⸗ fällen, Haut, Haaren, Knochen, Blut, Leder ſtellt der Ver⸗ ein chemiſcher Fabriken, Rehmsdorf(Provinz Sachſen) ein Düngemittel her, das 8—9% Stickſtoff enthält und das ſeither in Amerika Abnehmer gefunden hat, ſeit Kriegs⸗ ausbruch aber in Deutſchland vertrieben wird. Wir haben mit dieſem Düngemittel Gefäßverſuche ausgeführt und haben dabei gefunden, daß man, um diejenige Düngewir⸗ kung zu erhalten, die durch je 1 kg Ammoniakſtickſtoff aus⸗ geübt wird, 2 kg des im Rehmsdorfer Düngemehl ent⸗ haltenen Stickſtoffs in den Boden bringen muß. Genau das gleiche hat auch Gerlach gefunden. Für den Stick⸗ ſtoff der übrigen organiſchen Düngemittel kann man, wenn man den Düngewert des Salpeterſtickſtoffs= 100 ſetzt, folgende Werte annehmen: Für den Stickſtoff im Peruguano 75— 80 Hornmehl und Blutmehl 70— 75 Fleiſchdüngemehl, Kadaver⸗ mehl, Fiſchmehl, Rizinus⸗ 7* 77 71 * 1 77 mehl, Poudrette 60— 70 e 3„Knochenmehl 55— 60 ; 29 Wollſtaub 25 „„„Ledermehl 10 Der geeignetſte Boden für die Verwendung der orga⸗ niſchen Stickſtoffdüngemittel iſt der Sandboden, und man woeendet ſie am beſten bei der Frühjahrsbeſtellung an. Schneidewind fand, daß bei einer Herbſtdüngung von 30 ke Fleiſchdüngerſtickſtoff in den Jahren 1910, 1911 und 1912 ein Mehrertrag von nur 1,18 d2, 1,01 dz und 1,63 d⸗ — V Organiſche Stickſtoffdünger. 129 Körner erhalten wurde. Die Herbſtdüngung von Fleiſch⸗ mehlſtickſtoff hatte wie auch die Herbſtdüngung von Ammo⸗ niakſalz in den drei Jahren völlig verſagt. Handelsdünger, b die organiſchen Stickſtoff enthalten, darf man nur da im e⸗ Herbſt verwenden, wo ſchwere Böden vorliegen. Mittlere ein und leichte Böden ſind erſt im Frühjahr mit organiſchem ds Stickſtoff zu düngen. — 5 70 60 on Wagner, Düngemittel. Siebente Auflage. Welche Düngermengen ſind für die ver⸗ 6 ſchiedenen Kulturpflanzen zu verwenden? In den voraufgegangenen Darlegungen habe ich die Grundſätze angegeben, nach welchen man die für die Kultur⸗ pflanzen zu verwendenden Mengen von Stickſtoff, Phos⸗ phorſäure und Kali bemeſſen ſoll, und habe gezeigt, wie man Aufſchluß über das Düngebedürfnis eines beſtimmten Bodens erhält. Dieſe Darlegungen ſind nun zu ergänzen. Es müſſen die ungefähren Grenzen angegeben werden, innerhalb welcher die in der Praxis zur Verwendung kom⸗ menden Düngermengen ſchwanken, um einen Anhaltspunkt für das im gegebenen Fall zu wählende Maß zu gewinnen. Wenn man weiß, in welcher Stärke beiſpielsweiſe der Natronſalpeter für eine beſtimmte Frucht, etwa für den afer, als ſchwache oder als mittlere oder ſtarke Gabe zur Verwendung kommt, ſo hat man einen ungefähren Anhalt. Man kann ſich dann überlegen, ob die in Betracht kommen⸗ den Faktoren, alſo die Beſchaffenheit, die Bearbeitung und der Düngungszuſtand des Bodens, das Klima, die Höhe der ſonſt erhaltenen und die Höhe der vorausſichtlich erziel⸗ baren Erträge derart ſind, daß man mehr für eine ſchwache oder mehr für eine mittlere oder ſtarke Düngung ſich ent⸗ ſcheidet. Auch wenn der Landwirt Verſuche ausführen will, um Auskunft über das Düngebedürfnis des Ackers zu er⸗ halten, muß er wiſſen, wie groß die ungefähren Mengen der Düngemittel ſind, die er bei den Verſuchen zu verwen⸗ den hat. Zu dieſem Zweck ſeien folgende Angaben gemacht. Halmgewächſe. Halmgewächſe. Man pflegt anzunehmen, daß es in erſter Linie die Phosphorſäure ſei, die für die Düngung der Halm⸗ gewächſe in Betracht komme. Das iſt nicht richtig. Die Halmgewächſe bedürfen zwar einer phosphorſäurereichen Nahrung, aber man wird in den weitaus meiſten Fällen die Erfahrung machen, daß ausſchließliche Phosphorſäure⸗ düngung auf einem Getreideacker keine Wirkung äußert. Auf den meiſten AÄckern herrſcht vor allem Stickſtoffarmut, und erſt wenn dieſe gehoben iſt, kommt Phosphorſäure zur Wirkung. In einer kleinen Schrift ¹) habe ich Nachweiſe hierfür erbracht. Ich habe dort Ergebniſſe von Feldverſuchen mit⸗ geteilt, die wir in verſchiedenen Gemarkungen Heſſens ausgeführt haben, und es ſeien die folgenden, bei Gerſte⸗ und Haferverſuchen erhaltenen Mittelreſultate hier wieder⸗ gegeben. Durch Stickſtoff⸗Phosphorſäure⸗Kalidüngung wurde im Durch⸗ ſchnitt von fünf Gerſteäckern der Ertrag an Körnern von 19 dz vom Hektar auf 27 dz geſteigert. Der Ertrag aber hatte ſich, wenn an der Volldüngung der Stickſtoff fehlte, auf 20 dz, wenn die Phosphorſäure fehlte, auf 24 dz, wenn das Kali fehlte, auf 24 dz vermindert. Durch Stickſtoff⸗ Phosphorſäure⸗Kalidüngung wurde im Mittel von ſieben Haferäckern der Ertrag von 16 dz vom Hektar auf 29 dz geſteigert. Der Ertrag aber hatte ſich, wenn an der Volldüngung der Stickſtoff fehlte, auf 19 dz, wenn die Phosphorſäure fehlte, auf 26 dz und wenn das Kali fehlte, auf 26 dz vermindert. Dieſe Ergebniſſe zeigen, daß im Mittel der betreffen⸗ den Acker zwar für alle drei Nährſtoffe ein Bedürfnis vor⸗ gelegen hat, daß es vor allem aber der Stickſtoff war, der dem Boden fehlte, um Höchſterträge zu erzielen. Berlin. 9. 4) Düngungsfragen, Heft IV. Verlas von 4 aul Parey, Welche Düngermengen find zu verwenden? 1 Anzahl Weun Wenn an der Volldüngung er⸗ 50 Voll⸗ der düngung die Das der ſuchs. ausgeführt inn Ver⸗ ainchns hos⸗ gali eticſtoff reihe ſuchs wurde pheniune fehlte fehlte Nr. jahre 7 ℳ ℳ 671 Arheilgen.. 12 385 242 213 123 801 Ernſthofen. 12 389 214 30⁵ 143 669 Ernſthofen. 14 276 147 219 9² 1 670 Ernſthofen. 14 235 111 181 88 738 Trebur 8 170 156 121 30 745 Biebesheim 8 200 178 154 57 751 Kranichſtein. 8 235 203 184 24 752 Kranichſtein. 8 223 201 204 27 753 Kranichſtein. 8 188 175 179 24 764 Wickſtadt. 8 237 163 181 43 765 Wickſtadt. 8 228 178 158 13 826 Heimersheim 6 177 168 146 51 850 Monsheim 8 104 129 87 9 672 Dilshofen. 4 206 125 189 45 768 Wintersheim 4 148 141 33 47 790 Hof⸗Hayna 3 126 82 125 20 791 Hof⸗Hayna 3 147 92 111 12² 819 Hochheim. 4 90 67 51 24 825 Rodau.. 3 148 120 79 49 854 Ober⸗Mofſau 4 181 182 185 13 Mittel: 205 154 153 47 Eine weitere Beſtätigung dieſer Tatſache iſt durch unſere ſehr umfaſſenden Verſuche gegeben, die wir nicht nur auf eine ganze Rotation, ſondern in der Regel auf zwei, ſogar drei Rotationen ausgedehnt haben, und deren Ergebniſſe ich in der Schrift„Die Wirkung von Stallmiſt und Handelsdüngern“, Heft 279 der Arbeiten der D. L. G., veröffentlicht habe. Berechnet man den mit ſehr mäßigen Friedenspreiſen angenommenen Geldwert der durch Dün⸗ — üngmg der Sticuf fehlte 4 123 14 N 8 49 57 24 7 2* 43 13 51 Halmgewächſe. 133 gung erzielten Mehrerträge, ſo berechnet ſich, daß im Mittel der Verſuchsjahre folgende Ertragswerte auf je 1 ha er⸗ zielt worden ſind. (Siehe die Tabelle S. 132.) Als die normalen Grenzen, innerhalb welcher die Gaben von Stickſtoff, Phosphorſäure und Kali für Halm⸗ gewächſe zu wählen ſind, können folgende bezeichnet werden. Sttickſtoff auf 1 ha. Schwache Düngung 1 dz Natronſalpeter oder Ammoniakſalz. Mittlere„ 2„„„„ Starke„ 4„ 9„„ Phosphorſäure auf 1 ha. Schwache Düngung 2 dz Thomasmehl oder 1,5 dz Superphosphat. ¹) Mittlere 2 4„ 5„ 3,0„„ Starke„ 6„„„ 4,5„ 2 Kali auf 1 ha. Schwache Düngung 1,0 dz 40% iges Kaliſalz oder 3,0 dz Kainit. Mittlere„ 1,5„„„„ 4,5„„ Starke„ 2,0„„ 2„„ 6,0„ Bei der Wahl der Düngermengen iſt folgendes zu be⸗ rückſichtigen. Die Art des Halmgewächſes. Gerſte und Roggen vertragen weniger Stickſtoffdün⸗ gung als Hafer oder Weizen, ſteifhalmige Varietäten mehr als ſchwachhalmige. Drillſaat verträgt mehr Stickſtoff als Breitſaat, weite Drillſaat mehr als enge; Braugerſte ver⸗ trägt nur dann viel Stickſtoff, wenn ſtarke Kali⸗Phosphat⸗ düngungen gegeben ſind. Ertragreichere Varietäten ver⸗ langen reichere Düngung als ertragärmere. Gerſte ver⸗ langt mehr Kali als Hafer. 6 ¹) Thomasmehl und Superphosphat zu 16% Phosphorſäur angenommen. Die Beſchaffenheit und der Dungungs⸗ zuſtand des Bodens. Kalkarme Sandböden und ſaure Moorböden bean⸗ ſpruchen in der Regel geringere überſchußdüngungen an Phosphorſäure als kalkreiche und eiſenreiche Lehm⸗ und Tonböden. Je mehr Humus der Boden enthält und je mehr er mit Grünſubſtanz oder Jauche gedüngt iſt, um ſo mehr hat man die Stickſtoffgabe zu beſchränken und einer ſtärkeren Phosphorſäuredüngung ſich zuzuwenden. Die Vorfrucht und Nachfrucht. Hat der Acker ſtickſtoffſammelnde Pflanzen, wie Klee, Luzerne, Wicken, Erbſen, Bohnen, Lupinen uſw., getragen oder hat er eine Gründüngung mit ſolchen Pflanzen er⸗ halten, ſo wird man den Schwerpunkt der Düngung mehr auf Phosphorſäure und Kali legen; hat dagegen die Vor⸗ frucht in Kartoffeln, Rüben oder Halmgewächſen beſtanden, in Pflanzen alſo, die als„ſtickſtoffzehrende“ bezeichnet wer⸗ den, die aber infolge von vielleicht reicher Phosphorſäure⸗ düngung einen beachtenswerten Überſchuß von Phosphor⸗ ſiure im Boden zurückgelaſſen haben, ſo gebe man ſchwache Phosphorſäuredüngung und kräftigere Stickſtoffdüngung mit Beigabe von Kali. 4 Fpolgen auf das Halmgewächs Kartoffeln, ſo iſt das erſtere reichlich mit Kali zu düngen, denn das der Vor⸗ frucht gegebene Kali iſt der Kartoffel zuträglicher als die direkte Düngung. Folgt Klee oder Luzerne, ſo iſt eben⸗ falls nicht zu wenig Kali und ſehr reichlich Phosphorſäure 1 zu geben. Kleearten und Hülſenfrüchte. Während bei der Düngung der Halmgewächſe auf ſtickſtoffreiche Nahrung großes Gewicht zu legen iſt, kann V 83. bean⸗ ſen an ⸗ und ud je t, um n und den. Klee, ragen n er⸗ mehr Vor⸗ nden, wer⸗ äure⸗ phor⸗ wache ung t das Vor⸗ ls die eben⸗ ſäure e auf Kartoffeln und Rüben. 135 eine Düngung der Kleearten und Hülſenfrüchte mit Stick⸗ ſtoffſalzen in der Regel unterbleiben. Dieſe Pflanzen, ob⸗ gleich ſie in ihrer Erntemaſſe weit mehr Stickſtoff enthalten als alle übrigen Kulturgewächſe, bedürfen nur geringer Menge leicht löslichen Bodenſtickſtoffs; den Hauptbedarf nehmen ſie aus der atmoſphäriſchen Luft. Nur wenn der Boden ſehr ſtickſtoffarm iſt, kann eine Salpeterdüngung, etwa 1 dz auf den Hektar, bei Erbſen und Bohnen lohnend ſein. Die Entwicklung von Erbſen und Bohnen wird durch ſolche Düngung beſchleunigt und der Ertrag mitunter merklich geſteigert, aber nur dann, wenn die Stickſtoffgabe gering iſt und ſie nicht ſpäter als bei der Einſaat gegeben wird. Unter normalen Verhältniſſen kommt für die Legu⸗ minoſen nur Phosphorſäure⸗ und Kalidüngung in Betracht, und man wird mit 4— 6 dz Thomasmehl oder 3— 4,5 dz Superphosphat und etwa 6 z Kainit oder 2 dz 40% igem Kaliſalz für den Hektar in der Regel das Richtige treffen. Nur bei Luzerneeinſaat wird man die Phosphorſäure⸗ gabe noch ſteigern können. Düngungen von 10— 15 dz Thomasmehl auf den Luzerneacker haben ſich bei unſeren Verſuchen oft als rentabel erwieſen. Kartoffeln und Rüben. Kartoffeln und Rüben ſind hervorragend befähigt, den Kalivorrat des Bodens auszunutzen. Ihr Bedarf an Kali aber iſt ſo groß, daß für Höchſterträge ſelbſt ein mit Stall miſt gedüngter Boden oft nicht genug Kali liefert. Auch für reichliche Phosphorſäuredüngung ſind dieſe Pflanzen empfänglich; beſonders die Entwicklung der Rüben läßt ſich weſentlich dadurch fördern, daß man dem bei der Einſaat zu gebenden Stickſtoffſalz 1—2 dz Superphosphat auf den Hektar beimengt. Der Stickſtoffbedarf iſt unter ſonſt gleichen Verhältniſſen bei Futterrüben am größten, dann Welche Düngermengen ſind zu verwenden⸗ 136 folgen Zuckerrüben, dann Kartoffeln. Als Normalgrenzen, innerhalb welcher die Düngermengen zu wählen ſind, kann man folgende annehmen. Für Kartoffeln auf 1 ha: Stickſtoff. Schwache Düngung 1,5 dz Natronſalpeter oder Ammoniakſalz Mittlere„ 2„„—„„ Starke„ 3— 4„„ 7„ Phosphorſäure. Schwache Düngung 2 dz Thomasmehl oder 1,5 dz. Supetphospht t. Mittlere„ 3„„ 2„ Starke 3 4„ 2„ 3„„ Kali. Schwache Düngung 1,5 dz 40% iges Kaliſalz. Mittlere„ 2„„„ Starke 3 3„„„ Für Zuckerrüben auf 1 ha: Stickſtoff. Schwache Düngung 2 dz Natronſalpeter oder Ammoniakſalz. Niittlere„» 3„ 7 4„ . Stare 3 5„ I 71 Phosphorſäure. Schwache Düngung 8 dz Thomasmehl oder 2 dz Superphosphat. 4 Mittlere, 4 1* 3 7* 4₰ — Starke„ 6 3„ 4„ Kali. Schwache Düngung 1,5 dz 40% iges Kaliſalz oder 4 dz Kainit. Mittlerr„ 2„„.„ 6„ 3 Starke 4„ 3„,„ 7„ Für Futterrüben auf 1 ha: Stickſtoff. Schwache Düngung 2 dz Natronſalpeter oder Ammoniiakſalz Nittlere„ 4„„„„ Starke„ 6„„„„ tt. Tabaä. 137 Phosphorſäure. Schwache Düngung 3 z Thomasmehl oder 2 z Superphosphat. Mittlere„ 6„„„ 4,5„ Starke„ 8„.„ 6„ Kali. Schwache Düngung 2 dz 40% iges Kaliſalz oder 6 dz Kainit. Mittlere„ 3„„„„ 9„ Starke. 4„ 3„„—„ Bodenbeſchaffenheit, Düngungszuſtand des Bodens und Vorfrucht ſind bei der Wahl der Düngermengen hier ebenſo zu berückſichtigen wie bei den Halmgewächſen. Tabak. Es iſt bekannt, daß der Tabak nicht brennt, wenn er nicht ſehr reich an Kali iſt. Wir haben nun gefunden, daß die Grenzen, innerhalb welcher der prozentiſche Kali⸗ gehalt der Tabakblätter ſchwanken kann, ſehr weit aus⸗ einander liegen, ſo weit, wie bei keiner anderen landwirt⸗ ſchaftlichen Kulturpflanze. Der geringſte Kaligehalt in reifen, getrockneten Blättern betrug 0,5%, der höchſte 7,5%. Nun die Frage: Kommt ein Kaligehalt von mehr als 7% nur da in Tabakblättern vor, wo die Pflanzen ausnehmend reich gedüngt, ſie alſo unnatürlich ſtark mit Kali angereichert ſind, oder findet ſich ein ſo hoher Ge⸗ halt auch in Handelsware? Dieſe Frage iſt dahin zu be⸗ antworten, daß in der Tat auch in Handelsware der Kali⸗ gehalt der Blätter bis zu 7,5% ſteigt. Dann aber iſt die Frage zu ſtellen, und dieſe iſt wichtig: Iſt ein ſo hoher Kaligehalt für eine gute Brennbarkeit der Blätter not⸗ wendig oder kann ſchon ein kaliärmeres Blatt den höchſten Grad von Brennbarkeit aufweiſen? Hierauf die Antwort, daß man Tabake findet, die infolge ausnehmend guter Struktur ihrer Blätter ſchon bei einem Gehalt von 4% — 3 tur vorhanden ſei, eine Struktur, wie ſie namentlich da brennen nur in Ausnahmefällen gut. man annehmen, daß Tabakblätter nicht weniger als 6% rungen zu ſtellen: . 138 Welche Dünger eng find; u verwe nden? Kali genügende Br ennbarkeit aufweiſe en. Aber dies ſind Ausnahmefälle. Regel iſt, daß der Tabak nur dann tadel⸗ los brennt, wenn ſein Kaligehalt 5%(auf Trockenſubſtanz bezogen) überſteigt, und daß ſehr gute Brennbarkeit nur dann ſich findet, wenn der Gehalt 6—7% beträgt. Es iſt nun weiter zu fragen: Wird jeder Tabak, der 6% Kali enthält, gut brennen? Hierauf iſt mit nein zu antworten. Hoher Kaligehalt iſt nur die eine der Be⸗ dingungen für gute Brennbarkeit; die andere iſt, daß der Tabak möglichſt wenig Chlor enthalte, und die dritte, daß auch eine für die Brennbarkeit der Blätter günſtige Struk⸗ erzielt wird, wo der Stand der Tabakpflanzen dicht und üppig iſt, wo durch feuchtwarme Witterung eine ſchnelle Entwicklung der Pflanzen hervorgerufen wird, und wo man nicht oder verhältnismäßig ſpät gipfelt. Uns inter⸗ eſſiert hier beſonders der Chlorgehalt der Blätter. Dieſer kann unſeren Ermittelungen nach zwiſchen 0,25 und 5% ſchwanken. Blätter, die 3% Chlor und darüber enthalten, Als Regel kann Kali und nicht mehr als 0,6% Chlor enthalten dürfen, wenn ſie gut brennen ſollen. Tabak aus tropiſchem und ſubtropiſchem Klima iſt in dieſe Regel nicht einzuſchließen. Auch bei viel höherem Chlorgehalt und geringerem Kali⸗ gehalt kann Tabak tadellos brennen, wenn er unter be⸗ tne günſtigen klimatiſchen Verhältniſſen gewachſen iſt. Bezüglich der Düngung des Tabaks ſind folgende Forde⸗ 1. Man darf keine chlorreichen Düngemittel auf die Tabakfelder bringen, alſo keine Latrine, keine Jauche, keine chlorhaltigen Kaliſalze, keinen Stallmiſt im Frühjahr. 2. Man muß den Tabak auf möglichſt kalireichem es ſind tadel- ulſtanz eit nur al, der t nein er We⸗ aß der te, daß Struk⸗ lich da ht und hnelle d wo inter⸗ Dieſer 15% alten, kann 6 ürfen, n und ließen. Kali⸗ er be⸗ en iſt Forde⸗ uf die keine r. eichem Tabak. 139 Boden bauen und durch kalireiche Düngung einen prozen⸗ tiſch hohen Kaligehalt der Blätter zu erzielen ſuchen. Auf Grund dieſer Forderungen und der zahlreichen Düngungsverſuche, die wir über die Tabakfrage ausgeführt haben, halte ich eine Düngung von 5 dz konzentriertem, ſchwefelſaurem Kali(52% Kali enthaltend) auf den Hektar für empfehlenswert. Iſt der Boden ſehr reich an Kali, ſo kommt man mit etwas weniger aus, iſt er ſehr arm, ſo muß man die Düngung verſtärken. Ich bemerke noch, daß das ſchwefelſaure Kali bei unſeren Verſuchen Blätter geliefert hat, die in ihrem Kaligehalt und in ihrer Glimm⸗ barkeit denjenigen nicht oder nur ſehr wenig nachſtanden, die bei Düngung mit dem mehrfach empfohlenen, aber aus⸗ nehmend teuren kieſelſauren Kali, dem ſog. Martellin, er⸗ halten waren. Soweit uns Erfahrungen vorliegen, bietet das kieſelſaure Kali dem hochkonzentrierten ſchwefelſauren Salz gegenüber keine mit dem ausnehmend höheren Preis des„Martellins“ irgend im Verhältnis ſtehenden Vorteile. Außer ſchwefelſaurem Kali iſt Laubholzaſche, die ungefähr 10% Kali und 3,5% Phosphorſäure enthält, zu emp⸗ fehlen. Steht dieſe Aſche zu angemeſſenem Preiſe zur Verfügung, ſo empfehle ich, an Stelle der oben genannten 5 dz ſchwefelſaurem Kali 12,5 dz Laubholzaſche und 2,5 dz ſchwefelſaures Kali zu verwenden. Dieſe Düngung iſt etwa vier Wochen vor dem Pflanzen in den Boden zu bringen. Eine weitere Phosphorſäuredüngung iſt, wenn man Holzaſche verwendet, nicht nötig. Wird aber nur ſchwefelſaures Kali gegeben, ſo ſind etwa 4 dz Thomasmehl beizufügen.. Den nötigen Stickſtoff gibt man dem Tabak am beſten in Form von Gründüngung. Iſft dies nicht ausführbar, ſo gebe man je nach Bedarf des Bodens 2—3 da Natron⸗ ſalpeter oder ebenſoviel Ammoniakſalz. Übermäßige Stick⸗ 140 Welche Düngermengen ſind zu verwenden⸗ . ſtoffdüngung iſt zu vermeiden, denn ſie bewirkt, daß die Blätter ſchlecht brennen und übel riechen. Wieſen. Wir haben ſeit etwa zwanzig Jahren Wieſendün⸗ gungsverſuche in verſchiedenen Gemarkungen Heſſens aus⸗ geführt. Über eine Anzahl derſelben habe ich im Heft 162 der Arbeiten der D. L. G. berichtet. Eine Veröffentlichung über weitere ſehr umfängliche und langjährige Verſuche iſt in Vorbereitung. Auf Grund unſerer Arbeiten teile ich über Wieſendüngung folgendes mit. Die Stickſtoffdüngung der Wieſen. Die Frage der Stickſtoffdüngung der Wieſen iſt wich⸗ tig, und meine Publikationen haben eine lebhafte Dis⸗ kuſſion darüber hervorgerufen. Ich habe für zweckmäßig gehalten, die allgemeine Frage der Stickſtoffdüngung der Wieſen zu ſpezialiſieren, und zwar die Frage der Stall⸗ miſt⸗, Kompoſt⸗ und Jauchedüngung einerſeits, und andererſeits die Frage der Stickſtoffſalzdüngung(Am⸗ moniakſalz, Natronſalpeter) der Wieſe zu behandeln. Jauche und Kompoſt, in der Praxis beliebte Wieſendünger, die nicht wie Salpeter und Ammoniakſalz ausſchließlich Stickſtoff enthalten und auch wohl nicht ausſchließlich durch ihren Nährſtoffgehalt wirken, habe ich noch nicht in den Bereich meiner Darlegungen gezogen. Ich habe nur erſt ddie Frage geſtellt, ob man die Wieſe mit Salpeter oder Ammoniakſalz düngen ſoll. Manche Forſcher ſind energiſch und rückhaltlos für die Salpeterdüngung der Wieſen ein⸗ getreten. Man hat ſogar geſagt, daß der Natronſalpeter gerade auf der Wieſe am beſten ausgenutzt werde. Das iſt nicht richtig. Schon die einfache Rechnung ergibt, daß der durch Salpeterdüngung erzielbare Gewinn auf der die Die Stickſtoffbüngung der Wieſen. 141 Wieſe nicht ſo groß ſein kann wie auf dem Getreidefeld. Durch je 1 d Natronſalpeter erzielt man erfahrungs⸗ gemäß 3— 4 dz Getreidekörner mit entſprechendem Stroh. Auf der Wieſe aber werden durch je 1 dz Salpeter nur 6—7 dz Heu erzeugt, und auch dieſe nur der Rechnung nach. Erfahrungsgemäß iſt der Mehrertrag nur halb ſo groß. Es liegen mir 15 Reihen von Wieſenverſuchen vor, bei denen die Wirkung einer Düngung von je 2 dz Natron⸗ ſalpeter auf den Hektar feſtgeſtellt wurde, und die 3, 4, 6 und 7 Jahre durchgeführt wurden. Im Mittel der 15 Reihen und aller Verſuchsjahre hat die Gabe von 2 dz Salpeter einen Mehrertrag von nur 6,8 d Heu erzeugt. Das bringt auf 1 dz Salpeter nur 3— 4 dz Heu, alſo nur halb ſo viel als der Rechnung nach entſtehen ſollte. Die Sicherheit, daß der Salpeter den normalen Mehrertrag liefert, iſt auf dem Getreideacker weitaus größer als auf der Wieſe. Auf der Wieſe wachſen Gräſer und Kleearten, Stickſtoffmehrer und Stickſtoffzehrer durcheinander und dadurch wird die Sache verwickelt. Düngt man die Wieſe mit Stickſtoff, ſo werden die Gräſer und andere Stickſtoff⸗ zehrer den Stickſtoff aufnehmen und ihn verarbeiten. Aber auch der Klee und andere Leguminoſen werden verſuchen, einen Teil davon zu erlangen, denn wenn dieſe Pflanzen unter Mitwirkung ihrer Knöllchenbakterien auch fähig ſind, den Stickſtoff der atmoſphäriſchen Luft aufzunehmen, ſo iſt ihnen die Aufnahme von Salpeterſtickſtoff doch viel be⸗ quemer. Wird dem Klee Salpeter geboten, ſo deckt er ſeinen Stickſtoffbedarf aus dieſem, ſo lange der Vorrat reicht. Iſt die bequemere Quelle verſiegt, ſo greift er zur weniger bequemen, zur atmoſphäriſchen Luft. Infolge dieſes Umſtandes wird die Wirkung einer Salpeterdüngung Lauf der Wieſe recht verſchieden ſein, und es iſt nicht mög⸗ lich, ſie im gegebenen Fall ſo beſtimmt vorauszuſagen 142 zu wie auf dem Getreideacker. 3ch wil ſieben verſchiedene Fälle anführen, die eintreten können, wenn die Wieſe m mit Salpeterſtickſtoff gedüngt wird. 1. Fall. Gräſer und Kleearten nehmen den Sal⸗ peterſtickſtoff auf. Die Gräſer entwickeln ſich dadurch ſchneller und geben höheren Ertrag. Aber auch die Klee⸗ arten wachſen unter dem Einfluß des von ihnen auf⸗ genommenen Salpeterſtickſtoffs ſchneller und werden infolge ihrer ſchnelleren und kräftigeren Entwicklung befähigt, auch vom Luftſtickſtoff mehr aufzunehmen und mehr zu ver⸗ arbeiten, als ſie es ohne Salpeterdüngung gekonnt hätten. Der Salpeter übt hier außer der direkten noch eine günſtige indirekte Wirkung aus, und nicht nur die Gräſer, ſondern auch die Leguminoſen— wie man es mitunter ja auch bei der Stickſtoffdüngung von Bohnen und Erbſen erfahren hat— bringen höheren Ertrag. Das Endergebnis iſt, daß der Natronſalpeter höheren Mehrertrag liefert, als der Rechnung entſpricht. Dieſer Fall kommt unſeren Erfahrun⸗ gen nach aber nur als ſehr ſeltene Ausnahme von der Regel vor. 2. Fall. Die Wieſe hat kalte Lage und bringt in⸗ 38 folge ſpät einſetzender Vegetation geringen Ertrag. Recht⸗ zeitig gegebene Salpeterdüngung regt die Pflanzen an, ſich zeitiger zu entwickeln, ſie erringen einen Vorſprung gegen die nicht mit Salpeter gedüngten. Dieſer Vorſprung befähigt die Pflanzen, die eintretende wärmere Witterung beſſer auszunutzen als die ungedüngten. Der von ihnen erreichte Vorſprung verſtärkt ſich und hält bis zur Ernte⸗ nahme an. Es wird ein Mehrertrag gewonnen, der in⸗ folge der zugleich indirekten Wirkung der Salpeterdüngung größer iſt, als der Rechnung entſpricht. Auch dieſer Fall kommt unſeren Erfahrungen nach nur als ſeltene Aus⸗ nahme von der Regel vor. Die Stickſtoffdüngung der Wieſen. 14 3 3. Fall. Die Wieſe iſt vorzugsweiſe mit Gräſern be⸗ ſtanden, vom Klee findet ſich ſehr wenig. Der Salpeter⸗ ſttickſtoff wird in faſt ganzer Menge von den Gräſern auſ⸗ genommen, und dieſe liefern entſprechenden Mehrertrag. Je 1 dz Natronſalpeter erzeugt dann der Rechnung nach 6— 7 dz Heu. Im Mittel der praktiſch vorkommenden Verhältniſſe aber wird man auf einen Mehrertrag von nur 4— 5 dz Heu rechnen können. 4. Fall. Die Wieſe iſt mit Gräſern und mit gut entwickeltem Klee beſtanden. Die Gräſer nehmen einen Teil des Salpeters auf und liefern entſprechenden Mehr⸗ ertrag. Die Kleearten nehmen den anderen Teil des Sal⸗ peters auf, liefern aber keinen Mehrertrag, weil ſie bereits kräftig entwickelt ſind und eine reichliche Aufnahme von Luftſtickſtoff ihnen keine Schwierigkeit macht. Die Auf⸗ nahme von Salpeterſtickſtoff hat bei ihnen keinen weiteren Erfolg, als daß ſie um ſo viel weniger Luftſtickſtoff ſammeln, als ſie Salpeterſtickſtoff aufgenommen haben. Das End⸗ ergebnis iſt, daß die Ertragsſteigerung erheblich geringer ausfällt, als der Rechnung entſpricht. 5. Fall. Gräſer und Kleearten nehmen den Sal⸗ peterſtickſtoff auf, aber ſie liefern keinen Mehrertrag, weil Kleebakterien und Bodenbakterien auf der betreffenden Wieſe ſo tätig ſind, daß durch ſie ohne jede Schwierigkeit ſo viel Stickſtoff geliefert werden kann, als die Pflanzen zu verarbeiten imſtande ſind. Die Stickſtoffdüngung hat in dieſem Falle keinen anderen Erfolg, als daß aus der atmoſphäriſchen Luft um ſo viel weniger Stickſtoff auf⸗ genommen wird, als der Salpeter den Pflanzen bietet. Das Endergebnis iſt, daß die Salpeterdüngung keinen Mehrertkag bringt. I 6. Fall. Gräſer und Kleearten nehmen den Sal⸗ peterſtickſtoff auf. Die Gräſer entwickeln ſich infolgedeſſen 144 Welche Dungermengen find; zu verwenden? „ ſchneller und liefern höheren Ertrag, als wenn ſie un⸗ gedüngt geblieben wären. In dem Maße aber, in welchem ſie ſich üppiger entwickeln, drängen ſie die Entwicklung der Kleearten zurück, und das Endergebnis iſt, daß das ge⸗ wonnene Heu etwas reicher an Gräſern und etwas ärmer an Klee iſt, als es ohne Stickſtoffdüngung geweſen wäre, eine befriedigende Ertragserhöhung aber nicht ent⸗ ſtanden iſt. 7. Fall. Die Gräſer entwickeln ſich durch die Stick⸗ ſtoffdüngung üppig und drängen bei jährlich wiederholter Düngung die Leguminoſen ſehr zurück. Wird nach einer Reihe von Jahren die Stickſtoffdüngung ausgeſetzt, ſo ent⸗ ſteht ein erheblicher Minderertrag. Die Gräſer hungern nach Stickſtoff, gehen im Ertrag zurück, und die Legumi⸗ noſen, die den Verluſt decken könnten, ſind nicht mehr da. Ein Beiſpiel aus unſeren Verſuchen mag dies zeigen. Eine Wieſe(Reihe 980) in Hüttenfeld⸗Seehof erhielt während der erſten drei Jahre je 1 und 2 dz Natron⸗ ſalpeter, während der fünf weiteren Jahre je 2 und 4 dz Natronſalpeter, und während der vier letzten Verſuchsjahre wurde die Stickſtoffdüngung unterlaſſen. Das Ergebnis war wie folgt: Im Mittel der erſten drei Jahre hatte die Gabe von 1 dz Natronſalpeter einen Mehrertrag von 4,0 dz Heu erbracht, 2 7* 7„ 7 7 5, 2„ 22 im Mittel der weiter folgenden fünf Verſuchsjahre hatte die Gabe von 2 dz Natronſalpeter einen Mehrertrag von 5,6 dz Heu erbracht, fr 4„ 4 ¼ 71 11, 3 7 77 7* im Mittel der legten w vier Verſuchsjahre, in ewelchen die Stickſtoffdüngung unterlaſſen war, hatten die Parzellen, die die geringere Stickſtoffbüngung erhalten hatten, um “ ſie Un⸗ welchen lung de das ge⸗ s äͤrner en wäre t en⸗ at, ie Et 6 erholter ich einet „ſo ent⸗ hungern Legumi⸗ tehr da. n. erhiell atron⸗ d 4 3- hsjahre rgebnic be erbracht 6 e hatte erbracht, hen die rzellen en, um Die Stickſtoffdüngung der Wieſen. 145 3,8 dz Minderertrag und die Parzellen, die die ſtärkere Stickſtoffdüngung erhalten hatten, um 9,2 dz Minder⸗ ertrag im Vergleich zu den Parzellen erbracht, die niemals mit Stickſtoff gedüngt waren. Je ſtärker alſo die Stick⸗ ſtoffdüngung geweſen war, um ſo größer war auch der MNiinderertrag, den die Wieſe nach eingeſtellter Stickſtoff⸗ düngung erbrachte. Erwägt man dieſe ſieben verſchiedenen Möglichkeiten, die unter ſich wieder Übergänge bilden und auf der gleichen Wieſe je nach Pflanzenbeſtand, Pflanzenentwicklung, Dün⸗ gung, Jahreswitterung wechſeln können, ſo wird man er⸗ kennen, daß die Erfolge einer Stickſtoffſalzdüngung auf Wieſen außerordentlich verſchieden, ſehr wechſelnd und ſehr unſicher ſind, alſo durchaus nicht für jeden Fall mit Be⸗ ſtimmtheit vorausgeſagt werden können. Auf dem Ge⸗ treidefeld, auf dem Kartoffel⸗ und Rübenacker liegen die Verhältniſſe einfacher und beſtimmter. Wir haben es hier 4 nur mit Stickſtoffzehrern zu tun; ein beſtimmtes Maß der Stickſtoffdüngung liefert uns, wenn die Verhältniſſe normal ſind, einen beſtimmten Mehrertrag. Die Sicherheit aber, mit der wir bei der Salpeterdüngung der Wieſe auf den 8 „normalen“ Mehrertrag rechnen können, iſt viel geringer und der erzielte Gewinn in der Regel viel kleiner als auf dem Getreideacker. Im Mittel von 15 Verſuchsreihen, die 3 bis 5 bis 6 Jahre durchgeführt wurden, hat eine Düngung von je 2 dz Natronſalpeter auf den Hektar einen Mehrertrag von 6,8 dz Heu erbracht. Das macht auf je 1 da Natron⸗ ſalpeter nur 3— 4 dz Heu, alſo nur halb ſo viel als der Rechnung entſpricht. Man dünge alſo nicht ohne weiteres jede Wieſe mit Stickſtoff. Die Ausführung von Verſuchen iſt in jedem Falle notwendig, um zu erfahren, ob auf der vorlis egenden Wieſe Wagner, Düngemittel. Siebente Auflage. 3 3 10 ſoolchen Verſuchen aber iſt klare Frageſtellung notwendig! Zahlen, die hiermit im Einklang ſtehen. Der Kaligehalt 146 Welche Düngermengen ſind zu verwenden: die Stickſtoffdüngung ſich rentieren wird oder nicht. Bei Ver prüfen will, ob eine Düngung mit Natronſalpeter oder Ammoniakſalz auf einer beſtimmten Wieſe lohnend iſt und in welchem Maße ſie lohnt, der muß die Fragen, die der Verſuch beantworten ſoll, ſo ſtellen: 1. Welcher Höchſtertrag iſt auf der betreffenden Wieſe überhaupt erzielbar? 2. Iſt der erzielbare Höchſtertrag ſchon durch aus⸗ ſchließliche Phosphorſäure⸗Kalidüngung zu gewinnen oder muß Stickſtoffſalz zu Hilfe genommen werden, und welchen Geowinn bringt die eventuelle Beidüngung von Stick⸗ ſcoffſalz? b 3 3. Welche Antwort gibt der im zweiten, dritten, vier⸗ ten uſw. Jahre auf der gleichen Wieſe fortgeſetzte Verſuch auf die unter 1 und 2 geſtellten Fragen? Die Kalidüngung der Wieſen. 8 Der prozentiſche Kaligehalt des Wieſenheues iſt bei unſeren Verſuchen, wenn die Wieſe ausnehmend hungrig war, bis auf 0,55% herabgegangen, wenn die Wieſe mit Kali überſättigt war, bis auf 2,75% geſtiegen. Wenn das lufttrockene(15% Feuchtigkeit enthaltende) Heu 2% Kali enthält, ſo darf es unſeren Erfahrungen nach als geſättigt angeſehen werden. In der großen Praxis aber findet man ſelten ſo kalireiches Heu. Es gibt viel kaliarme Wieſen. Alle Wieſenſtücke, die wir für unſere Verſuche verwendet haben, hungerten nach Kali. Auch Tacke veröffentlicht iſt bei Heu von Moorwieſen auf 0,6% herabgegangen und von 17 Proben nur in einem Fall auf 2% geſtiegen. Tacke bemerkt dazu:„Der mittlere Gehalt der Heuproben an Kali ſteht bedenklich weit hinter dem des Heus von aus⸗ Bei dig, der ſeſe der ie Kalidüngung der Wieſen. 147 reichend mit Kali gedüngten Moorwieſen zurück, und es iſt der Gedanke nicht von der Hand zu weiſen, daß ein großer Teil der Moorwieſen überhaupt nicht ausreichend gedüngt, namentlich nicht genügend mit Kali verſehen wird. Dieſe Befürchtung wird zur Gewißheit, wenn man die einzelnen Werte betrachtet, bei denen ein Abſinken des Kaligehaltes bis auf 0,6% zu bemerken iſt.“ Auf die Frage, ob man allen Wieſen vollen Erſatz des durch den Ertrag entzogenen Kalis geben ſoll, oder ob weniger oder mehr zu verwenden iſt, geben zwei typiſche Beiſpiele aus unſeren Verſuchen ein Bild. Der eine dieſer Verſuche wurde auf einer ſandigen Wieſe in Hüttenfeld⸗ Seehof(Reihe 521) ausgeführt, deren Boden ausnehmend arm an Kali war. Der Verſuch dauerte ſechs Jahre. Bei alleiniger Phosphorſäuredüngung erhielten wir ein Heu, das im Mittel der ſechs Verſuchsjahre ziemlich gleichmäßig einen Gehalt von nur 0,797% Kali zeigte. Daraus ging hervor, daß die Wieſe ausnehmend arm an Kali war und ſtarker Düngung bedurfte. Wir gaben im erſten Ver⸗ ſuchsjahr die ſehr ſtarke Düngung von 124 kg Kali und in den folgenden fünf Jahren jährlich diejenige Kalimenge, die der Ertrag dem Boden entzogen hatte. Im Mittel aller ſechs Verſuchsjahre wurde bei alleiniger Phosphor⸗ ſäuredüngung ein Ertrag von 14,5 d, bei Zugabe von Kalidüngung ein Ertrag von 40,1 dz Heu erhalten. Der Heuertrag enthielt im Mittel der ſechs Jahre bei alleiniger Phosphorſäuredüngung 11,5 kg, bei Zugabe von Kali 60,3 kg Kali, und die Düngung hatte 74,4 kg Kali be⸗ tragen. Trotz der Überſchußdüngung von jährlich 14,1 kg Kali aber waren die Wieſenpflanzen kalihungrig geblieben. Der Kaligehalt des bei Kaliphosphatdüngung geernteten Heues betrug im Mittel der ſechs Jahre nur 1,495%, während er bei voller Sättigung auf 2% hätte ſteigen 10* 148 Welche Düngermengen ſind zu verwenden? müſſen. Die Hüttenfelder Wieſe, die ſo arm an Kali war, daß der Boden jährlich nur 11,5 kg Kali den Pflanzen lieferte, mußte mit erheblich mehr Kali ge⸗ düngt werden als dem Entzug entſprach. Eine jährliche Düngung von etwa 100 kg Kali mußte auf dieſer Wieſe als notwendig angeſehen werden um den Höchſtertrag zu erzielen. Ein ganz anderes Bild ſtellen uns die Ergebniſſe eines acht Jahre lang in Ernſthofen im Odenwald durchgeführ⸗ ten Verſuchs(Reihe 550) vor Augen. Wir hatten es hier mit verhältnismäßig kalireichem Lehmboden zu tun. Schon ohne Düngung lieferte die Wieſe im Mittel der acht Verſuchsjahre 60,5 dz Heu mit einem durchſchnittlichen Gehalt von 1,749% Kali und alleinige Phosphorſäure⸗ düngung konnten den Ertrag auf 76,9 dz Heu mit einem mmittleren Gehalt von 1,691% ſteigern. Bei dieſer Ver⸗ ſchsreihe ſollte der gleiche Plan, wie er bei der in Hüttenfeld⸗Seehof ausgeführten eingehalten war, befolgt werden. Im erſten Verſuchsjahre wurde eine Düngung von 127,9 kg Kali gegeben, im zweiten Jahre eine Dün⸗ gung von 129,2 kg Kali(dem Entzug des erſten Jahres entſprechend) und im dritten Verſuchsjahr wurde eine Düngung von 223,2 kg Kali(dem Entzug des zweiten Jahres entſprechend) verwendet. Aber es zeigte ſich, daß das nicht ſo weiter gehen konnte. Es durfte nicht der polle Erſatz des entzogenen Kalis gegeben werden. Die Duüngung war dann viel zu ſtark. Schon im 2. Verſuchs⸗ jahre ſtieg nach erfolgter Düngung von 129,2 kg Kali (dem Entzug des erſten Verſuchsjahres entſprechend) der Kaligehalt des geernteten Heus auf 2,508% und die Kali⸗ düngung wirkte nachteilig. Sie drückte den Ertrag im Vergleich zu alleiniger Phosphorſäuredüngung um 9,7 da Heu herab. Auch im dritten Verſuchsjahr betrug der Die Kalidüngung der Wieſen. 149 Kaligehalt des geernteten Heus nach der überaus ſtarken Kalidüngung von 223,2 kg(dem im Vorjahre erfolgten Kalientzug entſprechend) 2,417% und der Ertrag hatte ſich um 1,1 dz Heu gegen den bei alleiniger Phosphorſäure⸗ düngung erhaltenen vermindert. Wir ſetzten im vierten und fünften Jahre die Kalidüngung ganz aus und erhielten im fünften Jahre auf den in den erſten drei Jahren mit Kali gedüngten Parzellen einen Mehrertrag von 10,7 dz Heu im Vergleich zu alleiniger Phosphorſäuredüngung, und als wir im 6., 7. und 8. Verſuchsjahre jährlich 120 kg Kali gaben(das war erheblich weniger als die Ernten entzogen hatten), erhielten wir im Mittel der drei Jahre durch Kalidüngung einen Mehrertrag von 11,2 dz Heu im Vergleich zu alleiniger Phosphorſäuredüngung, aber die Wieſenpflanzen waren infolge der ſtarken Düngung von 120 kg Kali immer noch erheblich überſättigt. Der mittlere Gehalt des in den drei letzten Verſuchsjahren ge⸗ wonnenen Heus betrug 2,313%. Der Ernſthofener Wieſenboden war mithin ſo reich an Kali, daß er den jährlichen vollen Erſatz des durch den Heuertrag entzogenen Kalis nicht nur nicht nötig hatte, ſondern ihn auch nicht ertrug. Der volle Erſatz wette ſchädlich. Er verminderte den Ertrag. Eine jährliche Düngung von etwa 80 kg Kali konnte unter den gegebenen Verhält⸗ niſſen— wenigſtens für eine Reihe von Jahren— als ausreichend angeſehen werden, während der jährliche Ent⸗ zug an Kali im Mittel der acht Verſuchsjahre nicht weniger als 176 kg betragen hatte. Unſere Verſuche haben gezeigt, daß die erforderliche Stärke der Kalidüngung auf Wieſen im Vergleich zu der durch den Ertrag entzogenen Menge ſehr verſchieden ſein kann. Im Mittel der Verhältniſſe kann man rechnen, daß ein voller Erſatz der entzogenen Menge das richtigſte iſt. 150 Welche Düngermengen ſind zu verwenden? Bei Wieſen aber, die ausnehmend arm an Kali ſind, im übrigen aber Verhältniſſe bieten, unter welchen der Ertrag durch Düngung ſehr erheblich geſteigert werden kann, ge⸗ nügt der Erſatz der entzogenen Kalimenge nicht. Die jährlich zu gebende Düngung muß erheblich ſtärker ſein als dem Entzug entſpricht. Hat man aber eine Wieſe vor ſich, deren Boden ſo reich an Kali iſt, daß ſchon ohne Düngung oder durch alleinige Phosphorſäuredüngung ſehr hohe Erträge an kalireichem Heu erzielt werden und der Ertrag verhältnismäßig wenig durch Kalidüngung ge⸗ ſteigert werden kann, ſo iſt, wie wir es bei der Ernſt⸗ 3 hofener Wieſe geſehen haben, der volle Kalierſatz nicht nur uunnötig, ſondern er kann ſogar nachteilig auf den Ertrag wirken. In ſolchem Fall iſt der Wieſe jährlich erheblich weniger Kali zuzuführen als man ihr durch den Ertrag entzieht, bis der Bodenvorrat ſo weit abgenommen hat, daß die Düngung verſtärkt werden und ſchließlich voller Erſatz gegeben werden muß. Unſere Verſuche haben ferner gezeigt, daß die Er⸗ mittelung des prozentiſchen Kaligehaltes des von einer beſtimmten Wieſe geernteten Heus einen wertvollen An⸗ haltspunkt über die Frage gibt, ob der Ertrag der Wieſe durch verſtärkte Kalidüngung noch erheblich geſteigert wer⸗ den kann oder nicht. Auf Grund unſerer Ermittelungen habe ich folgende Sätze aufgeſtellt, die als Regel gelten dürfen: 1. Enthält das Wieſenheu bei ausreichender Dün⸗ gung mit Phosphorſäure erheblich mehr als 2% Kali, ſo iſt es überſättigt. Boden und Düngung haben den Pflan⸗ zen mehr Kali zugeführt, als zur Erzeugung des unter den gegebenen Verhältniſſen erzielbaren Ertrages not⸗ woendig war.. ö Die Kalidüngung der Wieſen. 151 2. Enthält das Wieſenheu bei ausreichender Phos⸗ phorſäuredüngung 2% Kali, ſo iſt es mit Kali geſättigtt. Der Kalivorrat des Bodens, bzw. der Düngung, hat aus⸗ gereicht, den unter den vorhandenen Verhältniſſen erziel baren Ertrag zu erzeugen. 3. Sinkt der Kaligehalt auf 1,8%, ſo iſt die Möglich⸗ keit da, daß man durch ſtärkere Kalidüngung den Ertrag noch weiter ſteigern kann, falls Bodenbeſchaffenheit, Klima, Witterung ſehr günſtig ſind und an Phosphorſäure und Kalk kein Mangel iſt. 4. Sinkt der Kaligehalt auf 1,6%, ſo iſt die Wahr⸗ ſcheinlichkeit da, daß durch ſtärkere Kalidüngung Ertrags⸗ ſteigerungen zu erzielen ſind. 5. Beträgt der Kaligehalt des Heus nur 1,4%, ſo iſt die Wahrſcheinlichkeit einer Ertragsſteigerung durch Kalidüngung ſehr groß. 6. Sinkt endlich der Kaligehalt auf 1,2%, oder noch weiter herab, ſo iſt mit Beſtimmtheit anzunehmen, daß die Wieſenpflanzen zu wenig Kali im Boden gefunden 8 haben, um den unter den gegebenen Verhältniſſen erziel⸗ baren Höchſtertrag zu erzeugen. Kalidüngung wird den 3 Ertrag mit Beſtimmtheit ſteigern. Die Ausführung eines Düngungsverſuches iſt hier nicht mehr erforderlich. Aus den Ergebniſſen unſerer Wieſenverſuche, deren Studium ich empfehle, wird man erkennen, daß der pro⸗ zentiſche Kaligehalt des Heus tatſächlich einen wertvollen Anhaltspunkt zur Beurteilung der Frage gibt, ob die Wieſe nach Kali hungert oder nicht, ob die Ausſicht groß ſiſt, daß ſtärkere Kalidüngung den Ertrag ſteigert oder ob dieſe Ausſicht gering oder auch ſo gut wie ausgeſchloſſen iſt. Es hat ſich beſtätigt: zeigt das lufttrockene(15% 3 Feuchtigkeit enthaltende) Heu einen Kaligehalt von 2%, ſo darf man es als geſättigt erachten, und nur unter Aus⸗ 152 Welche Düngermengen ſind zu verwenden? nahmeverhältniſſen wird es möglich ſein, durch ſtärkere Kalidüngung weitere Ertragsſteigerung zu erzielen. Je üidſer aber der Kaligehalt des lufttrockenen Heus unter 20p ſinkt, um ſo größer wird die Wahrſcheinlichkeit, höheren Ertrag durch verſtärkte Kalidüngung erzielen zu können, eine Wahrſcheinlichkeit, die zur Gewißheit wird, wenn der Gehalt auf 1,2% oder gar noch weiter ſinkt. Selbſtverſtändlich aber iſt die Forderung zu ſtellen, daß man nicht einſeitig prüfen, nicht einſeitig urteilen und nicht einſeitig handeln ſoll. Um den„Anhalt“ zu ge⸗ winnen, den die Analyſe einer Heuprobe zur Beurteilung der Düngungsfrage gibt, hat man nicht nur den Kaligehalt, ſondern zugleich auch den Phosphorſäuregehalt des Heus und— falls auch die Kalkfrage in Betracht kommt— den Kalkgehalt feſtzuſtellen. Und wenn man aus den Ergebniſſen ſolcher Analyſe ein Urteil über das Dünge⸗ bedürfnis der betreffenden Wieſe ableiten ſoll, ſo hat man auch noch den während der letzten Jahre erzielten Mittel⸗ ertrag an Heu, ſowie die bisher gegebene Düngung, das Klima und die Waſſerverhältniſſe der Wieſe mit in Er⸗ wägung zu ziehen. Dann erſt— und ich meine, das iſt ganz ſelbſtverſtändlich— ſind alle Momente beiſammen, um, ſoweit dies ohne direkten Düngungsbverſuch möglich iſt, ein ungefähres Urteil über das Düngebedürfnis der Wieſe zu gewinnen. Auf Grund ſolchen Urteils richtet man dann die Düngung ein, und auf Grund des Erfolges dieſer Düngung(Heuertrag und prozentiſcher Gehalt des Heues ſind wieder zu ermitteln) wird man dann weiter urteilen und weiter handeln, wie ich dies bei der Be⸗ ſchreibung unſerer Verſuche gezeigt habe. Die Frage, mit wieviel Kali die Wieſe zu düngen iſt, beantwortet ſich nun leicht. Man hat die Tatſache zu⸗ grunde zu legen, daß die Wieſenpflanzen, wenn ſie Höchſt⸗ Die Kalidüngung der Wieſen. 153 erträge liefern ſollen, auf jeden Doppelzentner Heu 2 kg Kali verarbeiten müſſen. Man hat alſo im gegebenen Fall zu prüfen, bis zu welcher Höhe der Heuertrag durch Düngung mit Phosphorſäure, Kali und Kalk, ſowie durch geeignete Kulturmaßnahmen zu bringen iſt. Kann man etwa 50 dz Heu erzielen, ſo hat man der Wieſe jährlich nicht weniger als 100 kg Kali zuzuführen, falls der Boden arm iſt und keinen Raubbau verträgt. Kann man 100 dz ernten, ſo hat man ihr 200 kg Kali zu geben. 200 kg Kali iſt viel, und es wird noch eingehender Prüfung be⸗ dürfen, in welchen Fällen es angängig iſt, ſo ſtarke Kali⸗ gabe in Form von Kainit oder 40% igem Salz zu ver⸗ abreichen. Kann man in ſolchen Fällen einen Teil des Kalis in Form von Miſtjauche geben, wobei man freilich einer ausreichenden Wirkung des Jaucheſtickſtoffs ſicher ſein müßte, oder hat man Holzaſche zur Verfügung, ſo wird das vorteilhaft ſein. Auch die geeignetſte Zeit der Kalidüngung und die Frage, ob es empfehlenswert iſt, ſehr ſtarke Kalidüngung geteilt zu geben, dürfte noch zu prüfen ſein. Jedenfalls ſteht feſt, daß man armen Wieſen vollen Erſatz, aber nicht weniger als je 2 kg Kali auf den Doppelzentner Heu geben muß. Wo die Verhältniſſe ſo liegen, daß der Boden jährlich, wie wir es beiſpielsweiſe bei unſeren Verſuchen auf dem Wieſengut Hüttenfeld⸗Seehof gefunden haben, nur etwa 10 kg Kali aus ſeinem überdies ſchon geringen Vorrat gibt, da iſt Raubbau natürlich ausgeſchloſſen. Auf jeden Doppelzentner Heu, den man von der Wieſe erntet bzw. ernten kann, muß man ihr 2 kg Kali zuführen, und da auf ſandigen Wieſen, wie auf den in Hüttenfeld⸗See⸗ hof liegenden, der Ertrag in der Regel nicht höher als bis zu 60 oder 70 dz Heu zu ſteigern iſt, ſo macht es keine Schwierigkeit, die erforderliche Kalimenge in Form von 3 154 Welche Düngermengen ſind zu verwer n? 40% igem Kaliſalz oder auch in Form von Kainit zu beſchaffen. Nun aber gibt es Wieſen, die 120, ſelbſt bis zu 150 dz Heu liefern, und ſolchen Wieſen vollen Erſatz in Form von Staßfurter Salz zu geben, wird um ſo ſchwieriger, je mehr ſich der Wieſenboden vom Sand ent⸗ fernt und dem ſchweren Lehmboden ſich nähert. Wollte man einer Lehmwieſe, die 120 dz Heu liefert, 240 kg Kali in Form von Kainit geben, mit den 240 kg Kali nicht weniger als 700 kg Kochſalz in den Boden bringen; ſo würde man die Wieſenpflanzen ſchädigen und den Boden verderben. Nun aber ſind wir ſolcher Schwierigkeit — zunächſt wenigſtens— durch den Umſtand überhoben, daß die Lehmwieſen in der Regel reich genug an Kali ſind, um eines vollen Erſatzes nicht zu bedürfen. Aus unſeren Verſuchen habe ich die in Ernſthofen acht Jahre lang durchgeführte Reihe 550 als Beiſpiel an⸗ geführt. Schon die ausſchließliche Phosphorſäuredüngung prachte im Mittel der acht Jahre einen Ertrag von 76,9 d Heu mit einem Gehalt von 1,691% Kali. Voller Erſatz des entzogenen Kalis überſättigte die Wieſenpflanzen ſehr ſteark und wirkte nachteilig. Ich habe empfohlen, dieſer Wieſe nur den halben Erſatz des entzogenen Kalis zu geben. b Die Ernſthofener Wieſe gibt ein typiſches Bild für beſſere Wieſen mit lehmigem, kalireichem Boden, auf wel⸗ chhen die Kalidüngung im Verein mit Phosphatdüngung zwar weſentliche Ertragserhöhung und ſehr befriedigenden Gewinn erbringt, die Kaligabe aber doch nicht ſo hoch be⸗ mmeſſen zu werden braucht bzw. bemeſſen werden darf, wenigſtens für eine Reihe von Jahren oder Jahrzehnten nicht, daß vollſtändiger Erſatz geleiſtet wird. Wieſen, wie den in unſerem Beiſpiel vorgeführten, hat man auf je 100 d Heu nicht 200 kg Kali, ſondern nur 80— 100 kg zuzuführen. Das übrige liefert der Boden, ſolange der Vorrat reicht. Als Norm aber nehme man an, daß der Gehalt des von ſolcher Wieſe geernteten Heus nicht unter 2% Kali ſinken darf. Man ſieht alſo, daß auch in ſolchem Falle die chemiſche Analyſe ſehr wertvolle Dienſte leiſtet. Bei der kaliarmen Wieſe gibt ſie Aufſchluß über die Frage, ob die Kaligabe hoch genug bemeſſen ge⸗ weſen iſt, oder ob Steigerung der Kalidüngung noch weitere Ertragserhöhung in Ausſicht ſtellt. Bei der kali⸗ reichen gibt ſie Aufſchluß über die Frage, ob trotz unvoll⸗ ſtändiger Erſatzdüngung, trotz erheblichem Raubbau an Kali der prozentiſche Gehalt des Heus von Jahr zu Jahr auf gleicher Höhe ſich hält, oder ob er abnimmt und unter den Sättigungspunkt, alſo unter 2% ſinkt, in wel⸗ chem Fall der Raubbau gemäßigt oder auch ganz beſeitigt, alſo voller Erſatz gegeben werden muß. Logiſcherweiſe muß auf jeder Wieſe nach Jahren oder nach Jahrzehnten dieſer Zeitpunkt eintreten, und von Jahr zu Jahr gewinnt die Frage an Bedeutung, in welcher Form ein voller Kalierſatz für diejenigen Wieſen gegeben werden ſoll, die 120 oder gar 150 dz Heu zu liefern imſtande Die Phosphorſäuredüngung der Wieſen. 155 ſind. Die Kaliinduſtrie wird beſtrebt ſein müſſen, für ſolchen Fall noch reineres Düngeſalz zu mäßigem Preiſe zu liefern, als das 40% ige Salz es darſtellt, durch welches mit je 100 kg Kali immer noch 50— 60 kg Koch⸗ ſalz in den Boden gebracht werden. Die Phosphorſäuredüngung der Wieſen. Mit Kali und Phosphorſäure geſättigte Wieſenpflan⸗ zen liefern ein Heu, das 2% Kali und 0,65% Phosphor⸗ ſäure enthält. Je mehr der Gehalt unter dieſe Grenze ſinkt, um ſo größer iſt die Wahrſcheinlichkeit, daß verſtärkte Kali⸗ und Phosphorſäuredüngungen weitere Ertragsſteige⸗ 156 rungen hervorbringen. In den weitaus meiſten Fällen haben die bei unſeren Verſuchen verwendeten Wieſen ein nach Phosphorſäure hungerndes Heu geliefert. Bei ſehr ſtarkem Phosphorſäurehunger iſt der Gehalt auf 0,2% ge⸗ ſunken, bei ſtarker Düngung auf 0,7% geſtiegen. Ein zwölf Jahre lang in Ernſthofen durchgeführter Verſuch eihe 549) hat gezeigt, daß ſelbſt bei einem Gehalt von 0,54% Phosphorſäure der Ertrag noch erheblich geſteigert werden konnte. Im Mittel der 12 Jahre wurden erhalten: bei Kalidüngung ohne Phosphorſäure 54,4 dz Heu mit 0,54% Phosphorſäure, bei Kalidüngung mit Phosphorſäure 78,7 dz Heu mit 0,64% Phosphorſäure. . Auch die achtjährige Verſuchsreihe 550 zu Ernſthofen hat gleiches ergeben. Im Mittel der acht Verſuchsjahre wurden erhalten: durch Kalidüngung ohne Phosphorſäure 68,3 dz Heu mit 0,476% Phosphorſäure, durch Kalidüngung mit Phosphorſäure 85,9 dz Heu mit 0,578% Phosphorſäure. Ich habe oben geſagt, daß man einer kaliarmen Wieſe, die vollen Kalierſatz beanſprucht, auf der man alſo keinen Raubbau treiben darf, auf jeden Doppelzentner Heu, den man ihr genommen oder von ihr verlange, 2 kg Kali zu⸗ führen müſſe. Es bleibt nun zu fragen, ob man in gleicher Weiſe auch die Phosphorſäuredüngung normieren kann. Nimmt man an, die Wieſe liefere 80 dz Heu, und nimmt man den Gehalt des Heus zu 0,65% Phosphorſäure, als dem Sättigungsgrad entſprechend an, ſo würde man der Wieſe jährlich 52 kg Phosphorſäure, gleich 3,5 d2 16% iges Thomasmehl geben müſſen. Iſt das richtig? Nein. Die Düngung von 3,5 dz Thomasmehl wird in der Regel Welche Düngermengen find zu verwenden? Die Phosphorſäuredüngung der Wieſen. 157 nicht reichen. Man hat dem Boden, ſelbſt wenn er durch wiederholte reichliche Thomasmehldüngung mit Phosphor⸗ ſäure geſättigt ſein ſollte, nicht nur ſo viel Phosphorſäure zu geben, als der Rechnung nach die Erträge beanſpruchen, die man dem Boden genommen hat oder von ihm erzielen will, ſondern noch etwas mehr, denn man hat damit zu rechnen, daß mit dem Sickerwaſſer, das in den Unter⸗ grund oder in Gräben oder in Drainröhren fließt, auch etwas aufgelöſte Phosphorſäure verloren geht, und es iſt ferner damit zu rechnen, daß die Phosphorſäure des Tho⸗ masmehls nicht ſo ganz reſtlos ſchnell zur Wirkung kommt. Selbſt in dem feinſt gemahlenen Thomasmehl finden ſich gröbere Teile, die vielleicht erſt nach längeren Jahren ſich ſo weit zerſetzen, daß ſie ihre Phosphorſäure den Pflanzen bieten. Wenn alſo die Rechnung ergeben hat, daß die Wieſe jährlich etwa 52 kg Phosphorſäure in ihren Er⸗ trägen liefert, ſo wird man ihr, ſelbſt wenn ſie ſchon eine längere Reihe von Jahren hindurch ſtarke Thomasmehl⸗ düngungen erhalten hat und dadurch mit Phosphorſäure geſättigt worden iſt, etwas mehr Phosphorſäure geben als der Rechnung entſpricht. Man wird eine Düngung von mindeſtens 4 dz Thomasmehl mit einem Gehalt von 16% Phosphorſäure geben müſſen. Aber genügt dieſe Düngung in allen Fällen? Nein. Eine Wieſe, habe ich geſagt, ſoll man mit der angegebenen Phosphorſäuremenge düngen, ſelbſt wenn ſie durch wieder⸗ holte Thomasmehlgaben mit Phosphorſäure geſättigt iſt. Nun gibt es aber Wieſen, die noch nicht mit Phosphor⸗ ſäure geſättigt ſind, und dieſe bilden, ſoweit unſere Er⸗ fahrungen reichen, in vielen Gegenden die Regel. Alle Wieſen, die wir für unſere Verſuche herangezogen haben, ſind ungeſättigt geweſen, ſie alle haben nach einer Phos⸗ phorſäuredüngung Ertragsſteigerung erbracht. Ich ver⸗ 158 Welche Düngermengen ſi weiſe auf die Darlegungen in meiner Schrift, Heft 162 der Arbeiten der D. L. G. und auf die kleinere Schrift „Wieſendüngung“, Verlag von Paul Parey, Berlin. Man wird aus den dort angegebenen Zahlen erkennen, daß ohne Phosphorſäuredüngung faſt auf allen Wieſen ein phos⸗ phorſäurearmes Heu geerntet worden iſt und Thomasmehl⸗ düngungen erhebliche Ertragsſteigerungen erbracht haben. Man wird ferner erkenen, daß die von uns gegebenen ſtarken Thomasmehldüngungen, die hohe Gewinne erbracht haben, in der Regel noch nicht ſtark genug geweſen ſind, um die erzielbaren Höchſterträge und Höchſtgewinne zu erhalten. Nur ſelten iſt der Phosphorſäuregehalt auf 0,65%, alſo bis zu der Höhe geſtiegen, die als Grenze zu ſetzen iſt. Ein Heu mit 0,65% Phosphorſäure bei einem Feuchtigkeitsgehalt von 15% darf als geſättigt an⸗ geſehen werden. Fällt der Gehalt unter dieſe Grenze, ſo iſt die Möglichkeit da, daß ſtärkere Düngung noch größere Ertragsſteigerung und noch höheren Gewinn bringt, und je mehr der Phosphorſäuregehalt unter 0,65% ſinkt— er kann bis zu 0,2% herabgehen— um ſo mehr wird die Wahrſcheinlichkeit der Ertragsſteigerung durch ſtärkere Thomasmehldüngungen zur Gewißheit. Bei Beſprechung der Kalifrage habe ich darauf hingewieſen, daß die Er⸗ mittelung des prozentiſchen Kaligehaltes des von einer be⸗ ſtimmten Wieſe geernteten Heues einen wertvollen Anhalts⸗ punkt zur Beurteilung des Düngebedürfniſſes der Wieſe bietet. Man wird erkennen, daß das gleiche auch hier gilt. Ein phosphorſäurearmer Wieſenboden liefert phos⸗ phorſäurearmes Heu, ein phosphorſäurereicher oder mit viel Thomasmehl gedüngter ein phosphorſäurereiches. Findet man einen Phosphorſäuregehalt von etwa 0,4%, 0,3% oder gar noch weniger, ſo wird man wiſſen, welche Schlüſſe daraus zu ziehen ſind. 102 rif Nan hne hos⸗ ehl⸗ ben. rnen acht ſind, 2 zu auf enze bei an⸗ ſo ßere und — wird rkere hung Er⸗ e be⸗ jalts⸗ Wieſe hier pho⸗ mit iches. 4 ¹ velche Die Phosp rſäuredüngung der Wieſen. 159 Geſetzt nun, man habe eine Wieſe vor ſich, die ſo arm iſt, daß Phosphorſäuredüngung erhebliche Ertragsſteigerun⸗ gen bringt, mit wieviel Phosphorſäure iſt ſolche Wieſe zu düngen? Antwort: Mit erheblich mehr Phosphorſäure als der Rechnung nach nötig ſein würde. Und ſolche „Überſchußdüngung“ iſt ſo lange zu wiederholen, bis der Boden geſättigt iſt, d. h. bis das Heu einen Gehalt von 0,65% Phosphorſäure ſelbſt bei reichlicher Kalidüngung aufweiſt und der Heuertrag nicht ſinkt, wenn etwa mehrere Jahre hintereinander die Phosphorſäuredüngung unter⸗ laſſen wird. Einer phosphorſäurearmen Wieſe, die bei reichlicher Düngung etwa 80 dz Heu erbringen kann, muß man drei oder vier oder fünf Jahre lang 6 bis 8 bis 10 dz Thomasmehl geben, um Höchſterträge und Höchſt⸗ gewinne zu erzielen. Dann erſt darf man auf 6, 5, zuletzt vielleicht auf 4 dz Thomasmehl herabgehen. Läßt der Ertrag ſich auf 100 dz Heu ſteigern, ſo gibt man nach er⸗ folgter Sättigung des Bodens etwa 5—6 dz Thomasmehl. Iſt die Wieſe trocken oder kalt, läßt ſich der Ertrag auf nicht mehr als etwa 50 dz Heu bringen, ſo wird man ſich auf eine jährliche Gabe von etwa 3 dz Thomasmehl be⸗ ſchränken können.. Zu dieſen Angaben bleibt noch folgendes zu bemer⸗ ken. Es kommt vor, daß die Wieſen ſtarken Überſchwem⸗ mungen ausgeſetzt ſind, viel Waſſer durch ihren Boden in Abzuggräben, Drainröhren, Untergrundſchichten fließt. Iſt der Wieſenboden in ſolchem Fall ſandig und kalkarm, hat er alſo wenig Bindungsvermögen für Phosphorſäure, ſo werden Phosphorſäureverluſte eintreten können, die durch die löſende Kraft des Waſſers verurſacht werden. Solchen Verluſten hat man durch Verſtärkung der Thomas⸗ mehlgaben Rechnung zu tragen. Heuanalyſen werden in ſolchen Fällen wertvolle Anhaltspunkte bieten, um zu be⸗ 160 Welche Düngermengen ſind zu verwenden? urteilen, ob die verwendeten Phosphorſäuregaben reichen dder nicht. Andererſeits aber kann es auch vorkommen, daß durch das zufließende Waſſer zugleich Phosphorſäure zugeführt wird, vielleicht Schlammaſſen abgeſetzt werden, die reich an Phosphorſäure ſind. Iſt das der Fall, ſo kann 8 man die Düngung entſprechend beſchränken, während ſie wiederum geſteigert werden muß, wenn ſich viel Eiſenoxyd im Wieſenboden findet, das zur Bildung von ſchwer lös⸗ lichem Eiſenphosphat Anlaß gibt. Nicht ausgeſchloſſen ſind endlich die Fälle, in welchen ſo phosphorſäurereiche Böden vorliegen, daß ſchon ohne Verwendung von Thomasmehl ein Heu erhalten wird, das 0,65% Phosphorſäure enthält und Phosphorſäuredüngungen wirkungslos bleiben. Liegt 4 ſolcher Fall vor, ſo kann man die Thomasmehlgaben mäßigen, weniger erſetzen als man entzieht, alſo Raubbau treiben. Unerläßlich aber iſt in ſolchem Fall alle paar Jahre oder beſſer noch in jedem Jahre eine Heuanalyſe ausführen zu laſſen, um zu prüfen, ob und in welchem Maße der Phosphorſäuregehalt des Heus ſinkt und eine vermehrte Phosphorſäuredüngung notwendig erſcheint. Weinberge. Wie die Düngung der Wieſen, ſo iſt auch die Dün⸗ gung der Weinberge weſentlich einfacher als die der Acker. Die Pflanzenart wechſelt nicht. Das Düngebedürfnis iſt gleichbleibend, und es macht keine Schwierigkeit, die jähr⸗ liche Entnahme an Stickſtoff, Phosphorſäure und Kali feſt⸗ zuſtellen, um danach die aufzuwendenden Mengen von Duüngemitteln zu bemeſſen. Mit ſo einfachen Verhältniſſen zwar wie bei der Wieſendüngung haben wir es hier nicht zu tun, denn der jährliche Ertrag an Holz, Blättern und Trauben iſt nicht ſo leicht zu ermitteln, wie der an Wieſen⸗ heu, und der Wieſenertrag iſt auch bei weitem nicht ſo Weinberge. 161 großen Schwankungen unterworfen wie der Ertrag der Weinberge. Auch unter ſich ſind die Weinberge ja ſehr ver⸗ ſchieden. Die einen tragen viel, die anderen wenig Trauben; die einen liefern viel, die andern wenig Holz und Blätter, und dazu kommt, daß auch der Gehalt der Weinbergböden an Nährſtoffen ſehr ungleich iſt. Anderer⸗ ſeits aber kommt ein Umſtand in Betracht, der die Frage der Weinbergdüngung vereinfacht, der Umſtand nämlich, daß im Vergleich zum Werte des Produktes die Koſten der Düngung ſehr gering ſind, ſo daß die Vorteile, die man ſich durch knappe Zumeſſung der Nährſtoffe, durch etwaigen Raubbau an Kali oder Phosphorſäure machen könnte, nicht ins Gewicht fallen gegen den Nachteil, den man bei un⸗ zureichender Düngung durch Minderertrag an Trauben haben würde. Intenſive Ernährung des Weinſtocks um jeden Preis, ſelbſt auf die Gefahr hin, daß einmal etwas mehr Phosphorſäure oder Kali oder Stickſtoff angewendet werden ſollte, als unbedingt erforderlich iſt, das muß der erſte Grundſatz hier ſein, und wir wollen zunächſt fragen: 1. Reicht die mittlere Stallmiſtdüngung des Weinberges aus, um ſeinen Bedarf an Nährſtoffen zu decken? Die Stallmiſtdüngung, die man für Weinberge zu verwenden pflegt, iſt ſehr ſchwankend. Man düngt mit 300— 800 dz Stallmiſt auf einen Hektar und wiederholt dieſe Düngung alle 2—3—4 Jahre. Um eine beſtimmte Grundlage zu haben, will ich annehmen, es werde alle drei Jahre mit 500 dz Stallmiſt gedüngt. Das wird auch wohl der ungefähre Durchſchnitt ſein und daraus berechnen ſich für das Jahr 170 dz Miſt. Nun die Frage: Enthalten die 170 dz Stallmiſt ſo viel Nährſtoffe, wie 1 ha Wein⸗ bergboden verlangt? Wagner, Düngemittel. Siebente Auflage. 11 — ——õẽm—⸗—— miüſſen wir fragen: 162 3 Welce Düngermeng Nehmen wir den Gehalt! des Staliuriſtes; zu 0,5 70 Stickſtoff, 0,35% Phosphorſäure und 0,5% Kali an, ſo werden durch 170 dz Miſt jährlich 85 kg Stickſtoff, 60 kg Phosphorſäure und 85 kg Kali auf 1 ha Weinbergboden gebracht. Genügen dieſe Mengen⸗ Um dies zu prüjen, 1 2. Wieviel Nährſtoffe werden dem Weinherghhen durch den Ertrag an Trauben, Holz und Blättern entzogen? Nach Barths Ermittelungen im Elſaß werden dem Weinbergboden auf ein Hektar entzogen: a) Beim Quantitätsbau: Kali Stickſtoff Phosphorſäure durch 130 dz Trauben..... 54 48 20 „ 10„ Rebengipfel. 6 19 2 90„ Holz...... 15 12 4 40„ herbſtdürres Laub 51 63 22 zuſammen: 126 142 48 b) Beim Qualitä tsbau: Kali Stickſtoff Phosphorſäure durch 65 dz Trauben..... 29 11,0 „ 1„ Rebengipfel.... 4 1,5 „ Holz. 11 3,0 3 4 erbſtdürres Laub. 38 16,5 zuſammen: 82 32,0 Im Mittel unſerer zahlreichen Verſuche, die aus 3⸗, 4⸗ und 7 jährigen Reihen mit Riesling⸗Reben und aus 3⸗, 5⸗ und 10 jährigen Reihen mit Portugieſer, Gutedel⸗, Oſterreicher und Trollinger⸗Reben beſtehen und deren Er⸗ gebniſſe ich ausführlich in Heft 124 der Arbeiten der D. L. G. beſchrieben habe, berechnet ſich, daß der Bedarf der auf 1 ha Weinbergfläche wachſenden Reben folgen⸗ der iſt: äure czure Weinberge. 163 Kali Stickſtoff Phosphorſäure 0 für die Erzeugung von Trauben 75 45 2 7 77 834 Holz.* 30 26 10 „Blättern. 45 49 15 zuſammen: 150 120 45 Darf man dieſe Mengen als den unter allen Um⸗ ſtänden erforderlichen Bedarf annehmen? Wir haben bei unſern Verſuchen, auf ein Hektar berechnet, durchſchnittlich geerntet: 270 dz Trauben, 32„Holz(Trockenſubſtanz), 30„ Blätter„ 270 dz Trauben vom Hektar iſt ein ſo hoher Ertrag, wie er bei Gefäßkulturen als Regel, auf Weinbergen aber nur in Ausnahmefällen erzielbar iſt. Daß wir ſo hohen Ertrag bei unſern Gefäßkulturen erhalten haben, iſt nicht befremdlich, denn jeder Stock war die Vermehrung von ein und derſelben reichtragenden Mutterpflanze und es fehlte ihm weder an Licht, noch an Nährſtoffen, noch an Feuchtig⸗ keit. Aus dem geſchloſſenen Beſtand eines Weinbergbodens aber wird man nur in Ausnahmefällen einen gleich hohen Ertrag erhalten. Guſtav Fröhlich in Edenkoben, der unfruchtbare oder wenig tragende Stöcke bei der Auswahl von Setzholz auf das peinlichſte vermied und ſeine Weinberge ſehr in⸗ tenſiv kultivierte, hat mir berichtet, daß er im günſtigſten Fall bis zu 300 dz Trauben vom Hektar erzielt habe. Aber das iſt ein ſeltener Ausnahmefall. Bei Verſuchen, die wir auf einem noch jungen Weinberg zu Dittelsheim in Rheinheſſen ausgeführt haben, ſind im Jahre 1903 bis zu 137 dz Trauben vom Hektar erhalten worden, wäh⸗ rend ein älterer Weinberg derſelben Gemarkung nur 51 dz Trauben als Höchſtertrag gebracht hat. Auch bei Verſuchen, 11* 164 Welche Düngermengen ſind zu verwenden? die wir auf Weinbergen zu Schloß Reinhartshauſen bei Erbach im Rheingau ausgeführt haben, wurden auf dem einen Weinberg nur 67 dz, auf dem anderen nur 58 d, auf dem dritten nur 50 dz Trauben als Höchſtertrag er⸗ halten, und man darf annehmen, daß ein Traubenertrag von 80 dz vom Hektar ſchon als ſehr gut, ein Ertrag von 40 dz als Mittel, in manchen Qualitätslagen ſchon ein Ertrag von 30 dz als Mittel gelten kann. Der von uns feſtgeſtellte Nährſtoffbedarf eines Hektar Weinbergboden, der ſich auf den Ausnahmeertrag von 270 dz Trauben bezieht, müßte alſo etwas reduziert werden. Nimmt man 150 dz Trauben als erzielbaren Höchſt⸗ ertrag für die Praxis an, ſo vermindert ſich der auf die Trauben entfallende Nährſtoffbedarf um 42 kg Kali, 25 kg Stickſtoff und 10 kg Phosphorſäure. Ein Ertrag von 150 dz Trauben, 32 dz Holz und 29 dz Blättern würde alſo 109 kg Kali, 100 kg Stickſtoff, 32 kg Phos⸗ phorſäure erfordern. 4 1 Aber noch eins iſt zu berückſichtigen. Ein weſentlicher Anteil der Nährſtoffe entfällt auf das Reblaub, und das Reblaub bleibt auf dem Boden liegen. Nur ein geringer Teil wird in Form von Rebgipfeln entfernt. Die im abfallenden Laub enthaltenen Nährſtoffe verbleiben alſo zum großen Teil dem Weinbergboden, und wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir etwa ⅛ der im Reblaub enthaltenen Nährſtoffe vom Nährſtoffentzug bzw. vom Nährſtoffbedarf eines Weinberges in Abzug bringen. Tun wir dies, ſo bleiben von dem oben auf 109 kg Kali, 100 kg Stickſtoff und 32 kg Phosphorſäure berechneten Bedarf 95 kg Kali, 84 kg Stickſtoff, 28 kg Phosphorſäure, und wir kommen zu dem Ergebnis, daß bei einem Höchſtertrag von 150 dz Trauben dem Weinberg auf ein Hektar rund Weinbere 165 100 kg Kali, 80„ Stickſtoff und 30„ Phosphorſäure entzogen werden. Im Vergleich zu den Nährſtoſfmengen, die durch Ackergewächſe dem Boden entzogen werden, iſt dieſer Be⸗ darf nicht hoch. Nehmen wir einen 4 jährigen Umlauf, der aus 2 Halmfrüchten und 2 Hackfrüchten, etwa Zucker⸗ rüben und Kartoffeln, beſteht, an und rechnen wir, daß etwa 36 dz Körner, 250 dz Kartoffeln und 350 dz Zucker⸗ rüben geerntet werden, ſo ſind zur Erzeugung dieſer vier Früchte, auf das Jahr gerechnet, 120 kg Kali, 100„ Stickſtoff und 40„ Phosphorſäure erforderlich, alſo etwas mehr, als der Weinbergboden be⸗ darf. Aber der Weinberg wird in der Regel ſtärker als der Acker gedüngt. Mit einer Gabe aus 500 dz Stallmiſt auf 1 ha Weinbergboden für drei Jahre pflegt man ſich in der Regel nicht zu begnügen, und es iſt üblich, dieſer Düngung jährlich noch etwa 80 kg Kali, 50 kg Stickſtoff und 50 kg Phosphorſäure beizufügen. Durch dieſe Dün⸗ gung, einſchließlich der üblichen Stallmiſtdüngung, erhält der Weinberg auf ein Hektar und ein Jahr berechnet: 160 kg Kali, 130„ Stickſtoff und 110„ Phosphorſäure. Es entſteht ſomit die Frage: Wird es dem Wein⸗ ſtock etwa beſonders ſchwer, aus Boden und Düngung Nährſtoffe aufzunehmen? Dieſe Frage wird man mit nein beantworten müſſen. Man kann wohl nicht annehmen, daß es dem Weinſtock ſchwerer als den Ackerpflanzen iſt, 166 Welche düngermengen ſind zu verwenden? aus Boden und Düngung Nä rſtoffe zu ſammeln, und daß 3 er aus ſolchem Grund einer ſtärkeren Düngung als die Ackerpflanzen bedürfte. Bei der Anlage von Weinbergen wird der Boden tief rigolt, die Wurzeln des Weinſtocks gehen tief in den Boden und verbreiten ſich weit. Auch die Bearbeitung des Bodens iſt ſo tiefgreifend, daß die Bedingungen für die Zerſetzung des Stallmiſtes, für die Wiederauflöſung abſorbierter Nährſtoffe, für die Salpeter⸗ bildung, die Kohlenſäureentwickelung, die Bakterientätig⸗ keit uſw. im Weinbergboden als günſtig erachtet werden üſſen. Es iſt nicht anzunehmen, daß bei dem großen Bodenvolumen, das dem Weinſtock zur Verfügung ſteht und von ihm durchwurzelt wird, ein ausnehmend großer Überſchuß an Nährſtoffen erforderlich iſt, um den Wein⸗ ſtock in jedem Stadium ſeiner Entwicklung ausreichend zu ſättigen. Es iſt dies um ſo weniger anzunehmen, als die Erfahrung lehrt, daß die Rebe ſelbſt auf rohem, ſteinigem Boden ſich meiſt ſehr üppig entwickelt und Weinberge vor⸗ kommen, die ſelbſt bei jahrzehntelanger verhältnismäßig geringer Nährſtoffzufuhr reiche Erträge bringen, reichere, als unter gleichen Verhältniſſen Feldgewächſe ſie erbracht haben würden. Bedenkt man dies, ſo wird es nicht be⸗ fremdlich ſein, daß Weinberge, denen man jahrzehntelang die oben angegebene, in der Praxis vielfach übliche reiche Düngung gegeben hat, ſich bei vergleichenden Düngungs⸗ verſuchen ſo reich an Nährſtoffen erwieſen haben, daß auf ungedüngt bleibenden Parzellen nicht ſogleich Minder⸗ erträge erhalten wurden. Es iſt nicht der Beweis geliefert worden, daß der Weinbergboden durchſchnittlich ſtärker als der Ackerboden gedüngt werden muß, und wir wollen die eingangs geſtellte Frage, welche lautet:„Reicht die mitt⸗ lere Stallmiſtdüngung des Weinberges aus, um ſeinen Nährſtoffbedarf zu decken?“ nun weiter prüfen. d daß 8 die ergen ſtock Auch 3 die r die veeter⸗ tätig⸗ erden oßen ſteht oßer gein⸗ d zu FWeinberge. 167 Wir haben als mittlere, in der Praxis übliche Dün⸗ gung 500 dz Stallmiſt für drei Jahre, alſo 170 dz auf ein Hektar und ein Jahr angenommen und als jährlichen Nährſtoffbedarf des Weinberges 100 kg Kali, 80 kg Stick⸗ ſtoff und 30 kg Phosphorſäure. Hierbei iſt ein Ertrag von 150 dz Trauben vorausgeſetzt. Dieſer Ertrag aber. wird, wie oben bereits hervorgehoben, nur ſelten erreicht. Wir haben bei unſern Verſuchen nur einen einzigen Wein⸗ berg gefunden, auf welchem der Ertrag bis zu 130 dz Trauben geſteigert werden konnte. In anderen Lagen wurden ſelbſt bei reichlichſter Düngung nicht mehr als 60 dz Trauben erzielt. Soll man nun unter Verhältniſſen, unter welchen der Höchſtertrag etwa 60 dz Trauben be⸗ trägt, entſprechend weniger düngen? Nein, und zwar aus folgendem Grunde nicht. Wenn 1 ha Weinberg mit etwa 10 000 Stöcken be⸗ ſtanden iſt und er 60 dz Trauben liefert, ſo entfällt der Rechnung nach auf jeden Stock ein Ertrag von 0,6 kg Trauben. In Wirklichkeit aber trägt nicht jeder Stock 0,6 kg Trauben. Man findet auf ſolchem Weinberge teils Stöcke, die gar nichts tragen, teils ſolche, die weniger oder auch etwas mehr als 0,6 kg Trauben liefern, teils ſolche, die erheblich mehr tragen als dem Durchſchnitt entſpricht, Stöcke, die 2, auch 3 kg Trauben liefern. Nun aber kommt es dar⸗ auf an, daß gerade dieſe ihrer Eigenart nach reichtragen⸗ den Stöcke genügend Nahrung finden. Die Düngung des Weinberges muß nicht den wenig tragenden, ſondern den viel tragenden Einzelſtöcken angepaßt ſein, damit dieſe nicht Hunger leiden. Wenn dieſe Stöcke alſo 1,5— 2 kg (entſprechend 150— 200 dz auf 1 ha) Trauben liefern, ſo wäre es verkehrt, wenn man ſo düngen wollte, daß ſie nur 0,6 kg Trauben erzeugen können. Die Weinberg⸗ düngung iſt aus dieſem Grunde reichlicher zu bemeſſen, 168 Weiche Düngermengen find; zu verwenden? als dem Nährſtoffbedarf des zu erwartenden Geſamt⸗ ertrages entſpricht. Dieſe Forderung iſt zu beachten, denn ſie bildet eine Ausnahme von der Regel. Sie gilt nur füüur den Weinberg und nicht für den Acker. Auf dem Acker zeigen die einzelnen Pflanzen auch bei weitem nicht die großen Ertragsunterſchiede wie auf dem Weinberg. Halten wir alſo einen Bedarf von 100 kg Kali, 80 kg Stickſtoff und 30 kg Phosphorſäure auch für die geringer tragendon Weinberge feſt und überlegen wir weiter. Man gibt, wie wir angenommen haben, dem Wein⸗ berg 500 d Stallmiſt für drei Jahre, für das Jahr alſo 170 dz. In dieſer Düngung ſind 85 kg Kali, 60 kg Phosphorſäure und 85 kg Stickſtoff enthalten. Wir wollen überlegen, ob dieſe Mengen genügen. Zunächſt: 3. Die Kalifrage. Der Weinberg bedarf 100 kg Kali, aber nur 85 kg werden ihm durch 170 dz Stallmiſt geliefert. Iſt der Miſt kaliarm, ſo erhält er noch weniger, vielleicht nur 80 oder 75 kg Kali. Erwägt man überdies, daß vom Kali⸗ vorrat des Bodens jährlich um ſo viel verloren geht, wie das durch den Boden ſickern de und abfließende Waſſer Kali aufgelöſt enthält, ſo darf man annehmen, daß eine jährliche Düngung von 1.u dz 40% igem Kaliſalz ſich empfiehlt, falls der Boden nicht ausnehmend großen Kali⸗ vorrat beſitzt. 4. Die Phosphorſäurefrage. Der Weinberg bedarf jährlich 30 kg Phosphorſäure. Durch 170 dz Stallmiſt werden ihm 60 kg, alſo doppelt ſo viel als er bedarf, zugeführt und da die Phosphorſäure des Stallmiſtes von der Pflanze auch leicht aufgenommen Weinberge. 169 wird, ſo darf man annehmen, daß eine für drei Jahre gegebene Düngung von 500 dz Stallmiſt den Phosphor⸗ ſäurebedarf des Weinbergs in der Regel deckt. 5. Die Stickſtoffrage. Der Weinberg bedarf 80 kg Stickſtoff. In 170 dz Stallmiſt ſind, wenn der Gehalt des Stallmiſtes normal iſt, 85 kg Stickſtoff enthalten. Der Stickſtoffbedarf des Weinberges würde alſo durch dieſe Stallmiſtdüngung ge⸗ deckt ſein, wenigſtens der Rechnung nach. Aber auch in Wirklichkeit? Nein. Wenigſtens nicht in allen Fällen. Der Stickſtoff des Stallmiſtes iſt den Pflanzen ſchwer zu⸗ gänglich und ein großer Teil des Stallmiſtſtickſtoffs geht unter Umſtänden dem Boden verloren. Schon beim Streuen und Breiten des Stallmiſtes verdunſtet Ammo⸗ niak, und derjenige Teil des Stallmiſtſtickſtoffs, der wäh⸗ rend der Herbſtmonate ſich in Salpeterſäure verwandelt und dadurch frei beweglich im Boden wird, folgt dem Waſſer, das im Herbſt, im Winter und im zeitigen Früh⸗ jahr durch den Boden ſickert und ſich dem Grund⸗ oder Quellwaſſer beimengt; er geht damit dem Rebſtock ver⸗ loren. Dieſe Verluſte ſind um ſo größer, je abſchüſſiger der Weinberg liegt, je durchläſſiger und je quelliger der Boden iſt. Für Niederungslagen mögen die jährlich ein⸗ gebrachten 80 kg Stallmiſtſtickſtoff mitunter ausreichen. Bei Berglagen reichen ſie in der Regel nicht. Salpeter⸗ ſtickſtoff oder Ammoniakſtickſtoff muß hier zugegeben wer⸗ den, wenn Höchſterträge erzielt werden ſollen und wenn man den Weinſtock lange Zeit ertragreich erhalten will. So hat die praktiſche Erfahrung es ergeben und ſo haben Düngungsverſuche es beſtätigt. Faſt überall, wo Handels⸗ dünger von Wirkung geweſen ſind, da ſind es in erſter Linie Stickſtoffdüngungen geweſen, die den Traubenertrag vermehrt haben, ſeltener— falls die angegehene Stallmi düngung verwendet war— Kali⸗ uder⸗ Phosphorſäure düngung. Soweit praktiſche Erfahrung und wiſſenſ chaftliche Er⸗ kenntnis bis heute reichen, iſt es notwendig, dem Wein⸗ berg, der auf ein Jahr und ein Hektar berechnet 170 dz Stallmiſt erhält, noch eine Düngung von 2—4, in be⸗ ſonderen Fällen bis zu 6 dz Natronſalpeter oder Ammo⸗ niakſalz zu geben. Gibt man weniger Stallmiſt oder ver⸗ wendet man gar keinen Stallmiſt, ſo hat man nach Maß⸗ gabe des oben angegebenen Phosphorſäure⸗ und Kali⸗ bedarfs die entſprechende Menge Kaliſalz(keinen Kainit, ſondern 40% iges Kaliſalz) und Thomasmehl oder Super⸗ phosphat zu verwenden, und man hat die Salpeter⸗ oder Ammoniakſalzdüngung auf reichtragenden Weinbergen oft bis zu 8 dz auf ein Hektar zu ſteigern, um Höchſterträge zu erzielen. Beiſpiele aus der Praxis ſind bekannt, in welchen man bei Ausſchluß von Stallmiſtdüngung ſogar bis zu 10 dz Natronſalpeter oder ſchwefelſaures Ammo⸗ niak verwendet hat. Ob es lohnend iſt, unter Umſtänden noch mehr Stall⸗ miſt als 500 dz für drei Jahre zu geben, die Düngung ſelbſt bis zu 400 dz auf ein Jahr zu ſteigern, wie es tat⸗ ſächlich in einzelnen Fällen in der Pfalz geſchieht, kann ich heute noch nicht ſagen. Der große Überſchuß an Nähr⸗ ſtoffen, den man durch ſo ſtarke Stallmiſtdüngung gibt, kann noch kein Beweis dafür ſein, daß ſie unrationell iſt, da das wirkſame Agens der Stallmiſtdüngung nicht aus⸗ ſchließlich im Nährſtoffgehalt beſteht. Ich hebe hervor, daß wir bei unſeren Verſuchen eine Wirkung der Stallmiſtdün⸗ gung auf den Weinſtock erzielt haben, wie ſie bei Feld⸗ gewächſen unter keinen Umſtänden erreichbar geweſen iſt. Der Höchſtertrag an Trauben konnte nicht erzielt werden, G Weinberge. 171 1 wenn der Stickſtoff ausſchließlich in Form von Natron⸗ ſalpeter oder Ammoniakſalz gegeben wurde. Beidüngung von Stallmiſt hat ſich als unentbehrlich erwieſen. Die Erfahrung der Weinbaupraxis geht ja auch allgemein da⸗ hin, daß der Stallmiſt auf Weinbergen, ganz beſonders für Neuanlagen, nicht entbehrt werden kann. Der hier und da gegebene Rat, an Stelle des oft ſehr teuer kommenden und mühſam anzuwendenden Stallmiſtes ausſchließlich die billigeren Handelsdünger zu verwenden, hat wenig Gehör bei den Weinbauern gefunden, und auf Grund unſerer Ar⸗ beiten muß ich ſagen, daß die Weinbaupraxis ſehr wahr⸗ ſcheinlich recht hat, wenn ſie dem Stallmiſt einen ganz be⸗ ſonderen Wert für die Düngung der Weinberge zuerkennt. Es ſcheint nicht unmöglich zu ſein, daß die ausnehmend ſtarke Stallmiſtdüngung, die man dem Weinberg oft gibt und die dem Weinſtock viel mehr Kali und Phosphorſäure zuführt, als er verarbeiten kann, trotz dieſes Umſtandes noch nicht als unrationell angeſehen werden darf. Es ſcheint die Möglichkeit vorzuliegen, daß man durch Stall⸗ miſt Agentien in den Boden bringt, die für die Entwicke⸗ lung des Weinſtockes von ganz beſonderer Bedeutung ſind. Weiteres über dieſe Frage bleibt der Forſchung vor⸗ behalten. Aufſtellung eines Düngungsplans für eeine vollſtändige Rotation. Ddie Düngung der Wieſen und Weinberge bietet, wie wir geſehen haben, geringere Schwierigkeit als die Dün⸗ gung des Ackers. Der Acker wird jährlich mit einer neuen Pflanze beſtellt, und bei der Düngung dieſer Pflanze ſoll nicht nur ihr beſonderes Bedürfnis, ſondern auch der Nähr⸗ ſtoffgehalt des Bodens, die Düngung, welche die Vorfrucht erhalten hat, der Einfluß, den die Vorfrucht auf den Dün⸗ gungszuſtand des Bodens geübt hat, die Nachwirkung der im überſchuß gegebenen Düngungen und endlich das Düngebedürfnis der Nachfrucht berückſichtigt werden. Das alles macht die Sache verwickelt und ſchwierig, und mit ſolcher Schwierigkeit ſteht auch die Tatſache in Einklang, daß in keiner, auch nicht in der beſtgeleiteten Gutswirtſchaft der ſichere Nachweis erbracht worden iſt, daß die dort be⸗ folgte Düngung einem vollkommen begründeten und auf ſeine Richtigkeit geprüften Plan entſpricht. In Beſchreibungen von Gutswirtſchaften finden ſich zwar Angaben über die verwendeten Düngemittel, auch wohl über die durch Verbeſſerung der Kultur und durch intenſivere Ernährung der Pflanzen von Jahr zu Jahr erzielte Steigerung der Erträge, allein die Unterlagen für die befolgte Düngungsweiſe, ſowie Mitteilungen über eine etwaige Prüfung des Düngungsplanes und eine Kritik desſelben findet man nicht. In einer mir vorliegenden 8 Aufſtellung eines Düngungsplans f. eine vollſtänd. Rotation. 173 Abhandlung iſt beiſpielsweiſe angegeben, daß die Zucker⸗ rüben in der einen Periode von Jahren 80— 120 kg, in der andern 50— 70 kg und in der dritten 80— 90 kg Phosphorſäure jährlich erhalten haben. Welche Umſtände und Erfahrungen aber beſtimmend geweſen ſind, dieſe Men⸗ gen zu wählen bzw. die Stärke der Gaben zu wechſeln, iſt nicht mitgeteilt, und man erhält den Eindruck, daß in dieſer Richtung eine gewiſſe Unſicherheit geherrſcht hat. Man iſt ſich nicht klar geweſen, welche Gaben von Phos⸗ ne phorſäure und Kali verwendet werden mußten, und man 1. hat ſich keine beſtimmte Rechenſchaft darüber geben können, en ob die Mengen, für die man ſich entſchieden hatte, die 1 richtigſten waren. Man hat überhaupt nicht nach einem 4 beſtimmten und wohlbegründeten Plan gehandelt; all⸗ üt gemeine Annahmen ſind maßgebend geweſen; nach dem 4 Beiſpiel anderer oder nach den Ratſchlägen von„Autori⸗ täten“ hat man ſich gerichtet; man hat zur Beruhigung 8 meiſt etwas mehr Phosphorſäure gegeben, als wohl un⸗ 3 bedingt nötig war, mit Kali hier und da es probiert, und t man hat mehr nach Gutdünken gehandelt, als nach be⸗ ¹ ſtimmten und kontrollierbaren Berechnungen. t Aber darf man dem Praktiker einen Vorwurf daraus machen? Gewiß nicht. Er konnte nicht anders. Die f Wiſſenſchaft hat ihm keine Grundlage geboten, die ſicher genug war, um planvoller zu handeln. Fragen, die das Düngebedürfnis des Bodens im beſtimmten Fall, oder die h das beſondere Düngebedürfnis der verſchiedenen Kultur⸗ pflanzen, die Nachwirkung im überſchuß gegebener Dün⸗ r gungen, die Höhe des erforderlichen Erſatzes im Vergleich zur entzogenen Menge, die Wirkungsunterſchiede unter den mancherlei Formen der Nährſtoffe, die Wirkung der Neben⸗ beſtandteile der Handelsdünger, die Ausnutzung der Stick⸗ ſtoffſalze uſw. betreffen, ſind noch nicht gründlich genug be⸗ 174 Aufſtellung eines Di igu. igsblan⸗. ein arbeitet geweſen, um eine klare und vollkommen befrie digende Auskunft über ſie geben zu können. Aber es iſt an der Zeit, den inzwiſchen gemachten Fortſchritten in der Düngungslehre mehr Rechnung zu tragen. Die prak⸗ tiſch wichtigſten Düngungsfragen ſind ſoweit geklärt, daß es möglich ſein wird, die Düngung der Felder ſowohl, als auch die Verſuche, welche die verwendete Düngung auf ihre Richtigkeit prüfen ſollen, planvoller zu geſtalten. Ich will verſuchen, hierin behilflich zu ſein, und ſtelle vor allem den Grundſatz auf, daß bei der Frage, wie ein beſtimmter Acker gedüngt werden ſoll, nicht die ein⸗ zelne Kulturpflanze nur, ſondern zugleich die geſamte Rotation ins Auge gefaßt werden muß. Es iſt unrichtig, wenn man fragt, wie die Gerſte, der Hafer, der Weizen, die Rübe uſw. zu düngen iſt. Man muß vielmehr fragen; wie ſind die auf die Stallmiſtdün⸗ gung folgenden Früchte zu düngen, die bis zur neuen Stall⸗ miſtdüngung gebaut werden ſollen. Es muß die geſamte Rotation berückſichtigt werden. Als Beiſpiel ſei die Verſuchsreihe 801 aus meiner Schrift„Die Wirkung von Stallmiſt und Handelsdüngern“ Heft 279 der Arbeiten der D. L. G. hier angeführt, die durch drei Rotationen von je vierjähriger Dauer auf einem Lehmboden in Ernſthofen im Odenwald von uns aus⸗ geführt wurde. Der Boden enthielt 0,092% in Salz⸗ ſäure lösliche und 0,162% Geſamtphosphorſäure, ferner 0,168% in Salzſäure lösliches und 2,250% Geſamt⸗ kali. Die vier Früchte der 1. Rotation hatten im Mittel der Jahre, auf ein Jahr und ein Hektar berechnet, erhalten: Phosphorſäure Kali Stickſtoff kg kg kg in Form von Stallmiſt 24,2 57,3 347,5 „„„ Handelsdüngern 96 87 44 Aufſtell g eine Düngungsplans f. eine vollſtänd. Rotation. 175 V Dabei wurden folgende Erträge erzielt: 45 meit Mit Stallmiſt u. . Ungedüngt Stallmiſt Handelsdüngern al gedüngt gedüngt d15 ſda de dz hl 1902 Futterrüben... 201 409 610 ruf 1903 Winterweizenkörner 14,9 19,8 26,4 1904 Gerſtekörner... 8,0 10,1 27,3 lle 1906 Rotkleehenu... 71,9 94,7 113,7 ne Aus dieſen Zahlen erſieht man, daß der Boden ſehr N. arm an Nährſtoffen geweſen iſt, und daß die Stallmiſt⸗ te düngung(400 dz bei Beginn der Rotation) ſehr erhebliche Mehrerträge erzeugt hat. Aber ſie hat bei weitem nicht 6, gereicht, um Höchſterträge zu erzeugen. Durch Zugabe von n Handelsdüngern wurden die Erträge ſehr bedeutend ge⸗ ſteigert. Die Verſuche wurden für eine zweite Rotation fortgeſetzt und die Stallmiſtgabe wurde bei dieſer ver⸗ e doppelt, um zu prüfen, ob die doppelte Düngung aus⸗ reichen werde, Höchſterträge zu erzielen. Die vier Früchte J der zweiten Rotation hatten im Mittel der Jahre erhalten: 1 Phosphorſäure Kali Stickſtoff e kg kg kg in Form von Stallmiſt... 39,0 95,0 74,2 „„„ Handelsdüngern 104,0 69,0 62,0 Dabei wurden folgende Erträge erzielt: Mit Mit Stallmiſt u. Ungedüngt Stallmiſt Handelsdüngerr gedüngt gedüngt dz dz dz 1906 Futterrüben... 150 552 960 1907 Winterweizenkörner 27,2 34,6 58,2 1908 Haferkörner. 19,3 24,3 33,4 1909 Winterroggenkörner 16,8 23,8 39,1 176 Aufſtellung eines Düngungsplans f. eine vollſtänd. Rotation. Die doppelte Stallmiſtdüngung hatte alſo den Ertrag erheblich mehr geſteigert als die für die erſte Rotation ver⸗ wendete einfache Gabe. Für die Erzielung von Höchſt⸗ erträgen aber hatte auch die Düngung von 800 dz Stall⸗ miſt nicht gereicht. Zugabe von Handelsdüngern konnte die Erträge in jedem der Verſuchsjahre ſehr erheblich ſteigern und ſie zu ungewöhnlicher Höhe bringen. Der Verſuch wurde für eine dritte Rotation fort⸗ geſetzt und auch für dieſe wurde die doppelte Stallmiſtgabe verwendet, um zu prüfen, ob die während der erſten acht Verſuchsjahre erfolgte Anreicherung des Bodens mit Stall⸗ miſt jetzt ausreichen werde, um im Verein mit neu ge⸗ gebener doppelter Stallmiſtmenge(800 dz) die erzielbaren Höchſterträge zu erzeugen. Die vier Früchte der dritten Rotation hatten im Mittel der Jahre erhalten: Phosphorſäure Kali Stickſtoff kg kg kg in Form von Stallmiſt. 55,8 111,6 84,6 „„„ Handelsdüngern 104,0 66,2 62,0 Dabei wurden folgende Erträge erzielt: Mit Mit Stallmiſt u. Ungedüngt Stallmiſt Handelsdüngern gedüngt gedüngt dz dz dz 1910 Futterrüben. 236 448 755 1911 Winterweizenkörner 15,3 24,0 49,0 1912 Haferkörner... 12,5 17,6 28,4 1913 Winterroggenkörner 16,2 2014 26,8 Wir ſehen, daß auch hier wieder die doppelte Stall⸗ miſtgabe erhebliche Mehrerträge erbracht, aber doch nicht ausgereicht hat, Höchſterträge erzielen zu laſſen. Durch Zugabe von Handelsdüngern konnten die Erträge in jedem der Verſuchsjahre noch ſehr erheblich geſteigert werden. Aufſtellung eines Düngungsplans f. eine vollſtänd. Rotation. 177 Wir müſſen nun fragen, ob die Düngemittel in rich⸗ tiger Gabe verwendet worden ſind. Es könnte ja die Möglichkeit vorliegen, daß durch noch ſtärkere Düngung eine weitere Ertragsſteigerung zu erzielen war, oder andererſeits, daß von dem einen oder dem anderen Nährſtoff mehr verwendet wurde als notwendig war, um den erzielten Ertrag zu erzeugen. Auf die erſte Frage gibt uns die Höhe der erzielten Erträge Antwort. Die Erträge an Futterrüben haben bei der zweiten und dritten Rotation 960 und 755 dz betragen und die Erträge an Getreide⸗ körnern ſind im Mittel der zweiten und dritten Rotation auf 39 dz geſtiegen. Man wird annehmen dürfen, daß damit die höchſtmögliche Leiſtung der Verwendung von Handelsdüngern erzielt worden iſt. Wir hätten ſomit nur die zweite Frage zu prüfen, die Frage, ob von den ver⸗ ſchiedenen Düngemitteln tatſächlich ſo viel verwendet werden mußte als wir verwendet haben, um den erzielten Ertrag zu erzeugen, oder ob man an Phosphorſäure oder Kali oder Stickſtoff hätte ſparen können. Um über dieſe Frage Aufſchluß zu erhalten, haben wir neben dem Verſuch, bei dem eine Volldüngung von Phos⸗ phorſäure, Kali und Stickſtoff gegeben wurde, auch Verſuche ausgeführt, bei welchen an der Volldüngung die Phosphor⸗ ſäure, das Kali oder der Stickſtoff fehlte. Dieſe Verſuche aben folgendes erbracht:. h f g ach Bei Verwendung von Voll⸗ düngung Voll⸗ Voll⸗ diolleng Ferichor. ahant Düntng inngung Fhorphr nt hrof 1. Rotation: dz dz dz dz 1902 Futterrüben. 610 475 542 461 1903 Winterweizenkörner 26,4 21,5 26,2 17,7 1904 Gerſtekörner 27,3 21,8 24,4 18,4 1905 Rotkleeheun 113,7 69,4 81,1 95,8 Wagner, Düngemittel. Siebente Auflage. 12 178 Aufſtellung eines Düngungsplans f. ei “ düngung Voll⸗ Voll⸗ Voll⸗ ohne dungung düngung düngung Phosphor⸗ ohne ohne ſäure Kali Stickſtoff 2. Rotation; d d d⸗ de 1906 Futterrüben 960 732 838 726 1907 Winterweizenkörner 58,2 45,1 55,0 43,0 1908 Haferkörner. 33,4 34,6 36,1 24,9 1909 Winterroggenkörner 39,1 30,6 37,8 5 3. Rotation: 1910 Futterrüben. 755 693 696 586 1911 Winterweizenkörner 49,0 37,4 38,0 26,2 1912 Haferkörner 28,4 26,6 28,0 18,2 1913 Winterroggenkörner 26,8 24,6 28,1 21,2 Berechnet man das Mittel der Rotationen, ſo hat die Volldüngung im Vergleich zu ausſchließlicher Stallmiſt⸗ düngung einen Mehrertrag von 305 dz Futterrüben, 14,3„ Getreidekörner, 19,0„Kleeheu erbracht. Fehlte an der Volldüngung die Phospborſüure, ſo ſank der Ertrag an Futterrüben um 142 dz „ Getreidekörnern„ 5,8„ Kleeheu„ 44,3„ 7 7 Fehlte an der Volldüngung das Kali, ſo ſank der Ertrag an Futterrüben um 83 dz „ Getreidekörnern„ 1,9„ f7 32,6 77* 3 Aufſtellun in Düngungeplans f eine e vollſtänd. Rotation. 179 Fekhlte an der Volldüngung der Stickſtoff, ſo Ertrag ſank der bef an Futterrüben um 184 d d„ Getreidekörnern„ 11,3„ 66„Kleeheu„ 17,9„ 3o Aus dieſen Zahlen erſieht man, daß der Boden für alle drei Nährſtoffe düngebedürftig war. Weder Phosphor⸗ 5 ſäure, noch Kali, noch Stickſtoff durfte an der Düngung fehlen, am wenigſten der Stickſtoff. Aber das genügt noch nicht. Wir müſſen prüfen, in welchem Maße die von uns verwendeten Nährſtoffmengen ausgenutzt worden ſind. 2 Auch hierüber geben die Verſuche Auskunft. Wir haben 2 die gewonnenen Ernteſubſtanzen auf ihren Gehalt an 2 Phosphorſäure, Kali und Stickſtoff unterſucht und auf Grund der dabei gewonnenen Ergebniſſe laſſen ſich folgende Angaben machen. Die Ausnutzung der Phosphorſäuredüngung. Durch Thomasmehldüngung ſind dem Boden im Mittel der drei Rotationen jährlich 101 kg Phosphorſäure zugeführt worden und dieſe Düngung hat eine Mehrauf⸗ nahme von 14,7 kg Phosphorſäure bewirkt. Daraus be⸗ 4 rechnet ſich eine 15% ige Ausnutzung der Phosphorſäure⸗ „ düngung. Dieſe iſt als normal anzuſehen. Alſo die von uns verwendeten Phosphorſäuregaben ſind nicht zu hoch geweſen. Man hat, um eine Mehraufnahme von 15 kg Phosphorſäure zu bewirken, die ſechs⸗ bis ſiebenfache Menge Thomasmehlphosphorſäure in den Boden zu bringen. Die 85 kg im Überſchuß gegebener Phosphor⸗ ſäure dienen zur Bereicherung des Bodens mit dieſem Nährſtoff, der nach zehn⸗ oder fünfzehn⸗ oder zwanzig⸗ jähriger Wiederholung von gleich ſtarker Düngung ſich ſo⸗ weit im Boden angeſammelt haben wird, daß die Gaben 12* 180 Aufſtellung eines Düngungsplans j eine vollſtänd. Rotatior erheblich vermindert, vielleicht auf die Hälfte ermäßigt werden können. Die Ausnutzung der Kalidüngung. Durch Staßfurter Kaliſalz ſind dem Boden im Mittel der drei Rotationen jährlich 74 kg Kali zugeführt worden und dieſe Düngung hat eine Mehraufnahme von 35,5 kg Kali bewirkt. Das iſt eine Ausnutzung der Kalidüngung von 48%, während die normale Ausnutzung rund 60% beträgt. Die von uns verwendete Kalidüngung iſt ſomit etwas reichlicher geweſen als ſie zur Erzeugung der Höchſt⸗ erträge notwendig geweſen wäre, dennoch aber iſt es ratio⸗ nell, ſie in der gleichen Höhe beizubehalten, da die Ge⸗ ſamtrechnung ergibt, daß durch Stallmiſt und Kaliſalz dem Boden jährlich 162 kg Kali zugeführt und durch die Er⸗ träge 171 kg Kali entzogen worden ſind. Es bleibt alſo trotz der etwas reichlich gegebenen Kaliſalzdüngung ein ungedeckter Reſt von 9 kg, und da der Boden nicht reich an löslichem Kali iſt, ſo darf es als rationell angeſehen werden, die bisherige Düngung beizubehalten. Die Ausnutzung der Stickſtoffdüngung. Durch Natronſalpeter ſind dem Boden im Nittel der drei Rotationen jährlich 57 kg Stickſtoff zugeführt worden und dieſe Düngung hat eine Mehraufnahme von 30,6 kg Stickſtoff bewirkt. Daraus berechnet ſich eine 54% ige Ausnutzung und dieſe Ausnutzung iſt nur wenig unter normal. Berechnet man noch die Höhe der durch Stickſtoff⸗ düngung erzielten Erträge, ſo ergibt ſich, daß je 1 dz Na⸗ tronſalpeter im Mittel der Verſuchsjahre 37 dz Futterrüben und 3,8 dz Getreidekörner erzeugt hat, während der nor⸗ male Ertrag zu 50 dz Futterrüben und 4 dz Getreide⸗ körnern von uns angenommen wird. Bei der Düngung ———— Aufſtellung eines Düngungsplans f. eine vollſtänd. Rotation. 181 der Halmgewächſe iſt alſo der Natronſalpeter zur vollen Wirkung gekommen, während er bei der Düngung der Futterrüben nicht voll gewirkt hat. Für Futterrüben iſt die Salpetergabe auch recht hoch geweſen. Sie hat bei der 1. Rotation 4 dz 7* 7 2. 7* 6 7 7* 7 3. 7 5 71 betragen. Eine Gabe von 4 dz Natronſalpeter würde aus⸗ reichend geweſen ſein. Es wird von Intereſſe ſein, die Düngerkoſten zu be⸗ rechnen, die für die Erzeugung von Körnern zurzeit auf⸗ zuwenden ſind, wenn die beim vorliegenden Verſuch er⸗ zielten Erträge gewonnen werden. Während der drei Rotationen, die 12 Jahre umfaßten, wurden in acht Jahren Halmgewächſe gebaut. Dieſe wur⸗ den in Summa der acht Jahre gedüngt mit 395,3 kg Salpeterſtickſtoff, 480„ Kali in Form von 40% igem Kaliſalz, 864„ zitronenſäurelöslicher Thomasphosphorſäure und in Summa der acht Jahre wurden durch dieſe Düngung, die als Beigabe zur Stallmiſtdüngung gegeben wurde, ein Mehrertrag von 114 dz Körner mit entſprechendem Stroh im Vergleich zur Stallmiſtdüngung ohne Handelsdünger erzielt. Berechnet man die Koſten der Düngung, wie ſie ſich nach den Preiſen vor Kriegsausbruch und nach den Preiſen von 1920 ſtellen, ſo kommt man zu folgenden Er⸗ gebniſſen: im März 1914 1920 1 kg Salpeterſtickſtoff koſtete... 1,37 ℳ 15,— ℳ 1„ Kali koſtete... 0,15 ½„ 0,97„ 1„ zitronenſäurelösliche Thomas⸗ mehlphosphorſäure koſtete.. 0,24 ½„ 5,—„ 182 Aufſtellung eines Dinaurzepia Somit koſteten: 1920) 395,3 kg Salpeterſtickſtofff 541,56 ℳ 5 929, 50 ℳ 480„ Kali...... 74,40„ 465,60„ 864„ zitronenſäurelösliche Ahuundemehlphoapzor⸗ ſiure.. 211,68„ 4 320,„ zuſoiner 827,64 ℳ 10 715,10 ℳ Daraus berechnet ſich, daß die Erzeugung von je 1 dz Körner mit entſprechendem Stroh an Handelsdüngern koſtete: nach den Preiſen im März 1914 7,26 ℳ, 1 n 7 1 7 1920 93,99 1, Man wird erkennen, daß der beſchriebene Verſuch in ganz anderem Maße dem Bedürfnis des Praktikers Rech⸗ nung trägt als ein einjähriger Verſuch mit einer beliebigen Tilanze⸗ 1 Leitet man einen ſolchen Verſuch ein, ſo wird man — das iſt ja klar— nicht erſt bis zum endlichen Ab⸗ ſchluß desſelben, alſo nicht erſt 4 oder 8 als gar 12 Jahre zu warten brauchen, bis man verwertbare Reſultate er⸗ hält. Schon die Erfolge des erſten und zweiten Jahres werden deutlich zeigen, inwieweit die Stallmiſtdüngung reicht und welche Düngemittel in erſter Linie zu Hilfe ge⸗ nommen werden müſſen. Es iſt auch nicht unbedingt nötig, daß man bei dem Verſuch genau die Fruchtfolge einhält, die ſonſt in der Wirtſchaft üblich iſt. In vielen Wirtſchaften wird ja überhaupt eine feſtſtehende Frucht⸗ folge nicht genau eingehalten. Es kommt ja nur darauf aan, feſtzuſtellen, wie weit unter den gegebenen Verhält⸗ niſſen die im Mittel zur Verfügung ſtehende Stallmiſt⸗ Aufſtellung eines Düngungsplans f. eine vollſtänd. Rotation. 183 menge reicht, um die erzielbaren Erträge zu erhalten, und es macht keine Schwierigkeit, auf Grund der Ergebniſſe eines auf 4 oder 5 Jahre ſich erſtreckenden Verſuchs den Düngerbedarf für beliebige Fruchtfolgen zu berechnen. Man wird einſehen, daß auch wenn eine ſelbſt 10 Jahre umfaſſende Rotation vorliegt, ein etwa 4 oder 5 Jahre fortgeſetzter Verſuch vollkommen genügt, um die zur Be⸗ urteilung des Düngerbedarfs erforderlichen Anhaltspunkte zu gewinnen. Es ſei noch an der Hand eines zweiten beſtimmten Beiſpiels aus der Praxis gezeigt, wie man einen Dün⸗ gungsplan für eine vollſtändige Rotation bzw. für einen Rotationsdüngungsverſuch aufzuſtellen hat. In einer kleinen, nur 21 ha umfaſſenden Gutswirt⸗ ſchaft des Odenwaldes, einer Beſitzung des verſtorbenen Jakob Keller in Ernſthofen, haben wir während einer Reihe von Jahren Feldverſuche über verſchiedene Fragen der Stallmiſtproduktion, der Stallmiſtwirkung, der Kali⸗, Phosphorſäure⸗ und Stickſtoffdüngung ausgeführt und haben dabei eine Reihe von Anhaltspunkten gewonnen, welche für die Aufſtellung eines für ähnliche Wirtſchaften der dortigen Gemarkung paſſenden Düngungsplanes zu verwerten ſind. Die Beſitzung beſteht aus 4,25 ha Wieſen und 16,5 ha Ackerland. Es werden 15 Stück Milchvieh ge⸗ halten, die bei täglicher Einſtreu von 50 kg Stroh jähr⸗ lich 2372 da friſchen bzw. 1642 dz mäßig verrotteten Miſt und 1168 hl Jauche liefern. Die Wirtſchaft iſt ſechs⸗ ſchlägig und die Fruchtfolge iſt: 1. ½ Schlag Futterrüben, ½ Schlag Kartoffeln in Miſt⸗ und Jauchedüngung, 2. Weizen mit Jauchedüngung, 3. Hafer mit Kleeeinſaat 4. Klee, 5. Weizen, 6. Hafer. Die verfügbare Menge Stall⸗ miſt berechnet ſich auf rund 100 dz und die verfügbare 4 184 Aufſtellung eines Düngungsplans f. eine vollſtänd. Rotation. Jauche(von welcher ⅛ auf die Wieſen kommt) auf 45 hh für 1 Jahr und 1 ha. Bei dieſer Düngung werden unter 9 Ausſchluß von Handelsdüngern etwa geerntet: 500 dz Futterrüben vom Hektar 200„Kartoffeln„„ 17„ Weizenkörner„„ 17„ Haferkörner„„ 60„ Rotkleeheu„„ Es iſt nun zu berechnen, wieviel Stickſtoff, Phosphor⸗ ſäure und Kali durch dieſe Erträge dem Boden entzogen wird, wobei der im Rotklee enthaltene Stickſtoff außer Rechnung bleibt, da der Klee den Boden ſtickſtoffreicher hinterläßt, als er ihn übernommen hat, und es iſt anderer⸗ ſeits zu berechnen, wieviel Kali, Phosphorſäure und Stick⸗ ſtoff dem Boden durch die verfügbare Menge von Stallmiſt und Jauche wieder zugeführt wird. Die folgende Zu⸗ ſammenſtellung, welche zugleich den von uns feſtgeſtellten prozentiſchen Gehalt der Ernteprodukte an Stickſtoff, Phos⸗ phorſäure und Kali angibt, enthält die Ergebniſſe der Rechnung. (Siehe die Tabellen S. 185 und 186.) Berechnet man dieſe Zahlen auf 1 ha, ſo ergibt ſich folgendes: Auf je 1 ha Ackerland werden dem Boden entzogen: 63 kg Stickſtoff, 30 kg Phosphorſäure, 100 kg Kali, und durch Stallmiſt und Jauche wurden zugeführt: 61,3 kg Stickſtoff, 29,6 kg Phosphorſäure und 102,2 kg. Kali. Die Differenz zwiſchen Entnahme und Erſatz be⸗ trägt alſo nur 1,7 kg Stickſtoff, 0,4 kg Phosphorſäure und 2,2 kg Kali vom Hektar. Entnahme und Erſatz ſtehen alſo im Gleichgewicht: ſo viel Stickſtoff, Phosphorſäure und Kali dem Ackerland jährlich durch Stallmiſt und Jauche zugeführt wird, ſo viel gibt der Boden in den Ertrügen zurück. Aufſtellung eines Düngungsplans f. eine vollſtänd. Rotation. 185 8801 8591 96: uautuoung 0991 — Ose 66- 0 90 na 991 n2 09 221106] 2 bI 6 5 19 60 3 930 Goa p0 GoA 18. rlve 99 881 99 98 06 90 60 12uag p6 10uag 301 85I 19 90 210 930 doAα Goa 18— uD e 26 881 99 91 06 9“0 80 12u P6 10uag 11 4 9[ogo ooo 810 Indn 88 mnvas s ujoloras ve 903 I L*Oo 920 9190 ujollozave e ee 05-] 99 18 81 280 ro 010 1⁰½11 621 12 21 081. trognaron] geSer 311 01s 69 93,0 9rO 010 uaq 889 uaq 000 3 3 31% 0/% 670. 2P 2p 1 Lan vae aaat- on nug aua un pge er wie ie ee eie ii uangeg e uog Luvldanzjnh ocpp⸗L . 130 Inv B vaa5 vvaza : uo ju:uv Luvglqnlaruad 2 149 348 indg 2S 2 u 22 2 1 2112 9 9 T 186 uferune eines Düngungeplans f. Line bollſtä d. Ro. T abe Il e II. Nährſtoffgehalt der verwendeten Menge Miſt und Jauche Gehalt an Dem 16,5ha Ackerland Nährſtoffen: werden an Stallmiſt u 99 und Jauche gegeben: Da⸗„ Stick⸗ Phos⸗ Sctict⸗ — hure ſtoff phor. Koli foff 0%%%% kg g 1642 dæ Miſt.... 2 0,6 0,45 411 739 779 hl Jauche.. 0,1 0,9 0,35 78 273 Zuſammen: 489 1686 1012 Von uns ausgeführte Verſuche in Ernſthofen haben nun ergeben, daß dieſe Erträge durch Zufuhr von Handels⸗ düngern bedeutend zu ſteigern ſind. Wir haben feſtgeſtellt, daß eine ſehr gewinnbringende Steigerung erzielt werden kann bis zu rund: 1000 dz Futterrüben vom Hektar 300„Kartoffeln„ 40„ Weizenkörner„ 0„Haferlörner, 150„ Rotkleehen„ Dieſe Erträge alſo müſſen als Ziel geſetzt werden. Kann der Acker ſie auch nicht in jedem Jahr und von jeder Frucht liefern, denn die Witterung iſt nicht immer aus⸗ 6 reichend günſtig, ſo iſt doch die Düngung, zunächſt wenig⸗ ſtens die Kali⸗ und Phosphorſäuredüngung, ſo zu be⸗ meſſen, daß bei günſtiger Jahreswitterung die als Ziel geſetzten Erträge gewonnen werden können. Nun wollen wir ſehen, mit wieviel Phosphorſäure, Kali und Stickſtoff gedüngt werden muß, um die in Aus⸗ ſicht genommenen Höchſterträge zu erhalten. Zunächſt beſtimmen wir die Aufſtellung eines Düngungsplans f. eine vollſtänd. Rotation. 187 Phosphorſäure⸗ und Kaligaben. r Wenn wir die als Ziel geſetzte Produktion die inten⸗ ſive, und die bisherige, bei ausſchließlicher Stallmiſtdün⸗ gung erhaltene, die extenſive nennen, ſo gibt folgende Zu⸗ 1 ſammenſtellung ein Bild über den Bedarf an Phosphor⸗ ſäure und Kali. Bedarf für 1 ha: Phosphorſäure Kali Fruchtfolge: exten⸗ inten⸗ Mehr⸗ exten⸗ inten⸗ Mehr⸗ — ive ſive bedarf bei ve ſive bedarf bei . Pro⸗ Pro⸗ intenſiver Pro⸗ Pro⸗ intenſiver duktion duktion Produktion duktion duktion Produktion kg ES Es ,; s kg 1. Futterrüben 63 128 65 283 574 291 2. Weizen 23 47 24 36 66 30 3. Hafer m. Klee⸗ einſaat.. 25 51 26 92 156 64 4. Klee... 36 90 54 120 300 180 5. Weizsen 23 47 24 36 66 30 6. Hafer.. 25 51 26 92 156 64 Zuſammen: 195 414 219 659 1318 659 Wir haben alſo für die ſechsjährige Rotation mit einem Mehrbedarf von 219 kg Phosphorſäure und 659 kg Kali für den Hektar zu rechnen. Zunächſt ſei die Phosphorſäuredüngung ins Auge gefaßt und die Frage geſtellt: Wird es ſtatthaft ſein, nicht den aus der Rechnung ſich ergebenden Mehrbedarf von 219 kg Phosphorſäure voll zu verwenden, ſondern nur einen Teil desſelben, alſo Raubbau an Phosphorſäure zu treiben? Darauf iſt mit nein zu antworten, denn der Boden, obgleich er einen Gehalt von 0,133% Phosphor⸗ 188 Aufſtellung eines Düngungsplans f. eine vollſtänd. Rotation. ſäure aufweiſt, hat ſich bei unſern Verſuchen als ſehr dünge⸗ bedürftig für Phosphorſäure gezeigt. Raubbau läßt ſich auf ſolchem Boden nicht treiben, im Gegenteil: wenn man eine Ertragsſteigerung von— wie in unſerm Bei⸗ ſpiel— 23 dz Weizenkörner vom Hektar erzielen will und man berechnet hat, daß dieſe Ertragsſteigerung einen Mehrbedarf von 24 kg Phosphorſäure erfordert, ſo iſt jedem Praktiker bekannt, daß eine ſo geringe Düngung bei weitem nicht genügt, jenen Mehrertrag zu erzeugen. Einem armen Boden muß man mindeſtens fünfmal mehr Phosphorſäure geben, als der zu erzielende Mehrertrag der Rechnung nach beanſprucht. Ich ſtelle auf Grund dieſer Darlegungen den folgenden Plan Inr die Phosphor⸗ ſäuredüngung auf. 1. Frucht: Futterrüben in Stallmiſt und Jauchedüngung. Phosphorſäurebedarf 128 kg für 1 ha. Durch 600 dz Stall⸗ miſt und 283 hl Jauche erhält der Boden 178 kg Phosphorſäure. Da der Boden ſehr phosphorſäurehungrig iſt, wird eine Düngung von 160 kg zitronenſäurelöslicher Thomasmehl⸗Phosphorſäure gegeben. 2. Frucht: Weizen mit Jauchedüngung. Phosphorſäure⸗ bedarf: 47 kg für 1 ha. Durch 142 hl Jauche werden 14 kg Phosphorſäure zugeführt. Es wird eine Düngung von 45 kg Thomasmehle Phoephorſä äure beigegeben. 3. Frucht: Hafer mit Kleeeinſaat. Phosphorſäurebedarf ein⸗ ſchließlich Klee: 141 kg. Es wird eine Düngung von 150 kg Thomasmehl⸗ Phosphorſäure gegeben. 4. Frucht: Klee. Keine Düngung. 8 35. Frucht: Weizen. Phosphorſäurebedarf: 47 kg. Es wird eine e Düngung von 60 kg Thomasmehl⸗ Phosphorſäure gegeben. 6. Frucht: Hafer. Phosphorſäurebedarf: 51 kg. Es wird eine Düngung; von 60 kg Thomasmehl⸗Phosphorſäure gegeben. Zuſammengenommen ſind nach vorſtehendem Plan zu geben: 717 kg Phosphorſäure, während der Bedarf der Pflanzen ſich auf 414 1 kg berechnet Die Anreicherung — 8 2 ☛ 98 A Aufſtellung eines Düngungsplans f. eine vollſtänd. Rotation. 189 des Bodens wird demnach innerhalb der ſechsjährigen Rotation 303 kg Phosphorſäure für den Hektar betragen. Beim Wiederbeginn der Rotation wird man eine Ver⸗ minderung der Phosphorſäuredüngung um etwa 50 bis 100 kg eintreten laſſen können. Wir haben jetzt die Kalimengen feſtzuſtellen. Der Mehrbedarf an Kali beträgt für die ſechsjährige Rotation laut obiger Aufſtellung 659 kg für den Hektar. Und nun die Frage: Darf Raubbau an Kali getrieben, alſo weniger gegeben werden, als dieſem Mehrbedarf ent⸗ ſpricht? Der Boden enthält 0,33% in Salzſäure lös⸗ liches Kali. Das iſt kein armer Boden, aber dennoch empfiehlt es ſich, im vorliegenden Fall keinen oder nur geringen Raubbau an Kali zu treiben, denn es iſt zu be⸗ denken, daß beſonders die Rüben und der Klee, die ver⸗ hältnismäßig hohe Anforderungen an den Kaligehalt des Bodens ſtellen, nur dann zu ſehr hohen Erträgen befähigt ſind, wenn ſie aus großem Vorrat ſchöpfen, und ich bemerke, daß der vorliegende Boden bei unſern Verſuchen ſich als düngebedürftig für Kali erwieſen hat. Ich halte im vor⸗ liegenden Fall die folgenden Kalidüngungen für empfeh⸗ lenswert. 1. Frucht: Futterrüben in Stallmiſt⸗ und Jauchedüngung. Kalibedarf: 574 kg. Durch 600 dz Stallmiſt und 283 hl Jauche werden 615 kg Kali zugeführt, eine Zugabe von Kaliſalz iſt nicht erforderlich. 2. Frucht: Weizen mit Jauchedüngung. Kalibedarf: 66 kg. Durch 142 hl Jauche werden 128 kg Kali zugeführt. Eine Kali⸗ düngung iſt ſomit nicht erforderlich. 3. Frucht: Hafer mit Kleeeinſaat. Kalibedarf einſchl. Klee: 456 kg. Es iſt mit 200 kg Kali zu düngen. 4. Frucht: Klee. Keine Kalidüngung. 5. Frucht: Weizen. Kalibedarf: 66 kg. Es iſt eine Dün⸗ gung von 100 kg Kali zu geben. 190 Aufſtellung eines Düngungsplans f. eine vollſtänd. Rotation 6. Frucht: Hafer. Kalibedarf: 156 kg. Da es dem Hafer leicht wird, Kali dem Bodenvorrat zu entnehinem ſo genügt eine Düngung von 100 kg Kali. 8 Zuſammengenommen werden nach vorſtehendem Plan gegeben: 1143 kg Kali, und der Bedarf der Pflanzen beträgt 1318 kg Kali. Die fehlenden 175 kg Kali kann der Bodenvorrat liefern. E⸗ bleiben noch die Stickſtoffgaben feſtzuſtellen, und ich frage: Können wir die zu verwenden⸗ den ⸗Stickſtoffmengen in derſelben Weiſe ermitteln, wie wir die Kali⸗ und Phosphorſäuregaben feſtgeſtellt haben? Nein. Wie ſchon in einem früheren Abſchnitt dieſer Schrift bemerkt, läßt ſich bezüglich des Stickſtoffs eine Gleich⸗ gewichtsrechnung nicht ausführen. Stickſtoff geht aus dem Boden verloren und wird im Boden gewonnen. Bak⸗ terien führen dem Boden Stickſtoff zu und entführen ihm Stickſtoff. Tau und Regen bringen Stickſtoff, und das Untergrundwaſſer entführt Stickſtoff. Eine Bilanz aber können wir nicht aufſtellen, weil die Größe von Verluſt und Gewinn nicht zu ermitteln iſt. Ein ganz anderer Weg muß hier eingeſchlagen werden. Es muß einerſeits überlegt werden, wie hoch der Ertrag unter den vorliegenden Verhältniſſen ſein wird, wenn kein Stickſtoffſalz zur Verwendung kommt, und es muß anderer⸗ ſeits ein beſtimmter Ertrag als Ziel geſetzt werden. Die Differenz zwiſchen beiden ergibt die zu erzielende Ertrags⸗ ſteigerung, und es bleibt dann zu berechnen, wie viel Stick⸗ ſtoffſalz erforderlich iſt, um dieſe Ertragsſteigerung zu be⸗ wirken. Auf ſolcher Grundlage gelangt man zu folgendem Düngungsplan: Aufſtellung eines Düngungsplans f. eine vollſtänd. Rotation. 191 afer 1. Frucht: Futterrüben. Der Ertrag wird eie geſteigert werden können auf........ 1000 dz Rüben. Durch vorgeſehene Düngung von Stallmiſt, lan Jeauche und Thomasmehl werden voransſich zen lich erzielt.............. 600„„ 3 nn Es iſt ſoviel Stickſtoffſalz zu geben, daß ein Mehrertrag von.......... a..... 400 dz Rüben erzielt wird. Da für eine Produktion von je 100 dz Futterrüben unſeren Ermittelungen nach 2 dz Natronſalpeter erforderlich ſind, ſo ſind für den zu erzielenden Mehrertrag von 400 dz Rüben 8 dz Natronſalpeter, die Hälfte bei der Einſaat, die Hälfte als Kopf⸗ dünger zu verwenden. nie 2. Frucht: Weizen. Der Ertrag wird ge⸗ 1 ſteigert werden können auf....... 40 dz Körner. ft Durch vorgeſehene Düngung von Jauche und Tho⸗ 3 h⸗ masmehl werden vorausſichtlich erzielt..... 30„. m Es iſt ſo viel Stickſtoffſalz zu geben, daß ein. 8 Mehrertrag von............... 10 da Körner m erzielt wird. 3 3 Da für eine Produktion von je 4 dz Weizenkörnern unſeren Ermittelungen nach 1 dz Natronſalpeter erforderlich iſt, ſo iſt T für den zu erzielenden Mehrertrag von 10 dz Weizenkörner eine ſt Düngung von 2 ½ dz Natronſalpeter zu verwenden. 3 3. Frucht: Hafer mit Kleeeinſaat. Der . Ertrag wird geſteigert werden können auf. 30 dz Körner. ¹) g Durch vorgeſehene Kaliphosphatdüngung werden 4 vorausſichtlich erzielt........... 20„„ Es iſt ſo viel Stickſtoffſalz zu geben, daß ein Mehrertrag von............. 10 dz Körner 6 erzielt wird. 5 Da für eine Produktion von je 4 dz Haferkörnern unſeren . Ermittelungen nach 1 dz Natronſalpeter erforderlich iſt, ſo iſt für den zu erzielenden Mehrertrag von 10 dz Haferkörner eine Düngung von 2 ½ dz Natronſalpeter vorzuſehen. ¹) Mit Rückſicht auf die Kleeeinſaat iſt hier nicht ein Er⸗ trag von 40 dz, ſondern von nur 30 dz Körner vorzuſehen. 192 Aufſtellung eines Düngungsplans f. eine vollſtänd. Rotation. 4. Frucht: Klee. Keine Stickſtoffdüngung. 5. Frucht: Weizen. Der Eitrag wird ge⸗ ſteigert werden können auf 3..... 40 dz Körner. Durch vorgeſehene Aaüsjeegrtdinanns werden vorausſichtlich erzielt.... 20„„. Es iſt ſoviel Süihoffan zu weren. 308 ein 3 Mehrertrag von..... 20 dz K erzielt wird. Da für eine Produktion von je 4 dz Weizenkörner unſe Ermittelungen nach rund 1 dz Natronſalpeter erforde ſo iſt für den zu erzielenden Mehrertrag von 20 dz körner eine Düngung von 5 dz. Natronſalpeter vorzuſehen. 6. Frucht: Hafer. Der Ertrag wird ge⸗ ſteigert werden können auf........... 40 dz Körner. Durch vorgeſehene Haris oen adüngung werden vorausſichtlich erzielt..... 20„„ Es iſt ſo viel Sticſſtoffſals zu wenen ds ein Mehrertrag von..... 20 dz Körner erzielt wird. Da für eine Produktion von je 4 d Haferkörner unſeren Ermittelungen nach rund 1 dz Natronſalpeter erforderlich iſt, ſo iſt für den zu erzielenden Mehrertrag von 20 dz Hafer⸗ körner eine Düngung von 5 dz Natronſalpeter vorzuſehen. Der geſamte Düngungsplan iſt ſomit folgender: Erſte Frucht: Futterrüben. (600 dz Stallmiſt, 283 hl Jauche, 3 J 160 kg Thomasmehl⸗Phosphorſäure(10 dz 16% iges Thomasmehl), 8 dz Natronſalpeter. 3 Thomasmehl wird geſtreut, bevor der Stallmiſt ge⸗ breitet wird. Vom Salpeter wird die Hälfte bei der Einſaat, die Hälfte als Kopfdünger gegeben. Düngung für 1 ha: 3 4 Aufſtellung eines Düngungsanns f. eine vollſtänd. Rotation. 193 Zweite Frucht: Wein. 142 hl Jahe, Düngungg] 45 kg Thnasmehl⸗Phosphorſäure(3 de .. inr 1 ha. · 1% iges Thomasmehl), 2 ½ dz Naonſalpeter. Thomasmehl wird vr der Einſaat eingepflügt oder eingeeggt Der Salpeter vird etwa Mitte März geſtreut. 4 Dritte Frucht⸗ Hafenmit Kleeeinſaat. Thamasmehl⸗Phosphorſäure(10 dz 1% iges Thomasmehl),* „ Kal(5 dz 40% iger Kalidünger), * de aatronſalpeter. Thomasmehl und Klidünger werden im Gemenge 2. auf die Weizenſtoppeln der im Winter auf die rauhe Furche geſtreut. Der Sepeter wird bei der Einſaat ge⸗ Körner. Dingrng für 1 ha: rner. her geben. eren Vierte Frucht: Klee. Keine Düngung. 5 Fünfte Frucht: Weiza. 60 kg Thensmehl. Phosphorſäure(4 dz Düngung 40% iges Thomasmehl), für 1 ha: 100„ Kali( ½ dz 40% iger Kalidünger), 5 dz Natroiſſalpeter. Thomasmehl und Kalſalz werden auf die Klee⸗ 4 ſtcoppeln geſtreut. Die Hälte des Salpeter wird Mitte di März, die andere Hälfte im April gegeben. Sechſte Frucht: Hafer. 60 kg Thomasnehl⸗Phosphorſäure(4 d . Düngung 15% ges Thomasmehl), er für 1 ha: 100„Kali(2 ½ dz 40% iger Kalidünger), 8 5 dz Natronſalpeter. Wagner, Düngemittel Siebente Auflage. 13 194 Aufſtellung eines Düngungspla s f. eine vollſtänd. Rotation. 9 Thomasmehl und Kaliſalz werden im Gemenge auf die Weizenſtoppeln oder im Rinter oder Frühjahr auf die rauhe Furche geſtreut. Vom Salpeter wird die Hälfte bei der Einſaat, die andere Bi fte im April oder An⸗ fang Mai gegeben. Es iſt ſelbſtredend, daß ſie angegebenen Salpeter⸗ mengen nur als„in Ausſicht zu nehmende“ bezeichnet werden dürfen, denn von der Witterung und dem Stand der Früchte wird man es abhängig machen, ob genau die vorgeſehenen Mengen zu geben nd. Bleiben beiſpiels⸗ weiſe die Rüben infolge ungünſtiger 8 ſo weit zurück, daß keine Ausſicht iſt, erzielen, ſo wird man die als Ko ſdüngung zu o rwendende Salpetergabe mäßigen; oder ſieht etwa der Weizen im Frühjahr ſo üppig, daß durch die vorgeſehene ſtarke Sal⸗ peterdüngung Lagerfrucht zu bifürchten iſt, ſo wird man ebenfalls nicht die volle Düngung geben. Anderſeits wird man die Gaben ſteigern wenn die Pflanzen den Eindruck machen, daß ſie noch mehr Stickſtoff verarbeiten können, als man vorgeſehen ht. Jetzt aber die Frage: Vie prüft man, ob der auf⸗ geſtellte Düngungsplan den vorliegenden Verhältniſſen vollkommen entſpricht, oder of er verbeſſert werden kann? Die Prüfung iſt nicht ſchwer Auf einem Acker, der dem Durchſchnitt der zur Gutsnirtſchaft gehörenden Felder möglichſt genau entſpricht,. man 24 Parzellen zu 1 a ab, von welchen je 4 Parall parzellen die folgende Dün⸗ gung erhalten: Parzelle 1 bleibt ohne Jinguns. Parzelle 2 erhält die vo grgeſehene Stallmiſt⸗ und Jauche⸗ düngung(alſo 600 kg Stallmiſt und 283 hl Jauche) im erſten Jahr und die Hälfte der Jarchedüngung im zweiten Jahr, im Übrigen aber keine Düngung. Sie gibt durch Vergleich mit Jaaid Aufſtellung eines Düngungsplans f. eine vollſtänd. Rotation. 195 auf zelle 1 Aufſchluß über die Wirkung des Stallmiſtes und der auf Jauche. fte Parzelle 3 wird wie 2 gedüngt und erhält außerdem die im Plan vorgeſehenen Düngungen mit Phosphorſäure, Kali und Stickſtoff, wird alſo genau nach dem für die Rotation auf⸗ geſtellten Plan gedüngt und gibt durch Vergleich mit Parzelle 2 Aufſchluß über die Wirkung der vorgeſehenen Beigaben von künſt⸗ dht lichen Düngern. nd 4 Parzelle 4 wird wie 3 gedüngt jedoch unter Ausſchluß von Stickſtoff. Sie gibt durch Vergleich mit Parzelle 3 ein Urteil u über die Wirkung der bei 3 gegebenen Stickſtoffdüngung. 3⸗ Parzelle 5 wird wie 3 gedüngt, jedoch unter Ausſchluß von 1 Phosphorſäure. Sie gibt durch Vergleich mit Parzelle 3 ein zu Urteil über die Wirkung der bei 3 verwendeten Phosphorſäure⸗ 5 düngung. n— Parzelle 6 wird wie 3 gedüngt, jedoch unter Ausſchluß von 3 Kali. Sie gibt durch Vergleich mit Parzelle 3 ein Urteil über 1 die Wirkung der bei 3 gegebenen Kalidüngung. 3 Dieſe Verſuchsreihe wird ſechs Jahre lang durch⸗ n geführt, und die Parzellen werden der vorgeſehenen m Fruchtfolge gemäß mit Futterrüben, Weizen, Hafer, Klee, Weizen, Hafer beſtellt. Die Ausführung der Verſuche ge⸗ ſchieht in genauer Weiſe. Angaben hierüber habe ich im Heft 80 der Arbeiten der D. L. G. und ausführlicher in der Schrift„Die Ausführung von Felddüngungsver⸗ b ſuchen nach exakter Methode“(Verlag von Paul Parey⸗ Berlin) gemacht. In einer größeren Anzahl heſſiſcher Gutswirtſchaften haben wir derartige Verſuche ausgeführt, und in der Schrift„Die Wirkung von Stallmiſt und Handelsdün⸗ gern“, Heft 279 der Arbeiten der D. L. G., habe ich einen großen Teil derſelben beſchrieben. Es iſt gewiß, daß dieſe nicht nur Wert haben für die betreffenden Wirtſchaften, in welchen ſie ausgeführt werden und auf deren Verhält: niſſe ſie ſich zunächſt beziehen; ſie haben auch allgemeineren 196 Aufſtellung eines Düngungsplans f. eine vollſtänd. Rotation. Wert. Liegt eine größere Anzahl ſolcher Verſuchsreihen vor, die unter verſchiedenen Verhältniſſen des Bodens, des Klimas, der Fruchtfolge, der intenſiveren oder extenſiveren Bewirtſchaftung uſw. ausgeführt worden ſind, ſo iſt da⸗ mit eine Sammlung von Beiſpielen gewonnen, aus wela chen der Landwirt ſich dasjenige herauswählen kann, welches ſeinen beſonderen Verhältniſſen am meiſten ſich nähert und für eine verſuchsweiſe Befolgung ihm am ge⸗ eignetſten erſcheint. Die Verſuche werden beitragen helfen, einem planloſen Hin⸗ und Herprobieren mit künſtlichen Düngemitteln entgegen zu wirken und die vielfach noch herrſchende Unſicherheit im Gebrauch der Handelsdünger zu beſeitigen. Druck von Gebr. Unger in Berlin, Bernburger Straße 30. Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10 u. 11 hnija Hehlipfs praktisches Handbuch der Landwirtschaft. Notation ens, des 4 8 ni Preisgekröntes Werk. fvern Dreiundzwanzigste, neubearbeitete Auflage. ſt Mit 17 Farbendrucktafeln 1s pl. und 842 in den Tert gedruckten Abbildungen. kann Gebunden, Preis 40 M.. Schlipf's Handbuch ist wohl das verbreitetste, bei sehr schöner Ausstattung en ſic wohlfeilste zeitgemäße einbändige Lehrbuch der Landwirtschaft. Es ist eim Schatz für jeden Landwirt, auch den erfahrensten; seine Anschaffung kanm am ge⸗ jedermann wärmstens empfohlen werden— als notwendiges Besitzstück jedes, auch des kleinsten Betriebes. elfen. f Grundsätze und Ziele ſ ichen..⁴ 2. f wi neuzeitlicher Landwirtschaft. Von Dr. Th. Wölfer. ger A 8 Direktor der staatl. Ackerbauschule Dargun i. M. Achte, neubearbeitete Auflage. Mit Teætabbildungen und einen farbigen Tafel. Gebunden, Preis 68 M. Es kann gar nicht eindringlich genug gesagt werden, welchen Wert für jede Wirtschaft dieses Buch bedeutet. Es enthält alles, was der Landwirt zur Lösung seiner Wirtschaftsfragen tagtäglich braucht; es gibt Antwort wohl auf jede Frage des Betriebes, und zwar in einer Form; wie sie der Praxis angepaßt ist. Das Buch ist für jedermann bestimmt und auch von jedermann dringend benötigt. Krafft's Lehrbuch der Landwirtschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage Herausgegeben und neubearbeitet von Dr. C. Fruwirth, und Dr. Fr. Falke Professor an der Technischen Hoch- Professor, Geheimer Regierungsrat in schule in Wien. Leipzig 3 Mit 1047 Teatabbildungen und 34 zumeist farbigen Tfeln Vier Bände— Gebunden, Preis 110 M. Daraus einzeln: I. Ackerbaulehre. Z wölfte Aufl., neubearbeitet von Prof. Dr. C. Fruwirth. Mit 365 Textabbildungen, 3 farb. u. 2 schwarzen Tafeln. Geb., Preis 25 M. II. Pflanzenbaulehre. Zwölfte Aufl., neubearb. von Prof. Dr. C. Fruwirth. Mit 289 Textabbildungen, 5 schwarzen und 8 farb. Tafeln. Geb., Preis 30 M. III. Tierzuchtlehre. Elfte Aufl., neubearbeitet von Prof. Dr. Falke. Mit 354 Textabbildungen u. 13 Tafeln mit 57 farbigen Rassebildern. Geb., Preis 25 M. IV. Betriebslehre. Zwölfte Aufl., neubearbeitet von Prof. Dr. Falke. Mit 39 Textabbildungen und 3 farbigen Tafeln. Gebunden, Preis 30 M. 3 Schwerlich dürfte ein anderes landwirtschaftliches Lehrbuch gleichen Anklang und gleiche Verbreitung in den Kreisen der lernenden wie ausübenden, der akademisch wie nichtakadem isch vorgebildeten Landwirte gefunden haben wie Krafft's„Lehrbuch der Landwirtschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage““.— Es entspricht in seinen neuesten Auflagen allen Anforderungen an ein großes modernes Handbuch der gesamten Landwirtschaft. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. —— ag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10 u. 11 Verl lLandwirtschaftliche Unterrichtsbücher. Grundzüge der Landwirtschaft. Von F. Gaul, Direktor zu Hildburghausen. 3 Zweite Auflage.. Geb., Preis 5 M. Ackerbau einschl. Bodenkunde, Düngerlehre, Maschinenlehre und Meliorations- lehre von Dir. Dr. Droysen u. Prof. Dr. Gisevius. Neunte Auflage. Mit 195 Textabbildungen. Geb., Preis 6 M. Lehrbuch des Ackerbaus von Prof. Dr. H. Biedenkopf in Groß-Umstadt. Sechste Auflage. Mit 8 Tafeln u. 80 Textabbildungen. Geb., Preis 12 M. Leitfaden f. einfache landw. Untersuchungen. Von Prof. Dr. H. Bie denkopf in Groß-Umstadt. Dritte Auflage. Mit 38 Textabbildungen. Geb., Preis 4 M. Grundzüge der Agrikulturchemie. Bearbeitet von Dr. R. Otto in Proskau. Zweite Auflage. Mit 42 Textabbildungen. Geb., Preis 6 M. Leitfaden der Düngerlehre. Von Prof. Dr. Ma x K ling. Geb., Preis 7 M. Bodenkunde. Von Dr. W. Lilientha 1, Winterschul-Direktor in Genthin. Dritte Auflage. Mit 14 Textabbildungen. Geb., Preis 5 M. Bodenkunde von Direktor A. Wirtz in Odenkirchen. Preis 1 M. Mineralogie und Gesteinslehre v. V. Uhrmann, Direktor d. landw. Schule in Annaberg im Erzgeb. Dritte Aufl. Mit 26 Textabb. Geb., Preis 3 M. Mineralogie und Gesteinslehre v. Dr. P. Teicke, Oberlehrer an der Land- wirtschaftsschule in Salzwedel. Mit 23 Textabbildungen. Geb., Preis 2 M. Pflanzenbau von Dir. Dr. Birnbaum. Zehnte Aufl. Bearbeitet von Prof. Pr. Gisevius in Gießen. Mit 207 Textabb. u. 5 farb. Tafeln. Geb., Preis 12 M. Grundzüge der Pflanzenvermehrung von M a X Löbner in Bonn. Dritte Auf- lage. Geb., Preis 7 M. Wiesenbau von H. Kutscher, Lehrer in Hohenwestedt. Dritte Auflage. Mit 87 Textabbildungen. Geb., Preis 4 M. Lehrbuch der Botanik. Von Prof. Dr. G. Meyer. Dritte Auflage. Mit 296 Text- abbildungen. Geb., Preis 8 M. Leitfaden der Botanik für landw. Winterschulen und Landwirte. Von Prof. Dr. Meyer. Vierte Auflage. Mit 246 Textabbildungen. Geb., Preis 10 M. Botanik von Direktor F. Gaul, Hildburghausen. Mit 122 Textabbildungen. Dritte Auflage. Geb., Preis 4 M. Botanik von Dr. Th. Wölfer, Dargun. Mit 192 Textabb. Geb., Preis 6 M. Lehrbuch der Botanik v. Dr. P. Teicke. 2. Aufl. Mit 98 Textabb. Geb., Preis 5 M. Pflanzliche und tierische Schädlinge der landw. Kulturpflanzen. Von W. Ti1 11- mann i. Ascheberg i. W. Zweite Aufl. Mit 59 Textabb. Geb., Preis 4 M. Bakterienkunde von Direktor Dr. P. Gordan und Tierarzt C. Bahr. Zweite Auflage. Mit 32 Textabbildungen. Geb., Preis 6 M. Leitfaden der Tierkunde für landw. Schulen. Von R. Hillmann und A. Wolschner. Dritte Auflage. Mit 145 Textabbildungen. Géeb., Preis 5 M. Lehrbuch der Tierzucht. Von Dr. H. Bieden kopf. Prof. in Groß-Umstadt. Neunte Aufl. Mit 8 farb. biolog. Rassebildern u. 131 Textabb. Geb., Preis 9 M. Viehzucht von V. Patzig, Professor in Marienburg. Neunte Auflage. Mit 150 Textabbildungen. Geb., Preis 14 M. Frierzuchtlehre von Direktor A. GConradi in Hohenwestedt. Zweite Auflage. Mit 136 Textabbildungen. Geb., Preis 3 M. Bau und Leben der landw. Haussäugetiere. Von Dr. E. Laur. Siebente Aufl., bearb. v. Dr. Käppeli. Mit 102 Textabb. u. 1 Tafel. Geb., Preis 4 M. 1 Der Körper der landw. Haussäugetiere. Von Dr. J. Becker in Rostock. Zweitee Auflage. Mit 67 Textabbildungen. Geb., Preis 3 M. Fütterungslehre. Von Dr. W. Kleberger, Gießen. Geb., Preis 4 M. Landwirtschaftliche Betriebslehre, bearbeitet von Dr. R. Roth, vorm. Direktor der landw. Schule in Chemnitz. Zwölfte Auflage. Geb., Preis 8 M. 40 Pf. Landwirtschaftliche Betriebslehre von Dr. Luberg, Direktor des Seminars für Landwirte in Königsberg in Nm. Achte Auflage. Geb., Preis 9 M. Betriebslehre von Dr. T h. Wölfer, Direktor in Dargun. Zweite Auflage. Mit 4 einer lithogr. Tafel. Geb., Preis 10 M. Betriebslehre von Direktor A. Conradi in Hohenwestedt. Fünfte Auflage. 3 Geb., Preis 3 M. Volkswirtschaftslehre von K. Petri. Dritte Auflage. Geb., Preis 5 M Taxationslehre v. C. Petri in Hohenwestedt. Zweite Aufl. Geb., Preis 3 M Landwirtschaftsgeschichte v. Ok.-Rat Dr. V. Funk. Zweite Aufl. Geb., Preis 4 M Vaterländische Geschichte von P. Knak. SGeb., Preis 3 M 1 8 — . 10 U. Il — = jehel. lmehausn . Preis 5 1 Nelioratiom 1te Auilags Pröis 61 3.mst tadt Preis BN denkopt Preis 41 a Proskan. „Preis I Prets 7 a Genthin Preis 5 N Preis 1M Schule i Preis 31. der Land. „Preis?2 N. 1 Protf. M. Preis 12 N. Nitte Anf. Preis 7 I. Dage. Mit Preis 4. 296 Texr Preis 8 M. Von Prot. reis 10 M. ildungen. Preis 4. Preis 6 N. Preis 5 I. V. TLill- Preis 4 L. Zveite Preis N. un Vl Sreis 5 M. Umstadt. preis 9 I. ge. Mit reis 14 I. Auflage. rreis 3. tte Alll. Sreis 4. Zweite reis 3 I. reis 4. Direktor M. Lokt. 3 — Verlag von Paul Parey in Berlin SW.; Hedemannstr. 10 u. II landwirtschaftliche Unterrichtshücher. Bürgerkunde v. Kreisschulinsp. H. Otto. Zweite Aufl. Geb., Preis 3 M., 60 Pf. Landwirtschaftspolitik von Ok.-Rat Dr. V. Funk. Geb., Preis 3 M. Landmanns Buchführung. Von Dr. H. Clausen, Direktor in Heide Dritte Auflage. Geb., Preis 3 M. 40 Pf. Ubungs-Tabellen zur einfachen landw. Buchführung von Dr. P. Habernoll. Dritte Auflage. Preis 3 M. 40 Pf. Selbstverwaltungsämter: Von K. Petri. Fünfte Aufl. Geb., Preis 4 M. 60 Pf. Gesetzeskunde. Vohn Dr. Kollath. Dritte Aufl. Bearb. von K. Petri. Geb., Preis 4 M. 60 Pf. Schriftverkehr des Landwirts. Von L. Lemke. Zweite Auflage. Neu bearb. von C. Petri. Mit 164 Beispielen. Geb., Preis 4 M. Landw. Berechnungen. Vôn Dr. R. Roth, vorm. Dir. der landw. Schule in Chemnitz. Sechste Auflage. Geb., Preis 8 M. Landw. Berechnungen. Von C. Petri in Hohenwestedt. eb., Preis 5 M. Lösungen: Prfeis 1 M. 20 Pf. Rechenbuch für niedere u. mittl. landw. Lehranstalten v. L. Lem k e. Neu bearb. V. Ok.-Rat Dr. Ehlert, Gumbinnen. I. Teil. Unterklassen. Sechste Aufl. Geb., Preis 5 M. 40 Pf. I. Teil. Mittel- u. Oberklassen. Dritte Aufl. Mit 112 Textabb. Geb., Preis 4 M. L 6 sung gen: I. Teil Preis 1 M., II. Teil Preis 1 M. Rechenbuch für Ackerbauschulen, landw. W interschulen und ländl. Vonthilqungs- schulen von P. K n.a k, Mitteischulrektor in Wittstock. Zehnte Auflage. Geb., Preis 7 M. 60 Pf. L. 5 8 ungen: Preis 1 M. 25 Pf., Nachtrag 2 M. Praktisches Rechen- und Nachschlagebuch. Von Prof. Dr. J. P. Zanen in Ettelbrück. Zweite Auflage. Mit 134 Textabbildungen. Geb., Preis 11 M. Rechenbuch für mittlere und niedere landw. Lehranstalten von H. K utscher und C. Petri, Lehrer in Hohenwestedt. I. Teil: Grund- und angewandte Rechnungsarten. Geb. 2 M. 40 Pf. Lösungen:. 50 Pf. II. Teil: Land- wirtschaftliche Berechnungen. Geb., 3 M. Lösungen. 60 Pf. Geometrie, Feldmessen und Nivellieren von H. Kuts cher, Lehrer in Hohen- westedt. Dritte Auflage. Mit 163 Textabbildungen. Geb.„Preis 3 M. 20 Pf. Planimetrie und Stereometrie für Landwirtschaftsschulen von Professor Chr. Nielsen und Oberlehrer W. Lang el. Mit 325 Textabb. Geb., Preis 4 M Unterricht im Feldmessen mit den einfachsten Meßgeräten. Von Dr. G. Wils- dor f. Vierte Aùuflage. Mit 20 Textabbildungen. Geb., Preis 4 M. Feldmeß- und Nivellierkunde und das Drainieren von Chr. Nielsen, Ober- lehrer in Varel. Dritte Aufl. Mit 116 Textabb. u. 3 Tafeln. Geb., Preis 4 M. Physik v. Dr. P. Habernoll, Direktor in Krefeld. Zweite Auflage. Mit 78 Textabbildungen. Geb., Preis 7 M. 60 Pf. Physik v. Prof. M. Hollman n. Zehnte Aufl, Mit 163 Textabb. Geb., Preis 7 M. Lehrbuch der Physik von Prof. Dr. Lautenschläger, vorm. Oberlehrer in Samter. Dritte Auflage. Mit 398 Textabb. u. 1 Tafel. Geb., Preis 8 M. Mechanik, Wärmelehre und Witterungskunde von J. Bonhnm,„Gymnasiallehrer Zzu Trier. Mit 178 Textabbildungen. Geb., Preis 3 M. Landw. Maschinenkunde von Ingenieur H. Schwarzer in Frankenbausen a. Kyffh. Zweite Auflage. Mit 240 Textabbildungen. Im Druck. Leitfaden für den Unterricht in der Chemie von B. Mardard t. Direktor in Ragnit. Mit 25 Textabbildungen.. Geb., Preis 2 M. 40 Pf. Chemie von Prof. C. Freybe zu Weilburg. Zweite Aufl. Geb., Preis 4 M. Lehrgang der Chemie. Von Prof. Dr. John, Leipzig. Geb., Preis 2 M. 40 Pf. Chemie v. Dir. P. J. Murzel in Saarlonis. Dritte Auflage. Gsb., Preis 3 M. Chemie v. A. Maas in Wittstock. Zweite Aufl Mit 10 Textabb. Geb., 3 M. 60 Pf. Chemie für Ackerbau- u. landw. Winterschulen v. W. Wellersha u s., Winter- schuldirektor. Zweite Aufl. I. Teil: Geb., 2 M. II. Teil: Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Forstwirtschaft. Bearbeitet von Geh. Rez. Rat Berlin in Hannover. Fünfte Auflage von Mevers Forstwirtschaft-. Geb., Preis 4 M. Forstwirtschaft von F. Köllner, Forstmeister. Mit 26 Textabb. Geb., Preis 7 M. Obst- und Gemüsebau v. Otto Nattermüller. Sechste Auflage. Bearbeitet von Dr. A. Bod),e in Chemnitz. Mit 76 Textabbildungen. Geb., Preis 10 M. Obstbau. Nebst Anhang: Diêe Kultur der wichtigsten Gemüsepflanzen. Von Ernst Kümmerlen. Dritte Aufl. Neu bearb. v. Direktor J. Groß in Schlachters. Mit 107 Textabbildungen. Geb., Preis 5 M. Lehr- und Lesebuch f. ländl. Fortbildungsschulen v. K. DeißBmann, H. Jung, Fr. KOIb, W. Scheid u. R. Wobig. Sechste Aufl. Geb., Preis 6 M. — ℳ 6 8 L 9 8 duIlurlkihlen ͤͤͤ 11nnnii Oem 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12