VereSgttuaNhlNe Sabt kh N hrLI 6 Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW., ie enannl 10. Jeder Band Prels des Bandes elnzeln käuflich. THAER- BIBLIOTHEK. iInL einen Heb.² M. 50 Pf. Ackerbau und Düngerwesen. Urbarmachung und Verbesserung des Bodens von Ok.-Rat Dr. R. Buerstenbinder. Praktische Bodenkunde von Dr. A. Nowacki, Professor in Zürich 3. Auflage. 8 Käufliche Düngestoffe von Dr. A. Rümpler in Breslau. h A 4. Aufage. Wolff's Praktische Düngerlehre. 18. Auflage. Wwolff's Anleitung zur chem. Untersuchung landw. Stoffe. 7), 4. Auflage. Pflanzenbau. 9 29 Tabaksbau von A. Freiherrn von Babo in Klosterneuburg. 3 3. Auflage. Wiesen- und Weidenbau von Dr. F. Burgtorf, Direktor in Herford. 4. Aufage. Peldholzzucht, Korbweidenkultur etc. von R. Fischer in Berlin. 4 3 Hopfenbau von C. Fruwirth, Professor in Hohenheim Gekrönte Preiss'hriſft. Anbau der Hülsenfrüchte von C. Fruwirth, Professor in Hohenheim. Braugerste von H. Heine. 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Rindviehzucht von Dr. V. Funk, Direktor in Zoppot. 4. Andase. Wirtschaftsfeinde aus dem Tierreich von Dr. G. von Hayek, Professor in Wien. May's Schweinezucht. Bearbeitet von E. Meyer-Friedrichswerth. 4. Aufaage. Bakterienkunde für Landwirte von Dr. W. Migula in Karlsruhe. 1 Pribyl's Geflügelzucht, neubearbeitet von Oberstleutnant a. D. Sabel in Prier. 4. Auflage. Wolff's Landwirtschaftliche Fütterungslehre. 7. Auflage. Betrieb. Birnhaunr s Landw. Taxationslehre. 2. Auflage. Landw. Betriebslehre von Geheimrat Dr. Freiherr v. d. Goltz, Professor in Ponpalsdern 1 Landw. Buchführung von Geheimrat Dr. Freih. v. d. Goltz„ Prof. in Poppelsdorf. 8. Auflage. Langethal's Gesentehte d. Landwirtschaft bearb. v. Michelsen u. Nedderich 3. Auflage. Rechtsbeistand des Landwirts von M. Löwenherz, Amtsgerichtsrat in Köln. 2. Auflge. An- und Verkaufs-Genossenschaften von H. v. Mendel, Landesökonomierat in Halle. Das Schriftwerk des Landwirts von C. Petri in Hohenwestedt. 2. Auflage. Wirtschaftsdirektion d. Landgutes von Geh-Rat Dr. A. Thaer, prof. in Giessen. 3. Auflage. Baukunde. Ziegelei von Zieuelei-Ingenieur O. Bock in Berlin. 2. Auflage. Kalk-Sand-Pisébau von Baurat F. Engel. Beaurbeſe von H. Hotop. 4. Aufage. Pferdestall(Bau und Einrichtung) von Baurat F. Engel in Berlin. 2. Auflage. Viehstall(Bau und Einrichtung)— F. Ungel, in Perlin. 3 2. Auflage. Bauernhof Anlage und Einrichtung) von G. Jaspers, Gqperalsekretär in Osnabrück. Schubert's Ldw. Baukunde. Nahbearb. v. Reg.- Alie ter G. Meyer in Buxtehnde. 6. Auflage. Geflügelställe(Bau und Einrichtung) v re hubert in Höxter. Kall-, Cips. und Zementfabri n 3en in un in Braunschweig. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. o Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10. „ er THAER-BIBLIOTHEK rarr, Landwirtschaftliche Gewerbe. TrT Apfelweinbereitung von Dr. Ernst Kramer in Klagenfurt. Hage. Bierbrauerei von Dr. C. J. Lintner, Professor in München. 2. Auflage. dage. Milchwirtschaft von Dr. William Loebe in Leipzig. 3 2. Auflage. Hage.. Anleitung Zzum Brennereibetrieb von Geh.-Rat Prof. Dr. Maercker in Halle a. S. Ege Die Milch und ihre Produkte von A. Otto in Halle a. S. Stärkefabrikation von Dr. F. Stohm ann, Professor an der Universität in Leipzig. Kulturtechnik, Maschinenkunde, Ingenieurwesen. Kage. Deer Petersensche Wiesenbau von Dr. E. Puchs in Kappeln. Landw. Plan- und Situationszeichnen von H. Kutscher in Hohenwestedt. Behandlung der Lokomobilen von Professor Paul Lazar in Budapest. Perels' Ratgeber bei der Wahl Landw. Geräte und Maschinen. 7. Auflage. Schubert's Landw. Rechenwesen. Bearb. von B. Kutscher in Hohenwestedt. 4. Auflage. lage. Dynamite von Isidor Trauzl, Ingenieur in Wien. isge Be- und Entwässerung der Acker und Wiesen von Ok.Rat L. Vincent. 3. Auflage. Feldmessen und Nivellieren von Dr. A. Wüst, Professor in Halle. 4. Auflage. Hsge Der Landwirt als Kulturingenieur on Fr. Zaji cek, Professor in Mödling. 8 Veterinärwesen. dage. Englischer Hufbeschlag von HI. Behrens, Lehrschmied in Rostock. 2. Auflage. iage. Eingeweidewürmer der Haussäugetiere von Dr. J. Dewitz in Berlin. BHaeilungs- und Tierarzneimittellehre von P. Flemmin g, Grossh. Tierarzt in Lübz. äsge. Physiolo ie und Pathologie der Haussäugetiere von F. Flemming, Tierarat in Lübz. — Innere Krankheiten der Idw. Haussäugetiere von F. Grosswendt, Kgl. Oberrossarzt. Hage. Gesundheitspflege der landw. Haussäugetiere von Med. Rat Prof. Dr. Johne in Dresden. Landw. Giftlehre von Dr. G. M fller, Professor in Dresden. Der kranke Hund von Dr. G. Müller, Professor in Dresden. Der gesunde Hund von Dr. G. Müller, Professor in Dresden. Beschlagkunde von Dr. A. von Rueff in Stuttgart. ussere Krankheiten der ldw. Haussäugetiere von F. Zorn, Kgl. Korpsrossarzt. 3 Geburtsbilfe von Amtstierarzt Tapken in Varel. 2. Auflage. Jagd, Sport und Fischerei. Künstliche Fischzucht von M. von dem Borne auf Berneuchen. 4. Auflage. Süsswasserfischerei von M. von dem Borne auf Berneuchen. Teichwirtschaft von M. von dem Borne auf Berneuchen. 4. Auflage. Goedde’'s Fasanenzucht. Bearbeitet von Fasanenjäger Staffel in Fürstenwald. 3. Auflage. Die Jagd und ihr Betrieb von A. Goedde, Herzogl. Jägermeister in Coburg 2. Aunflage. „ Jagd-, Hof- und Schäferhunde von Lieutenant Schlotfeldt in Hannorer. 5 Ratgeber beim Pferdekauf von Stallmeister B. Schoenbeck in Hörter. 2. Auflage. Wicdersetzlichkeiten des Pferdes von Stallmeister B. Schoenbeck in Höxter. lhRr Reiten und Fahren von Major R. Schoenbeck in Berlin. 3. Auflage. kage. Gartenbau. Hage.— Gehölzzucht von J. Ilartwig, Grossherzogl. Hofgarteninspektor in Weimar. 2. Auflage. Gewächshäuser ron J. Hartwig, Grossherzogl. Hofgarteninspektor in Weimar. 2. Auflage. kage.* Weinbau von Ph. Held, Gartenbau-Inspektor in Hohenheim. 4 363 Meyer's Immerwährender Gartenkalender. 3. Auflage. kage. Obstbau von R. Noack, Grossherzogl. Hofgarteninspektor in Darmstadt. 3 Auflage. hage. Gartenblumen(ucht und Pflege) von Th. Rümpler, General-Sekretär in Erfurt. 2. Auflage. kKkümplers Zimmergärtnerei. Bearbeitet von W. Mönkemeyer in Leipzig. 3. Auflage. hre. Obstbaumkrankheiten von Professor Dr. Paul Sorauer in Proskau. Gärtnerische Veredlungskunst von O. Teichert. Beéarbeitet von Pintelmann. 2. Auflage. Gemüsebau von B. von Uslar in Hannover.. 3. Auflage. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. .——=— é ————— o—ᷣ—ᷣ’:;⸗—--——————— Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10. 4 ——ÿ—— andwirtschaftliche Untarrichtshücher. Ackerbau von Direktor Dr. Droysen-Herford und Direktor Dr. disevius-Dahme. Vierte Auflage. Mit 175 Textabbildungen. 3 Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Pflanzenban von Direktor Dr. Birnbaum. Vierte Auflage, bearbeitet von Direktor Dr. Gisevius in Dahme. Mit 217 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Vviehzucht von v. Patzig, Professor in Marienburg. Vierte Auflage. Mit 96 Text- apbildungen. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. wirtschaftsbetrieb von pr. P. Gabler, Lehrer in Eldenaa. Kart., Preis 1 M. 20 Pf. Forstwirtschaft von G. Meyer, Kgl. Forstmeister in Ebstorf. kKkrclart., Preis 1 M. Physik von M. Hollmann, Oberlehrer in Thorn. Dritte Auflage. Mit 152 Textabbildungen. 3 Geb-, Preis 1 M. 30 Pf. Betriebslehre von Direktor A. Conradi in Hohenwestedt. Zweite Aufl. Geb., Preis 1 M. Wiesenbau von H. Kutscher, Lehrer in Hohenwestedt. Zweite Auflage. Mit 67 Textabbild. .. Geb., Preis 1 M 20 Pf. Chemie von P, J. Murzel. Direktor in St. Wendel. Zweite Auflage. Geb- Preis 1 M. 20 Pf. Selbstverwaltungsämter, vorbereitung für staatliche und kommunale. Von C. Petri: Lehrer in Hohenwestedt. Zweite Auflage. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Chemie von A. Maas, Lehrer in Wittstock. Mit 10 Textabbild. Geb., Preis 1 M 60 Pf. Obst- u. Gemüsebau von Otto Nattermüller. Mit 70 Textabbild. Geb., Preis 1 M. 50 Pf. Rechenbuch für niedere u. mittlere landw. Lehranstalten von L. Lemke, Lehrer in Stargard. I. Teil. Zweite Aufl. Geb., Preis 1 Mk. 40 Pf. II. T eil. Mit 112 Textabb. Geb., Preis 2 M. Lösungen(für beide Teile).. 4 Preis 1 M. Geometrie, Feldmessen u. Nivellieren von H. Kutscher, Lehrer in Hohenwestedt. gweite Auflage. Mit 172 Textabbildungen.. Geb., Preis 1. M. 40 Pf. Rechenbuch für Ackerbauschulen und landw. Winterschulen von P. Knak, Lehrer in Wittstock. Zweite Auflage..(Geb. Preis 1 M. 20 Pf. Lösungen.. Ppreis 1 M. Mineralogie u. Gesteinslehre von V. Uhrmann, Lehrer in Chemnitz. Mit 40 Text- abbildungen. Geb. Preis 1 M. Fütterungslehre von Direktor A. Conradi in Hobenwestedt. Zweite Auflage. 0 Pf 8“ Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Düngerlehre von Direktor A. Conradi in Hohenwestedt. 1 Preis 60 Pf. Wirtschaftslehre von Direktor Dr. V. Funk in zoppot. Vierte Auflage. Geb., Preis 1 M- Taxationslehre von C. Petri, Lehrer in Hohenwestedt. Geb. Preis 1 M. 60 Pf Geometrie der Ebene von Prof. L. Bosse in Dahme und Prof. H. Hüller in Eldena. Mit 200 Textabbildungen. 4 Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Stereometrie für Landwirtschaftsschulen von Prof. L. Bosse in Dahme und Prof. H. Müller in Eldena. Mit 30 Textabbildungen.. Preis 50 Pf. Bodenkunde von Dr. W. Lilienthal, Lehrer in Schönberg. Mité Textabbild. Geb., Preis 1 M. Deutsche Gedichte, herausgegeben für den Unterricht an Landwirtschaftsschulen von Direktor Dr. R. Schultz in Marggrabowa. Geb., Preis 2 M. Lehrbuch d. Botanik für Laudwirtschaftsschulen und andere höheré Lehranstalten von Oberlehrer G. Meyer in Dahme. Mit 285 Textabbildungen. Geb., Preis 2 M. 3 Preis 50 Pf, Bodenkunde von Direktor A. Wirtz in Odenkirchen. Lehrbuch der Physik in methodischer Bearbeitung für Landwirtschaftsschulen von Dr. Lautenschlüger, Oberlehrer in Samter. ö Geb., Preis 2 M. 80 Pf. Landmanns Buchführung von Dr. H. Clausen, Direktor in Heide. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Betriebseinrichtung kleinerer Wirtschaften v. Ok.-Rat Dr. Salfeld in Lingen. Preis 60 Pf. Deutsches Lesebuch für Ackerbauschulen, landw. Wwinterschulen und ländliche Fort- bildungsschulen von M. Hollmann u. P. Knak, Lehrern in Wittstock. Geb., Preis 2 M. 50 Pf. Bau und Leben der landwirtschaftl. Haussäugetiere von Dr. E. Laur, Lehrer in Brug. Mit 64 Textabbildungen und 5 Tafenmn. eb., Preis 1 M. Chemie für Ackerbau- u. landw. Winter-Schulen von W. Wellershaus„Landwirtschaftslehrer. . I. Teil: Anorganische Chemie. Preis 50 pf. I1. Teil: Organische Chemie. Preis 50 Pf. Betriebslehre für mittlere und niedere landw. Lehranstalten von Dr. R. Roth, Direktor in Chemnitz. Vierte Auflage. Geb., Preis 1 M. 40 Pf. Feldmess- und Nivellierkunde und Drainieren von Chr. Nielsen, Oberlehrey in Varel. Zweite Auflage. Mit 3 Tafeln und 102 Textabbildungen. Geb., Preis 2 M. Agrikulturchemie von br. R Otto in Proskau. I. Teiil. Preis 1 M. 40 Pf. Ackerbaulehre von H. Biedenkopf, Landwirtschaftslehrer inzChemnitz. Mit 83 Textabbild. Geb., Preis 1 M. 40 Pf. zu besichen ducch jede Buchhandlung.— ———x— Amtsti neIIt InSItu 1 Für Landwirte bearbeitet von A. Tapken, Amtstierarzt u. Lehrer an der Großherzogl. Landwirtſchafts⸗ u. Ackerbauſchule in Varel a. d. Jade. Zweite, neubearbeikeke und vermehrte Auflage. Mit 32 Textabbildungen. Berlin. Verlagsbuchhandlung Paul Parep. Verlag für Landwirtſchaft, Gartenbau und Forſtweſen. SW., Hedemannſtraße 10. 1899. ——————ü—;—————————————— ———;——— 4 6 3 6. 8 α 34 8· 8 5) 8 8 8 :1 . Vorwort. Bei unſeren Haustieren ſtellen ſich während der Trächtig⸗ keit, namentlich aber bei und nach der Geburt häufig Krank⸗ heiten und Regelwidrigkeiten ein. Die dadurch herbeigeführten Verluſte könnten oft verhütet oder verringert werden, wenn für eine zweckmäßige Haltung und Pflege und für eine rechtzeitige und ſachverſtändige Behandlung geſorgt würde. Das geſchieht aber vielfach nicht. Gewiß liegt das in der Regel daran, daß dem Beſitzer die nötigen Kenntniſſe auf dem Gebiet der Geburtshilfe fehlen. Die richtige Beurteilung der Krankheiten und Fehler erfordert allerdings vielſeitige wiſſenſchaftliche und praktiſche Kenntniſſe, die nur durch ein beſonderes Studium erworben werden können, weshalb als Fachmann hier nur der Tierarzt in Betracht kommen kann. Aber auch der Landwirt kann ſich einige geburtshilfliche Kenntniſſe aneignen und ſich dadurch vor manchem Schaden bewahren. Dieſes Buch ſoll ihm hierbei als Ratgeber dienen und ihm Anweiſung darüber geben, Krankheiten und Regelwidrigkeiten, inſoweit es ohne ein⸗ gehende Fachbildung möglich iſt, zu erkennen und zu beurteilen. Es ſoll ihn ferner inſtandſetzen, in leichteren Fällen ſelbſt zweck— mäßige Hilfe zu leiſten, in ſchwereren Fällen aber bis zur An— kunft des Tierarztes das Erforderliche zu veranlaſſen. Vor allem aber ſoll es den Landwirt auf die Urſachen von Ge⸗ ſundheitsſtörungen und auf die Mittel, dieſen nach Möglichkeit vorzubeugen, hinweiſen. Weitergehende Belehrung, z. B. über den Gebrauch ge⸗ burtshilflicher Inſtrumente und über die Zereſtückelung der Frucht zu erteilen, iſt unterblieben. Man möge nicht an⸗ IV Vorwort. nehmen, es ſei dies den Tierärzten zu Gefallen geſchehen. Sicherlich würde mancher Tierarzt gern darauf verzichten, die oftmals außerordentlich ſchwierigen Geburtshilfen auszuführen, wenn er ſich nicht aus Intereſſe für ſeinen Beruf und in dem Beſtreben, dem Beſitzer zu nützen und einem leidenden Tier zu helfen, dazu bereit fände. Dem Landwirt aber würden nähere Angaben über künſtliche Operationen nicht von Nutzen ſein, da er dieſe doch nicht ſachgemäß ausführen könnte. Aus dieſem Grunde und um nicht Gefahr zu laufen, zu mißlungenen Ver⸗ ſuchen Anlaß zu geben, die häufig Nachteile verurſachen, die nicht wieder gut zu machen ſind, ſind weitergehende Beleh⸗ rungen unterblieben. Manche Leſer werden nähere Mitteilungen über arzneiliche Behandlung vermiſſen, die Erfahrung zeigt jedoch, wie großen Schaden ſich viele Tierbeſitzer zufügen, indem ſie Arzneimittel, die in populären Büchern, in Zeitſchriften oder durch An⸗ preiſungen empfohlen werden, anwenden, und noch dazu in un⸗ paſſenden Fällen oder in unrichtiger Weiſe anwenden. Deshalb iſt von einer Beigabe von Rezepten abgeſehen worden. Eine erhebliche Bedeutung für die Landwirtſchaft haben auch die Krankheiten und Fehler der neugeborenen Tiere; ſie ſind in dieſem Buch nach den gleichen Grundſätzen wie die der Muttertiere beſprochen worden. Varel, den 13. Januar 1899. Tapken. Inhalt. Vorwort Bau und Verrichtungen des Beckens und der Jortpilanzungs. vrgane weiblicher Tiere.. 3. AE 9 — SSES Das Becken. Die Fortpflanzungsorgane weiblicher Tiere Die Geſchlechtsreife weiblicher Tiere. Die Brunſt. Die trächtige Gebärmutter mit den Fruchchülen und deren Inhalt... Zeichen der Trächtigkeit. Dauer der Trächtigkeit Behandlung trächtiger Tiere Unfruchtbarkeit.. Stierſucht. Krankheit und Regelwidrigkeiten während der Wrachtigeeit 901==. 85 Extrauterinträchtigkeit, Bauchhöhlenträchtigkeit. Vielträchtigkeit, liberfruchtung, Füwerſchwangeng Eihautwaſſerſucht. Scheidenvorfall. Fruchthälterbruch Feſtliegen vor der Geburt. Blutung aus den Geburtsteilen Das Verwerfen. Abſterben der Jungen in der Gebärmuiter Die regelmäßige Geburt. 1. V 2. 3. 4. erlauf der regelmäßigen Geburt. Beaufſichtigung und Hilfeleiſtung bei regelmäßiger Geburt Behandlung des Muttertieres nach der Geburt.. Behandlung des neugeborenen Jungen. Schwergeburten........... Allgemeines............. VI Inhalt. A. Schwergeburten infolge Regelwidrigkeiten und Krankheiten der Muttertiere: Pfed⸗ Rind, Sehaf und Ziege. 1. 2. 3. 4. Verengerung des Geburtskanals! a) Verengerung des Wurfes. b) Verengerung der Scheide. c) Verengerung des Gebärmutterhalſes d) Verengerung des Beckens. Wehenſchwäche.. Zu ſtarke Wehen. Zaß ttewebmehung B. Schwergeburten infolge Regelwidrigkeiten Und Krankheiten der Iungen: Pierd⸗ Rind, Schaf und Ziege... 1. 4. 5. Fehlerhafte Lagen Allgemeines. a) Fehlerhafte Lagen des Kopfes. b) Fehlerhafte Lagen der Vorderfüße. c) Fehlerhaſte Lagen der Dinterfüße d) Seiten⸗ und Rüsenlage e) Querlagen.... f) Senkrechte Lage. g) Regelwidrigkeiten bei Zwilings- und Drilings⸗ geburten. Unverhältnismäßige Größe.... Mißbildungen und Krankheiten des Jungen. a) Zwillings⸗ und Drillingsmißbildungen.. b) Junges mit geſpaltener Bauchhöhle.(Schistosomus reflexus) c) Verkrümmungen der Wirbelſäuie und der Glied⸗ maßen....... d) Der Waſ ſerkopf. e) Bauchwaſ ſerſucht und Bruſtwaſf exfuch. f) Hautwaſſerſucht g) Geſchwülſte.... Abgeſtorbene Früchte als Geburtshindernis. Beſondere Vorkommniſſe bei der Geburt C. Schwergeburten beim Schwein Aülcenainds 3 Unverhältnismäßige Größe Wehenſchwäche. Fehlerhafte Lagen Mißbildungen. Verengerung des Geburtskanals.— Abgeſtorbene und aufgedunſene Früchte S Ho po F Krankheiten und Megelwidrigkeiten beim Muttorkier nach der Geburt.. Allgemeine.......... Verletzungen der Geburtsorgane.......... te ——————- ————-———— ———— — —,——-—+- ee— 99 1SSn Inhalt. a) Einriſſe am Wurf, Dammriß b) Verletzungen der Scheide c) Verletzungen der Gebärmutter. d) Plutzeſchwülſte und Odeme. e) Sonſtige Verletzungen inſoige der Geburt Gebärmuttervorfall.... Milchfieber Gebärmutterentzündungen a) Die akute Gebärmutterentzündung b) Die chroniſche Gehütmuttereutzundung c) Weißer Fluß. Entzündung der Scheide und des Wurfes Zurückbleiben der Nachgeburt. Feſtliegen nach der Geburt.. a) Feſtliegen nach ſchwerer Geburt. b) Feſtliegen nach leichter Geburt Gebärfieber des Schweines. Böswilligkeit des Schweines und Jertefreſen .Krankheiten und Fehler d des Euters. Milchmangel. Enterentzündungen. Allgemeines. a) Die katarrhaliſche Euterentzündung. b) Die parenchymatöſe, tiefe, uterentzndung c) Gelber Galt... d) Euterſeuche des Weideviehs e) Eutertuberkuloſe Blutungen im Euter(Blutmelken) Milchfluß..... Milchfiſtel Verſchluß oder Verengerung der Striche.. Sprödigkeit und Bläschenausſ chlͤde a an den Striche Warzen an den Strichen. Milchfehler.. Krankheiten und Fehler neugeborener Tiere Aüigemeines.. 1 99 19 Scheintod und Lebensſchwüche. Nabelblutung— Harntröpfeln aus dem Nabel. Angeborene Fehler. a) Verkrümmung des Halſes 8.— b) Verkrümmungen der Gliedmaßen. c) Afterſperre..... d) Karpfenmaul, dechismaul. e) Hodenſackbruch.. f) Nabelbruch.. 9) Zurückbleiben der Hoden dercheabgang des Darnpehe Nabelentzündung. 139 139 141 142 142 144 VIII Inhalt. .Eitrige Gelenkentzündung, Lähme Ruhr. Anſteckende Lungenenizüidung der älber Knochenweiche .Schnüffelkrankheit. Blutarmut. Ruß der Ferkel Krämpfe der Ferkel Seite 146 147 149 149 151 151 152 153 Bau und Verrichtungen des Beckens und der Fortpflanzungsorgane weiblicher Tiere. 1. Das Becken. Das Becken wird aus den beiden Beckenknochen, dem Kreuz⸗ bein und den erſten drei oder vier Schwanzwirbeln gebildet. Die beiden Beckenknochen ſind nach unten hin, in der Beckenfuge, unbe⸗ weglich mit einander verbunden und oben durch das Kreuzbein, einen Teil der Wirbelſäule, miteinander vereinigt. Hinter dem Kreuzbein befinden ſich die Schwanzwirbel. Dieſe Knochen ſtellen eine geräumige Höhle, die Beckenhöhle her, die jedoch nicht allein durch Knochen, ſondern zum Teil auch durch häutige und muskulöſe Gebilde abgeſchloſſen wird. Nach oben und unten wird die Beckenhöhle hauptſächlich durch Knochen begrenzt. In ſeinem vorderen Teile, dem Beckeneingang, wo es mit der Bauchhöhle in Verbindung ſteht, bildet das Becken einen vollſtändig geſchloſſenen Knochenring, während die hintere Offnung, der Beckenausgang, zum Teil durch Sehnen und Muskeln her⸗ geſtellt wird. In der Beckenhöhle befindet ſich die Scheide, der hintere Abſchnitt der Gebärmutter, ſowie der Maſtdarm und die Harnblaſe. Die Beſchaffenheit der Beckenhöhle iſt bei der Geburt von der größten Bedeutung, da die Frucht ihren Weg durch das Becken nehmen muß; dieſes ſtellt demnach den knöchernen Geburtskanal für das Junge dar. Eine geräumige Beckenhöhle iſt daher von Wichtigkeit, namentlich da der Beckeneingang einer nennenswerten Erweiterung während der Geburt nicht fähig iſt. Das Pferd hat ein verhältnismäßig weites, rundes, das Rind am häufigſten ein engeres, ſchmäleres Becken.(Fig. 1.) Tapken, Geburtshilfe. 2. Auflage. 4 2 Bau und Verrichtungen des Beckens und der Fortpflanzungsorgane ꝛc. 2. Die Rorkpflanzungsorgane weiblicher Tiere. Zu den weiblichen Fortpflanzungsorganen oder Geſchlechts⸗ organen(Fig. 2) gehören der Wurf, die Scheide, die Gebärmutter, die Eierſtöcke mit den Eileitern, die Milchdrüſe. Der Wurf oder die Scham liegt unter dem After, von dem er durch den Damm oder das Mittelfleiſch getrennt iſt. Er be⸗ ſteht aus den beiden Wurflippen, zwiſchen denen ſich die ſenkrecht geſtellte Wurfſpalte mit einem oberen und einem unteren Winkel d* befindet. Im unteren Winkel der Wurfſpalte ſitzt ein rundlicher, b 9 6 V Fig. 1. Becken der Stute, von vorn geſehen. ſchwammiger Körper, der ſog. Kitzler. Der Wurf bildet den Ein⸗ gang in die Scheide. Die Scheide liegt vollſtändig in der Beckenhöhle, unter dem Maſtdarm und über der Harnblaſe, und reicht bis zum Gebär⸗ mutterhals. Sie ſtellt einen Kanal dar, deſſen Wandungen aus drei dehnbaren aber feſten Häuten beſtehen. In der unteren Wand der Scheide mündet die Harnröhre. Die Länge der Scheide beträgt beim Pferde etwa 30, beim Rind 30— 40, beim Schaf 12— 14 cm. Die Gebärmutter, auch Fruchthälter, Tragſack oder Uterus Die Fortpflanzungsorgane weiblicher Tiere. 3 genannt, befindet ſich zum größten Teil in der Bauchhöhle— mit ihrer hinteren Partie in der Beckenhöhle— und zwar unter dem Maſtdarm und über den übrigen Gedärmen. Sie wird namentlich durch ſtarke, breite Bänder in ihrer Lage erhalten. Die Wandungen der Gebärmutter beſtehen aus drei eng mit einander verbundenen Häuten. Die äußere Haut iſt eine Fortſetzung der Bauchhaut, die mittlere eine Muskelhaut, die innere eine Fig. 2. Fortpflanzungsorgane der Stute, zum Teil geöffnet. aa die am oberen Winkel getrennten Wurfwinkel, b Kitzler, c Vorhaut desſelben, dd geöffnete Scheide, e Harnblaſe, e“' deren Mündung in die Scheide, k Scheidenklappe, g Gebärmutterhals(Muttermund), gg Gebär⸗ mutterkörper, geöffnet, h geöffnetes Horn, i Eileiter, k Eierſtock. Schleimhaut. Letztere iſt bei den Wiederkäuern mit kleinen Wülſten, den Fruchthälterwarzen, verſehen. Man unterſcheidet an der Gebärmutter den Hals, den Körper und die beiden Hörner. Der Gebärmutterhals liegt nach rückwärts, zwiſchen dem Gebärmutterkörper und der Scheide. Er iſt von derber, cylindriſcher Beſchaffenheit und hat bei der Kuh eine Länge von etwa 10 cm. Durch den Gebärmutterhals ver⸗ läuft in gerader Richtung von hinten nach vorn ein Kanal, deſſen 1* 4 Bau und Verrichtungen des Beckens und der Fortpflanzungsorgane ꝛc. hintere Offnung, der äußere Muttermund, in die Scheide, und deſſen vordere Offnung, der innere Muttermund, in die Gebärmutter⸗ höhle mündet. Man nennt den Gebärmutterhals oder den Kanal auch wohl kurz Muttermund. Dieſer iſt gewöhnlich feſt ge⸗ ſchloſſen; in geringerem Grade erweitert er ſich während der Brunſt, eine völlige Offnung erfolgt nur bei der Geburt. Der Gebärmutterkörper, der beim Pferd eine Länge von etwa 14 cm, beim Rind von annähernd 3 cm hat, umſchließt die Gebärmutterhöhle. Nach vorn teilt ſich die Gebärmutter in zwei Äſte, die Hörner, die beim Pferd und den Wiederkäuern nur kurz, beim Schwein dagegen lang und von darmähnlichem Ausſehen ſind.— Der Fruchthälter wiegt beim nichtträchtigen Pferd nur etwa 1 ¼ kg. Die Eierſtöcke ſind ein Paar eiförmige— beim Schwein traubenförmige— Körper, die in der Bauchhöhle, dicht hinter den Nieren ihre Lage haben. In ihnen befinden ſich zahlreiche Bläschen, die Eier, die Keime künftiger Früchte enthalten; die Eier ſind mit bloßen Augen kaum wahrnehmbar. Die Eileiter ſind zwei enge, gewundene Röhren, die von den Eierſtöcken zu den Gebärmutterhörnern führen und dazu be⸗ ſtimmt ſind, Eier zum Fruchthälter zu leiten. Die Milchdrüſe, auch Euter oder Geſäuge genannt, liegt an der unteren Bauchfläche. Das Euter beſteht aus paarigen Drüſen, die in ihrer Mittellinie zwar durch eine Scheidewand von einander getrennt ſind, aber doch eine zuſammenhängende Maſſe bilden. An der unteren Fläche jeder Milchdrüſe befindet ſich eine Zitze — Strich oder Saugwarze— und zwar bei der Stute, dem Schaf und der Ziege an jeder Seite ein Strich, bei der Kuh zwei und bei dem Schwein vier bis ſieben Zitzen. Namentlich bei der Kuh ſind häufig an der hinteren Fläche des Euters noch zwei kurze Zitzen, ſog. Afterzitzen vorhanden, welche gewöhnlich ver⸗ ſchloſſen ſind und keine Milch geben. Das Gewebe der Milchdrüſen beſteht hauptſächlich aus Drüſen⸗ bläschen und Milchgängen, die von zahlreichen Blutgefäßen und Bindegewebe umgeben ſind. In den Drüſenbläschen bildet ſich die Milch, die durch die Milchgänge nach einer größeren Höhle, der Milchziſterne, geleitet wird. Dieſe befindet ſich in der Zitze, aus welcher die Milch durch den Milchkanal entleert wird. Beim Pferd hat jeder Strich zwei Offnungen, bei den Wiederkäuern und dem Schwein nur einen Milchkanal(Fig. 3). Die Fortpflanzungsorgane weiblicher Tiere. ——-47 Fig. 3. Die Milchziſterne und der Ausführungsgang einer Milchdrüſe geöffnet. 6 Bau und Verrichtungen des Beckens und der Fortpflanzungsorgane ꝛc. 3. Die Geſchlechtsreife weiblicher Tiere. g8 Erſt in einem gewiſſen Lebensalter ſind die Tiere ſo weit entwickelt, daß ſie imſtande ſind, ſich fortzupflanzen; man nennt de ſie dann geſchlechtsreif. Die Geſchlechtsreife tritt bereits ein, ldu bevor die Tiere ausgewachſen ſind und zwar je nach ihrer Art I und Raſſe, aber auch je nach Haltung, Ernährung, Klima und Da Jahreszeit verſchieden früh. Durch gute Pflege, reichliche Ernährung ſe und durch das Zuſammenleben von männlichen und weiblichen A Tieren wird im allgemeinen der Eintritt der Geſchlechtsreife be⸗ ſchleunigt. we Die Reife wird in der Regel erreicht: A beim Pferd im Alter von 1 ½ Jahren, di „ Nind„„„ 1 Jahr, „ Schaf u. d. Ziege im Alter von 6— 8 Monaten, ti „ Schwein im Alter von 5—6 Monaten. in Mitunter gelangen die Tiere in einem noch weſentlich jüngeren de Alter in den Zuſtand der Geſchlechtsreife. So hat man beobachtet, daß Stutfohlen im Alter von 10— 12 Monaten, Kälber von kaum d5 6 Monaten und Schweine von 4 Monaten brünſtig waren und zr erfolgreich befruchtet wurden. d In höherem Alter hört die Fortpflanzungsfähigkeit auf, und 1 zwar meiſtens bei der Stute mit 25, bei der Kuh mit 20, bei dem Schaf mit 8 und bei dem Schwein mit 6 Jahren. Allein ſc die Raſſe, Haltung und Ernährung üben auf das frühere oder fn ſpätere Erlöſchen der Fortpflanzungsfähigkeit großen Einfluß aus. 4. Die Brunſt. Sobald ein Tier geſchlechtsreif geworden iſt, ſtellen ſich in gewiſſen Zwiſchenräumen Erſcheinungen ein, die man als Brunſt bezeichnet; beim Pferde wird dieſelbe„Roſſigkeit“, beim Rinde „Rindern“, bei dem Schweine„Rauſchen“ genannt. Die äußeren Erſcheinungen der Brunſt ſind namentlich Schwellung und Rötung der Scham und der Scheidenſchleimhaut, häufiges Urinieren, Unruhe, veränderte Milchabſonderung(bei milchgebenden Tieren). Die Stute wiehert öfters, beſonders wenn ſie andere Pferde ſieht, wedelt mit dem Schweif, hat Schleimabfluß und ſtellt ſich häufiger zum Urinieren, ſetzt aber nur in kleineren Mengen Harn ab. Viele Stuten ſind kitzliger als gewöhnlich, andere da⸗ gegen laſſen ſich Berührungen mit dem Striegel, den Zugſträngen — =2 — —— ——“· d————— Die Brunſt. 7 oder den Sporen, denen ſie ſich ſonſt zu entziehen ſuchten, ohne Widerſtand gefallen. Das Rind iſt unruhig, brüllt viel, ſucht auf andere Rinder oder ſogar auf Menſchen zu ſpringen, zu„reiten“. Im Freien läuft es unruhig und brüllend umher und verläßt nicht ſelten die Weide, namentlich wenn ſich ein Stier in der Nähe befindet. Der Wurf iſt geſchwollen; aus der Scheide fließt Schleim, der bei manchen Rindern mit Blut vermiſcht iſt. Bei milchgebenden Tieren iſt die Milch vermindert und von veränderter Beſchaffenheit. Bei dem Schaf ſind die Brunſterſcheinungen in der Regel wenig ausgeprägt und beſchränken ſich auf häufiges Blöken und Aufſuchen des Bockes. ÄAhnlich verhält es ſich mit der Ziege, die viel meckert und gewöhnlich das Futter verſchmäht. Das Schwein iſt unruhig, grunzt öfters, läßt ſich willig be⸗ rühren und ſucht auf andere Schweine zu ſpringen. Es iſt bei ihm die Schwellung— und bei weißen Tieren auch die Rötung— des Wurfes beſonders deutlich bemerkbar. Der wichtigſte innere Vorgang bei der Brunſt iſt die Löſung von Eiern vom Eierſtock, die durch den Eileiter in den Fruchthälter gelangen. Bei dem Pferd und dem Rind löſt ſich in der Regel nur ein Ei, bei den Haustieren, die mehrere Junge zur Welt bringen, mehrere Eier. Die Dauer der Brunſt iſt je nach der Tiergattung ver⸗ ſchieden, und wird durch eine während der Brunſt erfolgte Be⸗ fruchtung nicht abgekürzt. Im allgemeinen dauert die Brunſt beim Pferd.... 8 10 Tage, beim Nind.... 24— 48 Stunden, bei Schaf und Ziege.. 1—3 Tage, beim Schwein.... 24— 40 Stunden. Bei nicht ſtattgefundener Befruchtung wiederholt ſich die Brunſt in beſtimmten Zwiſchenräumen, und zwar beim Pferd in etwa 3—4 Wochen, beim Rinde, den kleinen Wiederkäuern und dem Schwein in 3 Wochen. Stuten zeigen ſowohl hinſichtlich der Dauer als auch der Wiederkehr der Brunſterſcheinungen erhebliche Abweichungen. Mit⸗ unter währt die Roſſigkeit nur 3— 5 Tage. Über die Wiederkehr der Brunſt ſind ſehr verſchiedene Beobachtungen gemacht worden. Sicher iſt jedoch, daß die Stute 5—9 Tage nach dem Gebären wieder brünſtig wird. Wird ſie dann nicht befruchtet, ſo bleibt die Roſſigkeit manchmal längere Zeit aus. Das Rind pflegt 3—4 Wochen nach der Geburt wieder zu 8 Bau und Verrichtungen des Beckens und der Fortpflanzungsorgane ꝛc. rindern, mitunter ſpäter. Bei jungen, aber geſchlechtsreif ge⸗ wordenen Rindern, aber auch bei älteren Kühen, können jedoch ſelbſt monatelange Pauſen eintreten. 5. Die trächtige Gebärmukter mit den Pruchthüllen und deren Inhalt. Wenn die in die Gebärmutter gelangten Eier befruchtet werden, ſo ſtellen ſich wichtige Veränderungen am Ei und an der Gebärmutter ein. Das Ei, aus dem ſich das Junge entwickelt, befindet ſich nach der Ablöſung vom Eierſtocke bei der Stute und dem Rinde in einem Horn oder im Körper des Fruchthälters. Sowohl der Körper als auch die beiden Hörner nehmen mit dem Fortſchreiten der Trächtigkeit allmählich an Umfang zu. Bei hochträchtigen Stuten reicht die Gebärmutter nach unten bis auf die Bauchdecken und nach vorn häufig bis zum Zwerchfell. Beim Rind liegt der Tragſack mehr an der rechten Seite, weil ſich an der linken der Panſen befindet. Wenn bei den großen Haustieren mehr als ein Junges vor⸗ handen iſt, ſo liegt in jedem Horn eine Frucht. Beim Schaf oder bei der Ziege können ſich in jedem Horn mehrere Junge entwickeln. Bei dem Schwein befinden ſich die Früchte ziemlich gleichmäßig verteilt in beiden Gebärmutterhörnern hintereinander. Das befruchtete Ei liegt in den erſten Tagen frei im Trag⸗ ſack und wird hier namentlich durch die von der Schleimhaut abgeſonderte Uterinmilch ernährt. Schon im erſten Trächtigkeits⸗ monat bilden ſich die Fruchthüllen(Fig. 4 u. 5), und durch dieſe wird die Verbindung zwiſchen dem Muttertier und der Frucht her⸗ geſtellt und die Ernährung vermittelt. Man unterſcheidet drei Fruchthüllen oder Eihäute: die Lederhaut, die Harnhaut und die Schafhaut. Die Lederhaut iſt die äußere der Hüllen. Sie bildet einen großen Sack, der die ganze Gebärmutterhöhle ausfüllt und überall deren Wandungen berührt. An der Oberfläche der Lederhaut befindet ſich der Fruchtkuchen. Dieſer beſteht bei dem Pferd und dem Schwein aus kleinen Zotten, die überall mit der Schleimhaut des Frucht⸗ hälters verbunden ſind. Die Schleimhaut verändert ſich während der Trächtigkeit und bildet den ſog. Mutterkuchen, der dazu beſtimmt iſt, die Zotten der Lederhaut aufzunehmen.— Bei dem Rind, dem Schafe und der Ziege erſtreckt ſich der Fruchtkuchen 2— nich zah von der ör. den Die trächtige Gebärmutter mit den Fruchthüllen und deren Inhalt. 9 nicht über die ganze Oberfläche der Lederhaut, ſondern es ſind an zahlreichen, etwa 100 Stellen(Fig. 5 u. 6), beſondere Zottenbüſchel von rundlicher Form vorhanden, die ſich mit ebenſo vielen Stellen der Gebärmutterſchleimhaut verbinden. Dieſe Stellen ſind die Fruchthälterwarzen oder Karunkeln, die in ihrer Geſamtheit den Mutterkuchen darſtellen. Die Warzen, die bei nichtträchtigen Fig. 4. Schema der Fruchthüllen des Füllens. Der äußere Sack der Fruchthüllen zeigt einen doppelten Umriß; der äußere iſt die Lederhaut, die innere das äußere Blatt der Harnhaut. Von den beiden Umriſſen des inneren Sacks der Fruchthüllen iſt der äußere das innere Blatt der Harnhaut, der innere die Schafhaut. Al Harn⸗ hauthöhle, die Harnhautflüſſigkeit enthaltend. Am Schafhauthöhle, die Schafhautflüſſigkeit ent⸗ haltend. U Harnſchnur.* Mündung der Harnſchnur in die Harnhauthöhle. Hb Harnblaſe. Nb Nabelbläschen. Wiederkäuern nur klein und flach ſind, nehmen während der Trächtigkeit bedeutend an Umfang zu und wandeln ſich zu ge⸗ ſtielten, auf der Schleimhaut ſitzenden, ſchwammigen Gebilben um. Die zweite Fruchthaut iſt die Harnhaut. Sie ſtellt einen umfangreichen Sack dar, der eine bedeutende Menge Flüſſigkeit, die Harnhautflüſſigkeit, umſchließt. Dieſe wird zum größten Teil 10 Bau und Verrichtungen des Beckens und der Fortpflanzungsorgane ꝛc. von den Nieren des Fötus abgeſondert, iſt demnach fötaler Harn. In der Harnhautflüſſigkeit, die am Ende der Trächtigkeit von trüber Beſchaffenheit iſt, finden ſich mitunter grünliche oder bräun⸗ liche Körper, ſog. Fohlenbrot, die verödete Teile der Frucht⸗ hüllen ſind. D Fig. 5. Schema der Fruchthüllen des Kalbes. 0C Fruchtkuchen, die auf der Lederhaut ſitzen(ſie ſind mit den Fruchthälterwarzen verbunden) DD Anhäuge der Hornhaut, welche die Lederhaut durchwachſen. Die Schafhaut iſt ſehr dünn und die innerſte der Eihüllen. Sie umſchließt eine ſchleimige, trübe Flüſſigkeit, das Schafwaſſer. Harnhautflüſſigkeit und Schafhautflüſſigkeit werden als Frucht⸗ waſſer bezeichnet; es dient zum Schutz des Jungen. 92 1 dJ ritel bon. Nabel nit ? riini rim dch zuri bei der nc wit unden) üllen. ſſer. ucht⸗ Die trächtige Gebärmutter mit den Fruchthüllen und deren Inhalt. 11 Die Verbindung der Frucht mit dem Muttertier wird durch den Nabelſtrang, ein rundliches, ſtrangförmiges Gebilde, ver⸗ mittelt. Er iſt beim Füllen 40—50, beim Kalbe reichlich 30 cm lang. Der Nabelſtrang enthält die beiden Nabelarterien, die Nabelvene und die Harnſchnur. Die Nabelarterien führen das mit Kohlenſäure und anderen Zerſetzungsſtoffen beladene Blut des Jungen nach dem Fruchtkuchen. Hier wird das Blut ge⸗ reinigt, es giebt Kohlenſäure und andere Zerſetzungsprodukte ab, H D. 3 8 e Mn 5 e hlhale Se Fig. 6. Kalb mit Fruchthüllen. N, Na Nabelarterien, N Nabelvenen, C Fruchtkuchen. nimmt dagegen Sauerſtoff und Nährmaterial von dem Mutter⸗ kuchen auf und wird durch die Nabelvene wieder zur Frucht zurückgeführt. Sobald dieſer Stoffaustauſch aufhört, was z. B. bei einem Zuſammenpreſſen des Nabelſtrangs geſchehen kann, ſtirbt der Fötus ab.— Die Harnſchnur leitet den Harn des Jungen nach dem Harnhautſack. über die Entwickelung der Frücht, die auch Fötus genannt wird, hat man unter anderem beim Kalbe folgendes beobachtet: 12 Bau und Verrichtungen des Beckens und der Fortpflanzungsorgane ꝛc. Mit 4 Wochen iſt die Frucht annähernd 1 cm lang. Sie liegt dann noch frei in der Gebärmutter, es ſind bei ihr aber ſchon alle Organe in der Anlage vorhanden. Mit 8 Wochen iſt der Fötus 6— 6 ½ cm, mit 11 Wochen 11 cm, mit 14 Wochen 14 cm lang. Um letztere Zeit beträgt das Gewicht des Jungen etwa 2 kg. Im 5. Monat— 120— 130 Tage— erreicht die Frucht eine Länge von 35— 40 cm und mit 18 Wochen erſcheinen die erſten Haare, und zwar Taſthaare an den Lippen und am Kinn. Im 6. Monat wird das Junge 60 em lang, 3— 4 kg ſchwer und am Flotzmaul, ſowie an den Augen bilden ſich Haare. Im 7. Monat erreicht der Fötus eine Länge von 70 cm und ein Gewicht von 5— 6 kg. Am Ende dieſes Monats erſcheinen an den Kronen der Füße, an der Schwanzſpitze und an den Stellen, wo ſpäter die Hörner hervorwachſen, Haare. Im 8. Monat be⸗ trägt die Länge ca. 75 cm, das Gewicht etwa 12 ½ kg. Es wachſen nun auch Haare an den Ohrrändern und am Rücken. Am Anfange des 9. Monats(alſo vom 240. Tage an) bedeckt ſich der ganze Körper mit Haaren, und zwar am Rücken zuerſt. In der erſten Hälfte des 10. Monats wird das Junge geburtsreif. 6. Zeichen der Trächtigkeik. Die Entwickelung der Frucht veranlaßt beim Muttertier auch äußerlich wahrnehmbare Veränderungen, die als Zeichen der Trächtig⸗ keit dienen können. In der Regel bleibt die Brunſt nach der Befruchtung aus. Dieſer Umſtand iſt zunächſt das einzige Zeichen für die erfolgte Trächtigkeit. Allein bei Pferden und Rindern ſtellt ſich trotz der Trächtigkeit die Brunſt bisweilen wieder ein; man ſpricht dann von Afterbrunſt. Andererſeits kann aber auch die Brunſt monate⸗ lang ausbleiben, ohne daß Trächtigkeit vorhanden iſt. Tragende Tiere haben vermehrten Appetit, Pferde zeigen ge⸗ ſteigerten Futterneid. Da die Frucht in der erſten Zeit ihrer Ent⸗ wickelung nicht viel Nährſtoffe verlangt, und trächtige Tiere meiſtens ruhiger als ſonſt ſind, ſo pflegt ſich ihr Nährzuſtand in der erſten Zeit nach der Befruchtung zu beſſern. Eine Umfangsvermehrung des Bauches iſt zunächſt nicht zu bemerken, da das Wachstum des Jungen anfänglich nur langſam vor ſich geht. Im zweiten Drittel der Trächtigkeit ſtellt ſich aber eine wahrnehmbare Umfangszunahme ein. Bei der Kuh iſt dieſe am leichteſten erkennbar, es dehnt ſich bei ihr die rechte bereit diſe Gebä und diſſe de dide um me w. Sie aber en iſ ochen ungen ht die einen d am 4 g Haare d ein en an ftellen, nt be⸗ E ücken. kt ſich In tsreij. auch chig⸗ aus. folgte z der dann onate⸗ en ge⸗ rEnt⸗ eiſtens erſten icht zu ungſam h aber uh iſt rechte Zeichen der Trächtigkeit. 13 Seite des Bauches ſtärker als die linke aus, und zugleich ſenkt ſich der Bauch nach unten, namentlich bei Kühen mit ſchlaffen Bauchdecken. Bei Stuten, zumal wenn ſie zum erſtenmal tragend ſind, iſt eine Umfangsvermehrung ſelbſt in den letzten Monaten der Tragezeit manchmal wenig in die Augen fallend. Auf eine Trächtigkeit kann erſt mit Sicherheit geſchloſſen werden, wenn die Frucht entweder bei der Eigenbewegung wahrnehmbar oder durch die unterſuchende Hand fühlbar iſt. Bewegungen des Jungen laſſen ſich bei der Stute und der Kuh meiſtens im letzten Drittel der Tragezeit bemerken. Bei der Stute iſt dies am eheſten möglich, wenn man morgens nach der Getränkaufnahme oder nach vorangegangenen Anſtrengungen des Tieres die Hand vor dem Euter an den Bauch legt. Bei der Kuh iſt das Kalb in der Regel in der rechten Flanke zu fühlen, wenn hier kurze Stöße mit der geballten Fauſt ausgeführt werden. Ausnahmsweiſe iſt die Frucht in der linken Flankengegend wahrnehmbar; bei Vorhanden⸗ ſein von Zwillingen iſt mitunter der eine Fötus in der linken, der andere in der rechten Flanke zu fühlen. An dieſen Körper⸗ gegenden ſind bei der Kuh auch Bewegungen des Jungen zu bemerken. Eine Schwellung des Euters pflegt ſich bei Stuten und Kühen 1 ½— 3 Monate vor dem Ende der Tragezeit einzu⸗ ſtellen. Bei Rindern, die zum erſtenmal tragend ſind, kann bereits in der Mitte der Trächtigkeit eine Zunahme der Milch⸗ drüſe eintreten. Bei Kühen, die bis wenige Wochen vor dem Gebären gemolken werden, erfolgt eine Euterſchwellung erſt ſpät und fehlt, wenn ſie„durchgemolken“ werden, mitunter ganz, in⸗ deſſen iſt die Milch zuletzt von veränderter Beſchaffenheit. In der letzten Zeit der Trächtigkeit ſtellen ſich charakteriſtiſche, die nahe bevorſtehende Geburt anzeigende Erſcheinungen ein. Es bilden ſich beſonders beim Pferd ſich teigig anfühlende Anſchwellungen am Bauch und an den Schenkeln; bei Stuten, denen keine Be⸗ wegung verſchafft wird, treten ſolche Schwellungen ſchon frühzeitig auf und können einen beträchtlichen Umfang erreichen. Bei der Kuh nennt man eine ſich vor dem Euter am Bauch zeigende Anſchwellung Floß oder Voreuter. Die Schwellung des Euters kann bei Milch⸗ kühen ſo erheblich werden, daß ſich die Tiere kaum hinlegen können. In der letzten Zeit vor dem Gebären bildet ſich in der Milchdrüſe eine dicke gelblich ausſehende Milch, die Koloſtralmilch (Bießmilch, Beeſtmilch), und die Zitzen füllen ſich mit Milch, ſie werden prall, geſpannt. Beim Pferde laſſen ſich an der Spitze 14 Bau und Verrichtungen des Beckens und der Fortpflanzungsorgane ꝛc. der Zitzen oft kleine Kruſten wahrnehmen, die aus eingetrockneter Milch beſtehen und„Harztropfen“ genannt werden. Die Wurflippen ſchwellen an, die Wurfſpalte vergrößert ſich bedeutend. Aus der Scheide, deren Schleimhaut ſich rötet, fließt, namentlich bei der Kuh, klarer Schleim ab. Infolge Erſchlaffung der Muskeln und Sehnen der Kruppe fallen deren Seitenflächen ein. Bei der Kuh iſt beſonders eine ſtarke Senkung der Kreuzſitzbeinbänder(„Sehnen“) bemerkbar. Bei der Ziege iſt eine Umfangsvermehrung des Bauches bemerkbar. In den letzten Wochen der Tragezeit beginnt das Euter anzuſchwellen, und der Wurf zeigt ſich gerötet und ver⸗ größert. Ähnlich verhält es ſich beim Schaf. Wenig charakteriſtiſch ſind beim Schwein die Trächtigkeits⸗ erſcheinungen. Eine Umfangsvermehrung des Bauches iſt oftmals erſt in den letzten Wochen deutlich wahrnehmbar. Eine Ver⸗ größerung des Geſäuges findet erſt 2 bis 3 Wochen vor Ablauf der Tragezeit ſtatt, das Einſchießen der Milch und Prallwerden der Zitzen erfolgt 2 bis 4 Tage vor der Geburt. Es ſei hier noch bemerkt, daß der Sachverſtändige(Tierarzt) bei großen Haustieren— Pferd und Rind— in der Regel durch eine innere Unterſuchung die Trächtigkeit ſchon frühzeitig feſtſtellen kann, wenn die gewöhnlichen Unterſuchungsmethoden im Stich laſſen. 7. Die Dauer der Trächtigkeit. Die Trächtigkeit währt im Durchſchnitt: bei dem Pferd 336 Tage, „„ Nind 285„ „„ Schaf 150„ „ der Ziege 150„ „ dem Schwein 114„ Es kommen jedoch nicht unerhebliche Abweichungen hinſichtlich der Tragezeit vor. Im allgemeinen dauert die Trächtigkeit bei ſpätreifen Raſſen länger als bei bei frühreifen, männliche Früchte werden etwas ſpäter als weibliche geboren. In erheblicherer Weiſe aber noch machen ſich Unterſchiede bei den einzelnen Tieren, individuelle Unterſchiede, bemerkbar. Es giebt Muttertiere, die jedesmal längere Zeit, als es im Durchſchnitt bei ihrer Gattung der Fall iſt, tragen. Am meiſten ſchwankt die Trächtigkeitsdauer beim Pferd, und le d. neter ſich ließt, uppe eine uches das ver⸗ keits⸗ mals Ver⸗ f der i der rarzt) Regel zeitig n in ctlich it bei rüchte cherer reren, e, die attung , und Behandlung trächtiger Tiere. 15 zwar zwiſchen 300 und 400 Tagen. Es iſt jedoch ſehr ſelten, daß eine Stute länger als ein Jahr trägt. Bei der Kuh kann die Trächtigkeit 240 bis 310 Tage, aus⸗ nahmsweiſe ſogar bis 335 Tage währen. Bei Schafen, die frühreifen Raſſen angehören, dauert die Trächtigkeit in der Regel etwas kürzere Zeit als 150 Tage, bei Ziegen dagegen häufig länger. Beim Schwein kann die Trächtigkeit zwiſchen 109 und 120 Tagen ſchwanken, in vereinzelten Fällen dauert ſie noch einige Tage länger. 8. Behandlung krächtiger Tiere. Eine zweckmäßige Ernährung iſt von weſentlichem Einfluß auf den Verlauf der Trächtigkeit und Geburt. Tragende Tiere bedürfen der Nahrungsmittel nicht allein zur Erhaltung ihres Körpers, ſowie für Arbeitsleiſtung, Milch⸗ oder Wollproduktion ꝛc., ſondern ſie müſſen auch Nährſtoffe abgeben, die zur Entwickelung der Frucht dienen. Dieſe hat namentlich in den letzten Perioden der Trächtigkeit erhebliche Mengen von Nährſtoffen nötig. Das Junge entwickelt ſich freilich ſelbſt dann noch gut, wenn das Muttertier nur ungenügend ernährt wird, allein es geſchieht dann auf Koſten des letzteren. Das Muttertier magert ab, und es ſtellen ſich Schwächezuſtände und Krankheiten bei ihm ein. Falls in dem dargereichten Futter Kalkſalze nicht in genügender Menge vor⸗ handen ſind, ſo pflegt es namentlich bei Kühen und Schweinen zur Knochenbrüchigkeit zu kommen. Die Ernährung darf aber auch nicht derart ſein, daß die trächtigen Tiere dadurch in einen maſtigen Zuſtand verſetzt werden. Fette Muttertiere bringen ſehr häufig kleine und ſchwächliche Früchte zur Welt. Die Erklärung hierfür liegt darin, daß fette Tiere nicht ſo blutreich und kräftig als mäßig genährte Tiere ſind. Die vielfach verbreitete Anſicht, daß nach Darreichung von Kraftfutter⸗ mitteln die Kälber zu groß werden, iſt erfahrungsgemäß irrig. Fehlerhaft beſchaffenes Futter wirkt auf trächtige Tiere eher ungünſtig als auf nichtträchtige ein. Eine allzu ſtarke oder gar ausſchließliche Ernährung mit voluminöſen Futtermitteln, als Heu und Stroh, iſt namentlich bei Kühen, die einen großen Bauch⸗ umfang haben, zu vermeiden. Tägliche Bewegung iſt trächtigen Tieren ſehr zuträglich. Sie befinden ſich deshalb auch am beſten bei Weidegang. Wenn ſie den Aufenthalt im Freien gewohnt ſind, übt ſelbſt kalte Witterung 16 Bau und Verrichtungen des Beckens und der Fortpflanzungsorgane ꝛc. und mäßiger Nachtfroſt keine beſonders nachteilige Wirkung auf ſie aus. Erfahrungsgemäß können in Gegenden mit Weidewirtſchaften hochtragende Rinder noch im Oktober und bei günſtiger Witterung ſogar im November Tag und Nacht im Freien bleiben. Abgehärtete Schafe, z. B. die Marſchſchafe des nordweſtlichen Deutſchlands, können ſich ohne Schaden tagsüber faſt den ganzen Winter durch auf der Weide aufhalten. Bewegung iſt auch für Zuchtſchweine von außerordentlich günſtigem Einfluß. Ein kleiner„Auslauf“ erfüllt aber den Zweck, den Tieren Gelegenheit zu Bewegung zu bieten, nur in mangel⸗ hafter Weiſe. Es zeigt ſich, daß im allgemeinen dort, wo die Zuchtſchweine regelmäßig die Weide oder andere ausgedehnte Flächen beſuchen, Schwergeburten und Krankheiten nach der Ge⸗ burt bei weitem nicht ſo häufig wie in ſolchen Wirtſchaften ſind, wo die Tiere in beſchränkten Räumen gehalten werden. Auch dürfen Zuchtſchweine nicht in allzu reichlichem Maße mit Kartoffeln gefüttert werden, die nur dann ein vorzügliches Futtermittel ſind, wenn ſie im richtigen Verhältnis mit paſſendem Kraftfutter oder Milch verabreicht werden. Bei Stallhaltung iſt für ein bequemes Lager und genügenden Raum zu ſorgen. Das iſt namentlich bei Kühen zu beachten, deren Stand in manchen Stallungen ſo kurz und ſchmal iſt, daß nebeneinander ſtehende Kühe ſich nicht gleichzeitig legen können. Eine Benutzung zur Arbeit kann bei Stuten in den erſten Monaten der Trächtigkeit in unveränderter Weiſe ſtattfinden; ſie pflegen jedoch etwas eher als ſonſt zu ermüden. Leichtere Dienſte, insbeſondere die gewöhnlichen landwirtſchaftlichen Arbeiten, die eine langſame Gangart erfordern, können bis zum Ende der Trächtig⸗ keit verrichtet werden. Solche ſind ihnen ſogar zuträglich, ſie ver⸗ hindern auch das Auftreten von Geſchwülſten am Bauch und an den Schenkeln. Alle übermäßigen Anſtrengungen, ſowohl ſchwere Zugleiſtungen als auch ſchnelle Bewegungen, ſind jedoch bei fort⸗ geſchrittener Trächtigkeit zu vermeiden. 9. Anfruchtbarkeik. Unfruchtbarkeit oder Nichtträchtigwerden iſt für die Tierzucht von erheblicher Bedeutung. Am häufigſten findet ſich dies beim Rind, bei dem das Umrindern ein gefürchteter übel⸗ ſtand iſt, oft genug aber auch beim Pferd, ſeltener bei anderen Haustieren. ——*— —2ꝗꝙ„— —2— —,— Unfruchtbarkeit. 17 Unfruchtbarkeit kann auf angeborenen Mängeln beruhen, aber auch im ſpäteren Leben erworben ſein; in letzterem Fall iſt ſie manchmal nur vorübergehend, öfters jedoch dauernd vorhanden. Angeboren iſt Unfruchtbarkeit häufig bei Zwillingskälbern. Wenn das eine Kalb männlichen, das andere weiblichen Geſchlechts iſt, ſo iſt meiſtens das letztere unfruchtbar, ſeltener kommt dies vor, wenn beide gleichen(weiblichen) Geſchlechts ſind. Bei ſolchen unfruchtbaren Zwillingen ſind die Geſchlechtsorgane nur mangel⸗ haft entwickelt; ſie werden wohl Zwicker oder Zwitter genannt — echte Zwitter ſind es jedoch nicht. Mit fortſchreitendem Wachs⸗ tum fallen ſie ſchon durch ihre äußere Erſcheinung auf. Sie gleichen in ihrer Geſtalt dem Ochſen, bekommen lange und wie bei Ochſen geſtellte Hörner, ihr Hinterteil iſt lang und fleiſchig, Wurf und Scheide ſind eng. Verſchiedene krankhafte Veränderungen an der Scheide, Ge⸗ bärmutter oder an den Eierſtöcken, namentlich Geſchwülſte, können Unfruchtbarkeit bedingen. Nicht ſelten wird dieſe durch einen zu feſten Verſchluß des Muttermundes verurſacht. Häufig wird Unfruchtbarkeit durch einen chroniſchen Katarrh der Gebärmutter oder der Scheide hervorgerufen. Solche Katarrhe finden ſich namentlich beim Rinde; ſie entſtehen mitunter nach Schwergeburten, hauptſächlich aber nach dem Zurückbleiben der Nachgeburt. Die Erfahrung zeigt, daß nach dem Abfaulen der Eihäute die Tiere lange Zeit nicht wieder rindern oder, wenn ſie belegt werden, nicht trächtig werden bezw. bleiben. Bei älteren Kühen ändert ſich mitunter die Lage des Wurfes, indem dieſer ſich ſtark nach vorn ins Becken zurückzieht und anſtatt der normalen ſenkrechten, nahezu eine wagerechte Stellung einnimmt. So beſchaffene Tiere werden nicht leicht trächtig. Ebenſo verhält es ſich, wenn ein nicht verheilter Dammriß beſteht. Veränderte Lebensbedingungen ſind auch von Einfluß auf die Fortpflanzungsfähigkeit. So vermindert ſich oftmals die Fruchtbar⸗ keit, wenn Tiere von einer Gegend in eine andere verſetzt werden und damit in ein anderes Klima und überhaupt in ungewohnte Verhältniſſe kommen. Andauernde Stallhaltung, zumal wenn ſie mit einer zu üppigen Ernährung verbunden iſt, kann Veranlaſſung zur Unfruchtbarkeit geben, ebenſo aber auch eine allzu nährſtoff⸗ arme oder zu gering bemeſſene Fütterung. Bei fortdauernd betriebener Inceſtzucht— Paarung ſehr nahe mit einander verwandter Tiere— kann ebenfalls Verminderung der Fortpflanzungsfähigkeit und endlich völlige Unfruchtbarkeit eintreten. Tapken, Geburtshilfe. 2. Auflage. 2 18 Bau und Verrichtungen des Beckens und der Fortpflanzungsorgane ꝛc. Eine Urſache von Unfruchtbarkeit iſt auch die ſog. Stierſucht (ſiehe dort). Eine Behandlung iſt in ſolchen Fällen, wo erheblichere an⸗ geborene Mängel vorliegen, zwecklos. Ebenſo wird man mit be⸗ deutenderen erworbenen Fehlern, unter anderem mit ungeheilten Dammriſſen behaftete Tiere am beſten von der Zucht ausſchließen. Manchmal iſt jedoch die Unfruchtbarkeit durch Beſeitigung ihrer Urſachen zu heben. Geſchwülſte laſſen ſich mitunter durch eine Operation entfernen, namentlich wenn ſie ihren Sitz in der Scheide haben. Ein chroniſcher Katarrh der Gebärmutter oder der Scheide iſt oftmals durch eine von einem Sachverſtändigen eingeleitete Be⸗ handlung zu heilen. Ein zu dicht verſchloſſener Muttermund kann häufig auf künſtlichem Wege erweitert werden. Ob nach einem kurz vor dem Belegen gemachten Aderlaß leichter als ſonſt Trächtigkeit eintritt, iſt wohl ſehr zweifelhaft. Neuerdings wird eine Einſpritzung in die Scheide, eine Stunde vor dem Belegen, von 5 g doppeltkohlenſaurem Natron, gelöſt in 1 1 Waſſer empfohlen, falls ein Scheidenkatarrh beſteht. Wenn verminderte Fruchtbarkeit eine Folge der Inceſtzucht iſt, ſo kann eine Kreuzung— Benutzung von männlichen Tieren anderer Raſſe— von Erfolg ſein. Bleibt die Brunſt wegen fehlerhafter Haltung und Ernährung aus, ſo müſſen dieſe verändert werden. Sehr günſtig wird die Geſchlechtsthätigkeit durch den Weidegang beeinflußt. Bei Rindern ſtellt ſich die Brunſt am regelmäßigſten im Frühling, nachdem ſie einige Wochen die Weide beſucht haben, ein. Bei Stallhaltung ſind namentlich bei maſtig genährten Tieren ſolche Futtermittel, die den Fettanſatz begünſtigen, zu vermeiden, bei mageren Tieren iſt dagegen die Fütterung reichlicher zu bemeſſen. Vor allem iſt Hafer geeignet, eine günſtige Wirkung auf die Geſchlechtsthätigkeit auszuüben. Auch einzelne Arzneien wirken erregend auf den Geſchlechtstrieb ein. Ein Nichtträchtigwerden kann auch durch das männliche Tier verurſacht ſein. Ganz vereinzelt kommt es vor, daß bei männlichen Tieren ein angeborener Mangel vorliegt; ſie vollziehen den Deckakt regelrecht, ohne je befruchtend zu wirken, was namentlich bei männlichen Zwillingskälbern beobachtet worden iſt. Häufiger findet man eine ungenügende Fruchtbarkeit bei älteren Zuchttieren— vor allem bei Stieren— die in übermäßiger Weiſe zum Decken ver⸗ wandt und zugleich üppig ernährt worden ſind. Von ſolchen Stieren belegte Kühe werden mitunter nur zu einem geringen Prozentſatz tragend. Stierſucht. 19 19. Stierſucht. Ein übermäßiger Geſchlechtstrieb(Nymphomanie) kommt haupt⸗ ſächlich bei der Kuh vor und wird bei dieſer als Stierſucht, Brüller⸗ krankheit oder Monatsreiterei bezeichnet. Die Stierſucht tritt vorzugsweiſe bei älteren und häufiger bei zu ſtark gefütterten als bei mageren Kühen auf. Mitunter liegt die Urſache des Zuſtandes in einer Erkrankung des Eierſtocks oder der Gebärmutter, oftmals ſind jedoch keine Veränderungen an dieſen oder anderen in Betracht kommenden Organen nach⸗ zuweiſen. In dem Falle ſcheint das Leiden nervöſer Natur zu ſein. Die Stierſucht entwickelt ſich allmählich. Zunächſt tritt das Rindern noch zu den gewöhnlichen Zeiten, aber unter heftigen Erſcheinungen auf, die Tiere werden aber nach dem Belegen nur ausnahmsweiſe trächtig. Nach und nach zeigt ſich die Brunſt in kürzeren Zwiſchenräumen, und ſchließlich beſteht ſie faſt andauernd. Dabei ſind die Kühe unruhig und aufgeregt, brummen häufig oder brüllen in ähnlicher Art wie Stiere, ſcharren mit den Vorder⸗ füßen, wühlen mit den Hörnern in die Erde und ſpringen, wenn ſich Gelegenheit dazu bietet, auf andere Rinder. Mitunter werden ſie förmlich wild. Neben dieſen Erſcheinungen macht ſich frühzeitig eine Er⸗ ſchlaffung der Kreuzſitzbeinbänder bemerkbar, die Kühe werden, wie man zu ſagen pflegt,„bandlos“. Die Milchſekretion nimmt ab, und endlich tritt Verminderung der Freßluſt, Abmagerung und Schwäche ein.— In ſelteneren Fällen zeigt ſich auch bei Stuten ein über⸗ mäßiger Geſchlechtstrieb, der ſich durch ungewöhnlich hochgradige und häufig wiederkehrende oder ſelbſt durch anhaltende Roſſigkeit kennzeichnet. Dabei ſind die Tiere kitzlich und leicht erregbar. Nach dem Belegen werden ſie ſelten trächtig oder verwerfen früh⸗ zeitig. Die Erſcheinungen nehmen zwar meiſt nach monatelangem Beſtehen ab oder verſchwinden, kehren aber leicht wieder. Im allgemeinen iſt frühzeitige Schlachtung der mit Stierſucht behafteten Kühe am vorteilhafteſten. In höherem Grade ſtier⸗ ſüchtige Tiere ſind zur Weidemaſt nicht geeignet, da ſie die mit ihnen zuſammengehenden Rinder zu ſehr beunruhigen. In vielen Fällen kann eine Heilung erzielt werden, und zwar in verſchiedener Weiſe, namentlich aber durch Kaſtration— Ent⸗ fernung der Eierſtöcke. Krankheiten und Regelwidrigkeiten während der Trächtigkeit. 1. Extrauterinkrächtigkeit, Bauchhöhlenträchktigkeit. In ſeltenen Fällen entwickelt ſich die Frucht nicht innerhalb, ſondern außerhalb der Gebärmutter. Man ſpricht dann von einer Extrauterinträchtigkeit. Die Ausbildung der Frucht findet dabei meiſt in der freien Bauchhöhle ſtatt, und es wird dann der Zuſtand als Bauchhöhlenträchtigkeit bezeichnet. Dieſe kommt namentlich beim Schwein und beim Hund vor, ſie iſt vereinzelt aber auch bei anderen Haustieren beobachtet worden. Neben einer Extrauterinträchtigkeit kann zugleich eine normale Trächtigkeit vorhanden ſein. Das Muttertier kann dabei ganz geſund erſcheinen. Häufig gelangt das Junge nicht zur völligen Ausbildung, ſondern es ſtirbt ab, trocknet ein und wird zu einer ſog. Steinfrucht. In dieſem Zuſtande kann die Frucht jahrelang ohne Nachteil im Mutterleibe bleiben. Mitunter werden jedoch durch eine Bauchhöhlenträchtigkeit ſchwere Krankheitszuſtände verurſacht, und zwar beſonders, wenn die Frucht in Fäulnis übergeht. Es iſt unter ſolchen Umſtänden ſchon vorgekommen, daß ſich an den Bauchdecken ein Abſceß bildete, und von hier aus das Junge nach außen gelangte. Da die Erkennung der Bauchhöhlenträchtigkeit beim lebenden Tier ſehr ſchwer und meiſtens unmöglich iſt, ſo kann von einer Behandlung nicht die Rede ſein. In der Regel wird der Zuſtand erſt beim Schlachten des Tieres feſtgeſtellt. 2. Pielkrächtigkeit, Uberfruchkung, Uberſchwängerung. Eine Vielträchtigkeit entſteht, wenn mehr Eier befruchtet werden, und ſich demnach mehr Junge in der Gebärmutter ent⸗ wickeln, als es bei einer Tierart Regel iſt. So hat man bei der halb, einer indet der ömmt nzelt teben igkeit äufig ſtirbt ieſem leibe igkeit wenn inden ldete, enden einer iſtand ng. ruchtet r ent⸗ ei der Eihautwaſſerſucht. 21 Kuh ſchon 4, 5, ja ſogar 6 und 7, beim Schafe bis 8 Junge vorgefunden. In ſolchen Fällen von Vielträchtigkeit werden die Früchte faſt immer zu früh und in totem Zuſtande geboren. Eine Überfruchtung kann erfolgen, wenn ein Tier während der Trächtigkeit noch wieder brünſtig und begattet wird. Es wird dann in der Regel nur die erſte Frucht ausgetragen und die zweite mit erſterer in unreifem Zuſtand geboren. Es kann aber auch geſchehen, daß die zu verſchiedenen Zeiten erzeugten Jungen alle ausgetragen und in entſprechender Zeit geboren werden. Das hat man namentlich beim Schwein beobachtet. So wurde unter anderem— nach der Landwirtſchaftlichen Preſſe— ein Schwein am 22. Februar 1890 gedeckt, am 10. März wieder brünſtig und abermals begattet. Die Sau warf am 22. Juni 7 lebende und am 5. Juli 9 lebende und 3 tote Früchte. Eine Üüberſchwängerung kann eintreten, wenn während einer Brunſtzeit eine Befruchtung mehrerer Eier durch verſchiedene Begattungsakte verſchiedener männlicher Tiere erfolgt. Das kommt namentlich bei Hündinnen vor wegen der langen Dauer ihrer Brunſtperiode. Wenn in ſolchen Fällen die männlichen Tiere ver⸗ ſchiedener Raſſe waren, ſind auch die Jungen ungleicher Raſſe. 3. Eihautwaſſerſucht. Die Eihautwaſſerſucht beſteht in der Anſammlung einer über⸗ mäßig großen Menge von Fruchtwaſſer innerhalb der Eihäute. Der Zuſtand kommt namentlich beim Rind, ſelten bei anderen Haustieren vor. Bei dem damit behafteten Rind erreicht der Bauch einen unverhältnismäßig ſtarken Umfang. Anfänglich iſt dabei das Allgemeinbefinden meiſt ganz gut. Wenn das Leiden nur in einem mäßigen Grade auftritt, ſo kann das Befinden ſogar bis zum Ende der Trächtigkeit ungeſtört bleiben. Bei erheblicher Eihautwaſſerſucht ſtellen ſich aber infolge der außerordentlichen Ausdehnung des Bauches längſt vor Ablauf der Tragezeit be⸗ deutende Beſchwerden ein. Die Atmung wird erſchwert, der Appetit vermindert, und es tritt daher Abmagerung ein. Manch⸗ mal können die Kühe, teils wegen des großen Gewichts des Frucht⸗ waſſers, teils wegen allgemeiner Schwäche, nur mit Mühe auf⸗ ſtehen, und nicht ſelten kommt es zum Feſtliegen. Sehr häufig verurſacht die Eihautwaſſerſucht Verwerfen. Sie kann auch zur Entſtehung eines Bauchbruchs und Fruchthälter⸗ bruchs Veranlaſſung geben. 22 Krankheiten und Regelwidrigkeiten während der Trächtigkeit. Behandlung. Sobald ſich die Anzeichen einer Eihaut⸗ waſſerſucht bemerkbar machen, iſt vor allem eine kräftige, nicht zu voluminöſe Ernährung erforderlich. Auch iſt für ein bequemes Lager zu ſorgen. Mitunter iſt es vorteilhaft, eine künſtliche Früh⸗ geburt einzuleiten, was aber nur durch einen Tierarzt geſchehen kann. Bei der Geburt iſt meiſtens beſondere Hilfe erforderlich, da die Wehen nur ſchwach zu ſein pflegen(vergl. Wehenſchwäche). Sehr oft bleibt die Nachgeburt zurück, und iſt auch dann ſach⸗ verſtändige Hilfe in Anſpruch zu nehmen. Bei höheren Graden dun Eihautwaſſerſucht gehen die Kühe nach der Geburt leicht zu runde. 4. Scheidenvorfall. Als Scheidenvorfall bezeichnet man einen Zuſtand, bei dem ein kleinerer oder größerer Teil der Scheide oder dieſe vollſtändig aus dem Wurf heraustritt(Fig. 7). Das Leiden kommt vor⸗ Fig. 7. Scheidenvorfall. zugsweiſe beim Rind, nicht ſelten bei der Ziege, vereinzelt aber auch bei den übrigen Haustieren vor. Es zeigt ſich nicht nur bei trächtigen, ſondern auch bei nichtträchtigen Tieren und ausnahms⸗ weiſe ſogar bei Tieren, die noch gar nicht tragend geweſen ſind. Urſachen. Ein Scheidenvorfall entſteht am häufigſten bei ſolchen Tieren(Kühen), deren Scheide ſchlaff und locker mit ihrer it. Eihout rich z beglenes he Frit hen hm. rich, d ſchwäche inn ſac⸗ GErnden leicht n bei den olſtündi unt dor⸗ Scheidenvorfall. 23 Umgebung verbunden iſt. Begünſtigt wird die Ausbildung des Vorfalls durch einen nach hinten abſchüſſigen Stand der Tiere ſowie durch allzu voluminöſe Fütterung. Erſcheinungen und Verlauf. In ſeinen geringeren und mäßigen Graden zeigt ſich der Scheidenvorfall nur, wenn das Rind liegt— es iſt hier zunächſt nur von dieſem die Rede. Es klaffen dann die Schamlippen auseinander, und aus der Spalte tritt ein Teil der Scheide in Geſtalt einer rundlichen und rötlichen Geſchwulſt von dem Umfang einer Fauſt bis zu der eines Kopfes. Nach dem Aufſtehen der Tiere zieht ſich der vorgefallene Teil ſofort zurück. In den höheren Graden des Leidens kann die ganze Scheide zum Vorſchein kommen, und nach dem Auſſtehen des Tieres zieht ſich dieſe nur langſam oder gar nicht mehr ohne Hilfe zurück. Unter ſolchen Umſtänden iſt die zarte Schleimhaut der Scheide lange der Einwirkung der Luſt ausgeſetzt, ſie verliert ihr hell⸗ rötliches Ausſehen, wird trocken und riſſig und ſchwillt an. Zu⸗ dem wird ſie leicht durch Kot und andere Stoffe verunreinigt. Auch können durch Berührung der Scheide mit dem Stallboden, Dünger u. ſ. w., ſowie durch die Füße der nebenan ſtehenden Kühe Verletzungen veranlaßt werden. Durch alle dieſe Umſtände werden ſchließlich ſchwere entzündliche Erſcheinungen hervorgerufen. Ein länger dauernder Scheidenvorfall verhindert das Ab⸗ ſetzen von Harn, die Tiere drängen heftig, und es kann ſich infolge⸗ deſſen ein Maſtdarm- und Blaſenvorfall einſtellen, wodurch ſich der Zuſtand äußerſt gefährlich geſtaltet. Endlich kann die bei chroniſchem Scheidenvorfall entſtehende Schwellung und Verhär⸗ tung zu einer Verengerung der Scheide führen und dann ein Geburtshindernis hilden. Behandlung. Ein geringgradiger Vorfall, der unmittelbar nach dem Aufſtehen des Tieres zurücktritt, bedarf in der Regel keiner beſonderen Behandlung. Indeſſen iſt das Lager ſo her⸗ zurichten, daß das Hinterteil des Rindes etwas erhöht zu liegen kommt. Stärkere Vorfälle, die nach dem Aufſtehen des Tieres nicht zurückgehen, machen eine Behandlung notwendig. Dieſe kann, nach— dem die vorgefallene Scheide gereinigt und zurückgebracht worden iſt, in der Anlegung einer Bandage beſtehen(vergl. Gebärmutter⸗ vorfall). Die Bandage iſt jedoch unſicher, da ſie ſich bei nicht ganz vorſichtigem Anlegen leicht verſchiebt, und dann die Scheide 24 Krankheiten und Regelwidrigkeiten während der Trächtigkeit. neben ihr zum Vorſchein kommt. Indeſſen wendet man ſie doch mitunter bei trächtigen Tieren an. Sicherer iſt der Verſchluß des Wurfes durch Hefte von Leder, Band, Draht ſowie durch verſchiedene andere Methoden. Die Geburt wird in der Regel durch einen Scheidenvorfall nicht beeinträchtigt; der Vorfall verſchwindet gewöhnlich nach der Geburt, pflegt ſich jedoch bei erneuter Trächtigkeit wieder einzu⸗ ſtellen; er kann aber auch bei nichttragenden Tieren eintreten. Bei der Ziege ſowie beim Schaf verläuft der Scheiden⸗ vorfall in ähnlicher Weiſe wie beim Rind. Mitunter iſt auch bei dieſen Tieren ein Verſchluß des Wurfes erforderlich. Bei Pferden iſt auch Scheidenvorfall beobachtet worden, jedoch nur oder doch faſt ausſchließlich bei jungen, noch nicht trächtigen Tieren. Bei ihnen iſt der Scheidenvorfall ſehr gefährlich und erfordert in jedem Fall ſchleunige ſachverſtändige Behandlung. Bei hochträchtigen Schweinen ſtellt ſich vereinzelt Scheiden⸗ vorfall ein. Auch bei dieſem Tier iſt eine Behandlung ſofort ein⸗ zuleiten. 5. Pruchthälterbruch. Ein Fruchthälterbruch iſt vorhanden, wenn durch einen Riß in den Bauchmuskeln Teile des trächtigen Fruchthälters hindurch⸗ gedrungen ſind, ſo daß dieſe nur noch von der Haut bedeckt ſind. Es kommt dieſer Zuſtand faſt nur beim Rind vor. Urſachen. Veranlaßt wird ein Fruchthälterbruch namentlich durch heftige äußere Einwirkungen auf den Bauch, aber auch durch ſtarke Ausdehnung der Gebärmutter infolge Eihautwaſſerſucht oder Zwillingsträchtigkeit. Erſcheinungen und Verlauf. Es entſteht in der einen Flankengegend, oder auch an beiden Seiten, eine mehr oder weniger große Geſchwulſt. Bei umfangreicher Zerreißung der Bauchdecken ſenkt ſich der ganze Bauch nach unten und nach vorn. Ein kleinerer Bruch bleibt manchmal bis zum Ende der Tragezeit unverändert und beeinträchtigt das Allgemeinbefinden der Tiere nicht, ein ausgedehnter Bruch dagegen vergrößert ſich leicht und verurſacht ſchwerere Geſundheitsſtörungen. Behandlung. Während der Trächtigkeit iſt häufig eine Behandlung nicht erforderlich, in ſchwereren Fällen jedoch tier⸗ ärztlicher Rat zu holen. Die Geburt kann oftmals nicht ohne beſondere Hilfe vollendet Ri urc⸗ ſind. entlich durc erſucht einen eniger decken de der en der leict g eine lier⸗ ollendet Feſtliegen vor der Geburt. 25 werden. Bei einem Fruchthälterbruch ſind namentlich Wehen⸗ ſchwäche und fehlerhafte Lagen vorhanden. Zur Zucht ſind Kühe, die einen Fruchthälterbruch gehabt haben, nicht mehr zu verwenden. 6. Feſtliegen vor der Geburk. Mit dem Namen Feſtliegen vor der Geburt bezeichnet man ſehr ungleichartige Zuſtände, die nur das miteinander gemeinſam haben, daß bei ihrem Vorhandenſein die Tiere kürzere oder längere Zeit vor Ablauf der Trächtigkeit ſich nicht von ihrem Lager er⸗ heben können. Es kommt faſt nur beim Rind vor. Urſachen. Am meiſten werden ältere, magere und ſchwäch⸗ liche Kühe vom Feſtliegen befallen. Das Leiden ſtellt ſich öfters bei Eihautwaſſerſucht und bei Zwillingsträchtigkeit ein wegen der großen Ausdehnung des Bauches und der damit verbundenen er⸗ heblichen Gewichtsvermehrung des Fruchthälters. Auch durch Knochenbrüchigkeit, ſowie durch Verletzungen des Beckens und der Gliedmaßen, kann ein Feſtliegen veranlaßt werden. Begünſtigt wird ſeine Entſtehung zudem durch ein unbequemes Lager, vor allem durch einen zu engen und kurzen Stand. Man findet daher das Leiden faſt nur bei Stallhaltung, ſelten während des Weide⸗ ganges. Erſcheinungen und Verlauf. Das Feſtliegen entwickelt ſich mitunter langſam. Dann zeigt ſich zunächſt Schwäche, nament⸗ lich im Hinterteil, und das Aufſtehen erfolgt nur mit Schwierigkeit. Bisweilen aber ſtellt ſich die Krankheit plötzlich ein, und man findet das Tier im Stall liegen und nicht imſtande, ſich zu erheben. Je nach den urſächlichen Verhältniſſen ſind dabei bald geringere, bald erhebliche ſonſtige Geſundheitsſtörungen vorhanden und der Appetit mehr oder weniger vermindert. Nach längerer Dauer des Feſtliegens ſtellen ſich öfters ſchwerere Krankheitserſcheinungen ein. Auch kommt es leicht zum Wundliegen. Je längere Zeit vor Ab⸗ lauf der Trächtigkeit das Leiden eintritt, deſto ungünſtiger iſt die Ausſicht auf Heilung. Behandlung. Es iſt namentlich für eine kräftige Ernährung und für ein bequemes, weiches Lager zu ſorgen, letzteres, um Wundliegen zu vermeiden. Es iſt aber auch dringend anzuraten, den Patienten durch einen Tierarzt unterſuchen zu laſſen, um feſtzuſtellen, welche Ur⸗ ſachen das Feſtliegen hat, da manchmal noch beſondere Mittel an⸗ 26 Krankheiten und Regelwidrigkeiten während der Trächtigkeit. gewendet werden müſſen oder, wenn eine Geneſung nicht zu er⸗ warten iſt, eine rechtzeitige Schlachtung vorgenommen werden kann. 7. Blutung aus den Geburksteilen. Mitunter erfolgt bei trächtigen Tieren ein Abgang von Blut aus der Scheide. Solche Blutungen ſind, wenn ſie auch nicht immer ſchwere Folgen nach ſich ziehen, doch ſtets ſehr bedenklich. Wenn das Blut mit anderen Flüſſigkeiten vermiſcht oder von ſchmutziger Beſchaffenheit iſt, ſo liegt der Verdacht vor, daß das Junge im Fruchthälter abgeſtorben iſt. Eine Unterſuchung von ſachverſtändiger Seite iſt in jedem Fall erforderlich. 8. Das Yerwerfen. Eine Ausſtoßung der Frucht vor dem normalen Ende der Trächtigkeit bezeichnet man als Verwerfen, Fehlgeburt, Frühgeburt, Abortus, Verkalben, Verfohlen, Verlammen. Das Verwerfen kommt bei allen Haustieren, weitaus am häufigſten aber beim Rind vor. Urſachen. Das Verwerfen kann ſehr verſchiedenartige Ur⸗ ſachen haben. Dieſe im gegebenen Fall mit Sicherheit zu erkennen, iſt manchmal ſchwer oder unmöglich. Als Urſachen ſind in Betracht zu ziehen: 1. Erkrankung der Frucht oder der Fruchthüllen. Der Fötus kann von verſchiedenen Krankheiten befallen werden, die mitunter ſeinen Tod und darnach Verwerfen herbeiführen. Ebenſo können krankhafte Vorgänge in den Fruchthüllen die Er⸗ nährung des Jungen beeinträchtigen und deſſen Abſterben und vorzeitige Ausſtoßung veranlaſſen. — 2. Mechaniſche Einwirkungen, wie heftiges Hinſtürzen, Stöße u. ſ. w. können Abortus verurſachen. In gleicher Weiſe wirken mitunter längere Transporte mit der Eiſenbahn, bei denen es zu ſtarken Erſchütterungen kommt. 3. Außergewöhnliche Anſtrengungen, beſonders bei hochträchtigen Tieren mit ſtark ausgedehntem Bauch, verbunden mit Atemnot, vermögen Verwerfen herbeizuführen. 4. Auch nach Schreck und Furcht hat man ſchon Abortus beobachtet. 5. Eine fehlerhafte Ernährung kann ebenfalls Verwerfen im Gefolge haben. Verſchiedene Futtermittel, denen gewiſſe Schäd⸗ lichkeiten anhaften, kommen in Betracht. Hierher gehört namentlich mit Brandpilzen, Roſt und Mutterkorn beſetztes oder verſchimmeltes 1 er⸗ kann. Blut (klich. von das 8 bei bunden lbortus werfen Schäd⸗ nentlich nmeltes Das Verwerfen. 27 Futter, wenn auch die Erfahrung zeigt, daß ſolches ſehr häufig ohne Nachteil aufgenommen wird. Gefrorene Nahrungsmittel, ſenfhaltige Rapskuchen, die Aufnahme großer Mengen von Fabri⸗ kationsrückſtänden, z. B. Trebern, Schlempe, können Abortus ver⸗ urſachen oder begünſtigen. 6. Einzelne Arzneien, wie Mutterkorn, ſpaniſche Fliegen, heftige Abführmittel vermögen das Verwerfen zu veranlaſſen. 7. Krankheiten des Muttertieres ſind ebenfalls als Urſachen in Betracht zu ziehen. Manchmal findet man allerdings, daß trächtige Tiere, die von ſchwerer Krankheit befallen ſind, den Fötus bis zur Reife austragen. Bei einigen Krankheiten, ſo bei Kolik der Pferde, ſtarker Aufülähung des Rindviehs, ſchweren Lungen⸗ und Bruſtfellentzündungen, Lungenſeuche, Pocken, tritt jedoch nicht ſelten Verwerfen ſein. 8. Die Züchtung iſt nicht ohne Einfluß auf die Entſtehung des Abortus, indem Verwandtſchaftszucht ihn begünſtigt. 9. Vorangegangener Abortus. Von Tieren, die einmal verworfen haben, wird vielfach angenommen, daß es bei ihnen bei erneuter Trächtigkeit leicht abermals zum Abortus kommt. Häufig tragen jedoch Tiere, die einmal abortiert haben, ſpäter ihre Jungen bis zur Reife aus. Bei Entſcheidung der Frage, ob das Leiden wiederkehren wird oder nicht, ſind namentlich die urſächlichen Ver⸗ hältniſſe, wenn ſie zu ermitteln ſind, in Betracht zu ziehen. 10. Infektion(Anſteckung). Eine ganz beſondere Beachtung verdient das Verwerfen, wenn es in ſeuchenartiger Verbreitung auftritt. Dies kann geſchehen, wenn ungünſtige Verhältniſſe, vor allem ſolche, die ſich auf die Ernährung beziehen, gleichzeitig auf eine größere Anzahl trächtiger Tiere einwirken. Manchmal iſt aber ein Anſteckungsſtoff die Urſache des ſeuchenartigen Abortus, und dann kann das Leiden unter Viehbeſtänden, wo anſcheinend alle Bedingungen einer guten Geſundheitspflege erfüllt werden, ſich in erheblichem Umfange zeigen. Nach neueren Unterſuchungen iſt als Anſteckungsſtoff ein Bazillus, der Abortusbazillus, zu betrachten, der bereits einige Zeit vor dem Verwerfen in der Gebärmutter ſowie in der Frucht vorhanden iſt, und der nach erfolgtem Abortus noch lange, ſelbſt monatelang, in den Abſonderungsprodukten des Uterus enthalten ſein kann. Mit dem Scheidenausfluß findet leicht eine Übertragung des Anſteckungsſtoffes ſtatt, und zwar nicht allein direkt von Tier auf Tier, ſondern auch durch Zwiſchenträger: Streu, Jauche, Stall⸗ gerätſchaften u. ſ. w. Unter anderem wird eine Verbreitung des 28 Krankheiten und Regelwidrigkeiten während der Trächtigkeit. Infektionsſtoffes leicht durch die zum Reinigen des Viehes be⸗ nützten Bürſten verurſacht. Eine Übertragung auf weitere Ent⸗ fernungen, durch die Luft, ſcheint nicht zu erfolgen. Daher zeigt ſich mitunter das Verwerfen in einem Stall, während es einen anderen ganz nahe gelegenen verſchont, oder es kommt auf einer Weide vor, und das Vieh einer zweiten Weide, die von erſterer nur durch einen ſchmalen Waſſerlauf getrennt iſt, bleibt geſund. Eine Übertragung kann aber höchſtwahrſcheinlich auch durch den Stier vermittelt werden, wenn dieſer zunächſt Rinder, die noch mit Abortusbazillen behaftet ſind und ſodann andere Rinder belegt. Nach wirkſamer Übertragung des Infektionsſtoffes kommt es erſt nach geraumer Zeit zum Verwerfen, und zwar dauert dies nach mehrfachen Beobachtungen meiſtens 9—20 Tage, nach anderen aber manchmal bis zu 10 Wochen. Das anſteckende Verwerfen zeigt ſich im allgemeinen weitaus am häufigſten beim Rind, es iſt aber in einigen Gegenden auch beim Pferd, namentlich wo es in Geſtüten und großen Herden ge⸗ halten wird, öfters beobachtet worden; auch bei Schafen, beſonders in Schafherden, tritt es mitunter auf. Die Erſcheinungen, unter denen das Verwerfen verläuft, ſind verſchieden. Wenn es beim Pferd und Rind etwa in den erſten 3 Monaten der Trächtigkeit erfolgt, ſo geht es meiſt ohne auffallende Erſcheinungen vor ſich, und manchmal findet ſich un⸗ vermutet die ausgeſtoßene Frucht ſamt den Eihäuten hinter dem Muttertier im Stall. Pferde preſſen ſogar während der Arbeit das Füllen aus. Das Befinden des Muttertieres pflegt dabei nicht erheblich geſtört zu ſein. Wenn der Abortus erſt in der zweiten Hälfte der Tragezeit eintritt, ſo machen ſich oftmals beſondere Vorboten bemerkbar, die mehr in die Augen fallend ſind. Namentlich bei Rindern, aber auch wohl bei Stuten, iſt das Euter geſchwollen, und es ſtellt ſich bei Tieren, die nicht gemolken werden, Milchſekretion ein. Der Wurf iſt, be⸗ ſonders beim Rind, etwas geſchwollen und deſſen Schleimhaut gerötet. Aus der Scheide fließt eine ſchmutzig braune, bisweilen mit Blut gemiſchte Flüſſigkeit aus. Dies iſt beſonders bei anſteckendem Ver⸗ werfen häufig tagelang bemerkbar. Das Befinden der Tiere iſt dabei gewöhnlich mehr oder weniger geſtört, und endlich ſtellt ſich Drängen ein. Bei der Stute ſind als Vorboten des Verwerfens nicht ſelten kolikartige Erſcheinungen vorhanden. Die Geburt der Frucht erfolgt, auch wenn dieſe ſchon ziemlich entwickelt iſt, meiſtens ohne erhebliche Schwierigkeiten. Namentlich Das Verwerfen. 29 bei der Stute kommt es in der Regel, ſobald ſich die erſten deutlichen Erſcheinungen des Verwerfens hemerkbar gemacht haben, raſch zur Ausſtoßung des Fötus. Vereinzelt kann aber ſelbſt bei dieſem Tier die Geburt eines unreifen Jungen nicht ohne Hilfe vor ſich gehen, zumal wenn eine fehlerhafte Lage vorhanden iſt. Beim Rind nimmt die Ausſtoßung der Frucht oft längere Zeit in Anſpruch, beſonders wenn die Wehen nur ſchwach ſind, oder ſich der Geburtskanal langſam erweitert. Früchte, die verworfen werden, ſind meiſtens abgeſtorben, manchmal ſchon in Fäulnis übergegangen; mitunter kommen ſie jedoch lebend zur Welt, ſterben dann aber gewöhnlich bald ab. Nur in vereinzelten Fällen bleiben erhebliche Zeit zu früh ge⸗ borene Junge am Leben, und zwar beim Pferde, wenn es min⸗ deſtens 9 Monate, beim Rind, wenn es wenigſtens 7 Monate tragend geweſen iſt. Bei dem Schaf und der Ziege verläuft das Verwerfen in ähnlicher Weiſe wie beim Rind. Beim Schwein nimmt mitunter die Ausſtoßung der Früchte lange Zeit in Anſpruch. Ein häufiger Folgezuſtand iſt das Zurückbleiben der Nachgeburt. Behandlung. Wenn die Ausſtoßung der Frucht nicht er⸗ folgt, ſo iſt eine Hilfeleiſtung erforderlich, wobei nach den gleichen Grundſätzen wie bei anderen Schwergeburten zu verfahren iſt. Mangelhafte Wehen, Verengerung des Geburtskanals, fehlerhafte Lagen, Veränderungen des abgeſtorbenen Jungen kommen nicht ſelten, namentlich beim Rind als Geburtshindernis in Betracht. Das Nähere darüber iſt unter„Schwergeburten“ angegeben. Bleibt nach dem Verwerfen die Nachgeburt zurück, ſo iſt eine Behandlung vorteilhaft und mitunter durchaus notwendig. Be⸗ ſondere Mitteilungen darüber finden ſich unter den Krankheiten und Regelwidrigkeiten nach der Geburt. Vorbeugung. Um dem Verwerfen vorzubeugen, ſind, in⸗ ſoweit es möglich iſt, die Urſachen von dem Muttertier fern⸗ zuhalten. Eine beſondere Beachtung verdient der anſteckende Abortus. Es iſt immer ratſam, ein Tier(Rind), bei dem ſich die Vorboten des Verwerfens bemerkbar machen, oder welches unvermutet abortiert hat, ſchleunigſt aus dem Stall zu entfernen und den Stand gründlich zu reinigen, da man von vornherein nicht feſt⸗ ſtellen kann, ob es ſich um ein vereinzelt auftretendes, oder um ein anſteckendes Verwerfen handelt. Das Tier muß, wenn die Maßregel Zweck haben ſoll, auf mehrere Wochen oder beſſer noch monatelang und wenigſtens ſo lange, bis ſich nicht der geringſte 30 Krankheiten und Regelwidrigkeiten während der Trächtigkeit. Scheidenausfluß mehr bei ihm bemerken läßt, und nachdem es wiederholt am Wurf, Schwanz und deren Umgebung mit einem fäulniswidrigen Mittel gereinigt worden iſt, von anderen trächtigen Rindern getrennt bleiben. Wenn bereits wiederholt Verkalben in einem Stall auf⸗ getreten iſt, und die Tiere, die verworfen haben, im Stall ge⸗ blieben ſind, ſo ſind eingreifende Maßregeln notwendig, da nun der Anſteckungsſtoff im Stall vorhanden iſt, und auch meiſtens noch anſcheinend geſunde Tiere ſchon angeſteckt ſind. Es läßt ſich nur dann Nutzen von einer Trennung erwarten, wenn die noch tragenden Tiere aus dem verſeuchten Stall entfernt werden. Dabei iſt zu beachten, daß das eine oder andere Tier bereits an⸗ geſteckt ſein kann. Sobald ſich deshalb in dem neu bezogenen Aufenthaltsort bei einem Tier Anzeichen des Verwerfens bemerkbar machen, iſt es ſofort nach dem verſeuchten Stall zurückzubringen. Es iſt erklärlich, daß dies Verfahren nur bei ſorgfältiger Ausführung und unter günſtigen Umſtänden von Erfolg ſein wird. Ebenſo wird die Methode, die abortierenden Rinder abzuſchaffen und durch neu angekaufte zu erſetzen, meiſtens nicht die gewünſchte Wirkung haben, da gewöhnlich im Stall, auf der Weide oder bei den zurückgebliebenen tragenden Tieren noch Anſteckungsſtoffe vor⸗ handen ſind, und dann manchmal gerade die neu angekauften Tiere am leichteſten verwerfen. Die Erfahrung zeigt, daß ſich bei Rindern und Rindvieh⸗ beſtänden, unter denen das anſteckende Verwerfen herrſcht, nach und nach die Empfänglichkeit für den Infektionsſtoff mindert. In der Regel tragen Kühe, nachdem ſie 1, 2 oder höchſtens 3 mal verworfen haben, in ſpäterer Zeit, wenn ſie wieder trächtig werden, aus; jedenfalls iſt es eine Ausnahme, wenn eine Kuh fortdauernd abortiert. Daher pflegt das in einem Viehbeſtand herrſchende in⸗ fektiöſe Verwerfen nach und nach aufzuhören— zuletzt verkalben hauptſächlich zum erſtenmal tragende Färſen— wenn keine Kühe zugekauft werden. Inwieweit durch eine Behandlung mit Arzneien dem Ver⸗ werfen vorgebeugt werden kann, darüber ſind die Erfahrungen und Anſichten noch widerſprechend. Als wirkſam ſind unter anderem Einſpritzungen einer Karbolſäurelöſung unter die Haut, häufige Abwaſchungen des Wurfes und ſeiner Umgebung mit Mitteln, die Anſteckungsſtoffe vernichten, ſowie die Einführung eben ſolcher Mittel in die Scheide empfohlen worden. Sind die genannten Tilgungsmethoden, vor allem eine ſtrenge — 2—„= ——— — ——B—, ——„——— — 48 Abſterben der Jungen in der Gebärmutter. 31 Trennung der geſunden von den verſeuchten Tieren, ſorgfältige Reinhaltung des Stalles, tägliche Abwaſchungen des Wurfes u. ſ. w. nicht durchführbar oder erfolglos, ſo bleibt nichts anderes übrig, als die allmählich von ſelbſt eintretende Verringerung des Ver⸗ werfens in dem Viehbeſtand abzuwarten. 9. Abſterben der Jungen in der Gebärmutter. Wenn Frlüchte in der Gebärmutter abſterben, ſo erfolgt nicht immer ihre Ausſtoßung, ſei es, weil der Gebärmutterhals ver⸗ ſchloſſen bleibt und keine Wehen eintreten, ſei es, weil die Be⸗ ſchaffenheit der Frucht oder Unwegſamkeit des Geburtskanals der Geburt ein Hindernis entgegen ſtellen. Etwa die gleichen Urſachen, die das Verwerfen veranlaſſen, können auch den Tod der Frucht herbeiführen. Abgeſtorbene Junge können im Fruchthälter verſchiedene Veränderungen erleiden. Wenn der Gebärmutterhals geſchloſſen bleibt, und deshalb die Luft und Fäulniserreger keinen Eingang finden, kommt es zur Mumifikation(Eintrocknung) des Fötus. Es werden dabei zunächſt das Fruchtwaſſer und ſodann die Ge⸗ websſäfte des Jungen aufgeſogen, die Eihüllen löſen ſich von der Gebärmutter ab und umſchließen eng den Fötus. Mit der Zeit bildet die Frucht eine feſte lederartige Maſſe und wird dann als Steinfrucht bezeichnet. Am eheſten entſteht dieſe, wenn das Junge etwa in der Mitte der Tragezeit abſtirbt. Sie kann jahre⸗ lang iu der Gebärmutter zurückbleiben, und wird dann erſt beim Schlachten gefunden. Bei Zwillingsträchtigkeit oder, wenn mehrere Junge zugleich im Fruchthälter vorhanden ſind, geſchieht es mit⸗ unter, daß neben einem lebenden und ausgebildeten Jungen eine Steinfrucht geboren wird.— Der Geſundheitszuſtand des Mutter⸗ tieres bleibt dabei gewöhnlich ungeſtört. In weitaus den meiſten Fällen ſtellt ſich nach dem Abſterben der Frucht Fäulnis ein, beſonders, wenn der Fötus in ſeiner Entwickelung ſchon weit vorgeſchritten iſt und ſtets, wenn der Gebär⸗ mutterhals geöffnet iſt und die Eihäute geborſten ſind, ſo daß die Luft und mit ihr die Fäulniserreger eindringen können. Die Fäulnis ſchreitet bald langſam, bald raſch vor. Bei langſamem Verlauf, Maceration(Erweichung),, entſteht kein auffallend übler Geruch. Das Fruchtwaſſer wird teils aufgeſogen, teils geht es als eiterähnliche Maſſen nach und nach ab. Die Muskeln und die übrigen Weichteile des Fötus löſen ſich allmählich auf und 32 Krankheiten und Regelwidrigkeiten während der Trächtigkeit. werden gleichfalls ausgeſtoßen, ſo daß nach Monaten nur noch die Knochen zurückbleiben; aber auch dieſe werden nach und nach herausgedrängt, falls ſich der Muttermund nicht vorzeitig ſchließt. Während dieſes Vorganges iſt manchmal die Geſundheit des Tieres nicht geſtört, mitunter aber ſtellt ſich Abmagerung und ſchwere Erkrankung ein. Weit gefährlicher iſt der Zuſtand, wenn eine wirkliche, raſch verlaufende Fäulnis eintritt. Das geſchieht gewöhnlich, wenn das Junge nahezu oder völlig reif iſt. Wenn derartig entwickelte Junge abſterben, ſo geſtaltet ſich die Geburt weit ſchwieriger als bei weniger ausgebildeten Früchten, namentlich aber dann, wenn irgend eine Regelwidrigkeit: mangelhafte Wehen, Verengerung des Geburtskanals, fehlerhafte Lagen vorhanden ſind. Gar nicht ſelten, zumal während des Weideganges, wird der Zuſtand vom Beſitzer nicht erkannt. Es kann vorkommen, daß, bevor das Junge geboren iſt, die Eihäute zum Teil aus der Scheide hängen. Dann iſt der Beſitzer in der Regel in dem Glauben, das Tier habe bereits geboren, und ſucht vergebens nach dem Jungen, läßt aber keine innere Unterſuchung und Behandlung vornehmen, was ſich gewöhnlich ſchwer rächt. Bei raſcher Fäulnis bilden ſich unter der Haut und im Innern der Frucht Fäulnisgaſe(Emphyſem der Frucht), die das Junge oftmals ganz außerordentlich ausdehnen. Im Fruchthälter entſtehen faulige, übelriechende Maſſen, die eine Entzündung der Gebärmutter und den Tod des Tieres verurſachen können. Behandlung. Abaeſtorbene Junge ſind ſobald als möglich aus der Gebärmutter zu entfernen. Da ſie manchmal ſchwer und erſt nach Zerſtückelung geboren werden können, iſt tierärztliche Hilfe in Anſpruch zu nehmen. Auch nach der Geburt iſt häufig noch eine ſachverſtändige Behandlung erforderlich, da leicht faulige und eitrige Maſſen zurückbleiben. ——————————4 — Die regelmäßige Geburt. 1. Perlauf der regelmäßigen Geburt. Durch die Geburt wird die Frucht aus dem Mutterleibe ent⸗ fernt. Zu dem Zwecke müſſen die austreibenden Kräfte des mütterlichen Körpers in Thätigkeit treten. Es ſind dies die Wehen und die Bauchpreſſe. Als Wehen bezeichnet man die bei der Ge⸗ burt in gewiſſen Zwiſchenräumen erfolgenden Zuſammenziehungen der Gebärmutter. Sie ſind dem Willenseinfluß nicht unterworfen. Durch die Wehen wird, namentlich bei der Stute, eine große Kraft entwickelt. Sie werden jedoch weſentlich durch die Bauchpreſſe, bei der beſonders das Zwerchfell, Muskeln des Bauches und des Bruſtkorbes in Aktion treten, unterſtützt. Die Thätigkeit der Bauch⸗ preſſe bezeichnet man als Mitdrängen. Die Geburt zerfällt in zwei Perioden, in die Eröffnungs⸗ periode und in die Austreibungsperiode. Während der Eröffnungsperiode ſtellen ſich Wehen ein, die aber zunächſt nur wenig bemerkbar ſind, da ſie meiſt noch nicht von Mitdrängen begleitet ſind. Bei der Kuh iſt ein Heben und Senken der Flanken wahrnehmbar. Die gebärenden Tiere werden unruhig, legen ſich öfters hin und ſtehen nach kurzer Zeit wieder auf. Nach und nach nehmen die Wehen an Häufigkeit zu. Durch die Wehen wird der Geburtskanal, namentlich aber der Gebär⸗ mutterhals(Muttermund) erweitert und letzterer endlich vollends geöffnet, ſo daß der hintere Teil der Gebärmutter und die Scheide einen zuſammenhängenden Kanal bilden. Bei den Wiederkäuern, beſonders bei dem Rind, zeigen ſich häufig ſchon während der Er⸗ öffnungsperiode Teile der Eihäute(Waſſerblaſe) außerhalb des Geburtskanals. Während der Austreibungsperiode erreichen die Wehen ihren Höhepunkt, und zugleich iſt lebhaftes Mitdrängen vorhanden. Tapken, Geburtshilfe. 2. Auflage. 3 34 Die regelmäßige Geburt. Bei den Wiederkäuern zeigt ſich nun in der Regel ein Teil der mit Fruchtwaſſer gefüllten Lederhaut als eine glänzende, graue Blaſe, Waſſerblaſe, außerhalb der Scham. Wenn die Blaſe platzt oder zerriſſen wird, fließt eine beträchtliche Menge Frucht⸗ waſſer, Harnhautflüſſigkeit, ab. Oftmals drängt ſich nun noch die Schafhaut mit ihrem Inhalt als zweite Blaſe vor, die in einigen Gegenden als Fußblaſe bezeichnet wird, da nach ihrem Berſten in der Regel die Füße des Jungen ſichtbar werden. Aus der Schafhaut fließt das Schafwaſſer, eine ſchleimige Flüſſigkeit, ab. Häufig platzen aber alle Eihäute zugleich, ſo daß nur eine Blaſe bemerkbar wird; es können ſich aber auch durch Verlegen der Riß⸗ ſtellen in den Fruchthüllen nacheinander mehrere Blaſen bilden. Fig. 8. Normale Lage des Füllens am Ende der Trächtigkeit. Bei dem Pferde berſtet gewöhnlich die nur wenig dehnbare Lederhaut ſchon innerhalb des Geburtskanals, und es zeigt ſich dann die Schafhaut als eine glatte, bläuliche Blaſe, die infolge der heftigen Wehen des Pferdes auch raſch zu zerreißen pflegt. Bei beſonderer Feſtigkeit der Lederhaut kommt es vor, daß ſie unver⸗ letzt ſichtbar wird. Sie erſcheint dann als zottige, blutig rote Blaſe. Beim Schwein platzen die Eihäute innerhalb der Gebär⸗ mutter oder des Geburtskanals, es wird daher keine Blaſe ſichtbar. Nach dem Berſten der Eihäute und nach Abfluß eines großen Teils des Fruchtwaſſers hören, namentlich beim Rind, eine Zeitlang nbare t ſich ge der Bei unver⸗ Blaſe hebär⸗ htbar. oßen itlang Verlauf der regelmäßigen Geburt. 35 die Wehen und das Mitdrängen auf, ſie beginnen jedoch bald wieder, und gewöhnlich werden erſt dann Teile des Jungen außer⸗ halb des Wurfes wahrnehmbar. Es ſei hier noch bemerkt, daß bei fortgeſchrittener Trächtig⸗ keit die Frucht mit dem Rücken nach unten(Pferd) oder etwas zur Seite(Wiederkäuer) gerichtet iſt und die gekrümmt gehaltenen Füße nach dem Bauch hin liegen; auch der Kopf wird gebeugt gehalten(Fig. 8). Während der Geburt ändert ſich die Lage der Frucht(Fig. 9). Das Junge dreht ſich, bald raſcher, bald langſamer, ſo daß aus Fig. 9. AÄnderung in der Lage des Füllens bei der Geburt. der Rücken⸗ oder Seitenlage eine Bauchlage wird, d. h. es be⸗ findet ſich nun der Rücken nach oben, der Bauch nach unten, und zugleich ſtrecken ſich Kopf und Gliedmaßen. Die Frucht nimmt unter normalen Verhältniſſen eine Längslage, und zwar eine Vorder⸗ endlage(Kopfendlage) oder Hinterendlage(Steißfußlage) ein und dringt ſo allmählich in das Becken, in den Geburtskanal, ein. Bei Vorderendlage ſind beim Pferd und den Wiederkäuern die Vorderfüße nach vorn geſtreckt, und die Sohlenfläche der Füße zeigt dann nach unten; auf den Vorderfüßen befindet ſich der Kopf (Fig. 10). Beim Schwein werden die Vorderfüße jedoch nach 3* 36 Die regelmäßige Geburt. rückwärts gehalten, ſo daß ſie an der Bruſtwand liegen. Bei Hinterendlage befinden ſich bei allen Tieren die Hinterfüße in geſtreckter Haltung in dem Geburtskanal, und die Sohlenfläche der Füße Zeigt bei regelrechter Bauchlage nach oben(Fig. 11). In weitaus den meiſten Fällen iſt bei großen Haustieren, Pferd und Rind, die gewöhnlich nur ein Junges zur Welt bringen, die Vorderendlage, bei den kleineren Tieren, die in der Regel mehrere Junge gebären, beinahe ebenſo häufig die Hinterendlage wie die Vorderendlage vorhanden. Fig. 10. Normale Lage des Füllens beim Eindringen in das Becken; Vorderendlage. Die Dauer der Geburt iſt je nach Tierart, aber auch aus anderen Gründen, verſchieden lang. Wenn man von Geburtsdauer ſpricht, ſo meint man gewöhnlich nur die Austreibungsperiode. Die Stute gebärt von allen Haustieren weitaus am raſcheſten. Sobald die Austreibungsperiode beginnt— die Eröffnungsperiode wird bei der Stute meiſtens nicht beobachtet— pflegt ſie ſich hinzulegen. Es ſtellen ſich alsbald kräftige Wehen und Mitdrängen ein, und ſchon in wenigen Minuten, jedenfalls aber, unter regel⸗ rechten Verhältniſſen, innerhalb einer halben Stunde, iſt die Ge⸗ Verlauf der regelmäßigen Geburt. 37 burt vollendet. Einzelne Pferde bewerkſtelligen die Geburt im Stehen. Bei dem Rind dauert die Geburt, wenn man das Tier ganz ſich ſelbſt überläßt, im Durchſchnitt etwa 3 Stunden, ſie kann aber auch ſchon in 1 Stunde vollendet ſein oder eine weſent⸗ lich längere Zeit in Anſpruch nehmen. Auch die Kuh gebärt in der Regel im Liegen, vereinzelt jedoch im Stehen. Fig. 11. Normale Hinterendlage(Steißfußlage) des Kalbes. a Sohlenfläche der Klauen, welche nach aufwärts gerichtet iſt. Beim Schaf und der Ziege iſt die Geburt meiſtens inner⸗ halb 1— 2 Stunden vollendet. Beim Schwein währt die Geburt ungefähr 1—6 Stunden, nicht ſelten bei Erſtlingen noch länger. Die Jungen folgen in recht ungleichen Zwiſchenräumen, manchmal ſchon in kaum 5 bis 10 Minuten aufeinander, mitunter verfließt aber eine Pauſe von 1—2 Stunden oder eine noch längere Zeit, ehe wieder ein Junges zum Vorſchein kommt. 38 Die regelmäßige Geburt. 2. Braufſichkigung und Bilfeleiſtung bei regelmäßiger Geburk. Selbſt bei normaler Geburt iſt eine Überwachung und häufig eine gewiſſe Hilfeleiſtung erforderlich. Die Stute bedarf einer beſonders ſorgſamen Beaufſichtigung, da ſich bei ihr die Geburt meiſtens überraſchend einſtellt und einen ſchnellen Verlauf nimmt. Der Umſtand, daß ſich die Stute in der letzten Zeit der Trächtigkeit nur ſelten oder gar nicht hin⸗ legt, erleichtert die Überwachung beſonders des Nachts erheblich. In vielen Gegenden iſt es üblich, daß eine Perſon dicht neben dem Pferdeſtand ſchläft; dem Pferde wird ein Strick um den Leib gelegt, der Strick über eine unter der Decke befindliche Rolle und unter das Lager der aufſichtführenden Perſon geführt. So⸗ bald ſich das Pferd hinlegt, bekommt der Schlafende einen Ruck und erwacht. Das Pferd iſt unter gewöhnlichen Verhältniſſen imſtande, das Füllen ohne beſondere Hilfe zur Welt zu bringen. Namentlich bei erſtgebärenden Stuten iſt aber immer ſorgfältig Obacht auf den Wurf zu geben, da dieſer leicht in ſeinem oberen Winkel ein⸗ reißt. Um dies zu verhindern, ſind bei Vorderendlage die Füße etwas nach unten zu ziehen und der Kopf nach dem unteren Schamwinkel hinzudrücken. Auch iſt es ratſam, die Wurflippen einzuölen und vorſichtig über den Kopf hinwegzuſchieben. Durch die Stirnpartie des Kopfes ſowie durch das Hinterteil, Hüften und Oberſchenkel, kann, da hier der Umfang des Jungen am größten iſt, eine Zerreißung der Schamlippen hervorgerufen werden. Ein Anziehen am Füllen iſt meiſtens nicht erforderlich, aber doch von Nutzen, wenn trotz ſtarker Anſtrengungen des Mutter⸗ tieres das Junge nicht alsbald geboren wird. Ein allzu raſches, ſtürmiſches Anziehen iſt jedoch zu vermeiden, und mehr als eine Kraft von 1—2 Perſonen braucht in der Regel nicht angewandt zu werden. Auch beim Rind iſt eine Beaufſichtigung der Geburt not⸗ wendig. Um für eine etwa zu leiſtende Geburtshilfe entſprechenden Raum zu haben, iſt es zweckmäßig, das Rind bereits einige Zeit vor dem Gebären in einen geräumigen Stand zu bringen, wovon allerdings aus wirtſchaftlichen Gründen, wegen Raummangels, häufig abgeſehen werden muß. Es iſt jedoch unangenehm, wenn das Tier im Beginn des Geburtsvorganges ſeinen Platz wechſeln muß, da es ſich an einem fremden Stand anfänglich nicht gern legt, und ſich deshalb die Geburt leicht erheblich verzögert. ebrt. huuf „tigung lt und Stute ht bin⸗ heblic. neben m den eRole Sl⸗ n Ruc ſtande nentich it auf kel ein⸗ Fife Interen fliypen uc di n und ößten „aber Nutter⸗ ſches z eine wandt Beaufſichtigung und Hilfeleiſtung bei regelmäßiger Geburt. 39 Während der Geburt iſt für möglichſte Ruhe im Stall ſzu ſorgen, namentlich wenn ſich das gebärende Tier nicht hinlegen will. Einige Rinder ſind gegen Störungen, ſtarke Geräuſche, lautes Sprechen u. dergl. in hohem Grade, andere dagegen wenig empfindlich. Ein frühzeitiges Eingreifen iſt auch beim Rind zu vermeiden. Zeigen ſich aber einige Zeit nach dem Eintreten der Treibwehen noch keine Blaſe oder Teile vom Jungen, ſo kann mit gut eingeölter Hand ohne Nachteil eine innere Unterſuchung vorgenommen werden, um feſtzuſtellen, ob auch alles in Ordnung iſt. Die Eihäute(Waſſerblaſe) dürfen aber in der Regel erſt dann geſprengt werden, wenn ſich der Geburtskanal völlig er⸗ weitert hat. Bei regelrechter Geburt iſt eine Hilfe nicht gerade notwendig, indeſſen wird gewöhnlich der Austritt des Kalbes dadurch gefördert, daß ein paar Perſonen vorſichtig anziehen. Ebenſo wie beim Pferd, iſt auch beim Rind, zumal wenn es zum erſtenmal gebärt, beſondere Rückſicht auf den Wurf zu nehmen. Durch Unacht⸗ ſamkeit und unvorſichtiges Anziehen kommt es, namentlich bei Färſen, leicht zu ſtarken Einriſſen im oberen Schamwinkel und ſelbſt zu vollſtändigem Dammriß(vergl. Verengerung des Wurfes). Die Ziege läßt man meiſtens an ihrem gewöhnlichen Stand. Ein leichtes Anziehen am Jungen kann, wenn es recht ſtark iſt, zweckmäßig ſein. Das Schaf iſt kurz vor oder wenigſtens während des Ge⸗ burtsvorganges von den übrigen Schafen zu trennen. Die Ab⸗ ſonderung iſt notwendig, damit das Muttertier Ruhe hat, namentlich aber wegen der neugeborenen Lämmer, da dieſe, wenn ſie nach der Geburt hilflos daliegen, von fremden Schafen rückſichtslos ge— treten und dadurch leicht beſchädigt werden. Beim Schwein iſt eine Beaufſichtigung der Geburt nicht in allen Fällen durchaus notwendig, aber dennoch ratſam, zumal bei Erſtlingen, da ſich nicht von vornherein beurteilen läßt, ob es nicht etwa bösartig gegen die Ferkel ſein wird. Mitunter iſt der Nabelſtrang recht feſt, ſo daß es beſſer iſt, wenn er abgeriſſen oder durchſchnitten wird. 3. Behandlung des Muttertieres nach der Geburt. Durch die Geburt wird das Muttertier mehr oder weniger erſchöpft, es bleibt daher meiſtens einige Zeit liegen. Die Stute erhebt ſich gewöhnlich ſchon einige Minuten nach 40 Die regelmäßige Geburt. dem Gebären. So lange ſie liegt, darf man ſie nicht aus dem Auge laſſen, da durch die Nachwehen, die ſich mitunter bereits kurz nach der Geburt einſtellen, ein Gebärmuttervorfall veranlaßt werden kann. Sobald ſich daher Wehen und Mitdrängen be⸗ merkbar machen, iſt das Pferd durch energiſchen Zuruf und, wenn nötig, durch Schläge ſchleunigſt zum Aufſtehen zu bringen. Die Kuh läßt man in der Regel einige Zeit, ¼ bis ½ Stunde liegen, und zwar um ſo länger, je anſtrengender die Ge⸗ burt geweſen iſt. Auch bei dieſem Tier kann es, wenn ſich Wehen und Mitdrängen einſtellen, zu einem Gebärmuttervorfall kommen, weshalb éès nötigenfalls zum Aufſtehen veranlaßt werden muß. Gelingt dies nicht ſofort, und zeigen ſich andere Teile als die Nachgeburt, Scheide oder Gebärmutter, ſo iſt ſchleunigſt Hand und Arm einzuführen, denn nur durch dieſen dringend anzuratenden, energiſchen Eingriff iſt der Vorfall zu verhindern. Auch bei den kleineren Wiederkäuern und dem Schwein iſt darauf Rückſicht zu nehmen, daß bei ihnen unmittelbar oder „‚kurz nach der Geburt ein Gebärmuttervorfall eintreten kann. Wenn die Muttertiere, namentlich Rind und Ziege, durch die Geburt erheblicher erſchöpft ſind, ſo iſt es angebracht, ihnen Waſſer oder mit Mehl, Brot oder dergl. verſetztes Getränk zu geben. Viele Beſitzer verabreichen das Getränk in erwärmtem Zuſtande, was aber beim Rind nicht erforderlich iſt. In den erſten 4 bis 5 Tagen nach dem Gebären darf die Fütterung nur mäßig ſein. Beſonders gilt dies für Kühe, bei denen durch eine zu kräftige Ernährung das Entſtehen des Milch⸗ fiebers begünſtigt wird. Nur bei mageren, ſchwachen Tieren kann von vornherein eine reichliche Fütterung geboten ſein, ſpäter iſt überhaupt eine ſolche bei allen Muttertieren notwendig, um reichliche Milchabſonderung zu erzielen. Hinſichtlich des Aufenthaltsortes braucht im allgemeinen ein Wechſel nicht ſtattzufinden. Das Pferd bleibt, je nach Jahres⸗ zeit, verſchieden lange Zeit mit ſeinem Füllen in einem Laufſtall und kommt dann gewöhnlich auf die Weide. Bei dem erſtmaligen Hinauslaſſen des Pferdes iſt jedoch Vorſicht geboten. Bei kalter Witterung kommt es leicht zum ſog.„Verfangen“, bei gutem Graswuchs findet nicht ganz ſelten eine zu reichliche Aufnahme von Nahrung ſtatt, wogegen Pferde, die eben gefohlt haben, ſehr empfindlich ſind und ſich dann leicht tödliche Koliken zuziehen. Kühe, die andauernden Weidegang gewöhnt ſind, können auch nach dem Kalben im Freien bleiben, ſelbſt wenn die Witterung is dem bereit mnlaßt en be⸗ „wemn bis wie Ge⸗ Wehen ommen, n muß. ils die d und tenden, hwein roder 1 rh di Paſfer geben ſtande, uf die he, bei Mil⸗ n kann ter iſ icliche en ein ahres⸗ ufſtal nligen kalter gutem nahme „ſehr en. können terung Behandlung des neugeborenen Jungen. 41 nicht allzu günſtig iſt. Ein Aufſtallen iſt ſogar bei wohlgenährten Milchkühen möglichſt zu vermeiden, da dadurch die Entſtehung des Milchfiebers begünſtigt wird. Nur im Spätherbſt, bei recht kalter Witterung, kann man mitunter nicht umhin, die Tiere kurz vor oder nach dem Gebären unter Dach zu bringen.— Das Lager der Rinder ſoll bequem, vor allem nach hinten nicht abſchüſſig ſein. Mit dem Melken iſt zwar bald nach der Geburt zu be⸗ ginnen, indeſſen iſt es nicht von Wichtigkeit, ob es eine halbe oder ganze Stunde ſpäter geſchieht. In manchen Gegenden werden die Tiere anfänglich alle 2 Stunden gemolken; ein ſo häufiges Melken iſt aber nicht gerade erforderlich. 4. Behandlung des neugeborenen Jungen. Mit der Vollendung der Geburt hört die Verbindung zwiſchen dem Muttertier und der Frucht auf, und es muß ſich nun bei letzterer ſofort die Lungenatmung einſtellen. Wird das Junge, was ganz vereinzelt vorkommt, in den Eihäuten eingeſchloſſen ge⸗ boren, ſo iſt es ſchleunigſt von dieſen zu befreien, da es andern⸗ falls erſticken würde. Damit die Atmung in ungeſtörter Weiſe vor ſich gehen kann, iſt überhaupt bei allen neugeborenen Tieren der an der Umgebung der Naſe und in der Maulhöhle befindliche Schleim mit der Hand oder mit einem weichen Strohwiſch zu entfernen. Beſondere Maßregeln ſind bei Lebensſchwäche und Scheintod anzuwenden(ſ. dort). Wenn der Nabelſtrang nicht von ſelbſt abgeriſſen iſt, ſo iſt er bei dem Fohlen und dem Kalbe etwa eine Handbreit unter⸗ halb des Bauches abzureißen oder mit einer Schere oder Meſſer abzutrennen. Iſt ein allzu langes Stück vom Nabelſtrang am Jungen haften gelieben, ſo iſt es in gehöriger Weiſe abzukürzen. Eine Unterbindung des Nabels iſt in der Regel unnötig(vergl. jedoch Nabelblutung). Im übrigen iſt die Behandlung des neugeborenen Tieres, je nach der Tierart und je nachdem, ob es beim Muttertier ſaugen, oder ob es von dieſem weggenommen werden ſoll, verſchieden. Das Füllen wird gleich nach der Geburt vor das Mutter⸗ tier gelegt, damit es von dieſem abgeleckt wird. Das Ablecken iſt für das Junge von erheblichem Nutzen, es wird dadurch von dem ihm anhaftenden Schleim befreit, getrocknet und erwärmt; zudem gewöhnt ſich dabei die Stute an den Anblick des Jungen und er⸗ langt Zuneigung für dasſelbe. 42 Die regelmäßige Geburt. Schon kurze Zeit nach der Geburt pflegt ſich das Füllen zu erheben und umherzugehen, wobei es zunächſt noch ſtark ſchwankt und ſtolpert und wohl auch zu Boden fällt, was aber keine Nach⸗ teile herbeiführt. Das Junge ſucht dann das Geſäuge auf, und es gelingt ihm häufig ohne Hilfe, die Zitze zu erfaſſen und zu ſaugen. Wenn ſich das Füllen aber ſchwach oder ungeſchickt zeigt, oder das Muttertier unruhig iſt, ſo muß erſteres anfangs beim Saugen unterſtützt werden. Einzelne Stuten, namentlich ſolche, die zum erſtenmal ge⸗ boren haben, ſind teilnahmlos gegen ihr Junges und unterlaſſen das Ablecken. Mitunter iſt es von Erfolg, wenn etwas Kochſalz auf das Füllen geſtreut wird. Geſchieht auch dann das Ablecken nicht, ſo iſt das Junge mit weichem Stroh oder mit einem Tuch abzureiben. Bisweilen iſt die Stute aufgeregt oder gar bösartig gegen ihr Junges, will es nicht ſaugen laſſen und beißt oder ſchlägt nach ihm. Das liegt manchmal, zumal bei Erſtlingen, nur daran, daß das Mutterpferd kitzlich und empfindlich am Euter iſt, weil es Berührungen daran nicht gewohnt iſt. Aufregung kann auch durch die Anweſenheit von Perſonen, namentlich von fremden, ver⸗ anlaßt werden. Leicht erregbare Pferde ſind möglichſt vor Störungen zu bewahren. Eine Stute, die ihr Füllen nicht ſaugen läßt, iſt mit Ruhe und Vorſicht zu behandeln. Sie wird am Kopf gehalten, ein Vorderfuß hochgehoben und dann das Füllen an das Geſäuge ge⸗ bracht. In der Regel pflegt ſich das Pferd bald das Saugen gefallen zu laſſen. In warmer Jahreszeit kann das Füllen wenige Tage nach der Geburt mit dem Muttertier die Weide beſuchen. Wenn das Kalb bei der Kuh bleiben ſoll, ſo iſt mit ihm zunächſt gerade ſo wie mit dem Füllen zu verfahren. Das Kalb pflegt das Euter raſch zu finden. Bei Weidegang kann es gleich bei dem Muttertier auf der Weide bleiben, wenn die Witterung nicht allzu ſchlecht iſt. Soll das Kalb nicht an der Kuh ſaugen, ſo iſt es ſofort von dieſer zu entfernen und möglichſt dafür zu ſorgen, daß die Kuh das Junge nicht zu ſehen bekommt, da ſie ſonſt Sehnſucht darnach zeigt und unruhig wird. Auch ſolchen Kälbern, die ge⸗ tränkt werden ſollen, darf die erſte Milch, die Koloſtralmilch, nicht entzogen werden, da dieſe leicht abführend wirkt und den Abgang des erſten Kotes, des Darmpechs, befördert. ge⸗ Behandlung des neugeborenen Jungen. 43. Schaflämmer müſſen anfangs bisweilen beim Saugen unterſtützt werden. Namentlich bei Erſtlingen iſt es nicht ſelten, daß ſie das Lamm nicht ſaugen laſſen wollen. Wollflocken, die etwa beim Saugen hinderlich ſind, müſſen entfernt werden. Im übrigen iſt die Behandlung je nach den wirtſchaftlichen Verhält⸗ niſſen und anderen Umſtänden verſchieden. Ziegenlämmer werden gewöhnlich gleich vom Muttertier entfernt und am beſten in einen mit weicher Streu verſehenen Korb geſetzt. Ferkel werden in der Regel ſofort nach der Geburt, und nachdem ſie mit einem Lappen(Tuch) gereinigt worden ſind, an Fig. 12. Geländer, hinter dem die Ferkel Schutz finden. das Geſäuge gebracht. Wenn das Mutterſchwein unruhig iſt, ſo iſt es jedoch zweckmäßiger, die Ferkel zunächſt in einen mit weichem Heu oder Stroh belegten Korb zu bringen und erſt nach völliger Beendigung der Geburt an das Geſäuge zu ſetzen. Es iſt zu beachten, daß Ferkel mehr als die anderen hier in Betracht gezogenen neugeborenen Tiere empfindlich gegen Kälter ſind. Daher iſt im Winter für genügende Wärme im Stall zu ſorgen. Auch reichliche, trockene Streu trägt weſentlich zur Warm⸗ haltung bei. Als Streumaterial iſt geſchnittenes Stroh, Spreu oder dergl., aber kein Langſtroh zu verwenden, da ſich in letzterem 44 Die regelmäßige Geburt. die Ferkel manchmal derartig verkriechen, daß ſie beim Hinlegen des Muttertieres nicht ausweichen können und dann erdrückt werden. üÜberhaupt werden durch Unachtſamkeit der Sau leicht Junge er⸗ drückt, namentlich, wenn ſich das Schwein nahe an die Wand legt, wo die Ferkel nicht ausweichen können. Es iſt daher zweck⸗ mäßig, an der Seite des Kofens in einer Entfernung von etwa 15 cm von der Wand und 20 em hoch Latten anzubringen, hinter denen die Jungen Schutz finden(ſ. Fig. 12). Schwergeburten. Allgemeines. Pferd, Rind, Schaf und Ziege weiſen in geburtshilflicher Beziehung manche ÄAhnlichkeit auf. Gebärmutter und Geburtskanal haben bei ihnen ungefähr die gleiche Beſchaffenheit, und auch die Jungen ſind ſich hinſichtlich ihrer Geſtalt, insbeſondere in betreff des Verhältniſſes des Kopfes und der Gliedmaßen zum Rumpf ähnlich. Das Hervortreten der Eihäute(Blaſe) ſowie die Lage des Jungen bei der Geburt iſt zudem bei den genannten Tieren faſt gleich. Ebenſo zeigen regelwidrige Geburten neben manchen Abweichungen auch vielfache Ahnlichkeiten, und können ſie daher bei dieſen Tieren im Zuſammenhang beſprochen werden. Ganz andere Verhältniſſe liegen dagegen beim Schwein vor, und müſſen daher die bei ihm vorkommenden Schwergeburten in einem beſonderen Teil behandelt werden. Bei den hier in Betracht zu ziehenden Haustieren zeigen ſich erſchwerte Geburten weitaus am meiſten bei dem Rind, manchmal aber auch bei dem Pferd und der Ziege, ziemlich ſelten jedoch beim Schaf. Die Häufigkeit der Schwergeburten hängt nicht allein von der Tierart, ſondern auch von vielen anderen Umſtänden ab, ſo von der Raſſe, dem Alter, der Züchtung, Haltung ꝛc. Die An⸗ gehörigen einiger Raſſen bringen in der Regel verhältnismäßig kleine, andere dagegen oftmals große Früchte zur Welt, und dieſe werden ſelbſtverſtändlich ſchwerer als jene geboren. Je früher die Tiere zur Zucht verwandt werden, und je weniger naturgemäß ihre Haltung iſt, deſto häufiger pflegen Schwergeburten zu ſein. Hinſichtlich der Hilfeleiſtungen bei Schwergeburten ſind einige allgemeine Regeln zu beachten, die hier zunächſt erörtert werden ſollen. Der Aufentholtsort und das Geburtslager der Muttertiere ſind für die glückliche Vollendung der Geburt von Be⸗ 46 Schwergeburten. deutung. Es muß vor allem genügend Raum vorhanden ſein, und zwar bei Pferd und Rind namentlich hinter dem Stand der Tiere, und auch dafür geſorgt werden, daß andere Tiere nicht zu nahe ſtehen und bei der Hilfeleiſtung hinderlich ſind. Das Lager ſoll trocken und wagerecht und beſonders nach dem Hinterteil des Tieres hin nicht abſchüſſig ſein. Auch muß genügende Helligkeit vorhanden ſein. Das Pferd kann in der Regel an ſeinem gewöhnlichen Stand bleiben, da dieſer meiſtens den angegebenen Anforderungen ent⸗ ſpricht. Das Rind muß bei Schwergeburten gewöhnlich ſeinen Platz wechſeln, da es im Rindviehſtall in der Regel an genügendem Raum fehlt. Wenn es nicht von ſeinem Standplatz gebracht werden kann, ſo läßt ſich durch Entfernung der etwa neben dem gebärenden Tier ſtehenden Rinder einigermaßen Raum ſchaffen. In Ställen, o ſich hinter dem Stand eine tiefe Rinne(Grope) befindet, iſt dieſe mit Miſt und Stroh auszufüllen oder beſſer mit einem breiten Brett, das in geeigneter Weiſe befeſtigt wird, zu bedecken. Das Rind ſoll— wie alle Haustiere— im Liegen gebären. Es giebt freilich Rinder, die ohne Nachteil ihr Junges im Stehen zur Welt bringen, jedenfalls darf aber eine erheblichere Zugkraft beim ſtehenden Tier nicht zur Anwendung kommen. Solche Rinder, die ſich nicht legen wollen, ſind niederzuſchnüren. Zu dieſem Zweck legt man einen langen Strick an, wie Fig. 13 zeigt, und läßt in der Richtung des Pfeiles anziehen. Die meiſten gebärenden Tiere legen ſich dann ruhig nieder, einzelne widerſetzen ſich jedoch und machen lebhafte Sprünge; deshalb iſt beim Niederſchnüren für ein recht weiches und geräumiges Lager zu ſorgen. Bei dem Schaf und der Ziege muß beſonders dafür geſorgt werden, daß ſie auf ihrem Geburtslager nicht durch andere Tiere geſtört werden. Einige Hilfsmittel ſind bei Geburten nicht zu entbehren. Von einer Aufzählung und Beſchreibung der zahlreichen geburts⸗ hilflichen Inſtrumeute muß hier abgeſehen werden. Selbſt der Fachmann benutzt meiſtens nur wenige davon, der Laie aber ſieht von ihrem Gebrauch am beſten ganz ab, da durch ungeſchickte Anwendung ſolcher Inſtrumente ſchwere Verletzungen des Mutter⸗ tieres herbeigeführt werden können. Mehrere feſte, jedoch biegſame Stricke von verſchiedener Stärke ſind bereit zu halten. Ein dünner Strick mit Oſe dient zur Et Allgemeines. 47 zum Anſchleifen des Unterkiefers. An den Füßen können dickere Stricke angebracht werden. Alle Stricke, die mit dem Muttertier in Berührung kommen, Niederſchnüren. Fig. 13. müſſen ſauber ſein. Vor allem dürfen ſie nicht mit fauligen Stoffen verunreinigt ſein, da ſie in ſolchem Fall eine Infektion (Blutvergiftung) des Tieres veranlaſſen können. 48 Schwergeburten. Die Stricke ſind vor ihrem Gebrauch ſo lange in warmes Waſſer zu tauchen, bis ſie völlig durchfeuchtet ſind. Reines, mildes Ol und lauwarmes Waſſer iſt bereit zu ſtellen. Einige Perſonen ſind zur Unterſtützung bei Geburten not⸗ wendig, und zwar mindeſtens 3 bis 4, bei beſonderer Geburts⸗ erſchwernis oftmals erheblich mehr. Beſondere Vorſichtsmaßregeln ſind zu treffen, damit die Beiſtand leiſtenden Perſonen vor Beſchädigungen bewahrt werden. Das gebärende Pferd iſt häufig unruhig. Vorſicht iſt namentlich erforderlich, wenn eine innere Unterſuchung der Geburts⸗ organe vorgenommen werden ſoll, da die Stute dabei hintenaus ſchlagen kann. Um dies zu verhindern, iſt ein Vorderbein auf⸗ zuheben, oder es iſt ein Hinterfuß zu ſpannen. Das ſtehende Pferd wirft ſich mitunter plötzlich zu Boden, was für den Geburtshelfer gefährlich werden kann, wenn der in den Geburtskanal eingeführte Arm etwa zwiſchen dem mütterlichen Becken und dem Jungen ein⸗ geklemmt iſt. Es kann unter ſolchen Umſtänden zu Armbrüchen oder anderen ſchweren Verletzungen kommen. Das liegende Pferd wälzt ſich bisweilen unverſehens über den Rücken und ſchlägt dabei hintenaus. Es ſind daher, ſobald nicht alles regelrecht verläuft, und Hilfeleiſtung verſucht werden ſoll, die Füße des Pferdes zu⸗ ſammen zu binden, oder wenigſtens die Hinterfüße derartig an Stricken zu halten, daß ein Wälzen nicht möglich iſt.— Schon wegen der erwähnten Umſtände ſollte der Beſitzer oder andere Laien nur in beſonderen Fällen eine Hilfeleiſtung bei erſchwerten Geburten des Pferdes verſuchen und möglichſt raſch einen Sach⸗ verſtändigen herbeiziehen. Beim Rind ſind beſondere Vorſichtsmaßregeln in der Regel nicht erforderlich. Es giebt jedoch Kühe, die heftig hintenaus ſchlagen. Es iſt hier noch auf einen Umſtand hinzuweiſen, der mit⸗ unter Gefahren bei Geburtshilfen bringt. Wenn es ſich um die Geburt eines bereits einige Zeit abgeſtorbenen und in Zerſetzung begriffenen Jungen handelt, ſo kann dieſes und überhaupt der Inhalt der Geburtsorgane beim Menſchen eine Blutvergiftung verurſachen, ſobald Teile davon in eine Wunde gelangen. Per⸗ ſonen, die Wunden an den Händen haben, ſollten ſich daher mit eingehenden Hilfeleiſtungen bei ſolchen Geburten nicht befaſſen. Eine frühzeitige Hilfeleiſtung iſt bei Schwergeburten von großem Nutzen. Nachdem die Eihäute geplatzt ſind, fließt das Fruchtwaſſer nach und nach ab, die Gebärmutterhöhle verkleinert Allgemeines. 49 ſich dementſprechend und ihre Wandungen umſchließen immer enger das Junge. Nach einiger Zeit verringert ſich auch die ſchlüpfrige Beſchaffenheit des Geburtskanals, er wird trocken, und zwar um ſo eher, wenn das Junge bereits länger abgeſtorben iſt. Ein Ab⸗ ſterben des Jungen erfolgt übrigens bei allen lange verzögerten Geburten. Endlich verengert ſich auch der Geburtskanal, beſonders wenn durch vielfaches Einführen von Hand und Arm bei ver⸗ ſuchter Hilfeleiſtung die Schleimhaut gereizt wird und infolgedeſſen anſchwillt. Nicht bei allen Tierarten iſt raſche Hilfe gleich dringend er⸗ forderlich; am notwendigſten iſt ſie beim Pferd. Die Wehen ſind bei dieſem Tier gewöhnlich ſo heftig, daß dadurch, z. B. bei fehlerhaften Lagen, raſch tödliche Zerreißungen der Geburtsorgane, des Maſtdarmes u. ſ. w. herbeigeführt werden können. Auch ſtirbt das Füllen leicht ab. Je unruhiger das Pferd iſt, und je heftiger die Wehen ſind, deſto ſchneller iſt ſachverſtändige Hilfe erforderlich. Das Rind iſt im allgemeinen widerſtandsfähiger gegenüber erſchwerten Geburten, was zum Teil daran liegt, daß die Wehen nicht ſo kräftig ſind. Auch kann das Junge bei Geburts⸗ verzögerungen ziemlich lange am Leben bleiben. Indeſſen ſoll im Notfall auch beim Rind nicht zu lange mit der Inanſpruchnahme eines Sachverſtändigen gewartet werden, da dann um ſo eher ein günſtiger Verlauf der Geburt ſowohl für das Muttertier als auch für das Junge zu hoffen iſt. Gerade beim Rind wird aber am häufigſten allzulange mit der Herbeiziehung tierärztlichen Beiſtandes gezögert. Mitunter liegt das daran, daß die Zeichen der bevorſtehenden Geburt nicht erkannt werden, beſonders wenn die Wehen nur ſchwach ſind,(vergl. auch Gebärmutterverdrehung); oder es wird angenommen, die Geburt ſei bereits vollendet(vergl. in der Gebärmutter abgeſtorbene Junge). Solche Irrtümer kommen namentlich während des Weideganges vor. Manchmal aber wird zunächſt alles Mögliche verſucht, ſei es vom Beſitzer oder von anderen Perſonen, Laien, die in dem Rufe ſtehen, etwas von Ge⸗ burtshilfe zu kennen, und erſt, wenn ſich alle Bemühungen als vergeblich erwieſen haben, wird zum Tierarzt geſchickt. Dann haben ſich oftmals die oben geſchilderten Veränderungen an den Geburtsorganen: ſtarke Zuſammenziehung der Gebärmutter, Trocken⸗ heit und Verengerung des Geburtskanals bereits eingeſtellt. Es iſt dann die Bewerkſtelligung der Geburt, die der Tier⸗ arzt, wenn er rechtzeitig gerufen worden wäre, vielleicht ohne Tapken, Geburtshilfe. 2. Auflage. 4 50 Schwergeburten. —— beſondere Schwierigkeit hätte ausführen können, gewöhnlich ſchwer und mitunter ſogar unmöglich. Bei erheblicher Zuſammenziehung der Gebärmutter ſind unter anderem Lageberichtigungen, die im Beginn der Geburt meiſtens leicht ſind, nur noch mit Mühe oder gar nicht mehr zu ermöglichen; auch die Zerſtückelung des Jungen, die dann noch zum Ziele führen kann, iſt dadurch außerordentlich erſchwert. Das Verfahren bei der Unterſuchung und Hilfe⸗ leiſtung iſt im allgemeinen folgendes. Zunächſt hat der Geburts⸗ helfer bei großen Haustieren— Pferd und Rind— beide Arme möglichſt bis zur Schulter, bei kleinen Tieren wenigſtens bis eben über den Ellenbogen zu entblößen. Hände und Arme ſind ſo⸗ dann mit einem milden Ol oder mit Schmalz einzureiben. Es iſt dies notwendig, um das Einführen der Hand zu erleichtern und um die Geburtsteile möglichſt wenig zu reizen. Das Einfetten gewährt dem Geburtshelfer aber auch einigen— jedoch ſehr un⸗ ſicheren— Schutz gegen eine Infektion(Blutvergiftung). Pferd und Rind ſind in der Regel am beſten im Stehen zu unterſuchen. Die Hand wird, keilförmig zugeſpitzt, wobei der Daumen in die Innenfläche der Hand gelegt — wird, eingeführt(Fig. 14). Finden ſich die Ei⸗ hlüllen noch unverletzt, ſo ſind ſie zunächſt zu Fig. 14u. ſchonen; ſie ſollen gewöhnlich erſt dann zerriſſen Haltung der Hand beim werden, wenn ſich der Geburtskanal gehörig er⸗ Einführen in den weitert hat. Nach der Sprengung der Frucht⸗ hüllen iſt die Hand dicht am Jungen ein⸗ zuführen. Geraten, was leicht geſchieht, Teile von Eihäuten zwiſchen Junges und Hand, ſo zieht man letztere etwas zurück und führt ſie ſodann nach Beiſeiteſchiebung der Fruchthüllen von neuem ein. 1 Es iſt durch die Unterſuchung feſtzuſtellen, welche Teile vom Jungen vorliegen und wie dieſe beſchaffen ſind, was für den Un⸗ geübten nicht leicht iſt. Auch auf den Zuſtand des Geburtskanals und vor allem darauf, ob dieſer überall völlig erweitert iſt, hat ſich die Unterſuchung zu erſtrecken. Bei dem Schaf und der Ziege iſt beſonders vorſichtig⸗ zu verfahren. Da bei kleinen Tieren das Becken eng, und oft auch der Geburtskanal nur mangelhaft erweitert iſt, ſollten ſich möglichſt Perſonen mit kleiner Hand mit der Unterſuchung und Hilfeleiſtung befaſſen. Die gut eingeölte Hand ſoll langſam, ohne erheblichen Druck, eingeführt werden. Bei gewaltſamen Ein⸗ ———ℳ⸗————-ℳ—-ℳ-ℳꝛℳ—— — ——— Allgemeines. 51 griffen gehen die wenig widerſtandsfähigen kleinen Wiederkäuer gewöhnlich zu Grunde. Das Weitere ergiebt ſich aus der ſpeziellen Erörterung der Schwergeburten. Maßregeln bis zur Ankunft des Tierarztes. Wenn ſich herausſtellt, daß bei Schwergeburten die Hilfe eines Tierarztes erforderlich iſt, ſo iſt dieſer gewöhnlich nicht ſofort zur Hand. Manchmal dauert es ſogar lange, viele Stunden, bevor er anlangen kann, ſei es, weil er weit entfernt wohnt, ſei es, weil er ander⸗ weitig in Anſpruch genommen iſt. Zudem erfolgen die Geburten ſehr häufig zur Nachtzeit. Selbſtverſtändlich wird der Tierarzt, ſoviel es ihm möglich iſt, auch einem nachts an ihn ergangenen Ruf Folge leiſten. Es ſei hier aber bemerkt, daß in einzelnen Gegenden zu gewiſſen Jahreszeiten ſtark beſchäftigte Tierärzte durch Schwergeburten und akute Krankheiten auch zur. Nachtzeit ſo außerordentlich oft in Anſpruch genommen werden, daß es ihnen nicht immer möglich iſt, allen Anforderungen ſofort nachzukommen. Es entſteht nun die Frage, was der Beſitzer bis zur Ankunft des Tierarztes thun kann. Bei dem Pferd handelt es ſich beſonders darum, die ge⸗ wöhnlich vorhandenen ſtarken Wehen zu beſchränken. Die Wehen treten nun weit heftiger und gefahrdrohender beim liegenden als beim ſtehenden Pferd auf. Es iſt daher, wenn es irgend möglich iſt, das Pferd am Hinlegen zu verhindern. Ruhigere Pferde laſſen ſich mitunter ohne große Mühe in ihrem Stall ſtehend er⸗ halten, unruhigere Pferde führt man am beſten auf einem großen Platz, z. B. auf der Tenne, umher und ſucht ſie durch leichte Peitſchenſchlüge am Niederwerfen zu verhindern, was gewöhnlich gelingt. Bei der Kuh ſind die Wehen ſehr ſelten ſo ſtark, daß ſie eine Gefahr für das Muttertier bilden. Es iſt daher nicht nötig, die Kuh am Hinlegen zu hindern, was auch kaum gelingen würde. Indeſſen ſoll das Lager recht weich ſein, damit ſich das Rind bei heftigem Hinwerfen nicht beſchädigen kann. Auch muß eine un⸗ unterbrochene Beaufſichtigung ſtattfinden. Erneute Verſuche zur Bewerkſtelligung der Geburt ſind zu unterlaſſen, da dann die be⸗ reits geſchilderten Nachteile einer verzögerten Hilfeleiſtung um ſo eher und ſtärker eintreten. Bei ruhigem Abwarten bis zur An⸗ kunft ſachverſtändigen Beiſtandes pflegt das Rind längere Ver⸗ zögerungen auffallend gut zu ertragen. 4* 52 Schwergeburten. A. Schwergeburten infolge Regelwidrigkeiten und Krankheiten der Nuttertiere: Pferd, Rind, Schaf und Ziege. 1. Perengerung des Geburkskanals. Der Geburtskanal erweitert ſich unter gewöhnlichen Verhält⸗ niſſen kurz vor und während der Geburt derartig, daß er überall ungefähr die gleiche Ausdehnung erlangt, und normale Früchte ihn ohne erhebliche Schwierigkeit paſſieren können. Manchmal aber kommt die Erweiterung nicht im ganzen Verlauf des Geburtskanals zuſtande; es bleibt die während der Trächtigkeit vorhandene Enge beſtehen, oder die Ausdehnung wird durch Verwachſungen, Mißbildungen oder Geſchwülſte verhindert. Eine Verengerung kann den Wurf, die Scheide und den Gebärmutterhals, aber auch die knöchernen Teile, das Becken, betreffen. a) Verengerung des Wurfes. Eine Verengerung des Wurfes(oder der Scham) kommt am häufigſten bei erſtgebärenden Rindern, ſeltener bei älteren Kühen und bei den übrigen Haustieren vor. Beſonders oft findet ſie ſich, wenn eine Frühgeburt erfolgt, und manchmal iſt ſie mit Ver⸗ engerung der Scheide und des Gebärmutterhalſes verbunden. Ein geringerer Grad der Verengerung macht ſich erſt dann bemerkbar, wenn der Kopf oder, bei Hinterendlage, die umfang⸗ reichſte Partie des Hinterteils den Wurf paſſieren ſoll. Ein höherer Grad des Leidens läßt ſich ſchon beim Hervortreten oder beim Anſchleifen der Füße erkennen. Die Verengerung kann ſo bedeutend ſein, daß ſich nicht einmal die Hand einführen läßt; dann fällt auch ſchon bei äußerlicher Betrachtung die Kleinheit des Wurfes auf. Erhebliche Verengerungen des Wurfes erſchweren die Geburt bedeutend oder machen ſie ohne eingehende Behandlung unmöglich. Es iſt daher am beſten, dabei ſofort ſachverſtändige Hilfe in An⸗ ſpruch zu nehmen. Aber auch mäßige Verengerungen führen ſehr häufig höchſt nachteilige Folgen herbei. Sie geben bei unvor⸗ ſichtiger Behandlung leicht Veranlaſſung zu Verletzungen des Wurfes und ſelbſt zu völligen Dammriſſen(ſ.„Dammriß“). Eine ſorgfältige Behandlung iſt in jedem Fall dringend erforderlich. Vor allem iſt die Geburt nicht zu ſehr zu beſchleunigen und nicht eher eine erhebliche Zugkraft am Jungen in Anwendung zu bringen, bis der Wurf genügend erweitert iſt. n und ochaf Ierhl⸗ üiterl üc ih ul dbe 3 un (3pt · ren lst. fie Geber annögit ſe in N üren ſet ei unbor⸗ * dringend ſchlenie nwendulg Verengerung des Geburtskanals. 53 Um nun eine Erweiterung zu erzielen, führt man zunächſt die Hand oder auch den unteren Teil des Arms in den Geburts⸗ kanal ein und ſucht, wenn möglich, mit der Hand auf dem Kopf oder, bei Hinterendlage, auf den Hinterfüßen Stütze und den Wurf namentlich nach oben hin auszudehnen. Mitunter, bei geringerer Verengerung, laſſen ſich beide Arme einführen und durch ſie die Wurflippen auseinanderziehen. Dabei läßt man zugleich in leichter Weiſe hin und wieder das Junge anziehen. Auch wird wieder⸗ holt Ol oder eine andere ſchleimige Flüſſigkeit in den Geburts⸗ kanal gebracht. Nachdem ſo die Verengerung einigermaßen gehoben iſt, läßt man das Junge etwas ſtärker anziehen. Es muß ſehr vorſichtig dabei verfahren werden, namentlich wenn der Kopf oder, bei Hinter⸗ endlage, der dickere Teil des Oberſchenkels durch den Wurf tritt. Der Wurf iſt dann beſonders an ſeinen oberen Teilen kräftig zurückzuhalten und über die vortretenden Partieen hinwegzuſchieben. Es ſei hier aber nochmals darauf hingewieſen, daß nicht alle Verengerungen auf die angegebene Weiſe zu heben ſind, und daß es überhaupt bei nicht ganz vorſichtigem Verfahren leicht zu ſchweren Verletzungen kommt. Beim Pferd handelt es ſich meiſtens nur um mäßige Ver⸗ engerung. Bei ihrem Vorhandenſein iſt ein raſches Anziehen des Jungen zu vermeiden, der Wurf iſt von innen und außen ſorg⸗ fältig einzuölen und behutſam über das vortretende Junge hin⸗ wegzuſchieben. Bei dem Schaf und der Ziege läßt ſich gewöhnlich bei einiger Geduld eine genügende Erweiterung mit der Hand erzielen. b) Verengerung der Scheide. Eine Verengerung der Scheide findet ſich nicht ſelten bei erſt⸗ gebärenden Rindern. In der Regel handelt es ſich dabei um eine kreisförmige Verengerung im hinteren Teil der Scheide. Dann iſt zugleich der Wurf klein und eng. Es kann aber auch durch andere abnorme Zuſtände eine Verengerung der Scheide veranlaßt werden. So kommt es vor, daß ſich ein ſog. Bandpfeiler, auch Fleiſchſpange genannt, ein ſtrangförmiger Körper, von der einen Wand der Scheide bis zur anderen erſtreckt und ſo den Ge⸗ burtskanal für das Junge unpaſſierbar macht. Auch Geſchwülſte ꝛc. können eine Unwegſamkeit der Scheide herbeiführen. Endlich kann eine Verengerung im Verlauf lange dauernder Geburten entſtehen. Die Behandlung iſt bei einfacher kreisförmiger Verengerung 54 Schwergeburten. in ähnlicher Weiſe wie bei Verengerung des Wurfes einzuleiten. Erheblichere Zugkraft am Jungen darf erſt nach völliger Er⸗ weiterung der Scheide in Anwendung kommen. Wenn zu früh⸗ zeitig angezogen wird, ſo können ſchon 2—3 Perſonen eine ſchwere und ſelbſt tödliche Zerreißung der Scheide herbeiführen. Bei Vorhandenſein beſonderer Regelwidrigkeiten iſt die Hilfe eines Fachmanns in Anſpruch zu nehmen. e) Verengerung des Gebärmutterhalſes. Der Gebärmutterhals, auch Muttermund genannt, erweitert ſich während der Geburt nach und nach, ſo daß er endlich völlig „verſtrichen“ iſt und mit der Scheide einen weiten Kanal bildet. Namentlich beim Rind, aber auch bei den kleinen Wieder⸗ käuern kommt mitunter die Erweiterung nicht zuſtande. Dies kann verſchiedene Urſachen haben. In ſehr ſeltenen Fällen iſt der Gebärmutterhals völlig verwachſen, oder es iſt infolge eines chroniſchen Entzündungszuſtandes ſeine Erweiterungsfähigkeit ver⸗ ringert. Meiſtens aber handelt es ſich um eine einfache Unnach⸗ giebigkeit des Gebärmutterhalſes, und dieſe findet ſich am häufigſten bei Frühgeburten. Eine Verengerung des Muttermundes kann aber auch im Laufe der Geburt entſtehen; wenn dieſe ſich lange verzögert, zieht ſich endlich der erweiterte Geburtskanal und nament⸗ lich der Gebärmutterhals wieder zuſammen. Beim Vorhandenſein ſolcher Verengerungen pflegen die Wehen nur ſchwach zu ſein, ſie können aber auch ſtark ſein und dann zu einem Scheidenvorfall führen. Bei erheblicherer Verengerung des Gebärmutterhalſes werden keine Teile vom Jungen außerhalb des Wurfes ſichtbar. Es läßt ſich der Buland erſt durch eine innere Unterſuchung feſtſtellen. Hinſichtlich der Behandlung iſt vor allem zu beachten, daß kein Verſuch gemacht werden darf, das Junge gewaltſam durch⸗ zuziehen, bevor eine genügende Erweiterung herbeigeführt worden iſt, da dabei leicht tödliche Zerreißungen entſtehen. Wenn ſich Teile vom Jungen, Kopf oder Füßeo, erfaſſen laſſen, ſo ſchleift man ſie an, namentlich den Kopf, und ſucht ihn nach und nach durch den Gebärmutterhals zu bringen, wobei man zugleich mit der Hand die Verengerung zu heben beſtrebt iſt. Es iſt dabei häufig Ol einzuführen. Bei allen ſtärkeren Verengerungen, ſowie auch dann, wenn die Erweiterung nicht raſche Fortſchritte macht, iſt dringend die Hinzuziehung eines Tierarztes anzuraten, da bisweilen nur mit zuleiten ger Er⸗ zu ſtüſ⸗ ſchwer di Hihe erveiter th vüllg ¹ oidet Wieder e. Dies älen i ge eines keit der⸗ Urnach häufiſten des bm ſch lmnge nament⸗ ie Vehen dann zu rung de chalb de ne innebe Hten, di m durt⸗ t wonden ſch dil tman ſi duch den der Hend häuig I un, wend ngend de nur nit Wehenſchwäche. 55 Hilfe der Zerſtückelung des Jungen oder nach einer Operation am Muttertier die Geburt vollendet werden kann. d) Verengerung des Beckens. Ein verhältnismäßig enges Becken haben alle jungen, noch im Wachstum begriffenen Tiere. Am häufigſten macht ſich dieſer Um⸗ ſtand beim Rind bemerkbar. Selbſt beim ausgewachſenen Rind bietet unter normalen Verhältniſſen das mütterliche Becken oftmals nur eben Raum für den Durchgang des Jungen. Rinder werden in manchen Gegenden zu früh belegt und kalben dann in einem ſo jugendlichen Alter, daß der ganze Körper, vor allem aber das Becken, noch nicht gehörig ausgebildet iſt. Wenn nun auch ſolche Muttertiere oft genug ohne Schwierigkeit ihre Jungen zur Welt bringen, zumal dieſe meiſt nur klein ſind, ſo haben ſie doch bei ſtarker Entwickelung des Kalbes viel häufiger als ältere Tiere an Schwergeburten zu leiden. Da hierbei die Erſcheinungen und die Behandlung gerade ſo wie bei unverhältnismäßiger Größe des Jungen ſind, ſo wird hier auf den Abſchnitt, der von dieſer Regel⸗ widrigkeit handelt, verwieſen. Eine Verengerung des Beckens kann aber auch durch beſondere krankhafte Zuſtände hervorgerufen werden. Es ſind dies nament⸗ lich Knochenauswüchſe, verheilte Brüche der Beckenknochen oder andere Umſtände, die eine Verbildung des Beckens verurſacht haben. Dadurch wird in der Regel die Geburt erheblich erſchwert, mit⸗ unter ſelbſt unmöglich gemacht. Wenn das Junge gewaltſam durch den Geburtskanal gezogen wird, entſtehen gewöhnlich ſchwere Ver⸗ letzungen. Derartige krankhafte Beckenverengerungen ſind im all⸗ gemeinen bei den Haustieren ſelten; nur bei der Ziege findet man ſie ziemlich häufig. Bei erheblicher Verunſtaltung des Beckens kann nur unter Zuhilfenahme der Zerſtückelung der Frucht, die von einem Tierarzt auszuführen iſt, die Geburt vollendet werden. Iſt die Verengerung ſo ſtark, daß nicht einmal die Hand durch das Becken geführt werden kann, ſo iſt die Geburt nicht zu bewerk⸗ ſtelligen. 2. Wehenſchwäche. Unter normalen Verhältniſſen kann das Junge allein durch die Wehen und das Mitdrängen geboren werden. Wenn nun auch, zumal beim Rind, meiſtens durch mäßiges Anziehen des Jungen die Geburt befördert wird, ſo ſoll dieſe doch hauptſächlich durch die Wehen bewirkt werden. Namentlich aber ſoll durch die Wehen 56 Schwergeburten. das Junge zum Teil in den Geburtskanal hineingedrängt werden. Wenn das nun nicht geſchieht— ohne daß beſondere Hinderniſſe vorhanden ſind— und Wehen und Mitdrängen wenig bemerkbar ſind, ſo ſpricht man von Wehenſchwäche. Dieſe findet ſich am häufigſten beim Rind, manchmal auch bei der Ziege, ſelten bei dem Pferd und dem Schaf. Die Wehenſchwäche kann verſchiedenartige Urſachen haben. Sie iſt oftmals von vornherein vorhanden und zwar bei Früh⸗ geburt, abgeſtorbenen Jungen, Gebärmutterverdrehung, mitunter auch bei Verengerungen des Geburtskanals, fehlerhafter Lage der Frucht, ſowie bei allgemeiner Schwäche oder beſonderen Krank⸗ heiten des Muttertieres. Wehenſchwäche iſt überhaupt in der Mehrzahl der Fälle mit anderen Regelwidrigkeiten verbunden. Aber auch im Verlauf der Geburt kann Wehenſchwäche entſtehen, beſonders wenn das Muttertier im Beginn der Geburt heftige und vergebliche Anſtrengungen gemacht hat, um das Junge zur Welt zu bringen und dabei ſeine Kräfte völlig erſchöpft hat. Die Behandlung beſteht darin, daß das Junge angeſchleift und hervorgezogen wird. Dies bietet, wenn mit der Wehenſchwäche nicht andere ſchwere Geburtshinderniſſe verbunden ſind, an und für ſich keine Schwierigkeiten dar. Indeſſen kann es beim Rind vorkommen, daß das Junge noch weit zurückliegt und dann nicht leicht anzuſchleifen iſt. 3. Zu ſtarke Wehen. Kräftige Wehen ſind im allgemeinen für die Vollendung der Geburt vorteilhaft, ſie können jedoch unter gewiſſen Umſtänden, und zwar namentlich bei Verengerung des Geburtskanals, ſowie bei fehlerhafter Lage des Jungen, gefährlich für das Muttertier werden und, insbeſondere beim Pferd, Veranlaſſung zu Zerreißung der Geburtsorgane geben. Auch erſchweren ſie die Hilfeleiſtung bei Lageberichtigungen oder anderen Regelwidrigkeiten bedeutend. Es iſt hierbei, zumal beim Pferd, in der Regel ratſam, das Tier möglichſt ſtehend zu erhalten, da dann die Wehen nicht ſo heftig auftreten. Etwa vorhandene fehlerhafte Lagen ſind ſo raſch, als es angeht, zu berichtigen. Zu heftige Wehen laſſen ſich auch durch Arzneien vermindern, die aber nur von einem Fachmann angewandt werden ſollen. verden. ndeniſe emerbhar ſih m bei den haben i Friſ⸗ mitunter Lge da Kemt⸗ in der rbunden. entſehen, t hefe unge zur het. geeſcleit nichwche an und im Ründ ann rict dung de mſtänden, d, ſcbi Nutteriet erreißung feleitung gedeutend. ſſon, ds rrict ſ dſo riſ rwindern. ollen. Gebärmutterverdrehung. 57 4. Gebärmutterverdrehung. Unter Gebärmutterverdrehung verſteht man eine Drehung der Gebärmutter um ihre Längsachſe. Hierdurch ent⸗ ſteht auch eine Verdrehung und Einſchnürung des Gebärmutter⸗ halſes und eines Teiles der Scheide, ſo daß das Junge den Geburtskanal nicht paſſieren kann.(Fig. 15.) Dieſe Regelwidrigkeit kommt vorzugsweiſe beim Rind, in ſeltenen Fällen aber auch bei anderen Haustieren vor. In der Regel entſteht ſie erſt mit dem Ablauf der Trächtigkeit, unmittel⸗ bar vor dem Beginn der Geburt. Fig. 15. Gebärmutter⸗ und Scheidenverdrehung. a Scheide, b breites Mutterband. Die nächſten Urſachen der Gebärmutterverdrehung ſind nicht mit Sicherheit bekannt. So viel iſt aber gewiß, daß der Aufent⸗ haltsort, die Haltung und Ernährung der Kühe weſentlich zum Zuſtandekommen des Leidens beitragen. Es kommt nur ſelten bei Weidegang auf ebenem Terrain vor. In gebirgigen Gegenden zeigt ſich aber öfters auch während des Weideganges die Gebär⸗ mutterverdrehung. Am häufigſten findet man ſie dann, wenn die Kühe in Stallungen dicht aneinander gedrängt ſtehen müſſen, ſo daß ſie ſich kaum gleichzeitig legen können. Auch werden mangel⸗ haft oder faſt ausſchließlich mit Rauhfutter genährte leichter als intenſiver gefütterte Tiere davon befallen. 58 Schwergeburten. Erſcheinungen. Die Geburtsanzeichen ſind bei beſtehender Gebärmutterverdrehung in der Regel wenig ausgeprägt. Das Tier wird unruhig, es ſtellen ſich Wehen ein, die aber nur ſchwach und von langen Pauſen unterbrochen ſind, ſo daß ſie nicht ſelten ganz überſehen werden. Infolgedeſſen iſt der Beſitzer leicht in dem Glauben, die Geburt werde noch nicht erfolgen. Eihäute kommen gewöhnlich nicht zum Vorſchein. Bei ſtarker Verdrehung iſt mitunter der Wurf etwas ein⸗ gezogen. Mit Sicherheit läßt ſich die Gebärmutterverdrehung erſt durch die innere Unterſuchung feſtſtellen. Es findet ſich die Scheide ſowie der Gebärmutterhalts faltig und zuſammengezogen. Meiſtens kann man mit der Hand noch bis in die Gebärmutter gelangen, mitunter iſt dies aber wegen erheblicher Verdrehung und Ver⸗ engerung nicht möglich. Wenn nicht bald Hilfe geleiſtet wird, ſo hören die Geburts⸗ erſcheinungen völlig auf, die Kuh erkrankt in allmählich zunehmen⸗ dem Maße und geht in der Regel in wenigen Tagen zu Grunde. Die Behandlung überläßt man am beſten einem Tierarzt. Dem Sachverſtändigen verurſacht die Hilfeleiſtung manchmal keine erheblichen Schwierigkeiten, der Laie aber überſieht gar zu leicht den einen oder anderen Umſtand, der beachtet werden muß und bringt damit das Leben des Muttertieres in Gefahr. Indeſſen ſoll hier doch die Behandlung der gewöhnlichen und leichteren Fälle kurz angegeben werden. Der Fruchthälter muß wieder in ſeine richtige Lage gebracht werden. Es geſchieht das am beſten durch Wälzung des Mutter⸗ tieres. Um dieſe auszuführen, wird das Tier an einen geräumigen Platz gebracht, der mit einer dicken Strohlage bedeckt iſt. Hier legt man das Rind nieder und bindet ihm alle vier Füße zu⸗ ſammen. Darauf dringt man mit Hand und Arm möglichſt weit in die Geburtsorgane ein, ſucht einen Teil des Jungen, nament⸗ lich einen Fuß, zu erfaſſen und feſtzuhalten und läßt nun das Muttertier langſam über den Rücken wälzen. Geſchieht die Wälzung nach der verkehrten Richtung, ſo wird die Einſchnürung(die Ver⸗ engerung) eine ſtärkere, und man läßt nach der entgegengeſetzten Seite wälzen. Bisweilen iſt ſchon eine Umwälzung genügend, manchmal aber iſt die Lageberichtigung ſchwer zu erreichen oder in der angegebenen Weiſe überhaupt nicht ausführbar. Mitunter kann dann noch durch eine beſondere Operation, die aber nur von einem Fachmann gemacht werden kann, Hilfe geleiſtet werden. Nachdem die Lageberichtigung des Fruchthälters gelungen iſt, 4— Fehlerhafte Lagen. 59 findet ſich öfters der Gebärmutterhals unvollſtändig geöffnet, oder es hat das Junge eine fehlerhafte Lage eingenommen, ſo daß erſt nach Hebung dieſer Regelwidrigkeiten die Geburt vollendet werden kann. B. Schwergeburten infolge Regelwidrigkeiten und Krankheiten der Luaen Pferd, Rind, Schaf und iege. 1. Fehlerhafte Tagen. Allgemeines. Fehlerhafte Lagen der Frucht geben ſehr oft Veranlaſſung zu erſchwerten Geburten. Der Kopf und die Gliedmaßen nehmen am häufigſten eine fehlerhaſte Lage ein. Es kann aber auch das Junge im ganzen quer oder auf der Seite oder auf dem Rücken liegen. Manchmal ſind verſchiedenartige fehlerhafte Lagen bei einer Frucht vorhanden und mit anderen Regelwidrigkeiten ver⸗ bunden. Hinſichtlich der Urſachen der fehlerhaften Lagen iſt zu be⸗ merken, daß ſie verhältnismäßig oft bei abgeſtorbenen Jungen vorkommen. Sie ſind aber auch häufig genug bei lebender Frucht und werden namentlich durch Verengerung des Geburtskanals, zu große Jungen, heftige Wehen, frühzeitige Sprengung der Blaſe und andere Umſtände hervorgerufen. In betreff der Beurteilung und Behandlung iſt fol⸗ gendes zu beachten. 1. Lageberichtigungen ſind möglichſt bald auszuführen. Je länger damit gewartet wird, deſto vollſtändiger fließt das Frucht⸗ waſſer ab. Zugleich zieht ſich die Gebärmutter mehr und mehr zuſammen und legt ſich immer enger um das Junge. Die Lage⸗ berichtigungen müſſen aber faſt ausſchließlich in der Gebärmutter vorgenommen werden, wofür aber der Raum bei zu langem Warten immer kleiner wird. Manche Lageberichtigung iſt am Anfang der Geburt leicht, ſpäter aber ſchwer oder gar nicht mehr ausführbar, und kann dann nur noch eine Zerſtückelung des Jungen Rettung für das Muttertier bringen. 2. Lageberichtigungen ſind in der Regel am beſten beim ſtehenden Tier auszuführen, da ſich dann das Junge an leichteſten zurückſchieben läßt, was meiſtens erforderlich iſt. Iſt man ge⸗ nötigt, beim liegenden Tier Berichtigungen vorzunehmen, ſo muß 60 Schwergeburten. das Tier eine ſolche Lage einnehmen, daß ſich die fehlerhaft ge⸗ lagerten Teile nach oben befinden. Kann oder will das Tier nicht aufſtehen, ſo empfiehlt es ſich, es mit dem Hinterteil hochzulegen. 3. Das Zurückſchieben des Jungen ſowie die Lageberichtigung muß möglichſt in der wehenfreien Zeit ausgeführt werden. 4. Die Teile, Kopf oder Beine, die vorliegen, oder die her⸗ beigeholt worden ſind, werden angeſchleift. Die Stricke ſollen übrigens nur zur Unterſtützung bei Lageberichtigungen dienen und zugleich verhindern, daß die Teile wieder zurücktreten. Ein ge⸗ waltſames Hervorziehen verſchlagener Teile iſt auf jeden Fall zu vermeiden, da dadurch ſchwere Verletzungen der Geburtsorgane verurſacht werden können. a) Fehlerhafte Lagen des Kopfes. Fehlerhafte Kopflagen kommen ſowohl beim Fohlen als auch beim Kalbe und Lamm häufig vor. Fig. 16. Seitliche Kopflage beim Kalb. Die ſeitliche Kopflage findet ſich weitaus am meiſten vor. Es liegt dann bei den Wiederkäuern der Kopf an der Bruſt⸗ wand(Fig. 16), beim Pferde oftmals aber weiter zurück, bis in der Flankengegend, und iſt nicht ſelten zugleich verdreht(Fig. 17). — S„=„S eiſten ruſt⸗ s in 17). Fehlerhafte Lagen. 61 Behandlung. Beim Pferd iſt die Behandlung bei ſeit⸗ wärts gelagertem Kopf in der Regel recht ſchwierig. Oftmals liegt der Kopf ſo weit zurück, daß ſich mit der möglichſt tief ein⸗ geführten Hand nur das Genick und die Ohren des Füllens wahr⸗ nehmen laſſen. Aber ſelbſt wenn der Kopf und namentlich der Unterkiefer zu erreichen iſt, ſo iſt wegen der Länge des Halſes und wegen der gewöhnlich vorhandenen ſtarken Wehen des Mutter⸗ tieres eine Lageberichtigung ſtets ſchwer und meiſtens gar nicht ausführbar. Sie iſt vor allem auch dann von vornherein aus⸗ geſchloſſen, wenn die Halswirbelſäule des Füllens verkrümmt iſt. In der Regel iſt dann die Zerſtückelung des Jungen notwendig. Fig. 17. Seitliche Kopflage beim Füllen; der Kopf iſt zugleich verdreht. Wenn das Füllen klein und das Becken des Muttertieres ge⸗ räumig iſt, gelingt es mitunter, das Junge mit ſeitwärts ver⸗ ſchlagenem Kopf hervorzuziehen, was aber gefährlich iſt, wenn es nicht mit großer Vorſicht und Sachkenntnis ausgeführt wird. Beim Rind muß eine Lageberichtigung ſtattfinden. Ein Verſuch, das Junge mit zurückgeſchlagenem Kopf allein an den Vorderfüßen hervorzuziehen, mißlingt, oder es iſt, wenn ein kleineres Junge durch ſtarke Zugkraft herausbefördert wird, eine Zerreißung der Geburtsorgane die unausbleibliche Folge. Die Lageberichtigung iſt, wenn ſie rechtzeitig erfolgt, und es 62 Schwergeburten. ſich um ein kleineres und noch lebendes Junge handelt, mitunter nicht ſchwierig. Es wird das Kalb zunächſt etwas zurückgeſchoben, ſodann faßt man den Kopf an ſeinem unteren Teil, ſtreckt ihn und leitet ihn ins Becken hinein. Oftmals, wenn ſtarke Wehen vor⸗ handen ſind, oder ſich die Gebärmutter bereits ſtark zuſammen⸗ gezogen hat, iſt das Hervorholen und die Streckung des Kopfes mit Schwierigkeit verbunden. Es kann dann eine Schlinge aus einem dünnen Strick, die dem Kalbe um den Unterkiefer gelegt wird, gute Dienſte thun. Indeſſen wird von Unkundigen durch eine ſolche Schlinge leicht Unheil angeſtiftet. Es kann nämlich mit ihr, auch wenn ſie feſt angelegt worden iſt, der Kopf keineswegs ohne weiteres und mit Gewalt in den Geburtskanal hineingezogen werden. Sobald in unrichtiger Weiſe und zu ſtark angezogen wird, nimmt der Kopf eine verdrehte Lage ein, ſo daß der Unter⸗ kiefer nach oben gerichtet iſt, und bei Anwendung ſtarker Zugkraft kann der Unterkiefer abreißen. Zudem kann bei unvorſichtigem Verfahren durch die ſcharfen Schneidezähne des Jungen eine Ver⸗ letzung des Muttertieres herbeigeführt werden. Es kommt gerade bei fehlerhaft gelagertem Kopf häufig genug vor, daß dem Beſitzer oder anderen Perſonen, die etwas von Ge⸗ burtshilfe verſtehen wollen, die Hilfeleiſtung trotz aller Mühe ſelbſt nach Anwendung der Maulſchlinge nicht gelang, während der Tierarzt mit wenigen Handgriffen zum Ziel kam. Mitunter iſt aber eine Lageberichtigung erſt unter Zuhilfenahme beſonderer Inſtrumente oder nach vorheriger Zerſtückelung des Jungen möglich. Es iſt das unter anderem der Fall bei allzu erheblicher Zuſammen⸗ ziehung der Gebärmutter, bei Verengerung des Geburtskanals oder bei unverhältnismäßiger Größe des Jungen. Bei dem Schaf und der Ziege läßt ſich, wenn die Geburts⸗ organe nicht zu eng ſind, der ſeitwärts gelagerte Kopf mit der Hand hervorheben und ſtrecken. Mitunter iſt aber auch bei dieſen Tieren eine Zerſtückelung erforderlich. Ohne Lageberichtigung kann das Junge nicht geboren werden. Bei der Bruſt⸗Kopflage(Fig. 18) befindet ſich der Kopf nach abwärts zwiſchen beiden in den Geburtskanal eingedrungenen Vorderfüßen und vor der Bruſt. Eine Lageberichtigung iſt bei allen Tieren notwendig und in ähnlicher Weiſe, wie oben an⸗ gegeben, auszuführen. Die Genicklage, die ſich namentlich beim Pferde findet, iſt der Bruſtkopflage ähnlich. Es liegt dabei der Kopf auf und teil⸗ weiſe zwiſchen den geſtreckt gehaltenen Vorderfüßen. Der Kopf Fehlerhafte Lagen. 63 iſt aber in der Weiſe im Genick nach rückwärts und unten ge⸗ beugt, daß nicht, wie es ſich gehört, die Maulpartie, ſondern das Genick voran kommt. Die Lageberichtigung iſt wegen der ſtarken Wehen der Mutterſtute und der erheblichen Länge des Füllen⸗ kopfes in der Regel ſchwer. Kleine Füllen können mitunter in dieſer fehlerhaften Lage geboren werden. Rücken⸗Kopflage(Fig. 19) iſt vorhanden, wenn der Kopf nach rückwärts gebogen iſt und nach dem Rücken hin liegt. Auch Fig. 18. Bruſt⸗Kopflage. hierbei iſt die Hilfeleiſtung in ähnlicher Art wie bei der ſeitlichen Kopflage vorzunehmen. Eine Drehung des Kopfes findet ſich nicht ſelten. Es dringt dabei der Kopf zwar gewöhnlich in geſtreckter Richtung in den Geburtskanal ein, er liegt aber auf der rechten oder linken Seite oder ſo, daß Stirn⸗ und Naſenpartie die Vorderfüße des Jungen berühren, wobei ſelbſtverſtändlich auch der Hals mit verdreht iſt. Liegt der Kopf nur etwas auf der Seite, ſo kann unter günſtigen Verhältniſſen, wenn das Junge klein und der 64 Schwergeburten. Geburtskanal, namentlich auch der Wurf weit iſt, die Geburt ohne Lageberichtigung erfolgen. Bei erheblicherer Verdrehung iſt die Lageberichtigung ſtets notwendig und möglichſt bald auszuführen, zu welchem Zweck das Junge zunächſt zurückzuſchieben und dann der Kopf in die richtige Lage zu bringen iſt. Die Lageberichtigung iſt bei großen Kälbern mitunter erſt möglich, nachdem vorher die Zerſtückelung des Jungen vorgenommen worden iſt. Fig. 19. Rücken⸗Kopflage. Die verſchiedenen fehlerhaften Lagen des Kopfes ſind manch⸗ mal mit abnormen Lagen der Vorderfüße oder anderen Regel⸗ widrigkeiten verbunden. b) Fehlerhafte Lagen der Vorderfüße. Dieſe kommen namentlich bei den Wiederkäuern, nicht ſelten aber auch beim Pferd vor. Ein⸗ oder beiderſeitige Vorderknielage(Fig. 20) iſt vorhanden, wenn ein oder beide Vorderfüße im Knie ſtark gebeugt ſind, und nicht die Zehen, ſondern die Knie nach dem Ausgang des Geburtskanals hin gerichtet ſind. Ein ausgewachſenes Junge kann in dieſer Lage, zumal wenn beide Vorderſchenkel in den Knieen gebeugt ſind, nicht geboren — Fehlerhafte Lagen. 65 werden. Nur bei einſeitiger Vorderknielage des Füllens kann mitunter die Geburt ohne Berichtigung erfolgen. Es iſt zunächſt immer die Lageberichtigung zu verſuchen, beim Pferde wird aber manchmal infolge heftiger Wehen das Junge weit vorgedrängt, ſo daß deſſen Zurückſchieben und die Streckung des Fußes ſchwer iſt. Beim Rind iſt die Streckung der Vordergliedmaßen ſtets vorzunehmen und auch in jedem Fall, wenn nicht etwa beſondere Mißbildungen vorhanden ſind, ausführbar. Zu dem Zwecke wird das Junge möglichſt zurückgeſchoben, der Schenkel unterhalb des Knies, am Schienbein oder am Feſſel, erfaßt, etwas nach oben ge⸗ Fig. 20. Beiderſeitige Vorderknielage. ſchoben und gebeugt und ſodann mit dem Zehenteil, den die Hand des Geburtshelfers bedeckt hält, in den Geburtskanal eingeführt. Mitunter haben jedoch die Vorderfüße neben dem Kopf des Jungen keinen Raum, namentlich bei unverhältnismäßiger Größe des Kalbes oder bei Verengerungen des Geburtskanals. Dann iſt die Geburt nur durch eine Zerſtückelung des Jungen zu vollenden. Bei dem Schaf und der Ziege ſind die Vorderfüße dann meiſtens leicht in die richtige Lage zu bringen, wenn der Geburts⸗ kanal weit iſt. Kleinere Früchte laſſen ſich nicht ſelten ohne Lage⸗ berichtigung herausziehen. Tapken, Geburtshilfe. 2. Auflage. 5 66 Schwergeburten. Bei der Schulterlage(Fig. 21) ſind ein oder beide Vorder⸗ ſchenkel im Schultergelenk gebeugt, ſo daß die Füße völlig zurück und nach dem Bauch hin liegen. Bisweilen wird— bei Zurück⸗ bleiben beider Vorderfüße— das Junge, wenn es nicht allzu groß, und der Geburtskanal weit iſt, ſoweit hervorgedrängt, daß ſich deſſen Kopf außerhalb des Wurfes befindet. Behandlung. Bei den großen Haustieren, Pferd und und Rind, iſt immer die Lageberichtigung zu verſuchen. Sie iſt, namentlich beim Rind, mitunter ziemlich leicht, manchmal aber ſchwer oder gar nicht ohne Zerſtückelung zu erreichen. Wenn der Kopf Fig. 21. Einſeitige Schulterlage. des Jungen noch nicht zum Vorſchein gekommen iſt, ſo iſt dieſes zunächſt zurückzuſchieben, ſodann ſind die Füße in ähnlicher Weiſe zu ſtrecken, wie es bei der vorher beſprochenen Lage angegeben iſt. Befindet ſich der Kopf bereits außerhalb des Wurfes, ſo kann, beſonders wenn das Junge noch lebt, verſucht werden, es ohne weiteres herauszubefördern, indem man am Kopf anziehen läßt. Die Geburt iſt auf dieſe Weiſe jedoch nur bei kleiner Frucht und weitem Geburtskanal zu vollenden. Jedenfalls darf nur eine mäßige Zugkraft, beim Rinde von 3 oder, bei ſchweren Mutter⸗ tieren, von 4 Perſonen in Anwendung kommen. Gelingt es nicht, das Junge hervorzuziehen, ſo iſt tierärztliche Hilfe in Anſpruch zu der⸗ rück ück⸗ oß, ſih und iſt wer wopf A Fehlerhafte Lagen. 67 nehmen, da dann in der Regel die Zerſtückelung vorgenommen werden muß. Die Jungen des Schafes und der Ziege können bei Schulterlage meiſtens ohne weiteres hervorgezogen werden. Nur bei recht großer Frucht iſt eine Lageberichtigung und vereinzelt ſogar eine Zerſtückelung erforderlich. Eine Nacken⸗Vorderſchenkellage beſteht, wenn ein oder beide Vorderſchenkel zwar geſtreckt ſind, aber über den Kopf oder das Genick gebeugt ſind. Dieſe Lage iſt inſofern gefährlich, als bei ſtarken Wehen die Füße mitunter eine Durchbohrung der oberen Scheidenwand und des Maſtdarmes bewirken. Die Geburt kann ohne Lageberichtigung nicht vor ſich gehen. Um dieſe zu bewerkſtelligen, wird das Junge zurückgeſchoben und die Schenkel dann in die gehörige Lage unterhalb des Kopfes gebracht. e) Fehlerhafte Lagen der Hinterfüße. Beim Pferd und Rind kommen die Früchte meiſtens in Vorderendlage, ſeltener in Hinterendlage zur Geburt; aber auch die letztgenannte Lage iſt als normal zu bezeichnen, wenn die Füße geſtreckt gehalten werden, und ſich der Rücken des Jungen nach oben, d. h. nach dem Rücken des Muttertieres hin, befindet. Die Hintergliedmaßen können jedoch eine fehlerhafte Lage ein⸗ nehmen und dadurch die Geburt erſchweren. Die Sprunggelenklage(Fig. 22) beſteht, wenn ein oder beide Hinterſchenkel im Sprunggelenk ſtark gebeugt ſind, und das Junge mit den Sprunggelenken voran in den Geburtskanal eindringt. Ohne Lageberichtigung kann dann das Junge, wenigſtens beim Pferd und Rind, nicht geboren werden, da das Sprunggelenk nicht ſo zu beugen iſt, daß ſich das Schienbein nahe an den Unterſchenkel legt. Ein Verſuch, den Schenkel etwa nach Anlegen eines Strickes um das Sprunggelenk gewaltſam durchzuziehen, würde mißlingen oder zu tödlichen Zerreißungen des Muttertieres führen. Beim Pferd iſt die Lageberichtigung in der Regel ſchwer oder ſelbſt ganz unmöglich, und es kann dann nur von einem Fach⸗ mann die Geburt bewirkt werden. Beim Rind iſt die Hilfeleiſtung mitunter nicht allzu ſchwierig. Es iſt das Junge zurückzuſchieben, ſodann der Schenkel zu⸗ nächſt am Schienbein und darauf am Feſſel zu erfaſſen, ſtark zu beugen und endlich die Fußſpitze, die durch die Hand des Geburts⸗ helfers zu bedecken iſt, in den Geburtskanal einzuleiten. Häufig 5* 5 68 Schwergeburten. iſt aber auch beim Rind die Lageberichtigung nicht zu ermöglichen, ſo daß eine Zerſchneidung des Kalbes erforderlich wird. Beim Schaf und der Ziege iſt meiſtens die Streckung der Gliedmaßen nicht ſchwer. Häufig kann die Geburt auch ohne Lageberichtigung erfolgen. Eine Steißlage(Fig. 23) beſteht, wenn ſich das Junge mit dem Hinterteil zur Geburt ſtellt, beide Hinterfüße aber unter den Leib geſchlagen ſind. Bei unvollſtändiger(einſeitiger) Steiß⸗ lage iſt der eine Hinterfuß in geſtreckter Haltung in den Geburts⸗ kanal eingetreten, während der andere die erwähnte Lage ein⸗ nimmt. = Fig. 22. Sprunggelenklage. Bei der inneren Unterſuchung werden der Schwanz und andere Teile der Hinterpartie wahrgenommen. Ohne Lageberichtigung können— bei den großen Haustieren— nur ganz kleine Junge, z. B. Zwillingsfrüchte, geboren werden. Behandlung. Um das Junge in die gehörige Lage zu bringen, wird es möglichſt zurückgeſchoben, dann der Fuß am Unterſchenkel oder Sprunggelenk erfaßt und nach hinten gezogen, bis ſich der Feſſel und die Fußſpitze erreichen läßt. Der Fuß wird endlich, namentlich im Feſſelgelenk, ſtark gebeugt und die Zehe ſmüylchn d. tretung e t auh ir tget) Eii den Gehut. he Lne ä⸗ ige L der dij I nten gege t Der ö und Re5 Fehlerhafte Lagen. 69 mit der Hand bedeckt und in den Geburtskanal eingeleitet. Mit dem zweiten Schenkel verfährt man in gleicher Weiſe. Die Lageberichtigung iſt bei Steißlage manchmal ſchwierig und nicht ſelten ſelbſt von einem geübten Fachmann nicht zu er⸗ zielen. Es iſt das vor allem beim Pferd, oft genug aber auch beim Rind der Fall, und zwar bei dieſem Tier namentlich dann, wenn ſich die Gebärmutter bereits in dem Maße zuſammengezogen hat, daß das Junge nicht mehr genügend zurückgeſchoben werden kann, und zur Streckung der Schenkel kein Raum zu gewinnen Fig. 23. Steißlage. iſt. Gerade für die hier erörterte fehlerhafte Lage gilt das be⸗ ſonders, was ſchon in den allgemeinen Betrachtungen hervor⸗ gehoben wurde: je eher die Lageberichtigung erfolgt, deſto leichter iſt ſie, je länger damit gewartet wird, deſto ſchwieriger iſt ſie ausführbar. Wenn eine Lageberichtigung nicht mehr zu erreichen iſt, ver⸗ mag der Fachmann meiſtens noch durch Zerſtückelung des Jungen die Geburt zu bewerkſtelligen. Bei den kleineren Wiederkäuern iſt die Lageberichtigung, wenn die Geburtsorgane genügend Raum bieten, nicht ſchwer. 70 Schwergeburten. d) Seiten⸗ und Rückenlage. Die Frucht kann auch inſofern eine fehlerhafte Lage haben, als ſie ſich nicht, wie es ſich gehört, in der Bauchlage befindet, ſondern auf der rechten oder linken Seite oder auf dem Rücken liegt. Es kommt dies ſowohl bei Vorderendlage als auch bei Hinterendlage vor. Es ſei hier daran erinnert, daß das Junge vor Beginn der Geburt ſtets auf der Seite oder nahezu auf dem Rücken liegt, und eine Drehung erſt während der Geburt zuſtande kommt. Deshalb findet man, wenn man im Beginn der Geburt, vor oder kurz nach dem Platzen der Waſſerblaſe, eine innere Unterſuchung vor⸗ nimmt, das Junge mitunter noch in der Seitenlage. Es pflegt dann aber noch von ſelbſt eine Drehung zu erfolgen. Dieſe geht aber nicht mehr vor ſich, wenn Teile der Frucht bereits weiter in den Geburtskanal eingedrungen ſind. Die Seitenlage iſt dann ähnlich zu beurteilen und zu behandeln wie die Rückenlage. Die Rückenlage bildet in der Regel ein bedeutendes Ge⸗ burtshindernis. Nur ganz kleine Früchte können vereinzelt in dieſer Lage geboren werden. dder bh hung vor⸗ Es hfln diſe gt its wele e it demn age endes be⸗ einelt it Fehlerhafte Lagen. 71 Das Junge dringt in der Rückenlage ſchwer in den Geburts⸗ kanal ein. Es rührt dies, namentlich bei Vorderendlage, daher, daß ſich die Füße gegen die obere Scheidenwand ſtemmen, und die breite Stirn und der Rücken nicht durch den unteren, engeren Ab⸗ ſchnitt des Beckens gelangen. Durch dieſe Umſtände kann es bei ſtarken Wehen zur Zerreißung der Scheide und des Maſtdarms kommen. Die Lageberichtigung iſt manchmal recht ſchwer. Am eheſten gelingt ſie, wenn das Junge nur klein, noch genügend Fruchtwaſſer in der Gebärmutter iſt, und ſich dieſe noch nicht zu ſtark zuſammen⸗ gezogen hat. Manchmal läßt ſich die Umwandlung der Rückenlage in die regelrechte Bauchlage erſt erzielen, nachdem Teile, nament⸗ lich Füße, vom Jungen ſoweit nach außen gebracht worden ſind, daß ſie zuſammengebunden und mittelſt eines Stabes gedreht werden können. Mit der Rücken⸗ und Seitenlage ſind häufig andere Regel⸗ widrigkeiten, insbeſondere fehlerhafte Lagen des Kopfes oder der Gliedmaßen verbunden(Fig. 24). Nicht ſelten iſt die Geburt erſt unter Zuhilfenahme der Zerſtückelung zu erzielen. Bei dem Schaf und der Ziege pflegt die Rücken⸗ oder Seitenlage wenig Schwierigkeiten zu verurſachen. Bei Hinterend⸗ lage kann ohne weiteres angezogen und, nachdem das Hinterteil geboren iſt, die Drehung vorgenommen werden. Bei Vorderend⸗ lage muß jedoch meiſt zuerſt die Lageberichtigung vorgenommen werden, da, namentlich bei der Ziege, der Kopf in Rückenlage nur ſchwer den Geburtskanal paſſieren kann. e) Querlagen. Eine Querlage iſt vorhanden, wenn die Längsachſe der Frucht von der Längsachſe des Muttertieres abweicht, alſo mehr oder weniger quer zum Becken ſteht. Von einer Bauchquerlage ſpricht man, wenn der Bauch — und meiſtens auch die Füße— des Jungen nach dem Geburts⸗ kanal zugewendet ſind. Um dieſe Lage zu erkennen, iſt eine gründliche Unterſuchung erforderlich. Mitunter ſind dabei gar keine, bisweilen aber auch zwei, drei oder alle vier Füße des Jungen verſchieden weit in den Geburtskanal eingedrungen. In letzterem Falle kann leicht eine Verwechſelung mit einer Zwillings⸗ geburt ſtattfinden. Die Behandlung iſt verſchieden. Im allgemeinen iſt es zweckmäßig, die Vorderfüße möglichſt zurückzubringen und das 77 Schwergeburten. Junge an den Hinterfüßen hervorzuziehen. Mitunter iſt es jedoch vorteilhafter, das Junge in Vorderendlage herauszubefördern. Die Lageberichtigung iſt meiſtens ſchwierig, und nicht ſelten muß zur Zerſtückelung geſchritten werden. Bei der Rückenquerlage iſt der Rücken des Jungen dem Geburtskanal zugewendet. Hierbei iſt die Geburt in der Regel außerordentlich erſchwert und manchmal nur unter Zuhilfenahme der Zerſtückelung möglich. f) Senkrechte Lage. Eine ſenkrechte Lage des Jungen(Fig. 25), die vorzugsweiſe beim Pferd vorkommt, kann in verſchiedener Art beſtehen. Ge⸗ Fig. 25. Senkrechte oder hundeſitzige Lage. wöhnlich treten dabei der Kopf und die Vorderfüße in gehöriger Weiſe in den Geburtskanal ein, zugleich aber auch die nach vorn geſtreckten Hinterfüße, oder es ſtemmen ſich dieſe gegen den unteren Beckenrand. Wegen der Haltung der Hinterfüße nennt man dieſe Lage auch wohl die hundeſitzige. In der Regel wird die fehler⸗ hafte Lage nicht gleich bemerkt; wird das Junge angezogen, ſo folgt es dem Zuge nicht, oder es kommt nach geringerem oder größerem Kraftaufwand mit dem Vorderteil zum Vorſchein, iſt dann aber nicht weiter zu bringen. riger vorn teren dieſe ehler⸗ 1, p oder ;, iſt Fehlerhafte Lagen. 73 Die Behandlung müßte bereits erfolgen, bevor am Jungen gezogen wird. Da aber, wie ſchon angedeutet wurde, der Laie in der Regel erſt auf das Beſtehen einer Regelwidrigkeit auf⸗ merkſam wird, nachdem ſich das Anziehen am Jungen vergeblich erwieſen hat, oder die Geburt erſt beim Hinterteil ſtockt, ſo iſt wenigſtens von der Anwendung einer größeren Gewalt abzuſehen und ſchleunigſt ſachverſtändige Hilfe herbeizuholen.— In ſeltenen Fällen iſt bei ſenkrechter Lage der Rücken des Jungen nach dem Geburtskanal gekehrt. Bei dieſer fehlerhaften Lage iſt die Hilfeleiſtung ſchwer und die Geburt manchmal nur durch Zerſtückelung der Frucht zu erzielen. g) Regelwidrigkeiten bei Zwillings⸗ und Drillingsgeburten. Bei dem Pferd und dem Rind, die gewöhnlich nur ein Junges zur Welt bringen, kommt es leicht zu Geburtsſtörungen, wenn ſich mehr als eine Frucht in der Gebärmutter befindet. Bei regelrechtem Verlauf tritt bei Zwillingen ein Junges nach dem anderen in den Geburtskanal, und zwar meiſtens das eine in Vorderendlage, das andere in Hinterendlage.(Fig 26.) Gar nicht ſelten dringen jedoch Teile von beiden Jungen zugleich in den Geburtskanal. Beſonders häufig treten Beine von verſchiedenen Jungen oder auch der Kopf der einen und Gliedmaßen von einer anderen Frucht nebeneinander hervor. Unter ſolchen Umſtänden geſchieht es leicht, daß Teile von verſchiedenen Jungen angeſchleift und angezogen werden. Die Geburt kann dann jedoch nicht er⸗ folgen, und ſelbſt die ſtärkſte Zugkraft führt nicht zum Ziel, ſondern veranlaßt manchmal Zerreißung der Gebärmutter oder der Scheide. Um ſolche Vorkommniſſe zu vermeiden, iſt in jedem Fall, be⸗ vor zwei Füße angeſchleift werden, durch die möglichſt weit ein⸗ geführte Hand feſtzuſtellen, ob ſie auch zuſammen gehören. Be⸗ ſondere Vorſicht iſt notwendig, wenn zwei vorliegende Füße eine ungleiche Lage einnehmen oder verſchieden weit vorliegen, ſowie auch dann, wenn mehr als zwei Gliedmaßen zu bemerken ſind. Behandlung. Sobhald ermittelt worden iſt, daß ſich Teile von zwei Jungen nebeneinander im Geburtskanal befinden, handelt es ſich darum, die eine Frucht anzuſchleifen, die andere dagegen zurückzuſchieben. Meiſtens wird das Junge, das am weiteſten vorgedrungen iſt, angeſchleift. Häufig iſt das Verfahren nicht ſchwierig. Mitunter ſind aber beide Junge derartig in den Ge⸗ burtskanal eingekeilt, und die Gebärmutter hat ſich ſo ſtark zu⸗ 74 Schwergeburten. ſammengezogen, daß das Zurückſchieben einer Frucht nicht mehr möglich iſt. Dann iſt die Zerſtückelung erforderlich. Bei Vorhandenſein von mehr als zwei Jungen iſt in gleicher Weiſe wie bei dieſen zu verfahren. Mitunter wird bei Zwillingen das eine Junge geboren, während das andere noch im Fruchthälter zurückbleibt, ſei es, daß das Muttertier nur ungenügende Wehen hat, ſei es, daß bei der Frucht Regelwidrigkeiten, insbeſondere fehlerhafte Lagen, die Ur⸗ Fig. 26. Zwillingsgeburt. ſachen ſind. Vom Beſitzer wird der Zuſtand manchmal nicht er⸗ kannt; etwa vorhandenes Drängen wird leicht mit Nachgeburts⸗ wehen verwechſelt. Ein ſolches zurückgebliebene Junge veranlaßt infolge eintretender Fäulnis bald Gebärmutterentzündung und Blutvergiftung beim Muttertier. Es ſollte daher, wenn bei einer Kuh ein verhältnismäßig kleines Kalb geboren worden iſt, oder wenn noch Wehen beſtehen, nochmals eine innere Unterſuchung vorgenommen werden, um feſtzuſtellen, ob noch ein Junges vor⸗ handen iſt. Unverhältnismäßige Größe. 75 2. Unverhälknismäßige Größe. Das Junge iſt von unverhältnismäßiger Größe, wenn es im Verhältnis zum Becken des Muttertieres zu umfangreich iſt, ſo daß es dieſes nur unter Anwendung großer Gewalt oder erſt, nachdem es zerkleinert worden iſt, paſſieren kann. Zu große oder zu ſtarke Junge kommen hauptſächlich beim Rind, nicht ſelten aber auch bei der Ziege, jedoch nur ausnahmsweiſe bei dem Pferd und dem Schaf vor. In einigen Gegenden ſind zu große Kälber ſo häufig, daß ſie beinahe ebenſo oft als alle anderen Regelwidrig⸗ keiten zuſammen Veranlaſſung zu Schwergeburten geben. Urſachen. Die Raſſe iſt von Einfluß auf die Größe der Frucht. So bringen unter anderem die Shorthorns durchgängig nur kleine und feinknochige Kälber zur Welt, während von einigen anderen Schlägen ſehr oft zu ſtarke Kälber geboren werden. Das männliche Tier vererbt nicht nur ſeine Raſſeeigen⸗ ſchaften, ſondern überhaupt ſeine Größe und Geſtalt in einem ge⸗ wiſſen Grad auf ſeine Nachkommenſchaft. Daher ſtammen im all⸗ gemeinen von ſchweren, ſtarkknochigen Stieren häufiger zu umfang⸗ reiche Kälber ab als von kleinen Bullen. Vererbbar iſt auch die ſog. Doppellendigkeit, eine Regelwidrigkeit der Kälber, die ſich vorzugsweiſe dadurch kenn⸗ zeichnet, daß die Muskeln, namentlich am Hinterteil, außerordentlich ſtark entwickelt und die Jungen infolgedeſſen ſehr umfangreich ſind. Die Knochen ſind dabei meiſtens verhältnismäßig dünn. Von Elterntieren, beſonders von Stieren, die eine Anlage zur Doppel⸗ lendigkeit haben, fallen leicht doppellendige Kälber. Die Fütterungsart und der Nährzuſtand des Muttertieres machen ſich mitunter ebenfalls beim Jungen bemerkbar. Die viel⸗ fach verbreitete Annahme, daß bei reichlicher Ernährung der Kuh mit Kraftfuttermitteln das Kalb leicht zu groß werde, iſt in⸗ deſſen nicht zutreffend. Es können ſowohl von mageren als auch von gut genährten Muttertieren zu umfangreiche Junge geboren werden; recht fette Tiere bringen aber durchſchnittlich kleinere Früchte zur Welt. Auch fallen nicht allein bei Stallhaltung, ſondern ebenſo oft oder noch häufiger bei Weidegang zu große Kälber. Bei weſentlich verlängerter Trächtigkeit, die übrigens ſelten iſt, entwickelt ſich das Junge auch ſtärker als es gewöhnlich der Fall iſt. Weit mehr als die erwähnten Umſtände kommt das Alter des 76 Schwergeburten. Muttertieres in Betracht. Die häufigſte Urſache der im Verhältnis zum Muttertier zu großen Früchte(Kälber) iſt die allzu früh⸗ zeitige Verwendung zur Zucht. Bei jugendlichen Rindern, die vereinzelt ſchon mit 1 ½ Jahren, oft genug aber mit 2 oder 2 ½ Jahren kalben, iſt das Becken noch nicht genügend ausgebildet, es iſt zu eng und hat infolgedeſſen für ein großes Junge keinen Raum. Erſcheinungen. Um die durch ein zu umfangreiches Junge hervorgerufenen Erſcheinungen verſtändlich zu machen, iſt zunächſt eine Beſchreibung des Körperbaues der Frucht, inſoweit er für die Geburt von Bedeutung iſt, erforderlich. Die Frucht— es bezieht ſich das Folgende hauptſächlich auf das Kalb— hat drei weite Stellen, die bei ihrem Durchgang durch den Geburtskanal Schwierigkeiten abgeben können; es ſind das: der Kopf, die Bruſt und das Hinterteil. Der Kopf iſt ſelten an und für ſich zu umfangreich, häufig aber dann, wenn er, wie es Regel iſt, mit den Vorderfüßen zu⸗ ſammen den Geburtskanal paſſieren muß. Bei der Bruſt wird ein zu erheblicher Umfang namentlich durch das Armbein, aber auch durch das Schulterblatt und das Ellenbogengelenk bedingt. Beim Hinterteil verurſachen beſonders die Umdreher— Knochenhervorragungen am oberen Teil des Oberſchenkels— ſowie die Knieſcheiben manchmal ein weſentliches Geburtshindernis. Die Erſcheinungen ſind, je nachdem ſich das Kalb in Vorder⸗ endlage oder in Hinterendlage befindet und je nach dem Grad der Regelwidrigkeit verſchieden. Iſt der Kopf zu groß, ſo kann er bei Vorderendlage nicht mit den Vorderfüßen zuſammen durch das Becken. Meiſtens dringen dann die Füße allein in den Geburtskanal ein, der Kopf aber bleibt zurück. In anderen Fällen tritt der Kopf allein vor, und die Füße bleiben zurück, ſie ſind verſchlagen. Alle Mühe, eine Lageberichtigung zu erzielen, iſt unter ſolchen Umſtänden in der Regel vergeblich. Wenn Kopf und Vorderfüße noch eben miteinander Platz haben, das Vorderteil, die Bruſt, aber zu ſtark iſt, ſo pflegen die Vorderfüße weniger weit als gewöhnlich zum Vorſchein zu kommen. Nicht ſelten geſchieht es bei Vorderendlage des Kalbes, daß das Vorderteil mit Mühe herausgebracht wird, dann aber die Ge⸗ burt am Hinterteil ſtockt. Eine ſolche Stockung kann jedoch auch * Unverhältnismäßige Größe. 77 bei der hundeſitzigen Lage(vergleiche dort) und bei einzelnen Miß⸗ bildungen ſtattfinden. Iſt bei Hinterendlage das Kalb zu groß, ſo werden die Hinterfüße nicht ſo weit außerhalb des Wurfes ſichtbar wie unter gewöhnlichen Verhältniſſen, und das Junge läßt ſich bei Anwendung der ſonſt üblichen Zugkraft nicht herausziehen. Bei Hinterendlage kann ein Geburtshindernis jedoch auch durch Mißbildungen, ſowie durch Bauchwaſſerſucht der Frucht bedingt werden. Sehr häufig deutet ſchon eine auffallende Stärke der zum Vorſchein kommenden Gliedmaßen auf eine unverhältnismäßige Größe des Jungen hin; indeſſen beſitzen in höherem Grade doppel⸗ lendige Kälber faſt immer nur feine Knochen. Bei dem Pferd bietet die Größe des Füllens nur aus⸗ nahmsweiſe ein erhebliches Geburtshindernis dar. Bei der Ziege iſt mitunter der Kopf zu ſtark entwickelt. Dann dringt gewöhnlich der Kopf allein in den Geburtskanal, die Füße bleiben dagegen zurück, da ſie neben dem Kopf keinen Raum finden. Auch bei dem Schaf iſt vereinzelt das gleiche Geburts⸗ hindernis vorhanden. Meiſtens iſt übrigens, wenn der Kopf nicht durch das Becken dringen kann, eine Verengerung oder Verbildung des Beckens vorhanden(vergl. Beckenenge). Behandlung. Da es ſich in der Regel von vornherein, zumal von Laien, nicht beurteilen läßt, an welchen Körperteilen und in welchem Grade das Junge(Kalb) zu groß iſt, ſo iſt zu⸗ nächſt zu verſuchen, die Geburt durch Anwendung von Zugkraft zu bewerkſtelligen. Es iſt von großer Wichtigkeit, daß dabei in richtiger Weiſe verfahren wird. Bei Anwendung einer erheblichen Zugkraft muß das Mutter⸗ tier feſtgelegt werden, damit es nicht fortgeſchleift wird. Das ge⸗ ſchieht am einfachſten und beſten durch ein Sielengeſchirr oder durch ein Hintergeſchirr. Das Bruſtblatt wird in der Art um das Hinterteil der Kuh gelegt, daß es ſich etwa 1 bis 2 Hand⸗ breit unterhalb des Wurfes befindet. Die Zugſtränge werden ver⸗ längert und nach vorn, an der Krippe oder an einem anderen Teil des Stalles befeſtigt. Anſtatt des Pferdegeſchirres kann auch ein breiter Gurt oder ein langer Strick genommen werden, der dort, wo er am Muttertier anliegt, mit Säcken umwickelt wird. Auch eine Leiter kann gebraucht werden. Dieſe wird in der Weiſe hinter das Muttertier gelegt, daß das Kalb durch zwei Sproſſen gezogen werden muß. Im Notfall wird das Rind an den Vorder⸗ füßen befeſtigt. 78 Schwergeburten. Den zum Ziehen verwandten Perſonen iſt für die Füße ein feſter Halt zu geben, was am beſten durch eine in Längsrichtung hinter die Kuh gelegte Leiter geſchieht. Dieſe wird an ihrem von der Kuh entfernten Ende feſtgebunden. Das Junge wird mittelſt Stricke angeſchleift. Um jeden der beiden vorgeſtreckten Füße wird ein ſtarker Strick gelegt. Dieſe werden etwas umeinander gedreht, damit gleichmäßig an ihnen gezogen werden kann. Die erforderliche Zugkraft wird, wenn genügende Gehilfen zur Verfügung ſtehen, durch Perſonen und ohne Zuhilfenahme mechaniſcher Vorrichtungen ausgeübt. Die Perſonen können die Stricke direkt mit der Hand anfaſſen. Eine weit erheblichere Kraft läßt ſich jedoch entfalten, wenn an den Stricken zwei bis drei kurze feſte Querſtäbe als Handhaben angebracht werden.. Es fragt ſich nun, eine wie ſtarke Zugkraft angewandt werden darf. Eine durch Perſonen ausgeübte Kraft iſt ſchwer zu be⸗ ſtimmen. Sie wird unter anderem verſchieden ſtark ſein, je nach⸗ dem, ob die Perſonen mit den Händen direkt an den Stricken oder an den Querſtäben anziehen. Mehrere Perſonen ziehen auch nie in gleichmäßiger Weiſe; es können deshalb z. B. 6 Perſonen keineswegs eine 6mal ſo ſtarke Zugkraft als 1 Perſon ausüben. Bei Bemeſſung einer zuläſſigen Zugkraft kommt weſentlich die Größe und Schwere des Muttertieres in Betracht. Wird direkt an den Stricken gezogen, ſo dürfen im allgemeinen bei kleinen Kühen 3 bis 4, bei größeren 5 bis 7 Perſonen ziehen, ohne daß eine erhebliche Gefahr für das Muttertier entſteht. Wenn aber die gleiche Perſonenzahl an Querſtäben zieht, und gute Stütz⸗ punkte für die Füße gegeben ſind, ſo iſt dadurch eine Kraft zu entwickeln, die für das Muttertier gefährlich iſt. Unter beſonders günſtigen Umſtänden halten freilich Kühe mitunter einen noch weſentlich ſtärkeren Zug aus. Der Zug iſt gleichmäßig, nicht ruckweiſe auszuführen, und vor allem iſt darauf zu achten, daß das Junge recht langſam ſeinen Durchgang durch den Geburtskanal nimmt. Es ſei hier noch beſonders darauf hingewieſen, daß eine ſtärkere Zugkraft nur dann entfaltet werden darf, wenn es ſich um keine weitere Regelwidrigkeit als ein zu großes Junge handelt, und wenn vor allem der Geburtskanal normal beſchaffen und gehörig erweitert iſt(vergl. Verengerung des Geburts⸗ kanals). Die Erfahrung zeigt aber, daß bei Schwergeburten, die durch Mißbildungen und Krankheiten des Jungen. 79 unverhältnismäßig große Junge veranlaßt und durch Unkundige vollendet werden, oft ſchwere und tödliche Verletzungen der Geburts⸗ organe zuſtande kommen. Es iſt daher ratſam, ſobald eine mäßige Zugkraft nicht zum Ziel führt, zum Tierarzt zu ſchicken und nur im Notfall, wenn ſachverſtändige Hilfe nicht zu haben iſt, eine ſtärkere Zugkraft in Anwendung zu bringen. Nicht ſelten iſt das Kalb von derartigem Umfang, daß es in unzerkleinertem Zuſtand überhaupt nicht geboren werden kann. Dann kann nur durch die von einem Fachmann vorgenommene Zerſtückelung der Frucht das Muttertier gerettet werden. Es kommt auch vor, daß das Vorderteil des Jungen mit mehr oder weniger Gewalt herausgezogen worden iſt, das allzu umfang⸗ reiche Hinterteil aber nicht folgen will. Auch dann bleibt nichts anderes übrig, als ſchleunigſt ſachverſtändige Hilfe herbeizuholen. Bei dem Pferd iſt die Anwendung einer erheblicheren Zug⸗ kraft zu vermeiden und nötigenfalls ſchleunigſt ſachverſtändige Hilfe in Anſpruch zu nehmen. Das Gleiche gilt auch von der Ziege, ſowie von dem Schaf. Gewöhnlich kann durch Zerſtückelung der Frucht die Geburt ermöglicht werden. Als Folgezuſtände nach gewaltſamer Geburt zu großer Kälber werden beſonders das Feſtliegen nach der Geburt und Zer⸗ reißungen der Geburtsorgange beobachtet(ſiehe dort). 3. Mißbildungen und Krankheiten des Jungen. Unter den vielfachen Mißbildungen der Frucht— Miß⸗ geburten— giebt es auch ſolche, die Veranlaſſung zu erſchwerten Geburten geben, und nur dieſe werden in Nachſtehendem berück⸗ ſichtigt. Auch von Krankheiten kann die ungeborene Frucht be⸗ fallen werden und infolgedeſſen eine Geburtsſtörung verurſachen. a) Zwillings⸗ und Drillingsmißbildungen. Bei den Zwillingsmißgeburten oder Doppelmißbildungen finden ſich zwei Früchte miteinander verwachſen. Die Verdoppelung iſt jedoch ſelten derartig, daß zwei vollſtändig entwickelte Junge vor⸗ handen ſind; vereinzelt, ſo bei den ſog. Bauchzwillingen, die nur am Bauch miteinander verwachſen ſind, iſt das jedoch der Fall. Es können auch zwei Früchte, die mehr oder weniger vollſtändig entwickelt ſind, an verſchiedenen Teilen des Körpers verbunden ſein(Fig. 27). Meiſtens ſind nur einzelne Teile doppelt, ſo z. B. der Kopf, Doppelkopf, oder nur der Geſichtsteil des 80 Schwergeburten. e —N 8 „ ‿— ö Fig. 28. Kopf und Hals doppelt. Kopfes oder Kopf und Hals(Fig. 28). Mitunter iſt das ganze Vorderteil: Kopf, Hals, Bruſt und Vorderbeine doppelt und das und Mißbildungen und Krankheiten des Jungen. 81 das Hinterteil einfach, oder es iſt das Hinterteil doppelt und das Vorderteil einfach. Gewöhnlich ſind die doppelten Teile ziemlich gleichmäßig aus⸗ gebildet. Es kommt aber auch vor, daß nur die eine Frucht ge⸗ hörig entwickelt iſt, während die andere verkümmert und dann als ein ungeſtalteter Anhang mit der erſteren verbunden iſt. Ganz ausnahmsweiſe ſind Teile von drei Jungen miteinander verwachſen. Mitunter kommt es bei ſonſt einfachem Körper zur Bildung Fig. 29. Kalb mit geſpaltener Bauchhöhle. überzähliger Gliedmaßen oder Teilen von Gliedern. Namentlich ſind überzählige Zehen häufig.. Zahlreiche andere Mißbildungen haben für die Geburtshilfe kein Intereſſe. Insbeſondere gilt das, wenn einzelne Teile, Kopf oder Gliedmaßen, verkümmert ſind oder ganz fehlen. Die Erkennung der Mißbildungen iſt bei der Geburt manch⸗ mal ſchwer. Häufig findet eine Verwechſelung mit gewöhnlichen Zwillingen ſtatt. Behandlung. Für die Hilfeleiſtung laſſen ſich bei der Verſchiedenartigkeit der Mißbildungen keine beſtimmten Regeln an⸗ geben. Meiſtens iſt jedoch die Geburt ſchwierig und nur durch Zerſtückelung zu erzielen, nicht ſelten ſogar unmöglich. Tapken, Geburtshilfe. 2. Auflage.. 6 82 Schwergeburten. b) Junges mit geſpaltener Bauchhöhle.(Schistosomus reflexus.) Eine ganz eigentümliche Mißbildung beſteht darin, daß die Bauchhöhle— und vereinzelt auch die Bruſthöhle— nicht ge⸗ ſchloſſen, ſondern geſpalten iſt, und die Eingeweide außerhalb der Körperhöhlen der Frucht liegen. Dabei iſt die Wirbelſäule mehr oder weniger gekrümmt, und die Wandungen der Bauch⸗ und Bruſthöhle können ſo ihre Lage verändern, daß ihre innere Fläche zur äußeren wird, und die behaarte Hautdecke ſich nach innen um⸗ geſtülpt hat(Fig. 29). Die Erkennung dieſer Mißgeburt iſt mitunter ziemlich leicht, namentlich dann, wenn die frei liegenden Baucheingeweide des Jungen zum Vorſchein kommen, und bei innerer Unterſuchung ſich die glatte, haarloſe Bauch⸗ und Bruſtwandung wahrnehmen läßt. Die Eingeweide des Jungen werden aber bisweilen für Gedärme des Muttertieres gehalten.— Mitunter iſt die Beſchaffenheit der Frucht erſt im weiteren Verlauf der Geburt feſtzuſtellen. Die Geburt iſt in der Regel ſehr erſchwert und meiſtens erſt nach vorangegangener Zerſtückelung möglich. c) Verkrümmungen der Wirbelſäule und der Gliedmaßen. Verkrümmungen werden durch Verwachſungen von Gelenken und durch Verkürzungen von Muskeln und Sehnen hervorgerufen. Eine Verkrümmung der Halswirbelſäule findet ſich nicht ſelten beim Füllen, vereinzelt auch bei anderen Jungen. Es liegt dann der Kopf gewöhnlich zur Seite; er iſt dann ſchwer oder gar nicht in die richtige Lage zu bringen. Häufig iſt dabei die Zerſtückelung der Frucht erforderlich. Die Bruſt⸗(Rücken)wirbel können gleichfalls verkrümmt ſein. Mit einer ſolchen Verbildung iſt meiſtens eine fehlerhafte Lage verbunden, ſo daß die Zerſtückelung notwendig wird. Am häufigſten ſind Verkrümmungen der Gliedmaßen, womit gewöhnlich fehlerhafte Lagen verbunden ſind. Deren Berichtigung iſt manchmal ſchwierig, nicht ſelten ohne blutige Operation un⸗ möglich, da die gekrümmten Schenkel nicht gehörig geſtreckt und in gerade Haltung gebracht werden können. Wenn bei der Be⸗ handlung nicht mit großer Vorſicht verfahren wird, entſtehen leicht Zerreißungen des Fruchthälters oder der Scheide. d) Der Waſſerkopf. Beim Waſſerkopf findet ſich eine größere Menge wäſſeriger Flüſſigkeit in der Schädelhöhle der Frucht. Dabei iſt der Schädel dus pelternse dn, dj ä — nic ⸗ uiethit a geſüule nr Jaut⸗ u) nnene Jlte c inan u⸗ Kemüit lit geweide d ruucg ſ nehwen bi für Gedine affenhet a lenn neiſtns e ledmaßen on Gele krümnt ſi reft li fßen, vurt Berihig eration W etrett u bei der d⸗ fiehen et 3 prſerife dr Stide Mißbildungen und Krankheiten des Jungen. 83 beträchtlich ausgedehnt und infolgedeſſen die Geburt erheblich er⸗ ſchwert. Bei einem höheren Grade des Leidens, das übrigens ſelten vorkommt, kann die Geburt nur nach Zerſtückelung der Frucht bewirkt werden. e) Bauchwaſſerſucht und Bruſtwaſſerſucht. Beim Kalbe, und in ſeltenen Fällen bei anderen Früchten, kann ſich in der Bauchhöhle eine große Menge wäſſeriger Flüſſigkeit anſammeln. Es beſteht dann ein krankhafter Zuſtand, der als Bauchwaſſerſucht bezeichnet wird. Mitunter iſt zugleich Bruſt⸗ waſſerſucht vorhanden. Dadurch iſt der Umfang des Bauches derart vermehrt, daß die Geburt nicht ohne weiteres vor ſich gehen kann. Das Geburtshindernis wird in der Regel erſt erkannt, wenn das Junge beim Anziehen nicht folgen will. Es iſt dann am beſten, ſofort ſachverſtändige Hilfe in Anſpruch zu nehmen. f) Hautwaſſerſucht. In einigen Gegenden häufig, in anderen dagegen ſelten, ent⸗ ſteht, namentlich bei der Frucht des Rindes, und vereinzelt bei den —— V 1 1 9 1 ℳ 5 2) — —— Fig. 30. Kalb mit ir Hantwaſſerfucht. kleinen Wiederkäuern, eine Anſammlung wäſſeriger Flüſſigkeit in und unter der Haut, welcher Zuſtand eine Hautwaſſerſucht darſtellt. (Fig. 30.) Die damit behafteten Früchte, die ſog. Mondkälber, werden faſt nie ausgetragen, in der Regel ſterben ſie zwei bis drei Monate oder mehr vor Ablauf der normalen Trächtigkeitsdauer ab und verurſachen dann eine Schwergeburt. Von einem mit Hautwaſſerſucht behafteten Kalbe wird meiſtens, 6* 84 Schwergeburten. ſelbſt wenn das Muttertier gute Wehen hat, nichts außerhalb des Wurfes ſichtbar. Bei der inneren Unterſuchung iſt das Junge als eine ziemlich glatte, haarloſe Maſſe bemerkbar. Die Lage kann dabei normal ſein. Bei erheblicher Hautwaſſerſucht kann die Geburt nur mit Hilfe der Zerſtückelung erfolgen, da der Umfang der Frucht in dem Maße vermehrt iſt, daß ſie in unzerkleinertem Zuſtand nicht durch den Geburtskanal geht. g) Geſchwülſte finden ſich vereinzelt bei der Frucht und geben mitunter bedeutende Geburtshinderniſſe, die nur von einem Sachverſtändigen beſeitigt werden können. 4. Abgeſtorbene Früchte als Geburtshindernis. Wenn eine Frucht während der Geburt, und nachdem ſie bereits in gehöriger Lage in den Geburtskanal eingedrungen iſt, abſtirbt, ſo kann ſie faſt ebenſo leicht wie eine noch lebende Frucht geboren werden. Erfolgt der Tod aber früher, ſo kommt es leicht zu fehlerhaften Lagen, da ſich ein totes Junge nicht wie ein lebendes ſtreckt und ſich überhaupt nicht ſo gut wie dieſes den Raum— verhältniſſen des Geburtskanals anpaßt. Von weit größerer Bedeutung iſt es, wenn ſich an dem ab⸗ geſtorbenen Jungen bereits erhebliche Veränderungen, insbeſondere Fäulnis, eingeſtellt haben(vergl. Abſterben der Frucht in der Ge⸗ bärmutter). Dabei iſt häufig der Umfang des Jungen infolge der Bildung von Fäulnisgaſen bedeutend vermehrt; man nennt dann das Junge(Rind) wohl ein Dunſtkalb. Zudem verliert der Ge⸗ burtskanal ſeine ſchlüpfrige Beſchaffenheit, und häufig ſind zugleich Verengerungen des Gebärmutterhalſes, der Scheide oder des Wurfes vorhanden. Wird in ſolchen Fällen verſucht, das Junge gewaltſam hervorzuziehen, ſo reißen bei fortgeſchrittener Fäulnis leicht die angeſchleiften Teile, Gliedmaßen oder Kopf, ab, und es iſt dann manchmal ſelbſt von dem geſchickteſten Sachverſtändigen der Reſt des Jungen nicht mehr herauszubringen. Wenn aber das Junge noch einen ſtarken Zug aushält, ſo entſtehen infolge des wenig glatten und meiſt verengten Geburtskanals ſehr leicht Zerreißungen beim Muttertier. Es iſt daher bei der Geburt ſolcher Jungen ſtets mit der größten Vorſicht zu verfahren. Vor erjalb d das dang Lage b t rur m drudt i vF ſſtand rict bedeuted en beſäii nis nachden ſe rungen i ende zuudt ntes lit in lebende den Nhur n den zsbeſender in der be infolge e renn dm t der b⸗ nd Fuglij dder d das June e- Fuulit b, und 6 erſtidihe genn be Beſondere Vorkommniſſe bei der Geburt. 85 allem iſt der Geburtskanal durch Ol oder eine andere ſchleimige Flüſſigkeit möglichſt ſchlüpfrig zu machen und das Junge ſehr langſam hervorzuziehen. Eine erheblichere Zugkraft muß nament⸗ lich vermieden werden, wenn Verengerungen vorhanden ſind. Iſt das Junge durch Fäulnisgaſe aufgetrieben, ſo kann es in un⸗ zerkleinertem Zuſtande nicht geboren werden, und iſt daher die rechtzeitige Inanſpruchnahme eines Tierarztes dringend anzuraten. 5. Beſondere Vorkommniſſe bei der Geburk. Während der Geburt, beſonders wenn ſie erſchwert und von heftigen Wehen begleitet iſt, kann es namentlich beim Pferd, aber auch bei anderen Tieren, zu einer Umſtülpung und einem Vor⸗ fall des Maſtdarms kommen. Sobhbald ſich ein Teil des Maſt⸗ darms zeigt, iſt er möglichſt mit der Hand zurückzuhalten und ſchleunigſt tierärztliche Hilfe in Anſpruch zu nehmen. Kann der Maſtdarm nicht zurückgehalten werden, ſo iſt zunächſt dafür zu ſorgen, daß er nicht beſchädigt wird. Starke Wehen können, insbeſondere beim Pferd, auch zu Umſtülpung und Vorfall der Harnblaſe führen. Es wird dabei während der Wehen der Harn mitunter in heftiger Weiſe ausgeſpritzt. Die umgeſtülpte Harnblaſe zeigt ſich an der unteren Wand der Scheide und iſt manchmal als eine kugelige Maſſe zum Teil außerhalb des Wurfes ſichtbar und wird dann von Un⸗ kundigen leicht mit einer Anſchwellung der Geburtsorgane oder auch mit Eihüllen verwechſelt. Es iſt möglichſt bald ſachverſtändiger Beiſtand zuzuziehen. C. Schwergeburten beim Schwein. Allgemeines. Vielfach herrſcht noch die Meinung, daß bei Schwergeburten des Schweines eine Hilfeleiſtung nicht möglich ſei, manche glauben auch, daß die Ferkel bei Geburtsſtockungen ſchließlich von ſelber kommen würden. Das iſt jedoch nicht zutreffend. Beim Schwein kommen ebenſo wie bei anderen Tieren— in einigen Gegenden ſelten, in anderen dagegen häufig— Schwergeburten vor, die eine Hilfeleiſtung erforderlich machen. Dieſe iſt bei dem Schwein freilich inſofern mehr wie bei anderen Tieren erſchwert, als bei ihm das Becken und überhaupt der Geburtskanal manchmal recht 86 Schwergeburten. eng iſt, und es ſich zudem gewöhnlich um eine größere Anzahl von Früchten handelt. Ein günſtiger Umſtand iſt es dagegen, daß das Schwein ſehr widerſtandsfähig iſt, und insbeſondere die Geburtsorgane viele Eingriffe vertragen können, vorausgeſetzt, daß mit gehöriger Sachkenntnis verfahren wird. Mit der Hilfeleiſtung darf nicht zu lange gezögert werden. Namentlich wenn ſtarke Wehen erfolglos bleiben, iſt anzunehmen, daß ein erhebliches Geburtshindernis vorliegt, das von dem Muttertier allein nicht überwunden werden kann. Je länger mit der Hilfeleiſtung gewartet wird, deſto mehr wird das Muttertier erſchöpft, die Wehen laſſen nach und hören ſchließlich faſt ganz auf. Das iſt aber beim Schwein an und für ſich von weit größerem Nachteil als etwa beim Pferd und den Wiederkäuern. Bei dieſen Tieren laſſen ſich auch bei fehlenden Wehen die Jungen noch erfaſſen und hervorziehen, beim Schwein aber ſind nur die Jungen zu erreichen, die mit Hilfe der Wehen aus den langen Gebärmutterhörnern bis nahe zum Becken vorgerückt ſind. Hilfeleiſtungen beim Schwein erfordern Ruhe und Geduld. Beſondere Vorſicht iſt bei aufgeregten oder bösartigen Tieren ge⸗ boten. Eine Geburtshilfe ſoll nur beim liegenden Schwein vor⸗ genommen werden. Man ſucht es möglichſt durch ſanfte Behand⸗ lung, Reiben am Bauch, zum Niederlegen zu veranlaſſen. Wenn das nicht gelingt, oder das Tier bei den Verſuchen, mit der Hand in den Geburtskanal einzudringen, wieder aufſpringt, ſo bleibt nichts anderes übrig, als es mit Gewalt niederzulegen und feſt⸗ halten zu laſſen. Zur Ausführung der Geburtshilfe eignen ſich wegen der Enge des Beckens am beſten Perſonen mit kleiner, ſchmaler Hand. Die Hand wird ſorgfältig mit Ol oder Schmalz eingerieben und keil⸗ förmig langſam in den Geburtskanal eingeführt. Findet ſich bei der inneren Unterſuchung ein Junges bereits ziemlich weit vorgedrungen und in den Geburtskanal eingekeilt, ſo darf es nicht zurückgeſchoben werden, wenigſtens dann nicht, wenn wegen Kleinheit des Mutterſchweins zu befürchten iſt, daß die Hand nicht durch das Becken geführt werden kann. Sobald das Junge erſt im Geburtskanal feſtliegt, läßt es ſich häufig auch dann hervorziehen, wenn es ſich in fehlerhafter Lage befindet. Je nach der Art des Hinderniſſes tritt mitunter bei der erſten Frucht, in anderen Fällen erſt bei den ſpäter kommenden Jungen, nachdem die erſten ohne Schwierigkeit geboren worden ſind, eine Geburtsſtockung ein. Bisweilen braucht nur bei einer Frucht her bhi 2 d beſonder e usgetg e ögert weha fazane 3 im ic ſeſ ſih vn di Widdertden n die Jun ſud m 3 den lu ſind und Gaͤud en Tun Schwen w. nſte Gehw⸗ aſſen Aa nit derbe gt, ſö bt gen wd gen dr bh MHand. A den ud ü- nges bat eingekite. richt ve ſt dd Sobad d ig uuh ur et di drein den Junge en ſid dr ner dat Unverhältnismäßige Größe. 87 Hilfe geleiſtet zu werden, manchmal jedoch bei allen Jungen eines Wurfes. Nachdem ein Ferkel hervorgezogen worden iſt, läßt ſich bei erneuter Einführung der Hand öfters ſchon gleich wieder ein anderes Junge wahrnehmen, häufig dauert es jedoch längere Zeit, eine halbe Stunde oder mehr, bis eine Frucht aus den Gebär⸗ mutterhörnern ſo weit vordringt, ſo daß ſie ſich mit der Hand erreichen läßt. J. Anverhälknismäßige Größe. Eine derartige Entwickelung des Ferkels, daß es bei normalem Geburtskanal in unzerkleinertem Zuſtand nicht geboren werden kann, kommt kaum jemals vor. Oft genug aber iſt das Junge ſo umfangreich, daß es ſelbſt bei guten Wehen nicht ohne Hilfe durch den Geburtskanal gelangen kann. Dies iſt namentlich bei jungen „Mutterſchweinen der Fall, die allzu frühzeitig belegt werden und dann bereits im Alter von 9—10 Monaten werfen. Bei ſo jugendlichen Tieren iſt das Becken noch nicht gehörig ausgebildet und weniger geräumig als bei älteren Sauen. Dieſe Art der Beckenenge und unverhältnismäßige Größe des Jungen laſſen ſich aber nicht ſtreng von einander unterſcheiden, beide Zuſtände zeigen zudem bei dem Geburtsvorgang faſt die gleichen Erſcheinungen und erfordern die gleiche Behandlung, ſie können deshalb hier zu⸗ ſammen erörtert werden. Bei der Schweinsfrucht giebt es zwei weite Stellen: Kopf und Bruſt bez. Schulter(das Hinterteil iſt niemals zu umfang⸗ reich). Bei Vorderendlage dringt, wie bereits vorne angegeben wurde, nur der Kopf in geſtreckter Haltung vor, die Vorderfüße befinden ſich dagegen zurück, dicht an der Bruſt. Wenn nun der Kopf zu umfangreich iſt, ſo kann er trotz guter Wehen nicht durch die engſte Stelle des Beckens, den Beckeneingang. Es iſt das nicht oft der Fall, viel häufiger kommt es vor, daß Bruſt und Vorderfüße zuſammen nicht in das Becken eintreten können. Es wird dann vom Jungen nichts außerhalb des Wurfes ſichtbar. Bei innerer Unterſuchung läßt ſich der vordere Teil des Kopfes mit der Hand wahrnehmen. Die Behandlung iſt im allgemeinen bei großen Mutter⸗ tieren mit geräumigem Geburtskanal und, ſolange noch kräftige Wehen beſtehen, am wenigſten ſchwierig, bei kleinen Sauen und ſchwachen Wehen aber manchmal ſehr mühevoll. Die Ausſichten 88 Schwergeburten. auf einen günſtigen Ausgang werden um ſo geringer, je länger mit ſachverſtändiger Hilfe gewartet wird. In leichteren Fällen genügt es mitunter ſchon, wenn das Junge kräftig am Unterkiefer angefaßt und dann angezogen wird. Meiſtens iſt aber, um die Geburt zu erzielen, eine größere Kraft⸗ anwendung, als ſie mit der Hand allein möglich iſt, erforderlich. Es wird dann eine Schlinge oder ein Haken zu Hilfe genommen. Eine Schlinge kann aus einer gewöhnlichen Schnur oder aus ge⸗ glühtem Meſſingdraht oder biegſamem Eiſendraht hergeſtellt werden. Sie wird, wenn es angeht, über den ganzen Kopf, andernfalls über den Oberkiefer geſchoben. Am Oberkiefer darf jedoch nur ſehr mäßig angezogen werden, da er leicht abreißt. Das Junge kann auch unter Zuhilfenahme eines Hakens hervorgezogen werden. Ein ſolcher Haken muß ſtark oder ab⸗ geplattet ſein; wenn er zu dünn iſt, reißt er leicht aus. Der Haken wird in der Augenhöhle und zwar im unteren Augenwinkel, wo er den beſten Halt findet, oder im Unterkiefer, oder endlich in der Maulhöhle eingeſetzt; er muß jedoch ſtets im Bereich der Hand bleiben. Bei nicht ganz vorſichtigem Gebrauch eines Hakens können Verletzungen des Muttertieres herbeigeführt werden. Das Anziehen muß ſtets unter Berückſichtigung der Wehen geſchehen. Während mit einer Hand gezogen wird, bleibt die andere im Geburtskanal. Namentlich beim Gebrauch eines Hakens iſt dies notwendig, und die Hand iſt dabei feſt gegen die nicht angehakte Seite des Kopfes zu drücken. Recht ſchwierig iſt die Hilfeleiſtung in der Regel, wenn das Ferkel noch weit zurück, vor dem Becken, liegt. Kann der Ge⸗ burtshelfer die Hand durch das Becken führen, ſo wird eine Schlinge um den Oberkiefer oder um den ganzen Kopf angelegt. Iſt das Becken zu eng, ſo iſt nur dann noch Hilfe möglich, wenn das Junge durch die Wehen wenigſtens ſo weit ins Becken gedrängt wird, daß der Oberkiefer in eine Schlinge gefaßt oder ein Haken feſtgeſetzt werden kann. Wenn bei Hinterendlage das Junge wegen zu ſtarker Größe nicht geboren werden kann, ſo bilden Kopf und Vorderfüße, die zuſammen das Becken paſſieren müſſen, das Hindernis. Sind die Wehen kräftig, ſo werden die Spitzen der Hinterfüße außerhalb des Wurfes ſichtbar. Es ſind dann die Füße oberhalb des Sprung⸗ gelenks mit der Hand zu erfaſſen, oder es iſt eine Schlinge aus weichem Material anzulegen und das Junge hervorzuziehen. Manch⸗ mal muß dabei eine Perſon ihre volle Kraft anwenden. 5 Wehenſchwäche.— Fehlerhafte Lagen. 89 Unverhältnismäßige Größe kann nur bei einem Jungen, aber auch bei mehreren oder ſelbſt bei allen Früchten des Wurfes vor⸗ handen ſein. 2. Wehenſchwäche. Wehenſchwäche findet ſich bisweilen ſchon im Beginn einer Geburt, häufiger aber ſtellt ſie ſich erſt im Verlauf lange dauernder und erſchwerter Geburten ein. Die Jungen gelangen dann nur langſam von den Gebärmutterhörnern bis zum Becken, ſie werden daher in längeren Zwiſchenräumen geboren. Mitunter laſſen die Wehen in dem Maße nach, daß die Geburt völlig ſtockt, und namentlich kann der Widerſtand, den der Beckeneingang dem Durch⸗ gang des Jungen entgegenſetzt, nicht überwunden werden. Eine Hilfeleiſtung iſt dann erforderlich und wird in faſt gleicher Weiſe ausgeführt, als wenn es ſich um zu große Junge handelt. 3. Fehlerhafte Tagen. Bei Vorderrückenlage kommt das Junge mit dem Vorder⸗ teil voran, es liegt aber nicht, wie es ſich gehört, auf dem Bauch, ſondern auf dem Rücken. In ſolcher Lage dringt das Junge nur ſchwer in das Becken ein oder, wenn das auch geſchieht, ſo kann es doch häufig nicht durch den Geburtskanal, ſondern bleibt hier eingekeilt feſtſitzen. Bei genügendem Raum iſt das Junge am Kopf anzufaſſen und zu drehen, ſo daß es in die richtige Lage kommt. Fehlt es an Platz dazu, ſo kann das Junge häufig auch ohne Lageberichtigung mit Hilfe einer Schlinge oder eines Hakens herausgezogen werden. In ſeltenen Fällen findet ſich bei abgeſtorbenen Früchten der Kopf nach unten oder nach der Seite hin verſchlagen. Ohne Lageberichtigung kann dann das Junge in der Regel nicht geboren werden. Bei der Steißlage kommt das Junge mit dem Hinterteil voran, beide Hinterfüße ſind aber unter den Leib geſchlagen. Auch bei dieſer Lage iſt meiſtens eine Lageberichtigung notwendig; es müſſen beide Hinterfüße erfaßt und geſtreckt werden. Fehlt es an Raum dazu, ſo läßt ſich mitunter das Junge ohne Lageberichtigung unter Zuhilfenahme eines Hakens hervorziehen. Das Zurück⸗ bleiben eines Hinterfußes iſt von keiner erheblichen Bedeutung, wenn der geſtreckt gehaltene Fuß mit der Hand zu faſſen iſt; es kann dann das Junge an einem Hinterfuß hervorgezogen werden. 90 Schwergeburten. Querlagen ſind ſelten; am eheſten entſtehen ſie noch in der Weiſe, daß das Junge mit dem Rücken vor dem Beckeneingang liegt. Wenn die Hand durch das Becken geführt werden kann, läßt ſich das Ferkel meiſt leicht wenden; es wird möglichſt an den Hinterfüßen hervorgezogen. Mangelt es an Raum, ſo iſt die Wendung mit einem ſtumpfen Haken zu verſuchen; indeſſen iſt große Vorſicht dabei erforderlich. 4. Mißbildungen ſind zwar nicht ſelten beim Schwein, ſie geben aber gewöhnlich keine Veranlaſſung zu Schwergeburten. Da die Mißgeburten zu⸗ dem überaus verſchieden ſind, laſſen ſich über die Hilfeleiſtungen dabei keine beſtimmten Regeln angeben. 5. Perengerung des Geburkskanals. Dieſe iſt vereinzelt ſchon im Beginn der Geburt vorhanden und kann dann durch eine Verbildung des Gebärmutterhalſes oder der Scheide, z. B. durch eine ſog. Fleiſchſpange(vergl. S. 53) hervorgerufen werden. Die Fleiſchſpange iſt zu durchſchneiden. Ofters wird eine Verengerung durch eine Schwellung der Scheide herbeigeführt, die namentlich bei langdauernden Geburten, zumal wenn vielfache Verſuche zur Hilfeleiſtung gemacht worden ſind, entſteht. Unnötiges Einführen der Hand iſt daher zu vermeiden. Infolge der Verengerung des Geburtskanals iſt der Durchgang der Frucht und ebenſo die Hilfeleiſtung ſchwierig, da die Hand nur mit Mühe und endlich gar nicht mehr eingeführt werden kann. Bei Ver⸗ engerungen iſt reichlich Ol oder eine andere ſchleimige Flüſſigkeit in den Geburtskanal zu bringen. 6. Abgeſtorbene und aufgeunſene Prüchke. Ein Abſterben der Jungen erfolgt beim Schwein namentlich bei lange währenden Geburten. Tote Früchte werden im all⸗ gemeinen ſchwerer als lebende geboren, ſie nehmen auch leichter als dieſe fehlerhafte Lagen ein. Bleiben abgeſtorbene Junge länger in den Geburtsorganen zurück, ſo gehen ſie in Fäulnis über und werden dabei leicht aufgedunſen. In erheblicherem Grade aufgedunſene Früchte können den Geburtskanal nur noch ſchwer oder gar nicht mehr paſſieren. Die Behandlung iſt dabei in gleicher Weiſe wie bei den Jungen von unverhältnismäßiger 2⸗——— ———. — —,—,———.——-——— noch in eingeng i konn, an den iſt de ſen iſt Abgeſtorbene und aufgedunſene Früchte. 91 Größe auszuführen; ſie wird in der Regel aber bedeutend erſchwert durch die aaendende Schlüpfrigkeit des Geburtskanals— der zudem in ſolchen Fällen gewöhnlich verengert iſt— ſowie durch die geringe Feſtigkeit der Frucht. Es iſt daher fleißig Ol oder eine andere ſchleimige Flüſſigkeit einzuführen. Schlinge und Haken dürfen nur mit großer Vorſicht angewandt werden, da ſie leicht ausreißen. Nach einigen Tagen hört der aufgedunſene Zu⸗ ſtand der Früchte zwar auf, indem die Gaſe, die ſich bei ihnen unter der Haut angeſammelt hatten, entweichen, und die Früchte können dann noch in ſtark zuſammengepreßtem Zuſtande ausge⸗ ſtoßen werden. Meiſtens aber, namentlich wenn ſich noch mehrere Junge in der Gebärmutter befinden, geht das Muttertier vorher an Gebärmutterentzündung und Blutvergiftung zu Grunde. Ähn⸗ lich verhält es ſich, wenn nach anſcheinend beendigter Geburt ſich nach etwa zwei bis drei Tagen von neuem Wehen einſtellen, und ſich nun ergiebt, daß noch Junge zurückgeblieben ſind. Auch hier⸗ bei iſt die Hilfeleiſtung ſchwer. Mitunter werden die Ferkel noch ohne Hilfe nach mehreren Tagen ausgeſchieden, häufig ſtirbt jedoch das Muttertier an Gebärmutterentzündung. Krankheiten und Regelwidrigkeiten beim Muttertier nach der Geburt. Allgemeines. Von den im Nachſtehenden erörterten Krankheiten und Regel⸗ widrigkeiten ſind einige, z. B. manche Euterfehler, bereits vor der Geburt vorhanden, andere entſtehen bei dem Geburtsvorgang, wäh⸗ rend viele erſt nach dieſem zuſtande kommen, mit ihm aber in ur⸗ ſächlichem Zuſammenhang ſich befinden. Die meiſten der Krank⸗ heiten und Abnormitäten machen ſich erſt nach der Geburt deut⸗ lich bemerkbar und können daher hier in einem Abſchnitt zuſammen behandelt werden. 3 I. Berletzungen der Geburksorgane. Kleine Verletzungen, Abſchürfungen der Schleimhaut des . Wurfes, der Scheide und des Fruchthälters entſtehen faſt bei jeder Geburt. Sie ſind an und fuür ſich nicht gefährlich, ſie können jedoch von Bedeutung werden, wenn ſich in den Geburtsorganen faulige Stoffe— z. B. Teile der Nachgeburt— befinden. Selbſt in die kleinſten Wunden vermögen ſolche Stoffe einzudringen; ſie verurſachen dann Scheiden⸗ und Gebärmutterentzündung. Es iſt deshalb möglichſt auch der Entſtehung kleiner Verletzungen vorzubeugen und darauf zu achten, daß bei Hilfeleiſtungen Ab⸗ ſchürfungen der Schleimhaut durch rauhe Hände oder Stricke vermieden werden. Nicht ſelten kommen ſchwerere Verletzungen der Geburts⸗ organe und der ihnen benachbarten Körperteile zuſtande. a) Einriſſe am Wurf, Dammriß. Einriſſe am Wurf und Zerreißung des Damms entſtehen öfters beim Rind, ſowie auch beim Pferd. Mitunter kommt es dabei zu einem völligen Dammriß, ſo daß Wurf und After eine — 2 8ͤ ——— heim Regel⸗ or der wäͤh⸗ in ur⸗ drank⸗ deut⸗ mmen des jeder nen ganen Selbſt 1; ſie ungen mAb⸗ Stricke burts⸗ ſtehen it es eine Verletzungen der Geburtsorgane. 93 Offnung oder, wenn der Riß eine ſehr große Ausdehnung erfährt, Scheide und Maſtdarm eine Höhle(Kloake) bilden. Der Dammriß iſt zwar für das Leben des Tieres nicht ge⸗ fährlicher als andere Verletzungen des Wurfes; bleibt er aber be⸗ ſtehen, ſo vermindert er erheblich den Wert eines Zuchttieres, da es dann nicht mehr zur Zucht verwendet werden kann. Mit einem Dammriß behaftete Tiere werden ſelten trächtig. Erſtreckt ſich der Riß weiter in die Scheide hinein, ſo leidet auch die Ernährung darunter, da der vom Maſtdarm aus in die Scheide dringende Kot einen chroniſchen Entzündungszuſtand der Scheide veranlaßt. Urſachen. Stärkere Einriſſe, namentlich Dammriſſe, ent⸗ ſtehen am leichteſten bei Tieren, die mit Verengerung des Wurfes und der Scheide behaftet ſind. Außerdem werden dieſe Ver⸗ letzungen durch unverhältnismäßig große oder fehlerhaft gelagerte Junge, ſowie durch heftige Wehen des Muttertieres veranlaßt oder begünſtigt. Zu einem ganz weſentlichen Teil iſt aber eine un⸗ zweckmäßige Hilfeleiſtung bei der Geburt Urſache von Einriſſen, die ſich bei ſorgſamem Verfahren meiſtens verhüten laſſen(vergl. Verengerung des Wurfes). Behandlung. Bei kleinen, oberflächlichen Wunden des Wurfes iſt eine beſondere Behandlung nicht immer erforderlich. Dieſe iſt aber nicht zu verſäumen, wenn die Nachgeburt zurück⸗ geblieben iſt. Bei größeren Verletzungen, vor allem aber bei einem Dammriß, iſt eine Behandlung notwendig. Durch Heftung kann mitunter ein vollſtändiges Verheilen des Riſſes herbeigeführt werden, ſo daß das betroffene Tier noch fernerhin zur Zucht zu benützen iſt. Es iſt aber nur dann Ausſicht auf Heilung vor⸗ handen, wenn der Riß nicht allzu ungünſtig iſt und die Heftung ſachgemäß und rechtzeitig vorgenommen wird. b) Verletzungen der Scheide. Schwerere Verletzungen der Scheide kommen namentlich beim Rind, nicht ſelten aber auch beim Pferd, ſowie bei der Ziege vor. Die Urſachen ſind hauptſächlich Verengerung der Scheide und gewaltſames Hervorziehen von großen oder fehlerhaft gelagerten Früchten. Bei gehöriger Vorſicht laſſen ſich Einriſſe meiſtens ver⸗ meiden(vergl. Verengerung der Scheide). Erſcheinungen. Gleich nach Entſtehung der Wunden und nach Beendigung der Geburt macht ſich oftmals Drängen(Nach⸗ wehen) bemerkbar. Dabei fließt meiſtens Blut aus der Scheide, 94 Krankheiten und Regelwidrigkeiten beim Muttertier nach der Geburt. bald nur in geringer, bald in beträchtlicher Menge, je nach dem Sitz und dem Grad der Verletzung. Zuweilen kommen beim Rind losgeriſſene Gewebsteile, namentlich Fettgewebe(Talgſtücke), aus der Scheide. Der Ausgang iſt bei ſolchen Verletzungen verſchieden. Beim Pferd tritt häufig im Laufe weniger Minuten oder innerhalb einer halben Stunde Verblutung ein. Auch beim Rind kommt es nicht ſelten raſch zu einer tödlichen Blutung. Meiſtens aber ſtockt bei ihm bald die Blutung. Mitunter tritt dann kaum eine Störung im Allgemeinbefinden der Tiere ein, die Futteraufnahme bleibt dauernd gut, und die entſtandenen Verletzungen verheilen überraſchend ſchnell. In anderen Fällen iſt ſofort die Freßluſt vermindert, oder es ſtellen ſich erſt ein paar Tage oder noch längere Zeit nach der Geburt ſchwere Krankheitserſcheinungen ein, die häufig zum Tode führen. Einen tödlichen Verlauf nehmen faſt immer durchgehende Wunden, die bis zur Bauchhöhle führen. Gefährlich iſt es auch, wenn bei Verletzungen die Nachgeburt zu⸗ rückbleibt. Von weſentlichem Einfluß auf einen günſtigen Ausgang iſt eine rechtzeitige, zweckmäßige Behandlung. Behandlung. Erfolgt eine beträchtliche Blutung aus der Scheide, ſo kann man verſuchen, durch Einführen von großen, reinen Tüchern, die vorher in kaltes Waſſer eingetaucht worden ſind, die Blutung zu ſtillen. Sodann iſt ſchleunigſt ein Tierarzt herbeizurufen; es iſt deſſen Rat überhaupt in Anſpruch zu nehmen, wenn nach dem Verlauf der Geburt ſchwerere Verletzungen be⸗ fürchtet werden müſſen. Nur durch ſachverſtändige Unterſuchung iſt die Art der Verletzung genauer feſtzuſtellen. Wenn ſich das Muttertier auch nicht immer am Leben erhalten läßt, ſo kann doch durch rechtzeitige Schlachtung der Schaden erheblich vermindert werden(vergl. Scheidenentzündung). c) Verletzungen der Gebärmutter. Kleinere Wunden führen gewöhnlich keine nachteiligen Folgen herbei, von großer Bedeutung ſind aber die durchgehenden Ver⸗ letzungen, Zerreißungen der Gebärmutter. Solche kommen am häufigſten beim Rind ſowie beim Pferd, mitunter aber auch bei den kleineren Haustieren vor. Sie befinden ſich meiſtens im hinteren, an die Scheide ſich anſchließenden Teil der Gebärmutter. Zerreißungen des Fruchthälters und der Scheide ſind manchmal miteinander verbunden. Urſachen. Zerreißungen entſtehen leicht bei fehlerhafter — S== 2 — üc der Geint je mt dn en bein gin gſtüct) as üeden gen er imat Rind bunt leiſens dr in kaun eie tteroufwihe ſen vetheit die Frju e dder mt inungen a lauf nehner öhle fährn hgebunt en Auägng ug aus dr won grlhen pht vurbe ein Tirnt zeuner gunna be ntedtong u ſch de konn dc verwindet gen Folhe nden Ler⸗ unmen am auch be eiſens in bärmutte. monchunl glerhefte Verletzungen der Geburtsorgane. 95 Lage des Jungen, namentlich wenn dabei das Muttertier heftige Wehen hat. Durchgehende Verletzungen werden aber bei allen Tieren nicht ſelten durch ungeſchickte Lageberichtigungen, durch ge⸗ waltſames Herausziehen des Jungen, zumal wenn Verengerung des Gebärmutterhalſes oder eine Verdrehung der Gebärmutter beſteht, hervorgerufen(vergl. Verengerung des Gebärmutterhalſes, Gebär⸗ mutterverdrehung). Erſcheinungen. Beim Pferde ſtrömt infolge der bei ihm vorhandenen ſtarken Wehen häufig unmittelbar nach dem Zuſtande⸗ kommen der Zerreißung— ſchon während oder gleich nach der Geburt— eine beträchtliche Menge Blut aus der Scheide. Zu⸗ gleich ſtellen ſich Unruhe, kolikartige Erſcheinungen ein, und nicht ſelten wird ein Teil der Gedärme, zuweilen in der Länge von mehreren Metern, durch die Rißwunde und aus der Scheide nach außen gedrängt. Der Tod kann dabei ſchon innerhalb einer Viertel⸗ ſtunde eintreten; überhaupt nehmen durchgehende Zerreißungen der Gebärmutter beim Pferde faſt ausnahmslos ein tödliches Ende. Beim Rind ſind die Erſcheinungen nicht ſo ſtürmiſch. Auch nach umfangreichen Zerreißungen des Fruchthälters kommt es meiſtens nicht zu einem Ausfließen von Blut aus der Scheide. Das aus der Wunde tretende Blut bleibt gewöhnlich in der Gebärmutter, oder es gelangt in die Bauchhöhle. Verblutung erfolgt ſelten; auch werden nur ausnahmsweiſe die Eingeweide hervorgepreßt. Mitunter verſagen die Rinder von vornherein alles Futter, manch⸗ mal aber iſt anfänglich das Allgemeinbefinden noch einigermaßen gut, ſo daß noch Nahrung aufgenommen wird. Gewöhnlich zeigen ſich dann jedoch im Laufe von ein bis drei Tagen, bisweilen erſt ſpäter, ſchwere Krankheitserſcheinungen infolge Entzündung der Gebärmutter und der ihr benachbarten Organe. Die Futteraufnahme hört auf, es ſtellt ſich Teilnahmloſigkeit und Stöhnen ein. Auch beim Rind folgt nach Zerreißungen des Fruchthälters faſt immer der Tod. Bei den kleineren Tieren, Ziege und Schaf ſind die Er⸗ ſcheinungen und der Verlauf ähnlich wie beim Rind; es pflegt bei ihnen innerhalb ein bis zwei Tagen der Tod einzutreten. Behandlung. Bei durchgehenden Wunden iſt eine Heilung nur möglich, wenn ſie nicht zu groß ſind und an einer günſtigen Stelle— an der oberen Wand der Gebärmutter— ihren Sitz haben. Da nun ſolche Verletzungen in der Regel den Tod nach ſich ziehen, ſo iſt es, zumal beim Rind, von Wichtigkeit, daß ſie alsbald feſtgeſtellt werden, damit rechtzeitig die Schlachtung vorgenommen 4 96 Krankheiten und Regelwidrigkeiten beim Muttertier nach der Geburt. werden kann. Kommt es zu einer Entzündung der Geburtsorgane und der anliegenden Körperteile, ſo wird das Fleiſch bald zum menſchlichen Genuß ungeeignet oder gar geſundheitsgefährlich. d) Blutgeſchwülſte und Odeme. Mitunter tritt während oder gleich nach der Geburt eine mehr oder weniger beträchtliche Anſchwellung der Wurflippen ein. Es handelt ſich dabei um Blutgeſchwülſte oder Odeme(Waſſer⸗ geſchwülſte). Blutgeſchwülſte finden ſich am häufigſten beim Schwein, und zwar bei dieſem Tier ebenſowohl nach leichten als auch nach ſchweren Geburten. Gewöhnlich iſt nur die eine, bisweilen ſind aber beide Wurflippen betroffen. Die Geſchwulſt kann die Größe einer Fauſt erreichen und iſt— bei weißen Schweinen— von rötlichem oder bläulichem Ausſehen, manchmal glänzend. Mitunter platzt ſchon während oder kurz nach der Geburt die Geſchwulſt, namentlich wenn ſich das Schwein an dieſer gerieben hat; es kann dann eine bedeutende, ſogar eine tödliche Blutung eintreten. Ge⸗ wöhnlich aber ſchrumpft die Anſchwellung nach wenigen Tagen ein und verſchwindet bald ganz. Das Befinden der Tiere wird dadurch in der Regel nicht geſtört. Beim Rind ſtellt ſich namentlich während oder kurz nach ſchweren Geburten, die langdauernde Hilfeleiſtung nötig machten, eine erhebliche und manchmal blaurote und glänzende Anſchwellung beider Wurflippen ein. An und für ſich iſt dieſe nicht von weſent⸗ licher Bedeutung, ſie iſt jedoch nicht ſelten mit ſchwereren Ver⸗ letzungen verbunden und erfordert immerhin Beachtung. Sehr ge⸗ fährlich ſind ſolche Anſchwellungen des Wurfes, die ſich erſt drei bis vier Tage oder noch längere Zeit nach dem Gebären einſtellen (vergl. Scheidenentzündung). Behandlung. Beim Schwein iſt möglichſt zu verhindern, daß ſich das Tier an den Stallwänden reibt und dadurch die Ge⸗ ſchwulſt zum Platzen bringt. Bei ſtarker Blutung iſt Eis auf⸗ zulegen oder fleißig mit Waſſer und Eſſig zu kühlen. Auch kann verſucht werden, die Blutung durch Zuſammenpreſſen der Wunde mit den Fingern aufzuhalten, bis tierärztliche Hilfe(die in ſolchem Fall herbeigerufen werden muß,) zur Hand iſt. Beim Rind ſind gewöhnlich warme Bähungen nützlich, es kann aber auch die An⸗ wendung von Kälte zweckmäßig ſein. Iſt jedoch das Allgemein⸗ befinden, insbeſondere auch die Futteraufnahme geſtört, oder ver⸗ liert ſich die Geſchwulſt nach längſtens 2 Wgen nicht, ſo iſt tier⸗ ärztlicher Rat einzuholen. tt eine en ein. Waſſer⸗ wein, h nach en ſind Größe — von tunter wulſt s kann Ge⸗ Tagen wird nach chten, Uung ſent⸗ Ver⸗ ge⸗ drei ellen dern, Ge⸗ auf⸗ kann zunde ſchem ſind An⸗ mein⸗ vel⸗ tier⸗ Gebärmuttervorfall. 97 e) Sonſtige Verletzungen infolge der Geburt. Durch erſchwerte Geburten werden mitunter nicht allein die Geburtsorgane, ſondern auch ihnen benachbarte Körperteile ver⸗ letzt. So kann es vorkommen, daß, während die Scheide unbe⸗ ſchädigt bleibt, der über ihr im Becken liegende Maſtdarm zer⸗ riſſen wird. Eine ſolche Maſtdarmzerreißung entſteht nament⸗ lich beim Rind ſowie auch beim Pferd, wenn ein zu großes Junge gewaltſam herausgezogen wird. Es tritt dabei gewöhn⸗ lich während oder bald nach der Geburt Blut aus dem After. Sodann ſtellt ſich gleich oder einige Tage nach der Geburt Ver⸗ ſtopfung ein. Eine ſolche Zerreißung iſt ſehr gefährlich, ſie kann nur von einem Tierarzt erkannt und behandelt werden. Durch eine außergewöhnlich ſtarke Zugkraft am Jungen kann beim Rind eine Sprengung des Beckens verurſacht werden. Auch durch Hinſtürzen bei der Geburt können Beckenbrüche ver⸗ anlaßt werden; die davon betroffenen Tiere vermögen in der Regel nicht aufzuſtehen. Nur unter beſonders günſtigen Um⸗ ſtänden iſt eine Heilung zu erzielen. 2. Gebärmuttervorfall. Hierunter verſteht man eine Umſtülpung und einen Vorfall der Gebärmutter, ſo daß dieſe ganz oder zum Teil außerhalb des Wurfes gelagert iſt. Es kommt dies, wie leicht erklärlich, nur bei ſolchen Tieren vor, die kurz vorher geboren haben, und bei denen ſich der Gebärmutterhals noch nicht wieder geſchloſſen hat. Ein ſolcher Vorfall wird am häufigſten beim Rind, nicht ſelten beim Pferd und der Ziege und bisweilen auch beim Schaf und dem Schwein beobachtet.(Die Gebärmutter kann auch in nicht umgeſtülptem Zuſtande vorfallen; dies geſchieht bei Zerreißung des Fruchthälters oder der Scheide, iſt jedoch ſo ſelten, daß es hier nicht weiter berückſichtigt zu werden braucht.) Urſachen. Wenn ſich die Geburt überaus lange verzögert, das Fruchtwaſſer völlig abgefloſſen iſt und ſich die Gebärmutter ſtark zuſammengezogen hat und dicht am Jungen anliegt, ſo ge⸗ ſchieht es, beſonders beim Rind, in vereinzelten Fällen, daß die Gebärmutter mit dem Jungen zuſammen herausgezogen wird. In der Regel aber erfolgt der Vorfall erſt nach beendigter Geburt, und zwar meiſtens ganz kurze Zeit nach dieſer, innerhalb einer halben oder ganzen Stunde, mitunter aber erſt nach 12 bis 24 Stunden und ausnahmsweiſe noch nach mehreren Tagen. Ein Tapken, Geburtshilfe. 2. Auflage. 7 98 Krankheiten und Regelwidrigkeiten beim Muttertier nach der Geburt. Gebärmuttervorfall entſteht gewöhnlich nur, ſolange die Nach⸗ geburt noch nicht abgegangen iſt. Die noch anhaftenden Eihüllen reizen leicht zu ſtarken Nachwehen und zum Drängen und werden ſo manchmal mit der Gebärmutter herausgedrängt. Nach Verlauf von mehreren Tagen kann ein Vorfall namentlich dann noch ent⸗ ſtehen, wenn an der feſtſitzenden Nachgeburt ſchwerere Körper an⸗ gehängt werden. Begünſtigt wird das Zuſtandekommen eines Gebärmutter⸗ vorfalls vor allem auch durch einen nach hinten abſchüſſigen Stand, ferner durch Überfüllung der Verdauungsorgane, durch Verſtopfung ſowie durch heftige Diarrhöe, beſonders wenn dieſe mit ſtarkem Drängen verbunden iſt. Vorbeugung. Um einem Gebärmuttervorfall vorzubeugen, iſt Rückſicht auf ſeine Urſachen zu nehmen. Das Lager der ge⸗ bärenden Tiere ſoll nach dem Hinterteil hin nicht abſchüſſig ſein. Stuten ſind in der erſten Zeit nach der Geburt nicht aus dem Auge zu laſſen und, wenn ſie nicht bald von ſelbſt aufſtehen, energiſch zum Aufſtehen zu veranlaſſen, ſobald ſich Drängen ein⸗ ſtellt Hört das Drängen nicht auf, und will ſich das Pferd wieder hinlegen, ſo muß es umhergeführt werden. Auch die Kuh iſt, wenn ſie nach der Geburt ſtarke Wehen zeigt, zum Aufſtehen zu bringen, und nötigenfalls iſt der Arm in den Geburtskanal ein⸗ zuführen oder eine Vorfallbandage anzulegen. Wenn die Nach⸗ geburt zurückbleibt, dürfen an ihr ſchwere Gegenſtände nicht an⸗ gehängt werden. Erſcheinungen. Rind. Bei vollſtändigem Gebärmutter⸗ vorfall hängt eine große, fleiſchähnliche Maſſe aus der Scheide, die, wenn das Tier ſteht, etwa bis zum Sprunggelenk herunter⸗ reicht. Oftmals iſt die Gebärmutter faſt ganz von den ihr noch anhaftenden Eihäuten bedeckt. Dann wird manchmal der Zuſtand von Laien nicht erkannt, ſie glauben, es handle ſich nur um die Nachgeburt, und es iſt ſchon vorgekommen, daß man verſuchte, die ganze Maſſe mit der Miſtgabel zu entfernen, und auf dieſe Weiſe die Gebärmutter erheblich verletzte. Wenn ſich die Eihüllen ſchon ganz oder zum Teil abgelöſt haben, ſind an der umgeſtülpten Gebärmutter die Fruchthälterwarzen als dunkelrote, etwa von dem Umfange eines Hühnereis geſtielt an der Schleimhaut aufſitzende Gebilde zu erkennen. Das Befinden des Rindes iſt anfänglich in der Regel wenig oder gar nicht geſtört. Meiſtens macht ſich jedoch Drängen be⸗ merkbar. Nach einiger Zeit aber wird der Zuſtand bedenklicher. rGehm. Nac⸗ Eihülen derden Verlaf noch ent Tper an ſig ſe. aus den ruffehen gen eir⸗ s Peid di ſah Auffeben mnal eir fie Ml⸗ rictt u⸗ rrrutke⸗ Scheid. herunter ihr uuc riind un ſe perjühte ufj di Eihle getübie von den ffftende dl weii ngen be⸗ enklcher * Gebärmuttervorfall. 99 Die Gebärmutter verändert ſich, ſie erſcheint ſtellenweiſe ſchwarz⸗ rot oder ſchmutziggrau, ſie wird trocken und ſchwillt an. Häufig wird ſie infolge von Verletzungen mit Blutgerinnſeln bedeckt. Leichtere und ſchwerere Wunden entſtehen, wenn der Fruchthälter nicht gehörig geſchützt wird, namentlich aber, wenn das Tier un⸗ ruhig iſt und ſich dabei auf Teile der Gebärmutter legt, oder letztere an die Wandungen oder an anderen Gegenſtänden ge⸗ quetſcht oder endlich von nebenſtehenden Kühen getreten oder von Hunden angefreſſen wird. Auch wird die Gebärmutter manchmal durch Kot, Stroh und andere Teile verunreinigt. Wenn große, durchgehende Wunden entſtehen, kann es zu einem Vorfall der Gedärme kommen. Infolge ſolcher Umſtände verſchlechtert ſich bald das Allgemein⸗ befinden des Rindes. Bei ſtarken Verletzungen kann raſch der Tod durch Verblutung eintreten, andernfalls wird das Ende durch eine Entzündung der Gebärmutter herbeigeführt. Bei der Ziege und dem Schaf iſt der vorgefallene Teil wie bei dem Rinde, inſoweit er nicht von den Eihüllen bedeckt iſt, an den Fruchthälterwarzen erkennbar. Auch der Verlauf iſt ähnlich wie beim Rind. Bei der Stute zeigt ſich die vorgefallene Gebärmutter als eine dunkelrote, faltige Maſſe, die aber gewöhnlich noch von den Eihüllen bedeckt iſt(Fruchthälterwarzen fehlen bei der Stute). Das Pferd iſt meiſtens ſehr unruhig und zeigt kolikartige Er⸗ ſcheinungen, wobei es leicht zu Zerreißung des Tragſackes, Vorfall der Gedärme und Verblutung kommt. Bei der Stute iſt ein Gebärmuttervorfall ſehr gefährlich. Bei dem Schwein entſtehen auch leicht Verletzungen der vorgefallenen Gebärmutter. Behandlung. Rind. Es handelt ſich zunächſt vor allem darum, die Gebärmutter vor Verunreinigungen und Verletzungen zu ſchützen. Zu dieſem Zweck ſorge man ſchleunigſt für Herbei⸗ ſchaffung großer, leinener Tücher(z. B. Betttücher), feuchte dieſe durch Eintauchen in warmes Waſſer gehörig an und hülle damit den Fruchthälter vorſichtig ein. Solange das Tier ſteht, ſind die Tücher durch ein paar Männer zu halten, oder ſie ſind nach vorn und oben am Tier— an einem Bruſtgurt— ſo zu befeſtigen, daß ſie nicht abfallen können. Wenn ſich das Rind hinlegt, oder wenn es hinfällt, ſo iſt darauf zu achten, daß es mit dem Hinter⸗ teil nicht auf die Gebärmutter zu liegen kommt. Auch iſt darauf 7* 100 Krankheiten und Regelwidrigkeiten beim Muttertier nach der Geburt. zu ſehen, daß ſich das Rind beim Umhertreten nicht an der Stall⸗ wand oder an anderen Gegenſtänden verletzt. Liegt das Tier, ſo iſt der Fruchthälter vor Berührung mit dem Stallboden zu bewahren. Am beſten iſt es, das Rind möglichſt liegend zu er⸗ halten und, wenn es ſich öfters erhebt, feſtzubinden, da dann die Gebärmutter am leichteſten geſchützt werden kann. Iſt der Tragſack beſchmutzt, ſo ſpült man die ihm anhaftenden Teile durch Waſſer ab. Jede Reibung iſt dabei zu vermeiden. Die Gebärmutter iſt ſodann in angefeuchtete Tücher einzuhüllen und wiederholt mit lauwarmem Waſſer zu begießen. Das Zurückbringen der Gebärmutter überläßt man am beſten einem Tierarzt, ſelbſt wenn es mehrere Stunden dauern ſollte, bevor deſſen Ankunft zu erwarten iſt. Es muß allerdings ſo bald als möglich für Hilfe geſorgt werden; je eher die Zurückbringung des Fruchthälters geſchieht, deſto weniger ſchwer iſt ſie im allge⸗ meinen, und deſto günſtiger ſind die Ausſichten auf einen guten Ausgang. Erfahrungsgemäß hält aber das Rind einen Vorfall gewöhnlich viele Stunden ohne großen Schaden aus, und jeden⸗ falls iſt es beſſer, wenn die Zurückbringung etwas verſpätet, aber in richtiger Weiſe, als wenn ſie alsbald, aber in ungeſchickter und unvorſichtiger Art geſchieht. Für ſolche Fälle, wo der Beſitzer nicht in der Lage iſt, ſach⸗ verſtändigen Beiſtand in gehöriger Zeit zu bekommen, ſoll hier das Verfahren bei Zurückbringen des Fruchthälters angegeben werden. Zunächſt muß dieſer von allen ihm etwa anhaftenden Teilen: Eihäuten, Blut, Schmutz, ſorgfältig befreit werden. Man gebraucht dazu reines Waſſer. Sodann iſt die Gebärmutter genau zu unterſuchen, ob etwa Verletzungen, vor allem durchgehende, vorhanden ſind. Wenn das der Fall iſt, ſo iſt die Zurückbringung in der Regel zwecklos, da ſolche Wunden meiſt den Tod nach ſich ziehen. Das Zurückbringen geſchieht am beſten beim ſtehenden Tier. Es wird mit dem Hinterteil etwas erhöht geſtellt. Damit es nicht zu ſehr hin und her treten kann, ſtellen ſich zu jeder Seite, am Hinterteil, ein oder zwei Männer auf, eine Perſon hält das Rind am Kopf, die Gebärmutter wird mittelſt des Tuches— unter welches eine Mulde oder ein glattes Brett gelegt werden kann— von zwei Perſonen hochgehoben. Der Operateur— der ſich durch einen Gehilfen unterſtützen läßt— ſtellt ſich hinter dem Rind auf. In der Regel iſt es am zweckmäßigſten, zu⸗ erſt die Teile, die ſich nahe an dem Wurf befinden, zurückzu⸗ Gebärmuttervorfall. 101 ſchieben und endlich die Gebärmutter von ihrem Grunde aus in die Bauchhöhle zurückzudrängen. Wenn das Rind nicht ſtehend zu erhalten iſt, ſo muß es während des Hineinbringens des Fruchthälters mit dem Hinterteil hoch gelegt und im übrigen wie oben angegeben wurde, verfahren werden. Das Zurückbringen wird oftmals durch Unruhe und heftiges Drängen in hohem Maße erſchwert. Während der Operation er⸗ folgt hin und wieder beſonders ſtarkes Drängen, und ſo lange dieſes anhält, muß der Operateur beſtrebt ſein, daß wenigſtens die Teile, die bereits zurückgeſchoben ſind, nicht von neuem wieder vorfallen, und erſt, wenn das Drängen nachläßt, das Zurückbringen zu vollenden ſuchen. Ein zu ſtarker Druck mit der Hand auf die Gebärmutter darf jedoch nicht ausgeübt werden, da ſonſt leicht eine Zerreißung ihrer Wandungen ſtattfinden kann. Nach gelungener Zurückbringung iſt der Arm bis zur Schulter einzuführen, damit die Umſtülpung der Gebärmutterhörner voll⸗ ſtändig gehoben wird. Gewöhnlich drängt das Rind zunächſt noch ſtark, was Veranlaſſung zu einem erneuten Vorfall geben kann. Um dies zu verhindern, läßt man den Arm noch einige Zeit in den Geburtsorganen oder ſucht durch Umherführen des Tieres das Auftreten heftiger Wehen zu hindern. Da ſich aber auch ſpäter noch der Vorfall wiederholen kann, ſo iſt es, um dem vorzubeugen, zweckmäßig, eine Vorfallbandage anzulegen oder zwei bis drei Hefte durch den Wurf zu ziehen. Eine Vorfallbandage läßt ſich aus einer ſchmalen Gurte oder aus einem Strick(Fig. 31) herſtellen und wird, wie Fig. 32 zeigt, angelegt. Wenn die Gebärmutter in unverletztem Zuſtand in ihre nor⸗ male Lage zurückgeführt worden iſt, ſo bleibt das Rind in der Regel geſund, wenn auch manchmal der Appetit einige Tage ver⸗ mindert iſt. Es kann aber auch zu einer ſchweren und ſelbſt töd⸗ lichen Entzündung des Fruchthälters kommen. Bei der Stute iſt in ähnlicher Weiſe wie beim Rind zu verfahren, es handelt ſich auch bei ihr zunächſt darum, die Gebär⸗ mutter vor Verletzungen und Verunreinigung zu ſchützen. Bei dem Pferde iſt aber beſondere Vorſicht geboten, damit die ſich mit ihm beſchäftigenden Perſonen nicht durch Wälzen und Schlagen verletzt werden. Wenn das Pferd nicht ruhig ſtehen will, ſo iſt es am beſten, ihm bis zur Ankunft des Tierarztes alle vier Füße zuſammenzubinden und es ſo feſtzuhalten. Dadurch laſſen ſich am eheſten Beſchädigungen der Gebärmutter verhindern. 102 Krankheiten und Regelwidrigkeiten beim Muttertier nach der Geburt. Schaf und Ziege läßt man, nachdem die Gebärmutter durch naſſe Tücher gehörig geſchützt iſt, feſthalten. Beim Zurückbringen des Vorfalls wird das Hinterteil hochgehoben. Das Schwein wird gebunden. Das Zurückbringen der Ge⸗ bärmutter iſt bei ihm ſehr ſchwierig, ja in der Mehrzahl der Fälle unmöglich. Es kommt bei allen Tieren vor, daß die Zurückbringung der Gebärmutter unmöglich iſt, oder daß ſie wegen ſtarker Verletzungen Fig. 31. Strickbandage. Fig. 32. Vorfallbandage. zwecklos ſein würde. Mitunter kann dann noch durch eine Ampu⸗ tation des Fruchthälters das Leben des Tieres erhalten werden; da aber der Erfolg dieſer Operation höchſt unſicher iſt, zieht man ihr in der Regel die Schlachtung vor. 3. Milchſteber. Das Milchfieber, auch Kalbefieber, Geburtsfieber, Geburts⸗ lähme, Gebärpareſe genannt, iſt eine nur bei Kühen vorkommende nu en; nan rts⸗ nde Milchfieber. 103 Krankheit. In einigen Gegenden verurſacht das Milchfieber ganz bedeutende Verluſte. Urſachen. Die eigentliche Urſache und das Weſen des Milchfiebers ſind noch nicht mit Sicherheit erkannt; wenigſtens hat keiner der darüber aufgeſtellten Lehrſätze allgemeine Anerkennung unter den Tierärzten gefunden. Vielfach wird in neuerer Zeit die Anſicht vertreten, daß das Kalbefieber durch giftige Stoffe, die ſich in der Gebärmutter oder in den Verdauungsorganen bilden, zuſtande komme. Die Verhältniſſe, unter denen das Milchfieber vorzugsweiſe vorkommt, ſind dagegen genauer beobachtet, und ſind es danach folgende Umſtände, die beim Entſtehen der Krankheit in Betracht zu ziehen ſind. 1. Das Alter. Rinder, die zum erſtenmal kalben, werden niemals, ſolche, die zum zweitenmal gebären, ſelten vom Milch⸗ fieber befallen. Die Krankheit kommt hauptſächlich nach dem 3. bis 7. Kalben vor, alſo bei ſolchen Tieren, die auf dem Höhe⸗ punkt ihrer Entwickelung ſtehen. 2. Nährzuſtand. Je beſſer der Nährzuſtand iſt, deſto leichter tritt das Kalbefieber ein; beſonders vermehrt eine ſtarke Fütterung in der letzten Zeit der Trächtigkeit die Anlage zur Krankheit. 3. Der Aufenthaltsort. Kühe die in warmen, ſchlecht gelüfteten Stallungen gehalten werden, pflegen unter ſonſt gleichen Verhältniſſen leichter am Milchfieber zu erkranken als ſolche, die ſich in kühlen, gut gelüfteten Räumen befinden. Das Kalbefieber ſtellt ſich beſonders leicht ein, wenn Kühe die an Weidegang ge⸗ wöhnt ſind, kurz vor oder nach der Geburt aufgeſtallt werden. Das Milchfieber tritt jedoch nicht nur im Stalle, ſondern auch auf der Weide auf. 4. Jahreszeit und Witterung. Wenn auch das Milch⸗ fieber jederzeit vorkommen kann, ſo beobachtet man es doch in ſolchen Gegenden, wo Sommerweidegang ſtattfindet, am häufigſten im Sommer und Herbſt und beſonders, wenn es heiß und ſchwül iſt. 5. Endlich zeigt die Erfahrung, daß das Kalbefieber haupt⸗ ſächlich bei den beſten Milchkühen, faſt ausſchließlich nach leicht verlaufenden Geburten und gewöhnlich erſt nach Abgang der Nach⸗ geburt ſich einſtellt. Erſcheinungen und Verlauf. In ſehr ſeltenen Fällen ſtellt ſich das Milchfieber bereits unmittelbar vor oder während 104 Krankheiten und Regelwidrigkeiten beim Muttertier nach der Geburt. der Geburt, in der Regel aber 12— 48 Stunden und mitunter etwas längere Zeit nach der Geburt ein. Bisweilen zeigen ſich dann die Kühe ſchon gleich nach dem Kalben weniger munter als gewöhnlich, häufig aber kommt das Milchfieber ganz unvermutet zum Ausbruch. Die erſten Krankheitserſcheinungen ſind: vollſtändiges Auf⸗ hören des Appetits, Hin⸗ und Hertrippeln und Lähmungen, namentlich des Hinterteils. Die Tiere ſchwanken hin und her und können manchmal ſchon 1 oder 2 Stunden nach Beginn der Krankheit ſich kaum mehr aufrecht erhalten und ſtürzen dann nicht ſelten zu Boden. Manche Tiere erheben ſich noch zu wiederholten Malen, bis ſie dazu nicht mehr imſtande ſind und liegen bleiben. Die Lähmung nimmt mehr und mehr zu und ergreift alle Körperteile. Die Tiere können kaum noch den Kopf heben oder ſind bei ſchweren Erkrankungsfällen dazu überhaupt nicht mehr imſtande. Auch das Schlucken iſt erſchwert oder unmöglich. Für ihre Umgebung zeigen die Patienten keine Teilnahme; die Augen ſind meiſtens halb geſchloſſen, häufig iſt Thränenfluß bemerkbar. Das Gefühl iſt erheblich vermindert, ſo daß die Tiere bei Nadelſtichen in die Haut oder bei Berührungen des Augapfels nicht mehr zucken. Der Augapfel wird oft trocken, glanzlos. Der Herzſchlag iſt bei längerer Dauer der Krankheit be⸗ ſchleunigt, oft unregelmäßig, der Puls mitunter kaum fühlbar. Die Atmung geſchieht ſehr oft langſam, ſtöhnend, ſchnarchend oder röchelnd, mitunter iſt Kurzatmigkeit vorhanden. Die Körperoberfläche, namentlich das Flotzmaul und der Wurf, fühlt ſich kühl an. Bei Temperaturmeſſungen findet man die innere Körperwärme normal, mitunter ſogar niedriger als ge⸗ wöhnlich. Die Bezeichnung„Fieber“ iſt demnach für die Krankheit nicht zutreffend. Das Euter iſt in der Regel ſchlaff. Milch wird gewöhnlich nur noch in geringerer Menge abgeſondert. Kotabſatz und Harnentleerung ſind verzögert. Darmbewegungen ſind nicht bemerkbar. Mitunter ſtellt ſich Aufblähung ein. Das Kalbefieber verläuft raſch; es dauert 12 Stunden bis 2 oder 3 Tage, ſelten länger. Die Mehrzahl der Krankheitsfälle nimmt ein tödliches Ende. Der Tod tritt manchmal ohne Todes⸗ kampf, faſt unmerkbar, mitunter jedoch unter Krämpfen ein. Geneſung kann ſchon nach 24 Stunden erfolgen, meiſtens aber ſtellt ſie ſich erſt nach zwei bis drei Tagen ein. Die Patienten Milchfieber. 105 erheben dann den Kopf wieder frei, öffnen die Augen gehörig und zeigen durch Ohrenſpiel und Blick wieder Teilnahme für die Um⸗ gebung. Auch nehmen ſie etwas Nahrung und Getränk an. Bis⸗ weilen tritt die Geneſung überraſchend ſchnell ein, und Tiere, die noch vor kurzem dem Tode nahe zu ſein ſchienen, erholen ſich raſch, ſtehen unverſehens auf und gehen— wenn ſie nicht an⸗ gebunden ſind— vorwärts, wobei ſie aber zunächſt noch ſchwanken. Häufig dauert es jedoch noch ein paar Tage, ehe die Kranken, nachdem ſie vom Kalbefieber geneſen ſind, ſich wieder erheben können. In nicht ſeltenen Fällen iſt das Milchfieber von verſchiedenen Krankheitszuſtänden begleitet. Mitunter bleiben die Tiere, nachdem ſie vom Kalbefieber längſt geneſen ſind, länger liegen, was ge⸗ wöhnlich in Entzündung und Brand verſchiedener Muskeln(nament⸗ lich im Hinterteih) ſeine Urſache hat. Auch befällt bisweilen eine Lungenentzündung vom Milchfieber geneſende Tiere. Es geſchieht letzteres beſonders, wenn Patienten, die nicht ſchlucken konnten, Arzneien eingegeben worden waren, und dieſe zum Teil in die Luftröhre gekommen ſind. Das Milchfieber wird von Laien ſehr häufig mit anderen Krankheitszuſtänden verwechſelt, und zwar namentlich mit der aluten Gebärmutterentzündung und mit dem Feſtliegen. Eine Ver⸗ wechſelung mit einer Gebärmutterentzündung kann unter Umſtänden ſchwere Folgen haben, da das Fleiſch von Kühen, die an dieſer Krankheit gelitten haben, geſundheitsſchädlich ſein kann. Behandlung. Bei keiner anderen Krankheit der Tiere ſind ſo verſchiedenartige Heilmethoden, ſo zahlreiche Arzneien verſucht worden wie beim Milchfieber. Leider iſt es aber eine Thatſache, daß auch die dem Anſchein nach beſten Mittel gar zu häufig im Stich laſſen. Es iſt daher kaum zu verwundern, daß von den Tierbeſitzern viele, darunter die wunderbarſten, unſinnigſten Haus⸗ mittel probiert worden ſind. Wenn danach auch mitunter Heilungen eintreten, ſo ſind dieſe durchaus nicht ohne weiteres der Behand⸗ lung zuzuſchreiben. Eine Geneſung kann auch allein durch die natürlichen Heilkräfte des Körpers herbeigeführt werden. Ob eine neuerdings vielfach angewendete Behandlungsweiſe, die darin beſteht, daß man milchfieberkranken Kühen eine Jodlöſung in das Euter bringt, Erfolg hat, müſſen weitere Beobachtungen lehren. Das, was der Beſitzer ſelbſt veranlaſſen kann, wenn er den Aus⸗ bruch des Milchfiebers befürchtet, iſt folgendes. Zunächſt muß dem Patienten ein geräumiger Stand, ein weiches Lager verſchafft 106 Krankheiten und Regelwidrigkeiten beim Muttertier nach der Geburt. werden, damit er ſich, wenn er infolge der Lähmung ſchwankt oder zu Boden ſtürzt, nicht beſchädigen kann. Es iſt ſodann das Tier unter ſteter Aufſicht zu halten und, wenn es beim Umherſtürzen in eine ungünſtige Lage kommt, daraus zu befreien. Der Aufent⸗ haltsraum ſoll gut gelüftet werden. Dauert es längere Zeit, bevor tierärztliche Hilfe vorhanden iſt, ſo kann die Haut mit flüchtig reizenden Mitteln— z. B. Spiritus, Branntwein— eingeſprengt und tüchtig gerieben, auch dem Tiere ein Abführmittel— z. B. 500 g Glauberſalz auf 2 mal— gegeben werden. Nicht unzweckmäßig iſt es außerdem, der Kuh ſtarken Kaffee zu verabreichen. Beim Eingeben von Flüſſigkeiten muß jedoch ſehr vorſichtig verfahren werden, der Kopf darf nicht zu hoch gehalten und es muß langſam und in Pauſen eingegoſſen werden, damit den Tieren der Einguß nicht in die Luftröhre gelangt. Bei hochgradig erkrankten Tieren iſt von einer Arzneiverabreichung durch das Maul ſehr häufig ganz abzuſehen. Die Inanſpruchnahme eines Tierarztes iſt dringend ratſam, nicht allein wegen der Behandlung, ſondern auch, um feſtzuſtellen, ob es ſich wirklich um Milchfieber handelt und ob, wenn die Schlachtung vorgenommen werden muß, das Fleiſch zum menſch⸗ lichen Genuß geeignet iſt. Vorbeugung. Da die Heilung des Milchfiebers ſo häufig nicht gelingt, ſo iſt die Vorbeugung von großer Bedeutung. Um dieſe zu ermöglichen, ſind die Urſachen und die Umſtände, unter denen die Krankheit hauptſächlich vorkommt, beſonders zu beachten. Da wohlgenährte Kühe vorzugsweiſe vom Kalbfieber befallen werden, ſo iſt, inſoweit es angeht und die wirtſchaftlichen Ver⸗ hältniſſe es geſtatten, in den letzten Wochen vor dem Kalben eine reichliche Fütterung zu vermeiden, zumal bei ſolchen Kühen, deren Alter und Beſchaffenheit den Eintritt der Krankheit befürchten laſſen. Durch längeres Trockenſtehen wird auch der Nährzuſtand gehoben, worauf bei guten Milchkühen Rückſicht zu nehmen iſt. Es iſt als Vorbeugungsmittel empfohlen worden, die Kühe bereits mehrere Tage vor dem Kalben zu melken. Einen nennens⸗ werten Erfolg hat man jedoch damit nicht gehabt. Ein anderes Verfahren beſteht darin, die Kühe in den erſten 24 Stunden nach dem Kalben gar nicht zu melken, was ebenfalls von zweifelhaftem Nutzen und auch nicht ungefährlich iſt. Kühe, die an Weidegang gewöhnt ſind, dürfen kurz vor oder während des Geburtsvorganges, ſowie in den erſten 3 Tagen nach Gebärmutterentzündungen. 107 demſelben nicht aufgeſtallt werden. Nur wenn die Witterung allzu rauh iſt, können ſie in einem Schuppen, der gegen Regen Schutz bietet, untergebracht werden. Bei Stallhaltung muß für gute Lüftung des Stalles geſorgt werden. Namentlich in den wärmeren Monaten ſind kleine, dichte und warme Stallungen zu vermeiden. Die Geburt iſt nicht zu ſehr zu beſchleunigen, d. h. allzu raſche Hilfeleiſtung iſt zu unterlaſſen. Alle Arzneien, Aderläſſe ꝛc. ſind als Vorbeugungsmittel von zweifelhafter Wirkung. 4. Gebärmutterenkzündungen. Entzündung der Gebärmutter kommt in verſchiedenen Formen vor. Nach der Dauer und dem Verlauf läßt ſich eine akute und eine chroniſche Gebärmutterentzündung unterſcheiden; zu letzterer Krankheitsform gehört auch der ſog. weiße Fluß. a) Die akute Gebärmutterentzündung. Die akute(raſch verlaufende) Gebärmutterentzündung kommt am häufigſten beim Rind vor, ſie wird aber auch bei anderen Haustieren beobachtet. Urſachen. Die Gebärmutterentzündung iſt zu den Infek⸗ tions⸗(Anſteckungs⸗) Krankheiten zu rechnen. Sie wird durch ge⸗ wiſſe Anſteckungsſtoffe— wahrſcheinlich Pilze— hervorgerufen, die in den Fruchthälter gelangen. Es geſchieht dies häufig während der Geburt, bei der Hilfeleiſtung durch die eingeführte Hand, oder durch Stricke ꝛc., oder nach der Geburt, z. B. durch verunreinigte Streu oder andere Teile, die im Stall vorhanden ſind. Die In⸗ fektion kann aber auch ſchon vor der Geburt ſtattfinden, was man namentlich bei dem Gebärmutterbrand der Schafe, der auch hierher gehört, beobachtet hat. Die Anſteckungsſtoffe gelangen zur Wirk⸗ ſamkeit, wenn ſie im Fruchthälter in kleinere oder größere Wunden kommen; nachdem ſie hier Eingang gefunden haben, verurſachen ſie zunächſt eine Entzündung des Tragſacks, ſie werden mit dem Blutſtrom aber auch in andere, entferntere Organe und durch den ganzen Körper geführt und veranlaſſen infolgedeſſen ſchwere Krank⸗ heitserſcheinungen. Gebärmutterentzündung tritt am eheſten nach ſchweren Ge⸗ burten auf, bei denen häufig größere und gequetſchte Wunden ent⸗ ſtehen, ſie zeigt ſich aber auch oft genug nach leichten Geburten, da auch bei dieſen in der Regel kleine Verletzungen zuſtande kommen, 108 Krankheiten und Regelwidrigkeiten beim Muttertier nach der Geburt. die nur inſofern von Bedeutung ſind, als ſie den Anſteckungs⸗ ſtoffen als Eingangspforte dienen. Beſonders begünſtigt wird die Gebärmutterentzündung, wenn bei vorhandenen Verletzungen die Nachgeburt ganz oder zum Teil zurückbleibt und in Fäulnis übergeht. Erſcheinungen. Beim Rind beginnt die Krankheit meiſtens 2 bis 4 Tage nach der Geburt. Wenn dieſe ſehr erſchwert ge⸗ weſen iſt, ſtarke Verletzungen und Quetſchungen entſtanden ſind, oder wenn das Junge bereits im Fruchthälter in Fäulnis über⸗ gegangen war, ſo kann die Entzündung ſchon während oder gleich nach der Geburt ihren Anfang nehmen. Der Appetit iſt dann vermindert oder ganz verſchwunden, das Wiederkäuen hört auf. Atmung und Puls ſind beſchleunigt. Das Euter wird ſchlaff, und die Milchabſonderung iſt erheblich verringert. Bald, mitunter ſchon kurz nachdem ſich die erſten Krankheitszeichen bemerkbar ge⸗ macht haben, ſtellt ſich Schwäche, beſonders des Hinterteils, ein. Die Tiere ſchwanken hin und her und können oft ſchon nach Ver⸗ lauf weniger Stunden nicht mehr ſtehen. Dann iſt auch das Be⸗ wußtſein, die Teilnahme für die Umgebung ſowie das Gefühl ver⸗ mindert(jedoch ſelten in ſo hohem Grade wie beim Micchfieber). Die Ohren hängen manchmal ſchlaff herunter, bei vielen Tieren iſt häufig Zähneknirſchen bemerkbar. Die Körperoberfläche iſt oft vermehrt warm, die innere Körpertemperatur ebenfalls erhöht. Die Gebärmutterentzündung iſt häuſig mit Scheidenentzün⸗ dung verbunden. Dann iſt die Scheidenſchleimhaut dunkelrot, mit⸗ unter auch geſchwollen und mit eitrigen Geſchwüren bedeckt.— Bisweilen iſt ein übelriechender, jauchiger Ausfluß vorhanden, be⸗ ſonders wenn die Nachgeburt noch nicht abgegangen iſt. Wenn die Tiere ſo ſchwer erkranken, daß ſie nicht mehr ſtehen können, erfolgt der Tod oft ſchon nach 24 Stunden, in der Regel aber innerhalb 2 bis 3 Tagen. Eine Heilung, die aber nur bei gelinderen Krankheitsanfällen zu hoffen iſt, kann ziemlich raſch eintreten; die akute Gebärmutter⸗ entzündung geht mitunter aber in eine chroniſche über, dann nimmt die Heilung lange Zeit in Anſpruch. Beim Pferd iſt namentlich im Beginn der Krankheit Schüttel⸗ froſt vorhanden; in der Regel zeigen ſich dann auch kolikartige Erſcheinungen. Die Entzündung nimmt faſt immer einen ſehr raſchen Verlauf. In leichteren Fällen kommt es bei richtiger Be⸗ handlung manchmal ſchnell zur Heilung, bei ſchwerer Entzündung tritt häufig ſchon in wenigen Stunden der Tod ein. — ¶—.——-ro—,—— ———,—— e— ———,—ͤ.——— Gebärmutterentzündungen. 109 Ziegen und Schafe liegen meiſt bei Gebärmutterentzündung, ſind dabei teilnahmslos und verenden gewöhnlich raſch. Schweine liegen in der Regel ruhig und verſagen das Futter; die Milchabſonderung hört auf, mitunter macht ſich auch eine Auf⸗ treibung des Leibes bemerkbar. Bei dem geſchlachteten oder geſtorbenen Tiere finden ſich häufig erhebliche Veränderungen: die Schleimhaut der Geburts⸗ organe iſt mit Geſchwüren bedeckt oder auch geſchwollen, in dem Fruchthälter ſind jauchige, übelriechende Maſſen oder Reſte der Nachgeburt. Mitunter zeigen ſich auch an anderen Organen, namentlich an den Gedärmen, entzündliche Zuſtände. Nicht ganz ſelten ſind aber beim Rind die Erſcheinungen nach dem Tode ſo wenig augenfällig, daß ſie von Laien nicht erkannt werden. Es wird dies hier beſonders hervorgehoben, da es ſich, wenn ein Rind wegen einer Gebärmutterentzündung geſchlachtet worden iſt, darum handelt, ob das Fleiſch geſund iſt. Gewöhnlich wird von Laien geglaubt, wenn keine ſtarken Veränderungen vorhanden ſind, das Fleiſch ſei geſund, was aber nicht immer der Fall iſt. Behandlung. Eine Behandlung iſt ſobald als möglich durch einen Tierarzt zu veranlaſſen, denn nur bei nicht zu weit vorgeſchrittener Krankheit iſt noch einige Ausſicht auf Heilung gegeben. Vorbeugung. Wenn in einem Stall ein Fall von Ge⸗ bärmutterentzündung vorgekommen iſt, ſo iſt, namentlich beim Rind, zumal wenn bei dieſem das Zurückbleiben der Nachgeburt die Ver⸗ anlaſſung zur Krankheit gegeben hat, der Stand des Tieres ſorg⸗ fältig zu reinigen. Am beſten iſt es, Rinder während und in den erſten Tagen nach der Geburt überhaupt nicht auf einen ſolchen Stand zu ſtellen. Beſondere Obacht iſt auch auf die Streu zu geben. Bei der Geburt iſt darauf zu achten, daß nur ſaubere Hände in den Geburtskanal eingeführt und reine Stricke ꝛc. gebraucht werden. b) Die chroniſche Gebärmutterentzündung. Die chroniſche(langwierige) Gebärmutterentzündung kommt namentlich beim Rind, ſeltener bei anderen Tieren vor. Urſachen. Die Urſachen der Krankheit ſind faſt die gleichen wie bei der akuten Gebärmutterentzündung; beſonders häufig ent⸗ ſteht ſie, wenn die Nachgeburt nicht zur rechten Zeit abgeht. Sie 110 Krankheiten und Regelwidrigkeiten beim Muttertier nach der Geburt. entwickelt ſich manchmal aber auch aus der akuten Fruchthälter⸗ entzündung. Erſcheinungen. Die erſten Krankheitszeichen ſtellen ſich mitunter bereits 2 bis 3 Tage, häufig aber erſt mehrere Tage nach der Geburt ein. Der Appetit iſt verringert, ebenſo die Milchabſonderung. Das Wiederkäuen iſt vermindert und unregel⸗ mäßig. Liegt der Krankheit als erſte Urſache Nichtabgang der Nachgeburt zu Grunde, und beſteht gleichzeitig ein entzündlicher Zuſtand der Scheide, ſo drängen die Tiere in der Regel. Aus der Scheide fließt dabei öfters eine eitrige oder jauchige und übel⸗ riechende Flüſſigkeit. Wenn zugleich eine Entzündung der Scheide beſteht, ſo zeigt ſich dieſe meiſtens mit eiternden Geſchwüren bedeckt.. Die Patienten magern mehr oder wenig ſtark ab, und das Haar wird glanzlos und ſtruppig. Nicht ganz ſelten tritt im Laufe von mehreren Tagen der Tod ein, nachdem ſich gleiche oder ähnliche Erſcheinungen wie bei der akuten Gebärmutterentzündung gezeigt haben. Manchmal verenden die Tiere erſt nach mehr⸗ wöchentlicher Krankheitsdauer und gehen an allmählich eintretender Abmagerung, an Durchfall und Erſchöpfung zu Grunde. In anderen Fällen beginnen die Tiere ſich nach und nach zu beſſern. Die krankhaften Erſcheinungen an den Geburtsorganen verſchwinden oder verringern ſich, das Drängen hört auf, der Appetit wird gut, und der Nährzuſtand ſowie die Milchſekretion heben ſich. Es kommt dann zur völligen Heilung, oder es bleibt noch der ſog. weiße Fluß zurück(ſ. dort). Behandlung. Ebenſo wie bei der akuten iſt auch bei der chroniſchen Gebärmutterentzündung eine rechtzeitige und ſach⸗ verſtändige Behandlung von großer Wichtigkeit. Die Vorbeugung iſt im allgemeinen in ähnlicher Weiſe zu treffen, wie bei der akuten Gebärmutterentzündung. Vor allem iſt aber auf die Nachgeburt Rückſicht zu nehmen, und ſollte es, wenn dieſe zurückbleibt, nicht zu leicht genommen werden. e) Weißer Fluß. 3 Der weiße Fluß iſt eine Form einer chroniſchen Ent⸗ zündung der Gebärmutter und manchmal zugleich der Scheide. Die Krankheit kommt vorzugsweiſe beim Rind, mitunter aber auch beim Pferd und anderen Tieren vor. Die Urſachen ſind im allgemeinen die gleichen wie bei der Gebärmutterentzündung, insbeſondere der chroniſchen. Das Leiden eburt. ilter⸗ ſi Tage die eegel⸗ der licher Aus übel⸗ heide üren das tim oder ung ehr⸗ nder nach anen der etion bleibt i der ſac⸗ ſe zu allem e es, Ent⸗ heide. rauch ei der deiden Entzündung der Scheide und des Wurfes. 111 kann aber auch durch Gebärmuttertuberkuloſe und andere Krank⸗ heiten veranlaßt werden. Bisweilen iſt eine beſtimmte Urſache nicht nachweisbar, und es kann ſich der weiße Fluß ſogar ent⸗ wickeln, ohne daß eine Geburt vorhergegangen iſt. Erſcheinungen. Es beſteht Ausfluß aus der Scheide, der ſich namentlich beim liegenden Tier, häufig aber auch bei der Be⸗ wegung bemerkbar macht. Der Ausfluß iſt meiſtens von eiter⸗ ähnlicher und geruchloſer Beſchaffenheit. Brunſterſcheinungen ſtellen ſich gewöhnlich nicht mehr ein, oder es verhindert der Ausfluß die Befruchtung. Bei geringgradigem Ausfluß leiden Nährzuſtand und Milch⸗ abſonderung der Kühe faſt gar nicht, bei bedeutenderem Ausfluß kommt es jedoch zu Abmagerung, und Pferde können infolgedeſſen völlig arbeitsunfähig werden. Das Leiden dauert oft viele Mo⸗ nate und ſelbſt Jahre lang. Hinſichtlich der Behandlung und Vorbeugung iſt ähn⸗ liches wie bei der Gebärmutterentzündung zu beachten. 5. Entzündung der Scheide und des Wurfes. Entzündung der Scheide iſt oftmals mit Gebärmutterentzün⸗ dung verbunden, kann aber auch die Scheide und den Wurf allein befallen oder von hier aus ihren Ausgang nehmen. Dies kommt hauptſächlich beim Rind, ſodann beim Schaf vor. Urſachen. Die Entzündung entſteht, wenn Anſteckungsſtoffe in den Wurf oder in die Scheide gelangen und hier in Wunden eindringen. Dies geſchieht beſonders, wenn die Nachgeburt nicht zur rechten Zeit abgeht, oder wenn das Junge bei der Geburt bereits todfaul war, und ſich infolgedeſſen faulige Stoffe im Frucht⸗ hälter befinden und bei ihrem allmählichen Abgang Scheide und Wurf berühren. Anſteckungsſtoffe können aber auch von außen, namentlich von einem unſauberen Lager aus, in die Geburtsorgane eindringen, und verurſachen um ſo leichter eine Entzündung, wenn die Schleimhaut des Wurfes und der Scheide durch eine voran⸗ gegangene, ſchwere Geburt verletzt worden war. Erſcheinungen. Die Entzündung ſtellt ſich meiſtens 3 bis 5 Tage nach der Geburt ein. Der Wurf ſchwillt an und klafft auseinander. Auf der Schleimhaut befinden ſich gewöhnlich Ge⸗ ſchwüre. Manchmal fließt eine gelblich oder ſchmutzig ausſehende, übelriechende Flüſſigkeit ab. Die Geſchwulſt kann ſich im Laufe einiger Tage über den 112 Krankheiten und Regelwidrigkeiten beim Muttertier nach der Geburt. After, einen Teil der Kruppe und die Innenfläche der Hinter⸗ ſchenkel ausbreiten. Streicht man mit der Hand darüber, ſo iſt manchmal Kniſtern, wie beim Rauſchbrand, bemerkbar. Es wird dann die Krankheit auch wohl als Geburtsrauſchbrand be⸗ zeichnet. Die Futteraufnahme iſt vom Beginn der Krankheit an ver⸗ mindert und hört in der Regel bald ganz auf; ebenſo das Wieder⸗ käuen. Die Tiere gehen ſteif oder ſchwankend. Häufig iſt Ver⸗ ſtopfung vorhanden. Die Krankheit iſt äußerſt gefährlich und endet gewöhnlich in wenigen Tagen mit dem Tode; ſobald die Anſchwellung einen er⸗ heblichen Umfang erlangt, iſt auf Heilung nicht mehr zu rechnen. Eine Behandlung muß, ſobald ſich die erſten Anzeichen der Entzündung bemerkbar machen, von einem Sachverſtändigen ein⸗ geleitet werden. Vorbeugung. Hilfeleiſtungen bei der Geburt ſind mit ſauberen Händen und Stricken auszuführen. Das Lager des Tieres ſoll reinlich gehalten werden. Befinden ſich faulige Stoffe, Teile der Nachgeburt u. ſ. w. im Fruchthälter, ſo iſt eine rechtzeitige Behandlung ratſam. Kühe, die gekalbt haben, dürfen nicht neben ſolchen ſtehen, die an einem fauligen Ausfluß aus der Scheide leiden. 6. Zurückbleiben der Machgeburk. Wenn die Eihäute nicht zur gehörigen Zeit abgehen, ſo ſpricht man von einem Zurückbleiben der Nachgeburt. Dieſe Regel⸗ widrigkeit findet ſich weitaus am häufigſten beim Rind, nicht ſelten aber auch beim Pferd und bei der Ziege, jedoch nur ausnahms⸗ weiſe beim Schaf und Schwein. Urſachen. Die Nichtablöſung und das Zurückbleiben der Nachgeburt wird hauptſächlich durch eine zu innige Verbindung zwiſchen den fötalen und mütterlichen Fruchtkuchen oder, mit anderen Worten, zwiſchen den Fruchthüllen und der Gebärmutter ver⸗ urſacht. Eine ſolche allzu feſte Verbindung kommt am häufigſten vor, wenn Verwerfen ſtattgefunden hat, ſodann bei Eihautwaſſerſucht, Zwillingsgeburten und bei Schwächezuſtänden des Muttertieres, die zu einer mangelhaften Zuſammenziehung der Gebärmutter Ver⸗ anlaſſung geben. Vereinzelt geſchieht es, daß die Nachgeburt ſich zwar völlig ablöſt, aber nicht ausgeſtoßen wird, was ſeinen Grund unter anderem in einer zu raſchen Zuſammenziehung des Ge⸗ bärmutterhalſes haben kann. Zurückbleiben der Nachgeburt. 113 Erſcheinungen und Folgen. In der Regel hängt ein Teil der Nachgeburt aus der Scheide, in ſeltenen Fällen bleibt ſie vollſtändig in der Gebärmutter zurück. Im übrigen ſind die Erſcheinungen und Folgen je nach Tierart verſchieden. Rind. Ein Teil der zurückgebliebenen Nachgeburt hängt gewöhnlich mehr oder weniger weit aus der Scheide hervor, und zwar beim ſtehenden Tier manchmal bis zum Sprunggelenk oder ſelbſt ſo weit, daß ſie den Boden berührt. Die Eihäute fallen bald der Fäulnis anheim, im Sommer raſcher, im Winter lang⸗ ſamer. Sie bekommen dadurch ein mißfarbenes Ausſehen und werden übelriechend und dies manchmal in ſo ſtarkem Maße, daß ſich der Geruch in ſehr unangenehmer Weiſe bemerkbar macht. Mitunter geht die Nachgeburt nach etwa 2 bis 4 Tagen noch im Zuſammenhang vollſtändig ab, und es bleiben nur Reſte einer fauligen Flüſſigkeit im Fruchthälter zurück. Häufig aber wird die Nachgeburt erſt nach ungefähr 8 bis 10 Tagen oder noch ſpäter ausgeſtoßen. Dann erfolgt jedoch der Abgang manch⸗ mal in Stücken, und faſt immer bleiben noch feſte und flüſſige, faulige Teile zurück, die erſt nach und nach ausgepreßt werden. Krankheitserſcheinungen werden durch das Zurückbleiben der Nachgeburt anfänglich gewöhnlich nicht veranlaßt, und wenn nach etwa 2 bis 3 Tagen die Eihäute vollſtändig abgehen, machen ſich in der Regel überhaupt keine Geſundheitsſtörungen bemerkbar. Selbſt dann, wenn die Ausſtoßung der Nachgeburt erſt zu einer ſpäteren Zeit erfolgt, wo ſie ſchon in höherem Grade in Fäulnis begriffen iſt, ſtellen ſich häufig erheblichere Krankheitserſcheinungen nicht ein. In vielen Fällen aber verurſacht das Zurückbleiben der Nach⸗ geburt bedeutende Geſundheitsſtörungen. Es tritt Verringerung des Appetits, Durchfall, Abmagerung und ſtarke Verminderung der Milchſekretion ein, die zurückgebliebenen Eihäute gehen, vermiſcht mit Abſonderungen der Gebärmutter, als faulige, übelriechende oder eitrige Maſſen ab. Oftmals kommt es zu einer chroniſchen Gebärmutterentzündung, und die damit behafteten Rinder verfallen in ein Monate dauerndes Siechtum und ſind lange Zeit oder ſelbſt dauernd zur Zucht untauglich. Sie können aber auch infolge allmählicher Erſchöpfung und infolge von Verſetzung von Eiter aus der Gebärmutter nach anderen Organen zu Grunde gehen. Nicht ganz ſelten kommt es etwa 2 bis 4 Tage nach der Geburt zu einer akuten Gebärmutterentzündung(ſ. dort). Dies Tapken, Geburtshilfe. 2. Auflage. 8 114 Krankheiten und Regelwidrigkeiten beim Muttertier nach der Geburt. iſt beſonders zu befürchten, wenn eine erſchwerte Geburt vor⸗ hergegangen iſt und dabei Verletzungen entſtanden ſind. Bisweilen giebt das Zurückbleiben der Nachgeburt zu ſtarkem Drängen Veranlaſſung; dadurch kann in den erſten Tagen nach der Geburt ein Gebärmuttervorfall hervorgerufen werden. Vereinzelt tritt als Folgekrankheit Starrkrampf ein, der meiſtens ein tödliches Ende nimmt. Behandlung. Obgleich häufig das Zurückbleiben der Nach⸗ geburt ohne weſentliche Folgen bleibt, ſo iſt doch die Regelwidrig⸗ keit, wie ſich aus dem oben Angeführten ergiebt, keineswegs leicht zu nehmen und eine Behandlung nicht für überflüſſig zu halten. Die gründlichſte Behandlung beſteht in der Ablöſung und Entfernung der Eihäute mit der Hand. Indeſſen iſt die künſt⸗ liche Abnahme der Nachgeburt nicht immer gut und vollſtändig auszuführen, und aus dieſem Grunde ſtimmen auch die Anſichten der Tierärzte über die Notwendigkeit und Nützlichkeit der Operation nicht ganz überein. So viel ſteht aber feſt, daß durch die Ab⸗ löſung mitunter das Leben eines Tieres gerettet werden und häufiger dadurch einer chroniſchen Gebärmutterentzündung, Ab⸗ magerung und Verminderung der Milchſekretion vorgebeugt werden kann. Bisweilen iſt allerdings die Ablöſung von zweifelhaftem Nutzen, und zwar beſonders dann, wenn die Fruchthüllen überall außerordentlich feſtſitzen und ſich nicht vollſtändig entfernen laſſen. Die Abnahme geſchieht gewöhnlich 2 bis 3 Tage nach der Geburt, ſie kann aber auch ſchon eher erforderlich ſein und mit⸗ unter noch ſpäter ausgeführt werden. Die Operation iſt von einem Tierarzt zu bewerkſtelligen. Neben der Ablöſung der Nachgeburt mit der Hand kommt am meiſten die wiederholte Einführung fäulniswidriger Flüſſig⸗ keiten in die Gebärmutter in Betracht. Hierdurch wird nicht allein die Gefahr, die das Vorhandenſein fauliger Stoffe bedingt, ver⸗ mindert, ſondern auch die Löſung der Fruchthüllen befördert. Es geſchieht am beſten von einem Tierarzt oder nach deſſen An⸗ weiſung. Von Laien wird mitunter verſucht, den Abgang der Nach⸗ geburt durch Anhängen ſchwerer Körper: Steine, Gewichtsſtücke oder dergl. zu befördern. Dies Verfahren iſt nicht ratſam, es kann ſogar ſehr üble Folgen nach ſich ziehen. Bei ſchwerer Be⸗ laſtung reißen mitunter die Eihäute ab, und es bleiben dann größere Partien in dem Fruchthälter zurück, oder die Tiere drängen ſtark, wodurch ein Gebärmuttervorfall hervorgerufen werden kann. burt. vor⸗ rkem nach der lach⸗ drig⸗ leicht ulten. und ünſt⸗ ndig hten tion Ab⸗ und Ab⸗ rden ftem erall aſſen. ˖der mit⸗ einem ommt üſſig allein ver⸗ dann ängen kann. Feſtliegen nach der Geburt. 115 Durch den Druck, den die belaſtete Nachgeburt auf die untere Wand der Scheide ausübt, wird dieſe zudem gereizt, was beſonders gefährlich iſt, wenn hier Verletzungen vorhanden ſind; auch wird dadurch der Harnabfluß erſchwert.— Wenn die Fruchthüllen ſo weit heraushängen, daß ſie auf dem Boden ſchleifen, ſo ſind ſie aufzuknoten. Sind die aufgeknoteten Eihautteile ſchwer, ſo daß ſie Drängen des Tieres veranlaſſen, ſo ſind ſie etwa in der Höhe des Sprunggelenks abzuſchneiden. Gegen das Zurückbleiben der Nachgeburt werden auch wohl innerliche Mittel angewandt. Die verſchiedenen dabei gebrauchten Hausmittel haben gar keine Wirkung. Einzelne Arzneien ſind zwar nicht ohne Wirkung, aber auch nach ihrer Anwendung kann ein Erfolg nur eintreten, wenn die Verbindung zwiſchen Frucht⸗ hüllen und Fruchthälter nicht zu feſt iſt. Pferd. Wenn beim Pferde die Nachgeburt nicht alsbald abgeht, ſo ſtellen ſich manchmal ſchon in kurzer Zeit Unruhe und Drängen ein, infolgedeſſen es nicht ſelten zu einem Gebärmutter⸗ vorfall kommt. Unter ſolchen Umſtänden iſt raſch ein Tierarzt zuzuziehen. Deſſen Rat und Hilfe iſt überhaupt ſtets in Anſpruch zu nehmen, wenn die Nachgeburt nach längſtens 24 Stunden noch nicht abgegangen iſt, ſelbſt wenn das Pferd noch ganz munter iſt, da ſich jederzeit ſchwere Krankheitserſcheinungen einſtellen können. Bei der Ziege ſowie beim Schaf iſt ein Zurückbleiben der Nachgeburt ſehr gefährlich. Wegen der Enge des Geburtskanals, und weil ſich dieſer raſch zuſammenzieht, iſt eine Ablöſung mit der Hand meiſt unmöglich, dagegen iſt die Einführung fäulnis⸗ widriger Mittel in die Gebärmutter vorteilhaft. Beim Schwein befinden ſich, wenn die Nachgeburt noch nicht vollends abgegangen iſt, in der Regel noch Junge im Frucht⸗ hälter. 7. Reſtliegen nach der Geburt. Als Feſtliegen nach der Geburt bezeichnet man verſchiedene Krankheitszuſtände beim Rind, die das mit einander gemeinſam haben, daß bei ihrem Vorhandenſein die Tiere ſich nicht vom Lager erheben können. Da das Unvermögen zum Aufſtehen meiſt im Hinterteil ſeine Urſache hat, ſpricht man auch wohl von Kreuz⸗ lähme. Faſt die gleichen Zuſtände, die das Feſtliegen vor der Ge⸗ burt verurſachen, können auch zu einem Feſtliegen nach der Ge⸗ 8* 116 Krankheiten und Regelwidrigkeiten beim Muttertier nach der Geburt. burt führen; es ſind das vor allem Schwächezuſtände, wie ſie be⸗ ſonders bei älteren und ſchwerfälligen, ſowie bei ſchlecht genährten Kühen vorkommen. Es iſt dann namentlich auf eine kräftige Er⸗ nährung und auf ein gutes Lager zu ſehen. Es giebt ſodann aber noch zwei weſentlich von einander ver⸗ ſchiedene Formen des Feſtliegens und zwar: a) Feſtliegen nach ſchwerer Geburt; b) Feſtliegen nach leichter Geburt. a) Feſtliegen nach ſchwerer Geburt. Urſachen. Dieſe Krankheitsform tritt, wie ſchon aus der Bezeichnung hervorgeht, nur nach ſchweren Geburten auf, und zwar nach ſolchen, bei denen eine erhebliche Zugkraft angewandt worden iſt, was beſonders häufig bei zu großen Kälbern geſchieht. Mit⸗ unter, bei kleineren und ſchwächlichen Kühen, oder wenn in fehler⸗ hafter Weiſe gezogen wird, kann ſchon durch einen von 3 oder 4 Perſonen ausgeübten Zug das Feſtliegen herbeigeführt werden. Manche Tiere halten allerdings weit mehr aus, allein bei jedem allzu gewaltſamen Ausziehen des Jungen iſt das Entſtehen des Feſtliegens zu befürchten. Es werden dadurch die Gewebe des Geburtskanals gequetſcht und auch die benachbarten Bänder und Gelenke in Mitleidenſchaft gezogen. Infolgedeſſen entſteht eine Schwäche oder Lähmung des Hinterteils. Erſcheinungen. Die Tiere können nach beendigter Geburt nicht aufſtehen. Wenn ſie es verſuchen, ſei es freiwillig oder auf Antreiben, ſo vermögen ſie ſich mit dem Hinterteil nicht zu erheben, oder ſie fallen, nachdem ſie faſt hoch gekommen waren, wieder zu Boden. Wenn dabei keine beſonderen Verletzungen der Geburtsorgane vorhanden ſind, ſo iſt das Allgemeinbefinden wenig oder gar nicht geſtört, die Tiere nehmen Nahrung auf, wieder⸗ käuen und geben Milch, faſt ebenſo wie im geſunden Zuſtande. Sind dagegen die Geburtsorgane infolge ſehr ſchwerer und lange dauernder Geburt ſtark gereizt und beſchädigt worden, ſo iſt die Futteraufnahme und die Milchabſonderung weſſntlich verringert. Wurf und Scheide ſind dann gewöhnlich geſchwollen. In leichteren Fällen beſſert ſich der Zuſtand ſchon in etwa 1 bis 3 Tagen, und die Tiere können ſich wieder erheben. An⸗ fänglich zeigt ſich noch eine Schwäche im Hinterteil, die ſich aber bald verliert. Häufig hört das Feſtliegen nicht ſo raſch auf, und nicht ſelten iſt die Lähmung ſo ſtark, daß ſich die Tiere nicht einmal von 43 heburt. je be⸗ ührten e Er⸗ rver⸗ Feſtliegen nach der Geburt. 117 einer Seite auf die andere legen können. Mitunter ſtellt ſich ſchon nach wenigen Tagen ein Wundliegen ein, zumal wenn nicht für ein trockenes und bequemes Lager geſorgt wird. Wunden ent⸗ ſtehen am leichteſten an der äußeren und hinteren Fläche des Sprunggelenks, am Hüftgelenk und am Vorderknie. Sie können bei längerer Dauer des Feſtliegens gefährlich werden. Der Nähr⸗ zuſtand des Tieres pflegt ſich zu verringern, nicht ſelten tritt ſtarke Abmagerung ein. Auch nach mehrwöchentlicher Dauer des Feſtliegens kann noch eine Heilung erfolgen. Bei eintretender Beſſerung legen ſich die Tiere von einer Seite auf die andere und machen öfters Ver⸗ ſuche zum Aufſtehen. Wenn ſie endlich mit oder ohne Hilfe wieder zum Stehen kommen, ſo ſchwanken ſie anfänglich noch ſtark hin und her und ſtürzen mitunter zu Boden, wobei ſie ſich ſchwere Verletzungen zuziehen können. Im Laufe einiger Zeit beſſert ſich aber gewöhnlich der Zuſtand. Es dauert jedoch manchmal lange, bis die Bewegung der Gliedmaßen wieder normal iſt, und in ſeltenen Fällen bleibt eine Schwäche im Hinterteil für immer beſtehen. Bisweilen erfolgt keine Heilung, und die Tiere gehen nament⸗ lich infolge allmählich eintretender Erſchöpfung zu Grunde. Behandlung. Es iſt vor allem für ein bequemes, weiches und ſauberes Lager zu ſorgen. Auch muß der Aufenthaltsraum ſo beſchaffen ſein, daß ſich der Patient, wenn er Verſuche zum Aufſtehen macht, nicht beſchädigen kann. Täglich 1 oder 2 mal iſt das Tier von einer Seite auf die andere zu legen, wenn es ſelbſt dazu nicht imſtande iſt. Von großer Wichtigkeit iſt eine gute Ernährung. Es iſt reichlich Kraftfutter zu geben, da Rauhfutter von einem liegen⸗ den Tier gewöhnlich nur in mäßiger Menge aufgenommen wird. Etwa vorhandene beſondere Krankheitszuſtände der Geburts⸗ organe oder erheblichere Druckwunden an der Körperoberfläche ſind von einem Tierarzt behandeln zu laſſen. Deſſen Hinzuziehung iſt überhaupt wenigſtens dann angezeigt, wenn bei Feſtliegen das Allgemeinbefinden geſtört iſt, oder wenn es länger anhält, nicht allein wegen der oft erforderlichen beſonderen Behandlung, ſondern auch, damit feſtgeſtellt wird, ob etwa ſchwere Verletzungen das Aufſtehen verhindern und eine Heilung in Ausſicht iſt. Die Vorbeugung beſteht darin, daß ein gewaltſames Aus⸗ ziehen des Jungen möglichſt vermieden und nicht in fehlerhafter Richtung gezogen wird. 118 Krankheiten und Regelwidrigkeiten beim Muttertier nach der Geburt. b) Feſtliegen nach leichter Geburt. Dieſe Form des Feſtliegens ſtellt ſich mitunter nach leichten Ge⸗ burten plötzlich ein, ohne daß ſich eine beſtimmte Urſache ermitteln läßt. Gewöhnlich kann die bis dahin ganz geſunde Kuh 1 bis 3 Tage nach der Geburt ganz unerwarteter Weiſe nicht aufſtehen. Im übrigen ſind meiſtens nur geringe oder gar keine Geſundheits⸗ ſtörungen bemerkbar, insbeſondere iſt die Futteraufnahme, das Wiederkäuen und die Milchabſonderung gar nicht oder doch nur ganz vorübergehend vermindert. Die Krankheit wird mitunter mit dem Milchfieber verwechſelt. In der Regel tritt in ein paar Tagen vollſtändige Heilung ein. Es iſt für ein gutes Lager zu ſorgen. 8. Gebärfieber des Schweines. Das Gebärfieber des Schweines tritt meiſt 2—3 Tage nach der Geburt bei ſolchen Tieren auf, die bereits mehrmals geboren haben. Der Appetit wird dann gering oder fehlt ganz, die Tiere zeigen wenig Aufmerkſamkeit für ihre Jungen ſowie für ihre Um⸗ gebung. Sie liegen faſt immer, und wenn ſie ſich einmal erheben, ſo gehen ſie ſchwankend. Der Kotabſatz iſt verzögert. Die Milch⸗ abſonderung iſt erheblich vermindert und hört häufig ganz auf. Die Krankheit dauert gewöhnlich 2—5 Tage, meiſtens er⸗ folgt Heilung. Wenn die Tiere noch etwas Nahrung aufnehmen, ſo giebt man ihnen zweckmäßig Leinſamenmehl oder Leinkuchen oder auch leichte Abführmittel. Die Jungen müſſen bei allzu geringer Milchabſonderung mit Kuhmilch, die mit Waſſer verdünnt wird, ernährt und, wenn die Milch ganz verſchwindet, vom Muttertier entfernt werden. 9. Böswilligkeit des Schweines und Perkelfreſſen. Mitunter werden Schweine, namentlich junge, erſtgebärende, die bis dahin ganz fromm geweſen ſind, während oder gleich nach der Geburt aufgeregt und bösartig. Beſonders äußern ſie die Böswilligkeit gegen die Ferkel, häufig aber auch gegen Menſchen. Die Schweine ſind dabei ſehr aufgeregt, ſtoßen oder beißen die Jungen oder ſchlagen ſie mit den Vorderfüßen und laſſen ein zorniges Grunzen hören. Ihre Unruhe wird vermehrt, wenn ſie die Jungen ſchreien hören, oder wenn ſie fremde Perſonen wahr⸗ Böswilligkeit des Schweines und Ferkelfreſſen. 119 nehmen. Bisweilen ſcheinen die Muttertiere Furcht vor den Jungen zu haben, und weichen entweder bei deren Herannahen zurück oder ſtürzen ſich auch wohl plötzlich auf ſie, um ſie zu beißen und zu zertreten. Auch werden manchmal die Perſonen, die mit der Wartung und Beaufſichtigung betraut ſind, angefallen. Meiſtens hört der aufgeregte, bösartige Zuſtand nach 1—2 Tagen auf, mitunter hält er aber auch 5—8 Tage an. Wenn von ſolchen Schweinen getötete Ferkel nicht alsbald aus dem Stall entfernt werden, ſo werden ſie häufig von den Muttertieren verzehrt. Das„Ferkelfreſſen“ kann aber auch ge⸗ ſchehen, ohne daß die Sauen dabei beſonders aufgeregt und bös⸗ artig ſind. Es werden dann zunächſt Ferkel, die durch Erdrücken oder auf andere Weiſe ums Leben gekommen ſind, oder die im Stall liegen gebliebenen Eihäute verzehrt, und nachdem hierdurch der Appetit zu tieriſcher Nahrung angeregt worden iſt, auch die anderen Jungen nicht verſchont. Das Ferkelfreſſen geſchieht in der Regel nur in den erſten Tagen nach der Geburt, es iſt aber auch beobachtet worden, daß eine Sau noch ihr 3 Wochen altes, kränkliches Ferkel verzehrte. Urſachen. Es iſt nur wenig Beſtimmtes über die Urſachen der Böswilligkeit und des Ferkelfreſſens bekannt. Jedenfalls wird aber beides am meiſten im Winter und Frühling, während an⸗ dauernder Stallhaltung, weit ſeltener dagegen beim Weidegang, ſowie wenn reichlich Grünfutter verabreicht wird, beobachtet. Dies deutet darauf hin, daß die Zuſtände mit Störungen im Allgemein⸗ befinden oder mit Störungen in der Verdauung— Verſtopfung — in Zuſammenhang ſtehen. Unruhe, heftiges Schreien oder ungeſtümes Saugen der Ferkel — letzteres namentlich, wenn dieſe mit ſpitzen Zähnen verſehen ſind, oder das Muttertier an einer ſchmerzhaften Euterkrankheit leidet— können Aufregung bei der Sau hervorrufen; dabei werden dann die Jungen leicht tot getreten und ſodann gefreſſen. Daß auch das Verzehren der Nachgeburt Veranlaſſung zum Ferkel⸗ freſſen geben kann, wurde bereits erwähnt. Behandlung. Sobald ſich bei dem Muttertier ein aufge⸗ regtes oder bösartiges Benehmen bemerkbar macht, ſind zunächſt vor allem die Jungen zu ſchützen. Wird die Sau während der Geburt durch den Anblick oder durch das Geſchrei der Ferkel erregt, ſo ſind dieſe bis zur Beendigung der Geburt zu entfernen. Sodann iſt, auch zum Schutz für die beaufſichtigende Perſon, die Anlegung eines Maulkorbes zu empfehlen. Ein ſolcher läßt ſich 120 Krankheiten und Regelwidrigkeiten beim Muttertier nach der Geburt. in einfacher Weiſe aus einer 4— 6 cm breiten, ſtarken Gurte oder aus einem eben ſo breiten Lederſtreifen herſtellen. Dieſer wird in Form eines Ringes von ſolchem Umfang zuſammengenäht, daß er über das Maul des Schweines hinweggeſchoben werden kann. Der Maulkorb wird durch Bänder, die hinter den Ohren zu⸗ ſammengebunden werden, befeſtigt. Einen völligen Schutz gewährt dieſe Vorrichtung allerdings nicht, immerhin kann ein damit ver⸗ ſehenes Schwein den Menſchen nicht mehr erheblich verletzen. Nach Beendigung der Geburt ſind die Jungen an das Ge⸗ ſäuge zu bringen, wobei möglichſt ruhig zu verfahren iſt. Das Schreien der Jungen iſt, ſo gut es angeht, zu verhindern. Ge⸗ wöhnlich läßt ſich das Schwein das Saugen willig gefallen und ſäugt wie unter gewöhnlichen Verhältniſſen. Nach dem Saugen ſind die Jungen wieder vom Muttertier zu entfernen, bis es ſich an deren Anblick gewöhnt hat und ſie um ſich duldet. In beſonders hochgradigen Fällen von Bösartigkeit bleibt nichts anderes übrig als die Sau binden oder feſthalten zu laſſen, wenigſtens ſo lange als die Ferkel ſaugen. Wenn der aufgeregte Zuſtand und die Bösartigkeit nicht als⸗ bald aufhört, ſo iſt häufig eine arzeneiliche Behandlung durch einen Tierarzt notwendig. Eine Vorbeugung gegen Böswilligkeit und Ferkelfreſſen iſt nicht mit Sicherheit zu treffen. Sehr zweckmäßig iſt jedoch eine möglichſt naturgemäße Ernährung und Haltung der trächtigen Schweine. Vor allem wirkt Grünfutter, und beſonders der Weide⸗ gang, wenn die Jahreszeit ihn geſtattet, günſtig auf die Schweine, ein, ſowie überhaupt alles, was die Geſundheit hebt, und was namentlich auf die Verdauung einen guten Einfluß ausübt. Bei der Geburt iſt eine ſorgſame, ruhige Beaufſichtigung erforderlich und die Nachgeburt und etwa vorhandene tote Junge ſind ſofort zu entfernen. 19. Krankheiten und Fehler des Euters. Milchmangel. Ein völliger Mangel oder eine zu geringe Abſonderung von Milch nach dem Gebären kommt nicht ſelten bei Pferden und Schweinen ſowie auch bei Rindern vor. Bei letzteren betrifft der Milchmangel gewöhnlich nur einzelne Viertel, znicht das ganze Euter. on nd fft ze Krankheiten und Fehler des Euters. 121 Urſachen. Manchmal iſt der Milchmangel die Folge einer vorangegangenen Euterentzündung, die zu einer Verhärtung oder Verödung des Euters geführt hat. Eine auffallend geringe Milch⸗ abſonderung kann auch durch ungenügende Ernährung ſowie durch allgemeine Krankheiten veranlaßt werden. Mitunter iſt eine beſtimmte Urſache nicht erkennbar, zumal wenn ſich Milchmangel bei erſtgebärenden Tieren zeigt. Erſcheinungen. Das Euter iſt in ſolchen Fällen, wo keine beſondere Urſache erkennbar iſt, meiſtens kleiner und ſchlaffer als gewöhnlich. Wenn eine vorangegangene Euterentzündung die Ur⸗ ſache des Milchmangels iſt, fühlt ſich das Euter derb und höckerig an. Bei Melkverſuchen laſſen ſich, namentlich bei der Stute, in der Regel nur einige Tropfen einer klaren klebrigen Flüſſigkeit ge⸗ winnen. Bei anderen Tieren kommt zwar manchmal wirkliche Milch, jedoch nur in geringer Menge zum Vorſchein. Bei dem Schwein wird man bisweilen erſt durch die Un⸗ ruhe der Ferkel, die ſich vergebens bemühen, aus den Zitzen Milch zu gewinnen und dabei von einem Strich zum andern gehen, auf den Milchmangel aufmerkſam. Die Ferkel werden raſch matt und gehen zu Grunde, wenn ihnen nicht andere Nahrung verabreicht wird. Mitunter ſtellt ſich bei geeigneter Behandlung in 1 bis 3 Tagen Milch ein. Wenn der Fehler bei erſtgebärenden Stuten vorkommt, und keine beſonderen Krankheiten, z. B. Verhärtung des Euters, vor⸗ liegen, ſo pflegt nach dem zweiten Gebären Milch in gehöriger Weiſe vorhanden zu ſein. Behandlung. Es iſt zu probieren, die Thätigkeit der Milch⸗ drüſe durch Melkverſuche und Maſſieren(Kneten und Reiben) an⸗ zuregen. Außerdem iſt für eine reichliche Ernährung, namentlich mit ſolchen Futtermitteln, die erfahrungsgemäß günſtig auf die Milchabſonderung einwirken, z. B. Hafer, zu ſorgen. Wenn die Jungen ſaugen, ſo müſſen ſie zunächſt mit Kuh⸗ milch, der etwas Waſſer und Zucker zugeſetzt wird, ernährt werden. Stellt ſich nach 2 bis 3 Tagen keine Milch ein, ſo ſind die Jungen vom Muttertier zu entfernen. Wenn der Milchmangel eine Folge erheblicher Veränderung des Euters iſt, ſo iſt eine Behandlung vergeblich. 122 Krankheiten und Regelwidrigkeiten beim Muttertier nach der Geburt. Euterentzündungen. Allgemeines. Euterentzündungen kommen am meiſten beim Rind vor, ſie ſind aber manchmal auch unter Schafen, die in Herden gehalten werden, ſehr verbreitet und werden ebenfalls öfters bei Ziegen, ſeltener dagegen bei Pferden und Schweinen beobachtet. Am häufigſten treten ſie in der erſten Zeit nach dem Gebären auf, ſie können aber auch zu jeder anderen Zeit, und nicht allein bei milchgebenden Tieren, ſondern auch während des Trockenſtehens und ſogar bei jugendlichen Tieren, die noch nicht tragend ſind, zum Ausbruch kommen.— Die meiſten Euterentzündungen entſtehen durch Anſteckungs⸗ ſtoffe. Dieſe gelangen gewöhnlich durch den Zitzenkanal in das Euter. Es iſt dieſer Umſtand beſonders zu beachten, da beim Melken eine Übertragung des Krankheitsſtoffes auf geſunde Tiere ſtattfinden kann. Die wichtigſten Formen der Euterentzündung ſind: a) Die katarrhaliſche Euterentzündung; b) Die parenchymatöſe(tiefe) Euterentzündung; c) Der gelbe Galt; d) Die Euterſeuche des Weideviehs; e) Eutertuberkuloſe. a) Die katarrhaliſche Euterentzündung. Urſachen. In den meiſten Fällen kommt dieſe Euter⸗ entzündung durch die Einwanderung von Anſteckungsſtoffen— Pilzen— durch die Strichöffnung in das Euter zuſtande. Die Anſteckungsſtoffe gelangen am eheſten zur Wirkung bei Kühen, die nur mangelhaft gemolken werden, ſowie auch dann, wenn man die Kühe erſt kurz vor dem Kalben trocken ſtehen läßt. Eine Ent⸗ zündung kann auch verurſacht werden, wenn Kühe, um ihnen beim Verkauf ein beſſeres Anſehen zu geben, längere Zeit nach dem Kalben nicht gemolken werden. Erſcheinungen. Die Krankheit tritt mitunter nur an einem Euterviertel auf, ſie kann ſich aber auch auf mehrere und ſelbſt auf alle vier Viertel erſtrecken. Bei den leichteren Graden der Entzündung ſind die Er⸗ ſcheinungen nicht beſonders auffallend. Die erkrankten Euterviertel ſind nur in geringem Maße geſchwollen und wenig oder gar nicht burt. Krankheiten und Fehler des Euters. 123 ſchmerzhaft. Die Milch iſt trübe und mit Flocken, Milchgerinnſeln, vermiſcht und in verminderter Menge vorhanden. In den höheren Graden der Entzündung iſt die Anſchwellung erheblicher, die Milch iſt grau und in vereinzelten Fällen blutig. Dabei iſt jedoch das Allgemeinbefinden der Tiere meiſt nicht er⸗ heblich oder gar nicht geſtört. Bei gelindem Auftreten und geeigneter Behandlung kann in wenigen Tagen völlige Heilung erfolgen, was ſich namentlich da⸗ durch zeigt, daß die Milch wieder zunimmt und ihre normale Be⸗ ſchaffenheit erlangt. Die katarrhaliſche Euterentzündung kann ſich aber auch in die Länge ziehen und zu einer Verdickung der Schleimhaut und zu Verengerungen oder Verwachſungen im Strich führen. Nicht ſelten breitet ſich die Entzündung von der Schleimhaut auf die übrigen Gewebe des Euters aus, und es entſteht nach und nach eine Ver⸗ härtung und Verödung des Euters, infolgedeſſen die Milch⸗ abſonderung völlig und dauernd aufhört. Behandlung. Ein Haupterfordernis iſt es, die erkrankten Euterviertel täglich wiederholt und gründlich zu melken. Sodann ſind Einreibungen von Schmalz oder beſſer von milden Salben von Nutzen, und wenn das Euter hart iſt, ſo iſt die Maſſage— ſanftes Kneten und Reiben— anzuwenden. Vorbeugung. Man ſoll die Kühe nicht zu kurze Zeit vor dem Kalben trocken ſtehen laſſen und im übrigen auf ſorgfältiges, gründliches Melken ſehen. b) Die parenchymatöſe(tiefe) Euterentzündung. Es iſt dies die am häufigſten vorkommende Euterentzündung. Meiſtens wird nur ein Euterviertel, manchmal werden aber 2, ſeltener 3 oder gar alle 4 Viertel befallen. Urſachen. Wie die Mehrzahl der Euterentzündungen, ſo wird auch dieſe Krankheitsform in der Regel durch Anſteckungs⸗ ſtoffe hervorgerufen, die ihren Eingang durch den Zitzenkanal finden. Solche Anſteckungsſtoffe können beim Liegen der Tiere auf dem Erdboden, auf Streu, Jauche oder durch die verunreinigte Hand des Melkers an das Euter gelangen oder durch Melkröhren, Saiten, Federſpulen in die Zitzen eingeführt werden. Der Anſteckungsſtoff kann unter anderem in eitrigen und fauligen Teilen, ſo z. B. in der in Zerſetzung begriffenen Nach⸗ geburt, enthalten ſein. 124 Krankheiten und Regelwidrigkeiten beim Muttertier nach der Geburt. Dieſe Euterentzündung entſteht zwar am häufigſten in der erſten Zeit nach dem Gebären, ſie kann aber auch bei altmilchenden Kühen vorkommen. Erſcheinungen(bei dem Rind). Die erkrankten Euter⸗ viertel ſchwellen erheblich an, werden hart und ſchmerzhaft und ſind vermehrt warm. Die Haut der erkrankten Teile iſt gewöhn⸗ lich gerötet. Aus dem Euter läßt ſich meiſtens nur eine geringe Menge einer gelblichen oder ſchmutziggrauen und mitunter mit Blut ver⸗ miſchten Flüſſigkeit gewinnen; in dieſer befinden ſich mehr oder weniger zahlreiche Flocken, Gerinnſel. Nur in den leichteſten Fällen iſt das Allgemeinbefinden nicht merklich geſtört. Gewöhnlich iſt aber der Appetit und das Wieder⸗ käuen erheblich verringert, namentlich im Beginn und bei ſchwerem Verlauf der Entzündung. Dabei ſind die Haare geſträubt, und es beſteht Fieber. Auch iſt mitunter der Gang ſteif und geſpannt, beſonders infolge von Gelenkentzündungen. Der Verlauf der Euterentzündung iſt verſchieden. In leichteren Fällen, die aber die Minderzahl bilden, können die hauptſächlichſten Erſcheinungen, vor allem die Anſchwellung, verſchwinden, und es wird nach und nach wieder normale Milch, wenn auch in ver⸗ minderter Menge, ausgeſchieden. Nach einem ſpäteren Kalben kann jedoch das krank geweſene Euter ſeine frühere Beſchaffenheit wieder erlangen. In höheren Graden der Entzündung nimmt die Krankheit einen langſameren Verlauf; der Ausgang kann dann verſchieden ſein. Manchmal kommt es zu einer Euterverhärtung. Dann nehmen zwar die Schmerzen ab, und das Allgemeinbefinden des Tieres beſſert ſich, die Schwellung verringert ſich aber nur wenig oder gar nicht, und das Euter wird von derber, harter Beſchaffenheit. Die Verhärtung kann Monate lang oder dauernd beſtehen. Milch⸗ abſonderung iſt dabei nicht vorhanden. Eine Euterverhärtung entwickelt ſich übrigens mitunter auch nach und nach, ohne daß eine ſchwere Euterentzündung voran⸗ gegangen iſt. Ofters hat die Entzündung eine Schrumpfung und Verödung des Euters zur Folge. Dann werden die erkrankten Euterviertel ſowie die dazu gehörenden Zitzen klein, und die Milchabſonderung hört dauernd auf. Solche Kühe, bei denen aus einem Euterviertel wegen Ver⸗ härtung oder Schrumpfung, wegen Verſchluß der Zitze oder auch ——y———,———.—,., — —— — 75,=ð=— — Krankheiten und Fehler des Euters. 125 wegen anderer chroniſcher Zuſtände keine Milch zu erlangen iſt, nennt man dreiſtrichig; wenn das bei zwei Vierteln der Fall i*ſt, ſo bezeichnet man die Tiere als zweiſtrichig. Nicht ſelten bilden ſich in dem erkrankten Euter mit Eiter gefüllte Höhlen, die, wenn ſie nicht vorher geöffnet werden, nach längerer Zeit gewöhnlich nach außen durchbrechen. Die Euterentzündung führt in vereinzelten Fällen zum Ab⸗ ſterben eines größeren oder kleineren Teils der Milchdrüſe; man ſpricht dann von Euterbrand oder brandiger Euterent⸗ zündung. Dieſe entſteht am eheſten kurz nach dem Gebären, wenn entzündliche und mit Eiterung einhergehende Vorgänge in den Geburtsorganen ihren Ablauf nehmen, oder wenn die Nach⸗ geburt nicht zur rechten Zeit abgeht. Der vom Brand betroffene ⸗ Euterteil wird bläulich oder mißfarben, kalt und gefühllos. Mit der Zeit fällt die abgeſtorbene Partie, wenn ſie nicht vorher durch eine Operation entfernt wird, ab. In beſonders ſchweren Fällen von Euterentzündung magern die Tiere ganz außerordentlich ab und gehen ſogar vereinzelt daran zu Grunde. Behandlung. Ein täglich mehrmaliges und gründliches Melken iſt vor allem notwendig. Das Melken hat jedoch in möglichſt ſchonender Weiſe zu geſchehen, da bei gewaltſamem Ver⸗ fahren die Tiere vermehrte Schmerzen im Euter empfinden, ſchlagen und widerſetzlich werden. Sodann ſind Einreibungen mit einem milden Fett oder beſſer noch mit einer Salbe— die von einem Tierarzt zu verabfolgen iſt— ſowie ein vorſichtiges Maſſieren des Euters von Nutzen. Bei heftiger Schwellung und ſtarken Schmerzen ſind zudem anhaltende warme Bähungen ſehr zu em— pfehlen.— Bei erheblicher Erkrankung iſt die Inanſpruchnahme eines Sachverſtändigen ſtets anzuraten. Vorbeugung. Es iſt auf ein reinliches Lager, vor allem aber darauf zu ſehen, daß das Euter nicht mit eitrigen oder fauligen Stoffen in Berührung kommt. Kühe, bei denen die Nachgeburt zurückgeblieben iſt, oder die an Eiterungen an den Geburtsorganen leiden, ſind möglichſt von den übrigen Milchkühen zu trennen. Iſt ein Fall von Euterentzündung im Stall vor⸗ handen, ſo iſt das erkrankte Tier erſt nach den geſunden Tieren oder beſſer noch durch eine beſondere Perſon zu melken, damit keine Übertragung von Anſteckungsſtoffen ſtattfinden kann. Melk⸗ röhren, Saiten oder dergleichen ſind, wenn ihre Anwendung not⸗ wendig iſt, nur in völlig reinem Zuſtande einzuführen. 126 Krankheiten und Regelwidrigkeiten beim Muttertier nach der Geburt. Zu der hier geſchilderten Krankheitsform beim Rind gehören auch die meiſten Euterentzündungen der übrigen Tiere. Bei Stuten treten Euterentzündungen nicht häufig auf und meiſtens nur an einer Euterhälfte. Dieſe ſchwillt an, iſt hart, ſchmerzhaft und vermehrt warm. Beim Melken läßt ſich anfangs gewöhnlich eine gelbliche, oft mit Flocken vermiſchte, ſpäter aber in der Regel eine eitrige Flüſſigkeit in geringer Menge gewinnen. Dabei iſt das Allgemeinbefinden im Beginn der Krankheit manch⸗ mal geſtört, der Appetit vermindert und mitunter ein ſteifer Gang oder Lahmheit vorhanden. In leichteren Fällen kann in wenigen Tagen die Anſchwellung verſchwinden und völlige Heilung erfolgen. Häufiger aber ent⸗ ſſteht eine Verhärtung des Euters, und es bilden ſich an ver⸗ ſchiedenen Stellen Geſchwüre, die ſchwer heilen und leicht Fiſteln zurücklaſſen.. Die Behandlung beſteht in Einreibungen und Ausmelken. Wenn das Füllen nicht allzu jung iſt, ſo iſt ſeine Entwöhnung ratſam. Bei Schafen kommt eine Euterentzündung in einigen Ge⸗ genden häufiger und in einzelnen Herden ſogar in ſeuchenartiger Verbreitung vor. Meiſtens tritt ſie während der Lammzeit und in den erſten Wochen nach dem Gebären auf. Um dieſe Zeit wird das Lager der Tiere durch das Fruchtwaſſer ſowie durch die Nachgeburt verunreinigt; es entſteht Fäulnis, und damit iſt ein günſtiger Boden für Anſteckungsſtoffe gegeben, die, wenn ſie in das Euter gelangen, eine Entzündung hervorrufen können. Es entwickelt ſich raſch eine ſtarke Anſchwellung einer Euter⸗ hälfte, vereinzelt aber auch des ganzen Euters. Anſtatt der Milch iſt eine gelbliche, manchmal eine blutige Flüſſigkeit im Euter vor⸗ handen. Dabei iſt in allen heftigeren Fällen von Entzündung, und dieſe bilden weitaus die Mehrzahl, das Allgemeinbefinden bedeutend geſtört, die Freßluſt weſentlich verringert oder ganz verſchwunden, die Patienten liegen viel und bewegen ſich ſteif und ſchwerfällig. Häufig kommt es zu einer Verhärtung der befallenen Euterhälfte, ſehr oft ſtellt ſich aber auch Abſterben ein. Bei einer ſolchen brandigen Euterentzündung wird die ergriffene Partie bläulichrot oder grau verfärbt, fühlt ſich kühl an und iſt empfin⸗ dungslos. Die Schwellung dehnt ſich dabei häufig auf die untere Bauchgegend, ſowie mitunter bis zum After hin aus. Manchmal erfolgt ſchon nach wenigen Tagen der Tod. Bei ſchweren, namentlich aber bei brandigen Euterentzün⸗ Krankheiten und Fehler des Euters. 127 dungen, iſt ſchleunigſt tierärztliche Hilfe in Anſpruch zu nehmen. Um die Weiterverbreitung der Krankheit zu verhindern, ſind die geſunden Tiere aus dem verſeuchten Stall zu entfernen und in einen anderen, reinen Raum zu bringen. Ziegen erkranken ziemlich häufig an Euterentzündung. Meiſtens wird nur die eine Euterhälfte befallen. Die Erſchei⸗ nungen und der Verlauf ſind ähnlich wie bei der Kuh. Sehr oft bleibt eine Verhärtung zurück. Nicht ſelten ſtellt ſich bei der Ziege Euterbrand ein, wobei gewöhnlich nur ein kleinerer Teil des Euters, mitunter nur eine Zitze abſtirbt. Dabei iſt in der Regel das Allgemeinbefinden nicht erheblich geſtört. Die Behandlung iſt in ähnlicher Weiſe wie bei der Kuh auszuführen. Das Schwein wird ſelten von einer Euterentzündung be⸗ fallen, auch pflegt dann nur ein Teil des Geſäuges erkrankt zu ſein. An dieſem zeigen ſich Schwellung und Schmerz, die Milch⸗ abſonderung hört hier auf, und die Tiere laſſen ſich das Saugen nicht gut gefallen. Gewöhnlich tritt bald Zerteilung ein, es kann aber auch zu einer Verhärtung kommen. c) Gelber Galt. Eine eigenartige Form der Euterentzündung iſt der gelbe Galt, der namentlich in der Schweiz, und manchmal in ſeuchen⸗ artiger Verbreitung, beim Rind auftritt. Urſachen. Auch dieſe Euterentzündung iſt anſteckender Natur und kann beſonders durch die Hand des Melkers von einem Tier auf das andere übertragen werden, zumal wenn eine gewiſſe Empfänglichkeit dafür beſteht. Erſcheinungen. Manchmal erkrankt nur ein, häufiger aber mehrere Viertel. Das Euter iſt bei äußerer Unterſuchung zu⸗ nächſt meiſtens wenig verändert, gewöhnlich nur unerheblich ge⸗ ſchwollen. Die Milch iſt verringert und von graugelblichem oder graurotem Ausſehen und mit Flocken vermiſcht. Sie gerinnt beim Kochen, bildet beim Stehenlaſſen einen Bodenſatz oder wird dick, klümperig. Die Krankheit dauert iu der Regel viele Wochen oder Monate lang. In der Mehrzahl der Fälle kommt es zur Schrum⸗ pfung des Euters, dieſes und ebenſo die Zitzen werden klein, und die Milch verſiegt. Vereinzelt erfolgt Heilung. Es ſind möglichſt die geſunden und kranken Tiere von ein⸗ ander zu trennen und durch verſchiedene Perſonen zu melken. 128 Krankheiten und Regelwidrigkeiten beim Muttertier nach der Geburt. Wenn mehrere Euterviertel erkrankt ſind, ſo iſt die baldige Ver⸗ wertung der Kühe zum Schlachten ratſam. d) Euterſeuche des Weideviehs. In verſchiedenen Gegenden, namentlich in einigen Teilen Oldenburgs und Schleswig⸗Holſteins, zeigt ſich unter dem Rind⸗ vieh vielfach eine beſondere Form einer ſchweren Euterentzündung. Es ſoll hier die Krankheit, wie ſie im Oldenburgiſchen auftritt, ge⸗ ſchildert werden; es dürfte damit aber die anderswo beobachtete Euterſeuche nahezu übereinſtimmen. Vorkommen und Urſachen. Die Euterſeuche— im Olden⸗ burgiſchen„Wurmſchlag“ genannt— kommt hauptſächlich in den Marſchen vor und erlangt hier in einzelnen Bezirken manchmal eine ſeuchenartige Verbreitung. Es erkranken weniger milchgebende Kühe, ſondern vorzugsweiſe trocken ſtehende Kühe und Färſen, zumal ſolche, die auf der Fettweide ſind, mitunter aber auch Jung⸗ vieh und Kälber(in ſeltenen Fällen wird ſogar das nur ſpuren⸗ weiſe vorhandene Euter des Ochſen von der Seuche ergriffen). Die Euterſeuche tritt vor allem in den Monaten Juli und Auguſt auf und um dieſe Zeit faſt alljährlich in mehr oder weniger ſeuchenartigem Umfang. Auf einzelnen Weiden werden bisweilen faſt gleichzeitig, oder doch im Laufe von einigen Tagen, bis zu einem Drittel oder mehr des Fettviehs befallen. Die Art des Auftretens, beſonders aber der Umſtand, daß die Euterkrankheit auf beſtimmten Weiden ſo außerordentlich häufig iſt, deutet entſchieden darauf hin, daß der Anſteckungsſtoff der Euterſeuche auf den Weiden im Boden enthalten iſt. Erſcheinungen. Die Krankheit ſtellt ſich plötzlich ein. Gewöhnlich werden ein oder zwei, ſeltener mehr Viertel ergriffen. Dieſe ſchwellen erheblich an, ſind vermehrt warm, ſchmerzhaft und hart. Aus den Strichen läßt ſich eine gelblich oder ſchmutziggrau ausſehende Flüſſigkeit, die meiſtens viele Gerinnſel enthält und manchmal höchſt übelriechend iſt, entleeren. Oftmals ſind die Zitzen mit dieſer Flüſſigkeit prall angefüllt. Dabei iſt der Appetit und das Wiederkäuen häufig erheblich verringert oder ganz ver⸗ ſchwunden. Die Tiere haben Fieber, die Haare ſind geſträubt. Ofters iſt zugleich eine Schwellung, Entzündung von Gelenken, insbeſondere der Sprunggelenke, vorhanden. Infolgedeſſen iſt der Gang ſteif, geſpannt, und in vereinzelten Fällen können ſich die Tiere nicht mehr vom Boden erheben. —— eburt, Ver⸗ Krankheiten und Fehler des Euters. 129 Bei leichtgradigem Auftreten erfolgt mitunter in ein paar Wochen Heilung. In der Regel dauert das Leiden lange und endigt mit Verhärtung des Euters. Mitunter bilden ſich Ge⸗ ſchwüre, die nach außen durchbrechen. Gewöhnlich leidet im Verlauf der Krankheit der Nährzuſtand erheblich, und nicht ſelten kommt es zu einer außerordentlichen Ab⸗ magerung. In beſonders ſchweren Fällen kann ſogar in wenigen Tagen der Tod eintreten, wenn nicht vorher die Notſchlachtung vorgenommen wird. Die Behandlung kann in ähnlicher Weiſe wie bei der parenchymatöſen Euterentzündung ausgeführt werden. Da das aber bei Weidegang meiſt nicht möglich iſt, zumal ſich die Tiere in der Regel weit vom Hauſe des Beſitzers entfernt befinden, ſo iſt manchmal ein anderes Verfahren zweckmäßig, das in dem Auf⸗ ſpalten der Striche an den erkrankten Eutervierteln beſteht. Auf dieſe Weiſe wird der eitrigen Flüſſigkeit einigermaßen Abfluß ver⸗ ſchafft. Da die Krankheit häufig einen langwierigen und bösartigen Verlauf nimmt, ſo ſuchen viele Beſitzer bei den erſten Anzeichen der Euterentzündung das Tier zum Schlachten zu verwerten. Vorbeugung. Viele Viehbeſitzer betreiben ſolche Weiden, auf denen der Erfahrung nach die Euterſeuche vielfach vorkommt, wenn es angeht, mit Ochſen. Zu verſuchen wäre es, der Krankheit dadurch vorzubeugen, daß ſolchem Weidevieh, das auf der Weide fett und demnach ferner⸗ hin nicht mehr zur Milcherzeugung benützt werden ſoll, die Zitzen auf künſtliche Weiſe geſchloſſen würden. Dann könnte der An⸗ ſteckungsſtoff, der unzweifelhaft von außen in die Zitzen gelangt, keinen Eingang mehr in das Euter finden. e) Eutertuberkuloſe. Die Tuberkuloſe(Schwindſucht) iſt in einigen Gegenden unter dem Rindvieh eine außerordentlich häufige Krankheit. Sie kommt nun nicht allein in der Lunge, am Darm oder anderen inneren Organen, ſondern mitunter auch im Euter vor. Eutertuberkuloſe beginnt mit einer geringen Schwellung an einem oder zwei Eutervierteln. Dabei iſt die Milch zunächſt noch nicht merklich verändert. Später, nach einigen Wochen, erlangt ſie jedoch eine gelbliche, trübe und flockige Beſchaffenheit. Mit der Zeit fühlt ſich das Euter knotig und hart an und nimmt zuweilen an Umfang bedeutend zu. Tapken, Geburtshilfe. 2. Auflage. 9 130 Krankheiten und Regelwidrigkeiten beim Muttertier nach der Geburt. Die Krankheit kann viele Monate und ſelbſt jahrelang dauern; das Befinden der Tiere iſt dabei häufig nicht geſtört. Nur bei erheblicher und allgemeiner Tuberkuloſe ſtellt ſich ſchließ⸗ lich Abmagerung ein. Die Eutertuberkuloſe iſt inſofern von hervorragender Be⸗ deutung, als die Milch der damit behafteten Tiere das Tuberkel⸗ gift enthalten kann und infolgedeſſen geſundheitsgefährlich iſt. Blutungen im Euter.(Blutmelken.) Mitunter iſt die Milch von blutiger Beſchaffenheit. Es kann das durch Zerreißung kleinerer oder größerer Blutgefäße verurſacht werden. Eine ſolche Zerreißung kann durch äußere Einwirkungen, aber auch ohne nachweisbare Veranlaſſung zuſtande kommen. Es iſt dabei, je nach dem Grade der Blutung, bisweilen wenig oder gar keine, vereinzelt aber eine beträchtliche Schwellung des Euters vorhanden. Das Melken iſt hierbei in möglichſt ſanfter Weiſe auszuführen. Bei ſtärkerem Blutaustritt und erheblicherer Schwellung iſt tier⸗ ärztliche Hilfe in Anſpruch zu nehmen. Milchfluß. Als Milchfluß bezeichnet man einen bisweilen bei Kühen vorkommenden Zuſtand, bei dem die Milch, auch wenn nicht ge⸗ molken wird, zeitweiſe abfließt. Das Abfließen der Milch erfolgt hauptſächlich, wenn das Euter, insbeſondere die Milchziſterne, ſtark mit Milch gefüllt iſt, oder es entſteht während des Melkens, wenn die Milch„einſchießt“, bei den Strichen, die nicht gemolken werden. Es kann auf dieſe Weiſe ein großer Teil der Milch verloten gehen. Die mit dem Fehler behafteten Kühe ſind zudem meiſtens ſchwer trocken zu machen, und es wird deshalb auch die Maſt⸗ fähigkeit verſchlechtert. Die Urſache des Milchfluſſes beruht auf einer Schwäche der Schließmuskeln am unteren Strichende. Der Fehler iſt ſchwer zu heben. Eine Behandlung kann nur von einem Sachverſtändigen. vorgenommen werden. Milchfiſtel. Milchfiſteln ſind gewöhnlich nur kleine Offnungen am Strich⸗ oder dicht oberhalb desſelben, aus welchen beim Melken Milch⸗ ausſpritzt; mitunter ſind ſie größer, und dann fließt die Milch auch, wenn nicht gemolken wird, ab. —„2———2——— 8 —— ————— Krankheiten und Fehler des Euters. 131 Der Fehler iſt meiſt angeboren, kann aber auch nach einer mangelhaften Verheilung von Wunden zurückbleiben. Damit be⸗ haftete Tiere ſind oft ſchlecht zu melken, und manchmal geht ein erheblicher Teil der Milch verloren. Durch ſachverſtändige Behandlung kann mitunter Heilung erzielt werden. Verſchluß oder Verengerung der Striche. Der Strichkanal iſt nicht ſelten bei allen vier Strichen der Kühe zu eng. Die Milch läßt ſich dann nur ſchwer und in dünnem Strahl aus den Zitzen gewinnen. Der Zuſtand, der den Wert einer Milchkuh weſentlich verringert, ſtellt einen angeborenen Fehler dar; man bezeichnet ihn wohl als Schwermilchigkeit. Manchmal finden ſich an einzelnen Strichen Krankheiten und Fehler, die den Durchgang der Milch erheblich erſchweren oder ganz verhindern. Eine vollſtändige Verwachſung des unteren Endes des Strichkanals kann angeboren ſein und bei einem, aber auch bei mehreren und ſelbſt bei allen vier Strichen einer Kuh beſtehen. Der Fehler wird in der Regel erſt beim erſtmaligen Melken nach dem Gebären wahrgenommen. Es iſt dabei gewöhnlich die Zitze prall mit Milch gefüllt, bei Melkverſuchen kommt aber kein Tropfen zum Vorſchein, und bei näherer Unterſuchung findet ſich, daß eine Offnung am Strich fehlt. Eine Verengerung oder ein völliger Verſchluß des Striches kann aber auch durch Entzündung hervorgerufen werden. Die Ent⸗ zündung beſchränkt ſich häufig auf den Strich, beſonders wenn ſie infolge von Quetſchungen oder anderen äußeren Einwirkungen entſteht. Dann ſind Röte und Schwellung und mitunter Wunden, nament⸗ lich am unteren Ende des Striches, bemerkbar, und in der Mitte der Zitze iſt gewöhnlich eine ſtrangförmige Verdickung zu fühlen. Dadurch wird der Kanal verengt, und beim Melken kommt die Milch nur ſchwer und in einem dünnen Strahl heraus. Bei Verſchlimmerung kann es zu einem völligen Verſchluß des Striches kommen. Sind Verletzungen an der Mündung des Strichkanales vorhanden, ſo wird die Offnung mitunter durch Blut oder durch entzündliche Abſonderungen verklebt. Eine Entzündung der Schleimhaut der Milchziſterne kann neben einer Euterentzündung beſtehen. Bisweilen bilden ſich haut⸗ artige Wucherungen, die ſich quer durch die Ziſterne oder den 9* 132 Krankheiten und Regelwidrigkeiten beim Muttertier nach der Geburt. Kanal erſtrecken und den Milchabfluß erſchweren oder unmöglich machen. Häufig entwickeln ſich knotige Wucherungen im Strich. Man fühlt dieſe als rundliche, erbſen⸗ bis haſelnußgroße Körper. Auch hierdurch wird die Entleerung der Milch ſchwierig oder, bei völliger Verſtopfung des Striches, unmöglich. Behandlung. Ein angeborener Verſchluß des Striches kann mitunter durch eine Operation mit nachfolgender entſprechender Behandlung beſeitigt werden. Ebenſo läßt ſich bei Vorhandenſein von häutigen Gebilden oder knotigen Wucherungen auf operativem Wege manchmal Heilung erzielen. Es iſt jedoch rechtzeitig, bevor durch eine mangelhafte Entleerung der Milch das Euter in Mit⸗ leidenſchaft gezogen iſt, Hilfe in Anſpruch zu nehmen. Bei entzündlicher Rötung und Schwellung des unteren Strichendes ſind lauwarme Bähungen und Einreibungen mit einer milden Salbe nützlich; ſehr geeignet zu ſolchen Einreibungen iſt Lanolin. Das Melken iſt in möglichſt ſanfter Weiſe auszuführen. Künſtliche Eröffnungen oder Erweiterungen des Strichkanales müſſen, wenn ſie dauernden Erfolg haben ſollen, mit der größten Sorgfalt ausgeführt werden. Laien benützen dazu vielfach mit Vorliebe Hühnerfederſpulen. Mit dieſen wird jedoch, da ſie meiſtens zu rauh ſind, leicht die zarte Haut des Strichkanals be⸗ ſchädigt und dadurch eine Verſchlimmerung des Leidens verurſacht. Weit beſſer ſind die Melkröhren. Aber ſelbſt dieſe ſind nur im Notfall und mit Vorſicht anzuwenden. Zweckmäßig iſt häufig die Einführung einer ſtarken Darmſaite, die von einer Melkzeit bis zur anderen liegen bleibt und dann erneuert wird. Es iſt bei ſolcher Behandlung jedoch die größte Sauberkeit zu beachten, da⸗ mit nicht etwa Anſteckungsſtoffe, die eine Euterentzündung ver⸗ anlaſſen könnten, Eingang finden. Sprödigkeit und Bläschenausſchläge an den Strichen. Häufig wird die Haut der Striche ſpröde, und es entſtehen an ihr Riſſe und Schrunden. Die Kühe laſſen ſich dann oft das Melken nicht gefallen, ſind unruhig und ſchlagen mit den Füßen. Mitunter zeigt ſich Bläschenausſchlag an den Strichen. Nach dem Platzen der Blaſe bilden ſich Schorfe und Kruſten auf der Zitze. Es giebt verſchiedene Arten von Euterausſchlägen, die zum Teil anſteckend ſind, z. B. der Ausſchlag, der bei den Kuhpocken ſowie bei der Maul⸗ und Klauenſeuche vorhanden iſt. tehen das üßen. Nach der zum ocken Krankheiten und Fehler des Euters. 133 Durch ſolche Ausſchläge wird namentlich bei empfindlichen Tieren das Melken erheblich erſchwert. Die Behandlung beſteht in Einreibungen mit Vaſelin, Lanolin oder einer milden Salbe. Da die Bläschenausſchläge anſteckend ſein können, ſind die damit behafteten Tiere, wenn möglich, von den geſunden zu trennen. In ſchweren Fällen iſt tierärztlicher Rat einzuholen. Warzen an den Strichen. Manchmal befinden ſich an den Strichen Warzen, die, wenn ſie groß oder in erheblicher Zahl vorhanden ſind, ſich in ſtörender Weiſe beim Melken bemerkbar machen. Die ſog. Weichwarzen ſitzen ziemlich locker und laſſen ſich daher häufig unſchwer durch Abdrehen entfernen. Sind ſie größer, ſo werden ſie am beſten in der Zeit des Trockenſtehens der Kühe abgenommen.— Die echten Warzen ſind ſchwerer zu entfernen. Milchfehler. Obgleich die verſchiedenen Milchfehler in der Regel nicht mit Erkrankungen des Euters in Zuſammenhang ſtehen, ſollen ſie hier doch einer kurzen Beſprechung unterzogen werden, da ſie im milch⸗ wirtſchaftlichen Betrieb eine bedeutende Rolle ſpielen. Nicht butternde, ſchäumende Milch kommt am häufigſten bei Verdauungsſtörungen vor, die ihre Urſache in fehlerhafter Fütterung und häufig, namentlich bei Weidegang, auch in Witterungs⸗ verhältniſſen haben. Der Fehler kann aber auch von anderen Krankheiten, insbeſondere Euterkrankheiten, herrühren. Das Nichtbuttern der Milch bezw. des Rahms liegt nicht immer an der abgeſonderten Milch, ſondern mitunter auch an einem unrichtigen Verfahren bei der Butterbereitung, unter anderem an zu niedriger Butterungswärme, an zu altem Rahm ec. Die Erſcheinungen beſtehen darin, daß der Rahm meiſtens nur in dünner Schicht vorhanden iſt, beim Buttern ſtark ſchäumt, und die Butter ſich nicht ſammelt. Die Behandlung iſt entſprechend der Urſache einzuleiten. Manchmal iſt ein Futterwechſel von Erfolg. Schlickrige oder käſige Milch kann durch Verdauungs⸗ ſtörungen, ſchlechte Futtermittel, ſowie auch durch Erkrankungen des Euters oder andere Krankheiten veranlaßt werden. Ihre Entſtehung wird außerdem begünſtigt durch große Hitze, dunſtige Stallungen, auch unſaubere Milchgeräte können dazu beitragen. 134 Krankheiten und Regelwidrigkeiten beim Muttertier nach der Geburt. Schlickrige, käſige Milch kennzeichnet ſich dadurch, daß ſie ſchon einige Stunden nach dem Melken, namentlich aber beim Kochen, gerinnt, käſig wird; zudem läßt ſie ſich ſchwer buttern. Bei der Behandlung ſind die Urſachen zu berückſichtigen. Wäſſrige Milch iſt von bläulichem Ausſehen. Sie ent⸗ hält wenig Fett und Käſe. Solche Milch iſt einigen Tieren eigentümlich und mitunter eine Raſſeneigenſchaft. In anderen Fällen rührt ſie jedoch von mangelhaftem, wäſſrigem Futter: Rüben, Rübenblätter, Schlempe, Kartoffeln ꝛc., oder von krank⸗ haften Zuſtänden her. Schleimige, fadenziehende Milch wird durch Pilze, die in die Milch eindringen, hervorgerufen. Es kommt das am häufigſten im Sommer und in Wirtſchaften mit unſauberen Stallungen und Milchräumen vor. Solche Milch iſt zunächſt gewöhnlich noch dünnflüſſig, nach einigem Stehen aber wird ſie ſchleimig und fadenziehend. Mit⸗ unter wird ſie ſo zähe, daß ſie nicht ausfließt, wenn der Be⸗ hälter umgewendet wird. Die Milch läßt ſich ſchwer buttern. Die Behandlung beſteht hauptſächlich in gründlicher Reinigung der Milchgefäße. Blaue Milch wird durch Pilze, die einen blauen Farbſtoff bilden, veranlaßt. Die Entwickelung der Pilze wird durch ver⸗ ſchiedene Umſtände begünſtigt. Am meiſten findet ſich die blaue Milch im Frühjahr und Sommer und in dumpfigen Milchräumen. Auch hat die Milch kranker Tiere mitunter Anlage zum Blau⸗ werden. Es erſcheinen bei der blauen Milch ein oder zwei Tage nach dem Melken kleine Flecke auf der Milch, die zuerſt meiſtens grau⸗ blau, dann hell⸗ oder dunkelblau ausſehen. Die Flecke breiten ſich allmählich weiter aus, dringen auch in die Tiefe und färben mitunter die ganze Milch blau. Nach längerem Stehenlaſſen wird die Milch faulig. Blaue Milch iſt geſundheitsſchädlich. Hinſichtlich der Behandlung iſt vor allem eine gründliche Reinigung der Stallungen, der Milchräume und der Milchgerät⸗ ſchaften erforderlich. Die rote Milch wird ebenfalls durch Pilze hervorgerufen. Der Farbſtoff bildet ſich erſt einige Zeit nach dem Ausmelken und nur auf der Oberfläche der Milch. In ähnlicher Weiſe kann ein Gelbwerden der Milch eintreten. nnth aein tr ud d t ddot Aücbedſh d brige 1 Auge nt goden Nruche Krankheiten und Fehler neugeborener Tiere. Allgemeines. Schon das neugeborene Tier findet ſich manchmal mit Krank⸗ heiten und Fehlern behaftet; man nennt dieſe angeboren— ab⸗ geſehen jedoch von ſolchen Zuſtänden, wie Nabelblutung, Scheintod und Lebensſchwäche, die durch den Geburtsvorgang bedingt worden ſind. Einige der angeborenen Krankheiten und Mängel fallen ſofort in die Augen, wie z. B. Verkrümmungen, andere, wie Nabel⸗ bruch, Hodenſackbruch, werden gewöhnlich erſt ſpäter bemerkt. Manche Krankheiten werden in der erſten Lebensperiode er⸗ worben. Die Empfänglichkeit junger Tiere für Geſundheits⸗ ſtörungen iſt indeſſen je nach Gattung und Raſſe verſchieden, und es ſpielt in dieſer Hinſicht eine gewiſſe ererbte Anlage eine große Rolle. Auch iſt nicht zu verkennen, daß mit einem intenſiveu Betrieb der Landwirtſchaft, insbeſondere der Tierzucht, im all⸗ gemeinen Geſundheitsſtörungen häufiger werden, und ſogar neue, früher unbekannte Krankheiten auftreten, was ſich bei jugendlichen Tieren mehr als bei älteren bemerkbar macht. Zum weſentlichen Teil rührt das ohne Zweifel von einſeitig betriebenen Zucht⸗ richtungen her. Es wird gewöhnlich nicht ſo ſehr auf feſte, wider⸗ ſtandsfähige Geſundheit, ſondern vor allem auf Frühreife, Maſt⸗ fähigkeit oder Milchergiebigkeit geſehen, und dementſprechend wird die Auswahl der Zuchttiere getroffen, ſowie die Haltung und Er⸗ nährung eingerichtet. Die geſundheitlichen Nachteile ſolchen Strebens treten am häufigſten bei Kälbern und Schweinen auf. Bei ihnen erſcheinen mehrere Krankheiten in ſeuchenartiger Verbreitung; einige von dieſen, die beim Kalbe vorkommen, wie Ruhr, anſteckende Lungen⸗ entzündung, Nabelvenenentzündung, Lähme und verſchiedene ſonſtige Krankheiten werden manchmal unter dem Sammelnamen„Kälber⸗ 136 Krankheiten und Fehler neugeborener Tiere. ſterben“, andere, die beim Schweine auftreten, wie Ruhr, Blut⸗ armut u. ſ. w., unter der Bezeichnung„Ferkelſterben“ zuſammen⸗ gefaßt. In nachfolgendem ſollen nur die wichtigſten Krankheiten und Fehler junger Tiere berückſichtigt werden. 1. Scheinkod und Tebensſchwäche. Scheintot nennt man ein neugeborenes Tier, wenn bei ihm bei gewöhnlicher Betrachtung Lebenszeichen nicht wahrgenommen werden. Von Lebensſchwäche ſpricht man, wenn das Junge nur ſchwache Lebenszeichen erkennen läßt. Dem noch ungeborenen Jungen wird der Sauerſtoff nicht wie dem geborenen Jungen durch Lungenatmung zugeführt, ſondern es erhält dieſen Stoff vom Muttertier, und zwar vom Mutter⸗ kuchen aus und durch Vermittelung des Fruchtkuchens und des Nabelſtranges(vergleiche S. 11). Eine Zufuhr von Sauerſtoff auf dieſem Wege kann aber nur ſo lange erfolgen, als die Ei⸗ häute mit dem Mutterkuchen in gehöriger Verbindung ſtehen, und der Blutlauf im Nabelſtrang in ungeſtörter Weiſe vor ſich geht. Wird der Fruchtkuchen(die Eihäute) bereits vor Be⸗ endigung der Geburt vom Mutterkuchen(der Gebärmutter) ab⸗ gelöſt oder der Nabelſtrang zuſammengepreßt oder vorzeitig ab⸗ geriſſen, ſo iſt die Zufuhr von ſauerſtoffreichem Blut nach dem Jungen verhindert, und es tritt bald Erſtickung ein. Hierzu geben vor allem verzögerte Geburten Anlaß. Indeſſen kommt viel darauf an, in welcher Lage ſich das Junge befindet. Liegt es noch völlig oder doch faſt ganz in der Gebärmutter, und ſind die Wehen nicht ſo ſtark, ſo kann es bei verzögerten Geburten lange am Leben bleiben, da dann die Ver⸗ bindung zwiſchen Muttertier und Frucht meiſtens nicht ſo ſchnell aufgehoben wird. Erheblich ungünſtiger geſtalten ſich jedoch die Verhältniſſe für das Junge, wenn es bereits weiter in den Geburtskanal eingedrungen iſt, und dann die Geburt ſtockt. Am vorteilhafteſten iſt die Kopfendlage. Es ſchadet dabei ſelbſt nicht, wenn die Naſenöffnungen ſchon außerhalb des Wurfes ſichtbar ſind, und dann noch das Junge etwas zurücktritt oder wegen erforder⸗ licher Lageberichtigung zurückgeſchoben werden muß. Die An⸗ nahme, ein Junges müſſe ſchleunigſt geboren werden, nachdem die Naſenſpitze zum Vorſchein gekommen ſei, da es dann Luft ſchöpfe, ——— ——— ———;:————ꝗ:— —I2— V Scheintod und Lebensſchwäche. 137 iſt nicht zutreffend. Das Junge hat erſt das Bedürfnis nach Luft, muß erſt atmen, wenn der Blutkreislauf im Nabelſtrang aufhört und es infolgedeſſen vom Muttertier nicht mehr mit Sauerſtoff verſorgt werden kann. Es pflegt aber ein Druck auf den Nabelſtrang und Verhinderung des Kreislaufs in ihm erſt einzutreten, nachdem das Junge mit dem ganzen Kopf oder noch weiter zum Vorſchein gekommen iſt. Weſentlich mehr Gefahr bringt die Hinterendlage dem Jungen bei der Geburt. Es kann bereits eine Zuſammenpreſſung des Nabels und Erſtickung erfolgen, wenn ſich die Sprunggelenke außer⸗ halb des Wurfs zeigen. Deshalb geſchieht es bisweilen auch bei Schweinen, die ſchwer ferkeln, daß alle Ferkel, die mit dem Kopf voran kommen, lebend, dagegen die, welche eine Hinterendlage ein⸗ nehmen, ſämtlich in abgeſtorbenem Zuſtande geboren werden. Eine Erſtickung kann auch erfolgen, wenn das Junge in die Eihüllen eingeſchloſſen zur Welt kommt. Eine erheblichere Lebensſchwäche wird mitunter auch durch beſondere Krankheiten bedingt und zeigt ſich insbeſondere bei zu früh geborenen Früchten. Erſcheinungen. Bei wirklichem Scheintod ſind keine Be⸗ wegungen und Atmungen beim Jungen bemerkbar, nur das Herz iſt noch in Thätigkeit, und deſſen Bewegungen laſſen ſich deutlich wahrnehmen, wenn die Hand an der linken Bruſtſeite, dicht hinter dem Vorderfuß, angelegt wird. In weniger hochgradigen Fällen geht zwar die Atmung vor ſich, ſie geſchieht aber meiſtens in unregelmäßiger Weiſe, ausſetzend, und manchmal unter raſſelndem Geräuſch. Häufig iſt auch Huſten zu hören. Gewöhnlich werden dabei nur ſchwache Bewegungen ausgeführt, bisweilen zeigen ſich aber heftige Zuckungen, namentlich, wenn das Junge dem Verenden nahe iſt. Die Behandlung muß vor allen Dingen raſch eingeleitet werden. Zunächſt iſt der Schleim, der ſich in der Maulhöhle be⸗ findet, mit der Hand, einem Tuch oder einem Strohwiſch zu ent⸗ fernen. Auch iſt ein wiederholtes Hervorziehen der Zunge von einigem Nutzen. Sodann iſt kaltes Waſſer über den Kopf oder auch über den Rumpf des Jungen zu gießen und darnach die Haut mit Strohwiſchen— kleine Tiere mit einem Tuch— abzureiben. Das Reiben wird ſo lange fortgeſetzt, bis das Junge anfängt, kräftigere Bewegungen zu machen. Hört der Herzſchlag auf, ſo ſind alle Bemühungen vergebens. 138 Krankheiten und Fehler neugeborener Tiere. In einigen Gegenden iſt es üblich, dem neugeborenen Kalbe raſch eine Handvoll Salz in das Maul zu bringen und hier zu⸗ gleich einzureiben. Ein ſolches Verfahren hat zwar in der Regel keinen Zweck, es kann aber unter Umſtänden von Nutzen ſein, da das Salz, wenn es an die Naſenöffnung gelangt, als Reizmittel zum Nieſen und damit zur Atmung Anregung giebt. Als Reiz⸗ mittel können auch Salmiakgeiſt oder Eſſig, die dem Jungen vor die Naſe gehalten werden, Anwendung finden. Wird ein Junges von Eihüllen eingeſchloſſen geboren, ſo ſind dieſe ſchleunigſt zu zerreißen. Die Vorbeugung beſteht darin, daß die Vollendung der Geburt nicht unnötigerweiſe verzögert wird und etwa erforderliche Hilfeleiſtungen ſo bald als möglich zur Ausführung gelangen. Es ſoll jedoch keineswegs eine übereilte Beſchleunigung der Geburt ſtattfinden, damit das Muttertier nicht in Gefahr gerät, und iſt in dieſer Hinſicht vor allem bei erſtgebärenden Tieren— namentlich Rindern— und überhaupt bei Verengerung des Geburtskanals große Vorſicht anzuwenden(vergleiche„Verengerung des Ge⸗ burtskanals“). 2. Mabelblutung. Gewöhnlich erfolgt nach der Durchtrennung des Nabelſtranges nur eine unbedeutende Blutung, die alsbald aufhört. Vereinzelt, namentlich bei ſchwächlichen Jungen, und am häufigſten beim Füllen, tritt jedoch eine ſtarke und anhaltende Nabelblutung ein. In ſolchem Fall iſt der Nabel mit einem reinen Band zu unter⸗ binden. 3. Barnkröpfeln aus dem RMabel. Der von dem noch ungeborenen Jungen abgeſonderte Harn wird durch den Nabelſtrang nach der Harnhaut und nach der Harn⸗ hautflüſſigkeit geführt. Nach der Geburt ſchließt ſich unter nor⸗ malen Verhältniſſen der Nabel. Mitunter, insbeſondere beim Füllen und ganz ausnahmsweiſe beim Kalb, tropft oder fließt beim Urinieren noch nach der Geburt ein Teil des Harns aus dem Nabel, namentlich dann, wenn der Nabel zu kurz abgeriſſen iſt. Ein ſolches Harntröpfeln verurſacht eine Reizung des Nabelſtumpfes und der an dieſen angrenzenden Haut. Es iſt daher ratſam, das Leiden, wenn es nicht alsbald von ſelbſt ſich verliert, durch einen Tierarzt behandeln zu laſſen. Angeborene Fehler. 139 4. Angeborene Rehler. Früchte, die mit erheblichen Mißbildungen oder Regelwidrig⸗ keiten behaftet ſind, kommen meiſt tot zur Welt oder werden als⸗ bald nach der Geburt getötet. Es giebt nun aber auch minder hochgradige angeborene Fehler, bei denen die Frage entſteht, ob und auf welche Weiſe ſie zu heilen ſind. Manche dieſer Fehler werden erſt einige Zeit nach der Geburt bemerkt. Hier ſollen nur die wichtigſten und die am meiſten auftretenden angeborenen Fehler erörtert werden. a) Mit Verkrümmung des Halſes behaftete Junge, insbeſondere Füllen werden nicht ſelten lebend geboren. Wenn der Hals dabei noch mit etwas Nachhilfe gerade geſtreckt werden und das Füllen ſaugen kann, ſo iſt Ausſicht vorhanden, daß ſich die Krümmung nach und nach einigermaßen verliert und eine Aufzucht des Tieres noch angebracht iſt. Der Fehler iſt meiſtens mit einer Verkrümmung des Kopfes verbunden. Dieſe verringert ſich jedoch allmählich und kann, wenn ſie nicht zu erheblich iſt, mit der Zeit ganz ausgeglichen werden. b) Verkrümmungen der Gliedmaßen finden ſich nicht ſelten beim Füllen und beim Kalb. Sie ſind manchmal die Folge von Sehnenverkürzungen oder von Verwachſungen der Gelenke, mitunter, insbeſondere bei Verbiegungen der Gliedmaßen nach der Seite hin, ſind ſie durch fehlerhafte Lagen verurſacht worden. Bisweilen ſind zugleich Verbildungen des Kopfes, Halſes oder anderer Teile vorhanden. Bei erheblichen derartigen Veränderungen iſt eine genügende Beſſerung nicht zu erwarten. Es iſt das beſonders der Fall, wenn die Tiere nicht einmal aufſtehen können, oder wenn es ſich um Verwachſungen von Gelenken handelt. Mäßige Verkürzungen der Beugeſehnen, namentlich an den Vorderfüßen, pflegen ſich je⸗ doch nach und nach auszugleichen. Es iſt Ausſicht dazu vorhanden, wenn das Junge die Füße wenigſtens ſoweit ſtrecken kann, daß beim Stehen die Zehenſpitze den Boden berührt. Iſt die Ver⸗ krümmung ſo ſtark, daß beim Gehen die vordere Fläche des Feſſel⸗ gelenks auf den Boden kommt, ſo iſt die Heilung ſchwer. Mit⸗ unter läßt ſich durch einen geeigneten Verband ein Erfolg er⸗ zielen.— Sind Seitwärtsbiegungen der Gliedmaßen nicht allzu bedeutend, ſo kann das Junge— auch Füllen— ganz brauchbar werden, ein gewiſſer Grad von Schiefheit bleibt jedoch leicht be⸗ ſtehen. 1 40 Krankheiten und Fehler neugeborener Tiere. c) Die Afterſperre iſt eine Mißbildung, bei der der Maſt⸗ darm nicht nach außen mündet, da die Afteröffnung fehlt. Das Übel findet ſich öfters bei Ferkeln, jedoch vereinzelt auch bei anderen Jungen. Der Zuſtand wird gewöhnlich erſt bemerkt, wenn das Junge wegen der behinderten Kotentleerung heftig und andauernd drängt. Bald wird der Hinterleib aufgetrieben, und es ſtellen ſich bei den Jungen der größeren Haustiere in kurzer Zeit erhebliche Störungen im Allgemeinbefinden ein. Ferkel, die mit Afterſperre behaftet ſind, bleiben jedoch auffallend lange munter. Sie ſaugen, wachſen aber nur wenig und werden immer dicker, bleiben jedoch manchmal mehrere Wochen am Leben. Die Behandlung beſteht in der Herſtellung einer künſtlichen Afteröffnung. Die zu dieſem Zweck erforderliche Operation iſt von einem Tierarzt auszuführen. Wenn das Maſtdarmende zu weit von der Haut der Aftergegend entfernt liegt, iſt die Operation er⸗ folglos. Bei weiblichen Jungen, namentlich bei Schweinen, fehlt mit⸗ unter zwar der After, der Maſtdarm mündet aber in die Scheide. Ein ſolcher Fehler wird in der Regel in den erſten Lebenswochen des Jungen gar nicht bemerkt, da der Kot, der anfänglich, ins⸗ beſondere ſo lange die Saugperiode dauert, noch weich iſt und ohne Schwierigkeit ſeinen Weg durch die Scheide nimmt. Später tritt indeſſen gewöhnlich Verſtopfung ein, und dann uniß durch eine Operation Hilfe geſchafft werden. d) Karpfenmaul oder Karpfengebiß nennt man einen angeborenen Fehler beim Pferd, der darin beſteht, daß der Ober⸗ kiefer zu lang oder der Unterkiefer zu kurz iſt. Infolge deſſen ragen die Schneidezähne des Oberkiefers mehr oder weniger weit über die Schneidezähne des Unterkiefers hervor. Geringe Grade dieſes Fehlers ſind nicht von erheblicher Be⸗ deutung. Bei ſtärker ausgebildetem Karpfengebiß berühren ſich jedoch die Schneidezähne nicht an ihren Reibflächen, und in ſpäterem Alter drücken die Zähne des Unterkiefers auf den Gaumen, und die Zähne des Oberkiefers ſtehen über die des Unterkiefers hervor und werden mit der Zeit ſehr lang. Eine ähnliche unregelmäßige Bildung iſt das Hechtsmaul, bei dem der Unterkiefer über den Oberkiefer hinausragt. Pferde mit derartigen mangelhaften Gebiſſen können ſchlecht freſſen, und es iſt daher die Aufzucht ſolcher Füllen mitunter nicht lohnend. 2—— SS—=— ———.,—————,——.,——,,—, Maſ⸗ Da h bei Junge rüngt. ei den ungen ſind, aber rchmal lichen t von weit ner⸗ mit⸗ heide. ochen ins⸗ und äter urch inen ber⸗ eſſen weit Be⸗ ſich terem und ervor maul, chlecht richt Angeborene Fehler. 141 e) Ein Hodenſackbruch beſteht, wenn ſich im Hodenſack nicht allein die Hoden, ſondern auch ein Teil der Gedärme oder des Netzes befindet. Der Fehler kommt oftmals bei Ferkeln, ziemlich häufig auch bei Füllen, aber nur ganz ausnahmsweiſe bei den Wiederkäuern vor. Die Urſache angeborener Hodenſackbrüche iſt hauptſächlich ein zu weiter Bauchring. Dieſer läßt unter gewöhnlichen Verhältniſſen nur die Hoden bezw. den Samenſtrang durchtreten. Der Fehler iſt vererbbar, und es iſt nicht ſelten, daß mehrere oder ſelbſt alle männlichen Ferkel eines Wurfes daran leiden. Ein Hodenſackbruch wird faſt immer erſt einige Zeit nach der Geburt bemerkbar, wenn infolge der Umfangsvermehrung der Ge⸗ därme ſowie der Bewegungen des Jungen ein Teil der Einge⸗ weide in den Hodenſack gedrängt wird. Gewöhnlich beſteht der Bruch nur an einer, und zwar meiſtens an der linken Seite, er kann aber auch rechts oder an beiden Seiten vorhanden ſein. Der Bruch ſtellt eine weiche, elaſtiſche Geſchwulſt dar. Beim Füllen erreicht der Hodenſackbruch mitunter einen beträchtlichen Umfang. Dabei entwickelt ſich das Tier jedoch ge⸗ wöhnlich ganz gut und das Allgemeinbefinden iſt nicht geſtört. Nur ganz ausnahmsweiſe entſteht eine Einklemmung des Bruches. Dann wird die Geſchwulſt hart, geſpannt und ſchmerzhaft. Zu⸗ gleich ſtellen ſich bei dem Füllen kolikartige Erſcheinungen ein, und wenn nicht ſchleunigſt von einem Sachverſtändigen Hilfe geleiſtet wird, tritt eine Entzündung der eingeklemmten Teile und der Tod des Tieres ein. In der Regel wird der Bruch, nachdem das Füllen einige Monate alt geworden iſt, nach und nach kleiner, und manchmal iſt er bei etwa 1 Jahr alten Tieren verſchwunden. Indeſſen iſt die Heilung häufig nur unvoll⸗ ſtändig, indem noch ein Leiſtenbruch beſtehen bleiben kann, bei dem ſich im Bauchring(Leiſtenkanal) Eingeweide befinden. Dieſe können aber unter gewiſſen Verhältniſſen, namentlich bei der Kaſtration der Tiere, weiter vorfallen. Es iſt daher bei der Kaſtration ſolcher Füllen große Vorſicht erforderlich, und es muß, auch wenn es ſcheint, als ob Heilung eingetreten ſei, der Operateur darauf aufmerkſam gemacht werden, daß ein Hodenſackbruch be⸗ ſtanden habe. Die Kaſtration der Füllen, die mit einem Hoden⸗ ſackbruch behaftet ſind, wird in beſonderer Weiſe ausgeführt. Es pflegt darnach der Bruch nicht wiederzukehren. Die Heilung kann zwar auch ohne Kaſtration verſucht werden, ——— b — 142 Krankheiten und Fehler neugeborener Tiere. indeſſen geſchieht das nur ſelten. Die mitunter angewandten Ein⸗ reibungen mit grüner Seife haben keinen Nutzen. Bei etwa 4—6 Wochen alten Ferkeln kann ein Hodenſack⸗ bruch reichlich ſo groß wie ein Gänſeei, bei älteren Schweinen noch erheblich größer werden. Am beſten iſt es, die Ferkel im Alter von 5—6 Wochen durch einen Sachverſtändigen kaſtrieren zu laſſen. Meiſtens verſchwindet darnach der Hodenſackbruch, bei ſehr weitem, ſchlaffen Bauchring kann er jedoch beſtehen bleiben oder ſich ſpäter von neuem einſtellen. Entſteht bei einem mehrere Monate alten kaſtrierten Schwein, das vor der Kaſtration nicht an einem Hodenſackbruch gelitten hat, eine Bruchgeſchwulſt, ſo kann es leicht zur Einklemmung der Gedärme kommen. Dann wird die vorher weiche und elaſtiſche Geſchwulſt hart, die Tiere verſagen das Futter und ſterben raſch, wenn nicht durch eine Operation Hilfe geſchafft wird, oder die Tiere noch rechtzeitig geſchlachtet werden. f) Ein Nabelbruch findet ſich nicht ſelten beim Füllen und beim Kalb, bisweilen auch beim Ferkel. Er entſteht, wenn der Nabelring, eine Offnung in den Bauchdecken, die gewöhnlich nur für den Durchgang des Nabelſtranges Raum hat, zu weit iſt. Dann dringen Darmſchlingen durch den Nabelring, die Haut dehnt ſich hier aus, und es bildet ſich an der Nabelgegend eine weiche, elaſtiſche Geſchwulſt von verſchiedener Größe; häufig hat ſie bei den großen Haustieren die Größe eines Hühner⸗ oder Gänſeeies, mitunter erreicht ſie jedoch den Umfang eines Menſchenkopfes. In der Regel wird ein Nabelbruch nicht gleich bei der Geburt, ſondern erſt einige Tage oder Wochen ſpäter bemerkt. Kleinere Nabelbrüche verheilen nicht ſelten im Laufe mehrerer Wochen oder Monate von ſelbſt, größere und ſolche mit weitem Nabelring erfordern dagegen eine Behandlung, die von einem Tierarzt in verſchiedener Weiſe ausgeführt werden kann. Beim Füllen wird der Nabelbruch gewöhnlich im Alter von 3— 4 Monaten durch Abnähen oder Abbinden operiert, ebenſo bei Kälbern und Schweinen. In geeigneten Fällen können jedoch auch andere Be⸗ handlungsweiſen zur Anwendung kommen. g) Zurückbleiben der Hoden. Die Hoden gelangen mit⸗ unter nicht in den Hodenſack, ſondern bleiben in der Bauchhöhle zurück. Es kommt dies öfter beim Schwein, nicht ſelten beim Pferd und mitunter auch beim Rind vor. Pferde, die mit dem Fehler behaftet ſind, nennt man wohl Spitzhengſte, Klapphengſte ———.— ð——ꝑꝝᷣ n Ein⸗ denſk. weinen kel in trieren h, bei bleiben tehrere dicht kann d die rſagen ration lachtet und m der nur Nichtabgang des Darmpechs. 143 oder Klopfhengſte, Schweine Klapphauer oder Binneneber. Ohne Zweifel iſt der Fehler vererbbar. Es macht ſich dies am meiſten bei Schweinen bemerkbar; es befinden ſich bisweilen bei einem Wurf Ferkel 2 oder 3 Klapphauer. Meiſtens iſt nur der eine Hoden— und zwar weitaus am häufigſten der linke— zurück⸗ geblieben, in einzelnen Fällen ſind jedoch beide Hoden in der Bauchhöhle. Der Fehler pflegt beim Füllen erſt bemerkbar zu werden, nachdem dieſes einige Wochen oder Monate alt geworden iſt, und nun der Hoden nicht zu fühlen iſt. Es iſt aber zu beachten, daß junge Tiere die Hoden manchmal ſtark aufziehen, ſo daß ſie bei der gewöhnlichen Betaſtung nicht wahrgenommen werden, es muß daher wiederholt unterſucht werden. Pferde, bei denen der Fehler vorhanden iſt, zeigen ſich in ſpäteren Jahren meiſtens als Hengſte und ſind dann oftmals zu Dienſtleiſtungen wenig geeignet. Es wird deshalb in der Regel die Kaſtration vorgenommen. Dieſe iſt zwar nicht ungefährlich, ſie nimmt aber doch in der weitaus großen Mehrzahl der Fälle einen günſtigen Verlauf.— Auch Rinder können operiert werden. Schweine, bei denen ein oder beide Hoden in der Bauch⸗ höhle zurückgeblieben ſind, pflegen zur Maſt wenig tauglich zu ſein, da ihr Fleiſch, wenn ſie nicht ſchon in frühem Alter ge⸗ ſchlachtet werden, faſt immer einen widerlichen Geruch und Ge⸗ ſchmack beſitzt. Am beſten werden die Ferkel im Alter von 6 bis 8 Wochen kaſtriert, was nicht mit erheblicher Gefahr verbunden iſt. Es kommt dabei aber nicht ſo ganz ſelten vor, daß der Hoden in der Bauchhöhle nicht zu finden iſt, ſei es, daß er verkümmert iſt, oder ſei es, daß er wegen ſeiner beſonderen Lage vom Operateur nicht wahrgenommen wird. Ausnahmsweiſe wird beobachtet, daß der Hoden ſich neben oder vor dem Hodenſack oder noch an anderen Stellen außer⸗ halb der Bauchhöhle aufhält. 5. Michkabgang des Darmpechs. Bald nach der Geburt ſetzt das Junge unter gewöhnlichen Verhältniſſen den erſten Kot, das Darmpech, ab. Dieſes iſt von zäher Beſchaffenheit. Namentlich bei ſchwächlichen Jungen, ins⸗ beſondere bei Füllen, kann es geſchehen, daß ſie nicht imſtande ſind, das Darmpech auszuſcheiden. Dabei drängen die Tiere häufig und anhaltend, liegen viel, 144 Krankheiten und Fehler neugeborener Tiere.„ zeigen kolikartige Unruhe, verlieren den Appetit und verenden ſo⸗ gar in hartnäckigen Fällen, wenn keine Hilfe gebracht wird. Zur Behandlung genügen manchmal Einführungen von lau⸗ warmem Waſſer und Ol mittelſt einer Klyſtierſpritze oder eines Gummiſchlauches, in hartnäckigen Fällen iſt die Hinzuziehung eines Tierarztes ratſam. 6. Mabelenkzündung. Nabelentzündungen finden ſich am häufigſten bei Kälbern, manchmal aber auch bei Schaflämmern— wenn die Schafe in größeren Herden gehalten werden— ſowie beim Füllen. Urſachen. Eine Nabelentzündung kann entſtehen, wenn der Nabel gequetſcht oder gezerrt wird, oder wenn das Muttertier oder junge Tiere(Kälber) daran lecken. Durch ſolche Einwirkungen werden namentlich Entzündungen der Umgebung des Nabels aber auch des Nabelſtranges ſelbſt veranlaßt. Schwere Nabelentzün⸗ dungen neugeborener Tiere werden aber hauptſächlich durch An⸗ ſteckungsſtoffe hervorgerufen, die ſich beſonders in dem verunreinigten Stallboden befinden und von hier aus an den Nabel gelangen. Ein Anſteckungsſtoff muß immer vorhanden ſein, wenn die Nabel⸗ entzündung in ſeuchenartiger Verbreitung auftritt und in den Stallungen einen großen Teil der jungen Tiere befällt. Die Erſcheinungen und der Verlauf ſind, je nachdem die Entzündung vorzugsweiſe die Umgebung des Nabels be⸗ trifft, oder auch der Nabelſtrang, insbeſondere die Nabelvene, ſtark in Mitleidenſchaft gezogen iſt, verſchieden. Iſt erſteres der Fall, ſo entſteht in der Nabelgegend eine mehr oder weniger umfangreiche Geſchwulſt, die oftmals etwa die Größe einer Fauſt erreicht. Die Geſchwulſt iſt heiß und ſchmerzhaft. Dabei iſt der Nabelſtrangreſt, der unter gewöhnlichen Verhältniſſen eintrocknet und in einigen Tagen abfällt, feucht und übelriechend. Sodann kommt es zur Eiterung, und es bildet ſich ein Nabelgeſchwür. (Ein ſolches kann ſich übrigens auch bei größeren Kälbern und ſelbſt bei erwachſenen Rindern entwickeln, es ſteht dann aber nicht mit dem Nabelſtrang im Zuſammenhang und iſt meiſtens nicht gefährlich.) Wenn ſich die Entzündung hauptſächlich auf den Nabelſtrang beſchränkt, ſo ſind die äußeren Merkmale der Krankheit nicht ſo hervortretend. Indeſſen pflegt der Nabelſtumpf feucht zu ſein und hin und wieder etwas jauchige oder eitrige Flüſſigkeit abzutropfen. Nur dann, wenn eine Entzündung allein an dem weiter nach —.—— ͤ ——, Nabelentzündung. 145 oben, in der Bauchhöhle, gelegenen Teil des Nabelſtranges vor⸗ handen iſt, fehlen äußere Erſcheinungen. Wenn die Entzündung auf den unteren Teil des Nabels und auf deſſen Umgebung begrenzt bleibt, ſo verläuft das Leiden manchmal ziemlich günſtig. Es iſt zwar das Allgemeinbefinden der Kranken geſtört, ſie nehmen weniger Nahrung und magern ab, es erfolgt aber gewöhnlich nach einiger Zeit Heilung. Oft genug iſt jedoch der Verlauf ungünſtig. Die Tiere ver⸗ lieren nach und nach ganz den Appetit, fiebern ſtark, werden matt, liegen viel und gehen in einigen Tagen oder Wochen zu Grunde. Einen ſolchen Ausgang nimmt die Krankheit namentlich, wenn von der Nabelvene aus faulige oder eitrige Stoffe in das Blut und mit dieſem in verſchiedene Körperteile gelangen. Auf dieſe Weiſe entſteht auch die eitrige Gelenkentzündung. Behandlung. Sohbald ſich durch eine feuchte Beſchaffenheit des Nabelreſtes die Entzündung bemerkbar macht, iſt der Nabel mit einem fäulniswidrigen Mittel, z. B. mit einer 4— 5 prozent. Karbol⸗ ſäurelöſung, täglich mehrmals einzupinſeln. Indeſſen muß bei An⸗ wendung ſolcher Mittel die behaarte Haut geſchont werden, da dieſe durch ſolche Arzneien leicht zu ſtark gereizt wird. Eine erhebliche Nabelgeſchwulſt(Geſchwür) muß mitunter geöffnet werden, was aber durch einen Tierarzt geſchehen ſoll, da der Laie zuweilen Nabelbruch und Nabelgeſchwür mit einander verwechſelt, und er beim Einſchneiden in dem Bruchſack liegende Eingeweide verletzen kann. Es iſt überhaupt ratſam, bei Nabelentzündungen die Hilfe eines Sachverſtändigen in Anſpruch zu nehmen. Vorbeugung. Schon bei der Geburt des Jungen muß darauf geachtet werden, daß dieſes nicht mit fauligen Stoffen, ins⸗ beſondere auch nicht mit Streu, die etwa durch fauligen Ausfluß aus der Scheide vernnreinigt iſt, in Berührung kommt. Zum Abbinden des Nabels iſt nur friſches, ſauberes und möglichſt in einer Karbolſäurelöſung desinfiziertes Material zu verwenden. Beſondere Vorſichtsmaßregeln ſind erforderlich, wenn in einem Stall ſchon Nabelentzündungen aufgetreten ſind. Vor allem dürfen neugeborene Junge nicht in einen Raum gebracht werden, wo ſich an Nabelentzündung leidende Tiere befinden, oder wo ſich ſolche vor einiger Zeit aufgehalten haben. Wo einmal Anſteckungs⸗ ſtoffe, die Nabelkrankheiten verurſachen, vorhanden ſind, laſſen ſie ſich ſchwer entfernen. Sie halten ſich am eheſten in dem oft mit Fäulnisſtoffen verſchiedener Art durchſetzten Stallboden, und iſt dieſer daher möglichſt zu erneuern. Tapken, Geburtshilfe. 2. Auflage. 10. 146 Krankheiten und Fehler neugeborener Tiere. Es empfiehlt ſich auch nach Vorkommen von Nabelentzündungen den Nabelſtumpf der neugeborenen Tiere ſofort zu behandeln. Sehr wirkſam iſt es, wenn der Nabelſtumpf 3— 4 Minuten in eine Löſung von 1 Teil Kreolin in 10 Teilen Spiritus gehalten wird. 7. Eitrige Gelenkenkzündung, Tähme. Unter dem Namen Lähme wurden früher— und vielfach geſchieht das auch jetzt noch— verſchiedenartige krankhafte Zu⸗ ſtände junger Tiere zuſammengefaßt, die ſich aber darin gleichen, daß ſie mit Bewegungsſtörungen verbunden ſind; ſolche Krank⸗ heiten ſind namentlich: die eitrige Gelenkentzündung, Knochen⸗ weiche, Skrofuloſe, Blutarmut, allgemeine Lebensſchwäche, Rheu⸗ matismus. Unter Lähme im engeren Sinne des Wortes verſteht man eine eitrige Entzündung der Gelenke und deren Umgebung. Dieſe Krankheit kommt hauptſächlich bei Füllen und Kälbern vor und wird bei dieſen Füllenlähme, Kälberlähme genannt, ſie fehlt aber auch bei Schaflämmern nicht. In einigen Gegenden be⸗ zeichnet man dieſe Gelenkentzündung als„Einſchuß.“ ¹) Urſachen. Die eitrige Gelenkentzündung wird durch eine Nabelentzündung(vergleiche dort) hervorgerufen, wenn in der Nabelvene vorhandene eitrige oder jauchige Teile durch die Blut⸗ bahn nach den Gelenken gelangen. Häufig genug erſcheint aller⸗ dings der äußerlich ſichtbare Teil des Nabels völlig geſund, dann pflegen aber im oberen Abſchnitt des Nabelſtranges Veränderungen zu beſtehen, oder es iſt die Entzündung mit dem Auftreten des Gelenkleidens bereits abgeheilt. Jedenfalls geht aber die Krank⸗ heit vom Nabel aus, ſie wird in gleicher Weiſe wie die Nabel⸗ entzündung durch Anſteckungsſtoffe hervorgerufen. Erſcheinungen. Die eitrige Gelenkentzündung ſtellt ſich faſt ausnahmslos in den erſten Tagen oder Wochen nach der Geburt ein. Es zeigen ſich dann plötzlich ein oder mehrere Gelenke geſchwollen, ſchmerzhaft und vermehrt warm. Am häufigſten werden Sprung⸗ gelenk, Vorderknie⸗ und Hinterkniegelenk und das Feſſelgelenk 1) Dieſer Einſchuß iſt nicht zu verwechſeln mit einer anderen Krank⸗ heit, die namentlich an dem Hinterſchenkel— beſonders an der inneren Fläche des Oberſchenkels— des Pferdes vorkommt und ſich durch eine raſch auftretende Geſchwulſt kennzeichnet. Hierbei handelt es ſich um eine rotlaufartige Entzündung der Haut und der Lymphdrüſen. Auch dieſe Krankheit, die meiſt ältere Pferde befällt, wird in einigen Gegenden„Ein⸗ ſchuß“ genannt. ungen Sehr eine wird. ielfach 2 Zu⸗ eichen, drank⸗ ochen⸗ Rheu⸗ man Dieſe r und fehlt be⸗ eine der Blut⸗ aller⸗ dann ngen des rank⸗ tabel⸗ h faſt t ein. oollen, rung⸗ gelelk Krank⸗ nneren h eine m eine jdieſe Ein⸗ ' Ruhr. 147 befallen. Dabei iſt ſtarke Lahmheit vorhanden. Beſonders wenn mehrere Gelenke ergriffen ſind, vermögen die Kranken bald nicht mehr aufzuſtehen. Dabei verringert ſich der Appetit oder hört ganz auf, es ſtellt ſich Abmagerung und Schwäche ein.— Nicht ſelten kommt es an den Gelenken zum Durchbruch, und es fließt eine eitrige, jauchige Flüſſigkeit ab. Der Verlauf iſt verſchieden. Manchmal tritt ſchon in wenigen Tagen der Tod ein, meiſtens aber innerhalb 2 bis 4 Wochen. Nur wenige Kranke erholen ſich nach und nach; ſehr häufig aber werden auch dieſe nicht völlig geſund, indem ſie ſich mangelhaft entwickeln, und die befallenen Gelenke verdickt und ſteif bleiben. Die Behandlung hat ſich auf die Gelenke ſowie auf den Nabel zu erſtrecken, wenn dieſer ſichtbar erkrankt iſt. Beim Nabel iſt, wie es bei Nabelentzündung angegeben iſt, zu verfahren. Es kann auch die Anwendung innerlicher Mittel zweckmäßig ſein. Hinſichtlich der Vorbeugung iſt das Gleiche wie bei der Nabelentzündung zu beachten. 8. Kuhr. Die Verdauungsorgane neugeborener Tiere ſind von ſehr zarter Beſchaffenheit. Es iſt daher erklärlich, daß bei jungen Tieren nach anſcheinend geringfügiger Veranlaſſung manchmal er⸗ hebliche Verdauungsſtörungen, insbeſondere aber Durchfälle, ein⸗ treten. So kann eine Veränderung der Muttermilch, die unter anderem bei der Brunſt— namentlich beim Pferd— ſodann nach gewiſſen Futtermitteln oder Arzneien ſich bemerkbar macht, Durchfall der Säuglinge herbeiführen. Ebenſo kann Durchfall entſtehen, wenn die dargereichten Nahrungsmittel von mangel⸗ hafter Beſchaffenheit ſind, oder die Fütterung nicht regelrecht ge⸗ handhabt wird. Da die genannten Urſachen mitunter gleichzeitig auf alle jüngeren Tiere einer Gattung, die ſich in einem Stall befinden, einwirken, ſo können die Durchfälle auch in größerer Verbreitung vorkommen. Die Krankheit pflegt aber nach der Ent⸗ fernung der Urſachen und bei geeignetem Verfahren in Heilung überzugehen, ſie kann aber auch chroniſch werden und zum Tode führen. Von ungleich größerer Bedeutung als dieſe gewöhnlichen Durchfälle iſt die anſteckende Ruhr, auch weiße Ruhr ge⸗ nannt. Dieſe zeigt ſich vorzugsweiſe bei Kälbern, nicht ſelten aber auch bei Ferkeln, Schaflämmern und Fohlen. Sie verurſacht in 10* 148 Krankheiten und Fehler neugeborener Tiere. einigen Gegenden ganz außerordentliche Verluſte, ſo daß in manchen Beſtänden der größte Teil der Kälber daran zu Grunde geht. Urſachen. Der Anſteckungsſtoff der Ruhr iſt in dem Kot der kranken Tiere vorhanden und kann durch dieſen überall im Stall verbreitet und durch Menſchen und Tiere, ſowie durch Streu oder andere Gegenſtände verſchleppt werden. In einem Stall, der durch den Anſteckungsſtoff verunreinigt iſt, kann ſich dieſer lange wirkſam erhalten. Mehrfach iſt beobachtet worden, daß Verwerfen und an⸗ ſteckende Ruhr in einem Stall zuſammen auftreten. Es wird vielfach angenommen, daß eine Anſteckung der Kälber bereits im Mutterleibe oder bei der Geburt erfolgen könne. Erſcheinungen. Die Krankheit tritt bei Kälbern in der Regel ſchon in den erſten Tagen nach der Geburt ein. Der Appetit vermindert ſich oder hört ganz auf, und es ſtellt ſich Durchfall ein. Anfänglich iſt der Kot meiſtens noch gelblich, bald aber wird er weißlich— daher der Name„weiße Ruhr“— ſehr dünn, ſchleimig und mit bröckligen Teilen(Milchgerinnſeln) und manchmal auch mit Blut vermiſcht(rote Ruhr). Dabei iſt der Kot von üblem, fauligem Geruch. Häufig iſt bei den Kranken ſtarkes Drängen bemerkbar, oder es geht der Kot unwillkürlich ab. Die Tiere werden raſch hinfällig, liegen viel, die Augen treten tief in ihre Höhlen zurück. Bei ungünſtigem Verlauf erfolgt der Tod mitunter ſchon innerhalb 24 Stunden, gewöhnlich aber nach 2 bis 3 Tagen oder, bei älteren Kälhern, nach einigen Tagen. Sehr viele von dieſer Ruhr befallene Kälber ſterben, die Ge⸗ neſenden erholen ſich in der Regel nur langſam. Füllen erkranken an der Ruhr manchmal ſchon in den erſten Tagen nach der Geburt, mitunter jedoch ſpäter. Lämmer erkranken am häufigſten in den erſten 3 Tagen nach der Geburt. Erſcheinungen und Verlauf ſind bei ihnen ähnlich wie beim Kalb. Behandlung. Sowohl gegen den gewöhnlichen Durchfall als auch gegen die Ruhr werden zahlreiche Mittel empfohlen und angewandt. Da die Arzneien je nach Lage des Falles zu ver⸗ ordnen ſind, ſo muß von ihrer Aufzählung hier abgeſehen werden. Die Vorbeugung iſt ſelbſtverſtändlich von größter Wichtig⸗ keit. Nach mehrfachen Beobachtungen hat es ſich mitunter als wirkſam erwieſen, wenn hochträchtige Kühe 4—8 Wochen vor dem Gebären aus ihrem Stall, der mit Anſteckungsſtoffen verunreinigt war, entfernt wurden. Sofort nach der Geburt ſind die Kälber in einen von Anſteckungsſtoffen freien Raum und vor allem nicht Anſteckende Lungenentzündung der Kälber 149 mit ruhrkranken Kälbern zuſammen zu bringen. Ein verunreinigter Stall iſt auf das forgfältigſte zu behandeln und namentlich der Fußboden auszugraben und zu erneuern. 9. Anſteckende Tungenenkzündung der KRälber. Die anſteckende Lungenentzündung kommt faſt ausſchließlich bei Kälbern im Alter bis zu 3 Monaten vor. Die Krankheit kennzeichnet ſich hauptſächlich durch Huſten, Atembeſchwerden und Fieber. Dabei verringert ſich mehr und mehr der Appetit, und häufig ſtellen ſich auch Verdauungsſtörungen, insbeſondere Durchfall, ein. Dann werden die Tiere hinfällig, liegen viel mit vorgeſtrecktem Kopf und ſtöhnen. Je jünger die erkrankten Kälber ſind, deſto ungünſtiger ſind die Ausſichten auf Geneſung, bei älteren Kälbern tritt eher Heilung ein. Die Krankheit wird ohne Zweifel durch heſondere Anſteckungs⸗ ſtoffe hervorgerufen, ihre Entſtehung wird aber durch unzweck⸗ mäßige, hauptſächlich durch zu warme und mangelhaft gelüftete Stallungen begünſtigt. Hinſichtlich der Behandlung iſt namentlich für friſche Luft und gute Ernährung zu ſorgen. Etwa vorhandene Verdauungs⸗ ſtörungen ſind in geeigneter Weiſe zu behandeln. Die Vorbeugung hat darin zu beſtehen, daß die geſunden Kälber aus dem Stall, wo ſich kranke Tiere befinden oder auf⸗ gehalten haben, entfernt und in einen möglichſt abgelegenen, reinen Raum gebracht werden. Insbeſondere iſt den neugeborenen Kälbern ein nicht mit Anſteckungsſtoffen verunreinigter Stall zu geben. Bei der Fütterung iſt dafür zu ſorgen, daß eine Verſchleppung des Anſteckungsſtoffes, etwa durch Perſonen oder durch Futtergeräte, nicht erfolgen kann. Stallungen, in denen ſich Kälber befunden haben, die an der anſteckenden Lungenentzündung gelitten haben, ſind auf das ſorg⸗ fältigſte zu reinigen und wenigſtens für längere Zeit nicht wieder mit Kälbern zu beſetzen. 19. Knochenweiche. Die Knochenweiche kommt bei jugendlichen Tieren und zwar vorzugsweiſe beim Schwein vor. Urſachen. Bei neugeborenen und jugendlichen Tieren beſteht das Skelett erſt zu einem Teil aus Knochenmaſſe, zum weſentlichen 150 Krankheiten und Fehler neugeborener Tiere. Teil aber noch aus Knorpelgewebe. Erſt nach und nach tritt an Stelle des Knorpels durch Einlagerung von Kalkſalzen Knochen⸗ gewebe. Wenn nun in der Nahrung zu wenig Kalk enthalten iſt, ſo geht dieſe Verknöcherung nicht in gehöriger Weiſe vor ſich, die Knochen bleiben vielmehr länger als unter gewöhnlichen Ver⸗ hältniſſen weich. Zugleich entſtehen verſchiedene Verbildungen, ins⸗ beſondere Verdickungen und Anſchwellungen der Knochen, nament⸗ lich an ihren Gelenkenden. Einen ſehr geringen Kalkgehalt haben unter anderem die Kartoffeln. Eine ausſchließliche Ernährung junger Schweine mit dieſem Futtermittel kann Knochenweiche veranlaſſen. Es zeigt ſich deshalb die Krankheit auch ſo häufig nach guten Kartoffelernten. Wenn nun auch eine mangelhafte Ernährung die weſentlichſte Urſache der Knochenweiche iſt, ſo ſind doch auch noch andere Um⸗ ſtände von erheblichem Einfluß auf die Entſtehung der Krankheit. Dieſe tritt hauptſächlich in ſolchen Beſtänden auf, die andauernd im Stall gehalten werden oder nur einen kleinen„Auslauf“ zur Verfügung haben, dagegen erſcheint ſie ſelten bei Ferkeln, die von Weideſchweinen abſtammen, und die ſelbſt die Weide beſuchen. Be⸗ günſtigt wird die Entwickelung der Knochenweiche durch Ver⸗ dauungsſtörungen. Endlich kommt eine erbliche Anlage in Betracht. Schweine, die einer feinen, frühreifen Raſſe angehören und ſich durch hohe Maſtfähigkeit auszeichnen, werden am leichteſten von der Krankheit ergriffen. Erſcheinungen. Die Knochenweiche entwickelt ſich meiſtens einige Zeit nach dem Abſetzen der Ferkel. Dieſe zeigen einen ſteifen, geſpannten Gang und liegen viel. Sodann treten nament⸗ lich an den Knochen der Gliedmaßen Verdickungen auf, ſund die Knochen verbiegen ſich, ſie werden krumm. Auch verbiegt ſich häufig der Rücken nach oben oder nach unten. Die Freßluſt nimmt ab, es ſtellen ſich leicht Durchfälle ein, und die Tiere magern ab und gehen ſchließlich zu Grunde, wenn nicht die Krankheit durch geeignete Behandlung gehoben wird. Behandlung. Das weſentlichſte Erfordernis iſt eine paſſende Ernährung und Haltung der Tiere. Als Futter iſt beſonders Milch, Hafer oder Gerſte zu empfehlen. Wenn die Jahreszeit und andere Verhältniſſe es zulaſſen, und die Kranken noch im⸗ ſtande ſind, zu gehen, ſo iſt für einen genügenden Aufenthalt im Freien, wenn möglich auf der Weide, zu ſorgen. Auch kann es zweckmäßig ſein, den Patienten präpariertes(aufgeſchloſſenes) Knochen⸗ mehl(Futterkalk) zu geben, und zwar etwa 3 Monate alten Ferkeln itt an ochen⸗ ten iſt c, die Ver⸗ t ins⸗ ament⸗ m die ne mit it ſich ernten. tlichſte e Un⸗ nncheit auernd f' zur wie don 1. Ve⸗ ˖Ver⸗ etrach nd ſih en von neiſte einen dament⸗ ud di it ſch rinnt ern üd t durch offende ſondel reszet ch in⸗ zalt in ann es nochen⸗ Ferkel Schnüffelkrankheit— Blutarmut. 151 täglich drei⸗ bis viermal ½ Theelöffel voll, älteren Tieren ent⸗ ſprechend mehr. Die Vorbeugung beſteht in gehaltreicher Ernährung, ge⸗ nügender Bewegung, Weidegang. Zuchten, in denen Knochenweiche häufig iſt, müſſen abgeſchafft werden. 11. Schnüffelkrankheit. Mit dem Namen Schnüffelkrankheit werden verſchiedene bei jugendlichen Schweinen vorkommende Krankheiten bezeichnet, die inſofern mit einander übereinſtimmen, als ſie ſich durch erſchwertes und mit einem ſchnüffelnden Geräuſch verbundenem Atmen, ſowie durch Verkürzung und Verdickung der Naſe äußern. Auch iſt dabei ein ſchleimiger oder eitriger Naſenausfluß vorhanden. Das hörbare Atmen macht ſich zunächſt nur bei der Futteraufnahme, ſowie bei Aufregung, bei Verſchlimmerung der Krankheit jedoch anhaltend bemerkbar. Gewöhnlich dauert dieſe recht lange; da die Futteraufnahme dabei erſchwert iſt, führt ſie zur Abmagerung und endlich zum Tode der erkrankten Tiere. Die Schnüffelkrankheit wird nur bei Schweinen, die einer veredelten Raſſe angehören und einen kurzen Rüſſel haben, be⸗ obachtet. Sie iſt häufig zugleich mit Knochenweiche vorhanden und ſtellt dann eine beſondere Form derſelben dar, es können aber auch ein bösartiger chroniſcher Naſenkatarrh, Tuberkuloſe oder andere Veränderungen die Erſcheinungen der Schnüffelkrankheit hervorrufen. Durch kräftige Ernährung und friſche Luft kann im Beginn der Krankheit verſucht werden, günſtig auf ihren Verlauf ein⸗ zuwirken. In der Regel iſt aber alle Mühe vergebens und daher im allgemeinen eine rechtzeitige Schlachtung anzuraten. 12. Blutarmut. Blutarmut oder Bleichſucht wird in einigen Gegenden häufig bei Ferkeln beobachtet. Urſachen. Blutarmut entſteht zum Teil infolge einer an⸗ geborenen Anlage dazu, zum Teil wird ſie durch fehlerhafte Haltung und Ernährung der Ferkel bedingt. Es erkranken am häufigſten Ferkel ſolcher Muttertiere, die eine große Neigung zum Fettanſatz haben, die allzu üppig ernährt werden, und denen wenig Gelegenheit zur Bewegung geboten wird. Auf die Ferkel wirkt 152 Krankheiten und Fehler neugeborener Tiere. ſodann noch ein Aufenthalt in ſchlecht gelüfteter Stallung un⸗ günſtig ein. Erſcheinungen. Die jungen Tiere entwickeln ſich in der erſten Zeit nach der Geburt recht gut, oftmals werden ſie ſogar auffallend fett. Nachdem ſie ungefähr 14 Tage alt geworden ſind, fangen ſie an, raſch und erſchwert zu atmen; man nennt daher die Krankheit in einigen Gegenden„Bauchſchlagen“. Bei näherer Unterſuchung findet ſich, daß die Ferkel blaß ausſehen und ſtarkes Herzklopfen haben. Sie ſind dabei außerordentlich matt und laſſen ſich leicht greifen. Die Saugluſt nimmt bald ab, und meiſtens führt die Blutarmut raſch zum Tode. Nur in leichteren Fällen kann nach und nach Heilung erfolgen. Hinſichtlich der Behandlung iſt auf mäßige, aber gehaltreiche Ernährung der Muttertiere ſowie auf reine Stallluft zu ſehen. Die Vorbeugung beſteht in einer möglichſt naturgemäßen Haltung und Ernährung der Muttertiere. 13. Ruß der Ferkel. Der„Ruß“, auch wohl„Borkenausſchlag“ oder„Pechräude“ genannt, iſt eine Hautkrankheit der Ferkel. Die Urſachen ſind nicht genau bekannt. Da die Krankheit aber am meiſten und bösartigſten bei ſolchen Ferkeln vorkommt, die in kleinen, dunkelen und ſchlecht gelüfteten Stallungen gehalten werden, und die ſchon an und für ſich ſchwach entwickelt ſind, ſo iſt anzunehmen, daß ihre Entſtehung manchmal durch fehlerhafte Haltung und Ernährung begünſtigt wird. Erſcheinungen. Gewöhnlich beginnt die Krankheit einige Tage nach der Geburt, mitunter jedoch erſt ſpäter. Es bilden ſich dann an verſchiedenen Stellen, und zwar zuerſt namentlich um die Augen herum, kleine Bläschen. Dieſe platzen raſch, und es ent⸗ ſtehen Borken und Kruſten von ſchwarzbraunem Ausſehen. Der Ausſchlag und die Borken breiten ſich oft, namentlich wenn recht junge Ferkel davon befallen werden, über den ganzen Körper aus. Dabei vermindert ſich der Appetit, die Tiere werden hinfällig, bekommen Durchfall und ſterben meiſtens in wenigen Tagen. Nicht ſelten werden im Lauf einiger Tage alle Ferkel eines Wurfes von der Krankheit ergriffen und hingerafft. Wenn ſich der Ausſchlag bei älteren Ferkeln in geringerer Ausdehnung zeigt, ſo ſind die Ausſichten günſtiger, und es pflegt Geneſung zu erfolgen. Indeſſen gedeihen die Ferkel meiſtens längere Zeit nicht recht. g m⸗ in de ſoge en ſin, her die näͤherer torks dlaſſee neſtens Fällen altreice ehen. gemäßen hränder rronkheit orkommt gehalln find, h hlerhute it einige ilden ſh h un NR Hes en⸗ en. Del enn rect rper uö. hinfüll en. Nict urfts im geringene es pfle meiſtlt Krämpfe der Ferkel. 153. Behandlung. Es können Waſchungen mit lauwarmem Waſſer und Seife verſucht werden. Auch iſt die Anwendung von Mitteln, die die Abheilung befördern, zweckmäßig. 14. Krämpfe der Nerkel. Krämpfe der Ferkel ſind Anfälle von allgemeinen Krämpfen und Zuckungen, die in größeren Zwiſchenräumen auftreten. Urſachen. Am häufigſten werden die Ferkel bald nach dem Abſetzen vom Muttertier von Krämpfen befallen. Um dieſe Zeit erhalten ſie anſtatt der gewohnten Muttermilch manchmal eine Nahrung, die für den jugendlichen Körper und insbeſondere für die zarten Verdauungsorgane wenig geeignet iſt und leicht zu Verdauungsſtörungen führt. Dadurch werden die Krämpfe ohne Zweifel zum Teil veranlaßt. Indeſſen kommt auch eine erbliche Anlage zur Krankheit in Betracht. Erſcheinungen. Es ſtellt ſich plötzlich ein Krampfanfall ein. Das Tier fällt nach wenigen taumelnden Bewegungen, manch⸗ mal mit einem Aufſchrei, zu Boden. Am ganzen Körper machen ſich heftige Krämpfe und Zuckungen bemerkbar, die Beine werden krampfhaft bewegt, dabei ſind Verdrehungen der Augen, Zähne⸗ knirſchen, Schäumen und Speicheln vorhanden. Die Empfindung. und das Bewußtſein ſind aufgehoben. Ein ſolcher Anfall dauert gewöhnlich nur wenige Minuten. Dann ſteht das Tier auf und zeigt ſich bald wieder ganz munter. — Oft tritt ein Anfall während der Futteraufnahme ein. Häufig erfolgen nur ein oder wenige Anfälle, ſie hören dann dauernd auf, mitunter aber wiederholen ſie ſich öfter, mehrmals an einem Tage, und dann kann während eines Krampfanfalles, oder nachdem ſich allmählich Abmagerung eingeſtellt hat, der Tod eintreten. Behandlung. Während des Anfalls ſoll man das Tier ruhig liegen laſſen. Es iſt für eine mäßige Ernährung, namentlich mit Milch und Hafer, zu ſorgen und den Tieren friſche Luft und Bewegung zu geben. Etwa vorhandene Verdauungsſtörungen ſind in geeigneter Weiſe zu behandeln. Alphabetiſches Sachregiſter. Abortus Afterbrunſt. Afterſperre. Afterzitzen.. Aufenthaltsort gebärender T Tiere Austreibungsperiode Bandage.. Bandloſigkeit. Bandpfeiler.. Bauchhöhle, geſpaltene,(bei der Frucht)... Hauchböhlenträchigtet. Bauchlage... Bauchpreſſe Bauchquerlage. Bauchwaſſerſucht der Frucht. Bauchzwillinge. Becken Becken, Knochenauswüchſe am Becken, Verengerung desſelben Beckenausgang.. Beckenbruch Beckeneingang. Beckenhöhle Beckenknochen. Beeſtmilch. Biesmilch. Binneneber.. Bläschenausſchlag der Stiiche Blaſenvorfall. Blutarmut bei Ferkeln. Blutgeſchwulſt am Wurf. Blutmelken.... Blutung aus den Geburtsteilen Blutungen im Euter Blutvergiftung bei Geburts⸗ giftung bilfen Böswilligkeit des Schweins Borkenausſchlag. Brüllerkrankheit Brunſt. Brunſt, Dauer der. Brunſt, Erſcheinungen der Brunſt, Wüoderholung d der Bruſtkopflage. Damm. Dammriß. Darmpech, Nichtabgang d de 3⸗ ſelben.. Doppelkopf. Doppellendigkeit. Drillingsgeburten Drillingsmißbildungen. Dunſtkalb. Durchfall CEi. Eierſtock Eihäute.. Eizhautwaſſerſucht. Eileiter.. Einſchuß.. Emphyf em der Frucht Ernährung trächtiger Tiere Erffungsperiode Euter. ͤl=O O. ρ˙ 0 b ——— Alphabetiſches Sachregiſter. Seite Euter, Blutung im. 130 Euterbrand.... 125, 120 Euterentzündung... 122 „ brandige. 125 „ katarrhaliſche 122 „ b. d. Stute. 126 3 b. d. Schaf. 126 „ b. d. Ziege 127 b. d. Schwein 127 Euterſeuche des Weidediehs. 128 Eutertuberkuloſe.. 129 Euterverhärtung... 124 Extrauterinträchtigkeit 20 Fäulnis der Irucht. 31, 84 Fehlgeburt. 26 Ferkelfreſſen 118 Ferkelſterben.. 136 Feſtliegen nach der Geburt 115 „ nach leichter Geburt 118 „ nach ſchwerer Geburt 116 „ vor der Geburt 25 Naeß chſpange 53 . 13 Nuß weißer. 110 Fötus.. 11 Fohlenbrot.. 10 Fortpflanzungsorgane. 2 Frühgeburt. 26 Frucht..... 8 Fruchthälter(. auch Gebär⸗ mutter)...... 2 Fruchthälterbruch. 24 Fruchthälterwarzen. 3, 9 Fruchtkuchen 8 Fruchtwaſſer 10 Fußblaſe 34 Galt, gelber.. 127 Gebärfieber des Schweins. 118 Gebärmutter(ſ. auch Irucht⸗ hälter, Tragſack)... 2 Gebärmutter, trächtige. 8 Gebärmutterentzündung 107 „ atute.. 107 chroniſche 109 Gebärmutterhals. 3 Gebärmutterhals, Berengerung desſelben 54 Gebärmutterhöhle 4 Gebärmutterhörner. Gebärmutterkörper Gebärmutterverdrehung. Gebärmutterverletzungen Gebärmuttervorfall. Gebärpareſe.. Geburt, regelmäßige „ erſchwerte Geburtsfieber. Geburtskanal. Geburtskanal, desſelben Geburtslager. Geburtslähme. Geburtsrauſchbrand. Gelenkentzündung, üürige. Genicklage.. Geſäuge.. Geſchlechtsorgane. Geſchlechtsreife. Geſchwülſte als Geburtshinder⸗ nis. Größe, unverhältnismäßige(der Frucht). Größe, arverhältnismäßige der Schweinsfrucht) Haken(hei Geburtshilfen). Harnblaſe, Vorfall der. Harnhaut.. Harnhautfl üſſigkeit Harnſchnur.. Harntröpfeln aus dem Nabel Hautwaſſerſucht der Frucht Hechtsmaul. Hilfeleiſtung bei zegelmäßiger Geburt.. Hilfeleiſtung bei Geburt.. Hilfsmittel bei der Geburt Hinterendlage der Frucht.. Hinterfüße, fehlerhafte Lagen der.. Hoden, Zurückbleiben der. Hodenſackbruch Verengerung erſchwerter Inſtrumente, geburtshilfliche. Junges((ſ. auch Frucht) Junge, Behanölung neu⸗ geborener 156 Alphabetiſches Sachregiſter. Seite Kälberlähme...... 146 Kälberſterben. 135 Kalbeſieber....... 102 Karpfengebiß...... 140 Karpfenmaul...... 140 Karunkeln.... 9 Kitzler 2 Klapphauer...... 142 Klapphengſt...... 142 Klopfhengſt...... 143 Knochenweiche..... 149 Koloſtralmilch.... 13 Kopf, zu großer(d. Frucht) 76, 87 Kopf, Drehung desſelben.. 63 Kopf, fehlerhafte Lage des⸗ ſelben.. 60 Kopflage, ſeitliche.... 60 Krämpfe der Nardel.... 153 Kreuzbein...... 1 Kreuzlähme. 115 Kreuſibbeinbnder Sentung der... 14 Lage der Frucht-.... 35 Lagen, fehlerhafte.... 59 „„(b. Schwein) 89 „ ſenkrechte..... 72 Lageberichtigung üm allge⸗ meinen)...59 Lähme........ 146 Längslage....... 35 Lebensſchwäche nengebviener Tiere....... 136 Lederhaut.. 8 Lungenentzündung, anſtecende, der Kälber. 149 Maceration.... 31 Maſtdarmvorfall,.... 85 Maſtdarmzerreißung... 97 Melken... 41 Milch, nicht butternde, ſchäu⸗ mende.... 133 Milch, ſchlickrige, käſige.. 133 „ wäſſrige. 134 „ ſchleimige, fadenziehende 134 „ blaue... 134 „ LOte...... 134. gelbe..... 134 Milchdrüſe....... 4 Milchfehler. Milchfieber. Milchfiſtel. Milchfluß Milchgänge Milchkanal.. Milchmangel. Milchziſterne. Mißbildungen der Frucht. Mißbildungen der Sahweins⸗ frucht... Mißgeburten. Mitdrängen Mittelfleiſch“ Monatsreiterei Mumifikation. Mutterkuchen.. Muttermund(ſ. auch Gebär⸗ mutterhals). 1 Muttermund, Verengerung desſelben... Nabel, Harntröpfeln aus dem Nabelarterie.. Nabelblutung. Nabelbruch. Nabelentzündung. Nabelgeſchwür Nabelſtrang Nabelvene.. Nachgeburt, Zurückbleiben der Nacken⸗Vorderſchenkellage. Niederſchnüren des Rindes Richtbrurtern Nymphomanie. Pechräude. Querlagen bei der Frucht Querlagen bei der Schweins⸗ frucht. Rauſchen Rindern Roſſigkeit. Rückenlage der Frucht. Rücken⸗Kopflage. Rückenquerlage Ruhr Ruhr, rote. —— e SA5 S 6O0 CO cOo, M Alphabetiſches Sachregiſter. Ruhr, weiße.. Ruß der Ferkel. Saugwarze Schafhaut. Schafwaſſer.. Scham(ſ. auch Wurf). Scham, Verengerung der. Scheide. Scheide, Verengerung der. Scheide, Verletzungen der. Scheidenentzündung. Scheidenvorfall Scheintod.. Schnüffelkrankheit Schulterlage Schwellungen bei Trichtigtei Schwergeburten.— Schwermilchigkeit. Sehnen. Seitenlage der Frucht. Spitzhengſt.. Sprödigkeit der Striche Sprunggelenklage Starrkrampf. Steinfrucht. Steißlage. Steißlage beim Schwein Strich... 5 Sprödigkeit desſelben „ Bläschenausſchlag am. „ Warzen am. „ Verengerung desſelben. „ Verſchluß.. Stricke zur Geburtshilfe Trächtigkeit, Dauer der „ Zeichen der. Tragſack(ſ. auch Gebärmutter) Tuberkuloſe des Euters Überfruchtung. UÜberſchwängerung Umrindern.. Unfruchtbarkeit Unterſuchung bei geburten. Uterinmilch. Uterus. Schwer⸗ Seite 147 152 4 10 10 2 52 2 53 93 111 157 Seite Verengerung des Beckens. 55 „ des Gebärmutter⸗ halſes..... 54 Verengerung des Geburts⸗ kanals. 52 Verengerung des Geburts⸗ kanals beim Schwein 90 Verengerung der Scheide. 52 „ des Striches. 131 „ des Wurfes. 52 Verfohlen.. 26 Verkalben.. 26 Verkrümmungen der Glied⸗ maßen.... 892, 139 „ des Halſ es. 139 d. Halswirbel 82 Verkrümmungen der Wuirbel⸗ ſäule... 82 Verlammen 26 Verletzungen der Gebärmutter 94 „ d. Gebutärans 92 5 der Scheide. 93 des Wurfes. 92 Verſchluß des Süunches. 131 Verwerfen. 26 Vielträchtigkeit 20 Vorderendlage.. 36 Vorderfüße, feylerhaſte Lage der. 64 Vorderknielage 64 Vorderrückenlage beim Schwein 89 Voreuter 3 13 Vorfall der Gebärmutter. 97 „ der Harnblaſe 85 „ des Maſtdarms 85 „ der Scheide. 22 Vorfallbandage 101 Vorſichtsmaßregeln bei Ge⸗ burtshilfen... 48 Waſſerblaſe 34 Warzen am Strich. 133 Waſſerkopf.. 82 Wehen.. 33 Wehen zu ſtarke. 56 Wehenſchwäche. 55 Wehenſchwäche beim Schwein 89 Wurf. 2 Wurf, Verengerung desſelben 52 Wurflippen... 2 158 Alphabetiſches Sachregiſter. Seite Wurſſpalte. 2 Zwicker...... Wurmſchlag 128 Zwillingsgeburten, Regel⸗ widrigkeiten bei.. Zitze.. 2 V Zwillingskälber, Uiiruchtbar⸗ Zugkraft.. 77 keit der... Zurückbleiben der Hoden. 142 zwilingsmißbildungen. Zurückbleiben der Nachgeburt 112 Zwitter. 4 Druck von Hermann Beyer& Söhne in Langenſalza. Seite 17 73 17 79 17 Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10. Haubheb's landwirtschaftliche Tierheilkunde. Zwölfte, umgearbeitete Auflage. Herausgegeben von Dr. 0. Siedamgrotzky, Geh. Medizinalrat, Professor an der Kgl. Tierärztlichen Hochschule zu Dresden. Mit 105 Textabbildungen. Gebunden, Preis 12 M. Die Gesundheitspflege der landwirtschaftlichen Haussäugetiere. Praktisches Handbuch von Dr. Carl Dammann, Geh. Reg.- u. Medizinalrat, Prof. u. Direktor d. Kgl. Tierärztl. Hochschule zu Hannover. Zweite, neubearbeitete Auflage. Mit 20 Farbendrucktafeln und 63 Textabbildungen. Gebanden, Preis I4 M. Richter-Zorn.. Der Landwirt als Tierarzt. Die Kkrankheiten der Haustiere, ihre Erkennung, Heilung und Verhütung. Dritte Auflage, vollständig neu bearbeitet von E. Zorn, Kgl. Corpsrossarzt a. D. in Magdeburg. Mit 236 Textabbildungen. Gebunden, Preis 9 M. ROhlWés' Gesundheitspflege und Heilkunde der landwirtschaftlichen Haussäugetiere. Des Vieharzneibuchs zweiundzwanzigste Auflage, vollständig neu bearbeitet von Dr. G. Felisch, Kgl. Kreistierarzt in Inowrazlaw. Mit Textabbildungen. Gebunden, Preis 6 M. . Handbuch der. tierärztliehen Geburtshilfe von Dr. L. Franck, w. Professor und Direktor der Kgl. Tierarzneischule in München. Dritte, neubearbeitete Auflage, herausgegeben von Ph. Göring, Ober-Regierungsrat und Kgl. Bayerischer Landestierarzt in München. Mit 117 Textabbildungen. Gebunden, Preis 12 M. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Verlagsbuchhandlung Paul parexy in Berlin SW.) Hedemannstr. 10. Nachbars Rat in Viehnöten oder Wie der Landmann erkranktes Vieh pflegen und heilen soll. Langjährige Erfahrungen, mitgeteilt von Dr. L. Steuert, Professor an der Kgl. Bayer. Akademie für Landwirtschaft in Weihenstephan, Verfasser von: Das Buch vom gesunden und kranken Haustier. Mit 62 Textabbildungen. Gæbaunden, Preils 18 2 M 50 Pf 10 Eremplare 22 M. 20 Exemplare 40 M. Gesundheitspflege der landwirtschaftlichen Haussäugetiere. Bearbeitet von Dr. A. Johne. Königl. S. Medizinalrat, Professor an der Kgl. Tierärztlichen Hochsehule in Dresden. Mit 159 Textabbildungen. Gebꝛnden, Preis 2 M 50 P). Deutsches Rinder-Merkbuch. Einrichtung, Führung und Leistung der hervorragendsten Zuchten Deutschlands, Hollands und der Schweiz. Herausgegeben von Dr. RBamm, und Dr. Parey, Professor an der Kgl. Akademie Landwirtschaftl. Verlagsbuchhändler Bonn-Poppelsdorf. in Berlin. Mit 102 Rinder-Porträts im Toxt und 8 Farbendrucktafeln. Kartonniert, Preis 2 M 50 P. 19 Exemplare 20 M. 50 Bremplare 80 M. 100 Exemplare 150 M Die Rinderzucht. Körperbau, Schläge, Züchtung, Haltung und Nutzung des Rindes. Praktisches Handbuch von Dr. H. Werner, Geh. Reg.-Rat, Professor an der Kgl. landw. Hochschule in Berlin. Mit Textabbildungen und 136 Tafeln mit Rinderporträts. Gebunden, Preis 20 M. Rohde's Schweinezucht. Vierte, neubearbeitete Auflage. Mit Textabbildungen und 39 Rassebildern. Gebunden, Preis 12 M. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. mSoll. Gephan, ire 40 M. in Dresden. en Luehten duehhändler ektafemn. r I 5 9 I. s Nlüdes beut ahsanitie Paul Parey in Berlin SW, Seieerrorrs 10. — Schlipf S nneun Nandbuch der tudwirkcaft. Gekrönte Preisschrift. 3 hreizehnte, vollständig neubearbeitete actuxx. Mit 17 Farbendrucktafeln und 415 in den Text gedruckten Abbildungen. In Ganzleinen gebunden, Preis 7 Hark. Wem es um ein Handbuch zu thun ist, welches ale Zweige der Landwirtschaft auf Grund der neuesten Erfahrungen in besonders ver- ständlicher Schreibweise behandelt, dem darf das bewährte Werk von Schlipf unbedingt empfohlen werden. Der Umstand, dass das Buch nicht nur bei den praktischen Land- wirten seit langem eingebürgert ist, sondern dass dasselbe auch an sehr vielen landwirtschaftlichen Schulen als Lehrbuch gebraucht wird, er- forderte eine Vervollständigung mehrerer Abschnitte, ohne dass jedoch die Tendenz des Buches, ein Ratgeber für den praktischen Landwirt zu sein, darunter leiden durfte. Es wurde daher auch bei den mannig fachen Einschaltungen stets die klare und verständliche Sprache, durch welche das Buch sich gerade bei den mittleren und kleineren Land- wirten sowie in den Schulen einer so grossen Beliebtheit erfreut, sorg. fältig beibehalten. Eine besondere Bereicherung hat diese neue 13. Auflage dadurch erfahren, dass dic wichtigsten Schläge von Rind, Schaf, Schwein und Pferd und die dem Pflanzenbau schädlichsten Insekten auf 17 Taloln abgebildet wurden, und zwar naturgetreu ii in Farben. Selbst die besten schwarzen Abbildungen im Text vermögen Farben- drucktafeln nicht zu ersetzen, und der Schlipf wird dadurch noch vieder mehr Freunde gewinnen. Trotz dieser 17 Farbendrucktafeln, vielfacher Frweiterungen umd Einschaltungen in Text und Abbildungen wurde der Preis des gut ge- bundenen, in grosser Schrift gedruckten, 586 Seiten grossen Formats umfassenden, mit 415 Textabbildungen versehenen Buches auf nur 7 Mark festgesetzt, so dass man behaupten kann, in Anbetracht des 8 Gebotenen ist der„Schlipf das billigste landwirtschaftliche Buch. 2u Pezielten durch jede Buchhancdlang. Verlagsbuchhandlung Paul Parey i Berlin SW., Hedemannstr. 10. jh hon gesunäen uni kranken Hausrir — Leichtverständlicher Ratgeber, Pfsrde, Rinder, Schafs. Schweins, Hunde und Geflügel zu schützen und zu neilen.“ 3 Aus der Praxis für die Praxis bearbeitet von Dr. L. Steuert, Professor an der landw. Akademie in Weihenstephan. Mit O Tevtabbildungen. Gebunden, Peis 5 M. In der übersichtlichsten, zuverlässigsten Weise behandelt der als langjähriger Bezirkstierarzt praktisch erfahrene und bewährte Verfasser für jedes einzelne Haustier die inneren und äusseren Krankheiten, giebt die Behandlungsweise und Heilmittel an, belehrt über die Anzeigepflicht bei ausbrechenden Seuchen und giebt Anweisung zur Zusammenstellung einer Hausapotheke. Winke über Viehkauf und Verkauf, Ratschläge für Viehtransport, Viehversicherung und für die spezielle Pflege der zu Schauen bestimmten Tiere etc. etc, das alles macht den Inhalt dieses vortrefflichen für jeden Viehbesitzer unentbehrlichen Buches aus. Der Guts-Sekretar. Praktische, durch Beispiele erläuterte Anleitung zur abfassung aller schriftlichen Arbeiten des Landwirts in Beruf und Verwaltung. Von Carl Petri, Lehrer an der landwirtschaftlichen Lehranstalt in Hohenwestedt(Holstein). Mit 597 Hustern und fFormularen. Ein starker Oktavband.— Gebunden, Preis 10 M. Durch das vorliegende Werk mit seinen beinahe 600 Mustern und Formularen nebst dem systematischen erläuternden Text ist ein Hilfs- ein Preis, der sich schon na- Konsultation bei einem Rec Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10. Deutſche Pandmwiriſchaftlichr Brelgr Begründet 1874. Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Wachentlich eine Handeſsbeilage. Monatlich eine Farbendrucktafe. Durch jedes deutsche Postamt bezogen, Preis vwierteljährlich 5 M. Die»Deutsche Landwirtschaftliche Presse« ist nach Inhalt und Ausstattung eine Fachzeitung grossen Stils und hat eine zweifache Aufgabe: sie dient einerseits der Förderung der agrarischen Interessen in der Wirtschaftspolitik und andererseits dem Portschritte der Wissenschaft und Praxis von Ackerbau, Viehzucht und den landwirtschaftlichen Ge- werben. Die»Deutsche Landwirtschaftliche Presse« enthält beste fach- männische Artikel über rationelle Technik und Betriebsweise der Land- wirtschaft, welche durch reiche und lünstlerische Textabbildungen und Farbendruckbeilagen illustriert sind. W egen der grossen Verbreitung bestes Blatt für alle landwirtsch. Anzeigen. Die Einheitszeile oder deren Raum 38 Pf. Probenummern mit Handelsbeilage umsonst und postfrei. Mentzel und von Lengerkes Landairtschaftlcher Hülfs- und Schreib- Kalender. 52. Jahrgang. lleransceg. von Dr. H. Thiel, Ministerialdirektor im Ministerium für Landwirtschaft etc. I. Teil(Taschenbuch) gebunden.— II. Teil(Jahrbuch) geheftet. Ausgabe mit ½ Seite weiss Papier pro Tag. In Leinen geb. 2,50 M., in Leder geb. 3 M. Ausgabe mit ½1 Seite weiss Papier pro Tag. In Leinen geb. 3 M., in Leder geb. 4 M. Der Mentzel und von Lengerke'sche Kalender folgt mit seinem ganzen Inhalt den modernen Bedürfnissen der Landwirtschaft, und nach wie vor wird er sich be- währen als ein Freund des Landwirts, wie man ihn oft lobend bezeichnet. Der I. Teil, das gebundene Taschenbuch, dessen Formulare für wirtschaftliche Eintragungen der verschiedensten Art von über 35 Tausend Landwirten jahraus jahrein benutzt werden, enthält ausserdem Tabellen für Berechnungen, wie sie sich täglich im praktischem Betriebe aufwerfen, Tabellen, welche absolut unentbehrlich sind, und es erklärlich machen, dass der„Mentzel« in der Rocktasche jedes Landwirts zu finden ist. Der II. Teil, das Jahrbuch, enthält alljährlich auf das Peinlichste revidierte Zu- sammenstellungen über die landw. Behörden, es sind ferner die landw. Berufsgenossen- schaften, die landw. Genossenschafts-Vorstände, die Landwirtschaftskammern, die ZLuchtgenossenschaften, die landw. Vereine, ebenso wie die landw. Unterrichtsanstalten und Versuchsstationen aufgeführt. Ferner enthält dieser Teil alljährlich einen für praktische Landwirte lehrreichen Artikel. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. “ “ *4 gaise ee 2 6 9 8 öC.““ 1Ilin1ii.n1iniifiſiliitiniſntininſiniſmnſnnee·dmneamn 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 —— 1 5 8 —— ————— — — == “ ———y——