3 Bnnnaun n nenamin Ackerban Preis 1 Mark 80 P. deor ſen. Giſevius b— 1 81 docnu Funpe rAlII. 8 Sheln Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10. eers. THAER-BIBLIOTHEK eneE: Ackerbau und Düngerwesen. Praktische Bodenkunde von Dr. A. Nowacki, Professor in Zürich. 4. 4aoge 5 Käufliche Düngestoffe von Dr. A. Rümpler in Breslau. 4. Auage. Anwendung künstlicher Düngemittel v. Prof. Dr. P. Wagnerin Darmetndt. 3. Auflage. Wolff's praktische Düngerlehre. 14. Aufage. Wolffs Anleitung zur chem. Untersuchung landw. Stoffe. 4. Auflage. Beurteilung und Begutachtung landw. Hilfsstoffe von Dr. M. Passon in Colmari. E. , Pflanzenbau. 3 Tabaksbau von A. Freiherrn von Babo in Klosterneuburg. 3. Auflage. 8 Wiesen- und Weidenbau von Dr. F. Burgtorf, Direktor in Herford. 4. Auflage. Hopfenbau von C. Fruwirth, Professor in Hohenheim. Gekrönte Preisschrift. Anbau der Hülsenfrüchte von c. Fruwirth, Professor in Hohenheim. Braugerste von H. Heine. Gekrönte Preisschrift. Knauer's Rübenbau. Bearbeitet von Prof. Dr. M. mollrune ¹ in Halle a..s. 8. Aonase Flachsbau und Verarbeitung von R. Kuhnert in Marburg. Rationeller Futterbau von Dr. F. G. Stebler in Zürich. 5. Auage. Samen und Saat von Dr. William Loebe-Leipzig. Ernährung der landw. Kulturpflanzen von Prof. Dr. Ad. Mayer. 2. Aufage. Getreidebau von Dr. A. Nowacki, Proſessor in Zürich. Gekrönte Preisschrift. 3. Auflage 4 Kartoffelbau von Geheimrat Dr. H. Werner, Professor in Berlin. 1 Auflage. Krankheiten der landw. Nutzpflanzen von Protessor Dr. Wolf. 3 Forstkulturen von Urff, Kgl. Forstmeister in Neuhaus bei Berinchem, 3 2. Auflage. Tierzucht und Fütterungslehre. Berlepsch, Bienenzucht. Bearbeitet von G. Lehrzen in Hannover. 4 4. Auflage. Zoologie für Landwirte von Dr. J. Ritzema Bos, Professor in Amsterdam. 3. Auflage. Pferdezucht von F. Oldenbur g in Sondersbausen. Rindviehzucht von Dr. Vv. Funk, Direktor in Zoppot. 5. Auflage. Wirtschaftsfeinde aus dem Tierreich von Dr. G. von Hayek, Professor in Wien. May's Schweinezucht. Bearbeitet von E. Meyer-Friedrichswerth. 5. Auflage. Bakterienkunde für Landwirte von Dr. W. Migula in Karlsruhe. Pribyl's s Geflügelzucht, neubearbeiter von Oberstleutn. a. D. Sabel in Trier. 5. Aufage. WolfP's landwirtschaftliche Fütterungslehre. 7. Aufage. Konservierung der Futtermittel von Dr. P. Albert, Professor in Giessen. Betrieb. Landw. Betriebslehre von Geh.-R. Dr. Freib. v. d. Goltz, Prof. in Poppelsdorf. 2. Auflage. Landw. Buchführung von Geh.-R. Dr. Freih. v. d. Goltz, Prof. in Poppelsdorf. 9. Auflage. Geschichte der Landwirtschaft von Michelsen u. Nedderich. 4. Aufage. Rechtsbeistand des Landwirts von M. Löwenherz, Amtsgerichtsrat in Köln. 3. Auflage. An- und Verkaufs-Genossenschaften von H. v. Mendel, Landesökonomierat in Halle. Das Schriftwerk des Landwirts von C. Petri in Hohenwestedt. 3. Aufage. Wirtschaftsdirektion d. Landgutes von Geh. Rat Prof. Dr. A. Thaer. 3. Auflage. Landwirtsen be.. Maercker's Anleitung zum Bre exeihetri 3. Aufage. Apfelweinbereitung von Dr. Ernt Se IiI Kiagenfurt.. Bierbrauerei von Dr. GC. J. eiete Pr jan 4nlüpe hen. 3. Auflage. Die Milch und ihre Produkte on A. Ott 0 in Halle in Halle A. S.— Zu beziehen durch jede Buchhandlung. ————— —,—— ,————— N —ͤ—— 4 6. Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10. haaue aunn. HAER-BIBLIO TIHEK 1aensen 256. einzeln käuflich. in Leinen geb. 2,50 M. Baukunde. Kalk-Sand-Pisébau von Baurat F. Engel. Bearbeitet von H. Hotop 4. Auflage. Pferdestall(Bau und Einrichtung) von Baurat F. Engel in Berlin. 4 2. Auflage. Engel's Viehstall(Bau u. Einrichtung) neubearb. von G. Meyer in Kattowitz. 3. Auflage. Bauernhof(Anlage und Einrichtung) von G. Jaspers, Generalsekretär in Osnabrück. Schubert's ldw. Baukunde. Neubearb. von G. Meyer in Buxtehude. 6. Auflage. Geflügelstülle(Bau und Einrichtung) von Architekt A. Schubert in Höxter. 2. Auflage. Kalk-, Gips- und Zementfabrikation von H. Ste gmann in Braunschweig. Kulturtechnik, Maschinenkunde, Ingenieurwesen. Landw. Plan- und Situationszeichnen von H. Kutscher in Hohenwestedt. Behandlung der Lokomobilen von Professor Paul Lazar in Budapest. Perels' Ratgeber bei der Wahl landw. Geräte und Maschinen. 8. Aufage. Schubert's landw. Rechenwesen. Bearb. von H. Kutscher in Hohenwestedt 4. Auflage. Be- und Entwässerung der Acker und Wiesen von Ok.-Rat L. Vincent. 4. Auflage. Wüst's Feldmessen und Nivellieren. Bearb. von A. Nachtweh, Prof, in Halle. 5. Auflage. Der Landwirt als Kulturingenieur von Pr. Zajicek, Prof. in Mödling. 2. Auflage. 3 Veterinärwmesen. 12 Englischer Hufbeschlag von H. Behrens, Lehrschmied in Rostock. 2, Auflage. Eingeweidewürmer der Haussäugetiere von Dr. J. Dewitz in Berlin. Physiologie und Pathologie der Haussäugetiere von F. Flemming, Tierarzt in Lübz. Innere Krankheiten der Idw. Haussäugetiere von F. Grosswendt, Kgl. Oberrossarzt. Gesundheitspflege der landw. Haussäugetiere von Geh. Med-Rat Prof. Dr. Johno. Landw. Giftlehre von Med.-Rat Dr. G. Müller, Professor in Dresden. Der kranke Hund von Med Rat Dr. G. Müller, Professor in Dresden. 2. Auflage. Der gesunde Hund von Med.-Rat Dr. G. Müller, Professor in Dresden. Beschlagkunde von Dr A. von Ruff in Stuttgart. ⸗ Aussere Krankheiten der Idw. Haussäugetiere von E. Zorn, Kel. Korpsrossarzt. Geburtshilfe von Amtstierarzt Tapken in Varel. 2. Auflage. Jagd, Sport und Fischerei. 3 Künstliche Fischzucht von M2 von dem Borne auf Berneuchen. 4. Auflage, Süsswasserfischerei von M. von dem Borne auf Berneuchen. Teichwirtschaft von M. von dem Borne auf Berneuchen. 4. Auflage- Goedde’s Fasanenzucht. Bearbeitet von Fasanenjäger Staffel in Fürstenwald. 3. Auflage. Jagd-, Hof- und Schäferhunde von Leutnant Schlotfeldt in Hannover. Ratgeber beim Pferdekauf von stallmeister B. Schoenbeck in Höxter. 2. Auflage. Widersetzlichkeiten des Pferdes von stallmeister B. Schoenbeck in Höxter. Reiten und Fahren von Major R. Schoenbeck in Berlin. 3„ 3. Auflage. Gartenbau. Gehölzzucht von J. H artwig, Grossherzogl. Hofgarteninspektor in Weimar. 2. Auflage. Gewächshäuser von J. Hartwig, Grossherzogl. Hofgarteninspektor in Weimar 2. Auflage. Weinbau von Ph. Held, Gartenbau-Inspektor in Hohenheim. Meyer's Immerwährender Gartenkalender.— 1 68. Auflage. Obstbau von R. Noack, Grossherzogl. Hofgarteninspektor in Darmstadt. 4. Auflage. Gartenblumen(Zucht und Pflege) von Th. Rümpler, General-Sekretär in Erfurt. 2. Auflage. Rümpler 8 Zimmergärtnerei. Bearbeitet von W. Mönkemeyer in Leipzig. 3. Auflage- Obstbaumkrankheiten von Professor Dr. Paul Sorauer in Proskau. GärtnerischeVeredlungskunst von O. Teichert. Bearb. von Fintelmann. 3. Aufage. Gemüsebau von B. von Uslar in Hannover. 3. Auflage. Gärtnerische Betriebslehre von A. Bode, Obst- und Gartenbaulehrer in Altenburg. ZLu beziehen durch jede Buchhandlung. Candwirtſchafts-Lexikon. Dritte, neubearbeitete Kuflage. Mit 1126 Textabbildungen. In Halbjuchten gebunden, Preis 23 M. Das Landwirtschafts-Lexikon enthält Tausende einzelner Artikel und gibt— aufgeschlagen an der betreffenden Stelle des Alphabets— eine augen- Plickliche, Klare und bündige Antwort auf alle Fragen, wie sie sich täglich im landwirtschaftlichen Betriebe aufwerfen. Schlipf's populäres Handbuch der Landwirtschaft. Gekrönte Preisschrift. Vierzehnte, neubearbeitete und vermehrte Auflage. Mit 466 in den Text gedruckten Abbildungen und 17 Tafeln in Farbendruck. Gebunden, Preis 7 H. Wem es um ein Handbuch zu tun ist, welches alle Zweige der Landwirtschaft auf Grund der neuesten Erfahrungen in besonders verständlicher Schreibweise pehandelt, dem darf das bewährte Werk von Schlipf unbedingt empfohlen werden. Cehrbuch der Landwirtschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Von Dr. Guido Krafft, Professor der Landwirtschaft an der k. k. technischen Hochschule in Wien. Mit 860 Textabbildungen und 27 Farbendrucktafeln. Vier Bände.— Gebunden, Preis 20 H. Daraus einzeln: I. Ackerbaulehre. Siebente Auflage. III. Tierzuchtlehre, siebente Aufl. Mit 285 Textabbildungen u. 1 Tafel. Mit 289 Textabbildg. und 15 Tafeln Gebunden, Preis 5 M. mit 44 farbigen Rassebildern. II. Pflanzenbaulehre. Siebente Aufl. Gebunden. Preis 5 M Mit 262 Textabbildg. und 8 Tafeln IV. Betriebslehre. Siebente Auflage. mit 148 farbigen Abbildungen. Mit 25 Textabbildg, und 3 Tafeln. Gebunden, Preis 5 M. Gebunden, Preis 5 M. Schwerlich dürfte ein anderes landwirtschaſtliches Lehrbuch gleichen Anklang und gleiche Verbreitung in den Kreisen der lernenden wie ausübenden, der aka- demisch wie nichtakademisch vorgebildeten Landwirte gefunden haben wie Guido Kraffts»Lehrbuch der Landwirtschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage«. Es entsprichl auch wieder in seiner neuesten Auflage allen Anforderungen an ein modernes Handbuch der gesamten Landwirtschaft. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Direltor de ſow einſchließlich Gerätelehre I Tn dei⸗ Institui für Pf Dr. Droyſen, und Dr. Giſevius, ord. Prof. a. d. Univ. Gießen, früher Direktor der Landwirtſchaftsſchule u. ldw. Winterſchule Dahme(Mark). Direktor der Candwirtſchafts⸗ und Realſchule, ſowie der Ackerbauſchule zu Herford Sechſte, durchgeſehene Auflage. 8 Mit 175 Textabbildungen. Berlin. Verlagsbuchhandlung Paul Parey. Verlag für Landwirtſchaft, Gartenbau und Forſtweſen. SW., Hedemannſtraße 10. 1904. Überſetzungsrecht vorbehalten. Vorwort zur ſechſten Auflage. Aus dem Vorworte zu früheren Auflagen ſeien zunächſt folgende Grundſätze für Stoffauswahl und Methodik hier wiederholt. Die Stoffauswahl erſtreckt ſich auf das ganze Gebiet des Acker⸗ baues; auch ſucht ſie dem vielſeitigen Bedürfniſſe nach Ausdehnung desſelben für die mannigfachen örtlichen Bedürfniſſe unſeres Vaterlandes und ſeiner verſchiedenartigen landwirtſchaftlichen Lehranſtalten gerecht zu werden. Der Ausdruck wurde möglichſt einfach und kurz gewählt; Fremdwörter blieben vermieden, wenn ein guter deutſcher Ausdruck zu finden war. Die Rechtſchreibung iſt die für deutſche Lehranſtalten vorgeſchriebene. Jeder einzelne Hauptabſchnitt iſt ein in ſich ab⸗ geſchloſſenes Ganze, ſo daß er unabhängig von den andern beim Unterrichte behandelt werden kann. Das weitgehende Entgegenkommen des Herrn Verlegers hat uns erlaubt, das Buch mit ſehr vielen guten Abbildungen auszuſtatten. Was die Hauptabſchnitte im einzelnen angeht, ſo glaubten wir im Hinblick beſonders auf die Bedürfniſſe der Winter⸗ und Acker⸗ bauſchulen einen Abriß über Bau und Leben der Pflanzen und einen ſolchen über Mineralien und Geſteine einfügen zu ſollen. In der Bodenkunde wurde verſucht, mit Rückſicht auf Ergebniſſe der Arbeiten der Geologiſchen Landesanſtalt zu Berlin die„mechaniſche Bodenanalyſe“ für die Einteilung der Bodenarten ſtärker als bisher nutzbar zu machen. Bei den Abſchnitten über Bodenbearbeitung, Düngung, Saat, Pflege und Ernte der Pflanzen wurde die Beſprechung landwirtſchaftlicher Maſchinen keinem beſonderen Abſchnitte überwieſen, aber bei der Einſchaltung in den übrigen Lehrſtoff ſo an⸗ geordnet, daß der Lehrer nach Bedürfnis die Maſchinen in beſonderen Stunden im Zuſammenhange mit einander behandeln kann. In der IV Vorwort. Meliorationslehre wurde eine„Kulturtechnik für Landwirte“ in ſchulmäßiger Behandlung zuſammengeſtellt; da aber für einige Lehr⸗ anſtalten eine Beſchränkung dieſes Gegenſtandes geboten erſcheint, wurden manche Abſchnitte hier in kleinerer Schrift gedruckt; die übrigen entſprechen nach Weglaſſung dieſer einem in ſich geſchloſſenen kürzeren Lehrgange. Bei der ſechſten Auflage wurden nur geringe Änderungen (die Maſchinen und das Saatgut betreffend) vorgenommen. Wir folgten von neuem dem Wunſche, Hinderniſſe für die Benutzung zweier Auflagen zu vermeiden, wie ſie durch unweſentliche zahlreiche Anderungen entſtehen. Den uns bekannt gegebenen Wünſchen der Herren Fach⸗ genoſſen haben wir mit redlichem Bemühen Rechnung getragen. Wir ſprechen für die freundliche Mitarbeit wiederholt warmen Dank aus und heißen fernere Ratſchläge herzlich willkommen, deren offene und beſtimmte Angabe wir hierdurch ausdrücklich erbitten. Herford und Gießen, im November 1903. Dr. Droyſen, Dr. Giſevius, Direktor der Landwirtſchafts⸗ und Realſchule, ord. Prof. u. Dir. d. ldw. Univ.⸗Inſt. zu ſowie der Ackerbauſchule zu Herford. Gießen, früher Direktor der Landwirtſchafts⸗ ſchule u. ldw. Winterſchule Dahme. cOο‚0OO OoCOCOCOA COCOCOCOCOS DSOCOOCO CO S S 9951 S Inhalt. I. Die Pflanze. A. Innerer Bau der Pflanze. Dis Zen. Das Zellgewebe Gewebeſyſteme Aufbau der einzelnen Pflanzenteile B. Das Leben der Bflanze. a) Die Ernährung. Die Beſtandteile der Pflanze Aufnahme der Nährſtoffe durch die Wurze Die Herſtellung der organ. Subſtanz in zer Pflanze Aſſimilatiom Verwendung der gebildeten organiſchen Subſtanz.. b) Die Blüte. Die Beſtandteile der Blüte c) Die Ausbildung des Samens.— Das Reifen. Samenbildung.— Reife.. d) Die Keimung des Samens. Die Keimung II. Bodenkunde. A. Mineralogie. Der Quarz. Die Mineralien Die kalziumhaltigen Mimeralien Steinſalz und Abraumſalze Kieſelſänte Verbindungen Eiſenkies.— Raſeneiſenſtein Mineralien organiſchen Urſprungs B. Geſtein, leßre. Granit. 4 Eigenſchaften der Geſteine⸗ Einfache Geſteine Gemengte Geſteine. C. Entſtehung der Erdrinde und des Bodens. Entſtehung der feſten Geſteine(der feſten Erdrinde)⸗ Entſtehung d. Ltarnrereeſene u. d. Bodens aus d. feſten Geſteinen D. Eigenſchaften des Bodenkorns. Das Bodenkorn. Die chemiſche Beſchaffenheit der Bodenkörner Die bodenbildenden Mineralien 36 38 VI Inhalt. Seite § 28. Der Humus cc................................ 43 § 29. Bodenlöſung. a § 30. Korndurchmeſſer, Korngröße, Schlämmworrichtungen. 45 E. Bodeneigenſchaften. 31. Die Einteilung der Eigenſchaften des Bodenkorns und des Budens 49 8 § 32. Das Verhalten des Bodens zum Waſſer. 49 § 33. Das Grendwaßfe 51 § 34. Das Verhalten der Bodenkörner zu einander und; zu Geraten⸗ 52 § 35. Das Verhalten des Bodens zur Wärmee. 53 § 36. Verhalten des Bodens zu fremden Körper..... 55 F. Die Bodenarten. § 37. Die Einteilung und Vezeichnung der Wodenarten..... 26 § 38. Das Bodenprofil..... 58 § 39. Die Mineralböden im allgemeinen 59 § 40. Die Mineralböden im einzelnen... 59 § 41. Die Humusböden. 61 § 42. Die praktiſche Bodenunterſuchung... 63 III. Bodenbearbeitung. A. Vorbegriffe. § 43. dlckerkrume und Untergrund. Alte Kraft......... 64 § 44. Tiefe der Ackerkrume. Tieftultur...... 65 § 45. Gare.— Aoruhen. des Ackers ö“.. 66 § 46. Die Brache... 68 B. Die Geräte im allgemeinen. § 47. Rohſtoffe zum Maſchinenbau............... 69 § 48. Behandlung von Maſchinen.— Das Lager.. 7760 § 49. Einteilung eines Maſchinenwerkezszs...... 72 C. Die Bodenbearbeitung. § 50. Die Arten der Bodenbearbeitung.... 73 § 52. Die Pflugarbeit 78 § 53. Der Beetpflug; der Mehrf charer.— Das Beetpflügen.— Das Bälken 80 § 54. Der Kehrpflug.— Das Ebenpflügen............. 82 § 55. Der Doppelpflug.— Das Doppelpflügen 84 § 56. Der Häufelpflug; der Haken. Das Kammpilügen. 35 § 57. Das Schälpflügen 86 § 58. Der Untergrundpflug.— Das Untergrundoflügen, Spatpflügen und Gabeln. 87 § 59. Der Najolpſtug.— Das Rajolpftugen. 8287 § 60. Die Egge 838 § 61. Die Eggarbeit auf dem Acker. 20 § 62. Die Ackerſchleife.— Das Schleifen.. 92 § 63. Dornſchleife.— Wieſenegge.— Eggarbeit arf Wieſen... 52 § 64. Der Krümmer. Arbeit derſelben... 93 § 65. Die Walze... e“ 95 5 66. Die Arbeit der Walze........... 97 § 67. Die Dampfkultur.... 958 § 68. Die Waſſerfurchen................ 101 DocoƷCCOCO cOοιοοαοοο doOCOOCOOCOS OOCOOCO cOoᷓᷣᷓ́ᷣ́ᷓᷓne e Inhalt. . Die Düngung. Die Erſatzquellen 9. Pianzennährſöfe Wirkung und Einteilung des Düngers A. Stalldünger. Beſtandteile und Arten des Stalldüngers Das Ziel der Dünge beandl ung Die Einſtreu. Der Stalldünger im Stalle Der Dünger auf der Düngerſtätte. Verwendung des Stalldüngers.— Geräte Jauchekarren.— Dünaung mit Jauche Der Kompoſt Menſchliche Auswurfſtoffe.— Federviehdinger B. Die Gründüngung. Die Gründüngung C. Die künſtliche Düngung. Die Notwendigkeit künſtlicher düngung. Das Geſetz des Minimun⸗ Die Gewinnung künſtlicher Düngemittel Die Wirkung und Einteilung der künſtlichen Düngemittel. Stickſtoffhaltige künſtliche Düngemittel Phosphorſäurehaltige künſtliche Düngemittel: Die Stickſtoff und Ph vephorſänre enthallenden tunftlih en Dünge mittel Die kalihaltigen künſtl ichen Düngemittel Die Düngung der Pflanzen mit Stitkſtoff und Mhoephorſäure Die Anwendung der Kalidünger Die Miſchdünger⸗ Die Angabe des Nährſtofferſatzes in den tünſt icen Dingemiteln und der Preis derſelben Gewähr(Garantie) und Kontrolle. D. Die indirekten Düngemittel. Der Kalk. ö Die Moorerde.. Gips. Steinſalz. Eiſenvitriol Düngerſtreuer.— Düngermühlen. V. Die Saat, Pflege und Ernte. A. Die Saat. Beſchaffenheit des Saatgutes⸗ Prüfung des Gantgutes. Leimprobe. Gebrauchewert Der Saatwechſel Erhaltung der guten Eigenſchaften des Scatgutes Sortenwechſel⸗ Sortenzüchtung. Die Vorbereitung des Saatgutes.. Dichte des Pflanzenſtandes.— Stärke der Ausſaat Die Säemaſchinen. Reihenzieher.— Saatweiſen. Die Unterbringung⸗ Das Pflanzen V DSO DoccCe cce OSCOOCOOER OS OSO OCO A CO M C0 OS DO III 108. 109. 110. 111. 112. 113. 114. 115. 116. 117. 118. 119. 120. 121. 122. 123. 124. 125. 126. 127. 128. 129. 130. 131. 132. 133. 134. 135. 136. 137. 138. 139. 140. 141. 142. 143. 144. Inhalt. B. Die Pflege. Hacke, Pferdehacke.— Kruſtebrechen und Hänfeln Das Entfernen von Pflanzenteilen. Jätemaſchinen.— Unkrautvertilgung C. Die Ernte. Die Sichel, Senſe und Mähemaſchine Geräte zur Heubereitung.. Die Ernte von Grünfutter und Heu. Die Ernte der Körnerfrüchte Die Fuhrwerke. Stakmaſchine.— Feimne Göpel. Ihre Aufſtellung. Neue Motoren Die Maſchinen zur Körnergewinnung.— Das Dreſchen Die Maſchinen zur Ir der Körner I. Meliorationen. 4 Waſſerleitungen. Die Bewegung fließenden Waſſers Darſtellung eines Waſſerlaufes Ausmeſſung der Waſſerführung Berechnung der Stromgeſchwindigkeit und Waſferfüh drung Herſtellung eines neuen Grabens.. Bewegung des Waſſers in Nöhren. Berechnung der Waſſerführung Die Röhren B. Sa ſſerhebe⸗ und Stanwerke. Künſtliche Waſſe rhebung Die Deiche Die Schleuſe⸗. C. Erd⸗ und Raſenarbeiten. Geräte zur Erdbewegung Die Feldeiſenbahn Erdberechnung vd Wahl der Bef förderungsmittel Das Schneiden, Löſen und Wiedelauflegen des Raſens D. Die Bachregulierung. Die Bachregulierung E. Die Entwäſſerung. Die Entwäſſerungsanl age Das Grabennetz Die Drainage... F. Die Bewäſſerung. Zweck und Erforderniſſe der Bewäſſerung⸗ Die Bewäſſerungsweiſen.— Wäſſerungsregeln G. Arbarmachung von Acker und Moor. Urbarmachung des Ackers Hoch⸗ und Niederungsmoore Die Deckkultur der Niederungsmoore Die Veenkultur der Hochmoore. Die Wieſen⸗ und Brennkultur des Moores Seite 163 165 165 166 170 173 176 177 179 180 184 189 192 193 195 196 196 197 198 199 202 203 204 206 210 210 212 214 215 216 220 221 226 227 228 231 233 I. Die Pflanze.) A. Innerer Bau der Pflanze. § 1. Die Zelle. 1. Die Lebeweſen(Pflanzen und Tiere), auch organiſche Weſen oder Organismen genannt, beſtehen nicht aus einer gleichförmigen Maſſe, ſondern ſind aus meiſt ſehr zahlreichen Zellen zuſammengeſetzt. Wenn man z. B. irgend einen Teil einer unſerer Kulturpflanzen unter dem Mikroſkop betrachtet, ſo zeigen ſich die Zellen als zahlloſe kleine Bläschen von ſehr verſchiedener Form und Größe, die innig miteinander verwachſen ſind. 2. Bei allen lebenden Zellen der höheren Pflanzen unterſcheiden wir Zellhaut und Zellinhalt(Fig. 1). Die Zellhaut, aus Zellſtoff (Zelluloſe) beſtehend, umſchließt die ganze Zelle, während der Zellinhalt aus dem Protoplasma, einem Gemenge von Eiweißkörpern und anderen organiſchen Stoffen, gebildet wird, das ſich als weiche oder halbflüſſige Maſſe darſtellt und auch feſte Körper einſchließen kann. Die Protoplasmakörper ſämtlicher Zellen einer Pflanze ſtehen durch feine Fäden, welche die Poren der Wandungen durchſetzen, miteinander in Verbindung, ſo daß ſie in der ganzen Pflanze ein in ſich zuſammen⸗ hängendes Ganze darſtellen. In dem Protoplasma jeder Zelle iſt der Zellkern eingelagert, der als eine verdichtete, ſcharf abgegrenzte, rundliche Maſſe des Protoplasmas erſcheint. Bei älteren Zellen finden ſich meiſt größere Hohlräume, die ſogenannten Safträume(Vakuolen) vor, die von dem Protoplasma umgeben und durchzogen und mit Zellſaft gefüllt ſind(Fig. 2 u. 3, S. 3). Der Zellſaft beſteht aus Waſſer, das die für die Ernährung des Plasmas nötigen Stoffe ge⸗ löſt enthält. 3. Als wichtigſte Einlagerungen des Protoplasmas ſind die Blattgrünkörperchen und die Stärkekörner zu nennen. Die Blattgrün⸗ körperchen(Chlorophyllkörner) ſind in den Zellen grüner Pflanzenteile enthalten. Sie beſtehen aus verdichtetem Protoplasma, ſind aber durch einen Farbſtoff, das Blattgrün(Chlorophyll), grün gefärbt. Dieſer ¹) Die hier gegebenen Ausführungen beziehen ſich nur auf die höheren Pflanzen, zu denen unſere Kulturgewächſe gehören. Droyſen⸗Giſevius. Ackerbau. 6. Auflage. 1 2 I. Die Pflanze. Farbſtoff kann nur im Sonnenlichte entſtehen(Fig. 3g, S. 3). Die Stärkekörner finden ſich in den Blattgrünkörpern vor, in denen und durch die ſie gebildet wurden. Oft ſehen wir auch ganze Zellen dicht mit Stärke erfüllt, die jedoch dort nicht entſtanden, ſondern aus anderen Zellen hingeführt worden iſt. Die Stärkekörner haben bei den ver⸗ ſchiedenen Pflanzen ſehr verſchiedene Form und Größe und laſſen daran ihren Urſprung erkennen. Unter dem Mikroſkop zeigen ſie meiſtens konzentriſche Zeichnung(Fig. 4 u. 5, S. 3 u. 4). 4 Fig. 1. Zellen aus dem Marke des Maisſtengels, vergrößert. i Zellzwiſchenräume, m Zellhaut, p Protoplasma, n Zellkern, s Saftraum. 4. Die Bildung neuer Zellen geſchieht meiſt durch Teilung. Dabei tritt zuerſt eine Vergrößerung der ganzen Zelle in ihrer Maſſe (ihrem Volumen) ein, alsdann teilt ſich die ſo vergrößerte Mutterzelle durch Einſchieben einer Scheidewand in zwei Tochterzellen(Fig. 6, S. 4). Die Zellteilung wird durch Teilung des Zellkernes eingeleitet. Auf andere Art entſtehen neue Zellen durch die„freie Zell⸗ bildung“, bei welcher innerhalb des Protoplasmas einer Zelle und unter Verwendung nur eines Teiles des Plasmas eine neue Zelle ge⸗ A. Innerer Bau der Pflanze. 3 kasblll N Wen iu ESl Fig. 2. Zelle aus einem Staubfaden⸗ Fig. 3. haar von Tradescantia virginica. 3 1 Fig. 4. Stärkekörner aus der Kartoffelknolle. (Stark vergrößert.) 1* 4 I. Die Pflanze. bildet wird. Dieſe freie Zellbildung findet z. B. bei der Entſtehung des Samens ſtatt. 4 4 Fig. 5. Stärke A. Weizenſtärke, B Reisſtärke, C Maisſtärke, D Haferſtärke. (Stark vergrößert.) Fig. 6. Vermehrung der Zellen durch Teilung. Aus der Zelle A wurden durch Teilung die beiden Tochterzellen in B, aus B wird C, daraus durch abermalige Teilung D und durch weiteres Wachstum E(nach Straßburger).(Vergrößert.) 5. Das Wachstum der Zellen.(Entſtehung des Zellſaftes.) Die junge, mit Protoplasma erfüllte Zelle ſaugt wie ein Schwamm das Waſſer mit den darin enthaltenen Nährſtoffen auf, dehnt ſich dabei aus und wächſt. Iſt das Plasma geſättigt, ſo ſammeln ſich die über⸗ ——,— A. Innerer Bau der Pflanze. 5 ſchüſſigen, die Nährſtoffe enthaltenden Waſſerteilchen zwiſchen dem Plasma an. Je mehr die Zelle ſich vergrößert, deſto mehr nehmen dieſe Waſſeranſammlungen an Umfang zu. Die Räume, welche ſie ausfüllen, heißen Safträume(vgl.§ 1 Nr. 2, S. 1) und ſind ge⸗ wöhnlich von ungleicher Größe und Form(Fig. 2 und 3). Ihren Inhalt nennt man Zellſaft. Das Plasma bildet dann oft nur noch einen Wandbelag. Die Zellteilung und das Wachstum hören in den Zellen auf, ſobald das Plasma abſtirbt. Es bleiben dann die toten Zellen zurück, die gleichwohl, wie z. B. die Holzzellen, noch weiter der Pflanze Nutzen bringen können. Der Zellinhalt wird dann durch Luft oder andere Stoffe gebildet. 6. Die Form und die Größe der Zellen ſind je nach den verſchiedenen Pflanzen und nach den verſchiedenen Teilen ein und der⸗ ſelben Pflanze ſehr verſchieden; ſie richten ſich nach dem Zwecke, den die Zellen im Pflanzenteil zu erfüllen haben. § 2. Das Zellgewebe. Zellgewebe ſind Gruppen gleicher Zellen, die alle denſelben Zweck haben. 1. Das Bildungsgewebe(Urmeriſtem), das ſtets aus jungen Zellen beſteht, findet ſich an denjenigen Stellen der Pflanze vor, die im Wachstum begriffen ſind, ſo an der Spitze jedes Stengels und Zweiges, in den Knoſpen(Fig. 7V, S. 6) und in der Wurzelſpitze. An dieſen Orten dient es dem Längenwachstum. Der Keimling beſteht ganz aus Bildungsgewebe. Um das Wachstum der Pflanzen in die Dicke zu be⸗ wirken, geſtaltet ſich das Bildungsgewebe als Kambium(Fig. 70). Aus dieſem Bildungsgewebe entwickeln ſich alle anderen Gewebeformen. 2. Das Parenchymgewebe beſteht aus Zellen, die meiſtens faſt ebenſolang als dick ſind(z. B. die Zellen des Markes und der Rinde, Fig. 7M und RP). Sie können aber auch erheblich länger als dick ſein, haben dann aber niemals zugeſpitzte Enden(Fig. 9 M, c, R, S. 7). 3. Das Prosenchym iſt aus Zellen zuſammengeſetzt, die eine oft vielfach größere Länge als Dicke haben und mit ihren ſpitzen Enden ineinandergeſchoben ſind. Aus ſolchem Gewebe beſtehen zu einem weſent⸗ lichen Teile das Holz und der Baſt(Fig. 9h und b, S. 7). 4. Das Steingewebe(Sklerenchym) enthält Zellen, deren Häute ſo ſtark verdickt erſcheinen, daß oft nur ein kleiner Hohlraum für den Zellinhalt übrig iſt(Fig. 10, S. 8). Dieſe dicken Wände haben Poren, welche von dem Zellinnern nach außen gehen und die Nahrungszufuhr zum Plasma ermöglichen. Die Steinzellen bilden die harte Schale der Steinfrüchte, z. B. der Kirſch⸗ und der Pflaumenkerne. Auch in 6 I. Die Pflanze. unſerem Obſt, z. B. im Fleiſch der Birnen, gibt es zum Schutz des Kernhauſes ſolche Steinzellen. 2— 22. .= „alauxolloaan ueun aet ie söupg = E ans 2plaslvalde Duie uueee iplgaee ihe oövljuvnpi uinva aeee A 5. Die Gefäße. Unter den Gefäßen haben wir uns etwas ähnliches vorzuſtellen, wie die Fahrſchächte in großen Gebäuden, welche A. Innerer Bau der Pflanze. 7 wir uns in der Weiſe entſtanden denken können, daß in einer Anzahl übereinander liegender Zimmer in den verſchiedenen Stockwerken die G 1 1 8 A Fig. 9. Fig. 8 Querſchnitt, Fig. 9 radialer Längsſchnitt durch ein Sonnenblume. ſchwaches Gefäßbündel einer M Mark, ss Spiralgefäße, hh Holzfaſern, tt“ Tüpfelgefäße, c Kambium. sb Siebröhrchen, b Baſtfaſern, R Rinde, X Holzteil, P Siebteil(nach Prantl). Böden herausgenommen ſind und nur ein langer Schacht den Verkehr zwiſchen den einzelnen Stockwerken herſtellt. Zwiſchen einzelnen über⸗ einander liegenden Zellen ſind nämlich die ſie trennenden Zwiſchenwände zum größten Teil verſchwunden oder durchbohrt, und die ſo entſtandenen 8 I. Die Pflanze. „Gefäße“(Holz- und Baſt⸗ oder Siebgefäße) ſind nun lange Röhren, die ſich zwiſchen anderen Geweben hinziehen und z. T. zur ſchnellen Be⸗ G förderung gewiſſer Nährſtoffe dienen. Um in den Holzgefäßen dem Seitendruck auf dieſe langen Schläuche zu widerſtehen, ſind die Wände dieſer Gefäße meiſtens verdickt. Nach den eigentümlichen Verdickungen unterſcheiden wir Tüpfel⸗, Ring⸗, Spiral⸗ ꝛc. Ge⸗ fäße(Fig. 9 s, t, sb). 6. Zwiſchenzellräume. Die Zellwände der verſchiedenen älteren Zellgewebearten ſchließen Fig. 10. Steinzellen mit Porenkanälen aus dem nicht vollſtändig dicht aneinander, Fruchtileſich der Biene⸗ ſondern laſſen kleine Hohlräume zwiſchen ſich: die Zwiſchenzell⸗ räume, die miteinander in Verbindung ſtehen und ein vollſtändiges weitverzweigtes Netz in der ganzen Pflanze bilden(Fig. 1 i, S. 2). ¹) § 3. Gewebeſyſteme. Betrachten wir einen ſtarken Blattſtiel, ſo finden wir ihn von einer lockeren Haut umgeben, während das Innere eine mehr oder weniger gleichförmige Grundmaſſe zeigt, in welcher wir durch Schaben mehrere feſte Stränge freilegen können. Danach unterſcheiden wir das Haut⸗ gewebe, das Grundgewebe und die Gefäßbündel. 1. Das Hautgewebe oder die Oberhaut hat den Zweck, die inneren Pflanzenteile zu ſchützen, und zwar 1. gegen Austrocknen, 2. gegen zu ſchnelle Aufnahme von zu viel Waſſer, 3. gegen das Eindringen von ſchädlichen Pilzen und 4. gegen den Angriff tieriſcher Feinde(z. B. der Bienen bei ſüßen Früchten). Die Oberhaut beſteht aus einer Schicht von tafelförmigen Zellen, die dicht aneinander ſchließen(Fig. 11, S. 9, und Fig. 12, S. 10). Die Außenzellwand iſt mit Korkſtoff durchtränkt, der ſie undurchdringlich für Waſſer macht, und außerdem von einer feinen Korkſchicht überzogen. Darüber liegt oft noch eine feine Wachs⸗ ſchicht, z. B. bei Weinbeeren, Äpfeln ꝛc., die das Benetzen verhindert. ¹) Die Zwiſchenzellräume verurſachen es auch, daß die Pflanzenteile nicht durchſcheinend ſind. Sie werden aber durchſcheinend, wenn ſich dieſe Hohlräume mit Waſſer füllen; wie ein friſcher Schneeball undurchſichtig iſt, aber durch⸗ ſcheinend wird, wenn ſich die Räume zwiſchen den Schneekörnern mit Waſſer füllen. Deshalb iſt ein gefrorenes Blatt durchſcheinend, ebenſo das Fleiſch eines kranken Apfels, da hier die Zwiſchenzellräume mit Waſſer gefüllt ſind. rh A. Innerer Bau der Pflanze. 9 Wird die Oberhaut des Apfels etwa durch Anſchlagen verletzt, ſo hört der Schutz auf, der Zellſaft kann austreten und das Eindringen von Fäulnispilzen wird ermöglicht. Einen verſtärkten Schutz kann die Oberhaut durch auf ihr ſich vorfindende Haare gewähren. Dieſe bilden ſich aus den Oberhautzellen, umgeben beſonders die wachſenden jungen Pflanzenteile, z. B. die Knoſpen, mit einem dichten Filz und verhindern ihr Austrocknen ſowie ein Erfrieren. Einen Schutz gegen Tiere bilden auch die Brennhaare der Neſſel. Die Klimmhaare des Hopfens dienen 988 ☚ 7 33832 es 8 8 8 SP Fig. 11. Querſchnitt durch das Blatt der Rübe(Beta vulgaris). o und u Ober⸗ und Unter⸗ haut, pa die dicht mit Blattgrünkörperchen gefüllten Palliſadenzellen, sch lockeres Schwamm⸗ parenchym, dazwiſchen große Zwiſchenzellräume, in die durch die Spaltöffnungen Sp die äußere Luft eindringt. Bei f ein Gefäßbündel, einen Blattnerv darſtellend. zum Feſtklammern der Ranken und die mit ſtark riechendem Ole ge— füllten Drüſenhaare dieſer und anderer Pflanzen in der Regel zum Anlocken der Inſekten. Die Spaltöffnungen zeigen ſich gleichfalls in dem Hautgewebe und ſind für das Leben der Pflanzen von großer Bedeutung. Es ſind dies kleine Offnungen in der Oberhautdecke, die, von zwei Schließzellen umgeben, von der Luft aus in die dahinter gelegenen Hohlräume zwiſchen den grünen Zellen führen(Fig. 11 und Fig. 12 s p). Sie finden ſich in allen grünen Pflanzenteilen, ganz beſonders zahlreich an den Blättern und zwar hauptſächlich auf ihrer Unterſeite vor. So weiſt pa seb 10 I. Die Pflanze. z. B. ein Apfelblatt 350000 bis 400000 Spaltöffnungen auf, ein Rebblatt etwa 3 ½ Millionen. 2. Das Grundgewebe beſteht meiſtens aus Parenchymzellen, iſt je nach ſeiner Auf⸗ gabe in den verſchiedenen Pflanzenteilen von verſchiedener Bedeutung und hat daher auch in ſeiner Ausbildung verſchiedene Formen. (So dient es in dem Blatt, wo es von den blattgrünhaltigen Zellen gebildet wird, zur Aſſimilation, im Stengel zur Zuckerleitung, Feſtigung ꝛc.) Im Stengel lagern ſich in dem gleichmäßigen Grundgewebe die Gefäß⸗ bündel ein(Fig. 13, 14 und 15), ebenſo im Blatt(Fig. 11 f). 3. Die Gefäßbündel. Wenn wir ein Blatt der bekannten Wegebreitpflanze (Plantago) abreißen, ſo werden an der Riß⸗ fläche, oft weit aus dem Grundgewebe des Blattſtengels oder des Blattes heraushängend, Fig. 12. Oberhaut des Hya⸗ feſte und ziemlich dicke, hellere Stränge ſicht⸗ zinthenblattes in der Fächen⸗ bar, die Gefäßbündel. Es ſind dies, wie anſicht. Sp Spaltöffnungen. der Name ſagt, Bündel von den oben be⸗ 2 J =A—ÿ ‿ — — ‿ 5* 4 8 4 ) ⁸‿ 2 ſh f Fig. 13. Querſchnitt durch den rgrengalu n innen die große Markhöhle. e Oberhaut, ch Parenchym blattgrünhaltig, p Markparenchym. ſchriebenen ſchlauchartigen Gefäßen, die Stengel und Blätter durchziehen, ſich mehr oder minder verzweigen und bei den Blättern unter den A. Innerer Bau der Pflanze. 11 Blattadern oder Blattnerven liegen. Die Gefäßbündel beſtehen aus Gefäßen, zwiſchen denen Prosenchym⸗ und Parenchymzellen eingelagert ſind. In jedem Gefäßbündel finden ſich nach der Stengelmitte zu verdickte Gefäße, das Holz, und nach der Rinde zu Siebgefäße, der Baſt(Fig. 8 u. 9 X u. P, S. ⸗). Bei einem Teile der Pflanzen(den zwei⸗ und mehrſamenlappigen) liegt zwiſchen Holz und Baſt eine Schicht von reich mit Protoplasma erfüllten dünnwandigen Zellen, das Kambium. Indem dieſe Zellen ſich ſenkrecht teilen, wird fortwährend nach innen zu neues Holz und nach außen neuer Baſt gebildet(Fig. 8 u. 9c, S. 7). Bei den einſamenlappigen iſt zwar auch ein ſolches Kambium vorhanden, aber es verliert frühzeitig ſeine Teilungsfähigkeit und Fig. 14. Fig. 15. Fig. 14. Querſchnitt durch den Stengel einer einſamenlappigen Pflanze. Fig. 15. Desgl. durch den Stengel einer zweiſamenlappigen Pflanze. e Oberhaut, p Grundgewebe, r Rinde, m Mark, g Gefäßbündel(bei Fig. 14 zerſtreut liegend, bei Fig. 15 in Geſtalt eines Kreiſes angeordnet.) kann daher hier nicht zur Bildung neuen Holzes und neuen Baſtes beitragen. Wir ſehen alſo, daß die Gefäßbündel der zwei- und mehrſamen⸗ lappigen Pflanzen durch die fortgeſetzte Teilung ihrer Kambiumzellen in die Dicke wachſen können, während dies für die Gefäßbündel der einſamenlappigen Pflanze nicht gilt. Auf dem Querſchnitt des jungen Stengels einer mehrſamen⸗ lappigen Pflanze erſcheinen die Gefäßbündel in einen Kreis geordnet. Die außerhalb dieſes Kreiſes liegenden Teile des Grundgewebes heißen Rinde, die innerhalb des Kreiſes befindlichen werden Mark genannt, die zwiſchen den Gefäßbündeln liegenden, die Verbindung zwiſchen Rinde und Mark herſtellenden werden als Markſtrahlen bezeichnet(Fig. 15). Die Stengel einer einſamenlappigen Pflanze dagegen zeigen auf dem Querſchnitt eine ganz unregelmäßige Verteilung der Gefäßbündel in dem Grundgewebe(Fig. 13 u. 14). 12 I. Die Pflanze. § 4. Aufbau der einzelnen Pflanzenteile. 1. Bau des Stengels. Bei weiterem Wachstum des Stammes entſtehen in den Markſtrahlen, die urſprünglich als Wände die Gefäß⸗ bündel trennen, neue Gefäßbündel, ſo daß einerſeits die Markſtrahlen als Wände verſchwinden, anderſeits die Gefäßbündel dicht zuſammen⸗ kommen und die Hauptmaſſe des Stammes ausmachen. Ebenſo wie ſich in den Markſtrahlen neue Gefäßbündel bilden, entſtehen auch zwiſchen dieſen neue zahlreiche Markſtrahlen, die aber nicht mehr als breite Wände, ſondern als ſchmale Strahlen auftreten(Fig. 16 1, 2, 3, 4. Dasjenige Holz, welches im Frühjahr gebildet wird, enthält mehr Gefäße und iſt daher weicher; das Herbſtholz beſitzt dagegen mehr Holz⸗ 44 4 — Fig. 16. Schematiſche Darſtellung eines älteren dikotylen Stammes. A Rinde mit Kor, B Baſt, C Kambium, H Holz, J Jahresring, 1, 2, 3 M Markſtrahlen, M Mark, Q Querſchnitt, R Radialſchnitt, T Tangentialſchnitt. faſern und iſt daher dichter und feſter. Auf dieſer Verſchiedenheit des Holzes beruhen dte Jahresringe. Die anfangs noch mit Plasma verſehenen Holzzellen verlieren dasſelbe bald, die Wandungen verholzen und das Innere wird mit Luft gefüllt. Die langgeſtreckten und dickwandigen Prosenchymzellen des Holzes und Baſtes verleihen der Pflanze Feſtigkeit. In den Markſtrahlen wird im Sommer Stärke als Vorrat für die Ernährung der Kambiumzellen abgelagert. Die Rinde verändert ſich ebenfalls beim Wachstum. Die äußere Haut wächſt nicht weiter, ſondern platzt durch den Druck des innen weiter wachſenden Stammes. Damit wäre der äußere Schutz verloren, aber es haben ſich ſchon im Herbſt des erſten Jahres in den Rinden⸗ A. Innerer Bau der Pflanze. 13 zellen neue und zwar verkorkte Zellen gebildet; die außerhalb dieſer Korkſchicht gelegenen Zellen werden dadurch von der Ernährung ab⸗ geſchnitten und ſterben ſchließlich ab. Dadurch bildet ſich die Borke. Dieſe Borke reißt weiter, dem inneren Druck des Wachtums nachgebend, und wird ſchließlich außen in Form von Schuppen und Faſern ab⸗ geſtoßen. 2. Bau des Blattes. Das Blatt enthält alle 3 Gewebe⸗ ſyſteme: Haut-, Grundgewebe und Gefäßbündel, die alle ſo angeordnet Fig. 17. Wurzelhaube des engliſchen Raigraſes(Lolium Fig. 18. Endteil einer Wurzel des perenne). Die äußeren Zellen werden fortwährend ab⸗ Weizens(Triticum vulgare). w geſtoßen, indem ſich die Wurzelhaube von innen her ver⸗ Wurzelkörper, wh Wurzelhaube, hh jüngt. Stark vergrößert.(Nach Nobbe.) Wurzelhaare. Vergrößerung 15 fach. ſind, daß das Blatt einen dünnen, flachen Körper mit möglichſt großer Oberfläche darſtellt, damit das Licht zu allen blattgrünhaltigen Zellen hingelangen könne(Fig. 11, S. 9). Die beiden Außenflächen werden von der Oberhaut gebildet, die beſonders auf der Unterſeite von zahlreichen Spaltöffnungen durch⸗ brochen wird. Die Hauptmaſſe beſteht aus Grundgewebe, deſſen Zellen zahl— reiche Blattgrünkörperchen enthalten. Sie laſſen in der unteren Blatt⸗ hälfte große Hohlräume zwiſchen ſich, die durch die Spaltöffnungen mit der Außenluft in Verbindung ſtehen. 14 I. Die Pflanze. — Die Gefäßbündel durchziehen das Blatt als Blattadern und endigen in ihren letzten Verzweigungen zwiſchen den Zellen des Grund⸗ gewebes. Fig. 19. Die Wurzel mit den Wurzelhaaren. A Keimpflanze von Raps mitlden Wurzelhaaren hh. B Dieſelbe Keimpflanze mit den durch die Wurzelhaare feſtgehaltenen⸗Höschen von Bodenteilen. C Wurzeln einer Getreidepflanze, die jüngeren Wurzelzweige gleichfalls mit den Höschen. D Querſchnitt einer Wurzel mit ihren aus den Oberhautzellen wachſenden Wurzelhaaren, deren Verwachſung mit Bodenteilchen ſichtbar iſt. — B. Das Leben der Pflanze. 15 3. Der Bau der Wurzel. Die Wurzeln ſind dem Stamm in ſeinem Aufbau nahe verwandt, doch haben ſie keine blattgrünhaltigen Zellen, tragen keine Blätter, endigen in einer den wachſenden Scheitel bedeckenden Wurzelhaube und wachſen nach unten(Fig. 17 u. 18, S. 13). Die Wurzel zeigt wie der Stamm alle drei Gewebeſyſteme: die Oberhaut, das Grundgewebe und die Gefäßbündel. Die Oberhaut beſteht in allen älteren Wurzelteilen aus verkorkten Grundgewebezellen (Korkzellen). Im parenchymatiſchen Grundgewebe liegen, und zwar in der Mitte, die Gefäßbündel. Die Spitze der Wurzel, alſo der Teil, der durch Zellenneubildung weiter wächſt, iſt mit der ſogenannten Wurzelhaube bedeckt. Dieſe beſteht aus Zellſchichten, die aus den äußeren Schichten des Bildungsgewebes der Wurzelſpitze immer neu gebildet werden, die Wurzelſpitze wie eine Haube bedecken und durch ihre ſchleimige Beſchaffenheit das Eindringen der Wurzel zwiſchen die Bodenteilchen erleichtern. Die wachſende Spitze unter der Wurzelhaube erzeugt durch Zellteilung die Oberhaut, das Grundgewebe und die Gefäßbündel. Wichtig iſt es, die Ausbildung der Oberhaut zu kennen. Die au der Wurzelſpitze gebildeten Oberhautzellen erweitern ſich zum Teil nach außen und entwickeln ſich ſchließlich zu den ſogenannten Wurzelhaaren, d. h. zu dünnen, feinen Schläuchen, die ſich zwiſchen den Bodenteilchen einſchieben und ſich dicht an dieſelben anſchmiegen. Die mit den Wurzel— haaren bedeckten jungen Wurzelteile zeigen darum„die Wurzelhoſe“ (Fig. 19, S. 14). Die Wurzelhaare dienen zur Aufnahme des Waſſers und der darin gelöſten Nährſtoffe. Mit dem fortſchreitenden Wachs⸗ tum der Wurzel werden von der Spitze aus immer neue Haare gebildet. Die älteren Haare ſterben allmählich ab, nachdem ſie der Nahrungsauf⸗ nahme gedient haben, und die Oberhautzellen verkorken. B. Das Leben der Pflanze. a) Die Ernährung. § 5. Die Beſtandteile der Pflanze. Wenn wir Aufſchluß über die Stoffe haben wollen, deren die Pflanze zu ihrer Ernährung bedarf, ſo müſſen wir zu erforſchen ſuchen, aus welchen Stoffen die Pflanze zuſammengeſetzt iſt. 16 I. Die Pflanze. Entnehmen wir eine Pflanze dem Erdreich und laſſen ſie an der Luft oder gar dem Sonnenſchein ausgeſetzt liegen, ſo ſehen wir ſie welken und ſchließlich vertrocknen, d. h. das in der Pflanze enthaltene Waſſer verdunſtet. Die Pflanze enthält Waſſer(40— 90 Teile v. H.). Setzen wir die zurückbleibende Trockenſubſtanz bei Luftzutritt einer ſtärkeren Hitze aus, ſo verbrennt ſie, indem ſie Aſche hinterläßt. Wir können alſo an ihr einen verbrennlichen(ungefähr 55 Teile v. H.) und einen unverbrennlichen Beſtandteil(ungefähr 5 Teile v. H.) unterſcheiden. Die weitere chemiſche Unterſuchung ergibt, daß die verbrennliche oder organiſche Subſtanz aus den Grundſtoffen Kohlenſtoff, Waſſerſtoff, Sauerſtoff, Stickſtoff und Schwefel und die unverbrennliche oder un⸗ organiſche Subſtunz, die wir auch Aſchen⸗ oder mineraliſche Beſtand⸗ teile der Pflanzen nennen, aus den Grundſtoffen Kalium(Natrium), Kalzium, Magneſium, Phosphor(Chlor, Eiſen, Silizium, Mangan) beſteht. Friſche Pflanzenſubſtanz. Waſſer. Trockenſubſtanz. Verbrennliche od. organiſche Subſtanz Unverbrennliche od. Aſchenſubſtanz (wird bei der Verbrennung flüchtig):(bleibt in der Aſche zurück: Kohlenſtoff Kalium(Chlor- Waſſerſtoff Kalzium Eiſen! Sauerſtoff Magneſium ſeun Stickſto hosphor Silizium Süirünſt Posph(Manganl. Dieſe Grundſtoffe, aus denen die Pflanze zuſammengeſetzt iſt, muß ſie von außen in ſich aufnehmen; wir bezeichnen ſie als die Nährſtoffe der Pflanze. Weſentliche und unweſentliche Nährſtoffe. Alle Nährſtoffe werden von der Pflanze durch die Wurzeln aus dem Boden aufgenommen, mit Ausnahme des Kohlenſtoffes, welcher der Pflanze unmittelbar aus der Luft zugehen kann. Die ſogenannten Waſſerkulturen, d. h. das Erziehen von Pflanzen in Waſſer, in dem die verſchiedenen Nährſtoffe auf⸗ gelöſt ſind, haben uns darüber Auskunft gegeben, welcher von den Aſchen⸗ beſtandteilen ſie unbedingt zu ihrer Ernährung bedürfen und welche ſie zu ihrem Wachstum entbehren können. Man hat daraus das Natrium, das Mangan, das Silizium und das Eiſen als unweſentlich für den Aufbau der Pflanze erkannt, die übrigen Stoffe aber als weſentlich und notwendig. Bedeutung der einzelnen Nährſtoffe für die Pflanze. Die Wiſſenſchaft forſcht nach der Beſtimmung der einzelnen Stoffe für B. Das Leben der Pflanze. 17 das Leben der Pflanzen. Danach iſt das Kalium zur Bildung von Stärke, Zucker ꝛc.(den ſog. Kohlenhydraten) nötig, der Phosphor zur Bildung der Eiweißſtoffe. Die letzteren bedürfen zu ihrem Aufbau auch des Stickſtoffs. Die Form, in der dieſe Stoffe von der Pflanze aufgenommen werden, iſt die von Verbindungen und zwar von Salzen. Sie alle können jedoch nur in Waſſer gelöſt Aufnahme finden. § 6. Aufnahme der Nährſtoffe durch die Murzel. 1. Die Wurzel als Aufnahmeorgan. Faſt alle höheren Pflanzen, zu denen auch unſere Kulturgewächſe gehören, haben Wurzeln. Nur die jungen Wurzeln und der untere Teil der älteren, ſoweit ihre Haut noch nicht verkorkt iſt, können durch die zarten Wände Fig. 20. Schema des Ackerbodens(nach Sachs). e Oberhaut der Wurzel, hh Wurzelhaar bei z und Ss mit Bodenteilchen verwachſen, 5 Waſſerumhüllungen der Bodenteilchen ST, y Luftblaſen. der Oberhautzellen das Bodenwaſſer und die in ihm gelöſten Nähr⸗ ſtoffe, die„Bodenlöſung“, aufnehmen. Beſonders günſtig geſchieht dies durch die Oberhautzellen, die, zu Wurzelhaaren ausgewachſen, der Bodenflüſſigkeit eine ſehr große Oberfläche bieten und mit den Boden⸗ teilchen in enge Berührung treten(Fig. 19, S. 14, und Fig. 20). Die jungen Wurzelfaſern, welche die Nahrungsaufnahme bewirken, heißen deswegen auch Saugwurzeln. 2. Die Nährſtoffaufnahme geht nach dem Geſetze der Diffuſion vor ſich, welche darin beſteht, daß ſich zwei verſchiedene Flüſſigkeiten(oder Gaſe), die ſich berühren, allmählich durchdringen und miſchen. Dieſer Ausgleich findet auch durch eine pflanzliche oder tieriſche Haut ſtatt(Diosmoſe). Droyſen⸗Giſevius. Ackerbau. 6. Auflage. 2 18 I. Die Pflanze. a) Auf dieſe Weiſe dringt das Bodenwaſſer durch die Wandungen der Wurzelhaare in das Innere der Zellen ein und wandert nun von einer Zelle in die andere durch die ganze Pflanze. Dabei wird eine Kraft entwickelt, welche Wurzeldruck genannt wird und den Saft in die Höhe drückt. Sie iſt haupt⸗ ſächlich Urſache für die Erſcheinung des „Blutens“ oder„Tränens“ abgeſchnittener Bäume oder Sträucher(beſonders ſtark der Rebe) im Frühjahr. Das Aufſteigen des Saftes wird dabei noch lebhaft durch die namentlich in den Blättern ſtarke Verdunſtung des Waſſers unterſtützt, ſo daß er bis in die höchſten Spitzen der Bäume gelangt. b) Die in dem Bodenwaſſer gelöſten Stoffe gehen gleichfalls durch Diffuſion in die Wurzelfaſern über und nehmen ihren Weg in der Pflanze nach den Orten hin, wo ſie zur Neubildung von Pflanzenſubſtanz verbraucht werden. Wird z. B. in der wachſenden Zelle einer Knoſpe Kali aus ihrem Zellſaft ent⸗ nommen, ſo wird dadurch in dem Zellſaft das Gleichgewicht für Kali im Verhältnis zur Nachbarzelle geſtört, und es diffun— diert aus dem Zellſaft dieſer ſo viel Kali in die erſte nach, bis die Stärke der 2— Löſung in beiden wieder gleich geworden BRin 21. Euböenſumeten. iſt. Dieſe Störung des Gleichgewichts Das Endosmometer zeigt den 3 Vorgang der Diosmoſe ſehr deutlic, und der dadurch angeregte Ausgleich ſetzt däinrigs nntede den dan nſee ſich durch alle Zellen abwärts bis in die mit Tierblaſe verbundene innere Ge⸗ Wurzel fort, wodurch nun auch die Neu⸗ fäß f, in dem ſich eine Kupfervitriol? aufnahme von Kali aus der Bodenflüſſig⸗ löſung befindet, eindringt. Dadurch, 5 5 wird der Inhalt in der Zelle f ver⸗ keit angeregt wird. mehrt und die Flüſſigeit ſteigt daher 0) Die Aufnahme der im Bo⸗ in der Röhre r aufwärts.„ 2 denwaſſer allein nicht löslichen Stoffe geſchieht ebenfalls durch Diffuſion, jedoch nachdem die Pflanze durch eigene Tätigkeit die Löſung jener Stoffe befördert hat. Der Pflanzenſaft iſt ſauer und die Wurzeln ſcheiden Kohlenſäure und wahrſcheinlich noch eine andere Säure aus, die löſend auf die Bodenteilchen wirken. Den Beweis dafür liefert uns eine polierte Marmorplatte, über welcher man eine Pflanze hat wachſen B. Das Leben der Pflanze. 19 laſſen; denn alsdann zeigt dieſelbe überall an den Berührungsſtellen der Wurzeln deutliche Vertiefungen, die durch die Säure eingeätzt ſind. In dieſer Weiſe nimmt die Pflanze alle ihr in der Bodenflüſſigkeit gebotenen Stoffe auf(auch ſolche, deren ſie nicht notwendig zu ihrem Aufbau bedarf), aber ſie nimmt von jedem dieſer Stoffe nur ſo viel auf, als ſie wirklich verbrauchen kann. Dieſes Vermögen der Pflanze heißt das quantitative Wahlvermögen. Wenn eine Pflanze ſich in regelrechter Weiſe entwickeln ſoll, ſo braucht ſie von jedem ihrer Aſchenbeſtandteile eine gewiſſe geringſte Menge (ein Minimum,, die für jede Pflanzenart aber verſchieden iſt. Fehlt ihr von den weſentlichen Nährſtoffen auch nur einer, ſo kann ſie nicht gedeihen. Hat ſie alle Nährſtoffe genügend zur Verfügung, mit Ausnahme eines ein⸗ zigen, ſo wird ſie nur in dem Maße wachſen, als ihr dieſer zugeführt wird. Das Geſetz des Minimums, welches für die Düngung der Pflanzen von großer Wichtigkeit iſt, lautet demmach: Das Wachstum der Pflanzen richtet ſich nach demjenigen Nährſtoffe, der ihnen im relativen Minimum geboten wird. § 7. Die Herſtellung der organiſchen Fubſtanz in der Pflanze(Aſſimilation). Die Herſtellung der organiſchen Subſtanz in der Pflanze (Aſſimilation) geſchieht in den mit Blattgrünkörperchen verſehenen Zellen der Blätter und des Stengels, indem unter Einfluß von Licht und Wärme aus der Kohlenſäure der Luft und dem Waſſer, das aus den Wurzeln hochſteigt, Stärkemehl gebildetwird. Dabei wird freier Sauerſtoff ausgeſchieden. Ohne das Blattgrün, das ſich nur im Licht bildet, findet keine Aſſimilation ſtatt, ebenſo nicht, wenn die Wärme fehlt, welche die Kraft zu allen Lebensvorgängen zu geben hat. Kohlenſäure+ Waſſer(† Kraft)= Stärke+ Sauerſtoff 6002 5 20= CelIOO, 602. Die Kohlenſäure, welche(zu 0,04%) in der atmoſphäriſchen Luft enthalten iſt, gelangt mit dieſer durch die zahlreichen Spaltöffnungen in das Innere des Blattes.(Vgl.§ 4, 2. S. 13: Bau des Blattes, und Fig. 11, S. 9.) Wie die Wärme, ſo iſt auch das Licht eine Hauptbedingung für die Aſſimilation. Eine Pflanze oder ein Blatt, die ſich im Dunkeln befinden, können nicht aſſimilieren; ein ſtärker belichtetes Blatt wird mehr Stärke bilden, als ein ſchwächer belichtetes. Trübe Jahre erzeugen weniger Stärke als ſonnige, deshalb bleiben in ſolchen z. B. die Kartoffeln auch ſtärkeärmer und die Zuckerrüben zuckerärmer. Die Stärke iſt alſo der erſte organiſche Körper, den die Pflanze aus den unorganiſchen Stoffen Kohlenſäure und 2* 20 I. Die Pflanze. Waſſer herſtellt. Sie bildet den Ausgangspunkt für die Bildung aller anderen organiſchen Stoffe in der Pflanze. Die meiſten Schmetterlingsblütler, z. B. die Lupinen, können unter Beihilfe eines in den Wurzelknöllchen lebenden Bakteriums auch den freien Stickſtoff der atmoſphäriſchen Luft zum Aufbau der or⸗ ganiſchen Stoffe verwenden; ſie heißen deshalb„Stickſtoffſammler“. § 8. Verwendung der gebildeten organiſchen Subſtanz. Die Stärke muß, da ſie in Waſſer nicht löslich iſt, in einen löslichen Körper umgewandelt werden, damit ſie aus den rings ge⸗ ſchloſſenen Blattzellen nach den Stellen des Verbrauchs wandern könne. Indem ſie Waſſer aufnimmt, verwandelt ſie ſich in Zucker: Stärke+ Waſſer= Traubenzucker CeIIoO. 20= CeH1²O. Die Wanderung des Zuckers nach den Stellen des Verbrauchs geſchieht abermals durch Diffuſion, indem die Zellſaftlöſung in den Zellen, in denen Zucker verbraucht wird, verdünnter geworden iſt und dadurch ein Strom nach jenen Zellen entſteht. Die Arten des Verbrauchs ſind folgende: a) Die Bildung neuer Zellen findet ſtatt, indem der Zucker in die zum Aufbau der einzelnen Zellteile erforderlichen Verbindungen umgewandelt wird. Solche Verbindungen ſind Eiweiß, Zellſtoff, Kork⸗ ſtoff, Holzſtoff u. a. Die Ortlichkeiten dieſer Neubildung, nach denen der Zucker hinwandert, ſind alle wachſenden Pflanzenteile, vor⸗ zugsweiſe die Knoſpen, die Stammſpitze, die Wurzelſpitze, das Kambium, die Blüten und ſchließlich die Frucht bezw. der Same.. b) Ein weiterer Aufbrauch von Zucker geſchieht dadurch, daß in Wurzeln, Knollen, Zwiebeln, dem Mark des Stengels, dem Samen Zucker ſelbſt oder gewiſſe Stoffe, die aus dem Zucker entſtehen, als Vorrat für künftiges Wachstum abgelagert werden. Solche Stoffe ſind Stärke(die aus dem Zucker wieder zurückgebildet wird), Zellſtoff, Fett(Ol) u. a. c) Schließlich wird ein großer Teil des Zuckers zur Atmung verbraucht. Unter Atmung verſteht man den Vorgang in allen lebenden Zellen der Pflanze, bei welchem beſonders Zucker und Stärke durch den Sauerſtoff der Luft zu Kohlen⸗ ſäure und Waſſer unter Entwicklung von Wärme verbrannt werden. Die Atmung findet dauernd, alſo auch des Nachts ſtatt. Der Sauerſtoff der atmoſphäriſchen Luft muß dabei den Pflanzen in allen ihren lebenden Teilen zugänglich ſein. Die Zellen der oberirdiſchen Pflanzenteile erhalten den Sauerſtoff der Luft durch Vermittelung der B. Das Leben der Pflanze. 21 Spaltöffnungen und der Zwiſchenzellräume. Damit die Wurzeln atmen können, muß ſtets der Boden dem Luftzutritt offen gehalten werden. Iſt der Boden durch übermäßige Näſſe oder durch eine Kruſte abge⸗ ſchloſſen, ſo kränkeln die Wurzeln, das Wachstum ſteht ſtill, oder die Wurzeln ſterben ſogar ab und faulen dann. Zucker+ Sauerſtoff= Kohlenſäure Waſſer( Kraft) CO, 1. 60,= 600. 6 1.0. Auch die Zellen der im Ruhezuſtande befindlichen Pflanzenteile, wie die der Samen, Knollen, Wurzeln und Zwiebeln, atmen, und zwar auf Koſten der in ihnen abgelagerten Vorratsſtoffe; deshalb empfiehlt es ſich bei techniſcher Verwertung der Kartoffeln, Rüben u. dergl., die⸗ ſelbe möglichſt früh vorzunehmen. Die durch die Atmung erzeugte Wärme iſt die Kraftquelle für alle Lebensvorgänge in der Pflanze, wie ja auch beim Menſchen und Tiere durch die Atmung Wärme und dadurch Kraft erzeugt werden muß, falls nicht der Tod eintreten ſoll. Dieſe durch die Atmung erzeugte Kraft dient vor allem zur Einleitung und Fortführung der Neubildung von Zellen. Daher ſehen wir, daß da, wo dieſe Neubildung ſtarkes Wachstum hervorruft, wie bei der Keimnung von Samen(Malz⸗ bereitung), bei Ausbildung von Blüten Kaktus, Aroideen) ec., die Wärmeentwicklung durch die Atmung beſonders bemerkbar und nach⸗ weisbar wird. Schon oben wurde geſagt, daß auch zur Aſſimilation in den grünen Zellen Kraft, d. h. Wärme, notwendig iſt, daher iſt auch in dieſen Zellen die Atmung ſtark, und es wird dazu ein Teil der neu⸗ gebildeten Stärke bezw. des ſich daraus bildenden Zuckers verbraucht. Die Atmung geht aber auch in den Zellen vor ſich, die nicht aſſimilieren. Daraus folgt, daß Zweige und Blätter eines Baumes, die im Schatten ſtehen, die alſo, da ſie des nötigen Lichtes entbehren, nicht Stärke er⸗ zeugen können, gewiſſermaßen als Schmarotzer dem Baum ſchaden; denn ſie atmen von dem in den belichteten Blättern erzeugten Zucker, ohne ſelbſt mitzuarbeiten. Solche Zweige und Blätter müſſen ſomit entfernt werden. Dabei iſt zu bemerken, daß die Aſſimilation, die ja nur im Licht, alſo bei Tage vor ſich geht, ſehr viel mehr Stärke erzeugt, als zur Atmung verbraucht wird. 1 am Blattfläche braucht für den Tag etwa 3—4 g Stärke zur Atmung. In 12 Stunden kann dieſe Blattfläche in hellem Sonnenlicht aber ungefähr 20 g Stärke durch Aſſimilation erzeugen, ſo daß noch etwa 16 g Stärke zur Neubildung von Pflanzenteilen und zur Ablegung als Vorratsmaſſe ver⸗ fügbar bleiben. Eine andere Art der Atmung, die ſog. intramolekulare Atmung, geht neben der Sauerſtoffatmung her. Sie findet im Gegen⸗ 22 1. Die Pflanze. ſatz zu dieſer ohne Sauerſtoff ſtatt und beſteht in dem Zerfall des Zuckers in AÄthylalkohol(Weingeiſt) und in Kohlenſäure nach der Gleichung C.HOℳ= 2CH, 0H+ 2002 Zucker= Alkohol+ Kohlenſäure, wie ſie bei vielen Gärungen regelmäßig auftritt. Fig. 22. Schematiſche Darſtellung des Fruchtknotens und der Samenknoſpen im Augenblick der Befruchtung. o Fruchtknoten, auf ihm der Griffel mit der Narbe. Auf der Narbe liegen zwei Blütenſtaubkörner, die einen Schlauch p durch die Griffelröhre zur Samenknoſpe getrieben haben; n der Eikern mit dem Embryoſack e. B. Das Leben der Pflanze. 23 b) Die Blüte. § 9. Die Beſtandteile der Blüte. Die Blüte beſteht, wenn wir von den mitunter fehlenden oder ver⸗ krüppelten, unweſentlichen Teilen, dem Kelche und der Blumenkrone, abſehen, aus den Staubblättern und den Fruchtblättern. Die Staubblätter erzeugen in ihren Beuteln den Blütenſtaub(Pollen). Die Fruchtblätter bilden einen oder mehrere Fruchtknoten, in deren Innern ſich eine oder mehrere Samenknoſpen befinden. Durch auf die Narbe (den oberen Teil des Fruchtknotens) gelangte Pollenkörner werden die Samenknoſpen befruchtet und wachſen dann durch freie Zellbildung (vergl.§ 1 Nr. 4, S. 2) im Innern zu Samen heran(Fig. 22). c) Die Ausbildung des Samens.— Das Reifen. § 10. Samenbildung.— Reife. Durch Zellbildung im Innern der Samenknoſpe entſteht der Samen, deſſen Teile 1. die Schale, 2. der Keim⸗ ling und 3. der Mehlkörper ſind. Die Schale hat den Zweck, das Korn vor un⸗ günſtigen äußeren Einflüſſen zu ſchützen. Der Keimling iſt die Anlage der ſpäte⸗ ren Pflanze und zeigt ſchon deutlich das Würzelchen, das Federchen(den künftigen Stengel) und einen oder mehrere Samen⸗ lappen. Der Mehlkörper, welcher Vorratsſtoffe(Eiweißſtoffe, Stärke, Zell⸗ ſtoff, Fett) enthält, ſoll dem Keimling während der Keimung zur Nahrung dienen(Fig. 23). Wenn der Mehlkörper nicht zur Ausbildung gelangt, ſo übernehmen an ſeiner Stelle die Vorratsſtoffe der Keimblätter oder Samenlappen die Er⸗ nährung des Keimlings.— Während dee Reifens der Sa⸗ za unaeneuttn nnarnn men, beſonders unſerer Kulturpflanzen, i Mehlkörper, n Kleberſchicht, p Schale. unterſcheiden wir als aufeinander⸗ Vergr. 10 fach.) folgende Zuſtände: die Milchreife, die Gelbreife, die Vollreife und die Totreife. Bei der Milch⸗ oder Grünreife zeigt die Pflanze noch grüne Teile; die Einwanderung der 24 I. Die Pflanze. Vorratsſtoffe in den Samen iſt noch nicht vollendet. Da der Inhalt des Samenkorns noch milchig iſt, ſchrumpft er, falls es in dieſem Zu⸗ ſtande geerntet wird, beim Trocknen zuſammen. Bei der Gelbreife iſt die Einwanderung der Vorratsſtoffe eben vollendet, der gelbliche Inhalt des Samens iſt feſt geworden; das Samenkorn ſchrumpft nicht mehr zuſammen und die Ernte kann beginnen. Beim Roggenkorn erkennt man das Eintreten der Gelbreife daran, daß das Korn beim Biegen über den Fingernagel bricht, bei vielen anderen Samen an der gelben Farbe auf dem Querſchnitt. Die Vollreife läßt den Inhalt des Samenkorns an wertvollen Vorratsſtoffen nicht reicher, ihn aber mehlig, weiß und ganz feſt erſcheinen. Das Roggenkorn iſt dabei ſo zäh, daß es über dem Fingernagel nicht mehr brechen will. Die Totreife läßt das Innere des Korns ähnlich wie bei der Vollreife erſcheinen; die Körner fallen aber, wenigſtens bei unſeren Feldfrüchten, ſehr leicht aus. Die Ernte iſt in dieſem Reifezuſtand nur unter Körnerverluſt möglich. Das Roggenkorn bricht wieder über dem Nagel, aber unter hörbarem Knacken. Als richtiger Zeitpunkt der Ernte für die Körnerfrüchte ſind daher je nach der größeren oder geringeren Neigung zum Ausfallen die Gelb⸗ und die Vollreife anzuſehen. Der Übergang vom Wachſen zur Reife findet bei manchen Pflanzen(z. B. bei unſeren Halmgetreide⸗ arten) für alle Samen ziemlich gleichmäßig ſtatt, bei anderen(z. B. bei vielen Hülſenfrüchten) jedoch ſehr ungleichmäßig, ſo daß wir uns für den Beginn der Ernte nach dem Reifezuſtand der Mehrzahl der Körner richten müſſen. d) Die Keimung des Samens. § 11. Die Keimung. Die Erforderniſſe der Keimung ſind Waſſer, Sauerſtoff und Wärme. Das Waſſer muß der Samen aus dem feuchten Boden erhalten. Den Sauerſtoff entnimmt er der im Boden enthaltenen und auch im Bodenwaſſer gelöſten Luft. Der Sauerſtoff dient hauptſächlich zur Atmung des Samenkorns, wodurch Wärme und damit die zu den Wachs⸗ tumsvorgängen der Keimung nötige Kraft erzeugt wird. Doch muß zum Beginn der Keimung von vornherein ein gewiſſer Grad von Wärme vorhanden ſein, die der durch die Sonne erwärmte Boden dem Samen⸗ korne bietet. Für jede Pflanzenart gibt es als Grenze eine höchſte und eine niedrigſte Keimtemperatur, über und unter welcher die Keimung nicht mehr möglich iſt, ebenſo eine günſtige Keimtemperatur, die der höchſten näher als der niedrigſten liegt. Die Vorgänge bei der Keimung ſind folgende. Das Samenkorn— denken wir uns als Beiſpiel ein Weizenkorn— nimmt ——,——— B. Das Leben der Pflanze. 25 Waſſer auf, indem es dabei bedeutend an Größe zunimmt: es quilt auf. Dadurch wird allmählich der Mehlkörper in eine milchige Maſſe verwandelt, in der ſich die Vorratsſtoffe, beſonders das Stärkemehl, unter Einfluß der Diaſtaſe¹) in eine Form(Dextrin und Zucker) umwandeln, in welcher ſie zum Aufbau der bei der Keimung neu entſtehenden Pflanzen⸗ teile dienen können. Der ſo erwähnte Keimling wächſt nun und entwickelt zwei Triebe: das Würzelchen und das Fe⸗ derchen. Dieſes wächſt nach oben und bildet den ſpäteren Stamm. Das Würzelchen wächſt nach unten und erzeugt die erſten Wurzeln(Fig. 24). Bei den mehrſamen⸗ lappigen Pflanzen, in deren Samen die Vorratsſtoffe in den Samenlappen aufge⸗ ſpeichert ſind, wachſen dieſe faſt immer mit dem jungen Stengel aus dem Boden Fig. 25. Keimung des Leins. A Das Würzelchen iſt ſoeben aus dem Samen hervorgewachſen. B Die junge Wurzel iſt tiefer in den Boden eingedrungen, der junge Stengel hat ſich verlängert und den Samenlappen c über den Boden hochgehoben. Die Samenſchale wird oben Fig. 24. Keimung abgeſtreift. C Die Samenlappen c haben ſich ausgebreitet des Weizens. und der eigentliche Stengel p fängt an, ſich zu entwickeln. heraus, indem ſie fortwährend die Nährſtoffe für die wachſende Pflanze liefern, und breiten ſich als die erſten Blätter, die Keimblätter, aus(Fig. 25). ¹) Die Diaſtaſe iſt ein Ferment, d. h. ſie gehört zu jenen organiſchen, eiweißartigen Verbindungen, die gewiſſe organiſche Stoffe in andere chemiſche Verbindungen zu verwandeln vermögen. Weil ſie unter anderem die Urſache der verſchiedenen Gärungserſcheinungen ſind, nennt man ſie auch Gärungs⸗ erreger. Dahin gehört außer der Diaſtaſe auch z. B. die Hefe. 26 II. Bodenkunde. Wir unterſcheiden alſo drei Vorgänge bei der Keimung, nämlich das Quellen, die Bildung der milchigen Flüſſigkeit und das Wachſen des Keimlings. Wir haben uns indeſſen dieſe drei Vor⸗ gänge ſo zu denken, daß ſie nicht nacheinander, ſondern mehr oder weniger zu gleicher Zeit ineinander übergehend ſich vollziehen. II. Bodenkunde. A. Mineralogie. § 12. Der Quarz. Der Quarz beſteht aus reiner waſſerfreier Kieſelſäure(SiO). Seine Form iſt die einer ſechsſeitigen Säule mit einer ſechs⸗ ſeitigen Pyramide. Der Quarz hat einen fettglänzenden und muſcheligen bis ſplitterigen Bruch. Er iſt waſſerhell(farblos), doch kommt er mannigfach gefärbt vor. Hiernach führt er auch beſondere Namen; ſo nennt man den waſſerhellen Quarz„Bergkriſtall“, den weißen„Milch⸗ quarz“, den rötlichen„Roſenquarz“, den braun oder rauchig ausſehenden „Rauchquarz“(auch„Rauchtopas“), den violetten Quarz„Amethyſt“. Der Glanz der Kriſtallflächen iſt ein Glasglanz. Die Härte iſt ſehr groß, ſo daß der Quarz härter als Stahl und nach den Edelſteinen das härteſte Mineral iſt. Bergkriſtall, Milchquarz, Roſenquarz und Amethyſt werden als Schmuckſteine verwendet, Bergkriſtall auch zur Herſtellung von Brillen⸗ gläſern. Bei vielen Bodenarten gehört ein großer Teil der Boden⸗ körner dem Quarz an. § 13. Die Mineralien. Die Mineralien ſind— feſte oder flüſſige— Grundſtoffe (Elemente) oder chemiſche Verbindungen, welche überall und in allen ihren Teilen die gleichen Eigenſchaften zeigen. Aus ihnen beſteht die feſte Erdrinde. Die Eigenſchaften der Mineralien ſind die chemiſche Zu⸗ ſammenſetzung, die Kriſtallform, die Spaltbarkeit, der Bruch, die Farbe, der Glanz und die Härte. Denkvers: Beim Mineral ſei dir bekannt, Aus welchen Stoffen es entſtand, Form, Spaltbarkeit, Bruch, Farbe, Glanz, Die Härte auch, ſo haſt du's ganz. A. Mineralogie. 2 Die chemiſche Zuſammenſetzung ſagt uns, ob ein Mineral überhaupt Nährſtoffe für die Pflanzenwelt enthält. Die Kriſtallform iſt die regelmäßige, vielen Mineralien eigen⸗ tümliche äußere Form. Man ſpicht von„Spaltbarkeit“ eines Minerals, wenn es beim Zerſchlagen ganz ebene, glatte Flächen auf⸗ weiſt. Die Spaltbarkeit kann in einer, in zwei oder in mehreren Richtungen vorhanden ſein. Der Bruch iſt die Art und Weiſe, nach welcher ein Mineral beim Zerſchlagen in Stücke mit unebenen Flächen zerfällt, und zeigt ſich in dem Ausſehen der„Bruchflächen“. Hinſicht⸗ lich der Farbe ſind die Mineralien farblos oder farbig, können aber auch durch Verunreinigung eine„Färbung“ erhalten. Wenn wir von dem Glanz eines Minerals ſchlechtweg ſprechen, ſo meinen wir den Glanz der Kriſtallflächen und unterſcheiden davon den„Glanz der Bruchflächen“. Die Härte eines Minerals iſt ſeine Eigenſchaft, andere Mineralien zu ritzen oder ſich von ihnen ritzen zu laſſen. Ein Mineral, welches ein anderes ritzt, nennen wir härter als jenes. Ein Mineral, welches ſich von einem anderen ritzen läßt, nennen wir weicher als dasſelbe. § 14. Die kalziumhaltigen Mineralien. 1. Der Kalkſpat beſteht aus kohlenſaurem Kalzium ¹)(CaC0)). Er hat die Kriſtallform des Rhomboeders, welches einem ver⸗ ſchobenen Würfel mit lauter ſpitzen und ſtumpfen Winkeln gleicht. Er ſpaltet gut in drei Richtungen, parallel zu den drei Flächenpaaren des Rhomboeders. Er iſt waſſerhell, doch kommt er durch Verunreinigung weiß, rot, gelb und grau gefärbt vor. Der Glanz, auch der Glanz auf den Spaltungsflächen, iſt ein Glasglanz. Die Härte iſt gering. (Isländiſcher Doppelſpat.) Er iſt in kohlenſäurehaltigem Waſſer löslich. 2. Der Gips beſteht aus ſchwefelſaurem Kalzium(CasO«) und Kriſtall⸗Waſſer. Er kommt oft in eigentümlichen Zwillingskriſtallen vor, welche von ihrer merkwürdigen Geſtalt den Namen„Schwalben⸗ ſchwanzzwillinge“ erhalten haben. Er iſt nur in einer Richtung gut ſpaltbar. Der Gips iſt waſſerhell, doch kommt er auch oft gelb, grau und weiß gefärbt vor. Er beſitzt Glasglanz. Seine Härte iſt ſo gering, daß man ihn ſchon mit dem Fingernagel ritzen kann. Der Gips löſt ſich in vielem Waſſer auf. Er hat ferner die Eigentümlichkeit, beim Brennen zu einem weißen Pulver zu zerfallen, darauf aber, mit Waſſer angerührt, wieder zu einer feſten Maſſe zu erhärten. ¹) Im gewöhnlichen Leben bezeichnet man die Kalzium⸗Verbindungen oft noch als Kalk⸗Verbindungen(z. B. kohlenſaurer Kalk). 28 II. Bodenkunde. 3. Der Apatit beſteht im weſentlichen aus phosphorſaurem Kalzium(CasPeOs). Er findet ſich in ſäulenförmigen Kriſtallen, aber auch als erdiger Körper(Phosphorit) vor. Seine Farbe iſt weiß, aber er wird auch grün, grau und rötlich gefärbt gefunden. §. 15. Steinſalz und Abraumſalze. 1. Das Steinſalz beſteht aus Chlornatrium(NaCl). Es kriſtalliſiert in Würfeln und ſpaltet gut in drei Richtungen, parallel den Würfelflächen. Es iſt waſſerhell; ſelten iſt es rötlich, weiß, grau oder blau gefärbt. Der Glanz, auch der Glanz auf den Spaltungs⸗ flächen, iſt ein Glasglanz. Die Härte iſt gering. Bemerkenswert ſind der eigentümliche Geſchmack des Steinſalzes und ſeine Löslichkeit in Waſſer. 2. Die Abraumſalze ſind Salze, welche in Staßfurt über dem Steinſalz liegend vorgefunden werden. Ihr Name ſtammt davon her, daß man ſie erſt„abräumen“ muß, wenn man zum Steinſalz gelangen will. Bei der chemiſchen Zuſammenſetzung iſt bemerkenswert, daß ſämt⸗ liche Abraumſalze Kalium, zum Teil auch Magneſium, Chlor und Schwefelſäure enthalten, und zwar: Sylvinit durchſchnittlich 20% Kalium. Kainit 5 12„„ Carnallit 9 9„„ Krugit„ 9„„ Kieſerit 73 3—4„ Kieſerit enthält in ganz reinem Zuſtande kein Kalium, doch iſt ſolches in ſeinen Verunreinigungen enthalten. Die Salze löſen ſich ſämtlich in Waſſer auf. Die Abraumſalze ſind waſſerhell, doch kommen ſie meiſt rot, weiß und grau gefärbt vor. In Pulverform(gemahlen) bekommen ſie, ebenſo wie das Steinſalz und wie andere Mineralien, eine weißliche Färbung. § 16. Kieſelfäure-Verbindungen. 1. Der Talk beſteht aus waſſerhaltigem kieſelſaurem Magneſium (HMg SiO1½= H2O0+ 3Mg0+ 48i0a). Seine Farbe iſt weiß, grün, gelb oder grau. Er iſt das weichſte Mineral und fühlt ſich fettig an. Der Talk wird in Pulverform benutzt, um Handſchuhe und Stiefel beim Anziehen glätter zu machen. Mit Ol gemengt bildet er Wagenſchmiere. Da das Ol allein bei dem Schmieren zu leicht ablaufen würde, wird ihm eben der weiche Talk beigemiſcht. Nahe verwandt iſt der aus kieſelfaurem Magneſium Waſſer beſtehende Meerſchaum, aus dem Zigarrenſpitzen und Pfeifenköpfe hergeſtellt werden. A. Mineralogie. 29 2. Die Glimmer beſtehen aus: Aluminium Kieſelſäure und Kalium oder Magneſium. Wir bezeichnen daher die eine Art als Kaliglimmer(Muskovit), die andere als Magneſiaglimmer(Biöotit). Der Kaliglimmer kommt in ſäulenförmigen Kriſtallen vor, die aber ſo niedrig ſind, daß ſie als Platten erſcheinen. Er iſt in einer Richtung vollkommen ſpaltbar, wobei bemerkenswert iſt, daß die Spaltungsrichtung quer zur Längenentwickelung der ſäulenförmigen Kriſtalle liegt. Er iſt waſſerhell, doch findet er ſich auch oft ſilber⸗ weiß und hin und wieder goldbraun gefärbt vor. Der Glanz der Spaltungsflächen iſt ein Glasglanz, die Härte nur ſo gering, daß er ſich mit dem Fingernagel ritzen läßt. In dünne Tafeln geſpalten iſt. er elaſtiſch. Der ſilberweiße Kaliglimmer wird auch„Katzenſilber“, der gelb⸗ braun gefärbte„Katzengold“ genannt. Kommt der Kaliglimmer in großen, waſſerhellen Kriſtallen vor, ſo laſſen ſich den Fenſterſcheiben ähnliche dünne Tafeln herausſpalten. Man verwendet dieſelben, da ſie bei Erſchütterungen nicht ſpringen, zu Fenſtern für Kriegsſchiffe. Man benutzt ſie ferner, da ſie bei Froſt nicht überfrieren, zum Ein⸗ rahmen von Heiligenbildern(Marienglas). Der Magneſiaglimmer ſtellt ſich ebenſo wie der Kaliglimmer in plattenähnlichen Kriſtallen dar, die quer zu ihrer Längsentwickelung vollkommen ſpaltbar ſind. Er unterſcheidet ſich aber von dieſem durch ſeine dunkelbraune bis ſchwarze Farbe. Der Glanz auf den Spaltungs⸗ flächen iſt ein Glasglanz, die Härte gering. Die Glimmer kommen in vielen Fels⸗ und Bodenarten vor. Sie verwittern ſchwer, beſonders der Kaliglimmer. 3. Die Feldſpate ſind ähnlich wie die Glimmer zuſammen— geſetzt und bilden Doppelſalze aus: Aluminium und Kalium oder Natrium oder 1 Kalzium oder Natrium und Kalzium. Hiernach unterſcheiden wir Kalifeldſpat, Natronfeldſpat, Kalk⸗ feldſpat und Natronkalkfeldſpat bezw. Kalknatronfeldſpat. Der Kalifeldſpat(Orthoklas) kommt in ſäulenförmigen, etwas platten Kriſtallen vor und iſt in zwei zueinander rechtwinklig ſtehenden Richtungen gut ſpaltbar. Seine Farbe iſt gewöhnlich fleiſchrot, doch iſt er auch weiß, gelblich und grünlich gefärbt. Sein Glanz iſt auf Kieſelſäure 30 II. Bodenkunde. den Kriſtall⸗ und Bruchflächen ein Glasglanz. Die Härte kommt faſt der des Quarzes gleich, ſo daß er ſich durch Stahl nur ſchwer ritzen läßt. Der Kalifeldſpat iſt in vielen Geſteins⸗ und Bodenarten ver⸗ breitet. Er verwittert nur langſam. Der Kalkfeldſpat und der Natronfeldſpat kommen ſelten rein vor, dagegen oft der Natronkalk- bezw. Kalknatronfeldſpat (Plagioklaſe). Dieſe beiden bilden, wie der Kalifeldſpat, ſäulenförmige Kriſtalle, ſind aber nur in einer Richtung gut ſpaltbar. Eine zweite, weniger gute Spaltungsrichtung bildet mit der erſten ſpitze oder ſtumpfe Winkel. Ihre Farbe iſt weiß, doch ſind ſie auch grau, gelb und grün gefärbt. Der Glanz iſt auf den Kriſtall⸗ und den Bruchflächen ein Glasglanz, die Härte der des Kalifeldſpats gleich. Der Natronkalk⸗ und der Kalknatronfeldſpat zeigen ſtets eigen⸗ tümliche Riſſe, die mit dem Mikroſkope, manchmal ſchon mit dem bloßen Auge wahrnehmbar ſind. Der Natronkalk⸗ und Kalknatronfeldſpat finden ſich in vielen Fels⸗ und Bodenarten vor. Sie verwittern leichter als der Kalifeldſpat. Eine beſondere Bedeutung gewinnen die Feldſpate durch ihre Verwitterungserzeugniſſe: die Zeolithe und das Kaolin. 4. Die Zeolithe haben dieſelbe Zuſammenſetzung wie die Feld⸗ ſpate, nur tritt bei ihnen Waſſer hinzu, daher ſie auch„waſſerhaltige Feldſpate“ genannt werden. Sie umgeben die Feldſpate manchmal als Verwitterungsſchale und kommen infolge der Verwitterung der Feld⸗ ſpate in kleinen Mengen im Boden vor. Beſonders wichtig ſind ſie ihrer großen Abſorptionskraft für manche Pflanzennährſtoffe wegen und weil ſie ſelbſt bei ihrer Verwitterung Pflanzennährſtoffe wie Kalium und Kalzium liefern.. 5. Das Kaolin beſteht aus Kieſelſäure, Aluminium und Waſſer. Es entſteht bei der Verwitterung der Feldſpate durch Waſſeraufnahme und Verluſt von Kalium, Kalzium und Natrium, bei der Verwitterung der Zeolithe durch Alkalienverluſt(Verluſt von Kalium, Kalzium und Natrium). Mithin: Feldſpate: Kieſelſäure, Aluminium, Alkalien(Kalium, Kalzium, Natrium). Zeolithe: Kieſelſäure, Aluminium, Alkalien, Waſſer. Kaolin: Kieſelſäure, Aluminium, Waſſer. Das reine Kaolin iſt unverwitterbar. Es beſitzt eine ſehr große Abſorptionskraft, welche, abgeſehen von der Feinkörnigkeit, vielleicht auch damit zuſammenhängt, daß es noch mit vielen Zeolithreſten vermengt iſt. Es bildet erdige Maſſen von weißer, gelber, rötlicher oder bläu⸗ licher Färbung. Das Kaolin wird zur Herſtellung von Porzellan verwendet, daher es auch„Porzellanerde heißt. In gelben und rötlichen, durch Eiſen⸗ A. Mineralogie. 31 verbindungen hervorgerufenen Färbungen dient es als„Ocker“,„Gelb⸗ erde“ oder„Bolus“ zur Herſtellung von Farbe. Es kommt in vielen Bodenarten vor. 6. Die Hornblende, wie der ihr ſehr ähnliche Augit, beſteht aus Kieſelſäure, Aluminium, Kalzium, Magneſium und Eiſen. Die Hornblende tritt in ſäulenförmigen Kriſtallen auf und iſt in der Längsrichtung derſelben ſpaltbar. Die Farbe iſt braun bis ſchwarz. Ihre Kriſtall⸗ und Bruchflächen zeigen Glasglanz. Sie kommt unter dem Namen„Asbeſt“ in ſehr dünnen und langen, haarförmigen und biegſamen Kriſtallen vor und läßt ſich mit Flachs zuſammen verſpinnen und weben. Durch Glühen wird der Flachs entfernt, worauf das Asbeſtgewebe zur Herſtellung unverbrenn⸗ licher Kleider für Feuerwehrleute und zur Verfertigung von Lampen⸗ dochten dient. § 17. Eiſenkies.— RKaſeneiſenſtein. 1. Der Eiſenkies(Schwefelkies, Pyrit) beſteht aus Zweifach⸗ ſchwefeleiſen(Fe Se). Er kriſtalliſiert in Würfeln, Oktaedern und anderen Kriſtall⸗ formen. Der Bruch iſt muſchelig, die Farbe ähnlich wie bei Meſſing ſpeisgelb, der Glanz ein Metallglanz. Er kommt u. a. in der Kohle und neſterweiſe im Sande unter Moor vor. Wird derartiger Sand zur Herſtellung von Moorkulturen verwendet, ſo liefert der Schwefelkies bei der Verwitterung ſehr ſchäd⸗ liche Pflanzengifte. 2. Der Raſeneiſenſtein(Wieſenerz, Sumpferz) iſt waſſer⸗ haltiges Eiſenoxyd. Er entſteht leicht an ſumpfigen und moorigen Stellen und bildet ſchwammartig durchlöcherte Maſſen von geringerer Härte und brauner Farbe. In Heidegegenden bildet er ſich beſonders durch den Einfluß des Heidekrautes, welches ſehr viel Eiſen enthält und deſſen tiefgehende Wurzeln immer neue Stoffe zu der Bildung von Raſeneiſenſtein aus dem Untergrunde heraufholen. Der Raſeneiſenſtein wird zur Eiſengewinnung verwendet. Durch Raſeneiſenſtein verkitteter Sand iſt unter dem Namen„Ortſtein“ im Boden ſehr läſtig, da er die Fruchtbarkeit beeinträchtigt und oft im Untergrunde eine feſte, undurchdringliche Schicht bildet. Man muß dieſe, um den Boden kulturfähig zu machen, u. U. mit Dampfpflügen brechen und an die Bodenoberfläche bringen, an der ſie durch Ver⸗ witterung zerſtört wird. § 18. Mineralien organiſchen Urſprungs. Tiere und Pflanzen hinterlaſſen nach dem Abſterben Reſte, welche allmählich aus der verwickelten organiſchen Form in den einfacheren 32 II. Bodenkunde. Zuſtand eines Minerals übergehen. Die Reſte umfaſſen, je älter ſie werden, nur die ſchwer verwitterbaren Teile: bei den Tieren das Skelett oder den Panzer, bei den tieriſchen Auswurfsſtoffen den phosphorſauren Kalk, bei den Pflanzen den Kohlenſtoff ſowie die Kieſelpanzer gewiſſer Algen. 1. Die Mineralien organiſchen Urſprungs, die aus kohlenſaurem Kalzium beſtehen, ſind die Kreide, viele Kalkſteine, die Korallen, die Muſchelbänke und der Wieſenkalk. a) Die Kreidekörnchen beſtehen aus lauter Panzern vorwelt⸗ licher Lebeweſen, die ſich in ungeheuren Maſſen angehäuft haben, dabei aber ſo klein ſind, daß ſie nur unter guten Mikroſkopen wahrnehmbar werden. b) Manche Kalkſteine laſſen beim Zerſchlagen ſchon erkennen, daß ſie aus den Panzern größerer Tiere gebildet wurden, die freilich bereits in kriſtalliniſchen Zuſtand(Kalkſpat) übergegangen ſind. Bei vielen Kalkſteinen läßt ſich ihr Urſprung aus organiſchen Reſten auf andere Weiſe nachweiſen. Neuere Bildungen ſind im Meere: c) die Korallenriffe, ſowie d) die aus Schnecken- und Muſchelſchalen beſtehenden Muſchelbänke an den Meeresküſten und e) im Süßwaſſer die Wieſenkalklager. 2. Die aus Kieſelſäure beſtehenden Mineralien orga⸗ niſchen Urſprungs ſind der Feuerſtein und die Kieſelgur. a) Der Feuerſtein, den wir in großen, feſten Knollen in den Kreidefelſen vorfinden, iſt aus den Reſten kleiner Algen und Schwämme entſtanden, die ſich hier und da neſterweiſe angeſiedelt hatten. b) Die Kieſelgur beſteht aus erdigen Maſſen, deren Körnchen die Reſte kleiner Algen ſind und die in älteren Ablagerungen, wie im Schlamm von Flüſſen, Seeen und Meeren, in Maſſen vorkommen. 3. Die aus phosphorſaurem Kalzium beſtehenden Mine⸗ ralien organiſchen Urſprungs ſind die— ſich in Apatit um⸗ bildenden— Auswurfsſtoffe vorweltlicher Tiere(Koprolithe) und beſonders die Guanolager, die allmählich durch Regen und Ver⸗ witterung ihrer ſonſtigen löslichen Beſtandteile, namentlich der Stick⸗ ſtoffverbindungen, beraubt werden. Hierher gehören auch die„Oſteolithe“, die aus den Knochen vorweltlicher Tiere entſtehen. 4. Die kohlenſtoffreichen Mineralien organiſchen Ur⸗ ſprungs ſind Kohle, Moor und Torf. a) Die Kohle bildet den Rückſtand älterer, ſchon ſehr weitgehend zerſetzter Anhäufungen von Pflanzenreſten. b) Die Moore umfaſſen ſtärker zerſetzte und c) der Torf noch weniger zerſetzte Pflanzenreſte. An der Bildung von Moor und Torf nehmen auch tieriſche Reſte(Fiſche, Inſekten u. ſ. w.) einen oft weſent⸗ lichen Anteil. B. Geſteinslehre. 33 B. Geſteinslehre. § 19. Granit. Der Granit iſt ein Geſtein(eine Felsart), denn er kommt in großen, zuſammenhängenden Anhäufungen gewiſſer Mineralien vor. Da der Granit ſich aus mehreren Mineralien zuſammenſetzt, iſt er ein ſogenanntes„gemengtes“ Geſtein. Er bildet ein Gemenge von Quarz, Feldſpat und Glimmer, die als ſeine weſentlichen Gemengteile bezeichnet werden. Von dieſen kann der Feldſpat fleiſchroter Kalifeldſpat oder weißer Kalknatronfeldſpat bezw. Natronkalkfeldſpat, der Glimmer brauner Magneſiaglimmer oder weißer Kaliglimmer ſein, wonach auch die Farbe des Granits zwiſchen rötlich und grau wechſelt. Bemerkenswert ſind die hin und wieder im Granit vorkommenden Apatitkriſtalle, welche ſich als dünne, lange Nadeln in den anderen Mineralien vorfinden. Da ſie ſolche Gemengteile des Granits ſind, die fehlen können, ohne das Weſen desſelben dadurch zu verändern, ſo bezeichnet man ſie als zufällige Gemengteile. Ein anderer zufälliger Gemengteil iſt der Granat. Das Gefüge des Granits iſt körnig, da ſeine Gemengteile in ziemlich gleich großen Körnern vorkommen. Seiner Lagerung nach tritt er gewöhnlich in Maſſen von ſehr großer Ausdehnung nach Länge, Breite und Mächtigkeit, ſogennannten„Stöcken“ auf. Der Granit findet ſich ferner in Gängen, d. h. in den von ihm ausgefüllten Spalten anderer Geſteine vor. Der Granit wird als Bau⸗ und Pflaſterſtein, ſowie zu Platten, Säulen und Denkmälern verwendet. Fundorte desſelben ſind der Brocken im Harz, der Schwarzwald, die Schweizer Alpen. § 20. Eigenſchaften der Geſteine. Geſteine oder Felsarten ſind große, zuſammenhängende Anhäufungen von beſtimmten Mineralien. Die Mineralien, aus denen ſie beſtehen, bezeichnet man als ihre Gemengteile. Man unterſcheidet„weſentliche Gemengteile“ eines Geſteins, welche ſein Weſen ausmachen und daher vorhanden ſein müſſen(wie Quarz, Feldſpat und Glimmer im Granit), und„unweſentliche oder zufällige Gemengteile“, deren Fehlen das Weſen und den Namen des Geſteins nicht ändert (wie Apatit und Granat im Granit). Die Eigenſchaften der Geſteine ſind: 1. die Zahl der Gemeng⸗ teile, 2. die Art der Gemengteile und 3. das Gefüge. Nach der Zahl der Gemengteile unterſcheidet man einfache Geſteine, die nur aus Droyſen⸗Giſevius. Ackerbau. 6. Auflage. 3 34 II. Bodenkunde. einem Mineral, und gemengte Geſteine, die aus mehreren Mineralien beſtehen(wie der Marmor nur aus Kalkſpat, der Granit aus Quarz, Feldſpat und Glimmer). Das Gefüge iſt die Art, nach der ſich die Gemengteile ihrer Form, Größe und Lage nach zu einem Geſtein zu⸗ ſammenfügen(Granit: körniges Gefüge). § 21. Einfache Geſteine. A. Rohlenfaures Kalzium((aC03). 1. Der Marmor iſt ein aus Kalkſpat gebildetes, einfaches Geſtein von körnigem Gefüge und weißer, roter oder ſchwarzer (grauer) Farbe. Er wird in der Bildhauerei zur Herſtellung von Figuren, von Tiſchplatten, ſowie zur Ausſchmückung von Gebäuden ver⸗ wendet. Berühmte Marmorbrüche befinden ſich zu Carrara in Italien. 2. Der Kalkſtein beſteht aus Kalkſpat, iſt ein einfaches Geſtein und läßt oft noch erkennen, daß er aus den Schalen von Tieren entſtanden iſt. Sein Gefüge iſt unregelmäßig körnig bis dicht. Man verwendet ihn als Bau- und Pflaſterſtein, ſowie zu Steindruckplatten. Er dient als Düngemittel, in gebranntem Zuſtande auch zur Herſtellung von Mörtel. Ein wichtiger Fundort iſt Rüdersdorf bei Berlin, ferner bildet er das Juragebirge und die Kalkalpen. 3. Die Kreide iſt ein einfaches Geſtein, deſſen Körnchen aus den Panzern vorweltlicher Lebeweſen beſtehen, welche unter dem Mikroſkope bei 300 facher Vergrößerung erkennbar werden. Das Ge⸗ füge iſt erdig. Man verwendet die Kreide zum Schreiben, ſowie als Schlämmkreide zum Tünchen der Wände. Kreide mit Eiweiß bildet Porzellankitt, Kreide mit Firnis Glaſerkitt. Eigentümlich ſind die in der Kreide überall vorkommenden Feuerſteinknollen. Ein wichtiger Fundort der Kreide iſt die Inſel Rügen. B. Schwefelſauxes Kalzium(Caso+ Kriſtallwaſſex). 4. Der Gips bildet als einfaches Geſtein Anhäufungen des Minerals Gips und beſitzt ein dichtes, faſeriges oder körniges Gefüge. Der recht gleichmäßig gekörnte Gips wird als Alabaſter zur Her⸗ ſtellung von Vaſen und kleinen Figuren verwendet. Gemahlener Gips findet als Düngemittel auf dem Felde, ſowie zur Bindung des kohlenſauren Ammoniums als Einſtreumittel in Ställen Anwendung. Gebrannter Gips wird zu Wand⸗ und Deckenverzierungen bei Häuſer⸗ bauten, zu Gipsabgüſſen und Gipsfiguren, ſowie zu Gipsverbänden benutzt. Ein wichtiger Fundort iſt Sperenberg bei Berlin, berühmt durch eines der tiefſten Bohrlöcher der Erde(1272 m tief; gegenwärtig iſt das zu Paruſchowitz bei Rybnik das tiefſte, 2003 m). B. Geſteinslehre. 35 . Phosphorſaures Kalzium(Cas(PO,)?). d. howpg un(im Handel auch Phosphate oder Apatite ge⸗ nannt) ind ein einfaches Geſtein und dichte, erdige oder körnige Anhäufungen von Apatit. Zum Teil ſind ſie aus den Knochen vor⸗ weltlicher Tiere(Oſteolithe) oder aus deren Ausſcheidungen(Koprolithe) entſtanden. Zu den Phosphoriten gehören auch diejenigen Guanolager, denen durch Regen ihre ſonſtigen organiſchen Stoffe, beſonders die ſtickſtoffhaltigen, ausgewaſchen ſind, ſo daß nur phosphorſaures Kalzium zurückblieb. Die Phosphorite bilden das Rohmaterial zur Herſtellung von phosphorſäurehaltigen Düngemitteln. Der wichtigſte Fundort in Deutſchland iſt Limburg an der Lahn. D. Salze der galz- und der Schwefelſäure. Das Steinſalz iſt ein einfaches Geſtein, das aus dem Mineral Steinſalz beſteht und körniges Gefüge beſitzt. Gemahlenes Steinſalz wird, wenn ſich ganz reine, kriſtallhelle Stücke ausſuchen laſſen, als Tafelſalz und Butterſalz, ſonſt als Viehſalz zur Fütterung der Haustiere und zur Düngung verwendet. Das Viehſalz iſt Stein⸗ ſalz, welches mit Eiſenoxyd, Wermut, Petroleum oder ähnlichen Dingen künſtlich verunreinigt(denaturiert) und dadurch für den Menſchen un⸗ genießbar gemacht worden iſt. Der Staat, dem das Salz gehört, erhebt von dem als Kochſalz verwendeten Salz eine Steuer von 6 Mark für den Zentner, erläßt aber dem Landwirt die Steuer für das zur Fütterung verwendete Steinſalz, nachdem es zur Vermeidung von Unter⸗ ſchleifen für den Menſchen ungenießbar gemacht worden iſt. Unſer Kochſalz wird nicht durch Mahlen des Steinſalzes, ſondern aus dem Waſſer ſalzhaltiger Quellen, der Solquellen, dadurch gewonnen, daß die Sole in großen Pfannen erhitzt und das Waſſer abgedampft wird. Dabei ſetzen ſich auf dem Boden Gips und ſonſtige Verunreinigungen ab, die dem Steinſalz oft einen bitteren Geſchmack verleihen, während ſich darüber reines Salz ausſcheidet, welches gemahlen als Kochſalz benutzt wird. Ein bekannter Fundort des Steinſalzes iſt Staßfurt (Sachſen), ferner Inowrazlaw(Poſen), ein anderer Cardona in Spanien, wo das Salz als Fels frei zutage tritt. 7. Die Abraumſalze Sylvinit, Kainit, Carnallit, Krugit und Kieſerit ſind einfache Geſteine, nämlich Anhäufungen der Mineralien gleichen Namens, von körnigem Gefüge und finden um ihres Kali⸗ gehalts willen als Düngemittel Anwendung. Ihr wichtigſter Fundort iſt Staßfurt. E. Kohlenſtoff. 8. Die Kohle kommt als einfaches Geſtein, als Anthrazit oder Glanzkohle, als Steinkohle und als Braunkohle(in der Auf⸗ 3* 36 II. Bodenkunde. zählung dem Alter und dem Kohlenſtoffgehalte nach geordnet) in großen Flözen vor und wird als Brennmaterial verwendet. Flöze ſind Lager von großer Länge und Breite, aber geringer Mächtigkeit. Wichtige Fundorte ſind das Ruhr-, das Saargebiet, ſowie Oberſchleſien. 9. Torf und Moor ſind loſe Anhäufungen von Pflanzen⸗ und Tierreſten und finden als Kulturboden, zur Düngung von Sand⸗ und Lehmböden, als Brennmaterial und zur Herſtellung von Torfſtreu Anwendung. § 22. Gemengte Geſteine. 1. Granit vergl.§ 19, S. 33. 2. Der Gneis iſt ein aus Quarz, Feldſpat und Glimmer be⸗ ſtehendes Geſtein von faſerigem Gefüge, in dem ſich die Glimmerplättchen einander parallel in unregelmäßigen Schichten vorfinden. Er iſt dem Bergmann wohlbekannt, da er viele erzführende Gänge beſitzt. Der Gneis kommt ſehr häufig vor, z. B. im Erzgebirge. 3. Der Granitporphyr beſteht, wie Granit und Gneis, aus Quarz, Feldſpat und Glimmer, hat aber ein porphyriſches Gefüge, d. h. in einer aus den genannten Mineralien gebildeten gleichmäßigen Grundmaſſe liegen einzelne größere Kriſtalle derſelben Mineralien ein⸗ gebettet. Er kommt z. B. im Erzgebirge vor. Dem Granitporphyr ſind der Quarzporphyr, der aus Quarz und Feldſpat beſteht, und der im weſentlichen aus Feldſpat und Glimmer zuſammengeſetzte quarz⸗ freie Porphyr verwandt. Die Porphyre werden als Bauſteine und zu Bildhauerarbeiten verwendet. 4. Der Glimmerſchiefer iſt den granitähnlichen Geſteinen, beſonders dem Gneis verwandt, inſofern er ein ſtark ſchieferiges Ge⸗ menge von Quarz und Glimmer bildet, bei dem die einander parallelen Glimmerplättchen vollſtändig zu Schichten angeordnet erſcheinen und dadurch die Schieferung hervorrufen. Ein Fundort iſt die Schneekoppe im Rieſengebirge. 5. Der Syenit iſt ein körniges Geſtein, welches aus Kalifeld⸗ ſpat und Hornblende beſteht, zu denen oft noch Magneſiaglimmer und Quarz als unweſentliche Gemengteile treten, ſo daß der Syenit AÄhnlich⸗ keit mit dem Granit erhält. Er wird als Bauſtein und zu Bildhauer⸗ arbeiten benutzt. Ein bekannter Fundort iſt der Plauenſche Grund bei Dresden. Fernere Fundorte ſind das Rieſengebirge und Erzgebirge. 6. Der Tonſchiefer iſt ein vollkommen ſchieferiges Geſtein und beſteht aus Kaolin, Glimmer und Quarz. Häufig iſt er mit fein verteilter Kohle durchſetzt. Er wird zur Herſtellung von Schreibtafeln, Zeichenſtiften(ſchwarzer Kreide), Tiſchplatten, Dachſteinen und Wetz⸗ ſteinen verarbeitet. Er kommt im rheiniſchen Schiefergebirge vor. B. Geſteinslehre. 37 7. Sandſtein beſteht aus Quarzkörnern, welche durch ein kieſeliges, kalkiges, kaolinartiges oder eiſenſchüſſiges Bindemittel ver⸗ kittet ſind. Die größere Anhäufung der Quarzkörner in einzelnen Schichten kann zu quader⸗ oder ſäulenförmiger Abſonderung führen. Der Sandſtein wird zur Herſtellung von Bauſteinen, Platten, Mühl⸗ und Schleifſteinen verwendet. Ein wichtiger Fundort iſt das Elbſand⸗ ſteingebirge(ſächſiſche Schweiz). Dem Sandſtein iſt die Grauwacke verwandt, welche ein ſandſteinartig verkittetes Gemenge der Körner von Schiefer, Quarz und Feldſpat bildet. Sie kommt viel am Rhein vor. Dem Sandſtein ähnlich, doch gröber im Korn, ſind die Konglomerate und die außerdem durch ſcharfkantige Körner ausgezeichneten Breccien. 8. Der Grünſtein iſt ein Gemenge von Kalknatronfeldſpat mit Hornblende(oder mit Augit) von grüner bis ſchwarzer Farbe und wird auch als Diorit(oder Diabas) bezeichnet. Als zufälliger Gemeng⸗ teil iſt Quarz oft in großer Menge vorhanden. Das Gefüge iſt körnig oder porphyriſch. Ein bekannter Fundort iſt die Roßtrappe im Harz. 9. Der Baſalt iſt ein dichtes, oft blaſiges Geſtein und beſteht aus Feldſpat, Augit und Magneteiſenerz. Er zeigt große Neigung zu ſäulenförmiger Abſonderung. Wegen ſeiner außerordentlichen Feſtigkeit, Dauerhaftigkeit und Härte wird er zum Bekleiden von Waſſerbauwerken, zu Pflaſterſteinen und, wenn er porös vorkommt, auch zu Mühlſteinen verwendet. Bekannte Fundorte ſind die Fingalshöhle auf der Inſel Staffa in Schottland, ſowie der Vogelsberg und die Eifel. 10. Der Trachyt iſt ein porphyrartiges Geſtein, welches aus Feldſpat— ſelten aus Feldſpat und Quarz(Quarztrachyt)— beſteht. Er wurde früher als Bauſtein benutzt; ſo wurden die Bau⸗ ſteine zu dem Kölner Dom aus dem Trachyt des Drachenfels bei Bonn gewonnen; doch verwittert der Trachyt zu leicht. 11. Als Lava bezeichnet man die Ausflüſſe der heute noch tätigen Vulkane. Sie zeigen ſehr große Verſchiedenheit in bezug auf die Zahl und Art ihrer Gemengteile, ſowie ihrer ſonſtigen Eigenſchaften. 12. Die loſen Trümmergeſteine ſind Haufwerke von Mineral⸗ körnern, Geſteinskörnern und organiſchen Reſten, wie uns dieſelben als Sand und Lehm bekannt ſind. Tuffe ſind die durch Waſſer zu⸗ ſammengeſpülten und wieder feſt gewordenen Aſchenmaſſen vulkaniſcher Ausbrüche, z. B. der Traß im Brohltal(Eifel). 38 II. Bodenkunde. C. Entſtehung der Erdrinde und des Bodens. § 23. Entſtehung der feſten Geſteine(Erdrinde). 1. Die urſprüngliche Geſtaltung unſerer Erde denken wir uns als die einer gasförmigen, ſpäter als die einer feurig⸗flüſſigen Maſſe, der Sonne in ihrem heutigen Zuſtande nicht unähnlich. 2. Infolge der Ausſtrahlung der Wärme in den Weltenraum und der hieraus ſich ableitenden Abkühlung der Erde bildete ſich auf ihr allmählich eine feſte Kruſte, die, obwohl anfänglich noch vielfach durchbrochen, im Laufe der Zeit doch an Stärke zunahm. Auf ihr ſchlug ſich bei weiter zunehmender Abkühlung auch das Waſſer nieder und bildete Meere, während es vorher ſich nur dunſtförmig in der Atmoſphäre der Erde hatte aufhalten können. 3. a) Die Folge der fortgeſetzten Abkühlung der Erde iſt neben der zunehmenden Mächtigkeit der Erdkruſte auch ein Zuſammenziehen derſelben. Hierbei muß die Kruſte, welche die Geſtalt einer Kugelſchale hat, ſich in eine Kugelſchale mit kleinerem Halbmeſſer zuſammenziehen. Während bei einem flüſſigen Erdkerne ein Zuſammenziehen leicht denkbar iſt, wird die gedachte Verkleinerung der feſten Erdkruſte nur dann möglich, wenn dieſelbe ſich runzelt und faltet. Nicht alſo eine Kraftäußerung des Erdinnern liegt der Gebirgsbildung zugrunde, wie man zu denken leicht geneigt iſt, ſondern die Schwierigkeit für die Erdkruſte, ſich aus einer größeren Kugelſchale in eine kleine zu ver⸗ wandeln, und die dadurch hervorgerufene Faltung. b) Beſtände die Erdkruſte aus einer nachgiebigen Maſſe, ſo würde eine ſolche Faltung ohne weiteres vor ſich gehen können. Wir ſehen auch an den Felſen gebirgiger Gegenden, daß tatſächlich die Geſteine vielfach hin und her gebogen ſind. Jedoch ſcheint die Erdkruſte nicht mehr genügend biegſam geweſen zu ſein, denn an denſelben Felſen ſehen wir Riſſe und Spalten“) die gebogenen Erdſchichten durchſetzen und an ſolchen Riſſen auch die Felspartieen gegeneinander mehr oder weniger verſchoben. Mannigfache Erſcheinungen, wie die Reihenvulkane, deuten ferner darauf hin, daß nicht nur im kleinen, ſondern auch im großen die Erdkruſte Riſſe erhalten hat und hierbei in große Schollen gebrochen iſt, von denen einzelne gegen die andern ſich verſchoben haben. Sinkt eine Scholle gegen die andere ab, ſo wird an der Grenzſpalte die Erd⸗ kruſte dünner und gibt dem Erdinnern Gelegenheit, wie es in früheren 1) Hierher gehören auch die Verwerfungsſpalten, die mit urſprüng⸗ lich flüſſigem Geſtein oder mit den aus Waſſer abgeſetzten Mineralien(zum Teil für den Bergbau wichtigen Erzen) erfüllten Gänge, ſowie die„Erd⸗ bebenſpalten“. C. Entſtehung der Erdrinde und des Bodens. 39 Zeiten geſchah, ſelbſt emporzuquellen oder, wie heute, durch das ein⸗ dringende Waſſer angeregt, vulkaniſche Erſcheinungen zu ver⸗ anlaſſen. So entſtanden die feſten Geſteine durch äußere Erſtarrung der Erde, durch Emporquellen in den Faltungsriſſen und durch vulkaniſche, von Waſſer angeregte Tätigkeit. Einzelne feſte Geſteine, wie die Kreide, entſtanden auch auf organiſchem Wege, andere, wie die Salz⸗ geſteine, als Niederſchläge aus dem Waſſer. § 24. Entſtehung der Trümmergeſteine und des Bodens aus den feſten Geſteinen. 1. Als umbildungsurſachen wirken bei der Entſtehung der Trümmergeſteine aus den feſten Geſteinen a) die Verwitterung, b) die Wärme und Kälte und c) das Waſſer(in ſeiner mechaniſchen Tätigkeit) mit. a) In erſter Linie iſt die Zertrümmerung der feſten Geſteine durch Verwitterung denkbar. Das Waſſer, welches in früheren Zeiten infolge größeren Reichtums dex Luft an Kohlenſäure gleichfalls viel mehr Kohlenſäure beſaß als heute, löſt— als Regen oder Tau niederfallend— einiges von dem feſten Geſtein auf und regt, zuſammen mit dem Sauerſtoff der Luft, chemiſche Zerſetzungsprozeſſe an. b) An zweiter Stelle wirken Wärme und Kälte durch das abwechſelnde Ausdehnen und Zuſammenziehen der Geſteins⸗ oberfläche bei deren Zertrümmerung mit, indem feine Riſſe entſtehen. c) An dritter Stelle tritt das Waſſer mechaniſch mitwirkend auf: a) indem es ſich beim Gefrieren in den Geſteinsſpalten ausdehnt, b) als bewegtes Waſſer(Strömung, Wellſchlag) und c) als zuſammen⸗ hängende Eismaſſe(Gletſcher, in größerer Ausdehnung„Inlandeis“ genannt). 2. Die Bildung der Trümmergeſteine wird durch die ge⸗ nannten Urſachen in verſchiedener Weiſe herbeigeführt. a) Verwitterung, Wärme und Kälte, ſowie das erſtarrende Waſſer dringen allmählich umwandelnd und zertrümmernd in die Felſen ein. In der Nähe der Erdoberfläche, da, wo die bezüglichen Einflüſſe am ſtärkſten wirken, findet man das am meiſten zerkleinerte Geſtein vor, nach unten zu fortſchreitend weniger zerklüftetes bis zu dem feſten Geſtein. Auf dieſe Weiſe entſtandenen Geſteinsſchutt, wie wir ihn im Gebirge auf dem darunter lagernden Fels vorfinden, nennt man Grundſchutt(Primitivboden). b) Neben der Verwitterung, der Wärme und Kälte und der Ausdehnung gefrierenden Waſſers kann das bewegte 40 II. Bodenkunde. Waſſer zerſtörend in Tätigkeit treten, indem Wellenſchlag und Strömung an Meeren und Flüſſen die Küſten und Ufer unterhöhlen und die fortgeriſſenen Geſteinstrümmer durch Aneinanderreihen derſelben zerkleinern. Beſonders wichtig wird ferner eine ortsverändernde Wirkung bewegten Waſſers, die darin beſteht, daß es die durch Ver⸗ witterung und das Waſſer ſelbſt zerſtörten Geſteinstrümmer von ihrer urſprünglichen Stätte fortnimmt und an andere Stellen überführt. Das Meer ſetzt an vielen Stellen der Küſte Schlick an(die Marſchen). Von den Bergen wird die Erde nach den Tälern und Ebenen hin⸗ untergeſpült. In der Ebene nehmen Bäche und Flüſſe an einer Stelle Erde fort und lagern ſie an einer anderen wieder ab. Man nennt den ſo entſtandenen Geſteinsſchutt Flutſchutt(Alluvium). Zu dem letzteren rechnet man nebenbei auch diejenigen Bildungen, welche ſich nicht durch Schlammablagerung, ſondern unter Ablagerung von Pflanzen⸗ und Tierreſten gebildet haben, alſo die Humusanhäufungen oder Moore. c) Die Umwandlung der Geſteine durch Eismaſſen in der Form von Gletſchern können wir an den über Hunderte von Meilen Landes ausgebreiteten„Inlandeisfeldern“ Grönlands oder an den kleineren Alpengletſchern ſtudieren! Die Gletſcher wirken, wie das tropf⸗ bar flüſſige Waſſer, in doppelter Weiſe: zerſtörend und ortsverändernd. Die Gletſcher bewegen ſich, indem ſie ſich an ihrer Urſprungsſtelle aus den niederfallenden Schneemaſſen immer aufs neue erzeugen,— auch ſelbſt die koloſſalen Eisfelder Grönlands— langſam abwärts und ſchleifen dabei ihre Unterlage und ihre Ufer ab, ſchärfer als das fließende Waſſer. Beſonders wirken hierbei die von den Felsufern auf die Gletſcher hinabfallenden Steine mit, indem ſie teilweiſe— z. B. in den Gletſcherſpalten— auf den Grund der Gletſcher gelangen, die Unterlage ausreiben und auch ſelbſt dem Zerreiben anheimfallen. Steine und das feiner zerriebene Material werden von dem Gletſcher dabei auf weite Strecken hin mitgenommen und da niedergelegt, wo endlich infolge wärmeren Klimas die Gletſcher ſchmelzen(Grund⸗, Seiten⸗, Mittel⸗ und Endmoränen). Der Boden der ganzen norddeutſchen Tiefebene iſt auf dieſem Wege entſtanden. Als Beweismittel dienen uns z. B. die an ihrer Oberfläche glattgeſchliffenen und mit Gletſcherſchrammen und Gletſchertöpfen(Strudellöchern) verſehenen Rüdersdorfer Kalkberge bei Berlin, über welche einſtmals die Gletſcher hinweggingen. Zum Beweiſe dient ferner der Umſtand, daß unſer Boden in der norddeutſchen Tiefebene aus kleineren und größeren Geſteinstrümmern beſteht, wie ſie den in Schweden und Norwegen, ſowie in Finnland auf den Gebirgen anſtehenden Geſteinen genau ent⸗ ſprechen, derart, daß die Geſteine bei uns ungefähr ſüdlich von den Stellen vorkommen, an welchen ſie ſich im Norden als feſter Fels vor⸗ D. Eigenſchaften des Bodenkorns. 41 finden.¹) Man kann den durch Gletſcher aufgehäuften Geſteinsſchutt als Gletſcherſchutt(Glazialſchutt, Diluvium) bezeichnen. d) Werden die Geſteinstrümmer von neuem durch Bindemittel miteinander verkittet, ſo ſprechen wir auch von feſten Trümmer⸗ geſteinen(z. B. Sandſtein, Konglomerat). 3. Wenn wir nun die oberſte Schicht des Geſteinſchuttes als Boden anſprechen, ſo können wir nach ihrer Entſtehung folgende drei Bodenarten unterſcheiden: 1. Grundſchuttböden, die durch Ver⸗ witterung, durch Wärme und Kälte, ſowie durch in den Geſteinsſpalten gefrierendes Waſſer entſtanden ſind, 2. Flutſchuttböden, die außer⸗ dem durch bewegtes Waſſer umgelagert, und 3. Gletſcherſchuttböden, die durch dieſelben Einflüſſe wie die Grundſchuttböden entſtanden, außer⸗ dem aber durch Gletſcher umgelagert worden ſind. Landwirtſchaftlich wichtig iſt dieſe Einteilung nur darum, weil die Grundſchuttböden in geringer Tiefe unter der Erdoberfläche ſchon feſten Fels zeigen, während Flut⸗ und Gletſcherſchuttböden große Mächtigkeit beſitzen. In unter⸗ geordneter Weiſe, ſtellenweiſe freilich Maſſen aufhäufend, tritt auch der Wind, alſo die bewegte Luft, umlagernd auf(Dünen, Löß). D. Eigenſchaften des Bodenkorns. § 25. Das Bodenkorn. Der Boden beſteht aus zahlreichen Körnern, Geſteins⸗ oder Mineraltrümmern, welche zwar oft zu kleineren und größeren Klumpen vereinigt erſcheinen, ſich aber durch geeignete Mittel— z. B. mäßiges Kochen und Zerdrücken— voneinander trennen laſſen. Alle dieſe „ſelbſtändigen Teilchen“ eines Bodens bezeichnen wir als Boden⸗ körner. Bei den Bodenkörnern ſind a) ihre chemiſche Beſchaffen⸗ heit und b) ihr Korndurchmeſſer wichtige Eigenſchaften. § 26. Die chemiſche Beſchaffenheit der Bodenkörner. 1. Bei näherer Betrachtung der chemiſchen Beſchaffenheit der Bodenkörner ergibt es ſich, daß die Grundſtoffe(Elemente) im allgemeinen als ſolche im freien Zuſtande im Boden nicht vorkommen und alſo auch als Grundſtoffe(Elemente) keine Eigenſchaften äußern ¹) Weſtlich der Weichſel kommt der Feuerſtein vor, öſtlich nicht; öſtlich der Weichſel dagegen der Rappakiwi(verfaulter Stein), während auch im Norden eine von der Weichſel aus nördlich gezogene Linie in der Kreide weſtlich den Feuerſtein, öſtlich den Rappakiwi in feſtem Geſtein anſtehend begrenzt. 42 II. Bodenkunde. können.¹) Auch die einfacheren Verbindungen der Grundſtoffe (Elemente), die freien Säuren und Baſen, nach welchen der Chemiker uns die chemiſche Zuſammenſetzung des Bodens bei einer Unterſuchung anzugeben pflegt, kommen im allgemeinen nicht als ſolche im Boden vor und äußern als ſolche keine Eigenſchaften. Erſt die wirklich im Boden vorkommenden chemiſchen Verbindungen können Eigen⸗ ſchaften äußern und daher auch dem Boden gewiſſe Eigenſchaften erteilen. Die im Boden wirklich beſtehenden chemiſchen Ver⸗ bindungen ſind: a) die Mineralien,²) b) Pflanzen⸗ und Tier⸗ reſte, die, ſoweit ſie durch die Verweſung noch nicht wieder in den anorganiſchen Zuſtand zurückgekehrt ſind, gewöhnlich als„Humus“ bezeichnet werden. 2. Die mineralogiſche Zuſammenſetzung des Bodenkorns, welche ſeine Zuſammenſetzung nicht nur aus Mineralien, ſondern auch, aus Humusteilen andeuten ſoll, iſt als eine„Grundeigenſchaft“ des Bodenkorns zu betrachten, da ſie von keiner anderen Eigenſchaft des⸗ ſelben abhängt, von ihr aber andere Eigenſchaften abhängig ſind. § 27. Die bodenbildenden Mineralien. Für das Verhalten der Mineralien im Boden ſind neben den ſchon genannten Eigenſchaften(§ 13) derſelben noch andere von Be⸗ deutung. Wir teilen ſie diesbezüglich in 1. chemiſche, 2. phyſikaliſche und 3. in chemiſch⸗phyſikaliſche Eigenſchaften ein. 1. Als chemiſche Eigenſchaften haben wir a) die chemiſche Zuſammenſetzung und b) die Verwitterbarkeit zu nennen, die beide zuſammen darüber entſcheiden, welche Stoffe und wie viel ein Mineral als Pflanzennahrung bieten kann. Wir unterſcheiden danach unveränderliche(Quarz, Kieſelgur und Feuerſtein, Kaliglimmer und reiner Kaolin), ſchwerer veränderliche(Kalifeldſpat, Magneſiaglimmer, ¹) Die Chemie lehrt uns, daß bei jeder Verbindung der Grundſtoffe ganz neue Körper mit ganz neuen chemiſchen und phyſikaliſchen Eigenſchaften entſtehen. ²) Die Bodenkörner beſtehen nicht immer aus einem Mineral, ſie ſind entſprechend der Entſtehung der Böden durch Zertrümmerung und Umwand⸗ lung der Geſteine im allgemeinen als Geſteinstrümmer aufzufaſſen. Nur wenn bei der Zertrümmerung zufällig ein Korn aus einem Mineral ſich loslöſte, oder wenn die leicht zerſtörbaren Mineralien entfernt wurden und nur ein ſchwer zerſtörbares übrig blieb, beſtehen die Bodenkörner aus einem Mineral. An der Bedeutung der mineralogiſchen Zuſammenſetzung der Boden⸗ körner wird aber dadurch nichts geändert, da die Vereinigung von Mineralien zu Geſteinen nur eine mechaniſche(äußerliche) bleibt und die phyſikaliſchen wie chemiſchen Eigenſchaften der Mineralien ſich dabei nicht ändern. D. Eigenſchaften des Bodenkorns. 43 Hornblende, Apatit) und leichter veränderliche Mineralien(Kalkſpat, Kreide, Wieſenkalk, Gips, Kalknatron⸗ und Natronkalkfeldſpat, Raſen⸗ eiſenſtein, Zeolithe und Eiſenkies). 2. Unter den phyſikaliſchen Eigenſchaften ſind für den Boden außer den ſchon(§ 13) beſprochenen(Form, Farbe, Glanz ec.) die Anhangskraft(Adhäſion) und die Erwärmungsfähigkeit wichtig. a) Die Anhangskraft iſt für das Haften der Bodenkörner an einander, an den Geräten, ſowie für das Haften des Waſſers an den Bodenkörnern wichtig. b) Die Erwärmungsfähigkeit(ſpezifiſche Wärme) iſt für die Erwärmung und Abkühlung des Bodens, beſonders bei dem Ein⸗ treten von Nachtfröſten, von großem Einfluß. 3. Zu den chemiſch⸗phyſikaliſchen Eigenſchaften der Mineralien gehört die Abſorptionskraft, d. h. die Kraft, fremde, in den Boden gelangende Stoffe feſtzuhalten und langſam an die Pflanzen abzugeben. § 28. Der Humus. Humus nennen wir die mehr oder weniger in Zerſetzung begriffenen Reſte von Pflanzen und Tieren. 1. Die chemiſchen Eigenſchaften des Humus laſſen in ihm, a) bezüglich ſeiner Zuſammenſetzung, entſprechend der der Pflanzen und Tiere, ſtickſtoffhaltige und ſtickſtofffreie Körper unterſcheiden, neben denen ſich noch mineraliſche Stoffe vorfinden. Die ſtickſtoffhaltigen Humuskörper beſtehen aus Kohlenſtoff, Waſſerſtoff, Sauerſtoff, Stickſtoff und Schwefel und laſſen ſich in ſchwer zerſetzliche und leicht zerſetzliche einteilen.(Zu den ſchwer zerſetzlichen, ſtickſtoffhaltigen Humuskörpern gehören die Chitinpanzer und die Flügel der Inſekten.) Die ſtickſtoff⸗ freien, ſtets leicht zerſetzlichen Humuskörper beſtehen aus Kohlenſtoff, Waſſerſtoff und Sauerſtoff. b) Die Zerſetzung kann bei Sauerſtoffzutritt oder bei Sauer⸗ ſtoffabſchluß(unter Waſſer) erfolgen. Die zerſetzlichen Humuskörper bilden dann bei Gegenwart von Sauerſtoff oder von Sauer⸗ ſtoff und Baſen Kohlenſäure, Waſſer, freien Stickſtoff, Ammoniak und die für die Ernährung der Pflanzen mit Stickſtoff ſehr wichtigen ſalpeterſauren Salze(Verweſung). Bei Gegenwart von Waſſer, alſo bei Sauerſtoffabſchluß, bildet der Schwefel der ſtickſtoffhaltigen Humuskörper mit Waſſerſtoff Schwefelwaſſerſtoff und mit vorhandenem Eiſen den ſchädlichen Eiſen⸗ kies(Schwefelkies,§ 17, 1). Der Stickſtoff, Kohlenſtoff, Sauerſtoff und Waſſerſtoff bilden eigentümliche, ſaure Körper, ſogenannte(ſtickſtoffhaltige oder ſtickſtofffreie) Humusſäuren(Fäulnis). Die bei Gegenwart von Sauerſtoff im durchlüfteten Boden entſtehenden ſalpeterſauren Salze ſind ſehr wichtig für die Pflanzen⸗ 44 II. Bodenkunde. ernährung, und die Kohlenſäure wirkt in günſtiger Weiſe löſend und zerſetzend auf die übrigen Bodenbeſtandteile ein. Dagegen ſind die bei Luftabſchluß und Gegenwart von Waſſer in naſſen und ſumpfigen Böden oder unter Waſſer entſtehenden Eiſenkiesmengen und Humusſäuren ſehr ſchädlich: der Eiſenkies durch die bei ſeiner Zer⸗ ſetzung auftretenden Pflanzengifte(ſchweflige Säure und Eiſenoxydul) die Humusſäuren, weil ſie auf die guten Kulturpflanzen erfahrungs⸗ gemäß gleichfalls ſchädlich einwirken. Die Beſeitigung der ſchädlichen Zerſetzungserzeugniſſe des Humus erfordert eine Entwäſſerung des Bodens zur Ermöglichung der Luft- und damit der Sauerſtoffzufuhr, außerdem aber die Zu⸗ führung von Baſen, falls ſolche ſich nicht ſchon im Boden vorfinden. Die ſchweflige Säure wird dann in Schwefelſäure und weiter in Salze, das Eiſenoxydul in Eiſenoxyd, die Humusſäure zunächſt in neutrale humusſaure Salze übergeführt, die ſich dann weiter zerſetzen. Humus leicht zerſetzliche Körper ſchwer zerſetzliche Körper. — Sauerſtoff oder + Sauerſtoff und Baſen+ Waſſer — Humusſäuren(konſervierend) 4 Waſſer ſalpeterſaure Salze Kohlenſäure od. Eiſenkies + Sauerſtoff und Baſen G neutrale humusſaure Salze(zerſetzlich). 2. Die phyſikaliſchen Eigenſchaften des Humus ſind ſeine geringe Erwärmungsfähigkeit(hohe ſpezifiſche Wärme), ſeine ſehr geringe Schwere und die große Poroſität ſeiner Körner. 3. Eine wichtige chemiſch⸗phyſikaliſche Eigenſchaft des Humus iſt ſeine Abſorptionskraft für Ammoniak. chwefelwaſſerſtoff freier Stickſtoft Ammoniak § 29. Bodenlöſung. Das außer den Mineralien und Humusteilen im Boden befind⸗ liche Waſſer löſt zunächſt Kohlenſäure und als kohlenſaures Waſſer auch andere Stoffe in ſich auf, ſo daß eine Bodenlöſung entſteht, die den Pflanzenwurzeln die Nahrung darbietet. Eigentümlich iſt die ſich ziemlich gleich bleibende Konzentration (Gehalt an gelöſten Stoffen) der Bodenlöſung, die für die gleichmäßige Ernährung der Pflanzen ſehr wichtig iſt. Bei Vermehrung des Waſſers, D. Eigenſchaften des Bodenkorns. 45 alſo bei Verdünnung, löſt die Bodenlöſung aus den Bodenteilchen mehr auf und ergänzt dadurch die Konzentration; bei Abnahme des Waſſers hingegen ſcheidet durch Auskriſtalliſieren oder durch Abſorption ein Teil der gelöſten Stoffe wieder aus, ſo daß die Konzentration ſich ſtets ziemlich gleich bleibt. § 30. Korndurchmeſſer, Korngröße, Schlämm⸗ vorrichtungen. 1. Auf die verſchiedenen Korndurchmeſſer werden wir am beſten durch die Betrachtung der bekannten Bodenarten des Lehmes und Sandes geführt, bei der wir finden, daß der Lehm aus feinen, der Sand aus groben Körnern beſteht. Die Bedeutung des Korn⸗ durchmeſſers tritt beſonders ſtark hervor, wenn wir den einen Teil eines Steins, z. B. eines Granitſtückes, grob, einen anderen Teil fein pulvern, ſo daß daraus teils Sand, teils Lehm entſteht, oder wenn wir im Gebirge auf anſtehendem Geſtein grob und fein zertrümmertes Material (Sand und Lehm) aufſuchen. In beiden Fällen werden Sand und Lehm ſehr weſentliche Verſchiedenheiten aufweiſen und doch unter⸗ ſcheiden ſie ſich nicht durch die mineralogiſche Zuſammenſetzung, ſondern nur durch den Korndurchmeſſer. Der Korndurchmeſſer iſt die zweite Grundeigenſchaft des Bodenkorns. 2. Die verſchiedenen Korndurchmeſſer bedingen auch eine verſchiedene Benennung der Bodenkörner, und zwar bezeichnet man die von über 5 mm Durchmeſſer als Steine, „ 5—2„„„ grandige Teile, „„ 2— 0,05„„„ ſandige 3 „„ 0,05— 0,01„ 4„ ſtaubige„ „„ unter 0,01„„ feinſte„ Die grandigen und ſandigen Teile zuſammen pflegen auch Groberde(oder Bodenſkelett), die ſſtaubigen und feinſten zuſammen Feinerde genannt zu werden. Im allgemeinen finden wir in jedem Boden Groberde und Fein⸗ erde, beide mit Körnern von verſchiedenem Durchmeſſer vor, nicht etwa, als ob jedem Boden ein beſtimmter Korndurchmeſſer zukäme. An dem verſchiedenen Korndurchmeſſer nehmen ſowohl die Mineralien wie der Humus teil, nur daß bei dieſem die über 6 mm großen Stücke nicht als Steine, ſondern als Pflanzenfaſern(z. B. Wurzeln, Stengel, Aſte) zu bezeichnen ſind. Bei einem Boden können wir daher im Gegenſatz zum Bodenkorn nie von einem einheitlichen Korndurchmeſſer ſprechen, ſondern faſſen vielmehr ſeine Zuſammenſetzung aus Boden⸗ körnern mit verſchiedenem Durchmeſſer als Korngröße des Bodens zuſammen. 46 II. Bodenkunde. 3. Die Trennung der Bodenkörner nach dem Korndurch⸗ meſſer nennt man im Gegenſatze zur chemiſchen die mechaniſche Analyſe. Geräte zur Ausführung derſelben ſind Siebe mit ver⸗ ſchiedener Lochweite und die Schlämmvorrichtungen. 3a. Die von Bennigſenſche Schlämmflaſche beſteht aus einem Glaskolben(Fig. 26 b) mit zylindriſchem Halſe a, der mit einer Teilung(in Kubikzentimetern) verſehen iſt. Bei dem Gebrauch werden ungefähr 10 g Boden zum Auflockern der Erdklumpen mit Waſſer ſchwach gekocht, durch ein Sieb von Steinen und Pflanzenfaſern befreit und mit ſo viel Waſſer in die Schlämm— Fig. 26. von Bennigſenſche Schlämmflaſche. Fig. 27. Der Kühnſche Schlämmzylinder. flaſche geſpült, daß deren Kolben zu zwei Drittel gefüllt iſt. Hierauf ſchüttelt man die mit einem Kork verſchloſſene Schlämmflaſche tüchtig durch, kehrt ſie um, ſchüttelt nun leiſe und hängt die Schlämmflaſche auf. Die groben Teile fallen am ſchnellſten zu Boden und nehmen den unterſten, die feinen den darüber befindlichen Raum ein. Nach einer Stunde kann man an der Teilung die Raumprozente ableſen. ¹) 3 b. Die Kühnſche Schlämmvorrichtung beſteht aus Sieben mit runden Löchern und mit 5, 3, 2, 1 und 0,5 mm. Loch⸗ weite, ſowie aus dem Schlämmzylinder(von 30 cm. Höhe und 8,5 cm Weite), der unten ein kurzes Ablaufrohr mit Gumwmiſtopfen trägt. ¹) Man kann dieſelben auch in Gewichtsprozente umrechnen, indem durchſchnittlich 1 cem grobe Teile 1,5 g und 1 cem ſtaubige Teile 1,1 g wiegen; die feinſten(noch nicht abgeſetzten) Teile beſtimmt man durch Differenz. D. Eigenſchaften des Bodenkorns. 47 Man ſiebt zunächſt— unter Abſpülen mit Waſſer— mit dem 5 mm⸗Sieb die Steine und mit dem 2 mm⸗Sieb die grandigen Teile ab, die man mit dem 3 mm⸗Sieb noch in gröbere und feinere zerlegen kann. Den Reſt der Probe bringt man in den Schlämmzylinder (Fig. 27) und füllt dieſen bis zu einer Marke(28 cm hoch) mit Waſſer. Nach gründlichem Umrühren mit einem Holzſtabe läßt man den Zylinder 10 Minuten lang ſtehen, um nach dem Herausziehen des Stopfens das Waſſer mit den feinſten Bodenpartikeln ablaufen zu laſſen. Das„Schlämmen“ wiederholt man ſo oft— jedoch nur mit 5 Minuten Zeit zum Abſetzen— bis das Waſſer im Zylinder nach dem Abſetzen ganz klar bleibt(9—30 mal). Die abgeſchlämmten Teile werden filtriert und gewogen. Die im Zpylinder zurückgebliebenen ſandigen Teile kann man ſchließlich mit dem 1 mm⸗Sieb und 0,5 mm⸗ Sieb noch in gröbere und feinere zerlegen. 3c. Die Schöneſche Schlämmvorrichtung, deren man ſich jetzt in der geologiſchen Landesanſtalt in Berlin zur mechaniſchen Analyſe bedient, beſteht gleich der Kühnſchen aus Sieben mit ver⸗ ſchiedener Lochweite und aus der eigentlichen Schlämmvorrichtung. Mit den Sieben werden die Steine und die grandigen Teile abgeſiebt; auch kann nach dem Schlämmen der Sand damit noch in gröbere und feinere Teile zerlegt werden. Die Schlämmvorrichtung (Fig. 28) zerfällt in drei Teile: 1. den Waſſerbehälter mit Zufluß⸗ rohr und Hahn(A u. G), 2. den kleinen und den großen Schlämm⸗ trichter(D u. E) und 3. den Druckmeſſer(Piézometer)(F). Von den Verbindungsröhren abgeſehen zeigt jeder Schlämmtrichter einen unteren trichterförmigen und einen oberen zylindriſchen Teil.¹) Der Druckmeſſer beſteht aus einer S⸗förmig gebogenen Glasröhre, die an dem unteren Knie über dem Becherglaſe eine feine Offnung(g) zum Ausſtrömen des Waſſers beſitzt, und deren aufwärts gerichteter langer Teil eine Gradteilung zeigt. Je ſchneller man mit Hilfe des Hahns das Waſſer durchfließen läßt, um ſo höher ſteht es in dem Druckmeſſer. Bei dem Schlämmen bringt man die Probe in den kleinen Trichter und läßt das Waſſer mit einer gewiſſen— vorher ausprobierten und mit Hilfe des Druckmeſſers geregelten²)— Geſchwindigkeit durchfließen. Es läßt dann in dem kleinen Trichter die„ſandigen Teile“ zurück, darauf die„ſtaubigen Teile“ in dem großen Trichter ſich abſetzen und führt die„feinſten Teile“ dem Becherglaſe zu. ¹) Der kleinere, urſprünglich nicht zu dem Apparate gehörende Schlämm⸗ trichter heißt nach ſeinem Erfinder der Orthſche. Der Schöneſche Apparat iſt aus dem Nöbelſchen entſtanden. ²) Wahnſchaffe, Anlage zur wiſſenſchaftlichen Bodenunterſuchung. 48 II. Bodenkunde. Der Kühnſche Schlämmzylinder trennt die Bodenkörner nach ihrer verſchiedenen Fallgeſchwindigkeit in ruhendem Waſſer, der Schöneſche Schlämmtrichter nach ihrer Fähigkeit, von fließendem Waſſer bei gewiſſer Stromgeſchwindigkeit mitgenommen zu Nhn I Nülnpilh, Fig. 28. Die Schöneſche Schlämmvorrichtung. werden. Die Verſchiedenheit des Verhaltens der Bodenkörner erklärt ſich bei der erſten wie bei der zweiten Vorrichtung daraus, daß bei abnehmendem Durchmeſſer die Oberfläche des Bodenkorns im Verhältnis zu ſeinem Inhalte und damit zu ſeinem Gewichte(der Maſſe) größer wird(Kugelfläche— Kugelinhalt). E. Bodeneigenſchaften. 49 E. Bodeneigenſchaften. § 31. Die Einteilung der Eigenſchaften des Bodenkorns und des Bodens. Die Eigenſchaften des Bodenkorns ſind entweder Grundeigen⸗ ſchaften, welche ſich nicht mehr von anderen abhängig machen laſſen, oder abhängige Eigenſchaften, die von den Grundeigenſchaften abzuleiten ſind. Wie der Geſamtboden ſich aus den Bodenkörnern zuſammenſetzt, ſo ſind auch ſeine Eigenſchaften nur als die Summe der Eigenſchaften aller Bodenkörner zu betrachten. Die Grundeigenſchaften der Boden⸗ körner ſind daher auch gleichzeitig die Grundeigenſchaften der Bodenarten, da von ihnen alle ſonſtigen Eigenſchaften abhängen. Die Grundeigenſchaften des Bodens ſind: 1. die chemiſch⸗ mineralogiſche Kornbeſchaffenheit und 2. die Korngröße. § 32. Das Verhalten des Bodens zum Waſſer. 1. Die waſſeraufſaugende Kraft des Bodens nennen wir deſſen Fähigkeit, in ſeinen Hohlräumen Waſſer aufzuſaugen, und führen ſie auf die Haarröhrchenkraft, dieſe wieder auf die Anhangskraft zurück. Die Haarröhrchenkraft wirkt nicht nur in Röhren mit genau kreisrundem Querſchnitte, ſondern auch in Spalten und anderen beliebig geſtalteten Hohlräumen, deren Wände einander ſehr nahe liegen. ¹) Die waſſeraufſaugende Kraft hat inſofern Bedeutung für den Boden, als ſie ihm die Fähigkeit gibt, in regenloſer Zeit Waſſer aus dem Untergrunde(Grundwaſſer) aufzuſaugen und ſo die Erde trotz der fortwährenden oberflächlichen Verdunſtung feucht zu erhalten. Einer⸗ ſeits wird dadurch der Boden in chemiſcher Tätigkeit erhalten, anderer⸗ ſeits kann das Waſſer als Bodenlöſung den Pflanzen dauernd Nahrung zuführen. Die waſſeraufſaugende Kraft hängt, da die Weite und Zahl der Zwiſchenräume in Betracht kommt, von der„Korngröße“ und, da die Anhangskraft in Betracht kommt, von der„mineralogiſchen Zuſammenſetzung“ ab. Die Stärke der waſſeraufſaugenden Kraft iſt in feinkörnigen Bodenarten viel größer als in grobkörnigen, da die ¹) Am leichteſten weiſt man das durch zwei Glasplatten nach, die man derart in Waſſer ſtellt, daß ſie mit einer Kante zuſammenſtoßen. Verkleinert man den Winkel, den die Platten an der gemeinſamen Kante bilden, ſo ſteigt das Waſſer zwiſchen ihnen in die Höhe. Der Spiegel des aufſteigenden Waſſers macht dabei einen Bogen und ſteigt um ſo höher auf, je näher aneinander die Platten ſich nach der Kante zu befinden. Droyſen⸗Giſevius. Ackerbau. 6. Auflage. 4 50 II. Bodenkunde. Hohlräume zwiſchen feinen Körnern weit zahlreicher und enger ſind, als die zwiſchen groben Körnern. Man weiſt das leicht an Röhren nach, die mit verſchiedenen Bodenproben gefüllt und in Waſſer geſtellt werden(Fig. 29). Die Regelung des Emporſteigens des Waſſers im Boden nimmt der Landwirt durch das Lockern(Eggen, Schälen, Hacken) und durch das Feſtigen(Walzen) vor. Das Lockern ſchafft in der oberſten Bodenſchicht ſehr große Zwiſchenräume und hindert das Waſſer daran, Fig. 29. Aufſaugen des Waſſers. bis zur Erdoberfläche aufzuſteigen. Es gelangt daher ſehr ſpärlich an die Luft und kann nur in geringen Mengen verdunſten, ſo daß zwar die oberſte Bodenſchicht ſtark austrocknet, aber dem darunter befindlichen Boden die Feuchtigkeit erhalten bleibt. Umgekehrt befördert das Feſtigen des Bodens das Aufſteigen des Waſſers bis zur Erdoberfläche, läßt es in größerer Menge verdunſten und macht den Boden trockener. 2. Waſſerfaſſende Kraft nennen wir die Fähigkeit des Bodens, eine gewiſſe Menge von oben kommenden Waſſers in ſich feſtzuhalten und vor dem Verſinken zu bewahren. Sie läßt ſich, wie die waſſer⸗ E. Bodeneigenſchaften. 51 aufſaugende Kraft, auf die Haarröhrchenkraft und im weiteren auf die Anhangskraft zurückführen und hängt daher auch von der Korn⸗ größe und mineralogiſchen Zuſammenſetzung ab. Man weiſt das nach, indem man den in Röhren eingefüllten verſchiedenen Boden⸗ proben abgemeſſene Mengen Waſſers ſo lange zuführt, bis dasſelbe unten abzutröpfeln beginnt. Die waſſerfaſſende Kraft iſt für den Boden inſofern von Bedeutung, als ſie in ihm nach jedem Regen einen Teil des einſinkenden Waſſers ſogleich feſthält. 3. Die Durchläſſigkeit des Bodens iſt die Fähigkeit desſelben, Waſſer ſchnell und reichlich durch ſeine Zwiſchenräume durchſickern zu laſſen. Es ſetzt dieſe Eigenſchaft das Vorhandenſein zahlreicher größerer, nicht als Haarröhrchen wirkender Hohlräume des Bodens voraus. Je grobkörniger ein Boden iſt, um ſo größer iſt ſeine Durchläſſigkeit. § 33. Das Grundwaſſer. Das Grundwaſſer iſt das blanke Waſſer, welches wir in einiger Tiefe im Boden vorfinden. 1. Es verdankt ſeine Anſammlung dem Wechſel durchlaſſender (ſandiger) und undurchlaſſender(lehmiger) Schichten im Boden. Das Regen⸗ und Schneewaſſer ſinkt in den Boden ein, bis es von einer undurchlaſſenden Schicht aufgehalten wird. Bildet dieſe Schicht eine Mulde, ſo entſteht ein unterirdiſcher Grundwaſſerſee, bildet ſie eine geneigte Fläche, ſo fließt das Grundwaſſer, ebenſo wie das Oberflächen⸗ waſſer, nach tiefer gelegenen Stellen ab; es fließt aber viel langſamer ab und gebraucht ein viel größeres Gefälle dabei. Wenn das Grund⸗ waſſer durch die Lage der undurchlaſſenden Schicht gezwungen wird, an die Erdoberfläche zu treten, ſo bildet es je nach der Art des Ab⸗ fluſſes eine Quelle oder eine ſtehende Waſſerfläche(Teich, See). Der Oberflächenwaſſerſpiegel und der Grundwaſſerſpiegel auf aneinander grenzendem Gelände bilden eine zuſammenhängende Waſſerſpiegelfläche. 2. Die Höhe des Grundwaſſerſtandes wechſelt nach der Witterung ſie ſteigt bei Regen und ſinkt bei Dürre. Sie iſt für die Kultur ſehr wichtig, weil das Grundwaſſer den Waſſervorrat bildet, aus welchem der Boden neues Waſſer heraufſaugt, und weil die Stärke und die Schnelligkeit des Aufſaugens mit der Saughöhe abnehmen. Wir unterſcheiden 1. zu hohen, 2. zu niedrigen und 3. den richtigen Grundwaſſerſtand. 3 3. Die Bedeutung des Grundwaſſerſtandes beruht darauf, daß der zu hohe Grundwaſſerſtand wegen der Gefahr der Bildung von Humusſäuren ſchädlich iſt, während der zu niedrige Grund⸗ waſſerſtand durch den Mangel an Waſſer ſchadet, welches den Boden 4* 52 II. Bodenkunde. zu chemiſcher Tätigkeit anregen und die Pflanzen ernähren ſoll(Schrind⸗ oder Brandſtellen, Dünenbildung). Für Wieſenpflanzen, welche friſchen(feuchten) Boden lieben, iſt ein Grundwaſſerſtand von 30— 60 cm, für Ackerkultur ein ſolcher von 1—1,5 m unter der Erdoberfläche erwünſcht. Bei grobkörnigem Boden iſt ein höherer Grundwaſſerſtand beſſer als bei feinkörnigem. § 34. Das Verhalten der Bodenkörner zu einander und zu Geräten. 1. Bindigkeit nennen wir die Eigenſchaft des Bodens, mit ſeinen Körnern mehr oder weniger feſt aneinander oder an den Geräten zu haften. Wir unterſcheiden dabei drei Zuſtände des Bodens: den trockenen loſen, den naſſen und den trockenen feſten Zuſtand. 2. a) Das Anhaften der Bodenkörner aneinander und an Ge⸗ räten im trockenen loſen Zuſtande beruht auf der Anhangskraft, die an der Berührungsſtelle der Körper wirkt(z. B. Staubanſammlung). Das Anhaften iſt infolge der größeren Zahl von Berührungsſtellen bei feinkörnigem Boden größer als bei grobkörnigem, nie aber ſo ſtark, daß die Trennung der Bodenkörner bei der Lockerung mit Geräten dadurch weſentlich erſchwert würde. b) Das Anhaften der Bodenkörner im feuchten Zuſtande iſt ſtärker als im trockenen loſen, da das die Zwiſchenräume mehr oder weniger füllende Waſſer auch ſeinerſeits noch die getrennten Boden⸗ körner durch Anhangskraft verbindet. Infolge der zahlreicheren Be⸗ rührungsſtellen und des reichlicher in den Zwiſchenräumen aufgenommenen Waſſers wird das Anhaften bei feinkörnigem feuchtem Boden viel ſtärker ſein, als bei grobkörnigem. Die Bodenkörner erſchweren die Arbeit durch den unmittelbaren Widerſtand gegen eine Trennung und durch die vergrößerte Reibung der Geräte am Boden, machen gewiſſe Arbeiten durch Ankleben an den Geräten(z. B. an Walzen) unmöglich und vereinigen ſich nach ihrer Trennung durch Geräte von neuem(das Schmieren beim Pflügen und Eggen). c) Das Aneinanderhaften der Bodenkörner im trockenen feſten Zuſtande beruht auf der Verkittung der Bodenkörner. Der trockene feſte Zuſtand tritt jedesmal ein, wenn der Boden nach einer Durch⸗ feuchtung austrocknet; das Waſſer der Bodenlöſung verdunſtet und darin gelöſte Stoffe ſcheiden ſich zwiſchen den Bodenkörnern in feſtem Zuſtande als Kitt aus(ähnlich wie es bei der Bildung von Ortſtein oder Sandſtein geſchieht). ¹) Feine Bodenkörner verkitten ſich viel ſtärker ¹) Hierher gehört auch die Erſcheinung, daß eine Kopfdüngung mit Chiliſalpeter den Boden leicht verkruſten läßt. E. Bodeneigenſchaften. 53 als grobe, weil einerſeits die Zwiſchenräume enger und leichter mit Kitt anzufüllen und weil andererſeits die verkitteten Stellen zahlreicher ſind. Das Verkitten der Bodenkörner führt zur Bildung einer feſten Kruſte des Bodens, die dem Eindringen der Geräte und dem Zer⸗ kleinern des Bodens mit zunehmender Stärke einen immer bedeutenderen Widerſtand entgegenſetzt und durch die Beſeitigung der Zwiſchenräume den Zutritt der Luft behindert. 3. Als Mittel gegen die Verkruſtung wenden wir a) die Beſchattung an, die das Austrocknen und damit das Verkitten verhüten ſoll, b) das Auflockern der oberſten Bodenſchicht, wie man es durch Schälen, Eggen, Hacken und Häufeln erzielt. Hierdurch wird dem Auf⸗ ſteigen des Waſſers im Boden bis zur Oberfläche und ſeiner Verdunſtung, alſo dem Austrocknen des Bodens, entgegenwirkt. Eine bereits ein⸗ getretene Verkruſtung muß man durch Pflügen unterbrechen; dann zer⸗ kleinert man die hierbei entſtandenen Schollen mit Hilfe kleiner, ſcharf ſchlagender Eggen, deren Wirkung man durch recht eiligen Schritt der Zugtiere zu verſtärken ſucht; auch kann man die Ringelwalze, den Schollenbrecher(§ 65) und den Kloßhammer— einen ſchweren hölzernen Hammer mit langem Stiele— in Anwendung bringen. Am einfachſten zerſtört ein zur rechten Zeit eintretender, durchdringender Regen die Verkruſtung, indem er den die Bodenkörner verbindenden Kitt wieder auflöſt. Kalkhaltiger oder mit Kalkdüngung verſorgter(gut gemergelter) Boden läßt die Verkruſtung nach einiger Zeit infolge Ver⸗ witterung und Lockerung des Kittes verſchwinden. Auch ein ſtärkerer Froſt und die Ausdehnung der dabei gefrierenden Bodenfeuchtigkeit kann die Verkruſtung beſeitigen. 4. Bindige Böden werden um der Schwierigkeit ihrer Behandlung und Bearbeitung willen auch als ſchwere, wenig bindende als leichte Böden bezeichnet. § 35. Das Verhalten des Bodens zur Wärme. 1. Die Bedeutung der Wärme im Boden liegt darin, daß ſie die chemiſche Tätigkeit desſelben anregt und Froſtſchäden bei den Pflanzen verhütet. Ein„warmer“ Boden läßt ferner das Pflanzenwachstum im Frühjahr ſchneller beginnen. 2. Die Quellen der Wärme ſind die Sonne und in höchſt ge⸗ ringem Maße auch die chemiſchen Vorgänge im Boden. 3. Die Erwärmungsfähigkeit der Ackerkrume, die mit der aufgenommenen Wärmemenge nicht gleichen Schritt hält, hängt in erſter Linie von dem Waſſergehalte des Bodens ab. Das Waſſer muß mit dem Boden zugleich erwärmt werden und verbraucht dabei um ſo mehr Wärme für ſich, als ſeine ſpezifiſche Wärme(die Wärmemenge, welche 54 II. Bodenkunde. es gebraucht, um ſeine Temperatur um 10C. zu erhöhen) viel größer iſt, als die des Humus und der Mineralien. Dazu kommt, daß das Waſſer die Wärme leicht nach dem Untergrund leitet und ſo der Acker⸗ krume entzieht, endlich daß es beim Verdunſten viel Wärme verbraucht. Naſſe ſchwere Böden werden ſich nach jeder Abkühlung erſt ſpäter er⸗ wärmen, als leichte trockene. Eine Abhilfe bei ſehr naſſen ſchweren Böden iſt nur durch Drainage(§ 137) möglich. 4. Die Abkühlungsfähigkeit in der Ackerkrume wird für den Eintritt von Nachtfröſten im Frühjahr und im Sommer vichtig; letzterer hängt von dem Boden und der Beſchaffenheit der Luft ab. Bei dem Boden findet der Wärmeverluſt durch Ausſtrahlung ſtatt, und zwar ſtrahlen alle Böden an und für ſich gleichmäßig aus; die Wärmeerniedrigung vollzieht ſich jedoch dadurch verſchieden, daß die Wärmeleitung von unten her bald mehr, bald weniger Erſatz leiſtet, und daß der Wärmevorrat im Boden verſchieden iſt. Bei Näſſe iſt der Erſatz aus dem Untergrunde ein ſchneller, der Wärmevorrat größer, und Nachtfröſte treten daher nicht ſo leicht auf, wie bei Dürre. Der durch dunkle Farbe ſich anzeigende Humusgehalt iſt wegen der ſchlechten Wärmeleitungsfähigkeit des Humus dem Wärmeerſatze aus dem Unter⸗ grunde hinderlich und begünſtigt die Nachtfröſte. Je trockener und humoſer(dunkler) daher Böden ſind, um ſo leichter kommen Nacht— fröſte vor. Bezüglich der Beſchaffenheit der Luft iſt ſelbſtverſtändlich ihre Temperatur, daneben aber ihre Klarheit von Bedeutung. Wolken oder Dunſt wirken wie ein Ofenſchirm, werfen die ausgeſtrahlte Wärme wieder zurück und arbeiten den Nachtfröſten entgegen, während ein recht klarer Himmel ſie begünſtigt. Bewegung der Luft iſt den Nacht⸗ fröſten hinderlich, weil die Luft in Geländemulden ſich nicht beſonders ſtark abkühlen kann(vgl.§ 40, 6). Als Urſachen bei der Entſtehung von Nachtfröſten wirken alſo Dürre und Humusgehaſt des Bodens, ſowie Kälte und Klarheit der Luft in der Regel zuſammen und machen es erklärlich, daß je nach ihrem Zuſammentreffen ein Strich Land weit härter getroffen wird, als ein benachbarter. 5. Als Maßregeln zur Verhütung von Nachtfröſten läßt ſich bei großen Moorflächen nur das Eindecken mit Sand(Moorkultur) und bei Wieſen ein Anſtauen des Waſſers oder eine Rieſelung nennen, indem dadurch der Wärmeerſatz aus dem Untergrunde gefördert und der Wärmevorrat vermehrt wird. Bei kleinen Flächen(Samenbeeten, Wein- und Hopfengärten) kann man entweder die gleiche Wirkung durch Angießen mit Waſſer erzielen oder den Schutz gegen Aus⸗ ſtrahlung durch einen Schirm bieten. Als ſolcher kann das Bedecken mit Zweigen, Matten, Decken und Stroh oder die Erzeugung künſt⸗ E. Bodeneigenſchaften. 55 licher Rauchwolken von der Windſeite her durch Anzünden von Lappen, Pech, naſſem Stroh oder naſſem Strauchwerk dienen. § 36. Verhalten des Bodens zu fremden Körpern. 1. Als Tätigkeit des Bodens bezeichnen wir ſeine Fähigkeit, fremde, in ihn gelangende Körper chemiſch zu verarbeiten und ſich dabei ſelbſt zu verändern. Sie hängt ſowohl von der Korngröße, als auch von der mineralogiſchen Zuſammenſetzung ab. Die Korngröße be⸗ dingt einerſeits die Tiefe der Einwirkung der Zerſetzungs⸗ und Löſungs⸗ mittel auf die Bodenkörner, indem große Körner beim Zerſchlagen neben der Verwitterungsrinde einen friſchen, unzerſetzten Kern aufweiſen, der kleinen Körnchen völlig fehlt. Andererſeits gewährleiſtet die richtige Miſchung grober und feiner Körner am beſten die regelmäßige Ab⸗ wechſelung von Luft und Waſſer im Boden und damit die günſtigſte Anregung ſeiner chemiſchen Tätigkeit. Die mineralogiſche Zu— ſammenſetzung iſt inſofern für die Tätigkeit wichtig, als ein mäßiger Kalk⸗ und Humusgehalt die Einleitung chemiſcher Vorgänge bei der Zuführung fremder Körper erfahrungsgemäß günſtig beeinflußt. 2. Die Abſorptionskraft des Bodens für fremde, in ihn gelangende Körper iſt wichtig, weil ſie die Anſammlung eines größeren Vorrates an Pflanzennahrung im Boden geſtattet. Sie hängt von der mineralogiſchen Zuſammenſetzung und der Korngröße ab. Die mineralogiſche Zuſammenſetzung iſt von Einfluß, in⸗ ſofern bei der Abſorption die wichtigen Pflanzennährſtoffe durch chemiſche Verwandlung aus leicht löslicher in ſchwerer lösliche Form gebracht, dadurch vor dem Auslaugen geſchützt und den Pflanzen allmählich nutzbar gemacht werden. Phosphorſäure wird durch kohlenſaures Kalzium(Kalkſtein, Kreide), durch das als Verunreinigung von Mine⸗ ralien oder auch rein ausgeſchiedene Eiſenhydroxyd(Raſeneiſenſtein) und durch das Aluminium zerſetzlicher Aluminiumverbindungen(Zeolithe) gebunden, das Kali durch die Kieſelſäure(Zeolithe). Der Stickſtoff wird in der Form von Ammoniumſalzen durch Kieſelſäure(Zeolithe), ſowie durch Humus gebunden— nicht aber in Form der Salpeterſäure, wie beim Chiliſalpeter. Für die Abſorption wichtiger Pflanzennährſtoffe iſt daher die Gegenwart von kohlenſaurem Kalzium, Eiſenhydroxyd, zerſetzlichen Aluminium⸗ und Kieſelſäureverbindungen und Humus, d. h. von Kalkſtein, Kreide, Raſeneiſenſtein, Zeolithen und Humus günſtig. Kaolin wirkt oft ſtark abſorbierend, inſofern es der Natur ſeiner Entſtehung nach viel Zeolithreſte enthält. Die Korngröße kommt bei der Abſorption in Betracht, weil dieſe auf der Oberfläche der Bodenkörner und daher um ſo ſtärker vor O ſich geht, je größer die dargebotene Oberfläche iſt. Die Oberflächen⸗ 56 II. Bodenkunde. ſumme der Bodenkörner von 1 kg feinkörnigen Bodens iſt aber viel größer, als die von 1 kg grobkörnigen Bodens. Ein Bodenkorn von 1 kg Gewicht hat eine gewiſſe Oberfläche; ſchlagen wir es in kleine Stücke, ſo treten immer neue Bruchflächen als neue Oberfläche hinzu, ſo daß die Summe der Oberflächen aller Stückchen wächſt, je mehr wir ſie zerkleinern. Feinkörniger Boden bietet daher dem Abſorptions⸗ vorgange auf ſeinen Bodenkörnern eine viel größere Oberflächenſumme dar, als grobkörniger. ¹) Zu dem gleichen Reſultate kommen wir, wenn wir die Bodenkörner als Kugeln betrachten und die Kugelfläche mit dem Inhalt vergleichen(vergl.§ 30). F. Die Bodenarten. § 37. Die Einteilung und Bezeichnung der Bodenarten. 1. Die Grundeigenſchaften des Bodens ſind(wie wir in § 26,§ 30 und§ 31 ſahen) die chemiſch⸗mineralogiſche Zu⸗ ſammenſetzung und die Korngröße; von ihnen laſſen ſich alle andern Eigenſchaften(abhängige Eigenſchaften) ableiten; auch die Unter⸗ ſchiede der Bodenarten müſſen auf Verſchiedenheiten in den Grundeigenſchaften zurückgeführt und dieſe der Einteilung der Bodenarten zugrunde gelegt werden. Da die mineralogiſche Zuſammenſetzung größere Unter⸗ ſchiede der Bodenarten bedingt und daher wichtiger iſt, ſo teilen wir nach ihr zunächſt die Bodengruppen und dieſe nach der Korn⸗ größe in Bodenarten ein. 2. Entſprechend der Einteilung der Bodenkörner nach der mine⸗ ralogiſchen Zuſammenſetzung in Mineral⸗ und Humuskörner teilen wir auch die Bodengruppen in Mineralböden, die vorwiegend aus Mineralien beſtehende, und in Humusböden ein, die vorwiegend aus Humus beſtehende Bodenkörner beſitzen. Die Grenze zwiſchen beiden Bodengruppen wird bereits bei 20% Humusgehalt gefunden, da der Humus ſeines geringen ſpezifiſchen Gewichts wegen dabei räumlich ſchon etwa die Hälfte des Bodens ausmacht. Beide Bodengruppen ſind nicht ſcharf getrennt, ſondern weiſen Übergangsſtufen auf. 3. Die Bodenarten erhalten wir durch weitere Einteilung der Bodengruppen nach der Korngröße. ¹) Bei Humuskörnern kann die für die Abſorptionsvorgänge an ſich verfügbare Oberflächenſumme noch durch ihre Poroſität weſentlich vermehrt werden. F. Die Bodenarten. 57 a) Die Mineralböden zerfallen nach dem Gehalt an feinſten Teilen in Sandboden mit unter 40% feinſter Teile, lehmigen Sandboden„ 4 bis 12„ ſandigen Lehm„ 12„ 20„.„ Lehm„ 20„ 50„„ und ſchweren Lehm, über 50„„. Von dem Sandboden iſt der Kies⸗ oder Grandboden zu trennen, der ſich von ihm durch den Gehalt von über 12% grandiger Teile unterſcheidet. b) Die Humusböden teilen wir nach der Korngröße in Torf⸗ boden mit vorwiegend groben und Moorboden mit vorwiegend feinen Humuskörnern ein. 7„ Gehalt an 3 randigen einſten Bodengruppen Bodenarten g. der frinſte 3 Teilen Teilen 2 mm=0,01 mm 0/ 0/% .. 70 0 (Kiesboden... über 12 unter 4 Sandboden junter 12„ 4 Mineralböden(Jlehmiger Sandboden„ 4— 12 (= 20% Humus) ſſandiger Lehmboden„„ 12—20 [Lehmboden..„„ 20— 50 Böden:(ſchwerer Lehmboden„ über 50 Humusböden[Torfboden 1 grobe X,; ◻☚ 20% Humus) Moorboden vorwiegend Ker /Teile Wie die Zwiſchenſtufen lehmiger Sand und ſandiger Lehm, kommen auch lehmiger Grand und grandiger Lehm uſw. vor. 4. Zur kürzeren Bezeichnung der Bodenarten bedient man ſich jetzt auch der Zeichen G für Grand, S für Sand, L für Lehm, T für Ton oder ſchweren Lehm, M für Mergel, K für Kalk und H für Humus oder Moor. Bei zuſammengeſetzten Zeichen bedeutet das erſte ein Eigenſchaftswort, das zweite ein Hauptwort, z. B. LS= leh⸗ miger Sand. Ein Strich über dem erſten Zeichen heißt„ſtark“, ein Häkchen„ſchwach“; z. B. LS= ſtark lehmiger Sand, LS= ſchwach lehmiger Sand. Ferner kann man auf Bodenkarten die Bodenarten durch Farben oder Schraffierung andeuten(Karten der geologiſchen Landesanſtalten). 58 II. Bodenkunde. § 38. Das Bodenprofil. 1. Bodenproſil nennt man das Bild, welches man bei dem ſenkrechten Durchſchneiden des Bodens auf der Schnittfläche erhält. Wir gewinnen das Bodenprofil durch das ſenkrechte Abſtechen der Erde in Probegruben oder an Bacheinſchnitten, ſteilen Abfällen, Sand⸗, Lehmgruben uſw., oder durch Bohrlöcher, welche wir mit Teller⸗ bohrern herſtellen(Fig. 30). Das Bodenprofil zeigt nicht immer ein nach der mineralogiſchen Zuſammenſetzung und der Korngröße gleichartiges Gemenge der Bodenkörner bis zur großen Tiefe, ſondern oft weſentliche Ver⸗ ſchiedenheiten in den übereinander liegenden Schichten. 2. Die Bedeutung der Verſchieden⸗ heit der übereinander lagernden Bodenſchichten, wie dieſe im Bodenprofil zum Ausdruck gelangt, beruht a) auf ihrem Feuchtigkeits⸗ gehalte, b) auf der Unterſtützung der oberen Bodenſchicht(Ackerkrume) durch die tiefere(Untergrund,§ 43) bei der Pflanzenernährung, ſowie c) auf der Mög⸗ lichkeit der Melioration(Verbeſſerung) der oberen Bodenſchicht(Ackerkrume) durch Heraufbringen der tieferen(des Untergrundes). a) Hinſichtlich des Feuchtigkeitsge⸗ haltes bedingt ein undurchlaſſender Unter⸗ grund eine naſſere, ein durchlaſſender eine trockenere Ackerkrume. b) Die Unterſtützung der Ackerkrume durch den Untergrund bei der Pflanzenernährung kann bei lockerer und chemiſch günſtiger Beſchaffenheit des Unter⸗ Fig. 30. Tellerbohrer. grundes durch das aufſteigende Waſſer oder durch Anbau tiefwurzelnder Gewächſe erfolgen. c) Zur Verbeſſerung der Ackerkrume kann bei Kalkarmut der⸗ ſelben ein kalkhaltiger Untergrund(Mergeln), bei mooriger Ackerkrume der im Untergrund befindliche Sand(Moorkultur) dienen. 3. Die Benennung der Bodenarten erfolgt nicht nach dem Profil, ſondern nach der Ackerkrume; andernfalls würden wir eine unendliche, unüberſichtliche Anzahl von Bodenarten erhalten. 4. Wie bei einzelnen Bodenarten, kann man auch bei Profilen die Zeichen L, S ꝛc. anwenden und die Mächtigkeit der einzelnen Schichten in Dezimetern daneben angeben, z. B. 1S5. d. h. lehmiger 158 755 F. Die Bodenarten. 59 Sand 20 em mächtig, darunter 1 m Lehm. Ein P† bei der unterſten Schicht heißt: der Bohrer hat ihre untere Grenze nicht erreicht. § 39. Die Rlineralböden im allgemeinen. 1. Die Mineralböden wechſeln in ihrer mineralogiſchen Zu⸗ ſammenſetzung und ihrer Korngröße und darum auch in ihren Eigen⸗ ſchaften ſehr ſtark. Den Humusböden gegenüber zeichnen ſie ſich jedoch alle durch den größeren oder geringeren Reichtum an mineraliſchen Pflanzennährſtoffen aus, während es ihnen an dem Stickſtoff fehlt, der dem Humus aus den Eiweißkörpern der Pflanzen und Tiere zuwächſt. Auf allen kulturfähigen Mineralböden macht ſich daher im Gegenſatz zu den Humusböden die Düngung mit ſtickſtoffhaltigen Düngemitteln bezahlt. 2. Von beſonderer Bedeutung für alle Mineralböden iſt ihr Ge⸗ halt an kohlenſaurem Kalk(Kalkſtein und Kreide ꝛc.) und an Humus. a) Der Gehalt an Kalkſtein und Kreide macht den Boden durch Verſorgung der Bodenlöſung mit gelöſtem kohlenſaurem Kalk tätiger und wärmer und begünſtigt bei feinkörnigen Böden den Zerfall einer Kruſte, bei grobkörnigen durch große Anhangskraft deren Bindigkeit. Der Landwirt zeichnet daher auch die Bodenarten mit größerem oder geringerem Gehalt an kohlenſaurem Kalk durch beſondere Bezeichnungen aus. Man bezeichnet nämlich: Böden mit unter 2% kohlenſaurem Kalk als kalkarm, .„ 2 bis 10„„„„ mergelig und„„ über 10,„„ durch den Zuſatz: Mergel, z. B. Sandmergel und Lehmmergel. Einen Boden, der über 75% kohlenſauren Kalk enthält, nennt man auch Kalkboden. b) Der Gehalt an Humus fördert durch reichliche Bildung von Kohlenſäure die Zerſetzung im Boden, verſorgt den Boden mit etwas Stickſtoff, erhöht die Abſorptionskraft und macht den zu lockeren Boden bindiger, den zu feſten lockerer. Man unterſcheidet daher die Mineral— böden mit etwas Humusgehalt ebenſo wie die kalkhaltigen Böden durch beſondere Bezeichnungen und nennt Böden mit unter 3% Humus humusarm, 3— 15„„ humos und„ 1520„„ humusreich. § 40. Die Mineralböden im einzelnen. 1. Der Kies⸗ oder Grandboden(Kies oder Grand) beſitzt eine geringe waſſeraufſaugende Kraft und kann daher nur dann landwirtſchaftlich benutzt werden, wenn ein undurchlaſſender Untergrund 60 II. Bodenkunde. oder ausnahmsweiſe ein größerer Gehalt an feinſten Teilen ſeine Feuchtigkeit vermehrt. Die Abſorptionskraft iſt eine ſehr geringe. Beſteht der Grand aus unveränderlichen Mineralien(z. B. Quarz), ſo iſt er überhaupt unfruchtbar; im anderen Falle eignet er ſich beſſer für Waldbau als für Landbau. In feuchter Lage laſſen ſich gute Bewäſſerungswieſen auch auf Grandböden herrichten, da für ſolche die Durchläſſigkeit erwünſcht iſt. 2. Der Sandboden(Sand) leidet gewöhnlich unter Trocken⸗ heit und verlangt daher einen undurchlaſſenden Untergrund, ſowie einen hohen Grundwaſſerſtand. Er läßt ſich leicht bearbeiten und verkruſtet nicht, muß aber vor zu weitgehender Lockerung infolge zu vieler Bearbeitung bewahrt werden. Er erwärmt ſich im Frühjahr bald und geſtattet eine frühe Beſtellung. Seine Abſorptionskraft pflegt nicht groß zu ſein. Er iſt ſehr tätig und bedarf einer ſchwachen, aber häufigen, humusreichen Stalldüngung. Da der Sandboden nicht viel Bearbeitung erfordert und da er humusbedürftig iſt, ſo wendet man auf ihm gern Gründüngung an. Zur Verbeſſerung des Sandbodens iſt eine Humuszufuhr beſonders zweckmäßig. Zur Anlage von Bewäſſerungswieſen erweiſt ſich der Sandboden, ebenſo wie der Kiesboden, ſeiner Durchläſſigkeit wegen als vorzüglich geeignet. Der Sandboden trocknet, wenn er im Untergrunde bis zu größerer Tiefe anſteht, bei niedrigem Grundwaſſerſtande an der Oberfläche völlig aus; er überzieht ſich nicht mit einer Pflanzendecke, wird vom Winde leicht verweht und bildet den bekannten Flugſand(Dünen). 3. und 4. Der„Mittelboden“ oder lehmige Sandboden und ſandige Lehmboden(lehmiger Sand und ſandiger Lehm) ge⸗ hören in bezug auf die Korngröße zu den beſten Böden, inſofern ſie bei nicht zu ungünſtigem Untergrunde mäßige Feuchtigkeit mit guter Bearbeitungsfähigkeit vereinigen, auch nicht leicht verkruſten. Sie geſtatten, wie die Sandböden, eine frühe Beſtellung. Sie ſind tätig und beſitzen gewöhnlich eine genügende Abſorptionskraft. Bei Mangel an Kalk und Humus iſt die Zuführung derſelben wegen der Anregung zu chemiſcher Tätigkeit des Bodens ratſam. Bezüglich der Stalldüngung iſt man auf dieſen Böden, was Stärke und Zeit der Wiederholung betrifft, ziemlich frei; auch iſt Gründüngung noch leicht durchführbar. Für Wäſſerungswieſen ſind ſie gut geeignet. Der lehmige Sandboden ſteht dem Sandboden, der ſandige Lehm⸗ boden dem Lehmboden näher. 5. Der Lehmboden(Lehm) bleibt vor Näſſe nur bei durch⸗ laſſendem Untergrunde bewahrt, während bei undurchlaſſendem Drainage geboten iſt. Er erfordert wegen der notwendigen häufigen und er⸗ ſchwerten Bearbeitung ein größeres Angeſpann, als ſandige Boden⸗ F. Die Bodenarten. 61 arten, um ſo mehr, als die ſorgfältige Beachtung des Feuchtigkeits⸗ zuſtandes zur Verhütung einer Verkruſtung den Zeitraum für die einzelnen Arbeiten beſchränkt. Bei Näſſe erwärmt ſich der Lehm⸗ boden im Frühjahr ſpät und iſt bei größerem Humusgehalt auch Nachtfröſten unterworfen. Er iſt, beſonders bei Näſſe, nicht ſehr tätig, beſitzt aber gewöhnlich eine große Abſorptionskraft. Die Stalldüngung ſoll zur Erzielung einer gründlicheren phyſikaliſchen Wirkung, und da ſich der Dünger langſam verbraucht, ſelten, aber ſtark erfolgen. Gründüngung ſetzt großes Geſchick bei der Benutzung der Verhältniſſe voraus. Ein größerer Kalk⸗ und Humusgehalt mildert ſeine ungünſtigen Eigenſchaften, macht ihn lockerer, tätiger und wärmer, ſo daß Kalk und Humus auch bei einigem Gehalt daran noch mit Vorteil zugeſetzt werden. Zu Wäſſerungswieſen eignet ſich der Lehmboden nur unter ſorgfältiger Behandlung der Anlage. Bei guter mineralogiſcher Zuſammenſetzung, nach Durchführung einer etwa nötigen Drainage und unter vorſichtiger Behandlung kann der Lehmboden zu den fruchtbarſten Böden gehören. Mergeliger Untergrund iſt erwünſcht. 6. Der ſchwere Lehmboden(ſchwere Lehm)— in manchen Gegenden Tonboden genannt— leidet leicht an Näſſe und macht die Drainage allein bei ſtark durchlaſſendem Untergrunde entbehrlich; andernfalls iſt nur durch Anlage ſchmaler Beete eine Kultur möglich. Er bearbeitet ſich ſchwer, bedarf möglichſt häufiger Lockerung und iſt ſchwer vor dem Verkruſten zu bewahren. Er erwärmt ſich im Frühjahr langſam, trocknet erſt ſpät ab und kann daher erſt ſpät beſtellt werden. Die auf ihm wachſenden Pflanzen ſind beſonders in Vertiefungen, in denen ſich bei einiger Näſſe ein größerer Humusgehalt einſtellt, Nacht⸗ fröſten ausgeſetzt(vgl.§ 35, 4). Seine Abſorptionskraft iſt in der Regel groß. Er iſt ſehr untätig und bedarf ſeltener, aber ſehr ſtarker Stalldüngung, ſowie reichlicher Kalkzufuhr. Zur Grün⸗ düngung und zur Anlage von Wäſſerungswieſen eignet er ſich nicht. Bei außergewöhnlich trockener wie auch naſſer Witterung ſchlagen wegen zu ſtarken Zuſammentrocknens oder wegen zu großer Näſſe die Ernten leicht fehl, ſo daß der ſchwere Lehmboden— auch in Anbetracht der großen Schwierigkeit ſeiner Behandlung— dem milden Lehmboden an Güte erheblich nachſteht. § 41. Die Humusböden. Den Humusböden fehlt es bezüglich ihrer mineralogiſchen Zuſammenſetzung an mineraliſchen Teilen, ſo daß dadurch einer⸗ ſeits an mineraliſchen Pflanzennährſtoffen Mangel herrſcht, andererſeits die Abſtumpfung und die Zerſetzung der bei Näſſe ſich bildenden Humus⸗ ſäuren unmöglich wird. Eine ſchwache Sandauffuhr mit darauf 62 II. Bodenkunde. folgendem Miſchen des Sandes mit dem Moor iſt nicht von dauernder Wirkung, da der Sand im Moore verſinkt; dagegen kann Abhilfe durch ſtarke Düngung mit Ätzkalk oder mit kohlenſaurem Kalk, ſowie mit Kainit und der ſich im Moore ſchnell zerſetzenden Thomasſchlacke er⸗ folgen. Verhältnismäßig reich ſind die Humusböden hingegen an Stickſtoff, ſo daß eine künſtliche Stickſtoffdüngung überflüſſig iſt. Be⸗ züglich der Korngröße kommt in Betracht, daß durch die Poroſität der Humusteilchen die Zahl der engen Hohlräume und damit die Ober⸗ flächenſumme, infolgedeſſen auch die waſſeraufſaugende und waſſerfaſſende Kraft, ſowie die Abſorptionsfähigkeit weſentlich größer werden. Die Humusböden leiden leicht an Näſſe, ſo daß eine Entwäſſerung wichtig iſt. Unter den anderen Eigenſchaften der Humusböden iſt ihr ge⸗ ringes ſpezifiſches Gewicht von Einfluß, weil einerſeits die Pflanzen⸗ wurzel in der leichten, loſen Ackerkrume keinen feſten Halt findet und andererſeits das Auffrieren der Humusböden, d. h. die Ausdehnung nach oben, infolge der Ausdehnung des gefrierenden Waſſers eintritt. Beide Übelſtände laſſen ſich durch Eindecken der Humusböden mit einer 15 cm ſtarken Sandſchicht beſeitigen, gleichzeitig auch die Nachtfroſt⸗ Gefahr, die auf der ſchlechten Wärmeleitung des trocknen Humus beruht (Moorkultur). 1. Der Torfboden(Hochmoor,§ 141) ſtellt meiſt ein filziges Gemenge aus Reſten von Moos, Gras, Wurzeln und verkrüppelten Baumſtämmen dar. Er beſitzt, da es ihm an mineraliſchen Boden⸗ körnern fehlt, die ungünſtigen Eigenſchaften der Humusböden in hohem Maße. So leidet er an Näſſe und Säure, ſowie an zu großer Locker⸗ heit, neigt zum Auffrieren und zu Nachtfröſten und erwärmt ſich im Frühjahr ſchwer. Er kann bei einer Entwäſſerung auch leicht zu trocken werden und ſaugt dann das Waſſer ſchlecht wieder auf. Bei verhältnis⸗ mäßigem Reichtum an Stickſtoff fehlt es an mineraliſchen Pflanzen⸗ nährſtoffen. Seine Verbeſſerung erfolgt durch vorſichtige Entwäſſerung, durch Auftragen einer ſtarken Sanddecke, ſowie durch ſtarke Düngung mit Kalk, Thomasſchlacke und Kainit(Moordammkultur); unter Um⸗ ſtänden, d. h. bei ſehr ſchlechter Beſchaffenheit, läßt ſich nur das Aus⸗ torfen und die Neubildung der Ackerkrume durch Miſchung von Torf und Untergrund unter nachfolgender mineraliſcher und Stalldüngung anwenden(Miſchkultur). Er findet zur Herſtellung von Brenntorf, ſowie zu der von Torfſtreu Verwendung; zu letzterer eignet er ſich wegen ſeines hohen Waſſeraufſaugungsvermögens und wegen ſeiner Abſorptionskraft für Ammoniak beſonders gut. 2. Der Moorboden(Niederungsmoor) zeichnet ſich vor dem Torfboden nicht nur durch geringere Korngröße, ſondern auch durch reicheren Gehalt an mineraliſchen Bodenkörnern, hin und wieder F. Die Bodenarten. 63 ſogar durch Kalkgehalt aus. Er leidet zwar auch an Näſſe und erwärmt ſich im Frühjahr ſpät, iſt aber dem Auffrieren und den Nachtfröſten nicht mehr ſo ſtark ausgeſetzt, wie der Torfboden. Die freien Humusſäuren verſchwinden nach einer Entwäſſerung bald; Phosphorſäure⸗ und Kalidüngung machen ſich wegen des ver⸗ hältnismäßigen Reichtums an Stickſtoff oft ſehr gut bezahlt. In friſcher Lage eignen ſich Moorböden recht vorteilhaft zu Wieſen, auf denen nur die Nachtfroſtgefahr läſtig wird. Vorzügliche Ackerflächen entſtehen durch Entwäſſerung, durch Auftragen einer ſtarken Sanddecke und durch Düngung mit Thomasſchlacke und Kainit(Dammkultur). Moor⸗ boden, beſonders kalkhaltiger, iſt ein ausgezeichnetes Verbeſſerungs⸗ mittel für Mineralböden. Entſprechend der gerade für Moorböden weſentlichen Bedeutung ihres Kalkgehalts hebt man dieſen gern durch ihre Bezeichnung beſonders hervor und nennt ſie, wie die Mineralböden, kalkarm oder mergelig oder Moormergel. § 42. Die praktiſche Bodenunter ſuchung. 1. a) Die Unterſuchung der mineralogiſchen Zuſammen⸗ ſetzung kann ſich in der Praxis nur auf die gröberen Bodenkörner erſtrecken, da zu der Unterſuchung der ſtaubigen und feinſten Teilchen beſonders eingerichtete Mikroſkope nötig ſind. Man kann aber aus dem Vorkommen von Mineralien in den gröberen Teilen auf ihre und ihrer Zerſetzungserzeugniſſe Anweſenheit auch in den feinſten Teilen ſchließen. Die Menge der einzelnen Mineralien läßt ſich dabei nur ſchätzen. Auf den Kalkgehalt kann man bei Betupfen mit Salzſäure aus der Stärke des Aufbrauſens(Kohlenſäureentwickelung) einen Schluß ziehen. Ein ganz ſchwaches Aufbrauſen entſpricht einem Gehalt von 1— 2%, ein ſtärkeres, aber nicht anhaltendes dem Gehalt von 3— 5%, ein ſtarkes und anhaltendes Aufbrauſen einem höheren Gehalt kohlen⸗ ſauren Kalkes. Gleichzeitig gibt uns die Gleichmäßigkeit oder Ungleich⸗ mäßigkeit des Aufbrauſens einen Anhalt für die Verteilung des kohlen⸗ ſauren Kalkes im Boden. Für den Humusgehalt gibt uns die Färbung des Bodens einen Anhalt, indem derſelbe bei Gegenwart von 5% ſchon dunkler gefärbt erſcheint. Die darüber hinausgehenden Über⸗ gänge zum Humusboden laſſen ſich nur ſchätzen. b) Die hin und wieder durch Landwirte veranlaßte chemiſche Unterſuchung des Bodens hat ſo, wie ſie gewöhnlich vorgenommen wird, nur einen bedingten Wert, inſofern dadurch das Fehlen des einen oder anderen Nährſtoffes und die Anweſenheit ſchäd⸗ licher Stoffe feſtgeſtellt wird. Bezüglich der vorhandenen Nähr⸗ ſtoffe gibt ſie uns nicht ohne weiteres praktiſch verwertbare Angaben, 64 III. Bodenbearbeitung. da ſie uns nicht ſagt, in welchen Verbindungen(z. B. Mineralien) die Stoffe ſich vorfinden. 2. Die Korngröße ſchätzen wir nach dem Augenſchein und vermögen dieſe Schätzung durch die ſchnell ausführbare Schlämmung in der Bennigſenſchen Schlämmflaſche(vergl.§ 30, S. 46) zu unter⸗ ſtützen, an deren Stelle im Notfalle ein an beiden Enden durch einen Kork verſchloſſener Lampenzylinder treten kann, auf den wir zur An⸗ bringung einer Teilung einen Streifen Millimeterpapier aufkleben. 3. Für praktiſche Verhältniſſe reicht die wenig zeitraubende Unterſuchung der mineraliſchen Zuſammenſetzung und der Korngröße durch das Auge, ſowie durch Betupfen mit Salzſäure völlig aus. Die wiſſenſchaftliche Unterſuchung erfordert eine möglichſt genaue mineralogiſche(geognoſtiſche) und chemiſche Unterſuchung, ſowie die genaue Unterſuchung der Korngröße mit einer Schlämmvorrichtung. III. Bodenbearbeitung. A. Vorbegriffe. § 43. Ackerkrume und Untergrund. Alte Kraft. 1. Die Ackerkrume iſt die obere Schicht unſeres Bodens, die alljährlich bearbeitet und von Zeit zu Zeit gedüngt wird. Unter⸗ grund nennen wir die darunter befindliche Bodenſchicht, welche nur auf einzelnen Gütern und auch dann nicht alljährlich gelockert, niemals aber beſonders gedüngt wird. AÄußerlich unterſcheidet ſich die Ackerkrume von dem Unter⸗ grunde durch größere Lockerheit und durch dunklere Färbung. Innerlich iſt die Ackerkrume von dem Untergrunde darin verſchieden, daß ſie wie ſich viele praktiſche Landwirte auszudrücken pflegen, die Trägerin der„alten Kraft“ iſt. Dieſen Ausdruck„alte Kraft“ verſtehen wir leicht, wenn wir die Worte„Kraft“ und„alt“ einzeln betrachten. Die Ackerkrume ſoll überhaupt„Kraft“ beſitzen, d. h. ſie ſoll reichliche Pflanzennahrung enthalten. Indeſſen genügt eine ſolche Anhäufung von roher Pflanzen⸗ nahrung noch nicht, vielmehr ſoll die Kraft auch eine„alte“ ſein: Das Feld ſoll lange Jahre hindurch gut und regelmäßig bearbeitet worden A. Vorbegriffe. 65 ſein. Der Dünger, den wir dem Acker geben, ſoll durch dieſe lang⸗ jährige und regelmäßige Lockerung des Bodens zu vollſtändiger Ver⸗ witterung gebracht und durch das regelmäßige Miſchen der Ackerkrume recht gleichmäßig in ihr verteilt ſein. Wenn wir demnach von„alter Kraft“ ſprechen, ſo meinen wir damit das Vorhandenſein reichlicher, gut aufnehmbarerund fein und gleichmäßig verteilter Pflanzen⸗ nahrung. 2. Die Grenze zwiſchen Ackerkrume und Untergrund muß von dem Landwirt ſtreng eingehalten werden. Er ſoll im all⸗ gemeinen jährlich die Ackerkrume bis zu ihrer vollen Tiefe beackern. Er darf wohl gelegentlich einmal flacher, aber nie unter Miſchen des Bodens tiefer ackern. In dieſem Falle würde er Teile der wertvollen Ackerkrume ſo tief unterbringen, daß ſie bei ſpäterer Bearbeitung nicht mehr getroffen und nicht zu weiterer Verwitterung und zur Verwertung durch die Pflanzenwurzeln gebracht würden: Wir bereichern den Untergrund auf Koſten der Ackerkrume. Andererſeits verſchlechtern wir die Ackerkrume durch den heraufgebrachten Untergrund und nehmen ihr zum Teil die„alte Kraft“, weil die Pflanzennahrung nicht mehr ſo reichlich und vor allem nicht mehr gleichmäßig fein verteilt in der Ackerkrume vorhanden iſt. ¹) § 44. Tiefe der Ackerkrume.— Tiefkultur. 1. Der Tiefe nach unterſcheiden wir eine flache Ackerkrume mit weniger als 13 cm Mächtigkeit, eine mittlere mit 13— 20 cm und eine tiefe Ackerkrume mit mehr als 20 cm Mächtigkeit. Die Vorteile einer tiefen vor einer flachen Ackerkrume liegen darin, daß die günſtige Wirkung der Bodenbearbeitung viel ſchärfer hervortritt. Ferner lagert erfahrungsgemäß das Getreide infolge der geſünderen Jugendentwickelung bei tieferer Ackerkrume nicht ſo leicht, wie bei flacher. Der Anlage einer tiefen Ackerkrume hat man den beſonderen Namen„Tiefkultur“ gegeben. ²) ¹) Wie verhalten ſich dabei Beſitzer und Pächter?— Die Ackerkrume heißt auch Muttererde, der Untergrund auch toter Boden. ²) Von manchen Landwirten wird ſchon ein zeitweiliges, in Zwiſchen⸗ räumen von mehreren Jahren wiederholtes tiefes Ackern als Tiefkultur an⸗ geſehen. Dies iſt jedoch ſchädlich, da immer wieder der tote Boden mit der Ackerkrume vermiſcht und deren alte Kraft mit jedem tiefen Ackern verringert wird. Ein derartiges Verfahren führt eine Verbeſſerung des Untergrundes, nicht aber der Ackerkrume herbei. Die in der Regel hiermit beabſichtigte Lockerung des Untergrundes wird zweckmäßiger durch Anwendung des Unter⸗ grundpfluges erreicht. Droyſen⸗Giſevius. Ackerbau. 6. Auflage 5 66 III. Bodenbearbeitung. 2. Als Bedingungen für die Einführung der Tiefkultur haben wir a) gute Beſchaffenheit des nächſten Untergrundes, b) reich⸗ liche Düngung und c) ein allmähliches Vertiefen anzuſehen. a) Die Beſchaffenheit des Untergrundes iſt weſentlich, da wir bei der Herſtellung einer tiefen Ackerkrume die oberſte Schicht des Untergrundes in Ackerkrume umwandeln ſollen und dazu ohnehin eines gewiſſen Aufwandes an Mühe und Dungkraft bedürfen. Iſt der Unter⸗ grund ſchlecht(z. B. kieſig, eiſenſchüſſig oder ſonſt ungünſtig beſchaffen), ſo werden Mühe und Dungkraft in vermehrtem Maße erforderlich, der Gewinn für die Ackerkrume wird aber kein weſentlicher ſein. b) Rückſichtlich der bei der Vertiefung erforderlichen reichlichen Düngermengen haben wir die Tiefkultur als ein„Reizmittel für das Pflanzenwachstum“ anzuſehen. Infolge der vermehrten Verwitterung des Bodens und des Düngers und wegen des größeren Wurzelvermögens werden die Pflanzen zu ſtärkerem Wachstum angeregt. Damit ſteigern ſich aber die Anſprüche ſpäterer Ernten an den Erſatz der in den vor⸗ aufgehenden entzogenen Stoffmengen; es werden bei ſchwacher Düngung anfangs wohl ſtärkere Ernten erzielt, dann aber wird wegen Boden⸗ erſchöpfung ein erhebliches Zurückgehen derſelben herbeigeführt. c) Die Einführung einer tieferen Ackerkrume muß notwendiger⸗ weiſe allmählich und unmerklich vor ſich gehen, weil wir ſonſt die vorhandene Ackerkrume mit einer erheblichen Menge des Untergrundes miſchen und die„alte Kraft“ der erſteren dadurch vernichten. ¹) § 45. Gare.— Abruhen des Ackers. 1. Gare nennen wir den Zuſtand des Ackers, bei welchem der⸗ elbe nicht nur äußerlich(phyſikaliſch) mürbe und locker iſt, ſondern auch ſtofflich(chemiſch) eine ſehr weſentliche Umwandlung erfahren hat, infolge deren die Pflanzennährſtoffe eine beſonders leicht aufnehm⸗ bare Form angenommen haben. Dieſelben müſſen ſich nämlich in eine Form verwandeln, in der ſie in der Bodenfeuchtigkeit löslich ſind, da die Pflanzenwurzeln ſich keine feſte Nahrung aneignen, ſondern nur z) Erfahrungsgemäß ſind viele Pflanzen gegen ein derartiges Herauf⸗ holen„toten Bodens“ ſehr empfindlich. Wir müſſen daher die Vertiefung der Ackerkrume unmerklich durchzuführen ſuchen, indem wir zuerſt ein wenig vertiefen und einige Jahre warten, bis die dabei in Arbeit genommene dünne oberſte Schicht des Untergrundes zu Ackerkrume geworden iſt, und indem wir in dieſer Weiſe bis zur Erzielung der gewünſchten Mächtigkeit der Ackerkrume fortfahren. Die jedesmalige Vertiefung nehmen wir zum Anbau ſolcher Früchte vor, die das Heraufbringen toten Bodens vertragen. Als Zeichen für den richtigen Zeitpunkt zur Einführung der Tiefkultur iſt ein oft eintretendes Lagern des Getreides anzuſehen. A. Vorbegriffe. 67 die im Boden befindliche Feuchtigkeit mit den darin aurtgeleſten Stoffen als Nahrung zu ſich nehmen können(vergl. S. 17). Ohne Zweifel gibt es im Beden auch Lebeweſen, über deren nähere Beſchaffenheit man ſich heute zwar noch nicht ganz klar iſt, die aber bei der Stickſtoff⸗ anſammlung eine wichtige Rolle ſpielen, und die in einem„garen“ Boden in ſehr günſtiger Weiſe die Stickſtoffverſorgung der Kulturpflanzen gewährleiſten. Insbeſondere kommen hierbei Bakterien in Betracht. 2. Die Mittel zur Erzielung der Gare ſind a) die Boden⸗ bearbeitung, b) die Bodenbeſchattung und c) die Düngung.— a) Die Bodenbearbeitung führt einerſeits unmittelbar zur Lockerung des Ackers, andererſeits hält ſie ihn für Waſſer und Luft offen und regt ihn zu kräftiger chemiſcher Tätigkeit an, ſo daß ſich viele Pflanzen⸗ nährſtoffe in die erforderliche, leicht aufnehmbare Form verwandeln können. Luft und Waſſer ſind nämlich diejenigen überall verbreiteten Dinge auf der Erde, welche Verwitterung und Verweſung herbeiführen, wie es das Verfaulen hölzerner Pfähle dicht über der Erde— nicht tief in und nicht hoch über der Erde beweiſt. Sorgen wir durch ſtete Lockerung des Bodens dafür, daß Luft und Waſſer abwechſelnd reichlich in den Boden gelangen, ſo werden der Boden und der Dünger in demſelben am beſten zum Verwittern und Verweſen gebracht und daraus Nährſtoffe für die Pflanzen gebildet. Insbeſondere ſoll zu dieſem Zwecke durch die Bodenbearbeitung die Entſtehung einer feſten ober⸗ flächlichen Kruſte verhindert werden. b) Der Anbau bodenbeſchatten⸗ der Gewächſe iſt ein zweites Mittel zum Offenhalten des Bodens für Luft und Waſſer, indem durch die Beſchattung das Austrocknen und das Verkruſten des Bodens verhütet werden. c) Die Düngung hilft bei der Herbeiführung der Gare inſofern mit, als ſie den Boden zu chemiſcher Tätigkeit anregt. Bei der Bodenbearbeitung iſt noch beſonders auf das Abruhen des Ackers zu achten. Darunter iſt der Zeitraum zu verſtehen, den man zwiſchen zwei Bearbeitungen des Feldes vorübergehen läßt. Jeder chemiſche V Borgang bedarf nämlich ebenſo wie die Entwickelung von Bak⸗ terien einer gewiſſen Zeit zur Vollendung. Hat man den Acker durch Bearbeitung zu chemiſcher Tätigkeit angeregt, ſo muß man ihm daher eine gewiſſe Zeit laſſen, ehe man die Bearbeitung wiederholt. Das Wort „Abruhen“ bezeichnet alſo nicht ein Ausruhen des Ackers, ſondern die Ruhe, welche wir ihm zu ungeſtörter Tätigkeit laſſen. 3. Die Kennzeichen der eintretenden Gare ſind das Aufgehen des Ackers, ſeine Lockerheit und ſeine Elaſtizität, eine dunklere Farbe und ein grünlicher ÜUberzug. Das Aufgehen des Bodens entſpringt der ſtarken Lasentwiclui bei der chemiſchen Tätigkeit desſelben. (Vergleiche damit das„Aufgehen“ des Brotes.) Gleichzeitig trägt 5* 5* 68 III. Bodenbearbeitung. dieſes Aufgehen zu der Lockerheit des Bodens bei und bringt auch die Elaſtizität hervor. Dieſe zeigt ſich darin, daß beim Üüberſchreiten des Feldes der Boden bei jedem Schritt nachgibt, aber nach dem Auf⸗ heben des Fußes ſich wieder etwas hebt. Die dunklere Farbe rührt von der Humusbildung her. Der grünliche Überzug ſtammt von kleinen Pflanzen(Algen) her, die ſich auf der Oberfläche eines garen Bodens gern anſiedeln. § 46. Die Brache. 1. Mit Brache bezeichnet man das Liegenlaſſen eines Feldes ohne Beſtellung mit Nutzpflanzen, im gewöhnlichen Leben auch wohl das brach liegende Ackerſtück ſelbſt. Bleibt das Feld ein ganzes Jahr lang ohne Nutzpflanzen liegen, ſo nennt man dies ganze oder ſchwarze Brache(Schwarzbrache); bleibt es etwa von Mitte Juni ab brach liegen, ſo ſprechen wir von halber oder grüner Brache(Grünbrache) oder Johannisbrache.(Johannistag= 24. Juni.) 2. Die Vorteile der Brachhaltung liegen a) in der beſſeren Arbeitsverteilung wegen der Möglichkeit, jederzeit das Feld be⸗ liebig zu düngen und zu bearbeiten, da man keine Rückſicht auf eine Pflanzendecke zu nehmen braucht, ferner p) in der Schonung des Nährſtoffvorrates im Boden. Der Nachteil der Brachhaltung liegt a) in dem Verluſte einer Ernte, b) im Verluſte an Stick⸗ ſtoff im Boden, wie er freilich durch die Stickſtoffſammlung mit Hilfe von Bakterien wieder aufgehoben werden kann. 3. Mit Rückſicht auf dieſen Verluſt muß jeder Landwirt nach Erſatz der Brache ſtreben und lieber die wirtſchaftliche Unbequem⸗ lichkeit ſchlechterer Arbeitsverteilung auf ſich nehmen. In dieſem Streben kommen der Hackfruchtbau und die Einführung bodenbeſchatten⸗ der Gewächſe ſehr zu ſtatten. Wir erſetzen zunächſt die ganze durch die halbe Brache, bei der wir im Frühjahr von dem Felde noch Weide oder Grünfutter haben, ſodann die halbe Brache durch Anbau von „Brachfrüchten“, d. h. von Hackfrüchten oder von bodenbeſchattenden Pflanzen. Die Schonung des Vorrates an Pflanzennährſtoffen durch die Brache erſetzen wir andererſeits durch vermehrte Stall⸗ oder künſt⸗ liche Düngung, oder durch Einführung von Gründüngung, endlich auch durch verſtärkten Anbau tiefwurzelnder Gewächſe. Die Brachhaltung iſt heute nur noch da gerechtfertigt, wo ein ausnehmend ſchwerer Boden dauernd und wo ſtarke Verunkrautung des Feldes vorübergehend Veranlaſſung zu beſonders ausgiebiger Bodenbearbeitung geben. B. Die Geräte im allgemeinen. 69 B. Die Geräte im allgemeinen. § 47. Rohſtoffe zum Maſchinenbau. Zur Herſtellung von Geräten verwendet man Holz, Eiſen und Lagermetall, ferner auch Leder, Hanf und Gummi. 1. Das Holz iſt leicht und feſt, aber nicht ſo dauerhaft wie Metall. Wir verwenden hartes Holz(Pockholz, Eiche, Buche, Birke, und Eſche), halbhartes Holz(Lärche) und weiches Holz(Tanne und Kiefer). Aus Holz fertigen wir beſonders Rahmen und Geſtelle an, die, aus Metall hergeſtellt, zu ſchwer ſein würden, ebenſo Stiele und Griffe, da ſie wegen der ſchlechten Wärmeleitung des Holzes ſich bei niedriger Temperatur nicht ſo kalt anfühlen. Die Haltbarkeit des Holzes ſuchen wir durch Schutzmittel zu erhöhen. Dieſelben werden entweder zur Durchtränkung(Imprägnation) oder zum Anſtrich des Holzes verwendet. Die Durchtränkung muß bei trockenem Holze in luftdichtem Raume derart ausgeführt werden, daß durch eine Luftpumpe die Luft aus dem Raume und damit auch aus den Poren des Holzes entfernt und dann das Durchtränkungs⸗ mittel unter Druck in den Raum eingeſpritzt wird, worauf ſich dasſelbe in alle Poren des Holzes einzieht. Friſchgeſchlagenes, noch im natür⸗ lichen Safte ſtehendes Holz braucht man nach dem Entrinden nur mit ſeinem unteren Ende in Gefäße mit Durchtränkungsflüſſigkeit zu ſtellen, ſo daß das Wipfelende nach oben gerichtet iſt. Das Durchtränkungs⸗ mittel ſteigt dann von ſelbſt im Holze in die Höhe. Als billiges und leicht von jedermann verwendbares Durchtränkungsmittel iſt hierfür eine zweiprozentige Kupfervitriollöſung zu nennen. Die Wirkung des Kupfervitriols(Blauſteins) beruht auf der Eigenſchaft, ein ſehr ſtarkes Gift für kleine Pilze(Fäulniserreger) zu ſein. Ein Anſtrich kann doppelten Zweck haben, nämlich die Durch⸗ tränkung der äußerſten Holzſchicht oder das Überziehen des Holzes mit einer äußeren Decke. In beiden Fällen wollen wir das Ein⸗ ziehen von Feuchtigkeit und damit Fäulnis im Holze verhindern. Im erſteren Falle wählt man einen Ol⸗, Tran⸗, Schiffsteer⸗ oder Waſſer⸗ glasanſtrich, welcher letztere gleichzeitig Schutz gegen Feuersgefahr ver⸗ leiht. Um einen deckenden Anſtrich zu erhalten, werden Fette oder Tran mit Farben gemiſcht und Olfarben hergeſtellt. Da in beiden Fällen die verwendeten Mittel allmählich verwittern, ſo müſſen ſie von Zeit zu Zeit erneuert werden. Das oft noch übliche Anbrennen von Pfählen ſoll das Holz mit einer Kohleſchicht umgeben, welche den Zutritt von Fäulniserregern hindert; es muß aber recht gründlich vorgenommen werden. Bei Stangen und Pfählen muß der Anſtrich, ſowie auch das Anbrennen 70 III. Bodenbearbeitung. nicht nur ſo weit vorgenommen werden, als das Holz in der Erde ſteckt, ſondern noch ½ m darüber, da gerade an dem dicht über der Erde befindlichen Teile das Holz leicht verfault. 2. Das Eiſen findet in verſchiedener Geſtalt, nämlich als Schmiedeeiſen, Gußeiſen und Stahl Verwendung. Dieſe unterſcheiden ſich durch ihren Kohlenſtoffgehalt, durch den auch die anderen unter⸗ ſcheidenden Eigenſchaften der Eiſenarten, nämlich ihre Härte, Dehn⸗ barkeit, Schweißbarkeit, Hämmerbarkeit und ihr Gefüge bedingt werden. Das Schmiedeeiſen enthält höchſtens 0,5% Kohlenſtoff; es iſt weich, dehnbar, ſchweißbar, hämmerbar und hat ein ſehniges Gefüge. Es verbiegt ſich leicht, iſt aber gegen Bruch widerſtandsfähig. Das Guß⸗ eiſen enthält 5% Kohlenſtoff und iſt härter als Schmiedeeiſen, aber nicht dehnbar, ſchweiß- und hämmerbar und hat ein körniges Gefüge. Es verbiegt ſich nicht, bricht aber leicht. Der Stahl hat 1—2% Kohlenſtoffgehalt, iſt ſehr hart und läßt ſich gießen, ſchmieden und ſchweißen. Sein Gefüge iſt ſehnig oder faſerig. Er iſt gegen Ver⸗ biegen wie gegen Bruch widerſtandsfähiger als bezw. Schmiedeeiſen und Gußeiſen. Bemerkenswert iſt es, daß ſchmiedeeiſerne und ſtählerne Maſchinenteile, welche ein ſehniges und faſeriges Gefüge haben, durch Hämmern oder andauernde Stöße ein körniges Gefüge, wie Guß⸗ eiſen, erhalten, ſo daß ſie dadurch die Widerſtandsfähigkeit gegen Bruch langſam verlieren können. 3. Das Lagermetall iſt eine Legierung aus Kupfer, Zink oder anderen Metallen und kann in verſchiedener Härte hergeſtellt werden. Man umgibt die Zapfen ſich ſchnell drehender Wellen(Achſen) gern mit Lagerſtücken von Lagermetall, indem man letzteres etwas weicher herſtellt, als den Wellenzapfen, um ein Ritzen und Abnutzen des Wellen⸗ zapfens zu verhüten. 4. Leder, Hanf und Gummi werden zu Riemen, Seilen und zur Dichtung verwendet. § 48. Behandlung von Maſchinen.— Das LZager. 1. a) Die Metallteile ſind durch einen Anſtrich oder durch Einfetten, die Holzteile durch Anſtreichen oder durch Durchtränkung mit Schutzmitteln vor Roſt und Fäulnis zu bewahren. b) Eine übergroße Inanſpruchnahme durch Anbringen größerer Betriebskräfte, als ſolche dem Bau der Maſchine ent⸗ ſprechen, iſt unbedingt zu vermeiden, da die Abnutzung— abgeſehen von der Bruchgefahr— eine unverhältnismäßig große iſt. c) Vorgefundene Schäden ſind ſofort auszubeſſern, weil unter denſelben oft die ganze Maſchine leidet. Beſonders iſt ein Stoßen und B. Die Geräte ſim allgemeinen. 71 Schlagen zu verhüten, da dasſelbe die ganze Maſchine fortwährend erſchüttert, die Verbindungen lockert, das ſehnige Gefüge ſchmiedeeiſerner und ſtählerner Teile in ein körniges verwandelt und dadurch die Bruch⸗ gefahr erhöht. 2. a) Ganz beſondere Sorgfalt erfordert die Behandlung der Maſchinenlager, in welchen die Wellenzapfen laufen. Wir unterſcheiden bei dem Lager den Lagerrahmen und die Lagerſtücke. Der Lagerrahmen beſteht aus einer unteren und einer oberen Lagerplatte, ſowie aus zwei Schraubenbolzen mit Schraubenmuttern. Er dient zum Zuſammenhalten der Lagerſtücke, wie zur Verbindung derſelben mit der ganzen Maſchine. Die beiden Lagerſtücke, das obere und das untere, umfaſſen mit je einem halbkreisförmigen Ausſchnitt den Wellenzapfen. Sie ſind aus Schematiſche Zeichnung des Lagers. Nadelſchmierglas. Fig. 31. Lagermetall ſo hergeſtellt, daß ſie weicher ſind, als der Wellenzapfen. Reiben ſich bei dem Drehen der Welle Zapfen und Lagerſtücke auf⸗ einander, ſo wird nicht der Zapfen geritzt und abgenutzt, ſondern die Lagerſtücke. Zwiſchen den beiden Lagerſtücken bemerken wir zu beiden Seiten des Zapfens noch zwei Holzplättchen oder Lederplättchen, welche die Lagerſtücke ſo weit trennen, daß der Zapfen genau in das Zapfenloch hineinpaßt. Iſt das Zapfenloch zu eng, ſo müſſen ſtärkere Plättchen gewählt werden; iſt das Zapfenloch zu weit geworden, ſo daß die Welle unruhig geht und ein fortwährendes Rütteln hervorbringt, ſo entfernt man die Plättchen und nimmt etwas von ihnen ab. Die obere Lagerplatte und das obere Lagerſtück ſind durchbohrt, um das Schmieren des Zapfens möglich zu machen. Das Schmierloch ſoll wenigſtens mit einem Holzſtopfen, womöglich aber mit einem ſelbſttätigen Schmier⸗ gefäß(Fig. 31) gegen ſchädlichen Staub verſchloſſen ſein. 72 III. Bodenbearbeitung. b) Die Behandlung des Lagers erſtreckt ſich auf eine richtige Einſtellung und ein ſorgfältiges Schmieren. Bezüglich der Einſtellung ſoll der Zapfen nicht zu loſe und nicht zu feſt eingeſchloſſen ſein. Das ſorgfältige Schmieren hat einen doppelten Zweck. a) Die Lagerſtücke werden dadurch geſchont, daß ſich nach dem Schmieren Fettſchicht auf Fettſchicht und nicht Metall auf Metall reibt. b) Gleichzeitig wird damit auch die Reibung vermindert und zwei Üübelſtänden vorgebeugt: dem unnützen Kraftverluſt und der Erwärmung des Lagers. Beſonders wichtig iſt die Verhütung einer Erwärmung, da dieſe einerſeits Brand⸗ gefahr mit ſich bringt und andererſeits entweder zum„Ausfreſſen“ des Lagers oder zum Bruch des Zapfens führt. Infolge der Ausdehnung durch die Wärme füllt nämlich der Zapfen das Zapfenloch vollſtändig aus; iſt er ſtark genug, ſo muß er die Lagerſtücke ausreiben(freſſen); iſt der Zapfen ſchwach, ſo bricht er. Zwecke des Schmierens: a) Schonung der Lagerſtücke. b) Verminderung der Reibung, Verhütung von Kraftverluſt, Verhütung von Wärme(Brandgefahr, Ausfreſſen oder Bruch). § 49. Einteilung eines Maſchinenwerkes. Jedes Gerät oder Maſchinenwerk läßt ſich in drei Teile zer— legen: in die Kraftmaſchine, die Übertragungsmaſchine und die Arbeits⸗ maſchine. Die Kraftmaſchine(Motor) iſt derjenige Teil des Gerätes, welcher die Kraft des Waſſers, Windes, Dampfes, eines Zugtieres oder eines Menſchen aufnimmt und nutzbar macht. Die Übertragungsmaſchine(Transmiſ⸗ ſion) iſt derjenige Teil des Gerätes, welcher die durch die Kraftmaſchine aufgenommene Kraft einer Arbeits⸗ maſchine zuführt. Die Arbeits⸗ maſchine(Werkzeugmaſchine) iſt der⸗ jenige Teil des Gerätes, welcher die ihm zugeführte Kraft in Arbeit umſetzt. Anmerkung: Beiſpiele für Kraft⸗ Fig. 32. Kraftmeſſer. maſchinen ſind das Waſſerrad, die Wind⸗ mühlenruten, die Lokomobile, der Petroleum⸗ motor, der Göpel, die Kurbel und der Spatengriff. Beiſpiele für Üübertragungs⸗ maſchinen ſind Zahnräder, Übertragungswellen, Drahtſeile, Riemen und die Spatentülle. Beiſpiele für Arbeitsmaſchinen ſind der Dreſchkaſten, der Mahl⸗ gang und das Spatenblatt. Ein Beiſpiel eines Gerätes, deſſen Teile feſt C. Die Bodenbearbeitung. 73 miteinander verbunden ſind, iſt der Spaten; als Beiſpiel eines Gerätes mit getrennter Kraft⸗, Übertragungs⸗ und Arbeitsmaſchine dient eine aus Göpel, Welle und Dreſchkaſten beſtehende Dreſchmaſchine. Um die Kraft zu meſſen, welche Spanngeräte beanſpruchen, werden zwiſchen der Wage und dem Gerät Kraftmeſſer(Fig. 32) eingeſchaltet; ſie finden zweckmäßig bei Maſchinenprüfungen Anwendung, insbeſondere die ſelbſt⸗ regiſtrierenden. In ähnlicher Weiſe gibt es auch für andere Kraftmaſchinen Kraftmeſſer(Dynamometer). Neuerdings findet auch die Elektrizität Anwendung in der Landwirt⸗ ſchaft und zwar zur Übertragung der Kraft zum Teil auf ſehr weite Entfernungen hin. Die Dampf⸗ oder Waſſerkraft wird in die Form der Elektrizität gebracht und als ſolche durch Drähte der Arbeitsmaſchine zugeführt. Man kann hierbei weit entfernte Kraftquellen(Waſſerkraft) benutzen; man kann von einer Kraftquelle aus bequem mehrere, an verſchiedenen Stellen belegene Maſchinen betreiben; man kann die auf dem Hofe verwendete Kraftquelle ſogar zeitweilig zu Feldarbeiten(Dreſchen auf dem Felde; Pflügen) verwenden und ſie endlich auch zu Beleuchtungszwecken ausnutzen. Die Kraft⸗, die Übertragungs⸗ und die Arbeitsmaſchine können zu einem untrennbaren Ganzen feſt verbunden ſein; ſie können auch jeder für ſich hergeſtellt und beliebig zu Maſchinenwerken zuſammen⸗ geſetzt werden. C. Die Bodenbearbeitung. § 50. Die Arten der Bodenbearbeitung. Die Bearbeitung des Bodens beſteht in: 1. dem Lockern, 2. dem Feſtigen, 3. dem Miſchen und Wenden des Bodens, 4. dem Unterbringen des Düngers, der Stoppeln, ſowie der Saat und 5. dem Zerſtören der Unkräuter. 1. Das Lockern des Bodens erfolgt mit Hilfe des Spatens, der Hand⸗ hacke, Harke, des Pfluges, der Egge, des Krümmers oder der Pferdehacke. Das Lockern bedingt die Trennung der einzelnen Teile des Bodens aus ihrem feſten Zuſammenhange und ihr loſes Üübereinanderhäufen. Das Lockern begünſtigt zunächſt die Verwitterung des Bodens, indem Luft und Waſſer in den größeren und zahlreichen Zwiſchenräumen leichter ihren Weg finden. Gleichzeitig begünſtigt eine gute Lockerung das Eindringen der Pflanzenwurzeln in den Boden. Eine Wurzel verzehrt nicht etwa den Boden an der Stelle, an welcher ſie eindringen will, ſondern muß ſich ihren Platz dadurch ſchaffen, daß ſie die Bodenteilchen zur Seite drängt. Liegen die Bodenteilchen feſt aneinander, ſo wird es der Wurzel ſehr ſchwer, dieſelben zu verdrängen; iſt der Boden aber locker, ſo können die Wurzeln leichter in ihn eindringen. Die Wurzel kann ſich im letzteren Falle beſſer ausbreiten und ver⸗ 74 III. Bodenbearbeitung. zweigen, ſie wird der Pflanze mehr Nahrung liefern, und die Pflanze wird mehr Körner und Stroh erzeugen können. 2. Das Feſtigen bewirkt man mittelſt der Walze, ſobald ein Boden durch Froſt, durch Gründüngung, durch vieles Bearbeiten oder auch von Natur zu locker für gewiſſe Pflanzen geworden iſt. 3. Das Wenden des Bodens wird mit dem Spaten oder dem Pfluge bewerkſtelligt und iſt notwendig, um die tiefere Bodenſchicht nach oben an die Luft, die vorher durchlüftete obere Bodenſchicht nach unten in feuchtere Lage zu bringen. Das Miſchen, welches gleichzeitig mit dem Wenden geſchieht, ſoll den Dünger mit dem ganzen Ackerboden vermiſchen. 4. Das Unterbringen des Düngers und der Stoppelreſte erfolgt mit dem Spaten oder dem Pfluge und iſt notwendig, um dieſe Dinge im Boden zur Verwitterung zu bringen. Die Unterbringung der Saat kann mit Hilfe der Egge, der Walze, der Drillmaſchine oder des Pfluges ge⸗ ſchehen. Sie iſt erforderlich, um dem Samen die zum Keimen nötige Feuchtigkeit zu geben und ihn vor Vögeln und leichten Fröſten zu ſchützen. 5. Das Zerſtören der Unkräuter erfolgt mit der Egge, dem Pfluge oder der Pferdehacke. Es iſt notwendig, da die Unkräuter die eigentlich ange⸗ bauten Pflanzen ſchädigen, indem ſie ihnen Raum, Licht und Nahrung nehmen, und da die pflanzlichen Erzeugniſſe durch Unkräuter verunreinigt werden.. Fig. 33. Der Pflug. § 51. Der Pflug. Die Teile des Pfluges ſind: 3 di zaprnihiund 1 als Kraftmaſchine, 3. der Pflugbaum e. 4. die Griesſäule f V als Übertragungsmaſchine(Pflugrahmen), 5. die Sohle d 6. die Schar a 7. 8. das Streichbrett b als Arbeitsmaſchine(arbeitende Teile). das Sech c C. Die Bodenbearbeitung. — 1 G& A. Ubertragungsmaſchine(Pflugrahmen). 1. Der Pflugbaum(Grindel) wird aus Holz oder Eiſen ge— fertigt. Holz iſt billiger, hat geringeres Gewicht und läßt ſich leichter erneuern, iſt aber dem Verwittern mehr ausgeſetzt, als Eiſen. Hölzerne Pflugbäume haben einen rechteckigen, faſt quadratiſchen Querſchnitt, eiſerne einen länglich⸗rechteckigen, oder röhrenförmigen, oder doppelt T⸗förmigen Querſchnitt. Die bei der doppelten T⸗Form(T) ſich zeigenden Verſtärkungsſchienen verhindern ein ſeitliches Verbiegen oder Brechen, während trotzdem der Pflugbaum leicht gebaut ſein kann. Durchbohrungen des Pflugbaumes, welche ihn ſtets ſchwächen, ſind zu vermeiden. 2. Griesſäule oder 3. Sohle werden aus demſelben Stoff wie der Pflugbaum hergeſtellt. Auf der Sohle ruht der Pflug. Eine eiſerne Griesſäule wird mit dem Pflugbaum, um Durchbohrungen des⸗ ſelben zu vermeiden, nicht verzapft, ſondern ſeitlich an ihm befeſtigt. B. Arbeitsmaſchine (arbeitende Teile). 1. Schar und 2. Streichbrett oder Rüſter werden zu⸗ ſammen als Pflug⸗ a b körperbezeichnet. Man Fig. 34. Sechformen. trennt ſie deshalb, weil die vordere Scheide der Schar ſich ſchneller abnutzt, als der übrige Teil, und weil man bei der Erneuerung ſonſt den ganzen Pflugkörper wieder herſtellen müßte. Schar und Streichbrett werden durch Schraubenbolzen verbunden und müſſen ſo gut aneinander paſſen, daß ihre Grenze ganz unmerklich wird, um ein Anſtoßen des aufgepflügten Erdſtreifens zu ver⸗ meiden. Schar und Streichbrett fertigt man aus Schmiedeeiſen, Guß⸗ eiſen oder Stahl an, nur die Streichbretter einfacher Häufelpflüge noch aus Holz. Sich ſelbſt ſchärfende Schare werden derart hergeſtellt, daß ſie auf einer Seite mehr gehärtet werden; ſie nützen ſich dann auf der anderen Seite ſtärker ab und bleiben dadurch dauernd ſcharf. Polierte Stahlſtreich⸗ bretter haben den Vorzug, die Erde nicht anbacken zu laſſen, und ſind daher für gewiſſe Moorbodenarten ſehr vorteilhaft. 3. Das Sech wird aus Eiſen mit verſtählter Schneide hergeſtellt und kommt in zwei Formen, als Meſſer oder Kolter(Fig. 34 a) und als Radſech(Fig. 34 b) vor. Das meſſerförmige Meſſer wird mit ſeinem Stiele ſo an dem Pflugbaum befeſtigt, daß es ſchräg nach vorn ſteht und ſeine Spitze ſich vor und über der Scharſpitze befindet. Der 76 III. Bodenbearbeitung. Rücken des Meſſers und die Vorderkante des Streichbrettes müſſen dabei einen nach oben ſich erweiternden Winkel bilden, um Verſtopfungen durch Steine und Raſen zu verhüten. Der Stiel des Meſſers wird, um Durchbohrungen des Pflugbaums zu vermeiden, an demſelben mit einer Klammer(Fig. 34 b u. 35) befeſtigt. Soll das Meſſer nicht an— gewendet werden, ſo wird es nach Löſung der Klammer in die wage⸗ rechte Lage gebracht. Das Radſech wird u. a. auch aus abgenutzten ſtarken Kreisſägeblättern her⸗ geſtellt; der Stiel(Fig. 34 b) iſt mit Hilfe einer Hülſe am Pflug⸗ baum befeſtigt und in dieſer —— drehbar, ſo daß das Radſech ſich Fig. 35. Stellvorrichtung. leicht in die Pflugrichtung ein⸗ ſtellt. Es iſt teurer als ein Meſſer, erfordert aber zum Durchſchneiden der Erde nicht ſo viel Kraft. Durch Steine leidet es nicht. 7 C. Rraftmaſchine. 1. a) Die Zugvorrichtung des Pfluges kann eine dreifache Form haben: die einer einfachen Stellvorrichtung(Fig. 35), die einer Stelze(Fig. 33) oder die einer Vorderkarre(Fig. 37). Man unter⸗ ſcheidet danach unter den Pflügen Schwingpflüge, Stelzpflüge und Karrenpflüge. Schwingpflüge haben einen ſehr leichten Gang, ver⸗ langen aber große Aufmerkſamkeit des Pflügers. A Fig. 36. Einſtellung auf Tiefgang. Die Stellvorrichtung der Schwingpflüge beruht auf dem Erfahrungsſatze, daß beim Anziehen und Spannen einer beweglichen Verbindung(z. B. eines Seils) alle Teile derſelben in eine gerade Linie zu kommen ſtreben. Die Bruſt des Pferdes und der Pflugkörper (Scharſpitze) ſind zwei Gegenſtände, welche eine bewegliche Verbindung in den Strängen, der Stellvorrichtung und dem Pflugrahmen beſitzen. Beim Anziehen der Pferde ſuchen alſo die Bruſt des Pferdes(Fig. 36 4), die Stellvorrichtung, beſonders der zu derſelben gehörige Zughaken B C. Die Bodenbearbeitung. 7 und die Scharſpitze C, in eine gerade Linie zu kommen. Der Zughaken iſt mit dem Pflugbaum vermittelſt einer Zugſtange verbunden und dieſe durch die Oſe des Regulators geſteckt. Der Regulator, meiſt ein ſtarkes, kurzes Eiſenſtück, kann mit Hilfe einer Klammer mit Schraube derartig feſtgeſtellt werden, daß er bald nach oben, bald nach unten, und in dem Bügel am Ende des Pflugbaumes bald nach rechts, bald nach links verſchoben erſcheint. Das Stellen erfolgt in der Ruhe, die Wirkung tritt beim Anziehen der Pferde ein. Wird der Zughaken mit dem Regulator in der Ruhe nach oben verſtellt, ſo ſucht er beim An— ziehen nach unten in die Verbindungslinie zwiſchen Scharſpitze und Pferdebruſt zu kommen; dabei wird die Pflugbaumſpitze mit herunter⸗ gezogen, gleichzeitig auch die Scharſpitze: der Pflug geht tiefer. In umgekehrter Weiſe kann der Pflug auf geringeren Tiefgang geſtellt werden. Auf ähnliche Art wird durch Ver⸗ ſtellen des Zughakens in der Ruhe nach rechts der Pflug beim Anziehen der Pferde nach links, durch Verſtellen des Zughakens Fig. 37. Karrenpflug. Fig. 38. Vordergeſtell mit zwei Achſen⸗ in der Ruhe nach links der Pflug beim Anziehen nach rechts ver⸗ ſchoben, ſo daß er im erſteren Falle breitere, im letzteren ſchmalere Furchen zieht. ¹) Bei den Stelz- und Karrenpflügen erfolgt die Einſtellung der Furchenbreite in ähnlicher Weiſe, die Einſtellung auf Tiefgang durch geeignetes Erhöhen oder Erniedrigen des von der Stelze oder der Karre gebildeten Vordergeſtells(Fig. 33 und 37). d) Bei der Karre müſſen die Räder, wenn die Karre nur eine Achſe hat und dieſelbe beim Pflügen wagerecht bleiben ſoll, verſchiedenen Durchmeſſer haben: das Rad, welches in der Furche geht, einen größeren z) Ein größerer Tiefgang des Pfluges kann auch durch Verlängerung, ein geringerer durch Verkürzung der Zugſtränge erreicht werden, da die Ver⸗ bindungslinie von Pferdebruſt und Pflugkörper ſich dabei ſenkt und hebt. Auch können durch Verſchieben der rechten oder der linken Zugſtränge nach den Mitten der Ortſcheite ſchmalere und breitere Pflugſtreifen erzielt werden. 78 III. Bodenbearbeitung. als das Rad, welches auf dem ungepflügten Lande geht, oder es muß jedes Rad eine beſondere Achſe erhalten(Fig. 38). Bei den Rädern iſt noch auf die neuerdings oft verwendeten„ſtaubſichern Naben“ auf⸗ merkſam zu machen. 2. Die Sterzen dienen zur Führung des Pfluges; zwei Sterzen erleichtern dieſelbe mehr als eine. Sie werden aus Holz oder Eiſen angefertigt, in letzterem Falle aber mit hölzernen Griffen verſehen, um das Anfaſſen bei kalter Witterung zu ermöglichen. Die Verbindung durch Spreizen unterſtützt eine Sterze durch die andere, ſo daß man beide ſchwächer und leichter herſtellen kann. Leichtes Aufheben beider Sterzen läßt die Scharſpitze ſich vorübergehend ſenken, alſo den Pflug vorübergehend tiefer, ein leichter Druck auf beide Sterzen den Pflug vorübergehend flacher gehen. Leichter Druck auf die linke und An⸗ heben der rechten Sterze bewirken vorübergehend eine ſchmalere, leichter Druck auf die rechte und Anheben der linken Sterze größere Furchenbreite. ℳ 52. Die Pflugarbeit. 1. Die Arbeiten, welche mit dem Pfluge ausgeführt werden, ſind a) das Lockern, b) das Wenden und das Miſchen des Bodens, c) das Unterbringen von Stoppeln, Dünger und Saat und d) die Ver⸗ tilgung der Unkräuter. 2. Die Arbeitsweiſe des Pfluges iſt die, daß das Sech den Erdſtreifen(Pflugſtreifen) ſenkrecht, die Schar ihn wagerecht abſchneidet und das Streichbrett ihn umwendet. Bei einem guten Pfluge muß die Schar den Pflugſtreifen genau wagerecht abtrennen, da ſonſt lauter Kämme ſtehen bleiben und die Grenze zwiſchen Ackerkrume und Unter⸗ grund undeutlich wird. Das Streichbrett hat a) das Lockern oder Krümeln des Pflugſtreifens zu bewirken. Indem nämlich derſelbe von dem gewundenen Streichbrett gehoben wird, bekommt er eine gekrümmte Lage, ſo daß ſeine untere Länge größer werden muß als die obere(Fig. 39 b). Da der Pflugſtreifen aber nicht elaſtiſch iſt, ſo wird er hierbei auf der unteren Seite geſpalten und gelockert. b) Mit dem Wenden des Pflugſtreifens iſt auch ein Miſchen der Erdteilchen der Ackerkrume verbunden, da die Pflugſtreifen nicht ganz gewendet und flach umgelegt, ſondern ſchräg geſtellt werden (Fig. 39 a). So ſchichtet ſich z. B. die Grasnarbe dabei ſchräg zwiſchen den Pflugſtreifen durch die ganze Ackerkrume durch. c) Mit dem Umwenden des Pflugſtreifens kann ein Unterbringen von Stoppeln, Dünger oder Saat verbunden werden. d) Die Vertilgung der Unkräuter erfolgt teilweiſe durch Abſchneiden der Wurzeln, teilweiſe durch Bedecken der Unkraut⸗ T n n C. Die Bodenbearbeitung. 79 pflanzen mit Erde. Unter Umſtänden bringt man auch die Samen der Unkräuter flach mit dem Pfluge unter, um ſie zum Keimen zu veranlaſſen und ſie dann mit der Egge zerſtören zu können. 3. Nach der Arbeitsweiſe des Pfluges unterſcheiden wir Flach⸗ wender und Steilwender. Pflüge mit langem, flach gewundenem Streichbrett(Flachwen⸗ der, Fig. 37) wenden ſehr gut, lockern aber wenig; Pflüge mit ſtei⸗ lem, kurz gewundenem Streichbrette(Steil⸗ wender, Fig. 40), be⸗ ſonders die mit ganz ſteil aufgerichtetem Streichbrette verſehenen a b Fig. 39. Arbeitsweiſe des Pfluges böhmiſchen Ruchadlos, lockern ſehr gut, wenden aber weniger gut. Im übrigen pflegt man auf ſchwerem Boden um des leichteren Ganges willen mehr die Flachwender, auf leichtem Boden die Steil— wender zu benutzen. Ferner werden beim„Stürzen“ der Stoppeln und dem Unterpflügen von Dünger mehr die gut wendenden Flach⸗ wender, bei der letzten Furche vor der Saat aber die gut lockernden Steilwender ge— braucht. Für jeden Boden iſt eine beſondere Windung des Streichbrettes geeignet; eine falſche Windung macht ſich dadurch be⸗— merkbar, daß es ungleich abgenutzt 8 Fig. 40. Steilwender. und an der am ſtärkſten angegriffe nen Stelle durchgerieben wird. 4. Bei der Ausführung der Pflugarbeit iſt a) der Feuchtig⸗ keitszuſtand des Bodens, b) die Richtung der Pflugfurche und c) die Zahl der zu einer Frucht in Anwendung gebrachten Wieder⸗ holungen der Pflugarbeit(Zahl der Pflugfurchen) zu beachten. a) Je nach dem Feuchtigkeitszuſtande nennt man den Boden entweder naß oder feucht oder trocken. Schwerer Boden bildet, in 80 III. Bodenbearbeitung. naſſem Zuſtande gepflügt, große zuſammenhängende Schollen und iſt für längere Zeit dadurch verdorben; nach dem Austrocknen geſtattet er das Pflügen wegen zu großer Härte überhaupt nicht. Auf leichtem Boden begünſtigt das Pflügen im naſſen Zuſtande das Wachstum der Quecke, im trocknen Zuſtande das vollſtändige Austrocknen. Man ſoll daher ſtets nur bei mäßiger Feuchtigkeit pflügen. b) Die Richtung der Pflugfurche iſt inſofern wichtig, als der Pflug beſſer arbeitet, wenn die Richtung jeder folgenden Pflugarbeit quer zu der Richtung der vorhergehenden geht; auch mit den Eggſtrichen ſollen die Pflugfurchen in der Richtung abwechſeln. Jede folgende Richtung braucht mit der vorhergehenden nicht rechte Winkel zu bilden, ſondern es können auch ſpitze Winkel ſein. c) Die Zahl der zu einer Frucht gegebenen Pflugfurchen hängt von dem Boden, der Witterung und der Frucht ſelbſt ab. Der bindige Boden muß öfter bearbeitet werden, während der leichte dadurch zu loſe wird. Ungünſtige Witterung(früher Winter, lange Näſſe oder lange Dürre) hindert oft am Pflügen und verringert die Zahl der Furchen. Gewiſſe Pflanzen wünſchen einen loſen, oft bearbeiteten Boden vorzufinden, während andere das nicht lieben. Manchmal muß das Pflügen im Frühjahr vor der Saat unterbleiben, da viele Pflanzen zur Keimung ſtarker Feuchtigkeit bedürfen, und da der Landwirt daher dem Boden die„Winterfeuchtigkeit“ erhalten muß. § 53. Der Beetpflug; der Mehrſcharer; das Beet- pflügen; das Bälken. 1. Der Beetpflug beſitzt einen nach rechts wendenden Pflugkörper und wirft daher den Pflugſtreifen ſtets nach rechts, beim Umkehren alſo nach der anderen Himmelsrichtung. Das Sech kann fehlen; ferner kann der Beetpflug als Schwing⸗, Stelz⸗ und Karrenpflug gebaut ſein. 2. Der Mehrſcharer unterſcheidet ſich von dem gewöhnlichen Pfluge oft durch das Fehlen einer Sohle, an deren Stelle ein Räder⸗ geſtell die Pflugkörper trägt(Fig. 41). Das Einſtellen des Mehr⸗ ſcharers auf beſtimmte Furchentiefe— beſonders beim flachen Pflügen— iſt infolgedeſſen genauer. Ein zweiter Unterſchied bezieht ſich auf die Anzahl der Pflugkörper. Der Mohrſcharer geht ſo viel leichter als der Beetpflug, daß man, um die Kraft der Pferde beſſer auszunutzen, mehrere Pflugkörper anbringt. Bei ſolchen Mehrſcharern, welche aus⸗ ſchließlich zum flachen Pflügen dienen, bei Schäl⸗ und Saatpflügen, wird die Anzahl der Pflugkörper bis auf vier erhöht. 3. Das Beetpflügen wird mit dem Beetpfluge oder Mehr⸗ ſcharer ausgeführt und zwar derart, daß immer eine beſtimmte gleiche C. Die Bodenbearbeitung. 81 Zahl von Furchen zu einem Beete zuſammengelegt wird. In der Mitte bleibt ein ſchmaler Landſtreifen ungepflügt, an welchen ſich von rechts und links die erſten Pflugſtreifen anlehnen(Fig. 42). Zwiſchen zwei Beeten entſteht die Beet⸗ furche. An beiden Enden des Feldes müſſen Streifen anfänglich ungepflügt bleiben, die zum Umkehren dienen und zuletzt als be⸗ ſondere Querbeete(Vor⸗ gewende, Anwand) gepflügt werden. Es gibt breite (12 m breite) bis ſchmale (4 m breite) und ganz ſchmale(1 m breite), Bifänge genannte Beete. Die Vorteile der X△ Beetkultur liegen im ſchnel)—* len Abtrocknen, Durch⸗ lüften und Erwärmen des Bodens im Frühjahr, ſowie im ſchnellen Abtrocknen nach jedem Regen. Ihnen ſtehen folgende Nachteile Fig. 41. Mehrſcharer. gegenüber. Durch die Beet⸗ furchen geht nutzbare Ackerfläche verloren. Der mittelſte Landſtreifen eines jeden Beetes wird nicht gepflügt. Die Beete trocknen in der Mitte ſchneller ab, als in den Furchen. Bei Schneetreiben bleibt der Rücken des Beetes ſchneefrei und leidet durch Froſt, während der Schnee ſich in den Furchen ſammelt und dort erſt ſpäter als in der Mitte auftaut. Die Anwendung von Ma⸗ ſchinen wird erſchwert. Bei ſehr ſchwerem Fig. 42. Beetpflügen. und naſſem Boden werden die Vorteile überwiegen, im anderen Falle wird die Beetkultur un⸗ zweckmäßig ſein. Bei der Durchführung der Beetkultur ſiſt auf ein Abwechſeln zwiſchen Zuſammenpflügen und Auseinanderpflügen zu achten, um die übermäßige Erhöhung der Mitte der Beete und die übermäßige Vertiefung der Furchenſtreifen zu verhüten. Droyſen⸗Giſevius. Ackerbau. 6. Auflage. 6 82 III. Bodenbearbeitung. 4. Das Bälken oder Halbpflügen kommt mit dem Beetpfluge ſo zur Ausführung, daß immer abwechſelnd ein Pflugſtreifen ungepflügt bleibt, der zweite aber gepflügt und auf den ſtehenbleibenden gelegt wird. Der Zweck des Bälkens iſt der, im Winter den Froſt ſtärker auf Ackerkrume und Untergrund einwirken zu laſſen und im Frühjahr ein ſchnelleres Abtrocknen herbeizuführen. Da dieſe Pflugarbeit für A⁴ WMM MMNMʒ WMY 2 MMh 2 2 3 4₰ ˙5 5 ¶ϑ 3 2 1 5 ⁴. 3 2 1 1 2 3 4 5 Fig. 43. Auseinander⸗ und Zuſammenpflügen. die Zugtiere ſehr beſchwerlich wird, ſo wendet man ſie nur auf ſchwerem und naſſem Boden und zwar nur ſelten an. § 54. Der Kehrpflug.— Das Ebenpflügen. 1. Der Kehr⸗, Wechſel⸗ oder Zwillingspflug beſitzt in einer beſten Bauart zwei geſonderte Pflugkörper, von denen der eine arbeitet, während der andere darüber in der Luft ſteht. Beide ſind drehbar an einer Achſe befeſtigt, welche die Verlängerung des Grindels bildet.¹) Ein Hebel ſtellt nach jedesmaligem Wechſel die Pflugkörper wieder feſt. Ein Pflug⸗ körper wirft die Erde nach rechts, der an⸗ dere nach links. 2. Bei dem Eben⸗ pflügen wird jede Furche an die vorher⸗ gehende nach derſelben Himmelsrichtung gelegt, Fig. 44. Kehrpflug. ſo daß eine vollſtändig ebene Fläche entſteht. Gegenüber dem Beetpflügen hat das Ebenpflügen die Vorteile, daß die Ackerkrume durchweg durchgearbeitet wird, daß keine Bodenfläche durch Beetfurchen unnütz verloren geht und daß die Anwendung von Maſchinen nicht erſchwert wird. Den Nachteil ſchwieriger Ab⸗ ¹) Jeder anders konſtruierte Kehrpflug, bei dem ein Pflugkörper ſo um⸗ geſtellt werden kann, daß er bald nach rechts, bald nach links wirft, arbeitet unvollkommen, da das Streichbrett nicht ſo gewunden werden kann, daß es die Erde gut nach rechts und nach links wendet. Vereinzelt baut man neuer⸗ dings den Kehrpflug auch als Kipppflug, dem Dampfpflug ähnlich, doch erhöht dieſe Bauart naturgemäß den Preis. — C. Die Bodenbearbeitung. 83 wäſſerung muß man abgeſehen von Drainage— durch richtig und in genügender Zahl hergeſtellte Waſſerfurchen zu beſeitigen ſuchen. Bei dem Ebenpflügen unterſcheiden wir a) das Rundpflügen, b) das Figurenpflügen und c) das Kehrpflügen. a) Das Rundpflügen wird mit dem Beetpfluge oder dem Mehrſcharer in der Weiſe ausgeführt, daß man am Rande des Feldes mit dem Pflügen beginnt, die Erde nach der Grenze zu wirft und ſo an der Grenze entlang pflügt, dann an den erſten Pflugſtreifen einen zweiten legt und ſo fort bis zur Mitte. An jeder Ecke hält man an, bevor die Pferde den ſchon gepflügten Acker betreten, hebt den Pflug aus und ſetzt ihn an der nächſten Seite des Feldes neu ein. Die bei dieſem Umkehren entſtehenden ungepflügten Streifen werden am Schluß als diagonale Querbeete gepflügt(Fig. 45 a). Fig. 45. Rund⸗ und Figurenpflügen. b) Dem Figurenpflügen geht das Abſtecken einer Figur in der Mitte des Ackerſtückes voraus. Auf jeder Seite werden zwei Senk⸗ rechte errichtet und alle Senkrechten gleich lang gemacht(Fig. 45b). Hierauf kennzeichnet man die Endpunkte derſelben durch Stangen und verbindet ſie durch gerade Furchen, welche man bis zum Schnitt(in A, B, C und D) verlängert. Die ſo erhaltene Figur(AB CD) wird als Beet ausgepflügt, wonach man— an irgend einem Punkte am Rande derſelben beginnend— um ſie herumpflügt. Die letzte Furche muß gerade am Rande des ganzen Ackerſtückes entlang gehen, da die Streifen zwiſchen der Figur und der Grenze des Ackerſtückes überall gleich breit ſind. Die Ecken der Figur(AB CD) können, um ein wieder⸗ holtes Abſtecken zu vermeiden, durch Steine oder Eichenpfähle für lange Zeit gekennzeichnet werden. Ackerſtücke mit ſehr vielſeitiger Umgrenzung zerlegt man dabei zweckmäßig in mehrere Teile. Um in der Mitte oder am Rande des Ackerſtückes nicht eine Vertiefung, beziehungsweiſe eine 6* 84 III. Bodenbearbeitung. Erhöhung entſtehen zu laſſen, müſſen Rundpflügen und Figurenpflügen — ähnlich wie beim Beetpflügen das Auseinander- und Zuſammen⸗ pflügen— miteinander abwechſeln. c) Das Kehrpflügen wird mit dem Kehrpfluge ſo ausgeführt, daß man, an einer Seite beginnend, Furche an Furche legt, die an beiden Enden beim Umkehren ungepflügt bleibenden Streifen —— X aber zum Schluß als Querbeete auspflügt. Beſonders zweck⸗ — mäßig iſt das Kehrpflügen, bei D y— abhängigem Gelände(Fig. 46). Würde man hier in Beeten pflügen und dieſelben zur Erleichterung der Zugtiere wagerecht legen, ſo müßte die Hälfte der Pflugſtreifen berg⸗ auf gewendet werden, eine Anforderung, die auch der beſte Pflug nicht erfüllt. Die Beete müßten daher bergauf gelegt werden, worunter die Zugtiere ſehr leiden würden. Das Kehrpflügen hingegen geſtattet, die Querbeete ausgenommen, das Arbeiten in wagerechter Richtung. Fig. 46. Kehrpflügen. § 55. Der Doppelpflug.— Das Doppelpflügen. 1. Der Doppelpflug gleicht dem Beetpfluge, nur iſt an dem Grindel an Stelle des Sechs oder außer Sech und Pflugkörper noch ein kleinerer Pflug⸗ körper, die ſoge⸗ nannte Schälſchar, befeſtigt. Bei der Arbeit gehen beide Pflugkörper in einer Pflugfurche; die Schälſchar ſchält den Fig. 47. Doppelpflug. oberen Teil des Erd⸗ ſtreifens ab und wirft ihn in die vorher aufgezogene Furche, der große Pflugkörper legt den Reſt des Erdſtreifens, ihn bis zur vollen Tiefe der Ackerkrume aushebend, darüber. 2. Das Doppelpflügen wird mit dem Doppelpfluge oder mit zwei Beetpflügen ausgeführt, deren erſter flach geſtellt iſt und deren zweiter, bis zur vollen Tiefe der Ackerkrume geſtellt, in derſelben Furche geht. Der Zweck des Doppelpflügens kann ein zweifacher ſein. Einer⸗ ſeits ſollen bei leichtem Boden Stoppelreſte und Pflanzennarbe tiefer C. Die Bodenbearbeitung. 85 untergebracht und einer kräftigeren Verwitterung zugeführt werden; andererſeits ſollen Unkrautwurzeln und Unkrautſamen mit einer mög⸗ lichſt tiefen Erdſchicht bedeckt werden, um ihr Aufkommen zu erſchweren. Das Doppelpflügen wendet man beſonders bei dem Pflügen der Klee⸗, Erbſen⸗ oder Wickenſtoppel vor der Herbſtſaat an. § 56. Der Häufel- pflug; der Haken. Das Kammpflügen. 1. Der Häufel⸗ pflug unterſcheidet ſich Fig. 48. Häufelpflug. von dem Beetpfluge durch. eine dreieckige, doppelſchneidige Schar, an welche ſich zwei Streich⸗ bretter, je eins rechts und links, anſchließen. Die flügelartigen Teile der beiden Streichbretter ſind oft in Scharnieren beweglich, Fig. 49. Der Haken. ſo daß man den Pflug auf breitere oder ſchmalere Arbeit einſtellen kann. Die Stellvorrichtung geſtattet hiernach auch nur eine Ein⸗ ſtellung auf Furchentiefe. 86 III. Bodenbearbeitung. 2. Der Haken beſitzt, ähnlich dem Häufelpfluge, eine dreieckige, doppelſchneidige Schar. Das Streichbrett wird durch die ſehr ver⸗ breiterte Griesſäule gebildet. Der Haken beſitzt gewöhnlich nur eine Sterze. Wird die Sterze bei der Arbeit ſchräg nach rechts oder links gehalten, ſo wirft der Haken den Erdſtreifen nach rechts, beziehungs⸗ weiſe nach links, ſo daß ſich der Haken als Kehrpflug benutzen läßt. Hält der Pflüger die Sterze aufrecht gerade, ſo wirkt der Haken wie ein Häufelpflug. Der Haken kann nie ſo gut und leicht arbeiten, wie ein guter Beet⸗, Kehr⸗ oder Häufelpflug, da ſeine Schar und die an Stelle des Streichbretts tretende Griesſäule nie eine ebenſo zweckmäßige Windung und Form beſitzen können, wie die Pflugkörper jener. Ferner ſtellt der Haken ſo hohe Anforderungen an die Geſchicklichkeit und Kraft des Pflügers, wie ſie der Arbeiter auf dem Lande von Jahr zu Jahr weniger zu erfüllen geneigt iſt. 1¹) 3. Das Kammpflügen geſchieht mit dem Beetpfluge, dem Häufelpfluge oder dem Haken und hat den Zweck, bei Reihenpflanzung die Ackerkrume an den von den Pflanzen eingenommenen Stellen zu deren beſſeren Ernährung höher zuſammenzuhäufen. Die Pflanzen werden dadurch zu ſtärkerer Wurzelbildung und zutreffenden Falles zu ſtärkerer Knollenbildung angeregt. Bei ſehr trockenem Klima iſt die Gefahr zu beachten, daß die Kämme leichter austrocknen, daher man dann den„Flachbau“ dem„Kammbau“ vorzieht. § 57. Das Schälpflügen. Das Schälpflügen wird mit dem Mehrſcharer(Fig. 41, S. 81), im Notfalle mit dem Beetpfluge ausgeführt und beſteht darin, daß nur die oberſte Schicht der Ackerkrume flach gepflügt wird. Mit dem Schälpflügen kann ein doppelter Zweck verbunden werden. Einerſeits ſchält man Stoppel⸗ oder abgeweidete Futter⸗ felder, um die Wurzelſtöcke der Unkräuter oder Futter⸗ pflanzen zu durchſchneiden und ſo die abgeſchnittenen Stengelreſte zum ſchleunigſten Abtrocknen und Abſterben zu bringen, nachdem man ſie durch nachfolgendes Auseggen von Erde befreit hat. Ein anderer Zweck des Schälpflügens bezieht ſich auf die Fähigkeit des Bodens, das Waſſer aus dem Untergrunde in die Höhe zu ſaugen, und zwar um ſo mehr, je feſter der Boden iſt. Iſt die Ackerkrume feſt, ſo ſteigt das Waſſer leicht bis zur Erdoberfläche auf und ver⸗ ¹) Mehrfach verſuchten Fabriken die Einführung beſonderer Kamm⸗ former, bei denen quer über dem Grindel ein Querbalken befeſtigt iſt, an welchem mehrere Häufelpflugkörper angebracht ſind. Das ſchwierige Lenken und die bei feſterem Boden erforderliche größere Zugkraft hinderten deren all⸗ gemeine Verbreitung. C. Die Bodenbearbeitung. 87 dunſtet ſtark, ſo daß bald Mangel an Feuchtigkeit und ein Erhärten der Ackerkrume Platz greifen. Wird aber dieſe oberſte Bodenſchicht gut gelockert, ſo kann das Waſſer nur bis zu dieſer und nicht bis zur Erd— oberfläche aufſteigen. Es verdunſtet nicht ſo ſchnell, der Boden bleibt daher feucht und erhärtet nicht. Das Schälen erſetzt alſo, wenn ein Boden ſchon locker iſt, vollſtändig das Pflügen bis zur vollen Tiefe der Ackerkrume. Wichtig iſt darum, nach dem Abernten nicht erſt ein ſchon nach wenigen Tagen eintretendes Hartwerden des Bodens abzuwarten, ſondern den Acker ſo ſchnell wie möglich zu ſchälen. § 58. Der Untergrundpflug.— Das AUntergrund- pflügen, Spatpflügen und Gabeln. 1. Der Untergrundpflug(Wühlpflug, Fig. 50) iſt ein beſonders ſtark gebauter Häufelpflug, welchem die Streichbretter fehlen, ſo daß derſelbe den Untergrund nur lockert und nicht mit der Ackerkrume miſcht. (Vergl.§ 43, S. 65.) Wie wir Schar und Streichbrett regel⸗ mäßig trennen, ſo können wir die Spitze der Schar bei Untergrund⸗ pflügen auch noch durch einen beſonderen Meißel bilden. 2. Ein von Zeit zu Zeit mit dem Untergrundpfluge vor⸗ Fig. 50. Untergrundpflug. genommenes Untergrund⸗ pflügen ſoll den Untergrund für tiefwurzelnde Gewächſe lockern, ohne ihn mit der Ackerkrume zu miſchen. Da es neben der Bearbeitung der Ackerkrume noch Kraft beanſprucht, ſo pflegt man es nur da anzuwenden, wo reiche Ernten oder Ernten beſonders wertvoller Früchte(z. B. der Zuckerrübe) in Ausſicht ſtehen, oder wo ſchwerer Boden im Untergrunde das Auflockern dringend erwünſcht erſcheinen läßt. 3. Das Spatpflügen wird mit Beetpflügen und Spaten, das Gabeln mit Beetpflügen und Grabgabeln in der Weiſe ausgeführt, daß der Beetpflug die Ackerkrume bearbeitet, und in ſeiner Furche mehrere Arbeiter mit Spaten oder Gabeln den Untergrund lockern. Soll dadurch in Ermangelung eines Untergrundpfluges nur das Unter⸗ grundpflügen erſetzt werden, ſo muß eine Vermiſchung von Ackerkrume und Untergrund vermieden bleiben. § 59. Der RKajolpflug.— Das Rajolpflügen. Der Rajolpflug iſt ein beſonders ſtark gebauter Beetpflug, der ſo tief geſtellt werden kann, daß er eine größere Schicht des Unter⸗ grundes mit der Ackerkrume miſcht. 88 III. Bodenbearbeitung. Das Rajolpflügen wird nur ſelten bei der Anlage von Gärten und Hopfenpflanzungen vorgenommen und ſetzt eine beſonders ſtarke Düngung, womöglich mit Kompoſt, voraus.— § 60. Die Egge. Die Hauptteile der Egge ſind: die Zugvorrichtung(Kraft⸗ maſchine), der Eggrahmen(Übertragungsmaſchine) und die Eggzinken (Arbeitsmaſchine). 1. Die Zugvorrichtung iſt ein einfacher Zughaken, da es der Einſtellung auf Arbeitsbreite überhaupt nicht, der auf Arbeitstiefe nur ausnahmsweiſe bedarf. Iſt eine ſolche erwünſcht, ſo kann die Arbeits⸗ tiefe durch Verlängerung der 1 Zugſtränge vermehrt, durch Ver⸗ kürzung vermindert werden. Bei mehreren nebeneinander vereinig⸗ ten Eggen beſteht die Zugvor⸗ V I V f f richtung aus einem gemeinſamen Zugbaum, an deſſen Mitte der J Zughaken befeſtigt iſt(Fig. 52 b) und an welchen die„Eggfelder“ 5 3 4—— angehängt werden. “ 2. Der Eggrahmen be⸗ ſteht im allgemeinen aus den Eggbalken und den Schienen Fig. 51. Rechteckeggen. oder Riegeln. Der Form nach unterſcheidet man drei Arten des Eggrahmens, den der Rechteck⸗, der Rhomboidal⸗ und der Zickzackegge. Die Rechteckegge läßt ſich von einem Rechteck um⸗ grenzt denken, die Rhomboidalegge von einem Rhomboid, bei den Zickzackeggen nimmt der Rahmen Zickzackform an. Abgeſehen von dem Einfluß des Materials iſt der Rechteckrahmen der Form nach ſicher der feſteſte und für einzeln zu verwendende Eggen der beſte. Wenn wir dagegen mehrere Eggen hinter einem gemeinſamen Zugbalken vereinigen, ſo läßt ſich bei Rechteckrahmen der Anſchluß der Eggſtriche der zweiten Egge an die der erſten ſchwer erzielen; man wählt dann aus dieſem Grunde die dieſen Übelſtand beſeitigenden Rhomboidal— und Zickzackeggen. Die Rahmen der Rechteckeggen werden aus hartem Holze, die der Rhomboidaleggen aus Holz oder Eiſen, die der Zickzack— eggen aus Eiſen gefertigt. 3. a) Die Zinken werden etweder aus hartem Holz oder aus Eiſen hergeſtellt. Erſtere wendet man nur auf leichtem, letztere auch auf ſchwerem Boden an. Der Querſchnitt iſt bei hölzernen Zinken gewöhnlich rund, bei eiſernen quadratiſch, vereinzelt auch röhrenförmig. 4 C. Die Bodenbearbeitung. 89 Bei viereckigem Querſchnitt wird die Eggzinke ſo geſtellt, daß eine ſcharfe Kante nach vorn zeigt. Die Lage zum Eggbalken iſt entweder ſenkrecht oder ſchräg. Im letzteren Falle beſitzt die Egge zwei Zughaken an entgegengeſetzten Seiten. Werden die Pferde ſo an dem einen Zughaken vorgelegt, daß die Zinken ſchräg nach vorn ſtehen, ſo faßt die Egge das Un⸗ kraut im Boden ſchärfer und arbeitet tiefer, als wenn die Pferde am anderen Zughaken vor⸗ gelegt werden und die Zinken ſchräg nach hinten ſtehen. b) Die Befeſti⸗ gung der Zinken im Eggbalken erfolgt in verſchiedener Weiſe. Hölzerne Zinken werden einfach in die Löcher des Eggbalkens ge⸗ ſchlagen und durch einen von oben eingetriebenen Keil befeſtigt(Fig. 53 a). Eiſerne Zinken erhalten, wenn ſie einfach in die Löcher des Eggbalkens eingeſchlagen werden ſollen, an den vier Kanten Widerhaken, durch welche das Her⸗ ausfallen verhindert werden ſoll(b). Da bei einfachem Ein⸗ b ſchlagen die Zinken leicht Fig. 52. Rhomboidal⸗ und Zickzackegge. locker werden und ver— loren gehen oder bei erneuertem Einſchlagen ungleich lang werden, ſo erhalten ſie bei einer dritten Befeſtigungsart dicht unter dem Eggbalken eine ringförmige Verſtärkung, während oberhalb des Balkens die Be⸗ 90 III. Bodenbearbeitung. feſtigung durch eine Schraubenmutter erfolgt(c). Man erreicht dadurch zugleich die größeſte Leichtigkeit des Auswechſelns bei dem Bruch einer Zinke. Eine andere Befeſtigung erfolgt in der Weiſe, daß neben der Befeſtigung durch Widerhaken an jedem Balkenende ein Nagel ein⸗ geſchlagen und an jeder Zinke oben eine Oſe angeſchmiedet iſt. Durch die Oſen der Zinken wird ein Drahtende gezogen und an den Nägeln befeſtigt, ſo daß ein Herausfallen der Zinken unmöglich iſt(d). Fig. 53. Zinkenbefeſtigung. c) Die Verteilung der Zinken auf den ganzen Rahmen wird in der Weiſe geordnet, daß jede Zinke ihre beſondere Rille zieht (Fig 51 u. 52) und die Rillen die gleiche Entfernung voneinander haben, ferner daß die benachbarten Zinken auf möglichſt voneinander ent⸗ fernte Eggbalken verteilt ſind. Hierdurch wird einerſeits eine gute und gleichmäßige Arbeit erzielt und andererſeits das Verſtopfen durch Wurzeln und Erdklumpen vermieden. 4. Vereinzelt wendet man auch die Aeme⸗Egge(Fig. 54) an, die aus der Deichſel, dem Querſtück und ge⸗ wundenen Meſſern, ſowie einem Führer⸗ ſitze beſteht. Die Neigung der Deichſel 3 läßt ſich durch einen Hebel regeln, ſo Fig. 54. Aeme⸗Egge. daß man die Meſſer nach Belieben ſteiler ſtellen kann. Die Arbeit beſteht mehr in einem„Bodenwenden“, und dieſe Egge iſt daher da geeignet, wo die miſchende Wirkung wichtig wird, ſo beim Unterbringen künſtlichen Düngers, zum Miſchen von Kompoſt mit der Wieſen⸗Oberkrume, weniger zum Lockern des leicht verkruſteten Bodens. § 61. Die Eggarbeit auf dem Acker. 1. Die Arbeit der Egge beſteht a) in dem Krümeln, b) dem Kruſtebrechen, c) dem Ebnen des Bodens, d) der Reinigung von Un⸗ kräutern, e) der Unterbringung der Saat und f) dem Verdünnen einer aufgelaufenen Saat. — C. Die Bodenbearbeitung. 91 a) Das Krümeln des Bodens(beſonders das Schollenbrechen) wird durch den Stoß oder Schlag der Zinken, nicht durch ein lang⸗ ſames Durchſchneiden bewirkt. Dieſer Stoß oder Schlag wird durch die ſpringende oder ſchlängelnde Bewegung der Egge noch verſtärkt. Weſentlichen Einfluß hat dabei die Geſchwindigkeit der Zugtiere;. je ſchneller ſich dieſelben bewegen, um ſo ſchärfer wird das Springen und Stoßen der Egge. Will man daher große, feſte Schollen krümeln, ſo iſt es zweckmäßig, die Pferde lieber weniger Stunden am Tage, aber womöglich im Trabe eggen zu laſſen, während die anderen Eggarbeiten im Schritt ausgeführt werden können. Da mehrere Pferde ſich neben⸗ einandergeſpannt gegenſeitig behindern, und da die einzelnen Eggfelder bei gegenſeitiger Verbindung ſich in dem freien Springen aufhalten, ſo iſt es am beſten, möglichſt die Pferde einzeln vor einzelne Eggen zu ſpannen. b) Das Kruſtebrechen geſchieht im Frühjahr bei Weizen⸗ und Roggenfeldern, ſowie ſpäter bei aufgehenden Kartoffeln, um für Luft und Waſſer ungehinderten Zutritt zum Boden zu verſchaffen. c) Das Ebnen des Bodens erfolgt vor jeder neuen Pflugfurche vor dem Markieren, wie vor dem Ausſtreuen der Saat. d) Das Reinigen des Ackers von Unkräutern wird durch Auseggen der Wurzeln und der unterirdiſchen Stengel erzielt, ſowie dadurch, daß die auflaufenden Unkräuter durch das Eggen in ihrem Wachstum geſtört werden. e) Bei der Ausſaat wird nach voraufgehendem Ebnen des Bodens die Saat ausgeſtreut und nun durch Eggen eingebracht. f) Ein Verdünnen aufgelaufener Saat durch ſcharfes Eggen findet z. B. bei Stoppel⸗ rüben ſtatt, da deren Samen ſo fein iſt, daß er ſich nicht dünn genug ſäen läßt. 2. Die Arten des Eggens ſind das Rund⸗ und das Längs⸗ eggen. a) Bei dem Rundeggen gehen die Pferde fortwährend im Kreiſe um den Führer herum, deſſen Einſicht es überlaſſen wird, jede Stelle nach Bedarf öfter mit der Egge zu überziehen. Abgeſehen von der zunehmenden Unzuverläſſigkeit der Arbeiter hat das Rundeggen den Nachteil, daß das äußerſte Pferd einen größeren Kreis und einen weiteren Weg macht, als das nächſte und ſo fort. b) Das heute all⸗ gemein angewendete Längseggen beſteht darin, daß das Feld ſtreifen⸗ weiſe, an einer Seite entlang beginnend, mit der Egge überfahren wird, worauf einzelne Stellen nach Bedarf am Schluß der Arbeit nochmals übereggt werden, auch das ganze Ackerſtück mehrmals— bei jedem Strich in anderer Richtung— ganz geeggt werden kann. c) Bei ſchmalen, langen Parzellen wendet man auch das Kreuzen an, indem man von einer Langſeite ſchräge zur andern und ſchräge zur erſten zurück und ſo fort eggt, dann Eggſtrich an Eggſtrich fügt, wobei dieſe ſich kreuzen und jede Stelle zweimal geeggt wird. 92 III. Bodenbearbeitung. 3. Der Feuchtigkeitszuſtand des Bodens kommt, wie bei dem Pflügen, ſo auch bei dem Eggen in Betracht, inſofern naſſer Boden dadurch verſchmiert wird und inſofern zu trocken und hart gewordene Schollen ſich nicht mehr zerkleinern laſſen. § 62. Die Ackerſchleife.— Das Schleifen. 1. Die Ackerſchleife(Fig. 55) beſteht aus zwei Reihen vier⸗ kantiger Hölzer, die zweckmäßig unten mit Eiſen beſchlagen und durch Kettenglieder untereinander und mit der Zugſtange verbunden ſind. An derſelben ſind zwei ungleich lange, bis zum Zughaken gehende Kettenenden befeſtigt, welche den Hölzern bei der Ar⸗ beit eine ſchräge Lage er⸗ teilen. Je nach dem Boden hat man die Anzahl und das Gewicht der Hölzer zu wählen. 2. Bei der Arbeit hinterläßt die Ackerſchleife den Boden in fein ge⸗ krümeltem und gut geeb⸗ netem Zuſtande. Gegen⸗ über dem Eggen hat das . Schleifen den Vorteil, daß Fis. 35. Allerſchleiſe. gar keine Schollen ent— ſtehen, und daß der Acker bei der Saatbeſtellung für die Saat daher weit beſſer vorbereitet erſcheint.(Die Leiſtung der 2,5 m breiten Akkerſchleife iſt bei zwei Pferden 25 Morgen täglich.) Der Zeitpunkt muß aber für das Schleifen vor beginnender Verkruſtung viel genauer abgepaßt werden, als für das Eggen.. § 63. Dornſchleife; Wieſenegge; Eagarbeit auf Wieſen. 1. Die Dornſchleife oder Dornegge beſteht aus einem hölzernen Eggrahmen, welcher mit Dornen oder ſtark veräſteltem Strauchwerke durchflochten iſt. Sie wird erforderlichen Falles durch Holzkloben oder durch den darauf ſtehenden Führer ſelbſt beſchwert. 2. Die Wieſenegge, Gelenk⸗ oder Gliederegge, unterſcheidet ſich von der gewöhnlichen Egge vornehmlich durch den Rahmen, welcher C. Die Bodenbearbeitung. 93 aus vielen einzelnen, durch Gelenke oder durch Ketten verbundenen Gliedern beſteht. Dieſe Einrichtung ſoll den Zinken eine gewiſſe Ge⸗ lenkigkeit erteilen und es ihnen möglich machen, zwiſchen den Gras⸗ horſten in den Boden einzudringen, denſelben zu lockern und das Moos herauszuholen. Für die Zugvorrichtung wird hierdurch vorn ein Zugbaum erforderlich. Man muß auch hinter den Egggliedern, um Fig. 56. Dornſchleife. ein Zuſammenrollen derſelben zu verhindern, oft noch einen Stab zum Spannen der Egge anbringen. 3. Die Eggarbeit auf Wieſen hat den dreifachen Zweck: den Boden an ſeiner Oberfläche zu lockern, die Maulwurfshügel ein⸗ zuebnen und das Moos zwiſchen den Graspflanzen herauszuholen. Die Ausführung der Arbeit erfolgt mit der gewöhnlichen Egge, der Dornſchleife oder der Wieſenegge. Die ge⸗ wöhnliche Egge benutzt man in der Weiſe, daß man die Pferde vor einen Vorder⸗ wagen ſpannt und an dieſem mit Ketten zwei gewöhnliche 5 Eggen anbringt. Hierdurch Fig. 57. Wieſenegge. ſchont man die Pferde, deren Bruſt ſonſt bei dem ſtarken Springen gewöhnlicher Eggen auf Wieſen leiden würde. § 64. Der Krümmer.— Arbeit desſelben. 1. Der Krümmer(Grubber, Furchenigel, Exſtirpator, Skarifi⸗ kator, Kultivator) beſteht aus Zugvorrichtung, Rahmen und Zinken. a) Die Zugvorrichtung beſteht aus einem Zughaken, der manch⸗ mal noch mit einer Stellvorrichtung zur Einſtellung des Tiefganges verbunden iſt. b) Der hölzerne oder eiſerne Rahmen iſt bei kleinen Krümmern dreieckig, bei großen trapezförmig. Bei größeren Krümmern ruht der Rahmen in der Regel auf Rädern; in dieſem Falle geſtattet ein Hebel 94 III. Bodenbearbeitung. das genaue Einſtellen auf Tiefgang(Fig. 58b), oft ſelbſt während des Ganges. c) Die Zinken ſind ſtarken Eggzinken ähnlich, aber nach vorn gebogen. Sie werden bei kleinen Krümmern mit Schraube und Mutter, bei großen ähnlich wie das Radſech(Fig. 34, S. 75) befeſtigt. Die Zinken ſind an der Spitze oft mit auswechſelbaren Scharen verſehen, ſo daß je nach deren Form und Breite die Arbeit verſchieden ausfallen kann. Neuerdings finden ‚Feder⸗ zinken“ vielfach Verwendung, 8 4 ſn die aus ſehr gutem Feder⸗ 1lhh ſtahl gefertigt und mit ſchmalen dal, 2 l Scharen bewehrt den Kulti⸗ 5 vator ſehr leichtzügig machen, auch bei dem Herausnehmen von Quecken ſehr gute Dienſte leiſten(Fig. 58c). Der Krümmer ſteht bezüglich ſeiner Wirkung, wie nach ſeinem Bau, zwiſchen Pflug und Egge. Die Zinken lockern den Boden tiefer als die der Egge, vermögen auch bei flacher Einſtellung und bei der Wahl breiter Schare die Stoppeln zu ſchälen, können den Boden aber nie⸗ mals wenden. 2. Die Arbeit des Krümmerrs beſteht in der Lockerung des Bodens, der Be⸗ A ſeitigung von Unkräutern oder im Schälen. Zum Lockern Jid ud. Krümmer(Gruhher). verwendet man ihn, wenn man ein Miſchen des Bodens nicht mehr beabſichtigt, dieſen aber vor der Saat noch tiefer lockern möchte, als es die Egge geſtattet. Der Krümmer hat dann die größere Arbeits⸗ breite(1 m) vor dem Pfluge und eine größere Arbeitstiefe vor der Egge voraus. Unter Umſtänden kann man in Ermangelung eines Untergrundpfluges ſtarke Krümmer auch zum Lockern des Untergrundes — — 4 C. Die Bodenbearbeitung. 95 benutzen; man muß dann aber möglichſt ſpitze und ſchmale Schare wählen, um ja die Grenze zwiſchen Untergrund und Ackerkrume zu ſchonen(§ 43, S. 65). Zum Beſeitigen von Unkräutern wendet man den Krümmer an, ſobald es ſich um ſogenannte Wurzelunkräuter, z. B. Quecke, handelt, die mit ſeiner Hilfe aus dem Acker entfernt werden. Zum Schälen gebraucht man in Ermangelung eines Schäl⸗ pfluges den Krümmer mit breiten Scharen, eggt die Stoppelreſte heraus und pflügt ſie nach dem Abwelken unter, um ſo eine ſchnelle und leichte Beſtellung der Felder vor der Herbſtſaat zu erzielen. Zum Unter⸗ bringen der Saat eignet ſich der Krümmer nicht, da er die Körner zu einer ſehr ungleichen Tiefe unterbringt. § 65. Die Walze. 1. Bei der Walze unterſcheiden wir a) die Zugvorrichtung, b) den Walzenrahmen und c) den Walzenklotz. a) Die Zugvorrichtung beſteht bei größeren Walzen aus einer Deichſel, bei kleinen Walzen aus dem Zughaken. Fig. 59. Dreiteilige Klotzwalze. b) Das Material zur Herſtellung des Walzenrahmens kann Holz oder Eiſen ſein. Bei hölzernen Walzenrahmen iſt es zweckmäßig, wenigſtens die Lager der Klotzzapfen aus Metall anzufertigen. Der Bauart nach können die Walzenrahmen ein⸗- oder mehrteilig(gewöhn— lich dreiteilig) ſein. Dreiteilige Walzen(Fig. 59) haben vor einteiligen (Fig. 60) den Vorzug, daß ſie ſich, da der Rahmen etwas gelenkig iſt, beſſer der Erdoberfläche anſchmiegen, ſo wie ſie auch das Umkehren er⸗ leichtern. Häufig wird auf dem Rahmen ein Kaſten zum Beſchweren der Walze durch Steine oder Erde angebracht. Oft beſitzt der Rahmen Zapfen, an welchen zum Transport auf Straßen Fahrräder ange⸗ bracht werden können(Fig. 60). c) Der Walzenklotz kann in einfacher oder doppelter Anzahl (d. h. ein Klotz hinter dem anderen)(Fig. 60) vorhanden ſein, wonach wir einfache und doppelte Walzen unterſcheiden. Nach der Form des 96 III. Bodenbearbeitung. Walzenklotzes unterſcheidet man Schlichtwalzen, Leiſtenwalzen und Schollenbrecher. 2. a) Der Klotz der Schlichtwalze oder„glatten Walze“ kann aus Holz, Eiſen oder Stein gefertigt werden. Steinwalzen werden ſtets einteilig, hölzerne und eiſerne Schlichtwalzen oft mehrteilig gefertigt. Eiſerne Walzenklötze können hohl gebaut und ſo ein⸗ gerichtet werden, daß man ſie, Froſttage aus⸗ genommen, zum Beſchweren mit Waſſer füllen kann. Des leichteren Ganges und der beſſeren Wirkung halber iſt es gut, den Durchmeſſer des Walzenklotzes nicht unter 40 cm zu wählen. b) Hölzerne Leiſtenwalzen werden dadurch hergeſtellt, daß man auf einer hölzernen Schlichtwalze dreikantige Lei⸗ ſten der Länge nach mit Nägeln befeſtigt. Bei eiſernen Leiſten⸗ walzen oder Ringelwalzen beſteht der Wal⸗ zenklotz aus einer Welle, auf wel⸗ cher eine Anzahl eiſerner Scheiben mit zugeſchärften Kanten(Ringe) ſitzt. An der doppelten Ringelwalze greifen behufs beſſeren Reinhaltens die ſcharfen Kanten des einen Klotzes in die Vertiefungen des andern Klotzes ein. Bei Fig. 60. Doppelte einteilige Ringelwalze. Fig. 61. a Stachelwalze; b Kombinierte Croskill⸗Cambridge⸗Walze⸗ —Q—Q—’-õ— C. Die Bodenbearbeitung. 97 doppelten Ringelwalzen pflegt man einen zweiten Walzenrahmen vorrätig zu halten, um zwei einfache Ringelwalzen daraus herſtellen zu können. c) Hölzerne Schollenbrecher oder Stachelwalzen ſtellt man her, indem man eine hölzerne Schlichtwalze mit eiſernen Stacheln ver⸗ ſieht(Fig. 61 a). Eiſerne Schollenbrecher ähneln den Ringelwalzen und unterſcheiden ſich von denſelben nur dadurch, daß der zugeſchärfte Rand der Ringe nicht rund, ſondern in zackigen Spitzen geformt iſt (Cambridgewalze). Oft läßt man je einen Ringelwalzenring mit einem Stachelring abwechſeln oder auch einen Ring mit Seitenfortſätzen (Croskillwalzenring) mit einem Stachelring, wie bei der vorzüglich arbeitenden kombinierten Croskill⸗Cambridge⸗Walze(Fig. 61 b). § 66. Die Arbeit der Malze. 1. Der Zweck des Walzens kann a) das Zuſammendrücken, b) das Ebnen des Bodens, c) das Kruſte⸗, d) das Schollenbrechen, e) das Andrücken feiner Sämereien ünd f) das Andrücken aufgefrorener Pflanzen ſein. 2. a) Das Zuſammendrücken des Bodens erfolgt mit der Schlicht- oder mit der Leiſtenwalze, ſobald für gewiſſe Pflanzen, z. B. für Hafer, der Boden zu loſe geworden iſt. Es wird dadurch auch das Aufſaugen der Feuchtigkeit aus dem Untergrunde(§ 32, S. 49) erleichtert. Ganz beſonders nötig wird das Feſtwalzen nach dem Unter⸗ pflügen von Gründüngung, um das Aufſteigen der Feuchtigkeit aus dem Untergrund durch die Dungſchicht bis zur Ackerkrume zu fördern. Das Zuſammendrücken loſen Bodens führen wir nach der Herbſtſaat vor Winter gern mit einer Leiſtenwalze aus, da die kleinen zurück⸗ bleibenden Kämme den Schnee in erwünſchter Weiſe auf dem Acker haften laſſen. b) Das Ebnen des Bodens mit der Glatt⸗ oder Schlichtwalze wendet man vor der Drillſaat, oft auch vor dem Markieren des Feldes und dem Auspflanzen von Pflanzen an. Die Steinwalze kommt auch bei dem Ebnen von Wieſen durch Hineindrücken von Kämpen zur Verwendung. c) Das Kruſtebrechen erfolgt nach Bedarf mit Hilfe der Schlicht- oder der Leiſtenwalze, während d) zum Schollenbrechen Ringelwalze und Schollenbrecher dienen. Zu beachten iſt dabei, daß nach dem Schollenbrechen mit der Walze das Feld nicht wieder geeggt werden darf, da viele Schollen nicht ſowohl zerdrückt, ſondern vielmehr nur in die Erde eingedrückt ſind und durch die Egge wieder heraus⸗ geholt werden. e) Das Andrücken feiner Sämereien, welche eine Unter⸗ bringung nicht geſtatten, erfolgt mit der Schlicht⸗ oder der Leiſtenwalze, Droyſen⸗Giſevius. Ackerbau. 6. Auflage. 7 98 III. Bodenbearbeitung. um dem Samen die Bodenfeuchtigkeit leichter zugänglich zu machen. Ein ſeichtes Unterbringen kann mit dieſem Andrücken bei Verwendung der doppelten Ringelwalze verbunden ſein, indem die von dem erſten Walzenklotz gemachten Kämme durch den folgenden geſpalten werden. f) Das Andrücken von Pflanzen geſchieht bei aufgefrorenen Saaten mit Hilfe der Schlicht- oder der Leiſtenwalze. Bei ſtarkem Froſt hebt ſich naſſer, beſonders der leichte humoſe und der torfige Boden, da das Waſſer ſich beim Gefrieren ausdehnt. Hierbei reißen die Wurzeln der mit der Erde gleichzeitig angehobenen Pflanzen, während dieſe beim Auftauen nicht wieder mit einſinken, ſondern oben liegen bleiben. Das Andrücken aufgefrorener Saaten ſoll durch innige Be⸗ rührung der Pflanzen mit der Erde ein Verwelken hindern und die Neubewurzelung fördern. pao SruoogRs No, Rewowir2 Fig. 62. Schollenbrecher. 3. In Hinſicht auf den Feuchtigkeitszuſtand des Bodens iſt mäßige Feuchtigkeit erwünſcht, da der Boden bei Näſſe an der Walze haftet und beſonders die Ringelwalzen und Schollenbrecher ver⸗ klebt, da andererſeits bei Trockenheit Kruſte und Schollen ſich nicht mehr zerdrücken laſſen. § 67. Die Dampfkultur. 1. Die Dampfpfluglokomotive iſt eine auf Feld und Straßen ſelbſtändig ſich fortbewegende Straßenlokomotive, welche unter dem Keſſel eine auf ſenkrechter Welle aufſitzende Trommel trägt, auf der ein langes Drahtſeil auf- und abgewickelt werden kann. 2. Der Dampfpflug iſt ein Kipppflug und erſpart dadurch das Umwenden. Er kann mit mehr oder weniger zahlreichen und großen Pflugkörpern verſehen ſein. 3. Andere Geräte, welche von der Dampfpfluglokomotive be⸗ wegt werden können, ſind die Dampfegge und der Dampfgrubber, C. Die Bodenbearbeitung. 99 die ihrer großen Breite wegen ſich aber ſchlecht als Kippgerät anordnen laſſen und daher jedesmal beim Umkehren voll umwenden müſſen. 4. a) Das Zweimaſchinenſyſtem verwendet zwei Lokomotiven, welche auf zwei gegenüberliegenden Seiten des Feldes aufgeſtellt werden. Fig. 63. Dampfpfluglokomotive. Während die eine das Gerät durch Aufwickeln des Seils auf die Trommel an ſich zieht, läßt die andere das Seil von ihrer Trommel Fig. 64. 3ſchariger Kippdampfpflug für Tiefkultur von J. Fowler. ablaufen, benutzt aber die Pauſe dazu, um eine doppelte Arbeitsbreite des Geräts vorzurücken. Die Lokomotiven wechſeln in dieſer Weiſe bis zur Beendigung der Arbeit ab. b) Bei dem Einmaſchinenſyſtem tritt an die Stelle der einen Lokomotive ein Ankerwagen, von dem aus das Seil über eine be⸗ ſonders aufgeſtellte Eckrolle zur allein vorhandenen Lokomotive zurück⸗ kehrt und dort auf einer zweiten Seiltrommel unter dem Keſſel 7* 100 III. Bodenbearbeitung. aufgewickelt wird. Der Ankerwagen wird durch ſcheibenförmige, tief einſinkende Räder gegen ein ſeitliches Verſchieben geſchützt und kann außerdem mit Hilfe einer beſonderen Vorrichtung durch das Drahtſeil nach Belieben vorwärts bewegt werden. Er rückt nun abwechſelnd Fig. 65. Zweimaſchinenſyſtem. Fig. 66. Einmaſchinenſyſtem. mit der Lokomotive vor, und abwechſelnd wird durch Aufrollen des Seils auf die eine oder die andere Seiltrommel der Lokomotive das Gerät hin⸗- und hergezogen. c) Bei dem umkreiſungsſyſtem verwendet man an Stelle der Dampfpfluglokomotive eine gewöhnliche Lokomobile a, welche den C. Die Bodenbearbeitung. 101 Windeapparat b in Bewegung ſetzt. Derſelbe enthält zwei Seiltrommeln, die unabhängig voneinander in Betrieb geſetzt werden können. Während eine derſelben das Seil aufwickelt, läßt es die andere ablaufen. Durch Führungs⸗ und Eckrollen(c, d, e, f) wird das Seil ſo geleitet, daß es das Gerät g wie bei den anderen Syſtemen hin und her bewegen kann. Bei dem Unkrei⸗ ſungsſyſtem ſind die Anſchaffungskoſten bedeutend kleinere, doch geht viel Kraft nutzlos durch die Reibung des Seils verloren. 5. Die Dampf⸗ kultur macht ſich nur auf großen Flächen bezahlt, ge⸗ ſtattet aber eine tiefe Bearbeitung des 4 Bodens und wird Fig. 67. Umkreiſungsſyſtem. beſonders viel bei Zuckerrübenbau verwendet, da hier die Mehrernte an wertvollen Rüben die Anſchaffung lohnt.(Die Verwendung des elektriſchen an Stelle des Dampfpfluges befindet ſich noch im Stadium des Verſuchs.) § 68. Die Waſſerfurchen. 1. Der Zweck der Waſſerfurchen iſt die Ableitung überflüſſigen Regen⸗ und Schneewaſſers. Die Ableitung überſchüſſiger Feuchtigkeit iſt nicht nur bei ſtehenden Saaten, ſondern behufs Erzielung der Gare auch auf jedem brachliegenden Felde erforderlich, daher jede Pflugarbeit mit der Herſtellung von Waſſerfurchen ſchließen ſoll. Dieſelben können auch bei Beetbau nur dann durch die Beetfurchen erſetzt werden, wenn dieſe die Richtung haben, in welcher das Waſſer abfließt. 2. Die Herſtellung der Waſſerfurchen erfolgt in der Regel mit dem Häufelpfluge, worauf man an ungünſtigen Stellen mit dem Spaten nachhilft. Die Ränder der Waſſerfurchen werden, damit ſie das Ablaufen des Waſſers nicht hindern, mit dem Rechen abgeharkt. Da die Beſtimmung der Zahl und Lage der Waſſerfurchen viel Geſchick und Überlegung erfordert, ſoll der Wirtſchaftsleiter ſie durch Vor— ſchreiten vor dem Häufelpfluge ſelbſt angeben und dabei folgendes be achten: Die Entfernung der Waſſerfurchen iſt ſo zu wählen, daß jede nur eine zuläſſige Waſſermenge abzuleiten hat, daß alſo keine über⸗ 102 IV. Die Düngung. laſtet wird. Häufig wird man aus dieſem Grunde nicht nur durch eine tiefe Stelle, ſondern zugleich um ſie herum Furchen führen. Von der Richtung der Waſſerfurchen hängt auch ihr Gefälle ab. Sie ſollen ein ſtetiges, aber mäßiges und möglichſt gleichmäßiges Gefälle haben, um einerſeits ein Stehenbleiben des Waſſers, andererſeits Aus⸗ riſſe zu vermeiden. Auf abhängigen Feldern gibt man ihnen darum nicht die Richtung des Hauptgefälles, ſondern legt ſie ſchräg(diagonal) zu demſelben oder gibt ihnen eine ſchlangenförmige Windung.(Das Syſtem ſich kreuzender, in zwei Richtungen abwärts laufender Waſſer⸗ furchen auf abhängigen Feldern iſt als„Altenburger Syſtem“ bekannt.) Das Ende der Waſſerfurchen ſchließt an einen Graben oder an Wieſen an. Münden Waſſerfurchen vor Querbeeten(Vorgewenden), ſo ſind ſie durch dieſelben hindurchzuführen, um ein Anſtauen des Waſſers zu verhüten. 3. Nach dem Auftauen des Schnees, ſowie nach heftigem Regen muß eine Ausbeſſerung der Waſſerfurchen mit dem Spaten erfolgen. IV. Die Düngung. § 69. Die Erfatzquellen der Pflanzennährſtoffe. Durch die Ernte wird dem Vorrat des Bodens an Pflanzen⸗ nährſtoffen jährlich ein Teil ſeines Beſtandes entzogen. Der Erſatz hierfür wird a) zum Teil aus der Luft aeliefert, unmittelbar durch die Aufnahme des Kohlenſtoffs als Kohlenſäure(§ 7, S. 19) durch die Blätter, mittelbar durch Aufnahme des Stickſtoffs durch die Wurzeln auf dem Umwege über den Boden. Weiteren Erſatz(Aſchenbeſtand⸗ teile) liefert b) die verwitternde Ackerkrume, zum Teil auch c) der Untergrund, aus welchem ſowohl die aufſteigende Bodenfeuchtigkeit Stoffe in die Ackerkrume hinaufbringt, als auch tiefgehende Wurzeln Stoffe unmittelbar entnehmen. Bei Bewäſſerungen kann auch d) das zufließende Waſſer große Mengen von Pflanzennahrung zuführen. Dieſe Erſatzquellen genügen jedoch erfahrungsgemäß nicht, ſobald wir Jahr für Jahr normale Ernten zu erhalten wünſchen, ſo daß wir ge— zwungen werden, e) die Düngung als weitere Erſatzquelle hinzu— zufügen. i A. Stalldünger. 103 § 70. Wirkung und Einteilung des Düngers. 1. Die Wirkung des Düngers kann eine bodenverbeſſernde und eine pflanzenernährende ſein. Bodenverbeſſernd wirkt der Dünger, indem er durch ſeine Maſſe und durch die Humusbildung ſchweren Boden lockerer, aber auch den Sand bindiger macht. Ferner macht hitziger Dünger durch Einleitung geſteigerter chemiſcher Tätigkeit den ſchweren, feuchten und kalten Boden wärmer, während feuchter Dünger die un⸗ nötig ſtarke chemiſche Tätigkeit des trockenen und des kalkhaltigen Bodens herabmindert. Endlich regt er auch durch Einleitung von Umwandlungsvorgängen den Boden zur Bildung von Pflanzennahrung an. Pflanzenernährend wirkt der Dünger unmittelbar durch Erſatz notwendiger Stoffe. 2. Nach der Wirkung und dem Nährſtoffgehalt kann die Ein⸗ teilung des Düngers in Univerſaldünger und einſeitigen Dünger vorgenommen werden. Als Univerſaldünger iſt a) der tieriſche oder Stalldünger und b) der pflanzliche oder Gründünger an⸗ zuſehen, inſofern dieſelben ſowohl eine bodenverbeſſernde als pflanzen⸗ ernährende Wirkung haben, und inſofern alle Pflanzennährſtoffe— wenn auch nicht alle in großer und genügender Menge— durch ſie erſetzt werden. Als einſeitiger Dünger iſt a) der Kunſtdünger inſofern zu betrachten, als er nur eine und zwar pflanzenernährende Wirkung hat, und als durch ihn dem Boden nicht alle Pflanzennährſtoffe, ſondern nur einzelne erſetzt werden. Hierher gehören auch b) die indirekten Düngemittel, welche nicht ernährend wirken, ſondern den Boden nur zu ſtärkerer chemiſcher Tätigkeit anregen. Wir unterſcheiden alſo: A. Stalldünger, 3. Gründünger, z. künſtlichen Dünger, ). indirekten Dünger. 1. Univerſaldünger 2. einſeitigen Dünger A. Stalldünger. § 71. Beſtandteile und Arten des Stalldüngers. 1. Der Stalldünger iſt ein Gemenge der feſten und der flüſſigen tieriſchen Auswurfſtoffe mit der Streu. a) Die feſten Auswurfſtoffe beſtehen aus den nicht verdauten Beſtandteilen der Nahrung neben gewiſſen Mengen von Ausſcheidungen des tieriſchen Körpers(wie Galle, Schleim ꝛc. Unverdaulich bezw. 104 IV. Die Düngung. ſchwer verdaulich ſind: Zelluloſe, Pflanzenfarbſtoffe, Pflanzenwachs, Korkſtoff, Kieſelſäure und die Verbindungen der Phosphorſäure mit Kalzium, Eiſenoxyd und Magneſium). Der Wert der feſten tieriſchen Ausſcheidungen als Erſatzquelle für Pflanzennährſtoffe beruht zu einem großen Teile auf ihrem Gehalt an Phosphorſäure. b) Die flüſſigen Auswurfſtoffe ſtellen die vom Körper ge⸗ und verbrauchten Beſtandteile und die meiſten löslichen Mineralſtoffe der Nahrung dar, wie Kalium, Natrium, Kalzium, Magneſium, Chlor, Schwefelſäure und Phosphorſäure, dieſe freilich, mit Ausnahme des Schaf⸗- und Schweineharns, nur in Spuren. Neugebildet findet man Harnſtoff, Harnfarbſtoff und Hippurſäure, welche bei ihrer Zerſetzung Ammoniak, kohlenſaures Ammonium und Milchſäure liefern. Der Wert der flüſſigen Ausſcheidungen beruht hauptſächlich auf ihrem Gehalte an Stickſtoff, an zweiter Stelle auf dem an Kalium. c) Einſtrenmittel werden ſowohl im Intereſſe der Tiere wie des Düngers den Auswurfſtoffen zugeſetzt. Sie haben entweder a) eine mechaniſche Wirkung, indem ſie 1. den Tieren ein reines und warmes Lager geben, und indem ſie 2. den Dünger vermehren, ſeine Behandlung erleichtern und die Jauche aufſaugen, oder ſie wirken b) konſervierend auf die ſonſt ſich verflüchtigenden Stoffe ein. 2. Die Einteilung der Stalldungarten wird zweckmäßig nach den Tieren getroffen, von welchen ſie herſtammen. Je nach der trockneren oder naſſeren, je nach der beſſeren oder geringeren Beſchaffen⸗ heit des Futters jeder Tiergattung richtet ſich nämlich auch die der Aus⸗ wurfſtoffe, wie auch bei Tieren einer und derſelben Art der Dünger je nach der beſſeren oder ſchlechteren Fütterung verſchieden ausfällt. Wir teilen hiernach den feſten Dünger in zwei Gruppen ein: a) in trocknen und hitzigen¹) und b) in feuchten und kalten Dünger. Zu den trockenen Düngerarten gehören der Schaf⸗ und der Pferde⸗ dünger. Sie zerſetzen ſich ſchnell und machen den Boden gut tätig, ſind aber in ihrer Wirkung nicht nachhaltig. Man bringt ſie daher gern auf naſſe und kalte Böden, um dieſe zu verbeſſern, die vorſchnelle Zerſetzung des trockenen Düngers aber zu mildern. Zu den feuchten Düngerarten gehören der Rinder⸗ und der Schweinedünger. Sie zerſetzen ſich langſam, halten in ihrer Wirkung aber lange an und ¹) Die Eigenſchaft,„hitzig“ zu ſein, führte man früher auf den hohen Stickſtoffgehalt zurück; jetzt glaubt man, daß das tatſächlich maſſenhafte Vor⸗ kommen von ſalpeterſäurezerſtörenden Bakterien zur ſchnellen Zerſetzung der Stickſtoffverbindungen führt, und daß die Pflanzen daher nur unter den ſtarken Stickſtoffverluſten leiden, nach Stickſtoff hungern(verbrennen). A. Stalldünger. 105 werden darum gern auf leichten warmen Böden verwendet, in denen zwar ihre Zerſetzung beſchleunigt wird, ſie aber doch länger wirken, als die trockenen Düngerarten. § 72. Das Ziel der Düngerbehandlung. 1. Die Aufgabe des Landwirtes iſt es, den Dünger vor Verluſten an flüſſigen und an flüchtigen Stoffen zu ſchützen. a) Die Verluſte an flüſſigen Stoffen, d. h. an der ſich im Stalldung bildenden Jauche, betreffen alle leicht löslichen Pflanzen⸗ nährſtoffe, beſonders Phosphorſäure, Kali und Stickſtoff. b) Bei den flüchtigen Stoffen ſtrebt man vor allem die Verhütung von Stickſtoffverluſten an, da einerſeits der Stickſtoff in den künſtlichen Düngemitteln ſehr teuer iſt(1,00— 1,20 M. pro Kilo⸗ gramm) und da andererſeits die Stickſtoffverbindungen ſehr leicht zerſetzlich zu ſein pflegen und bei ihrer Zerſetzung flüchtige ſtickſtoffhaltige Körper und freien flüchtigen Stickſtoff bilden. Ein beſondere Rolle ſpielen bei dem Umlaufe des Stickſtoffs gewiſſe Bakterien. Darunter befinden ſich ſolche, welche ſtickſtoff⸗ haltige organiſche Subſtanz unter der Bildung von Salpeterſäure zer⸗ ſetzen, die ſalpeterſäurebildenden Bakterien“, und ſolche, welche die Salpeterſäure wiederum in die flüchtigen Körper Ammoniak und freien Stickſtoff verwandeln, die„ſalpeterſäurezerſtörenden Bak⸗ terien“. Die Pflanzen nehmen den Stickſtoff nur in der Form von Salpeterſäure auf; darum müſſen wir danach ſtreben, die Entwickelung der ſalpeterſäurebildenden Bakterien möglichſt zu fördern, dagegen die der ſalpeterſäurezerſtörenden zu hemmen, da dieſelben die Stickſtoffauf⸗ nahme ſchmälern und da ſie nur Stickſtoffverluſte herbeiführen. Die Entwickelung aller nicht ſalpeterbildender Bakterien wie auch der bei ſtarkem Luftzutritt üppig wuchernder Schimmelpilze bringt übrigens noch den großen Nachteil mit ſich, daß leicht lösliche Stickſtoffverbindungen in ſchwer lösliche übergeführt werden, da jene Lebeweſen des Stickſtoffs zum Aufbau ihres Leibes bedürfen. 2. Die Mittel zur Verhütung von Verluſten an flüſſigen und flüchtigen Stoffen ſind a) die Einſtreu, b) die zweckmäßige Einrichtung der Ställe und der Düngerſtätten und c) die richtige Behandlung des Düngers. § 97. Die Einſtreu. 1. Die Einteilung der Einſtreumittel läßt ihrer Wirkung (§ 71, 1. c) nach a) die mechaniſch und b) die konſervierend wirkenden unterſcheiden. 106 IV. Die Düngung. 2. A. Die mechaniſch wirkenden Einſtreumittel, bei denen die mechaniſche Wirkung die Hauptſache iſt, ſind das Stroh und ſeine Erſatzmittel. a) Das am häufigſten angewendete Einſtreumittel iſt das Ge⸗ treideſtroh und zwar hauptſächlich das Winterhalmſtroh, während wir das Sommerhalmſtroh ſeines höheren Nährſtoffgehaltes wegen lieber verfüttern. Auch das Stroh anderer Kulturpflanzen wird, wenn man es nicht verfüttern kann, zur Einſtreu verwendet. Bei knappem Strohvorrat iſt es ratſam, das Streuſtroh behufs ſeiner beſſeren Aus⸗ nützung(in Länge von 25 cm) zu häckſeln. b) Im Bedarfsfalle nimmt man auch Teile wildwachſender Pflanzen, wie Laub, Nadeln, ſeltener Heidekraut, Moos, Seegras, ſoweit man derſelben habhaft werden kann. c) Andere Erſatzmittel des Strohs ſind Sägeſpäne, Torfſtreu, Torf und Erde. Aus faſerigem Moostorf wird nach vorangegangener Trocknung und nach Zerreißen desſelben mit beſonderen Geräten(Reißwolf) die Torfſtreu, durch Abſieben aber das in Torf⸗ ſtühlen verwendete Torfmull gewonnen. Auch der Torf muß vor ſeiner Verwendung getrocknet ſein. Torfſtreu¹) und Torf beſitzen eine gewiſſe Abſorptionskraft für gebundenen Stickſtoff(in der Form von Ammoniakh). Die Güte dieſer Einſtreumittel beſtimmt man nach der Fähigkeit, Dungflüſſigkeit aufzuſaugen, ſowie nach ihrer Zerſetzungs⸗ fähigkeit. Torfſtreu, faſeriger Torf und Stroh ſtehen nach beiden Richtungen hin obenan. Sägeſpäne ſaugen zwar große Mengen von Flüſſigkeit auf, ſind aber ſchwer zerſetzlich. Waldſtreu, d. h. Laub und Nadeln, ſaugen wenig auf und zerſetzen ſich ſchwer. Humusarme Erde muß des geringen Aufſaugungsvermögens halber in großen Maſſen an⸗ gewendet werden. 2. B. Die konſervierend wirkenden Einſtreumittel. Durch die Zerſetzung der feſten und flüſſigen Auswurfſtoffe geht einerſeits infolge der Wirkung humuszerſetzender Bakterien ein Teil der organiſchen Subſtanz und infolge der Tätigkeit der ſalpeterſäurezerſtörenden Bakterien eine ſehr bedeutende Menge des wert⸗ vollen Stickſtoffs in Form von flüchtigem Ammoniak und ebenfalls flüchtigem freiem Stickſtoffe verloren. Nimmt man an, daß ein Rind jährlich 360 Ztr. Dünger liefert, ſo verliert derſelbe ohne Konſervierungsmittel ungefähr 31% Trockenſubſtanz, das heißt rund 1125 kg organiſche Subſtanz und 17 kg Stickſtoff im Werte von zuſammen 33 M. Durch die Anwendung konſervierend wirkender Einſtreumittel ſuchen wir darum einmal dem ¹) Torfſtreu kann auch ohne Schaden für die Tiere mit 2— 3% Schwefelſäure verſetzt angewendet werden, um die Erreger anſteckender Seuchen abzutöten. Bei Ankauf von Torfſtreu iſt auf genügenden Trockenheitsgrad zu achten. A. Stalldünger. 107 Verluſte an organiſcher Subſtanz(Düngermenge), ſodann vor allem der Tätigkeit der ſalpeterſäurezerſtörenden Bakterien vorzubeugen, wie drittens die trotzdem noch ſich bildenden flüchtigen Stickſtoffverbindungen (Ammoniakh chemiſch zu binden. a) Bedeckt man den Dünger mit Erde, ſo iſt der Verluſt an Düngermaſſe und Trockenſubſtanz faſt ebenſo groß wie ohne Be— deckung, es iſt aber der bei der Zerſetzung leicht ſich verflüchtigende Stickſtoff vollſtändig erhalten und in die von den Pflanzen ſofort aufnehmbare Salpeterſäure umgewandelt. Dieſe Umwandlung erfolgt durch die in der Erde vorhandenen ſalpeterſäurebildenden Bakterien. Hierbei wird ein ſehr kräftig und ſchnell wirkender Dünger erzeugt. Da aber das Bedecken mit Erde nicht immer ausführbar iſt, z. B. nicht bei dem Liegenlaſſen des Düngers im Stalle, ſo bedienen wir uns dann der folgenden konſervierend wirkenden Einſtreumittel. b) Der Superphosphatgips wird als Abfall bei der Fabrikation der Doppelſuperphosphate gewonnen, neuerdings in den Düngemittel⸗ fabriken auch beſonders hergeſtellt und verdient die Beachtung der Landwirte, obwohl er dem Dünger leicht eine ſehr trockene Beſchaffen⸗ heit verleiht. Wird der Stalldünger mit Superphosphatgips behandelt, der (60%) Gips und(6— 12%) freie Phosphorſäure enthält, ſo wird durch die ſaure Beſchaffenheit der entſtehenden Löſung die Lebenstätig⸗ keit der humuszerſetzenden Bakterien und damit der Verluſt an organiſcher Maſſe(22,5%) etwas eingeſchränkt; es findet ferner die Stickſtoff⸗ menge keine Abnahme und iſt teils in Form von Ammoniak, teils in Form von Salpeterſäure vorhanden, da die Tätigkeit der ſalpeterſäure⸗ zerſtörenden Bakterien behindert und das Ammoniak durch die freie Phosphorſäure gebunden wird. Ein ſolcher Dünger wird auch ſehr ſchnell wirken und für einen etwas ſchweren und humusarmen Boden am geeignetſten ſein. In Jauche hängt man den Superphosphatgips in einem mit Stroh ausgelegten Korbe ein.(Für ein Rind verwendet man täglich ½ bis 1 kg.) Jedoch muß der Superphosphatgips reich an freier Phosphorſäure ſein. Enthält er hiervon wenig, ſo wirkt er kaum beſſer als der viel billigere c) Gips, deſſen Anwendung heute nicht mehr ſo empfohlen werden kann, weil er zwar einen Teil des kohlenſauren Ammoniums bindet, die Tätigkeit der humuszerſetzen⸗ den und ſalpeterſäurezerſtörenden Bakterien aber nicht behindert. d) Iſt Superphosphatgips nicht zu billigem Preiſe zu haben, oder iſt wegen der weiten Entfernung der Fabrik der Transport zu teuer, ſo kann man auch Superphosphat einſtreuen. Da Super⸗ phosphat⸗Phosphorſäure aber nur ſo viel Stickſtoff binden kann, als Superphosphatgips⸗Phosphorſäure, ſo muß man hiernach die tägliche 108 IV. Die Düngung. Gabe berechnen.(Im allgemeinen iſt ſie in kg angegeben die gleiche wie bei Superphosphatgips, da Superphosphat ½ mal ſo viel Phos⸗ phorſäure zu enthalten pflegt.) e) Miſcht man den Dünger mit Staßfurter Abraumſalzen, vor allem mit Kainit, ſo iſt der Verluſt an Trockenſubſtanz nur gering (12%; ſie üben alſo in hohem Grade eine wirklich konſervierende Wirkung auf den Stallmiſt aus. Der Stickſtoff bleibt völlig er⸗ halten, zum Teil in Form von gebundenem Ammoniak, außerdem als Salpeterſäure, in letzterer Form aber nicht ſo viel wie bei Anwendung von Superphosphatgips. Auf leichten, humusarmen Böden, in denen ſich der Dünger ſchnell zerſetzt, iſt die Anwendung der Kaliſalze als Einſtreumittel für den Dünger am vorteilhafteſten.(Für ein Rind iſt ½ kg davon erforderlich.) Bei der Anwendung der Kaliſalze im Stalle iſt jedoch inſofern Vorſicht geboten, als ſie den Hufen und den Eutern der Tiere ſchaden können. Wird der Dünger täglich aus dem Stalle ent— fernt, ſo ſetzt man die Salze lieber auf der Dungſtätte zu oder, wenn er längere Zeit im Stalle liegen bleibt, kurz vor dem Einſtreuen von Streuſtroh, um eine unmittelbare Berührung mit den Körperteilen der Tiere zu vermeiden. Ein anderer Nachteil iſt der, daß der hohe Chlorgehalt(eigentlich Chlornatrium- oder Kochſalz⸗Gehalt) ungünſtig auf Kartoffeln wirkt. Zu dieſen bringt man den Dünger daher einige Monate vor der Beſtellung des Feldes in den Boden, damit das Chlor, für welches der Boden kein Abſorptionsvermögen hat, durch die Feuchtig⸗ keit in den Untergrund geſpült wird. 1 Es trifft dieſes aber nur für leichte Bodenarten zu, während bindige Acker das Chlor weit länger in der Ackerkrume zurückhalten. Es iſt daher zu empfehlen, bei Sandböden höchſtens die Hälfte der Einſtreumittel in Form von Kainit, die andere Hälfte in Form von Superphosphatgips dem Dünger zuzu⸗ ſetzen, in bindigen Lehmböden aber höchſtens 1½ an Kaliſalzen zu verwenden. f) Bei der großen Zerſetzlichkeit der Jauche wendet man für ſie auch Schwefelſäure und Phosphorſäure gemiſcht in flüſſiger Form an. Eine derartige aus der Fabrik bezogene Miſchung wird von Zeit zu Zeit in die Jauchegrube gegoſſen, indem man auf 100 Liter Jauche 5 Liter der Miſchung rechnet. Neben ihrer ammoniakbindenden Wirkung zerſtören die Säuren vor allem diejenigen Bakterien, welche die Salpeterſäure wieder in freien Stickſtoff umzu⸗ wandeln imſtande ſind. Selbſtverſtändlich erfordert die Handhabung der gefährlichen giftigen Flüſſigkeit größte Vorſicht. Dem feſten Stalldünger ſetzen wir alſo Superphosphat⸗ gips, Superphosphat oder Abraumſalze, der Jauche phosphor⸗ ſäurehaltige Schwefelſäure oder Superphosphatgips zu.(Von P —— ☛α,=———== ◻—= A. Stalldünger. 109 den für ein Rind genügenden Mengen nimmt man für ein Pferd die Hälfte, für ein Schwein ein Viertel und für ein Schaf ein Zehntel.) Bei allen konſervierend wirkenden Einſtreumitteln muß der Landwirt beſtrebt ſein, ſie dem täglich neu gewonnenen Dünger möglichſt bald zuzuſetzen, da ſonſt in der Zwiſchenzeit ſchon ſehr erhebliche Verluſte entſtehen können. § 74. Der Stalldünger im Ftalle. 1. Obwohl durch ein tägliches Ausfahren und Unter⸗ pflügen Verluſte am beſten vermieden werden, ſo iſt dasſelbe doch wirtſchaftlich unmöglich, da einerſeits die betreffenden Ackerſtücke oft mit Pflanzen beſetzt und daher nicht zugänglich ſind, und da anderer⸗ ſeits durch die damit verbundene Arbeit andere Arbeiten geſtört würden. Wir müſſen daher den Stalldünger entweder im Stall oder auf der Dungſtätte aufbewahren und dabei möglichſt vor Verſchlechterung hüten. 2. a) Der Vorteil der Aufbewahrung im Stalle liegt darin, daß der Dünger vor äußeren ſchädlichen Einflüſſen, ſo vor Waſſerzufluß und Auslaugen, bewahrt wird. Ferner treten die Tiere den Dünger feſt und hindern damit das völlige Austrocknen und den übermäßigen Luftzutritt, während gleichzeitig der Dünger durch die Jauche gleichmäßig feucht erhalten wird. Je kleiner oder enger die Zwiſchen⸗ räume nämlich ſind, um ſo mehr Flüſſigkeit, d. h. Jauche kann der Dünger feſthalten(Haarröhrchenkraft— vergl. Bodenkunde,§ 32, 1). Das iſt gerade der Zuſtand, der den ſalpeterſäurebildenden Bakterien förderlich, während er den ſalpeterſäurezer⸗ ſtörenden Bakterien und den Schimmelpilzen ſchädlich iſt. Daher wird eine in ſehr günſtiger Weiſe langſam verlaufende, gleich⸗ mäßig vorſchreitende Zerſetzung herbeigeführt und dem Entweichen flüchtiger Körper vorgebeugt. Wirtſchaftlich vorteilhaft iſt auch die Erſparnis an Arbeitskraft zum Hinausſchaffen des Düngers. b) Nachteile können durch das bei geringerer Sorgfalt reichlich entſtehende kohlenſaure Ammonium für die Geſundheit der Tiere, beſonders für deren Augen und Lungen hervorgerufen werden. Nach⸗ teilig iſt den Tieren auch das Liegen auf naſſem Dunge bei Streu⸗ mangel. Bei Pferden iſt das Stehen auf Dünger den Hufen unzu⸗ träglich; der Pferdedünger ſollte daher nur in dem Falle im Stalle bleiben, wenn er nach dem Rinderſtalle gebracht wird, eine Maßnahme, bei der ohnehin der trockene Pferde⸗ und der naſſe Rinderdünger ſich vorteilhaft ergänzen. ¹) Dazu kommt noch, daß Gebäude mit niedrigen und ſchlechten Grundmauern durch die Dungflüſſigkeit angegriffen werden. ¹) Die Remontekommiſſionen hört man vielfach über ſchlechte Beſchaffen⸗ heit der Hufe bei ſonſt vorzüglichen Tieren klagen und dieſelbe auf das Stehen im Dünger zurückführen. 110 IV. Die Düngung. 3. Vorbedingungen für das Liegenlaſſen im Stalle ſind zu⸗ nächſt das Vorhandenſein genügender Streumengen, ſowie die Verhütung des ſtarken Auftretens von flüchtigem, kohlenſaurem Ammonium durch Bindung mit Hilfe von Einſtreumitteln und durch ausgiebige Lüftung. Pferdeſtälle ſind womöglich neben Rinder⸗ ſtälle zu legen und mit denſelben durch eine Offnung ſo zu verbinden, daß der Pferdedung täglich in den Kuhſtall gebracht werden kann. Außerdem bedürfen die Gebäude beſonderer Einrichtungen. Die Grundmauern ſind genügend hoch aufzuführen und die Wände durch Iſolierſchichten, die aus Bleiplatten oder Dachpappe hergeſtellt werden, vor aufſteigender Feuchtigkeit zu ſchützen. Um das Verſickern fahrten das Durchfahren möglich gemacht werden. In der Höhe ver⸗ ſtellbare Krippen erleichtern die Fütterung, ganz verſetzbare geſtatten es bei Jungvieh, durch den Wechſel der Stände den Dünger überall gleichmäßig feſttreten zu laſſen. Sind die genannten Vorbedinguugen gegeben, ſo iſt das Liegen⸗ laſſen des Düngers im Stalle der Behandlung auf einer beſonderen Düngerſtätte vorzuziehen. § 75. Der Dünger auf der Düngerſtätte. 1. Bei der Herrichtung der Düngerſtätte auf dem Hofe iſt auf wirtſchaftliche Bequemlichkeit, auf Schutz gegen äußere Einflüſſe und auf Einrichtungen zur Düngerbehandlung Rückſicht zu nehmen. a) Die wirtſchaftliche Bequemlichkeit erfordert eine ent⸗ ſprechende Lage und Tiefe der Düngerſtätte, ſowie das Vorhandenſein von Ausfahrten. Bezüglich der Lage ſoll die Düngerſtätte den Ställen möglichſt nahe ſein, womöglich ſich an die Hinterwand derſelben an⸗ ſchließen, ſo daß der Dung durch Türen oder durch verſchließbare Off⸗ nungen auf dieſelbe befördert werden kann. Gleichzeitig hat man den Vorteil, dieſelbe Jauchegrube für die aus dem Stalle und die aus der Düngerſtätte abfließende Jauche verwenden zu können. Die Tiefe angehend, ſoll der Dünger nicht über 1,5 m hoch aufgeſetzt werden, um das Aufladen beim Ausfahren nicht zu ſehr zu erſchweren. b) Der Schutz gegen äußere Einflüſſe bezieht ſich zunächſt auf den Schutz gegen Wind und Sonnenwärme, welche den Dünger leicht zu ſtark austrocknen und zu ſchnell verwittern laſſen. A. Stalldünger. 111 Man gibt mit Rückſicht hierauf der Düngerſtätte entweder eine durch die Gebäude geſchützte Lage, oder umpflanzt ſie mit Bäumen, beſonders mit Linden und Kaſtanien. Ferner iſt ein Schutz der Jauche gegen Waſſerzufluß und gegen Verſickern in den Untergrund erforder⸗ lich. Der durch den Regen unmittelbar von oben kommende Waſſer⸗ zufluß ſchadet nicht, da die Menge desſelben gering iſt; hingegen muß ein Zufluß von Waſſermengen, die ſich auf einer größeren Fläche ſammelten, verhütet werden, da ſonſt der Dünger zu naß und bei dem dann folgenden Überfließen des Waſſers ausgelaugt wird. Als ein⸗ fachſte Schutzwehr können eine niedrige Mauer von Ziegeln oder um die Düngerſtätte gelegte Bordſteine(Fig. 68, a) dienen. Ein Schutz der Jauche gegen die Durchläſſigkeit des Untergrundes läßt ſich durch Be— feſtigung der Sohle erreichen. Man kann die Sohle mit hart⸗ gebrannten Ziegeln oder Feldſteinen in Zement vermauern und mit Zement ausgießen. Einfacher, aber nicht völlige Sicherheit gewährend, iſt ein Abpflaſtern auf Lehmunterlage. Im Notfalle ſchlägt man die Sohle mit einer 50 cm dicken Schicht fetten, ſchweren Leh⸗ mes aus, die ſpäter, wenn ſie mit Jauche völlig geſättigt iſt, mit dem Dünger ausgefahren und wieder erneuert wird. c) Die Einrichtungen Fig. 68. Durchſchnitt der Düngerſtätte. zur Düngerbehandlung bezwecken ein ſtarkes Feſttreten des Düngers und ſeine tägliche Anfeuchtung mit Jauche, um— ähnlich wie bei der Aufbewahrung im Stalle— eine gleichmäßige, langſame Zerſetzung zu erreichen und der Tätigkeit der ungünſtig wirkenden Bakterien, wie der Schimmelbildung und dem Ent⸗ weichen flüchtiger Körper vorzubeugen. Das Feſttreten wird zur Not am einfachſten durch eine Umfriedigung der Düngerſtätte ermöglicht, welche es geſtattet, täglich einige Zeit das Vieh darauf verweilen zu laſſen. Die Einrichtungen zum Anfeuchten mit Jauche beſtehen in der Jaucherinne, dem Jauchebrunnen und der Jauchepumpe. Man gibt der Sohle d der Düngerſtätte nach der Mitte zu etwas Gefälle und legt durch die Mitte eine Jaucherinne b, in der ſich die Jauche ſammeln kann. Die Rinne iſt durch einen eiſernen oder hölzernen Roſt, im Notfalle durch darüber gedeckte Aſte gegen das Hineinfallen des Düngers zu ſchützen. Von dem tiefſten Punkte der Jaucherinne aus führt eine Röhre die Jauche zu dem Jauchebrunnen(Fig. 68, c), der mit hart⸗ gebrannten Ziegeln oder Feldſteinen in Zement auszumauern iſt und, um das Entweichen des kohlenſauren Ammoniums möglichſt zu ver⸗ ringern, mit einem gut ſchließenden Deckel verſehen wird. —— W K 112 IV. Die Düngung. Eine Kettenpumpe oder beſſer eine Jauchepumpe— die gleichzeitig als Feuerſpritze dienen kann— hebt die Jauche aus dem Jauchebrunnen empor, worauf die Verteilung auf der Düngerſtätte durch hölzerne Rinnen oder durch Schläuche erfolgt. 2. Bei der Behandlung des Düngers auf der Dünger⸗ ſtätte iſt zunächſt bei dem jedesmaligen Herausbriugen auf ein gleich⸗ mäßiges Ausbreiten in dünnen Schichten zu achten, um möglichſte Gleichmäßigkeit des Düngers an allen Stellen zu erzielen. Konſervierend wirkende Einſtreumittel können dem Dunge noch bei dem Aus⸗ breiten zugeſetzt werden; an Stelle der Verwendung von anderen Ein⸗ ſtreumittelu iſt es auch ſehr zweckdienlich, den Dünger auf der Düngerſtätte in abwechſelnden Schichten mit Torf zu miſchen. Um eine langſame Zerſetzung zu erreichen, hat ein ſehr gründliches Feſttreten e 3 durch Tiere zu erfolgen. 3 Gut feſtgetretener Dünger ſoll„wie ein Tanzboden“ ausſehen. Das Anfeuch⸗ ten des Düngers mit Jauche(bei langer Dürre ſelbſt mit Waſſer) hat im Sommer täglich, im Winter .. nach Bedarf zu erfolgen. . Es iſt auf der Dünger⸗ 8 ſtätte notwendiger als im Fig. 69. Kettenpumpe und(Foplerſche) Jauchepumpe. Stalle, da das Feſttreten im Stalle ſtärker, das Ab⸗ ſickern der Jauche daher langſamer erfolgt, und da der Dünger im Stalle täglich durch neu hinzukommende flüſſige Auswurfſtoffe immer wieder angefeuchtet wird. Das Anfeuchten wird um ſo wirkſamer ſein, je feſter der Dünger liegt und je mehr er daher die aufgepumpte Jauche feſtzuhalten vermag. § 76. Verwendung des Stalldüngers.— Geräte. 1. Bei dem Ausfahren muß der Dünger im Stalle wie auf der Dungſtätte in ſenkrechten Schichten abgeſtochen werden, um dabei den tiefer gelegenen, ſtärker verrotteten mit dem obenauf befind⸗ lichen und weniger zerſetzten Dünger an allen Stellen gleichmäßig zu miſchen. ee — — 4—— Hid Mifis aisid dilid mif d dutid nuu- * r— ——8—./==An=ͤ= —9 S — — ☛α SG=S=. — A. Stalldünger. 113 a) Auf dem Felde wird der Dünger vom Wagen in kleine Haufen abgezogen, gebreitet und untergepflügt. Das Breiten ſoll ſofort erfolgen, ſo daß der Dünger keinesfalls längere Zeit in kleinen Haufen liegen bleibt; ſonſt werden bei eintretendem Regen die wert⸗ vollen Stoffe in den Boden geſpült und es entſtehen Geilſtellen, während der übrigen Fläche die Düngung zum Teil verloren geht. Dem Breiten kann das Unterpflügen ſofort folgen. Da aber ein Regen die aus dem Dünger ausgelaugten Stoffe wenigſtens gleichmäßig auf der Ackerfläche verteilt, da ferner die dem Acker gewährte Beſchattung ſogar dienlich iſt, darf man mit dem Unterpflügen gebreiteten Düngers warten, wenn der Feuchtigkeitszuſtand des Bodens ein Pflügen nicht erlaubt.(Bodenbearbeitung§ 52, S. 79, 80). Damit eine baldige Zerſetzung im Boden gewährleiſtet bleibt, darf der Dünger nicht zu tief untergepflügt werden. b) In dem Falle, daß wegen großer Näſſe oder hohen Schnees auf dem Felde eine Verteilung in kleine Haufen und ein Ausbreiten nicht möglich iſt, kann die Anlage größerer Düngerhaufen auf dem Felde zweckmäßig ſein. Man erleichtert ſich hierdurch für den Eintritt trockener Witterung, ſowie für das Frühjahr das Ausfahren des Düngers inſofern, als ein Teil der Arbeit, das Hinausſchaffen zum Felde, ſchon getan und nur das Verteilen auf demſelben noch übrig geblieben iſt. Die größeren Düngerhaufen werden unter ſtarkem Feſt⸗ treten dachförmig angelegt, mit einem Graben umzogen und mit der daraus gewonnenen Erde gut(30 cm) eingedeckt. 2. Von Geräten verwendet man zum Losmachen des Düngers beim Aufladen den Düngerhaken, einen ſtarken, zwei⸗ bis dreizinkigen Haken an langem Stiel mit rechtwinklig umgebogenen Zinken, ſowie das Wieſenbeil(§ 133), zum Aufladen und ſpäter zum Streuen die Düngergabel, die an einem kurzen Stiel eine mit einer Tülle befeſtigte Gabel mit drei ſtarken Zinken trägt. Stalldüngerſtreu⸗ maſchinen laſſen ſich aus dem Grunde nicht gut verwenden, weil der Stalldünger ein zu großes Gewicht hat und das Mitführen einer gewiſſen Menge Düngers neben der Bedienung der Ausſtreuvorrichtung zu viel Kraft in Anſpruch nimmt. § 77. Jauchekarren.— Düngung mit Jauche. 1. Die bei der Jauchedüngung in Anwendung kommenden Jauche⸗ karren ſind Wagen, die mit einem hölzernen oder eiſernen Faß und einem daran befeſtigten Jaucheverteiler verſehen ſind. Der Jaucheverteiler hat den Zweck, die Jauche in gleichmäßiger Breite und Stärke zu verteilen. Er beſteht aus einem eiſernen, unten in das Jauchefaß eingeſchraubten Rohrſtumpf, der knieförmig nach hinten Droyſen⸗Giſevius. Ackerbau. 6. Auflage. 8 114 IV. Die Düngung. umgebogen iſt, ſo daß bei geöffnetem Ventil die Jauche wagerecht aus⸗ ſtrömt. Hierbei trifft ſie eine eiſerne Zunge, durch die ſie breit und gleichmäßig verteilt wird. Leider läßt es ſich bei der Anwendung des Jaucheverteilers nicht vermeiden, daß mit der Entleerung des Faſſes, alſo mit der Druckhöhe, die Spreng⸗ breite abnimmt.¹) Auch die Ausfluß⸗ menge läßt ſich nicht regeln. Bei Be⸗ nutzung einer andern Ausflußöffnung des Jaucheverteilers oder bei Abnahme der Zunge fließt der Inhalt des Faſſes in einem geſchloſſenen Strahl aus, wo⸗ Big. 20, Inuchewagen⸗ durch die Verwendung des Jauchekarrens zum Waſſerfahren ermöglicht wird. 2. Bei dem Ausfahren wird die Jauche mit der Ketten⸗ oder Jauchepumpe in den Jauchekarren gepumpt, wobei die Jauche in dem Brunnen fortwährend umzurühren iſt, um auch die dickeren ſchlammigen Teile mitzunehmen. Will man mit Pflanzen beſtandene Flächen jau⸗ chen, ſo muß man der Jauche, da dieſelbe in reinem Zuſtande ſcha⸗ det, die gleiche Menge Waſſer beimiſchen, es ſei denn, daß man auf Schnee jaucht und daß es ſich um wenig empfindliche Pflanzen handelt.(Die für 1 ha erforderliche Menge un⸗ verdünnter Jauche iſt 300 Liter.) § 78. Der Kompoſt. 1. Kompoſt iſt ein Miſchdünger, bei dem Erde mit Dünger, oder Erde mit Abfällen aus der Küche, vom Hofe und aus dem Garten, oder Erde mit Dünger und Abfällen gemiſcht wird. 2. Der Zweck der Kompoſtbereitung kann ein doppelter ſein. Einerſeits kann man die Abſicht haben, ohne Verluſte an Nährſtoffen Fig. 71. Jaucheverteiler. ¹1) Man könnte dieſen Ubelſtand bei eiſernen Jauchebehältern dadurch beſeitigen, daß man in der Hffnung, durch welche das Faß gefüllt wird, eine eiſerne Röhre von der Decke bis faſt zum Boden führt, durch welche dann die ſenkrechte Ventilſtange zum Ventil heruntergeführt wird(Mariotteſche Flaſche). Am Kutſcherſitz muß ein kleiner Rohrſtumpf an dem Jauchefaß angeſetzt ſein, deſſen Verſchlußhahn der Kutſcher vor dem Füllen öffnet, nach demſelben aber ſchließt. —9 D S== +̈ — —————————9—— A. Stalldünger. 115 einen gut zerſetzten und daher ſchnell wirkenden Dünger für ſolche Pflanzen zu erhalten, die in kurzer Zeit großer Mengen an Pflanzen⸗ nahrung bedürfen(Mais). Andererſeits kann man die Verwertung der ſonſt nicht zu verwendenden Abfälle im Auge haben. 3. Bei der Herſtellung des Kompoſtes kommt zuerſt a) die Wahl des Platzes für den Kompoſthaufen in Frage, bei welcher, ähnlich wie bei der Düngerſtätte, eine vor Wind und Sonne geſchützte, wirtſchaftlich bequeme Lage und, um ein Auslaugen zu verhüten, eine nicht zu niedrige Stelle zu bevorzugen iſt. b) Die Materialien zur Kompoſtbereitung ſind ſehr mannigfaltige, ſo daß bei gutem Willen erſtaunliche Mengen derſelben zuſammenkommen. Beiſpielsweiſe ſeien außer Erde und Dünger an Abfällen genannt: Bauſchutt, Aſche, Keh⸗ richt, Ruß, Waſchwaſſer, Spülwaſſer, Knochen, Fleiſch, Blut, Haare, Federn, Hörner, Hufe, Holzſpäne, Sägeſpäne, Torfmull, getötete Mai⸗ käfer, Raupen und Schnecken, Wegeabraum, Grabenaushub, Raſen⸗ plaggen, Unkraut, Gemüſeblätter, Baumlaub ꝛc. c) Mit den genannten Dingen miſcht man häufig gewiſſe Zuſatzmittel, deren eigene Ver⸗ wertung ſelbſt zwar nicht die Kompoſtierung erfordert, die aber zur ſchnelleren und kräftigeren Zerſetzung des übrigen Kompoſtes dienen. Dazu gehören AÄtzkalk, kohlenſaures Kalzium, ſowie in kleinen Mengen die Staßfurter Abraumſalze. Bezüglich des AÄtzkalkes iſt nur inſofern Vorſicht nötig, als derſelbe bei dem gleichzeitigen Vorhandenſein ſtick⸗ ſtoffreicher Kompoſtmaterialien das ſich bildende flüchtige Ammoniak austreibt, wenn der Haufen nicht mit Erde gedeckt iſt. d) Zum Auf⸗ bau des Kompoſthaufens wird auf einer Erdſchicht eine Schicht anderer Kompoſtmaterialien, darauf weiter abwechſelnd eine Erdſchicht und eine Schicht anderer Kompoſtmaterialien ausgebreitet, um ſchließlich den ganzen Haufen mit einem Erdmantel zu umgeben. Die Höhe des Haufens ſoll nicht über 1,5 m betragen. Auf der oberen Fläche werden einige Rinnen zum Eingießen von Flüſſigkeiten eingeſchnitten. e) Die Behandlung des Kompoſtes bezweckt die Erhaltung eines mäßig feuchten, die Zerſetzung günſtigen Zuſtandes, den man in trockener Zeit durch Eingießen von Jauche, im Notfalle von Waſſer zu erhalten ſucht. Sonnig gelegene Haufen bepflanzt man der Beſchattung halber auch mit Kürbiſſen. Nach einem Vierteljahre, ſpäter nach je einem halben Jahre, erfolgt ein Umſtechen, welches eine gute Miſchung der Materialien herbeiführen und dieſe zu neuen Zerſetzungsvorgängen anregen ſoll. Man ſticht dabei den alten Haufen in ſenkrechten Schichten ab und bildet den neuen Haufen der Form nach dem alten gleich, nur ohne das frühere Schichtenverhältnis in demſelben. Die Reife des Kom⸗ poſtes tritt früheſtens nach einem Jahre ein. 116 IV. Die Düngung. 4. Die Verwendung des Kompoſtes kann auf der Wieſe und auf dem Felde erfolgen. Gewöhnlich wenden wir ihn auf der Wieſe an, da mangels einer tiefgehenden Bodenbearbeitung der Stalldünger auf der Wieſe einer weitgehenden Zerſetzung im Boden nicht zugeführt werden kann, wogegen der Kompoſt einer ſolchen nicht mehr bedarf. Kompoſt, welchem Unkrautſamen begemiſcht ſind, darf wegen der Ge⸗ fahr einer Verunkrautung des Ackers nur auf Wieſen Verwendung finden. Auf dem Acker verwendet man den ſchnell wirkenden Kompoſt zu Handelsgewächſen(Hopfen) oder zu ſolchen Pflanzen, welche in kurzer Zeit große Pflanzenmaſſen bilden ſollen(Mais). Bei dem Aus⸗ fahren wird der Kompoſt in ſenkrechten Schichten fortgenommen und häufig noch„geharft“, um gröbere, noch unzerſetzte Stücke auszuſcheiden und nochmals zu kompoſtieren. Die Harfe beſteht aus einem ſtarken Holzrahmen, der mit einem ſtarken Drahtgitter beſpannt iſt und durch eine Stütze aufrecht gehalten wird. § 79. Menſchliche Ausmurfſtoffe. Federviehdünger. 1. Die menſchlichen Auswurfſtoffe ſind ſehr reich an Pflanzennährſtoffen, beſonders an Stickſtoff. Es kommt das daher, weil die Nahrung des Menſchen weit kräftiger iſt, als die der Tiere. 2. Die Gewinnung der menſchlichen Auswurfſtoffe richtet ſich nach ihrer Menge. a) Iſt die Menge klein, ſo daß ihre geſonderte Behandlung nicht lohnt, ſo verwenden wir ſie als wertvolle Beigabe zum Dünger, zur Jauche oder zu dem Kompoſt. Man errichtet dann am einfachſten fahrbare Abtritte auf der Düngerſtätte oder dem Kompoſthaufen, durch deren zeitweiliges Weiterrücken eine gleichmäßige Verteilung erreicht wird, oder feſte Abtritte über der Jauchegrube. Bei den Abtritten am Wohnhauſe empfiehlt es ſich, unter dem Sitzbrette eine Karre oder ein Faß mit zwei Zapfen zur vor⸗ läufigen Aufnahme der Auswurfſtoffe aufzuſtellen. Je nach Bedarf fährt man dann mit der Karre oder mit einem einfachen Fahrgeſtell, welches vermittelſt der Zapfen das Faß anzuheben und mitzunehmen vermag, dieſelben nach dem Dung- oder nach dem Kompoſthaufen. Zweckmäßig, ſchon aus geſundheitlichen Rückſichten, iſt es in dieſem Falle, die Auswurfſtoffe täglich mit Torfſtreu(200 g pro Kopf), Torfmull(200 g),— beſſer noch mit 2% Schwefelſäure verſetzter „ſaurer“ Torfſtreu oder„ſaurem“ Torfmull—, oder mit Super⸗ phosphat(50 g) oder roher verdünnter Karbolſäure(0,25 1) oder aufgelöſtem Eiſenvitriol(25 g Pulver pro Kopf) geruchlos zu machen und in ihnen etwaige Krankheitserreger abzutöten.(Im Notfalle greift man bei plötzlich auftretenden anſteckenden Krankheiten zu Eſſig.) ——.——·,—————— A. Stalldünger. 1 1 b) Bei großen Mengen, wie ſie in Städten, in Anſtalten und in Kaſernen entſtehen, ſammelt man die Auswurfſtoffe nach dem einfachſten Syſtem, dem Abfuhrſyſtem, in Gruben, Eimern oder Kübeln, zweckmäßig unter Zufügung von denſelben Einſtreumitteln, wie bei kleinen Mengen. Den Grubeninhalt, dem noch alle möglichen Haus⸗ und Gartenabfälle beigemiſcht zu werden pflegen, fährt man als Dünger auf das Feld. Gruben haben den Nachteil, daß ſie einen großen Teil der Stoffe in den Untergrund einſinken laſſen, falls die Sohle nicht aus ſehr ſtarkem(0,5 m) Mauerwerk in Cement beſteht. Die Ab⸗ fuhr in offenen Wagen, in welche die offenen Abtritteimer einfach entleert werden, iſt aus geſundheitlichen Rüchſichten verwerflich, während die Abfuhr in verſchloſſenen Kübeln dieſen Übelſtand beſeitigt, wie auch den Verluſten durch Verſickern vorbeugt(Heidelberger Syſtem'. Man führt die in Kübeln gewonnenen Auswurfſtoffe am beſten Fabriken zu, in denen durch Zuſatz von Schwefelſäure und Eindampfen die Pou⸗ drette, ein leicht ſtreubares Düngemittel, oder nach Abklären des als Dünger zu verwendenden Schlammes aus der Dungflüſſigkeit durch Deſtillation„ſchwefelſaures Ammonium“— ein künſtliches Dünge— mittel— gewonnen wird. In großen Städten, die mit Waſſerleitung verſehen ſind, wird ein anderes Syſtem, die Schwemmkanaliſation, angewendet. Man verſieht alle Straßen mit Röhren, welche die menſchlichen Auswurf⸗ ſtoffe vermiſcht mit dem Spülwaſſer der Waſſerabtritte, ſowie mit allen andern Haus⸗ und Straßenwäſſern ſammeln und in Hauptröhren aus der Stadt herausleiten. Man verwendet dieſes„Kanalwaſſer“(„Spül⸗ jauche“) zur Berieſelung von Acker⸗ und Wieſenflächen, reinigt ſie da⸗ durch erfahrungsgemäß am gründlichſten von allen ſchwebend oder gelöſt mitgeführten Stoffen, wie auch von allen Krankheitserregern, und führt eine, wenn auch nicht ſehr vollkommene Ausnutzung der ſtädtiſchen Abfallſtoffe für die Landwirtſchaft herbei. 3. Bei der Verwendung rein gewonnener oder nur mit Torf⸗ ſtreu oder andern Desinfektionsmitteln verſetzter Auswurfſtoffe bevorzugt man Gemüſe⸗ und Futterfelder, um den hohen Stickſtoffgehalt und die ſtark treibende Wirkung auszunutzen. 4. Der ſehr nährſtoffreiche Federviehdünger verdient die größte Beachtung, wird jedoch meiſt nur in kleinen Mengen gewonnen und dann der Jauchegrube, dem Kompoſt⸗ oder Düngerhaufen zugeführt. 118 IV. Die Düngung. B. Die Gründüngung. § 80. Die Gründüngung. 1. Unter Gründüngung verſtehen wir das Unterpflügen lebender Pflanzen zum Zweck der Düngung. Der Zweck der Gründüngung Kiſt außer den Nebenwirkungen im Boden(Univerſaldünger) ein doppelter: a) der Erſatz der Boden⸗ bearbeitung durch die Bodenbeſchattung(§ 45, 2. b) und b) die Bereicherung der Ackerkrume auf Koſten der Luft und des Unter⸗ grundes. Die Stoffe, welche der Ackerkrume aus der Luft zuge⸗ führt werden, ſind der Kohlenſtoff und der Stickſtoff. Den Kohlen⸗ ſtoff nehmen die Blätter der Gründüngungspflanzen in Form von Kohlenſäure unmittelbar aus der Luft auf. Der Stickſtoff gelangt aus der Luft auf dem Umwege durch den Boden in die Gründüngungs⸗ pflanzen; er kommt in der im Boden befindlichen Luft als freier Stick⸗ ſtoff und Ammoniak vor, wird auch durch Regen, Schnee und Hagel in gebundener Form dem Boden zugeführt und von ihm abſorbiert, worauf ſalpeterſäurebildende Bakterien ihn in die Form der Salpeterſäure bringen, in welcher er von den Pflanzenwurzeln aufgenommen werden kann. Eine beſondere Art dieſer Pilze kommt beſonders bei den Schmetter⸗ lingsblütlern in eigentümlicher Lebensverkettung(Symbioſe) mit denſelben vor und erzeugt bei ihnen die bekannten Wurzelknöllchen. Dieſe Bakterienformen ſind alle miteinander nahe verwandt, indeſſen in⸗ folge von„Anpaſſung“ für jede Gattung der genannten Familie ver⸗ ſchieden, und es iſt gelungen, ſie für jede Gattung rein zu züchten(Rein⸗ kulturen). Man iſt imſtande, durch Impfen mit Erde(5— 10. Ztr. pro Hektar) von einem Felde, auf dem die betreffende Gattung von Schmetterlingsblütlern wuchs, das Wachstum der Pflanzen auf bakterien⸗ armem Boden zu ſteigern; ebenſo ſcheint es unter Umſtänden möglich zu ſein, den gleichen Erfolg durch Impfung des Saatguts mit Rein⸗ kulturen(Nitragin), am beſten durch Impfen mit„virulenten“ Bakterien zu erzielen. Die aus dem Untergrunde der Ackerkrume zuge⸗ führten Stoffe ſind beſonders die mineraliſchen Stoffe(Phosphor⸗ ſäure, Kali, Kalk ec.). 2. Die an die Gründüngungspflanzen zu ſtellenden An⸗ forderungen beziehen ſich, dem Zweck der Gründüngung entſprechend, a) auf große Krautentwickelung, um den Acker beſchatten(§ 45, 2a, S. 67) und viele Stoffe aus der Luft und aus dem Untergrunde ge— winnen zu können, ferner b) auf die vielen Pflanzen beiwohnende Eigenſchaft, Stickſtoffſammler oder Stickſtofferhalter zu ſein, endlich c) auf den Beſitz tiefgehender Pfahlwurzeln, um den Untergrund ausnützen zu können. Allen dieſen Anforderungen genügen im höchſten B. Die Gründüngung. 119 Maße die Schmetterlingsblütler; die Kreuzblütler ſind zwar Stickſtoff⸗ erhalter, aber keine Stickſtoffſammler, ebenſowenig die Gräſer und der Spörgel, die auch nur ein geringeres Krautvermögen und keine Pfahl⸗ wurzeln haben. Unter den Schmetterlingsblütlern müſſen wir beſonders diejenigen herausſuchen, deren Saatgut und Beſtellung ſich am billigſten für 1 ha ſtellen. 3. Bezüglich der Vor⸗ und Nachteile der Gründüngung haben wir bei düngerarmen Wirtſchaften den Vorteil in der Vermehrung des Düngervorrates durch große Mengen wertvollen Düngers auf billigem Wege, bei düngerreichen Wirtſchaften in der Möglichkeit einer Einſchränkung des Viehbeſtandes zu ſehen. In allen Wirtſchaften kann überdies der Erſatz der teuern ſtickſtoffhaltigen künſtlichen Düngemittel durch billigere ſtickſtoffreiche Gründüngung angeſtrebt werden. Die Nachteile liegen in der Einſchränkung der Zeit, während welcher wir den Boden bearbeiten können, ſowie in der damit zuſammenhängenden Gefahr der Verunkrautung der Felder. Wirt⸗ ſchaftlich iſt auch die Notwendigkeit der Beſtellung der Gründüngungs⸗ pflanzen zeitweiſe eine Erſchwerung der Wirtſchaft. Der Nachteil der Einſchränkung der Bodenbearbeitung läßt ſich nur durch anfänglich ſehr vorſichtig gehandhabte und geſchickte Anwendung der Gründüngung, die Unkrautgefahr durch energiſche Bekämpfung des Unkrauts(reinere Saaten, ſtärkere Saatmengen, beſſere Bodenbearbeitungsgeräte, ſorg⸗ fältigere Bearbeitung des Bodens), der Nachteil vermehrter Arbeit infolge der neu hinzukommenden Beſtellung der Gründüngungspflanzen durch die Betonung des Zwiſchenfruchtbaues beſeitigen. 4. Bei der Ausführung der Gründüngung unterſcheiden wir den Brachfruchtbau, den Stoppelfruchtbau und den Zwiſchenfruchtbau. Für den Brachfruchtbau eignen ſich Lupinen, Wicken, Erbſen, weißer hoher Steinklee(Bokharaklee) und Miſchungen derſelben. Zum Stoppel⸗ fruchtbau empfehlen ſich ſchnellwüchſige oder winterharte Pflanzen, als die ſich Lupine, gewöhnliche Wicke, Sandwicke(mit Johannisroggen) und Bokharaklee bewährt haben. Dem Zwiſchenfruchtbau ange⸗ meſſen ſind Inkarnatklee, Serradella, Bokharaklee und Lupine(die bei Beetbau vier Wochen vor der Ernte in das ſtehende Getreide geſäet wird und bei deſſen Ernte ſorgfältig vor einem Abſchneiden durch die Senſe zu bewahren iſt, da ſie ſonſt eingeht). Nach der Futtergewinnung in vorhergehenden Jahren oder Schnitten kann auch der letzte Schnitt des Rotklees und des Baſtardklees zur Gründüngung untergeackert werden. Auf Feldern, die noch keine Schmetterlingsblütler trugen, wendet man oft vorteilhaft vor der Saat das Bodenimpfen(§ 80, 1) an; man will dadurch dem Boden die ihm noch fehlenden ſtickſtoff⸗ ſammelnden(Pilze) Bakterien zuführen. 120 IV. Die Düngung. 5. Die Unterbringung hat zum Zwecke leichterer Zerſetzung möglichſt vor Eintritt der Reife zu erfolgen. Eine noch frühere Unterbringung iſt jedoch bei ſolchen Pflanzen zweckmäßig, die eine ſehr große Höhe erreichen(Bokharaklee), aber höchſtens 1 m lang werden dürfen, da ſie ſonſt Schwierigkeiten bereiten. Eine Erleichterung der Unterbringung erreicht man dabei durch vorhergehendes Abwalzen in der Richtung der Pflugfurchen, im Notfalle durch Abmähen und durch Einharken in die Pflugfurche. Ein einfaches Mittel zur Erleichterung des Unterpflügens iſt die Anbringung einer loſen Kette zwiſchen dem rechten Ende des rechten Ortſcheites und dem Pflugbaum, welche die Pflanzen niederſchleift, ehe der Pflugkörper ſie trifft; auch erleichtert ein gutes Radſech(§ 51, B. 3) die Unterbringung ganz bedeutend. Eine ſpätere Unterbringung im Frühjahr kann den Zweck haben, auf leicht verkruſtenden Feldern durch die Pflanzendecke die Bildung einer Kruſte zu verhüten. C. Die künſtliche Düngung. § 81. Die Notwendigkeit künſtlicher Düngung. Das Geſetz des Minimums(vergl.§ 6). Einerſeits erſetzt zwar der künſtliche Dünger dem Boden nur einzelne, der Univerſaldünger aber alle Pflanzennährſtoffe, dieſer jedoch nicht alle auch in der erforderlichen Menge, insbeſondere nicht Stick⸗ ſtoff, Phosphorſäure und Kalium. ¹) Andererſeits folgen die Pflanzen bei der Nährſtoffaufnahme dem„Geſetz des Minimums“, d. h. ſie können nicht einen Nährſtoff durch den anderen beliebig erſetzen, ſondern müſſen von jedem Nährſtoff eine beſtimmte, genügende Menge vor⸗ finden; fehlt es im Boden an einem Nährſtoff, ſo nützt den Pflanzen der Überfluß an anderen Nährſtoffen nicht: die Pflanzen richten ſich in ihrer Entwickelung nach dem Nährſtoff, der in ver⸗ hältnismäßig geringſter Menge(im Minimum) vorhanden iſt. Wir müſſen daher Stickſtoff, Phosphorſäure und Kalium, da der Univerſaldünger ſie nicht genügend erſetzt, außerdem noch in künſt⸗ lichem Dünger erſetzen und werden dadurch die Pflanzen ganz außerordentlich fördern, da ſie ſich nach dem vorhandenen Stickſtoff, der Phosphorſäure und dem Kalium als den verhälinismäßig in geringſter Menge verfügbaren Nährſtoffen in ihrer Entwickelung richten. ¹) Dieſe Stoffe werden in den Körnern, den Tieren und der Milch in großen Mengen aus jeder Wirtſchaft verkauft. ———— C. Die künſtliche Düngung. 121 § 82. Die Gewinnung künſtlicher Düngemittel. In dem Wunſche, den bei Univerſaldünger nicht ausreichenden Erſatz an Stickſtoff, Phosphorſäure und Kalium auf künſtlichem Wege zu beſchaffen, ſuchten die Landwirte nach Dingen auf der Erde, welche Stickſtoff, Phosphorſäure und Kalium in größeren Mengen enthalten, und fanden ſo die Rohmaterialien zur Herſtellung künſtlicher Dünge⸗ mittel, z. B. den Dünger gewiſſer Seevögel(Guano) und die Knochen. Die Rohmaterialien bedürfen aber zu der Herſtellung von Düngemitteln noch der Zerkleinerung und teilweiſe einer chemiſchen Verwandlung. Die Zerkleinerung ſoll die gleichmäßige und feine Verteilung auf der ganzen Ackerfläche möglich machen, die chemiſche Umwandlung die in der Bodenfeuchtigkeit ſchwer löslichen Stoffe in lösliche überführen, damit a) die feine Verteilung im Boden noch mehr befördert werde, und damit b) die Pflanzenwurzeln den Nähr⸗ ſtoff aus der Bodenfeuchtigkeit überhaupt entnehmen können. § 83. Die Wirkung und Ginteilung der künſtlichen Düngemittel. 1. Der Erfolg der pflanzenernährenden Wirkung der künſtlichen Düngemittel iſt nach ihrem Gehalte an Stickſtoff, Phosphorſäure und Kalium ſehr verſchieden. a) Der Stickſtoff wirkt beſonders auf ſtarke Krautentwickelung hin, erſt mittelbar durch dieſe auch auf die Bildung anderer Pflanzen⸗ teile, wie z. B. der Körner. Er verzögert die Reife. b) Die Phosphorſäure bedingt weniger ſtarke Krautentwicke⸗ lung, als geſunde Ausbildung der ganzen Pflanze und vorzugsweiſe einen reichen Körnerertrag. Gegenüber der Reifeverzögerung durch Stickſtoff beſchleunigt Phosphorſäure das Reifen. c) Das Kalium fördert die gute Geſamtentwickelung, beſonders bei den Knollen⸗ und Wurzelgewächſen, den Schmetterlingsblütlern und den Wieſenpflanzen. Die Phosphorſäure, das Kalium und der in der Form von Ammoniumſalzen dargereichte Stickſtoff unterliegen, da die meiſten Bodenarten eine genügende Abſorptionskraft für ſie beſitzen, nicht der Gefahr des Auslaugens durch Waſſer im Boden, dagegen iſt derſelben der Stickſtoff in der Form von ſalpeterſauren Salzen ausgeſetzt. 2. Die Einteilung nehmen wir nach den wichtigen Pflanzen⸗ nährſtoffen vor und unterſcheiden a) ſtickſtoffhaltige, b) phosphorſäure⸗ haltige, c) Stickſtoff und Phosphorſäure enthaltende, d) kaliumhaltige künſtliche Düngemittel und e) künſtliche Miſchdünger. 122 IV. Die Düngung. § 84. Stickſtoffhaltige künſtliche Düngemittel. 1. Der Chiliſalpeter wird als Rohmaterial in ſteinſalz⸗ ähnlicher Maſſe in Chile(Südamerika) gewonnen. Durch Auflöſen und Auskriſtalliſieren wird er gereinigt, dann getrocknet und gemahlen, worauf er zu Schiff nach Deutſchland eingeführt wird. Der Chiliſalpeter, ſalpeterſaures Natrium, enthält den Stickſtoff (15 ½— 16%) in einer ſehr leicht löslichen Form, ſo daß ſeine Wir⸗ kung eine ſofortige iſt. Deshalb und wegen der Gefahr des Ver⸗ luſtes durch Auslaugen wird der Chiliſalpeter gern als Kopfdünger verwendet, d. h. nicht untergebracht, ſondern auf die wachſenden Pflanzen geſtreut. Bei ſtärkeren Gaben läßt man der Winterung einen Teil im Herbſte, den anderen im Frühjahr zukommen. Auch teilt man wohl, wenn man ſich gegen das Auslaugen völlig ſichern will, die Frühjahrs⸗ gaben noch in zwei Teile und gibt ſie mit 10— 25 Tagen Zwiſchen⸗ raum. Ein Stickſtoffgehalt von unter 15% rechtfertigt den Verdacht, daß der Chiliſalpeter verunreinigt ſei und wohl gar ſchädliche Bei⸗ mengungen(Perchlorat) enthalte. Er zieht leicht Waſſer an und muß daher vor dem Gebrauche möglichſt trocken aufbewahrt werden. Da er für Tiere ſehr giftig iſt, ſo muß man dafür ſorgen, daß ſie nicht an volle oder an zwar entleerte, aber noch nicht gereinigte Säcke gelangen und daran lecken können. 2. Das ſchwefelſaure Ammonium“) wird bei der Gas⸗ fabrikation für Städtebeleuchtung und für Hüttenzwecke als Nebenprodukt gewonnen und enthält 20% Stickſtoff in einer Form, in der er vom Boden abſorbiert und durch Umwandlung in ſalpeterſaure Salze den Pflanzen allmählich nutzbar wird. Das ſchwefelſaure Ammonium kann längere Zeit vor der Saat ausgeſtreut und untergepflügt werden. Seine Wirkung iſt nicht ſo ſicher, wie die des Chiliſalpeters. Gutes ſchwefelſaures Ammonium muß frei von ſchädlichen Beimengungen (Rhodan) ſein; will man das Düngemittel beſonders gut ſtreubar haben, ſo bezieht man es mit(5%) Torfmull gemiſcht. 3. Andere ſtickſtoffhaltige künſtliche Düngemittel, wie Hornmehl, gedämpfte und gemahlene Hornſpäne(14%), Blutmehl, das in Schlächtereien getrocknete und gemahlene Blut(9— 14%), Ledermehl, die Abfälle der Weißlederfabriken, und Wollſtaub, der Abfall aus Tuchfabriken(mit 2— 10% Stickſtoff), kommen nur in ge⸗ ringer Menge in den Handel und enthalten den Stickſtoff in ſchwer löslicher Form, ſo daß ſie vor ihrer Verwendung zweckmäßig durch Kompoſtierung— womöglich unter Bedecken mit Erde— zur Zerſetzung und Umwandlung gebracht werden. ¹) Im gewöhnlichen Leben auch„ſchwefelſaures Ammoniak“ oder auch „Ammonſulfat“ genannt. C. Die künſtliche Düngung. 123 § 85. Phosphorſäurehaltige künſtliche Düngemittel. 1. In den meiſten Rohmaterialien, aus denen man die phos⸗ phorſäurehaltigen Düngemittel gewinnt, iſt die Phosphorſäure an drei Teile(Gewichtsteile) Kalzium gebunden und unlöslich. Man bezeichnet dieſes Kalziumphosphat als dreibaſiſch(neutrales) phosphor⸗ ſaures Kalzium(CaglPOle). Tritt ein Teil Kalzium aus dieſer Ver⸗ bindung aus, ſo erhält man das zweibaſiſch phosphorſaure Kal— zium(CaelPOal), zitratlösliches Phosphat genannt, weil die Lös⸗ lichkeit in zitronenſaurem Ammonium als Erkennungsmittel für dasſelbe dient. Auch im Boden wird dieſes phosphorſaure Salz mit der Zeit in Löſung übergeführt. Die Verbindung der Phosphorſäure mit einem Teil Kalzium wird als einbaſiſch phosphorſaures Kalzium (Cal[POHe) bezeichnet. Dieſes phosphorſaure Salz iſt in Waſſer völlig löslich. Außerdem hat man vierbaſiſch phosphorſaures Kalzium¹) (Tetrakalziumphosphat) in der Thomasſchlacke entdeckt, deſſen Formel noch nicht genügend feſt ſteht. Dieſe Verbindung iſt, wie das zwei⸗ baſiſch phosphorſaure Kalzium, in zitronenſaurem Ammonium, auch in Zitronenſäure löslich. Diejenigen Rohmaterialien, welche die Phosphorſäure ſchon in löslicher Form enthalten, bedürfen zur Herſtellung von Düngemitteln nur der Zerkleinerung um der feinen und gleichmäßigen Verteilung willen. Solche Rohmaterialien, die die Phosphorſäure in unlöslicher Form enthalten, erfordern vor der Anwendung neben der Zerkleinerung noch eine chemiſche Ver⸗ wandlung, um die Phosphorſäure in leicht lösliche Form überzuführen. 2. Die Thomasſchlacke als Rohmaterial des Düngemittels, gemahlene Thomasſchlacke, wird als Nebenprodukt der Stahl⸗ fabrikation gewonnen, indem nach dem Verfahren des engliſchen Chemikers Thomas dem Eiſen bei der Stahlbereitung Kalk und Luft zugefügt werden. Der Kalk verbindet ſich dabei mit dem das Roheiſen verunreinigenden Phosphor und dem Sauerſtoff der Luft zu einer in dieſem Falle zerſetzlichen Phosporſäure⸗Kalzium⸗Verbindung, dem Tetrakalziumphosphat(Viermalkalziumsphosphat oder zitronenſäurelös⸗ liche Phosphorſäure) ¹) und geht dabei in die Schlacke über. Aus dieſem Rohmaterial wird durch Mahlen das Düngemittel Thomasſchlackenmehl (ſchlechtweg auch Thomasmehl oder Thomasſchlacke) gewonnen, das durch⸗ ſchnittlich 14% zitronenſäurelösliche Phosphorſäure enthält. Das Mahlen der Thomasſchlacke findet in Kugelfallmühlen, d. h. großen eiſernen Trommeln ſtatt, die auf einer wagerechten Welle befeſtigt und zu einem Drittel mit harten Stahlkugeln gefüllt ſind. Bei der Drehung der ¹) Wahrſcheinlich handelt es ſich um ein Doppelſalz der Phosphorſäure und Kieſelſäure(phosphorkieſelſaures Kalzium). 124 IV. Die Düngung. Trommel rollen die Stahlkugeln übereinander und zertrümmern die dazwiſchen befindlichen groben Schlackenſtücke zu einem ſtaubfeinen Mehl, das durch Siebe am Trommelumfange abgeſiebt wird. Da die feine und gleichmäßige Verteilung der Thomasſchlacken⸗ phosphorſäure nur von der feinen Mahlung abhängt, ſo muß auf dieſe beſonders aufmerkſam gemacht werden. Gute Fabriken liefern Tho⸗ masſchlackenmehl mit hohem Feinmehlgehalte. ²) Bemerkenswert iſt dabei, daß, je mehr Feinmehl vorhanden, je feiner alſo die Mahlung im all⸗ gemeinen iſt, auch um ſo feiner noch die groben Teile ausfallen. Die Feinheit der Mahlung läßt ſich bei einiger Übung im großen und ganzen ſchon bei dem Reiben einer Priſe zwiſchen den Fingerſpitzen beurteilen. Die durchſchnittliche Zuſammenſetzung der Thomasſchlacke iſt folgende: 17,5% Geſamt⸗Phosphorſäure oder 14% zitronenſäurelösliche Phosphor⸗ äure, 48,5„ alt 8,0„ Magneſia, 5,0„ Kieſelſäure, 15,2„ Eiſenoxyd. 3. Die Superphosphate werden aus Rohmaterialien her⸗ geſtellt, welche unlösliche Phosphorſäure enthalten. Solche Roh— materalien ſind die Phosphorite, die Knochen, die Knochenkohle und die Knochenaſche. Die Phosphorite, im Handel auch Phosphate oder Apatite genannt, beſtehen aus neutralem phosphorſaurem Kalzium und ſind Maſſen von erdigem oder kriſtalliniſchem Gefüge(§ 21). Häufig ſind ſie nachweislich organiſchen(tieriſchen) Urſprungs und entſtammen dem Dünger(Koprolithe) oder den Knochen(Oſteolithe) vorweltlicher Tiere. ¹) Neuerdings verſucht man die Zerkleinerung durch ſchnelles Löſchen des in der Rohſchlacke vorhandenen gebrannten Kalkes mit Hilfe von Waſſer⸗ dampf unter Anwendung ſtarken Druckes herbeizuführen. Natürlich muß dann das ſo gewonnene feine Material durch feine Siebe von gröberen Stücken, wie auch von den in der Rohſchlacke vorkommenden Eiſenknauern befreit werden. ²) Feinmehl geht noch durch ein Sieb von 0,17 mm Lochweite hindurch. Anfänglich unterſuchte man die Thomasſchlacke bei der Düngerkontrolle auf Feinmehl⸗ und Geſamtphosphorſäure⸗Gehalt. Später fand man, daß in Löſungs⸗ mitteln nur die im Feinmehl enthaltene Phosphorſäure ſich gut löſte, ſo daß die Beſtimmung des Feinmehlgehalts überflüſſig erſchien. Nunmehr beſtimmte man nur die zitratlösliche, d. h. in zitronenſaurem Ammonium lösliche Phosphor⸗ ſäure; jetzt haben ſich die landw. Verſuchsſtationen dahin geeinigt, zur Be⸗ ſtimmung Zitronenſäure ſelbſt zu verwenden, und man kauft jetzt daher nach dem Gehalt an zitronenſäurelöslicher Phosphorſäure. C. Die künſtliche Düngung. 125 Hierher gehören auch die Phosphatguanos, welche aus den Anhäufungen von Dünger und ſonſtiger Reſte von Seevögeln entſtanden ſind, ihren Gehalt an Stickſtoff aber durch Auswaſchen verloren haben und all⸗ mählich zu feſtem Geſtein geworden ſind. In Deutſchland werden Phosphorite beſonders bei Limburg an der Lahn gefunden. Die Knochen werden zur Bereitung von Superphosphaten gewöhnlich nach Entziehung von Leim und Fett verwendet. Knochenaſche wird in Südamerika durch Verbrennen von Knochen gewonnen. Knochenkohle wird aus Knochen hergeſtellt und zunächſt in den Zuckerfabriken zur Klärung des Zuckerſaftes verwendet, dann aber, wenn ſie dazu nicht mehr brauchbar iſt, an die Düngemittelfabriken abgegeben. Die Herſtellung der Superphosphate aus den Roh⸗ materialien geſchieht— abgeſehen von einer Zerkleinerung— durch Aufſchließen. Darunter verſteht man das Miſchen der Rohmaterialien mit Schwefelſäure. Aus dem unzerſetzlichen und in der Bodenfeuchtigkeit unlöslichen dreibaſiſchen phosphorſauren Kalziums der Rohmaterialien entnimmt die Schwefelſäure zwei Teile des Kalziums, ſo daß die nun entſtehende Phosphorſäure⸗Kalzium-Verbindung mit einem Teile Kalzium in der Bodenfeuchtigkeit leicht löslich wird. Gleichzeitig enſteht bei dem Aufſchließen Gips(ſchwefelſaures Kalzium), der daher in größerer Menge in den Superphosphaten ent⸗ halten iſt. Cas(POH' 2 H.SO4= CaH(PO+ 2a80.3. Das Aufſchließen hat den doppelten Zweck, die Phosphorſäure aus der unlöslichen Verbindung in eine lösliche, mithin für die Pflanzen aufnehmbare umzuwandeln, andererſeits durch die Löslichkeit in Waſſer ihre möglichſt feine und gleichmäßige Verteilung im Boden zu ermög⸗ lichen. Dieſe iſt bei den Superphosphaten eine ſo vollkommene, daß die Schnelligkeit der Wirkung gegenüber der Thomasſchlacke eine ſehr viel größere iſt. Den Pflanzen bleibt freilich die Phosphorſäure nicht in der waſſerlöslichen Form zugänglich, denn das Kalziumphosphat mit einem Teile Kalzium geht ſchon in kurzer Zeit im Boden in das Kalziumphosphat mit zwei Teilen Kalzium zurück. Bei langem Liegen der Superphosphate auf Lagerräumen kommt das Zurückgehen ſogar ſchon vor der Anwendung vor. Iſt bei dem Schwefelſäurezuſatz nicht ſehr ſorgfältig verfahren und zu viel hinzugefügt worden, ſo wird das Superphosphat feucht und ſchmierig und läßt ſich infolgedeſſen ſchlecht ſtreuen. 4. Die Doppelſuperphosphate werden aus denſelben Roh⸗ materialien wie die Superphosphate hergeſtellt. Man bringt ſo viel Schwefelſäure zu dem phosphorſauren Kalzium hinzu, daß der Phos⸗ phorſäure das ganze Kalzium genommen wird und reine Phosphor⸗ 126 IV. Die Düngung. ſäure entſteht; dann preßt man auf Filterpreſſen den entſtandenen Gips, den ſogenannten Superphosphatgips(§ 73, S. 107) ab. Die ſo ge⸗ wonnene reine Phosphorſäure wird mit neuem Rohmaterial, d. h. mit ſo viel vhosphorſaurem Kalzium zuſammengebracht, daß ein phosphor⸗ ſaures Salz mit einem Teile Kalzium aus dem Ganzen entſteht, das waſſerlöslich iſt und zum Unterſchied von den Superphosphaten keinen Gips, daher aber verhältnismäßig ſehr viel mehr Phosphorſäure enthält. Cag(POH)e+ 3 H.SO.= 3Ca8O4+ 2 HPO, 4 H.PO.+ Cag(PO.)e= 3 CaH(PO)e. Im übrigen verhalten ſich die Doppelſuperphosphate genau ſo wie die Superphosphate. Man ſtellt ſie überhaupt nur darum her, um bei Verſendung auf weite Entfernungen für das Kilogramm waſſer⸗ löslicher Phosphorſäure — an Fracht zu ſparen, da rf ſie im Zentner doppelt NWVV ſoviel Phosphorſäure Pffſ enthalten, als die Su⸗ perphosphate. 111 5. Die Präzipi⸗ 1 2 3 tate werden aus Phos⸗ phaten, Knochen oder aus Thomasſchlacke ge⸗ wonnen. Man ſchließt das dreibaſiſch(neu⸗ trale) phosphorſaure Kalzium mit ſo viel Fig. 72. Filterpreſſe. Salzſäure auf, daß freie Phosphorſäure entſteht. Dieſe wird durch Hinzufügung beſtimmter Mengen von Kalkmilch in eine Phosphorſäure⸗Kalzium-Verbindung mit zwei Teilen Kalzium verwandelt und ausgefällt. Als Vorzug der Präzipitate iſt der mehlfeine Zuſtand bemerkenswert, der die Verteilung im Boden und die Löſungsfähigkeit in der Bodenfeuchtigkeit erleichtert. Einen Nach⸗ teil bedingt der Umſtand, daß beſondere Schwierigkeiten bei der Fa⸗ brikation die Herſtellung der richtigen Phosphorſäure⸗Kalzium⸗Verbindung unſicher machen, daß ferner der Dünger infolge des Gehaltes an Chlor⸗ kalzium leicht Waſſer aus der Luft anzieht und eine ſchmierige Be⸗ chaffenheit annimmt. Cas[PO4 6 HCl= 2HPO.+ 3 CaClo, 2 HaPO. 2Ca0[CaH(PO.)e 4 2 H20 + 3Ca0l.)[* 3aCl.. C. Die künſtliche Düngung. 127 § 86. Die Stickſtoff und Phosphorſäure enthaltenden künſtlichen Düngemittel. 1. Die Rohmaterialien für die Stickſtoff und Phosphorſäure enthaltenden Düngemittel ſind Peruguano, Knochen, Fiſche und Fleiſch. Der Peruguano findet ſich auf Inſeln an der Küſte von Peru vor und beſteht aus dem Dünger und den Reſten von Seevögeln, wie jene ſich bei dem Mangel an Regen in großen Maſſen anhäufen und ihren Stickſtoffgehalt bewahren. Die Knochen werden aus Schlächtereien be⸗ zogen oder von Händlern geſammelt. Die Fiſche ſind entweder minder⸗ wertige, mit anderen zuſammen gefangene Tiere, wie der Stichling, oder ſie dienen in ihren unverwertbaren Teilen(z. B. Fleiſch und Knochen des um ſeines Tranes und Fiſchbeines willen gefangenen Walfiſches) zur Düngerbereitung. Das Fleiſch iſt der Abfall von der in Amerika betriebenen Fleiſchextraktfabrikation oder ſtammt aus Ab⸗ deckereien her. 2. a) Der gemahlene Peruguano wird durch Mahlen und Sieben des Rohmaterials hergeſtellt und wurde früher ſehr viel ver⸗ wendet, als die zuerſt ausgebeuteten beſten Lager noch ſehr ſtickſtoff⸗ reichen Guano lieferten, und als die Wirkung des Guanos in erſter Linie auf dem Stickſtoffgehalte beruhte. Seine Anwendung war der des ſchwefelſauren Ammoniums gleich. b) Der aufgeſchloſſene Peruguano oder das Peruguano⸗ Superphosphat wird durch Mahlen, Sieben und Aufſchließen ſtickſtoffärmeren Rohmaterials hergeſtellt. Bei der Anwendung, welche derjenigen der Superphosphate gleich iſt, hat ſich der aufge⸗ ſchloſſene Peruguano als ein leicht ſtreubarer und ſtets wirkſamer Dünger erwieſen, deſſen Preis daher auch immer verhältnismäßig hoch iſt. 3. a) Das aus den Knochen gewonnene Knochenmehl hat mit der Zeit mannigfaltige Umwandlung erfahren. Das urſprünglich aus Knochen durch Stampfen hergeſtellte rohe Knochenmehl war zwar ein ſehr langſam wirkendes, aber bei fortgeſetzter Anwendung den Acker, beſonders leichtere Böden, ſicher hebendes Düngemittel. Man ſuchte ſeine Wirkung durch ſorgfältige Kompoſtierung zu erhöhen, konnte jedoch hierbei größere Verluſte an Stickſtoff nicht vermeiden. b) Das gedämpfte Knochenmehl(Normal⸗Knochenmehl) unterſcheidet ſich von dem rohen darin, daß nach deſſen Zer⸗ kleinerung das Fett aus den Knochen zur Gewinnung von Knochenöl ausgeſchieden wird. Anfänglich geſchah dies durch Behandlung mit Waſſerdampf, jetzt durch Ausziehen des Fettes mittelſt Benzin. Beim Dämpfen geht zwar ein Teil des Stickſtoffs verloren, doch wird das Knochenmehl durch das Entfetten leichter zerſetzlich. 128 IV. Die Düngung. Das gedämpfte Knochenmehl wirkt genügend, ſobald ihm durch den Anbau von Früchten mit langer Wachstumszeit(Winterfrüchten) Zeit zur Verweſung gelaſſen wird, und wenn der Boden nicht zu ſchwer iſt. c) Das entfettete und entleimte Knochenmehl entſteht, wenn man aus den Knochen nach dem Zerkleinern und Entfetten auch den Leim auszieht. Hierdurch geht der Sticktoffgehalt faſt völlig verloren, während die Phosphorſäure, genau wie in dem„ge⸗ dämpften Knochenmehl“, nur langſam wirkt, langſamer als in der Thomasſchlacke; die Verwendung des gedämpften und entleimten Knochen⸗ mehls iſt daher nicht zu empfehlen; ſeine Wirkung iſt nur wenig beſſer, als die der Rohphosphate. d) Das aufgeſchloſſene Knochenmehl oder Knochenmehl⸗ Superphosphat(oft des völlig fehlenden Stickſtoffs halber auch nur ſchlechtweg Superphosphat genannt) wird aus zerkleinerten, ent⸗ fetteten und entleimten Knochen durch Aufſchließen gewonnen und tritt ſomit vollſtändig in die Reihe der Superphosphate, alſo der nur phosphorſäurehaltigen Düngemittel ein. Der Gehalt an waſſer⸗ löslicher Phosphorſäure läßt uns dasſelbe wegen der Schnelligkeit der Wirkung anderen ſtickſtoffarmen Knochenmehlen vorziehen, wenn es billig zu haben iſt. Die Änderung in der Verwertung der Knochen erklärt ſich daraus, daß das Knochenmehl urſprünglich das Hauptprodukt darin war, während jetzt aus den Knochen neben der Gewinnung von Fett und Leim noch Kochenkohle für die Zuckerfabriken bereitet und nur der geringwertigere Abfall zur Bereitung von Düngemitteln als Nebenprodukt verwendet wird. Der Gehalt an Phosphorſäure und Stickſtoff iſt in allen dabei entſtehenden Düngemitteln ein ſehr wechſelnder. 4. Fiſchguano und Fleiſchdünger werden aus Fiſchen, Fiſch⸗ abfällen oder aus Fleiſch-(und Knochen⸗) Abſällen durch Trocknen und Mahlen hergeſtellt. Sie wirken langſam. § 87. Die kalihaltigen künſtlichen Düngemittel. 1. Die Rohmaterialien der kalihaltigen Düngemittel ſind die am Nord⸗ und Südharz, beſonders in Staßfurt(Prov. Sachſen) über dem Steinſalz vorgefundenen und bergmänniſch gewonnenen ſogenannten Abraumſalze, deren man fünf unterſcheidet, nämlich Sylvinit mit 20%, Kainit mit 12%, Carnallit mit 9%, Krugit mit 9% und Kieſerit mit 3% Kalium. 2. Die gemahlenen Düngeſalze werden aus den Roh⸗ materialien durch Mahlen hergeſtellt. C. Die künſtliche Düngung. 129 Bei den gemahlenen Rohſalzen iſt der Gehalt an Chlornatrium (Kochſalz) bemerkenswert, der auf Tabak und Kartoffeln bei ſpäter An⸗ wendung ungünſtig einwirkt, auch, unmittelbar vor der Saat von Halm⸗ früchten gegeben, die Keimung ungünſtig beeinfluſſen kann. Ferner iſt beachtenswert, daß die Abraumſalze dazu neigen, Waſſer aus der Luft aufzuſaugen und dann zu erhärten; will man das verhüten, ſo muß man ſie mit(2 ½%) Torfſtreu gemiſcht kaufen. 3. Die konzentrierten Kaliſalze werden in chemiſchen Fa⸗ briken aus den„rohen“ Salzen Sylvinit, Kainit uſw. durch Mahlen und durch chemiſche Behandlung und zwar ſo hergeſtellt, daß ſie einen höheren Kaligehalt bekommen. Sie unterſcheiden ſich von den rohen gemahlenen Düngeſalzen (Kaliſalzen) nur durch ihren höheren Kaligehalt, der(bis 62% ſteigen kann und) bei ſehr weiten Entfernungen die Fracht für 1 kg Kali billiger macht. Neuerdings bringt man konzentrierte Kaliſalze mit 20%, 30% oder 40% Kali in den Handel und gibt in ihnen in Waggonladungen das kg Kali ebenſo billig einſchließlich Fracht ab, als im Kainit. Der Landwirt hat dadurch den Vorteil, die Abfuhr von der Bahn weſentlich erleichtert zu ſehen, wenn auch das gleich⸗ mäßige Ausſtreuen der geringeren Menge des Düngeſalzes(pro ¼ ha) einige Schwierigkeit verurſacht. Übrigens iſt der Chlornatriumgehalt bei dem 20% igen und 30% igen Kaliſalz immer noch ein relativ hoher und nur bei dem 400%o igen ſo herabgeſetzt, daß dieſes allein als frei von den ſchädlichen Nebenwirkungen des Kainits und der anderen ge⸗ mahlenen Kalirohſalze betrachtet werden kann. Kali: Chlor⸗ Kali Chlornatrium natreumn Kainit...... 12,5% 35% 1:3 20% iges konz. Kaliſalz 20,0„ 40„ 4.2 30„„.. 30,0„ 26„ 1:0,9 40„...40,0, 20„ 1:0,5 Bei 50 kg Kali pro ha gibt man 400 kg Kainit 50 kg Kali 140,0 kg Chlornatrium. 250„ 20% iges Salz 50„„ 100,0„. 125„ 40„„ 50„, 27,5„ 7 4. Die gereinigten Kalidünger, das ſchwefelſaure Kalium (Kaliumſulfat, auch Kaliummagneſiumſulfat) und die kohlenſaure Kalimagneſia(Kaliummagneſiumkarbonat), werden in chemiſchen Fabriken aus den rohen Salzen dargeſtellt und unterſcheiden ſich von den rohen gemahlenen Salzen durch das Fehlen des Chlornatriums und durch höheren Kaligehalt(bis 48%). Bei ihrer Anwendung ſind die ſchädlichen Wirkungen des in den rohen Salzen enthaltenen Chlors nicht zu befürchten und man kann ſich derſelben infolgedeſſen 9 Droyſen⸗Giſevius. Ackerbau. 6. Auflage. 130 IV. Die Düngung. zu allen Früchten bedienen. ¹) Ihre Anwendung tritt neuerdings zurück, ſeitdem wir uns mehr des 40% igen konzentrierten Salzes bedienen. § 88. Die Düngung der Pflanzen mit Ätickſtoff und Phosphorſäure. 1. Der Bedarf der Pflanzen an Stickſtoff iſt ein ver⸗ ſchiedener. Es entnehmen z. B. die Halmfrüchte in einer Ernte dem Boden weit weniger Stickſtoff, als die Hülſenfrüchte. Trotzdem müſſen jene mit viel größeren Stickſtoffmengen als dieſe gedüngt werden, weil die Wurzeln der Schmetterlingsblütler durch die in den Wurzelknöllchen lebenden Pilze(§ 80, 1) den Stickſtoff ſelbſt ſammeln. Unter Umſtänden hat man auch erfolgreich durch Bodenimpfen nachgeholfen. Die Auf⸗ nahme von Stickſtoff aus der Luft geht um ſo ſtärker vor ſich, je reicher der Boden an Phosphorſäure, Kali und Kalk iſt. Der Landwirt muß daher beſtrebt ſein, den teuern Stickſtoff ſich möglichſt koſtenlos durch verſtändige Auswahl und durch Mineraldüngung von Gründüngungspflanzen zu verſchaffen. Soweit der Stickſtofferſatz durch Stall⸗ und Gründüngung nicht ausreicht, wird vornehmlich der Chiliſalpeter benutzt, da er überaus ſchnell wirkt, während das ſchwefelſaure Ammoninm erſt in ſalpeter⸗ ſaure Salze umgewandelt werden muß, ehe ſein Stickſtoff von den Pflanzen aufgenommen werden kann. Der Chiliſalpeter wird aber nur dann voll zur Wirkung kommen, wenn es dem Boden nicht an Phos⸗ phorſäure und Kali fehlt. Da der Boden Salpeterſäure nicht feſt⸗ halten kann, ſo wendet man den Salpeter nur im Frühjahr an. Iſt der Boden von durchläſſiger Beſchaffenheit, ſo ſtreut man den Dünger obenauf, und zwar ½ unmittelbar zur Zeit der Saat und den Reſt in zweimaligen Zwiſchenräumen von 2—4 Wochen.(Auf ſchwereren Böden kann der Salpeter eingeeggt werden. Es empfiehlt ſich aber auch hier, einen Teil als Kopfdüngung zu verabfolgen. Iſt Klee in die Sommerſaat geſät, ſo warte man mit dem Ausſtreuen des Salpeters, bis die jungen Kleepflanzen aufgelaufen ſind, da ſich bei trockener Witterung leicht eine Kruſte bildet, und die Salpeterſäure den zarten Keimlingen ſchädlich werden kann.) Je nach Boden- und Fruchtart wechſeln die anzuwendenden Mengen von Chiliſalpeter (zwiſchen ½— 2 Ztr. für ¼ ha). Eine übermäßige Düngung bringt Lagergetreide und geringen Körnerertrag. ¹) In dem gelegentlich von den Fabriken angebotenen Kaliumphosphat iſt das Kali viel zu teuer und ſeine Verwendung daher nur zur ſchnellen Anzucht von beſonders wertvollen Gewächſen(Spalierobſtbäumen u. dergl.) zu empfehlen. C. Die künſtliche Düngung. 131 Das ſchwefelſaure Ammonium kann längere Zeit vor der Saat ausgeſtreut und untergepflügt werden. Seine Wirkung iſt nicht ſo ſicher wie die des Chiliſalpeters. 2. a) Will man den Boden an Phosphorſäure bereichern, ſo kann dieſes in Form von Superphosphat oder Thomasſchlacke oder gedämpftem Knochenmehl erfolgen. Das Superphosphat mit ſeiner leicht löslichen Phosphorſäure iſt überall dort zu bevorzugen, wo der Boden arm an Phosphorſäure und Humus, nicht zu kalkarm, wo er ſchwer iſt und geringe Tätigkeit beſitzt. Die Thomasſchlacke iſt mehr für humoſe, gut durchlüftete, kalk⸗ ärmere und leichtere Böden geeignet. Man düngt ferner damit vorzugs⸗ weiſe mehrjährige Futterfelder und Pflanzen von längerer Vegetations⸗ dauer. Es läßt ſich hierbei auch ein Mittelweg einſchlagen, indem man für den erſten Bedarf den Pflanzen einen Teil der Phosphorſäure in Form von Superphosphat, den anderen Teil für den ſpäteren Bedarf behufs Anreicherung des Bodens in Form von Thomasſchlacke gibt. Im allgemeinen gilt der Satz, daß man, um die gleiche Wirkung zu erzielen, doppelt ſoviel Kilogramm zitronenſäurelösliche Thomasſchlacken⸗ phosphorſäure für 1 ha geben muß, als waſſerlösliche Superphosphat⸗ phosphorſäure. Den Wert der Thomasſchlacke ſchätzt man jetzt allein nach der Zitronenſäurelöslichkeit der Phosphorſäure, die etwa 70% der Geſamtphosphorſäure ausmachen ſoll. Bezüglich der Verwendung des Thomasſchlackenmehls iſt zu beachten, daß die Phosphorſäure darin zwar löslich iſt, aber einer gewiſſen Zeit und Feuchtigkeit im Boden zu ihrer völligen Zerſetzung und zur Überführung in die für die Wurzeln aufnehmbare Form bedarf. Zu Herbſtſaaten geben wir ſie daher möglichſt früh, zu Frühjahrsſaaten ſchon im Herbſt oder doch ſpäteſtens zur Zeit der Schneeſchmelze(Februar), da das ſpätere Aus⸗ ſtreuen in trockenen Jahren erfahrungsgemäß die Wirkung verzögert und erſt ſpäter im darauffolgenden Sommer eintreten läßt. Die Unterbringung erfolgt mit dem Pfluge oder Krümmer bis zur vollen Tiefe der Ackerkrume. Gedämpftes Knochenmehl wird auf leichteren Böden zu Früchten mit längerer Wachstumszeit, beſonders zu Winterhalmfrüchten verwendet. b) Das Ausſtreuen der Phosphordünger erfolgt am beſten mit der Düngerſtreumaſchine. In Ermangelung derſelben miſcht man den Dünger der beſſeren Verteilung halber mit 3 Teilen trockenen Sandes oder trockener Torferde und ſtreut ihn mit der Hand. Das unvermiſchte Ausſtreuen der Schlacke kann leicht bösartige Entzündungen an Händen und Augen hervorrufen. 9* 132 IV. Die Düngung. 3. Handelt es ſich um eine Düngung von Winterpflanzen, ſo gibt man im Herbſte zunächſt entweder Superphosphat oder Schlacke oder Knochenmehl. Zeigen die Pflanzen im Frühjahr keinen ge⸗ nügenden Stand, ſo benutzt man zeitig Ende März oder anfangs April den Chiliſalpeter als Kopfdüngung. Denſelben ſchon im Herbſt an⸗ zuwenden, empfiehlt ſich nur ſo weit, als die Pflanzen ihn vor Eintritt der Winterruhe noch verarbeiten können. Auf den meiſten Böden dürfte wohl dieſer Vorrat vorhanden ſein. Um neben Phosphorſäure auch gleichzeitig kleine Mengen Stickſtoff geben, um ferner deren gleichmäßige Verteilung möglich machen zu können, und endlich um beide Nährſtoffe mit einem einmaligen Ausſtreuen geben zu können, verwendet man auch einen Miſchdünger, Ammoniak-Superphosphat(vgl.§ 90; z. B. 9 Ph+ 9 N oder 12 Ph+ 3 N). Für Sommerſaaten wendet man in erſter Linie das Superphosphat in Gemeinſchaft mit Chiliſal⸗ peter an, und zwar bei den Halmfrüchten in dem Verhältnis von 3— 2:1, während bei Zuckerrüben unter Umſtänden gleiche Gaben von jedem Dünger gereicht werden. Die zu verabfolgende Menge an Super⸗ phosphat ſchwankt je nach der Bodenkraft und der Pflanzenart(wiſchen 4 und 12 Ztr. für den Hektar). Thomasſchlacke ſoll ſchon im Herbſte vorher, ſpäteſtens unmittelbar nach der Schneeſchmelze ge⸗ geben ſein. § 89. Die Anwendung der Kalidünger. 1. Das Bedürfnis der Kulturpflanzen an Kali iſt ein ſehr ungleiches. a) Von den Halmfrüchten hat die Gerſte ein größeres Bedürfnis für Kali, als Hafer; insbeſondere liefert ſie bei ſtarker Düngung mit Kali und Phosphorſäure eiweißärmere und ſtärke⸗ reichere und für Brauzwecke geeignetere Körner. Von den anderen Halmfrüchten hat der Roggen ein größeres Kalibedürfnis, als der Weizen. Chlornatriumhaltige Kaliſalze müſſen zu Halmfrüchten möglichſt früh vor der Saat gegeben werden, da ſie auf die Keimung ungünſtig einwirken können. b) Von großer Bedeutung iſt die Kalidüngung ferner für die Hülſenfrüchte und ſchmetterlingsblütigen Futterpflanzen. Ganz beſonders muß hervorgehoben werden, daß Lupinen und Serradella nach einer voraufgehenden Kalidüngung ſelbſt auf ſtark kalkhaltigen Bodenarten angebaut werden können, die ſie ſonſt nicht lieben. Bei Gründüngungspflanzen aus der Familie der Schmetter⸗ lingsblütler gibt man jetzt ſogar häufig vor denſelben nur Kali und erſt bei oder nach ihrer Unterbringung Phosphorſäure für die Nach⸗ frucht, während ſie ſelbſt derſelben den Stickſtoff darbieten. c) Bei den Hackfrüchten iſt für Kartoffeln ganz beſonders auf den Chlornatriumgehalt der Kalidünger zu achten, der auf Menge —————— C. Die künſtliche Düngung. 133 und Güte der Knollen ungünſtig einwirkt. Es empfiehlt ſich für chlor⸗ natriumhaltige Kaliſalze eine ſehr frühzeitige Anwendung, am beſten aber die Einbringung zur Vorfrucht oder im Herbſte, um das Chlor⸗ natrium durch das Regenwaſſer auswaſchen zu laſſen. Hingegen iſt eine Zaghaftigkeit bei der Anwendung der unmittelbaren Kalidüngung zu Rüben heute nicht mehr am Platz. Bei der Verwendung chlor⸗ natriumfreier Kaliſalze bedarf es natürlich in keinem Falle beſonderer Rückſichtnahme, z. B. auch nicht bei dem 40% igen Kaliſalz. d) Unter den Handelspflanzen iſt der Hopfen beſonders kalibedürftig. Da es ſich immer nur um kleine, aber ſehr ertragreiche Flächen bei demſelben handelt, ſo gibt man Kaliſalze jährlich und in größerer Menge als ſonſt(z. B. auf 1 ha jährlich bis 100 kg 40% igen Kaliſalzes). Auch der Tabak bedarf eines gewiſſen Kali⸗ gehalts im Boden; nur liefern chlornatriumhaltige Salze leicht ein ſchlecht brennendes Blatt, daher man zu Tabak nur die chlornatrium⸗ freien Kaliſalze verwenden ſoll. e) Hervorragend bedürftig des Kalis ſind die Wieſenpflanzen, welche dem Boden viel mehr Kali und Phosphorſäure entziehen, als durch Düngung und Bewäſſerung zurückgegeben wird. Die Kalidüngung, namentlich in Gemeinſchaft mit Thomasſchlackendüngung, ruft auch ſehr bald eine Menge von Schmetterlingsblütlern hervor, ſo daß der Futter⸗ ertrag an Maſſe und Güte wächſt. Man düngt mit 8—16 Ztr. Kainit und zugleich, da die Wieſen etwa viermal ſoviel Kali als Phosphorſäure gebrauchen und in 1 Ztr. Kainit wie in 1 Ztr. Thomasſchlacke die gleichen Prozentſätze für Kali wie für zitronen⸗ ſäurelösliche Phosphorſäure gelten, mit 2—4 Ztr. Thomasſchlacke jährlich. 2. Das Ausſtreuen der Kalirohſalze erfolgt am beſten im Herbſt. Sind Wieſen ſtarken Überſchwemmungen im Frühjahr ausge⸗ ſetzt, ſo wird die Düngung erſt im Frühling, unmittelbar nach Rück⸗ tritt des Waſſers, vorgenommen. Anzuführen iſt noch, daß die Düngung mit Kaliſalzen entkalkend auf den Boden wirkt und unter Umſtänden für den Erſatz des Kalkes Sorge getragen werden muß. In der Nähe des Gewinnungsortes tritt an Stelle des Kainits vielfach der chlorreichere, billigere Carnallit. Auf Wieſen erweiſt ſich der Chlornatriumgehalt der Rohkaliſalze nicht als ſchädlich, ſondern kann ſogar zur Vertilgung des Mooſes dienen. 3. Die Einbringung der Kalidünger erfolgt durch Ausſtreuen und bei Ackerland außerdem durch Unterpflügen. 4. Bei dem Bezuge der Düngerſalze iſt auf den Kaligehalt, wie auf feine Mahlung zu halten, da grobkörnige Salze ſich nicht ſo gut verteilen und ſich langſamer auflöſen. ¹) ¹) Bei dem Bezuge von Sylvinit iſt bemerkenswert, daß die Fabriken oder Bergwerke ihn nicht zu feſten Preiſen abgeben, ſondern bei Mehrgehalt 134 IV. Die Düngung. § 90. Die Miſchdünger. 1. Unter den Namen künſtlicher Guano, Wieſendünger, Rübendünger, ſtickſtoffhaltige Superphosphate, Ammoniak⸗ Superphosphate werden Düngemittel verkauft, welche durch Miſchung einfacher Düngemittel hergeſtellt ſind. Man will ſie dem Landwirte dadurch begehrenswerter erſcheinen laſſen, daß man ihre Namen denen bekannter Düngemittel ähnlich geſtaltet(Kunſt⸗Guano), oder Miſchungen für beſtimmte Pflanzen empfiehlt(Rübendünger), oder dadurch, daß man ihren Gehalt vielſeitiger erſcheinen läßt ſtickſtoff⸗ haltige Superphosphate). ¹) 2. Gegen die Miſchdünger ſprechen viele Gründe. Es werden dabei oft Düngemittel miteinander in enge Berührung ge⸗ bracht, die getrennt zu halten ſind, wie ſchwefelſaures Ammonium und Thomasſchlacke, deren Kalkgehalt das Ammoniak austreibt. Ferner werden oft Düngemittel miteinander gemiſcht, deren Anwendung ſehr verſchieden zu handhaben iſt, wie Thomasſchlacke und Chili⸗ ſalpeter, oder wie Superphosphat und Hornmehl. Endlich iſt die Auffaſſung falſch, daß zu einer beſtimmten Frucht unter allen Umſtänden eine nach einem Rezept hergeſtellte Miſchung richtig ſei. Je nach den ausgeführten Erzeugniſſen der Wirtſchaft, nach der Fruchtfolge, nach der Art und Menge der zugekauften Futter⸗ mittel und nach dem Boden iſt für Phosphorſäure, für Stickſtoff und für Kali Erſatz in wechſelnder Menge zu leiſten. 3. Manche Landwirte ſuchen die Arbeit des Ausſtreuens dadurch zu vereinfachen, daß ſie mehrere miteinander anzuwendende Düngemittel ſelbſt vor demſelben zuſammenmiſchen. a) Dieſe Maßregel iſt nur bei gleichmäßig zu behandelnden Düngemitteln ſtatthaft, unzuläſſig z. B. bei Chiliſalpeter und Thomas⸗ mehl, von denen das eine als Kopfdünger zu geben, das andere unter⸗ zupflügen iſt. b) Ganz unzuläſſig iſt das Vermiſchen ſolcher Dünge⸗ mittel, welche chemiſch einen ungünſtigen Einfluß aufein⸗ ander ausüben. Bei denſelben tun wir ſogar gut, ſie nicht un— an Kalium denſelben beſonders vergütet haben wollen; ein gemeinſamer Bezug mehrerer Nachbarn wird oft durch die Unmöglichkeit, den Preis vorher genau anzugeben, erſchwert. ¹) Henſels Steinmehl und ſeine anderen aus gemahlenem Geſtein her⸗ geſtellten Düngemittel, die von ihm für verſchiedene Pflanzen angeboten werden, ſind ein Gemiſch von gemahlenem Marmor, gebranntem Kalk und gemahlenem unwirkſamem Rohphosphat; wir erzielen die gleiche Wirkung billiger durch eine Mergelung oder durch Anwendung von gebranntem Kalke. C. Die künſtliche Düngung. 135 mittelbar nacheinander getrennt anzuwenden, ſondern nach dem Aus⸗ ſtreuen des einen erſt einen Eggſtrich zu geben, ehe wir das zweite verwenden. Im allgemeinen bezieht ſich das hier Geſagte auf folgende vier Fälle: Chiliſalpeter, dem wir ein Superphosphat mit überſchüſſiger Schwefelſäure oder ein Präzivitat mit überſchießender Salzſäure bei⸗ miſchen, wird zerſetzt und verliert einen Teil der Salpeterſäure(röt— liche Dämpfe) und damit des Stickſtoffs. Schwefelſaures Ammonium und der etwas Ammoniak enthaltende Peruguano dürfen mit kalkhaltigen Düngemitteln wie Thomasmehl, gebranntem Kalk und Aſche nicht vermengt werden, da ſonſt Ammoniakverluſte eintreten. Superphosphate und Präzipitate dürfen mit kalkhaltigen Düngemitteln aus dem Grunde nicht zuſammengebracht werden, weil die waſſerlösliche oder doch bodenlösliche Phosphorſäure(ein⸗ oder zwei⸗ baſiſch phosphorſaures Kalzium) durch den Kalk in unlösliche Phos⸗ phorſäure(dreibaſiſch phosphorſaures Kalzium) zurückverwandelt wird. Rohe Kaliſalze und Thomasmehl dürfen zwar miteinander gemiſcht, müſſen dann aber ſofort(in 2 Tagen) ausgeſtreut werden, da ſie erfahrungsgemäß ſonſt leicht ſchnell verhärten. § 91. Die Angabe des Nährſtofferſatzes in den künſtlichen Düngemitteln und der Preis derſelben. 1. Wenn wir dem Boden für 1 ha eine gewiſſe Menge eines Nährſtoffes(z. B. 32 kg Phosphorſäure) erſetzen wollen, ſo iſt es im allgemeinen gleichgültig, ob der Erſatz durch große Mengen gering⸗ haltiger oder kleine Mengen reichhaltiger Düngemittel(z. B. ob durch 200 kg eines 16% igen oder durch 400 kg eines 8% igen Super⸗ phosphats), nicht aber, ob die gleiche Zentnerzahl hoch⸗ oder gering⸗ prozentiger Düngemittel gegeben wird. Es iſt alſo falſch, den Erſatz für die Flächeneinheit in der Zentnerzahl der Düngemittel anzugeben, da bei dem ſtark ſchwankenden Gehalt der letzteren der Er⸗ ſatz ſehr verſchieden hoch ausfallen kann; vielmehr iſt es notwendig, ſich an die Angabe in Kilogrammen der Nährſtoffe zu gewöhnen. 2. In gleicher Weiſe muß bei dem Preiſe der Zentnerpreis des Düngemittels von dem Kilogrammpreis der Nährſtoffe unter⸗ ſchieden werden. Der Erſatz eines Nährſtoffes wird am billigſten ſein, wenn wir das Kilogramm desſelben unter Einrechnung von Fracht und Nebenkoſten am billigſten beſchafft haben, nicht bei dem billigſten Zentnerpreiſe des Düngemittels. ¹) ¹) Der Zentnerpreis der Düngemittel verſchleiert leider den Kilo⸗ grammpreis der Nährſtoffe für den mit den Verhältniſſen nicht vertrauten 136 IV. Die Düngung. Bei der Thomasſchlacke iſt nur der Gehalt an zitronenſäure⸗ löslicher Phosphorſäure(nicht mehr der Gehalt an Feinmehl und an Geſamtphosphorſäure) bei Berechnung des Preiſes zu berückſichtigen. ¹) Bei allen Berechnungen vor Bezug des Düngers iſt betreffs der Fracht darauf zu achten, daß die Frachtſätze nicht für beliebige Mengen gelten, ſondern ſich am günſtigſten ſtellen, wenn man die bezogenen Mengen auf 200 Ztr. (100 mctr) abrundet. ²) 3. Um einen zahlenmäßigen Vergleich zwiſchen dem Preiſe der düngen⸗ den Beſtandteile verſchiedener Düngemittel zu ermöglichen, bedient man ſich auch der Düngewerteinheiten. Als Werteinheit für die düngenden Stoffe nimmt man den Durchſchnittspreis von 1%(1 kg) Kali(in Kainit) an. Es entſpricht dann der Wert von 1% zitronenſäurelöslicher Thomasſchlackenphos⸗ phorſäure ungefähr 2,5, von 1% waſſerlöslicher Phosphorſäure 4, der des Stickſtoffs je nach der Löslichkeit 9— 10 Düngewerteinheiten. Man berechnet nun die Anzahl der Düngewerteinheiten in 1 Doppelzentner und dividiert dann mit derſelben in den Preis des Doppelzentners. Der ſo berechnete Preis der Düngewerteinheit gibt uns dann den zahlenmäßigen Anhalt zum Vergleich mit anderen Düngemitteln. § 92. Gewähr(Garantie) und Kontrolle. 1. Die fortgeſetzten Betrügereien und die damit eingetretene Un⸗ ſicherheit im Düngerhandel führten zu einer Einigung zwiſchen Ver⸗ käufern und Landwirten. Die reellen Verkäufer verpflichteten ſich zu einer Gewähr für den angegebenen Gehalt der Düngemittel, ſowie Landwirt ſo vollſtändig, daß dadurch der Düngerhandel für den kleinen Land⸗ wirt durch Unterbieten im Zentnerpreiſe in völlig unreelle Bahnen gedrängt wird, indem z. B. Superphosphate mit 3— 4% Geſamtphosphorſäure, Thomasſchlacke mit 6% zitronenſäurelöslicher Phosphorſäure im Kleinhandel anzutreffen ſind. ¹) In manchen Ländern wird die Thomasſchlacke noch nach Geſamt⸗ phosphorſäure und Feinmehl oder nach Feinmehlphosphorſäuregehalt verkauft. ²) Neuerdings kommen auch Waggons mit etwas höherer Tragfähigkeit (250 Ztr.) zur Verwendung.— Der Preis für 1 kg Nährſtoff beträgt gegen⸗ wärtig durchſchnittlich(ohne Fracht und Nebenkoſten): für Stickſtoff in leicht zerſetzlichen Düngemitteln... 1 M. 20 Pf., 2.„„ ſchwer 4 1„—, „ waſſerlösliche Phosphorſäure..........„ 50„ , zitronenſäurelösliche Thomasmehlphosphorſäure..—„ 30„ „Kali in den rohen Düngeſalzen...—„ 12 „„„„ konzentrierten oder gereinigten Kalidüngern—„ 30„. Bei dem 40% igen Kaliſalz wird die Preisangabe ohne Fracht illuſoriſch, da Frachtrückvergütung bei größeren Entfernungen gewährt wird. Im Waggon loſe(d. h. ohne Sack) bezogen koſtet 1 kg Kali darin dann einſchließlich Fracht (frei Ankunftsort) ſo viel, als 1 kg Kali im Kainit. C. Die künſtliche Düngung. 137 zur Angabe der Firma, des Namens des Düngemittels und ſeines Gehalts an Stickſtoff(St), Phosphorſäure(Ph) und Kali(K) auf jedem Sacke. ¹1) Bei Superphosphaten bedeutet eine Zahl für Ph. waſſerlös⸗ liche Phosphorſäure, bei zwei durch ein+ verbundenen Zahlen die erſte waſſerlösliche, die zweite nichtwaſſerlösliche Phosphorſäure. Bei einem Mindergehalte ſind die Verkäufer zu einer ent⸗ ſprechenden Rückvergütung verpflichtet. Die Käufer ſind dabei an eine Entnahme von drei Proben*) nach beſtimmten Regeln gehalten. 2. Die Kontrolle wird von den landwirtſchaftlichen Verſuchs⸗ ſtationen geübt. Eine der drei Proben wird zur Unterſuchung der nächſten derartigen Station, die zweite auf Verlangen dem Fabrikanten zugeſtellt. Sind Käufer oder Verkäufer mit der zunächſt maßgebenden Unterſuchung der erſten Proben nicht einverſtanden, ſo muß die dritte Probe in Gegenwart unbeteiligter Zeugen in zwei Teile geteilt und zwei Verſuchsſtationen eingeſendet werden, deren eine der Käufer, die andere der Verkäufer wählt. Der Durchſchnitt der beiden letzten Unter⸗ ſuchungsergebniſſe iſt dann entſcheidend und maßgebend. Die Koſten der erſten Unterſuchung trägt oft der Käufer. Ver⸗ ſuche, gegen einen jährlichen Entgelt die Lager der Verkäufer unter dauernde Kontrolle einer Verſuchsſtation zu ſtellen, haben ſich als unausführbar erwieſen, da die Überwachung des Lagers zu ſchwierig und die Umgehung der Kontrolle(geheim gehaltene Lagerräume) nicht zu beſeitigen iſt. Sehr praktiſch iſt dagegen die Art der Kontrolle, nach welcher der Fabrikant die Unterſuchungen, welcher jeder beliebige Abnehmer einer Mindeſtmenge(10 Ztr.) machen läßt, der Station (entweder einzeln oder in Bauſch und Bogen) bezahlt. Durch die Koſtenloſigkeit werden die Landwirte zur häufigen Benutzung der ¹) Zuläſſige Abkürzungen ſind ferner Sup. für Superphosphat, St.-Sup. für ſtickſtoffhaltige Superphosphate, Chil. für Chiliſalpeter, Am. für ſchwefel⸗ ſaures Ammonium, Am.-Sup. für Ammoniak⸗Superphosphat. ²) Die drei Proben ſind auf dem Bahnhofe oder innerhalb zwei Tagen am Empfangsorte in Gegenwart eines Beauftragten des Verkäufers oder eines unbeteiligten, mit den Bedingungen bekannt gemachten Zeugen ſo zu entnehmen, daß bei einer Sendung von unter 200 Ztr. aus jedem fünften, bei größeren Sendungen aus jedem zehnten Sacke mit Hilfe eines Probenſtechers eine Probe genommen wird. Alle Proben werden auf trockener und reiner Unterlage gemiſcht und die Miſchung in drei mindeſtens je ½ kg wiegenden Teilen in trockenen Glasflaſchen verſchloſſen, verſiegelt und mit entſprechender Aufſchrift verſehen. Eine Verhandlung über die Entnahme, welche die Firma, den Namen des Düngers, den gewährleiſteten Gehalt und die Zahl wie das Gewicht der Säcke enthalten muß, iſt von dem Käufer und dem Zeugen zu unterſchreiben. 138 IV. Die Düngung. Kontrollſtationen angeregt; der Kaufmann wird durch die erweiterte Möglichkeit der Kontrolle zu reeller Lieferung veranlaßt, hat aber ſeiner⸗ ſeits auch den Vorteil größeren Vertrauens bei den Käufern und ſteigenden Umſatzes. D. Die indirekten Düngemittel. (Vergl.§ 70, 2— S. 103.) § 93. Der Kalk. 1. Das Kalzium kommt als unentbehrlicher Nährſtoff in allen Pflanzenteilen, in gewiſſen ſogar in ſehr großen Mengen vor. In den oberirdiſchen Pflanzenteilen iſt der Kalkgehalt ein weit größerer als in den unterirdiſchen. Eine reichliche Kalknahrung begünſtigt die kräftige Ausbildung der Wurzeln und der oberirdiſchen Pflanzenteile. Da der Boden häufig ſo viel Kalk enthält, als zur Pflanzenernährung nötig iſt, ſo haben wir bei der Kalkdüngung mehr die indirekte Wirkung im Auge, bei der wir eine chemiſche und eine phyſikaliſche unterſcheiden. Die chemiſche Wirkung beruht auf Beſeitigung der Humus⸗ ſäuren, ſowie auf ſtärkerer Zerſetzung der organiſchen Reſte des Humus und der mineraliſchen Beſtandteile des Bodens, unter Umſtänden auch auf der Überführung der bei Näſſe auftretenden ſchädlichen Eiſenoxydul⸗ in unſchädliche Eiſenoxydverbindungen. Die phyſikaliſche Wirkung äußert ſich in einer auffallenden Lockerung bindiger Böden und in der als Folge vermehrter chemiſcher Umſetzungen erſcheinenden ſtärkeren „Tätigkeit“ kalter Böden. Ein leichter Boden erhöht durch Kalkdüngung ſeine Bindigkeit und Abſorptionskraft. Da durch die ſtärkere künſtliche Düngung auch der Aufbrauch des im Boden urſprünglich vorhandenen Kalkes wächſt, ſo legt man neuerdings dem Erſatze desſelben mit Recht einen größeren Wert bei, als früher. 2. Atzkalk entſteht durch Brennen des kohlenſauren Kalziums (Kalkſteins) und darauf folgendes Ablöſchen des gebrannten Kalkes. Bei dem Brennen wird aus dem kohlenſauren Kalzium das Kohlen⸗ ſäureanhydrit ausgetrieben und es bleibt Kalziumoxyd(gebrannter Kalk) zurück, das durch Berührung mit Waſſer beim Ablöſchen zu Kalzium⸗ hydroxyd oder Atzkalk wird. CaCO,= CaO0+ 002. Cao+ H.O= Ca(OH).. 3. Die Anwendung des AÄtzkalkes, den man als gebrannten Kalk kauft, erfolgt ſo, daß man auf dem Felde kleine Haufen(von etwa 20 kg) bildet und mit Erde bedeckt, worauf mit Hilfe der Boden⸗ feuchtigkeit das Ablöſchen ſich vollzieht und der Stückkalk in feines D. Die indirekten Düngemittel. 139 Pulver zerfällt. Die Erddecke ſoll die Bildung von Kalkmilch bei Regenwetter verhindern. Hierauf ſtreut man den Kalk bei trocknem Wetter aus und bringt ihn mit dem Pfluge unter.(Die erforderliche Menge beträgt auf leichtem Boden 25 Ztr., auf ſchwerem bis 60 Ztr. für ein Hektar) Bei einer anderen Anwendungsweiſe wird der Kalk in 50 Ztr. große Haufen gefahren, jeder derſelben mit 100 Eimer Waſſer begoſſen und ziemlich ſtark mit Erde bedeckt. Schon nach wenigen Stunden kann man den Kalk mit der Maſchine ausſtreuen. In Ermangelung einer Maſchine wird der vorher geſiebte Kalk auf Wagen geladen und von dieſen aus mit Schaufeln auf dem Felde verteilt. Durch den Ätzkalk werden Lungen, Augen und Hände der Arbeiter ſtark angegriffen.(Als gebrannter Kalk wird den Landwirten auch Kalkſtaub lein Abfallprodukt) angeprieſen, deſſen Anwendung aber nicht empfohlen werden kann, da häufig ein Teil— weil kieſelſäure⸗ haltig— verglaſte Stücke bildet, die ſich nicht löſchen laſſen.) Man muß das Ablöſchen kurz vor der Anwendung auf dem Felde ſelbſt be⸗ ſorgen, da bei längerem Liegen ſonſt ein großer Teil an der Luft ſich in kohlenſaures Kalzium zurückverwandelt. 4. Das kohlenſaure Kalzium findet auch ohne Brennen und Ablöſchen Anwendung. Die Formen, in denen wir das kohlenſaure Kalzium vorfinden, ſind der— noch einer Zerkleinerung bedürfende— Kalkſtein, der Wieſenkalk und der Scheideſchlamm aus Zucker⸗ fabriken. Das kohlenſaure Kalzium entſpricht im allgemeinen bezüglich ſeiner Wirkung der des ützkalkes; ſie iſt aber eine weit ſchwächere, ſo daß die doppelte Menge und mehr angewendet werden muß. 5. Der Mergel(Boden, der viel kohlenſaures Kalzium enthält) wird häufig verwendet und muß nur in um ſo größeren Mengen gebraucht werden, je geringer ſein Kalkgehalt iſt. Der Mergel iſt eine der landwirtſchaftlich wichtigſten Formen des kohlenſauren Kalziums, weil er häufig auf dem Acker ſelbſt vorkommt, alſo nicht bezahlt und verfrachtet, ſondern nur ausgefahren und nach ſeinem Zerfallen geſtreut zu werden braucht. Man fährt ihn aus Mergelgruben heraus, die man entweder da anlegt, wo der„Abraum“, d. h. die darüber befind⸗ liche kalkarme Bodenſchicht, nicht zu hoch(bis 60 cm) iſt, oder da, wo er an Geländeeinſchnitten(z. B. Hohlwegen, Bachufern) offen liegt, an denen der Abraum leicht abgeworfen und ſo der Mergel auch in tiefen Schichten gewonnen werden kann. Da ein jeder Mergel, mit Salz— ſäure begoſſen, guter Mergel ſchon beim Übergießen mit Eſſig, infolge des Ausſcheidens von Kohlenſäure aufbrauſt, ſo hat man darin ein Mittel, ſich an den betreffenden Ortlichkeiten die Stellen aufzuſuchen, an denen der Mergel am kalkreichſten iſt. 140 IV. Die Düngung. 6. Bei der Anwendung von Atzkalk, kohlenſaurem Kalzium und Mergel iſt beſondere Vorſicht nötig, da der Kalk weniger als Nähr⸗ ſtoff, als vielmehr„bodenanregend“ wirkt. Ihre Benutzung iſt da richtig, wo man es mit ſchwerem, trägem, aber nährſtoffreichem Boden zu tun hat, oder wo nach dem Sprichwort„gleich hinter der Mergel⸗ karre der Düngerwagen folgt“, d. h. wo man durch entſprechende Düngungen reichlichen Erſatz an Nährſtoffen bieten kann. Im anderen Falle ſteigern ſich allerdings die Ernten der erſten Jahre, ſpäter iſt der Boden aber entkräftet oder„ausgemergelt“, und es behält das andere Sprichwort Recht:„Der Kalk macht reiche Väter, aber arme Kinder“. § 94. Die Moorerde. Zu den indirekten Düngemitteln kann auch die Moorerde ge⸗ rechnet werden, beſonders wenn ſie Kalk enthält. Der Humus der Moorerde vermehrt die Bindigkeit des leichten, vermindert dagegen die des ſchweren Bodens und befördert die Löſung der Nährſtoffe durch Entwickelung von Kohlenſäure, während zugleich die Abſorptionskraft des Bodens vermehrt wird. Der an Kohlenſäure gebundene Kalk in der Moorerde wirkt ebenſo wie der im Mergel(§ 93). Bei der Ausführung des Moderns wird die Moorerde im Herbſt zuerſt aus dem Moor ausgehoben und in flacher Schicht auf⸗ geſetzt oder nach dem Ausfahren auf dem Felde in kleinen Haufen liegen gelaſſen, um die vorhandenen Säuren mittelſt Durchlüftung zu zerſetzen und das ſonſt leicht erhärtende Moor durch den Froſt zu lockern. Im erſteren Falle wird dann die Moorerde je nach Umſtänden mit Karren, Wagen oder Feldbahn auf das Feld gebracht. Bei hügeligem Gelände werden zunächſt die Erhöhungen gemodert. § 95. Gips. Steinſalz. Eiſenvitriol. 1. Der Gips(ſchwefelſaures Kalzium mit Waſſer) wird berg⸗ männiſch gewonnen und dann gemahlen¹) oder als Nebenprodukt in chemiſchen Fabriken hergeſtellt. Er iſt in Waſſer etwas löslich. G 14, 2— S. 27.) Seine bodenanregende Wirkung bezieht ſich im weſentlichen darauf, daß die unlöslichen Kaliumverbindungen in lösliche verwandelt werden; ſie zeigt ſich darum beſonders ſtark bei Schmetterlingsblütlern. Ihrer Natur nach äußert ſich eine ſtarke Wirkung aber nur auf nähr⸗ ſtoffreichen, nicht auf armen Böden. Die Anwendung des Gipſes erfolgt im Frühjahr, wenn die Pflanzen im Wachſen ſind(„er ſoll auf das Blatt fallen“), als Kopf⸗ ¹) Ein Brennen des Düngegipſes findet nicht ſtatt. D. Die indirekten Düngemittel. 141 dünger bei feuchter Witterung oder nach einem Regen(in Mengen von 4—6 Zentnern für 1 ha). Die Verwendung von Gips als Dünger geht erheblich zurück, ſeitdem wir gelernt haben, den Pflanzen durch Vermehrung des Kalivorrats im Boden mit Hilfe der Staßfurter Abraumſalze auf anderem Wege größere Mengen von Kalium zur Verfügung zu ſtellen. 2. Das Steinſalz(Chlornatrium) wird in Staßfurt u. a. a. O. bergmänniſch gewonnen und daraus durch Mahlen und Zuſatz gewiſſer Stoffe„Viehſalz“ hergeſtellt(vergl. S 35,§ 21 D. 6), welches man ſeines billigen Preiſes wegen, anſtatt des teuern Kochſalzes, zur Düngung verwendet. Die bodenanregende Wirkung erſtreckt ſich, wie bei dem Gips, auf die ſtärkere Umſetzung des Kaliums. Der Chlor⸗ gehalt des Steinſalzes erfordert bei ſeiner Verwendung ebenſolche Vorſicht, wie bei den Düngeſalzen(§ 87, S. 128), macht es hingegen auch zur Vertilgung des Mooſes auf Wieſen geſchickt. Die Anwendung des Viehſalzes iſt der des Kainits gleich (man verwendet für 1 ha 4—6 Ztr.). 3. Das Eiſenvitriol(ſchwefelſaures Eiſenoxydul mit Waſſer) dient auf Wieſen zur Vertilgung des Mooſes und dadurch zur För⸗ derung der guten Gräſer. Bezüglich der Anwendung des gemahlenen Eiſenvitriols(in Mengen von 5 Zentnern für 1 ha) empfiehlt es ſich zur Erzielung einer nachhaltigen Wirkung, dasſelbe in mehrere Gaben zu teilen und dieſe mit längeren Zwiſchenräumen auszuſtreuen. § 96. Düngerſtreuer.— Düngermühlen. 1. Die Düngerſtreuer dienen zum Ausſtreuen von künſtlichen und indirekten Düngemitteln. Sie verteilen den Dünger gleichmäßiger, als es mit der Hand geſchehen kann, und ſchützen den Arbeiter wie ſeine Kleidung vor Berührung mit ſchädlichen Beimengungen. Die Hauptteile der Düngerſtreuer ſind das Fahrgeſtell, der Düngerkaſten und die Ausſtreuvorrichtung. Nach dem Bau der Ausſtreuvorrichtung unterſcheidet man Schlitz⸗, Schubwalzen- und Wurfwalzen⸗Düngerſtreuer. a) Die Schlitzdüngerſtreuer beſitzen im Boden des Dünger⸗ kaſtens in deſſen ganzer Breite einen Schlitz, deſſen Weite zur Regelung der Streumenge durch Schieber verändert werden kann (Fig. 73). Eine Rührwelle a und unter Umſtänden auch ein über dieſer noch angebrachtes zweites Rührwerk ſollen das gleichmäßige Nachſinken des feuchten Düngers gewährleiſten. Die Erfahrung lehrt, daß bei allen Schlitzdüngerſtreuern feuchter Dünger ohne wiederholtes „Stochern“ im Düngerkaſten nicht gut nachſinkt, daß die für 1 ha 142 IV. Die Düngung. beſtimmten Mengen ſich nicht genau einſtellen laſſen, und daß die Maſchinen in ihrer Breite verſchieden ſtark ſtreuen. Sie ſind aber 4 N Fig. 73. Hampels Schlitzdüngerſtreumaſchine. zum Streuen von ſteinigem Kalk ſehr zweckmäßig, nachdem ein Roſt zum Zurückhalten der Steine eingelegt iſt. Fig. 74. Düngerſtreumaſchine„Weſtfalia“. Eine weſentliche Verbeſſerung, durch welche alle bisherigen Nach— teile beſeitigt wurden, erfuhren die Schlitzdüngerſtreuer in der„Weſtfalia“, bei der eine Kette ohne Ende(Fig. 74, 75) ſich über den Boden des Kaſtens bewegt, an der ſchräge Meſſer ſitzen. Dieſelben beſorgen b das gleichmäßige und ſichere Herausſchieben des Kunſtdüngers. Die D. Die indirekten Düngemittel, 143 Kette wird durch Bürſte und Abſtreiffeder gereinigt. Die Einſtellung auf Streumenge erfolgt durch Einſtellung der Schlitzweite wie durch Abänderung des Ganges der Kette mit Hilfe von Zahnrädern(Fig. 75). Fig. 75. Weſtfalia: a Querſchnitt, b Kette, von oben geſehen, c Verbindung der einzelnen Kettenglieder. b) Die Schubwalzen⸗Düngerſtreuer ähneln den Schlitz⸗ Düngerſtreuern, beſitzen aber unter dem Schlitz eine Schubwalze, welche das Aus⸗ treten des Düngers erleichtern und gleichmäßiger geſtalten ſoll. Zum Beiſpiel beſteht (Fig. 76) dieſelbe aus einer mit ſtarkem Drahtgeflecht be⸗ zogenen Holzwalze, von welcher eine runde Piaſſava⸗Bürſte den Dünger fortfegt. Die Re⸗ gelung der Streumenge erfolgt hier mit Hilfe eines Hebels durch Verſtellen der Schlitzweite. Die Nachteile der Schlitzdüngerſtreuer wer⸗ den hierdurch nicht aufgehoben, ſobald es ſich um das Streuen feuchten Düngers handelt. Bei dem Voßſchen Düngerſtreuer, der auch mit Rührwerk verſehen iſt und alle Düngemittel, auch gemahlenen gebrannten Kalk 7 1 Fig. 76(74). Naumanns Düngerſtreuer. 144 IV. Die Düngung. ſowie feuchten Dünger, ſehr gut und gleichmäßig, ſowie in der einmal eingeſtellten Menge ſtreut, tritt an Stelle des Piaſſavabeſens ein Fig. 77. Der Voßſche Düngerſtreuer. ſehr gut wirkender ſcharfer„Ab⸗ ſtreicher“(Fig. 77). Die Nutenwalzendüng er⸗ ſtreumaſchinen beſitzen unter dem Schlitze eine Schubwalze mit ein⸗ geſchnittenen Nuten. Bei der Drehung der Schubwalze gelangt der Dünger in die Nuten, aus denen er durch rechenartig eingreifende Zähne her⸗ ausgeſchoben wird. Die Not⸗ wendigkeit des Stocherns und der Übelſtand, daß die Regelung der Streumenge ungenau iſt, werden hierdurch nicht beſeitigt, aber das Streuen feuchten Düngers erleichtert. c) Bei den Wurfwalzen⸗Düngerſtreuern kann man das Fig. 78(76). Schlörs Düngerſtreuer(a Hinteranſicht, b Querſchnitt). gleichmäßige Austreten des Düngers und die Regelung der Streu⸗ menge dadurch ſicherſtellen, daß man durch ein von dem Fahrrade V. Die Saat, Pflege und Ernte. 145 ausgehendes Zahnradgetriebe den Düngerkaſten langſam an die Wurf⸗ walze heranhebt, bis dieſe auch den letzten Reſt des Düngers heraus⸗ geſtreut hat. Die an dem Deckel(Fig. 78 b) befeſtigten, vom Fahrrade aus durch Zahnräder getriebenen beiden Streuwellen treiben den Dünger über die ſcharfe Vorderkante des Düngerkaſtens hinaus und laſſen ihn durch den ſenkrechten Schutzkaſten zu Boden fallen. Der Düngerkaſten hebt ſich durch ein vom Fahrrade ausgehendes Getriebe langſam beim Fahren gegen den Deckel und führt ſo den beiden Wurfwalzen den Dünger gleichmäßig zu. Die links am Düngerkaſten angebrachte Kurbel geſtattet darauf das etwas langſame Niederlaſſen des Kaſtens behufs neuer Füllung; doch kann man den Kaſten nach Auslöſen der Kurbel auch ſchneller an einem Handgriff niederlaſſen. Nachdem der Deckel aufgehoben und der Dünger eingefüllt iſt, dreht man die Wurfwalzen rückwärts, um die Oberfläche des Düngers dieſen entſprechend muldenförmig zu ge⸗ ſtalten, ſo daß ſie ſofort gut ſtreuen können. Die für ein Hektar ge⸗ wünſchte Menge wird durch Aus⸗ wechſeln der Zahnräder eingeſtellt, welche den Düngerkaſten heben. Die Schlörſche Wurfwalzenmaſchine ſtreut die gewünſchte Menge ſehr ſicher und gleichmäßig, iſt aber zum Streuen ſteinigen Kalkes nicht zu verwenden. 4. Die Düngermühlen(Fig. 79) dienen zum Zerkleinern groben oder feſt gewordenen künſtlichen Düngers. Sie beſtehen aus dem ein⸗ fachen Geſtell, dem Einlauftrichter und kannelierten oder Daumenwalzen, welche— ähnlich wie die eines Olkuchenbrechers— den Dünger zerkleinern. Der Antrieb erfolgt durch eine Kurbel. Fig. 79(77). Düngermühle. V. Die Saat, Pflege und Ernte. A. Die Saat. § 97. Beſchaffenheit des Saatgutes. 1. Unter Saatgut verſteht der Landwirt den zur Saat be⸗ ſtimmten Samen, und zwar nicht nur den im gegenwärtigen Jahre Droyſen⸗Giſevius. Ackerbau. 6. Auflage. 10 146 V. Die Saat, Pflege und Ernte. gebrauchten, ſondern auch den jährlich von dieſem wieder geernteten und zur Saat verwendeten; ſolange er davon Ausſaaten macht, ſpricht er von einem und demſelben Saatgute. 2. Die Bedeutung der Beſchaffenheit des Saatgutes liegt zunächſt darin begründet, daß die Jugendentwickelung der Pflanze von großer Wichtigkeit für ihre ſpätere Entwickelung iſt. Bei vielen Pflanzen, ſo bei den Gräſern, zeigen ſich Stengel, Blätter und Blüten ſcheinbar erſt ſpäter, entwickeln ſich jedoch in Wirklichkeit in der Anlage bald nach der Keimung. Ferner beruht die Bedeutung guten Saatgutes in der Vererbungskraft der Pflanzen, die ebenſo ſtark hervortritt, wie bei den Tieren. Je beſſeres und von je beſſeren Pflanzen her⸗ ſtammendes Saatgut wir uns beſchaffen, um ſo mehr werden ſich unſere Ernten nach Güte und Menge ſteigern. 3. Die Eigenſchaften des Saatgutes ſind: a) Reinheit, b) Sortenechtheit, c) Abſtammung und d) Keimfähigkeit. a) Die Rein⸗ heit des Saatgutes bedeutet die Abweſenheit von Verunreinigungen, beſonders von Unkräutern, und iſt Bedingung dafür, daß wir im Kampfe mit denſelben Erfolg haben. b) Die Sortenechtheit, d. h. die Zuge⸗ hörigkeit ſämtlicher Körner zu einer Art und einer Sorte, iſt ſchon darum wichtig, weil es ſonſt nicht möglich iſt, die für jede Gegend geeignete Sorte herauszufinden, und da wir andererſeits, wenn wir eine ſolche ſchon kennen, den Ertrag unſerer Felder durch die Miſchung der ge⸗ eigneten Sorte mit weniger geeigneten nur ſchmälern. Außerdem haben die Sorten verſchiedene Reifezeit und in ihren Körnern verſchiedene Größe, Farbe und Form, ſo daß Sortengemiſche es an Ausgeglichen⸗ heit in jeder Beziehung fehlen laſſen. e) Die Abſtammung von guten, kräftig entwickelten Pflanzen iſt der Vererbungskraft wegen wichtig. d) Die Keimkraft oder Keimfähigkeit wird durch die Anzahl v. H. ausgedrückt, mit welcher ein Saatgut zur Keimung ge⸗ langt. Sie iſt von der Art des Samens, der Reife, der Ernte, Auf⸗ bewahrung und dem Alter des Samens abhängig.(Beachtenswert iſt bei dieſem Punkte die Unterſcheidung der Dauer der Keimfähigkeit von der Keimungsdauer. Die Dauer der Keimfähigkeit iſt die Anzahl Jahre, während welcher ein Same ſeine Keimfähigkeit behält, die Keimungsdauer dagegen iſt die zur Keimung erforderliche Anzahl Tage.) Keimungsenergie iſt die Anzahl v. H., mit der ein Saatgut in kurzer Zeit, z. B. 3 Tagen, keimt. 4. Die Kennzeichen des Saatgutes ſind: a) Schwere, b) Größe, c) Form, d) Fülle, e) Farbe, f) Geruch und unter Umſtänden g) Glanz. An der Größe, Form und Farbe(Zeichnung) erkennt man die Sortenechtheit, an der Schwere und Größe die gute Abſtammung, an der Fülle die Reife, an der Farbe, dem Geruche und dem Glanze die Ernte und Aufbewahrung und alſo die Keimkraft. Bei der„Schwere“ unter⸗ A. Die Saat. 147 ſcheidet man 1. das Volum⸗ oder Hektoliter⸗ oder Scheffelgewicht, 2. das abſolute oder Tauſendkorngewicht und 3. das ſpezifiſche Gewicht. Das Scheffelgewicht gilt heute im Handel noch als Kennzeichen der Güte des Getreides und muß daher von dem Landwirt mit beachtet werden; doch hängt es zu ſehr von der Form der Körner und ſomit von den dadurch bedingten Hohlräumen zwiſchen den Körnern ab, ſo daß es als ſicheres Merkmal für verſchiedene Sorten und ſelbſt bei der gleichen Sorte für verſchiedene Bezugsgegenden verſagt. Für züchteriſche Zwecke bevorzugt man daher als Merkmal das Tauſendkorngewicht, welches aus der Größe und dem ſpezifiſchen Gewicht der Körner hervorgeht. Das ſpezifiſche Gewicht läßt ſich nur ſchwierig beſtimmen und kommt ſchon bei dem Tauſendkorngewicht zur Geltung, ſo daß es nicht noch beſonders berückſichtigt zu werden braucht. § 98. Prüfung des Saatgutes. Keimprobe. Gebrauchswert. 1. Bei der Prüfung wollen wir die Eigenſchaften des Saat⸗ gutes an ihren Kennzeichen prüfen oder durch Verſuche feſtſtellen. a) Als beſondere Mittel zur Prüfung dienen uns eine Samen⸗ und Unkrautſamenſammlung, eine Dezimalwage oder eine Getreide⸗ qualitätswage, die Lupe, das Mikro⸗ ſkop, die Keimvorrichtung, bei Klee⸗ ſaaten ferner die Kleeſeideprüfdoſe (Fig. 80 a). Zur Feſtſtellung der a b Fig. 80(78). a Kleeſeideprüfdoſe, b Getreideprober. Sortenechtheit des Saatgutes dient uns die Samenſammlung, zu der der vorhandenen Unkräuter die Unkrautſamenſammlung; bei Kleeſaaten benutzen wir zum Nachweis der Kleeſeide auch die Klee⸗ ſeideprüfdoſe, zu ihrem genauen Nachweis einen Schnitt durch das Samenkorn unter dem Mikroſkop(ſpiralig gewundener Keimling). 10* 148 V. Die Saat, Pflege und Ernte. Für die Beurteilung der Abſtammung können wir das Tauſendkorn⸗ gewicht durch Abwiegen von(2 bis 3 mal) 1000 Korn auf einer feinen Wage(z. B. Apotheker⸗Handwage) beſtimmen; das Scheffelgewicht ſtellen wir durch Abwiegen von 1 Hektoliter oder von 1 Scheffel Saatgutes auf der Dezimalwage oder auch mit Hilfe der ſogenannten Getreide⸗ qualitätswage(Getreideprober, Fig. 80 b) feſt, welche das Gewicht von ⁄¼ oder 1 Liter Saatgut beſtimmen läßt. ¹) Größe, Fülle, Farbe und Glanz prüfen wir, indem wir das Auge nötigenfalls mit der Lupe unterſtützen. b) Da die Kennzeichen uns manchmal im Stich laſſen, da die⸗ ſelben auch zum Zweck der Täuſchung“) künſtlich verändert ſein können (z. B. die Farbe des Weißklees durch Schwefeln, der Glanz des Rot⸗ klees durch Einfetten), da endlich uns keine Kennzeichen für das Alter des Saatgutes zu Gebote ſtehen, ſo bedient man ſich zur Feſtſtellung der Keimfähigkeit am beſten einer beſonderen Prüfung, nämlich der Keimprobe. Als einfachſte Keimvorrichtung läßt ſich Löſchpapier oder eine Schale mit Sand verwenden. Als Beiſpiel einer beſonderen Keim⸗ vorrichtung diene die Nobbeſche. Dieſelbe beſteht aus einer Schale aus poröſem gebranntem Ton, welche mit einer tiefen Rinne zur Auf— nahme von Waſſer und mit dem Keimbett, d. h. einer flachen, ſchalenförmi⸗ gen Vertiefung zur Auf⸗ nahme von Körnern ver⸗ ſehen iſt. Aus der Rinne Fig. 81(79). Nobbeſche Keimvorrichtung dringt das Waſſer durch den Ton bis zum Keimbett hindurch und wird von den Körnern aufgenommen. Die Schale iſt mit einem Deckel verſehen, der nicht dicht ſchließt und ſo den Zutritt der Luft geſtattet. Bei der Ausführung der Keimprobe legen wir auf ein Blatt Löſchpapier 100 Körner, bedecken ſie mit einem anderen Blatte und feuchten täglich an. Bei der mit Sand gefüllten Schale zählt man 100 Körner ein und feuchtet ebenfalls täglich an. Bei der Nobbeſchen Keimvorrichtung(Fig. 81) zählt man 100. Körner in das Keimbett ein und gießt täglich etwas Waſſer in die Waſſerrinne. Alle ¹) Aus den Angaben der Getreidequalitätswage(eichfähigen Getreideprobers) oder der früher viel benutzten holländiſchen, Berliner uſw. Schale erhält man das Scheffelgewicht am einfachſten durch Benutzung der Vergleichungstafel der Normal⸗Eichungs⸗Kommiſſion. ²) Auch ein Betrug, wie er bei Kleeſaat mit Hilfe gefärbter Steinchen (Kleeſteinchen) verſucht iſt, wird bei der Keimprobe ſofort entdeckt. A. Die Saat. 149 drei Vorrichtungen müſſen dann in einem warmen Zimmer aufgeſtellt werden. Täglich nimmt man die keimenden Körner heraus und notiert ihre Zahl, worauf man nach Ablauf des als normal feſtgeſetzten Zeitraums durch Addition der an den verſchiedenen Tagen keimenden Samen die die Keim⸗ kraft ausdrückende Zahl v. H. erhält. Mit der Keimprobe, die in der Regel auf 10 Tage ausgedehnt wird, verbindet man meiſtens die Prüfung auf Keimungsenergie, d. h. die Beſtimmung der in 3 oder 4 Tagen keimenden Körnerzahl v. H. 2. Will man bei dem Ankaufe von Saatgut nicht nur die Keim⸗ kraft, ſondern auch die Verunreinigung berückſichtigen, ſo läßt man ſich für den Gebrauchswert, den man als Produkt aus Reinheit mal Keimkraft berechnet, Gewähr(Garantie) leiſten. § 99. Der Faatwechſel. 1. Als erſter der Gründe für einen Saatwechſel iſt die Ent⸗ artung zu nennen. Nach Einführung eines guten Saatgutes pflegt der anfänglich hohe Ertrag¹) im Laufe der Jahre zu ſinken, eine Er⸗ ſcheinung, die wir als Entartung bezeichnen. Die Urſachen für die Entartung können a) in Dingen liegen, auf welche der Landwirt keinen Einfluß hat, wie im Klima und in vorübergehend ſchlechter Witterung (Hagel, lange Dürre, ſchlechtes Erntewetter), oder die Urſachen können b) in der unzureichenden Behandlung des Saatgutes durch den Land⸗ wirt ſelbſt geſucht werden. In beiden Fällen iſt ein Saatwechſel nötig; im letzteren kann man zugleich Maßregeln zur Erhaltung der guten Eigenſchaften treffen. Außer der Entartung kann auch ein Sorten⸗ wechſel Anlaß zu einem Saatwechſel geben. Haben wir erkannt und durch Verſuche beſtätigt gefunden, daß wir nicht die für Klima, Boden und ſonſtige Verhältniſſe richtige Sorte haben, ſondern daß es eine beſſere gibt, ſo iſt zu deren Einführung gleichfalls ein Saatwechſel geboten. ²) 2. Für den Bezug neuen Saatgutes gelten folgende Vor⸗ ſchriften: a) Das neue Saatgut ſoll gut, aber nicht verwöhnt ſein; wir ſollen es möglichſt aus ungünſtigen Verhältniſſen in günſtigere bringen.(Erfahrungsgemäß haben ſich manche Gegenden als beſonders ¹) Der Ertrag iſt das Verhältnis:— oder beſſer— man pflegt ihn nach der erſten Weiſe berechnet als das zehnte, neunte Korn ꝛc., nach der zweiten Weiſe berechnet als den dreißigſten, vierzigſten Zentner ꝛc. für das Hektar zu bezeichnen. Letztere Bezeichnungs⸗ und Berechnungsweiſe iſt die richtigere, da die Ausſaatmenge für jede Getreideart in verſchiedenen Jahren wechſelt, die Fläche aber ſtets gleich bleibt. ²) Wenn wir bei dem Saatwechſel nicht beſſeres Saatgut oder eine beſſere Sorte erhalten, ſo iſt der Saatwechſel an ſich ohne Wirkung. 150 V. Die Saat, Pflege und Ernte. geeignet zum Saatgutbezuge für gewiſſe Pflanzen erwieſen, wie die Probſtei bei Kiel und die Campine in Belgien für Roggen, Schleſien für Rotklee u. ſ. w.) b) Der Bezug vom Landvirt ſelbſt oder von ländlichen Verkaufsgenoſſenſchaften(Saatbauvereinen) iſt dem von Händlern vorzuziehen, da er Gewähr für den Urſprung bietet. c) In allen Fällen, in denen der Verkäufer nicht perſönlich als zuverläſſig bekannt iſt, muß man Gewähr für Gebrauchswert oder wenigſtens für Keimkraft, Keimungsenergie und Sortenechtheit beanſpruchen, beſonders auch dafür, daß man nach Wunſch Sommer⸗, Winterfrucht ꝛc. erhält. d) In jedem Falle iſt eine Prüfung des Saatgutes angebrach, die man möglichſt einer landw. Verſuchsſtation übertragen ſoll. e) Um verſchiedene Angebote richtig miteinander vergleichen zu können, iſt nicht der Zentnerpreis der Geſamtware, ſondern der für jedes Angebot zu berechnende Preis eines Kilogrammes gebrauchs⸗ fähiger(keimfähiger und unkrautfreier) Ware in Vergleich zu ziehen. f) Der Saatwechſel wird erleichtert, wenn man nur wenig an— ſchafft, dieſe kleine Menge aber durch eigenen Anbau ver⸗ mehrt, bis man genügende Mengen erhält. § 100. Erhaltung der guten Eigenſchaften des Saatgutes. Zur Erhaltung der guten Eigenſchaften des Saatgutes dienen außer ſorgfältiger Reinigung der Körner: 1. weiterer beſonderer Anbau des Saatgutes, oder 2. die Auswahl auf dem Felde, oder 3. die Auswahl beim Dreſchen und Reinigen. 1. Bei dem beſonderen Weiterbau des Saatgutes wird alljährlich der Teil des Feldes vorher beſtimmt, auf dem man die Saat für das nächſte Jahr baut. Auf dieſem Ackerſtücke iſt der Boden be⸗ ſonders ſorgfältig zu düngen und zu beſtellen; die Saat wird nur dünn ausgeſtreut, um eine beſſere Belichtung und damit eine beſſere Aus⸗ bildung der Körner zu erzielen. Ferner iſt für ſorgfältige Pflege durch Hacken und Häufeln, ſowie für gute Ernte beſonders Sorge zu tragen. 2. Macht ein beſonderer Weiterbau des Saatgutes zu viel Mühe, ſo iſt wenigſtens die Auswahl des Saatgutes auf dem Felde vorzunehmen, indem man vor der Ernte bei jeder Fruchtgattung das beſtbeſtandene Stück ausſucht und zur Gewinnung von Saatgut beſtimmt. Man hat hierbei den Vorteil, daß man die Beſchaffenheit der Pflanzen berückſichtigen kann, daß man Ernte und Reinigung noch vor ſich hat und beſondere Sorgfalt darauf zu verwenden in der Lage iſt. A. Die Saat. 151 3. Iſt auch die Auswahl auf dem Felde verſäumt, ſo muß wenigſtens eine Auswahl der beſten Frucht zur Saat bei dem Dreſchen und Reinigen vorgenommen werden. 4. Bei Pflanzen, die der Fremdbeſtäubung unterliegen, z. B. Roggen, Runkeln, Mais, iſt es wichtig, ſie getrennt von andern Sorten derſelben Art auf dem Felde unterzubringen, um der natürlichen Kreuzung(§ 101, 2a) vorzubeugen, welche rettungslos zur Variation und zur Vermiſchung des Sortencharakters führt. § 101. Sortenauswahl. Portenzüchtung. 1. Die Sortenauswahl findet am beſten auf Grund von ver⸗ gleichenden Sortenanbau⸗Verſuchen ſtatt, die von einzelnen Land⸗ wirten oder von Vereinen(auch von den Landwirtſchaftskammern) ver⸗ anſtaltet werden. Er führt zu einer weſentlichen Steigerung der Erträge und zwar, da weder weitere Unkoſten noch Abzüge für Saat oder Deputat wie Futter entſtehen, zu einer unmittelbaren ſtarken Steigerung des Verkaufsgetreides und der Reinerträge. Anfänglich führte man nur hervorragende Landſorten anderer Provinzen oder Länder ein, ſpäter ging man zur Sortenzüchtung über. 2. Bei der Sortenzüchtung hat man die doppelte Aufgabe, einerſeits neue Formen zu bilden und andererſeits dieſe Formen konſtant, d. h. ſicher vererbungsfähig zu machen. a) Die Neubildung von Formen erfolgt nach drei Methoden und kann zunächſt das Ziel im Auge haben, vorhandene Sorten, z. B. gute Landſorten, in ihrem Typus einheitlich zu geſtalten und ihre guten Eigenſchaften möglichſt zu verſtärken. Man ſucht in dieſem Falle Pflanzen oder Pflanzenteile mit dem verbeſſerten einheitlichen Typus zur Nach⸗ zucht aus und ſpricht von Sortenverbeſſerung oder Veredelungs⸗ Züchtung. Dieſer Abänderung der Sorten ſind, da es ſich um keine eigentliche Neubildung handelt, naturgemäß ziemlich enge Grenzen geſetzt. An zweiter Stelle ſucht der Züchter auf den Feldern Natur⸗ ſpiele(ſpontane Variationen) auf, d. h. neue Formen, die auf eine bisher noch nicht aufgeklärte Weiſe von ſelbſt entſtehen. Ihre Ver⸗ mehrung hat, wie es das intereſſante Beiſpiel des Square⸗head⸗Weizens zeigt, zu der Bildung ganz neuer Formen mit unerwartet hohen Er⸗ trägen oder auch mit ſehr guten neuen Eigenſchaften(volle Lager⸗ feſtigkeit des Square⸗head) geführt. Drittens wendet man zur Formen⸗Neubildung auch die Kreuzung an. Durch Kreuzung wird in der erſten Nachzucht(Generation) eine Zwiſchenform mit einheitlichem Charakter, in der zweiten und in der folgenden Nachzucht(Generation) indeſſen eine ſtarke Mannigfaltigkeit der Formen(Variation) erzielt. Aus den zahlreichen Neubildungen 152 V. Die Saat, Pflege und Ernte. kann man nun geeignet erſcheinende Formen zum Nachbau auswählen. Durch die Kreuzung zwingt man alſo abſichtlich die Pflanze zur Variation oder Neubildung von Formen. Bei den Pflanzen mit Fremdbeſtäubung(z. B. Roggen), bei denen das Fruchtblatt von dem Blütenſtaub anderer Pflanzen beſtäubt und befruchtet wird(§ 9), wendet man natürliche Kreuzung an, indem man die Saat der zwei miteinander zu kreuzenden Sorten miſcht und ausſät. Bei den Pflanzen mit Selbſtbeſtäubung(z. B. Weizen), bei denen jedes Frucht⸗ blatt vermöge der Blüteneinrichtungen von dem Blütenſtaub derſelben Blüte oder doch derſelben Pflanze beſtäubt und befruchtet wird, findet die künſtliche Kreuzung Anwendung. Man öffnet entweder die gut entwickelten Blüten einer Pflanze, nimmt die Staubblätter derſelben vorſichtig fort und erſetzt ſie durch eingeführte Staubbeutel anderer (einer anderen Sorte angehöriger) Pflanzen, oder man ſchneidet die Blütenhülle weg, entfernt die Staubblätter und beſtäubt die Fruchtblätter mit reifem Blütenſtaub, den man von andern Pflanzen bezw. von einer andern Sorte ſammelte. b) Die Erzielung der Konſtanz, d. h. der ſicheren Ver⸗ erbungskraft der neugebildeten Formen erreicht man durch die Zuchtwahl, bei der man Maſſenauswahl und Einzelauswahl unter⸗ ſcheidet, und bei der man von dem Korn, dem Fruchſtand(z. B. Ahre), oder der Pflanze den Ausgang nehmen kann. Bei der früher allgemein und heute noch vielfach angewendeten Maſſenauswahl von Körnern, Ähren oder Pflanzen hat man den Vorteil, daß man ſchnell größere Mengen vom Saatgut erhält; aber man kann dabei den Umſtand nicht berückſichtigen, daß einzelne Pflanzen ſicher und voll vererben, andere dagegen bei vorzüglichen Eigenſchaften doch die Neigung zur Variation beſitzen. Die volle Konſtanz erreicht man daher bei Maſſenauswahl entweder überhaupt nicht oder doch erſt ſehr ſpät. Bei der Einzelauswahl geht man von einem Korn oder einer Ähre oder einer Pflanze aus und hält deren Nachkommenſchaft als„Familie“ möglichſt ſtreng zuſammen(Familienzucht). So iſt es möglich, alle zur Variation neigenden Pflanzen von vornherein zu beſeitigen und der Neuzüchtung ſchnell volle Konſtanz und Ausge⸗ glichenheit zu geben, wenn auch die Züchtung einige Jahre länger in Anſpruch nimmt. Der im Zuchtgarten geübten Einzelauswahl kann ſpäter bei genügender Konſtanz auf dem Vermehrungsfelde die Maſſenauswahl folgen. Der Ausgangspunkt für die Züchtung iſt am beſten die Pflanze. Bei der Körnerauswahl kann man nur die Eigenſchaften des Korns (Kornqualität), bei der Ahrenauswahl auch den Bau der Ähre, aber erſt bei der Pflanzenauswahl alle Eigenſchaften der ganzen Pflanzen A. Die Saat. 153 (Strohwüchſigkeit, Lagerfeſtigkeit, Beſtockung, Winterfeſtigkeit, Konſtanz u. a.) berückſichtigen. Die Zuchtwahl rechnet mit der Korrelation, d. h. der Eigen⸗ ſchaftsverkettung, indem innere unſichtbare Anlagen oft mit ſichtbaren Merkmalen(als korrelative Eigenſchaften) in feſtem Zuſammenhange ſtehen. Soweit uns nicht ſchon die Korrelation vollen Aufſchluß gibt, kann man die Züchtung durch direkte Leiſtungsprüfung unterſtützen, indem man z. B. das Korngewicht jeder Pflanze des Zuchtbeetes geſondert feſtſtellt oder die Qualität der Produkte jeder Pflanze geſondert beſtimmt(z. B. Beſtimmung der Stärke in Kartoffeln mit Salzlöſungen, des Zuckergehalts der Samenrüben durch Polariſation). c) Alle Neuzüchtungen werden zweckmäßig, ehe man ſie auf den Markt bringt, einer Sortenprüfung unterzogen, indem man ſie mit bekannten guten Sorten nebeneinander auf einem Prüfungsfelde ſo lange anbaut, bis man ihren Anbauwert ſicher feſtgeſtellt hat. Zur Sortenneuzüchtung bedarf es daher beſonderer Einrichtungen, eines Zuchtgartens, des Vermehrungsfeldes, eines Prüfungsfeldes und eines Laboratoriums. Im übrigen muß man ſich bei der Sortenzüchtung jeder Art vor jeder Verwöhnung oder Maſtung hüten und viel⸗ mehr anſpruchsloſe und widerſtandsfähige Saaten züchten, die ſpäter auf andern Gütern in ungünſtigeren Verhältniſſen nicht zu ſchnell„entarten“. § 102. Die Vorbereitung des Saatgutes. 1. Das Einquellen des Saatgutes durch Einlegen der Samen in Waſſer dient zur Beſchleunigung des erſten Keimvorganges. Jeder Zuſatz eines Pflanzennährſtoffes zu dem Waſſer iſt unnütz, da das Korn denſelben nicht aufnehmen würde. Das Eingquellen iſt nur bei Nachbeſtellung von Fehlſtellen zu empfehlen und nur bei mäßig feuchtem Boden anwendbar, da in trockenem Boden die mitgegebene Feuchtigkeit nicht genügt, um die Keimung zu Ende zu führen, und da das Korn dann vertrocknet, während Näſſe das eingequellte Korn im Boden faulen läßt. Bei Hafer und Gerſte iſt das Einquellen ſogar ſchädlich. 2. Das Samendüngen erfolgt durch Eintauchen der Samen in Jauche oder in verflüſſigten Dünger. Da nach der Keimung die Wurzeln nicht um das Korn herumwachſen, ſondern nach unten zu vordringen, ſo iſt die Samendüngung unweſentlich; ſie kann aber ſogar verwendet werden, welche ſchädliche Stoffe enthalten, wie z. B. die Superphosphate etwas freie Säure. Die Samendüngung iſt daher zu verwerfen. 3. Das Impfen ſoll bei Schmetterlingsblütlern den Pflanzen die erforderliche Menge von Bakterien geben, die ihnen als wichtigen 154 V. Die Saat, Pflege und Ernte. Nährſtoff den Stickſtoff aus der Luft zuführen(vergl.§ 80). Man wendet entweder das Bodenimpfen durch Überſtreuen mit Erde von einem Felde an, auf dem die betreffende Pflanzenart ſchon angebaut wurde, oder das Saatimpfen mit künſtlich gezüchteten Reinkulturen dieſer Bakterien(Nitragin). Beſonders wirkt das Impfen dann, wenn der Anbau der jeweilig in Betracht kommenden Pflanze auf dem Acker⸗ ſtücke zum erſtenmale beabſichtigt wird. Das Saatimpfen erfordert große Sorgfalt und ergab nicht immer gute Erfolge. § 103. Dichte des Pflanzenſtandes. Ausſaatſtärke. 1. Je nach dem Zwecke des Anbaues iſt eine gewiſſe Dichte des Pflanzenſtandes oder ein gewiſſer durch ſie bedingter„Wachs⸗ raum“ erwünſcht. Zu dichter Pflanzenſtand führt im Winter unter Schnee das Ausfaulen und im Sommer das Lagern des Getreides herbei, welches die gute Ausbildung der Körner verhindert und die Ernte erſchwert. Zu dünner Pflanzenſtand nutzt den Raum nicht genug aus und läßt den Boden infolge zu geringer Beſchattung ver⸗ kruſten und verunkrauten. Innerhalb der Grenzen eines zu dichten oder zu dünnen Pflanzenſtandes wirkt erfahrungsgemäß ein etwas dichter Stand auf Krautentwickelung, ein etwas dünner Stand auf Körnerentwickelung hin. Die Dichte des Pflanzenſtandes iſt von der Dichte der Ausſaat, von der Saatzeit und Saatweiſe, von der Güte des Saat⸗ gutes, von der Witterung und vom Boden abhängig. Während man die anderen Einflüſſe überhaupt nicht oder nur unter Opfern ändern kann, iſt die Dichte der Ausſaat dasjenige Mittel zur Herbeiführung der gewünſchten Dichte des Pflanzenſtandes, welche ſich jederzeit leicht verändern läßt. Wir ſtreben daher die gewünſchte Dichte des Pflanzen⸗ ſtandes durch eine gewiſſe Dichte der Ausſaat an und verändern dieſe je nach dem günſtigen oder ungünſtigen Verhalten der anderen Einflüſſe. 2. Die Dichte oder Stärke der Ausſaat beſtimmt ſich aus der Anzahl der Körner für 1 ha. Da man indeſſen die Körner nicht abzählen kann, ſo hilft man ſich damit, daß man ihre Menge durch Abwiegen feſtſtellt. Die Erfahrung lehrt uns dabei gewiſſe Gewichts⸗ mengen für 1 ha als durchſchnittlich zweckmäßige kennen, ſie ſagt uns auch, um wieviel dieſelben unter Umſtänden zu erhöhen oder zu er⸗ niedrigen ſind. § 104. Die SFäemaſchinen. 1. Die Breitſäemaſchine(Fig 82) beſitzt als Hauptteile a) den Wagen, b) den Saatkaſten und c) die Ausſtreuvorrichtung. A. Die Saat. 155 a) Der Wagen beſteht bei größeren Maſchinen aus einer Achſe mit zwei Fahrrädern und der Gabeldeichſel, bei kleineren aus einer Handkarre. b) Der Saatkaſten ſtellt einen länglichen Kaſten dar, welcher zur Aufnahme des Saatgutes dient. Er iſt durch Querwände in Ab⸗ teilungen zerlegt, ſo daß eine ſeitliche Verſchiebung des Saatgutes bei geneigtem Gelände vermieden wird. c) Die Ausſtreuvorrich⸗ tung beſteht aus den Ausfluß⸗ 4 3 öffnungen mit den Stellſcheiben, aus Fig. 82(80). Breitſäemaſchine. der Bürſtenwelle, aus dem Ver⸗ teilbrette und dem Windfange. Die Ausflußöffnungen geſtatten dem Samen das Heraustreten aus dem Saatkaſten. Sie ſind in der Regel durch drehbare Stellſcheiben(Fig. 83a) verſchließbar, die an ver⸗ Fig. 83(81). Stellſcheibe a und Bürſtenwelle b. ſchiedenen Stellen Löcher von verſchiedener Weite beſitzen, ſo daß die ausfließende Saatmenge durch die jeweilige Einſtellung der Scheiben reguliert werden kann. Die Bürſtenwelle(Fig. 83 b) befindet ſich inner⸗ — A eeene 6 1. b Fig. 84(82). Breitſäemaſchine a mit Verteilbrett b. halb des Saatkaſtens und iſt ſo angeordnet, daß ſich hinter jeder Aus⸗ flußöffnung ein Bürſtenbüſchel bewegt. Die Bürſten erhalten das Saat⸗ gut in fortwährender Bewegung und veranlaſſen ſein gleichmäßiges Aus⸗ fließen. Die Bürſtenwelle wird von den Fahrrädern oder dem Karren⸗ rade aus durch Zahnradübertragung getrieben. Das bei manchen Breitſäemaſchinen auch fehlende Verteilbrett(Fig. 84) iſt ein ſchräges 156 V. Die Saat, Pflege und Ernte. Brett, welches mit kleinen Holzdreiecken beſetzt iſt. Aus jeder Ausfluß⸗ öffnung fällt die Saat auf eine Dreieckſpitze und wird in zwei Hälften geteilt, jede dieſer Hälften fällt wieder auf eine Dreieckſpitze u. ſ. f., ſo daß das Getreide möglichſt gleichmäßig auf die ganze Breite verteilt zur Erde fällt. Der Windfang iſt ein geteerter Leinwandvorhang, der unter dem Saatkaſten aufgehängt werden kann, um das Fortblaſen der Saat durch den Wind zu verhindern. Bei der Arbeit der Breitſäemaſchine iſt auf recht gleich⸗ mäßiges Fortbewegen derſelben zu halten, da bei beſchleunigter Ge⸗ ſchwindigkeit auf ein Hektar weniger, bei verringerter auf ein Hektar mehr geſäet wird. Fig. 85(83). Drillmaſchine. 2. Die Hauptteile der Drillmaſchine(Fig. 85) ſind a) der Wagen, b) der Saatkaſten und c) die Ausſtreuvorrichtung. a) Der Wagen beſteht aus dem Vorderwagen mit der Lenk⸗ vorrichtung und dem Hinterwagen. Die Lenkvorrichtung erlaubt ein genaues Steuern der Maſchine und macht uns von dem ſchwerer lenkbaren Gang der Zugtiere unabhängig. Um bei dem Umkehren die neue erſte Drillreihe an die letzte ſchon geſäete anzuſchließen, muß man ſo ſteuern, daß dasjenige Vorderrad, um welches gelenkt wurde, wieder in derſelben Spur zurückgeht. b) Der Saatkaſten beſteht aus dem oberen und dem unteren Saatkaſten und iſt zur Vermeidung einer ſeitlichen Ver⸗ ſchiebung des Saatqutes auf geneigtem Gelände durch ſenkrechte Querwände in mehrere Abteilungen geſchieden. Der obere Saatkaſten dient zur Aufnahme des Saatgutes und läßt es durch mehrere, mit A. Die Saat. 157 ) - ¹ (Ä- N — Fig. 86(84). a Löffelrad, b Schöpfrad mit Zellen, c Nutenwalze, de Schubrad, auf große und auf kleine Saatmenge eingeſtellt, f Säeſcheibe. 158 V. Die Saat, Pflege und Ernte. Hilfe von Schiebern verſchließbare Offnungen dem untereu Saakkaſten zufließen. Der untere Saatkaſten dient zur Aufnahme eines Teiles der Ausſtreuvorrichtung. Beim Bergauffahren hebt ſich nun der obere Saatkaſten gegenüber dem unteren, beim Bergabfahren ſenkt er ſich; dadurch wird ein wechſelnder Zufluß des Getreides aus dem oberen nach dem unteren Saatkaſten und ein ungleichmäßiges Säen verurſacht. Um dieſem Übelſtande abzuhelfen und die Stellung des Saatkaſtens je nach dem Gelände regeln zu können, bedient man oft ſich einer über dem Saatkaſten angebrachten Kurbel. c) Die Ausſtreuvorrichtung beſteht aus der Säewelle, den Saatleitungsröhren und den Drillſcharen mit den Hebeln. Die vom Fahrrade aus durch Zahnradübertragung getriebene Säewelle trägt eine Anzahl von Schöpf⸗ rädern mit ſeitwärts ange⸗ brachten Löffeln, mit deren Hilfe ſie die Samenkörner heben und in Trichter werfen. An Stelle der Löffelräder treten bei manchen Drillmaſchinen Schöpfräder mit Zellen am Umfange, Nutenwalzen, Säe⸗ ſcheiben oder Schubräder (Fig. 86). Die Schubräder ſtreuen bei bergigem Gelände am gleichmäßigſten aus und werden jetzt viel angewendet, doch muß ein„Klemmen“ der Körner vermieden blei⸗ Fig. 87(85). Saatleitung. ben. An die Trichter ſchließen ſich die Saatleitungs⸗ röhren(Fig. 87) an, welche beweglich und zuſammenſchiebbar ge⸗ baut ſein müſſen(Trichterröhren, Fig. 87a, Teleſkopröhren, Spiral⸗ röhren), um zum Transport angehoben und zuſammengeſchoben werden zu können. Sie endigen unten zwiſchen den Flügeln der Drillſchare, welche den Boden in Furchen öffnen und in dieſe die Saat hinein⸗ gleiten laſſen. Die Hebel verbinden die Drillſchare mit einer am Hipterwagen befeſtigten Querſtange und zwingen ſie dadurch zum Ein⸗ dringen in den Boden; auch können ſie zur Regelung der Saattiefe mit einem oder mehreren Gewichten beſchwert werden. Endlich ſind an ihnen Ketten befeſtigt, mit deren Hilfe man die Drillſchare und Saat⸗ leitungsröhren durch Aufwickeln auf einer Winde anheben und vor einem Transport vom Boden entfernen kann. A. Die Saat. 159 Die Saatmenge wird durch die Geſchwindigkeit der Säewelle reguliert, indem auf derſelben Zahnräder von verſchiedener Größe aufgeſetzt werden, die in das auf dem Fahrrade ſitzende Getriebe ein⸗ greifen. Bei den Schubrädern kann eine weitere Regulierung der Saat⸗ menge(Fig. 86 d u. e) durch ein ſeitliches Verſchieben in der Säekapſel gegen die Offnung der Saatleitungsröhren erreicht werden. Auch die Schieberſtellung iſt regulierbar. Die Entfernung der Drillreihen kann vergrößert werden, wenn man mehrere Hebel mit Drillſcharen und Saatleitungsröhren ab⸗ nimmt und die übrigen gleichmäßig auf die ganze Breite der Maſchine verteilt. Die zu den abgenommenen Saatleitungsröhren gehörenden Trichter werden oben durch Klappen geſchloſſen, ſo daß die von den Schöpfrädern gehobenen Körner nicht hindurchfallen können, ſondern in den Saatkaſten zurückrollen müſſen. Ein Ausrücken der Ausſtreuvorrichtung kann vorüber⸗ gehend durch einen Hebel erfolgen, welcher Saatkaſten und Säewelle anhebt und das Zahnrad auf der Säewelle außer Eingriff mit dem Getriebe auf dem Fahrrade ſtellt.— Man kann ſo bei Fig. 88(86). Dibbelmaſchine. dem Transport und bei dem Umkehren die Ausſtreuvorrichtung ausrücken. 3. Die Dibbelmaſchine iſt wie eine Drillmaſchine gebaut und unterſcheidet ſich von letzterer nur darin, daß die Saatleitungsröhren verſchloſſen ſind und ſich nur von Zeit zu Zeit öffnen; der Samen fällt dann bei jedem Offnen tüpfelweiſe aus. § 105. Reihenzieher.— Saatweiſen. 1. Ein Reihenzieher hat die Form eines großen Rechens, bei dem am Querholz oben wie unten Zähne eingelaſſen ſind, welche die Rillen im Boden ziehen. Die gegenſeitigen Entfernungen der einen Zahnreihe ſind von denen der anderen verſchieden, ſo daß man zwei Reihenentfernungen anwenden kann. Der Reihenzieher kann zum Be⸗ triebe mit einem Pferde eingerichtet ſein und geſtattet dann das An⸗ bringen von Zähnen an einem zweiräderigen, mit Gabeldeichſel ver⸗ ſehenen Fahrgeſtell. 160 V. Die Saat, Pflege und Ernte. 2. Die Ausführung der Saat kann a) mit der Hand, wie b) mit der Maſchine in je dreifacher Weiſe, nämlich 1. als Breitſaat, 2. als Reihenſaat und 3. als Stufenſaat erfolgen. Die mit der Maſchine ausgeführte Reihen⸗ und Stufenſaat bezeichnet man nach den zur Verwendung kommenden Maſchinen auch als Drillſaat und Dibbelſaat. Handſaat: Maſchinenſaat: Breitſgat mit der Hand, Breitſaat mit der Breitſäemaſchine, Reihenſaat mit der Hand, Drillſaat, Stufenſaat mit der Hand. Dibbelſaat. Vor der Breitſaat gewährt die Reihenſaat den Vorzug ſtärkerer Belichtung für die aufgehenden Pflanzen und der Verhütung des Lagerns und geſtattet die ſpätere Bearbeitung der Zwiſchenräume durch Hacken und Häufeln. Die Stufenſaat oder Tüpfelſaat erhöht den Vorteil ſtärkerer Belichtung, geſtattet die ſpätere Bearbeitung in W mehreren Richtungen und kommt bei großem Wachsraum zur An⸗ wendung. a) Die Handſaat in Reihen kann auf geebnetem Lande oder auf Kämmen erfolgen. Bei der Handſaat in Reihen auf geebnetem Lande bedarf man des Reihenziehers zur Angabe gleichmäßig verteilter Saatreihen. Bei der Handſaat in Reihen auf Kämmen iſt die Reihenentfernung durch dieſe ſelbſt gegeben. Bei der Handſaat als Tüpfelſaat wird das Feld mit dem Reihenzieher ſowohl kreuz wie quer zur Angabe der Saatſtellen über⸗ zogen, indem die gegenſeitige Entfernung der Saatreihen oft anders gewählt wird, als die Entfernung der Saatſtellen in der Reihe. b) Die Maſchinenſaat hat vor der Handſaat den Vorteil größerer Unabhängigkeit von den Arbeitern voraus. Die Drill⸗ und Dibbelſaat gewähren außerdem noch die Vorteile gleichmäßiger Regelung der Saattiefe und Saatmenge und infolgedeſſen der Erſparnis an Saatgut(10 bis 30 v. H.). Drill⸗ und Dibbelmaſchinen bringen auch zugleich die Saat unter, verlangen aber ſtein⸗ und unkrautfreien Boden. Das ſogen.„Kareüchene des Ackers, d. h. das Ebnen und das Zer⸗ kleinern von Schollen folgt hierbei nicht dem Ausſtreuen der Saat, ſondern geht ihm vorauf. Nach dem Drillen oder Dibbeln eggt man höchſtens noch mit leichten Eggen, um eine oberflächliche Lockerung zu erzielen und das Aufſteigen des Waſſers zur Erdoberfläche und damit deſſen Verdunſten zu erſchweren. Fig. 89(87). Reihenzieher⸗ A. Die Saat. 161 § 106. Die Anterbringung. 1. a) Der Zweck der Unterbringung iſt der, dem Korne neben der Luft auch gleichmäßige Feuchtigkeit und gleichmäßige Wärme zu— zuführen und dasſelbe beim Keimen vor Froſt und vor Vogelfraß zu ſchützen. b) Die erforderliche Tiefe der Unterbringung richtet ſich nach der Art der Samen, nach dem Boden und der Witterung. Nur ganz feine Sämereien bringen wir gar nicht oder ſehr flach unter. Trockener und loſer Boden verlangt eine größere Tiefe, als feuchter und bindiger Boden. Gleichmäßige Tiefe der Unterbringung iſt der gleichmäßigen Entwickelung wegen erwünſcht. 2. Als Geräte zur Unterbringung dienen die Walze, die Egge, der Saatpflug, die Drillmaſchine(und der Krümmer). Die Schlicht⸗ walze(S. 95) wird zum Andrücken der überhaupt nicht einzubringenden kleinen Samen verwendet, die doppelte Ringelwalze(S. 96) zum ganz flachen Unterbringen. Bei der Unterbringung mit der Egge (S. 88) haben wir das„Vorſchleppen“ oder Eggen vor der Saat und das„Einlenken“ oder Eineggen der ausgeſtreuten Saat zu unter⸗ ſcheiden. Durch das Eggen vor der Saat wird die Tiefe der Unterbringung bedingt. Eggen wir vorher gar nicht, ſondern„ſäen auf die rauhe Furche“, ſo kommt die Saat tief unter, und um ſo flacher, je öfter wir vorher eggen. Das Eggen nach der Saat bezweckt das Einbringen der Samenkörner und das„Klarmachen“ des Ackers. Dieſe Arbeit wird bei Sommerſaaten ſo ſorgfältig wie möglich aus⸗ geführt; bei Winterſaaten laſſen wir hingegen kleine Schollen liegen, um das Haften des Schnees zum Schutz der Saat zu begünſtigen. Der Saatpflug(S. 81) bringt den Samen etwas tiefer unter. Seine Arbeit iſt ſehr gut, da er gleichmäßig unterbringt und nicht einen Teil der Körner oben liegen läßt. Die Drillmaſchine bringt die ausge⸗ ſtreute Saat ſogleich und zwar ſehr gleichmäßig und gut zu gewünſchter Tiefe unter. Der Krümmer(S. 94) iſt in dieſen Beziehungen das ſchlechteſte Gerät und daher nicht zu empfehlen. § 107. Das Pflanzen. 1. Das Heranziehen von Pflanzen auf beſonderen Saat⸗ oder Warmbeeten und das dann folgende Aus⸗ pflanzen hat den Zweck, Pflanzen, die gegen Kälte empfindlich ſind, in der erſten Wachstumszeit gegen dieſe zu ſchützen, eine langſame Jugendentwickelung zu beſchleunigen, bei großem Wachsraum an Saat zu ſparen, oder das Feld vor dem Pflanzen noch gut zubereiten zu können. Droyſen⸗Giſevius. Ackerbau. 6. Auflage. 11 162 V. Die Saat, Pflege und Ernte. a) Die Saatbeete ſind für Pflanzen(Rüben, Kohl) beſtimmt, welche gegen Kälte weniger empfindlich ſind. Die Ackerkrume der⸗ ſelben wird nötigenfalls durch Erdmiſchung verbeſſert und ſorgfältig gedüngt, bearbeitet und von Unkraut gereinigt. Der Samen wird in Reihen geſät und das Beet bei trockenem Wetter begoſſen. Zum Schutz gegen ſtarke Nachtfröſte dient Nadelholzſtrauch oder unmittel⸗ bar auf den Boden oder auf niedrige, einfache Geſtelle gelegtes Stroh. Läßt man die Schutzdecke bei ſtarkem Sonnenſchein auch in den erſten Tagen nach dem Keimen liegen, ſo ſchützt ſie zugleich gegen den ärgſten Feind junger Pflanzen, den Erdfloh. b) Die für froſtempfindliche Pflanzen beſtimmten Warmbeete beruhen in ihrer Einrichtung darauf, daß ſich ſtark zerſetzender Dünger viel Wärme entwickelt, und darauf, daß die durch Glas fallenden Sonnenſtrahlen in die Erde dringen und ſie er⸗ wärmen, daß aber die von der Erde zurückgeſtrahlte Wärme nicht durch Glas entweichen kann. Die 1 m tiefe, gewöhnlich mit einem Holzkaſten umgebene Grube wird mit Pferdedünger gefüllt und mit einer 15 cm. hohen Decke aus fruchtbarer, feiner Erde verſehen. Der Kaſten wird durch(1,5 m lange, 1 m breite) Fenſter geſchloſſen, welche, wie die Erdfläche, eine leichte Neigung gegen Süden erhalten. Der Samen wird in Reihen geſät, das Beet wird feucht gehalten und die Fenſter nach dem Auflaufen der Pflanzen zur Verhütung von Schimmelpilzen fleißig gelüftet, jedoch ſo, daß kein Fig 90 G). Wind zutreten kann. Dasn Pilansholsr 2. Das Auspflanzen geſchieht zur Verhütung des Abwelkens womöglich bei bedecktem Himmel oder leichtem Regen. Die Pflanzen ſind zur Schonung der Wurzel⸗ haare vorſichtig auszuheben, lange Wurzeln zu ſtutzen und die Wurzeln vor Vertrocknen zu ſchützen. Das Pflanzen erfolgt mit dem Pflanzholz ſo, daß die Wurzeln nicht umgebogen werden. Größere Pflanzen laſſen ſich hinter dem Pfluge ſetzen, indem man ſie in der offenen Furche an den Pflugſtreifen legt, ſo daß die Wurzeln von dem nächſten Pflugſtreifen mit Erde bedeckt werden. Tritt kein Regen ein, ſo iſt ein reichliches Gießen der Pflanzen morgens und abends erforderlich. B. Die Pflege. 163 B. Die Pflege. § 108. Hacke, Pferdehacke.— Kruſtebrechen und Häufeln. 1. Die Hacke beſteht aus Stiel, Tülle und Blatt und wirkt durch den Stoß ſchneidend. Man gibt dem Blatt ſehr verſchiedene Formen, zum Löſen feſten Bodens eine ſpitze, zum oberflächlichen Lockern des Ackers und zum Abſchneiden des Unkrautes eine(25 cm) breite Form. 2. Die Pferdehacke wird zum Baicen und Häufeln der Reihen⸗ ſaaten benutzt und zerfällt in das— Fahrgeſtell als Kraftmaſchine, den Meſſerrahmen als Übertragungs⸗ maſchine und die Meſſer als Ar⸗ beitsmaſchine. Bei dem Fahrgeſtell(Fig. Fig. 91(89). Hacken von J. J. Schmidt⸗Erfurt. 92) iſt die Steuerungsvorrich⸗ tung wichtig, weil die Zugtiere ſich nicht ſo genau lenken laſſen, daß die Meſſer den Pflanzen nicht hin und wieder zu nahe kämen. Dieſelbe zerfällt in die Meſferſteuerung und das Vorderſteuer. Die Meſſerſteuerung beruht darauf, daß der Meſſerrahmen(Fig. 92) Fig. 92(90). Pferdehacke: a ohne, b mit Vorderſteuer. mit zwei Stangen beweglich am Fahrgeſtell angehängt iſt und durch zwei Sterzen ſich ſeitlich verſchieben läßt. Da die Meſſerſteuerung nur bei ſehr geraden Pflanzenreihen und ſehr ſorgfältiger Führung des Zugtieres genügt, ſo iſt bei vielen Pferdehacken am Fahrgeſtell außer⸗ dem ein Vorderwagen mit einem Vorderſteuer angebracht, welches die grobe, während die Meſſerſteuerung die feine Einſtellung beſorgt, Die Aufhängung des Meſſerrahmens in Ketten geſtattet außerdem deſſen Anheben und Außerbetriebſetzen mit Hilfe eines Hebels. 11* 164 V. Die Saat, Pflege und Ernte. Die Meſſer ſind an Stielen und zwar einſeitig bei kleiner, zweiſeitig bei weiter Reihenentfernung angebracht, während bei ſehr großer Reihenentfernung zwei einſeitige Meſſer Verwendung finden, da bei ſehr langen Meſſern das vordere und hintere Ende nicht gleich⸗ mäßig arbeiten würden. Die Fläche der Meſſerklinge iſt nach vorn geneigt, ſo daß die Erde an ihr etwas in die Höhe gleitet und dann hinter ihr kurz abfällt, um dadurch gelockert zu werden. Das Meſſer wird nicht rechtwinklig, ſondern im Bogen an den Stiel angeſetzt und häufig auch noch ſeine Spitze umgebogen(Fig. 93), um ein Verſchütten junger Pflanzen zu verhüten, falls man denſelben bei dem Hacken ſehr nahe kommt.(Bei dieſer Anordnung des Meſſers bedarf es nicht der den Gang erſchwerenden Schutzſcheiben.) An Stelle der Meſſer können Stiele mit Häufelſcharen benutzt werden. 3. Das Kruſtebrechen iſt auf Feldern nötig, welche nach ſtarker Durchfeuchtung von Regen oder Schnee an der Oberfläche austrocknen und erhärten, wenn ſie des Schutzes einer beſchattenden Pflanzendecke entbehren. Beſonders muß die Verkruſtung der Felder während der Keimung und der uee A— Jugendentwickelung der dSw D N; W Pflanzen hintan⸗ gehalten werden, um Fig. 93(91). Stiel und Meſſer. den Boden für Waſſer und Luft offen zu halten. Man verwendet von Geräten für Breit- und Reihenſaaten im allgemeinen die leichte Egge(S. 88) oder eine leichte Schlichtwalze (S. 95), für aufgehende Kartoffeln außer der Egge auch den Schäl⸗ pflug(S. 81), für Reihenſaaten ferner die Hand⸗ oder die Pferde⸗ hacke. Mit der Handhacke werden von jeder Perſon gleichzeitig drei Reihen gehackt, um möglichſt wenig Reihen bei dem Hacken betreten zu müſſen, oder man führt die Hacke ſchräg und hackt die zwei Reihen, die der Vordermann betrat. Es empfiehlt ſich die Beſchaffung von zwei Hacken für jede Perſon, um ſie abwechſelnd ſchärfen und ſtets. mit ſcharfen Hacken arbeiten zu können. Außer allen Reihenſaaten geſtatten bei Breitſaaten die Halm⸗ früchte das Kruſtebrechen, ſo die Winterhalmfrüchte im Frühjahr nach der Schneeſchmelze, die Sommerhalmfrüchte nach dem Aufgehen. Was den Feuchtigkeitszuſtand anbetrifft, ſo muß das Feld vor der Be⸗ arbeitung mit den genannten Geräten etwas abgetrocknet ſein. 4. Das Behäufeln wird oft mit dem Kruſtebrechen verbunden. Es hat neben dem Kruſtebrechen und der Zerſtörung des Unkrautes B. Die Pflege. 165 den Zweck, die Bildung von Seitenwurzeln und von unterirdiſchen Stengeln, wie bei Hopfen, Mais und Kartoffeln, zu fördern, oder die Pflanzenteile, wie bei Rüben um des Zuckergehalts willen, mit Erde bedeckt zu halten, oder auch den Pflanzen einen feſteren Stand zu geben, wie bei Mais und Kopfkohl. Das Behäufeln wird am beſten frühzeitig vorgenommen, um ſpäter die Bodenfeuchtigkeit nicht zu gefährden. Als Geräte dienen dabei die Pferde⸗ und die Handhacke, der Häufelpflug und der Haken(S. 85). § 109. Das Entfernen von Pflanzenteilen. Das Entfernen von Pflanzenteilen hat den Zweck, beſſern Zu⸗ tritt für Luft und Licht zu beſchaffen und das Wachstum anderer Teile zu kräftigen. 1. Das Schröpfen zu üppig entwickelter Winterſaaten im Frühjahr mit der Senſe, ſowie das oberflächliche Abweiden im Herbſt oder im Frühjahr(vor Beginn des Schoſſens) hält die Frucht in der Entwickelung zurück, läßt ſie etwas ſchwächer und dünner weiter wachſen, verhütet aber das bei zu dichtem Stande eintretende Lagern. 2. Gleichen Zweck hat das Geizen, d. h. Entfernen der Blätter und Seitentriebe des Hopfens bis zur Bruſthöhe. Das Geizen der Blüten und Seitentriebe des Tabaks und der Riſpen des Maiſes ſoll die Ausbildung der Blätter beziehungsweiſe der Kolben befördern. § 110. Jätemaſchinen.— Unkrautvertilgung. 1. Der Handhederichjäter wird ähnlich einer Senſe gebaut und geführt, nur daß an Stelle der Senſenklinge ein Querholz tritt, an dem in ſchmalen Zwiſchenräumen rechenähnliche Zinken ſtehen. Der Hederich, welcher höher wächſt als das junge Getreide, klemmt ſich zwiſchen den Zinken feſt und wird mit Hilfe ſeiner Äſte dabei aus dem Boden gezogen. Die mit einem Pferde beſpannte Jätemaſchine hat drei Zahnkämme, welche mit einer Abſtreifvorrichtung verſehen ſind und über den Boden geführt die Hederichpflanzen herausziehen. 2. a) Die Unkrautvertilgung beginnt mit der Vorbeugung der Unkrautbildung durch peinliche Reinigung des Saatgutes. b) Ferner iſt bei der Bodenbearbeitung die Vertilgung der Wurzel- wie der Samenunkräuter ins Auge zu faſſen. Die Wurzel— unkräuter, welche, wie die Quecke, ſich in ihren unterirdiſchen Stengel⸗ ausläufern und Wurzeln erhalten und vermehren, muß man durch Pflügen und Ausſammeln mit der Egge oder dem Krümmer beſeitigen. Die Samenunkräuter, welche ſich durch Samen fortpflanzen, müſſen durch Störung ihres Wachstums vermittelſt Pflügen, Eggen oder Ab⸗ 166 V. Die Saat, Pflege und Ernte. mähen an der Samenbildung gehindert werden. Beſonders wirkſam iſt das Unterpflügen mit dem Doppelpfluge(S. 84). 9 Bei der Saat und Pflege der Pflanzen ſucht man zu⸗ nächſt durch möglichſt dichte Ausſaat oder auch durch den Anbau ſtark wachſender Pflanzen(z. B. Raps, Erbſe) einen dichten Stand der Kulturpflanzen und damit ein Erſticken der Unkräuter zu erreichen. Ferner wendet man bei aufgehenden Saaten das Eggen, bei aufgehenden Kartoffeln auch das Schälpflügen, bei Reihenſaaten das Hacken und Häufeln und bei kleinen Flächen das Jäten mit der Hand an. 3. Beſondere Maßregeln verurſachen der Hederich, die Diſtel, die Herbſtzeitloſe und die Kleeſeide. Den Hederich vertilgt man mit dem Handhederich⸗ jäter oder der Jätemaſchine. Neuerdings beſprengt man ihn auch in jungem Zuſtande mit 15% iger Löſung von Eiſenvitriol in Waſſer, doch darf das Feld nur mit Halmfrüchten, nicht auch mit Schmetterlings⸗ blütlern, z. B. Klee, beſtanden ſein. Die Diſteln und Herbſtzeitloſen werden auf Wieſen am beſten durch Wö den Diſtelſtecher(Fig. 94), ein flach oder zylindriſch viſedier geformtes, an langem Stiele ſitzendes Meſſer, ſowie den Herrbſtzeitloſeſtecher vertilgt. Derſelbe beſitzt an der Seite eine bewegliche Klaue, die beim Herausziehen die Herbſtzeitloſe⸗ zwiebel mit herausholt. Die Kleeſeide wird durch Umgraben der befallenen Stellen beſeitigt. C. Die Ernte. § 111. Die Sichel, genſe und Mähemaſchine. 1. Die Sichel beſteht aus der gebogenen Klinge und dem hölzernen Griff und wird wegen der langſamen Förderung der Arbeit nur bei kleinen Flächen verwendet. 2. Die Senſe zerfällt in den Senſenbaum mit Griffen und in die Klinge, welche mit dem Baume verbunden iſt. Zum Getreide⸗ mähen wird an dem Senſenbaum eine Harfe(Rechen) befeſtigt, welche das Getreide ſeitlich ablegt. 3. Die Mähemaſchine iſt aus dem Fahrgeſtell als Kraft⸗ maſchine, aus der Triebvorrichtung als Übertragungsmaſchine und aus der Schneidevorrichtung und der Ablegevorrichtung als Arbeitsmaſchine zuſammengeſetzt. C. Die Ernte. 167 a) Das Fahrgeſtell iſt bei den einfachſten Grasmähemaſchinen zweirädrig, bei den Getreidemähemaſchinen einrädrig. Die Widerſtände bei der Arbeit, auch das Gewicht der auf Sitzen mitgeführten Perſonen, ſollen ſo verteilt ſein, daß an der Deichſel möglichſt wenig Übergewicht nach vorn und möglichſt wenig Seitenzug nach rechts entſteht. b) Die Schneidevor⸗ richtung beſteht aus drei⸗ eckigen, zweiſchneidigen, ſtählernen Meſſerklingen, welche, an einer gemeinſamen Meſſerſtange befeſtigt, mit dieſer hin- und hergeſchoben werden. Die Meſſerſtange ruht dabei in der Nut des ſogenannten Fingerbalkens, an dem unten die Finger ⸗ ſo befeſtigt ſind, daß die Fig. 95(93). Senſe und Sichel. Meſſer in einem Schlitz der Finger(Fig. 98) gehen. Die Meſſer und Finger beſorgen das Ab⸗ ſchneiden der Stengel, indem die Meſſer dieſelben beim Hin⸗ und Hergehen gegen die Finger drücken und mit dieſen zuſammen ſcherenartig durchſchneiden. Die Finger haben außerdem die Frucht ſo Fig. 96(94, 95). Fingerbalken und Meſſerſtange. Führung der Meſſerſtange. zu teilen, daß jedes Meſſer die gleiche Anzahl Stengel abſchneidet; auch ſchützen ſie die Meſſer vor der Berührung mit Erde bei dem Durchfahren von Waſſerfurchen und von Maulwurfshaufen und vor der Berührung mit Steinen. Zum Niederhalten der Meſſerſtange, zur Erzielung eines dichten Vorbeiführens der Schneiden der Meſſer und Finger aneinander dienen beſondere Führungsſtücke(Fig. 96). 168 V. Die Saat, Pflege und Ernte. Um ein Einklemmen der Stengel zu verhüten, müſſen die Meſſer, wenn ſie bei jedem Hin- und Hergehen zum Umkehren einen Augenblick— ſtillſtehen, ſich ſtets in einem Finger befinden, ſo daß ſie immer von Finger zu Finger hin⸗ und hergehen. Die Schneidevorrichtung wird ſeitwärts vor die Fahrräder gebracht, um den Führerſitz hinter dieſelben legen und bei Unglücks⸗ fällen, wie dem Her⸗ unterfallen des Füh⸗ rers, deſſen Beſchä⸗ digung vermeiden zu können. Die b Schneidevorrichtung läßt ſich zur Fort⸗ Fig. 97(6). Grasmäher. bewegung auf Straßen aufklappen. Bei der Ablegevorrichtung unterſcheiden wir Handablage und Maſchinenablage. Die Handablage erfordert eine Plattform hinter dem Fingerbalken, auf welcher die Frucht bis zum Ablegen mit⸗ gefahren wird, ferner außer dem Führerſitz einen Sitz für den Ab⸗ Fig. 98(97, 98). a Handablage, b Maſchinenablage. leger und den Ablegerechen(Fig. 98). Die Handablage ſetzt eine gewiſſe Übung der Arbeiter voraus und erfordert ein ſofortiges Binden und Aufſtellen der Garben, um den Weg für die Pferde frei zu machen. Die Maſchinenablage erfordert hinter dem Fingerbalken eine Plattform, der eine gebogene Form gegeben wird, um die Ablage C. Die Ernte. 169 hinter der Maſchine zu bewirken und ſo einen Feldſtreifen für die Pferde ganz frei zu machen. Ferner ſind Ablegerechen erforderlich, welche an einer ſenkrechten, ſich drehenden Welle loſe in Scharnieren befeſtigt ſind. Die ohne Unterſtützung loſe herabhängenden Rechen werden durch eine ſchräge Führungsſchiene ſo angehoben, daß ſie bei der Drehung der ſenkrechten Welle auf der Schnittſeite dicht über der Plattform fortgleiten, auf der anderen Seite aber ſich ſo heben, daß ſie an dem Kopfe des Führers vorübergehen. Mit d Rechen können Raffbretter abwechſeln, welche das Getreide der Schneide⸗ vorrichtung beſſer zuführen. Zu der Ablegevorrichtung gehört auch der Garbenbinder, welcher die Garben durch Hebel zuſammenpreßt und dabei mit Kokos⸗ ſtricken bindet, der aber die Maſchine ſehr verteuert, bei ſchlechter Bau⸗ art die Garben leicht mit den Ähren vorauf zur Erde mirſt und dadurch Körnerverluſte herbeiführt. Fig. 99. a Garbenbinder, b Knotenknüpfer c) Die Triebvorrichtung läßt den Antrieb von einem an das Fahrrad angegoſſenen Zahnkranze mit innerer Verzahnung(Fig. 100 Re f) oder von einem Zahnrade aus erfolgen(Fig. 100 i k), das auf der feſt mit dem(vorwärtsgehenden) Rade verbundenen Achſe aufgeſetzt iſt. Das Fahrrad erhält, um ein Gleiten zu verhüten,„Rippen“. Zur Bewegung der Meſſerſtange wird die Kraft durch Zahnräder(Fig. 100 g h) und zuletzt durch eine Kurbel(Fig. 100 i“ fortgeleitet, welche die drehende Bewegung in die gewünſchte ſtoßende verwandelt; zur Bewegung der ſenkrechten Welle mit dem Ablegerechen(Fig. 100 m) wird die Kraft durch Zahnräder(Fig. 100 p p!) nach dieſer übertragen. d) Bei der Arbeit wird zuerſt um das ganze Feld herum mit der Hand ein Streifen abgemäht, auf dem die Pferde gehen können, und es werden dabei ſcharfe Ecken abgerundet. Dann wird die Schneide⸗ vorrichtung der mit beſtem Ol reichlich geſchmierten Maſchine ſo niedrig als möglich, aber hoch genug zur Vermeidung von Beſchädigungen ein⸗ 170 V. Die Saat, Pflege und Ernte. geſtellt. Die Maſchine muß, wenn man die Meſſer einſchneiden läßt, ſchon volle Geſchwindigkeit haben. Das Durchfahren von tiefen Waſſer⸗ furchen iſt durch Einlegen von Faſchinenbündeln zu erleichtern. Vor Steinen und Maulwurfshaufen wird die Schneidevorrichtung etwas angehoben. „ 50 5 10 5„ 35„ 50 ——ÿ————— 1 Fig. 100. Triebvorrichtung. e) Die Arten der Mähemaſchine ſind der Grasmäher, der Ge⸗ treidemäher und die kompinierte Mähemaſchine. Die Grasmäher ent⸗ behren jeder Ablegevorrichtung, die Getreidemäher beſitzen eine Ablege⸗ vorrichtung und unter Umſtänden auch einen Garbenbinder; die kom⸗ binierten Mähemaſchinen beſitzen eine Ablegevorrichtung, welche abnehmbar iſt. § 112. Geräte zur Heubereitung. 1. An Handgeräten verwendet man zum Streuen, Wenden und zum Nachharken des Heus den Handrechen, der aus dem langen Stiel mit Gabelung, dem Querholz und den aus hartem Holz ge⸗ fertigten Zinken beſteht; zum Auf- und Abladen dient die aus dem langen Stiel, einer eiſernen Tülle und zwei bis drei eiſernen(ſtählernen) Zinken beſtehende Heugabel. 2. Der Heuwender wird zum Streuen und Wenden des Graſes benutzt. Er beſteht a) aus dem zweirädrigen Fahrgeſtell mit ge⸗ kröpfter Achſe und Gabeldeichſel, b) aus zwei auf beſonderer Welle ———.—. C. Die Ernte. 471 ſitzenden Rädern, an deren Kränzen umlegbare Rechen angebracht ſind, und c) aus der Triebvorrichtung. Durch die mit den Fahr⸗ rädern verbundenen Zahnräder wird zum Zweck leichteren Umwendens auf jeder Seite, von jedem Fahrrade aus, ein Rechenrad in Drehung verſetzt. Eine Stell⸗ vorrichtung geſtattet das Höher⸗ und Tiefer⸗ ſtellen der Rechenräder. Die Zahnradüber⸗ tragung geſtattet es bei guten(doppeltwirkenden) Maſchinen, von den Fahrrädern aus die Drehung der Rechenräder vorwärts und rückwärts vor ſich gehen zu laſſen. Ein Drahtnetz ſchützt die Pferde gegen das Beſtreuen mit Heu. Die Arbeit des Heuwenders iſt nach der Drehungsrichtung der Rechenräder verſchieden. Beim Vorwärtsdrehen heben ſie das Heu ein Fig. 101 a. Rechen von J. J. Schmidt⸗Erfurt. Fig. 101 b. Heugabeln. wenig und wenden es um; beim Rückwärtsdrehen heben ſie essvorn hoch herauf, wobei es kräftig durchlüftet wird, und ſtreuen dasſelbe alsdann, es nach hinten abwerfend.(Der Heuwender erſpart 10 bis 15 Arbeiter.) Fig. 102 a. Heuwender. Neuerdings verwendet man auch mit Erfolg Heuwender, bei denen an kurzen Stielen ſitzende Gabeln an Stelle der Rechenräder treten. Dieſe werden durch gekröpfte rotierende Wellen ähnlich bewegt, als ob 172 V. Die Saat, Pflege und Ernte. ſie mit der Hand geführt werden; ſie werfen dabei das Heu rückwärts in die Höhe und wenden es zugleich. Fig. 102 b. Gabelheuwender. 3. Pferderechen. Fig. 104. Kleereiter. 3. Der Pferderechen(Tigerrechen) beſteht a) aus dem zwei⸗ rädrigen Fahrgeſtell mit Gabeldeichſel und Führerſitz und b) aus den ——.———— C. Die Ernte. 173 Zinken. Das Fahrgeſtell wird aus recht leichtem, aber feſtem Holz hergeſtellt. Die gebogenen(24) Zinken ſind mit ihrem oberen Ende an einer quer über der Fahrachſe liegenden Stange loſe befeſtigt, ſo daß ſie durch ihr Gewicht an den Boden gedrückt werden. Ihr Quer⸗ ſchnitt iſt entweder L⸗förmig, und ſie ſind dann ſo ſtark, daß ſie Hinder⸗ niſſe(z. B. Steine) überwinden, oder er iſt rund, und ſie ſind dann aus Federſtahl gefertigt, ſo daß ſie an Hinderniſſen federnd vorübergehen. Die zeitweiſe erforderliche Ent— leerung wird am ſchnellſten und leichteſten dadurch bewirkt, daß, während die Zinken etwas über ihrer Mitte durch eine unter ihnen durchgehende Stange geſtützt ſind, ihre oberen Enden mit Hilfe eines Hebels(indem man auch wohl durch einen Fußtritt auf eine entſprechend angebrachte Kette nachhilft) gleichzeitig niederge⸗ drückt werden, wobei ihre unteren Enden ſich ſteil aufrichten und das zuſammengeraffte Heu fallen laſſen. 4. Die Kleereiter ſind einzelne Stangen oder aus drei Fig. 105. Heupreſſe. Stangen hergeſtellte Pyramiden, welche mit hölzernen Zähnen zum Aufhängen des Heues behufs all⸗ ſeitiger Durchlüftung verſehen ſind. Ihre Wirkſamkeit ergibt ſich aus der Tatſache, daß nicht äußere Wärme, ſondern Luftzug ſtärker trocknet. 5. Die Heupreſſe dient dazu, das Heu auf einen kleineren Raum zuſammenzupreſſen, um bei Verſendung mit der Bahn das Lade⸗ gewicht der Waggons beſſer auszunutzen und an Fracht zu ſparen. § 113. Die Ernte von Grünfutter und Heu. 1. Der beſte Zeitpunkt zur Ernte des Grünfutters iſt der Eintritt der Blüte, da das Futter ſpäter auf Koſten wichtiger Nähr⸗ ſtoffe holzig und hartſtengelig wird, und da die Pflanze doch keine Nährſtoffe mehr aus der Erde aufnimmt. Das Grünfutter wird mit der Sichel oder Senſe geſchnitten und ſofort verfüttert. 2. Zur Bereitung des Heues wird das Mähen des Futters, aus denſelben Gründen wie beim Grünfutter, ſpäteſtens in der vollſten Blüte vorgenommen, zugleich auch um die Auswanderung der wert⸗ vollen Stoffe aus dem Kraut in die Samen und das Eingehen ſolcher 174 V. Die Saat, Pflege und Ernte. Pflanzen zu verhüten, die nur eine geringe Erneuerungskraft beſitzen. Als Geräte verwendet man die Sichel, Senſe oder Grasmähemaſchine. Das darauf folgende Trocknen des Heues, welches die Beſeitigung der größten Menge des Waſſers(Grünfütter: 80%, Heu: 15%) aus der Pflanze bezweckt, kann in verſchiedener Weiſe erfolgen. Die Waſſer⸗ entziehung kann dabei auch durch Selbſterhitzen des Futters und da⸗ durch hervorgerufenes Verdampfen eintreten. Bei der Sauer⸗ und Preßheubereitung handelt es ſich überhaupt nur um eine chemiſche Umwandlung(Waſſer: 65— 80%). a) Die Grünheubereitung ſucht das Heu an der Luft zu trocknen. Das abgemähte Futter wird mit dem Rechen oder dem Heu⸗ wender geſtreut und täglich mehrmals gewendet, um es dabei zu lüften und die unten liegenden Pflanzen nach oben zu bringen. Bei drohendem Regen und ohnedies an jedem Abend bringt man es, wenn es halbtrocken iſt, in kleine Haufen. Kann es nach dem Trocknen nicht ſofort abgefahren werden, ſo bringt man es in größere Haufen. Eine Beſchleunigung des Trocknens, ſowie des Abtrocknens nach eintretendem Re⸗ Fig. 106. Heu⸗ und Strohmeſſer. gen wird durch die Benutzung der Kleereiter und durch das Puppen herbeigeführt. Bei dieſem bindet man kleine Büſchel des Futters an der Spitze zuſammen und ſtellt ſie dann loſe aufrecht hin. Als Nach⸗ teile der Grünheubereitung ſind die Gefahr des Auslaugens durch Regen und das unvermeidliche Abbröckeln von Blättern und Stengel⸗ teilen zu betrachten. b) Bei der Braunheubereitung wird das halbtrockne— nicht tau⸗ oder regennaſſe— Futter in großen, mindeſtens 6 m im Durch⸗ meſſer breiten Haufen von möglichſt vielen Menſchen bis zu 5 m Höhe in gleichmäßigen Schichten recht feſtgetreten und dann mit Stroh feſt eingedeckt. Der Haufen erhitzt ſich darauf, kühlt ſich wieder ab und iſt nach 6 Wochen fertig. Das Braunheu wird nach Bedarf mit Heu⸗ meſſern(Fig. 106) abgeſchnitten. Der Vorteil dieſer Trocknungsweiſe liegt in der Möglichkeit, bei plötzlich drohendem Regen das halbtrockne Heu vor dem Auslaugen zu ſchützen. c) Bei der Brennheubereitung(Klapmeyerſchen Heubereitung) wird das Futter ſchon nach einem Tage in großen Haufen, wie bei der Braunheubereitung, feſtgetreten. Die Erhitzung iſt dann ſo ſtark, daß nach zwei bis drei Tagen der Haufen ſchnell zum endlichen Ab— trocknen auseinandergeworfen werden muß, um nicht zu verkohlen. Bei dann eintretendem Regenwetter liegt daher die Gefahr des Aus⸗ laugens vor. C. Die Ernte. 175 d) Bei der Süßfutterbereitung(Grünpreßfutterbereitung) wie bei der Sauerheubereitung wird die Haltbarkeit des Futters nicht durch Trocknung, ſondern durch chemiſche Umwandlung erzielt. Das Futter wird ſofort nach dem Mähen— höchſtens wenige Stunden darauf— in eine Feime gefahren, die mit einer Einrichtung zu be⸗ liebigem und dauerndem Preſſen der Futtermaſſe verſehen iſt. Vor dem Preſſen wird das Futter ganz gleichmäßig zwiſchen vier Eckſtangen in Schichten aufgebracht und hierzu abwechſelnd von allen vier Seiten angefahren, ſowie oben mit einer ſehr ſtarken Strohſchicht bedeckt. Nach dem Beginn des Preſſens(nach einem Tage) mißt man mit Hilfe eines dazu in der Höhlung einer eiſernen ſpitzen Stange eingebetteten Maximum⸗ Thermometers täglich die Wärme des Feimeninnern.“ Sinkt dieſelbe unter 50⁰° C., ſo läßt man mit dem Preſſen nach, preßt aber ſtärker, wenn ſie über 700 ſteigt, bis das Futter ſich abkühlt und nun ver⸗ Fig. 107. Preßfeime. braucht werden kann. Auf das gepreßte Futter kann man jederzeit nach Abnehmen der Preßvorrichtung neues Futter aufbringen und auch dieſes preſſen. Die Süßfutterbereitung bietet den Vorteil, bei jedem Wetter das Futter ernten zu können, doch muß dasſelbe von der Preſſe weg verfüttert werden und läßt ſich, da es ſich nicht hält, nicht weit trans⸗ portieren und an beliebiger Stelle verkaufen. Das Futter wird für den Bedarf ſchichtenweiſe mit dem Heumeſſer ſenkrecht abgeſchnitten und verbraucht. Es iſt für Rinder geeigneter als für Pferde. e) Zur Sauerheubereitung ſtellt man in Lehmboden Gruben (von 2 m Tiefe, 2,5 m Sohlenbreite und 3 m oberer Breite) her oder mauert ſie, wenn nur durchlaſſender Boden da iſt, in Zement aus (Silos). In dieſe wird das Futter nach dem Mähen ſofort ſchichten— weiſe feſt eingetreten, grobſtengliges, wie Mais, nach vorhergehendem Häckſeln. Der Aufbau wird zur Erleichterung des Setzens mit ſenk— rechten Wänden noch 1 m hoch fortgeſetzt und das Ganze allſeitig 176 V. Die Saat, Pflege und Ernte. 0,5 m. ſtark mit feſtgeſtampfter Erde umgeben, worauf das Sauerheu nach einigen Wochen verfütterbar iſt. Das Futter erhält durch die entſtandene Milchſäure einen angenehmen ſäuerlichen Geſchmack. § 114. Die Ernte der Körnerfrüchte. 1. Der Zeitpunkt für das Mähen iſt die Gelbreife(vgl.§ 10) bis zur Vollreife, je nachdem ein Körnerausfall zu befürchten(Hafer) und das Erntewetter günſtig oder ungünſtig iſt. Als Geräte verwendet man die Sichel, Senſe oder Mähemaſchine; nur wenige Früchte, wie der Flachs, werden mit der Hand„gerauft“. An der Senſe bringt man das Geſtell' an, wenn die Frucht in Garben gebunden werden ſoll, und unterſcheidet dann das Anhauen und das Schwadmähen. Soll die Frucht gleich hinter der Senſe gebunden werden, ſo erleichtert man das Binden durch das Anhauen, bei dem die abgemähten Halme an — das noch ſtehende Getreide gelehnt werden; andernfalls mäht man auf das Schwad, da die Arbeiter beim Binden mehr leiſten. 2. Das Trocknen der abgeſchnittenen Frucht erfolgt an der Luft, entweder auf dem 85 4 NSD Schwad, oder in Garben, oder Nw AeA en zuerſt auf dem Schwad und dann in Garben. a) Hülſen⸗ früchte, Olfrüchte und kurzes Halmgetreide trocknet man auf dem Schwad und wendet ſie nur täglich mit dem Rechen um. b) Getreide mit langem Stroh bindet man in Garben und ſtellt dieſe zu 16, 20 oder 30, je zwei aneinander⸗ gelehnt, in„Stiegen“(Hocken, Zeilen, Mandeln) auf. Die Stiegen ſetzt man bei ungünſtiger Witterung um, ſo daß die bisherige Innen⸗ ſeite der Garben nach außen kommt. In regenreichen Gegenden ſtellt man auch Puppen auf, indem man acht Garben in einen Kreis um eine neunte ſtellt und die zehnte umgekehrt darüber deckt(Fig. 108). c) Zu ſchnellerer Trocknung kann man das Getreide auch zwei Tage auf dem Schwad liegen laſſen und dann binden und aufſtellen. Das Trocknen auf dem Schwad vollzieht ſich am ſchnellſten, iſt aber im Regenfall das gefährlichſte; langwieriger, aber gefahrloſer iſt das Trocknen auf dem Schwad und dann in Garben, noch langſamer und ſicherer das Trocknen in Garben(beſonders beim Aufſtellen von Puppen). Fig. 108. Getreidepuppe. C. Die Ernte. 1 —1 — § 115. Die Fuhrwerke. 1. Die Pferdekarre(Fig. 109) beſitzt ein zweirädriges Fahr⸗ geſtell mit Gabeldeichſel und einen rückwärts abkippbaren Wagen⸗ kaſten. Sie wird zur Ernte durch aufgeſetzte Leitern in ihrem Lade⸗ raume vergrößert. Einerſeits iſt die Pferdekarre zu vielen kleinen Fuhren verwendbar, andererſeits erleichtern die hohen Räder und der Umſtand, daß das Zugtier der Laſt ſehr nahe iſt, das Ziehen; auch iſt das Abladen ſehr leicht. Nachteilig iſt jedoch das ſtarke Schwanken der Gabeldeichſel, um deswillen wir nur ſchwere Pferde einſpannen dürfen. Zur vollen Ausnutzung kommen die Vorteile daher nur bei großer Laſt, bei ſehr ſchweren Pferden und auf harten Straßen. 2. Der Wagen, das gebräuchlichſte und vielſeitigſte Fahrgerät, beſitzt als Hauptteile a) die Räder, b) das Geſtell und c) die Ausrüſtung. Fig. 109. Pferdekarre. a) Die Räder beſtehen aus der Nabe mit der Buchſe, aus den Speichen und aus dem Radkranz mit den Felgen und dem Reifen. Die ſchräge Stellung und der Sturz der Räder erweitern den Laderaum und erleichtern das Fahren auf gewölbten Straßen; die gleiche Spurweite aller Wagen ſoll das Einhalten der Gleiſe auf Landwegen ermöglichen. Durch die Verengerung der Räderentfernung vorn(in der Mitte der Radhöhe gemeſſen) gegen dieſelbe hinten wird das Entgleiſen bei ſchwankendem Gange der Zugtiere erſchwert. b) Das Geſtell zerfällt in den Vorder⸗ und den Hinter⸗ wagen, deren jeder eine Achſe mit Stoßringen, Lünſen und Vor⸗ ſteckern und das mit der Achſe durch die Tragringe verbundene Achs⸗ futter(b) beſitzt, auf dem das bei dem Vorderwagen bewegliche Polſter(c) ruht. Die Verbindung des Vorder⸗ und Hinterwagens vermitteln der Langbaum(e) und die Arme(n) des Hinterwagens, ſowie der den Droyſen⸗Giſevius. Ackerbau. 6. Auflage. 12 g 178 V. Die Saat, Pflege und Ernte. Langbaum im Vorderwagen befeſtigende Spannnagel(o). Die beiden Arme des Vorderwagens(m) und der Wender(h) halten durch den darüber liegenden Langbaum den Vorderwagen in richtiger Lage und tragen die Deichſel(1), an der die Wage(oder Bracke)(e) mit den Ort⸗ ſcheiten(K) und an deren Spitze der Dorn für die„Aufhalter“(Ketten) der Pferde angebracht ſind. c) Zu der Ausrüſtung gehören die in beiden Polſtern ſteckenden Rungen(d), welche den Wagenkaſten halten, an deſſen Stelle bei Fig. 110. Wagen. dem Arbeitswagen ein Langbrett und Seitenbretter(Aufſatzbretter) — oder bei dem Leiterwagen(Erntewagen) mit Hilfe der Rungen und Lünsſtöcke(f) und ihrer Verbindungsketten in der richtigen Lage er⸗ haltene Leitern— treten. Bei hoch beladenen Heu⸗ und Strohfuhren wird die Ladung durch den oben auf ihr feſtgebundenen Erntebaum vor dem Herabgleiten geſchützt. 3. Die Feldbahnen(§ 131) verwendet man nur bei ebenem Gelände und ſchwerer Laſt. Bei der Fortſchaffung der Ernteerträgniſſe erleichtern ſie beſonders das Abfahren der Wurzeln und Knollen aus Mieten bei naſſem oder hartgefrorenem Boden. —4 —;ÿy C. Die Ernte. 179 § 116. Stakmaſchine.— Feimen. 1. Die Stakmaſchine beſteht aus einem vierrädrigen Wagen und dem ausziehbaren und in ſeinem Neigungswinkel verſtellbaren Fig. 111. Stakmaſchine. Stakgeſtell. Das Geſtell trägt oben und ebenſo unten eine Rolle, über die rechts und links je eine Kette ohne Ende gelegt iſt. Die Fig. 112. Feime. Ketten tragen Querſtäbe mit Zähnen. Die untere Rolle wird durch einen Göpel, oder mit der Dampfdreſchmaſchine zuſammen von der Lokomobile aus, in Drehung verſetzt, ſo daß die Ketten mit den 12* 180 V. Die Saat, Pflege und Ernte. Querſtäben und Zähnen ſich oberhalb des Stakgeſtells nach oben, unterhalb abwärts bewegen, dabei das in den Korb des Stakgeſtelles gebrachte Stroh oder Heu erfaſſen, in die Höhe führen und oben fallen laſſen. 2. Der Zweck der Errichtung von Feimen(Schobern, Diemen, Mieten, Triſten, Haufen, Staken) iſt der, bei Mangel an Scheunenraum Früchte, Heu oder Stroh während der Aufbewahrung gegen Regen und Schnee zu ſchützen. a) Bezüglich der Form zieht man die viereckige Grundfläche der kreisrunden deshalb vor, weil der viereckige Feimen ſich auch von ungeübten Leuten— wenn man an den vier Ecken Stangen errichtet — aufſetzen läßt, und weil man ihn beliebig lang machen kann, ob⸗ wohl die runden Feimen weniger Außenfläche haben und ſich auch gleichmäßiger ſetzen. Die Wände ſind nicht ſenkrecht, ſondern etwas nach oben vortretend, um das Ablaufen des Regenwaſſers zu erleichtern, während das Dach ſpitz oder kugelförmig errichtet wird. b) Die Größe wählt man bei runden Feimen ſo, daß man einen Feimen an einem Tage einfahren oder abdreſchen kann, um nicht die untere Hälfte über Nacht dem Tau oder Witterungswechſel auszuſetzen. Viereckige Feimen ſtellt man in beliebiger Größe her. c) Bei dem Aufbau wird eine 30 em ſtarke Unterlage von Reiſig oder Stroh gelegt und hieraufs unter Aufſtaken des Heus oder Strohs mit Stakgabeln oder Stakmaſchinen der Feimen erbaut, indem man bei Getreide die Ähren nach innen, das Sturzende nach außen legt. An Stelle des Reiſigs oder Strohes kann man auch eiſerne oder gemauerte Feimengerüſte verwenden. Das Dach wird, wenn nicht ein bewegliches, auf den Eckſtützen ruhendes Dach vor⸗ handen iſt, mit loſem Stroh bedeckt oder mit dachziegelartig überein⸗ ander gelegten Strohbündeln beſteckt. Man kann die Feimen auch mit waſſerdichten Planen eindecken. Zum Schutze gegen das Abheben von Dachteilen durch Wind dienen darüber geſpannte und mit Holznägeln befeſtigte Strohſeile oder mit angehängten Steinen beſchwerte Seile. Um den Feimen zieht man zum Ableiten des Waſſers einen kleinen Graben mit ſteilen Wänden, legt den Erdauswurf an die Feimenunter⸗ lage heran und ſetzt bei Getreidefeimen in dem Graben mit je 2 m Zwiſchenraum 8 em weite Drainröhren verſenkt als Mäuſefang ein. § 117. Göpel; ihre Aufſtellung. Nene Motoren. 1. Die Einteilung der Göpel unterſcheidet Tretgöpel und Zug⸗ (Kreis⸗ oder Rundgang⸗) Göpel. A. Bei den Tretgöpeln bewegt ſich das Tier Z auf einer loſen, beweglichen, ſchiefen Ebene ohne Ende, welche um zwei Rollen gelegt =Sͤͤ M8 C. Die Ernte. 181 iſt. Durch ſein Gewicht verſetzt das Tier die Ebene in gleitende Be— wegung und damit die Rollen in Drehung, ſo daß von einer derſelben, durch Aufſetzen einer Riemenſcheibe, die Kraft abgeleitet werden kann. Die Tretgöpel ſind, um die bewegliche ſchiefe Brücke nicht zu ſchwer bauen zu müſſen, nur für kleine Tiere, höchſtens für ein Pferd oder ein Rind verwendbar. B. Die Zuggöpel werden a) in Göpel eingeteilt. a) Die Säulengöpel be⸗ ſitzen eine hohle, eiſerne Säule, durch welche die Säulenwelle geht. Dieſe trägt oben eine Riemenſcheibe und unten ein kleines Stirnrad, welches durch einen Ausſchnitt unten an der Fig. 113. Grundgedanke des Tretgöpels. Säule erreichbar iſt. Die Zugtiere bewegen mit den Zugbäumen ein großes Rad mit innerer Verzahnung, deſſen Nabe oberhalb des Ausſchnittes loſe um die feſtſtehende Säule gelegt iſt. Das große Rad treibt ein kleines, auf deſſen ſenkrechter Welle ein größeres Stirnrad ſitzt, das in das kleine Zahnrad unten an der Säulenwelle durch den Ausſchnitt eingreift. So werden die Säulenwelle und ihre Riemenſcheibe von dem großen Rade aus in Drehung verſetzt. Die Vorteile des Säulen⸗ göpels beruhen darauf, daß die Pferde unter dem Riemen weg freie Bahn finden, ſowie darin, daß die Kraft von der Riemen⸗ ſcheibe aus nach allen Seiten hin abgeleitet werden kann. Ein Nach⸗ teil iſt dagegen der Um⸗ Fig. 114. Säulengöpel. ſtand, daß bei größerer Kraft ſich der Göpel leicht nach der Seite umziehen läßt, nach welcher der Riemen abgeht, ſo daß der Säulengöpel ſehr feſt fundamentiert ſein muß. Man verwendet ihn daher ungern bei mehr als zwei Zugtieren. b) Die liegenden Göpel laſſen hinſichtlich der Bauart die Zugtiere mit Hilfe von Zugbäumen ein großes Zahnrad drehen, das ein zweites kleines Zahnrad und durch ein drittes größeres, mit dem Säulen- und b) in liegende 182 V. Die Saat, Pflege und Ernte. zweiten auf derſelben Welle feſtſitzendes Rad ein viertes kleines Zahn⸗ rad treibt, mit dem die Übertragungsſtange gewöhnlich durch Gelenk⸗ kuppelung(Univerſalgelenk) verbunden iſt. Die Gelenkkuppelung geſtattet die Ableitung der Kraft in Winkeln. Auf dem großen Rade kann ein Führerſitz angebracht werden. Die liegenden Göpel laſſen ſich beliebig ſtark herſtellen, doch iſt den Zugtieren das Überſchreiten der Über⸗ tragungsſtange hinderlich, auch iſt es ſchwer, alle„umgehenden“ Teile — auch die Stange— zur Verhütung von Unglücksfällen zu umkleiden. Bezüglich der einzelnen Teile der liegenden Göpel muß darauf gehalten werden, daß das Geſtell recht feſt iſt, ſo daß ein Verſchieben Fig. 115. a Liegender Göpel. b Gelenkkuppelung. der ineinander eingreifenden Räder ausgeſchloſſen bleibt, ferner darauf, daß die Zahnräder gut ineinandergreifen, was man daran erkennt, daß immer drei— nicht zwei— Zähne eingreifen. Endlich iſt auf die äußere oder innere Verzahnung des großen Rades zu achten, weil die letztere der Übertragungsſtange eine andere Drehungsrichtung gibt, als die äußere, und dadurch die Anlegung der Arbeitsmaſchinen er⸗ ſchwert wird. 2. Bei der Aufſtellung der Göpel iſt ſtrena darauf zu achten, daß die ſenkrechten Wellen wirklich ſenkrecht ſtehen. Am leich⸗ teſten erkennt man Abweichungen, wenn man ein bis zum Rand gefülltes Glas Waſſer dabei zu Hilfe nimmt. Ferner müſſen Winkel bei der Übertragung der Kraft nach der Arbeitsmaſchine möglichſt vermieden C. Die Ernte. 183 werden. Abweichungen in der wagerechten Ebene vermeidet man, wenn man die Welle des letzten kleinen Göpelzahnrades, die Übertragungsſtange und die erſte angetriebene Welle der Arbeitsmaſchine in eine Richtung bringt. Abweichungen in der ſenkrechten Ebene beugt man vor, wenn man den Göpel ſo hoch ſtellt, daß ein Aufſteigen der Übertragungs⸗ welle zur Arbeits⸗ maſchine über⸗ flüſſig iſt. Man kann das durch Aufſchütten eines Hügels für Göpel und Zugtiere er⸗ reichen. 3. Neben Göpel und Dampflokomo⸗ bile verwendet man von neuen Motoren viel⸗ fach die Spiritus⸗ lokomobile und elektriſche Dynamos. a) Die Spiritus⸗ lokomobile(Fig. 116 a) erzeugt die Kraft dadurch, daß ein wenig Spiritus in einem ſtarkgebauten Kolben abgeſperrt verdampft und durch einen elektriſchen Funken entzündet wird, worauf durch die ſo her⸗ vorgebrachte kleine Ex⸗ ploſion ein Stempel vor⸗ geſtoßen wird. Das hier⸗ durch neben der Riemen⸗ ſcheibe in Drehung ver⸗ m — M b Fig. 116. a Spirituslokomobile, b Dynamo AF 10 der Elektrizitäts⸗Geſellſchaft vormals Schuckert& Co.— Nürnberg. ſetzte Schwungrad bringt den Stempel in den Kolben zurück, während der Spiritusdampf durch einen Auslaß entfernt, darauf aber eine kleine Menge Spiritus durch ein Einlaßventil neu eingeführt wird. Da die Svirituslokomobile des Anheizens nicht bedarf, auch in den Arbeits⸗ 184 V. Die Saat, Pflege und Ernte. pauſen(z. B. mittags) nicht geheizt wird, ſo arbeitet ſie trotz des etwas teuren Preiſes des Spiritus nicht teurer als die Dampflokomobile. Sie iſt nicht feuergefährlich. b) Wenn eine elektriſche Kraftanlage vorhanden iſt, ſo kann die Dreſchmaſchine oder eine andere Maſchine durch einen Dynamo be— trieben werden, den man unter Umſtänden ſogar ſogleich feſt mit der⸗ ſelben verbindet. Den Dynamo, welcher bei der Kraftanlage die Elektrizität erzeugt, nennt man dann den primären, jenen, welcher an der Arbeits⸗ maſchine die Elektrizität wieder in Kraft umſetzt, den ſekundären Dynamo. § 118. Die Maſchinen zur Körnergewinnung.— Das Dreſchen. 1. Der Dreſchflegel beſteht aus dem Stiel und aus dem an ihm frei beweglich befeſtigten Klöppel. Die Pflanzen werden bei dem Fig. 117. Dreſchmaſchine. Dreſchen mit dem Flegel auf einer Tenne(Diele) ausgebreitet, welche aus feſtgeſchlagenem Lehm, beſſer noch aus Zement oder Asphalt her⸗ geſtellt wird und ein reines Aufſammeln der Körner geſtattet. Nach Abdreſchen der oberen Seite werden die Pflanzen gewendet. 2. Die Dreſchmaſchinen ſind Arbeitsmaſchinen, die mit der Hand(Handdreſchmaſchinen), dem Göpel(Cöpeldreſchmaſchinen), mit Waſſer oder Dampf(Dampfdreſchmaſchinen) und vermittelſt Stangen⸗, Riemen⸗ oder Seil⸗Übertragung betrieben werden können. Die Hauptteile ſind das Geſtell und die arbeitenden Teile. a) Das Geſtell wird des hohen Gewichts wegen nur bei kleinen Dreſchmaſchinen aus Eiſen, ſonſt aus möglichſt feſtem Holze hergeſtellt. b) Die weſentlichen arbeitenden Teile ſind die Dreſchtrommel und der Dreſchkorb(Fig. 117a und u). Die zwiſchen die ſchnell ſich AIn 4CI0 C. Die Ernte. 185 drehende Dreſchtrommel und den ſie umgebenden Dreſchkorb gelangende Frucht wird zwiſchen beiden hin und her geſtoßen und ſo entkörnt. Nach der Bauart der arbeitenden Teile unterſcheidet man Stiften⸗ und Schlagleiſten⸗Dreſchmaſchinen. Bei den Stiften⸗Dreſch⸗ maſchinen ſind Trommel und Dreſchkorb mit Stiften beſetzt, und zwar ſo, daß die Stifte der Trommel(Fig. 118) zwiſchen denen des Dreſchkorbes hindurchgehen. Bei den Schlagleiſten⸗Dreſchmaſchinen ſind Trommel und Dreſchkorb(Fig. 119) mit Leiſten beſetzt, welche die len AcCT cEs. H. f. ECKkEBI. 8EALIN. 6* Fig. 118. Stiftentrommel. haben erfahrungsmäßig einen leichteren Gang, als die Schlagleiſten⸗ Dreſchmaſchinen, doch ſind die Stifte bei zufällig mitgehenden Steinen auch eher Beſchädigungen ausgeſetzt. Die Schlagleiſten-Dreſch— maſchinen werden ferner in Lang⸗ und ö1 Breit⸗Dreſchmaſchi⸗ nen eingeteilt. Bei den ſtets als Lang⸗ Dreſchmaſchinen gebauten Stiften⸗ Dreſchmaſchinen und den als ſolche herge⸗ ſtellten Schlagleiſten⸗ Fig. 119. Schlagleiſten⸗Trommel. Dreſchmaſchinen wird das Getreide mit den Ähren voran eingelegt und das Stroh beim Durchgang geknickt, ſo daß es, als Krummſtroh, zum Dachdecken, zum Mattenbinden ꝛc. nicht verwendbar iſt. Bei den Breit⸗Dreſch⸗ maſchinen wird das Getreide quer— Ähren und Sturzende gleich— zeitig— eingelegt, ſo daß es die Maſchine ungebrochen als Glattſtroh verläßt. Die Breit⸗Dreſchmaſchinen ſind der größeren Breite halber teurer und haben einen ſchwereren Gang, als die Lang⸗Dreſchmaſchinen. Die Dreſchtrommel, welche in der Minute 1200 Umdrehungen macht, beſitzt eine ſtählerne Welle, deren Zapfen in gut gehaltenen Lagern ruhen. Sie muß mit ihrem Zubehör genau in allſeitigem 479 186 V. Die Saat, Pflege und Ernte. Gleichgewicht hergeſtellt ſein, weil bei dem Übergewicht einer Seite die Fliehkraft(Zentrifugalkraft) nach dieſer ſtärker wirkt und zum Ausreiben und Warmlaufen, wie zu unnötigem Kraftverbrauch durch Reibung führt. Man kann die Trommel daraufhin leicht unterſuchen, indem man ſie mit den Zapfen auf zwei gleich hohen Tiſchen lagert und mit kleinen Stößen ins Rollen bringt, wobei ſich ein Übergewicht bald zeigt. Der Dreſchkorb umſchließt die Trommel(Fig. 117 k) zur Hälfte des Umfangs und beſteht— von den Schlagleiſten und Stiften ab⸗ geſehen— aus einem ſtarken Drahtgeflecht, welches die Körner hindurch⸗ fallen, das Stroh aber am unteren Ende heraustreten läßt. Durch eine Stellvorrichtung(u) läßt ſich der Dreſchkorb oben und unten näher und weiter zu der Dreſchtrommel ſtellen. Die verſchiedenen Früchte erfordern eine verſchieden weite Einſtellung: Hülſenfrüchte eine weitere als Halmfrüchte. Die genaue Einſtellung muß beim Dreſchen jedesmal ſo erfolgen, daß weder Körnerzer⸗ ſchlagen werden Gu enge Stel⸗ lung), noch auch Körner unausge⸗ droſchen bleiben (zu weite Stel⸗ lung). Oben ſteht dabei der Korb ſtets etwas weiter ab, als unten. ¹) Bei größe⸗ Fig. 120. Dreſchmaſchine mit Strohſchüttlern. ren Dreſchmaſchi⸗ nen bringt man eine Einlegevorrichtung an. Dieſe ſoll einerſeits für den Einleger die Gefahr einer Beſchädigung der Hand beſeitigen, andererſeits die Maſchine gleichmäßig„füttern“, um die bei dem ungleichmäßigen Ein⸗ legen mit der Hand vorkommenden Stöße, ſowie den Leergang in den Einlegepauſen zu vermeiden. ¹) Vielfach gibt man als ungefähren Anhalt folgende Zahlen rund in mm an: 6 4 Hülſenfrüchte, Raps und Halmfrüchte Buchweizen Rübſen oben 30 ſo weit wie möglich Mitte 15 35 80 unten 7 15 50 C. Die Ernte. 187 Die neuerdings auch bei kleinen Maſchinen viel angewendeten Strohſchüttler(Fig. 117 u. 120) ſchütteln das Stroh durch, laſſen die noch im Stroh befindlichen Körner und die Spreu zu Boden fallen und befördern das Stroh von der Maſchine fort, worauf es gebunden und fortgeſchafft wird. Die eigentümliche Bewegung, abwechſelnd auf— und vorwärts und darauf ab⸗ und rückwärts, wird den Strohſchüttlern durch eine gekröpfte Welle ſo erteilt, daß die einen auf- und vorwärts gehenden Schüttler das Stroh faſſen, während die andern, mit ihnen abwechſelnden, ab⸗ und rückwärts ſich bewegenden, leer gehen, worauf ſie ſich wieder umgekehrt verhalten und das Stroh von den andern weiter geſchoben wird. Fehlen die Strohſchüttler, ſo muß man eine Wagen⸗ leiter auf niedrige Böcke legen und das aus der Maſchine kommende Stroh über ſie hinweg mit Hilfe hölzerner Gabeln unter kräftigem —— imnlke unat Fig. 121. Dampfdreſchmaſchine mit Glattſtrohpreſſe. Aufſchütteln fortbringen, wobei die im Stroh befindlichen Körner mit der Spreu zwiſchen den Leiterſproſſen durchfallen und mit einem Rechen unter der Leiter hervorgeholt werden können Wird das leere Stroh nach dem Dreſchen nicht durch eine Stakmaſchine(§ 116; Fig. 111) oder durch Menſchenhände ſogleich zum Aufbau eines Stakens(Feimen) weitergeſchafft, ſo kann man es auch einer Preſſe zuführen, die es in Ballen ſtark zuſammenpreßt und bindet(Fig. 121). Man kann hierbei an Aufbewahrungsraum ſparen und alles Stroh in feſten Scheunen oder Feldſcheunen unterbringen; auch wird der Transport bei Strohverkauf ſehr erleichtert. Die Kleereiber dienen, da beim Kleedreſchen nur die ganzen Köpfe gewonnen werden, zum Ausreiben der Körner aus denſelben. Der Kleereiber iſt ein Mantel, der aus einem Geflecht von vierkantigem Draht beſteht und an Stelle des Dreſchkorbes um die Dreſchtrommel gelegt wird. Man gibt die Köpfe an der Seite ein, worauf die Körner 188 V. Die Saat, Pflege und Ernte. enthülſt werden und durch das Drahtgeflecht fallen, während die leeren. Höülſen durch einen Schieber am anderen Ende des Mantels austreten. 3. Eine größere Zahl von Vorrichtungen, außer den genannten, beſitzen die zuſammengeſetzten oder kombinierten Dreſchmaſchinen, weelche mit der Dreſchmaſchine gleichzeitig eine Reinigungsmaſchine ver⸗ binden. Wir finden deshalb in der kombinierten Dreſchmaſchine außer den Strohſchüttlern Reinigungsſiebe, eine Windfege, Entgranner, Sortier⸗ ylinder und Vorrichtungen(Paternoſterwerk, Schraube ohne Ende) vor, velche die Körner von einem arbeitenden Teile zum andern führen. Die kombinierten Maſchinen brauchen große Betriebskraft(in der Regel Dampfkraft), haben aber den Vorteil, daß man keiner Tenne zum Sammeln der Körner bedarf, daß man alſo aus den Stiegen oder aus einem Feimen auf dem Felde ſelbſt dreſchen kann. Fig. 122(121). Kombinierte Dreſchmaſchine. 4. Für den Betrieb der Dreſchmaſchine muß die Vorſchrift ein⸗ gehalten werden, zuerſt die Maſchine in volle Geſchwindigkeit zu ver⸗ ſetzen und dann erſt einzulegen, umgekehrt auch zuerſt mit Einlegen aufzuhören und dann erſt die leere Maſchine zum Stillſtand zu bringen. Nach der richtigen Einſtellung des Dreſchkorbes iſt die Maſchine mög⸗ lichſt gleichmäßig zu füttern. 5. Das Dreſchen kann nur bei dauernd trockner Erntewitterung ſofort(womöglich mit der Dampfdreſchmaſchine aus den Stiegen) vor⸗ genommen werden, da die Körner die Frucht bei feuchter Witterung ſchwer verlaſſen, und das Stroh leicht„wickelt“. 6. Bei der Wahl der Geräte zum Dreſchen ſind folgende Geſichtspunkte maßgebend: Der Flegel ſchont das Stroh(Langſtroh) C. Die Ernte. 189 und die Körner, entkörnt aber nicht rein, ſo daß Flegeldruſch 5 v. H. weniger gibt, als Maſchinendruſch. Handdreſchmaſchinen erfordern ebenſoviel Perſonen wie Flegeldruſch, geſtatten aber— von dem Rein⸗ druſch abgeſehen— die Vereinigung aller Arbeiter auf einer Tenne. Göpel⸗ und Dampfdreſchmaſchine arbeiten billiger als Flegeldruſch. Sie bieten ferner den Vorteil dar, daß in kurzer Zeit viel gedroſchen, Saatgut ſchnell beſchafft werden kann, hohe Preiſe ſich ſofort aus— nutzen laſſen und man im Winter die Arbeiter zur Vornahme von Meliorationen frei hat. Alle Maſchinen beſchädigen aber die Körner leicht(Beizen des Weizens). Die Breitdreſchmaſchinen liefern Glatt⸗ ſtroh, alle anderen Krummſtroh. 7. Wie durch Schläge bei Benutzung des Dreſchflegels und der Dreſchmaſchine, kann man die Körner auch durch Druck bei dem Aus⸗ reiten von den übrigen Pflanzenteilen trennen. Man nimmt das Ausreiten bei leicht ausfallenden Früchten(z. B. Raps) auf der Scheunentenne oder einer auf dem Felde dazu hergeſtellten Tenne vor. § 119. Die Maſchinen zur Reinigung der Körner. Die Reinigung der ausgedroſchenen Körner hat den doppelten Zweck, dieſe einerſeits von Unkraut, Staub, Spreu und Halmreſten zu befreien und ſie andererſeits beſonders bei Menggetreide— zu ſortieren. 1. Die einfachſte Reinigungsweiſe iſt das Worfeln und das Sieben mit dem Handſieb. Das Worfeln wird auf einer Scheunentenne bei offenen Türen an windigen Tagen vorgenommen. Die Körner werden von einem Arbeiter mit einer Schaufel gegen den über die Tenne ſtreichenden Wind geworfen, wobei ſie vonz Staub befreit und nach der Schwere ſortiert werden, indem die ſchwerſten am weiteſten fliegen, weniger weit die leichten und die Unkrautſamen, während die Spreu vom Winde völlig zurückgetrieben wird. Ein zweiter Arbeiter fegt mit dem aus hartem Graſe fächerartig gebundenen Gras⸗ beſen mitgeflogene Diſtelköpfe und Halmteile von den guten Körnern fort, worauf er dieſelben zuſammenſchaufelt. Hierauf werden die Körner mit dem Handſieb nach Korndicke geſchieden, und bei Mengſaaten die Fruchtarten von verſchiedener Korndicke, z. B. Hafer und Erbſen, getrennt. Als Unterſtützung für das Handſieb benutzt man einen ein⸗ fachen hölzernen Bock. 2. Eine zweite Reinigungsweiſe iſt das Reinigen mit der Windfege und dem Zylinder. Die Windfege macht uns von dem natürlichen Winde unabhängig, indem ſie den Wind mit Hilfe eines Flügelrades(Fig. 123 p) ſelbſt erzeugt. Die aus dem Einlauf⸗ trichter(ohne die Siebe f g h) austretenden Körner werden durch den 190 V. Die Saat, Pflege und Ernte. künſtlichen Wind von Staub und Spreu befreit und nach Schwere ſortiert, indem ſie in verſchiedenen, durch Querwände getrennten Ab⸗ teilungen ſich anſammeln. Um die Körner zu zwingen, in genau gleicher Lage vor den Wind zu kommen, wird auch unterhalb des Ein— lauftrichters ein ſchräg liegender Rillenabfallboden(Fig. 124) ange⸗ Fig. 123. Reinigungsmaſchine. bracht, welcher die Sortierung viel ſchärfer werden läßt. An Stelle des Handſiebes tritt das leiſtungsfähigere Zylinderſieb, welches nach Korndicke ſortiert. 3. Beide Arbeiten, das Reinigen mit Hilfe von Wind und mit Hilfe von Sieben, vereinigt man bei dem Reinigen mit der Reinigungsmaſchine. Vor dem Flügelrade der Windfege iſt bei der Reinigungsmaſchine ein Schüttel⸗ kaſten mit Sieben ſo angebracht, daß derſelbe von der Kurbel des Flügelrades aus, gleichzeitig mit dieſem, in Be⸗ wegung verſetzt wird, und zwar ſo, daß der künſtliche Wind alle Siebe beſtreicht. AAAAMAMNMAAAA/ f Die Schüttelſiebe laſſen ſich für ver⸗ --“ ſchiedene Fruchtarten auswechſeln. Die Fig. ae Rälte eltonde der Reinigungsmaſchine bläſt den Staub 1 und die Spreu fort und ſortiert die Körner nach Schwere und auch nach Korndicke. Die Reinigungsmaſchine¹) hat den Nachteil, daß der Wind durch eine ſehr breite Offnung treten muß, um alle Siebe zu beſtreichen. ¹) Der— einem ſchrägen wackeligen Tiſche vergleichbare— Kribleur, der die Körner nach der Schwere ſortiert, hat der geringen Tagesleiſtung halber die Reinigungsmaſchine oder Windfege bisher nicht verdrängen können; die C. Die Ernte. 191 Dadurch wird bei manchen, aus weniger guten Fabriken ſtammenden Reinigungsmaſchinen der Wind ſchwächer, während die Windfege durch eine ſchmale Windöffnung einen ſehr ſtarken Wind er⸗ zeugt. Will man zur Be⸗ ſchaffung von Saatgut ſehr ſchwere Körner abſcheiden, à Fig. 125. a Ausleſemaſchine. b gefraiſte Trieurzylinderwand(innen). ſo empfiehlt ſich nach der Benutzung der Reinigungsmaſchine noch die der Windfege, und zwar unter recht ſchneller Drehung des Flügelrades. 4. Die Ausleſemaſchine (Trieur) behält das Flügel— rad und die Schüttelſiebe bei, fügt aber noch Sortiertrommeln und Sortierſiebe dazu. Die Sor⸗ tiertrommeln werden aus ſtarkem Blech hergeſtellt, in welches Zellen eingeſtanzt oder beſſer gefraiſt ſind. Die Form und Größe derſelben geſtattet es run⸗ den und kleinen Unkrautſamen (Vogelwicken, Raden), ſowie zer⸗ brochenen Körnern, ſich hinein⸗ zulegen, während große Körner darüber fortgleiten. Die Zellen nehmen die ſchlechten Körner und Unkrautſamen mit ſich in die Höhe, worauf dieſelben oben heraus⸗ Fig. 126. Sortiertrommel. Getreideſchleuder, welche die Körner gegen ruhende Luft in einer Richtung fortſchleudert und damit auch nach der Schwere ſortiert, hat zwar in Ruß⸗ land, nicht aber in Deutſchland Verbreitung gefunden. 192 VI. Meliorationen. fallen, in einer Rinne aufgefangen und in dieſer geſondert fortgeführt werden können. Als Sortierſiebe verwendet man einfache Zylinder⸗ ſiebe von beſonders ſorgfältiger Ausführung in der Maſchenweite. Nach der Fruchtart laſſen ſich Trommeln und Siebe auswechſeln. Die Ausleſemaſchine bläſt bei der Arbeit Staub und Spreu ab, ſortiert nach Schwere und Korndicke, ſowie beſonders genau auch nach der Form der Körner. Trotz der guten Arbeit ſteht einer allgemeinen Einführung der Ausleſemaſchine der hohe Preis entgegen; wichtig iſt es aber, daß ſie die Trennung von Weizen- und Roggenkörnern und damit den ausgedehnten Anbau von Wintermenggetreide ermöglicht. VI. Meliorationen. A. Waſſerleitungen. § 120. Die Bewegung fließenden Waſſers. 1. Der frei fallende Tropfen Waſſers wird durch die Schwerkraft oder Anziehungskraft der Erde in Bewegung geſetzt. Die Schwerkraft wirkt 7. dabei als beför⸗ v 4 dernde Kraft, —— 4, bemmend nur die 6 geringe Reibung Fig. 127. Das Gefälle. des Tropfens an der Luft. 2. In den Bächen und Flüſſen bewegt ſich das Waſſer nicht frei, ſondern auf geneigter Unterlage tiefer gelegenen Punkten der Erde zu. Als befördernde Kraft wirkt auch hierbei die Schwerkraft, hemmend die Reibung des Waſſers an der Unterlage(und ebenfalls die an der Luft. Die letztere iſt aber ſo gering, daß ſie außer Be⸗ tracht bleiben darf). 3. Die Geſchwindigkeit des Waſſers richtet ſich nach dem Verhältnis der befördernden Kraft(Schwerkraft) zu der hemmenden Reibung. Die befördernde Kraft hängt(Fig. 127) von der Fallhöhe A C (dem abſoluten Gefälle), die hemmende Reibung an erſter Stelle von der Weglänge CB ¹) ab, ſo daß die Geſchwindigkeit des Waſſers ¹) Als Wegelänge ſieht man nicht AB, ſondern aus praktiſchen Gründen die faſt gleich lange Linie CB an, da wir auch beim Feldmeſſen alle Längen wagerecht— nicht geneigt— meſſen. A. Waſſerleitungen. 193 ſich zunächſt nach dem Verhältnis der Fallhöhe zur Weglänge(AC: CB), dem ſog.„Gefälle“(dem relativen Gefälle), richtet. Es empfiehlt ſich, um die verſchiedenen Gefällgrößen leichter vergleichen zu können, das Gefälle ſtets ſo umzurechnen, daß AC= 1 wird(z. B. 1:1000, 1:2000 ec.). Die hemmende Reibung hängt jedoch nicht nur von der Weg⸗ länge, ſondern auch von der Breite der Unterlage ab, inſofern bei einer ſchma⸗ len Unterlage das Waſſer nur an wenigen, bei einer breiten an vielen Punkten Reibung erfährt. Am gün⸗ ſtigſten verhält ſich in dieſer Beziehung die halbkreis⸗ förmige Unterlage, die ſich aber in der Praxis nicht gut herſtellen läßt. Man nennt die Linie, die in dem 7 7 Querſchnitt eines Waſſer⸗ Tie. 128. Teiſtoftiteiſcie Veranſckaullefnun 4 laufes die Breite der Unter⸗ nudn zed ede dh ihr refneſbdie haſenerwree lage angibt, d. h. die Grenzlinie zwiſchen Waſſer und Erde, den„benetzten umfang“ (in Fig. 130 der Linie AaDEFC). Die Geſchwindigkeit des Waſſers richtet ſich alſo nach dem Gefälle und dem benetzten Umfange.(In geringerem Maße kommt auch die Waſſertiefe in Betracht.) § 121. Darſtellung eines Waſſerlaufes. 1. Das Längenprofil(Längsſchnitt) erhält man, wenn man einen Flußlauf der Län⸗ ge nach in deſſen Mitte von oben nach unten durchſchneidet (BHORLEB in Fig. 128 u. 129). Aus dem Län⸗ genprofil kann man das Gefälle und die Waſſer⸗ Masseabur 2ie Aohe To, für aie Lange Zaoo. tiefe entnehmen. Da bei der im Verhältnis zu der Fig. 129. Weglänge oft ſehr ge⸗ ringen Fallhöhe des Waſſers, bei der Anwendung des gleichen Maß⸗ Maßſtäblich gezeichnetes Längenprofil. Droyſen⸗Giſevius. Ackerbau. 6. Auflage. 13 194 VI. Meliorationen. ſtabes ¹) für beide, die Unterſchiede in dem Gefälle nicht deutlich zur Darſtellung kommen, ſo wählt man in der Regel bei einem Längenprofil für die Höhen und für die Längen zwei verſchiedene Maßſtäbe(Fig. 129). 2. Die Quer⸗ proſile(Querſchnitte) erhält man dadurch, daß man ſenkrecht zum Längenprofil Schnitte von oben nach unten durch den Waſſerlauf führt ACFDA, GJMKG, Haererof M Malsstab: Teo. MM. NPSQN in Fig, 128). Fig. 130. Maßſtäblich gezeichnetes Querprofil. Aus den Querprofilen entnimmt man den be⸗ netzten Umfang, ſowie deſſen Geſtaltung im einzelnen, auch die Höhe der Ufer. Man zeichnet die Querprofile in der Regel nur nach einem Maßſtabe und gibt in ihnen häufig durch einen Punkt die Lage der ¹ 1 1 1 Fig. 131. Verſchiedene Böſchungen. wagerechten Linie(TR Fig. 129) an, auf welcher man das Längen⸗ profil aufgebaut hat. 2) Bei einem Querprofil unterſcheidet man den wagerechten Teil DF (Fig. 130) als die„Sohle“ und die ſchrägen Fortſetzungen derſelben bis zur Uferkante(DV und FW) als„Bö⸗ 2ee ſchungen“. Die Böſchung bezeichnet Fig. 132. Berechnung eines Querprofils. Mn nach dem Verhältnis ihrer(wage⸗ rechten) Breite zu ihrer Höhe als halb⸗ fach, wenn die Breite gleich der halben Höhe; als einfach, wenn die ¹) Der Maſtab iſt ein Bruch mit dem Zähler 1, welcher angibt, um wieviel kleiner eine Linie auf dem Bilde(dem Profile) wird, als in Wirklichkeit. ²) Wenn möglich, ſo ſchließt man größere Nivellements gern an die ſtaatlich ausgeführten Nivellements an und bezieht alle Höhen auf NN.(Fig. 130), den Normal⸗Nullpunkt der Höhen im Preußiſchen Staate(Normal⸗Nivellierlatte an der Sternwarte zu Berlin). —— ——— v.„—— A. Waſſerleitungen. 195 Breite gleich der einfachen Höhe; als eineinhalbfach, wenn die Breite gleich der eineinhalbfachen Höhe; als zweifach, wenn die Breite der zweifachen Höhe gleich iſt uſw.(Fig. 131). § 122. Ausmeſſung der Waſſerführung. Die von einem Waſſerlaufe abgeführte Waſſermenge läßt ſich nicht durch eine Zahl, ſondern nur durch das Verhältnis zweier Größen zu einander, eines Raummaßes zu einem Zeitmaße ausdrücken. Des beſſeren Vergleiches halber führt man die Zeitangabe jedesmal auf die Einheit(1 Sekunde) zurück und gibt dann an, wieviel Liter oder wieviel Kubikmeter in 1 Sekunde abfließen. 2. Die Ausmeſſung ſelbſt erfordert zuerſt das Aufſuchen einer von Waſſerpflanzen und Steinen möglichſt freien und im Querprofil möglichſt gleichartigen Strecke des Waſſerlaufes von wenigſtens 10 m Länge. Im Notfalle läßt man Pflanzen, Steine oder Ungleichmäßigkeiten im Quer⸗ profil beſeitigen. Die zweite Ar⸗ beit beſteht darin, am oberen und am unteren Ende der gefundenen Strecke je ein Querprofil durch Stäbe zu bezeichnen; dieſelben werden ge⸗ nau ausgemeſſen und berechnet. Zur Berechnung teilt man jedes in ein Rechteck und zwei rechtwinklige Dreiecke ein. Sind die Querprofile einander nicht ganz gleich, ſo be⸗ rechnet man aus ihrer halben Summe ein Durchſchnittsquerprofil; anderen⸗ Fig. 133. Ausmeſſung der Waſſerführung. falls ſehen wir eins der gleichen Querprofile als ſolches an. Ferner wird die Entfernung der beiden Quer⸗ profile voneinander genau gemeſſen und durch Multiplikation derſelben mit dem Durchſchnittsquerprofil der Inhalt des von beiden Querprofilen abgegrenzten Raumes berechnet(Fig. 133). Die dritte Arbeit beſteht darin, die Zeit zu meſſen, in welcher der Raum zwiſchen den beiden Querprofilen von dem darin befindlichen Waſſer entleert iſt und ſich von neuem mit einer zweiten gleichen Waſſermenge gefüllt hat. Dies iſt dann der Fall, wenn die Waſſertropfen, welche ſich am Anfange des Ver⸗ ſuches an der Stelle des oberen Querprofils befinden, ſich bis zu der Stelle des unteren verſchoben haben. Zur Meſſung dieſer Zeit dient außer einer Uhr (womöglich mit Sekundenzeiger) ein Schwimmer. Derſelbe ſoll möglichſt bis auf die Sohle herunter reichen, damit er die durchſchnittliche Geſchwindigkeit der Waſſerſchichten in verſchiedenen Tiefen angibt; er ſoll um ein Weniges aus dem Waſſer herausragen, damit wir ihn genau beobachten können; er ſoll nicht weit herausragen, damit der außer Waſſer befindliche Teil nicht durch den Widerſtand der Luft oder gar durch ſtärkeren Wind beeinflußt wird und die Bewegung des ganzen Schwimmers ſtört. Am beſten eignet ſich hierfür eine 13* 196 VI. Meliorationen. Flaſche, welche man ſo weit mit Waſſer füllt, daß ſie nur mit dem Korke ſicht⸗ bar ſchwimmt, oder ein Stab, deſſen unteres Ende man durch eingeſchlagene Nägel beſchwert. Beide wählt man womöglich ſo lang, daß ſie bis faſt auf den Grund reichen. Zur Ausführung der Meſſung ſetzt man den Schwimmer etwas oberhalb des oberen Querprofils ein, damit er bis zu dieſem hin ſchon die Geſchwindigkeit des Waſſers angenommen haben kann. Hierauf beobachtet man mit der Uhr den Durchgang des Schwimmers durch das obere und durch das untere Querprofil und findet ſo die Anzahl Sekunden, welche erforderlich ſind, um den Raum zwiſchen beiden Profilen von neuem mit Waſſer zu füllen. Es iſt nötig, die Meſſung mehrmals zu wiederholen, um die durchſchnittliche Geſchwindigkeit zu finden. Wenn man mit der gefundenen Anzahl Sekunden in den Inhalt des Raumes zwiſchen den Querprofilen dividiert, ſo erhält man die Anzahl Kubikmeter, welche der Waſſerlauf in einer Sekunde abführt. § 123. Berechnung der Stromgeſchwindigkeit und Waſſerführung. 1. Man berechnet zunächſt die Geſchwindigkeit v(velocitas) aus dem Querprofil des Waſſers Q, dem benetzten Umfang B und dem(VEelativen) Waſſerſpiegelgefälle G nach den Formeln: 0. G h B 1 R bedeutet den ſogenannten mittleren Radius, welchen man durch Diviſion des Querprofils Qmit dem benetzten Umfange B erhält. Den mittleren Radius multipliziert man nach der zweiten Formel mit dem relativen Gefälle G des Waſſerſpiegels, zieht aus dem erhaltenen Produkt die Quadratwurzel, multipliziert dieſelbe mit einem Koeffizienten c und erhält ſo die mittlere Geſchwindigkeit des Waſſers in einer Sekunde. Der Koeffizient c wird nach der Größe des mittleren Radius R verſchieden gewählt. Iſt R= 0,1, ſo iſt c= 17 Iſt R= 3,0, ſo iſt c= 40 v=e VRG und R= „= O9,„„ c= 28„ Re 4,0,„„ c= 42 „ B 1,0.„„ e= 383 K= 5,0.„= 43. „ R== 2,0,„„ c⸗ 38 Liegt der gefundene mittlere Radius zwiſchen den in der Tabelle angegebenen Zahlen, ſo wählt man den Wert für c entſprechend zwiſchen den für c in der Tabelle angegebenen Zahlen. 2. Zur Berechnung der in einer Sekunde abfließenden Waſſer⸗ menge W multipliziert man das Querprofil Q mit der mittleren Geſchwindig⸗ keit v nach der Formel: W= Q. v. § 124. Herſtellung eines neuen Grabens. 1. Die Formeln zur Berechnung der Waſſerführung eines Waſſerlaufes können zur Berechnung der möglichen Waſſerführung eines vorhandenen Grabens, aber auch zur Wahl des Querprofils und des Gefälles eines neuen Grabens dienen. Wir müſſen, wenn der letztere eine beſtimmte Waſſermenge führen ſoll, verſuchsweiſe verſchiedene Zahlen für die Maße des Querprofils A. Waſſerleitungen. 197 und für das Gefälle wählen und nun berechnen, ob der Graben die gewünſchte Waſſerführung haben wird. Je nachdem dieſelbe zu groß oder zu klein wird, erniedrigen oder erhöhen wir die gewählten Zahlen, bis die Waſſerführung die verlangte iſt. Bei der Wahl der Maße für den Graben hat man auf fol⸗ gende Punkte zu achten: Die obere Breite wählt man zur Verhütung erheblicher Störungen des Verkehrs und zur Erleichterung des Baues von Über gängen ſo gering wie möglich. Die Böſchungen dürfen, der Erdart entſprechend, nie zu ſteil angelegt werden, um Ausriſſe zu vermeiden. Man ſoll die Böſchungen nicht ſteiler anlegen, als ½³ bis 1 fach bei ſchwereut Lehmboden, 1„ 2„„ gewöhnlichem Lehm, 1 ½„ 3„„ Sandboden und 1½„ 3„„ Torf⸗ und Moorboden. Die mittlere Geſchwindigkeit des Waſſers muß aus demſelben Grunde durch richtige Wahl der Abmeſſungen gleichfalls nach der Erdart berückſichtigt werden. Sie iſt nicht höher zu wählen, als 0,1 m in 1 Sekunde bei lockerer Erde(loſem, ſchlammigem Boden), 0,2 m„ 1 4„ ſchwerem Lehm, „ 0,4 m„ 1„„ Sand und „ 0,8 m„ 1„„ Kies. 2. Bei der Herſtellung des Grabens wird nach dem Abheben des Raſens zuerſt der mittlere Teil bis zur Sohle ausgehoben, dann die Böſchung beiderſeits hergeſtellt und dieſelbe bis zum gewöhnlichen Waſſerſtande herunter mit Raſen belegt. § 125. Bewegung des Waſſers in Röhren. Berechnung der Waſſerführung. 1. Als befördernde Kraft wirkt, ebenſo wie bei offenen Waſſer⸗ läufen, die Schwerkraft, als hemmende Kraft die Reibung an der Unterlage. Als Maß für beide dient uns auch in gleicher Weiſe einerſeits die Fallhöhe und andererſeits die Weglänge und der benetzte Umfang. Die Geſchwindigkeit des Waſſers hängt darum auch bei Röhrenleitungen von dem Gefälle und dem benetzten Umfange ab. Das Gefälle wird bei Röhrenleitungen grundſätzlich in der Weiſe berechnet, daß man den Höhenunterſchied von Oberwaſſer und Unterwaſſer in den Bruch als Zähler, die Röhrenlänge als Nenner einſtellt(Waſſerſpiegelgefälle), da das Sohlengefälle gleichgültig iſt. (Kommunizierende Röhren.) Dabei iſt aber auf die Lage des Röhren⸗ ſcheitels unter der Waſſerſpiegellinie in der ganzen Länge der 198 VI. Meliorationen. Leitung beſonders zu achten, da anderenfalls der Querſchnitt der Röhre an abweichenden Stellen nicht zur Ausnutzung kommt. 2. Die Waſſerführung der Röhren iſt bei gleichem Gefälle kleiner als die der Gräben mit gleichem Querſchnitte, da der benetzte Umfang größer iſt. Eine vermehrte Waſſerführung kann durch größere Waſſertiefe bei Gräben, nicht aber bei Röhren erzielt werden, da letztere einen begrenzten Querſchnitt haben. Die Berechnung der Waſſergeſchwindigkeit v und der Waſſer⸗ führung W nehmen wir aus der Fallhöhe(h), dem lichten(d. h. inneren) Durchmeſſer(d) der Röhre und der Länge der Leitung(l) nach den Formeln vor: 1 2 6— 1;v= 20 VdG; Qkä= 3,14( 1 W= Ov. G bedeutet dabei das Gefälle, Q das Querprofil(Querſchnitt). Die Formeln gelten nur für Angaben in Metern. Der Erſatz einer weiten Röhrenleitung durch mehrere enge iſt in der Regel unwirtſchaftlich, da mit verkleinertem Durchmeſſer die Waſſer⸗ führung nicht nur in gleichem, ſondern in viel höherem Maße abnimmt. Die Vermehrung der Waſſerführung durch einen ſpäter neben einer vorhandenen Röhrenleitung gelegten Röhrenſtrang darf nicht in der Weiſe erfolgen, daß die neue Leitung auf die alte, ſondern nur ſo, daß ſie daneben eingelegt wird, da ſonſt leicht der Fehler gemacht wird, den Scheitel der neuen Röhrenleitung über die Waſſerſpiegellinie zu legen. § 126. Die Röhren. 1. Die Form der Röhren wird kreisrund gewählt. Nur große Röhren mit über 1,5 m Durchmeſſer erhalten einen eiförmigen Quer⸗ ſchnitt und werden dann mit der Spitze nach unten verlegt. 2. Als Material zur Herſtellung von Röhren verwendet man Ton, Eiſen und Zement. Röhren aus gebranntem Ton, ſogenannte Drainröhren, werden in der Regel nur bis zu 15 cm Lichtweite benutzt. Röhren mit größerer Lichtweite werden auch aus gebranntem und dann glaſiertem Ton hergeſtellt, ſie ſind aber teuer und wenig widerſtands⸗ fähig, leiden auch ſtark durch hinzutretenden Froſt. Eiſerne Röhren ſind ſehr widerſtandsfähig, aber auch ſehr teuer und werden auf dem Lande nur zu Heberrohrleitungen verwendet. Zementröhren ſind billig, bei genügender Wandſtärke auch ſehr widerſtandsfähig und haben den großen Vorzug, daß man ſich dieſelben ſelbſt herſtellen kann. In letzterem Falle wird auch der Nachteil aufgehoben, daß ſie ihres großen Gewichts wegen viel Fracht koſten, da man nur den Zement und nicht auch den ſpäter beigefügten Kies mit der Bahn bezieht. Man läßt ſich hölzerne Formen, aus einem feſten Kern und einem abzunehmenden Mantel beſtehend, anfertigen, miſcht trocken einen Teil Zement mit zwei Teilen Kies, rührt die Miſchung mit Waſſer zu einem Brei an B. Waſſerhebe⸗ und Stauwerke. 199 und füllt letzteren in die Form ein, ihn in derſelben feſtſtampfend. Die Form wird nach 24 Stunden abgenommen und die Röhre iſt nach 3 Tagen ſo feſt geworden, daß ſie beliebig verwendet werden kann. Die Form läßt ſich leicht ſo einrichten, daß die Röhre an dem einen Ende innen muffenartig verdünnt iſt, am andern eine in die Muffe paſſende Einſchnürung(Falz) erhält, wodurch ein beſſerer Schluß der Stoßfugen erzielt wird(Fig. 134). 3. a) Bei der Herſtellung einer Röhrenleitung gibt man zur Vermeidung des Abſatzes von Sand und Schlamm der Sohle ſtets eine, wenn auch ge⸗ ringe Neigung und ſetzt bei un⸗ ſicheren Bodenverhältniſſen von 100 zu 100 m oder an paſſenden Stellen vertiefte, aus Ziegeln gefertigte„Schlammkäſten“ Fig. 134. Zementröhren. ein, in welchen ſich der Schlamm abſetzen und von Zeit zu Zeit herausgenommen werden kann. b) Das Verlegen der Röhren erfolgt auf gut ausgeglichener Sohle von unten herauf. Iſt die Sohle unſicher(Triebſand), ſo legt man Bretterenden oder Schalen(Schalbretter, Schwarten) unter. Größere Röhren müſſen an den Seiten feſt mit Erde umſtampft werden, da der Erddruck von oben nach unten wirkt und die Röhren ſonſt bei ſtarker Erddecke breitgedrückt werden und einfallen. Die Stoßfugen ſind mit Zement oder bei Muffenröhren auch mit Wergſträngen zu dichten, welche man vorher in Teer getaucht hat. B. Waſſerhebe⸗ und Stauwerke. § 127. Künſtliche Waſſerhebung. Der Zweck künſtlicher Waſſerhebung kann ein doppelter ſein, entweder der Erſatz der fehlenden natürlichen Vorflut für eine Entwäſſerung oder die Beſchaffung mangelnden Waſſers in genügend hoher Haltung für eine Bewäſſerung. Als Kraftmaſchinen für Waſſerhebewerke verwendet man Windräder, Waſſerräder, Roßwerke und Dampfmaſchinen. 1. Die Mantelſchnecke(Tonnenmühle)(Fig. 135) beſteht aus einer eichenen Welle W und aus einem zylindriſchen Mantel M. Welle und Mantel werden miteinander durch zwei bis drei Schneckengänge G feſt verbunden. Durch die Schneckengänge werden ſchraubenförmige Kanäle gebildet, in denen das unten eintretende Waſſer bei der Drehung aufwärts geſchoben wird. Als Mantelſchnecken baut man kleinere Schnecken, die man an verſchiedenen Stellen benutzen will. 200 VI. Meliorationen. 2. Die offenen Schnecken(Fig. 136) unterſcheiden ſich von den Mantelſchnecken zunächſt dadurch, daß die Schneckengänge nur mit der Welle, nicht auch mit dem Mantel verbunden ſind. Dieſer dreht ſich daher nicht mit. Ein zweiter Unterſchied der Mantel⸗ und der offenen Schnecken beſteht darin, daß der Mantel bei letzteren keinen vollen, ſondern nur einen halben Zylinder bildet, indem gewiſſermaßen nur der halbe untere Zylinder erhalten geblieben iſt. Man ſtellt dieſen Mantel aus Mauerwerk her und gießt ihn mit Zement aus. Eine ſolche Bauart wendet man bei größeren, dauernd an einer und derſelben Stelle beſchäftigten Schnecken an. Schnecken arbeiten am beſten bei mäßiger Hubhöhe, ziemlich gleich⸗ bleibendem Ober⸗ und Fig. 135. Mantelſchnecke. Unterwaſſerſtand und 300 Neigung. 3. Kropfräder(Fig. 137) beſitzen an ihrem Umfange Schaufeln, welche durch einen genau paſſenden Kropf gehen, der aus zwei Seitenwänden und einem gekrümmten Boden beſteht. Die Schaufeln ſchieben durch dieſen Kropf k— auch Aufleiter genannt— das Waſſer aus dem Unter⸗ nach dem Ober⸗ waſſer in die Höhe. Die Schaufeln werden zweckmäßig ſo gekrümmt, daß ſie ohne Stoß in das Waſſer ein⸗ und auch leiſe aus demſelben austreten, ohne es dabei nutzlos wegzu⸗ ſchleudern. Wenn das Rad ruht, ſo kann das 2 Oberwaſſer durch eine einzuſetzende Stütze an dem Zurücktreten ver⸗ hindert werden. Da der Auftrieb das Rad et⸗ was zu heben ſucht, ſo wird es dadurch in ſei⸗ nem Gewicht erleichtert. Man verwendet die Kropf⸗ räder bei großen Waſſer⸗ Fig. 136. Offene Schnecke. mengen und mäßiger Hubhöhe. 4. Die Zentrifugalpumpe(Fig. 138) beſteht aus einem runden Ge⸗ häuſe, in dem ſich ein Schaufelrad(c) dreht, welches das darin befindliche Waſſer herumſchleudert und ſo vermöge der Zentrifugalkraft zwingt, in dem Steigerohr(d) aufzuſteigen. Die Zuführung des Waſſers erfolgt durch das Saugerohr, welches das Gehäuſe gabelförmig umſchließt und zu beiden Seiten an der Welle des Flügelrades das Waſſer eintreten läßt. Beachtenswert iſt, B. Waſſerhebe⸗ und Stauwerke. 201 daß— beſonders im Anfange— ſich im Steigrohr wenigſtens 1 m Waſſer befinden muß, um ein Zurückſaugen der Luft zu verhüten; man darf das Rohr Cberrassen derresen Fig. 137. Kopfrad. bei geringerer Hubhöhe dann wieder herunterbiegen. Die Zentrifugalpumpe kann ſehr vielſeitig verwendet werden, da ſie transportabel und für beliebige Hubhöhen und Waſſermengen an⸗ wendbar iſt. Als Kraftmaſchine iſt, des unregelmäßigen Betriebes wegen, nur das Windrad auszuſchließen. 5. Das Pulſometer beſitzt zwei Hohlräume, welche durch Kugel⸗ ventile mit je einem Waſſereinlaß⸗ rohr, ſowie mit einem gemeinſamen Dampfeinlaß⸗ ſowie einem gemein⸗ ſamen Waſſerauslaßrohr verbunden ſein können. Der in den erſten Hohl⸗ raum eintretende Dampf drückt das Waſſer aus demſelben in das Aus⸗ laßrohr herein, kühlt ſich aber bei der Berührung mit dem kalten Waſſer ab und wird kon⸗ denſiert; ſo entſteht ein luftverdünnter Raum, ſo daß jetzt ein neues Waſſer⸗ quantum aus dem Einlaßrohr nach⸗ geſaugt wird und dasſelbe Spiel ſich wiederholt. Der⸗ ſelbe Vorgang ſpielt ſich in dem zweiten Hohlraum Fig. 138. Zentrifugalpumpe. 202 VI. Meliorationen. ab, aber ſtets abwechſelnd mit dem erſten. In dem Pulſometer wird daher die Ausdehnung des Dampfes direkt zur Waſſerhebung verwendet, ebenſo die Luftverdünnung durch Kondenſation zum Aufſaugen. Pulſometer können erhebliche Mengen fördern und finden auch bei ſchlammigem Waſſer Ver⸗ wendung(Fig. 139). § 128. Die Deiche. 1. a) Die Höhe eines Dammes ſoll 30 ecm über dem höchſten Waſſer⸗ ſtande betragen. Um dem Setzen aufgeſchütteter Erde Rechnung zu tragen, muß man die Dämme um ⁄16 der Dammhöhe überhöhen. b) Bezüglich der Abmeſſungen wird die Kronenbreite, d. h. die obere Breite, je nach der Höhe verſchieden, bei kleinen Dämmen 60 em breit gewählt. ¹) Man ſtellt die Böſchung nach der Waſſer⸗ ſeite zu darum flacher her, weil der Druck des Waſſers ſtets ſenkrecht zu der Fläche wirkt; je ſteiler die Böſchungsfläche iſt, um ſo mehr wirkt der Waſſerdruck den Damm verſchiebend, je flacher die Böſchungsfläche iſt, um ſo mehr nach unten drückend, alſo die Stand⸗ feſtigkeit des dammes ſogar erhöhend(Fig. 140). Die Bröſchung wird nach dem Waſſer zu zweifach, bei zu MWermartendem ſtärkeren Wellenſchlag drei⸗ bis vierfach, auf der Landſeite einfach bis zweifach gewählt. 2. Bei dem Bau eines Dammes iſt durch⸗ laſſendes Material, wie Kies und Sand, zu ver⸗ meiden. Zur beſſeren Verbindung mit der Unterlage Fig. 139. Pulſometer von Gebr. Körting in Körtings⸗ dorf bei Hannover. Fig. 140(139). Dammböſchung. iſt der Boden vor Aufſchüttung des Dammes aufzugraben und dieſe Erde zum Schütten desſelben mit zu verwenden. Bei Moorboden müſſen Deiche, um ein Einſinken zu vermeiden, auf Pfahlroſte geſtellt werden. Nach dem Auf⸗ ſchütten wird der Wall mit Raſen belegt(§ 130). Eine Anpflanzung von Bäumen mit weitgehenden Wurzeln(Weiden) iſt zu verwerfen, da alte, den Damm durchſetzende Wurzeln nach dem Abſterben Gelegenheit zum Durchſickern des Waſſers geben. 3. Die Pflege der Dämme verlangt das Wegfangen von Mäuſen und Maulwürfen, um einer Durchlöcherung vorzubeugen. Zur Erhaltung des Raſens iſt das Betreten der Böſchungen zu verbieten. Zeigen ſich bei 1) Bei 1,8 m Dammhöhe beträgt die Kronenbreite 1,00 m, 2,5 1,50„ 2,5 „ 79„„„„„ bei ſehr hohen Dämmen ſteigt ſie bis zu 6 m. — B. Waſſerhebe⸗ und Stauwerke. 203 Hochwaſſer Sickerſtellen, ſo iſt eine Dichtung möglichſt von der Waſſerſeite her zu verſuchen, da der Waſſerdruck die Dichtungsmaterialien von hier in die durchlaſſende Stelle einſpülen hilft. Einer Überflutung muß im Notfalle durch Erhöhung mit Brettern auf hoher Kante und Dichtung mit Erde und Dünger begegnet werden. 1. Die Einteilung der Flußdeiche in Winter⸗ und Sommerdeiche beruht auf der Erfahrung, daß überall die Winter⸗ oder Frühjahrshochwaſſer höher als die Sommerhochwaſſer ſind. Die Winterdeiche ſollen das ein⸗ gedeichte Vorland bei Beſtellung desſelben mit Winterſaaten und bei ſeiner Bebauung mit Gehöften gegen die Winter⸗ wie die Sommer⸗Hochwaſſer ſchützen und werden daher höher erbaut, als alle zu erwartenden höchſten Waſſerſtände. Die Sommerdeiche ſind dazu beſtimmt, das Vorland nur gegen die Sommerhochwaſſer zu ſchützen, welche die wachſenden Pflanzen ver⸗ — Fig. 141(140). a Schleuſe und b Spundwand(Grundriß). ſchlämmen und die Ernte ſtören würden. Die Winterhochwaſſer ſollen dagegen über die Sommerdeiche hinweg das Vorland überfluten. Die Vorzüge des Sommerdeich⸗ vor dem Winterdeichſyſtem beruhen darauf, daß die Winterdeiche den Fluß zwingen, den gerade bei den Frühjahrshochfluten maſſenhaft mit⸗ geführten Schlamm in dem Flußbett an ruhigen Stellen niederzulegen, ſo daß das Flußbett ſich fortwährend erhöht und verengert und eine fortwährende Er⸗ höhung der Deiche erforderlich wird. Ferner wird der düngende Schlamm des Fluſſes von den Uferländereien ausgeſchloſſen. Als Nachteil der Sommer⸗ deiche muß die Notwendigkeit gelten, alle Baulichkeiten mit Winterdeichen zu umgeben. Die Unmöglichkeit des Wintergetreidebaues wird durch die Ent⸗ ſtehung ausgezeichneter Weiden und Wieſen aufgewogen. § 129. Die Schleuſe. 1. Die Teile einer Schleuſe ſind der Fachbaum, die Griespfoſten, der Holm, die Spundwand, die beiden Flutböden und die Schütze. Fachbaum, 204 VI. Meliorationen. Griespfoſten und Holm bilden die durch die Schütze verſchließbare Schleuſen⸗ öffnung. Die Spundwand ſoll die Schleuſe vor einer Ausſpülung zu beiden Seiten und unterhalb der Schleuſenöffnung bewahren. Die vor und hinter dem Fachbaum befindlichen Flutböden dienen dazu, ein Auskolken der Sohle zu verhüten und die Schleuſe durch Erleichterung des Überſpülens von mitgeführtem Sande rein zu halten. Die hin und wieder errichteten Flügelwände ſchützen die Seiten vor Ausriſſen. 2. Bei Auslaßſchleuſen wendet man an Stelle der Schütze auch Schleuſentore an, die ſich bei hohem Außenwaſſerſtande ſelbſttätig ſchließen, bei niedrigem öffnen. Bei Flüſſen oder größeren Bächen kommen als Stau⸗ ſchleuſen auch die Nadelwehre zur Verwendung. Die ſehr weite Schleuſen⸗ öffnung wird hier nicht durch einzelne oder mehrere Schützen, ſondern durch Nadeln, d. h. durch nebeneinander in wechſelnder Zahl von oben nach unten eingeſetzte ſchmale und ſtarke Bohlen nach Bedarf geſchloſſen C. Erd⸗ und Kaſenarbeiten. § 130. Geräte zur Erdbewegung. 1. a) Zum Löſen ſehr feſten Bodens dient die ſpitze Pickel⸗ haue oder die mit breiter Schneide verſehene Rodehacke, oder eine Haue, die an einem Ende ſpitz, an dem andern breit gefertigt iſt, oder der Karſt(Fig. 142). Auch Stahlkeile oder mit eiſerner Schneide und oben mit einem eiſernen Ringe verſehene Holzkeile werden verwendet und mit ſchweren Holzhämmern dabei in die Erde getrieben. b) Zum Löſen und Werfen des Bodens verwendet man den Spaten, der aus Stiel mit Griff, Tülle und Blatt beſteht. Wird bei feſtem Boden mehr Gewicht auf das Stechen und Löſen gelegt, ſo wählt man ein ſchmales langes Blatt und eine gerade angeſetzte Tülle. Handelt es ſich mehr um das Werfen loſer Erde, ſo gebraucht man ein breites, ſelbſt rundes Blatt und eine ſchräg angeſetzte Tülle. Einen hohlen oder mit einem Rande verſehenen, vorzugsweiſe zum Werfen beſtimmten Spaten nennen wir Schaufel(Fig. 142). Zum Räumen mooriger, ſchlammiger Gräben dient die Moorſchaufel(Fig. 144), die einen eiſernen Rahmen mit Leinenbezug und Tülle, ſowie zwei Haken zum Anbringen einer Zugleine beſitzt und von zwei Arbeitern bedient wird, ferner die aus ſtarkem Eiſenblech gefertigte Moorkratze. 2. Zur Fortſchaffung von Erde dienen zunächſt die Schieb⸗ karre, die ſich für ebenes Gelände, und die Kumpfkarre(Fig. 143), die ſich für Steigungen eignet. Die zweiräderige Kippkarre (Fig. 109,§ 115) beſteht aus einem zweiräderigen Fahrgeſtell und C. Erd⸗ und Raſenarbeiten. 205 Fig. 143. Schiebkarre und Kumpfkarre. 206 VI. Meliorationen. einem Kaſten, der nach Abnehmen der beweglichen Hinterwand rückwärts abgekippt werden kann, ſo daß das Entladen dadurch erleichtert wird. Für Handbetrieb(mit drei bis vier Mann) iſt eine kurze Deichſel mit . 8 e —— Fig. 144. Moorſchaufel und Kratze. Querholz, für Pferdebetrieb eine Gabeldeichſel vorhanden. Die Kipp⸗ karre kann in der Wirtſchaft, auch abgeſehen von Erdbewegung, eine vielſeitige An⸗ wendung zu klei⸗ nen Fuhren finden. Der vier⸗ räderige Wagen iſt der Karre und Kippkarre gegen⸗ über inſofern im Nachteil, als er ein beſonderes Abladen mit dem Spaten erfordert. — Zum Fortſchaffen Fig. 145. Muldbrett. loſer oder vorher gelockerter Erde auf kurze Entfernungen dient außerdem das mit Pferden beſpannte Muldbrett(Fig. 145), welches ſo geführt werden kann, daß es ſich ſelbſt füllt und entleert.(Länge: 1,2 m, Breite: 0,9 m, Höhe: 0,3 m.) § 131. Die Eeldeiſenbahn. Die Feldbahn beſteht aus dem Geleiſe(dem liegenden Material) und den Wagen(dem rollenden Material). C. Erd⸗ und Raſenarbeiten. 207 1. a) Das Geleiſe kann feſt oder beweglich ſein. Es beſteht aus Geleisſtücken und jedes Geleisſtück aus Schienen und Schwellen. An der Schiene unterſcheidet man Kopf, Hals und Fuß. Der wulſtige Kopf ſoll ein Zuſammendrücken der Schienen und ihr ſeitliches Ver⸗ biegen bei Kurven(gekrümmten Geleisſtücken) verhüten, der Hals die Räder über der Erde halten, der breite Fuß ein Eindrücken der Schienen in die Schwellen verhindern. Die Schwellen ſtellt man, wenn man ſtarke Schalbretter(Schwarten) oder anderes Material beſitzt, ſelbſt her; anderenfalls kauft man eiſerne oder Holzſchwellen mit den Schienen an. Holzſchwellen tränkt man auch mit Kupfervitriol. Die Verbindung der Schienen(Fig. 146) mit den Schwellen wird bei Holzſchwellen durch Hakennägel oder durch Holzſchrauben mit breitem Kopf, bei eiſernen Schwellen durch Schraubenbolzen hergeſtellt. Die Stoßver⸗ bindung, d. h. Verbindung der Geleisſtücke miteinander, iſt auf Fig. 146. Verbindung der Schienen und Schwellen. feſtem und unebenem Boden, ſowie bei Kurven ſehr wichtig, um ein ſeitliches Verſchieben, ein Verſchieben nach oben und unten, oder ein Auseinanderziehen zu verhindern. Bei feſten Geleiſen verbindet man je zwei Schienenenden durch zwei mit denſelben verſchraubte Laſchen. Bei beweglichen Geleiſen wendet man zur Vermeidung der Seitenverſchiebung nur ſtarke äußere Laſchen an. Das Auseinander⸗ ziehen wird auf ſehr verſchiedene Weiſe unmöglich gemacht, z. B. durch eine Krümmung der Laſche an einem und durch einen Stift am anderen Schienenende, unter dem das gebogene Laſchenende beim Niederlegen des anſtoßenden Geleisſtückes durchgreift(Fig. 147). Bezüglich der Verteilung der Laſchen iſt es zweckmäßig, bei den beiden Schienen⸗ enden zu jeder Seite des Geleisſtückes immer nur eins mit einer Laſche, das andere mit einem Stift zu verſehen, damit die Geleisſtücke beim Umkehren aneinander paſſen. Bei Kurven kann man in dieſem Falle auch die Anſchaffung beſonderer Rechts⸗ und Linkskurven erſparen. 208 VI. Meliorationen. b) Die Weichen vermitteln die Abzweigung von Neben⸗ und Aus⸗ weichegeleiſen. Die Zungenweichen ermöglichen das Einführen des Wagenzuges in das rechts oder links ausweichende Geleiſe durch zwei bewegliche Zungen, die durch ein gemeinſames Querſtück mit Handgriff von einem Arbeiter hin und her geſchoben werden können. Die nicht L 4——— Fig. 147. Stoßverbindung. verſtellbaren Kletterweichen ſind Kurvengeleisſtücke, welche ein Neben⸗ geleiſe ſo an das Hauptgeleiſe an beliebiger Stelle anſchließen, daß ſie, das Hauptgeleiſe überkletternd, in dasſelbe münden. Unter Umſtänden kann auch der Übergang des Wagens auf rechtwinklig anſtoßende Ge⸗ leiſe durch Drehſcheiben oder einfacher noch durch Wendeplatten Fig. 148. Weichen. bewirkt werden, z. B. bei kleinen Feldbahnen im Stalle, die den Dünger⸗ und Futtertransport vermitteln. c) Wegübergänge ſind durch Bohlen herzuſtellen, welche zwiſchen und beiderſeits vor die Schienen gelegt ſind, um die Berührung der Schienen durch die Räder zu verhindern. d) Stärke und Spurweite(50 bis 60 cm) der Geleiſe richten ſich nach Belaſtung und Unterlage. Bei ſchwerer Belaſtung und C. Erd⸗ und Raſenarbeiten. 209 ungleicher Unterlage(Sturzacker) wählt man ſtärkere und breitere Ge⸗ leiſe, als bei leichter Belaſtung und glatter Unterlage(Wieſenflächen). e) Bei Feldbahngeleiſen müſſen möglichſt Steigungen vermieden werden, da auf dieſen die erforderliche Zugkraft ins Außerordent⸗ liche wächſt. 2. Die Wagen(LCoren) der Feldbahnen zerfallen in Unterbau und Oberbau, der Unterbau in den Rahmen und die Räder. Der Wagenrahmen muß entweder Puffer beſitzen oder durch ſeine Form ſelbſt(Fig. 149) als Puffer wirken. Er wird bei großen Wagen aus Eichenholz, bei kleinen aus Eiſen angefertigt. Fig. 149. a Stahl⸗Kipplore, b hölzerne Kipplore, c Truckwagen. Die gewöhnlich mit den Achſen feſtverbundenen Räder werden durch hervortretende Ränder, ſogenannte Flanſchen, auf den Schienen gehalten. Bei ſtarken Geleiſen genügen„einflanſchige“ Räder; bei ſchwachen ſind„zweiflanſchige“ erforderlich, da ſonſt bei Krümmungen die äußere Schiene nach außen ausbiegt, das Rad von der inneren Schiene abgleitet und den Wagen zum Entgleiſen bringt. Das Hemmen wird auf geneigter Bahn durch beſondere Bremſen oder durch einen hölzernen Hebel bewirkt, welchen man mit einem Ende an den Rahmen anbindet und— erforderlichenfalls unter Druckanwendung— auf dem Rade ſchleifen läßt. Das auf dem Unterbau ruhende Obergeſtell(Aufſatz) des Wagens iſt verſchieden, je nachdem man Langholz, Ziegel, Torf, Rüben, Erde ꝛc. fortbewegen will. Langholz und große Obergeſtell⸗ Droyſen⸗Giſevius. Ackerbau. 6. Auflage. 14 210 VI. Meliorationen. kaſten werden auf zwei miteinander durch den Aufſatz verbundenen Wagen(Truckwagen) befördert. Für Erdbewegung benutzt man Kipp⸗ kaſten, die das Entladen erſparen(und gewöhnlich 0,5 chm Erde faſſen).(Fig. 149.) § 132. Erdberechnung und Wahl der Beförderungsmittel. 1. Zur Berechnung eines Erdkörpers mißt man das Anfangs⸗ und Endquerprofil, und überall, wo das Querprofil wechſelt, dieſes gleichfalls aus, endlich auch die gegenſeitigen Entfernungen der Querprofile. Man berechnet alsdann nacheinander die Abteilungen zwiſchen je zwei Querprofilen, indem man deren halbe Summe mit ihrer Entfernung multipliziert. Die Summe aller Abteilungen iſt der Inhalt des ganzen Erdkörpers. Dieſe Berechnung geſtattet einen Voranſchlag für die Koſten der Erdbewegung, wenn man einen aus der Erfahrung oder aus einem Probeverſuch ſich ergebenden Einheitsſatz für das cbm zugrunde legt. 2. Die Wahl der Beförderungsmittel richtet ſich bei größeren Erdmengen der praktiſchen Erfahrung gemäß nach der Weglänge. 1) § 133. Das Öchneiden, Löſen und Wiederauflegen des Raſens. 1. a) Das Zerſchneiden des Raſens in einzelne Plaggen führt man vermittelſt eines gewöhnlichen Spatens mit ſchmalem Blatt und langem Stiel, oder des Stechſpatens(Fig. 150), oder des Wieſen⸗ beils(Fig. 151), dieſes am beſten im Rückwärtsſchreiten benutzend, aus. b) Das Löſen des geſchnittenen Raſens bewirkt man mit der am Wieſenbeil befeſtigten oder mit einer beſonderen Schälſchippe (Fig. 151). c) Zur Fortſchaffung der Raſenplaggen benutzt man die Schälſchippe oder eine eiſerne oder hölzerne einfache Gabel. 2. a) Das Wiederauflegen des Raſens erfolgt im Verbande, wenn viele Plaggen verfügbar ſind. Die ganze Fläche wird ſo mit Plaggenreihen belegt, daß die Fugen einer Reihe nicht auf die der anderen treffen(Fig. 152 a). Das Legen in Netzform(Fig. 152 b) wendet man an, wenn wenig Plaggen vorhanden ſind, und läßt zwiſchen den netz⸗ ¹) Bei bis 5 m Weglänge wendet man die Schaufel gläng„ „ 5— 120 m„„„ Schiebkarre, „ 100— 400 m„ 7„„ Handkippkarre, „ 100— 1400 m— 5„„ Pferdekippkarre, „ 50— 5000 m 8„„„ Feldbahn mit Hand⸗ oder Pferdebetrteb, „ über 5000 m„ und bei mindeſtens 100 000 cbm Erde wendet man die Feldbahn mit Lokomotivbetrieb an. C. Erd⸗ und Raſenarbeiten. 211 förmig ſich kreuzenden Plaggenreihen größere quadratförmige Stellen unbelegt. Bei dem mauerartigen Belegen ſteiler Böſchungen mauert man dieſe mit Plaggen förmlich auf, indem man dieſelben des feſteren 2 d t r 8 t— 38 t 1 1. Fig. 150. Stechſpaten. Fig. 151. Wieſenbeil und Schälſchippe. Aufliegens halber mit der Raſenſeite nach unten legt, die Fugen jeder unteren Reihe durch die folgende Plaggenreihe überdeckt und jede folgende Reihe ein wenig„einzieht“(Fig. 152 c). n n Fig. 152. Das Auflegen von Raſenplaggen. 3 Auf geneigter Unterlage befeſtigt man die Plaggen durch Holzpflöcke, oder legt die Plaggenreihen im Verbande oder in Netzform ſchräge(Fig. 152 b), ſo daß ſie ſich gegenſeitig beſſer ſtützen. Bei dem 14* 212 VI. Meliorationen. Belegen von Grabenböſchungen bis zur Waſſerlinie(Fig. 152 gs) ſticht man den Raum für die Plaggen beſonders aus, ſo daß eine Kante — entſteht, auf die ſie ſich ſtützen können. b) Das ſogleich nach dem Auflegen erforderliche Feſtſchlagen der Plaggen befördert ihr Anwachſen und kann durch ein Anſchlämmen Fig. 153. Rafenklatſche. mit Waſſer unterſtützt werden. Man verwendet zum Feſtſchlagen die Raſenklatſche(Fig. 153) oder bei Grabenböſchungen ein kurzes, mit einem Griffe verſehenes Brettſtück. D. Die Bachregulierung. § 134. Die Bachregulierung. 1. Der Schaden, den ein Bach verurſacht, kann auf dreierlei Weiſe entſtehen: 1. durch Angreifen der Ufer und der Sohle infolge zu großer Waſſergeſchwindigkeit, 2. durch Abſetzen von Schlamm und 3. durch Uberſchwem⸗ mungen. Die erſten beiden Übelſtände ſtehen in engem Zu⸗ ſammenhange mit⸗ einander, inſofern die an einer Stelle von den Ufern oder der Sohle entnom⸗ mene Erde an einer anderen wieder als Schlamm abgeſetzt wird. 2. a) Die Ab⸗ hilfe erzielen wir Fig. 154. Uferſchutz. bei Angriffen der Ufer und der Sohle und bei nun anderwärts erfolgendem Abſatz von Schlamm durch Uferſchutz und durch Verminderung des Gefälles zur Erzielung geringerer Waſſergeſchwindigkeit. Den Uferſchutz erreichen wir entweder durch Einhängen von Bäumen, welche die Strömung verlangſamen, oder durch einen Flechtzaun(Fig. 154). D. Die Bachregulierung. 213 Die Verminderung des Gefälles läßt ſich durch Zuſammen⸗ faſſen und Unſchädlichmachen(Brechen) des überſchießenden Gefälles an einzelnen Punkten bewerkſtelligen. Bei ganz kleinen Waſſerrinnen kann man der Sohle von Strecke zu Strecke einen ſchrägen Abfall geben, der durch Belegen mit Raſen oder durch Pflaſtern vor Ausriſſen ge⸗ ſchützt wird. Bei Gräben und Bächen„bricht“ man das Gefälle an Fig. 155. Wehr. Fig. 156. Grundwehr aus Senkfaſchinen. einzelnen Stellen durch Wehre(Fig. 155). Die Sohle muß aber unterhalb des Wehres durch Steinſchüttung oder durch einen Flutboden vor Auskolkungen geſchützt werden. Sehr einfache Grundwehre laſſen ſich aus mehreren übereinander liegenden Senkfaſchinen(Fig. 156) (Senkwürſten) errichten. Dieſe ſtellt man her, indem man in je 1 m Entfernung aus zwei Pfählen beſtehende Böcke errichtet, friſches Reiſig einlegt und in deſſen Mitte Feldſteine packt. Mit Hilfe der Würgekette mit zwei Hebeln wird die Senkfaſchine von Stelle zu Stelle„gewürgt“ und mit Ruten oder Draht gebunden(Fig. 157). b) Zur Verhütung von Überſchwemmungen der Ufergelände ſind dieſe 1. durch Deiche zu ſchützen, jedoch in dieſelben Auslaß⸗ ſchleuſen einzuſchalten, um bei Niederwaſſer das Binnenwaſſer aus⸗ laſſen zu können. Ferner kann man 2. zur Beſchleunigung des Abfluſſes den Querſchnitt des Baches verbreitern oder das Gefälle vermehren, indem man an gewundenen Stellen des Bach— laufes gerade Durchſtiche macht. Fig. 157. Herſtellung der Senkfaſchinen. 214 VI. Meliorationen. E. Die Entwäſſerung. § 135. Die Entwäſſerungsanlage. Eine jede Entwäſſerungsanlage zerfällt in drei Hauptteile: 1. die Vorflutanlage, 2. die Stauſchleuſe und 3. die Anlage zur Aus⸗ nutzung der Vorflut. 1. a) Die Vorflutanlage hat die erforderliche Senkung des Waſſerſpiegels am Ausflußende der zu entwäſſernden Fläche zu ſchaffen. Sie beſteht in einem offenen Graben, wenn es ſich um große Waſſermaſſen handelt, und wenn das vorliegende Gelände, durch welches die Vorflutanlage geführt werden muß, niedrig iſt. Wenn mäßige Waſſermengen zu bewältigen, und wenn kurze Strecken hoch⸗ gelegenen Geländes zu überwinden ſind, ſo wählt man eine Röhren⸗ leitung. Bei ſehr kleinen Waſſermengen kann man auch ein Heberrohr aus eiſernen Flanſchenrohren herſtellen und dadurch an Einſchnitttiefe ſparen. Ein Waſſerhebewerk iſt zu wählen, wenn die Vorflut auf natürlichem Wege überhaupt nicht zu beſchaffen iſt, oder wenn bei ge⸗ ringen Waſſermengen das vorliegende Gelände einen ſehr langen und darum teueren Einſchnitt verlangen würde. Ein Waſſerhebewerk— unter Umſtänden auch eine Röhren— leitung und der offene Graben— laſſen ſich oft durch einen Ring⸗ graben unterſtützen, welcher, die zu entwäſſernde Fläche umſchließend, das Außenwaſſer vor ſeinem Eintritt in dieſelbe abfängt und dem Abflußkanal zuführt, beſonders wenn er erſt weiter unterhalb in die Vorflutanlage mündet. Der Ringgraben kann in der Regel ein be⸗ deutendes Gefälle erhalten, weil er das Außenwaſſer in hoher Haltung abfangen kann. Er bekommt daher auch ein kleineres Querprofil, als ein Graben, der das in die Entwäſſerungsfläche ſchon eingetretene Waſſer mit ſehr geringem Gefälle durch ſie hindurchleiten ſoll. b) Eine andere Art der Vorflutbeſchaffung bei mangelnder Vorflut iſt das künſtliche Aufſchwemmen(die Kolmatage), durch das die Wieſenfläche ſelbſt erhöht wird. Man leitet einen Zufluß an einen Hügel heran, deſſen Erde man der Wieſe zuführen will, und läßt von dieſem aus das Waſſer derſelben zufließen. Es nimmt die von dem Hügel durch die Strömung losgeriſſene Erde mit; weitere Erde wirft man mit dem Spaten in das Waſſer hinein, worauf dieſes ſie auf der aufzuſchwemmenden Wieſe ablagert. Durch allmähliche Veränderung der Abbruchsſtelle am Hügel ſowie des Zuflußgrabens kann man nach und nach eine Strecke der Wieſe nach der anderen„aufſchwemmen“. c) Bei den Abmeſſungen der Vorflutanlage iſt auf Hochwaſſer wie auf Mittelwaſſer(den gewöhnlichen Waſſerſtand) Rückſicht zu nehmen. Für beide Waſſerſtände iſt a) die größte zuläſſige Höhe feſtzuſtellen und danach das ——— E. Die Entwäſſerung. 215 verfügbare Gefälle in Rechnung zu ziehen, b) die abzuführende Waſſermenge womöglich durch vorhergehende Meſſung des alten Abfluſſes zu beſtimmen, um dann die erforderlichen Abmeſſungen rechneriſch zu finden. 2. Die Stauſchleuſe, die bei der Entwäſſerung von Ackerland in der Regel fehlt, ſoll bei Wieſen die Entwäſſerungsanlage in ihrer Wirkung von dem Willen des Beſitzers abhängig machen. Sie geſtattet eine Hebung des Grundwaſſerſpiegels in trockner Zeit, ſowie nach jedem Schnitte, und ermöglicht die Benutzung der Wieſe auch als Stauwieſe. 3. Die Anlage zur Ausnutzung der Vorflut ſoll die Vorflut gewiſſermaßen in die ganze Fläche zurückverlegen und überall Tiefpunkte ſchaffen, nach denen behufs der Senkung des Grundwaſſers dasſelbe abfließen kann. Sie beſteht aus offenen Gräben oder aus Drainage. Offene Gräben wendet man bei Wieſen an, da ſie weniger Gefälle gebrauchen, da die zur Drainage zu verwendenden Röhren ſich in moorigem Wieſenboden ſchlecht verlegen laſſen, da die Störung des Verkehrs auf der Fläche durch offene Gräben bei Wieſen nicht ins Gewicht fällt und da ihre Herſtellung billiger iſt. Die aus vielen Röhrenleitungen an Stelle der offenen Gräben beſtehende Drainage verwenden wir auf Ackerland, obwohl ſie teuerer als die Herſtellung offener Gräben iſt, weil der Verkehr auf dem Felde durch dieſe zu ſehr geſtört werden würde, weil für die Röhren ſowohl eine ſichere Unterlage, als auch das nötige Gefälle vorhanden zu ſein pflegen, und weil die offenen Gräben dem Ackerbau viel Land entziehen. § 136. Das Grabennetz. 1. Die Teile eines Grabennetzes ſind die Hauptgräben, die Zweig⸗ hauptgräben und Nebengräben. Die Hauptgräben(Fig. 158 h) dienen zur Ableitung des von den Nebengräben geſammelten Waſſers; ihre Abmeſſungen werden der Menge desſelben angepaßt. Die Hauptgräben werden mit geringem Gefälle durch die tiefſten Punkte der Fläche ge⸗ führt, um möglichſt viel Gefälle für die Nebengräben übrig zu laſſen. Die Zweighauptgräben 2 ſind Abzweigungen der Hauptgräben und werden wie dieſe angelegt. Sie ſollen entweder das Waſſer der Neben⸗ gräben in ſeitwärts belegenen Ausbuchtungen der Wieſe aufnehmen oder an breiteren Stellen die Nebengräben durchſchneiden, da zu lange Nebengräben, wenn ſie im Sommer verwachſen, die Fläche ſchlecht entwäſſern. Die Nebengräben n dienen zur Anſammlung des Waſſers aus der ganzen Fläche, halten die Oberkrume der Wieſe trocken und verhindern die Entſtehung von Humusſäuren. Sie werden in feſtem Boden 0,5 m, in leicht ſich zuſammenſchiebendem Moore nicht unter 1 m breit(im Waſſerſpiegel) angelegt. Die Nebengräben laufen in ſpitzem Winkel auf die Hauptgräben zu. Man legt die Nebengräben möglichſt 216 VI. Meliorationen. in das Hauptgefälle der Fläche. Die gegenſeitige Entfernung richtet ſich nach ihrer Tiefe und nach der vorhandenen Näſſe(und beträgt 25— 40 m). 2. Die Unterhaltung der Gräben erfordert während des Sommers ein mehrmaliges Auskrauten und Räumen von Hauptgräben Fig. 158. Grabenſyſtem einer Wieſe. und der Zweighauptgräben, um die ganze Fläche möglichſt trocken zu halten, ſowie eine jährliche Räumung aller Nebengräben, die ſich wegen des ſonſt zunehmenden Verwachſens der Gräben billiger ſtellt, als eine nach mehrjähriger Pauſe vorgenommene Räumung. § 137. Die Drainage. 1. Die Drains oder Drainſtränge ſind Gräben, deren Sohle man ſo mit einem Material füllt, daß das Waſſer auf derſelben abfließen kann, und die dann mit Erde zugedeckt werden. Als Material zur Füllung der Grabenſohle verwendet man Feldſteine, Faſchinen oder Tonröhren und bezeichnet danach die Drains als Steindrains (Raſſeldohlen), Faſchinendrains und Röhrendrains. An Stelle der Tonröhren kann man, wenn man guten faſerigen Torf beſitzt, Torfröhren(Fig. 159) anwenden, deren jede aus zwei einzeln ge⸗ ſtochenen und getrockneten, halbzylinderförmigen Hälften zuſammengeſetzt wird. Die in der Regel nur in geringer Menge vorhandenen Steine und Faſchinen verwendet man zu der Entwäſſerung einzelner naſſer Stellen, die in Drainröhrenfabriken hergeſtellten Tonröhren bei der Entwäſſerung ganzer Felder. Die Tiefe der Drainröhren beträgt, der Froſtgefahr wegen, nicht unter 1 m und, der ſchwierigen Herſtellung wegen, nicht über 1,5 m; die gegen⸗ E. Die Entwäſſerung. 217 ſeitige Entfernung wechſelt(von 10— 30 m) je nach Boden und Tiefe. Je tiefer die Saugdrains liegen, um ſo weiter kann man die gegenſeitige Ent⸗ fernung(Fig. 160) wählen. Das Gefälle wählt man(gern 1:100, mindeſtens 1: 400 bis 500) in jedem Falle möglichſt groß, um an Röhrenweite zu ſparen, die ſich nach der Größe der zugehörigen Fläche und dem Gefälle richtet. ¹) Die zweckmäßige geringſte Röhrenweite iſt 4 cm. Durch die Vermeidung kleinſter Röhrenweiten und geringſten Gefälles wird in den Drains eine Ge⸗ ſchwindigkeit des Waſſers eingehalten, die das Verſanden verhütet. Fig. 159. Stein⸗, Faſchinen⸗ und Torfdrains. Der Erſatz einer weiteren Röhre durch mehrere dicht neben⸗ einander liegende engere iſt zu vermeiden, da bei geringem Waſſer⸗ zufluß einzelne derſelben verſanden. 2. Bei der Einteilung des Drains unterſcheidet man Sammler (Sammeldrains) und Sauger(Saugdrains); oft nennt man auch den aus der Vereinigung mehrerer Samnler entſtehenden Drain„Haupt⸗ drain“. Jeden Sammler mit den dazu gehörigen Saugern nennt man Su —0— Fig. 160. Wirkung verſchiedener Tieflage der Drains. ein Syſtem(Fig. 161). Die Sauger haben den Zweck, das Waſſer aus der Fläche herauszuziehen und den Sammlern zuzuführen. Die Sammler führen das Waſſer von den Saugern nach einem Vorflut⸗ graben oder einem Hauptdrain hin. Ihre Verbindung mit den Saugern 1 Im landwirtſchaftlichen Kalender von Mentzel und von Lengerke, II. Teil, befindet ſich eine Tabelle, aus der man entnehmen kann, welche Fläche ein Kaliber zu entwäſſern vermag. Hierbei iſt eine durchſchnittliche jährliche Regenhöhe zugrunde gelegt. Bei ſtark abweichender Regenhöhe eines Ortes müßte die Röhrenweite größer oder kleiner gewählt werden. 218 VI. Meliorationen. geſchieht in der Weiſe, daß ſie von denſelben oberhalb gekreuzt werden (Fig. 163). Das Waſſer tritt in die Sauger nicht durch die Röhrenwandung, ſondern durch die Stoßfugen ein, daher die Röhren in der Regel ohne Fuchen⸗ dichtung(Muffen) zu verlegen ſind. Da die Sauger an Länge die Sammler Fig. 161(160). Drainſyſtem bei a Längs⸗ und b Querdrainage. um ein vielfaches übertreffen, ſo muß bei ihnen gerade an Röhrenweite geſpart werden; man gibt ihnen daher ein möglichſt ſtarkes Gefälle und ſpart lieber an dem Gefälle der Sammler. Früher legte man auch aus dem gleichen Grunde die Sauger längs dem ſtärkſten oder„Hauptgefälle“ der Fläche ſenkrecht zu den Höhenſchichtlinien(Fig. 161 a, Längsdrainage); neuerdings iſt man ☛ MX * 7 G Fig. 162(161). Entwäſſerungsgebiete a einer, b und e mehrerer Drainfugen bei Längs⸗ und Querdrainage. aber auf Grund praktiſcher Erfahrungen zu der Üüberzeugung gekommen, daß bei nicht ganz ebenem Gelände die Wirkungsbreite des Drains bei Anwendung der Querdrainage erheblich geſteigert und darum auf dieſem Wege an Saugern mehr geſpart wird, als bei Längsdrainage, weil die gegenſeitige Entfernung erheblich, d. h. um ⅛ etwa größer gewählt werden kann. Man legt daher die Sauger quer zum Hauptgefälle, d. h. diagonal zu den E. Die Entwäſſerung. 219 Höhenſchichtlinien(Fig. 161 b). Bei jedem geneigten Gelände iſt das Ent⸗ wäſſerungsgebiet jeder einzelnen Drainfuge nämlich eine ovale Fläche(Fig. 162 a); wenn wir die Entwäſſerungsgebiete mehrerer aufeinander folgender Stoßfugen eines Saugers aneinander reihen, ſo erhalten wir bei Längsdrainage(Fig. 162 b) eine ſchmalere Wirkungsbreite des Saugers, als bei Querdrainage(Fig. 162 c). Bei ſtark quelligem Gelände legt man an der Grenze einen Sauger als Kopf⸗ drain wagerecht vor, um das zufließen⸗ de Grundwaſſer abzufangen. Auf die Sammler ſollen die Sauger in ſpitzem Winkel zuſtoßen(Fig. 161), und es ſoll zur Verhütung von Stö⸗ rungen im Abfluß auch ein Zuſammen⸗ treffen der Mündungen von zwei Seiten an derſelben Stelle vermieden werden Fig. 163(162). Verbindung der Sauger mit (Fig. 161 b). Die oberen und unteren den Sammlern. Enden der Sauger ſind durch paſſende kleine Feldſteine oder durch zugepaßte Dachſteinſtücke zu ſchließen. Beſondere Vorrichtungen erfordern die Ausmündungen der Sammler in einen offenen Graben, da das Einkriechen von Tieren verhindert werden muß. Man vervpackt die Mündungen mit Steinen M, G J Fig. 164. Dichtung der Fugen, Drainſpaten, Schwanenhals, Legehaken und Draingraben. oder Strauch, um das Waſſer dazwiſchen austreten zu laſſen. Auch verwendet man Klappen, die ſich bei Waſſerabfluß von ſelbſt nach oben öffnen, und die das Hinausſpülen von Sand und von Algen geſtatten. 3. Bei der Ausführung einer Drainage läßt man zuerſt die Gräben von unten nach oben ausheben, indem die Ackerkrume und der Untergrund auf verſchiedenen Grabenufern niedergelegt werden. 220 VI. Meliorationen. Um die Gräben zur Erſparnis an Erdarbeit möglichſt ſchmal machen zu können, bedient man ſich dabei für den unterſten Spatenſtich eines Drainſpatens(Fig. 164). Die Sohle des Draingrabens wird hierauf mit dem Schwanenhals ausgeglichen und darauf der Röhrenſtrang mit der Hand von dem im Graben ſtehenden Arbeiter oder von oben aus mit dem Legehaken— vom oberen Grabenende nach dem unteren fortſchreitend— gelegt. Dem Röhrenlegen folgt ſofort das Eindecken mit Untergrund, unter Zurückbehalten aller Steine, und obenauf mit Ackerkrume. Um Bäume und Hopfengärten muß dabei die Drainage in 6 m Ent⸗ fernung herumgeführt, Wege dürfen nur von Sammlern gekreuzt werden, die hier mit ſtarken Röhren zu belegen ſind. In Triebſand und Moor müſſen die Röhren auf Latten(Schalbretter) oder Kiesbett gelagert werden. In Trieb⸗ ſand kann man die Fugen auch durch übergeſchobene weitere Röhren(Fig. 164) dichten. F. Die Bewäſſerung. § 138. Zweck und Erforderniſſe der Bewäſſerung. 1. Die auf Wieſen oft angewendete Bewäſſerung hat den Zweck, a) die Wieſe anzufeuchten, b) zu düngen, c) Nacht⸗ fröſte zu verhüten und dh ſchädliche Tiere(z. B. Mäuſe) zu ver⸗ treiben. ¹) Die Düngung der Wieſe durch das Waſſer gründet ſich 1. auf die Abſorption der in ihm gelöſten Pflanzennährſtoffe durch den Boden, ſowie 2. auf Niederſchlagen der„ſchwebenden Teilchen“. Je kleiner ein Bodenteilchen iſt, um ſo größer iſt ſeine Oberfläche im Verhältnis zu ſeinem Gewichte(Bodenkunde§ 30). Die feinen ſchwebenden Teilchen, unter denen ſich auch viele, beſonders leichte Humusſtückchen befinden, können alſo, da ſie dem Stoße des fließenden Waſſers eine große Oberfläche bieten, leicht von demſelben mitgenommen werden.(Staub wird ſogar vom Winde mitgeführt.) Die ſchwebenden Teilchen ſind ſehr wertvoll, weil ſie einerſeits aus guten, durch das Waſſer von den Dungſtätten, aus der Ackerkrume uſw. mitgeſpülten Stückchen, beſonders aus Humusteilchen beſtehen und weil ſie anderer⸗ ſeits lange in allſeitiger Berührung mit dem Waſſer verharren und ſich deſſen gelöſte Pflanzennährſtoffe durch Abſorption aneignen. 2. Bezüglich der Erforderniſſe der Bewäſſerung ſoll a) das Waſſer an gelöſten Nährſtoffen und ſchwebenden Teilchen reich und außerdem warm ſein. Aus Wäldern, aus ſauren Mooren und ¹) In neuerer Zeit hat man durch Bewäſſerung der Weinberge in Frankreich und Ungarn die Reblaus erfolgreich bekämpft. F. Die Bewäſſerung. 221 aus kalten Quellen ſtammendes Waſſer muß erſt längere Zeit mit der Luft in Berührung geweſen ſein. Nachteilig iſt ein Waſſer, welches aus chemiſchen Fabriken Pflanzengifte aufgenommen hat. Bei der Entnahme von Waſſer aus Flüſſen empfehlen ſich heberartig gebogene Rohre(Fig. 165), die das Waſſer aus der unterſten, viel ſchwebende Teilchen führenden Waſſerſchicht entnehmen.(Die für 1 ha erforderliche Waſſermenge beträgt bei Rieſelung in der Sekunde 16 Liter, obwohl größere Mengen bis zu 40 Liter erwünſcht ſind.) Bei nur kleinen verfügbaren Mengen wäſſert man abteilungsweiſe oder ſucht dasſelbe Waſſer mehrmals auf verſchiedene Stellen zu benutzen. Das Waſſer muß ferner in genügender Höhenhaltung vorhanden ſein, um die Wieſe zu beherrſchen. Oft kann man durch Stauwehre oder Hebewerke, welche zweckmäßig durch Wind oder durch den Bach, aus dem man das Waſſer entnimmt, ſelbſt getrieben werden, das Waſſer auf die SS SBS—ʒ— AA— Fig. 165. Entnahme ſchlickreichen Waſſers. notwendige Höhe bringen. Bei Bächen mit ſtarkem Gefälle entnimmt man aus dieſen das Waſſer auch durch einen Zuleitungsgraben mit geringem Gefälle und erzielt die Höhenhaltung durch die Gefällerſparnis. b) Der Boden ſoll womöglich durchlaſſend(Kies, Sand) ſein; weniger geeignet ſind Lehm und Moor, ungeeignet ganz ſchwerer Lehm. ¹) 3. Heuabfuhrwege ſind bei Einrichtung von Wäſſerungs⸗ wieſen nicht zu vergeſſen, da ſonſt die zahlreichen Gräben durch die Wagen beſchädigt werden. 4. Eine kräftige Entwäſſerung darf bei einer Bewäſſerungs⸗ anlage nicht außer acht bleiben, da ſonſt künſtlich ſaure Sümpfe ge⸗ ſchaffen werden, auf denen zwar viel, aber nur geringes Futter wächſt. § 139. Die Bewäſſerungsweiſen.— Wäſſerungsregeln. 1. a) Die Staubewäſſerung entnimmt das Waſſer durch einen Zuleitungsgraben und durch Verteilgräben, hält es durch Deiche ¹) Sehr ſchwere, undurchlaſſende Böden verlangen zur Verhütung von Säurebildung beſondere Vorſicht beim Wäſſern. 222 VI. Meliorationen. und Stauſchleuſen auf der Wieſe feſt und entwäſſert dieſe darauf durch reichlich vorhandene Entwäſſerungsgräben, deren Waſſer ein Ableitungsgraben fortführt. Die Vorzüge beſtehen in den ge⸗ ringen Anlagekoſten, ſowie darin, daß die ſchwebenden Teilchen ſich in dem ruhigen Waſſer am reichlichſten niederſchlagen können; Nachteile ſind die geringe Ausnutzung der im Waſſer gelöſten Nährſtoffe, ſowie die Langſamkeit, mit der das Füllen und das Entleeren der Stau⸗ abteilungen erfolgt. Vorbedingung iſt eine ebene Wieſenfläche, da bei dieſer die anderen Wäſſerungsweiſen Schwierigkeiten machen, während bei unebenem Gelände gerade das Stauen zahlreiche Stauabteilungen erfordert. Bei ebenen Flächen werden hohe Deiche und köſtſpielige Schleuſen, zu große erforderliche Waſſermengen und eine zu hohe, die Luft abſperrende Waſſerſäule über der Wieſe vermieden. Beſondere Vorſicht erfordert das Stauen im Sommer bei wachſendem Graſe, inſofern dasſelbe zur Verhütung des Verſchlämmens der Pflan⸗ zen nur in dem„Einſtau in die Gräben“ beſtehen darf. b) Die Berieſelung entnimmt das Waſſer durch den Zuleitungsgra⸗ ben, aus dem es durch Verteilgräben den Rieſelrinnen zugeführt wird, über deren Kante es breit überſchlägt, um in dünner Schicht über die geneigte Fläche zu rieſeln. Durch die Ent⸗ wäſſerungsrinnen aufgenommen und in den Sammelgräben geſammelt, wird es durch einen Ableitungsgraben entfernt. Die Vorzüge der Berieſelung beruhen darauf, daß die Ausnutzung der im Waſſer gelöſten Nährſtoffe bei dem in dünner Schicht über den Boden rieſelnden Waſſer reichlicher als bei Überſtauung erfolgt, daß ferner ohne Schaden für die wachſenden Gräſer jederzeit wenigſtens ſchwach gerieſelt werden kann. Als Nachteil hat die Koſtſpieligkeit der Anlagen zu gelten. Bei den Rieſelanlagen haben wir zwei Arten, den Hangbau und den Rückenbau, zu unterſcheiden. Der Hangbau beläßt die Fläche in ihrer urſprünglichen Neigung(Fig. 167 A B) und ſchneidet nur die Be⸗ und Entwäſſerungsgräben ein. Schmiegen ſich die Rinnen der vorhandenen Geſtaltung des Geländes an und benutzt man die natür⸗ Fig. 166. Staubewäſſerung. —————4,— F. Die Bewäſſerung. 223 liche Neigung zwiſchen Be⸗ und Entwäſſerungsrinnen, ſo nennt man dies natürlichen Hangbau. ¹) Werden dabei alle Gräben in mög— lichſt geraden Linien gezogen und der Boden zwiſchen den Be⸗ und Entwäſſerungsrinnen ſorg⸗ fältig in der erforderlichen Nei⸗ gung geebnet, ſo ſpricht man von künſtlichem Hangbau. Der Hangbau wird bei ſtärkerem Ge⸗ fälle als 2% angewendet, bei geringerem Gefälle der Rücken⸗ bau, bei dem die ganze Fläche in lauter Rücken gelegt wird, auf deren Firſt die Rieſelrinnen laufen (Fig. 168). Indem ſich nämlich Fig. 167. Hangbau. Fig. 168. Rückenbau: a, b, c Grundriß, d Quer-⸗, e Längenprofil. die Fallhöhe(das abſolute Gefälle,§ 120, S. 192) auf die Breite des halben Rückens(Fig. 168, Querprofih verteilt, kann man die Neigung z) Man kann zwiſchen Be⸗ und Entwäſſerungsrinnen noch beſondere Rinnen einſchneiden, welche das über die obere Hälfte des Hanges gefloſſene Rieſelwaſſer nochmals ſammeln und gleichmäßig über die untere Hälfte verteilen. 224 VI. Meliorationen. durch Wahl ſchmalerer Rücken beliebig vermehren, ohne daß die ur⸗ ſprüngliche Neigung der ganzen Fläche dabei in Betracht kommt. Werden die Rücken bei Anlage der Fläche regelmäßig ausgearbeitet, die ganze Wieſe alſo in gleichmäßige kurze Rücken umgebaut, ſo bezeichnet man dieſes Verfahren als Kunſtrückenban; dämmt man nur die Rieſelrinnen auf den Rückenfirſten auf und ſchneidet die Entwäſſerungsrinnen ein, ohne die Fläche dazwiſchen in gleichmäßiger Neigung auszuarbeiten, überläßt man alſo dieſe Arbeit dem Schlammabſatz der nächſten Jahre (Fig. 169), führt man ferner die Rücken in langen, beliebigen Linien, dem Gelände angeſchmiegt, auf, ſo ſpricht man von natürlichem Rückenbau. Man kann auch bei langen, breiten, natürlichen Rücken auf dem Firſt einen größeren Verteilgraben ausheben und zu deſſen Seite rechts und links erſt die aus ihm zu ſpeiſenden Rieſelrinnen ein⸗ ſchneiden. Der natürliche Rücken- und Hangbau erſpart dem künſtlichen gegenüber ſehr viel Herſtellungskoſten, geſtattet freiere Ver⸗ fügung über die Einzelheiten der Anlage und erleichtert die Einrichtung Fig. 169. Allmähliche Ausbildung natürlicher Rücken. von Heuabfuhrwegen. Die nicht ſofort auszuarbeitenden Flächen rieſeln ſich in 4 bis 6 Jahren voll. c) Die Peterſenſche Bewäſſerungsanlage erſetzt alle Ent⸗ wäſſerungsgräben durch Drainage; die Bewäſſerungsgräben ſind dagegen dieſelben wie bei Hangbau(Fig. 170), nur fehlt der Ver⸗ teilgraben. Die Saugdrains liegen nicht, wie ſonſt bei Drainage, im Hauptgefälle der Fläche, ſondern wagerecht und parallel den Rieſel⸗ rinnen g; die Sammeldrains haben ferner nicht ein geringes, ſondern das Flächengefälle. Je zwei Sauger münden auch einander gegenüber in den Sammler ein(Fig. 170 a), und unterhalb jeder Einmündungs⸗ ſtelle(Fig. 170d) befindet ſich ein Verſchluß(Fig. 170 e), der mit einer Kette(Fig. 170 e, Fig. 171h) geöffnet werden kann. Bei der Wäſſerung werden die Verſchlüſſe geſchloſſen, ſo daß das Waſſer den F. Die Bewäſſerung. 225 Boden vollſtändig erfüllt. Dabei dringt es nach Anfüllung der oberſten Wieſenabteilung in den Saug⸗ und Sammeldrains bis zum Verſchluß, ſteigt(Fig. 171t) in dem Verſchlußkaſten in die Höhe und dringt zu den Schlitzöffnungen desſelben oben heraus, um in die zweite Rieſel⸗ rinne zu gelangen und ſo eine neue Abteilung zu wäſſern. Durch Offnen der Verſchlüſſe kann dann eine ſehr kräftige Entwäſſerung bewirkt werden. Der Vor⸗ teil der Peterſenſchen An⸗ lage beruht auf der Mög⸗ lichkeit vollſter Ausnutzung ea der im Waſſer gelöſten Fig. 170. Peterſenſche Bewäſſerungsanlage. Pflanzennährſtoffe und der ſchwebenden Teilchen, auf der ſparſamen Waſſerbenutzung durch voll⸗ ſtändige Beſeitigung des Abfluſſes, ſowie auf der folgenden kräftigen Entwäſſerung und Durchlüftung. Ein weſentlicher Nachteil ſind die ſehr großen Koſten der Anlage. ¹) 5 Fig. 171. Peterſenſcher Drainverſchluß. Fig. 172. Furchenbewäſſerung. d) Bei der Bewäſſerung von Gemüſefeldern mit Kanalwaſſer wendet man auch die Furchenbewäſſerung(Fig. 172) an. Von dem Zuleitungs⸗ ¹) Peterſen war Landwirt in Wittkiel bei Kappeln in Schleswig. Der Grundgedanke ſeiner Anlagen iſt übrigens in ſehr verſchiedener, oft an Spielerei grenzender Weiſe verwendet worden. Droyſen⸗Giſevius. Ackerbau. 6. Auflage. 15 226 VI. Meliorationen. graben aic aus gelangt das Waſſer in den Verteilgraben ef und von dieſem aus in die faſt wagerecht gezogenen Furchen dd. Das etwa nicht einſickernde Waſſer wird durch den Sammelgraben bhk wieder abgeleitet. Durch Regelung des Eintritts aus dem Zuleitungsgraben in den Verteilgraben mit Hilfe der verſchiedenen Einſchnitte, die man durch eingelegte Raſenſtücke ſchließen kann, vermag man ein abteilungsweiſes Wäſſern zu erzielen. 2. Die Vorſchriften für eine vernunftgemäße Wäſſerung müſſen ſtreng eingehalten werden, wenn die guten Gräſer und die Güte und Menge des Heues nicht darunter leiden ſollen. Man unterſcheidet hierbei nach ihrem Zwecke folgende Arten der Bewäſſerung: a) die düngende, b) die anfeuchtende, c) die froſt⸗ verhütende. a) Die eigentlich düngende Bewäſſerung fällt in den Herbſt und das Frühjahr, weil dann viel und dungkräftiges Waſſer verfügbar iſt, und weil die nicht im Wachstum ſtehenden Gräſer eine längere Wäſſerung geſtatten. b) Die anfeuchtende Rieſelung findet im Sommer ſtatt, und zwar bei Rieſelanlagen, um das Verſchlämmen des Graſes zu verhüten, mit wenig Waſſer, das Anſtauen bei Stau⸗ wieſen nur nach jedem Schnitt, ſonſt bei beiden Anlagen nur durch Einſtau in die Gräben. c) Im Frühjahr wird in Nächten, in denen Frühjahrsfröſte zu befürchten ſind, leicht gerieſelt oder angeſtaut. Die Zeitdauer jeder einzelnen Wäſſerung iſt ſorgfältig zu bemeſſen. Um die guten Gräſer durch Abſperren der Luft nicht zu ſchädigen, iſt bei Rieſelwieſen nach einigen Tagen die Rieſelung für kurze Zeit abzuſtellen, bei Stauwieſen das Anſtauen auf die Dauer höchſtens eines Monates zu beſchränken. Jedenfalls iſt das Waſſer ſchleunigſt zu entfernen, ſobald aufſteigender Schaum eine beginnende Fäulnis anzeigt. Nach gründlicher Durchlüftung kann die Wäſſerung wiederholt werden. Vor Eintritt des Winterfroſtes iſt die Wieſe möglichſt trocken zu machen. G. Urbarmachung von Acker und Moor. § 140. Urbarmachung des Ackers. Die Urbarmachung des Ackers vollzieht ſich a) durch Ent⸗ fernung von Hinderniſſen des Pflanzenbaues, b) durch„Tonbrennen“ und c) durch Anregung des neu umgebrochenen Bodens zu chemiſcher Tätigkeit. a) Die Hinderniſſe des Pflanzenbaues beſtehen in Steinen, Baumſtöcken und Heidekraut. Steine werden— erforderlichenfalls G. Urbarmachung von Acker und Moor. 227 nach vorangegangenem Sprengen— abgefahren oder in Gruben ver⸗ ſenkt. Kleine Steine werden gelegentlich in kleinen Haufen geſammelt und dann abgefahren. Baumſtöcke werden mit Hilfe von Hebebäumen nach Umgrabung und Durchſchneidung der ſtärkſten Wurzeln heraus⸗ gehoben. Man kann ſie auch durch Sprengen beſeitigen. Heidekraut kann durch Abbrennen in trockener Zeit vertilgt werden. b) Sehr ſchwerer, zäher Lehmboden, der in manchen Gegenden Tonboden genannt wird, kann durch Erhitzen eine größere Lockerheit und eine beſſere Zerſetzlichkeit ſeiner Pflanzennährſtoffe erlangen. Man errichtet aus billigſt beſchafftem Brennmaterial in trockener Zeit auf dem Felde viele Haufen von 1 m Höhe, bedeckt ſie ganz ſchwach mit Erde und zündet ſie an, worauf man, wenn ſie in vollem Brande ſind, ſo viel Erdſchollen heraufwirft, als ſie irgend erhitzen können. Womöglich erhitzt man ſo eine 10 cm hohe Erdſchicht und verteilt ſie dann gleichmäßig, um ſie einzupflügen. c) Zur Anregung neu in Kultur genommenen Bodens dient die vor Winter erfolgende Lockerung mit dem Pfluge, welche zur Entfernung ſchädlicher Verbindungen, der Humusſäuren und des Eiſen⸗ oxyduls ein Durchlüften, ſowie zu beſſerer Lockerung ein Durchfrieren bezweckt. Die Beſeitigung von Humusſäuren und Eiſenoxydulver⸗ bindungen kann aber auch durch eine Kalkdüngung auf neu umge⸗ brochenen Feldern gefördert und gleichzeitig die chemiſche Tätigkeit des Bodens angeregt werden. Desgleichen iſt für umgebrochenes humus⸗ reiches Wald⸗, Heide⸗ und Wieſenland die düngung mit Phosphor⸗ ſäure und Kali weſentlich, die in Verbindung mit dem im Humus enthaltenen Stickſtoff den Pflanzen ein ſehr günſtiges Nährſtoffver⸗ hältnis bietet. § 141. Hoch- und NMiederungsmoore. 1. Hochmoore oder Torfmoore, wie ſie von der Elbe bis zum Rhein in großer Ausdehnung vorkommen, entſtehen an beliebigen naſſen Stellen, ſelbſt auf Bergen(z. B. auf dem Brocken), durch An⸗ häufung abgeſtorbenen Mooſes, beſonders des Torfmooſes. Da die Maſſe ſchwammähnlich Waſſer aufſaugen kann, ſo entſteht über jeder abſterbenden Schicht eine neue. Der Gehalt an Pflanzennähr⸗ ſtoffen, beſonders an Mineralſtoffen, iſt— der Zuſammenſetzung des Mooſes entſprechend— ein ſehr geringer, um ſo mehr, als jede lebende Schicht den unteren abgeſtorbenen das vorhandene Wenige an mine— raliſchen Stoffen immer wieder entzieht und das Waſſer nicht viel nachliefert. Bemerkenswert iſt der dem Humus eigene, verhältnismäßig hohe Gehalt an Stickſtoff. Bei dem Mangel an Durchlüftung pflegt dagegen der Gehalt an Humusſäuren ein ſehr hoher zu ſein. Das 15* 228 VI. Meliorationen. Gefüge des Hochmoors iſt, der faſerigen Beſchaffenheit des Mooſes und der unvollkommenen Zerſetzung gemäß, ein ſehr loſes. 2. Die Niederungsmoore oder Grünlandsmoore entſtehen in Waſſerbecken oder in Überſchwemmungsgebieten aus Anhäufungen abgeſtorbener Pflanzen und Tiere und aus den von Flüſſen und Bächen zugeführten und in dem ruhigen Waſſer niedergeſchlagenen ſchwebenden Teilchen. Der Gehalt an Pflanzennährſtoffen richtet ſich nach der Beſchaffenheit des Waſſers— und damit auch nach der der Pflanzen (Mooſe, Waſſerpflanzen und Gräſer) und Tiere— ſowie nach der Menge und Güte der zugeführten Erdteilchen; er kann unter Umſtänden ein ſehr hoher ſein. Beſonders verſchieden iſt der Kalkgehalt, der ſelbſt bis zum Übergang in reinen Wieſenkalk ſteigen kann. Der Gehalt an Stickſtoff iſt ein verhältnismäßig hoher, nicht immer ſo der an Phosphorſäure und Kali. Der Gehalt an Humusſäuren iſt während der Bedeckung mit Waſſer ein hoher, doch werden dieſelben nach der Entwäſſerung durch den vorhandenen Kalk und andere Baſen bald neutraliſiert(ab⸗ geſtumpft). Das Gefüge des Niederungsmoores iſt je nach der vor⸗ geſchrittenen Zerſetzung und nach der Menge der zugeführten Erdteilchen ein weniger loſes, als das des Hochmoors(Moorboden— Torfboden). übergänge vom Hochmoor zum Niederungsmoor ſind der Natur der Sache nach in allen Abſtufungen vorhanden, ſo daß eine ſtrenge Scheidung derſelben nicht möglich iſt. § 142. Die Deckkultur der Niederungsmoore. 1. Die Deckkultur leitet ihren Namen davon her, daß man das Moor nach der Entwäſſerung mit einer Sanddecke verſieht, welche als Ackerkrume bearbeitet und gedüngt, nicht aber mit dem Moor gemiſcht wird. 2. a) Die Entwäſſerung muß bis zu der Tiefe von 1 m unter der Erdoberfläche für Ackerland und von 40 cm für Wieſe erfolgen. Beſondere Vorſicht erfordert dabei das nach der Entwäſſerung ſtatt⸗ findende Setzen des Moores, welches ſo bedeutend ſein kann, daß man die Entwäſſerungsanlage zur Verhütung einer Verſumpfung immer wieder vertiefen muß. ¹) Da Niederungsmoore mit mehr als ¹) Man rechnet in den erſten hundert Jahren auf ein Setzen in folgender Weiſe: Senkung Mächtigkeit des Moores bei feſtem Moor bei loſem Moor 1 m 0,25 m 0,35 m. 3 m 0,50 m 0,70 m 5 m 0,75 m 1,00 m. — ₰7 G. Urbarmachung von Acker und Moor. 229 10 m Moorſtand beobachtet ſind, ſo kann das Setzen in ſehr hohem Maße erfolgen. Die Tiefe der Gräben richtet ſich nach der er⸗ forderlichen Entwäſſerungstiefe. Sollen ſie bei geringem Moorſtande in den Untergrund des Moores eingeſchnitten werden, um die Erde für die Deckſchicht zu liefern, ſo erhalten ſie oft große Abmeſſungen. Die gegenſeitige Entfernung der Gräben wechſelt nach deren Tiefe(von 25— 45 m). ¹) Das Grabenſyſtem beſteht aus dem Hauptgraben und den Seitengräben. Die letzte Strecke der Seitengräben am Hauptgraben wird mit Röhren(Fig. 173 d) belegt und wieder zugedeckt, ſo daß ein Querbeet entſteht, welches die Beſtellung und den Verkehr ſehr erleichtert. Die Böſchung der Gräben wird zweckmäßig durch Weiden(Mandel⸗ weiden) ausgenutzt, welche gleichzeitig die aufgebrachte Deckſchichterde vor Verwehen in die Gräben ſchützen. “— Ke — S Fig. 173. Anſchluß der Seitengräben an den Hauptgraben. b) Die Deckſchicht hat den Zweck, das Moor im Winter durch ihr Gewicht vor dem Auffrieren, im Frühjahr vor Nachtfröſten, im Sommer durch Erſchwerung des Aufſteigens der Feuchtigkeit bis zur Erdoberfläche vor dem Austrocknen und Hartwerden zu ſchützen; auch ſoll das Moor behufs beſſerer Zerſetzung etwas zuſammengedrückt werden; endlich ſoll die Deckſchicht, wenn möglich, noch Nährſtoffe mit⸗ bringen. Das Material ſoll ſchwer, loſe und nährſtoffhaltig und zur Verhütung von Schäden widerſtandsfähig gegen Verwehen durch Wind ſein, ferner auch die Luft zu dem Untergrund durchlaſſen, ſo daß wir am beſten gröberen Sand wählen. Die Anforderung, nicht in den Untergrund zu verſinken, wird freilich von dem bindigen Lehm beſſer ¹) Die Fläche zwiſchen zwei Gräben wird oft als Damm bezeichnet, daher auch der Name„Dammkultur“ für Deckkultur. 230 VI. Meliorationen. erfüllt, als vom Sand, doch lehrt die Erfahrung, daß auch Sand bei genügender Dicke der Deckſchicht nicht einſinkt. Ein Miſchen der Deckſchicht mit dem darunter befindlichen Moor— wie die Verwendung moorigen Sandes— iſt ſtreng zu unterlaſſen, da der Sand alsdann leicht völlig verſinkt, die neu gebildete Oberkrume zu leicht wird und ſomit das Moor nicht mehr in zweckdienlicher Weiſe zuſammendrücken kann. Die Entnahme des Sandes kann aus der Grabenſohle oder von Sandbergen am Ufer des Moores aus erfolgen. Die Entnahme des Sandes aus der Grabenſohle(Fig. 174) iſt nur dann möglich, wenn der Moorſtand nicht zu mächtig(bis 1 m) iſt, und wenn der Sand keinen Schwefelkies enthält, der an der Luft zu Schwefelſäure, ſchwefliger Säure und Eiſenoxydul zerfällt und damit giftig wirkt. Das Vorhandenſein des oft neſterweiſe auftretenden Schwefelkieſes kann man nur durch Entnahme zahlreicher Proben an vielen Stellen erkennen, indem man die Proben in Blumentöpfen mit Hafer anſät und deſſen Wachstum beobachtet. In ſchwefelkieshaltigem Sande wächſt er nicht fort. Die Dicke der Defſſchicht ſoll(loſe aufgeſchüttet ge⸗ Fig. 174. Entnahme des Sandes c aus der Grabenſohle b meſſen) nicht unter 12 cm— auch bei Wieſen— betragen. Bei ge⸗ ringerer Mächtigkeit ſinkt die Deckſchicht leichter unter, bei zu großer dringen die Wurzeln zu ſchwer bis zum Moor durch. c) Die alte Vegetationsſchicht des Moores wird entweder mit dem ſorgfältig auszubreitenden Mooraushub aus den Gräben gemiſcht und dann ohne weiteres mit Sand eingedeckt, oder ſie wird, wenn der Mooraushub fehlt,(zur Torfgewinnung oder zum Ausfüllen von Vertiefungen benutzt wird), flach geſchält und dann mit Sand bedeckt. Sie zerſetzt ſich dann erfahrungsgemäß leicht. d) Die Düngung geht von dem Grundſatze aus, daß das Moor zur Ernährung der Pflanzen weſentlich beitragen ſoll. Die Erfahrung lehrt, daß das Moor alle Pflanzennährſtoffe enthält, beſonders auch Stickſtoff, daß aber Phosphorſäure und Kali in zu geringer Menge darin ſind. Man verwendet daher zunächſt keinen Stalldung, der durch Humusbildung in der Deckſchicht, durch Veränderung der Schwere und der Wärmeleitung derſelben ſogar ſchädlich wirken kann. Durch künſtlichen Dung wird zunächſt die Phosphorſäure erſetzt, und zwar nicht in Form von Superphosphaten, da einerſeits die Abſorptionskraft G. Urbarmachung von Acker und Moor. 231 des Sandes und beſonders des Moores für Phosphorſäure oft eine ganz geringe iſt, da alſo die Gefahr von Verluſten vorliegt, und da andererſeits die Zerſetzung von ſchwerer löslichen Phosphaten in Mooren leicht vor ſich geht. Man verwendet Knochenmehl, Thomasſchlacke und ſelbſt Phosphoritmehl. Für die Kalidüngung gelten dieſelben Regeln, wie auf anderen Böden. ¹) Auf kalkarmen Niederungsmooren düngt man dazu mit AÄtzkalk und kann durch ſehr ſtarke Atzkalkgaben auch die Zerſetzungsreſte des Schwefelkieſes unſchädlich machen. Die Unter⸗ bringung der Düngung, deren erſte Gabe auf den vorher aufgebrachten Sand geſtreut wird, geſchieht mit dem Pfluge. 3. Die wirtſchaftliche Benutzung erſtreckt ſich auf Nieder⸗ legung zur Wieſe, wenn der Bedarf an Futter groß iſt, oder wenn ſich nur eine geringe Entwäſſerungstiefe erzielen läßt, andernfalls auf Ackerbau. Dabei laſſen ſich alle, auch die angreifendſten Pflanzen verwenden, doch bevorzugt man Tiefwurzler, welche das Moor beſſer ausbeuten und lockern. Beſondere Beachtung verlangt das Unkraut, welches ſehr leicht überhand nimmt und daher auf jede Weiſe zu bekämpfen iſt. 4. Die Bedeutung der Deckkultur liegt nicht nur in der Um⸗ wandlung wertloſer Flächen in wertvolle, ſondern auch in ihrem Einfluß auf die zu demſelben Gute gehörenden Mineralbodenflächen. Ohne denſelben eine Fuhre Stalldung zu entziehen, verſorgt das Moor ſie nach Herſtellung der Deckkultur mit Futter, Stroh und Körnern, ſo daß der Viehſtand und der Düngungszuſtand ſich in ausgezeichneter Weiſe heben laſſen. ²) § 143. Die Veenkultur des Hochmoores. 1. Der Unterſchied zwiſchen Deck⸗ und Veenkultur beruht darauf, daß bei erſterer die Ernährung der Pflanzen— von Phos⸗ phorſäure und Kali abgeſehen— von dem Moore gewährleiſtet wird, daß alſo die Decke nach erfolgter Entwäſſerung mehr als„Standorts⸗ verbeſſerung“ wirken ſoll. Finden wir keinen ſandigen Boden, ſondern nur ſchweren Lehm als Deckmaterial für ein Niederungsmoor vor, und wird ſomit die Ausnutzung des Moores zur Pflanzenernährung durch die Deckſchicht in Frage geſtellt, oder iſt das Moor— wie es bei ¹) Man miſcht— der Erfahrung folgend— auf Wieſen gern Thomas⸗ ſchlacke und Kainit im Verhältnis von 1:4. Im übrigen folgt man den Regeln der Statik. ²) Nach dem verſtorbenen Rittergutsbeſitzer Rimpau in Cunrau, Prov. Sachſen, der den Deckkulturen zuerſt allgemeinere Anerkennung verſchaffte, heißt die Deckkultur auch Rimpauſche Dammkultur. 232 VI. Meliorationen. Hochmoor der Fall iſt— ſchwer zerſetzlich und ſo arm, daß es keine größeren Mengen an Pflanzennahrung liefern kann, ſo kann die Veen⸗ kultur zur Anwendung kommen. 2. Die Veenkultur ¹) umfaßt die Entwäſſerung, das Aus⸗ torfen und die Herſtellung einer neuen Ackerkrume(Fig. 175). a) Die Entwäſſerung erſtreckt ſich bis zu einer ſolchen Tiefe, daß nach der Vollendung der Anlage der Waſſerſtand zwiſchen 1 m und 40 cm unter der Erdoberfläche wechſelt. Die Entwäſſerungs⸗ gräben werden in der Regel zugleich als Schiffahrtskanäle her⸗ geſtellt, ſo daß die größeren 11 m Breite und 1,5 m Tiefe, die kleinern Nebengräben 6 m Breite bei gleicher Tieie erhalten, während deren gegenſeitige Entfernung 60— 100 m beträgt. b Fig. 175. Veenkolonie. b) Das Austorfen geht allmählich in der Weiſe vor ſich, daß zuerſt die oberſte loſe Torfſchicht(Bunkerde) abgeräumt, dann der Torf bis zum mineraliſchen Untergrunde ausgeſtocheu und zur Gewinnung von Brenntorf oder Torfſtren, auch wohl von Torfkohle, Leucht⸗ materialien oder Papier verwendet wird. Der Torf wird auf den Kanälen zu Waſſer nach den Städten befördert, und aus dieſen wird als Rückfracht ſtädtiſcher Dünger, unter Umſtänden auch Seeſchlick zu⸗ rückgebracht, daher eben auch der Ausbau der Entwäſſerungsgräben zu ſchiffbaren Kanälen nötig iſt. c) Der Ackerboden wird neu geſchaffen, indem nach dem Ab⸗ torfen eines Streifens der Abraum(die Bunkerde) des nächſten Streifens auf ihm verteilt und mit dem vom Moor entblößten ¹1)„Veen“ nennt man in Holland und Friesland ein durch Kanäle ent⸗ wäſſertes Moor. daß korf ung cht den vird G. Urbarmachung von Acker und Moor. 233 Boden gründlich gemiſcht wird. Gleichzeitig wird ſtädtiſcher Dünger oder Seeſchlick in größeren Mengen hinzugefügt, um eine nährſtoff⸗ reichere Bodenſchicht zu gewinnen. Iſt die ganze Fläche eines Beſitz⸗ tums allmählich ausgetorft, ſo iſt der Boden auch ſchon ſo ſtark mit ſtädtiſchem Dünger oder Seeſchlick verſorgt, daß ſeine Benutzung wie auf jedem Mineralboden erfolgen kann. Der Erſatz des ſtädtiſchen Düngers und des Seeſchlicks durch Mergel oder künſtlichen Dünger iſt unter Umſtänden unſicher, da es dabei leicht an einzelnen Nähr⸗ ſtoffen fehlen kann. 3. Unerläßliche Vorbedingungen für eine des Erfolges ſichere Anlage von Veenkulturen ſind der Natur der Sache nach die Hinein⸗ führung von Schiffahrtskanälen in das Moor und die Möglichkeit des Abſatzes von Torf, ſowie der Gewinnung von ſtädtiſchem Dünger oder Seeſchlick. Aus den Veenkulturen kann man nach Bereicherung des Bodens mit Nährſtoffen nach einiger Zeit auch Deckkulturen herſtellen. § 144. Die KMliſch-, die Wieſen- und die Brennkultur. Wenn bei Mooren, da kein Mineralboden in der Nähe oder in dem nächſten Untergrunde zu haben iſt, weder die Deck⸗ noch aus Mangel an Stalldünger die Veenkultur möglich iſt, oder wenn man die Koſten ſcheut, ſo kann man Miſchkultur ausführen, oder die Moore zu Wieſen niederlegen, oder die Brennkultur anwenden. 1. Die Miſchkultur beſteht darin, daß das Moor durch Um⸗ pflügen oder Umgraben ſtark durchlüftet und ſodann mit Stalldung reichlich und möglichſt bald wiederholt verſorgt wird. In Beetkultur kann man dann Kartoffeln und Gemüſe, von Feldfrüchten ſonſt be⸗ ſonders Roggen bauen. Wenn außerdem reichlich Wieſen und Weiden vorhanden ſind und die Gewinnung entſprechender Stalldüngermengen ſicher ſtellen, ſo kann die Miſchkultur befriedigende Erfolge zeigen. 2. Die Niederlegung zu Wieſen erfordert eine Entwäſſerung durch Haupt⸗ und Nebengräben, deren Tiefe unter Beachtung des ſpäteren Setzens des Moores auf 0,4— 0,75 m unter der Erd⸗ oberfläche gehen und mit der womöglich eine Bewäſſerung verbunden werden muß. Die Zerſtörung der alten Vegetationsſchicht fällt am geeignetſten in das Frühjahr, ſobald der Boden 5 cm aufgetaut iſt, und wird mit Hilfe ſchwerer Eggen oder Pulveriſier⸗(Teller⸗) Eggen bewirkt, wobei zugleich die Anſaat, unter Umſtänden unter einer Über⸗ frucht, eingebracht werden kann. Die Düngung geſchieht mit Kainit und Thomasſchlacke, während Stickſtoff ſchon im Moore enthalten iſt. Auch kann eine Düngung mit Kalk, Chlorſalzen, Eiſenvitriol, Kompoſt oder eine Erddüngung, letztere zur Feſtigung der oberſten Schicht, Anwendung finden. 234 VI. Meliorationen. Abgeſehen von der Froſtgefahr, können damit auf Niederungs⸗ mooren ſehr gute Wieſen auch ohne Deckſchicht geſchaffen werden. 3. Die Brennkultur findet, während die Niederungsmoore ihrer Graswüchſigkeit wegen zu Wieſen niedergelegt werden, auf Hoch⸗ mooren Anwendung und geſtattet ihre Benutzung als Ackerfläche. Nach der Entwäſſerung durch offene Gräben und dem Ab⸗ trocknen wird durch das Brennen der Oberfläche eine Krume ge⸗ ſchaffen, die an Mineralſtoffen reicher iſt als vorher. Die Pflanzen, die nun einige Jahre(6—8 Jahre) lang unter Wiederholung des Brennens angebaut werden, ſind Buchweizen, Roggen, Hafer, Spörgel und Kartoffeln. Hierauf bedarf das Moor einer Ruhepauſe von 30 Jahren, zum wieder gebrannt werden zu können, es ſei denn, daß man durch beſonders ſtarke Düngungen ausnahmsweiſe die Ackerkrume bereichern und zur dauernden Benutzung geſchickt machen kann. Das Brennen darf nicht zu tief gehen, weil ſonſt der Boden die Feuchtigkeit nicht mehr annimmt, vielmehr loſe und das Moor „totgebrannt“, d. h. unfruchtbar wird. Die Brennkultur iſt als Raubkultur zu bezeichnen und nur da zu entſchuldigen, wo Deck- und Miſchkultur unmöglich iſt. Sie be⸗ läſtigt außerdem ganze Landſtriche durch den dabei erzeugten Moor⸗ rauch. Druck von Fr. Stollberg in Merſeburg. Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstrasse 10.* Deutſche Pnduuiſhuftit Begründet 1874. Erscheint Mittwochs und, Sonnabends. wöchentlich zwei Handelsbeilagen. Monatlich eine Farbendrucktafel. Monatlich eine Beilage:„Zeitschriften-Schau“. Dureh jedes deutsche Postamt bezogen, Preis vierteljährlich 5 M. Die»Deutsche Landwirtschaftliche Presse« ist nach Inhalt und Ausstattung eine vornehme Fachzeitung grössten Stils für den gebildeten Landxirt. 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Nielsen, Ober- lehrer in Varel. Zweite Auflage. Mit 102 Textabb. und 3 Tafeln. Geb., Preis 2 M. Physik von M. Hollmann, Oberlehrer in Thorn. Fünflte Auflage. Mit 160 Text- abbildungep. Geb., Preis 1 M. 30 Pf. Lehrbuch der Physik in methodischer Bearbeitung für Landwirtschaftsschulen von Prof. Dr. Lautenschläger, vorm. Oberlehrer in Samter. Zmpeite Auflage. Mit 405 Textabbildungen. Geb., Preis 2 M. 60 Pf. Mechanik, Wärmelehre und Witterungskunde. Leitfaden der Physik von J. Bohn, Gymnasiallehrer zu Trier. Mit Anhang: Licht und Elektrizität. Mit 4 129 Textabbildungen. Geb., Preis I H. 50 P. Chemie von P. J. Murzel, Direktor der landw. Winterschule in Saarlouis. Dritte Auflage. Geb., Preis I M. 40 Pf. Chemie von A. Maas, Lehrer in Wittstock. Zoeite Auflage. Mit 10 Textabbildungen. . Geb., Preis I M.&0 Pf. Chemie fur Ackerbau- u. landw. winterschulen von W. Wellershaus, Landwirtschatfts- lehrer. I. Teil: Anorganische Chemie. Zoweite Auflage. Geb., Preis 70 Pf. II. Teil: Organische Chemie. Preis 50 Pf. Meyer's Forstwirtschaft. Drictte Auflage, bearbeitet von Reg.- und Forstrat Berlin in Arnsberg. Geb., Preis I M. 20 Pf Obst- und Gemüsebau von Otto Nattermüller. Zoeite Auflage. Mit 71 Textab- bildungen. Geb., Preis I M. 60 Pf. Deutsche Gedichte, nerausgegeben für den Unterricht an Landwirtschafts- schulen von Direktor Dr. R. Schultz in Marggrabowa. Geb., Freis 2- M. Deutsches Lesebuch für Ackerbauschulen, landwirtsch. Winterschulen und ländliche Fortbildungsschulen herausgegeben von M. Hollmann und P. Knak. Zweite Auflage. Geb, Preis Q- M. Lehr- und Lesebuch für länaliche Fortbildungsschulen von K, Deissmann, H. Jung, Fr. Kolb, W. Scheid und R. Wobig. Dritte Auflage. Geb., Preis 2 M. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. ——— 11. — 1AiR EAAH-A³‿idaSafaed Aee 84 ¼ 1 1 —— 51 OlR eeAded 1— 4—— —