Ss-Thaer-Bibliothek- fünfte Auflage VERLAGSBUCHHANDIUNG PAUL PAREYIN BERIIN. ‿. 2 3 Verlag von Paul Parey in Berlin SW. II, Hedemannstr. 10 u. I1 Landwirtschaftliche Unterrichtsbücher. Grundzüge der Landwirtschaft. Von F. Gaul, Direktor zu Hildburghausen. Zweite Auflage. Mit 64 Textabbildungen. Gebunden, G. Z. 2 Ackerbau einschl. Bodenkunde, Düngerlehre, Maschinenlehre und Meliorations- lehre von Direktor Dr. Drovsen und Prof. Dr. Gisev ius. Zehnte Auf- lage. Mit 195 Textabbildungen. Gebunden, G. Z. 2 Lehrbuch des Ackerbaus von Prof. Dr. H. Biedenkopf in Groß-Umstadt. Siebente Auflage. Mit 88 Textabbildungen. Gebunden, G. Z. 2,4 Leitfaden für einfache landw. Untersuchungen. Von Prof. Dr. H. Bieden- kopf in Groß-Umstadt. Dritte Auflage. Mit 38 Textabbildgn. Geb., G. Z. 1,5 Grundzüge der Agrikulturchemie. Bearbeitet von Dr. R. Otto in Proskau. Zweite Auflage. Mit 42 Textabbildungen. Gebunden, G. Z. 2,4 Leitf. der Düngerlehre. Von Prof. Dr. Max Kling. Zweite Aufl. Geb., G. Z. 2,2 Bodenkunde. Von Dr. W. Lilienthal, Winterschul-Direktor in Genthin. Dritte Auflage. Mit 14 Textabbildungen. Gebunden, G. Z. 1,2 Bodenkunde. Von Direktor A. Wirtz in Odenkirchen. G. Z. 0,6 Mineralogie und Gesteinslehre von V. Uhr mann, Direktor der landw. Schule in Annaberg. Dritte Auflage. Mit 26 Textabbildungen. Gebunden, G. Z. 1,2 Mineralogie und Gesteinslehre von Dr. P. Teicke, Oberlehrer an der Land- wirtschaftsschule in Salzwedel. Mit 23 Textabbildungen, Gebunden, G. Z. 1 Pflanzenbau von Direktor Dr. Birnbaum. Zehnte Auflage. Bearbeitet von Prof. Dr. Gisevius. Mit 207 Textabb. und 5 farb. Tafeln. Geb., G. Z. 2.2 Grundzüge der Pflanzenvermehrung von Max Löbner in Bonn. Dritte Auf- lage. Gebunden, G. Z. 1,6 Wiesenbau von H. Kutscher, Lehrer in Hohenwestedt. Dritte Auflage. Mit 87 Textabbildungen. Gebunden, G. Z. 1,5 Leitfaden der Botanik für landw. Winterschulen und Landwirte. Von Prof. Dr. Meyer. Vierte Auflage. Mit 246 Textabbildungen. Gebunden, G. Z. 2 Botanik von Direktor F. Gaul. Mit 122 Textabbild. 3. Auflage. Geb., G. Z. 1,5 Botanik von Dr. Th. Wölfer, Schleswig. Mit 192 Textabbild. Geb., G. Z. 2 Lehrbuch der Botanik von Dr. P. Teicke. Zweite Auflage. Mit 98 Text- abbildungen. Gebunden, G. Z. 2 Pflanzliche und tierische Schädlinge unserer landw. Kulturpflanzen. Von W. T111- mann in Ascheberg i. W. Dritte Auflage. Mit 51 Textabb. Geb., G. Z. 1,2 Bakterienkunde von Direktor Dr. P. Gordan und Tierarzt C. Bahr. Zweite Auflage. Mit 32 Textabbildungen. Gebunden, G. Z. 1,2 Leitfaden der Tierkunde für landw. Schulen. Von R. Hillmann und A. Wolsochner. Dritte Auflage. Mit 145 Textabb. Gebunden, G. Z. 1,5 Lehrbuch der Tierzucht. Von Dr. H. Biedenkopf, Prof. in Groß-Umstadt. Zwölfte Auflage. Mit 8 biolog. Rassebildern und 131 Textabb. Geb., G. Z. 3,5 Viehzucht von Prof. V. Patzig. Neunte Auflage. Mit 150 Textabb. Geb., G. Z. 3 Tierzuchtlehre von Dir. A. Conradi. Zweite Aufl. Mit 136 Textabb. Geb., G. Z. 1,4 Bau und Leben der landw. Haussäugetiere. Von Dr. E. Laur. Achte Auflage, bearb. von Dr. A. Käppeli. Mit 102 Textabb. und 1 Tafel. Geb., G. Z. 1,4 Der Körper der landw. Haussäugetiere. Von Dr. J. Becker in Rostock. Zweite Auflage. Mit 67 Textabbildungen. Gebunden, G. Z. 1,2 Fütterungslehre. Von Dr. W. Kleberger, Gießen Gebunden, G. Z. 1,4 Landwirtschaftliche Betriebslehre. Bearbeitet von Dr. R. Roth, vorm. Direktor der landw. Schule in Chemnitz. Dreizehnte Auflage. Gebunden, G. Z. 2 Landwirtschaftliche Betriebslehre von Dr. Luberg, Direktor des Seminars für Landwirte in Königsberg in Nm. Neunte Auflage. Gebunden, G. Z. 2,2 Betriebslehre von Dr. Th. Wölfer, Direktor in Schleswig. Zweite Auflage. Mit einer lithographischen Tafel. Gebunden, G. Z. 2 Betriebslehre von Direktor A. Conradi. Fünfte Auflage. Gebunden, G. Z. 1,5 Bäuerliche Betriebslehre von Direktor J. Gaul in Hildburghausen. Geb., G. Z. 1,6 Grundzüge der Wirtschaftslehre. Von Dr. V. Funk. Siebente Auflage, neu- bearb. von Direktor Dr. Adolf Schäfer, Kaltenkirchen. Geb., G. Z. 1,5 Volkswirtschaftslehre von K. Petri. Vierte Auflage. Gebunden, G. Z. 2 Taxationslehre von K. Petr iſih Honenwestedte Pweite Auflage. Geb., G. Z. 1,8 Landwirtschaftsgeschichte von Pk.Rat Dr. ⁵ Rukl k. Zweite Aufl. Geb. G. Z. 1 Vaterländische Geschichte von El RMM K. 1, Gebunden, G. Z. 1.2 Bürgerkunde von Schulrat H. Gtto in Stade. Vierſe u. fünfte Aufl. Geb., G. Z. 2,2 Landwirtschaftspolitik von OkHnbmiG Bat. Dr N, Fun k. Gebunden, G. Z. 1 Landmanns Buchführung. Voß Dr. H OTKuſsen, Direktor in Heide. Dritte Auflage.——— Gebunden, GEZ. 1,2 Selbstverwaltungsämter. Von K. Petri. Fünfte Auflage. Gebunden, G. Z. 2 8— A x R α— S „, ʃ8 ˖◻ Verlag von Paul Parey in Berlin SW. I1, Hedemannstr. 10 u. I1 Landwirtschaftliche Unterrichtsbücher. Gesetzeskunde. Von Dr. Kollath. Dritte Aufl. Bearb. v. K. Petri. Geb., G. Z. 1,4 Schriftverkehr des Landwirts. Von L. Lemke. Dritte Auflage. Neu bearbeitet von K. Petri. Mit 164 Beispielen. Gebunden, G. Z. 1,6 Landw. Berechnungen. Von Dr. R. Roth, vorm. Direktor der landw. Schule in Chemnitz. Sechste Auflage. Geb., G. Z. 2. Lösungen, G. Z. 0,3 Landw. Berechnungen. Von K. Petri in Hohenwestedt. Gebunden, G. Z. 2,5 Rechenbuch für niedere und mittlere landw. Lehranstalten von L. Lemke. Neu bearbeitet von Ok.-Rat Dr. Ehlert, Gumbinnen. I. Teil. Unter- klassen. Sechste Auflage. Geb., G. Z. 1,6. II. Teil. Mittel- und Ober- klassen. Dritte Auflage. Mit 112 Textabbildungen. Gebunden, G. Z. 2. Lösungen zum I. u. II. Teil je G. Z. 0,3 Rechenbuch für Ackerbauschulen, landw. Winterschulen und ländl. Fortbildungs- schulen von P. Knak, Mittelschulrektor in Wittstock. Elfte Auflage. Gebunden, G. Z. 1,6. Lösuüungen, G. Z. 0,3 Praktisches Rechen- und Nachschlagebuch. Von Prof. Dr. J. P. Zanen in Ettelbrück. Zweite Auflage. Mit 134 Textabbildungen. Gebunden, G. Z. 1,6 Rechenbuch für mittlere und niedere landw. Lehranstalten von H. Kutscher und K. Petri, Lehrer in Hohenwestedt. I. Teil: Grund- und angewandte Rechnungsarten. Geb., G. Z. 1,4. II. Teil: Landw. Berechnungen. Geb., G. Z. 1.6 Rechenbuch für ländliche Fortbildungsschulen von P. Knak, Mittelschulrektor in Wittstock, und K. Otto, Kreisschulinspektor in Pinne. Vierte Auflage. G. Z. 1,4. Lösungen, G. Z. 0,4 Geometrie, Feldmessen und Nivellieren von H. Kutscher, Lehrer in Hohen- westedt. Vierte Auflage. Mit 159 Textabbildungen. Gebunden, G. Z. 1,8 Planimetrie und Stereometrie für Landwirtschaftsschulen von Prof. Chr. Niel- sen und Oberlehrer W. Langel. Mit 325 Textabb. Gebunden, G. Z. 1,4 Unterricht im Feldmessen. Von Ok.-Rat Prof. M. Wilsdorf. Fünfte Auflage. Mit 21 Zeichnungen und Skizzenpapier. Gebunden, G. Z. 1,6 Feldmeß- und Nivellierkunde und das Drainieren von Chr. Nielsen, Ober- lehrer in Varel. Dritte Auflage. Mit 116 Textabbildungen und 3 Tafeln. Gebunden, G. Z. 1,4. Lösungen, G. Z. 0,3 Physik von Dr. P. Habern 0li, Direktor in Krefeld. Zweite Auflage. Mit 78 Textabbildungen. Gebunden, G. Z. 1,4 Physik von Prof. M. Hollmann. Zehnte Aufl. Mit 163 Textabb. Geb., G. Z. 2 Lehrbuch der Physik von Prof. Dr. Lautenschläger, vorm. Oberlehrer in Samter. Dritte Auflage. Mit 398 Textabbildungen u. 1 Tafel. Geb., G. Z. 2,6 Geräte- und Maschinenkunde von F. Gaul, Direktor in Hildburghausen. Zweite Auflage. Mit 155 Textabbildungen. Gebunden, G. Z. 1,8 Leitfaden für den Unterricht in der Chemie von B. Marquardt, Direktor in Ragnit. Mit 25 Textabbildungen. Gebunden, G. Z. 1 Chemie von Prof. Dr. O. Freybe, Studienrat in Weilburg. Ausgabe A. für landwirtschaftliche Winterschulen. Dritte Auflage. Gebunden, G. Z. 1 Ausgabe B. für Landwirtschaftsschulen. Dritte Auffl. Gebunden, G. Z. 1,2 Lehrgang der Chemie. Von Prof. Dr. John, Leipzig. Gebunden, G. Z. 1 Chemie von A- Maas in Wittstock. Zweite Aufl. Mit 10 Textabb. Geb., G. Z. 1 Chemie für Ackerbau- und landw. Winterschulen von W. Wellershaus, Winterschuldirektor. Zweite Auflage. I. u. II. Teil. Gebunden, je G. Z. 0,8 Forstwirtschaft. Bearbeitet von Geh. Reg.-Rat Berlin in Hannover. Sechste Auflage von Meyers Forstwirtschaft. Gebunden, G. Z. 1,5 Forstwirtschaft von F. Köllner, Forstmeister. Mit 26 Textabb. Geb., G. Z. 1,4 Obst- und Gemüsebau von Otto Nattermüller. Sechste Auflage. Be- arbeitet von Dr. A. Bode in Chemnitz. Mit 76 Textabb. Geb., G. Z. 2 Obstbau. Nebst Anhang: Die Kultur der wichtigsten Gemüsepflanzen. Von Ernst Kümmerlen. Vierte Auflage. Neubearbeitet von Landwirt- schaftsrat J. Groß. Mit 107 Textabbildungen. Gebunden, G. Z. 2 Lehr- und Lesebuch für lündl. Fortbildungsschulen von K. Deißmann, H. Jung, Fr. Ko lb, W. Scheid und R. Wobig. Sechste Auflage. Gebunden, G. Z. 2 Deutsches Lesebuch für Ackerbauschulen, landw. Winterschulen und ländl. Fort- bildungsschulen. Von Prof. M. Hollmann, Studienrat in Danzig, und P. Knak, Mittelschulrektor in Wittstock. Sechste Auflage. Geb., G. Z. 2 Die Bücherpreise sind in Grundzahlen festgesetzt, die etwa den Vorkriegsbreisen ent- sbrechen. Der jeweilige Verkaufspreis ergibt sich aus der Multiplikation der Grund- zahlen mit einem Geldentwertiungsschlüssel, der vom Börsenverein der Deutschen Buchhändler und Deutschen Verlegerverein amtlich von Zeit zu Zeit neu festgesetzt wird und bei meiner Firma bza. bei jeder beliebigen Buchhandlung zu erfragen ist. Verlag von Paul Parey in Berlin SW. I1, Hedemannstr. 10 u. I1 Landwirtschaftliche Hefte Herausgeber: Dr. L. Kießling, Professor in München. Jedes Heft Grundzahl 0,8(Doppelhefte G. Z. 1,6). 1. Der Einfluß der klimatischen Lage auf den Landwirtschaftsbetrieb in Deutsch- land. Von Prof. Dr. A. Schnider in München. 2/2a. Kurze Einleitung in die Technik der Getreidezüchtung. Von Dr. L. KieB- ling, Prof. in München. Zweite Auflage. Mit 13 Textabbildungen. 3/3a. Das Unkraut und seine Bekämpfung auf dem Ackerland. Von Dr. C. Fru- wirth, Prof. in Wien. Dritte Auflage. Mit 16 Abb. im Text u. auf 3 Tafeln. 4. Zusammensetzung und Futterwert von Heu und Grummet. Von Prof. Dr. Ah r. 5. Bodenkartierung und geologisch-agronomische Karten. Von Dr. W. Koehne. 6. Die Bedeutung des Schafes für die Land- und Volkswirtschaft. Von Dr. Emil Pott, Professor in München. 7. Wetterkunde und Landwirtschaft. Von Dr. A. SchmauB. Mit 7 Textabb. 8. Anwendung und Wirkung von Eggen und Schlichten. Von Dr. P. Gise- vius, Prof. in Gießen. Zweite Auflage. Mit 50 Textabbildungen. 9. Geräte für Acker- und Wiesenbau. I. Teil. Walze, Krümmer, Kultivator, Federzahngeräte. Von Prof. Dr. P. Gisevius. Zweite Aufl. Mit 65 Textabb. 10. Uber Kartoffeltrocknung u. Kartoffelfütterung. V. Dr. J. Paechtner. 2. Aufl. 11. Die Bedeutung— Licht- und Schattenseiten— der Maschinen im Landwirt- schaftsbetrieb. Von Prof. Dr. Schnider in München. 12/13 Anlage und Pflege von Dauerfutterflächen. Von Dr. H. Lang in Hoch- burg. Zweite Auflage. Von Dr. J. Ra um in Weihenstephan. 14. Neuerungen an den, Pflugwerkzeugen und der neueste Stand des Motor- pfluges. Von Dr. P. Gisevius, Prof. in Gießen. Mit 39 Textabbildungen. 15. Der Feldobstbau. Anlage landw. Obstpflanzungen. Von A. Janson. 2. Aufl. 16/17. Mechanische Sicherheitsvorrichtungen im Landwirtschaftsbetrieb. Von Dr Puchner, Prof. in Weihenstephan Mit 79 Textabbildungen. 18. Feld- und Konservengemüsebau. Von A. Janson, Gartendirektor. 2. Aufl. 19/20. Ackerbauvereine zur Förderung des Acker- und Saatfruchtbaues. Von Prof. Dr. L. Kießling in München. 21. Die mechanische Saatgutzubereitung und ihr Einfluß auf die Ernte. Von Dr. Wacker, Prof. in Hohenheim. Zweite Auflage. Mit 18 Textabbildungen. 22/22a. Der Anbau des Getreides mit neuen Hilfsmitteln und nach neuen Methoden. Von Prof. Dr. Kraus. Zweite Aufl., neubearb. von Prof. Dr. Kie Bli n g. 23. Hagel, Hagelschädenbeurteilung und Versicherung. Von Dr. W. Rohrbeck. 24. Steigerung der Pflanzenerträge unter dem Einflusse der Vegetationsfaktoren. Von Dr. E. A. Mitscherlich, Prof. in Königsberg i. Pr. Zweite Auflage. 25. Die Gerste. Von C. Bleisch, Prof. in Weihenstephan. Mit 6 Textabb. 26/26a. Futtersilos und Stflagefutter. Von Prof, Dr. A. Stutzer, Geh. Reg.-Rat. Zweite Auflage. Mit 13 Textabbildungen. 27. Einjährige Futterpflanzen. Von Prof. Dr. C. Fruwirth in Wien. 28. Die Sicherung der Getreideernte, insbesondere durch die künstliche Trock- nung. Von Dr. J. F. Hoffmann, Prof. in Berlin. Mit 10 Textabbildungen. 29. Landw. wichtige Hülsenfruchter. Von Dr. C. Fruwirth in Wien. I. Heft: Erbse, Wicke, Ackerbohne, Lupine und Linse. 2. Aufl. Mit 9 Textabbildungen. 30/31. Landw. wichtige Hülsenfruchter. Von Dr. C. Eruwirth in Wien. II. Heft: Soja, Fisole usw. Zweite Auflage. Mit 4 Tafeln und 11 Textabb. 32/33. Die Ülfrüchte. Von Prof. Dr. H. Wacker. Dritte Aufl. Mit 20 Textabb. 34. Der praktischo Haferbau. Von Prof. Dr. Zade. 2 Auflage. Mit 10 Textabb. 35. Die Pflanzkartoffel. von Geh. Rat Dr. O. App el. Zweite Aufl. Mit 7 Textabb. 36. Der Anbau von Rauchtabak. Von Ok.-Rat Hoffmann. Mit 2 Textabb. 37/38. Die Feldberegnung. Von Geh. Reg.-Rat Prof. E. K r ü ger. Mit 12 Textabb. 39/40. Anleitung zur Dränage. Von Dr. A. Gr ünert. Mit 38 Textabbildungen. 41/43. Gemüsesamenbau. Von Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. L. Wittm ack. Mit 39 Textabb. 44/45. Erfahrungen im Ackerbau zur Uberwindung der Kriegsschäden für Groß- und Kleinbetrieb. Von E. Bippart in Arnstadt. Mit 4 Textabbildungen. 46. Rindertuberkulose. Von Dr. Alfred Meyer. Mit 9 Textabbildungen. 47. Das Verwerfen(Abortus) und seine Nachkrankheiten) bei den landw. Nutz- tieren. Von Dr. Herbert Haupt in Dresden. Mit 4 Textabbildungen. 48. Die Wintergerste, ihre Kultur und ihre Verwendungsmöglichkeiten. Von Dr. O. Neumann in Berlin. 49/50. Die Maul- und Klauenseuche und ihre Bekämpfung. Von Prof. Dr. Kitt in München. Mit 6 Textabbildungen. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. eutsch. KieB. l. Fru- Tafeln. Ahr. Shne. a Dr. xtabb. Iise- vator, xtabb. Aufl. dwirt- Hoch- lotor- ungen. Aufl. Von Aufl. Prof. Von ugen. oden. Ing. eck. ren. Hage. tabb. Rat. rock- 1 Anleitung zum Kunſtfutterbau Nar mülſtr Ktemuim 4 —- Kurz und bündig gefaßte, auf Erfahrung begründete von Profeſſor Dr. A. Nowacki in Zürich. Fünfte, vermehrte und verbeſſerte Auflage. Berlin Verlagsbuchhandlung Paul Parey Berlag für Landwirtſchaft, Gartenbau und Forſtweſen SW. 11, Hedemannſtraße 10 u. 11 1919. — Vorwort zur fünften Auflage. In jeder Kunſt herrſcht Übung und Verſuch, Und ohne Fehler wird kein Meiſter klug. Auf dem meiner Leitung unterſtellten Verſuchsfelde der techniſchen Hochſchule in Zürich habe ich in den Jahren 1876 bis 1908 eine Reihe von planmäßigen Futterbauverſuchen durch⸗ geführt, deren Reſultate in dem 109. Thaerbibliothekband unter dem Titel dargelegt ſind:„Der praktiſche Kleegrasbau. Kurz und bündig gefaßte, auf Erfahrung begründete Anleitung zum Kunſtfutterbau.“ In der geſchichtlichen Einleitung findet ſich die von Julius Kühn über die Vorteile der Gemengſaaten von Klee und Gräſern im Jahr 1868 veröffentlichte Abhandlung, die ich ihrem weſent⸗ lichen Inhalte nach bereits im Sommer 1867 in den Vor⸗ leſungen kennen gelernt hatte. Um die Zeit der Sommerſonnen⸗ wende des Jahres 1871 trug mich das Schickſal nach der Schweiz, und am 13. Auguſt hielt ich im landwirtſchaftlichen Verein Neu⸗ münſter⸗Wipkingen⸗Zürich meinen erſten Vortrag auf Schweizer⸗ boden— über Kleegrasbau. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß ich den praktiſchen Landwirten damals übermittelte, was ich bei Kühn in Halle gelernt. Nachdem ich mich einigermaßen in der Schweiz orientiert, da ſtellte ich mir die Aufgabe, den Kunſtfutterbau eingehend zu ſtudieren, nicht am grünen Tiſch, ſondern in der freien Natur. Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? So lautete die erſte Frage, die ich zu beantworten ſuchte. Bei meiner praktiſchen Richtung ließ ich mir die Heublumen(ſo nennt man hier die Abfälle aus dem Heuſtock) von der Domäne Strickhof liefern, auf deren Areal mein Verſuchsfeld lag. Den Samen zu zwei Kleegrasmiſchungen bezog ich von zwei ſchweizeriſchen Händlern. IV Vorwort. Hier wie dort im Anſchluß an die gegebenen Verhältniſſe nach damals landesüblicher Uſance. Dagegen bezog ich die Klee⸗ und Grasſamen für eine Miſchung nach meiner Idee von einer deutſchen Firma, deren Chef mir perſönlich bekannt war. Wie ich im ſtillen gehofft, trug meine Kleegrasmiſchung im Wettbewerb den Sieg davon. Die betreffende Parzelle brachte im 10 jährigen Durchſchnitt 10 730 kg Heu und Emd pro Hektar, rund 1000 kg mehr, als jede der beiden andern Klee⸗ grasparzellen, und über 3700 kg mehr, als die Heublumenparzelle. Die Heublumen werden hiernach noch viel zu günſtig be⸗ urteilt, weil die wilde Beraſung die Lücken füllt. Um zu zeigen, was die Heublumen für ſich leiſten, ſäte ich in einen Erdkaſten eine Probe von„guten“ Heublumen und erhielt 5% Kleepflanzen, 25% Graspflanzen und 70% Unkrautpflanzen. Sapienti sat! Reinſaat oder Miſchſaat? Das war die zweite Frage, deren Beantwortung mir oblag. Zu dem Zweck beſäte ich Parzelle I meines Verſuchsfeldes mit Rotklee, Parzelle II mit Luzerne, Parzelle III mit Kleegras, Parzelle IV mit Gräſern. Um ſicher zu gehen, verteilte ich den Samen überall durch Kreuzſaat mit eigener Hand. Das koſtete manchen Schweiß⸗ tropfen, aber der Schweiß hat ſich gelohnt. Der Geſamtertrag an Heu und Emd pro Hektar in Kilo⸗ gramm ſtellte ſich in den beiden erſten Jahren, wie folgt: Jahr I II III IV Klee Luzerne Kleegras Gras 1880 6 242 5 923 9 073 6 646 1881 10 862 11 099 12 012 4 620 Durchſchnitt: 8552 S311 10 522/ 5 633 Reſultat: Die Miſchſaat hat vor der Reinſaat den Vorzug. Für dieſen Satz brachte der Verſuch noch einen andern, unerwarteten Beweis. Die Reinſaat unter I und II verwandelte ſich im zweiten Jahre durch wildwachſendes Gras, und die Reinſaat unter IV verwandelte ſich im dritten Jahre durch wild⸗ wachſenden Klee in Miſchſaat. Daraus erhellt: Man mag ſäen, was man will, die Natur erzeugt Kleegras.— Durch eine möglichſt genaue Aufnahme der Beſtände auf Natur⸗ und Kunſtwieſen, die ich Jahr für Jahr mit den Stu⸗ Vorwort. V dierenden übte, ergaben ſich die Pflanzen, die für den Kunſt⸗ futterbau von Bedeutung, ergaben ſich auch die Grundſätze, nach denen die Kleegrasmiſchungen für 1—2 jährige, für 4— 6 jährige und für dauernde Nutzung zuſammenzuſetzen ſind.— Ein Hauptpunkt bei der Pflege der Natur⸗ und Kunſtwieſen iſt die düngung. Dabei drängt ſich die Frage in den Vorder⸗ grund: Sollen wir die Wieſen mit Stickſtoff düngen, oder ſollen wir die Düngung auf die Zufuhr von Kali und Phosphorſäure beſchränken? Bei dem erſten Verſuch, den ich im Frühling 1890 auf einer Fläche einleitete, die ein Mittelding darſtellte zwiſchen einer Natur⸗ und einer Kunſtwieſe, denn das Gras war im Jahr 1888 geſät worden, der Klee war wild gewachſen,— bei dieſem Verſuch ergab die mit Phosphorſäure, Kali und Stickſtoff ge⸗ düngte Parzelle in den erſten 5 Jahren an Heu und Emd pro Hektar einen Mehrertrag von rund 1800 kg, während der Mehr⸗ ertrag in den letzten 5 Jahren noch nicht 300 kg erreichte. Dies Reſultat bedurfte der näheren Prüfung durch einen neuen Verſuch. Zu dem Ende wurde im Jahre 1900 eine aus⸗ gedehnte Fläche mit einer Grasmiſchung ohne Klee angebaut und im Jahre 1901 in 4 Parzellen zerlegt, von denen je 2 als Düngung Phosphorſäure, Kali und Stickſtoff, je 2 nur Phosphorſäure und Kali erhielten. Die Stickſtoffparzellen lieferten in den erſten beiden Jahren 1901 und 1902 einen Mehrertrag an Heu und Emd von rund 3500 und 3200 kg pro Hektar, im Jahre 1903 ſank der Mehr⸗ ertrag auf rund 1200 kg, und im Jahre 1906 verwandelte ſich das Plus in ein Minus von rund 400 kg. Im Jahre 1907 ließ ich den Stickſtoff weg. Es ergab ſich ein Minderertrag van rund 1400 kg. Im Jahre 1908 führte ich wieder Stickſtoff zu. Es ergab ſich im Durchſchnitt anf den 4 Vergleichsparzellen ein gleich hoher Ertrag. Da lag es auf der Hand, daß bei konſequentem Aus⸗ ſchluß der Stickſtoffzufuhr die ſtickſtoffbedürftigen Gräſer durch die Bodenbakterien mit Stickſtoff verſorgt werden, und dieſe Vermutung wurde durch die bak⸗ teriologiſche Unterſuchung beſtätigt. So gelangte ich von den Wurzelbakterien, mit deren Beihilfe die kleceartigen Gewächſe den freien Stickſtoff ver⸗ werten, zu den Bodenbakterien, die frei in der Muttererde 1 Vorwort. lebend, teils bei Luftabſchluß, teils bei Luftzutritt ihre ſtickſtoff⸗ bindende Tätigkeit entfalten, um bei ihrer Verweſung die Gräſer mit Stickſtoffſalzen zu verſorgen. Wie die Wieſen nun bei der Düngung zu behandeln ſind, darüber unterrichten die in meinem Büchlein enthaltenen Schluß⸗ folgerungen. Verſuche machen iſt eine Kunſt, ſie richtig deuten eine Wiſſenſchaft, und ohne Kunſt und Wiſſen⸗ ſchaft keine rationelle Praxis. Nach alledem hoffe ich. daß„Der praktiſche Kleegras⸗ bau“ auch fernerhin ſeinen Zweck erfüllen wird, dem großen wie dem kleinen Landwirt als Wegweiſer und Ratgeber zu dienen. Möchte die fünfte Auflage von den Männern der Wiſſenſchaft und der Praxis ebenſo freundlich aufgenommen werden, wie die dritte und vierte, möchte ſie ein Scherflein bei⸗ tragen zur Förderung der Landwirtſchaft, der ich mit Leib und Seele ergeben bin. Zürich, Villa Willkommen im Frühling 1919. Anton Nowaerki. Inhalt. Heublumenſaat oder Kleegrasſaat?. Geſchichtliche Einleitung.. Bericht über die Futterbau⸗ Verſuche aus den Jahren 1876— 1885 Reinfaat oder Miſchſaat? Bericht über die Futterbau⸗ Verſuche aus den Jahren 1880— 1889 Welche K'eegrasmiſchung iſt die bene? I. Die Futterpflanzen A. Die Kleearten. 3 . Der Rotklee oder Ackerklee. Der Wieſen⸗ oder Mattenklee. Der Baſtardklee. 1 Der Weißklee Die Luzerne. Die Sandluzerne. Der Gelbklee oder die digſentzerne . Die Eſparſette.. Die Zaunwicke. . Der gemeine Schotenklee . Der Sumpfſchotenklee. Gräſer. . Das italieniſche Ralgras 2. Das engliſche Raigras . Der Vieſenſchwingel. . Das Knaulgras . Das Rohrglanzgras Das Wieſenriſpengras . Das wollige Honiggras. .Das franzöſiſche Raigsas 9. Der Goldhafer. Der Wieſ ſenſuchsſchwanz. 11. Das Timothegras. Anhang. Würzpflanzen II. Die Miſchungen.. A. Kleegrasmiſchungen für ein⸗ bis zweijährige Nutzung. B. Kleegrasmiſchungen für vier⸗ bis ſechsjährige Nutzung C. Kleegrasmiſchungen für dauernde Nutzung. Anhang. Tabelle der Vollſaat, Berechnung der Teilſaat 1 2. 3. 4 5. 6. 7. 8 9. VIII Inhalt. Die vrakteſche Ansfüßrung und Behandlung der Kler grasſaat.. A. Die prattiſche Ausführung der gleegtasſaat- 1. Zubereitung des Saelbenez. 2. Düngung. 3. Saatzeit 4. Uberfrucht..— 5. Verteilung und Unierbringung des Samens. B. Die Behandlung und Pflege der Kleegraziagt. Steine. Wurzelſtrünke. Maulwurſshauſen. Unkraut. Nutzung der Überfrucht. Nutzung des Futters... Walzen, Weiden, Eggen der Kunſtwieſen..... C. Die Düngung der Natur⸗ und Runſtwieſen.. Theorie der Düngung(?7). Bericht über die Düngungsverſuche aus den Jabren 1890— 1899.. Bericht über die Dungungävetſuche aus den Jahren 1901 1908.. Die 10 Schlußzäße........... Die natürlichen Düngemittei.... 1. Kompoſt. 2. Aſche 3. Gülle.. 4. Stockmiſt und Stallmiſt. Die künſtlichen Düngemittel 1. Stickſtoffdünger.. 2. Phosphorſäure⸗Dünger a) Superphosphat b) Thomasmehl c) Knochenmehl.. d) Flüſſige Phosphorſäure. 3. Kalidünger. Kehrordnung verſchiedener Düngeiarien.. Rückbtick und Schluß. Heublumenſaat oder Kleegrasſaatd In ſeinen„Grundſätzen der rationellen Landwirtſchaft“ behandelt Thaer auch den Wieſenbau. Der betreffende Band erſchien im Jahre 1810. Schlagen wir§ 323 auf, ſo finden wir über die Beſamung der Wieſen folgende Auseinanderſetzung. Wenn man bei künſtlichen Grasbeſamungen das gerechte Verhältnis der Wieſenpflanzen untereinander und zum Boden träfe, ſo würde man dadurch ohne Zweifel früher eine neue er⸗ wünſchte Wieſennarbe bilden, als wenn man dies der Natur überläßt. Aber dies Verhältnis iſt a priori ſchwer auszufinden. Es kommt dabei vornehmlich an auf das gerechte Verhältnis des hohen Graſes zum Untergraſe, des frühen, welches den erſten Schnitt gibt, zum ſpäteren, welches hauptſächlich den zweiten ausmacht. Einige, die jenes Verhältnis ziemlich richtig getroffen haben, bildeten gute Wieſen; andere, die es nicht trafen, erhielten ſchlechte, die ſie bald wieder umbrechen mußten. Bei den beſten, die ich kenne, war der Same an Ort und Stelle und von Wieſen gleicher Natur aufgenommen; wogegen die Operation mehrenteils bei denen verunglückte, die ihre Samen⸗ auswahl nach der an ſich richtigen Beſchreibung einzelner Gräſer machten, und den Samen aus den Niederlagen der Samen⸗ händler erhielten. Dieſe trafen nämlich minder das richtige Verhältnis der Gräſer untereinander und zum Boden. Bis jetzt ſcheint mir alſo das zweckmäßigſte Verfahren, um ſich guten Wieſenſamen zu verſchaffen, folgendes zu ſein: Man wähle einen Wieſenfleck aus, welcher mit der zu be⸗ ſamenden Wieſe eine gleiche Grundbeſchaffenheit, beſonders in Anſehung des Humusgehalts und der Feuchtigkeit hat, und worauf vorzüglich gutes Gras ſteht, mit deſſen Ergiebigkeit und Nowacki, Kleegrasbau. 5. Auflage. 1 — 2 Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? Gedeihlichkeit man nämlich in Rückſicht auf die Natur des Wieſenbodens völlig zufrieden iſt. Man ſuche dieſen Fleck von etwaigem Unkraute zu reinigen, und beſtimme ihn dann zur Samenſchule, verſäume auch nicht, ſeine Kräfte durch einige Düngung zu erhalten. Man laſſe das Gras heranwachſen, bis die früheren Gräſer ihren Samen zu reifen anfangen, mähe ihn dann, und mache das Gras, ohne es viel zu verarbeiten, zu Heu. Einen andern Teil laſſe man ſtehen, bis auch die ſpäteren Gräſer ihren Samen reifen, und behandle dieſen ebenſo. Dann menge man beide Teile untereinander, und ſchlage das Heu auf der Dreſchtenne ab und beſäe dann mit der Spreu die neue Wieſe. Dieſe Methode ſcheint mir nicht nur die ſicherſte, ſondern auch die mindeſt koſtſpielige zu ſein, um zu guten Wieſenſamen zu gelangen, da das abgedroſchene Heu ſeiner höheren Reife wegen zwar nicht ſo gut wie das jüngere, aber doch immer brauchbar bleibt. Wenn der Wieſenboden roten Klee trägt, ſo wird es mehrenteils ratſam ſein, Samen von dieſem darunter zu mengen, weil er im nächſten Jahre, wo ſich die Gräſer ſelten beſtaudet haben, Ertrag gibt, und man muß es ſich dann nur zur Regel machen, den die übrigen Wieſenpflanzen anfangs überwachſenden Klee beim erſten Umbruch der Blüte zu mähen, und ihn nicht zu hoch werden zu laſſen. Dann wird er die übrigen Wieſen⸗ pflanzen zwar anfangs zurückhalten, aber nicht ſo unterdrücken, daß ſie nicht nach ſeinem Verſchwinden hervorkommen und ſeinen Platz einnehmen ſollten. Dieſes auch von Burger und v. Schwerz empfohlene Verfahren hat nur eine entfernte Ähnlichkeit mit der in der Schweiz üblichen Heublumenſaat; denn es beſteht der Unter⸗ ſchied, daß die ſchweizeriſchen Landwirte den Abfall des in der Blüte geernteten Heus und Emds mit allem Unkrautgeſäme, das darin iſt, auf der Heubühne ſammeln und zur Saat ver⸗ wenden, während Thaer das Samenſtück als Samenſchule be⸗ trachtet und demgemäß ſorgfältig auswählen, von Unkraut reinigen und im reifen Zuſtand abernten läßt, um den Samen durch Abdreſchen zu gewinnen wie die goldene Frucht der Demeter. Näher kommt die ſchweizeriſche Heublumenſaat den Vor⸗ ſchriften des altrömiſchen Schriftſtellees Columella, der ſich —— ——— 7ö58————— 5 Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? 3 im zweiten Buch ſeines Werkes De re rustica über die Neu⸗ anlage der Wieſen ſo äußert: Nach wiederholtem Pflügen werden Waſſerrüben, Kohl⸗ rüben oder Bohnen gebaut, im folgenden Jahre Getreide. Im dritten Jahre wird wieder ſorgfältig gepflügt und dann werden Wicken, gemiſcht mit den Samen des Heus, geſät. Die Wicken werden nicht eher abgemäht, als bis ſie einige reife Samen für das folgende Jahr ausgeſtreut haben. Wie man ſieht, berühren ſich Thaer und Columella darin, daß beide zur Ergänzung des Heuſamens einen klee⸗ artigen Samen empfehlen; im übrigen ſteht Thaer auf einem weit höheren Standpunkt, als Columella. Die 1800 Jahre, die zwiſchen beiden liegen, ſind nicht ſpurlos vorübergegangen. Noch mehr hat ſich der Kunſtfutterbau im 19. Jahr⸗ hundert entwickelt durch Einführung der Kleegrasſaat, deren wiſſenſchaftliche Begründung meinem Lehrer Julius Kühn vor⸗ behalten blieb. Der wirtſchaftliche Wert des Anbaues von Klee und Gräſern im Gemenge, ſo ſchrieb Kühn ¹) im Jahr 1867, iſt in manchen Gegenden noch wenig beachtet, ſo oft auch ſchon auf denſelben aufmerkſam gemacht wurde. Ein erneuter Hinweis auf die Vorteile und zweckmäßige Ausführung ſolcher Gemeng⸗ ſaaten dürfte deshalb vielleicht nicht ohne Nutzen ſein. Vorweg will ich die Nachteile erörtern, welche man hier und da den Gemengſaaten von Klee und Gräſern zur Laſt legt. Man wirft ihnen vor, daß ſie den Acker leicht unrein machen und daß bei einfähriger Beſtellung der folgenden Winte⸗ rung eine ſaubere Ackerarbeit nicht möglich ſei. Dichtſtehendes Kleegrasgemenge begünſtigt jedoch nach meinen Erfahrungen das Aufkommen der Quecken ebenſowenig wie gut ſtehender reiner Klee. Bei rationeller Behandlung des Ackers und genügendem Saatquantum iſt eine Verunreinigung desſelben durch Wurzel⸗ unkräuter nicht zu fürchten. Dagegen verunreinigt das Timothegras den Acker leicht dadurch, daß es nach dem erſten Umbruch zum Teil wieder ausſchlägt. Sät man Wintergetreide in ſolchem Falle einfährig, ſo entwickelt ſich namentlich auf friſchen Böden zahlreich das ¹) Über Kleegrasgemenge, Neue landwirtſchaftliche Zeitung von J. J. Fühling 1868, S. 1. 1* 4 Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? Timothegras zwiſchen dem Weizen und Roggen. Werden da⸗ gegen mehrere Furchen zur Winterung gegeben, ſo findet die Zerſtörung des Timothegraſes vollſtändig ſtatt. Man vermeide deshalb zweckmäßig den Anbau dieſes Graſes dort, wo einjährige Nutzung des Kleegraſes und darauf folgende einfährige Beſtellung des Wintergetreides in Ausſicht genommen werden. Dagegen iſt es mit großem Vorteil und ohne allen Nachteil zu verwenden, wo nach mehrjähriger Nutzung eine mehrfurchige Beſtellung zu Wintergetreide gegeben wird. Die Vorſicht gebietet noch, bei der Auswahl der anzu⸗ bauenden Grasarten ſolche auszuſchließen, die queckenartige Wurzeln haben, wie das bei dem weichen Honiggraſe(Holcus mollis) der Fall iſt. Was die unſaubere Beſchaffenheit des Saatackers bei ein⸗ fähriger Beſtellung des Wintergetreides nach Kleegras anlangt, ſo werden hier allerdings bei einfachem Umpflügen die ſtarken Grasſtöcke, namentlich die des italieniſchen Raigraſes leicht läſtig. Wendet man aber, wie es bei einfähriger Beſtellung nach Klee⸗ gras und auch nach reinem Klee immer geſchehen ſollte, das Schälſech und bei bündigerem Boden das Doppelpflügen an, ſo zeigt ſich keinerlei Nachteil, das Saatbett wird ein durchaus ſauberes. Die Vorteile, welche die Gemengſaaten von Klee und Gräſern gewähren, ſind nun hauptſächlich folgende. Zunächſt iſt auf die Verſchiedenheit der Bewurzelung von Klee und Gräſern hinzuweiſen. Während der Klee vermöge ſeiner Pfahlwurzel tief in den Untergrund eindringt, bleiben die Wurzeln der Gräſer mehr in der Ackerkrume. Wenn die letzteren auch zum Teil tiefer in den Boden zu dringen vermögen, als man oft annimmt, ſo breiten ſie ſich doch vorzugsweiſe in der Oberkrume aus. Es ergibt ſich aus dieſem Verhältnis der Vorteil, daß bei einem gemeinſchaftlichen Anbau der Boden voll⸗ kommener, ſowohl in der Oberkrume wie im Untergrund aus⸗ genutzt wird, als von einer Pflanze allein. Ein weiterer Vorteil ergibt ſich aus der Verſchiedenheit der Anſprüche an die Nährbeſtandteile des Bodens. Nach den dankenswerten Ermittelungen Emil Wolffs beträgt beiſpielsweiſe der mittlere Gehalt der Aſche bei dem —————,-———y,4 ———— Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? 5 Rotklee und Raigras an Kali...... 34,5% 24,9% „ Natron. 6„ 4,2„ „ Magneſia. 12,2 2,1„ „ Kalt...... 34,0„ 2,5„ „ Phosphorſäure. 9,9„ 7,9„ „ Schwefelſäure.. 3,0„ 3,8„ „Kieſelſäure. 2,7 39,6„ Chlor. 3,7„ 5,4„ Die Aſche des Klees iſt alſo ĩ½ mal reicher an Kali, als die Aſche des Raigraſes, 6 mal reicher an Magneſia, 4 ½ mal reicher an Kalk; dagegen hat die Aſche des Raigraſes einen 14 ½ mal reicheren Gehalt an Kieſelſäure und einen 2%½ mal größeren Gehalt an Natron, jedoch iſt der Gehalt an Phosphor⸗ ſäure bei Klee und Gras nicht erheblich verſchieden. Bei alſo nahezu gleichem Bedarf an dem in der Regel im Minimum vorhandenen Nährbeſtandteil werden ſomit die übrigen im Boden vorhandenen Nährſtoffe durch Kleegrasgemenge gleichmäßiger ausgenutzt, als durch eine Pflanzenart allein. Ferner bietet Gemengſaat den Vorteil, daß man ſie häufiger wiederkehren laſſen kann als Klee allein, weil dieſer, wenn er ausſchließlich den Beſtand des Feldes bildet, den Untergrund ungleich mehr erſchöpft, als im Gemenge bei einem gleich hohen Ernteertrag des Feldes. Sodann iſt der Rotklee im Grasgemenge noch mit Erfolg auf ſolchen Böden zu kultivieren, die für reinen Klee ſchon etwas zu leicht ſind. Hier gibt Kleegrasgemenge einen reicheren und ſicherern Ertrag und einen beſſeren Nachwuchs zum zweiten Schnitt, oder doch ſtatt deſſen eine vorzügliche Weide. Ein weiterer Vorteil iſt die beſſere Beſchaffenheit des Futters. Der Klee iſt ſelbſt noch zur Zeit der Blüte ſehr reich an ſtickſtoffhaltigen Beſtandteilen, an plaſtiſchen Nährmitteln; aber das Verhältnis der ſtickſtoffhaltigen zu den ſtickſtofffreien Nährſtoffen iſt nicht günſtig für die Ausnutzung der erſteren. Das Verhältnis der ſtickſtoffhaltigen Beſtandteile zu den ſtick⸗ ſtofffreien iſt im Klee zur Zeit der vollen Blüte wie 1: 2 ⅓; dies iſt aber ein viel zu enges Nährſtoffverhältnis für die ge⸗ wöhnliche Verwendungsweiſe des Rotklees. Milchkühe erfordern beiſpielsweiſe ein Nährſtoffverhältnis wie 1:5, ſie empfangen alſo bei reiner Kleefütterung einen Überſchuß an Proteinſtoffen und dieſer gelangt nicht zur Ausnutzung, das Futter wird un⸗ Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? vollkommen verwertet. Dagegen enthält das italieniſche Rai⸗ gras die ſtickſtoffhaltigen zu den ſtickſtofffreien Nährmitteln in dem Verhältnis wie 1: 6, Timothegras wie 1: 5. Baut man Rotklee mit dieſen Gräſern im Gemenge an, ſo wird durch den größeren Reichtum der letzteren an ſtickſtofffreien Nährmitteln das Verhältnis der Nährſtoffe im Jutter ein rationelleres, es wird eine höhere Ausnutzung desſelben erzielt. Gemengſaaten geben ſodann auch eine durchſchnittlich beſſere Qualität bei der Heuwerbung, weil Kleegras leichter trocknet, als reiner Rotklee. Bei der Grünfütterung vermindert die Grasbeimengung die Gefahr des Aufblähens. Ein weiterer Vorteil iſt, daß bei Gemengſaaten die Nach⸗ teile des Befallens weniger hervortreten. Die pflanzlichen Para⸗ ſiten der Gräſer entwickeln ſich nicht auf dem Klee, und die dieſem gefährlichen Schmarotzer laſſen die Gräſer unberührt. Durch den Stand der Pflanzen im Gemenge wird das Befallen nicht verhütet, aber es tritt hier in der Regel weniger intenſiv auf. Dieſer Umſtand erſcheint bedeutſam genug, wenn man er⸗ wägt, einen wie nachteiligen Einfluß ſtark befallenes Futter auf die Geſundheit der Tiere und die Nutzung derſelben ausübt. Auch in bezug auf tieriſche Feinde ſind die Gemengſaaten begünſtigt. Die Chloropslarven, die Raupen der Graseulen werden nur den Gräſern, nicht dem Klee ſchädlich. Dezimieren die Mäuſe den Klee, ſo breiten ſich die Gräſer aus, und die Larven des Kleebohrkäfers(Hylesinus trifolii) und die dem Klee gefährlichen Anguillulen ſind unſchädlich für die Gräſer. Das Gemenge bietet alſo auch den tieriſchen Feinden gegenüber eine größere Sicherheit. Ein weſentlicher Vorteil iſt ſodann noch der, daß der Einfluß des in den einzelnen Jahrgängen ſo ungleichen Witte⸗ rungsverlaufes ſich bei dem Kleegraſe weniger geltend macht, als bei der Reinſaat von Rotklee. Der Ertrag des erſteren iſt deshalb ein verhältnismäßig gleichmäßigerer. Erfriert der Klee, ſo bleibt der volle Grasbeſtand noch zur Nutzung. Wird der Klee durch kalte Frühjahrswitterung zurückgehalten, ſo gedeiht doch das Gras; begünſtigt die Frühjahrswitterung den Klee, ſo entwickelt ſich dieſer oft ſo reich, daß die Gräſer ſehr zurück⸗ gehalten werden— um ſo kräftiger wachſen ſie dann im zweiten Schnitt nach. Es findet bei dem Kleegrasgemenge ein ähnliches Verhältnis ſtatt wie bei den Wieſen, wo auch die mannig⸗ Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? 7 faltigſten Pflanzen gedrängt beiſammen ſtehen und wo je nach den Witterungsverhältniſſen bald die eine, bald die andere Pflanzenart im Heu⸗ und Grummetſchnitt vorwiegt. Bald prävalieren Klee und andere Blattpflanzen, bald die Gräſer. Hier wie dort iſt die Folge dieſes Verhältniſſes ein günſtigerer und relativ gleichmäßigerer Ertrag, als es bei dem Beſtande des Feldes mit nur einer Pflanzenart der Fall ſein kann. Dieſe Vorteile der Gemengſaaten ſind jedoch nur erreichbar durch dichte Saat. Man ſäe nicht weniger als 16—20 Pfund pro Morgen, noch beſſer iſt es, 22— 25 Pfund zu ſäen. Eine ſo dichte Saat von einer einzelnen Pflanzenart würde der Ent⸗ wicklung derſelben ſehr nachteilig ſein; verſchiedene Pflanzenarten können dagegen ohne Nachteil ſehr dicht ſtehen. Dies beweiſt der Pflanzenbeſtand guter Wieſen. Ich zählte die Pflanzen von einem Quadratfuß einer dem landwirtſchaftlichen Inſtitut zu Halle gehörigen Wieſe, die ſehr ertragreich iſt und deren Unter⸗ grund von 3 Fuß mächtigem Diluvialmergel gebildet wird, welcher auf Porphyrton lagert. Es ergaben ſich 1139 Gras⸗ pflanzen und 145 Blattpflanzen, in Summa 1284 Pflanzen auf einem Quadratfuß Wieſennarbe. Dies Ergebnis iſt in Übereinſtimmung mit anderweitigen Unterſuchungen. Je vor⸗ züglicher eine Wieſe, um ſo dichter ihre Narbe, um ſo mehr Pflanzen werden auf gleicher Fläche gezählt. Es iſt daher kein Nachteil von dichter Saat bei dem Kleegrasgemenge zu fürchten, man mache es ſich vielmehr zur Regel, das Saatquantum ſo zu bemeſſen, als ob Gräſer für ſich allein und Klee für ſich allein das Feld einnehmen ſollten. In bezug auf die zum Anbau zu wählenden Pflanzen⸗ arten iſt zunächſt im allgemeinen zu ſagen, daß die erwähnten Vorteile der Gemengſaaten allerdings um ſo ſicherer erreicht werden, je mannigfachere Arten man miteinander anbaut. Es findet aber die Auswahl ihre Grenze dadurch, daß die Be⸗ ſchaffung ſehr zahlreicher Sorten wegen des zum Teil wenig reichen Samenertrages mancher Arten leicht zu teuer zu ſtehen kommt. Will man den Samenbedarf in jedem Jahre von den Samenhändlern kaufen, ſo erfordert dies eine immer wieder⸗ kehrende erhebliche Auslage— die Folge davon iſt, daß man bald mit der Verwendung angemeſſener Saatmengen nachläßt und zu dünn ſät. Baut man den Samen ſelbſt und wählt man eine große Zahl von Arten, ſo erfordert dies für den Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? Leiter einer bedeutenderen Wirtſchaft zu viel Aufmerkamkeit. Die einzelnen Arten reifen ungleichzeitig, ihre Samen fallen bei der Reife zum Teil leicht ab; es iſt ſo viel Sorgfalt bei ihrer Gewinnung nötig, daß ſich die Sache bei einem umfänglicheren Wirtſchaftsbetriebe von ſelbſt verbietet. Man wähle deshalb nur die ertragreichſten Sorten und zugleich ſolche, welche durch reich⸗ lichen Samenertrag und leichtere Gewinnung ſich empfehlen. Dieſe wenigen Arten baue man aber, wo es die Wirtſchafts⸗ verhältniſſe nur irgend geſtatten, in erforderlicher Ausdehnung ſelbſt an. Man wird dadurch das Land ebenſo hoch nutzen, wie durch irgend eine andere Frucht, wenn man den Ertrag nach dem Marktpreiſe veranſchlagt. Der Vorteil eigenen Samen⸗ baues iſt nur der, daß man weniger leicht in falſche Sparſamkeit verfällt, daß man den in reichlicher Menge ſelbſt gewonnenen Samen eher in angemeſſenem Verhältnis wieder verwendet, als wenn man eine erhebliche bare Auslage für den Grasſamen machen muß. Es laſſen ſich nun in der Tat auch die angeführten Vor⸗ teile der Gemengſaaten mit verhältnismäßig wenigen Klee⸗ und Grasarten erreichen. Von den erſteren bildet überall dort, wo auf beſſeren Böden Grünfutter und Heu gewonnen werden ſollen, Rotklee den Hauptbeſtand. In dem Maße wie der Boden naß und zum Aufziehen geneigt wird, tritt zweckmäßig mehr und mehr der Baſtardklee an Stelle des Rotklees; und andererſeits. je leichter der Boden und je mehr der Rotklee in ſeinem Ge⸗ deihen unſicher wird, um ſo mehr tritt der Weißklee an Stelle des Rotklees. Auch gelber Klee(Medicago lupulina) wird vorteilhaft mit in das Kleegrasgemenge aufgenommen, nur nicht dort, wo Grünfutter für Milchvieh oder Weide für ſäugende Mütter gewonnen werden ſoll. Der gelbe Klee wirkt als Grün⸗ futter nicht günſtig auf die Milchſekretion, gibt ſonſt aber und namentlich als Heu ein vortreffliches Futter.— Zu dieſen Kleearten miſcht man nun die Gräſer in angemeſſenem Ver⸗ hältnis. Nur wenn man es mit einem Mergelboden oder kalk⸗ reichen Untergrunde zu tun hat, wo Luzerne und Eſparſette vorzüglich gedeihen, und es ſich um Herſtellung vieljähriger Futterfelder handelt, da laſſe man jede Grasbeimengung weg. Hier ſind die beiden genannten Futterpflanzen ſo einträglich und ihrer Entwicklung iſt die Zwiſchenſaat von Gräſern ſo wenig günſtig, daß dieſe hier wegfallen muß. Für eine 3—4 jährige Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? 9 Nutzung ſät man in ſolchem Falle zweckmäßig ein Gemenge von Luzerne, Eſparſette und Rotklee. In allen anderen Fällen iſt Beiſaat von Gras zu empfehlen. Für einjährige Nutzung iſt keine Miſchſaat ſo geeignet, wie italieniſches Raigras im Gemenge mit Rotklee. Dasſelbe wird gern gefreſſen und wächſt ſchnell nach. Timothegras iſt für einjähriges Kleegras nicht zu empfehlen. Dagegen iſt das⸗ ſelbe am Platze, wo 2 jähriger Anbau ſtattfinden ſoll; der oben⸗ gedachte Nachteil für die darauf folgende Winterung durch das leichte Ausſchlagen der Timothegrasſtöcke tritt bei 2 jährigem Anbau nicht ein, weil dann mehrfährig beſtellt wird.— Eng⸗ liſches Raigras iſt ſehr zu empfehlen, wo es ſich um Anlage von Schafweide handelt.— Das wollige Honiggras(Holcus lanatus) verwende man nur auf torfigem, moorigem Boden. Es gedeiht hier gut, gibt aber nur ein Futter zweiter Qualität. — Franzöſiſches Raigras und Knaulgras ſind zum Gemenge mit Rotklee nicht vorteilhaft zu verwenden, weil ſie leicht zu hart werden; ſie eignen ſich dagegen vortrefflich für Graſegärten, die ein zeitiges Grünfutter gewähren ſollen. In betreff der Menge des Samens laſſen ſich allgemeine Vorſchriften nicht geben; ſoweit möglich, muß daran feſtgehalten werden, ſo viel Klee auszuſäen, daß derſelbe das Feld allein einnehmen könnte, und ſo viel Grasſamen, daß, wenn ſämtlicher Klee ausgeht, doch das Feld be— deckt iſt. So würde beiſpielsweiſe für einjährige Nutzung 8 Pfund Rotklee und 16 Pfund italieniſches Raigras pro Morgen zu verwenden ſein. Dem oben ausgeſprochenen Grundſatze ge⸗ mäß ſind als äquivalent mit 8 Pfund Rotklee anzuſehen: die gleiche Gewichtsmenge von gelbem Klee, 5 Pfund vom Weiß⸗ klee oder vom Baſtardklee. Den 16 Pfund Raigras ſind etwa 5 Pfund Timothegras äquivalent. Dieſe Zahlen bieten hinreichende Anhalte für die den be⸗ ſonderen Zwecken und Verhältniſſen näher entſprechenden Feſt⸗ ſtellungen. Je mannigfaltiger die Miſchung, um ſo ſtärker kann man ſäen, und je länger die Benutzung des Kleegrasgemenges beabſichtigt wird, um ſo nötiger iſt eine ſtärkere Saat. So würde ſich für zweijährige Nutzung zu Grünfütterung und Heu⸗ gewinnung auf einem für Rotklee gut geeigneten Boden folgende Miſchung empfehlen: 8 Pfund Rotklee, 1— 2 Pfund gelber Klee, 2 Pfund Weißklee, 10—12 Pfund italieniſches Raigras, 3 bis 10 Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? 4 Pfund Timothegras. Ferner zu 2 jähriger Schafweide: 5 Pfund Weißklee, 2 Pfund gelber Klee, 10— 12 Pfund engliſches Raigras, 3— 4 Pfund Timothegras. Es iſt vorteilhaft, ſolchen Miſchungen zu mehrjähriger Nutzung auch 1 Pfund Kümmel pro Morgen bei⸗ zufügen.— Für das oben erwähnte Eſparſette⸗ und Luzerne⸗ gemenge iſt folgendes Mengenverhältnis ein angemeſſenes: 5 Pfund Rotklee, 8 Pfund Luzerne, 1 Scheffel Eſparſette in Hülſen. Nicht bloß aus Dankbarkeit gegen meinen Lehrer, ſondern auch aus Liebe zur Sache habe ich dieſe Abhandlung aufge⸗ nommen, denn mit ihr gab Kühn den Anſtoß zur Entwicklung des Futterbaus und zur Förderung der geſamten Landwirtſchaft im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. Im März 1871 erhielt ich den Ruf nach Zürich. Am 1. Juli trat ich ein und am 13. Auguſt hielt ich meinen erſten Vortrag vor ſchweizeriſchen Landwirten über Kleegrasbau. Es liegt auf der flachen Hand, daß ich damals mitteilte, was ich bei Kühn in Halle gelernt. Im„Zürcher Bauer“, 1871, S. 169— 171 iſt mein Vortrag wiedergegeben mit Hinzufügung von 7 Miſchungsbeiſpielen für ein⸗ und für mehrjährige Nutzung. Nachdem ich mich einige Jahre in der Schweiz umgeſehen, erſchien es mir als eine dankbare Aufgabe, den Natur⸗ und den Kunſtfutterbau einläßlich und planmäßig zu ſtudieren. Die Er⸗ gebniſſe meiner Arbeit finden ſich in dem angeſchloſſenen Büchlein. Ich bitte den geneigten Leſer, den Weg zu verfolgen, den ich gegangen bin, und eingedenk zu ſein der Worte Columellas: In jeder Kunſt herrſcht Übung und Verſuch, Und ohne Fehler wird kein Meiſter klug. 85* * Die Fortſchritte in der Landwirtſchaft beruhen auf der Erfahrung. Landwirtſchaftliche Erfahrungen macht man nicht am grünen Tiſch oder in der Stube hinterm warmen Ofen, ſondern man macht ſie auf dem Felde, im Garten, in den Reben, auf der Wieſe, bei den Tieren im Stall und auf der Alp. Landwirtſchaftliche Erfahrungen ſammelt aber nicht allein der Mann der Praxis, ſondern auch der Mann der Wiſſenſchaft, indem er das Leben der Kulturpflanzen und Haus⸗ tiere erforſcht, ſei dies nun in der freien Natur oder in der ſtillen Werkſtatt. Wer eine Erfahrung machen will, muß genau beobachten und ſcharf beurteilen. Das iſt nicht jedermanns Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? 11 Sache. Deshalb ſind viele ſogenannte Erfahrungen nichts als Täuſchungen und Irrtümer, d. h. ſie ſind eigentlich gar keine Erfahrungen, denn eine Erfahrung muß richtig und wahr ſein. Die ſicherſten Erfahrungen erhält man durch den Ver⸗ ſuch, der mit Maß und Gewicht überwacht wird. Das gilt für Verſuche im allgemeinen, es gilt im beſondern auch für die Verſuche im Feld und auf der Wieſe. Schon im Frühjahr 1876 habe ich auf dem landwirt⸗ ſchaftlichen Verſuchsfeld der techniſchen Hochſchule in Zürich eine Reihe von Futterbauverſuchen eingeleitet und bis zum Jahre 1885, alſo zehn Jahre lang, planmäßig durchgeführt, um die Frage zu beantworten: Welchen Erfolg hat die Heublumen⸗ ſaat im Vergleich zu einer mehr oder weniger rationell zuſammengeſetzten Kleegrasſaat? Das Verſuchsfeld liegt auf dem Areal der Staatsdomäne Strickhof, in einer Höhe von rund 500 m über dem Meer, aber es wechſelt, was ſehr zweckmäßig und durch Bundesgeſetz geregelt iſt, von Zeit zu Zeit ſeinen Platz. Die Fläche, die den Verſuchen diente, war bei einer Ge⸗ ſamtgröße von annähernd ⅛ ha ungefähr dreimal ſo lang als breit; das Land hatte im Vorjahre auf der einen Längshälfte Hafer, auf der anderen Längshälfte Hackfrucht getragen. Um die dadurch herbeigeführten Ungleichmäßigkeiten des Bodens möglichſt zu beſeitigen, wurden die vier erforderlichen Verſnchs⸗ parzellen über die ganze Breite, rechtwinklig zur Grenze abge⸗ ſteckt. Zwiſchen und neben den Parzellen blieben Wege von 1 m Breite. Die unten und oben abfallenden Stücke dienten als Schutzſtreifen gegen den Feldweg und gegen die Landſtraße. Die Größe der einzelnen Verſuchsparzellen betrug 1516 qm. Die nähere Einteilung iſt aus dem Kulturplan S. 12 zu erſehen. Die Zubereitung des ſchweren, kalkhaltigen und frucht⸗ haren Lehmbodens geſchah durch Tiefpflügen, Grubbern und Überfahren mit dem Schollenbrecher. Eine friſche Düngung erhielt das Feld vor der Saat nicht. Was das Saatgut betrifft, ſo kamen auf der I., II. und III. Parzelle verſchiedene Kleegrasmiſchungen zur Ver⸗ wendung, die IV. Parzelle wurde dagegen mit Heublumen angelegt. Im beſonderen mag über das Saatgut folgendes be⸗ merkt werden. Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? Tafel I. Kulturplan des landwirtſchaftlichen Verſuchsfeldes von 1876 bis 1885. — Schutzſtreifen 48,6 m IV 1516 Quadratmeter 31,2 m III 1516 Quadratmeter 31,2 m II 1516 Quadratmeter 31,2 m I 1516 Quadratmeter 31,2 m 48,6 m Schutzſtreifen 4 e —ͤ IV. Parzelle: Heublumen vom Strickhof. III. Parzelle: Kleegrasmiſchung von T. Dürr in Zürich. II. Parzelle: Kleegrasmiſchung von G. Schweizer in Hallau. I. Parzelle: Kſlee⸗ und Grasſamen von J. W. Wunderlich in Frankfurt, Miſchung nach Nowacki. Gräſer Kleeartige Pflanzen Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? 13 Erſte Parzelle.— Die Klee⸗ und Grasſamen für die I. Parzelle bezog ich von der Firma J. W. Wunderlich in Frankfurt a. M., deren Inhaber mir perſönlich bekannt war. Wie verlangt, wurde Sorte für Sorte einzeln verpackt geliefert. Das Miſchen beſorgte ich ſelbſt. Nach Maßgabe der Natur des Bodens und der Pflanzen wählte ich, mit teilweiſer Anlehnung an die damals in der Schweiz üblichen Miſchungen, auf die Fläche von 1 ha berechnet, das in der Tabelle angegebene Miſchungsverhältnis. Der Saatbedar Grasſamen und 46,2 kg an Kleeſamen, betrug am Orte des durchweg bis a haupt zulä tärke d Gattung und Zuſammen⸗ Sanafane Wuchs Name der Pflanzen ieund pro Hektar 8 e Gras Klee der Pflanzen Saat Saatguts Ig kg Engliſches Raigras 9— mittelhoch Wieſenriſpengras. 9,9— . Italieniſches Raigras 16,5— A Franzöſiſches Raigras zu ſannden 16,5— 5 hoch und Knaulgras.. ausgeſä 13,2— ſehr hoch Wieſenſchwingel. 4 13,2— Wieſenfuchsſchwanz 3 33,0— Timothegras.. 9,— 2 zuſammen 5 niedrig Weißklee.. ausgeſät— 6,6 5 Baſtardklee. 3— 6,6 Becherblume. zuſammen— 3,3 2 mittelhoch Eſparſette ausgeſät— 16,5 S Gelbklee.— 33 3 Rotklee zuſammen— 3,3 5 hoch Luzerne. ausgeſät— 6,6 Zuſammen 122,1] 46,2 f pro Hektar war demnach 122,1 kg an und der Preis hierfür Verſuchsfeldes 345,60 Fr. Jeder Sachverſtändige wird beim Anbl ausrufen: Das iſt eine unerhörte Ausſ Auslage für Saatgut! ick dieſer Zahlen aat und eine unerhörte Es iſt auch in der Tat ſo. langte zu den hohen Zahlen, indem ich, mit beſon ſichtigung der ſ Ich ge⸗ derer Berück⸗ ehr geringen Keimfähigkeit einzelner Grasſamen, n das äußerſte Maß heranging, das mir über⸗ ſſig erſchien. 14 Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? Es war mir vor allem darum zu tun, einen nach den Regeln der Kunſt(aber mit Vermeidung aller Künſtelei) ge⸗ bildeten, möglichſt dichten, hohen, ertragreichen und ausdauernden Pflanzenbeſtand herzuſtellen. Die Koſten durften dabei nicht maßgebend ſein; bei Verſuchen, die im all⸗ gemeinen Intereſſe mit öffentlichen Mitteln unternommen werden, kann es auf 100 Fr. mehr oder weniger nicht ankommen. Hätte ich ſparen wollen, ſo hätte ich namentlich den ſehr teuren Samen des Wieſenfuchsſchwanzes fortlaſſen müſſen, wo⸗ durch die Koſten für die Ausſaat ſich um 132 Fr. vermindert hätten. Ich wollte aber dieſes Gras gern in dem Beſtande haben, und da mir ſeine ſehr geringe Keimfähigkeit bekannt war, ſo blieb mir kein anderer Ausweg, als einen ganzen Berg Samen zu verwenden, in der Hoffnung, daß dann doch wenigſtens etwas zum Vorſchein kommen werde. Aber trotz der unerhört ſtarken Ausſaat(33 kg) und trotz der ſehr günſtigen Witterung im erſten wie im zweiten Jahre war auf der ganzen Parzelle in den erſten drei Jahren keine einzige Wieſenfuchsſchwanzpflanze zu finden. Erſt im vierten Jahre entdeckte ich einige wenige Riſpenähren des genannten Graſes; auf der ganzen Parzelle nicht mehr als drei. Ob dieſe aber aus dem abſichtlich aus⸗ geſtreuten Saatgut herſtammten, blieb zweifelhaft und unwahr⸗ ſcheinlich; denn auf dem nebenan liegenden Schutzſtreifen hatte ſich ohne jedwede Anſaat(zugleich mit 7 anderen Gräſern, 3 Kleearten und 8 Unkräutern) eine größere Zahl von Wieſen⸗ fuchsſchwanzpflanzen wildwachſend eingefunden, als auf der Kleegrasparzelle. Der ſogenannte Samen dieſes Graſes erwies ſich alſo als leere Spreu, und der ganze Betrag dafür war weg⸗ geworfen. Aber trotzdem hat die erſte Parzelle, wie wir nachher ſehen werden, weitaus das günſtigſte Ergebnis, auch in bezug auf den Reinertrag, geliefert. Zweite Parzelle.— Für die II. Parzelle bezog ich eine Kleegrasmiſchung von der Samenhandlung G. Schweizer in Hallau; und zwar wählte ich aus ſeinem Preisverzeichnis vom Januar 1875 die Miſchung III, weil mir dieſe nach der Über⸗ ſchrift„für feuchten und guten tiefgründigen Boden“ für die auf dem Verſuchsfeld gegebenen Bodenverhältniſſe am beſten zu paſſen ſchien. Herr Schweizer gab in den veröffentlichten Tabellen die Zuſammenſetzung der Miſchungen im einzelnen, ſowie im ganzen, pro Juchart(36 a) berechnet, genau an; auch —= Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? 15 lieferte er auf Wunſch die Samen der Miſchungen„ſeparat, d. h. jede Sorte beſonders verpackt“, was ſehr anzuerkennen iſt. Ich ließ mir für den Verſuch abſichtlich die fertige Miſchung kommen, ohne damit dieſes Verfahren für die gewöhnliche land⸗ wirtſchaftliche Praxis irgendwie empfehlen zu wollen. Um die Zuſammenſetzung der Miſchung und den Saat⸗ bedarf auf der II. Parzelle mit der I. Parzelle vergleichen zu können, mußte ich die Zahlen der G. Schweizerſchen Tabelle in Kilogramm und Hektar umrechnen. Dabei iſt aber die Be⸗ merkung nötig, daß ich etwas ſtärker ſäte, als es die Tabelle angab, indem ich für die Fläche von 1516 qm, der Einfachheit Pro Hektar Gattung Name der Pflanzen Gras Klee Bemerkung kg kg Raigras, engliſch 9,9— 5 italieniſch. 16,5— „ franzöſiſch. 16.5— Goldhafer.... 3,3— . Knaulgras 6,6— Gräſer Timothegras.. 8,3— Alle Samen Wieſenſchwingel. 6,6— zuſammen⸗ Wieſenriſpengras 3,3— iſcht und Wieſenſuchsſchwanz. 13,2— gemij uun Geruchgras 1 1,7— ugleich aus⸗ Becherblume.— 3,3 geſät. Kleeartige Vogelwicke.„.— 6,6 Pflanzen Mattenklee, rotblühend— 3,3 Weißklee..— 3,3 Baſtardklee— 3,3 Zuſammen 85,9 19,8 Der Saatbedarf pro Hektar betrug ſomit 85,9 kg an Grasſamen und 19,8 kg an Kleeſamen, wenn zu dieſem auch der Same der Becherblume und der Vogelwicke gerechnet wird. Der Preis hierfür ſtellte ſich auf 145,90 Fr. Die Koſten für das Saatgut kamen hier alſo noch nicht halb ſo hoch zu ſtehen, wie auf der I. Parzelle. Dies iſt, ab⸗ 16 Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? geſehen von kleineren Unterſchieden, hauptſächlich darauf zurück⸗ zuführen, daß auf der I. Parzelle von den teueren Gras⸗ und Kleeſamen erheblich mehr verwendet wurde, als auf der II. Par⸗ zelle. Eine Hauptrolle hinſichtlich des Preiſes ſpielt der Wieſen⸗ fuchsſchwanz, wie die beiden Zahlen 33,0: 13,2 zeigen. Übrigens war der Wieſenfuchsſchwanzſamen von Hallau nicht beſſer als der von Frankfurt, denn die einzige Wieſenfuchsſchwanzpflanze, die ich im neunten Jahre auf der II. Parzelle fand, war höchſt⸗ wahrſcheinlich eine wildwachſende. Vergleicht man beide Miſchungen, ohne Rückſicht auf ihren Preis, miteinander, ſo ſpringt in die Augen, daß be⸗ ſonders die Kleearten in der erſten Miſchung mehr hervortreten. Im übrigen iſt nicht zu überſehen, daß bei den Gräſern, deren Samen im Handel in der Regel gut iſt, die Zahlen ſich ganz gleich oder beinahe gleich ſtellen, nämlich bei den drei Raigräſern und bei dem Timothegraſe. Die Unter⸗ ſchiede betreffen alſo vorzugsweiſe die zweifelhaften, zu viel leere Spreu enthaltenden Grasſamen. Das Geruchgras, das der Miſchung wahrſcheinlich in der Abſicht beigefügt iſt, um dem Heu einen angenehmen Geruch zu erteilen, bleibt beſſer ganz weg, da es die Tiere(Milchkühe) wegen des bittern Kumarin⸗ Geſchmacks nur ungerne freſſen, und da gutes Heu auch ohne dieſen Zuſatz angenehm und kräftig duftet. Dritte Parzelle.— Für die III. Parzelle lieferte die Firma T. Dürr in Zürich die erforderlichen Sämereien. Ich erhielt eine Kleegrasmiſchung„für ſchweren Boden, wie ſie ge⸗ wöhnlich an die Landwirte abgegeben wird“, und zwar zu 50 Pfund Grasſamenmiſchung in einem beſonderen Sack 15 Pfund Kleeſamenmiſchung. Auf meine Anfrage, was die Miſchung enthalte, und wie⸗ viel der Saatbedarf pro Juchart(36 a) betrage, bekam ich zur Antwort: „Eine Juchart erfordert 45 Pfund wenigſtens. Die Grasmiſchung enthält: Engliſches Raigras, Jtalieniſches Raigras, Franzöſiſches Raigras, Knaulgras, Wieſenriſpengras, Treſpe(1!). Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? 17 Die Kleemiſchung enthält: Luzerne, Mattenklee(roten), Timothegras, Wieſenklee(weißen), Baſtardklee, Rieſenklee(!!), Hopfenklee.“ Da ich befürchtete, mit einer dritten Anfrage läſtig zu werden, ſo mußte ich mich mit dieſer Auskuͤnft begnügen, obwohl mir natürlich ſehr daran gelegen war, zu wiſſen, wieviel dem Gewichte nach von jedem einzelnen Gras⸗ und Kleeſamen zu der Miſchung genommen worden war. Nach den ziemlich unbeſtimmten Angaben benutzte ich die Miſchung, wie es mir für den Verſuch zweckmäßig erſchien. Ich wog, auf 1 ha bezogen, 94 kg von der gelieferten Grasmiſchung und 36 kg von der Kleemiſchung ab, die außer den Kleeſamen auch einen Grasſamen(Timothegras) enthielt. Der Preis für das Saatgut berechnete ſich auf 218,65 Fr. pro Hektar. Gras⸗ ſamen und Kleeſamen wurden getrennt ausgeſät. Soviel ſich nach den Namen der Sämereien urteilen ließ, war die Miſchung für den betreffenden Boden paſſend zu⸗ ſammengeſetzt, nur weiß ich nicht, was die Treſpe und der Rieſenklee in einer Kleegrasmiſchung bedeuten ſollen. Der Rieſen⸗ oder Melilotenklee hat zwar einen ſchönen Namen, aber er iſt gar keine Futterpflanze, denn die Tiere freſſen ihn nicht. Davon habe ich mich durch einen Verſuch im Jahre 1874 überzeugt. Die Kühe nahmen die angenehm riechen⸗ den, luzerneähnlichen Blätter und Stengel gierig ins Maul, aber als ſie den bitteren Kumarin⸗Geſchmack auf die Zunge be⸗ kamen, ſpieen ſie ſchleunig alles wieder aus. Der Zuſatz des Rieſenkleeſamens zu einer Kleegrasmiſchung iſt daher unbedingt verwerflich, um ſo mehr, als dieſer Same mit dem des Rotklees und des Gelbklees eine gewiſſe ÄAhnlichkeit hat, durch die ſich der Nichtkenner leicht täuſchen läßt. Oft benutzt man den Melilotenſamen nur als billigen Zuſatz zu den Kleeſamen, und zwar entweder aus Unwiſſenheit oder geradezu in betrügeriſcher Abſicht. Zum Glück wurde meine Kleegraskultur durch den Rieſen⸗ klee nicht beeinträchtigt, da der Same nichts taugte und nicht aufging; nur eine einzige Pflanze kam auf der Verſuchsparzelle zum Vorſchein und dieſe ließ ſich leicht beſeitigen. Nowacli, Kleegrasbau. 5. Auflage. 2 18 Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? Mit der Treſpe, und zwar genauer mit der weichen Treſpe, verhält es ſich in gewiſſer Beziehung ähnlich wie mit dem Melilotenklee. Als Futterpflanze iſt ſie von ſehr geringem Wert. Dagegen iſt der Same leicht in Menge zu gewinnen und bei manchen Samenhändlern beliebt als billiger und ſchwer⸗ wiegender Zuſatz zu den Grasmiſchungen. Auch dieſer Unfug ſollte aufhören. Die Vergleichung der Kleegrasmiſchung auf der I. und III. Parzelle zeigt, daß die meiſten Namen, ſowohl bei den Gräſern wie bei den Kleearten, in beiden Miſchungen wiederkehren. Im Verhältnis zur II. Parzelle war die Aus⸗ ſaat auf der III. Parzelle etwas ſtärker und namentlich reicher an Kleearten. Aus dieſem Grunde ſtellten ſich auch die Koſten für das Saatgut auf der III. Parzelle erheblich höher als auf der II. Parzelle, und ſie erreichten faſt genau dieſelbe Höhe wie auf der I. Parzelle, wenn hier der Betrag für den Wieſenfuchs⸗ ſchwanz abgezogen wird. vierte Parzelle.— Die IV. Parzelle wurde mit„Heu⸗ blumen“ vom Strickhof eingeſät. Es entfielen auf 1 ha 692 kg. Wenn man berückſichtigt, daß die„Heublumen“, wie ſchon ihr Name beſagt, zum größten Teil nichts anderes ſind als Spreu und Blumen, ſo wird man das angegebene Ausſaatmaß, im Vergleich zu dem der Kleegrasmiſchungen, nicht übertrieben hoch finden. Es wurden nämlich in runden Zahlen auf der IV. Par⸗ zelle, dem Gewichte nach, 4, 6 und 5mal ſo viel Heublumen geſät, als Klee⸗ und Grasſamen auf der I., II. und III. Klee⸗ grasparzelle. Für die Heublumen mußte ich 30 Rappen pro Kilogramm bezahlen. Das erſcheint wenig, und doch iſt es viel. Denn bei dem Saatbedarf von 692 kg betrugen die Koſten für das Saatgut auf der IV. Parzelle 207,60 Fr. pro Hektar, alſo, wie man mit Überraſchung ſehen wird, erheblich mehr als für die Kleegrasmiſchung der II., und beinahe ebenſoviel wie für die der III. Parzelle. Über die Zuſammenſetzung der Heublumen kann nichts Näheres angegeben werden. Ihrer Güte nach wurden ſie als „mittelmäßig“ geſchätzt. Das entſprach gerade meinen Wünſchen. Weder mit einer ausgeſucht guten, noch mit einer ausgeſucht ſchlechten Ware wäre mir gedient geweſen. Dies gilt nicht allein für die Heu⸗ Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? 19 blumen, ſondern auch für die Kleegrasmiſchungen. Die Ver⸗ ſuche ſollten ja doch, wo möglich, ein Ergebnis liefern, das ſich praktiſch verwerten ließ. Und hierauf durfte ich am ſicherſten rechnen, wenn ich mich bei der Auswahl und Beſchaffung des Saatguts, ſowie bei der Anlage und Behandlung der Kulturen an die große Praxis anlehnte. Nur in der Stärke der Saat ging ich abſichtlich, und zwar auf allen Parzellen, über das übliche Maß hinaus, weil ich der Meinung war und noch bin, daß man im allgemeinen zu ſchwach ſät. Der beſſeren Überſicht wegen ſtelle ich die Zahlen für den Saatbedarf und für die Koſten des Saatguts aller vier Ver⸗ gleichsparzellen hier nochmals zuſammen. Saatbedarf pro Hektar Koſten . des Nuuamer ſSaas. ſieen V Im Sanauts Bezugsquelle Parzelle zöene u. dgl. V ganzen Hektar Ik le e Fr. Np. I. Kleegras 122,1 V 46,/ 168,3 345 60 J. W. Wunderlich II.„ 85,9 19,8 105,7 145 90 G. Schweizer III.„ 94,0 36,0 130,0 218 65 T. Dürr IV. Heublumen 6920— 692,0 207 60 Strickhof Dieſen Zahlen für die Saat will ich ſogleich die Zahlen für die Ernte gegenüberſtellen, um alsdann eine kurze Be⸗ ſprechung der Verſuchsergebniſſe folgen zu laſſen. Vorweg ſei nur das bemerkt, daß alle vier Vergleichs⸗ parzellen in bezug auf Pflege, Düngung und Ernte während der ganzen zehnjährigen Dauer der Verſuche ſo gleichmäßig be⸗ handelt wurden, wie es bei Feldverſuchen unter gewöhnlichen, einigermaßen geordneten Wirtſchaftsverhältniſſen möglich iſt. Dazu rechne ich beſonders auch das Vorhandenſein einer Brücken⸗ wage, um die Erträge nach Maß und Gewicht Jahr für Jahr und Schnitt für Schnitt feſtzuſtellen. Der erſte und zweite Schnitt kam im gerrockneten Zuſtand, als Heu und Emd, auf die Wage; der dritte Schnitt, der ſich in den zehn Jahren nur zweimal, nämlich im Jahre 1877 und 1880, lohnte, wurde im grünen Zuſtand gewogen und mit einem Waſſerabzug von 75 0% 2* 20 Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? auf Heu zurückgeführt. Die Ertragszahlen ſind in der folgenden Tabelle überſichtlich zuſammengeſtellt. Geſamtertrag an Heu und Emd pro Hektar in Kilogramm in den zehn Jahren von 1876—1885. Kleegras⸗Miſchungen Heublumen Jahr. I. Parzelle V II. Parzelle III. Parzelle IV. Parzelle 1876 4 788 4 452 4 254 2803 1877 12 540 12 479 12 078 6563 1878 11 873 11 048 11 544 8740 1879 12 545 12 961 13 621 9960 1880 14 272 10 170 13 538 8943 1881 14 459 9 954 10 092 6411 1882 12 236 10 818 10 125 7190 1883 9 828 9 762 7124 7058 1884 8 958 V 7 454 7 394 7684 1885 5 805 6 827 6 193 4657 Durchſchnitt 10 730 9 593 9 596 700⁰¹ Zur Erläuterung der vorliegenden Ertragszahlen mögen folgende Bemerkungen dienen. Die drei verſchiedenen Kleegras⸗Miſchungen ſowie die Heu⸗ blumen wurden ohne Deckfrucht am 19. April 1876 von Hand geſät und tags darauf wurde das Seaatfeld erſt mit der Walze und dann mit der Kettenegge überfahren. Die Witterung in der Keimungszeit war günſtig. Auf der I., II. und III. Parzelle, die mit den Kleegrasmiſchungen angelegt, lief die Saat überall gut und gleichmäßig auf. Es bildete ſich ſogleich im erſten Jahre ein Beſtand, der nichts zu wünſchen übrig ließ. Auf allen drei Parzellen ſtanden die Pflanzen ſo ſchön und dicht, daß man auf das bloße Anſehen hin nicht zu entſcheiden wagte, welche von den Parzellen den Sieg davon tragen würde. Auf der IV. Parzelle dagegen, wo die Heublumen aufgeſtreut, zeigten ſich von Anfang an viele Fehlſtellen; der Beſtand war auf dieſer Parzelle, trotz der ſtarken Ausſaat, durchweg zu dünn, und er blieb das ganze erſte Jahr hindurch ſehr mangelhaft. Dementſprechend blieb auch der Ertrag der Heublumen⸗ parzelle im erſten Jahre(1876) bedeutend hinter den Erträgen Heublumenſaat oder Kleegrasſaal? 21 der Kleegrasparzellen zurück. Nehmen wir die Ertragszahlen der drei Kleegrasparzellen zuſammen, ſo erhalten wir der Heu⸗ blumenparzelle gegenüber das Verhältnis 4496: 2803 oder rund 5 3. Im zweiten Verſuchsjahre(1877) war es für den Be⸗ obachter von höchſtem Intereſſe, den Beſtand der vier ver⸗ ſchiedenen Parzellen miteinander zu vergleichen. Die Pflanzen der Kleegrasſaaten kamen nun erſt zur vollen Entwicklung, und da die Witterung im ganzen Jahre ſehr günſtig verlief und da durch die vorausgegangene Düngung auch genügend Nährſtoffe im Boden vorhanden waren, ſo wuchs es überall, daß es eine Luſt war mit anzuſehen. Unter dieſen Umſtänden ließ ſich eine reiche Ernte er⸗ warten. Dennoch überraſchten mich die auf der Wage feſtge⸗ ſtellten Ertragszahlen durch ihre Höhe; Heuerträge von 12 000 bis 12 500 kg pro Hektar waren mir in meinem früheren Wirkungskreiſe nicht vorgekommen. Die Heublumenſaat blieb in bezug auf Beſtand und Ertrag hinter den Kleegrasſaaten im zweiten Jahre verhältnis⸗ mäßig noch mehr zurück als im erſten. Der Beſtand hatte ſich zwar auf der Heublumenparzelle namentlich durch das Auftreten von wildwachſendem Weißklee erheblich gebeſſert, ſo daß der Ertrag von 2803 auf 6563 kg pro Hektar anſtieg; aber dieſer Ertrag erreichte trotzdem nur unbedeutend mehr als die Hälfte von dem, was die drei Kleegrasparzellen leiſteten; denn es ſtehen ſich im Durchſchnitt 12 366 und 6563 kg gegenüber, was dem Verhältnis 2:1 nahe kommt. Dabei war die Beſchaffenheit des Futters auf den Kleegrasparzellen weitaus beſſer. Es würde zu weit führen, wenn ich im einzelnen ſchildern wollte, wie ſich die Beſtände und Erträge auf den vier Ver⸗ gleichsparzellen während der zehnjährigen Dauer des Verſuchs Jahr für Jahr veränderten und geſtalteten. Es wird genügen, wenn ich zuſammenfaſſend über die kommenden acht Jahre kurz folgendes berichte. Durch das Erſcheinen von allerlei Gewächſen, die teils zu den Nutzpflanzen, teils zu den Unkräutern gerechnet werden, verbeſſerte ſich der Beſtand der Heublumenparzelle von Jahr zu Jahr, während auf den drei Kleegrasparzellen im Gegenteil nach und nach eine Verſchlechterung des Beſtandes eintrat. Die natürliche Folge dieſer Umwandlung war eine allmähliche An⸗ 22 Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? näherung und Ausgleichung der Beſtände; ja es kam ſchließlich ſo weit, daß auf der Heublumenparzelle, wenn auch nicht mehr, ſo doch beſſeres Futter wuchs, als auf den drei Kleegrasparzellen. Aus der Heublumenparzelle war mit der Zeit eine ſchöne, blumige Naturwieſe geworden, die neben einem bunten Flor von Un⸗ kräutern, namentlich auch einen reichen Beſatz mit Rot⸗ oder Mattenklee aufwies. Um mir über die Beſtände genauer Rechenſchaft zu geben, ſchrieb ich den Namen jeder Pflanzenart auf, die ſich auf jeder der vier Vergleichsparzellen vorfand. Hinter jeden Namen ſetzte ich die Beſtandes⸗Zahl. Die Beſtandes⸗Zahl ermittelte ich ſo richtig als möglich durch Schätzung. Die Pflanzenart, die ſich überall ſehr bemerklich machte, erhielt die Zahl 10; jene, die nur vereinzelt vorkam, erhielt die Zahl 1; die Zahlen 2—9 kamen für die Abſtufungen zur Verwendung. Hiernach wird die fol⸗ gende Beſtandesaufnahme verſtändlich ſein. Beſtand der 4 Vergleichsparzellen im 9. und 10. Jahre der Nutzung. 1n u m. Beſtandes⸗Zahlen Namen der Pflanzen a) Gräſer: Italieniſches Raigras, Lolium italicum Engliſches Raigras, Lolium perenne Franzöſiſches Raigras, Avena elatior. Knaulgras, Dactylis glomerata Timothegras, Phleum pratense Wieſenſchwingel, Festuca elatior. Goldhafer, Avena flavescens... Wieſenfuchsſchwanz, Alopecurus pratensis. Wieſenriſpengras, Poa pratensis.. Gemeines Riſpengras, Poa trivialis. Rotſchwingel, Festuca rubra. Honiggras, Holcus lanatus Weiche Treſpe, Bromus mollis Aufrechte Treſpe, Bromus erectus Zittergras, Briza media Ruchgras, Anthoxanthum odoratum V V V —ll doco SereEen!— [EScaSe 5 G! 1=Sl S[A doSE LLIIelellelern! b) Kleearten: Weißklee, Trifolium repens..... 1 Rotklee, Trifolium pratense perenne. † ρ⏑ ——— S„ Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? 23 I V II III IV Namen der Pflanzen Beſtandes⸗Zahlen Gelbklee, Medicago lupulina 1 4 1 3 Luzerne, Medicago sativa,. 5 1 3 1 Schotenklee, Lotus corniculatus. 1— 1 Zaunwicke, Vicia sepium.. 31 2 2 4 c) Andere Arten: Löwenzahn, Taraxacum officinale 10 9 9 6 Spitzwegerich, Plantago lanceolata 1 3 4 6 Gänſeblümchen, Bellis perennis. 1 3 4 2 2 Hahnenfuß, Ranunculus acer und repeus. 2 3 2 4 Pippau, Crepis biennis,... 1 1 3 4 Labkraut, Galium Mollugo. 1 1 1 3 Hornkraut, Cerastium arvense 2 1 3 2 Sauerampfer, Rumex Acetosa 1 1 1 1 „„ obtusifolius.— 1— 1 Haferwurz, Tragopogon orientalis— 1 1 1 Möhre, Daucus Carota. Se 1 1—— Wilder Kerbel, Anthriscus silvestris—— 1 2 Bärenklaue, Heracleum Spondylium 1—— 2 Beinwell, Symphytum officinale. 1——— Wucherblume, Leucanthemum vulgare. 1 2 3 4 Ehrenpreis, Veronica Chamaedry 2 1—— Günſel, Ajuga reptans.... 1 1 1 1 Wieſenſalbei, Salvia pratensis.— 1— 1 Knopfblume, Scabiosa arvensis——— 1 Lichtnelke, Lychnis diurna.— 1— 1 3 Feuernelke, Lychnis Flos cuculi.—— 1 1 Flockenblume, Centaurea Jacea....——— 1 Zahl der Pflanzenarten 34 33 31 32 überblickt man die in der Tabelle verzeichneten Beſtandes⸗ zahlen genauer und zieht man die Pflanzen heraus, bei denen die höheren Zahlen 10—5 eingeſchrieben ſind, ſo gelangt man in bezug auf den Hauptbeſtand der vier Parzellen zu folgendem Ergebnis. I. Parzelle, mit Kleegrasmiſchung Nr. I eingebaut. Hauptbeſtand: Weißklee, Löwenzahn, gemeines Riſpen⸗ gras und Knaulgras. II. Parzelle, mit Kleegrasmiſchung Nr. II eingebaut. Hauptbeſtand: Weißklee, Löwenzahn, gemeines Riſpen⸗ gras, Knaulgras, franzöſiſches Raigras und Rotklee(Mattenklee). 24 Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? III. Parzelle, mit Kleegrasmiſchung Nr. III eingebaut. Hauptbeſtand: Weißklee, Löwenzahn, gemeines Riſpen⸗ gras und Knaulgras. IV. Parzelle, mit Heublumen eingebaut. Hauptbeſtand: Weißklee, Rotklee(Mattenklee), franzöſi⸗ ſches Raigras, gemeines Riſpengras, Löwenzahn und Spitzwegerich. Wie man ſieht, iſt auf den vier Verſuchsparzellen, trotz der verſchiedenen Saat, im Laufe der Zeit in der Tat eine An⸗ näherung und Ausgleichung des Pflanzenbeſtandes eingetreten. a) Auf allen vier Parzellen drängt ſich der Weißklee in den Vordergrund. Auch der Löwenzahn und das gemeine Riſpengras erſcheinen auf allen vier Parzellen in dem Haupt⸗ beſtande. b) Außer dieſen drei Pflanzenarten ſind zahlreiche andere den vier Parzellen gemeinſam. Dahin gehören, nach den Be⸗ ſtandeszahlen geordnet, folgende 18 Arten: Knaulgras, fran⸗ zöſiſches Raigras, Rotklee(Mattenklee), Goldhafer, Spitzwegerich, Honiggras, Zaunwicke, Hahnenfuß, Gänſeblümchen, Wucherblume, Luzerne, Gelbklee, Pippau, Wieſenſchwingel, Hornkraut, Labkraut, Sauerampfer und Günſel. c) Ferner kommen 16 Arten zwar nicht auf allen vier, aber doch auf drei oder zwei Parzellen vor, nämlich: weiche Treſpe, Lichtnelke, Haferwurz, italieniſches Raigras, engliſches Raigras, Timothegras, Wieſenfuchsſchwanz, Wieſenriſpengras, aufrechte Treſpe, Sauerampfer(großblättriger), wilder Kerbel, Bärenklaue, Möhre, Ehrenpreis, Wieſenſalbei und Feuernelke. d) Endlich finden ſich folgende 7 Arten nur je auf einer Parzelle: Rotſchwingel, Zittergras, Ruchgras, Schotenklee, Bein⸗ well, Knopfblume und Flockenblume. Beſtimmte Gründe dafür, daß die vorſtehend unter c und d aufgezählten Pflanzenarten bald hier bald dort auftreten, bald hier bald dort fehlen, laſſen ſich nicht angeben. Das Auftreten oder Fehlen iſt vielmehr ganz unregelmäßig und daher zufällig. Ebenſo muß ich es einem zufälligen Umſtande, nämlich einer abweichenden Bodenbeſchaffenheit zuſchreiben, daß der Rot⸗ oder Mattenklee auf einem Teil der IV., mit Heublumen angeſäten Parzelle ſchon im dritten Jahre nach der Anlage erſchien und ſich von Jahr zu Jahr vermehrte und ausbreitete. Weſentlich Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? 25 durch dieſe Pflanze wurde es bedingt, daß das Futter nach und nach auf der Heublumenparzelle eine beſſere Beſchaffenheit zeigte, als auf den Kleegrasparzellen. Aus der Aufnahme der Beſtände läßt ſich der Schluß ziehen: Man mag ſäen, was man will, im Laufe der Zeit ſtellen ſich auf einer Wieſe überall die Pflanzen ein, die für den Boden und für das Klima paſſen. Folglich, ſo könnte man weiter ſchließen, iſt es auch gleich⸗ gültig, ob man Heublumen oder Klee⸗ und Grasſamen zur Saat verwendet. Mit nichten! Dieſer Schluß wird durch das Er⸗ gebnis unſerer Verſuche auf das Entſchiedenſte widerlegt. Sehen wir uns die S. 20 zuſammengeſtellten Ertragszahlen näher an, ſo überzeugen wir uns, daß jede einigermaßen richtig ausgewählte Kleegrasſaat für eine Reihe von Jahren der Heu⸗ blumenſaat bei weitem überlegen iſt. Ja, es zeigt ſich ſogar zwiſchen den 3 Kleegrasſaaten ein erheblicher Unter⸗ ſchied, indem die nach meiner Idee zuſammengeſetzte Kleegrasmiſchung der I. Parzelle in den erſten 7 Jahren einen um 1546 und 1065 kg höheren Durchſchnittsertrag ergab, als die der II. und III. Parzelle. Erſt vom achten Jahre an trat ein deutlicher Unterſchied in den Erträgen nicht mehr hervor. Die Überlegenheit der Kleegrasſaat kommt in den Zahlen für den zehnjährigen Durchſchnittsertrag ſchon genügend zum Ausdruck. Berechnen wir das Mittel aus den für die drei Klee⸗ grasmiſchungen geltenden Ertragszahlen(10 730:9593:9596), ſo erhalten wir die Zahl 9973, während die Heublumenſaat im zehnjährigen Durchſchnitt nur 7001 kg pro Hektar eintrug. In abgerundeten Zahlen ergibt ſich alſo das Verhältnis 10 000 :7000 oder 100: 70. Das heißt: der Heu⸗ und Emdertrag der Kleegrasſaat übertraf den der Heublumenſaat im zehnjährigen Durchſchnitt um 30%. Neben der Menge muß indeſſen immer auch die Güte des Futters in Betracht gezogen werden. Dieſe war in den erſten fünf bis ſechs Jahren auf den Kleegrasparzellen entſchieden beſſer; dagegen wandte ſich ſpäter, d. h. in den letzten vier bis fünf Jahren, das Blatt zugunſten der Heublumenparzelle. Wir glauben das Wertsverhältnis annähernd richtig zu treffen, wenn wir für die zehnjährigen Durchſchnittserträge auf der I. und III. Parzelle 7 ½ Fr. und auf der II. und IV. Parzelle 7 Fr. 26 Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? pro 100 kg Heu und Emd annehmen. Hiernach ſtellt ſich die Rechnung, unter Berückſichtigung der Koſten für das Saatgut, für die vier Vergleichsparzellen wie folgt: 1. Parzelle. Kleegrasſaat Nr. 1: Ertrag(Durchſchnitt aus 10 Jahren) 10 730 kg pro Hektar, Geldwert(1 kg Heu à 0,075 Fr.)...... 804,75 Fr. Saatgut ab(auf 10 Jahre verteilt, pro Jahr). 34,56„ Bleiben 770,19 Fr. II. Parzelle. Kleegrasſaat Nr. 2: Ertrag(Durchſchnitt aus 10 Jahren) 9 593 kg pro Hektar, Geldwert(1 kg Heu à 0,07 Fr.)...... 671,51 Fr. Saatgut ab(auf 10 Jahre verteilt, pro Jahr) 14,59„ Bleiben 656,92 Fr. III. Parzelle. Kleegrasſaat Nr. 3: Ertrag(Durchſchnitt aus 10 Jahren) 9 596 kg pro Hektar, Geldwert(1 kg Heu à 0,075 Fr.)..... 719,70 Fr. Saatgut ab(auf 10 Jahre verteilt, pro Jahr) 21,86„ Bleiben 697,84 Fr. IV. Parzelle. Heublumenſaat: Ertrag(Durchſchnitt aus 10 Jahren) 7 001 kg pro Hektar, Geldwert(1 kg Heu à 0,07 Fr.)...... 490,07 Fr. Saatgut ab(auf 10 Jahre verteilt, pro Jahr). 290,76„ Bleiben 469,31 Fr. Somit berechnet ſich, nach Abzug der Koſten für das Saatgut, zugunſten der Kleegrasſaaten durchſchnittlich pro Jahr und Hektar ein üÜberſchuß von rund 200 bis 300 Franken. Der Aufwand für das Saatgut ſpielt bei einer Wieſen⸗ anlage, die für eine längere Nutzungsdauer beſtimmt iſt, gar nicht eine ſo wichtige Rolle, wie man in landwirtſchaftlichen Kreiſen noch häufig annimmt. Dies wird bei unſerem Verſuch durch die Kleegrasmiſchung auf der I Parzelle klar bewieſen. Hier erreichten die Koſten für das Saatgut, wie oben näher dargelegt, den unerhört hohen Betrag von 345,60 Fr. pro Hektar. Trotzdem hat gerade dieſe Parzelle das günſtigſte Er⸗ gebnis geliefert. Denn es ſtehen ſich, in Geld berechnet, nach Abzug der Koſten für das Saatgut, folgende Erträge gegenüber: I. II. III. Kleegrasſaat... 770,19 Fr. 656,92 Fr. 697,84 Fr. Heublumenſaat. 469,31„ 469,31„ 469,31„ Überſchuß: 300,88 Fr. 187,67 Fr. 228,53 Fr. Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? 27 Der Überſchuß iſt alſo auf der I. Parzelle, wo das Saat⸗ gut am teuerſten war, am höchſten, und auf der II. Parzelle, wo das Saatgut am billigſten war, am niedrigſten, während die III. Parzelle in beiden Beziehungen in der Mitte ſteht. Die vorſtehend hervorgehobenen Zahlen reden deutlich. Sie rechtfertigen den Schluß: Die Kleegrasſaat hat vor der Heublumenſaat entſchieden den Vorzug, denn ſie liefert einen ganz erheblich höheren Futterertrag. Der Er⸗ trag der Kleegrasſaat überwiegt in bezug auf Menge und Güte des Futters für eine Reihe von Jahren den Ertrag der Heublumenſaat ſo bedeutend, daß der größere Aufwand für das Saatgut mit reichen Zinſen in die Hand des Landwirts zurückkehrt. Stützt man ſich, wie wir es bisher getan haben, lediglich auf die ermittelten Ertragszahlen, ſo wird die Heublumenſaat noch viel zu günſtig beurteilt. Die gefundene Gewichtszahl ſagt uns, auf der Parzelle ſind ſo und ſo viel Kilogramm Futter gewachſen; aber die betreffende Zahl ſagt uns nicht, daß die geerntete Futtermaſſe einzig und allein durch das angewandte Saatgut erzeugt worden iſt, weil die Natur auch ohne unſer Zutun und ſelbſt gegen unſern Willen allerlei Pflanzen hervorbringt. Wegen dieſes Umſtandes verfallen wir bei der Beurteilung der Futterbauverſuche leicht in eine Täuſchung, die namentlich bei der Heublumenſaat ſehr beträchtlich werden kann. Es handelt ſich hierbei um einen einfachen Vorgang. Man pflügt ein Stück Land, ſät Heublumen,—— es wird eine Wieſe. Da ſieht mans denn mit eigenen Augen, daß die Heu⸗ blumen zur Saat doch nicht ſo ſchlecht ſind, wie man ſie macht! Aber der Schein trügt. Sind wir ſicher, daß die Pflanzen auf der Wieſe wirklich alle aus den Heublumen hervorſproßten, die wir ausgeſtreut haben? Das ſind wir nicht. Hier folgen die Beweiſe. a) Auf ein kleines Stück des Verſuchsfeldes habe ich gar nichts geſät, und es iſt mit der Zeit doch eine Wieſe geworden. Im vierten Jahre fand ich daſelbſt, außer einer Reihe von Un⸗ kräutern, folgende Nutzpflanzen: Gemeines Riſpengras, franzöſiſches Raigras, weichhaariges Hafergras, Wieſenfuchsſchwanz, Matten⸗ klee, Weißklee, Zaunwicke. Alle dieſe Pflanzen waren ohne Anſaat entſtanden aus Samen, die von früher im Boden 28 Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? lagen, oder durch den Wind herbeigeweht, oder durch den Dünger aufgebracht wurden. Hätte ich nun auf dieſem Stück Heublumen geſät, ſo hätte ich leicht glauben können, daß meine Heublumen alle die genannten Pflanzen erzeugten, und welch' arge Täuſchung wäre das geweſen! b) Im Frühling 1880 beſtellte ich eine Parzelle des Ver⸗ ſuchsfeldes mit einer Reinſaat von Rotklee, die nach zwei⸗ jähriger Nutzung verſchwand. An ihrer Stelle fand ich im Sommer 1883 folgende Pflanzen: Gemeines Riſpengras(ſehr viel), Wieſenriſpengras, italieniſches Raigras(ſehr viel), fran⸗ zöſiſches Raigras, Knaulgras, weiche Treſpe(ſehr viel); ferner Weißklee(ſehr vieh, Mattenklee, Fadenklee, Luzerne; außerdem viele Unkräuter, namentlich Löwenzahn, Hahnenfuß u. a. m. Alle dieſe Pflanzen, die einen vollſtändig geſchloſſenen Raſen bildeten, waren ebenfalls ohne Anſaat entſtanden. Der Heu⸗ und Emdertrag war auf dieſer Parzelle 6166 kg und auf der mit Heublumen beſäten Parzelle 7058 kg pro Hektar. Dieſe Ertragszahlen ſind zwar nicht ohne weiteres vergleichbar, weil ſie ſich auf ungleichzeitig angelegte und ungleichmäßig behandelte Verſuchsflächen beziehen; aber ſie können trotzdem zeigen, wie⸗ viel einerſeits die wilde Beraſung und wie wenig anderſeits die Heublumenſaat zu leiſten vermag. c) Schließlich noch ein dritter Beweis. Im Jahre 1888 ſäte ich auf dem Verſuchsfeld eine Grasmiſchung ohne Klee. Schon im zweiten Jahre zeigten ſich viele Kleepflanzen. Im dritten Jahr(1890) war die ganze, 74 Ar umfaſſende Fläche ſo dicht mit Weißklee(nebſt etwas Rotklee und Gelbklee) beſetzt, daß der Beſtand bei kunſtgerechter Anſaat nicht ſchöner und gleichmäßiger hätte ſein können. Als in der Mitte der Fläche ein Quadratmeter herausgeſchnitten und in Graspflanzen und Kleepflanzen geſondert worden war, ergab ſich folgendes Ge⸗ wichtsverhältnis der friſchen Futtermaſſe: Gras...970 Gramm= 58%, Klee 2710„= 42„ Zuſammen 1680 Gramm= 100%. Auf die Frage: Wie und wodurch kam dies Verhältnis zwiſchen Graspflanzen und Kleepflanzen zuſtande? kann ich die beſtimmte Antwort geben: Die 42 Gewichtsprozente Klee wurden „durch wilde Beraſung“ aus Samen erzeugt, der wenigſtens ——.— —.——— — ◻⏑—— ◻&— —ꝙ— ⁸⏑— Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? 29 ſeit dem Jahr 1885, alſo vier Jahre lang im Boden geruht hatte. Wenn er vier Jahre ruhen kann, ſo kann er auch länger ruhen. Verſchiedene Beobachtungen ſprechen dafür, daß gewiſſe Samen, z. B. wilder Senf und Klatſchmohn, jahrzehntelang im Boden liegen können, ohne zu keimen und ohne ihre Keim⸗ fähigkeit zu verlieren. Die bekannte„Härte“ der Schale bei Klee⸗ und bei Wickenſamen dient demſelben Zweck. Auf dieſen Umſtänden beruht es, daß wir den Erfolg der Heublumenſaat ſo oft überſchätzen. Wollen wir erfahren, was für ein Wert als Saatgut den Heublumen ſelbſt innewohnt, ſo müſſen wir ſie auf einen Boden ausſäen, der von ander⸗ weitigen keimfähigen Samen gärzlich frei iſt. Einen derartigen Verſuch habe ich im Jahre 1881 gemacht. In einen Erdkaſten von ½ qm Lichtmaß ſäte ich eine Probe von„guten“ Heublumen, die ein Bauer am Zürichberg zur Beſamung einer Wieſe vorbereitet hatte. Als meine Pflänzchen 6 cm lang waren, zählte ich ſie mit vieler Mühe und Sorgfalt Stock für Stock und fand mit der Zahl 1729 einen Stockraum pro Pflanze von 17 mma. Der Beſtand war alſo dicht genug, aber was enthielt er? Antwort: 5% Klee⸗ und Wickpflanzen, 25% Gräſer und 70% Unkräuter. Die„guten“ Heublumen hatten 70% Unkrautpflanzen und 30% Nutzpflanzen hervor⸗ gebracht, und von jenen 70% waren 38% Spitzwegerich und 32% allerlei andere Unkräuter. Zum Vergleich beſchickte ich einen zweiten Erdkaſten mit Klee⸗ und Grasſamen. Als ſie 6 cm lang waren, ſtanden die Pflänzchen ſo rein und ſo dicht, daß den Abgeordneten der land⸗ wirtſchaftlichen Vereine, denen ich die beiden Erdkäſten vorwies, die Überlegenheit der Kleegrasſaat in die Augen ſprang. Natürlich ſind die Heublumen nicht alle gleich zuſammen⸗ geſetzt, ſondern das Verhältnis von nutzbaren und nicht nutz⸗ baren Samen wechſelt in ihnen. So hat z. B. die ſchweizeriſche Samenkontrollſtation!“) bei der Unterſuchung von zehn ver⸗ ſchiedenen Heublumenproben folgende Prozentzahlen für die minderwertigen und Unkrautſamen gefunden: 66, 86, 93, 91, 34, 74, 82, 58, 51, 82%. Das Mittel aus dieſen Zahlen iſt 72%. Obwohl die Hauptſache: die Keimfähigkeit hierbei nicht feſtgeſtellt wurde, ſind die Angaben doch von Wert. ¹) Schweiz. landw. Zeitſchrift 1882, S. 132— 134. 30 Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? Die Heublumen beſtehen demnach, mit ſeltenen Ausnahmen, zum größten Teil aus Unkrautgeſäme, und ein Hauptnachteil der Heublumenſaat iſt die Ver⸗ unreinigung der Wieſen mit Unkraut. In manchen Jahren kann es ſich ereignen, daß der Land⸗ wirt wegen Ungunſt der Witterung die Heuernte über die regel⸗ rechte Mähezeit— Blüte der Hauptgräſer— hinausſchiebt. Ebenſo kann ſich die Emdernte verzögern, ſo daß, neben den Unkräutern, nicht nur gewiſſe Gräſer, ſondern auch gewiſſe Klee⸗ arten Zeit und Gelegenheit finden, reifen Samen zu erzeugen. In dieſen Fällen wird das Heu und das End eine größere Menge keimfähiger Körner enthalten, als gewöhnlich. Aber es iſt zu berückſichtigen, daß die Heubereitung auf die Gewinnung der Samenkörner nicht Bedacht nimmt. Bei dem wiederholten Rühren, Wenden, Schlagen des Dürrfutters geht der größte Teil der reifen Samen ſchon auf der Wieſe verloren, indem die loſe ſitzenden Früchte ausfallen oder die Samenköpfe abbrechen; und auf die in den Heuſtock gelangten Samen iſt auch nicht zu rechnen, weil ſie bei dem Schwitzen und Erhitzen der Futtermaſſe ihre Keimfähigkeit einbüßen. Sofern die Witterung es nicht anders verlangt, iſt es immer ratſam, lieber zwei Tage zu früh als zu ſpät mit der Heuernte zu beginnen, und es bringt dem Landwirt keinen Vorteil, wenn er, um gute Heublumen zu gewinnen, das Futter auf der Wieſe überreif werden läßt. Hiermit iſt vielmehr ein dreifacher Nachteil verknüpft. Erſtens wird der Boden ſtärker angegriffen, zweitens werden die Pflanzenſtöcke entkräftet und drittens wird das Futter entwertet. Man erntet kein nahrhaftes Heu, ſondern gehaltloſes Stroh, und die Samenkörner bleiben doch größtenteils auf der Wieſe zurück. Futterbau und Samenbau laſſen ſich eben nicht auf demſelben Felde gleichzeitig betreiben. Deshalb iſt hier, wie in ſo vielen andern Fällen, der Arbeitsteilung im großen das Wort zu redeu. Wir in der Schweiz verlegen uns hauptſächlich auf den Futterbau und trachten mit allen Mitteln der Kunſt und der Wiſſenſchaft darnach, möglichſt viel und möglichſt gutes Futter für unſere Braunen und Flecken zu gewinnen. Andere Länder, in denen ein trockneres Klima herrſcht, mögen ſich auf den Körnerbau und beſonders Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? 31 auch auf den Gras⸗ und Kleeſamenbau verlegen. Handel und Verkehr werden dann ſchon dafür ſorgen, daß wir die zur Bepflanzung unſerer Futterflächen nötigen Sämereien billiger und beſſer beziehen, als wir ſie ſelbſt erzeugen können. Die ganze Welt iſt ein Land. Indeſſen gibt es in der Schweiz auch Gegenden, z. B. in den Kantonen Thurgau, Schaffhauſen, Zürich(Rafzer⸗Feld), Baſelland, Aargau, Solothurn, Bern, Waadt, Wallis, wo der Klee⸗ und Grasſamenbau mit Vorteil neben dem Getreide⸗ und Hackfruchtbau betrieben werden kann. Insbeſondere wäre es zu wünſchen— ſo ſchrieb ich ſchon im Jahr 1890— daß der Same von einigen für unſere Ver⸗ hältniſſe wertvollen Arten oder Sorten, wohlverſtanden jede Sorte für ſich und im reifen Zuſtand, ſorgfältig geſammelt und auf gut gereinigten, für dieſen Zweck paſſenden Feldern regel⸗ recht gezüchtet und vermehrt würde. Die landyirtſchaftliche Schule auf der Rütti bei Bern iſt hierin mit gutem Beiſpiel vorangegangen. So können auf ſonnig gelegenen Naturwieſen namentlich die Köpfe unſeres ſchweizeriſchen Mattenklees, die im Emdgras zuweilen in Menge zur Reife gelangen, durch einfaches Ab⸗ pflücken geſammelt werden; und in den Wäldern, beſonders in den jungen Pflanzungen, zeigt ſich oft eine ſolche Menge von äußerſt kräftigen Knaulgraspflanzen, daß ſich der reife Samen durch Abſicheln der Halmſpitzen mit leichter Mühe in vorzüg⸗ licher Beſchaffenheit gewinnen läßt. Ähnlich wie in der Schweiz verhält es ſich in den benachbarten Ländern. Eine derartige Samenauswahl und Samenzüchtung iſt aber ſelbſtverſtändlich etwas ganz anderes, als die immer noch ge⸗ bräuchliche Heublumenſaat, die wahrſcheinlich von den alten Römern nach Helvetien übertragen wurde. Die Heublumenſaat kann nur noch bei dem einfachen und extenſiven Betrieb des Futterbaus, wie er auf den Alpen und Voralpen am Platz iſt, in Betracht kommen; überall dagegen, wo der künſtliche und intenſive Betrieb angezeigt iſt, da müſſen wir uns von der Heublumenſaat frei machen, um uns der Kleegrasſaat zuzuwenden. Die niederſchlagreichen Alpen und die feucht ge— legenen Wieſen und Weiden der Marſchen und der Flußtäler ſind die Stätte des Naturfutterbaus. Für 32 Heublumenſaat oder Kleegrasſaat? dieſe Lagen gilt das Wort: Die Wieſe iſt immer fertig, immer bereit Futter zu tragen. Das trocknere, zum Ackerbau geeignete Land von den Niederungen aufwärts bis zur Höhe von 600, 700, 800 Meter über dem Meer iſt die Stätte des Kunſtfutterbaus. Für dieſe Gegenden gilt das Lied: Witt Kunſtfuetter mache, laß d' Heublueme ſi, Bi dr Heubluemeſaat iſt kei Sege derbi, Mach Heublueme chunt nüt als Chrut und als Wueſt, Spitzwegiſſ und Bange und Bluemegeblueſt. Witt Kunſtfuetter mache, ſä Chleegrasgemiſch, Das chunt dir halt füre ſo fröli, ſo friſch, Das git ſcho im erſte Summer drei Schnitt, Und ſchüli guets Fuetter, halt beſſer nützt nüt. Reinſaat oder Miſchſaatd Unſere Naturwieſen, vom Flachlande aufwärts bis zu den höchſten Alpen, zeigen in ihrer Raſennarbe einen gemiſchten Beſtand, und es macht den Eindruck, daß es den Futter⸗ pflanzen gefällt, dicht gedrängt in buntem Durcheinander zu wachſen. Bei dem Kunſtfutterbau, bei dem der Landwirt die Er⸗ zeugung des Pflanzenbeſtandes nicht der Natur überläßt, ſondern ſelbſt in die Hand nimmt, unterſcheiden wir Reinſaat und Miſchſaat. Die Reinſaat, bei der eine einzige Pflanzenart den Be⸗ ſtand bildet, iſt bei den Futterkräutern, namentlich bei Rotklee, bei Luzerne und bei Eſparſette, noch viel im Gebrauch. Bei den Futtergräſern kommt ſie nicht mehr vor, es ſei denn, daß die Gräſer zur Samengewinnung angebaut werden. Die Miſchſaat, bei der künſtlich ein Gemiſch oder Ge⸗ menge von verſchiedenartigen Futterpflanzen hergeſtellt wird, hat ſeit etwa 60 Jahren Eingang gefunden. Vornehmlich wurden und werden kleeartige und grasartige Pflanzen zur Her⸗ ſtellung des Gemenges benutzt. Deshalb ſind die Ausdrücke: Kleegrasbau, Kleegrasſaat, Kleegrasmiſchung berechtigt und bezeichnend. Das Gemenge von Rotklee und italieniſchem Raigras iſt ein bekanntes Beiſpiel einer Kleegrasmiſchung. In dieſer Miſchung iſt nur eine Kleeart und eine Grasart ver⸗ treten; es können aber auch Kleegrasmiſchungen aus mehreren Klee⸗ und Grasarten zuſammengeſetzt werden.— Neben den Kleegrasmiſchungen gibt es Kleemiſchungen und Gras— miſchungen. Eine Kleemiſchung enthält zwei oder mehrere verſchiedene Kleearten, aber keine Gräſer; z. B. bilden Rotklee, Luzerne und Eſparſette zuſammen eine Kleemiſchung. Ebenſo Nowacki, Kleegrasbau. 5. Auflage. 3 34 Reinſaat oder Miſchſaat? ſollte der Ausdruck Grasmiſchung auf jene Miſchungen be⸗ ſchränkt werden, die zwei oder mehrere verſchiedene Grasarten, aber keinen Klee enthalten; italieniſches Raigras, Knaulgras, Goldhafer und Wieſenriſpengras bilden z. B. eine Grasmiſchung. Zunächſt denkt man indeſſen, wenn man von einer Miſchung ſpricht, an eine Kleegrasmiſchung, weil man gewöhnlich Klee⸗ und Grasarten zuſammen in die Miſchung aufnimmt. Es ſchien mir nun am Platze zu ſein, durch vier mit Maß und Gewicht überwachte Parallelverſuche die Frage zu prüfen, ob für die Zwecke der Futtergewinnung unter den Ver⸗ hältniſſen, wie ſie auf dem landwirtſchaftlichen Verſuchsfeld der techniſchen Hochſchule und ſonſt in der Schweiz vielfach gegeben ſind, die Reinſaat oder die Miſchſaat den Vorzug verdient? Dabei wollte ich zugleich praktiſch ermitteln und näher feſtſtellen, ob und wie die Lehren und Vorſchriften Kühns unter den ſchweizeriſchen Verhältniſſen die Probe beſtehen. Die Verſuche begannen im Frühling 1880. Es ſtand ein Grundſtück mit ſchwerem Lehmboden in der Größe von 72 Ar zur Verfügung. Das Feld wurde in vier Parzellen von je 126,2 m Länge und 12,4 m Breite abgeteilt, ſo daß der Flächen⸗ raum jeder Parzelle 1565 qm betrug. Zwiſchen den Parzellen blieben Wege von 1 m Breite. Unten und oben fiel ein Stück ab als Schutzſtreifen. Man vergleiche die Skizze des Kultur⸗ plans auf Tafel II(S. 35). Im übrigen iſt die Anlage des Vexrſuchs aus der nach⸗ ſtehenden Tabelle zu erſehen, in der der Überſichtlichteit wegen nur die ganzen Zahlen aufgeführt ſind. Stärke der Koſten der Parzelle Art der Saat Saat Saat pro Hektar kg pro Hektar Fr. I Klee..... 32 54 II Luzerne... 51 107 III Kleegras... 134 196 IV Gras... 105 138 In bezug auf die Art und Stärke der Saat, woraus ſich die Koſten der Saat von ſelbſt ergeben, bemerke ich im einzelnen noch folgendes: —— Reinſaat oder Miſchſaat? 35 Tafel II. Kulturplan des landwirtſchaftlichen Verſuchsfeldes von 1880 bis 1889 Schutzſtreifen 12,4 m 12,4 m I. Parzelle: Klee (Reinſaat). II. Parzelle: Luzerne (Reinſaat). III. Parzelle: Kleegras (Miſchſaat). IV. Gras(1565 Quadratmeter) III. Kleegras(1565 Quadratmeter) II. Luzerne(1565 Quadratmeter) I. Klee(1565 Quadratmeter) IV. Parzelle: Gras (Reine Grasmiſchung). 12,4 m 12,4 m Schutzſtreifen 36 Reinſaat oder Miſchſaat? 1. Die I. Parzelle erhielt eine Reinſaat von Klee. Der Klee war gewöhnlicher Rotklee oder ſogenannter Ackerklee, Trifolium pratense sativum. 2. Die II. Parzelle erhielt eine Reinſaat von Luzerne, Medicago sativa. 3. Die III. Parzelle erhielt eine Miſchſaat von mehreren Klee⸗ und Grasarten; es war alſo eine Kleegrasſaat. Die Kleegrasmiſchung war zuſammengeſetzt wie folgt: pro Hektar kg 1 Rotklee, Trifolium pratense sativum... 2,8 Kleearten/ Luzerne, Medicago sativa....... 9,6 Weißklee, Trifolium repens...... 6,4 28,8 Italieniſches Raigras, Lolium italicum... 25,6 Engliſches„, perenne... 16,0 Grasarten Franzöſiſches„ Avena elatior.... 25,6 Knaulgras, Dactylis glomerata..... 25,6 Fioringras, Agrostis alba stolonifera 12,8 105,6 Klee⸗ und Grasſamen im ganzen 134,4 4. Die IV. Parzelle erhielt eine reine Grasmiſchung ohne Klee. Die Grasmiſchung war hier dieſelbe, wie auf der III. Parzelle. Um jedes Mißverſtändnis auszuſchließen, will ich ihre Zuſammenſetzung nochmals angeben: pro Hektar kg Italieniſches Raigras, Lolium italicum.. 25,6 Engliſches 5, 5 perenne... 16,0 Grasarten Franzöſiſches Avena elatior.... 25,6 Knaulgras, Dactylis glomerata..... 25,6 Fioringras, Agrostis alba stolonikera 12,8 Grasſamen im ganzen 105,6 Alle vier Parzellen wurden ohne Überfrucht angebaut. Die Ausſaat war durchweg ſo ſtark bemeſſen, daß ſie auch ohne Überfrucht zu einem vollen Beſatz der Parzellen genügen konnte. Die ſtärkſte Ausſaat entfiel auf die Kleegrasparzelle(III); hier wurde das Verhältnis nach dem Grundſatz der doppelten Voll⸗ ſaat abſichtlich ſo gewählt, daß die Kleeſamen für ſich allein und ebenſo die Grasſamen für ſich allein zur Saat aus⸗ reichten, wobei es dem Kampf ums Daſein vorbehalten blieb, den Pflanzenbeſtand dem Standort anzupaſſen. Reinſaat oder Miſchſaat? 37 Die Sämereien, die ich mit eigener Hand durch Kreuz⸗ ſaat möglichſt gleichmäßig verteilte, wurden mit dem Schollen⸗ brecher angewalzt. Der Pflanzenbeſtand war nach dem Aufgehen auf allen vier Parzellen ſehr gleichmäßig und gut geſchloſſen, aber trotz der ſtarken Ausſaat durchaus nicht zu dicht. Anfänglich zeigte ſich ziemlich viel Ackerunkraut, deſſen Samen von früher im Boden gelegen hatte; aber nach dem erſten Schnitt ſtanden die vier Saaten ſo rein und ſchön, daß es viel Ver⸗ gnügen bereitete, ſie anzuſchauen und miteinander zu vergleichen. Selbſtverſtändlich erhielten alle vier Parzellen möglichſt genau dieſelbe Behandlung und Düngung. Die Verhältniſſe waren überhaupt in allen Beziehungen gleich; einzig und allein die Art der Saat war verſchieden. Die Verſuche wurden zehn Jahre, von 1880— 1889 durch⸗ geführt, um die Entwicklung und Veränderung der Pflanzen⸗ beſtände zu beobachten. Auch die Erträge wurden während der ganzen Verſuchsdauer mit der Wage ermittelt. Weil aber auf keiner der vier Vergleichsparzellen der Reinbeſtand erhalten blieb, ſo können für die Beantwortung der Frage: Reinſaat oder Miſchſaats höchſtens die erſten drei Jahre in Betracht kommen. Die Erträge ſtellten ſich wie folgt: Geſamtertrag an Heu und Emd pro Hektar in Kilogramm in den drei Jahren 1880— 1882 1 i1 III IV Jahr Klee Luzerne Kleegras Gras 1880 6 242 5 923 9 073 6 646 1881 10 862 11 099 12 012 4620 1882 8958 14 524 12 965 11 917 Mittel aus 3 Jahren 8 687 10 515 11 350 7 728 Vergleicht man die vorſtehenden Ertragszahlen der vier Parzellen miteinander, ſo erſieht man, daß das Kleegras (III. Parzelle) im erſten Jahr weitaus den höchſten Ertrag ge⸗ liefert hat. Der Ertrag iſt auf der Kleegrasparzelle etwa um ein Drittel höher, als auf den drei übrigen Parzellen. Auch im zweiten Jahr hat das Kleegras den höchſten Er⸗ trag gegeben. Jetzt hat ſich aber auch der Ertrag bei dem Klee und bei der Luzerne bedeutend gehoben. Die Grasparzelle fällt dagegen im zweiten Jahre ſehr beträchtlich ab. 38 Reinſaat oder Miſchſaat? Im dritten Jahre nimmt die Luzerne den erſten Platz ein. Dann folgt das Kleegras. Die Grasparzelle, deren Ertrag im Vergleich zum Vorjahr(durch das Auftreten von wildwachſendem Weißklee) ſich mehr als verdoppelt hat, rückt auf den dritten Platz. Am geringſten iſt der Ertrag im dritten Jahre bei dem Klee. Das dreijährige Mittel ſtellt ſich bei dem Klee⸗ gras am höchſten, ſelbſt dann, wenn man neben der Menge auch die Güte des Futters und außerdem die Koſten für das Saatgut berückſichtigt. Allerdings führen reiner Rotklee und reine Luzerne eine größere Menge von ſtickſtoffhaltigen Nährſtoffen in den Stall, und da dieſe am teuerſten ſind, ſo hat nach dem Nährſtoffgehalt 1 kg Rotklee oder Luzerne einen höheren Wert, als 1 kg Gras oder Kleegras. Wenn man aber neben dem Nährwert auch die Gedeihlichkeit und die Ausnutzung in Betracht zieht, ſo wird man einem Kleegrasgemenge, das zur Hälfte aus Klee und Luzerne, zur Hälfte aus Gräſern beſteht, den erſten Platz ein⸗ räumen. Im vorliegenden Fall dürfen wir für das Futter von allen vier Verſuchsparzellen ſchon um deswillen den gleichen Wert annehmen, weil ſich alle Reinſaaten, wie wir ſogleich näher dartun werden, im zweiten oder dritten Jahre in Miſch⸗ ſaaten verwandelten. Wir berechnen daher 1 kg Heu und Emd durchweg zu 8 Rappen. Ein emnheitlicher Satz empfiehlt ſich ſchon der Einfachheit wegen, und aufs Haar genau läßt ſich der Futterwert ja ohnehin nicht ſchätzen. Hiernach ſtellt ſich die Rechnung, unter Berückſichtigung der Koſten für das Saat⸗ gut, wie folgt: I. Parzelle. Klee. Reinſaat. Ertrag an Heu(Mittel aus 3 Jahren) 8687 kg pro Hektar, Geldwert(1 kg Heu à 0,08 Fr.)....... 694,96 Fr. Saatgut ab(auf 3 Jahre verteilt, pro Jahr).... 18,00„ Bleiben 676,96 Fr. II. Parzelle. Luzerne. Reinſaat. Ertrag an Heu(Mittel aus 3 Jahren) 10515 kg pro Hektar, Geldwert(1 kg Heu à 0,08 Fr.)....... 841,20 Fr. Saatgut ab(auf 3 Jahre verteilt, pro Jahr). 35,66„ Bleiben 805,54 Fr. III. Parzelle. Kleegras. Miſchſaat. Ertrag an Heu(Mittel aus 3 Jahren) 11350 kg pro Hektar, Geldwert(1 kg Heu à 0,08 Fr.)........ 908,00 Fr. Saatgut ab(auf 3 Jahre verteilt, pro Jahr). 65,33„ Bleiben 842,67 Fr. Reinſaat oder Miſchſaat? IV. Parzelle. Gras. Reine Grasmiſchung. Ertrag an Heu(Mittel aus 3 Jahren) 7728 kg pro Hektar, Geldwert(1 kg Heu à 0,08 Fr.)........ 618,24 Fr. Saatgut ab(auf 3 Jahre verteilt, pro Jahr).. 46,00„ Bleiben 572,24 Fr. Nach dieſer Berechnung läßt ſich das Ergebnis der Ver⸗ ſuche in den Satz zuſammenfaſſen: Die Miſchſaat hat vor der Reinſaat den Vorzug. Für die Richtigkeit dieſes Satzes erbrachten die Verſuche noch einen anderen, ganz unerwarteten und höchſt intereſſanten Beweis, der zugleich zur Erläuterung und Begründung der vor⸗ ſtehend mitgeteilten Ertragszahlen und Geldwertberechnungen dienen kann. Auf der I. Parzelle, wo reiner Klee angeſät worden war, zeigte ſich nämlich ſchon im zweiten Jahre eine auffallende Menge von Naturgras, das ſich von ſelbſt eingefunden hatte. Das wildwachſende Gras war hauptſächlich gemeines Riſpengras. Ich kann verſichern, daß unter dem Kleeſamen keine Spur von Grasſamen vorhanden war, und ich wiederhole, daß ich alle vier Parzellen mit eigener Hand beſät habe.— Die Natur hatte alſo aus der Reinſaat eine Miſchſaat gemacht. Klee war geſät worden, gewachſen war Kleegras. Auf der II. Parzelle, die mit Luzerne angebaut worden war, wiederholte ſich dieſelbe Erſcheinung in verſtärktem Maße. Hier fand ſich das Naturgras, und zwar wieder das gemeine Riſpengras, in ſolcher Menge von ſelbſt ein, daß die Parzelle mindeſtens zur Hälfte mit Gras beſetzt war, und auffallender⸗ weiſe war die Miſchung von Naturgras und Luzerne über die ganze Parzelle von einem Ende bis zum andern ſo gleichmäßig, als wenn das Gras kunſtgerecht angeſät worden wäre.— Die Natur hatte alſo auch hier aus der Reinſaat eine Miſchſaat gemacht. Luzerne oder blauer Klee war geſät worden, gewachſen war Kleegras. Wie verhielt ſich nun aber die IV. Parzelle, die mit reinem Gras, ohne eine Spur von Klee, beſät worden war? Hier war der Pflanzenbeſtand im erſten Jahre untadelhaft und demgemäß der Ertrag zwar bei weitem nicht ſo hoch, wie auf der Kleegrasparzelle, aber doch merklich höher, als auf der Klee⸗ und auf der Luzerneparzelle. 40 Reinſaat oder Miſchſaat? Im zweiten Jahr dagegen machte das Gras, obwohl über Winter mit Stockmiſt gedüngt worden war, mit ſeinen gelblichen und fleckigen Blättern einen kränklichen und ſchwächlichen Ein⸗ druck. Die Pflanzen des italieniſchen und engliſchen Raigraſes, die auch im zweiten Jahr den Hauptbeſtand bildeten, hatten ihre Kraft im erſten Jahr zu ſehr erſchöpft. Der Ertrag der IV. Parzelle war denn auch ſehr gering, noch nicht halb ſo hoch als auf den übrigen drei Parzellen. Nun aber zeigte ſich auf der Grasparzelle ſchon im zweiten Jahr hier und da ein Pflänzchen von wildwachſendem Weiß⸗ klee, und der vermehrte und beſtockte ſich während des dritten Jahres in dem Grade, daß die ganze Parzelle von einem Ende bis zum andern ganz dicht mit Klee bewachſen war. Jetzt be⸗ kam auch das zwiſchen den Weißkleepflanzen hoch empor⸗ wachſende Gras— es war jetzt hauptſächlich franzöſiſches Rai⸗ gras, Knaulgras und Wieſenſchwingel— eine geſunde grüne Farbe, und der Ertrag hob ſich durch den Naturklee ſo be⸗ deutend, daß er ſich dem Ertrag der Kleegrasparzelle näherte und den Ertrag der Kleeparzelle erheblich übertraf.— Die Natur hatte auch hier aus der Reinſaat eine Miſchſaat gemacht. Das Gras, das geſät worden, verwandelte ſich im dritten Jahre in Kleegras. Dreimal hatte alſo die Natur bei den in Rede ſtehenden Verſuchen die Reinſaat in eine Miſchſaat umgewandelt. Hier erzeugte ſie Gras unter dem Klee, dort unter der Luzerne, am dritten Orte lockte ſie umgekehrt Klee unter dem Gras hervor. Das Reſultat war in allen drei Fällen dasſelbe: die Herſtellung eines Kleegrasgemenges. Einen ſchlagenderen Beweis für die Zweckmäßig⸗ keit und Vorzüglichkeit der Kleegrasſaat kann es nicht geben. Dieſen Beweis hat die Natur geliefert und die Natur iſt die beſte Lehrmeiſterin für den, der ihre Winke verſteht. Fragen wir uns, auf welche Weiſe hat die Natur das Gras unter dem Klee und auf welche Weiſe hat ſie den Klee unter dem Gras erzeugt, ſo läßt ſich die Antwort geben: die wildwachſenden Gras⸗ und Kleepflanzen, um die es ſich im vorliegenden Falle handelt, ſind aus Samen entſtanden, der von früher und zwar ſeit mehreren Jahren im Erdboden ſchlummerte. Reinſaat oder Miſchſaat? 41 Mit dem Dünger iſt der Same nicht auf das Feld gebracht worden, denn auf den zwiſchen den Parzellen befindlichen, 1 m breiten Wegen zeigten ſich die wildwachſenden Pflanzen ebenfalls, trotzdem die Wege nicht mitgedüngt wurden. Ohnehin wurden alle Parzellen gleichmäßig gedüngt und dennoch waren die wild⸗ wachſenden Pflanzen auf der J. und II. Parzelle andere, als auf der IV. Parzelle. Die Hauptfrage iſt alſo die: Warum erzeugte die Natur einerſeits auf der I. und II. Parzelle Gras unter dem Klee und unter der Luzerne, und warum erzeugte ſie andererſeits auf der IV. Parzelle Klee unter dem Gras? Antwort: Unter den Gräſern finden die Kleepflanzen und unter dem Klee finden die Graspflanzen die natür⸗ lichen Bedingungen ihres Wachstums und Gedeihens. Deshalb ergänzt die Natur in einer Reinſaat die fehlende Pflanzengruppe und verwandelt ſo den Rein⸗ beſtand in einen gemiſchten Beſtand. Dieſe Antwort, die ich im Jahre 1883 gab, iſt im all⸗ gemeinen noch heute richtig; in einer Beziehung können wir ſie aber ergänzen und näher erläutern, weil die Wiſſenſchaft in⸗ zwiſchen fortgeſchritten iſt. Wir durchſchauen jetzt viel klarer als früher, daß in der Lebensweiſe der Gräſer und der Kleearten ein ſcharf ausgeprägter Gegenſatz beſteht. Die Kleearten ſind Stickſtoffſammler, die Gräſer ſind Stickſtofffreſſer. Mit dieſen beiden Ausdrücken hat Schulz⸗ Lupitz das Weſen der Sache treffend bezeichnet. Die Gräſer ſind Stickſtofffreſſer, denn ſie müſſen mit Stickſtoff in Form von Gülle, Chileſalpeter uſw. gefüttert werden. Die ganze Stickſtoffmenge, die in ihren Leib wandert, wird der Vorratskammer des Bodens entnommen, und die Vorratskammer muß immer reichlich gefüllt ſein, ſonſt werden unſere Pfleglinge auf dem Felde oder auf der Wieſe mager und ſchwächlich, ge⸗ radeſo wie unſere Kühe im Stall, wenn ſie Hunger leiden. Die Kleearten(Rotklee, Weißklee, Gelbklee, Luzerne, Eſper, u. dgl.) ſind dagegen Stickſtoffſammler, die den Vorrat des Bodens an gebundenem Stickſtoff nicht angreifen, ſondern vielmehr den freien Stickſtoff zu ihrer Ernährung verwenden, ſo daß wir in dieſen Pflanzen ein Mittel haben, den freien 42 Reinſaat oder Miſchſaat? Stickſtoff zu ſammeln und zur Ernährung der Stickſtofffreſſer, ſeien dies nun Pflanzen oder Tiere, zu benutzen. Dabei iſt aber eins ſehr bemerkenswert. Die ſtickſtoff⸗ ſammelnden Pflanzen(Klee u. dgl.) ſind nämlich für ſich allein nicht imſtande, den freien Stickſtoff ſich anzueignen, ſie werden hierzu vielmehr nur befähigt, wenn ganz anders geartete, äußerſt kleine Pflanzen(Wurzelbakterien) mit ihnen zu⸗ ſammenwachſen und zuſammen arbeiten. Die Keime der Wurzel⸗ bakterien ſind im Boden. Wenn ſie mit einer Kleewurzel in Berührung kommen, ſo ſetzen ſie ſich feſt und veranlaſſen die Hervorwucherung der bekannten Wurzelknöllchen. Die Bakterien, die ſich in dieſen Wurzelknöllchen entwickeln und bis zur Unzahl vermehren, ſie ſind es, die die Aufnahme und Umwandlung des freien Stickſtoffs für die Kleepflanzen beſorgen oder vermitteln. Was wird nun geſchehen, wenn wir ein Stück Land in der Weiſe bepflanzen, wie ich es auf dem Verſuchsfeld getan habe? Der Boden iſt in gutem Düngungszuſtande, ebenſowohl klee⸗ und luzernefähig wie grasfähig, und wir haben vier Par⸗ zellen ſo nebeneinander liegend, wie es nachſtehende Figur ver⸗ anſchaulicht: IV III II 1 . 2 9. 2 E 8 S 3 5 2* S Auf der I. und II. Parzelle, wo wir Klee und Luzerne geſät haben, ſind nur Stickſtoffſammler vertreten. Die im Boden vorhandenen Bakterien werden ſich auf den Wurzeln des Klees und der Luzerne anſiedeln und mit dieſen vereint auf Koſten des freien Stickſtoffs Stickſtoffverbindungen und Eiweiß⸗ ſtoffe erzeugen. Dagegen werden die im Boden vorhandenen Stickſtoffverbindungen von dem Klee und der Luzerne nicht be⸗ anſprucht; der Stickſtoffvorrat des Bodens iſt für dieſe Pflanzen überflüſſig und wertlos. Was tut die Natur, um den Haushalt- zu ordnen? Sie läßt die im Boden ruhenden Graskeime hervor⸗ ſprießen, und die vielen Mäuler der Stickſtofffreſſer ſorgen jetzt dafür, daß die Nahrung, die den Stickſtoffſammlern nicht zuſagt, eben⸗ falls mit in den Kreislauf gezogen wird und nicht verloren geht. Reinſaat oder Miſchſaat? 43 Anders verhält ſich die Sache auf der IV. Parzelle, wo wir ausſchließlich Gräſer angebaut haben. Hier ſind nur Stickſtofffreſſer vertreten. Die im Boden vorhandenen Stick⸗ ſtoffverbindungen werden von den Wurzeln der Gräſer begierig aufgenommen und zur Erzeugung von Eiweißſtoffen benutzt. Dagegen ſind die im Boden vorhandenen kleeliebenden Bakterien für die Gräſer überflüſſig und wertlos. Was tut die Natur? Sie läßt die im Boden ruhenden Kleeſamen hervorkeimen, und damit iſt auch hier der Haushalt geordnet. Hieraus folgt, daß auf einem Boden, der eben⸗ ſowohl kleefähig wie grasfähig iſt, die Reinſaat der Natur zuwiderläuft. Betrachten wir jetzt noch die III. Parzelle, auf der durch die Ausſaat von vorneherein ein Kleegrasgemenge künſtlich und abſichtlich hergeſtellt wurde. Da hier Kleearten und Gräſer, d. h. Stickſtoffſammler und Stickſtofffreſſer, miteinander gemengt ſind, ſo werden die im Boden lauernden Bakterien ſich auf die Wurzeln der Klee⸗ und Luzernepflanzen ſtürzen, um mit dieſen vereint auf Koſten des freien Stickſtoffs Stickſtoffverbindungen und Eiweiß⸗ ſtoffe zu erzeugen, während die im Boden aufgeſpeicherten Stick⸗ ſtoffverbindungen von den Wurzeln der Gräſer aufgeſaugt und ebenfalls, aber auf andere Weiſe, in Eiweißſtoffe übergeführt werden. Hier iſt alſo den ſtickſtofffangenden Bakterien ſowohl wie den Stickſtoffverbindungen des Bodens Gelegenheit gegeben, ſich an der Erzeugung der Ei⸗ weißſtoffe zu beteiligen. Deshalb werden wir hier eine höhere Geſamtleiſtung zu erwarten haben, als bei der Reinſaat. Wie die mitgeteilte Tabelle zeigt, lieferte die Kleegras⸗ parzelle bei unſeren Verſuchen in der Tat den höchſten Ertrag; der Ertrag ſtellt ſich im Mittel aus den drei Jahren erheblich höher als auf den drei übrigen Parzellen, denn wir haben 11350: 10 515: 8687: 7728 kg Heu und Emd pro Hektar. In den erſten beiden Jahren tritt die Überlegenheit der Miſch⸗ ſaat noch deutlicher hervor, denn da finden wir die Ertrags⸗ zahlen: 10542: 8552: 8511: 5633. Mit dem dritten Jahre ſind die Verſuche für den Vergleich der Miſchſaat mit der Reinſaat als abgeſchloſſen zu betrachten. Schon die Ertragszahlen des dritten Jahres ſind nicht mehr 44 Reinſaat oder Miſchſaat? vergleichbar, denn auf der I. Parzelle war der geſäte Ackerklee größtenteils abgeſtorben und durch wildwachſende Pflanzen aller Art erſetzt; auf der II. Parzelle, wo reine Luzerne geſät worden, beſtand das Futter zur Hälfte aus Naturgras; und bei der IV. Parzelle, wo reines Gras geſät worden, iſt von dem Erntegewicht mindeſtens ⅛ für wildwachſenden Weißklee in Anrechnung zu bringen. Daß die Futtergewächſe die Geſelligkeit lieben, die ihnen der gemiſchte Beſtand gewährt, dafür zeugte ihr freudiges Wachs⸗ tum und ihr geſundes Ausſehen auf der Kleegrasparzelle. Es gilt dies von den Grasarten ſowohl wie von den Kleearten. Auffallend war namentlich im zweiten Jahre die dunkelgrüne Farbe und das breitere Blatt des Graſes auf Parzelle III im Vergleich zu Parzelle IV. Ebenſo zeigte der Klee auf der Klee⸗ grasparzelle(III) einen höheren Wuchs und ein größeres Blatt als auf der Kleeparzelle(I). Beſonders hervorzuheben iſt die Tatſache, daß der Rotklee auf der Kleeparzelle, alſo bei Reinſaat, im dritten Jahre größten⸗ teils verſchwunden war, während er auf der Kleegrasparzelle, alſo bei Miſchſaat, ſich erhalten hatte. Ein und dieſelbe Kleeſorte dauert demnach in der Miſchſaat länger aus, als in der Reinſaat. Im übrigen war der Beſtand der Kleegrasparzelle zwar durchweg gut und ſchön geſchloſſen, aber keineswegs gleich. Das Verhältnis zwiſchen den einzelnen Pflanzenarten war ſehr verſchieden. Auf dem unteren Teil, etwa auf ½ der Länge der Parzelle, herrſchte von den Stickſtoffſammlern der Rotklee vor und die Luzerne trat mehr zurück, auf dem oberen Teile war dagegen die Luzerne überwiegend. Der Grund hierfür liegt in der Bodenbeſchaffenheit, und es iſt ein beachtenswerter Vorteil der gemengten Saat, daß ſie dem Pflanzen⸗ beſtande Gelegenheit bietet, den verſchiedenen Zu⸗ ſtänden und Eigenſchaften des Ober⸗ und Untergrundes ſich anzupaſſen, weil hierdurch eine vollkommenere Ausnutzung des Grund und Bodens erzielt wird. Die bei unſeren Verſuchen hervorgetretenen Erſcheinungen ſtehen mit den Ergebniſſen der neueren Forſchungen über die ſtickſtoffſammelnden und ſtickſtofffreſſenden Pflanzen in völligem Einklang, und ſie beweiſen zugleich die Richtigkeit der ſchon im Jahr 1867 von Julius Kühn ausgeſprochenen Anſichten, deren weſentlicher Inhalt ſich in den Satz zuſammenfaſſen läßt: Die Miſchſaat hat vor der Reinſaat den Vorzug. Welche Kleegrasmiſchung iſt die beſted Eine Kleegrasmiſchung, die in allen Fällen und Verhält⸗ niſſen die beſte wäre, gibt es nicht. Aber es gibt in jedem be⸗ ſonderen Fall eine Miſchung, die nach menſchlicher Einſicht und Vorausſicht beſſer iſt, als jede andere: dieſe Miſchung nenne ich die beſte. Es iſt Sache des ausübenden Landwirts, in jedem beſonderen Fall die Miſchung herauszufinden, die unter den ge⸗ gebenen Verhältniſſen den günſtigſten Erfolg verſpricht. Und es iſt Sache des Verfaſſers dieſer Schrift, hierzu eine möglichſt ein⸗ fache und verſtändliche Anleitung zu geben. Zu dem Zwecke wollen wir zunächſt in aller Kürze die Pflanzen betrachten, die für den Kunſtfutterbau vorzugsweiſe in Frage kommen, um alsdann die Auswahl der Pflanzen und die Zuſammenſtellung der Miſchungen im Hinblick auf die ver⸗ ſchiedenen Verhältniſſe und Anforderungen zu beſprechen. Prüfet alles und das Beſte behaltet! I. Die Futterpflanzen. Die Pflanzen, die ſich erfahrungsgemäß vor allen andern zum Kunſtfutterbau eignen, finden wir in den beiden Familien der Kleearten und der Gräſer. Für„Kleearten“ ſollten wir genauer und richtiger„Schmetterlingsblütler“ ſagen. Doch können wir hier den volkstümlicheren Ausdruck beibehalten, wenn wir unter ihm nicht nur die eigentlichen Kleearten: Rotklee, Weißklee, Baſtardklee uſw., ſondern auch die nahe verwandten Arten: Luzerne, Eſper, Wicke uſw. verſtehen. Wir ſtellen alſo den Kleearten die Gräſer gegenüber, wobei wir uns daran erinnern, daß dieſe zu den Stickſtofffreſſern, jene zu den Stickſtoffſammlern gehören. Welche Kleegrasmiſchung iſt die beſte? A. Die Kleearten. 1. Der RKotklee oder Ackerklee(Trifolium pratense sati- vum).— Es iſt am einfachſten und für den praktiſchen Klee⸗ grasbau am zweckmäßigſten, wenn wir den auf den Feldern angebauten„Ackerklee“ als beſondere Art von dem auf unſeren Wieſen wildwachſenden„Mattenklee“ unterſcheiden. Auch hiſtoriſche und botaniſche Gründe ſprechen hierfür. Jedenfalls müſſen wir dieſe beiden Formen ſcharf auseinanderhalten, weil ihnen vom landwirtſchaftlichen Geſichtspunkt eine verſchiedene Beurteilung gebührt. Der im Stengel und im Blatt üppigere und ſaftigere Ackerklee iſt ſchnellwüchſig und kurzlebig. Er liefert, im Frühling ohne Überfrucht im Gemenge mit italieniſchem Rai⸗ gras geſät, ſchon im Jahre der Ausſaat 2—3 Schnitte; der Hauptertrag fällt in das folgende, d. h. in das zweite Jahr. In Miſchung mit Gräſern erhält ſich ein Teil der Kleepflanzen bis ins dritte, zuweilen ſelbſt bis ins vierte Jahr; gewöhnlich aber ſtirbt der größere Teil im zweiten Winter ab. Wir können daher kurz ſagen: Der Ackerklee iſt zweijährig. Saaten, die an ein ſtrengeres Klima nicht gewöhnt ſind, gehen jedoch oft ſchon im erſten Winter zugrunde. Man hat deshalb bei dem Kauf des Samens die Herkunft oder Provenienz der Ware ſorgfältig zu berückſichtigen. Am wenigſten widerſtandsfähig gegen den Winter ſind der amerikaniſche, der ſüdfranzöſiſche und der italieniſche Rotklee; die Lieferung dieſer Sorten wird zweckmäßig im Kauf⸗ vertrag ausdrücklſch ausgeſchloſſen. Zwiſchen den übrigen Sorten, insbeſondere zwiſchen dem ſchleſiſchen, ſteiriſchen und pfälzer Rotklee iſt der Unter⸗ ſchied nicht groß. Im Handelsverkehr zumal laufen dieſe Sorten durcheinander. Immerhin will ich bemerken, daß ich, wenn ich die Wahl habe, den ſchleſiſchen Rotklee vorziehe, weil dieſer unter der Vorausſetzung, daß er wirklich in der Gegend von Breslau, Poſen, Warſchau und Krakau ſeine urſprüngliche Heimat hat, hinſichtlich der Winterfeſtigkeit unübertroffen daſteht. Auch der ſteiriſche Klee, wenn er wirklich aus der oberen Steiermark ſtammt, hat ſeine entſchiedenen Vorzüge; der Same I. Die Futterpflanzen. 47 iſt aber nicht im Handel, ſondern echt nur bei ſteiriſchen Land⸗ wirten zu haben. Eine bekannte ſchweizeriſche Sorte, die ſich hier beſſer bewährt hat, als alle übrigen Sorten, iſt der Winklerklee. Leider iſt der Same auch nicht im Handel. Noch mehr, als auf die Herkunft, hat man auf die Rein⸗ heit von Kleeſeide zu achten, und ohne eine ſchriftliche Garantie von ſeiten des Verkäufers ſollte ſich der Landwirt grundſätzlich niemals auf den Kauf von Kleeſamen einlaſſen. In bezug auf den Grund und Boden iſt der Ackerklee anſpruchsvoll. Er liebt die bündigen und kräftigen Weizen⸗ und Gerſtenböden. Im Gemenge mit Gräſern gedeiht er aber, ſelbſtverſtändlich mehr oder minder gut, auf allen Bodenarten, mit Ausnahme jener, die an ſtockender Näſſe oder aber an all⸗ zugroßer Dürre leiden. Am wenigſten ſagt ihm der naſſe, ſchwammige, kalk⸗, kali⸗ und phosphorſäurearme Moostorf zu. Günſtiger verhält ſich der Riedtorf, beſonders dann, wenn er durch Dammkultur oder durch Veenkultur verbeſſert worden iſt; aber auch dann gedeihen hier Gräſer und andere Kleearten beſſer, als der Rotklee. Näheres hierüber weiter unten bei Miſchung Nr. 4. 2. Der Wieſen- oder Mattenklee(Trifolium pratense perenne).— Im Vergleich zum Ackerklee entwickelt ſich der wild⸗ wachſende Wieſen- oder Mattenklee langſamer und weniger üppig; dafür iſt er widerſtandsfähiger gegen den Winter, weniger anſpruchsvoll an den Boden und namentlich von längerer Dauer, indem er ſechs Jahre und darüber aushält. Wegen dieſer Eigenſchaften hat der Mattenklee, be⸗ ſonders für mehrjährige und dauernde Wieſenanlagen, großen Wert. Leider aber iſt der Same des echten Mattenklees ſehr ſelten oder ſo gut wie niemals im Handel zu haben. Die Samenhändler führen ihn zwar in ihren Preisverzeichniſſen, aber die Druckerſchwärze iſt geduldig; der kaufende Landwirt er⸗ hält Ackerklee und Mattenklee aus demſelben Sack. Auch jene Form des Rotklees, die von England aus unter dem Namen Kuhgras(cow-grass), Bullenklee oder eng⸗ liſcher Mattenklee in den Handel kommt, iſt ſelten echt er⸗ hältlich und ohnehin, nach meinen Verſuchen, durchaus nicht ſo 48 Welche Kleegrasmiſchung iſt die beſte? wertvoll, weil nicht ſo ausdauernd, wie unſer Naturklee. Das im botaniſchen Garten in Reinſaat, und am Abhange des Zürich⸗ bergs in Miſchſaat angebaute Kuhgras überſtand den zweiten Winter nicht. Auch auf dem Sentenhof bei Muri hat ſich der engliſche Mattenklee nicht bewährt. Die landwirtſchaftliche Schule auf der Rütti bei Bern züchtet den ſchweizeriſchen Mattenklee. Sie gibt auch Saat⸗ gut an die kaufenden Landwirte ab; aber der Vorrat iſt be⸗ ſchränkt und nicht ſo groß, um die Nachfrage zu decken. Wer alſo den echten Mattenklee erlangen will, muß ſich den Samen ſelbſt ſammeln. Auf unſern Matten bietet ſich vor der Emdernte hierzu oft Gelegenheit. In Zeit von einer halben Stunde kann ein fünfjähriges Kind einen Hut voll reifer Samenköpfe pflücken, ein älteres noch mehr: Fleißige Hände machen bald ein Ende. 3. Der Baſtardklee(Trifolium hybridum).— Der land⸗ wirtſchaftliche Wert dieſer Kleeart beſteht vornehmlich darin, daß ſie auf den Standorten(Ton, Torf und anderen naßkalten Böden), die für den Rotklee unſicher oder ganz ausgeſchloſſen ſind, als Erſatzpflanze eintreten kann. In bezug auf Schnellwüchſigkeit und Ertragsfähigkeit reicht der Baſtardklee nicht an den Ackerklee heran, aber in bezug auf Widerſtandsfähigkeit und Ausdauer(3— 5 Jahre) in rauhen und ungünſtigen Lagen übertrifft er ihn. In derartigen Lagen verdient der Anbau des Baſtardklees noch viel mehr Be⸗ achtung, als ihm bisher zuteil wurde. Der Same des Baſtardklees iſt gemeine Handelsware mit durchſchnittlich befriedigendem Gebrauchswert. Manchmal läßt jedoch die Reinheit und die Keimfähigkeit viel zu wünſchen übrig. Es kommt vor, daß der Ausputz aus Rotklee und Weiß⸗ klee ſamt der Kleeſeide dem Baſtardkleeſamen beigemengt wird. Deshalb iſt bei dieſem Samen noch mehr als bei den andern Kleeſamen die Unterſuchung und Nachunterſuchung durch die Samenkontrollſtation geboten. 4. Der weißklee(Trifolium repens).— Der gebräuch⸗ lichſte Name der Pflanze iſt„Weißklee“, bezeichnender aber iſt der Name:„kriechender Klee“. Denn auf den kriechenden und wurzelnden Stengeln, die alle leeren Plätze zwiſchen den anderweitigen Pflanzen überziehen und ein dichtes„Untergras“ ——— ⏑☛⏑ᷣ̈—y— DT½——[⏑⏑ I. Die Futterpflanzen. 49 erzeugen, beruht das Eigentümliche dieſer mehrere Jahre aus⸗ dauernden und ſich immer wieder verjüngenden Kleeart. Die innig an den Erdboden geſchmiegten und vermittelſt der Wurzeln feſtgehefteten Stengel bleiben bei dem Mähen un⸗ berührt; nur die 15— 25 em ſenkrecht emporwachſenden Stiele der Blätter und Blüten werden von der Senſe abgeſchnitten. Auf dieſen Umſtand iſt es zurückzuführen, daß das ge⸗ wonnene Futter bei dem Weißklee noch beſſer iſt, als bei den übrigen Kleearten, indem die Blätter und Blüten mit den zugehörigen Stielen an wertvollen Nährſtoffen(Eiweiß, Fett und ſtickſtofffreien Auszugsſtoffen) reicher ſind, als die holzigeren Stengel. Dabei iſt die Futtermenge, die der Weißklee liefert, größer, als man bei flüchtiger Betrachtung meint. Auf zwei genauer unterſuchten Futterflächen des Verſuchsfeldes, die einen, ſo zu ſagen, reinen Beſtand von Gräſern und Weißklee aufwieſen, fand ich in der friſchen Futtermaſſe folgendes Gewichtsverhältnis: 1 II Gras(in verſchiedenen Arten).... 65 58 Klee(faſt reiner Weißklee)...... 35 42 100 100 In einem ſo günſtigen Verhältnis, wie es dieſe Zahlen zeigen, beteiligt ſich der Weißklee freilich nicht immer an dem Ertrage; wenn er aber auch nur 10 oder 5% von der ganzen Ernte bringt, ſo iſt auch das bei dem hohen Nährſtoffgehalt. des Futters ſchon der Rede wert. Wir möchten hiernach den Anbau des Weißklees im Gemenge mit anderen Pflanzen nicht nur für die Weidenutzung, wozu er ſich allerdings in erſter Linie eignet, ſondern auch für die Gewinnung von Mähefuℳtter befürworten. Der Same iſt in guter Beſchaffenheit ohne Schwierigkeit auf dem Wege des Handels zu erlangen, und die Pflanze be⸗ gnügt ſich, mit Ausnahme des verſumpften Riedlandes, mit jeder Bodenart, die neben dem Sande einige Prozent Ton enthält. 5. Die Luzerne(Medicago sativa).— Zu ihrem freudigen Gedeihen, namentlich zur Entwicklung ihrer mächtigen Pfahl⸗ wurzel, die gewöhnlich 1—2 m lang, oft aber noch viel länger Nowacki, Kleegrasbau. 5. Auflage. 4 50 Welche Kleegrasmiſchung iſt die beſte? wird,¹) erfordert die Luzerne einen tiefgründigen, bündigen Boden mit einem trocknen, kalkhaltigen Untergrunde. Findet die licht- und wärmeliebende Pflanze zugleich einen ſonnigen Standort, ſo hält ſie viele Jahre aus, ohne von der Kälte des Winters zu leiden. Sie iſt gegen das Auswintern bei weitem widerſtandsfähiger, als der Rotklee(Ackerklee). In Gegenden mit heißem und trocknem Klima wird die Luzerne in Reinſaat, bei uns in der Schweiz, wo die reichlichen Niederſchläge den Graswuchs zu ſehr begünſtigen, zweckmäßiger in Miſchungen angebaut, in denen ſie vom zweiten Sommer an durch ſechs Jahre und länger ſehr weſentlich zur Vermehrung und Verbeſſerung des Futters beiträgt. Auf den Kleegras⸗ parzellen des Verſuchsfeldes erhielt ſich ein Teil der Luzerne⸗ pflanzen bis ins zehnte, d. h. bis ins letzte Verſuchsjahr. Es iſt ratſam, die Miſchungen, die reichlich Luzerne enthalten, zur Grünfütterung zu verwenden und womöglich dreimal oder viermal zu mähen, damit die Stengel der raſch nachwachſenden Luzernepflanzen immer im jungen Zuſtande zur Verfütterung gelangen. Den ſchönſten Luzerneſamen bezieht man aus dem ſüdlichen Franfreich, aus der Gegend von Avignon und Marſeille; in den Preisverzeichniſſen der Samenhandlungen wird die von dort ſtammende Ware als Provencer Luzerne aufgeführt. Auch das nördliche Italien liefert guten Luzerneſamen. Bei dem Abſchluß des Kaufvertrages darf der Landwirt nicht verſäumen, ſich die Herkunft und die Reinheit von Klee⸗ ſeide gewährleiſten zu laſſen, weil es bei der Luzerne ebenſo wie bei dem Rotklee minderwertige oder wertloſe Provenienzen gibt, und weil die Luzerne ebenſo häufig, wie der Rotklee, mit Seideſamen verunreinigt iſt. 6. Die Sandluzerne(Medicago media).— Dieſe eben⸗ falls ausdauernde Luzerneart iſt leicht an der Farbe der Blüten zu erkennen, die an ein und derſelben Traube zwiſchen Blau, Grün und Gelb ſpielt, während die gewöhnliche Luzerne nicht ¹) Eine dreijährige Luzernewurzel, die ich im Jahre 1883 für die ſchweizeriſche Landesausſtellung am Abhange des Zürichbergs ausgrub, hat ohne den haarfeinen Spitzenteil, der trotz aller Vorſicht abriß und im Boden zurückblieb, eine Länge von 1,48 m. Ihre wirkliche Geſamtlänge war auf mindeſtens 1,70 m anzunehmen. I. Die Futterpflanzen. 51 farbenwechſelnde, ſondern gleichgefärbte dunkelblaue oder hell⸗ blaue Blütentrauben aufweiſt. In der Schweiz habe ich die Sandluzerne wiederholt gefunden, aber nicht angebaut, ſondern verwildert. In Nord⸗ deutſchland, wo ich ſie auf lehmigem Sandboden angebaut ſah, konnte ich beim Ausgraben einer Schafwäſche in den 1860er Jahren beobachten, daß die Pfahlwurzel der Sandluzerne an Länge der blauen Luzerne nicht nachſteht. Da die Wurzel in der Tiefe von 2 m kleinfingerdick war, ſo ergab ſich für die Geſamtentwicklung folgendes Bild: Bei 2 m Länge kleinfingerdick, 5, bei 8 m Länge millimeterdick, „ 4„„ federlkieldick,„ 9„„ pferdehaardick, „ 6„„ ſtrricknadeldick,„ 10„„ verſchwindend. Beträgt die Lebensdauer 10 Jahre, ſo berechnet ſich im Durchſchnitt pro Jahr 1 m Längenzuwachs. Bei der blauen Luzerne findet man in der Literatur öfter eine Nutzungsdauer von 15 Jahren Thaer ſah in ſeinem Garten einzelne Stöcke 30 Jahre aushalten. Bei 30 jähriger Dauer berechnet ſich im Durchſchnitt pro Jahr 33 cm Längenzuwachs, um 10 m Tiefe zu erreichen. Der Anbau der Sandluzerne iſt auf ſolchen Böden am Platz, die für die gewöhnliche blaue Luzerne zu leicht ſind. Für ſandigen, in der Tiefe kalkhaltigen Boden iſt ſie eine wertvolle Futterpflanze. Der Same der Sandluzerne kommt im Handel vor, wenn auch nicht ſo allgemein, wie der Same der gewöhnlichen Luzerne. In dem Preisverzeichnis von Metz& Co. in Steglitz bei Berlin wird die Sandluzerne in hochfeiner Ware ungefähr zu demſelben Preiſe angeboten wie die Provencer blaue Luzerne. 7. Der Gelbklee oder die Hopfenluzerne(Medicago lupulina).— Dieſe ſchnellwüchſige, nur ein- bis zweijährige Futterpflanze kommt dann in Betracht, wenn es ſich um die Bebauung von Böden handelt, auf denen der Rotklee gar nicht oder nur unſicher gedeiht. Derartige Böden ſind: lehmiger und mergeliger Sand und Grand, naßkalte Böden verſchiedener Art, und torfiges oder mooriges Land. Wie J. Kühn mitteilt, wirkt der Gelbklee als Grünfutter nicht günſtig auf die Milchſekretion, gibt ſonſt aber und namentlich als Heu ein vortreffliches Futter(S.). 4* 52 Welche Kleegrasmiſchung iſt die beſte? Der Same des Gelbklees iſt ſo gemein und wohlfeil, daß er oft zur Verfälſchung des teureren Rotklee⸗ und Luzerne⸗ ſamens gebraucht oder vielmehr mißbraucht wird. 8. Die Eſparſette(Onobrychis sativa).— Zur Aus⸗ nutzung warm gelegener, trockner, kalkreicher Böden, auf denen andre Futtergewächſe von der Dürre leiden, hat die Eſparſette großen Wert. Sie wird dort gewöhnlich in Reinſaat angebaut, dauert vermöge ihrer tiefgehenden Wurzel viele Jahre aus und liefert ein vorzügliches Futter, aber in der Regel nur einen, je nach dem Standort, mehr oder weniger ergiebigen Schnitt. Auf weniger hitzigen Kalk⸗ und Mergelböden kann ſie auch mit andern Kleearten und mit Gräſern zuſammen in die Miſchungen, ſelbſtverſtändlich zu mehrjähriger Nutzung, aufgenommen werden. Über den Samen nur drei Bemerkungen: 1. Die in den Verzeichniſſen der Samenhandlungen zu einem höheren Preiſe angebotene„zweiſchürige“ Eſparſette hält meiſt nicht, was ſie verſpricht. 2. Die Provenienzen aus Mähren, Ungarn und Frankreich halten nach der Ausſaat nur 4 Jahre aus. 3. Den beſten Eſperſamen liefert das Waadtland in der Weſtſchweiz. 9. Die Zaunwicke(Vicia sepium).— Indem ich auf dieſe ſehr verbreitete, aber wenig gewürdigte Futterpflanze auf⸗ merkſam mache, bitte ich zu beachten, daß ich nicht von der Vogelwicke(Vicia Cracca), ſondern von der Zaunwicke(Vicia sepium) rede. Beide ſind leicht zu unterſcheiden. Die Vogel⸗ wicke hat 10— 12 paarige, graugrüne, ſchmale Blätter und eine reichblütige Blütentraube; die Zaunwicke dagegen eine armblütige Traube und 3—8 paarige, ſaftig⸗grüne, breit⸗eiförmige Blätter. Für die Anlage von Dauerwieſen auf ſchweren und leichteren Böden hat die Zaunwicke(in Miſchung mit Gräſern) aus dem Grunde großen Wert, weil es uns an recht aus⸗ dauernden Kleearten fehlt. Auch der wildwachſende Mattenklee (Trifolium pratense perenne), obwohl ebenfalls ſehr wertvoll, kann ſich in bezug auf das Ausdauern mit der Zaunwicke nicht meſſen. Der Schotenklee(Lotus corniculatus) ebenſowenig. Wo die Zaunwicke ſich einmal eingewurzelt hat, wird ſie wohl niemals wieder verſchwinden. Es beruht dies darauf, daß ſie ihre Erhaltung und Verbreitung nicht nur durch die Aus⸗ ſtreuung des Samens, ſondern namentlich auch durch die Ent⸗ wicklung unterirdiſcher, nach allen Seiten fortkriechender Raſen⸗ I. Die Futterpflanzen. 53 läufer bewirkt. Nebenbei geſagt, iſt die Pflanze, wie die zahl⸗ reichen Wurzelknöllchen beweiſen, ein echter Stickſtoffſammler. Bietet ſich Gelegenheit, den Samen von der wildwachſenden Pflanze zu ſammeln, ſo ſollte ſie wahrgenommen werden. Im Jahre 1881 beſichtigte ich mit einem Samenhändler im weſt⸗ fäliſchen Schiefergebirge ein größeres Stück Naturwieſe(früheres Ackerland), das dicht beſetzt war mit Zaunwicke im Gemenge mit Vogelwicke. Hier konnte man ernten, ohne geſät zu haben. Der Schnitt muß rechtzeitig erfolgen, weil die reifen Hülſen aufſpringen und den Samen fortſchleudern. Den reinſten und beſten Samen gewinnt man durch Abpflücken in dem Zuſtand der Reife, wenn die grüne Farbe der Hülſen in die ſchwarze übergeht. Der Vollſtändigkeit wegen bemerke ich, daß es hier noch einen andern Weg der Fortpflanzung gibt. Bietet ſich Gelegen⸗ heit dazu, ſo ſammelt man beim Umpflügen oder Umhacken eines alten Beſtandes A die Raſenläufer der Zaunwicke, legt ſie auf dem mit Klee⸗ und Grasſamen beſchickten Saatbett B in 5 cm tiefe, 50 cm voneinander entfernte Rillen und fährt mit der Ringelwalze darüber. Auch auf dieſem Wege gelangt man zum Ziel, aber mühſamer als bei der Verwendung des Samens. Zum teilweiſen Erſatz und zur Ergänzung der Zaunwicke empfehlen ſich der Sumpfſchotenklee(Lotus uliginosus), und die gelbblühende Wieſenplatterbſe(Lathyrus pratensis), die ebenſo ausdauernd und im Futter noch wohlſchmeckender ſind, als die Zaunwicke. Ein viel mächtigeres Gewächs iſt die Wald⸗ platterbſe(Lathyrus silvestris), von der ich auf dem Adlis⸗ berg bei Zürich in 10 Minuten ſoviel Samen geſammelt habe, um 10 am damit zu bepflanzen. Sie paßt aber nicht in das Kleegrasgemenge, weil ſie nur auf ganz trocknem Untergrund gedeiht, wo die Wieſenpflanzen den Dienſt verſagen. Eher könnte die Heckenwicke(Vicia dumetorum) in Betracht kommen. Ich rate aber, die Zaunwicke feſt im Auge zu behalten, auf die uns die Natur in erſter Linie hinweiſt. Bei der nötigen Sachkenntnis, Energie und Ausdauer muß die Samengewinnung und Samenzüchtung bei der Zaunwicke gelingen, ſo gut wie bei Raps und Rübſen, Erbſen und Lupinen, die ja auch den reifen Samen fallen laſſen. Auch bei der Getreideernte darf man nicht warten bis zur natürlichen Reife. 54 Welche Kleegrasmiſchung iſt die beſte? In meinem Garten ſteht an einem ſüdlichen Abhange Immer⸗ grün. Dazwiſchen wuchern wildwachſend einige Stöcke der Zaun⸗ wicke. Seit drei Jahren entnahm ich jeweilen den reifen Samen und ſtreute ihn auf ein ſonnig gelegenes Raſenſtück. Anſcheinend ohne Erfolg; bis ich am 2. Mai 1913 ſechs junge Pflanzen von Vicia sepium entdeckte, die ſich bis zum Jahre 1918 er⸗ halten haben und wahrſcheinlich nie mehr verſchwinden werden. 10. Der gemeine Schotenklee(Lotus corniculatus).— Der durch ſeine feuriggelbe Blüte auffallende, ziemlich ausdauernde, aber nicht ergiebige Schotenklee zeigt ſich nicht ſelten in dem Beſtand ſonnig gelegener Halden. Der Same kommt im Handel vor, ſteht aber ſo hoch im Preiſe, daß es bei der geringen Leiſtungsfähigkeit der Pflanze nicht gerechtfertigt iſt, ihn zu kaufen. Ertragreicher als der Schotenklee iſt der Sichelklee(Medicago falcata). Wir ſehen ihn auf Bergwieſen gern, wenn er ſich von ſelbſt einſtellt; zum Anbau empfehle ich ihn ebenfalls nicht. 11. Der Sumpfſchotenklee(Lotus uliginosus).— Schließ⸗ lich will ich in der Reihe der Kleearten hier noch den Sumpf⸗ ſchotenklee erwähnen, der nur für feucht gelegene Grund⸗ ſtücke, namentlich für ſolche mit torfigem und moorigem Boden (Fluß⸗ und Bachſchlamm uſw.) in Betracht kommt, für dieſe aber unerſetzlich iſt, wenn es ſich um die Anlage von Dauerwieſen handelt. Denn ähnlich, wie die eben beſprochene Zaunwicke, behauptet auch der Sumpfſchotenklee durch Samenbildung und durch Ausſenden von Raſenläufern dauernd ſein Gebiet. Dabei liefert er ein Futter, das von allen Haustieren gern ge⸗ freſſen wird. Wenn man Samen beziehen will, ſo hat man ſich zu hüten, den Sumpfſchotenklee mit dem ſehr teuren(1) ge⸗ meinen Schotenklee(Lotus corniculatus) zu verwechſeln, und hat außerdem zu beachten, daß der Sumpfſchotenklee in den Preisverzeichniſſen der Samenhandlungen unter dem Namen: zottiger Schotenklee(Lotus villosus) aufgeſührt wird. Zur Sicherheit läßt man die unter dieſem falſchen, ſowie die unter dem richtigen Namen angebotene Ware von einer Samenkontroll⸗ ſtation beſtimmen und unterſuchen. Übrigens bietet ſich in dem großen Streuried am Pfäffiker See, wo unſere Pflanze 60— 70 cm hoch wird, eine günſtige Gelegenheit, den Samen des richtigen Sumpfſchotenklees zu ſammeln. I. Die Futterpflanzen. B. Die Gräſer. 1. Das italieniſche Raigras(Lolium italicum).— Im b Lauf der Zeit bekam ich mehr und mehr den Eindruck, daß das 1 italieniſche Raigras in ſeinem Wert für den Kunſtfutterbau unterſchätzt wird. Die Erinnerung an folgende Tatſachen wird dazu dienen, dieſe hervorragend leiſtungsfähige Grasart richtig zu beurteilen und gebührend zu würdigen. ¹ 1 Das italieniſche Raigras ſtammt aus dem milden Klima des ſüdlichen Europas. Seine urſprüngliche Heimat liegt alſo jenſeits der Alpen. Diesſeits, d. h. nordwärts der Alpen, kommt es auf den Naturwieſen hin und wieder ebenfalls vor, aber nur dann, wenn der Same mit dem Dünger ausgeſtreut worden — war. Aus dieſem Grunde erſchien es auf zwei Parzellen des . Verſuchsfeldes während der zehnjährigen Dauer des Verſuchs in auffallender Menge zweimal, nämlich in den Jahren 1883 und 1887, um jedesmal nach kurzem, zweijährigem Daſein wieder zu verſchwinden. 1 Als angebaute Kulturpflanze erlangte es zuerſt große Be⸗ deutung auf den Winterwieſen der Lombardei. Hier fand es Johann Burger auf ſeiner Reiſe nach Oberitalien im Jahre 1828. In ſeinem Lehrbuch der Landwirtſchaft, das im Jahre 1838 in 4. Auflage erſchien, berichtet er kurz darüber: Nur in einem ſo milden Klima wie in dem der Lombardei kann man Winterwieſen anlegen. Es ſind dies kunſtgerecht ge⸗ baute Rieſelwieſen, die im Herbſt gedüngt und vom Oktober bis in den März beſtändig bewäſſert werden. Das Waſſer ſchützt den Boden vor der Kälte und macht die Gräſer wachſen. Manch⸗ mal kann man die Kühe ſchon im Dezember, gewöhnlich aber von Mitte Februar grün füttern. Was man in Deutſchland nur durch Wurzelgewächſe und nahrhafte Getränke, auf eine viel koſtſpieligere Art erreicht, das gewähren dem Lombarden ſeine Winterwieſen, die ihn 9— 10 Monate lang mit friſchem Gras verſehen. Auf dieſen Winterwieſen iſt das italieniſche Raigras die vorwaltende Pflanze, die oft 16 des Ganzen beträgt. Man ſchätzt es da wegen ſeines großen Ertrages und weil es im grünen Zuſtand von den Kühen gern gefreſſen wird und ſtark auf die Milch wirkt. 56 Welche Kleegrasmiſchung iſt die beſte? Das italieniſche Raigras trägt ſeinen Namen mit Recht. u) Denn es iſt eine eigene Art, die ſich als Kulturpflanze von Italien nach der Schweiz, nach Frankreich, nach Schottland und England und nach Deutſchland verbreitete. In der Schweiz war es Emanuel v. Fellenberg, der es n Hofwyl zuerſt anbaute und mit Gülledüngung 8 Schnitte erzielte. In Frankreich verbreitete es Matthieu de Dombasle, der den Samen 1828 von Hofwyl bezog. Er kennt kein Ge⸗ wächs, von dem ſich eine ſo reiche Futterernte erwarten läßt. Den Ertrag ſchätzt er gleich dem einer zwei⸗ bis dreijährigen Luzerne. In Schottland will William Dickinſon von dem italie⸗ niſchen Raigras, bei flüſſiger Düngung nach jedem Schnitt, in 9 Schnitten, auf Heu reduziert, bis 50 000 kg pro Hektar ge⸗ erntet haben. Der Durchſchnittsertrag berechnete ſich auf 35000 kg in 7 Schnitten. Eine derartige Leiſtung hat eine lebhafte Wurzeltätigkeit und einen entſprechenden Stoffwechſel zur Vorausſetzung. Die natürliche Folge iſt eine ſtarke Erſchöpfung des Bodens. Das Heilmittel iſt der Dünger, der die verbrauchten Kräfte des Bodens wieder herſtellt. In der Tat liebt und lohnt das italieniſche Raigras den Dünger, wie kein anderes Gras, und es iſt beſonders dankbar gegen die Bewäſſerung und gegen die flüſſige Düngung. Findet es auf geſundem Standort die nötige Nahrung, ſo gedeiht es auf ſchweren und leichten Böden, auf Ton, auf Lehm, Mergel, Sand und Humus. Naßkalten und aufziehenden Boden ver⸗ trägt es nicht.. Übermäßige Düngung iſt aber auch hier vom Übel. Das habe ich im Jahr 1883 an der Landesausſtellung in Zürich erfahren. Ohne mein Wiſſen und gegen meinen Willen über⸗ ſtreute ein Händler, um Reklame für ſeine Ware zu machen, das von mir angebaute Gemenge von Rotklee und italieniſchem Raigras ſo dick mit ſeinem ſtickſtoffreichen Kunſtdünger, daß der Boden meines Beetes ganz ſchwarz ausſah. Sehr erklärlich, ¹) Burger nennt das Gras noch Lolium perenne. Später hieß es Lolium perenne italicum. Der richtige neuere, 1834 von A. Braun eingeführte Name iſt Lolium italicum. I. Die Futterpflanzen. 57 daß das Gras vor Üppigkeit ſich lagerte und den Klee gänzlich unterdrückte! Da heißt es dann:„Das italieniſche Raigras iſt das reine Gift!“ In Wirklichkeit ſteckt das Gift nicht in dem Gras, ſon⸗ dern in Form von Stickſtoffſalzen in dem Dünger, ſei es Gülle oder Chileſalpeter, Blutmehl oder ſchwefelſaures Ammon. Ubermäßige Düngung kommt in den Graswirtſchaften der Schweiz tatſächlich vor. Herr Bertſchinger in Oberwil bei Pfäffikon, von dem obiger Ausſpruch ſtammt, hat einen ſolchen Überfluß an Dünger, daß er das im Sommer gedüngte Futter zu Heu machen muß, weil die Kühe es im grünen Zuſtande verſchmähen, wie ſie ja auch das auf Geilſtellen gewachſene Gras nicht anrühren. Daß das italieniſche Raigras bei angemeſſener Behandlung die übrigen Pflanzen der Miſchung nicht unterdrückt, lehren die oben mitgeteilten Verſuchsergebniſſe. Ich wiederhole nur folgende Zahlen. Es wurden in die Miſchung aufgenommen als Teilſaat: von dem italieniſchen Raigras..... 16,5 kg „ engliſchen„... 9,9„ zuſammen 26,4 kg, während die Vollſaat pro Hektar beträgt: bei dem italieniſchen Raigras.... 40— 60 kg „„ engliſchen„.... 40— 60 im Mittel 50 kg. Die in die Miſchung aufgenommene Teilſaat betrug alſo etwa die Hälfte der Vollſaat. Dieſe ſtarke Ausſaat der ſchnellwüchſigen Gräſer hat den befriedigenden Ertrag im erſten und den hohen Ertrag im zweiten Jahre weſentlich mitbedingt. Dann verſchwanden dieſe beiden Gräſer. Die übrig bleibenden Pflanzen: franzöſiſches Raigras, Knaulgras, Wieſenſchwingel, Luzerne, Baſtardklee, Weißklee u. a. wurden aber nicht unter⸗ drückt, ſie kamen jetzt vielmehr zu voller Entwicklung; der Er⸗ trag blieb daher im 3. und 4. Jahre annähernd auf gleicher Höhe, im 5. Jahre ſtieg er noch ſehr deutlich, um im 6. Jahre ſein Maximum zu erreichen. Die betreffenden Ertragszahlen ſind pro Hektar: im Fahre 1876....... 1 783 kg „„ 1877..... 12 540 Fr 71 58 Welche Kleegrasmiſchung iſt die beſte? im Jahre 1878....... 11 873 kg „„ 1870.... 12 543„ „„ 1880....... 14 272„ 1831..... 14 459„ Meine Erfahrungen ſtimmen daher mit den Beobachtungen Metzgers überein, der das italieniſche Raigras im Jahre 1835 wahrſcheinlich als der erſte in Deutſchland anbaute. Als groß⸗ herzoglicher Garteninſpektor und Verwalter der landwirtſchaft⸗ lichen Anſtalt in Heidelberg machte er ſeine Verſuche auf kleinen Parzellen. Dennoch ſind ſeine Mitteilungen von hohem Wert, denn J. Metzger war ein tüchtiger Botaniker, ein gewiſſen⸗ hafter Forſcher und ein feiner Beobachter. Er ſagt: Ofteres Schneiden iſt eine Hauptbedingung, um viel und gutes Futter zu erhalten, weil die Stengel ſchnell Samen an⸗ ſetzen und hart werden. Das Gras dauert wohl länger als zwei Jahre, allein nach dem zweiten läßt die Beſtockung nach und ſomit auch der höhere Ertrag. Deshalb iſt es als Wieſen⸗ gras auf die Dauer nicht zu empfehlen. Allein man ſoll es bei einer Wieſenanlage deswegen den anderen Gräſern beimiſchen, weil durch ſeine ſchnelle Entwicklung und Beſtockung der Heu⸗ ertrag im erſten und zweiten Jahre bedeutend erhöht wird. Das iſt eine Eigenſchaft, die wir bei keiner anderen Grasart finden, und die uns berechtigt, das italieniſche Raigras unter die vor⸗ züglichen Wieſengräſer aufzunehmen. Meine Erfahrungen decken ſich auch mit den Erfahrungen Kühns, der das italieniſche Raigras im Jahre 1848 in den landwirtſchaftlichen Großbetrieb eingeführt und es im Gemenge mit Rotklee lange bewährt gefunden hat. Die Beſorgnis, daß es leicht auswintere, erklärt er nach ſeinen vieljährigen Er⸗ fahrungen in Schleſien für unbegründet. Rückblick: Das italieniſche Raigras ſteht in der Reihe der Gräſer in bezug auf Schnellwüchſigkeit, Ertragsreichtum und Nährkraft obenan Dieſe Vorzüge bedingen eine frühe Er⸗ ſchöpfung der Lebenskraft und eine kurze Lebensdauer. Bei aller ſonſtigen Verſchiedenheit ſtimmt es hierin mit dem Rotklee überein. Beide paſſen daher vortrefflich zuſammen. Schluß: Wie der Rotklee unter den Kleearten, ſo hat unter den Gräſern kein anderes eine ſo große Be⸗ deutung für den rationellen Kunſtfutterbau wie das italieniſche Raigras. — ‿—— I. Die Futterpflanzen. 59 2. Das engliſche Raigras(Lolium perenne).— Dem lateiniſchen Namen nach, der ſich mit„ausdauernder Lolch“ ver⸗ deutſchen läßt, ſollte man von dieſem Graſe eine lange Dauer erwarten. In der Tat trifft dies für jene Form des engliſchen Raigraſes zu, die überall auf Rainen und Wegrändern wild⸗ wachſend vorkommt. Hier hält ſich das Gras jahrzehntelang. Auch jene Form, die als ſchmalblättriges engliſches Raigras (L. p. tenue) unterſchieden und auf Raſenplätzen angeſät wird, iſt ausdauernd, beſonders dann, wenn das Gras jede Woche mit dem Raſenmäher abgeſchnitten und zugleich gewalzt wird. Die landwirtſchaftliche Kulturform, von der der Same in den Handel kommt, ſcheint dagegen nur dann längere Zeit aus⸗ zudauern, wenn das Gras zur Weide dient und immer kurz abgefreſſen wird. Wenigſtens hielt ſich in den Miſchungen des Verſuchsfeldes, die gewöhnlich zweimal, ſelten dreimal im Jahre gemäht wurden, nur ein kleiner Teil der Pflanzen über das dritte Jahr hinaus, obwohl der Boden bündig und kräftig, alſo für das engliſche Raigras ganz geeignet war. Bei der Ausſaat in Miſchungen, die zur Gewinnung von Mähefutter beſtimmt ſind, kann man alſo auf eine lange Dauer des engliſchen Raigraſes nicht rechnen, und auch in den erſten Jahren bringt es, da es kürzer bleibt, bei weitem nicht einen ſo großen Ertrag wie das italieniſche Raigras. Man kann es immerhin, weil der Same meiſt gut und nicht teuer iſt, als Untergras in die Miſchungen aufnehmen. 3. Der Wieſenſchwingel(Festuca elatior).— Von dem Wieſenſchwingel kommt jetzt beſſerer Same in den Handel als früher; auch iſt der Preis, obſchon immer noch hoch, ſo doch nicht mehr unerſchwinglich. Von dieſer Seite ſtehen alſo dem Anbau ernſte Schwierig⸗ keiten nicht im Wege, und da das Gras an ſich wertvolle Eigen⸗ ſchaften beſitzt: lange Lebensdauer, befriedigende Ertragsfähigkeit und hohe Nährkraft, ſo empfiehlt ſich ſeine Aufnahme in die Miſchungen, die auf friſchem Boden lange Zeit oder dauernd genutzt werden ſollen. Für den Zweck kurzdauernder Nutzung kommt der Wieſenſchwingel dagegen nicht in Frage, weil er erſt im dritten oder vierten Jahre ſeine volle Entwicklung erreicht. 4. Das Knaulgras(Dactylis glomerata).— Zur An⸗ lage mehrjähriger und dauernder Kunſtwieſen iſt das Knaul⸗ 60 Welche Kleegrasmiſchung iſt die beſte? gras von allen Gräſern das wichtigſte, wie es ja auch auf unſern Naturwieſen ſehr oft als Hauptgras erſcheint. Mit Ausnahme der ſehr leichten und trocknen Böden nimmt es mit jeder Bodenart vorlieb, jedoch ſagt ihm die eine beſſer zu als die andere. Am freudigſten gedeiht es auf bündigen Böden: Ton und Tonmergel, Lehm und Lehmmergel; es wächſt aber auch auf lehmigem Sandboden und leiſtet auch auf moorigen und torfigen Böden gute Dienſte. Bei hinreichender Düngung liefert es im erſten und zweiten, ſelbſt im dritten und vierten Schnitt einen hohen Ertrag. Dabei iſt es ausdauernd und widerſtandsfähig⸗ Wie alle lange ausdauernden Gräſer entwickelt es ſich im Anfange langſam. Deshalb paßt es nicht für ein⸗ bis zwei⸗ jährige, ſondern nur für mehrjährige Nutzung. Auf dem Verſuchsfelde kam es, ſowohl in den Kleegras⸗ miſchungen aus den Jahren 1876 und 1880 wie in der Gras⸗ miſchung aus dem Jahre 1880, erſt im dritten Jahre zu voller Entwicklung; ja, in der Grasmiſchung vom Jahre 1888 hatte es im dritten Jahre die volle Entwicklung noch nicht erreicht. Dafür hielt es, obwohl im Ertrage wie alle übrigen Pflanzen nach und nach abnehmend, wacker aus bis zuletzt, bei den älteren Verſuchen alſo bis ins zehnte Jahr. Der Nährſtoffgehalt des Futters iſt ein hoher, er kommt aber nur im jungen Zuſtand zu voller Ausnutzung. Nach der Blüte wird das Knaulgras nicht nur hart und grob, ſondern auch rauh und ſcharf. Die Schärfe iſt darauf zurückzuführen, daß die Zähnchen an den Rändern und Rippen der Blatt⸗ ſpreiten, Scheiden und Halmglieder verkieſeln. Die Folge iſt eine übermäßige Reizung der Schleimhäute bei der Verabreichung an Wiederkäuer und eine unvollkommene Verdauung und Aus⸗ nutzung der Nährſtoffe. Man wird deshalb bei der Samengewinnung das Knaul⸗ grasſtroh nicht an Rindvieh, ſondern zu Häckſel geſchnitten mit Hafer an Pferde verfüttern, die ja auch den Schachtelhalm ohne Nachteil in ihrem Verdauungsapparat verarbeiten, während er für Milchkühe ein gefährliches Gift iſt. Bei der Grünfütterung liegt die Sache anders. Ein Ge⸗ menge von Luzerne, Knaulgras und franzöſiſchem Raigras, dreimal gemäht, liefert ein vortreffliches Grünfutter nicht bloß für Pferde, ſondern auch für Milchkühe. —.—,o ————, —— ——-————,—— —„S=— I. Die Futterpflanzen. 61 Ebenſo liefern die Natur⸗ und Kunſtwieſen, die neben dem Knaulgras andere gute Gräſer und Kräuter in ihrem Beſtande zeigen, ein tadelloſes und gedeihliches Heu, wenn der Landwirt die alte Regel befolgt, lieber 2 Tage zu früh, als zu ſpät, ſpäteſtens aber in der Blüte der Hauptgräſer mit der Heuernte zu beginnen. Eigene Samengewinnung iſt bei dem Knaulgras nicht un⸗ erläßlich, weil ſich auf dem Wege des Handels zu angemeſſenem Preiſe ohne Schwierigkeit eine Ware mit befriedigendem Ge⸗ brauchswert erlangen läßt. Unerläßlich iſt aber Garantie für Reinheit und Keimfähigkeit und Kontrolle durch die Nachunter⸗ ſuchung. 5. Das Rohrglanzgras(Phalaris arundinacea).— In der Schweiz wird das Rohrglanzgras zu den Streuegräſern gerechnet. Es kommt hier wildwachſend vor, z. B. auf dem fruchtbaren Schlamm, den Jakob Meſſikommer(der von der Univerſität Zürich zum Ehrendoktor ernannte, unermüdliche Forſcher) aus dem Pfahlbau Robenhauſen herausgegraben und in einen flachen Wall ausgebreitet hat. Auch angebaut wird es zuweilen, z. B. von dem Förſter Wild auf dem Adlisberg bei Zürich. Ich ſelbſt habe vor mehr als 30 Jahren den Anbau zur Streugewinnung empfohlen. ¹) In Norddeutſchland rechnet man das Rohrglanzgras zu den Futtergräſern. An der Oder, Warthe und Netze nennt man es Hafergras; an der Elbe, Havel und Spree Militz. Bekannt iſt beſonders der Havel⸗Militz. Thaer, der in Möglin lebte und lehrte, nennt es ebenfalls Militz, und er bemerkt: „An feuchten Stellen das vorzüglichſte Gras, ſeines ſchilfartigen Anſehens ungeachtet.“ Im Netzbruch wuchs es im Anfang des 19. Jahrhunderts auf den Wieſen meines Großvaters den Mähern über den Kopf, ſo daß der Mann, der die Grenze markierte, ſeine Mütze auf den Senſenbaum ſetzen mußte, um von dem andern, der die Grenze abtrat, geſehen zu werden. Ich ſelbſt habe das Gras in den 1860 er Jahren kennen und ſchätzen gelernt. Es bildete auf den Wieſen meines Vaters, auf dem ſogenannten niedrigen Strich, in einem Umfang von 1) Die Streunot und die Mittel zu ihrer Abhilfe, mit beſoaderer Berückſichtigung der Ried⸗ und Moosſtreu. Aarau, Ph. Wirz⸗Chriſten, 1887. 62 Welche Kleegrasmiſchung iſt die beſte? 1 ha in guten Jahren den Hauptbeſtand. In ſchlechten Jahren, wenn es an Waſſer fehlte, verſchwand es, um dem kriechenden Hahnenfuß und dem gemeinen Riſpengras(Pludergras, Schnuder⸗ gras) den Platz zu räumen. Ich habe mich überzeugt, daß das Rohrglanzgras von den Pferden und auch von den Milchkühen GHolländer Raſſe) ſehr gern gefreſſen wird. Die Kühe gaben gerade dieſem Gras vor den andern Gräſern den Vorzug. Vor der Blüte gemäht und zu Heu gemacht, ſchmeckt es ſüß wegen ſeines Zuckergehalts. Es iſt ein echtes Süßgras. Es verträgt und bezahlt auch den Dünger.„Aufgebrachte Gülle bewirkte Wunder. In üppigſter Weiſe entwickelte ſich das Rohrglanz⸗ gras.“ Näf, Bericht über das Verſuchsfeld der landwirtſchaft⸗ lichen Winterſchule in Brugg. Auf reichem Boden, er mag tonig oder ſandig ſein, wo das Waſſer kommt und geht, zufließt und abfließt, ohne zu ſtocken oder zu ſtagnieren, iſt es zum Anbau zu empfehlen. Die Fortpflanzung kann durch Samen oder durch Raſenläufer ge⸗ ſchehen, die den Boden nach allen Richtungen durchkriechen und ähnlich wie die Quecken die Erhaltung, Vermehrung und Ver⸗ breitung der Pflanze beſorgen. Es kann in Reinſaat, oder beſſer im Gemenge mit Sumpfſchotenklee(Lotus uliginosus) angebaut werden. Beide gedeihen auf dem gleichen Boden, beide lieben die Bewäſſerung. Wo ſie ſich einmal eingewuchert haben, da dauern ſie bei entſprechender Behandlung Jahrzehnte, Jahr⸗ hunderte aus. Dabei liefern ſie einen hohen Ertrag und ein Futter, das an Wohlgeſchmack, Gedeihlichkeit und Nährkraft un⸗ übertroffen daſteht. 6. Das Wieſenriſpengras(Poa pratensis).— Auch von dem Wieſenriſpengras kommt heutzutage beſſerer Same auf den Markt als früher. Der Same wird abgerieben, ſo daß er nicht in Flocken zuſammenhängt, und er wird gereinigt, ſo daß die Keimkraft ſteigt. Der Preis einer derartigen Ware ſteht auf angemeſſener Höhe. Nichtsdeſtoweniger hat auch das Wieſenriſpengras für den Kunſtwieſenbau nur eine beſchränkte und ſomit untergeordnete Bedeutung. Für kurzdauernde Anlagen kommt es wegen ſeiner lang⸗ ſamen Entwicklung und wegen ſeiner queckenartigen Ausläufer gar nicht in Frage, und auch für langdauernde Anlagen iſt es für den beſſeren Wieſenboden nicht zu empfehlen, weil es hier —— 2 I. Die Futterpflanzen. 63 im Kampf ums Daſein von dem wildwachſenden gemeinen Riſpengras(Poa trivialis) überwältigt wird. Es bleibt alſo für das Wieſenriſpengras nur der leichtere und trocknere Boden übrig. Auf dieſem kann man es, ſofern hier der Wieſenbau überhaupt am Platze iſt, als aus⸗ dauerndes Untergras in die Miſchungen für vieljährige oder dauernde Nutzung aufnehmen, darf aber nur einen beſcheidenen Ertrag von ihm erwarten. 7. Das wollige Honiggras(Holcus lanatus).— Wegen ſeines geringen Futterwertes wird das wollige Honiggras, das zu den ausdauernden und ziemlich ertragreichen Gräſern gehört, nur bei der Zuſammenſetzung ſolcher Miſchungen berück⸗ ſichtigt, die zur Herſtellung einer Dauerwieſe auf torfigem oder moorigem Boden dienen ſollen. Der Same des Honiggraſes iſt oft unrein, aber im ganzen brauchbar und ſo billig, daß er als wohlfeiler Zuſatz in die„fertigen“ Miſchungen geworfen und manchmal auch zur Verfälſchung edlerer Grasſamen benutzt wird. 8. Das franzöſiſche Raigras(Avena elatior).— Das ſogenannte franzöſiſche Raigras oder der hohe Glatthafer liefert nicht gerade ein vorzügliches, aber doch ein gutes Futter und durch die zahlreichen, alle übrigen Wieſenpflanzen über⸗ ragenden Halme einen großen Ertrag. In Reinſaat angebaut, bringt das Gras ſchon im zweiten Jahre das höchſte Erntegewicht; in Miſchungen, für die es ſich viel beſſer eignet, entwickelt es ſich langſamer, dauert dafür aber länger. Auf dem Verſuchsfelde zeigte ſich das franzöſiſche Rai— gras etwas ſchnellwüchſiger als das Knaulgras, gelangte aber doch erſt im zweiten oder dritten Jahre zu voller Entwicklung, und es erhielt ſich, obwohl wie alle Pflanzen im Ertrage nach⸗ laſſend, in den Miſchungen mit Klee und ohne Klee bis ins letzte, d. h. bis ins zehnte Verſuchsjahr. Daß das franzöſiſche Raigras für die mittel— europäiſchen Verhältniſſe vorzüglich paßt, lehrt ein Blick auf unſere Wieſen. Es gedeiht hier überall, ſofern der Boden nicht an Grundnäſſe leidet. Der Same des franzöſiſchen Raigraſes iſt regelmäßig und im allgemeinen in brauchbarer Beſchaffenheit im Handel vertreten, wenn auch die Reinheit der Ware oft viel zu wünſchen übrig läßt. 64 Welche Kleegrasmiſchung iſt die beſte? 9. Der Goldhafer(Avena flavescens).— Der dem franzöſiſchen Raigras ähnliche, jedoch in allen Teilen feinere und zierlichere Goldhafer bildet einen zwar häufigen, aber nirgends hervortretenden und ſomit auch nicht ſehr ergiebigen Beſtandteil unſerer Naturwieſen. Schon aus dieſem Grunde hat der Goldhafer für den Kunſtfutterbau nur eine untergeordnete Bedeutung. Dies iſt um ſo mehr der Fall, weil der Same ſehr hoch im Preiſe ſteht(5—7 Fr. pro Kilogramm) und doch in der Regel nichts taugt. Abgeſehen davon, daß die ganz wertloſe ge⸗ bogene Schmiele(Aira flexuosa) als„unechter(!) Goldhafer“ feilgeboten oder zur Verfälſchung des echten Goldhafers ver⸗ wendet wird, iſt darauf hinzuweiſen, daß der Goldhafer über⸗ haupt nur ſelten brauchbaren Samen erzeugt. Bietet ſich dem Landwirt ausnahmsweiſe Gelegenheit, keimfähigen echten Samen zu einem angemeſſenen Preiſe zu erlangen, ſo wird er ihn bei der Anlage von Dauerwieſen mitverwenden; im andern Fall wird er klüger tun, das Gold für den Goldhafer im Sack zu behalten. ¹) 10. Der Wieſenfuchsſchwanz(Alopecurus pratensis). — Auf den Wieſen des ſchweizeriſchen Mittellandes zwiſchen Jura und Alpen habe ich den Wieſenfuchsſchwanz wohl hier und da bemerkt, aber nirgends in ſo großer Menge, wie im Bereich des weſtfäliſchen Schiefergebirges. Dort fand ich im Juni 1908, ſpeziell im Flußgebiet der Eder, alle Berg⸗ und Talwieſen mit dem Wieſenfuchsſchwanz beſetzt, am reichlichſten in ſolchen Lagen, wo mit gutem Bachwaſſer regelrecht berieſelt wird. Hier bildet er ſtellenweiſe geradezu den Hauptbeſtand. Noch üppiger fand ich ihn im Tal der Netze, wo ich in den 1860 er Jahren manch liebes Mal geheuet und geemdet. Dort ſtand auf dem fruchtbaren Schlamm, den der Fluß ab⸗ geſetzt hatte und von Zeit zu Zeit immer wieder überflutete, der Wieſenfuchsſchwanz ſtellenweiſe ſo dicht wie der Roggen auf dem Felde Dort habe ich das frühe, ertragreiche, nahrhafte und ausdauernde Wieſengras ſchon in meiner Jugend kennen ¹) Im Jahre 1900 beſtellte ich bei einer Samenhandlung 20 kg Goldhafer. Als ich den Samen ausſchüttete, um ihn mit den andern Grasſamen zu mengen, fiel er in Klumpen aus dem Sack wie Pferdeäpfel. Was harte der Samenhändler getan? Waſſer zugegoſſen, bis das Gewicht ſtimmte. I. Die Futterpflanzen. 65 gelernt; und ich will noch hinzufügen, daß bei der Abſchätzung der Grundſtücke behufs Veranlagung einer neuen Grundſteuer die Wieſenfuchsſchwanz⸗Wieſen in die erſte Klaſſe geſetzt wurden. Damit iſt die Vortrefflichkeit des Wieſenfuchsſchwanz⸗ graſes gebührend anerkannt. Wie verhält ſich's nun aber mit dem Anbau auf Kunſtwieſen? Da hapert's zuerſt und vor allen Dingen wieder an der Beſchaffenheit des Samens. Das iſt darin begründet, daß der Wieſenfuchsſchwanz bei der Erhaltung und Fortpflanzung ſich weniger auf die Samenbildung, als auf die Beſtockung durch unterirdiſche Ausläufer verläßt. Der Same bleibt meiſtens taub. Wohl werden förmliche Berge von Wieſenfuchsſchwanz⸗ ſamen geſammelt und in den Handel gebracht; aber wenn man auch einen ganzen Berg zur Ausſaat verwendet, ſo kommt doch in der Regel kein Gräschen zum Vorſchein, weil der Same eben nichts anderes iſt als eitel Spreu und Blumen. So habe ich es im Jahre 1876 auf dem Verſuchsfeld erfahren, wo 33 kg Wieſenfuchsſchwanz pro Hektar(als Beigabe zu den anderen Samen) vergebens ausgeſtreut wurden; dabei koſtete das Kilo⸗ gramm 4 Franken. Wollen wir dem Landwirt zumuten, eine ſo teure und ſo zweifelhafte Ware, die oft keinen Pfifferling wert iſt, mit ſeinem guten Gelde zu kaufen? Nein und abermals nein! Dann und wann kommt wohl auch einmal eine beſſere Ware vor, und es iſt daher auch möglich, ein Muſter- und Schauſtück herzuſtellen, auf dem der Wieſenfuchsſchwanz ſich breit macht. Aber damit iſt für das große Ganze nichts be⸗ wieſen, denn mit den Ausnahmen kann man keine Regel be⸗ gründen, am wenigſten in der Landwirtſchaft. Die Regel iſt die, daß der Wieſenfuchsſchwanzſame, auch der angeblich oder tatſächlich aus Finnland und Neuſee⸗ land kommende, nichts taugt, und daraus folgt die weitere Regel, daß der Landwirt keinen kauft. Iſt der Same ausnahmsweiſe beſſer, ſo kann ihn der Land⸗ wirt ausnahmsweiſe zur Saat verwenden, ſofern die Reinheit und namentlich die Keimfähigkeit durch die Nachunter⸗ ſuchung der gelieferten Ware von ſeiten einer zuverläſſigen Samenkontrollſtation feſtgeſtellt worden iſt. Die Ausſaat verſpricht aber nur auf feuchtem Lande einen Erfolg, und auf einen Ertrag muß man lange warten, weil der Nowacki, Kleegrasbau. 5. Auflage. 5 66 Welche Kleegrasmiſchung iſt die beſte? Wieſenfuchsſchwanz erſt im vierten oder fünften Jahre ſeine volle Entwicklung erreicht. Danach verſteht es ſich von ſelbſt, daß er einzig bei der Anlage von Dauerwieſen im Gemenge mit anderen Pflanzen in Frage kommen kann. Schluß: Als Naturgras iſt der Wieſenfuchsſchwanz ſehr wertvoll, als Kulturgras hat er dagegen nur eine geringe Bedeutung. 11. Das Cimothegras(Phleum pratense).— In Nord⸗ deutſchland iſt kein anderes Futtergras ſo allgemein bekannt, benutzt und beliebt, wie das Timothegras. In den 1860 er Jahren habe ich ſelbſt es dort auf großen Flächen angebaut, und zwar zur Weide im Gemenge mit engliſchem Raigras und Weißklee, zum Grünmähen im Gemenge mit Rotklee, zur Samen⸗ gewinnung in Reinſaat. Ich war deshalb einigermaßen ent⸗ täuſcht, daß das Timothegras auf drei Parzellen des Ver⸗ ſuchsfeldes, obwohl den im Jahre 1876 angebauten Kleegras⸗ miſchungen in reichlicher Menge zugeſetzt, ſich nicht erheblicher an dem Ertrage beteiligte. Bei dem neueren Verſuch, der im Jahre 1888 auf demſelben Boden mit einer Grasmiſchung ohne Klee eingeleitet wurde, hat es ſich beſſer bewährt. Da Klee wild wuchs, ſo kann ich das beſſere Gedeihen des Timothe⸗ graſes bei dem zweiten Verſuch nur der Witterung zuſchreiben; und es zeigt dieſes Beiſpiel wieder, wie ſehr der Erfolg von der Gunſt oder Ungunſt des Himmels abhängt. . Der Ruf des Timothegraſes iſt hauptſächlich darauf zurückzuführen, daß der Same gut und billig iſt. So ſchwer dieſe Vorzüge wiegen, wenn der Kulturwert eines Wieſengraſes ermittelt werden ſoll, ſo kommt es hierauf doch nicht allein an. Wir fragen vielmehr: Wie verhält es ſich mit den übrigen Eigenſchaften und Leiſtungen? Auf dieſe Frage iſt in Kürze folgendes zu antworten: Das Timothegras gedeiht, immerhin mit Bevorzugung des feuchten Standorts, auf allen Bodenarten vom lehmigen Sand bis zum ſtrengen Ton. Auf naßkalten Böden aller Art, ſowie auf entwäſſerten Torf⸗ und Moorböden iſt es ſicherer, als die meiſten andern Gräſer. Es bringt ſchon im erſten Jahre einen Ertrag, der Haupt⸗ ertrag fällt jedoch ins zweite Jahr; und die Dauer kann man auf drei Jahre annehmen. I. Die Futterpflanzen. 67 Es iſt ein ſpätes Gras, das, kurz vor der Blüte gemäht, einen ſtarken Schnitt nahrhaften, aber rauhen Futters liefert, wogegen der Nachwuchs ſo gering iſt, daß ſich das Mähen meiſt nicht lohnt. Aus dieſem Grunde ſteht das Timothegras als Mähe⸗ gras beſſer allein im Gemenge mit Rotklee oder Baſtardklee, als in Miſchungen mit anderen früheren und mehrmals mäh⸗ baren Gräſern. Nur auf ſchwerem, oder naßkaltem, oder torfigem Boden iſt es ſo wertvoll, daß es mitberückſichtigt zu werden verdient. Zur Beſtätigung ein Urteil aus der Praxis. Die Herren Gebrüder Ineichen hatten die Güte, mir ihre Erfahrungen mit folgenden Worten mitzuteilen:„Wir haben das Timothegras in unſeren Kleegrasmiſchungen bis zum Jahre 1882 ausgeſät und von dort an ohne Nachteil zurückgelaſſen. Im all⸗ gemeinen war es ſpäter in dem Grasbeſtand wenig zu finden. Wir fanden nur einige kleinere Stellen, wo ſich das Timothegras zeigte, an dieſen Stellen aber überwucherte es dann die anderen Gräſer und Kleearten und dominierte faſt ausſchließlich. Solche Stellen waren aber ſehr ſelten und nur ca. 1—3 Ar groß.“ Sowohl auf dem Sentenhof wie auf Friedlisberg be⸗ ſchränken ſich die genannten Beſitzer bei der Zuſammenſtellung ihrer Kleegrasmiſchungen auf folgende Gräſer: italieniſches, eng⸗ liſches, franzöſiſches Raigras und Knaulgras.„Seit dem Jahre 1883 haben wir keine anderen Gräſer mehr geſät, indem dieſe im Beſtand nie zu finden waren.“ Die Er⸗ fahrung hat alſo dort nach vieljährigen Verſuchen zu denſelben vier Gräſern geführt, die ich ſchon im Jahre 1880 als die wichtigſten für den ſchweizeriſchen Kunſtfutterbau bezeichnet habe. Dieſe vier Hauptgräſer ſind: italieniſches Raigras, eng⸗ liſches Raigras, franzöſiſches Raigras und Knaulgras. Außer den hier mehr oder weniger eingehend behandelten 10 oder 11 Gräſern habe ich einige andere verſuchsweiſe wieder⸗ holt(1880, 1888, 1900) in Miſchungen angebaut, ich nenne das Kammgras, den Rotſchwingel, das Fioringras. Es ging mir aber auf dem Strickhof, wie den Herren auf dem Senten⸗ hof: Sie waren im Beſtande nur vereinzelt oder gar nicht zu finden. Sie verdienen daher keine Berückſichtigung. Der prak⸗ tiſche Kleegrasbau muß ſich auf die leiſtungsfähigen Arten beſchränken. 5* 68 Welche Kleegrasmiſchung iſt die beſte? Anhang. Würzpflanzen. Um das Futter ſchmackhafter, gedeihlicher und verdaulicher zu machen, wird empfohlen, den Kleearten und Gräſern einige Würzpflanzen beizumiſchen. Der Rat iſt gut, aber man hüte ſich, des Guten zuviel zu tun. Die Würzpflanzen werden leicht zu läſtigen und gefährlichen Unkräutern. Zur Erläuterung wählen wir als Beiſpiel den Wald⸗ und Wieſenkerbel(Anthriscus silvestris). Im jungen Zuſtande wird das angenehm riechende und wohlſchmeckende Kraut von den Kühen gern gefreſſen; man kann es daher durch Abweiden vertilgen. Läßt man die Pflanze aber ungeſtört wachſen, blühen und reifen, dann fällt der Same vor und bei der Heuernte aus, und in der Umgebung der Mutterpflanze entſteht ein Kranz von Tochterpflanzen. Wiederholt ſich der Vorgang einige Jahre, dann werden die Gräſer und Kräuter mehr und mehr verdrängt, und die Wieſe bildet einen meterhohen Wald von Kerbelpflanzen. Faßt der Landwirt nun den Entſchluß, das Unkraut durch Aus⸗ reißen zu vertilgen, ſo erreicht er doch nicht ſeinen Zweck. Denn an dem dicken Teil der Pfahlwurzel haben ſich an haardünnen Seitenzweigen junge Pflänzchen entwickelt, die beim Herausreißen des Mutterſtocks in der Wieſe zurückbleiben. Kurz, die Pflanze ſorgt durch Samenbildung und durch Beſtockung für ihr Daſein. Hiernach wäre es verfehlt, den Samen des Wieſenkerbels den Kleegrasanlagen als Würzpflanze beizumiſchen. Ähnlich verhält es ſich mit der Bärenklaue(Heracleum Spondyleum), die ihre Fruchttriebe nach der Heuernte entwickelt und während der Emdernte den reifen Samen fallen läßt. Ebenſowenig wird man den Kleegrasanlagen den Samen des Löwenzahns(Taraxacum officinale) und des Spitz⸗ wegerichs(Plantago lanceolata) beimiſchen, obwohl dieſe beiden Pflanzen in ihren Blattroſetten ein gern gefreſſenes, diätetiſch wirkendes Futter hervorbringen. Sie ſtellen ſich von ſelbſt ein ohne unſer Zutun, und wir können es nicht verhindern, daß ſie ſich durch Samenausfall vermehren und verbreiten, oft mehr, als uns lieb iſt. Bei dem S. 29 mitgeteilten Anbauverſuch ent⸗ hielten die„Heublumen“ 70% keimfähige Unkrautſamen und II. Die Miſchungen. 69 von dieſen waren 38% Spitzwegerich. Von dem Löwenzahn gelangen die reifen Samen nicht ins Heu, weil ſie davonfliegen und zu Boden fallen, wo der Wind ſie hinträgt. Zu den Würzpflanzen, die zum Anbau empfohlen werden, gehören die Becherblume(Poterium Sanguisorba), die gemeine Bibernelle(Pimpinella Saxifraga) und die große Pimpinelle (Pimpinella magna). Die Becherblume habe ich im Jahr 1876 auf zwei Parzellen verſuchsweiſe angebaut, aber ohne Erfolg, weil die von einer deutſchen und die von einer ſchweizeriſchen Handlung bezogenen Samen nichts taugten. Von der Bibernelle und der Pimpinelle iſt noch weniger brauchbarer Samen zu haben. Nach alledem bleibt als einzige Würzpflanze, die den Anbau lohnt, der Kümmel(Carum Carvi) übrig, der wildwachſend auf den Wieſen vorkommt und in derſelben Form auf dem Felde ongebaut wird, weil der Same zum ſlte des Brotes, des Käſes und des Gemüſes dient. Der Bezug des Samens hat alſo keine Schwierigkeit. Aber man hüte ſich vor alter ver⸗ legener Ware der Krämerläden und wende ſich an eine unter Kontrolle ſtehende Samenhandlung, die für friſchen und keim⸗ fähigen Samen ſchriftliche Gewähr leiſtet. Der Kümmel gedeiht auf Sand⸗, Lehm⸗ und Tonböden, die in guter Kultur und friſch gelegen ſind, ohne an ſtockender Näſſe zu leiden. Auf Torf⸗ und Moorböden gedeiht er nicht, es ſei denn, daß ſie regelrecht entwäſſert, mit Sand oder mit Mergel überdeckt und mit Kainit und Thomasmehl gedüngt ſind, wie es bei der Rimpauſchen Dammkultur geſchieht. Als Zuſatz zu den Kleegrasmiſchungen berechnet man pro Hektar 2— 3 kg Kümmelſamen und macht bei längerer Nutzung der Anlage von Zeit zu Zeit eine Nachſaat, weil die Kümmel⸗ pflanze nur zwei Jahre ausdauert. II. Die Miſchungen. In England werden die Kleegrasmiſchungen vielfach zur Herſtellung künſtlicher Weiden benutzt. Auf dem Kontinent, wo die Weidewirtſchaft auf die Alpen, Marſchen und Brücher be⸗ ſchränkt iſt, dient der Kunſtfutterbau, wenn auch nicht ausſchließlich, ſo doch hauptſächlich zur Erzeugung von Mähefutter. Dabei findet das Kleegras ſeine Verwendung gewöhnlich im grünen, 70 Welche Kleegrasmiſchung iſt bie beſte? ſeltener im trocknen Zuſtande, weil wir das trockne Futter in Form von Heu und Emd auf den Naturwieſen gewinnen. Folglich müſſen die Kleegrasmiſchungen vorzugsweiſe dem Zweck der Grünfuttergewinnung angepaßt ſein, wobei es neben der Maſſe auch ſehr auf die Güte des Futters ankommt. Dieſen Anforderungen entſprechen die Anlagen mit kurzer Dauer im allgemeinen beſſer; doch müſſen wir auch die An⸗ lagen mit längerer Dauer berückſichtigen, weil ſie eine Arbeits⸗ erſparnis gewähren. Wir wollen daher die Miſchungen unter dem Geſichtspunkte der Nutzungsdauer in folgenden drei Abteilungen behandeln: A. Kleegrasmiſchungen für ein⸗ bis zweijährige Nutzung. B. Kleegrasmiſchungen für vier- bis ſechsjährige Nutzung. C. Kleegrasmiſchungen für dauernde Nutzung. A. Kleegrasmiſchungen für ein⸗ bis zweijährige Mutzung. Das ſchweizeriſche Flachland, d. i. die Hochebene, die ſich zwiſchen Jura und Alpen vom Bodenſee bis zum Genferſee er⸗ ſtreckt, iſt von der Natur mit einem feuchten Klima und mit einem fruchtbaren Boden ausgeſtattet. Die natürliche Frucht⸗ barkeit des Bodens wird erhöht durch eine reichliche Düngung, die ihrerſeits bedingt iſt durch eine ausgedehnte Viehhaltung. Unter dieſen Verhältniſſen empfiehlt es ſich hier zu Lande noch mehr als anderswo, die Reinſaat von Klee durch die Kleegrasſaat zu erſetzen. Bauen wir Klee allein an, ſo werden die im Boden vor⸗ handenen löslichen Stickſtoffverbindungen nicht ausgenutzt, ſie können vielmehr mit dem Waſſer in den Untergrund verſickern und verloren gehen. Dieſen Verluſt des koſtbaren Stickſtoffs vermeiden wir, wenn wir dem Klee Gras beimengen, deſſen Wachstum ohnehin durch die Feuchtigkeit des Klimas ſo ſehr begünſtigt wird.— Allerdings wird durch das ſtickſtoffbedürftige Getreide, das dem Klee als Überfrucht dient, den Stickſtoff⸗ verluſten bis zu einem gewiſſen Grade und bis zu einer gewiſſen Zeit vorgebeugt; aber nach dem Abernten der Überfrucht, im b b II. Die Miſchungen. 71 Spätſommer und Herbſt des erſten Jahres, während des Winters, im Frühling und Sommer des nächſten Jahres, während dieſer langen Zeit fehlen in einem reinen Kleebeſtande die Bedingungen zur Feſthaltung der löslich gewordenen Stickſtoffverbindungen. Daß ſolche in der Tat entſtehen, wird augenfällig bewieſen durch das Gras, das ſich in Kleefeldern ſo gerne als Unkraut ein⸗ ſtellt; und dieſes wildwachſende Gras gibt uns zugleich einen deutlichen Wink, daß es zweckmäßig iſt, den Klee mit Kultur⸗ gras zu mengen. In dem Kleegrasgemenge ſpielt das Kulturgras die Rolle des Stickſtofferhalters und Stick⸗ ſtoffausnutzers, während dem Klee die Rolle des Stick⸗ ſtoffſammlers zufällt. Überdies hat das Kleegrasgemenge vor der reinen Kleeſaat den Vorzug, daß es ſicherer iſt, daß es in kürzerer Zeit auf demſelben Felde wiederkehren darf, daß es einen höheren Ertrag und namentlich auch ein gedeihlicheres, mit einem richtigeren Nährſtoffverhältnis ausgeſtattetes Grünfutter liefert uſw. Neben jenem neuen Geſichtspunkte heben wir auch dieſe längſt anerkannten Vorzüge wieder hervor, um die Aufmerkſam⸗ keit der Landwirte noch allgemeiner auf den Anbau des Klee⸗ graſes hinzulenken. Was nun die Zuſammenſetzung der Kleegrasmiſchungen für ein⸗ bis zweijährige Nutzung betrifft, ſo können hier ſelbſtverſtändlich nur ſolche Pflanzen in Betracht kommen, die ſich ſo raſch entwickeln, daß ſie ſchon in 1—2 Jahren den vollen Ertrag abwerfen. Die Zahl der Pflanzenarten, die dieſer Anforderung ent⸗ ſpricht, iſt eine ſehr beſchränkte. Auch werden nur zwei oder drei Pflanzenarten in ein und dieſelbe Miſchung aufgenommen. Dadurch geſtaltet ſich die ganze Sache äußerſt einfach. Was dabei etwa zu beachten iſt, läßt ſich am kürzeſten und deut⸗ lichſten an einigen Beiſpielen erläutern. Erſtes Beiſpiel. Für bündigen, kleefähigen Boden. Miſchung Nr. 1. Rotklee(Ackerklee).... 20 kg pro Hektar. Italieniſches Raigras.... 30„„ 5 Auf kleefähigem Boden, ſei es Lehm oder Lehmmergel, ſe es Ton oder Tonmergel mit fruchtbarer Krume und trockenem 72 Welche Kleegrasmiſchung iſt die beſte? Untergrunde, gibt es für ein⸗ bis zweijährige Nutzung keine beſſere Miſchung, als Rotklee mit italieniſchem Raigras. Mein hochverehrter Lehrer Julius Kühn hat das Miſchungsverhältnis 16— 20 kg Rotklee und 24— 30 kg italieniſches Raigras„lange bewährt gefunden“. So do⸗ zierte Kühn im Sommer 1867 in der Vorleſung. In der eingangs wiedergegebenen Abhandlung finden wir(für Hektar umgerechnet) 16 kg Rotklee und 32 kg italieniſches Raigras. Nach dieſen Erfahrungen im landwirtſchaftlichen Groß⸗ betriebe habe ich den ſchweizeriſchen Landwirten das Verhältnis 20: 30 kg pro Hektar empfohlen, und ich empfehle es von neuem, weil es ſich auch in der Schweiz bewährt hat. Herr Pruppacher am Zürichberg beſäte im Frühling 1891 ein Stück Land ohne Überfrucht genau nach dieſem Verhältnis. Er nahm im Jahre der Ausſaat 3 ſtarke Schnitte. Vor dem freudig heranwachſenden dritten Schnitt entnahm ich dem Feld den Beſtand von einem Quadratmeter und ließ das Futter durch die Studierenden in Klee und Gras ſortieren. Bei der Wägung ergaben ſich 1090 g Rotklee und 685 g italieniſches Raigras. Da friſcher Rotklee, wie ich gelegentlich feſtſtellen ließ, mehr Waſſer enthält, als friſches Gras, ſo können wir die ermittelten Zahlen auf das Verhältnis 1000: 700 abrunden, und wir über⸗ zeugen uns, daß das italieniſche Raigras trotz des reichen Bodens den Rotklee nicht unterdrückt hat. Die Miſchung enthielt ja weniger Gras als Klee. Ich habe nichts dagegen, wenn der einſichtsvolle Landwirt die Zahlen nach den obwaltenden Umſtänden und lokalen Ver⸗ hältniſſen etwas abändert. Nur ſollte man das italieniſche Rai⸗ gras nicht ſo ſehr zurücktreten laſſen, daß die wenigen Gras⸗ pflanzen zwiſchen dem Klee verſchwinden. Das Futter muß doch ſo zuſammengeſetzt ſein, daß die Kuh mit jedem Maul voll das richtige Nährſtoffverhältnis in Geſtalt von Klee und Gras auf⸗ nimmt. Nur dann iſt das Futter gedeihlich, nur dann wird das Futter ausgenutzt, nur dann werden die Vorteile der Miſch⸗ ſaat erreicht. Nehmen wir z. B. auf 20 kg Rotklee nur 2, 3 oder 5 kg italieniſches Raigras, dann verſchwinden die wenigen Grashalme zwiſchen dem Klee und der Beſtand zeigt den Charakter der Reinſaat mit allen ihren Nachteilen: Der Klee bläht; er hat ein zu enges Nährſtoffverhältnis; er erſchöpft den II. Die Miſchungen. 73 Boden einſeitig an Phosphorſäure und Kali, läßt dagegen die Stickſtoffverbindungen ungenutzt. Man vergleiche S. 5. In der Regel iſt der Rotklee keimfähiger als das italieniſche Raigras; überdies bildet der Rotklee einen breiteren Stock. Will man daher einen Beſtand erzielen, der auf Schritt und Tritt ein Gemenge von beiden Pflanzen aufweiſt— und nur ein ſolcher Beſtand gewährt die Vorteile der Miſchſaat—, ſo hat man bei dem Abwägen des Samens von dem italieniſchen Rai⸗ gras ein größeres Gewicht zu nehmen, als von dem Rotklee. Dieſe beiden Pflanzen paſſen vortrefflich zuſammen. Sie haben eine lebhafte Entwicklung, vertragen das Schneiden und wachſen nach dem Schnitt ſchnell wieder nach. Sie ſind ſo ſchnellwüchſig, daß ſie, auf reichem Boden ohne Überfrucht an⸗ gebaut, ſchon im Jahre der Ausſaat nicht ſelten vier Grünfutter⸗ ſchnitte einbringen. Doch iſt es anzuraten, die Pflanzen im erſten Jahre, d. h. im Jahre der Anſaat, nicht allzuſehr zu ſchwächen, weil dann der Hauptertrag im zweiten Jahre reich⸗ licher ausfällt. Bei dem Anbau unter einer reifenden Überfrucht kann man im erſten Jahre nur auf einen Grünfutterſchnitt rechnen. Mit dem zweiten Jahresertrage iſt ihre Kraft erſchöpft. Darum geſtatten ſie höchſtens eine zweijährige Nutzung. Bei Herbſtſaat(Ende Auguſt oder Anfang September) erhält man ſchon im nächſten Jahre den vollen Ertrag; die Nutzung wird dann zweckmäßig auf dieſes eine Jahr beſchränkt, indem man die etwa vorhandene Überfrucht(Roggen) frühzeitig grün abhaut. Für die Schnellwüchſigkeit und Ergiebigkeit der beiden genannten Pflanzenarten kann ich folgenden Beweis aus der Erfahrung mitteilen. Mein Nachbar Nägeli hat von einem Kleegrasgemenge, das ich ihm empfohlen, ſogleich im erſten Sommer ohne Überfrucht vier Schnitte genommen, und die Kühe gaben auffallend mehr und namentlich auch fettere Milch danach, als nach dem gewöhnlichen Wieſenfutter. Im zweiten Jahre wuchs das Kleegrasgemenge, ohne ſich zu lagern, ſo hoch und ſo dicht, daß kein Sonnenſtrahl zum Erdboden gelangte, denn der untere Teil der Halme und Stengel war weißlich, und es bildete ſich in der feuchten Treibhausluft unter den Pflanzen eine ſolche Unzahl von Tauwurzeln, daß die Oberfläche des Bodens wie mit weißen Fäden überſponnen war. Dieſe Tau⸗ wurzeln, die ich in gleicher Menge ſonſt nie geſehen habe, waren ſo zart, daß ſie nach dem Mähen des Grünſutters ſofort ver⸗ 74 Welche Kleegrasmiſchung iſt die beſte? trockneten und verſchwanden. Die Futtermaſſe, die der aller⸗ dings ungewöhnlich fruchtbare und tiefgründige, obenein noch reichlich mit Abtrittgülle beſchüttete Boden in dieſem Falle her⸗ vorbrachte, war geradezu ſtaunenerregend, und die Pflanzen, die dieſen wunderbaren Ertrag herbeiführten, waren der Rotklee und das italieniſche Raigras.— Angeſichts der unübertrefflichen Eigenſchaften dieſer beiden Pflanzenarten werden wir auf einen Erſatz durch andere Futter⸗ pflanzen nur dann bedacht ſein, wenn Boden und Lage für jene nicht paſſen. Für dieſe ungünſtigeren, im ſchweizeriſchen Flach⸗ lande nur vereinzelt vorkommenden, in den Nachbarländern da⸗ gegen oft wiederkehrenden Standortsverhältniſſe ſind die folgenden Beiſpiele berechnet. Zweites Beiſpiel. Für leichteren Boden. Miſchung Nr. 2. Rotklee. 10 kg pro Hektar. Geibklee......... 10„„„ Italieniſches Raigras.... 30„„ 3 Dieſe Miſchung paßt für die leichteren Böden, auf denen der Rotklee nicht ſicher iſt. Es gehören dahin namentlich der ſandige oder ſteinige Lehm mit hochanſtehender Kiesunterlage und der lehmige und der mergelige Sand. Auf derartigen Böden iſt es zweckmäßig, den Rotklee zum Teil durch Gelbklee zu erſetzen, während das italieniſche Raigras beibehalten wird. Aus der Vergleichung der Zahlen der Miſchung Nr. 1 und Nr. 2 erhellt, daß wir den Rotklee gerade zur Hälfte durch Gelbklee erſetzt haben. Das iſt das gewöhnliche Erſatzverhältnis. Man kann auch ein anderes Verhältnis wählen, und zwar wird man in dem Maße, wie der Boden leichter wird, das Saat⸗ gewicht bei dem Rotklee vermindern und bei dem Geldklee ent⸗ ſprechend erhöhen. Da der Gelbklee eine einjährige Pflanze iſt, ſo empfiehlt es ſich, dieſe Miſchung im Herbſt(Anfangs bis Mitte September) unter Roggen(zum Grünfüttern) zu ſäen und nur in dem folgenden Sommer(alſo einjährig) zu nutzen, um ſo mehr, weil die Herbſtſaat auf leichteren Böden ſicherer gelingt. II. Die Miſchungen. Drittes Beiſpiel. Für naßkalten Boden. Miſchung Nr. 3. Baſtardklee...... 10 kg pro Hectar. Timothegraz....... 8„„„ Lagert ein Boden, mag er im Obergrunde ſandig oder tonig ſein, auf einem undurchläſſigen Untergrund, ſo zeigt er gewöhnlich jenes Verhalten, das wir als„naßkalt“ bezeichnen. Unſere erſte Sorge wird hier darauf gerichtet ſein, den ungünſtigen Standort der Pflanzen durch eine regelrechte Drai⸗ nage zu verbeſſern. Wenn aber dieſe Verbeſſerung aus Mangel an Gefäll oder an Vorflut nicht durchzuführen und wenn auch durch Einſchneiden von offenen Gräben nicht durchgreifend zu helfen iſt, ſo bleibt nichts anderes übrig, als das Land in dem gegebenen Zuſtande ſo gut als möglich zu benutzen. Liegt das Grundwaſſer zu hoch, dann iſt an den Kunſt⸗ futterbau überhaupt nicht zu denken, das Land vielmehr der Weidenutzung oder der Streuerzeugung zu überweiſen. Iſt der Fehler weniger ſchlimm, dann kann das Land dem Futterbau dienen, aber man muß ſolche Pflanzen zum Anbau wählen, die den naßkalten Standort vertragen. Zu dieſen Pflanzen gehört von den Kleearten der Baſtard⸗ klee und von den Grasarten das Timothegras. Beide haben eine langſamere Entwicklung und eine längere Dauer, als der Rotklee und das italieniſche Raigras. Man kann daher die Miſchung Nr. 3 zweijährig oder ſelbſt dreijährig nutzen. Noch vorteilhafter wird es ſein, das Land mit einer ent⸗ ſprechenden Miſchung(z. B. mit Nr. 8, 9 oder 14) zur Dauer⸗ wieſe niederzulegen, weil der naßkalte Boden im mitteleuro⸗ päiſchen Klima dem Wieſenbau beſſer dient, als dem Ackerbau. Viertes Beiſpiel. Für torfigen Boden. Miſchung Nr. 4. Baſtardklee.... Gelbklee. Timothegras.„„„ Der torfige Boden(Riedtorf und Moostorf)i) iſt naß, ſchwammig und aufziehend und wegen dieſer Eigenſchaften im ¹) Man vergleiche: A. Nowacki, Praktiſche Bodenkunde. 6. Aufl. Berlin, Verlag von Paul Parey, 1917. 8 kg pro Hektar. 1 11 —— 76 Welche Kleegrasmiſchung iſt die beſte? Naturzuſtande gewöhnlich am vorteilhafteſten zur Gewinnung von Streu(Riedſtreu und Moosſtreu) zu verwerten. Soll er für die Kultur gewonnen werden, ſo muß der Trockenlegung die Übererdung folgen, ſofern dieſe durch den Vorgang der überflutung mit ſchlammreichem Waſſer nicht ſchon beſorgt worden iſt. Die Überdeckung des entwäſſerten Torflandes mit einer 10— 12 cm ſtarken Schicht ſandiger, mergeliger oder lehmiger Erde bewirkt Wunder. Kommt noch eine Düngung mit Thomasſchlackenmehl und Kainit hinzu, ſo wächſt Futter in Hülle und Fülle. Es gedeihen dann mancherlei Gräſer und Klecarten, vorzüglich namentlich die in obiger Miſchung Nr. 4 angeführten: Timothegras, Baſtardklee und Gelbklee, weil dieſe der, durch die angedeuteten Verbeſſerungen zwar umge⸗ ſtalteten, aber doch nicht gänzlich verwiſchten Natur des Torf⸗ bodens beſonders angemeſſen ſind. Auf dieſe drei Pflanzenarten ſehen wir uns um ſo mehr beſchränkt, wenn das Torfland einer planmäßigen Melioration nicht unterworfen, ſondern mehr oder weniger in ſeinem urſprünglichen Zuſtande belaſſen worden iſt. Bei den Miſchungen für mehr als zweijährige Nutzung, für die ſich der Torfboden im allgemeinen beſſer eignet, ſtehen uns noch andere Pflanzen zur Verfügung. Ich bitte den ge⸗ neigten Leſer, Miſchung Nr. 10 und Nr. 15 zu vergleichen. B. Kleegrasmiſchungen für vier⸗ bis ſechsjährige Mutzung. Wenn wir von den Miſchungen für ein⸗ bis zweijährige Nutzung überſpringen zu denen für vier⸗ bis ſechsjährige Nutzung, ſo bleibt eine Lücke, die durch die Miſchungen für dreijährige Nutzung ausgefüllt werden ſollte. Wir laſſen dieſe Lücke mit Abſicht, um auch äußerlich an⸗ zudeuten, daß die Miſchungen mit dreijähriger Dauer nicht ſo zweckmäßig ſind, wie die andern. Der Grund hierfür liegt in der Natur der Pflanzen. Die oben aufgezählten Gras⸗ und Kleearten, die ſich für kurze Nutzung eignen, ſind wegen ihrer Schnellwüchſigkeit ſo kurzlebig, daß ſie nur zwei Jahre ordentlich aushalten; wogegen jene Pflanzen, die eine längere Lebensdauer haben, erſt im dritten Jahre oder noch ſpäter zu voller Entwicklung gelangen, dafür II. Die Miſchungen. 77 aber bei guter Behandlung und Düngung vier bis ſechs Jahre oder noch länger ertragsfähig bleiben. Selbſtverſtändlich macht hierin der Boden einen Unterſchied. Man wird das Kleegras eben ſo lange nutzen, wie der Ertrag befriedigt. Je mehr Ernten wir nach einer und derſelben Saat nehmen können, deſto größer iſt der Gewinn. Dagegen berechnet ſich die Auslage für das Sndtgat bei den Miſchungen für dreijährige Nutzung zu hoch, weil wir von den länger ausdauernden Pflanzen in drei Jahren nicht den vollen Nutzen erzielen. Außerdem bedingt die dreijährige Nutzung, der vier⸗ bis ſechsjährigen Nutzung gegenüber, eine Vermehrung der Arbeit.(Wer dennoch aus irgendwelchen guten Gründen die dreijährige Nutzung vorzieht, dem können die hier folgenden Miſchungen ebenfalls dienen.) Von welchen Grundſätzen haben wir uns nun bei der Aus⸗ wahl der Pflanzen und bei der Zuſammenſtellung der Miſchungen für vier⸗ bis ſechsjährige Nutzung leiten zu laſſen? Es iſt ohne weiteres einleuchtend, daß bei dieſen Miſchungen ſolche Pflanzen berückſichtigt werden müſſen, die vier bis ſechs Jahre ausdauern. Da die ausdauernden Pflanzen aber, wie eben geſagt, im Anfange ſich langſam entwickeln, ſo erhalten wir, wenn wir uns auf dieſe Pflanzen beſchränken, in den erſten beiden Jahren keinen oder wenigſtens nicht den vollen Ertrag. Bei dem An⸗ bau der Kleegrasmiſchung unter einer Überfrucht könnten wir zwar im erſten Jahre dem Verluſt der Landrente, wenigſtens zum Teil, aus dem Wege gehen; aber im zweiten Jahre würde die Einbuße, die wir bei dieſem Verfahren zu erleiden hätten, unverantwortlich groß ſein. Hieraus waiit ſich, daß wir neben den aus— dauernden auch ſchnellwüchſige, kurzlebige Pflanzen in die Miſchungen aufzunehmen haben. Wir wollen die Sache an einem einfachen Beiſpiel näher erläutern. Setzen wir auf klee⸗ und luzernefähigen Boden von den kurzlebigen Pflanzen Rotklee(Ackerklee) und italieniſches Raigras, von den langlebigen Pflanzen Luzerne und Knaulgras in die Miſchung, ſo wird das Futter nach menſchlicher Vorausſicht beſtehen: a) In den erſten beiden Jahren zum größeren Teil aus Rotklee und italieniſchem Raigras und zum kleineren Teil aus Luzerne und Knaulgras. 78 Welche Kleegrasmiſchung iſt die beſte? b) Im dritten Jahre zum größeren Teil aus Luzerne und Knaulgras und zum kleineren Teil aus Rotklee und italieniſchem Raigras. c) Im vierten, fünften und ſechſten Jahre, abgeſehen von den wildwachſenden Pflanzen, nur noch aus Luzerne und Knaulgras, weil Rotklee und italieniſches Raigras vorher ab⸗ geſtorben ſind. Ferner werden wir auch bei den Miſchungen für vier- bis ſechsjährige Nutzung ein möglichſt ange⸗ meſſenes Verhältnis zwiſchen den Kleearten und Gras⸗ arten herzuſtellen ſuchen. In dieſer Beziehung können folgende Erfahrungen zur An⸗ leitung dienen. Auf dem Verſuchsfelde habe ich angebaut: 1. Grasmiſchungen ohne Klee. 2. Kleegrasmiſchungen mit wenig Klee. 3. Kleegrasmiſchungen mit mehr Klee. Das Ergebnis dieſer ſeit dem Jahre 1876 planmäßig durch⸗ geführten Verſuche geſtaltete ſich, kurz zuſammengefaßt, wie folgt: Bei 1. Die Grasmiſchungen ohne Klee gaben den ge⸗ ringſten Ertrag. Der Ertrag hob ſich zwar, als der reine Gras⸗ beſtand durch wildwachſenden Klee in einen Kleegrasbeſtand um⸗ gewandelt worden war, auf die Höhe von 3, aber im Durch⸗ ſchnitt behielt 3 den Vorrang. Bei 2. Die Kleegrasmiſchungen mit wenig Klee gaben im erſten Schnitt einen hohen Ertrag; dagegen war der zweite Schnitt ſo gering, daß der Geſamtertrag im vierjährigen, im ſechsjährigen und auch im zehnjährigen Mittel gegen 3 zurückblieb. Bei 3. Die Kleegrasmiſchungen mit mehr Klee gaben den höchſten Ertrag, und ſie lieferten überdies ein beſſeres Futter, als die Miſchungen bei 2. Der Beſtand war jedoch, wie beſonders hervorgehoben zu werden verdient, auf einer und der⸗ ſelben Parzelle und bei einer und derſelben Kleegrasſaat je nach dem Boden verſchieden. Hiernach werden wir auch in den Miſchungen für vier⸗ bis ſechsjährige Nutzung den kleeartigen Pflanzen neben den Gräſern einen nicht zu ſehr beſchränkten Platz einräumen. Da ſich aber bei der Verſchiedenheit des Bodens, der Witterung, des Saatguts uſw. im voraus nicht beſtimmen läßt, welches Verhältnis zwiſchen den Kleearten und Gräſern im ganzen ———2— —,— ———,.,——-——— —ů·f————————————— III. Die Miſchungen. 79 und im einzelnen das beſte iſt, ſo werden wir die Her⸗ ſtellung des Miſchungsverhältniſſes bis zu einem ge⸗ wiſſen Grade der Natur überlaſſen und von uns aus nur dafür ſorgen, daß folgende Bedingungen erfüllt ſind: 1. Die Auswahl der Pflanzen muß der Beſchaffen⸗ heit und Lage des betreffenden Grundſtücks möglichſt entſprechen.— Kleinere Grundſtücke werden einheitlich be⸗ handelt. Bei größeren Grundſtücken iſt ein Zerlegen in Ab⸗ teilungen geboten, wenn die Lage oder Beſchaffenheit des Bodens deutlich ausgeprägte Unterſchiede aufweiſt.— Für die Auswahl der Pflanzen ſind(S. 46— 69) die erforderlichen Fingerzeige gegeben worden. Die Kenntnis und Beurteilung des Bodens muß ich hier vorausſetzen. ¹) 2. Die zweite Bedingung iſt die: Sowohl von den Klee⸗ ſamen wie von den Grasſamen muß ſoviel ausgeſtreut werden, daß die Saatmenge mit Wahrſcheinlichkeit unter allen Umſtänden ausreicht. Dies wird der Fall ſein, wenn wir die Saatmenge mindeſtens ſo hoch berechnen, daß das Gewicht der Kleeſamen aller Art zuſammen eine Vollſaat und daß das Gewicht der Grasſamen aller Art zuſammen ebenfalls eine Vollſaat beträgt.— Bei der Berechnung geht man, ohne ſich ſtreng an die Zahlen zu binden, bei den Kleearten und auch bei den kurzdauernden Gräſern— bei dem italieniſchen Raigras, dem engliſchen Rai⸗ gras und dem Timothegras— von einer mäßigen Vollſaat aus; bei den länger ausdauernden Gräſern hält man ſich da⸗ gegen im allgemeinen an die hohen Zahlen der Vollſaat und ſetzt darüber hinaus noch mehr oder weniger zu, wo man es für notwendig oder zweckmäßig erachtet.— Auch einen teil⸗ weiſen Erſatz kann man eintreten laſſen, indem man das aus der Vollſaat berechnete Saatgewicht bei einer Pflanze erniedrigt und dafür bei einer anderen entſprechend erhöht.— Die Zahlen für die Vollſaat der hier in Betracht kommenden Klee⸗ und Grasſamen ſind nebſt den Erſatzzahlen im Anhange zuſammen⸗ geſtellt; dort findet ſich auch eine Erläuterung der Rechnungs⸗ weiſe und des ganzen Verfahrens, wobei es übrigens mehr auf ¹) A. Nowacki, Praktiſche Bodenkunde. 6. Aufl. Berlin, Verlag von Paul Parey, 1917. 80 Welche Kleegrasmiſchung iſt die beſte? überlegung und praktiſchen Blick, als auf das ſchablonenmäßige und gedankenloſe Rechnen ankommt. Die vorſtehend entwickelten Grundſätze weichen in mehr⸗ facher Beziehung von den Vorſchriften anderer ab, ſie ſtimmen aber mit den Beobachtungen überein, die ich in der Schweiz, und beſonders auf den meiner Leitung unterſtellten Verſuchs⸗ feldern zu ſammeln Gelegenheit hatte; ſie ſind alſo nicht am grünen Tiſch ausgeheckt, ſondern auf dem Wege der Erfahrung gefunden worden, und es gereicht mir zu beſonderer Freude und Genugtuung, konſtatieren zu können, daß mich die Erfahrung zu denſelben Grundſätzen geführt, die Julius Kühn in den 1860er Jahren mit den Worten ausgeſprochen hat: Man mache es ſich zur Regel, das Saatquantum ſo zu bemeſſen, als ob Gräſer für ſich allein und Klee für ſich allein das Feld einnehmen ſollten, denn das heißt nichts anderes als: doppelte Vollſaat. Es iſt meine vollendete Überzeugung, daß kein Menſch imſtande iſt, eine Miſchung aus 8, 10 oder 12 Klee⸗ und Gras⸗ arten im voraus ſo richtig zuſammenzuſetzen und zu berechnen, daß jede Pflanzenart auf dem Felde oder auf der Wieſe gerade in dem Verhältnis wieder erſcheint, wie es auf dem Papier ſteht. Davon kann bei uns in der Schweiz, wo die Natur ſo mächtig, ſo gewaltig iſt, am wenigſten die Rede ſein. Wer das Gegenteil glaubt und lehrt, belügt und betrügt ſich ſelbſt und andere auch. Wenn man die Erfahrung macht, daß es bei uns nicht einmal gelingt, eine Reinſaat von Rotklee oder eine reine Gras⸗ ſaat herzuſtellen, weil die Natur Gras und Klee und alle mög⸗ lichen anderen Pflanzen wachſen läßt, die wir nicht geſät haben, wie kann man dann noch glauben, daß ſich das Miſchungs⸗ verhältnis einer verwickelt zuſammengeſetzten Miſchung im voraus berechnen und beſtimmen läßt?. Wo findet ſich im ſchweizeriſchen Flachlande kreuz und quer von Konſtanz bis Genf und von Baſel bis Luzern ein keimfreier Acker? Wo findet ſich eine Handbreit Erde, wo das Luftſchiffchen des Löwenzahns nicht landete? Wo läßt ſich ein Dutzend Gras⸗ und Kleeſamen auftreiben mit 90 oder gar mit 100% Reinheit und Keimkraft? Wo läßt es ſich vermeiden, mit den gewünſchten zugleich eine Menge nicht gewünſchter Samen auszuſtreuen? Wo iſt der Landwirt Herr über Regen und Sonnenſchein, Froſt und Hitze, Krankheiten und Ungeziefer? II. Die Miſchungen. 81 Alle dieſe Umſtände müſſen wir mit auf die Wage legen, wenn wir uns vor dem Anbau einer Kleegrasſaat über das Miſchungsverhältnis und die Saatmenge zu entſcheiden haben. Und weil wir jene Unmſtände nicht beherrſchen, nicht berechnen können, darum überlaſſen wir innerhalb der angedeuteten Grenzen die Herſtellung des Miſchungs⸗ verhältniſſes der Natur, darum ſtreuen wir ſoviel Gras⸗ und Kleeſamen aus, daß die Saatmenge mit Wahrſcheinlichkeit unter allen Umſtänden ausreicht, darum bekennen wir uns zu dem von Julius Kühn klar erkannten Grundſatz der doppelten Vollſaat. *—* Es folgt nun eine Reihe von Beiſpielen, die nach den eben dargelegten Grundſätzen für vier- bis ſechsjährige Nutzung berechnet ſind. Erſtes Beiſpiel. Für bündigen Boden. Miſchung Nr. 5. Luzerne... 7 kg pro Hektar. Kotklee.......... 3„„„ Baſtalrdklee....... 3„„„ Weißklee......... 2„„„ Knaulgras.. 20„„„ Franzöſiſches Raigras.... 20„„ 5 Engliſches Raigras¹)... 10„„„ Italieniſches Raigras.... 10„„„ Dieſe Miſchung hat einen Boden zur Vorausſetzung, der kleefähig und luzernefähig zugleich iſt. Derartige Böden finden ſich im ſchweizeriſchen Flachland in großer Ausdehnung. Das Grurndgeſtein iſt hier Molaſſe. Die Molaſſe ſelbſt tritt aber nicht zutage, ſie iſt im Gegenteil von aufgeſchwemmtem Boden überſchüttet. Die Überſchüttung kam teils durch die Gletſcher, teils durch die Flüſſe und Bäche zuſtande. ¹) Das engliſche Raigras kann zum Teil oder ganz durch Timothegras erſetzt werden; dabei rechnet man 4 kg engliſches Rai⸗ gras= 1 kg Timothegras. Rowacki, Kleegrasbau. 5. Auflage. 6 82 Welche Kleegrasmiſchung iſt die beſte? a) Der Gletſcherſchutt, oft aus einer Decke von bündigem Lehm mit einer Unterlage von ſandigem und ſteinigem Mergel beſtehend, bildet vielerorts einen vorzüglichen Boden für Klee und Luzerne. Auch hier in der Schweiz finden ſich die 3 Schichten des norddeutſchen Schwemmlandes: Diluviallehm, Diluvialmergel, Diluvialmiſchſand. b), Die Flußablagerungen zeigen mächtige Kiesbänke mit einer Überdeckung von mehr oder weniger toniger Erde. Auch auf dieſem Standort finden Klee und Luzerne oft die Be⸗ dingungen ihres Gedeihens. c) In Fluß⸗ und Bacheinſchnitten, wo die abwechſelnd übereinanderliegenden Sandſtein⸗ und Mergelſchichten der Molaſſe zutage treten, wird das bei der Verwitterung herabſtürzende Geſtein durcheinandergemengt, und es entſteht ein Boden, der bei genügender Beimengung von Tonmergel ſich ebenfalls für Klee und Luzerne eignet. d) Ferner bildet das Juragebirge bei ſeiner Verwitterung oft einen vorzüglichen Klee⸗ und Luzerneboden uſw. Indeſſen entſtehen bei den unter a, b, c und d angedeuteten Naturereigniſſen und bei anderweitigen Naturvorgängen auch ſolche Böden, die für Rotklee und Luzerne weniger gut paſſen, als für Sandluzerne, Eſparſette, Baſtardklee, Gelb⸗ klee uſw. Für dieſe Bodenverhältniſſe gelten die folgenden Beiſpiele der Miſchungen Nr. 6 bis Nr. 10, die wir hier mit der Bemerkung anreihen, daß wir auch bei der Auswahl der Gräſer, die ſich als Flachwurzler im allgemeinen leichter an⸗ paſſen, als die Kleearten, auf die Bodenbeſchaffenheit Rückſicht zu nehmen haben. Zweites Beiſpiel. Für leichteren Boden. Miſchung Nr. 6. Sandluzerne....... 8 kg pro Hektar. Rotklee....... 3„„, Gelbklee......... 8.„„„ Weißklee. 2„„ 7, Knaulgras........ 15„„„ Franzöſiſches Raigras.... 30„„ 7 Engliſches Raigras..... 10„„„ Italieniſches Raigras.... 10„„ 77 II. Die Miſchungen. Drittes Beiſpiel. Für kalkreichen Boden. Miſchung Nr. 7. Eſparſette. 50 kg pro Hektar. 4 Rotklee.........„„ 11 11 Gelbklee......... 7„ 11 Weißklee........ 2„„ Knaulgras........ 15 1 71„ Franzöſiſches Raigra.. 30 71 7„ Engliſches Raigras.... 19„„„ Italieniſches Raigras.... 10„„ 7 Viertes Beiſpiel. Für ſchweren Boden. Miſchung Nr. 8. Baſtardklee..... Rotklee. Gelbklee. Weißklee Knaulgras.... Franzöſiſches Raigras. Timothegras.... Engliſches Raigras. Italieniſches Raigras 00 0 00 O 0 dO Ge Fünftes Beiſpiel. Für naßkalten Boden. ¹) Miſchung Nr. 9. Baſtardklee.— 6 kg pro Hektar. Gelbklee. 5,„„ Weißklee........ 2„„ 5 M Knaulgrasz...... 28„„„ Franzöſiſches Raigras.... 25„„„ Timothegras...... 5„„ 71 Sechſtes Beiſpiel. Für torfigen Boden.*) Miſchung Nr. 10. Ha taibler...... 3 kg pro Hektar Weißklee....... 2„.. Knauigrag....... 22„„„ Franzöſiſches Raigras.... 15„„„„ Timothegras..... 4„„„ Honiggras........ 10„„„ ¹) Wegen der Bodenbeſchaffenheit iſt Miſchung Nr. 3 zu vergleichen. *) Wegen der Bodenbeſchaffenheit iſt Miſchung Nr. 4 zu vergleichen. 6* 84(Welche Kleegrasmiſchung iſt die beſte? C. Kleegrasmiſchungen für dauernde Nutzung. Bei den Kleegrasmiſchungen für dauernde Nutzung gelten, mit einer Ausnahme, dieſelben Grundſätze, wie bei den Miſchungen für vier⸗ bis ſechsjährige Nutzung. Die Ausnahme betrifft die lange ausdauernden Klee⸗ und Grasarten, die bei der Anlage von Dauerwieſen mit berückſichtigt werden, wenn brauchbarer Samen von ihnen zur Verfügung ſteht. Iſt dies nicht der Fall, ſo läßt man ſie fort und erſetzt ſie, ſo gut es eben geht, durch andere Arten, denn eine ſchlechte oder zweifelhafte Saatware ſoll grundſätzlich niemals zur Ver⸗ wendung gelangen. Das Nähere wollen wir bei den einzelnen Beiſpielen hervorheben. Erſtes Beiſpiel. Für bündigen, kleefähigen Boden. Miſchung Nr. 11. Rotklee(Ackerklee).... 5 kg pro Hektar. Rottlee(Mattenklee).. 6„„„„ Weißklee 2„ 7 Zaunwickei)...... 25„„„ Italieniſches Raigras.... 8„„„„ Engliſches Raigras ²).... 8„„„ Franzöſiſches Raigras.... 16„„„ Knaulgras. 12„„„ Wieſenſchwingel..... 12„„„ Goldhafer.. 10„„„ Wenn dieſe Miſchung nicht bloß auf dem Papier, ſondern auch auf der Wieſe einen Wert haben ſoll, ſo muß uns von allen aufgezählten Pflanzenarten das erforderliche Gewicht an ¹) Teilen wir, wie die Regel lautet, bei der Zaunwicke die Vollſaat 200 durch 4, ſo erhalten wir als Teilſaat 50 kg. Ein ſo bemeſſenes Saat⸗ quantum würde der Quantität und Qualität des Futters nur dienlich ſein. Nun erfordern aber 50 kg à 7 M. eine Auslage von 350 M; das iſt zu⸗ viel. Deshalb haben wir die 50 kg in der Miſchung Nr. 11 auf 25 kg reduziert, was um deswillen zuläſſig iſt, weil die Zaunwicke ſich durch Raſenläufer beſtockt und vermehrt. Fehlt es an Samen, oder iſt der Preis zu hoch, dann kann man das Quantum der Teilſaat auf 20 kg und ſelbſt auf 10 und 5 kg herabſetzen, muß dann aber bei den übrigen 3 Kleearten, die in der Miſchung Nr. 11 angegebenen Zahlen entſprechend erhöhen. ²) Das engliſche Raigras kann zum Teil oder ganz durch Timothegras erſetzt werden; dabei rechnet man 4 kg engliſches Rai⸗ gras= 1 kg Timothegras. II. Die Miſchungen. 85⁵ Samen zur Verfügung ſtehen und der Same muß auch brauch⸗ bar, d. h. er muß keimfähig ſein uſw. Nehmen wir nun an— und dieſer Fall wird oft ein⸗ treten— daß von dem echten Mattenklee, von der Zaun⸗ wicke und von dem Goldhafer kein brauchbarer Samen auf⸗ zutreiben iſt, ſo bleibt nichts übrig, als dieſe Pflanzen aus der Miſchung fortzulaſſen und durch andere zu erſetzen. Wir erſetzen den Mattenklee durch Baſtardklee, indem wir für 2 kg Matten⸗ klee von dem kleinkörnigeren Baſtardklee nur 1 kg nehmen; ferner erſetzen wir je 3— 4 kg Zaunwicke durch 1 kg Luzerne; und bei dem Goldhafer bewirken wir den Erſatz in der Weiſe, daß wir von dem franzöſiſchen Raigras, von dem Knaulgras und von dem Wieſenſchwingel entſprechend mehr Samen berechnen. Aus der vorſtehenden Miſchung wird dann die folgende Miſchung Nr. 12. (Zum Erſatz für Miſchung Nr. 11.) Notklee(Ackerklee)..... 5 kg pro Hektar. Baſtardklee........ 3„„„ Weißklee...... 2„ 61 Luzerne.. 7„„„ Italieniſches Naigras... 8„„„ Engliſches Raigras 1).... 8„„ 1, Franzöſiſches Raigras.... 20„„ 1 Knaulgras..... 15„„ 1 Wieſenſchwingel...... 14„„„ Obwohl dieſe Miſchung Nr. 12 den theoretiſchen Anforde⸗ rungen nicht ſo vollkommen entſpricht, als die Miſchung Nr. 11, ſo iſt ſie doch unter den angenommenen Vorausſetzungen allein von praktiſchem Wert, denn praktiſch nennt man, was unter den gegebenen Verhältniſſen möglich und durchführbar iſt. Fehlt uns, was ebenfalls vorkommen kann, auch noch der Same des Wieſenſchwingels, ſo müſſen wir uns mit den übrigen vier Grasarten behelfen und können in dieſem Fall die Miſchung Nr. 5 benutzen, die noch einfacher und noch prak⸗ tiſcher iſt. ¹) Das engliſche Raigras kann zum Teil oder ganz durch Timothegras erſetzt werden; dabei rechnet man 4 kg engliſches Rai⸗ gras= 1 kg Timothegras. Welche Kleegrasmiſchung iſt die beſte? Zweites Beiſpiel. Für leichteren Boden. Miſchung Nr. 13. Rotklee(Ackerklee) 3 kg pro Hektar. Rotklee(Mattenklee) 8„„„ Gelbklee.. 5 71 Weißklee.... 2 71 Italieniſches Raigras. 8 2,„ Engliſches Raigras.... 8 71„ 11 Franzöſiſches Raigras.... 24„„ 6 Knaulgras.... 14„ Wieſenriſpengras..... 6„„ 6 Die Samen, die zu dieſer Miſchung erforderlich ſind, werden wir von den beſſeren Handlungen beziehen können. Nur bei dem Mattenklee wird's hapern, denn der Same des echten Mattenklees kommt im Handel nicht vor. Wir können ihn uns, wie früher ſchon geſagt, auf die Weiſe verſchaffen, daß wir die reifen Samenköpfe vor dem Emdſchnitt auf unſern Naturwieſen ſammeln. Fehlt hierzu die Gelegenheit, ſo kommen für den Erſatz Luzerne, Sandluzerne und Eſparſette in Frage. Bei der Berechnung pro Hektar würden 8 kg Mattenklee etwa durch 12 kg Luzerne, oder durch 12 kg Sandluzerne, oder durch 70 kg Eſparſette zu erſetzen ſein. Anſtatt der Miſchung Nr. 13 kann ebenfalls auch die Miſchung Nr. 6 benutzt werden, die kein Wieſenriſpengras enthält. Wir bemerken hier noch, daß es im allgemeinen nicht ratſam iſt, auf leichtem Boden eine Dauerwieſe anzulegen. Denn die Dauerwieſe hat einen feuchten oder friſchen Standort der Pflanzen zur Vorausſetzung, während es dem leichten Boden gewöhnlich an Feuchtigkeit fehlt. Soll alſo die Wieſenanlage gelingen, ſo darf der Boden nicht zu leicht ſein, oder das betreffende Grundſtück muß klimatiſch oder örtlich eine feuchte Lage haben. Drittes Beiſpiel. Für ſchwere, oder für naßkalte, oder für feuchte Böden. Miſchung Nr. 14. Baſtardklee. 6 kg pro Hektar. Gelbklee.... 5„„„ Weißklee........ 2„.„ Engliſches Raigras..... 8„„ 7 Timothegras....... 3„„ 7 Franzöfiſches Raigras.... 15„„„ Knaulgras...... 16„„„ Wieſenſchwingel...... 12„„„ Wieſenſuchsſchwanz.....(2)„„„ II. Die Miſchungen. 87 Zum Zuſammenſtellen dieſer Miſchung wird uns am häufigſten der Same des Wieſenfuchsſchwanzes fehlen. Des⸗ halb habe ich keine Zahl für das Saatgewicht angegeben. Steht uns von dieſem Graſe ausnahmsweiſe brauchbarer Same zur Ver⸗ fügung, ſo ſetzen wir etwa 10 kg pro Hektar zu der Miſchuug hinzu, ohne die Gewichtszahlen der übrigen Gräſer zu erniedrigen. Auf ſchwerem Boden, ſofern er nicht an Näſſe leidet, könnten mit Vorteil auch einige Kilogramm echten() Matten⸗ klees hinzugeſetzt werden. Für gewiſſe Fälle bitten wir mit der Miſchung Nr. 14 die Miſchungen Nr. 8 und Nr. 9 zu vergleichen, die auf gras⸗ wüchſigen Böden auch bei der Anlage von Dauerwieſen gute Dienſte leiſten können. Die Bodenarten und Bodenlagen, die wir in dem vor⸗ liegenden dritten Beiſpiel zuſammengefaßt haben, eignen ſich viel weniger gut zum Ackerbau, als zum Wieſenbau. In bezug auf den naßkalten Boden haben wir dies ſchon bei Miſchung Nr. 3 hervorgehoben und können auf das dort über die Beſchaffenheit, Benutzung und Behandlung des Bodens Geſagte verweiſen (S. 75). Hier fügen wir noch hinzu, daß das Umpflügen vor Winter, das Zuführen von gebranntem Kalk und das Unter⸗ ackern von ſtrohigem Stockmiſt weſentlich dazu beiträgt, dieſe widerſpenſtigen Böden für die Wieſenanlage inſtand zu ſetzen. Viertes Beiſpiel. Für torfigen oder moorigen Boden. ¹) Miſchung Nr. 15. Sumpſſchotenklee. 3 e pro Hektar. Baſtardklee....... 3„„„„ Gelbklee....... 5„ 7„„ Weißklee..... 2„ 7r 77 Timothegras...... 4„„„„ Franzöſiſches Raigras.... 15„„„ Knaulgras....... 22, ie, 71 Honiggras....... 10„„„ Der Sumpfſchotenklee paßt für die Anlage von Dauer⸗ wieſen auf torfigem oder moorigem Boden ſehr gut, weil er ausdauert und ſich durch Raſenläufer vermehrt(S. 54). Sollte uns der Same fehlen, ſo können oder müſſen wir ihn, wenn ¹) Wegen der Bodenbeſchaffenheit iſt Miſchung Nr. 4 zu vergleichen. 88 Welche Kleegrasmiſchung iſt die beſte? auch nicht mit Vorteil, durch Baſtardklee erſetzen. In dieſem Fall nwird aus der vorſtehenden Miſchung Nr. 15 die Miſchung r. 10. Fünftes Beiſpiel. Für humusreiche, feucht gelegene Ton⸗ und Sandböden. Miſchung Nr. 16. Sumpfſchotenklee...... 12 kg pro Hektar. Rohrglanzgras...... 50„„ 77 Dieſe beiden Pflanzen paſſen vortrefflich zuſammen. Sie lieben beide die Bewäſſerung, erhalten ſich, wo ihnen die Ver⸗ hältniſſe zuſagen, mit unbegrenzter Dauer und liefern einen hohen Ertrag und ein vorzügliches Futter für Pferde und für Milchkühe(vgl. S. 62). +*½ F* * Dem aufmerkſamen Leſer wird es nicht entgangen ſein, daß die Anlage von Kunſtdauerwieſen ihre Schwierigkeiten hat. Man hüte ſich daher wohl, den Umbruch der vorhandenen Naturwieſen zu eilig vorzunehmen. Der Raſen einer Natur⸗ oder Dauerwieſe iſt leicht zerſtört, aber ſchwer wieder hergeſtellt. Eine gute Dauerwieſe umzuackern, um an Stelle des alten Naturraſens durch Ausſaat von Klee⸗ und Grasſamen einen neuen Kunſtraſen zu erzeugen, iſt geradezu ein Fehlgriff. Selbſt bei einer ſchlechten Dauerwieſe ſollte man es ſich dreimal überlegen, ehe man den Entſchluß faßt, die vorhandene Raſennarbe mit Pflug und Egge zu vernichten. Erſt dann, wenn alle übrigen bekannten Mittel: Entwäſſerung und Be⸗ wäſſerung, Anwendung von Kalk, Mergel oder Kom⸗ poſt, Veränderung oder Verſtärkung der Zufuhr von natürlichem und künſtlichem Dünger uſw. keinen Erfolg verſprechen, erſt dann iſt es am Platz, zu dem Umbruch als dem letzten Mittel ſeine Zuflucht zu nehmen. Ich will mich an einem Beiſpiel aus dem Leben näher erklären. Im Herbſt 1890 führte mich ein Landwirt nach Schwamendingen auf eine Wieſe, die die Engerlinge ſo voll⸗ ſtändig zugrunde gerichtet hatten, daß man den Raſen, wo über⸗ haupt noch welcher vorhanden war, einfach abheben und mit dem Fuße wegſcharren konnte. Die Engerlinge— genauere II. Die Miſchungen. 89 Zählung an ſechs verſchiedenen Stellen ergab 14—20 Stück pro ¼ qm, alſo 56— 80 Stück pro Quadratmeter— hatten auf dem größeren Teil der Wieſe ſämtliche Wurzeln abgefreſſen. Was war hier zu tun? Ein dickes Überſchütten des Raſens mit ſcharfer Abtrittgülle hatte die Engerlinge nicht getötet oder ver⸗ trieben. Zum Einſetzen von Maulwürfen, die ohnehin lebendig nicht leicht zu erlangen ſind, war es zu ſpät. 1) Das Ziehen von Fanggräben hatte keinen Zweck, weil die Unterſuchung eine gleichmäßige Verbreitung der Engerlinge über die ganze Fläche erwies. Anderweitige Mittel waren nicht erſichtlich. Hier blieb nichts übrig, als Umbruch des Raſens und Wiederherſtellung der Dauerwieſe durch Neuanſaat, denn für eine andere Nutzung war das Land wegen ſeiner feuchten Lage und wegen ſeiner weiten Entfernung vom Wirtſchaftshofe nicht geeignet. So kann es Verhältniſſe und Umſtände geben, unter denen der Umbruch einer Dauerwieſe geboten und gerechtfertigt iſt; im allgemeinen aber wird man gut tun, die vorhandenen Natur⸗ wieſen fortbeſtehen zu laſſen. Man bedenke, daß die Wirkung der Bodenbearbeitung nur eine kurze Zeit vorhält, und daß die Erträge der Kunſtdauer⸗ wieſen bei gleicher Behandlung und Düngung ſehr bald auf die Erträge der Naturwieſen herabſinken. Erfolgt nach dieſer Zeit, ſagen wir nach ſechs Jahren, wieder ein Umbruch, und wird nun das Land nach dem Syſtem des Feldgrasbaus erſt eine Reihe von Jahren als Ackerland zur Erzeugung von Getreide und Hackfrüchten und hinterher wieder eine Reihe von Jahren als Wiesland zur Erzeugung von Kunſtfutter benutzt, folgt alſo der Grasbau dem Feldbau und der Feldbau dem Grasbau in ewigem Wechſel, dann laſſen ſich von dieſen Kunſtwechſel⸗ ¹) Im Frühling desſelben oder des vorhergehenden Jahres hätte das Einſetzen von Maulwürfen wohl geholfen, denn auf der benachbarten, nur durch einen Steindamm getrennten Wieſe waren friſche Maulwurfs⸗ haufen zu ſehen, und hier fand ſich auf der Fläche von ½¼ qam nur ein einziger Engerling unter dem dichten und feſten Raſen. In dem Streuried, das auf der entgegengeſetzten Seite der verwüſteten Wieſe lag, war gar kein Engerling zu finden. Da die Anſicht verbreitet iſt, daß die Engerlinge nur in trocknem Lande vorkommen, ſo bemerke ich noch, daß die betreffende Wieſe feucht gelegen und der Drainage bedürftig war. Die feuchte Lage des Grundſtücks geht ſchon aus der Nähe des Rieds hervor, und überdies floß längs des obern Teils der Wieſe beſtändig Waſſer in dem kleinen Grenzgraben nach dem Ried. 90 Welche Kleegrasmiſchung iſt die beſte? wieſen allerdings immer wieder höhere Erträge erzielen, als von den Naturwieſen. Bei den Kunſtdauerwieſen iſt das nicht der Fall. Die Erfahrung lehrt, daß auf einer Kunſtwieſe außer den abſichtlich angebauten immer auch wilde Pflanzen wachſen, und daß dieſe Naturpflanzen im Laufe der Jahre den Kulturpflanzen das Feld immer mehr ſtreitig machen. Verfolgen wir den Vor⸗ gang der Umwandlung lange genug, ſo können wir beobachten, daß der Pflanzenbeſtand im achten, neunten und zehnten Jahre auf der Kunſtwieſe oft nicht beſſer, ſondern ſchlechter iſt, als auf den benachbarten Naturwieſen. Tritt etwa einmal das Gegen⸗ teil ein, ſo haben wir es der Gunſt der Umſtände zu danken. Es iſt daher ratſam, die Anlage von Kunſtdauerwieſen, die ſich mit der Zeit in Naturwieſen umwandeln, auf ſolche Grundſtücke zu beſchränken, die wegen ihrer Lage und Beſchaffen⸗ heit als ſtändiges Wiesland den höchſten und ſicherſten Nutzen erhoffen laſſen, die aber erſt durch Neuanſaat zu einer ertrags⸗ fähigen Wieſe gemacht werden können. Vielleicht trägt es dazu bei, die Landwirte zum Nachdenken, zur Beobachtung und zum Meinungsaustauſch anzuregen, wenn wir dieſe Bemerkungen mit dem Satze ſchließen: Kunſtdauer⸗ wieſen gibt es nicht. Anhang. Tabelle der Vollſaat. — 8 Vollſaat 1 E Name der Pflanzen pro Erjatz⸗ — Hektar zahl Kleearten. 1 Rotklee(Ackerklee), Trifolium pratense sativum. 16— 24 2. 2 Wieſenklee(Mattenklee),Trifolium pratense perenne 16— 24 2. 3] Baſtardklee, Trifolium hybridum...... 11— 15 1. 4] Weißklee, Trifolium repens........ 8— 14 1. 5 Luzerne, Medicago sativa........ 25— 35 3. 6 Sandluzerne, Medicago media...... 30— 40 3. 7 Gelbklee, Medicago lupulina....... 20— 24 2. 8 Eſparſette, Onobrychis sativa....... 180— 220] 18. Anhang. 8 Vollſaat. 5 Name der Pflanzen pro Lit S Hektar 5 8* 9 Zauuwicke, Vicia sepium¹).....[200— 240] 18. 10 Gemeiner Schotenklee, Lotus corniculatus.. 10— 15 1. 11] Sumpfſchotentlee, Lotus uliginosus..... 8— 12 1. Gräſer. 1 Italieniſches Raigras, Lolium italicum... 40— 60 4. 2 Engliſches Raigras, Lolium perenne.... 40— 60 4. 3 Wieſenſchwingel, Festuca elatior...... 50— 70 5. 4 Knaulgras, Dactylis glomerata.... 40— 60 4. 5] Rohrglanzgras, Phalaris arundinacea.... 45— 65 5. 6 Wieſenriſpengras, Poa pratensis...... 20— 25 2. 7 Wolliges Honiggras, Holcus lanatus.... 30— 40 3. 8 Franzöſiſches Raigras, Avena elatior.... 80— 120 8. 9 Goldhafer, Avena flavescens..... 40—(2) 4.(2) 10 Wieſenfuchsſchwanz, Alopecurus pratensis... 40—(2) 4.(?) 11] Timothegras, Phleum pratense...... 12— 16 1. Wir haben verſprochen, in einem Anhang die Zahlen für die Vollſaat der vorzugsweiſe in Betracht kommenden Klee⸗ und Grasſamen nebſt den Erſatzzahlen, ſowie auch eine Erläuterung der angewandten, übrigens ſehr einfachen Rechnungsweiſe zu geben. Indem wir dieſem Verſprechen gemäß gleichſam den Schlüſſel zu den vorſtehend mitgeteilten Beiſpielen der Mi⸗ ſchungen für vier⸗ bis ſechsjährige und dauernde Nutzung liefern, hoffen wir, auch den ungelehrten Landwirt in den Stand zu ſetzen, ſich ſelbſtändig eine Miſchung zuſammen⸗ zuſtellen. Das Verfahren iſt folgendes. Wir ſchreiben uns zunächſt die Kleearten, die wir in die Miſchung aufzunehmen gedenken, untereinander; z, B.: Luzerne, Rotklee, Baſtardklee, Weißklee. Es ſind zuſammen 4 Kleearten. ¹) Bei Reinſaat der Zaunwicke ſind zur Vollſaat erforderlich 200 kg. Wird die Anlage mehrere Jahre zur Samengewinnung benutzt, ſo kann man, im Hinblick auf die Beſtockung durch Raſenläufer, das Saatquantum auf 100 kg pro Hektar herabſetzen. In dieſem Fall drillt man Ende Auguſt oder Anfang September auf 30 cm Reihenentfernung und kann ſchon im nächſten Jahre Samen ernten. Näheres findet ſich S. 52 u. 53. 92 Welche Kleegrasmiſchung iſt die beſte? Wenn wir nach dem S. 81 aufgeſtellten Grundſatz die Saatmenge ſo hoch berechnen wollen, daß das Gewicht der Klee⸗ ſamen aller Art zuſammen eine Vollſaat beträgt, ſo müſſen wir in unſerm Beiſpiel bei jeder Kleeart die Vollſaat durch 4 teilen. In der vorſtehenden Tabelle ſind bei jeder Pflanze zwei Zahlen angegeben, zwiſchen denen die Vollſaat ſchwanken darf. Bei den Kleearten gehen wir von einer mäßigen Vollſaat aus. Wir haben alſo die niedrigere Zahl der Vollſaat durch 4 zu teilen, ohne uns ſtreng an die niedrigſte, in der Tabelle ange⸗ gebene Zahl zu binden. Vollſaat Teilſaat pro Hektar pro Hektar kg kg Kuzerne..... 25=35 7 Notklee..... 16— 24 5 Baſtardklee... 11—15 3 Weißklee..... 3—14 2 Nun ſchreiben wir uns auch die Grasarten, die wir in die Miſchung aufzunehmen gedenken, untereinander; z. B.: Italieniſches Raigras, Engliſches Raigras, Franzöſiſches Raigras, Knaulgras, Wieſenſchwingel. Es ſind zuſammen 5 Grasarten. „Auch hier haben wir die Saatmenge ſo hoch zu berechnen, daß das Gewicht der Grasſamen aller Art zuſammen eine Voll⸗ ſaat beträgt. Die Zahl der Grasarten in unſerem Beiſpiel iſt 5. Wir teilen daher bei jeder Grasart die Vollſaat durch 5, indem wir uns bei den kurzdauernden Gräſern litalieniſches Raigras und engliſches Raigras) mehr an die niedrigere Zahl der Vollſaat, bei den langdauernden Gräſern(franzöſiſches Raigras, Knaulgras und Wieſenſchwingel) dagegen an die höhere Zahl der Vollſaat halten. Vollſaat Teilſaat pro Hektar pro Hektar kg kg Italieniſches Raigras... 40— 60 8 Engliſches Raigras... 40— 60 8 Franzöſiſches Raigras.. 80— 120 24 Knaulgras...... 4060 12 Wieſenſchwingel..... 50— 70 14 Anhang. 93 Damit wäre die Rechnung ſchon fertig. Nun ſcheint es uns aber zweckmäßig, in der Miſchung das Knaulgras etwas mehr hervortreten, das franzöſiſche Raigras dagegen etwas mehr zurücktreten zu laſſen. Dazu benutzen wir die Erſatz⸗ zahlen, die in der Tabelle beigefügt ſind. Bei dem Knaul⸗ gras finden wir die Erſatzzahl 4, bei dem franzöfiſchen Raigras finden wir die Erſatzzahl 8; das heißt, bei der Berechnung pro Hektar ſind 8 kg franzöſiſches Raigras durch 4 kg Knaulgras zu erſetzen. Ziehen wir alſo in obiger Rechnung bei dem fran⸗ zöſiſchen Raigras 4 ab, ſo haben wir bei dem Knaulgras 2 hinzuzuſetzen, denn das Verhältnis 4: 2 iſt dasſelbe wie 8: 4. Folglich kommen jetzt in die Miſchung: Franzöſiſches Raigras.... 20 kg pro Hektar. Knaulgras...... 7 1 t Wenn man dieſe Zahlen mit den obenſtehenden vergleicht, ſo ſieht man den Unterſchied. Stellen wir nun alle Zahlen, die wir berechnet haben, überſichtlich zuſammen, ſo erhalten wir folgende Miſchung für bündigen Boden. (Schulbeiſpiel.) Luzerne. 7 kg pro Hektar. Rotklee........„ 6 Baſtardklee...... 3„„„ Weißklee.... 2 3„ 11 Italieniſches Raigras 8„„„ Engliſches Raigras.... 8„„ 7 Franzöſiſches Raigras.... 20„„ 77 Knaulgras..... 14„„„ Wieſenſchwingel..... 14„„„ Vergleichen wir dieſe Miſchung mit der Miſchung Nr. 12, ſo finden wir dort die Zahlen bei dem Knaulgras um 1 er⸗ höht; es iſt dies aus dem Grunde geſchehen, weil wir bei der Herſtellung einer Dauerwieſe auf bündigem Boden gerade dem Knaulgras eine große Bedeutung zuſchreiben. Im übrigen hoffe ich, daß die dargelegte Art der Be⸗ rechnung und die ganze Lehre von den Miſchungen ſo einfach und durchſichtig iſt, daß ſie jeder verſtändige Landwirt begreifen und anwenden kann. Hierauf lege ich beſonderen Wert. Je mehr die Wiſſenſchaft Gemeingut wird, um ſo größere Fortſchritte macht die Praxis. Die praktiſche Ausführung und Behand⸗ lung der Kleegrasſaat. Es bleibt mir nun noch übrig, für die praktiſche Aus⸗ führung und Behandlung der Kleegrasſaat einige Winke zu geben, denn die beſte Miſchung nützt nichts, wenn ſie nicht in der richtigen Weiſe in die Erde gebracht und zweckentſprechend gepflegt wird. A. Die praktiſche Ausführung der Klee- grasſaat. 1. Zubereitung des Saatbetts.— Kleegrasbau oder Kunſtfutterbau iſt im weſentlichen nichts anderes, als Ackerbau. Was iſt die Hauptſache beim Ackerbau? Gut pflügen. Was zweitens? Pflügen. Was drittens? Düngen. Mit dieſen Sätzen hat der alte Cato ſchon vor 2000 Jahren kurz und bündig geſagt, worauf es beim Ackerbau ankommt, und dieſe Sätze gelten in vollem Umfange auch für den Klee⸗ grasbau. Der Acker, der mit Kleegras eingebaut werden ſoll, wird in ähnlicher Weiſe ſauber zubereitet, wie man es ſonſt zu Weizen, zu Gerſte, zu Luzerne oder zu Kartoffeln zu tun pflegt. Das Land ſoll gut durchgepflügt und möglichſt von Unkraut gereinigt ſein. Deshalb ſind Hackfrüchte gute Vorfrüchte für Kleegras, ohne daß andere Vorfrüchte ausgeſchloſſen wären. Unpaſſend als Vorfrüchte ſind Klee und Luzerne. Auch Kleegras nach Kleegras iſt nicht anzuraten, ſondern es iſt beſſer, das Land wenigſtens drei Jahre zum Getreide⸗ und Hackfruchtbau zu A. Die praktiſche Ausführung der Kleegrasſaat. 95 benutzen, ehe von neuem Kunſtfutter angebaut wird. Immerhin darf das Kleegrasgemenge in kürzerer Zeit auf demſelben Felde wiederkehren, als eine Reinſaat von Klee oder Luzerne. Die meiſten Böden geſtatten eine Reinſaat von Rotklee nur alle 6 Jahre, während auf denſelben Böden eine Miſchſaat von Rot⸗ klee und italieniſchem Raigras alle 4 Jahre möglich iſt. Nach der Art der Vorfrucht richtet ſich die Zahl der Pflug⸗ furchen. Nach Hackfrüchten wird eine Furche zu voller Tiefe genügen; nach anderen Vorfrüchten werden gewöhnlich zwei Furchen erforderlich ſein, von denen die erſte flach, die zweite tiefer gegriffen wird. In jedem Fall muß die Wirkung des Pfluges durch die Wirkung der Egge unterſtützt werden. Unter Umſtänden kann auch die Walze gute Dienſte leiſten, um die größeren Erdbrocken zu zermalmen und die Samen der Unkräuter zum Keimen zu bringen. Das Unkraut wird dann mit der folgenden Egge zerſtört. Wenn viel Unkrautgeſäme im Boden liegt, wiederholt man das Eggen in Zwiſchenräumen von etwa zehn Tagen zwei⸗ bis dreimal. Je gründlicher und ſorgfältiger die Beackerung geſchieht, um ſo freudiger gedeiht das Kleegras. 2. Düngung.— Zur Zubereitung des Saatbetts gehört auch die Düngung, die ſich je nach der Beſchaffenheit des Bodens verſchieden geſtaltet. a) Auf magerem, d. h. nährſtoffarmem Boden iſt eine friſche Miſtdüngung um ſo mehr geboten, weil hier das Klee⸗ grasgemenge gewöhnlich unter einer reifenden Überfrucht an⸗ gebaut wird, Doch darf die Düngung nicht übertrieben werden, damit die Überfrucht ſich nicht lagert. Es iſt daher ratſam, von mäßig verrottetem Stockmiſt und Stallmiſt nicht mehr als 18 000 kg pro Hektar aufzufahren ¹) und den Stock⸗ und Stall⸗ miſt durch eine Beidbüngung mit Phosphorſäure zu ergänzen. Die Phosphorſäure gibt man hier in Form von Super⸗ phosphat, von dem man ſoviel berechnet, daß 40— 50 kg lösliche Phosphorſäure pro Hektar herauskommen. ²) Der Stock⸗ ¹) Ladet man auf einen Wagen 1000 kg, ſo ſind zu obiger Düngung 18 Fuder Stockmiſt pro Hektar erſorderlich. ²) Der Gehalt der Superphosphate iſt ſehr verſchieden. Es gibt⸗ welche mit nur 10%, es gibt aber auch welche mit 44% löslicher Phosphorſäure. Hierauf hat der Landwirt ſelbſtverſtändlich Rückſicht zu nehmen, indem er den Bedarf pro Hektar nach dem garantierten und kontrollierten Gehalt der Ware berechnet. Um 10 kg lösliche Phos⸗ ————— — 1 96 Die praktiſche Behandlung und Ausführung der Kleegrasſaat. miſt wie der Stallmiſt wird möglichſt früh untergepflügt; das Superphosphat wird dagegen erſt kurz vor der Saat ausgeſtreut und mit dem Grubber oder mit dem Krümmer, oder in Er⸗ mangelung dieſer Ackergeräte mit einer ſchweren Egge gut in die Erde gebracht. b) Auf reicherem Boden düngt man kräftig zur Vorfrucht (z. B. zu Kartoffeln oder zu Runkelrüben), vermeidet dagegen friſche Miſtdüngung unmittelbar vor der Kleegrasſaat, einmal um dem Lagern der überfrucht vorzubeugen, und dann auch aus dem Grunde, weil mit dem Miſt leicht Unkrautgeſäme auf das Feld gebracht wird. Wohl aber iſt eine Zufuhr von künſtlichem Dünger, namentlich von Phosphorſäure, am Platz. Man kann, wie eben unter a angegeben, Superphosphat verwenden oder ſtatt deſſen Thomasſchlackenmehl ¹); von dieſem werden etwa 500 kg pro Hektar möglichſt früh untergepflügt. In bezug auf die Phosphorſäure, die auf alle Kulturpflanzen, beſonders aber auf die Kleearten günſtig wirkt, kann man des Guten nicht leicht zuviel tun. Dagegen hat man den Stickſtoff vorſichtiger zu ver⸗ wenden und ſparſamer zuzumeſſen. Wird das Kleegras unter eine Überfrucht geſtellt, ſo läßt man auf reicherem Boden den Stickſtoff, weil er die Gefahr des Lagerns erhöht, am ſicherſten ganz fort. Wird das Kleegras ohne Überfrucht angebaut, ſo kann auch eine Stickſtoffdüngung(für die Gräſer!) ſtattfinden, und ſind in dieſem Fall 200 kg Chileſalpeter pro Hektar, kurz vor der Saat ausgeſtreut, nicht zuviel. Anſtatt des Chileſalpeters kann man auch Gülle verwenden, etwa 300 hl pro Hektar; doch bringt man mit der Gülle leicht Unkrautgeſäme auf das Feld, ſo daß in dieſem Falle der Chileſalpeter den Vorzug verdient. phorſäure zuzuführen, braucht es von einem 10% igen Superphosphat 100 kg, von einem 20% igen nur 50 kg, von einem 40% igen nur 25 kg der Ware. Wir kommen hierauf weiter unten, wo von der Raſendüngung der Wieſen die Rede iſt, ausführlicher zurück; dort findet ſich auch eine kleine Tabelle, aus der zu erſehen, wieviel Kilogramm Superphosphat von dieſem oder jenem Gehalt erforderlich ſind, um eine beſtimmte Menge lös⸗ licher Phosphorſäure pro Hektar zuzuführen. ¹) Das Thomasſchlackenmehl ſoll mindeſtens 75% Feinmehl und 16— 20% Phosphorſäure enthalten. A. Die praktiſche Ausführung der Kleegrasſaat. 97 c) Bei torfigem und moorigem Boden, der in der Schweiz ſeltener zur Futter⸗, als zur Streugewinnung benutzt wird, iſt die Düngung abweichend. Zufuhr von Stickſtoff iſt hier nicht nötig. Wir haben vielmehr nur dafür zu ſorgen, daß der in der Humus⸗ ſubſtanz enthaltene Stickſtoff aufgeſchloſſen und für die Pflanzen zugänglich gemacht wird. Dies geſchieht durch Auffahren von Sand oder Mergel. Torfboden, dem es von Natur an einer hinreichenden Beimengung von erdigen(mineraliſchen) Stoffen fehlt, wird durch eine Überdeckung mit einer 10—12 em ſtarken Schicht ſandiger oder mergeliger Erde überhaupt erſt befähigt, Futterpflanzen zu tragen. Auf weniger ſchwammigem Torfboden kann auch eine Kalkung genügen, wobei pro Hektar 3000 bis 6000 kg gebrannter Kalk berechnet werden. Der Kalk wird bei Hauſe mit Erde in einen Haufen aufgeſchichtet und ſchichtenweiſe ſchwach mit der Gießkanne angenetzt, um ihn zu löſchen und zum Zerfallen zu bringen. Oder man nimmt das Löſchen auf dem Felde vor, indem man den Kalk in kleinen Häufchen verteilt, ſchwach anfeuchtet und nach dem Zerfallen gleichmäßig ausbreitet und ſofort unterpflügt. ¹)— Dieſe Grundverbeſſerungen, denen die Trockenlegung des Landes vorauszugehen hat, ſind von der eigentlichen Düngung zu unterſcheiden; ſie erfüllen nur dann ihren Zweck, wenn größere Maſſen von Meliorationsmaterial aufgefahren werden. Doch iſt es ratſam, die ſchwächere Gabe zu wählen und von Zeit zu Zeit zu wiederholen, weil der Kalk im Erdboden verſickert und mit dem Grundwaſſer abfließt. Was die eigentliche Düngung betrifft, ſo erfordert der Torf⸗ und Moorboden nicht nur eine Zufuhr von Phos⸗ phorſäure, ſondern noch mehr eine Zufuhr von Kali. Die Phosphorſäure wird hier weitaus am beſten in Form von Thomasſchlackenmehl und das Kali in Form von Kainit gegeben, etwa in folgendem Verhältnis: Thomasſchlackenmehl.... 500 kg pro Hektar. Kainit....... 1„„„ Beide Düngmittel werden möglichſt früh, bei dem Anbau des Kleegraſes im Frühling alſo ſchon im Herbſt vorher unter⸗ ¹) Die Kalkung iſt auch auf ſchwerem Lehm- und Tonboden am Platz. Selbſt auf ſandigem Lehm und lehmigem Sand kann der Kalk dazu beitragen, die Ernten zu ſteigern; auf dieſen leichteren Böden wird die Kalkmenge aber niedriger, etwa halb ſo ſtark als oben, berechnet. Nowacli, Kleegrasbau. 5. Auflage. 7 98 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. gepflügt. Der Armut des Bodens entſprechend iſt die Düngung reichlich zugemeſſen, reicht aber für zwei Jahre hin. Doch iſt es gleichwohl ratſam, vor dem zweiten Jahre(mit der halben Menge, alſo mit 250: 500) wieder zu düngen, damit immer ein Vorrat im Boden verbleibt. Und ſo fort Jahr für Jahr, vorausgeſetzt, daß ausſchließlich künſtlicher Dünger zur An⸗ wendung kommt. 3. Saatzeit.— Wir unterſcheiden zwei Saatzeiten: Früh⸗ ling und Herbſt. a) Gewöhnlich nimmt man die Kleegrasſaat im Frühling vor, und es darf als ausgemacht gelten, daß dieſe Jahreszeit im allgemeinen den Vorzug verdient. Doch kann auch eine Frühjahrsſaat gänzlich fehlſchlagen, wenn ſie in eine Zeit fällt, in der der Himmel keinen Regen ſpendet. Leider ſind wir noch nicht imſtande, das Wetter auf einige Tage oder Wochen vorauszuſehen. Wir müſſen uns vielmehr mit allgemeinen Erfahrungen behelfen. Sie haben ergeben, daß uns der Monat Mai oft den Nordwind bringt, der mit ſeinem trockenen und kalten Hauche das Keimen und Aufgehen der Saaten in hohem Grade beeinträchtigt. Dagegen dürfen wir im Monat April mit großer Wahrſcheinlichkeit auf Niederſchläge rechnen, und auch gegen den 1. Juni pflegt Regenwetter ein⸗ zutreten, wenn im Mai eine Periode anhaltender Trockenheit vorausging. Es empfiehlt ſich daher für die Kleegrasſaat in erſter Linie die Zeit vom 20. März bis zum 15. April und in zweiter Linie die Zeit kurz vor und nach dem 1. Juni. Die frühe Saatzeit paßt im allgemeinen beſſer für den leichten, die ſpäte Saatzeit beſſer für den ſchweren Boden. Doch darf auch auf ſchwerem Boden die frühe Saatzeit wahrgenommen werden, wenn er für die Saatbeſtellung genügend abgetrocknet iſt. b) Bei der Herbſtſaat iſt die Hauptſache, daß ſie nicht zu ſpät erfolgt. Die günſtigſte Zeit liegt zwiſchen dem 20. Auguſt und dem 10. September. Innerhalb dieſer Grenzen ſät man auf ſchwerem Boden früher, auf leichtem Boden ſpäter. Nach dem 15. September ſollte man keine Klee⸗ grasſaat mehr machen, weil ſonſt die Pflanzen im Herbſt nicht mehr genügend Stoffe und Kräfte ſammeln können, um den Winter ſicher zu überſtehen. A. Die praktiſche Ausführung der Kleegrasſaat. 99 4. Überfrucht.— Bei Entſcheidung der Frage, ob man das Kleegras unter einer Überfrucht anbauen ſoll, oder nicht, kommen folgende Erwägungen in Betracht. Bei der Herbſtſaat hat die Überfrucht oder Deckfrucht den nicht zu unterſchätzenden Vorteil, daß ſie den jungen Kleegras⸗ pflanzen einigen Schutz gegen das Auswintern gewährt. Auch bei der im März oder April erfolgten Frühjahrsſaat iſt der Schutz gegen Spätfröſte von einiger Bedeutung. Dagegen hat die Überfrucht den Nachteil, daß ſie den Futtergewächſen den Raum, das Licht und die Nahrung fortnimmt. Sie nimmt ihnen auch das Waſſer fort, denn ohne Waſſer kann eine Pflanze noch weniger leben, als ohne Licht und Nahrung, und die Überfrucht, weil ſie ſchnell wächſt, braucht gerade ſehr viel Waſſer. Es iſt daher ein Irrtum, wenn man glaubt, daß die Überfrucht den Boden vor dem Aus⸗ trocknen ſchützt; die Überfrucht trägt im Gegenteil ganz erheblich dazu bei, den Boden auszutrocknen. Sehr hervorgehoben wird der Punkt, daß die Überfrucht das Unkraut unterdrückt. Sie erfüllt dieſen Zweck um ſo mehr, je dichter ſie ſteht. Aber je dichter ſie ſteht, deſto mehr unter⸗ drückt ſie auch die Kleegraspflanzen. Wodurch kommt denn die Unterdrückung des Unkrauts zuſtande? Erſtens dadurch, daß jede Überfruchtpflanze einen Raum einnimmt, auf dem zu gleicher Zeit eine Unkrautpflanze nicht wachſen kann; und zweitens dadurch, daß die jungen Unkrautpflanzen durch die Über⸗ frucht ſo ſtark beſchattet werden, daß ſie aus Lichtmangel zugrunde gehen. Genau dasſelbe gilt aber auch für die jungen Futterpflanzen, von denen namentlich die Kleearten ſehr licht⸗ bedürftig ſind. Die Unterdrückung des Unkrauts läßt ſich daher nur erkaufen durch eine gleichzeitige Unter⸗ drückung der Futtergewächſe; und es iſt jedenfalls richtiger, den Acker vor der Saat möglichſt von, Un⸗ kraut zu reinigen, als ſich auf die Beihilfe der Über⸗ frucht zu verlaſſen. Übrigens wird das Unkraut, wenn es nicht in zu großer Menge auftritt, dem Kleegras nicht ſehr ſchädlich. Wir haben es hier hauptſächlich mit einjährigen Acker⸗ unkräutern zu tun, und dieſe laſſen ſich zum Teil durch Jäten vertilgen, zum Teil ſterben ſie ab, nachdem das Futter einmal geſchnitten worden iſt. Auf dem Verſuchsfelde zeigten die ohne * 100 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. Überfrucht angebauten Kleegrasſaaten nach dem erſten Schnitt einen reinen Beſtand. Der Lichtmangel iſt auch der Grund, weshalb die Klee⸗ grasſaat durch das Lagern der Überfrucht ſo ſehr gefährdet und geſchädigt wird, und auf dieſe Gefahr kann unter unſeren Verhältniſſen nicht nachdrücklich genug auf⸗ merkſam gemacht werden. Wir haben ein feuchtes Klima und vielerorts auch einen üppigen Boden. Beide Umſtände zu⸗ ſammen bewirken einen geilen und maſtigen, Wuchs des als Überfrucht dienenden Getreides. Steht die Überfrucht infolge ſtarker Ausſaat noch obendrein zu dicht, ſo kommen die unteren Glieder der Halme in dem Grade in den Schatten, daß ſie bleichſüchtig und ſchwächlich werden, ähnlich wie die Kartoffel⸗ keime im Keller. Von dieſem Schatten haben dann auch die Kleegraspflänzchen zu leiden, die unter und zwiſchen dem Ge⸗ treide die Blättchen ſehnſüchtig, aber vergebens nach dem Lichte emporſtrecken. Fällt nun die Überfrucht um, ſo wird der Schatten unter ihr noch dunkler, und die Finſternis bringt den Klee⸗ graspflanzen den Tod. Nicht der Mangel an Luft, ſondern der Mangel an Licht iſt die Urſache ihres Todes. „ Um die Gefahren und Nachteile zu vermeiden, die die überfrucht mit ſich bringt, ſät man das Kleegras am ſicherſten ohne Überfrucht. Auf einem Boden, der ſich in einem ſehr hohen Kultur⸗ und Düngungszuſtande befindet, iſt dies weitaus die beſte Art des Anbaus. Wenn man, wie ich es im Kanton Zürich ſowohl bei Frühjahrs⸗ wie bei Herbſtſaat ge⸗ ſehen habe, von dem Kleegras ſchon im erſten Jahre drei, ja ſogar vier Grünfutterſchnitte erzielt, dann iſt die Landrente ſo hoch, daß man auch ohne Üüberfrucht zufrieden ſein kann. Anders verhält ſich die Sache auf weniger üppigem Boden. Aus dieſem läßt ſich, weil das Kleegras hier lang⸗ ſamer wächſt, im erſten Jahre mit Überfrucht eine höhere Rente herausſchlagen, als ohne Überfrucht. Für die Mehrzahl der Güter iſt daher die überfrucht wirtſchaftlich geboten, wenn ſie auch die Entwicklung des Kleegraſes mehr beeinträchtigt, als begünſtigt.. Entſcheidet man ſich für eine überfrucht, ſo iſt nach dem, was vorhin auseinandergeſetzt worden, vor allem wichtig, daß ſie nicht zu dicht geſät wird. Darum hat die Drillſaat ſo ſehr viel für ſich, bei der die Überfrucht mit der Maſchine in A. Die praktiſche Ausführung der Kleegrasfaat. 101 Reihen geſät wird, die 20— 25 cm voneinander entfernt ſind. Leider iſt die Maſchinenſaat bei dem zerſtückelten Grundbeſitz in der Schweiz nicht allgemein anwendbar. Wir müſſen uns daher meiſt mit der Handſaat behelfen, und um nicht zu dicht zu ſäen, werden wir bei dem zur Überfrucht beſtimmten Getreide nicht viel mehr als die Hälfte einer gewöhnlichen Saat berechnen. Laſſen wir dieſen Wink unbeachtet, ſo haben wir es uns ſelbſt zuzuſchreiben, wenn die Überfrucht ſich lagert und wenn dann das Kleegras plätzeweiſe oder durchweg unter ihr abſtirbt. Was die verſchiedenen überfrüchte anlangt, ſo kommen heut⸗ zutage faſt nur Getreidearten in Betracht. Von dem Sommergetreide iſt die Gerſte die beſte Über⸗ frucht, weil ſie früh reift und daher auch früh das Feld räumt. Bei der frühen Saatzeit(im März oder April) wählt man die zweizeilige Gerſte, bei der ſpäten Saatzeit(Anfang Juni) die vierzeilige Gerſte.— In zweiter Linie ſteht der Hafer. Soll er Körner liefern, ſo empfiehlt ſich als Überfrucht ein Früh⸗ hafer, z. B. kanadiſcher Fahnenhafer, im März oder April geſät; wollen wir den Hafer grün abmähen und verfüttern, ſo empfiehlt ſich der ſtrohreiche und ſteifhalmige Triumphhafer, der für dieſen Zweck, je nach den Umſtänden, im März oder April, oder auch erſt im Juni geſät wird. Von dem Wintergetreide gewährt die Wintergerſte als überfrucht den Vorteil, daß ſie ſchon im Auguſt geſät und ſchon im Juni geerntet werden kann. Sie geſtattet alſo eine frühe Herbſtſaat des Kleegraſes, und ſie überläßt dem Kleegras auch bald allein das Feld. Beide Umſtände ſind ſo wichtig, daß die Wintergerſte, die übrigens guten Boden verlangt, in den Lagen, wo der Winter nicht zu ſtreng iſt, als Überfrucht geprüft zu werden verdient. Einen Verſuch iſt die Winter⸗ gerſte jedenfalls wert.— Nächſtdem kommt bei der Herbſtſaat des Kleegraſes der Winterroggen als überfrucht in Betracht, der zwar auch die Ausſaat im Auguſt erlaubt, aber zweckmäßiger doch erſt im September geſät wird.— Die Herbſtſaat des Kleegraſes unter Weizen und Spelz iſt ausgeſchloſſen, weil die Saatzeit dieſer Getreidearten in den Oktober oder gar erſt in den November fällt, wo es für das Kleegras zu ſpät iſt. Dagegen kann man den Klee⸗ und Grasſamen im Früh⸗ jahr auf die grüne Winterungsſaat von Weizen oder Spelz 102 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. ſäen. Dies Verfahren hat zwar den Nachteil, daß die Unter⸗ bringung der Sängereien nur mangelhaft geſchehen, und daß die erſte Entwicklung der jungen Pflänzchen nicht ſo freudig ver⸗ laufen kann, wie in einem neu zubereiteten Acker; aber es hat den Vorteil, daß es für den Anbau des Kleegraſes die Wahr⸗ nehmung einer frühen und paſſend gelegenen Saatzeit geſtattet, und daß das Kleegras in dieſer Stellung wenig vom Unkraut leidet. Dazu kommt noch, daß unſere Boden⸗ und Witterungs⸗ verhältniſſe dem Spelz und dem noch wertvolleren Weizen vielerorts beſonders gut zuſagen. Man mag alſo dieſes Ver⸗ fahren dort beibehalten, wo es ſich bewährt hat; nur ſorge man für Auswahl einer Weizen⸗ oder Spelzſorte, die widerſtands⸗ fähig gegen das Lagern iſt. Dieſer Anforderung entſpricht namentlich der Dickkopfweizen, deſſen Anbau ſich ja auch aus anderen Gründen empfiehlt. Weniger gebräuchlich iſt es, den Klee⸗ und Grasſamen im Frühjahr auf die grüne Saat von Wintergerſte oder von Winterroggen zu ſüen. Doch kann die Kleegrasanlage, bei Einhaltung einer recht frühen Saatzeit (im März), auch in dieſer Stellung geraten. 5. Verteilung und Unterbringung des Samens. — Über die Auswahl der Futterpflanzen und über die Zu⸗ ſammenſtellung der Miſchungen iſt im dritten Abſchnitt dieſes Büchleins das Nötige ſchon geſagt worden. Hier, wo es ſich um die praktiſche Ausführung der Kleegrasſaat handelt, kann ich mich daher auf folgende Bemerkungen beſchränken. Die zur Anlage der Kunſtwieſe erforderlichen Klee⸗ und Grasſamen müſſen rechtzeitig beſchafft und zur Saat vor⸗ bereitet ſein. Um Weitläufigkeiten zu vermeiden, wendet man ſich nur an ſolche Samenhandlungen, die unter Kontrolle einer ſtaatlich anerkannten Samenkontrollſtation ſtehen. Ohne ſchriftliche Garantie für die Reinheit und Keimfähigkeit der Saatwaren wird auch mit Kontrollfirmen kein Handel abgeſchloſſen. Fertige Miſchungen werden grundſätzlich nicht gekauft, ſondern es wird Sorte für Sorte einzeln verpackt vom Händler bezogen, damit die Nachunterſuchung der gelieferten Waren durch die Samenkontrollſtation möglich iſt. Um eine gute Saatware zu erlangen und um die Koſten für die Ausſaat zu vermindern, empfiehlt ſich die Bildung —————e — — ,————-——— ,f — A. Die praktiſche Ausführung der Kleegrasſaat. 103 von Genoſſenſchaften zum Bezug der Sämereien. Auf dieſem Wege wird auch die Nachunterſuchung durch die Kontroll⸗ ſtation erleichtert und vereinfacht.— Auch die Genoſſenſchaften ſollten keine fertigen Miſchungen abgeben, ſondern jedem Land⸗ wirt die Klee⸗ und Grasſamen, die er verlangt, einzeln vor⸗ wägen und verabfolgen. Das Miſchen beſorgt jeder Landwirt ſelbſt. Zu dem Zweck ſchüttet er den Kleeſamen aller Art auf einen Haufen, und den Grasſamen aller Art auf einen zweiten Haufen. Kommt etwa Eſparſette in Hülſen mit in die Miſchung, ſo wird der Eſperſame zu dem Grasſamen getan. Und kommt etwa Timothe⸗ gras mit in die Miſchung, ſo wird der Timotheſame zu dem Kleeſamen getan. Nachdem die Sämereien jedes Haufens für ſich mehrmals von Grund auf gut durcheinander gemengt worden ſind, kommt jeder Haufen für ſich in einen Sack. Die beiden Säcke werden an einem trockenen Orte ſolange aufbewahrt(am beſten frei aufgehängt), bis die Saatzeit gekommen iſt. Wer erſt dann zum Samenhändler läuft, wenn er ſäen will, wirtſchaftet ohne Kopf. Bei der Saatbeſtellung iſt es von großer Wichtigkeit, für eine gleichmäßige Verteilung und für eine flache Unter⸗ bringung des Klee⸗ und Grasſamens zu ſorgen. Deshalb muß das Land vor dem Ausſtreuen der Sämereien durch fleißiges Voreggen ſchön verebnet werden. Unterläßt man dies, ſo gehen viele Samenkörner verloren, indem ſie in Vertiefungen fallen, aus denen ſie nicht hervorwachſen können. Dieſe Vorbereitung des Saatbettes, die zugleich den Zweck er⸗ füllt, das aufgegangene Unkraut zu zerſtören, kann zu gelegener Zeit ſchon einige Tage vor dem Säen erfolgen. Kommt eine Überfrucht zur Anwendung, ſo erfüllt das Voreggen zugleich den weiteren Zweck, die vorweg ausgeſäten Getreidekörner in die Erde zu bringen. Bedient man ſich hierzu, was oft beſſer ſein wird, eines Exſtirpators, eines Grubbers oder eines Krümmers, ſo wird es ſich empfehlen, dieſen tiefer greifenden Ackergeräten eine leichte Egge folgen zu laſſen, um die Unebenheiten der Oberfläche auszugleichen. Geſchieht die Unterbringung der Getreidekörner, was noch beſſer iſt, mit der Drillmaſchine, ſo läßt man ebenfalls eine leichte Egge folgen, um die Drillſpuren zu beſeitigen. 104 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. Dabei ſei nochmals an den Grundſatz erinnert, ohne den die Kleegrasanlage nicht gelingen kann: Sparſam ſäe die Deckfrucht, daß licht ſich ſtellen die Halme, Dicht aber ſäe den Klee, dicht auch dazwiſchen das Gras. Zum Ausſtreuen des Klee⸗ und Grasſamens muß ein windſtiller und womöglich ſonniger Tag gewählt werden; dann ſpringt der Same im Wurf voneinander und fällt nicht in Klumpen und Streifen zuſammen. Der Kleeſamen befindet ſich in dem einen, der Grasſamen in dem andern Sack. Dieſe beiden Portionen werden nun jede für ſich durch Kreuzſaat ausgeſät, d. h. man beſät das Feld erſt der Länge nach mit der einen Hälfte des Kleeſamens und dann mit der andern Hälfte der Breite nach; ebenſo macht man es mit dem Grasſamen. Da man den Kleeſamen für ſich und den Grasſamen wiederum für ſich ausſät, ſo hat man bei Kreuzſaat das Feld viermal zu übergehen. Das iſt mühſam und zeitraubend; aber dafür werden die Sämereien auch ſchön gleichmäßig verteilt und Fehlſtellen vermieden, indem die Würfe ſich kreuzen und decken. Die Kreuzſaat habe ich ſchon im Jahre 1871 empfohlen, und ich bleibe dabei. Dagegen halte ich es für überflüſſig und unpraktiſch, den Klee⸗ und Grasſamen in mehr als zwei Portionen zu teilen, weil man ſonſt mit dem Säen gar nicht fertig wird. Iſt man im Beſitz einer Sämaſchine, ſo fällt die Kreuz⸗ ſaat weg; indeſſen paßt die Maſchinenſaat nur bei dem Klee⸗ ſamen, während ein Gemiſch von verſchiedenen Grasſamen durch einen geſchickten Sämann gleichmäßiger von Hand verteilt wird. Die Unterbringung des ausgeſtreuten Samens geſchieht am zweckmäßigſten und einfachſten durch Andrücken mit dem Schollenbrecher oder mit der Ringelwalze. Hat man nur eine glatte Walze, ſo ſollte der Boden nach dem Walzen durch die Wieſenegge oder durch eine Dornenegge rauh gemacht werden, um der Entſtehung eier Kruſte vorzubeugen. Auch der Ringelwalze läßt man oft zweckmäßig eine Wieſen⸗ oder Dornenegge folgen, weil der ſchwere Boden ohne dieſe Maßregel leicht Sprünge und Riſſe bekommt.. Die Anwendung der gewöhnlichen Eggen mit langen Zinken iſt zu vermeiden, weil ſie den Klee⸗ und Grasſamen zu tief in die Erde bringen. B. Die Behandlung und Pflege der Kleegrasſaat. 105 Bei kleinen Anlagen, auf ſchwer zugänglichen Grundſtücken harkt man den Samen ein und ſchlägt ihn mit der Klatſche (Pretſche) an. Einfach und gut, aber weniger fördernd, iſt auch das Antreten, Abweichend verhält es ſich mit der Unterbringung des Klee⸗ und Grasſames, wenn er im Frühjahr auf die grüne Saat eines Wintergetreides geſät wird. Haben wir Winterweizen, dann wird die Saat ſo früh, als es der Zuſtand des Bodens geſtattet(im März oder an⸗ fangs April), mit zwei Strichen ordentlich und nicht zu ängſtlich geeggt, alsdann der Kleeſame für ſich und ebenſo der Grasſame für ſich durch Kreuzſaat ausgeſät und mit der Dornenegge oder mit einer kurzzinkigen Wieſenegge ganz flach in die Erde gebracht. Haben wir dagegen Winterroggen oder Wintergerſte, dann iſt das Eggen nicht zuläſſig, weil es der Saat ſchadet; hier wird daher der Kleeſame ſür ſich und ebenſo der Grasſame für ſich durch Kreuzſaat ohne weiteres recht früh(im März) auf die Saat geſtreut und unbedeckt liegen gelaſſen, bis das Regen⸗ oder Schneewaſſer die Sämereien von den Blättern in den Erdboden ſpült. Wie wir auch die Saat vollführen mögen, in jedem Fall hängt das Gelingen von der Gunſt des Himmels ab. Haben wir aber die Beſtellung mit Bedacht und mit Fleiß vollführt und namentlich auch die Koſten nicht geſcheut, um guten Klee⸗ und Grasſamen in hinreichender Menge zu verwenden, dann dürfen wir hoffen, daß der Regen und der Segen von oben nicht fehlen und daß die Kleegrasſaat hervorſprießen wird zu unſerer Freude. Glück auf! B. Die Behandlung und pflege der Kleegrasſaat. Die erſte Pflege, die eigentlich noch mit zur Beſtellung gehört, beſteht in dem Ableſen und Fortſchaffen der Steine. Wo ein Stein liegt, kann keine Pflanze wachſen. Wenn die Senſe einen Stein trifft, iſt die Schärfe dahin. Das Meſſer der Mähmaſchine zerbricht; Schaden 50 Franken, oder noch mehr. 106 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. Nächſtdem tut man gut, etwa 8 Tage nach der Beſtellung das Saatfeld mit einer kleinen Hacke zu übergehen, um die etwa vorhandenen und ausgegrünten alten Wurzelſtrünke von Löwenzahn, Sauerampfer uſw. zu beſeitigen. Ferner müſſen die Maulwurfshaufen wiederholt aus⸗ einandergeworfen werden. Den Maulwurf ſelbſt aber laſſen wir leben, weil er unſere Kulturen vor dem Fraß der Engerlinge ſchützt. Der geneigte Leſer vergleiche das S. 88 Mitgetellte. Unter Umſtänden iſt es notwendig, das Unkraut aus⸗ zujäten; doch kann man ſich auf die Entfernung der größeren Unkrautpflanzen beſchränken, die dem Kleegras über den Kopf gewachſen ſind. Gefährlicher als das Unkraut wird dem jungen Kleegras die Überfrucht, namentlich dann, wenn ſie ſich lagert. In dieſem Fall tritt die Frage an uns heran, ob wir die Über⸗ frucht opfern ſollen, um die Unterfrucht zu retten. Bei hoch⸗ gradigem, ſchon por der Blüte eintretendem Lagern wird es ge⸗ raten ſein, die Überfrucht, die dann doch nicht viel mehr liefert als Stroh, ſo bald als möglich abzumähen und abzuräumen. Tritt das Lagern dagegen erſt einige Wochen nach der Blüte ein, ſo werden wir es wagen, die Überfrucht ſtehen oder liegen zu laſſen, aber darauf bedacht ſein, die Ernte früher als gewöhn⸗ lich vorzunehmen, alſo ſchon vor der Gelbreife der Frucht, ge⸗ nauer geſagt, in dem Übergang aus der Grün⸗ oder Milch⸗ reife in die Gelbreife. ¹) Das Getreide muß dann aber wo möglich auf einem benachbarten Felde ſolange ſtehen bleiben, bis die Körner durch das Nachreifen völlig erhärtet ſind. Wie man ſieht, hat die Überfrucht ihre Schattenſeiten. Was die Nutzung des Futters betrifft, ſo ſei daran er⸗ innert, daß man das Kleegras im erſten Jahre ſchonend behandeln muß, um die Pflanzen nicht zu ſehr anzu⸗ greifen oder zu erſchöpfen. Je länger die Anlage ausdauern ſoll, um ſo mehr iſt die Beachtung dieſer Maßregel geboten. Bei dem Anbau unter einer reifenden Überfrucht kann das Kleegras, gleichviel, ob die Ausſaat im Frühling oder im Herbſt ſtattfindet, in dem erſten, d. h. in dem Jahre, wo die Überfrucht geerntet wird, nur einen Grünfutterſchnitt liefern. ¹) Man vergleiche: A. Nowacki, Anleitung zum Getreidebau. 6. Aufl. Berlin, Verlag von Paul Parey, 1917. C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. 107 Wird die Überfrucht grün abgemäht, ſo kann man im erſten Jahre zwei Schnitte nehmen, auf reichem Boden und bei nur zweijähriger Dauer der Nutzung allenfalls auch drei. Bei dem Anbau ohne Überfrucht, der einen ſehr gehobenen Kultur⸗ und Düngungszuſtand vorausſetzt, ſind im erſten Jahre zwar vier Schnitte möglich, doch wird es im allgemeinen, namentlich aber bei mehrjähriger Dauer der Nutzung geraten ſein, ſich im erſten Jahre mit drei Schnitten zu begnügen. In den folgenden Jahren wird die Zahl der Grünfutter⸗ ſchnitte, je nach dem Kraftzuſtande des Bodens und der Gunſt der Witterung, wechſeln zwiſchen 2 und 4. Beſtimmte und be⸗ ſtimmende Vorſchriften laſſen ſich hierüber nicht geben. Nur das kann etwa noch bemerkt werden, daß man den letzten Schnitt im Jahre nicht zu ſpät, nicht nach dem 20. September vor⸗ nimmt, damit die Pflanzen im Herbſt noch Zeit haben, ſich kräftig zu beſtocken. Sie überſtehen dann den Winter ſicherer und liefern im nächſten Frühling einen ſtärkeren Ertrag. Auf Kunſtdauerwieſen trägt es zur Verdichtung des Raſens und zur Zurückhaltung gewiſſer Unkräuter bei, wenn ſie im Frühjahr gewalzt oder ſtatt deſſen dann und wann im Herbſt oder im Frühjahr eine kurze Zeit geweidet werden. Doch darf das Weiden erſt im dritten Jahre nach der Anlage beginnen und ſtets nur bei trocknem Boden geſchehen. Auch die Bearbeitung mit einer kurzzinkigen Wieſen— egge iſt auf älteren Kunſtdauerwieſen zweckmäßig, um den Stock⸗ miſt und den Kompoſtdünger zu zerreiben, das Moos zu ent⸗ fernen, den Boden für die Luft oder für den Kunſtdünger zu ritzen und zu öffnen uſw. Zum Abſchneiden, Zerkleinern und Verteilen der Regenwurmbauten, der Ameiſen⸗ und Maulwurfs⸗ haufen dient der Hohenheimer Wieſenhobel, der nichts anderes iſt, als die von Thaer empfohlene Maulwurfsegge. ¹) C. Die Düngung der Natur- und Kunſtwieſen. Ein Hauptpunkt bei der Behandlung und Pflege der Wieſen, ſeien es Naturwieſen, ſeien es Kunſtwieſen, iſt zuguter⸗ ¹) Dr. A. Thaers Beſchreibung der nutzbarſten neuen Ackergeräte. II. Heft. Hannover 1804. 108 Die praktiſche Ausſührung und Behandlung der Kleegrasſaat. letzt noch die Düngung. Wir behandeln ſie ſo ausführlich und eingehend, wie ſie es verdient, und betonen vorweg: ohne hinreichenden Dünger iſt der ganze Kunſtfutterbau eine verfehlte Sache. Verlangen wir von den Kunſtwieſen hohe Erträge, ſo müſſen wir ſelbſtverſtändlich auch ſtark düngen. Wo nichts in den Boden hineinkommt, kommt auch nichts heraus, und je mehr wir herausnehmen, deſto mehr müſſen wir wieder hineintun. Nun hat man in neuerer Zeit, nachdem das Verhalten der ſtickſtoffſammelnden Pflanzen erkannt worden, folgende Theorie aufgeſtellt:„Dünget die Wieſen reichlich mit Phosphorſäure und Kali. Dann vermehren ſich die Kleepflanzen. Die Kleepflanzen ſammeln Stickſtoff aus der Luft. Den Stickſtoff verzehren die Gräſer. Folglich haben alle Pflanzen was ſie brauchen, und die Zufuhr von Stickſtoff iſt überflüſſig.“ So lautet mit dürren Worten die neue Theorie, die, wenn ſie richtig, eine grundlegende Bedeutung beanſprucht nicht nur für die Behandlung unſerer Naturwieſen, ſondern nament⸗ lich auch für die Behandlung unſerer Kunſtwieſen, denn auf dieſen ſtellen wir ja abſichtlich ein Gemenge von Kleearten und Gräſern her, ſo daß Stickſtoffſammler und Stickſtofffreſſer im Pflanzenbeſtande vertreten ſind. Die große Frage iſt nur die, ob die neue Theorie richtig iſt. Es ſteht feſt, daß die Kleepflanzen die Fähigkeit haben, unter Mithilfe der in den Wurzelknöllchen lebenden Wurzel⸗ bakterien, eine große Menge von Stickſtoff aus der Luft zu be⸗ ziehen und zum Aufbau ihrer Wurzeln, Stengel, Blätter, Blüten und Früchte zu verwenden. Stehen die Kleepflanzen mit Gräſern ſo dicht beieinander, wie es auf einer Wieſe der Fall iſt, ſo könnte man daran denken, daß die Wurzeln der Gräſer mit den Kleewurzeln verwachſen, und daß ſie ihnen auf dieſem Wege die Nahrungsſäfte und ſo auch den Stickſtoff entziehen. Solche„Wurzelſchmarotzer“ gibt es in der Tat; der bekannte Kleeteufel(Orobanche minor) gehört zu ihnen. Daß aber die Wieſengräſer Wurzel⸗ ſchmarotzer ſeien, hat noch niemand behauptet; wir müſſen viel⸗ mehr annehmen, daß ſie ſich ſelbſtändig ernähren, und daß ſie insbeſondere auch ihre Stickſtoffnahrung ſelbſtändig aus den Stickſtoffſalzen des Bodens beziehen. C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. 109 Demnach kann der von den Kleepflanzen geſammelte Stick⸗ ſtoff den Gräſern doch wohl nur auf die Weiſe zugänglich werden, daß oberirdiſche und unterirdiſche Teile der Kleepflanzen abfallen oder abſterben und bei ihrer Verweſung den einge⸗ ſchloſſenen Stickſtoff an den Boden abliefern. Die Maſſe dieſer abgefallenen oder abgeſtorbenen Teile kann aber nicht ſehr be⸗ trächtlich ſein, weil wir das erwachſene Futter ſamt dem Stick⸗ ſtoff, der darin iſt, Jahr für Jahr mehrmals abmähen und von der Wieſe abfahren. Immerhin bleibt etwas zurück, und es fragt ſich daher, ob die zurückbleibenden Wurzeln, Stoppeln und ſonſtigen Teile des Klees ſoviel Stickſtoff ent⸗ halten, daß der Bedarf der Gräſer, ohne anderweitige Stickſtoffzufuhr, vollauf gedeckt wird? Das läßt ſich nur durch Verſuche entſcheiden. Altere Naturwieſen eignen ſich hierzu nicht, weil da ein gleichmäßiger Beſtand nicht zu finden und allen möglichen Fehlerquellen Tür und Tor geöffnet iſt. Ich ſtellte mir deshalb im Frühjahr 1888 auf dem fruchtbaren Lehmboden des Verſuchsfeldes eine Kunſt⸗ wieſe her mit einer Grasmiſchung ohne Klee. Die Grasmiſchung war zuſammengeſetzt, wie folgt: Franzöſiſches Raigras, Avena elatior... 32 kg pro Hektar. Goldhafer, Avena flavescons...... 13„„ 6 Kammgras, Cynosurus cristatus.... 10„„ Knaulgras, Dactylis glomerata..... 21„„„ Wieſenſchwingel, Festuca elatior.... 19„„„ Nolſchwingel, Festuca rubra.... 13„„„ Timothegras, Phleum pratense..... 5„„„ Wieſenriſpengras, Poa pratensis... 10 Zuſammen: 123 kg pro Hektar. Als Überfrucht wählte ich Winterroggen, um das Ver⸗ halten dieſer Spielart bei der Ausſaat im Frühling zu beobachten. Der Roggen ging regelmäßig auf und entwickelte ſich normal, ſo daß er eine kräftig beſtockte Saat bildete; er blieb aber während des Sommers ſtehen, ohne über das Stadium der Beſtockung hinauszukommen. Erſt im Auguſt änderte ſich das Bild. Der an die Winterruhe gewöhnte Roggen kam nach dreimonatlicher Sommerruhe zum Schoſſen. Er wurde am 10. September grün abgemäht und da er ſtark roſtig war, nicht ver⸗ füttert, ſondern zur Einſtreu benutzt. Im Winter ſtarben die Stöcke ab. 110 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. Schon im zweiten Jahre zeigten ſich in der künſtlich her⸗ geſtellten Graswieſe viele Kleepflanzen. Im Frühling des dritten Jahres(1890) war die ganze 74 Ar umfaſſende Fläche über und über ſo dicht mit wildwachſendem Weißklee(nebſt etwas Rotklee und Gelbklee) beſetzt, daß der Beſtand bei kunſtgerechter Anſaat nicht ſchöner und gleichmäßiger hätte ſein können. Eine Düngung hatte, dem Verſuchsplane gemäß, weder im Jahre 1888 noch im Jahre 1889 ſtattgefunden, und in den Jahren 1886 und 1887 hatten eine Hafer⸗ und eine Kartoffel⸗ ernte ohne Düngung ſchon die Kraft des Bodens geſchwächt. Der Klee ward alſo nicht durch die Düngung erzeugt oder herbeigeführt; er wuchs von ſelbſt, aus dem Keim hervorgelockt durch die in der Erde wirkenden Stoffe, Kräfte und Bakterien. Bis zum 8. April vollzog ſich die ganze Entwicklung des Klees ohne alle und jede Düngung. Dieſe für die geplanten Verſuche vortrefflich geeignete Fläche(man vergleiche Tafel III S. 111) wurde am 18. März 1890 der Länge nach durch eine kleine Rinne in zwei Parzellen zerſchnitten. Beide erhielten am 8. April eine möglichſt gleich⸗ mäßige Düngung mit Phosphorſäure in Form von Super⸗ phosphat, die eine Parzelle außerdem eine Düngung mit Stick⸗ ſtoff in Form von Chileſalpeter, die andere Parzelle erhielt keinen Stickſtoff. Das wurde 10 Jahre lang planmäßig durch⸗ geführt. Kali kam in den erſten 3 Jahren nicht zur An⸗ wendung, wohl aber in den folgenden 7 Jahren, und zwar in Form von Kainit. Das Quantum der Düngung betrug pro Hektar bei der I. Parzelle, bei der II. Parzelle „ 86 kg 86 kg lösliche Phosphorſäure in dem Jahre 18000 41 †. 41„ V— löslichen Stickſtoff . 4 86 kg 86 kg lösliche Phosphorſäure in den Jahren 1891/2(81 es lösuchen Sückſof 86 kg 86 kg lösliche Phosphorſäure in den Jahren 1893/99 67„ 67„ lösliches Kali 1„— löslichen Stickſtoff. Im Hinblick auf dieſe Zahlen hebe ich noch folgendes hervor. Im Jahre 1890 wurde der Stickſtoff in zwei Portionen Tafel III. 8 — — 8 — B ☛ S S 2 8 ₰ S — 8 A 8 2 8 8 8 8 & 2 — & S õe utr ASt, 2 2ese uee Wuleb Keus pin epoedodee euu se. e 221 22 uese e Wy pun aetonesoee ee oe e 16681 8¹9 0681 uoq 520lalstpnaa uapiiviplzaſaqun Sad dan,ing 112 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. gegeben, 41 kg am 8. April für den Heuſchnitt und 41 kg am 20. Juni für den Emdſchnitt. Da ſich im Heuſchnitt eine ſehr deutliche, im Emdſchnitt eine ſehr geringe Wirkung ergab, ſo wurde die Stickſtoffdüngung in den folgenden 9 Jahren auf das Frühjahr beſchränkt, hier aber auf 61 kg erhöht. Es wäre ſparſamer und rentabler geweſen, auf 50 kg pro Jahr und Hektar herabzugehen; ich wollte aber, um eine möglichſt kräftige Wirkung zu erzielen, an das äußerſte Maß herangehen, das mir unter den gegebenen Verhältniſſen zuläſſig erſchien, und ſo blieb es bei 61 kg. Wir kommen nun zu den Reſultaten. Dabei behalten wir immer die Frage im Auge: Welche Wirkung und welchen Er⸗ folg hat die Düngung mit Stickſtoff? Sollen wir die Wieſen mit Stickſtoff düngen, oder ſollen wir die Zufuhr von Stickſtoff gänzlich und grundſätzlich ausſchließen, um die Wieſendüngung auf die Zufuhr von Phosphorſäure und Kali zu beſchränken? Am 31. Mai 1890, als Weißklee, Gelbklee und Rotklee die erſten Blüten zeigten, das franzöſiſche Raigras aber noch nicht in Blüte ſtand, wurde beiderſeits der Rinne, die die Par⸗ zellen trennt, alſo dicht nebeneinander, etwa an dem gemein⸗ ſchaftlichen Mittelpunkt der beiden Parzellen, bei ni und n⸗ des Kulturplans III je ein Quadratmeter herausgeſchnitten, um das Futter in Klee und Gras zu ſondern und zu wägen. Dabei wurden folgende Zahlen gefunden. Je 1 gm lieſerte an Grünfutter: 1 II Mit Stickſtoffk⸗ Ohne Stickſtoff⸗ düngung düngung Gras......... 17630 5 970 g Klee...... 880„ 710„ Zuſammen 2510 g 1680 g Wir ſehen alſo, daß die Stickſtoffdüngung gewirkt und den Ertrag ganz bedeutend geſteigert hat. Der Unterſchied im Geſamterntegewicht beträgt 830 g, wovon auf die Gräſer 660 g und auf den Klee 170 g entfallen. Der Unterſchied bei dem Klee iſt ſo gering, daß er auf die unvermeidlichen Verſuchsfehler(Ungleichmäßigkeit des Mate⸗ ——— ⏑⏑———— C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. 113 rials uſw.) zurückgeführt werden kann; immerhin iſt aus den Zahlen zu entnehmen, daß der Klee durch die Stickſtoffdüngung im erſten Verſuchsjahr nicht zurückgedrängt worden iſt. Der Unterſchied bei den Gräſern iſt aber ſo beträchtlich, daß in den betreffenden Zahlen ein deutlicher und ent⸗ ſchiedener Einfluß der Stickſtoffdüngung zutage tritt. Noch richtiger, als in den Zahlen für das grüne Futter, kommt das Verſuchsergebnis zum Ausdruck in den Zahlen für das lufttrockne Futter oder Heu, aus dem das Waſſer bis auf einen Reſt von 9— 10% verdunſtet war. ¹) Je 1 am lieferte an Heu: I II Mit Stickſtoff⸗ Ohne Stickſtoff⸗ düngung düngung Gras.... 480 g 310 g Hlee....... 150„ 144„ Zuſammen 630 g 454 g Hier wird der Unterſchied bei dem Klee verſchwindend klein, während der große Unterſchied bei den Gräſern beſtehen bleibt. Denn bei dem Klee beträgt er nur 6 g, bei den Gräſern dagegen 170 g. Der Mehrertrag an ſehr gut getrocknetem Heu?) beträgt nach den vorſtehenden Zahlen 176 g pro Quadratmeter; daraus berechnen ſich pro Hektar im erſten Schnitt 1760 kg. Dieſer Mehrertrag an„Heu“ iſt erzielt worden durch eine Düngung mit 41 kg Stickſtoff in Form von Chileſalpeter. Bei dieſem bedeutenden Übergewicht iſt es ſchon ohne ge⸗ naueren Nachweis einleuchtend, daß die Stickſtoffdüngung nicht nur gewirkt, ſondern auch rentiert hat. Es wurde auch der Stickſtoff des auf den beiden Quadrat⸗ metern gewachſenen Futters beſtimmt. Die gefundenen Zahlen ſtellten ſich wie folgt: ¹) Die Beſtimmungen des Waſſer⸗ und Stickſtoffgehalts wurden von der ſchweizeriſchen agrikulturchemiſchen Verſuchsſtation in Zürich ausgeführt. ²) Der Waſſergehalt des vorliegenden Heues wurde bei der Unter⸗ ſuchung zu 9— 10% gefunden, während der mittlere Waſſergehalt des Wieſenheus nach den Angaben von E. Wolff etwa 15% beträgt. Das vorliegende Heu war alſo in der Tat ſehr gut getrocknet. Nowacli, Kleegrasbau. 5. Auflage. 8 114 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. Stickſtoffgehalt des Heus: ¹) I II Mit Stickſtoff⸗ Ohne Stickſtoff⸗ düngung düngung Gras....... 1,39% 1,36% Klte....... 3,15„„ 3,22„ Die beiderſeitigen Zahlen ſtehen ſich ſo nahe, daß wir ſie als gleich zu betrachten haben. Das Futter zeigte alſo, ſoweit ſich das aus dem Stickſtoffgehalt beurteilen läßt, im Nähr⸗ wert keinen Unterſchied. Allerdings iſt das Nährſtoffver⸗ hältnis, Gras und Klee durcheinander gerechnet, auf dem II. Quadratmeter ein engeres, weil hier weniger Gras wuchs; dafür haben wir aber auf dem I. Quadratmeter nicht nur die⸗ ſelbe Geſamtnährſtoffmenge, ſondern darüber hinaus noch ſoviel mehr, wie dem mehrgewachſenen Gras entſpricht, und das Nähr⸗ ſtoffverhältnis iſt bei der reichlichen Kleebeimengung auch hier immer noch angemeſſen. In Zahlen können wir das Nährſtoff⸗ verhältnis von I und II nicht gegenüberſtellen, weil die ſtick⸗ ſtofffreien Nährſtoffe nicht beſtimmt wurden. Berechnen wir aber die ganze oder abſolute Stick⸗ ſtoffmenge, die geerntet wurde, ſo erhalten wir folgende Zahlen: Ernte an Stickſtoff auf je 1 am: 1 II Mit Siickſtoff⸗ Ohne Siicckſtoff⸗ düngung düngung Gra..... 6,67 5 4,22 8 Klee 4,72 4,64„ Zuſammen 11,39 g 8,86 g Die Geſamternte an Stickſtoff iſt alſo auf dem mit Stickſtoff gedüngten Quadratmeter bedeutend(nämlich um 2,53 g) höher. Und da die Zahlen bei dem Klee auf dem I. und II. Quadratmeter faſt genau gleich ſind, ſo haben wir die höhere Ernte an Stickſtoff auf dem I. Quadratmeter einzig und allein den Gräſern zu verdanken. ¹) Der Stickſtoffgehalt der Trockenſubſtanz berechnete ſich natürlich etwas höher, nämlich ſo: 1 ü1 Gra... 1,53 075 1,49% Klee...... 3,49„ 3,54„ &8ᷣ/—=ͤ——= ————— —— C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. 115 Aus den vorſtehenden Zahlen läßt ſich noch eine andere Schlußfolgerung ziehen, die für die Frage der Stickſtoffdüngung ſo wichtig iſt, daß ſie beſonders hervorgehoben zu werden ver⸗ dient. Mit den Gräſern gelangt nämlich von einer nicht nur mit Phosphorſäure, ſondern auch ausreichend mit Stick⸗ ſtoff gedüngten Wieſe eine weit größere Menge von Stickſtoff in den Stall, als mit dem Klee. Dieſer Satz wird für alle Naturwieſen gelten, weil dieſe wohl niemals ſoviel Klee in ihrem Beſtande enthalten, wie das auf dem Verſuchsfeld vorliegende Kleegrasgemenge, das ein Mittelding zwiſchen einer Natur- und einer Kunſtwieſe darſtellte, denn das Gras war angeſät worden, der Klee war wild gewachſen. Der Satz wird auch für alle Kunſtwieſen gelten, vielleicht mit Ausnahme ſolcher, die nur für ein- bis zweijährige Nutzung berechnet und mit einer ſtarken Bevorzugung der Kleearten angelegt werden. Abgeſehen von den kleinen Ungleichmäßigkeiten, die auf jeder größern Fläche vorkommen, war das Verhältnis zwiſchen Gras und Klee urſprünglich auf dem ganzen, 74 Ar umfaſſenden Verſuchsfelde dasſelbe. Infolge der verſchiedenen Düngung änderte ſich das Verhältnis, indem auf der I., mit Stickſtoff gedüngten Hälfte die Gräſer ſich ſtärker entwickelten, als auf der II. Hälfte. Die Unterſuchung auf den beiden heraus⸗ geſchnittenen Probe⸗Quadratmetern hatte folgendes Ergebnis: Gras: Klee a) Gewichtsverhältnis in dem geernteten Grünfutter I II Mit Stickſtoffdüngung Ohne Stickſtoffdüngung 65:35 58:42 ———— 100 100 Etwas anders geſtaltet ſich das Verhältnis zwiſchen Gras und Klee, wenn wir es in dem lufttrockenen Futter oder Heu berechnen: Gras: Klee b) Gewichtsverhältnis in dem geernteten Heu 1 II Mit Stickſtoffdüngung Ohne Stickſtoffdüngung 76:24 68: 32 ———— 100 100 8* 116 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. Der Unterſchied zwiſchen den unter a und b ermittelten Verhältniszahlen iſt darauf zurückzuführen, daß der Klee im grünen Zuſtande erheblich, nämlich 11,5% mehr Waſſer ent⸗ hielt als das Gras, das mit ihm auf demſelben Standort gewachſen war. Dieſen höheren Waſſergehalt zeigte der Klee dem Gras gegenüber gleichmäßig auf beiden Parzellen des Verſuchsfeldes. In dem lufttrocknen Futter(Heu) hatte ſich der Waſſergehalt nahezu(bis auf 1%) ausgeglichen. Obwohl alſo der Klee ſo reichlich in dem Beſtande ver⸗ treten war, daß er auf der I., mit Stickſtoff gedüngten Parzelle 35% von dem Gewicht des grünen und 24% von dem Ge⸗ wicht des lufttrocknen Futters ausmachte, ſo hat er doch bei weitem nicht ſoviel Stickſtoff in den Stall geliefert, als das Gras, das ſich mit ihm in den Standort teilte. Die betreffenden, oben ſchon angeführten Zahlen ſind: 6,67 g bei dem Gras und nur 4,72 g bei dem Klee. Da ſich dieſe Zahlen auf lqm beziehen, ſo berechnet ſich pro Hektar ein Mehr von 19,5 kg an Stickſtoff, oder von rund 122 kg an Proteinſtoffen zu⸗ gunſten des Graſes. Selbſt von der II. Parzelle, wo der Klee ſogar 42% von dem Gewicht des grünen und 32% von dem Gewicht des lufttrocknen Futters ausmachte, wo aber den Gräſern nicht ſoviel Stickſtoff zur Verfügung ſtand, als ſie begehrten, haben die Gräſer doch faſt genau ebenſoviel Stickſtoff in den Stall geliefert als der Klee; denn die betreffenden, für 1 qm geltenden Zahlen ſind: 4,22 g bei dem Gras und 4,64 g bei dem Klee. Wir ſehen daher, daß die Gräſer, obwohl ſie nur die im Boden vorhandenen oder in den Boden hineingebrachten Stick⸗ ſtoffſalze auszunutzen vermögen, doch ſehr wertvolle und dankbare Futterpflanzen ſind. Das Ergebnis der Unterſuchung ſteht mit unſeren bis⸗ herigen Erfahrungen in völliger Üübereinſtimmung. Denn die ermittelten Zahlen beſagen: 1. Das Wachstum der Gräſer wurde durch die Sitick⸗ ſtoffdüngung gewaltig gefördert. Auf den Klee hat die Stick⸗ ſtoffdüngung nicht gewirkt. Die Ertragsſteigerung iſt alſo nicht dem Klee, ſondern einzig und allein dem Gras, oder genauer, dem auf die Gräſer wirkenden Stickſtoff zu verdanken. ——— N — C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. 1¹⁴⁷ 2. Der Klee, obwohl er reichlich vertreten war, hat an die Gräſer keinen, jedenfalls nicht ſoviel Stickſtoff abge⸗ geben, wie ſie bedurften. Der Klee deckte aus dem freien Stickſtoff nur ſeinen eigenen Bedarf und ließ die Gräſer für ſich ſelber ſorgen. In den folgenden Jahren wurde der Beſtand auf den beiden Verſuchsparzellen ſo ungleichmäßig, daß man mit 1 und auch mit 2 oder 3 am von jeder Parzelle nicht zum Ziel gelangte. Man hätte auf jeder Parzelle 50 oder 100 qm herausſchneiden und unterſuchen müſſen, um alle Verſchieden⸗ heiten des Beſtandes zu treffen, und das war ſelbſtverſtändlich nicht durchführbar. Ich mußte mich vielmehr darauf beſchränken, die Veränderung des Pflanzenbeſtandes zu beobachten und den Ertrag der ganzen Parzellen an Heu und Emd zahlen⸗ mäßig feſtzuſtellen. Um ein Bild von der Veränderung des Pflanzenbeſtandes zu geben, laſſe ich die Beſtandesaufnahme vom ſiebenten Jahr nach der Anlage, dem fünften Jahr der Düngungs⸗ verſuche(21. Mai 1894) auf S. 117 folgen. Ich bitte dieſe Tabelle mit der Tabelle für die Ausſaat auf S. 109 zu ver⸗ gleichen. Dabei wird man ſich von der Richtigkeit meines Aus⸗ ſpruchs überzeugen: Kunſtdauerwieſen gibt es nicht. Beſtand der beiden Verſuchsparzellen aufgenommen am 21. Mai 1894. 1 II Namen der Pflanzen Beſtandes⸗Zahlen a) Gräſer: Knaulgras, Dactylis glomerata... Franzöſiſches Raigras, Avena elatior. Goldhafer, Avena flavescens.... Weichhaariger Hafer, Avena pubescen Wieſenriſpengras, Poa pratensis Gemeines Riſpengras, Poa trivialis Wolliges Honiggras, Holcus lanatus. Engliſches Raigras, Lolium perenne. Aufrechte Treſpe, Bromus erectus. Weiche Treſpe, Bromus mollis. SSSDbOEOOS cO SO dox S 118 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. Namen der Pflanzen 1 II Beſtandes Zahlen 4 b) Kleearten: Weißklee, Trifolium repens. Rotklee, Trifolium pratense perenne. Gelbklee, Medicago lupulina Blaue Luzerne, Medicago sativa Eſparſette, Onobrychis sativa Zaunwicke, Vicia sepium. Vogelwicke, Vicia Cracca. Sichelklee, Lotus corniculatus c) Ankräuter: Löwenzahn, Taraxacum officinale. Bärenklaue, Heracleum Spondyleum. Wilder Kerbel, Anthriscus silvestris. Pippau, Crepis biennis...... Hahnenfuß, Ranunculus acer und repens Sauerampfer, Rumex Acetosa, R. obtusifolius, R. erispus Labkraut, Galium Mollugo Flockenblume, Centaurea Jacea. Möhre, Daucus carota. 3 Gänſeblümchen, Bellis perennis. Wucherblume, Leucanthemum vulgare Lichtnelke, Lychnis diurna Haferwurz, Tragopogon orientalis.. Aufgeblaſener Taubenkropf, Silene inflata Feldkratzdiſtel, Cirsium arvense...... Mittleres Vergißmeinnicht, Myosotis intermedia Beinwell, Symphytum officinale.. Ehrenpreis, Veronica hederifolia und arvensis Gundelrebe, Glechoma hederacea.. Spitzwegerich, Plantago lanceolata. Acker⸗Knopfblume, Scabiosa arvensis. Wieſenſalbei, Salvia pratensis d0 dod dow — BOe S dodo 1— e= do d0= S Zahl der Pflanzenarten Zuſammenfaſſend bemerke ich in bezug beſtand: 1. Auf der mit Phosphorſäure, K &— 1= dD d 15 2 o auf den Pflanzen⸗ ali und Stickſtoff gedüngten Parzelle I verſchwanden die Kleearten nicht. Im letzten Verſuchsjahr(am 9. Juni 1899) zeigte ſich ſehr viel Weißklee, daneben auch ziemlich viel Rot klee und Zaunwicke. ——ᷓú— ————-—— C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. 119 Immerhin wuchs in den letzten 6 Jahren auf Parzelle Iweniger Klee, als auf Parzelle II. 2. Auf der nur mit Phosphorſäure und Kali ge⸗ düngten Parzelle II wuchſen neben den Gräſern keines⸗ wegs nur Kleearten, ſondern auch Unkräuter. Während Löwenzahn, wilde Möhre und gemeines Riſpengras am 2. Juni 1896 auf beiden Parzellen etwa gleich ſtark wucherten, habe ich am 23 Juli 1896 konſtatiert, daß auf der nur mit Phosphor⸗ ſäure und Kali gedüngten Parzelle II entſchieden mehr Spitz⸗ wegerich vertreten war, als auf der mit Phosphorſäure, Kali und Stickſtoff gedüngten Parzelle I. Namentlich in mittlerer Höhe der Parzelle II fand ſich auf einer etwa 150 qm großen Fläche auffallend viel Spitzwegerich Hier ſah die Parzelle von den Fruchtſtänden des Spitzwegerichs ganz braun aus, und die Bräunung ſchnitt ſcharf ab an der Grenzfurche der Parzelle.— Die verbreitete Anſicht, daß Düngung mit Stickſtoff die Un⸗ kräuter hervorruft und begünſtigt, Düngung mit Phosphorſäure und Kali ſie unterdrückt und zurückhält, kann alſo keine all⸗ gemeine Geltung beanſpruchen. Die Ertragszahlen ſind in der folgenden Tabelle über⸗ ſichtlich zuſammengeſtellt. Eine genaue Vermeſſung ergab für die I. Parzelle 3822, für die II. Parzelle 3624 qm. Nach dieſem Flächeninhalt find die mit der Wage feſtgeſtellten Erträge pro Hektar berechnet. (Siehe die Tabelle auf S. 120.) Es iſt nicht leicht, dieſe Zahlen richtig zu deuten, weil das geheimnisvolle Zuſammenwirken von Boden, Klima und Düngung den Ertrag der Pflanzen bedingt. Was ſich erkennen läßt, will ich hervorheben. Jeder Landwirt weiß, daß der Einfluß der Jahres⸗ witterung den Einfluß der Düngung überwiegt. Nach der Tabelle beträgt der Einfluß der Düngung im Maximum 2578, während die Ertragszahlen in den einzelnen Jahrgängen ganz unregelmäßig ſteigen und fallen, im Maximum auf Parzelle I um 3925, auf Parzelle II um 4540. In allen Jahren iſt der Ertrag auf der Stickſtoffparzelle höher; einzig das Weinjahr 1895 macht eine Ausnahme, und zwar aus dem Grunde, weil der Emdertrag auf Parzelle II um 869 kg höher war, als auf Parzelle I. 3 ————— Düngungsverſuche aus den Jahren 1890— 1899. Ertrag an Heu und Emd in Kilogramm pro Hektar. P bedeutet Phosphorſäure im Superphosphat, K 4 Kali„ Kainit, N 8 Stickſtoff„ Chileſalpeter. 2 3 1 1 Unterſchied 8 P+ K+ N P* K erſchie 8 Jahr L † zwiſchen G 2 Heu Emd Heu+ Emd Heu Emd Heu—+ Emd I und II ☛ 5 5 1890 5560 2551 8111 3353 2180 5533+ 2578 5 1891 6371 2564 8935 4484 2318 6802+ 2133 5 1892 6358 2381 8739 5105 2166 7271+ 1468 25 1893 4003 1439 5442 3035 1269 4304+ 1138 — 1894 4186 1544 5730 2455 1697 4152+ 1578 8 1895 4833 2025 6858 4109 2894 7003— 145 2 1896 3532 1805 5337 3303 1987 5290+ 47 5 1897 7195 2067 9262 6112 2580 8692+ 570 5 1898 3888 2839 6727 3019 2856 5875+ 852 52 1899 4762 1518 6280 4222 2000 6222+ 58 8 A. Durchſchnitt 1890/99 5068, 2073,3 7142,1 3919„ 2194, 61144 X+ 1027, 8 B.„ 1890/94 5295, 2095, 7391,4 36864 1926 5612,4+ 1779,0 8 G.„ 1895/99 4842, 2050 6892,3 41530 24634 66164+ 276,4 — 3 G ergibt— oder+— 4538— 450— 498,+ 466,+ 5374+ 1004˙0— 1502,5 8 —έ½ — ————A C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. 121 Um die durch die Witterung und andere unberechenbare Umſtände bedingten Schwankungen auszugleichen, zieht man den Durchſchnitt aus mehreren Jahren. Im 10 jährigen Durch⸗ ſchnitt beträgt der Mehrertrag auf der Stickſtoffparzelle rund 1028. Hiernach iſt der Einfluß der Stickſtoffdüngung unverkennbar, die Rentabilität bleibt fraglich. Intereſſanter ſind die Zahlen für den 5 jährigen Durch⸗ ſchnitt. In der erſten Hälfte des Jahrzehnts zeigt der Mehr⸗ ertrag mit 1779 kg den Einfluß der Stickſtoffdüngung ſehr deutlich. Dennoch werden die Auslagen für den teueren Chileſalpeter nicht ganz gedeckt. In der zweiten Hälfte des Jahrzehnts, wo der Mehrertrag von 1779 auf 276 kg herab⸗ ſinkt, kann von einer Rentabilität noch weniger die Rede ſein. Es iſt aber ratſam, von der Rentabilität zunächſt gänzlich abzuſehen und an Stelle des rechnenden Geſchäftsmanns den kritiſchen Naturforſcher zu ſetzen. Denn jetzt entſteht die Frage: Wie iſt es zu erklären, daß der Stickſtoff in der erſten Hälfte des Jahrzehnts auf der I. Parzelle einen durchſchnittlichen Mehr⸗ ertrag von 1779 kg herbeiführt, während der Durchſchnitts⸗ ertrag bei gleicher Düngung in der zweiten Hälfte des Jahr⸗ zehnts auf der I. Parzelle rund um 499 ſinkt, auf der II. Parzelle dagegen um 1004 ſteigt, ſo daß der Unter⸗ ſchied zwiſchen Parzelle I und II um 1503 zurückgeht? Darin liegt die Schwierigkeit. Ich will verſuchen, die Frage zu be⸗ antworten. Bei Beginn der Düngungsverſuche am 8. April 1890 war der im Boden ruhende Vorrat an Nährſtoffen auf beiden Parzellen gleich. Während des Verſuchs⸗Dezenniums war die Düngung mit Phosphorſäure und Kali ebenfalls gleich. Ungleich war dagegen die Düngung mit Stickſtoff: die I. Par⸗ zelle wurde mit Chileſalpeter gedüngt, die II. nicht. Der Stickſtoff hatte auf das Wachstum der Gräſer einen mächtigen Einfluß, ſo daß ſich im erſten Verſuchs⸗ jahr an Heu und Emd in Kilogramm pro Hektar ein Mehr⸗ ertrag ergab von 2578. Dieſer Mehrertrag iſt zwar ausſchließ⸗ lich der Wirkung des Chileſalpeters zuzuſchreiben, aber mit dem Mehrertrag ging Hand in Hand eine ſtärkere Erſchöpfung des Bodens: der Vorrat an Nährſtoffen wurde inten⸗ ſiver angegriffen. 122 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. Dabei erinnern wir uns an den Ausſpruch Liebigs: der Stickſtoff iſt der fleißige Geſelle, der den Ledervorrat auf⸗ arbeiten hilft. Da Jahr für Jahr auf beiden Parzellen gleich viel Phos⸗ phorſäure und Kali zugeführt wurde, ſo mußte auf der Stick⸗ ſtoffparzelle das Defizit an dem anfänglichen Vorrat Jahr für Jahr größer werden. Auf der andern Parzelle wurde der Vorrat in den erſten 5 Jahren geſchont, folglich konnte 2 ſie in den letzten 5 Jahren mehr hergeben. So erklärt ſich die auffallende Tatſache, daß der Reuertrag im Durchſchnitt der letzten 5 Jahre auf der I. Parzelle um ebenſoviel ſank, wie er auf der II. Parzelle ſtieg, nämlich rund um 460.— Es kommt als bedeutſam noch hinzu, daß die Produktionskraft der ſtickſtoffbedürftigen und ſtickſtoffausnutzenden Gräſer in den letzten 5 Jahren zurückging, obwohl nur Dauer⸗ gräſer in die Grasmiſchung aufgenommen worden waren. Der Emdertrag bleibt ſich im Durchſchnitt der erſten und der letzten 5 Jahre auf der I. Parzelle annähernd gleich(die Differenz beträgt nur 45); dagegen ſteigt er auf der II. Par⸗ zelle in den letzten 5 Jahren um mehr als 500, genauer um 537. Warum? weil auf der II. Parzelle in den letzten 5 Jahren mehr Klee wuchs, der ſich bekanntlich im Eund ſtärker ent⸗ wickelt, als im Heu. Damit habe ich die in der Tabelle zuſammengeſtellten Zahlen erklärt, aber die Hauptfrage immer noch nicht beantwortet. Alle Zweifel, Bedenken und Schwierigkeiten werden mit einem Schlage beſeitigt, wenn man von den übrigen Zahlen abſieht und einzig und allein die Zahlen des erſten Ver⸗ ſuchsjahres ins Auge faßt. Bei Beginn der Verſuche im Jahre 1890 haben wir auf beiden Parzellen gleichen Boden, gleichen Vorrat an Nährſtoffen und gleichen Pflanzenbeſtand. Der Beſtand enthielt(im getrockneten Zuſtand gewogen) ziemlich genau Gras und ½ Klee in ſo gleichmäßiger Miſchung, wie es auf älteren Naturwieſen niemals vorkommt. Hier konnte, hier mußte ſich der Einfluß der Stickſtoffdüngung offenbaren.— Es zeigt ſich an Heu und Cmd in Kilogramm pro Hektar ein Ertragsunterſchied von 2578; 1 kg zu 6 Rappen berechnet, gibt 154,70 Fr. Dieſer Mehrertrag wurde erzielt —— — — —— SúS...,.— C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. 123 durch eine Düngung mit 41+ 41= 82 kg Stickſtoff; 1 kg zu 1,80 Fr. berechnet, macht 147,60 Fr. Bleibt ein Überſchuß von 7,10 Fr. Noch viel günſtiger ſtellt ſich das Reſultat, wenn wir die Koſten des Mehrertrags allein für den Heuſchnitt be— rechnen, auf den der Stickſtoff erfahrungs⸗ und naturgemäß viel beſſer wirkt, als auf den Emdſchnitt. Im Heu iſt der Ertrags⸗ unterſchied 5560— 3353= 2207; 1 kg zu 6 Rappen berechnet, gibt 132,40 Fr. Dieſer Mehrertrag wurde erzielt durch 41 kg Stickſtoff; 1 kg zu 1,80 Fr. berechnet, macht 73,80 Fr. Bleibt pro Hektar, trotz dem hohen Preiſe für den Chile⸗ ſalpeter, ein Überſchuß von 58,60 Fr. Selbſtverſtändlich wäre der Überſchuß noch größer geweſen, wenn man ſtatt des teuren Chileſalpeters den Stickſtoff in Form von Gülle an⸗ gewendet hätte. Mit dieſen Zahlen und Daten iſt die Wirkſamkeit und Rentabilität der Stickſtoffdüngung dargetan. Der Beweis iſt ebenſo einfach wie evident.— Bei der Wichtigkeit der Schlußfolgerungen für die land⸗ wirtſchaftliche Praxis erſchien es mir unerläßlich, das Reſultat der mitgeteilten Verſuche durch eine neue Verſuchsreihe mit Doppelparzellen zu kontrollieren. Damit erkläre ich zugleich vor aller Welt, daß mich das Reſultat der erſten Verſuchsreihe nicht befriedigte. Es ſtand mir für die zweite Verſuchsreihe ein 195 Ar großes, nur wenig gegen Norden geneigtes Grundſtück mit ſchwerem, kräftigem Lehmboden zur Verfügung, das als Vor⸗ frucht in 4 Streifen a) Winterroggen mit Wicken und nach⸗ folgenden Stoppelrüben, b) Kartoffeln, c) Weizen und d) Rot⸗ klee mit italieniſchem Raigras getragen hatte. Es wurde durch 20— 25 em tiefes Pflügen vor Winter und durch kräftiges Eggen im Frühling zur Saat vorbereitet. Das Säen beſorgte der geübte Werkführer vom Strickhof am 23. und 24. April 1900. Dem Sämann folgten die Pferde mit der Ringelwalze und die Arbeiter mit der Hacke zum Zerkleinern der hartgetrockneten Schollen und zum Ableſen der Steine. Die Miſchung war aus denſelben Dauergräſern zuſammen⸗ geſetzt wie bei den früheren Verſuchen. Sie enthielt die Gräſer jedoch in einem etwas anderen Verhältnis: — 8 8 — ☛ 8 — . S 2 — S 8 2 — — ₰ 8 ‿ 8 8 S — ☚η 8 — ¶☛ R R& — — S — ⸗ 82 & ₰ ‿ — Kulturplan des landwirtſchaftlichen Verſuchsfeldes von 1901 bis 1910 Tafel IV. Naturwieſe Nord Naturwieſe IV. Parzelle III. Parzelle II. Parzelle I. Parzelle— 8—(Fläche 3708,75 m*²)(Fläche 3708,75 m*²)(Fläche 3708,75 m*²)(Fläche 3708,75 m*²) 4— — ₰½ 5 Grasmiſchung Grasmiſchung Grasmiſchung Grasmiſchung 8 „8[H= gedüngt mit Pbosphorſäure gedüngt mit Phosphorſäure, gedüngt mit Phosphorſäure gedüngt mit Phosphorſäure,— 5 G und Kali Kali und Stickſtoff und Kali Kali und Stickſtoff G 34,5 m 34,5 m 34,5 m 34,5 m Schutzſtreifen, auf allen drei Seiten mit Gülle gedüngt C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. Franzöſiſches Raigras, Avena elatior. 33 kg pro Hektar. 10 Goldhafer, Avena flavescens.... 7„ Kammgras, Cynosurus cristatus.. 6„„„ Knaulgras, Dactylis glomerata... 20„„„ Wieſenſchwingel, Festuce elatior.. 22„„„ Rotſchwingel, Festuca rubra.... 19„„„ Timothegras, Phleum pratense... 5,„„ Wieſenriſpengras, Poa pratensis.„„„ Zuſammen 121 kg pro Hektar. Da am 25. und 26. April ein ausgiebiger und am 30. April ein ſanfter Regen fiel, ſo war die Witterung für die Keimung günſtig. Mit den Gräſern lief aber auch der Ackerſenf(Sinapis arvensis) auf, in ſolcher Unmenge, daß das Feld in der Blüte ganz gelb ausſah. Nach dem Abmähen ſtarben die Stöcke dieſer nicht gewollten Überfrucht ab, und der Beſtand der neuen Wieſe ließ, vom praktiſchen Geſichtspunkt betrachtet, nichts zu wünſchen übrig. Die, ohne das Saatjahr, auf 10 Jahre be⸗ berechnete Anlage war gelungen. Am 3. April 1901 wurden rechtwinklig zur Pflugfurche und zur Nordgrenze 4 Parzellen abgeſteckt und durch 30 cm. breite und 10 em tiefe Rinnen voneinander getrennt. Das Nähere iſt aus dem Kulturplan Tafel 1V(S. 124) zu erſehen. Parzelle I und III, die ſich gegenſeitig kontrollierten, erhielten eine Düngung mit Phosphorſäure, Kali und Stickſtoff; Par⸗ zelle II und IV, die ſich ihrerſeits gegenſeitig kontrollierten, erhielten dieſelbe Düngung mit Phosphorſäure und Kali, aber keinen Stickſtoff. Das Quantum der Düngung betrug pro Hektar bei der I. und III. Parzelle, bei der II. und IV. Parzelle 86 kg 86 kg lösliche Phosphorſäure, 3 V(8„ lösliches Kali, —„ löslichen Stickſtoff. Dieſe Düngung wurde gleichmäßig beibehalten während der ganzen Dauer des Verſuchs, nur das Jahr 1907 machte inſofern eine Ausnahme, als gar kein Stickſtoff zur Ver⸗ wendung kam, ſo daß alle 4 Parzellen in dieſem Jahre nur eine gleichmäßige Düngung mit Phosphorſäure und Kali erhielten. Die Beſtandesaufnahme(Tabelle auf S. 126) erfolgte ſchon im 2. Jahre nach der Anlage, um dem Schaffen der Natur bei der Veränderung der Flora auf die Spur zu kommen. Es 126 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. Beſtand der 4 Verſuchsparzellen auſgenommen am 28. Mai 1901. Namen der Pflanzen 1 II III IV Beſtandes⸗Zahle n a) Gräſer: Frarziſäſchen Raigras, Avena elatior. Goldhafer, Avena flavescens. Wieſenſchwingel, Festuca elatior. Knaulgras, Dactylis glomerata Timothegras, Phleum pratense Weiche Treſpe, Bromus mollis Roggentreſpe, Bromus secalmus. Taube Treſpe, Bromus st rilis Engliſches Raigras, Lolium perenne Gemeines Riſpengras, Poa trivialis.. Roggen, Secale cereale(von der Vorfrucht) b) Kleearten: Mattenklee, Trifolium pratense perenne. Gelbklee, Medicago lupulina. Zaunwicke, Vicia sepium. Winterwicke, Vicia sativa(von der Voifruchi Luzerne, Medicago sativa Weißklee, Trifolium repens e) Andre Arten: Pippau, Crepis biennis. Sauerampfer, Rumex crispus. 3 acetosa. Wucherblume, Leucanthemum vulgare. Lünenaehde Taraxacum officinale Hahnenfuß, Ranunculus repens. Ackerdiſtel, Cirsium arvense Ackerwinde, Convolvulus arvensis Spitzwegerich, Plautago lanceolata Ackerſchachtelhalm, Equisetum arvense. Potentille, Potentilla reptans. Knopſblume, Scabiosa arvensis Günſel, Glechoma hederacea. 1SSSdo Eg d do S 1IIIIII=SSSS do do — do do do do 0= d10 1=SS —— d0— O O doo teo bdocoo de doS 1 ——O— O do = d=— we⸗ d0— do d0 Co do S —— dol do do —— do 0⸗ 1 — Zahl der Pflanzenarten d0 ‿ d0 d0 — C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. 127 zeigten ſich, außer den abſichtlich angebauten, 5 wildwachſende Gräſer, darunter 3 ſchädliche oder wenigſtens nicht nützliche; ferner 6 kleeartige Pflanzen, von denen die Winterwicke von der Vorfrucht ſtammte; und überdies 13 andere, zu den Un⸗ kräutern gehörende Arten. Obwohl Maſſe und Gewicht der wildwachſenden Pflanzen jetzt noch verſchwindend gering im Vergleich zu der Kulturflora, ſo war doch der Weg ſchon betreten, auf dem die Natur im Laufe der Jahre weiter vorſchreiten wollte. Indeſſen wehrten ſich die angebauten Gräſer im Kampf ums Daſein tapfer bis ins neunte Jahr(1908), wo das Referat abbricht. Drei auffallende Erſcheinungen in der Veränderung des Pflanzenbeſtandes, die eine aus dem Jahre 1902, die andere aus dem Jahre 1907, die dritte aus dem Jahre 1908 ver⸗ dienen beſonders hervorgehoben zu werden. Um ſie zu würdigen, müſſen wir uns daran erinnern, daß urſprünglich die ganze Fläche des Verſuchsfeldes einſchließlich Schutzſtreifen und Schutz⸗ flächen mit ein und derſelben Grasmiſchung beſät wurde, daß alſo der Pflanzenbeſtand urſprünglich links und rechts von den Grenzrinnen überall gleich war. Nun wurden aber die 4 Verſuchsparzellen bei der Düngung und bei der Ernte anders behandelt, als die im Weſten, Süden und Oſten angrenzenden Schutzſtreifen. Die Schutzſtreifen er⸗ hielten die landesübliche Gülle⸗ und Stockmiſtdüngung, und ſie wurden zur Grünfütterung öfter und auch zur Heubereitung früher gemäht als die Verſuchsparzellen, die ausſchließlich mit künſtlichem Dünger bedacht und zum erſtenmal in der Blüte der Hauptgräſer zur Heugewinnung, zum zweitenmal einige Wochen ſpäter zur Emdgewinnung abgeerntet wurden. Dieſe verſchiedene Behandlung hatte einen deutlich hervor⸗ tretenden Einfluß auf den Pflanzenbeſtand. Am 20. Juni 1902, alſo im dritten Jahre nach der An⸗ lage, wurden die Verſuchsparzellen gemäht. Da zeigte ſich auf den Schutzſtreifen, beſonders auf dem öſtlichen, nach dem erſten Schnitt, der hier früher erfolgt war als auf den Verſuchspar⸗ zellen, im Nachwuchs der wildwachſende Weißklee in ſolcher Menge, daß ihm die höchſte Beſtandesnote(10) gebührte. Der oberflächliche Beobachter wird ſagen: Natürlich, der Weißklee⸗ ſame wurde mit der Gülle aufgebracht. Der tiefer blickende antwortet: So war die Sache nicht. Der Weißklee bekam 128 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. durch das frühere Abräumen des Obergraſes mehr Licht. Daher ſeine freudige Entwicklung. Das war der wahre und eigentliche Grund der Erſcheinung. Denn auf den Verſuchsparzellen, wo doch nicht mit Gülle ge⸗ düngt worden war, erſchien der Weißklee ebenfalls. Er bekam relativ mehr Licht auf den weniger üppigen, nicht mit Stickſtoff gedüngten Parzellen II und IV, darum entwickelte er ſich hier relativ beſſer, ſo daß ihn die Zähne der Maſchine faſſen konnten: eerr bekam relativ das wenigſte Licht auf den üppigeren und dichter ſtehenden Stickſtoffparzellen I und III, darum wurde er hier am ſtärkſten unterdrückt und in ſeinem Wachstum zurück⸗ gehalten. Vorhanden war er auch hier, wie ich nach dem Ab⸗ mähen des Graſes konſtatieren konnte, aber er war ſo klein ge⸗ blieben, daß ihn die Mähmaſchine nicht faßte. Warum? Aus Mangel an Licht. Die andere Erſcheinung betrifft den Löwenzahn, deſſen Same durch den Wind verbreitet wird, was bei dem Weißklee nicht der Fall. Am 29. Mai 1907, alſo im achten Jahr nach der Anlage, zeigte ſich auf den Schutzſtreifen längs der 30 cm. breiten Grenzrinne und auch in der Rinne, auf der Weſt⸗, Süd- und Oſtſeite, in einer Länge von 353 m, ſcharf ab⸗ geſchnitten mit der Grenzlinie, auffallend mehr Löwenzahn, als auf den Verſuchsparzellen, wo er auch nicht fehlte, aber doch weniger, mehr neſterweiſe vertreten war. Dies möchte ich ebenfalls der Wirkung des Lichtes nach dem früheren Schnitt der Schutzſtreifen zuſchreiben, denn der Löwenzahn iſt bekanntlich ebenſo lichtbedürftig, oder noch licht⸗ bedürftiger als der Weißklee, wie man ſchon an dem periodiſchen Offnen und Schließen der gelben„Butterblumen“ erkennen kann. Die dritte Erſcheinung betrifft die Bärenklaue. Am 2. und 4. September 1908 beſichtigte ich vor Toresſchluß noch⸗ mals das Verſuchsfeld. Das Emdgras war Mitte Auguſt fort⸗ genommen worden und das Herbſtgras wuchs heran. Da zeigte ſich nun auf der im Weſten der Verſuchsparzellen gelegenen, etwa ½¼ ha großen Schutzfläche die Bärenklaue in ſolcher Un⸗ menge, daß ſie weitaus den vorherrſchenden Beſtand bildete und, mit Ausnahme eines 50 em breiten Streifens neben der Grenz⸗ rinne, ſelbſt den Löwenzahn und den Weißklee überwucherte. Der Pflanzenbeſtand war hier im 9. Jahr nach der An⸗ lage, beſonders durch die Bärenklaue, ſo gänzlich verſchieden von — —½ = G 70= 6—z C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. 129 dem der Verſuchsparzellen, daß kein Menſch die tatſächlich gleiche Saatbeſtellung erkennen konnte. Der Urſprung des Unkrauts ließ ſich auf die Düngung mit Gülle und Stockmiſt zurück⸗ führen, denn auf den nur mit künſtlichem Dünger behandelten Parzellen fehlte die Bärenklaue. Nur auf einem 6 m breiten Streifen längs der Grenzrinne fand ich einige Exemplare, für die der Same im vorigen Jahr bei der Emdbereitung von der Schutzfläche nach Parzelle IV hinübergeflogen war. Man ver⸗ gleiche Tafel IV(S. 124). Bärenklaue, Löwenzahn und Weißklee, obwohl in ihrer äußeren Erſcheinung ſo verſchieden, kommen doch darin überein, daß ſie durch den hohen Kaligehalt der Kuhgülle in ihrer Entwicklung mächtig gefördert werden. Daß das Kali und nicht der Stickſtoff der Gülle den Ausſchlag gibt, beweiſt der Weißklee. Die mitgeteilten Tatſachen zeigen von neuem den weittragenden Einfluß der Düngung auf den Beſtand der Wieſen. Jetzt bleibt mir noch übrig, die Ertragszahlen mitzu⸗ teilen und kurz zu beſprechen. Sie ſind in der Tabelle S. 130 überſichtlich zuſammengeſtellt. Die mit PF K+† N d. h. mit Phosphorſäure, Kali und Stickſtoff gedüngten Kontrollparzellen ſind mit I und III, die mit P+ K d. h. nur mit Phosphor⸗ ſäure und Kali gedüngten Kontrollparzellen ſind mit II und IV bezeichnet. Auch hier iſt die Deutung nicht leicht. Da wir aber je zwei Kontrollparzellen haben, ſo iſt die Erklärung und Be⸗ urteilung ſicherer. Um zu erfahren, ob der Stickſtoff in Form von Chile⸗ ſalpeter gewirkt hat, betrachten wir der Überſichtlichkeit wegen zunächſt die Zahlen der Stickſtoffparzellen für ſich allein. Sie ſind in der Tabelle(S. 130) mit P+ K+† N bezeichnet. Da ſehen wir, daß die Zahlen der Kontrollparzellen 1 und III in allen Jahren, ſowohl im Heu wie im Emd, gut miteinander übereinſtimmen. Wir können ſie daher zuſammen⸗ ziehen und haben nur die Durchſchnittszahlen näher ins Auge u faſſen. Dieſe ſteigen vom Jahr 1901 bis zum Jahr 1903, fallen im Jahr 1904 merklich, nämlich rund um 2000(Einfluß der Jahreswitterung), ſteigen aber in den Jahren 1905 und 1906 auf die frühere Höhe, ſo daß ſich für die erſten 6 Jahre ein Durchſchnitt von 9659,3 berechnet. Nowacli, Kleegrasbau. 5. Auflage. 9 130 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. Düngungsverſuche aus den Jahren 1901— 1907. Ertrag an Heu und Emd in Kilogramm pro Hektar. Differenz a P+ K+ N Jahr E P K Wieo. 1901]I. Heu 6877 II. Heu 5054 uI Lnd 6998]9075 Emd 1051) 6545 I. Heu 7020 IV. Heu 3484 2 Emd 2184 1 9204 Emd 1281 14765 Jahresdurchſchnitt 9139,5 Jahresdurchſchnitt 5655,0+ 3484, 1802] I. Heu 7105 1 100 II. Heu 4872% Emd 2994) 10030 Emd 2473 1 7345 III. Heu 7970 IV. Heu 3929 Emd 273]) 10108 Emd 2233]) 6412 Jahresdurchſchnitt 10073,5 Jahresdurchſchnitt 6878,5+ 3195,0 1903 I. Heu 7860 II. Heu 6471 Emd 3620]11486 Emd 3333]9707 III. Heu 7402 IV. Heu 6053 Emd 26935)10098 Emd 6003)9558 Jahresdurchſchnitt 10 792,0 Jahresdurchſchnitt 9632,5+ 1159,5 1904 I. Heu 6881 II. Heu 7636 Emd 6869) 8450 Emd 1646) 884 III. Heu 7393 IV. Heu 6377 1„ dend 1421) 8814 Emd 1348] 7725 Jahresdurchſchnitt 8632,0 Jahresdurchſchnitt 8354,5+ 277,5 1905 I. Heu 8318 II. Heu 7010 Emd 1373])9693 Emd 1020])8439 III. Heu 8588 IV. Heu 6768 emd 1375 19963 Emd 1477 †8245 Jahresdurchſchnitt 9828,0 Jahresdurchſchnitt 8342,0] ₰+ 1486,0 1906 I. Heu 6485 II. Heu 7253 Emd 84839774 Emd 2259)9882 III. Heu 6849 IV. Heu 7374 9⸗ Emd 2359 9208 Emd 2343) 9922 Jahresdurchſchnitt 9491,0 Jahresdurchſchnitt 9902,0]— 411,6 Durchſchnitt 1901/1906 9659,3 8127,4]+ 1531,9 P+ K P+ K 1907] I. Heu 3155 1 531 II. Heu 4503 16 Hen 3155 5312 Emd 2386] 6889 III. Heu 3801 955 IV. Heu 5474 dend 3404) 6255 dmd 1941) 7415 Jahresdurchſchnitt 5783,5 Jahresdurchſchnitt 7152,0— 1368,5 8⁸εḦ——= 11—— 11 C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. 131 Im Jahre 1907, wo der Stickſtoff abſichtlich bei der Düngung ausgeſchloſſen wurde, fällt der Ertrag auf 5783,5 herab. Rechnen wir die Hälfte hiervon(2891,7) auf die im Vorſommer ungewöhnlich trockene Witterung des Jahrgangs, ſo erhalten wir die Zahl 8675,2, die faſt genau um 1000 hinter dem Durchſchnitt der erſten 6 Jahre zurückbleibt. Hiernach iſt die Wirkung des Stickſtoffs evident.— Jetzt faſſen wir die Zahlen der Kontrollparzellen II und IV ins Auge, die keinen Stickſtoff erhielten, ſondern konſe⸗ quent alljährlich mit der gleichen Menge von Phosphorſäure und Kali gedüngt wurden. Sie ſind in der Tabelle(S. 130) mit P+ K bezeichnet. Hier ſehen wir, daß die Zahlen für den Heuertrag in den erſten 4 Jahren größeren Schwankungen unterworfen ſind, als auf den Vergleichsparzellen I und III. Erſt in den beiden Jahren 1905 und 1906 ſtimmen die Zahlen der Kontroll⸗ parzellen gut miteinander überein. Es ſcheint alſo eine Ver⸗ änderung in der Ernährung der Pflanzen vor ſich gegangen zu ſein. In dieſer Vermutung werden wir durch folgende Tat⸗ ſachen beſtärkt: 1. Der Durchſchnittsertrag iſt im erſten Jahre(1901) am niedrigſten, ſo daß er gegen den Durchſchnitt vom ſechſten Jahr (1906) rund um 4000 zurückbleibt. Offenbar fehlte es den Gräſern bei Beginn des Verſuchs an Stickſtoff; ſie litten Stick⸗ ſtoffhunger. 2. Der Durchſchnittsertrag ſteigt vom Jahre 1901 bis zum Jahre 1903 rund um 4000 und hält ſich dann bis zum Jahre 1906 annähernd auf gleicher Höhe. Jetzt war der Stick⸗ ſtoffhunger geſtillt. Im Jahre 1907 ſinkt der Ertrag bedeutend. Rechnen wir aber, wie oben bei den Stickſtoffparzellen, 2891,7 auf den Einfluß der ungünſtigen Jahreswitterung, ſo erhalten wir für 1907 die Zahl 7152+ 2891,7= 10 043,7. Hier finden wir kein Sinken, ſondern ein Gleichbleiben, denn die nebeneinanderſtehenden Zahlen 9902 und 10 043,7 ſind als gleich zu betrachten. Dies beſtärkt uns noch mehr in der Vermutung, daß eine Veränderung in der Er⸗ nährung der Pflanzen, ſpeziell in der Verſorgung mit Stickſtoff vor ſich gegangen war. 9* 132 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. Jetzt überblicken und vergleichen wir die Zahlen der Ver⸗ gleichsparzellen. Wir finden im Jahre 1901 einen Mehr⸗ ertrag von 3484,5 zugunſten der Stickſtoffparzellen. Der Mehr⸗ ertrag iſt hier rund um 900 kg höher als im Jahre 1890, weil die junge Wieſe im Jahre 1901 faſt ausſchließlich aus ſtickſtoffliebenden Gräſern beſtand. Wir finden faſt den gleichen Mehrertrag im Jahre 1902, nämlich 3195. Worauf ſind dieſe Mehrerträge zurückzuführen? Auf nichts anderes als auf die Wirkung des Stickſtoffs in Form von Chileſalpeter.— Im dritten, vierten und fünften Jahre vermindert ſich der Mehr⸗ ertrag der Stickſtoffparzellen bedeutend, im Jahre 1906 ver⸗ ſchwindet er gänzlich, die Stickſtoffparzellen bleiben ſogar um 411 kg hinter den Vergleichsparzellen zurück. Im Jahre 1907 ergibt ſich mit und ohne Berückſichtigung der Jahreswitterung eine Differenz von 1368,5 zuungunſten der Parzellen I und III, aber zugunſten der Vergleichsparzellen II und IV. Das Jahr 1908 liefert die Gegenprobe. Da erhielten die Parzellen I und III wieder die frühere Stickſtoffgabe in Form von Chileſalpeter. Demgemäß ſtellten ſich. die Erträge pro Hektar in Kilogramm auf den Kontrollparzellen I und III, I und IV, wie folgt: 1 Heu 4691] 8008 Heu 4303 1 Emd 3667 7920 V Emd 3317 Heu 5676 Heu 5177 III(dnd 3344])9720 IV Lmd 3101 1 8278 1908 Durchſchnitt 8845 1908 Durchſchnitt 8143 1000„ 5783,5 1907„ 7152 Unterſchied 3061,5 Unterſchied 991 Davon ab 991,0 auf Rechnung der Jahreswitterung Bleiben 2070,5 als Wirkung des Chileſalpeters. Iſt hiernach die Wirkung der Stickſtoffdüngung in die Augen ſpringend, ſo konzentriert ſich das Intereſſe um ſo mehr auf die Frage: Wie iſt es zu erklären, daß auch im Jahre 1908 die Durchſchnittszahlen 8845 und 8143 annähernd gleich ſind, obwohl auf Parzelle II und IV der Stickſtoff in der Düngung ausgeſchloſſen war? Die Erklärung, die wir weiter oben gegeben haben: In den erſten 5 Jahren wurde der Vorrat an Nährſtoffen auf der I. Parzelle ſtärker angegriffen, auf der II. Parzelle mehr geſchont, ꝑ —= ————————— C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. 133 darum konnte die II. Parzelle in den letzten 5 Jahren mehr hergeben— dieſe Erklärung iſt vielleicht zutreffend für den ärmeren Boden, mit dem wir es in den Jahren 1890— 1899 zu tun hatten. Denn dieſer Boden war durch 4 reiche Ernten, ohne Düngung, an Nährſtoffen erſchöpft und für die Düngungs⸗ verſuche vorbereitet worden. Bei der neuen Verſuchsreihe aus dem Jahre 1901 reicht dieſe Annahme nicht aus, hier bedarf es noch einer anderen Erklärung. Es liegt nahe, an die Mitwirkung der Bodenbakterien zu denken. Jene Bakterien, die mit dem Klee zuſammenwachſen und ihn mit Stickſtoff verſorgen, jene Wurzelbakterien kommen für unſere Frage nicht in Betracht. Denn wir haben weiter oben klargelegt, daß der Klee aus dem freien Stickſtoff nur ſeinen eigenen Bedarf deckt, an die mit ihm geſellig wachſenden Gräſer keinen Stickſtoff abgibt. Wohl aber können die frei in der Muttererde lebenden ſtickſtoffbindenden Bodenbakterien die Gräſer mit Stickſtoff verſorgen. Denn Julius Kühn hat bei ſeinen ſtatiſchen Verſuchen nachgewieſen, daß der Roggen bei jahrelang fortgeſetztem Ausſchluß der Stickſtoffdüngung ſeinen Bedarf an Stickſtoff durch Vermittlung dieſer Bodenbakterien deckt. Was für den Roggen gilt, kann auch für die anatomiſch und phyſiologiſch nahe verwandten Wieſengräſer gelten. Es iſt wahrſcheinlich, daß die ſtickſtoffbindenden Bodenbakterien, wie durch Kalk, ſo auch durch Phosphate und Kaliſalze in ihrer Entwicklung und Vermehrung gefördert werden. Auch die Ver⸗ dichtung des Gefüges, wie ſie auf einer neuen Wieſe im Laufe der Jahre eintritt, ſcheint von Einfluß zu ſein, da gewiſſe Boden⸗ bakterien nur bei Luftabſchluß ihre ſtickſtoffbindende Tätigkeit entfalten. Erhält der geſackte Boden bei Regen und Sonnen⸗ ſchein abwechſelnd Waſſerbäder und Luftbäder, dann können ſowohl die luftholden, aeroben, wie die luftſcheuen, angeroben Bakterien gebundenen Stickſtoff liefern. Jedenfalls kennt die ſchaffende, ewig ſich verjüngende Natur Mittel und Wege, die ſtickſtoffliebenden Gräſer zu erzeugen und zu ernähren, ohne unſer Zutun. Aber die Aufgabe des landbautreibenden Menſchen beſteht darin, die Natur unſern Zwecken dienſtbar zu machen, indem wir das Leben und Weben der Kultur⸗ pflanzen und Haustiere ſo leiten und regeln, wie es unſern Bedürfniſſen entſpricht. 134 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. Dazu gehört vor allem die Kenntnis der Luft und des Bodens. In beiden Medien ſpielen neben den anorganiſchen Stoffen die kleinen Lebeweſen, die wir Bakterien nennen, eine hervorragende Rolle. Es gilt, ſie kennen zu lernen, um ſie in ihrer Entwicklung zu hemmen und zu hindern, wenn ſie ſchädlich, und zu pflegen und zu fördern, wenn ſie nützlich ſind. Dabei dürfen wir aber die Grundſätze nicht überſehen oder vernach⸗ läſſigen, die auf tauſendjähriger Übung und Erfahrung beruhen. Im fernen Oſten benutzen die Chineſen ſeit unvordenklicher Zeit die menſchlichen Exkremente, wie im fernen Weſten die Peruaner den Guano, und vor 1900 Jahren lehrt der römiſche Schrift⸗ ſteller Columella: Für jeden Boden, der durch den Anbau der angreifenden Gewächſe erſchöpft worden, gibt es ein zuverläſſiges Heilmittel: Das iſt der Dünger, der wie eine Art Futter die verbrauchten Kräfte wieder herſtellt. Nach alledem haben wir bei unſerm Verſuch noch die Frage der Rentabilität zu beantworten, wobei wir die Jahre 1907 und 1908 als nicht normal außer Betracht laſſen. Die Mehrertragszahlen aus den beiden erſten Jahren (1901 und 1902) können wir zuſammenziehen. Wir erhalten 3484,5+ 3195= 6679,5, was einem Jahresdurchſchnitt von 3339,7 entſpricht. 1 kg Heu und Emd ſehr mäßig zu 6 Rappen berechnet, macht 200,40 Fr. Davon ab 113,40 Fr. für 63 kg Stickſtoff(1 kg zu 1,80 Fr. berechnet), bleibt ein Überſchuß von 87 Fr. pro Jahr und Hektar. In den erſten beiden Jahren hat ſich demnach die Stickſtoffdüngung ſehr gut rentiert.. In den folgenden 4 Jahren(1903 bis 1906) wird die Auslage für den Stickſtoff nicht gedeckt, aber nicht deshalb, weil der Stickſtoff auf Parzelle I und III nicht gewirkt, ſondern weil der Einfluß der ſtickſtoffbindenden Bodenbakterien auf Par⸗ zelle II und IV den Mehrertrag der Stickſtoffparzellen größten⸗ teils aufgehoben hat. Der Durchſchnittsertrag der erſten ſechs Jahre ſtellt ſich bei Parzelle I und III auf 9659,3 kg, bei Parzelle II und IV auf 8127,4 kg Heu und Emd pro Jahr und Hektar. Hiernach beträgt der Mehrertrag zugunſten der Stickſtoffparzellen 1531,9 kg. 1 kg Heu und Emd zu 6 Rappen berechnet, macht 91,90 Fr. Dieſer Mehrertrag ward erzielt durch 63 kg Stick⸗ ſtoff in Form von Chileſalpeter(1 kg Stickſtoff zu 1,80 Fr. ———— —— 8e—O— C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. 135 berechnet), macht 113,40 Fr. Es ergibt ſich alſo, daß die Aus⸗ lage für den teueren Chileſalpeter im Durchſchnitt der 6 Jahre nicht ganz gedeckt wurde. Es bleibt ein Defizit von 21,50 Fr. pro Jahr und Hektar. Dieſes Deſizit verſchwindet, wenn wir ſtatt 63 kg nur 50 kg Stickſtoff annehmen. Zu dieſer Annahme ſind wir be⸗ rechtigt, weil die Stickſtoffparzellen ſich lagerten. 63 kg Stick⸗ ſtoff= 406 kg Chileſalpeter waren offenbar zuviel; es ging ein beträchtlicher Teil des Stickſtoffs unausgenutzt verloren. 50 kg Stickſtoff= 322 kg Chileſalpeter ſind ſchon eine kräftige Düngung. Hiernach ſtellt ſich die Rechnung ſo: Einnahme für 1531,9 kg Mehrertrag.... 91,90 Fr. Ausgabe für 50 kg Stickſtoff à 1,80 Fr.... 90,00„ Bleibt ein Überſchuß pro Jahr und Hektar von 1,90 Fr. Hier ſehen wir, daß die Ausgabe für den Stickſtoff des Chileſalpeters gedeckt wird, daß ſogar noch ein kleiner Überſchuß bleibt, den wir auf bie Unkoſten ſchlagen. Stellen wir uns bei dieſer Kalkulation auf den geſchäfts⸗ mäßigen, praktiſchen Standpunkt, dann werden wir ſagen: der Stickſtoff im Chileſalpeter iſt uns zu teuer, darum kaufen wir ihn in dieſer Form nicht, ſondern wir verwenden Gülle oder Jauche, worin wir den Stickſtoff bei rationeller Viehhaltung und Fütterung umſonſt haben. Wir wollen immerhin von obigen 91,90 Fr. zur Sicherheit und zur Abrundung 1,90 Fr. vernachläſſigen. Für die Arbeit, die das Ausfahren der Gülle verurſacht, haben wir nichts zu berechnen, weil wir die Gülle wegen ihres Kali⸗ und Phosphorſäuregehalts ſowieſo ausfahren müſſen. Somit bleibt in den vorliegenden ſechs Jahren ein Überſchuß von 6 90= 540 Franken. Damit iſt zugleich dargetan, daß es zweckmäßiger und wirtſchaftlicher iſt, Stickſtoff in Form eines einigermaßen preis⸗ würdigen Düngemittels zuzuführen, als den Stickſtoffhunger der Wieſengräſer durch die ſtickſtoffbindenden Bodenbakterien not⸗ dürftig zu ſtillen. Wir werden daher gut tun, unſere Natur⸗ und unſere Kunſtwieſen hinſichtlich der Düngung auch in Zukunft nach den bisher geltenden Grundſätzen zu behandeln. Was wollten wir in der Schweiz auch mit dem Stick⸗ ſtoff anfangen, den die Kleepflanzen ſammeln, und der auch 136 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. ohne die Kleepflanzen in die Wirtſchaft kommt, wenn wir ihn nicht zur Düngung unſerer Natur⸗ und Kunſtwieſen verwenden könnten? Dabei verſtehe ich unter einer Kunſtwieſe eine Klee⸗ grasanlage mit genügender Grasbeimengung, denn auf einem reinen Klee⸗ oder Luzernefelde hat die Stickſtoff⸗ düngung allerdings keinen Zweck, und ſo ergibt ſich auch hier wieder, daß die Miſchſaat vor der Reinſaat den Vorzug verdient. Ein Teil des Stickſtoffs geht zwar in Geſtalt von Milch oder Käſe, oder in lebenden Häuptern aus dem Lande, oder wenigſtens aus der Wirtſchaft fort. Ein anderer großer Teil aber gelangt in den Dünger, und da wir in der Schweiz vieler⸗ orts nicht ſoviel Acker⸗, Garten⸗ oder Rebland haben, um ihn unterzubringen, ſo müſſen wir den Stickſtoff auf die Natur⸗ und Kunſtwieſen zurückführen, von wo er ſtammt. Halten wir ihn ſorgfältig zuſammen und laſſen wir nichts von ihm ver⸗ loren gehen, dann brauchen wir allerdings in vielen Wirtſchaften, beſonders wenn wir ſtickſtoffhaltiges Kraftfutter einführen, keinen Stickſtoff zur Düngung zuzukaufen; aber die ſtickſtoffſammelnden Pflanzen können wir ebenſowenig entbehren, wie der Ackerbauer, der eine ſogenannte„viehloſe Wirtſchaft“ betreibt. Denn wir bedürfen zur Ernährung unſeres Viehes ein ſtickſtoffreiches, mit einem richtigen Nährſtoffverhältnis ausgeſtattetes Futter, und dieſes können wir uns auf keinem anderen Wege billiger und beſſer verſchaffen, als durch den Anbau von Klee⸗ arten und Gräſern auf richtig gedüngten Natur⸗ und Kunſtwieſen. Den Anforderungen, die wir an ein gutes Futter ſtellen, entſpricht namentlich das künſtlich und kunſt⸗ gerecht hergeſtellte Kleegrasgemenge, das zugleich eine Ver⸗ wendung und Ausnutzung ſtickſtoffreichen Düngers durch die Gräſer und ein Sammeln von Stickſtoff durch die Kleearten geſtattet. Für die Naturwieſen gilt beides eben⸗ falls, wenn wir durch phosphorreiche und kalireiche Düngung dafür ſorgen, daß die Kleearten in dem Beſtande in genügendem Verhältnis vertreten ſind. In der Wieſendüngung, die man in anderen Ländern gar nicht kennt oder wenigſtens nicht mit Nachdruck betreibt, liegt der Schwerpunkt unſerer ganzen Landvirtſchaft. Was für Düngermengen wir auf den Wieſen verwenden, davon hat man anderwärts ebenſowenig einen Begriff, wie von den C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. 137 Erträgen, die wir erzielen. Wohl haben wir einen guten Teil des Erfolges der Gunſt des Klimas und des Bodens zu ver⸗ danken; daß aber die Menge und Güte des Futters doch ganz weſentlich von der Düngung abhängt, davon können wir uns leicht durch den Augenſchein überzeugen, wenn wir den Beſtand und Ertrag einer Magermatte mit dem einer Fettmatte ver⸗ gleichen. Die Tatſache, daß es ſolche Magermatten noch gibt, und zwar in allen möglichen Abſtufungen: nie gedüngt; ſelten gedüngt; zuweilen gedüngt; öfter, aber zu ſchwach gedüngt uſw.; dieſe Tatſache beweiſt zugleich, daß wir auch in der Schweiz noch keinen Überfluß an Dünger haben. Überhaupt hat ſelten ein Landwirt zuviel, aber viele haben zu wenig Dünger. .** Zu guter Letzt noch die Mitteilung, daß Herr Dr. Max Düggeli, Profeſſor der landwirtſchaftlichen Bakteriologie an der techniſchen Hochſchule in Zürich, auf meine Veranlaſſung den Boden des Verſuchsfeldes im Herbſt 1908 bakteriologiſch unter⸗ ſucht und den vorhin entwickelten Gedankengang in erfreulicher Wſ beſtätigt hat. Man vergleiche den Überſichtsplan auf Taf. IV. Es ergab ſich, daß die Parzellen II und IV, bei denen die Stickſtoffdüngung ausgeſchloſſen war, im Vergleich zu den Stickſtoffparzellen I und III, das acht⸗ bis ſechzehnfache an Bakterien von dem Typ des luftholden, aeroben Azotobakter chroococcum, und das 33 bis 141 fache an Bakterien aus der Gruppe des luftſcheuen, anaeroben Bacillus amylobakter ent- hielten. Die Zahl der Bakterien auf den mit Gülle gedüngten Schutzſtreifen ſtand zwiſchen Parzelle Iund II, III und IV in der Mitte, jedoch mit Annäherung an die Chileſalpeterparzellen Jund III. Nach dieſem bakteriologiſchen Befunde gelangte ich für mein Teil in bezug auf die tatſächliche Wirkung und Be⸗ deutung der Bodenbakterien zu folgendem Ergebnis. Die ſtickſtoffbindenden Bodenbakterien treten in die Lücke, um die ſtickſtoffbedürftigen Gräſer mit ge⸗ bundenem Stickſtoff zu verſorgen, wenn die künſtliche Zufuhr von ſtickſtoffhaltigem Dünger eine Reihe von Jahren konſequent ausgeſchloſſen wird. Hiernach erklärt ſich ohne weiteres die Tatſache, daß die Verſuchsparzellen II und IV, bei denen die Stickſtoffdüngung 138 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. unterblieb, im 4., 5. und 6. Verſuchsjahr ebenſo hohe Erträge lieferten, wie die Stickſtoffparzellen I und III. Da auf den Parzellen II und IV überwiegend Bacillus amylobakter⸗Bakterien gefunden wurden, ſo ſind die hohen Er⸗ träge hauptſächlich auf den Einfluß dieſer Bakterien zurück⸗ zuführen. Es iſt hervorzuheben, daß der Ertrag der Parzellen II und IV, bei denen die Stickſtoffdüngung ausgeſchloſſen, in den erſten beiden Verſuchsjahren um mehr als 3000 kg an Heu und Emd pro Jahr und Hektar hinter dem Ertrag der Stickſtoff⸗ parzellen I und III zurückblieb. Warum wohl? Weil die an⸗ geroben, luftſcheuen Bakterien von Bacillus amylobakter in dem lockeren und luftigen Boden nicht zur Entwicklung kamen; erſt vom dritten Verſuchsjahr an fanden ſie mit der Verdichtung des Bodengefüges die Bedingungen für ihre Vermehrung und Be⸗ tätigung. Auch nach dieſer Beobachtung tritt der Einfluß ge⸗ rade dieſer ſtickſtoffbindenden Bakterien vor den anderweitigen Bakterien in den Vordergrund. Jetzt entſteht die Frage: Wie geſtaltet ſich die Wirkung und Leiſtung der Bakterien aus der Gruppe von Bacillus amylobakter im Vergleich zum Chileſalpeter? Chileſalpeter iſt ſalpeterſaures Natron. Das leicht lösliche Salz wird im Bodenwaſſer gelöſt, durch die Wurzeln aufgeſaugt und in der Pflanze aſſimiliert. Bei den betreffenden Bakterien iſt der Vorgang nicht ſo einfach. Sie ſind im Waſſer nicht löslich, und im ungelöſten, lebenden Zuſtande können ſie die Zellwände der Wurzeln nicht durchdringen. Ihre Mitwirkung vollzieht ſich vielmehr auf folgendem Umwege. Die ſtickſtoffbindenden, anaeroben Bakterien leben in der Muttererde, ſie ernähren ſich von der Humusſubſtanz des Bodens, und ſie fangen, binden und verdauen den darin befindlichen freien Stickſtoff. Ihre Lebenszeit iſt kurz. Sie vermehren und ſie erſchöpfen ſich in raſchem Wechſel. Ihre verweſenden Leichen werden durch Bakterien anderer und verſchiedener Art zu Nitriten und Nitraten, und ſo erhalten wir ſchließlich auch hier wieder ſalpeterſaures Salz, das im Bodenwaſſer gelöſt, von den Wurzeln aufgeſaugt und in den ſtickſtofffreſſenden Pflanzen aſſimiliert wird, wie der Chileſalpeter. C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. 139 In der Tat wurde bei unſerm Verſuch auf den Chileſalpeter⸗ parzellen das Mehr aus den erſten 3 Jahren durch das Weniger in den letzten 3 Jahren aufgewogen. Jene luftſcheuen Bakterien und der Chileſalpeter ſind daher in ihrer Wirkung auf den quantitativen Ertrag als gleich⸗ wertig zu betrachten, aber nur bei wenigſtens ſechsjähriger Nutzung, auf dem ſchweren Lehmboden, wie er auf dem Verſuchsfelde vorlag. Wäre die Nutzung auf 3 Jahre beſchränkt worden, dann hätten die Chileſalpeterparzellen I und III mit einem durchſchnitt⸗ lichen Mehrertrag von 3484,5+ 3195,0+ 1159,5= 7839 kg an Heu und Emd pro Hektar nicht allein die Auslage für den Chileſalpeter gedeckt, ſondern darüber hinaus noch einen erheb⸗ lichen Überſchuß gebracht. Was die Qualität des Futters betrifft, ſo bin ich der Anſicht, daß der durch die luftſcheuen Bakterien gelieferte Stick⸗ ſtoff die Beſchaffenheit und Güte des Futters nicht ungünſtig beeinflußte. Denn wenn er auf dem angedeuteten Wege als ſalpeterſaures Salz in die Pflanzen überging, dann war er dem Stickſtoff des Chileſalpeters auch in qualitativer Beziehung gleichwertig. Zur Beurteilung der Futterqualität dient im beſondern folgende Beobachtung. Die Schwyzer⸗ und Berner⸗Kühe auf dem Strickhof verweigerten das von den Verſuchsparzellen ſtammende Heu, während ihnen das auf den Schutzſtreifen ge⸗ wachſene, mit ſtickſtoffreicher Gülle gedüngte Futter im grünen und im geheuten Zuſtande vortrefflich mundete. Auf einen un⸗ günſtigen Einfluß der betreffenden Bakterien auf die Qualität des Futters läßt das Verhalten der Tiere nicht ſchließen, denn auf den Schutzſtreifen wurden dieſelben Bakterien ebenfalls ge⸗ funden. Leicht aber erklärt ſich das Verhalten der Tiere aus der Verſchiedenheit des Pflanzenbeſtandes. Die Kühe zogen das mit Gülle gedüngte Futter deshalb vor, weil es wegen des früheren Schnittes jünger, zarter und proteinreicher war, und weil es mit ſeiner Beimengung von würzigen Kräutern: Bären⸗ klaue, Löwenzahn und Weißkllee die feinentwickelten Geruchs⸗ und Geſchmacksnerven der hochgezüchteten Schweizerkühe beſſer reizte und letzte, als der mehr einſeitige Grasbeſtand der Ver⸗ ſuchsparzellen, in dem das grobe franzöſiſche Raigras und das rauhe Knaulgras in den Vordergrund traten. 140 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. Auf den Chileſalpeterparzellen wurden weitaus die wenigſten Bakterien aus der Gruppe von Bacillus amylobakter gefunden. Daraus erhellt, daß der Chileſalpeter dieſe Bakterien in ihrer Entwicklung hemmt und hindert, ſie im Kampf ums Daſein aus dem Felde ſchlägt. Dasſelbe läßt ſich, obwohl in geringerem Grade, auch für die Gülle geltend machen. Denn auf den Schutzſtreifen wurden zwar mehr von dieſen Bakterien gefunden, als auf den Chileſalpeterparzellen I und III, aber doch erheblich weniger, als auf den Parzellen II und IV. Die Praxis der Emmentaler Bauern beſtätigt das. Seit Jahrzehnten finden wir im Emmental das Syſtem der Kunſt⸗ wechſelwieſen. Durch den von Zeit zu Zeit wiederkehrenden Umbruch werden zugleich mit dem Ungeziefer und dem Unkraut namentlich auch die Bacillus amylobakter⸗Bakterien vernichtet, denn Beackerung iſt Durchlüftung, und die Luft iſt für dieſe angeroben Bakterien der Tod. Um ſo freudiger gedeihen nun die Feldfrüchte und nach einer Reihe von Jahren wieder die Wieſenpflanzen. So folgt Beackerung auf Beraſung und Be⸗ raſung auf Beackerung in ewigem Wechſel, und bei dieſem Syſtem des Ackerbaus erlangte der Emmentaler Käſe ſeinen Weltruf. Auch die luftholden Azotobakter⸗Bakterien leiſten nichts Er⸗ hebliches, denn in den erſten beiden Jahren meines Verſuchs, als der Boden doch locker und luftig war, lieferte der Chile⸗ ſalpeter an Heu und Emd einen Mehrertrag von 3484,5 und 3195,0 kg, woraus ſich ein durchſchnittlicher Mehrertrag von rund 3340 kg pro Jahr und Hektar berechnet. So bleibt der Ausſpruch Columellas noch heute wahr: Es ſteht in unſrer Macht, höhere Erträge zu erzielen, wenn wir die Erde durch wiederholte, rechtzeitige und mäßige Düngung erfriſchen. Schlußſätze. Die Frage, die uns bei den mitgeteilten Verſuchen un⸗ ausgeſetzt beſchäftigte, war die: Sollen wir die Wieſen mit Stickſtoff düngen, oder ſollen wir den Stickſtoff grund— ſätzlich ausſchließen, um die Wieſendüngung auf die Zufuhr von Phosphorſäure und Kali zu beſchränken? Blicken wir wie von hoher Warte über die Verſuchsfelder am Zürichberg hinaus in die Welt, ſo ergeben ſich folgende Schlußſätze. C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. 141 1. Am einfachſten iſt es und oft auch am rentabelſten, die Wieſen überhaupt gar nicht zu düngen. Jede Düngung beanſprucht Kapital und Arbeit, und die Arbeit wird immer teurer, das Geld immer knapper. Ungedüngte Wieſen gibt es in der Tat. Auch in der Schweiz, wo doch die Düngung allgemein bekannt und allgemein üblich iſt. Ich meine die ſauren Riedwieſen, die, auf die Gewinnung von Streumaterial genutzt, oft einen höheren Reinertrag abwerfen, als die gedüngten füßen Graswieſen. Im Ried beſchränkt ſich die Arbeit auf das Mähen, Trocknen und Einheimſen der Streu. Im Ried iſt die Düngung nicht bloß überflüſſig, ſondern geradezu ſchädlich. Düngt man eine Riedwieſe mit ſtickſtoffreicher Gülle, ſo ver⸗ ſchwinden die beſſeren Streupflanzen und der Ertrag geht zurück. Dagegen iſt die Bewäſſerung mit klarem, nicht zu kalk⸗ haltigem Waſſer ſehr wirkſam und lohnend. Bei Wetzikon im Zürcher Oberland liegt das Quellgebiet, aus dem das Dorf ſein Trinkwaſſer bezieht. Wie ich im Jahr 1888 als gerichtlicher Sachverſtändiger in einem Waſſerrechtsprozeß feſtſtellen konnte, ſteigt dort eine Anzahl Quellen, dem Druck vom Berg her folgend, ſenkrecht aus dem Boden auf. Fünf von ihnen ſind in Brunnenſtuben gefaßt. Hob man den Deckel, dann ſah man das klare Waſſer etwa 50 cm hoch ſtehen; durch ein knieförmig gebogenes Rohr lief es ab. Sah man genauer hin, dann ent⸗ deckte man, wie das Waſſer an einer Stelle aus dem Erdboden emporquoll, Der überfluß der Quellen dient zur Bewäſſerung eines Streurieds, und das Waſſer hat eine ſolche Wirkung, daß die Pflanzen Ende Auguſt über 2 m hoch und ſo dicht ſtehen, daß man kaum hindurchdringen kann. Hier wird man erinnert an das Wort des Dichters Pindar: AOοατονν εμέν ε⁴σο, das Beſte iſt das Waſſer. 2. In andern Ländern gibt es aber auch große Wieſen⸗ flächen, deren Ertrag zu Futter beſtimmt iſt, und die Jahr für Jahr ihre Ernte geben ohne Düngung. Ich nenne als Beiſpiele die Wieſen in der Weichſelniederung, im Oderbruch, im Warthebruch und im Netzebruch.— Auch da erſetzt das Waſſer den Dünger. Ich habe dort in meiner Jugend, in den 1850 er Jahren, großartige Überſchwemmungen geſehen. So weit das Auge blickt, nichts als Waſſer. Eine Düngung iſt nicht nötig, weil das Waſſer 142 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. die Pflanzennährſtoffe herbeiführt und als feinen Schlick auf die Wieſen abſetzt. Am wenigſten bedarf es da einer Düngung mit Stickſtoff. Denn der üppige Graswuchs erzeugt reichlich Humus, der ſich dem Schlick beimengt und mit ihm zuſammen einen Moor⸗ boden bildet von unerſchöpflicher Fruchtbarkeit. Aber auch hier wächſt kein Gras ohne Waſſer. Im Netzebruch lieferten die Wieſen im Anfang des 19. Jahrhunderts die reichſten Erträge an koſtbarem Futter. Im Laufe der Jahre, als eine Schlangenwindung nach der andern durchſtochen und das Flußbett im Intereſſe der Schiffahrt gerade gelegt wurde, da gingen mit dem Aufhören der natürlichen Überflutungen die Erträge mehr und mehr zurück, und an Stelle der ſüßen Wieſen⸗ gräſer traten die wertloſen Unkräuter. Erſt im Anfang des 20. Jahrhunderts hat eine Genoſſen⸗ ſchaft angefangen, mit Staatsunterſtützung Bewäſſerungskanäle und Stauvorrichtungen zu bauen. Wie ich höre, werden die Wieſen wochenlang unter Waſſer geſetzt. Da iſt zu befürchten, daß der Grund und Boden verſumpft, daß er nicht Süßgräſer, ſondern Sauergräſer erzeugt, die nicht als Futter, ſondern nur als Streu zu nutzen ſind. Soll dem vorgebeugt werden, ſo muß die Zuleitung mit der Verteilung des Waſſers verbunden, und es muß auch für Ableitung des Waſſers geſorgt, es müſſen alſo nicht bloß Bewäſſerungskanäle, ſondern auch Verteilgräben und Entwäſſerungskanäle gebaut werden. Wie die Bewäſſerung rationell einzurichten und zu hand⸗ haben iſt, das kann man in der Lombardei, im Wallis und im Siegener Lande lernen. Von den Winterwieſen der Lombardei war weiter oben(S. 55) ſchon kurz die Rede. Im Wallis wird die Gletſchermilch an himmelhohen, ſenkrechten Felswänden, in künſtlich angebrachten Leitungen dem Tale zu⸗ geführt und zur Bewäſſerung der Reben und der Futterpflanzen benutzt. Selbſt die Eſparſette, die doch einen trocknen Standort liebt, wird dort mit Vorteil bewäſſert, indem man periodiſche Anfeuchtung des Bodens mit rechtzeitiger Trockenlegung wechſeln läßt. Auf einer ſehr hohen Stufe ſteht auch die Bewäſſerung im Siegener Lande, wo das ganze Flußtal in Kunſtrücken⸗ bauten umgewandelt worden iſt. Im Jahre 1881 habe ich unter Führung des liebenswürdigen Bürgermeiſters einen mehr⸗ — O==Z= G C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. 143 ſtündigen Spaziergang durch die Wieſen gemacht, und mich ge⸗ freut über die Fülle des Graſes, beſonders in der Nähe der Stadt. Ende Juni 1908 kam ich zur Zeit der Heuernte wieder in die Gegend. Hunderte von fleißigen Menſchen waren bei dem prachtvollen Wetter mit dem Einſammeln des Heus beſchäftigt, und Dutzende von weißleuchtenden Bett⸗ tüchern wurden mit dem duftenden Heu gefüllt und feſt zu⸗ ſammengebunden auf den Wagen geladen, um von dem koſtbaren Futter kein Hälmchen zu verlieren. 3. Anders liegen die Verhältniſſe im Rheintal vom Bodenſee aufwärts bis Sargans. Im Bezirk Werdenberg habe ich das Land genauer unterſucht. Die frühere Verſumpfung iſt beſeitigt durch einen 3 m tiefen und entſprechend breiten Ent⸗ wäſſerungskanal, der das Grundwaſſer aus dem ganzen Reintal abzapft und nach dem Bodenſee ableitet. Der anſtehende Boden iſt ein Geſchenk des Rheins, der bei den wiederholten Über⸗ ſchwemmungen abwechſelnd kalkreiche Sand⸗ und Lettenſchichten abgeſetzt hat. Der Sand erwies ſich ſehr arm an Nährſtoffen; der Letten etwas beſſer, er enthielt Kali und Phosphorſäure; aber der Stick⸗ ſtoff fehlte ſowohl im Letten wie im Sand, weil kein Humus vorhanden. Deshalb war das Reſultat der Begutachtung: Düngt mit Kuhgülle. Fehlt ſie, dann düngt mit Kainit und Thomas⸗ ſchlacke und baut Klee⸗ und andere Stickſtoffſammler, die ſchon von ſelbſt wachſen. Ohne Gülle und Stockmiſt kann man dort hohe Erträge an Getreide⸗ und Wieſengräſern nur erzielen durch Düngung mit Stickſtoff, der mittelſt der Gründüngung dem Boden ein⸗ verleibt oder in Form von Chileſalpeter, ſchwefelſaurem Ammoniak oder einem andern Handelsdünger direkt zugeführt wird. 4. Haben wir es mit einem meliorierten Torf⸗ und Moorboden zu tun, der ſich ſeiner Lage und ſeinem Humus⸗ gehalt nach am beſten zu Dauerwieſen oder zu 4— 6 jährigen Wechſelwieſen eignet, dann düngen wir auch hier mit Thomas⸗ ſchlacke und Kainit, laſſen aber den Stickſtoff beiſeite. Ich habe Tauſende von Talern für den Stickſtoff verſchwendet, ſagt Rimpau, der erfahrene Begründer der Moordammkultur. 5. Auch bei Reinſaat von Luzerne und Eſparſette, die auf einem Boden mit kalkreichem Untergrund vorzüglich ge⸗ 144 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. deihen, iſt die Düngung mit Stickſtoff überflüſſig, weil dieſe Pflanzen in der Lage ſind, im Zuſammenleben mit den Wurzelbakterien den freien Stickſtoff ſich anzueignen und zum Aufbau ihrer Wurzeln, Stengel, Blätter, Blüten und Früchte zu verwenden. Dasſelbe gilt für das Gemenge von Luzerne, Eſpar⸗ ſette und Rotklee, das auf geeignetem Boden nach 3 bis 6 jähriger Nutzung in ſeinen Stoppeln und Wurzeln einen reichen Vorrat an Stickſtoff im Ober⸗ und Untergrunde zurückläßt. 6. Haben wir es dagegen auf Natur⸗ und Kunſtwieſen, wo Gräſer und Kleearten geſellig wachſen, mit einem gewöhn⸗ lichen Sand⸗, Lehm⸗, Ton⸗, Kalk⸗ oder Mergelboden zu tun, dann düngen wir mit Phosphorſäure, Kali und Stickſtoff. 7. Denn die Theorie iſt nicht ſtichhaltig, daß die ſtickſtoff⸗ ſammelnden Kleepflanzen ſoviel Stickſtoff an die zwiſchen ihnen wachſenden Gräſer abgeben, wie dieſe bedürfen. Der Klee deckt aus dem freien Stickſtoff nur ſeinen eigenen Bedarf und läßt die Gräſer für ſich ſelber ſorgen. 8. Auch die Theorie iſt nicht richtig, daß Stickſtoffdüngung die Wieſenunkräuter hervorruft oder begünſtigt. Bei Düngung mit Phosphorſäure und Kali vermehren ſich gewiſſe Unkräuter ebenſo ſtark oder noch ſtärker, als bei Düngung mit Phosphor⸗ ſäure, Kali und Stickſtoff. 9. Übermäßige Düngung mit Stickſtoff iſt ſchädlich. Die Gräſer und gewiſſe Unkräuter, wie der Löwenzahn, lagern ſich, und unter der dichten Decke verkümmert der lichtbedürftige Klee. Dagegen bringt reichliche Düngung keinen Nach⸗ teil, wenn wir ein angemeſſenes Verhältnis herſtellen zwiſchen Phosphorſäure, Kali und Stickſtoff. 10. Es iſt wirtſchaftlich richtiger und jedenfalls ſicherer, die Wieſen mit Stickſtoff in Form von Gülle, Chileſalpeter oder Ammoniakſalz zu düngen, als die Gräſer, die in der Regel den Hauptbeſtand der Wieſen bilden, an Stickſtoffhunger leiden und ihren Bedarf an Stickſtoff durch die verweſten Leichen der ſtick⸗ ſtoffbindenden Bodenbakterien decken zu laſſen. Die Boden⸗ bakterien wirken erſt auf Umwegen und nach einer Reihe von nutzlos verſchwendeten Verſuchsjahren, Ammoniak⸗ ſalz, Chileſalpeter und Gülle wirken ſofort und direkt, und ſchneller Umſatz des Boden- und Dungkapitals iſt die Loſung der modernen Landwirtſchaft. C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. 145 Die Düngemittel. Schließlich haben wir noch die in Betracht kommenden Düngemittel kurz zu beſprechen. Zu den natürlichen Dünge⸗ mitteln gehören: Kompoſt, Aſche, Gülle, Stock⸗ und Stallmiſt. 1. Kompoſt.— Der beſte Wieſendünger iſt wohlbereiteter Kompoſt. Er muß aber nicht bloß gewöhnliche Erde enthalten, ſondern auch ein genügendes Quantum von eigentlichen Dung⸗ ſtoffen. Auf eine 30 cm hohe Unterlage von guter Erde bringt man die in handlichen Gefäßen geſammelten Abtrittsſtoffe; die aus den Ställen oder aus der Düngerſtätte in die betonierte Grube abfließende Jauche; die auf dem Hofe und auf den Straßen geſammelten Pferdeäpfel; die Abfälle von Fleiſch und Gemüſe aus der Küche; das im Garten und auf dem Felde ausgejätete Unkraut uſw., bedeckt und durchſchichtet alles mit Erde, und arbeitet den Haufen ein- oder zweimal um, bis alles zu Humus geworden. Ein ſolcher Mengedünger, recht gleich⸗ mäßig über die Wieſe geſtreut, regt die Gräſer zur Beſtockung an, führt zur Verdichtung des Raſens und kräftigt den ganzen Pflanzenbeſtand.— Auf dem Verſuchsfeld wurden 72 Fuder Kompoſt pro Hektar aufgefahren. 1 Fuder zu ½ Kubikmeter ge⸗ rechnet, macht 36 Kubikmeter. Gehaltvoller Kompoſt wird direkt vom Wagen mit der Hohlſchaufel auf die Wieſe geſtreut. In größeren Wirtſchaften verwendet man die Düngerſtreumaſchine. 2. Aſche. Die Holzaſche iſt ſo wertvoll, daß man ſie nicht auf den Kompoſthaufen bringt, ſondern in bedeckten Gruben anſammelt. Mit ihr vereinigt man die Knochenaſche, die man beim Verbrennen der Knochen in dem Küchenherd gewinnt. Der Stickſtoff des Leims geht dabei zum Schornſtein hinaus, aber die wertvolle Phosphorſäure kommt auf die Wieſe, wo ſie mit dem Kali der Holzaſche beſonders das Wachstum des Klees befördert. Die Knochenaſche enthält 35% Phosphorſäure. Die Nadelholzaſche 2,5% Phosphorſäure und 6% Kali. Eine Aſche von Buchenſcheitholz enthielt nach der von mir veranlaßten Analyſe 2,2% Phosphorſäure und 9,8% Kali. Die Torfaſche iſt viel weniger wertvoll. Größere Quantitäten bringt man auf den Kompoſthaufen, kleinere Mengen fügt man der Holzaſche bei. Roher, gemahlener Gips iſt nichts anderes, als waſſer⸗ haltiger, ſchwefelſaurer Kalk. Man vermengt ihn gleichwohl mit der Holzaſche; er wirkt wunderbar auf den Klee. Nowacli, Kleegrasbau. 5. Auflage. 10 146 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. 3. Gülle.— Die Gllle iſt ein flüſſiger Dünger, der in Schottland und England, in Holland und in der Schweiz all⸗ gemein zur Düngung benutzt wird. In unſerm Vichzucht treibenden Lande iſt ſie der Hauptdünger, und es iſt als erwieſen zu betrachten, daß ſie auf die Wieſenpflanzen eine vorzügliche Wirkung ausübt. Um allgemein verſtanden zu werden, bemerke ich, daß die Gülle ein flüſſiger Dünger iſt, der aus ½ Waſſer und ½ feſten und flüſſigen Rindvichexkrementen bereitet, im Sommer nach 20 tägiger, im Winter nach 50 tägiger Gärung, hauptſächlich auf Natur⸗ und Kunſtwieſen zur Verwendung kommt. Man legt mit Recht beſonderen Wert darauf, daß die Gülle durch Ver⸗ gärung„reif“ geworden iſt, denn im Zuſtand der Reife enthält ſie die Pflanzennährſtoffe in löslicher, leicht aufnehmbarer, direkt aſſimilierbarer Form. Aber die Kuhgülle leidet an dem Mangel, daß ſie die wichtigeren Pflanzennährſtoffe: Stickſtoff, Phosphorſäure und Kali nicht im richtigen Verhältnis enthält. Nach den Unterſuchungen von A. Grete ſtellte ſich dieſes Verhältnis wie folgt: 1 hl Kuhgülle enthielt: Kaſi.. rund 430 g Siietſuff.....„ 190„ hosphorſäure... 4 54 Phosp„„ Wir ſehen aus dieſen Zahlen, die ſich jeder Landwirt an die Stubentür ſchreiben ſollte, daß die Gülle das Kali in ſehr reichlicher Menge, und daß ſie auch den Stickſtoff in reichlicher Menge enthält, daß dagegen die Phosphorſäure in viel zu geringer Menge vertreten iſt. Es folgt hieraus mit eiſerner Notwendigkeit, daß wir die Gülle durch Zukauf und Zuſchuß von Phos⸗ phorſäure ergänzen müſſen. Ob wir dies in der Weiſe tun, daß wir die Phosphorſäure in flüſſiger Form in den Gülle⸗ trog ſchütten, oder in trockner Form aus dem Sack unmittelbar auf die Wieſe ſtreuen, iſt nebenſächlich. Die Hauptſache iſt, daß wir jedenfalls und unbedingt Phosphorſäure zukaufen Mit gewöhnlicher Gülle allein zu wirtſchaften, iſt für jeden einſichts⸗ vollen Landwirt ein überwundener, der Vergangenheit ange⸗ hörender Standpunkt. Heutzutage, wo wir wiſſen, daß der Stickſtoff der Gülle zwar den Gräſern ſehr viel, aber ———— ν—— C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. 147 den Kleepflanzen gar nichts nützt, wo wir wiſſen, daß die Gräſer, namentlich aber die Kleearten ohne reich⸗ liche Verſorgung mit Phosphorſäure nicht gedeihen können, heutzutage iſt es geradezu unverantwortlich, die Bei⸗ düngung mit Phosphorſäure zu vernachläſſigen. Wer nach dem alten Schlendrian mit dem Güllefaß weiterfuhrwerkt, darf ſich nicht wundern und ſich nicht beklagen, daß die Kleearten verſchwinden und von den Doldengewächſen und anderen Un⸗ kräutern überwuchert werden.— Die Kleearten bedürfen außer der Phosphorſäure zu ihrer Ernährung notwendig auch das Kali, das die Gräſer ebenſo wenig entbehren können. Wenn aber ausreichend mit Gülle gedüngt wird, dann iſt ein Zuſchuß von Kali nicht erforderlich, weil die Gülle ohnehin ſchon Kali im Überſchuß enthält. Kommen wir demnach zu dem Schluß: Gülle und Phosphorſäure, ſo fragt ſich jetzt nur noch: Wieviel von jedem? Das Wieviel von Gülle, das in den Wirtſchaften des ſchweizeriſchen Flachlandes zur Verwendung kommt, wechſelt zwiſchen ziemlich weiten Grenzen. Auf dem Verſuchsfelde der techniſchen Hochſchule, wo ſowohl der flüſſige wie der feſte Dünger gemeſſen oder gewogen wird, betrug das in 11 Jahren wirklich aufgebrachte Maß an Gülle in runden Zahlen pro Jahr und Hektar: 300, 400, 450, 500, 500, 500, 700, 800, 900, 1000, 1200 hl, woraus ſich im Mittel 660 hl berechnen. Dabei wurde in jedem Jahr nur einmal gegüllt. Viele Wieſen in der Schweiz werden aber im Jahre zwei⸗ oder dreimal mit Gülle beſchüttet, ſo daß der Durchſchnitt mit 900 hl pro Jahr und Hektar wohl nicht zu hoch angenommen ſein wird.¹) Ich möchte ¹) Heir Blattmann in Neugut bei Wädenswil am Zürichſee ver⸗ wendet 1700 hl Gülle(Kuhgülle und Abtrittgülle) pro Jahr und Hektar. Dieſes hohe Maß iſt aber auf den Zukauf von Abtrittgülle zurückzuführen. Herr Schmid in Gautikon hat 6 Güllebehälter à 350 hl auf 23 ha Gras⸗ land. Bequem und arbeitiparend iſt es, wenn man die Gülle von dem höher gelegenen Viehſtall mit einem hölzernen Rohr nach den tiefer ge⸗ legenen Wieſen leiten kann, wo der bräunliche Saft im hölzernen Kaſten auſgefangen und per Achſe auf den Wieſen verteilt wird. Viel vollkommener iſt die Einrichtung bei William Dickinſon in Schottland, der den flüſſigen Dünger durch eiſerne Röhren auf die Wieſen leitet und durch Hydianten und Schläuche verteilt. Die ganze Arbeit beſorgt hier der hydroſtatiſche Druck. 10* 148 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. 1000 hl pro Hektar als die obere Grenze bezeichnen, über die man nicht viel hinausgehen ſollte. Denn auch bei der Gülle kann man das Wort anwenden: Allzuviel iſt ungeſund. Legen wir die von A. Grete gefundenen, oben ſchon mit⸗ geteilten Zahlen zugrunde, ſo berechnet ſich der Gehalt der Gülle wie folgt: 1000 9⁰⁰ 800 700 600 hl Gülle enthalten kg Kali... 430 387 344 301 258 Stickſtoff.. 190 121 152 133 114 Phosphorſäure. 54 48,6 43,2 37,8 32,4 5⁰0 400 300 200 100 hl Gülle enthalten kg Kali.... 215 172 129 86 43 Stckſtoff 95 76 57 38 19 Pyosphorſäure. 27 21,6 16,2 10,8 5,4 Es iſt ein Naturgeſetz, daß der in geringſter Menge vorhandene Pflanzennährſtoff bei dem Ertrag den Ausſchlag gibt. Im vorliegenden Falle iſt dies die Phosphorſäure. Wollen wir den Ertrag ſteigern, ſo müſſen wir Phosphorſäure zur Gülle zuſchießen. Schon 1 kg lösliche Phosphorſäure wird wirken, 10 kg lösliche Phosphorſäure werden ſelbſtverſtändlich eine noch größere Ertragsſteigerung herbeiführen, und ein Zuſchuß von 30 kg löslicher Phos⸗ phorſäure pro Jahr und Hektar(wodurch die Düngung mit 1000 hl Gülle auf 54+ 30= 84 kg ſteigt) wird jeden⸗ falls nicht zu hoch gegriffen ſein. Die zuletzt angegebene Zahl(30 kg pro Hektar) kann vorläufig zum allgemeinen Anhalt dienen, gleichviel ob wir ſtärker oder ſchwächer güllen wergleiche obige Zahlen!), indem ich es beſonderen Verſuchen überlaſſe, die obere Grenze zu beſtimmen, bis zu der der Zuſchuß von Phosphorſäure zur Gülle mit Vorteil getrieben werden darf. Zur Erläuterung ein Beiſpiel mit einem Rechenexempel. Stick⸗ Phosphor⸗ Kali ſtoff ſäure 1 000 hl Kuhgülle enthalten nach A. Grete 430 190 54 10 000 kg Kleegrasheu„„ E. Wolf 256 178 53 1000 hl Kuhgülle pro Hektar reichen alſo hin, um 10 000 kg Kleegrasheu zu erzeugen, denn der im Minimum vorhandene Nährſtoff gibt den Ausſchlag, das iſt hier die Phosphorſäure. C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. 149 Der Überſchuß an Kali von 430— 256= 174 kg hat ſeine ſchwerwiegenden Nachteile. Er begünſtigt die kali⸗ liebenden Doldengewächſe: Wald⸗ und Wieſenkerbel, wilde Möhre, Bärenklaue u. a. Einfache Mittel zur Abhilfe ſind: 1. Kräftiges Abweiden im Frühjahr, um die hervor⸗ treibenden Blütenköpfe zu vernichten. Der Biß der Tiere wirkt ſicherer, als der Druck der Walze, der nur die Blüten⸗ köpfe zerſtört, die er trifft. Walzt man jeden Strich hinunter und hinauf, dann leiſtet auch die Walze guten Dienſt. 2. Rechtzeitiger Beginn des Heu⸗ und Endſchnitts, um die Samenbildung zu verhindern. 3. Beſeitigung des Überſchuſſes an Kali in der Düngung. Verwenden wir ſtatt 1000 hl pro Hektar nur Kali Stickſtoff Phosphorſäure 600 hl Kuhgülle mit.... 258 114 32, dann ſtimmt die Rechnung beim Kali, bei der Phosphor⸗ ſäure ſtimmt ſie nicht; an den erforderlichen 53 kg fehlen 21 kg. Um ſie zu decken, genügt es, wenn wir im Frühjahr pro Hektar 200 kg Superphosphat mit 12% löslicher Phos⸗ phorſäure auf die Wieſe ſtreuen. Denn 2 5 12= 24, alſo 3 kg mehr, als die erforderlichen 21 kg. Beim Stickſtoff iſt kein Manko. Denn die Differenz von 178— 114= 64 kg wird gedeckt durch den Stickſtoff, den der Klee als Stickſtoffſammler aus dem freien Stickſtoff bezieht. Um den freien Stickſtoff mit auszunutzen, darf man es nicht ſo weit treiben, daß man den Stickſtoff bei der Düngung gänzlich ausſchließt, das iſt nur auf den ſtickſtoffreichen Moor⸗ oder Humusböden zuläſſig, wohl aber empfiehlt es ſich, auf den humusarmen Mineralböden die Düngung ſo einzurichten, daß nicht die Phosphorſäure im relativen Minimum bleibt, ſondern der Stickſtoff. Wir erreichen alſo mit 600 hl Gülle und 200 kg 12% igem Superphosphat den wirtſchaftlichen Zweck viel beſſer, als mit 1000 hl Kuhgülle allein, wobei wir zu unſerm Nachteil 400 hl mehr hinauszufahren haben. Auf Naturwieſen bleibt der Ertrag an Heu und Emd zurück hinter den oben angenommenen 10 000 kg und die Ernte enthält pro Hektar weniger Kali, als die berechneten 256 kg. Um ſo größer wird der Überſchuß an Kali in der Gülle, 150 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. um ſo nachteiliger wird eine Düngung mit mehr als 600 hl pro Hektar, und um ſo notwendiger wird ein Zuſchuß von Phosphorſäure, der lieber etwas zu hoch, als zu knapp zu berechnen iſt. 4. Stockmiſt und Stallmiſt.— Stallmiſt und Stock⸗ miſt iſt nicht einerlei. Der Stockmiſt enthält als Nebenprodukt der Güllebereitung nur einen ſehr kleinen Teil der flüſſigen, da⸗ gegen einen großen Teil der feſten Exkremente, während dem gewöhnlichen Stallmiſt ſämtliche feſten und flüſſigen Exkremente einverleibt werden. Außerdem enthält der Stallmiſt erheblich mehr Streumaterial als der Stockmiſt. Deshalb iſt der Stockmiſt konzentrierter, erheblich reicher an Phosphorſäure, aber viel ärmer an Kali und an Stickſtoff. Der eine wie der andere kann im Zuſtand mittlerer Zer⸗ ſetzung zur Düngung der Wieſen verwendet werden; er gelangt hier aber nicht ſo vollkommen zur Ausnutzung wie auf dem Acker⸗, Garten⸗ und Reblande, wo er nach Kühns Grundſatz: „Aus dem Stall aufs Feld und in den Boden!“— nicht nur den Nährſtoffvorrat vermehrt, ſondern namentlich auch die natür⸗ liche oder phyſikaliſche Beſchaffenheit des Bodens verbeſſert. In dieſer Beziehung wirkt er jedoch auf den Wieſen inſofern wohl⸗ tätig, als er, vor Winter gleichmäßig ausgebreitet, den Pflanzen einigen Schutz gegen den Froſt gewährt, und er wirkt hier als Decke auch inſofern günſtig, als er vor und nach ſeiner Umwandlung in Humus den Boden feucht und locker erhält. Eine Tatſache verdient noch beſonders hervorgehoben zu werden, nämlich die, daß zugleich mit dem Miſt eine unglaub⸗ liche Menge keimfähiger Rot⸗ oder Mattenkleeſamen auf die Wieſen zurückkehrt. Am 4. Mai 1891 konnte ich dies genauer konſtatieren. Ich nahm nämlich von einer Wieſe am Zürichberg, die vor Winter mit Stockmiſt gedüngt worden war, einen Miſt⸗ brocken mit, um ihn zu Hauſe genauer zu unterſuchen. Er war 10,5 cm lang, 9 em breit und 3—4 em dick. Bei dieſer geringen Größe habe ich auf ihm nicht weniger als 88 kleine Rotkleepflänzchen gezählt und im Innern des Brockens fanden ſich außerdem noch 51 gekeimte Samen derſelben Art. Auch einige Weißkleeſamen waren vorhanden, dieſe hatten aber noch nicht gekeimt. Ferner zeigte der Brocken 8 gekeimte Unkraut⸗ pflänzchen.— Der Stockmiſt erfüllt alſo auf den ſchweize⸗ riſchen Matten noch mehr, als die Gülle, den Zweck C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. 151 der Neubeſamung und der Verjüngung, und die auffallend große Menge von Rotklee, die viele der hieſigen Naturwieſen ſo wertvoll macht, iſt auf die Überdeckung des Raſens mit Stockmiſt zurückzuführen. Das Wieviel betreffend, ſo wurden auf dem Verſuchsfeld aufgefahren 22 500— 26 000 kg pro Hektar; ladet man auf ein Fuder 1000 kg, ſo ergeben ſich 23— 26 Fuder Stockmiſt pro Hektar. Die künſtlichen Düngemittel. Was die künſtlichen oder käuflichen Düngemittel betrifft, ſo wollen wir hier nur einige von denen berückſichtigen, die Stickſtoff, Phosphorſäure und Kali enthalten. 1. Stickſtoffdünger.— Bei ausreichender Düngung mit Gülle wäre es verkehrt, noch einen ſtickſtoffreichen Kunſtdünger zuzukaufen. Dieſer kommt nur dort in Betracht, wo die Gülle gar nicht oder doch nicht in genügender Menge zugeführt werden kann. Alſo z. B. auf weit abgelegenen oder ſchwer zugänglichen Grundſtücken mit einem Boden, der weder torfig oder moorig, noch ſonſt humusreich iſt. Alte, bisher nie gedüngte Naturwieſen eignen ſich zu ver⸗ gleichenden Verſuchen nicht, weil dort die ſtickſtoffbindenden Bodenbakterien die Muttererde in dem Grade an Stickſtoff be⸗ reichert haben, daß der künſtlich zugeführte Sti ckſtoffdünger nicht zur Wirkung kommt. Aus dieſem einfachen Grunde iſt eine große Zahl von Verſuchen von vorneherein als verfehlt und nicht maßgebend zu bezeichnen. Iſt das Land zu Verſuchszwecken geeignet, ſo kauft man den Stickſtoff am beſten in Form von Chileſalpeter, der im unverfälſchten Zuſtande 15 ½% Stickſtoff enthält. Mit Chileſalpeter allein kann man die Wieſen nicht düngen, weil es ihm gänzlich an Phosphorſäure und Kali fehlt. Unter der Vor⸗ ausſetzung, daß für dieſe Pflanzennährſtoffe anderweitig geſorgt wird, kann man, je nach der Armut des Bodens, 200— 400 kg Chileſalpeter pro Hektar verwenden. Mit 100 kg Chileſalpeter werden zugeführt 15,5 kg Stickſtoff. 3 „ 200„„ 2 1„ 8 1 300 2 82 2 46,5„ r 400„„„„ 62 0„„ 500„„ 7 77 ,5 2 1 152 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat, Es iſt zweckmäßig, die berechnete Menge Chileſalpeter nicht zu teilen, ſondern mit einem Male, im Frühjahr vor Beginn des Pflanzenwachstums, auszuſtreuen, weil ſich die Gräſer, auf die der Stickſtoff wirken ſoll, hauptſächlich im April, Mai und Juni entwickeln. 2. Phosphorſäure-Dünger.— Wir werden uns kaum einer Übertreibung ſchuldig machen, wenn wir— übrigens in Über⸗ einſtimmung mit andern ¹)— behaupten: Im ſchweizeriſchen Flachlande fehlt es allen Grundſtücken an Phosphor⸗ ſäure. In den benachbarten Ländern wird es ſich hiermit nicht anders verhalten. Eine Zufuhr dieſes wichtigen Pflanzennähr⸗ ſtoffs iſt daher überall geboten, insbeſondere auch auf den ge⸗ güllten Natur- und Kunſtwieſen. Da hiervon weiter oben ſchon ausführlich genug geredet worden iſt, ſo haben wir jetzt nur noch die Frage zu beantworten: In welchen Handelsdüngern ſollen wir die Phosphorſäure zuführen? a) Superphosphat.— Da bieten ſich uns zunächſt die Superphosphate dar, die den großen Vorzug haben, daß ſie auf allen gewöhnlichen Bodenarten, mit Ausnahme der Torf⸗ und Moorböden, raſch und ſicher wirken, weil ſie die Phosphorſäure in löslicher, d. h. in Waſſer löslicher Form enthalten. Der Wert der Superphosphate beruht aber auch allein auf dem Gehalt an löslicher Phosphorſäure, alles übrige iſt wertloſer Ballaſt. Der Landwirt hat daher alle Urſache, ſich ſehr genau um den Gehalt der Handelsware zu kümmern, um ſo mehr, da der wirkliche Gehalt oft hinter der Garantie zurückbleibt. Die agrikulturchemiſchen Verſuchs⸗ ſtationen ſind dazu da, den Handel mit Kunſtdüngern auf eine ſichere Grundlage zu ſtellen und die Landwirte oder land⸗ wirtſchaftlichen Genoſſenſchaften vor Übervorteilungen zu ſchützen. Um Wceitläufigkeiten zu vermeiden, wendet man ſich nur an ſolche Düngerhandlungen, die unter Kontrolle der ſtaat⸗ lich anerkannten Verſuchsſtationen ſtehen. Ohne ſchrift⸗ liche Garantie für den Gehalt der Düngerwaren wird auch mit Kontrollfirmen kein Handel abgeſchloſſen. Die gewöhnlichen Superphosphate enthalten 10 bis 22% lösliche Phosphorſäure. Daneben kommen auch ſogenannte ¹) Man vergleiche die vortreffliche Abhandlung: Welche Handels⸗ dünger ſollen wir kaufen? von F. M. i. R., Schweiz. landw. Zentral⸗ blatt, Nr. 33, Jahrgang 1890.. — ——= — e ſ— —.,——.— C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. 153 Doppelſuperphosphate vor, bei denen der Gehalt an lös⸗ licher Phosphorſäure 38— 44% beträgt. Ob der Landwirt dieſe oder jene kaufen ſoll, hängt davon ab, wieviel in der angebotenen Ware 1 kg lösliche Phosphorſäure, ein⸗ ſchließlich Fracht, am Beſtimmungsorte koſtet. Die be⸗ liebteſten und gangbarſten Marken ſind SP 12 und 8P 16, das ſind die Superphosphate mit einem Gehalt von 12 und 16% löslicher Phosphorſäure. Um eine und dieſelbe Menge löslicher Phosphorſäure zu⸗ zuführen, braucht man natürlich von einem Superphosphat mit niedrigerem Gehalt ein größeres Gewicht der Handelsware, als von einem Superphosphat mit höherem Gehalt. Wollen wir z. B. 48 kg lösliche Phosphorſäure zuführen, ſo ſind dazu 400 kg von einem 12% igen, dagegen nur 300 kg von einem 16% igen Superphosphat erforderlich Aus nachſtehender Tabelle kann der Landwirt erſehen, wieviel Kilogramm von der Handels⸗ ware er braucht, um eine beſtimmte Menge löslicher Phosphor⸗ ſäure pro Hektar zuzuführen. Um zuzuführen ſind erforderlich an Superphosphat mit einem pro Hektar Gehalt von: lösliche—— Phosphorſäure:[10% 12% 16% 20% 2% 38% 40% 44% kg a kg kg kg kg kg kg kg 10 100 V 84 V 63 50 46 27 V 25 23 20 200 167 125 100 91 53 50 46 30 300 250 188 150 137 79 75 69 40 400 334 250 200 182 106 100 91 50 500 417 313] 250 228 132 125 114 60 600 500 375 300 273 158 150 137 70 700 584 438 350 319 185 475 160 80 800 667 500 400 364 211 200 182 90 900 750 563 450 410 237 225 205 100 1000 834 625 500 455 264 250 228 In der Schweiz werden die Superphosphate zur Er⸗ gänzung der Gülle benutzt; zu dieſer Beidüngung haben wir weiter oben unter gewiſſen Vorbehalten 30 kg lösliche Phos⸗ phorſäure pro Hektar empfohlen(S. 148). In anderen Fällen, z. B. in dem Falle, wenn mit Chileſalpeter gedüngt wird, kann man mehr Phosphorſäure verwenden; 300 kg Chileſalpeter(mit rund 46 kg Stickſtoff) und 80 kg lösliche Phosphorſäure pro 154 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. Hektar wäre z. B. ein angemeſſenes Verhältnis und eine kräftige Düngung. Für alle möglichen Fälle laſſen ſich keine Vor⸗ ſchriften geben.„Der Bauer muß ſelber denken, rechnen und ſcharf beobachten und vergleichen“(F. M. i. R). Über die Zeit der Anwendung noch die Bemerkung, daß die Superphosphate nicht im Herbſt, ſondern im Frühjahr bei Beginn des Pflanzenwachstums auf die Wieſen geſtreut werden müſſen, weil die lösliche Phosphorſäure in längerer Be⸗ rührung mit dem Boden nicht nur zurückgeht, ſondern unter lmſtänden ſogar ſchwer löslich wird. Bei der Anwendung im Frühjahr er⸗ zielt man alſo die ſicherſte Wirkung und den ſchnellſten Umſatz. b) Chomasmehl.— Ein anderer wichtiger Phosphor⸗ ſäuredünger iſt das Thomasſchlackenmehl. Sein Gehalt an Phosphorſäure ſchwankt zwiſchen 11 und 24%; der mittlere Gehalt beträgt 17— 18%. Ebenſo wichtig, wie der Gehalt an Phosphorſäure, iſt der Gehalt an Feinmehl. Je höher der Gehalt an Feinmehl, deſto beſſer iſt die Wirkung. Eine brauch⸗ bare Ware ſoll mindeſtens 75% Feinmehl enthalten Dabei iſt noch beſonders hervorzuheben, daß Thomas⸗ mehle mit einem hohen Gehalt an Phosphorſäure der Ver⸗ fälſchung(mit Redondo-Phosphat) verdächtig ſind. Derartige Verfälſchungen, die den Zweck verfolgen, das Thomasmehl durch Zuſatz wertloſer, weil unlöslicher Phosphorſäure„anzureichern“, ſind tatſächlich vorgekommen Deshalb iſt beim Ankauf die größte Vorſicht geboten und im Kaufpertrag ausdrücklich die Lieferung eines reinen, unverfälſchten Thomasſchlacken⸗ mehles auszubedingen. Aber auch in dem unverfälſchten Thomasmehl befindet ſich die Phosphorſäure in einem anderen Zuſtand, als im Superphosphat. Die Phosphorſäure im Superphosphat iſt leicht löslich, d. h. der größte Teil von ihr ſteht den Pflanzen ſofort zur Verfügung: die Phosphorſäure im Thomasmehl iſt dagegen von Hauſe aus weniger leicht löslich, d. h. der größte Teil von ihr wird den Pflanzen erſt nach und nach zugänglich. Mit anderen Worten: Das Superphosphat wirkt raſch, aber kurz: das Thomas⸗ mehl wirkt langſam, aber nachhaltig. Das Thomasmehl wirkt jedoch nicht auf allen Boden⸗ arten gleich gut. Ausgezeichnet wirkt es auf den Torf⸗ und Moorböden. Befriedigend wirkt es auf den leichteren und „ C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. 155 mittleren Bodenarten, zu denen der lehmige Sand und der ſandige Lehm gehören. Schlecht oder gar nicht wirkt es auf den ſchweren Bodenarten, als da ſind: Lehm, Letten und Ton. Hiernach laſſen ſich für die landwirtſchaftliche Praxis ſolgende Regeln aufſtellen: 1. Für die ſchweren Böden kauft man Superphosphat. 2. Für die mittleren und leichten Böden kauft man Thomasmehl, wenn 2 kg Phosphor⸗ ſäure im unverfälſchten and feingeſiebten Thomasmehl billiger zu ſtehen kommen, als 1 kg lösliche Phosphor⸗ ſäure im Superphosphat. 3. Für die Torf⸗- und Moor⸗ böden kauft man Thomasmehl. Hinſichtlich der Zeit der Anwendung iſt zu betonen, daß 1 das Thomasmehl nicht erſt im Frühjahr, ſondern ſchon möglichſt früh im Herbſt auf die Wieſen geſtreut werden mmuß, damit die Phosphorſäure Zeit hat, ſich zu löſen. Von einem unverfälſchten Thomasſchlackenmehl mit 75% Feinmchl und 18% Phosphorſäure ſind als Beidüngung zur Gülle etwa 300 kg pro Hektar zu berechnen. Ohne Gülle, B. auf Torfboden. kann man 500 kg im erſten und je 300 kg nn den folgenden Jahren pro Hektar verwenden. Enthält das CTöhomasmehl weniger als 18% Phosphorſäure, ſo ſind die voorſtehenden Zahlen entſprechend zu erhöhen. Das Nähere hiirüber iſt aus der falgenden Tabelle zu entnehmen, in der die Zahlen nach oben abgerundet ſind. Um zuzuführen ſind erforderlich pro Hektar an Thomasmehl mit einem Gehalt von: 8 äure: 1— ꝗꝙ——.-———— V Phosphorſäure: ¹) 14% 16% 18% 20% 22% 24% kg kg kg V kg kg kk kg ſ ſ 10 72 63 ſ 56 50 46 147 20 143 125 112 10o 9l 84 30 215 188 167 150 137 125 — 40 286 250 223 200 182 16 7 50 358 313 278 250 228 209 60 429 375 334 300 273 250 70 500 438 389 350 319 292 80 572 500 445 400 364 334 90 643 563 500 450 410 375 100 715 625 556 500 455 417 ¹) Von dieſer Phosphorſäure wird den Pflanzen im erſten Jahre etwa die Hälſte zugänglich. 156 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. c) Knochenmehl.— Ein dritter Phosphorſäure⸗Dünger iſt das Knochenmehl. Es iſt dem Landwirt aber nicht anzu⸗ raten, zur Raſendüngung der Wieſen Knochendünger zu kaufen, weil die Phosphorſäure, unter Berückſichtigung ihrer lang⸗ ſamen Wirkung, zu teuer zu ſtehen kommt. Dies iſt um ſo mehr der Fall, weil der Stickſtoff, der den Knochendünger ver⸗ teuert, in Güllewirtſchaften entbehrt werden kann. Selbſt ge⸗ ſammelte, auf der eigenen Knochenſtampfe zerkleinerte und mit Jauche fermentierte, d. h. mürbe gefaulte Knochen, mag man immerhin auf die Wieſe ſtreuen, wenn man nicht Acker⸗, Garten⸗ oder Rebland genug hat, um dieſen koſtbaren, langſam, aber ſehr nachhaltig wirkenden Dünger unterzubringen. S. 145 iſt ein anderer einfacher und beſonders für kleine Wirtſchaften paſſender Weg angegeben, die Knochen des eigenen Haushalts als Streudünger auf den Wieſen zu verwerten; man ſteckt ſie unter den Kochherd und verwandelt ſie in Aſche, dann iſt der Streudünger fertig. Wenn auch der Stickſtoff der Knochen dabei zum Kamin hinausgeht, ſo können wir dieſen Verluſt verſchmerzen. Denn wir haben Arbeit und Koſten für das Zerkleinern der Knochen geſpart, wir haben die Heizkraft der Knochen genutzt, und Stick⸗ ſtoff haben wir ohnehin in der Gülle genug. Die Phosphor⸗ ſäure der Knochen geht uns nicht verloren; wir haben ſie entleimt, entfettet und ſtaubfein gemahlen in der Aſche. d) Flüſſige Phosphorſäure.— Streut man die Phos⸗ phorſäure in trockner Form als Superphosphat, Thomasmehl, Knochenaſche aus dem Sack unmittelbar auf die Wieſe, ſo weiß man, wo ſie bleibt und wo ſie hinkommt. Mit anderen Worten, es wird haushälteriſch mit dem Phosphorſäuredünger umgegangen, es läßt ſich berechnen, wieviel pro Hektar erforderlich, und es iſt auch möglich, die berechnete Menge gleichmäßig auf die Wieſenfläche zu verteilen. Dieſe praktiſchen Gründe ſprechen ſehr für die Verwendung der Phosphorſäure in trockener Form. Auf der andern Seite hat es aber auch wieder ſeine Vor⸗ teile, den Phosphorſäure⸗Dünger in den Gülletrog zu ſchütten und mit der Gülle zugleich, alſo in flüſſiger Form auf die Wieſen zu bringen. Hierbei wird die Arbeit für das Ausſtreuen des Kunſt⸗ düngers vermieden, und außerdem wird der Betrag für die Schwefelſäure erſpart, die man der Gülle zur Bindung des flüchtigen Ammoniaks zuzuſetzen pflegt. C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. 157 Als Zuſatz zur Gülle, ſofern man zugleich die Bindung des Ammoniaks bezweckt, kann man aber nicht jeden beliebigen Phosphorſäuredünger benutzen. Thomasmehl, Phosphoritmehl und Knochenmehl paſſen für dieſen Zweck nicht. Es ſind viel⸗ mehr nur ſolche Düngemittel zu brauchen, die die Phosphor⸗ ſäure a) in waſſerlöslicher⸗trockener oder b) in waſſer⸗ löslicher⸗flüſſiger Form enthalten. a) In trockener Form ſteht uns die lösliche Phosphorſäure zur Verfügung in den Superphosphaten; b) in flüſſiger Form ſteht ſie uns zur Verfügung in den Phosphorſäurelöſungen oder in der ſo⸗ genannten flüſſigen Phosphorſäure. In jedem Fall müſſen wir wiſſen, wieviel lösliche Phos⸗ phorſäure der Kunſtdünger enthält, um nach dem Gehalt die Menge berechnen zu können, die wir der Gülle zuzuſetzen haben. Für dieſe Berechnung können wir die von A. Grete er⸗ mittelten Zahlen benutzen, nach denen 1 hl Kuhgülle(nach ſchweizeriſcher Art bereitet) auf 190 g Geſamtſtickſtoff etwa 132 g Stickſtoff in Form von Ammoniak aufweiſt. Da ſich je 82,39 g Stickſtoff mit 17,61 g Waſſerſtoff zu 100 g Ammoniak verbinden, ſo ſind in 1 hl Gülle enthalten an Ammoniak etwa 160 g. Die Frage iſt alſo die: Wieviel lösliche Phosphorſäure müſſen wir der Gülle zuſetzen, um vorſtehende 160 g Ammoniak vor der Verflüchtigung zu ſchützen? Antwort. Auf je 1 hl Gülle müſſen wir zuſetzen 334 g lösliche Phosphorſäure. Und zwar ergeben ſich dieſe 334 g Phosphorſäure, wenn wir verwenden z. B: a) von einem Superphosphat mit 10% lösl. Phosphorſäure 3340 g )„„„„ 20„„ 9 1670„ c)„„.„ 42,6„„. 784„ d)„ flüſſiger Phosphorſäure„ 20„„„ 1670„ (Dieſe 1670 g ſind reichlich= 1300 cm*= 1,3 Liter.) Durch dieſe Zuſätze erreichen wir zweierlei: 1. wird das flüchtige Ammoniak der Gülle gebunden; 2. wird die Gülle an Phosphorſäure ergänzt und bereichert. Wir haben weiter oben ſchon gezeigt, daß die Kuhgülle im Hektoliter nur 54 g Phosphorſäure enthält. Durch die vor⸗ ſtehenden Zuſätze bringen wir den Gehalt der Gülle an Phos⸗ phorſäure auf 54+ 334= 388 g. Verwenden wir pro Hektar beiſpielsweiſe 1000 hl Gülle, ſo berechnen ſich hiernach 388 kg Phosphorſäure; verwenden 158 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. wir 900 hl Gülle, ſo berechnen ſich 349 kg Phosphorſäure pro Hektar, uſw. Die Ergänzung der Gülle an Phosphorſäure iſt hier alſo eine weit vollkommenere, aber auch eine bedeutend koſt⸗ ſpieligere, als wir oben bei Beſprechung des Superphosphates und des Thomasſchlackenmehles angenommen haben. Es wird indeſſen für gewöhnlich weder uötig, noch lohneud ſein, die Phosphorſäure in ſo großer Menge anzuwenden, daß das ſämtliche Ammoniak der Gülle gebunden wird. In Er⸗ mangelung maßgebender Verſuche erſcheint es mir vorläufig rat⸗ ſam, die Ergänzung der Gülle an Phosphorſäure höchſtens ſo weit zu treiben, daß die Phosphorſäuremenge der Stick⸗ ſtoffmenge gleich wird. An Geſamtſtickſtoff haben wir in der Gülle 190 g, an Phosphorſäure dagegen nur 54 g; es bleiben alſo zu ergänzen 136 g Phosphorſäure. Zu dieſer Ergänzung ſind erforderlich auf je 1 hl Gülle: a) von einem Superphosphat mit 30% lösl. Phosphorſäure 1360 g ) 7„ 82„„ 9 1 9„„ 3 7 47,6„„ 3 320„ d)„ flüſſiger Phosphorſäure„ 20„„„ 680„ (Dieſe 680 g ſind reichlich= 500 cm*= 0,5 Liter.) Ich bitte den geneigten Leſer, dieſe ermäßigten Zuſätze mit den vorhin(S. 157) angegebenen, von A. Grete berechneten Zahlen zu vergleichen. Nach den ermäßigten Zuſätzen werden, mit Einſchluß der in der Kuhgülle urſprünglich ſchon vorhandenen Phosphor⸗ ſäure, im ganzen zugeführt: Phosphorſäure pro Hektar Mit 100 hl verbeſſerter Gülle... 19 kg. „„ 200 7 1* 77 38 7 11 300 7„„ 9„.. 57 1 71 400 1 77 7 8 8. 76 71 77 500 77 71 7* 1 5 5 95 77 7* 600/ 71* 71* 6 7 55 114* „ 700„ 9, 7,... 133„ 800 7„ 1 7*.. 7. 152 7 7 9⁰0 7„.. 171 1000 † 5 190 1 Wenn wir berückſichtigen, daß die Mehrzahl der ſchweize⸗ riſchen Wirtſchaften in der Lage iſt, jährlich an Gülle mehr als 600 hl pro Hektar auf ihre Wieſen zu fahren, ſo zeigen dieſe z en C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. 159 Zahlen, daß die von mir als obere Grenze bezeichneten Zuſätze völlig ausreichend ſind, um ſoviel Phosphorſäure zuzuführen, wie die Pflanzen bedürfen und wie ſie in dem Ertrage zurück⸗ zubezahlen imſtande ſind. Von den verſchiedenartigen Zuſätzen, die den vorſtehenden Zahlen zugrunde liegen, iſt der folgende weitaus der handlichſte: Auf je 1 hl Gülle ½ 1 flüſſige 20% ige Phosphorſäure. 3. Kalidünger.— Wegen des hohen Gehaltes der Gülle an Kali hat überall dort, wo die Wieſen ausreichend gegüllt werden, der Zukauf von Kali keine wirtſchaftliche Berechtigung. Selbſt bei bedeutendem Zukauf von Phosphorſäure bleibt das Kali im Überſchuß, und dieſer Überſchuß wird in den meiſten Wirtſchaften noch vermehrt durch die Verwendung einer nicht unbeträchtlichen Menge von kalireicher Holzaſche. Die ſchwereren Böden enthalten auch von Natur ſchon genügend Kali. Eher kann auf den leichteren Böden Mangel an dieſem Nährſtoff eintreten; wo weder gedüngt, noch bewäſſert wird. da fehlt es hier jedenfalls an Kali. Auf den Torf⸗ und Moorböden noch mehr. Gegenwärtig kauft man das Kali am billigſten in Form von Kainit, und das wird vorausſichtlich noch lange ſo bleiben. Von dieſem Düngeſalz, das 12 ½%, zuweilen aber auch nur 11% Kali enthält, berechnet man etwa 500— 600 kg pro Hektar und ſtreut die Ware am beſten im Herbſt auf die Wieſen. ** * Zum Schluß wollen wir noch daran erinnern, daß es nicht bloß zweckmäßig, ſondern unerläßlich iſt, mit verſchiedenen Düngerarten in einer mehr oder weniger beſtimmten Kehr⸗ ordnung zu wechſeln, etwa in der Weiſe, wie es hier je an einem Beiſpiel für Güllewirtſchaft und für Stallmiſtwirtſchaft dargelegt wird. Kehrordnung in 6 Schlägen rür milden Lehmboden. Bei Güllewirtſchaft: Bei Stallmiſtwirtſchaft: 1. Sieockmiſt 1. Stallmiſt 2 Gülle 2 Kainit 1 Superphosphat 1 Superphosphat . Chileſalpeter Gülle 4 3. G 3.] Kainit Thomasmehl Thomasmehl 160 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat. Bei Güllewirtſchaft: Bei Stallmiſtwirtſchaft: 4. Kompoſt 4. Kompoſt 5( Gülle 5 Jauche 1 Superphosphat 55 Tyomasmehl Gülle Chileſalpeter 6.] Holz⸗ und Knochenaſche 6.] Hotz⸗ und Knochenaſche Gips Gips Im ſiebenten Jahre kann die Kehrordnung mit Stockmiſt oder mit Stallmiſt wieder von vorne beginnen. Durch einen derartigen Wechſel mit verſchiedenen Dünger⸗ arten wird der Einſeitigkeit des Beſtandes und der Ver⸗ unkrautung vorgebeugt, der quantitative Ertrag der Wieſen er⸗ höht und die Qualität des Futters verbeſſert. Die vorſtehende Kehrordnung iſt nur ein Beiſpiel zur An⸗ leitung, das jeder Landwirt bei der Düngung ſeiner Natur⸗ und Kunſtwieſen nach den Umſtänden und Verhältniſſen abändern kann und muß. Mit Ausnahme einzelner beſonderer Lagen und Böden(Torf und Moor) ertönt aber in allen Wirtſchaften der Ruf: Phosphorſäure, Kali und Stickſtoff! In der Dreiheit liegt die Kraft! * * Rückblick und Schluß. Pflanzen verſchiedener Art vertragen ſich wohl miteinander, Was die eine nicht braucht, kommt doch der andern zu gut. Reichlich verſorge den Ulee mit der löslichen Säure des Phosphors, Und mit dem bräunlichen Saft tränke das lechzende Gras. Fehlt der tieriſche Harn, dann gib auch käufliches Kali Und als treibenden Stoff Chileſalpeter dazu. Auch die Aſche verwend und den wohlbereiteten Kompoſt, Der den Wieſenbeſtand dichter und leckerer macht. Futter gibts dann genug für die Küh' und die Kälber im Stalle, Und an der köſtlichen Milch laben ſich Mutter und Kind. Alſo ſättigeſt du als Landwirt alle Geſchöpfe. Freue dich, Herr der Natur, freue dich deines Berufs! —— Druck von Hermann Beyer& Söhne(Beyer& Mann) in Langenſalza. —— 15, Verlag von Paul. Parey in Berlin SW. 11, Hedemannstr. 10 u. 11 Schlipf's praktisches Handbuch der Landwirtschaft. Preisgekröntes Werk. Vierundzwanzigste, neubearbeitete Auflage, heraus- gegeben von Dr. Th. Wölfer, Direktor der Höheren Lehranstalt für praktische Landwirte in Schleswig. Mit 907 Textabbildungen, 4 schwarzen und 17 Tafeln in Farbendruck. Gebunden, G. Z. 10 Schlipf's Handbuch ist wohl das verbreitetste, bei sehr schöner Ausstattung wohlfeilste zeitgemäße einbändige Lehrbuch der Landwirtschaft. Es ist ein Schatz für jeden Landwirt, auch den erfahrensten; seine Anschaffung kann ſedermann wärmstens empfohlen werden— als notwendiges Besitzstück jedes, auch des kleinsten Betriebes. Grundsätze und Ziele neuzeitlicher Landwirtschaft. Von Dr. T h. Wölfer, Direktor der Höheren Lehranstalt für praktische Landwirte in Schleswig. Achte, neubearbeitete Auflage. Mit Textabbildungen und einer farbigen Tafel. Gebunden, G. Z. 16 Es kann gar nicht eindringlich genug gesagt werden, welchen Wert für jede Wirtschaft dieses Buch bedeutet. Es enthält alles, was der Landwirt zur Lösung seiner Wirtschaftsfragen tagtäglich braucht; es gibt Antwort wohl auf jede Frage des Betriebes, und zwar in einer Form, wie sie der Praxis angepaßt ist. Das Buch ist für jedermann bestimmt und auch von jedermann dringend benötigt. Krafft's Lehrbuch der Landwirtschaft auf wissenschaftlicher und prak- tischer Grundlage. Herausgegeben und neubearbeitet von Dr. C. Fru- wirth, Professor an der Technischen Hochschule in Wien, und Dr. Fr. Falke, Professor, Geheimer Regierungsrat in Leipzig. Mit 1369 Text- abbildungen und 33 z. T. farbigen Tafeln. Fünf Bände— Geb., G. Z. 32,5 Daraus einzeln: I. Ackerbaulehre. Dreizehnte und vierzehnte Auflage, neubear- beitet von Prof. Dr. C. Fruwirth. Mit 375 Textabbildungen und 5 Tafeln. Gebunden, G. Z. 6,5 II. Pflanzenbaulehre. Zwölfte Auflage, neubearb. von Prof. Dr. O. Fru- Wirt h. Mit 289 Textabb., 5 schwarzen u. 8 farbigen Tafeln. Geb., G. Z. 6,5 III. Tierzuchtlehre. Zwölfte und dreizehnte Auflage, neubearbeitet von Prof. Dr. Fr. Falke in Leipzig. Mit 354 Textabbildungen und 12 Tafeln mit 57 farbigen Rassebildern. Gebunden, G. Z. 6,5 IV. Betriebslehre. Zwölfte Auflage, neubearbeitet von Prof. Dr. Fal ke. Mit 39 Textabbildungen und 3 farbigen Tafeln. Gebunden, G. Z. 6,5 V. Geräte- und Maschinenlehre. Zwölfte, völlig neubearbeitete Auflage. Von Prof. Dr. W. Strecker, Leipzig. Mit 312 Textabbildungen. Geb., G. Z. 6,5 Schwerlich dürfte ein anderes landwirtschaftliches Lehrbuch gleichen Anklang und gleiche Verbreitung in den Kreisen der lernenden wie ausübenden, der akademisch wie nichtakademisch vorgebildeten Landwirte gefunden haben wie Krafft's„Lehrbuch der Landwirtschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage“.— Es entspricht in seinen neuesten Auflagen allen Anforderungen an ein großes modernes Handbuch der gesamten Landwirtschaft. — Landwirtschaftliche Maschinenkunde. Von Ingenieur H. Schwarzer. Vorsteher der Abteilung für landwirtschaftlichen Maschinenbau am Kyff- häuser-Technikum, Frankenhausen. Zweite„ neubearbeitete Auflage. Mit 275 Textabbildungen. Gebunden, G. Z. 8 Der Bedarf an landwirtschaftlichen Maschinen hat einen noch nie dagewesenen Umfang angenommen. Dementsprechend lebhaft ist bei allen neuzeitlich wirt- schaftenden Landwirten die Nachfrage nach einem Handbuch des landwirtschaft- lichen Maschinenwesens, das in systematischer, gründlicher, aber leicht verständ- licher Form alle Fortschritte der neuesten Zeit berücksichtigt. Die hervorragen- den Abbildungen erleichtern das Verständnis des Buches ungemein, das für jeden Verbraucher ganz unentbehrlich ist. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Verlag von Paul Parey in Berlin SW. I1, Hedemannstr. 10 u. II Thaer-Bibliothek. Die Thaer-Bibliothek erfreut sich einer fast beispiellosen Verbreitung unter den praktischen Landwirten und an landwirtschaftlichen Unterrichtsanstalten. Die bedeutendsten Fachleute haben sich hier vereinigt, um auf wissenschaft- Ackerbau und Düngewesen. Praktische Bodenkunde von Prof. Dr. A. Nowacki. 7. Aufl. Geb., G. Z. 4 Wolffs Düngerlehre. Bearb. von Prof. Dr. H. C. Müller. 17. Aufl. Geb., G. Z. 5 Anwendung künstlicher Düngemittel von Prof. Dr. P. Wagner. 7. Auflage. Gebunden, G. Z. 3,8 Beurteilung und Begutachtung landw. wichtiger Hilfsstoffe v. Dr. M. Passon. Gebunden, G. Z. 3,2 Pflanzenbau. Getreidebau v. Prof. Dr. A. Nowacki. Gekrönte Preisschrift. 7. Auflage. Gebunden, G. Z. 4 Rationeller Futterbau von Dr. F. G. Stebler in Zürich. 9. Aufl. Geb., G. Z. 3,8 Praktischer Kleegrasbau von Prof. Dr. A. Nowacki. 5. Aufl. Geb., G. Z. 4 Werners Kartoffelbau. Bearb. v. Prof. C. v. Eckenbrecher. 8. Auflage. Gebunden, G. Z. 3,8 Knauers Rübenbau. Bearb. v. Prof. Dr. P. Holdefleiß. 12. Aufl. Geb., G. Z. 3,4 Tabakbau von Okonomierat Hoffmann, Speyer. 5. Aufl. Geb., G. Z. 3,2 Flachsbau und Verarbeitung von R. Kuhnert in Blankenese. 3. Auflage. Gebunden, G. Z. 3,8 Hanfbau von Direktor Benno Marqduart. Gebunden, G. Z. 3,5 Hopfenbau von Dr. C. Fruwirth, Prof. in Wien. 2. Aufl. Geb., G. Z. 3,6 Die wichtigsten Krankheiten der landwirtschaftlichen Kulturpflanzen und ihre Bekämpfung. Von Dr. E. Riehm. 2. Auflage. Gebunden, G. Z. 3,8 Die wichtigsten landw. Unkräuter von Prof. Dr. F. Bornemann. 3. Auflage. Gebunden, G. Z. 3 Tierzucht. Rindviehzucht. Neubearbeitet von Tierz.-Insp. Gutbrod. 9. Aufl. Geb., G. Z. 3,8 Milchwirtschaft von Dr. V. Fun k. Neubearb. von Prof. Dr. Grimmer. 3. Aufl. Gebunden, G. Z. 3 Pferdezucht von F. Oldenburg. Neubearb. von Prof. Dr. Frölich. 5. Aufl. Gebunden, G. Z. 4 Schweinezucht von Domänenrat Ed. Meyer in Friedrichswerth. 9. Auflage. Gebunden, G. Z. 4 Schafzucht von J. Heyne, Schäfereidirektor in Leipzig. 4. Aufl. Geb., G. Z. 3,8 Dürigen-Pribyls Geflügelzucht. Neubearbeitet von Bruno Dürigen. 9. Aufl. Gebunden, G. Z. 4 Berlepschs Bienenzucht. Bearbeitet von Ed. Kno Ke. 7. Aufl. Geb., G. Z. 3,2 Zoologie für Landwirte von Prof. Dr. J. Ritzem a Bos. 8. Aufl. Geb., G. Z. 3,2 Wirtschaftsfeinde aus dem Tierreich von Prof. Dr. G. vOn Haye k. Geb., G. Z. 2 Betrieb. Landw. Betriebslehre von v. d. Golt z. Neubearb. von Dr. C. v. Seelhorst, 7. Auflage. Gebunden, G. Z. 3, Landw. Buchführung von v. d. Goltz. Neubearb. von Dr. C. v. Seelhorst. 13. und 14. Auflage. Gebunden, G. Z. 3,2 Landw. Taxationslehre und Reinertragsveranschlagung von Prof. Dr. P. Holde- fleiss in Halle a. S. 2. Auflage. Gebunden, G. Z. 3,8 Geschichte der Landwirtschaft. Bearbeitet von F. Nedder ich. 5. Auflage. Gebunden, G. Z. 3,2 Rechtsbeistand des Landwirts von M. Löwenherz. 4. Aufl. Geb., G. Z. 2,8 Das Schriftwerk des Landwirts von K. Petri. 6. Auflage. Gebunden, G. Z. 3,6 Handelskunde für den Landwirt. Von K. Petri in Hohenwestedt. 3. Auflage. Gebunden, G. Z. 3,8 Abschätzung der Immobilien. Von L. Offenberg in Düsseldorf. Geb., G. Z. 2,8 Landwirtschaftliche Gewerbe. Bierbrauerei von Dr. C. J. Lintner, Prof, in München. 5. Aufl. Geb., G. Z, 4 Ziegelei von Otto Bock. Neubearb. von Ziegelei-Ing. A. Nawrat h. 5. Aufl. Im Druck. Jeder Band ist, gut gebunden, einzeln käuflich. 1 Verlag von Paul Parey in Berlin SW. 11, Hedemannstr. 10 u. 11 Thaer-Bibliothek. licher Grundlage das ihnen eigene Sondergebiet allgemeinverständlich in Wort und Bild zu behandeln. Gesammelt bilden die einzeln käuflichen Bände eine wert- volle Bücherei, die selbst im kleinsten Landwirtschaftsbetriebe zu finden sein sollte. Baukunde. Schuberts landw. Baukunde. Neubearb. von Prof. A. Schubert. 9. Auflage Gebunden, G. Z. 4 Der Pferdestall. Von Friedr. Engel. Neuverfaßt von Ludwig Noack, Geh. Baurat in Berlin. 4. Auflage. Gebunden, G. Z. 3,6 Engels Viehstall. Neubearbeitet von Prof. A, Schubert. 5. Aufl. Geb., G. Z. 3,8 Geflügelställe(Bau und Einrichtung) von Prof. A. Schubert in Kassel. 5. Auflage. Gebunden, G. Z. 3,8 Kulturtechnik, Maschinenkunde, Ingenieurwesen. Wüsts Feldmessen und Nivellieren. Bearb. von Prof. Dr. A. Nachtweh. 8. Auflage. Gebunden, G. Z. 3,5 Der Landwirt als Kulturingenieur von Prof. Fr. Zajicek. 3. Aufl. Geb., G. Z. 3,8 Wind-Elektrizitüt von Dr.-Ing. G. Liebe in Dresden. 2. Aufl. Im Druck. Veterinärwesen. desundheitspflege der landw. Haussäugetiere von Prof. Dr. Klimmer. 2. Aufl. Gebunden, G. Z. 3,4 Hufpflege, Hufschutz und Beschlag. Von Prof. Dr. H. Möller, Berlin. 2. Aufl. . Gebunden, G. Z. 3,6 Eingeweidewürmer der Haussäugetiere von J. Dewitz in Berlin. Geb., G. Z. 2 Landw. Giftlehre v. Geh. Med.-Rat Dr. G. Müller, Prof. in Dresden. Geb., G. Z. 2,4 Der kranke Hund von Geh. Med.-Rat Dr. G. Müller in Dresden. 5. Auflage. Gebunden, G. Z. 3,8 Der gesunde Hund von Geh. Med.-Rat Prof. Dr. G. Müller. 4. Auflage. Geb., G. Z. 3,2 Geburtshilfe von Veterinärrat A. Tapken in Varel. 5. Auflage. Geb., G. Z. 3,6 Jagd, Sport und Fischerei. Goeddes Fasanenzucht. Bearb. v. Fasanenjäger Staffel. 4. Aufl. Geb., G. Z, 3,8 Ratgeber beim Pferdekauf von Stallmeister B. Schoenbeck. 6. Auflage. Gebunden, G. Z. 3,8 Widersetzlichkeiten des Pferdes von Stallmeister B. Schoenbeck. 3. Auflage. Gebunden, G. Z. 3,8 Reiten und Fahren v. Major R. Schoenbeck in Berlin. 7. Aufl. Geb., G. Z. 3,6 Jagd-, Hof- und Schäferhunde. Von Ernst Schlotfeldt. 3. Auflage. Mit 47 Textabbildungen. Gebunden, G. Z. 4 Teichwirtschaft von Ma von dem Borne. Neubearb. von H. v. Deb- schitz. 6. Auflage. Gebunden, G. Z. 3,8 Küunstliche Fischzucht von Max von dem Borne. 6. Auflage. Neubear- beitet von Dr. Emil Walter. Gebunden, G. Z. 3,8 Gartenbau. Gewüäüchshäuser und Mistbeete von J. Hartwig. Bearbeitet von C. Reiter. 4. Auflage. Gebunden, G. Z. 3,8 Meyers immerwährender Gartenkalender. 7. Auflage. Gebunden, G. Z. 3,4 Obstbau von R. Noack. Neubearbeitet von Diplomgartenmeister W. Mütze. 7. Auflage. Gebunden, G. Z. 3.8 3 Gemüsebau von B. von Uslar. Neubearb. von Amtsrat Koch. 6. Auflage. Gebunden, G. Z. 3,8 Gurtnerische Betriebslehre von Oberlehrer Dr. A. Bode. 2. Aufl. Geb., G. Z. 2,7 Weinbau und Weinbehandlung von Hofrat A. Dern, Landesweinbauinspektor. Gebunden, G. Z. 3,8 Die Bücherpreise sind in Grundzahlen festgesetzt, die etwa den Vorkriegspreisen ent- sprechen. Der jeweilige Verkaufspreis ergibt sich aus der MultipliEation der Grund- zahlen mit einem Geldentwertungsschlüssel, der vom Börsenverein der Deutschen Buchhändler und Deutschen Verlegerverein amtlich von Zeit zu Zeit neu festgesetzt wird und bei meiner Firma bzw. jeder beliebigen Buchhandlung zu erfragen ist. Jeder Band ist, gut gebunden, einzeln kauflich. — —— S — — — OLN eeHε⁴