SsThaer- Bibliothek Schafzucht VON J. HEXNE Verte Auflage VER SKrcnnaND NS Bal EAUILERAREYIN BERIIN. — Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10 u. 11 au Thaer-Bibliothek. Die Thaer-Bibliothek erfreut sich einer fast beispiellosen Verbreitung unter den praktischen Landwirten und an landwirtschaftlichen Unterrichtsanstalten. Die bedeutendsten Fachleute haben sich hier vereinigt, um auf wissenschaft- Ackerbau und Düngewesen. Praktische Bodenkunde von Prof. Dr. A. Nowacki. 7. Auflage. 11 M. Käufliche Düngestoffe von Dr. A. Rümpler in Breslau. 5. Auflage. 4 M. 50 Pf. Anwendung künstl. Düngemittel v. Prof. Dr. P. Wagner. 7. Auflage. 10 M. Wolffs Düngerlehre. Bearb. von Prof. Dr. H. C. Müller. 17. Auflage. 11 M. Ernährung der landw. Kulturpflanzen von Prof. Dr. Ad. Mayer. 2. Auflage. 5 M. Beurteillung u. Begutachtung landw. wicht. Hilfsstoffe v. Dr. M. Passon. 4 M. 50 Pf, Die wichtigsten landw. Unkräuter von Prof. Dr. F. Bornemann. 2. Aufl. 5 M. Pflanzenbau. Tabakbau von Okonomierat Hoffmann, Speyer. 5. Auflage. 5 M. Wiesen- u. Weldenbau v. Dr. Burgtorf. Neubearb. v. Dr. M. Augstin 7. Aufl. Im Druck. Knauers Rübenbau. Beu-b von Prof. Dr. P. Holdefleif. 11. Auflage. 5 M. Flachsbau und Verarbeitung von R. Kuhnert in Blankenese. 3. Auflage. 9 M. Hanfbau von Direktor Benno Marquart. 5 M. Ratloneller Futterbau von Dr. F. G. Stebler in Zürich. 9. Auflage. 10 M. Praktischer Kleegrasbau von Prof. Dr. A. Nowackl. 5. Auflage. 4 M. 50 Pf. Samen und Saat von Dr. Willi3iam Loebe, Leipzig. 4 M. 50 Pf. Getreidebau von Prof. Dr. A. Nowacki. Gekrönte Preisschrift. 7. Aufl 10 M. Hopfenbau von Dr. C. Fruwirth, Prof. in Wien. 2. Auflage. 5 M. Werner's Kartoffelbau, bearb. von Prof. v. Eckenbrecher. 8. Aufl. 5 M. Schldlinge der landwirtschaftlichen Kulturpflanzen von Dr. E. Riehm. 5 M. Tierzucht. Landwirtschaftliche Haustierkunde von Dr. A. Koch. 4 M. 50 Pf. Zoologie für Landwirte von Prof. Dr. J. Ritzema Bos. 7. Auflage. 8 M. Pferdezucht v. F. Oldenburg, neubearb. v. Prof. Dr. Frölich. 4. Aufl. 6 M. Rindviehzucht. Neubearb. v. Tierz.-Insp. Gutbrod. 8. Aufl. 5 M. Milchwirtschaft von Dr. V. Fun k. Neubearb. v. Prof. Dr. Grimmer. 3. Aufl. 6 M. Viehhaltung und Alpwirtschaft von Dr. P. Schuppli. 2. Auflage. 4 M. 50 Pf. Wirtschaftsfeinde aus dem Tierreich von Prof. Dr. G. von Hayek. 4 M. 50 Pf. Schweinezucht v. Domänenrat Ed. Meyer in Friedrichswerth. 9. Aufl. 10 M. schafzucht von J. Heyne, Schäfereidirektor in Leipzig. 3. Auflage. 4 M. 50 Pf. Pribyls Geflügelzucht. Neubearb. von Bruno Dürigen. 8. Aufl. 5 M. 50 Pf. Berlepsch's Bienenzucht. Bearbeitet von Ed. Knoke. 6. Auflage. 4 M. 50 Pf. Betrieb. Landw. Betriebslehre v. v. d†⁶ ◻ tT. Neubennbep. Dr. C. v. Seelhorst. 6. Aufl. 5 M. Landw. Buchführung v. v. d. Goltz. Nesbesrh. v Dr. C. v. Seelhorst. 12. Aufl. 5 M. Geschichte der Landwirtschaft. Bearb Wum p. Nedderich. 5. Aufl. 4 M. 50 Pf. Rechtsbeistand des Landwirts von M. L 5, W eHherz. 4. Auflage. 4 M. 50 Pf. Das Schriftwerk des Landwürts von K P Gtr 4 6. Auflage. 12 M. Handelskunde für den Landwirt. VöoH C. FTin Hohenwestedt. 2. Aufl. 4 M. 50 Pf. Abschätzung der Immobilien. Von L. Offenberg in Düsseldorf. 4 M. 50 Pf. n— 8 ——,—— —„—— Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hêdemannstr. 10 u. 11 —— Thaer-Bibliothek. licher Grundlage das ihnen eigene Sondergebiet allgemeinverständlich in Wort und Bild zu behandein. Gesammelt bilden die einzeln käuflichen Bände eine wert- volle Bücherei, die selbst im kleinsten Landwirtschaftsbetriebe zu finden sein sollte. Landwirtschaftliche Gewerbe. Bierbrauerei von Dr. C. J. Lintner„Professor in München. 5. Auflage 9 M. Ziegelei v. OttoBock, neubearb. v. Ziegelei-Ing. A. Nawrat h. 4. Aufl. 5 M. 50 Pf. Baukunde. Engels Pferdestall, neubearb. v. Reg.-Baum. G Meyer. 3. Auflage. 4 M. 50 Pf. Engels Viehstall, neubearb. v. Prof. A. Schubert. 5. Auflage. 5 M. 50 Pf. Schuberts Ildw. Baukunde. Noubearb. v. Prof. A. Schubert. 9. Auflage. 5 M. Geflügelställe(Bau u. Einrichtg.) v. Prof. A. Schubert in Kassel. 6. Auflage. Im Druck. Kulturtechnik, Maschinenkunde, Ingenieurwesen. Be- u. Entwässerung der Kcker u. Wiesen v. Ok.-Rat L. Vincent. 4. Aufl. 4 M. 50 Pf. Wüsts Feldmessen u. Nivellieren. Bearb. v. Prof. Dr.-Ing. A. Nachtweh, 8. Aufl. 9 M. Der Landwirt als Kulturingenleur von Prof. Fr. Zajiéek. 3. Auflage 5 M. Wind-Elektrizität von Dr.-Ing. G. Liebe in Dresden. 2. Auflage. Im Druck. Veterinärwesen. Hufpflege, HIufschutz und Beschlag. Von Prof. Dr. H. Möller, Berlin. 5 M. Englischer Hufbeschlag von H. Behrens, Lehrschmied. 2. Aufl. 4 M. 50 Pf. Eingeweidewürmer der Hlaussäugctiere von J. Dewitz in Berlin. 4 M. 50 Pf. Gesundheitspflege der Idw. Haussäugetiere v. Prof. Dr. Klimmer. 2 Aufl. 5 M. Landw. Giftlehre von Geh. Med.-Rat Dr. G. Müller, Prof. in Dresden. 4 M. 50 Pf. Der kranke Hund von Geh. Med.-Rat Prof. Dr. G. Müller. 4. Auflage. 5 M. Der gesunde Hund von Geh. Med.-Rat Prof. Dr. G. Müller. 3. Aufl. 11 M. Geburtshilfe von Veterinärrat A. Tapken in Varel. 5. Auflage. Im Druck. Jagd, Sport und Fischerei. Künstl. Fischzucht v. M. v. d. Borne. Neubearb. v. H. v. Debschitz. 5. Aufl. 4 M. 50 Pf. Süßwasserfischerei von M. von dem Borne. 4 M. 50 Pf. Teichwirtschaft v. M. v. dem Borne. Neubearb. v. H. v. Debschitz. 6. Aufl. 5 M. Goeddes Fasanenzucht. Bearb. v. Fasanenjäger Staffel. 4. Aufl. 5 M. 50 Pf. Jagd-, Hof- und Schäferhunde v. Ernst Schlotfeldt. 2. Aufl. 4 M. 50 Pf. Ratgeber beim Pferdekauf von Stallmeister B. Schoenbeck. 5. Auflage. 5 M. Widersetzlichkeiten des Pferdes v. Stallmeister B. Schoenbeck. 2. Aufl. 5 M. Reiten und Pahren von Major R, Schoenbeck in Berlin. 6. Aufl. 5 M. 50 Pf. Gartenbau. Gehölzzucht von Hofgarteninspektor J. Hartwig. 2. Auflage. 4 M. 50 Pf. Gewächshäuser von J. Hartwig. Bearbeitet von C. Reiter. 4. Aufl. Im Druck. Meyers immerwäbrender Gartenkalender. 6. Auflage. 5 M. Obstbau v. R. Noack. Neubearb. v. Diplomgartenmistr. W. Mü tze. 7. Aufl. 9 M. Gemüsebau von B. v. USlar. Neubearb. v. Amtsrat Koch. 6. Aufl. 8 M. Gärtnerische Betriebslehre von Oberlehrer Dr. A. Bode. 2. Auflage. 5 M. Gartenblumen v, Th. Rümpler. Neubearb. v. O. Krauss. 3. Aufl. 4 M. 50 Pf. Weinbau und Weinbehandlung von A. Dern. 5 M. 50 Pf. Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10 u. I1 ſ Landwirtschaftliche Hefte Herausgeber: Dr. L. Kießling, Professor in Weihenstephan. Preis jedes Heftes 1 M. 60 Pf. 1. Der Einfluß der klimatischen Lage auf den Landwirtschaftsbetrieb in Deutsch- land. Von Prof. Dr. A. Schnider in München. 2/2a. Kurze Einleitung in die Technik der Getreidezüchtung. Von Dr. L. Kieß- 7 ling, Prof. in Weihenstephan. Zweite Auflage. Mit 13 Textabbildungen. R 3/3a. Das Unkraut und seine Bekämpfung auf dem Ackerland. Von Dr. C. Fru- wirth, Prof. in Wien. Zweite Auflage. Mit 29 Abb. im Text u. auf Tafeln. 4. Zusammensetzung und Futterwert von Heu und Grummet. Von Proi. Dr. Ahr. 5. Bodenkartierung und geologisch-agronomische Karten. Von Dr. W. Koehne. 6. Die Bedeutung des Schafes für die Land- und Volkswirtschaft. Von Dr. Emil Pott, Professor in München. el 7. Wetterkunde und Landwirtschaft. Von Dr. August Schmauß, Direktor der Bayerischen meteorologischen Zentralstation. Mit 7 Textabbildungen. 8. Anwendung und Wirkung von Eggen und Schlichten. Von Dr. P. Gise- vius, Prof. in Gießen. Mit 57 Textabbildungen. 9. Walze, Krümmer, Kultivatoren und Federzahngeräte. Von Dr. P. Gise- vius, Prof. in Gießen. Mit 67 Textabbildungen. 10. Uber Kartoffeltrocknung u. Kartoffelfütterung. Von Dr. J. Paechtner. 2. Aufl. 11. Die Bedeutung— Licht- und Schattenseiten— der Maschinen im Landwirt- schaftsbetrieb. Von Prof. Dr. Schnider in München. 12. Die Anlage von Dauerfutterflächen. Von Dr. H. Lang in Hochburg. 13. Die Pflege von Dauerfutterflächen. Von Dr. H. Lang in Hochburg. 14. Neuerungen an den Pflugwerkzeugen und der neueste Stand des Motor- pfluges. Von Dr. P. Gisevius, Prof. in Gießen. Mit 39 Textabbildungen. 15. Das Obstgut. Die Anlage landw. Obstpflanzungen. Von A. Janson. 16/17. Mechanische Sicherheitsvorrichtungen im Landwirtschaftsbetrieb. Von Dr. H. Puchner, Prof. in Weihenstephan. Mit 79 Textabbildungen. 18. Feld- und Konservengemüsebau. Von A. Janson, Gartendirektor. 2. Aufl. 19/20. Ackerbauvereine zur Förderung des Acker- und Saatfruchtbaues. Von Prof. Dr. L. Kießling. 21. Die mechanische Saatgutzubereitung und ihr Einfluß auf die Ernte. Von Dr. Wacker, Prof. in Hohenheim. Mit 18 Textabbildungen 22/22a. Der Anbau des Getreides mit neuen Hilfsmitteln und nach neuen Methoden. Von Prof. Dr. Kraus. Zweite Aufl., neubearbeitet von Prof. Dr. Kie Bling. 23. Hagel, Hagelschädenbeurteilung und NVersicherung. Von Dr. W. Rohrbeck. 24. Steigerung der Pflanzenerträge unter dem Einflusse der Vegetationsfaktoren. Von Dr. Mitscherlich, Prof. in Königsberg i. Pr. 25. Die Gerste mit besonderer Berücksichtigung ihrer Eignung als Brauware. Von C. Bleisch, Prof. in Weihenstephan. Mit 6 Textabbildungen, 26/26a. Futtersilos und Silagefutter. Von Prof. Dr. A. Stutzer, Geh. Reg.-Rat. Zweite Auflage. Mit 13 Textabbildungen. 27. Einjährige Futterpflanzen. Von Prof. Dr. C. Fruwirth in Wien. 28. Die Sicherung der Getreideernte, insbesondere durch die künstliche Trock- nung. Von Dr. J. F. Hoffmann, Prof. in Berlin. Mit 10 Textabbildungen. 29. Landw. wichtige Hülsenfruchter. Von Dr. C. Fruwirth in Wien. 1I. Heft: Erbse, Wicke, Ackerbohne, Lupine und Linse. 2. Aufl. Mit 9 Textabbildungen. 30/31. Landw. wichtige Hülsenfruchter. Von Dr. C. Fruwirth in Wien. II. Heft: Soja, Fisole, Kicher, Erve, Ervilie, Platterbse u. andere Hülsen- fruchter. Zweite Auflage. Mit 4 Tafeln und 11 Textabbildungen 82/33. Die ölfrüchte. Von Prof. Dr. H. Wacker. Mit 20 Textabbildungen. 34. Der praktische Haferbau. Von Privatdozent Dr. Z ade. Mit 10 Textabb. 35. Die Pflanzkartoffel. Von Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. O. Appel in Berlin- Dahlem. Zweite Auflage. Mit 7 Textabbildungen. 36. Der Anbau von Rauchtabak in Deutschland. Von Ok.-Rat Hoffmann, Tabaksachverständigem der Pfalz. Mit Textabbildungen. 37/38. Die Feldberegnung. Von Geh. Reg.-Rat Prof. E. Krüger. Mit 12 Textabb. 39/40. Anleitung zur Dränage. Von Dr. Artur Grünert, Kulturingenieur in Weimar. Mit 1 Titelbild und 38 Textabbildungen. 41/43, Gemüsesamenbau. Von Geh. Reg.-Kat Prof. Dr. L. Wittmack. Mit 39 Textabb. 44/45. Erfahrungen im Ackerbau zur Uberwindung der Kriegsschäden für Groß- und Kleinbetrieb. Von E. Bippart in Arnstadt. Mit 4 Toxtabbildungen. 1 Zu eu beziehen durch jede Buchhandlung. · Or. R. v. Sengbusch Die Schafzucht. Raſſen, Züchtung, Ernährung, Nentabilität und Krankheiten des Schafes, Wollkunde und techniſche Verarbeitung der Wolle. Von Johannes Heyne, Schäferei⸗Direktor. Vierte, vermehrte Auflage. Mit 62 Textabbildungen. Berlin Verlagsbuchhandlung Paul Parey Verlag für Landwirtſchaft, Gartenbau und Forftweſen Alle Rechte, auch das der überſetzung, vorbehalten. Vorwort zur erſten Auflage. Um ein Tier ſorgfältig aufzuziehen, um aus der be⸗ treffenden Tierhaltung den größten Nutzen zu gewinnen, be⸗ darf es vor allen Dingen ſowohl der Kenntnis des Indi⸗ viduums ſelbſt als auch der Züchtung und Haltung der Raſſe. Bei der Schafzucht iſt dieſe Kenntnis doppelt notwendig, zuerſt zur Beurteilung des Tieres ſelbſt als auch zur Beur⸗ teilung der Wolle. Obwohl die Schafhaltung in den letzten Jahren ſtiefmütterlich behandelt wurde, ſo muß doch zu⸗ gegeben werden, daß die Haltung von Schafen eine beſtändige und gleichmäßige Viehhaltung verkörpert, und daß die Schaf⸗ haltung durch ſchnelleren Umſatz vorteilhafter iſt als andere Viehraſſen; das Schaf paßt, bei richtiger Anpaſſung der Rich⸗ tung, ſo recht für extenſivere Wirtſchaften; und welch großen Nutzen bringt dieſelbe erſt den intenſiven Wirtſchaften. Vor⸗ liegende Schrift ſoll allen Landwirten Aufklärung geben über die notwendigſten Grundſätze. Die Schrift iſt geſchrieben, um zur überlegung anzuſpornen und dann zum Handeln; denn es iſt unbedingt eine Schafhaltung nebſt Rindvieh⸗ und Schweinehaltung auf faſt jedem Gute am Platze. Die Schrift ſelbſt zerfällt in drei Hauptteile: a) Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes, b) Wollkunde, c) techniſche Verarbeitung der Wolle. Den letzten Abſchnitt hat der Verfaſſer mit behandelt, um die Landwirte darauf hinzuweiſen, wie die Verarbeitung der Wolle geſchieht und was der Fabrikant verlangt. IV Vorwort. Seit 25 Jahren iſt der Verfaſſer in praktiſcher Tätigkeit; die landwirtſchaftlichen Fortſchritte ſind beachtet worden; auf Grund ſowohl der bisher ſchätzbaren Literatur wie auf Grund von Mitteilungen der Zeitſchriften glaubt Verfaſſer, daß dieſe Schrift ein Leitfaden für den Anfänger ſein kann, wie auch für den erprobten Praktiker in Kürze dasjenige bietet, was dieſem wegen Mangel an Zeit zu erfahren nicht möglich war. Die der Schrift beigegebenen Raſſebilder und Zeich⸗ nungen ſind ſorgfältig aus der großen Anzahl von Abbil⸗ dungen, welche dem Verfaſſer zur Verfügung ſtanden, aus⸗ gewählt. Sollte der gute Wille des Verfaſſers Anerkennung finden, ſo wird er für ſein Beſtreben belohnt ſein. So möge auch dieſe Schrift, wie die Vorgänger gaſtliche Aufnahme finden. Leipzig, Frühjahr 1906. Johannes Heyne. Vorwort zur dritten Auflage. Welche Bedeutung die Schafzucht erlangt hat, beweiſt das Intereſſe für dieſes Handbuch. Nach kaum zwei Jahren war die 2. Auflage vergriffen und die Neubearbeitung der 3. Auflage in Angriff genommen. Dieſe 3. Auflage wurde wiederum durchgehend umgearbeitet, beſonders was die Züchtung des Schafes anbelangt. Aber auch das Kapitel „Krankheiten“ wurde in vielem ergänzt, ebenſo dasjenige der „Wollkunde“. In letzterem wurde beſonders die Umrechnung der Höchſtpreiſe behandelt, damit der Landwirt ſich dadurch ein genaues Bild über den Wert der Wolle machen kann. Die Schafzucht und Schafhaltung wird auch im neuen Deutſchland eine führende Stellung einnehmen, denn das Rohprodukt„Wolle“ ſollte in erſter Linie auf heimiſchem Boden erzeugt werden. Alle Vorbedingungen dazu ſind gegeben. Vorwort. V Bei der großen Bedeutung, welche die Schafzucht erlangt hat, nehme man auch dieſen beſcheidenen Beitrag zur Hebung dieſes Zweiges der Landwirtſchaft freundlich hin. Möge die dritte Auflage der„Schafzucht“ eine ebenſo gute Aufnahme bei allen Landwirten finden wie ihre beiden Vorgängerinnen. Leipzig, Dezember 1918. Johannes Heyne. Vorwort zur vierten Auflage. Nach kurzer Folge erſcheint die 4. Auflage. Im großen und ganzen iſt das Buch ſo wie in der 3. Auflage erſchienen, mit Ausnahme der Beſchreibung der Landraſſen, welche in einigen Raſſen ausführlicher behandelt wurden. Möge auch dieſe 4. Auflage zur weiteren Hebung der Schafzucht beitragen und das Intereſſe an dieſem wichtigen Zweige der Tierzucht erhalten bleiben. 4 Leipzig, Frühjahr 1921. Johannes Heyne⸗Leipzig, Schäferei⸗Direktor. Inhalt. Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung, Rentabilität und Krankheiten (Heilkunde) des Schafes. Seite Schafraſſen....................... 2 Woll⸗ und Fleiſchſchafe............................ 5 Züchtung des Schafes............................. 9 Zeugung und Befruchtung............................. 9 Die Lehre von der Vererbung.............. 13 Zuchtmethoden..................................... 14 Jüchtung.. ·.. /l.... 18 Auswahl der Zuchttiere zur Paarung...................... 19 Exterieur des Schafes.................................... 20 Frühreife.................. /......... 29 Klaſſifikation der Mutterſchafe!............................ 34 Paarung....................................... 41 Wahl der Sprung⸗ und Lammzeit....... 48 Wartung und Haltung, Waſchmethoden..................... 49 Aufzucht................................. 54 Betriebsweiſe der Schäfereien und hauptſächliche Richtungen.... 56 Verbeſſerte Tuch⸗ und Stoffwollrichtung..................... 58 Die Kammwollrichtung.............⁊................ 61 Die Merino⸗Fleiſchſchafrichtung........................... 641 Die engliſchen Richtungen............................* 69 Die Landraſſen................................. 77 Die Maſtung..................................... 90 Ernährung des Schafes...............................— 91 Rentabilitäk.......................................... 104— Krankheiten(Heilkunde).....:......:/......... 112 Bleichſucht 113.— Durchfall 113.— Ruhr 114.— Lämmer⸗ lähme 115.— Lämmerſteifheit 115.— Lungenwurmſeuche 116. — Bandwurmſeuche 116.— Magenwurmſeuche 117.— Leber⸗ egelſeuche 118.— Schafkrankheit 120.— Traberkrankheit 121.— Trommelſucht 121.— Euterentzündung 122.— Blaſenſteine 122. 4 Inhalt. VII Seite — Bradſot 123.— Hinke 123.— Gelbſucht 124.— Dreh⸗ krankheit 125.— Wollefreſſen 125.— Hautparaſiten 125.— Bruſtentzündung 126.— Miilchloſigkeit 127.— Schilddrüſen⸗ anſchwellung der Lämmer 128.— Wunden beim Scheren und Hundebiß 128.— Maulgrind 128.— Katarrhalfieber 129.— — Lupinoſe 129.— Buchweizenausſchlag 129.— Gewährsmängel 131. Zweiter Teil. Wollkunde. Anatomiſcher Bau................................... 13 Einzelnes Wollhaar....................................... 140 Die Elaſtizität und Krimpkraft der Wolle..................... 144 Die Wolle int Stapel........................... 146 Die Kräuſelung im Stapel............ ꝙ..................... 147 Die Wolle im Vlieſe........................... 151 Die innere Beſchaffenheit des Vlieſes...................... 155 Die Wolle nach Alter und Geſchlecht......................... 160 Kontrakt über einen Abſchluß auf Rückenwäſche................... 163 Kontrakt über einen Abſchluß auf Schmutzwolle.................. 164 Dritter Teil. Techniſche Verarbeitung der Wolle. A. Zuchfabrikation.......:............ 171 — Die Streichgarnſpinnerei.............................. 173 Die Tuchweberei................................. 177 Die Appretur des Tuches...................... 183 Die wichtigſten Arten der Gewebe aus Streichgarn............ 186 B. Kammgarnfabrikation........................... 187 Die Manipulationen bei der Verarbeitung der Wolle.......... 188 Appretur der Kammgarnſtoffe..............:........ 200 Die Fabrikation gewirkter und geſtrickter Waren.............. 202 Die wichtigſten Arten der Gewebe aus Kammgarn............ 203 Was verlangt der Fabrikant von einer Wolle d............... 205 Schlußbetrachtung..................................... 206 Welche Eigenſchaften müſſen die Tuchwolle und die Kammwolle Hauptſächlichſte Hilfsmittel und Quellen. Bohm, Schafzucht und Wollkunde. Berlin 1883. Paul Parey. Draeger, Die Fleiſchſchafzucht. Hannover 1912. M.& H. Schaper. Grothe, Dr. H., Appretur der Gewebe. Berlin 1882. Julius Springer. Grothe, Dr. H. Technologie der Geſpinſtfaſer. Berlin 1882. Julius Springer. Groß, Norden, Oſtfrieſiſches Milchſchaf, Schmidt in Norden. Heyne, Großes Handbuch der Schafzucht. Leipzig 1916. Reichenbachſche Verlagsbuchhandlung. Heyne, Wollzoll. Hannover. M.& H. Schaper. Jeppe, Terminologie der Schafzucht und Wollkunde Kellner, Ernährung der landwirtſchaftlichen Nutztiere. 9. Aufl. Berlin 1920. Paul Parey. Kölliker, Mikroſkopiſche Anatomie oder Gewebelehre des Menſchen. Leipzig 1850. Körte, Deutſches Merinoſchaf. Breslau 1862. Lohren, Die Kämmaſchinen für Wolle uſw. J. G. Cottaſche Buchhandlung, Stuttgart. Möſchler, Die Schafzucht und Haltung. Berlin. Ceresverlag. May, Schafzucht. Breslau 1869. Trewendt. Mentzel, Schafzucht. 3. Auflage. Berlin 1892. Paul Parey. v. Nathuſius, Wollhaar des Schafes. Berlin 1866. Paul Parey. v. Neidſchütz, Geſchichte des Schafes. Danzig 1876. A. W. Kafemann. Senkel, Wollproduktion und Wollhandel im 19. Jahrhundert. Tübingen 1901. H. Laupp. Erſter Deil. RNaſſen, Züchtung, Ernährung, NRentabilität und Krankheiten des Schafes. Die Schafzucht iſt ſeit den früheſten Zeiten faſt in allen Erdteilen und Zonen betrieben worden. Auch in Zukunft werden Schafe gehalten werden, weil ihre Wolle zur Beklei⸗ dung der Menſchen unentbehrlich iſt. Gerade die Kriegs⸗ jahre 1914/18 haben gezeigt, welch große Rolle die Wolle als Bekleidungsmittel ſpielt, und meines Erachtens wird das Schaf beſonders nach dem Kriege viel mehr beachtet werden. Das Schaf gehört zu den begünſtigten Haustieren; es wird nicht nur der Wolle und des Fleiſches, ſondern auch der Milch wegen gezüchtet. Es beſitzt eine hohe Akklimatiſations⸗ fähigkeit und gewöhnt ſich ſchnell an örtliche Verhältniſſe. Während es im hohen Norden ein ſehr dichtes Vlies trägt, iſt ſeine Wolle in den wärmeren Ländern ſchlichter und dünner. Kaum eine Tiergattung kann bei ſo dürftigem Futter auskommen als das Schaf. Man denke nur an die ſpär⸗ lichen, knappen Weiden im ſüdlichen Rußland und in Auſtra⸗ lien, mit denen es gleichwohl ſein Leben friſtet; bei kräftigerem Futter lohnt es reichlich durch größere Produktivität der Wolle, des Fleiſches, der Milch, des Düngers uſw. In naturgeſchichtlicher Beziehung gehört das Schaf zu der Ord⸗ nung der Wiederkäuer(Ruminantia). Man unterſcheidet ziegenartige und ſchafähnliche Wiederkäuer. Von letzteren gibt es dreierlei Varietäten: den Argali(Ovis Ammon), den Muflon(Ovis Musimon) und das zahme Schaf oder Haus⸗ ſchaf(Ovis Aries). Die beiden erſten Arten kommen hier nicht näher in Betracht; das letztere dagegen ſoll uns hier weiter beſchäftigen. Die ſchafähnlichen Wiederkäuer ſind ent⸗ weder gehörnt oder ungehörnt. Sind Hörner vorhanden, ſo Heyne, Schafzucht. 4. Auflage. 1 2 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. iſt das rechte Horn nach links, das linke nach rechts gewunden. Durch dieſe Windungen treten die Hornſpitzen nach außen. Der Vorderkopf iſt gewölbt. Das Schaf hat nichts an ſich, was einem Barte ähnlich wäre; ſein Kinn iſt bartlos. Es hat Klauendrüſen und zwei bauchſtändige Zitzen. Sein Schweif iſt lang herabhängend; er hat 10—22 Wirbel; der ganze Körper iſt wollig behaart. Schafraſſen. Das Schaf erſcheint in einer Menge von Abarten und Raſſen; um eine Überſicht im großen und ganzen zu erlangen, ſollen hier nur diejenigen angeführt und kurz beſprochen werden, welche a) von ſeiten des Menſchen wenig Zucht und Sorgfalt genießen und b) beſonders in Europa Intereſſe erregen. Zu a gehören: das langſchwänzige Schaf(Ovis dolichura) und das fettſchwänzige Schaf(Ovis platyura). Das⸗ ſelbe lebt in der Bucharei, weshalb es auch buchariſches oder Karakul⸗Schaf genannt wird; außerdem findet es ſich im ſüdlichen Rußland, im Kaukaſusgebirge und in Perſien. Seine Wolle ſteht dicht auf dem Körper; ſie iſt weich und elaſtiſch und zeigt eine hübſche Kräuſelung, meiſtens ſchwarz in Farbe. Von dieſen Schafen rühren die ſogenannten Krimmerfelle her. Zu den fettſchwänzigen Schafen gehören noch das tuneſiſche, das berberiſche, das kaſpiſche, das anatoliſche und das maze⸗ doniſche Schaf. Das fettſteißige Schaf(Ovis steatopyga). Dieſe Schafraſſe iſt ſehr verbreitet; ſie findet ſich vom Schwarzen Meere über ganz Mittelaſien bis nach China hinein. Das Tier ſelbſt iſt ziemlich groß; ſein Kopf iſt ge⸗ ſtreckt; Ohren, Hals und Rücken ſind lang und ziemlich fleiſchig; die Beine ſind hoch, aber nicht kräftig; der Schwanz beſteht als ein Rudiment aus drei Wirbeln; zwiſchen den auf dem Kreuze eingelagerten Fettmaſſen ragt er wie ein kleiner Knoten hervor. Die Wirbelkette beſteht aus 33 Wirbeln, und zwar aus 7 Halswirbeln, 13 Rückenwirbeln, 5 Lenden⸗ wirbeln, 4 Kreuz⸗ und 3 Schweifwirbeln. An der Schweif⸗ wurzel am Steiß lagern in der Regel zwei große Fettmaſſen ab, die gegen 15— 20 kg und mehr wiegen können. Ich habe dieſe Tiere oft in den ſüdruſſiſchen Steppen geſehen; man teilt ſie nach Ort und Klima ein in tartariſche, tauriſche, ſchafe. Schafraſſen. mongoliſche, kirgiſiſche, kalmückiſche und burätiſche Fettſteiß⸗ Das Stummelſchwanzſchaf(Ovis Tachycera). Dasſelbe kommt in Oberägypten, Perſien und Ara⸗ bien vor. Das kurzſchwänzige Schaf des Nordens(Ovis brachyura borealis). Unterarten dieſes Schafes ſind das Hebridenſchaf(Ovis brachyura hebridica) und das Shetlandſchaf(Ovis brachyura zetlandica). Das Mähnenſchaf(Ovis jubata). Man unterſcheidet das angoleſiſche, das ſenegaliſche und das marokkaniſche Mähnenſchaf. Das hochbeinige Schaf(Ovis longipes). Das Hängeohrſchaf(Ovis catotis). Abb. 1. Das Hängeohrſchaf bildet die größte Schafgattung⸗ Von ihm ſtammen ab: das Bergamasker, das paduaniſche und das Münſterſchaf. Das Bergamasker Schaf hat eine größere Be⸗ deutung; es wurde in Steiermark und Kärnten ſowie im ober⸗ bayeriſchen Gebirge eingeführt. In Kärnten findet ſich auch noch das Seeländer und in den Salzburger Alpen das ſogen. wälliſche Schaf. Das Zackelſchaf(Ovis strepsiceros) hat ſehr lange, gerade, ſchraubenförmig gewundene Hörner. Man unterſcheidet das kretiſche(griechiſche), das walachiſche, das türkiſche und das ungariſche Zackelſchaf. Dasſelbe wird in kultivierten Ländern immer mehr verdrängt, da die Rente wenig ergibt; zu Kreuzungen mit Rambouillets eignet es ſich gut. Seine Milch wird zu verſchiedenen Käſeſorten(Liptauer und Brinſen⸗ käſe) verarbeitet. Noch haben wir des Heideſchafes(Ovis brachyura campestris) zu gedenken. Man unterſcheidet das deutſche Heideſchaf(auch die Heidſchnucke genannt), das däniſche, das franzöſiſche, das ſpaniſche, das ſchottiſche(Dun- faced Breed) und das engliſche Heideſchaf oder den ſchottiſchen Schwarzkopf(Blackfaced Breed). Im weiteren Verlaufe unſerer Darſtellung haben wir diejenigen Schafe zu behandeln, welche mehr züchteriſches In⸗ tereſſe gewähren und beſonders in Europa Beachtung ver⸗ dienen. Man kann ſie nach dem Werte der Wolle oder nach dem des Fleiſches einteilen. Unter den Wollſchafen wieder 1 14. Abb. 1. Hängeohr⸗(Bergamasker⸗) Schaf. f — 8 8 G N ₰ 8 1 — 22 η 18 — ₰‿ 8₰π 8 — 8 — 8 — — . = 8 : — ‿ 8 ‿ G£υ 4 ——— Woll⸗ und Fleiſchſchafe. 5 unterſcheidet man a) filzwollige, b) glanzwollige und c) merino⸗ artige, welche von den ſpaniſchen Merinos abſtammen. Zu den filzwolligen gehören alle bisher genannten, zu den glanz⸗ wolligen jene, welche grobe und mittelfeine Wolle tragen; der Merinoklaſſe ſind nur die Schafe einzureihen, welche feine Wolle liefern und Merinoblut haben. Die eben vorgenommene Einteilung dürfte für die Landwirtſchaft am verſtändlich⸗ ſten ſein.— Woll⸗ und Fleiſchſchafe. Das Zaupelſchaf(Ovis Aries germanicus rusticus). Es findet ſich verbreitet von Mitteldeutſchland nordwärts bis Belgien, ſüdwärts bis Italien, gegen Oſten bis Ungarn und gegen Weſten bis über den Rhein. Am meiſten wird es jetzt noch gezüchtet in Oberſchwaben, Ober⸗ und Niederbayern, in Steiermark, Kärnten, Krain und Tirol. Das Zaupelſchaf iſt nicht groß; ein ausgewachſenes Muttertier wiegt höchſtens 30— 35 kg; die Knochen ſind nur mittelſtark; der Kopf iſt lang, aber ſchmal; die Ohren ſind mäßig lang, der Widerriſt ſcharf und ſpitz; das ſchmale Kreuz iſt abgeſchliffen; der Hals und der Rumpf ſind mit ſtark glänzender Wolle bewachſen; bei vielen Tieren finden ſich unter den langen, groben Haaren noch Flaumhaare; das Schurgewicht beträgt höchſtens 1 ½ kg. Man unterſcheidet das hannoverſche und das pommerſche Schaf, das Wallisſchaf in der Schweiz und das veredelte ſchwarze Schweizerſchaf. Das ſchlichtwollige deutſche Schaf(Ovis Aries germanicus lanosus). Dieſes Schaf wird auch gewöhnliches deutſches oder thüringiſches Schaf genannt. Unterarten desſelben ſind: das fränkiſche Schaf, das Rhönſchaf(Abb. 2) und das Mecklen⸗ burger Land⸗ oder Höhenſchaf.— Nunmehr haben wir den Ovis Aries germanicus nobilis zu erwähnen, der ein Baſtard von deutſchem und Merinoſchaf iſt. Die deutſchen Merino⸗ baſtardſchafe gehen gewöhnlich aus der Kreuzung mit Negretti⸗ ſchafen hervor, weshalb die Baſtarde in Größe und Körper⸗ beſchaffenheit verſchieden ſind. Für Württemberg und Baden haben ſie höhere Bedeutung. Ihre Wolle bildet die ſogen. Mittelwolle und iſt um ſo feiner, je mehr Merinoblut den Tieren beigemiſcht iſt. Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. Avcplug¹ = — —— „— — —— Das Marſch⸗ oder Niederungsſchaf. Zu dem⸗ thmarſcher, das as⸗Schaf in ſelben gehört auch das Eid frieſiſche und das holländiſche ſowie das Fagg der Elbinger und der Nogat ⸗Niederung; das engl. Leiceſter⸗ oder Diſhleyſchaf(Lei- cester-Breed) und die ſonſtigen engliſchen langwolligen Raſſen, in erſter Linie das Cotswold⸗(Cotswold- Breed), Abb. 3, und das Lincolnſchaf(Lin- colnshire-Breed); die engliſchen Raſſen mit mittellanger Wolle, Southdown, Cheviot, Hampſhire, Oxford⸗ ſhire, Shropſhire, Suffolk, das Kent⸗ oder Romneyſchaf. Als grob⸗ oder langwollige engliſche Raſſen ſind noch zu nennen: das Wal⸗ liſer⸗, das Corn⸗ walls⸗, das Somer⸗ ſet⸗, das Norfolk⸗, das Willſhire⸗, das Dorſet⸗, das Cum⸗ berland⸗, das Here⸗ ford⸗, das Devon⸗, das Durham⸗, das inländiſche Marſch⸗ und das Kerryſchaf. Das franzöſiſche Schaf(Moulon ordinaire). Man unterſchied früher in Frankreich als beſondere Stämme Brebis de Berry, das Solognesſchaf(Solognôte), das Ardennenſchaf Woll⸗ und Fleiſchſchafe. erſtädter, das 7 Abb. 3. Cotswoldſchafe. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. Erſter Teil. 8 Zeugung und Befruchtung. 9 (Brebis de Bourgogne), das normanniſche Schaf(Brebis de Beauvais) und das edle franzöſiſche Schaf(Race roussilonaise). Das ſpaniſche oder Merinoſchaf(Ovis Aries his- panicus rusticus). Die Merinoſchafe tragen wellenförmig gekräuſeltes Woll⸗ haar. Als dieſen Merinoſchafen ſind nun im Laufe der Zeit gezüchtet worden: a) die altſächſiſche oder Elektoral⸗Raſſe; b) die Negretti⸗Raſſe; c) die ſanftwollige Eskurial⸗Raſſe(ſchleſiſches Edelſchaf); d) die deutſche Merinokammwoll⸗Raſſe; e) die franzöſiſche Merinokammwoll⸗Raſſe(Rambouillet); f) das Merino⸗Fleiſchſchaf; g) das württembergiſche Baſtardſchaf(Abb. 4); h) die Kreuzungen der Merino⸗ mit engliſchen Raſſen; i) Border⸗Leiceſter⸗Schaf; k) Diſhley⸗Schaf; ¹) Mele⸗Schaf(Border⸗Leiceſter⸗⸗Merinofleiſchſchaf). Züchtung des Schafes. Zeugung und Befruchtung. Die geſchlechtliche Zeugung des Schafes vollzieht ſich, wie die der übrigen Säugetiere, durch das regelrechte Zuſammen⸗ wirken der männlichen und weiblichen Geſchlechtsorgane. Der Akt der Begattung bildet die Grundbedingung der Zeugung, das Ei(ovum) muß durch den männlichen Samen(sperma) befruchtet werden. Die Befruchtung vollzieht ſich in der Weiſe, daß der Kopf eines Samenkörperchens(Spermatozoon) mit dem Kern einer Eizelle zur Bildung eines neuen Kernes, des ſogen. Keimkernes, verſchmilzt. Der Ort der Befruchtung iſt der Eileiter; die Samenkörperchen durchwandern den Kör⸗ per und die Hörner des Tragſackes und einen Teil des Ei⸗ leiters bis zur Ampulle, dem mehr geſchlängelten und dem Eierſtock zugekehrten Teil des Eileiters. Das Ei iſt durch Platzen der Graafſchen Follikel frei geworden und wird nun der Gebärmutter zugeführt. Auf dem Wege dorthin trifft es mit dem männlichen Samen zuſammen, und hierbei erfolgt die 10 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. Vereinigung der beiden Zellen. Die Dauer der Trächtigkeit beträgt am häufigſten fünf Monate, d. h. etwa 150 Tage; manche Schafe lammen ſchon am 145., andere erſt am 160. Tage nach der Befruchtung; die Zeit der Trächtigkeit bewegt ſich alſo zwiſchen 146 und 161 Tagen. Bemerken möchte ich, je frühreifer die Raſſe, deſto kürzere Trächtigkeits⸗ dauer man beobachten kann. Die häufigſten Kennzeichen der Trächtigkeit ſind geſteigerte Freßluſt, Anſchwellen des Bauches und des Euters; mit voller Beſtimmtheit läßt ſich dieſelbe erſt in der zweiten Hälfte ihrer Dauer feſtſtellen. Abnormi⸗ täten der Trächtigkeit ſind: a) das Verlammen oder Ver⸗ werfen(abortus), b) die Frühgeburt, c) die Bauch⸗ oder Scheinſchwangerſchaft. Gewöhnlich gebiert das Schaf nur ein Lamm; Zwillinge und Drillinge kom⸗ men meiſtens nur bei den grobwolligen Raſſen und den engliſchen Fleiſch⸗ ſchafen vor. Die engliſchen Fleiſchſchafe geben zuzeiten 20— 30% Zwillinge. als Wiederkäuer im Oberkiefer keine Schneidezähne, ſondern an deren Stelle eine knorpelige Wulſt, im Unterkiefer 8 Schneidezähne und in dieſem ſowie auch im Oberkiefer an jeder Seite 6, Ah. 5. Unterkicfer eine⸗ lſo im ganzen 24 Backenzähne. Die 12 Monate alten Tieres. Schneidezähne dienen zur Ergreifung 3 des Futters, das, wenn es von einem feſtſitzenden Teile getrennt werden ſoll, wie es bei Gras und Kleeweide der Fall iſt, vermittelſt der Schneidezähne an den anderen zahnloſen Teil des Oberkiefers feſt angedrückt und durch eine ſtoßende Bewegung des Kopfes nach vorn abgeriſſen wird. Im allgemeinen hat das Schaf bei ſeiner Geburt 8 Milchzähne(Abb. 5), welche vorn in der unteren Kinnlade ſtehen; manchmal zeigen ſich dieſelben erſt nach 4 Wochen. Der Wechſel der Schneidezähne geſchieht nun durchſchnittlich folgendermaßen: Bis zu 17 Monaten fallen die mittleren Zähne aus(Abb. 6); von 18—26 Monaten tritt ein Wechſel der beiden nebenſtehenden Zähne(Abb. 7) ein, Mit 2 ½ bis 3 Jahren wechſeln die zweiten Mittelzähne(Abb. 8); mit 31 ¼ bis 4 ¼ Jahren wechſeln die Eckzähne(Abb. 9). Nun hängt Iſt das Lamm geboren, ſo hat es —— Zeugung und Befruchtung. 11 das Wechſeln der Zähne allerdings ab von der körperlichen Entwicklung. Man unterſcheidet folgende Zahnungen. AA ( 9TTMG S. Abb. 6. Alter bis zu 17 Monaten. Abb. 7. Alter 18—26 Monate. 2 1 1 die beiden Erſatzzähne. 2 2 das zweite Paar der Schneidezähne tritt hervor. TG S- Abb. 8. Unterkiefer eines 2 ½— 3 Jahre Abb. 9. Unterkiefer eines 3 ½— 4 ½ Jahre alten Schafes. alten Schafes. 3 3 treten hervor. 4 4 treten hervor. Tabelle für frühes Zahnen(frühreife Raſſen). Bei der Geburt? Schneidezähne und der 2. wechſelnde Backenzahn, mit 8 Tagen 4 Schneidezähne, mit 10 Tagen 6 Schneidezähne und der 1. und 2. Backenzahn, mit 3 Wochen SSchneidezähne und der 1., 2. und 3. Backenzahn. 12 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. In dieſem Alter hat das Lamm das ganze Milchzahn⸗ gebiß oder diejenigen Zähne, welche dem Wechſel unterworfen ſind. Die Backenzähne werden bei dieſer Bezeichnung von vorn nach hinten gezählt; an den dritten Milchbackenzahn ſchließt ſich alſo der erſte bleibende an. Mit 3 Monaten der 1. bleibende Backenzahn, mit 9 Monaten der 2. bleibende Backenzahn, mit 11—13 Monaten werden die Milchzangenzähne gewechſelt, mit 1 Jahr und 6 Monaten erſcheint der 3. und letzte blei⸗ bende Backenzahn, mit 1 Jahr und 6 Monaten werden die inneren Milchmittel⸗ zähne gewechſelt, mit 1 Jahr und 9 Monaten werden die drei Milchbackenzähne gewechſelt, mit 2 Jahren und 3 Monaten werden die äußeren Milch⸗ mittelzähne gewechſelt, mit 3 Jahren und 1 Monat werden die Milcheckzähne ge⸗ wechſelt.. Tabelle für ſpätes Zahnen. Bei der Geburt keine Zähne, mit 8 Tagen 2 Schneidezähne und der 2. Milchbackenzahn, mit 2 Wochen 4 Schneidezähne und der 1. und 2. Milch⸗ backenzahn, mit 3 Wochen 6 Schneidezähne und der 1., 2. und 3. Milch⸗ backenzahn, mit 4 Wochen 8 Schneidezähne, mit 3 Monaten der 1. bleibende Backenzahn, mit 9 Monaten der 2. bleibende Backenzahn,. mit 1 Jahr und 3 Monaten werden die Milchzangenzähne gewechſelt, mit 1 Jahr und 6 Monaten der 3. bleibende Backenzahn, mit 1 Jahr und 9 Monaten werden die drei Milchbacken⸗ zähne gewechſelt, mit 2 Jahren werden die inneren Milchmittelzähne gewechſelt, mit 2 Jahren und 9 Monaten werden die äußeren Milch⸗ mittelzähne gewechſelt, mit 3 Jahren und 6 Monaten werden die Milcheckzähne gewechſelt. o SecoenSe —— ———/ B —.—=—& Die Lehre von der Vererbung. 13 Auf dieſem Wechſel der Zähne beruht die Einteilung der Schafe in Altersklaſſen. Nach der Geburt heißt das Tier Lamm, nach dem erſten Zahnwechſel Zweiſchaufler, Jährling oder Zweizähner, nach dem zweiten Zahnwechſel Vierſchaufler, Zeitbock, Hammel oder Zeitſchaf(auch Zutreter); im Alter von 3 ½ bis 4 ½ Jahren wird es Sechsſchaufler, im fünften Jahre Achtſchaufler genannt. Vom ſechſten bis zum neunten Jahre nutzen ſich die Zähne ab, werden gelb und ſchartig und brechen mehr oder weniger ab; im zehnten bis zwölften Jahre ſind ſie alle bis auf einen Stumpf abgebrochen. Dieſes Alter erreichen nur ſehr wenige Schafe; die meiſten leben höchſtens bis zu neun Jahren.— Nach dem Geſchlechte unter⸗ ſcheidet man die Schafe in männliche und weibliche; erſtere heißen Böcke, Widder, Schöpſe und Hammel; letztere werden Muttern, Gelt⸗, auch Göltſchafe genannt. Die Lehre von der Vererbung. Unter Vererbung verſtehen wir die übertragung von Eigenſchaften der Eltern auf die Nachkommen, eine Erſchei⸗ nung, die man alle Tage beobachten kann. Die Wandlungen in den Vererbungsgrundſätzen hier aufzuführen, würde zu weit führen; zuerſt ſchwur man auf die Konſtanztheorie, alſo daß eine Konſtanz in der Vererbung nur durch reinblütige Tiere, bei welchen eine Blutmiſchung niemals ſtattgefunden hat, zu erzielen ſei und daher dieſe nur für die Zucht ver⸗ wendet werden dürften. Der Konſtanztheorie wurde durch die Lehre der Individualpotenz der Todesſtoß verſetzt. Die Bezeichnung Individualpotenz deutet ſchon darauf hin, daß die Vererbung von den Eigenſchaften des Individuums und nicht von der Abſtammung desſelben abhängig ſei. Durch dieſe Lehre mußte der Konſtanztheorie das Ende bereitet werden; denn wenn die Abſtammung des Zuchttieres ohne Einfluß auf ſeine Vererbung und für dieſelbe nur ſeine individuellen Eigenſchaften maßgebend ſein ſollten, ſo ſtürzte das mit ſo vieler Mühe errichtete und mit Sorgfalt gepflegte Gebäude der Vererbung des reinen Blutes in ſich zuſammen. Je ver⸗ ſchiedener nun die Individuen in ihren Eigenſchaften waren, die in früheren Zeiten miteinander gepaart wurden, deſto mehr Rückſchläge kamen vor, und dieſe Rückſchläge, die Un⸗ ſicherheit in der Vererbung warfen die Theorie der Indi⸗ 14 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. vidualpotenz über den Haufen. So richtig es iſt, bei der Auswahl der Zuchttiere die individuellen Eigenſchaften zu be⸗ rückſichtigen und das Heil der Zucht nicht allein im reinen Blute zu ſuchen, ſo iſt es doch unzweifelhaft notwendig, auf die Befeſtigung der Zuchtrichtung und auf die Ausgleichung und Verſchmelzung der Eigenſchaften in den Individuen einer Herde durch mehrere Generationen Gewicht zu legen, wenn die Vererbung Sicherheit gewähren und vor Rückſchlägen bewahrt bleiben ſoll; ob eine Blutmiſchung ſtattgefunden, iſt gleichgültig, wenn nur die in den Herden gewählte Zuchtrich⸗ tung ſich ſo weit befeſtigt hat, daß die Vererbung derſelben durch eine Reihe von Generationen ſtattgefunden hat. Die Herde muß der Züchtungskonſtanz Gewähr leiſten; die Züch⸗ tungskonſtanz beachtet ebenſogut die Abſtammung als die Individualpotenz des Zuchttieres, aber ohne Berückſichtigung der Konſtanz des reinen Blutes; auch leſe man hier das Mendelſche Geſetz in größeren Züchtungswerken nach. Nach dieſer allgemeinen überſicht über die verſchiedenen Theorien gehen wir zur Züchtung, zu den Methoden der Zucht über. Die Fortpflanzung geſchieht bekanntlich bei den meiſten Tieren durch Paarung. Die weitere Entwicklung hängt nur von natürlichen oder künſtlichen Einflüſſen ab; über die Ver⸗ wendung des betreffenden Tieres zur Fortpflanzung entſcheidet die Erwägung des Züchtungszweckes. Zu beachten bleibt da⸗ her der Zweck der Züchtung, der Raſſebegriff, die Zucht⸗ methode, die Zeugung und Vererbung und das Exterieur. Der Züchtungszweck muß jedesmal unwandelbar feſtſtehen; nichts rächt ſich in der Tierzüchtung mehr als Ungewißheit des Zweckes derſelben. Die Züchtungsobjekte dürfen nur aus dem beſten Material gewählt, und es muß immer erwogen werden, ob es ſich um Nutz⸗ oder um Zuchttiere handelt. Letztere er⸗ fordern ein höheres Maß von Intelligenz und größeres Kapital. Was die Leiſtungsfähigkeit betrifft, ſo kann der Zweck der Züchtung je nach der Tierart auf die Nutzung der Wolle, des Fleiſches oder der Milch gerichtet ſein. Zuchtmethoden. Unter der Bezeichnung„Raſſe“ werden alle Familien einer Tiergattung zuſammengefaßt, welche ſich durch be⸗ ſtimmte, auf Nachkommen vererbbare Merkmale hinſichtlich Nut oder Tier begr Ve wied maß weſe ſich wick Sta iſt z raſſe dure ſcha⸗ daz. die due raſſ ſcher Eig erbe halt nan geg⸗ und Blu Gal in ſteck und zuch lich dag ſcho Als zuch ble Zuchtmethoden. 15 Nutzbarkeit, Form, Bedeckung, Farbe des geſamten Körpers oder einzelner Körperteile von anderen Familien derſelben Tiergattung unterſcheiden. Andere Erklärungen des Raſſe⸗ begriffes geben u. a. Naegeli, Darwin, Eimer und Weismann, aber es würde zu weit führen, dieſe alle hier wiederzugeben. Kühn definiert den Begriff„Raſſe“ folgender⸗ maßen:„Alle Individuen oder Einzelweſen, die von in ihren weſentlichen Eigenſchaften gleichgebildeten Eltern abſtammen, ſich untereinander fortpflanzen und im Verlauf ihrer Ent⸗ wicklung entweder ſelbſt oder durch ihre Nachkommen den Stammeltern wieder ähnlich werden, bilden eine Art.“ Hier iſt zu unterſuchen, wie die Arten entſtanden ſind. Man unterſcheidet natürliche, Kultur⸗ und Züchtungs⸗ raſſen. Unter natürlichen Raſſen verſteht man ſolche, welche durch natürliche Wahlzucht innerhalb der Raſſe ihre Eigen⸗ ſchaften im Laufe der Zeit ſo feſt entwickelt haben, daß die dazugehörigen Individuen ähnlich ſind, dieſe Ähnlichkeit auf die Nachkommen vererben und ſich dadurch von den Indivi⸗ duen einer anderen Raſſe unterſcheiden. Dagegen ſind Kultur⸗ raſſen ſolche, welche aus der künſtlichen Wahlzucht der Men⸗ ſchen hervorgegangen ſind, dann aber mit der Zeit ihre Eigenſchaften ſo befeſtigt haben, daß ſie ohne Rückſchläge ver⸗ erben und aus dieſem Grunde die Bezeichnung als Raſſe er⸗ halten haben; dieſelben werden auch Züchtungsraſſen ge⸗ nannt. Bei der Züchtung ſelbſt ſtehen ſich zwei Methoden gegenüber, deren man ſich bedient, nämlich die Reinzucht und die Kreuzung. Die Reinzucht iſt die Züchtung in reinem Blute einer Raſſe. In der Reinzucht hat der Züchter die meiſte Garantie gegen Rückſchläge; findet man daher Tiere, welche in Körperform und Leiſtung den Anforderungen für das ge⸗ ſteckte Zuchtziel genügen, ſo wird die Reinzucht am ſicherſten und ſchnellſten zum Ziele führen. Paart man bei der Rein⸗ zucht Tiere, welche auch in nebenſächlichen Eigenſchaften mög⸗ lichſt einander gleichen, ſo züchtet man homogen, paart man dagegen reinblütige Tiere, welche in den nebenſächlichen Eigen⸗ ſchaften voneinander verſchieden ſind, ſo züchtet man heterogen. Als jene Zuchtmethoden führe ich an: a) Veredelung eines Stammes in ſich ſelbſt, d. h. In⸗ zucht. Man unterſcheidet Zucht in der Raſſe und das Ver⸗ bleiben der Zucht im eigenen Stamme. Bei der Inzucht 16 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. werden nur die Abkommen des Stammes zur Fortpflanzung benutzt. Nimmt dieſe Inzucht darauf Rückſicht, daß die Paa⸗ rung nur unter Tieren derſelben Familie erfolgt, ſo wird ſie zur Familienzucht(Verwandtſchaftszucht). Das Syſtem der Inzucht hat es offenbar darauf abgeſehen, die Befeſtigung aller in einer Herde vorhandenen Eigenſchaften am ſtetigſten zu erhalten. Die Inzucht iſt zu empfehlen, um die Homo⸗ genität eines Stammes und die Konſtanz der Eigenſchaften weſentlich zu fördern bei einer bereits auf hoher Stufe an⸗ gelangten Herde, bei welcher auch durch Einführung fremder Zuchttiere eine weſentliche Verbeſſerung nicht zu erwarten wäre. Es iſt aber darauf zu achten, daß bei Paarung naher und nächſter Verwandten große Vorſicht angewendet werde. Das entgegengeſetzte Verfahren iſt die Kreuzung, d. h. die Umwandlung einer Herde durch Einführung fremder Vater⸗ oder Muttertiere. Kreuzung iſt ja die Vermiſchung verſchie⸗ dener Raſſen, Schläge und Zuchtrichtungen, die in ihrem Typus verſchieden ſind. Auch bei Schlägen und Zuchten einer und derſelben Raſſe findet eine Kreuzung ſtatt, wenn dieſelben durch charakteriſtiſche Eigenſchaften ſich voneinander trennen. Das Produkt der Kreuzung bilden die Meſtizen. Die Kreu⸗ zung iſt ein weit verbreitetes Züchtungsſyſtem und wird, im weiteren Sinne verſtanden, beſonders bei der Züchtung der Woll⸗ und Fleiſchherden im großen Maßſtabe in Anwendung gebracht, um a) einem Stamme die ihm fehlenden Eigen⸗ ſchaften beizubringen oder ihn zu vervollkommnen, b) die vor⸗ handenen Mängel zu beſeitigen, c) die Vorzüge zweier Raſſen für einen beſtimmten Zweck zu vereinigen. Jede Kreuzung iſt, da ſie immer mit mehr oder weniger heterogenen Zucht⸗ tieren vorgenommen wird, in ihrem Erfolg zweifelhaft. Man unterſcheidet a) vorübergehende Kreuzung(Blutauffriſchung) und b) dauernde Kreuzung. Dieſe wendet man bei Herden an, welche noch auf einer niedrigen Stufe ſtehen. Sie wird konſequent, wenn bei der Wahl der anzuwendenden männ⸗ lichen Tiere ſtets ein und dasſelbe Prinzip befolgt wird. Wechſelnd wird ſie, ſobald das angenommene Prinzip ver⸗ laſſen und mit Tieren verſchiedener Stämme oder Raſſen gekreuzt wird. Dieſe letzte Art der Züchtung iſt zu verwerfen, da ſchon manche gute Herde durch den beſtändigen Wechſel des Prinzips der Züchtung verdorben worden iſt. Die an⸗ —— ——-—en 1 b 8 ͤn —.———— ce= Zuchtmethoden. 17 geführten Arten der Kreuzung gehören der rationellen Züch⸗ tung an. Die bleibend urſprüngliche Kreuzung tritt ein, wenn zwei Tiere heterogener Raſſen miteinander gepaart werden, um die Vorzüge beider Raſſen für einen beſtimmten Zweck zu erreichen, und wenn die daraus hervorgegangenen Meſtizen von der weiteren Verwendung zur Zucht ausgeſchloſſen werden. Die gemiſchte Kreuzung findet ſtatt, wenn Tiere zufällig oder abſichtlich ohne beſtimmten Zweck miteinander gepaart werden, welche verſchiedenen Raſſen angehören oder ungewiſſen Ur⸗ ſprungs ſind. Dieſe Kreuzung iſt eine wilde, unwürdige Züchtung. Mathematiſch drückt man die Veredelung durch Zahlen aus, indem von Halb⸗ und Dreiviertelblut geſprochen wird. Das Halbblut iſt aus halb edlem und halb unedlem, das Dreiviertelblut aus ¼ edlem und ⁰¼ unedlem Blute zu⸗ ſammengeſetzt. Vollblut, mit unedlem Blute gepaart, gibt in 1. Generation ½ Blut, ½ Blut gibt in 2. Generation ⁰¼ Blut, ¾ Blut gibt in 3. Generation 1 Blut, ⅞ Blut gibt in 4. Generation 15 ⁄6 Blut, 1 ⁄16 Blut gibt in 5. Gene⸗ ration 3 ⅛ 2 Blut, 3 ⅛2 Blut gibt in 6. Generation 6%, Blut, 63⁄/64 Blut gibt in 7. Generation 127⁄123 Blut, 127/⁄123 Blut gibt in 8. Generation 25%6 Blut. Im 255 ⁄26 Blute iſt nur noch ½ 6 unedles Blut vor⸗ handen, welches kaum mehr zum Ausdrucke gelangt. Man erkennt es daher als Vollblut an.— Wie ich bereits erwähnte, haben nicht nur die Eltern, ſondern auch die Voreltern auf das Zeugungsprodukt Ein⸗ fluß. Es ſteht feſt, daß bei Auswahl der Zuchttiere die Indi⸗ vidualität in der Raſſe das wichtigſte Moment iſt für Erhal⸗ tung und Fortbildung der erwünſchten Eigenſchaften des Züch⸗ tungsproduktes. Die Erfahrung lehrt weiter, daß die Körpergröße der Nachzucht mehr durch die Mutter als durch den Vater bedingt wird, und zwar deshalb, weil eine größere Mutter eine größere Frucht austragen kann, und weil dieſe Frucht auch nach der Geburt ihr Gedeihen vorzugsweiſe der mütterlichen Milch verdankt und ein Zurückbleiben der Größenentwicklung in dieſer Periode ſchwer wahrnehmbar iſt. Im Vater prägt ſich ſtärker der Individualismus der Raſſe— Zuchttypus— aus; vor allem ſind die Körperformen beim Vatertier genau zu berückſichtigen, weil infolge der Polygamie bei unſeren Heyne, Schafzucht. 4. Auflage. 2 18 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. Haustieren die Eigenſchaften auf eine mehr oder minder große Anzahl der Nachkommen einwirken werden, und weil in einem im Charakter der Zucht gut gebildeten Tierkörper neben anderen Vorzügen zugleich eine weſentliche Bedingung der Geſundheit und günſtigen Leiſtung liegt. Bei der Beobachtung nun, wie die Tiere vererbt haben, ſetzt das Genie des Züch⸗ ters ein; es läßt ſich ſchwer, aber doch vorausſehen, wie ein Tier vererbt; ſo können die direkten Elterntiere vererben; es können aber auch Eigenſchaften vererbt werden, welche in den Großeltern vorhanden waren. Dieſes Vorkommen, bei welchem die Individuen mehr den Großeltern als den Eltern gleichen, heißt Rückſchlag(Atavismus). Züchtung. Ehe ich zur eigentlichen Züchtungskunde übergehe, dürfen die Bedingungen nicht unerwähnt bleiben, unter welchen ſich Schafhaltung empfiehlt und verlohnt. Vor allem ſind es die örtlichen Verhältniſſe, welche bei der Schafzucht in hohem Grade in Betracht kommen und daher eingehender Prüfung be⸗ bedürfen. Die Schafhaltung, beſonders die Züchtung des Wollſchafes, wird ſich rentieren, wenn man größere, wenig kulturfähige Feldflächen und geſunde, trockene Weideplätze beſitzt, an denen das Waſſer leichten Abfluß hat. Von der Beſchaffenheit der Weideplätze hängt es hauptſächlich ab, ob Zuchtſchäferei, alſo Muttertierhaltung mit Aufzucht, oder nur die Haltung von Hammeln ratſam iſt. Können die Schafe im Winter und Sommer gleichmäßig ernährt werden, ſo iſt Zucht⸗ ſchäferei vorzuziehen; iſt dagegen die Weide ungeſund, und will man mehr Schlempe und Zuckerfabrikabfälle verfüttern, ſo dürfte der Betrieb der Hammelſchäferei, d. h. die Haltung von Hammeln, welche in einem gewiſſen Alter angekauft und ſpäter wieder verkauft werden, zu empfehlen ſein. Doch ich halte auch unter ungünſtigeren Futterverhältniſſen Zucht⸗ ſchäferei für vorteilhafter; überhaupt iſt meiner Anſicht nach das Schaf mit der landwirtſchaftlichen Tierhaltung ſo innig verknüpft, daß das Glück und Gedeihen derſelben durch ſeine Züchtung mitbedingt wird. Die Vermutung, daß die Schäferei in demſelben Grade abnehme, als die Kultur fortſchreite, iſt nicht mehr zutreffend; denn gerade die Landgüter, auf denen intenſiv gewirtſchaftet wird, halten noch viel Schafe. Ich ———— Auswahl der Zuchttiere zur Paarung. 19 erinnere nur an die Provinz Sachſen uſw. Man unter⸗ ſcheidet nun: a) Züchtung des Wollſchafes; b) Züchtung des Woll⸗ und Fleiſchſchafes; c) Züchtung des Fleiſchſchafes. Die Züchtung des Wollſchafes verfolgt den Zweck, den Gelderwerb(die Verwertung des Futters) aus der Wolle zu nehmen. Dieſen Zweck kann man auf verſchiedene Weiſe er⸗ reichen: 1. Durch Verfolgung des höchſten Adels mit mög⸗ lichſter Vereinigung von Feinheit der Wolle(Elektoral). Dieſe Richtung iſt nicht mehr häufig vorzufinden und lohnt ſich nicht, da die Einſeitigkeit— nur Erlös von Wolle— das Futter nicht verwertet. 2. Durch Vereinigung von Woll⸗ maſſe(hohes Schurgewicht bei Feinheit und Adel der Wolle) unter Berückſichtigung der Fleiſchproduktion. Dieſe Richtung iſt lohnend, beſonders in der verbeſſerten Tuchwollrichtung. 3. Durch Hinarbeiten auf Wollmenge mit mehr oder weniger Hintanſetzung des Adels und Beſatzes, d. h. unter bedeutender Berückſichtigung der Fleiſchproduktion. Hierher gehören: die Kreuzung der Negretti mit Kammwollſchafen, die Kammwoll⸗ ſchafe ſelbſt und die Kammwollſchafe, auf weniger Beſatz ge⸗ züchtet(Merino⸗Fleiſchſchafe). In der Fleiſchrichtung züchtet man nur auf Körper oder doch wenigſtens mit wenig Berück⸗ ſichtigung der Wolle die bekannten Raſſen Southdown, Shrop⸗ ſhire, Hampfhire, Oxfordſhire, Suffolk, Cotswold, Lincoln uſw. Auswahl der Zuchttiere zur Paarung. Von höchſter Bedeutung für den züchteriſchen Erfolg iſt die Auswahl der Zuchttiere zur Paarung. Vor allen Dingen müſſen die Tiere geſund ſein und eine gute Konſtitution be⸗ ſitzen. Unter Konſtitution verſteht man in erſter Linie die Beſchaffenheit des Körpers hinſichtlich ſeiner Widerſtands⸗ fähigkeit gegen ungünſtige äußere Einflüſſe, ſodann das Maß von Lebensenergie, beſonders wie ſie ſich in der Betätigung des Stoffwechſels äußert. Man unterſcheidet„gröbere“ und „feinere“ Konſtitution, weil gerade auf alle dieſe Verhältniſſe der Bau des Körpers, insbeſondere der Knochen, von großem Einfluß iſt. Man muß ſich über die Leiſtungsfähigkeit der ganzen Herde ſowohl wie des einzelnen Individuums in um⸗ faſſender Weiſe Klarheit verſchaffen. Neben der Abſtammung 2* 20 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. dürfen die Körperformen nicht aus dem Auge gelaſſen wer⸗ den, denn nur die Beurteilung der Formen wird ein ſicheres Urteil geſtatten. Man muß ſich klar darüber werden: was habe ich in meiner Herde? was mangelt der Herde, und in welcher Weiſe ſoll die Auswahl der Zuchttiere getroffen wer⸗ den? Von welcher Beſchaffenheit z. B. ein neu einzuſtellender Bock ſein muß, richtet ſich ganz nach dem Zuchtplan und nach den Eigenſchaften der Muttertiere. Wenden wir uns zunächſt den Böcken zu! Ein guter Bock muß lebhafte Augen und einen breiten, aber kurzen Kopf mit bewollter Stirn haben. Auch die Ohren ſind von Belang; dünne Ohren laſſen befürchten, daß bei Wollzucht in der Nachzucht von ſolchen Böcken wollarme Tiere, bei Fleiſchzucht Tiere mit zu feinen Knochen erzeugt werden; die Ohren müſſen alſo dick und kurz und wenig bewollt, oben aber nur mit Haaren beſetzt ſein. Die Beſchaffenheit der Wolle bei den Elternſchafen iſt von Einfluß auf ihren Charakter bei der Nachkommenſchaft; matte, glanzloſe Wolle gibt ſchlechte Ver⸗ erbung. Die Bruſt des Bockes muß tief, die Schultern rund, der Leib und Rücken breit und gedrungen, die Beine kurz, der Hodenſack groß und ſtraff herabhängend ſein. Er muß einen korrekten Gang haben und ſelbſt bei ſtarkem Drucke auf das Kreuz ſteif auf den Beinen ſtehen. Man unterſcheidet in der Wollzucht a) Normal⸗ und Korrektionsböcke, welche die Fehler und Mängel der Muttertiere verbeſſern ſollen; b) Maſſenböcke; ſie müſſen ein dichtes Vlies haben und dem Mangel an Körpergewicht und Wollmaſſe abhelfen; c) Regu⸗ lierungsböcke; dieſe haben die Aufgabe, in der Nachzucht Un⸗ regelmäßigkeiten der Wolleigenſchaften auszugleichen; d) die Veredelungsböcke; ſie ſollen den Wolladel in ihren Nach⸗ kommen vermehren. Bevor wir zur eigentlichen Klaſſifikation der Schafe übergehen, müſſen wir die Beurteilung eines Schafes kennen lernen, beſonders das Exterieur des Schafes und die Früh⸗ reife, um nach dieſen Geſichtspunkten die Einteilung(Klaſſi⸗ fikation) ausführen zu können. Exterieur des Schafes. Die Lehre Settegaſts, daß die Harmonie des Körper⸗ baues beim Schafe in der Form des Parallelogramms zu * T Stelle deutet auf Fleiſchreichtum des Rückens und völlige Exterieur des Schafes. 21 finden ſei, iſt nicht mehr ſtichhaltig. Settegaſt zieht eine wagerechte Linie durch die Mitte des Widerriſtes nach der Schwanzwurzel, eine zweite dieſer parallel, alſo auch wage⸗ recht, vom Ellbogen nach dem Hinterteil, welche dort das Knie durchſchneidet; von der oberen zieht er dann zwei ſenk⸗ rechte Linien auf die untere wagerechte, die eine, die vordere, berührt die Bugſpitze, die zweite, die hintere, die Spitze des Sitzbeines. Ich behalte als praktiſcher Züchter ſtets drei Abb. 10. Normales Exterieur(Kopf, Hals, Bruſt). (Beſitzer L. Bauermeiſter⸗Zſcherndorf.) Punkte des Schafes im Auge: das Exterieur des Halſes, des Kopfes und der Bruſt(Abb. 10). Bei wohlgeformten Tieren muß der Hals faſt in gerader Linie in den Rücken übergehen, ſo daß eine Linie, die man ſich vom Kreuz bis an die Ohren gezogen denkt, nur ſehr wenig von einer ge⸗ raden Linie abweicht. Gegen die Schulter und Bruſthöhle hin ſoll der Hals dick ſein; denn ein derber Anſatz an dieſer 1 4 14 8 3 22 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. Entwicklung des Bruſtkorbes, gegen den Kopf ſoll er dünner werden. Ein langer Hals iſt immer ein Zeichen von Schwäche der Konſtitution und von Hochbeinigkeit. Auch der Kopf (Abb. 13) gehört zu den wichtigen Körperteilen, nach welchen die Qualität und Nutzbarkeit des Schafes zu bemeſſen iſt. Er muß im richtigen Verhältnis zu der Körpergröße des Tieres ſtehen und darf zwiſchen den Augen nicht zu weit ſein. Eine ſehr lange, dabei aber ſchmale Beſchaffenheit desſelben zeugt von Üüberbildung, zu große Breite der Stirn iſt ein ſicheres Zeichen ſchwerer Ernährung. Auch die Geſtalt der Bruſt Abb. 11. Normale breite Bruſtſtellung(Merino⸗Fleiſchbock⸗Jährling). (Beſitzer: Meyer⸗Friedeburg.) (Abb. 11) hat ihre Bedeutung. Die Rippen gehen in hori⸗ zontaler Richtung von den Wirbeln aus; dies bedingt aber größere Rundung und Räumigkeit der Bruſt. Von der Run⸗ dung und Geräumigkeit der Bruſt hängt die Größe und Stärke der wichtigen Teile ab, welche in ihr enthalten ſind, nämlich des Herzens und der Lungen, und im Verhältnis zu deren Größe ſteht die Fähigkeit, Futter in Nahrungsſtoff zu verwandeln. Aus dieſem Grunde wird der horizontale Anſatz der Rippen an die Wirbel und die hieraus folgende Rundung und größere Geräumigkeit der Bruſt zu dem wichtigſten Ver⸗ hältniſſe beim Schafe gezählt. Um der Bruſt ihre vollkommene Abrundung zu geben und damit die größtmöglichſte Ge⸗ ᷣ̈—— Exterieur des Schafes. 23 räumigkeit zu verſchaffen, iſt das Bruſtbein des Schafes von bedeutender Breite, nicht aber ſchmal und tief, wie beim Pferde. Beim jungen Tiere beſteht es aus ſieben unterſcheid⸗ baren Stücken, welche unter ſich durch Knorpel vereinigt ſind; Abb. 12. Normale Hinterſtellung. Stammbock Nr. 3710, geb. 17. 1. 1916. Gewicht 264 Pfd.(Beſitzer: v. Nathuſius, Hundisburg.) je älter das Schaf wird, deſto mehr verſchwindet der Knorpel, und das Bruſtbein wird ein zuſammenhängender Knochen. Da die Bruſt durch dieſe Anordnung ſehr weit wird, ſo er⸗ 8 4 8 5 * 3 2 24 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. klärt ſich hieraus die weite Stellung der Vorderfüße bei wohl⸗ geſtalteten Schafen. Nach vorn zu entſpringt von dem Bruſtbein ein Fortſatz. Beim Rind iſt dieſer Teil mit viel Fett und Zellgewebe um⸗ geben, das zwiſchen den Vorderbeinen des Tieres herabhängt und bekanntlich Triel genannt wird. Auch beim Schafe iſt dieſer Teil wichtig, wiewohl nicht ſo ausgebildet wie beim Rind; ein Tier, das an dieſer Stelle viel Fleiſch und Fett anſetzt, wird an anderen Partien nicht mager ſein. Zwiſchen dem Handgriffe des Bruſtbeines und dem Bruſtbeine ſelbſt findet eine gelenkartige Beweglichkeit ſtatt, welche von der Rechten zur Linken geht und daher trotz der Hervorragung des Bruſtbeines das Tier im freien Gebrauch ſeiner Vorder⸗ beine nicht hindert. Der Umſtand, daß die Rippen von den Rückenwirbeln horizontal ausgehen, ſichert der Bruſt eine gewiſſe Geräumig⸗ keit; hierbei iſt aber noch ein anderer Punkt nicht zu ver⸗ geſſen, nämlich die Tiefe des Bruſtkaſtens, die ebenſo wichtig iſt als deſſen Weite. Zwar iſt eine tiefe Bruſt nicht geräumig, wenn ſie nicht verhältnismäßig breit iſt; vereinigt ſich aber oben das tonnenförmige Hervorragen der Rippen mit der gehörigen Breite des Bruſtbeines, ſo ſind alle Bedingungen einer ſchnellen Maſtfähigkeit gegeben, wenn zugleich das Bruſt⸗ bein weit genug von der Wirbelſäule entfernt iſt. Die Schwie⸗ rigkeit, mit welcher die älteren Raſſen zu mäſten waren, ja die Unmöglichkeit, ſie wenigſtens vor einem gewiſſen Alter fett zu machen, liegt in gar nichts anderem als darin, daß die Rippen ſich oben nicht ſo ſtark wölbten, und daß die Tiere zu hochbeinig erſchienen, mit anderen Worten: keine Tiefe des Bruſtkorbes hatten, wodurch es denjenigen Organen an Raum gebrach, welche dazu dienen, das für das Wachstum des Tieres nötige Blut gehörig fortzutreiben und zu ani⸗ maliſieren. Im Hinterleib liegen die Magen und die Eingeweide. Die Magen des Schafes ſind verhältnismäßig außerordentlich groß und bedürfen überdies eines ziemlichen Raumes zur Aus⸗ übung ihrer Funktion. Die Natur hat hierfür geſorgt; denn die Querfortſätze der Lendenwirbel, welche die Breite der Lenden beſtimmen, ſind verhältnismäßig größer als beim Pferd und ſelbſt etwas größer als beim Rind. Hierdurch wird (-uixag daea le S05 lcggenvatcp! S0ſplan)„SolvcpS⸗allcoade Saule 81p gun lctag aacplicäs a Exterieur des Schafes. 26 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. für das vordere und mittlere Drittel ein gehörig weiter Raum geſichert. Das ſehr ſichtbare Hervorſtehen der Hüft⸗ knochen zeugt einesteils für den nötigen Raum bei Entwick⸗ lung des Fötus im Muttertier; anderſeits ſpricht es für vollkommene Entwicklung der Hinterviertel(des wertvollſten Teiles des Schafes) und trägt zur Geräumigkeit des Rumpfes in dieſer Richtung bei. Das Hervorſpringen der falſchen Rip⸗ pen verleiht den Flanken Rundung, und der Schwertfortſatz des Bruſtbeines, der nach hinten hervorragt, ſowie die kräf⸗ tigen und dicken Bauchmuskeln bewahren die natürliche Ge⸗ ſtalt des Bauches, während ſie demſelben Stärke verleihen. Zunächſt der geraden Linie des Rückens, der Rundung der Seiten und der Völligkeit der Flanken ſteht ein ebener Bauch nach unten an Wichtigkeit nicht nach. Ein Hängebauch ſieht zwar aus, als gebe er mehr Raum; er zeigt aber Schwäche der Bauchmuskeln und Unfähigkeit derſelben an, die über ihnen liegenden Baucheingeweide gehörig zu unterſtützen, was für eine richtige Verdauung weſentlich notwendig iſt. Schlim⸗ mer als alles dieſes iſt die dabei ſtattfindende Neigung, die Abfallteile auf Koſten wertvollerer zu vergrößern. Die eben beſprochenen Punkte ſind deshalb ſo wichtig, weil ſie die Harmonie im Körperbau des Schafes, welche vom Kopfe, Halſe und Bauche weſentlich abhängt, bedingen. Zur weiteren Beurteilung gehört noch die Höhe des Tieres. Die Höhe eines Tieres, von der Klaue bis zur Spitze des Wider⸗ riſtes gemeſſen, ſoll entſprechend der Länge des Rumpfes ſein von der Spitze des Buggelenkes bis zum Ende des Sitz⸗ beines. Beim Wollſchaf iſt das Verhältnis ein anderes als beim Fleiſchſchaf, weil durch die Länge des Rumpfes das Wollfeld und damit die Reichwolligkeit des Tieres beſtimmt wird, während die Geſtalt des Fleiſchſchafes mehr abgerundete Formen zeigen muß. Das Verhältnis der Höhe zur Länge des Rumpfes iſt beim Wollſchaf wie 12:18, beim Fleiſchſchaf wie 12:15 durchſchnittlich anzunehmen. Die Höhe der Beine von der Klaue bis zum Ellenbogen darf auch beim Wollſchaf nicht mehr als die Hälfte der Höhe von der Klaue bis zum Widerriſt betragen; die Schienbeine müſſen kürzer als der Oberarm und trocken und feſt im Knochen, unter dem Knie nicht ausgeſchnitten ſein. Die Beſchaffenheit der Haut, auf welche immer noch nicht genügende Rückſicht genommen wird, —— ——— Exterieur des Schafes. iſt gleichfalls von Wichtigkeit und einer genauen Prüſung zu unterziehen. Ein Streben nach dicker, faltenreicher Haut iſt immer ein Fehler bei der Zucht des Schafes; es zieht immer ein Zurückgehen der Tiere im Körperbau nach ſich. Soll die Haut des Tieres den Anſprüchen genügen, die wir an die⸗ ſelbe zu ſtellen haben, wenn bei einer ungeſtörten Geſundheit das Gleichgewicht zwiſchen Produktion, Wolle oder Fleiſch Abb. 14. Bezeichnung der einzelnen Körperteile(Bock). und leichter Ernährung feſtgehalten werden ſoll, ſo muß die⸗ ſelbe ein feines und elaſtiſches Bindegewebe beſitzen, ſich leicht hin⸗ und herſchieben und mit der Hand ſich falten und vom Körper abziehen laſſen, wogegen ſie an den Extremitäten und an den unbewollten Teilen des Kopfes feſt(ſtraff) aufliegen muß(ſchwammige Köpfe ſind zu verwerfen). Bei den Fleiſch⸗ ſchafen iſt die Haut faſt immer feiner als bei den Wollſchafen, wird aber durch die Wucherung von Fettzellen im Unterhaut⸗ zellengewebe bei der Maſtung ſtärker im Durchmeſſer, behält 28 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. jedoch die weiche elaſtiſche Beſchaffenheit und läßt auf dem Körper ſich leicht hin- und herſchieben, ohne Hautfalten zu bilden. Das Körpergewicht der Tiere ſoll dem Raſſentypus entſprechend ſein: bei dem Elektoral⸗ und Negretti⸗Typus⸗ Bock 60— 65 kg, beim Schaf 40— 45 kg, bei dem Kammwoll⸗ typus beim Bock 70— 80 kg(Jährlinge), Schafe 60— 70 kg. Bei engliſchen Raſſen durchſchnittlich 75— 90 kg bei Jähr⸗ lingsböcken. Die Zahlen bedeuten einen großen Unterſchied der früheren Körpergewichte; man ſchätzte das Körpergewicht eines Schafes im Jahre 1750 auf 18 kg, 1826 auf 20 kg, 1836 auf 25 kg, 1852 auf 28 kg, 1894 auf 35 kg, 1902 auf 40 kg, 1908 auf 41 kg, 1912 auf 42,5 kg, 1916 auf 43,8 kg. Erwähnen möchte ich, daß bei einer Kreuzung einer kleineren Raſſe mit einer ſchwereren immer die größeren, ſchweren Raſſen vorzuziehen ſind. Das Lamm iſt zwar bei der Geburt nicht größer, entwickelt ſich aber bei entſprechender Fütterung ſchneller und kräftiger, ſo daß bereits nach 3 bis 4 Generationen das Gewicht der ſchwereren Raſſe erreicht iſt. Ich komme nun zu den Bezeichnungen der einzelnen Körperteile des Schafes; vorſtehende Figur(Abb. 14) wird dies am beſten ſehen laſſen. Der Körper wird eingeteilt in Kopf, Rumpf und Glied⸗ maßen oder Extremitäten. Wird der Körper durch eine Linie von vorn nach hinten geſpalten, ſo zerfällt er in eine rechte und linke Hälfte. Es kommen vor: a) am Kopf: 1. Oberhaupt, 2. Stirn, 3. Naſenrücken, 4. Naſenlöcher, 5. Oberlippe, 6. Unterlippe, 7. Hinterkiefer, 8. Backe, 9. Wange, 10. Auge(oberes und unteres Augenlid), 11. die Schläfe, 12. Ohr, 13. das Horn, 14. der Kehlgang, 15. die Kehlgegend; b) der Rumpf zerfällt in Hals, Bruſt, Bauch, Kreuz. Am Halſe kommen vor: 16. Genick, 17. Kamm, 18. Anſatz, 19. Seite, 20. Köder oder die Wamme, 21. Droſſelrinne. An der Bruſt kommen vor: 22. der Stock, 23. Rücken, 24. Bruſtſpitze, 25. Seitenbruſtwand, 26. die untere Bruſt⸗ wand. Am Bauch kommen vor: 27. Lende, 28. Seitenbauch⸗ wand(Flanke), 29. Hungergrube, 30. die untere Bauchwand, 31. Schlauch, vor demſelben der Nabel, 32. Schenkelbogen (Gardine), 33. Hodenſack(männlich),(weiblich: Euter). Frühreife. 29 Am Kreuz kommen vor: 34. Kreuz, 35. Hüfte, 36. die Schwanzwurzel, 37. der Schwanz, 38. der Damm oder das Mittelfleiſch. Die Gliedmaßen werden in vordere und hintere unter⸗ ſchieden. Vordere Gliedmaßen: 39. Schulter(Blatt), 40. der Ober⸗ arm, 41. der Ellenbogen, 42. der Vorarm, 43. das Vorder⸗ knie, 44. das Schienbein, 45. Feſſel, 46. die Krone, 47. die Klauen, zwiſchen ſich die Klauenſpalte. Hintere Gliedmaßen: 48. Oberſchenkel, 49. Hinterknie, 50. Unterſchenkel(der hintere Rand wird Hoſe oder Wolfsbiß genannt), 51. das Sprung⸗ gelenk, 52. Schienbein, 53. Feſſelgelenk mit den Afterklauen, 54. Feſſel, 55. Krone, 56. Klauen(Klauenſpalten). Frühreife. Ein weiterer wichtiger Punkt iſt die Frühreife des Schafes. Die Entwicklung des Tieres vollzieht ſich innerhalb eines beſtimmten Zeitraumes, und wir bezeichnen ein Tier, deſſen Entwicklung beendet iſt, mit reif oder erwachſen. Im allgemeinen erreichen landwirtſchaftliche Hausſäuge⸗ tiere, die um irgendeiner wirtſchaftlichen Leiſtung willen, ſei es als Arbeits⸗ oder als Nutztiere, gehalten ünd gezüchtet werden, erſt im Zuſtand des Erwachſenſeins, der Reife, den höchſten Grad wirtſchaftlicher Gebrauchsfähigkeit. Daraus folgt ohne weiteres, daß ſich die Aufzucht eines Tieres und ſeine ſpätere Nutzung um ſo gewinnbringender geſtalten muß, je früher bei ihm der Reifezuſtand eintritt, je früher es ſomit die auf ſeine Aufzucht verwendeten Koſten und Mühen in Form einer Leiſtung zurückerſtattet. Mit anderen Worten: die Anlage zur Frühreife iſt in den weitaus meiſten Fällen als ein Vorzug landwirtſchaftlicher Haustiere zu betrachten, ſelbſt in dem Falle, daß letztere— wie z. B. viele Kälber und Ferkel— ſchon lange vor Eintritt der Reife geſchlachtet werden. Es iſt von jeher das Beſtreben der Züchter geweſen, möglichſt frühreife Haustierformen heranzubilden, Tiere, deren Organismus die Fähigkeit beſitzt, in relativ jugendlichem Alter in den Zuſtand des Erwachſenſeins einzutreten. Weſentlich erleichtert wird dieſe züchteriſche Arbeit durch den Umſtand, daß die Frühreife, urſprünglich eine von der Natur ge⸗ 30 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. ſchaffene und nicht ohne weiteres übertragbare Eigentümlichkeit beſtimmter Raſſen, der künſtlichen Beeinfluſſung inſofern zu⸗ gänglich iſt, als durch zweckentſprechende Ernährung und Hal⸗ tung die ererbte Anlage eines Tieres zur Frühreife zur Ent⸗ wicklung gebracht, die Frühreife ſelbſt ſomit hervorgerufen bzw. geſteigert werden kann. Die hierauf abzielenden Maß⸗ nahmen liegen im weſentlichen auf dem Gebiete der Ernäh⸗ rung, und zwar iſt es beſonders eiweiß⸗ und phosphatreiche Abb. 15. Frühreifes Merino⸗Fleiſchſchaf.(13 Monate alte weibliche Schafe.) (Beſitzer: Graf v. d. Schulenburg⸗Vitzenburg.) Nahrung, die, in reichlichen Gaben dargeboten, zum Zu⸗ ſtandekommen der Frühreife beiträgt. Warum neben den Eiweißſtoffen, den eigentlichen plaſtiſchen, d. h. gewebebilden⸗ den Nährſtoffen, gerade Phosphate in dieſer Hinſicht förder⸗ lich wirken, das leuchtet ohne weiteres ein, wenn wir bedenken, daß phosphorſaurer Kalk(Trikalziumphosphat) als Haupt⸗ beſtandteil der Knochenſubſtanz zum Aufbau des Knochen⸗ gerüſtes unentbehrlich und, in reichlichen Mengen gegeben, imſtande iſt, die Entwicklung der Knochen zu beſchleunigen und verhältnismäßig zeitig zum Abſchluß zu bringen. Iſt Frühreife. 31 dies geſchehen, iſt gleichzeitig mit der Vollendung des Zahn⸗ wechſels auch die oben näher beſchriebene Verknöcherung der Meyer⸗Friedeburg) (Beſitzer: Fleiſchſchaf(18 Monate alte Schafe in Wolle). Frühreifes Merino Abb. 16. Gliederknochen und die der Schädelknochennähte eingetreten, und ſind infolgedeſſen die Knochenteile des Kopfes und der Gliedmaßen nicht mehr in der Lage, weiter zu wachſen, ſo — —— 32 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. kommen alle noch weiter dem Körper zugeführten Nährſtoffe, deſſen die Schädel⸗ und Röhrenknochen nicht mehr bedürfen, anderen Körperteilen, vor allem denen des Rumpfes, zugute und werden hauptſächlich zur Fleiſch⸗ und Fettbildung ver⸗ wendet. Dies iſt der Grund, warum frühreife Tiere im aus⸗ gewachſenen Zuſtande ſich häufig durch einen relativ kleinen Kopf, kurze Gliedmaßen und einen ſtark entwickelten Rumpf auszeichnen, Eigenſchaften, die— das muß hier allerdings Abb. 17. Frühreifer Merino⸗Fleiſchbock.(Jährlingsbock.) (Beſitzer: G. Berger, Herrenſteinfeld bei Schwerin i. M.) einſchränkend betont werden— keineswegs für alle Formen der tieriſchen Nutzung wünſchenswert ſind. Einen gedrungenen Körperbau, kleinen Kopf und kurze Beine ſoll jedes frühreife, Fleiſch und Fett produzierende, auf Maſtfähigkeit gezüchtete Tier beſitzen, das Rind ſowohl wie das Schwein, das Fleiſch⸗ ſchaf und Fleiſchwollſchaf; unerwünſcht wären dagegen, weil der verlangten Leiſtungsfähigkeit zuwiderlaufend, dieſelben Körperformen bei dem gleichfalls frühreifen engliſchen Renn⸗ pferd. Hier weiſen Daſeinszweck und Zuchtziel den Züchter Frühreife. 33 zwar ebenfalls auf intenſive Ernährung hin wie bei jenen, gleichzeitig aber auf eine Maßnahme, die der Wachstums⸗ hemmung und Kürzung der Gliedmaßen im jugendlichen Alter entgegenarbeiten ſoll. Dieſe Maßnahme beſteht in der frühzeitig einſetzenden rationellen übung der Bewegungs⸗ organe, die neben der intenſiven Ernährung einhergehend, beim Rennpferd auf eine Verlängerung und Kräftigung der Beinknochen vor Abſchluß ihres Wachstums hinarbeitet und überhaupt der Entwicklung des ganzen Körpers eine weſentlich andere Richtung gibt. Die vorſtehenden Darlegungen laſſen erkennen, in welcher Richtung ſich nun auch beim Schafe die Aufzucht mit Rückſicht auf die Ausbildung der Frühreife zu bewegen hat. Das heu⸗ tige deutſche Kulturſchaf(Abb. 16) iſt in ſeiner Mehrheit Woll⸗ und Fleiſchproduzent zu gleicher Zeit. Andere Nutzungsformen(Milch, Fell uſw.) treten dagegen weit zurück. Da die Fleiſcherzeugung aber in ihrer wirtſchaftlichen Bedeu⸗ tung für den Züchter allen anderen Nutzungsarten überlegen iſt, ſo erſcheint es angebracht, bei der Aufzucht ſtets in erſter Linie die Anforderungen an leichte Ernährbarkeit und Maſt⸗ fähigkeit im Auge zu behalten, das junge Schaf demnach auf ſeine Beſtimmung als Fleiſchtier vorzubereiten. Die Züchtung eines frühreifen Fleiſchſchafes ſetzt eine ſtark angeregte Er⸗ nährungstätigkeit voraus, die hervorgerufen wird durch eine reichliche und gehaltreiche Ernährung von Jugend auf. Neben⸗ her geht die Gewährung einer angemeſſenen Ruhe und Scho⸗ nung aller Bewegungsorgane, um deren Tätigkeit, ebenſo wie die der Atmung und des eng damit zuſammenhängenden Stoffverbrauches im Körper in möglichſt engen Grenzen zu halten. Tritt zu dieſen beiden Haupterforderniſſen der An⸗ zucht und Haltung, der reichlichen Ernährung und mäßigen Ruhe noch eine gute, rationelle Pflege, ſo ſind die Grund⸗ lagen geſchaffen, auf denen ſich eine erfolgreiche züchteriſche Tätigkeit aufbauen läßt. Die zuverläſſigſte Kontrolle über den Erfolg der Ernäh⸗ rung und der ganzen Aufzucht zur Frühreife liegt in der Kontrolle des zunehmenden Körpergewichts. Die Viehwage iſt ein unentbehrliches Gerät jedes tüchtigen Tierzüchters. Die Zahlen der folgenden Tabelle ſollen einen kleinen Beweis bringen, welche Zunahmen Schafe zu verzeichnen Heyne, Schafzucht. 4. Auflage. 3 K 34 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. hatten. Die Wägungen wurden am 1. eines Monats ausgeführt: Deutſches ſchwarzköpfiges Fleiſchſchaf(Lammbödke). 1. Juli 1. Auguſt 1. September 1. Oktober kg kg kg kg Merino⸗Fleiſchböcke(Lämmer). 39 44 50 34 40 48 40 42 40 35 38 45 Wenn dieſe Zahlen auch nur Gewichtszahlen darſtellen, ſo geben ſie doch Veranlaſſung, die Tierbeobachtung zu ſchär⸗ fen. Alle dieſe Merkmale des Exterieurs, der Frühreife müſſen bei der Klaſſifikation der Mutterſchafe im Auge behalten werden, ſei es in der Zuteilung der Böcke oder der Muttern. Klaſſifikation der Mutterſchafe. Was die Mutterſchafe betrifft, ſo iſt die Unterſcheidung, ob Woll⸗ oder Fleiſchſchafe, ungemein wichtig; es werden alte, kranke, in den Zeugungsorganen und Eutern fehlerhafte Individuen von der Zucht ausgeſchloſſen. Die Klaſſifikation derſelben iſt nicht leicht; ſie erfordert große Aufmerkſamkeit und genaue Kenntnis aller in Betracht kommenden Eigen⸗ ſchaften. Läßt man z. B. eine Herde wild, d. h. in beliebiger Weiſe ſich begatten, ſo wird die Einwirkung der Böcke nie⸗ mals ſo ausgleichende Reſultate liefern als bei beſonnener Einteilung der Herde in Klaſſen; denn durch dieſe kommt jeder Bock zu dem Mutterſchafe, bei welchem ſeine Eigen⸗ ſchaften zu ihrer vollen Wirkung gelangen. Deshalb iſt die Klaſſifikation der Schafe beinahe überall eingeführt und wird meiſt von erprobten Fachleuten(Schafklaſſifikatoren, Schäferei⸗ direktoren, Züchtern) vorgenommen. Beſonderen Ruf hierin Klaſſifikation der Mutterſchafe. Paarungsüberſicht der Mutterherde. Die Klaſſifikation 1 ½ Jahr Alte alte oder Zuſammen⸗ der Mutterherde ergab: Mutter⸗ 2 ½ jährige ſtellung ſchafe Zutreter der Klaſſen Stamm Stück Stück Stück Klaſſe 1— 1 Kerb när. 3 V Klaſſe II A erbe unten„„„ Klaſſe III— 3 Kerbe unten„ 8 V Alaſſe V 1 Rarb aen 2* 8 3 3 b 1 Klaſſe V 2 Kerbe ien 3„ 1 1 Klaſſe VI— 3 Kerbe oben — ca.„„„ 1 Summa 1 Kerb rechts 3 5 Welerge— in der Spitze. Bracken— 2 Kerbe rechts . 3 und links Merzen in der Spitze Stück Zeitſchafe. „ Alte Mütter. Stück zur Zucht 1 36 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. haben erlangt: in England Backwell, in Deutſchland Kunitz, Behmer, Familie Heyne, Buchwald, Thilo und andere. Soll die Klaſſifikation ihren Zweck erreichen, ſo muß der Züchter ein beſtimmtes, aber nicht ein zu hohes Ziel verfolgen. Von den verſchiedenen Klaſſifikationsſyſtemen will ich nur eins hervorheben, welches meiner Meinung nach allen Anforde⸗ rungen entſpricht und jeder Zuchtrichtung ſich leicht anpaßt. Nimmt man an, daß man eine völlig unausgeglichene, aus den heterogenſten Tieren zuſammengeſetzte Herde vor ſich hat, ſo teilt man dieſe in folgende Klaſſen ein: 1. Klaſſe: Ausgeglichenheit und Adel in Wolle bei guter Körperform; mäßig gedrängte Kräuſelung, über⸗ all gut beſetzt, gute Feinheit, normale Statur, ſtraffe Ohren— ſog. Konſtantierungsklaſſe. 2. Klaſſe: Wolle zu dicht, Faltenbildung kommt vor, Fein⸗ heit abfallend, unausgeglichen, der Kürder gerin⸗ ger— ſog. Veredelungsklaſſe. 3. Klaſſe: Wolle und Ausgeglichenheit normal, zu lang im Stapel, Hautdichtigkeit mangelt, Körper groß (hochbeinige Tiere kommen vor)— Verdichtungs⸗ klaſſe. 4. Klaſſe: Ausgeglichenheit und Adel der Wolle nehmen ab, „ ſchwächliche Körperfigur vorhanden— Korrektions⸗ klaſſe. 5. Klaſſe: Zwirner, allgemeine überbildung, kahler Kopf, ſpitzer Körper, d. h. Knochenbau zu fein, Vlies un⸗ regelmäßig gebildet, zwirnig, Hautdichtigkeit und Beſatz ſehr mangelhaft. 6. Klaſſe: Unausgeglichenheit in Wolle und Vlies tritt deut⸗ lich hervor; das ganze Tier zeigt ſchwächlichen Körperbau; ſeine Wolle iſt unedel. Die Klaſſifikation wird am beſten nicht vor dem achten Monate, alſo etwa acht Monate nach der Schur vorgenom⸗ men. Sie kann zuweilen berichtigt werden, beſonders bei Schafen, welche die erſten Lämmer erhalten haben. Ein er⸗ fahrener Züchter freilich nimmt Rückſicht auf die zweite Schur; denn nach dieſer wird die Wolle dichter. Die Klaſſen werden gewöhnlich durch Kerbe bezeichnet; folgende Kerbung, wie Schema auf Seite 35, iſt zu empfehlen. —,=U =ͤ= — ————— —-——————. Klaſſifikation der Mutterſchafe. 37 Nach Ausführung der Klaſſifikation werden die Böcke ausgewählt; die Auswahl muß nach dem Typus der Klaſſe erfolgen. Für die Paarung mit den in der erſten Klaſſe be⸗ findlichen Schafen, bei deren Nachzucht eine Verfeinerung der Wolle nicht angeſtrebt wird, muß der dazu beſtimmte Bock etwas ſtärker im Haar ſein; man wählt daher einen Bock, der im Durchmeſſer des Haares etwa um eine halbe bis ganze Feinheitsklaſſe ſtärker iſt, wenn eine Verfeinerung bei der Nachzucht nicht eintreten ſoll. Dagegen iſt bei der zweiten Klaſſe, bei welcher eine Veredelung der Wolle bei der Nach⸗ zucht angeſtrebt wird, der Bock etwas feiner oder mindeſtens von gleicher Feinheit der Wolle zu wählen. Dagegen iſt bei der Wahl des Bockes für die dritte Klaſſe vorzugsweiſe auf Wollreichtum Gewicht zu legen; man bezeichnet dieſe Böcke mit Maſſenböcken; für alle drei Klaſſen muß die Körper⸗ form des Bockes tadellos ſein. Die vierte Klaſſe muß Böcke haben, welche ſowohl in Wolle als auch beſonders im Körper tadellos ſind uſw. Bei Klaſſifikation von engliſchen Fleiſch⸗ tieren macht man gewöhnlich nur drei Klaſſen, und zwar, da hier die Wolle weniger in Betracht kommt, meiſtens nach Typus der betreffenden Richtung und nach dem Exterieur des Körpers; auch die Klaſſifikation der Fleiſchherden iſt von großer Wichtigkeit, da durch eine Einteilung viele Fehler ausgemerzt und die Vorteile raſcher zu Geltung kommen. Man darf nun nicht annehmen, daß nach einer einmaligen Klaſſifikation ſämtliche Nachzucht ſchon normal ſei; dieſelbe wird dem Muttertiere erſt ähnlicher; die Natur macht keine Sprünge; je ruhiger man vorſchreitet, deſto ſchneller gelangt man zum Ziele. Hat eine Herde durch richtig geleitete Gruppenzüchtung einen ſolchen Höhepunkt erreicht, daß eine gewiſſe Vererbungsſicherheit vorhanden iſt, ſo genügt die Klaſſeneinteilung nicht mehr; hier greift die Hochzucht Platz; das Individuum muß ſelbſt beurteilt werden. Zu dieſem Zwecke legt man Bonitierungsregiſter an, welche dem Züchter zu Hilfe kommen. Freilich bin ich der feſten überzeugung, daß alles Schreiben in dieſe Liſten wenig Zweck hat, wenn die Grundlage nicht vorhanden iſt, d. h. das Sehen und die An⸗ ſchauung des lebenden Weſens. Dieſe Verzeichniſſe ſollen die Abſtammung und Vererbung des Individuums kennen lehren. Bei den Boniturtabellen gebraucht man ſtatt der Worte Zeichen 38 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. — 5 AAg=ggSg 8 2S8S8888 8 Gebrauch Geboren — G 2. 0— 5 5 Mutter 5 SIl 15 5r ee Bater ½ 2. 8 —— 8 ☚ 2— 52L z* 5 8 bS = 9 Raſſe S8S 8 S— — 5 g Gewicht 2 G 5 0— Verhältnis 8 5 8 5 5 Kopf 8 Stellung S 8½ 1n WS 3 Bauch 2 2— 5 Beine 98 Bocd& Form 6 —E 8 Zibbe Tiefe 5 — SSHammel. Dichte 85 + Kopf Feinheit Haut Charakter S 8 8 S Beſatz Kraft 5 Körper 3 Ausgeglichenh. als g Jährling 89 Rangiert in Klaſſe 00000 Züchtungswert — Klaſſifikation der Mutterſchafe. 39 und Abkürzungen; es muß dabei ein leicht faßliches Syſtem vorherrſchen. Bekannt ſind die Boniturſyſteme von Kunitz, Behmer und anderen. Vorſtehend(S. 38) gebe ich mein Syſtem an. Außer dem Stammbuche ſollte von jedem Schafmeiſter ein kurzgefaßtes Sprung⸗ und Zuchtregiſter geführt werden. Es müßte folgende Rubriken enthalten: 1. Nummer der Mutter, die lammen ſoll, 2. Geburtsjahr der Mutter, 3. Num⸗ mer des zugeteilten Bockes, 4. Tag der Zulaſſung, 5. Tag der Geburt, 6. Geſchlecht des Lammes, 7. Bemerkung. Die Numerierung der Schafe geſchieht entweder durch Kerbung, ſogen. alte Schäfernummern(ſiehe Abb. 18) oder zweckmäßiger durch Tätowierung im Ohre. Man drückt die Nummer ins Ohr ein und reibt dieſe Stelle mit einer aus Ruß, Pulver und Spiritus gemiſchten Flüſſigkeit gut ein. Dieſes Verfahren iſt der Bezeichnung mit Marken ohne Zweifel vorzuziehen. Abb. 18. Eine Kerbe linkes Ohr untere Seite(hinten)= 1 „„„ obere„„ 3 4„ rechtes, untere„ 3— 10 „„„ 21 obere„„— 30 „„ Spitze des linken Ohres— 100 77 77 M 7 rechten It— 200 Ein Loch im linken Ohr= 400 3.„„ rechten Ohr= 800 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. Boniturſchlüſſel. Raſſe. Bezeichnet durch E Elektoral. N Negretti. Elektoral⸗Negretti. Negretti⸗Elektoral. Rambouillet⸗Negretti. Ramboulllet. Southdown. Suffolk. Oxrfordſhiredown. Hampſhiredown. Shropſhire. Diſhley. Border⸗Leiceſter. Merino⸗Fleiſchſchaf. Körperbau. Bezeichnet durch a normal, tieftonniger, kräftiger, breiter, großer Körper, b nicht ganz entſprechend, ſchon etwas zu hochgeſtellt. auch ſpitzig gebaute Körper. kleine, ſchwache, ſchmale Körper, mit dünnen Knochen uſw. Kopfbildung. Bezeichnet durch a normal, bewachſener, breiter, kurzer Kopf. b+ hinneigend zu normal, fehlt das Edle; zu lange, harte Kopfbildung. 5 b ſpitze, ſchmale, lange Kopfbildung. b— Beächſehte aber zu weiche, moſige(auch ſchwammige) öpfe ec nackte, kahle, überbildete und ordinäre, gemeine Köpfe⸗ Wollfeinheit. 4 Kräuſelungsbögen Bezeichnet durch aaaa Super Super Electa.... 32 und darüber aaa+ Super electa...... 30— 32 aaa Electa I....... 28— 30 Electa II... 24— 28 Prima 1 Gohe Puma) 23— 24 Prima II.. 21— 23 Secundal..... 19— 20 Secunda....... 17— 19 Secunda II.. 16—17 Teritdcda 13— 16 Guarta— 13 ———— Bezeichnet durch n. Paarung. 41 Wollcharaktere. normal(durchaus gleichmäßiges, treues Haar), normale Biegung. Bezeichnet durch m kr schl klb VTW Bezeichnet durch a Bezeichnet durch g 71 71 br br— 41 7* Sp „„ SP— 77 77 of Bezeichnet durch n. 7* 71 t 71 71 tt 71 7 k „„ Ik * 7 a 7* 77 b C markiertes Haar, oft ſchon zu ſehr markiert, be⸗ ſonders am Vorderarm und den Bauchpartien. kreppartig. ſchlicht. klarer Bau. verwachſene, unklare Wollen, unregelmäßige Bie⸗ gungen ohne Glanz und Lüſter. rohes, hartes, ſprödes Haar. baumwollige, leichte, hohle, leere Wollen. Dichtheit. ſehr gedrängtes, dichtſtehendes Wollvlies. nicht ganz genügend, locker, leer. loceer und loſes Wollvlies, wo folglich auch die normale Stapelbildung fehlt. Stapelbau. gute, regelmäßige Stapelbildung(normal). zwar breit, dennoch edler Stapel. zu breit, daher gewöhnlich hart und ſpröd in der Wolle. ſpitzer, zarter Stapel, ohne offen zu ſein. zu ſpitzer Stapel, wo ſich die Untreue im Haar offener, loſer Stapel. lausſpricht. Wollſtand. normale Länge. tief. ſehr tief. kurz. ſehr kurz. vorzüglicher Beſatz an den Extremitäten. mangelhaft am Bauch und Vorderarm. kahler, nackter Beſatz. Kraft. ſehr kräftig, feſtes gedrängtes Haar. etwas zu weiches Haar. 3 kraftloſes, mattes Haar. Ausgeglichenheit. ganz ausgeglichen an allen Teilen. ausgeglichen. nicht ganz ausgeglichen am Kopfe, Widerriſt oder Beinen. ganz ausgeglichen. 42 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. Stellung des Tieres. Bezeichnet durch a normal, breite Stellung mit kräftigen und ſtarken Gliedern verbunden. breite Stellung, jedoch mit zu ſchwachen, zarten Sprung⸗ gelenken. ſchiefe, einwärtsſtehende Hinter⸗ und Vorderſtellung mit zu engem, ſchmalem Bruſtkaſten. Züchtungswert. Bezeichnet durch 000000 höchſtes Züchtungsmaterial. 00000 minus. 0000 minus. 000 minus. 00 minus. 11 Paarung. Das Mutterſchaf bleibt 24—30 Stunden brünſtig, d. h. geneigt, den Bock anzunehmen. Ein Sprung genügt, um es trächtig zu machen. Wird es während der angegebenen Zeit nicht trächtig, ſo kehrt die Brunſt nach zwei bis drei Wachen wieder. Ein normal gebauter Bock kann täglich bis acht Schafe decken; beſſer iſt es freilich nur bis fünf decken zu laſſen. Gewöhnlich rechnet man auf einen Bock bis fünfzig Mutter⸗ ſchafe. Die Dauer der Sprungzeit iſt verſchieden; ich bin der Anſicht, daß, je kürzer die Sprungzeit iſt, es für die Aus⸗ geglichenheit der Lämmer deſto beſſer iſt. Man ſollte vier, höchſtens fünf Wochen zulaſſen. Welcher Unterſchied in den Lämmern! Beim Sprung unterſcheidet man wilden Sprung, welcher ganz zu verwerfen iſt, Klaſſen⸗ oder Haremſprung und Sprung aus der Hand. Der Sprung aus der Hand muß bei Hochzuchten angewendet werden; bei Woll⸗ oder Fleiſch⸗ herden im Klaſſenſprung gibt es ein einfaches Verfahren. Man läßt einen oder zwei Probierböcke in die Herde; dieſe ſuchen die brünſtigen Mütter; dieſelben werden dann, je nach der Klaſſe, in eine beſtimmte Boxe getan, und der dazu be⸗ ſtimmte Bock wird in dieſe Boxe zugelaſſen. Man beobachte, daß der Begattungstrieb bei den Muttertieren etwa ſechs Wochen nach dem Lammen wieder eintritt, was von Be⸗ deutung, wenn man aus außerordentlichen Gründen zwei Lämmer in einem Jahre züchten will. Nach dieſer Zeit wird das Schaf erſt nach zehn Monaten wieder brünſtig. Auch das Paarung. 43 Wetter hat großen Einfluß; bei trockenem, angenehmem Wetter geht die Begattung viel beſſer vor ſich; auch müſſen die Schafe dabei Bewegung haben. Ein Bock erreicht ſeine Vollkraft mit 2 ½ Jahren; man läßt aber jetzt allgemein Böcke mit 1 ½¼ bis 1 ¾ Jahren zu, ja in frühreifen engliſchen Zuchten in einem Alter von 9 bis 10 Monaten, aber die Erfahrung hat gelehrt, daß ſich die⸗ ſelben raſch abnutzen; man ſollte deshalb einen Bock nicht früher als nach dem 12. Monat zulaſſen. Es kommen mitunter Fälle vor, wo junge Böcke, die zum erſten Male für die Zucht verwendet werden, nicht gleich decken wollen und für impotent erklärt und auns Hieſem Grunde dem Verkäufer zurückgegeben werden. Faſt immer liegt aber ein Grund vor; denn impotent kann der Bock nur durch fehlerhafte Zeugungsorgane werden, was aber ſelten vor⸗ kommt. Ein ſolcher Grund kann ſein die Vorführung von un⸗ paſſenden Schafen, die entweder zu hoch oder zu unruhig ſind oder einen zu ſtarken Beſatz von Wolle unter dem Bauch haben, der bei dem Bock durch Abſcheren beſeitigt werden muß; auch kaufe man die Böcke nicht unmittelbar vor der Sprungzeit, ſondern mindeſtens drei Wochen vorher, damit ſich dieſelben an den Stall, Futter und Waſſer gewöhnen. Den Nachweis einer möglichſt hohen Züchtungskonſtanz kann nur der Stammbaum, das Stammregiſter liefern; an dem vorſtehenden Schema(S. 38) ſehen wir die genaue Bonitur der Mutter ſowie alles, was dazu gehört, um die Nachkommenſchaft auf die Leiſtung zu prüfen; der Raum iſt auf neun Züchtungsjahre eingerichtet; rechnet man, daß ein Schaf in einem Alter von drei Jahren das erſte Lamm be⸗ kommt, ſo kann ich das Schaf neunmal zuteilen, habe die Nachzucht überſichtlich nebeneinander ſtehen. Bei Anfertigung des Regiſters zum Gebrauch ſind auf jeder Seite 27 Zeilen, alſo auf jeder Seite 3 Mütter zu neunmaliger Zuteilung; die geborenen Lämmer erhalten entweder die Nummer der Mutter oder eine laufende Nummer, welche aber dann im Stammregiſter vermerkt werden muß. Es gibt ja ganz verſchiedene Bonitureinteilungen, auch Werteinſchätzungen nach Graden und Punkten; bekannt iſt der Boniturſchlüſſel von Kunitz, welcher eine größere Verbrei⸗ tung gefunden hat; ich laſſe denſelben folgen. 44 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. E Elektoralform, EN Elektoral⸗Negrettiform, N Negretti⸗ form, NX extreme Negrettiform(ſehr faltige Haut), R Rambouilletform, RN Rambouillet-Negretti, der Ne⸗ grettiform ſich nähernd. Der Zuchtwert, den die Tiere in den Herden haben, wird durch die römiſchen Zahlen I, II und III ausgedrückt. II. Wollqualität. 3 a) Feinheit. 1 a, anzuſtrebende Feinheit, 1 aa, 1 aaa, höhere Feinheitsgrade, 1ab, 1 b, 2 b, geringere Feinheitsgrade. Plus⸗ und Minuszeichen, z. B. 1 a+ und 1 a= werden bei den Feinheitsgraden gebraucht. b) Wollcharakter. 1. Tuchwolle. m, muſtermäßig, d. h. gedrängter normaler Stand des Stapels bei normaler mittlerer Tiefe, mm, ſehr gedrängt dicht, mt, wie m, äber größere Tiefe des Stapels, mk, wie m, aber kürzer im Stapel, mmk, ſehr gedrängt, aber kürzer wie bei mm, mmhkk, ſehr gedrängt, ſehr kurz, mmkl, normales Haar, am Bauch und Beinen zu Zwirn ſich neigend. 2. Kammwolle. ml, normale Stapellänge, leichtwüchſiger, mlt, wie ml, aber größere Tiefe des Stapels, mml, größere Dichtheit häufig auf Koſten der Tiefe, mll, ungenügende Dichtheit, leichtes Haar, mkl, wie ml, etwas kürzer im Stapel. Eigenſchaften des Wollhaares. a, ausgeglichen und unausgegrichen, f, fehlerhafte Form der Kräuſelung, ff, fehlerhaft bei dünnem Stand der Wollhaare, origl, originales Haar, nach jeder Hinſicht normal, origl m, Original mild, m origl, matt original, weniger klar im Wollhaar, m, mattes Haar, geringe Haltbarkeit. — Paarung. 45 tr, trockenes Haar, ſchlechte Ernährung, sf, ſchwerer Fettſchweiß, kt, Krepphaar, ungenügende Elaſtizität, glaſiges Haar. III. Körperform. 1. Wollſchafe. Die Körperformen finden ihre Beſchaffenheit durch 1½—%, und zwar ⅛—% für Wollſchafe und ⅞—%ℳ bei Fleiſchſchafen. Wollſchafe ⅞6 normale Figur, gute Entwick⸗ lung, ⅛ große, ſchwere Form mit breiten Formen, Neigung zur Form der Fleiſchſchafe. 7ſͤ% geringere Form an Durchbildung als ¶, aber brauch⸗ bar für die Zucht. ⅛ unhaltbare Form. Zu einer weiteren Bezeichnung werden dann noch die Buchſtaben e und ü gebraucht. Das e hinter den Achteln drückt eine Vergröberung des Organismus aus. Das e vor den Achteln deutet dagegen auf eine gewiſſe Zartheit und Schwächung des Organismus hin, die, wenn ſie vollſtändig ausgeſprochen, mit eü bezeichnet wird und das Tier für die Zucht wertlos macht. 2. Fleiſchſchafe. Für dieſe gelten die Bezeichnungen 3/6— ⁄ ⁄, die voll⸗ kommenſte Körperform wird mit 7% bezeichnet. 3 * Iv. Zeichen für den Grad der Veredelung. Man verwendet dann die Nullen in folgender Weiſe: 00000 als Zeichen des höchſten Zuchtwertes, 000„„ für ein Tier von mittlerem Zuchtwert, 00—0„„ für ein unedles Tier mit geringem Zuchtwert. Ein vorzügliches Mutterſchaf mit Tuchwollcharakter würde folgende Bezeichnung erhalten: E 1 a+m a orig!l ⅜ I 00000, dagegen ein Kammwollſchaf von beſter Qualität R 1 a mlt a origl m 1 00000. Als weitere Beurteilung von Schafen hat man Punkt⸗ zahlen eingeführt. Settegaſt nimmt 100 als Norm an und 46 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. hat 5 Gruppen zu 20 Punkten. Auch Behmers Punktie⸗ ſyſtem, praktiſch und gut, will ich hier nicht näher beſchreiben, da es bekannt iſt. Alle dieſe Syſteme beruhen nun auf Ab⸗ ſchätzungszahlen und individueller Anſicht, welche für ſich keine wirkliche Norm geben können; aber immerhin iſt die Be⸗ urteilung der Tiere nach Wertſkalen oder Points ſehr ange⸗ bracht, denn es übt das Auge des noch nicht genügend er⸗ fahrenen Züchters. gewandt. 90:OK 90 po— 1. Bonitierung von Vollſchafen. A. Körperbau. Typus der Raſſe.... Entſprechendes Raſſegewicht...... Verhältnis der Höhe zur Länge des Rumpfes Umfang des Rumpfes hinter der Schulter „„„, an den Hüften. Form des Vorderkopfes. 8.„ Hinterkopfes. „ der Hörner.... Länge und Stärke der Ohren Stellung und Höhe der Vorderbeine „ Hinterbeine Stärke der Schienenbeine und Unterſchenkel „Beſchaffenheit der Haut.... Summa B. Wolle. a) Eigenſchaften des Wollhaares. Charakter der Tuch⸗, Kamm⸗ oder Stoffwolle 2. Feinheit je nach Richtung 3. Kräuſelung.... 4. Elaſtizität, Krimpkraft .Ausgeglichenheit . Haltbarkeit.. . Adel.. H...... Summa 2 5 4 3 3 3 6 4 3 3 4 4 4 4 00 Oo 0e 0O 00 88 Nachſtehende Skala wird vielfach an⸗ Punkte, Punkte, Punkte. 0— S- SSͤ— — B S= Paarung. 47 b) Eigenſchaften der Stapelung. Form der Stapelung. 4 3 Gleichſormnigkeit 3 Tiefe.... 3 Dürftigkeiit..... 3„ 5. Stapelſchluß. 12 . Bewachſenheit, Reichwolligkeit... 4 Fettſchweiß, Natur desſelben...... 4„ Summa 25 Punkte. Punkte, 29, Swe do2⸗ Für Wollſchafe 100 Punkte. 2. Bonitierung von Fleiſchſchafen. A. Körperbau. ———— 1. Typus der Raſſe. 5 Punkte, 2. Körpergewicht der Raſſe entſprechend.. 5„ 3. Verhältnis der Höhe zur Länge des Rumpfes 5„ 4. Umfang des Rumpfes hinter der Schulter. 4„ 5. 3 vor den Hüften. 4.„ 6. Breite und Tiefe der Bruſt. 5„ 7. Breite zwiſchen den Hüften. 5„ 8. Form des Kopfes.. 5„ 9. Stellung der Vorderbeine 4.„ 10. Stellung der Hinterbeine 4 4„ 11. Beſchaffenheit der Haut.. 4„ 12. Form des Rumpfes, Parallelepipedon 10„ Summa 60 Punkte. B. Wolle.. 1. Länge der Wolle......... 6 Punkte, 2. Glanz(Lüſter)....... 4„ 3. Kraft(Boltbarken). 4„ 4. Feinheit...... 4„ 5. Ausgeglichenheit.. 4„ 6. Brauchbarkeit als Wolle.. 8.„ 7. Bewachſenheit.. 4„ 8. Wertklaſſe der Wolle. 6„ Summa 40 Punkte. Für Fleiſchſchafe 100 Punkte. 48 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. Als Schlüſſel zur Bonitur bei Stammherden für Fleiſch⸗ ſchafe iſt der Bohmſche gut. Er betrachtet nur die Körper⸗ formen, was ja bei Fleiſchſchafen von Bedeutung iſt. Als Wertſtufen nimmt man folgende an: 1= ſehr gut; 2=gut; 3= genügend; 4= ungenügend. Boniturſchlüſſel. Widerriſt Länge des Beckens lonalnag navctu*a*6 a0- bupg Suopos 8°- ö Schloßweit Rippenwölbung Vordere Breite der Knochen⸗ Hintere Beinſtellung Nierenpartie verhältnis Beinſtellung Beiſpiel einer Bonitur nach Bohm. 2 Wahl der Sprung⸗ und Lammzeit. In manchen Herden hat man die Lammung noch das ganze Jahr hindurch. Von dieſer Lammung iſt abzuraten; ſie bringt verſchiedene Nachteile. Die Wahl der Sprungzeit hat ſich im allgemeinen nach den wirtſchaftlichen Verhältniſſen zu richten. Man unterſcheidet: a) Winterlammung im De⸗ zember und Januar; die Sprungzeit dafür iſt der Juli und Auguſt; b) Frühjahrslammung im März und April; die Sprungzeit dafür iſt im Oktober und November; c) Sommer⸗ lammung im Juni und Juli; die Sprungzeit dafür iſt der Dezember und Januar. Bei der Winterlammung erſtarken die Lämmer, ehe ſie zur Weide kommen. Dieſelbe iſt unbedingt vorteilhaft für Stammzüchter, beſonders engliſche, bei denen die Lämmer gleich von Anfang an kräftig genährt werden ſollen. Die Frühjahrslammung iſt jetzt noch gebräuchlich in Deutſchland, ———y——₰—4——.,— ————————————————————· —.,—— —,— —y h⸗ r⸗ Wartung und Haltung, Waſchmethoden. 49 Oeſterreich⸗Ungarn und Rußland und entſpricht am meiſten der Natur, weil der Begattungstrieb im Herbſte infolge der kräftigen Weide am meiſten rege iſt. Der Hauptvorteil der Frühjahrslammung liegt darin, daß ſie am wenigſten koſt⸗ ſpielig iſt, weil die ſäugenden Mütter den größten Teil der Nahrung auf der Weide finden, wenn auch andrerſeits die jungen Lämmer zu dieſer Zeit zum Weiden noch ſchwach ſind und die Wolle der Mütter durch das Säugen im Wachs⸗ tum gehindert wird. Die Sommerlammung erſcheint dadurch vorteilhaft, daß die Muttertiere infolge reichlicher Nahrung weniger angegriffen werden. Ihre Lämmer liefern daher bei der erſten Schur lange, reichliche und wertvolle Wolle. Doch muß in dieſem Falle die Sprungtätigkeit in der kälteſten Zeit des Jahres vor ſich gehen, weshalb mehr als 10 Prozent der Mutterſchafe unbefruchtet bleiben. Wartung und Haltung, Waſchmethoden. Die Ernährung eines Bockes muß gleich kräftig während des ganzen Jahres ſein; am beſten beſteht dieſelbe im Winter aus ¼ kg Hafer und ½⅓ kg trocken angelegten, zerkleinerten Leinſamenkuchen, ½ kg Rüben und etwa 1 ¼ kg bis 1 ½ kg gutem Wieſenheu neben klarem Waſſer zur Tränke und einem Stückchen Steinſalz zum beliebigen Lecken. Während des Sommers auf der Weide wird nur der Hafer verabreicht und auf 1 ½ kg vermehrt; nach dem Genuß von Grünfutter darf nicht getränkt werden. Bei vorſchreitender Trächtigkeit der Mutterſchafe muß eine ſchonende Behandlung derſelben ein⸗ treten, dazu gehören beim Beſuchen der Weide das Vermeiden langer Triften und kotiger Wege, jede Beunruhigung der Herde durch Hetzen mit Hunden, das Drängen in den Stall⸗ türen beim Aus⸗ und Eintreiben, das Vermeiden von feuch⸗ ten, wenig nahrhaften Weiden. Als Futter gebe man gutes Wieſen⸗ und Kleeheu und geſundes Stroh und als milch⸗ treibendes Futter Mohrrüben oder Kartoffeln, an erſteren bis 1 kg, an letzteren bis zu ½ kg. Auch ein übermäßiges Saufen ſollte nicht ſtattfinden, da dadurch leicht ein Ver⸗ werfen der Frucht eintreten kann; als Kraftfutter gebe man gebrochenen Rapskuchen oder Roggenfuttermehl. Zur Einhal⸗ tung einer möglichſt gleichmäßig zu haltenden Temperatur iſt ein Thermometer im Stalle aufzuhängen; die Temperatur Heyne, Schafzucht. 4. Auflage. 4 50 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. ſoll nie über 120 G betragen. Bei der Geburt iſt es zweck⸗ mäßig, wenn der Schäfer dem Schafe zu Hilfe kommt; nach der Geburt wird das Lamm dem Schafe zum Belecken vor⸗ gelegt und darauf vom Schäfer das Euter des letzteren von Schmutz und Wolle freigemacht. Hat die Mutter das Lamm zum Saugen ohne Widerſtand zugelaſſen, ſo werden beide in diejenige Abteilung im Stalle geſetzt, welche dazu beſtimmt iſt, die Mütter mit den Lämmern aufzunehmen. Widerſpenſtige Mütter, welche erſt an ihr Lamm ge⸗ wöhnt werden müſſen, kommen mit demſelben in eine Koje, eine kleine Bucht, in welcher ſie ſolange bleiben, bis die Mutter ſich an das Lamm gewöhnt hat. Wird ein wertvolles Lamm durch den Tod der Mutter verwaiſt, ſo kann es einer kräftigen und milchreichen Mutter zu ihrem Lamm noch zu⸗ geſetzt werden, jedoch muß dieſes gleich nach der Geburt des eigenen Lammes geſchehen; auch das Aufziehen verwaiſter Lämmer mit Kuhmilch aus einer Flaſche mit Saugſtöpſel gelingt in den meiſten Fällen. Der Aufenthaltsort der Schafe, der Stall, iſt von hoher Bedeutung. Der Stall ſollte die Form eines Parallelogrammes haben und genügend geräumig ſein; es iſt daher eine lichte Stallhöhe von mindeſtens 3,1 m erforderlich. Dieſe Höhe genügt nur, wenn nicht mehr als 500 Stück Schafe eingeſtellt werden; bei Unterbringung von mehr als 500 Stück iſt eine Stallhöhe von 4 m erforderlich. Man rechnet als erforderlichen Flächenraum pro Schaf 0,6 bis 0,7 qm für Wollſchaf, 0,78— 1,0 qm für ein Fleiſchſchaf, für einen Bock in beſonderer Abteilung 1,1— 1,9) am. Das Bedürfnis, im Innern des Stalles einen möglichſt freien Raum zu erhalten, in welchem die einzelnen Herden durch leicht zu beſeitigende Hürden abgegrenzt werden, gibt Veran⸗ laſſung, möglichſt wenig Träger im Stalle zu haben. Der Fußboden muß 15—18 em höher als das umgebende Terrain liegen, er erhält keine Pflaſterung, ſondern nur eine Sandausfüllung, welche bei der Düngerabfuhr mit entfernt und neu erſetzt wird. Zum Ein⸗ und Austreiben der Herden und zum Herausſchaffen des Düngers ſind in den beiden Giebeln, zuweilen auch in der Mitte der Hoffront Torwege von 3,13 m Breite und 3,8 m Höhe, ferner an der Hoffront in Entfernung von 9,4— 16,6 m zweiflüglig ſich nach außen öffnende Türen von 1,3— 1,8 m Breite anzulegen; die Fenſter 1 2 82or Wartung und Haltung, Waſchmethoden. 51 werden namentlich an der Südſeite des Stalles in reichlicher Anzahl, 0,78— 0,98 m groß, 2,2— 2,5 m über dem Fußboden hoch angelegt. Als Fütterungsvorrichtungen verwende man Lang⸗ oder Rundraufen, die gewöhnliche Länge einer(Lang⸗) Raufe beträgt 1,88— 2,50 m, die Entfernung der Sproſſen voneinander 10,4 cm. An Raufenraum erfordert ein Mutter⸗ ſchaf oder Hammel 0,39 m, ein Jährling 0,31 m, ein Lamm bis 4 Monate alt 15,7— 21 cm; an Futterbodenraum rechnet man für die Monate von Oktober bis Mai für jedes Schaf durchſchnittlich 100 kg Heu, mithin 1,236 cbm Bodenraum. In dem Stall ſoll Ruhe herrſchen, weil plötzlich aus⸗ brechender Lärm die Schafe erſchreckt. Man trennt hier die Herden gewöhnlich nach Müttern und Böcken; eine Schei⸗ dung der Mütter erſcheint erſt bei vorgeſchrittener Trächtig⸗ keit und in dem Stadium der Säugung durch die veränderte Art der Fütterung und die ſchonende Behandlung geboten. Unter den Lämmern trenne man die ſchwächlichen von den ſtärkeren; in der Bockherde ſtelle man die Sprungböcke in eine große Boxe, nicht in einen Winkel des Stalles; die Hammel ſind getrennt zu halten! Die Schafherden nach Jahr⸗ gängen zu ſondern, iſt gleichfalls von Vorteil. Das Schaf verlangt zum Stehen und Liegen trockenen Grund; weich braucht ſeine Lagerſtätte nicht zu ſein. Dieſelbe wird mit Stroh reichlich bedeckt, da täglich ⅛— ½¼ kg dazu ver⸗ wendet wird; ſind die Schafe nur bei Nacht im Stalle, ſo genügt ¼ Pfund pro Kopf. Kann dieſes Quantum Stroh geſtreut werden und iſt der Stall breit genug, ſo darf die auf dem Boden anwachſende Dungſchicht zwei bis drei Monate lang liegen bleiben; fehlt es an Stroh und erwärmt ſich die Dungſchicht, ſo iſt der Dünger früher herauszuſchaffen. Auf der Weide iſt beim Hüten auf Klee und Luzerne Vorſicht an⸗ zuwenden; naſſe, ſumpfige Wieſen ſind zu meiden; ſchädlich iſt auch zu große Hitze und das Durchnäſſen des Pelzes. Das Naßwerden der Schafe ſoll nicht ſo ängſtlich genommen werden; leichte Sprühregen ſchaden nichts, namentlich nicht engliſchen Raſſen; mit Tau noch benetzte Wieſen ſind freilich zu meiden. Das Tränken des Schafes ſollte nur einmal geſchehen. Die Wolle wird entweder ſchwarz geſchoren, d. h. im Schmutz vom Schafe abgeſchoren, und man verkauft dieſe ungewaſchen. Dieſe Wolle ſetzt ſich aus Fettſchweiß, Woll⸗ 4* 52 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. haar, Unreinlichkeit und Feuchtigkeit zuſammen; die Feuch⸗ tigkeit beträgt 11— 13%, der Schmutz variiert von 1—20%, der Fettſchweiß an 45— 60%, und zwar ſtehen Schmutz und Fettſchweiß in einem ſich ergänzenden Verhältnis, ſo daß bei weniger Fettſchweiß mehr Schmutz und umgekehrt ſich vor⸗ findet. Der Gehalt an Wollhaar ſchwankt daher zwiſchen 20. und 40%. An Rückenwäſche, wie ſie gewöhnlich zum Verkauf kommt, gibt das ungewaſchene Vlies 30— 60%; in der Regel geht bei Tuchwolle nicht mehr als die Hälfte verloren; fabrik⸗ mäßig gewaſchen bleiben 20— 35% des ungewaſchenen Vlieſes übrig. Man unterſcheidet daher Wolle, welche nicht ge⸗ waſchen wird, alſo im Schweiß vom Schafe geſchoren wird, ſogen. Schmutz⸗ oder Schweißwolle. Die Schafe im Schweiß zu ſcheren wird jetzt überall mehr eingeführt; dies hat Vor⸗ teile dadurch, daß man die Schafe ſcheren kann, wann man will und ganz unabhängig vom Wetter iſt; auch kauft der Fabrikant dieſe Schweißwolle gern. Weiter unterſcheidet man gewaſchene Wolle, und zwar die Pelzwäſche oder Rücken⸗ wäſche, bei welcher die Wolle auf dem Körper der Schafe gewaſchen wird; bei der Pelzwäſche unterſcheidet man weiter Schwemm⸗, Hand⸗, Sturz-⸗, Spritz⸗ und Kunſtwäſche; einem jeden Verfahren geht das Einweichen der Schafe voran. Als zweite Art iſt die Vlieswäſche zu erwähnen, bei welcher das Vlies im ungewaſchenen Zuſtande durch Abſcheren von dem Körper des Schafes entfernt wird; die Vlieswäſche iſt abſolut nicht zu empfehlen. Bei beiden Wäſchen ſpielt das Waſſer eine große Rolle. Waſſer, welches Salze mit erdigen Baſen enthält, wirkt nachteilig, weil ſich dieſe mit der Seife des Fettſchweißes zerſetzen und dadurch eine unlösliche Kalkſeife bilden, die in der Wolle beharrt und ihr Klebrigkeit und Rauhheit im Gefühle erteilt. Das Vorhandenſein von Kalk⸗ ſalzen im Waſſer iſt dadurch zu ermitteln, daß in ein mit Waſſer gefülltes Glas etwas Seifenſpiritus geſchüttet wird. Entſteht hierdurch ein ſtarker Niederſchlag, ſo iſt es reich an Kalk und Magneſiaſalzen und für das Waſchen der Wolle ungeeignet. Die im Waſſer enthaltenen Salze verbinden ſich nämlich mit der darin aufgelöſten Seife und bilden dadurch eine unlösliche Kalkſeife, die ſich in Flocken ausſcheidet und auf dem Boden des Gefäßes niederſetzt. Eine zweite Probe beſteht darin, daß das Waſſer eine Zeitlang der Kochhitze aus⸗ Wartung und Haltung, Waſchmethoden. 53 geſetzt wird; das kalkhaltige Waſſer wird dann trübe und zeigt die deutliche Ausſcheidung eines feinen weißlichen Nieder⸗ ſchlages. Eiſenhaltiges Waſſer verleiht der Wolle einen roſt⸗ farbenen Schein; um das Waſſer auf Eiſen zu prüfen, ſoll man, nachdem es etwas eingekocht und erkaltet iſt, einige Tropfen Salpeterſäure zuſetzen, um das in Form von Eiſen⸗ oxydul darin enthaltene Eiſen in Eiſenoxyd zu verwandeln; werden dann einige Tropfen gelbes Blutlaugenſalz zugeſetzt, ſo nimmt das Waſſer eine blaue Farbe an. Enthält das Waſſer Gerbſäure, ſo wird die Wolle blau; es iſt daher Waſſer, welches beim Laufen durch Laubwald Gerbſäure aufgenommen hat, vorſichtig zu benutzen. Die Anweſenheit derſelben prüft man durch einen Zuſatz von Eiſenoxydlöſung, die das Waſſer blau macht. Bei der Pelzwäſche, der ſogen. Rückenwäſche, muß das Waſſer einen gewiſſen Wärmegrad haben, von 140 an iſt es zum Waſchen geeignet, weiches Waſſer iſt erforderlich; gips⸗, kalk⸗ und eiſenhaltiges Waſſer iſt hierzu nicht geeignet, weil auf die Reinheit der Wolle viel ankommt. Bei der gewöhn⸗ lichen Wäſche, der ſogen. Schwemme, werden die Schafe ins Waſſer getrieben, in demſelben gerieben und die Wolle aus⸗ gedrückt— ein Verfahren, welches nach 5—6 Stunden wieder⸗ holt wird. Eine andere Methode, welche Sturzwäſche heißt, beſteht darin, daß das Waſſer 1,50— 2 m von oben auf die Schafe herabgeſtürzt kommt, während eine dritte Art warme oder Kunſtwäſche genannt wird. Der warmen Wäſche werden Zuſätze verſchiedener Art zugeſetzt, um deren Wirkſamkeit namentlich für ſehr fettſchweißreiche Wollen zu erhöhen. Als ſolche Zuſätze dienen bei hartem Waſſer, Soda, Guano, von letzterem werden auf je 100 1 Waſchwaſſer 0,5 kg genommen. Außerdem verwendet man grüne Seife, Saponin enthaltende Pflanzenſtoffe, wie Seifenwurzel(Saponaria officinalis), Quil⸗ lajarinde(Quillaja saponaria Mol.), Hétſeys, vorzugsweiſe Seifenwurzel und Hirſch' Soda und Seifenwurzel enthaltende Waſchmittel. Die Waſchmittel werden ſtets warmem Waſſer zugeſetzt. Um dieſelben beſtmöglich auszunutzen, verwende man ſtatt der Bottiche ſchrägſtehende Tröge, welche mit einer unten offenen Scheidewand in zwei Abteilungen geteilt ſind. In der unteren Abteilung werden die Schafe gewaſchen und dann in die obere Abteilung gebracht, damit das durch Aus⸗ 54 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. drücken ablaufende Waſſer durch die Offnung in der Scheide⸗ wand wieder in die untere Abteilung fließt. Von der Seifen⸗ wurzel, welche in Waſſer gekocht als Lauge den Bottichen zugeſetzt wird, ſind für 1000 Schafe 60 kg(Preis pro 100 kg 60— 72 Mark) erforderlich, von dem Hétſeyſchen Waſchmittel 30— 40 kg, von der Quillajarinde 30 kg. Bei der Anwen⸗ dung von Waſchmitteln muß ſehr vorſichtig vorgegangen werden, damit die Wolle nicht zu ſehr entfettet wird und dadurch ihre Haltbarkeit verringert und der Waſchverluſt ver⸗ mehrt wird. Über den Verluſt, den die Wolle bei der Wäſche erleidet und über den Gehalt an Haarſubſtanz der im Schmutz geſchorenen Wolle nach vollſtändiger Entfettung hat Hart⸗ mann folgende Tabelle zuſammengeſtellt: 6 1 Anzahl Länge der Hygro⸗ Geringſte Größt zah ge der fiopiſche Waſch⸗ Haar⸗ Iſte! Größte der Proben Menge Feuchtig⸗ verluſt Subſtanz Proben Zoll keit der Haarſubſtanz 48 1 11,77 71,33 16,90 11,08 23,89 130 1 ¼ 11,28 66,99 21,75 16,314 28,79 50 1 ½ 12,57 62,77 24,66 18,29 30,59 11 1 ¾ 12,17 58,86 28,97 25,19 35,13 fich über 48%. Bei gut ausgefallener Pelzwäſche verliert die Wolle durchſchnittlich die Hälfte des Gewichtes, von 50 kg Schmutzwolle werden 25 kg gewaſchene Wolle erzielt, die dann in der Fabrikwäſche je nach ihrem Gehalt an Fett und Schmutz noch 5— 15 kg verlieren kann. über die Schur und Verkauf der Wolle ſiehe in der Wollkunde(Schur). Auch das Trocknen der Schafe nach der Schur iſt nicht zu vernach⸗ läſſigen. Sie müſſen vor Schmutz und Staub bewahrt bleiben, wenn die Wolle als gutes Produkt erſcheinen ſoll. Aufzucht. Nach der Geburt eines Lammes, bei welcher die Nabel⸗ ſchnur entweder von ſelbſt abreißt oder dicht am Körper des Jungen abgeſchnitten werden muß, beleckt gewöhnlich die Mutter ihr Kind, wodurch ermutigt ſich dieſes erhebt und —,— Bei den längeren Lammwollen ſteigert die Haarſubſtanz Aufzucht. 55 nach dem Euter ſucht. Das Mutterſchaf muß in dieſer Zeit kräftiges Futter erhalten, weil dieſes auf die Beſchaffenheit der Milch Einfluß hat, von welcher das Wachstum und Ge⸗ deihen des Lammes weſentlich abhängt. Die Zuſammenſetzung der Milch vom Merinoſchafe und der Kuhmilch, in 100 Teilen ausgedrückt, iſt folgende: Milch vom Merinoſchaf Kuhmilch Waſſer... 78,40 87,50 Salze 9,61 0,60 Milchzucker. 4,37 0,60 Fett. 7,60 3,50 Kaſein 9,02 3,80 Die günſtige Wirkung der an Fett und Proteinſubſtanz reichen Schafmilch auf die ſchnelle Entwicklung des Lammes iſt recht wahrnehmbar, wenn ein Lamm, das ſeine Mutter verloren hat, mit Kuhmilch ernährt wird, ſo bleibt das Lamm doch in der Entwicklung zurück; daraus geht hervor, daß eine ungenügende Ernährung in der Jugend die übelſten Folgen für die Ausbildung des Körpers hat. Man kann in der Er⸗ nährung des jungen Tieres weit eher einen Luxus als eine unnütze Sparſamkeit üben; ein gut ernährtes Lamm wird ſich immer vorteilhafter verwerten laſſen. Nach 14 Tagen oder 3 Wochen fängt das junge Lamm an, ſpielend an dem Futter der Mutter zu knappern und ge⸗ wöhnt ſich dadurch allmählich an andere Nahrung. Nach drei⸗ oder viermonatiger Säugung ſollte das Lamm entwöhnt werden. Es zeigt in dieſem Alter die größte Aufnahmefähig⸗ keit und beſte Verwertung des Futters und ſollte daher mit ſolchem ſtets reichlich bedacht werden. In dieſer Zeit Ver⸗ ſäumtes, welches die Körpergröße und Knochenfeſtigkeit beein⸗ trächtigt, kann nie wieder nachgeholt werden; Hafer erweiſt ſich hier als äußerſt wirkſam. Das Ausſchneiden(Kaſtrieren) der Lämmer, welches noch vor der Entwöhnung vorgenommen werden ſollte, beſteht darin, daß man mit einem ſcharfen Meſſer die Spitze des Hodenſackes abſchneidet und aus der entſtandenen Offnung die Hoden mit den Händen herausdrückt und herauszieht, wobei die Samenſtränge größtenteils ab⸗ reißen. Bei älteren Tieren geſchieht das Kaſtrieren durch Abbinden und Abſchnüren.— Das Numerieren der Lämmer 56 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. ſollte erſt im ſechſten Monate ihres Daſeins ſtattfinden. Da ich das Einkerben verwerfe, ſo müſſen die Lämmer nach der Boniturliſte tätowiert werden. Nach 6 Monaten iſt das Ohr ſoweit gefeſtigt, daß die Nummer auf die innere, haarloſe Fläche desſelben eingeſtochen werden kann; im rechten Ohre findet gewöhnlich die Nummer und der Jahrgang, im linken die Abſtammung ihren Platz. Bis zur Tätowierung wird ge⸗ wöhnlich die Nummer dem Lamme mit roter Olfarbe auf das Fell gedrückt. Betriebsweiſe der Schäfereien und hauptſächliche Richtungen.. Man unterſcheidet Zucht⸗ und Hammelſchäfereien. Die Zuchtſchäfereien halten Schafe, um Lämmer zu bekommen, von denen der eine Teil dazu dienen ſoll, in der Herde ſelbſt verwendet zu werden, während der andere die Beſtimmung hat, in angemeſſenem Alter verkauft oder zu Schlachtvieh herangezogen zu werden. Hundert lammfähige Mütter werfen im Jahre etwa 90 Lämmer; von dieſen bleiben bis zum ſechſten Monat etwa 80 Stück, teils männlichen, teils, weib⸗ lichen Geſchlechts. Je höher ſich die jährliche Ablammung ſtellt, deſto früher können die alten, ſchwächlichen Jahrgänge ausgemerzt werden.— Die Hammelſchäfereien ſind ange⸗ bracht in Orten mit üppig gelegenen Weideplätzen und kräf⸗ tiger, fetter Stallfütterung(Schlempe, Zuckerrüben), wo die Lämmer zwar ſchnell heranwachſen, aber nicht auf die Dauer geſund bleiben. Die Hammelſchäfereien ziehen die Lämmer in der Regel nicht auf, ſondern kaufen aus anderen Herden jüngere, zu körperlicher Zunahme geeignete Tiere(Kreu⸗ zungs⸗ oder rein engliſche Lämmer), die ſie nach beſtimmter Zeit als Schlachtvieh verkaufen(Maſtſchafe). In einer Hammel⸗ oder Maſtſchäferei kommt viel auf die Frühreife der Tiere an; je ſchneller der Umſatz, deſto größer der Gewinn. Wir kommen nun zur Zuſammenſetzung einer Zuchtſchäferei und zu ihrem Zuwachs und Abgang. In jedem Schäfereibetriebe muß heute der Grundgedanke ſein: ſchneller Umſatz. Man darf aus dieſem Grunde auch die Mutterſchafe nicht zu alt werden laſſen, weil ein zu altes Schaf ſich nur ſchwer mäſten und noch ſchwerer zur Weiter⸗ maſt verkaufen läßt. Es iſt nachgewieſen, daß ein Schaf —— Betriebsweiſe der Schäfereien und hauptſächliche Richtungen. 57 zwiſchen dem fünften und achten Jahre anfängt, in der Nutzung nachzulaſſen, ſowohl was die Qualität der Wolle, als auch die des Fleiſches anbelangt. Es erſcheint daher an⸗ gezeigt, die Mutterſchafe ſpäteſtens nach dem achten Jahre auszumerzen. Nach welchem Mengenverhältnis eine Zucht⸗ herde zuſammengeſetzt ſein muß, iſt leicht auszurech nen. Auf 100 Mutterſchafe, deren Zulaſſung zum Bock mit 2 ½ Jahren erfolgt, kommen: gegen 3 Jahre alte Tiere 35 Stück 77 4 77 77 71 33 77 5 32 7 Summa 100 Stück. Dieſe 100 Schafe geben im Mindeſtfalle 85 Läm⸗ mer, zur Hälfte männliche und zur Hälfte weib⸗ liche. Es beſteht demnach der weibliche Nach⸗ wuchs weiter aus: neugeborenen Lämmern (ſolche, die vor dem 6. Monat ſterben, nicht mitgerechnet) 60 Stück, ein Jahr alten Tieren 36„ zwei„„„, 86„ Summa 113 Stück. Die 100 Mutterſchafe benötigen zum Sprunge. 2 Böcke Reſerve⸗, reſp. Suchböcke.. 2„ heranwachſende Lammböcke, die ſpäter als Such⸗ böcke Verwendung finden..32. Summa 6 Böcke. Werden die Hammellämmer bis zum Ende des erſten Jahres gehalten, ſo beträgt die Anzahl (ſolche, die das Alter von 6 Monaten nicht er⸗ reichen, nicht mitgerechnet).... 40 Stück. Damit ſtellt ſich die notwendige Stückzahl einer aus 100 lammfähigen Mutterſchafen beſtehen⸗ den Zuchtherde, die ſich ſelbſt ergänzen ſoll, ein⸗ ſchließlich Lämmer auf 3..259 Stück. Werden die Hammellämmer erſt nach dem erften Lebens⸗ jahre verkauft, ſo vergrößert ſich die Herde. Im allgemeinen 58 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. kann man als Abgang von Schafen in der geſamten Herde je nach der Gegend berechnen: unter ſehr günſtigen Verhältniſſen.. 3— 4%, „ günſtigen 9,. 4— 6%, „ ungünſtigen 5.. 10— 12%, „ ſehr ungünſtigen 5,..15— 20%. Die einzelnen Altersklaſſen nehmen an dieſen Abgängen in ſehr ungleichem Maße Anteil. Für den Sterblichkeitsfaktor einer Herde von 7% ergeben ſich z. B. folgende Zahlen: Von 100 Schafen Alter: Sterblichkeit: bleiben am Ende des Abgang: betr. Jahres übrig: unter 1 Jahre 25% 75 Stück 25 Stück 1— 2„ 9% 68„ 7„ 2—3 5, 4% 65 6, 3 2, 3—4„ 3% 63„ 2„ 4— 5„ 3% 6, 2„ 5— 6 2% 60 1 Durchſchnitt 7% zuſammen in 6 Jahren 40 Stück Was die Zuchtrichtung betrifft, ſo kann dieſe ent⸗ weder auf Wolle oder Fleiſch abzielen. Ich entnehme aus meinem Werk„Großes Handbuch der Schafzucht“(Reichen⸗ bachſche Verlagsbuchhandlung, Leipzig) folgendes über die Zuchtrichtungen. Verbeſſerte Tuch⸗ und Stoffwollrichtung. Wenn wir auf eine kurze Beſprechung dieſer Richtungen eingehen, ſo erwähne ich im voraus, daß ſich in jeder Rich⸗ tung das Beſtreben nach Fleiſchform bemerkbar macht. Die Tuchwollrichtung(Abb. 19 und 20) iſt wenig verbreitet, da das einſeitige Züchten auf Wolle doch wenig Rente abwirft; obwohl auch dieſe Richtung für gewiſſe Verhältniſſe vielleicht noch eine Bedeutung haben könnte, ſo iſt doch die Fleiſch⸗ produktion zu gering, ſelbſt für beſtimmte Wirtſchaften in Ungarn, Rußland und Auſtralien, welche größere Formen vorziehen. Aber es iſt mit großer Genugtuung zu konſtatieren, daß es noch reinblütige Stammherden in dieſer Richtung gibt, welche die Reinblütigkeit im Typus feſthalten. Es ſei hier er⸗ Verbeſſerte Tuch⸗ und Stoffwollrichtung. 59 wähnt die Herde des Herrn Gadegaſt in Thal bei Oſchatz, die Fürſt Schwarzenbergſche Herde in Netolitz⸗Barau, die Fürſt Löwenſteinſche Herde in Haid, beide in Böhmen, und die Karolyſche Herde in Ungarn. Dieſes ſind wohl die einzigen jetzt noch beſtehenden Herden auf der Erde, welche als rein⸗ blütig gezogene und erhaltene Tuchwollherden gelten können. Die Stoffwollrichtung iſt eigentlich hervorgegangen aus Tuchwollſchafen, welche mit Rambouilletböcken gepaart wur⸗ Abb. 19. Vollblut⸗Negretti⸗Stammſchafherde aus dem Jahre 1860. den. Der Vorzug der Stoffwolltiere beſteht darin, daß unter Beibehaltung— ſoweit es möglich war— der Feinheit der Wolle guter Beſatz der Tiere zu finden iſt bei einem beſſer ausgebildeten Körper als in der Tuchwollrichtung. In der beſſeren Körperausbildung liegt der Vorteil der Stoffwolle, denn man erzielt doch wenigſtens einen angemeſſenen Preis für den Hammel. ᷣ—— — — 60 Erſter Teil. ——————— Abb. 20. Tuchwollrichtung.(Neue Richtung.) Stammſchäferei Die Kammwollrichtung 3 61 Die Kammwollrichtung. In der Kammwollrichtung unterſcheidet man wieder feine, mittelfeine und gröbere Kammwolle. Die erſte Richtung iſt hauptſächlich darauf bedacht, ein edles, feineres, gutes AA- Haar(Abb. 21) herauszuzüchten, und läßt deshalb die Fleiſch⸗ erzeugung zurücktreten. Die mittelfeine Richtung(Abb. 22) (A- und feine B-Wolle) ſtrebt weniger feine Wolle an; ſie geht vielmehr darauf aus, einen breiten, gut gerippten, ſtarken Körper heranzuziehen, läßt aber den Wollbeſatz der Tiere Abb. 21. Franzöſiſche Kammwollböcke. nicht aus dem Auge, ſoweit derſelbe nicht ohne hemmenden Einfluß auf die Frühreife der Tiere iſt. Die Richtung der gröberen Kammwolle läßt die Wolle mehr in den Hinter⸗ grund treten und züchtet eine B-Wolle unter Beobachtung möglichſt guter Körperformen. Die Merino⸗Fleiſchſchafrichtung.(Abb. 23—26.) Gegen Ende der 1860 er Jahre fand die Merino⸗précoce Eingang in Deutſchland; dieſe Merinofleiſchſchafzucht oder auch zu benennen: frühreifſte Kammwollfleiſchſchafzucht fand des Schafes. 35 996 5 8 3 5 2 5 A8 — 3 5 — S ₰ 3 3 5 S 8 Die Merino⸗Fleiſchſchafrichtung. 63 ihre Vertreter in Behmer, Buchwald ſenior und Heyne. Die Zuchtrichtung hatte zuerſt viele Widerſacher, und ſowohl die Kammwollzüchter wie die Tuchwollzüchter wollten von dieſer Richtung nichts wiſſen und ſahen in dieſer Merino⸗ fleiſchrichtung etwas Minderwertiges; es hätte von vorn⸗ herein dieſe Züchtung eine größere Verbreitung finden ſollen, Abb. 23. Frühreifer Merino⸗Fleiſchbock(große Form). Beſitzer Graf v. d. Schulenburg⸗Vitzenburg. und man kann den damaligen Züchtern den Vorwurf nicht erſparen, daß dieſe Richtung in jener Zeit nicht verſtanden worden iſt, d. h. daß die damaligen Züchter den Wert der Frühreife und Maſtfähigkeit nicht hoch genug einſchätzten. Man hielt doch noch zu ſehr an der Wolle feſt. Die Merino⸗ précoces ſtammen von Frankreich; ob nun dieſe Raſſe ſich durch Reinzucht gebildet hat, iſt fraglich; wenn auch Sanſon 4 3 4 3 2 1 — 64 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. die Blutmiſchung leugnet, ſo nehme ich doch als ſicher an, und es wird dies auch kein Züchter beſtreiten, daß eine vor⸗ ſichtige Miſchung anfangs mit Anglo⸗Blut(wahrſcheinlich Diſhley) ſtattgefunden hat. Man unterſcheidet in Frankreich zwei Richtungen im Précoce⸗Typus: die große, ſchwere Form, Merino⸗Soiſſonnais; dieſe weiſen ein ſtarkes Knochengerüſt auf, haben ein breites, kurzes Naſenbein, große Röhrknochen⸗ bildung, ſtarke, kräftige Ohren, keine zu große Feinheit im Abb 24. Frühreifer Merino⸗Fleiſchbock(große Form). Gewebe und Neigung zur Großwüchſigkeit; das Raſſegewicht der Soiſſonnais ſchwankt bei Mutterſchafen zwiſchen 60 und 75 kg, bei 11 ½¼ Jahr alten Böcken zwiſchen 80 und 130 kg. Die zweite Richtung heißt Merino⸗Chatillonnais, zuweilen auch Burgunder Merino genannt; Chatillonnais deshalb, weil die beſten Tiere um Chatillon(ſ. S. 65) zu finden ſind. Die Chatillonaiszucht verkörpert die mittelgroße Zuchtform mit etwas milderer Wolle, doch weniger Wollbeſatz als bei den Soiſſonnais; dieſe Chatilonnais vereinigen eine ideale Form⸗ vollendung, Rundung der Körperformen bei kleinem bis mittel⸗ großem Körper. In der Theorie iſt dies ein Idealſchaf, doch praktiſch genommen war es nicht ſo, da die Geldausbeute aus den beiden Typen zugunſten der Soiſſonnais ausfallen Die Merino⸗Fleiſchſchafrichtung. 65 mußte; auch viele Landwirte griffen naturgemäß nach den ſchweren Formen. Dieſe beiden Zuchttypen wurden alſo nach Deutſchland eingeführt und haben ſich ſehr beliebt gemacht, beſonders zur Hebung des Fleiſchkonſums viel beigetragen, da die Schnell⸗ wüchſigkeit, Frühreife und Maſtfähigkeit in den letzten Jahren ſchnell zur Ausbreitung dieſer Raſſen führte. Eine wirtſchaft⸗ liche Berechtigung haben dieſe Merinofleiſchſchafe in großem Abb. 25. Frühreifer Merino⸗Fleiſchbock(große Form). (Beſitzer Böttger⸗Wartin.) Maßſtabe, ja ſelbige ſtehen heute in bezug auf Wolle und Fleiſchproduktion unerreicht da und werden es auch bleiben. Ganz wie in Frankreich haben ſich in Deutſchland und Öſter⸗ reich⸗Ungarn im Laufe der Zeit zwei Gruppen gebildet: die große ſchwere Form, alſo Soiſſonnaistypus, und die mittel⸗ große Form im Chatillonnaistypus, je nach Maßgabe der Boden⸗ und wirtſchaftlichen Verhältniſſe, wo dieſe gezüchtet werden. Wenn verſchiedene Züchter die Hornloſigkeit als Heyne, Schafzucht. 4. Auflage. 5 4 3 4 4 8 — —r—=———————————„ 8 α O 9 ₰‿ ₰ 8 ) 8 = — — = 8 — 8 A G — — 8 N Merino⸗Fleiſchſchafherde.(Beſitzer Böttger⸗Wartin.) 66 Erſter Teil. Die Merino⸗Fleiſchſchafrichtung. 67 Kriterium des Merinofleiſchſchafes gelten laſſen wollten, ſo iſt dies nicht anzuerkennen; denn auch gehörnte Böcke in dieſem Typus geben dieſelben Reſultate. Ein jeder Züchter weiß, wie ſchwer es iſt, einen wirklich hervorragenden Merino⸗ fleiſchſchafbock für eine Stammherde zu kaufen; wird ein ſolcher gefunden, ſo würde ich mich weder an der Hornloſigkeit noch an dem Behörntſein ſtoßen; die Hauptſache bleiben doch die Formvollendung im Typus und alle die hierzu gehörenden Eigenſchaften. Wie ſteht es nun mit der Hornloſigkeit der Merino⸗ fleiſchſchafe? Wie bekannt iſt, fand man die Hornloſigkeit in der beſten, der Précoce⸗Form im Chatillonnaistypus meiſtens vor. Iſt nun dieſe Form der Hornloſigkeit konſtant, und welche Be⸗ ziehungen beſtehen zwiſchen der Hornloſigkeit und Mängeln der Geſchlechtsorgane, da ſie mitunter mit Einhodigkeit, bei den Précoces oft ſogar mit gänzlichem Zurückbleiben der Hoden unter der Bauchdecke(Kryptorchismus) verknüpft iſt? Der Hodenſack iſt trotzdem vorhanden und regelmäßig ent⸗ wickelt, aber leer. Ich laſſe hier, um die Meinungen eines anderen Autors wiederzugeben, folgenden Artikel folgen. (Deutſche Landwirtſchaftliche Tierzucht Nr. 33— 1916, E. O.) Mit dem Gebrauche frühreifer Kolbenböcke ſcheint auch der ſo oft beobachtete Kryptorchismus der Bocklämmer zu⸗ ſammenzuhängen. In vielen Herden treten dieſe Tiere bis zu 30% auf und beeinträchtigen ſehr die Rentabilität einer Bockſchäferei. In Münchenlohra hat der Verfaſſer ſetatiſtiſch nachzuweiſen verſucht, in wieviel Fällen Kolbenböde krypt⸗ orchide Nachkommen erzeugt haben. Ich gelangte zu folgendem Reſultat: In den unterſuchten Fällen erzeugten 3% Hornböcke kryptorchide Kolbenböcke, 2%„ halb kryptorchide Kolbenböcke, 1% Kolbenböcke halb kryptorchide Hornböcke, 4%„„„ Kolbenböcke, 90%„, voll„„ Einmal konnte ſogar der ſeltene Fall beobachtet werden, daß ein kryptorchider Hornbock einen Hornbock zum Vater hatte. Bei Unterſuchung der väterlichen und mütterlichen Ab⸗ ſtammung konnte ich feſtſtellen, daß bei den 90% der Kolben⸗ 5* 68 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. böcke das Chatillonnaisblut vorherrſchte, alſo das Blut einer der frühreifſten franzöſiſchen Schafraſſen. In den 5% der Fälle, wo Hornböcke kryptorchide Kolbenböcke zeugten, ließ ſich ſtets in den erſten Ahnenreihen ein Kolbenbock nachweiſen, reſp. die Tiere waren auf einen Kolbenbock zurückzuführen, während oft gehörnte Mutterſchafe in den Ahnentafeln zu finden waren, wenn gehörnte Kryptorchiden einen Kolbenbock zum Vater hatten. Dieſe Beobachtungen beweiſen meines Erachtens die Be⸗ ziehungen, welche zwiſchen Hornloſigkeit und Kryptorchismus beſtehen. Es mag dahingeſtellt ſein, ob ein direkter Zuſammen⸗ hang zwiſchen dem Fehlen des ſekundären und der nichtnor⸗ malen Bildung des primären Geſchlechtsmerkmales beſteht, oder ob die Frühreife der Kolbenböcke die normale Bildung des Hodenſackes allein mechaniſch verhindert. Wahrſcheinlich ſtehen alle drei Erſcheinungen miteinander in enger Wechſel⸗ beziehung, und es wäre eine dankenswerte Aufgabe für die Veterinärwiſſenſchaft, die Urſachen des Kryptorchismus im Zuſammenhang mit der Frühreife und Hornloſigkeit der Väter feſtzuſtellen. Auffallend iſt es mir nun ſtets geweſen, daß Herden, welche den ausgeſprochen weicheren Typus vorziehen, ent⸗ ſchieden mehr unter dem Kryptorchismus zu leiden haben; dieſes fand ich bei Herden, die auf robuſtere, ſtarkknochigere Körper mit mittelfeiner Wolle züchteten, nicht ſo; deshalb halte ich es für beſſer, keine allzugroße Verweichlichung im Merinofleiſchtypus eintreten zu laſſen; denn je derber man züchtet, deſto weniger leidet die Herde unter den angeführten Fehlern bezüglich der Geſchlechtsorgane. Eine weitere Richtung iſt die der Diſhley. Die Diſhley⸗ zucht iſt durch den Engländer Bakewell begründet worden und nach ſeinem Gute Diſhley in der Graſfſchaft Leiceſter benannt; dieſelbe iſt hervorgegangen aus einer Kreuzung der dortigen Landſchafe mit dem Leiceſterſchaf. Das Leiceſterſchaf wurde urſprünglich von Bakewell zu Diſhley verbeſſert, es erlitt aber in der Zeit noch manche Veränderung. Die Diſhley. ſind alſo rein engliſchen Urſprungs; als beſonderer Vorzug dieſer Raſſe iſt die beſſere Körperentwicklung zu beachten; dieſe Raſſe iſt ſehr anſpruchsvoll in bezug auf Ernährung und Haltung und wenig widerſtandsfähig. Gerade in Frank⸗ —.—2—— ———— Die engliſchen Richtungen. 69 reich wird jetzt ſehr viel mit Diſhleyblut gearbeitet, in Rein⸗ zucht trifft man die Diſhley wenig, ſondern man benutzt die Diſhley zur Kreuzung mit Merinos. Alſo dieſe Diſhley⸗ merinozuchten finden in Frankreich, auch in Deutſchland größere Verbreitung. Bekannt waren dieſe Diſhleymerino⸗ zuchten in Deutſchland ſchon lange, und es iſt kein Verdienſt der Neuzeit, darauf aufmerkſam zu machen, als ob dieſe Diſhleymerinos etwas Neues wären; ich erinnere nur an die Verſuche der Hohenheimer Diſhleymerinozucht und deren Mißerfolge. Auch die Lincolnmerinokreuzung in Alt⸗Haldensleben und die Leiceſtermerino⸗Mauchampszucht in Hundisburg im Jahre 1856 brachten nur Mißerfolge und wurden damals ganz aufgelaſſen. Obwohl ich nicht beſtreite, daß die Diſhley durch gute Maſtfähigkeit Vorteile haben, ſo ſtehen auch viele Nachteile entgegen; Weichlichkeit, minderwertige Wolle und geringer Wollertrag bleiben immer ein wunder Punkt. Neu hinzu kommt noch das Meleſchaf, hervorgegangen aus Lei⸗ ceſterblut, alſo eine Kreuzung Border⸗Leiceſter mit Merino; es entſtand das Merinoleiceſterſchaf, das nach den Anfangs⸗ buchſtaben der Eltern Me und Le alſo Mele— genannt wurde. Die Diſhley und das Meleſchaf bilden eigentlich den übergang zur engliſchen Richtung, ob nun dieſe Raſſen den engliſchen Raſſen und Kreuzungen an Frühreife und Maſt⸗ fähigkeit gleichkommen, bezweifle ich; denn die engliſche Zucht greift in Deutſchland weit wüſ und iſt wirtſchaftlich erprobt und der Nutzen ſichergeſtellt Die engliſchen Richtungen. Die Züchtung der engliſchen Raſſen in Deutſchland be⸗ gann ſchon im Jahre 1850, denn in dieſem Jahre wurde mit der Einfuhr von Leiceſter⸗ und Southdownſchafen nach Sachſen begonnen; ich erinnere an die Gründung der Herden des Herrn Magnus auf Drehſa und des Herrn von Noſtitz auf Paulsdorf. Dieſe Herden wurden bereits 1856 gegründet, und zwar durch Ankäufe aus den Herden von Webb und Aythner in England. Seit dieſem Jahre haben ſich dieſe Engländer immer mehr ausgebreitet, zwiſchen den Jahren 1870— 1880 ſollen die Gründungen vieler bekannter jetzt noch hoch in Blüte ſtehender Stammherden geſchehen ſein, ich greife 70 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. nur die Gräflich von Rittbergſche Herde auf Würchwitz heraus. In der Neuzeit haben wir es mit den Raſſen und Richtungen im Blute der Hampſhire, Shropſhire, Oxfordſhire und Suffolk 15 pogs⸗uatoqaaldui. :40 8) 8 ¶◻ 3. 2 8 8 3 S 5= — S 5 2 8 7 CAlatcpans. zu tun, welche eine weite Verbreitung in Deutſchland und den angrenzenden Ländern fanden. Eine kurze Beſchreibung dieſer Raſſen ſei hier gegeben. 21. Die engliſchen Richtungen. (Falpans Sup) lppS⸗uaioqoalgcun 85 72 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. Hampſhire(Abb. 27 und 28). Nach dem Herdbuch (1890) der„Hampshire Down Sheep Breeders Association“ verdankt das Hampſhiredownſchaf ſeinen Urſprung zweifels⸗ ohne der Kreuzung des alten Wiltſhire⸗ und des alten Berk⸗ ſhire⸗Knot mit den Southdowns, die Anfang des 19. Jahr⸗ hunderts in Wiltſhire und Hampſhire eingeführt wurden. Das Hampſhire iſt ein großes, maſſigeres Schaf mit kräftigeren Knochen, von feſtem Anfühlen und von gröberem Ausſehen als das Shropſhire, und mäſtet ſich in der frühen Jugend leicht; die Lämmer werden durch reichliches Säugen oft auf große Schwere getrieben, ehe dieſelben anfangen zu freſſen. Ein Bocklamm, das bei ſeiner Geburt im Januar 8,6 kg wiegt, kann am 1. Auguſt 68 kg Lebendgewicht er⸗ reichen, falls es reichlich mit Grünfutter ernährt worden iſt. Die Lämmer ſind früh zu erlangen, weil die Mutterſchafe zu einer früheren Jahreszeit brünſtig werden als bei den meiſten anderen Raſſen; dies gewährt der Raſſe auf Fettviehaus⸗ ſtellungen einen bedeutenden Vorteil anderen gegenüber. Ein gut gezüchtetes Maſtlamm nimmt bei guter und reichlicher Fütterung von ſeiner Geburt an täglich 340 g zu und wiegt Ende Mai 51,2 kg. Das Fleiſchgewicht beträgt 30,8 kg oder 60% des Lebendgewichts. Das Fleiſch iſt von guter Quali⸗ tät, nicht ſo fett wie das der langwolligen Schafe und von feſterem Anfühlen. Der Kopf ſollte groß, aber nicht grob ſein, ohne ver⸗ zwergte Hörner und mit ſtark konvexem Geſichtsprofil, Geſicht und Beine gleichtönig dunkelbraun oder faſt ſchwarz gefärbt; ein hellfarbiges Geſicht deutet neuerliche Southdownkreuzung an. Die Schafe ſcheren durchſchnittlich viel; ſchwarze Flecken ſollten auf der Wolle nicht vorkommen, der Körper ſollte bis nahe an die Ohren heran und um dieſe herum dicht mit feiner Wolle bewachſen ſein. Die niedrig angeſetzten Ohren ſind ziemlich groß, etwas dick, aber nicht grob und ſpitzer als die der Southdown, hinten dunkel⸗mauſefarben und ohne helle Tupfen. Die Hinterhand iſt beſonders ſtark entwickelt und der Widerriſt ungemein breit. Shropſhire(Abb. 29). Das Shropſhire iſt ein mittel⸗ großes und das weitverbreitetſte aller Downſchafe im Aus⸗ lande. Es iſt in jedem Alter auf Rücken und Rippen gleich⸗ mäßig dick befleiſcht und wegen feſter Konſtitution, Frühreife -JO 1 Hlargue aeee e ctaagS)(utaoL dao-ut) ieL Sob Lcggenvarcpl SoſplgnoC 65 E 5 8 2 — 2 S ie eng H 74 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. und ſeines wunderbaren Vermögens, ſich vielen verſchiedenen Böden und Klimaten anzupaſſen, berühmt. Es kreuzt ſich mit äußerſt gutem Erfolge mit Schafen faſt jeder reinen Raſſe, ebenſo mit den gemeinen Miſchlingen, die einen großen Teil der Schafherden der ganzen Welt ausmachen. Es hat ziemlich viel gute, glänzende Wolle und vorzügliche Fleiſchqualität. Kopf und Geſicht(letzteres nicht zu lang) ſind gänzlich mit feiner, weißer Wolle beſetzt, ausgenommen die Naſe, welche ſchwarz ſein ſoll; die Ohren ſollen auch dunkel und klein oder mittelgroß, die Wolle gedrängt, fein und mittellang, der ganze Körper und die Beine mit Wolle von gleichmäßiger Qualität bedeckt ſein— grobe Wolle an den Schenkeln oder leichte, dünne Wolle auf den Schulterſpitzen ſowie Flecken von ſchwarzer oder grauer Wolle ſind fehlerhaft. Die Haut iſt roſig, ohne blaue oder dunkle Flecken, der Rumpf viereckig, auf geraden, dicken Beinen ohne grobe Knochen. In einer gewöhnlichen Herde ſcheren die Mutterſchafe durchſchnittlich 3,2 bis 3,6 kg. Die Oxfordſhire(Abb. 30) oder Oxforddownraſſe wurde ungefähr 1830 herangebildet durch Paarung von ver⸗ edelten Hampſhire⸗ und einigen Southdownſchafen mit Cots⸗ woldböcken mit der Abſicht, beſſere Fleiſchqualität und folg⸗ lich einen höheren Fleiſchpreis zu erzielen im Vergleich zu langwolligen Schafen und größeres Woll⸗ und Fleiſchgewicht im Vergleich zu kurzwolligen Schafen. Laut der Beſchreibung im Jahre 1854 wäre es das vorteilhafteſte Schaf, ſowohl für den Produzenten als für den Fleiſcher und den Konſumenten. Es iſt das größte Dowuſchaf und zeichnet ſich aus durch einen kühnen, männlichen Kopf, gut getragen auf kräftigem Hals, Stirnwulſt gut bewollt und mit einem Schopf geziert, Ohren gleichtönig gefärbt und ziemlich lang, Geſicht gleichtönig dunkelbraun, Beine kurz, dunkel gefärbt(nicht geſprenkelt), Fleiſch feſt, mager, von vorzüglicher Qualität, Vlies ſchwer und dicht auf der Haut. Die Wolle iſt länger und lockerer als diejenige jeder andern Downraſſe und ſollte als Langwolle klaſſifiziert wer⸗ den. Schurgewicht bei Mutterſchafen 2,7 bis 3,2 kg pro Stück. Zur Fortzucht benutzt man Herden von gekreuzten Mutterſchafen und reinblütige Böcke; Lämmer werden nach ihrem erſten Jahre zur Maſtnutzung beſtimmt. Die engliſchen Richtungen. 75 Oxforddownuböcke ſind unvergleichlich in der Erzeugung von zur Maſt beſtimmten Jährlingen bei Paarung mit Lei⸗ ceſter⸗Cheviotſchafen. Das Kreuzungsprodukt des Oxford⸗ bockes iſt nicht ſo früh ausgewachſen wie das des Border⸗ Leiceſter, aber gemäſtet kann es im Frühjahr ein größeres Gewicht erreichen. Abb. 30. Oxfordſhire. Deutſches ſchwarzköpfiges Fleiſchſchaf(große Form). v. Helldorff’ſche Stammſchäferei. Zingſt bei Nebra a. Unſtrut. Suffolk(Abb. 31). Die Suffolkraſſe wurde vor mehr als 100 Jahren herangebildet durch Kreuzung von Mutter⸗ ſchafen der Blackface⸗Norfolk⸗Horned⸗Mountainraſſe mit Southdownböcken. Sie waren zuerſt bekannt als Southdown⸗ Norfolks und als Blackfaces. Die beſonderen Merkmale ſind folgende: Kopf ungehörnt; Geſicht ſchwarz und lang; Maul ziemlich fein, beſonders bei Mutterſchafen(ein wenig reine, weiße Wolle auf der Stirn wird geduldet); Ohren mittellang, ſchwarz, von nicht zu grober 8 4 8 2 2 5 8 — 76 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. Beſchaffenheit; Hals mittellang und gut angeſetzt(bei Böcken kräftiger mit gutem Kamm); Haut fein weich, roſig gefärbt; Beine und Füße gerade, ſchwarz, mit flachen Knochen, bis auf die Knie und Sprunggelenke herab bewollt, unterhalb der⸗ ſelben nackt; Bauch(ſowie Hodenſack des Bockes) gut bewollt; Wolle mittelkurz, dicht, fein, ohne Geneigtheit zu Filz und ausgeſprochen weiß, nicht ins Dunkle oder Haarige über⸗ gehend. Die Farbe des neugeborenen Lammes iſt gleichtönig ſchmutzig auf den Wollſpitzen, nicht gefleckt wie die Lämmer der alten Norfolkraſſe. Dieſes Schaf iſt ſelbſt im beſten Zu⸗ ſtande auf dem Rücken hart anzufühlen, es ſoll ſich aber aus⸗ zeichnen durch Lebhaftigkeit, gute Haltung und großen Mut; durch Fruchtbarkeit, denn je 20 Schafe gebären 30 Lämmer; durch Frühreife, denn die Bocklämmer ſind ſo groß und gut entwickelt, daß man ſie zu Zuchtzwecken oft den älteren Tieren vorzieht; durch Abhärtung, denn es iſt nicht verzärtelt wor⸗ den und kann auf kahlen Weiden genügende Nahrung finden, wo die meiſten andern Schafe verhungern würden, kann ferner über große Strecken getrieben werden, ohne dadurch zu leiden. Das Fleiſch enthält außergewöhnlich wenig Fett und findet Abſatz zu den höchſten Preiſen. Dazu kommt faſt gänzliche Freiheit von Fußfäule, was ſeinen Ruf als rentables Schaf noch geſteigert hat, und in den Marſchlandgegenden hat es die gekreuzten Raſſen verdrängt. Der Suffolkbock kreuzt ſich gut mit Schafen aller weiß⸗ geſichtigen Raſſen, und das Geſicht der ſo erzeugten Lämmer iſt geſprenkelt. Statt der Namen Hampſhire, Shropſhire, Oxfordſhire, Suffolk, Diſhley, Mele ließ ſich in Erwägung ziehen, dieſe engliſchen Raſſen einfach„ſchwarzköpfige deutſche Fleiſchſchafe“ zu nennen und ſie einzuteilen in: A. Schwarzköpfiges deutſches Fleiſchſchaf. a) Große Form: Züchtung auf Fleiſchfülle, möglichſt breiten Rücken mit breiter Bruſt und Keule. Die Farbe des Kopfes und der Beine ſollte hier nicht ausſchlaggebend ſein; hell bis ſchwarz; ebenſo im Wollbeſatz freies Spiel. Die Hauptſache wäre in dieſer Abteilung Größe und Breite der Tiere. Hierzu gehörten die ſogen. Oxfords und Suffolks; b) größere Form: Proportionale Körperform, dunkle Färbung, Wollbeſatz zu beachten, breite, tiefe, tonnenförmige Formen(Hampſßhires); Die Landraſſen. 77 c) mittlere Form: Breite, runde Form, mögliche Formvoll⸗ endung, Beſatz mehr in den Vordergrund, Färbung helldunkel (Shropſhires). B. Weißköpfiges deutſches Fleiſchſchaf. Mittel⸗ große Formen bei gutem Körperbau, Bedingung tiefe, lange B0-Kammwolle. In dieſe Klaſſe würden die Diſhleys, Border⸗ Leiceſters und Kreuzungstiere— Kammwoll⸗ und ſchwarz⸗ köpfige Raſſen unterzubringen ſein. Abb. 31. Suffolk. Deutſches ſchwarzköpfiges Fleiſchſchaf(große Form). Beſitzer: Hornung⸗Lichtenburg. Die Landraſſen. Nicht unerwähnt ſeien ſpeziell für Deutſchland die Land⸗ raſſen, welche immer hier, wenn auch im begrenzten Raum, eine Rolle ſpielen und für bedingte Verhältniſſe einen wirt⸗ ſchaftlichen Nutzen abwerfen. Es ſind die Marſchraſſen(hol⸗ ſteinſche und oſtfrieſiſche), das Leineſchaf, oſtfrieſiſche Milch⸗ ſchaf, Rhön⸗Zaupelſchaf, Frankenſchaf und die Heidſchnucke. 4 4 ¹ 5 E 5 78 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. Das Wilſtermarſchſchaf(Abb. 32). Das Wilſtermarſchſchaf kommt in der Gegend von Nortorf und Wilſter meiſtens vor, es iſt ein ausgeſprochenes Schaf des ſchweren Marſchbodens, alſo jenes typiſchen Bodens des zähen dunklen Tones, das Zuchtziel iſt deshalb auch: ein ſchweres, frühreifes Schaf, mit genügender Bruſttiefe, breitem Rücken und kräftigen, ſtarken, knochigen Beinen, die ebenſo wie der Kopf, wollfrei ſind. Der Kopf ſoll weiß ſein, ich würde bunte Köpfe von der Zucht ausſchließen, die Schnauze ebenfalls weiß. Angeſtrebt wird ein kahles Schwanzſchild, der Schwanz ſelbſt wollfrei, möglichſt breit und lang. Nach meinen Erfahrungen iſt ein breiter Schwanz ein gutes Zeichen für die Schwere des Tieres. Abb. 32. Wilſtermarſch⸗Bock„Deichgraf 1029“, 2 jährig. Die Landraſſen. 79 Die Wilſtermarſchſchafe ſind frühreif und auch milch⸗ reich, man könnte letztere Eigenſchaft noch beſſer ausnutzen. Säugende Mutterſchafe wiegen durchſchnittlich gegen 90 kg, Wanderaus⸗ Chriſtian 27. Eigentümer und Ausſteller: Von der (Traupe ſen., Volkſen b. Einbeck, ⸗Hannover. Der Bock erhielt in Klaſſe 58(unter Kat.⸗Nr. 663) den I. Preis, . Februar 1914. 2 „ſtellung der D. L. G. in Hannover. Züchter: H. Hille, Beienrode. Schur letzte e jährig, 2¹ Abb. 33. Leineſchaf⸗Bock„l1“, 1 ½ Jahr alte Böcke gegen 100 kg, 6—8 Monate alte Lämmer gegen 70 kg. Wollertrag an Schweißwolle(Voll⸗ ſchur) 5 kg für Mutterſchafe, 1—2 Jahr alte Böcke 5— 7 kg, 80 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. Lämmer bis 4 kg. Das Wilſtermarſchſchaf iſt ein boden⸗ ſtändiges Schaf, ob die Frühreife durch Einführung engliſchen Blutes erzielt worden iſt, glaube ich anzunehmen, doch iſt dieſe Blutzufuhr dann vor vielen Jahren erfolgt; denn nach Gründung des Schafzuchtvereins„Wilſtermarſch“(1908) iſt kein fremdes Blut zugeführt. Das Leineſchaf(Abb. 33). Das Leineſchaf iſt entſtanden durch Kreuzung des ſogen. rheiniſchen Landſchafes mit Leiceſter, Cotswold Lincoln. Durch planmäßige Züchtung hat man das Leineſchaf den heutigen Anſprüchen angepaßt, man will ein knochiges Tier mit breitem Rücken und beſſerem Wollbeſatz haben. Der Typ des Leineſchafes ſoll ſein— ein längerer nicht zu ſtarker Kopf ohne Hörner, dünne Lippen, lange, blanke Ohren, die Neigung zum Herabhängen haben.— Der Hals iſt verhältnismäßig lang, die Schultern ſind ſchräg, die Bruſt iſt mehr tief wie breit, der Rumpf iſt geſtreckt, der Rücken feſt und breit, die Schenkel gut bemuskelt.— Durch harte Klauen iſt das Leineſchaf befähigt, größere Märſche, auch auf ſteinigem Gelände, zurückzulegen. Die zu ſchrägen Schultern und etwas langen Beine, die man häufig findet, werden durch die Züchtung dort beſeitigt werden, wo lange Wege bis zur Weide nicht mehr in Frage kommen. Die ſchlichte Wolle hat C-Feinheit; es kommen jedoch D- und vereinzelt auch B-Wollen vor. Angeſtrebt wird jeden⸗ falls die C-Wolle, die grob genug iſt, das Pferchen zuzu⸗ laſſen, andererſeits aber den Anſprüchen an eine gute Strick⸗ wolle genügt. Das durchſchnittliche Schurgewicht beträgt 7—8 Pfund für weibliche Schafe; Böcke geben dagegen 10— 12 Pfund. Das Lebendgewicht beträgt für Böcke 200 bis 250 Pfund, für Mutterſchafe 100 bis 130 Pfund. Abſatz⸗ lämmer wiegen 60, Jährlinge 90 Pfund. Das Leineſchaf iſt außerordentlich fruchtbar. Es fallen vielfach zwei Lämmer; häufig kommen Fälle vor, daß ein Leineſchaf bei guter Ernährung im Jahre zweimal wirft. Das Leineſchaf hat ſeine Ausbreitung hauptſächlich in Hannover; aber es gedeiht gut auf leichterem Boden, ebenſo humoſem Sandboden. Es gilt als ein außerordentlich ge⸗ — Die Landraſſen. 81 jundes und robuſtes Schaf mit einer befriedigenden Fleiſch⸗ und Woll⸗Leiſtung. Das Oſtfrieſiſche Milchſchaf(Abb. 34). Das Oſtfrieſiſche Milchſchaf hat eine größere Bedeutung bekommen, da es im Kriege in vielen Gegenden die Kuh vertrat. Es iſt wichtig, auf den Typ der Raſſe, Pflege und Fütterung etwas näher einzugehen. Okonomierat Groß⸗ Norden gibt folgende Notizen: Abb. 34. Oſtfrieſiſche Milchſchafe. AÄ. Typ. Von einem typiſchen oſtfrieſiſchen Milchſchaf wird eine reinweiße Farbe verlangt. Im Zuchtgebiet Oſtfriesland gibt es allerdings auch noch ſchwarze Schafe, die in den Nutzungseigenſchaften dem weißen Schafe gleichzuſtellen ſind und die durchaus auch der reinen oſtfrieſiſchen Milchſchafraſſe zugerechnet werden können. Beſonders in früheren Jahren gab es zahlreiche Züchter, die in ihren Schafbeſtänden immer einige ſchwarze Schafe haben wollten, um die ſchwarze Wolle Heyne, Schafzucht. 4. Auflage. 6 —ÿ—ÿ—ÿ—ᷣ—ͦᷣ X—— 82 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. mit der weißen zuſammen zu verſpinnen und ſo naturfarbiges Garn zu erhalten. Seit Einführung der obligatoriſchen Bock⸗ körung im Jahre 1901 und für die Eintragung der Tiere in die Stammbücher der Züchtervereinigung wird aber die reinweiße Farbe verlangt, ſo daß die ſchwarze Farbe völlig in den Hintergrund und nur noch vereinzelt als Rückſchlag auf frühere Geſchlechter in Erſcheinung tritt. Es kommt allerdings noch häufig vor, daß die weißen Tiere an den Augenlidern, an der Naſenſpitze und an den Ohren braune oder ſchwarze Flecke haben. Dieſe Rückſchläge ſind nicht zu vermeiden, weil früher ſchwarze und weiße Tiere nebeneinander gehalten wurden. Derartige dunkle Farbſtoffablagerungen werden aber auch noch in ſpäteren Jahren vorkommen. Von einem guten typiſchen Tier wird weiter verlangt, daß der hornloſe und etwas ramsnaſige Kopf nicht mit Wolle beſetzt, ſondern nur fein behaart iſt, ſo daß man die roſafarbene Haut durchſchimmern ſieht. Die Ohren ſollen breit und lang ſein. Ferner wird gewünſcht, daß ebenſo wie der Kopf die unteren Teile der Beine und der Schwanz nicht mit Wolle beſetzt, ſondern fein behaart ſind. Im übrigen iſt ein gut ausgebildetes Euter und eine gute Beſetzung des Körpers mit entſprechend guter Wolle zu verlangen. Die Nutzungseigenſchaften. Von den Nutzungseigen⸗ ſchaften wird in Oſtfriesland die Milchergiebigkeit in erſte Linie geſtellt, denn dieſe Nutzungseigenſchaft wird es nach unſerer Anſicht ſein, die dem Milchſchaf wenigſtens in unſern Gegenden einen dauernden Wert verleiht und die Zucht dieſes Tieres für lange Zeit ſichern wird. Nach dem Abſetzen der Lämmer liefern die Muttertiere 2—5 kg Milch am Tage und in der ganzen Milchzeit etwa 400— 700 kg. In dieſem Milchertrag iſt die Milch in der Saugezeit der Lämmer mit etwa 100 kg nicht eingerechnet. Um darzutun, wie ſich die Milchleiſtungen der oſtfrieſiſchen Milchſchafe auf die einzelnen Monate verteilen, ſeien hierunter die Ergebniſſe der Probe⸗ melkungen von zwei auf ihre Milchergiebigkeit unterſuchten Milchſchafen mitgeteilt. Die Milchleiſtung eines im Amte Eſens gezüchteten Milchſchafes von 73 kg Lebendgewicht, mitgeteilt von Hans Reim in Seriem, betrug: Die Landraſſen. 83 21. März bis 30. April Saugezeit zweier Lämmer. Mai... 147 Liler Juni.. 131„ Iui 116„ Auguſt 101„ September 847„ Oktober. 3609„ November...... 38„ Dezember 1090„ Fanttaa 11„ Alſo in Summa 719 Liter ausſchließlich der Saugezeit der Lämmer in 276 Tagen. Die Schafmilch hat einen ſehr hohen Fettgehalt. Auch enthält ſie Milchzucker. Ihr Geſchmack iſt ſehr milde. Wieder⸗ holte Geſchmacksproben, die ich durch Erwachſene und Kinder vornehmen ließ, ohne daß die Betreffenden es wußten, haben ſtets zu einer Bevorzugung der Schafmilch gegenüber der Kuhmilch geführt. Vorausſetzung für den Wohlgeſchmack der Schafmilch iſt natürlich, daß die Tiere ſachgemäß d. h. vor allem draußen auf der Weide gehalten werden, und daß die Milch reinlich gewonnen iſt. Zum Zwecke der Vergleich⸗ barkeit der Zuſammenſetzung der Milch der verſchiedenen Haustierarten ſei die nachſtehende überſicht wiedergegeben. Kuh⸗ Schaf⸗ Ziegen⸗ Pferde⸗ milch milch milch milch 9 75 9 7 Waſſer......... 7. 87,8 81,5 86,3 90,5 Fett................... 3,4 7,0 4,0 1,1 Käſeſtoff.............:..... 2,7 4,3 3,6 Albumin und Laktoglobulin!......... 0,5 1,3 1,0 2,0 Stickſtoffhaltige Extraktivſtoffe........ 0,2—— Milchzucker...................... 4,7 5,0 4,3 6,0 Aſche................... 0,7 0,9 0,8 0,4 100,0 100,0 100,0 100,0 Auch die Bereitung von Käſe aus Schafmilch iſt in Oſt⸗ friesland allgemein üblich. Welche Nutzungseigenſchaft man bei dem oſtfrieſiſchen Milchſchaf an zweite Stelle ſetzen ſoll, darüber kann man geteilter Meinung ſein. Ich bin der Anſicht, daß es die 6* 84 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. Wollerzeugung ſein muß, die alſo zwiſchen die Milch⸗ und Fleiſcherzeugung einzuſchalten iſt, und zwar deshalb, weil Milch⸗ und Fleiſcherzeugung ſich nicht gut miteinander ver⸗ einigen laſſen. Hohe Milchergiebigkeit und beſte Fleiſch⸗ erzeugung ſind zwei Dinge, die ſich züchteriſch in der Schaf⸗ zucht ebenſowenig vertragen wie in der Rinderzucht. Die Wollerzeugung des oſtfrieſiſchen Milchſchafes muß als ſehr gut bezeichnet werden. Die Schafe werden einmal im Jahre geſchoren und liefern 6—8 Pfund ungewaſchene Wolle. Böcke haben es aber ſchon bis 13 Pfund gebracht. Die Dauerhaftigkeit der Wolle iſt ſehr groß, und bei dem ſtändigen Aufenthalt des Milchſchafes im Freien iſt die Wolle auch verhältnismäßig rein und enthält wenig Fettſchweiß. In Oſtfriesland wird die Wolle in der Hauptſache zur Herſtellung von Unterkleidern für den Haushalt verwandt. Bei den Wollabſchätzungen, die im Jahre 1917 durch den Verein des Bremer Wollhandels ſtattgefunden haben, ſind die oſtfrieſiſchen Wollen hauptſächlich in die Klaſſen C— D eingeſchätzt und mit 2,50 M. bis 4,20 M. je Pfund un⸗ gewaſchene Wolle bewertet worden. Als dritte Nutzungseigenſchaft iſt die Fleiſcherzeugung zu nennen. Die Lämmer werden mit einem Durchſchnitts⸗ gewicht von 4,5— 5,5 kg geboren und entwickeln ſich ſo raſch, daß ſie bereits im Alter von 6—8 Monaten, alſo im Herbſt ihres Geburtsjahres zuchtfähig werden. Im Alter von 1 ½¼ bis 1 ½ Jahren iſt das Milchſchaf ausgewachſen. Weibliche Tiere erreichen dann ein Lebend⸗ gewicht von 140— 190 Pfund, Böcke von 150— 250 Pfund und darüber. Im Herbſt 1908 wurden einige 1 ½ jährige Böcke gewogen und dabei folgende Gewichte ermittelt: 191, 199, 200, 206, 221, und 265 Pfund. Durch dieſe Gewichte wird gleichzeitig auch die Früh⸗ reife des oſtfrieſiſchen Milchſchafes bewieſen. Die Fruchtbarkeit des oſtfrieſiſchen Milchſchafes iſt all⸗ gemein bekannt. 2 Lämmer ſind die Regel, 3 Lämmer kommen indeſſen häufiger vor als ein einzelnes Lamm. Nicht ſelten werden auch 4, bisweilen ſogar 5 Lämmer geboren. Züchteriſch muß es erwünſcht ſein, daß nicht mehr als 2 Lämmer fallen, weil ſonſt die Mütter durch das Saugen Die Landraſſen. 85⁵ der Lämmer zu ſtark angegriffen werden und die Lämmer ſich nicht ſo gut entwickeln, als wenn ſich nur 2 Lämmer in die Muttermilch teilen. Haltung und Fütterung. Die Haltung des oſtfrieſiſchen Milchſchafes geſtaltet ſich in ſeinem Heimatbezirk denkbar ein⸗ fach. Die Lämmer werden auf der Weide geboren und bleiben draußen Tag und Nacht bis in die ſpäteſten Herbſttage hinein. Keine Schutzhütte ſteht den Schafen zur Verfügung und die kalten Regen⸗ und Schneeböen im Nachwinter und Herbſt, die an der Küſte häufig vorkommen, können der Geſundheit der Schafe keinen Abbruch tun. Die Tiere ſind abgehärtet, und das dichte Wollvlies ſchützt ſie gegen die Unbilden der Witterung in hinreichendem Maße. Die Stallhaltung des oſtfrieſiſchen Milchſchafes kommt nur inſoweit in Frage, als die Tiere im Winter, wenn tiefer Schnee liegt, und an den ſchlechteſten Wintertagen nur nachts in den Stall geholt werden. Sofern kein Schnee liegt, ſind Kälte und Regen kein Hinderungsgrund, um die Schafe tagsüber ins Freie und auf die Weide zu bringen. Das Zufutter während des Winters kann in den verſchiedenſten Abfällen der Küche be⸗ ſtehen. Im Zuchtgebiet wird den Schafen meiſt 1 Pfund Hafer oder ¾ Pfund Ackerbohnenſchrot im Winter verabfolgt, außerdem etwas Heu für die Nacht. Auf die Frühreife des Milchſchafes iſt bereits hingewieſen worden. Im Zuchtgebiet Oſtfriesland kommen die Lämmer faſt ausnahmslos im Alter von ½ Jahr zum Bock. Die Sprungzeit beginnt etwa um Mitte September und dauert bis Anfang Dezember, ſo daß die Lämmer von Mitte April bis Anfang Mai geboren werden. Das Abſetzen der Lämmer erfolgt ohne beſondere Um⸗ ſtände, wenn die Tierchen 4—6 Wochen alt ſind. Bis dahin haben ſie ſchon gelernt von dem jungen Gras zu freſſen, ſo daß man ſie nur einfach von der Mutter wegzunehmen und in eine beſondere Weide zu geben braucht. Sie kommen dann von ſelber weiter und bedürfen keines Zufutters. Selbſt⸗ verſtändlich iſt, daß, wenn die Lämmchen ſehr früh fallen, zu einer Zeit, wo noch kein junges Gras auf den Weiden iſt, ſie ſo lange bei der Mutter bleiben müſſen, bis ſich der Pflanzenwuchs eingeſtellt hat. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. Erſter Teil. —½ 00 Abb. 35. Frankenſchaf⸗Böcke„124“ und erſterer letzterer 1 ½ jährig, letzte Schur beider 15. Februar 1914. V. p.„1240: 4, MI.:„124; W. v. 28„M.:„28u. Züchter, Eigentümer u. Ausſteller: Rittergutsbeſitzer Heinrich Korfes, Jeſtädt beis Niederhohne(Heſſen⸗Naſſau). Bock„28“ erhielt in Klaſſe 50(unter Kat.⸗Nr. 580) den I. Preis(80 M.) und den Zuſchlagspreis der Landwirtſchaftskammer für den Reg.⸗Bez. Kaſſel. Von der 27. Wanderausſtellung der D. L. G. in Hannover. opnuGp[o—² 99„— 87 Die Landraſſen. 88 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. In einer unter meiner Leitung ſtehenden oſtfrieſiſchen Milchſchafherde Ahrensbroek bei Schwerin in Mecklenburg werden die Tiere in Herden gehalten und haben ſich gut akkli⸗ matiſiert, die Milch ſowie die Wolle und Fleiſchnutzung ſind ſehr gut, beſonders nachdem ich die individuelle Paarung auf Milchnutzung unter Berückſichtigung von Wolle und Fleiſch eingeführt habe. Nähere Daten über dieſe Herde ſind noch nicht abgeſchloſſen und kann ich dieſe noch nicht veröffent⸗ lichen. Frankenſchaf(Abb. 35). Das Frankenſchaf iſt ein geſundes und ſehr widerſtands⸗ fähiges Schaf, ganz ausgezeichnetes Fleiſchſchaf mit beſſerem Qualitätsfleiſch. Wollfeinheit C bis E durchſchnittlich D mit ziemlich langer Wolle, im Mittel 12 cm. Gewicht von älteren Schafen durchſchnittlich 55 kg, Jährlinge 40 kg. Die Heideſchnucke(Abb. 36). Die hauptſächlichſte Verbreitung hat die Heideſchnucke in der Provinz Hannover. Allerdings hat die Heideſchnucke gegen krüher ſtark abgenommen, aber wo ſich noch Heide vorfindet da iſt auch die Heideſchnucke noch anzutreffen.. Man unterſcheidet die weiße und die graue Heideſchnucke. Es iſt wohl die kleinſte Schafraſſe, mit feineren aber harten Knochen, die Wolle hat eine haarartige Beſchaffenheit, der Hals iſt lang, ſchmales Schulterblatt, langes Becken, Rücken und Lendenpartie lang, dünn die Gliedmaßen, ein kürzerer 12—16 wirbeliger Schwanz. Es kommen gehörnte und ungehörnte Tiere vor. Die Angaben über Schurgewicht ſchwanken, den zeitlichen Wollertrag eines Schafes kann man an 1 ¾ bis 3 ½ Pfund Wolle einſetzen. Doch Wollerträge von 2 ¾ bis 3 ½ Pfund erzielt man nur bei beſſerer Fütterung. Das Karakul(Abb. 37 und 38). Als neue Richtung tritt jetzt noch das Karakulſchaf auf, ein aus den Steppen Zentralaſiens importiertes Schaf. Die Hauptnutzung bei dieſer Zucht bleiben die Lämmer, die den koſtbaren Perſianerpelz liefern; je früher dieſelben getötet Die Landraſſen. 89 werden, deſto beſſere Lockung des tiefſchwarzen Haares weiſt das Fell auf; je gleichartiger der Typus der Locke im Lämmer⸗ fell iſt, deſto wertvoller iſt dieſes. Die verſtorbene Exzellenz Beſitzer: Herzog, Leipzig⸗Naunhof, Karakulbock. Abb, 37. Kühn, der bekannte Univerſitätsprofeſſor in Halle a. S., hat ſich große Verdienſte um die Einführung der Karakuls er⸗ worben. 90 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. Die Maſtung. Bei der Maſtung ſollte das Verhältnis der Nährſtoffe zueinander bei jüngeren Tieren nicht weiter als 1 Nh.= 4 bis 5 Nl., bei älteren Tieren 5 bis 6 Nl. betragen. Die zur Maſt beſtimmten Tiere ſollten von vornherein gut gefüttert werden. Die Mäſtung der Schafe erfolgt bei dem ausge⸗ wachſenen Tiere nur durch Ablagerung von Fett in dem Fett⸗ gewebe, bei jüngeren Tieren aber durch Ausbildung von Muskelgewebe. Schafe, die mit Vorteil gemäſtet werden ſollen, müſſen Anlage zur Fettſucht haben, wie dies mehr oder minder Abb. 38. Karakullämmer. bei allen Fleiſchraſſen der Fall iſt. Wird dieſen Tieren unter Gewährung von Ruhe eine entſprechende Nahrung verabreicht, ſo tritt ſehr bald eine rege Neubildung im Fett⸗ gewebe ein. Bei älteren Schafen kommt leicht eine Verfettung des Muskelgewebes vor, was den Genuß des Fleiſches beein⸗ trächtigt. Bei jüngeren Schafen iſt dies nicht zu befürchten, weil hier nicht allein Fett, ſondern auch Muskelgewebe gebildet wird; jüngere Schafe haben daher gemäſtet immer einen höheren Preis, und wenn Schafe mit Vorteil gemäſtet werden ſollen, ſo muß man zu Raſſen greifen, welche eine frühe körper⸗ Ernährung des Schafes. 91 liche Entwicklung, die ſogen. Frühreife, zur Maſtung zeigen; die frühreifere Entwicklung kann bei Merinoherden durch Kreuzung mit größeren Raſſen, Kammwolltieren oder eng⸗ liſchen Raſſen gehoben werden. Bei der Maſtung im Stalle ſpielt die zuckerhaltige Rübe eine Rolle, bei der Maſtung auf der Weide ſind den Schafen junge Gräſer und Futterkräuter zuzuweiſen; im übrigen gelten die für die Fütterung angegebenen Regeln und Grundſätze. Nach Zuſammenſtellung von Wolff im Landwirtſchaftlichen Kalender von Mentzel und Lengerke enthält das lebende Schaf, je nachdem es mager, halb⸗ oder ganzfett iſt, in 50 kg fol⸗ gende Beſtandteile. itte Mager Me. Halb⸗ Fett Sehr fett fett genährt 55 70 970 960 oſo Fett.................... 8,6 13,2 18,3 28,1 37,2 Stickſtoffverbindung.......... 15,4 14,8 13,8 12,2 11,0 Mineralſtoffe.............. 3,4 3,3 3,2 2,7 2,8 Waſſer.......... 56,6 53,7 50,7 44,8 32,0 Inhalt von Magen und Darm. 16,0 15,0 14,0 12,0 10,0 Ernährung des Schafes. Der Magen des Schafes iſt wie bei allen Wiederkäuern aus vier Abteilungen zuſammengeſetzt und liegt in der Bauch⸗ höhle, die durch die Wirbelſäule, die Bauchmuskeln, das Zwerchfell und die Beckenknochen gebildet und von einer ſeröſen Haut, dem Bauchfell, ausgekleidet wird. Die vier Abteilungen des Magens ,„von welcher die drei erſten als Vormagen be⸗ zeichnet werden können, während im letzten der eigentliche Vorgang der Verdauung vor ſich geht, ſind: 1. der Panſen, 2. die Haube, 3. der Pſalter und 4. der Labmagen. Fig. 39. I. Die Magenabteilungen befinden ſich in ihrer natür⸗ lichen Lage zueinander. H Haube. L Labmagen. M Milz. P Pſalter. W linker Wanſtſack. W* rechter Wanſtſack. S Schlundrinne.** rechter Blindſack. II. Der Pſalter iſt ſeitlich von dem Wanſte abgezogen, um ſeine Verbindung mit 92 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. der Haube und dem Labmagen zu zeigen. Die Bezeichnungen wie in I. Wichtig iſt der Pſalter, der Löſer oder das Buch, alſo der dritte Magen mit ſeiner doppelten Muskelhaut, die den Zweck hat, vermittels der im Innern befindlichen, mit kleinen, Abb. 39. Magen des Schafes. Auch der Laab(L), der vierte oder der eigentliche Magen, beſitzt ähnliche Muskelhäute. Iſt das Futter gehörig vor⸗ bereitet, ſo verwandelt er dieſes in Speiſebrei. Der Darm zerfällt in zwei Abteilungen, in den Dünn⸗ darm und in den Dickdarm; der Dünndarm iſt das engſte Stück des Darmkanals; man unterſcheidet den Zwölffinger⸗ darm, den Leerdarm, und das hintere Stück, den Krumm⸗ oder Hüftdarm. Der Dickdarm, der viel weiter, aber noch kürzer als der Dünndarm iſt, wird eingeteilt in den Blind⸗ — —;———————V—V—;—X—V———òõ [—4, M Ernährung des Schafes. 93 ungs⸗ ge, iſt ein⸗ IHAERBIBLIOTHEK zſdehe Auf⸗ 5 7 echnet 4 4 ie fortgesetzte gewaltige Steigerung 3 n 4 D aller Herstellungskosten zwingt 4ℳ 4 4 mich zu meinem Bedauern, den bisherigen 4 6 Einheitspreis der Thaer-Bibliothek aufzu- 0. 94 geben und die einzelnen Bände je nach ihren 4 4 Herstellungskosten zu umstehenden neuen 4 8 Ab Preisen zu berechnen. Diese sind im Hin- 4 8 6 blick auf die heutigen wirtschaftlichen Ver- 4* 4 haltnisse noch als durchaus mäßige zu be- 4 en. 2 zeichnen, Auch weiterhin wird die Thaer- 0 Tieres 8 4 Bibliothek ihre Aufgabe darin suchen, dem 4 en in 5 angehenden wie dem erfahrenen Landwirte ſche 8 46... Aℳ aliſche 2 5 zusammenfassende und leichtverständlich AM en, in 4 4 geschriebene Anleitungen in Wort und Bild 4 3 4 ℳ über die verschiedenen Zweige der Landwirt- G 4 schaftzu geben. InihrerGesamtheitbilden die 4 4 einzeln käuflichen Bände eine vortreffliche 4— G fachliche Hausbücherei, die aufjedem Gute zu 4 den in 4 finden sein sollte. Die Preisberechnung der 4 Phos⸗ 88 Bände nach dem Valuta-Ausland erfolgt nach 4 in der 4 der deutschen amtl. Umrechnungstabelle. 4 dteilen 4 4 iß der 4 4 iweiß⸗ rmenn paul. PaRkEy f eauo⸗ 6 15. 4 er, be— A im Juni 1921. Verlagsbuchhandlung. AMb 2k, 4 4 euskel⸗ 8 4 nennt 2 4 iweiß⸗ lerlag uon Paul Parey, Berin SWll, Uedeemannst lU u. anzen⸗ asmas, ngeren aht die in den grOßE Muyryuftrgreir orr 1———* d Samenkörnern unſerer Kulturpflanzen, beſonders in den der Ha wie in W der dri Zweck! rauhen Magen kleinern Auch d beſitzt 1 bereitet De darm 1 Stück darm, 92 Erſter Teil. oder Huftdarm. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. LHAERSBIBLIOTIHEK Veterinärwesen. Gesundheitspflege der landwirtschaftlichen Haussäugetiere von Professor Dr. M. Klimmer. 2. Auflage Geburtshilfe v. Veterinärrat A. Tapken. Bearbeitet von Dr. Leonh. Schmidt, Kreistierarzt. 5. Auflage. Der kranke Hund v. Geh. Med.-Rat Dr. G. Mäller, Prof. Dresden. 4. Auflage. Mit 76 Textabbildungen.. Der gesunde Hund v. Geh. Med.-Rat Dr. G. Miiller, Prof. in Dresden. 3. Auflage. Mit 83 Textabbildungen. Hufpflege, Hufschutz und Heschlag. Von Professor Pr. H. Möller in Berlin. Englischer Hufbeschlag v. H. Behens, Lebrschmied in Rostock. 2. Auflage. Eingeweidewürmer d. Haussiugetiere V. Heuvit⸗ 1. 1. Berlin Landwirtschaftliche éiftlehre von Geh. Med.-Rat Dr. G. Mäller, Prof. in Dresden. Jagd, Sport und Tüscherci. Goeddes Fasanenzucht. Bearbeitet v. Paäsanenjügpr, Sahe in Fürstenwalde. 4. Auflage Jagd-, Hof- und Schäferhunde v. E. Sehloifeldt.„Aufl. Ratgeber beim Pferdekauf v. Stallmeister B. boenean. 6. Auflage. Mit 101 Textabb. und Taschen-Auszug Widersetzlichkeiten des Pferdes v. Stallmeister B. Schoen- beck. 2. Auflage Reiten u. Fahren V. Major E. Schoenbeck i. Berlin. 6. Auflage Teichwirtschaft von M. v. dem Borne. Neubearbeitet von F. v. Debschitz. 6. Auflage......... Gartenbau. Meyers immerwährender Gartenkalender.„6. Auflage. Gartenblumen(Zucht und Pflege) v. Th. Rümpler. Neu- bearbeitet v. O. Krauss. 3. Auflage. Gemüsebau v. B. p. Uslar. Neubéarbeitet v. Amtsrat R. Koch. 6. Auflage. Mit 110 Textabbildungen. Obstbau von R. Noack. Neubearbeitet von Diplomgarten- meister IV. Mutze in Berlin-Dahlem. 7. Auflage... Weinbau und Weinbehandlung von Hofrat 4. Dern, Landes- Weinbauinspektor. Mit 69 Textabbildungen. 3 Gehölzzucht v. Hofgarteninspektor J. Hartawig. 2. Auflage Gewächshäuser und Mistbeete von J. Hartzoig. Neubearbeitet von C. Reiter, Gartenbauing. Mit 55 Textabb. und 8 Tafeln Gärtnerische Betriebslehre von Dr. A. Bode, Oberlehrer in Chemnitz. 2. Auflage......... 9 M. 15 M. 10 M. 15 M. 9 M. 9 M. 9 M. 9 M. 10 M. 9 M. 17 M. 9 M. 10 M. 10 M. 9 M. 9 M. 11 M. 13 M. 10 M. 9 M. 15 M. 9 M. Jeder Bandist, gut gebunden, einzeln Käuflich. Der Dickdarm, der viel weiter, aber noch kürzer als der Dünndarm iſt, wird eingeteilt in den Blind⸗ 1 111 Ernährung des Schafes. darm, Grimmdarm und Maſtdarm. Der geſamte Verdauungs⸗ apparat hat eine nach den Tierarten verſchiedene Länge, iſt aber bei den Wiederkäuern bei weitem länger als bei den ein⸗ magigen Tieren; bei den Schafen beträgt er das 27—28 fache der ganzen Körperlänge. Nach Unterſuchungen über die Auf⸗ enthaltsdauer des Futters im Verdauungskanale berechnet ſich das Verweilen desſelben in den erſten drei Magenabteilungen zu 20 Stunden, im Labmagen..............„ 1,2„ im Dünndarm..............„ 2,3. im Blinddarm..................„ 7,0. im Grimmdarm...............„ 1,5 5 im Maſtdarm...................„ 4,0„ im ganzen alſo auf 36 Stunden. Die Nährſtoffe nun ſelbſt, welcher der Körper des Tieres zu ſeiner Formbildung und Erhaltung bedarf, zerfallen in zwei Abteilungen, nämlich in organiſche und in mineraliſche Subſtanzen. Die erſten zerfallen wieder in zwei Gruppen, in ſtickſtoffhaltige(Nh) und ſtickſtofffreie(Nfr). Stickſtoffhaltige Nährſtoffe(Nh). Die ſtickſtoffhaltigen Nährſtoffe enthalten neben den in den ſtickſtoffloſen enthaltenen Subſtanzen noch Stickſtoff, Phos⸗ phor und Schwefel und ſind in den Futtermitteln in der gleichen Zuſammenſetzung enthalten wie in den Beſtandteilen des tieriſchen Körpers, z. B. wie im Fleiſch, im Eiweiß der Eier uſw. Zu ihnen zählen alle Repräſentanten der Eiweiß⸗ ſubſtanzen(Albuminate); die Albuminate dienen vorzugs⸗ weiſe für die Blut⸗ und Gewebebildung im Tierkörper, be⸗ teiligen ſich an der Fettbildung, durchtränken das Muskel⸗ gewebe und geben demſelben ſeine Spannkraft; man nennt ſie Proteinſtoffe. Als hauptſächlichſte Vertreter der Eiweiß⸗ ſtoffe ſind zu nennen: 1. Das Eiweiß(Albumin) kommt faſt in allen Pflanzen⸗ ſäften vor und bildet den Hauptbeſtandteil des Protoplasmas, der Bildungsmaſſe der Zellen, und iſt daher in allen jüngeren Pflanzenteilen vorzugsweiſe verbreitet. Auf ihm beruht die große Nahrhaftigkeit der jungen Gräſer; es findet ſich in den Samenkörnern unſerer Kulturpflanzen, beſonders in den 94 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. Samenkörnern der zur Familie der Kruziferen gehörigen Ol⸗ gewächſe und bildet nach dem Auspreſſen des Oles in den Rückſtänden der Olfrüchte, in den Olkuchen, den für die Fütte⸗ rung wichtigſten Beſtandteil. 2. Der Käſeſtoff, Kaſein, iſt beſonders in den Samen⸗ körnern der Leguminoſen, alſo in Erbſen, Linſen, Wicken, Lupinen und Bohnen, verbreitet und hat aus dieſem Grunde auch die Bezeichnung Legumin. 3. Der Faſerſtoff oder Fibrin. Man unterſcheidet vege⸗ tabiliſchen und tieriſchen Faſerſtoff. Der erſtere, Kleber ge⸗ nannt, iſt ein Beſtandteil der Früchte der Zerealien, nament⸗ lich des Weizens und des Roggens. Der tieriſche Faſerſtoff iſt der Grundbeſtandteil der Muskeln, gehört auch zu den weſentlichſten Beſtandteilen des Blutes, in welchem er im ungeronnenen Zuſtande ſich befindet, aber ſofort gerinnt, ſobald das Blut aus dem Körper des Tieres entfernt wird. Stickſtofffreie Nährſtoffe(Nfr). Die ſtickſtofffreien Nährſtoffe in den Futtermitteln be⸗ ſtehen aus Kohlenſtoff und Waſſer; es fehlt ihnen alſo der Stickſtoff. Die ſtickſtofffreien Nährſtoffe zerfallen in zwei Gruppen, nämlich in die Fette und in die Kohlenhydrate. Die letzteren unterſcheiden ſich dadurch von den erſteren, daß ſie den Kohlenſtoff in Verbindung mit den Elementen des Waſſers, alſo mehr Sauerſtoff als die Fette in ihrer Zu⸗ ſammenſetzung enthalten. a) Die Fette. Die Fette ſind arm an Sauerſtoff im Verhältnis zu dem darin enthaltenen Kohlenſtoff und Waſſer⸗ ſtoff. Man nimmt an, daß ein Teil Fett ſoviel Material für den Oxydationsprozeß in der Lunge liefert als 2,44 Teile Kohlehydrat. Die Fette kommen faſt in allen Pflanzenteilen vor, am meiſten in den Samen der Olgewächſe, der Legumi⸗ noſen und des Maiſes. Bei der Fütterung gibt man den etwa notwendigen Zuſatz von Fett am beſten durch die Ol⸗ kuchen; je reicher dieſelben zugleich an Proteinſtoffen, deſto wirkſamer ſind ſie für die Ernährung. b) Kohlenhydrate. Zu denſelben werden gerechnet die Stärke(Amylum), der Zucker(Trauben⸗, Rohr⸗ und Milch⸗ zucker). Die Zelluloſe, der Zellſtoff oder die Holzfaſer, bildet die Wände der Pflanzenlamellen und iſt ſomit ein weſentlicher Ernährung des Schafes. 95 Beſtandteil aller vegetabiliſchen Futterſtoffe. Von geringer Bedeutung für die Fütterung ſind zu nennen das Inulin, Pektin und verſchiedene Pflanzenſäuren. Mineraliſche Nährſtoffe. Von den Mineralſtoffen, welche die Nahrungsmittel ent— halten, ſind Phosphorſäure und Kalk von großer Wichtigkeit, weil dieſelben für die Knochenbildung unentbehrlich ſind. Ferner ſind zu erwähnen Kali, Natron, ſchwefelſaure Salze, Eiſen, Schwefel und Kochſalz; beſonders reich an Mineral⸗ ſtoffen ſind die Milch, die Samenkörner des Getreides, die Knollen⸗ und Wurzelfrüchte. Die Futtermittel werden nun eingeteilt in konzentrierte und in voluminöſe; die konzen⸗ trierten Futtermittel ſind reich an Nährſtoffen; die volu⸗ minöſen ſind reicher an Rohfaſer und ärmer an Nährſtoffen. Zu den konzentrierten Futtermitteln werden gerechnet die Früchte der Zerealien und Leguminoſen, die Abfälle von techniſchen Gewerben uſw., zu den voluminöſen dagegen Heu, Stroh, Spreu, Grünfutter und die viel Waſſer enthaltenden Abfälle der techniſchen Gewerbe. Bevor ich auf die Futter⸗ mittel eingehe, die in den Wirtſchaften ſelbſt gewonnen werden und den Schafen zur Ernährung dienen, ſei folgendes vorher erwähnt. Das Schaf liebt Gleichmäßigkeit in der Nahrung; ſchäd⸗ lich iſt der plötzliche übergang von zu reicher und zu knapper Fütterung. Auch in der Art des Futters darf der Wechſel nur allmählich eintreten. Der Ort der Ernährung kann der Stall, der Weideplatz, oder es können beide zugleich ſein. Der Nahrungsbedarf in ſeiner Quantität wird nach dem Er⸗ fordernis zur Erhaltung des Körpers des Tieres im ausge⸗ wachſenen Zuſtande beſtimmt. Derſelbe bleibt ſich bei geſunder Konſtitution in der Regel gleich und ſteht im Verhältniſſe zur Größe und Schwere des Körpers. Iſt die Ernährung zu dürftig, ſo muß das Tier das Fehlende am eigenen Körper erſetzen; es magert allmählich ab und verfällt ſchließlich dem Tode. Überſteigt aber die Menge des Futters das Bedürfnis, ſo bilden ſich die Muskeln und andere Körperteile voll⸗ kommener aus; beim einzelnen Schafe z. B. wird in dieſem Falle mehr Milch erzeugt, oder der überfluß ſetzt ſich in Fett ab; die über die bloße Erhaltung des Körpers hinausgehende 96 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. Ernährung liefert alſo neue Produkte, und dies dazu dienende Ernährungsquantum wird im Gegenſatz zu jenem, dem Er⸗ haltungsfutter, Produktionsfutter genannt. Das Schaf muß nun Produktionsfutter erhalten beſonders im jugendlichen Alter zum Wachstum des Körpers, zur Erweiterung der Knochen, und dies iſt beim Schaf wichtig, da das Schaf bis zum Alter von 9 Monaten das Futter am beſten verwertet. Auch die Erzeugung der Wolle bildet, wie die Hauptbedeckung jeder anderen Tierart, einen naturgemäßen Vorgang des animaliſchen Lebens. Die Wolle wächſt ſelbſt bei ungenügen⸗ der Ernährung langſam fort; bei verſtärkter Fütterung nimmt ſie verhältnismäßig raſcher zu, allein nicht in einem der geſteigerten Fütterung parallel laufenden Verhältniſſe; eine reiche Ernährung erhöht die Wollerzeugung nur um ein geringes, nur der Fettſchweiß nimmt zu. Zur Erzeugung von Maſtvieh iſt Produktionsfutter not⸗ wendig; die Zunahme der verſtärkten Ernährung äußert ſich durch größere Ausdehnung der Muskeln, indem deren Sub⸗ ſtanz durch reichere Zellenbildung ſich vermehrt, zugleich aber auch durch immer reichere Zwiſchenlagerung von Fettſchichten, woraus das ſogenannte Durchwachſenſein des Fleiſches her⸗ vorgeht. Außer dieſer mit den Muskeln in unmittelbarer Verbindung ſtehenden Fettbildung beſteht noch die ander⸗ weitige, mehr ſelbſtändige Fettbildung an den Bauchwan⸗ dungen, am Darmkanal und unter der Haut; bei einigen Schafarten überwiegt die innere mehr den Eingeweiden und deren Umgebung ſich anſchließende Fettbildung, bei anderen die äußere zwiſchen Muskeln und Hautv; eigentümlich iſt die Ablagerung von Fett am Schwanz(Fettſchwanzſchafe). Die Ernährung ſteht auch in direktem Ter hättrſſe zu der Menge der dem Lamm gewährten Milch; zuletzt iſt noch zu erwähnen, daß den Böcken während der Sprungzeit ver⸗ mehrtes Erhaltungsfutter zu geben iſt.— Nunmehr wollen wir zu den Futterſtoffen und deren Nährgehalt übergehen. Die von einzelnen Fachmännern, wie J. Kühn, Wolff und Settegaſt, entworfenen Tabellen, in welchen die Analyſen der einzelnen Pflanzen angegeben ſind, brauchen hier nur erwähnt zu werden, da ſie überall leicht zu erlangen ſind. Wichtiger ſind die Weiden, welche in natürliche und künſt⸗ liche unterſchieden werden. Die natürlichen Weiden wieder Ernährung des Schafes. 97 können geſunde oder ungeſunde ſein. Ungeſund, d. h. den Schafen ſchädlich, ſind tiefgelegene, nicht gehörig entwäſſerte Wieſen mit ſaueren Binſen⸗(Scirpi), Cyperngräſern(Cyperi), Simſen(Junci) und Wollgräſern(Eriophora) ſowie Schachtel⸗ halmen(Equiseta). Geſund ſind trockene, hochgelegene Wei⸗ den; als für Schafe ſehr zuträgliche Gräſer ſind zu nennen: die verſchiedenen Arten von Klee, die Eſparſette, die Riſpen⸗ gräſer und die Schwingelarten. Künſtliche Weiden, welche ausgedehnte Schafzucht möglich machen, ſind bereits mehrfach in Gebrauch. Man verwendet dazu mehr die blattreichen Kleearten, wie Rot⸗ und Weißklee, Luzerne, Raygras, Kamm⸗ gras, Wieſenfuchsſchwanz, Kümmel, Wegerich und Wieſen⸗ kopf. Als gelegentliche Weiden kommen noch die Waldweiden in Hochwaldungen und Nadelhölzern ſowie die Weiden auf Brach⸗, Stoppel⸗ und Winterſaatfeldern in Betracht. Die Winterſaaten können, wenn ſie ſtark beſtockt ſind, im Spät⸗ herbſte gute zufällige Weide liefern. Geſchieht die Abweidung vorſichtig, d. h. nur auf trockenem, gefrorenem Boden, ſo er⸗ leiden die Saaten keinen Schaden. Das Weiden auf Wieſen findet entweder im Herbſte(nach dem letzten Schnitte) oder im Frühjahre ſtatt; erſteres eignet ſich mehr zur Mäſtung; letzteres paßt beſſer für Mutterſchafe. Im Sommer geſchieht die Ernährung der Schafe am natürlichſten und häufigſten auf der Weide; aber auch in dieſer Jahreszeit kann manchmal völlige oder teilweiſe Stallfütterung notwendig werden. In erſterem Falle verwendet man dazu gutes Stroh und Heu; in letzterem läßt man einen Teil des Stallfutters in Grün⸗ futter beſtehen. Im Winter ſpielt bei Ernährung der Schafe das Heu die größte Rolle. Das Heu iſt das einzige unter den nachſtehend aufge⸗ führten Futtermitteln, das geeignet erſcheint, ohne Ver⸗ miſchung mit anderen Stoffen— Waſſer und Salz abge⸗ rechnet— eine beſtändige Nahrung des Schafes zu bilden. Es liegen viel Beweiſe vor, daß ſich das Schaf von dem Alter an, da es der Muttermilch entwachſen iſt, viele Jahre lang allein mit Heu, neben Waſſer und Salz in Geſundheit und Nutzung erhalten laſſe. Keines der übrigen Winter⸗ futtermittel teilt mit dem Heu dieſe Eigenſchaft; jedes andere verlangt noch die Zugabe eines weiteren Futterſtoffes, und es iſt deshalb das Heu als das naturgemäßeſte Winter⸗ Heyne, Schafzucht. 4. Auflage. 7 ———ͤͤͤͤͤͤſͤͤſͤſͤſ —— 4 4 — 98 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. nahrungsmittel anzuſehen und als dasjenige, welches wenig⸗ ſtens in allen Schäfereien einen Hauptteil der Fütterung über Winter bilden ſollte. Auf ſeine Beſchaffenheit haben teils der Ort, auf dem es gewachſen, teils die Methode ſeiner Ge⸗ winnung und Trocknung, teils ſein Alter und ſeine beſſere oder ſorgloſere Erhaltung Einfluß. Diejenigen Pflanzen, welche als die zuträglichſten für Weide und Grünfütterung angegeben wurden, ſind auch im getrockneten Zuſtande die gedeihlichſten zum Winterfutter, vorausgeſetzt, daß ſie gemäht wurden, ehe die Stengel und Halme ſich verhärteten, daß ſie ohne Beeinträchtigung durch Regen gut getrocknet heimkamen, und daß ſie gegen Näſſe, Stalldunſt uſw. geſchützt aufbewahrt werden. Dementſprechend iſt das ſorgfältig bereitete Heu und Grummet von trockenen und in gutem Stande erhaltenen Höhenwieſen in erſter Linie zu ſetzen. Das Heu von rotem Klee, Wicken und Luzerne iſt ebenfalls gut. In dem Maße, als die Wieſen naſſer und ihre Gräſer und Kräuter hart⸗ ſtengliger wurden, vermindert ſich der Wert des Heues. Wenn es von ſaueren oder verſchlammten Wieſen herrührt, oder wenn es nachläſſig getrocknet wurde oder im Magazine ver⸗ ſtaubte und verſchimmelte, ſo wird es unbrauchbar und ſchädlich. Das getrocknete Laub von Pappeln, Ulmen und Erlen kann in dem Falle, wenn es im Safte abgebracht und ſorg⸗ fältig gedörrt iſt, ein ſchätzenswertes Beifutter bilden an allen den Orten, wo wegen Mangels an Heu ungewöhnlichere Futtermittel(Kartoffeln, Schlempe uſw.) in größerer Menge gegeben werden müſſen. Es empfiehlt ſich zu ſolcher Zu⸗ ſammenſetzung nicht nur durch die ihm innewohnenden Nah⸗ rungsteile, ſondern auch durch ſeinen Gehalt an ſolchen Be⸗ ſtandteilen, welche auf die geſtörte Verdauung günſtig ein⸗ wirken. Daraus läßt es ſich erklären, warum das getrocknete Baumlaub an den Orten, wo die Hauptfütterung in dem den Schafen angemeſſenſten Futter— in Heu— beſteht, nur ſelten Anwendung findet. Das Stroh ſchließt in großem Volumen eine geringere Menge von Nährſtoffen ein. Es nützt in dreierlei Weiſe: als wirklicher Nährſtoff, zur Herſtellung eines richtigen Verhält⸗ niſſes zwiſchen Feuchtigkeit und trockener Subſtanz und als Mittel zu ökonomiſcher Zuſammenſetzung des Futters. Ernährung des Schafes. 99 In erſter Beziehung als wirklicher Nährſtoff hat es einen höchſt verſchiedenen Wert, je nachdem die Früchte, von denen es herrührt, in mehr oder weniger vorgerücktem Zuſtande der Reife eingebracht ſind, und je nachdem es mehr oder weniger mit Unkraut durchwachſen iſt. Das Stroh von den Hülſen⸗ früchten und der Hirſe iſt das zuträglichſte; nach ihm folgt das Stroh von den Sommergetreidearten, die meiſt einen weicheren Stengel haben. Aus den beiden letzten Beziehungen läßt ſich die Erſcheinung erklären, daß das Stroh am gierigſten von den Schafen gefreſſen wird, welche im kräftigſten Zu⸗ ſtande ſind. Sie treibt der Inſtinkt zu weiterer Ausfüllung des Magens mit minder nahrhaften Stoffen, während das ſchlecht genährte Schaf nur mit Widerwillen ein Futter zu ſich nehmen kann, das den Magen anfüllt, ehe der Hunger geſtillt iſt.„Will man alſo— ſagt v. Weckherlin— ſein Stroh durch Schafe am vorteilhafteſten verwerten, ſo muß man dieſe nie in notleidenden Zuſtand kommen laſſen, und es ſtraft ſich der Geiz vielleicht nie härter, als wenn man den Schafen das nahrhafte Futter in der Abſicht ſchmälert, um ſie zum Verzehren des Strohes zu zwingen.“ Da das Schaf die Neigung hat, die Futtermittel zu durchſuchen und das ihm zuträglichſte herauszuleſen, ſo iſt in vielen Wirtſchaften der nützliche Gebrauch eingeführt, ſämtliches Streuſtroh vor⸗ her den Schafen vorzulegen, ehe es untergeſtreut wird. Sie ſuchen die noch darin enthaltenen Ähren, Blätter, Gras, feinere Halme uſw. heraus, viel beſſer, als es das Rindvieh zu tun imſtande iſt. Die Kartoffeln äußern auf die trächtigen und ſäugenden Mutterſchafe hin und wieder einen nachteiligen Einfluß. Dieſer Eigenſchaft ungeachtet bilden ſie aber in weiter Aus⸗ dehnung einen ſehr belangreichen Beſtandteil der Winter⸗ ernährung. Viele laſſen die Hälfte des Bedarfes in dem ent⸗ ſprechenden Gewichte von Kartoffeln beſtehen bei einer Zu⸗ gabe von Heu oder auch nur von gutem Stroh für die andere Hälfte. Anfänglich widerſtehen die Kartoffeln den meiſten Schafen; ſie laſſen ſich nur nach und nach an dieſelben ge⸗ wöhnen; ſpäter aber werden ſie, wenigſtens den ſtärkeren Schafen, zu einer ſo beliebten Nahrung, daß ſie mehr davon freſſen, als ihnen zuträglich iſt. Schlecht genährte Schafe gewöhnen ſich nicht ſo gern an ſie, und es gilt deshalb von 7 7 100 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. den Kartoffeln, was vom Stroh geſagt iſt, daß ſie hungernde Schafe nicht vor Futternot ſchützen. Sie ſind den Schafen am zuträglichſten in rohem Zuſtande. Man ſchneidet ſie auf der bekannten Wurzelſchneidemaſchine in kleine Scheiben. Sind ſie aus ſchmierigem Boden geerntet, ſo werden ſie vorher gewaſchen; kommen ſie aus trockenem Lande, ſo genügt es, ſie auf dem Siebe hin⸗ und herzurütteln, damit der anklebende Boden abfalle. Die Kartoffeln haben die Eigenſchaft, ſo über⸗ mäßigen Durſt zu erregen, daß ſich die Schafe gern über⸗ ſaufen. Es iſt deshalb Regel, die Schafe jedesmal vorher zu tränken, ehe man das Kartoffelfutter vorlegt. Die verſchiedenen Rübenſorten, Runkeln, Steckrüben und Turnips, bilden gleichfalls einen ſchätzenswerten Beſtandteil zur Winterfütterung für alle erwachſenen Schafe. Unter den Verhältniſſen Deutſchlands erſcheinen mehr die erſten als die angemeſſeneren Sorten. Die zwei letztgenannten haben den Vorteil, daß ſie in feuchtem Klima ſichereren Ertrag geben, die Kälte eher ertragen und den Winter beſſer ausdauern. In England ſind ſie, mit Stroh und Olkuchen verſetzt, das Hauptfutter. Körner ſind reicher an Eiweiß, Fett und Extraktſtoffen als Heu. Wegen größeren Gehaltes an verdaulichen Nähr⸗ ſtoffen können durch etwas weniger als 25 kg Hafer oder mit ungefähr 25 kg Gerſte 50 kg Wieſenheu erſetzt werden. Ge⸗ meiniglich ſteht der Preis der Körner zu hoch, als daß es ſich empfehlen könnte, ſie als Hauptfuttermittel an die Stelle von Heu zu ſetzen; aber in den Ausnahmefällen, wo die Heu⸗ ernte fehlgeſchlagen hat, oder wo es ſich um Herbeiführung eines außerordentlichen Reſultates handelt, das auch einem erhöhten Aufwande gegenüber als nicht zu teuer erkauft er⸗ ſcheint, ſind ſie als Beimiſchung zu anderen Futtermitteln ſehr ſchätzenswert. Aus dem letzteren Geſichtspunkte trifft man die Körnerfütterung als gewohnte und geſchätzte Nebengabe für Böcke während der Sprungzeit, für die der Muttermilch ent⸗ wachſenen Lämmer, für die durch Lammung oder Säugung geſchwächten Mütter, endlich für die zur Maſt aufgeſtellten Tiere. Hafer und Gerſte ſchätzt man als die den Schafen zuträglichſten Körner; Roggen iſt weniger leicht verdaulich; Weizen bekommt ihnen eher. Man rühmt den günſtigen Ein⸗ fluß des Körnerfutters auf die Wolle des Merinoſchafes. Ernährung des Schafes. 101 Kein anderes Futtermittel gibt der Wolle zu gleicher Zeit ſo große Weichheit und Stärke. Hafer wird den älteren Schafen in ganzen Körnern vorgeſetzt. Gerſte, Roggen und Erbſen werden entweder in grobe Teile zerkleinert oder im Waſſer aufgeweicht. Für ſäugende Mutterſchafe oder für Lämmer macht man aus ihnen auch wohl eine eigene Tränke an, zu welchem Behufe die Körner zuvor geſchrotet werden müſſen. Die eingeweichten Erbſen ſondern einen Stoff ab, der den Schafen unangenehm iſt. Um ihn auszuziehen, werden ſie mehrmals mit friſchem Waſſer übergoſſen. Die Schlempe aus Kartoffelbranntweinbrennereien bildet in manchen Gegenden einen nicht unweſentlichen Beſtandteil des Winterfutters der Schafe. Bei Maſtſchafen kann die Schlempe unter die übrige Fütterung in ſo großem Verhält⸗ niſſe eintreten, daß jedes Schaf täglich den Rückſtand von 2 ½ bis 3 kg Kartoffeln erhält, vorausgeſetzt, daß die 3 kg Rückſtände mit nicht mehr als 4 ½ kg Waſſer vermiſcht ſind, wie dies beim dicken Einmaiſchen der Fall iſt. Handelt es ſich um die Ernährung von Schafen, die nicht zur Maſt be— ſtimmt ſind, ſondern die noch längere Jahre beibehalten werden ſollen, ſo wird nicht gern mehr als der dritte Teil des ebenbenannten Quantums gegeben, und man hält ſtreng die weitere Bedingung ein, neben der Schlempe nicht nur ein anſehnliches Gewicht Stroh, ſondern auch mindeſtens noch täglich 1 ⅛ kg Heu per Schaf vorzuſetzen. Auch der Beiſatz von Ölkuchen erweiſt ſich als ſehr nützlich. Die Schlempe darf— es wäre denn, daß ſie Maſtſchafen vorgeſetzt wird— nicht ſauer ſein. Weil ſie ſauer wird, wenn ſie langſam er⸗ kaltet, und weil ſie warm gereicht ebenfalls Nachteil bringt, ſo pflegen einige ſie durch Zumiſchung von Waſſer zu er⸗ kalten. Eine weitere Zumiſchung von Waſſer, als ſie an ſich ſchon enthält, ſcheint aber nur in dem Falle zweckmäßig, wenn überhaupt nur ganz kleine Portionen gereicht werden. Die Olkuchen von Lein und Raps enthalten gegen 9 und 10% fettartige Materie, während ſich im Hafer gegen 6, im Wieſenheu ungefähr 2, im Haferſtroh 2, in Kartoffeln, Runkeln und Möhren nur 1⁄10— 3/10% finden. Wenn auch dargetan iſt, daß der Organismus des Schafes aus Stärke und Zucker alſo aus Stoffen, die kein Fett enthalten, Fett bilden könne, 102 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. ſo lehren doch alle in dieſer Richtung angeſtellten Verſuche, daß die Tiere von den Nahrungsmitteln, welche ſchon fertig gebildetes Fett enthalten, wenigſtens eine viel größere Menge Fett abſondern als von den fettloſen Futterſtoffen. Aus dieſem Geſichtspunkte muß einleuchten, daß die Ölkuchen wegen ihres Gehaltes an fettartiger Materie eine um ſo zu⸗ träglichere Beigabe zur Nahrung bilden, je mehr es ſich einer⸗ ſeits um die Ausſcheidung von Fett in der Milch und zwiſchen der Wolle oder um Anhäufung desſelben im Körper des Schafes handelt, und je weniger Fett anderſeits die übrige Fütterung enthält. Sie ſind übrigens ſchwer verdaulich und wirken deshalb nachteilig, wenn ſie in zu großer Menge vor⸗ geſetzt werden. Das Verhältnis, welches nicht wohl ohne Gefahr überſchritten werden kann, iſt bei Heufütterung ½ kg Olkuchen auf 1½ kg Heu und bei Rübenfütterung ½ kg Hlkuchen auf 7 kg Rüben. Man reicht ſie entweder in Waſſer aufgelöſt als Tränke oder in Form von feinem Mehl über das übrige Futter geſtreut. Auch wenn ſie im Waſſer auf⸗ gelöſt werden ſollen, müſſen ſie zuvor ſorgfältig zerkleinert ſein, damit keine Klumpen bleiben. Zu erwähnen bleibt noch die Lupine, welche früher für ein vortreffliches Futtermittel in der Schafzucht gehalten wurde. Seit dem Auftreten der Lupinoſe kann ſie nur in beſchränktem Maße gefüttert reſp. durch Entbitterung zum Füttern brauchbar gemacht werden. Bei der Fütterung der Schafe iſt im allgemeinen darauf zu achten, daß die ſtickſtoff⸗ haltigen und ſtickſtofffreien Futtermittel im richtigen Ver⸗ hältniſſe zueinander ſtehen. Nur bei richtiger Miſchung kann die Nahrungskraft des Futters zur vollen Geltung gelangen. Die Fütterung der Schafe wird am beſten dreimal am Tage vorgenommen. Die erſte Speiſung findet um 7 Uhr morgens, die zweite zu Mittag, die dritte gegen Abend ſtatt; in vielen Schäfereien wird noch über Nacht Stroh aufgeſteckt. Vor dem Einlegen friſchen Futters in die Tröge und Raufen müſſen die alten Futterreſte entfernt und die Schafe während dieſer Zeit davon getrennt gehalten werden. Nicht minder wichtig und notwendig als das Futter iſt das Waſſer für die Schafe. Sie ſollten regelmäßig wenigſtens einmal am Tage mit friſchem, reinem Waſſer getränkt werden. Bei Weidegang ſoll vor dem Austreiben getränkt werden. Ernährung des Schafes. 103 Nach der Beweidung von Kleefeldern wird das Tränken beſſer vermieden, weil die Schafe dann leicht aufblähen; ebenſo iſt nach dem Weidegang auf Stoppelfeldern Vorſicht am Platze, eine zu raſche Verabfolgung von Waſſer kann in ſolchem Falle Koliken veranlaſſen. Sogenannte warme Getränke, bei denen dem Waſſer Schlempe, Kleie oder Olkuchen zugeſetzt werden, gebe man immer friſch, da dieſe nährenden Getränke ſonſt er⸗ ſchlaffend auf den Organismus wirken. Die Aufnahme von Waſſer aus Gräben, Sümpfen und anderen ſtehenden Ge⸗ wäſſern iſt ſtrengſtens zu vermeiden, da derartiges Waſſer Anſteckungsſtoffe vieler Art(Lungenwurm, Drehkrankheit uſw.) enthalten kann. D Das Salz. Wie das Salz(Chlornatrium) einen unentbehrlichen Beſtandteil der menſchlichen Nahrung bildet, ſo kann auch das Schaf dasſelbe nicht entbehren. In allen Teilen des Tierkörpers und in ſeinen Flüſſigkeiten iſt Chlornatrium ent⸗ halten; es iſt alſo die Salzzufuhr von außen für den Organis⸗ mus eine Notwendigkeit, ſofern die Ernährung gefördert und die Geſundheit des Tieres erhalten werden ſoll. Unter allen landwirtſchaftlichen Nutztieren hat das Schaf das größte Be⸗ dürfnis nach Salz, weshalb die Salzfütterung niemals außer acht gelaſſen werden darf. Den Schafen iſt das ganze Jahr hindurch Salz zu geben; man bringt zu dieſem Zwecke im Stalle ſogen.„Salzlecken“ an, die den Tieren zu jeder Zeit zugänglich ſind und benutzt dazu den gewöhnlichen„Leck⸗ ſtein“, Stücke von unreinem Steinſalz. Zu rotem Viehſalz iſt nicht zu raten, noch weniger zu den zahlreichen, oft empfoh⸗ lenen„Leckpulvern“ und aromatiſchen Würzen. Als ſolche können höchſtens die Wacholderbeeren, die Enzianwurzel und der Wermut in Betracht kommen; dieſe werden unter Zuſatz von Eiſenvitriol oder zu Körnerſchrot oder Kleie verabreicht, beſonders bei anhaltend regneriſcher Frühjahrs⸗ und Herbſt⸗ witterung, weil dann die Gräſer nicht die normale Zuſammen⸗ ſetzung zeigen und die Schafe dadurch Gefahr laufen, von Bleichſucht und Waſſerſucht befallen zu werden. Weiter iſt vorteilhaft, den Schafen(beſonders den Läm⸗ mern) ein kleines Quantum— 3 g pro Kopf— phosphor⸗ ſauren Kalk zu geben. 104 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. Nentabilität. Um ſich ein wahres Bild von der Rentabilität einer Schäferei zu machen, müſſen ſämtliche Fragen in Betracht gezogen werden, die Zuchtrichtung, Raſſe, Wartung und Pflege betreffen. Aus der Abſchaffung von Schafen ſollte man nicht auf Unrentabilität ſchließen; denn die Verminderung der Schafzucht hat ſich auf einſeitiger Baſis vollzogen, da hier verſchiedene Faktoren mitwirkten; ſo Intereſſeloſigkeit der landwirtſchaftlichen Beamten, auch Hintanſetzung ſeitens der landwirtſchaftlichen Hoch⸗ und Mittelſchulen; denn nur ſelten wird ein beſonderes Kolleg über Schafzucht geleſen. Auch die Behörden ſtehen der Schafzucht nicht immer freundlich gegen⸗ über. Dies alles muß nun anders werden. Gerade der letzte Krieg hat wohl bewieſen, welche bedeutſame Rolle Fleiſch und Wolle des Schafes in der Volkswirtſchaft ſpielen, und ſo darf man wohl für die Zukunft ſeitens der obengenannten Fak⸗ toren eine beſſere Würdigung der Schafhaltung erhoffen. Betrachten wir zuerſt einige Beiſpiele von Reinerträgen. Nach Möſchler(Ceres⸗Verlag, Berlin 1908) geben Durchſchnittsſchäfereien buchführungsgemäß folgende Rein⸗ erträge: Rittergut Beerbaum(Mark) 1906—1907 2250 Ram⸗ bouilletſchafe, allmählich zu Fleiſchſchafen umgezüchtet: Rohertrag Ausgaben— Reinertrag 20 607,21 Mk. Reinertrag pro Kopf einſchl. Lämmer im Mittel 9,20 Mk. Rittergut Granow(Neumark) 1907— 1908. 550 Ram⸗ bouillet⸗ und Rambouillet⸗Downſchafe Einnahmen. 20 227,57 Mk.(einſchl. Schafbeſt.) Ausgaben 16 525,73„„ 4 Reinertrag.... 3 701,84 Mk. Reinertrag pro Kopf einſchl. Lämmer im Mittel 6,70 Mk. Intereſſant ſind auch die Berechnungen des oſtfrieſiſchen Milchſchafzuchtvereins in einem Artikel der„Deutſchen Landw. Tierzucht“ des Jahres 1909: Es lieferte ein 2 Jahre altes Rentabilität des Schafes. 105 oſtfrieſiſches Milchſchaf, das zweimal gelammt hatte, nach der Aufſtellung im Jahre 1908: 663,25 Liter Milch à 18 Pf.= 119,38 Mk. 2 Zuchtlämmer à 20 Mk.— 40,„ 3 ½ kg reine Wolle A4 2 Mk.= 7,„ 166,38 Mk. Es beliefen ſich die Ausgaben für Weide, Futter uſw. (Arbeitslohn und Stroh gegen den Dünger) auf 63 Mk.; es blieb alſo ein Reingewinn von 103,38 Mk. pro Jahr. Man ſieht, daß auch die Milch zu einem nicht zu unterſchätzenden Faktor in der Rentabilitätsberechnung werden kann; nur ge⸗ deihen leider dieſe Milchſchafe am beſten nur auf Marſch⸗ boden. Ich kenne auch eine Rambouilletherde in Südungarn, deren Milch zur Herſtellung beſonderer Käſeſorten verwendet wird und die dadurch eine hohe Rente abwirft. In der unter meiner Leitung ſtehenden Schäferei einer Herrſchaft in Böhmen wurden folgende Reſultate erzielt: Die feine Negrettiherde ergab einen Durchſchnittsrein⸗ ertrag pro Kopf(einſchl. Lämmer) von 3,40 Kronen=2,89 Mk., die Rambouilletherde ergab einen Durchſchnittsreinertrag von 5 Kronen= 4,25 Mk., die engliſche Herde(Hampſſhire) einen ſolchen von 7,30 Kronen= 6,20 Mk. Im weiteren betrug der Durchſchnittsreinertrag von 20 einfachen Gebrauchsherden einſchl. Lämmer 5,70 bis 6,20 Mk. Wenn man nun die jetzigen hohen Fleiſchpreiſe für Ham⸗ mel und Lämmer ſowie die Wollpreiſe in Betracht zieht, kann man in fachgemäß betriebenen Schäfereien auf eine 3 ½% ige Verzinſung des in der Schafhaltung feſtgelegten Kapitals neben freiem Dünger rechnen. Daß Stammherden durch den Abſatz von Böcken noch mehr bringen können, mag zwar hier erwähnt ſein, kann aber als Regel nicht in Betracht gezogen werden, denn ſolche Hochzuchten bilden immer Aus⸗ nahmen unter der großen Menge aller Schäfereibetriebe. Und nun zum Dünger: Daß der Schafdünger für ge⸗ wiſſe Bodenarten und Kulturpflanzen von hoher Bedeutung iſt, dürfte bekannt ſein. Er äußert vor allen Dingen eine treibende Wirkung im Boden und iſt reich an organiſcher Subſtanz, Stickſtoff und Kali, und kein anderer Stalldünger iſt weſentlich phosphorſäurereicher als der Schafdünger. Durch 106 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. das Weiden kommt der abgeſetzte Dünger ohne große Verluſte dem Boden zugute. Durchſchnittlich enthalten: Organ. Subſtanz Sticſtoff Kali Phosphorſäure 970 Oh dſo 960 Rindermiſt 20,0 0,43 0,48 0,24 Pferdemiſt 26,0 0,57 0,25 0,28 Schweinemiſt 24,5 0,52 0,58 0,19 Schafmiſt 29,0 0,82 0,65 0,24 Man ſieht aus allen dieſen Berechnungen und Zahlen, daß die Rente einer Schäferei in erſter Linie durch die Raſſe und durch den Umſatz bedingt wird. Von einer nur auf eine feine Wolle gezüchteten Herde kann man unmöglich eine ebenſo hohe Rente beanſpruchen wie von einer mehr auf Fleiſch gezüchteten Herde. Es tritt auch hier wieder klar hervor, daß die einſeitige Zucht nur auf Wolle ſich für mitteleuropäiſche Verhältniſſe überlebt hat, daß aber die Rente einer Schäferei wirtſchaftlich noch vollauf zu befriedigen ver⸗ mag, wenn die Zucht und Betriebsrichtung eingeſtellt iſt: 1. auf Wolle und Fleiſch(Kammwollrichtungen mit ihren Nebenrichtungen auf mehr oder weniger Wollbeſatz: Kammwollfleiſch), oder 2. nur auf Fleiſch, hierher gehört die Züchtung der engliſchen Raſſen und ihrer Kreuzungen, oder. 3. auf ſchnellen Umſatz der Tiere(Maſttiere)). Was den in der Zuchtrichtung auf Wolle und Fleiſch anzuſtrebenden Feinheitsgrad der Wolle anbelangt, ſo vermag ich nicht einzuſehen, warum manche Züchter immer gröber züchten wollen. Als eine moderne Richtung in der Züchtung kann man dies nicht anſehen. Wirtſchaftlich bringt dieſes Zugrobzüchten keinen Vorteil; es hat auch für das Tier ſelbſt bezüglich ſeiner Maſtfähigkeit und Frühreife keinen beſon⸗ deren Wert. Alſo warum? Soll das deutſche Produkt durch dieſe groben Wollen etwa wieder entwertet werden? Nach meiner feſten überzeugung iſt eine mittlere Feinheit in jeder Hinſicht maßgebend; bei dieſer Feinheit kann man alle Arten des Merinofleiſchtypus züchten— Wolle und Fleiſch. Auch warne ich vor allzuweitgehender Benutzung der ausländiſchen, namentlich der franzöſiſchen Raſſen; durch allzu intenſives Kreuzen kann die Rente einer Herde beeinträchtigt werden. Rentabilität des Schafes. 107 Will man zur Kreuzung übergehen, ſo verſpricht diejenige mit engliſchen Raſſen faſt die ſicherſte Rente. Und nun zur Frage der Verwertung der beiden Haupt⸗ produkte einer geſteigerten Schafhaltung, Wolle und Fleiſch: Was die Wolle anbelangt, ſo fänden ſich zweifellos willige Ab⸗ nehmer; ebenſo aber auch das Fleiſch, denn der Konſument wird für ein gutes und ſchmackhaftes Hammelfleiſch immer zu haben ſein. Hier könnte die Einführung eines vermehrten Verbrauches von Hammelfleiſch in den Kaſernen ſich als wirk⸗ ſame’ Hilfe erweiſen, ebenſo die Verbeſſerung der Abſatz⸗ möglichkeit nach anderen Ländern. Ohne Frage ſteht unſer deutſches Hammelfleiſch, was ſeine Qualität anbelangt, in⸗ folge der Verbreitung frühreifer Raſſen und der ſchnellen Mäſtung an erſter Stelle. Ausſichtslos iſt demnach die Zu⸗ kunft der deutſchen Schafhaltung keineswegs; nur muß das Intereſſe für ſie erſt wiederkehren, die Schafzucht müßte wieder mehr in den Vordergrund des Geſichtskreiſes unſerer deutſchen Landwirte gerückt werden. Zur Erreichung dieſes Zieles könnte in erſter Linie die Gründung von Schafzuchtgenoſſenſchaften und Züchtervereinigungen britragen⸗ ſodann müßten auf allen landwirtſchaftlichen Hoch⸗ und Mittelſchulen von praktiſchen Züchtern Vorleſungen über Schafzucht gehalten werden, um auf die ſtudierende Jugend einwirken zu können. Die Mini⸗ ſterien für Landwirtſchaft, die Landwirtſchaftskammern und die landwirtſchaftl diee Vereine ſollten durch Bereitſtellung größerer Geldbeträge die Hebel zur Förderung der Schaf⸗ zucht in Bewegung ſetzen. Wenn erſt einmal das Intereſſe wieder erwacht iſt, dann wird auch der wirtſchaftliche Erfolg ihm auf dem Fuße folgen. Alſo mehr Intereſſe von privater Seite! Aber es würde auch nichts ſchaden, wenn von Seiten des Staates größere Beihilfen ausgeſetzt würden, die zur Gründung von Schaf⸗ züchtungs⸗ und Schafbockhaltungs svereinen, zu Prämiierungen auf Kreis⸗ und Bezirksſchauen, zu Schlacht⸗ und Fütterungs⸗ verſuchen, zu Leiſtungsprüfungen uſw. zu verwenden wären. überaus ſpärlich geſät ſind z. Zt. auch die Schaf⸗ züchterverbände im Vergleich zu den Züchtervereinigun⸗ gen anderer Haustiere. Von jetzt beſtehenden Vereinigungen zur Hebung der Zucht und Haltung des Schafes ſind als die 108 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. wichtigſten folgende anzuführen: Die bedeutendſte Züchter⸗ vereinigung iſt der Verein der Merinozüchter, der ſeinen Sitz in Berlin hat und das Gebiet des ganzen Deutſchen Reiches umfaßt. In Brandenburg exiſtieren verſchiedene Vereini⸗ gungen, die alle eine ſehr erfolgreiche Arbeit aufweiſen können: Es beſteht ein Verein der Schafzüchter im Kreiſe Lübben mit 41 Mitgliedern, ein ſolcher im Kreiſe Weſtſtern⸗ berg mit 21 Mitgliedern und einer in Oſtſternberg mit 20 Mitgliedern. Das Zuchtziel der beiden erſten Vereine iſt das Merinoſchaf; der letztgenannte will die Merino⸗ und Rambouilletzucht fördern. In Pommern beſitzt der„Verband Pommeriſcher Wollſchafzüchter“, Sitz Stettin, eine erhebliche Ausdehnung. In der Provinz Sachſen hat ſich der Verband provinzialſächſiſcher Schafzüchter, Sitz Halle a. S., gebildet, das Zuchtziel iſt das Merinofleiſchſchaf und deutſches ſchwarz⸗ köpfiges Fleiſchſchaf, unterſtützt werden die Raſſen Leine⸗ und Rhönſchafe. Der Verband umſchließt eine große Anzahl von Schäfereien und Verbänden. Weiter ſind zu erwähnen: der Oſtfrieſiſche Milchſchafzuchtverein in Norden in Hannover; der frieſiſche Milchſchafzuchtverein Jeverland in Jever; der Verein zur Züchtung des Wilſtermarſchſchafes, Wilſter; der Verein Eiderſtedter Cotswold⸗ und Oxrfordſhireſchafzüchter, Tönning; der Verband zur Züchtung des Frankenſchafes, Gunzenhauſen. Für das geſamte Süddeutſchland hat ſich der Verein ſüd⸗ deutſcher Schäfereibeſitzer in Stuttgart gebildet; er erſtrebt mit großem Erfolge die Hebung der Schafzucht in Süd⸗ deutſchland. In Schleſien hat die Landwirtſchaftskammer in Breslau den Verband ſchleſiſcher Schafzüchter gegründet. Weiter ſind Schafzüchterverbände von den Landwirtſchafts⸗ kammern in Weſtfalen, Hannover, Rheinlande, Poſen uſw. gegründet worden. Viel zur Hebung der deutſchen Schafzucht hat auch die Deutſche Landwirtſchafts⸗Geſellſchaft beigetragen, beſonders durch ihre Ausſtellungen, die belebend wirken und das Intereſſe für die Schafhaltung wecken, ferner auch durch die Anerkennungen von Schafſtammzuchten. Nach Maßgabe der am 24. 10. 1907 beſchloſſenen Grund⸗ regeln für die D. L.⸗G.⸗Anerkennung von Schafſtammzuchten ſind folgende Stammzuchten ſeitens der Deutſchen Landw.⸗ Geſellſchaft anerkannt worden: 9⁴ S= p0 109 Rentabilität des Schafes. Oxfordſhireſtammzucht Roſenhagen bei Daſſow, Meck⸗ lenburg⸗Schwerin. Hampſhireſtammzucht Würchwitz bei Nilbau, Schleſien. Merinoſtammzucht Peeſt A. bei Peeſt, Pommern. Hampſhireſtammzucht Deutſchenbora, Sachſen. Shropſhireſtammzucht Knegendorf bei Plaaz, Mecklen⸗ burg⸗Schwerin. Merinoſtammzucht Zemlin bei Gülzow, Pommern (früher Poburke). Merinofleiſchſchafſtammzucht Münchenlohra bei Wolk⸗ ramshauſen, Provinz Sachſen. Merinoſtammzucht Zierow bei Proſeken, Mecklenburg⸗ Schwerin. Merinoſtammzucht Kleptow U.⸗M., Brandenburg. Merinoſtammzucht Schmölln U. M., Brandenburg. Merinoſtammzucht Simonsdorf bei Soldin N.⸗M., Brandenburg. Merinofleiſchſchafſtammzucht Strohwalde bei Gräfen⸗ hainichen, Provinz Sachſen. Merinoſtammzucht Kaſimirsburg bei Baſt, Pommern. .Merinoſtammzucht Krockow, Weſtpreußen. . Shrophireſtammzucht Denkwitz bei Nilbau, Schleſien. Hampſhireſtammzucht Gr. Heidau bei Nimkau, Schleſien. Merinofleiſchſchafſtammzucht Heimburg bei Blanken⸗ burg a. H., Braunſchweig. Merinoſtammzucht Brook bei Kalkhorſt i. M., Mecklen⸗ burg⸗Schwerin. Merinoſtammzucht Gnevkow, Pommern. Shropſhireſtammzucht Kl.⸗Schwein bei Gramſchütz, Schleſien. . Merinofleiſchſchafſtammzucht Querfurt, Prov. Sachſen. .Oxfordſhireſtammzucht Jahnishaufen bei Rieſa, Sachſ. Hampſſhireſtammzucht Hilwartshauſen bei Gimte, Han⸗ nover. Merinofleiſchſchafſtammzucht Wülperode bei Wiedelah, Provinz Sachſen. Merinokammwollſchafſtammzucht Schöningen bei Col⸗ bitzow, Pommern. 110 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. Merinofleiſchſchafſtammzucht Vitzenburg, Provinz Sachſen. MNerinolleiſchſchafſtammzucht Wartin, Prov. Pommern, 28. Oxfordſhireſtammzucht Zingſt bei Nebra a. d. Unſtrut, Provinz Sachſen. 29. Merinofleiſchſchafſtammzucht Gödelitz, Poſt Leuben, Sachſen, Beſ. Max Schmidt. Oxfordſhireſtammſchäferei Querfurt, Prov. Sachſen, Beſ. Landrat a. D. Weidlich. 81. Merinofleiſſchſtammſchäferei Hundisburg, Beſ. von Na⸗ thuſius. 32. W. Schlange, Coſſin bei Boitzig. 33. E. v. Lehmann in Nitſche. 34. Oxfordſhireſtammſchäferei Nadrau bei Rudow, Beſ. Gödecke. 35. Merinofleiſchſtammſchäferei Weddegaſt, Beſ. Wagner, 36. Oxfordſhireſtammſchäferei Wartfeld, Beſ. Meiners. 37. Hampſhireſtammſchäferei Sawdin, Beſ. v. Frantzius. Ferner die Merinofleiſchſtammſchäfereien Boſſe, Schö⸗ ningen bei Helmſtedt(Braunſchweig), Niederherrndorf, Pottlitz, Roklum und die Diſhleymerinoſtammzucht Liebenburg. Ferner deutſche veredelte Landſchafſtammzuchten: Würt⸗ temberg: Stammzucht des Württembergiſchen veredelten Landſchafes: Gutswirtſchaft der Landwirtſchaftlichen Anſtalt Hohenheim bei Stuttgart; Fr. Adlung, Sindlingen bei Herren⸗ berg.. Nach Maßgabe der am 19. 2. 1914 beſchloſſenen Grund⸗ regel für die D. L.⸗G.⸗Anerkennung von Schaſzüchtervereinen ſind folgende als„Landesſchafzüchtervereinigungen“ anerkannt worden: 1. Oſtfrieſiſcher Milchſchafzüchterverein Norden, Han⸗ nover. 2. Frieſiſcher Milchſchafzüchterverein Jeverland, Jever⸗ 3 Oldenburg. 3. Verein zur Züchtung des Wilſtermarſchſchafes, Wilſter, Schleswig⸗Holſtein.. 4. Verein Eiderſtedter Cotswold⸗ und Oxfordſhireſchaf⸗ züchter, Tönning, Schleswig⸗Holſtein. 5. Verband zur Züchtung des Frankenſchafes, Gunzen⸗ hauſen, Bayern. Rentabilität des Schafes. 111 Die hier namhaft gemachten Züchter dürfen für öffent⸗ liche Bekanntmachungen der D. L.⸗G.⸗Anerkennung nur die von der D. L.⸗G. vorgeſchriebene Form benutzen und ſind berechtigt, das geſetzlich geſchützte Warenzeichen zu führen. Die Herden unterſtehen der Nachprüfung der D. L.⸗G., und ihre Beſitzer geben behufs Verfolgung des Zuchtzieles durch die D. L.⸗G. alljährlich die Herkunft der Zuchtböcke an, ſo daß die D. L.⸗G. über die Blutverhältniſſe der Nachzucht unterrichtet iſt. Auskunft wird von der Tierzuchtabteilung der D. L.⸗G. koſtenlos erteilt. Die Milchnutzung. Die Nutzung der Schafe durch Gewinnung der Milch findet ſich vorwiegend in Gebirgen, bei grobwolligen Raſſen, die zur Verwertung von ſonſt unbenutzbaren Alpenweiden geeignet ſind. Weiter iſt die Milchnutzung der Schafe ins⸗ beſondere noch in Frankreich, Ungarn, Siebenbürgen, Podo⸗ lien und auch im Orient verbreitet. Die Schafmilch beſitzt eine gelblich⸗weiße Farbe, ihr ſpezifiſches Gewicht ſchwankt zwiſchen 1,035 und 1,041, ihre chemiſche Zuſammenſetzung iſt nach Fleiſchmann die folgende: Waſſer 33,0 0 Fett. ͤ5,3 0 Käſeſtoff....... 4,6 0 Milchzucker... 4, 6% Eiweiß...... 1,7 0 Aſchenſalze. 0,8% Die Laktationsdauer beträgt kaum 4 Monate. Die Läm⸗ mer ſetzt man ſo bald als möglich ab, um möglichſt viel Milch zu gewinnen. Die Mutterſchafe werden anfangs täglich drei⸗ mal, gegen Ende der Laktation nur zweimal, früh und abends, gemolken. Der Milchertrag eines Schafes ſtellt ſich im Jahre auf 25— 60— 140 Liter oder pro Tag auf 0,16 Liter oder 0,17 kg. Die gewonnene Milch wird entweder durch direkten Ver⸗ kauf oder durch Erzeugung von Schafkäſe(Brinſe, Roquefort) verwertet. 112 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. Zur Hebung der Schafzucht kann noch viel getan werden. Ich erinnere an einen Wollzoll, an Wollauktionen, eventuell Aufhebung aller Wollmärkte. Man ſollte aus dieſen wenigen Beiſpielen ſchon erkennen, daß die Schafzucht Rente in jeder Hinſicht bringt; notwendig iſt allerdings, daß man der Sache Intereſſe entgegenbringt; denn: ohne Schafe keine Wolle und kein Fleiſch. Und gar mancher Schäfer, der jetzt wegen Auf⸗ löſung der Herde kein ſolcher mehr ſein kann, würde ſich freuen, zu den Fahnen zurückkehren zu können. Und dies wird geſchehen; viele werden ſich dem früheren Stande wieder zur Verfügung ſtellen— zum Wohle und zur weiteren Förderung der Schafzucht! Krankheiten(Heilkunde). Es können hier nur die am häufigſten vorkommenden und deshalb am meiſten intereſſierenden Krankheiten der Schafe Erwähnung und kurze Beſprechung finden. Die Pocken oder Blattern treten in Deutſchland unter den Schafen nur noch äußerſt ſelten, weit häufiger aber in Oſter⸗ reich⸗Ungarn und Rußland auf. Man unterſcheidet bei ihnen die Erregungs⸗, Ausbruchs⸗, die Eiterungs⸗ und die Ab⸗ trocknungsperiode. Am wirkſamſten wird dieſer Krankheit Einhalt getan durch Abſonderung der von ihr befallenen Tiere und durch Impfung derſelben, welche in den meiner Zucht unterſtellten umfangreichen Schäfereien im ſüdlichen Ruß⸗ land ſchon oft mit beſtem Erfolge vorgenommen worden iſt. Die Räude oder Krätze war früher eine der häufigſten Krankheiten der Schafe, welche nicht ſelten ganze Herden ver⸗ nichtete. Sie beſteht in einem fieberloſen Hautausſchlage, der ſich durch juckende, aufſproſſende Puſteln und Schorfe bemerk⸗ bar macht. Man unterſcheidet trockene und naſſe Räude. Die Anzeichen ſind: Die Wolle wird an den von dem Ausſchlage ergriffenen Stellen matt, ſie klebt zuſammen, ſtirbt ab und wird ſchließlich abgeſtoßen, ſo daß kahle Stellen entſtehen. Da der Ausſchlag den Tieren Jucken verurſacht, ſo ſuchen ſie ſich durch Stampfen mit den Füßen und Reiben an den Wän⸗ den Linderung zu verſchaffen. Mittel gegen die Räude ſind Reinhaltung und Baden in verdünnter Karbolſäure, Vergaſung. Krankheiten des Schafes. 113 Die Maul⸗ und Klauenſeuche iſt in jüngſter Zeit in ſo vielen Schriften behandelt worden, daß ich ſie hier über⸗ gehen kann. Blutſchlag, Milzbrand und Blutſeuche treten glücklicher⸗ weiſe in Deutſchland ſelten auf. Die Erſcheinungen bei Milz⸗ brand ſind verſchieden. Man unterſcheidet ſchlagartigen und akuten Milzbrand. Meines Erachtens nützen Arzneimittel hier nichts; am beſten hat ſich die Impfung bewährt. Die Bleichſucht. Die Bleichſucht oder Fäule kommt denjenigen Krank⸗ heiten am nächſten, die von den Arzten Kachexie genannt werden. Ihre Kennzeichen ſind: Die Tiere wackeln mit dem Kopfe, laſſen die Ohren hängen und zeigen einen trägen, matten Gang. Ihre Haut iſt blaß und verſchlafft, ſo daß die Wolle abfällt. Die Schleimhäute, beſonders im inneren Augenwinkel ſind ganz bleich; das Verlangen nach Futter nimmt immer mehr ab. Zulletzt zeigt ſich am oberen Teile des Halſes eine weißliche Geſchwulſt: die Tiere magern und ſterben ab. Gewöhnlich tritt die Bleichſucht in Verbindung mit Bauch⸗, Lungen⸗ und Magenwürmern auf. Hervor⸗ gerufen wird dieſe Krankheit durch das Beweiden von naſſen Wieſen und durch reichliche Aufnahme von allzu wäſſerigem Futter. Heilung kann nur im erſten Stadium durch gutes Heu⸗ und Körnerfutter bewirkt werden, dem Eiſenvitriol (1 Gramm) und Salz beigemiſcht wird, auch die Fütterung von Möhren tut gute Dienſte. Das Lecken von Wermutkraut⸗ pulver, Eichenrinde, Nußbaumblättern und Wacholderbeeren leiſtet gleichfalls gute Dienſte. Durchfall der Schafe. Der Durchfall der Schafe tritt oft vereinzelt auf und iſt im allgemeinen nicht gefährlich. Er wird hervorgerufen durch den Weidegang auf jungem Klee oder zu raſch emporgewach⸗ ſener Weide uſw., zuweilen auch durch Erkältung und beſteht in einer Reizung der Schleimhaut des Darmkanals, in deren ſal eine vermehrte Abſonderung der Verdauungsſäfte ſtatt⸗ indet. Die Behandlung beſteht hauptſächlich im Futterwechſel (Trockenfutter); das Eingeben von etwas Rot⸗ oder Brannt⸗ Heyne, Schafzucht. 4. Auflage. 8 114 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. wein tut auch gute Dienſte; ebenſo wird der Durchfall ge⸗ ſtillt durch täglich zweimalige Verabreichung von in Waſſer gekochten Heidelbeeren. Eine kleine Gabe Salzſäure, etwa 1 Teelöffel voll, iſt nicht zu verwerfen. Durchfall der Lämmer. Bei ſaugenden und bereits abgewöhnten Lämmern zeigen ſich mitunter die gleichen Erſcheinungen wie bei den alten Schafen. Doch äußern die Lämmer mehr Schmerz, magern ſchneller ab und bleiben in der Entwicklung zurück. Der Durchfall kann mehrere Wochen anhalten, worauf er aber im Falle, daß die urſächlichen Einflüſſe ſorgfältig vermieden werden und der Appetit der Lämmer keine Unterbrechung erleidet, meiſtens in Geneſung übergeht. Nach der Beſeitigung der Urſachen, der Einräumung zu⸗ ſagender Weideflächen ſowie der Verabreichung von gutem Heu oder Grummet, gutem Stroh⸗ oder Laubfutter müſſen bittere, leicht zuſammenziehende und ſäuretilgende Heilmittel in Anwendung kommen. In der Regel bewährt ſich die Ein⸗ gabe von: Rhabarberwurzelpulver, Kalmuswurzelpulver,. kohlenſaurer Magneſia, Opiumpulver in gleichen Teilen zu 3 Gramm gemiſcht. Die Ruhr der Lämmer. Da die Ruhr gewöhnlich viele Lämmer, vorzugsweiſe Saug-, aber auch abgewöhnte Lämmer befällt, in manchen Jahren ſeuchenhaft auftritt und in bösartigen Fällen inner⸗ halb kurzer Zeit viele Lämmer wegrafft, ſo wird dieſelbe zu den meiſtgefürchteten Krankheiten der Schafe gezählt und muß deshalb viel ernſter als der gewöhnliche Durchfall auf⸗ gefaßt werden. Nach der Erforſchung und Beſeitigung der Krankheits⸗ urſachen ſind die kranken Tiere in einer warmen Stallung zu halten, wo ihnen eine weiche und möglichſt trockene Streu bereitet wird. Innerlich erhalten ſie dann ohne Säumen anfangs ſchleimige, ſpäter jedoch ſtopfende, ſäuretilgende und beruhigende Mittel, um auf dieſe Weiſe nacheinander allen vorhandenen Krankheitsmerkmalen gerecht zu werden. 115 Krankheiten des Schafes. Als ſehr zweckmäßig erwies ſich in vielen Fällen, ſelbſt bei heftiger und anhaltender Ruhr, nachdem im Anfangs⸗ ſtadium der Krankheit während des Tages 2—3 mal ein Eß⸗ löffel Gummiſchleim(Mucilago gummi arabici) gegeben worden war, die nachſtehende Verbindung: Rhabarberwurzelpulver Kalmuswurzelpulver gemiſcht in gleichen Chinarindenpulver Teilen kohlenſaure Magneſia zu 3 Gramm. Opiumpulver 1 Dazu wird täglich der Leib eines jeden kranken Lammes mit Kampferſpiritus zweimal gut eingerieben. Iſt der Stall nicht warm genug, ſo werden die ſehr kranken Lämmer noch in Wollzeug gut eingewickelt. Alsdann müſſen ſie zum Sau⸗ gen veranlaßt und ihnen im Notfalle ſelbſt die Milch ins Maul gemolken werden, damit ſie einigermaßen bei Kräften bleiben; ferner bekommen ſie täglich noch zweimal lauwarme Klyſtiere. Dieſes Leiden ſtellt eine Infektionskrankheit dar und wird am häufigſten durch eine nach der Geburt auftretende Nabelvenenentzündung vermittelt, indem die in der Vene ſich vermehrenden Infektionsſtoffe direkt ins Blut übergehen. Als Infektionsſtoffe wirken Spaltpilze verſchiedener Art (kugel⸗ und ſtäbchenförmige Bakterien), vorwiegend Eiter⸗ erreger, die ſich im Stallboden vorfinden. Auf dieſe Weiſe entſteht teils eine Blutvergiftung, teils auch lokaliſiert ſich das Leiden, und zwar in den meiſten Fällen in der Form 1 Die Lämmerlähme. der eiterigen Gelenkentzündung. Um die bereits eingetretene Nabelinfektion zu bekämpfen, empfiehlt ſich die Anwendung desinfizierender Waſchungen mit Lyſol oder verdünnter Karbolſäure. Dieſe Krankheit zeigt ſich in einem ſteifen Gang, man kann wohl ſagen: in angeſchwollenen Muskeln und beſonders in der Verdickung der Gelenke. Die Steifheit kann durch Erkältung und daraus hervorgegangenen Rheumatismus ent⸗ ſtehen oder auch durch zu reichliche Ernährung der Muttern 8* Die Lämmerſteifheit. 116 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. bzw. durch überfette Muttermilch veranlaßt ſein. Die Be⸗ handlung erſtreckt ſich auf Futterwechſel bei den Muttertieren und Einxreibungen der Gelenke der Lämmer mit Kampfer⸗ ſpiritus. Auch warme Umſchläge um die Gelenke leiſten gute Dienſte. Die Lungenwurmſeuche. Die Anzeichen der Lungenwurmſeuche bei Schafen be⸗ ſtehen in einem müden Ausſehen der Tiere und einem trockenen Huſten. Mit Sicherheit läßt ſich die Krankheit aber nur an einem eingegangenen Tiere feſtſtellen. Zu dieſem Zwecke nimmt man möglichſt bald nach dem Verenden des Tieres die Lunge heraus und ſchneidet ſie bis in die Spitzen hinein auf. In letzteren findet man die weißen, etwa 4 em langen, meiſt noch lebenden Würmer in großer Zahl; ſie haben etwa die Dicke eines Zwirnfadens, ſind alſo mit bloßem Auge ganz leicht zu ſehen. Als Mittel gegen die Krankheit werden vielfach Teer⸗ räucherungen im Stalle empfohlen. Dieſe mögen für die im Anfangsſtadium befindliche Krankheit von Nutzen ſein, ſpäter ſind ſie unwirkſam. Von zweifellos ſehr guter Wirkung iſt dagegen folgendes Mittel: eine 18⸗ bis 20% ige Löſung von pikrinſaurem Kali wird den erkrankten— huſtenden und matten— Tieren eine Woche lang täglich in Doſen von je 20 g eingegeben. Gleichzeitig iſt eine kräftige Ernährung mit Schrot, gutem Heu uſw. notwendig. Die Bandwurmſeuche. Die Entwicklungsgeſchichte der Taenia expansa, des bei den Lämmern die Bandwurmſeuche hervorrufenden Paraſiten, iſt noch unbekannt; man vermutet, daß die Schaflausfliege (Melophagus ovinus) den Zwiſchenwirt für das Finnenſtadium des Bandwurms abgebe, doch wird dies von maßgebenden Forſchern bezweifelt. Verſuche, durch Verſütterung reiſer Eier eine direkte Entwicklung des Bandwurms im Organismus des Schafes hervorzurufen, ſind negativ ausgefallen. Auch iſt die Entſtehung des Leidens keinesfalls auf Vererbung oder auf eine Infektion mit Milch zurückzuführen. Grünfutter, von welchem auch Sauglämmer naſchen, ſcheint die Gelegen⸗ heit zur Aufnahme der Bandwurmbrut zu geben. Im übrigen 117 Krankheiten des Schafes. findet man Bandwürmer bei Tieren aller Altersklaſſen, aber weniger bei den immer im Stall gehaltenen als bei den Weidetieren. Daraus geht aber wieder hervor, daß der Schäferhund nicht die Schuld an der Infektion tragen kann. Die Heilung bezweckende Eingriffe ſind je nach dem Alter und der Widerſtandsfähigkeit der Schafe vorzunehmen: durch die Krankheit ſehr ſtark mitgenommene Tiere ſind ſehr vorſichtig zu behandeln. Um größere Verluſte zu vermeiden, empfiehlt ſich daher dringend die Zuziehung eines Tierarztes. Als ein einfaches und relativ unſchädliches Mittel mag man zunächſt die Verabreichung von Fichtenſproſſen, Wacholder⸗ beerzweigen oder Wacholderbeeren verſuchen, welche die Lämmer gern freſſen. Die Magenwurmſeuche. Bei Lämmern, Jährlingen und auch bei älteren Schafen aller Raſſen treten zuweilen Erſcheinungen auf, die den bei der Bandwurmſeuche beobachteten ſehr ähnlich ſind. Zur Sicherſtellung der Diagnoſe iſt daher hier, und zwar dringend, die rechtzeitige Tötung eines ſchwer erkrankten Tieres und ſeine ſofortige Sezierung anzuraten, weil, wenn dies nicht ſofort geſchieht, beim Erkalten des Körpers die Würmer im Labmagen ſchnell abſterben, zerſetzt werden, dann ſchwer er⸗ kennbar ſind und ſich höchſtens noch Wurmreſte in dem Magenſchleime zeigen. Sogleich nach der Tötung und der Offnung des Labmagens ſieht man dagegen die Würmer, die in größerer Anzahl in der Nähe des Pförtners vorzukommen pflegen und ſich noch lebhaft bewegen. Die Behandlung iſt, wenn ſie rechtzeitig eingeleitet wird und die Magenwürmer nicht in zu großer Anzahl auf⸗ treten, in der Regel von gutem Erfolge begleitet, was hin⸗ gegen bei ſtärkerem Auftreten der Krankheit nicht der Fall iſt. Sind aber in letzterem Falle auch noch Band⸗ und Lungenwürmer zu vermuten oder wirklich vorhanden und ſind gar ſchon die Zeichen der Bleichſucht bei den Tieren aufge⸗ treten, dann richtet die Behandlung ſelbſt bei aller aufge⸗ wendeten Sorgfalt doch nur wenig aus. Zu einer erfolgreichen Kur gehört von vornherein vor allem eine normale, kräftige Ernährung im Stalle, wobei die Verfütterung von Hafer und Gerſte neben gelben Rüben eine 118 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. beſondere Empfehlung verdient. Zur Weide eignen ſich Klee⸗ und Lupinenfelder und abwechſlungsweiſe auch Heidekraut⸗ flächen. Bei leichterer Erkrankung genügt ſodann die Verab⸗ reichung von Wermutkrautabkochung, kohlenſaurem Kali und Teer. Mit gutem Erfolge kann auch die Miſchung von einem Teile Terpentinöl und zwei Teilen Branntwein gegeben werden, wovon jedes kranke Tier morgens und abends 1 bis 2 Kaffeelöffel voll erhält. Tritt die Krankheit hingegen gleich bei ihrem Beginne ſtärker auf und iſt größere Gefahr im Verzuge, ſo wird unter Beobachtung der gleichen Diät Santonin gute Dienſte tun, das von einem Tierarzt verſchrieben werden muß. Die Leberegelſeuche. Die Leberegelſeuche, auch Fäule genannt, verurſacht alle Jahre ſchweren Schaden unter den Schafbeſtänden. Die Ur⸗ ſache der Krankheit, daß der Leberegel, ein Plattwurm, der mit dem Futter oder Waſſer aufgenommen, nun in der Leber und den Gallengängen der Schafe ſein Zerſtörungswerk aus⸗ übt, iſt bekannt. Die Schafe holen ſich die Krankheit auf naſſen Stellen, auf Wieſen, an Gräben, Teichen, Flußläufen oder auf Wegen und Triften, in denen öfter das Regenwaſſer lange Zeit ſteht. Stallſchafe bekommen dieſe Krankheit nie⸗ mals. Den Schafen iſt im erſten Sommer kaum etwas an⸗ zumerken, erſt allmählich magern ſie ab, werden bleichſüchtig und gehen im nächſten Herbſte oder Winter ein. Die Ent⸗ wicklungsgeſchichte des Leberegels iſt längſt bekannt. Im Schafe befindet ſich der ausgewachſene platte Wurm, ſeine Eier gelangen mit dem Kot auf die Weide und die Wege, hier entſtehen aus ihnen Larven, wenn ſie auf feuchten Boden oder ins Waſſer fallen; bleiben ſie trocken, ſo ſterben ſie dagegen nach einigen Wochen ab. Im Waſſer aber ſchwim⸗ men ſie frei umher und dringen in kleine Schnecken ein. Im Leibe der Schnecke entwickelt ſich die Leberegellarve weiter und vermehrt ſich noch auf ungeſchlechtlichem Wege. Die weitere Entwicklung der Leberegellarve kann innerhalb oder auch außerhalb der Schnecke vor ſich gehen. Die Schnecken leben im Sommer viel auf dem Lande, werden von den Schafen zertreten, und ſo gelangen die jungen Leberegel auf Krankheiten des Schafes. 119 das Futter und werden von den Schafen gefreſſen. Auch die frei im Waſſer oder in Pfützen herumſchwimmende Egelbrut kriecht an den Gräſern und Waſſerpflanzen empor, kapſelt ſich dort ein und überſteht ſo noch wochenlange Trockenheit. Wenn längſt die Pfützen und Waſſerlöcher im Sommer aus⸗ getrocknet ſind, leben die Leberegel noch unter dem Schutze der Kapſel weiter und werden dann von den weidenden Schafen gefreſſen. Die gefährlichſte Zeit für die Schafe iſt immer der Sommer, im Frühjahr haben die Tiere ſelten Gelegenheit, den Schmarotzer aufzunehmen. Bei den Schafhaltern gilt die Leberegelſeuche faſt all⸗ gemein als unheilbar; tierärztliche Hilfe wird ſelten in An⸗ ſpruch genommen, und die meiſten Tierärzte halten auch nicht viel von einer Behandlung, weil die Geneſung bei dem meiſt vorgeſchrittenen Stadium, wo die Krankheit erkannt wurde, doch ziemlich ausſichtslos iſt. Ein ungariſcher Forſcher, Pro⸗ feſſor Dr. Marek von der tierärztlichen Hochſchule in Buda⸗ peſt, hat nun unlängſt zahlreiche Unterſuchungen in dieſer Sache gemacht und iſt zu dem Reſultat gekommen, daß ſich dieſe ſchädliche Schafſeuche ſehr gut heilen läßt. Er prüfte eine Anzahl von Mitteln bei vielen an Leberſeuche erkrankten Schafen und hat gefunden, daß Kamala, ein übrigens wohl⸗ bekanntes Mittel in der Tierheilkunde gegen innere Para⸗ ſiten, prächtige Reſultate gab. Kamala iſt ein zinnoberrotes Pulver, welches aus den Drüschen einer oſtindiſchen Frucht entnommen wird; es wird an die verſeuchten Schafe in einer Menge von 15 g zweimal binnen 24 Stunden, jedesmal die Hälfte, eingegeben. Man verabfolgt es in Pillenform, dazu miſcht man das Pulver mit dem doppelten Quantum irgend⸗ eines Mehls und Waſſer, rollt den Teig in Stangen, ſchneidet dieſe in ſo viele Teile, wie man Pillen haben will, und dreht dieſe dann rund. Je früher das Mittel an die erkrankten Schafe verabfolgt wird, um ſo beſſer, weil dann die Leber und die Gallengänge noch nicht ſo viel von den Leberegeln zu leiden gehabt haben und die Schafe ſich ſchneller wieder erholen, als in einem ſpäteren Stadium. Dann ſind die Gallengänge durch Verkalkung ſteinhart geworden, voll Schleim verdickt, die Leber iſt geſchrumpft und die Tiere ſind durch Bleichſucht, Verwäſſerung und Abzehrung ſoweit her untergekommen, daß es ſchwer hält, ſie wieder heranzufüttern. 120 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. Der Herbſt und der Vorwinter ſind dazu die paſſenden Zeiten zur Behandlung, im Nachwinter und im Frühjahr kann es ſchon zu ſpät ſein. Prof. Marek fand, daß bei 85% der behandelten Schafe alle Leberegel getötet ſeien und bei den übrigen 15% blieben nur wenig lebende Paraſiten zurück, welche keinen nennnenswerten Schaden verurſachen können. Bei ſchwachen und an Durchfall leidenden Tieren werden 20 g Kamala an 5 aufeinanderfolgenden Tagen in Mengen von je 4 g gegeben. Das wird getan, da eine durchgreifende Wirkung des Mittels den Durchfall vermehrt und die Freß⸗ luſt vermindert. Nicht allein die Leberegel werden durch Kamala getötet, ſondern auch die Eier werden vernichtet und unſchädlich ausgeſchieden. Die Kamala kann in jeder Apotheke gekauft werden, ſie muß aber friſch ſein. Um die heruntergekommenen Schafe ſchnell wieder in guten Zuſtand zu bringen, gibt man ihnen Heu und Schrot, am beſten geröſtetes Gerſtenmalz und Wacholderbeeren und in die Tränke etwas Eiſenvitriol. Die Schafkrankheit: Septicaemia pluriformis ovium. In erſter Linie werden Lämmer von der Seuche heim⸗ geſucht. Da ſie allmählich aufzutreten pflegt, wird oft dem Verluſte einiger Tiere zunächſt keine Beachtung geſchenkt. Bald ſtirbt aber eine größere Anzahl von Tieren ganz plötz⸗ lich, und in den meiſten Fällen ohne weſentliche Krank⸗ heitserſcheinungen. Mitunter ſollen auch Naſen⸗ und Augenausfluß, Freßunluſt, Verſtopfung, Durchfall und Ein⸗ genommenſein des Kopfes auftreten. Nicht ſelten geht die Krankheit mit Krämpfen der Gliedmaßen einher, eine Er⸗ ſcheinung, die in der Provinz Sachſen faſt immer beobachtet wurde. Altere Tiere erkranken ſelten. Bei ihnen äußert ſich die Krankheit durch beſchleunigte Atmung und vermin⸗ derten Appetit.— Bei der Bekämpfung der Seuche verdienen zunächſt die allgemeinen hygieniſchen Maßnahmen größte Beachtung: Die Ställe ſind nach Entfernung des Miſtes gründlich, und zwar, ſolange die Seuche nicht vollkommen getilgt iſt, wo⸗ möglich wöchentlich einmal zu desinfizieren und gut zu durch⸗ lüften. Die geſunden Tiere ſind von den kranken zu trennen, die chroniſch kranken am beſten zu töten, und zwar an einem Krankheiten des Schafes. 121 gut desinfizierten Orte. Die Felle dürfen nicht, wie üblich, im Stalle getrocknet werden. Der Weidegang wirkt außer⸗ ordentlich günſtig auf den Heilprozeß ein. Da beim Nahrungs⸗ wechſel die Seuche um ſo intenſiver auftritt und andererſeits, wie betont, weidende Tiere weniger empfänglich für die Seuche ſind, ſo iſt das Augenmerk darauf zu richten, daß das Ab⸗ lammen möglichſt im Monat April erfolgt, damit die Lämmer dann im Juli, zur Zeit der Entwöhnung vom Euter, die günſtige Einwirkung des Weideganges ſogleich durchmachen und den Futterwechſel leichter überwinden. Beim Ankauf von Lämmern iſt größte Vorſicht geboten. Die Herde, welche die Lämmer liefert, iſt genau zu unterſuchen, und die angekauften Tiere ſind einer längeren Quarantäne zu unterwerfen. Neben dieſen außerordentlich wertvollen hygieniſchen Maßnahmen wirkt eine Schutz⸗ und Heilimpfung mit einem im Kaiſer⸗Wilhelm⸗Inſtitut zu Bromberg hergeſtellten ſpezi⸗ fiſchen Serum ſehr erfolgreich. Das betreffende Serum wird nach Sicherſtellung der Diagnoſe durch bakteriologiſche Unter⸗ ſuchung auf Antrag von genanntem Inſtitut an die behandeln⸗ den Tierärzte abgegeben. Die Traberkrankheit. Schafe, die von dieſer Krankheit befallen werden, zeigen ſich auffallend ſchreckhaft, aufgeregt, blicken unruhig um ſich, Fittein und laufen planlos umher, ſtürzen nicht ſelten dabei hin, biegen dann den Kopf krampfhaft nach hinten und ver⸗ rehen die Augen. Bald ſtehen ſie wieder auf und erſcheinen ſehr matt. Die Urſachen der Traberkrankheit ſind meiſtens in einer nichtrationellen Züchtungsweiſe, in der Nichtbeachtung der einfachſten Züchtungsgrundſätze zu ſuchen. Eine eigentliche Behandlung dieſer Krankheit kennt man bis heute noch nicht; das beſte und radikalſte Mittel iſt das Töten der kranken Tiere. Die Trommelſucht(Aufblähen). Dieſe bei Schafen ſehr häufig vorkommende Krankheit entſteht meiſtens durch den gierigen und übermäßigen Genuß junger, ſaftiger Pflanzen(insbeſondere von Klee), mit deren Zerſetzung im Magen(Panſen) eine ſtarke Gaserzeugung ver⸗ bunden iſt. 1 122 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. Bei milderen Graden des Aufblähens genügt meiſt das ſogen.„Aufzäunen“, d. h. das Offenhalten des Maules durch ein Strohſeil oder einen Holzknebel, kalte Begießungen oder Schwemmen, bei höheren Graden iſt der Einguß von etwa 2 Eßlöffel Branntwein, noch mehr der von ebenſoviel Kalk⸗ waſſer oder verdünntem Salmiakgeiſt wirkſam. Da, wo das Aufblähen oft vorkommt, ſollten die Schäfer in der gefähr⸗ lichen Zeit eine Flaſche Kalkwaſſer und eine Anzahl kleiner Stricke zum ſchnellen und bequemen Aufzäunen auf der Weide bei ſich führen. Bei ſtarker Anſpannung des Leibes, die das Platzen des Panſens und demnach den Tod befürchten läßt, bleibt als letztes Mittel die Anwendung des Trokars übrig, die aber beim Schaf gefährlicher iſt als beim Rinde; auch heilt die entſtandene Wunde ſchwer zu. Die Euterentzündung. Die zumeiſt durch äußerliche Urſachen hervorgerufene Euterentzündung tritt in folgenden Formen auf: als rheu⸗ matiſche und rotlaufartige, als Zitzenentzündung und als blaſige Euterentzündung. Im allgemeinen kommen dieſe Krankheitszuſtände, die bei einiger Aufmerkſamkeit in der Behandlung wenig Schaden anrichten, nicht häufig und nur während der Säugezeit vor. Die kranken Mütter müſſen im Stall gehalten werden. Sind ſie vollblütig, ſo werden ſie ungeſäumt einer Hungerkur unterworfen, und es wird ihnen Glauberſalz gegeben; ferner macht man Umſchläge mit Bleiwaſſer, heißem Leinſamen uſw. Blaſenſteine. Die Blaſen⸗ oder Harnſteine kommen faſt nur bei männ⸗ lichen Tieren vor. Die Tiere haben öfters den Drang zum Abſetzen des Harns, der entweder überhaupt nicht oder nur tropfenweiſe oder in dünnen, meiſt ſpiralig gedrehten Strahlen abgelaſſen werden kann. Die Tiere ſind traurig und zeigen wenig Freßluſt. Die Urſache dieſer Krankheitserſcheinungen iſt die Bil⸗ dung von Steinen in der S-förmigen Krümmung der Harn⸗ röhre. Dieſe Steine können durch zu reichliche Ernährung, beſonders mit Roggenkleie, entſtehen. Auch der Genuß von ſehr hartem, kalkreichem Waſſer kann als Urſache gelten. —— —/————. Krankheiten des Schafes. 123 Die Behandlung dieſes Leidens beſteht lediglich in der Entfernung der Steine und in vorbeugend wirkenden Maß⸗ nahmen. Die Blaſenſteine werden durch den Harnröhren⸗ ſchnitt oder durch Eingeben von ſteinlöſenden Mitteln ent⸗ fernt. Als ſolche ſind zu empfehlen: Salzſäure mit Waſſer verdünnt, doppeltkohlenſaures Natron(1—2 g auf 1 Liter Waſſer), kohlenſaures Kali und Eibiſchwurzelpulver. Eine hervorragende Wirkung haben alle dieſe ſteinlöſenden Mittel aber nicht. Der Bradſot. Dieſe Krankheit kommt bis jetzt nur ſelten vor. Die Anzeichen ſind: keine oder geringe Freßluſt, allgemeines Un⸗ behagen, Unruhe und Atemnot, die Tiere laſſen den Kopf und die Ohren hängen und krepieren bereits nach wenigen Stun⸗ den, wobei blutige Flüſſigkeiten aus Maul und Naſe fließen. Die Urſache dieſer Krankheit iſt bis jetzt noch nicht feſt⸗ geſtellt worden; auch gibt es noch keine Anhaltspunkte für eine erfolgreiche Bekämpfung und Behandlung. Die Hinkbe. Man unterſcheidet die anſteckende und die Moder⸗ hinke; beide Arten ſind Erkrankungen der Klauen(Klauen⸗ entzündung), die ſich durch Lahmgehen der Tiere bemerkbar machen. Man ſollte dieſe Krankheit nicht leicht nehmen, da ſie durch Nichtbeachtung böſe Folgen nach ſich ziehen kann. Sie iſt bekannt genug, um auf das Krankheitsbild hier näher eingehen zu müſſen. Bei dem geringſten Anzeichen des Auftretens der Hinke in der Herde ſind ſofort umfangreiche Vorſichtsmaßregeln zu treffen, andernfalls kann dieſes übel zu einer bösartigen Klauenſeuche ausarten, der gegenüber man faſt machtlos iſt. Die Behandlung iſt folgende: 1. Die kranken Schafe ſind von den geſunden zu trennen. 2. Der Miſt muß aller zwei Wochen aus dem Stalle entfernt und danach reichliche, trockene Einſtreu von Stroh gegeben werden; dieſe Einſtreu iſt mit Gips zu beſtreuen. 3. Die Klauen müſſen aller 2—3 Tage aufs gründ⸗ lichſte ausgeſchnitten und alles Eiterige und Faule muß ent⸗ fernt werden, nur das Geſunde bleibt. Sodann folgt eine 124 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. Abwaſchung der Füße mit einer Auflöſung von Eichenrinde oder Gerbſäure; zum Schluß werden die Klauen mit Kupfer⸗ vitriol oder mit Vitriol und Tannenzapfenöl gut eingepinſelt. 4. Vor dem Stalle ſind Vertiefungen auszugraben, die mit Kalkmilch gefüllt werden. Durch dieſe Gruben treibt man täglich alle noch laufenden Schafe zum Zwecke der Desinfek⸗ tion; ähnlich wirkt das Durchtreiben durch fließendes Ge⸗ wäſſer, im Winter durch Schnee; das letztere darf aber nur auf trockenen Wegen geſchehen. Gutes Futter, Heu und, wenn möglich, Futterrüben, ſind notwendig. Die Gelbſucht. Dieſe gefährliche Krankheit kommt in Deutſchland ſelten vor; in Frankreich und Holland wird ſie dagegen öfters be⸗ obachtet und iſt daſelbſt ſchon mehrmals epidemiſch aufgetreten. Die kranken Schafe werden in einem angemeſſen warmen Stalle untergebracht, deſſen Luft ſtets rein ſein ſoll. Sie er⸗ halten entweder junges, ſaftiges Gras oder ausgeſucht gutes Heu und Wurzelwerk; wo es aber möglich iſt, reiche man ihnen geſchnittene Möhren. In Gegenden, wo Salzheu zu bekommen iſt, leiſtet dies gute Dienſte. Als Tränke erhalten die Schafe öfter reines, überſchlagenes Waſſer. Die Drehkrankheit. Die Drehkrankheit befällt meiſt junge Tiere, Lämmer und Jährlinge. Nach Haubner wird ſie verurſacht durch Einwanderung reifer Eier des Hundebandwurms(taenia coenurus) in das Hirn des Schafes. Der Umſtand, daß dieſe Krankheit meiſt junge Schafe befällt, läßt ſich erklären durch die zarte Beſchaffenheit der Weichteile im jugendlichen Orga⸗ nismus. Die Anzeichen der Krankheit ſind hinlänglich be⸗ kannt. Ein wirkſames Mittel dagegen gibt es nicht; das Herausziehen des Wurmes durch Trepanation nützt wenig; das beſte Vorbeugungsmittel wäre, die Hunde jedes Jahr einer Bandwurmkur zu unterwerfen. Ähnlich der Drehkrankheit iſt die Oſtruslarvenkrank⸗ heit, auch falſche Drehkrankheit genannt; hervorgeruſen durch Vorhandenſein von Larven der Schafbremſe in der Stirnhöhle und dem Gehirn des Schafes. Zur Behandlung gebe man Nießwurz, Tabak, auch 3—5 g Jodkali. — ͤ—— ——————.————— Krankheiten des Schafes. 125 Das Wollefreſſen. Das Wollefreſſen wird erſt dann zu einer Krankheit, wenn es in einer ganzen Herde vorkommt. Die Urſache des übels ſchwebt noch im Dunkeln. Man darf das Wollefreſſen auf keinen Fall als eine Untugend an⸗ ſehen, zu der ſich die Tiere aus Langeweile verleiten laſſen, wie manchmal angenommen wird. Am meiſten Berechtigung hat wohl die Annahme, das Wollefreſſen beruhe auf Störungen der Ernährung, deren Grund man freilich noch nicht kennt. Das Üübel verſchwindet aber in der Regel ſchon nach Verab⸗ reichung von reichlichen Mengen guten Heues, wenn es zuvor an ſolchem fehlte; daneben müſſen die Krippen aber auch ſtets genügend Rauhfutter enthalten. Iſt aber gutes Heu nicht vorrätig, ſo ſchlage man folgendes Verfahren ein: Auf je 100 Schafe gebe man einmal in der Woche für die Nacht 1 ½— 2 kg Schlemmkreide in die Futterkrippen, die man mit 1—2 1 Wacholderbeeren und Salz zuſammenmiſcht. Daß regelmäßiges Salzlecken ſtets ratſam iſt, weiß jeder Landwirt; beſonders angebracht iſt es aber dort, wo ſaures Wieſenheu verabreicht wird. Das gleiche gilt bei Zugabe von Kreide, Kalk oder Holzaſche. Als Getränk iſt Kalkwaſſer(nicht Milch!) zu empfehlen. Dort, wo alle dieſe Mittel nicht anſchlagen, ſpritze man 3 bis 4 Tage lang täglich 0,1 bis 0,2 g Apomorphin unter die Haut der erkrankten Tiere; dieſes Verfahren ſoll ſich bewährt haben. Daß wollefreſſende Schafe und von ſolchen angefreſſene von den übrigen abzuſondern ſind, verſteht ſich von ſelbſt. Als erfolgreiches Mittel wird ferner empfohlen, die auf übler Tat ertappten Tiere ſofort zu den Lämmern zu ſtellen. Die hierdurch bewirkte Futterveränderung iſt vorteil⸗ haft, und außerdem laſſen ſich die Lämmer, die hierin emp⸗ findlicher zu ſein ſcheinen, das Befreſſen nicht gefallen. Auch ſollte man vor der Lammzeit die Mutterſchafe„ausputzen“, d. h. die Wolle vom Euter und von der Innenſeite der Hinter⸗ ſchenkel wegſcheren. Hautparaſiten. Abgeſéhen von der bereits erwähnten Räudemilbe ſind unter den bei Schafen vorkommenden Hautſchmarotzern be⸗ ſonders die Schafzecke und die Schaf⸗ oder Wollaus hervor⸗ 126 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. zuheben. Haben die Tiere ſolche Paraſiten, ſo ſcheuern ſie ſich, werden unruhig und verlieren an den befallenen Hautſtellen die Wolle. Die Schafzecken kommen hauptſächlich bei blut⸗ armen Tieren vor, ſie werden entweder innerhalb der Herde von Tier zu Tier übertragen oder können auch vom Wild herrühren. G Vorbeugungsmittel ſind in erſter Linie die Reinerhaltung der Stallungen, der Geräte uſw., die öftere Desinfizierung des Stalles und eine kräftige Ernährung der Tiere; denn es iſt eine feſtſtehende Tatſache, daß die genannten Schmarotzer auf gutgenährte wie auch auf wollfettreiche Schafe nicht gehen. Andere Mittel, die Paraſiten loszuwerden, ſind Beſtreuen der Schafe mit Zeckenpulver oder Baden in verdünntem Kar⸗ bolwaſſer, Tabakslauge, auch Coopers Dip; das Baden kann natürlich erſt 4—5 Wochen nach der Schur geſchehen. Zur Bekämpfung der Schafzecken empfehle ich an Stelle der koſtſpieligen und ſchwer zu beſchaffenden Tabaklauge ein Bad der Schafe in einer 5% igen Lyſollöſung, die am beſten lauwarm ſein muß. Unter Umſtänden genügt ein gründ⸗ liches Abwaſchen hiermit, wobei eine Bürſte vorzügliche Dienſte leiſtet. Das Baden der Schafe erfolgt am beſten nach vorher⸗ gegangener Schur. Solange die Zecken in geringem Umfange an einzelnen Körperteilen der Schafe auftreten, mag eine wiederholte Einreibung dieſer Stellen mit einer aus Leinöl und Petroleum oder Petroleum und Schmierſeife(grüne Seife) beſtehenden Miſchung genügen, nachdem die Stellen kahlgeſchoren ſind. Neben dem eben empfohlenen Waſchen iſt es angebracht, eine Einreibung von Leinöl und Petroleum oder Petroleum und Schmierſeife vorzunehmen. Außer den eben erwähnten Mitteln kann auch Queckſilberſalbe verwendet werden. Ich empfehle ſie aber nicht, weil die Anwendung nicht ungefährlich iſt. Die Bruſtentzündung der Schafe. Die Bruſtentzündung, unter welcher Benennung man ſowohl die Entzündung der Lungen als auch jene des Bruſt⸗ felles verſteht, iſt ſtets als eine gefährliche Krankheit der Schafe zu betrachten, da ſie bei der eigentümlichen Schwäche dieſer Tiergattung, wenn nicht ſchleunigſt Hilfe geleiſtet wird, ————— ———— Krankheiten des Schafes. 127 häufig einen ſchlimmen Ausgang nimmt. Sie wird hervor⸗ gerufen einerſeits durch Erkältung auf der Weide, namentlich im Frühjahr nach der Wäſche oder bald nach der Schur, wenn die Tiere an kalten, regneriſchen und windigen Tagen zu lange im Freien gelaſſen werden, andererſeits entſteht ſie während des Winters in hoch gelegenen, den Winden aus⸗ geſetzten Stallungen, die nicht hinreichend warm gehalten werden können und den Wind eindringen laſſen. Behandlung: Das Hauptmittel gegen dieſe Krankheit iſt, neueren Erfahrungen zufolge, Tartavus stibiatus(Brech⸗ weinſtein Antimon. tartar.). Man ſtelle eine Löſung von ½ Gramm dieſes Mittels in einem Achtelliter weichen Waſſers her und gebe dem kranken Tiere anfangs ſtündlich einen Kaffeelöffel voll. Wenn hierauf innerhalb 8—10 Stunden keine Beſſerung eintritt, ſo iſt dies ein Zeichen, daß vorzugs⸗ weiſe die Lungen krankhaft ergriffen ſind. In dieſem Falle iſt ſofort eine Löſung von Kali hydrojodicum(Kaliumjodid) in gleicher Weiſe wie das erſte Mittel 2 ſtündlich in Anwendung zu bringen. Wo aber nach Verabreichung von Tart. stibiat. unzweifelhafte Anzeichen von Beſſerung eingetreten ſind, ſetze man das Mittel aus und reiche nun Bryonia 3. Verd., 3 bis 4 Tropfen 2⸗ bis 3ſtündlich, mit welchem Mittel man ge⸗ wöhnlich den Reſt der Krankheit vollends zu beſeitigen im⸗ ſtande iſt. Was die Ernährung anbelangt, ſo iſt den kranken Tieren, wenn ſie Freßluſt äußern, gutes, friſches Gras, ge⸗ ſchnittene Runkelrüben und feines Heu und als Getränk an⸗ fänglich überſchlagenes, reines Waſſer und ſpäter friſch be⸗ reiteter Leinkuchentrank zu verabreichen. Die Milchloſigkeit. Die Milchloſigkeit der Schafe iſt in letzter Zeit vielfach ein Gegenſtand des Studiums der mediziniſchen Fachleute geweſen. Die Krankheit weiſt vor allem folgende Merkmale auf: Fieber, Schlaffheit der Milchdrüſe, der Gelenke und des Auges. In der großen Mehrzahl der Fälle iſt die Milchdrüſe das eigentliche leidende Organ. Wie angeſtellte Verſuche er⸗ geben haben, iſt es möglich, die Krankheit durch Einſpritzungen von Blut⸗ oder Milchfiltrat kranker Schafe unter die Haut geſunder Tiere hervorzurufen. Es gelang aber auch, einen Heilſtoff zur Immuniſierung geſunder Tiere gegen die 128 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. anſteckende Agalaktie herzuſtellen, und es ſind damit ſehr gute Erfolge erzielt worden. Die Schilddrüſenanſchwellung der Lämmer kommt ſelten vor; tritt ſie aber dennoch auf, ſo iſt in der Hauptſache trockenes Futter zu geben und etwas Eiſenvitriol, ½ kg auf 180— 200 Tiere. Wunden beim Scheren und Hundebiß. Während des Scherens kommt es vielfach vor, daß die Schafe mit den Scheren geſtochen oder geſchnitten werden. Es entſteht dadurch oftmals der ſogen. Scherbrand(tierärztlich mediziniſch: Malignes Oedem genannt). Um dieſer Krankheit vorzubeugen, empfiehlt Profeſſor Dr. Oppermann folgendes Mittel: 2 Teile Jodum purum und 1 Teil Pyoktannin coerul. werden mit 1000 Teilen Benzin gemiſcht(in kleinerer Menge hergeſtellt= 1 y Jod. pur., 0,50 g Pyoktannin und 500 g = 1/ Liter Benzin); mit dieſer Löſung wird die friſche Wunde mittelſt Watte ſorgfältig gereinigt; hierauf bepinſelt man die Wunde mit 10% igem Karboxolkollodium, das dieſe ſozu⸗ ſagen verſchließt und ſchnelle Heilung ermöglicht. Die Mittel ſind in jeder Apotheke erhältlich; ſollte jedoch an manchen Orten Karboxolkollodium nicht zu bekommen ſein, ſo kann ſtatt deſſen auch Airokollodium verwendet werden. Nach der Schur werden die Schafe auch vielfach von den Hunden während des Hütens gebiſſen. Dieſe Wunden werden ebenſo wie die zuerſt erwähnten behandelt. Bei kaltem Wetter iſt es ſelbſtverſtändlich gut, die erkrankten Tiere in den warmen Stall zu bringen. Wenn der Brand ſchon weiter vorgeſchritten iſt ſo ſind (nach Profeſſor Dr. Oppermann) in die brandigen Stellen Einſchnitte zu machen und die Wunden auszudrücken, danach ſind die kranken ſowie die angrenzenden geſunden Gewebe mit einer 1— 2% igen Kaliumpermanganat⸗ oder Waſſerſtoff⸗ ſuperoxydlöſung einzuſpritzen, wobei 100— 125 g vertragen werden. Maulgrind (Lämmergrind, Maulräude, Maulſchwamm). Der Maulgrind kommt weniger bei älteren Tieren, mehr bei Lämmern vor. Der Maulgrind iſt ein Ausſchlag und ſitzt Krankheiten des Schafes. 129 um das Maul herum, an der Ober⸗ und Unterlippe. Er tritt meiſtens als Schorf auf, der allmählich wieder abfällt. Durch den Ausſchlag können die Tiere nicht gut freſſen, die Lämmer kaum oder nicht mehr ſäugen, deshalb magern die Tiere ab. Die Krankheit kann entſtehen durch zu ſtarke Rübenblatt⸗ fütterung, falſche Futterzuſammenſetzung, aber auch durch Verletzung des Maules auf der Weide, beſonders Stoppel⸗ weide. Als Behandlung diene Futterwechſel, gutes Trocken⸗ futter, Bepinſeln des Schorfes mit Leinöl oder Vaſelin. Katarrhalfieber (Chroniſcher Naſenkatarrh, Schnupfenfieber, Huſtenfieber, Schnupfen). Das Katarrhalfieber iſt eine Reizung und Entzündung der Schleimhäute der Atmungsorgane und befällt die Schafe aller Raſſen. Da gewöhnlich mehrere Tiere gleichzeitig er⸗ kranken, wird dieſe Krankheit zu den ſchlimmeren Herdenkrank⸗ heiten gezählt. Als Behandlung iſt reine gute Luft im Stalle notwendig, als innere Behandlung gebe man Fenchelſamen oder Wacholderbeerenpulver. Lupinoſe. Die Lupinoſe tritt jetzt weniger auf, da ja erkannt wurde, daß die Lupinoſe nur durch ein in den Lupinen enthaltenes Gift hervorgerufen wurde. Um das Gift unſchädlich zu machen, quellt man wohl jetzt überall die Lupinenkörner 24 Stunden im Waſſer auf oder läßt die Lupinen im Freien liegen, um durch Regen oder Schnee den Giftſtoff auf dieſe natürliche Weiſe zu entfernen. Die Lupinoſe ruft eine Lebererkrankung hervor, die dann eine allgemeine Vergiftung im Körper zur Folge hat. Buchweizenausſchlag. Dieſe Krankheit kommt nur bei weißen Schafen vor. Die Schafe zeigen ſtarke Rötung am Geſicht, Ohren, im Kehlkopf, eiterige Hautausſchwitzungen, Niedergeſchlagenheit, Unruhe. Die Urſache dieſer Krankheit iſt ein Giftſtoff, das„Fluoro- phyll“, welches beſonders im grünen Buchweizen, auch in Körnern und Stoppeln vorkommt. Als Behandlung bringe man die erkrankten Tiere an einen ſchattigen Ort oder beſſer Heyne, Schafzucht. 4. Auflage. 9 130 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. in den Stall. Gaben von Glauberſalz, ſalzhaltige Klyſtiere verrichten gute Dienſte Der Krankheiten ſind viele! Ihnen ſoll aber vorgebeugt werden, und zu dieſem Zweck kann nie genug empfohlen wer⸗ den, die Reinhaltung des Stalles und ſeiner Be⸗ wohner jederzeit im Auge zu behalten. Deshalb ſollte von Rechts wegen jeder Schafſtall alle Jahre einmal gründlich gereinigt und mitſamt ſeinen Gegenſtänden(Raufen, Krip⸗ pen uſw.) mit Kalkmilch, verdünnter Karbolſäure, Lyſol und dergl. desinfiziert werden. Denn nur durch reinliche Haltung erhält man ſich das Vieh geſund! Zum Schluß ſei noch darauf aufmerkſam gemacht, daß jeder Schafmeiſter ſich eine kleine Stallapotheke anſchaffen ſollte, um in erſter Linie, bis der Tierarzt kommt, ſchnell etwas zur Hand zu haben. Jede Gutsverwaltung ſollte für den Schafſtall eine ſolche zur Verfügung ſtellen, die Anſchaf⸗ fungskoſten ſind gering. Für oft vorkommende Krankheiten iſt eine ſolche Stallapotheke unentbehrlich; im folgenden nenne ich ſolche Krankheiten, die dagegen anzuwendenden Mittel ſind in Klammern geſetzt. 1. Verdauungsſtörungen(Kamillentee, Leinſamen, Leinöl, Tauſendgüldenkraut, Pfefferminze, Schafgarbe). Verſtopfung(Rizinusöl, Leinöl, Karlsbader⸗ und Glauberſalz). .Durchfall(Eichenlohrindenabkochung, Stärkemehl zu Klyſtieren, Opiumtropfen). Blähungen, Trommelſucht(Antimonium, Glauberſalz, Pfefferminze). 5. Krämpfe(Baldrian). 3. Wunden(Kamille, Leinöl, Kalk- und Karbolwaſſer, Karbolöl). Brandwunden(Kalkwaſſer, gemiſcht mit Leinöl). .Euterentzündungen(Leinöl, ungeſalzene Butter, flüch⸗ tiges Liniment und Salmiakgeiſt). Augenentzündungen bzw. Bindehautkatarrh(Zink⸗ vitriol, Alaun 5:100 verdünnt, Borſäure gelöſt 1:50)0. Huſten(Salmiak, Karlsbaderſalz(künſtliches) und Zucker, etwa ein Teelöffel voll gleichteilig gemiſcht).— Krankheiten des Schafes. 1341 11. Ungeziefer(Kreolinwaſſerwaſchungen(1:100 Verdün⸗ nung), Kreolinſalbe, gelöſtes Tabakpulver, aus Tabak⸗ reſten hergeſtellt, Inſektenpulver). 12. Lähmungen nach dem Geburtsakt(Kampferſalbe, Lein⸗ abkochung). 13. Spröde Haut(Lanolin). 14. Huflahmheit von Huffäule(Kupfervitriol oder Galizien⸗ ſtein[blau]). 15. Verrenkungen und Verſtaruh hungen ſowie rheumatiſche Erſcheinungen(Salmiak, Terpentin, Leinöl). Zuſammenſtellung: 1. Teearten: Tauſendgüldenkraut, Baldrian, Pfefferminze, Schafgarbe, Kamille, Leinſamen. 2. Flüſſige Medikamente: Salmiakgeiſt, Kalkwaſſer, Kar⸗ bolwaſſer, Opiumtropfen, Borwaſſer zwei⸗ bis fünf⸗ prozentig, Alaunwaſſer zwei⸗ bis fünfprozentig, Salz⸗ ſäure, flüchtiges Liniment. 3. Ole: Leinöl, Karbolöl, Rizinusöl. A 4. Pulverformen: Eichenlohrindenpulver, Antimonium, Inſektenpulver, Tabakpulver. 5. Salze: Karlsbaderſalz(künſtliches), Glauberſalz, Kupfer⸗ vitriol, Alaun. 6. Salben: Kampferſalbe, Kreolinſalbe, Lanolin. Dazu kommen alle nötigen Verbandſtoffe, als Wund⸗ watte, Verbandgaze, Heftpflaſter in verſchiedenen Breiten und Stärken, um bei Knochenbrüchen rechtzeitig eingreifen zu können, ſoweit ſie nicht die Notſchlachtung erforderlich machen. Eine Klyſtierſpritze oder ein Einlaufrohr kann in der Stall⸗ apotheke auch nicht gut entbehrt werden. Die Gewährsmängel der Schafe. Nach den Ausführungen des Tierarztes Herrn Dr. Bonatz (Deutſche Schäfer⸗Ztg. 1915, Nr. 45) iſt folgendes zu be⸗ 1 achten: Das Bürgerliche Geſetzbuch unterſcheidet nicht zwiſchen Fehler und Mängel, ſondern kennt nur Hauptmängel. Für dieſe letzteren iſt der Verkäufer haftbar, auch wenn nichts be⸗ ſonderes vereinbart worden iſt. Sollen noch weitere Fehler 9* 132 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes. als die in der Hauptmängelliſte genannten garantiert werden, ſo bedarf es nach§ 492 hierzu eines ſchriftlichen oder münd⸗ lichen Sondervertrages. Alle Hauptmängel, auch ſelbſt die in niederen Graden, die die kaiſerliche Verordnung aufführt, gelten als erhebliche Mängel. Das Bürgerliche Geſetzbuch unterſcheidet nun beim Handel mit Schafen zwiſchen Haupt⸗ mängeln, die ſie erſtens als Nutz⸗ und Zuchttiere und zweitens als Schlachttiere betreffen. Abgeſehen hiervon kämen noch drittens die vertraglichen Mängel in Betracht. Für den Verkauf von Nutz⸗ und Zuchttieren gelten als Hauptmängel bei Schafen nur die Räude mit einer Gewährs⸗ friſt von 14 Tagen. Die Waſſerſucht der Schafe gilt nach§ 2 der kaiſerlichen Verordnung nur für den Verkauf von Schlachttieren als Hauptmangel mit einer Gewährsfriſt von 14 Tagen. Als allgemeine Waſſerſucht iſt anzuſehen der durch eine innere Erkrankung oder durch ungenügende Ernährung herbei⸗ geführte waſſerſüchtige Zuſtand des Fleiſches. Von inneren Krankheiten führt namentlich die Leberegel⸗ krankheit zur Waſſerſucht des Schafes. Wir haben demnach die Leberegelkrankheit des Schafes als Hauptmangel und dann als Vertragsmangel anzuſehen. Lungenwurm⸗, Magenwurm⸗ und Drehkrankheit der Schafe hat das BGB. nicht unter die Hauptgewährsmängel aufgenommen. Deshalb muß die Bürgſchaft für dieſe Leiden beſonders ausgemacht werden. Verſichert der Verkäufer, daß die gekauften Schafe geſund ſind, ſo übernimmt er damit auch die Haftung wegen aller erheblichen Fehler, zu denen dieſer drei Schafkrankheiten zu rechnen ſind. Zum Schluß gebe ich noch allgemeine Vorbeugungs⸗ maßregeln gegen Schafkrankheiten: 1. Bewirkung des Ankaufs neuer Tiere aus nur einwand⸗ freien Beſtänden; 2. Vornahme einer 4— 6wöchigen Quarantäne der ange⸗ kauften, gut gereinigten und eventuell geſchorenen Tiere, wobei zum Zwecke der Ermittelung etwaiger Bazillen⸗ träger ſo verfahren werden könnte, daß zu den frag⸗ lichen ein oder mehrere geſunde Tiere des eigenen Be⸗ ſtandes hinzugeſetzt werden; 3 8⁴ „ 4 Krankheiten des Schafes. Vornahme einer von Zeit zu Zeit zu wiederholenden Desinfektion des Stalles zur Vernichtung etwaiger Krankheitskeime und Paraſitenbrut; Meidung der ſumpfigen, feuchten und tiefgelegenen Wei⸗ den, zum mindeſten bei den jungen Schafen, und Er⸗ ſtrebung einer Trockenlegung der Weide bezügl. Ab⸗ tötung der Paraſitenbrut durch Behandlung der Weide mit Kalk⸗ oder Kupfervitriollöſung; Verwendung des von ſolchen Weiden gewonnenen Graſes nur nach vollſtändiger Trocknung und längerer Lage⸗ rung desſelben; Niederlegung des Geſtrüpps auf der Weide und in der Umgebung der Ställe; regelmäßige Vornahme einer Bandwurmkur bei den Schäferhunden im Frühjahr und Heranziehung einer Schutzimpfung, ſoweit ſie am Platze iſt. 133 Zweiter Teil. Wollkunde. Anatomiſcher Bau. Die Wollkunde ſchließt die Lehre von dem Baue, der Entwicklung und den Eigenſchaften des Wollhaares, Stapels und Vlieſes in ſich. Sie iſt für die Züchtung des Schafes von Bedeutung; je höher die Nutzung ſein ſoll, deſto reichere und umfaſſendere Kenntniſſe ſind erforderlich. Die Wollhaare entſpringen der Haut; dieſelbe iſt als Schutzdecke des ganzen tieriſchen Organismus zu betrachten und iſt an den einzelnen Teilen des Körpers ungleich dick und dünn; dicker iſt ſie an den Gliedmaßen, auf dem Rücken und am Halſe, dünner an den Seiten⸗, Bruſt⸗ und Bauchwänden, am dünnſten an der inneren Fläche der Schenkel, am Bauche und Euter ſowie an einzelnen Stellen des Kopfes. Sie beſteht aus drei verſchie⸗ denen Schichten: a) der Oberhaut(epidermis), b) der Leder⸗ haut(cutis) und c) dem Unterhautbindegewebe. Die Oberhaut (epidermis) bedeckt die Lederhaut und hat weder Gefäße noch Nerven. Sie iſt gefühllos und beſteht aus ſelbſtändig ge⸗ bliebenen, übereinandergereihten Zellen, die miteinander zwei unterſcheidbare Schichten bilden: eine obere, d. h. die durch⸗ ſcheinende Hornſchicht, und eine untere, d. h. die ſogenannte Malpighiſche Schleimſchicht. Dieſe lagert auf der Lederhaut, wächſt aus derſelben hervor und iſt feuchtweich; jene dagegen erſcheint vertrocknet, ſtößt ſich in feinen Schüppchen los und findet ſich im Fettſchweiß. Während die obere Schicht bei weißen Schafen farblos iſt, findet ſich in der Schleimſchicht bei grau, braun oder ſchwarz gefärbten Schafen das Haut⸗ pigment, von welcher Einlagerung die Hautoberfläche ſowie die Färbung der Haare abhängt. Die Lederhaut liegt als dickere Membran unter der Epidermis und beſteht aus einem 8— — S7S — —,——,——.,— „—44jy— Anatomiſcher Bau. 135 an elaſtiſchen Faſern reichen Bindegewebe. In der Lederhaut, unter der die ſogen. Fetthaut liegt, ſind viele Nervenendigun⸗ gen; die zu ihr gelangenden zahlreichen blutzuführenden Ge⸗ fäße löſen ſich in viele Verzweigungen und Haarefäße auf; in ihr befinden ſich die Schweiß⸗ und Talgdrüſen. Die Schweißdrüſen liegen beinahe an allen Körperſtellen; ihr Balg verengert ſich nach oben zu einem feinen Kanale, der nach mehreren Windungen auf der Oberfläche der Oberhaut trichterförmig in Offnungen endigt, die Poren genannt wer⸗ den. Die zahlreich vorhandenen Talgdrüſen liefern den Haut⸗ talg. Dieſelben liegen nicht ſo tief als die Schweißdrüſen; die einzelnen Ausführungsgänge der Drüſenhörner vereinigen ſich entweder zu einem Gange, der an den Haarſchaft führt, oder es gehen mehrere Gänge an den Haarſchaft über. Wo Haare fehlen, da mündet der gemeinſchaftliche Ausführungs⸗ gang unmittelbar auf der Oberhaut; meiſtens gehen die Aus⸗ führungsgänge von zwei Talgdrüſen zu einem Haare. Das von den Talgdrüſen bereitete Sekret dient zur Erhaltung der Geſchmeidigkeit und zum Schutze gegen äußere, ungünſtige Einflüſſe des Haares. Das durch die Talgdrüſen abgeſonderte Fett zeigt ſich verſchieden; es enthält in ſeiner Zuſammen⸗ ſetzung Elain und Stearin. Elain iſt ein ölartiges Fett, wäh⸗ rend Stearin mehr ſchwerflüſſig erſcheint. Mit dieſem Fett ſcheint ſich auch der Schweiß bei Schafen zu verbinden. Dieſe Vermengung bezeichnet man allgemein mit dem Namen Fett⸗ ſchweiß. Der normale Fettſchweiß kennzeichnet ſich dadurch, daß er die einzelnen Wollhaare mit einer gleichmäßigen Schicht überzieht, ohne durch ſtärkere Anhäufung in Klümpchen ſich zu vereinigen oder größere Haarpartien zu verkleben. Seine Natur iſt gut, d. h. er iſt leicht löslich, miſcht ſich gut ohne Anwendung von Waſchmitteln und hinterläßt die Wolle weich und klar. Mangel an Fettſchweiß gibt der Wolle ein blaſſes, mattes, trübes Ausſehen und macht dieſelbe kraftlos. Überfluß an Fettſchweiß wird in der Regel durch maſſige Fütterung hervorgerufen. Man unterſcheidet: a) den weißen Fettſchweiß; die Wolle erſcheint weiß und läßt ſich leicht waſchen; b) den hellgelben Fettſchweiß, der gleichfalls leicht löslich iſt; c) den dunkelgelben Fettſchweiß; ſeine Beſchaffenheit iſt zäher und ſchwerer löslich; d) den grünlichen Fettſchweiß; derſelbe iſt zäh und von wachsartiger Beſchaffenheit. Wolle mit grün⸗ 136 Zweiter Teil. Wollkunde. lichem Schweiße ſollte eigentlich nur in erwärmtem Waſſer mit Zuſatz von Seife gewaſchen werden, weil in dieſem Schweiße das ſchwer lösliche Stearin vorkommt. Schließlich bleibt noch zu erwähnen: e) der roſtfarbige oder rotgelbe Fett⸗ ſchweiß. Er zeigt im Inneren der Stapel ſtellenweiſe rötliche, gegen den Gipfel mehr gelblich gefärbte Beſchaffenheit. Bei ſolchem Schweiße iſt die Stapelung und der Stapelſchluß nur ſelten ohne Fehler. Das Wollhaar iſt, wie jedes Haar, ein Produkt der Haut. Das Haar wurzelt nicht auf der Oberfläche oder direkt in 6 der Oberhaut, ſondern nimmt ſeinen Urſprung in einer engen Vertiefung dem ſogen. Haarſäckchen(Haarbalg). Dieſes liegt in der Lederhaut; ſein Bo⸗ den wird von der Malpighiſchen Schleimſucht gebildet und Haar⸗ papille genannt. Das eigentliche Woll⸗ haar beſteht aus drei Schichten: dem Oberhäutchen(Cuticula pil.), der Rin⸗ denſubſtanz Substantia ſibrosa, v. cor- ticalis) und der Markſubſtanz. Das Oberhäutchen beſteht aus durchſchei⸗ nenden, dünnen Pflaſter⸗ oder Platten⸗ epithelien, welche entweder, wie bei dem markhaltigen Grannenhaar, dicht aneinandergereiht ſind oder ſich, wie Abp. 40. Schematiſcher Längen⸗ bei den markfreien Langwollen, dach⸗ urcſchnitteines Jwarrat. förmig decken, infolgedeſſen der Rand r s Malpighiſche Schict. des Haares ſägeförmig ausgezackt er⸗ Lol freir Faarſchicht. dc ver⸗ ſcheintt. Bei den feinen Merinohaaren orgene Haarſchicht. f Haar⸗.:—. 1-.. zwiebeln. g h und i k Aus⸗ reicht ein Schüppchen um die Peri⸗ führungsgänge der Talgdrüſen. pherie desſelben; demzufolge gleicht A. Hcdore Dr aaenhe das Haar einer Reihe ineinander⸗ geſchobener Trichter. Die Anordnung der Oberhautſchüppchen hat Einfluß auf den Glanz und iſt auch mit Bezug auf die techniſche Aufarbeitung der Wolle nicht ohne Bedeutung. Die Rindenſubſtanz beſteht an der Haar⸗ papille aus rundlichen, im Schafte aus ſchmalen, ſpindel⸗ förmigen, mit länglichen Zellen verſehenen Epithelzellen. Bei gefärbten Haaren ſind hier Pigmentkörper abgelagert, oder Anatomiſcher Bau. 137 man findet in der Rindenſubſtanz einen diffuſen Farbſtoff. Die Grannenhaare ſowie manche Glanzhaare enthalten auch Markſubſtanz(Substantia medullaris), welche aus rhombiſchen oder kubiſchen Zellen beſteht. Letztere bilden einen zuſammen⸗ hängenden oder ununterbrochenen Strang, der als Fortſetzung der Papille zu betrachten iſt. Die Markſubſtanz wird bei den eigentlichen Haaren von der Rindenſubſtanz umſchloſſen. Die⸗ ſelbe iſt nach Kölliker ein in der Achſe des Haares von der Gegend über der Zwiebel an bis nahe an die Spitze ziehender Streif oder Strang. Derſelbe beſteht einfach aus einer einzigen oder meiſt mehrfachen geraden Reihe im Zen⸗ trum der Rindenſubſtanz untereinanderliegender Zellen und iſt keine mit einer beſonderen, zuſammenhängenden Subſtanz erfüllte, einfache Höhlung, noch ein Kanal mit beſonderen Wandungen. Die Markſubſtanz iſt in den feineren Haaren nicht zu finden. Nach dieſer Beobachtung iſt alſo das Fehlen der Markſubſtanz charakteriſtiſch für das Wollhaar. Das Fehlen dieſer Subſtanz trägt zur feſten Textur und Geſchmei⸗ digkeit des Wollhaares bei. Es iſt ferner die Größenver⸗ ſchiedenheit der Oberhautſchüppchen bei feinen und groben Wollen deutlich zu beachten. Das Wollhaar iſt mehr als jedes andere Haar in ſeiner inneren Struktur gleichmäßig gebildet, worin der Grund einer Menge wichtiger Eigenſchaften zu ſuchen iſt. über die Bildung des Wollhaares hat Reißner an Schafembryonen Beobachtungen gemacht, welche hier Platz finden mögen:„Sobald die Oberhaut von der Lederhaut deutlich unterſchieden werden kann, beginnt die Bildung der Haaranlagen, indem gleichzeitig die Oberhaut und die Leder⸗ haut ſich zu kleinen Hügeln erheben. Dann fängt die Leder⸗ haut an, in der Peripherie der Anlage zurückzuweichen, wäh⸗ rend die Oberhaut an derſelben Stelle in die dadurch ent⸗ ſtandene Furche hineinwuchert. Im zentralen Teil bleibt die Lederhaut faſt unverändert und gibt ſo die erſte Veranlaſſung zur Bildung einer Papille. Das Zurückweichen der Lederhaut geht immer weiter bei gleichzeitigem Vordringen der Ober⸗ haut, ſo duß letztere bald zylindriſche, ſchräg abwärts ge⸗ richtete Fortſätze gebildet hat, die von dem Haarbalge umfaßt werden und mit ihrem unteren Ende die kegelförmige Papille aufnehmen. Schon jetzt gelingt es, in dieſem Fortſatze der 138 Zweiter Teil. Wollkunde. Oberhaut einen inneren, lichten, längsgeſtreiften Teil von dem äußeren, dunkleren, aus rundlichen Zellen beſtehenden zu unterſcheiden; bloß an gefärbten Haaren kann man ſich davon überzeugen, daß ebenfalls jetzt ſchon das Haar ſelbſt angelegt und von der inneren Haarſcheide verſchieden iſt. Bei zu⸗ nehmender Vergrößerung der Haaranlage entſteht an der Oberfläche der Oberhaut eine längliche Wulſt oder eine kegel⸗ förmige, oben abgerundete Erhöhung, in welche der innere Teil des abwärts gehenden Fortſatzes, welcher nun deutlich in innere Haarſcheide und Haar differenziert iſt, hineinwächſt. Endlich durchbricht das Haar die Oberhaut, während vorher ſchon die Papille an der Baſis d. i. an der Vereinigungsſtelle mit dem Haarbalge, ſich verengert und nach oben in eine ſchmale Verlängerung ausläuft. Die innere Haarſcheide läßt in der Mitte längliche, ſenkrecht ſtehende Stellen und an ihrer Innenfläche ein Oberhäutchen erkennen. Das Haar ſelbſt iſt im oberen Teile vollſtändig ausgebildet, beſitzt ein Oberhäutchen; im unteren Teile ſind ſeine Elemente noch un⸗ entwickelt; dieſer und der entſprechende Teil der inneren Haarſcheide ſteht mit dem Keimlager, in dem die Bildungs⸗ zellen des Haares liegen, in Verbindung. Die äußere Haar⸗ ſcheide mit dem Haarbalge entwickelt unterhalb ihrer Ver⸗ einigung mit den unterſten Schichten der Oberhaut durch ſeit⸗ liche Wucherungen und Bildung von Fettkörpern in den Zellen die Anlage der Talgdrüſen. Man unterſcheidet vier verſchiedene Arten von Haaren: Flaum⸗-, Zackel⸗, Grannen⸗ und Stichelhaar. Stichelhaar, d. h. glattes, kurzes, ſtraffes, markhaltiges Haar, finden wir als teilweiſen Fehler bei den Merinoſchafen am Geſichte, an den Knieen und Extremitäten. Dieſes Haar hat keinen Fabri⸗ kationswert; es bildet die ausſchließliche Körperbedeckung der in den Tropen einheimiſchen Schafraſſen, deren Felle nur als Bekleidungsmittel oder zu Lagerſtätten Verwendung finden. Grannenhaar iſt das langgewellte, markhaltige oder markloſe Haar der langwolligen Schafraſſen. Zackelhaar heißt das mit einem Markkanal verſehene Oberhaar der nicht ver⸗ edelten Schafraſſen. Dasſelbe iſt geeignet, dem Körper Schutz zu gewähren; es läßt Waſſer ſchnell herabrinnen und den Pelz raſch wieder austrocknen. In der kälteren Jahreszeit: entſteht unter demſelben ein Flaum, der eine dichte, leicht Anatomiſcher Bau. 139 verfilzende Bedeckung des Körpers bildet. So iſt aus den Schafen der Zackelform das Merinoſchaf hervorgegangen; es⸗ mußte in Spanien, einem regenarmen Lande, entſtehen. Hier aber wurde das lange, glatte Zackelhaar bald überflüſſig und unnötig; die Natur ließ es allmählich ſchwächer werden, gab es ſchließlich nur noch den Lämmern bei der Geburt mit und ſchuf im Merinoſchafe ein Tier, welches reinen Flaum trägt. Der Flaum iſt ein feines, gewelltes, gekräuſeltes, markfreies Wollhaar mit feſter Textur. Was die Gruppierung der Haare in der Haut anlangt, ſo liegen die kurzen, geraden Haare in ſchräger Richtung und einander parallel, aber ver⸗ einzelt; die Grannenhaare gehen in ziemlich gleichen Zwiſchen⸗ räumen mit der Wurzel faſt ſenkrecht tief in die Lederhaut hinab; dagegen tritt das Flaumhaar ſtets in Bündel ver⸗ einigt auf. Die von den Bündeln iſolierten Haare heißen Binder und dienen zum Zuſammenhalten des Vlieſes. Die chemiſche Zuſammenſetzung des Wollhaares iſt ſehr kompliziert. Folgende Analyſen mögen Aufſchluß geben: Analyſe nach Analyſe nach Analyſe nach Maercker Schulze Scherer Landſchaf Rambouillet Merino Kohlenſtoff......... 49,45— 49,89% 50,46% 50,661% Waſſerſtoff......... 7,46— 7,59„ 7,37„ 7,062„ Stickſtoff.......... 16,55— 15,08„ 17,73„ 17,518„ Schwefel......... 3,41— 3,79„ 3,43„ 3,636„ Sauerſtoff........ 23,13— 23,66„ 21,01„ 21,023„ So zeigt die Gödelitzer Wolle(Stammſchäferei Gödelitz bei Leuben, Freiſtaat Sachſen) folgende Zuſammenſetzung (nach eigener Unterſuchung): Rambouilletwolle(Kamm). Kohlenſtoff. 49,99 Waſſerſtoff. 7,04 Stickſtofff.. 17,36 Schwefel 1.,99 Sauerſtoff 23,62 100,00 Prozent. Nur der Schwefelgehalt iſt beträchtlichen Schwankungen unterworfen; am größten ſoll er bei groben, am geringſten bei feineren Wollen ſein. 140 Zweiter Teil. Wolllunde. Nunmehr haben wir von den Eigenſchaften der Wolle zu reden. Das Wort„Wolle“ wird verſchieden erklärt. Nathuſius verſteht unter Wolle diejenigen Haare, welche ſich ſtapeln. Wiſſentlich kann man nach Bohm Wolle nur das markfreie, die Eigenſchaft der Krimpkraft beſitzende Flaumhaar des Schafes nennen. Wenn Nathuſius ſagt: „Wolle ſind gekräuſelte Haare, deren Kräuſelungsverhältniſſe von der Art ſind, daß auch nach der Trennnung von der Körperfläche die Geſamtheit derſelben eine zuſammenhängende Maſſe, ein Vlies, bildet“, ſo geht daraus hervor, daß das Wollhaar die ihm ganz eigentümliche Eigenſchaft beſitzt, ſich mit anderen, ihm gleichartigen Wollhaaren desſelben Indi⸗ viduums zu verbinden, um das Strähnchen, den Stapel, das Vlies zu bilden. Bei Betrachtung der Eigenſchaften der Wolle haben wir zu unterſcheiden: das einzelne Wollhaar und das Wollhaar als zuſammenhängendes Ganzes. Einzelnes Wollhaar. Das Wollhaar iſt, ſeiner Form nach betrachtet, ein zylindriſcher Körper. Bei dem Wollhaar der Lämmer vor der erſten Schur erſcheint der Zylinder am oberen Ende kegel⸗ förmig zugeſpitzt, hat alſo eine Spitze. Bei geſchorenen Scha⸗ fen iſt das obere wie untere Ende völlig gleich. Feinheit der Wolle(des Wollhaares). Unter Fein⸗ heit der Wolle verſteht man den Durchmeſſer des Wollhaares; je kleiner der Querdurchmeſſer iſt, deſto größer iſt die Fein⸗ heit. Die Beurteilung des Feinheitsgrades kann durch das bloße Auge ausgeführt werden; durch praktiſche Übung läßt ſich hier Unglaubliches erreichen. Auch bedient man ſich be⸗ ſtimmter Meßinſtrumente. Solche Wollmeſſer(Eirometer): ſind von Dollond, Pilgram, Skiadan, Winkler, Grawert und Voigtlaender konſtruiert worden. Sie geben die Diametral⸗ ſtärke in bekannten Maßeinheiten an. Wollvergleicher(Eiro⸗ ſkope) lieferten Koehler und v. Poſtacky, Inſtrumente, die nur vergleichsweiſe den größeren oder geringeren Durchmeſſer an⸗ gaben. Alle dieſe Inſtrumente ergaben mehr oder weniger richtige Reſultate; ein überzeugendes Reſultat kann nur das Mikroſkop liefern. Die Meſſungen laſſen ſich mit einem Okularmikrometer oder mit einer Mikrometerſchraube genau und ſchnell ausführen. Für mikrometriſche Meſſungen hat —— 141 Einzelnes Wollhaar. man als Einheit den Millimeter angenommen und dieſen wieder in tauſend Teile geteilt; jeden Teilungsgrad nennt man Millimillimeter; derſelbe wird durch ein griechiſches u bezeichnet. Nach eigenen Meſſungen ergibt ſich der Feinheits⸗ grad bei den verſchiedenen Sortimenten, zugleich umgerechnet nach Dollond, Koehler, Grawert: Grade Grade Grade Milli⸗ Dollond Koehler GErawert millimeter Super⸗Elekta....... 6 ½— 7 1- 2 39. 46 16,4— 17,8 Elekta.......:.... 7128 2—3 44— 52 18,7 20,1 Prima I......... 7 ¼—8 ½ 3—-4 48-56 20,2— 22,3 Prima II......... 8 ¼— 9%¾ 4—4 ½ 54. 58 22,5.24,4 Sekunda......... 10— 10 ½¼ 4 ½— 5 ½ 58- 64 24,9— 26,4 Tertia............ 11— 13 5 ½— 7 60— 70 26,5— 32,8 Quarta........... 14— 18 5—9 70— 80 33,9— 40,6 Ob ein Schaf feinere oder gröbere Wolle trägt, hängt von der Raſſe ab, der es angehört; das Merinoſchaf hat feinere Wolle als das Landſchaf; die Kunſt, die Wolle zu ver⸗ feinern oder zu vergröbern, liegt in der Hand des Züchters. Mutterſchafe tragen gewöhnlich feinere Wolle. als Böcke; auch durch das Hammeln wird die Wolle feiner. Die Theorie P. de Jotemps, daß feine Wolle nur auf dünner Haut wachſe, iſt ſchon längſt widerlegt und nachgewieſen worden, daß die Beſchaffenheit der Wolle ſich im weſentlichen nach der Art der Raſſe richte; auch kann Futterwechſel Veränderung her⸗ vorrufen. In der Jetztzeit ſollte man nicht mehr ſo ſehr auf feine und feinere Wolle ſehen, man züchte vielmehr eine A- bis B-Wolle in der Richtung der Kammwolle, da bei dieſer Fein⸗ heit die Körperentwicklung, Maſtfähigkeit, Frühreife uſw. nicht gehindert wird. Die Feinheit iſt überhaupt nicht ſo zu ver⸗ ſtehen, daß alle Wollhaare dieſelbe Feinheit aufweiſen. Das wäre ein unmögliches Verlangen. Es ſoll vielmehr in einem Vlieſe die eingeſchlagene Feinheit vorherrſchen. Wer eine B-Wolle züchtet, der ſollte beſtrebt ſein, möglichſt den B- Charakter beizubehalten. Ein Vlies ſetzt ſich immer aus ver⸗ Zweiter Teil. Wollkunde. ſchiedenen Feinheiten zuſammen, wie man es auf den Sortier⸗ böden erfahren kann; ſo geben z. B. 60 kg ungewaſchene Wolle: A-Feinheit= 40,38 kg B= 18,60„ = L02„ 60,00 kg Die Kräuſelung oder Wellung des Woll⸗ haares. Jedes markfreie Wollhaar iſt mehr oder weniger gekräuſelt. Die Kräuſelung folgt aber nicht direkt der Spirale, ſondern wendet ſich nach verſchiedenen Richtungen hin. Sie 1 4 7 ⸗ ☛△ Abb. 41. Abb. 42. 4 Abb. 43. Einzelne aus einem 1 ſchlichtbogig 1 normalbogig Strähnchen gelöſte 2 gedehntbogig 2 gedrängtbogig Wollhaare. 3 flachbogig. 3 hochbogig 4 überbogig. wird gewöhnlich nicht am einzelnen Haare, ſondern in der Vereinigung vieler zu einem Strähnchen beobachtet; dieſelben erſcheinen in dieſem Falle meiſtens in regelmäßiger Form. Die Art, in welcher die Stellungen in den Strähnchen zum Ausdrucke gelangen, heißt in der Technik Markierung oder Charakter der Wolle. Zum Zwecke der Beſtimmung der Form einer Wellung unterſcheidet man, je nach Höhe und Span⸗ nung des Bogens, obige Gruppen.(Siehe Abb. 41, 42, 43.) Die Treue des Haares. Koerte nennt ein Woll⸗ haar treu, wenn es ſich uns in ſeiner ganzen Länge gleich⸗ mäßig zeigt. Dieſen Zuſtand könnte man aber mit mehr Recht Gleichmäßigkeit im Wuchſe nennen. Als treu ſollte ein Haar Einzelnes Wollhaar. 143 bezeichnet werden, wenn es von der Spitze bis zum Schurende gleiche Feinheit, gleiche Stärke und gleiche Kraft zeigt. Die Treue iſt eine wichtige Eigenſchaft der Wolle und wird von Fabrikanten hoch geſchätzt. Unterbrochene Treue erkennt man an dem Abſatze oder Knicke der Wolle; dieſelbe iſt dann in einer beſtimmten Höhenſchicht dünn, matt und kraftlos. Ver⸗ dünnungen der Wolle zeigen ſich auch nach anhaltender Stö⸗ rung in der Ernährung des Organismus. Die Länge des Wollhaares. Einem periodiſchen Haarwechſel ſind die Schafe nicht unterworfen; ihre Wolle kann jahrelang fortwachſen; doch das größte Wachstum er⸗ folgt in den erſten zwölf Monaten. Nach dieſer Zeit wächſt die Wolle nicht mehr in dem Maße. Wenn man nun von einer Länge des Wollhaares ſpricht, ſo muß man den Jahres⸗ wuchs annehmen. Man unterſcheidet natürliche Länge und die Länge des Haares, wie ſolche im Stapel zu ſehen iſt, die man richtiger Höhe oder Tiefe nennen könnte; die wirkliche Länge erhält man, nachdem das Wollhaar entkräuſelt, d. h. geradegeſtreckt, aber nicht gedehnt worden iſt. Die Dehnbarkeit, Feſtigkeit und Kraft des Wollhaares. Wird ein Wollhaar über die Entkräuſelung geſtreckt, ſo wird es gedehnt. Mit dieſem Worte bezeichnet man diejenige Eigenſchaft des Haares, vermöge deren es bei größter Ausdehnung möglichſt langen Widerſtand zu leiſten vermag. Die Dehnbarkeit und Kraft ſetzen normale Be⸗ ſchaffenheit der Rindenſubſtanz und der Oberhaut voraus. Zur Prüfung der Haltbarkeit ſind eigene Inſtrumente(Kraft⸗ meſſer) konſtruiert worden von Grawert und Bohm. Im praktiſchen Leben ermittelt man die Feſtigkeit dadurch, daß man ein Strähnchen zuerſt langſam ausdehnt und dann die Kraft, welche zum Zerreißen desſelben erforderlich iſt, prüft, oder daß man das ſtraff mit den Fingern geſpannte Strähn⸗ chen wie die Saite eines Muſikinſtrumentes anſchlägt und dann den metalliſchen Klang ertönen läßt(Metall der Wolle). Die Dehnbarkeit ſchwankt bei feiner Merinowolle zwiſchen 11,1— 15,2%, bei Kammwollſchafen zwiſchen 16,5— 23,0%. Es rangieren nach Kraft und Dehnbarkeit a) deutſche Kamm⸗ oder Tuchwolle, b) auſtraliſche Wolle, c) La⸗Plata⸗Wolle und d) Kap⸗Wolle. Zweiter Teil. Wollkunde. Die Elaſtizität und Krimptraft der Wolle. Die Elaſtizität, welche bei feiner Wolle größer iſt als bei grober, iſt eine äußerſt wichtige Eigenſchaft. Man verſteht darunter die Fähigkeit des Wollhaares, nach gewaltſamer Zerrung und Dehnung in ſeine urſprüngliche Form wieder zurückzukehren. Man ſpricht von Elaſtizität der Kräuſelung, d. h. der Kraft, durch welche ein gekräuſeltes Haar ſeine ur⸗ ſprüngliche Geſtalt wieder annimmt; der Elaſtizität der Auf⸗ richtung, die Kraft, Richtung und Form wieder anzunehmen, der Elaſtizität der Zurückziehung, d. h. der Kraft, ſeine frühere Länge wieder anzunehmen, und endlich von zuſammen⸗ ſchnirrender Elaſtizität; dieſe zeigt ſich darin, daß das Woll⸗ haͤar, wenn es bis zum Zerreißen ausgedehnt wird, ſchnell in eine Locke mit engeren oder weiteren Windungen zurück⸗ ſpringt. Mit der Elaſtizität hängt die Krimpkraft zuſammen; ſie iſt eine Folge der zuſammenſchnirrenden Elaſtizität. Der Ausdruck„Krimpkraft“ bezeichnet die Eigenſchaft der Woll⸗ haare, vermöge welcher das aus ihnen gefertigte Tuch beim Anfeuchten und Walken ſich verdichtet und verfilzt. Die Krimpkraft ſchließt alſo die Walkfähigkeit ein; denn das feſte Ineinanderſchlingen der Wollhaare im Tuche läßt ſich nur durch ſeine Elaſtizität erklären. Daher iſt dieſe Eigenſchaft, welche toten und ſchlaffen Wollen fehlt, für die Tuchfabri⸗ kation unentbehrlich. Die Geſchmeidigkeit. Geſchmeidigkeit iſt die Füg⸗ ſamkeit des Haares, d. h. die Fähigkeit, jede ihm gegebene Richtung anzunehmen. Man prüſt die Geſchmeidigkeit da⸗ durch, daß man beim lebenden Tiere den Stapel nach irgend⸗ einer Seite drückt; dieſer muß dann langſam zurückkehren. Identiſch mit dem Ausdruck„geſchmeidig“ iſt der Ausdruck „mild“. Verbindet das Wollhaar mit der Geſchmeidigkeit eine gewiſſe Feinheit, ſo entſteht Sanftheit, Zartheit, Weich⸗ heit. Schafe, welche in beſtändig warmem Klima leben, zeigen größere Sanftheit des Wollhaares als Schafe, die ſich unter nördlicheren Himmelsſtrichen aufhalten. Sanſtheit bedingt Feinheit und Kräuſelung; ohne dieſe Eigenſchaften erſcheint die Wolle rauh, hart und barſch. Unter Kraft verſteht man die Vereinigung von Dehnbarkeit, Elaſtizität und Krimpkraft mit Treue und Milde. Das Gegenteil hiervon iſt die Kraft⸗ loſigkeit und Mattigkeit. Die Elaſtizität und Krimpkraft der Wolle. 145 Glanz und Farbe. Die Merinowolle ſoll einen ſeiden⸗ artigen Glanz(Edelglanz) haben, den man mit mattem Silber⸗ glanze vergleichen kann. Fehlt dieſer normale Glanz, ſo erſcheint das Haar matt oder baumwollenartig; fehlerhaft iſt meiſtens der harter und ſpröder Wolle anhaftende Glasglanz. Der Glanz iſt für die Fabrikation von hohem Werte; die Schönheit und Lebendigkeit der Farbe hängt von ihm ab. Die Farbe des Wollhaares iſt weiß; nur dieſe Sorte iſt für Fabrikation brauchbar. Durch den Fettſchweiß wird die Farbe oft gelblich, ja gelblich⸗grün; nach Entfernung desſelben er⸗ ſcheint das Haar wieder weiß. Nur wirklich dunkle oder ſchwarze Haare laſſen ſich nicht bleichen; mit weißen vermiſcht, erſcheinen ſie grau. Das ſpezifiſche Gewicht der Wolle iſt ſchwer zu be⸗ ſtimmen; nach Stoeckhardt ergab Merinowolle..... 1,295 ſpezifiſches Gewicht, Southdown⸗Frankenwolle 1,271,„ Southdown⸗Merino... 1,257 5, 77 Hygroſkopizität(Feuchtigkeitsgehalt). Die Hygro⸗ ſkopizität wird verurſacht durch Hohlräume der Rinden⸗ ſubſtanz, in welche Waſſerdampf eindringen kann. Die mark⸗ freien Haare, welche eine feſtere Textur haben, als die mark⸗ haltigen, beſitzen weniger Hohlräume als dieſe, und an den erſteren haben die feineren wieder weniger als die gröberen; daraus geht hervor, daß die groben Haare mehr Feuchtigkeit aufzunehmen imſtande ſind als die feinen, alſo eine größere Hygroſkopizität beſitzen. Nach Unterſuchung iſt die Differenz im Gewicht zwiſchen der waſſerfrei gemachten und der im Waſſerbade befindlich geweſenen Wolle folgende(nach Beſchaffenheit Enthält Waſſerhaltende d 3 le a, Ke. Woll⸗ raft eer unterſuchten Wolle Waſſer faſer Schweiß Schmutz Prozent Negrettiwolle, ſchweres Fett, Bockwolle............. 5,61 19,15 43,86 31,3 25,38 Elektoralwolle, Schafwolle.. 12,59 26,17 39,75 21,40 23,49 Kammwolle, talgartiges Fett, Bockwolle............. 10,24 29,30 44,29 13,17 23,17 Lincoln⸗Merino........... 12,65 45,84 29,24 12,27 24,24 Lincoln⸗Wolle..........⸗ 14,94 65,76 15,26 4,04 49,30 Heyne, Schafzucht. 4. Auflage. 10 Zweiter Teil. Wollkunde. Nach der Tabelle nimmt die Wolle, die ein ſchwer⸗ flüſſiges Fett beſitzt, das die einzelnen Wollhaare durch einen feſten überzug gegen äußere Einflüſſe ſchützt, am wenigſten Feuchtigkeit auf, während dagegen im entfetteten Zuſtande die gröbere Wolle die größere Neigung zur Aufnahme von Feuchtigkeit zeigt. Wenn nun die Hygroſkopizität des Woll⸗ haares eine wichtige Eigenſchaft desſelben, nämlich die Form⸗ barkeit, bedingt, ſo geht doch hervor, daß der Fabrikant ſolche Wollen, die nach der Wäſche nicht gut getrocknet ſind, ungern kauft, weil ſie einen größeren Gehalt an Feuchtigkeit und einen geringeren an Wollhaar haben. Wollfett nimmt die Feuchtigkeit am wenigſten auf. Nach Rohde hatte alſo ent⸗ fettete, waſſerfreie Landwolle 49,30, in gleicher Weiſe be⸗ handelte Kammwolle nur 21,66%. Wolle mit mittelſchwerem Fettſchweiß enthält 10— 12% Waſſer, welches ſich bis 15% ſteigern kann(gewaſchene Wolle). Nach W. v. Nathuſius quillt die Wolle ſchon in gewöhnlichem, reinem Waſſer, noch mehr in alkoholiſchen und Seifenlaugen, am ſtärkſten bei Er⸗ hitzung in ihrer Dicke auf, in welchem Falle die Aufquellung 1/1, ja bis ⁰1 der urſprünglichen Dicke betragen kann. Die Wolle im Stapel. Bis jetzt haben wir das Wollhaar als einzelnes be⸗ trachtet; in der Praxis kommt dies ſelten vor, höchſtens um die Feinheit zu beſtimmen. Nunmehr ſoll das Haar be⸗ handelt werden, wie es in Verbindung mit vielen anderen Haaren im Stapel ſich zeigt. Bei der Beſichtigung der Woll⸗ maſſe eines Schafes von außen iſt jeder Wollſtapel durch eine mehr oder weniger deutlich bemerkbare Furche von den übrigen Stapeln abgegrenzt, was ſich bei der Betrachtung der Stapel im Innern des Vlieſes gleichfalls durch einen kleinen Ab-⸗ ſtand der Wollbündel voneinander bemerken läßt. Die um jeden Stapel laufende Furche nennt man die Wollnaht. Der Stapel zeigt ſich uns als Wollbüſchel in Form aufrecht⸗ ſtehender Zylinder oder Kegel; nur aus normalen Haaren kann ein guter Stapel entſtehen. Die Furche iſt zugleich ein Zeichen der Dichtigkeit des Stapels. Die Dichtigkeit könnte man auch durch Zählung der Haare beſtimmen, doch iſt dieſe Arbeit außerordentlich ſchwierig. Petri und Jeppe haben ſolche Zählungen vorgenommen; ſie fanden beim gemeinen Die Kräuſelung im Stapel. Landſchaf auf den Quadratzoll 5000 Haare(ein Quadratzoll 694 Quadratmillimeter), auf den Quadratmillimeter 7,3, bei Merinos 29—88, bei ſehr dichtem Stande 58 672, bei dünnem Stande 43 360 Haare auf den Quadratzoll= 88 reſp. 64 pro Quadratmillimeter. Die Strähnchen, gewiſſermaßen die kleinſten Teile des Stapels, werden durch 20—50 Haare gebildet; hier im Strähnchen ſehen wir alles viel deutlicher als im einzelnen Wollhaar, ſo z. B. die Kräuſelungsbogen. Mit der Spannung der Wellungen ſteht die Feinheit des Wollhaares in ziemlich genauem Verhältniſſe: je kürzer die Stellungen, deſto feiner das Haar, woraus zu ſchließen iſt, daß auf einer gewiſſen Länge(Zentimeter) um ſo mehr Wellungen ſich finden, je feiner die Wolle iſt. Kräuſelungsmeſſer ſind von Bloch, Pabſt, Hartmann und Bohm konſtruiert worden. Nach vielen eigenen Meſſungen und vergleichenden Beobachtungen beträgt die Anzahl der Kräuſelungen auf einem Zentimeter, reſp. rheiniſchen Zoll(ſiehe Abb. 44): auf auf 1 rhein. Zoll 1 cm= 24 mm für Super⸗Super⸗Elekta.... 13 32 und darüber „ Super⸗Elekta........11 12,9 30. 32 „ Elekta............... 9—P11 2630 „ Prima I.............. 8—9 22— 24 „ Prima[I..........:.. 7—8 20—21 „ Sekunda........... 6,5— 7,4 19— 20 „ Sekunda II.. 55,5 6,2 18. 19 „ Tertiq............... 4— 5 1417 „ Quarta.......... 3— 4 13—15 Je nach der Wollnaht teilt man den Stapel in einen groß gebauten, bei welchem eine Menge einzelner Stäpelchen in großen Wollnahtfeldern liegt, und in einen klein gebauten, bei welchem das Gegenteil ſtattfindet. Der Form nach unter⸗ ſcheidet man die koniſche oder ſpitze Form, die keulen⸗ oder trichterartige Form und die zylindriſche oder gleichförmige Form. Die Kräuſelung im Stapel. Bei normaler Kräuſelung unterſcheidet man: a) den ge⸗ wäſſerten Stapel(Abb. 45). Dieſer Charakter kommt nur bei 10* 148 Zweiter Teil. Wollkunde. Wollhaaren mit größter Feinheit vor; die Wellungen er⸗ ſcheinen ſehr zart; b) den klaren Stapel. Dieſer Charakter des Stapels zeigt große Gleichmäßigkeit der Wollhaare im Strähnchen; die Kräuſelung iſt ſehr leicht erkennbar; c) den geſträngten Stapel(Abb. 46). Dieſen Charakter kann man zu klar nennen; die Form der Wellungen iſt hier gedrängt bogiger; d) geſtricht(Abb. 47), auch verſchleiert, nennt man den Charakter, bei welchem die Wellungen zwar noch zu er⸗ kennen ſind, aber ſchon etwas verſchwimmen; e) Krepp (Abb. 48) nennt man den Charakter, bei welchem vor einer Kräuſelung nichts mehr zu erkennen iſt. May und Koerte fanden in dieſem Kreppcharakter das höchſte, was die Merino⸗ zucht zu produzieren vermag. Ich teile nicht dieſe Üüber⸗ zeugung mit ihnen; auch bezweifle ich die größte Dichtigkeit der Wolle bei dieſem Charakter. Bei der hochbogigen Kräuſelung kommt ein markierter (Abb. 49) und ſtark markierter(Abb. 50), ein gebänderter und einſtieliger, bei der überbogigen Kräuſelung ein überbildeter Charakter vor, bei welchem die Treue im Haare fehlt. Zwirnig (Abb. 52) nennt man den Charakter einer Wolle, bei welchem von einer Strähnchenbildung nicht mehr die Rede ſein kann. In überbildeter Kräuſelung(Abb. 51) wächſt jedes Wollhaar nach Belieben; man unterſcheidet hierbei noch Neigung zum Zwirn und knötrigen Zwirn. Dieſe beiden Charaktere ſind große Fehler bei einer Zucht. Bei der flachbogigen Kräuſelung endlich treten die Bögen flacher auf. Solche Wolle wird aber gern gekauft, beſonders zur Fabrikation glatter Zeuge. Man unterſcheidet glatten, gedehnten und ſchlichten Stapel. Der Stapel nach Höhe und Dicke. Je nachdem die Stellungen flacher oder höher, gedrängter(enger) oder weiter ſind, iſt das Verhältnis der Stapelhöhe zur Stapellänge ein verſchiedenes. Am beſten läßt ſich dasſelbe durch Ausziehen der Wolle erproben; man nennt dies den Zug des Stapels. Ein gedrängter Stapel hat ſtarken, ein gedehnter ſchwachen Zug. Die Höhe des Stapels— das obere Ende des Stapels nennt man Gipfel, das untere Schnittende— iſt für das Schurgewicht von Bedeutung; welche Höhe aber ſeine zweck⸗ mäßigſte ſei, iſt ſchwer zu beſtimmen. Kammwollen können 2 8 — D S Æ☛̃ · — 2 8 — & 2 8 uobunjolnpag aoc Jävg a09 p ie 9 ag l gl n 2L aog dutee e l 8 6 ad II- pI ve ad 61—81 II vqunaos 2 29 05—61 -I vqunzee 9 a I5— 06 II dunaſh G ads 08—95 vld 8 a 68—08 velD⸗dochne uobunjolnpag 9 deD⸗aechnS⸗aachne. 150 Zweiter Teil. Wollkunde. nicht leicht zu lang ſein, vielleicht bis 10 cm, Tuchwollen bis 5 cm. Die Dicke des Stapels wird am Schnittende unterſucht und durch den Durchmeſſer desſelben beſtimmt. Die Form des Stapels kann im Gipfel geſchloſſen oder offen ſein. Man unterſcheidet am geſchloſſenen Stapel den Quaderſtapel Abb. 45. Abb. 46. Geſträngt. Abb. 47. Geſtricht. Abb. 48. Krepp. Abb. 49. Markiert. Abb. 50. Stark markiert. Abb. 51. überbildet. Abb. 52. Zwirn. (Abb. 53), welcher beinahe ein Quadrat darſtellt und gewöhn⸗ lich nur bei gröberen Wollen vorkommt, und den Panzer⸗ ſtapel. Die Stapel ſtehen nicht ganz ſenkrecht, ſondern etwas gedrückt und oval geformt. Dieſer Stapel kommt noch bei normalen Wollen vor, doch iſt der Schweiß verklebt; die Wäſche bei ſolchen Tieren iſt immer ſchwierig. Brettartiger Stapel(Abb. 54) iſt ein ſchlimmer Stapelbau; die Spitzen der Haare zeigen bereits Verfilzung; ein übermäßiger Fettſchweiß ½— Die Wolle im Vlieſe. 151 verklebt das Vlies. Der Rapskornſtapel(Abb. 55), ſo genannt wegen ſeiner Ähnlichkeit mit ausgeſtreuten Rapskörnern, wird im gewaſchenen Vlieſe als Blumenkohlſtapel(Abb. 56) be⸗ zeichnet. Derſelbe reſultiert aus einer höheren Feinheit der Wolle, gleicher Länge und treuem Wuchſe. Zu erwähnen bleibt noch der Baſaltſtapel. Die Stapelchen ſind hier nicht ſo innig verbunden. In der Form des offenen Stapels kom⸗ men vor: der buſchige Stapel er iſt am Gipfelende nicht gehörig abgeſtumpft, ſondern hat einen ungleichen Abſchluß der mooſige Stapel mit vielen Binde⸗ und falſchen Haaren, Abb. 55. Rapskornſtapel. Abb. 53. Quaderſtapel. Abb. 54. Brettſtapel. Abb. 56. Abb. 57. Blumenkohlſtapel Spießiger Stapel. der ſchilfige Stapel, ſpitze oder ſpießige(Abb. 57) Stapel, der zopfige, der knötrige, der mürbe und der überſponnene Stapel. Die letztgenannten Stapelbildungen ſind fehlerhaft und ſollten bei einer Zucht vermieden werden. Die Wolle im Vlieſe. Die einzelnen Stapel verbinden ſich zum Vlieſe(Abb. 58); man nennt die Körperbedeckung des Schafes eigentlich Pelz; erſt die abgeſchorene Wolle des Tieres heißt Vlies. Die Ver⸗ bindung der Stapel zum Vlieſe, reſp. Pelze, geſchieht nicht 3 4 ¹ 152 Zweiter Teil. Wollkunde. durch bloßes Aneinanderſchmiegen, ſondern vollzieht ſich als wirkliche Verbindung durch die Bindehaare. Je nach der Dichtheit unterſcheidet man: Vlieſe mit dichtem Stande. Hier ſtehen die Wollhaare zahlreich auf dem Wollfelde; ſie drängen ſich und unterſtützen ſich in ihrer aufrechtſtehenden Richtung. Das Vlies wird dadurch voll und geſchloſſen; man nennt dieſen Wollſtand auch hautdicht, voll, reich und das Vlies ein dichtes, gedrängtes, hautdichtes, geſchloſſenes. Beim offenen Abb 58. Normal⸗Vlies⸗ und Stapelbildung in der jetzigen frühreifen Merino⸗Fleiſchſchafrichtung(mehr geſchloſſener Stapel). Stande(Abb. 59) ſtehen weniger Haare auf dem Wollfelde; die Wollmaſſe iſt offener; man bezeichnet den Stand als loſes oder als offenes Vlies. Filzig wird ein Vlies, wenn dasſelbe am Schnittende ſo dicht verbunden und eng zu⸗ ſammengewachſen iſt, daß ſich die Wollhaare nicht daraus löſen können; filzige Wolle iſt zur Fabrikation faſt untauglich. Eine weitere fehlerhafte Verbindung der Stapel geſchieht durch 153 Die Wolle im Vlieſe. Bunzpnelvp p 121L⸗ouae ee a g ec 1 gun 4 154 Zweiter Teil. Wollkunde. einzelne Wollhaare, welche von einem Stapel zum anderen überlaufen, von den Bindehaaren aber ganz verſchieden ſind. Man nennt dieſelben falſche Haare oder Üüberläufer, Ferner können im Vlieſe noch folgende abnorme oder falſche Haare vorkommen: Als falſche Haare werden ſolche bezeichnet, die unter normalen Merinohaaren vereinzelt vorkommen, grob, ſchlicht, nach verſchiedenen Richtungen gebogen, ſtark glaſig glänzend und wenig rund ſind und in der Regel eine beträchtliche Länge beſitzen. Sie fühlen ſich hart an, beſitzen nur geringe Elaſti⸗ zität und wenig Fettſchweiß. In großer Menge auftretend verwirren ſie ſich mehr oder weniger und zeigen dann ein wergartiges Ausſehen. Unter dem Mikroſkop laſſen die falſchen Haare keine ſo regelmäßig geformten Oberhautſchüppchen wahrnehmen wie die normalen Haare. Ihr Durchmeſſer wechſelt auf kurze Strecken ſehr auffallend, wie auch die Form der Oberhautſchüppchen an verſchiedenen Stellen verſchieden iſt. Die falſchen Haare finden ſich in reichlicher Menge vor⸗ wiegend bei den männlichen, weniger reichlich bei den weib⸗ lichen Tieren und Hammeln. Sie zeigen ſich bei reichwolligen Tieren faſt regelmäßig, bald gruppenweiſe, bald vereinzelt auftretend, vorzugsweiſe am Genick, an der Stirne, auf den Halsfalten und anderen großen Hautfalten, an der Schwanz⸗ wurzel, am Schwanze, am Schenkel und an den Schien⸗ beinen. Die längeren Haare dieſer Art ragen gewöhnlich etwas über die Wollmaſſe hervor, die längſten ſogar beträcht⸗ lich darüber hinaus, aus welchem Grunde man ſie als über⸗ wuchs oder Oberhaar bezeichnet hat. Treten derartige lange Haare in großen Mengen auf, ſo daß ſie ſich über dem Vlieſe untereinander verbinden, ſo rufen ſie jenen Zuſtand des Stapels oder des Vlieſes hervor, der als beſponnener Stapel oder als überſponnenes Vlies bezeichnet wird. Laufen falſche Haare in ſchiefer Richtung oder quer durch mehrere Stapel, ſo verbinden ſie dieſelben miteinander und heißen dann Binder oder Bindehaare. Zahlreiche ſolche Binder laſſen den inneren und äußeren Stapelbau unregelmäßig und unklar erſcheinen und können ſogar zur Verworrenheit der Wolle Anlaß geben. Wollträger, die dieſen Wollfehler auf⸗ weiſen, ſind als Zuchttiere minderwertig. Hundehaare nennt man ſolche abnorme Haare, die auf Die innere Beſchaffenheit des Vlieſes. 155 verwundet geweſenen und vernarbten Hautſtellen wachſen. Die Haare tragen immer einen anderen Charakter als die normalen. Sie ſind grob glaſig glänzend, die regelmäßige Kräuſelung fehlt, und da die Haut an ſolchen Stellen nur wenig Fettſchweiß abſondert, ſo ſind die Haare meiſtenteils trocken. Wo die Böcke zum Sprunge unter die Herde gehen oder in größerer Anzahl in einem gemeinſchaftlichen Raum ſind, da ſtoßen ſie ſich nicht ſelten an der Stirne und am Nacken auf, und an ſolchen tiefer verletzten Stellen wachſen oftmals gar keine Haare mehr nach. Auf vernarbten Biß⸗ und Schnittwunden(von Schäferhunden bzw. mit der Schere beigebracht) wachſen ebenfalls nur dieſe geringen Haare. Die falſchen und Hundehaare werden von den Fabri⸗ kannten rauhe oder Grieshaare genannt und ſind nicht gern geſehen, weil ſie die Farben entweder gar nicht oder nur mangelhaft annehmen; außerdem richten ſich ihre Enden in der zugerichteten Decke der Gewebe ungünſtig auf. Aus dieſem Grunde eignen ſich die Wollen, die mit vielen falſchen Haaren durchwachſen ſind, nicht gut zur Herſtellung wertvollerer Ge⸗ webe. Stichelhaare nennt man kurze Haare von beträchtlicher Dicke, die ſich von der Wurzel bis zur Spitze verjüngen. Sie ſind glaſig glänzend und entweder ganz ſchlicht oder gebogen. Sie erreichen eine Länge von 9—14 Millimetern, worauf ſie ausfallen und gewöhnlich in den Stapeln, denen ſie ur⸗ ſprünglich angehörten, hängen bleiben. Sie kommen in größerer Menge an der Stirn, den Seitenteilen des Kopfes und am Nacken vor; bei aufmerkſamer Unterſuchung findet man ſie auch an der unteren Bauchwand und an den Glied⸗ maßen, regelmäßig vereinigt auch mit verworrener und boden⸗ ſätziger Wolle und mit falſchen Haaren. Falſche oder grobe überhaare, ziemlich lang, kommen in großer Zahl bei Läm⸗ mern vor, fallen aber nach vier⸗ bis fünfmonatlicher Lebens⸗ dauer aus. Sie laſſen häufig auf künftige Reichwolligkeit dieſer Tiere ſchließen. Die innere Beſchaffenheit des Vlieſes. Ein normales Vlies muß rein ſein, d. h. frei von der Einmiſchung fremder Stoffe(Futterteile, Kletten). Im ſüd⸗ lichen Rußland, Auſtralien z. B., werden die Vlieſe nicht 156 Zweiter Teil. Wollkunde. ſelten durch Kletten und Grasſamen(stipa pennata und capil- lata) verunreinigt. Ein zweites unerläßliches Erfordernis iſt die Ausgeglichenheit, d. h. es müſſen alle wichtigeren Eigen⸗ ſchaften, wie Elaſtizität, Kraft, gute Stapelung uſw., vorhan⸗ den ſein. Auch ſollte man nicht zu viele Feinheitsſorten in einem Vlieſe finden; je geringer die Feinheitsunterſchiede in demſelben ſind, deſto ausgeglichener iſt es. Doch wäre es widerſinnig, ein Vlies von gleicher Feinheit in allen ſeinen Teilen erzeugen zu wollen; es ſoll nur möglichſte Vollkommen⸗ heit der Ausgeglichenheit angeſtrebt werden, beſonders bei den Muttertieren. Die Kunſt des Züchtens iſt jetzt ſchon ſo weit gediehen, daß vier Fünftel des ganzen Vlieſes in ein Sorti⸗ ment geſtellt werden können. Früher teilte man, wie Jeppe in ſeiner„Terminologie der Schafzucht und Wollkunde“ lehrt, das Vlies in 118 Teile ein, welche Einteilung ich aber für unnötig und zwecklos halte. Für die Beobachtung der Aus⸗ geglichenheit genügen folgende Körperſtellen: a) am Hauptteil(Blatt, Seiten, Rücken, Bauch), b) am Vorderteil(Widerriſt, Hals, Kopf, Oberarm), c) am Hinterteil(Kreuz, Schwanzwurzel, Wolfsbiß). Oder man teilt die Wollpartien eines Schafes nach ſieben Graden ein. Die Abb. 60 zeigt die Güte der Wolle, reſp. die Beobachtung auf die Güte fängt bei Nr. 1 an; die Güte der Wolle nimmt ab, je höher die Zahl ſteigt. Es ſcheint zweckmäßig, noch nachſtehende Beobachtungen hinzuzufügen. Kopf: Eine hohle Wolle am Kopf gilt als Zeichen von Wollarmut. Widerriſt: Der Fehler des Zwirnens offenbart ſich hier am Bauche zuerſt; flattrige oder längere offene Wollen ſcheiteln ſich hier am Widerriſt und gaben dadurch die Be⸗ günſtigung ungünſtiger äußerer Einflüſſe. Der übelſtand findet ſich in um ſo höherem Maße, wenn der Körper des Schafes hinter dem Widerriſt eingeſchlagen und wenn der Rücken ſchmal iſt, ſo daß Widerriſt und Rückgrat heraus⸗ ſtehen. Keule: Da die Ausdehnung dieſer Stelle ziemlich groß iſt, ſo leuchtet es ein, daß hier die verlockendſte Stelle iſt, um —3, ½—— 157 Die innere Beſchaffenheit des Vlieſes. die Wolle durch paſſendere Auswahl der Zuchttiere zu ver⸗ edeln. Bauch: Die geringere Beſchaffenheit der Bauchwolle hat den hauptſächlichſten Grund in äußeren Einflüſſen. Je mehr dieſe durch reichliche Einſtreu und zweckmäßige Haltung be⸗ Abb. 60. Einteilung des Schafes nach dem Feinheitsgrad der Wolle. Die Güte der Wolle nimmt ab, je höher die Zahl ſteigt. ſeitigt werden, um ſo mehr nimmt die von Natur feinere Bauchwolle auch in Beziehung auf ihre übrige Brauchbarkeit zu. Ein gut bewollter Bauch iſt immer ein gutes Zeichen. Der untere Teil der Füße trägt eine kürzere Wolle von viel geringerer Beſchaffenheit. Je nach der Zuchtrichtung hat man mehr oder weniger gut bewollte Füße; aber ein dichter bewollter Unterfuß gilt 158 Zweiter Teil. Wollkunde. als Zeichen einer guten Bewachſenheit. Bei Unterſuchung von Zuchttieren, beſonders Zuchtböcken, iſt es von Wichtigkeit, die Wolle an den benannten Körperteilen zu prüfen. Handelt es ſich darum, ſich ein flüchtiges Urteil zu verſchaffen, ſo genügt es, die Unterſuchung auf die Hauptteile(Blatt, Kreuz, Schwanzwurzel) zu erſtrecken. Über die Beurteilung des Vlieſes im ungewaſchenen Zu⸗ ſtande auf dem Schafe habe ich bereits im Teile der Züchtungs⸗ kunde das Nötige erwähnt. Was die Beurteilung des ge⸗ waſchenen Vlieſes betrifft, ſo beſteht die wichtigſte Verände⸗ rung in einer Verringerung der Stapelhöhe, welche durch Zu⸗ ſammenziehen und Ineinanderlaufen der Kräuſelungsbögen⸗ herbeigeführt wird. Auch ſonſt beobachtet und prüft man die Wolle auf die Elaſtizität, Krimpkraft uſw., wie erwähnt. Der Geruch iſt ebenfalls maßgebend; je aromatiſcher und kräftiger derſelbe iſt, deſto mehr Nerv hat die Wolle. Eine weitere Be⸗ urteilung der Wolle kann durch Entfetten derſelben mittelſt Schwefelkohlenſtoffes vorgenommen werden. Schließlich läßt ſich die Wolle nach Proben beurteilen. Bei der Wertſchätzung des Vlieſes kommt die Wollmenge und das Vliesgewicht in Betracht. Der Wollertrag eines Schafes iſt unbedingt nach dem Gewichte zu bemeſſen und des⸗ halb gleichbedeutend mit dem Schurgewicht; dieſes wiederum ſteht in engen Beziehungen zur Größe und Art des Woll⸗ feldes, zum Gehalt an Fettſchweiß und zum Körperumfang. In allen dieſen Punkten weiſen die jetzigen Schurerträge unſerer Herden entſchieden gegen früher einen großen Fort⸗ ſchritt auf. Weder die Richtung der Elektorals und Negrettis, noch die der Rambouillets haben je eine beſſere Bewertung gefunden, als die jetzt ſo weit verbreitete Richtung der Kamm⸗ wolle, denn die heutigen Züchter haben die Größe des Woll⸗ feldes durch Figuren geſteigert und die Bildung des Fett⸗ ſchweißes durch Züchtung von längeren fettſchweißfreieren Wollen auf ein beſtimmtes Maß zurückgeführt. Man unter⸗ ſcheidet nur ein Vlies⸗, Schur⸗ und Wollgewicht. Unter Vlies⸗ gewicht verſteht man das Gewicht der Wolle im ungewaſchenen Zuſtande, unter Schurgewicht das Gewicht derſelben nach der Wäſche im kalten Waſſer(Rückenwäſche). Unter Wollgewicht bezeichnet man aber das Gewicht der Wolle nach der Entfernung des Wollfettes oder nach vor⸗ Die innere Beſchaffenheit des Vlieſes. genommener Fabrikwäſche. Es iſt klar, daß das Vlies⸗ und Schurgewicht nicht das wirkliche Gewicht angeben, denn es wird hervorgebracht durch die Menge der Wolle und die Menge des Wollfetts, man bezeichnet dieſe als ſcheinbare Gewichte; das Wollgewicht dagegen als wirkliches Gewicht. Das ſcheinbare Gewicht zeigt uns die Qualität der vom Schafe erzeugten Wolle im Zuſtande der Handelsware, der, bald mehr oder weniger gut, den Preis der Wolle beſtimmt, und dient daher dem Wollproduzenten zur Feſtſtellung des Er⸗ tragswertes des Schafes für den ſpeziellen Fall. Das übrige Gewicht gibt für die Fabrikation nutzbare Quantität der Woll⸗ maſſe und bietet daher dem Wollkäufer die feſte Grundlage zur Wertbeſtimmung eines Vlieſes. Die Vergleichung des ſcheinbaren mit dem wirklichen Gewicht iſt für den Käufer einer der wichtigſten Punkte zur Wertbeſtimmung der Wolle, denn das wirkliche Wollgewicht gibt beſonders Aufſchluß über den mehr oder weniger großen Fettgehalt einer Wolle, und hierauf beruht das Verſtändnis, die Wolle nach Güte und Wollausbeute abzuſchätzen, das heißt: das Rendement einer Wolle zu beſtimmen. Der Fabrikant ſchätzt den Wert einer Wolle reſp. eines Vlieſes auch nach dem„Rendement“ ein. Man verſteht unter dem Rendement einer Wolle ihren Gehalt an reiner Wollfaſer, vermehrt um den normalen Feuchtig⸗ keitsgehalt, den eine gereinigte Wolle nach längerer Lagerung aufweiſt; er beträgt 16— 17% vom Eigengewicht der Wolle. Eigentlich iſt das Rendement einer Wolle genau erſt nach erfolgter Reinigung feſtzuſtellen, man kann es aber, einige Übung vorausgeſetzt, auch ſchon auf dem Tiere reſp. geſchoren ſchätzen. Die Durchſchnittswerte des Rendements dürften in folgenden Zahlen annähernd richtig wiedergegeben ſein: Deutſche Schweißwolle hat ein Rendement von. 31—39% Deutſche Rückenwäſche„„. 5 55— 65% .. Pommerſche Schweißwolle hat ein Rendement von 24— 34% Thüringiſche Schweißwolle hat ein Rendement von 28—34% Poſenſche Schweißwolle„„„„ 32— 39% Auſtraliſche Schweißwolle„„„„ 40— 45% Auſtraliſche Rückenwäſche„„„„ 75 82% Buenos⸗Aires⸗Wolle,„,„,„ 38— 44% Montevideo⸗Wolle„„„„ 38— 44% 160 Zweiter Teil. Wollkunde. Kap⸗Wolle, Rückenwäſche hat ein Rendement von 75— 88% Kap⸗Wolle, Schweißwolle,„„„ 35— 58% Engliſche Wolle 8„ 40— 45% Kreuzungswolle„,„„ 39— 43% Die Wolle nach Alter und Geſchlecht. 1. Lammwolle, die Wolle, die im Frühjahr oder einige Monate ſpäter den Lämmern abgeſchoren wird. Sie heißt auch Jährlingswolle, wenn ſie erſt mit 10—12 Monaten ge⸗ ſchoren wird, und führt dieſen Namen auch dann noch, wenn eine frühere Schur wenige Monate nach der Geburt ſtatt⸗ gefunden hat. In dieſem Falle wäre die Jährlingswolle als zweite Schur zu betrachten. Die Lammwolle zeichnet ſich immer durch große Zart⸗ heit und Weichheit ſowie durch einen eigentümlichen Glanz aus. Sie kann für ſich allein nicht gut verarbeitet werden, hat aber, mit anderen Wollen vermiſcht, einen ſehr großen Wert für beſtimmte Fabrikate; namentlich können feine melierte Stoffe allererſter Qualität ohne ſie nicht hergeſtellt werden. Der Preis der Lammwolle iſt außerordentlich ſchwan⸗ kend; zuweilen wird ſie bedeutend beſſer als die Schurwolle bezahlt, bald wird die längere, bald die kürzere Wolle be⸗ vorzugt. Gewöhnlich ſteht die Lammwolle 5— 10 Mk. höher als die Mutterwolle. 2. Jährlingswolle. Dieſe ſteht hinſichtlich der Feinheit und Zartheit gewöhnlich höher, in Nerv und Haltbarkeit dagegen meiſt niedriger als die Wolle älterer Tiere. Iſt ſie kräftig und gleichmäßig gewachſen, nicht ſchlaff oder hunger⸗ fein, ſo kann ſie, als Einſchlag verſponnen, zur Herſtellung der allerſchönſten, ſanfteſten und feinſten Tücher verwendet werden. Der Käufer pflegt beim Einkauf beſonders die Jähr⸗ lingswolle zu beſichtigen, weil er aus ihr am leichteſten er⸗ ſieht, mit welcher Sorgfalt die betreffende Herde gezüchtet wird und welche Qualitäten er daher in der Partie er⸗ warten darf. 3. Bei der Wolle der älteren Tiere unterſcheidet man Bock⸗, Mutter⸗ und Hammelwolle. Die Bockwolle iſt in der Regel vorzüglicher Qualität, da man nur die beſſeren Tiere als Böcke benutzt. Sie beſitzt meiſtens große Haltbarkeit, iſt Die Wolle nach Alter und Geſchlecht. 161 auch gewöhnlich von ziemlicher Länge und wird daher gern zur Kette verſponnen und verarbeitet. Die Mutter⸗ und die Hammelwolle bilden natürlich die Hauptmaſſe aller Wollen. Die erſtere beſitzt immer den Vorzug größerer Feinheit und Zartheit, während letztere ſich durch Elaſtizität, Nerv und Kraft auszeichnet. Das erſcheint auch ganz natürlich, weil die Mutterwolle während der Ernährung des Lammes, wenn nicht eine ſehr ſorgſame Pflege und Ernährung ſtattfindet, leicht mehr oder weniger ſtarke Abſätze erhält. Man ſchert die Schafe entweder ein⸗ oder zweimal im Jahre. Bei der Zweiſchur unterſcheidet man die Winterwolle, im Frühjahr geſchoren, und die Sommerwolle, im Spätherbſt geſchoren. Die wertvollſte Wolle iſt immer diejenige, welche länger auf dem Schafe geſtanden hat; die Winterwolle kann nur 6 bis 7 ½ Monate, die Sommerwolle nur etwa 5 Monate alt ſein; dies richtet ſich ganz nach der Handhabung der Schur reſp. Lammung. Wolle ohne nähere Bezeichnung gilt als Ein⸗ ſchur, alſo als volle Jahreswuchswolle. Ferner unterſcheidet man Schur⸗, Rauf⸗, Sterblings⸗ und Gerberwolle. Schurwolle wird die durch die Schur der Tiere, alſo die ganz in ihrer natürlichen Beſchaffenheit gewonnene Wolle genannt, Raufwolle heißt die von den Schafen nach einer. Krankheit abgeſtoßene und dann abgeraufte, unkräftige Wolle, Sterblingswolle nennt man die von Fellen abgeſchorene und Gerberwolle, die beim Gerben der Felle abgebrachte Wolle. Bei der Schurwolle unterſcheidet man Vlieswolle, die aus ganzen zuſammenhängenden Vlieſen beſteht, und Locken⸗ wolle, d. h. die abfallenden kleineren, ſchmutzigeren Woll partien der Gliedmaßen. Unter Griff und Natur der Wolle verſteht man das Ver⸗ halten der Wolle in der Volumenveränderung. Bei Beſichti gung einer Wolle greift der Fabrikant aus dem Ballen ein volles Quantum heraus und preßt dasſelbe durch feſtes Schließen der Hand zuſammen. Vermindert ſich das Volumen wenig, ſo heißt der Griff voll und iſt ein Beweis dafür, daß die Wolle dicht und gleichmäßig iſt; nimmt aber der Griff Wolle, nachdem die Hand ſich geöffnet hat, ſein früheres Vo⸗ lumen ſchnell wieder an, ſo quillt die Wolle und zeigt hohe Geſchmeidigkeit. Der Fabrikant liebt ſolche Wolle. Der Griff Heyne, Schafzucht. 4. Auflag 11 162 Zweiter Teil. Wollkunde. iſt hohl und leer, wenn ſich das Volumen ſehr vermindert. — Mit dem Worte„Natur“ bezeichnet der Fabrikant vor⸗ zugsweiſe das Geeignetſein der Wolle für die Fabrikation. Die Schur. Der Ort, an welchem die Schur ſtattfinden ſoll, richtet ſich ganz nach den Lokalitäten. Derſelbe muß gut gereinigt und völlig ſtaubfrei ſein. Soll die Schur gut ſein, ſo muß das Abſcheren möglichſt dicht an der Haut und ganz glatt vorgenommen werden. Das Vlies muß in ſeinem natür⸗ lichen Zuſtande erhalten bleiben und darf nicht beſchmutzt werden. In welcher Weiſe geſchoren wird, iſt genügend be⸗ kannt. Empfehlenswert ſind die einfachen engliſchen Schaf⸗ ſcheren; die Schermaſchine(Hauptner in Berlin) iſt nur bei faltenloſen Tieren angebracht. Bevor die Wolle auf den Markt gebracht wird, iſt das Zuſammenlegen, Binden und Verpacken derſelben vorzunehmen. Sobald ein Schaf ge⸗ ſchoren iſt, ſollte ſein Vlies gewogen, die haarigen und ſchmutzigen Stücke, welche ſich am Bauche und an den Hinter⸗ beinen befinden, abgeriſſen und die Futterreſte herausgeleſen werden. Nachdem das Vlies von allen verſchlechternden An⸗ hängſeln befreit iſt, legt man dasſelbe zuſammen, ſchiebt ſeine Mitte in den Stapeln zuſammen, packt, wenn einzelne, abge⸗ riſſene, weiße Stücke vorhanden ſind, dieſe ſo auf das Vlies, daß ſie mit ihrem Schnittende auf die Stapelgipfel zu liegen kommen, ſchlägt zuerſt die beiden Bauchſeiten ein, doch ſo, daß kein Rand über den anderen hinausreicht, verfährt ebenſo bei dem Kopfe und Schwanzende und klappt das Ganze in der Mitte noch einmal zuſammen, rollt die ſo entſtandene Wulſt von den beiden Enden her gleichmäßig zuſammen und bindet das auf dieſe Weiſe würfelartig geformte Vlies kreuzweiſe mit einem Bindfaden. In manchen Gegenden legt man zwei bis drei Vlieſe aufeinander. Es iſt dann darauf zu achten, daß das Schnittende des zweiten Vlieſes auf das Gipfelende des erſten uſw. und Hals auf Hals zu liegen kommt. Man ſollte unter allen Umſtänden nicht zu feſt packen, ſodann die ein⸗ zelnen Gattungen, wie Mutter⸗, Bock⸗, Hammel⸗, Jährlings⸗, Lamm⸗ und Lockenwolle für ſich getrennt in Ballen verpacken. Bei Schweißwollen ſoll die Wolle, ehe ſie verpackt wird, zwei bis drei Tage auf trockenem Boden offen liegen bleiben. Eine ſpezielle Sortierung der Wolle nach Feinheit ſeitens des Produzenten halte ich für unnötig, weil der Fabrikant —— Kontrakte. doch die Wolle nach eigenem Sortiment ſortieren muß. Über den Verkauf läßt ſich folgendes ſagen: Der Verkauf der Wolle macht heute lange nicht mehr die Schwierigkeiten wie früher; Gelegenheiten, die Wolle los⸗ zuwerden, ſind heute viel häufiger geboten. Man iſt nicht mehr auf den Wollmarkt oder Händler angewieſen, denn man kann ja die Wolle zur Auktion ſchicken. In ſeinem Buche Wollproduktion und Wollhandel ſchreibt Dr. W. Senkel über den Verkauf deutſcher Wollen folgendes: a) Der Kontraktverkauf. Abgeſchloſſen werden Kontrakte längere oder kürzere Zeit vor Beginn der Schur, und zwar ebenſogut ſchon mitten im Winter, als auch erſt einige Wochen vor Beginn der Schur. Obgleich die Wolle zur Zeit des Abſchluſſes ſich ſtets noch im Schmutz befindet— denn gewaſchen werden die Schafe erſt einige Tage vor der Schur—, ſchloß man doch früher ſtets die Kontrakte bei der allgemeinen Abneigung gegen Schweiß⸗ wolle über Rückenwäſche ab. Wie dieſe ausfallen wird, kann der Käufer nicht im voraus beurteilen; er iſt dabei ganz auf die Ehrlichkeit des Beſitzers der Schafe angewieſen, und in dem Kontrakt wird deshalb ſtets gute Wäſche zur Bedingung gemacht. Streit kann hierbei leicht vorkommen. Sicherer ſind in dieſer Beziehung die Kontrakte über Schmutzwolle, die von den Franzoſen zuerſt in Süddeutſchland eingeführt wurden und heute wohl die üblichſten ſind. Über den erfolgten Abſchluß erteilen ſich die Kontrahenten regelmäßig ſchriftliche Beſcheinigungen, die alle nötigen Einzelheiten enthalten. Nachſtehend gebe ich einen Kontrakt über Rückenwäſche und über Schmutzwolle. Die von Elsner erwähnten Prämien⸗ abſchlüſſe, wobei im Schlußzettel feſtgeſetzt wurde, daß der Ver⸗ käufer gegen Zahlung vom Kontrakt zurücktreten könne, ſind heute, ſoweit mir bekannt, nicht mehr üblich. Kontrakt über einen Abſchluß von Rückenwäſche. Ich Endesunterzeichneter kaufte heute von Herrn die diesjährige Schurwolle des Dominiums— zum Preiſe von Mk. für 50 kg mit 5% für Locken, 4% für Tara. Die Wolle muß mit guter Wäſche und Trockenheit per(An⸗ 11⸗ 164 Zweiter Teil. Wollkunde. fang Juni) franko Bahnhof.— geliefert werden. Das Bahngewicht iſt maßgebend. Als Angeld zahlte ich.Mk. Unterſchrift des Käufers. Der vom Verkäufer ausgeſtellte Kontrakt lautet genau dementſprechend. Kontrakt über einen Abſchluß auf Schmutzwolle. Ich Endesunterzeichneter kaufte heute von Herrn— die diesjährige Wolle des Dominiums— ungewaſchen zum Preiſe von Mk. für 50 kg netto. Säcke werden frei ge⸗ liefert. Die Wolle muß trocken und ohne Klunkern franko Bahnhof per(Datum) geliefert werden. Das Bahn⸗ gewicht iſt maßgebend. Als Angeld zahlte ich Mk. Unterſchrift. Der Reſt des Kaufpreiſes muß ſofort nach Empfang der Ware bezahlt werden. Hervorgehoben darf vielleicht der Unterſchied werden, daß Schmutzwolle nach dem wirklichen Nettogewicht gehandelt wird, alſo nach Abzug des vorher ermittelten Gewichtes der Säcke, während Schurwolle brutto gehandelt wird, wobei aber her⸗ kömmlicherweiſe 4% für Tara und 5% für weniger gute Locken vergütet werden. Die Rechnung erhält dann folgender Geſtalt: 100 Zentner Schurwolle. ab 4% Tara= 4— 96 Zentner à 150,00 Mk.= 14 400,00 Mk. für Locken 5%= 720,00„ 13 680,00 Mk. 9% glatt, was einfacher wäre, aber einen kleinen Nach⸗ teil für den Verkäufer bedeuten würde, wird nie abgezogen. Die hier angeführten Bedingungen ſind auch bei ſonſtigen Verkäufen deutſcher Wolle, vor allem im Marktverkehr, all⸗ gemein üblich. b) Der Kauf geſchorener Wolle auf dem Lande. Iſt die geſchorene Wolle beſichtigt und haben ſich beide Parteien über den Preis geeinigt, ſo ſtellen ſie ſich gegenſeitig die oben angeführten ähnlichen Beſcheinigungen aus. Die Wollkunde. 165 Bedingungen ſind ebenfalls die gleichen; auch wird ſofort eine Anzahlung geleiſtet, während der Reſt der Kaufſumme nach Erhalt der Wolle in bar und ohne Abzug zu zahlen iſt. Der Gutsbeſitzer hat Wolle franko nächſter Bahnſtation zu liefern, während ſie von dort aus auf Koſten und Gefahr des Empfän⸗ gers weitergeht. Fakturiert wird das Bahngewicht. Mit der Verbeſſerung und Verbilligung der Transport⸗ verhältniſſe durch Eiſenbahn und Poſt iſt bei dieſer Form des Kaufes oft eine Abänderung eingetreten, dahingehend, daß an Stelle der perſönlichen Beſichtigung beim Produzenten der Kauf auf Muſter hin erfolgt. Die oben geſchilderte Art des Einkaufs auf dem Lande wird beſonders von den Händlern be⸗ vorzugt, die auf dieſe Weiſe bis auf den heutigen Tag den größten Teil ihres Bedarfes decken. Nachſtehend noch eine Umrechnung der Höchſtpreiſe der fabrikgewaſchenen Wolle auf Schmutzwollpreiſe. Dieſe Um⸗ rechnung der Preiſe iſt nicht nur jetzt, ſondern auch für die Zukunft wichtig. Es ſchreibt darüber Direktor Engelke in der landwirtſchaftlichen Zeitung Georgine folgendes: Der Landwirt lieſt in den Bekanntmachungen des Kriegs⸗ miniſteriums immer nur die Höchſtpreiſe, die ſich auf die in den Wollwäſchereien hergeſtellte fabrikgewaſchene Wolle be⸗ ziehen und findet da die folgenden 12 Preisabſtufungen: Eine fabrikgewaſchene Wolle 4 in AAAA-Feinheiten bringt als Höchſtpreis 15,75 Mk., AAA-„ 14,75 AA- 13,75 A-„„ 13,— 7 A/B- 12,25 7 B* 11,50„ B/C- 10,75 7 C-„ 9,95 7 C/D- 9,05 7f-„ 8,1 5 7 „ D/E- 55„„„ 7,25* 7 E 2„ 6,45 wovon für Waſch⸗ und Sortierlohn 47 ½ Pfg. pro Kilogramm reingewaſchenes Produkt heruntergehen. Dieſe Preiſe beziehen ſich auf ausgewachſene, volljährige, fehlerfreie Wollen, wäh⸗ 1 66 Zweiter Teil. Wollkunde. rend fehlerhafte, futterige, das heißt mit vielen Stroh⸗ und Heuteilen beſetzte Wolle, Abſchläge von 5% haben. Kurze, zweimal im Jahr geſchorene Wollen erhalten einen Abſchlag von 5— 10%, Brand, Lockenteile ſowie ſchwarze und graue Teile Abſchläge von 5— 7 ½%. Hiermit weiß der Landwirt wenig oder nichts anzu⸗ fangen, weil ihm die ſcharfen Abſtufungen der Feinheitsgrade nicht geläufig ſind, er empfindet es als einen Fehler, daß nicht für Wollen im ungewaſchenen Zuſtande Höchſtpreiſe feſt⸗ gelegt ſind und die Frage liegt nahe, ob denn das nicht mög⸗ lich geweſen wäre. Dieſe Frage muß aber mit einem Nein beantwortet werden, denn wenn es durchführbar geweſen wäre, Höchſtpreiſe für ungewaſchene Wollen feſtzulegen, dann hätte das Kriegsminiſterium es zweifellos getan. Wir wollen nun die Gründe unterſuchen, warum für un⸗ gewaſchene Wollen nicht Einheitspreiſe feſtgelegt werden kön⸗ nen. Die ungewaſchenen Wollen ſind ſehr ungleich, ſowohl be⸗ züglich ihrer Feinheit als auch vor allem in ihrem Waſch⸗ ergebnis; die Waſchergebniſſe ſchwanken je nach Feinheits⸗ graden zwiſchen 26 und 48%. Je feiner eine Wolle iſt, deſto ſchwerer fällt ſie aus, und Hand in Hand damit geht das Waſchergebnis; ſie wäſcht weniger, bringt dafür als fabrik⸗ gewaſchenes Produkt einen höheren Preis. Und umgekehrt, je gröber die Wolle ausfällt, deſto mehr reingewaſchenes Produkt ergibt ſie in der Wäſche, ſie hat alſo ein größeres Waſchergebnis, bringt dafür aber als fertig ge⸗ waſchenes Produkt einen niedrigeren Preis. Auf dieſe Weiſe wird der Ausgleich geſchaffen für die einzelnen Feinheits⸗ grade der Wollen. Da nun eben die Feinheitsgrade der deutſchen Wollen je nach ihren Feinheitsgraden ſo ſehr ungleichmäßig ſind und voneinander abweichen, iſt es unmöglich, Höchſtpreiſe für un⸗ gewaſchene Wollen zu beſtimmen. Erſt das Waſchergebnis und der Preis des fabrikgewaſchenen Produktes der einzelnen Feinheitsgrade ergeben die Errechnung für den Wert der ungewaſchenen Wolle. Wir wollen das an einigen Beiſpielen zu erklären verſuchen, wobei von vornherein bemerkt werden muß, daß dieſe Beiſpiele nicht etwa den Zweck verfolgen, den Wert der Wolle in einzelnen Feinheitsgraden feſtzulegen, ſie ſollen lediglich dem Landwirt ein Mittel ſein, ſich den Wert Wollkunde. 167 der ungewaſchenen Wolle an Hand von Waſchergebnis, Fein⸗ heitsgrad und Höchſtpreis des fabrikgewaſchenen Produktes errechnen zu können, denn erſt unter Zugrundelegung von Waſchergebnis, Feinheitsgrad und dem entſprechenden Höchſt⸗ preis kann der Wert der ungewaſchenen Wolle ermittelt wer⸗ den. Die in den einzelnen Beiſpielen für ungewaſchene Wollen herausgerechneten Preiſe ſollen alſo, um noch einmal zu wieder⸗ holen, nur den Wert eines Beiſpiels haben. Nehmen wir alſo beiſpielsweiſe an, daß eine Wolle in AA-Feinheit 30% ergibt, d. h. von 100 Pfund ungewaſchener Wolle, die in die Maſchine wandern, kommen 30 Pfd. reine getrocknete fabrikgewaſchene Wolle heraus; das Kilo fabrik⸗ gewaſchene Wolle einer AA-Feinheit bringt, in der Voraus⸗ ſetzung, daß es ſich um lange, fehlerfreie Wolle handelt, den von Staat feſtgeſetzten Höchſtpreis von.. 13,75 Mk., wovon für Waſch⸗ und Sortierlohn... 0,47 ½„ abgehen, mithin netto.... 13,27 ½„ pro Kilo übrigbleiben, das heißt, das Pfund fabrikgewaſchene Wolle hat einen Nettowert von 6,63 Mk., mithin die vorher erwähnten 30 Pfd. fabrikgewaſchene Wolle, die aus den 100 Pfd. ungewaſchene Wolle entſtanden ſind, 306,63 Mk. '= 198,97 oder abgerundet 199 Mk., ſo daß alſo die urſprüng⸗ lichen 100 Pfund ungewaſchene Wolle dieſer AA-Feinheit einen Wert von 199 Mk. haben würde. Handelt es ſich um eine kürzere, etwa zweimal im Jahre geſchorene Wolle, ſo würde ſich der Preis um etwa 5% verringern, weil der Höchſtpreis von 13,75 Mk. pro Kilo nur für fehlerfreies, ausgewachſenes vollſchüriges Material bezahlt wird, dagegen kürzere Wollen mit Abſchlägen von etwa 5% bedacht werden. Eine A-Wolle bringt in fabrikgewaſchenem Zuſtande den Höchſtpreis von 13 Mk. pro Kilo, wovon für Waſch⸗ und Sortierlohn 47 ½ Pfg. pro Kilo abgehen, mithin 12,52 ½ Mk. Nettopreis übrigbleiben, das heißt, das Pfund fabrikgewaſchene Wolle dieſer A-Feinheit bringt 6,26 Mk.; nehmen wir an, daß von 100 Pfd. ungewaſchener Wolle dieſer A-Feinheit, die in die Maſchine wandern, 33 Pfd. reingewaſchene und ge⸗ trocknete Wolle herauskommen, ſo würden dieſe 33 Pfd., die aus den 100 Pfd. ungewaſchener Wolle entſtanden ſind, 33 6,26 Mk., alſo 206,50 Mk. ergeben, das heißt alſo, die 100 Pfd. ungewaſchene Wolle in A-Feinheit hätten einen 168 Zweiter Teil. Wollkunde. Wert von 206,50 Mk.; auch hierbei iſt zu berückſichtigen, daß es ſich um eine vollſchürige Wolle handeln müßte, eine kürzere Wolle würde mit etwa 5% weniger bewertet werden. Als drittes Beiſpiel wollen wir den Wert einer Wolle in C-Feinheit umrechnen. Der Höchſtpreis des fabrikgewaſche⸗ nen Produktes in C-Feinheit iſt.. 9,95 Mk. pro Kilo, abzüglich Waſch⸗ und Sortierlohn 0,47 ½„ 77 abzüglich Waſch⸗ und Sortierlohn 0,47 ½„„ bleibt Nettopreis von... 9,471/½ Mk. pro Kilo übrig, das heißt das Pfund fabrikgewaſchene Wolle dieſer C-Feinheit bringt 4,73 Mk.; nehmen wir alſo an, daß von 100 Pfund ungewaſchener Wolle dieſer C-Feinheit 43 Pfd. reingewaſchene und getrocknete Wolle herauskommen, ſo wür⸗ den dieſe 43 Pfd., die aus den 100 Pfd. ungewaſchener Wolle entſtanden ſind, 43 4,73= 203 Mk. ergeben, das heißt alſo die 100 Pfd. ungewaſchene Wolle in C-Feinheit hätten einen Wert von 203 Mk.; auch hierbei iſt zu berückſichtigen, daß es ſich um eine vollſchürige Wolle handeln müßte, eine kürzere Wolle würde mit etwa 5% Aufſchlag bewertet werden. Als viertes Beiſpiel wollen wir den Wert einer Wolle⸗ in D-Feinheit errechnen. Der Höchſtpreis des fabrikgewaſchenen Produktes in D-Feinheit iſt... 8,15 Mk. pro Kilo, abzüglich Waſch⸗ und Sortierlohn. 0,47 ½„„„ bleibt ein Nettopreis von.... 7,67 ½ Mk. pro Kilo übrig, das heißt, das Pfund fabrikgewaſchene Wolle dieſer D-Feinheit bringt 3,83 Mk.; nehmen wir an, daß von 100 Pfd. ungewaſchener Wolle dieſer D-Feinheit 50 Pfd. feingewaſche⸗ nes und getrocknetes Produkt herauskommen, ſo würden dieſe 50 Pfd., die aus den 100 Pfd. ungewaſchener Wolle ent⸗ ſtanden ſind, 50 3,83= 191,50 Mk. ergeben, das heißt alſo die 100 Pfd. ungewaſchene Wolle in D-Feinheit hätten einen Wert von 191,50 Mk.; auch hierbei iſt zu berückſichtigen, daß es ſich um fehlerfreie, ausgewachſene Wollen handeln müßte, kürzere Wollen werden mit etwa 5% Abſchlag bewertet. Was nun die Waſchergebniſſe der deutſchen Wollen im allgemeinen anbetrifft, ſo ſtufen ſie ſich etwa in folgender Weiſe ab: Wollen in AAAA-Feinheit kommen in Deutſchland ſelten vor, ſie ergeben je nach Ausfall etwa 25—28 Pfd., e Wollkunde. 169 Wollen in AAA-Feinheit, die beſonders in Schleſien und Poſen ſchon häufiger vorkommen, je nach Be⸗ ſchaffenheit etwa 27—29 Pfd., newimse dar⸗ über, „ AA-Feinheit, je nach Ausfall 28—34 Pfd., ver⸗ einzelt darüber, „„ A-Feinheit je nach Ausfall und Beſchaffenheit, 30— 38 Pfd., vereinzelt darüber, „„ A/B-Feinheit, alſo eine auf der Scheidegrenze zwiſchen Rambouillet und Croßbred liegende, 36— 40 Pfd., vereinzelt darüber, 5„ B-Feinheit, die ja ſchon den Charakter der Croß⸗ bred⸗Wolle hat, 38— 42 Pfd. und darüber. Die Trocknung der Wolle erfolgt nae geſetzlich feſt⸗ gelegten Geſichtspunkten. Wollen in B/0-Feinheit 40— 43 Pſd. und darüber, „,„ C-Feinheit 42— 45 Pfd. und darüber, „ CD-/Feinheit 43— 46 Pſd. und darüber, „„ D-Feinheit 45— 48 Pſd. und darüber, „ D/E-Feinheit 47— 50 Pfd. und darüber, „ E-ÖFeinheit 48—53 Pfd. und darüber, Wir wollen jetzt einmal unterſuchen, wovon die Waſch⸗ ergebniſſe beeinflußt werden. In Landwirtskreiſen hört man oft eigentümliche Anſichten über Waſchergebniſſe ausſprechen, und zwar werden vom Landwirt die Waſchergebniſſe oft ganz erheblich überſchätzt, er kann ſich nicht vorſtellen, daß eine Wolle mehr als zwei Drittel vom Gewicht bei der Wäſche ver⸗ lieren ſoll. Die Wolle muß aber in der Wäſcherei ſo rein gewaſchen und ſcharf getrocknet werden, daß ſie ſpäter bei der Tuchfabrikation ſelbſt die ſchwierigſte Farbe gleichmäßig in ſich aufnimmt; ein unrein gewaſchene, alſo noch fettent⸗ haltende Wolle würde naturgemäß Farben nicht gleichmäßig aufſaugen können. Die gleichmäßige Aufnahme jeder Farbe iſt aber bei der Tuchfabrikation ein weſentlicher Punkt. Je leichter und trockener der Ausfall einer Schmutz⸗ wolle, je ſorgfältiger und reeller ihre Behandlung nach der Schur, deſto höher ihr Waſchergebnis. Futterverhältniſſe, Temperaturverhältniſſe im Stall, genügendes Streuſtroh oder Mangel an Stroh beeinfluſſen naturgemäß das Waſchergebnis der Wolle recht erheblich. Dritter Deil. Techniſche Verarbeitung der Wolle. Schon im Altertum verwendete man Tierhaare zur An⸗ fertigung von Geweben. Beſonders war und iſt es noch heute die Schafwolle, welche in der Verarbeitung eine wichtige Rolle ſpielt; die Benutzung anderer Tierhaare verſchwindet faſt. Die heutige Wollinduſtrie verarbeitet aber auch noch die Haare von verſchiedenen anderen Tieren zu Geweben; namentlich ſind noch folgende Rohſtoffe von Bedeutung: 1. Die feine, aber kurze Vigognewolle ſtammt von einer in Amerika lebenden Lamaart gleichen Namens und wird meiſt zu Strumpfgarn verarbeitet. 2. Die Alpakawolle rührt her von einer Art des Lama, dem Pako, Alpako. Das Wollhaar iſt vortrefflich in Glanz, Weichheit und Länge und wird in Verbindung mit anderen Stoffen viel zur Herſtellung von Modeſtoffen gebraucht. 3. Die Lamawolle, weniger bedeutend, wird meiſtens mit Alpakawolle gemiſcht. 4. Die Angora⸗ oder Mohairwolle ſtammt von der An⸗ goraziege. Das Haar ſelbſt hat eine wunderbar weiße Farbe, weshalb es viel verarbeitet wird. 5. Die Kaſchmirwolle beſteht aus dem feinen Grund⸗ haare der perſiſchen und tibetaniſchen Kaſchmirziege und wird viel zu Schals verarbeitet. 6. Endlich wird noch das Unterhaar des Kamels zu manchen Fabrikationszwecken gebraucht. Die Verwendung dieſer Wollen iſt nun eine ſpärliche; im reinen Zuſtande werden dieſelben faſt nie verarbeitet, ſondern * Tuchfabrikation. 171 ſtets der Schafwolle beigemiſcht. So verſchiedenartig auch die Wollfabrikation iſt, ſo verfolgt ſie doch in ihrem Betriebe zwei Hauptzurichtungen: 1. die Herſtellung tuchartiger Zeuge, 2. die Herſtellung glatter Wollenzeuge oder Kamm⸗ wollenzeuge. A. Tuchfabrikation. Im großen und ganzen unterſcheidet man die Wollen in lurdse und lange. Die kurzen Wollen werden Tuch⸗ oder Streichwollen ge⸗ nannt. Zu Halbkammgarnen dienen meiſt die Wollen von mittlerer Länge und Kräuſelung. Unter den Tuch⸗ oder Streichwollen ſtehen die Merinowollen obenan. Für die Tuch⸗ manufaktur ſind günſtig: deutſche Merinowollen, ſpaniſche, ungariſche Wollen, Kapwollen, auſtraliſche Wollen, La⸗Plata⸗ Wollen, ſüdruſſiſche Wollen. Die erſte Manipulation bezieht ſich auf die Sortierung der Wolle. Dieſes geſchieht in derſelben Weiſe wie bei der Kammgarnfabrikation, nur mit dem Unterſchiede, daß in der Tuchfabrik viel ſchärfer und genauer ſortiert wird. Man ſtellt folgende Sortimente auf: Super Elekta I, Super Elekta II, Elekta, Prima I, Prima II, Sekunda I, Sekunda II, Tertia. Natürlich ſind die Einteilungen ganz willkürlich genom⸗ men; ſo z. B. wurde in der Tuchfabrik von Hermann und Sohn in Biſchofswerda nach Nummern ſortiert. Nr. 13 kam gleich Super Elekta I, „ 12„„ Super Elekta II, „ 11 wurde ausgelaſſen, „ 10 kam gleich Elekta II, „„ Prima l, „ 8„„ Prima Il, „„„ Sekunda I, „ 6„„ Sekunda II, z 5„„ Tertia, 3 „ 4„„ Quarta. Iſt nun die Wolle ſortiert, ſo kommt ſie ebenſo wie in der Kammgarnfabrikation in die Wäſcherei, wird aber nicht 172 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. erſt gewolft, ſondern kommt direkt in den Leviathan, d. h. wenn die Wolle als Rückenwäſche eingekauft worden iſt; wenn ſie der Fabrikant in Schmutz gekauft hat, ſo iſt ſie einer Vor⸗ wäſche in warmem Waſſer zu unterwerfen. Da es Aufgabe des Streichgarnſpinners ſein ſoll, die Krimpkraft zu erhalten und womöglich zu erhöhen, ſo glaubt er dieſes am beſten er⸗ reichen zu können, wenn er die Wolle in Urin wäſcht; er ſagt ſich, Soda greift die Wolle zu ſehr an, ſie wird hart und barſch. Den Urin verdünnt man mit warmem Waſſer, er⸗ wärmt die Miſchung bis zu 38— 500 R und läßt die Wolle im erſten Baſſin 10—15 Minuten lang ſtehen, um dann durch die anderen Bäder zu gehen. In einigen Fabriken erſetzt man den gefaulten Urin künſtlich, wobei auf 100 kg Wolle 1 kg kohlenſaures Ammoniak kommt; bekanntlich enthält der gefaulte Urin freies und kohlenſaures Ammoniak. In anderen Fabriken wieder ſtellt man Laugen von Harz⸗ oder Fettkern⸗ ſeife her(5— 15 kg auf 100 kg Wolle). Hat die Wolle den Waſchapparat verlaſſen, ſo kommt ſie in ein Bad kalten Waſſers, um ſie vollends zu reinigen und zu entfetten. Ge⸗ rade bei der Tuchfabrikation ſpielt dieſer Akt eine große Rolle; denn je kälter das Spülwaſſer iſt, um ſo reiner und ſchöner wird die Wolle; die höchſte Temperatur iſt wohl 8⁰ R. Nachdem die Wolle die Spüle verlaſſen hat, muß ſie getrocknet werden. Dieſes geſchieht entweder durch die Zen⸗ trifugaltrockenmaſchine oder in einer Trockenſtube. Aus der Trockenſtube wird die Wolle entweder gefärbt, oder ſie kommt ungefärbt in die Spinnerei. Im erſteren Falle iſt zu bemerken, daß nur mit echten Farben gefärbt werden darf, z. B. mit Indigoblau. Die ge⸗ färbten Wollen kommen, ehe ſie in die Spinnerei gehen, nochmals auf den Trockenboden; die ungefärbten dagegen wandern ſofort in die Spinnerei. Bis hierher unterſchied ſich die Tuchfabrikation von der Kammgarnfabrikation ſehr wenig; von nun an aber ſchlagen beide Richtungen ihren beſonderen Weg ein; die Streichgarnſpinnerei verlangt möglichſt viel Faſerenden an der Oberfläche des Haares. Die Kräuſelung des Haares iſt erwünſcht, ganz beſonders aber die kurzen Wollen. Doch ehe wir zur Spinnerei übergehen, will ich noch einige Ergebniſſe über Wollverluſte der einzelnen Sorti⸗ mente geben. Während meines Aufenthaltes in der Tuch⸗ — Die Streichgarnſpinnerei. fabrik von Hermann und Sohn in Biſchofswerda im Jahre 1889 bin ich zu folgenden Reſultaten gelangt. Bei der Verſchiedenartigkeit der Wollwaſchverluſte der einzelnen Schäfereien, indem nur Rückenwäſchen verarbeitet wurden, differierte der Waſchverluſt in dem Sortiment Super Elekta II zwiſchen 51— 55%; dagegen zeigte Sortiment Prima 36— 45%, Sekunda 32— 35%; Tertia ſchwankte zwiſchen 25— 30%. Aus den verſchiedenſten, aber genau beſtimmten Reſul⸗ taten ergab ſich folgendes Durchſchnittsmittel: Der Waſch⸗ verluſt betrug bei Rückenwäſche im Sortiment: Nr. 13 Super Elekta I“)(konnte nicht ermittelt werden) „ 12„„ II 53.—56%e „ 10 Elekta 48— 52„ „ 9 Prima 1 44— 47„ 9 „ 3„ I 38—47„ 3 47 „ 7 Sekunda l 35 30„ 6, „ 6„ 1I 3045„ 30— 39% „ 5 Terlia 25— 29„ „ 4 Quarta(konnte nicht ermittelt werden). Die Streichgarnſpinnerei. Nach dem Waſchen und Trocknen reſp. Färben muß die Wolle zunächſt aufgelockert, dann aber auch von den Unreinig⸗ keiten befreit werden. Es geſchieht dies mittelſt Maſchinen, die den Namen„Wölfe“ führen und je nach dem Zwecke, welchem ſie dienen, verſchieden konſtruiert ſind. Man unter⸗ ſcheidet: Klopf⸗ oder Schlagwölfe, Reißwölfe, Klettenwölfe. In den Klopf⸗ oder Schlagwölfen ſoll der noch vor⸗ handene Staub aus der Wolle entfernt werden. Die Reiß⸗ wölfe haben die Aufgabe, ſämtliche Wollhärchen aus ihrer engſten Verbindung zu befreien und die einzelnen Wollhaare ſo kurz als möglich zu zerreißen ſowie die Wolle zu mengen. Um eine dritte Farbe zu erlangen, werden häufig zwei Woll⸗ farben gemiſcht, z. B. weiß und ſchwarz, was graue Wolle gibt; der Fabrikant nennt ſolche gemiſchte Wolle„Melange“. ¹) Super Elekta I und Quarta wurden nicht gewaſchen.— 174 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. Bei Melange wird zuerſt jede Farbe für ſich, erſt nach ge⸗ hörigen Mengen werden beide Farben zuſammen gewolft. Die Klettenwölfe haben die Aufgabe, die Wolle von der Klette zu befreien. Dieſelben ſind nach zwei Syſtemen kon⸗ ſtruiert: 1. Die Kletten werden aus der Wolle herausgeſchnitten. 2. Die Wollfaſer wird von der Klette abgezogen und dieſe ſomit iſoliert. Das Entkletten der Wolle findet in neueſter Zeit auch auf chemiſchem Wege ſtatt, durch Karboniſieren. Dieſes Verfahren beſteht darin, daß man die Wolle mit ver⸗ dünnter Schwefel⸗ oder Salzſäure behandelt; die Wollfaſer wird hierdurch nicht angegriffen, während die vegetabiliſchen Subſtanzen durch Einwirkung der Säure verkohlen und die verkohlten Kletten durch Verarbeitung in einem Schlagwolf ausgeſchieden werden. Ehe die Wolle verarbeitet werden kann, muß ſie geölt oder gefettet werden. Der Zweck des Einölens iſt, die Wolle zum Krempeln und Spinnen tauglicher zu machen; der des Einfettens geht dahin, der Wolle auf künſtlichem Wege einen höheren Grad von Elaſtizität zu verleihen, um ſie fähiger zu machen, einmal den angreifenden Manipulationen beim Verarbeiten ſtärkeren Widerſtand zu leiſten, dann aber auch, um das Aneinanderlegen der Haare zu erleichtern und dadurch ein glattes, haltbares Garn zu erzielen. Zum Einfetten eignet ſich am beſten dünnes flüſſiges Ol, welches ſchwer oder gar nicht austrocknet und keinen der Wolle ſchädlichen Sand noch auch Alkalium enthält; man verwendet dazu Baumöl, Rüböl, Tran, Olein, welches aber frei von Schwefelſäure ſein muß; auf 50 kg Wolle 6 kg Ol. Je feiner die Wolle iſt, deſto mehr Ol iſt notwendig; bereits gefärbte Wolle bedarf mehr als weiße. Das Einölen ſelbſt geſchieht entweder mit der Hand oder mittelſt automatiſch wirkender Einölapparate, welche an dem Wolfe ſelbſt angebracht ſein können, oder ver⸗ mittelſt eines Olerwolfes ſelbſt. Bei Anwendung der letzteren wird nicht nur Zeit erſpart, ſondern die Miſchung und Ver⸗ teilung des Ols auf die Wolle findet auch weit gleichmäßiger ſtatt. Die gewolfte Wolle bringt man in Körbe und übergibt ſie der nächſten Maſchine, der Krempel. Das Krempeln, auch Streichen(daher der Name Streichgarn), Kratzen oder Kar⸗ tätſchen genannt, wird durch die Maſchine der Krempel aus⸗ Die Streichgarnſpinnerei. 175 geführt. Der Zweck des Krempelns der Wolle iſt, die ein⸗ zelnen Haare noch mehr zu zerreißen und möglichſt viel Rich⸗ tungen miteinander zu verwirren, teils um ſie inniger zu verfilzen, teils um mehr Haarenden zu erhalten, die ſich an die Oberfläche ziehen laſſen. Der weitere Zweck iſt, die Woll⸗ haare zu einer gleichförmigen Maſſe umzuwandeln, um ſie zum kräftigen Filzen vorzubereiten. Weiter werden die noch vorhandenen Unreinigkeiten ſowie die zu kurzen Härchen ab⸗ geſondert. Zu dieſem Prozeſſe werden drei, zuweilen vier Krempeln angewendet, nämlich eine Reißkrempel, eine Pelz⸗ krempel und eine Vorſpinnkrempel. Der Gang der Fabri⸗ kation iſt folgender: Die gewolfte Wolle wird auf dem Zufuhr⸗ tiſch der Reißkrempel in gleichmäßigen Mengen aufgelegt und durch Krempel ſelbſt ſo zerteilt, daß die Haare in gleicher Richtung nebeneinander und in ununterbrochener Aufeinander⸗ folge als ein zuſammenhängendes Stück, als Pelz, hervor⸗ kommen. Die Reißkrempel vereinzelt die Wollhaare noch bei weitem nicht ſo, als es für ein gutes Garn notwendig iſt. Um ſie noch mehr zu vereinzeln, bringt man den von der Reißkrempel erzeugten Pelz oder Vlies auf die Pelzkrempel, wo dieſelbe Bearbeitung, nur mit feineren Kratzenbeſchlägen vor ſich geht. Das Vlies darf hier nicht der Lage der Haare entſprechend aufgelegt, ſondern muß gekreuzt, d. h. ſo auf den Zufuhrtiſch gelegt werden, daß das Wollhaar querüber zu liegen kommt. Obgleich die Pelzkrempel die Wollhaare feiner zerteilt, ſo wird doch durch das Kreuzen bewirkt, daß die Haare durcheinanderkommen. Von der Pelzkrempel iſt der bearbeitete Pelz regelmäßig abzunehmen und in derſelben Richtung der Vorſpinnkrempel zu übergeben. Dieſe, mit noch feineren Kratzenbeſchlägen verſehen, bewirkt eine noch feinere Zubereitung der zuſammenhängenden Wollhaare und voll⸗ endet die Vermengung der Farben und die Regelmäßigkeit der Lage der Wollfaſer. Das Krempeln endet mit den von dem Vorſpinnkrempel erhaltenen, loſe zuſammengehaltenen Vorgarnfäden, die, von Walzen aufgenommen, in dieſem Zu⸗ ſtande der Feinſpinnmaſchine übergeben werden. Der Zweck der Feinſpinnmaſchine iſt, das loſe Vorgarn vermittelſt Drehung und Ausziehung zu einem feſten Faden zu bringen. Das Ausziehen bewirkt die Feſtigkeit nicht allein, daneben muß auch gedreht werden, um Haltbarkeit hervorzurufen. Die 176 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. Drehung der Fäden kann lang oder kurz, rechts oder links ſein. Je feiner das Garn iſt, um ſo mehr Drehungen bedarf es; im allgemeinen hängt die Drehung von der Wolle, der Garnfreiheit und der Verwendung des Garnes ab. Nach der Verwendung des Garnes richtet ſich ſeine Drehung; man unterſcheidet Ketten-, Halbketten⸗ und Einſchlagdrehung. Die Kettendrehung muß ſelbſtverſtändlich ſo ſtark ſein, daß das Garn ſeinen nötigen Halt hat, wie ihn Ketten für Tuch er⸗ fordern. Unter Halbketten verſteht man ein Garn mit etwas ſcharfer Drehung, welches zu Schluß verwendet werden ſoll; Einſchlagdrehung iſt eine loſe Drehung, die wenigſtens ſo ſtark ſein muß, daß das Garn das Abwinden von der Spule und das Schließen bei dem mechaniſchen Vorweben aushält. In Anbetracht der verſchiedenen ſcharfen Drehungen haben Garne von gleicher Nummer nicht die gleiche Fadendicke. So ſieht z. B. Kettengarn um eine Nummer feiner aus als loſe ge⸗ drehtes Schußgarn von gleicher Nummer und Färbung. Die Drehungsrichtung iſt für die Kette meiſtens von links nach rechts, für Schuß von rechts nach links. Wie bereits erwähnt, iſt der von der Vorſpinnkrempel erhaltene Faden auf der Feinſpinnmaſchine durch mehrmaliges Ausziehen und ſtärkeres Drehen in Garn zu verwandeln. Man unterſcheidet in der Tuchfabrikation drei Arten von Spinnmaſchinen: 1. die Water⸗ maſchine, 2. die Ringſpinnmaſchine, 3. den Selfaktor. Die ausführliche Beſchreibung dieſer Maſchinen iſt nicht Zweck dieſer Schrift, doch bleibe nicht unerwähnt, daß am meiſten der Selfaktor angewendet wird. Die Hauptteile eines Selfaktors ſind: das Streckwerk, der Kopf, der Wagen. Der Selfaktor verrichtet in beſtimmten Zeiträumen ver⸗ ſchiedene Arbeiten in ſtets gleicher Reihenfolge. Hierin liegt der Grund, warum er in faſt allen Spinnereien der Neuzeit angewendet wird. Durch geiſtreiche Kombinationen wirkt er ſelbſttätig, braucht wenig Menſchenhände zur Bedienung. Sind die Walzen durch die Feinſpinnmaſchine gefüllt, ſo wird das Garn abgehaſpelt. Der Umfang des Haſpelns ſowie die Garn⸗ maſſe zum Verkauf waren bis zur Einführung der einheit⸗ lichen Garnnumerierung ſehr verſchieden, man hatte acht Haupteinteilungen zu unterſcheiden, die in Deutſchland, Eng⸗ land und Frankreich in Gebrauch waren. Nach dem metriſchen Syſtem iſt der Haſpelumfang für Streichgarn zu 1,50 m vor Die Tuchweberei. 177 zuſchlagen oder er iſt in Einheit mit dem engliſchen Yard und den franzöſiſchen Aebräuchlichen Maßen für faſt alle Spinnſtoffe: 1,37 m. Die einheitliche Nummer gibt die An⸗ zahl der Stränge à 1000 m an, die auf 1 kg gehen. Sodann iſt die Nummer auf die Konditionierung zu baſieren, und zwar bis zum abſoluten Trocknen bei einem niedrigeren Tem⸗ peraturgrade, als derjenige iſt, bei welchem die Faſer ſich zerſetzt. Sind die Garne abgehaſpelt, ſo kommen wir zur Weberei. Die Tuchweberei. Nachdem der Spinner die geſponnenen Garne abgeliefert hat, können dieſelben nicht ſofort zur Weberei verwendet wer⸗ den; es ſind noch verſchiedene Vorbereitungen nötig, um die fertig geſponnenen Garne zu verwenden, ſei es Ketten⸗ oder Schußgarn. Mit der ſtrengen Unterſcheidung der Kette vom Schuß hat es die Weberei überhaupt zu tun, da der Begriff„Weben“, „Gewebe“ dieſe Unterſcheidung als unerläßlich vorausſetzt; denn unter dem Namen„Gewebe“ verſteht man eine durch Verſchlingung von zwei rechtwinklig gegeneinander gerichteten Fadenſyſtemen hervorgebrachte Fläche. Das Weben unter⸗ ſcheidet ſich vom Stricken dadurch, daß bei dieſem der Stoff durch einen einzigen Faden, durch ein Fadenſyſtem, welches künſtlich verflochten iſt, gebildet wird. Zur Anwendung kommt dasſelbe beim Verfertigen der Strümpfe, indem der Faden einfach zu Maſchen verſchlungen wird, während dieſe beim Stricken der Netze zur Befeſtigung mit Knoten verſehen wer⸗ den. Ein Strumpf kann daher durch Öffnen einer Maſche vollſtändig auseinandergezogen werden, ein Netz dagegen nicht. Von den beiden Syſtemen von Fäden, welche ein Gewebe bilden, läuft das eine der Länge nach und wird von dem anderen in transverſaler Richtung durchſchnitten. Erſtere Fäden bilden die Kette des Gewebes, während letztere Schuß (Einſchlag) genannt werden. Während die Fäden der Kette einzeln getrennt voneinander und demnach an den beiden Bändern zur Umkehr genötigt ſind, bilden die Schußfäden in der Regel ein fortlaufendes Band, welches jene von rechts nach links und von links nach rechts durchkreuzt. Hierdurch Heyne, Schafzucht. 4. Auflage. 12 178 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. entſteht an ſämtlichen Enden des Gewebes die ſogen. Kante, die man zum Zwecke des beſſeren Anſehens und der größeren Feſtigkeit des Stoffes ſehr häufig aus verſchiedenfarbigen Kettenfäden beſtehen läßt. Die Vorbereitungsarbeiten der Kette zerfallen in die Operationen des Spulens, Scherens, Leimens und Bäumens. Der Spinner liefert die Streichgarne in Form von Strängen; deshalb iſt das Spulen eine Notwendig⸗ keit. Das Spulen geſchieht auf die einfachſte Weiſe mittelſt eines dem Handſpinnrad ähnlichen Inſtrumentes; der Faden des Strähns wird von einer Garnwinde, welche ſich leicht drehbar auf einem Geſtelle bewegt, auf die Spule geleitet, die ſich auf einer mittelſt Treibrades in Drehung verſetzten Spindel befindet. Im großen Maßſtabe geſchieht das Spulen auf mechaniſchem Wege mittelſt der Kette. Scheren oder Schweifen heißt die Geſamtheit der zu einer Kette gehörigen Fäden in paralleler Richtung zu einer beſtimmten Länge unter derſelben Spannung miteinander vereinigen. Man be⸗ dient ſich dazu einer Vorrichtung, die Scherrahmen(Schweif⸗ rahmen) genannt wird. Auf die gewöhnliche Einrichtung eines Scherrahmens kann ich nicht eingehen; nur will ich noch an⸗ geben, was man unter der Länge einer Kette verſteht. Die Länge einer Kette berechnet man nach der Anzahl der Umgänge, welche die Fäden um den Anfang des Kettenrahmens nehmen. Dieſer beſteht aus 5 oder 7 ½ Ellen und bildet ſo die Einheit für die Länge, Schmitz genannt(5 Ellen). Die Länge der Garne läßt ſich beim Berechnen der Stoffe nicht nach dem Maße aufſtellen, nach welchem es geſponnen wird, ſondern iſt ſtets danach anzunehmen, was die Strähne nach dem bei der Verwebung üblichen Maße für eine Länge hat. Nach dem Scheren folgt das Leimen der Kette. Der von dem Scherrahmen abgerundete Knäuel wird in dünne, lau⸗ warme Leimauflöſung getaucht und dieſe gleichmäßig aus⸗ gepreßt, ſo daß nur ſo viel zurückbleibt, um die Fäden durch⸗ dringen zu können. Gewöhnlich kommen auf 3 ½— 4 ½ kg Garn ½ kg Leim und 2 ½ kg Waſſer. Das Leimen hat den Zweck, das Garn haltbarer zu machen und die loſe am Garn ſitzenden Wollhärchen feſt mit dem Faden zu verbinden. Iſt die geleimte Kette an der Luft wieder getrocknet, ſo kommen wir zur letzten Operation, zum Bäumen der Kette. Unter Bäumen verſteht man die Fertigkeit, die vom Scherrahmen ——— V——* Die Tuchweberei. 179 abgenommene Kette gleichmäßig in verlangter Breite auf einer hölzernen Walze, Kettenbaum genannt, aufzuwickeln. Das andere der beiden erwähnten Fadenſyſteme iſt der Ein⸗ ſchlag, Schuß, im Gegenſatz zur Kette. Die beiden Faden⸗ ſyſteme unterſcheiden ſich gewöhnlich auf ihre Drehung, ob⸗ wohl dies keine Bedingung iſt für ihre Eigenſchaft, als Kette oder als Schuß verwendet zu werden. Die Richtung der Drehung iſt nur zweifach, entweder von links nach rechts oder von rechts nach links. Spinnt man das Garn auf einem Selfaktor, ſo kann ſich die Spindel nur nach einer Richtung hin drehen; das erſtere iſt Einſchlag⸗, das letztere Kettendrehung. Die Vorbereitungen des Einſchuſſes für das Weben ſind bedeutend geringer als die der Kette. Iſt letztere zum Weben genugſam vorbereitet, ſo müſſen nach bekannter Weiſe die Fäden derſelben durch die ſich rechtwinklig da⸗ zwiſchenlegenden Schußfäden zu einem Gewebe gebildet wer⸗ den. Dies geſchieht dadurch, daß ein Teil der Kettenfäden nach beſtimmter Ordnung, durch meiſt mechaniſche Vorrich⸗ tungen, Offnungen, Fächer genannt, hervordringt. Das Ein⸗ ſchußmaterial muß daher auf kleinen Spulen gedreht werden, damit es ſich beim Weben leicht wieder abwinden kann. Es muß daher der Einſchußfaden geſpult werden, wozu man ſich im kleinen des Spulrades, im großen einer Schußſpul⸗ maſchine bedient. Das Spulen des Schuſſes hat den Zweck, denſelben in geeigneter Geſtalt in das Weberſchiffchen zu bringen ſowie das Ablaufen aus demſelben ſo regelmäßig, ſo ſchnell und mit ſo geringem Verluſte wie möglich zu ge⸗ ſtatten. Die Schußſpulen ſind 2—3 Zoll lange, in der Mitte durchbohrte Röllchen aus Holz, Rohr oder Pappe, an den Rändern häufig mit einem etwas dickeren Rande verſehen, um das Heruntergleiten der Fäden zu verhüten. Die Vor⸗ bereitungen ſind nun zu Ende; wir kommen zum eigentlichen Verweben der Fäden. Es gibt kaum eine Maſchine, bei welcher deutlicher zutage tritt, daß im Laufe langer Jahrhunderte ſtetige Verbeſſerungen, die frühere Handarbeit des Menſchen erſetzend, ſtattgefunden haben, als beim Webſtuhl, und da ſchon ſeit uralten Zeiten einzelne Teile, welche der Webſtuhl auch in der Neuzeit noch beſitzt, erfunden waren, ſo kennzeichnet er recht eigentlich die mühſelige Geſchichte der verſchiedenſten Verbeſſerungen und Erfindungen, durch welche er nach tauſend⸗ 12* 180 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. jähriger Arbeit endlich das geworden iſt, was wir in ihm jetzt haben. Die Aufgabe des Webſtuhls beſteht darin, daß in ihm die Fäden der Kette, je nachdem ſie im Gewebe über oder unter die Schußfäden zu liegen kommen ſollten, in ver⸗ ſchiedener Weiſe durch zwiſchen Stäben befindliche Schleifen oder ſie vertretende Offnungen gezogen und in und mit den⸗ ſelben mittelſt vom Fuße des Webers bewegter Hebel(Tritte) gehoben oder geſenkt werden. Die Webſtühle der alten Ägypter, deren Zuſammenſetzung wir aus Darſtellungen auf in den Pyramiden gefundenen Gräbern kennen, zeigen die erwähnte Vorrichtung noch nicht; bei ihnen wurde in der teils vertikal, teils horizontal aufgeſpannten Kette die zur Einführung des Schuſſes nötige Spaltung mittelſt dazwiſchengeſteckter Stäbe herbeigeführt. Römiſche Abbildungen aus dem 4. oder 5. Jahrhundert vor Chriſti zeigen deutlich, daß die Anwendung von Tritten, in ähnlicher Weiſe wie heute, ſchon damals im Gebrauch war. Die ausführliche Beſchreibung eines Web⸗ ſtuhles übergehe ich; übrigens iſt die Arbeit des Webens be⸗ kannt genug, braucht alſo nicht näher geſchildert zu werden; auch eine nähere Beſchreibung der Kombinationen für Tuche und tuchartige Stoffe liegt nicht in dem Bereiche unſerer Auf⸗ gabe. Iſt das Stück Tuch fertiggewebt, ſo nennt man es mit dem techniſchen Namen„Loden“. Der Loden ſieht wie ein Stück gewöhnliches Leinengewebe aus; man ſieht noch nichts von der filzartigen Oberfläche, welche das fertige Tuch charakteriſiert. Der Loden, ſobald er vom Webſtuhl kommt, wird nun zum erſten Male genoppt. Das Noppen, auch Fett⸗ noppen genannt, beſteht darin, daß man ſämtliche fremd⸗ artigen Gegenſtände, welche beim Weben mit in den Loden hineingewebt worden ſind, z. B. feine Wollfäden, Stroh und dergl., daraus entfernt. Die Arbeit wird von ſogen. Noppe⸗ rinnen verrichtet; auch unregelmäßige, undichte Stellen ſowie Knoten im Gewebe werden ausgeglichen und entfernt. Nach dieſem erſten Noppen kommt der Loden in die Vorwäſche, um den noch darin ſteckenden Leim oder Schmutz auszuwaſchen. Zu dieſem Behufe wird der Loden in eine Flüſſigkeit gelegt, welche aus einer Miſchung von Waſſer, Seife und Ürin beſteht. Bis zur Sättigung bleibt er in dieſem Bade, geht dann durch Preßwalzen in einen Behälter mit reinem Waſſer und aus dieſem in einen anderen Behälter, der gleichfalls mit reinem —————— ——— Die Tuchweberei. 181 Waſſer gefüllt iſt. Dieſes Verfahren ſetzt ſich ſolange fort, bis aus dem Loden reines, ungetrübtes Waſſer abläuft. Nach dieſen Manipulationen wird der Loden auf Trockenrahmen getrocknet und dann nochmals einer genauen Durchſicht unter⸗ worfen, um alle Unregelmäßigkeiten im Gewebe zu verhüten. Nun kommen wir zu der wichtigſten Bearbeitung des Lodens, zu dem Walken. Noch bleibt hier zu erwähnen, daß man das⸗ jenige Tuch, welches bis jetzt noch nicht gefärbt war, vor der Walke der Färbung unterwirft. Indes alle Tuche können auch jetzt noch nicht gefärbt werden, weil manche Farben, z. B. die ſchwarze, einen ſehr nachteiligen Einfluß auf die Krimpkraft der Wolle ausübt. Demnach unterſcheidet der Fabrikant: 1. Tuch, in der Wolle gefärbt, 2. Tuch, im Loden gefärbt, 3. Tuch, im Stück gefärbt. Nunmehr wollen wir zu dem Prozeß übergehen, in welchem der Loden in Tuch verwandelt wird, nämlich zum Walkprozeß. Das Reſultat dieſer Bearbeitung, die Verfilzung beider Oberflächen, beruht lediglich auf der Krimpkraft des Wollhaares. Walken nennen wir denjenigen Prozeß, welchen man ein Gewebe durchmachen läßt, um durch eine Verfilzung der Wollhärchen auf beiden Oberflächen eine das Gewebe ſelbſt verdeckende Filzbekleidung zu erhalten. Die wirkenden Faktoren bei dieſem Verfahren ſind teils chemiſcher, teils mechaniſcher Natur, indem man die zu walkenden Gewebe mit Hilfe der Wärme und Walkflüſſigkeit in den Walkmaſchinen einem fortgeſetzten Kneten, Drücken, Schieben, Stoßen ausſetzt. Man bezweckt alſo mit dem Walken eine vollſtändige Ver⸗ filzung der einzelnen Fäſerchen der Garnfäden, nicht nur an der Oberfläche, ſondern auch im Innern. Vermöge der Tuch⸗ wolle eigentümlichen hohen Kräuſelung ſtehen dieſe Faſern nicht in gerader Form hervor, ſondern krümmen ſich als kleine Härchen ſchon ineinander. Durch die innere Verdichtung und Verfilzung des Gewebes ziehen ſich naturgemäß die Garn⸗ fäden mehr zuſammen, laufen ein; dadurch wird aber das Gewebe dichter und feſter. Der Loden geht aus der Walke als„Tuch“ hervor. Die Bearbeitung des Lodens kann auf zweifache Weiſe geſchehen: durch die Hammerwalke oder durch die 182 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. Walzenwalkmaſchinen. Die Hammerwalken, auch Walkmühlen genannt, beſtehen aus 2—3 Zentner ſchweren Holzhämmern, welche mittelſt einer Dauerwelle gehoben werden, um beim Niederfallen das in einem offenen Behälter liegende, durch⸗ näßte und zuſammengefaltete Tuch durch ihr Gewicht zu quetſchen. Damit alle Stellen des Tuches eine gleichmäßige Bearbeitung erfahren, bewirken die Hämmer durch ihre treppenförmige Abſtufung im Verein mit den eigentümlich geformten Seitenwänden des Walkkaſtens ein fortwährendes Umwenden des Stoffes. Die Walzenwalken, bei denen die wirkenden Teile Walzen ſind, haben vor den Hammerwalken den großen Vorteil, daß ſie das Tuch viel gleichmäßiger walken und keine ſo läſtigen Erſchütterungen verurſachen als dieſe. Die Walkflüſſigkeit beſteht nicht in reinem Waſſer allein, da dieſes die Erweichung des Wollhaares nicht in dem Grade beſchleunigen würde, als zu einer guten Verfilzung notwendig iſt; man ſetzt vielmehr zu dem Waſſer Alkalien in Form ge⸗ faulten Urins und Talgſeife hinzu. Statt der Seife nimmt man wohl auch Walkererde oder Smektit. Die Walkererde iſt ein feiner, kieſelſäurereicher Ton; er fühlt ſich mild und fettig an und zerfällt im Waſſer unter Ausſtoßung von Luftbläschen zu einer breiartigen, aber nicht plaſtiſchen Maſſe. Die beſte Walkererde ſoll die von Hampſhire in England ſein; nach ihr folgt die von Roßwein und Riegersdorf in Schleſien. Dem Fabrikanten iſt die Walkererde ſehr erwünſcht; erſtens iſt ſie bedeutend billiger als die Seife, und zweitens geht bei Anwendung derſelben die Verfilzung leichter vor ſich. über den Gebrauch der Walkerflüſſigkeit ſind die Anſichten geteilt; die einen Fabrikanten wenden ſie kalt, die anderen warm an; ſo viel ſteht feſt, daß die kalt angewendete Walker⸗ flüſſigkeit den Loden mehr durchdringt und beſſer verfilzt, während die Verfilzung der warmen Walkerflüſſigkeit nur als eine leichte, oberflächliche zu bezeichnen iſt. Die letzte Manipulation vor der Appretur iſt das aber⸗ malige Waſchen und Trocknen des Tuches. Hat das Tuch die Walke paſſiert, ſo wird es, um es nochmals gründlich zu reinigen, in kaltem, aber weichem Waſſer gewaſchen und nach⸗ her auf dem Trockenrahmen getrocknet, zugleich aber auch ge⸗ —,—.—————— Die Appretur des Tuches. reckt, d. h. ſo weit gedehnt, bis es in allen ſeinen Teilen gleich breit und gleich lang iſt, da der Loden in der Walke ſich zu⸗ ſammengezogen hat. Mit dieſer Manipulation könnte eigent⸗ lich die Herſtellung des Tuches als beendet angeſehen werden, denn es hat nunmehr die erforderliche Feſtigkeit; bevor es aber als Marktware aus der Fabrik hervorgeht, iſt es noch ver⸗ ſchiedenen Manipulationen unterworfen, welche man unter dem Namen Appretur zuſammenfaßt. Die Appretur des Tuches. Die Appretur des Tuches zerfällt im allgemeinen: in Rauherei, Rahmen, Scheren und Preſſen, Dekatieren des Tuches. Die Rauherei. Der Zweck des Rauhens iſt, einen dichtbeſetzten, glatten Stapel auf der Oberfläche des Tuches zu erzeugen. Bekanntlich zeigt das aus der Walke hervor⸗ gegangene Tuch eine wirre Oberfläche, die Haarendchen liegen verworren durcheinander; dieſe zu ordnen und nach einer Seite zu ſtreichen, iſt Aufgabe des Rauhens. Nimmt man ein Stück Tuch, welches die Walke verlaſſen hat, in Augenſchein, ſo zeigen die beiden Enden desſelben keine Verſchiedenheit. Um eine rechte Seite zu gewinnen, wird das Tuch auf der einen Seite der Appretur unterworfen, während die andere Seite vernachläſſigt wird. Auf dieſe Weiſe erhalten wir eine linke Seite des Tuches. Das Rauhen ſelbſt geſchieht mittelſt der Kardendiſtel(Dipsacus fullonum), welche in den verſchie⸗ denen Gegenden gezüchtet wird. Die beſte Kardendiſtel liefert Frankreich(Avignon), nächſtdem Bayern, Baden, Sachſen Lommatzſch) und Schleſien. Zum Zwecke ihrer Verwendung werden die Karden in einer Art Rahmen(Rauhſtab genannt) feſt aneinandergeſetzt und in dieſem Zuſtande auf das vorher genäßte Tuch geſtrichen. Bei dieſer Manipulation faſſen die kleinen Widerhaken dieſer Diſteln die kleinen Haarenden und ziehen dieſelben aus dem Gewebe hervor. Je beſſer und feiner das Tuch iſt, um ſo öfter muß es gerauht werden; feine Tuche rauht man fünf⸗ bis ſechsmal, mittelfeine dreimal, grobe ein⸗ bis zweimal. Nachdem die gerauhten Tuche gut 0 d ‿ 184 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. abgelaufen ſind, werden ſie in den Rahmen genommen und ſolange in die Länge und Breite geſpannt, bis ſämtliche Falten ausgeglichen ſind. Sobald die Stücke am Rahmen völlig gleichbreit genommen ſind, werden ſie mit einer Rahmbürſte geſtrichen. Das Bürſten muß möglichſt gleichmäßig, ohne abzuſetzen, ausgeführt werden; denn es darf nicht überſehen werden, daß das Wollhaar die Eigentümlichkeit beſitzt, in der⸗ jenigen Lage dauernd zu verharren, in welche es in naſſem Zuſtande gebracht und erſt getrocknet worden iſt. Gleichzeitig mit dem Rahmen wird das Trocknen des Tuches durch hohe Wärmegrade vollzogen. Nachdem die gerauhte Wolle getrocknet iſt, wird ſie auf Scherzylindern geſchoren; in einigen Fabriken wird auch mit der Hand geſchoren. Welcher Art auch immer die Verrichtungen ſein mögen, ſie alle verfolgen nur den Zweck, die auf dem Tuche noch vorſtehenden Härchen zu entfernen. Man unterſcheidet hier wieder das Scheren der Halbwollen und das Scheren der Rechtſeiten. Unter letzterer Manipulation verſteht man glatte Streichwaren, welche ſämt⸗ liche Stadien der Appretur durchlaufen haben müſſen, während die erſteren nur einer teilweiſen Appretur unterworfen worden ſind. Natürlich kommt auch hier der Satz zur Geltung: Je feiner das Tuch werden ſoll, deſto öfter muß es geſchoren werden. Nach dieſer Operation werden die Tuche, welche noch nicht gefärbt ſind, der Färbung unterzogen. Empfindliche Farben können erſt jetzt auf das Tuch aufgetragen werden. Es iſt auch klar zu erkennen, daß auf dieſe Weiſe gefärbte Tuche die Farbe nur oberflächlich aufnehmen, von ihr nicht durchdrungen werden können, da das Tuch nach der Walke ſchon viel zu feſt und dicht iſt. Das geſchokene und gefärbte Tuch kommt nun in die Preſſe. Hierdurch werden zweierlei Wirkungen erzielt: einerſeits erhält das Tuch Glanz und Glätte, anderſeits einen feſten Griff. Dieſe Eigenſchaften be⸗ ruhen auf der hornartigen Beſchaffenheit des Wollhaares, indem nämlich dieſes durch die bei der Preſſe angewendete Wärme erweicht und durch Druck gegen einen feſten, glatten Körper geglättet und poliert wird. Durch die erwähnte Operation wird ein dritter Faktor freigemacht, nämlich die in der Wollfaſer aufgeſaugte Flüſſigkeit, welche ungefähr 3— 5% des Gewichts der Ware beträgt. Das Preſſen ſelbſt geſchieht durch Preßvorrichtungen; man unterſcheidet Die Appretur des Tuches. 185 gewöhnlich Spindelpreſſen, hydrauliſche oder Waſſerpreſſen und Walzenpreſſen. Der Vorgang iſt in kurzen Worten fol⸗ gender: Das Tuch wird zwiſchen Preßplatten gelegt, welche anfangs nur halben Druck ausüben, nach ein- bis zweiſtün⸗ diger Durchwärmung ſchraubt man die Druckplatten feſt und läßt das Tuch 12—16 Stunden zwiſchen den Preßplatten liegen, alsdann nimmt man es heraus. Hat das Tuch die Preſſe verlaſſen, ſo wird es dekatiert. Die Dekatur hat den Zweck, diejenigen Eigenſchaften, welche man der Ware durch die Rauherei, Schur und Preſſe beigebracht hat, zu fixieren. Die Wirkung der Dekatur beſteht darin, daß die hornartige Subſtanz des Wollhaares durch die geſpannten Dämpfe un⸗ gemein erweicht wird und die Ware während dieſer Operation mehr oder weniger unter mechaniſchem Drucke ſtehen bleibt. Das bereits erweichte Wollhaar wird auf dieſe Weiſe ge⸗ wiſſermaßen umgeformt und flacher gedrückt. Indem durch den durchgehenden Dampf die ſchmutzigen Beſtandteile aus dem Wollhaare entfernt werden, wird es ſpröde und behält nach dem Erkalten dieſe Eigenſchaften dauernd bei. Die Deka⸗ tur geſchieht auf Walzen. Man unterſcheidet die trockene und die naſſe Dekatur; letztere kann auch als Erſatz oder Fort⸗ ſetzung der erſteren angeſehen werden. Die letzte Manipulation, ehe das Tuch in die Hand des Schneiders kommt, iſt das Noppen oder Tinktieren der Ware. Nachdem nun das Tuch vollſtändig fertig iſt, wird es noch einmal einer genauen Durchſicht unterworfen. Finden ſich noch irgendwelche Beſtandteile von Stroh oder anderen Unreinigkeiten darin, ſo muß es nochmals genoppt werden, ehe es verſandt werden kann. Unter Tinktieren verſteht man folgendes: Es gibt vegetabiliſche Körperchen, welche beim Farbprozeß die loſe Wolle nicht mitfärben; ſie ſtellen ſich im farbigen Stück als feine, weiße oder gelbliche Punkte und Spitzen dar, die dann entweder vermittelſt des Noppeiſens herausgezogen oder durch eine feingeſchnittene Gänſefeder mit Tinktur betupft werden. Die Tinktur iſt gleichſam eine ſtark konzentrierte, nur für die vegetabiliſchen Faſern hergeſtellte Farblöſung, welche in allen Farbentönen angefertigt wird; ſie iſt derartig zuſammengeſetzt, daß ſie ſich nur mit den vegetabiliſchen Faſern verbindet, während ſie auf den ani⸗ maliſchen nur mechaniſch haftet und durch Reiben von den⸗ * 186 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. ſelben wieder entfernt werden kann. Wenn nun das Stück ſorgfältig genoppt und tinktiert iſt, ſo wird es nochmals einer Durchſicht unterworfen und vom Fachkenner ordentlich ge⸗ prüft. Iſt nunmehr die Ware für fehlerfrei erklärt, ſo wird ſie verpackt und gelangt dann in den Handel. Die wichtigſten Arten der Gewebe aus Streichgarn. Die Art und Weiſe der Entſtehung des Tuches haben wir nunmehr beſchrieben. Doch der Begriff Tuch iſt zu eng begrenzt; durch die Tuchweberei werden noch viele andere Wollfabrikate hergeſtellt, welche wir nun kurz betrachten wollen. Aus hochfeinen und dabei möglichſt kurzgeſtapelten Wollen werden angefertigt: Zephir, die leichteſte Gattung Tuch, auch wohl Royal genannt; Croiſés. Der Stoff beſitzt hohe Geſchmeidigkeit und große Weichheit; Satin, Esquimaux Floconne. Für dieſe Stoffe kommen ausſchließlich feine Einſchuren in Betracht; für den Schuß werden mittelfeine Kämmlinge verwendet; Cirkaß, auch Cirkaſſienne. Es können nur kurze Wollen bis zu einer Feinheit gleich der erſten Elekta verwendet werden. Aus weniger feinen Wollen wird der Flanell gearbeitet. Zur Kette wird teils Florettſeide, teils Baumwolle benutzt. Während bei den feineren Tuchwaren das Hauptgewicht auf Schönheit und Eleganz der Ware gelegt wird, iſt bei den Mittelwaren der Preis die Hauptſache, ohne daß die Ware ſchlecht zu werden braucht; die Hauptrückſicht wird allemal auf den Preis genommen; erſt dann wird gefragt, ob bei ſo und ſo hohem Preiſe etwas Konkurrenzfähiges zu liefern mög⸗ lich iſt. Bei der Herſtellung billigen Tuches kann die Erſparnis nur im Schuß und etwa darin geſucht werden, daß man den Einſchlag dicker macht und daher für denſelben geringeres Material gebrauchen kann, ohne gerade grobes Wollhaar verwenden zu müſſen. Eine beſondere Art ſchwerer, ordinärer Tuche bilden die Kaſtorins, Doskins und Buckſkins; zur Fabri⸗ kation des Buckſkins werden meiſt Zweiſchuren, Stücke, Sterb⸗ Kammgarnfabrikation. 187 linge, Gerberwolle, klettige Kämmlinge(hemiſch gereinigt), Landwolle und Buenos⸗Aires⸗Wollen verwendet. Aus gröbe⸗ ren Wollen werden Düffel, Fries, Plüſch, Kalmuk, Ratinés und Velours gewonnen. Zu den Velourswaren werden Wollen ohne beſondere gute Natur, aber mit etwas feinem Haar angewendet. Für feinere Alpaka⸗Velours nimmt man Alpaka⸗Cheviot oder Gebirgswolle. Ehe wir weitergehen, müſſen wir ein Wort über„Kunſt⸗ wollen“ ſagen. Dieſes Produkt zerfällt, je nach der Länge der Faſer und der Feinheit des Stoffes, in ſogen. Mungo und Schoddy. Erſteres Produkt wird meiſt aus gewalkten Stoffen, gebrauchten Tuchen und ſolchen Stoffen, in welchen zwar feinere, aber kürzere Wollen verwendet waren, gewonnen; letzteres dagegen vorwiegend aus alten Bekleidungsſtücken durch Zerreißen, Waſchen, Färben, Kondieren hergeſtellt. Sie werden entweder allein oder unter Zuſatz von Prozenten reiner Wolle verſponnen; die Garne dienen nicht für Unter⸗ ſchuß, bei billigen Männerſtoffen auch für die Webewaren ſelbſt. Was die Militärtuche anbelangt, ſo unterſcheidet man zwei Arten derſelben, graumelierte gröbere und blauſchwarze feinere; zur Kette wird meiſt feinere Schurwolle, mit ¼ bis ⅛ feinen Kämmlingen vermiſcht, zum Schluß werden feine Kämmlinge mit ½¼— Schurwolle gemiſcht verwendet. An⸗ dere Tuche und tuchartige Wollenſtoffe ſind: Kaſchmir, Doppel⸗ kaſchmir, Molton, Drapköpertuch, Papiermacherfilz, Hutfilz, Satincloth uſw. B. Kammgarnfabrikation. Bevor wir auf die Fabrikation des Kammgarns ſelbſt eingehen, wollen wir einige allgemeine Bemerkungen über das Wollhaar, wie es der Kammgarnfabrikant braucht, vor⸗ ausſchicken. Der Kammgarnſpinner hat vor allem auf Ausgeglichen⸗ heit, Gleichmäßigkeit und Treue des Wollhaares zu achten. Bei Betrachtung der Haare verſchiedener Vlieſe findet man ſehr oft, daß eines derſelben unten vom Hautende an bis vielleicht in die Mitte gleichartig gewachſen iſt, dann aber nach der Spitze zu ſchwächer oder ſtärker wird. Man bezeichnet dies mit dem Worte„Untreue“. Solche Untreue vermindert 188 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. den Wert der Wolle bedeutend, da dieſe zu hohen Nummern beim Spinnen unbrauchbar wird. Dieſe Untreue kann ſich aber nicht nur für ein Tier, ſondern auch auf die ganze Herde erſtrecken; ſie rührt zum Teil von unregelmäßiger Ernährung her. Zur Ausgeglichenheit einer Wolle gehört möglichſt gleich⸗ mäßige Länge dir eihene Wolle, welche auffallend kurze neben langen Fäden Snthält, 1 hat für den Kammgarnſpinner faſt gar keinen Wert. Die Länge des Haares iſt gleich der Höhe des Stapels; man meint damit in beiderlei Beziehung ſolche Wolle, welche ein volles Jahr lang gewachſen iſt. Die abſo⸗ lute Länge des Wollhaares wechſelt zwiſchen 30— 300 mm; Wollen unter und über dieſer Länge ſind nicht mehr als normal anzuſehen. Zu kurze Wollen kann der Kammgarn⸗ ſpinner nicht gebrauchen, da die bis jetzt beſtehenden mecha⸗ niſchen Vorrichtungen zum Kämmen kurze Haare nicht zu faſſen vermögen. ihre Länge muß wenigſtens zwei Zoll be⸗ tragen. Doch darf dieſelbe auch nicht zu lang ſein; eine Länge von ſechs Zoll iſt die höchſte; über dieſe Grenze hinaus wird die Wolle vor dem Kämmen entzweigeſchnitten, geht alſo verloren. Die Manipulationen bei der Verarbeitung der Wolle. Sortieren der Wolle. 1 Bekanntlich finden ſich auf dem Vlieſe eines Schafes ver⸗ ſchiedene Wollfeinheiten. Dieſe voneinander zu trennen, iſt die Aufgabe des Sortierens. Sei es nun Rückenwäſche oder Schweißwolle, die Wolle muß ſortiert werden, und zwar geſchieht dieſes auf dem hölzernen Geſtelle eines länglichen Tiſches. Manche Sortiertiſche haben eine Platte, andere ſtatt der Platte ſtraff geſpannte Stricke mit kleinen Abſtänden, um Leiſten, Kletten und Sand das Durchfallen zu geſtatten. Der Sortierer muß vor allem ein geübtes, ſcharfes Auge und ein empfindliches Gefühl in den Fingerſpitzen haben; außerdem braucht er eine Schafſchere, einen Klopfer und Körbe zu den verſchiedenen Sortimenten. Die Schere dient zum Abſchneiden der Band⸗ oder Pechſpitzen. Gleich beim Offnen eines Vlieſes wird ein geübter Sortierer erkennen, was er von demſelben zu halten hat. Iſt das Vlies normal gewachſen, ſo bereißt er dasſelbe, d. h. die Seiten, wo die feinſte Qualität zu finden Die Manipulationen bei der Verarbeitung der Wolle. 189 iſt, zuerſt und dann die anderen Teile. In der Kammgarn⸗ fabrikation ſortiert man gewöhnlich nur AAA entſprechend Prima I, AA„ Prima, Prima II, Sekunda, Tertia, Quarta, Leiſten, Locken; in der Tuchſabrikation iſt man, wie bereits bemerkt, viel ge⸗ nauer. über das Quantum, welches ein Sortierer liefern kann, läßt ſich nichts Beſtimmtes angeben; dasſelbe hängt in erſter Linie von der Gewandtheit des Sortierers, ſeiner In⸗ telligenz und ſeinem Fleiße ab. Erſt, nachdem die Wolle ſor⸗ tiert iſt, gelangt man zu dem Ergebnis der Sortierung; man ſieht ſich oft in den Wollen getäuſcht; ja, um dieſelben richtig kennen zu lernen, um ſie zu taxieren, hat man eine eigene Wiſſenſchaft erfunden. Die Sortierung ergab bei einer Partie Rückenwäſche: Rückenwäſche(Böhmen). Deutſche Schweißwolle. An AAA I Wolle 2,31% An AA Wolle 3,00% AA II 24,57 4 1„= 46,40 4 1— 43, 45 Agelbe, 8,10 A gelbe 5,90 B 1 29,90 „ B 1— 16 55 B II 2,80 „ B 11 0,82 C 0,90 C 0,80„ 90„ 7,30 D„ 0,20„Futterſtückwolle 1,00 Futterwolle 0,10„Lockenwolle 0,60 Lockenwolle 5,30 Summa 100,00% Summa 100,00% Die Wäſcherei. Der Produzent verkauft ſeine Wolle entweder als Rücken⸗ wäſche oder als Schweißwolle; letzteren Verkaufsmodus würde ich vorziehen; denn wenn Wolle nicht blendend weiß ge⸗ waſchen iſt, verliert ſie bedeutend an Wert. Mit Schweiß⸗ wollen hat der Produzent faſt gar keine Mühe. In beiden Fällen muß die Wolle fabrikmäßig gewaſchen, d. h. von allen 3 N d 190 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. Beimiſchungen, wie Staub, Kletten und dergl., befreit werden. überdies iſt ſie von einer anſehnlichen Menge Fettſchweiß durchdrungen, welche nur durch erhöhte Wärmetemperatur unter Zumiſchung von Alkalien beſeitigt werden kann. Wie für die Weberei die Baſis die Entwicklung einer Spinnerei bildet, ſo iſt eine gute Wäſcherei das Fundament der ge⸗ ſamten Kammgarnſpinnerei. Eine auf der Waſchmaſchine vollſtändig entſchweißte, geöffnete Wolle wird die Maſchine elaſtiſch mit klarer, heller Farbe verlaſſen; mit einem Worte: ſie gibt zuletzt ein gutes Garn. Hat die Wolle den Sortier⸗ tiſch verlaſſen, ſo bilden die Vlieſe immer noch große, zu⸗ ſammenhängende Stücke, und eine Menge ungehöriger Teile, wie Kletten, Futter, Sand, befinden ſich darin. Ehe die Wolle in die Waſchmaſchine kommt, bedient man ſich allge⸗ mein des Wolfens, d. h. einer Maſchine, welche die Vlieſe in kleine Stücke zerreißt und das Futter, die Kletten, den Sand herausſchüttet. Das Wolfen hat den Zweck, die Wolle in möglichſt aufgelockertem Zuſtande in das Bad zu bringen; je lockerer eine Wolle iſt, deſto ſchneller weicht ſie durch; wir erſparen an Seife, weil wir wenig Schmutz aufzulöſen haben, und produzieren mehr, weil wir die Bäder länger gebrauchen können. Gleichwohl iſt immerhin ein Unterſchied zu machen; bei beſſerer, deutſcher Rückenwäſche z. B. wird das Wolfen unterbleiben können; bei Schweißwolle, klettigen, ſandigen Wollen dagegen wird es ſogar geboten ſein; denn gutes Wolfen entfernt eine Menge Schmutz aus einer Partie. Ehe wir zu dem mechaniſchen Prozeſſe des Waſchens übergehen, dürfen zwei Punkte nicht unerwähnt bleiben, erſtens das Waſſer und zweitens die Seife. Was das Waſſer anlangt, ſo iſt zu bedenken, daß ſogen. hartes Waſſer mehr Seife braucht als weiches. Zum beſſeren Verſtändnis ſei bemerkt, daß man unter 1 Grad Härte des Waſſers den Gehalt von 1 Teil Kalk oder Magneſia uſw. in 100 000 Teilen Waſſer zu verſtehen hat. Man unterſcheidet die temporäre Härte; die nach dem Kochen des Waſſers noch vorhandene heißt die bleibende Härte. Nachdem nun die Wolle den Wolf verlaſſen hat, wird ſie in manchen Fabriken mittelſt kalten Waſſers entſchweißt. Dieſes Verfahren wird wohl allmählich ganz eingeſtellt Die Manipulationen bei der Verarbeitung der Wolle. 191 werden; denn es hat keinen Zweck und verurſacht in ökono⸗ miſcher Beziehung eine Verteuerung der Wäſcherei. Das Verfahren iſt höchſt einfach. In Abbildung 61 ſehen wir die ſogen. Glocke. a) iſt das Geſtell, b) das zylin⸗ driſche Gefäß ſelbſt; c) ſind die beiden Zapfen, welche in den Lagern des Geſtells liegen und zum Umkippen der Glocke die⸗ nen; d) iſt die in einer großen Brauſe endigende Waſſerleitung. Das kalte Waſſer ſtrömt auf die Welle nieder; indem dieſe durchnäßt wird, drückt ſie ſich durch ihr eigenes Gewicht ge⸗ hörig zuſammen; der Schweiß wird auf dieſe Weiſe gehörig ausgepreßt und fließt bei e ab. Der Abfluß erfolgt ſo lange, bis er ganz rein iſt; ſobald man helles Waſſer bemerkt, ſchließt man den Hahn, kippt die Glocke um und entleert ſie in das erſte Bad der Waſchmaſchine. Dieſes Aoh. 61. Gloſte. Verfahren hat immerhin Einfluß auf das Reinwerden der Wolle und erſpart vornehmlich Seife. Die Fabrikwäſche bei der Kammgarnſpinnerei befolgt das Prinzip, das Wollhaar zu erweichen, ohne daß die Wolle irgend verfilzt oder verwirrt wird oder an Weichheit und Stärke verliert; vielmehr wird ſie in erweichter Form dem Krempeln übergeben, damit dieſes dem Wollhaare alle Kräuſe⸗ lung entziehe und dadurch der Wolle die Krimpkraft raube. Die frühere alte Methode will ich gar nicht näher beſchreiben, ſondern gehe ſofort zu der Waſchmaſchine, dem„Leviathan“, über. Die Leviathans ſind gewöhnlich aus mehreren einzelnen Maſchinen zuſammengeſetzt, wobei jedoch das Waſchen ganz ſelbſtändig geſchieht. Stellt man z. B. drei ſolche Maſchinen hintereinander, ſo wird in I die Entſchweißung, in II das Waſchen und in III das Ausſpülen vorgenommen. Indem nun von Zeit zu Zeit die Flüſſigkeiten aus I abgelaſſen, aus 192 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. II nach I und aus III nach II überführt werden und in III reines Waſſer eingelaſſen wird, enthält man bei wenig Waſſer⸗ verbrauch ziemlich konzentrierte Laugen. Nehmen wir an, die Leviathanmaſchine ſei aus vier Kufen zuſammengeſtellt. Die Kufe I beſteht dann aus dem zweiteiligen Einweichbottich mit einer Temperatur von 50— 60⁰ und dem Abführtiſch mit Preſſe; in Kufe II ſind zwei Rechen angebracht zur Fort⸗ bewegung der Wolle und ein Elevator für die Preſſe; Kufe III gleicht Kufe II, und Kufe IV dient zum Nachſpülen in kaltem Waſſer und liefert die vollkommene, reine Wolle an eine Wollquetſchmaſchine ab. Aus der Quetſchmaſchine gelangt die Wolle in die Trockentrommel. Früher bewerkſtelligte man das Trocknen der Wolle durch Ausbreitung derſelben an der Sonne; jetzt wendet man beſondere Trockenvorrichtungen an, welche künſtlich erwärmt werden und das Waſſer(bis auf 8% hygroſkopiſche Feuchtigkeit der Wolle) verdampfen. Dank der Chemie wird das Waſſer der Einweichbottiche nicht, wie früher, einfach abgelaſſen, ſondern man gewinnt daraus Pott⸗ aſche. Die konzentrierte Lauge der Einweichbottiche wird in großen Sammelbaſſins aufgefangen. Iſt ein ſolches Baſſin gefüllt, ſo bewirkt man die Zerſetzung der Lauge durch Kalk⸗ milch und Salzſäure; es ſcheidet ſich dadurch Kalkſeife in flockigem Zuſtande aus; dieſe ſinkt zu Boden und verdichtet ſich hier zu einem dickſchlammigen Niederſchlage, worauf das geklärte Waſſer abgelaſſen wird. Die Kalkſeife wird nach dem Trocknen mit Säure zerſetzt, und wird daraus durch darauffolgende heiße Waſſerbäder eine direkt zur Deſtillation verwendbare Fettſubſtanz gewonnen, welche man meiſt zur Erzeugung von Leuchtgas verwendet. Die Rückſtände in den Retorten enthalten ziemlich reine Pottaſche, weshalb man in mehreren Wollwäſchereien die ſämtlichen Wollfette direkt zur Gewinnung von Pottaſche kalziniert. Durch den Verkauf des gewonnenen Produktes werden meiſt die Sortier⸗ und Waſch⸗ koſten gedeckt. Größere Wollkämmereien haben täglich 1200 cbm Wollwaſchwaſſer zu verzeichnen; ſelbige gewinnen dann 20 000 Zentner Wollfett und 20 000 Zentner Pottaſche. Der Wollverluſt ¹) verſchiedener Wollen bei der Fabrikwäſche iſt folgender:. ¹) Sämtliche Wollen in Schweiß gewaſchen. Die Manipulationen bei der Verarbeitung der Wolle. 193 Sächſiſche Wolle 58— 60 0% Mecklenburger„ 50— 70„ Weſtfäliſche„ 5460„ Thüringiſche„ 60.65„ Poſenſche„ 58— 63„ Schleſiſche„ 60— 75„ Ruſſiſche„ 60— 65„ Auſtraliſche„ 45.60„ Kap⸗„ 61.68, Buenos⸗Aires⸗„ 60— 73„ Montevideo⸗„ 55— 66„ Bei Feſtſtellung der Waſchergebniſſe bildet 12 ſtündige Arbeitszeit die Grundlage. Zur Bedienung der Wäſcherei gehört ein Meiſter, ein Wolfer, ein Aufleger, ein Einweicher und ein Arbeiter an der Trockenmaſchine. Nachdem die Wolle die Trockenmaſchine verlaſſen hat, muß dieſelbe, bevor ſie weiterverarbeitet wird, geölt werden. Man verwendet gewöhnlich auf 100 Teile Wolle 5— 6 Teile Ol oder in Kilogrammen auf 5 kg Wolle ½ kg Ol; man kann dazu Olivenöl oder auch zerlaſſene Butter gebrauchen. Das Krempeln der Wolle. Die von den Waſchmaſchinen kommende, auch ſchon geölte Wolle gelangt zu den Krempeln, welche die Aufgabe haben, die Wolle vollends zu zerreißen, ſie alſo ganz und gar zu öffnen, die einzelnen Fa⸗ ſern parallel zu legen(Abb. 62), Kletten und noch vorhandene Holzteile zu entfernen und die ſo verarbeitete Wolle als ein gleich⸗ mäßiges Vlies zu entlaſſen, einem ſich drehenden Trichter zuzuführen, wodurch jenes zu einem loſen Bande vereinigt wird. Bei dem Krempelprozeß handelt es ſich fort⸗ während um Verziehen und Strecken der Wollflocken; deshalb bringt man die Wolle etwas feucht auf die Krempel, um einerſeits V ein leichteres Offnen zu bewirken, anderer⸗ ſeits das Zerreißen der einzelnen Wollfaſern zu verhüten, was bekanntlich bei ganz trockener Wolle eher vorkommt. Man muß Heyne, Schafzucht. 4. Auflage. Abb. 62. Parallele Form. 13 194 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. immer darauf achten, daß die Kammgarnfabrikation parallele Fäden erzielen will. Würde dagegen die Wolle zu naß auf die Krempel kommen, ſo wäre ein richtiges Verarbeiten der⸗ ſelben unmöglich; vielmehr würden die Zähne der Beſchläge roſten und nach kurzer Zeit ausbrechen. Von einem Zufuhrtiſch gelangt die Wolle durch Speiſe⸗ walzen zunächſt an die Klettenwalze, von deren Umfang die etwa vorhandenen Kletten durch eine Meſſerwalze abgeſchlagen und nach einer Mulde befördert werden. Die Üüberführung nach einem kleinen Tambour erfolgt durch den erſten Wender; dieſer Tambour mit den darüber befindlichen drei Arbeitern und den drei Wendern bildet den Avant⸗Train. Die Üüber⸗ tragungswalze befördert die Wolle nach dem großen Tam⸗ bour, mit welchem vier Arbeiter und vier Wender zuſammen⸗ arbeiten. Ein Volant ſchiebt die Wollhaare an die Spitzen der Beſchlagzähne, und erfolgt darauf auf dem Umfange des Peigners(Abnehmer) die regelmäßige Anſtauung des Mate⸗ rials für die erforderliche Dichte eines Vlieſes. Der Hacker löſt das Vlies ab, und der Trichter faßt dasſelbe zu einem Bande zuſammen, welches durch die Wickelwalzen nach dem Wickelapparat weiterbefördert wird. Die techniſche Zuſammenſetzung der Krempel ſowie die Harmonie der einzelnen Walzen zu erörtern, iſt Sache des Ingenieurs; bemerkt ſei noch, daß die Regulierung einer Krempel große Schwierigkeiten bereitet. Es iſt daher die erſte Aufgabe des Krempelmeiſters, ſich mit dem Charakter der verſchiedenen Wollen genau vertraut zu machen, um jedesmal die Stellung der Maſchine anzuwenden, welche bei Offnung der Wolle bis in die kleinſten Knötchen dieſelbe nebſt den Beſchlägen am meiſten ſchont. Darin liegt die Kunſt des Krempelns, und in dem Maße, wie ſich dieſelbe ein Meiſter zu eigen macht, wird ſein Erfolg wachſen, und er wird von ſelbſt ſich in der Fabrik unentbehrlich machen. Das Kämmen der Volle. Wie ſchon im Krempeln die Kamm⸗ von der Streich⸗ garnſpinnerei abweicht, ſo trennt ſich vollends der Weg beider Fabrikationsarten. Bei der Kammgarnſpinnerei verlangt man einen glatten, geſtreckten Faden, der möglichſt wenig Enden an ſeiner Oberfläche zeigt. Um dieſes zu erreichen, machen ——— B Die Manipulationen bei der Verarbeitung der Wolle. 195 ſich Bearbeitungen der Wollfaſer notwendig, welche die Streich⸗ garnſpinnerei gar nicht kennt. Es faſſen ſich dieſe Arbeiten in das Kämmen der Wolle zuſammen; durch dasſelbe werden die kurzen Härchen(Kämmlinge) von den langen getrennt, alle Unreinigkeiten, Kletten und dergl. aus denſelben entfernt und dem Wollhaar ſeine Kräuſelung genommen. Doch ver⸗ ſteht man unter dem Ausdruck„Kämmen der Wolle“ vier Operationen, nämlich: a) das Strecken der Krempelbänder auf dem ſogen. Rohſtrecker, b) das eigentliche Kämmen, c) das Strecken des Kammzuges, d) das Plätten des Zuges. Die erſte Operation nach dem Krempeln iſt alſo das Strecken der Krempelbänder. Hat die Wolle die Krempel verlaſſen, ſo ſind zwar die einzelnen Haare aufgelöſt, aber doch noch wirr untereinandergemiſcht, ſo daß das Band ein⸗ mal dicke und dann wieder dünne Stellen zeigt. Um dieſe Ungleichheit auszugleichen, ſtreckt man drei bis ſechs Bänder auf dem Rohſtrecker ſo auf, daß ſie durch eine Nadelwalze nebeneinandergehen und bei dieſem Paſſieren der Streck⸗ zylinder der Maſchine ſich zu einem Bande vereinigen. Immer wieder beginnt nun ein neues Strecken der Bänder derart, daß drei bis vier ſolche Strecken oder Paſſagen einer neuen Streckmaſchine übergeben werden, wodurch man für die Kamm⸗ ſtühle ein recht ſtrammes und feſtes Band erhält. Nun kommen wir zu einem ſehr wichtigen Teile der Kammgarn⸗ ſpinnerei, zu dem Kämmen der Wolle ſelbſt. Bei dieſer Ope⸗ ration kommen die komplizierteſten Maſchinen in Betracht, die in ihrer heutigen Vollendung einen hohen Grad von Intelligenz, raſtloſes Sinnen und praktiſches Probieren er⸗ fordern; ſtarb doch der Erfinder des Heilmannſchen Syſtems in Geiſtesverwirrung. Bei der Manipulation ſelbſt wird ſtets eine größere oder kleinere Zahl von Haaren, welche man Kämmlinge nennt, zur Kammwolle untauglich gemacht. Wir erhalten drei Produkte: die langen Haare, welche den Kammzug bilden, die kürzeren Haare, welche Kämmlinge heißen, und die ganz kleinen Wollteilchen, welche Kammflug oder Kammſtaub genannt werden. Der Zweck des Kämmens wird um ſo beſſer erreicht, je weniger Haarenden ſich in einer beſtimmten Fadenlänge vorfinden; zu kurze Wollen vermögen die Kammaſchinen nicht zu faſſen; die Länge der zur Kamm⸗ wollfabrikation beſtimmten Wollen ſoll mindeſtens 6,5 cm 13* 4 —— —y— 196 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. betragen. Die Landwirte ſollen ſich aber auch davor hüten, zu lange Wollen zu produzieren; denn dieſe ſind für die Kammwollfabrikation doch erſt recht unbrauchbar; ſie werden von den Kämmen einfach entzweigeſchnitten und haben dann weder als Kämmlinge noch als Kammzug einen Wert. Das Verhältnis vom Zuge zum Kämmling wird durch⸗ ſchnittlich zu 70% Zug, 30% Kämmling bei AA-Wolle und zu 75% Zug und 25% Kämmling angegeben. Hat die Wolle den Kämmſtuhl verlaſſen, ſo wandert der Zug in die Streckmaſchine; der Kämmling dagegen wird ab⸗ geſondert und an die Tuchfabrikanten verkauft; er hat für dieſe einen hohen Wert, der ſich natürlich nach der Güte der Ware ſelbſt richtet. Wie bereits erwähnt, bildet der Zug, wenn er vom Kammſtuhle kommt, ein loſes Band er muß daher noch einmal geſtreckt werden, was in den Topfſtrecken geſchieht. Hat der Zug auch dieſes hinter ſich, ſo ſchreitet er zu der letzten Vorbereitung vor dem Vorſpinnen vor, nämlich zu dem Plätten, welches den Zweck hat, die Bänder vollends zu entfalten, zu reinigen und zu entkräuſeln, da bei dem Vor⸗ ſpinnen das Material aus der reinſten Haarſubſtanz beſtehen und das kleinſte Atom Staub daraus entfernt werden muß. Die von der Kämmaſchine erhaltenen Zugbänder kommen nun auf die Plättmaſchine oder Liſſeuſe. Durch Einziehwalzen gelangen die Bänder in das erſte Seifenbad. Sie paſſieren hierauf das erſte Preßwalzenpaar und demnächſt noch hohle, mit Dampf geheizte, äußerlich polierte Kupferwalzen, welche das Trocknen, Entkräuſeln, Spannen und Glätten der Bänder bewirken. Nach dem Verlaſſen der Plättmaſchine wird der Zug zu Spulen aufgewickelt und iſt zur Spinnerei fertig. Im Anſchluß an die Kämmerei folgen die Kämmereiergebniſſe von verſchiedenen Wollen nebſt den Durchſchnittsergebniſſen aus einer größeren Zahl verſchiedenen Ländern entſtammen⸗ den Kammwollen. I. Partie. Deutſche Schweißwolle. Ergebnis: Rohe Wolle 131 000 kg. An Zug 35,32% „ Kämmlingen 3,96„ „ Kammflug 0,31„ „ Abgängen 1,24.„ Rendement 40,83% Waſchverluſt 59,17„ Summa 100,00% Die Manipulationen bei der Verarbeitung der Wolle. Auf der Kämmlingswage gewogen An Zug 85,00% „ Kämmlingen 15,00„ Summa 100,00% Deutſche Schweißwollen. Ergebnis: An Zug „ Kämmlingen „ Kammflug „ Abgang 1. „ Abgang II Rendement Waſchverluſt Summa 100,00% Kämmereiunkoſten. An Kammlohn 1066,80 Mk. Steinkohlen 278,30 Talg 10,50 Wollöl 48,60 Schmieröl 52,92 3,25 Reparaturen 171,00 10,50„ Summa 1628,12 Mt.= 100,00% Kämmlohn 0,28 Mk. Waſchlohn 0,02„ Summa 0,30 Mk. Ruſſiſche Wollen. An Zug 4 „ Kämmlingen „ Kammflug „ Abgängen Rendement Waſchverluſt Summa 100,00% An Zug 78,25„ „ Kämmlingen 21,75„ Summa 100,00% 65,52% 17,09 0,65 2,99 Spinnerei. Mit Recht kann man die Spinnerei als Grundlage der Weberei anſehen, und eine gute Vorbereitung zur Spinnerei iſt der ſicherſte Grundſtein für das eigentliche Spinnen. Was einmal in der Vorbereitung verdorben iſt, kann auf der 198 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. Spinnmaſchine nicht wieder gutgemacht werden. Die Vor⸗ bereitungen haben den Zweck, die von der Kämmerei gelie⸗ ferten Bänder durch Doublieren und Strecken auf den Grad von Feinheit und Gleichmäßigkeit zu bringen, wie es unbedingt erforderlich iſt, um auf der Feinſpinnmaſchine ein den An⸗ forderungen der Weberei entſprechendes Garn zu liefern. Iſt das Vorgarn normal, ſo hat der Spinner bloß ſeine Maſchine richtig zu ſtellen, um ein gutes Garn zu liefern. Iſt das Vorgarn ſchlecht, ſo mag die Maſchine noch ſo genau arbeiten, das Reſultat wird doch mangelhaft ſein. Die Vorarbeiten beſtehen nur der Hauptſache nach in einem vielfach wiederholten Strecken, um ein Band mit vollkommenen, parallel liegenden Wollhaaren von ſolcher Beſchaffenheit zu erzielen, daß ſich in jedem Querſchnitte ſo annähernd als möglich eine gleich große Anzahl von Wollhaaren vorfindet, d. h. daß das Band überall gleiche Stärke beſitzt. Das Band, welches die Käm⸗ merei liefert, hat meiſtens ein Gewicht von 15— 20 g pro Meter. Die Beſchaffenheit der Wollfaſer verlangt, daß das Vorſtrecken nicht zu gewaltſam vor ſich geht. Dadurch wird notwendig, daß eine gewiſſe Anzahl von Maſchinen ſich in die Arbeit teile und die nachfolgende das Produkt der vorher⸗ gehenden übernimmt, um es dann in immer verbeſſertem Zuſtande der nächſtfolgenden zu übergeben. Eine ſolche Zu⸗ ſammenſtellung von Maſchinen nennt man ein Sortiment. Die Verarbeitung der Bänder geſchieht auf allen Ma⸗ ſchinen in gleicher Weiſe. Hinter der Maſchine befindet ſich ein Spulengeſtell, welches bei den erſten Paſſagen durch eine Kette vom Hinterzylinder der Maſchine aus getrieben wird. Hier werden die von der Kämmerei gelieferten Bänder auf ſenkrecht ſtehenden Spindeln aufgeſteckt. Das ſich abwickelnde Band gelangt über ſich drehenden Walzen nach dem Speiſe⸗ zylinder, welcher mit einer eiſernen Druckwalze belaſtet iſt. Zwiſchen beiden hindurchgehend, kommt es zu dem ſogen. Führungszylinder, der ebenfalls eine kleine Druckwalze hat. Dicht hinter dieſem legt ſich das Band in die Zähne der Nadel⸗ walzen und wird vom Haupte der Ausgangszylinder ergriffen. Dieſe ſind geriffelt; das hier austretende Band geht durch einen Trichter, wird zwiſchen den Frottiers oder Reibledern gerollt, paſſiert einen zweiten Trichter, gelangt zum Spulen⸗ wagen und wird von dieſem auf Holzſpulen aufgerollt. Dieſer Die Manipulationen bei der Verarbeitung der Wolle. 199 Gang bleibt immer derſelbe; nur werden die Verhältniſſe der Zylinder, der Nadelwalzen, des Druckes und der Geſchwindig⸗ keiten mit der zunehmenden Verfeinerung der Bänder andere. Das Verſpinnen ſelbſt wird durch Anwendung von Spul⸗ maſchinen charakteriſiert; von dieſen werden gewöhnlich drei gebraucht, Grob⸗, Mittel⸗ und Feinſpulmaſchinen, an welche ſich für feinere Garnnummern wohl noch eine vierte anſchließt. Die Numerierung der Kammgarne geſchieht auf folgende Weiſe: Das Kilogramm bildet die Gewichtseinheit, und die Nummer ſoll gleich einer Anzahl Stränge von 1000 m ſein, welche ein Kilogramm wiegen. Das gültige Maß iſt alſo das Meter, das alleinige Gewicht das Kilogramm; die Nummer des Fein⸗ garns wird beſtimmt durch die Zahl, welche angibt, wieviel mal tauſend Meter auf ein Kilogramm gehen. Somit ſind 1000 m= 1 kg= Nr. 1. 25 000 m= 1 kg= Nr. 25. Nr. 50 enthält alſo 50 Stränge zu 1000 m= 50 000 m. Nr. 35 ent⸗ hält 35 Stränge zu 1000 m= 35 000 m im Zuſammenhange. Wir ſchließen daraus, daß die Nummer ſteigt, je feiner das Garn wird, daß ſie ſinkt, wenn der Faden ſtärker wird, oder: je ſtärker das Garn, deſto niedriger die Nummer, je feiner das Garn, deſto höher die Nummer. Das Feinſpinnen. Die Arbeit wird von der Spinnmaſchine ausgeführt. Je nach der Konſtruktion nennt man die Maſchinen Water⸗ Mulemaſchinen und Selfaktor. Die meiſten Anwendungen, namentlich für feinere Garne, findet der Selfaktor, während die Water⸗ und Mulemaſchinen ſich beſſer für gröbere oder Strickgarne eignen. Auf Watermaſchinen werden durchaus lange und ſchlichte Wollen geſponnen; kürzere und feinere Wollen werden vorzugsweiſe auf dieſen Maſchinen zu den ſtärker gedrehten Kettengarnen, auf Mulemaſchinen zu wenig ſtark gedrehten und daher vorzugsweiſe zu Schußgarnen ver⸗ ſponnen. Bei der vielfachen Anwendung des Selfaktors dürfte es wohl angemeſſen erſcheinen, auf die Konſtruktion desſelben näher einzugehen. Der Selfaktor beſteht aus zwei Haupt⸗ teilen, dem feſtſtehenden hinteren Teile, welcher den Aufſteck⸗ rahmen für die Vorgarnſpulen, den Zylinderbaum mit dem darauf befindlichen Stockwerk und in der Mitte das Haupt⸗ geſtell, den ſogen. Handſtock, mit dem Getriebe enthält; der —— 200 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. zweite Hauptteil des Selfaktors wird gebildet durch den Wagen, welcher auf eiſernen Bahnen läuft, und die Spindeltrommel ſowie die Spindeln nebſt dem Apparate zum Aufwinden des fertigen Garnes auf die Spindeln erhält. Nachdem nun das Garn auf der Feinſpinnmaſchine fertig⸗ geſtellt iſt, kommt es zur Verſendung in die Weberei; ent⸗ weder wird es als Schuß auf Kötzer gewickelt oder, iſt es als Kette beſtimmt, ſo wird es von den Maſchinenſpulen abge⸗ haſpelt oder geweift. Bekanntlich ſpinnt man das Garn auf Kötzer oder Spulen, das Kettengarn auf lange(15— 16 cm), das Schußgarn auf kurze(12 cm) Blechſpulen. Das nunmehr für die Weberei beſtimmte Garn wird nach der Ablieferung von den Spinnmaſchinen eine Zeitlang der Einwirkung von Waſſerdämpfen ausgeſetzt, damit der Faden recht glatt bleibe. Man benutzt zu dieſen Dämpfen große eiſerne Kaſten, in neueſter Zeit auch größere gemauerte oder aus Beton hergeſtellte Räume. Nach dem Dämpfen läßt man das Garn in feuchtem Raume ſtehen, damit es dann verſendet werden könne. Das Weben der Kammgarnwolle findet in derſelben Weiſe ſtatt wie in der Tuchfabrikation; ich brauche daher nicht mehr auf dasſelbe einzugehen. Zur Herſtellung gewiſſer ſchöner und glatter Stoffe wird das Zettel⸗ oder Ein⸗ ſchußgarn gleich genommen; zu anderen Stoffen wird als Einſchuß Streichgarn verwendet, zu noch anderen Baumwolle oder Seide benutzt. Appretur der Kammgarnſtoffe. Die Appretur der Kammgarnſtoffe iſt nicht in dem Maße ausgedehnt wie die der Tuchfabrikation. Wie den Tuchſtoffen die Krimpkraft erhalten werden muß, ſo ſoll den Kammgarn⸗ ſtoffen die Krimpkraft möglichſt entzogen werden. Es iſt Auf⸗ gabe der Kammgarnfabrikation, einen möglichſt glatten Faden und glattes Gewebe herzuſtellen. Von einer Walke iſt nicht die Rede; auch das Rauhen und Scheren entbehren manche Kamm⸗ garnſtoffe; eine Ausnahme bilden nur die ſammetartigen Stoffe. Bei der Verarbeitung eines auch noch ſo glatten Fadens zu allen nichtſammetartigen Kammwollzeugen iſt es trotz der größten Achtſamkeit nicht zu vermeiden, daß hiex und da kleine —— Appretur der Kammgarnſtoffe.. 201 Haarendchen aus dem Gewebe hervortreten. Obgleich man auch bei den Kammwollzeugen das Scheren verſucht hat, ſo wird dach überall das Sengen angewendet. Dasſelbe geſchieht entweder in der Weiſe, daß glühende Metallſtäbe über das ausgeſpannte Zeug hinweggezogen werden, oder es wird mittelſt einer Gasſengmaſchine ausgeführt. Gleich nach dem Sengen muß das Noppen vorgenommen werden, da ſich aucht hier bei dem Weben fremde Stoffe einmiſchen oder Fäden in unregelmäßige Lage gekommen ſind, welche wieder geordnet werden müſſen. Nach dem Noppen folgt das Auswaſchen. Das Waſchen geſchieht in den ſogen. Prätmaſchinen. Nach der Wäſche muß natürlich das Zeug getrocknet werden, welches entweder durch Aufhängen oder durch Zentrifugaltrockenmaſchinen geſchieht; nach dieſer Manipulation wird es gefärbt. Nach der Färbung iſt die nächſterſte Arbeit das Steifen und Kareien. Bei dem Kareien wird das Gewebe durch verdünntes Leimwaſſer gezogen und dann in naſſem Zuſtande ganz ſtramm auf eine Walze gewickelt. Während des Aufwickelns wird das Gewebe trockener Luft ausgeſetzt oder auch über ein Kohlenfeuer gezogen, das Gewebe wird dadurch feſt und erhält eine gewiſſe Steifheit. Nach dem Kareien wird das Gewebe nochmals geſtreckt, um ſich dann der Manipulation des Ka⸗ landerns zu unterziehen. Die Kalander dienen dazu, die Stücke gleichmäßig auszubreiten. Dieſe Maſchinen werden von übereinanderliegenden Walzen gebildet, von denen die eine hohl, aus Kupfer oder Gußeißen hergeſtellt, durch Dampf geheizt werden kann, während die andere aus Holz oder Papier gefertigt iſt. Die Benutzung von Papierkalandern an Stelle hölzerner verdankt man den Engländern, welche ſich zuerſt papierner Walzen bedienten und dieſelben vor etwa vierzig Jahren einführten. Während das Stück zwiſchen beiden Walzen hindurchgeht, wird es ſtark zuſammengepreßt, ſeine Oberfläche wird dadurch gleichförmig glatt, ſogar glän⸗ zend, wenn die Appretur, mit welcher der Stoff imprägniert, widerſtandsfähig iſt und Subſtanzen enthält, welche imſtande ſind, bei der Reibung eine gewiſſe Politur anzunehmen, wie Wachs, Stearin. Die letzte Appretur iſt das Preſſen, welches in derſelben Weiſe wie bei der Tuchfabrikation vollzogen wird. 202 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. Die Fabrikation gewirkter und geſtrickter Waren. Das Wirk⸗ und Strickgarn unterſcheidet ſich dadurch, daß bei den Strickwaren die Garnfäden ſich in glatter, gerader Linie im rechten Winkel durchkreuzen; außerdem kommt das Garn bei den gewirkten Waren nur in gezwirnter Form zur Verarbeitung. Die auf ſolche Art hergeſtellten Zeuge haben nicht die Dichtigkeit der gewebten Stoffe, beſitzen aber eine höhere Elaſtizität und ſchließen ſich dem Körper viel inniger an. Die Strickwaren ſind die Erzeugniſſe einer Handarbeit, des Strickens; erſt in neuerer Zeit hat man die Strickmaſchinen erfunden. Die Wirkwaren werden auf dem Strumpfwirker⸗ ſtuhle hergeſtellt. Die Herſtellung der Strick⸗ und Wirkgarne, die auch unter dem Namen„Halbkammgarn“ zuſammengefaßt werden, geſchieht entweder durch Handſpinnerei oder durch Maſchinen⸗ arbeit. Eine andere Art der Verwendung der Halbkammgarne iſt die Tapiſſeriearbeit. Zu dieſer wird jedoch ein beſonderes Garn verwendet, deſſen Verarbeitung nur mit der Hand ge⸗ ſchieht. Die Halbkammgarne werden nicht gewalkt; ſie dürfen kein filziges, feſtes Ausſehen haben, ſondern ſollen vielmehr eine lockere, elaſtiſche Form zeigen, da ſie beim Gebrauche nicht einſchrumpfen dürfen. Zu handgeſponnenen Halbkamm⸗ garnen werden Wollen verarbeitet, die ſehr geringe oder gar keine Krimpkraft beſitzen. Hierher gehören die Wollen der Heidſchnucke, der polniſchen Land⸗ und norddeutſchen Marſch⸗ und Zackelſchafe. Das Material für die Maſchinenſpinnerei liefern hauptſächlich die halbveredelten Schafraſſen. Hierher gehören beſonders die ruſſiſchen und ungariſchen Einſchuren, die deutſchen Landwollen ſowie die Wollen von Kreuzungen der Merinos mit engliſchen, namentlich kurzwolligen Raſſen. Aus Halbkammgarnen(die für Strick⸗ und Wirkwaren geeigneten Garne) werden hergeſtellt⸗ Zephir⸗, Strick⸗, Phan⸗ taſie⸗, Strumpf⸗ und Kaſtorgarne. Die Verwendung der Schafwolle zu Kleiderſtoffen iſt überall gebräuchlich, und deshalb wird die Wolle nie auf⸗ hören, ein wichtiger Handelsartikel zu ſein, im Gegenteil durch die beſtändig wachſende Zahl der Menſchen auf der Erde immer mehr geſucht ſein, denn die aus Wolle gefertigten Stoffe haben immer den Vorzug, ſchlechte Wärmeleiter zu —,—.————-——— t 6 1 1 — — Die wichtigſten Arten der Gewebe aus Kammgarn. 203 ſein, die imſtande ſind, die Körperwärme zurück⸗ und die äußere Luft vom Körper abzuhalten. Eine weitere wertvolle Eigenſchaft der Schafwollkleidung liegt in der Elaſtizität des Wollhaares begründet: die Eigenſchaft, daß Kleider, die beim Tragen gedrückt wurden, durch Aufhängen die urprüngliche Form wiedererlangen. Ich erinnere ferner an die Prof. Jäger⸗Wäſche, die aus reiner Wolle angefertigt wird, eine ſehr große Aufnahmefähigkeit für Schweiß beſitzt und aus dieſem Grunde einen wirkſamen Schutz gegen Erkältung bietet. Die wichtigſten Arten der Gewebe aus Kammgarn. Die durch die Zeugweberei hergeſtellten Stoffe ſind von unendlicher Mannigfaltigkeit; der Wechſel der Mode liefert täglich neue Muſter und Kombinationen. Die Verſchiedenheit der Stoffe wird einerſeits durch die verſchiedenen Qualitäten von Kammwollen, anderſeits aber dadurch ermöglicht, daß man Kammgarn entweder rein für ſich oder in Verbindung mit Streich⸗, Baumwoll⸗ oder Seidengarn verarbeitet. Je nach der Herſtellung unterſcheidet man: I. Glatte Gewebe. Bei den glatten Fäden läßt der Eintragfaden, in ſeinem Laufe quer durch die Kette abwechſelnd, einen Kettenfaden unten und einen anderen über ſich liegen, ſo daß er die eine Hälfte der Kettenfäden bedeckt, von der anderen bedeckt wird. Von dieſer Art iſt das Gewebe bei Kattun, Schirting, Batiſt, Kaliko, Rips, Stramin, Taft, Bombaſin, Berkan, Krepp, Orleans, Wollmuſſelin, Kamelott, Beuteltuch und Chaly. II Geköperte Stoffe. Der Eintragfaden läßt nicht immer nur einen Faden der Kette über oder unter ſich, ſondern oft zwei oder mehrere Fäden; ſodann wechſeln ſtets mehr als zwei verſchiedene Lagen des Eintrags miteinander ab. Zu den geköperten Stoffen ge⸗ hört vor allem der Kleiderſtoff für Frauen, Merino, wobei Schuß und Kette aus Kammgarn hergeſtellt wird, ferner Tibet, Baſting, wollener Atlas, Sarſche, Olpreßtuch. III. Gemuſterte Stoffe. Die gemuſterten Stoffe bieten ein Muſter dar infolge eigentümlicher Verſchlingungen von Ketten und Eintragfäden. — — ———— 204 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. Der Grund iſt entweder leinwand⸗ oder gazeartig oder ge⸗* 8 köpert. Man erzeugt Muſter in den Geweben auf folgende Art: a) durch regelmäßige, auf verſchiedenen Teilen der Fläche verſchiedene Verſchlingungen der nämlichen Kette und des. nämlichen Eintrags, welche zugleich das Grundgewebe bilden, z. B. Drell, Damaſt, Weſtenſtoffe, Beinkleiderzeuge, Schals, Umſchlagetücher; b) durch Einweben beſonderer, nur zum Muſter gehöriger, vom Grundgewebe unabhängiger Einſchlag⸗ fäden: broſchierte Stoffe, z. B. Kleiderſtoffe, Schals; c) durch regelmäßiges Zuſammenweben zweier aufeinanderliegender meiſt glatter Gewebe, wobei die Art des Zuſammenwebens das Muſter erzeugt, z. B. Pikee und gewiſſe Teppiche, Möbel⸗ ſtoffe, wollene Tapeten und Gobelins; d) durch Hervorbrin⸗ gung gitterartiger Offnungen mittelſt einer dem Gazeſtuhl ähnlichen Vorrichtung, entweder in Gaze⸗ oder in Leinwand⸗ grund, z. B. gewiſſe Damenkleider, Vorhänge; e) durch An⸗ wendung beſonderer, nur für das Muſter beſtimmter, in das für ſich beſtehende Grundgewebe eingeſchalteter Kettenfaden, z. B. Bänder. IV. Sammetartige Stoffe. Auf einem leinwandartigen Grundgewebe iſt eine haar⸗ artige Decke angebracht, auf der feine, gleichlange Fäden auf⸗ rechtſtehen oder bei größerer Länge nach dem Striche nieder⸗ gelegt werden. Bei dem baumwollenen Sammet(Mancheſter, Velvet) wird der Flor durch den Eintrag hervorgebracht. Er verbindet zunächſt die Kettenfäden miteinander zu einem kon⸗ 5 ſiſtenten, nur auf der Rückſeite des Stoffes ſichtbaren Grund⸗ gewebe und läuft auf ſolche Art durch die Kette, daß er zu. wenigſtens drei Viertel auf der rechten Seite des Stoffes flott liegt und hier lauter parallele Längsſtreifen bildet, welche unten das Grundgewebe, oben die ungebundenen Teile des Eintrags zur Wand haben. Die flottliegenden Teile des Ein⸗ trags werden nach dem Weben mit einem Meſſer aufge⸗ ſchnitten und ihre Endchen mittelſt einer Maſchine aufge⸗ bürſtet, wodurch das dicht deckende Haar entſteht, welches ſpäter abgeſchoren wird. Der Flor wird bei dem echten Sammet durch eine zweite Kette hervorgebracht, welche auf dem Webſtuhl oberhalb der Kette des Grundgewebes aufge⸗ ſpannt iſt. Aus der Polkette werden beim Weben kleine —. 2——.——y,——,———. — 1 Was verlangt der Fabrikant von einer Wolle? 205 Schleifen oder Maſchen gebildet, indem man in jedes beim Weben von der Polkette gebildete Fach eine Nadel einſchiebt. Dieſe Schleifen werden nachher an der oberen Biegung aus⸗ geſchnitten und durch Bürſten und Scheren verarbeitet. Zu den ſammetartigen Stoffen gehören: echter Sammet, Mancheſterſammet, ſammetartige Teppiche, Plüſch und Mo⸗ hairplüſch, ſammetartige Tapeten. V. Gazenartige Stoffe. Je zwei Nachbarfäden der Kette legen ſich abwechſelnd von links nach rechts übereinander und halten die Schußfäden zwiſchen dieſen Kreuzungen feſt. Es entſtehen Stoffe mit ge⸗ kreuzter Kette, wobei der eine Kettenfaden ſämtliche Schuß⸗ fäden unter ſich, der andere ſämtliche Schußfäden über ſich läßt. Zu den Stoffen gehören die Zylindergaze. Was verlangt der Fabrikant von einer Wolle? Die Eigenſchaft, welche ſowohl in der Tuch⸗ als auch in der Kammgarnfabrikation die größte Rolle ſpielt, iſt die Aus⸗ geglichenheit im Vlieſe. Möge doch jeder Landwirt ſich be⸗ mühen, ausgeglichen zu züchten! Möchte doch jeder Landwirt darauf achten, ob eine Wolle fein iſt oder grob, ausgeglichen muß ſie ſein; je ausgeglichener ſie iſt, deſto höheren Wert hat ſie für die Fabrikation. Andere allgemeine Eigenſchaften ſind noch die Formbarkeit und Widerſtandskraft der Wolle; letztere iſt nicht zu unterſchätzen; denn je höher der Grad von Kraft iſt, um die Wolle zu zer⸗ reißen, deſto größeren Wert hat ſie für den Fabrikanten, und deſto haltbarer wird das daraus gewonnene Fabrikat ſein. Beſonders ſpielt die Widerſtandskraft in der Kammgarnfabri⸗ kation eine Rolle, da dieſelbe bei den letzten Vorarbeiten der Wolle ſehr in Anſpruch genommen wird. 206 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. Schlußbetrachtung. Welche Eigenſchaften müſſen die Tuchwolle und die Kammwolle beſitzen? A. Tuchwolle. Krimpkraft. Die Krimpkraft iſt wohl die wichtigſte Eigenſchaft des Wollhaares zur Herſtellung von Tuch. Beſäße die Wolle dieſe Eigenſchaft nicht, ſo wäre eine Tuchfabri⸗ kation überhaupt nicht möglich; die Krimpkraft bedingt die Walkbarkeit des Wollhaares. Ein hoher Grad von Krimpkraft infolge Einwirkung von Wärme und Feuchtigkeit auf das hygroſkopiſche Wollhaar iſt bei der Tuchwolle unerläßlich, weil, wie wir geſehen, aus demſelben Stoffe hergeſtellt werden ſollen, bei denen die ſich kreuzenden Fäden im Gewebe nicht zu erkennen ſind, dasſelbe vielmehr eine kompakte, filzartige Beſchaffenheit zeigen ſoll. Der Züchter muß daher darauf hinwirken, in ſeiner Herde die Krimpkraft zu erhöhen. Wo⸗ durch dies geſchehen könne, iſt zwar phyſiologiſch noch nicht klar dagelegt, aber, wie ich bereits bemerkt habe, hängt die Krimpkraft mit der Kräuſelung und der Treue des Wollhaares eng zuſammen; durch richtige Auswahl von Zuchttieren kann die Krimpkraft in einer Tuchwollherde erhalten bleiben. Kräuſelung. Wolle mit normaler Kräuſelung kann der Tuchfabrikant noch gebrauchen. Die Erfahrung hat ge⸗ lehrt, daß die hochbogigen Wollhaare ſich am meiſten krüm⸗ men; hierauf aber iſt zu entgegnen, daß hochbogige Wollen ſich zu ſchwer verſpinnen, eine geringe Elaſtizität und eine für die Tuchfabrikation zu große Härte beſitzen. Es iſt daher dem Züchter zu raten, eine Wolle mit normal oder höchſtens gedrängtbogiger Kräuſelung zu züchten. Zu eng mit der Kräuſelung iſt die Treue des Wollhaares verbunden; ja den Prüfſtein der Treue geben die Kräuſelungsbögen ab. Sind dieſelben gleich, ſo läßt ſich der Schluß ziehen, daß die Wolle treu iſt; nur aus treuer Wolle läßt ſich, beſonders in der Tuchfabrikation, ein gleichartiges Fabrikat erzielen. Wollte man den letzten Satz genau nehmen, wie wenn in der ganzen Länge des Wollhaares nicht die leiſeſte Ab⸗ weichung vorkommen dürfte, ſo würde er eine Anforderung in ſich ſchließen, welche ſehr ſchwer zur erfüllen wäre; denn der Wechſel in den Lebensverrichtungen des Schafes und in Schlußbetrachtung. den äußeren Einflüſſen, die der Lauf des Jahres mit ſich bringt, veranlaßt auch bei der ſorgfältigſten Haltung immer kleine Abweichungen in der Richtung, daß z. B. der Teil des Wollhaares, welcher während der Säugezeit emporwächſt, etwas ſchlaffer, die äußerſte Spitze, welche während der Weide⸗ zeit hervorkommt und die überdies den Einflüſſen der Sonne, des Staubes und Regens am meiſten ausgeſetzt iſt, etwas gröber wird. Doch es genügt ſchon, wenn die Eigenſchaften, mit welchen ein Wollhaar am Hautende ausgeſtattet iſt, von denen am entgegengeſetzten Ende oder in der Mitte oder an irgendeiner anderen Stelle nicht zu bedeutend abweichen. Die Länge der Tuchwolle. Es eignen ſich alſo zur Tuchfabrikation Wollen, deren Jahreswuchs 60 mm nicht überſteigt. Zu lange Wollen haben als Tuchwollen keinen Zweck; ſie werden vom Fabrikanten erſt durchſchnitten, geben aber dann kein gutes Fabrikat; deshalb werden zu lange Tuchwollen vom Fabrikanten nicht gern geſehen; das Maximum darf 60 mm nicht überſteigen. Feinheit der Wolle. Im großen und ganzen dürfte wohl das wirtſchaftlich Richtige ſein, daß diejenigen Landwirte, welche Tuchwollen züchten, eine Wolle produzieren, welche ſich in den Grenzen einer A-Wolle bewegt. B. Kammwolle. Während die Krimpkraft für den Streichgarnſpinner von faſt unſchätzbarem Werte iſt, hat ſie für die Kammgarnſpinnerei bei der Herſtellung glatter Zeuge faſt gar keinen Wert. Dieſe werden nicht gewalkt, ſollen alſo in der Wäſche nicht ein⸗ laufen. Der Kammgarnſpinner wünſcht und muß einen glatten Faden haben; der Züchter von Kammwollſchafen wird daher ſolche Wollen mit möglichſt geringer Krimpkraft zu produ⸗ zieren ſuchen. Jede Merinowolle beſitzt eine gewiſſe Krimp⸗ kraft; um dieſelbe zu entfernen, wird ſie bei der Kammgarn⸗ fabrikation in den Vorarbeiten durch Strecken der Wolle in noch feuchtem und warmem Zuſtande ſoviel wie möglich zu entfernen geſucht. Arbeite alſo der Kammgarnzüchter dem Fabrikanten in die Hand und liefere eine Wolle mit möglichſt geringer Krimpkraft. 208 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle. Kräuſelung. Je hochbogiger die Kräuſelung iſt, deſto intenſiver die Krimpkraft; je flacher, deſto geringer die Krimpkraft. Letztere Eigenſchaft iſt für die Kammwollſpinnerei wichtig; ja, in früheren Jahren konnte der Kammgarnſpinner keine Wolle mit nur normaler Kräuſelung verarbeiten; aber jetzt iſt es ihm durch Erfindung neuer Maſchinen, beſonders der Plätt⸗ maſchinen, gelungen, auch Kammwollen mit Kräuſelung zu verarbeiten; doch der Fabrikant verarbeitet am liebſten Kamm⸗ wollen, welche gedehnt und flachbogig ſind; dagegen iſt eine allzuſtarke Markierung zu vermeiden. Auch auf Treue des Wollhaares legt hier der Fabrikant einen Wert; denn un treues Haar erzielt in der Kammwollfabrikation zuviel Kämm⸗ linge, da die Widerſtandskraft ſehr in Anſpruch genommen wird. Iſt alſo ein Wollhaar in ſeinen Teilen nicht gleich, ſo zerreißt es beim Kämmen; auf feſtgeſchloſſenen Stapel ſieht der Kammwollfabrikant nicht allzu ſehr. Beſonders aber„ muß ich die Landwirte darauf hinweiſen, den Quaderſtapel zu vermeiden; denn derſelbe läßt immer auf eine keulenartige Strähnbildung ſchließen. Die Länge der Kammwolle. Unter den Züchtern herrſcht jetzt vielfach die Anſicht, Kammwolle könne nicht lang genug ſein; dieſes zeugt aber von wenig Kenntnis der Fabrikation; denn zu lange Wollen können unſere Fabrikanten überhaupt nicht verarbeiten. Wolle von 10 cm Länge befriedigt vollſtändig den Fabrikanten; es wäre Unſinn, längere heranzuzüchten, da ſie über eine gewiſſe Grenze von Länge untauglich für die Fabrikation wird. Feinheit der Kammwolle. Vielfach hört man jetzt von Züchtern die Behauptung aufſtellen, Kammwolle könne nicht grob genug ſein, man müſſe grob züchten; demgegenüber muß ich geltend machen, daß man zu grobe Wolle von unſeren Kammwollſchafen nicht braucht; dafür gibt es engliſche Kreuzungen. Der Kammgarn⸗ fabrikant braucht keine ſo große Feinheit wie der Streichgarn⸗ ſpinner, aber das Sortiment einer Kammwolle ſollte ſich in den Grenzen einer geringen A bis geringen B bewegen. Anhalt. Buchdruckerei Gutenberg, Guſtav Zichäus, Deſſau. 1 Pre Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10 u. 11 praktisches Handbuch der Landwirtschaft. Preisgekröntes Werk. Zweiundzwanzigste, neubearbeitete Auflage. Mit 18 Farbendrucktafeln und 808 in den Teæt gedruckten Abbildungen Gebunden, Preis 22 M. Schlipf’s Handbuch ist wohl das verbreitetste, bei sehr schöner Ausstattung wohlfeilste zeitgemäße einbändige Lehrbuch der Landwirtschaft. Es ist ein Schatz für jeden Landwirt, auch den erfahrensten; seine Anschaffung kann ledermann wärmstens empfohlen werden— als notwendiges Besitzstück jedes, auch des kleinsten Betriebes. Grundsätze und Ziele neuzeitlicher Landwirtschaft. Von Dr. Th. Wölfer. Direktor der staatl. Ackerbauschule Dargun i. M. Siebente, neubearbeitete Auflage. Gebunden, Preis 24 M. Es kann gar nicht eindringlich genug gesagt werden, welchen Wert für jede Wirtschaft dieses Buch bedeutet. Es enthält alles, was der Landwirt zur Lösung seiner Wirtschaftsfragen tagtäglich braucht; es gibt Antwort wohl auf jede Frage des Betriebes, und zwar in einer Form; wie sie der Praxis angepaßt ist. Das Buch ist für jedermann bestimmt und auch von jedermann dringend benötigt. Krafft's Lehrbuch der Landwirtschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage Herausgegeben und neubearbeitet von Dr. C. Fruwirth, und Dr. Fr. Falke Professor an der technischen Hoch- Professor, Geheimer Regierungsrat in schule in Wien. Dresden. Mit 1047 Textabbildungen und 34 zumeist furbigen Tafeln Vien Bände— Gebunden, Preis 60 M. Daraus einzeln: I. Ackerbaulehre. Zwölfte Aufl., neubearbeitet von Prof. Dr. C. Fruwirth. Mit 365 Textabbildungen, 3 farb. u. 2 schwarzen Tafeln. Geb., Preis 15 M. II. Pflanzenbaulehre. EIlfte Aufl., neubearbeitet von Prof. Dr. C. Fruwirth. Mit 289 Textabbildungen, 5 schwarzen und 8 farb. Tafeln. Geb., Preis 15 M. III. Tierzuchtlehre. Elfte Aufl., neubearbeitet von Prof. Dr. Falke. Mit 354 Textabbildungen u. 13 Tafeln mit 57 farbigen Rassebildern. Geb., Preis 15 M. IV. Betriebslehre. Elfte Aufl., neubearbeitet von Prof. Dr. Falk e. Mit 39 Text- abbildungen und 3 farbigen Tafeln. Gebunden, Preis 15 M. Schwerlich dürfte ein anderes landwirtschaftliches Lehrbuch gleichen Anklang und gleiche Verbreitung in den Kreisen der lernenden wie ausübenden, der akademisch wie nichtakaden-'isch vorgebildeten Landwirte gefunden haben wie Krafft's„Lehrbuch der Landwirtschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlagen.— Es entspricht in seinen neuesten Auflagen allen Anforderungen an ein großes modernes Handbuch der gesamten Landwirtschaft. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10 u. II Landwirtschattliche Unterrichtsbücher. Grundzüge der Landwirtschaft. Von F. Gaul, Direktor zu Hiildburghausen. Zweite Auflage. Geb., Preis 3 M. 60 Pf. Ackerbau einschl. Bodenkunde, Düngerlehre, Maschinenlehre und Meliorations- lehre von Dir. Dr. Drovsen u. Prof. Dr. Gisevius. Neunte Auflage. Mit 195 Textabbildungen. Geb., Preis 4 M. 20 Pf. Lehrbuch des Ackerbaus von Prof. Dr. H. Biedenkoptf in Groß-Umstadt. Sechste Auflage. Mit 8 Tafeln u. 80 Textabbildungen. Geb., Preis 9 M. 60 Pf. Leitfaden f. einfache landw. Untersuchungen Von Prof. Dr. H. Bie denkopf in Groß-Umstadt. Dritte Auflage. Mit 38 Textabbildungen. Geb., Preis 3 M. Grundzüge der Agrikulturchemie. Bearbeitet von Dr. R. Otto in Proskau. Zweite Auflage. Mit 42 Textabbildungen. Geb., Preis 3 M. 50 Pf. Bodenkunde. Von Dr. W. Lilienthal, Winterschul-Direktor in Genthin. Dritte Auflage. Mit 14 Textabbildungen. Geb., Preis 4 M. Bodenkunde von Direktor A. Wirtz in Odenkirchen. Preis 50 Pf. Mineralogie und Gesteinslehre v. V. Uhrmann, Direktor d. landw. Schule in Annaberg im Erzgeb. Dritte Aufl. Mit 26 Textabb. Geb., Preis 1 M. 70 Pf. Mineralogie und Gesteinslehre v. Dr. P. Teicke, Oberlehrer an der Land- wirtschaftsschule in Salzwedel. Mit 23 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. Pflanzenbau von Dir. Dr. Birnbaaum. Zehnte Aufl. Bearbeitet von Prof. Dr. Gisevius in Gießen. Mit 207 Textabb. u. 5 farb. Tafeln. Geb., 9 M. 60 Pf. Grundzüge der Pflanzenvermehrung von Max Löbner, Garteninspektor in Dresden. Zweite Auflage. Geb., 1 M. 20 Pf. Wiesenbau von H. Kutscher, Lehrer in Hohenwestedt. Dritte Auflage. Mit 87 Textabbildungen. Geb., Preis 2 M. Lehrbuch der Botanik. Von Prof. Dr. G. Meyer. Dritte Auflage. Mit 296 Text- abbildungen. Geb., Preis 2 M. 60 Pf. Leitfaden der Botanik für landw. Winterschulen und Landwirte. Von Prof. Dr. Meyer. Dritte Auflage. Mit 246 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 90 Pf. Botanik von Direktor F. Gaul, Hildburghausen. Mit 122 Textabbildungen. Dritte Auflage Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Botanik von Dr. Th. Wölfer, Dargun. Mit 192 Textabb. Geb., Preis 3 M. 60 Pf. Lehrbuch der Botanik v. Dr. P. Toicke. 2. Aufl. Mit 98 Textabb. Geb., 2 M. 80 Pf, Pnanzliche und tierische Schädlinge der landw. Kulturpflanzen. Von W. Ti 11- mann i. Ascheberg i. W. Zweite Aufl. Mit 50 Textabb. Geb., Preis 2 M. Bakterienkunde von Direktor Dr. P. Gordan und Tienarzt C. Bahr. Zweite Auflage. Mit 32 Textabbildungen. Geb., Preis 4 M. 80 Pf. Leitfaden der Tierkunde für landw. Schulen. von R. Hillmann und A. Wolschner. Dritte Auflage. Mit 145 Textabbildungen, Geb., Preis 3 M. Lehrbuch der Tierzucht. Von Dr. H. Biedenkopf, Prof. in Groß-Umstadt. Achte Aufl. Mit Sfarb. biolog. Rassebildern u. 131 Textabb. Geb., Preis 7 M. 20 Pf. viehzucht von V. Patzig, Professor in Marienburg. Achte Auflage. Mit 138 Textabbildungen Geb., Preis 2 M. Tierzuchtlehre von Direkter A. Conradi in Hohenwestedt. Zweite Auflage. Mit 136 Textabbildungen Geb., Preis 1 M. 40 Pf. Bau und Leben der landw. II. Sugetiere. Von Dr. E. La u r. Siebente Aufl., bearb. v. Dr. Käppeli. Mi: 102 Textabb. u. 1 Tafel. Geb., Preis 3 M, 20 Pf, Der Körper der landw. Haussäugetiere. Von Dr. J. Becker in Rostock. Zwelte Auflage. Mit 67 Textabbildungen Geb., Preis 1 M. 40 Pf. n Von Dr. W. Kleberger, Gießen. Geb., Preis 2 M. 20 Pf. Milchwirtschaft von Direktor W. Tillmann. Mit 64 Textabb. Geb., 1 M. 30 Pf. Landwirtschaftliche Betriebslehre, bearbeitet von Dr. R Roth, vorm. Direktor der landw. Schule in Chemnitz. Zwölfte Auflage. Geb., Preis 6 M. 50 Pf. Landwirtschaftliche Betriebslehre von Dr. Luberg, Direktor des Seminars für Landwirte in Königsberg in Nm. Achte Auflage. Geb., Preis 7 M. Grundzüge der Wirtschaftslehre von Ok.-Rat Dr. V. Funk, Sechste Auflage. Geb., Preis 2 M. 80 Pf. Leitfaden der Düngerlehre. Von Prof. Dr. Max Kling. Geb., Preis 5 M. 20 Pf. Betriebslehre von Dr. Th. Wölfer, Direktor in Dargun. Zweite Auflage. Mit einer lithogr. Tafel. Geb., Preis 8 M. Betriebslehre von Direktor A. Conradi in Hohenwestedt. Fünfte Auflage. Geb., Preis 1 M. 30 Pf. lelrenhaftelohte von K. Petri. Dritte Auflage. Geb., Preis 4 M. Taxationslehre v. Petri in Hohenwestedt. Zweite Aufl. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Tana anlehat eolehſeht v. Ok.-Rat Dr. V. Funk. Zweite Aufl. Geb. 1 M. 20 Pf. Vaterländische Geschichte von P. Knak. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Re Pr Bürgerkunde v. Kreisschulinsp. H. Otto. Zweite Aufl. Geb., Preis 2 M. 70 Pf. Landwirtschaftspolitik von Ok.-Rat Dr. V. Funk. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Landmanns Buchführung. Von Dr. H. Clausen, Direktor in Heide. Dritte Auflage. Geb., Preis 1 M. 70 Pf. Einfache landwirtschaftliche Buchführung von Winterschuldirektor Dr. P. Habernoll in Krefeld. Zweite Auflage Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Ubungs-Tabellen zur einfachen landw. Buchführung von Dr. P. Habernoll. Dritte Auflage. Preis 1 M. 60 Pf. Selbstverwaltungsümter. Von K. Petri. Fünfte Aufl. Geb., Preis 3 M. 20 Pf. Gesetzeskunde. Von Dr. Kollath. Dritte Aufl. Bearb. v. K. Pet ri. Geb., 3 M. 20 Pf. Schriftverkehr des Landwirts. Von L. Lemke. Zweite Auflage. Neu bearb. Von C. Petri. Mit 164 Beispielen. Geb., Preis 2 M. 10 Pf. Landw. Berechnungen. Von Dr. R. Roth, vorm. Dir. der landw. Schule in Chemnitz. Fünfte Aufl. Geb., Preis 2 M. 50 Pf. Lösungen: Preis 1 M. Landw. Berechnungen. Von C. Petri in Hohenwestedt. Geb., Preis 2 M. 60 Pf. Lösungen: Preis 1 M. 20 Pf. Rechenbuch für niedere u. mittl. landw. Lehranstalten v. L. Lem ke. Neu bearb. v. Ok.-Rat Dr. Ehlert, Gumbinnen. I. Teil. Unterklassen. Sechste Aufl. Geb., Preis 4 M. 20 Pf. II. Teil. Mittel- u. Oberklassen. Dritte Aufl. Mit 112 Textabb. Geb., Preis 2 M. 20 Pf. Lösungen: I. Teil Preis 1 M., II. Teil Preis 1 M. Rechenbuch für Ackerbauschulen, landw. Winterschulen und ländl. Fortbildungs- schulen von P. Knak, Mittelschulrektor in Wittstock. Zehnte Auflage. Geb., Preis 6 M. Lösungen: Preis 1 M. 25 Pf. Praktisches Rechen- und Nachschlagebuch. Von Dr. J. P. Zanen in Ettelbrück. Mit 131 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Rechenbuch für mittlere und niedere landw. Lehranstalten von H. Kutscher und C. Petri, Lehrer in Hohenwestedt. I. Teil: Grund- und angewandte Rechnungsarten. Geb. 1 M. 20 Pf. Lösungen 50 Pf. II. Teil: Land- wirtschaftliche Berechnungen. Geb. 1 M. 50 Pf. Lösungen 60 Pf. deometrie, Feldmessen und Nivellieren von H. Kutscher, Lehrer in Hohen- westedt. Dritte Auflage. Mit 163 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Planlmetrie und Stereometrie für Landwirtschaftsschulen von Professor Chr. Nielsen und Oberlehrer W. Langel. Mit 32 5Textabb. Geb., 2 M. 50 Pf. Unterricht im Feldmessen mit den einfachsten Meßgeräten. Von Dr. G. Wils- dorf. Vierte Auflage. Mit 20 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 90 Pf. Feldmeß- und Nüvellierkunde und das Drainieren von Chr. Nielsen, Ober- lehrer in Varel. Dritte Aufl. Mit 116 Textabb. u. 3 Tafeln. Geb., Preis 2 M. Physik v. Dr. P. Habern oll, Dir. in Krefeld. Mit 78 Textabb. Geb., 1 M. 10 Pf. Physik v. Prof. M. Hollmann. Zehnte Aufl. Mit 163 Textabb. Geb, Preis, 5. M. Lehrbuch der Physik von Prof. 1. Samter. Dritte Auflage. Mit Mechanik, Wärmelehre und Wit zu Trier. Mit 178 Textabbildu Landw. 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