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Fruwirth, Professor in Hohenheim. lDakr dekrönte Preisschrift. Tabaksbau von A. Freiherrn von Babo in Klosterneuburg.. 3. Auflage. 8 Kartoffelbau von Dr. H. Werner, Professor in Berlin./ 8 A 1.1 3. Auflage. Rübenbau von Knauer auf Gröbers bei Halle a. S. ‧ 7. Aufiage. Lupinen- und Serradellabau von Kette-Jassen und König-Zörnigall 9. Auflage. Flachsbau und-Verarbeitung von E. Kuhnert in Marburg. 8 Urbarmachung und Verbesserung des Bodens von Ok.-Rat Dr. R. Buerstenbinder. Praktische Bodenkunde von Dr. A. Nowacki, Professor in Zürich. 2. Auflage. Ernährung der landw. Kulturpflanzen von Dr. Ad. Mayer, Professor in Wageningen. Krankheiten der landw. Nutzpflanzen von Professor Dr. R. Wolf. Käufliche Düngestoffe von Dr. A. Rümpler. 4. Auflage. 1 Rindviehzucht von Dr. V. Funk, Direktor in Zoppot. 3. Auflage. Die Milch und ihre Produkte von 4. Otto in Halle a. S. May'’s Schweinezucht. Bearbeitet von E. Meyer-Friedrichswerth. 4. Auflage. Milchwirtschaft von Dr. William Locbe in Leipeig. 2. Auflage. Eingeweidewürmer der Haussäugetiere von Dr. J. Dewitz in Berlin. Aeussere Krankheiten der landw. Haussäugetiere von E. Zorn, Königl. Korpsrossarzt. Innere Krankheiten der landw. Haussäugetiere von F. Grosswendt, Kgl. Oberrossarzzt. Physiologie und Pathologie der Haussäugetiere von F. Flemming, Tierarzt in Lübz. Heilungs- und Tierarzneimittellehre von F. Flemming, Grossh. Tierarzt in Lübe. Landw. Giftlehre von Dr. G. Müller, Professor in Dresden. 4 FInglischer Hufbeschlag von H. Behrens, Lehrschmied in Rostock. 2. Auflage. Reiten und Fahren von Major R. Schoenbeck in Berlin. 3. Auflage. Ratgeber beim Pferdekauf von Stallmeister B. Schoenbeck in Höxter. 2. Auflage. Wicdersetzlichkeiten des Pferdes von Stallmeister B. Schoenbeck in Höxter. Schubert's Landw. Rechenwesen. Bearbeitet von M. Kutscher in Clausthal. 4. Auflage. Landw. Plan- und Situationszeichnen von H. Katscher in Clausthal. Feldmessen und Nivellieren von Dr. A. Wüst, Professor in Halle. 4 4. Auflage. Der Landwirt als Kulturingenieur von Fr. Zazjicek, Professor in Mödling. Behandlung der Lokomobilen von Professor Nanl Lazar in Budapest. Perels' Ratgeber bei der Wa und Maschinen. Auflage. Be- und Entwässerung der Aecl rd Wiszen voh Oek.-Rat L. Vincent. 3. Auflage. Der Petersensche Wiesenbau von Bf. I. Pubhi an Kappeln. Bauernhof(Anlage und Einrichtung) 25 9.) PeEfke alsekretär in Osnabrück. Geflügelstäülle(Bau und Einrichtung. nbert in Höxter. Zu beziehen durch jede Bacshawäluuc Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10. ae,en. IHAER-BIPBLIOTHEK SSEnn, Pferdestall(Bau und Einrichtung) von Baurat F. Engel in Berlin. 2. Auflage. Viehstall Gau und Einrichtung) von Baurat F. Engel in Berlin. 2. Auflage. Kalk-Sand-Pisébau von Baurat F. Engel. Bearbeitet von H. Hotop. 4. Auflage. Landw. Baukunde von Dr. F. OC. Schubert, Baurat und Professor in Poppelsdorf. 5. Auflage. Stärkefabrikation von Dr. F. Stohmann, Professor an der Universität Leipzig. Bierbrauerei von Dr. C. J. Lintner, Professor in München. Apfelweinbereitung von Dr. Ernst Kramer in Klagenfurt. Ziegelel von Ziegelei-Ingenieur 0. Bock in Weimar. 2. Auflage. Kalk., Gyps- und Zementfabrikation von H. Stegmann in Braunschweig. Landw. Buchführung von Geheimrat Dr. Freih. v. d. Goltz, Prof. in Poppelsdorf. 8. Auflage. Landw. Betriebslehre von Geheimrat Dr. Freiherr v. d. Goltz, Professor in Poppelsdorf. Langethal's Geschichte d. Landwirtschaft bearb. v. Michelsen u. Nedderich. 3. Auflage. Wirtschaftsdirektion d. Landgutes von Dr. Albrecht Thaer, Prof. in Giessen. 3. Auflnge. Birnbaum's Landw. Taxationslehre. 2. Auflage. Anun. und Verkaufs-Genossenschaften von H. v. Mendel, Landesökonomierat in Halle. Rechtsbeistand des Landwirts von M. Löwenherz, Amtsgerichtsrat in Köln. 2. Auflage. Das Schriftwerk des Landwirts von C. Petri in Hohenwestedt. 2. Auflage. Künstliche Fischzucht von M. von dem Borne auf Berneuchen. 4. Auflage. Teichwirtschaft von M. von dem Borne auf Berneuchen. 4. Ahfnge. Süsswasserflscherei von M. von dem Borne auf Berneuchen. Bienenzucht von A. Baron v. Berlepsch. Bearb. von W. Vogel in Lehmannshöfel. 3. Innaes. Bakterienkunde für Landwirte von Dr. W. Migula in Karlsruhe. Wirtschaftsfeinde aus dem Tierreich von Dr. G. v. Hayeck, Professor in Wien.“ 3 Zoologie für Landwirte von Dr. J. Ritzema Mos Professor in Amsterdam. 2. Auflage. 1 Geʒlügelzucht von Dr. Pribyl in Wien. 3. Auflage. 3 Jagd, Hof- und Schäfer-Hunde von Lieutenant Schlotfeldt in Hannover. 4 Der kranke Hund von Dr. G. Müller, Professor in Dresden. Die Jagd und ihr Betrieb von A. Goedde, Herzogl. Jägermeister in Coburg. 2. Auflage. Goedde's Fasanenzucht. Bearbeitet von Fasanenjäger Staffel in Fürstenwald. 3. Auflage. Feldholzzucht, Korbweidenkultur etc. von R. Fischer in Berlin. Forstkulturen von Urff, Kgl. Oberförster in Neuhaus bei Berlinchen. 2. Auflage. Immerwährender Gartenkalender von J. 8. Neror. Handelsgärtner i in Ulm. 2. Auflage. Gemütsebau von B. von Uslar in Hannover. 3. Auflage. Gärtnerische Veredlungskunst von 0. Teichert. Nearbeitet vom FinteInann. 2. Auflage. Gehölzzucht von J. Hartwig, Grossherzogl. Hofgarteninspektor in Weimar. 2. Auflage. Obstbau von B. Noack, Grossherzogl. Hofgarteninspektor in Darmstadt. 3. Auflage. 3 Weinbau von Ph. Held, Gartenbau-Inspektor in Hohenheim. 3 Gartenblumen(Zucht und Pflege) von Th. Rümpler, General-Sekretär in Prfurt. 2. Auflage. Gewä ichshäuser von J. Hartwig, Grossherzogl. Hofgarteninspektor in Weimar. 2. Auflage. Rümpler's Zimmergärtnerei. Bearbeitet von W. Mönkemeyer in Leipzig. 3. Auflage. Geschichte des Gartenbaues von 0. Hüttig, Gartenbaudirektor in Plarlottenburg. Obsthaumkrankheiten von Dr. Paul Sorauer in Proskau. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. n wirtschaftliche Unterrichtshücher. Verlagsbuchbandlung Paul Parey in Berlin SVV. Hedemannstr. 10. Ackerbau von Direktor Dr. Droysen-Herford und Direktor Dr. Gisevius-Dahme, Vierte Auflage. Mit 175 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Pflanzenbau von Direktor Dr. Birnbaum. Dritte Auflage, bearbeitet von Direktor Dr. Gisevius in Dahme. Mit 161 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Viehzucht von Vv. Patzig, Professor in Marienburg. Dritte Auflage. Mit 96 Text- apbildungen.(eb., Preis 1 M. 60 Pf. Wirtschaftsbetrieb von pr. P. Gabler, Lehrer in Eldena. Kart., Preis 1 M. 20 Pf. Forstwirtschaft von G. Meyer, Kgl. Forstmeister und Lehrer an der Ackerbauschule in Wbstorf. Kart., Preis 1 M. Physik von M. Hollmann, Oberlehrer in Thorn. Dritte Auflage. Mit 152 Textabbildungen. 94 8 Geb., Preis 1 M. 30 Pf. Betriebslehre von Direktor A. Conradi in Hohenwestedt. Zweite Aufl. Geb., Preis 1 A. Wiesenbau von H. Kutscher, Lehrer in Hohenwestedt. Mit 45 Textabb. Kart. Preis 80 Pf. Chemie von P. J. Murzel, Direktor in St. Wendel. Zweite Auflage. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Selbstverwaltungsämter, vorbereitung für staatliche und kommunale. Von C. Petri, Lehrer in Hohenwestedt. Zweite Auflage. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Chemie von A. Haas, Lehrer in Wittstock. Mit 10 Textabbild. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Obst- u. Gemüsebau von Otto Nattermüller. Mit 70 Textabbild. Geb., Preis 1 M. 50 Pf. Rechenbuch für niedere u. mittlere landw. Lehranstalten von L. Lemke, Lehrer in Liegnitz. Erster Teil. 3 Geb., Preis 1 M. 40 Pf. Zweiter Teil: Mit 112 Textabbildungen. Geb., Preis 2 M. Lösungen(für beide Teile). Preis 1 M. Geometrie, Feldmessen u. Nivellieren von H. Kkutscher, Lehrer in Hohenwestedt. Mit 172 Textabbildungen. Zweite Auflage. Geb., Preis 1 M. 40 Pf. 8 Rechenbuch für Ackerbauschulen und landw. Winterschulen von P. Knak, Lehrer in Wittstock. Zweite Auflage. Lösungen. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. 3 3 Preis 1 M. Mineralogie u. Gesteinslehre von V. Uhrmann, Lehrer in Chemnita. Mit 40 Text- abbildungen. Geb., Preis 1 MAMA. Fütterungslehre von Direktor A. Conradi in Hohenwestedt. Zweite Auflage. Düngerlehre von Direktor A. Conradi in Hohenwestedt. Preis 60 Pf. Wirtschaftslehre von Direktor Dr. V. Funk in Zoppot. Vierte Anflage. deb., Preis 1 M. Taxationslehre von c. Petri, Lehrer in Hohenwestedt.(eb., Preis 1 M. 60 TI. Geometrie der Ebene von Prof. L. Bosse in Dahme und Prof. H. Müller in Eldena. 1 3 Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Mit 200 Textabbildungen. Stereometrie für Landwirtschaftsschulen von Prof. L. Bosse in Dahme und Prof. H. Müller in Eldena. Mit 30 Textabbildungen. Preis 50 Pf. Bodenkunde von Dr. W. Lilienthal, Lehrer in Schönborg(Holstein). Mit 6 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. Deutsche Gedichte, herausgegeben für den Unterricht an Landwirtschaftsschulen von Direktor Dr. R. Schultz in Marggrabowa. 3 Geb., Preis 2 M. Oberlehrer G. Meyer in Dahme. Mit 285 Textabbildungen. Geb., Preis 2 M. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Lehrbuch d. Botanik für Landwirtschaftsschulen und andere höhere Lehranstalten von Bodenkunde von Direktor A. Wirtz in Odenkirchen. Freis 50 Pf. Lehrbuch der Physik in methodischer Bearbeitung für Landwirtschaftsschulen von Dr. Lautenschläger, Oberlehrer in Samter. Geb., Preis 2 M. 80 Pf. Landmanns Buchführung von Dr. H. Clausen, Direktor in Heide. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Betriebseinrichtung kleinerer Wirtschaften in den Sand- und Moorgegenden des nord- westl. Deutschland von Okonomierat Dr. Salfeld in Lingen. 4 r Wittstock. Geb., Preis 2 M. 50 Pf. Bau und Leben der landwirtschaftl. Haussäugetiere von Dr. E. Laur, Lehrer in Brugg. Mit 64 Textabbildungen und 5 Tafeln. Geb., Preis 1 M. Chemie für Ackerbau- u. landw. Winter-Schulen von W. Wellershaus, Landwirtschaftslehrer. Erster Teil: Anorganische Chemie. FPpreis 50 Pf. Zweiter Teil: Organische Chemie. Preis 50 Pf. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Preis 60 Pf. Denutsches Lesebuch fär Ackerbauschulen, landwirtschaftliche Winterschulen und länd- liche Fortbildungsschulen, herausgegeben von M. Hollmann und P. Knak, Lehrern in lustttu für Pflanzenbau und Pilanzenzüdhtung Walter Dix an der Justus Liebig-Hochschule ◻ Giessen, Ludwigstr. 23 c 27 Geſundheitspflege der landwirtſchaftlichen Hausſäugetiere. Ein Abriß lhrer Grundlehren Bearbeitet von Dr. B. Johne, kgl. S. Medizinalrat, Profeſſor an der Kgl. Tierärztlichen Hochſchule in Dresden. Mit 159 Textabbildungen. Berlin. Verlagsbuchhandlung Paul Parep. Verlag für Landwirtſchaft, Gartenbau und Forſtweſen. SW., Hedemannſtraße 10. 1898. Alle Rechte vorbehalten. Vorwort. Die vorliegende„Geſundheitspflege der landwirtſchaft⸗ lichen Hausſäugetiere“ iſt von mir auf wiederholte Anregung des Herrn Dr. Parey, Verlegers der Thaer⸗Bibliothek, in der Abſicht geſchrieben worden, dem Landwirt in gedrängter Kürze das vorzuführen, was jeder wiſſen muß, wenn er Tierzucht mit Verſtändnis und Nutzen treiben, ſowie ſeine Tiere vernunft⸗ gemäß pflegen und vor Krankheiten ſchützen will. Das Buch macht keinen Anſpruch darauf, als eine durchweg ſelbſtändige Original⸗ arbeit zu gelten; ich bin in demſelben vielfach den Angaben der bekannten größeren Werke über den gleichen Gegenſtand von Haubner, Dammann, Zürn u. a. gefolgt und habe dieſe mit meinen eigenen, auf langjährigen Erfahrungen in der Praxis ge⸗ gründeten Anſchauungen und den Lehren der Phyſiologie und allgemeinen Pathologie, ſoweit ſie hier in Frage kommen, in möglichſt einfacher und verſtändlicher Form zu einem neuen Bande der beliebten Thaer⸗Bibliothek verarbeitet. Die zahlreichen Abbildungen, mit denen ich denſelben durch das liebenswürdige Entgegenkommen des Herrn Verlegers ausſtatten konnte, ſind teils Originale(dann ohne Bezeichnung), teils den Werken von Leuckart(L.), Dammann(D.), Siedamgrotzky(Si.), Ellen⸗ berger(Ell.), Zürn(Z.), Puſch(P.), Lungwitz(L.), Gärt⸗ ner(G.), Engel(E.), Schulze(S.), Dewitz(De.) und Freg(F.) entnommen(und dann mit dem entſprechenden Buchſtaben bezeichnet). Möge auch dieſer neue— in der Reihe der 95te— Thaer⸗ bibliotheksband der Landwirtſchaft denſelben Nutzen bringen, wie ſeine Vorgänger. Dresden, Frühling 1898. Johne. Inhalt. Allgemeiner Teil. Geſundheitspflege... I. Geſundheit................ Artentypus, Leben, Lebensvorgänge 1.— Aſſimilation, Stoffwechſel, Stoffwechſelprodukte, Se⸗ und Excrete 1.— Stoffwechſelvorgänge bei Tieren und Pflanzen 2.— Geſundheit im engeren und weiteren Sinne 2.— Lebensbedingungen, Lebensreize, deren Bedeutung als Krankheitsurſache 4.— Selbſtſchutzeinrichtungen 4. II. Krankheit................ Begriff 5.— Anpaſſung, Gewöhnung, Ausartung, Degeneration 6. Specieller Teil. I. Krankheitsurſachen A. Innere Krankheitsurſachen............ Immunität 7.— Krankheitsanlage(Dispoſition), konſtitutionelle Anlage; Grad der Anlage, Idioſynkraſie 8.— Urſprung der Anlage 8.— Vererbungstheorie(Befruchtung, Placentarkreis⸗ lauf, Ernährung des Fötus) 9.— Angeborene, ererbte Krank⸗ heiten 13. B. Aeußere Krankheitsurſachen I. Tieriſche und pflanzliche Paraſiten.... 1. Tieriſche Paraſiten. Lebensverhältniſſe, Entwicklung und Bedeutung derſelben im allgemeinen 15.— Protozoen(Wurzel⸗ füßer, Sporozoen, Infuſorien) 18.— Würmer(Plattwürmer, Bandwürmer 21, Saugwürmer 26.— Rundwürmer: Kratzer 28. — Fadenwürmer 28) 30.— Gliederfüßer(Spinnentiere: Zungenwürmer 31, Milben 33.— Inſekten: Fliegen 35, Mücken 36) 31.— Tieriſche Lebeweſen, welche nur als Futter⸗ verunreinigungen zur Krankheitsurſache werden, 36. 2. Pflanzliche Paraſiten............. 1. Pilze(Definition 38; ſaprophytiſche, pathogene Pilze, Be⸗ fallungspilze, Befallungs⸗ und Infektionskrankheiten; Lebens⸗ bedingungen, Quelle der Pilze 38.— Desinfektion, Steriliſation; Anſteckung, Infektion, Impfung, Infektionserreger, Infektions⸗ pforten, Infektionsmodus 39. a. Hefe⸗ oder Sproßpilze 40.— b. Schimmel⸗ oder Fadenpilze 40.— c. Spaltpilze oder Bakterien 44. 2. Giftpflanzen. Wirkung derſelben.... Seite 14 15 37 50 Seite . 1 —,— —-. o 1 —— 14 15 37 Inhalt. II. Atmoſphäriſche Verhättuinſe 1. OA& E; O90 b Luftbeſtandteile 1. Reine Luft 52.— 2. Verdorbene bezw. unreine Luft (gasförmige 54, ſtaubförmige Luftverunreinigungen 58). .Lufttemperatur . Luftdruck . Luftbewegung......... . Luftelektrizität....... . Witterung und Alima⸗... .Licht III. ernäßrungsverhältnißt. I. Ernährungs⸗ und Stoffwechſelverhältniſſe it im allgenreinen II. Beſtandteile des Tierkörpers. III. Nährſtoffe(Waſſer 70.— Stickſtoffhaltige Nährſtoffe oder Eiweißkörper 73.— Stickſtofffreit Nährſtoffe 73.— Mineraliſche Nährſtoffe.).. IV. Berwenduns der Nährſtoffe im Tierkörper und der Stoff⸗ wechſel. V. Nahrungs⸗ oder Futtermittel und deren Wert für die Er⸗ nährung.. VI. Menge der zu verabreichenden Nahrungsmittel. VII. Futterrationen und Futterzeiten.. VIII. Wechſel und Mannigfaltigkeit der Nahrung IV. II. Die Krankheitsverhütung A. 1. 2. Der paſſive Selbſtſchutz IX. Ernährungsverhältniſſe als Krankheitsurſache. Bodenverhältniſſe 1. Phyſikaliſche 90.— 2. Chemiſche 95.—3 Gehalt des Bodens an ſaprogenen Varterien und die im Boden ablaufenden Zerſetzungs⸗ prozeſſe 95.— 4. Gehalt des Bodens an pathogenen Bakterien (Bodenkrantheiten) 96. Krankheitsverhütung durch den atärlichen eeibtſaus des Organismus Der aktive Selbſtſchutz der die natürlichen Ahwehrhorrich⸗ tungen des Organismus. Das Nervenſyſtem, Nerven⸗ oder 6 Ganglienzellen, Nervenzentra 100; Nervenfaſern 102; Reflexe 103. Anatomiſcher Selbſtſchutz 104.— Chemiſcher Selbſtſchutz 107. 3. Die wichtigſten Selbſtſchutzeinrichtungen B. Für den Geſamtkörper die äußere Haut als ſchützende Decke 107, — als Regulationsmittel für die 1 108.— Für den Verdauungskanal 110.— Für den Atmungsapparat 111.— Trophiſche und ſekretoriſche Reflexe 112.— Immunität 113. Die Krankheitsverhütung durch Abhaltung oder Beſeiti⸗ gung der Krankheitsurſachen durch den Tierbeſitzer; Vor⸗ bauung(Prophylaris) im weiteren Sinne.. . 100 . 100 . 100 . 104 . 107 . 115 VI Inhalt. Seite I. Abhaltung und Beſeitigung der Krankheitsanlage oder Dis⸗ poſition als innerer Krankheitsurſache........ 115 a) Rationelle Zucht und Aufzucht 115.— b) Tilgung der Krank⸗ heitsanlage durch Impfung bezw. durch Erzeugung einer künſt⸗ lichen Immunität. Schutzimpfung 119.— Steigerung der Wider⸗ ſtandsfähigkeit bezw. Bekämpfung der Anlage durch Abhärtung und ſorgfältige Pflege 122. II. Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen(Vorbauung im engeren Ginne)................. 122 I. Es iſt den Tieren ein geſunder Aufenthalt zu geben. 123 a) Im Stalle(Trockenheit und Wärme des Stalles 123.— einheit der Stallluft 126.— Desinfektion des Stalles und Desinfektionsverfahren nach den Vorſchriften des Reichsſeuchen⸗ geſetzes 140.— Helligkeit des Stalles 148.— Freie Bewegung der Tiere im Stalle 149.— Innere Einrichtung des Stalles in geſundheitlicher Beziehung 152). b) Auf Tummelplätzen und Weiden 158(Tummelplätze 159. — Weiden 162). II. Die Tiere ſind gut zu füttern und zu pflegen.... 166 1. Zweckentſprechende Fütterung 166.— 2. Gute Haut⸗ pflege 173.— 3. Gute Pflege der Bewegungsorgane (a. der Hufe und Klauen 179.— b. Der Schenkel 189).— 4. Pflege der Atmungs⸗ und Zirkulationsorgane 190. — 5. Pflege des Nervenſyſtems 190. III. Die Tiere ſind naturgemäß zu gebrauchen..... 191 1. Benutzung der Arbeitstiere........... 191 a) Der Pferde(Vorbereitung 191.— Alter 195.— Gebrauchs⸗ regeln 196.— Wagen 198.— Geſchirre 201).— b) Der Rinder 204. 2. Benutzung der Milchtiere(Einfluß der hochgeſteigerten Milch⸗ produktion auf die Geſundheit; Beziehungen zur Tuberuloſe; Bekämpfung derſelben)......... 205 3. Benutzung der Tiere zu Maſtzwecken....... 207 4. Benutzung der Wolltiere............ 208 Schlußwort.................... 209 Anhang: A. Die mittlere Zuſammenſetzung der Futtermittel und deren Gehalt an verdaulichen Beſtandteilen. Nach dem landwirtſchaftlichen Kalender von Mentzel und v. Lengerke 1898 210 B. Beiſpiele von Futtermiſchungen für verſchiedene Zwecke. Berechnet von Dr. C. Lehmann(dem landwirtſchaftlichen Kalender von Mentzel und v. Lengerke 1898 entnommen). 218 Alphabetiſches Sachregiſter...............226 6 jenige Krank tigung W äußere organe gleiche ſich an und p. nungen typiſch Lebend Lel winzig! brans gänge. bare T erſchein pflanz Lebense die nahme! teils zur wendung unter ne ddiglich i dieſen ften gebi rver 9 Jehr Geſundheitspflege der landwirtſchaftlichen Haustiere iſt die⸗ jenige Wiſſenſchaft, welche uns lehrt, durch Abwehr der verſchiedenen Krankheitsurſachen Krankheiten zu verhüten, ſoweit dies ohne Beeinträch⸗ tigung gewiſſer ökonomiſcher Nutzzwecke möglich iſt. I. Geſundheit. Wie bei allen Individuen ein und derſelben Art die innere und äußere Organiſation in Bezug auf Form, Größe und Zahl der Körper⸗ organe, ſowie deren phyſikaliſche und chemiſche Zuſammenſetzung eine gleiche, für die betr. Art als Regel(typiſch) geltende iſt, ebenſo geſtalten ſich auch die innerhalb der Organe und deren Zellen ablaufenden chemiſchen und phyſikaliſchen Vorgänge und die hierdurch bedingten Lebenserſchei⸗ nungen bei allen Individuen derſelben Tiergattung in übereinſtimmender, typiſcher Weiſe. Die Art und Weiſe des typiſchen Ablaufes dieſer Lebensprozeſſe wird als Artentypus bezeichnet. Leben iſt das Ergebnis der innerhalb der Gewebszellen, d. h. jenen winzig kleinen, verſchieden geſtalteten Bauſteinen(Fig. 1), aus welchen der Organismus aufgebaut iſt, ablaufenden chemiſchen und phyſikaliſchen Vor⸗ gänge. Dieſe Vorgänge rufen an dem Individuum nach außen wahrnehm⸗ bare Veränderungen hervor, welche als Lebensvorgänge oder Lebens⸗ erſcheinungen(Stoffwechſel, Bewegung, Empfindung und Fort⸗ pflanzung) bezeichnet werden. Das Individunm lebt, ſolange an demſelben Lebenserſcheinungen wahrgenommen werden können. Die in den Zellen ablaufenden chemiſchen Prozeſſe finden unter Auf⸗ nahme der dem Organismus von außen zugeführten Nährſtoffe ſtatt, welche teils zur Neubildung von Zellen⸗ und Körperſubſtanz(Aſſimilation) Ver⸗ wendung finden, teils mit Hilfe des gleichzeitig aufgenommenen Sauerſtoffes unter mehr oder weniger erheblicher Wärmeproduktion zerlegt(oxydiert), und lediglich nur zur Kraft⸗ und Wärmebildung verwendet werden(Stoffwechſel). Bei dieſen chemiſchen Zerlegungsprozeſſen, von denen ſtets auch ein Teil der ſchon gebildeten Zellenſubſtanz mit betroffen wird, entſtehen gewiſſe neue Körper, Zerfall⸗ oder Stoffwechſelprodukte, welche in der Hauptſache, Johne. 1 2 Geſundheit. als für den Organismus nicht weiter verwendbar, als ſog. Exkrete von dieſem ausgeſchieden werden, und nur zum kleinſten Teile im Organismus als ſog. Sekrete weitere Verwendung finden. Hierbei beſteht zwiſchen den Stoffwechſelvorgängen bei Tieren und Pflanzen der Unterſchied, daß, während die Tiere organiſche, hoch zuſammen⸗ geſetzte Körper(Eiweiß, Kohlehydrate und Fette) mit Hilfe des gleichzeitig mit der Atmungsluft aufgenommenen Sauerſtoffes in die zur Ausſcheidung gelangenden Endprodukte des Stoffwechſels, d. h. Kohlenſäure, Waſſer und Ammoniak zerlegen, die Pflanzen im Gegenteil die Fähigkeit beſitzen, aus einfachen Verbindungen(Waſſer, Salpeterſäure, Ammoniak, Stickſtoff und Kohlenſäure) hoch zuſammengeſetzte Körper(die Beſtandteile der Pflanzen, Fig. 1. Verſchiedene Zellenformen: a jugendliche Zelle(die Urform aller Zellen); b polyedriſche, c würfelförmige, d, e, h plattenförmige Zellen von verſchiedener Form; f, g ſpindelförmige Zellen; i Flügelzelle; k gezackte Zelle; l, m, n, o, p Zylinderzellen verſchiedener Form; Becherzelle; r keulenförmige Zelle; s Stäbchenzelle; t geſpaltene Zelle; uz, v ſtabförmige Zelle; un Rieſenzelle mit vielen Kernen; w flimmernde Zylinderzelle; x ſichelförmige Zelle; y ſternförmige Zelle; veräſtelte Zelle. d. h. Eiweiß, Kohlehydrate, Fette, organiſche Säuren, Harze, ätheriſche Oele ꝛc.) zu bilden und hierbei zugleich Sauerſtoff auszuſcheiden. Sehr treffend hat man daher die Tiere als die Zerſtörer, die Pflanzen als die Bildner zuſammengeſetzter organiſcher Verbindungen bezeichnet. Alle Individuen, deren anatomiſche, phyſikaliſche und chemiſche Verhältniſſe oder deren Organiſation, Lebensvorgänge und Lebens⸗ erſcheinungen denen des normalen Artentypus entſprechen, bezeichnen wir als geſund, und zwar als geſund im engeren Sinne oder als abſolut geſund. Abſolut geſund ſind jedoch nur ſehr wenige Tiere(bezw. Menſchen). Bei den meiſten derſelben finden ſich dauernd oder nur vorübergehend Geſundheit. 3 nach der einen oder anderen Richtung hin kleine, oft kaum bemerkbare Abweichungen von der Regel, welche indes den regelmäßigen Ablauf der inneren Lebensvorgänge und der hierdurch veranlaßten äußeren Lebens⸗ erſcheinungen, ſowie das Gefühl körperlichen Wohlbehagens, unter welchem letztere beim geſunden Individuum ablaufen, in keiner Weiſe ſtören. Solche Tiere bezeichnet man als geſund im weiteren Sinne oder relativ geſund und derartige Abweichungen nicht als Krankheit, ſondern als Unregelmäßigkeit, Mißbildung oder Verbildung(Anomalie, Abnormität, Deformität). Als ſolche würden z. B. anzuführen ſein entwickelte Milchdrüſen beim männlichen Tiere, überzählige Zähne, Finger oder Zehen, Zurückbleiben eines Hodens in der Bauchhöhle(Spitzhengſte), kleine, keine Lahmheit oder ſonſtige Störungen veranlaſſende Knochenauftreibungen an irgend einer Stelle der Schenkelknochen, oder einem anderen Knochen des Skeletts ꝛc. Ja, ſtreng genommen kann auch das Ideal, welches ſich der Züchter für ſeine Fleiſch⸗, Milch⸗ und Wolltiere gebildet hat, nicht als geſundes Tier im engeren Sinne betrachtet werden, weil ſein Bau, ſeine innere Organiſa⸗ tion ꝛc. nicht mehr vollſtändig dem der Art entſpricht. Denn ſein Faſerbau und ſeine Knochen ſind feiner, ſeine Gewebe lockerer, ſeine Haut iſt dünner, zarter und dabei feiner und ſpärlicher behaart, wie bei anderen, weniger veredelten Tieren derſelben Art. Trotzdem bei dieſen Tieren alle Lebens⸗ prozeſſe ſcheinbar normal und unter dem Gefühl körperlichen Wohlbehagens ablaufen, ſind ſie eigentlich nicht geſund, und daß ſie es nicht ſind, beweiſt ihre bei weitem geringere Widerſtandsfähigkeit gegen äußere Schädlichkeiten und ihre hierdurch bedingte größere Neigung zu Erkrankungen. Der Land⸗ wirt braucht aber derartige Tiere, weil ſie frühreifer ſind, das Futter beſſer verwerten, d. h. höhere und beſſere Erträge an Fleiſch und Fett, an Milch und Wolle geben oder nach der einen oder anderen Richtung hin zu höheren körperlichen Leiſtungen(z. B. Kraftleiſtung bei Rennpferden) befähigt ſind, als weniger veredelte, dem normalen Artentypus aber vollſtändig entſprechende, abſolut geſunde Tiere. In dieſem Punkte beſteht alſo ein gewiſſer Wider⸗ ſpruch zwiſchen den Forderungen der Geſundheitspflege und den ökonomiſchen Intereſſen(ſiehe Definition S. 1). Dem praktiſchen Bedürfnis entſprechend pflegt man daher den Begriff der Geſundheit in einem weiteren Sinne aufzufaſſen und bezeichnet als geſund ſolche Tiere(oder Menſchen), deren Lebensvorgänge in normaler, für die betreffende Artdie Regelbildender Weiſe und unter dem Gefühle körperlichen Wohlbefindens ablaufen. Alle dieſe Lebensvorgänge ſind aber in der Hauptſache abhängig von gewiſſen Einwirkungen der Außenwelt auf den Organismus. Jaeder derſelben ruft nämlich in dem einen oder anderen Organe des letzteren beſtimmte Gegenwirkungen bezw. Thätigkeiten hervor, welche eben weiter nichts ſind, als jene inneren chemiſchen und phyſi⸗ kaliſchen Vorgänge, aus welchen ſich das Leben zuſammenſetzt, und die daher als Lebenserſcheinungen(S. 1) bezeichnet werden. Ohne dieſe Einwirkungen der Außenwelt würde die Thätigkeit der Organe, würde das Leben erlöſchen. Mit Recht bezeichnet man ſie daher als äußere Lebensbedingungen oder Lebensreize. 1* Geſundheit. Unter dieſen Lebensbedingungen ſtehen oben an die Luft(bezw. der darin enthaltene Sauerſtoff, welche keinen Augenblick entbehrt werden kann, ſowie die Nahrung. Luft und Nahrung braucht der Organismus unausgeſetzt, teils zum Wiedererſatz abgenutzten oder zum Zwecke der Wärme⸗ bildung und Krafterzeugung verbrauchten Körpermaterials, oder aber zu ſeinem Wachstum bezw. zur Bildung neuer Weſen gleicher Art(Fortpflanzung). Auch das Licht und die Wärme gehören zu dieſen Lebensbedingungen, wenn ihre Bedeutung auch keine ſo unmittelbar in die Augen ſprin⸗ gende iſt. So notwendig dieſe Lebensbedingungen nun aber für die Erhaltung des Lebens ſind, ſo dürfen ſie nach Art und Menge(qualitativ und quantitativ) doch nur innerhalb gewiſſer Grenzen auf den Organismus einwirken. Bei ſtärkerer oder ſchwächerer Einwirkung, bezw. bei einer ſonſt fehlerhaften Beſchaffenheit, würden ſie im Gegenteil den normalen Ablauf der Lebensprozeſſe nachteilig beeinfluſſen und hierdurch zu einer Geſundheitsſchädlichkeit oder Arankheitsurſache werden. Aber nicht nur durch dieſe an ſich unbedingt nötigen Lebensreize oder äußeren Lebensbedingungen können Geſundheit, ja ſelbſt das Leben des Individuums gefährdet werden. Es können auf dasſelbe vielmehr noch eine ganze Reihe anderer Dinge einwirken, welche der Organismus desſelben nicht nur nicht zu ſeinem Leben unbedingt bedarf, ſondern die ſogar geeignet ſind, den regelmäßigen Ablauf ſeiner Lebensvorgänge unter allen Umſtänden mehr oder weniger nachteilig zu beeinfluſſen, und die ſomit ebenfalls zur Geſundheitsſchädlichkeit oder Krankheits⸗ urſache werden können. Hierher zählen z. B. alle Gifte und Infektionsſtoffe, gewiſſe ungünſtige Verhältniſſe der Atmoſphäre, des Bodens, der Stallungen, der Art der Pflege und des Gebrauches ꝛc. Bei der außerordentlichen Verſchiedenheit und dem ſteten Wechſel der auf den Körper einwirkenden nützlichen und ſchädlichen Außenverhält⸗ niſſe muß man ſtaunen, daß bei den bei weitem meiſten Tieren und Menſchen doch alle Lebensvorgänge in ganz regelmäßiger oder mindeſtens in einer ſolchen Weiſe ablaufen, daß hierbei das körperliche Wohlbefinden in keiner Weiſe verändert erſcheint. Es wird dies dadurch ermöglicht, daß jedes Tier und jeder Menſch eine Reihe höchſt ſinnreicher Ein⸗ richtungen, ſog. Selbſtſchutzeinrichtungen(ſiehe ſpeziellen Teil) beſitzt, deren Aufgabe es iſt, die Wirkung der den Körper treffenden Schädlich⸗ keiten durch gewiſſe thätige Gegenwirkungen des Organismus oder durch den eigentümlichen Bau des betreffenden Organes in der Weiſe zu be⸗ einfluſſen(zu regulieren), daß trotz ihrer Einwirkung alle Lebensvorgänge in regelmäßiger Weiſe und ohne Störungen des Wohlbefindens ablaufen, d. h. daß das Individuum geſund bleibt. Aus alledem geht hervor, daß ein Tier ſo lange geſund bleiben wird: 1. ſolange die zu ſeinem Leben nötigen Außenbedingungen— Luft, Nahrung, Licht, Wärme— ſich nach Art und Menge — — Krankheit. 5 in gewiſſen Grenzen halten und durch Ueberſchreiten der⸗ ſelben nicht zu1 Krankheitsurſache werden; 2. ſolange deſſen Organismus mſände iſt, dieſe und andere auf ihn einwirkende Geſundheitsſchädlichkeiten entweder von ſich abzuwehren her unſchädlich zu machen. II. Rrankheit. Trifft die eine oder andere dieſer beiden vorſtehend feſtge⸗ ſtellten Vorausſetzungen nicht zu, d. h. wirken die äußeren Lebens⸗ bedingungen zu ſtark oder zu ſchwach, oder zur unrechten Zeit und am unrechten Orte auf den Organismus ein, oder endlich ſind die von außen auf ihn einwirkenden Schädlichkeiten ſo große, daß er ſolche nicht abwehren oder unſchädlich machen kann, ſo wird der Ablauf der Lebensvorgänge entweder vollſtändig unmöglich— das Individuum ſtirbt—, oder dieſelben laufen den abgeänderten Lebensbedingungen entſprechend in abgeänderter Weiſe, d. h. zu träge oder zu ſtürmiſch bend zur unrechten Zeit oder am unrechten Orte, oder ihrer chemiſchen oder phyſikaliſchen Natur nach abgeändert und nicht mehr unter dem Gefühle körgeri lichen Wohlbehagens ab— das Individuum iſt krank. Krankheit iſt alſo ein Zuſtand des Organismus, bei dem die Lebensvorgänge infolge äußerer abgeänderter Lebensbedingungen oder ſonſtiger auf ihn einwirkender äußerer Schädlichkeiten in abgeänderter Weiſe ablaufen. Als notwendig zum Krankheitsbegriff wird in der Regel noch voraus⸗ geſetzt, daß mit dieſer Abänderung der Lebensvorgänge eine geringere oder größere Gefahr für das Leben verbunden iſt. Hierbei iſt wohl zu beachten, daß dieſe krankhaften, d. h. abgeänderten Lebensvorgänge ihrem Weſen nach nicht verſchieden von den regelmäßig ab⸗ laufenden des geſunden Organismus ſind. Sie verlaufen nur in anderer Weiſe, aber genau nach denſelben Geſetzen, ſo daß man die Krankheit nicht als etwas dem Körper durchaus Aetan zaltige anſehen darf. Hierfür folgendes Beiſpiel: Schon normal finden abwechſelnd Erweiterungen und Verengerungen, ſog. wurmförmige(periſtaltiſche) Bewegungen des Darmkanals ſtatt, welche den Zweck haben, den Darminhalt, welcher durch die wäßrig⸗ſchleimige Ab⸗ ſonderung der Darmſchleimhaut in der erforderlichen Weiſe urchürnte wird, fortzubewegen bezw. nach außen zu entleeren. Beſitzt die aufgenommene Nahrung eine zu reizende Beſ ſchaffenheit, ſo wird Rinm die Schleimhaut des Darmes zu einer tärkeren Thätigkeit angeregt, ſie ſondert erheblich mehr und dünnflüſſigeren Schleim ab, welcher den Darminhalt ſtärker verflüſſigt; zugleich werden aber auch die wurmförmigen Bewegungen kräftiger und hhhho—ͤͤͤͤͤô˙˙˙˙⅓ 6 Krankheit. folgen raſcher aufeinander; infolgedeſſen wird der dünnflüſſigere Darm⸗ inhalt in kürzeren Zwiſchenräumen entleert: das Tier iſt nicht mehr geſund, es iſt krank, es hat Durchfall, Darmkatarrh. Die Lebensvorgänge, welche wir als Darmbewegung und Darmſekretion bezeichnen, laufen bei dieſer Krankheit zwar nach denſelben Geſetzen, aber infolge einer abgeänderten Lebensbedingung(reizender Nahrung) in abgeänderter Weiſe(ſchneller bezw. reichlicher) ab. Dieſes Beiſpiel, welches ſich leicht durch viele andere ver⸗ mehren ließe, möge genügen, zu beweiſen, daß die Krankheitsvorgänge nichts dem Körper Fremdes, ſondern nur Lebensvorgänge ſind, welche unter ab⸗ geänderten Lebensbedingungen in abgeänderter Weiſe, aber nach gleichen Geſetzen, wie die normalen, ablaufen. Da der Organismus vermöge der erwähnten(S. 4) Schutz⸗ vorrichtungen imſtande iſt, die auf ihn einwirkenden Schädlichkeiten in mehr oder weniger vollkommener Weiſe von ſich abzuwehren oder unſchädlich zu machen, ſo geht daraus hervor, daß nicht jede auf das Individuum einwirkende Geſundheitsſchädlichkeit(ſ. S. 4) notwendig eine Erkrankung desſelben zur Folge haben muß. Es wird dies viel⸗ mehr von der Leiſtungsfähigkeit ſeiner natürlichen Abwehr⸗ oder Schutz⸗ einrichtungen abhängen, welche das eine Tier befähigen, trotz äußerer abgeänderter Lebensbedingungen, trotz mannigfacher auf dasſelbe ein⸗ wirkender Schädlichkeiten, geſund zu bleiben, während ein anderes in⸗ folge derſelben erkrankt oder ſtirbt. Von der Entwicklung und Leiſtungsfähigkeit der natürlichen Abwehr⸗ oder Schutz⸗ einrichtungen des Organismus wird alſo einerſeits die „Widerſtandsfähigkeit desſelben gegen äußere Schädlichkeiten, andererſeits die Schwere der Erkrankung abhängen. Die Erhaltung und Kräftigung dieſer natürlichen Schutzvor⸗ richtungen des Organismus ſpielt daher bei der Verhütung von Krank⸗ heiten eine außerordentlich wichtige Rolle, ganz beſonders bei Tieren, welche wir aus einer Gegend in eine andere verſetzen, in eine andere importieren, und hierbei vielfach unter mehr oder weniger von den bisherigen abweichende äußere Lebensbedingungen bringen. Denn alles, was wir als Anpaſſung, Gewöhnung(Acclimatiſation, Accomodation), Abſtumpfung oder Abhärtung bezeichnen, iſt in der Hauptſache nichts Anderes, als die Erlangung einer größeren Widerſtandsfähigkeit gegen äußere Schädlichkeiten, welche der Organismus durch eine dem Zwecke entſprechende größere Uebung und hierdurch bedingte geſteigerte Leiſtungsfähigkeit ſeiner natürlichen Schutz⸗ und Abwehrvorrichtung bei längerer bezw. wiederholter Einwirkung derſelben erlangt hat. Mit dieſer Anpaſſung oder Acclimatiſation ſind meiſt gewiſſe Ab⸗ änderungen im Baue und der feineren Struktur der bei der Abwehr der Krankheitsurſachen in Frage kommenden Organe verbunden, welche durch deren geſteigerte Thätigkeit bedingt ſind. Nicht ſelten vollziehen ſich derartige, den veränderten Lebensverhältniſſen angepaßte Ab⸗ änderungen erſt in der nächſten Generation. Gehen durch dieſelben wertvolle Eigentümlichkeiten der betr. Tierraſſe verloren(z. B. die feine Kräuſelung des Wollhaares bei Schafen ꝛc.), ſo ſpricht man von Aus⸗ artt inpe bedi berh komr Eri aufß dß por —— 9 —— Innere Krankheitsurſachen. 7 artung oder Degeneration der Raſſe. Iſt der Organismus der importierten Tiere nicht imſtande, ſich den veränderten Lebens⸗ 3 bedingungen anzupaſſen, weil dieſelben zu verſchieden von den Lebens⸗ verhältniſſen ihrer Heimat ſind, ſo gehen dieſelben oder ihre Nach⸗ kommen allmählich zu Grunde, die Raſſe ſtirbt aus. So lehrt die Erfahrung, daß unter ſolchen Verhältniſſen die weiblichen Tiere ſchwer aufnehmen, verwerfen und ſchließlich gar nicht mehr befruchtet werden, daß Infektionskrankheiten, beſonders Tuberkuloſe, gerade ſolche im— portierte Tiere häufiger heimſucht dc. Gpexieller Teil. I. Die Krankheitsurſachen. Wollen wir die Tiere vor Krankheit ſchützen, ſo müſſen wir die Urſachen der letzteren von denſelben abhalten; um dies zu ermöglichen, müſſen wir aber vor allem die Urſachen der Krankheit kennen. Die Lehre von den Krankheitsurſachen(Aetiologie) iſt daher die wichtigſte Grundlage der Geſundheitspflege.— Man unter⸗ ſcheidet innere und äußere Krankheitsurſachen. A. Innere Rrankheitsurſachen. Es iſt bekannt, daß nach der Einwirkung einer gewiſſen, eine größere Anzahl von Tieren treffenden Geſundheitsſchädlichkeit nicht jedes derſelben erkrankt, bezw. gleich ſchwer erkrankt. Wie aus dem oben Geſagten hervorgeht, beruht dieſe auffallende Thatſache weſentlich auf der bei den verſchiedenen Individuen mehr oder weniger entwickelten Fähigkeit, die von außen das Individuum treffenden Schädlichkeiten ganz oder teilweiſe abzuwehren oder unſchädlich zu machen. Je voll⸗ kommener beides erfolgt, oder je widerſtandsfähiger, wie man ſich auszudrücken pflegt, das Individuum iſt, umſo geringer wird für dasſelbe die Gefahr ſein, zu erkranken; ja es giebt Individuen, die trotz der Einwirkung intenſiver Schädlichkeiten, welche die gleichzeitige Erkrankung von Hunderten und Tauſenden anderer bedingen können, nicht erkranken oder, wie man ſagt, immun ſind. Umgekehrt hingegen ſehen wir, daß andere Individuen nach Ein⸗ wirkung der äußeren Schädlichkeiten ganz außerordentlich leicht erkranken, geradezu eine beſondere Neigung zum Krankwerden, eine ſogenannte 8 Innere Krankheitsurſachen. Krankheitsanlage oder Dispoſition beſitzen. Dieſelbe beruht im weſentlichen auf einer unvollkommeneren Entwickelung ihrer natürlichen Schutzeinrichtungen, bezw. in einer Schwäche der hierbei in Betracht kommenden Gewebe und Organe, welche man durch geringe, mit den gewöhnlichen wiſſenſchaftlichen Hilfsmitteln nicht nachweisbare chemiſche und phyſikaliſche Abweichungen im Baue derſelben zu erklären verſucht und als konſtitutionelle Anlage bezeichnet hat. Der Grad der Krankheitsanlage bei den einzelnen Individuen iſt natürlich ein ſehr verſchiedener. Er kann ein ſo erheblicher ſein, daß die betreffenden Tiere oder Menſchen ſchon nach der Einwirkung be⸗ ſtimmter äußerer Einflüſſe erkranken, welche nach Art und Menge bei anderen Individuen derſelben Art nach keiner Richtung ſchädlich wirken, ſondern als ganz normale Lebensbedingungen angeſehen werden müſſen (ſog. Idioſynkraſie). Viele Menſchen beſitzen z. B. eine auffällige Idioſynkraſie gegen Erd⸗ beeren, Krebſe ꝛc., nach deren Genuß ſie an einer entzündlichen Hautrötung, beſonders an den Händen und Armen(Erythem), erkranken. Ebenſo iſt es bekannt, daß einzelne Kühe eine Idioſynkraſie gegen Kartoffelſchlempe inſofern beſitzen, als ſie ſchon nach dem Genuß einiger weniger Eimer derſelben an Schlempemauke erkranken. Niemandem wird es aber einfallen, Erdbeeren, Krebſe und Kartoffelſchlempe als ſchädliche Nahrungsmittel zu bezeichnen. Dieſe Krankheitsanlage oder Dispoſition wird als innere oder disponierende bezeichnet. Sie ſpielt inſofern eine große Rolle, als je größer ſie iſt, umſo geringer die äußeren Schädlichkeiten oder äußeren Krankheitsurſachen zu ſein brauchen, welche die Krankheit hervorrufen. Ihrem Urſprunge nach kann die Krankheitsanlage oder Dispoſition eine erworbene(acquirierte) oder angeborene(kongenitale) ſein. a) Sie wird erworben entweder durch Fehler in der Hautpflege, Fütterung oder im Gebrauch der Tiere, wodurch eine Schwächung des Organismus und der Leiſtungsfähigkeit ſeiner Schutzeinrichtungen bedingt wird; oder durch eine vorhergegangene Erkrankung des einen oder anderen Organes, welche deſſen Schutzeinrichtungen in ihrer Wirkſamkeit ab⸗ ſchwächte und hierdurch die Widerſtandsfähigkeit des Organismus herabſetzte. b) Sie wird angeboren, d. h. ſie iſt ſchon bei der Geburt vor⸗ handen. Die Krankheitsanlage kann in dieſem Falle ſchon bei der Mutter vorhanden geweſen und von dieſer ſchon vor der Befruchtung auf das ſich im Eierſtock entwickelnde Ei, oder vom Vater durch letztere auf das Ei übertragen worden ſein(ererbte, bezw. germinative, ovogene oder conceptionelle Anlage).— Es können aber auch die, eine angeborene Anlage erzeugenden Schädlichkeiten erſt nach der Befruchtung des ur⸗ ſprünglich geſunden Eies auf das ſich innerhalb der Gebärmutter aus dieſem entwickelnde Junge vom Muttertier aus übertragen werden(in— trauterin erworbene, placogene Anlage).— Die angeborene An⸗ lage kann natürlich durch vorzügliche, die Kräftigung des Organismus und eine Steigerung ſeiner Widerſtandsfähigkeit begünſtigende Pflege und Haltung des geborenen Tieres weſentlich vermindert oder vollſtändig auf⸗ ——— — Innere Krankheitsurſachen. 9 gehoben werden, ebenſo wie die entgegengeſetzten Verhältniſſe eine Steigerung derſelben bewirken können. Vererbungstheorie. Zum Verſtändnis des vorſtehenden und der ſpäter zu beſprechenden, für die Züchtungslehre und Geſundheitspflege ſo überaus wichtigen Krankheitsvererbung iſt es nötig, hier folgendes einzufügen. Das im Eierſtock des weiblichen Individuums gebildete reife, ca. 0,20— 0,25 mm große Säugetierei, aus dem ſich infolge der Befruchtung ein neues Tier entwickeln kann, beſteht aus einem rundlichen Ei⸗ weißkörper, dem Zellenleib oder Dotter(Fig. 2 u. 3, a) und dem hiervon umſchlos⸗ ſenen ca. 0,040 bis 0,050 mm großen Eikern, weiblichen Vor⸗ kern oder dem Keimbläschen (Fig. 1 u. 2, b)..„ Die Befruch⸗ 309.., Zig. UA. tung des ſelben Schematiſche Darſtellung des Befruchtungsvorganges. (die Conception) beſteht in der Hauptſache darin, daß eine der in der männlichen, bei der Begattung in die weiblichen Geſchlechtsorgane gelangten Samenflüſſigkeit enthaltenen Samenzellen(Samenfäden, Spermatozoen)(Fig. 2 c) in das Eichen eindringt(Fig 2d), und unter Verluſt ihres Wimperfadens und nach vorheriger Anſchwellung und Umwandlung in ein kernartiges Gebilde(Fig 3 e), den Samen⸗, Sperma⸗ oder männlichen Vorkern mit dem Eikern ver⸗ ſchmilzt. Nach Bildung dieſes, durch Vereinigung von Körperſubſtanz des weib⸗ lichen und des männlichen Tieres(des Ei⸗ und des Spermakernes) entſtandenen neuen Kernes, des ſog. Furchungskernes, entwickelt ſich nun das junge Tier aus letzterem in der Weiſe, daß ſich zunächſt der Furchungskern, dann der Zellenleib in zwei Teile oder Zellen ſpaltet, von denen jede ſich fortgeſetzt wieder in gleicher Weiſe teilt, bis ſich ſchließlich der ganze Furchungskern in eine aus vielen Tauſenden kleinen Zellen(Furchungszellen) beſtehende maulbeerförmige Kugel(Fig. 4) ver⸗ wandelt hat, aus welcher ſich unter fortgeſetzter Teilung und geſetzmäßiger Aneinanderlegung der . Furchungszellen die einzelnen Körpergewebe und Jig. 4(L). Organe entwickeln. Da die Furchungszellen aber alle Abkömmlinge des Furchungskernes ſind, welcher aus einer Vereinigung väterlicher und mütterlicher Körperſubſtanz entſtanden war, ſo müſſen natürlich auch alle Zellen des hieraus gebildeten neuen Lebeweſens mehr oder weniger große Bruchteile väterlicher oder mütterlicher Körperſubſtanz enthalten, mit welcher auch alle guten und 10 Innere Krankheitsurſachen. ſchlechten, geiſtigen und materiellen Eigenſchaften derſelben auf das junge Tier übertragen, vererbt werden können. Die Ernährung des durch die Befruchtung erzeugten und im mütter⸗ lichen Uterus(Gebärmutter) bis zu ſeiner vollendeten Entwicklung verbleibenden Jungen(Fötus) wird in folgender Weiſe bewirkt. Das Junge iſt zunächſt von einer Anzahl blaſenförmiger, geſchloſſener und mit ſog. Fruchtwaſſer ge⸗ füllter Häute(Schafhaut= Amnion Fig. 5 k]), Harnhaut= Allantois(Fig. 51] Fig. 5. Eihäute und Blutkreislauf(Placentarkreislauf) des Kalbsfötus(ſchematiſch). und Lederhaut= Chorion(Fig. 5 i])) umgeben, welche als Eihäute(nach Ausſtoßung des Jungen bei der Geburt als Nachgeburt) bezeichnet werden. Die Oberfläche der äußerſten Haut(des Chorions) iſt von einer großen Anzahl in verſchiedener Weiſe angeordneter feiner Zotten(Fig. 5 eee) bedeckt, welche entweder gleichmäßig über die ganze Oberfläche des Eies (beim Pferd bezw. auch Schwein) verteilt oder zu einer Anzahl kleiner rund⸗ licher Inſeln vereinigt(bei den Wiedertäuern, Fig. 5) oder gürtelförmig (bei den Fleiſchfreſſern, Fig. 6, Placenta zonaria) oder ſcheibenförmig(beim Menſchen) gruppiert ſind. Dieſe Zottenwucherungen werden in ihrer Geſamt⸗ -'==-—— —— Aͤ———— α= Innere Krankheitsurſachen. 11 heit als Fruchtkuchen(Placenta foetalis, Fig 7A) bezeichnet. Jede dieſer Zotten enthält im Innern ein Netz feiner Blutgefäße(Fig. 7a) und iſt an ihrer Oberfläche von einer einfachen Zellenſchicht bedeckt(Fig 7). Die Verbindung des Eies(d. h. des Jungen ſamt den umgebenden Eihäuten) mit der Innenfläche der Gebärmutter des Muttertieres wird dadurch bewirkt, daß die Zotten an der Oberfläche desſelben in bereits vorgebildete oder in neugebildete ſchlauch⸗ förmige, ebenfalls mit einer einfachen Zellen⸗ ſchicht(Fig. 7 c) aus⸗ gekleidete Vertiefungen Gleᷣles, der nach der Befruch⸗ iende tung blut⸗ und ſaft⸗ reicher und daher et⸗ was dicker gewordenen Schleimhaut der Ge⸗ Placenta Loaarnea, bärmutter hinein wach⸗. ſen(Fig. 7). Soweit Zmnlon letztere dieſe Verände⸗ Fig. 6. Hundefötus mit Eihäuten gegen das Ende der Trächtig⸗ rungen zeigt und mit keit, ca. ⅛ natürl. Größe. dem Fruchtkuchen in Verbindung tritt, wird ſie als Mutterkuchen(Placenta materna, Fig. 7B) beseichnet Die Form des letzteren entſpricht immer der des Fruchtkuchens (ſ. oben). Die Ernährung des ſich im Ei entwickelnden Jungen(Fötus) er⸗ folgt nun in der Weiſe, daß die hierzu erforderlichen Nährſtoffe, ſowie der zur Zerlegung(Oxydation) derſelben nötige Sauerſtoff(S. 1) mit dem Blutſtrom dem Blutgefäßnetz zugeführt werden, welches die in der Schleim⸗ haut der Gebärmutter enthaltenen ſchlauchförmigen(die Zotten des Frucht⸗ kuchens umſchließenden) Vertiefungen von außen dicht umſpinnt(Fig. 7 b). Sie treten dann durch die Wandung dieſer Blutgefäße hindurch, durch⸗ dringen den doppelten Zellenbelag, welcher einerſeits die Innenfläche der bezeichnenden Vertiefungen, andererſeits die Außenfläche der Zotten bedeckt (Fig. 7 cc), und gelangen dann durch die Wandung des in letzteren ent⸗ haltenen Gefäßnetzes in das dieſes durchſtrömende Blut des Jungen. Das mit neuen Nährſtoffen und mit Sauerſtoff geſättigte Blut ſtrömt nun in den zwiſchen den verſchiedenen Eihäuten gelegenen Verzweigungen der Nabelvene (Fig. 5 5), welche ſich ſchließlich in einen im Nabelſtrang liegenden Hauptſtamm (Fig. 5g) vereinigen, in den Leib des Fötus zurück, durchſtrömt deſſen Leber (Fig. 5 0), gelangt durch die hintere Hohlvene h in die rechte Herzvorkammer und von dort durch eine nur beim Fötus vorhandene Oeffnung in die Scheide⸗ wand zwiſchen der rechten und linken Herzvorkammer(mit Umgehung der Lunge, welche ja noch nicht atmen kann) in die linke Herzvorkammer. Von hier ſtrömt das Blut des Fötus in die große Körperpulsader bezw. in den hinteren Hauptſtamm der letzteren(hintere Aorta(Fig. 5 b)), von welcher aus es durch zwei ſtarke, links und rechts von der fötalen Harnblaſe(Fig. 5m) gelegenen ebenfalls nur beim Fötus vorhandene Blutgefäße, die ſog. Nabel⸗ arterien(Fig. 5 c), beladen mit den Stoffwechſelprodukten des Fötus, wieder den Eihäuten und den Zottengefäßen des Fruchtkuchens zugeführt wird. Durch letztere treten die im Blute enthaltenen Stoffwechſelprodukte des Fötus 12 Innere Krankheitsurſachen. (ſ. S. 1) wieder aus, durchdringen nunmehr in umgekehrter Richtung die beiden Zellenſchichten, ſowie die Wände des die ſchlauchförmigen Einſtülpungen A. Fruchtkuchen(Placenta fötalis). EEEEE 5 anaaaahe S.* 4 B. Mutterkuchen(Placenta materna). Fig. 7. Schematiſche Warſtellune der Verbindung zwiſchen dem Fruchtkuchen des Mutter⸗ 7 tieres und dem Fruchtkuchen(Eihäuten) des Fötus. a die gefäßhaltigen Zotten des Frucht⸗ kuchens; b Mutterkuchen und ſeine Gefäßverzweigungen; c das Epithel, welches die ſchlauch⸗ förmigen Vertiefungen des Mutterkuchens auskleidet;« Epithel, welches die Oberfläche der * Zotten bedeckt. der Gebärmutterſchleimhaut umgebenden Gefäßnetzes und gelangen ſo wieder in das mütterliche Blut, welches von neuem ſeine Nährſtoffe an das Blut des Fötus auf die oben beſchriebene Weiſe abgiebt. nittl rümli gtre treter ſein, bnne richt die gen Innere Krankheitsurſachen. 13 Aus alledem gehen folgende, für die Lehre von der Entſtehung der Krank⸗ heiten wichtigen Punkte hervor: 1. Der Blutkreislauf des Muttertieres und des Fötus ſteht nicht in un⸗ mittelbarer Verbindung, vielmehr ſind beide durch vier Gewebsſchichten, nämlich die beiderſeitigen Gefäßwände und zwei Zellenſchichten voneinander getrennt. 2. Stoffe, welche aus dem mütterlichen Blut in das des Fötus über⸗ treten ſollen, oder umgekehrt, müſſen in dieſem gelöſt oder ſo fein zerteilt ſein, daß ſie dem gelöſten Zuſtand gleich kommen. Ungelöſte Subſtanzen können durch die trennenden Gewebsſchichten, ſolange dieſelben geſund ſind, nicht hindurchtreten. 3. Ein Uebertritt von nicht gelöſten Subſtanzen, z. B. im Blute der Mutter zirkulierender Bakterien z. B. Tuberkelbacillen) oder Entwicklungsformen (Embryonen) tieriſcher Paraſiten kann nur dann ſtattfinden, wenn die den mütterlichen und den föotalen Blutſtrom trennenden Gefäßwände durch einen Krankheitsprozeß zerſtört worden ſind(z. B. bei Tuberkuloſe des Uterus), oder wenn die nicht gelöſten Stoffe ſo fein verteilt ſind, daß ſie dem gelöſten Zuſtand gleich kommen, oder wenn es ſich um die Embryonen tieriſcher Paraſiten handelt, die ſich ſelbſtthätig durch die Wandungen der Gefäße hindurchbohren und vom Muttertiere in den Fötus übertreten können.— Nur kurz mag noch angedeutet ſein, daß die Krankheitsanlage oder Dispoſition als eine individuelle bezeichnet wird, wenn ſie nur ein beſtimmtes Individuum betrifft; dagegen als Gattungsdispoſition, wenn ſie nur bei den Individuen einer beſtimmten Tiergattung, als Raſſe⸗ dispoſition, wenn ſie nur bei beſtimmten Schlägen oder Raſſen einer ſolchen, als Altersdispoſition, wenn ſie nur an Tieren eines gewiſſen Alters, und als Geſchlechtsdispoſition, wenn ſie nur bei den männ⸗ lichen oder weiblichen Individuen einer Tiergattung hervortritt. Angeborene, ererbte Krankheiten, Erbfehler. Ebenſo wie die Krank⸗ heitsanlage, ſo können zweifellos auch einzelne Krankheiten in mehr oder weniger entwickelter Form angeboren werden. Es handelt ſich hierbei ent⸗ weder um eine geringgradige, das Wohlbefinden und die Nutzungsfähigkeit des betreffenden Tieres in keiner Weiſe ſtörende, ja letztere zum Teil ſogar ſteigernde Abweichungen in der Körperform oder der Organthätigkeit(ſ. S. 3 u. ff.), oder aber um eine wirklich krankhafte, die normale Thätigkeit ein oder mehrer Organe ſtörende und hierdurch das Wohlbefinden des Individuums ſchädigende Beſchaffenheit größerer oder kleinerer Körperabſchnitte. Zu erſterer zählen vor allen die ſog. Raſſeeigentümlichkeiten in Körperform und Leiſtungs⸗ fähigkeit, zu letzteren die ſog. Erbfehler im engeren Sinne, zu denen man beſonders Kehlkopfpfeifen, Dummkoller, periodiſche Augenentzündung und ver⸗ ſchiedene Gelenk⸗ und Sehnenſcheidenleiden bei Pferden, Tuberkuloſe bei Wiederkäuern und Schweinen, Traberkrankheit bei Schafen, akute fettige Degeneration der geſamten Körpermuskulatur bei Schweinen, ferner Epilepſie, Hodenſack⸗ und Nabelbrüche, ſowie grauen und ſchwarzen Star bei allen Tieren gerechnet hat. Die Art und Weiſe, wie die Vererbung der Krankheiten zuſtande kommt, iſt ſchon Seite 9 in ihrem Weſen geſchildert worden. Bei allen angeborenen ſog. Infektionskrankheiten. d. h. ſolchen, welche durch Bakterien(z. B. Rotz, Tuberkuloſe, Pocken ꝛc.) veranlaßt werden, iſt die Uebertragung dadurch möglich, daß die betreffenden belebten Krankheitserreger(Bakterien) ſchon 14 Aeußere Krankheitsurſachen. vor, bei oder erſt nach der Befruchtung vom bereits erkrankten Mutter⸗ oder Vatertiere auf das Ei, bezw. das ſich entwickelnde Junge(und dies gilt auch für die zeitweilig im Blute zirkulierenden Embryonen von tieriſchen Paraſiten), im letzteren Falle durch den Placentarkreislauf(ſ. S. 11) über⸗ gehen, und die Erkrankung des letzteren noch vor ſeiner Geburt veranlaſſen. Die Vererbung aller anderen weſentlichen Abweichungen in der Körperform oder in der Beſchaffenheit(Bau und Verrichtung) einzelner Organe des Körpers beſtehenden, nicht infektiöſen Krankheiten iſt hingegen nur durch die ſchon S. 9 geſchilderte Thatſache erklärbar, daß der Furchungskern, aus dem ſich das junge Lebeweſen innerhalb der Eizelle entwickelt, durch die Verſchmelzung des mütterlichen Ei⸗ und des väterlichen Spermakernes ent⸗ ſteht, alſo aus materiellen Beſtandteilen beider Eltern zuſammengeſetzt iſt. Abweichungen in der Zellenſubſtanz des männlichen oder weiblichen Vor⸗ kernes werden daher auf den Furchungskern übergehen, und die aus dieſem hervorgegangenen Furchungs⸗ oder Bildungszellen, aus dem ſich der Körper des jungen Tieres aufbaut, werden die fehlerhafte Konſtitution oder die Neigung zu fehlerhafter Anordnung erben, welche ſchon den Zellen des einen oder anderen Elterntieres eigentümlich war. Bei allen ſcheinbar ererbten bezw. angeborenen Krankheiten iſt aber ſehr wohl zu unterſcheiden, ob die betreffende Krankheit bei dem jungen Tiere nicht doch etwa erſt nach der Geburt durch Anſteckung vom Mutter⸗ tiere aus(z. B. die Tuberkuloſe durch den Genuß der Milch aus dem tuber⸗ kulöſen Euter der Mutter oder durch Einatmen der von dieſer aus der tuberkulöſen Lunge ausgehuſteten und in der Atmungsluft enthaltenen Tuberkelbazillen) entſtanden iſt, oder ob nicht dieſelben, wie dies häufig vor⸗ kommt, nur in der Anlage, in Geſtalt einer geringeren Widerſtandsfähigkeit der betreffenden Organgewebe, einer gewiſſen„organiſchen Schwäche“ an⸗ geboren worden iſt, welche bei der Einwirkung äußerer ungünſtiger Ver⸗ hältniſſe erſt nach der Geburt zur Entſtehung der Krankheit führt(ſ. S. 4). Letzteres gilt namentlich für die Knochen⸗ und Gelenkkrankheiten, beſonders Spat, Schale, Ueberbeine, die viel ſeltener, wie man annimmt, eigentliche Erbfehler, ſondern meiſt nur in der Anlage(fehlerhaſte Stellung und Gelenk⸗ winklung bei geringerer Widerſtandsfähigkeit der Gewebe) angeboren worden ſind und ſpäter erſt infolge ungünſtiger Außenverhältniſſe(zu frühen oder zu ſtarken Gebrauches, beſonders auf hartem Boden) zur Entwicklung gelangen. Mit Sicherheit iſt, natürlich mit Ausnahme der ſog. Infektions⸗ und Invaſionskrankheiten, bisher nur die Vererbung ſolcher Krankheiten nach⸗ gewieſen worden, welche bereits bei dem einen der Elterntiere vorhanden waren. Die während deren Lebenszeit erworbenen Krankheiten oder Fehler vererben in der Regel nicht(z. B. werden gewiſſen Hunderaſſen ſeit weit über 100 Jahren Ohren und Schwanz, den weiblichen Schafen ſeit Jahr⸗ hunderten der Schwanz verſchnitten, ohne daß jemals die Nachkommen— bei Hunden nur als verſchwindende Ausnahme— mit dieſer Verſtümmelung geboren werden). B. Aeußere Rrankheitsurſachen. Wie ſchon S. 1 bemerkt, beſteht das Leben in einer Reihe chemiſcher und phyſikaliſcher, ununterbrochen in den Gewebszellen ablaufender, als Lebenserſcheinungen bezeichneter Vorgänge, welche aber abhängig ſind von von — Tieriſche und pflanzliche Paraſiten. 15 gewiſſen Einwirkungen der Außenwelt auf den Tierkörper, den ſogen. Lebensreizen oder äußeren Lebensbedingungen. Es wurde S. 4 weiter auseinandergeſetzt, daß, ſolange dieſe Lebensbedingungen in gewiſſen Grenzen auf den Organismus einwirkten, oder ſolange deſſen regu⸗ latoriſche Einrichtungen imſtande ſeien, abgeänderte äußere Lebens⸗ bedingungen abzuwehren oder ihre, die Lebensprozeſſe ſtörende Wirkung auf den Organismus abzuſchwächen oder aufzuheben, das Tier geſund bleibe, unter entgegengeſetzten Verhältniſſen aber erkranke. Als äußere Krankheitsurſachen ſind daher alle von außen auf das Tier einwirkenden Verhältniſſe ſeiner Umgebung zu betrachten, welche ſeine Lebensvorgänge(S. 1) zu ſtören geeignet ſind.— Als ſolche kommen folgende in Betracht. I. Fieriſche und pflanzliche Paraſiten. Unter den Tieren und Pflanzen giebt es eine Anzahl von Arten, welche in oder auf anderen Tieren bezw. Pflanzen zu leben vermögen, von denſelben Nahrung und Wohnung beziehen und durch ihre Lebens— vorgänge gewiſſe Erkrankungen ihrer Wirte zu erzeugen vermögen. Sie werden als tieriſche und pflanzliche Paraſiten oder Schmarotzer bezeichnet. Andere tieriſche oder pflanzliche Lebeweſen beſitzen dieſe Fähigkeit, als Paraſiten im Körper eines anderen Tieres weiter zu leben, zu ſchmarotzen, nicht. Sie gehen zu Grunde, wenn ſie mit der Atmungs⸗ luft oder mit Nahrung und Getränk von einem ſolchen aufgenommen worden ſind. Trotz alledem können ſie aber durch ihren Gehalt an gewiſſen chemiſchen Stoffen oder ihre phyſikaliſche Beſchaffenheit zur Krankheits⸗ urſache werden. Man bezeichnet ſie aber in dieſem Falle nur als tieriſche oder pflanzliche Verunreinigungen. 1. die tieriſchen Paraſiten. Man verſteht hierunter auf niederen Stufen der Entwicklung ſtehende Tiere, welche in(Entoparaſiten) oder auf(Ektoparaſiten) dem Körper anderer Tiere wohnen und ſich auf Koſten derſelben ernähren. Einzelne dieſer Paraſiten ſchmarotzen nur vorübergehend(temporäre Para⸗ ſiten) zum Zwecke der Befriedigung des Nahrungsbedürfniſſes(z. B. gewiſſe Ektoparaſiten: Mücken, Fliegen). Andere ſchmarotzen nur während gewiſſer Perioden ihres Lebens(periodiſcher Paraſitismus), wohin⸗ gegen ſie die übrige Zeit desſelben frei leben(z. B. die Larvenzuſtände ge⸗ wiſſer Inſekten); noch andere endlich ſchmarotzen während ihres ganzen Lebens(lebenslängliche Paraſiten), für ſie iſt der Tierkörper die unentbehrliche Heimſtätte für die ganze Dauer desſelben(z. B. Würmer, Räudemilben). Einzelne Paraſiten ſind hierbei nur auf eine beſtimmte Tiergattung, andere nur auf gewiſſe Tiergruppen angewieſen, welche durch die Art ihrer Ernährung etwas Gemeinſames haben(Fleiſch⸗, Pflanzen⸗ 16 Aeußere Krankheitsurſachen. und Allesfreſſer) und hierdurch die erforderlichen Bedingungen zur Ueber⸗ tragung der Paraſiten(Invaſion) in ihren Entwicklungsformen bieten. Während die Ektozoen ihre ganze Entwicklung auf ein und demſelben Tiere(Wirte) durchmachen, ſind die Entozoen hierbei auf mehrere Tiere der⸗ ſelben Art oder ganz verſchiedener Arten angewieſen. Bei den meiſten der⸗ ſelben findet bis zur vollſtändigen Entwicklung ein dreifacher Wirtswechſel ſtatt. Der erſte Wirt beherbergt das geſchlechtsreife Tier und den in den Eiern desſelben enthaltenen Embryo. Letzterer verläßt die Eiſchale entweder bereits innerhalb des erſten Wirtes und gelangt mit dem Kote(bei allen Darm⸗ paraſiten) nach außen, oder er thut dies erſt außerhalb des Wirtes, nachdem das Ei auf demſelben Wege nach außen gelangt iſt. In dieſem ſogenannten embryo⸗ nalen Zuſtande verlebt der Paraſit eine gewiſſe Zeit außerhalb des Tier⸗ körpers in feuchtem Boden bezw. Waſſer, in faulenden Vegetabilien ꝛc. und wird dann erſt mit Nahrung und Getränk oder vielleicht auch durch die Atmungs⸗ luft von ſeinem zweiten Wirte aufgenommen oder wandert aktiv in den⸗ ſelben ein. In dem Körpergewebe desſelben entwickelt ſich der Embryo zu einem geſchlechtsloſen Larvenzuſtand, der ſehr raſch von einer durch das umgebende Getnebe gebildeten Kapſel eingeſchloſſen wird. Eine weitere Entwicklung zum geſchlechtsreifen Tier kann erſt dann erfolgen, wenn dieſer larvenartige Entwicklungszuſtand zufällig mit der Nahrung von einem dritten Wirte aufgenommen wird. Nur einige wenige Entozoen bean⸗ ſpruchen zu ihrer Entwicklung nur zwei Wirte, indem die aufgenommenen Embryonalformen ſich ſofort in dem zweiten zum reifen Geſchlechtstiere ent⸗ wickeln.— Bei einzelnen Paraſiten(Band⸗ und Saugwürmern) vollzieht ſich die Entwicklung mit einem ausgeſprochenen Generationswechſel, indem ſich aus dem auf geſchlechtlichem Wege erzeugten Embryonalzuſtand im zweiten Wirte ein Individuum entwickelt, welches dem Elterntiere nicht nur voll⸗ ſtändig unähnlich iſt und unähnlich bleibt, ſondern auch die Fähigkeit beſitzt, auf ungeſchlechtlichem Wege(Teilung oder Sproſſung) Nachkommen zu er⸗ zeugen, die wiederum vollſtändig mit dem Elterntiere übereinſtimmen; Bei⸗ ſpiele hierfür bieten die Band⸗ und Saugwürmer(Leberegeh(ſ. dieſe]l.— Die tieriſchen Paraſiten können in folgender Weiſe zur Krankheits⸗ urſache werdane): 1. auf mechaniſche Weiſe, und zwar: a) indem ſie verſchieben⸗ Kanäl le des Körpers verſtopfen und die Fortbewegung ihres Inhaltes erſchweren oder verhindern. Der im Darme des Pferdes vorkommende Spulwurm(Ascaris mega- locephala) von 15— 40 cm Länge und 8— 15 mm Dicke kann bis zu 1600, ja 1800 Stück in demſelben enthalten ſein und eine vollſtändige Verſtopfung des Darmes bewirken. Duaſelhe gielt von dem im Darme bei Hunden und Katzen vorkommenden Spulwurm(Ascaris marginata) und dem daſelbſt beim Geflügel vorkommenden Geflügelſpulwurm(Heterakis vesicularis und inflexa). Ebenſo können gewiſſe Paliſſadenwürmer(Strongylus fllaria und rufescens beim Schaf, Str. micrurus beim Kalb und Str. paradoxus beim Schwein) bei verſchiedenen Hausſäugetieren, ſowie einige Syngamus⸗ *) Ausführliches hierüber ſiehe in dem vorzüglichen Werke von Zürn, Die tieriſchen Paraſiten in und auf dem Körper unſerer Haustiere, Weimar, ſowie in der kleinen Schrift von Dewitz, Eingeweidewürmer der Haustiere, Berlin, Verlagsbuchhandlung Paul Parey, 1892(2.50 M.) Tieriſche und pflanzliche Paraſiten. 17 arten(Syngamus trachealis und bronchialis) bei Vögeln, die feineren Luft⸗ röhrenäſte vollſtändig verſtopfen und den Tod durch Erſtickung oder durch eine infolge ihrer Einwirkung entſtehende Entzündung der Luftröhrenäſte hervorrufen. Hierher würden auch jene ſchweren Zirkulationsſtörungen ge⸗ hören, welche durch einen im rechten Herzen und der Lungenaterie bei Hunden oft in größerer Anzahl vorkommenden Fadenwurm, die Filaria immitis, bedingt werden. b) Durch den beſtändig auf ihre Umgebung ausgeübten Druck, durch welchen die Blutgefäße zuſammengedrückt, die Blutzufuhr beſchränkt und die Ernährung des Gewebes vermindert wird. Die Folge davon iſt Schwund oder Degeneration des letzteren, ſowie Störungen in deren normaler Funktion. Der Gehirnblaſenwurm(Coenurus cerebralis) im Gehirn des Schafes, die Echinokokkenblaſen in Lunge, Leber ec.(letztere oft in ſo erheblichen Mengen vorhanden, daß das ganze Organ davon durchſetzt erſcheint), der Rieſen⸗ palliſadenwurm im Nierenbecken ꝛc. ſind Beiſpiele für dieſe Druckwirkung; Trichinen und Sarkoſporidien, ſogen. Pſoroſpermien, in den Muskeln für die durch ſie bedingte degenerative Wirkung. c) Indem ſie bei ihrer Fortbewegung, ihrer Wanderung im Körper, Gewebe zerſtören. Der Rieſenkratzer(Strongylus Gigas), auch der Spulwurm des Pferdes und ein Bandwurm des letzteren(Taenia perfoliata) durchbohren zuweilen die Darmwand und erzeugen tödliche Bauchfellentzündungen; die in der Bauchhöhle bei Fiſchen lebenden Kiemenwürmer(Liguliden) durchbohren ſogar die Bauchwand derſelben, Leberegel bei ihrer Einwanderung die Leber ꝛc. d) Indem ſie durch den Reiz, welchen ſie auf ihre Umgebung aus— üben, ſchmerzhafte Entzündungen und ſchwere Funktionsſtörungen hervor⸗ rufen. Beiſpiele hierfür bieten mehr oder weniger auffällig faſt alle in das Gewebe vom Darm einwandernden Paraſiten während der Zeit ihrer Wanderung. Es ſei vor allem auf die ſchmerzhaften Entzündungen und ſchweren Funktionsſtörungen hingewieſen, welche die Trichinen bei ihrer Einwanderung in die Muskeln, die Einwanderung der Embryonen des Drehwurmes in dem Gehirn und deſſen Häuten veranlaſſen ꝛc. Infolge dieſer Entzündungen kann es auch zu pathologiſchen Gewebsneubildungen, Schleim⸗ hautverdickungen, Knotenbildungen ꝛc. kommen. e) Ferner können die Paraſiten durch den Druck, welchen dieſelben auf Empfindungsnerven(S. 102) ausüben, ſogenannte motoriſche Reflexe (S. 103), d. h. Krämpfe, ja ſelbſt Lähmungen veranlaſſen. Die Krämpfe, welche zeitweilig bei reicher Anweſenheit von Darm⸗ würmern, namentlich bei jungen Tieren, auftreten, ſind bekannt. Ja, es iſt früher und auch neuerdings wieder von kompetenter Seite behauptet worden, daß große Mengen von Taenia echinococcus und cucumerina im Darme von Hunden tollwutähnliche Erſcheinungen bei ſolchen hervorrufen ſollen.*) *) In einem vor kurzer Zeit im pathologiſchen Inſtitut der Dresdner tierärzt⸗ lichen Hochſchule beobachteten Falle von Wutverdacht bei einem Hunde fanden Johne. 2 —y— 18 Aeußere Krankheitsurſachen. 2. auf chemiſche Weiſe, indem neben der mechaniſchen Wirkung der Paraſiten zugleich gewiſſe von denſelben gebildete Gifte bezw. giftige Stoffwechſelprodukte zur Wirkung gelangen. Dieſe rufen entweder nur örtlich eine intenſive Entzündung hervor, wie dies z. B. bei den Stichen verſchiedener vorübergehend ſchmarotzenden Inſekten (z. B. Mücken, beſonders der ſogenannten Kolumbäczer Mücke) und bei den Räudemilben der Fall iſt; oder ſie bedingen nach ihrem Eintritt in den Blutſtrom mehr oder weniger allgemeine Wirkungen, wie das z. B. bei den Trichinen, Spulwürmern ꝛc. von einzelnen Forſchern angenommen wird. 3. durch Nahrungsentziehung. Wird dieſe ſchädliche Wirkung auch vielfach überſchätzt, ſo iſt doch nicht zu leugnen, daß bei der erheblichen Zahl, in welcher namentlich verſchiedene Eingeweidewürmer aufzutreten pflegen und bei der erheblichen Größe, welche einzelne derſelben beſitzen(es ſei nur auf den ſchon oben[S. 16) erwähnten großköpfigen Spulwurm des Pferdes und auf einen Bandwurm des Schafes Taenia expansa] verwieſen, welcher 4—6, ja bis 30 m lang wird), der Verluſt an Nährſtoffen für den betr. Wirt doch auch nicht unterſchätzt werden darf. Am gefährlichſten nach dieſer Richtung dürften diejenigen Eingeweidewürmer ſein, welche ihre Nährſtoffe nicht einfach dem Darminhalt entnehmen, ſondern als Blutſauger bekannt ſind, wie dies von verſchiedenen Dochmiusarten bei Hunden bekannt iſt. 4. Endlich können einzelne Paraſiten noch mittelbar dadurch geſundheitsſchädlich werden, daß ſie Anſteckungsſtoffe in ſich aufnehmen und dieſe auf andere geſunde Tiere über⸗ tragen bezw. dieſen direkt einverleiben. In dieſer Beziehung ſcheinen namentlich Inſekten, beſ. Fliegen, bei der Uebertragung des Milzbrandes, vielleicht auch der Tuberkuloſe, eine Rinder⸗ zecke bei der des Texasfiebers der Rinder ꝛc. eine Rolle zu ſpielen. Daß bei einzelnen Paraſiten ſich dieſe verſchiedenen Wirkungen in mannigfacher Weiſe kombinieren können, ſei nur kurz erwähnt.— Eine ſpezielle Beſprechung aller bei unſeren Hausſäugetieren vor⸗ kommenden tieriſchen Paraſiten würde den Zweck dieſes Buches über⸗ ſchreiten, es muß folgende kurze Zuſammenſtellung genügen: I. Paraſitierende Protozoen. Protozoen ſind die einfachſten Formen tieriſcher Lebeweſen. Sie beſtehen nur aus einer einzigen Zelle, in welcher alle jene Lebensvor⸗ ſich im Darme ebenfalls ganz enorme Maſſen der Taenia echinococcus vor. Durch die Impfung eines anderen Hundes mit Rückenmarkſubſtanz des wutverdächtigen Hundes, bei dem 14 Tage nach derſelben ebenfalls die Toll⸗ wut ausbrach, wurde indes bewieſen, daß die Anweſenheit der bezeichneten Würmer nur eine zufällige und der betreffende Hund doch wirklich toll geweſen war. licht ene lche nten gfes der icht ften dem von rch in Tieriſche und pflanzliche Paraſiten. 19 gänge(S. 1) ablaufen, welche ſich bei den höheren Tieren auf mehrere Zellen verteilen.— 1. Klaſſe Wurzelfüßer(Rhizopoden). Stellen kleine, im Ruhe⸗ zuſtand rundliche Eiweiß(Protoplasma)⸗ Klümpchen dar, welche ſich durch Ausſtrecken und Einziehen wurzelartiger Fortſätze (Scheinfüßchen oder Pſeudopodien) fort⸗ bewegen. Die hierher gehörigen Amöben(Amöba coli) u. ſ. w., ſoll beim Menſchen gewiſſe Zig. 8. Amöba coli. a im Ruhe⸗ Formen der Ruhr erzeugen und auch auf zuſtand, b, e, mit ausgeſtreckten Tiere übertragbar ſein.(Fig. 8). Fortſätzen(1:600). 2. Klaſſe Sporozoen. In der Jugend hüllenloſe, in Epithel⸗, Muskel⸗ oder Blutzellen ſchmarotzende, einzellige Organismen, welche in ihrem Innern Fortpflanzungskörper(Sporen) bilden, die ein oder viele körnchen⸗ oder ſtäbchenför⸗ mige Keime erzeugen. Sie zerſtören ihre Wirtszellen und bewirken hierdurch zum Teil ſehr ſchwere, ſelbſt ſeuchen⸗ artig auftretende Erkrankun⸗ gen der betreffenden Schleim— häute, der Muskeln und des Blutes. Hervorzuheben ſind aus der Ordnung der Coccidien: das Coccei- dium oviforme(Fig. 9) in den Epithelzellen der Schleimhaut der Gallen⸗ gänge der Leber(Coccidioſe der Leber), des Darmkanales(als Urſache der roten Ruhr und anderer Formen von Darmentzündung) und der Reſpirations⸗ organe(Gregarinendiphtherie) ſowie der Haut(Molluscum contagiosum beim Geflügel).— Aus der Ordnung der Acyſtoſporidien: eine Anzahl Fig. 9. Coceidium oviforme(Vergröß. 600). 4 5 22 Fig. 10. Pyrosoma s. Apiosoma bigeminum. a- d verſchiedene rote Blutkörperchen mit den Entwicklungsformen der Pyrosoma(Vergröß. 2500). von Blutzellenſchmarotzern(Pyrosoma und Babesia),(Fig. 10) welche bei Rindern das Texasfieber und bei Rindern und Schafen ähnliche mit Zerfall der roten Blutkörperchen und Blutharnen verbundene ſeuchenhafte Krank⸗ heiten erzeugen. Auch die Malariaplasmodien des Menſchen gehören hierher. Dieſe Acyſtoſporidien ſpielen jedenfalls noch bei einer ganzen Reihe anderer ähnlicher Krankheiten eine wichtige Rolle als Krankheitserreger.— D 20 Aeußere Krankheitsurſachen. Aus der Ordnung der Sarcoſporidien: die in den Muskelſchläuchen der meiſten unſerer Haustiere, beſonders des Schweines, ſchmarotzenden Mieſcher'ſchen⸗Schläuche (Mischeria)(Fig. 11 und 12] und die beſonders im Binde⸗ gewebe des Schafſchlundes vor⸗ kommenden Pſoroſpermienſäck⸗ chen(Balbianiden,(Fig. 13a). 3. Klaſſe Infuſorien. Ebenfalls einzellige Lebeweſen, deren Protoplasma aber in eine Mark⸗ und eine Rinden⸗ ſchicht getrennt, bei denen viel⸗ fach ſchon eine Mund⸗ und eine Afteröffnung vorhanden iſt und die an der Oberfläche Fig. 11. Mieſcher'ſche⸗Schläuche im Schweine⸗ mit Wimpern in verſchiedener ffleiſch(Vergröß. ca. 6— 7). L. Größe, Zahl und Anordnung bedeckt ſind.. Sie zerfallen in Geißelinfuſorien und Wimperinfuſorien, treten bei unſeren Haustieren wohl aber kaum als Krankheitserreger auf. In ſehr großen Mengen und den verſchiedenſten Formen ſind ſie bei jedem geſunden Tiere im Panſen der Wieder⸗ käuer und im Blinddarm des Pferdes und Schweines (hier beſonders das Balantidium coli, Fig. 14) zu finden. II. Paraſitierende Würmer (Vermes). Skelettloſe Tiere mit ſeitlich ſymmetriſchem, abgeplattetem oder cylindriſchem Körper ohne glied⸗ maßenartige Anhänge. Hierher ge⸗ hören die meiſten und gefährlichſten tieriſchen, als Eingeweidewür⸗ Fig. 13. Pſoroſpermienſäck⸗ mer bezeichneten Paraſiten. Nur cen im Shaͤſſählnnd⸗ die wenigſten verbringen ihre ganze 1 Lebenszeit in ein und demſelben Wirte; meiſt verleben ſie ihre Jugend- und Entwickelungsformen im Freien oder einem anderen Wirte; ein Wechſel des Aufenthaltes, der als Wanderung bezeichnet wird. Letztere erfolgt meiſt paſſiv. Fig. 12. 1. Klaſſe Plattwürmer(Platodes). In band⸗ Mieſcher'ſcher förmigen Kolonien zuſammen oder einzeln lebende, blatt⸗ Schlauch(Ver⸗. 22.. 6 größ. ca. 39 si. oder zungenförmige, zwittrige Würmer von ſehr ver⸗ A di 8 Tieriſche und pflanzliche Paraſiten. 21 ſchiedenem inneren Bau, immer aber mit Haftapparaten(Saugnäpfen oder Haken) verſehene Würmer. 1. Ordnung. Bandwürmer(Cestodes). Plattwürmer ohne Mund und Darm, die ſich durch einen ſehr entwickelten Generationswechſel in der Weiſe fortpflanzen, daß ſich aus einer, mit einer oder mehreren Kopfanlagen verſehenen, als Amme bezeichneten geſchlechtsloſen Zwiſchenform,(die entweder aus einer mit Flüſſig⸗ keit gefüllten Blaſe[Blaſenwurm, Finne, Cysticer- cus], oder aus einer Blaſe ohne Flüſſgkeit [Cysticercoid], oder einem ſoliden, wurmartigen Körper Plerocercus] beſteht), auf ungeſchlecht⸗ lichem Wege der geſchlechtsreife Bandwurm, aus dieſem aber wieder auf geſchlechtlichem Wege die Fig. 14. Balantidium coli. ungeſchlechtliche Ammenform in regelmäßigem Gergröß. 309.) Wechſel entwickelt, und zwar auf folgende Weiſe. Jede der z. B. in den Blaſenwürmern ent⸗ haltenen Kopfanlagen, welche bereits den Kopf des ſpäteren Bandwurmes bildet, beſitzt 4 Saugnäpfe, einzelne außerdem noch einen ſogenannten Hakenkranz(Fig. 19 a), während andere hakenlos ſind. Gelangen die Fig. 15. Schweine⸗ Fig. 16. Erſte finne mit ausge⸗ Anlage des Band⸗ ſtülpter Kopfanlage wurmes mit den (Vergröß. 5) L. ſich aus dem hin⸗ teren Teile des Halſes abſchnü⸗ renden Gliedern. (Vergröß. 5) L. Fig. 17. Zwei reife Glieder vom Einſiedlerband⸗ wurm mit der Fig. 18. Ein kleiner, ſechshakiger, nach veräſtelten Ge⸗ Verdauung der Eiſchale frei gewordener bärmutter Ver⸗ Bandwurmembryo. De. größ. 3) L. Blaſenwürmer, z. B. Finnen mit dem Fleiſche(Fig. 20) in den Magen und Darm eines neuen Wirtes, ſo werden ſie dort zunächſt durch Ver⸗ Fig. 19. Einſiedlerbandwurm(Paenia solium) des Menſchen. a der mit einem Hakenkranz und vier Saugnäpfen bewaffnete Kopf nebſt d. daranſitzenden Halſe; b Gieder; e ein Ei(ca. 30 Vergr.) desſ. L. Aeußere Krankheitsurſachen. dauung des Fleiſches frei, ſtülpen ihre bis bahin in die Blaſe zurückgezogene Kopf⸗ anlage aus(Fig. 15), ſaugen oder haken ſich an der Darmſchleimhaut feſt, und ver⸗ lieren nun ihre am hinteren Ende des Halſes befindliche Schwanzblaſe. Der Hals hin⸗ gegen wächſt fortgeſetzt in die Länge und aus ihm ent⸗ ſtehen durch Querabſchnürungen (Fig. 16) immer neue Einzel⸗ tiere. Indem dieſe allmählich nach hinten geſchoben werden, wachſen und geſchlechtsreife Zwittertiere werden, entſteht allmählich eine bandförmige Kolonie von aneinander hän⸗ genden, geſchlechtsreifen Einzel⸗ tieren(Fig. 17), der Band⸗ wurm. Innerhalb dieſer Ge⸗ ſchlechtstiere, den einzelnen Gliedern, entwickeln ſich nun auf geſchlechtlichem Wege eine große Menge von Eiern(ſ. Fig. 19 c), welche ſich in der mehr oder weniger ver⸗ zweigten Gebärmutter der reifen Einzeltiere(Glieder, ſ. Fig. 17) anhäufen. Letztere gehen nach vollendeter Entwicklung allmäh⸗ lich mit dem Kote ab. Werden ſie dann von einem neuen Wirt mit der Nahrung auf⸗ genommen, ſo werden ſie im Magen verdaut, ebenſo die Schale der in ihnen enthaltenen Eier, und die kleinen in dem⸗ ſelben enthaltenen ſechshakigen Embryonen(Fig. 18) gelangen in den Darm. Nachdem ſie die Wandung desſelben durchbohrt haben, wandern ſie in das Gewebe ihres neuen Wirtes ein, um ſich dort wieder in die geſchlechtsloſe Ammenform zu verwandeln.— Während die im Darme lebenden Bandwürmer 8 Fig. 20. Ein Stück Muskelfleiſch v. Schwein m. zahl⸗ reichen Finnen(Cysticercus cellulosae). ⅓ nat. Gr. vor zum bei wü dadl und vor wick fauſ Tieriſche und pflanzliche Paraſiten. 23 vor allem durch die von ihnen hervorgerufenen Reizungszuſtände und zum Teil wohl auch durch Nahrungsentziehung ſchädigen, thun dies die bei unſeren Haustieren meiſt in Blaſenform(als ſogenannte Blaſen⸗ würmer) auftretenden, im Gewebe der Organe lebenden Ammenformen dadurch, daß ſie bei ihrer Einwanderung vom Darme aus Schmerzen und Entzündungen her⸗ vorrufen und beiihrer Ent⸗, wicklung zu den zum Teil 1 h fauſtgroßen Blaſenwür⸗ 8 5 mern(j. z. B. Fig. 23, 24) 5 5 durch Druck auf das um— gebende Gewebe nachteilig einwirken. Wichtig ſind: Der Einſiedlerband⸗ A wurm(Taenia solium) des Menſchen(Fig. 19), A 2—3 m lang; Blaſen⸗— wurm: Schweinefinne (Cysticercus cellulosae) Fig. 20), hirſekorn⸗ bis doppelterbſengroß, überall im Bindegewebe.— Der gemäſtete Bandwurm (Taen. saginata s. medio- canellata)(Fig. 21), haken⸗ los, 4—6 m lang; Blaſen⸗ wurm: Rinderfinne (Cyst. inermis); gleich groß, wie die Schweine⸗ finne, im Bindegewebe, beſonders der inneren Kau⸗ muskeln und des Herzens. — Der dreigliederige Fig. 22. Der drei⸗ Bandwurm des Hundes gliedrige Band⸗ ;. L. wurm(Taen. echi- (Taenia echinococcus) nococcus). (Fig. 22), 3—4 mm lang. Derſelbe tritt jedenfalls in zwei verſchiedenen, ſchwer unterſcheidbaren Formen auf: a. als Taen. echinococcus cysticus, die gewöhnliche Form; Blaſenwurm: der Tierhülſenwurm oder die Echino⸗ coccusblaſe, haſelnuß⸗ bis apfelgroße Blaſen(Fig 23), deren Innenfläche mit zahlreichen kleinen Körnchen, Brutkapſeln, beſetzt iſt, in denen ſich die Kopfanlagen entwickeln; in faſt allen Organen, bei Schweinen und Wiederkäuern, beſonders Leber(Fig. 24) und Lunge derſelben; b. Taen. echinococceus alveolaris, die ſeltenere Form; Blaſenwurm: der vielfächrige Tierhülſenwurm(Echinococcus multilocularis) naaaernaaannee, IITAIIII nenaaane Fig. 21. Der gemäſtete Bandwurm (Taenia saginata). De. 24 Aeußere Krankheitsurſachen. (Fig. 25), bis fauſtgroße Konvolute, lauter kleine, in einem knotenförmigen fächerigen Bindegewebsgerüſt eingelagerte Bläschen; faſt nur beim Rind in Leber, Milz und Lunge gefunden.— Der kürbiskernähnliche Bandwurm (Taen. cucumerina) des Hundes(Fig. 26) 5— 20 cm lang; Blaſenwurm: ein Fig. 23. Echinococcusblaſe(Echinococcus Fig. 24. Ein Stück Herz vom Schwein mit eysticus). a Fibröſe Kapſel; b Echinococcus⸗ Finnen(Cyst. cellulosae). ⅜ nat. Gr. membran, welche ſich zum Teil von der fibröſen Kapſel abgelöſt hat. Nat. Gr. Cyſticercechid im Hundefloh.— Der geränderte Bandwurm(Taen. marginata) des Hundes, 1—3 m lang; Blaſenwurm: die dünnhalſige Finne(GCyst. tenuicollis), ein im Netz, Gekrös ꝛc. beſonders bei Wiederkäuern und Schweinen oft in ſehr großen Mengen vorkommender, walnuß⸗ bis kleinapfelgroßer Blaſenwurm(Fig. 27).— Der geſägte Bandwurm des Hundes (Taenia serrata) des Hun⸗ des; Blaſenwurm: die erb⸗ ſenförmige Finne(Cyst. pisiformis) in der Leber des Haſen und Netz des Kaninchens(ſogenannte Ha⸗ ſenvenerie).— Der Gehirn⸗ blaſenbandwurm des Hundes (Taen. Coenurus); Blaſen⸗ wurm: die Gehirnblaſe, Gehirnblaſenwurm oder Drehwurm des Schafes (Coenurus cerebralis), wal⸗ Fig. 25. Durchſchnitt von einem Echinococcus alveolaris nuß⸗ bis apfelgroß, bis zu aus der Milz vom Rind. ⅞ nat. Größe. drei Stück im Gehirn des mit Tieriſche und pflanzliche Paraſiten. 25 Schafes vorkommend; bedingt durch ihren Druck auf die Subſtanz desſelben Schwund und die als Drehkrankheit bekannten Ge⸗ hirnſtörungen. Der kurzhalſige Bandwurm der Katze(Taen. crassi- collis)(Fig. 28); Blaſenwurm: die band⸗ förmige Finne(Cyst. fasciolaris in der Leber von Ratten und Mäuſen, dort in einem Knäuel zuſammengeballt Fig. 29), geſtreckt bis zu 15 cm lang, Hals und ein Teil der Glieder ſchon aus der Blaſe heraus⸗ gewachſen(Fig. 30).— Taenia perfo- liata(Fig 31) des Pferdes, 3— 10 cm. lang, Taen. plicata, 0,2— 1 m lang, beide lanzettlich, Taen. mamillana, 1—3 em lang; Blaſenwurm von allen drei Pferdebandwürmern unbekannt.— Taenia denticulata des Rindes, 10— 150 cm lang; Blaſenwurm unbekannt. — Taen. expansa des Schafes, 2—10 bis 50 m lang, kommt bei Schafen nicht ſelten endemiſch vor und veranlaßt be⸗ ſonders bei jungen Schafen Abzehrung LEE Fig. 27. Die dünnhalſige Finne(Cys- ticercus tenuicollis). Nat. Gr. (Bandwurmſeuche); Taen. ovilla des Schafes, bis 1,5 m lang, ſeltener; die Fig. 30. Band⸗ förmige Finne. a, b Kopf u. ein Teil d. ſchon aus d. Schwanzblaſe cherausgewach⸗ ſenen Glieder. 3/ nat. Gr. De. , K Fig. 26. Der kürbiskernähnliche Fig. 29. Zuſamm. Bandwurm(Taenia cucumerina). geknäulte bandf. Finne. N. Gr. De. Nat. Gr. De. G 4 2 S Fig. 31. Fig. 28. Der kurzhalſige Taen. per- Bandwurm(Taenia cras- foliata. sicollis). Nat. Gr. De. Nat. Gr. —ſſͤſͤſͤͤſͤſͤſͤſſſſ V 26 Aeußere Krankheitsurſachen. Blaſenwürmer beider unbekannt.— Taen. pectinata des Kaninchens, 10— 12 em lang; Blaſenwurm unbekannt.— Der Grubenkopfbandwurm des Menſchen und des Hundes(Botrio e- phalus latus)(Fig. 32); Amme ein bei Fiſchen, beſonders Hechten und Lachſen vor⸗ kommender Plerococcus(Fig. 33 b), welcher EdS M — a mm— — —— mnm 8 ig. 33. a Flimmerlarve des Bothriocephalus 5 latus. b Plerokokkenform dieſes Bandwurmes. Der 5 daneben ſtehende Strich giebt die nat. Größe des letzteren an. L. Fig. 32. Der Grubenkopfband⸗ Fig. 34. Flimmerlarve Fig. 35. Sporocyſte wurm(Bothriocephalus latus). L. vom Leberegel. De. vom Leberegel. De. ſich aus einer aus dem Ei ſchlüpfenden, einige Zeit im Waſſer lebenden Flimmerlarve(a) entwickelt. 2. Ordnung. Saugewürmer(Trematodes). Blattartige, iſoliert — meiſt im Darme oder einem damit zuſammenhängenden Organe lebende vit ſich Fier herbe Spre ſchw um unte dap) in Lebe * 4111111121 eyſte De. den iert ande Tieriſche und pflanzliche Paraſiten. 27 zwitterige Würmer mit einer verſchieden großen Anzahl von Saugnäpfen, die ſich durch einen ſehr komplizierten Generationswechſel fortpflanzen. Ihre Eier entwickeln im Waſſer, wohin ſie mit dem entleerten Kote ſie be— herbergender Tiere gelangen, eine flimmernde Larve(Fig. 34), die nach Sprengung der Eiſchale frei wird, eine Zeitlang im Waſſer frei herum⸗ ſchwimmt und dann in kleine Waſſer⸗ oder Sumpfſchnecken einwandert, um ſich in denſelben zunächſt in eine dem Elterntier vollſtändig unähn⸗ Fig. 39. Der große Leberegel(Distomum hepaticum). ⅛ vergrößert. De. 2 Fig. 36. Redie vom Leberegel. De. . — 1*⸗ Fig 37. Redie vom Fig. 38. Iſolierte Fig. 40. Der kleine Leber⸗ Fig. 41. Limnäus⸗ Leberegel mit Cerca⸗ Cercarie von Le⸗ egel(Dist. lanceolatum). Schnecke in natürl. rien gefüllt. De. beregel vor ihrer Nat. Gr. De. Größe. De. Einkapſelung. De. liche ſogenannte Sporocyſte(Fig. 35) zu verwandeln. In bezw. aus dieſer entwickeln ſich durch fortgeſetzte Teilung mehrere Generationen von ſogenannten Redien(Fig. 36). In der letzten derſelben entſtehen endlich geſchwänzte, dem Elterntiere ſchon ſehr ähnliche Cercarien(Fig. 37, 38), welche aus der Schnecke auswandern, ſich an Waſſerpflanzen und den unteren Teilen von Gräſern naſſer, ſumpfiger Wieſen feſtſetzen, dort ver⸗ kapſeln und mit dieſen wieder von Tieren gefreſſen werden, um ſich in deren Darmkanal oder meiſt in der damit in Verbindung ſtehenden Leber wieder zu geſchlechtsreifen Saugwürmern zu entwickeln. Ihre Ein⸗ Aeußere Krankheitsurſachen. teilung erfolgt nach der Zahl und eun Stellung der vorhandenen Saugnäpfe. Jun Für unſere Haustiere kommen weſent⸗ Kär lich nur in Betracht: gä Der große(Fig. 39) und der Naſ kleine(40) Leberegel Distomum Mln hepaticum und Dist. lanceolatum). nit Der erſtere iſt 2—4 em, der letztere Gen bis 10 mm lang; beide kommen vor 3 im allem in den Gallengängen der Leber ſin beim Schaf, Rind, Schwein, Ziege ꝛc. ir vor und erzeugen hier, beſonders beim Dua Schaf, eine chroniſche, zur Abzehrung Neic der Tiere führen⸗ ente de Erkrankung näͤch der Leber, die zu ſogenannte Le⸗ diſ beregelſeuche 91 (Diſtomatoſe). fe Ihre geſchlechts⸗ ihre loſen Entwick⸗ van lungsformen fin⸗ eint den ſich vor ſpit ” allem in einer Dir kleinen, auf naſ⸗ ſ ſen Wieſen vor⸗ Fig. 42. Rieſenkratzer(Echinorrhynchus kommenden 8 Gigas). a Weibchen, bei b an der Darm⸗ Sumpfſchnecke ſchleimhaut feſtgehakt; c Männchen. beſond 1 1 ſid 13 natürl. Gr. eſon ers Im- naeus minutus 1—(Fig. 41).— den 2. Klaſſe. Rundwürmer(Nemathelminthes). 5p Getrennt geſchlechtliche drehrunde, ſchlauch- oder lis) fadenförmige Würmer ohne Gliederung und Blut⸗ 85 gefäßſyſtem und Atmungsorgane. un 1. Ordnung. Kratzer(Acanthocephali). Ohne 4 Verdauungsorgane, mit einem hakenbeſetzten Rüſſel 38 am Vorderende, mit dem ſich die meiſt kräftig ent⸗ 6 wickelten, deutliche Querſtreifung zeigenden Würmer lnn an der Darmſchleimhaut feſthängen und heftige Or Entzündungen derſelben veranlaſſen können. chw Der Rieſenkratzer(Echinorrhynchus Gigas) 3 ear des Schweines,*) 6—9, 9 bis 50 cm lang(Fig. 42); Gi Larvenform im Maikäfer und Goldkäfer. 1 ie 2. Ordnung Fadenwürmer(Nematodes). Figns.(Daragohen Suil⸗ i Langgeſtreckte, fadenförmige Würmer mit hoch⸗ cephala). a Weibchen, e — b Männchen, e der mit vat » Abkürzung für Männchen, 9 Abkürzung pein dentlichdnn värfhene N für Weibchen. Kopf. ½ nat. Gr. 1 81 b 1 Tieriſche und pflanzliche Paraſiten. 29 und pfe entwickeltem Verdauungs- und Geſchlechtsapparat, die teils lebendige en⸗ Junge gebären, teils Eier legen, welche ſich meiſt erſt außerhalb des Körpers entwickeln. Die aus denſelben hervorgehenden, ſowie die lebendig geborenen Jugendformen, leben meiſt längere Zeit im feuchten Boden, Waſſer ꝛc., und ge⸗ langen dann(paſſiv) m).: 3. e mit Nahrung oder ar Getränk entweder ſo⸗ e fort in den End⸗ a. wirt, in deſſen im Darm ſie ſich zum ng geſchlechtsreifen Tiere entwickeln, oder zu⸗ nächſt in einen Zwiſchenwirt, von deſſen Darme aus ſie in das Gewebe ihres Wirtes ein⸗ wandern, ſich dort Fig. 44. Pfriemenſchwanz des Fig. 46. Kopfende von Stron⸗ ... Pferdes(Oxyuris curvula). gylus armatus mit Stachelkranz einkapſeln, um erſt Natürl. Gr. um d. Mundöffnung. Vergr. 15.) ſpäter in den End⸗ wirt, der den Zwiſchenwirt als Nahrung aufnimmt, zu gelangen und ſich in deſſen Darme oder ſeinem Körper⸗. gewebe in den geſchlechtsreifen Wurm zu verwandeln.— Es ſind hier vor allem zu nennen: Die Spulwürmer(Ascari⸗ den) beſonders der großköpfige Spulwurm des Pferdes(Asca- ris megalocephala)(Fig. 43), G bis 25, 2— 40 em lang; der regen⸗ wurmartige Spulwurm des Rindes und des Menſchen(A. lum- bricoides), 25, bis 40 cm lang; der kleine Spulwurm des Hundes (A. mystax), G bis 6, Q— 12 cm lang.— Die Pfriemenſchwänze (Oxyuren), beſonders der Pfriemen⸗ ſchwanz des Pferdes(Oxyuris curvula), G 6— 8 cm, 9O 4— 5 cm (Fig. 44).— Die Palliſaden⸗ der um — hin — nn 1 2. 1 würmer(Strongyliden). Sehr. Spul zahlreiche Arten, unter denen Fig. 45. Verſchiedene Exemplare von Stwon⸗ hlo beſonders wichtig ſind der be⸗ gylus armatus aus dem Darme des Pferdes. ocen waffnete Palliſadenwurm des 1. 2(a) und G(b) in der Begattung begriffen, nit Pferdes(Strongyl t 2. Beide von einander getrennt. 3. G von der be⸗ Pf gylus armatus) Bauchſeite; a Geſchlechtsöffnung, b Mundende. ehene Fig. 45), ſehr gedrungen, walzen⸗ 4. von der Rückenſeite. 5. a Kopf, r. förmig, vorn abgeſtutzt, um den„ Schwanzende. Etwas über nat. Gr. De- 671 L up arua *I 10305 09 46408 , ₰ 8 n Aeußer Mund mit eine e Krankheitsurſachen. m Doppelkranz von Zähnen beſetzt(Fig. 46), . bis 3, 5 bis 5 cm lang; die geſchlechtsloſen Larven finden ſich vor allem im Stamme der vorderen Gekrösarterie, bohren ſich zum Teil in die innere Wandſchicht derſelben ein und Fig. 48. Männ⸗ liche Darmtrichine. Vergr. 75 Mal I. erzeugen eine chroniſche Entzündung derſelben, welche zu Blutgerinnungen(Thromboſen) und ſackartigen Erweiterungen der Arterie(An- eurysma, Wurmaneurysma) an der betreffenden Stelle führt. Reißen von dieſem Blutgerinnſel Stücken ab und werden ſie vom Blutſtrom fort⸗ geriſſen, ſo entſtehen Verſtopfungen der Darm⸗ arterien, die oft zu tödlich verlaufenden Koliken führen. Der entwickelte Wurm lebt im Dickdarm. Der vierkantige Palliſaden⸗ wurm des Pferdes(Str. tetracanthus), — 14,— 16 mm lang; die Larven leben in kleinen Knötchen der Dickdarmſchleimhaut, die entwickelten Würmer frei im Darme desſelben Pferdes. Der Palliſadenwurm des Kalbes(Str. micrurus), bis 35, 0 bis 75 mm lang, in den Luftröhrenäſten des Kalbes; erzeugt eitrige Katarrhe der feineren Luftröhren⸗ äſte(Bronchitis). Der Palliſadenwurm filaria), feine, faden⸗ förmige, weiße Wür⸗ mer, S— 25,5— SOmm Fig. 50. Trichocepha-„. 8 crenatus, Snar⸗ Fig. 47. Eingekapſelte kopf des Schweines. Muskeltrichine. Vergr. Vergr. ca. 20 Mal L. 75 1.. des Schafes(Str. ung und füge und vurn diſer ds Tieriſche und pflanzliche Paraſiten. 31 6, lang. Ebenfalls, oft in ganz erheblichen Mengen, in den feineren den Luftröhrenäſten des Schafes, der Ziege, des Rehes ꝛc.; veranlaßt ren gleichfalls eitrige Bronchitis, Atmungsnot, ſelbſt Erſtickung, Abmagerung, und die gefürchtete, ſogenannte Lungenwurmſeuche). Der Palliſadenwurm en, des Schweines(Str. paradoxus),— 20,— 40 mm lang; wird in ind gleicher Weiſe und mit den gleichen Folgen beim Schwein gefunden ꝛc. ꝛc.— An- Die Haarwürmer(Trichotrachelides), deren wichtigſte Form die Trichine den(Trichina spiralis) iſt. Die geſchlechtsloſe, bis 1,5 mm lange Larvenform ſel WMuskeltrichine)(Fig. 47) kommt eingekapſelt in den Muskelfaſern aller rt⸗ Fleiſchfreſſer, vor allem beim Schwein vor, und erzeugt bei ihrer Ein⸗ m⸗ wanderung Entzündungen der Muskulatur und ſehr heftige Schmerzen. Die ken geſchlechtsreife entwickelte Form(Darmtrichine),(Fig. 48) 1,5, 0(Fig. 49) im 2— 4 mm lang, entwickelt ſich im Darme dann, wenn muskeltrichinenhaltiges en⸗ Fleiſch genoſſen wird, aus den darin enthaltenen Larvenzuſtänden. Die 8, weiblichen Darmtrichinen gebären im Darm lebendige Junge, die von dort den aus wieder in die Muskulatur einwandern. Hierher gehört auch der be⸗ lt, ſonders im Blinddarm des Schweines häufig vorkommende Haarkopf. me(Lrichocephalus crenatus) Fig. 50), 4—5 cm lang.— Die eigentlichen m Fadenwürmer(Fitlarien), leben im Blute und im Binde⸗ 35, gewebe. Wichtig ſind: der Blutfadenwurm des Hundes en(Filaria immitis), 13, O 35 em lang; der entwickelte gt Wurm im rechten Herzen, oft in größeren Ballen, Embry⸗ er onen im Blute, Larvenzuſtand in kleinen Krebstieren. Fil. en⸗ megastoma, ca. 13 mm lang, in Knoten der Magenſchleim⸗ der haut beim Pferde neſterweiſe. Fil. sanguinolenta,— 4, m— 7 em lang, neſterweiſe in Knoten der Schlundſchleim⸗ tr. haut beim Hunde ꝛc. ꝛc.— en⸗ ir⸗ III. Paraſitierende Gliederfüßer(Arthropoda). Seitlich ſymmetriſche, getrennt geſchlechtliche Tiere mit 3 ungleich gegliedertem Körper(Kopf, Bruſt, Hinterleib) und gegliederten ſeitlichen Anhängen(Extremitäten). 1. Klaſſe Spinnentiere(Arachniden). Luftatmende, flügelloſe Arthropoden mit verſchmolzenem Bruſtkopfſtück und vier Beinpaaren. 1. Ordnung. Zungenwürmer(Linguatuliden). Band⸗ S wurmartige Arachniden, mit plattem, geringeltem Leib, deſſen einzelne Abſchnitte verwachſen ſind; auf jeder Seite des Mundes je zwei klauenhakenartige Füße. Fig.51. Das band⸗ Die einzige Gattung iſt das Fünfloch(Pentastomum). wurmähnliche Das geſchlechtsreife Tier, das bandwurmähnliche Fünf⸗ Fünfloch(Pen⸗ tastomum taenio- 4, loch(P. taenioides) in den Naſen⸗, Hirn⸗ und Kieferhöhlen ides). Nat. Gr. L. 8 des Hundes(Fig. 51),— 130 mm,— 20 mm lang, 5 erzeugt ſchmerzhafte Entzündungen der betreffenden Schleimhäute und 5 Tobſucht; die Eier gelangen mit dem Schleim nach außen, werden gelegentlich von Pflanzenfreſſern aufgenommen, die darin enthaltenen r Embryonen wandern dann in Leber, Milz ꝛc. ein und wandeln ſich hier zur geſchlechtsloſen, als gezähneltes Fünfloch(P. denticulatum) bezeichnete 33 Aeußere Krankheitsurſachen. Larvenform um. Gelangen dieſe Larven dadurch, daß der Wirt desſelbes de von einem Hunde(oder Wolfe) gefreſſen wird, wieder in den Magen einen Fig. 52. Haarſackmilbe des Fig. 53 Große Grabmilbe(Sarcoptes major) Hundes(Demodex follicu- 8 lorum). Vergr. 10—12 Mal. Fig. 54. Saugmilbe(Dermatocoptes communis) 2 ſolchen, ſo wandern ſie von dort aus im Schlund nach oben und wieder in die Naſenhöhle ein, um ſich dort von neuem in das geſchlechtsreife Tier zu verwandeln., lbes inen Tieriſche und pflanzliche Paraſiten. 33 2. Ordnung. Milben(Akarinen). Kopf, Bruſt und Hinterleib nur undeutlich getrennt; kommen nur als Hautparaſiten in Betracht. Die wichtigſten ſind: Die Haarſackmilben(Demodicidae), langgeſtreckte Milben mit acht Beinen und wurmartig geſtrecktem, geringeltem Hinterleib. Leben und ver⸗ mehren ſich in den Haarſäcken der Haut, erzeugen heftige, eitrige Entzündungen der letzteren, heftiges Jucken und Reiben und hierdurch eine beſtimmte Räudeform, die ſogenannte Acarusräude. Die einzelnen Arten ſind: die Haarſackmilbe des Hundes(Demodex folliculorum)(Fig. 52), G 0,3, Fig. 55. Die Freßmilbe(Dermatophagus communis). 92 9 4—5 mm lang; die des Schweines(D. phylloides) von nahezu gleicher Größe, Hinterleib etwas kürzer, mehr kegelförmig. Die Räude⸗ oder Krätzmilben(Sarcoptidae), von mehr rundlicher oder ovaler Form, mit acht Beinen; ſie leben auf oder in der Oberhaut und veranlaſſen allgemeine oder lokale Hautausſchläge(Räudeausſchläge). Wichtig ſind: die große Grabmilbe(Sarcoptes scabiei communis oder major) (Fig. 53), G 0,25— 0,30, 0— 0,50 mm lang; lebt in den von ihr gegrabenen Gängen in der Oberhaut und erzeugt allgemeine Räude beim Pferd, Schwein und Hund, lokale Räude am Kopf beim Schaf. Die kleine Grabmilbe (S. minor), etwas kleiner; ebenſo bei Katze und Kaninchen als Urſache allgemeiner Räude.— Die Saugmilbe(Dermatocoptes communis)(Fig. 54), 0,5, 9 0,6 mm lang, lebt zwiſchen den abgeſtoßenen, lockeren Oberhaut⸗ ſchuppen, ſticht in die Haut und ſaugt Blut, und erzeugt allgemeine Räudeaus⸗ . 3 Johne. 34. Aeußere Krankheitsurſachen. ſchläge beim Pferd, Rind, Schaf(die allgemeine Schafräude), beim Kaninchen (als D. cuniculi) nur im Ohr. Die Freßmilbe([Dermatophagus comm.)(Fig. 55), 0,3, 2 0,6 mm lang, lebt zwiſchen den lockeren Ober⸗ hautſchuppen, nährt ſich von denſelben und erzeugt beim Pferd, Rind und Schaf an den Beinen lokale Räudeausſchläge(Fußräude, Steißräude, Kötengrind). — Die Milbe der Fußräude bei Hühnern (Dermatoryktes mutans), eine ca. 0,4 mm lange, ſar⸗ coptesähnliche Milbe(Fig. 56), welche(bei Hühnern) Gänge in die Oberhaut der federnloſen Stellen der Beine bohrt und eine eigentümliche Fußräude, die ſo⸗ genannten Kalkbeine erzengt.— Die Zecken(Xo- didae), größere, blutſaugende Milben, welche die Tiere nur zum Zwecke des Blutſaugens aufſuchen, vollgeſogen oHer in Geſtrüpp leben. Hundezocke, Solzhdck KTig 56.„(Ixodes ricinus), leer ca. 2 mm lang, vollgeſogen er ſen⸗ Nihhwarwönnlirer groß, beim Hund, Rind und Schaf. Die Rinderzecke mutans).(I. reticulatus)(Fig. 57), leer 2— 4 mm lang, voll⸗ geſogen bis bohnengroß, beim Rind und Schaf ꝛc. ꝛc.— Von den Käfermilben(Gammasidae) ſchmarotzt die Vogelmilbe(Der- manyssus avium)(Fig. 58) auf Hühnern, geht aber zeitweilig auf größere Fig. 57. Rinderzecke (Ixodes reticulatus). Nat. Gr. D. Fig. 59. Pferdelaus Fig. 58. Die Vogelmilbe(Dermanyssus avium). Vergr. 50. Z. (Hämatopinus equi) L. Haustiere, beſonders Pferde, über und erzeugt heftiges Hautjucken; bei Rindern als Urſache heftiger Ohrenentzündungen und Tobſuchtanfälle auch im Ohre gefunden. der dre di auch 7 Tieriſche und pflanzliche Paraſiten. 35 2. Klaſſe Kerfe(Insecta). Durch Tracheen atmende Arthropoden, deren einzelne Körperabſchnitte deutlich getrennt ſind, am Bruſtteil mit drei Beinpaaren, bei ſehr vielen auch Flügel. Fig. 60. Rinderlaus(Tricho- Fig. 61. Pferdebremſe(Gastrophilus equi). a entwickel⸗ dectes bovis). L. tes Inſekt; b Haar mit anklebenden Eiern; cnoch unent⸗ wickelte, dentwickelte Larve. Nur unbedeutend vergrößert. Die zunächſt hierher gehörigen Hautſchmarotzer, die als Läuſe(Pedi⸗ culiden oder Hämatopinen, mit ſpitzem Kopfe, Fig. 59), Haarlinge(Tricho⸗ decten mit breitem Kopfe, Fig. 60) und Flöhe(Inſekten mit ſeitlich zuſammengedrücktem Hinterleibe) bekannt ſind, kommen als Krankheitserreger nicht in Betracht. Dagegen einige zur Unterordnung der Fliegen(Brachycera) und zwar ſpeciell zur Familie der Bieß⸗ oder Daſſelfliegen(Oestridae) gehörige Inſekten inſofern, als ſie ihren Larvenzuſtand im Tierkörper durchmachen und zum Teil Krankheiten desſelben hervorrufen. Das geſchlechtsreife Inſekt ſchwärmt nur in den heißen Sommermonaten des Jahres. Es ſind dies Die Gaſtrusfliege oder Pferdebremſe(Gastrophilus)(Fig. 612), welche ihre kegelförmigen Eier an die Haare der Pferde klebt(b). Die aus⸗ kriechenden kleinen Larven werden abgeleckt oder kriechen aktiv in die Maul⸗ Fig. 62. Die Schafbremſe Oestrus ovis). a ent⸗ Fip. 63. Daſſelfliege(Hippoderma. wickeltes Inſekt; b und c entwickelte Larven. D. bovis). a Inſett; b Larve. D. und Naſenöffnung, gelangen in den Magen, an deſſen Schleimhaut und an der des Anfangsteiles des Darmes(ſeltener ſchon früher an der der Rachenhöhle) ſie ſich mit zwei kleinen Häkchen(d) feſthaken, um hier in der Zeit von ca. 10 Monaten zu kegelförmigen, im Verlaufe ihrer Leibesringe mit Dornen 36 Aeußere Krankheitsurſachen. beſetzten, ca. 20 mm langen Paraſiten auszuwachſen, welche meiſt neſterweiſe zu 50— 100, ſelbſt 200 Stück, zuſammen ſitzen. Man unterſcheidet von ihnen vier Arten: G. equi, pecorum, haemorrhoidalis und nasalis s. duodenalis. Nach be⸗ endeter Entwicklung gehen dieſe Larven mit dem Kote ab und verpuppen ſich im Boden; aus der meiſt bräunlichen Puppe entſchlüpft nach 45— 50 Tagen wieder das fertige Inſekt.— Die Schafbremſe(Oestrus ovis)(Fig. 62). legt ihre Eier oder die ſchon beim Legen aus denſelben ausſchlüpfenden Larven in die Naſenöffnungen des Schafes, ſeltener der Ziege, von wo dieſelben in die Naſen⸗, Stirn⸗ und Kieferhöhlen, ſelbſt in die Höhlung der Hornzapfen kriechen, ſich dort in der Schleimhaut feſthaken, zu heftigen, eitrigen, ſelbſt brandigen Entzündungen derſelben und infolge derſelben hin und wieder ſogar zu Gehirnentzündung(Bremſenſchwindeh führen. Nach ca. 10 Monaten haben dieſe Larven ebenfalls ihre volle Größe erreicht, wandern nach der Naſen⸗ höhle zurück, und werden durch Schleudern des Kopfes(S chleuderkrankheit) und Nieſen aus derſelben entfernt. Die weitere Entwicklung iſt ganz wie bei der Pferdebremſe.— Die Daſ ſelfliege(Hypoderma bovis)(Fig. 63), legt ihre ebenfalls ſchon bei der Entleerung dem Eie entſchlüpfenden Larven auf die Haut der Rinder; dieſe durchbohren dieſelbe und entwickeln ſich im Unterhautbindegewebe zu Larven bis zu 28 mm Länge(b), welche dadurch kenntlich ſind, daß ſie auf der Rückenſeite links und rechts je zwei Reihen Längswülſte zeigen. Neuerer Zeit wird vielfach angenommen, daß die kleinen neugeborenen Larven nicht die Haut durchbohren, ſondern auf aktivem oder paſſivem Wege in die Maulhöhle und den Schlund gelangen und ſich von dort aus im Bindegewebe bis unter die Haut durchbohren ſollen. Bei ihrer Entwicklung unter der Haut erhebt ſich dieſelbe zu Beulen von der Größe einer halben Wallnuß, den ſogenannten Daſſelbeulen. Nach 10 Monaten ſind auch dieſe Larven vollſtändig entwickelt und verlaſſen die Daſſelbeule durch eine kleine, ſeitlich in der Haut derſelben entſtandene Oeffnung, fallen zu Boden und entwickeln ſich wie die Pferde⸗ und Schafbremſe weiter. Von den Mücken(Nemocera) käme noch in Frage die Kolumbaczer Mücke(Simulia maculata), welche an den Ufern der niederen Donau in wolkenartigen Schwärmen Tiere und Menſchen befällt, in alle natürlichen Körperöffnungen einkriecht, heftige Entzündungen und bei hunderten von Tieren den Tod hervorruft. IV. Tieriſche Lebeweſen, welche nur als Futterverunreinigungen zur Krankheitsurſache werden. Gewiſſen niederen Tieren geht zwar die Fähigkeit ab, im Körper anderer Tiere weiter zu leben, wenn ſie mit Nahrung, Getränk oder Atmungsluft in einen ſolchen gelangen. Sie werden für denſelben aber dennoch dadurch zur Krankheitsurſache, daß ſie entweder mechaniſch durch die Beſchaffenheit ihrer Körperoberfläche reizend auf die Schleimhaut der Luft⸗ oder Verdauungswege einwirken, oder dadurch, daß ſie chemiſche Beſtandteile, Gifte, enthalten, welche örtliche Entzündungen oder nach Aufnahme in das Blut allgemeine Krankheitserſcheinungen hervorrufen. Als ſolche ſchädliche tieriſche Futterverunreinigungen kommen in Frage a) für das noch anſtehende Futter: die Ackerſchnecke(Limax agrestis), welche bei reichlicher Menge im Krautfutter Geifern, Huſten, Atmungs⸗ —,— Tieriſche und pflanzliche Paraſiten. 37 beſchleunigung, ſowie Blattläuſe und der durch ſie erzeugte Honigtau, die bei Pferden einen trockene Maulſchleimhaut aber Bläschenbildung ver⸗ anlaſſen ſollen; ferner Raupen und Rau⸗ penhaare, welche wohl zunächſt durch ihre mechaniſche, viel⸗ leicht auch durch chemiſche Reizung der Verdauungsſchleim⸗ haut, Maul⸗, ja ſelbſt tödlich verlaufende Magen⸗ und Darm⸗ entzündung erzeugen; beſonders berüchtigt iſt die ſogenannte Pro⸗ zeſſionsraupe(Fig. 64). Auch hat man heftige Magen⸗ und Darm⸗, ſowie Nierenentzün⸗ dungen bei Verun⸗ n Hautbrand der weißen Abzeichen, auf der Fig. 64. Eichen⸗Prozeſſionsſpinner(Cnethocampa processionea) D reinigungen des Futters durch ſpaniſche Fliegen(Lytta vesicatoria)(Fig. 65) ieriſche Verunreinigungen des eingebrachten oder zubereiteten Futters ſind zu nennen: Der ſchwarze Kornwurm(Calendra granaria), der ſeine Eier in die Getreidekörner legt, während die beobachtet.— b) Als t d 65. Die ſpaniſche liege (Lytta vesicatoria) daraus entſtehende Larve(Made) die⸗ ſelben auffrißt und ſich dann in der leeren Hülle ver⸗ puppt. Bei Pfer⸗ den ſollen nach Verfüttern damit verunreinigter Gerſte Tobſucht O b. und Erſtickungs⸗ erſcheinungen ent⸗ ſtanden ſein.— Der Nachweis, daß mit Heu⸗ oder Mehlmilben(Fig. 66) verun⸗ reinigte Futtermittel infolge ihres Milben⸗ gehaltes ſchädlich wirken ſollen Darmentzün⸗ dung, Harnruhr), iſt noch nicht ſicher erbracht. II. Bflanzliche Baraſiten. Als ſolche kommen weſentlich nur pflanzliche Lebeweſen in Betracht, welche Fig. 66. Heumilbe(Tyroglyphus foenarum) Si. 38 Aeußere Krankheitsurſachen. ſämtlich der großen botaniſchen Gruppe der Pilze zuzurechnen ſind. Von höher organiſierten Pflanzen können nur die ſogenannten Gift⸗ pflanzen in Form von Futterverunreinigungen als Krankheitsurſachen wirken: 1. Die Pilze. Die Pilze ſind pflanzengrün⸗(chlorophyll⸗) freie, meiſt ziemlich ein⸗ fach organiſierte, ein- oder mehrzellige pflanzliche Organismen, welche in und auf toten oder lebenden organiſchen Subſtanzen ſchmarotzen, und im Haushalte der Natur inſofern eine außerordentlich wichtige Rolle ſpielen, als ſie durch ihren Stoffwechſel höher zuſammengeſetzte organiſche Verbindungen mit Hülfe des Sauerſtoffes zerlegen, und dieſe der Ernährung der Pflanzen, welche höher organiſierte Nährſtoffe nicht aufzunehmen vermögen, wieder zugänglich machen. Dieſe Zer⸗ ſetzungsprozeſſe vermögen die Pilze entweder nur in totem tieriſchen oder pflanzlichen Material zu bewirken; man ſpricht dann von Fäulnis-, Verweſungs⸗ oder Gärungsvorgängen, und bezeichnet die be⸗ treffenden Pilze als ſaprophytiſche oder ſaprogene Pilze(Sapro⸗ phyten). Oder die Pilze können auch in das lebende Gewebe von Tieren oder Pflanzen eindringen, und in dieſem durch die von ihnen durch ihr Nahrungsbedürfnis angeregten Zerſetzungsprozeſſe und durch die von ihnen ausgeſchiedenen giftigen Stoffwechſelprodukte(Toxine, Toral⸗ bumine) Krankheiten erzeugen, welche ſpeciell bei Pflanzen als Befallungskrankheiten, bei Tieren als Infektionskrankheiten bezeichnet werden. Derartige Pilze führen daher den Namen krank⸗ heitserzeugende oder pathogene(bei Pflanzen ſpeciell auch Be⸗ fallungs⸗) Pilze oder wohl auch pflanzliche Paraſiten. Je nach⸗ dem die Pilze nur unter der einen oder nur unter der anderen dieſer beiden Vorausſetzungen zu leben vermögen, nennt man ſie obligate, wenn ſie unter beiden leben können, fakultative, pathogene oder ſapro— gene Pilze. Als die weſentlichſten Lebensbedingungen für ſämtliche Pilze ſind zu bezeichnen das Vorhandenſein von zerſetzungsfähigen orga⸗ niſchen Subſtanzen, Feuchtigkeit und Wärme. Die Temperatur, bei welcher die betreffenden Pilzformen am beſten wachſen, wird als Temperaturoptimum bezeichnet, dem als untere und obere Wachstums⸗ grenze das Temperaturminimum und Maximum gegenüberſtehen. Das Temperaturoptimum der Saprophyten liegt meiſt bei bez. unter 15⁰, der pathogenen Pilze bei 37— 380 C., d. h. bei der Blutwärme des Menſchen und unſerer Hausſäugetiere. Die Quelle, aus welcher alle dieſe in mehr oder weniger großen Mengen überall in der Natur(im Waſſer, Luft, Boden, Nahrung ꝛc.) vorkommenden ſaprophytiſchen und pathogenen pflanzlichen Lebeweſen ſtammen, iſt vor allem in den von ihnen angeregten Verweſungs⸗, Fäulnis⸗ und Gärungsprozeſſen, oder in den Geweben oder Säften bezw. ind. oßen c.) weſen ngs⸗ bezw. Tieriſche und pflanzliche Paraſiten. 39 den Ausſcheidungen des durch ihre Wirkung in beſonderer(ſpezifiſcher) Art erkrankten tieriſchen oder pflanzlichen Organismus zu ſuchen. Ohne dieſe kleinen, meiſt an der Grenze des überhaupt Sicht⸗ baren ſtehenden, daher als Mikroorganismen(Kleinweſen) bezeichneten pflanzlichen Lebeweſen würden die erwähnten Verweſungs⸗ Fäulnis⸗ und Gährungsprozeſſe ebenſowenig entſtehen können, als gewiſſe ſpezifiſche Erkrankungen der Tiere und Pflanzen ohne die Anweſenheit gewiſſer ſpezifiſchen pflanzlichen Mikroorganismen. Die Verhinderung des Zutrittes der z. B. in der Luft enthaltenen Pilzformen durch vollſtändigen Luftabſchluß oder dadurch, daß man die zu⸗ tretende Luft vorher durch Watte filtriert und hierdurch die darin enthaltenen Mikroorganismen aus derſelben entfernt, oder endlich dieſelben vorher abtötet (indem man die Luft durch Schwefelſäure ſtrömen läßt oder ihr gasförmige, die Pilzkeime tötende chemiſche Stoffe beimengt), verhindert daher auch alle die bezeichneten, durch ſie veranlaßten Fäulnis⸗, Gärungs⸗ und Verweſungs⸗ prozeſſe und alle durch ſie erzeugten Krankheiten. Die Zerſtörung ſolcher ſaprophytiſchen oder pathogenen Pilze in der einen oder anderen Weiſe wird als Desinfektion oder Steriliſation, die hierzu verwendeten Mittel werden als Desinfektionsmittel be⸗ bezeichnet; während man das Eindringen ſolcher Pilze in den tieriſchen oder pflanzlichen Organismus als Anſteckung oder Infektion, ihre abſichtliche Uebertragung auch als Impfung, und endlich den be⸗ treffenden pflanzlichen Mikroorganismus ſelbſt, deſſen Eindringen in den Organismus Krankheiten zu erzeugen vermag, als Infektionserreger zu benennen pflegt. Das Eindringen derſelben in den Körper erfolgt teils durch die natürlichen Körperöffnungen(Naſe, Mund ꝛc.), bei den Pflanzen durch die Spaltöffnungen der Oberhaut ꝛc.), teils durch neu an der Körperoberfläche entſtandene widernatürliche Oeffnungen derſelben(z. B. Wunden jeder Art), die ſogenannten natürlichen oder künſtlichen Infektionspforten. Die auf die Infektion folgende Krankheit führt, wie ſchon oben bemerkt, bei Tieren den Namen Infektionskrankheit, bei Pflanzen Befallungskrankheit. Aus den ſich zerſetzenden(faulenden, verweſenden oder gärenden) toten organiſchen Subſtanzen tieriſcher oder pflanzlicher Abkunft, oder aus dem kranken tieriſchen oder pflanzlichen Organismus, können ſich die ſapro⸗ oder pathogenen Pilze oder deren Sporen direkt wiederum in die Luft erheben oder zunächſt auf bezw. in den Boden gelangen und dann erſt wieder mit dem ſich daraus entwickelnden Staube in die Luft erheben bezw. auf Nahrungsmittel oder in das Trinkwaſſer übergeführt werden. Oder aber ſie gelangen vom Boden in das Grund⸗ bezw. Brunnenwaſſer (S. 71) und werden in dieſem oder durch Vermiſchung des letzteren mit ſonſt ganz normalen Nahrungsmitteln aufgenommen. Oder endlich ihre Aufnahme erfolgt direkt mit Teilen des durch ihre Wirkung er⸗ krankten Tier⸗ und Pflanzenkörpers. Der Weg der Infektion(der In⸗ fektionsmodus) iſt daher außerordentlich mannigfach. 40 Aeußere Krankheitsurſachen. Man teilt die Pilze ein in Sproß⸗ oder Hefe⸗, in Schimmel⸗ und in Spaltpilze. a) Die Sproß⸗ oder Hefepilze ſind die ſpezifiſchen Erreger der alkoholiſchen Gärung, indem ſie durch ihren Lebensprozeß Zucker in — Alkohol und Kohlenſäure umſetzen. Sie ſtellen mikro⸗ ſkopiſch kleine, rundliche, ovale oder lancettliche, kern⸗ loſe Zellen(Fig. 67) dar, welche ſich durch ſpäter von der Mutterzelle abſchnürende kleine Ausſtülpungen, ver⸗ mehren, Sproſſung, bisher aber nicht als direkte Krankheitserreger nach⸗ ewieſen worden ſind.— Nur Jig er. Helezellen die von ihnen gebildeten Gärungsprodukte, alſo der Alkohol, vermag Vergiftungserſchei⸗ nungen zu bewirken. Alkoholvergiftungen kommen bei Verfütterung von Brennerei⸗ und Brauerei⸗Rückſtänden an Rinder und Schweine nicht ſelten dann vor, wenn die Maiſche nicht vollſtändig abgetrieben wird. b) Die Schimmel⸗ oder Fadenpilze beſtehen aus einem zarten Geflecht(Fig. 68) feiner, weißer Fäden(1, ſowie m in Figur 69) — —O0”O OS. 2 Fig. 68. Verſchiedene Schimmelpilzformen. 1. Wurzellager(Mycelium) derſelben; 2. Ge⸗ meiner graugrüner Pinſelſchimmel(Penicillium glaucum); 3. gemeiner graugrüner Kolben⸗ ſchimmel(Aspergillus glaucus); 4. gemeiner Blaſenſchimmel(Mucor mucedo); 5. Schimmel⸗ pilz auf ſaurer Milch(Oidium lactis). Si.. ein Tieriſche und pflanzliche Paraſiten. 41 (Wurzellager oder Mycel), die bei genügender Feuchtigkeit teils auf toten ſtickſtoffhaltigen Subſtanzen weiße, als Schimmel bezeichnete Ueberzüge bilden, welche die ÜUrſache der Verweſung, d. h. des Zer⸗ falles organiſcher Subſtanzen ohne Bildung ſtinkender Gaſe ſind; teils auch in das Gewebe lebender Pflanzen einzudringen und Erkrankungen derſelben hervorzurufen vermögen, welche als Befallungskrankheiten (S. 90) im allgemeinen, und im ſpeziellen als Roſt, Brand, Meltau zc. bezeichnet werden. Nur einige wenige vermögen auch in das lebende tieriſche Gewebe einzudringen, dort weiter zu wachſen und Krankheiten zu erzeugen. Die gelbliche, grünliche, bräun⸗ liche oder bräunlich-⸗ſchwärzliche Farbe und die mehr oder weniger ſtaub⸗ förmige Beſchaffenheit, welche dieſe Schimmelpilze an der Oberfläche ihres Mycels ſchließlich annehmen, wird veranlaßt durch die maſſenhafte Bildung von ſehr klei⸗ 88 5 nen, rundlichen, dem— K 3 entſprechend gefärbten N 3 MM Vermehrungs zellen hau (Sporen), die ſich—== fortwährend in unend⸗ lichen Mengen an der ¹ Spitze beſonderer Frucht⸗ 5/ E fäden(Fig. 69, f, B) 1 abſchnüren, der atmo⸗ 1' ſphäriſchen Luft beimen⸗ gen, mit dieſer fortge— führt werden und ſofort auskeimen, wenn ſie wieder auf oder in— roien ei nesnedendre Fig. 69. Der gemeine Ainſeichemuek(Penicillium glau- anzliche und tieriſche, ſtickſtoffhaltige Subſtanzen) gelangen und die zu ihrer Entwicklung nötigen Lebensbedingungen(S. 38) daſelbſt vorfinden.— Es giebt eine ſehr große Menge Schimmelpilzarten. Hier folgen nur diejenigen, denen eine Be⸗ deutung als Krankheitserreger dadurch zukommt, daß ſie giftige Subſtanzen enthalten bezw. ſolche bilden, welche die Geſundheit desjenigen pflanzlichen oder tieriſchen Organismus gefährden, in oder auf dem ſie wachſen. Letzteres geſchieht, indem die Pilze entweder mit den Futterpflanzen bezw. Futter⸗ mitteln, auf oder in welchen ſie ſich entwickelt haben, genoſſen werden, oder wenn ihre Sporen in oder auf dem Körper von Tieren, denen ſie auf irgend eine Weiſe zugeführt wurden, ſich weiter zu entwickeln vermögen. a) Schimmelpilze, welche in oder anf Tieren ſchmarotzen und hierdurch Krankheiten erzeugen können, giebt es nur wenige. Es gehören hierher: Aspergillus fumigatus(Fig 70), deſſen in das Innere des Körpers eindringende Sporen zu einem das Gewebe durchwuchernden Fädengeflecht 42 Aeußere Krankheitsurſachen. auswachſen; die von demſelben gebildeten giftigen Stoffwechſelprodukte ver⸗ urſachen Entzündungen und Abſterben(Nekroſe) des durchwucherten Gewebes. Derartige Verſchimmelungen und nekrotiſche Gewebsknoten ſind namentlich in den Lungen bei Vögeln, ſelten in denen bei Hausſäuge⸗ tieren(Rind, Schaf) beobachtet und als Pneumonomykoſen beſchrieben worden.— Auch unter den Mucor⸗Arten ſind zwei ähnlich wirkende Arten gefunden worden.— Zwei andere Schimmelpilzformen ſiedeln ſich nur auf der äußeren Körperoberfläche an, und erzeugen dort bei Menſchen und Tieren zwei verſchiedene Hautausſchläge: Nämlich a) den ſogenannten Kopf⸗ oder Erbgrind(bei Hühnern auch als Hühnergrind oder weißer Kamm be⸗ kannt); dieſer wird durch den Favuspilz, Achorion Schönleini erzeugt, welcher — N 6 o A& 1. 5 Fig. 71. Herpespilz(Trichophyton tonsurans). a Haarſchaft; b Haar⸗ ſcheide; c Pilzſporen und vereinzelte Pilzfäden. Si. hauptſächlich zwiſchen den Epidermiszellen der Oberhaut wuchert. b) die Ring⸗, Rinder⸗ oder Kahlflechte, durch den Herpespilz, Tricho- phyton tonsurans(Fig. 71c) hervorgerufen, welche in den Haarſäcken der Haut zur Entwicklung gelangt.— Endlich der Soorpilz, Monilia candita, deſſen Sporen auf der Mund⸗ und Rachenſchleimhaut junger Tiere zu keimen vermögen und hier die unter dem Namen der Schwämmchen be⸗ kannten, weißen ſchmierigen Beläge bilden. b) Schimmelpilze, denen zwar die Fähigkeit abgeht, im lebenden tieriſchen Körper zu ſchmarotzen, die aber als Futter⸗ verunreinigung dennoch zur Krankheitsurſache werden können, giebt es in erheblich größerer Menge. rii Ra da Tieriſche und pflanzliche Paraſiten, 43 Die hierher gehörigen Schimmelpilze wirken entweder örtlich ſcharf reizend auf die Schleimhäute der Verdauungsorgane und führen zu Maul⸗, Rachen⸗, Magen⸗ und Darmentzündungen, wohl auch zu Entzündungen der Harnorgane Nieren⸗ und Blaſenentzündungen, Harnruhr ꝛc); in anderen Fällen tritt dagegen die mehr erregende oder lähmende Wirkung auf das Nervenſyſtem(Verwerfen, Krämpfe, Betäubung ꝛc.) hervor. Bei der örtlich reizenden Wirkung kommt außer dem Giſte möglicherweiſe auch der mechaniſche Reiz der zeitweilig ſtachlichen Sporen oder das Auskeimen ſolcher und das Eindringen der Keimſchläuche in das Schleimhautgewebe in Betracht. an. Als Befallpilze lebender Pflanzen ſind folgende wichtig. Von den ſogenannten Kernpilzen: der Pilz der Kartoffelfäule(Phy- Fig. 72. Steinbrand(Tilletia carites). Fig. 73. Der gemeine Getreideroſt sp fertige, a, p keimende Sporen. D.(Puccinia graminis). ur einkammerige Sommer(Uredo)⸗ und t zweikam⸗ merigen Winter⸗(Teleuto)⸗Sporen; sh Wurzellager unter der Oberhaut der Pflanze D. tophtera infestans), erzeugt Magen⸗ und Darmkatarrhe.— Von den Ruß⸗ oder Brandpilzen: der Weizen⸗, Stein⸗ oder Schmierbrand (Tilletia caries)(Fig. 72), ſoll Lähmungen der Schlingwerkzeuge und des Rückenmarkes, ausgebreitete Entzündungen des Verdauungskanals und Ver⸗ werfen veranlaſſen; der Staub- oder Rußbrand(Ustilago Carbo) und der Maisbrand(U. maidis), beide als Urſachen des Verkalbens beſchuldigt; U. longissima erzeugt allgemeine Lähmungen.— Von den Roſtpilzen oder Uredineen: der gemeine Getreideroſt(Puccinia graminis)(Fig. 73), der Strohroſt(P. straminis), der Kronenroſt(P. coronata)(Fig. 74), der Schilfroſt P. arundinacea); ſie erzeugen ſämtlich Koliken und ruhrartige Durchfälle, in einzelnen Fällen auch Schlingbeſchwerden.— Von den auf den Leguminoſen vorkommenden Uromycesarten iſt bekannt, daß die⸗ ſelben lokale Reizungen auf den Schleimhäuten des Maules, Speichelfluß und auf der äußeren Haut Hautentzündungen, ſelbſt brandiges Abſterben der Haut, beſonders der weißen Abzeichen bewirken.— Von den Pyrenomy⸗ 44 Aeußere Krankheitsurſachen. ceten: Meltau Erysiphe) und der Rapsverderber Polydesmus ex- citans)(Fig. 75); beide erzeugen Entzündungen des Maules, letztere auch der Haut des Klauenſpaltes, Zuſtände, welche zur Verwechslung mit Maul⸗ und Klauenſeuche geführt haben; Polytrincium Trifolii bedingt das Schwarzwerden des Klees und erzeugt Magen- und Darmentzün⸗ dungen, Gebärmutter⸗ und Bauch⸗ fellentzündungen, Kreuzlähme u. ſ. w. Die beiden ebenfalls hierher gehöri⸗ gen Pilze Epichloë typhina, an den Stengeln, das Mutterkorn (Claviceps purpurea) am Frucht⸗ knoten der Gräſer ſich entwickelnd, ſind beſonders eigentümlich dadurch, daß ſie, vor allem das letztere, Fig. 74. Kronenroſt(Puccinia coronata) D. brandiges Abſterben der Fußenden, der Ohren, der Schwanzſpitze, der Zitzen ꝛc., außerdem Verwerfen hervorrufen können. bb. Von den auf und in toten bezw. aufbewahrten Futter⸗ pflanzen und zubereiteten Futtermitteln ſchmarotzenden Schimmel⸗ pilzen: Penicillium oder Pinſelſchimmel(Penicillium glaucum)(Fig. 68, 2, 69), die gemeinſte und verbreitetſte Schimmelart(welche auf Brot, Kartoffeln, allen möglichen feucht aufbewahrten Futtermitteln ꝛc. graugrüne Ueber⸗ züge bildet); die verſchiedenen Kolbenſchimmel(beſonders As- pergillus glaucus, Fig. 68,3), von etwas dunklerer, graugrüner Farbe und in ſeinen Kulturen von fein⸗ körniger Oberfläche; der Kopf⸗ ſchimmel(Mucor Mucedo) (Fig. 68,4) bildet weiße, feinfädige, ſehr lockere Ueberzüge, in denen ſich kleine, rundliche, bräunliche oder ſchwärzliche Körnchen, Frucht⸗ kapſeln, entwickeln, in welchen die Sporen enthalten ſind; Milchſchim⸗ mel(Oidium lactis)(Fig. 68, 5). c) Die Spaltpilze oder Bakterien.“) Es ſind die klein⸗ ſten bekannten Lebeweſen, welche dert . ſ jnes ig. 75. Rapsverderber(Polydesmus excitans). uu ute 8 anßenrer Vomnelh Aigerfcapar Sarrnforden: B kineno „ d. h. P. meter, lang ſind und ſelten die Dicke eines ſolchen überſchreiten, aus Hülle(Zellenmembran) und Inhalt(Protoplasmaz) beſtehen und ſich durch Teilung nach vorherigem *) Näheres über dieſelben ſiehe in Migula, Bakterienkunde für Land⸗ wirte. Berlin, 1890. Verlagsbuchhandlung Paul Parey. Gebunden 2,50 M. Tieriſche und pflanzliche Paraſiten. 45 Längenwachstum vermehren. Die hierdurch entſtehenden neuen Zellen trennen ſich oder ſie bleiben mit einander in Verbindung und bilden dann un⸗ regelmäßige Haufen oder Ketten. Unter gewiſſen Verhältniſſen bilden einzelne Bakterienformen(verſchiedene Bazillen und Spirillen) Dauer⸗ formen, ſogenannte Dauerſporen, welche ſich durch ihre außer⸗ ordentliche Widerſtandsfähigkeit gegen ſchädigende Einwirkungen aus⸗ zeichnen. Die Vermehrung der Bakterien durch Zweiteilung iſt eine außer⸗ ordentlich raſche; wenn ſich der Prozeß bei jedem Einzelindividuum in der Stunde nur einmal abſpielt, ſo würde eine einzige Bakterie in 24 Stunden 16 ½ Millionen, in zwei Tagen 281 Billionen und in einer Woche eine Summe von Nachkommen haben, welche durch eine ölſtellige Zahl aus⸗ zudrücken wäre. Sie iſt aber glücklicherweiſe keine unbegrenzte, ſondern wird verlangſamt oder hört auf, wenn das Nährmaterial, in dem die Bakterien ſich befinden, an denjenigen Nährſtoffen erſchöpft iſt, welche dieſelben zu ihrem Leben gebrauchen, oder wenn dasſelbe allmählich durch die eigenen giftigen Stoffwechſelprodukte der Bakterien ſelbſt derartig durchſetzt wird, daß die letzteren darin zu Grunde gehen. Man teilt die Bakterien nach ihrer Form ein in Kugelbakterien oder Kokken von runder oder rundlicher, in Stäbchenbakterien oder Bazillen von Stab-, und in Schraubenbakterien oder Spirillen von Korkzieherform. Einzelne dieſer Bakterienformen beſitzen als Be⸗ wegungsorgane eine oder viele feine Geißelfäden, andere auch eine Art Gallerthülle, die durch gallertartige Quellung der Bakterienmembran entſteht. Alle dieſe Formverhältniſſe laſſen ſich nur bei ſehr ſtarker mikroſkopiſcher Vergrößerung und am beſten bei Färbung mit den verſchiedenen Anilin⸗ farben wahrnehmen. In Bezug auf ihre Lebensbedingungen wiſſen wir, daß die Bakterien zu ihrem Gedeihen teils freien Sauerſtoffs bedürfen(obligate aërobe B.), teils bei Anweſenheit von ſolchen nicht zu leben vermögen(obligate anasrobe B.), teils endlich mit oder ohne ſolchen gedeihen(fakul— tative anaërobe bezw. aërobe B.) können; ferner daß die meiſten Bak⸗ terien nur in ſchwach alkaliſchem oder neutralem Nährboden wachſen und endlich, daß ſie die zu ihrem Wachstum erforderlichen Subſtanzen für gewöhnlich höher zuſammengeſetzten organiſchen Verbindungen ent⸗ nehmen, welche ſie in einfachere zerlegen. Wie alle Pilze, ſo beanſpruchen ferner auch die verſchiedenen Bakterien außer Feuchtigkeit noch beſtimmte Temperaturen(S. 38); die pathogenen gedeihen am beſten bei Blut⸗ wärme(37— 40 ⁰). Alle nicht ſporenbildenden Bakterien gehen bei 60— 800 zu Grunde, während die Dauerſporen der meiſten Bakterien im feuchten Zuſtand erſt bei 1000, im trockenen bei 1300 C. abſterben. Durch die Unterſuchungen von Paſteur, aber namentlich durch die von R. Koch iſt es in der neueren Zeit gelungen, Verfahren zu erfinden, durch welche die Möglichkeit gegeben iſt, die einzelnen Bakterienformen, die ſich in toten und lebenden organiſchen Subſtanzen finden, nicht nur von einander zu trennen (Herſtellung von Reinkulturen), ſondern auch in und auf geeigneten Sub⸗ 46 Aeußere Krankheitsurſachen. ſtanzen,(Nährflüſſigkeiten, Nährböden) mit oder ohne Sauerſtoffzutritt getrennt vom pflanzlichen oder tieriſchen Organismus weiter zu züchten, und durch Uebertragung auf die verſchiedenſten toten Subſtanzen oder den lebenden Tierkörper ihre ſaprogene oder pathogene Wirkung ſehr genau kennen zu lernen. Die Bedeutung der Spaltpilze als Krankheitserreger. Dieſelbe iſt eine ſehr erhebliche, ihre Wirkung hierbei in der Haupt— ſache eine von ihren giftigen, chemiſchen Stoffwechſelprodukten abhängige chemiſche, und zwar teils eine direkte, teils indirekte. a) Die direkt ſchädigenden, ſogenannten pathogenen Bakterien vermögen in den lebenden, geſunden Tierkörper einzudringen, ſich dort zu vermehren und durch die von ihnen gebildeten Toxine und Toxalbumine verſchiedene, zum Teil Krankheiten von der höchſten ökonomiſchen Bedeutung zu erzeugen. Einzelne dieſer Toxine wirken mehr örtlich und veranlaſſen Entzündungen, Eiterungen, ja ſelbſt örtlichen Tod(Nekroſe) derjenigen Gewebsteile, mit denen ſie in „Berührung kommen. Andere, welche in den Blutſtrom gelangen, erzeugen mehr oder weniger heftige Fieber, oder wenn die ſie produzierenden Bakterien gleichzeitig mit in das Blut gelangt ſind, dort ſich vermehren und fort— geſetzt ihre Gifte erzeugen, ſchwere Erkrankungen des Blutes, ſogenannte Bintveraſſtanzen⸗ Blutzerſetzungen(Septikämie). Die Giftigkeit(Virulenz, Energie, Pathogenität) ein und des⸗ ſelben pathogenen Bakteriums iſt aber nicht überall und zu jeder Zeit die gleiche. Sie iſt abhängig von bekannten und unbekannten Verhält⸗ niſſen(Art des Nährbodens, Höhe der Temperatur, Grad der Lichtein⸗ wirkung ꝛc.). Hierdurch wird auch der Umſtand erklärlich, daß die In⸗ fektionskrankheiten in ihren einzelnen Epidemien bald„ſchwerer, bös⸗ artiger“, bald„leichter“ verlaufen. Verſchiedene Infektionserreger verlieren überhaupt ihre Wirkung, oder ſie ſterben kürzere oder längere Zeit nachher ab, wenn ſie den kranken Organismus verlaſſen haben, während anderen die Eigenſchaft zukommt, außerhalb desſelben ein ſaprophytiſches Daſein zu führen. Die Uebertragung der pathogenen Bakterien, der ſoge⸗ nannten Anſteckungsſtoffe oder Krankheitskeime, auf die Tiere erfolgt direkt oder indirekt. Die direkte Uebertragung erfolgt durch unmittelbare Berührung des kranken Tieres mit einem geſunden Tiere oder durch direkte Ueber⸗ impfung des Anſteckungsſtoffes. Beiſpiele bieten die Infektion einer Kuh mit Maul⸗ und Klauenſeuche, welche den Speichel einer hieran erkrankten Kuh aufleckt; oder die eines Pferdes, welchem der infektiöſe Naſenſchleim eines danebenſtehenden rotzigen Pferdes direkt in die Naſe gepruſtet oder in eine Wunde der Hautoberfläche gerieben wird ꝛc.— Als eine ſolche direkte Uebertragung ſpielt in der Geſundheitspflege auch die Infektion durch den Genuß von Fleiſch und Milch ſolcher Tiere, welche an einer Infektions⸗ krankheit leiden, eine große Rolle. Mit beiden kann übertragen werden Fig. Tieriſche und pflanzliche Paraſiten. 47 Tuberkuloſe, Milzbrand, Rotlauf, Schweineſeuche ꝛc., mit der Milch ſchon allein beſonders Maul⸗ und Klauenſeuche, Tuberkuloſe ꝛc. Die indirekte Uebertragung erfolgt durch Zwiſchenträger, d. h. allerhand Gegenſtände oder Dinge, mit denen die den kranken Körper mit deſſen Ausſcheidungen(Hautſekrete, Kot, Speichel, Urin, eitrige oder ſchleimige Abſonde⸗ rungen der verſchiedenſten Art) verlaſſenden Krankheitserreger in Berührung getreten ſind, und an oder in dem ſie ſich längere Zeit wirkſam erhalten können. Solche Zwiſchenträger ſind Luft, Waſſer, Nahrung, Umfaſſungsflächen des Stalles, Streuſtroh, Stallgerätſchaften, Decken, Geſchirrteile, der Boden ꝛc. Auch durch Inſekten kann eine indirekte Uebertragung von Krankheitskeimen ſtatt⸗ finden(Milzbrand, Texasfieber, Eiterungen ꝛc.).— Solche Bakterienformen, die in der Natur außerordentlich verbreitet ſind, bezeichnet man wohl auch als ubiquitäre Mikroorganismen; dahin zählen z. B. alle Eiterung erzeugenden Bakterienformen. Anſteckungsſtoffe, welche leicht durch die Luft übertragen werden können, nennt man flüchtige Anſteckungsſtoffe, alle anderen fixe. Eine ſcharfe Grenze zwiſchen beiden beſteht nicht. Erkranken gleichzeitig oder nacheinander eine größere Anzahl von Tieren an einer Infektionskrankheit, ſo nennt man das eine Seuche. Ver⸗ breitet ſich dieſelbe durch direkte oder indirekte Uebertragung von Tier zu Tier in einem Orte oder in einer Gegend weiter, ſo ſpricht man von einer Epidemie oder Kontagion; bleibt ſie dagegen auf eine beſtimmte Lokalität beſchränkt, weil die betreffenden Krankheitskeime im Boden ein ſaprophytiſches Daſein führen und nicht direkt oder indirekt von Tier zu Tier, ſondern nur vom Boden aus übertragen zu werden pflegen, ſo ſpricht man von einer Endemie oder einer miasmatiſchen Krankheit. Von den einzelnen pathogenen Bakterienformen ſeien nur fol⸗ gende erwähnt: Fig. 77. Streptokokken. Fig. 76. Staphylo⸗ Vergr. 1600. kokken. Vergr. 1600. ð Fig. 78. Hüllenbildender Mikrokokkus Fig. 79. Micrococcus Fig. 80. Der Frän⸗ (Micrococeus ascoformans). intracellularis equi, ein⸗ kel'ſche Kokkus der Vergr. 900. zeln, in Ketten und in Lungenentzündung. Tetraden. Vergr. 3000. Vergr. 1600. a) Von den Mikrokokken, welche durchſchnittlich einen Durchmeſſer von 1 α ůMikromillimeter) beſitzen, und die in Pigment oder chromogene (farbenbildende), in zy mogene(gärungerregende) und pathogene Kokken 48 Aeußere Krankheitsurſachen. eingeteilt werden, ſind die letzteren für die Geſundheitspflege die wichtigſten. Dieſelben finden ſich teils in Haufen(Staphylokokken⸗), teils in Ketten (Streptokokken)⸗Form vor, und ſind vor allem bekannt als Eiterkokken (Fig. 76, 77), die Urſache aller Eiterungen, Maſtitiskokken, die Urſachen der verſchiedenen Formen der Euterentzündungen, Druſekokkus, Kokkus der Bruſtſeuche, als Micrococcus ascoformans(Fig. 78), ein ge⸗ ſchwulſtbildender Kokkus(namentlich Urſache der ſogenannten Samenſtrang⸗ fiſtel bei Pferden), Diplococcus intracellularis equi(Fig. 79), der Erreger der ſogenannten epidemiſchen Genickſtarre bei Menſchen und Tieren, bei Pferden als ſogenannte Bornaer Krankheit vorkommend, Kokkus der fortſchreitenden(progreſſiven) Gewebsnekroſe ꝛc.— Beim Menſchen kommen weiter beſonders noch in Frage ein von Fränkel als Erreger Fig. 81. Kokken der Fig. 83. Tuberkel⸗ Fig. 84. Bazillen des Gonorrhoe. bazillen. Vergr. 1600. malignen Oedems. Vergr. 1600. Vergr. 1600. Fig. 82. Milzbrand⸗ bazillen mit Gallert⸗ kapſel. Vergr. 1600. 2 Q◻— L Fig. 88. Bazillen der ig. 87. Rotlauf⸗ ₰ Hühnercholera neben azillen, z. T. in ein . einem roten Blutkör⸗ weißes Blutkörperchen Fig. 85. Rauſchbrand⸗ Fig. 86. Rotzbazil⸗ perchen liegend. eingeſchloſſen. azillen. Vergr. 1600. len. Vergr. 1600. Vergr. 1600. Vergr. 1600. der Lungenentzündung beſchuldigter lanzettförmiger Kokkus(Fig. 80), ſowie der Erreger der Gonorrhoe(Fig. 81). b) Von den Bazillen, Stäbchen von 2—5 Länge und ſelten über 1 2 Dicke, hin und wieder auch zu längeren Fäden auswachſend oder nur aneinander gereiht vorkommend: der Bazillus des Milzbrandes(Fig. 82), der Tuberkuloſe(Fig. 83), des malignen Oedems(Fig. 84), des Rauſchbrandes(Fig. 85), des Starrkrampfes, der Tauben⸗ und Kälberdiphtherie, des Rotzes(Fig. 86), des Rotlaufes und der Mäuſeſeptikämie(Fig. 87), der Septicaemia hämorrhagica (Schweineſeuche, Kaninchenſeptikämie, Wildſeuche, Hühner⸗ cholera, Fig. 88), der Schweinepeſt(ähnlich dem des Typhusbazillus vom Menſchen, Fig. 89), der Kälberruhr, des Verkalbens ꝛc.— Beim Menſchen ſpielt noch eine große Rolle der Cholerabazillus(Fig. 90) und der Friedländerſche Kapſelbazillus(Fig. 91), welcher ebenfalls Lungenentzündung erregen ſoll. G) Die Spirillen ſpielen bei Tieren außer einer in Südrußland vor⸗ kommenden, eine der Hühnercholera ähnliche Seuche bei Hühnern hervor⸗ 3„— 1 —⸗ des ———— Tieriſche und pflanzliche Paraſiten. 49 rufenden Art(Vibrio Metschnikovi), keine Rolle als Krankheitserreger(beim Menſchen der Rekurrensſpirillus, Fig. 92), als Erreger des Rückfalltyphus. d) Außer dieſen drei Hauptformen von Bakterien giebt es noch eine vierte, bei welcher die Kugel⸗, Stäbchen⸗ und Schrauben⸗Form im Gange der Entwicklung regelmäßig wechſeln, die ſogenannten pleomorphen Batterien, zu welchen der als Krankheitserreger außerordentlich wichtige Strahlenpilz (Aktinomyces bovis)(Fig. 93), gehört. Dieſer iſt die Urſache mächtiger Geſchwulſtbildungen beim JN de) von welchen der ſogenannte Muan an bezw. in den Kieferknochen des Rindes die bekannteſte iſt. b) Als indirekt ſchädigende— als ſogenannte ſaprogene Bakterien— kommen alle diejenigen Bakterienformen in Betracht, welche nicht in das lebende, geſunde, tieriſche Gewebe ein⸗ zudringen und dasſelbe krank zu machen vermögen, ſondern lediglich durch ε‿— 8 —„ V dH A 8 VA Fig. 90. Cholera⸗ Fig. 91. Der Friedlän⸗ bazillen. der'ſche Kapfelbazillus. Vergr. 1600. Vergr. 6 89. Typhusbazillen; a ohne Geißeln 8 ee 1600), b mit Geißeln(Vergr. 3000). Fig. 92. Rekurrensſpirillen über ein rotes Fig. 93. Der Strahlenpilz(Aktinomy- Blutkörperchen gelagert. Vergr. 1600. ces bovis) des Rindes. Vergr. 300. die von ihnen in totem, organiſchem Material gebildeten Gifte zur Krankheitsurſache werden können. Dies geſchieht entweder, indem ſie in bereits erkrankte, widerſtands⸗ unfähige bezw. ſchon abgeſtorbene Gewebsteile des tieriſchen Körpers eindringen, und hier durch ihren Lebensprozeß unter Bildung ſtinkender Gaſe eine faulige Zerſetzung, Fäulnis, Verjauchung hervorrufen. Hierbei kommt es zugleich zur Bildung außerordentlich giftiger, chemiſcher Körper(Ptomaine), welche in den Blutſtrom eindringen (aufgeſaugt, reſorbiert werden) und raſch tödliche Erkrankungen(Blutver⸗ giftungen, Saprämien, putride Intorikationen) erzeugen können. Eine praktiſch ſehr wichtige pathogene Wirkung der ſaprophytiſchen Bakterien gewinnen biefelben als Turtepernnretngengen⸗ So ver⸗ Johne. 4 50 Aeußere Krankheitsurſachen. mögen ſie in gewiſſe ſtickſtoffhaltige Nahrungsmittel tieriſcher Abkunft, die an und für ſich von ganz tadelloſer Abſtammung ſein können, einzudringen und in dieſen(ohne daß nach außen hin immer Veränderungen an denſelben eintreten müſſen, welche dem bekannten Bilde der Fäulnis entſprechen) außerordentlich giftige Stoffe zu bilden. Werden dieſe mit den betreffenden Nahrungsmitteln aufgenommen, ſo rufen ſie die ſchwerſten, oft raſch tödlichen Erkrankungen, die ſogenannten Fleiſch⸗, Wurſt⸗, Fiſch-oder Käſe-Vergiftungen(Botulismus) hervor. Auch die namentlich bei Schweinen beobachteten Vergiftungen mit Pökellake dürften auf die gleiche Urſache, d. h. auf die Abſpaltung giftiger Sub⸗ ſtanzen aus den ſtickſtoffhaltigen organiſchen Beſtandteilen der Lake, zurück— zuführen ſein. Charakteriſtiſch für derartige Gifte iſt es, daß ſie durch Kochen der be— treffenden Nahrungsmittel nicht zerſtört, höchſtens in ihrer Wirkung etwas gemildert werden. Auch in vegetabiliſchen Futtermitteln(Kartoffeln, Rüben, Brüh⸗ futter ꝛc.) können ſich durch die Lebensthätigkeit eingedrungener Saprophyten Fäulnisvorgänge entwickeln, welche veranlaſſen, daß durch den Genuß ſolchen Futters Verdauungsſtörungen, ja ſ hervorgerufen werden. Oder die ſaprogenen Spaltpilze werden dadurch indirekt ſchädlich, daß ſie in einzelnen Futtermitteln, in welche ſie meiſt aus der Luft ge— langen, Gärungen erzeugen, deren Produkte als Krankheitsurſache wirken. So kann vor allem der Bazillus der Eſſigſäuregärung(Bacillus aceticus) in der Schlempe oder in ſogenanntem Sauerfutter eine reichliche Eſſig⸗ ſäurebildung hervorrufen. Stark eſſigſaueres Futter jeder Art erzeugt aber Magendarmentzündungen, ſelbſt Krämpfe, Lähmungen, Herzſchwäche, Tod. In anderen Vegetabilien, ſo z. B. in aufbewahrten Rübenſchnitzeln, kann der Butterſäurebazillus(B. butyricus) Butterſäure bilden und bei Genuß ſolcher verdorbenen Schnitzel zu ſchweren Magen⸗, Darm⸗ und Bauchfell⸗ Entzündungen führen. ogar raſch tödliche Vergiftungen 2. Giftpflanzen. Eine ſpeciellere Beſprechung der Giftpflanzen ſoll an dieſer Stelle unterbleiben.“) Im allgemeinen hierüber nur folgendes: Wie alle Gifte, ſo wirken auch die Giftpflanzen teils lokal an der Berührungsſtelle mit dem Körper, als welche weſentlich die Schleimhaut des geſamten Verdauungskanales in Frage kommt; teils allgemein, indem ihre wirkſamen Beſtandteile vom Magen und Darme aus aufgeſaugt werden, in den Blutſtrom gelangen, mit dieſem in andere, ſelbſt entfernte Teile des Körpers transportiert werden, und erſt dort zur Wirkung kommen. Letzteres iſt namentlich in dem weſentlichſten Ausſcheidungsorgan *) Wer ſich weiter hierüber unterrichten will, ſ. Müller, landwirtſchaftliche Giftlehre. Berlin, 1897. Verlagsbuchhandlung Paul Parey. Gebd. 2,50 M. 2—,— iſcher ßſein immer nten ilden. rufen Auch kellle Sub⸗ 1 urück⸗ er be⸗ etwas Brüh⸗ öhyten Henuß ungen dlich, ft ge⸗ irken. cus) Eſſig⸗ taber dod. kann Henuß chfell⸗ Stelle n der nhaut nein, eſaugt feerte irkung vorgen aftlihe 50 M. Atmoſphäriſche Verhältniſſe. 51 fremder, im Blute gelöſter Stoffe, in den Nieren, ſeltener in anderen Organen der Fall. Ihrer Wirkung nach kann man die Giftpflanzen einteilen a) in reizend oder ſcharf wirkende, welche an der Berührungs⸗ ſtelle Entzündung und deren Folgeerſcheinungen(Brennen und Kratzen in Mund⸗ und Rachenhöhle, Speicheln, Würgen, Erbrechen, Durſt, Schmerzen im Hinterleibe, Schwindel- und Schwächegefühl, Lähmungen) hervorrufen, oder bei langſamerem Verlaufe zu blutigen Durchfällen mit raſcher Abmagerung und Abnahme der Kräfte und ſchließlich zum Tode führen. Ein Teil dieſer Giftpflanzen äußert ihre reizenden Wirkungen auch auf die Harnorgane(Nierenentzündungen, Blutharnen, Harn⸗ drang), andere auch auf Herz und Muskeln. b) Betäubende, narkotiſche Giftpflanzen. Dieſelben ver⸗ anlaſſen meiſt nach einem vorhergehenden kurzen Erregungszuſtand(Un⸗ ruhe, Aufregung, Ekel, Herzklopfen), Betäubungs⸗ und Lähmungszuſtände, ohne örtlich zu reizen. c) Reizende, narkotiſche Giftpflanzen, welche neben der be— täubenden und lähmenden Allgemeinwirkung eine örtlich reizende, ent⸗ zündungerregende Wirkung beſitzen. d) Ausſchließlich Muskelkrämpfe veranlaſſende Giftpflan⸗ zen, welche Zuckungen, hochgradige Zuſammenziehungen(Kontraktionen, tetaniſche Krämpfe) und Starrheit der Muskeln, infolgedeſſen ſchließlich er⸗ ſchwertes Atmen und Tod durch Erſtickung veranlaſſen. e)) Als Herzgifte wirkende Giftpflanzen, welche Unregelmäßig⸗ keiten, ſchließlich Lähmung der Herzthätigkeit bewirken. ft.) Als Blutgifte wirkende Giftpflanzen, deren wirkſame Beſtandteile nach Eintritt in das Blut einen Zerfall desſelben(Auflöſen der roten Blutkörperchen), Blutharnen, Gelbſucht ꝛc. erzeugen. II. Atmoſphäriſche Verhältniſſe. 1. Die Luftbeſtandteile. Der regelmäßige Ablauf aller zur Ernährung notwendigen Stoff⸗ wechſelvorgänge, die Bildung eines normalen, ſauerſtoffreichen Blutes und die Erhaltung eines für den erfolgreichen, regulatoriſchen Selbſtſchutz erfolgreich thätigen Nervenſyſtems, alſo überhaupt der regelmäßige Ablauf aller Lebensprozeſſe, d. h. die Geſundheit, iſt vor allem abhängig von der ununterbrochenen Zufuhr reiner, ſauerſtoffreicher Luft durch die Atmung. Jede nur wenige Minuten andauernde Luftentziehung tötet das Tier, das Einatmen unreiner Luft kann mehr oder weniger auffällige Erkrankungen, ſelbſt den Tod desſelben, oder zum allermindeſten eine mehr oder weniger erhebliche Abnahme ſeiner Leiſtungsfähigkeit zur Folge haben. 4* 52 Aeußere Krankheitsurſachen. Wie richtig dieſe Behauptung iſt, beweiſt nach dammann(Geſund⸗ heitspflege, S. 681) folgende in einem Muſterkuhſtall(Milchkuranſtalt) zu Frankfurt a. M. gemachte Beobachtung. Die dort gehaltenen, intenſiv ge⸗ fütterten 80 Schweizerkühe lieferten vor Anlegung einer Stallventilation im Jahre 1877 pro Stück 3700 Liter Milch 2 1878 7 11 3700 7 2 1 1879 7 7 3715 2 2 dagegen nach Anlage der Ventilation im Jahre 1880 pro Stück 4050 Liter Milch 2 7 1881 2 4152 7 2 1882 4355 7 Die Luft in ihrer verſchiedenen Zuſammenſetzung iſt da⸗ her in allererſter Linie von Einfluß auf die Geſundheit. 1. Reine Luft. Reine Luft iſt ein Gemiſch von ca. 21 Volum⸗⁄% Sauerſtoff(0), ca. 79% Stickſtoff(N), 0,03— 0,05% Kohlenſ äure(C02), wechſelnden Mengen 2 2, von Waſſerdampf, (H2O) 0,5— 1% und Spuren von Am⸗ moniak(HN), Sal⸗ peterſäure(NOH), ſalpetriger Säure (NOzHl) und von organiſchen Gaſen, namentlich Sumpf⸗ gas(Methan OHH). a. Sauerſtoff(O), der wichtigſte Luft⸗ beſtandteil, tritt von den Lungenbläschen (Fig. 94 d)(kleinen, bläschenförmigen Ausbuchtungen der trichterförmig erwei⸗ terten Endverzwei⸗ gungen der feinſten Fig. 94. Lunge. h, b“, b“ drei Luftröhrenäſte(Bronchien) mit Luftröhrenäſte, den ſo⸗ heen fnſen Endberzweigungen einohslen, eaier,„un genannten, Bran⸗ agte 3 der chiolen(Fig. 94c), a“; d die an letzteren ſitzenden Ausbuchten, Lungenbläschen oder Alveolen. Pll. durch das die zarten Wände derſelben um⸗ ſpinnende, feine Blutgefäßnetz in das Blut ein. Das Blut iſt eine wäſſerige Ei⸗ weiß⸗ und Salzlöſung, in welcher in unendlicher Anzahl(auf 1 Kubikmilli⸗ meter 4 ½— 5 Millionen!) winzig kleine, teils rotgefärbte, ſcheibenförmige (Fig. 95 a, b), teils ungefärbte, vollkommen runde(Fig. 95 c) Zellen ſchwimmen. Erſtere, in ca. 300 mal größerer Menge vorhanden, werden als rote, letztere als farbloſe Blutkörperchen bezeichnet. Der in das Blut eingetretene Sauerſtoff verbindet, ſich mit den roten Blutkörperchen und gelangt mit denſelben bis in jenes feine, dichte, zartwandige 1 nd⸗ ſe Atmoſphäriſche Verhältniſſe. 53 Blutgefäßnetz(Haargefäßnetz), welches alle Teile des ganzen Körpers durchzieht (S. 67). Hier löſt ſich der Sauerſtoff von den roten Blutkörperchen(bezw. von dem in denſelben enthaltenen eiſenhaltigen Blutfarbſtoff, dem Hämoglobin) und tritt durch die Gefäßwände hindurch an die Gewebszellen, um hier jene ſchon S. 1 erwähnten chemiſchen Oxydations⸗ oder Verbrennungsprozeſſe zu veran⸗ laſſen, welche wir als Stoffwechſelprozeſſe, die Quelle der tieriſchen Wärme und Kraft, bezeichnen. Die ausgeatmete Luft enthält daher 2„ ca. 5,3% weniger 0, als die eingeatmete Luft, dafür aber ca. 4% C0, mehr. Nach Voit nimmt ein erwachſener Menſch in 24 Stunden etwa 1 ½ Pfund(nach anderen bis 900 g) O in ſein Blut auf, während das Geſamtgewicht der in derſelben Zeit aufgenommenen anderen Nährſtoffe im waſſerfreien Zuſtand nur 1 ½ Pfund beträgt. Der Gehalt der Luft an 0 iſt außerhalb geſchloſſener Räume überall gleich. Derſelbe erſchöpft ſich trotz des be⸗ deutenden Verbrauches durch die Tierwelt nicht, weil er, wie. ſchon S. 2 angegeben, durch den Stoffwechſel der Pflanzen⸗ Fig. 95. Blutkör⸗ welt der Atmoſphäre in genügender Menge zugeführt und perchen, a rotes ihr durch die ununterbrochene Luftbewegung beigemengt von der Fläche, wird.— Ein Teil des 0 iſt in der Luft in Form einer d van ſer Sit⸗ eigentümlichen, ſtärker oxydierenden Modifikation, als ſo⸗ körperchen. genanntes Ozon vorhanden, praktiſch aber ohne Bedeutung. b) Stickſtoff(N) iſt ein indifferentes, gewiſſermaßen nur zur Ver⸗ dünnung des 0 beſtimmtes Gas. c) Kohlenſäure(C0) entſteht bei allen Fäul⸗ nis⸗, Zerſetzungs⸗ und Verbrennungsprozeſſen, wird daher auch beim tieriſchen Stoffwechſel gebildet und 6ν durch die Atmung ausgeſchieden; oder ſie ent⸗ 4 ſtrömt dem Erdinnern. Ihre fortwährende Beſeitigung—& durch den Atmungsprozeß der Pflanzen wurde ſchon 7/ erwähnt. A4 o d) Ammoniak(IIs N), Salpeter⸗(NO0 H) 7 und ſalpetrige Säure(NOa H) ſind ebenfalls das 7 57 Produkt der überall im Weltenraum ſtattfindenden Zer⸗ 5 68 ſetzung ſtickſtoffhaltiger organiſcher Subſtanzen. 6 e) Die organiſchen Gaſe, organiſche, 4 80 gasförmige Produkte des tieriſchen Stoffwechſels, 7 die teils durch Haut und Lunge, teils als 7 25 Magen⸗ und Darmgaſe ausgeſchieden werden, h, ſind ihrer näheren k 22 chemiſchen Natur nach A zum größten Teile A. 55 unbekannt, und kom⸗ men jedenfalls in der geringen Menge, wie— 3 ſie in der freien Luft ‿ enthalten ſind, ebe⸗-=ſfe 4 ſowenig als Krank- heitserreger in Be⸗„⸗ Je2e e e e oe e e ⸗ 2 tracht, wie die unter Fig. 96 Kurve, welche zeigt, wie viel Gramm Waſſer 1 cbm Luft d genannten Gaſe. bei einem beſtimmten Temperaturgrad aufnehmen kann. G. 54 Aeußere Krankheitsurſachen. f) Waſſer(H O), in der Luft in Gasform enthalten, hat ſeine Quelle in der überall auf der Erdoberfläche ſtattfindenden Waſſerverdunſtung, zum Teil auch in den mit der ausgeatmeten Luft gasförmig ausgeſchiedenen Waſſermengen. Je wärmer die Luft iſt, um ſo mehr vermag ſie Waſſerdampf auf⸗ zunehmen, und um ſo größer wird, wie umſtehende Fig. 96 zeigt, ihre Waſſer⸗ kapazität. Iſt die Luft mit Waſſerdampf geſättigt, ſo ſpricht man von maximaler Luftfeuchtigkeit. Unter abſoluter Luftfeuchtigkeit verſteht man die Waſſermenge, welche bei einer beſtimmten Temperatur in der Luft enthalten iſt; unter relativer das Verhältnis der maximalen zum abſoluten Waſſergehalt, in Prozenten der Sättigung ausgedrückt.— Kühlt ſich die mit dem unſichtbaren Waſſerdampf gefüllte Luft ab, ſo verdichtet ſich derſelbe in tropfbarflüſſige Form, d. h. zu Tau, Nebel, Wolken oder Regen, bei Temperaturen unter 0 Grad zu Schnee oder Hagel. 2. Verdorbene bezw. unreine Luft. Verdorben oder unrein wird die Luft, wenn ſich die Mengen⸗ verhältniſſe der Luftbeſtandteile ändern oder zu denſelben noch andere treten. Die geſundheitsſchädliche Wirkung einer ſolchen verdorbenen oder verunreinigten Luft wird weniger im Freien bemerkbar werden, wo die Luftbewegung und der Atmungsprozeß der Pflanzen für eine fortwährende Erneuerung der Luft ſorgen, ſondern vielmehr vor allem in geſchloſſenen und ungenügend mit Einrichtungen zur Luft⸗ erneuerung(Ventilationseinrichtungen) verſehenen Räumen, als welche bei unſeren Haustieren vor allem enge, überfüllte, ſchlecht ventilierte und ſonſt fehlerhaft konſtruierte Stallungen und dicht gefüllte, geſchloſſene Eiſenbahnwagen in Betracht kommen, in welchen die Tiere dauernd oder längere Zeit untergebracht ſind. Die geſundheitsſchädliche Wirkung der verdorbenen Luft hängt alſo nicht allein von dem Grade ihres Verdorbenſeins, ſondern auch von der Dauer ihrer Ein⸗ wirkung ab. Zu unterſcheiden ſind gasförmige und ſtaubförmige Luft⸗ verunreinigungen. a) Gasförmige Luftverunreinigungen. aa. Veränderungen in der Mengenormaler Luftbeſtandteile. 1. Abnahme des Sauerſtoffes tritt ein, wenn viele Tiere in dicht geſchloſſenen oder ſchlecht ventilierten Räumen atmen, und der Luft mit jedem Atemzuge eine gewiſſe Menge Sauerſtoff entziehen, ohne daß derſelbe durch Luftzutritt von außen genügend erſetzt wird. Eine geringe Abnahme des Sauer⸗ ſtoffes ruft indes ſichtbare Geſundheitsſtörungen noch nicht hervor, ſtärkere hin⸗ gegen einen Rückgang in der Ernährung, bei Herabſetzung unter 11 pCt. Atmungsbeſchwerden, unter 7 pCt. den Tod.— Wenn auch zugegeben werden muß, daß hierbei die gleichzeitige Zunahme der Kohlenſäure als Geſundheits⸗ ſchädlichkeit mitwirkt, ſo beweiſen doch die zum Teil ſchweren Geſundheits⸗ ſtörungen, welche bei Menſchen eintreten, die bei Bergbeſteigungen oder Ballonfahrten ſchnell in größere Höhen gelangen, und je höher ſie gelangen, Atmoſphäriſche Verhältniſſe. 355 auch eine um ſo verdünntere Luft, mit jedem Atemzuge alſo auch eine ge⸗ ringere Menge von Sauerſtoff einatmen, daß ſchon der Sauerſtoffmangel im Blute allein als Krankheitsurſache auftreten kann(ſ. Luftdruck). 2. Zunahme von Kohlenſäure(0)) iſt zunächſt bedingt durch die Atmung der Stalltiere. Sie wird unter denſelben Verhältniſſen, wie die Abnahme des Sauerſtoffes eintreten, da der eingeatmeten Luft mit jedem Atemzuge nicht nur 5 pCt. ihres Sauerſtoffgehaltes entzogen, ſondern zu⸗ gleich 4 pCt. Kohlenſäure beigemengt werden. In einem geſchloſſenen Stall⸗ raum von 40 cbm würde eine 500 kg ſchwere Kuh in 24 Stunden der Stall⸗ luft 3000 1 Kohlenſäure beimengen und hierdurch deren Gehalt von 0,3 auf 7,5%, ſteigern.— Andere Quellen der Luftverderbnis durch Kohlenſäure ſind die Fäulnis des im Stalle entleerten bezw. angehäuften Düngers, beſonders die in den Boden eindringenden und dort faulenden flüſſigen Teile (Urin) desſelben, ferner die Verbrennungsgaſe der Stallbeleuchtung, ſowie andere Zufälligkeiten, durch welche plötzlich größere Mengen Kohlen⸗ ſäure der Stallluft beigemengt werden(z. B. Eingießen von Schwefelſäure in das im Stalle befindliche Jauchenloch zum Zwecke der Bindung des in der Jauche enthaltenen Ammoniaks ꝛc.). Unter gewöhnlichen Verhältniſſen wird ſelbſt in geſchloſſenen Stall⸗ räumen, in welchen durch die Thüren und Fenſter der Umfaſſungsmauern, und durch letztere ſelbſt, ein ununterbrochener Luftwechſel, die ſogenannte natürliche Ventilation(ſ. dieſe) ſtattfindet, die Zunahme der Kohlenſäuremenge allein niemals eine ſo bedeutende werden, daß hierdurch ſehr raſch auf⸗ falligere Geſundheitsſtörungen veranlaßt würden. Immer tritt hierzu noch der Mangel an Sauerſtoff in einer derartigen Stallluft, ſowie 3. die Wirkung der von den Tieren ausgeſchiedenen organiſchen, gasförmigen Stoffwechſelprodukte. Nach Pettenkofer ſteht die Menge beider Gaſe inſofern in einem gewiſſen Verhältnis zu einander, als die Luft 0,7%0) Kohlenſäure enthalten ſoll, wenn ſich die organiſchen Gaſe in einem mit Menſchen gefüllten Raum durch einen unangenehmen Geruch be⸗ merkbar machen; dagegen 1%n, wenn eine ſchlechte Luft Uebelbefinden, Kopfſchmerzen, Schwindel bezw. Ohnmachten erzeugt. Er ſtellt daher mit vollem Recht die Forderung, daß die Luft in bewohnten Räumen mindeſtens nicht mehr als 1% Kohlenſäure enthalten dürfe. Für die Stallluft wird von Schulze und Märcker die äußerſte Grenze des Kohlenſäuregehaltes auf 4%0 feſtgeſetzt. Daß eine Atmungsluft in überfüllten, geſchloſſenen und ſchlecht venti⸗ lierten Räumen, welche ſehr große Mengen von Kohlenſäure und organiſchen Gaſen und erheblich geringere Mengen an Sauerſtoff enthält, den Geſundheits⸗ zuſtand der darin untergebrachten Tiere aber allmählich nachteilig beeinfluſſen muß, iſt ſelbſtverſtändlich. Nicht nur, daß bei nahezu vollſtändig auf⸗ gehobenem Luftwechſel in ſolchen Räumen(Stallungen, Eiſenbahnwagen), und bei mehr oder weniger ſtarker Ueberfüllung derſelben ein Teil der darin befindlichen Tiere in wenigen Stunden ſterben(erſticken) wird, lehrt auch die Erfahrung, daß eine ſolche Atmungsluft zum Rückgang in der Ernährung, zu Atmungsbeſchwerden, Blutandrang nach dem Kopfe, Be⸗ nommenheit, ja bei Pferden ſogar zu dummkollerartigen Erſcheinungen Veranlaſſung geben kann. 4. Zunahme des Ammoniakgehaltes der Luft wird, da derſelbe ſeine Quelle in der Fäulnis ſtickſtoffhaltiger organiſcher Subſtanzen findet, vor allem in ſchlecht ventilierten Ställen mit ſchlecht konſtruiertem, durch⸗ 56 Aeußere Krankheitsurſachen. läſſigen Fußboden in Frage kommen, da letzterer das Eindringen der flüſſigen, ſtickſtoffhaltigen Dungbeſtandteile in den Boden und deren Fäulnis daſelbſt geſtattet.— Stark ammoniakhaltige Luft— meiſt iſt das Ammoniak mit der Kohlenſäure oder der Salpeter⸗ bezw. ſalpetrigen Säure derſelben verbunden— riecht intenſiv ſtechend, reizt zum Nieſen und Huſten und kann bei den derſelben andauernd ausgeſetzten Tieren chroniſche Katarrhe der Augen⸗ bindehaut, des Kehlkopfes und der Lunge(ſogenannten chroniſchen Stallhuſten), im weiteren Verlauf ſogar ein Lungenemphyſem(Dämpfigkeit) zur Folge haben. In Verbindung mit den übrigen oben genannten Luftverderbniſſen hat das Ammoniakgas demnach zweifellos eine nachteilige Einwirkung auf den Geſundheitszuſtand der Stalltiere.— Endlich iſt in geſundheitlicher Beziehung noch beachtlich: 5. der Feuchtigkeitsgehalt der Luft. Bezüglich desſelben gelten folgende Regeln: a) feuchte und zugleich warme Luft erſchwert die Wärmeregulierung inſofern, als feuchte Luft die Verdunſtung des Schweißes und hierdurch die durch letztere bewirkte Wärmeentziehung(S. 60) behindert, warme Luft hingegen die Wärmeabgabe an die Umgebung herabſetzt. Es entſteht innere Ueberhitzung, Hitzſchlag(S. 62). b) Feuchte und zugleich kühle Luft veranlaßt eine zu ſtarke Wärmeabgabe des Körpers an die Um⸗ gebung, d. h. Erkältungen.— c) Trockene und zugleich ſehr warme Luft bedingt einerſeits ſtarke Schweißbildung, und da der Schweiß von der Körperoberfläche raſch verdunſten kann, ſtarke, ſelbſt zu ſtarke Waſſerverluſte des Körpers, namentlich wenn zugleich durch angeſtrengte Arbeit die Wärme⸗ produktion geſteigert wird. Der Waſſerverluſt des Körpers kann hierbei 4,8% und mehr betragen; bei Verſuchstieren trat bei 20% Verluſt der Tod ein. Die Gefahr liegt hier in der durch die Waſſerverluſte herbeigeführten Ein⸗ dickung des Blutes und der Körperſäfte, deren Zirkulation dann hierdurch ver⸗ langſamt oder aufgehoben wird, wenn das durch die Waſſerentziehung hervor⸗ gerufene Durſtgefühl nicht in genügender Weiſe befriedigt und hierdurch dem Blute nicht wieder Waſſer in der nötigen Menge zugeführt werden kann.— Anderſeits wird durch die austrocknende Wirkung einer ſolchen Luft die Staubbildung vermehrt und die Entſtehung jener Krankheiten begünſtigt, welche durch Staubeinatmung entſtehen(Entzündungen der Luftwege in ihren verſchiedenſten Formen).— Dagegen iſt der Einfluß einer ſolchen Luft⸗ beſchaffenheit auf den Geſundheitszuſtand inſofern ein günſtiger, als durch Trockenheit die Entwicklung der überall in der Luft und im Boden, bezw. in Stallräumen befindlichen krankheitserregenden, pflanzlichen und tieriſchen Mikroorganismen weſentlich beeinträchtigt wird. Hierzu kommt noch, da Trockenheit meiſt mit hellem, ſonnigen Wetter verbunden iſt, die zerſtörende Wirkung des Lichtes auf einen Teil dieſer Krankheitserreger. Von demſelben Geſichtspunkte ſind zunächſt auch die den Feuchtigkeits⸗ gehalt der Luft beeinfluſſenden atmoſphäriſchen Niederſchläge, Tau, Nebel, Wolken, Regen, Reif, Schnee oder Hagel zu beurteilen. Auch dieſe können direkt bei ihrer Berührung mit der äußeren Körper⸗ oberfläche eine mehr oder weniger intenſive Wärmeentziehung, d. h. Er⸗ kältungen, bezw. durch Genuß von mit Tau und Reif bedeckten Pflanzen innere Erkältungen(Magen⸗ und Darmkatarrhe, Koliken ꝛc.), bei tragenden Tieren Verwerfen, hervorrufen. Bei direkter und längerer Berührung der Haut der unteren Fußenden mit Schnee kommt es wohl auch zu ober⸗ flächlicheren oder tiefergehenden Erfrierungen derſelben(Schnee⸗ bezw. Froſtmauke).— Einen indirekten Einfluß auf die Geſundheit der Tiere Atmoſphäriſche Verhältniſſe. 57 üben die atmoſphäriſchen Niederſchläge noch inſofern, als ſie zwar einerſeits die Atmoſphäre von ſtaubförmiger Beimengung reinigen, anderſeits aber bei länger andauerndem naſſen Wetter den Waſſergehalt der Pflanzen erheblich ſteigern und deren Nährwert erheblich herabſetzen können. bb) Zutritt fremder, in der reinen Atmungsluft nur ſpur⸗ weiſe oder niemals vorhandener Gaſe. Dieſelben ſind für den Organismus entweder vollſtändig indifferent und wirken höchſtens inſofern nachteilig, daß ſie durch ihre Anweſenheit in der eingeatmeten Luftmiſchung den Prozent⸗Gehalt derſelben an Sauer⸗ ſtoff vermindern; oder ſie ſind irreſpirabel, indem ſie bei Berührung mit der Schleimhaut der Stimmritze des Kehlkopfes ſofort einen krampfhaften Ver⸗ ſchluß derſelben bedingen(ſ. Selbſtſchutzeinrichtungen S. 111); oder ſie wirken chemiſch ſchädigend aufs Blut und dadurch direkt giftig. 1. Das leichte Kohlenwaſſerſtoff⸗, Sumpf⸗ oder Grubengas (ClI.) und das ſchwere Kohlenwaſſerſtoffgas(CeHH, letzteres als Aethylen ein Beſtandteil des Leuchtgaſes. Beide kommen praktiſch als Krankheitsurſache bei Tieren kaum in Betracht. 2. Die Gaſe und Dämpfe von Salpeter⸗, ſalpetriger⸗, Salz⸗ und Fluorwaſſerſtoffſäure, Chlor, Brom und Ammoniak entſtehen nur in gewiſſen Induſtriebetrieben, und könnten höchſtens nur denjenigen Tieren ſchädlich werden, welche in oder unmittelbar neben ſolchen beſchäftigt werden. Die Einatmung ſolcher gasförmigen Luftverunreinigungen bewirken in der Hauptſache Reizungen und Entzündnngen der Reſpirationsſchleimhäute. 3. Schweflige Säure. Dieſe iſt zunächſt das Produkt der Ver⸗ brennung des beſonders in der Steinkohle enthaltenen Schwefelkieſes und daher ein zum Teil nicht unerheblicher Beſtandteil des Rauches der Fabrik⸗ ſchlote. Ferner entweicht ſie in zum Teil ſehr großen Mengen gewiſſen Fabrik⸗ anlagen(beſonders Sulfid⸗ Celluloſefabriken), und endlich entſteht ſie beim Röſten ſchwefelhaltiger Erze im Hüttenbetriebe, wenn ihre ſolchen Anlagen entweichenden Dämpfe nicht auf Schwefelſäuren als Nebenprodukt verarbeitet werden.— Als Beſtandteil der Atmungsluft ſcheint die auf dieſe Weiſe der Atmoſphäre beigemengte ſchweflige Säure keine erhebliche direkte Ge⸗ ſundheitsſchädigung zu bewirken, wohl aber indirekte inſofern, als ſie mit den feuchten Niederſchlägen der Atmoſphäre in Form von Schwefelſäure auf die Pflanzen niedergeſchlagen wird, in dieſen einen reichen Gehalt an doppelt ſchwefelſauren Salzen, und durch den andauernden Genuß ſolcher Pflanzen chroniſches Siechtum(Abmagerung, Durchfälle, Knochenbrüchigkeit) erzeugt. 4. Schwefelwaſſerſtoff(HS), das ſehr giftige Produkt der Fäulnis ſtickſtoff- und ſchwefelhaltiger Körper, wirkt teils ſchädigend auf die roten Blutkörperchen, denen die Fähigkeit entzogen wird, Sauerſtoff aus der ein⸗ geatmeten Luft aufzunehmen und an die Gewebe abzugeben(S. 53), wodurch ſchwere Störungen aller Stoffwechſelprozeſſe veranlaßt werden; teils direkt lähmend auf das Nervenſyſtem. Das ſich bei der Fäulnis menſchlicher Exkremente in Abtrittgruben bildende Kloakengas iſt ein für Menſchen bekanntlich ſehr giftiges Gas⸗ gemiſch aus Schwefelwaſſerſtoffgas, Kohlenſäure, Stickſtoff, Kohlenwaſſerſtoff⸗ gaſen und Ammoniak, welches als Geſundheitsſchädlichkeit für unſere Haus⸗ tiere indes praktiſch kaum, oder höchſtens nur dann in Betracht kommen kann, 58 Aeußere Krankheitsurſachen. wenn dasſelbe aus unmittelbar neben dem Stalle liegenden Grubenanlagen in den Stall entweichen kann. 5. Das Kohlenoxydgas(00) entſteht bei Verbrennung von Kohlen⸗ ſtoff unter ungenügendem Sauerſtoffzutritt(bei genügendem Sauerſtoff entſteht Kohlenſäure). Seine giftige Wirkung, welche ſchen bei einem Gehalte der Luft von 2— 3%) lebensgefährliche edeantunhen(Kopfſchmerz, Benommenheit, Beſinnungsloſigkeit, Uebelbefinden, Erbrechen),), ſelbſt den Tod veranlaſſen kann, wird dadurch bedingt, daß es ſich, in das Blut gelangt, mit den roten Blut⸗ körperchen(dem Hämoglobin derze ben verbindet und dieſe unfähig macht, Sauerſtoff aufzunehmen und denſelben den Geweben zuzuführen(S. 52).— Da Heizungsvorrichtungen im Stalle nicht vorhanden ſind, ſo wird dieſes Gas nur unter ganz beſtimmten Verhältniſſen als Verunreinigung der Stallluft auftreten können.— Ebenſo ſelten wird bei Tieren das allerdings ſehr giftige Leuchtgas, deſſen weſentlicher Beſtandteil das Kohlenoxydgas iſt, zur Krankheitsurſache werde, da Gasbeleuchtung nur ſehr vereinzelt zur Stall⸗ beleuchtung verwendet wird. Für Menſchen ſoll ſchon 1 proz. Gehalt der Luft an de hfar ſchädlich ſein. .Arſenige Säure wird beim Röſten arſenhaltiger Erze frei, ent⸗ weiche gasförmig und verdichtet ſich in der Luft zu feinem, ſich auf die Tutterpflanzen in der Umgebung ſolcher Hüttenwerke niederſchlagenden Staube. Teils wird der beim Freſſen ſolchen Futters aurfwirbelne Staub eingeatmet und erzeugt chroniſche, katarrhaliſche Entzündungen(ſelbſt Geſchwürsbildung) der Luftröhre und ihrer Aenaawehnngen welche wiederum h günſtigſten Nährboden für die zufällig mit der Atmungsluft in die Lunge eindringenden Tuberkelbazillen bilden, und ſo eine verhängnisvolle Dispoſition für das Ent⸗ ſtehen der ſogenannten Hüttenrauchtuberkuloſe, Hüttenrauchkrankheit darſtellen; teils wird die arſenige Säure mit den betreffenden Pflanzen gefreſſen und eeug Entzündungen und Geſchwürsbildung im Magen. Von den Bleidämpfen iſt mehrfach bekannt geworden, daß Pferde, welche dieſelben in der Umgebung von Mennige⸗Fabriken direkt einatmen, oder ihre Niederſchläge mit den davon befallenen Pflanzen aufnehmen, Atmungs⸗ beſchwerden bekommen, welche vollſtändig identiſch mit dem ſogenannten Pfeiferdampf oder Kehlkopfspfeifen ſind. b) Staubförmige Luftverunreinigungen. In jeder Luft ſind unendliche Mengen kleinerer oder größerer Staub⸗ teilchen enthalten. Auch wenn dieſelbe ſcheinbar vollſtändig ſtaubfrei zu ſein ſcheint, lehrt uns jeder durch eine lleine Oeffnungi in ein dunkles Zimmer fallende Sonnenſtrahl durch Millionen feiner Stäubchen, die in ſeinem hellen Lichte ſpielen, daß dies nicht der Fall iſt. Alle dieſe Staubmengen ſtammen von der Oberfläche der Erde, von welcher ſie teils durch Winde, teils durch jene Luftſtrömungen, welche infolge der D differenzen zwiſchen der Wärme des Bodens und der darüber befindlichen Luftſchichten ent⸗ ſtehen, in die Atmoſphäre erhoben werden, ſich dort je nach dem Grade ihrer Größe und Schwere längere oder kürzere Zeit ſchwebend erhalten, und nach Befinden hunderte von Meilen in derſelben fortbewegt werden können. Atmoſphäriſche Verhältniſſe. 59 Dieſer ſogenannte atmoſphäriſche Staub beſteht teils aus un⸗ organiſchen, alſo lebloſen, teils organiſchen, lebenden und lebloſen Partikel— chen, deren Verhältnis zu einander natürlich je nach der Oeetlichkeit ein ſehr verſchiedener iſt. Für die Pariſer Luft fand Tiſſandier, daß dieſelbe in 1 cbm 6,23 Milli⸗ gramm Staub enthielt, darunter 25— 34% organiſcher, 66— 75% unorga⸗ niſcher Abſtammung. aa. Die lebloſen Luftſtäubchen. Dieſelben ſind meiſt mineraliſcher und pflanzlicher, ſeltener tieriſcher Natur. Von den mineraliſchen kommen für unſere Haustiere weſentlich in Betracht Kohle, Kieſelſtaub, Kalkteilchen, Thonerde, ſelten oder nie jene mineraliſchen Staubformen, wie ſie von Arbeitern gewiſſer gewerblicher Betriebe eingeatmet werden müſſen(Eiſenſtaub, Bronze⸗ und Zinkſtaub, Steinſtaub).— Die lebloſen Staubteilchen pflanzlicher oder tieriſcher Abkunft beſtehen aus Pflanzen⸗ und Tierhaaren, Schmetterlingsſchuppen, Leinen⸗ und Baumwollenfaſern, kleinſten Teilchen an der Luft eingetrockneten und zu Staub zerfallenen Tierkotes(beſonders vom Pferde), abgeſtorbenen Infuſorien, Teilen von Inſekten ꝛc. Die Bedeutung dieſer lebloſen ſtaubförmigen Luftverun⸗ reinigungen für die Geſundheit unſerer Haustiere iſt keine ſehr große, weil einmal der Staubgehalt der Luft(namentlich der Stallluft) kein ſehr bedeutender iſt, die größere Menge desſelben in gewiſſen induſtriellen Betrieben für die Tiere aber nicht in Betracht kommt; weil ferner vor allem aber die hauptſächlichſte Eintrittspforte dieſer Luftverunreinigungen, die Luftwege, in ganz vorzüglicher Weiſe durch die bei dem natürlichen Selbſt⸗ ſchutz(S. 100) zu ſchildernden Abwehrvorrichtungen gegen deren Ein⸗ dringen geſchützt ſind. Für die Bedeutung der trotz alledem bis in die Tiefe der Luftwege oder in das Lungengewebe ſelbſt vordringenden Staubpartikelchen iſt ent⸗ ſcheidend, ob dieſelben chemiſch oder mechaniſch reizend wirken, oder ob ſie indifferent ſind. Im letzteren Falle werden ſie eingekapſelt, im erſteren führen ſie zu Katarrhen und Entzündungen der Luftwege und des Lungen⸗ gewebes und deren Folgen. Alle derartigen durch Staubeinatmung entſtandenen, als Staubinhala⸗ tionskrankheiten oder Pneumonokonioſen bezeichneten Erkrankungen der Luftwege und des Lungengewebes ſchaffen(wie ſchon für die arſenige Säure hervorgehoben) eine Dispoſition zur Entſtehung der Lungentuberkuloſe. bb. Die belebten Luftſtäubchen. Dieſe ſind tieriſcher und pflanzlicher Natur. Die belebten tieriſchen Luftſtäubchen gehören in der Mehrzahl dem niedrigſten Tiertypus, den Protozoën, und zwar der Klaſſe der Infuſorien (S. 20) an, deren eigentliche Heimat das Waſſer iſt, in dem ſie ſchon 1675 von Leuwenhoer entdeckt wurden. Trocknet dieſes ein, ſo gehen die darin enthaltenen Infuſorien in die Staubform über, ohne indes für die Tier⸗ welt eine praktiſche Bedeutung als Luftſchädlichkeit zu gewinnen.— In der Neuzeit wendet ſich die Aufmerkſamkeit indes noch einigen anderen Protozoén⸗ formen, den Amöben und Sporozoén zu, welche man für die Urſache einer 60 Aeußere Krankheitsurſachen. Anzahl von Krankheiten(Pocken, Maſern, Sumpffieber[Malaria], Lungen⸗ ſeuche ꝛc.) hält, für welche andere, in die Reihe der niederen pflanzlichen Organismen bezw. Bakterien gehörige Lebeweſen bisher noch nicht auf⸗ gefunden werden konnten(S. 19). Von den höher organiſierten tieriſchen Lebeweſen kommen als ſtaubförmige Luftverunreinigungen höchſtens die Eier gewiſſer Würmer, bezw. Eingeweidewürmer in Frage, von denen einige infolge gewiſſer Eigentümlichkeiten ihres Baues einen hohen Grad der Eintrocknung vertragen, und infolgedeſſen nach Eintrocknung und dem Staubförmigwerden der tieriſchen Abſonderungen, mit denen ſie den Körper ihrer Wirtstiere verlaſſen haben, ſich dem Luftſtaub beimengen können. So hat man geglaubt, daß z. B. die Eier der Lungenwürmer des Schafes(S. 30) als Luftſtaub weit verbreitet und durch Einatmung wieder auf andere geſunde Schafe übertragen werden können. Von den belebten pflanzlichen Luftſtäubchen iſt hauptſächlich der Blütenſtaub höherer Pflanzenformen, beſonders von Nadelholz und verſchiedener Gräſer zu nennen. Letzterer kann in die oberen Teile der Luftwege eindringen, deren Schleimhaut mechaniſch und chemiſch reizen, und heftige, mit Fieber und Kopfſchmerzen verbundene Entzündungen derſelben (ſogenanntes Heufieber) beim Menſchen, vielleicht auch bei Tieren, hervor⸗ rufen.— Eine, wenigſtens vielfach, weit höhere Bedeutung in geſundheitlicher Beziehung beanſpruchen die der Luft beigemengten und mit dieſer überall hin gelangenden niederen pflanzlichen Organismen, welche unter dem Sammelnamen der Pilze bekannt ſind. Näheres hierüber ſiehe S. 38 u. ff. 2. Die Lufttemperatur. Die Quelle der Luftwärme einer Gegend iſt, abgeſehen von jenen Wärmemengen, welche derſelben durch Luft- und Meeresſtrömungen zu⸗ geführt oder entzogen werden, die Sonne. Je klarer und trockener die Luft, um ſo mehr werden von den zur Erde gehenden Sonnen⸗ bezw. Wärme⸗Strahlen von derſelben aufgenommen. Die bis zur Erdoberfläche gelangenden Wärmeſtrahlen werden von dieſer teils aufgenommen, teils zurückgeworfen, um dann erſt von der Luft aufgenommen zu werden. Daher ſind die tieferen Luftſchichten wärmer als die höheren. Die Menge der von der Erdoberfläche aufgenommenen und von dieſer zum Teil wieder an die Luft abgegebenen Wärme hängt von der Feuchtigkeit, Oberflächenbeſchaffenheit und Farbe der erſteren ab. Das Waſſer nimmt faſt doppelt ſo viel Wärme auf, als der Erdboden, erwärmt ſich dabei zwar langſamer als dieſer, giebt aber auch ſeine Wärme viel langſamer wieder ab. Vegetationsloſe Flächen nehmen viel mehr Wärme auf, als be⸗ wachſene; kahle Sandflächen, kahle Wandflächen ꝛc. können ſich daher durch die Sonnenſtrahlen erheblich höher erhitzen, als die umgebende Luft, geben ihre Wärme natürlich aber auch beim Verſiechen der Wärmequelle ſehr raſch an die Luft ab. Die geſundheitliche Bedeutung der Lufttemperatur liegt in dem ſpäter noch eingehend zu beſprechenden Umſtand(ſiehe Selbſt⸗ ſchutzeinrichtungen), daß der normale Ablauf aller Lebensvorgänge unter anderem abhängig iſt von der gleichbleibenden normalen Eigenwärme des Atmoſphäriſche Verhältniſſe. 61 tieriſchen Körpers. Die Regulierung derſelben wird teils durch Steigerung oder Herabſetzung der inneren Wärmebildung, teils durch vermehrte oder verminderte Abgabe der Wärme durch die Haut an die umgebende Luft bewirkt. Es liegt auf der Hand, daß je größer die Temperaturdifferenz zwiſchen Körperwärme und Außentemperatur und je größer die ſogenannte relative Luftfeuchtigkeit iſt(S. 55, 56), um ſo mehr Wäarme von der Körper⸗ oberfläche an die Luft abgegeben werden kann. Beſonders können daher extrem niedrige oder hohe Temperaturen die Geſundheit der Tiere weſentlich beeinfluſſen. a) Niedere Temperaturen werden im allgemeinen beſſer ertragen als höhere. Bei gut arbeitender Wärmeregulation(ſ. dieſe), gut entwickeltem Winterhaar bezw. bei hinreichender Bedeckung der Haut, bei reichlicher, in der Kälte durch lebhafteren Appetit angeregter, die Wärmeproduktion ſteigernder Ernährung und entſprechender, die Wärmebildung ebenfalls anregender Bewegung, werden Temperaturen von einigen Graden über oder unter Null von unſeren Haus⸗ tieren gut vertragen. Es tritt aber Abmagerung und bei jungen Tieren ziem⸗ lich raſch eine Verlangſamung des Wachstums ein, wenn bei dauerndem Aufent⸗ halt in der Kälte und bei ungenügender Bewegung die zur Unterhaltung der regulatoriſch geſteigerten Wärmebildung erforderliche Menge von Brenn⸗ material, d. h. von Nahrung nicht zugeführt, und der Organismus infolge⸗ deſſen in die Notwendigkeit verſetzt wird, bereits gebildetes Körpermaterial hierzu zu verwenden. Dauernder Aufenthalt in zu kühler Luft iſt daher, wenn auch nicht direkt geſundheitsſchädlich, doch unwirtſchaftlich deshalb, weil zur Erhaltung eines gewiſſen Körpergewichts eine größere Menge von Futter nötig iſt, als bei Temperaturen von+ 10 bis 18⁰ C. Je weniger der Körper imſtande iſt, bei zu ſtarkem Sinken der Außen⸗ temperatur ſeine Normaltemperatur zu erhalten, um ſo näher liegt die Gefahr des Erfrierens. Mit dem Sinken der Körpertemperatur wird die Thätigkeit aller Gewebszellen, beſonders der des alle Organvorrichtungen regelnden Nervenſyſtems, ſo herabgeſetzt, daß die Lungen⸗ und Herzthätigkeit und die Thätigkeit des Gehirns immer mehr abnimmt, Schläfrigkeit, Bewußtloſigkeit und ſchließlich Aufhören aller Lebenserſcheinungen eintritt, wenn die Blut⸗ wärme auf— 18 bis 200 geſunken iſt. Indes iſt dieſer Ausgang bei Tieren doch recht ſelten, da deren dickere Haut und ihre mehr oder weniger dichte Winterhaardecke die Wärmeabgabe ſo erheblich erſchwert, daß mit Hilfe ge— ſteigerter Wärmebildung, bei der meiſt ein großer Teil der eigenen Körper⸗ ſubſtanz mitverbraucht wird und ſtarke Abmagerung eintritt, eine zu ſtarke Abkühlung des Blutes vermieden wird.— Häufiger treten hingegen lokale Erfrierungen an den hervorragenden Körperteilen(Ohren, Schwanzſpitze, der Haut, der Fußenden ꝛc) in Folge des Aufhörens der Cirkulation des Blutes und der Ernährung in demſelben ein. Im allgemeinen werden ältere Tiere niedere Temperaturen beſſer er⸗ tragen können als junge, deren regulatoriſche Einrichtungen noch nicht ge⸗ nügend funktionieren; gut genährte beſſer als magere, weil ſchon das Fettpolſter unter der Haut der erſteren ein ſchlechter Wärmeleiter, außerdem aber auch ein leicht verdaulicher, die Wärmebildung ſteigernder Körper⸗ beſtandteil iſt. Ebenſo ſind Gattungsverſchiedenheiten inſofern vorhanden, als Schafe hohe Kältegrade wegen ihres dicken Wollkleides beſſer vertragen, als alle anderen Haustiere. 62 Aeußere Krankheitsurſachen. b) Für höhere Lufttemperaturen gilt nach dem oben Geſagten der Satz: Höhere Lufttemperaturen wirken um ſo nachteiliger auf den Geſundheitszuſtand der Tiere ein, je mehr ſich die— ſelben der Auuſpmüm nähern und je feuchter und weniger bewegt die Luft iſt. Die nächſte ſichtbare Geſundheitsſtörung iſt eine Beſchleunigung des Atmens, hierdurch vermehrter Blutzufluß zur Lunge und event. Lungen⸗ ſchlagfluß infolge des letzteren. Weiter eine Neigung zu Blutandrang nach dem Kopfe, Schwindel, Betäubungs⸗ oder Erregungszuſtände, bedingt durch ſtarke Erweiterung der Blutgefäße des Gehirns und vermehrtes Blut⸗ einſtrömen in dieſelben(Gehirnſchlagfluß). Bei ſehr warmer und feuchter Luft und dadurch erheblich erſchwerter Wärmeabgabe, namentlich bei gleich⸗ zeitig guter Ernährung und ſtärkerer Arbeitsleiſtung, wodurch die Wärme⸗ bildung geſteigert wird, tritt infolge der abnormen Wärmeaufſpeicherung im Körper zunehmende Ermattung, Schläfrigkeit, ſchließlich Bewußtloſigkeit, Krämpfe und unter allmählichem Erlöſchen der Herz⸗ und Lungenthätigkeit der Tod als ſogenannter Hitzſchlag ein. Hochgradige Einwirkung direkter Sonnen⸗ ſtrahlen auf die Körperoberfläche hat eine ſogenannte Inſolation zur Folge. Die betreffenden Hautteile röten ſich erheblich und ſchuppen hierauf ſtark ab, oder dieſelben ſterben geradezu ab, und verwandeln ſich in trockene, lederartige Schorfe (trockener Hautbrand,, wie dies namentlich bei Pferden an den weißen Abzeichen beobachtet worden iſt. Treffen die direkten Sonnenſtrahlen beſonders den Schädel, ſo kommt es zu ſtarkem Blutandrange nach dem Gehirn, Raſereianfällen und zum Tod durch Gehirnlähmung, ſogenanntem Sonnenſtich. Die individuelle und Gattungsempfindlichkeit gegen höhere Wärmegrade verhält ſich gerade umgekehrt, wie die gegen niedere Temperaturen(ſiehe dieſe). c) Der Wechſel von kalter und warmer Temperatur wirkt, wenn die Temperaturdifferenzen mäßig ſind und nicht zu plötzlich ein⸗ treten, nicht nur nicht nachteilig ſondern ſogar anregend. Plötzlicher und erheblicher Temperaturwechſel ruft dagegen ſogenannte Erkältungen und hierdurch eine Reihe von Erkrankungen hervor, über deren inneren Zuſammenhang mit der plötzlichen Abkühlung des Körpers man nichts Sicheres weiß. Für eine ganze Reihe ſolcher Erkältungskrankheiten (z. B. Lungenentzündungen, Bruſtfellentzündungen, ſogenannten rheumatiſchen Starrkrampf, Gelenkrheumatismus, viele Formen der Euterentzündungen ec.) hat man beſtimmt das Zuſammenwirken von Bakterien mit der Erkältung nachgewieſen, während man für eine große Anzahl anderer Erkältungs⸗ krankheiten(gemeinſam als katarrhaliſche und rheumatiſche bezeichnet) einen ſolchen Zuſammenhang nicht nachzuweiſen vermocht hat und die Er⸗ kältung als die alleinige Urſache derſelben bezeichnen muß. 3. Luftdruck. Die über jedem Punkt der Erde ſchwebende Luftſäule ruht mit einem gewiſſen, mit Hülfe des Barometers meßbarem Drucke auf dem⸗ ſelben. Da feſtgeſtellt iſt, daß am Meeresufer eine 760 mm hohe, ſagten liger die⸗ niger g des gen⸗ nach durch Blut⸗ uchter lleic⸗ irme⸗ g im mit dem⸗ hohe, Atmoſphäriſche Verhältniſſe. 63 1 dem im Durchmeſſer haltende Queckſilberſäule durch die darüber be⸗ findliche Luftſäule im Gleichgewicht gehalten wird, dieſe Queckſilberſäule aber ca. 1 kg wiegt, ſo geht daraus hervor, daß auf jedem qem der Erdoberfläche und der Oberfläche des Tier- und Menſchenkörpers ein Gewicht von 1 kg laſtet. Dieſer gewaltige(auf dem Pferdekörper ca. 1 030 Ctr. betragende) Druck wird aber nicht empfunden, weil der Körper ſelbſt lufthaltig iſt. Je höher wir in die Atmoſphäre(bei Bergbeſteigungen, Ballonfahrten ec.) gelangen, um ſo geringer wird der Luftdruck, um ſo dünner wird die Luſt; und umgekehrt. Auf die Geſundheit der Tiere ſind die Druckſchwankungen der Atmoſphäre, wie ſolche unter gewöhnlichen Lebensverhältniſſen vor⸗ kommen, ohne jeden ſicher nachgewieſenen Einfluß;(bei Abnahme des Luftdruckes ſoll die Zahl der Milzbrandfälle zunehmen, das Kalbefieber in ſeinem Verlaufe bösartiger ſein). 4. Luftbewegung. In der Atmoſphäre findet unausgeſetzt eine Luftbewegung ſtatt, die als die Folge des Ausgleiches zwiſchen den verſchiedenen Temperatur— verhältniſſen der Atmoſphäre der Erdoberfläche(zwiſchen warmer Aequatorial⸗ und kalter Polarluft) und der Wärmeausſtrahlung von Land und Meer zu betrachten ſind und als Winde bezeichnet werden. Die innerhalb ge⸗ ſchloſſener Räume durch Temperaturdifferenzen zwiſchen Innen⸗ und Außenluft entſtehende Luftbewegung wird ſpeziell als Zugluft be⸗ zeichnet. Ddie Schnelligkeit der Luftbewegung iſt eine ſehr verſchiedene. Selbſt bei anſcheinender Windſtille beträgt dieſelbe ca. 1 m in der Sekunde. Von der Schnelligkeit der Luftbewegung iſt der Druck derſelben auf die Umgebung abhängig. Derſelbe beträgt auf das am bei einer Schnelligkeit von 0,5 m in der Sekunde 0,15 kg, bei 3— 7 m(mäßiger Wind) 1—6 kg, bei 11— 17 m(ſtarker Wind) 15— 35 kg, bei 30 m(Sturm) 90 kg. In geſundheitlicher Beziehung gilt folgendes: Schwache Luftbewegung, mäßiger Wind, entfernt die durch die gasförmigen Produkte des tieriſchen Stoffwechſels, der Verweſung und Fäulnis (S. 53, 54), ſowie durch Staubteilchen(S. 58) ꝛc. verunreinigte Luft, verteilt dieſelben in der Atmoſphäre und ermöglicht den Zutritt friſchec, reiner Luft zu den Atmungsorganen.— Starke Winde und Stürme können, wenn ſie zugleich kühl und feucht ſind, durch zu ſtarke Wärme⸗ abgabe Erkältungen bedingen, bei großer Trockenheit und Wärme dem Körper viel Feuchtigkeit entziehen, und beim Gegenlaufen das Atmen erſchweren.— Hieraus ergiebt ſich zugleich, daß hierbei die Windrichtung inſofern von einem gewiſſen Einfluß iſt, als Süd⸗ und Südweſtwinde warm und feucht ſind, die Wärmeabgabe erſchweren und erſchlaffend wirken, auch die 64 Krankheitsurſachen. Entwicklung von Infektionserregern(S. 45) begünſtigen, weil Feuchtigkeit und Wärme deren unentbehrliche Lebensbedingungen darſtellen; Nord⸗ und 3 Nordoſtwinde ſind kalt, trocken und begünſtigen die Entſtehung von Erkältungskrankheiten, beſonders der Atmungsorgane. von hde . 22 Nach 5. Luftelektrizität. ſi Die atmoſphäriſche Luft enthält zu jeder Zeit gewiſſe Mengen von In Elektrizität, welche mit der Höhe der Luftſchicht und deren Feuchtigkeits⸗ er gehalt, ſowie bei Wolkenbildung, zunimmt und ſchließlich zu elektriſchen 5 Entladungen, Gewittern, führt. few Einen geſundheitlichen Einfluß der Luftelektrizität auf die Tiere 1 uud hat man bisher noch nicht mit Sicherheit nachzuweiſen vermocht, Aufß außer dem jener plötzlichen elektriſchen Entladungen, welche ihren Weg abge durch den tieriſchen Körper nehmen und als Blitzſchläge bezeichnet Gr werden. Dieſe bedingen entweder den ſofortigen Tod durch Lähmung des. geſamten Nervenſyſtems(ſ. Selbſtſchutzeinrichtungen), oder dauernde oder indim vorübergehende Lähmungen einzelner Teile desſelben. Die gleichzeitig vor⸗ kommenden Hautverbrennungen ſind von nebenſächlicher Bedeutung. Lict veni eben b 1 6. Witterung und Klima. 75 witk Witterung iſt der jeweilige, durch die Feuchtigkeits-⸗, Temperatur⸗ du und Druckverhältniſſe der Luft bedingte Zuſtand der Atmoſphäre, während. als Klima die Summe der Witterungsverhältniſſe einer Gegend in 1 längeren Zeitabſchnitten bezeichnet wied. lnn Beide ſind von Einfluß auf den Geſundheitszuſtand der ung Tiere und zwar weſentlich durch diejenigen oben genannten Verhältniſſe äd der Atmoſphäre, welche jeweilig in den Vordergrund treten und nach tm denen auch beide in der Regel bezeichnet zu werden pflegen. Man de ſpricht z. B. von feuchter oder windiger Witterung, heißem Klima ꝛc. dict Die Bedeutung der Witterung als äußere Krankheitsurſache kij ergiebt ſich hiernach bei Berückſichtigung des Seite 56 ff. Dargelegten von ſelbſt. Bezüglich des Klimas noch folgendes. Dasſelbe wird weſentlich beſtimmt durch die geographiſche Lage des betreffenden Ortes, ſeine Ent⸗ fernung vom Meere und ſeine Höhenlage über der Meeresoberfläche. Die Lehre von dem Einfluß des Klimas auf den Geſundheitszuſtand der Menſchen und Tiere wird als hygieniſche Klimatologie bezeichnet. Für Tiere fehlt eine ſolche ſo gut wie vollſtändig. Wir wiſſen hierüber eigentlich nur, daß in heißen Klimaten die Krankheiten der Verdauungs⸗ organe, in kalten die der Reſpirationsorgane überwiegen ſollen. Die bis in die Neuzeit behauptete Anſicht, daß unter dem Rindvieh des Höhen⸗ uu klimas die Tuberkuloſe ſeltener vorkomme, iſt nicht in dem Umfange zu àA beſtätigen, als man dies bisher angenommen hat. dan kkeit und von Atmoſphäriſche Verhältniſſe. 65 VII. Das Licht. Wie die Temperatur der Atmoſphäre, ſo iſt auch das Licht abhängig von den Strahlen der Sonne. Der Einfluß des Lichtes auf die Geſundheit ergiebt ſich aus der durch Verſuche feſtgeſtellten Thatſache, daß Tiere und Menſchen bei Nacht und im Dunkeln weniger O aufnehmen und weniger 002 aus⸗ ſcheiden. Demnach begünſtigt das Licht die Stoffwechſelvorgänge, die Kraft⸗ und Wärmebildung und eine lebhaftere, energiſchere Nerventhätigkeit: die Tiere gedeihen beſſer.— Mangel an Licht wird infolge der Herabſetzung der Stoffwechſ Apropeſſe von allem das Gegenteil bewirken. Hierbei iſt jedoch darauf hinzuweiſen, daß infolge der Herabſetzung der Stoffwechſelprozeſſe die Verbrennung der aufgenommenen Eiweißkörper eine unvollſtändigere und daß das daraus abgeſpaltene Fett wegen verminderter Aufnahme nicht vollſtändig zerlegt, ſondern zum Teil als ſolches im Körper abgelagert wird. Dunkelheit des Stalles begünſtigt bis zu einem gewiſſen Grade alſo thatſächlich den Fettanſatz(ſ. S. 78). Sue die Einwirkung des Lichtes wird auch das Sehorgan und indirett die Gehirnthätigkeit beeinflußt. Längerer Aufenthalt im Dunkeln vermindert die Sehſchärfe. Zu grelles Licht ſoll in ganz extremen Fällen ſofortige Erblindung, bei längerer Einwirkung weniger greller, aber immerhin noch ungewöhnlich ſtarker Lichtſtrahlen ebenfalls eine Herabſetzung der Sehſchärfe zur Folge haben. Schneller Wechſel von grellem Sonnenlicht und tiefem Schatten ſcheint bei Pferden Schwindelanfälle erzeugen zu können; außerdem ſteht feſt, daß die Ein⸗ wirkung greller Sonnenſtrahlen bezw. ſehr hellen Lichtes bei entzündlichen Zuſtänden des Gehirns Tobſuchtsanfälle hervorrufen kann. Einen für die Geſundheitspflege ſehr wichtigen und zwar ab⸗ ſchwächenden, ſelbſt abtötenden Einfluß beſitzt das Licht auf eine große Anzahl von krankheitserregenden Bakterien, ſo daß ſolches einen nicht ge— ringen Wert als Desinfektionsmittel(S. 39) beanſpruchen darf. Vor allem wirkt das Licht auf die Tuberkelbazillen außerordentlich ſchädigend inſofern ein, als das direkte Sonnenlicht dieſelben ſchon in wenigen Stunden, zerſtreutes Tageslicht in wenigen Tagen abtöten kann. Ebenſo wird die Giftigkeit von Milzbrand⸗, Cholera⸗ und Typhusbazillen durch helles Licht weſentlich herabgeſetzt, das Abſterben der betreffenden Kulturen erfolgt bei ſolchem erheblich raſcher, wie im Dunkeln. III. Die Ernährungsverhältniſſe*). I. Ernährung und Stoffechſel im allgemeinen. Zum Verſtändnis der Ernährungsverhältniſſe iſt es nötig, folgendes vora uszuſchicken. *) Eine ſpeziellere Darſtellung dieſer Verhältniſſe ſ. in der rationellen Fütterung der landwirtſchaftlichen Nutztiere von Dr. E. Wolff, 6. Aufl. Verlagsbuchhandlung Paul Parey, Berlin, 1896. Preis 2,50 M. Derſelben wird im Nachſtehenden weſentlich gefolgt. Johne. 5 66 Aeußere Krankheitsurſachen. Der tieriſche Organismus ſetzt ſich zuſammen aus einer Unzahl kleinſter Formbeſtandteile, den ſogenannten Zellen. Es ſind das kleine, verſchieden geformte(Fig. 1), aus einer lebenden Eiweißſubſtanz(Proto- plasma) beſtehende Klümpchen, welche meiſt hüllenlos ſind und im Innern einen Kern beſitzen. Dieſe Zellen ſetzen ſich zu den verſchiedenen Ge— weben und Organen des Körpers zuſammen, welche vom Blute, der be⸗ kannten, roten, undurchſichtigen Flüſſigkeit durchſtrömt und ernährt werden. Im Blute ſchwimmen in unendlichen Mengen jene ſchon(S. 53) er⸗ wähnten roten und farbloſen Blutkörperchen; außerdem ſind in demſeben alle diejenigen Stoffe gelöſt, welche zur Ernährung der Zellen und Gewebe dienen ſollen. Das Blut ſtrömt in letzteren nicht frei, ſondern fließt in einem allſeitig geſchloſſenen Röhrenſyſtem, den Blutgefäßen, deſſen Zentralſtelle das Herz Fig. 97. Kreislauf⸗Schema. iſt. Letzteres bildet einen kegelförmigen Hohlmuskel(Fig. 97) mit ziemlich dicken Wänden, in welchen ſich vier durch Klappen(x) und eine Längs⸗ ſcheidewand(s) von einander getrennte Hohlräume, nämlich zwei oben liegende kleinere Vor⸗(r,!) und zwei darunter liegende größere Herzkammern (R, L) befinden. Indem ſich dieſe Kammern während des Lebens unaus⸗ geſetzt abwechſelnd zuſammenziehen(kontrahieren) und erweitern, wird mit Hilfe der ventilähnlich wirkenden Klappen(X) das Blut wie durch eine Druck⸗ und Saugpumpe in einen unausgeſetzten K reislauf(Blut⸗ zirkulation) erhalten, und zwar geſchieht dies in folgender Weiſe. Durch Zuſammenziehung der linken Herzkammer(I.) wird das Blut in die beiden großen Hauptblutgefäße, die vordere und hintere Aorta, hineingetrieben. Dieſe bilden den Anfang eines Syſtemes ſich immer mehr veräſtelnder und dabei immer enger werdender, elaſtiſcher Röhren, Schlag⸗, Pulsadern nzahl leine, Toto. mern Ge⸗ r be⸗ eden. ſeitig deri emlich ängs⸗ egende mern nalls⸗ d mit h eine Blut⸗ Durch beiden rieben. er und adern Ernährungsverhältniſſe. 67 oder Arterien, welche ſich ſchließlich in ein dichtes Netz ganz feiner, zarter Blutgefäße, die Haargefäße oder Kapillaren(c) auflöſen, welches alle Gewebe des Körpers(mit Ausnahme des Knorpels) dicht durchzieht. Durch die Wandungen dieſer feinen Haargefäße treten ununterbrochen die zur Er⸗ nährung der Gewebe nötigen Stoffe, beſonders auch der Sauerſtoff(S. 52), gelöſt in dem flüſſigen Beſtandteil des Blu⸗ 2 2 2 7* tes(dem Plasma) 1 heraus, andere zur Ernährung unbrauch⸗ bar gewordene Stoffe, vor allem die beim Ernährungsvorgange gebildete Kohlenſäure (S. 53) in die Blut⸗ gefäße ein. Aus dem Haargefäßnetz ſam⸗ melt ſich das Blut wieder in allmählich immer weiter werden⸗ den und mit einander ſich vereinigenden, nach dem Herzen zurückführenden Ge⸗ fäßen, den Venen oder Blutadern, an, bis es ſich ſchließlich in zwei großen Haupt⸗ ſtämmen, der vor⸗ deren und hinteren Hohlvene in die rechte Vorkammer des Herzens ergießt. Von dort wird es in die 38. G aiczer Durahſchuttt der Dinnd d zun rechte H erzkammer Daeſtellung der Wawmraotten. hehnitt ddr Rünndaruwwonde zn und von da weiter drüſen. a, a“, au, au Darmzotten, b das dieſelben bedeckende durch die Lungen⸗ Epithel,« das Blutgefäßnetz im Innern der Darmzotten arterie(h) in die Lunge(i) gepreßt. Hier veräſtelt ſich erſtere wieder in ein ſehr feines Haargefäß⸗ netz, welches die Lun⸗ (Arterien ſchwarz, Venen quer geſtrichelt,, d Lymphgefäß im Innern der Darmzotten, a“ das ſich aus denſelben zuſammen⸗ ſetzende feine Lympfgefäßnetz, welches ſich in der Darmſchleim⸗ haut k verzweigt, e die in der Darmſchleimhaut k eingelagerten Drüſen, f eine Schicht platter Muskelfaſenn(Muscularis mu- cosae), g das die Schleimhaut mit der Muskelhaut des Darmes verbindende lockere Bindegewebe, h die Kreismuskelfaſerſchicht quer durchſchnitten, h“ die Längsmuskelfaſerſchicht, i der Bauch⸗ genbläschen(Fig. 94d) fellüberzug der Darmwand.. umſpinnt, aus der von dieſen eingeatmeten Luft, wie ſchon S. 52 erwähnt, den Sauerſtoff auf⸗ nimmt und die Kohlenſäure dafür an dieſe abgiebt. Dieſes, wie man zu ſagen pflegt, gereinigte, d. h. zur Unterhaltung der Stoffwechſelprozeſſe wieder geeignet gewordene Blut, fließt nun wieder durch die Lungenvene zur linken Herzvorkammer(!) und von dort zur linken Herzkammer(L) zurück, um den Kreislauf von neuem zu beginnen.— Von der hinteren Aorta gehen innerhalb der Bauchhöhle noch zwei große(in der Fig. 97 als ein Stamm, 5* 68 Aeußere Krankheitsurſachen. m, dargeſtellte) Arterien ab, welche den geſamten Verdauungsapparat(in der Fig. 97 durch ein Stück Darm angedeutet) mit Blut verſorgt. Hier ver⸗ äſteln ſich die Arterien vor allem in der Schleimhaut des Darmes, beſonders auch in den feinen zottigen Verlängerungen ſeiner Schleimhaut, den ſo⸗ genannten Darmzotten(Fig. 98 a, a“, a“, a“¹). Aus dieſen Haargefäßnetzen (n in Fig. 97, c in Fig. 98) entſpringt die große Vene o, die ſogenannte Pfortader, welche in die Leber eintritt, ſich in dieſer wieder zu einem feinen Haargefäßnetz veräſtelt(Fig. 97 p), aus dem die Lebervenen(0) entſpringen, welche das Blut wieder der hinteren Hohlvene zuführen. Neben dieſem Blutgefäßſyſtem durchzieht den ganzen Körper noch ein zweites feines, ſehr reich verzweigtes Kanalſyſtem, das Lymphgefäßſyſtem. Dieſes beginnt überall im Körper in Form feiner Spaltlücken im Gewebe und hat den Zweck, die aus den Blutgefäßen austretende Ernährungs⸗ flüſſigkeit, welche als ſogenannter Plasmaſtrom oder Gewebslymphe die Zellen des Gewebes durchdringt und umſpült, ſowie die ſich darin löſenden Stoffwechſelprodukte der Gewebszellen wieder abzuführen, ſoweit dieſelbe nicht für die Zwecke der Ernährung und Wärmebildung Verwendung gefunden hat. Der aus dieſem Lymphgefäßſyſtem, deſſen Ausläufer auch bis in die Darmzotten(Fig. 98 a⸗) hineinragen(d), hervorgehende Haupt⸗ ſtamm führt ſeinen flüſſigen, als Lymphe bezeichneten Inhalt der vorderen Hohlvene kurz vor deren Einmündung in das Herz wieder zu. In das Blut gelangen die zur Ernährung nötigen Stoffe vom Darm aus, nachdem ſie durch die beim Kauen erfolgte Einſpeichlung, durch die Einwirkung des Magenſaftes, der Galle und des Saftes der Bauchſpeichel⸗ drüſe und der zahlreichen Darmdrüſen(Fig. 98 e) aufgelöſt, bezw. vorher in lösliche Form übergeführt worden ſind. Die Aufſaugung (Reſorption) vom Darme aus erfolgt teils durch die in den Darmzotten liegenden Lymphgefäße(d), teils durch das dieſelben umſpinnende Blut⸗ gefäßnetz(c). Die Zellen haben die Fähigkeit, die ihnen mit dem Blute und dem Plasmaſtrom oder der Gewebslymphe zugeführten Stoffe in ſich aufzunehmen, und wie ſchon S. 1 angedeutet, teils direkt in neue Zellenſubſtanz umzuwandeln, teils mit Hilfe des ihnen gleichzeitig zugeführten Sauerſtoffes in ein⸗ fachere Verbindungen zu zerlegen(zu oxydieren, zu verbrennen) und hierbei gewiſſe Stoffe— Stoffwechſelprodukte— abzu⸗ geben. Die Stoffaufnahme und Verarbeitung zu neuer Zellen⸗ ſubſtanz hat das Wachstum der Zelle und deren Vermehrung durch Teilung zur Folgez die Stoffzerlegung iſt die Quelle der tieriſchen Kraft und Wärme. Da dieſe Zerlegungs⸗ oder Oxrydationsprozeſſe, bei denen ein mehr oder weniger großer Teil der Zellenſubſtanz ſelbſt mit zerlegt wird, un— unterbrochen ablaufen, ſo iſt natürlich ein ebenſo ununterbrochener Wieder⸗ erſatz der verbrauchten Zellen- bezw. Körperſubſtanz notwendig, wenn die geſchilderte, zur Erhaltung des Lebens unentbehrliche Zellenthätigkeit nicht erheblich herabgeſetzt werden bezw. erlöſchen, d. h. das Tier erkranken oder ſterben ſoll. alo ſen ſam arm die ichel⸗ dezw. gung otten Plut⸗ lute rten tet, mit ein⸗ nen) bzu⸗ llen⸗ rung uelle nehr „u⸗ ieder⸗ m die nicht moder Ernährungsverhältniſſe. 69 Subſtanzen, welche geeignet ſind, dieſen Zweck zu erfüllen, werden als Nahrungsmittel bezeichnet. Dieſe müſſen ſelbſtverſtändlich alle die⸗ jenigen Stoffe— Nährſtoffe— enthalten, aus denen ſich der Körper zu⸗ ſammenſetzt. II. Beſtandteile des Tierkörpers. Der Körper beſteht zunächſt aus Waſſer- und Trockenſubſtanz. a) Das Waſſer bildet das unentbehrliche Löſungsmittel aller Nährſtoffe und wird mit dieſen in den verſchiedenen tieriſchen Geweben, allerdings in ſehr verſchiedener Menge, ein weſentlicher Beſtandteil derſelben, vor allem des Blutes und aller anderen tieriſcher Flüſſigkeiten. Im Durchſchnitt wird ca. 60% des Lebendgewichtes des Tierkörpers vom Waſſer gebildet. b) Die Trockenſubſtanz iſt teils organiſcher, teils unorganiſcher Natur, erſtere teils ſtickſtoffhaltig, teils ſtickſtofffrei. a. Die organiſchen Körperbeſtandteile. aa. Stickſtoffhaltige(Nh) oder Eiweißkörper. Dieſe bilden ca. 22% der geſamten Trockenſubſtanz und treten in zwei bezw. drei verſchiedenen Gruppen im Körper auf: als eigentliche Eiweißſtoffe, Eiweiß im engeren Sinne und als Eiweißabkömmlinge, das ſind die leim⸗ gebenden Subſtanzen(Glutinoide) und die Horngebilde(Keratine). Die letzteren beiden entſtehen aus der erſteren Gruppe, nicht aber umgekehrt, trotzdem ſämtliche eine nahezu vollſtändig gleiche chemiſche Zuſammenſetzung haben(Kohlenſtoff C 50,6— 54,5, Waſſerſtoff H6,6—7,3, Stickſtoff N 15,0— 17,2, Schwefel 8 0,8— 2,2, Phosphor 0,42— 0,85 und Sauerſtoff 0 21,5— 23,5%) beſitzen. Die eigentlichen Eiweißkörper kommen im Körper in mancherlei Modifikationen vor. Im allgemeinen bilden ſie die wichtigſten Körper⸗ beſtandteile, aus denen ſich vor allem die Subſtanz der tieriſchen Zelle(S. 66) zuſammenſetzt, von deren Thätigkeit alle Aeußerungen des Lebens ab⸗ hängig ſind. bb. Stickſtofffreie(Nfr.). Die Hauptmenge derſelben bildet das Fett (76,5 C, 12,0 H, 11,5% 0), Verbindungen der Palmitin⸗, Stearin⸗ und Oleinſäure mit Glyzerin, welches ca. 45% der geſamten Trockenſubſtanz ausmachen. Mit Ausnahme des Blutes, im dem es nur zu 0,1— 0,3% vor⸗ kommt, iſt das Fett in zum teil nicht unerheblichen Mengen in nahezu allen Geweben des tieriſchen Körpers enthalten. Seine Menge wechſelt indes erheblich mit dem Ernährungszuſtande. Außer dem Fett iſt von ſtickſtofffreien Subſtanzen im Körper noch ein funktionell nicht unwichtiges Kohlehydrat, das Glykogen, zu erwähnen, welches gegenüber den Fetten und Eieifkörpern aber hinſichtlich ſeiner Menge nur eine untergeordnete Stelle als Gewebsbeſtandteil ſpielt. b. Die unorganiſchen, mineraliſchen oder Aſchenbeſtandteile des Körpers. Ihre Geſamtmenge beträgt rund beim Rind 4—5, bei Schafen 2,8— 3,5, bei Schweinen 2— 3% des Lebendgewichtes. Beſonders reichlich ſind ſie in den Knochen enthalten, wo ihre Menge nach der Geburt 50, im höheren Alter bis 75% beträgt. ⁴ der geſamten mineraliſchen Beſtandteile des Knochens ſind Kalk und Phosphorſäure, der Reſt beſteht aus Kali, Natron, 70 Aeußere Krankheitsurſachen. Magneſia, Eiſen, Thon, Schwefelſäure, Kohlenſäure und Spuren von Kieſel⸗ ſäure. Alle dieſe Mineralſtoffe bilden teils in Verbindung mit den Eiweißſubſtanzen einen unentbehrlichen, konſtituierenden Beſtandteil der Gewebszellen, ohne welche eine Neubildung der im Stoffwechſel durch die ſchon erwähnten Oxydations⸗ prozeſſe(S. 68) ununterbrochen zerlegten Zellenſubſtanz(Protoplasma) nicht möglich ſein würde. Ein anderer Teil derſelben iſt in den Körper⸗ ſäften und Flüſſigkeiten aufgelöſt, ohne mit deren organiſchen Beſtandteilen in feſter Verbindung zu ſtehen. Sie werden, wie alle mineraliſchen Körperbeſtandteile mit der Nahrung aufgenommen, und ſobald ihre Menge in den Körperſäften einen gewiſſen Konzentrationsgrad überſteigt, durch die Nieren wieder ausgeſchieden. Durch letztere erfolgt auch die Ausſcheidung derjenigen Mineralſtoffe, welche bei den ununterbrochenen Verbrennungs⸗ vorgängen der Eiweißſubſtanzen ꝛc. frei werden, ſoweit ſie nicht vor ihrer Ausſcheidung mit den mit dem Blute neuzugeführten Eiweißſubſtanzen neue molbindungen eingehen und von neuem zur Zellenbildung Verwendung finden. III. Die Nährſtoffe. Als ſolche können, wie ſchon oben angedeutet, nur ſolche Subſtanzen dienen, welche entweder ſelbſt Beſtandteile des Körpers ſind oder aus welchen ſolche durch den Organismus ſelbſt durch chemiſche Umſetzungs— prozeſſe gebildet werden können. Somit würden als Nährſtoffe für unſere pflanzenfreſſenden Haustiere in Betracht kommen: a. Das Waſſer. Waſſer wird ununterbrochen mit Harn, Schweiß, Lungenausdünſtung, Schleimabſonderung und Kot aus dem Körper ausgeſchieden und bedarf daher eines ſteten Erſatzes. Seine Aufnahme erfolgt teils als Trinkwaſſer, teils als Beſtand— teile der Nahrung, Vegetationswaſſer. Das Bedürfnis nach erſterem, das Durſtgefühl, wird um ſo geringer ſein, je mehr von dem letzteren mit der Nahrung aufgenommen wird. Außerdem wird das Waſſer⸗ bedürfnis beeinflußt von der Größe der Waſſerabgabe(ſ. o.) Eigenſchaften des Trinkwaſſers. Gutes Trinkwaſſer ſoll gleichmäßig kühl— ca. 9— 12° C., klar, farb⸗ und geruchlos und von angenehm erfriſchendem Geſchmack ſein. In chemiſcher Beziehung ſoll dasſelbe höchſtens 18—20 Härtegrade(d. h. in 1000 gr höchſtens 180— 200 Milligramm Calcium⸗ und Magneſiumverbindungen) beſitzen, nur ganz geringe Mengen von Chlor und Schwefelſäure, nur Spuren von Ammoniak, ſalpetriger Säure und organiſchen Subſtanzen und keinerlei Gifte oder organiſierte Krankheitserreger enthalten. Die Beſchaffenheit des Waſſers hängt ab 8 nzen alls ngs⸗ nſere ung, darf tand⸗ erem, ;eeren aſſer⸗ ſoll und tehung hſſtens n, nul 1 von einerlei Ernährungsverhältniſſe. 71 1. Vom Urſprung desſelben bezw. von der chemiſchen und phyſikaliſchen Beſchaffenheit des Bodens. Hiernach kommt in Frage: a) Das Regenwaſſer. Dasſelbe nimmt beim Herunterfallen durch die Luft alle in derſelben enthaltenen Gaſe und gas⸗ und ſtaubförmigen Verunreinigungen(S. 54 bis 60) auf Infolge ſeines Bakterienreichtums fault es leicht, der Mangel an mineraliſchen Subſtanzen in demſelben be⸗ dingt einen faden Geſchmack. b) Das Grundwaſſer bildet ſich aus den atmoſphäriſchen Nieder⸗ ſchlägen und dem Teil der Oberflächenwäſſer, welche in den Boden bis auf eine undurchläſſige Schicht des Untergrundes eindringen und ſich dort anſammeln. Tritt das Grundwaſſer an einer Stelle ohne menſchliches Zuthun frei zu Tage, ſo wird es als Quellwaſſer, wird es erſt durch eine künſtliche Oeffnung im Boden zugänglich gemacht, als Brunnen⸗ waſſer bezeichnet. Die Beſchaffenheit des Grundwaſſers iſt abhängig 1. von der Tiefe, aus welcher dasſelbe entnommen wird(Flach⸗ und Tiefbrunnen), und 2. von der chemiſchen und phyſikaliſchen Beſchaffenheit der Bodenſchichten, mit welchen es in Berührung kommt. Je grob⸗ poriger und zerklüfteter der Boden, je reicher derſelbe an organiſchen Sub⸗ ſtanzen iſt, umſomehr werden die letzteren im gelöſten oder ungelöſten Zuſtande bis zur Grundwaſſerſchicht gelangen, umſomehr Ammoniak, ſalpetrige Säuren und Chlorverbindungen, den Produkten der Zerſetzung organiſcher Subſtanzen, wird dasſelbe enthalten, und umſomehr wird das⸗ ſelbe den Verdacht erwecken, daß eine Kommunikation der betreffenden Brunnen mit Dungſtätten, Jauchengruben oder Aborten beſteht. In der Regel enthält das Grundwaſſer keine Bakterien, da der Boden meiſt ſchon in einer Tiefe von 3 m bakterienfrei iſt. Nur bei ſehr grob⸗ porigem, durchläſſigem Boden oder dann, wenn das Grundwaſſer bis zu bakterienhaltigen Bodenſchichten heranreicht, kann ſolches Bakterien enthalten, welche indes mangels geeigneter Lebensbedingungen meiſt raſch in demſelben zu Grunde gehen. Das aus größeren Tiefen kommende Quellwaſſer iſt daher nahezu bakterienfrei, während Brunnen, beſonders Flachbrunnen ſolche immer enthalten. c) Fluß⸗ und Bachwaſſer, eine Miſchung von Quell⸗ und Regen⸗ waſſer, ſowie vielfach von Induſtrie⸗ und Stadtabwäſſern, iſt meiſt ſehr arm an Kohlenſäure, enthält daher auch wenig Kalkſalze(iſt weich), aber viele gelöſte und ungelöſte, darin nur ſuſpendierte anorganiſche und organiſche Subſtanzen, inkl. Bakterien, welche dem Waſſer in ſeinem Verlaufe von der Erdoberfläche her zugeführt worden ſind. Die Erfahrung lehrt, daß ein großer, ja der größte Teil dieſer organiſchen Beimengungen durch die ſo⸗ genannte Selbſtreinigung der Flüſſe(durch Sedimentierung, chemiſche Zerſetzungen und Aufnahme bezw. Zerſetzung durch den Lebensprozeß der im Waſſer enthaltenen Infuſorien und kleinen pflanzlichen Lebeweſen, be⸗ ſonders Algen und Bakterien) wieder verſchwinden kann. Hiernach iſt der geſundheitliche Wert ſolcher fließenden Wäſſer zu beurteilen, der in ihrem Oberlaufe ein hoher ſein, im weiteren Verlaufe durch fortgeſetzte Verun⸗ reinigungen aber ein immer geringerer werden kann. d) Das Waſſer aus Seen beſitzt einen verſchiedenen hygieniſchen Wert inſofern, als Bergſeen meiſt ein ſehr reines, die in gewerbe⸗ und induſtriereichen Gegenden meiſt ein ſtark verunreinigtes Waſſer enthalten. 72 Aeußere Krankheitsurſachen. 2. Von der Waſſerreinigung. Da nicht alle natürlichen Wäſſer die oben(S. 70) bezeichneten erforderlichen Eigenſchaften beſitzen, ſo ſind ſie hierzu vor der Ver⸗ wendung geeignet zu machen. a) durch Kochen, da die Siedehitze alle bisher bekannten or⸗ ganiſierten Krank⸗ heitserreger tötet. Ge⸗ kochtes Waſſer hat aber ſeine erfriſchende Schmackhaftigkeit ver⸗ loren. b) durch Filtra⸗ tion. Dieſelbe erfolgt bei Regen⸗ und 527;1 Flußwaſſer da⸗ Wdnuin Filtierehſerne a. Dochinnee nelche das Regenweſer durch, daß man das⸗ lauf 5n n ddenrdere d Mululcg. dn Heler ſelbe in große aus⸗ gemauerte, mit feinem Sand oder mit ſchich⸗ tenweiſe übereinan⸗ derliegenden Steinen, Grob⸗ und Feinkies, Grob⸗ und Feinſand angefüllte Cyſternen — oder Gewölbe leitet, und durch dieſe Sand⸗ und Kiesſchichten ent⸗ weder von unten nach oben(Fig. 99) oder von oben nach unten (Fig. 100) filtriert. c) Bei Brunnen⸗ waſſer wird eine L S. .an RA AA N es 34 A ASANSA SRSN *8 8 &SGENRRNS — ‿8 8 AAA 1 NEKARNAN SNNNANN ☛‿‿ άέ 2 7 vto u r, A= 4A= 9. 85 7 2 8 Fig. 100. Durchſchnitt eines Filtierwerkes. a Zuleitung für Waſſerverbeſſerung das unreine Waſſer; v Filtiermauerwerk; c Steinmauerwerk; dadurch erreicht, daß d Feinſand; e Grobſand u. Feinkies; f Grobkies u. Steine. G. man die Brunnen aus der Nähe von Fäulnisquellen entfernt, mindeſtens 4—5 m tief, alſo bis unter die bakterien⸗ haltige Erdſchicht anlegt, waſſerdicht mauert und gut abdeckt. Statt des gemauerten Brunnenſchachtes dieſer ſogenannten Keſſelbrunnen kann man auch eiſerne Röhren bis zur erforderlichen Tiefe in den Boden treiben, auf deren oberen Teil die Pumpe ſitzt(Röhren⸗ oder abeſſyniſche Brunnen). 3. Von der Zuführung des Waſſers. Bleiröhren können dem Waſſer einen Gehalt von leicht löslichem Blei carbonat erteilen, wenn dasſelbe arm an Kalkſalzen und reich an freier Kol Ble 5t rein ber lege runnen he von ſterien⸗ att des n kamn treiben, niſche bslien an freie Ernährungsverhältniſſe. 73 Kohlenſäure iſt. Nur die inneren mit einer Zinnſchicht verſehenen ſogenannten Bleimantelrohre ſind zuläſſig. Ganz unbedenklich ſind Eiſen⸗, glaſierte Steinzeug⸗oder Cementröhren. Holzröhren faulen leicht und verun⸗ reinigen dann das Waſſer durch organiſche Beimengungen. b) Stickſtoffhaltige oder Eiweißkörper. Dieſelben werden nur in der Pflanzenzelle gebildet. Der Körper vermag ſie nicht zu erzeugen, ſondern nach ihrer Aufnahme nur zu zer— legen. Die Aufnahme der Eiweißkörper erfolgt je nach dem Nahrungs⸗ bedürfnis der verſchiedenen Tiergattungen(Fleiſch-, Pflanzen- und Alles⸗ freſſer): aa. als tieriſches Eiweiß(mit allen Nahrungsmitteln tieriſcher Abkunft), und zwar in Form echter Eiweißſtoffe,(Albumine= Cier⸗, Serum⸗ und Muskelalbumin, mit dem Eiweiß des Vogeleies, Blut und Fleiſch; Globuline⸗ Vitellin(Eigelb), Myoſin(Muskelſubſtanz), Serumglobulin(Blut), Fibrin⸗ ogen(Blut); Fibrine; Acidalbumine; Albuminate; Albumoſen, Peptone), zuſammengeſetzter Eiweißkörper(Proteide= Blut⸗ farbſtoffe, Caſeine; Glycoproteide= Mucine, Metalbumin, Chondrin) und Eiweißabkömmlingen(Albumoide= Keratine, Nucleine; Gela⸗ tinoide= Collagen und Glutin). bb. als pflanzliches Eiweiß, und zwar in Form von Pflanzen⸗ albumin, Pflanzenkaſein oder Pflanzenglobulin(Legumin, weſent⸗ licher Beſtandteil der Samen der Leguminoſen, Glutinkaſein in den Oel⸗ ſamen; Konglutin in den Lupinen, Haſel⸗ und Wallnüſſen, ſüßen und bitteren Mandeln ꝛc.), Kleberprotein oder Pflanzenfibrin(Gliadin, in Weizen und Hafer; Mucedin in Weizen, Roggen, Gerſte; Glutenfibrin (in den Samen aller Cerealien) und einer Reihe namentlich in Keimlingen, einzelnen Knollen und in jugendlichen grünen Pflanzen vorkommenden Eiweiß⸗ abkömmlingen und Eiweißvorſtufen, welche als Amidverbindungen (Asparagin, Glutamin, Betain, Leucin, Tyroſin ꝛc.), Peptone, Glykocide (Amygdalin, Solanin ꝛc., beſonders in den Samenkörnern verſchiedener Hülſen⸗ und Oelfrüchte) und Alkaloide(letztere höchſtens als Lupinin in den Lupinen) bezeichnet werden. Die verſchiedenen ſtickſtoffhaltigen organiſchen Subſtanzen der Pflanzen⸗ nahrung werden in ihrer Geſamtmenge als Rohprotein bezeichnet. c) Stickſtofffreie Nährſtoffe. aa. Kohlehydrate. Dieſelben ſind in der Pflanzennahrung außer⸗ ordentlich verbreitet und werden weſentlich nur mit dieſer aufgenommen. Man unterſcheidet ſolche der Traubenzuckergruppe Cs Hà 06(Trauben⸗ zucker, Lävuloſe, ꝛc.), der Rohrzuckergruppe(Cie H½ Ou(Saccharoſe oder Rohrzucker, Maltoſe oder Malzzucker, Laktoſe oder Milchzucker) und die Stärkegruppe(Amylum oder Stärke, Celluloſe oder Pflanzenfaſer in Ver⸗ bindung mit Lignin, Inulin, Dertrin, Glykogen oder tieriſcher Stärke, Pflanzen⸗ gummi und tieriſcher Gummi). Die Celluloſe wird bei der Zuſammenſetzung einzelner Futtermittel als Rohfaſer bezeichnet und von den übrigen Kohlehydraten, die als ſtickſtoff⸗ freie Extraktivſtoffe bezeichnet werden, getrennt aufgeführt. 74 Aeußere Krankheitsurſachen. bb. Fette. Dieſe ſind weſentlich im Tierkörper, bei den Pflanzen vorzugsweiſe in den Samen enthalten. Im Grün⸗ und Rauhfutter finden ſie ſich nur zu 1 bis 3 pCt. der Trockenſubſtanzen. Man bezeichnet die Pflanzenfette in der Fütterungslehre im allgemeinen als Rohfette und verſteht darunter alles, was ſich aus der Trockenſubſtanz des Futtermittels mit Aether ausziehen läßt. d) Die mineraliſchen Nährſtoffe. Die oben(S. 69) als Beſtandteile der tieriſchen Gewebe und Säfte genannten mineraliſchen Körperbeſtandteile(ſogenannte Aſchenbeſtandteile) finden ſich ſowohl in der aus dem Pflanzen- als auch aus dem Tierreich ſtammenden Nahrung in genügender Menge vor. Die Aufnahme der⸗ ſelben mit erſterer geſchieht hauptſächlich in Form pflanzenſaurer Salze, mit letzterer beſonders in der von phosphor- und kohlenſauren Salzen. Eine beſondere Bedeutung unter den mineraliſchen Nährſtoffen, deren Mangel in der Nahrung durch beſondere Beigabe derſelben zum Futter abgeholfen werden muß, beanſpruchen: 1. Das Kochſalz, und zwar einmal als Rohmaterial zur Bildung der für die Verdauung außerordentlich wichtigen Salzſäure des Magenſaftes, und als wichtiger Beſtandteil der Zellen des Blutes und aller tieriſchen Säfte; dann aber auch als ein die Magen⸗ und Darmbewegungen, die Reſorption und die Zellenthätigkeit, alſo im allgemeinen die Verdauung und Ernährung beförderndes Mittel. Da das Kochſalz außerordentlich raſch vom Darme in das Blut übertritt und deſſen Konzentrationsgrad erhöht, ſo wird auch die Reſorption des Waſſers(in dem die Nährſtoffe gelöſt ſind) und hierdurch das Durſtgefühl geſteigert. Beſonders groß erſcheint das Kochſalzbedürfnis bei Verabreichung von Kartoffeln, Samen von Getreidearten, Hülſenfrüchten und den gewöhnlichen Rauhfutterarten, weil dieſe in überwiegender Menge Kaliſalze enthalten, welche die im Körper vorhandenen Natronſalze zerſetzen und deren raſche Ausſcheidung bedingen; das bei Pflanzenfreſſern durch Be⸗ lecken der Wande geäußerte Salzbedürfnis wird hierdurch vollſtändig ver⸗ ſtändlich. Außerdem iſt das Kochſalz als ein ſogenanntes Genußmittel zu bezeichnen, welches die Schmackhaftigkeit des Futters erhöht, den Appetit und die Nahrungsaufnahme ſteigert. 2. Die Kalkſalze. Ungenügender Kalkgehalt der Pflanzen führt bei jungen Tieren zur Entſtehung der Rhachitis oder Lähme, bei älteren zur Oſteomalacie oder Knochenbrüchigkeit. Aeltere Tiere werden von letzterer Krankheit namentlich dann befallen, wenn ſie infolge reichlicher Milchſekretion große Mengen Kalk mit derſelben abgeben oder ſolche im trächtigen Zuſtand zur Bildung des fötalen Skelettes verbrauchen. Bei jungen Tieren machen ſich die Folgen des Lalkmangels namentlich bei großen, raſch⸗ wachſenden Raſſen bemerkbar— Der Organismus bedarf in dieſen Fällen der Zufuhr des phosphorſauren Kalkes, der entweder in Form von präpariertem Knochenmehl(Rindern zu 30—50, Schweinen, Schafen und Ziegen zu 10— 20 g des Tages) oder des löslichen phosphorſauren Kalkes(in der halben Gabe), neben dem anderen Futter verabreicht wird. Auch bei reich⸗ licher Verabreichung von Kartoffeln und Rüben, Schlempe, Preßlingen ec., die ſämtlich kalkarm, aber genügend reich an Phosphorſ äure ſind, wird gleich⸗ falls Kalkzufuhr notwendig, welche in dieſem Falle aber durch den Zuſatz duc bro c im ven unl bez) und Vi budd ohne (ii ſaft wied zugef Jut ſralt m aune Ernährungsverhältniſſe. 75 der billigeren, geſchlemmten Kreide ſtatt des phosphorſauren Kalkes bewirkt wird. 3. Das Eiſen ſpielt als ein weſentlicher Beſtandteil des Blutfarb⸗ ſtoffes eine große Rolle. Iſt für gewöhnlich das Eiſen auch in genügender Menge in der Nahrung enthalten, ſo ſcheint unter Umſtänden doch auch das Gegenteil der Fall zu ſein. Dann leidet die Blutbildung und damit die Eruährung und Kraftentwicklung, es tritt Bleichſucht, Chloroſe ein, ein Leiden, welches namentlich bei Schafen nicht ſelten beobachtet wird und die Zugabe von Eiſen zum Futter erfordert. IV. Die Verwendung der Nährſtoffe im Tierkörper und der Stoffwechſel. Ueber die Verwendung des Waſſers und der mineraliſchen Nährſtoffe im Tierkörper iſt das wichtigſte bereits(S. 70) erwähnt, über die Ver⸗ wendung der organiſchen Nährſtoffe dagegen noch folgendes zu wiſſen, unbedingt notwendig. Zu ſeiner normalen Ernährung braucht das Tier weiter als Bildungs⸗ bezw. Erſatzmaterial ſeiner Zellen⸗ bezw. Körperſubſtanz(außer Salzen und Waſſer) Eiweiß und Fett, zur Unterhaltung der die Kraft- und Wärmequelle bildenden Verbrennungsprozeſſe außer beiden noch Kohle— hydrate. a) Die Eiweißkörper werden in ihren löslichen Modifikationen ohne weiteres von den Lymph- und Blutgefäßen des Magens und Darmes (Fig. 98) aufgenommen(reſorbiert), die nicht löslichen durch den Magen⸗ ſaft in lösliche Peptone verwandelt, welche ſich im Blute aber ſofort wieder in andere Eiweißformen umwandeln. Mit dem Blute wird das reſorbierte Eiweiß allen Teilen des Körpers zugeführt, und tritt, gelöſt in den flüſſigen Beſtandteilen des Blutes(dem Blutſerum, einer wäſſrigen Salzlöſung von beſtimmter Konzentration) durch die Wandungen der feinſten Blutgefäße(Haargefäße) ununter⸗ brochen in das von zahlreichen, feinſten Spalten und Lücken(Lymph⸗ ſpalten) durchſetzte Gewebe(Parenchym) ein(S. 67,68.) Dieſe als Gewebs⸗ lymphe oder Parenchymflüſſigkeit bezeichnete Eiweißlöſung durchfließt nun ebenſo unterbrochen das Gewebe(Plasmaſtrom), umſpült und durch⸗ tränkt bezw. durchſtrömt auch die Gewebszellen, welche einen Teil des gelöſten Eiweißes hierbei zurückbehalten und als Erſatz⸗ bezw. Bildungs— material in Zellenſubſtanz umwandeln, während der nicht verbrauchte Teil der Eiweißlöſung wieder aus der Zelle heraustritt und ſich mit der Gewebsflüſſigkeit wieder vereinigt. Dieſem Lymph- oder Plasmaſtrom werden zugleich, wie ſchon S. 68 dargelegt, die in den Zellen entſtehenden Stoffwechſelprodukte beigemiſcht, dieſer ſelbſt aber von den Lymphgefäßen aufgenommen und dem Blute wieder zugeführt. 76 Aeußere Krankheitsurſachen. Das von den Zellen zur Zellenſubſtanz verarbeitete Eiweiß wird als Organeiweiß, das im Blute und in den Körperſäften gelöſt bleibende, zirkulierende, als Zirkulationseiweiß bezeichnet. Letzteres, deſſen Menge von der Ernährung abhängt, zerfällt erheblich leichter; innerhalb 24 Stunden ſollen 70— 80% des zirkulierenden und nur 0,8% des Organeiweißes zerfallen. Die mit dem Harne ausgeſchiedenen Endprodukte dieſes Spaltungsprozeſſes der Eiweißkörper(Harnſtoff, Hippurſäure ꝛc.) ent⸗ ſprechen in ihrer Stickſtoffmenge genau der Stickſtoffmenge des zerlegten Eiweißes(Stickſtoffgleichgewicht). Bei vollſtändiger Nahrungs⸗ entziehung, im Hungerzuſtande, wird das zirkulierende Eiweiß raſch ver⸗ braucht und nunmehr das Organeiweiß, d. h. die Körperſubſtanz ſelbſt, zerlegt, ſo daß der nach einigen Tagen ausgeſchiedene Stickſtoff dem zer⸗ fallenden Organeiweiß entſtammt. Dee Zerfall des Zirkulationseiweißes iſt zunächſt das Produkt der Lebensthätigkeit der Gewebszelle. Er wird durch dieſe zu der Zeit ein⸗ geleitet, wo das zirkulierende Eiweiß die Zelle durchdringt und durch den gleichzeitig mit dem Blute zugetretenen Sauerſtoff weiter geführt. Die Endprodukte dieſer Spaltungsprozeſſe ſind, wie ſchon erwähnt, direkt oder mit mancherlei Zwiſchenſtufen, Harnſtoff bezw. Hippurſäure und Fett. Letzteres kann zum Zwecke der Wärmebildung weiter verbrannt oder als Mäſtungsfett aufgeſpeichert werden. Weiteres ſ. S. 78. b) Die Fette können in der Hauptſache vom Darme aus nur reſorbiert werden, nachdem ſie mit Hilfe der Galle und des Sekretes der Bauchſpeicheldrüſe in eine feine Emulſion verwandelt worden ſind. Fleiſch⸗ freſſer vermögen erheblich größere Mengen Fett zu verdauen, als Pflanzen⸗ freſſer. Auch die Fette werden mit dem Blute der Gewebsflüſſigkeit zu⸗ geführt und hier entweder unter Wärme und Kraftbildung in Waſſer und Kohlenſäure geſpalten, oder unter gewiſſen, S. 78 angeführten Bedingungen in dem Bindegewebe verſchiedener Organe(Muskeln, Haut, Netz ꝛc.) abgelagert(Maſtungsfett). c) Alle Kohlehndrate können, inſoweit ſie nicht ſchon in der Form der verſchiedenen löslichen Zuckerarten in der Nahrung enthalten ſind, nur dann erſt zur Reſorption gelangen, nachdem dieſelben durch den Mund⸗ und Bauchſpeichel in Zucker umgewandelt worden ſind. Selbſt ein Teil der Rohfaſer(Celluloſe) kann auf dieſe Weiſe der Reſorption zugänglich gemacht werden. Die Kohlehydrate unterliegen im Säfteſtrom außer⸗ ordentlich raſch der Verbrennung zum Zwecke der Wärme⸗- und Kraft⸗ entwicklung. Erweißſparer. Fett und Kohlehydrate können bis zu einem ge⸗ wiſſen Grade den Eiweißzerfall beſchränken und den Eiweißanſatz be— günſtigen. Sie ſpalten ſich leichter wie die Eiweißkörper, und können daher an Stelle des zirkulierenden Eiweißes als Brennmaterial zur Wärme und Krafterzeugung verbraucht werden. Sie ſind Eiweißſparer. Wird alſo z. B. Fleiſchfreſſern neben dem Eiweiß zugleich Fett ver⸗ abreicht, ſo wird an Stelle des ganzen oder eines Teiles des zirkulierenden als nde, nge den ßes eſes ent⸗ ten R⸗ el⸗ bſt, zer⸗ der ein⸗ den Die oder Fett. als nur der eiſch⸗ nzen⸗ t zu⸗ r und ungen dc.) Form „ nul Rund⸗ Til anglich außer⸗ Kraft em R⸗ atz be⸗ können ial zut ſparer⸗ dett ver⸗ jerenden Ernährungsverhältniſſe. 77 Eiweißes das Fett verbrannt, das Eiweiß aber als Organeiweiß zum Anſatz gebracht, d. h. von den Zellen in Körperſubſtanz umgewandelt. Wenn ein großer, ca. 30 kg ſchwerer Hund täglich nur 500 g friſches, fett⸗ freies Fleiſch erhält, ſo magert derſelbe ab und kommt zuletzt dem Hunger⸗ tode nahe. Um das Tier auf den früheren Ernährungszuſtand zu erhalten, würden bei einer Fleiſchfütterung 1500 g fettſreies Fleiſch erforderlich ſein. Werden neben den 500 g Fleiſch aber noch ca. 200 g Fett verabreicht, ſo verbleibt das Verſuchstier ebenfalls in gutem Ernährungszuſtand, ja es nimmt ſogar an Körpergewicht infolge Anſatz von Organeiweiß zu. 200 g Fett erſparen alſo nicht nur 1000; Fleiſch, ſondern ſchützen auch noch einen Teil des aus den 500 g Fleiſch ſtammenden zirkulierenden Eiweißes vor dem Zerfall und begünſtigen deſſen Anſatz(nach einem in der neueren Zeit allerdings mehrfach angezweifelten Verſuch von Voit). Bei den Pflanzenfreſſern ſind es die mit der Nahrung in großen Mengen aufgenommenen Kohlehydrate(Stärke, Gummiarten, Zucker ꝛc.), welche dieſe eiweißſparende Wirkung, ja ſogar in viel höherem Grade, als das Fett, ausüben. Daher erklärt es ſich, daß Pflanzenfreſſer in ihrem Beharrungsfutter, d. h. bei einer Ernährung, bei welcher ſie auf dem bisherigen Zuſtand verbleiben, nur wenig Eiweiß brauchen. Mit Berückſichtigung aller dieſer Verhältniſſe iſt es gelungen, die Bedingungen der Fleiſch⸗, Fett⸗ und Kraftentwicklung im Organis⸗ mus in einer für die Praxis der Tierzucht verwertbaren Weiſe feſtzuſtellen. Es ergiebt ſich nämlich, 1. daß der Anſatz des Organeiweißes, d. h. die Fleiſch⸗ bildung mit möglichſter Eiweißerſparnis begünſtigt wird a) Durch ein großes Futterquantum im allgemeinen. Es iſt durch Verſuche feſtgeſtellt, daß mit der Zunahme desſelben die Verdauung des darin enthaltenen Eiweißes ſteigt. Ochſen zeigten bei aus⸗ ſchließlicher Kleeheufütterung eine Steigerung des Anſatzes von 9 auf 14 bezw. von 11 auf 150% des verdauten Futtereiweißes bei einer Steigerung um 2—2,5 kg pro Tag und Kopf. b) Bei einer gewiſſen Steigerung der Eiweißzufuhr. Bei zu erheblich geſteigerter Zufuhr ſteigert ſich der Eiweißzerfall, und nur ein kleiner Teil des mehr zugeführten Eiweißes(ca. 6— 7%) kommen dem Körper in Form von Fettanſatz zugute; ja es kann bei hochgeſteigerter Eiweißzufuhr ein derartiger Zerfall des Eiweißes und des daraus abgeſpal⸗ tenen Fettes eintreten, daß Abmagerung folgt(bei der Bantingkur fettleibiger Menſchen, d. h. bei deren Ernährung mit faſt reiner Eiweißkoſt, bezw. aus⸗ ſchließlicher Ernährung durch fettfreies Fleiſch, tritt derſelbe Erfolg ein). c) Bei einem gewiſſen Fettreichtum im Körper. Je mehr der Fettreichtum des letzteren zunimmt, deſto mehr ſinkt der⸗ Eiweißzerfall, deſto geringer wird der Eiweißbedarf zur Erreichung desſelben Nähreffektes. d) Von dem gegenſeitigen Mengenverhältnis zwiſchen Eiweißkörpern einerſeits und Fett und Kohlehydraten anderer⸗ ſeits(ſ. Nährſtoffverhältnis S. 80). 78 Aeußere Krankheitsurſachen. 2. daß die Fettbildung dagegen begünſtigt wird: a) Bei reichlicher Fettzufuhr und reichlichem Eiweißgehalt der Nahrung. Das mit der Nahrung zugeführte Fett(Nahrungsfett) wird weniger leicht geſpalten, als das aus dem Eiweiß entſtehende Spaltungsfett, welches alſo bei reichlicher Anweſenheit den Anſatz des erſteren begünſtigt. b) Bei entſprechender Verabreichung von Kohlehydraten neben dem Eiweiß aus dem gleichen und dem ſchon oben(S. 76) angegebenen Grunde. c) Durch eine mittlere Stalltemperatur von 10—150⁰ R. Niedrigere Temperaturen erhöhen die Wärmeabgabe, ſteigern hierdurch den Stoffzerfall zum Zwecke einer Vermehrung der Wärmeproduktion; höhere Temperaturen ſteigern die Verdunſtung, erhöhen das Durſtgefühl und die Waſſeraufnahme und hierdurch den Zerfall von Körpereiweiß und Fett. d) Durch Beſchränkung der Muskelarbeit. Jede Muskelarbeit erhöht die Sauerſtoffaufnahme durch die Lunge und die Blut⸗ und Sauerſtoffzufuhr zu den Geweben, wodurch die Fettverbrennung geſteigert wird; Muskelruhe vermindert dieſelbe und begünſtigt den Fettanſatz. e) Durch Blutentziehungen. Durch dieſelbe wird die Menge der Sauerſtoffträger, der roten Blut⸗ körperchen(S. 52), vermindert, hierdurch die Menge des den Geweben zu⸗ geführten Sauerſtoffes herabgeſetzt und damit die Fettverbrennung ein⸗ geſchränkt. 3. daß die Quelle für die Muskelkraft in den Zerſetzungs⸗ vorgängen des Tierkörpers, in dem Zerfall, welchen die Körperbeſtandteile oder die aus dem Verdauungskanal re⸗ ſorbierten Nährſtoffe bei dem Durchgang des Plasmaſtromes urch die Gewebszellen erleiden, zu ſuchen iſt. Hierbei werden ſowohl ſtickſtoffhaltige, als ſtickſtofffreie Körper in Betracht kommen. Indem dieſelben unter Mitwirkung des aufgenommenen Sauer⸗ ſtoffes in einfachere Atomgruppen zerfallen, wird die Spannkraft oder chemiſche Kraft, welche die Atome vorher an einander feſſelte, gleichſam frei und kann als lebendige Kraft nach Willkür zu äußerer Arbeitsleiſtung dienen, im Ruhe⸗ zuſtand des Körpers auch für die innere Arbeit der Organe Verwendung finden, in elektriſche Ströme umgeſetzt werden ꝛc. Der Tierkörper hat offen⸗ bar die Fähigkeit, eine gewiſſe Menge von Spannkraft aufzuſpeichern; ſobald dieſer Vorrat durch angeſtrengte Arbeit raſch verbraucht iſt, wird eine Zeit der Ruhe(Arbeitspauſe) erforderlich, um beim Durchſtrömen einer neuen Menge von Stoffen durch die Gewebszellen wieder Spannvorrat einzuſammeln und damit aufs neue ſtärkere Kraftleiſtungen zu ermöglichen(Wolff). V. Die Nahrungs⸗ oder Futtermittel und deren Wert für die Ernährung. Nahrungs- oder Futtermittel ſind Gemiſche der vorſtehend ange— führten Nährſtoffe, wie ſie als Grünfutter, Heu, Stroh, Wurzeln und ugs⸗ die lre⸗ omes etracht Sauet⸗ mmiſche dkann Ruhe⸗ endung offen⸗ ſobald geit der Menge An und ür die d angk⸗ eln und Ernährungsverhältniſſe. 79 Knollen, Körnern und Früchten, ſowie als gewerbliche Produkte und Abfälle zur Ernährung der Tiere verwendet werden. Nicht jedes Futtermittel enthält dieſe Nährſtoffe in derjenigen ver⸗ daulichen Form und in demjenigen Verhältnis zu einander, wie dies das Nährſtoffbedürfnis unſerer Haustiere einerſeits, die rationelle Ausnutzung des verabreichten Futters anderſeits erfordert. Für den Zweck dieſer Schrift genügt es, die bez. Verhältniſſe der Pflanzenfreſſernahrung kurz zu erörtern. a) Die Verdaulichkeit der Futtermittel. Man ermittelt dieſelbe, indem man den bekaunten Nährſtoffgehalt der verabreichten Nahrung mit dem des entleerten Kotes vergleicht. Die Differenz zwiſchen beiden ergiebt die Größe der Verdaulichkeit der erſteren. Dieſe wird zunächſt abhängig ſein von der Leiſtungsfähigkeit des Verdauungsapparates des damit gefütterten Tieres(relative Verdaulichkeit). Das Futter muß durch Kauen gehörig zerkleinert und hierdurch den Verdauungsſäften(Speichel, Magen- und Darmſaft, Galle, Bauchſpeicheldrüſenſaft) in allen ſeinen Teilen ordentlich zugänglich gemacht werden; letztere müſſen in genügender Menge und von normaler Be— ſchaffenheit auf die Nährſtoffe einwirken, und ſie verdauen bezw. reſor⸗ bierbar machen bezw. das Reſorptionsorgan, d. h. die Magen⸗ und Darm⸗ ſchleimhaut(Fig. 98) muß die Aufſaugung der verdauten Nährſtoffe vollſtändig bewirken können. Abgeſehen von dieſer relativen iſt weſentlich noch die abſolute Verdaulichkeit der Futtermittel zu berückſichtigen. Wie ſchon S. 73 gezeigt, umfaſſen die verſchiedenen Gruppen der in den pflanzlichen Futtermitteln enthaltenen Nährſtoffe, alſo das Rohprotein, das Rohfett und die ſtickſtofffreien Extraktivſtoffe unter ſich ſehr verſchiedene chemiſche Körper, deren Verdaulichkeit eine ganz verſchiedene iſt. Namentlich finden ſich in vielen Futtermitteln unter den ſtickſtoffhaltigen Subſtanzen außer den eigentlichen Eiweißkörpern noch Stoffe, welche nicht den Futter— wert der Eiweißkörper beſitzen und die als Amide(Stickſtoffverbindungen nicht eiweißartiger Natur) bezeichnet werden. Für gewöhnlich bleiben dieſe Amide außer Berechnung. In der Tabelle A des Anhanges ſind dieſelben in der Summe der verdaulichen Nährſtoffe inbegriffen, in der drittletzten Reihe der Tabelle aber noch beſonders angegeben. Die abſolute Verdaulichkeit der einzelnen Futtermittel läßt ſich zur Zeit nicht anders, als durch direkte Fütterungsverſuche(ſ. o.) in gewiſſen Mittelzahlen feſt⸗ ſtellen.— Hierbei hat ſich folgendes ergeben: 1. Daß im allgemeinen von der Rohfaſer 30— 70% verdaut werden und daß die Wiederkäuer das größte, Pferde ein etwas geringeres, Schweine dagegen ein ſehr geringes Verdauungsvermögen für dieſelbe beſitzen; daß von den ſtickſtofffreien Extraktivſtoffen nur ein Teil, von den Roh⸗ fetten 30— 60%, von dem Rohprotein dagegen 35— 80% verdaut werden. 80 Aeußere Krankheitsurſachen. 2. Daß die verſchiedenen empfohlenen Zubereitungsmethoden des Rauhfutters, das Aufbrühen(Siedefutter), das Dämpfen(Geſöttfutter), die Selbſterhitzung(einſchl. Braunheu- und Süßfutterbereitung), das Aufſchließen(durch Soda und Salzſäure), das Gären(Einſäuern ec. zur Erzeugung von Milchſäure c.) die Verdaulichkeit der Futtermittel nicht ſteigern, daß hierdurch aber die Schmackhaftigkeit des Futters vermehrt und bewirkt wird, daß die Tiere größere Mengen ſolchen Futters aufnehmen. Einzig und allein kann die mechaniſche Zerkleinerung der Futtermittel inſofern die Verdaulichkeit derſelben beeinfluſſen, als ſie das Eindringen der Verdauungsſäfte in dieſelben erleichtert und ſichert. 3. Daß die Verdaulichkeit ein und desſelben Futtermittels in aus⸗ ſchließlicher Darreichung bei ein und derſelben Tiergattung faſt allein nur bedingt wird durch die natürliche Beſchaffenheit ſeiner Trockenſubſtanz, wie dieſelbe unter gewiſſen Vegetations⸗, Witterungs⸗, Boden⸗ und Düngungs⸗ verhältniſſen ſich geſtaltet, während ſonſtige äußere Verhältniſſe(Quantität des täglich verabreichten Futters, grüner oder lufttrockner Zuſtand desſelben, Raſſe und Alter des damit gefütterten Tieres) nur wenig hierauf einwirkt (E. Wolff). b) Das Nährſtoffverhältnis. Zur normalen Ernährung unſerer Haustiere und zur höchſten Aus⸗ nutzung des Futters iſt es unbedingt notwendig, daß in den verabreichten Futtermitteln die ſtickſtoffhaltigen(Nh) Nährſtoffe(das ſogenannte Kraftfutter) zu den ſtickſtofffreien(Nfr) in einem gewiſſen Verhältnis ſtehen. Dasſelbe wird zunächſt beeinflußt durch das Alter der Tiere. Ein wachſendes Tier, bei dem es auf Anſatz von Organeiweiß und die Ent⸗ wickelung des Knochengerüſtes ankommt, wird eine an Nh-Nährſtoffen und Kalk und Phosphorſäure reichere Nahrung bekommen müſſen, als ein ausgewachſenes, bei dem es weſentlich nur darauf ankommt, die durch den Stoffwechſel verlorenen Mengen von Organeiweiß zu erſetzen. Weiter und vor allem kommt in Frage der Nutzzweck. Das Nährſtoff⸗ verhältnis muß ein anderes ſein, wenn das Tier nur auf ſeinem bis⸗ herigen Zuſtand erhalten werden ſoll(Erhaltungsfütterung), oder wenn von demſelben gewiſſe ökonomiſche Leiſtungen gefordert werden müſſen (Produktionsfütterung). Tiere, welche man fett machen will, brauchen eine an Nfr-Subſtanzen reichere Nahrung; Milchtiere dagegen, welche täglich große Mengen Nh-Subſtanzen(Kaſein), Fett und Kohlehydraten (Milchzucker) ausſcheiden, eine ſolche, welche nebenbei noch reichliche Mengen leichtverdaulicher Proteinſubſtanzen enthalten. Für die Fütterung der landwirtſchaftlichen Nutztiere ſind als mittlere, für eine lohnende Produktion beſonders geeignete Verhältniſſe der Nh zu den Nfr Nährſtoffen die von 1:4—6(im Mittel für Milchkühe das von 1:5,5) anzuſehen, ein Verhältnis, wie es ſich auf einer guten Weide(1:4— 6) vorfindet. Selbſtverſtändlich können bei der Berechnung des Nährſtoffverhältniſſes nur diejenigen Nährſtoffmengen in Rechnung gezogen werden, welche als verdaulich ermittelt worden offen als „die ſetzen. rſtof⸗ bis⸗ wenn müſſen auchen welche pdraten eihlice nd ads hälriſt tel f ſih di nen bi fmmengen wolden Ernährungsverhältniſſe. 81 ſind(ſ. Tabelle AK im Anhang). Steigt die Menge der Nfr Nährſtoffe, ſo ſpricht man von einem weiteren, ſinkt ſie, von einem engeren Nähr⸗ ſtoffverhältnis. Die Berechnung des Nährſtoffverhältniſſes erfolgt in der Weiſe, daß man zunächſt die Fettmenge mit 2,5 multipliziert, da das Fett einen höheren Wert als die Kohlehydrate beſitzt. Zu der erhaltenen Zahl wird die Menge der letzteren addiert und die gefundenen Summen mit der Menge der Ei⸗ weißmenge dividiert. Auf die einzelnen Futtermittel und deren Nährſtoffgehalt und Verdaulichkeit hier im ſpeziellen einzutreten, dürfte über den Zweck dieſes Schriftchens hinausgehen. Von E. Wolff!), J. Kühn²), E. 3) und F. ¹) Lehmann ꝛc. ſind eine Anzahl tabellariſcher Zuſammenſtellungen über Zuſammenſetzung und Nährſtoffgehalt, ſowie über die Verdaulichkeit der verſchiedenen Futtermittel veröffentlicht worden, und wird hiermit auf dieſelben, ſowie auf die Tabelle A im Anhange dieſes Buches verwieſen, welche bis auf einige notwendige Kürzungen der im I. Teile des Mentzel und v. Lengerke's landwirſchaftlichen Kalender für das Jahr 1898(Berlin, Verlagsbuch⸗ handlung Paul Parey) S. 99—107 enthaltenen Zuſammenſtellung der „mittleren Zuſammenſetzung der Futtermittel und deren Gehalt an verdaulichen Beſtandteilen“ von Dr. C. Wolff, neubearbeitet von Dr. C. Lehmann entnommen iſt.— Ebenſo findet ſich unter B im Anhange eine auf Grund von zahlreichen Unterſuchungen über die Fütterungsnormen der landwirtſchaftlichen Nutztiere für die verſchiedenen Nutzzwecke und Altersſtufen derſelben berechnete Zuſammenſtellung von Prof. Dr. C. Lehmann über Futtermiſchungen für verſchiedene Gebrauchszwecke, auf die hiermit ebenfalls verwieſen wird. VI. Die Menge der verabreichten Nahrungsmittel. Bei der Beſtimmung der täglich zu verabreichenden Nahrungsmenge kommt ebenfalls zweierlei in Betracht. a) Das zur Sättigung erforderliche Nahrungsquantum oder das Volumen der Nahrung. Das Tier bedarf zu ſeinem Wohl⸗ befinden nicht nur beſtimmter Nährſtoffe in einer gewiſſen Zuſammen⸗ ſetzung, ſondern auch eines gewiſſen Futterquantums zur Anfüllung ſeiner Verdauungsorgane. Wie bei naturgemäßer Nahrung durch gute Weide ſchon in erſterer Beziehung(S. 80) genügend geſorgt war, iſt ¹) Die rationelle Fütterung der landwirtſchaftlichen Nutztiere. 6. Aufl. Berlin, Verlagsbuchhandlung Paul Parey, 1894.— ²) Die zweckmäßige Er⸗ nährung des Rindviehes. Dresden, Schönfeld's Verlag.— ³) Siehe Tabelle A des Anhanges.— ⁴) Hülfszahlen zur Berechnung der Futterrationen der Wiederkäuer. Von Dr. Franz Lehmann, Göttingen 1896. Johne. 6 82² Aeußere Krankheitsurſachen. dies bei ſolcher auch in letzterer der Fall. Anders verhält ſich dies bei den ſogenannten konzentrierten Futtermitteln(den Körnern der Ge⸗ treidearten, Hülſenfrüchten, den Rückſtänden der Oel⸗ und Stärkefabrikation, wie z. B. Oelkuchen, Kleber ꝛc.), welche zwar in einem beſtimmten Gewicht bei geringem Volumen verhältnismäßig große Mengen verdaulicher Subſtanzen enthalten, die jedoch eben ihres geringen Volumens halber nicht genügen würden, die Verdauungsorgane bezw. den Magen zu füllen. Beim Vorhandenſein einer gewiſſen Magenleere hungert aber das Tier, das Gefühl der Sättigung tritt erſt ein bei einer entſprechenden Füllung des Magens. Das mittlere Raumverhältnis des Magens, welches zum Zwecke der Sättigung ausgefüllt werden muß, iſt jedoch innerhalb gewiſſer Grenzen inſofern veränderlich, als dasſelbe bei längerer Verabreichung konzentrierter Nahrung kleiner, bei der ſehr voluminöſen größer wird. Durch Verſuche iſt feſtgeſtellt worden, daß das Geſamtvolumen der Tagesration, welche in Form von Rauhfutter(Heu, Stroh, Häckſel), zur Sättigung bezw. Magenfüllung notwendig iſt, nach E. Wolff, im Mittel bei Pferden 8— 10, beim Rind ca. 17,5(auf 1000 Pfund Lebendgewicht), beim Schafe 2 Pfund beträgt. b) Die Menge der in der Nahrung enthaltenen Trocken⸗ ſubſtanz. Mit den zur Füllung des Verdauungsapparates erforder⸗ lichen Futtermengen, die in Form von Rauhfutter, d. h. von Heu, Stroh und Häckſel verabreicht werden, iſt aber für das Tier noch nicht das Be⸗ dürfnis an Nährſtoffen in genügender Weiſe gedeckt. Es muß vielmehr weiter gefordert werden, daß das tägliche Nahrungsquantum noch eine beſtimmte Menge von Trockenſubſtanz(d. h. organiſche, waſſer⸗ freie Subſtanz) mit einer gewiſſen Menge von verdaulichen Nähr⸗ ſtoffen, welche natürlich je nach der Tiergattung, dem Alter des Tieres und deſſen landwirtſchaftlichem Nutzzweck ſehr verſchieden groß ſein wird, enthalten. Die im Anhange befindliche Zuſammenſtellung unter B von C. Lehmann enthält eine Anzahl von Futtermiſchungen für die verſchiedenen Zwecke der landwirtſchaftlichen Tierhaltung. Die in denſelben angeführten Zahlen ſind natürlich nur Mittelzahlen. Beſonders wird bei höheren Anſprüchen an die Größe und Schnelligkeit der Produktion, ferner bei wachſenden Tieren je nach der Größe der denſelben gewährten Bewegung, endlich bei größeren und wüchſigeren Raſſen eine Erhöhung derſelben ſtattfinden müſſen. Im allgemeinen kann man ſagen, daß es beſſer iſt, lieber ein Pfund Nh Nährſtoffe (Kraftfutter) mehr, als zu wenig zu füttern. Die Menge der Trockenſubſtanz kann bis zu 10 pCt. ſchwanken, da, wie ſchon oben geſagt, der Verdauungskanal ſich bis zu einem gewiſſen Grade ohne Nachteil für das Tier dem Volumen der Nahrung anbequemen kann. Futterberechnungen. Mit Zugrundelegung der in den Tabellen A und B gegebenen Zahlen läßt ſich leicht berechnen, welche Menge von Trocken⸗ ſubſtanz, ſtickſtoffhaltigen, ſtickſtofffreien Nährſtoffen und von Fetten für die verſchiedenen Nutzzwecke und Altersſtufen der Tiere erforderlich ſind. Eine Di ſonders eit der nelben en eine n man rſoffe ige de n oben d ohle jquemen 14 nd Tnih für die 1 Eine Ernährungsverhältniſſe. 83 ganz vorzügliche, einfache und leicht verſtändliche Anleitung hierzu bietet die „Anleitung zur Aufſtellung von Futterrationen und zur Berechnung der Futtermiſchungen und der Nährſtoffverhältniſſe für Rinder, Pferde, Schweine und Schafe“ von R. Strauch(1895 Leipzig, J. Voigt). VII. Futterrationen und Futterzeiten. Naturgemäß findet eine neue Futteraufnahme erſt dann ſtatt, wenn infolge der teilweiſen Entleerung des Magens das Hungergefühl wieder eintritt. Unſere landwirtſchaftlichen Haustiere pflegen, auf der Weide ſich ſelbſt überlaſſen, täglich drei bis vier Mahlzeiten aufzunehmen und ſich dann der Ruhe hinzugeben. Die Sättigung auf der Weide tritt beim Rind in ca. 1—1 ½ Stunden, beim Schaf in 2— 2 ½ Stunden ein, dann folgt durch 1 ½— 2 Stunden das Wiederkauen. Bei der Stallfütterung ſind faſt allgemein bei allen Haustieren drei Futterzeiten üblich, auf welche die tägliche Futterration gleichmäßig zu verteilen iſt. Die bei Rindern hier und da übliche Einteilung auf zwei Futterzeiten iſt nicht zu empfehlen, weil durch die hierdurch bedingten, mit einem Male zu verabreichenden größeren Futtermengen eine be⸗ deutendere Anfüllung der Verdauungsorgane bedingt wird, infolgedeſſen leichter Ueberfütterungen, Verſtopfungen und ſonſtige Verdauungsſtörungen entſtehen können. Die einmal eingeführte Fütterungsordnung ſoll nach Maß und Zeit möglichſt eingehalten werden. Die Verdauungs⸗ organe gewöhnen ſich daran;„der Magen wird zur Uhr“. Größere Futterportionen, mindeſtens das Krippenfutter, ſollen geteilt verabreicht werden, da angehauchtes, warm gewordenes und begeifertes Futter nicht gern gefreſſen wird. Immer muß die erſte Portion voll— ſtändig aufgenommen ſein, ehe die zweite verabreicht wird. Kann ein Tier die ihm vorgelegte Portion in der Futterzeit von 1 ½— 2 Stunden nicht verzehren, ſo iſt dieſelbe entſprechend zu ver⸗ kleinern. Nach jeder Futteraufnahme iſt eine gewiſſe Ruhe nötig oder nur die Bewegung im langſamen Schritt zuträglich. Be⸗ wegung beeinträchtigt den Verdauungsprozeß. Beſonders iſt dies für Wiederkäuer zu beachten. VIII. Der Wechſel und die Mannigfaltigkeit der Nahrung. Jede Veränderung in der gewohnten Ernährung erfordert eine Veränderung in dem Verdauungsprozeß und eine andere Gewöhnung. Jeder grelle Nahrungswechſel eingreifenderer Natur kann bis zu einem 6* 84 Aeußere Krankheitsurſachen. gewiſſen Grade die ökonomiſche Nutzung, ſogar die Geſundheit beein⸗ trächtigen. Jede durchgreifende Nahrungsveränderung ſoll ſich daher langſam, innerhalb 8—14 Tagen vollziehen, was beſonders geboten erſcheint beim Uebergang von voluminöſer zu konzentrierter, von leicht zu ſchwer verdaulicher, von Grün- zur Trockenfütterung und umgekehrt. Eine gewiſſe Abwechslung in den Nahrungsmitteln erhöht den Appetit. Daher empfiehlt ſich bei den im Stalle gehaltenen Tieren, welche ein möglichſt großes Nahrungsquantum zu ſich nehmen ſollen(Maſt⸗ und Milchvieh), zeitweilig, ſelbſt im Laufe des Tages mit den Futtermitteln bezw. Futtermiſchungen in dem erforderlichen N⸗Ver⸗ hältnis zu wechſeln. IX. Die Ernährungsverhältniſſe als Krankheitsurſache. a) Das Waſſer bezw. das Getränk. Waſſer iſt, wie ſchon S. 69 betont, das notwendige Löſungsmittel für alle aufgenommenen Nährſtoffe und ein unentbehrlicher Beſtandteil aller tieriſchen Gewebe und Säfte. Abweichungen im Bezug auf Quantität. Vollſtändige Waſſerentziehung wird daher Todesurſache, ſie tötet ſchneller als vollſtändige Entziehung der Nahrung. Ungenügende Waſſerzufuhr vermindert die Löſung und Auf⸗ ſaugungsfähigkeit der aufgenommenen Nährſtoffe, ſowie den Waſſergehalt des Blutes und aller tieriſchen Säfte, bedingt ſomit auch eine Abnahme aller Se- und Exkretionen, alſo auch die der verdauenden Säfte.(S. 68.) Das alles hat eine Herabſetzung der Verdauung und Ernährung und eine Verminderung der Blut⸗ und Säftezirkulation, Mattigkeit und Kraft⸗ loſigkeit zur Folge. Anfänglich ſucht der Organismus dem vorhandenen Waſſermangel durch Aufſaugung der in den Geweben im Ueberſchuß vor⸗ handenen Flüſſigkeitsmengen abzuhelfen, wodurch eine gewiſſe Trockenheit derſelben erzeugt wird; ſchließlich wird aber auch den Zellen(Gewebs- und Blutzellen) Waſſer entzogen und hierdurch der Zerfall derſelben und die Verbrennung des Organeiweißes geſteigert, es tritt Abmagerung ein. Den größten ökonomiſchen Nachteil würde natürlich die Verminderung der Waſſerzufuhr bei Milchtieren haben. Ungenügender Waſſergehalt im Körper äußert ſich durch Durſt⸗ gefühl. Eine ungenügende Befriedigung desſelben iſt aus obigen Gründen ſtets ſchädlich. Zu reichliche Waſſerzufuhr ſteigert den Eiweißzerfall, beein⸗ trächtigt alſo den Ernährungszuſtand. Das als Trink⸗ oder Vegetations⸗ waſſer(S. 70) in zu großen Mengen aufgenommene Waſſer wird durch die Nieren und andere Drüſen, beſonders auch durch die Milchdrüſen ausgeſchieden. beein⸗ daher boten keicht ebr. chöht ltenen ehmen 8 mit er⸗ he, ſie d Au⸗ ergehal bnahme S. 68.) g und Kraf⸗ andenen uß vor⸗ ocenhei ebs⸗ und und die ng ei. inderung Durſ⸗ Gründen l, beein ſetains⸗ ßird durc ichdrüſe Ernährungsverhältniſſe. 85⁵ Eine reichliche Waſſeraufnahme ſteigert alſo nicht nur die Quantität der Miſch, ſondern trägt durch Steigerung des Zerfalles des zirkulierenden Ei⸗ weißes gleichzeitig zur Bildung des Milchfettes bei. Notwendig iſt hierbei natürlich reichliche Eiweiß⸗ und Kohlehydratzufuhr(intenſive Fütterung), um das Organeiweiß vor dem Zerfall zu ſchützen und eine Abmagerung des Tieres zu verhindern(S. 78). Abweichungen der normalen Temperatur des Trink⸗ waſſers(S. 70). Zu kaltes Waſſer entzieht dem Körper zu ſeiner Erwärmung auf Körpertemperatur zu viel Wärme. Das iſt nachteilig, weil einmal inſolgedeſſen zum Erſatz der verbrauchten Wärme eine Menge ſonſt dem Stoffanſatz dienender Nährſtoffe verbrannt werden müſſen; außerdem aber, weil hierdurch innere Erkältungen, Koliken, Magen⸗Darmkatarrhe, Durchfälle, rheumatiſche Hufentzündung(Verſchlag), Verwerfen, Gehirn⸗ und Lungenblutungen ꝛc. hervorgerufen werden können, und zwar um ſo leichter, je erhitzter das Tier und je leerer ſein Magen war. Laues oder abgeſtandenes Getränk ſchmeckt fade, geſchmacklos, er⸗ friſcht nicht, kann an ſich aber nicht zur Krankheitsurſache werden.— Warmes Getränk(Schlempe, Brühfutter) in länger fortgeſetzter An⸗ wendung erſchlafft die Muskelwand des Verdauungskanales und giebt Veranlaſſung zur leichteren Entſtehung von Verdauungskrankheiten. Abweichungen in der chemiſchen Zuſammenſetzung des Waſſers. Zu großer oder zu geringer Gehalt an Calcium⸗ und Magneſiumverbindungen. Im erſteren Falle hat man nach dauernder Verabreichung von ſogenannten hartem, an Kalkſalzen reichem Waſſer die Bildung von Darm⸗ und Blaſen⸗ ſteinen, im letzteren Falle bei längerer Verwendung zu weichen, an den genann⸗ ten Mineralſalzen zu armen Waſſers, namentlich neben Verabreichung eines kalkarmen Futters und vor allem bei jungen Tieren, die Entwicklung gewiſſer Knochenerkrankungen(Rhachitis, Oſteomalacie, Knochenbrüchigkeit) beobachtet. Der Gehalt an anderen mineraliſchen, zum Teil direkt als Gifte wirkenden Subſtanzen. So ſoll Waſſer, welches entſprechend der Gebirgsformation, aus der es ſtammt, größere Mengen an ſchwefelſaurem Kalk und Magneſia ent⸗ hält, beſonders bei jungen Tieren Verdauungsſtörungen, vor allem Durch⸗ fälle; Waſſer, welches aus Torfmooren entſtammt und größere Mengen ſchwefelſauren Eiſenoxyduls in Form gelbbräunlicher, flockenförmiger Niederſchläge enthält, bei Pferden Koliken veranlaſſen. Zu große Mengen von Chloriden(beſonders im Seewaſſer in Frage kommend) rufen Durch⸗ fälle hervor. Daß im Waſſer auch unorganiſierte organiſche Körper als Produkte der fauligen Zerſetzung der darin vorkommenden oder in dem umgebenden Boden befindlichen organiſchen Subſtanzen enthalten ſein können, ſteht feſt. Iſt ihre chemiſche Natur auch noch nicht genügend bekannt, ſo ſind ſie doch dringend verdächtig, Verdauungsſtörungen, Durch⸗ fälle, ja ſelbſt eigentliche Vergiftungserſcheinungen hervorzurufen. 86 Aeußere Krankheitsurſachen. Mechaniſche Verunreinigungen. Durch anorganiſche Subſtanzen. Als ſolche ſind Bei⸗ mengungen von Sand im Bach⸗ und Flußwaſſer wichtig. Dieſer bleibt im Dickdarm liegen, erzeugt Entzündungen, Nekroſen und Ver⸗ ſtopfungen. Von den organiſierten organiſchen Beimengungen gilt im all⸗ gemeinen, daß den im Waſſer eventuell enthaltenen niederen Tieren und Pflanzen, denen vielfach eine geſundheitsſchädliche Wirkung nicht beizulegen Fig. 101. Eier verſchiedener Würmer. a vom großen Leberegel(Distomum hepaticum); b vom Lungenfadenwurm(Strongylus filaria); c Ei von demſelben mit fertigem Embryo; d vom kleinen Leberegel(Distomum lanceolatum); e vom Einſiedlerbandwurm(Taenia solium); f vom Grubenkopf(Botriocephalus latus); g vom Pfriemenſchwanz(Oxyuris curvula); h vom Haarkopf(Trichochephalus crenatus); i vom Spulwurm(Ascaris marginata). Sämtlich ca. 20 mal vergrößert. iſt, inſofern eine praktiſche Bedeutung zukommt, als reichliche Mengen an ſich unſchädlicher ſaprogener Bakterien(S. 38, 49) und Infuſorien auf umfänglichere Fäulnisprozeſſe im Waſſer oder deſſen Umgebung hin— weiſen, während Diatomeen und Algen nur in einem an organiſchen Stoffen armen Waſſer vorkommen. Als eigentliche Krankheitserreger organiſierter Natur ſind von denen tieriſcher Natur zu nennen die Eier(Fig. 101 a und d) und Embryonen (bezw. Cercarien Fig. 37 und 38) der Leberegel und verſchiedener Bandwürmer(Fig. 100 e, f), ſowie die Eier verſchiedener Kundwürmer (Fig. 101 b, g, h, i)(Faden⸗ und Spulwürmer, Pfriemenſchwänze, Peitſchen⸗ atieum; Embryo; solium); uryula; rginata). NRengen nſorien ig hin miſchen nd von bryonen edener bürmer eitſchen⸗ Ernährungsverhältniſſe. 87 würmer, Palliſadenwürmer ꝛc.), die im Waſſer vorkommen und durch den Genuß desſelben übertragen werden können. Auch die Uebertragung gewiſſer als Krank⸗ heitserreger bekannt gewordener Sporozoönformen(z. B. der Coccidien, Fig. 9, der Urſache gewiſſer Leber⸗ und Schleimhauterkrankungen bei Kaninchen bezw. Hühnern, ſowie des enzootiſchen Blutharnens bei Rindern, der Babesia bigeminum, als Urſache des ſeuchenhaften Blutharnens bei Rindern und Schafen der Donauniederungen, der Pyrosoma bigeminum (Fig. 10) als Urſache des Texasfiebers ꝛc.) erfolgt jedenfalls nur mit dem Trinkwaſſer. Als Krankheitserreger pflanzlicher Natur würden nur pathogene Bakterien(S. 47) in Betracht kommen. Solche finden ſich im Waſſer aber nur ſelten vor, weil deſſen Gehalt an eigentlichen Nährſtoffen zu gering iſt. Sie können aber durch Zufall in ſolches hineingeraten(z. B. Rotlauf⸗ oder Schweineſeuchebakterien mit den Abwäſſern beim Schlachten an dieſen Krank⸗ heiten erkrankter Schweine; Milzbrandbazillen oder deren Sporen aus dem Blute oder dem Kote erkrankter Rinder, Hühnercholerabazillen aus dem Kote kranken Waſſergeflügels ꝛc.; für Menſchen kommen Cholera⸗ und Typhus⸗ bazillen in Frage) und einige Tage in denſelben lebensfähig bleiben.— Im allgemeinen muß betont werden, daß nicht die Zahl der Bakterienkeime im Waſſer entſcheidend iſt für die Bedeutung desſelben als Krankheitsurſache, ſondern deren Art. Das, was vorſtehend im allgemeinen vom Waſſer geſagt worden iſt, bezieht ſich natürlich auch auf alle den Tieren als Getränk verabreichten Flüſſigkeiten. b) Nahrung. 1. Vollſtändige Entziehung der Nahrung bedingt den Tod durch Verhungern(Inanition), aber nicht ſo plötzlich, wie bei Ent⸗ ziehung des Sauerſtoffes; jedenfalls aber erheblich raſcher bei gleich⸗ zeitiger Waſſerentziehung(im erſteren Falle nach ca. 40, im letzteren nach 6— 12 Tagen). Der Körper lebt dann zur Erzeugung von Wärme und Kraft von ſeinen eigenen Beſtandteilen, von welchen zunächſt nahezu das geſamte Fett(bis zu 93%), dann faſt die Hälfte der Muskel⸗ und Drüſenſubſtanz verbrannt wird, während die Knochen nur um ca. 10%, das Nervenſyſtem um 2—3% ihres Gewichtes verlieren. Sobald der Zerfall des Organeiweißes, der eigentlichen Zellenſubſtanz, beginnt, ſinkt die geſamte Organthätigkeit bis zum vollſtändigen Aufhören derſelben. 2. Schädlichkeit der Nahrung bedingt durch Menge (Quantität) und Nährſtoffverhältnis(Qualität) derſelben. a) Fehlerhafte Menge einer in Bezug auf ihr Nährſtoff⸗ verhältnis gut zuſammengeſetzten Nahrung. 27. 1 4 aa) Ungenügende Nahrungsmenge macht einesteils den Wieder⸗ erſatz der im Stoffwechſel zerfallenen Gewebsbeſtandteile, andernteils den Stoffanſatz und damit das Wachstum des Körpers unmöglich. Die Folgen davon ſind Rückgang in der Ernährung, Abmagerung, Abnahme der Leiſtungsfähigkeit des Organismus nach jeder Richtung, vor 88 Aeußere Krankheitsurſachen. allem auch verminderte Widerſtandsfähigkeit gegen äußere Krankheitsurſachen, beſonders auch gegen die Wirkung pathogener Bakterien(erworbene Dis⸗ poſition S. 7). Bei ungenügender Nahrungszufuhr kann es ſich um ganz verſchiedene Umſtände handeln: um eine abſolut zu geringe Nahrungsmenge, oder um eine behinderte Nahrungsaufnahme(infolge Erſchwerung des Kauens durch ſchlechte Zähne oder Erkrankungen der Rachenhöhle und des Schlundes, welche zu einer Erſchwerung des Schluckens führen), ungenügende Verdauung bezüglich Ausnutzung der aufgenommenen Nahrung(infolge ungenügenden Kauens und Einſpeichelns, ungenügender oder fehlerhafter Sekretion des Magen⸗, Darm⸗ und Bauchſpeichelſaftes), oder um mangelhafte Aufſaugung(Reſorption) der in genügender Menge aufgenommenen, gekauten und eingeſpeichelten Nahrung durch die Magen⸗ und Darmſchleimhaut(infolge Erkrankung derſelben). bb) Zu reichliche Nahrungsmengen erzeugen Verdauungs⸗ ſtörungen: Durch erſchwerte Fortbewegung derſelben im Verdauungs⸗ kanal. Hierdurch wird Veranlaſſung zu Verſtopfungen und Berſtungen des Magens und Darmes, zu Gasentwickelung(Tympanitis), Darmlähmung, ſowie durch Druck der feſtliegenden Futtermaſſen auf die Darmſchleimhaut zum teilweiſen Abſterben(Nekroſe) derſelben gegeben. Die durch letzteres entſtehenden Defekte der Schleimhaut ſchaffen aber wiederum die Eintrit s⸗ pforten für mancherlei im Darme befindliche Bakterien oder die von dieſen gebildeten Toxine(S. 47) in das Blut, wodurch es zu Blutvergiftungen (Septikämien und Intoxikationen) kommen kann. Durch ungenügende Miſchung der Futtermittel mit den Verdauungsſäften. Dieſe beeinträchtigt die Verdauung und begünſtigt den Eintritt abnormer Gärungen(Milch⸗, Eſſig⸗, Butterſäure⸗Gärungen) des Magens⸗ und Darm⸗ inhaltes, deren Produkte Reizungen und Entzündungen der Verdauungs⸗ ſchleimhaut(Durchfälle, Koliken, Aufblähen ꝛc.) veranlaſſen. b) In Bezug auf ihr Nährſtoffverhältnis fehlerhaft zuſammen⸗ geſetzte Nahrung bei genügender Menge derſelben. aa) Zu geringer Nährſtoffgehalt. BDeetriff derſelbe alle Nährſtoffe, ſo treten dieſelben Folgen ein, wie bei Verabreichung eines ungenügenden Nahrungsquantums(ſiehe oben). Der ungenügende Gehalt der Proteinſubſtanzen wird den Stoff⸗ anſatz und die Fettbildung unmöglich machen und Abmagerung bedingen, und zwar umſomehr, je ärmer die Nahrung an Eiweißſparern, d. h. Kohle⸗ hydraten und Fetten iſt(S. 76). Tritt der im allgemeinen ſeltene Mangel an mineraliſchen Nährſtoffen in den Vordergrund, ſo treten die ſchon S. 74 erwähnten geſundheitlichen Störungen auf. bb) Zu reichlicher Gehalt an einzelnen Nährſtoffen. Zu reichlicher Gehalt an Waſſer wird an ſich nicht zur Krankheits⸗ urſache, da der Ueberſchuß an ſolchem durch die Nieren ausgeſchieden wird. Nur dann kann dies der Fall ſein, wenn das Futter zugleich arm an Nährſtoffen iſt. Futt ekro ſteine unter dauli komn und und prakt Men erheb Vern bildu und gefütt Att ſ Ablag ₰ W Knoll auft ir — * von T Ernährungsverhältniſſe. 89 Ein einſeitiger, zu ſtarker Eiweißgehalt der Nahrung erzeugt (S. 77) einen ſtark geſteigerten Eiweißzerfall und Abmagerung. Zu reichlicher Eiweißgehalt in Verbindung mit reichlichen Mengen von Fett und Kohlehydraten ſteigert Stoffanſatz und Fett⸗ bildung, ſowie die Menge des zirkulierenden Eiweißes. Bei genügender Bewegung und Sauerſtoffzufuhr braucht hierdurch anfangs das Wohlbefinden nicht geſtört zu werden; es wird dies aber im weiteren Verlauf, namentlich bei ungenügender Bewegung und Sauerſtoffaufnahme infolge der zu erheblich geſteigerten Fettbildung. Wird dieſe bei Maſttieren auch als eine will⸗ kommene Erſcheinung betrachtet, ſo handelt es ſich hierbei im Grunde ge⸗ nommen doch um einen pathologiſchen Zuſtand. Infolge der Fettablage⸗ rung kommt es in gewiſſen Organen zu einer Abnahme ihrer Leiſtungs⸗ fähigkeit, ſo namentlich zu Herz⸗ und Muskelſchwäche, ferner zu Leberver⸗ größerung und Druck auf anliegende Organe, Neigung zu Leberzerreißungen (beſonders bei Hühnern), ſowie infolge der ſich entwickelnden Vollblütigkeit (Zunahme des zirkulierenden Eiweißes) Neigungen zu Blutungen und Schlagflüſſen. Auch lehrt die Erfahrung, daß bei zu reichlicher Eiweißzufuhr bei Fleiſchfreſſern zu große Mengen von Harnſäure, bei Pflanzenfreſſern von ſauren phosphorſauren Salzen mit dem Harne ausgeſchieden werden, die ſämtlich ſchwer löslich ſind, und daher ſchon in der Niere oder ſpäter in der Blaſe ausfallen(ſedimentieren) und zur Bildung von Nieren⸗ und Blaſen⸗ ſteinen, Harngries oder Sedimentbildung Veranlaſſung geben könuen. Ein zu großer Gehalt an Rohfaſer bei Abnahme der übrigen Nährſtoffe unter das normale Nährſtoffverhältnis(S. 80), macht das Futter ſchwer ver⸗ daulich und ſetzt deſſen Nährfähigkeit bei großem Volumen erheblich herab. Es kommt infolgedeſſen zu erheblichen Ausdehnungen des Verdauungsapparates und des Hinterleibes(Heu⸗ oder Strohbauch), ohne genügenden Wiedererſatz und Stoffanſatz. Ein zu reichlicher Gehalt an mineraliſchen Subſtanzen kommt praktiſch höchſtens inſofern als Geſundheitsſchädlichkeit in Frage, als große Mengen von kieſelſauren Salzen die Verdaulichkeit der organiſchen Nährſtoffe erheblich zu beeinträchtigen ſcheinen. 3. Durch Verunreinigungen und Verderbniſſe des Futters.*) Dieſe kann erfolgen: a) Durch atmoſphäriſche Einflüſſe. Verregnen und Verſchlämmen durch Ueberſchwemmungen führen zur Verminderung und teilweiſen Abänderung des Nährſtoffgehaltes, zur Pilz⸗ bildung und zur Verunreinigung durch den dem Futter anhaftenden Schlamm und Sand. Erſtere führt zur Herabſetzung der Ernährung bei damit gefütterten Tieren, die Pilze führen zur Futterverderbnis und je nach ihrer Art ſehr verſchiedenen Erkrankungen; Sand und Schlamm dagegen leicht zu Ablagerungen dieſer Subſtanzen im Darme, Verſtopfungen, Schleimhaut⸗ nekroſen(ſogenannten Sandkoliken). Die Verfütterung erfrorener ſaftreicher Pflanzenteile, beſonders von Knollen und Wurzeln im noch gefrorenen oder auftauenden Zuſtande derſelben ruft innere Erkältungen(Darmkatarrhe, Koliken, Aufblähen, Verwerfen), im *) Specielleres ſiehe in dem ausführlichen Handbuch der Geſundheitspflege von Dammann(Verlagsbuchhandlung Paul Parey, Berlin, 1892. 2. Aufl.) 90 Aeußere Krankheitsurſachen. längere Zeit aufgetauten, in fauliger Zerſetzung begriffenen Zuſtande mehr oder weniger ſchwere Verdauungsſtörungen, zum Teil ſchwere Magen⸗ und Darm⸗ entzündungen, ſelbſt eigentliche, raſch tödliche Vergiftungen durch die in den faulenden Vegetabilien enthaltenen, durch die Fäulnisbakterien gebildeten organiſchen Gifte hervor. b) Durch tieriſche Paraſiten. Hier kommen einmal in Frage jene Verderbniſſe und Verunreinigungen der Pflanzennahrung durch Schnecken, Blattläuſe und Honigtau, Raupen⸗ haare, Kornwurm, Heu⸗ und Mehlmilben, wie ſie ſchon S. 36 beſprochen wurden. Ferner jene Entwicklungszuſtände einer Reihe tieriſcher Para⸗ ſiten(S. 15), welche an der Pflanzennahrung haften, mit dieſer von Tieren aufgenommen werden und in denſelben zur weiteren Entwicklung gelangen können; z. B. die der Coccidien(S. 19), Bandwürmer(S. 21), die Cercarien⸗ formen der Leberegel(S. 27), Embryonalformen von Rundwürmern(S. 28) und die Eier der Pentaſtomen(S. 31).— Auch bei der geſundheitsſchädlichen Verunreinigung der tieriſchen Nahrung durch tieriſche Paraſiten handelt es ſich um derartige Entwicklungszuſtände, vor allem um die ungeſchlecht⸗ lichen Zwiſchenformen(Finnen, Cyſticercoide und Plerocercen), von Band⸗ würmern(S. 21) und um die Larvenformen einzelner Rundwürmer(be⸗ ſonders der Trichinen, S. 30). c) Durch pflanzliche Paraſiten. Hierzu wird auf S. 38 bis 50 verwieſen. d) Durch Giftpflanzen. Siehe S. 50. e) Durch Gifte unorganiſcher Abkunft. Schon S. 57, 58 wurde auf die Verunreinigung der Futterpflanzen durch ſchweflige⸗ bezw. Schwefelſäure, arſenige Säure und Blei hin⸗ gewieſen, welche dampf- oder gasförmig gewiſſen Fabriketabliſſements ent⸗ weichen und ſich ſtaubförmig auf die Futterpflanzen niederſchlagend, dieſen eine geſundheitsſchädliche Beſchaffenheit verleihen. Hierzu würden noch Verunreinigungen der Futtermittel durch Kupfer beim Gebrauch von kupfernen Keſſeln bei der Futterzubereitung(führen zu Magen⸗ und Darmentzündungen, Herzſchwäche, Aufregung oder Betäubung und Konvulſionen, eventuell mit tödlichem Ausgang) und Mennige, beim Gebrauch von friſch mit Mennige⸗ farbe angeſtrichenen Bottichen für Maiſche⸗ oder Futterzubereitung ꝛc. zu erwähnen ſein(Magenentzündung mit Anätzungen, Zittern, Konvulſionen, Zuckungen ꝛc.). IV. Die Bodenverhältniſſe. 1. Phyſikaliſche Verhältniſſe. Die mechaniſche Struktur. Abgeſehen von dem ſtarren Felſen beſteht der Boden aus mehr oder weniger großen„Körnern“, welche, wenn ſie weniger als 0,05 mm Durchmeſſer beſitzen als Staub(meiſt auftre ulei üinſt ſogen den Felſen welche, (meiſ Bodenverhältniſſe. 91 Thon), zwiſchen 0,05 und 0,3 mm als Feinſand, zwiſchen 0,3— 1,0 mm als Mittelſand, zwiſchen 1—2 mm als Grobſand, zwiſchen 2 bis 4 mm als Feinkies, zwiſchen 4—7 mm als Mittelkies, über 7 mm als Grobkies bezeichnet werden. Obwohl ſich dieſe Körner dicht an einander lagern, bleiben zwiſchen ihnen doch kleine Lücken, Poren, deren Größe zunimmt mit der Größe der Körner. Man unterſcheidet danach grob⸗ porigen und feinporigen Boden. Je grobporiger der Boden, um ſo durchläſſiger iſt er für Luft und Flüſſigkeiten. Die Durchläſſigkeit für Luft wird durch Anfüllung der Poren mit Waſſer auf⸗ gehoben. Je feinporiger der Boden, um ſo mehr vermag derſelbe das Waſſer in ſeinen Poren zurück zu halten(ſeine„waſſerbindende“ Kraft). Unter kapillarem Aufſaugungsvermögen des Bodens verſteht man ſeine Fähigkeit, das Waſſer in ſeinen feinen Poren nach oben ſteigen zu laſſen; je feiner die Poren, um ſo größer iſt die Steighöhe. Dieſe mechaniſchen Verhältniſſe werden nicht an ſich direkt zur Krankheitsurſache, ſondern erſt in Verbindung mit den folgenden phyſikaliſchen Eigenſchaften des Bodens. Die Bodentemperatur. Bei bedecktem Himmel iſt die Temperatur der Bodenoberfläche der Lufttemperatur gleich, ſie ſteigt aber bei Sonnen⸗ beſtrahlung, und zwar um ſo mehr, je dunkler, je grobkörniger und je trockner der Boden iſt. Seine Wärmeausſtrahlung bezw. Wärmeabgabe iſt im allgemeinen der Wärmeaufnahme(Abſorption) gleich, jedoch ſteigt dieſelbe mit der Feuchtigkeit. Deshalb iſt ein trockner Boden im allgemeinen warm, ein feuchter kalt.— Infolge des geringen Wärmeleitungsvermögens des Bodens nimmt der Einfluß der Temperatur⸗ ſchwankungen von der Bodenoberfläche nach der Tiefe hin ſehr raſch ab. Schon bei einer Tiefe von 0,5—1,5 m verſchwindet der Einfluß der täg⸗ lichen Temperaturdifferenzen, in einer Tiefe von 9 m betragen die Jahres⸗ ſchwankungen nur noch ca. ½ Grad, in 16—33 m ſind ſie überhaupt nicht mehr nachzuweiſen. Infolge desſelben Umſtandes machen ſich auch die durch die Jahreszeiten bedingten Temperaturſchwankungen an der Erd⸗ oberfläche in größeren Tiefen des Bodens mit einiger Verſpätung be⸗ merklich, welche für jedes Meter Tiefe ca. 3 Wochen(Fig. 102) beträgt. Hierin liegt eine der weſentlichſten Bedeutungen der Boden⸗ temperatur in geſundheitlicher Beziehung. Da nämlich die bakterien⸗ haltigen Bodenſchichten nur bis zur Tiefe von ca. 3 m reichen und die Tiefe von 3—4 m ſomit erſt im Spätſommer am wärmſten ſein und die für die Entwicklung der im Boden vorhandenen Bakterien die günſtigſten, im Spätwinter und Frühjahr die ungünſtigſten Lebensbedingungen bieten werden, ſo erklärt es ſich, daß einige durch pathogene Bakterien erzeugte ſogenannte Bodenkrankheiten(Typhus, Rotlauf, Bruſtſeuche ꝛc.) gegen den Spätſommer und Herbſt am häufigſten, im Frühjahr am ſeltenſten auftreten.— Daß im Uebrigen ein kalter Boden, namentlich wenn er zugleich feucht iſt, die Entſtehung von Erkältungskrankheiten(S. 62) be— günſtigt, iſt ſelbſtverſtändlich. —————————————,—,,——————-—— ,———-———— — S= S—Z—======= S== E gFg=S===S===——=YV——=— .=—==----=--y———— B:ñ———=FV====g S— BV———— MWazllore Mondaktstemfeeralaren, dussenefeeaan Seraaer ann erie ae urer ule ugast Seplene], Seoser Noreeber Deceee, 22. SWAAe aee« eese eT Awsee es. A22 ⸗,A. 22„S. 7522 A. 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Die oberſte Bodenſchicht, inner⸗ halb welcher dies geſchieht, wird als Verdunſtungszone bezeichnet. Aus den darunter liegenden, waſſerhaltigen Bodenſchichten wird aber dieſer Verdunſtungszone durch die Haarröhrchenanziehungskraft(Kapillar-⸗Attraktion) der im Boden vorhandenen Porenkanälchen immer von neuem Waſſer zu⸗ geführt und zwar umſomehr, je feinporiger der Boden, je größer daher ſeine Kapillar⸗Attraktion iſt. Auf dieſe Weiſe werden auch die über der Grundwaſſerzone liegenden Bodenſchichten feucht gehalten(Boden⸗ feuchtigkeit). Diejenige Waſſermenge, welche beim Eindringen in den Boden auf eine undurchläſſige Schicht(Thon oder Felſen) auftrifft, ſammelt ſich in den darüber liegenden Bodenſchichten an, füllt alle Poren und Lücken desſelben aus, und wird als Grundwaſſer(S. 71), die damit gefüllte Bodenſchicht als Grundwaſſerzone bezeichnet. Die zwiſchen dieſer und der Verdunſtungszone gelegene Bodenſchicht, in welche das Grundwaſſer vermöge der kapillaren Haarröhrchen⸗Anziehungskraft derſelben eindringen kann, nennt man kapillare Grundwaſſerzone. Die Höhe des Grundwaſſerſtandes iſt daher abhängig: a) Von der vertikalen Zuſtrömung, d. h. von der Menge der atmoſphäriſchen Niederſchläge(der Menge der Frühjahrs⸗ und Herbſt⸗ regen, der Menge des Schnees und der Schnelligkeit ſeiner Schmelzung), den aus Seen und Flußläufen in den Boden eindringenden Waſſermengen und von der Durchläſſigkeit des Bodens. Die Zeit, welche vergeht, bis dieſe Waſſermengen die Grundwaſſerzone erreichen, richtet ſich, abgeſehen von der Tiefe derſelben, nach der Poroſität des Bodens. Bei grobporigem, von Riſſen und Sprüngen durchſetztem Boden kann dies ſehr raſch geſchehen, bei feinporigem, dichten dagegen können Jahre hierzu erforderlich ſein. b) Von dem ſeitlichen bezw. horizontalen Zu⸗ und Abfluß. Iſt die undurchdringliche Schicht, auf welche das Grundwaſſer ſich anſammelt, mehr oder weniger geneigt, ſo wird in der Tiefe eine nach dem abhängigſten Punkte gerichtete(bis zu 20 m in 21 Stunden betragende) Grundwaſſer⸗ ſtrömung ſtattfinden; kann es von dieſem Punkte nicht weiter abfließen, ſo muß der Grundwaſſerſtand dort infolge ſeitlichen Zufluſſes ſteigen. e) Von der Verdunſtung an der Erdoberfläche. Da der Ver⸗ dunſtungszone durch die kapillare Anziehungskraft der Bodenporen fortwährend Feuchtigkeit aus der darunter liegenden Grundwaſſerſchicht zugeführt wird, und 94 Aeußere Krankheitsurſachen. zwar um ſo mehr, je feinporiger der Boden iſt, weil ferner die Verdunſtung an der Erdoberfläche aber um ſo größer iſt, je ſtärker dieſelbe erwärmt wird und je wärmer und trockener die darüber befindliche Luft iſt, ſo geht daraus hervor, daß der Grundwaſſerſtand bei Wärme und Trockenheit, alſo im Sommer, ſinken muß. Da ferner nachgewieſen worden iſt, daß in ſehr fein⸗ porigem Boden das einſinkende Waſſer in einem Jahre nur ca. 1,5 m vor⸗ dringt, daß ferner die von unten nach oben ſtattfindende Kapillarſtrömung nach der Verdunſtungszone eine ſehr erhebliche iſt, ſo kann bei einer ſolchen Bodenbeſchaffenheit, geringem vertikalen Zufluß(vergl. a, S. 93) und ſtarker Verdunſtung entweder keine Grundwa ſſeranſammlung Aaüefinden oder dieſe nur vom ſeitlichen Zufluß abhängig ſein. Die geſundheitliche Vedeniung der Bodenfeuchtigkeit beruht, abgeſehen von ihrer ſchon oben erwähnten Beziehung zur Entſtehung von Erkältungskrankheiten: a) In ihrem Einfluß auf den Pflanzenwuchs und hierdurch auf die Ernährung der Tiere. Auf ſehr feuchtem Boden gewachſenes, ſehr waſſerreiches, geilwüchſiges Futter bedingt einen geringeren Nährgehalt der Pflanzen und veranlaßt Durchfälle, Ernährungsſtörungen, bei Schafen bleichſüchtige und waſſerſüchtige Zuſtände; auf ſehr trockenem Boden ge⸗ wachſenes iſt ſehr waſſerarm, weniger entwickelt und nährt ſchlecht, ab⸗ geſehen davon, daß es in der Regel weniger Mrneralſrsſſtenzen bezw. Kalkſalze enthält, welche im trockenen Boden ungenügend gelöſt und daher weniger aſſimilierbar für die Pflanzen ſind. Auf feuchtem und ſumpfigem Boden gewachſene Pflanzen geben auch, wie ſchon S. 90 erwähnt, vielfach zur Entſtehung paraſitärer Erkrankungen Veranlaſſung, weil die Jugendformen verſchiedener tieriſcher Paraſiten(beſonders der Leberegel[S. 28], der verſchiedenen Lungenfadenwürmer[S. 28], des bei Schafen im Magen vorkommenden Palliſadenwurmes[Strongylus contortus] und einzelner Bandwürmer) an denſelben haften.— b. In ihrem Einfluß auf die Beſchaffenheit des Grundwaſſers, worüber ſchon S. 71, und c. in ihrem Einſfu auf Luftfeuchtigkeit und Lufttempera⸗ tur, wozu ſchon S. 56 und 60 das Erforderliche bemerkt iſt. d. Endlich erſcheint auch der Einfluß der Bodenfeuchtigkeit auf die Fußenden einzelner Weidetiere inſofern von nicht zu unterſchätzender Bedeutung, als ſehr feuchte, namentlich ſumpfige Weiden bei Pferden zu ſpitzwinkliger Feſſelſtellung(Bärentatzigkeit) und zur Entwicklung von Flachhufen mit getrennter Wand und bröcklicher, mürber Hornbeſchaffenheit, bei Schafen hingegen zu einer eitrigen Entzündung des Klauenſpaltes, der ſogenannten Dreck⸗ oder Moderhinke, führen kann. Die Bodenluft. Der Boden iſt wich nur für Waſſer, ſondern auch für Luft durchdringlich, und zwar um ſo mehr, je weitporiger er iſt. Dieſe Durchläſſigkeit hört ſelbſtverſtändlich teilweiſe oder vollſtändig auf, wenn die Poren teilweiſe oder ganz mit Waſſer gefüllt ſind. Werden die oberen Bodenſchichten erwärmt, ſo findet ein Aufſteigen der in den tieferen Bodenſchichten befindlichen Luft(Grundluft) nach oben, eine Grundluftſtrömung, ſtatt. Hierdurch wird es auch möglich, daß die Grundluft und die in derſelben enthaltenen gasförmigen Produkte der im en Bodenverhältniſſe. 95 Boden ſtattfindenden Zerſetzungen organiſcher Stoffe, Kohlenſäure(S. 55), Schwefelwaſſerſtoff(S. 57) und Ammoniak(S. 55) in die auf der Erd⸗ oberfläche errichteten Baulichkeiten ſtattfinden kann. Es wird das um ſo mehr geſchehen, je kälter die Außenluft iſt und je mehr die Bodenoberfläche durch die darüber befindlichen Gebäude erwärmt wird, vorausgeſetzt, daß der Fußboden derſelben für Luft zugänglich iſt. Einen weſentlich geſundheit-⸗ lichen Nachteil werden dieſe Gaſe bei der ſehr geringen Menge, in welcher ſie in der Bodenluft enthalten ſind, jedenfalls nicht ausüben können. Bei Defekten an Gasröhren kann der Bodenluft auch Leuchtgas bei⸗ gemengt werden, mit derſelben nach oben aufſteigen und nach Befinden Vergiftungserſcheinungen(S. 58) hervorrufen. 2. Die chemiſchen Verhältniſſe des Bodens. Dieſe kommen inſofern als Krankheitsurſache in Frage, als von den⸗ ſelben das Gedeihen und der Nährſtoffgehalt(S. 70) der darauf ge⸗ wachſenen, den Tieren zur Nahrung dienenden Pflanzen abhängt. Beein⸗ flußt wird letzterer durch die natürliche Zuſammenſetzung des Bodens und durch deſſen Düngung. Es kommt hierbei nicht nur auf die im Boden enthaltenen organiſchen Subſtanzen, den Humus, an, ſondern auch auf deſſen Gehalt an mineraliſchen Subſtanzen. Erſtere bedingen den Gehalt der Pflanzen an organiſchen Nährſtoffen. Ein an Humus, an Pflanzennährſtoffen armer Boden bedingt nicht nur eine kümmerliche Pflanzenentwicklung, ſondern auch eine ungenügende Ernährung der damit gefütterten Tiere. Von den mineraliſchen Beſtandteilen des Bodens hat der Kalk die größte Bedeutung, da bei Mangel desſelben im Boden, wie ſchon S. 74 geſagt, auch die darauf gewachſenen Pflanzen zu wenig Kalk ent⸗ halten, eine kalkarme Nahrung aber zu gewiſſen Erkrankungen des Knochengerüſtes führt. Dieſe beſtehen in einer Verarmung desſelben an Kalk, infolge deren die organiſche Grundſubſtanz des Knochens beim jungen Tiere weich und biegſam bleibt: die Lähme oder Rhachitis; oder der fertige Knochen des erwachſenen Tieres wieder entkalkt und daher brüchig wird: Knochenbrüchigkeit oder bei noch weiterer Ent⸗ kalkung weich, porös: Osteomalacie, Knochenweiche.— Ferner kommt in Betracht der zu ſtarke Gehalt des Bodens an Kaliſalzen, die bei ſtarker Stallmiſtdüngung an die aus dem Ammoniak derſelben entſtehenden Salpeterſäure gebunden, namentlich Rüben und Rübenblättern einen ſehr hohen Salpetergehalt(40 g auf 100 Pfund) verleihen kann. Längere Zeit verabreicht, muß ein ſolches Futter Durchfälle und Herz— 0 ſchwäche veranlaſſen. 3. Der Gehalt des Bodens an ſaprogenen Bakterien und die im Boden ablaufenden Zerſetzungsprozeſſe. In jedem Boden finden ſich mehr oder weniger zahlreiche ſapro— gene Bakterien(S. 38, 49). Am größten iſt der Gehalt an ſolchen bis zu 96 3 Aeußere Krankheitsurſachen. einer Tiefe von ca. 10 cm, ſie kann hier im Kubikcentimeter Hundert⸗ tauſende bis Millionen betragen. Bis zu 1—2 m Tiefe bleibt der Bakteriengehalt immer noch ein reichlicher, ſinkt dann plötzlich auf einige Tauſende im Kubikzentimeter, um bei 3—6 m Tiefe in der Regel ganz zu verſchwinden. Durch die ſaprogenen Bakterien werden die im Boden ununter— brochen ablaufenden chemiſchen Zerſetzungen der darin enthaltenen or⸗ ganiſchen Subſtanzen pflanzlicher und tieriſcher Abkunft bewirkt. Indem dieſelben die zu ihrer Ernährung erforderlichen einfachen chemiſchen Nähr⸗ ſtoffe(S. 2) den organiſchen Bodenbeſtandteilen entnehmen, veranlaſſen ſie eine Zerlegung derjenigen höheren organiſchen Verbindungen(Eiweiß Fett, Kohlehydrate, Mineralſtoffe), aus welchen letztere beſtehen, in Kohlen⸗ ſäure, Waſſer, Salpeterſäure bezw. Ammoniak, Schwefelwaſſerſtoff und Salze. Dieſe Zerlegung hört auf, wenn man den Boden ſteriliſiert und beginnt von neuem, wenn man demſelben wieder Bakterien zuführt. Es ſteht feſt, daß die verſchiedenen Zerſetzungen immer nur durch beſtimmte Bakterienformen hervorgerufen werden. Feuchtigkeit und Wärme als not⸗ wendige Lebensbedingungen der Bakterien(S. 45) beeinfluſſen den Grad dieſer Zerſetzungen. Da die Bakterien nur in den oberen Bodenſchichten enthalten ſind, ſo werden letztere auch nur dort ablaufen können. Die Menge der dort gebildeten Zerſetzungsprozeſſe wird natürlich auch ab⸗ hängig ſein von der Menge der dort vorhandenen organiſchen Sub⸗ ſtanzen. Die Menge der Kohlenſäure z. B., welche man verſucht hat als Maßſtab für die Größe der im Boden ablaufenden Zerſetzungen zu verwenden, beträgt im ſterilen Wüſtenboden nur 0,9%, im Ackerboden 15%. 4. Der Gehalt des Bodens an pathogenen Bakterien. Neben den ſaprogenen Bakterien ſind auf und im Boden auch pathogene Bakterien(S. 46) enthalten, welche um ſo beſſer in demſelben gedeihen, je mehr organiſche Stoffe derſelbe enthält. Die Entwickelungs⸗ und Lebensfähigkeit der auf der Bodenoberfläche oder in den alleroberſten Bodenſchichten befindlichen pathogenen Bakterien wird aber teils durch das Licht, teils durch die Lebensthätigkeit der weit widerſtandsfähigeren und üppiger wachſenden Fänulnisbakterien, in größeren Tiefen— von ca. 2 m ab— aber durch die Abnahme der Wärme und des Sauer⸗ ſtoffes und durch die Zunahme der durch die organiſchen Zerſetzungs⸗ vorgänge gebildeten Kohlenſäure gehemmt oder vollſtändig aufgehoben. Dagegen kann in den oberen Bodenſchichten bis zu 25 cm Tiefe bei Ausſchluß des Lichtes und bei genügender Wärme und Feuchtigkeit die Entwickelung pathogener Bakterien eine recht üppige ſein. In geſund⸗ heitlicher Beziehung gilt daher im allgemeinen die Annahme, daß ein grobporiger, Luft und Feuchtigkeit in die tieferen Schichten leicht ein— der⸗ t der inije ganz iner⸗ 1or⸗ ndem lähr⸗ aſſen weiß hlen⸗ und und Es umte lot⸗ auch elben ungs⸗ eiſten ducch ſgeren von Sauer⸗ zungs⸗ hoben. fe be it di ſund⸗ aß ein ht ein⸗ Bodenverhältniſſe. 97 dringen laſſender Boden, der zugleich reich an organiſchen Subſtanzen iſt, die Entwickelung pathogener Bakterien begünſtigt, vorausgeſetzt, daß dieſelben nicht durch ſaprogene Bakterien überwuchert werden. Auf die Oberfläche des Bodens gelangen die pathogenen Bakterien teils mit den Ausſcheidungen(Kot, Urin, Speichel) bezw. dem Blut kranker Tiere, in den Boden teils durch Hineinſpülen mit dem Regen⸗ waſſer oder durch das Eingraben der Kadaver oder den Dünger ſolcher Tiere. Einzelne, ſogenannte fakultative pathogene Bakterien(S. 46) ſind ſchon naturgemäß auf die Entwicklung im Boden angewieſen und gelangen nur zufällig in den Tierkörper und aus dieſem wieder in den Boden zurück.— Bis in das Grundwaſſer gelangen die pathogenen Bakterien mit dem Regenwaſſer nur dann, wenn der Boden ſehr grob⸗ porig und zerküftet iſt, und dasſelbe raſch bis zum Grundwaſſer ein⸗ dringen kann. Bei feinporigem Boden iſt das Eindringen des Regen⸗ waſſers, wie ſchon S. 94 gezeigt, ein ſo langſames, daß die Bakterien in den Tiefen unter 25 cm ſchon eher zu Grunde gehen, ehe ſie den Grundwaſſerſpiegel erreichen. Die auf die Oberfläche des Bodens oder in deſſen alleroberſte Schicht gelangenden pathogenen Bakterien gehen, wenn ſie keine Dauer⸗ ſporen(S. 45) zu bilden oder der Eintrocknung nicht zu widerſtehen vermögen, teils durch letztere, teils durch die Einwirkung des Lichtes zu Grunde. Im entgegengeſetzten Falle können ſie im ſtaubförmigen Zuſtande mit der Luft fortgeweht und durch Einatmung oder durch Eindringen in Wunden wieder auf Tiere übertragen werden(S. 39); oder dieſe Uebertragung erfolgt durch Inſekten oder durch Pflanzen, auf welche ſie mit dem Luftſtaub gelangt, oder an deren unteren Teilen bakterienhaltige Erdpartikelchen hängen, welche mit letzteren aufgenommen werden. Die in den Boden gelangten Bakterien haben nur eine kurze Lebensdauer von wenigen Monaten, vorausgeſetzt, daß ſie nicht in die Gruppe der fakultativen pathogenen Bakterien gehören, welche ſich auch im Boden fortzupflanzen, bezw. in demſelben Dauerſporen (S. 45) zu bilden vermögen. Erſteres iſt der Fall bei den Bakterien des Rotlaufes, der Schweineſeuche, Bruſtſeuche, Wild- und Rinder⸗ ſeuche, Hühnercholera, des infektiöſen Verwerfens, der Kopfkrankheit des Rindes ec., letzteres vor allem beim Milzbrand, Rauſchbrand, malignen Oedem und Starrkrampf. Da die Sporenbildung bei Temperaturen unteer+ 12⁰ C. nicht mehr ſtattfindet, eine ſolche aber in einer Tiefe von 3 m auch im Sommer nicht erreicht wird(Fig. 102), ſo werden Kadaver, welche ſporenbildende Bakterien enthalten, unſchädlich, wenn ſie bis zu dieſer Tiefe eingegraben werden. Da auch alle anderen, nicht ſporenbildenden pathogenen Bakterien in dieſer Tiefe meiſt raſch zu Grunde gehen, ſo iſt die Gefahr einer Krankheitsübertragung durch Bakterien, welche mit dem Regenwaſſer in dieſe Bodentiefe gelangt, oder mit Kadavern in derſelben eingeſcharrt worden ſind, nur eine minimale. Johne. 7 98 Aeußere Krankheitsurſachen. Im allgemeinen bieten daher nur die bis zur Tiefe von ca. 25 cm in den Boden gelangten pathogenen Bakterien eine Infektionsgefahr. Die Art und Weiſe, in welcher die bis zu dieſer Tiefe oder noch tiefer in den Boden gelangten oder die im Boden lebenden Bakterien⸗ formen wieder auf die Erdoberfläche gelangen und wieder auf Tiere übertragen werden können, iſt eine ſehr verſchiedene. Entweder werden ſie mit dem in den Boden ſinkenden Regenwaſſer dem Grund— waſſer und damit den Brunnen zugeführt und von den Tieren wieder mit dem Trinkwaſſer aufgenommen; oder ſie gelangen durch Auf⸗ graben des Bodens, oder durch Aufwühlen desſelben durch Maul⸗ würfe, oder auch durch Regenwürmer(welche fortwährend Erde in ſich aufnehmen und dieſelbe mit ihren Exkrementen zum Teil wieder an der Erdoberfläche abgeben) an die Oberfläche, trocknen dort ſtaubförmig ein, und werden, wie ſchon oben angegeben, auf die eine oder andere Weiſe von neuem auf und in Tiere gelangen. Von Pettenkofer wird auch behauptet,— und es ſprechen hierfür thatſächlich mancherlei auch bei Tierkrankheiten gemachte Beobachtungen— daß ein Aufſteigen der in den tieferen Bodenſchichten befindlichen Bakterien mit der Grundluft⸗ ſtrömung(S. 94) ſtattfinden könne, und zwar dann, wenn das Grund⸗ waſſer und damit die Verdunſtungszone ſinkt, die Bakterien alſo nicht mehr durch das Grundwaſſer oder die Feuchtigkeit des Bodens zwiſchen dieſem und der unteren Grenze der Verdunſtungszone feſtgehalten werden. Bodenkrankheiten. Die durch Uebertragung der im Boden vor⸗ handenen, dort lebens⸗ und fortpflanzungsfähigen, alſo fakultativen pathogenen Bakterien auf Tiere und Menſchen entſtehenden Infektions⸗ krankheiten werden als Bodenkrankheiten bezeichnet. Zu denſelben gehören: Milzbrand, eine raſch tödlich verlaufende, vor allem beim Rind und Schaf vorkommende Bluterkrankung, welche durch den zu Millionen im Blute auftretenden, ſich in demſelben durch Längswachstum und Zweiteilung ver⸗ mehrenden Milzbrandbazillus(Fig. 48) hervorgerufen wird. Derſelbe ver— mag bei günſtigen Exiſtenzbedingungen, d. h. beim Vorhandenſein reichlicher organiſcher Subſtanz, genügendem Zutritt von Sauerſtoff und Feuchtigkeit und bei einer Wärme von nicht unter 12—140, auch außerhalb des Tierkörpers im Boden oder auf der Oberfläche desſelben zu wachſen. Dieſes Wachstum beſchränkt ſich aber in der Regel darauf, daß die Bazillen zu, langen Fäden auswachſen, in denen ſich große Mengen von kleinen, ovalen, ſtark lichtglänzen⸗ den Dauerſporen bilden, welche von einer ganz außerordentlichen Widerſtands⸗ fähigkeit ſind und ſich 10 Jahre und noch länger im Boden lebensfähig erhalten. Die Infektion des Bodens durch Milzbrandbazillen oder deren Sporen wird hauptſächlich durch oberflächlich eingeſcharrte Kadaver(bei 3 m Tiefe, in welchen in unſeren Breitenſelbſt im Hochſommer eine Temperatur von unter+ 12—14° C vorhanden iſt, findet eine Sporenbildung der Milzbrandbazillen niemals ſtatt) bewirkt; ſie kann aber auch durch den blut- und daher bazillenhaltigen Kot milzbrandkranker Tiere ſtattfinden, in dem ſich unter den eben bezeichneten günſtigen Bedingungen(welche auf feuchten, ſumpfigen, baumloſen, der Sonne den ganzen Tag ausgeſetzten Weiden im Hochſommer ſehr wohl vorhanden ſein können) Sporen bilden, S=== 4 ☛ —. —. V iſchen erden. vor⸗ ativen tions⸗ hören: d und Plute ig ver⸗ de ber⸗ ſchlicher ctigkeit (körpers achstum Füden glänzel⸗ rſtande⸗ nsfäbig r deren bei 3 1 nverate ung dei urch da atfnden, (lche auf sgeſezte bildden. Bodenverhältniſſe. 99 die mit dem einſickernden Regenwaſſer in den Boden oder in Pfützen und Waſſerläufe gelangen können, aus welchen andere geſunde Tiere ſaufen. Außerdem kann die Uebertragung dieſer in oder auf dem Boden befindlichen Dauerſporen, vor allem noch durch den Genuß der auf dem inftzierten Boden gewachſenen Pflanzen, an deren unteren Teilen ſie iſoliert mit dem Bodenſtaub oder mit Erdpartikelchen gelangt ſein können, ſeltener durch Einatmung mit dem Luftſtaub oder durch Eindringen in Wunden erfolgen. Sobald die Dauerſporen in den tieriſchen Körper gelangt ſind, wachſen ſie ſofort wieder zu Bazillen aus, die ſich durch Teilung in fabelhaft raſcher Weiſe im Blute vermehren.— Durch Einimpfung bazillenhaltigen Blutes, ſeltener durch den Genuß von Fleiſch und Blut kranker Tiere, iſt der Milz⸗ brand auch direkt auf andere Tiere übertragbar. Rauſchbrand iſt eine weſentlich in einer maſſigen blutig⸗ſeröſen Durch⸗ tränkung(Infiltration) des unter der Haut und zwiſchen und in den Muskeln vorhandenen Bindegewebes beſtehende Erkrankung mit Entwicklung reichlicher Gasblaſen in letzterem. Sie tritt vor allem beim Rind und Schaf, ſeltener bei Ziege und Pferd auf, und iſt als eigentliche Bodenkrankheit an ganz beſtimmte Lokalitäten gebunden. Erzeugt wird der Rauſchbrand durch den Rauſchbrandbazillus, ein kleines Stäbchen mit in der Regel endſtändiger Sporenbildung(Fig. 85). Im Gegenſatz zum Milzbrandbazillus findet die Sporenbildung auch innerhalb des Körpers, meiſt aber erſt nach 24— 48 Stunden nach dem Tode innerhalb des Kadavers ſtatt. Die Dauerſporen ſind gleich⸗ falls ungemein widerſtandsfähig, halten ſich ſowohl im getrockneten Zuſtande (im Staube), als im Boden, außerordentlich lange lebensfähig, ſind aber nur durch tiefergehende Verletzungen der Haut oder Schleimhaut auf Tiere übertragbar. Malignes Oedem, eine teigartige, ſchmerzhafte, ſehr umfängliche An⸗ ſchwellung der einen oder anderen Körperpartie, welche durch eine gelbſulzige, zeitweilig mit Gasblaſen vermiſchte Infiltration des darunter befindlichen Fett⸗ und Bindegewebes bedingt iſt. Die Urſache desſelben ſind in dieſen Infiltrationen während des Lebens aber niemals im Blute vorkommende, kleine, ſchlanke Stäbchen von verſchiedener Länge, welche im Kadaver zu langen, gebogenen und gegliederten Fäden auswachſen und mittelſtändige Sporen bilden(Fig. 84). Der Oedembazillus und ſeine Sporen kommen überall in der Natur und auch im Boden vor, ſein Eintritt in den Tierkörper erfolgt rufale nur von Wunden aus, in deren Umgebung ſich das maligne Oedem entwickelt. Der Starrkrampf oder Tetanus, welcher durch kleine, mit kugel⸗ runden Endſporen verſehene Bazillen hervorgerufen wird, die ebenfalls außerordentlich widerſtandsfähig ſind, überall in der Kulturerde angetroffen werden und gleichfalls nur durch Wunden in den Körper einzudringen vermögen. Weiter glaubt man noch mit einer Infektion vom Boden aus in Zu⸗ ſammenhang bringen zu müſſen: Die Hühnercholera, Schweineſeuche und die Wild⸗ und Rinderſeuche, eine Gruppe von Krankheiten, welche ſämtlich durch ganz kurze, in der Mitte ſtets ungefärbt bleibende Bakterien, ſogenannte Gürtel⸗ bakterien(Fig. 88) erzeugt werden. Dieſelben unterſcheiden ſich in ihrem Aeußeren und ihren Wachstumsverhältniſſen nicht von einander, wohl aben in ihrer Infektioſität für die verſchiedenen Tiergattungen. Es iſt zweifellos, daß dieſe Bakterien im Boden leben und ſich daſelbſt vermehren können. 7* 100 Krankheitsverhütung. Auch die Bruſtſeuche der Pferde, ſowie das ſeuchenhafte Ver⸗ kalben und die bösartige Kopfkrankheit bei Rindern werden ihrem ganzen Auftreten nach durch Mikroorganismen erzeugt, die im Boden zu leben und ſich in demſelben fortzupflanzen vermögen. Indes ſind nur die bazillären Erreger der beiden erſteren Krankheiten bekannt, während die der letzteren bisher noch nicht nachgewieſen werden konnten.— Aehnlich dürfte es ſich mit der Kälberruhr und dem Panaritium(Klauenſpaltgeſchwüre) des Rindes verhalten, deren pathogener Mikroorganismus indeſſen noch nicht mit zweifel⸗ loſer Sicherheit bekannt iſt. II. Die Krankheitsverhütung. A. Die Krankheitsverhütung durch den natürlichen Welbſt⸗ ſchutz des Organismus. Dieſer iſt aktiver(ſelbſtthätiger) und paſſiver Natur. 1. Der aktive Selbſtſchutz oder die natürlichen Abwehreinrich⸗ tungen des Organismus. Der natürliche Selbſtſchutz beſteht in der ſelbſtthätigen Gegenwirkung gewiſſer Organe, durch welche den Körper treffende Schädlichkeiten voll⸗ ſtändig abgewehrt oder ſo abgeſchwächt werden, daß dieſelben keinen nach— teiligen Einfluß auf die Lebensvorgänge zu äußern vermögen. Die ununterbrochene Thätigkeit dieſer Abwehrvorgänge ſteht unter der Herrſchaft des Nervenſyſtems und erfolgt vollſtändig unwill— kürlich. Zum Verſtändnis dieſer wunderbaren Vorgänge iſt folgendes nötig. Das Nervenſyſtem ſtellt ein im ganzen Körper verbreitetes und in allen ſeinen Teilen zuſammenhängendes Gewebe dar, welches außer einer ver⸗ bindenden Grundſubſtanz aus Zellen und Faſern beſteht. Die Nervenzellen(Ganglienzellen) ſind einzeln oder in Gruppen im Verlaufe der Nerven(Fig. 103 f, g, i) verteilt, in beſonders großen Mengen aber im Rückenmark(Fig. 104) und Gehirn angehäuft. Sie bilden die Zentralſtellen von welchen aus gewiſſe Thätigkeiten des Organismus an⸗ geregt und geregelt werden, und führen daher den Namen Nervenzentra. Ihre Verteilung im Geſamtorganismus zeigt ſchematiſch die Fig. 105. Zunächſt wird die Thätigkeit eines jeden Organes angeregt und geregelt durch kleine in demſelben eingelagerte Nervenzellenhaufen, die ſogenannten direkten Organzentra(Fig. 105 a). Dieſe ſtehen wieder unter höheren Hentralſtellen, welche im Rückenmark liegend(Fig. 105 b, b) vielen Organzentren vorſtehen und als übergeordnete oder indirekte Organzentren be⸗ zeichnet werden. Aber auch dieſe unterſtehen wieder noch höheren Zentren, Der aktive Selbſtſchutz des Organismus. 101 ben V welche im verlängerten Mark(Fig. 105) eingebettet ſind und ihrerſeits wieder iren vom Großhirn(Fig. 105 d), dem Sitz der bewußten Wahrnehmungen und des 3.e ich⸗ kung vol⸗ nah⸗ Die der Fig. 103. Eine Anhäufung von Nervenzellen(t, g, i) : innerhalb eines Nerven b(ein ſog. Ganglion); vill⸗ a, e, d ſich mit letzterem kreuzende und davon ab⸗ zweigende Nerven. Fr. i. rallen M tvei⸗ Fig. 105. Schematiſche Darſtellung der Anordnung des Nervenſyſtems. ruppen a Blutgefäß mit Nervenzellen⸗ ut haufen(direktes Organzentrum); großen h Muskelfaſer mit nervöſem End⸗ bilden apparat; e Haut mit Taſtkörper⸗ us ol⸗ chen(nervöſer für die Aufnahme von Reizen beſtimmte Endapparat); enträ. b, o, d Nervenzentren im Rücken⸗ ö. mark, verlängertem Mark und Ge⸗ eregel hirn; f Cee.) zentripetalleitende, 4, g(—zentrifugalleitende Nerven⸗ aunten Fig. 104. Nervenzelle aus dem Rückenmark(Ganglien⸗ bahnen; R Rückenmark; VM ver⸗ höheren zelle). PFr. längertes Mark; G Gehirn. geutren ren be⸗ Willens, beherrſcht werden. Von hier aus können die meiſten Organzentra entrel, auch ohne jede äußere Anregung direkt durch den Willen in Thätigkeit geſetzt werden. Wir ſehen z. B., daß ein Pferd die Muskeln ſeiner Haut oder 102. Krankheitsverhütung. ſeiner Schenkel, ohne hierzu eine Anregung von außen zn erhalten, lediglich durch den Einfluß ſeines Willens in Thätigkeit ſetzen kann. Dieſe ganze Anordnung der alle Lebensvorgänge beherrſchenden Zentral⸗ ſtellen des Nervenſyſtems kann man ungezwungen mit den Einrichtungen eines monarchiſchen Staatslebens vergleichen. Die Organzentren entſprechen den niederen Verwaltungsbehörden, z. B. den Gemeindebehörden, welche eine ganze Reihe laufender Geſchäfte ohne direkte Beeinfluſſung der nächſt⸗ vorgeſetzten Behörden erledigen können, in allen wichtigeren Angelegenheiten aber den Amts⸗ und Kreishauptmannſchaften bezw. Landräten oder Re⸗ gierungen— das ſind die indirekten oder übergeordneten Zentren des Rückenmarcks— unterſtehen. Aber auch dieſe können in vielen Dingen nicht ſelbſtändig handeln, ſondern unterſtehen wieder den verſchiedenen Miniſterien— das ſind noch höhere Zentren im verlängerten Mark(Fig. 105 VM)—, welche wiederum dem Staatsoberhaupt, dem Großhirn(G), untergeordnet ſind. Die Nervenfaſern(Fig. 103, a, b, d, e) ſind nur Leitungsapparate, welche wie Telegraphendrähte die Zentralſtellen teils unter ſich, teils mit den Organen in Verbindung ſetzen und die Fähigkeit beſitzen, Einwirkungen, „Reize“, welche irgend eine Stelle des Körpers treffen, fortzuleiten. Die Richtung, in welcher die Nervenfaſern dieſe erhaltenen Reize oder Erregungen — fortleiten, iſt eine doppelte, und unter⸗ ſcheidet man dementſprechend ſolche, welche a. Erregungen von außen, bezw. von ihren peripheren Endpunkten, mittelſt eigentümlich gebildeter Endapparate(Fig. 105 e u. 106,) aufnehmen, nach den alle Lebensvorgänge und Lebenserſcheinungen regelnden Zentralorganen des Nerven⸗ ſyſtems, dem Gehirn(Fig. 105, G), verlängerten Mark(Fig. 105, Vm) und Rückenmark(Fig. 105, R) leiten; ſie werden daher zentripetale, d. h. nach Innen leitende Nerven(Fig. 16 f) genannt. Es ſind dies jene Nerven, welche wir als Empfindungs⸗ oder ſpezieller als Gefühls⸗ und Sinnesnerven deshalb bezeichnen, weil ſie in den mit ihnen in Verbindung ſtehenden Nerven⸗ zellengruppen(Nervenzentren) des Gehirns gewiſſe, durch die äußeren Einwirkungen hervorgerufene Erregungen(Licht⸗, Gehör⸗, 7 gi N hee Geruch⸗, Sehmerzebfindungen ꝛc.) hervor⸗ Fig. 106. Ein Nervenendapparat im fen. ieſ hesſeenerenfheeneeig urſer, Solgeiſe bbſhürigen wdd Vater⸗Paciniſches Körperchen. b Kol⸗ Ber 2,1. e, benmaſſe aus blättriger Subſtanz be- Anregung zu gewiſſen Thätigkeitsäuße⸗ ſtehend; a, c austretender Nerv. ElIl. rungen des Organismus gegeben, welche den Zweck haben, die urſächliche äußere Einwirkung entweder vollſtändig abzuwehren oder in einer für den Organis⸗ mus günſtigen Weiſe zu regeln, bezw. für denſelben nutzbringend zu verwerten. Die Uebertragung dieſer Anregung auf das in Thätigkeit zu ſetzende Organ ielai durch die andere Art von Nervenfaſern, welche umgekehrt wirken, d. h. welche Abwe nahn Drga ſelbſt ſyſten hewitk Veiſc virken nißiig wehre richtun Der aktive Selbſtſchutz des Organismus. 103 i b. Erregungen vom Zentrum nach der Peripherie, d. h. nach außen hin, leiten, und daher als zentrifugale, d. h. nach Außen leitende Nerven tal.(Fig. 105 g) bezeichnet werden. Sie endigen in den verſchiedenen Organen igen ebenfalls mit ſehr verſchiedenen Endapparaten, und regeln deren Thätigkeit cen zum Beſten des Geſamtorganismus. So z. B. in den Blutgefäßen mit lche Nerrvenzellen, welche deren Erweiterungen und Verengerungen— Fig. 105, a— chſe oder in den Muskeln mit eigentümlichen plattenförmigen Endapparaten, iten welche die Zuſammenziehungen und Erſchlaffungen derſelben regeln(Fig. 105,h), Re⸗ endigen. Je nach den Organen, wohin dieſe Nervenfaſern von den be⸗ des treffenden Zentralſtellen aus führen, und der Thätigkeit, welche ſie anregen, nicht unterſcheidet man wieder Bewegungs⸗ oder motoriſche Nerven, welche 1— die Verbindung mit einem Muskel vermitteln(Fig. 105 g, h), deſſen Zu⸗ (lche ſammenziehung veranlaſſen und hierdurch gewiſſe Bewegungen bewirken; gefäßbewegende oder vaſomotoriſche Nerven, welche zu den Blut⸗ rate gefäßen führen(Fig. 105, g, a) und deren Verengerungen und Erweiterungen, nit damit aber die Menge des in einen Körperteil fließenden Blutes regeln; gen, ferner Abſonderungen anregende oder ſekretoriſche Nerven, welche die zu Drüſenzellen führen und dieſe zur Thätigkeit anregen oder letztere herab⸗ ngen ſetzen; endlich ſogenannte trophiſche, die Ernährung regelnde Nerven, lter⸗ welche von einer bisher allerdings noch unbekannten Zentralſtelle aus die che Vorgänge der Ernährung in den einzelnen Organen zu ſteigern oder zu ver⸗ mindern vermögen. Hochintereſſant iſt es hierbei, daß alle dieſe durch die nn Erregung der bezeichneten zentrifugalleitenden Nerven veranlaßten ver⸗ tulſt ſchiedenen Thätigkeiten durch die Erregung einer letzten Art derartiger Nerven, Fin den ſogenannten Hemmungsnerven, eingeſchränkt oder aufgehoben werden nu können. b Die Schnelligkeit, mit welcher die Fortleitung der Erregung , in einem Nerven erfolgt, ſoll ca. 30— 40 m in der Sekuude betragen. V) Alle Vorgänge, welche im Organismus in der Weiſe ablaufen, daß eiten; durch einen zentripetalen Nerven in irgend einer Zentralſtelle des Nerven⸗ d. h. ſyſtems eine Erregung hervorgerufen wird, welche ein nach außen Gentri⸗ 16 1p fugal) leitender Nerv nach irgend einem Organe überträgt und in dem⸗ welche ſelben irgend eine Thätigkeit veranlaßt, nennt man Reflexe, d. h. Rück⸗ zieler wirkungen oder reflektoriſche, d. h. Rückwirkungs⸗ oder Gegen erven wirkungs⸗Vorgänge. Je nachdem dieſelben durch motoriſche, ſekre⸗ n mit toriſche, vaſomotoriſche oder trophiſche Nerven angeregt werden, unterſcheidet erben⸗ man auch dementſprechende Reflexe. thin Ein näheres Eingehen auf die aktiven Selbſtſchutz⸗ oder natürlichen dune Abwehrvorgänge des Organismus zeigt, daß dieſelben ohne Aus⸗ 6 nahme Reflexvorgänge, d. h. Gegen⸗ oder Rückwirkungen des nvid Organismus auf äußere Einwirkungen ſind, welche ganz 1s di ſelbſtthätig, d. h. ohne Einfuß des Willens durch das Nerven⸗ aänhe⸗ ſyſtem angeregt und geregelt werden. Da durch ihre Thätigkeit welch bewirkt wird, daß die Lebensvorgänge trotz der außerordentlichen äußert Verſchiedenheit und dem ſteten Wechſel der auf den Körper ein⸗ rgann⸗ wirkenden nützlichen und ſchädlichen Außenverhältniſſe in regel⸗ vete mäßiger Weiſe ablaufen, ſo bezeichnet man dieſe natürlichen Ab⸗ u wehrvorgänge auch als regulatoriſche(regelnde) Vorgänge oder Ein⸗ richtungen. 104 Krankheitsverhütung. 2. Der paſſive Selbſtſchutz. Dieſer beſteht in anatomiſchen oder chemiſchen Einrichtungen des Organismus, durch welche die den Körper treffenden Schädlichkeiten von dieſem nicht ſelbſtthätig(aktiv) abgewehrt, ſondern deren Eindringen einfach paſſiv verhindert wird. a) Der anatomiſche Selbſtſchutz wird vor allem durch jene aus hautartig zuſammenhängenden, in ein⸗ oder mehrfacher Schicht über⸗ einander gelagerten plattenartigen oder cylinderförmigen Zellen, Epithel⸗ zellen, gebildeten Ueberzüge(Fig. 1, b— e und l— d, w) bewirkt, welche teils die äußere Körperoberfläche bedecken, teils alle diejenigen Höhlen, Fig. 107. Mehrſchichtiges Plattenepithel. Ell. Kanäle, Schläuche und Gänge des Körpers auskleiden, welche mittelbar oder unmittelbar mit der Außenwelt durch Oeffnungen(Mund, After, Naſenöffnungen, Augenlidſpalte, Geſchlechtsöffnungen ꝛc.) in Verbindung ſtehen(Verdauungs⸗ und Luftwege ꝛc.). Zu dieſen ſchützenden Ueberzügen gehören zunächſt jene dicken, mehr⸗ ſchichtigen, in ihren oberen Lagen verhornten Epithelien, welche teils die ganze Oberfläche der äußeren Haut als ſogenannte Epidermis⸗ oder Ober⸗ haut(Fig. 110, c, d) bedecken und ſich noch in die Haarſäckchen⸗ und Drüſen⸗ ausführungsgänge(Fig. 110, 1m) der Haut hinein fortſetzen; teils als ge⸗ ſchichtetes Plattenepithel(Fig. 107) diejenigen mit der äußeren Körper⸗ oberfläche in direktem Zuſammenhange ſtehenden Schleimhauthöhlen und Kanäle auskleiden, welche beſonders leicht einwirkenden mechaniſchen oder chemiſchen Schädlichkeiten ausgeſetzt ſind(Maul⸗ und Rachenhöhle, Schlund, ——— d von nfach jene über⸗ theb⸗ velche äöhlen, ttelbar Äfter, indung mehr⸗ is die Ober⸗ Drüſel⸗ ls ge⸗ Körper⸗ en und u odet chlund, Der paſſive Selbſtſchutz. 105 die linke Magenhälfte der Einhufer, die drei erſten Magenabteilungen der Wiederkäuer, Scheide ꝛc.) Ganz beſonders ſtark entwickelt finden ſich dieſe verhornten Oberhautſchichten als ſchützende Ueberzüge der Fußenden, wo ſie den Hornſchuh der Einhufer(Fig. 150 0, p, d), die Klauen der Spalthufer und die Krallen der Fleiſchfreſſer bilden. Einen ſcheinbar weniger vollkommenen Schutz gegen äußere Schädlich⸗ keiten ſcheinen jene, aus langgeſtreckten, mehr oder weniger zylindriſchen, weichen, nur in einer Schicht gelagerten Zellen beſtehenden Ueberzüge der Schleimhäute des Ver⸗ dauungsapparates zu bilden, welche als Cy— linderepithel bezeichnet werden(Fig. 108 a). Ihre ſchützende Eigenſchaft wird jedoch ganz weſentlich dadurch geſteigert, daß ſich un⸗ ausgeſetzt ein Teil der ſtets durch junge nachwachſende Zellen er⸗ ſetzenden Epithelzellen in Schleim umwandelt, wel⸗ cher als zuſammen⸗ hängende, mehr oder weniger zähe Decke (Fig. 108 b— d) die Schleimhaut an ihrer freien Fläche überzieht. Eine außerordentlich wirkſame anatomiſche Schutzvorrichtung bilden 1s Cnltnberedthel der Sc f.d. acl G ſächli ig. 2 inderepithel der Schleimhaut; b, c, d Schleim⸗ ferner jene haußtſächlich Fir we ſgict enfeder Lberihe degſate Bi.s Luftwege(Naſenhöhle, Kehlkopf, Luftröhre mit ihren Verzweigungen) vorkommenden Epithelüberzüge, welche aus kleinen cylindriſchen, in ein⸗ oder mehrfacher Lage dicht neben⸗ einander ſtehenden Zellen zuſammengeſetzt und dadurch eigentümlich ſind, daß letztere an ihren freien Enden mit vielen feinen Härchen beſetzt erſcheinen(Fig. 109). Dieſe Flim⸗ merhaare befinden ſich unaufhörlich in einer ſchwingenden, ziemlich kräftigen Bewegung in der Richtung von innen nach außen(in der Sekunde 3—5 Schwingungen), ſo⸗ daß die Oberfläche eines ſolchen in Thätigkeit befindlichen, ſogenannten Flimmerepithels faſt das An⸗ ſehen eines wogenden Aehrenfeldes erhält. Die hierbei geleiſtete Arbeit²) — bietet einen Selbſtſchutz von größter Fig. 109. Mehrſchichtiges Flimmerepithel. ElIl. Tragweite inſofern, als er ver⸗ hindert, daß die mit der Atmungs⸗ *) Henke fand, daß auf die noch lebenswarme Luftröhrenſchleimhaut eines eben Hingerichteten gelegter Kohlenſtaub in 15 Sekunden ca. 6— 8 mm. weit nach oben bewegt wurde. 106 Krankheitsverhütung. luft in die Luftwege gelangten, unbelebten oder belebten Staubteilchen (unter letzteren beſonders die krankheitserzeugenden Bakterienformen, z. B. Tuberkel⸗, Rotz⸗, Milzbrandbakterien ꝛc.) in die Lunge und das Lungen⸗ Fig. 110. Schematiſcher Durchſchnitt der Haut. a der aus Bindegewebe beſtehende Hautkörper (Lederhaut, Corium), deſſen tiefere Schichten ohne ſcharfe Grenze in das Unterhautvinde⸗ gewebe übergehen, in dem das Fett in träubchenförmigen Häufchen b eingelagert iſt; c die tieferen unverhornten, d die oberen verhornten Schichten der Oberhaut; e die Hautpapillen; f ſtarke Arterienſtämme, welche die Haut mit Blut verſorgen, bei h ſich in ſchlingenförmig umbiegende Haargefäße verzweigen, aus welchen das Blut durch die Venen g wieder zurück⸗ fließt; i Schweißdrüſen; k Ausführungsgang; 1 Ausmündung derſelben; n Hauttalgdrüſe; m Ausmündung derſelben, o Haarſack mit Haarzwiebel und Haarſchaft. gewebe ſelbſt und von dort aus in das Blut eindringen können. Ehe dieſe kleinen, ſtaubförmigen Krankheitserreger noch feſten Fuß faſſen können, werden ſie durch die Flimmerbewegung wieder herausbefördert. örper inde⸗ e die illen; örmig urück⸗ drüſe; Ehe aſſen rdert. Die wichtigſten Selbſtſchutzeinrichtungen. 107 War das Flimmerepithel hingegen vorher durch entzündliche Zuſtände der Schleimhaut(Katarrhe) auf größeren oder kleineren Strecken zu Grunde gegangen, dann bilden ſolche ungeſchützten Schleimhautpartieen die Eingangs⸗ pforten für die oben bezeichneten ſchädlichen pilzlichen Lebeweſen in das Gewebe der Schleimhaut; ſie niſten ſich dort unbehelligt ein, und bewirken hier je nach ihrer Natur nur örtliche oder nach ihrem Eindringen in das Blut auch allgemeine Krankheitsprozeſſe. b) Der chemiſche Selbſtſchutz ſpielt im allgemeinen eine erheblich geringere Rolle. Die größte Bedeutung hat derſelbe im Verdauungs⸗ kanale inſofern, als die Verdauungsſäfte zum Teil imſtande ſind, mit der Nahrung aufgenommene chemiſche Schädlichkeiten(Gifte) zu zerſtören. Vor allem wird dem ſauren Magenſaft auch die Fähigkeit zugeſprochen, eine große Anzahl der mit der Nahrung oder dem Getränk aufgenommenen Bakterien, ſelbſt pathogener Natur, zu zerſtören und dadurch für den Organismus unſchädlich zu machen. 3. Die wichtigſten Selbſtſchutzeinrichtungen. Alle dieſe für die Geſunderhaltung unſerer Haustiere ſo außer⸗ ordentlich wichtigen Schutzeinrichtungen welche teils iſoliert, teils in mannigfacher Weiſe mit einander vereinigt, den Selbſtſchutz des Organismus gegen äußere Schädlichkeiten darſtellen, hier eingehend zu beſprechen, iſt unmöglich. Die bedeutungsvollſten derſelben ſind folgende: 1. Für den Geſamtkörper iſt die äußere Haut die wichtigſte desſelben, und zwar einmal als ſchützende Bedeckung, ferner als eine Einrichtung, welche für die Regulierung der Körperwärme von ganz hervor⸗ ragender Bedeutung iſt. a) Zur ſchützenden Decke iſt die Haut zunächſt direkt befähigt durch ihre dicke, bindegewebige Hauptſchicht(Lederhaut)(Fig. 110 a), durch die letztere überziehende dicke, in ihren oberen Schichten verhornte Epitheldecke(Fig. 110 d) und das in erſterer wurzelnde, einen ſehr ſchlechten Wärmeleiter bildende Haar- und Federkleid.— Sie wird außerdem aber noch durch ihren Reichtum an Empfindungsnerven zu einer außerordentlich ſicher wirkenden ſelbſtthätigen Abwehrvorrichtung. Wird z. B. ein Pferd von irgend einem in der Flanke ſich niederlaſſenden Inſekt in die Haut geſtochen(z. B. bei e in Fig 105), ſo wird zunächſt die Schmerzempfindung von der Stichſtelle aus nach gewiſſen Zentralſtellen im Gehirn und Rückenmark(Fig. 105 b, c, d) fort⸗ geleitet und zum Bewußtſein gebracht. Die in denſelben hervorgerufene Erregung wird ſofort blitzartig durch gewiſſe zentrifugale Nerven(Fig. 105g) auf die damit in Verbindung ſtehenden Muskeln(Fig. 105 h) übertragen, welche hierdurch in ganz beſtimmte Bewegungen verſetzt werden. Dieſe haben ſämtlich den Zweck, die Schädlichkeit, d. h. das ſtechende, vielleicht giftige Inſekt von der äußeren Körperoberfläche zu entfernen, bezw. abzu⸗ wehren, und man bezeichnet ſie daher als Abwehrbewegungen. Es werden hierbei nicht nur gewiſſe Muskeln der Haut in zuckende Bewegung verſetzt, ſondern auch ſolche des Schweifes und der Beine zur Thätigkeit veranlaßt, infolgedeſſen das Pferd mit dem Schweife oder dem einen oder anderen Beine nach dem Inſekt ſchlägt. Ja, war dasſelbe ſehr empfindlich, ſehr 108 Krankheitsverhütung. „reizbar“, ſo giebt es vielleicht auch noch einen Schmerzenslaut von ſich, es quiekt, ebenſo wie ein Menſch, der plötzlich an irgend einem Körperteil mit der Nadel geſtochen wird, ganz unwillkürlich aufſchreit, und mit Händen oder Füßen die betreffenden Abwehrbewegungen macht. Der Inſektenſtich war der Reiz, die Erregung, die Bewegung der Haut, des Schweifes, des Beines und der Stimmorgane ſind die motoriſchen Reflexe oder Rück⸗ wirkungen, welche die Entfernung der Schädlichkeit bewirken ſollen.— b) Zu einem der wichtigſten Regulationsmittel für die Körperwärme wird die Haut durch gewiſſe vaſomotoriſche und ſekretoriſche Reflexthätig⸗ keiten(S. 103). Alle Lebensvorgänge des Organismus können nur ſo lange normal ablaufen, d. h. das Tier oder der Menſch nur ſo lange geſund bleiben, ſo lange ſeine Eigenwärme(Innentemperatur) die für die betreffende Tiergattung beſtimmte Höhe innehält (Menſch+ 37, Pferd und Hund— 38, Rind und Katze 38,9, Schwein 39, Schaf 40, Vögel 41— 42° C). Steigerungen dieſer Körperwärme um 1— 2° führen ſchon zu mehr oder weniger erheblichen Erkran⸗ kungen, ſolche von 3—4 bei mehrtägiger Dauer zum Tode; Verminderungen derſelben werden etwas beſſer, aber ebenfalls nur innerhalb gewiſſer Grenzen ertragen. Die Quellen der tieriſchen Eigenwärme ſind, wie ſchon S. 68, 76 bemerkt, die unaufhörlich im Organismus ſtattfindenden chemiſchen Umſetzungs⸗ oder Verbrennungs(Oxydations⸗) Prozeſſe, durch welche mit Hülfe des eingeatmeten Sauerſtoffes teils die aufgenommenen Nährſtoffe (Fett, Eiweiß, Kohlehydrate), teils die eigene Körperſubſtanz, namentlich die der Muskeln und Drüſen in einfache chemiſche Verbindungen(S. 68, 76) zerlegt werden. Die hierbei entwickelte Wärme wird dem dieſe Teile unaufhörlich durchfließenden Blute mitgeteilt, und mit dieſem allen Teilen des Körpers zugeführt. Die Thätigkeit der Muskeln und Drüſen, ſowie vermehrte Nahrungsaufnahme ſteigert die Wärmebildung, und umgekehrt. Ebenſo hat die Erniedrigung der Außentemperatur eine geſteigerte, die Erhöhung der⸗ ſelben eine verminderte Wärmebildung zur Folge(S. 110, bb). Die Größe der durch die inneren Verbrennungsprozeſſe im Körper gebildeten Wärmemengen iſt eine ſo erhebliche, daß ohne gewiſſe Ein⸗ richtungen im Körper die Temperatur des letzteren in wenigen Stunden eine Höhe erreichen müßte, welche den normalen Ablauf der Lebensprozeſſe, ja das Leben ſelbſt unmöglich machen würde. Daß trotz dieſer enormen Wärme⸗ bildung die Eigenwärme ſelbſt bei den großen, durch die klimatiſchen Ver⸗ hältniſſe bedingten Verſchiedenheiten der Außentemperatur ſtets die gleiche, für den regelmäßigen Ablauf der Lebensprozeſſe erforderliche bleibt, ermöglicht der Körper ganz ſelbſtthätig teils durch Regelung der Wärmeabgabe an die ihn umgebende Luft(an welche er fortwährend wie ein geheizter Ofen Wärme ausſtrahlt), teils durch Regelung der Wärmebildung. aa. Bei der Wärmeregulierung durch Steigerung oder Ver⸗ minderung der Wärmeabgabe(phyſikaliſche Wärmeregulation) ſpielt nun die Haut eine beſonders hervorragende Rolle. Tritt eine Erhöhung der Innentemperatur des Körpers ein, weil entweder die Wärme⸗ bildung geſteigert oder die Wärmeabgabe an die umgebende Luft wegen ſehr hoher Temperatur derf'elben erſchwert iſt, ſo wirkt die geſteigerte Innen⸗ und Außentemperatur(Blut⸗ und Luftwärme) zunächſt unmittelbar er⸗ ſchlaffend auf die feinen Hautgefäße(Fig. 110 h); dieſe dehnen ſich aus und vern di wirk der in d ringe Eink zentr und Lung den) MHant der g weiten der A doriſch der 9 bünde en ſi, fyerteil dänden tenſtich 3 des Rück⸗ virmn thätig⸗ lange lange atul) ehält in 30, te um kran⸗ Tode; falls 5. 68, iſchen mit ſſtoffe h die erlegt Förlich rpers nehrte ſo hat der⸗ dörper Ein⸗ meine ſſe, ja Lärme⸗ n Ver⸗ gleiche, üöglict be an r Ofen Ver⸗ ſoiet öhung Wätme⸗ wegen Innel⸗ dar er⸗ us und Die wichtigſten Selbſtſchutzeinrichtungen. 109 werden weiter. Außerdem wird in ſicherſter Weiſe noch reflektoriſch eine Erweiterung der Blutgefäße dadurch bewirkt, daß die Empfindungsnerven der Haut die geſteigerte Wärmeempfindung nach der im verlängerten Mark (Fig. 105, VM) gelegenen Zentralſtelle für die Muskulatur der Blutgefäße (das ſogenannte vaſomotoriſche Zentrum) leiten, dasſelbe erregen, dieſe Er⸗ regung durch die vaſomotoriſchen(gefäßbewegenden) Nerven(Fig. 105, g) auf die Blutgefäßmuskulatur übertragen und in denſelben eine Erweiterung bewirken. Infolge dieſer unmittelbar und mittelbar durch Reflexwirkung entſtandenen Erweiterung des in der Haut enthaltenen außerordentlich reichlich entwickelten feinen Blutgefäßnetzes ſtrömt erheblich mehr Blut und damit mehr Wärme in die Haut, welch letztere nunmehr bedeutend vermehrt an die Umgebung abgegeben werden kann.— Dieſer Vorgang wird noch weſentlich dadurch unterſtützt, daß ſich unter der inneren Auskleidung des Herzens zahlreiche für Wärme ſehr reizbare Nervenzellen und Nervenfaſern befinden, welche bei Zunahme der Eigenwärme ſtärker erregt werden und, indem ſie durch letztere reflektoriſch raſchere und kräſtigere Zuſammenziehungen des Herzens ver⸗ anlaſſen, eine reichlichere Zufuhr von Blut zu den erweiterten Hautgefäßen und hierdurch auch eine vermehrte Abkühlung(Wärmeabgabe) der Haut⸗ oberfläche bewirken. Damit iſt aber die abwehrende und die Wärmeabgabe regelnde Thätig⸗ keit der Haut noch nicht erſchöpft. Durch die Erhöhung der Eigenwärme werden auch gewiſſe in der Haut verlaufende Nerven erregt, welche ihre Erregung auf ein der Schweißabſonderung vorſtehende Zentralſtelle (Schweißzentrum) übertragen, von wo aus durch Nerven(ſekretoriſche), welche von hier nach den Schweißdrüſen der Haut(Fig. 109 i) verlaufen, eine ſtärkere Thätigkeit der letzteren, Schweißausbruch, veranlaßt wird. Der auf die Hautoberfläche austretende Schweiß verdunſtet aber auf derſelben; die hierzu erford rliche Wärme wird dem Körper entzogen und dieſer kühlt dieſen hierdurch ab. Die Wirkung dieſer Verdunſtungsabkühlung wird natür⸗ lich um ſo erheblicher ſein, je wärmer und trockner die umgebende Luft iſt, je mehr dieſelbe alſo Feuchtigkeit(verdunſtenden Schweiß) aufnehmen kann. (S. 56). Eine durch zu ſtarke Abkühlung der Hautoberfläche oder durch verminderte Wärmeproduktion drohendes Sinken der Innentemperatur unter die normale Grenze wird gerade in umgekehrter Weiſe geregelt. Kälte be⸗ wirkt teils unmittelbar, teils mittelbar, reflektoriſch, eine Zuſammenziehung der Hautgefäße; es gelangt daher weniger Blut und damit weniger Wärme in das Gefäßnetz der Haut und kann letztere daher von dieſer nur in ge⸗ ringeren Mengen an die umgebende Luft abgegeben werden. Mit dem Sinken der Blutwärme wird auch das Schweißzentrum, ſowie das Atmungs⸗ zentrum weniger erregt, wodurch die Verdunſtungsabkühlung in der Haut, und durch Verlangſamung der Atemzüge auch die Wärmeabgabe in der Lunge vermindert wird, alles Vorgänge, welche man z. B. bei einem frieren⸗ den Menſchen mit ſeiner blaſſen, blutloſen, trockenen, zuſammengezogenen Haut(ſogenannten Gänſehaut) leicht verfolgen kann.— Auch das Sträuben der Haare bezw. das Aufpluſtern der Federn eines frierenden Tieres iſt weiter nichts, als ein reflektoriſcher, der Erhaltung der Körperwärme dienen⸗ der Abwehrvorgang, welcher dadurch zuſtande kommt, daß durch die reflek⸗ toriſche Erregung und Zuſammenziehung kleiner, am Grunde der ſchräg in der Haut eingebetteten Haar⸗ oder Federſäckchen(Fig. 109) befindlichen Muskel⸗ bündel die ſonſt glatt und dachziegelartig der Haut aufliegenden Haare und 110 Krankheitsverhütung. Federn mehr oder weniger aufgerichtet werden. Hierdurch werden zwiſchen denſelben aber größere Luftmengen aufgehäuſt, welche als ſehr ſchlechte Wärmeleiter die Wärmeabgabe vermindern. Uebrigens beteiligt ſich an der Regulierung der Körperwärme durch Wärmeabgabe auch die Atmung. Dieſelbe wird beeinflußt durch ein eben⸗ falls im verlängerten Mark(Fig. 105, V, M) liegendes Zentrum(Atmungs⸗ zentrum). Je wärmer das dieſes Zentrum durchfließende Blut, d. h. je höher die Körpertemperatur geſtiegen iſt, um ſo ſtärker wird das Atmungs⸗ zentrum erregt, das nun durch zu den Atmungsmuskeln hinlaufende motoriſche Nerven ein raſcheres Atmen bewirkt. Je mehr Atemzüge in der Minute ausgeführt werden, um ſo mehr Blut fließt aber auch durch die dasſelbe bei der Einatmung gewiſſermaßen anſaugende Lunge hindurch, und kommt mit der kühleren, waſſerdampfärmeren bei jedem Atemzug in die Lungen⸗ bläschen einſtrömenden Luft in Berührung, an welche es einen Teil ſeiner Wärme, und unter ſtarker Wärmebindung auch einen Teil ſeines Waſſer⸗ gehaltes, abgiebt. Daß auch hierdurch die Körperwärme herabgeſetzt wird, iſt ſelbſtverſtändlich. bb. Die Wärmeregulierung durch Steigerung oder Ver⸗ minderung der Wärmeproduktion(chemiſche Wärmeregulation) wird ebenfalls durch Nerveneinfluß bewirkt. Die in der Haut liegenden Nerven empfinden die höhere oder niedere Außentemperatur und leiten ihre Erregung nach einem Nervenzentrum, dem ſogenannten Wärmezentrum, von dem aus die durch Verbrennung von Körperſubſtanz oder von Nähr⸗ ſtoffen bewirkte Wärmebildung geregeli wird. Bei höherer Außentemperatur ſinkt, bei niederer ſteigt die Wärmeproduktion. Daher bei niederer Außen⸗ temperatur Steigerung des Nahrungsbedürfniſſes und umgekehrt. Reichen bei einer durch niedere Außentemperatur geſteigerten Verbrennung die zu⸗ geführten Nährſtoffe nicht zur Bildung des erforderlichen Wärmequantums aus, ſo wird Körperſubſtanz verbrannt, das Tier magert ab. 2. Für den Verdauungskanal kommt als anatomiſche Schutz⸗ einrichtung zunächſt das bereits erwähnte(ſ. S. 105) Deckepithel ſeiner Schleimhaut in Frage. Außerdem bilden eine ſolche der Geſchmack und Geruch, vielleicht auch der Inſtinkt(S. 114), wodurch das Tier abgehalten wird, Nahrungsſchädlich⸗ keit aufzunehmen.— Ferner ſtehen dem Selbſtſchutz des Verdauungsapparates auch ſehr wirkſame, reflektoriſche Schutzvorgänge zur Verfügung. Reizende, ſcharfe Stoffe, welche in die Rachenhöhle oder hinab bis in den Magen gelangen, erregen gewiſſe Empfindungsnerven, welche mit einer im ver⸗ längerten Mark(Fig. 105, VMI gelegenen Zentralſtelle in Verbindung ſtehen, von welcher aus die Brechbewegungen hervorgerufen werden. Jede Reizung der Magenſchleimhaut, auch eine ſolche, welche durch eine zu reichliche Nahrungsaufnahme veranlaßt wird, ruft daher Erbrechen und hierdurch eine direkte Entfernung der Schädlichkeit aus dem Körper hervor(motoriſcher Reflex). Gelangen dieſelben aber, weil aus irgend einem Grunde kein Erbrechen eintrat, bis in den Darm, ſo erzeugen ſie zunächſt eine ſtärkere Schleimabſonderung der Darmſchleimhaut(ſekretoriſcher Reflex), wodurch die Schädlichkeit teils eingehüllt und bis zu einem gewiſſen Grad unſchädlich gemacht, zugleich aber auch die Schleimhautoberfläche mit einer ſchützenden Decke verſehen wird; ferner werden durch ihre Einwirkung auf die Schleim⸗ —— einer auch dlich⸗ ſehr ende, lagen ver⸗ tehen, izung hliche heine ſcher kein ärkere durch ädlich enden gleim⸗ Die wichtigſten Selbſtſchutzeinrichtungen. 111 haut auf reflektoriſchem Wege aber raſchere und kräftigere Zuſammenziehungen des Darmes hervorgerufen(motoriſcher Reflex), und hierdurch eine raſchere Entfernung der Schädlichkeit mit dem verflüſſigten Darminhalt (Durchfall) bewirkt. Als chemiſche Schutzeinrichtung des Verdauungsapparates kommt vor allem die ſchon Seite 107 erwähnte, zerſtörende Wirkung des ſaueren Magenſaftes auf die mit der Nahrung aufgenommenen Bakterien in Betracht, eine Einrichtung, welche einen ſehr wirkſamen Schutz gegen viele Infektions⸗ krankheiten bietet, deren Erreger durch den Verdauungsapparat in den Körper eindringen. Dieſer Schutz geht verloren, wenn die ſauere Reaktion des Magenſaftes bei Erkrankungen des Magens, beſonders bei chroniſchen Katarrhen desſelben, bei Fiebern ꝛc. weſentlich abgemindert oder ganz aufgehoben wird. 3. Sehr entwickelt iſt weiter der Selbſtſchutz des Atmungs⸗ apparates, in welchem ja mit jedem Atemzuge gas- und ſtaubförmige, der Luft beigemengte Schädlichkeiten eindringen können. Gegen gasförmige Luftſchädlichkeiten, von denen einige, z. B. das giftige Kohlenoxydgas, allerdings unbehelligt die Wächter der Atmungs⸗ organe, Naſe und die Stimmritze des Kehlkopfe paſſieren und bis in die Lunge und das Blut gelangen können, treten zum Teil ſehr wirkſame Schutzvorgänge in Thätigkeit. Jeder die Schleimhaut der Luftwege(be⸗ ſonders des Kehlkopfes und der Stimmritze) treffende ſtärkere Reiz erregt gewiſſe Empfindungsnerven derſelben, welche die Erregung ſofort auf eine Zentralſtelle des Nervenſyſtems übertragen, von der aus nicht nur Huſten angeregt, ſondern zugleich auch eine derartige Zuſammenziehung der Stimm⸗ ritze, ja ein vollſtändiger Verſchluß derſelben, angeregt wird, daß jedes Eindringen der ſchädlichen Luft in die Lunge unmöglich wird. Freilich kann man den letzteren Grad der Abwehr nicht mehr als einen dem Zwecke entſprechenden betrachten, denn ebenſo ſicher ein ſolcher vollſtändiger Verſchluß der Stimmritze das Eindringen ſchädlicher, reizender Gaſe verhindert, ebenſo ſicher wird auch die zum Leben nötige Atmungsluft abgeſchloſſen, und kann hierdurch bei der Dauer von wenigen Minuten der Tod durch Erſtickung herbeigeführt werden. Ebenſo rufen die manigfachen ſtaubförmigen Schädlichkeiten der Atmungsluft, inſofern ſie einen mechaniſchen oder chemiſchen Reiz auf die Schleimhaut der Luftwege auszuüben vermögen, ebenfalls eine ganze Reihe reflektoriſcher Abwehrvorgänge, die als Huſten, Nieſen, Pruſten ec. bezeichnet werden, hervor, durch welche ſie mittels eines mächtigen Ausatmungsluftſtromes wieder aus den Luftwegen entfernt werden.— Solche Luftſtäubchen, welche keine dieſer exploſionsartig eintretenden Abwehrvorgänge zu erzeugen ver⸗ mögen, werden durch die ſchon beſchriebene Wirkung des ſchützenden Flimmer⸗ epithels der Luftwege(ſ. S. 105) aus dieſen entfernt. Ein Teil der feinſten Luftſtäubchen wird auch von gewiſſen farbloſen Zellen des Blutes, den ſo⸗ genannten farbloſen Blutkörperchen(Fig. 95 c) aufgenommen(gefreſſen, daher Freßzellen oder Phagocyten genannt) und verdaut. Letztere beſitzen die Fähigkeit, mit Hilfe eigenartiger(amöboider) Bewegungen ihres weichen Zellenleibes durch die Wände der feinſten Blutgefäße(Haargefäße oder Kapillaren) hindurchzudringen, alle Gewebe zu durchwandern und unter anderem auch auf die Oberfläche der Schleimhaut zu treten, um hier in der angegebenen Weiſe als weiterer wirkſamer Selbſtſchutz thätig zu ſein. Trotz 112 Krankheitsverhütung. aller dieſer Abwehrvorgänge kann aber unter Umſtänden ein kleiner Teil der ſtaubförmigen Luftverunreinigungen bis in die Lungenbläschen, d. h. die kleinen bläschenförmigen Ausbuchtungen(Fig. 94 d) der trichterförmig er⸗ weiterten, am äußerſten Ende geſchloſſenen Endungen der feinſten Luft⸗ röhrenverzweigungen, Bronchiolen(c,, c*), die ſogenannten Lungen⸗ trichter(Infundibula a, a“, a“) eindringen. Dieſelben gelangen dann von hier in das die Lungenbläschen umgebende Bindegewebe und werden dort eingekapſelt, oder ſie werden von dem in den Spalten des Bindegewebes ununterbrochen ſtattfindenden Saft- oder Plasmaſtrom(S. 68) erfaßt, nach den nächſten Lymphdrüſen(den Bronchialdrüſen) hingeſchwemmt und dort unſchädlich abgelagert. Einzelne dieſer Luftſtäubchen endlich können auch von den in dem Saftſtrom des Zwiſchengewebes der Lunge reichlich enthaltenen farbloſen Blutzellen(Phagozyten) aufgenommen und mit dieſen dem Blute zugeführt werden; aus dieſem werden ſie dann in der Milz, Leber und einigen anderen Organen abgelagert und ebenfalls eingekapſelt. Handelt es ſich bei allen dieſen Dingen um unorganiſche, unſchädliche Stäubchen, ſo iſt mit der Einkapſelung ein vollkommener Selbſtſchutz gegen die nachteiligen Wirkungen derſelben erreicht worden. Handelt es ſich hingegen um belebte Luftſtäub⸗ chen, um krankheitserregende Spaltpilze(Bakterien,, ſo werden ſich dieſelben an der Stelle, wo ſie abgelagert wurden, vermehren und ſich von hier aus mit oder ohne gleichzeitige Krankheitsvrozeſſe an der Ablagerungsſtelle durch die Blut⸗ oder Saftbahnen weiter verbreiten.— 4. Mit den geſchilderten ſind aber die Selbſtſchutzeinrichtungen des Organismus noch lange nicht erſchöpft. Namentlich ſpielen noch eine Anzahl trophiſcher und ſekretoriſcher Reflexe(ſ. S. 103) hier⸗ bei eine große Rolle. In dieſer Beziehung ſei nur erwähnt, daß wir überall im Organismus auf die für die Geſunderhaltung desſelben ſo wichtige, bewunderungswerte Thatſache ſtoßen, daß alle diejenigen Organe, welche vermehrtthätig ſind und infolgedeſſen mehr Nährſtoffe verbrauchen, auch ſtärker ernährt werden und infolgedeſſen an Umfang zunehmen(Arbeits⸗ hypertrophie). Der thätigere rechte Arm iſt bekanntlich ſtärker entwickelt, wie der linke. An der Stelle, wo die Haut ſtarker Reibung, Druck ꝛc. aus⸗ geſetzt iſt, wird ſie dicker; beſonders tritt eine ſtarke Verdickung der Ober⸗ haut(Hornſchwielenbildung) ein. Dort, wo ſich durch gewiſſe Erkrankungen des Darmes allmählich eine Verengerung desſelben(Stenoſe) entwickelt und die Gefahr droht, daß der Darminhalt an dieſer Stelle ſtockt und hierdurch ſchwere Störungen entſtehen können, ſehen wir letztere(wenigſtens für lange Zeit) dadurch vermieden, daß ſich entſprechend der Zunahme der Verengerung die Darmmuskulatur vor der verengten(d. h. nach dem Magen hin gelegenen) Stelle in gleicher Weiſe verdickt, kräftiger und ſo befähigt wird, den Darm⸗ inhalt in gleicher Menge durch die verengte Darmſtelle hindurchzutreiben.— Dasſelbe ſehen wird auch am Herzen, z. B. bei ſich allmählich entwickelnden Verengerungen der einen oder anderen Herzöffnung; entſprechend der Zunahme des Hinderniſſes für den Blutſtrom wird die vor demſelben liegende Herz⸗ abteilung in ihrer Muskulatur ſtärker werden(hypertrophieren) und ſo lange Zeit imſtande ſein, die Blutzirkulation im Herzen nahezu vollſtändig normal zu erhalten. Bezüglich der weiteren weſentlich ſekretoriſchen Abwehrvorgänge ſei nur auf zwei eigentlich recht bekannte Dinge hingewieſen. Sobald Luftſtaub, ———„———— Die wichtigſten Selbſtſchutzeinrichtungen. 113 ſcharfer Wind, beißender Rauch ꝛc. in die Augen gelangen, tritt zunächſt als motoriſcher Reflex ein unwillkürlicher, krampfhafter Lidſchluß ein, welcher das Eindringen der Schädlichkeit verhindern ſoll. Iſt dasſelbe aber dennoch erfolgt, ſo tritt ebenfalls als motoriſcher Reflex ein krampfhaftes Zwinkern (Oeffnen und Schließen) der Augenlider ein, wodurch die Schädlichkeit mechaniſch wieder entfernt werden ſoll. Zugleich tritt reflektoriſch aber auch eine enorme Steigerung der Thränenſekretion ein, welche den Zweck hat, die Schädlichkeit herauszuſpülen.— Ferner wiſſen wir, daß das Blut nur dann ſeine ernährende und alle Lebensthätigkeiten unterhaltende Funktion allſeitig erfüllen kann, wenn dasſelbe eine ganz beſtimmte Zuſammenſetzung hat. Obgleich nun dieſe je nach Nahrung⸗ und Getränkaufnahme außer⸗ ordentlich veränderlich iſt und Störungen in den Lebensprozeſſen hierdurch un⸗ vermeidlich ſein würden, vermag der Organismus doch durch gewiſſe regula⸗ toriſche Einrichtungen eine nahezu immer gleiche Zuſammenſetzung des Blutes zu erhalten. In beſonders auffälliger Weiſe geſtaltet ſich dieſe ebenfalls nur als Abwehrvorgang aufzufaſſende Regelung bezüglich des Waſſergehaltes des Blutes. Steigt, um nur eines der zahlreichen Beiſpiele anzuführen, derſelbe durch vermehrte Waſſeraufnahme(reichliches Trinken), ſo entledigt ſich das Blut des Waſſerüberſchuſſes ebenſo raſch durch eine reflektoriſch geſteigerte Thätigkeit der Nieren und eine geſteigerte Ausſcheidung durch die Haut, welche ſich bis zum Schweißausbruch ſteigern kann. Umgekehrt ſehen wir bei großen Waſſerverluſten des Blutes(reichlichen Durchfällen) ein ge⸗ ſteigertes Durſtgefühl eintreten, die Haut wird trocken, alle Abſonderungen, beſonders die Nierenabſonderung, ſind vermindert ꝛc. Ebenſo kann man beobachten, daß eine geſteigerte Aufnahme von Nährſtoffen ins Blut wieder ausgeglichen wird durch eine geſteigerte Verbrennung derſelben, was wieder⸗ um eine geſteigerte Wärmebildung zur Folge haben muß. 5. Als eine Selbſtſchutzeinrichtung des Organismus haben wir eudlich noch jene eigentümliche Abwehrvorrichtung desſelben zu betrachten, welche als ſogenannte Immunität(von immunitas, das Freibleiben) gegen anſteckende oder Infektionskrankheiten eine außerordentlich große praktiſche Bedeutung hat. Trotzdem die Urſache dieſer Krankheiten, jene mikroſkopiſch kleinen, als Bakterien bezeichneten Lebeweſen(S. 46), die den ſogenannten Anſteckungsſtoff oder das Kontagium(S. 47) derſelben darſtellen, auf viele Tiere einwirken, finden wir immer, daß ein oder mehrere der— ſelben nicht erkranken, immun ſind. Dieſe Immunität iſt(wie die Dispoſition, S. 8) entweder eine an⸗ geborene, natürliche, und kann als ſolche nur bei einzelnen Tieren einer Gattung vorhanden ſein(individuelle Immunität); oder ſie wird bei allen Individuen einer Tiergattung(als Gattungsimmunität) beobachtet (Rinder erkranken nie an Rotz, Pferde nie an Lungenſeuche). Oder ſie iſt eine erworbene, d. h. das Individuum erkrankt nicht mehr an einer ge⸗ wiſſen Krankheit, wenn es dieſelbe einmal durchgemacht hat, es iſt durch das einmalige Ueberſtehen derſelben widerſtandsfähig, ſeuchenfeſt, immun gegen dieſelbe geworden. Bei der erworbenen Immunität haben wir wieder zu unterſcheiden die natürlich erworbene, wobei das Tier zufällig den Anſteckungsſtoff auf⸗ genommen hat und erkrankt iſt; und die künſtlich erworbene, bei welcher der Anſteckungsſtoff abſichtlich(durch Impfung) übertragen wurde. Bei einzelnen Krankheiten iſt die erworbene Immunität eine lebenslängliche Johne. 8 114 Krankheitsverhütung. (Lungenſeuche, Pocken ꝛc.), bei anderen eine zeitliche, nur kürzere oder längere Zeit andauernde(Maul⸗ und Klauenſeuche, Milzbrand, Druſe ꝛc.). Zum Verſtändnis dieſer eigentümlichen, hoch intereſſanten natürlichen Schutzvorrichtung des Organismus muß hier kurz vorausgeſchickt werden, daß die als die ÜUrſache der anſteckenden Krankheiten erkannten Bakterien, wie alle anderen Lebeweſen, durch ihren Lebensprozeß Stoffwechſelprodukte aus⸗ ſcheiden. Die Stoffwechſelprodukte ſind als giftig erkannt und als Toxine und Toxalbumine bézeichnet worden. Ihre verſchiedenartig giftige Wirkung auf den Tierkörper ſtellt eben die anſteckende Krank⸗ heit dar. Jede Infektionskrankheit iſt alſo gewiſſermaßen eine Vergiftung. Geht das Tier an derſelben nicht zu Grunde, ſondern geſundet, ſo kommt, wie man heute annimmt, die hierdurch erworbene Immunität dadurch zuſtande, daß durch die Einwirkung der genannten Bakteriengifte auf ſämtliche Körper⸗ zellen oder einzelne Arten derſelben(beſonders die farbloſen Blutkörperchen) dieſen die Fähigkeit verliehen wird, fortgeſetzt oder im Bedarfsfalle(d. h. bei einer neuen Infektion mit Bakterien derſ elben Art) auch ihrerſeits Gifte, Gegengifte, ſogenannte Antitoxine, Alexine, Schutzſtoffe, zu bilden, welche ſich in dem flüſſigen Beſtandteil des Blutes, dem Blutwaſſer oder Blutſerum, löſen. Dieſes gewinnt hierdurch die Kraft, alle in den Körper desſelben Individuums von neuem eindringenden Bakterien der⸗ ſelben Art zu vernichten, oder die von dieſen gebildeten Gifte(Toxine) nach Art eines Gegengiftes— daher eben Antitoxine, Antigifte ge⸗ nannt— unſchädlich zu machen. Das Tier beſitzt in dieſer erworbenen Immunität ſolange eine Schutzeinrichtung gegen neue Erkrankungen, ſolange ſein Blutſerum die von ſeinen Körperzellen gebildeten chemiſchen Schutzſtoffe enthält, oder erſtere die Fähigkeiten beſitzen, ſolche zu bilden.— Es liegt ſehr nahe anzunehmen, daß auch die angeborene Immunität in der Fähig⸗ keit des betreffenden Individuums oder einer ganzen Tiergattung liegt, in ſeinem bezw. ihrem Blute ſolche Schutzſtoffe dann zu erzeugen, wenn die pathogenen Mikroorganismen derjenigen Krankheit, gegen welche die be⸗ treffenden Tiere immun ſind, in den Körper eindringen. Auf die Bedeutung dieſer Schutzſtoffe für die Krankheitsverhütung wird S. 119 näher einzugehen ſein. 6. Als eine Aeußerung des Selbſtſchutzes wird man auch den Inſtinkt aufzufaſſen haben, d. h. jene Fähigkeit der Tiere, gewiſſe zweckmäßige Handlungen ohne jede Ueberlegung auszuführen und ſich durch dieſelben das Zweckmäßige anzueignen und das Schädliche zu vermeiden. Der Inſtinkt repräſentiert nach Ellenberger die Summe der Er⸗ fahrungen, welche ſich die Vorfahren in dem Kampfe ums Daſein ange— eignet haben und die durch Vererbung auf die Nachkommen übergegangen ſind. Infolgedeſſen ſollen die Tiere z. B. den Genuß ſchädlicher Pflanzen vermeiden ꝛc. Es würde indes doch zu weit gegangen ſein, wollte man alle dieſe ſcheinbar ohne Ueberlegung ausgeführten, thatſächlich zweckmäßigen und dem Selbſtſchutz dienenden Handlungen lediglich als inſtinktive, rein unwillkürliche auffaſſen, weil man von der geiſtigen Fähigkeit der Tiere und dem Urteilsvermögen eine zu geringe Meinung hat. Man darf ſich im Gegenteil wohl unbedenklich der Anſicht Dammann's anſchließen, daß ein ſehr großer Teil der ſogenannten inſtinktiven Handlungen auf individuellen Erfahrungen und bewußten oder v.) llcen erden, n, vie e lls⸗ oxine fftige rank⸗ ſtung. ommt, ſtande, örper⸗ erchen d. h. erſeits fe, zu aſſer in den der⸗ oxine e ge⸗ benen Nange tzſoffe Gliegt Fähjg⸗ egt, in enn die die be⸗ ütung ch den gewiſſ durch neiden. er Er⸗ 1ang⸗ gangen idlicher en ſein, ſichlch ich ab eiſtigen ſeinung Anſicht nannten wußten Abhaltung und Beſeitigung der Krankheitsanlage. 115 Wahrnehmungen der Tiere beruht, welche dieſelben mit Hülfe ihrer Sinne(Geruch, Geſchmack, Geſicht ꝛc.) gemacht haben, und die ſie veranlaſſen, gewiſſe Handlungen zu unterlaſſen(z. B. gewiſſe Pflanzen nicht zu genießen). Sind ihre Sinne nicht genügend geſchärft(wie wir dies z. B. bei fortwährend im Stalle gehaltenen Tieren ſehen), ſo läßt ſie auch ihr ſogenannter Inſtinkt im Stiche, ſodaß ſie ſich oft irren, giftige Stoffe freſſen ꝛc. B. Die Krankheitsverhütung durch Abhaltung oder Beſeitigung der Krankheitsurſache durch den Tierbeſitzer; Vorbanung(Prophylaris) im weiteren Sinne. I. Abhaltung und Beſeitigung der Krankheitsanlage oder Dispoſition als innere Krankheitsurſache. Wie ſchon S. S eingehend entwickelt, iſt die Krankheitsanlage oder Dispoſition eines Tieres teils auf eine unvollkommene Entwickelung ſeiner natürlichen Schutzeinrichtungen, teils auch auf eine, als kon⸗ ſtitutionelle Anlage bezeichnete Schwäche ſeiner Organgewebe zurück⸗ zuführen. Da dieſe Krankheitsanlage ererbt oder erworben ſein kann, ſo würde zu ihrer Abhaltung oder Beſeitigung folgendes zu beachten ſein. a) Rationelle Zucht und Aufzucht. Hierbei iſt wichtig: Der Ausſchluß aller mit erblichen Krankheitsanlagen behafteten Tiere von der Zucht. Wenn feſtſteht, daß jene zu einer Verminderung der Widerſtandsfähigkeit führende organiſche Schwäche (S. 8) angeboren, ja daß ſogar die Krankheit ſelbſt in mehr oder weniger entwickelter Form von den Elterntieren auf die Nachzucht vererbt werden kann(S. 13), ſo wird für die Krankheitsverhütung in einem Viehſtamme als erſte Bedingung der Ausſchluß aller mit nach⸗ weisbaren Krankheitsanlagen oder Erbfehlern behafteten Tiere aufgeſtellt werden müſſen. Bezüglich der letzteren wurde ſchon S. 8 das Erforderliche bemerkt; bezüglich der Krankheitsanlage noch folgendes: Als Zuchttiere dürfen zur Vermeidung angeborener Krankheits⸗ anlagen nur ſolche verwendet werden, deren Bau und ſonſtiger Körperzuſtand der Norm entſpricht und nach den Geſetzen der Vererbung(S. 9) auch die Garantie für eine geſunde Nachzucht bieten. Unbedingtes Erfordernis ſind abſolut geſunde Atmungs⸗ und Verdauungsorgane. Beide garantieren gute Ernährung und Kraft⸗ leiſtung. Dieſe Forderung ſteht für alle Arbeits-, Milch- und Maſttiere Sr 116 Krankheitsv erhütung. obenan. Für dieſe bilden ein gut gerundeter, breiter, tonnenförmiger Bruſt⸗ korb ein ſicheres Kennzeichen für ein großes Aufnahmevermögen der Lunge für Luft(Lungencapacität), ein guter Ernährungszuſtand und glattes glänzendes Haar ein ſolches für einen normal funktionierenden Ver⸗ dauungsapparat. Nur bei Maſttieren dürfen bezüglich des erſteren etwas weniger hohe Anforderungen geſtellt werden, weil, wie ſchon S. 78 auseinandergeſetzt wurde, die Fettablagerung bei reichlicher Luft⸗ aufnahme bezw. Sauerſtoffzufuhr herabgeſetzt wird. Weiter wird für alle Arbeitstiere— und dies gilt vor allem für Pferde und bis zu einem gewiſſen Grade auch für Arbeitsochſen— in zweiter Linie auf ein gut entwickeltes, wenn auch nicht grobes Knochengerüſt, normale Schenkel— ſtellung(S. 181) und Gelenkwinkelung, kräftige, breite Gelenke, geſunde, widerſtandsfähige Hufe und Klauen von guter Hornqualität(S. 180) neben einer kräftig entwickelten, leiſtungsfähigen Muskulatur zu ſehen ſein. Die Verwendung heruntergekommener, auf der Rennbahn verbrauchter Rennpferde mit langen Beinen, mit fehlerhaft gewinkelten, ſchwachen Gelenken, un⸗ genügender Muskelentwickelung und mit ſchmaler Bruſt als Deckhengſte, wie ſolche, leider, zur angeblichen Verbeſſerung der Landespferdezucht noch immer hier und da eingeſtellt werden, iſt daher verwerflich!— Zu allen den obigen Forderungen muß noch vom männlichen Zuchttier ein entſchieden ausgeprägter männlicher Typus gefordert werden. Bermeidung jeder Uebertreibung in der Zuchtrichtung. Der zur Erzeugung einer geſunden Nachkommenſchaft unbedingt not— wendige, die erforderliche Widerſtandsfähigkeit verbürgende, normale Körperbau wird bei Auswahl der Zuchttiere vielfach vernachläſſigt zu gunſten einer gewiſſen Feinheit des Körperbaues und ſonſtiger Eigen⸗ ſchaften der Zuchttiere, welche dem Tierbeſitzer allerdings die größte Leiſtungsfähigkeit der letzteren als Rennpferde, Fleiſch-, Milch⸗, Fett⸗ oder Wolltiere gewährleiſten und von dieſem daher durch die Auswahl und Paarung der dieſe Eigenſchaften in ausgeprägter Weiſe zeigenden Zuchttiere in höchſter Vollkommenheit zu erreichen geſucht werden. Eine ſolche Zucht wird und muß aber zu einer derartigen Verfeinerung der Zuchtprodukte und zu einer ſolchen Verminderung der Widerſtandsfähigkeit derſelben gegen auf ſie einwirkende, äußere, abweichende Lebensbedingungen, d. h. äußere Krankheitsurſachen, und hierdurch anderſeits zu derartigen Verluſten durch mancherlei Krankheiten führen, daß der Gewinn durch erhöhte Leiſtungsfähigkeit oftmals vollſtändig durch die entſtehenden Verluſte ausgeglichen oder übertroffen wird. Dies alles wird umſo⸗ mehr der Fall ſein, je mehr die betreffenden Tiere zugleich in Bezug auf Fütterung, Aufenthalt und Pflege den natürlichen Lebensbedingungen entzogen werden. Die Zucht nach Leiſtung darf daher ohne die ernſtlichſten Gefahren für die Geſundheit über einen gewiſſen Grad hinaus nicht geſteigert werden. In dieſer Richtung wird z. B. beſonders bei der Schweinezucht inſofern geſündigt, als man durch fortgeſetzte Paarung ſolcher Tiere, welche ſich durch ihre Neigung zum Fettanſatz auszeichnen, und bei denen die Fettbildung bis i auf ein ſchenke⸗ gefunde )wtben 1. Dde rupferde ken, un⸗ gſte wi hinmer len den ſſhieden ctung. it wot⸗ vormale ſſigt zu Kixen⸗ e größte 7, Fett Auswahl igenden n. Em rung der Fühigktt ngungen, erartigen durh ſtehenden d umſ⸗ ezulg alf ingungen hne die ewiſſen tinſofern ſcc duch tbidung Abhaltung und Beſeitigung der Krankheitsanlage. 117 durch Haltung und Fütterung noch thunlichſt befördert wird, die Fett⸗ produktion allmählich bis zu einem Grade ſteigert, daß das Fett nicht nur in dem hierzu beſtimmten Bindegewebe der Unterhaut ꝛc., ſondern auch in Organen abgelagert wird, in welchen es normal niemals zur Ablagerung gelangt(Muskelfaſern, Drüſenzellen ꝛc.), und deren Leiſtungsfähigkeit daher ganz erheblich herabgeſetzt wird. Ja dieſe Neigung kann bereits auf die noch im Uterus ſich entwickelnden Jungen übertragen werden, und können dieſe ſchon mit verfetteter Muskulatur des Herzens, verfetteten Atmungsmuskeln, verfetteter Darmmuskulatur und ebenſolchen Drüſen geboren werden, und vielfach daher kurz nach der Geburt an allgemeiner Lebensſchwäche oder an Verdauungsſtörungen, Krämpfen ꝛc. zu Grunde gehen. Auch der Entſtehung von Maſtdarmvorfällen und Nabelbrüchen ſoll nach Dammann durch ſolche fettige Degenerationen und Erſchlaffungszuſtände der Darm⸗ und Bauchmuskulatur weſentlich Vorſchub geleiſtet werden.— Hygieniſch ebenſo bedenklich iſt die für reichliche Milchproduktion erforderliche Ver⸗ feinerung der Rinder in Bezug auf Haut und Haar, Zartheit des Knochen⸗ und Faſerbaues, oder die nach derſelben Richtung fortgeſetzte, rückſichtsloſe Verfeinerung der Wolltiere. Die Erfahrung lehrt, daß bei beiden mit der zunehmenden Veredlung die Widerſtandsfähigkeit gegen äußere Schädlich⸗ keiten ſinkt und daß mit derſelben eine Krankheitsanlage von der aller⸗ ernſteſten Bedeutung geſchaffen wird. Vor allem fordert die Tuberkuloſe unter derartigen Viehſtänden erheblichere Opfer, weil jede Ver⸗ minderung der inneren Widerſtandsfähigkeit die Entwicklung der auf irgend einem Wege in den Körper eingedrungenen Tuberkelbazillen begünſtigt, die unter den entgegengeſetzten Verhältniſſen unterbleiben würde. Aehnliches gilt auch für andere Infektionskrankheiten, ſo z. B. für den Rotlauf der Schweine, welcher weſentlich nur die feineren Kulturraſſen, weniger die gemeinen Landſchweine befällt. Vermeidung zu weit getriebener Verwandtſchafts⸗ oder Inzeſt⸗Zucht. Wenn auf der einen Seite auch feſtſteht, daß gewiſſe wertvolle Eigenſchaften eines Zuchttieres am raſcheſten und vollkommenſten Allgemeingut eines Viehſtammes werden können, wenn dasſelbe immer wieder mit ſeinen Kindern und Enkeln und dieſe wieder unter ſich gepaart werden, ſo ſicher iſt es andererſeits, daß ſich auch gewiſſe Schwächen ſolcher Zuchttiere in gleich leichter und ſicherer Weiſe potenzieren und ſich in der be⸗ treffenden Tierfamilie verbreiten. Weil es nun aber bei der Zucht nach hervorragenden Leiſtungen, auf die es bei der Inzeſtzucht ja weſentlich ankommt, unvermeidlich iſt, daß die Zuchtprodukte immer höhere Grade der Verfeinerung erreichen und damit zugleich die Widerſtandsfähigkeit ihrer Gewebe immer mehr ſinkt, ſo müſſen bei weit getriebener Inzeſt⸗ zucht in gleicher Weiſe Krankheitsanlagen geſchaffen werden, wie bei der Verfeinerung der Zuchttiere durch Ueberzüchtung; und das alles um ſo mehr, je mehr auch hier die Tiere ihren normalen Lebensbedingungen entzogen werden. Zur Vermeidung dieſer unliebſamen Folgen dieſer Inzucht wird es ſich daher empfehlen, zeitweilig eine Blutauffriſchung vorzunehmen, d. h. zwiſchendurch mit Tieren anderer, wenn auch etwas gemeinerer, aber geſunder, gut entwickelter Tierfamilien zu kreuzen. 118 Krankheitsverhütung. Naturgemäße Haltung und Verwendung der Zuchttiere. Für männliche und weibliche Zuchttiere iſt eine zwar auskömmliche, aber nicht zu reichliche und maſtige Fütterung, hinreichende Bewegung in friſcher, reiner, ſauerſtoffreicher Luft, Unterbringung in hellen, geräumigen, gleiche Luftverhältniſſe bietenden Ställen, neben nicht zu übermäßiger, geſchlechtlicher Verwendung als Grundbedingung zur Erzeugung einer geſunden, widerſtandsfähigen Nachkommenſchaft zu fordern. Schlecht ge⸗ nährte, ſchwächliche Eltern bringen der Regel nach ebenſo ſchwächliche, mit allerlei Krankheitsanlagen behaftete Junge zur Welt, wie fettleibige, bei welchen die Neigung zum Fettanſatz den größten Teil der auf— genommenen Nährſtofſe der Entwicklung der Jungen entzieht und im eigenen Nutzen(zum Fettanſatz) verwendet. Zeit zur Verwendung der Zucht. Zur naturgemäßen Ver⸗ wendung der Zuchttiere gehört auch eine nicht zu frühe und nicht zu lange fortgeſetzte Verwendung zur Zucht. Hengſte ſollen nicht vor dem 3.—4., Stuten vor dem 4. Jahre, Bullen vor 1 ½— 2, Kühe vor 2 Jahren, Schafböcke vor 1 ½— 2 ½, Mutterſchafe vor 2 Jahren und Eber und Sauen nicht vor 1— 1 ½ Jahren zur Zucht verwendet werden; und zwar gelten die niederen Zahlen für die gemeinen Land-, die höheren für die veredelten Zucht-Raſſen. Gerade für letztere, und beſonders für die weiblichen Tiere, gilt der Erfahrungsſatz, daß eine zu frühe Verwendung zur Zucht in der Regel ſchwächliche Junge von geringerer Widerſtandsfähigkeit als Produkte liefert. Rationelle Aufzucht. Abgeſehen von entſprechender Ernährung des Muttertieres während der Säugezeit, welche von einer quantitativ und qualitativ etwas geringer bemeſſenen Ration in den erſten 2—3 Tagen nach der Geburt beginnend, in einer allmählich ſteigenden Verabfolgung leicht verdaulicher und ſehr proteinreicher Nahrung von übrigens tadelloſer Beſchaffenheit beſtehen muß, kommt für die weitere Aufzucht des Jungen vor allem folgendes in Frage: Ein leicht verdauliches, an Protein⸗ ſtoffen und mineraliſchen Subſtanzen(vor allem an Kalk und Phosphorſäure S. 74) reiches Futter; möglichſt naturgemäße Hal⸗ tung und Pflege, bei der obenan ſtehen: die Gewährung friſcher, reiner, ſauerſtoffreicher Luft und die Möglichkeit genügender Be⸗ wegung im Stalle(Laufſtälle); möglichſt viel Aufenthalt in friſcher, reiner Luft mit genügender Bewegung, event. durch Führen oder Treiben, bei jungen Pferden Longieren im Schritt und Trab (S. 160); gute Hautpflege(S167). Durch alle dieſe Einflüſſe wird der Stoffwechſel geſteigert, die körperliche Entwicklung nach allen Richtungen hin befördert und die Widerſtandsfähigkeit des Organismus thunlichſt geſteigert.— Hierbei darf nicht außer acht gelaſſen werden, daß von dem Zeitpunkte ab, wo ſich bei den jungen Tieren der Geſchlechtstrieb zu regen beginnt(bei Pferden und Rindern mit 8—9, bei Schafen mit 5— 6, bei Schweinen mit 2 ½— 3 Monaten) eine Trennung der Ge⸗ ſchlechter zur Vermeidung gegenſeitiger, die Entwicklung nachteilig be— —,==ͤ—„——————· e —— —— — —————— 2 ttiere. he, der ung i unigen nißige, J eine lect ge ächlice, tleibig, dr af: und in en Ver⸗ nicht zu len nicht 1½2 daf bor ur Jutt gemeinen letzere daß eim nge dun mährung tativ und azen nac g leict tadelloer sJungen Froteln⸗ Kalk und ie r⸗ friſcher, der 35 thalt in c Führ ren ind dub ewin der dichtungen thuni tiſ daß bol⸗ lectttih haf en u. nit der Ge⸗ teiig be⸗ Abhaltung und Beſeitigung der Krankheitsanlage. 119 einfluſſender, geſchlechtlicher Aufregungen bezw. frühzeitiger Befruchtungen vorzunehmen iſt. b) Tilgung der Krankheitsanlage durch die Impfung bezw. durch Erzeugung einer künſtlichen Immunität. Schutzimpfung. Der Umſtand, daß durch einmaliges Ueberſtehen einer Krankheit die Anlage für ein neues Befallenwerden von derſelben für immer oder auf Zeit getilgt werden kann, daß die Tiere hierdurch eine natürliche abſolute oder relative Immunität für die betreffende Krankheit erlangen können, wurde ſchon Seite 113 eingehend beſprochen. Von dieſen längſt bekannten Thatſachen ausgehend, hat man ſich ſchon in alten Zeiten bemüht, durch abſichtliche Uebertragungen des Anſteckungsſtoffes gewiſſer Krankheiten eine künſtliche Immunität gegen dieſelben zu erzeugen, Verſuche, die aber deshalb zu keinen recht günſtigen Reſultaten führten, weil eben durch die Ueberimpfung der natürlichen Krankheit auch un⸗ ausbleiblich mehr oder weniger große Verluſte durch die abſichtlich erzeugte Impfkrankheit entſtanden, auch die geimpften Tiere ſelbſt zu einer Allgemeingefahr für andere Tiere wurden. Der erſte gelungene Verſuch zur Erzeugung einer künſtlichen Immunität iſt die von Jenner im Jahre 1796 zuerſt ausgeführte Kuhpockenimpfung beim Menſchen zum Schutze gegen die Menſchenpocken. Die ſpäter gegen die Schafpocken, Lungenſeuche, Rinderpeſt und Maul- und Klauenſeuche vorgenommenen Schutzimpfungen, welche zum Teil an den ſchon oben bemerkten Uebel⸗ ſtänden litten, haben ſich nur beſchränkt Eingang d verſchaffen vermocht und ſind eigentlich nur als Notimpfungen, d. h. dann erſt zur An⸗ wendung gelangt, wenn die Krankheit bereits im Orte oder in der Heerde zum Ausbruch gelangt war. Die eigentliche Schutzimpfung iſt erſt in den letzten 25 Jahren entdeckt und in der Tierheilkunde zur Ver— hütung einer Reihe ſehr wichtiger, anſteckender Tierkrankheiten— Milz⸗ und Rauſchbrand, Schweinerotlauf, Hühnercholera, Bruſtſeuche und Starr⸗ krampf— mit mehr oder weniger Erfolg angewendet worden. Durch dieſelbe ſind wir in den Stand geſetzt, die Anlage(Dis— poſition) zur Entſtehung der genannten Krankheiten bei den geimpften Tieren vollſtändig zu til ilgen und eine künſtliche Immunität zu erzeugen, ohne daß durch die Impfung die Krankheit bei den betreffen⸗ den Tieren ſelbſt hervorgerufen wird. Die künſtlich erworbene Immunität gründet ſich auf die Thatſache, daß, wenn man ein Tier mit dem in ſeiner Wirk⸗ ſamkeit(Virulenz) abgeſ chwwüthten Anſteckungsſtoff, d. h. mit den abgeſchwächten pathogenen Bakterien(S. 120) einer ge⸗ wiſſen Krankheit impft, dieſe je nach dem Grade ihrer Ab⸗ ſchwächung bei dem geimpften Tiere entweder gar keine Krankheitserſcheinungen oder nur ein leichtes, ſogenanntes In⸗ fektions⸗ oder Reaktionsfieber hervorrufen, nach deſſen Ab⸗ lauf das Tier mehr oder weniger immun gegen die betreffende 120 Krankheitsverhütung. Krankheit geworden iſt. Der Grad der erlangten Immunität kann durch wiederholte Impfungen mit immer weniger ab⸗ geſchwächten Bakterien bis zu einer Höhe geſteigert werden, daß ſchließlich die Impfungen mit den giftigſten Bakterien⸗ kulturen— aber immer nur derſelben Art— ohne jede Ge⸗ ſundheitsſtörung vertragen wird. Die Abſchwächung der pathogenen Bakterien(Mitigation, Attenuation) kann erfolgen: 1. durch die Einwirkung des Lichtes, be⸗ ſonders des Sonnenlichtes(S. 65); 2. durch längere Fortzüchtung der Bakterien in ein und demſelben Nährboden ohne Wechſel desſelben; 3. durch Eintrocknung(beſonders von Paſteur zur Abſchwächung des im Rücken⸗ mark wutkranker Tiere enthaltenen Wutgiftes empfohlen); 4. durch Ueber⸗ impfung auf andere Tiergattungen(kommt z. B. bei der Kuhpocken⸗ impfung in Frage, da die Kuhpocke durch Uebertragung von menſchlichem Pockengift auf Kühe entſtanden iſt, hierdurch weſentlich an Virulenz ver⸗ loren hat und bei Rückimpfung auf den Menſchen eine ganz mild verlaufende, Immunität erzeugende Lokalkrankheit hervorruft; ebenſo wird das Wutgift beim Durchgang durch Affen, der Rotlaufbazillus beim Durchgang durch Kaninchen abgeſchwächt ꝛc.); 5. durch Erhitzen bezw. Züchtung bei höheren Temperaturen(z. B. vernichtet die 10 Minuten lange Er⸗ hitzung auf 50 bis 55°C. die Virulenz der giftigſten bei 38° gezüchteten Milzbrandbazillen(S. 48, 98) vollſtändig, während geringere Temperatur⸗ ſteigerungen nur eine Abſchwächung derſelben hervorrufen. Das getrocknete, die ſpezifiſchen Bazillen enthaltende Fleiſch eines an Rauſchbrand(S. 48, 98) verendeten Tieres 5—6 Stunden lang dem ſtrömenden Waſſerdampf von 100° C. ausgeſetzt, wird in ſeiner Virulenz ſo herabgeſetzt, daß es zwar ohne Gefahr Rindern eingeimpft werden kann, hierdurch aber zugleich ſicher eine künſtliche Immunität erzeugt; 6. durch Zuſatz gewiſſer chemiſcher, desinfizierender Subſtanzen zu den Kulturen der betreffenden pathogenen Bakterien(Karbolſäure, Sublimat, Goldnatriumchlorid, Jodtrichlorid ꝛc.), welche je nach Menge und Dauer ihrer Einwirkung ganz beliebige Grade der Abſchwächung zu bewirken vermögen. Praktiſch haben nur die unter 3—6 genannten Methoden der Ab⸗ ſchwächung, beſonders die letzte von dieſen, Bedeutung erlangt. Dieſe künſtlich erworbene Immunität kommt in derſelben Weiſe zuſtande, wie dies ſchon S. 113 für die natürlich erworbene Immunität geſchildert wurde. Man nimmt nämlich an, daß die dem Körper durch die Schutzimpfung einverleibten, abgeſchwächten pathogenen Bakterien oder deren Stoffwechſelprodukte alle oder nur einzelne Zellen des Organismus, beſonders die farbloſen Blutzellen desſelben, derartig beeinfluſſen ſollen, daß dieſelben für längere oder kürzere Zeit die Fähig⸗ keit erhalten, ebenfalls ſogenannte Alexine oder Antitoxine(S. 114) zu produzieren, welche die in den Körper eingedrungenen, giftigen Bakterien derſelben Art entweder abzutöten oder die Wirkung ihrer Gifte auf⸗ zuheben imſtande ſind. Die durch wiederholte Einimpfungen abgeſchwächter Bakterienkulturen erzeugte Immunität wird als aktive Immunität bezeichnet. Sie dauert ſo lange an, als die Gewebszellen oder nur die Zellen gewiſſer ——n—=ͤe ——— —2—== — tturen Sie wiſſet Abhaltung und Beſeitigung der Krankheitsanlage. 121 Organe die Antitoxine zu bilden vermögen. Dieſe löſen ſich in dem die Zellen umſpülenden Gewebsſaft(Gewebslymphe) und gelangen mit dem Lymphſtrom auch in das Blut, in deſſen flüſſigem Beſtandteil, dem Blutſerum, ſie in großen Mengen gelöſt ſind. Mit der Blut⸗ flüſſigkeit werden ſie aber auch in die flüſſigen Ausſcheidungen des immunen Organismus(Milch, Harn, Schweiß und die ſonſtigen Drüſen⸗ ſekrete) gelangen. Man wird alſo imſtande ſein(und iſt es thatſächlich), z. B. durch die Ueberimpfung von Blutſerum und ſelbſt auch der Milch ꝛc. aktiv immun gemachter Tiere die Antigifte(Antitoxine, Alexine) auf andere Tiere zu übertragen und dieſe hierdurch immun zu machen. Dieſe Immunität, welche als paſſive Immunität bezeichnet wird, iſt aber eine weniger dauerhafte, oft nur auf wenige Wochen beſchränkte, weil die bei Erzeugung derſelben mit dem Blutſerum oder der Milch übergeimpften Antigifte in dem nur paſſiv⸗-immunen Organismus allmählich zerſetzt oder aus ihm wieder ausgeſchieden werden, während im aktiv immunen neben dieſer Ausſcheidung eine fortgeſetzte Neuproduktion derſelben durch die Gewebe⸗ oder Blutzellen erfolgt. Von dieſer Möglichkeit, daß es bei einigen Krankheiten gelingt, durch Ueberimpfung von Blutſerum eines aktiv immun gewordenen Tieres auf nicht immune Tiere bei dieſen eine paſſive Immunität zu erzeugen, hat man in der Tierheilkunde, wenn auch nicht mit ganz durchſchlagendem Erfolge, bereits bei der Bruſtſeuche der Pferde Anwendung gemacht. In allerneueſter Zeit haben Löffler⸗Froſch auch darauf hingewieſen, daß das Blutſerum von an Maul⸗ und Klauenſeuche durchgeſeuchten Rindern eine Immunität verleihe; es erſcheint aber doch ſehr fraglich, wie lange die hierdurch erzeugte paſſive Im⸗ munität dauern und wie groß ihr davon abhängiger praktiſcher Wert ſein wird.— Sehr geſchickt hat Lorenz dieſe paſſive Immunität bei dem von ihm an⸗ gegebenen, in der Neuzeit bekanntlich überall in den Vordergrund geſtellten Rotlaufſchutzimpfungs⸗Verfahren der Schwein e verwendet. Er macht zunächſt Schweine einige Zeit vor ihrer in gewerbsmäßiger Weiſe ſtatt⸗ findenden Schlachtung durch Impfung mit abgeſchwächten Rotlaufkulturen immun, ſammelt dann beim Schlachten das Blut, bezw. das Blutſerum der⸗ ſelben, aus welchem er das Antitoxin in gewiſſer Weiſe und in konzentrierter Form iſoliert und zu einem leicht verſendbaren Impfſtoff verarbeitet. Durch die Impfung mit demſelben werden die Schweine zunächſt paſſiv immun gemacht. Dieſe paſſive Immunität würde aber nur einige Monate an⸗ dauern. Sie genügt aber vollſtändig, um ca. 14 Tage nach der erſten Impfung das betreffende Schwein ohne jedwede Gefahr für deſſen Ge⸗ ſundheit nunmehr mit vollvirulenten, vollgiftigen d. h. nicht abgeſchwächten, Rotlaufbazillen impfen zu können und dasſelbe hierdurch für die Dauer von ca. einem Jahre aktiv immun zu machen. Dieſe aktive Immunität kann durch eine zweite Impfung mit virulenten Rotlaufbazillen noch weſentlich geſteigert und geſichert werden. Nur beiläufig ſei hierzu noch bemerkt, daß man durch Ueberimpfung dieſer im Blutſerum aktiv immuner Tiere enthaltenen Antigifte,(die durch gewiſſe chemiſche Verfahren aus demſelben iſoliert und in feſter oder flüſſiger Form in den Handel gebracht werden), nicht nur geſunde Tiere immuniſieren, ſondern auch bei einzelnen Infektionskrankheiten die bereits erkrankten 122 Krankheitsverhütung. Tiere bezw. Menſchen in den meiſten Fällen heilen kann(ſogenannte Blut⸗ ſerumtherapie). Bisher iſt dies für Diphtherie, weniger ſicher für Starr⸗ krampf feſtgeſtellt worden. c) Steigerung der Widerſtandsfähigkeit bezw. Bekämpfung der Anlage durch Abhärtung und ſorgfältige Pflege. Die Abhärtung wird erzielt durch Uebung der betreffenden Ab⸗ wehr⸗ und Schutzeinrichtungen, die z. B. bewirkt werden kann durch gutes Putzen und kalte Waſchungen bei der Haut, durch ſyſtematiſch ge⸗ ſteigerte Arbeitsleiſtung, ſowohl bei der Skelettmuskulatur, als au bei der des Verdauungsapparates(bei dieſem z. B. durch allmähliche Steigerung der Quantität der Nahrung bei entſprechender Qualität der⸗ ſelben); ferner durch Gewöhnung an gewiſſe äußere Schädlichkeiten, in⸗ dem man dieſelben in immer ſteigendem Grade auf den Organismus einwirken läßt. Natürlich wird auch eine ſolche Gewöhnung nur bei Schädlichkeiten möglich ſein, welche weſentlich durch Vermittlung des Nervenſyſtems, vor allem der Empfindungsnerven(S. 102) wirken, durch deren Erregung gewiſſe motoriſche Reflexe ausgelöſt werden, welche unter Umſtänden als Geſundheitsſt Schmerzen in den verſchiedenen Organen überhaupt ꝛc.). Durch die oft wiederholt und in ſteigendem Grade einwirkende Schädlichkeit werden die davon betroffenen Nerven allmählich in ihrer Erregbarkeit derartig herabgeſetzt, daß ſchließlich die äußere Schädlichkeit nicht mehr als ſolche, d. h. als Reiz wirkt. So kann ſich der Organismus an Kältereize, an mechaniſche und chemiſche Einwirkungen, ja ſogar an gewiſſe narkotiſche Gifte gewöhnen.— Der vielfach der Krankheitsanlage zugrunde liegenden organiſchen, eine Verminderung der Widerſtandsfähigkeit bedingenden Schwäche kann ſelbſtverſtändlich nur durch die ſorgfältigſte Körperpflege und Abhal⸗ tung aller Krankheitsurſachen begegnet werden. Alle Lebens⸗ bedingungen, d. h. Luft, Licht, Nahrung, Wärme ꝛc., müſſen nach allen Richtungen hin ſorgfältig geregelt werden, wie das im folgenden Abſchnitt in den Grundzügen ausgeführt werden wird. II. Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen(Vorbauung im engeren Sinne.) Die Einwirkung der äußeren Krankheitsurſachen(S. 14— 100) auf den tieriſchen Organismus wird nach Möglichkeit verhütet, indem man die Tiere unter thunlichſt normale Lebensverhältniſſe bringt, d. h. ihnen einen geſunden Aufenthalt giebt, ſie gut füttert und pflegt und. d entſprechend gebraucht. Damit ſind die Grundlehren der Geſund⸗ heitspflege genügend bezeichnet, von denen jeder Landwirt mindeſtens dasjenige kennen muß, was im nachfolgenden Abſchnitt näher ausgeführt werden wird.— törungen auftreten können(Huſten, Nieſen, —————,—,————-—d]d]d]111 — 22—— — ———————————— Smud r bei J ds durch unter ieſen, die oft erden rarti ſolche ze, in otiſch iſchen e kann bhal⸗ ſebend⸗ Hall ſchnit ig in L) auj n man „ihnen gt und. Heſund ndeſtens sgefühe Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. 123 I. Es iſt den Tieren ein geſunder Aufenthalt zu geben. a) Im Stalle. Unſere landwirtſchaftlichen Haustiere bedürfen eines je nach Witterung und Klima(S. 64) mehr oder weniger wirkſamen Schutzes gegen die ſchädlichen Einwirkungen dieſer atmoſphäriſchen Verhältniſſe. Einzelne Tiergattungen— Arbeits⸗ und Weidetiere— fordern einen ſolchen nur vorübergehend für die Nacht, während Milch⸗ und Maſttiere zur Steigerung ihrer Ertragsfähigkeit und zur Vermeidung von Düngerverluſten faſt ununterbrochen im Stalle gehalten werden. Durch den Stallaufent⸗ halt entziehen wir die Tiere aber mehr oder weniger den für die Geſundheit derſelben außerordentlich wichtigen Einflüſſen der friſchen, reinen, ſauerſtoffreichen Luft, des Lichtes und der Bewegung. Je mehr daher die Haustiere dazu verurteilt ſind, im Stalle zu leben, um ſo mehr müſſen wir dafür beſorgt ſein, daß ihnen, ſoweit möglich, die genannten Geſundheitsbedingungen auch dort geboten werden. Indem bezüglich der bautechniſchen und betriebsökonomiſchen Einrichtungen der Stallung auf die vorzüglichen kleinen Werke von F. Engels) und Schubert**) hingewieſen wird, ſollen im nachfolgenden nur auf diejenigen geſundheitlichen Grundbedingungen aufmerkſam gemacht werden, welchen jeder Stall im allgemeinen zu entſprechen hat. 1. Der Stall ſoll trocken und warm ſein. Abgeſehen davon, daß feuchte Stallwände, deren Poren mit Waſſer gefüllt ſind, den Luftwechſel zwiſchen dem Stallraum und der Außenluft (ſogenannte Porenventilation) erſchweren oder vollſtändig unmöglich machen, wird durch die Verdunſtung ihres Waſſergehaltes ſowohl der Stallluft, als der feuchten Wand ſelbſt eine große Menge von Wärme entzogen. Feuchte Wände ſind daher ſtets kalt, trockene warm. An den kalten Wänden des Stalles ſchlägt ſich aber die der Stallluft durch den Atmungsprozeß(S. 52) und durch den Wirtſchaftsbetrieb(Brüh⸗ und Schlempefütterung ꝛc.) beigemengte Feuchtigkeit in Tropfen nieder.— Zugleich begünſtigt die Feuchtigkeit der Wände wenn auch nicht grade die Vermehrung, ſo doch die längere Lebensfähigkeit der an dieſelben(mit Luft, Dünger, Auswurf ꝛc.) gelangten Bakterien und Schimmelpilze, ebenſo befördert ein feuchter Stallfußboden die Zerſetzung der in den Boden eingedrungenen Dungſtoffe. Erkältungskrankheiten, mangelhafter Ernährungszuſtand infolge der durch vermehrte Wärmeabgabe des Körpers geſteigerten Verbrennungsprozeſſe(S. 110) und mancherlei Infektions⸗ *) Der Pferdeſtall, ſein Bau und ſeine Einrichtung; 2. Aufl. Mit 175 Holzſchnitten.— Der Viehſtall. Der Bau und die Einrichtung der Ställe für Rindvieh. Schafe und Schweine; 2. Aufl. Berlin. **) Landwirtſchaftliche Baukunde. Sämtlich in der Thaer⸗Bibliothek erſchienen. Berlin, Verlagsbnuchhand⸗ lung Paul Parey. Preis für jeden Band 2,50 Mk. 124 Krankheitsverhütung. krankheiten(beſonde sDruſe, Lungen⸗Bruſtfellentzündungen, Tuberkuloſe ꝛc.) ſind bei den in derartigen feuchten Ställen untergebrachten Tieren daher häufige Erſcheinungen. Die Wärme des Stalles ſoll betragen: In Pferdeſtällen ca. 12⁰ R(15° C), ſpeziell in Zuchtſtällen 14— 15⁰ R(17—19⁰ C).— In Rinderſtällen 10—140 R, und zwar empfehlen ſich für Milchvieh und Kälber die höheren, die mittleren für Maſtvieh, die niederen für Arbeits⸗ ochſen.— In Schafſtällen ſoll die Temperatur 8— 100 R(10— 12,5 O) nicht überſteigen; die höheren Temperaturen ſind während der Lammzeit nötig, ſolche von ca. 14⁰ R(17,5⁰ C) nach der Schur.— In Schweine⸗ ſtällen ſind 10— 12 ⁰ R(12,5— 150⁰ C) die paſſendſte Temperatur ꝛc. Trockenheit und Wärme des Stalles werden von folgenden Umſtänden beeinflußt: a) Durch Lage und Untergrund. Ställe ſollen nach Süden frei, nach Norden geſchützt und wenn möglich auf einer flachen Boden⸗ erhebung oder ebenem Boden, keinesfalls aber in einer Bodenvertiefung erbaut werden, da ſonſt die Bodenfeuchtigkeit der ganzen Umgebung in den Stall eindringen würde.— Der Untergrund ſoll durchläſſig und trocken ſein, damit die Fundamente des Stalles nicht in die Grundwaſſer— zone hineinragen, weil ſonſt das Waſſer ununterbrochen in den Wänden aufſteigen und dieſelben ununterbrochen feucht erhalten würde. Ebenſo iſt die Umgebung des Stalles in einer Breite von 1,25 m in genügendem Gefälle abzupflaſtern, um das Eindringen der Tagewäſſer in die das Fundament umgebenden Grundmauern zu verhindern. Muß der Stall auf feuchtem Boden errichtet werden, ſo iſt unbedingt dafür zu ſorgen, daß ſeine Fundamente bis ca. 12 cm über den Boden aus möglichſt wenig poröſem, gut fugendem Mauerwerk(Granit, Baſalt, feſtem Kalkſtein, hartgebrannten Ziegeln ꝛc.), die oberen Schichten desſelben aber von ſolchem Material hergeſtellt werden, welche das Aufſteigen der Feuchtig⸗ keit abſolut unmöglich macht(Iſolierſchicht). Es wird dies teils durch zwei Schichten glashart gebrannter, in Cement gemauerter Ziegel, oder durch doppelte Lagen von friſch geteerter Dach⸗ oder Asphaltpappe, oder endlich durch eine 1 cm dicke Schicht von Gußasphalt erreicht.— Bei genügendem Gefälle würde noch die Drainierung des Baugrundes und der Um⸗ gebung desſelben dringend zu empfehlen ſein. b) Durch das Material und die Ausführung der Umfaſſungs⸗ mauern der Decken und Fußböden. Luft iſt ein ſchlechter Wärme⸗ leiter. Poröſe, lufthaltige Wände verhindern daher im Winter die zu ſchnelle Wärmeabgabe an die Außenwelt— halten warm—, im Sommer dagegen das Eindringen der Wärme in den Stall— halten kühl. Das beſte Material hierzu bilden gut gebrannte(Mittelbrand) Ziegel.— Ganz weſentlich wird die Wärme und Trockenheit des Stalles durch Anbringung von iſolierenden Luftſchichten(beſonders an den Wetterſeiten) in den Umfaſſungsmauern desſelben begünſtigt, welche am zweckmäßigſten durch Aufführung hohler Wände(Fig. 111) zu erreichen ſind. eidnß ünſtigt . 11l) ſolche Decken zur Erhaltung einer Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. 125 Bezüglich der Stalldecken gilt gerade das entgegengeſetzte. So zweckmäßig es ſein würde, dieſelbe aus einem recht poröſen, das Ent⸗ weichen der ſich an der Stalldecke anhäufenden, heißen, verdorbenen Stall⸗ luft begünſtigenden Material herzuſtellen, ſo verbietet dies doch der Umſtand, daß die über den Ställen befindlichen Räume meiſt zur Auf⸗ bewahrung von Futter verwendet werden. Letzteres würde ſelbſtver⸗ ſtändlich durch die von unten auf⸗ ſteigenden feuchten, ammoniakaliſchen Gaſe verderben. Maſſive, aus Ziegeln hergeſtellte, gewölbte Decken ſind am meiſten geeignet, dies unmöglich zu machen, wozu noch kommt, daß gleichmäßigen Stalltemperatur erheb⸗ lich beitragen, anderſeits auch feuer⸗ ſicher ſind. Der Wärme und Trockenheit im Stalle halber empfiehlt ſich noch zweierlei. Wo der Untergrund feucht bezw. moorig iſt, ſoll der Boden 3 zwiſchen den Fundamenten mindeſtens Fig. 11. 1 m ausgegraben und durch eine feſt geſtampfte, die Bodenſchicht für das aufſteigende Grundwaſſer undurchdringlich machende Lehmſchicht erſetzt werden. Ferner ſoll der Bodenbelag abſolut undurchdringlich ſein(ſ. S. 127). Bei entſprechender Lage des Gebäudes ſollte man die ſchon S. 124 empfohlene Drainage eines derartigen Untergrundes nie verſäumen, ſondern recht gründlich und umfaſſend ausführen. c) Durch die Größe der Stallungen. Zu große bezw. zu hohe Stallungen ſind kalt, zu kleine bezw. zu niedrige zu warm. Das Raumbedürfnis für die verſchiedenen Haustiere und die hierdurch be⸗ dingten Größenverhältniſſe ſind folgende: Höhe: Pferde⸗ und Rinderſtälle für bis zu 12 Stände dürfen nicht unter 3 m, ſolche bis zu 30 nicht unter 3,5— 4,5 und Ställe für mehr Pferde nicht unter 4,5— 4 m hoch ſein. Schafſtälle für bis zu etwa 300 Stück erfordern eine Höhe von 3,3 m, für über 300 eine ſolche von 4—4,5 m. Schweineſtällen wird meiſt eine Höhe von 2,5 m gegeben, doch iſt eine ſolche von 3 m vorzuziehen. Ein einzeln ſtehender Stall für 1—2 Tiere braucht nicht höher als 1—2 m zu ſein. Stand⸗ bezw. Platzgröße: 1. Bei Befeſtigung an der Krippe: a) Pferde: für Arbeitspferde 2,5— 3,0 m Länge und 1,3— 1,6 m Breite; Luxus⸗ und Kavalleriepferde 3,15— 3,40 m Länge, 1,6— 1,8 m Breite; Beſchäler und ausnahmsweiſe große Wagenpferde(ebenſo bei Ein⸗ 126 Krankheitsverhütung. richtung von Kaſten ſtänden für Luxuspferde) 3,5— 4,5 m Länge, 2,0— 2,50 m Breite Alle Längenmaße ſind inkl. Krippe berechnet.— Für die Breite der hinter den Pferden befindlichen„Stallgaſſe“ werden bei gewöhnlichen Arbeitspferden bei einreihiger Aufſtellung 1,8, bei zweireihiger 2,8 m Breite gerechnet und bei Luxuspferden noch je 0,5— 1,0 m zugegeben. — b) Rinder: für eine mittelgroße Kuh 2,50 m Länge, 1,25 m Breite; große Kühe, Bullen und Zugochſen 2,80 m Länge, 1,5 m Breite; kleine Kühe und Jungvieh 2,0— 2,3 m Länge, 1,0— 1,1 m Breite. Alle Längenmaße ſind exkl. Krippe und Jauchenrinne berechnet. Auf den Dünger⸗ gang inkl. Jauchenrinne hinter den Tieren wird bei einreihiger Auf⸗ ſtellung 1,35 m, bei zweireihiger 2 m, und ebenſoviel auf den Futtergang gerechnet. 2. Beim Freigehen: a) Laufſtälle oder Boxen für Pferde werden auf 10— 15 qm, für ein Fohlen auf 10, für mehrere Fohlen auf je 5 qm zu berechnen ſein.— b) Für Schafe rechnet man inkl. Raum für Raufen und Krippen mindeſtens 1,0— 1,5 dm Bodenfläche auf das Stück.— c) Schweine: Trächtige bezw. ferkelnde Zuchtſauen, ſowie Zuchteber be⸗ dürfen Buchten von 4 dm; für ein Ferkel werden 0,5— 0,6, für Tiere bis zu einem Jahre 0,8, für ſolche bis zu 2 Jahren 1,0, für ein Maſtſchwein 1,6— 2 qm Grundfläche erforderlich. Auf die Breite der Gänge zwiſchen den Kobenreihen ſind 1,25— 1,6 qm zu rechnen. 2. Die Stallluft muß rein ſein. Schon S. 51 wurde hervorgehoben, daß die Luft die unentbehrlichſte Lebensbedingung ſei, und daß von ihrer Reinheit der normale Ablauf aller Lebensvorgänge abhänge. Ferner wurde ſpeziell erörtert, was man unter reiner und unreiner Luft verſteht, und welchen Urſprung und welchen Nachteil die verſchiedenen Luftverunreinigungen auf die Geſundheit der Stalltiere haben. Ganz kurz möge nochmals betont ſein, daß ſpeziell als Quellen der Verunreinigungen der Stallluft folgende wichtig ſind: a) Die Lungen⸗ und Hautatmung der Stalltiere, durch welche der Luft Sauer⸗ ſtoff entzogen(S. 53, 54) und Kohlenſäure(S. 53, 55), gasförmige organiſche Stoffwechſelprodukte(S. 53, 55) und Feuchtigkeit(S. 54) beigemengt werden. b) Die Fäulnis der im Stalle entleerten feſten und flüſſigen Exkre⸗ mente, ſowie die von den Tieren entleerten Magen- und Darmgaſe, durch welche der Stallluft reichliche Mengen von Kohlenſäure, Schwefel⸗ waſſerſtoff und Ammoniak(S. 55, 56) zugeführt werden; und endlich c) die im Stallfußboden ſtattfindenden Fäulnisprozeſſe organiſcher Subſtanzen (beſonders der in den Boden eingedrungenen flüſſigen Düngerbeſtandteile) deren gasförmige Produkte— vor allem wieder Kohlenſäure, Schwefel⸗ waſſerſtoff und Ammoniak— durch die Bodenluft⸗ oder Grundluft⸗ ſtrömung(S. 94) ebenfalls in die Stallluft entweichen können; d) an Infektionskrankheiten leidende Tiere, in deren Ausſcheidungen die urſächlichen pathogenen Mikroorganismen enthalten ſein können, welche je nach Umſtänden ſich direkt mit der ausgeatmeten oder ausgehuſteten Luft der kranken Tiere der Stallluft beimengen, oder erſt indirekt in dieſelbe übertreten, nachdem die bakterienhaltigen Ausſcheidungen der kranken Tiere vorher in den Dünger oder den Stallfußboden eingedrungen waren. chſte olauf man und dhei nder die Sauer⸗ aniſche verden. Erkre⸗ ngaſe, vwefe⸗ die in ſtanzen ndteile chwefel nluft⸗ d) an ngen dü gelche je ten Lit dieſebe an Tir . Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. 127 Hieraus ergeben ſich diejenigen Geſichtspunkte, welche zur Erzielung einer geſunden Stallluft berückſichtigt werden müſſen, nämlich a) Die Größe des Stalles und der für jedes Tier beſtimmte Luftraum. Die hierfür in Betracht kommenden Größenverhältniſſe wurden ſchon S. 125 angegeben. Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß je kleiner der Stall und je größer die Zahl der darin aufgeſtellten Tiere iſt, umſo größer die Luftverunreinigung derſelben durch oben genannte Quellen ſein muß. Man wird alſo die angegebenen Raum⸗ verhältniſſe unbedingt im Auge behalten müſſen. b.) Der Bodenbelag bezw. der Stallfußboden. Es muß als einer der oberſten Grundſätze der Geſundheitspflege gelten, daß der Stallfußboden umſo ſchädlicher die Reinheit der Stallluft und 823 eepessen 8 8 ☛ ☛᷑ . aneeeese R 8 8 Q◻ᷣ 8 M Knnn eeere — 83 3 cement 5 8*. 6 5 Ciegel 5 5 Xolk 5 S 5 S 5 S.— S — S S S =— —————nmy———ÿj =1 S S W Fig. 112. — damit den Geſundheitszuſtand der Tiere beeinflußt, je durch⸗ läſſiger er iſt, d. h. je mehr flüſſige, vielfach die von den kranken Tieren mit dem Kot, Urin und ſchleimigen Ausflüſſen ertleerten pathogenen Mikro⸗ organismen enthaltende(S. 46) Beſtandteile des flüſſigen und feſten Düngers in den Boden eindringen können, und je weniger die Grundluft in den Stallraum aufſteigen kann. Nur ein vollſtändig undurch⸗ läſſiger Fußboden entſpricht den Forderungen der Geſund⸗ heitspflege! Nebenbei ſoll der Stallfußboden natürlich dauerhaft, aber nicht zu hart, nicht zu glatt und nicht zu kalt ſein. Am beſten entſpricht den geſundheitlichen Anforderungen das aus glashart gebrannten(daher nicht poröſen) Ziegeln, ſogenannten Klinkern hergeſtellte Pflaſter, welche entweder auf die hohe Kante auf einer feſtgeſtampften Lehm-(Fig. 112 a) oder beſſer Betonſchicht oder auf eine flach in Kalk gemauerte Ziegel⸗(Fig. 112 b) Schicht, oder 128 Krankheitsverhütung. endlich auf einer Sandſchicht in zweifacher Schicht übereinander in Kalk gemauert und mit Cement vergoſſen werden. Nach den Erfahrungen des Verfaſſers iſt das auf die hohe Kante auf Betonunterlage in gutem hydrauliſchen Kalk gemauerte(auf den Schwalbenſchwanz, Fig. 113) IIIIIIT —D pfehlen, nur muß dasſelbe X X in der Weiſe hergeſtellt wer⸗ X den, daß jedem Ziegel nur ſtzier wn nantenzanſeh 8 + X ,))hſ von unten her Kalk gegeben, Djſſ dh ausgegoſſen wird. Ein 3 bis zu ſeiner halben Höhe die obere Hälfte der Fuge S G b aber ſorgfältig mit Cement TGiiGCRhnndllnu Fehler iſt es hierbei— wie RNRNRNNNNN bielfach vorgeſchriehen wird „möglichſt enge Fugen“ Ji. 113. zu machen. Zu enge Fugen füllen ſich nicht gleichmäßig mit Cement; die zwiſchen den Ziegeln feſtgewordene Cementſchicht iſt auch zu dünn und bricht leicht; ein ſolcher Fußboden iſt weder haltbar noch waſſerdicht. Es iſt unbedingt nötig, daß die Fuge 6—7 mm. weit iſt, um viel Cement aufnehmen zu können(Fig. 112 a, b). Ein ſolches Pflaſter iſt ſehr dauerhaft, undurchläſſig und genügend rauh. Die Kälte und Härte desſelben läßt ſich durch hinreichende Streu ausgleichen. Um noch eine größere Rauhigkeit zu erzeugen, kann man ſich auch der an der Oberfläche gerieften Chamotteziegel(Fig. 114) bedienen, welche in gleicher Weiſe verlegt werden.— Cement⸗ und Asphaltfußboden ſind zwar Fig. 114. ebenfalls vollſtändig undurchläſſig, erſterer aber zu glatt, letzterer nicht haltbar genug, namentlich in Pferdeſtällen.— Zur angeblichen beſſeren Konſervierung der Vorderhufe bei Pferden, hat man auch empfohlen, den vorderen Teil des mit Ziegeln gepflaſterten Standes mit Bohlen oder Pfoſten zu belegen(Fig. 115, a Längsſchnitt, b Querſchnitt). Eine unbedingte Notwendigkeit hierzu liegt nicht vor. Ein geſundheitlich ſehr ſchlechter, weil ſehr durchläſſiger Fuß⸗ boden, der nur den Vorzug der Wärme und Weichheit hat, iſt der in Pferdeſtällen noch häufig verwendete Holzfußboden, mag derſelbe in Form des Bohlenbelages oder des Holzſtockpflaſters verwendet werden, umſomehr als ſich wegen ſeiner Poröſität derſelbe außerdem auch nach und nach vollſtändig mit Jauche vollſaugt. Werden die Bohlen und Holzſtöcke unmittelbar auf den Boden gelegt, ſo bildet ſich unter denſelben eine Kloakenſchicht, aus welcher die Jauche, wenn ſie nicht in den Boden verſinken kann, allmählich bis auf die Ober⸗ fläche des Bodenbelages tritt. Werden die Bohlen hohl auf einen unter jedem Stand befindlichen, in eine gemeinſchaftliche Schleuſe ausmündenden, mulden⸗ ſäũ ꝗWc uſammenlaufende Klinker⸗ = ˖, Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. 129 Kalk artig ausgepflaſterten Hohl⸗ raum(Fig. 116, Längs⸗ Kant, ſchnitt, Fig. 117, Quer⸗ f den ſchnitt) gelegt, ſo fließt der .1l) durch dieſelben hindurch⸗ linker ſickernde Harn zwar größten⸗ em⸗ teils in die Schleuſe ab, a sſelbe bildet aber ſehr raſch unter twer⸗ den Bohlen und der Schleuſe e vur Niederſchläge, welche faulen Hühe und die gasförmigen Pro⸗ geben, dukte der Fäulnis(S. 126) Fuge durch die Bohlen hindurch— ement in den Stallraum aufſteigen Ein laſſen. Grade dieſe ſcheinbar vie trockenen, warmen und rein⸗ 1 wird lichen ſogenannten Brücken⸗ LIIS ugen“ ſtände geben zu einer ſſ— Jugen wahren Verpeſtung der 1 1 näßig Stallluft Veranlaſſung, b auch abgeſehen von der Gefahr, noch daß die dahin gelangten viel und ſich dort üppig ver⸗ llIl mehrenden Infektionskeime mit dem Bodenluftſtrom der Fig. 115. Mit Ziegeln gepflaſterter Pferdeſtand. S. 1 Stallluft wieder zugeführt Streu werden können. Erfahrungsgemäß tritt die Bruſtſeuche der Pferde, die ſl.— en, hit laſtettn goſchnit t vor. her Fui⸗ iſt der gderſt verwendet ſꝝſrff 1 ℳ X ᷓ X XW ND aujeden ̊ͥ☛‿ʒTNM 75 50 25 0 1 Melén 3 1 1 1 1— den glei Fig. 116. Brückenſtand, Längsſchnitt. E. de Jaut. e 4 n. 22 1 die Ohe⸗ Schweineſeuche und der Rotlauf der Schweine grade in ſolchen Ställen mit uter ide Holzfußboden mit und ohne darunter befindlichem Hohlraume häufiger und n, nüüdr bösartiger auf.— N, Johne. 9 — 130 Krankheitsverhütung. c) Das Gefälle des Standes und die Beſchleuſung des Stalles. Die flüſſigen Beſtandteile des Düngers(Urin, Jauche) dürfen nicht nur nicht in den Boden eindringen, ſondern ſie müſſen auch möglichſt raſch aus dem Stalle abfließen. Das wird ermöglicht aa. Durch das erforderliche Gefälle der Stände, damit der Urin raſch und vollſtändig aus denſelben in die Schleuſen abläuft. Dasſelbe beträgt bei der oben angegebenen Standlänge für Kühe und Zuchtſtuten 4—5, für ſonſtige Pferde und männliche Rinder 3 em, bei Schweinen 1:12—1:15.— Zu ſtarkes Gefälle wird ſchädlich, weil die Tiere zu ſtark nach hinten durchtreten und die Beugemuskeln und Sehnen⸗ ſcheiden ſich zu ſtark dehnen müſſen; bei Kühen und Stuten außerdem noch deshalb, weil hierdurch eine Neigung zu Scheiden⸗ und Gebärmuttervorfällen A hervorgerufen wird. Bei Tieren, welche frei im Stalle gehen und 9 ſich beliebig ſtellen und legen können, — N Äl 9 V kommen dieſe Nachteile weniger in 1 1 0 V Betracht. pb. Durch entſprechende Be⸗ ſchleuſung. Ohne hier näher auf die ſehr verſchieden gewählte techniſche Anordnung derſelben (welche in den beiden, S. 123 empfohlenen Büchern nachzuleſen iſt) einzugehen, ſeien nur folgende, vom hygieniſchen Standpunkte aus an dieſelben zu ſtellenden Anfor⸗ derungen hervorgehoben: Sie müſſen das erforder⸗ S T liche Gefälle beſitzen, weil es 4000 15. 7e 73 9 Mela, ſonſt zu Stauungen oder ſelbſt Fig. 117. Brückenſtand, Querſchnitt. S. Verſtopfungen derſelben, zu Rück⸗ ſtauungen der Jauche in den Stall und zur Verpeſtung der Stallluft durch Fäulnisgaſe kommt. In Pferdeſtällen genügt ein Gefälle von 1: 100— 150, in Rinder⸗ und Schweineſtällen iſt ein ſolches von 1:100 wünſchenswert. Um das erforder⸗ liche Gefälle ohne eine allmählich zunehmende zu ſtarke Vertiefung der hinter den Ständen verlaufenden offenen Schleuſen zu erzielen, kann man der ganzen Bodenfläche des Stalles in der Richtung des Schleuſenzuges eine Neigung von 1: 200 geben. Sie müſſen waſſerdicht und offen, der Waſſerſpülung und Desinfektion unmittelbar und in allen Teilen zugänglich ſein. Schleuſen, welche dieſen Anforderungen nicht genügen, geſtatten einerſeits das Eindringen der Stalljauche in den Boden, anderſeits ſind ſie nicht in allen Teilen daraufhin kontrollierbar, ob ſie rein und ſauber ſind, ob ſich nicht an einzelnen Stellen Anhäufungen bezw. Niederſchläge aus den feſten und flüſſigen Exkrementen gebildet haben, deren Zerſetzungsgaſe in die Stallluft aufſteigen, oder ob ſie überall dicht ſind.— e und n, bei „weil ehnen⸗ mnoch ffällen eren, und onnen, ger in Be⸗ aher ählte elben 123 uleſen gende, tte aus Anfor⸗ order⸗ weil es ſelbſt ng und ch ſein einerlid ſie nitt ſind,d aus da gogri 1 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. 131 d) Die Verbindung der Abzugsſchleuſen mit dem vor dem Stalle befindlichen Jauchebehälter— der nach allem ſchon Geſagten unter allen Umſtänden nicht in den Stall gehört— muß ſo ein⸗ gerichtet ſein, daß weder die ſich in letzterem bildenden Fäulnisgaſe in den Stallraum aufſteigen, noch im Winter kalte Luft von außen in den Stallraum eindringen kann. Ein ſehr einfaches Prinzip einer ſolchen Verbindung zeigt Fig. 118. Aus dem Stalle a fließt die Jauche durch die geſchloſſene, beliebig lange Röhre b von 20— 25 cm Durchmeſſer in den vor dem Stalle befind⸗ lichen, mit Bohlen abgedeckten Jauchenbehälter c. Bei ihrem Eintritt in denſelben biegt ſie ſich in einem entſprechenden Winkel nach unten und reicht faſt bis zum Boden des Jauchenloches. Die in letzterem befindliche Jauche bildet ſtets einen vollſtändigen Abſchluß gegen das Aufſteigen der Sh, E , ſʒſſh Fig. 118. Jauchenabfluß mit Waſſerverſchluß. ſtinkenden ſchädlichen Grubengaſe und der außeren Luft in den Stallraum; in dieſen gelangen höchſtens nur die Zerſetzungsgaſe jener geringen Jauchen⸗ menge, welche in der Abflußröhre ſteht. Um jede Verſtopfung der Röhre raſch beſeitigen zu können, befindet ſich bei d ein gut ſchließender, abnehm⸗ barer Deckel, der das Einführen einer Stange geſtattet. Derartige ſogenannte Waſſerverſchlüſſe laſſen ſich natürlich in vielfacher Weiſe konſtruieren, das obige Prinzip derſelben erſcheint als das einfachſte und rationellſte.— e) Die öftere Entfernung des Düngers aus dem Stalle. Wenn auch ohne weiteres zugegeben werden muß, daß der Dünger in ſeiner Qualität um ſo beſſer wird, je länger er unter den Tieren liegt(v. Roſenberg⸗Lipinski geht ſelbſt ſoweit, zu behaupten, der Stall ſei unfehlbar die beſte Düngergrube), ſo muß die Geſundheits⸗ pflege doch unbedingt an dem Satze feſthalten, daß die Stallluft um ſo reiner und der Geſundheitszuſtand der Stalltiere um ſo 9 13³2 Krankheitsverhütung. beſſer ſein wird, je öfter der Dünger aus dem Stalle entfernt. und durch friſche, reinliche Streu erſetzt wird. Die entleerten iun Erkremente, vor allem der Urin, beginnen im Stalle raſch zu faulen und un entwickeln hierbei, ganz abgeſehen von erheblichen Wärmemengen, große(u Mengen von Kohlenſäure, Ammoniak und Schwefelwaſſerſtoff, welche die Luft heiß, dunſtig und unbedingt geſundheitsſchädlich machen(S. 126).( Am deutlichſten zeigt dies ein Verſuch von Vollrath, welcher in 5 1000 cem Luft eines Pferdeſtalles mit permanenter Streu 5,018 cem Kohlen⸗ de ſäure und 0,112 ccm Ammoniak, in einem ſolchen mit täglich gewechſelter au Stten ddageden nur 2,725 ccm Kohlenſäure und 0,094 ccm Ammoniak 1 vorfand.. Neben dieſen gasförmigen Luftverunreinigungen kommt aber f noch weiter der Umſtand in Betracht, daß der im Stalle liegenbleibende und dort faulende Dünger eine Brut- und Konſervierungsſtätte 1 für alle dorthin gelangten fakultativen pathogenen Bakterien 1 (S. 38) bildet, aus welcher dieſelben auf die eine oder andere Weiſe 6 wieder in den Tierkörper gelangen und neue Erkrankungen hervorrufen können.— Infektionskrankheiten, welche auf derartige Stallinfektionen zurückgeführt 1 werden, ſind vor allem Euterentzündungen, beſonders bei Kühen, die brandige Scheiden⸗ und Gebärmutterentzündung bei Schafen, die jauchige Nabelvenen⸗ d entzündung bei Füllen, Kälbern und Lämmern und die ſich hieran an⸗ d ſchließende Pyämie, der ſeuchenhafte Kälberdurchfall verſchiedene Wund⸗ R infektionskrankheiten(Einſchuß, malignes Oedem, Septikämie 2c.), ſeuchen⸗ 1 artiges Verwerfen, gewiſſe entzündliche Lungenerkrankungen bei Kälbern ꝛc. Endlich kommt auch der nachteilige Einfluß des im Stalle z faulenden Düngers auf die unteren Fußenden in Betracht. 1 Als ſolche ſind hervorzuheben mürber, bröcklicher Huf, loſe Wand, fauler di Strahl bei Pferden, eitrige Klauenſpaltentzündungen(Panaritium) beim ſ 3 Rind und Moderhinke beim Schaf. 3 Zwingen gewiſſe ökonomiſche Verhältniſſe, den Dünger längere Zeit fd im Stalle zu behalten, ſo empfiehlt es ſich, einesteils durch eine reich⸗ fu liche Nachſtreu für ein reinliches und trockenes Lager zu ſorgen, anderne teils die aus denſelben entweichenden Mengen von kohlenſaurem Ammonia bezw. auch die Phosphorſäure durch Einſtreuen von Gips oder noch beſſer Superphosphat⸗Gips(1 Pfd. pro Pferd, 1 ½ Pfd. pro Rind, be S Pfd. pro Schaf und Tag) oder Kainit(zu ½— 1 Pfd. auf das Stück Großvieh) zu binden, wodurch außerdem der Wert des Düngers erheblich erhöht wird. Da Kainit auf Haut und Schleimhäute der Tiere ent⸗ zündungserregend wirkt, ſo hat dem Einſtreuen ſtets das Nachſtreuen von reichlichem Stroh zu folgen.— f) Die Ventilation des Stalles. Man verſteht darunter den ſich auf natürlichem oder künſtlichem Wege vollziehenden Luftwechſel in den Ställen. Derſelbe kann ſich auf dreierlei Weiſe vollziehen. n Durch natürliche Ventilation. Es iſt das derjenige Luftwechſel, 1 welcher ohne alles Zuthun durch die Poren der Wände und Decken der dö Ställe erfolgt. Seine Größe iſt daher abhängig von der Poroſität des b tfernt tleerten en ud geoße che di nt aber eibende ſſtätte terien Weiſe rrufen eführt mdige denen⸗ an an⸗ Wund⸗ euchen⸗ dern d. Stalle ¹. „fauler beim ere Jeit (e reich⸗ ander⸗ monigt er noch o Rind, 8 Stüt rfeih ere ent⸗ uen von ter den ſchſel i fwwecſt⸗ ecen de fität de Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. 133 Mauerwerkes, welche am größten iſt bei ungebrannten Lehmziegeln, und in abſteigender Reihe immer geringer wird bei Kalk⸗, Ziegel⸗, Bruch⸗ und Sandſtein. Kalk⸗ oder Gipsputz bezw. Oelanſtrich, verhindern die natürliche Ventilation nicht, wohl aber die Anfüllung der Poren mit Feuchtigkeit, alſo naſſe, durch Grund- oder Regenwaſſer feuchte Wände (S 124.). Dieſe Art der Ventilation iſt um ſo erheblicher, je größer die Temperaturdifferenz zwiſchen der Innen⸗ und Außenluft, und je größer der Druck der Luft auf den Poren laſtet, alſo bei Wind(S. 63). Iſt auch in großen, reich beſetzten Ställen dieſe Ventilation vollſtändig un⸗ genügend, ſo iſt ſie anderſeits in kleinen Stallungen, namentlich wenn deren Wandungen der herrſchenden Windrichtung ausgeſetzt ſind, wohl in Rechnung zu ziehen.— Die Zufuhr der Außenluft ſcheint bei der natürlichen Ventilation weſentlich durch die Seitenwände, der Abzug der Stallluft durch die Decke zu erfolgen. Poröſe Decken würden daher hygieniſch ſehr zu empfehlen ſein, wenn nicht die auf Seite 125 erwähnten Gründe gegen dieſelben ſprächen. Eine beſondere Art der natürlichen Ventilation iſt die vielfach als ſpontane Ventilation bezeichnete Lufterneuerung durch die„natürlichen Oeffnungen“ des Stalles, d. h. 1 durch Thüren und Fenſter. Auch dieſe liefert keine befriedigenden Reſultate, da ſie beim öffnen M gegenüberſtehender Thüren und DS= Fenſtern leicht zur Entſtehung von 9 en Zugluft führte, im Sommer zu wenig wirkt, im Winter dagegen die Stallluft zu ſehr abkühlt. Jedenfalls iſt bei Auswahl der — 28S— 11— Fenſter darauf zu ſehen, dasßs O. Sd. 2 3— dieſelben im geöffneten Zuſtande— O0.⸗ niemals zur Entſtehung direkter Zugluft auf die Tiere führen Fig. 119. Kippfenſter. E. (S. 63). Dieſen Anforderungen genügen nur die mit Seitenbacken(Fig. 119 b) verſehenen Kippfenſter, welche ſich um eine an ihrem unteren Rande be⸗ p, findliche horizontale Axe nach innen drehen. Bei dieſer h mannigfach modifizierten Konſtruktion wird die von außen j eindringende kühle Luft zuerſt den unter der Decke befind⸗ ſſſh 2 lichen heißeren Luftſchichten des Stalles zugeführt, um ſich von dort etwas erwärmt nach unten zu ſenken. Nur in kleineren Ställen kann alſo dieſe ſpontane Ventilation in Verbindung mit der ſ natürlichen genügen. Fig. 120. Horizon⸗ Durch künſtliche Ventilation. Hierbei erfolgt Fig. 120. Horizon⸗—— 8 5. 6. tale Ventilationmit der Luftwechſel durch beſonders zu dieſem Zwecke in Klappverſchluß.. den Wänden bezw. Decken der Ställe angebrachte horizontal oder vertikal geſtellte Kanäle. Hiernach unterſcheidet man & S 134 Krankheitsverhütung. aa) eine horizontale Ventilation. Man bewirkt dieſelbe, indem man rings in den Umfaſſungsmauern dicht unter der Decke, je 1,5— 3 m von einander entfernte, runde oder quadratiſche 15— 25 cm. weite, horizontal liegende oder etwas nach außen anſteigende Röhren (gleichviel aus welchem Material) einmauert. Durch dieſelben wird 181 51L ₰ B aqnlqls qun ⸗=néung anè bunzcpzaunh zm ene See ene 121P aau von der Windſeite zwar Luft in den Stall hineingepreßt, während an der entgegengeſetzten Seite feuchtwarme Luft entweicht. Bei Sturm und Kälte entſteht aber hierdurch eine zu ſtarke Abkühlung der Stallluft mit läſtiger Zugluft, während bei Windſtille und geringen Differenzen zwiſchen Innen⸗ und Außentemperatur dieſe Art der Ventilation faſt —— —B—,——— eſelbe, ke, je 5 en böhren vid r während i Stunn Svallin ffferenze tion füt Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. 135 unwirkſam iſt. Erſterem Uebelſtand läßt ſich zwar durch mancherlei Klappenverſchlüſſe, deren einfachſter in Fig. 120 dargeſtellt iſt, ent⸗ gegentreten, letzterer Uebelſtand aber ſich in keiner Weiſe beſeitigen. bb) eine vertikale Ventilation. Dieſe iſt nach Maercker dreimal wirkſamer wie die hori⸗ zontale und erfolgt durch ſenkrecht geſtellte, vom Stallraum aus bis zur Dachoberfläche reichende Röhren, welche von der inneren Deckenfläche aus zweckmäßig mit einer trichterförmigen Erweite⸗ rung beginnend, bis zum Dachfirſt, bezw. 0,5— 1 m über denſelben hinaus ragen(Fig. 121 a 122 u. 123). Nach phyſika⸗ liſchen Geſetzen wird die ſich an der Decke des 4— Stalles ſammelnde heiße Fig. 122. Ventilationsrohr für vertikale Ventilation. E. Luft aber nur ſolange durch dieſe Röhren entweichen, ſolange ſich dieſelbe in den Röhren nicht abkühlt, und ſolange die Temperatur an ihrer unteren Einmündung eine erheblich höhere iſt, als an ihrer Ausmündung. Man wird bei dieſer Art der Ventilation, ſoll ſie funktionieren, alſo folgendes beachten müſſen. Die Röhren müſſen zur Vermeidung jeder Abkühlung aus ſchlechten Wärmeleitern, am beſten aus mehrmals geteerten Brettern hergeſtellt, innerhalb des Dachraumes mit Dachpappe umkleidet und dick mit Stroh umwickelt, oder beſſer noch außen mit einem aus Brettern gefertigten Mantel (Kaſten, Gehäuſe)(Fig. 121 b, 122 u. 124) derart umgeben ſein, daß zwiſchen Röhre und Mantel an jeder Seite der erſteren ein Zwiſchenraum von mindeſtens 10— 15 cm bleibt, welcher zur Vermeidung der Abkühlung mit Häckſel oder Sägeſpänen ꝛc. ausgeſtopft wird(Fig. 121 c, 122). Die weniger zweck⸗ mäßigen, aber feuerſicheren Steinzeugröhren müſſen mit einem gleichen, womöglich noch dickeren Mantel umgeben werden.— Die Röhren dürfen ferner nicht zu weit, keinesfalls über 15 cm weit ſein, da mit ihrer Weite die Strömungsgeſchwindigkeit der darin zirkulierenden Luft abnimmt. Sie müſſen ferner in genügender Anzahl— etwa eine auf 6—8 größere Stall⸗ tiere— angebracht werden. Engel hält auf Grund der Märker'ſchen Verſuche auf einen Stall von 35 Stück Rindvieh ſechs vertikale Dunſtröhren von 0,08 cm lichtem Durchmeſſer für genügend.— Endlich müſſen dieſelben ſo angebracht werden, daß ihre untere, zur Regulierung der Stallwärme mit einer leicht verſchließbaren, verſchieden konſtruierbaren Klappe verſehene Oeffnung(Fig. 122) ſich thunlichſt in den Scheitelpunkten der Gewölbe(wo X Krankheitsverhütung. ſolche vorhanden), aber nicht unmittelbar über den Tieren, ſondern oberhalb der Stall⸗ und Futtergänge befindet. Die obere Oeffnung iſt, um das Hereinfallen von Schnee und Regen zu verhüten und den Luftaustritt er⸗ ſchwerende Luftſtrömungen abzuhalten, mit einem Schutzdach verſehen. Zur Sicherung und Beſchleunigung der Luftzirkulation in den Dunſtröhren kann man an ihrem unteren Ende die darin enthaltene Luft künſtlich(durch die darunter gehängten Stalllampen oder eine Gas⸗ flamme) erwärmen, oder dieſelbe in mehrfach modifizierbarer Weiſe mit einer Feuerungseſſe in Verbindung bringen, deren ſtets nach oben ge⸗ richtete Luftſtrömung anſaugend auf die Stallluft wirkt. Eine ſolche Anordnung ſtellt Fig. 123 dar. Durch die Decke des Stalles führen in den Scheiteln der Gewölbekappen oder in Entfernungen von 3 m 10 bis 15 cm weite Steinzeugröhren(b) bis in ein wagrecht unmittelbar der Decke aufliegendes, möglichſt gut gegen Abkühlung geſchütztes Rohr(a) von ca. 20 cm Weite, welches in die nächſte in Gebrauch befindliche Eſſe(d) in der Weiſe eingeführt wird, daß das Rohr nach ſeinem Eintritt in die Wand ☛☚ ☛ᷣ Fig. 123. Längsſchnitt eines Stalles mit Abzugsvorrichtung der Luft nach der Eſſe. der Eſſe ſich zunächſt ſenkrecht nach oben wendet, ca. 1— 1 ½ m lang(c) die innere, ſtets erwärmte Wand derſelben bildet und dann erſt in den Zug⸗ kanal der Eſſe einmündet.— Ein anderes Mittel zur Erhöhung der Luft⸗ ſtrömung in ſenkrecht geſtellten Ventilationsröhren beſteht in dem Aufſetzen von Saugventilatoren auf das obere Ende der Dunſtröhren. Dieſelben ſind ſehr verſchieden konſtruiert. Die einfachſte und doch recht wirkſame Einrichtung iſt die in Fig. 124 dargeſtellte. Indem die äußere Luftſtrömung auf den mit einer ſenkrechten Blechplatte l verſehenen, um die Axe b dreh⸗ baren koniſch geformten Helm d einwirkt, ſtellt ſich dieſer ſtets ſo, daß ſeine Spitze dem Winde zu, ſeine weite Ausſtrömungsöffnung demſelben ab⸗ gewendet iſt. Die an letzterem vorbeiſtrömende Luft reißt die angrenzenden, vor der Oeffnung ſtehenden Luftſchichten mit fort und wirkt hierdurch an⸗ ſaugend auf die im Trichter und die daran befindliche Röhre ac. cc. Eine doppelte Ventilation. Dieſe für größere, reichbeſetzte Großviehſtälle ſehr empfehlenswerte Einrichtung ſorgt für Luftzufuhr und Abfuhr(Fig. 121). Neben den vertikalen Dunſtſchloten bringt man noch beſondere Kanäle und Oeffnungen in den Stallwänden oder Fſſe e die u Jlg⸗ r Luft⸗ ufſezen jeſelben kſame mung d deeh⸗ qß ſeint ben dl⸗ nzenden, urch alr⸗ t hbeſett fuhr ud igt man den ddei Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. 137 dem Stallfußboden an, durch welche die reine friſche Luft ohne Entſtehung von Zugluft dort in den Stall einſtrömen kann, wo ſie am notwendigſten gebraucht, aber niemals ſchädlich wird, d. h. in der Nähe des Kopfes. Stehen die Tiere mit dem Kopfe nach der Wand, ſo wird man, wie Fig. 125 zeigt, ſenkrecht in dieſelbe ca. 1,5— 2m lange, 10— 15 cm weite Röhren(a) von Steinzeug oder gut geteerten Brettern einlaſſen, deren eine Seite der Erwärmung halber mit der inneren Stallwand vergleicht, während das untere, mit einem Drahtgitter verſchloſſene Ende etwa 0,5— 1 m über den Boden ſchräg nach unten und außen, das obere in ſchräger Richtung nach oben ca. 0,5— 1 m hoch über den Köpfen der Tiere in den Stallraum einmündet. Auf je 3—4 Tiere iſt eine ſolche, an ihrer inneren Oeffnung mit einer verſchließbaren Klappe verſehene Röhre zu nehmen.— Stehen die Tiere mit dem Kopfe gegen einen in der Längsachſe des Stalles, oder gegen mehrere rechtwinklich zu derſelben geordnete Futter⸗ gänge(Fig. 121), ſo wird in der Mitte eines jeden unter dem Fußboden⸗ 138 Krankheitsverhütung. belag eine ca. 20— 25 cm weite, ſorgfältig mit Cement gedichtete, nach der Mitte des Stalles anſteigende Röhre aus Steinzeug angelegt, welche an ihrem außerhalb des Stalles mündenden Ende mit einem Gitter verſchloſſen iſt. In ihrem Verlaufe innerhalb des Stalles befinden ſich zwiſchen je 3—5 Tieren ein rechtwinklig nach oben abzweigendes, 10—15 cm weites, in den Stallraum einmündendes und mit der Oberfläche des Fußbodens vergleichendes Rohr, welches mit einer ſiebartig durchlöcherten Eiſenplatte verſchloſſen iſt.— Natürlich dürfen die äußeren Oeffnungen aller dieſer Luftzuführungsröhren nicht neben der Düngerſtelle oder honſtigen Lokalitäten liegen, an denen ſich Zerſetzungsgaſe ilden.— . a 5 Fig. 125. a Längs⸗, b Querſchnitt der Luftzuführungskanäle. g.) Durch die Art der Aufſtellung der Tiere im Stalle. Ebenſo wie ſich die im Boden oder im Dünger befindlichen, bezw. ſich dort vermehrenden pathogenen Mikroorganismen der Stallluft beimengen können(S. 98), vermögen auch zweifellos einzelne durch die Atmungs⸗ wege aus dem kranken Tierkörper ausgeſchiedene Mikroorganismen ſich direkt der Atmungsluft im Stalle beizumengen und mit dieſer wieder in den Organismus geſunder Tiere einzudringen. Eine ſolche Ver⸗ unreinigung der Atmungsluft wird naturgemäß in der unmittelbaren Um⸗ gebung des kranken Tieres am größten ſein und andere geſunde Tiere, welche ſich in der unmittelbaren Nähe desſelben befinden und in dem infizierten Dunſtkreis desſelben atmen, daher am meiſten der Gefahr einer Infektion ausſetzen. Der Grad dieſer Gefahr aber wird weſentlich ——4ÿ— ach der ce an hloſeen hen je weite, bodens aplatte aller oder sgaſe Stalle. zw. ſih inengen mmungs⸗ nen ſih wieder he Ve⸗ ren lm⸗ de Tiere in den Geikt weſentic Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. 139 beeinflußt von der Art der Aufſtellung der Tiere im Stalle in⸗ ſofern, als derſelbe ein geringerer iſt, wenn die Tiere im Stalle frei gehen und nicht dauernd im infizierten Dunſtkreis eines kranken Tieres atmen müſſen, dagegen ſich weſentlich ſteigern, wenn die Tiere neben⸗ einander angekettet längſt der Stallwände, ganz beſonders aber, wenn ſie mit den Köpfen in je zwei Reihen einander gegenüber, gegen einen oder mehrere durch den Stall laufenden Futtergängen ſtehen. Sie ſind in dieſem Falle gezwungen, ununterbrochen die von den da— zwiſchen ſtehenden kranken Tieren ausgeatmete Luft einzuatmen. Die Gefahr infolgedeſſen infiziert zu werden, erſcheint namentlich bei letzterer Aufſtellung deshalb ſehr groß, weil hierbei die Atmungsluft nicht nur durch nebenſtehende, ſondern auch durch gegenüberſtehende Tiere fort⸗ geſetzt infiziert wird. Dieſer Geſichtspunkt kommt vor allem bei der Verbreitung der Rinder⸗ tuberkuloſe dann in Frage, wenn dieſelbe ihren Sitz in der Lunge hat und dieſe durch den Krankheitsprozeß mehr oder weniger zerſtört, bezw. im käſigen Zerfall begriffen iſt. Derartige Tiere entleeren aus der kranken Lunge beim Huſten einen ſchleimig⸗eitrigen, hin und wieder mit Partikelchen von zerfallenem Lungengewebe vermiſchten Auswurf(Sputum), welcher zum größten Teil zwar ſofort wieder abgeſchluckt wird und daher nicht(wie beim tuberkulöſen Menſchen) nach außen gelangt, zum Teil aber durch den ſtarken, ſtoßweiſen Ausatmungsluftſtrom beim Huſten zerſtäubt, durch Naſen⸗ und Mundöffnung entleert und in Form feiner Dunſtbläschen oder ſtaubförmiger, feinſter Tröpfchen, welchen die Tuberkelbazillen anhaften können, für kurze Zeit in der Stallluft ſchwebend erhalten werden. Hierdurch wird die Stall⸗ luſt durch ſolche an Lungentuberkuloſe leidende Tiere fortgeſetzt infiziert und ſind hierdurch nicht nur die daneben, ſondern vor allem auch die gegenüber ſtehenden Tiere gefährdet, denen die infizierte Ausatmungsluft durch den Huſten fortgeſetzt zugeſchleudert wird. Die Gefahr durch eine derartig infizierte Luft iſt um ſo größer, als bei der Stallfütterung dieſelben Kühe oft Jahr und Tag ununterbrochen neben bezw. einander gegenüber angekettet ſind und die einen fortgeſetzt im Dunſtkreis der anderen atmen müſſen.— h) Die Beſeitigung der OQuelle der Anſteckungsſtoffe und deren raſche und ſichere Zerſtörung durch Desinfektion. Sind als die direkten Quellen der in der Stallluft enthaltenen Anſteckungs⸗ ſtoffe, d. h. der pathogenen Mikroorganismen, das kranke Tier und deſſen gasförmigen, flüſſigen und feſten Ausſcheidungen zu betrachten, ſo muß die erſte und wichtigſte hygieniſche Aufgabe die ſein, das kranke Tier aus dem Stalle zu entfernen bezw. zu iſolieren oder ſelbſt zu töten. Die gegenſeitige Berührung kranker und geſunder Tiere muß durch Separation der erſteren verhindert werden. Als indirekte Quelle des Anſteckungsſtoffes hat alles zu gelten, was mit dem von den kranken Tieren ausgeſchiedenen Anſteckungsſtoff in Berührung gekommen iſt, alſo der Stand, wo das betreffende Tier ge⸗ ſtanden hat, ſowie die Stallgeräte, Bekleidungs⸗ und Beſchirrungsgegen⸗ ſtände, auf oder in welche die betreffenden pathogenen Bakterien direkt oder indirekt(S. 46) gelangen konnten. Je poröſer die betreffen⸗ 140— Krankheitsverhütung. den, als Zwiſchenträger bezeichneten Dinge ſind, je geeignetere Lebensbedingungen(organiſche Nährſtoffe und Feuchtigkeit) ſie den einzelnen Mikroorganismen bieten und je mehr letztere be⸗ fähigt ſind, auch kürzere oder längere Zeit außerhalb des Organismus(S. 47) zu leben, um ſo gefährlichere Quellen des Anſteckungsſtoffes werden die Zwiſchenträger darſtellen. Aus dieſem Grunde iſt, wie ſchon S. 127 erörtert, der undurch⸗ läſſige Stallfußboden(Standplatz, Stallgaſſen und Schleuſen!) als eine der erſten Grundbedingungen der Geſundheitspflege zu betrachten. Dieſer verhindert nicht nur das Eindringen pathogener Mikroorganismen in den Boden und das Eindringen ſolcher mit der Grund⸗ luft in den Stallraum(S. 98), ſondern geſtattet auch eine raſche und ſichere Desinfektion, wenn durch kranke Tiere eine Infektion des Stalles ſtattgefunden hat.— Dasſelbe gilt von den Krippen, die am beſten aus glaſiertem Steinzeug, Cementſtein oder Eiſen herzuſtellen ſind(S. 152), ſowie von den Raufen, welche ohne Hinzunahme von Holz nur aus Eiſen gefertigt ſein ſollten.— Die Stallwände ſollen mit Berückſichtigung der Temperatur-⸗, Feuchtigkeits- und Ventilationsverhältniſſe(S. 124) zwar im allgemeinen porös ſein, aber jedenfalls bis zu der Höhe, in welcher ſie mit dem Dünger oder dem Lungenauswurf der Tiere beſudelt werden können, alſo bis zu 1,5— 2 m Höhe mit einem haltbaren, ge⸗ glättenen Cementbewurf überzogen ſein, der durch einen Belag mit glaſierten Thonkacheln erſetzt werden kann. Verzichtet man auf denſelben, ſo ſind die Wände jedenfalls gut zu putzen. Auch die Decken ſollen, wie ſchon S. 125 erwähnt, möglichſt undurchdringlich und jedenfalls mit einem guten Kalkputz verſehen ſein. Dieſelbe allgemeine Forderung möglichſter Undurchdringlichkeit gilt auch für alle Stallgerätſchaften, ſoweit dieſelben aus Eiſen her⸗ geſtellt werden können; ſie iſt natürlich aber nicht zu erfüllen bezüglich der Bekleidungs⸗ und Beſchirrungsgegenſtände. Was die ſichere und raſche Zerſtörung der im Stalle bezw. in der Stallluft vorhandenen Anſteckungsſtoffe anbelangt, ſo ſei auf die nach⸗ folgenden allgemeinen Anordnungen für das Desinfektionsverfahren bei anſteckenden Krankheiten der Haustiere in der Anlage A zur Ausführung der§§ 19—29 des Geſetzes vom 1. Dani nan, betreffend die Abwehr und Unterdrückung der Viehſeuchen vom 27. Juni 1895 verwieſen: I. Reinigungs⸗ und Desinfektionsmittel. § 2. Als Mittel der Reinigung und Desinfektion kommen in Betracht: 1. Waſſer und Waſſerdämpfe. Zur Reinigung wird heißes Waſſer oder, wo ſolches in genügender Menge nicht zu beſchaffen iſt, unter Druck aus Handfeuerſpritzen, Gartenſpritzen oder dergleichen ausſtrömendes kaltes Waſſer verwendet. Zur eigentlichen Desinfektion dient wallendſiedendes Waſſer oder ſtrömen⸗ der Waſſerdampf von mindeſtens der Wärme des ſiedenden Waſſers. Durch einſtündiges Kochen der Gegenſtände in Waſſer werden die daran haftenden Anſteckungsſtoffe zerſtört. netere je den 83 be⸗ b des jel ellen tellen. durc⸗ ruſen.) flege ſogener Nrund⸗ e und Stalles en aus igung 124) , in udelt KR⸗ mit ſeelben, ſollen, s mit chkeit —n her⸗ züglich in der enach⸗ ren bei übrung ehr und zetracht: Waſfer er Drut s kalte ſtrömen⸗ 3 di daran Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. 141 Die Desinfektion mittelſt Waſſerdampfes hat in Vorrichtungen zu er⸗ folgen, welche von ſachverſtändiger Seite dazu geeignet befunden worden ſind. 2. Seifenwaſſer. Dasſelbe wird durch eine ſtarke Löſung von Haus⸗ oder Schmierſeife in Waſſer hergeſtellt. 3. Sodalauge. Sie wird hergeſtellt durch Auflöſung von mindeſtens 2 Kilogramm Soda in 100 Liter Waſſer. An Stelle der Sodalauge kann Holzaſchen⸗ oder Seifenſiederlauge verwendet werden. 4. Friſch gelöſchter Aetz⸗) Kalk und zwar: a) in trockener Form als Pulver, b) mit 2 Raumteilen Waſſer zu einer dicken oder c) mit 20 Raumteilen Waſſer zu einer dünnen Kalkmilch angerührt. 5. Chlorkalkmilch. Friſcher ſtarkriechender Chlorkalk wird a) mit 3 Raumteilen Waſſer zu einer dicken oder b) mit 179 Raumteilen Waſſer zu einer dünnen Chlorkalkmilch an⸗ gerührt. 6. Fünfprozentige Karbolſäurelöſung. Ein Teil verflüſſigte Karbol⸗ ſäure(Acidum carbolicum liquefactum des Arzneibuchs) wird in 18 Teilen Waſſer gelöſt. 7. Kreſolwaſſer. Eine Miſchung aus 1 Teil Kreſolſeifenlöſung(Liquor Cresoli saponatus des Arzneibuchs) und 9 Teilen Waſſer. Sie enthält in 100 Teilen 5 Teile rohes Kreſol. 8. Steinkohlen⸗ oder Holzteer. 9. Feuer. Schon durch gründliches Anſengen an der ganzen Ober⸗ fläche können manche Gegenſtände desinfiziert werden. Feuerfeſte Gegenſtände werden durch Einlegen in Feuer— Flammenfeuer oder glühende Kohle— ſchnell desinfiziert. II. Das Reinigungs⸗ und Desinfektionsverfahren. § 3. Reinigung und Desinfektion werden entweder auf den Standort und diejenigen Stall⸗ und ſonſtigen Gerätſchaften beſchränkt, mit welchen die kranken Tiere, deren Ausſcheidungen oder Kadaver in Berührung gekommen ſind, oder ſie umfaſſen den ganzen Stall oder Aufenthaltsraum, einſchließlich der darin enthaltenen Gerätſchaften. Erforderlichenfalls iſt die Reinigung und Desinfektion auf verunreinigte Hofräume, Tummelplätze, Weideſtellen, Hürden, Futter⸗, Schur⸗, Schlacht⸗ und Verſcharrungsplätze, Lagerplätze für rohe Tierfelle und Haare, Sprunghütten, Brunnentröge, Vorſetzkrippen, Milchgeſchirre, Beſchlagbrücken, Beſpannungsgeſchirre, Fahrgeräte und der⸗ gleichen auszudehnen. Die Reinigung und Desinfektion des Standortes iſt ſtets(auch bei Kaſten⸗ und Laufſtänden) auf die Umgebung des letzteren bis zu einer Ent⸗ fernung von mindeſtens 1 ½ Meter, auch von der Kopfhöhe des ſtehenden Tieres an gerechnet, in der Richtung nach oben auszudehnen. Soweit irgend thunlich, iſt dafür zu ſorgen, daß die bei der Reinigung und Desinfektion der Standorte(Ställe) und Gerätſchaften ꝛc. abgehenden Schmutzwäſſer in die Jauchengrube oder in andere Sammelbehälter fließen, um dort ebenfalls einer Desinfektion unterzogen werden zu können. Jeden⸗ falls iſt zu hindern, daß Schmutzwaſſer in andere Gehöfte, auf öffentliche Wege, in Brunnen oder ſonſtige Nutzwäſſer abfließt. Geringwertige Gegenſtände ſind zu vernichten. § 4. Der eigentlichen Desinfektion muß die Beſeitigung der Streu⸗ materialien, des Düngers, der Futterreſte, Strohverſchlüſſe, Polſterungen und dergleichen, ſowie eine gründliche Reinigung vorangehen. Bei Dünger⸗ 142 Krankheitsverhütung. g in Schafſtällen genügt in der Regel die Entfernung der oberen Schicht Reinigung. § 5. 1. Auf die gründliche Reinigung iſt beſonders Gewicht zu legen, da ohne ſolche auch die beſten Desinfektionsmittel unwirkſam bleiben können. 2. Die Reinigung hat alle Teile des Standortes, Stalles oder ſonſtigen Aufenthaltsortes zu umfaſſen; ſie kann nur dann als eine ausreichende an⸗ geſehen werden, wenn durch ſie alle Verunreinigungen vollſtändig beſeitigt ſind. Beſondere Aufmerkſamkeit erfordern die Bodenvertiefungen, Stallwinkel, Niſchen, Fugen, Spalten, Ritzen und dergleichen. 3. Die Reinigung wird in der Regel zuerſt an der Decke, demnächſt an den Wänden und ſchließlich am Fußboden vorgenommen. 4. Hölzerne Gerätſchaften, hölzerne Raufen und Krippen, ſowie Bretter⸗ verſchläge ſind in dem für nötig erachteten Umfange abzunehmen. § 6. Zur Reinigung iſt im allgemeinen heißes Waſſer zu verwenden. Wo ſolches nicht in genügender Menge zu beſchaffen iſt, darf auch unter Druck ausſtrömendes kaltes Waſſer(§ 2 Nr. 1) benutzt werden. Jedoch ſind zur Entfernung angetrockneter Schmutzteile und zur Reinigung ſolcher Stellen, an welchen eine Beſudelung durch Auswurfſtoffe kranker oder verdächtiger Tiere ſtattgefunden hat, heißes Seifenwaſſer oder heiße Lauge mit Putzſand zu verwenden. Verfahren bei Gebäudeteilen. § 7. 1. Holz⸗, Stein⸗ und Eiſenteile ſind, ſofern ſie nicht mit Oelanſtrich verſehen ſind, gründlich zu ſcheuern und mit Waſſer abzuſpülen. Iſt die Oberfläche des Holzwerkes ſtark zerriſſen oder zerfaſert, ſo iſt dieſelbe durch Abſtoßen einer genügend dicken Schicht zu glätten. Die ab⸗ geſtoßenen Holzteile, ſowie faules, morſches oder ſonſt unbrauchbares Holz⸗ werk ſind zu verbrennen. 2. Von Lehmwänden iſt eine genügend ſtarke Schicht abzuſtoßen. Losgelöſte Teile des Bewurfes oder Putzes an den Wänden ſind zu ent⸗ fernen. 3. Oelfarbenanſtriche und glaſierte Thonkacheln ſind mit heißem Seifenwaſſer abzuwaſchen. 4. Stein⸗, Klinker⸗ oder Holzpflaſter, Beton⸗ oder Asphalt⸗ beläge, ſowie die aus ſolchem Material hergeſtellten Gruben, Mulden, Abfluß⸗ rinnen und Kanäle ſind gründlich zu fegen oder zu ſcheuern und demnächſt mit Waſſer abzuſpülen. Erforderlichenfalls iſt die oberſte Schicht des Binde⸗ mittels in den Fugen auszukratzen und durch neues Material zu erſetzen. 5. Schlechtes Pflaſter und Holzbeläge aller Art ſind abzuheben, die darunter befindliche Erde iſt, ſoweit dieſelbe durch Auswurfſtoffe durch⸗ feuchtet iſt, abzugraben. Die Steine, ſowie geſundes Holzwerk, in welches die Feuchtigkeit nicht tief eingedrungen iſt, können nach erfolgter Reinigung und Desinfektion wieder verwendet werden. 6. Von Eſtrich⸗ und Tennenböden(Lehmſchlag und dergleichen) iſt die oberſte Schicht abzuſtoßen und ſind die feuchten Stellen auszuheben. 7. Erd⸗ und Sandboden iſt, ſoweit er durch Auswurfſtoffe durch⸗ feuchtet iſt, jedenfalls aber 10 Zentimeter tief auszuheben. Verfahren bei Geräten ꝛc. § 8. 1. Hölzerne Fahr⸗ und Stallgeräte(Wagen, Geſchirrteile, Kübel, Eimer, Futterſiebe, Truhen, Beſen⸗ ꝛc. Stiele, Schuhe und dergleichen) werden gründlich geſcheuert und demnächſt mit Waſſer abgeſpült. maß §4 folge Abſe Teel Holz wend ſtörb ſtrer gung werd und gepfl Ränn ſur häufi 3 ttvaie milch Eifent Keri ſtreche d ſände vendh oberen tlegen, können. znſtigen nde a⸗ eſeitigt Wwinte, ichſt an Bretter⸗ venden. ·unter ch ſind Stellen, ſchtiger tzſnd ht wit ſpülen. ſo iſ Die ab⸗ 8 Hol⸗ uſtoßen. zu elte t heißen Asphal⸗ „Affhui⸗ demnächſt Vinde⸗ tſeßzen. bzubeben ffe durg⸗ n welche Reinigung leicenſſt hheben. pfe durt⸗ eſchintil dexgliten Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. 143 2. Eiſerne und andere metallene Gegenſtände(Ketten, Ringe, Streu⸗ gabeln, Striegeln, Zaumzeug, Maulkörbe, Gefäße, Käfige und dergleichen) werden, ſofern ſie nicht behufs der Desinfektion dem Feuer auszuſetzen ſind, gründlich geputzt und im Waſſer abgeſpült. 3. Lederteile(Riemen, Halftern, Gurte, Hundehalsbänder, Zaumzeug, Geſchirre, Sättel, Polſterüberzüge, Schuhwerk und dergleichen) ſind mit heißem Seifenwaſſer oder heißer Lauge abzureiben und demnächſt mit Waſſer abzuſpülen. 4. Die Reinigung von leinenen, hanfenen(Jute⸗), baumwollenen und wollenen Gegenſtänden(Decken, Schabracken, Gurte, Halftern, Stricke, Polſterüberzüge, Kleidungsſtücke, Bettzeug und dergleichen) erfolgt durch Aus⸗ waſchen in heißem Seifenwaſſer oder in heißer Lauge. Kleidungs⸗ und Bettſtücke, ſowie andere Gegenſtände, welche auf die angegebene Art nicht behandelt werden können, ſind mindeſtens drei Tage gründlich zu lüften und dabei möglichſt oft auszuklopfen und zu bürſten (vergleiche jedoch§ 10, Nr. 6). 5. Haare, Wolle, Polſtereinlagen und dergleichen ſind, in dünnen Lagen ausgebreitet, mindeſtens drei Tage zu lüften und dabei möglichſt oft zu wenden und auszuklopfen(vergleiche jedoch§ 10, Nr. 6). Desinfektion. § 9. Hinſichtlich der Desinfektion ſelbſt ſind folgende Beſtimmungen maßgebend: Unter gewöhnlichen Verhältniſſen genügt eine nach Maßgabe der §§ 4 bis 8 vorgenommene gründliche Reinigung und Lüftung mit nach⸗ folgender Uebertünchung der Stalldecken, Wände und Gerätſchaften, ſowie Abſchlemmung des Fußbodens mit dünner Kalkmilch. Eiſenteile ſind mit Teer, Lack oder Oelfarbe zu beſtreichen. Das gleiche Verfahren iſt bei Hold, und Steinteilen an Stelle der Uebertünchung mit Kalkmilch an⸗ wendbar. § 10. Iſt dagegen der Anſteckungsſtoff ſeiner Natur nach ſchwer zer⸗ ſtörbar, oder erfordert das veterinärpolizeiliche Intereſſe ein beſonderes ſtrenges Vorgehen gegen die Seuche, ſo muß nach der gründlichen Reini⸗ gung und Lüftung der Ställe folgendes Desinfektionsverfahren angewendet werden. 1. Die nach§ 4 beſeitigten Streumaterialien, Dünger, Futterreſte und dergleichen werden entweder verbrannt oder vergraben oder unter⸗ gepflügt. 2. Futter⸗ und Streuvorräte, welche in den zu desinfizierenden Räumen lagerten, werden, ſoweit ſie nicht als Träger des Anſteckungsſtoffes zu vernichten(§ 11, Nr. 8) ſind, mindeſtens drei Tage gelüftet und hierbei häufig umgewendet. 3. Feſte Decken und Wände, ſowie der Fußboden, einſchließlich etwaiger Gruben, Mulden, Abflußrinnen und Kanäle, ſind mit dicker Kalk⸗ milch oder Chlorkalkmilch zu beſtreichen, beziehungsweiſe zu ſchlämmen. Eiſenteile ſind mit fünfprozentiger Karbolſäurelöſung oder fünfprozentigem Kreſolwaſſer zu desinfizieren oder mit Teer, Lack oder Oelfarbe zu be⸗ ſtreichen. Das gleiche Verfahren iſt bei hölzernen und ſteinernen Gegen⸗ ſtänden an Stelle des Beſtreichens mit dicker Kalk⸗ oder Chlorkalkmilch an⸗ wendbar. Glaſierte Thonkacheln werden mit fünfprozentiger Karbolſäurelöſung 144 Krankheitsverhütung. oder fünfprozentigem Kreſolwaſſer desinfiziert. Oelfarbenanſtriche werden erneuert. unt 4. Nicht mit Auswurfſtoffen durchfeuchteter Erd⸗ und Sandboden l (einſchließlich des unter dem gemäß§ 7 abgegrabenen durchfeuchteten Boden befindlichen), ſowie bei der Reinigung nicht entfernte hohe Streu⸗- und lih Düngerſchichten in Schafſtällen ſind mit friſch gelöſchtem Kalk zu beſtreuen, dergeſtalt, daß der Dünger damit, wenn auch nur in dünner Schicht, völlig vert bedeckt wird. Erſt dann darf friſches Streumaterial aufgebracht werden. 1 mi 5. Hölzerne Geräte einſchließlich der Fuhrwerke und Schleifen, auf d welchen Kadaver, Streu, Dünger oder andere Abfälle gefahren ſind, des⸗ gleichen eiſerne und andere metallene Gegenſtände ſind kurze Zeit dem Feuer r auszuſetzen, oder mit einer fünfprozentigen Karbolſäurelöſung oder fünf⸗ dder prozentigem Kreſolwaſſer oder mit Teer, Lack oder Oelfarbe zu beſtreichen. den Lederteile, ausgenommen lackierte, werden ebenfalls mit fünfprozentiger ſo Karbolſäurelöſung oder fünfprozentigem Kreſolwaſſer beſtrichen. die 6. Leinene, hanfene(Jute⸗), baumwollene und wollene Gegen⸗ ſtände, Kleidungs⸗ und Bettſtücke, Haare, Wolle, Federn, Polſtereinlagen und zu dergleichen ſind in lockerer Lagerung ſtrömendem Waſſerdampfe von mindeſtens von der Temperatur des ſiedenden Waſſers in geeigneten Apparaten wenigſtens 1 ½ Stunden lang auszuſetzen. Wenn ſolche Apparate fehlen, ſind leinene, der hanfene, baumwollene und wollene Gegenſtände(auch Kleidungsſtücke) durch hr einſtündiges Kochen in ſiedendem Waſſer zu desinfizieren und Bettſtücke, vor Haare, Wolle, Federn und dergleichen zu verbrennen. finnd 7. Die Desinfektion der Hände und Inſtrumente erfolgt mittelſt bra fünfprozentiger Karbolſäurelöſung oder fünfprozentigem Kreſolwaſſer. Vorſchriften für die einzelnen Seuchen. Milzbrand. Kan § 11. 1. Die Milzbrandbazillen ſind leichter zerſtörbar, als ihre Daner⸗ und formen(Sporen). Letztere entwickeln ſich unter günſtigen Bedingungen aus bra den Bazillen außerhalb des Tierkörpers. Möglichſt frühzeitige Ausführung der Desinfektion iſt daher unbedingt geboten. An 2. Diejenigen Perſonen, welche mit kranken Tieren, deren Aus⸗ E ſcheidungen oder Kadavern in Berührung gekommen ſind, haben möglichſt ue bald die Hände und andere etwa beſchmutzte Körperteile mit Seifenwaſſer iua gründlich zu reinigen und wenn thunlich, noch mit fünfprozentigem Karbole waſſer oder fünfprozentigem Kreſolwaſſer zu desinfizieren. Perſonen, welche bei kranken Tieren beſchäftigt waren, haben außerdem vor dem Betreten die anderer Ställe oder vor dem Verlaſſen der Gehöfte die Kleider und das uig Schuhwerk oder, ſofern ſie barfuß gehen, die bloßen Füße zu reinigen oder Sei zu desinfizieren. pro; 3. Sobald ein milzbrandkrankes Tier gefallen, getötet oder geneſen, dder Ju auch nur von ſeinem Standorte entfernt iſt, muß mit der Reinigung und te Desinfektion vorgegangen werden. Sie umfaßt in der Regel den Standort der Tiere— im Falle ſeuchenartigen Auftretens nach dem Ermeſſen des ſin beamteten Tierarztes den Stall überhaupt oder Abteilungen des Stalles— rte einſchließlich der Jaucheabzüge, erforderlichenfalls auch verunreinigte Weide⸗ ſofer ſtellen, Verſcharrungs⸗ und Lagerplätze, Brunnentröge, ſowie endlich die⸗ ſinde jenigen Stallgeräte und ſonſtigen Gegenſtände, welche mit kranken Tieren, Tier deren Ausſcheidungen oder Kadavern in Berührung gekommen ſind. zu d e weiden ddboden en Voden ren⸗ und beſtrenen tt, böllg erden. ffen, af ind, des⸗ em Feuer dn der ſllnf⸗ eſtreicen. ozentiger eGegel⸗ gen und ndeſtens rigſtens leinene, durch tiſtücke, mittelſt 4 re Daher⸗ ungen al usführang eren Ale t wöglitt veifenwnſer em Karbo nen, welh in Betrtn er und d einigen de geneſen, d nigung u en Stmnde rmeſenn d s Etälls nigte Bäe dudüh N anken Tunn find. 1 Geſunder Aufenthalt. 145 4. Die Reinigung und Desinfektion iſt nach Maßgabe der§§ 4 bis 7, § 8 Nr. 1 bis 3 und§ 10 vorzunehmen, jedoch empfiehlt es ſich, Chlor⸗ kalkmilch ſtatt Kalkmilch anzuwenden. 5. Beſondere Aufmerkſamkeit verdienen die feſten und flüſſigen, nament⸗ lich die blutigen Ausſcheidungen von kranken Tieren und Kadavern. Derartige Abfallſtoffe ſind ſorgfältig zu ſammeln und ebenſo wie alle gering⸗ wertigen Gegenſtände, welche mit Blut oder Kot verunreinigt ſind, Streu⸗ materialien, Dünger, Futterreſte, die vom Fußboden abgetragene Erdſchicht, Polſtereinlagen und dergleichen zu verbrennen. 6. Abfallſtoffe, deren Beſchaffenheit die Verbrennung nicht geſtattet, werden mit einer ihrer Menge gleichkommenden Menge dünner Kalkmilch oder Chlorkalkmilch gut durchmiſcht und alsdann vergraben. Die Jauche in den Jauchegruben, ſowie die Reinigungswäſſer ſind mit Kalkmilch oder mit ſo viel Kalkpulver(§ 2 Nr. 4 a) durch Umrühren gut zu durchmiſchen, daß die Flüſſigkeiten infolge des Kalkzuſatzes eine ſtark alkaliſche Reaktion zeigen. 7. Größere Mengen von Streu und Dünger ſind in einer Grube zu vergraben, nachdem ſie darin mit einer mehrere Zentimeter ſtarken Schicht von friſchgelöſchtem Kalk überſchüttet worden ſind. 8. Exkremente, Blut und andere Abfälle von milzbrandkranken oder an Milzbrand gefallenen Tieren, die Streu, der durch Auswurfſtoffe kranker oder gefallener Tiere verunreinigte Dünger, auch Futter⸗ und Streu⸗ vorräte, welche in den zu desinfizierenden Räumen lagern und verdächtig ſind, den Anſteckungsſtoff zu enthalten, müſſen ſorgfältig geſammelt und ver⸗ brannt oder wie die Kadaver vergraben werden. Tollwut. § 12. Von wutkranken oder der Seuche verdächtigen Hunden oder Katzen benutzte Streu, Gerätſchaften, Maulkörbe, Halsbänder, Leinen, Decken und Hütten— letztere, ſoweit ſie von Holz oder Stroh ſind— müſſen ver⸗ brannt oder ſonſtwie vernichtet werden. Im übrigen genügt eine nach den Beſtimmungen der§§ 4 bis 8 dieſcr Anweiſung ausgeführte gründliche Reinigung, welche in der Regel auf den Standort wutkranker Tiere zu beſchränken iſt. Hierbei iſt denjenigen Stellen, welche mit Geifer verunreinigt worden ſind, eine beſondere Aufmerkſamkeit zuzuwenden. Rotz. § 13. 1. Perſonen, welche mit kranken, oder der Seuche verdächtigen Tieren, Kadavern oder Kadaverteilen in Berührung gekommen ſind, müſſen möglichſt bald die Hände und andere etwa beſchmutzte Körperteile mit Seifenwaſſer gründlich reinigen und wenn thunlich, auch noch mit fünf⸗ prozentigem Karbolwaſſer oder fünfprozentigem Kreſolwaſſer desinfizieren. Zu dieſem Zweck ſind in Seuchenſtällen Waſſer, Seife, Karbolwaſſer und Kreſolwaſſer vorrätig zu halten. 2. Sobald ein rotzkrankes oder der Seuche verdächtiges Tier von ſeinem Standorte entfernt iſt, muß mit der Reinigung und Desinfektion des Stand⸗ ortes und der bei den Tieren benutzten Geräte ꝛc. vorgegangen werden, ſofern letztere nicht noch bei der Wartung anderer kranker Tiere Verwendung finden. Nach Beendigung der Seuche ſind nach dem Ermeſſen des beamteten Tierarztes der Stall überhaupt oder Abteilungen desſelben zu reinigen und zu desinfizieren. Johne. 10 146 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. 3. Die Reinigung und Desinfektion erfolgt nach den Beſtimmungen in§§ 4 bis 7 und§ 8 Nr. 1 bis 3 und§ 10 Nr. 1, 3 bis 7, jedoch empfiehlt es ſich, Chlorkalkmilch ſtatt Kalkmilch anzuwenden. 4. Beſondere Aufmerkſamkeit verdienen die mit Naſenausfluß oder Geſchwürsabſonderungen verunreinigten Gegenſtände. Die Maßregeln ſind außer auf den Standort oder Stall, in welchem rotzkranke oder der Seuche verdächtige Tiere geſtanden haben l(einſchließlich der Krippen und Raufen), namentlich auf die Eimer und ſonſtigen Stallgeräte, Anbinde⸗ vorrichtungen, Zaumzeuge, Beſpannungsgeſchirre, Sättel, Putzzeuge, Decken, Schabracken, Kleider des Warteperſonals, Wagendeichſeln, Ketten, Beſchlag⸗ brücken und dergleichen, welche bei ſolchen Tieren verwendet, ſowie auf die Brunnentröge und Vorſatzkrippen zu erſtrecken, welche von ſolchen Tieren benutzt worden ſind. 5. Geringwertige Gegenſtände, wie Putzlappen, Bürſten, leinene und hanfene Halftern, Anbindeſtricke, Gurte mit gepolſterten Kiſſen, minder⸗ wertige Schabracken ſind zu verbrennen. Streu und Dünger von rotzkranken Tieren ſind ebenfalls zu verbrennen oder anderweit zu vernichten oder zu vergraben oder unterzupflügen. Zur Abfuhr und Unterpflügung der Streu und des Düngers ſind Pferde wo möglich nicht zu verwenden, auch ſonſt iſt Sorge dafür zu tragen, daß Pferde damit nicht in Berührung kommen. Maul⸗ und Klauenſeuche. § 14. 1. Perſonen, welche mit kranken Tieren in Berührung ge⸗ kommen ſind, oder in verſeuchten Ställen verkehrt haben, müſſen, ſoweit dies durchführbar iſt, beim Verlaſſen des Stalles oder ſonſtigen Standortes die Hände, die Kleider und das Schuhwerk oder, ſofern ſie barfuß gehen, die bloßen Füße gründlich reinigen; das Schuhwerk iſt mit Waſſer abzubürſten. Die mit der Wartung kranker Tiere betrauten Perſonen bedienen ſich am zweckmäßigſten beſonderer Kleidungsſtücke und Schuhe, welche ſie während ihres Aufenthaltes in den Ställen der ihnen anvertrauten Tiere zu tragen und vor dem Verlaſſen der Ställe wieder abzulegen haben. 2. Dünger, Streu und dergleichen aus Seuchenſtällen iſt ohne Benutzung von Rindviehgeſpannen aus anderen Gehöften entweder aufs Feld zu fahren oder gemäß§ 62 der Inſtruktion auf Düngerhaufen zu bringen und mit nicht infizierten Streumaterialien oder Dünger zu bedecken; in beiden Fällen iſt dafür zu ſorgen, daß der Zutritt von Wiederkäuern und Schweinen zu dem Dünger ꝛc. mindeſtens vierzehn Tage lang ge⸗ hindert wird.. 3. Ferner iſt eine gründliche Reinigung und Desinfektion der Oertlich⸗ keiten, an welchen kranke Tiere ſich aufgehalten haben(Ställe, Höfe, Tummel⸗ plätze und dergleichen), ſowie der bei den kranken Tieren benutzten Geräte (Milchgefäße, Brunnentröge, Beſchlagbrücken, Beſpannungsgeſchirre und der⸗ gleichen) und Kleider vorzunehmen. 4. Die Reinigung und Desinfektion erfolgt nach den Beſtimmungen im § 4,§ 5 Nr. 1 bis 3,§ 6 und 8 Nr. 1 bis 4 und§ 9. 5. Beſondere Aufmerkſamkeit iſt hierbei außer der Streu den mit Geifer verunreinigten Gegenſtänden zuzuwenden. 6. Händlerſtälle, Bullenſtälle, Sprunghütten, Sprungplätze und andere Orte, an welchen ein häufiger Wechſel von Vieh ſtattfindet, ferner von fremden kranken Tieren benutzte Räumlichkeiten auf Viehhöfen oder in Gaſthöfen müſſen nach Vorſchrift der§§ 4 bis 9 unſchädlich ge⸗ macht werden. mungen 7, jedoch , leinene „minder⸗ otzkranten oder zu der Etren ruch ſonſ kommen. ung ge veit dies rtes die hen, die wbürſten. nen ſich während w tragen iſt ohne ꝛder auft aufen zi bedeckn. ederkäuen lang ge Oertlick⸗ „Tunme ten Gelit e und der nungen in mit Gefer ungylätt ſratfide Veehhöfe hädiih ſe Geſunder Aufenthalt. 147 Lungenſeuche. § 15. 1. Es iſt für gute Lüſtung des Stalles zu ſorgen und darauf zu halten, daß diejenigen Perſonen, welche mit kranken oder der Seuche verdächtigen Tieren, Kadavern oder Kadaverteilen in Berührung gekommen ſind, beim Verlaſſen des Seuchenſtalles oder des Gehöftes oder der Schlacht⸗ ſtätte die Hände, die Kleider und das Schuhwerk oder, ſofern ſie barfuß gehen, die bloßen Füße gründlich reinigen; das Schuhwerk iſt mit Waſſer abzubürſten. 2. Die Standorte von kranken(einſchließlich der nach der Abſchlachtung krank befundenen) Tieren und die bei den Tieren benutzten Geräte ſind als⸗ bald nach der Entfernung der Tiere nach Vorſchrift der§§ 4 bis 8 zu reinigen, auch wenn die Seuche auf dem Gehöfte noch herrſcht. Beſondere Aufmerkſamkeit iſt den mit Ausſcheidungen kranker Tiere verunreinigten Gedenſtänden(Krippen und dergleichen), ſowie den Schlachtplätzen zuzu⸗ wenden. 3. Der Dünger und die Streu ſind ohne Benutzung von Rindvieh aus anderen Gehöften aufs Feld zu ſahren und unterzupflügen; iſt letzteres nicht alsbald ausführbar, ſo iſt dafür Sorge zu tragen, daß der Zutritt von Rindvieh zu dem Dünger ꝛc. mindeſtens vierzehn Tage lang ge⸗ hindert wird. 4. Nach Beendigung der Suuche ſind die Seuchenſtälle und ſonſtigen Räumlichkeiten, Geräte ꝛc. nach den Vorſchriſten in§§ 4 bis 8 und§ 10 Nr. 1 bis 5 und 7 zu reinigen und zu desinfizieren. Schaſpocken. § 16. Es iſt ſür gute Lüftung des Stalles zu ſorgen und darauf zu halten, daß diejenigen Perſonen, welche mit kranken Tieren, Kadavern oder Kadaverteilen in Berührung gekommen ſind, beim Verlaſſen des Seuchen⸗ ſtalles, des Gehöſtes oder der Schlachtſtätte die Hände, die Kleider und das Schuhwerk oder, ſofern ſie barſuß gehen, die bloßen Füße gründlich reinigen; das Schuhwerk iſt mit Waſſer abzubürſten. Der Dünger und die Streu ſind gemäß§ 97 der Inſtruktion aufs Feld zu fahren und unterzupflügen. Die Reinigung und die Desinfektion der Stallungen und Räumlichkeiten, in welchen pockenkranke Schafe geſtanden haben, der Geräte ꝛc. erfolgt nach den Beſtimmungen in§§ 4 bis 9. Beſchälſeuche und Bläschenausſchlag. § 17. Bei der Beſchälſeuche und dem Bläschenausſchlage bedarf es keiner Desinfektion. Räude. 18. 1. Bei der Räude bildet die Reinigung und Desinfektion der Unterkunftsräume und Gerätſchaften eine notwendige Ergänzung des Heil⸗ verfahrens. Sie hat daher gleichzeitig mit der Behandlung der kranken Tiere zu beginnen. 2. Die Reinigung und Desinfektion der Stallungen und Räum⸗ lichkeiten, in welchen räudekranke Pferde oder Schafe vorübergehend auf⸗ geſtellt geweſen ſind, oder in welchen die vor der Einleitung eines Heil⸗ verfahrens getöteten Pferde oder Schafe geſtanden haben, ſowie der Geräte erfolgt nach den Beſtimmungen in§§ 4 bis 9. 3. Bei der etwa der Radikallur vorangehenden Schmierkur der Schafe bedarf es einer gründlichen Desinfektion nicht, ſondern nur einer, je nach dem Grade der Krankheit in kürzeren oder längeren Zwiſchenräumen zu 10* 148 Abhaltung der äußeren Keankheitsurſachen. wiederholenden Reinigung des Stalles und der Stallgerätſchaften nach§ 5 Nr. 1 bis 3.— Zu den vorſtehenden Desinfektionsvorſchriften ſei noch bemerkt, daß dieſes immerhin komplizierte Verfahren nach den bisher vorliegenden Verſuchs⸗Reſultaten durch Einleiten von Formaldehyd⸗ bezw. Formalin⸗ dämpfen in infizierte Stallungen mittels beſonderer Apparate in Zukunft nicht nur weſentlich vereinfacht, ſondern auch in ſeinen Reſultaten erheblich ſicherer werden wird. Dieſes Desinfektionsmittel desinfiziert ſowohl die Luft, als auch Wände, Fußböden, alle infizierten Stoffe ꝛc. in der Zeit von 1 bis 2 Stunden vollſtändig ſicher, ohne dabei die geringſte nachteilige Ein⸗ wirkung auf letztere, ſelbſt in Bezug auf Farbe und Textur, zu äußern. Namentlich liefert der von Dr. Walther und Dr. Schloßmann, Dresden, erfundene Apparat ganz außerordentlich überrafchend ſichere Reſultate. 3. Der Stall muß genügend hell ſein. Außer der direkt anregenden Wirkung, welche das Licht auf den Stoffwechſel und damit auf die Geſundheit der Tiere ausübt, ermöglicht ein heller Stall die hierzu weiter erforderliche Reinhaltung des Stall⸗ raumes und der darin aufgeſtellten Tiere. Der Lichtbedarf iſt am größten in Pferdeſtällen, die ſo hell be— leuchtet ſein ſollen, wie menſchliche Wohnungen; ebenſo hell ſollen die Ställe für Zugochſen, Milchkühe, Jungvieh und für Wollſchafe gehalten werden. Im allgemeinen iſt dem Lichtbedarf derartiger Ställe genügt, wenn die Geſamtfläche der Lichtöffnungen 12 der Stallgrundfläche beträgt (Dammann). Dagegen können Maſtſtälle etwas dunkler gehalten werden, weil hierdurch der Eiweiß⸗ und Fettzerfall(S. 77, 78) eingeſchränkt und der Stoffanſatz begünſtigt wird, abgeſehen davon, daß in etwas dunkleren Ställen die Tiere beſſer der hierzu erforderlichen Ruhe pflegen können. Die Lichtzuführung erfolgt durch die Stallfenſter, welche, wie ſchon S. 133 erwähnt, zugleich einen Teil des Luftwechſels vermitteln. Bei Anlage und Konſtruktion der Fenſter gilt im allgemeinen, daß dieſelben um ſo größer ſein ſollen, je tiefer der Stall und je weniger hoch derſelbe iſt; ferner daß guß- oder ſchmiedeeiſerne Fenſterrahmen den hölzernen vorzuziehen ſind, und endlich, daß es wünſchenswert iſt, dieſelben bei auffallendem Sonnenlicht(namentlich im Sommer) durch Läden oder Jalouſien ſchließen zu können. In Pferdeſtällen iſt es thunlichſt zu vermeiden, daß das durch die— ſelben einfallende Licht direkt den Pferden in die Augen fällt. Dies wird vermieden, indem man die Stallfenſter bei einreihiger Aufſtellung der Pferde an der hinter dieſen liegenden Wand, bei zweireihiger Aufſtellung derſelben an zwei einander gegenüberſtehenden Wänden dagegen dieſelben an den beiden rechtwinklich hierzu ſtehenden Seitenwänden anbringt. Laſſen ſich die Stallfenſter nur gegenüber den Köpfen der Pferde anbringen, ſo müſſen dieſelben entweder möglichſt hoch über denſelben angelegt, oder ſie müſſen aus dickem, undurchſichtigem, nur durchſcheinendem Rohglas angelegt, nach F5 rt dij jegenden malin⸗ Zubunt erheblih vohl di Jeit vun igeEi⸗ äußern zmann, ˖ſiche duf den nöglich Stall zell be⸗ len die gehalte gerügt ebetrigt werden, und der dunkleren können. ſche, vie ermitteln. gemeine tall ud (deeiſerne daß 6 entlih in durhh ii Ilt. die allung d Kurſtllm diſber t. Lnſt pingen t, der ſ s angebtt W Geſunder Aufenthalt. 149 bezw. mit einem Kalk⸗ oder Oelfarbenanſtrich verſehen werden. Nach Be⸗ finden können die ſeitlichen Fenſter auch durch Oberlicht erſetzt werden.— In Rinderſtällen iſt dieſer Punkt weniger von Einfluß auf das Wohl⸗ beiinden der Tierf. Weun 5 hürn därgeſchnicheng ii. die Stallfenſter (meiſt ca. 1 m breit und 1,25 m hoch) möglichſt hoch über den öcö])/a–R) Köpfen der Tiere anzubringen, ſo wird ihre Sohlbank des 1 leichten Oeffnens halber doch ſelten höher wie ca. 1,70 m, ja ¹ oft noch niedriger über den Stallfußboden gelegt. Maſtſtälle ſind entſprechend zu verdunkeln.— Schafe ſuchen und lieben das Licht, daher ſind namentlich an der Südſeite eine ent⸗ ſprechend hinreichende Zahl großer, an der Nordſeite etwas kleinerer Fenſter in minderer Anzahl anzubringen, dieſe aber der Anhäufung des Miſtes halber ca. 2,2 m über den Fuß boden anzulegen.— Schweineſtälle ſind, ſoweit ſie Zucht⸗ ſtälle ſind, reichlicher mit Fenſtern zu verſehen, als Maſtſtälle. Die Konſtruktion der Stallfenſter iſt ſehr verſchieden (ſ. hierüber die S. 123 zitierten Thaer⸗Bibliothek⸗Bände v. Engel). Meiſt ſind dieſelben in der einen oder anderen Weiſe zum Zwecke der Stalllüftung zu öffnen und empfiehlt ſich hierzu am meiſten das in Fig. 119 abgebildete Modell. Iſt in anderer Weiſe genügend für die Ventilation des Stalles geſorgt(doppelte Ventilation, S. 137), ſo können auch feſtſtehende Fenſter aus 15— 20 mm ſtarkem Rohglas.„ r direkt in die Fenſteröffnungen eingemauert werden, was Fig t2ce Eude⸗ am zweckmäßigſten ſchräg nach außen geneigt geſchieht fenſter. E. (Fig. 126). Dieſe Fenſter laſſen zwar nur das Licht durchſcheinen, zerſtreuen dasſelbe aber weithin im Stalle und ſind ſehr dauerhaft. 4. Der Stall ſoll den Tieren, wenn möglich, freie Bewegung geſtatten. Dieſe hygieniſche Forderung kommt natürlich nur für diejenigen Tiere in Frage, welche ununterbrochen oder den bei weitem größten Teil des Tages im Stalle ſtehen, alſo für Milch⸗, Zucht⸗ und Luxustiere; nicht aber für Maſttiere, bei welchen die freie Bewegung den Fettanſatz weſent⸗ lich beeinträchtigen würde, und für Arbeitstiere, welche genügende Bewegung bei der Arbeit haben. Bei Tieren, welche fortwährend ruhig und ohne die Möglichkeit einiger freier Bewegung im Stalle ſtehen, macht ſich der Mangel einer ſolchen hauptſächlich an den Extremitäten bemerkbar. Wird die Blutzirkulation auch vor allem durch die Zuſammenziehungen und durch die Druckkraft des Herzens unterhalten, ſo wird ſie doch außerdem ganz weſentlich be⸗ fördert durch die Bewegung. Die hierbei abwechſelnd ſtattfindenden Zu⸗ ſammenziehungen und Erſchlaffungen der Muskeln wirken drückend auf die dazwiſchen liegenden Blutgefäße und bewirken mechaniſch ein Weiter⸗ fließen des Blutes, beſonders an den weiter vom Herzen befindlichen Teilen und dort, wo das Blut der Schwere entgegen fließen muß. Fällt dieſe unterſtützende Kraft für die Blutbewegung fort, ſo wird dieſelbe 150 Abhaltang der äußeren Krankheitsurſachen. erheblich verlangſamt, hierdurch aber die Ernährung der betreffenden Teile erheblich herabgeſetzt. Dies alles gilt vor allem für die Gliedmaßen. Daher ſehen wir bei Tieren, welche unausgeſetzt im Stalle ſtehen, eine gewiſſe Steifigkeit, ſelbſt eine geringere Entwicklung der Muskulatur der Fig. 127. In der Mittellinie ſenkrecht durchſchnittener rechter Vorderfuß des Pferdes. &A unteres Schienbeinende; B Feſſelbein; G inneres Gleichbein; D Kronen⸗, E Huf⸗, F Strahlbein; a Streckſehne; b oberes Gleichbeinband oder Feſſelbeinbeuger; b“ unteres Gleichbeinband; c Sehne des Kronbeinbeugers; d Beugeſehne des Hufbeines; e Kapſelband des Feſſelgelenkes; f Kapſelb and des Kronengelenkes; g und 2“ Kapſelband des Hufgelenkes; h Schleimſcheide des Hufbeinbeugers; i alles, was zum Strahlkiſſen gehört; k Kronenwulſt; 1 Fleiſchwand; m Fleiſchſohle; u Fleiſchſtrahl; o Hornwand; p Hornſohle; a Hornſtrahl; d' die innere Hälfte des ſogenannten Hahnenkammes(Teil des Hornſtrahles); r der Sporn; s äußere Haut. L. Extremitäten und gewiſſe Veränderungen am Hornſchuh der Fußenden eintreten, die ſich beim Pferde namentlich in einer Verengerung des Hufes — und Eini den latio gelte Geſunder Aufenthalt. 151 in ſeiner hinteren Hälfte, der Entwicklung eines ſogenannten Zwanghufes und in mehr oder weniger umfänglicher Fäulnis des Strahlhornes zu erkennen giebt. Der Pferdehuf(Fig. 127) iſt ein außerordentlich kunſtvoll gebautes Organ. Durch eine ſinnreiche Einrichtung(den ſogenannten Hufmechanis⸗ mus) wird bewirkt, daß ſich derſelbe jedesmal beim Auftreten(Belaſten) in ſeiner hinteren Hälfte erweitert, beim Aufheben(Entlaſten) aber wieder zuſammenzieht. Durch den hierdurch bedingten abwechſelnden Druck auf die Blutgefäße der in der Hornkapſel eingeſchloſſenen Weichteile wird die Blut⸗ zirkulation in letzteren und deren Ernährung ganz weſentlich geſteigert. Bei Tieren, die viel und ruhig an einer Stelle im Stalle ſtehen, tritt das Gegenteil ein. Die in der hinteren Hufhälfte eingeſchloſſenen Weichteile, vor allem das ſogenannte Strahlpolſter, welches beim ſogenannten Huf⸗ mechanismus eine ganz beſondere Rolle ſpielt(Fig. 127 i, i“, in), magern ab und der Huf verengt ſich, wird zum Zwanghuf. Dieſer ſchwerwiegende Einfluß der durch die Bewegung bedingten raſcheren Blutzirkulation durch den Huf macht ſeinen Einfluß auch mehr oder weniger auf die Blutzirku⸗ lation, und Ernährung der höher hinauf gelegenen Teile der Gliedmaßen geltend. Hierzu kommt noch weiter, daß Tiere, die nicht angebunden ſind, ſich bequemer legen und ruhen können, weshalb auch für Arbeitstiere, wäre mit der freien Bewegung im Stalle nicht auch zugleich ein größeres Raum- und Streu⸗ bedürfnis vorhanden, das Frei⸗ gehen vom Standpunkt der Ge⸗ ſundheitspflegeganz unbedingt empfohlen werden müßte. Für Pferde wird dieſem Bewegungsbedürfnis durch ſo⸗ genannte Laufſtände oder Boxen, d. h. 3,1— 3,4 m im Quadrat große Stallabteilungen, in welchen je ein Pferd frei herumgeht, genügt(ſiehe Engels, Pferdeſtall; S. 81). In größeren Geſtüten läßt man die Pferde bis zum Alter von 3 Jahren in großen Stallungen mit Krippen und Raufen an den Längsſeiten der Stallungen frei herumlaufen und hängt dieſelben nur während der Futterzeiten an. Irgendwelche Nachteile durch Unverträglichkeit und hierdurch bedingte Be⸗ ſchädigungen kommen kaum in Frage.— Auch in Rinderſtällen hat man die Einrichtung getroffen, daß die Tiere frei umhergehen können. Abgeſehen von den hygieniſchen Vor⸗ zügen dieſer Aufſtellungsmethode kommt hierzu noch der ökonomiſche Vorteil, daß der Dünger, der natürlich längere Zeit liegen bleiben muß, gleich⸗ . Verſtellbare Krippen. E. 152 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. mäßig im Stalle verteilt und feſtgetreten wird. Soll der Dünger ſehr lange liegen bleiben und erhöht ſich die Schicht desſelben durch die tägliche Einſtreu erheblich, ſo ſind die Krippen nach Höhe und Tiefe verſtellbar zu konſtruieren(Fig. 128). Bei einer derartigen Einrichtung iſt ſelbſtverſtändlich neben reichlicher Einſtreu auf eine ſehr ausgiebige Srallventllatſon(S. 132) Rückſicht zu nehmen. 5. Die innere Einrichtung des Stalles ſoll allen ſonſtigen geſundheitlichen Anforderungen entſprechen. Wenn Zweck und Umfang des vorliegenden Buches auch nicht ge— ſtatten, ſpezieller auf die innere Stalleinrichtung einzugehen, ſo möge hier doch auf folgende in hygieniſcher Beziehung wichtige Hauptgeſichtspunkte aufmerkſam gemacht werden. a) Bezüglich der Krippen und Raufen wurde ſchon S. 140 ge⸗ fordert, daß dieſelben zur Ermöglichung einer raſchen und ſicheren Desinfektion aus einem möglichſt undurchläſſigen, an der Ober⸗ fläche glatten und daher leicht zu reinigenden Material an⸗ zufertigen ſeien. Krippen aus Holz ſind aus dieſem Grunde hygieniſch als unzweck⸗ mäßig zu bezeichnen. Sie laf ſen ſich wegen ihrer weniger glatten Oberfläche ſchwer reinigen, ſind porös, bekommen Riſſe und Sprünge, laſſen daher Flüſſigkeit, die bei Naßfütterung(beſonders Kleien⸗, Häckſelfutter) unver⸗ meidlich iſt, eindringen und geben zur Säurebildung in den oberflächlichen Holzſchichten Veranlaſſung. Außerdem veranlaſſen ſie Pferde, namentlich ſolche, die viel im Stalle ſtehen, zum Benagen d Holzes, eine üble An⸗ gewohnheit, aus der ſich das Koppen oder Aufſetzen entwickeln kann Beiden Uebel⸗ ſtanben ſucht man dadurch zu begegnen, daß man die oberen Ränder der ſogenannten Krippenwangen mit Bandeiſen oder Blech beſchlägt, welches indes beim Lockerwerden zu Verletzungen des Pferdes Veranlaſſung geben kann.— Für Rinder und Schweine kom⸗ men die letzteren beiden Uebelſtände weniger in Betracht; da aber dieſe Tiergattungen einen großen Teil ihrer Nahrung bezw. nahe⸗ zu die Geſamtmenge derſelben in flüſſiger Form aufnehmen, ſo tritt gerade hier die 8 Säurebildung in Holzkrippen leicht auf, die 4 außerdem leichter faulen. Holzkrippen kommen daher nur in ſolchen Rinderſtällen in Frage, Fig. 129. Richtige Form der ſo⸗ wo der Dünger längere Zeit, Monate lang, genanten eiſernen Krippenſchüſſel. 8. liegen bleibt und wie ſchon oben bemerkt, die Krippen und Raufen verſtellbar ſein müſſen(Fig. 128).— Nur für Schafe, welche immer nur Trockenfutter erhalten, ſind Holzkrippen als geeignet anzuſehen. Sandſteinkrippen ſind ebenfalls porös und leiden an demſelben Uebelſtand, wie die Holzkrippen. Sie geben bei Pferden auch zu einer ſtärkeren Abnutzung der vorderen Fläche der Schneidezähne Veranlaſſung, 1 ind brauc aber Kriby Guß 3 Keiph daß ſond ſodaß A beſſer aber Krid tions Ban er u. gehu der! iuftz 2 dig. 17 eiſern ger ſah täglice klbor a ſtändlich (S.19 unver⸗ hlichen nentlich ble An⸗ en oder Uebel⸗ en, daß nannten Blech eden zu g geben ne kom⸗ weniger nttungen v. nahe⸗ flüſige hier di auf, di kommen Fragt⸗ ate lang, demſlbe zu dinl nlaſn Geſunder Aufenthalt. 153 iind bobe trotzdem in Rinder⸗- und Schweineſtällen häufig in Ge⸗ rauch. Beſſer ſind die aus gutem Cementguß gefertigten Krippen, am beſten aber die aus glaſiertem Steinzeug und vor allem die ſogenannten Krippenſchüſſeln aus innen emailliertem Gußeiſen In Bezug auf die Form aller Arten Krippen iſt hygieniſch zunächſt zu fordern, daß die Krippen nicht durchgehend, ſondern für jedes Tier getrennt ſind, ſodaß jedes Tier ſeine Krippe für ſich hat. Abgeſehen davon, daß hierdurch eine beſſere Futtereinteilung möglich iſt, kommt aber weiter noch hinzu, daß abgegrenzte Fig. 130. Eingemauerte Krippe. S. Krippen weniger zur Verbreitung von Infek⸗ tionskrankheiten Veranlaſſung geben, als durchlaufende. Beſonders erblickt Bang eine Gefahr hierin bezüglich Verbreitung der Tuberkuloſe, weil er nicht ohne Grund fürchtet, daß das mit dem Naſenſchleim oder den aus⸗ gehuſteten Sputummaſſen(S. 139) tuberkulöſer Kühe infizierte Futter leicht der nebenſtehenden Kuh zugeſchoben werden und dieſe beim Freſſen desſelben infizieren könne, ſſſh ,f — I N ☛ I I 8 „ = 8 T SW S X X MN JX Fig. 132. Krippenbock von Eiſen. E. X NM TEEIIIII WWWWW Fig. 131. Krippenbock von Holz. S. Fig. 133. Eiſerne Krippenſchüſſel. E. Alle Krippen müſſen ferner innen— und werden ſie, wie die eiſernen Krippenſchüſſeln nicht eingemauert, ſondern ſtehen frei— auch 154 Abhaltung der äußerrn Krankheitsurſachen. außen gut gerundet, ohne ſcharfe Ecken und Kanten ſein. Dies gilt bei allen Arten von Krippen, beſonders von den oberen Rändern der Krippenſchüſſeln(Fig. 129). Die Krippen müſſen oben die erforderliche Weite beſitzen, damit die Tiere ungehindert kauen können, ohne ſich bei jeder Kieferbewegung zu ſtoßen. Hiergegen wird vielfach bei den Pferdekrippen gefehlt. Infolgedeſſen entſtehen namentlich am Hinterkieferrande Knochenhaut⸗ entzündungen und Knochenauftreibungen. Weiter dürfen die Krippen, wie das namentlich in Pferdeſtällen häufig geſchieht, nicht zu hoch angebracht werden. Geſchieht dies, ſo iſt das Pferd gezwungen, mit einer unnatürlichen Haltung des Kopfes zu freſſen, bei welcher infolge des Druckes der Ganaſchen auf den Schlund⸗ kopf nicht nur das Schlucken erſchwert, ſondern durch den fortgeſetzten Druck auf die beiden großen, das Blut beiderſeits des Halſes aus dem Kopf abführenden Blutge⸗ fäße, die ſogenann⸗ ten Droſſelvenen, der Blutabfluß aus dem Gehirn erſchwert und eine fortgeſetzte Blut⸗ ſtauung daſelbſt her⸗ vorgerufen. Es iſt nicht ausgeſchloſſen, daß dieſe zur Entwick⸗ lung einer chroniſchen Gehirnwaſſerſucht, d. h. Dummkoller, Veranlaſſung werden kann. Bei Pferden ſoll der obere Rand der Krippe in der halben Höhe des Pferdes vom Boden bis zum Widerriſt desſelben, beim Rind durchſchnittlich 60— 65, bei Schafen ca. 40, bei Schweinen zwiſchen 30 und 40 cm, bei Ferkelſauen nicht über 25 cm vom Boden ſtehen. Bei der Befeſtigung der Krippen an der Wand iſt zu be⸗ achten, daß hierbei keine ſchwer zu reinigenden und zu desinfizierenden, als Brutſtätten für allerlei pflanzliche Paraſiten dienenden Winkel und Hohlräume bleiben. Die Krippen werden daher entweder feſt eingemauert(Fig. 130) oder die eiſernen ſpeziell in ſogenannte Krippenböcke oder Futtertiſche von Holz (Fig. 131) oder Eiſen(Fig. 132) eingehängt; in Pferdeſtällen werden die eiſernen Krippenſchüſſeln wohl auch direkt an der Wand befeſtigt(Fig. 133). Um die Rinder zu hindern, das ihnen vorgelegte Rauhfutter herum⸗ zuſchleudern, ſich gegenſeitig dasſelbe wegzufreſſen oder in die Krippe zu ſteigen, hat man vielfach auf den vorderen Rand der Krippe ſogenannte au t ſannanna une innnninnini ſlinialan nüͤiinnmn ummnünna manninnnnnnanam unneaamm —— Fig. 134. Futtergerüſt. E. Fut diit Que Hal allen Wie des des Rich komn 35 G veg bom genan einge Käpfe Vſin entzü und? ies git ern de „dami wegung gefehl. enhrut eſtäͤllen es, ſo fes z clund⸗ ſſetzten n Koxj lutg⸗ enann— en, der 8 dem tt und Blut⸗ 1 her 8 iſ oſſen, twick iſchen fucht, oller, verden ferden Nand n der hbeim veinen Boden zu b enden, lund ˖oder Hohh en die 1133 erum⸗ pe z nannte Geſunder Aufenthalt. 155 Futtergerüſte(Fig. 134) angebracht, deren Konſtruktion die beiſtehende Zeichnung klar macht. Dieſelben geben indes leicht zu Scheuerungen und Quetſchungen des oberen Halsrandes und zur Entſtehung von ſogenannten Halsbeulen Veranlaſſung und ſind deshalb hygieniſch nicht zu empfehlen. Bezüglich der Raufen iſt außer der obigen Kardinalforderung vor allem hervorzuheben, daß dieſelben nicht zu hoch angebracht ſein dürfen. Wie man ſich leicht überzeugen kann, bedingt das unnatürliche Strecken des Halſes und Hochheben des Kopfes jedesmal eine leichte Einſenkung des Rückens und wenn dies bei jungen Pferden mit weichem, langem Rücken fortgeſetzt geſchieht, kann es zur Entwicklung eines Senkrückens R 5 Beese. — — — ſ ·— V ſſ V V —* 1 V d Fig. 135. Futtertiſch für Pferdeſtälle. E. kommen. Der untere Rand der Raufe darf daher nie mehr als 30 bis 35 cm über der Krippe ſtehen. Beſſer iſt es noch, die Raufe vollſtändig weg zu laſſen und das Rauh⸗- und Grünfutter bei allen Tieren entweder vom Boden oder aus der Krippe zu füttern, oder in Pferdeſtällen ſo⸗ genannte Futtertiſche(Fig. 135) anzubringen, in welchen die Raufe eingelaſſen iſt. Es erſcheint dies um ſo zweckmäßiger, als die über den Köpfen der Tiere angebrachten Raufen das Eindringen von Staub und Pflanzenpartikelchen in die Augen begünſtigen, hierdurch aber zu Augen⸗ entzündungen, oder infolge des Juckgefühles, welches die in die Schopf⸗ und Mähnenhaare eindringenden Pflanzenteile hervorrufen, zum Reiben 156 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. und Abſtreifen der Halfter Veranlaſſung geben.— Um Verletzungen des Kopfes an den vorſtehenden Raufen zu vermeiden, kann man dieſelben auch in die Wand einlaſſen. Welche Form im Uebrigen die Raufen haben, und ob die Sproſſen derſelben gerade oder ſchräg geſtellt ſind, iſt gleichgiltig. b) Hinſichtlich der Anbinde⸗Vorrichtungen der Stalltiere gilt vom Standpunkt der Geſundheitspflege folgendes: Bei Pferden iſt vor allen Dingen eine Art der Befeſtigung zu wählen, welche es unmöglich macht, daß dieſelben beim Lockerwerden der Kette, d. h. beim Herantreten der Pferde an die Krippe, nicht über die⸗ ſelbe treten oder ſchlagen können. Abgeſehen davon, daß hierdurch ſchwere Scheuerwunden an dem überhängenden Beine entſtehen können, verlieren die Pferde hin und wieder das Gleichgewicht, ſtürzen nieder und können ſich die ſchwerſten Verletzungen zufügen. Eine ſehr einfache und praktiſche Anhängevorrichtung für Pferde iſt in Fig. 136 abge⸗ bildet. Die an einem von der Mitte der Krippe nach unten laufenden runden Eiſenſtabe mittels eines weiten Ringes befeſtigte Kette, welche nur kurz zu ſein braucht, macht ein Schlagen oder Treten über dieſelbe erfahrungsgemäß kaum möglich. Komplizierter, aber nicht leiſtungs— fähiger, ſind zwei ſeitlich an der Krippe angebrachte Ringe oder Rollen, durch oder über welche die Ketten oder Anbinderieme hinweglaufen und durch ein unten befeſtigtes leichtes Gewicht immer ſtraff gezogen werden.— - Bei Rindern ſind beſon⸗ dere Forderungen bezüglich des Anhängens vom hygie⸗ niſchen Standpunkte aus nicht zu ſtellen. Vielleicht dürfte bei Ver⸗ wendung ſogenannter Kopf⸗ ketten darauf zu ſehen ſein, daß die um die Hörner liegende Kette dieſelben nicht zu eng umſchließt, und zu Quetſchungen und Ge⸗ ſchwürsbildungen an der Haut der Hornwurzel führt. Um bei Bränden das Losmachen der Tiere zu beſchleunigen und hierdurch die Möglichkeit ihrer Rettung ˖—— zu ſichern, hat man ver⸗ Fig. 136. Anbindevorrichtung. E. ſiidenn Da ichtungen 81 daß man unter der ganzen Krippe hin eine durch weite Oeſen geſtützte, ca. 20 mm ſtarke Eiſenſtange hin⸗ führt, an welcher an jedem Standplatz ein weiter, leicht verſchiebbarer Ring hängt; an jedem derſelben iſt ein Tier befeſtigt. Dieſe Eiſenſtange führt an der frei liegenden Seite des Stallgebäudes durch deſſen Umfaſſungsmauer nach außen 8 8 MXXN X 2 I I 9 8 8 M N X und iſ zeehen wird deſſen muß! A en d ſeſelben proſſen e git ng zu en der er die⸗ rdurch önnen, nidder nfach abge⸗ fenden welche eſelbe ungs⸗ llen, und K.— eſon⸗ üglich ygi⸗ alls Ver⸗ dopf⸗ nſein, Börner richt nd zu ge⸗ der fühn. n das re zu rdurch jettung ver⸗ —n ge⸗ ſtdie ganzen ge hir dungt der fre⸗ außen Geſunder Aufenthalt. 157 und iſt hier mit einem Querarm verſehen, an dem zwei Männer bequem ziehen oder eventuell ein Pferd geſpannt werden kann. Zur Zeit der Gefahr wird der Eiſenſtab herausgezogen, alle Anbinderinge ſchieben ſich infolge deſſen von demſelben ab und alle Tiere ſind zu gleiche Zeit frei. Freilich muß dieſer Mechanismus zuweilen probiert werden. Außerdem ſoll derſelbe unter Umſtänden die Gefahr haben, daß beim Einſchlagen des Blitzes dieſer an der Eiſenſtange hinfährt und alle daran be⸗ feſtigten Tiere tötet. c) Was endlich noch die verſchiedenen Arten der Stand⸗ abgrenzungen an⸗ belangt, die weſent— lich nur für Pferde in Betracht kommen, ſo ſind ſelbſtverſtänd⸗ Fig. 137. Latierbaum. S. lich diejenigen die beſten, welche die einzelnen Tiere vollſtändig von einander trennen und deren gegenſeitige Beſchädigungen unmöglich machen. Dieſe Anforderung erfüllt vollkommen nur der ſogenannte Kaſtenſtand. Viel weniger iſt das bei den ſogenannten Latierbäumen möglich. Letztere ſind vorn an der Krippe befeſtigt und hängen hinten entweder an Leinen oder Ketten, die an der Decke befeſtig ſind(Schwebebäume)(Fig. 137) oder an Stand⸗— ſäulen(Pilaren). Latierbäume bieten nach vier e Richtungen hin Gefahren für die Geſundheit. 1— 1. Können ſich die Pferde unter dem Standbaum hinweg ſchlagen. Um das zu verhüten, hat man an denſelben nach bewegliche Brettwände(Fig. 137), Matratzen oder ſtarke Strohmatten angebracht, welche bis auf die Streu herunter reichen.— 2. Iſt es möglich, daß Pferde beim Wälzen unter den Latier⸗ baum geraten und ſich namentlich beim ſchnellen Aufſtehen beſchädigen können. Das wird nament⸗ lich der Fall ſein, wenn derſelbe hinten nicht frei an einer Kette ſchwebt, ſondern an einer Standſäule— 2 befeſtigt iſt. Bei dieſer Art des Aufhängens iſt es daher nötig, eine Befeſtigung zu wählen, welche gig. 138. Aufhängevorrich⸗ ein ſelbſtthätiges Ausheben und Löſen des Latier- tung für Latierbäume. S. baumes ermöglicht. Dieſen Zweck erfüllt die in Fig. 138 gezeichnete Konſtruktion. Der Latierbaum a hängt mittels eines weiten Eiſenringes an dem Haken b. Dieſer kann wie eine Thürklinke leicht nach unten gedreht werden, 158 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. iſt für gewöhnlich aber durch den Ring c in ſeiner Stellung feſtgehalten. Springt das unter dem Latierbaum liegende Pferd raſch auf, ſo hebt es denſelben nach oben, die Kette, woran derſelbe hängt, ſchiebt ſich am Haken b, und der Ring c an der Klammer d nach oben und der Latierbaum iſt frei. 3. Kommt es nicht ſelten vor, daß Pferde über den Latierbaum Dies möglichſt zu vermeiden, müſſen die Latierbäume entſprechend hoch, mindeſtens 1 m vom Boden entfernt aufgehängt und für den Fall, daß die Pferde trotzdem darüber wegſchlagen, hinten mit einer Aufhängevor⸗ richtung verſehen ſein, die es ermöglicht, denſelben ſofort herabzulaſſen. Dies zermöglicht an Standſäulen einmal die oben beſchriebene Vor⸗ richtung in Fig. 138, bei der nach Hinaufſchieben des Ringes c der Haken b Fig 139. Aufhängevorrichtung für Latierbäume. E. nach unten gedreht werden und der Latierbaum herabfallen kann. Bei an Stricken oder Ketten hängenden Latierbäumen empfiehlt ſich hingegen eine der in Fig. 139 gezeichneten Vorrichtungen, deren Wirkung aus der Abbildung genügend erſichtlich iſt. 4. Endlich beſteht noch die Gefahr, daß Pferde beim Hintenaus⸗ ſchlagen mit beiden Beinen auf die Spitze des Latierbaumes zu ſitzen kommen und ſich ſchwere Verletzungen(Bauchbrüche) zuziehen. Die Standſäulen ſollen daher mindeſtens 2—2,5 m hoch ſein. b. Auf Tummelplätzen und Weiden. Dummelplätze und bis zu einem gewiſſen Grade auch die Weiden ſollen den Tieren die zu einer normalen Entwicklung und zur Geſund⸗ erhaltung erforderliche, freie Bewegung in friſcher, freier Luft bieten. Die ſchlagen, auf denſelben reiten, nicht zurück können und ſich ſchwer verletzen. —— Veweg Erſchle den S die Er dieſer der J bemerd Verbro wickl ein g infolg die M erford tiger günſti ſyſten einri ſtand Ale Einwi Tier! junge ſein, wicklu Bede für d ratio der der I ſich r und notwe der ju räuml haften Tages dort, gehalten hebt daken 1 it fre. erbaun elleze d duc ll, daß noebo⸗ ulaſſen e Vor⸗ daken h Bei an in eine ildung enaus⸗ ſitzen die Leiden jind Die Geſunder Aufenthalt. 159 Bewegung und die ſie hervorrufende abwechſelnde Zuſammenziehung und Erſchlaffung der Muskulatur ſteigert einerſeits den Stoffverbrauch und den Stoffwechſel, anderſeits die Blutzirkulation, beides zuſammen aber die Ernährung und Entwicklung des Körpers. Vor allem macht ſich dieſer wohlthätige Einfluß der Bewegung hinſichtlich der Entwicklung der Muskulatur, der Knochen und Gelenke und deren Bänder bemerkbar. In zweiter Linie bedingt der durch die Bewegung geſteigerte Verbrauch eine reichlichere Futteraufnahme und eine gute Ent⸗ wicklung des Verdauungsapparates, der geſteigerte Stoffwechſel ein größeres Sauerſtoffbedürfnis, daher eine tiefere Atmung und infolgedeſſen eine weit beſſere Entwicklung der Atmungsorgane; die durch die Muskelbewegung und die tiefere Atmung geſteigerte Zirkulation endlich erfordert kräftigere Herzbewegungen und hierdurch auch eine kräf⸗ tigere Entwicklung des Herzmuskels. Alles zuſammen aber be⸗ günſtigt die Entwicklung und Widerſtandsfähigkeit des Nerven⸗ ſyſtems und die von dieſem beeinflußten Schutz⸗- und Abwehr⸗ einrichtungen des Organismus(S. 100), damit natürlich die Wider⸗ ſtandsfähigkeit des letzteren gegen äußere und innere Krankheitsurſachen. Alle dieſe günſtigen Einflüſſe werden noch weſentlich erhöht durch die Einwirkung einer friſchen, reinen, ſauerſtoffreichen Luft, welcher das Tier bei ſeiner Bewegung im Freien ausgeſetzt iſt. Am notwendigſten wird naturgemäß die Bewegung für das junge, ſich entwickelnde Tier jeder Gattung und jeden Nutzzweckes ſein, womit natürlich nicht geſagt ſein ſoll, daß für Tiere über das Ent⸗ wicklungsalter hinaus Bewegung im Freien überflüſſig ſei. Die größte Bedeutung hat die möglichſt ungehinderte Bewegung im Freien für das junge Pferd, ja, man kann ſagen, daß ohn e ſolche eine rationelle Pferdezucht nicht möglich iſt. Nur Pferde, welche von der Geburt an die Möglichkeit einer freien, ungehinderten Bewegung auf der Weide oder in möglichſt großen Laufkoppeln gehabt haben, können ſich nach allen Richtungen hin, beſonders bezüglich der Stärke und Widerſtandsfähigkeit ihres Bewegungsapparates bis zum notwendigen Grade ihrer Leiſtungsfähigkeit entwickeln. 1. Tummelplätze. Tummelplätze können nur als ein teilweiſer Erſatz für die Aufzucht der jungen Tiere auf der Weide angeſehen werden⸗ Sie ſind naturgemäß räumlich beſchränkter und entbehren nahezu vollſtändig des friſchen, nahr⸗ haften Grünfutters, abgeſehen davon, daß ſie vielfach nur für einige Tagesſtunden den Tieren zum Aufenthalt dienen. Trotz alledem ſind ſie dort, wo die Weide fehlt, für eine rationelle Aufzucht unentbehrlich. Am unentbehrlichſten ſind ſie aus den oben angeführten Gründen für die Pferde. Folgende Geſichtspunkte ſind bei ihrer Anlage und Benutzung zu beobachten: Für Fohlenſtuten mit Saugfohlen oder für Abſatzfohlen empfiehlt es ſich, die Tummelplätze möglichſt unmittelbar vor den Thoren des Stalles * 160 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. anzulegen; für ältere Fohlen können dieſelben auch mehr oder weniger weit davon entfernt gelegen ſein. Wünſchenswert iſt eine nach Norden und Oſten etwas geſchützte Lage, ferner ein mehr trockener, als naſſer Boden; jener begünſtigt die Entwicklung gut geformter, kräftiger Hufe, dieſer die von Platthufen mit loſen Wänden. Beſonders empfehlenswert iſt ein nur mäßig feuchter, mehr trockener Grasboden.— Als Einfaſſung der Tummel⸗ plätze ſind lebendige Hecken und hölzerne Stangenumzäumungen den vielfach beliebten Drahtzäunen weit vorzuziehen, da letztere Gelegenheit zu manig⸗ fachen Verletzungen geben.— Zum Schutz gegen zu heiße Sonnen⸗ ſtrahlen empfiehlt es ſich, an den Einzäumungen vereinzelt ſchattenſpendende Bäume(Linden, Kaſtanien, Eichen ꝛc.) zu pflanzen oder eine nur nach der herrſchenden Windrichtung geſchloſſene Unterſtandshütte zu errichten, unter welcher die Pferde während der heißen Mittagszeit ruhen oder bei einfallendem Regen Schutz finden können. Die Größe und Form der Laufkoppeln wird ſich ſelbſtverſtändlich immer nach den gegebenen Verhältniſſen richten müſſen. Jedenfalls ſollen dieſelben groß genug ſein, den jungen Pferden die Möglich⸗ keit zu geben, auch im Trab oder Galopp eine Strecke von 25—30 Meter geradeaus laufen zu können. Wenn der Raum beſchränkt iſt, ſind längere, dabei aber ſchmälere Tummelplätze den quadratiſchen vorzuziehen. Damit die in denſelben untergebrachten Pferde ſich auch wirklich Be⸗ wegung machen, ſoll man immer mehrere derſelben in eine Lauf⸗ koppel bringen, da dieſe ſich gegenſeitig zur Bewegung ver⸗ anlaſſen. Einzelne Fohlen bleiben meiſt ruhig ſtehen, und ein Hauptnutzen des Tummelplatzes geht ihnen verloren. Auch empfiehlt es ſich, die jungen Pferde zeitweilig mit der Peitſche zur Bewegung anzutreiben, oder, wie dies z. B. in den großen ungariſchen Geſtüten üblich iſt, die Pferde täglich 1— 1 ½ Stunde in beſonderen Laufkoppeln mit Hilfe der Peitſche abwechſelnd im Schritt, Trab und Galopp zu treiben, woran ſich dieſelben außerordentlich raſch gewöhnen. Denn nur durch die Bewegung, und zwar durch die Bewegung in friſcher, freier Luft, entfalten die Tummelplätze ihren vollen günſtigen Einfluß auf die Entwicklung.— Endlich würde es ſich, worauf ſchon S. 118 hingewieſen, empfehlen, bei Eintritt der erſten geſchlechtlichen Erregungen die jungen Tiere nach den Geſchlechtern zu ſondern. Fehlt es hierzu an mehreren getrennten Laufplätzen, ſo ſind die Hengſt-, Stut⸗ und Abſatzfohlen nach einander 1—2 Stunden des Vor⸗ und Nachmittags in den einen vorhandenen zu bringen. Gerade in ſolchen Fällen empfiehlt es ſich aber, die jungen Tiere mit der Peitſche in ruhiger Weiſe ſyſtematiſch im Schritt, Trab und Galopp zu treiben.— Daß in den von den Ställen entfernten Tummel⸗ plätzen, in welchen die Tiere den ganzen Tag über bleiben, auch Krippen und Raufen zum Füttern vorhanden ſein müſſen, iſt ſelbſtverſtändlich. Faſt ebenſo unentbehrlich aus gleichen Gründen ſind die Tummel— oder Laufplätze für das Rindvieh, beſonders für das Jungvieh. Durch dauernden Stallaufenthalt ohne genügende tägliche Bewegung im Freien iſt die Aufzucht einer kräftigen, widerſtandsfähigen Nachkommenſchaft ebenſowenig möglich, wie die Erhaltung eines geſunden, kräftigen, wider— ſtandsfähigen Milchviehſtammes. Ganz beſonders gefährdet iſt bei dauerndem Stallaufenthalt neben der Widerſtandsfähigkeit des Geſamtorganismus im allgemeinen der Atmungs⸗ apparat. Ungenügende Muskelbewegungen haben ein geringes Sauerſtoff⸗ bezw. Luftbedürfnis zur Folge, die Atmung wird oberflächlich, die Lunge und nicht unmi einer in die Stall könner G einen felben des nicht (außen 1 i dei (estr Naſend 1 ſchattg vendig für E D höft d naturg mindeſt iger wii nnd Dſee Voden, jeſer di ein mr Tumme⸗ vieffach manig onnen⸗ pendende nach de en, unte allenden eln wid müſſen. Möglite 0 Mter längen, Damit ich Be⸗ Lauf⸗ jver⸗ tnutzen ungen reiben, Pferde deitſche woran r durch „‚freier luß auf gewiſen fungen nehreren en nach andenen jnnn rab mn 3 trippen lich rummil Durdh 1Freien nexſchet vider⸗ tben der mungs⸗ nuerſtf⸗ te Lunge Geſunder Aufenthalt. 161 wird nicht bis in ihre Spitzen und Ränder genügend mit Luft gefüllt, der ſich in den Luftröhrenverzweigungen gebildete Schleim nicht vollſtändig entfernt und häuft ſich dort an. Er zerſetzt ſich ſchließlich unter der Einwirkung der fort⸗ während mit der eingeatmeten Luft in die Lunge gelangenden fäulniserregenden Bakterien(S. 119), wirkt reizend auf die Luftröhrenſchleimhaut, die zu ſtärkerer Schleimſekretion angeregt wird. Hierdurch kommt es ſchon an und für ſich zu einer Groniſchen, katarrhaliſchen Lanrhrrnennndnng(Bronchitis), welche auf das Lungengewebe übergreifen, und zu einer chroniſchen, zur Ver⸗ dichtung Induration) des Lungengewebes führenden Entzündung Veranlaſſung geben Gelangen aber, wie dies in infizierten Ställen(S. 139) ſehr leicht möglich iſt, mit der eingeatmeten Luft in eine ſolche unvollſtändig gelüftete Lunge mit ſtauendem Bronchialſ ekret Tuberkelbazillen, ſo entwickeln ſich ſolche dort infolge außerordentlich günſtiger Ernährungsbedingungen ſehr raſch, dringen in das Lungengewebe ein, in dem ſie bei der herabgeſetzten Wider⸗ ſtandsfähigkeit des Geſamtorganismus(ſ. Dispoſition S. 8) ſehr ſchnell zur Entwicklung tuberkulbf ſer Prozeſſe in Form der ueenrnſeh käſigen Lumngenentgünduürg oder uberkulöſon Broncho⸗Pneunomie Veranlaſſung geben Bei der Anlage der für Rinder beſtimmten Tummelplätze gelten im allgemeinen die für die Pferdekoppeln aufgeſtellten Grundſätze. Nur ver⸗ tragen die Rinder an ihren Fußenden einen größeren Grad von Feuchtigkeit. Auch für Jungrinder empfiehlt es ſich, bei der natürlichen größeren Trägheit derſelben, faſt noch mehr als für Fohlen, die⸗ ſelben tagsüber ½— 1 Stunde regelmäßig im Schritt zu treiben. Wenn ſich auch für Schafe, die einen großen Teil des Jahres und Tages auf der Weide ſind, die Notwendigkeit von Tummelplätzen nicht ſo unbedingt nötig macht, ſo iſt doch die Anlegung eines ſolchen unnittelonr vor dem Stalle üblich, um den Schafen im Winter oder bei einer Unterbrechung des Weideganges, während des Einlegens von Futter in die Raufen und Krippen und während der erforderlichen Lüftung des Stalles täglich einen mehrſtündigen Aufenthalt im Freien gewähren zu können. Ein ſolcher Schafhof ſoll außer einer geeigneten Tränkanlage vor allem einen feſten trockenen Voden beſitzen, da eine ſumpfige Beſchaffenheit des⸗ ſelben leicht zu der ſchon früher(S. 132) erwähnten eiterigen Entzündung des Klauenſpaltes(Dreck⸗ oder Moderhinke) führt.— Weiter ſollen ſich nicht in der unmittelbaren Umgebung Laubholzanlagen befinden, weil ſich (außer in den Ritzen und Löchern des Holzwerkes der Schafſtälle) in beeh in den heißen Sommermonaten die ſchon oben erwähnte Schafbremſe (Oestrus ovis)(Fig. 62 a) aufhält, wülche ihre Eier oder Larven an die Naſenöffnungen der Schafe legt. Auch für Schweine ſind unmittelbar vor den Ställen gelegene ſchattige Tummelplätze, ſogenannte Schweinehöfe, eine unbedingte Not⸗ wendigkeit; in der heißen Sommerzeit kann es ſich ſogar, namentlich für Eber, empfehlen, die Tiere auch nachts in denſelben zu belaſſen. Die mit niedrigen Mauern oder einem Bretterzaun umgebenen Schweine⸗ höfe dürfen nur zum kleineren Teil gepflaſtert ſein, um das den Schweinen naturgemäße Wühlen zu ermöglichen. Ein feuchter, leicht moraſtiger Boden, mindeſtens an einigen Stellen des Schweinehofes, ſagt den Schweinen Johne. 11 162 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. beſonders zu. Einer zu ſtarken Verſumpfung iſt durch Drainage oder durch zeitweiliges Abtragen des Sumpfes und Auffahren friſcher Erde vorzu⸗ beugen. Ein größeres, aber flaches, cementiertes, mit Abfluß verſehenes Becken, groß genug, um den Schweinen im Sommer Gelegenheit zum Schwemmen zu geben, iſt ebenſo notwendig für das Wohlbefinden der Schweine, wie ein oder zwei eingerammte ſtarke Pfähle, an welchen ſich dieſelben reiben können. Bei dem Aufenthalt der Schweine im Schweinehofe iſt zu vermeiden, daß dieſelben Gelegenheit haben, Maikäfer oder Glieder des menſchlichen Einſiedlerbandwurmes(Fig. 17 und 19) zu freſſen. In den erſteren befinden ſich zeitweilig die Larven des Rieſenkratzers(Fig. 42), welche ſich im Schweinedarm zu den bis 50 cm langen, zu tödlichen Verſtopfungen oder Darm⸗ und Bauchfellentzündungen Veranlaſſung gebenden Würmern ent⸗ wickeln; in letzteren zahlreiche Eier mit Embryonen, welche nach Verdauung der Eihülle frei werden, vom Darme aus in das Bindegewebe einwandern und ſich hier in die Schweinefinne(S. 15 und 20) umwandeln. Schweine dürfen daher in ihren Tummelplätzen keinerlei Ge⸗ legenheit haben, Menſchenkot zu durchwühlen, weil ſich in demſelben Glieder des genannten Bandwurmes befinden können. 2. Weiden. Von noch erheblich günſtigerem Einfluſſe auf die Entwicklung und die Erhöhung der Widerſtandsfähigkeit unſerer Haustiere als der Tummel⸗ platz, iſt die Weide. Dieſelbe bietet nicht nur die ſchon oben ge⸗ ſchilderten Vorteile der Bewegung in friſcher, freier Luft in viel höherem Grade, ſondern bringt zugleich die Tiere bezüglich ihrer Ernährungs⸗ verhältniſſe unter die denkbar günſtigſten naturgemäßen Außenverhältniſſe. Grünfutter, beſonders junges, hebt durch ſeinen Gehalt an Protein⸗ ſtoffen und Kalkſalzen und durch ſeine leichte Verdaulichkeit den Nähr⸗ und Kräftezuſtand und damit die Widerſtandsfähigkeit der Weidetiere —, raſch und ſicher. Ebenſo ſichtbar günſtig iſt die Einwirkung des Weide⸗ ganges auf Tiere von ſchwächlicher, zur Entwicklung der Tuberkuloſe, Muskel⸗ und Herzverfettung, Knochenerkrankungen(Rhachitis und Oſteo⸗ malacie, S. 74) disponierender Konſtitution oder auf ſolche in der Geneſung begrifſene. Für derartige Tiere iſt der Weidegang oft das einzige, meiſt überraſchend ſchnell helfende natürliche Heilmittel. Eine gleich günſtige Wirkung zeigt derſelbe auf jene bei reiner Stallfütterung zu üppig ge⸗ nährten, fettleibigen Milchkühe, welche trotz regelmäßigen Rinderns und Belegens nicht zukommen(umrindern) und hierdurch an Wert verlieren. Freilich ſtehen dieſen ſchwerwiegenden hygieniſchen Vorteilen des Weideganges auch gewiſſe, zum Teil recht erhebliche ökonomiſche Bedenken entgegen. Abgeſehen davon, daß hierbei gegenüber der reinen Stall⸗ fütterung nicht unerhebliche Düngerverluſte ſtattfinden, iſt zuzugeben, daß die Ernährung auf der Weide während der verſchiedenen Jahreszeiten und je nach der Witterung und der hierdurch bedingten Verſchiedenheit des Pflanzenwuchſes eine weniger gleichmäßige ſein wird, als bei der Stallfütterung, ein Umſtand, der natürlich auf die Erträgniſſe der Milchwirtſchaft von erheblichem Einfluß ſein muß; ebenſo, daß bei erdauung wanden wanden. rlei he⸗ ſich n eefindn lung w Tunmi⸗ 8 Püe⸗ berhalſ nd Oſtr eein de einig h günſi iypig derns n verlern⸗ teiln d Bedenin en Eul zrzugte ſchiedenn bedinitr ſein uid Frnänniſ 1 „ d Geſunder Aufenthalt. 163 hohen Bodenwerten der Weidegang koſtſpieliger, und daher unter gewiſſen Verhältniſſen erheblich teurer ſein kann, als die Stallfütterung. Trotzalledem wird die Geſundheitspflege den Weidegang als die naturgemäßeſte und geſundheitlich am meiſten zu empfehlende Haltung bezeichnen müſſen, umſomehr als die Un⸗ gleichheit der Ernährung durch Zugabe von Trockenfutter, vor allem aber durch rationelle Anlage, Pflege und Wechſel der Weiden mehr oder weniger ausgeglichen werden kann. Berückſichtigt man noch weiter, daß in vielen Gegenden mit vorzüglichem Graswuchs der Ackerbau wegen ungünſtigen Abſatzes für die landwirtſchaftlichen Produkte wenig lohnt, der Bodenwert infolgedeſſen ein geringerer und die Bodenrente bei Viehzucht mit Weidegang eine größere, wie beim Ackerbau iſt; rechnet man hierzu noch den Umſtand, daß die Produkte der Viehzucht, d. h. Milch, Butter, Käſe und Fleiſch, beim Weidegang ihrer Feinheit und ihres Wohl⸗ geſchmackes halber durchſchnittlich einen höheren Wert erlangen, und legt man hierzu endlich noch den unſchätzbar günſtigen Einfluß in die Wag⸗ ſchale, welchen der Weidegang auf den Geſundheitszuſtand der Tiere äußert: ſo wird vom Standpunkt der Geſundheitspflege niemand darüber im Zweifel ſein, daß, wo irgend die Verhältniſſe es ge⸗ ſtatten, der Weidegang der Stallfütterung vorzuziehen iſt. Da nun aber die landwirtſchaftlichen Verhältniſſe in vielen, ja den meiſten Gegenden Deutſchlands bei den hohen Bodenwerten einen aus⸗ giebigen Weidegang nicht geſtatten, ſo muß die Geſundheitspflege mindeſtens mit aller Entſchiedenheit darauf dringen, daß alle auf Stall⸗ fütterung angewieſenen Haustiere, beſonders Jungvieh jeder Art, ferner Milchkühe und Schafe mindeſtens täglich 1—2 Stunden auf die Weide (benachbartes Grasland, Kleeſchlag oder Stoppelweide) getrieben werden. Selbſt für Zuchtſchweine iſt ein derartiger beſchränkter Weidegang von außerordentlichem Vorteil. Nur wo das nicht durchführbar iſt, können die beſchriebenen Tummelplätze einigen Erſatz für die Weide bieten. Bezüglich des Näheren über die Weiden muß auf die ausführlichen Lehrbücher der Landwirtſchaft und der Geſundheitspflege verwieſen werden. Hier nur folgendes: Man unterſcheidet a. natürliche Weiden, welche wieder in die beſſeren Gebirgs⸗ und Niederungsweiden, in die mageren Höhen⸗ und Haide⸗ weiden und die ungedeihlichen Moorweiden unterſchieden werden; b. künſt⸗ liche Weiden, welche dauernd als ſolche oder abwechſelnd nach längerer oder kürzerer Zeit wieder zum Feldbau verwendet werden; c. Neben⸗ weiden, als welche Brachfelder, Stoppeln, junge und alte Kleeſchläge, junge Anſaaten von Roggen und Weizen, Wieſen zeitig im Frühjahr und ſm Herbiſt nach der Grummeternte und endlich Waldparzellen Verwendung inden. Weiden für Pferde ſollen, ähnlich den Tummelplätzen, hochgelegen, trocken und feſt ſein, wodurch die Entwicklung guter Hufe und kräftiger, normal geſtellter Schenkel und Gelenke erzielt wird. Rinder verlangen feuchte, ſchattige Weiden mit üppigem Graswuchs, Schafe mehr trockene, wenn auch nicht zu trockene, dichtbeſtandene, kurzgraſige, lieber hoch als tief ge⸗ 11 ⅔ 164 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. legene Weiden, während für Schweine ſumpfige, ſchattige Waldweiden, beſonders in Eichen⸗ und Buchenwaldungen, am meiſten zu empfehlen ſind. Dieſe Geſichtspunkte ſind auch bei der Anlage künſtlicher Weiden zu berückſichtigen und iſt hierbei darauf Bedacht zu nehmen, daß 1. die Ent⸗ wicklung der verſchiedenen Gras⸗ und Kleearten ꝛc. in verſchiedene Zeiträume fällt, um die Erſchöpfung der Weide zu vermeiden; 2., daß für Rinder und Pferde beſonders größere, hartſtengligere Gräſer, ſpeziell für Rinder größere, luſtreiceme Pflanzen, für Schafe hingegen kleinere und zartere Gräſer am atze ſind Hinſicht lich der Entfernung ſei noch darauf aufmerkſam gemacht, daß, wenn die Tiere nachts in den Stall getrieben werden, Weiden für Milchkühe der Abnahme des Milchquantums halber nicht zu weit abliegen dürfen, während für alle anderen Tiere die Entfernung weniger ins Ge⸗ wicht fällt. Für den Trieb der Schafe ſind ſtark ſtaubige, ebenſo moraſtige Triften zu vermeiden. Im erſteren Falle kann der eingeatmete Staub, namentlich bei Lämmern, zu Lungenentzündungen führen, während ſich im letzteren Falle leicht die mehrfach erwähnte Dreckhinke entwickelt. Der Beginn der Weidezeit ſoll nicht zu frühzeitig im Jahre, jedenfalls nicht vor genügender, eine ausreichende Ernährung ſichernder Entwicklung des Pflanzenwuchſes, die Beendigung der Weidezeit ſpäteſtens Mitte November, jedenfalls mit Eintritt der erſten Nachtfröſte erfolgen. Aus⸗ nahmen werden natürlich nach der einen oder anderen Richtung hin bei günſtigen Witterungsverhältniſſen oder hart gezogenen, widerſtandsfähigen Tieren gemacht werden können.— Der Uebergang von der Stall⸗ fütterung zum Weidegang und ungekehrt, ja ſelbſt der von einer Weide zur anderen(Weidewechſel, ſoll allmählich erfolgen. Immer ſoll man die Tiere nach und nach an die veränderte Ernährung gewöhnen, da andernfalls Verdauungsſtörungen eintreten würden.. Das Austreiben am Morgen ſoll erſt nach Aufziehen des Nebels und Verſchwinden des Reifes und Taues erfolgen, da ſonſt leicht Auf⸗ blähen und Durchfälle eintreten. Iſt man gezwungen, vor Verſchwinden des Nebels und Taues auszutreiben, ſo iſt vorher etwas Trockenfutter zu verabreichen. Abends ſind beſonders junge Tiere vor Sinken des Taues und Nebels einzutreiben. Abgehärtete Tiere können während der heißen Jahreszeit unbeſchadet durch den Tau auch während der Nacht auf der Weide bleiben, beſonders wenn für Unterſtandshütten(S. 160) geſorgt iſt, in welche ſich Kühe und Pferde ſowohl während der heißen Tages⸗ als auch während der kühleren Nachtſtunden zurückzuziehen pflegen. Tränkgelegenheiten dürfen nicht auf den Weiden fehlen, auf welchen die Tiere den ganzen Tag gehalten werden. Zu vermeiden iſt es, Tiere nach reichlichem Genuß von Klee oder ſonſtigem blähenden Futter zu tränken, oder aus ſtehenden Gewäſſern(Gräben, Tümpeln), die auf Weiden thunlichſt zu beſeitigen ſind, ſaufen zu laſſen. Im erſteren Falle tritt leicht Aufblähen, im letzteren eine Infektion mit der in ſolchem Waſſer enthaltenen Brut von Eingeweidewürmern(S. 16 und 86) auf. Als Tränkgelegenheit zu empfehlen ſind Brunnen oder Bäche, Gräben und Teiche mit gut fließendem Waſſer, letztere geben zugleich eine gute Schw emmgelegenheit für Pferde, Rinder und Schweine. Bezüglich des Weidebetriebes würde noch zu beachten ſein, daß jungen und kränkelnden Tieren die beſten, letzteren vielleicht ſogar eiger Vru bei Vat Var naſſ Wei Joh emp man den die Coe blaſe wut Scht blaſ mar ſelte enth lichen solin eane finne bezw die ecui brer veiden n ſind. eiden ie En⸗ träume er und rüßer, ſer an emacht eit fjr bliegen 1 Ge praſige Staud, ich in enfals cklung Mitt Aus⸗ n bei ähigen btall⸗ einer zer ſoll ten, da Nebels t Auf winden pfehle Waſſt Peedde i, daß t ſognr Geſunder Aufenthalt. 165 beſondere Weiden anzuweiſen ſind. Ebenſo empfiehlt ſich die Trennung der Weide nach den Geſchlechtern(S. 118). Vor dem Austreiben am Morgen ſind die Tiere zu tränken, bei naßkaltem Wetter iſt ihnen vor⸗ her etwas Trockenfutter zu reichen.— Ungebührliches, zu raſches Treiben zu, auf und von der Weide iſt nachteilig.— Salz(S. 74, 172) iſt den Tieren auch auf der Weide zugänglich zu machen. Bei regneriſcher, kalter Witterung iſt es geraten, nicht ganz hart gezogene Tiere lieber im Stalle zu behalten: jedenfalls hat dies für feinwollige Schafe vor der Schur, für Jungvieh und trächtige Tiere als Regel zu gelten. Die Gefahren naſſer Weiden beſtehen vor allem in der Mög— lichkeit, daß die Tiere die Brut verſchiedener Eingeweidewürmer mit dem Futter aufnehmen. Am meiſten gefürchtet iſt in dieſer Beziehung die Brut der Leberegel (S. 27), welche zur Entſtehung der Fäule oder Leberegelſeuche Ver⸗ anlaſſung giebt; ferner die verſchiedenen Lungenfadenwürmer b(beſonders Strongylus filaria, rufescens, paradoxus und micrurus(S. 30 und 31), welche beim Schaf, Schwein und Rind in den Luftröhrenäſten lebend, namentlich bei erſteren zur Entſtehung der ſogenannten Lungenwurmſeuche, einer eigentümlichen Form der Lungen⸗ und Luftröhrenentzündung, führt; die Brut des gedrehten Palliſadenwurmes(Strong. contortus), welcher bei Schafen die Magenwurmſeuche, die des ausgebreiteten Bandwurmes(Taenia expansa)(S. 25), welche bei denſelben Tieren die Bandwurmſeuche erzeugt.— Die Verhütung aller dieſer paraſitären, auf naſſen Weiden erworbenen Krankheiten beſteht vor allem in Trockenlegen der Weiden oder Vermeidung derſelben mit Eintritt der wärmeren Jahreszeit(von Johanni ab), bezw. Einführung der Stallfütterung. Alle anderen hiergegen empfohlenen Mittel ſind mehr oder weniger wirkungslos. Namentlich hat man von den zahlreich empfohlenen, ſogenannten Lecken nichts zu erwarten! Außerdem können auf der Weide noch die mit dem Kote der betreffen⸗ den Zwiſchenwirte(S. 16) auf dieſelben gebrachten reifen Glieder bezw. die darin enthaltenen Eier vom Queſenbandwurm des Hundes(Taenia Coenurus)(S. 24), welche bei Schafen zur Entwicklung des Gehirn⸗ blaſenwurms und der Drehkrankheit führen; des dreigliedrigen Band⸗ wurmes der Hunde(Taen. Echinococcus)(S. 23), der beim Rind, Schwein, Schaf, ſeltener Pferd, zur Bildung von ſogenannten Echinocoecus⸗ blaſen führt, und des geränderten Bandwurms des Hundes(Taen. marginata)(S. 24), aus deſſen Eiern ſich bei Schafen, Rindern und Schweinen, ſeltener bei Pferden, beſonders im Netz und Gekrös die dünnhalſige Finne entwickelt. Ebenſo(wie auf Tummelplätze) können ferner mit dem menſch⸗ lichen Kote die Glieder und Eier des Einſiedlerbandwurmes(Taen. solium)(S. 23) und des gemäſteten Bandwurmes(Taen. medio- canellata)(S. 23) auf Weiden gelangen; erſtere erzeugen die Schweine, finne, letztere, von Rindern aufgenommen, die Rinderfinne. Ferner werden Weidetiere noch durch gewiſſe Inſekten beläſtigt bezw. geſchädigt, deren Larven ſich im Tierkörper entwickeln(S. 35). Außer der ſchon S. 36 genannten Schafbremſe gehören hierher noch die verſchiedenen Gaſtrusfliegen oder Pferdebremſen(Gastrophilus equi, pecorum, hämorrhoidalis und nasalis)(S. 35) und die Rinder⸗ bremſe(Hypoderma bovis)(S. 36), deren Larven im Magen des Pferdes 166 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. bezw. im Unterhaut⸗Bindegewebe des Rindes zur Entwicklung gelangen. Als blutſaugende Paraſiten beläſtigen die Weidetiere die Ochſen⸗ oder Schafzecke(Ixodes reticulatus)(S. 34), die Schaflausfliege(Melophagus ovinus), ſowie die verſchiedenen Mückenarten, unter denen die Columbaczer⸗ Mücke(Simulia maculata)(S. 36), bei weitem die gefährlichſte iſt Die Verunreinigung des Weidefutters durch Raupenhaare wurde ſchon S. 37 erwähnt. Im allgemeinen mag bezüglich der Gedeihlichkeit einzelner Weiden noch hinzugefügt ſein, daß alle üppigen jungen Weiden, namentlich betaute, im nüchternen Zuſtand der Tiere leicht zu Aufblähen, Raps⸗ ſtoppeln vor gründlichem Beregnen und Abwaſchen der Sporen von Polydesmus exitiosus(S. 44) zu Haut⸗ und Schleimhautentzündungen, Buchweizenſtoppeln zu Hautentzündungen ꝛc. Veranlaſſung geben. Wichtig iſt ferner noch, daß die Benutzung von Waldweiden, welche den Tieren bei Mangel an Gräſern und Kräutern Veranlaſſung und Gelegenheit geben, viel an Gerbſtoff und ſcharfen ätheriſchen Oelen reiche junge Sproſſen von Laub⸗ und Nadelholzbäumen zu freſſen, nicht ſelten Magen⸗, Darm⸗- und Nierenentzündung mit Neigung zu Blutungen und infolge deſſen Blutharnen hervorrufen. Eine nach dem Beweiden von ſumpfigen und moorigen Weiden meiſt enzootiſch, d. h. an gewiſſen Oertlichkeiten ſeuchenhaft auftretende Form des Blutharnens, wobei nicht Blut als ſolches, ſondern nur der durch Zerfall von roten Blutkörperchen frei werdende Blutfarbſtoff(Hämoglobin), gelöſt im Blutwaſſer(Blutſerum) entleert wird, alſo Blutgerinnſel im Harne fehlen(ſogenannte Hämoglo⸗ binurie, Stallrot, Weiderot) wird ſeltener durch ſchädliche Pflanzen, als durch zur Klaſſe der Sporozoen(S. 19) gehörige niedere tieriſche Lebeweſen veranlaßt, welche mit dem Futter aufgenommen, in das Blut und die roten Blutkörperchen gelangen und einen Zerfall derſelben be⸗ wirken. Auch hier iſt Trockenlegen derartiger Weiden das einzige ſicher wirkende Vorbauungsmittel. II. Die Tiere ſind gut zu füttern und zu pflegen. Die gute, auf die Abhaltung und Abwehr der äußeren Krankheits⸗ urſachen gerichtete Pflege wird in der Hauptſache zu beſtehen haben in einer zweckentſprechenden Fütterung und in einer ebenſolchen Pflege der Haut, der Schenkel und des Atmungsapparates. 1. Zweckentſprechende Fütterung. Nächſt der Luft iſt die Nahrung die notwendigſte äußere Lebens⸗ bedingung. Sie unterhält, wie ſchon S. 51, 68 auseinandergeſetzt, im Verein mit dem durch die Atmung aufgenommenen Sauerſtoff die ununter⸗ brochen im Körper ablaufenden Oxydations⸗ und Stoffwechſelprozeſſe, die Quelle aller tieriſchen Kraft und Wärme, indem ſie das Erſatzmaterial für die hierbei verbrauchte Zellen⸗ bezw. Körperſubſtanz liefert. Ohne ——ſſſſſſſſſͤͤͤſſͤſͤͤͤſͤſſ“ — ÿ— 6 —— = 6⸗,⸗ Gute Fütterung und Pflege. 167 ſlun dieſe Zufuhr würden die Gewebe des tieriſchen Körpers und die hieraus aufgebauten Organe, ſowie das Blut und alle tieriſchen Säfte ihre nor⸗ n male Zuſammenſetzung verlieren, alle für das Leben und die Fort⸗ pflanzung notwendigen Organthätigkeiten— d. h. alle Lebenserſcheinungen e un und damit die Widerſtandsfähigkeit des Organismus gegen äußere Schäd⸗ lichkeit herabgeſetzt, das Tier alſo würde krank werden oder ſterben. rzelur Ebenſo iſt ſchon früher hervorgehoben worden, daß die Nahrung nur. anerte dann als Erſatzmaterial für die durch die Orydations⸗ und Stoffwechſel⸗ Anc prozeſſe verbrauchten Gewebsbeſtandteile gelten kann, wenn ſie diejenigen Ra m Stoffe enthält, aus denen ſich die Gewebe des Körpers zuſammenſetzen naung und die geeignet ſind, das Material für die in ihm ablaufenden Stoff⸗ Lün wechſelvorgänge zu liefern. Dies ſind aber bekanntlich einmal 1 dm Protein⸗ oder Eiweißverbindungen(S. 75), das Grundmaterial xebt für die Bildung der Zellenſubſtanz, ferner Fette und Kohlehydrate he mn(S. 76), das eigentliche Brennmaterial des Körpers, welches weſentlich Aur oxydiert und zur Quelle der tieriſchen Wärme und Kraft wird, und end— ung lich die mineraliſchen Nährſtoffe(S. 74), welche neben den Eiweiß⸗ aufßm ſubſtanzen als unentbehrliche Beſtandteile der Zellenſubſtanz am Aufbau littin des tieriſchen Körpers teilnehmen. Hierzu kommt noch das Waſſer But n(S. 70) als unentbehrliches Löſungsmittel aller Nährſtoffe und als weſent⸗ ve n licher Beſtandteil der tieriſchen Gewebe und Säfte. ggeun Mit Zugrundelegung des Vorſtehenden und alles deſſen, was ſchon zinaie S. 65 flg. über die Ernährungsverhältniſſe im allgemeinen und über nen deren Bedeutung als Krankheitsurſache S. 84 flg. ſpeziell geſagt worden iſt, terſt werden ſich für eine gute und geſunde Fütterung folgende all⸗ dn N gemeine Regeln aufſtellen laſſen. ſten k a. Die verſchiedenen Nährſtoffe müſſen in verdaulicher ige ſchi Form, in der erforderlichen Zuſammenſetzung und in der zur Sättigung erforderlichen Menge verabreicht werden(S. 78 flg. S. auch die im Anhange befindliche Tabelle A und B). Schwer verdauliches oder unverdauliches Futter beeinträchtigt die Ernährung, bedingt anderſeits eine Beläſtigung des Verdauungskanals, n. Anhäufungen unverdaulicher Maſſen, ſtarke Ausdehnungen bezw. Ver⸗ 79 ſtopfungen bezw. Berſtungen des Verdauungskanals. anthel⸗ Zu große Mengen von verdaulicher Subſtanz, d. h. Trocken⸗ habe in ſubſtanz deren Menge für erwachſene Tiere S0, des Körpergewichts flege de betragen ſoll, wirken ebenfalls nachteilig, weil die Verdauungsſäfte nicht ausreichen, dieſelben zu verdauen. Es kommt infolgedeſſen zu ab⸗ normen Zerſetzungen(Eſſig⸗, Milchſäure⸗ und Butterſäure⸗Gärung,, vielfach mit Gasentwicklung, zu katarrhaliſchen Darmentzündungen mit Koliken, Aeg Durchfall, Aufblähen, wohl auch, wie bei der Verabreichung unverdau⸗ ben⸗ licher Nahrung, zu Verſtopfungen ꝛc. Dieſe Folgen treten indes nur bei iſebt, ſehr reichlicher Ueberernährung und dann bei übermüdeten Tieren(S. 198) ununte- ein. Zu geringe Mengen verdaulicher Subſtanzen kommen in ihrer Wirkung (erezeſ mit der Verabreichung ſchwer verdaulichen Futters überein. matit Wie ſchon S. 77 betont, ſteigert eine zu ſtarke Eiweißzufuhr den dn Eiweißzerfall. Eine zu reichliche Eiweißfütterung würde alſo Abmagerung 168 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. bewirken. Nach Dammann bewirkt eine zu ſtarke Eiweißzuſuhr in Ver⸗ bindung mit Schnitzeln und Preßlingen auch Blaſen⸗ und ſekundäre Bauch⸗ fellentzündungen, ſowie die Neigung zur Sediment⸗ und Konkrementbildung in der Harnblaſe. Daß die Nahrung den erforderlichen Gehalt an mineraliſchen Sub⸗ ſtanzen aufweiſen muß, wurde ſchon S. 74 ausführlich beſprochen. Ein zu geringes Nahrungsvolumen vermindert das Sättigungs⸗ gefühl, vermindert die Abſonderung der Verdauungsſäfte und dadurch die Verdauung des Futters, beeinträchtigt das Wiederkauen.— Ein zu großes Nahrungsvolumen, namentlich die Verabreichung von zu großen Mengen ſtark verholzten Rauhfutters, mit viel unverdaulicher Rohfaſer, wirkt wie ſchwerverdauliches Futter. Einerſeits wird die Ernährung vermindert, anderſeits eine ſtarke Ausdehnung des Magens und Darmes und hierdurch der Bauchhöhle(Heu⸗ oder Strohbauch), ſowie Druck nach vorn auf die Bruſteingeweide, beſonders die Lunge, daher Kurzatmigkeit erzeugt; ferner drückt der ſtark ausgedehnte Verdauungskanal auf den trächtigen Uterus und verurſacht unter Umſtänden Verkalben; endlich wird die Fortbewegung des Futters erſchwert, daher die Neigung zu oft tödlichen Verſtopfungskoliken (beſonders nach reichlicher Fütterung alten, hartſtengligen Klees). Die zur Erhöhung der Verdaulichkeit des Futters angewendeten ver⸗ ſchiedenen Zubereitungsmethoden haben weſſentlich ein ökonomiſches Intereſſe(ſiehe auch S. 80). Ob das verabreichte Futter in der gewählten Zuſammenſetzung von den betreffenden Tieren in genügender Weiſe verdaut und aſſimiliert, alſo mit dem erhofften Nutzen verfüttert wird, läßt ſich nicht immer ſicher aus dem Befinden bezw. den mittels Meſſungen und Wägungen(bei Milch⸗ und Maſttieren) zu ermittelnden Leiſtungen derſelben erkennen. Es iſt hierzu vielfach noch die Unterſuchung des Kotes notwendig. Schon die Ünter⸗ ſuchung desſelben mit dem bloßen Auge wird erkennen laſſen, ob die auf⸗ genommenen Futtermittel genügend gelöſt und deshalb auch genügend ver⸗ daut ſind, oder ob ſie im halb⸗ oder ganz unverdauten Zuſtand den Darm wieder verlaſſen. Will man hingegen unterſuchen, ob die verabreichte Stärke in genügender Weiſe verdaut worden iſt, ſo iſt eine mikroſkopiſche bezw. mikrochemiſche Unterſuchung des Kotes(mit Jod) nötig. b) Die Auswahl der zu Gebote ſtehenden Futtermittel hat ſich zu richten aa) nach dem Bau und der Funktionsweiſe des Ver⸗ dauungsapparates und der ganzen Organiſation der be⸗ treffenden Tiergattung. Hierzu iſt folgendes zu bemerken: Der Gebrauchszweck des Pferdes, Kraftäußerungen in der ver⸗ ſchiedenſten Form, macht vor allem eine große Kraft und Widerſtands⸗ fähigkeit ſeines Bewegungsapparates, d. h. ſeiner Muskeln, Sehnen und Knochen, notwendig. Dieſe Eigenſchaften erfordern vor allem eine reichliche Zufuhr von Protemſubſtanzen, umſomehr, als alle Stoffwechſel⸗ vorgänge bei dieſer Tiergattung raſcher vor ſich gehen, womit natürlich auch lebhaftere Oxydations⸗ und Zerfallprozeſſe in der Zellenſubſtanz (S. 75) verbunden ſind. Da der Magen des Pferdes indes ein ver⸗ hältnismäßig kleiner iſt, ſo müſſen demſelben die Proteinſubſtanzen in Gute Fütterung und Pflege. 169 möglichſt konzentrierter Form zugeführt werden. Hierzu eignen ſich am beſten die Körner unſerer Getreidearten, obenan der Hafer wegen ſeiner leichten Verdaulichkeit, ſeines hohen Fettgehaltes und eines unter ſeiner Schale enthaltenen bitter-aromatiſchen Stoffes. Um die Verdauung der Körner zu ſichern, iſt es notwendig, daß dieſelben in der Maul⸗ höhle gehörig zerkleinert und eingeſpeichelt werden. Durch das Kauen werden die Häute der eiweiß⸗ und ſtärkehaltigen Pflanzenzellen zerſprengt und ihr Inhalt den Verdauungsſäften zugänglich gemacht. Durch das Einſpeicheln findet zugleich eine teilweiſe Umwandlung der Stärke in den leicht reſorbierbaren Zucker ſtatt; außerdem wird durch die Vermiſchung des Futters mit dem Speichel dieſes erſt abſchluckbar. Die Menge des abgeſonderten Speichels und der Grad der Einſpeichelung richtet ſich zum Teil nach der Zeitdauer des Kauens.— Für den Verdauungsprozeß des Pferdes iſt daher ein gründliches Kauen des Körner— futters unbedingt notwendig. Man erreicht dasſelbe, indem man den Körnern zerkleinertes Stroh, Häckſel, zuſetzt, welcher die Tiere zum Kauen und gründlichen Einſpeicheln wingt Hafer ohne Häckſel verabreicht und daher ſchlecht gekaut, ging zu 1¼— ¼., mit ſolchem gegebener und daher beſſer gekauter nur zu 1⁄0-—½00 unverdaut mit dem Kote ab(Haubner). Daß bei alten Pferden mit ſchlechten Zähnen der Hafer zum Teil unverdaut abgeht, iſt bekannt. Bei der Unterſuchung des Kotes wird man ſich hüten müſſen, unverdaut ab⸗ gehende, aber leere Hülſen, deren Inhalt doch verdaut iſt, mit vollſtändig unverdauten Haferkörnern zu verwechſeln. Aus dieſen Thatſachen ergeben ſich aber noch weiter folgende Forde⸗ rungen: Einmal ſoll das Körnerfutter für Pferde niemals naß ver⸗ abreicht werden, weil hierdurch die Biſſenbildung und das Abſchlucken vor vollſtändigem Durchkauen und Einſpeicheln ermöglicht wird.— Dann ſoll der Häckſel nicht zu kurz, keinesfalls kürzer als das Haferkorn, eher um 1—2 mm länger, geſchnitten ſein, weil längerer Häckſel ein kräftigeres Durchkauen und Einſpeicheln erfordert, ehe die Biſſenbildung und das Abſchlucken möglich iſt. Kurzer Häckſel wird nicht genügend gekaut, ſchichtet ſich(namentlich utit Kleie verabreicht) im Hüftdarm wurſtartig zuſammen und giebt zu tödlich verlaufenden Koliken Veranlaſſung. Endlich ergiebt ſich aus obigem noch, daß man in allen Fällen, wo das Kauen wegen Erkrankungen der Zähne oder der Kieferknochen erſchwert iſt oder dort, wo man die höchſt mögliche Ausnutzung der Körner erzielen will die den Pferden verabreichten Körner gequetſcht oder richtiger nur zerriſſen (aber! niemals geſchroten) verabreichen ſoll. Das neben den Körnern noch verabreichte Rauhfutter(Heu ꝛc.) ſoll in der Hauptſache zur Füllung des Dickdarmes, bezw. zur Sättigung dienen. Die Menge desſelben wird um ſo geringer ſein müſſen, je mehr Kraftleiſtungen von den Pferden im raſcheren Lauf verlangt, je mehr alſo die Ausdehnung des Hinterleibes auf Koſten des Atmungsraumes in di Bruſthöhle verhütet werden muß. Grün⸗ und Rauhfutter allein können für Pferde höchſtens als Beharrungsfutter dienen, dieſelben aber niemals zu Kraftleiſtungen befähigen. Dasſelbe gilt für Wurzelgewächſ e und Fabrikationsrückſtände, welche höchſtens als Zuſätze in Miſchungen mit Proteinſubſtanzen, beſonders Hafer oder 4 170 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. Erbſen, und zerkleinertem Rauhfutter(Stroh⸗ oder Heuhäckſel) für land⸗ wirtſchaftliche Arbeitspferde dann in Frage kommen können, wenn von den⸗ ſelben beſondere Kraftleiſtungen nicht gefordert werden(z. B. im Winter). Wiederkäuer mit ihrem weiten, in vier Abteilungen getrennten Magen erfordern hingegen eine voluminöſe Nahrung, welche ſie be⸗ kanntlich raſch und ohne gründlich zu kauen abſchlucken, im Panſen auf⸗ ſpeichern und erſt nach beendigter Futteraufnahme wiederkauen, d. h. gründlich zerkauen und einſpeicheln, um es dann erſt mit dem zweiten Abſchlucken in den eigentlichen Verdauungsmagen, den 4. oder Labmagen, zu befördern. Wiederkäuer ſind befähigt, eiweißarme, aber an Rohfaſer reiche Nahrung mit Nutzen zu verwerten, ja ſie würden bei einem guten, nährſtoffreichen Rauh⸗ und Grünfutter, wenn keine beſonderen Leiſtungen(Milch⸗, Fett⸗, Wollproduktion) von ihnen verlangt würden, ſehr gut gedeihen; während ſie von konzentriertem Körnerfutter der mangelnden Magenfüllung halber trotz genügenden Nährſtoffgehaltes desſelben nicht zu leben vermöchten. Letzteres ſowie die an Eiweiß reichen, gewerblichen Produkte und Abfälle Oelkuchen ꝛc.) werden daher nur als Beifutter zur Beſſerung des Nährſtoff⸗ verhältniſſes(S. 80) verabreicht. Die waſſerreichen Wurzelfrüchte und deren Fabrikationsrückſtände(Rüben, Kartoffeln, Schlempe ꝛc.) können bei Wieder⸗ käuern in großen Mengen verwendet werden, wenn nebenbei nur die erforderliche Menge von Rauhfutter zur Unterhaltung des Wiederkauens verabreicht wird.— Körner dürfen beim Rind übrigens niemals unzer⸗ kleinert, ſondern nur im geſchrotenen oder gekochten Zuſtande in Form von Tränken oder dem Brühfutter beigemengt verfüttert werden. Das Schaf verhält ſich im allgemeinen wie die übrigen Wieder⸗ käuer und unterſcheidet ſich in Bezug auf ſeine naturgemäße Nahrung nur darin, daß es mehr feinblätteriges und feinſtengliges Grün⸗ und Rauhfutter liebt und wie es ſcheint, auch eher befähigt iſt, unzerkleinerte Körner zu verdauen. Trotzdem empfiehlt ſich auch hier die Verabreichung der letztere im geſchrotenen Zuſtande. Das Schwein nimmt ſeine aus pflanzlichen und tieriſchen Stoffen beſtehende Nahrung verhältnismäßig raſch auf, kaut ſie nicht gründlich und ſchlingt ſie raſch ab. Es braucht daher ein leichtverdauliches, an verholzter Celluloſe armes, und bei dem verhältnismäßig nicht großen Raumgehalt ſeiner Ver⸗ dauungsorgane nicht zu eiweißarmes Futter, immer aber in einer Zubereitung, bei welcher ein gründliches Kauen nicht nötig iſt, alſo in flüſſiger oder breiiger Form. In dieſe gebrachte junge, grüne Pflanzen, Obſt, Wurzel⸗ früchte und Fabrikationsrückſtände mit Zuſatz der erforderlichen Menge von Eiweißſubſtanzen in Form von geſchrotenen oder gemahlenen Körnern ꝛc. bilden für Schweine daher das am meiſten zuſagende Futter. bb) Nach den von dem Organismus geforderten Leiſtungen. Hierüber giebt Tabelle B des Anhanges genügende Auskunft. Es läßt ſich aus derſelben leicht der Futterbedarf für Arbeits⸗, Milch⸗ und Maſttiere in den verſchiedenen Altersſtufen und Entwicklungsperioden berechnen. kauens unzer⸗ Form Widder⸗ kahrung u⸗ und kleinett reichung Stoffen ründlih Cellulſt ner Ver⸗ ereitung, ger der Purze⸗ enge bon mern e rungen lusknt. llch⸗ und rerode Gute Fütterung und Pflege. 171 cc) Nach dem augenblicklichen Körperzuſtand. Von Krankheiten geneſende Tiere, Rekonvaleszenten, deren Kräfte geſchwächt ſind, ſind auch meiſt in der Leiſtungsfähigkeit ihrer Verdauungs⸗ organe mehr oder weniger herabgeſetzt. Im allgemeinen iſt hierbei der von Haubner aufgeſtellte Satz zu beachten:„Je mehr bei der Krankheit eines Haustieres eine Entziehung von Nährmitteln angezeigt war, deſto vor⸗ ſichtiger hat man bei der Ernährung der Rekonvaleszenten zu verfahren“. Die Nahrung iſt daher im allgemeinen zwar reichlich, aber in möglichſt leicht verdaulicher Form zu verabreichen. Futtermittel, die dieſen Anforderungen am beſten entſprechen, werden als reſtaurierende oder pflegliche(Dammann) bezeichnet. Obenan ſteht als ſolcher der Hafer in gewöhnlicher, gekochter, gequetſchter, geſchrotener(für Wiederkäuer) oder geröſteter Form; ferner Gerſte als Beifutter in gequetſchter Form, oder als Gerſtſchrot zum Waſſer, oder gekocht mit Häckſel vermiſcht neben dem Haferfutter ꝛc.; Mehl oder Schrot von Hülſenfrüchten(mit Aus⸗ nahme von Wicken) in Form von Suppen, gut ausgebackenes und alt⸗ backenes Brot, Leinkuchen und Leinſamenmehl, Kleie, gutes Grünfutter, beſonders Diſteln, Mohrrüben und Wieſenheu. Ebenſo wie Rekonvaleszenten ſind durch ſtarke Strapazen übermüdete und herunter gekommene Tiere anfangs nur vorſichtig mit einem der an⸗ gegebenen leicht verdaulichen Futtermittel zu ernähren, da bei dieſen die gleichen Vorausſetzungen gelten. Endlich iſt noch ein beſonderes Augenmerk auf die Fütterung hoch⸗ tragender Tiere, beſonders bei Wiederkäuern, zu richten. Ihre Nahrung ſoll mehr konzentriert, wenig voluminös und leicht verdaulich ſein, da jede zu ſtarke Anfüllung des Verdauungskanales, wie ſchon S. 168 bemerkt, einen Druck auf den Uterus ausübt und leicht Verwerfen bedingen kann. Außerdem bei dem durch den Uterus an und fuür ſich ſtark ausgedehnten Hinterleibe wird ein ſtark angefüllter Verdauungskanal im Verein mit dem an Umfang immer mehr zunehmenden trächtigen Uterus die Bruſthöhle erheblich beengen und hierdurch die Atmung und damit die Ernährung und den Stoffwechſel beeinträchtigen(S. 65). Selbſt leicht verdauliches Futter in zu großen Mengen kann aus demſelben Grunde die gleiche Wirkung hervorrufen. c) Alle Futtermittel müſſen von tadelloſer Beſchaffen⸗ heit ſein. Die ökonomiſchen Intereſſen gebieten es zeitweilig, auch Futter, das einen mehr oder minder großen Grad von Verderbnis(S. 89) zeigt, zu ver⸗ füttern. Dies darf aber nur geſchehen entweder in kleinen Mengen und untermiſcht mit anderem tadelloſen Futter; oder nach gewiſſen Zubereitungen, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann. Dieſe haben entweder den Zweck, die Verunreinigungen zu entfernen(Ausſchütteln, Ausklopfen, Ausleſen ꝛc.) oder dieſelben zu zerſtören bezw. unſchädlich zu machen(Kochen, Dämpfen, Einſäuern). Immer hat ſich hierbei ein Zuſatz von Kochſalz (S. 74, 172) zur Anregung des Verdauungsprozeſſes als nützlich gezeigt. d) Futterwechſel iſt nur allmählich vorzunehmen(S. 83). e) Kein Futter darf in zu kaltem oder zu heißem Zuſtande verabreicht werden. Zu kaltes Futter unter 12—150° bedingt innere Erkältungen durch Wärmeentziehung, ruft Magen⸗, Darmkatarrhe, Durchfälle und Koliken hervor, 172 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. bedingt auch bei tragenden Tieren leicht Verwerfen.— Zu heiße Nahrung (Brühfutter, Schlempe ꝛc.), welche über die Temperatur von 55°C. hinaus⸗ geht, erzeugt Magen⸗, Darmkatarrhe, ſelbſt Verbrühungen von den Lippen bis zum Magen. f) Futterrationen und Futterzeiten ſind möglichſt genau inne zu halten(S. 83). 2) Für Tiere, welche ein möglichſt großes Nahrungs⸗ quantum aufnehmen ſollen, iſt eine gewiſſe Abwechslung in der Fütterung(S. 84), ſowie ein reichlicher Kochſalzzuſatz zu empfehlen. h) Eine Beigabe von Kochſalz zum Futter iſt ſchon im all⸗ gemeinen zu empfehlen, bei reichlicher Wurzelfütterung aber niemals zu unterlaſſen. Eine Beigabe von Kochſalz empfiehlt ſich beſonders bei Verfütterung von Knollen, Wurzelfrüchten und reichlichen Rauhfuttermengen, bei Ver⸗ abreichung von warmem, meiſt fade ſchmeckendem und den Verdauungskanal erſchlaffendem Brüh⸗ und Siedefutter, ferner bei Maſttieren deren Futter⸗ aufnahme geſteigert werden ſoll, und bei Milchtieren, bei denen die durch das eintretende Durſtgefühl vermehrte Flüſſigkeitsaufnahme die Milchſekretion geſteigert wird. Die Tagesgabe des verabreichten Kochſalzes oder deſſen denatu⸗ rierter Form, des Viehſalzes, ſoll für Pferde 15 bis 30, bei Milchkühen 20 bis 50, bei Maſtrindern 50 bis 80, bei Schafen 3 bis 8, bei Schweinen 5 bis 15 g nicht überſteigen. Jedenfalls erſcheint es naturgemäß, den Tieren den Genuß des Kochſalzes nach Belieben durch Lecken an ſogenannten Viehſalz⸗ leckſteinen zugänglich zu machen, welche man in die Raufe legt oder an derſelben aufhängt oder ſonſt in irgend einer Weiſe an den Tieren erreich⸗ baren Stellen befeſtigt. i) Neben dem Trockenfutter ſoll den Tieren, ſoweit denſelben aus ökonomiſchen Gründen nicht warmes Getränk verabreicht wird, reines friſches Trinkwaſſer in der nötigen Menge und von der er⸗ forderlichen Temperatur verabreicht werden(S. 70). Im allgemeinen rechnet man auf 1 kg Trockenſubſtanz des Futters beim Pferd 2— 3, beim Rind 4—5, beim Schaf 2, beim Schwein 7—8 Liter Waſſer. In der Regel wird man die Menge des aufzunehmenden Waſſers dem Bedürfnis der Tiere überlaſſen. Wird von denſelben, namentlich in Form von Vegetationswaſſer mehr als nötig aufgenommen, ſo wird das⸗ ſelbe alsbald durch die Harnſekretion, zum Teil auch durch andere Sekretionen (Schleim, Speichel, Schweiß ꝛc.) aus dem Körper ansgeſchieden. Bezüglich der Trinkzeiten würde zunächſt darauf hinzuweiſen ſein, daß Tiere, welche ſich ſelbſt überlaſſen ſind, täglich wiederholt, 10— 12 mal, aber immer nur wenig Waſſer aufnehmen. Naturgemäß richtig iſt es jedenfalls, auch unſeren Stalltieren das Waſſer zum beliebigen Genuß zugänglich zu machen, was bei Pferden durch das Hinhängen der Eimer, bei Rindern durch Anbringen ſogenannter automatiſcher Tränken (bei welchen das Waſſer durch eine Röhrenleitung in neben der Krippe —— ——— 2 — —— — —. S.— Nabrung hinaus⸗ pen bis genau rungs⸗ ung in zzuſatz im all⸗ g aber ütterung ei Ver⸗ gskanal Futter⸗ e durch ekretion denatu⸗ ühen 20 hweinen Tieren ehſaly⸗ oder an erreich enſelben reines der er⸗ ird das⸗ kretionen en ſein, 12 mal, g iſte Geruſ rEine, ränken Krippe Gute Fütterung und Pflege. 173 befindliche Tränkbecken geleitet und in gleicher Höhe erhalten wird), bei Schafen durch Aufſtellen von Waſſerbehältern zu erreichen geſucht wird. Meiſt werden unſere Stalltiere nur zu gewiſſen Tageszeiten, 2 oder 3 mal täglich, getränkt. Wichtig iſt hierbei für das Pferd(ſeiner kleinen Magenverhältniſſe halber) nur die Frage, ob das Trinken vor oder nach der Verabreichung des Trockenfutters erfolgen ſoll. Jedenfalls dürfte ſich das erſtere Verfahren empfehlen. k) Bei erhitzten Tieren iſt bezüglich des Tränkens eine gewiſſe Vorſicht zu beachten. Bei Tieren, namentlich Pferden, welche infolge angeſtrengten Gebrauches in raſchen Gangarten ſtark aufgeregt, erhitzt und überdürſtet ſind, hat dieſelbe in folgendem zu beſtehen. Man giebt ſolchen Tieren zunächſt etwa die Viertelration ihres vorher in kaltes Waſſer getauchten Heues zu freſſen und nach Verlauf einer Viertelſtunde ¹¼ Eimer überſchlagenes Waſſer zu ſaufen, dann die eine Hälfte ihres Kurzfutters, nach deſſen Aufnahme man die Tiere mit überſchlagenem Waſſer ſelbſt dann unbedenklich ſatt tränken kann, wenn Haut und Haar noch nicht ganz trocken geworden iſt. Länger zu warten iſt überflüſſig und Tierquälerei! 1) Bei jeder Fütterung iſt die größte Sauberkeit und Rein⸗ lichkeit zu beachten. Vor jeder Fütterung ſollen die Krippen ſorgfältig gereinigt werden. Niemals ſoll zu noch zurück gebliebenem Futter neues Futter geſchüttet werden. Tieren, die ſchlecht freſſen, verabreiche man das Futter nur in kleinen Portionen nach einander. 2. Gute Hautpflege. Schon S. 107 wurde ausführlich geſchildert, daß die Haut durch ihren anatomiſchen Bau, vor allem durch ihr dickes Epithel und ihren Nervenreichtum, welcher ſie zu einem Sinnesorgan für Taſt-, Druck— Temperatur⸗ und Raum⸗Empfindungen macht, nicht nur eine vorzügliche Schutz⸗ und Abwehreinrichtung, ſondern auch dasjenige Organ des Körpers iſt, welches bei der Regulierung der für das geſunde Leben ſo unbedingt notwendigen, gleichbleibenden Eigenwärme die Hauptrolle ſpielt. Nehmen wir hierzu noch den Umſtand, daß die Haut auch ein wichtiges Ab⸗ ſonderungsorgan für Waſſer(in Form von Schweiß), Hauttalg und Kohlenſäure(auf 36 qem Körperoberfläche des Pferdes innerhalb 24 Stunden 4,3— 15,3 1), vielleicht auch für gewiſſe gasförmige organiſche Stoff⸗ wechſelprodukte(S. 53, 55) ſowie, wenn auch in beſchränktem Grade, ein Aufnahmeorgan für den Sauerſtoff(ca. 1,8— 5,3 l in 24 Stunden auf die gleiche Fläche) iſt, ſo geht daraus hervor, welchen wichtigen Einfluß die normale Hautthätigkeit auf die normalen Lebensvorgänge des Tieres haben muß. So ſehen wir, daß ſchwache oder nur wenig ausgebreitete Reizungen der Haut eine Steigerung des Blutdruckes und Beſchleunigung des Pulſes, ſtarke und ausgebreitete hingegen Sinken des Blutdruckes und eine Ver⸗ langſamung des Herzſchlages bewirken: beides infolge der durch die ſenſiblen Hautnerven bedingten reflektoriſchen Wirkung auf die gefäßverengenden bezw. erweiternden Nerven der Haut; zugleich bedingen namentlich ſtärkere und 174 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. längere Hautreize eine Verlangſamung der Atemzüge. Ferner ſehen wir, daß Hautreize aller Art den Stoffwechſel erhöhen, was ſich durch eine Steigerung der Kohlenſäure(2— 3 fach), und Harnſtoffausſcheidung und die Zunahme der Sauerſtoffaufnahme(um ca. die Hälfte) ausſpricht, Vorgänge, die nicht ohne Einfluß auf eine Steigerung der Ernährungsprozeſſe bleiben können.(„Gutes Putzen iſt das halbe Futter!“ ſagt ein altes Sprichwort nicht ganz mit Unrecht.) Ebenſo iſt experimentell und erfahrungsgemäß feſt⸗ geſtellt, daß Hautreize die Thätigkeit der glatten Muskulatur(beſonders des Uterus und des Verdauungsapparates) anregen, die Harnſekretion vermehren, die der Leber hingegen vermindern. Ferner iſt bekannt, daß Hautreize die Schmerzen in inneren Organen herabſetzen ꝛc. ꝛc.(Ellenberger). Es muß daher zweifellos die Aufgabe der Geſundheitspflege ſein, die Haut durch eine ſorgfältige Pflege geſund zu erhalten. Dieſe bezweckt nicht nur die Reinigung der Haut von Schmutz, Schweiß und Ungeziefer(Läuſen Hämatopinen] und Haarlingen Trichodekten]), ſondern hat auch den Zweck, die Hautthätigkeit durch Erregung der Hautnerven und des Blutzufluſſes unvermindert zu erhalten. Es wird dies erreicht: a) Durch Putzen. Dies geſchieht mittels Bürſte(Kartätſche) und Striegel; letztere ſollte bei edleren, feinhäutigen Pferden nur zur Reinigung der Kartätſche verwendet werden, da ſie bei dieſen die Haut zu ſtark reizt und die Tiere reizbar, kitzlich und unleidig macht. Wenn mög⸗ lich, ſoll das Putzen des entſtehenden Staubes halber nicht im Stalle geſchehen.— Bei Pferden geſchieht das Putzen mindeſtens täglich einmal am Morgen, ſeltener abends noch einmal nach der Arbeit. Den Anforderungen der Geſundheitspflege iſt hierbei genügt, wenn die Haut vom Staub und Schmutz gereinigt iſt. Ein öfteres und ſehr ſtarkes Putzen reizt die Haut zu ſtark, macht ſie empfindlich und zu Erkältungen (S. 62) geneigt, weil die ſenſiblen Nerven zu ſtark erregt und der Blut⸗ zufluß nach der Haut zu ſtark geſteigert wird.— Auch bei Rindern erfolgt zweckmäßig täglich einmal das Putzen mittels einer etwas ſtark borſtigen Kartätſche und ohne Anwendung der Striegel.— Selbſt bei Weidetieren(Pferden und Rindern) ſollte, wie dies allerdings in der Regel geſchieht, hiervon nicht Abſtand genommen werden, da deren Haut wenigſtens in den heißen Sommermonaten, der Schwärmezeit der Bremſen⸗ fliegen, häufig mit den Eiern und Larven der letzteren(S. 35) bedeckt iſt, die durch das Putzen vor ihrem Eindringen in den Körper entfernt bezw. unſchädlich gemacht werden.— Schweine werden in der Regel trotz des unverkennbar günſtigen Einfluſſes, welchen das Putzen auf deren Ernährungszuſtand ausübt, nur in edlen Zuchten geputzt.— Bei Schafen verbietet das Wollkleid das Putzen. b) Durch Waſchen und Schwemmen. Dicke Schmutzmaſſen müſſen mit Bürſte, Waſſer und Seife entfernt werden; hierauf iſt die Haut ſorgfältig trocken zu reiben. Auch Mähne und Schweif ſind zeitweilig auf dieſe Weiſe zu reinigen.— Ein vorzügliches Reinigungs⸗ und die regulatoriſche Hautthätigkeit anregendes Mittel iſt as Schwemmen. Im heißen Sommer kommt hierzu noch die durch das kalte Waſſer bedingte erfriſchende Wärmeentziehung. Doch ſoll das Waſſer keine niedrigere then vi⸗ urch eine g und de Vorginge ſe bleiben prichwor mmäßſet nders des ermehre, treize de Spflege . Dife veiß und ſondem utnerben erreich. he) und inigung ſtark mög⸗ Stalle täglich Den e Haut ſtarkes ltungen er Blu⸗ indern as ſtark löſt bei in der en Halt zremſen⸗ bedeck enffern er Rexel uf deren Schafen Atmſen die haut tilig au und di b bedingte niedrigere Gute Fütterung und Pflege. 175 Temperatur als 16—18 0 RK. beſitzen, die Tiere ſollen auch nicht erhitzt oder unmittelbar nach der Mahlzeit geſchwemmt werden. Um zu ſtarke Wärmeverluſte zu vermeiden, ſollen die Tiere nicht länger als 10 bis 12 Minuten im Waſſer bleiben, und nachher vor Erkältung geſchützt werden(durch Treiben oder Führen im Schritt, Trockenreiben, warmes Bedecken ꝛc.). Am meiſten ſind in der heißen Jahreszeit die Schweine des Schwemmens bedürftig, ſie gehen ebenſo wie Rinder auch gern und freiwillig ins Waſſer, ſeltener von ſelbſt die Pferde. Können die Tiere auf der Weide beliebig baden(S. 164), ſo iſt dies für dieſelben von großem Vorteil. Beſonders ſind daher für die Tummelplätze von Schweinen Schwemmbaſſins(S. 162) ſehr erwünſcht. c) Durch eine ſorgfältige Behandlung ſchwitzender, durch⸗ näßter oder ſchmutziger Pferde. Pferde, welche mäßig ſchwitzend oder vom Regen durchnäßt und mit Kot beſchmutzt in den Stall kommen, ſind mit Stroh- oder Heuwiſchen und darauf folgend mit wollenen Lappen trocken zu reiben und dann je nach der Stallwärme mehr oder weniger zuzudecken. Bei ſehr niedriger Stalltemperatur und ſtark ab⸗ gekühlter Haut kann man auf Rücken und Kruppe vorher, quer zur Längsrichtung des erſteren, eine 3—5 cm dicke, möglichſt gleichmäßige Schicht von friſchem, trocknen Stroh und erſt darüber die Decken legen und feſtgurten. Die Erwärmung tritt bei dieſem Verfahren noch viel raſcher ein. Dann erſt werden die Beine, und wenn nötig der Bauch mit Waſſer und Schwamm vom Schmutz gereinigt und mit Strohwiſchen trocken gerieben, event. in wollene Binden gewickelt. Nach dem Ab— trocknen kann noch ein abendliches Putzen folgen. Kommen die Pferde „hingegen ſehr ſtark ſchwitzend und durchnäßt mit aufgeregter Lungen⸗ und Herzthätigkeit nach Hauſe, ſo ſind dieſelben zunächſt an einem zugfreien Orte und zugedeckt bis zur Beruhigung des Atmens(ca. 15— 20 Minuten) im Schritt herumzuführen, dann erſt im Stalle trocken zu reiben, bei ſtarker Durchnäſſung der Haare mit Schweiß oder Regenwaſſer wohl auch vorher mit dem Schweißmeſſer abzuziehen, worauf wie oben an⸗ gegeben zu verfahren iſt. Bei kaltem, 6zugigen Wetter iſt es übrigens jedenfalls richtiger, die Pferde ſofort in den Stall zu nehmen und in der oben beſchriebenen Weiſe mit Stroh und großen wollenen Decken, event. nach vorherigem Abziehen des Schweißes und des Regenwaſſers, zu bedecken. d) Durch ſachgemäßes Scheren. Die Anſichten über den Wert des Scherens ſind außerordentlich geteilt. Die Wahrheit dürfte wohl, wie auch anderswo, in der Mitte liegen. Was zunächſt das Scheren bei Pferden anbelangt, ſo wird niemand beſtreiten wollen, daß die Haardecke ein von der Natur geſchaffenes Schutzmittel iſt, welches die zu ſtarke Wärmeabgabe verhindert; ebenſo ſicher iſt es aber, daß Pferde mit einer dichten und langen Haardecke, namentlich bei größeren Anſtrengungen leichter und ſtärker ſchwitzen, daß durch die Verdunſtung dieſer größeren Schweißmengen dem Körper er⸗ 176 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. heblich mehr Wärme(damit aber auch Kraft) entzogen und die Urſache zu Erkältungen gegeben wird, und endlich, daß ſich eine lang und dicht behaarte, von eingetrocknetem Schweiße bedeckte Haut ſchwerer reinigen läßt. Anderſeits kann aber ebenſowenig beſtritten werden, daß, wenn man derartige langhaarige und daher leicht ſchwitzende Pferde ſchert, dieſe beim Gebrauch nicht ſchwitzen, friſcher bleiben und nach der Dienſt— leiſtung ſich nicht erkälten— wenn man dieſelben unmittelbar nach dem Gebrauch warm zudeckt. Daraus geht hervor, daß das Scheren nicht bedingungslos für alle Pferde am Platze iſt, ſondern nur für diejenigen, welche lang und dicht behaart ſind, die man gezwungen iſt zu anſtrengendem Dienſt, beſonders in raſchen Gangarten zu gebrauchen, für die aber die Möglichkeit ge⸗ geben iſt, ſie nach dem Gebrauch durch ſorgfältiges Eindecken vor Erkältungen zu ſchützen. Für alle anderen Fälle iſt das Scheren der Pferde unnütz, ſelbſt verwerflich! Da beim Ein⸗ decken geſchorener Pferde nur Rücken und Seitenflächen vor Erkältungen geſchützt werden können, nicht aber Bauch und Schenkel, ſo pflegt man dieſe Körperpartien bei Pferden, welche nach ihrer anſtrengenden Dienſt⸗ leiſtung nicht ſofort in den warmen Stall gebracht werden können, ſondern (wie z. B. Omnibus⸗ und Pferdebahnpferde) zwiſchendurch einige Zeit ruhig im Freien ſtehen müſſen, an dieſen Teilen nicht zu ſcheren. Eine von den Gegnern des Scherens beſtrittene, aber auch nach den Erfahrungen des Verfaſſers vollſtändig richtige Thatſache iſt die, daß ſich unter den obigen Vorausſetzungen geſchorene Pferde bei gleichem Futter beſſer halten, als ungeſchorene. Es iſt dies wohl darauf zurückzuführen, daß bei ungeſchorenen Pferden durch die infolge der Schweißverdunſtung geſteigerte Wärmeentziehung reflektoriſch der Verbrennungsprozeß geſteigert und der Stoffanſatz vermindert wird(S 110). Vielleicht kommt hierzu noch der ſchon erwähnte Umſtand, daß bei langem Haar die Reinigung der Haut und die Erregung deren Thätigkeit durch Putzen weniger gut möglich iſt. Ebenſowenig iſt in Abrede zu ſtellen, daß ſich geſchorene, im übrigen geſunde Pferde, wenn das Scheren nicht zu ſpät, ſondern etwa in der zweiten Hälfte des Novembers geſchieht, ziemlich leicht an die veränderten Temperaturverhältniſſe gewöhnen, raſch abhärten und größere Widerſtands⸗ fähigkeit gegen Erkältungen gewinnen. Für das Scheren der Rinder gilt derſelbe Kardinalpunkt. Für Zugrinder wird daher dasſelbe kaum in Frage kommen, wohl aber für Jungvieh, vielleicht auch für Kühe mit langem, dichten, filzigen, zeitweilig von Ungeziefer durchſetzten Haar, unter dem die Tiere, namentlich in ſehr warmen, dicht beſetzten Ställen, leicht ſchwitzen und aus dem oben angegebenen Grunde in der Ernährung zurückgehen. Hier iſt das Scheren das beſte Mittel, um die Tiere wieder in einen beſſeren Ernährungs⸗ zuſtand zu bringen. e. Durch Warmhalten beim Haarwechſel. Während des bei Pferden und Rindern im Frühjahr ſtattfindenden Haarwechſels, der übrigens nur bei den dem Witterungswechſel ausgeſetzten Tieren deutlich bemerkbar wird, ebenſo bei der ſich im Herbſt zwiſchen den eigentlichen lrache ddich inigen wenn ſchet. dienſt elbar ß do eondemn man ſchen t ge⸗ ecken t das Ei⸗ ungen man ienſt⸗ nern Zeit h den d ſich Futter ühren, jnſtung vteigert hierzu inigung ger gut ene, in etwa in aänderten erſtende⸗ t. Küt aber für ditwell entich i dem dbe sSchera rabrungi⸗ rud de tſels, d en dalch eientite Gute Fütterung und Pflege. 177/ Deckhaaren vollziehenden Entwicklung reichlicher Mengen eines fein⸗ flaumigen Haares, befindet ſich die Haut im Zuſtand einer größeren Blut⸗ fülle, welche einmal die Thätigkeit der Hautnerven ſteigert, andernteils die Haut ſtärker erwärmt und hierdurch einerſeits zu Erkältungen(S. 62) disponiert, anderſeits die Wärmeabgabe und regulatoriſch den Eiweiß⸗ zerfall ſteigert(S. 110). Hierdurch und vielleicht auch durch die That⸗ ſache, daß die reichliche Haarbildung dem übrigen Organismus eine gewiſſe Summe von Ernährungsmaterial entzieht, wird es auch leicht erklärlich, daß namentlich junge Tiere, beſonders Pferde, zur Zeit des Haarwechſels(vor allem im Frühjahr), matter und weniger widerſtands⸗ fähig und zur Entſtehung von Krankheiten geneigter ſind. An den Beſitzer tritt daher die Forderung heran, die Tiere zu dieſer Zeit durch Eindecken vor Erkältungen zu ſchützen, ſchonend, namentlich bei naßkalter Witterung, zu gebrauchen und zweckentſprechend zu füttern. Mohrrüben, Leinkuchen und junges Grünfutter werden von Alters her in dieſer Periode als reſtaurierendes Beifutter empfohlen. f. Decken ſind für eine ſorgfältige, den Forderungen der Hygiene entſprechende Hautpflege nur zur Verhütung von Erkältungen bei ſchwitzen⸗ den oder geſchorenen Pferden oder dann nötig, wenn man die Pferde bei kalter, windiger, regneriſcher Witterung im Freien ſtehen oder im langſamen, nicht ſehr anſtrengenden Dienſt arbeiten laſſen, oder wenn man ſie in kalte, zugige Ställe einſtellen oder in ſolchen Eiſenbahnwagen transportieren muß. Bei kaltec, regneriſcher Witterung empfehlen ſich bei Arbeitspferden für langſamen Zug beſonders Lederdecken, die mit einem leichten Wollſtoff gefüttert ſein können, und Rücken und Kruppe vor Erkältungen ſchützen. Leichte und kleinere, beſonders die Nieren⸗ partie ſchützende Deckchen von Wollſtoff oder Leder bezw. Gummiſtoff, empfehlen ſich auch für ſolche Wagenpferde, welche während ihres Dienſtes oftmals längere oder kürzere Zeit auf der Straße halten müſſen. Keinesfalls geſtattet aber die Geſundheitspflege weiter zu gehen. Pferde ohne zwingende Notwendigkeit auch im Stalle fortgeſetzt unter warmen Decken ſtehen zu laſſen, iſt abſolut falſch! Zwar wird hierdurch die Haut weich und ſehr elaſtiſch, das Haar vor allem glatt und glänzend, die Tiere werden aber verweichlicht und zu Erkältungen geneigt. Ebenſo ſchädlich iſt es, Pferde, welche im ſchweren Zug ſtark ſchwitzen, noch mit wollenen oder mit Lederdecken einzuhüllen, da ſie unter denſelben immer mehr ſchwitzen und Wärme und Kraft verlieren. Man laſſe ſolche Pferde, ſelbſt bei kaltem und ſchlechtem Wetter, lieber unbedeckt arbeiten, bedecke ſie aber ſofort beim Stehen; bei der Arbeit bedecke man ſie nur, wenn dieſelbe keine ſo ſchwere iſt, daß ſie ſchwitzen. Ein Punkt kann bei dieſer Gelegenheit nicht ſcharf genug hervorgehoben werden: Niemals bringe man, beſonders gut und kräftig genährte Pferde, nach ein⸗ oder mehrtägiger Stallruhe ohne wollene Decken ins Freie, vor allem niemals bei kaltem, rauhen, windigen Wetter. Ganz außerordentlich häufig tritt, wenn dieſe Regel nicht befolgt wird, eine ſehr ſchwere Erkrankung ein. Die Pferde fangen Johne. 12 178 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen, an nach 10— 20 Minuten, ſelten ſpäter, zu ſchwitzen, ſchwanken im Hinterteil und ſtürzen, wenn ſie nicht raſch in einen Stall gebracht und unterſtützt werden können, im Hinterteil gelähmt zuſammen. Meiſt können ſich die . 63 , Fig. 141. Normaler Hinterhuf des Pferdes von der Bodenfläche geſehen. L. von der Bodenfläche geſehen. L. Fig. 140. Normaler Vorderhuf des Pferdes Tiere nicht wieder erheben und ſterben nach 2—3 Tagen, wobei der ent⸗ leerte Harn ſtark blutig, trübe, bis dunkelbierbraun erſcheint, und bei der mikroſkopiſchen Unterſuchung eine große Menge, zum Teil in Zerfall be⸗ griffener roter Blutkörperchen und hierdurch frei gewordenen gelöſten Blut⸗ Fig. 142. Normaler Vorderhuf des Pferdes(a regelmäßig, b ſpitz, c ſtumpfgewinkelt) von der Seite geſehen. L. farbſtoff enthält. In welchem Zuſammenhange hier die Erkältung mit dieſer hochgradigen, ſo blitzſchnell auftretenden Erkrankung des Blutes und der Lähmung des Hinterteiles ſteht, iſt unbekannt. Wir kennen nur die äußere, . 2 — wwinkelh bel⸗ ni di 88 und del die äußet Gute Fütterung und Pflege. 179 veranlaſſende Urſache der Krankheit, und wiſſen, daß dieſelbe in einem raſch eintretenden, maſſenhaften Zerfall der roten Blutkörperchen beſteht, und be⸗ zeichnen daher die Krankheit nach ihrer hervortretenſten Erſcheinung als paroximale Hämoglobinurie oder ſchwarze Harnwinde, nach der vor⸗ liegenden Urſache als Windrehe. Gegen die bei Pferden und Rindern im Sommer üblichen, und hauptſächlich den Schutz gegen Inſekten bezweckenden leinenen oder baum⸗ Fig. 143. Normale Vorderhufe des Pferdes von vorn geſehen. L. Fig. 146. Durchſchnittener Vorderfuß des Pferdes mit normal verlaufender—— Fußachſe. L. Fig. 145. Ringe im Pferdehuf bei Strahlfäule. L.. —————————— wollenen Sommerdecken, Netzdecken und Ohrenklappen iſt hygieniſch nichts einzuwenden. 3. Gute Pflege der Bewegungsorgane. Es handelt ſich hierbei teils um Pflege der Hufe und Klauen, teils um eine ſolche der Schenkel. a) Pflege der Hufe und Klauen. Dieſelbe iſt von großer Wichtigkeit, weil durch ſie die normale Form beider, zum Teil auch die Schenkelſtellung, und die Qualität des Huf⸗ und Klauenhornes bedingt wird. Gute Hufe beeinfluſſen 12½ 180 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. aber ganz weſentlich die Leiſtungsfähigkeit und den Wert der Pferde. Es iſt unbedingt notwendig, daß der Landwirt hierbei über folgendes Beſcheid weiß: aa. Der normale Vorderhuf des Pferdes(Fig. 141) ſoll von der Bodenfläche geſehen mehr rund, der Hinterhuf(Fig. 140) mehr eiförmig, die Ballen(b) ſollen gut gerundet, die entſprechend, am Hinterhuf etwas ſtärker ausgehöhlte Sohle(k) ſoll kräftig und ſtark ſein und in der weißen Linie(g) keine Trennung von der Hornwand(a)(ſogenannte hohle oder loſe Wand) zeigen. Der Horn⸗ ſtrahl ſoll in allen ſeinen Teilen (Strahlkörper h und Schenkel i) gut entwickelt, trocken, und von gleichmäßigem Gefüge, die Strahlfurchen(die mittlere oder Strahlgrubel und die bei⸗ den ſeitlichen m) ſollen weit ſein. Von den Eckſtreben(c), die ebenfalls kräftig entwickelt ſein und mit der Wand nicht ganz in einer Höhe liegen ſollen, iſt zu verlangen, daß dieſelben möglichſt geradlinig von dem Eckſtrebenwinkel(d) nach der Strahlſpitze hin verlaufen. Im Sohlenwinkel(f) ſollen keine roten Flecke(Steingallen) ſichtbar ſein.— Von der Seite(Fig. 142) und von vorn(Fig. 143) und hinten geſehen ſoll der Verlauf der Hornwand gerade, an der äußeren ein klein wenig mehr nach außen geneigt ſein. Sie darf weder Längs⸗ noch Quer⸗ riſſe zeigen. Ringbildung an derſelben iſt nur dann ohne Be⸗ deutung, wenn die Ringe mit ſie ſind dann Folge einer un⸗ gleichen Ernährung.(Futter— Fig. 147. Oldenburger Stute(Angra Pequena) ringe). Die Ringe zeigen aber von vorn. an, daß der Huf krank iſt, wenn ſie am vorderen Teil des Hufes(der Zehe) dichter zuſammenliegen und nach hinten weiter aus⸗ einandergehen(Reheringe, Fig. 144), oder wenn ſie an den Seitenwänden vorn und oben beginnen und nach hinten und unten verlaufen(Strahl— fäuleringe, Fig. 145). Von der Seite geſehen, ſoll ſich beim normalen Vorderhuf die Länge der Zehenwand zu der der Trachtenwand wie 3:1, am Hinterhuf wie 2:1 verhalten, Zehen und Tracht aber in gleicher Richtung, und zwar am Vorderhuf in einem ſolchen von 45— 50, am Hinterhuf der Krone parallel verlaufen; Wert lgendes von der förnig, fetwas veißen le oder Hort⸗ Teilen zenkel Gute Fütterung und Pflege. 181 von 50— 550 zum Erdboden verlaufen. Zehenwand und Feſſel ſollen in gleicher Richtung zum Boden verlaufen, die Fußaxe, d. h. eine durch die Mitte der Fußknochen in der Längsrichtung gezogene Linie(Fig. 146 u. 142 a) ſoll gerade bezw. geſtreckt, nicht nach vorn oder hinten gebrochen, verlaufen. Denſelben Verlauf ſoll die Fußaxe von vorn geſehen zeigen(Fig. 143); ſie ſoll ebenfalls geſtreckt ſein und den Fuß in zwei gleiche ſeitliche Hälften teilen. Bei normaler Stellung des ganzen Schenkels ſoll von vorn ge⸗ ſehen am Vorderſchenkel(Fig. 147) eine von der Schulterſpitze nach unten gezogene lotrechte(mit der Fußachſe in Fig. 143 gleichverlaufende) Linie den ganzen Schenkel in zwei gleiche ſeitliche Hälften teilen und vor der Hufſpitze den Boden berühren. Beide Schenkel ſollen alſo von oben bis unten gleich weit V ————— 4 — Fig. 148. Oldenburger Stute von der Seite geſehen. voneinander ſtehend den Rumpf ſenkrecht ſtützen. Von der Seite geſehen (Fig. 148), muß eine von der Mitte der Schulter nach unten gezogene Senk⸗ rechte den ſenkrecht den Rumpf ſtützenden Schenkel bis zum Feſſel in der Mitte ſchneiden und unmittelbar hinter dem Ballen den Boden berühren. Am Hinterſchenkel ſoll, von hinten(Fig. 149) geſehen, eine vom Sitzbein⸗ höcker 1 nach unten gezogene Senkrechte den Schenkel bis zum Boden eben⸗ falls in zwei gleiche ſeitliche Hälften teilen; die Schenkel ſollen alſo ebenfalls gleichweit auseinander ſtehend den Rumpf ſenkrecht ſtützen. Von der Seite geſehen muß eine gleiche, vom Sitzbeinhöcker nach unten gezogene Linie (Fig. 148 1) die Sprunggelenkſpitze berühren und einige Centimeter hinter 182 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. den Ballen den Boden berühren, während ein vom Hüftgelenk nach unten fallendes Lot zur Seite der Trachtenwand auffallen ſoll. Die Geſamtproportion einer regelmäßig gebauten olden⸗ burger Zuchtſtute hat Verfaſſer ſeinerzeit in der von ihm im Verein mit dem verſtorbenen K. K. Landſtallmeiſter Grafen zu Münſter sen. ent⸗ worfenen Tableaux: Normale Zuchtſtute als ſächſiſches Zuchtziel*) in folgenden Sätzen zuſammengefaßt: 1. Der Rumpf ſoll möglichſt in ein Rechteck hineinpaſſen, das man bildet, indem man ſich im Geiſte eine obere wagerechte Linie(0 0, Fig. 148) durch den höchſten Punkt des Widerriſtes(c), eine untere(0) durch das Ellenbogengelenk wagerecht nach hinten, ſowie zwei ſenkrechte Be⸗ grenzungslinien, eine vordere(VV) an der Schulterſpitze, eine hintere (H H) am Sitzbeinhöcker(!) nach unten gezogen denkt. 2. Die wagerechte obere Linie (0 0, Fig. 148) ſoll den höchſten Punkt der Kruppe(d) um 2 bis 3 cm überragen. 3. Höhe und Länge der Stute ſollen im allgemeinen gleich ſein; letztere darf erſtere nur um einige Zentimeter übertreffen. 4 Die Form der Stute iſt eine um ſo vorzüglichere, je mehr von dem Bruſtkaſten(bei a, Fig. 148) unter der unteren Be⸗ grenzungslinie(U U), des im Geiſte gebildeten Rechteckes hervorragt, das heißt je tiefer die Bruſt iſt. Die Entfernung der unteren Be⸗ 1 grenzungslinien des Bruſtkaſtens ſbei wia la9 bis zum Woden ig 149. T waer Stute von hinte(bei b) ſoll daher gleich ſein der di Ddenbnaner Stut don hinten Entfernung der unteren Bruſtlinie bis zur Widerriſthöhe(c). 5. Durch zwei weitere Linien, von denen man ſich die eine(a c, Fig. 148) unmittelbar hinter dem oberen hinteren Winkel des Schulterblattes, die zweite(d g) am äußeren Hüftwinkel ſenkrecht nach unten gezogen denkt, ſoll das im Geiſte um den Rumpf gebildete Rechteck(ſ. Punkt 1) in drei möglichſt gleich lange Rechtecke(A, B, C) geteilt werden können. Je mehr dieſelben in ihrer Länge gleich ſind, um ſo beſſer iſt die Form des Rumpfes, um ſo vorzüglicher Lage und Länge der Schulter und der Kruppe, um ſo vollendeter die Kürze und Ge⸗ ſchloſſenheit der Lendenpartie. *) Verlag von Wilh. Hoffmann, Dresden, Blaſewitzerſtr. 23. h unten Alden⸗ ein mi n. dlt lgenden n, das ſich in erechte rch den ſtes, h das t nach hte Be⸗ eVV) intere nach vorragt, r die eren Be⸗ ſtkaſtens Loden ſein de Sruſtlinee Gute Fütterung und Pflege. 183 6. Die Breite der Zuchtſtute von vorn(Fig. 147) oder hinten (Fig. 149) geſehen, ſoll mindeſtens dem dritten Teil der Körperlänge (ſ. Punkt 5) entſprechen, darf denſelben aber ohne Nachteil um mehrere Zentimeter übertreffen. Bruſtkaſten und Bauch ſollen dabei gut(tonnenförmig) gerundet ſein. 7. Die Vorderſchenkel ſollen den Rumpf von der Seite(Fig. 148), von vorn(Fig. 117) und von hinten(Fig. 149) geſehen, ſenkrecht ſtützen. Der Vorarm(h, Fig. 148) ſoll möglichſt lang, das Schienbein kurz ſein. Der Vorarm muß ferner mit gut entwickelter Muskulatur umgeben und an ſeinem oberen Ende(am Ellenbogengelenk) nahezu doppelt ſo breit ſein, als an ſeinem unteren(oberhalb des Vorderknies).— Feſſel und Huf dürfen, von vorn geſehen(Fig. 147), von einer ſenkrechten Linie, die man ſich durch die Mitte des Schenkels gerade nach unten gezogen denkt, weder nach außen(boden⸗- bezw. zehenweit), noch nach innen(boden⸗ bezw. zeheneng) abweichen.— Feſſel und Zehenwand des Hufes ſollen in gleicher Richtung, und zwar in einem Winkel von ungefähr 50 Grad, ſchräg zum Boden verlaufen. 8. Die Hinterſchenkel müſſen, von der Seite geſehen, ſo geſtellt ſein, daß das Hinterkniegelenk(i, Fig. 148) möglichſt ſenkrecht unter dem äußeren Hüftwinkel, entſprechend der Linie d g, liegt, der Sprunggelenkhöcker(k) dagegen nahezu ſenkrecht unter dem Sitzbeinhöcker(!) zu ſtehen kommt.— Von hinten(Fig. 149) geſehen ſoll der Sprunggelenkhöcker(k) gerade vor einer ſenkrechten Linie liegen, die man ſich vom Sitzbeinhöcker(!) nach unten gezogen denkt. Der Unterfuß oder das Schienbein(m, Fig. 149) hat, von hinten geſehen, vom Sprunggelenk nach abwärts möglichſt gerade oder nur mit einer geringen Neigung nach außen oder innen zu verlaufen. Der Winkel im Sprunggelenk, zwiſchen Unterſchenkel und Unterfuß, ſoll, von der Seite geſehen, ungefähr 135 Grad betragen.— Ober⸗(n, Fig. 149) und Unter⸗ ſchenkel(o) müſſen ebenfalls mit gut entwickelten Muskeln umgeben ſein, ſo daß das Hinterteil, von hinten geſehen, in der Höhe der Oberſchenkel (bei n) mindeſtens dieſelbe Breite hat, wie zwiſchen den beiden äußeren Hüftwinkeln.— Feſſel und Zehenwand des Hufes ſollen ebenfalls in gleicher Richtung ſchräg zum Boden, ungefähr im Winkel von 50 bis 55 Grad, verlaufen. bb. Bezüglich der regelmäßigen Klauenform beim Rind(und ähnlich geſtalten ſich, nur entſprechend kleiner, die Verhältniſſe bei Schaf und Ziege) folgendes.*) Die Hinterklauen(Fig. 150) ſind länger und ſpitzer als die Vorderklauen(Fig. 151). Die Zehenwand der letzteren ſteht in einem Winkel von 50°, die der Hinterklaue in einem ſolchen von 550 zum Erdboden. An beiden verhält ſich die Länge der Trachtenwand zu der der Zehenwand wie 1 ½— 3. Beide Klauen ſollen ſo geſtellt ſein, daß eine durch die Mitte des Feſſelgelenkes ſenkrecht nach unten gezogene Linie den Klauen⸗ ſpalt in der Mitte ſchneidet(Fig. 152), ebenſo ſoll, wie beim Pferde, die Fußaxe geſtreckt und in einen Winkel von ca. 50° zum Boden verlaufen. Die Ballen(welche bei den Wiederkäuern die Stelle des Strahles vertreten, ſollen gut und kräftig entwickelt, die Sohle(Fig. 153) ſoll wenig ausgehöhlt und möglichſt ſtark, das Wandhorn ohne Riſſe und *) Siehe Puſch, Beurteilungslehre des Rindes. Berlin, Verlagsbuch⸗ handlung Paul Parey, 1890, S. 285. 184 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. Sprünge ſein und ebenfalls geradlinig zum Erdboden verlaufen. Beide Klauen ſollen in Form und Größe nahezu übereinſtimmen, der Klauenſpalt am ſtehenden Tiere ſoll nur mäßig klaffen.— Die Stellung der Feſſel und Schenkel ſtimmt im allgemeinen mit der beim Pferde überein. Die Qualität des Hornes, beſonders des Wandhornes ſoll bei allen Tieren zäh⸗elaſtiſch, nicht hart, ſpröde und brüchig ſein. Pflege des unbeſchlagenen Hufes. Dieſelbe erſcheint am wichtigſten beim Fohlen. Schon bei bezw. unmittelbar nach der Geburt iſt darauf zu achten, daß an dem ſcheinbar an ſeiner Bodenfläche defor⸗ mierten, polſterartig abgerundeten, bezüglich aufgequollenen Hufe nichts geſchnitten wird; ſchon nach 2—3 Tagen hat derſelbe durch Eintrocknen ſeine normale Form erhalten.— Im weiteren Verlaufe formen und erhalten ſich die Fohlenhufe am beſten bei reichlicher Bewegung auf trockenem, aber nicht ſteinigtem Boden. Sie nutzen ſich hierbei normal 1 4 1 Fig. 150. Regelmäßige Fig. 151. Regel⸗ Fig. 152. Fußachſe, Fig. 153. Vorder⸗ Hinterklaue des Rin⸗ mäßige Vorderklaue gerade. P. klaue von unten des. P. vom Rind. P. geſehen. P. ab; ſollte dies nicht gleichmäßig erfolgen, ſo läßt ſich mit der Raſpel die Unregelmäßigkeit leicht beſeitigen und die oben beſchriebene normale Form und Stellung leicht wieder herſtellen. Sollte dies mit der Raſpel allein nicht möglich ſein, ſo kann unter Umſtänden ein für den betreffenden Fall beſonders konſtruierter Beſchlag(halbes Eiſen ꝛc.) nötig werden. Auf naſſem, ſumpfigem Boden hingegen wird, wie ſchon oben(S. 60) er⸗ wähnt, der Huf flach, das Horn der weißen Linie und das Strahlhorn faul, es entſtehen getrennte Wände ꝛc. Etwas anders liegen die Verhältniſſe, wenn junge Pferde im Stalle aufgezogen werden, und die für die normale Form und Stellung des Hufes erforderliche Abnutzung des Hornes an ſeiner Bodenfläche nicht ſtattfindet. Die Wand wird zu lang, verbiegt ſich nach außen oder innen und führt zur Bildung loſer Wände oder zur Bildung krummer Hufe. Die Zehe wird zu lang, der Huf in ſeiner hinteren Partie alſo zu ſtark belaſtet oder der Huf wird ſchief getreten und dadurch die ganze Stellung des Fußes vom Feſſel ab eine ſchiefe. Die Hufe des im Stalle aufgezogenen Fohlens müſſen daher von Zeit zu Zeit in ihrer Form und Stellung geregelt werden. Sie ſind etwa alle 4 bis 5 Wochen entſprechend zu verkürzen, die Wände in ihren Höhenverhältniſſen zu regulieren und die unteren Ränder der Wand mit der Raſpel an der NXi denſpat Feſſel überenn bei alen Gtigten urt iſt defor⸗ nitſ rocknen en und ig auf normal order⸗ unten . el die Form allein n Fall Auff 0) er⸗ hihorn Stalle mg des e nicht en oder er Hufe. zu ſtart Stellung Stalle mihrer 4 li ältriſen an der Gute Fütterung und Pflege. 185 äußeren Kante etwas abzurunden. Schief gewachſene Hufe ſind wieder in ihre normale Form zu bringen, wodurch die Entwickelung fehlerhafter (bodenweiter oder ⸗-enger) Stellungen vermieden oder eine ſolche in der Ent⸗ wickelung begriffene wieder beſeitigt wird. Ja bei jungen Fohlen iſt es bis zu einem, wenn auch nur beſchränkten Grade möglich, ſolche an⸗ geborene fehlerhafte Stellungen des Fußes durch entſprechende Beſchneidung der Hufe zu verbeſſern. Nach beiden Richtungen hin hängt von der ſorgfältigen Beobachtung und Pflege des Fohlenhufes nicht zum kleinſten Teile die künftige Leiſtungsfähigkeit und der Wert des Pferdes ab.— Ein ungeſchickter Schmied kann hierbei unendlich viel verderben, ein geſchickter aber auch ſehr viel nützen.— Sehr nachteilig wirkt das zu frühe Beſchlagen auf den Fohlenhuf ein. Junge Pferde brauchen keinen Beſchlag, jedenfalls nicht eher, als ſie zur Arbeit auf harter Straße verwendet werden, und das ſoll vor 3 ½— 4 Jahren niemals ſtattfinden.— Außerdem iſt es notwendig, die Hufe täglich zu reinigen und für reine, trockene Streu zu ſorgen. Moraſtige Ställe wirken in gleicher Weiſe deformierend auf die Hufe, wie ſumpfige Weiden(S. 132). Bei den unbeſchlagenen Hufen älterer Pferde iſt, wenn eine gehörige Abnutzung derſelben wegen Mangel an Bewegung nicht ſtatt— finden kann, in gleicher Weiſe zu verfahren. Die Pflege der beſchlagenen Hufe. Für den beſchlagenen Huf bildet ſchon der Beſchlag an und für ſich inſofern eine Schädlichkeit, als derſelbe den Hufmechanismus(S. 151) mehr oder weniger aufhebt, da⸗ durch die Blutzirkulation im Hufe verlangſamt; das hat aber wiederum eine ſchlechtere Ernährung aller in der Hornkapſel eingeſchloſſenen Teile, beſonders des Strahlpolſters, ein vermindertes Wachstum und eine minder gute Beſchaffenheit des Hufhorns zur Folge. Die beſte Huf⸗ pflege würde daher die ſein, das Pferd garnicht zu beſchlagen, wozu uns indes die Gebrauchsverhältniſſe desſelben auf hartem Boden zwingen. Geſteigert werden dieſe Nachteile des Hufbeſchlages noch weſentlich durch den Mangel genügender Bewegung oder durch zu trockene oder zu feuchte, moraſtige Stallfußböden. Anhaltendes Stehen im Stalle führt daher, namentlich bei großer Trockenheit desſelben zur Bildung enger, ſpröder Hufe, zur Entſtehung von Hornſpalten ꝛc.; moraſtige Ställe, wie ſchon bemerkt, zur Bildung flacher Hufe mit loſen Wänden und faulem Strahl.— Für die Pflege des beſchlagenen Hufes iſt daher zu fordern: aa. ein guter Beſchlag. Bei demſelben iſt folgendes zu beachten: Der unter dem Schutze des Eiſens zu lang gewachſene Huf iſt zunächſt mit Raſpel und Rinnmeſſer, und zwar unter Berückſichtigung der Stellung und des Ganges, zu beſchneiden. Von der Hornſohle wird nur das tote, abgeſtorbene Horn entfernt; der Tragrand wird bis zur Ver⸗ bindung der Wand mit der Sohle nur ſoweit niedergeſchnitten, daß noch ein ſtrohhalmbreiter Rand in die ſogenannte Tragfläche des Hufes fällt und das 186 Abhaltung der äußeren Krankheitsnrſachen. Eiſen mit tragen hilft. Am geſunden Strahl iſt nichts zu ſchneiden, nur die loſen Hornteile an demſelben ſind zu entfernen. Ebenſowenig iſt an den Eckſtreben(Fig. 140, 141 c) zu ſchneiden. Dieſelben ſind nahezu in gleicher Höhe mit der Wand(Fig. 140, 141 a) zu laſſen, hingegen iſt der Sohlenwinkel(Fig. 140 f“) ca. 2 mm tiefer als letztere zu halten. Die äußere Wandfläche darf bei geſunden Hufen niemals beraſpelt werden. Bezüglich der Wandhöhe gilt: diejenige Wandſeite iſt niedriger zu halten, die beim Auftreten zuerſt den Boden berührt bezw. deren Eiſenſchenkel mehr abgenutzt iſt. Die Zehe und Tracht iſt in der Weiſe in ihrer Höhe zu regulieren, daß die Fußaxe(Fig. 146) geſtreckt verläuft bezw. Zehenwand und Feſſel von der Seite geſehen in einer Richtung zum Boden verlaufen. Da ſich die Zehenwand unter dem Schutze des Eiſens nicht, wohl aber infolge des Hufmechanismus(S. 151) und der Reibung auf dem Eiſen die Trachtenwand abnutzt, ſo wird in der Regel nur die erſtere, wenig oder gar nicht die letztere zu verkürzen ſein. Bezüglich der Wahl der Eiſen gilt, daß ſtollenloſe Eiſen(noch mehr das halbmondförmige Eiſen) den Hufmechanismus am wenig⸗ ſten beeinträchtigen, den Huf da⸗ her am geſündeſten erhalten. Beim Aufpaſſen des Eiſens gilt die Regel,„das Eiſen ſtets nach der Form des Hufes zu richten, ſo lange dieſe ſelbſt noch unverändert iſt(Fig. 154). Bei allen in ihrer Form bereits veränderten Hufen dagegen iſt nach und nach darnach zu ſtreben, dem Eiſen diejenige Form zu geben, welche der Huf zur Zeit, alser noch unverändert Fig. 154. Normaler beſchlagener Vorderhuf. L.(geſund) war, beſaß(Lung⸗ witz).“ Beim Aufſchlagen des Eiſens, das nicht zu ſchwer, ſauber und bodeneng geſchmiedet ſein und deſſen Schenkelenden einen vollſtändig wagrechten Tragrand beſitzen ſollen, iſt darauf zu achten, daß einmal die Nägel auf der weißen Linie Fig. 140, 141 g) in den Huf eindringen, daß ferner beim Vordereiſen die Nägel in der vorderen Eiſenhälfte(Fig. 154), beim Hintereiſen(Fig. 155) in den vorderen zwei Drittteilen des Eiſens verteilt ſind. Die Erneuerung des Beſchlages ſoll bei geſunden Hufen, wenn möglich nicht vor fünf Wochen ſtattfinden. bb. Genügende Bewegung bezw. Loſegehen im Stalle.(S. 149.) cc. Reinlichkeit und Zufuhr genügender Feuchtigkeit. Beides wird erreicht durch reine, trockene Streu, tägliches Auskratzen und Aus⸗ waſchen der Hufe. Um das Verdunſten der hierbei aufgenommenen Feuchtigkeit zu verhindern, kann man hierauf noch Wand und Sohle mit einem nicht ranzigen Fett(Kamm- oder Schweinefett ꝛc.) einreiben; en, nu iſt m hezu in it de n. Aie werden halten, el meht öhe zi enwand rlaufen. l aber ſen di wird rſtere, t die ſein. Eiſen noch Eiſen venig⸗ f da⸗ alten. ſens ſtets 8 zu elbſt :154). Form dufen nach dem 2. 149.) Beides nd Aws⸗ ommenen ohle mit einreiben, Gute Fütterung und Pflege. 187 wirkt zu viel Feuchtigkeit auf das Hufhorn ein(bei Schneeſchlicker, an— dauerndem Regenwetter ꝛc.), ſo kann es ſich zur Verhütung einer zu großen Erweichung des Hufes beſonders der Sohle empfehlen, dem Fett etwas Wachs oder dicken Terpentin zuzuſetzen. Die ſogenannten Huf⸗ ſalben ſind entbehrlich, ſie beſitzen keinen Einfluß auf das Wachstum des Hufhornes.— Das zeitweilige Einſchlagen des Hufes in Lehm, Kleie oder Sägemehl, bezw. das Einſtellen in Waſſer wird nur bei großer Trockenheit und nur an den Vorderhufen nötig, da ſich die Hinterhufe durch die entleerten Exkre⸗ mente(Kot und Urin), mit welchen ſie fortwährend in Berührung kommen, genügend feucht erhalten. Dem Ein⸗ ſchlagen hat ſtets ein nachdrückliches Einfetten, beſonders der Sohle, zu folgen, andernfalls wird der Huf hart und brüchig! Erlaubt es der Dienſt der Pferde, ſo würde die beſte Hufpflege jedenfalls darin beſtehen, dieſelben von Zeit zu Zeit ohne Eiſen, wenn möglich, auf einer trockenen Weide oder einem ſolchen Tummelplatz bezw. im Laufſtand gehen zu laſſen. Die Klauenpflege bei den Wiederkäuern geſtaltet ſich weſentlich einfacher. Auch hier iſt zu beachten, daß letztere bei ſtetem Stall⸗ aufenthalt ſich nicht abnutzen und in ihrem Zehenteil ſich oft geradezu Fig. 156. Rollklaue. P. Fig. 157. Gekreuzte Klaue. 1'. poſthornartig(Fig. 156) nach oben krümmen(Rollklauen) oder ſich kreuzen (Fig. 157), oder daß ſich die vorſtehenden Wände nach der Sohle hin umbiegen. Hierdurch wird der Stand und Gang unſicher, es fällt ein zu großer Teil der Körperlaſt auf die Ballen und Entzündungen der⸗ Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. ſelben, Zerrungen und Dehnungen in den Fußgelenken und den Beuge⸗ ſehnen und ein klammriger Stand und Gang, beſonders mit den Hinter⸗ beinen, iſt die Folge hiervon. Man kann ſogar beobachten, daß infolge der Schmerzen, welche Bullen mit ſolchen Rollklauen und weichen, ſchmerzhaften Ballen beim Auftreten empfinden, nicht mehr oder nicht gern mehr ſpringen, weil beim Erheben auf dem Hinterteile die ganze Laſt des Körpers auf dieſe ſchmerzenden Teile fällt, beſonders wenn das Sprunggeſchäft auf hartem Boden ausgeführt werden ſoll. Aus dieſem Grunde macht ſich auch bei den im Stalle gehaltenen Wiederkäuern, ſehr ſelten beim Weidevieh, zeitweilig eine Korrektur der Klauen notwendig. Daneben iſt noch für Reinlichkeit im Stalle und trockene Streu zu ſor⸗ gen und eine zeitweilige Reinigung der Klauen geboten. Einfetten der letzteren iſt überflüſſig. Bezüglich des unter Umſtänden bei Arbeits⸗ ochſen notwendigen Be⸗ ſchlages der Klauen iſt zu berückſichtigen, daß der Fuß des Rindes geſpalten und jede Hälfte desſelben mit einer beſonderen Hornkapſel verſehen iſt. Beim Auftreten weichen — dieſe Fußhälften bezw. — Klauen auseinander, — wodurch zum Teil die Fig. 158. Beſchlagene Rindsklaue. L.. Stoßbrechung beim Auftreten(welche beim Pferde durch Hornſtrahl, Strahlpolſter und die Ausdehnungsfähigkeit der Hornkapſel bewirkt wird) bedingt iſt. Beim Beſchlag der Rinder iſt daher jede Klaue für ſich mit einem beſonderen, nicht aber ſind beide Klauen mit einem gemeinſchaftlichen Eiſen zu beſchlagen. Letzterer Beſchlag iſt nur bei ſehr unebenen, z. B. gefrorenen, ſteinigten Boden ſtatthaft. Da die Wand und Sohle der Rindsklaue erheblich dünner als beim Pferdehuf ſind, ſo muß das Klaueneiſen breit und dünn, ſeicht gelocht und am Zehenteil des inneren Eiſenrandes mit einem langen, feder⸗ artigen Aufzug verſehen ſein, welcher nach außen umgebogen, die Klauenſpitze umfaßt und die Haltbarkeit des Eiſens an der Klaue, die wegen der dünneren Hornwand eine geringere iſt, weſentlich erhöht (Fig. 158). 56R 8 N N ſſſ Vaug⸗ Hinter⸗ Bullen nftreten ktheben n Täile geführt altenen tur der le und zu ſor weilig Klauen ten der flüſſig. unter beits⸗ n Be⸗ auen ſigen, des n und sſelben onderen ehen it weichen k bezw. mander, Teil de beim chebeim fähigkit inder it nd bede Letzere n Boden als bein jt geltt en, fder ogen, N er Klan, ic ertih Gute Fütterung und Pflege. 189 b) Pflege der Schenkel. Die rationelle Pflege der Schenkel beſteht in der Hauptſache in einer ausreichenden Bewegung der Tiere beim Gebrauch oder bei freier Bewegung auf Tummelplätzen und Weiden(S. 158). Dieſe beſchleunigt die Blutzirkulation, begünſtigt, wie ſchon bemerkt(S. 159) den Stoff⸗ wechſel und ſteigert, wie im Geſamtorganismus, ſo auch in den Knochen, Gelenken, Bändern, Sehnen und Muskeln der Schenkel die Ernährung und damit deren Widerſtandsfähigkeit. Verminderte oder mangelnde Be⸗ wegung ſetzt das alles herab und führt zu Steifigkeit der Muskeln und Gelenke. Daneben iſt aber noch zu ſorgen: Für Reinlichkeit durch Putzen der Schenkel bezw. ſorgfältiges Abwaſchen, wenn dieſelben beſchmutzt ſind, mit nachherigem Trockenreiben mit Stroh⸗ oder Heuwiſchen. Sehr empfiehlt es ſich, hierauf die Beine in Stroh oder in wollene Binden zu wickeln, namentlich im Winter und in kalten, zugigen Ställen. Ganz beſonders iſt dieſe Reinlichkeit bei Pferden mit langem Behang notwendig, bei denen ein Mangel derſelben zu Hautentzündungen an der hinteren Fläche des Feſſels, zu ſogenannter Schmutzmauke, führt. Die Frage, ob man der Bequemlichkeit halber ſolchen dicken Feſſel⸗ behang, wie er bei ſchweren Arbeitspferden häufig vorkommt, nicht lieber beſeitigen und das Feſſel ausſcheren ſolle, iſt durch die Erfahrung dahin beantwortet, daß dieſe Haare den beſten Schutz für die Haut ge⸗ währen und daß bei Pferden, die ausgeſchoren werden, bei naſſer, ſchmutziger Witterung viel häufiger Mauke und andere Hautkrankheiten vorkommen, als bei nicht ausgeſchorenen. Sehr zu empfehlen ſind für Pferde, welche große Strapazen durch⸗ gemacht haben, warme Fußbäder, oder, wo dieſe nicht durchzuführen, das Einwickeln der Schenkel in Prießnitz⸗Umſchläge. Letztere appliziert man in der Weiſe, daß man die Schenkel nach ſorgfältigem Abwaſchen von der Hufkrone bis über das Vorderknie bezw. das Sprunggelenk mit einer in kaltes Waſſer getauchten, leicht wieder ausgedrückten Binde um— wickelt und darüber in dichten Touren eine wollene Binde legt, eine Prozedur, die alle zwei bis drei Stunden zu erneuern iſt. Noch wirk⸗ ſamere werden dieſe Umſchläge, wenn man über die naſſen Leinenbinden zunächſt eine Schicht des überall käuflichen Guttaperchapapieres und erſt darauf die Wollbinden legt. Für derartige, täglich ſtark angeſtrengte Pferde empfiehlt ſich auch das regelmäßige Einwickeln, Banda⸗ gieren der Schenkel mit Flanell⸗ oder beſſer ſogenannten Schlauch⸗ oder Trikotbinden nach jeder Bewegung und nach vorherigem Abwaſchen und Trockenreiben der Beine. Dasſelbe erfolgt nur bis zum Vorderknie und Sprunggelenk, und bleiben die Binden meiſt bis zur nächſten Dienſt⸗ leiſtung liegen. Dieſe Binden müſſen immer von unten nach oben und dürfen nie zu feſt gewickelt ſein. Beſonders empfiehlt ſich das Banda⸗ gieren bei Sehnen- und Gelenkgallen. 190 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. 4. Die Pflege der Atmungs⸗ und Zirkulationsorgane. Dieſelbe iſt ſchon mehrfach berührt worden. Alles aus dem Körper nach dem rechten Herzen zurückſtrömende, mit Stoffwechſelprodukten, vor allem mit Kohlenſäure beladene und an Sauerſtoff erſchöpfte Blut(S. 66, Fig. 97) gelangt von dort zunächſt nach der Lunge, giebt dort die Kohlenſäure und andere gasförmigen Stoffwechſelprodukte ab und nimmt friſchen Sauer⸗ ſtoff auf, ſtrömt dann zum linken Herzen zurück und von dort durch die Aorta und die durch deren fortgeſetzte Veräſtelungen entſtehenden Arterien wieder in alle Teile des Körpers. Je mehr Muskelarbeit, deſto mehr Blut ſtrömt durch die Muskulatur und von dort nach Herz und Lunge zurück, um ſo thätiger ſind beide, um ſo mehr werden dieſe Organe durch ihre eigene Thätigkeit— wenn die an ſie geſtellten Anforderungen nicht zu hohe werden— gekräftigt(S. 112). Dazu kommt noch, daß geſteigerte Muskelarbeit auch zu einer reichlicheren Kohlenſäurebildung führt. Bleibt ein größerer Prozentſatz derſelben im Blute zurück und gelangt mit dieſem zum Atmungszentrum(S. 110), ſo wird dieſes ſtärker erregt, die Atem⸗ züge werden tiefer, kräftiger und die überſchüſſige Kohlenſäure wird raſch wieder durch die Lunge aus dem Blute entfernt. Atmung und Zirkulation, die ſich alſo bis zu einem gewiſſen Grade gegenſeitig beeinfluſſen, werden demnach durch die Bewegung zu ſtärkerer Thätigkeit angeregt; jede ſtärkere Thätigkeit beider bewirkt aber nicht nur eine raſchere und kräftigere Blutzirkulation im ganzen Organismus, ſondern vor allem auch im Herzmuskel ſelbſt. Dieſer wird beſſer ernährt und kräftiger(Arbeitshypertrophie, S. 112) und kann eine um ſo höhere Triebkraft entfalten. Ebenſo wird durch das vermehrte Einſtrömen von Luft in die Lunge deren Ausdehnungsfähigkeit und ihr Luftfaſſungs⸗ vermögen vermehrt, zugleich auch die Bruſthöhle bis zu einem gewiſſen Grade erweitert, die Möglichkeit der vermehrten Sauerſtoffaufnahme hierdurch ge⸗ geben. Die beſte pflegliche Fürſorge für den Atmungs⸗ und Zirkulations⸗ apparat iſt daher ebenſo eine täglich mehrſtündige, dem Kräftezuſtand des Tieres entſprechende Bewegung, wie ſie neben entſprechender Ernährung das beſte Mittel zur Steigerung der Ernährung des Geſamtorganismus, ſeiner Kraft und ſeiner Widerſtandsfähigkeit iſt. Nicht oft und ſcharf genug kann daher immer und immer wieder hervorgehoben werden, daß Bewegung, ja ſogar viel Bewegung beſonders für junge, in der Ent⸗ wicklung befindliche, aber auch für ausgewachſene Tiere, eine unumgänglich notwendige Lebensbedingung iſt, die um ſo vorteilhafter auf den Geſund⸗ heitszuſtand einwirkt, wenn ſie in reiner Luft(S. 159) erfolgt. 5. Pflege des Nervenſyſtems. So wichtig die ungeſchwächte Thätigkeit des Nervenſyſtems für den ganzen Organismus iſt(S. 100), ſo erſcheint bei der Pflege unſerer Haustiere doch eine beſondere Rückſichtnahme auf dasſelbe nicht geboten. Bei Beobachtung der vorſtehend(unter 1—4) gegebenen Regeln findet zugleich auch das Nervenſyſtem die erforderliche Pflege. ct zu digene Bleibt dieſem Atem⸗ raſch Grade kerer nur Wmus, nährt m ſo ömen ungs⸗ Vrade grung mus, ſchauf „ daß En⸗ anglih eſund⸗ für de unſerel geboten 1 fud Naturgemäßer Gebrauch. 191 III. Die Tiere ſind naturgemäß zu gebrauchen. Unſere Haustiere werden bekanntlich zu ſehr verſchiedenen Gebrauchs⸗ zwecken benutzt. Jeder derſelben birgt gewiſſe Gefahren für deren Ge⸗ ſundheit in ſich, welche um ſo größer ſind, je einſeitiger die von dem betreffenden Tiere geforderte Arbeitsleiſtung iſt und je mehr bei derſelben nur beſtimmte Organe angeſtrengt werden. Dieſe Gefahren zu verhüten, muß eine weitere Hauptaufgabe der Geſundheitspflege ſein. Sie wird derſelben zu genügen haben und genügen können durch eine natur⸗ und vernunftgemäße Benutzung der in entſprechender Weiſe(S. 115) auf⸗ gezogenen Tiere. Es würde alſo zu beachten ſein: 1. Die Benutzung der Arbeitstiere. a) Der Pferde. Die Leiſtung als Arbeitstier fordert vom Pferde vor allem eine kräftige Entwicklung ſeines Bewegungsapparates, alſo ſeiner Muskeln, Sehnen, Gelenke, Knochen und Hufe, ferner eine ebenſolche Entwicklung ſeines Verdauungs⸗ und Atmungs⸗Apparates. Borbereitung auf die Dienſtleiſtung. Je mehr die Zeit herannaht, wo das Pferd zur Arbeitsleiſtung herangezogen werden ſoll, umſomehr macht es ſich nötig, dasſelbe hierauf vorzubereiten(in die er— forderliche Kondition zu bringen) und gerade diejenigen Apparate bei ihm auszubilden, auf deren Leiſtungsfähigkeit es hierbei ankommt. Für jede Arbeitsleiſtung wird vor allem ein gewiſſes Maß von Kraft erfordert. Hierbei kommt es auf zwei eng mit einander zuſammen hängende Dinge an. Einmal nämlich auf die Energie, mit welcher die die Kraft bildenden Prozeſſe ablaufen, dann auf die Entwicklung der Muskeln, d. h. derjenigen Organe, durch welche die Kraft zum Aus⸗ druck gelangt. Die Kraft iſt, wie ſchon S. 68, 78 gezeigt, das Produkt der im Körper unter Mitwirkung des Sauerſtoffes ſowohl in der Zellenſubſtanz, als auch in den aus dem Verdauungskanal reſorbierten Nährſtoffen ununter⸗ brochen im Blute ablaufenden chemiſchen Zerfallprozeſſe. Je mehr Nähr⸗ ſtoffe und je mehr Sauerſtoff durch reichliche Ernährung und durch kräftige, durch die Bewegung in friſcher, reiner Luft mächtig angeregte Atmung dem jungen Pferde zugeführt werden, deſto mehr werden der Stoffwechſel und die Orydationsprozeſſe hierdurch im Körper geſteigert werden, um ſo größer wird die Kraftentwicklung ſein. Die Arbeitsleiſtung des Pferdes beſteht in der Ortsbewegung. Dieſe wird bewirkt durch die von den motoriſchen Nerven(S. 103) angeregte, abwechſelnde Zuſammenziehung der Muskeln und die dadurch bedingte Beugung und Streckung der Gelenke und der dazu gehörigen Knochen. Nun verſteht es ſich aber von ſelbſt, daß je dicker der Muskel iſt, d. h. je dickere oder je zahlreichere kontraktionsfähige Muskelfaſern er beſitzt, um ſo größer ſeine Kraftleiſtung ſein wird, weil die in demſelben ab— 192 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. laufenden kraftbildenden Zerfallprozeſſe in einem dickeren Muskel um⸗ fänglichere ſein werden, als in einem weniger dicken. Alſo auch nach dieſer Richtung kommt es darauf an, das junge, in die Arbeit tretende Pferd reichlicher zu ernähren. Etwas verſchieden wird ſich aber im Hinblick auf die mannigfachen Gebrauchszwecke des Pferdes die Ernährung desſelben bezüglich des Volumens der Nahrung inſofern geſtalten müſſen, als mit der Schnelligkeit der verlangten Arbeitsleiſtung der Konzentrationsgrad der Nahrung ſich ſteigern und das Volumen derſelben(d. h. die Menge der darin enthaltenen unverdaulichen Rohfaſern) ſich verringern muß. Je ſchneller ſich die durch den Nerveneinfluß angeregten Muskelzuſammen⸗ ziehungen(Muskelkontraktionen) folgen, um ſo größer iſt die in der Zeit— einheit durch die Muskeln hindurch ſtrömende Blutmenge, um ſo lebhafter ſind die in denſelben ſtattfindenden Oxydationsprozeſſe, um ſo größer alſo auch die Menge der hierbei gebildeten Kohlenſäure. Dieſe wird dem aus den Muskeln abſtrömenden Blute alſo auch vermehrt beigemengt, erregt in ſtärkerem Maße das von dieſem durchſtrömte Atmungszentrum(S. 110), wodurch die Thätigkeit der Lunge geſteigert und der vermehrte Kohlen⸗ ſäuregehalt des Blutes wieder ausgeſchieden wird. Die lebhaftere Thätig⸗ keit der Lunge, der durch die vermehrte Muskelthätigkeit ſelbſtverſtändlich auch mehr Blut zugeführt wird(S. 66 flg.), erfordert aber eine weitere Bruſthöhle. Dieſe iſt von der Bauchhöhle durch eine hautartige Muskel⸗ platte, das Zwerchfell(Fig. 159), getrennt. Voluminöſes Futter dehnt den Verdauungskanal, beſonders den beim Pferde ſehr umfänglichen Dickdarm (Fig. 159 C) ſtark aus, wodurch auch das Zwerchfell weiter in die Bruſt⸗ höhle hineingedrängt und der in derſelben für die Ausdehnung der Lunge (Fig. 159 L) beim Einatmen beſtimmte Raum erheblich verkleinert, das Luftfaſſungsvermögen der Lunge bezw. die Menge der mit jeder Ein⸗ und Ausatmung in die letztere ein⸗ oder ausſtrömenden Luft alſo zum Teil ganz erheblich vermindert werden muß(ſ. auch S. 168). Hieraus ergiebt ſich ohne weiteres, daß junge Pferde, welche als Renn⸗ oder Reitpferde bezw. als Wagenpferde im ſchnellen Dienſt verwendet werden ſollen, eine weit konzentriertere Nahrung(mehr Körner und weniger Rauhfutter) wie ſchwere Arbeitspferde erhalten müſſen. Dieſe ſoll dabei nicht zu ſchwer verdaulich ſein, weil es bei der beſchleunigten Kraftleiſtung auf eine ſchnelle Reſorbierbarkeit und Aſſimilierbarkeit der Nährſtoffe ankommt. Die Kraftleiſtung wird aber noch weiter beeinflußt durch die Uebung der Muskulatur. Indem wir das junge Pferd allmählich an diejenige, ſpäter von ihm verlangte Arbeit gewöhnen, die von ihm verlangte Arbeits⸗ leiſtung immer mehr und mehr ſteigern, wird nach dem bekannten Geſetz, daß ein thätiger Muskel von einer größeren Blutmenge durchſtrömt und ———“—“ daher beſſer ernährt wird, als ein weniger thätiger oder unthätiger Muskel, die Muskulatur bei gleichzeitiger genügender Zufuhr von Nährſtoffen, dicker und damit kräftiger werden. Die vermehrte Blutzufuhr wird aber((n auch— natürlich nur bis zu einem gewiſſen Grade— die Gefäß— terl bahnen erweitern, wodurch der Zu⸗ und Abfluß des Blutes zu den fEn Naturgemäßer Gebrauch. 193 l um Muskeln erhö Muskeln erhöht und der ununterbroch r ödh unter ene Er.Hdur; 3. wmt prozeſſe zerfallenen Mekadndndn deneße ben durch die Orhontione⸗ reeede z geſichert wird. An dieſen günſtigen fabe des SE it der 8⁸ d S8 5e 3 522 ge d 285 . 23 umen⸗ 85S — ir 55 beite 56 ½α er alſo 5 2 G22 erregt 28 5 110, 505 hlen= ätig⸗ 5 blich 91½ ⁵ itere ⸗ 27 dr, 8 askel⸗ 2*ε t den darm 88— 22 Bruft⸗ 5e Lung 25* das 2½ 2 v und 2*⁵ n dii 225 : I. 5F B 2 ergicht 5½ tpferde Be n, ein 5*⁸ r) wie 3 . ſchwer 55* if eine 22. nmt. ·35 lebung 8½ .370 4.= tijenige 65,2 Arbeit⸗ έ 8 Geſes 558 unt und 55 Makt. Sr 141 Ernährungsverhältniſſ b erd abe Ernährungsverhältniſſen nehme ürlich 6 i7. ind dde verl dufandin A.)nln ſſen zehinen natürlich auch die in der Muskulatur Gefiſ⸗ Ernähr Nerven teil, deren erregende Wirkung auf erſtere bei beſſerer zu da FErnährung gekräftigt wird: der Muskel ermüdet weniger raſch. Johne. 13 194 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. Hierbei darf auch nicht unberückſichtigt bleiben, daß die mit der Uebung verbundene ſtärkere Anfüllung der Lunge mit Luft und Blut und 9 der hierdurch bedingten größeren Ausdehnung derſelben, bei jungen Tieren ſih auch eine allmähliche Erweiterung des Bruſtraumes(natürlich nur bis zu 1 einer gewiſſen Grenze) bedingt, welche für die ſpätere Leiſtungsfähigkeit ffn ihrer Atmungsorgane von ausſchlaggebender Bedeutung iſt. de In beſonders intenſiver Weiſe iſt dieſe Vorbereitung für Renn⸗ bew. Ul Jagdpferde nötig; ſie wird bei dieſen durch das ſogenannte Trainieren ſdie bewirkt. Man will damit fettloſe Tiere mit ſtrammen, ſtählernen Muskeln und gut entwickeltem Atmungsapparat heranziehen. Es wird dies erreicht durch NA ſehr konzentrierte, krafterzeugende Fütterung(Hafer, Gerſte, zeitweilig auch N gequellte Erbſen als Beifutter, wenig Heu); warmes Bedecken und Schwitzen üiu zur möglichſten Waſſerentziehung und Entfettung; durch zeitweiliges Purgieren d zu demſelben Zwecke, und endlich durch methodiſch und vorſichtig geſteigerte lam Bewegung vom Schritt zum Trab, Galopp und zum Renngalopp. Durch fb eine derartige Behandlung, die meiſt ſchon mit 1 ½ Jahren beginnt, wird leic neben hervorragender Kräftigung der Muskeln alle überflüſſige Gewebs⸗ gen flüſſigkeit und alles Fett zwiſchen und in den Muskeln entfernt, die Kon⸗ hie turen der letzteren treten infolgedeſſen deutlicher hervor und das ganze wie Anſehen des Tieres und der Bauch wird hierdurch und infolge der kon⸗ hlan zentrierten Nahrung ſchlanker. Freilich bedingt eine derartige Behandlung, gan die natürlich auch die Erregbarkeit des Nervenſyſtems erheblich ſteigert, eine Lo ſolche Reizbarkeit auf äußere Einflüſſe, daß derartige Pferde nicht ſelten auf pie längere Zeit für jeden anderen Gebrauchszweck untauglich werden. JaAu Daß bei dieſem Anlernen an den Dienſt mit Vorſicht und Geduld i verfahren werden muß, wenn man bei den jungen Tieren nicht eine ſehr 3 unangenehme Störrigkeit oder Widerſetzlichkeit, die ſich bis zur abſoluten, 6 u als Stätigkeit bezeichneten Verweigerung der Dienſtleiſtung ſteigern ſan kann, hervorrufen will, iſt ſelbſtverſtändlich. Die Urſache der letzteren ual iſt faſt ausnahmslos in dem Umſtand zu ſuchen, daß dem jungen Tiere ſdan eine ungewohnte oder gleich von vornherein zu ſchwere oder dieſem nur ſder ſcheinbar zu ſchwere Dienſtleiſtung angeſonnen, und weil es dieſelbe ver⸗ 4 weigerte, das junge Pferd geſchlagen bezw. gemißhandelt wurde. Jede 9 ol ſpätere ihm zugemutete Dienſtleiſtung bringt das Pferd nun mit dieſen hvi früheren Mißhandlungen in Verbindung und verweigert dieſelbe, trotzdem ſie von ihm ſpielend überwältigt werden könnte. 8 In ſolchen Fällen wird man mit Hinweglaſſung jeden Strafmittels, fur mit Ruhe und Geduld, und ohne Ausübung jedes Zwanges ſchließlich doch ſdas noch ſein Ziel erreichen, wenn es gelingt, dem Pferde zum Bewußtſein zu b bringen, daß es die verlangte Arbeit thatſächlich vollbringen kann und Miß⸗ ſue handlungen hierbei nicht zu fürchten hat. Man wird daher unter fort⸗ dih währenden Liebkoſungen, Zureden, Verabreichung von Brod oder Zucker ꝛc. Rͤlge dem Pferde zunächſt die leichteſte Arbeit zumuten, die denkbar iſt. Vollbringt Wab es dieſelbe, dann muß man vorſichtig ſteigern, immer einige Zeit auf gleicher NAr Höhe verbleiben ꝛc. Stätigen Wagenpferden kann man z. B. in der Weiſe or ihre Untugend abgewöhnen, daß man ihnen ein gut paſſendes Geſchirr auf⸗ We legt und an die Enden der Zugſtränge je einen 3—4 m langen Strick lu anbindet, von denen jeder von einem Manne gehalten wird. Dann züt führt man das Pferd vorſichtig am kurzen Zügel an, wobei die beiden h teigert Durch „widd ewebs⸗ Kol⸗ ganze kon⸗ dung, eine n auf zeduld e ſehr vluten, teigem etzeren Tire m nur be ber⸗ Idde dieſen rotdem mittels, ich doc tſein zu d Mi⸗ er folt ucker e. llbringt geicer r Weiſe irr auf⸗ 1 Srit Dant beiden Naturgemäßer Gebrauch. 195 Leute ihre Stränge zunächſt nicht ſtraff anziehen, ſondern ruhig hinter dem Pferde mit dem lockeren Strange hergehen. Nach und nach und ganz vor⸗ ſichtig ziehen ſie denſelben etwas ſtraffer, ſo daß das Pferd allmählich einen gewiſſen Widerſtand fühlt. Dieſer darf nur ganz allmählich durch immer ſtrafferes Anziehen der Stränge geſteigert werden, bis endlich das Pferd die ſich feſt an dieſelben hängenden Leute ruhig fortzieht. Zwiſchendurch muß man das Pferd ſtehen und immer wieder ruhig anziehen laſſen. Wird dieſe Arbeit ohne Widerſetzlichkeit geleiſtet, ſo ſteigt man in derſelben ruhigen Weiſe, indem man an jeder Seite ſtatt einen, zwei, drei, ja vier kräftige Männer halten und dieſe fortziehen läßt. Wenn man auf dieſe Weiſe dem Pferde erſt die Ueberzeugung beigebracht hat, daß die an ſeinem Geſchirr hängende Laſt ſich thatſächlich ohne Mühe fortbewegen läßt, wenn man dabei dasſelbe auch allmählich daran gewöhnt hat, am langen Zügel und ohne am Kopf geführt zu werden, vorwärts zu gehen, ſo wird man in ein oder zwei Tagen auch nach und nach dazu übergehen können, dasſelbe an einen leichten Wagen zu ſpannen. Hierbei ſind aber folgende, meiſt nicht genügend beachtete Regeln unbedingt feſtzuhalten: 1. Darf das Pferd hierbei keine Peitſche zu ſehen oder zu fühlen bekommen; 2. iſt das Pferd wiederum nur langſam am Kopf anzuführen. Erſt ſpäter darf es am langen Zügel genommen und vom Wagen aus gefahren werden; 3. die ganzen Verſuche haben durch ein bis zwei Tage nur im Schritt zu erfolgen, wobei man immer wieder zwiſchendurch das Pferd ruhig ſtehen und ruhig wieder anziehen läßt. Erſt allmählich darf man zum Fahren im leichten Trabe übergehen. Nach und nach können auch mehrere Perſonen den Wagen beſteigen und die Laſt erhöhen. Geht man auf dieſe Weiſe ganz allmählich und geduldig vor und beobachtet man hierbei die Vorſicht, bei der geringſten Widerſetzlichkeit nicht zu ſchlagen, ſondern lieber das Maß der Anforderungen wieder ein Stück herabzuſetzen, verwendet man geduldig auf dieſes Ver⸗ fahren nicht nur, wie viele dies erfolglos verſuchen, wenige Stunden, ſondern mehrere Tage, ja Wochen, ſo wird es(wenigſtens nach den vom Verfaſſer damit gemachten Erfahrungen) kaum einen Fall von Stätigkeit geben, der hierdurch nicht geheilt werden könnte. Das Alter, in dem man die Pferde zur Arbeit einſtellt, ſollte eigentlich, ſtreng genommen, das der beendeten körperlichen Ent⸗ wickelung, alſo das beendete 5., bei edleren, warmblütigen Pferden das 6. Lebensjahr ſein. Die nicht unerheblichen Koſten der Aufzucht zwingen aber dazu, hiermit etwas früher zu beginnen. Soll dies ohne Nachteil für das junge Pferd geſchehen, ſo iſt hierbei aber das Maß der an dasſelbe zu ſtellenden Anforderungen bis zur beendeten körperlichen Entwickelung thunlichſt zu beſchränken, eine Regel, die zwar öfter und leichter gegeben, um ſo ſeltener und ſchwerer aber befolgt wird. Im allgemeinen wird man Ackerpferde vom 3. Jahre ab zu anfangs leichter, halbtägiger, ſpäter ganztägiger, vom 4. Jahre ab auch zu ſchwerer Arbeit verwenden können. Schwere, frühreife Laſtpferde ſollte man nicht vor 3 ½ Jahren in leichte, nicht vor 4 ½— 5 Jahren in volle, ſchwere Arbeit nehmen. Die Verwendung von Wagenpferden, beſonders warm⸗ blütiger, orientaliſcher Abkunft, die ſich ſtets langſamer entwickeln, als die frühreifen, abendländiſchen, kaltblütigen Schläge, darf höchſtens von 4 ½ Jahren ab vorſichtig zu leichten, kurzen Touren, für den vollen 13* 196 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. und anſtrengenderen Dienſt nicht vor dem vollendeten 5. Jahre ſtattfinden; auf eine volle Leiſtungsfähigkeit hat man bei derartigen Pferden vor dem 6. Jahre nicht zu rechnen. Ganz dasſelbe gilt für Reitpferde. Höchſtens werden mit Rennpferden, wie ſchon oben bemerkt, Ausnahmen inſofern gemacht, als man dieſelben oft ſchon mit 2 Jahren auf der Rennbahn gehen läßt. Jede Abweichung von dieſen Regeln— und dafür geben namentlich wiederum die Rennpferde oft recht traurige Beläge— führt zu einer früheren Abnutzung der Pferde, und zur Entwickelung mancherlei Krank⸗ heitszuſtänden an den Knochen, Gelenken, Bändern und Sehnen. Alle dieſe Teile ſind noch nicht genügend entwickelt, feſt und widerſtandsfähig genug, um den auf ſie beim Gebrauche einwirkenden Druck, Stoß oder Zug ohne Nachteil zu ertragen, daher die Bildung von Schale, Spat, Ueberbeinen, chroniſchen Gelenk⸗ und Sehnenentzündungen, Gelenk⸗ und Sehnenſcheidengallen, Sehnenverkürzungen(Sehnenklapp) ꝛc.— Kommt hierzu weiter die noch ungenügende Kraft, werden namentlich junge, oft kaum vierjährige, vom Händler eben importierte Pferde, die noch vor wenigen Wochen auf der Weide oder nur im leichten Acker gegangen ſind, bis dahin aber noch kein oder viel zu wenig Kraftfutter bekommen haben, die noch nicht in Kondition, oder wie man ſagt, noch nicht„gehabert“(gehafert) ſind, ſofort als Wagenpferde verwendet, ſo iſt die vorhandene Kraft raſch aufgebraucht, ſie fangen an ſich zu ſtreichen und zeigen ſehr bald die eine oder mehrere der oben bezeichneten Knochen— und Gelenkfehler, ſie werden ſtelzfüßig oder ſtruppiert und können in wenig Wochen oder Monaten in wertloſe, verbrauchte Tiere verwandelt ſein. Gebrauchsregeln. Bewegung iſt, wie ſchon erläutert(S. 158) eine unentbehrliche Bedingung für die Geſunderhaltung der Tiere. Dem⸗ nach iſt auch die, allerdings mit einer größeren Kraftanſtrengung ver⸗ bundene Arbeitsleiſtung eine durchaus geſunde Thätigkeit, allerdings nur unter der Vorausſetzung, daß einmal die geforderte Arbeit die vorhandenen Kräfte des Tieres nicht überſteigt und demſelben genügende Ruhepauſen gegeben werden, ſowie ferner, daß das bei der Kraftentwickelung ver⸗ brauchte Körpermaterial und die verbrauchte Kraft durch neue Stoffzufuhr in genügender Weiſe erſetzt wird. Dieſer Stoff⸗ und Kraftverbrauch iſt um ſo größer, je bedeutender die Arbeitsleiſtung, je raſcher die verlangte Bewegung iſt und je länger die Kraftleiſtung gefordert wird; er wird um ſo weniger erſetzt werden können, je kürzer die zwiſchen der Arbeit liegenden Ruhepauſen ſind, je geringer die Nährſtoffzufuhr in denſelben ausfällt(Hagemann). Intenſiver Kraft⸗ und Stoffverbrauch, beſonders bei ſchwerer, mit einer gewiſſen Schnelligkeit zu leiſtenden Arbeit, neben ungenügender Ruhe führen daher zur Abmagerung und zur raſchen Abnutzung der Arbeitstiere, welche dieſelben lange vor der Zeit wertlos machen.— Beim Gebrauch der Arbeitspferde ſind daher folgende Geſichts⸗ punkte im Auge zu behalten: aa) Die von dem Pferde geforderte Arbeit darf nicht zu groß ſein. Alle Verſuche, die von einem Pferde in einer Stunde zu leiſ theor kehrt 85 9- verm Arbe pfer haber manz ſſt u blüti ſprec 100 Sch Gen aud den von Scht werd mitt Gen ziel von gefor wenn Pfer zuge nam Rffon ſond im gezo beſte Geiu bei) Spal Phos welch geſte und ſiver Spal tfinden. vor dem öchſtens inſofen ennbahn mentlich zu einer iKrank⸗ n. Ne ndoſähi toß ode „Smm. Gelent k.— anentlih rde, d en Ackr raftfutg gt, vt ndet, ſt ſtreiche Knochen⸗ önnen i ndelt ſei S. 15 r.. dar⸗ gung ver dings un chandene uheprwie elung de äuffzonn ur wite eit wels de Geſicte⸗ jnidt Stunde Naturgemäßer Gebrauch. 197 leiſtende Arbeit mathematiſch genau in Zahlen auszudrücken, ſind als theoretiſche Spielerei zu betrachten. Hier entſcheidet die Erfahrung. Dieſe lehrt aber, daß ein ſehr ſchweres Arbeitspferd auf ebener und feſter Straße 30— 40, ein mittleres oder gewöhnliches Wagenpferd 20— 35 Ztr.(inkl. Wagen) im langſamen Zug fortzubringen vermag. Mit entſprechenden Ruhe⸗ und Futterpauſen kann eine ſolche Arbeit ohne Nachteil 10—12 Stunden geleiſtet werden.— Für Wagen⸗ pferde, welche eine gewiſſe Laſt im ſchnellen Zuge fortzubewegen haben, vermindert ſich die Größe der fortzubewegenden Laſt ſelbſtverſtändlich ganz erheblich, und zwar umſomehr, je raſcher das Tempo der Bewegung iſt und je leichter die betreffenden Pferde gebaut ſind. Leichte, warm⸗ blütige Wagenpferde können mit einer Laſt von ca. 3 Ztr. und mit ent⸗ ſprechenden Einſchiebungen von Schritt⸗, Ruhe⸗ und Futterpauſen 8 bis 10 Stunden täglich im Mitteltrabe verwendet werden. Je mehr ſich die Schnelligkeit ſteigert, umſomehr iſt die fortzubewegende Laſt(d. h. das Gewicht des Wagens und deſſen Belaſtung) und die Dauer der Arbeit zu vermindern. Je größer und ſchwerer die Wagenpferde, je mehr ſie den kaltblütigen Schlägen zuzuzählen ſind, um ſo größer kann zwar die von ihnen fortzubewegende Laſt ſein, umſomehr wird aber auch die Schnelligkeit der Leiſtung und die Dauer der Arbeitszeit vermindert werden müſſen.— Für Reitpferde gelten ähnliche Grundſätze. Ein ſolches von mittlerer Veredlung und mittlerer Größe wird in ebenem Terrain bei Gewährung der erforderlichen Futter- und Ruhepauſen und bei Er⸗ zielung einer mittleren Geſchwindigkeit bei mittelguten Wegen ein Gewicht von 80 kg ohne Nachteil 10—12 Stunden tragen können. Je größer die geforderte Schnelligkeit, um ſo leichter muß das Gewicht ſein, um ſo weniger lange darf die Leiſtung dauern, wenn die Geſundheit des Pferdes nicht in Gefahr kommen ſoll. Zwar wird man im allgemeinen zugeben müſſen, daß von warmblütigen, ſehr edel gezogenen Pferden, namentlich ſolche engliſcher Abkunft, noch erheblich größere Leiſtungen gefordert und erwartet werden können; indes lehrt die Erfahrung(be⸗ ſonders die bei dem faſt berüchtigt gewordenen Diſtanzritt Wien⸗Berlin im Jahre 1892 gemachten), daß eine verhältnismäßig nicht zu weit gezogene Grenze in den Anſprüchen an die Leiſtungsfähigkeit ſelbſt des beſten Pferdematerials nicht ohne die allerernſtlichſten Gefahren an Geſundheit und Leben überſchritten werden darf.— Die Verhältniſſe bei Rennpferden kommen hier nicht weiter in Betracht. Die bei jeder Kraftleiſtung in den Muskeln verſtärkt ſtattfindenden Spaltungsprozeſſe führen zur Bildung von Spaltungsprodukten(beſonders Phosphorſäure, ſaurem phosphorſauren Kalium und Fleiſchmilchſäure), welche durch den mit dem Blute zugeführten Sauerſtoff bei nicht zu hoch geſteigerter Muskelthätigkeit weiter zerlegt und als Kohlenſäure, Harnſtoff und Waſſer(S. 76) ſchließlich wieder ausgeſchieden werden. Je inten— ſiver die Muskelarbeit wird und je länger ſie dauert, umſomehr ſolcher Spaltungsprodukte werden erzeugt, ſodaß der Organismus ſchließlich nicht ‧‧‧‧‧‧‧ 198 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. mehr imſtande iſt, dieſelben weiter zu verbrennen; ſie häufen ſich in den Muskeln an, und ſetzen deren Erregbarkeit durch die motoriſchen Nerven (S. 103) herab, ſodaß der Muskel ſich trotz der vom Gehirn aus, dem Sitz des bewußten Willens, gegebenen Anregungen immer weniger, ſchließlich gar nicht mehr kontrahiert: Das Tier ermüdet, ſeine Kräfte ſind erſchöpft. Ja es iſt fraglich, ob dieſe ſogenannten Ermüdungs⸗ ſtoffe, die ſich bei zum Tode gehetzten bezw. in der Arbeit zuſammen⸗ gebrochenen Tieren(ſiehe den oben erwähnten Diſtanzritt) in gewaltigen Maſſen in der Muskulatur anhäufen und ſelbſtverſtändlich auch in das Blut und mit dieſem in alle Teile des Körpers gelangen, nicht noch eine weitere ſpezifiſche giftiige Wirkung auf den Organismus ausüben. Hierzu kommt noch, daß jedes thätige Organ, alſo auch die thätige Skelettmuskulatur mehr Blut erhält, als ein ruhendes Organ. Nach Ranke kann dieſes Mehr an Blut 30— 47% betragen. Dasſelbe muß natürlich anderen Organen entzogen und dieſe müſſen in ihrer Thätigkeit herabgeſetzt werden. Bei ſehr ſtarker Muskelthätigkeit, angeſtrengter Bewegung des Tieres, wird demnach unter anderem auch die Muskulatur des Verdauungs⸗ apparates weniger Blut erhalten, ſie wird in ihrer Thätigkeit und Kraft⸗ leiſtung mehr oder weniger geſchwächt werden. Das erklärt uns, weshalb Pferde, welche mit gefüllten Magen und Darm zu großen Touren verwendet werden, leicht Koliken bekommen. Ihr Verdauungskanal iſt eben infolge des vermehrten Blutzufluſſes zu den Skelettmuskeln geſchwächt worden; er iſt deshalb nicht mehr imſtande, das Futter regelmäßig fortzubewegen. Es wird das um ſo weniger der Fall ſein, weil die in der Skelettmuskulatur ge⸗ bildeten Ermüdungsſtoffe mit dem Blute auch der Darmmuskulatur zu⸗ geführt werden. Bis zu dieſer vollſtändigen Erſchöpfung der Kräfte darf daher ohne ernſtliche Gefahr für die Geſundheit des Pferdes die Arbeit niemals fortgeſetzt werden. Sie iſt zu unterbrechen bei eintretender Ermüdung, welche ſich durch ſtark beſchleunigtes Atmen mit weit aufgeriſſenen Naſenöffnungen, heftiges Flankenſchlagen, prellenden oft ſichtbaren Herz⸗ ſchlag, ſtarkes Legen in die Zügel, Stolpern ꝛc. bemerkbar macht. Die bis dahin in den Muskeln angehäuften Ermüdungsſtoffe werden während der folgenden Ruhepauſen(S. 196) wieder durch Oxydationsprozeſſe zerlegt, die durch die Kraftleiſtung verbrauchte Muskelſubſtanz bei genügender Nährſtoffzufuhr raſch wieder erſetzt. Daß dieſe Ermüdung um ſo raſcher eintritt, je ſchlechter und un⸗ ebener die Wege ſind, ferner, je höher die Außentemperatur iſt, und je mehr die Kräfte des Tieres durch ſtarkes Schwitzen erſchöpft werden, iſt ſo ſelbſtverſtändlich, daß es weiterer Beweiſe hierfür nicht bedarf. Die Folgen derartiger Ueberanſtrengungen ſind außer⸗ ordentlich mannigfache. Jede ſtärkere Muskelarbeit ſteigert zunächſt die Thätigkeit des Herzmuskels, das Herz ſchlägt raſcher, kräftiger. Der Herz⸗ muskel wird infolge ſeiner ſtärkeren Thätigkeit aus dem ſchon S. 112 an⸗ geführten Grunde an Größe und Gewicht zunehmen(Arbeitshypertrophie) und daher entſprechend der vermehrten Inanſpruchnahme auch mehr leiſten können. Indes iſt die geſteigerte Leiſtungsfähigkeit des Herzens keine —— unbe der über keit Pfer Herj komn wird Bewe lang, wind Düüt geſte förm dieL oder nund veſikt leber von zur beine wech G eſ werd name vitf geme Naturgemäßer Gebrauch. 199 jin da 23* unbegrenzte. Wir ſehen im Gegenteil, daß auch der Herzmuskel, ſelbſt 16, dn der vergrößerte, bei außerordentlicher, und zwar vor allem bei plötzlich venige über das gewöhnliche Maß hinaus erhöhter Steigerung ſeiner Thätig⸗ Krifte keit, ſchließlich ebenfalls ermüdet, erſchöpft wird, daß das betreffende udung Pferd plötzlich an Herzlähmung(Herzſchlag) ſterben kann. Die ſaune Herzkontraktionen werden mit zunehmender Ermüdung immer unvoll⸗ vrii kommener, unregelmäßiger, der an der Bruſtwand fühlbare Herzſchlag i m wird immer ſchwächer, und ſetzt plötzlich ganz aus, oder wenn die unc ein Bewegung noch rechtzeitig unterbrochen wird, dauert es oft ſtunden⸗ lang, ehe ſich die normalen Verhältniſſe wieder einſtellen. Des weiteren et wird bei jeder ſtarken Muskelanſtrengung, wie oben gezeigt, die a Thätigkeit der Lunge und der Blutzufluß zu derſelben nach Befinden ſo rmindt geſteigert, daß durch Druck der ſtark erweiterten, die Lungenbläschen netz⸗ räügets förmig umſpinnenden Blutgefäße auf jene, und durch Austritt von Blut in ung d die Lungenbläschen der Tod(durch Erſtickung) eintritt(Lungenſchlag); dauunge oder durch zu ſtarke Erweiterung oder Zerreißung der Lungenbläschen id Krii und Austritt von Luft zwiſchen dieſelben, entwickelt ſich ein ſogenanntes weshal veſikuläres oder interſtitielles Lungenemphyſem(Dampf). Ferner kann es bei erwendt Ueberanſtrengung an den Extremitäten zu Zerreißungen oder Einreißungen infolg von Sehnen und Bändern, Sehnenſcheiden⸗ und Gelenkentzündungen und 1; 0 zur Entwicklung von Gallen und den mannigfachſten Knochenleiden(Ueber⸗ uu t beinen, Spat, Schale) kommen. latur z Auf die Größe der Arbeitsleiſtung und auf die Leichtigkeit, mit 1 welcher dieſelbe bewältigt werden kann, ſind natürlich Wagen und der i Geſchirr nicht ohne Einfluß. Auf dieſelben ſoll hier nur eingegangen her 5 werden, inſoweit bei denſelben hygieniſche Intereſſen in Frage kommen. lüans Bezüglich der Wagen muß zunächſt hervorgehoben werden, daß undg namentlich in Bezug auf die Konſtruktion und Beſpannung der land⸗ zengem wirtſchaftlichen Fuhrwerke“), weniger der Luxuswagen, ſehr viele Fehler an n gemacht werden, welche teils zu einer Kraftverſchwendung im Zuge, teils vin zu Quälereien oder Geſundheitsſchädigungen der Zugtiere führen. noprozſt*) Zürn führt im zweiten Teile ſeiner Pflege der geſunden Haustiere tan bi S. 178 an, daß der landwirtſchaftliche Kommiſſar Clement in Erfurt(im M Selbſtverlage) eine ſehr intereſſante Tafel herausgegeben habe, auf welcher Id die Photographien zweier beſpannter Laſtwagen— der eine falſch, der dt andere richtig konſtruiert und beſpannt— ſich befänden, außerdem aber t, md kurze Mitteilungen über die richtige Einrichtung und Beſpannung der Fuhr⸗ erden, i werke angegeben wären. Es ſei, ſo führe Clement an, kaum glaublich und I doch Thatſache, daß wir unter den Acker⸗ und Laſtfuhrwerken mindeſtens d außer: 90 pCt. fänden, welche durch falſche Konſtruktion eine unberechenbare Kraft⸗ mächſt di verſchwendung und Tierquälerei herbeiführten und er rate daher den Geſchirr⸗ Der her führern dringend:„l. Setze ſtets die Wagenleitern ſo weit nach vorn, daß ſie 8 lli- mit den äußeren Rändern der Vorderräder in einer Linie ſtehen, damit Du 2, fih die Laſt mehr auf die Vorderaxe laden kannſt. 2. Bringe die Wage ſo gerrodit nahe wie möglich an die Vorderaxe, denn die fortbewegende Kraft muß der uir lin fortbewegenden Maſſe(auf dem Wagen) möglichſt nahe gebracht werden. zend ln 3. Spanne Deine Pferde kurz in die Stränge an eine entſprechend lange ——— 200 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. Fpolgende Punkte verdienen in hygieniſcher Beziehung bezüglich des 5 Wagens und der Anſpannung eine beſondere Erwähnung. 1 Die Schwere und Größe des Wagens ſoll zu der der Zugtiere in benn angemeſſenem Verhältniſſe ſtehen. Auch die Höhe desſelben ſoll der Höhe ligend der Zugtiere entſprechen, weil die Kraft am günſtigſten auf die Laſt in hori⸗ dunch zontaler Richtung einwirkt. Je mehr der Zug auf die Laſt in einem der da Winkel einwirkt, um ſo mehr Kraft geht verloren, indem beim Zuge nach dn 6 oben(d. h. wenn große Pferde einen ſehr niedrigen Wagen ziehen) ein Teil iltn der Kraft hebend auf den Vorderwagen wirkt, umgekehrt dagegen ein Teil Nite der Kraft den Vorderwagen gegen den Boden drückt. Im allgemeinen er⸗ dienen, fordern hochräderige Wagen weniger Zugkraft als niedrigere.— In bergigem neiſtl! Terrain muß jeder Wagen ein Hemm⸗ oder Schleifzeug haben, damit iin bi die Pferde beim Bergabfahren nicht die Laſt des Wagens an den Auf⸗ ſoweit haltern zu halten haben; dies giebt einmal zu Scheuerungen am oberen Nane Halsrande, vor allem aber zur Üeberanſtrengung der Vorderbeine, bezw. zu ds Nf Gelenk- und Sehnenleiden Veranlaſſung.— Die Länge der Deichſel muß und ſi ſich naturgemäß nach der Länge der Zugtiere richten. Zu lange Deichſeln de R. erfordern lange Zugſtränge und verſchwenden Zugkraft, da dieſe um ſo nindeſ beſſer ausgenutzt wird, je näher die Kraft der Vorderachſe des Wagens dr d angreift; zu kurze Deichſeln legen die Gefahr nahe, daß die Zugtiere durch Kunn den nachrollenden Wagen verletzt werden und durchgehen. Das vordere Gegend Deichſelende ſoll in der Höhe des Schultergelenkes ſtehen; höhere Deichſeln I lecgige ſchlagen die Zugtiere an den Kopf, tieferſtehende müſſen von denſelben unterli an den Aufhaltern getragen werden und geben zu Scheuerungen und Lnſt be Quetſchungen des oberen Halsrandes durch das Kummet Veranlaſſung.— dit de Die Wage ſoll nicht feſtſtehend, ſondern beweglich(Spielwage) ſein, weil ſehr g nur ſo die Arbeit des einzelnen Zugtieres kontrolliert und geregelt werden(eßer kann.— Die Ort⸗ oder Zugſcheite müſſen ſo breit ſein, daß die von den⸗ alle ſelben nach vorn laufenden Zugſtränge die Pferde an den Seitenflächen der der Schenkel nicht ſcheuern.— Die Auf⸗ oder Widerhalter müſſen ſo lang ſein, truiert daß die Zugtiere in gerader Richtung vorwärts gehen können. Weniger im haben. ſchweren Zuge als im Equipagendienſt wird ſehr häufig der Fehler gemacht, und he daß die Aufhalter zu kurz geſchnallt werden, ſo daß die Pferde ſchief vor deil d dem Wagen gehen müſſen. Sie ſtreichen ſich infolge deſſen ſehr leicht und Ju ve dauernd.— Die in der Neuzeit vielfach empfohlenen und ſehr verſchieden oannüti konſtruierten Pferdeſchoner, welche man, namentlich bei ſchwerem Zuge, Geſchi zwiſchen Ortſcheit und dem Ende des Zugſtranges einſchaltet, ſollen nicht Drut nur an Zugkraft ſparen(ca. 18— 20 pCt.), ſondern vor allem auch die ſtoß⸗ ſind; weiſen Quetſchungen vermindern, welche die Zugſtellen, d. h. die Körper⸗ mit R ſtellen, wo das Geſchirr beim Zuge vor allem feſt aufliegt und die Zugkraft dder d am intenſivſten einwirkt(Bruſt und Schultern), ſowohl beim Losziehen als keicht; auch beim Zug, beſonders auf unebenem Boden erleiden, weſentlich(um inneren ca. 30 pCt.) vermindern.— Den gleichen Zweck verfolgen auch die in mehrfachen ſind. Konſtruktionen patentierten federnden Ortſcheite. Pferde Pferder benfal Deichſel und Du wirſt, wie der Kraftmeſſer zeigt, mehr als eine halbe Pferde⸗ großer, kraft erſparen. 4. Auf einen langen Erntewagen darſfſt Du keine Steine, eezeugte keinen Kies, keine Körner, überhaupt keine ſehr ſchweren Gegenſtände, die— nur wenig Raum einnehmen, fahren; dazu gehört ein kurzer Wagen, den 5 Du Dir ja leicht und ſchnell zuſammenſetzen kannſt.“ Buch d nen er⸗ ergigem „dami en Au oberen ezw. zu el uuß eichſehn um ſe Wagens e durch vorden eichſelt nſelben en und ung.- u, well werden on der⸗ chen der ung ſein niger in gemact hief vor icht und rſchieden mn Juge, len lict die ſoi⸗ Kötpe⸗ Juuoknt ehen d lich äm ehrfache Pferde⸗ 3 Skeine jnde, d gen, d Naturgemäßer Gebrauch. 201 Hinſichtlich der Geſchirre) folgendes: Das Geſchirr des Pferdes. Jedes Geſchirr muß zunächſt im all— gemeinen gut paſſen, damit die Zuglaſt gleichmäßig auf die im Geſchirr liegenden Teile(Kummet⸗ oder Sielen⸗Lage) verteilt wird, und nicht durch ungleichen Druck zu Scheuerungen, Quetſchungen und Entzündungen der Haut und der darunter liegenden Teile Veranlaſſung giebt.— Von dem Gebiß mag nur erwähnt ſein, daß für junge Pferde und für ältere mit normaler Empfindlichkeit dickere, runde und glatte, in der Mitte mit einem Gelenk verſehene deshalb die meiſte Empfehlung ver⸗ dienen, weil ſie Quetſchungen der Ladenſchleimhaut und der Zunge am meiſten zu verhüten geeignet ſind.— Scheuklappen und Aufſatzzügel ſind bei allen landwirtſchaftlichen Arbeitspferden unbedingt, bei Wagenpferden ſoweit irgend möglich zu vermeiden. Erſtere leiſten das nicht, was ihr Name ſagt, ſondern führen häufig erſt zum Scheuen, außerdem zwingen ſie das Pferd unnötig zu einer ihm unbequemen Verſtellung der Sehaxe nach vorn, und ſind Wind⸗ und Staubfänge. Die Aufſatzzügel und namentlich die in der Neuzeit beliebten amerikaniſchen ſind für alle Pferde Tierquälereien, mindeſtens für alle diejenigen, welche nicht ſchon von Natur den Kopf in der durch die Aufſatzzügel gewünſchten Höhe tragen.— Die Frage, ob Kummet⸗ oder Sielengeſchirre beſſer ſeien, wird zunächſt in verſchiedenen Gegenden verſchieden beantwortet. In ebenen Gegenden ſind letztere, in bergigen erſtere mehr in Gebrauch. Jedenfalls kann es keinem Zweifel unterliegen, daß für Pferde im ſchweren Zug das gut paſſende Kummet die Laſt bezw. den Druck der Laſt gleichmäßiger auf Bruſt, Schultern und Wider⸗ riſt verteilt, während derſelbe beim Sielengeſchirr lediglich auf einen nicht ſehr großen Teil der Vorbruſt einwirkt. Dagegen hat das letztere den Vorzug größerer Einfachheit, Leichtigkeit und des leichten Sichanpaſſenlaſſens für alle Pferde, während das Kummet nicht ohne weiteres für jedes Pferd paßt oder paſſend gemacht werden kann, wenn auch die in neuerer Zeit kon⸗ ſtruierten verſtellbaren Kummete dieſem Uebelſtand weſentlich abgeholfen haben. Sielen ſind nicht zu verwenden bei Pferden mit tiefem Halsanſatz und hochſtehenden Schultergelenken, ſie wirken hier drückend auf den unteren Teil der Luftröhre und hemmen die freie Bewegung der Schultergelenke. Zu vermeiden ſind zu große und zu ſchwere Kummete, ſie ſind nicht nur unnötig, ſondern beläſtigen auch die Tiere. Die Hauptſache iſt, daß beide Geſchirrformen gut paſſen, da bei ungleicher Druckverteilung Quetſchungen (Druckſchäden) unvermeidlich ſind. Bei Kummeten ſchwerer Arbeitspferde ſind zur möglichſt vollſtändigen Erreichung dieſes Zweckes gut gearbeitete, mit Roßhaaren gepolſterte, kragenförmige Kiſſen unter das Kummet zu legen, oder dasſelbe iſt gut zu polſtern. Zu beachten iſt, daß dieſe Kummetkiſſen leicht zu Infektionen(S. 39) Veranlaſſung geben können und daher an ihrer inneren Fläche zeitweilig mit Seife und heißem Waſſer ſorgfältig zu reinigen ſind. Die Erfahrung hat gelehrt, daß, wenn z. B. Kummete, welche einem Pferde mit eiternden Hautſtellen in der Kummetlage aufgelegen hatten, bei Pferden, für welche ſie ſpäter ohne vorherige Reinigung benutzt wurden, ebenfalls kleine Eiterknoten bezw. die Bildung kleiner, oft nur haſelnuß⸗ großer, trotzdem aber ſehr ſtörender Geſchwülſte(ſogenannter Mykofibrome) erzeugten. Die betreffenden Infektionserreger, Eiterkokken(S. 48), bezw. *) Wer ſich näher hierüber informieren will, findet hierüber in dem Buch von Zürn:„Geſchirrkunde, Leipzig, Hirzel 1897“ reiche Belehrung. 202 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. Traubenkokken(Micrococcus ascoformans)(S. 48) waren von der Haut des früher dasſelbe Kummet tragenden Pferdes auf das Kummetkiſſen bezw. Polſter gelangt und mit dieſem auf die Haut des anderen übertragen worden. Als Geſchirr des Zugrindes werden Stirnjoche und Nackenjoche, ſeltener Kummetgeſchirre verwendet. Bei kräftig entwickeltem Halſe und nicht zu tief angeſetzten Hörnern iſt das Stirnjoch am meiſten zu empfehlen; eine gute Polſterung desſelben zur Vermeidung von Druckſchäden iſt notwendig. Als Nachteil des Stirnjoches wird immer zu bezeichnen ſein die Verteilung der Laſt auf eine nur ſehr kleine Fläche, und die Behinderung der freien Bewegung des Kopfes während des Zuges. Das einfache Nackenjoch geſtattet, weil die Auflage desſelben an dem ſehr niedrigen Widerriſt des Rindes nur eine beſchränkte iſt, auch nur eine geringere Zugleiſtung und giebt aus dem gleichen Grunde und wegen ſeiner unſicheren Lage ſelbſt bei guter Polſterung leicht zu Scheuerungen und OQuetſchungsentzündungen, ſogenannten Halsbeulen, Veranlaſſung. Kummetgeſchirre finden nur hin und wieder bei Kühen Verwendung. Die in manchen Gegenden noch im Gebrauche befindlichen hölzernen Doppeljoche ſind hygieniſch durchaus verwerflich; ja das Doppel⸗ ſtirnjoch muß geradezu als eine Tierquälerei bezeichnet werden. Dieſe Art der Anſpannung beſteht nämlich in einem entſprechend geformten und befeſtigten einzigen Holzſtück Joch), welches beiden Tieren gemeinſam vor der Stirn oder auf dem Nacken liegt und das außerdem mit dem vorderen Deichſelende— an dem alſo der Zug ausgeübt wird— verbunden iſt. Beide Tiere ſind demnach feſt miteinander und der Deichſel verbunden, ſo daß ihnen zunächſt jede freie Bewegung mit den Köpfen, wie ſie zur Abwehr läſtiger Inſekten nötig iſt, unmöglich wird. Außerdem giebt dieſe Anſpannnng mehr wie jede andere zu Scheuerungen und Quetſchungen Ver⸗ anlaſſung, weil jede ſtoßende, ſchlagende und zerrende Bewegung der Deichſel (die auf unebenen Wegen ſelbſtverſtändlich unvermeidbar ſind) direkt auf den Körper der Zugtiere einwirkt; derſelbe Uebelſtand tritt ein, wenn die beiden Tiere nicht gleich leiſtungsfähig ſind, das eine das andere mit fortſchleppen muß oder bei ungleichem Antreiben die Tiere ſich gegenſeitig zerren. Außer⸗ dem iſt dieſe Art der Anſpannung noch deshalb abſolut fehlerhaft, weil bei derſelben der Angriffspunkt der Laſt(das Deichſelende) viel zu hoch liegt, der von der Deichſellinie zur Horizontalen gebildete Winkel ein viel zu großer wird, demnach die Tiere einen Teil der Zuglaſt mit dem Heben des Vorder⸗ wagens nutzlos verſchwenden(S. 200). Bezüglich des Sattels gilt hygieniſch ebenfalls vor allem der Grundſatz, daß derſelbe an keiner Stelle einen ungleichmäßigen, namentlich ſcheuernden Druck ausüben darf. Die am meiſten gefährdete Stelle iſt das Widerriſt, ſoweit ſolches vom Sattel bedeckt wird. Druck führt hier zur Entſtehung eitriger Quetſchungsentzündungen der Haut, ſog. Satteldrücken, die auf das Nacken⸗ band und ſelbſt die Knochen übergreifen und zu tief gehenden Fiſtelgeſchwüren(ſo⸗ genannter Widerriſtfiſtel) Veranlaſſung geben können. Der gut und gleich mäßig gepolſterte Sattel muß ſich daher in allen ſeinen Teilen(und zwar ſchon in ſeinem Gerüſt, dem ſogenannten Sattelbaum) der Form des Rückens anſchmiegen und die von ihm bedeckte Stelle der Körperoberfläche gleichmäßig belaſten. In der Mittellinie des Rückens darf der Sattel nicht feſt auf⸗ liegen. Beſonders muß vorn(ſogenannte vordere Kammer) zwiſchen Wider⸗ riſt und Sattel bei feſter Gurtung desſelben ein Zwiſchenraum von mindeſtens 3 cm bleiben, um jeden Druck auf erſteres zu vermeiden. Der Sattel muß üſſen daher entſprer . feſt uu Wh. L 9 mählich ſemen in der beherzi heräi nuß. in Sc gefund Muste d ſich eeſt na (S. a verfahr auf ſe zufüger Lungen am we Period ſtrenge ſtrecker 1 müſſe müſſen dabei ſpruch Weim derſelbe bei Ar 1p 8¹¼ 1 Stun Vermeid ein kon, Häcſel letteres Brannt pauſe n Hut bezw. orden. eltener zu tief e glite .As ng der egung weil t eine leichen leich eulen, Kühen ernen ppel⸗ Diſſe rmten inſam deren n itt anden, he zur t dieſe 1 Wer⸗ deichſel dif den beiden leppen Außer⸗ eil bei hliegt großer Lorder⸗ undſat, renden „ſobei eitriger Maker⸗ ren ſe⸗ gleih d zvor Rütkns hwmäßig iſt alf⸗ Pder⸗ deſtens el mun Naturgemäßer Gebrauch. 203 daher der Form des Pferderückens angepaßt, jeder ungleiche Druck durch entſprechende Polſterung ausgeglichen werden.— Die Sattelunterlagen müſſen gleichmäßig liegen, dürfen keine Falten bilden. Der Sattel muß feſt aufliegen, darf ſich nicht verſchieben, muß ſomit feſt gegurtet ſein. bb. Bei der Arbeitsleiſtung ſoll eine gewiſſe Regelung des Kraftverbrauches ſtattfinden. Jede Arbeitsleiſtung ſoll langſam beginnen, ſich erſt all— mählich bis zur erforderlichen Höhe ſteigern und, wenn möglich, im lang— ſamen Tempo wieder enden. Das„Schritt aus dem Stall, Schritt in den Stall“, wie das alte Sprichwort lautete, kann nicht genug beherzigt werden und iſt namentlich der erſte Punkt um ſo mehr zu be⸗ herzigen, wenn die Arbeit unmittelbar nach der Futteraufnahme beginnen muß. Die Notwendigkeit der letzteren Regel, d. h. die Arbeitsleiſtung im Schritt aufhören zu laſſen, wenn dieſelbe in raſcheren Gangarten ſtatt⸗ gefunden hat, ergiebt ſich aus dem Umſtande, daß Pferde nach ſtarken Muskelanſtrengungen meiſt ſtark ſchwitzen, aufgeregt atmen ꝛc. und daß es ſich durch die Erfahrung als empfehlenswert erwieſen hat, die Pferde erſt nach eingetretener Beruhigung wieder in den Stall zurück zu bringen. (S. auch S. 175). Wie dann bezüglich des Tränkens und Fütterns zu verfahren iſt, wurde ſchon S. 173 erwähnt. Ein anderes, goldene Weisheit enthaltendes Sprichwort iſt:„Berg⸗ auf ſchone mich, bergab führe mich, auf der Ebene brauche mich und laſſe mich laufen!“ Dieſen Forderungen iſt höchſtens noch hinzu⸗ zufügen, daß ein ruhiger, gleichmäßiger, zur Beruhigung der Herz- und Lungenthätigkeit zeitweilig mit Schritt abwechſelnder Trab die Pferde am wenigſten ermüdet, daß aber die Schrittperioden um ſo längere, die Perioden der raſcheren Gangarten um ſo kürzere ſein müſſen, je an— ſtrengender letztere für Muskeln, Lungen und Herz ſind, alſo bei ge⸗ ſtrecktem Trab oder Galopp. ce. Bei jeder länger andauernden, anſtrengenden Arbeit müſſen gewiſſe Ruhepauſen eingeſchoben werden. Dieſelben müſſen ſich in um ſo kürzeren Zwiſchenräumen folgen, je ſtärker der dabei erfolgte Kraftverbrauch iſt, je mehr Herz und Lunge dabei in An⸗ ſpruch genommen werden, alſo vor allem bei geſtrecktem Trab und Galopp. Beim Dienſt in raſchen Gangarten wird man alſo je nach der Intenſität derſelben und je nach dem Kräftezuſtand der Tiere alle 1—2 Stunden, bei Arbeit im langſamen Zug alle 2 ½— 3 Stunden eine Ruhepauſe von 1¼— ½ Stunde machen, die zu den gewöhnlichen Futterzeiten bis auf 1 Stunde auszudehnen iſt. In den kurzen Pauſen iſt den Pferden zur Vermeidung einer größeren, das Laufen erſchwerenden Anfüllung des Magens ein konzentriertes Futter, am beſten etwas Hafer mit wenig oder keinem Häckſel oder, beſonders bei kurzen Pauſen, trockenes, altbackenes Brot, letzteres bei ſehr ſtarken Anſtrengungen wohl auch mit etwas Wein oder Branntwein befeuchtet, zu reichen. Auch bei einer etwas längeren Futter⸗ pauſe wird weſentlich, und zwar in reichlicherer Menge, nur Körnerfutter 204 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. verabreicht und die Menge des Rauhfutters möglichſt beſchränkt. Nur bei Laſtpferden kann man ohne Bedenken, ſofern es die Zeit geſtattet, neben dem Haferfutter größere Rationen Rauhfutter verabreichen. Bezüglich äiltnu des Tränkens während der Ruhepauſen gelten die ſchon oben und S. 173 8* angegebenen Regeln. Im allgemeinen iſt die Angſt vor den Folgen des he kalten Trunkes eine viel zu weit getriebene. Einige Schlucke er⸗ uüige friſchenden Waſſers von 12—140C bringen ſelbſt einem er⸗ terwe hitzten Pferde, wenn es nur gleich hierauf wieder in Be⸗ nach d wegung geſetzt wird, keinen Schaden. Daß ſchwitzende Pferde während der Ruhepauſen zugedeckt werden und daß man ſie an einem dem möglichſt zugfreien Ort ruhen läßt, verſteht ſich von ſelbſt. zu gel richts b) Der Rinder. Alles Vorſtehende gilt mit entſprechenden Aenderungen auch für die beton Benutzung der Rinder zur Arbeitsleiſtung, die ſelbſtverſtändlich immer nur ſtege eine ſolche im langſamen Zug ſein wird). kürpe Am häufigſten werden Ochſen zum Zuge verwendet, die ſelbſtverſtänd⸗ Geſe lich durch geeignete Aufzucht(S. 115 u. 158), viel Bewegung und kräftige, auch reichliche Fütterung(S. 65) für den Dienſt, welcher nicht vor dem lnd 5. Jahre ohne Nachteil für das Tier voll geleiſtet werden kann, vor⸗ ancte bereitet, und während der Arbeitszeit ebenfalls reichlich und zwar mit nict größerer Beigabe von Proteinſtoffen(Kraftfutter) genährt werden müſſen zütt (ſ. Tab. B im Anhang). Hauptbedingung iſt bei der Verwendung von Ven Zugochſen vor allem die Gewährung einer längeren Mittagspauſe von in b mindeſtens 3 Stunden, die bei großer Hitze ſogar noch etwas verlängert Melt werden muß, weil dieſe Tiere außer zur Aufnahme des unter allen Umſtänden könn etwas voluminöſeren Futters(S. 170) mindeſtens noch 1 Stunde zum lnte Wiederkauen desſelben brauchen. Sollen die Ochſen in guter Kondition bleiben Veid und unmittelbar nach Beendigung der Arbeitsperiode im Herbſte raſch dadu fett gemacht werden, ſo empfiehlt es ſich, dieſelben nur Vormittags oder eadd Nachmittags arbeiten zu laſſen. Verzichtet man hierauf, ſo darf man zünſt dieſelben jedoch unbedenklich Vor- und Nachmittags eine Geſamtzeit von. ca. 10 Stunden zum Dienſt verwenden. Eine reichlichere Beigabe von weif Kraftfutter bleibt aber dann immer zu wünſchen. 800, Seltener als Ochſen und meiſt nur von kleinen Beſitzern werden iehſt Kühe zum Zungdienſt verwendet. Auch hiergegen iſt geſundheitlich bei Nich Berückſichtigung der oben dargelegten Geſichtspunkte nichts einzuwenden, ledi wenn man dieſelben nur im letzten Viertel der Trächtigkeit vorſichtig und poſit immer nur mit längeren Ruhepauſen, und in den letzten 3 bis Unſt 4 Wochen vor der Geburt, ſowie auch 4—5 Wochen nach derſelben nicht oder mehr zur Arbeit verwendet. Freilich wird man ſtets mit dem Umſtand geſch! zu rechnen haben, daß das Einſpannen der Kühe die Milchergiebigkeit lukber derſelben herabſetzt. der i — edr! ) In Afrika werden Ochſen bekanntlich auch als recht brauchbare Reit⸗ Tube tiere verwendet. eigen lich b Nur ſtattet üglich W.173 ir die er nur ſtänd— iftige dem vor⸗ mit rüſſen von e von ängert tänden e zum leiben raſch oder n it den e von nſtand jebigket Naturgemäßer Gebrauch. 205 Einen ſehr großen Nutzen gewährt das Einſpannen bei jungen und älteren, bei gutem Futter und beim Mangel jeder Bewegung im Stalle auf⸗ gezogenen Kühen und Kalbinnen, welche regelmäßig rindern, aber trotz wieder⸗ holten Beſpringens nicht zukommen und ſich dabei ſehr aufgeregt zeigen. Werden ſolche Tiere neben einem ruhigen, ſicheren Zugochſen(wozu noch ein ruhiger, geduldiger Mann gehört) einige Wochen zum Zugdienſt im Acker verwendet, ſo kann man faſt mit Sicherheit darauf rechnen, daß dieſelben nach dieſer Zeit zukommen. Auch Zuchtſtiere werden in einigen Gegenden, aber lediglich zu dem Zwecke zum Zuge verwendet, denſelben die notwendige Bewegung zu geben. Geſchieht dies mit der erforderlichen Vorſicht, ſo iſt hiergegen nichts einzuwenden. 2. Bei der Benutzung der Milchtiere. Zunächſt muß hierbei betont werden, daß wie durch jede über eine gewiſſe Grenze hinaus ge— ſteigerte Leiſtung eines Tieres eine Schwächung desſelben, ſei es durch körperliche Ermüdung(S. 197), ſei es durch eine Schwächung ſeiner Geſamtkonſtitution, ſeiner Widerſtandsfähigkeit(S. 7), bewirkt wird, auch die durch ſorgfältige Paarung und Züchtung, durch Stallhaltung und intenſive Fütterung hochgeſteigerte Milchproduktion einen gleichen nachteiligen Einfluß auf den Geſamtorganismus hat. Hierbei darf nicht unbeachtet bleiben, daß die letztere noch durch die bei der Züchtung häufiger ſich folgenden Geburten weſentlich geſteigert wird. Wenn auch die reichlichen Verluſte, welche das milchproduzierende Tier an Eiweißſubſtanzen, Fett und Kohlehydraten(Milchzucker) während der Melkperiode erleidet, durch entſprechende Fütterung wieder erſetzt werden können, ſo entwickelt ſich doch bei ſolchen Tieren, namentlich bei Kühen, unter dem Einfluß der Stallfütterung(Ziegen kommen viel mehr auf die Weide) allmählich eine Verminderung der Widerſtandsfähigkeit, welche ſich dadurch zu erkennen giebt, daß die Tiere leichter von Krankheiten befallen werden, und daß letztere bei ihnen meiſt einen ſchleppenderen oder un⸗ günſtigeren Verlauf durchmachen. Das gilt vorallen für die Tuberkuloſe des Rindes, welche ganz zweifellos unter den Milchkühen in weit größerer Verbreitung herrſcht(bis zu 80% 1!), als man bisher angenommen hat, und einmal in einem Milch⸗ viehſtall eingeſchleppt, ſich raſch unter den Kühen desſelben verbreitet. Nicht etwa, daß die ſtarke Milchproduktion und die hierdurch bedingte Schwächung der Konſtitution, die vorhandene Dis⸗ poſition, den Tuberkelbazilluserzeugte! Dieſer muß unter allen Umſtänden von außen durch eine zugekaufte, tuberkulöſe Kuh, oder ſonſt wie in den bisher tuberkuloſefreien Beſtand ein⸗ geſchleppt ſein! Die geſchwächte Konſtitution, die ſogenannte tuberkulöſe Dispoſition, begünſtigt nur die raſche Entwicklung der in den Organismus auf irgend einem Wege(S. 39, 46) ein⸗ gedrungenen Tuberkelbazillen undder durch ſie hervorgerufenen Tuberkuloſe; ſie ſchafft für die eingedrungenen Bazillen den eigentlichen Nährboden. Daß hierzu die Stallhaltung ganz weſent— lich beiträgt, wurde ſchon S. 118 u. 123 eingehend erwähnt. 206 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. e Da der Landwirt im ökonomiſchen Intereſſe trotz dieſer Gefahr auf ſſon— möglichſt hohe Milchnutzung bedacht ſein muß, ſo wird er beſtrebt ſein rmen müſſen, der drohenden Gefahr in geeigneter Weiſe entgegen zu wirken. Bis ine ſo zu einem gewiſſen Grade kann dies in folgender Weiſe geſchehen*): du a) Durch Vermeidung der Einſchleppung der Tuberkuloſe offtei in einen tuberkuloſefreien Stall. 5. 167 Daß dies bei der Bekämpfung der Tuberkuloſe thatſächlich die Haupt⸗ er ſache iſt, geht aus der Thatſache hervor, daß Bang bei ſeinen ausgedehnten 5 193 hierauf gerichteten Unterſuchungen in Dänemark thatſächlich eine, wenn auch 6 1 kleine Anzahl von Ställen gefunden hat, welche trotz der durch Inzucht, du hochgeſteigerte Milchproduktion ꝛc. hervorgerufenen Dispoſition vollſtändig dur frei von Tuberkuloſe waren. Die Vermeidung der Einſchleppung läßt ſich der Geb dadurch ermöglichen, daß man neu angekaufte Tiere durch 4 Wochen iſoliert in einem beſonderen Stalle aufſtellt und etwa 8— 14 Tage nach der Ankunft mit Tuberkulin impfen läßt. Nur dann darf eine ſolche Kuh in den Haupt⸗ d ſtall kommen, wenn ſie bei einer Temperatur von bis zu 39,5°C vor der üt g Impfung nach derſelben keine Temperaturſteigerung über 40° C, oder falls vitl der höchſte Temperaturſtand nach der Injektion zwiſchen 39,5 und 40°C liegt, haltung keine Steigerung über 1 zeigt, ſich hierdurch alſo als tuberkuloſefrei erweiſt. varen b) In bereits infizierten Ställen durch Verhütung der weligen Anſteckung von Tier zu Tier. Dieſe wird erreicht: bkeeintr 1. Durch ſorgfältige Trennung der kranken Kühe von den ſnſſoe geſunden, entweder in beſonderen Ställen, oder wo dies undurchführbar iſt, Wunt in beſonderen, durch vollſtändig dicht abſchließende Verſchläge ohne jede Hderden Kommunikation getrennten Stallabteilungen, und durch beſonderes lum 7 Warteperſonal für die geſunden und die infizierten Tiere. Als infiziert ſ 5 haben alle Kühe zu gelten, welche bei einer Temperatur von bis zu pſlege 39,5°C vor der Tuberkulinimpfung nach derſelben eine Temperaturſteigerung T über 40°, oder wenn der höchſte Temperaturſtand nach der Injektion zwiſchen Schwa 39,5— 40° liegt, keine Steigerung über 10 G nachweiſen laſſen. Alle bereits inilge hochgradig abgemagerten Tiere, welche eine große Allgemeingefahr weden für andere Kühe und für Menſchen bieten, ſind unbedingt in einem be⸗ ut ſonderen Stalle zu iſolieren und thunlichſt raſch abzuſchlachten. Durch jähr⸗ duuch; lich wiederholte Tuberkulinimpfungen iſt der Geſundheitszuſtand der peben Kühe in der geſunden Stallabteilung fortgeſetzt zu kontrollieren. die Ta 2. Von den infizierten Kühen dürfen nur ſ olche zur Zucht verwendet allem werden, welche ſich noch im guten Ernährungszuſtande befinden. NVNerabr 3. Da die Tuberkuloſe in der Hauptſache durch Anſteckung(Atmung NLArregu oder Milchgenuß) von Tier zu Tier, ſelten durch Vererbung verbreitet wird, keit ſo ſind alle neugeborenen Kälber, ſoweit dieſelben zur Zucht beſtimmt ſind, 24 Stunden nach der Geburt von der Mutter zu trennen, und in der Ab⸗ K teilung für geſunde Tiere unterzubringen. Hier dürfen ſie nur mit Milch infolge ernährt werden, welche vorher durch Erhitzen auf 800 C ſteriliſiert worden iſt. uöſtrah Auch der Geſundheitszuſtand derartigen Jungviehes iſt mindeſtens jährlich Außent einmal durch Tuberkulinimpfung zu kontrollieren. Reagierende Tiere müſſen ngt d ſofort in die Krankenabteilung gebracht werden. olcen *) Es ſei hierbei auf die hochintereſſante Arbeit von A. Eber, Tuber⸗ ſorgen, kulinprobe und Tuberkuloſebekämpfung beim Rindvieh(Berlin, 1898, Ver⸗ Schwen lagsbuchhandlung Paul Parey) aufmerkſam gemacht und deren Studium znit kat den Landwirten angelegentlichſt empfohlen. ahr au ett ſei 1 e ) kuloſe Haupe dehnten in auch nzucht fändig it ſic ſoliet dunſt daubt⸗ or der pfalls Hliegt, weiſt. der den ar iſt, jede deres ziert bis zu zerung viſchen hereits gefahr im be⸗ jähr⸗ ind der wendet Atnung t wid, ut ſid der Ab⸗ t Nich nde it ſähric emüſſn Aube⸗ 8, Le⸗ Etudium Naturgemäßer Gebrauch. 207 c) Durch Kräftigung der Konſtitution, welche auch in einem ſchon infizierten Stalle der Ausbreitung der Tuberkuloſe, ſowie dem Auf⸗ treten anderer Erkrankungen, in etwas entgegen zu treten geeignet iſt. Eine ſolche Kräftigung der Konſtitution wird erreicht: Durch täglich wenigſtens mehrſtündige Bewegung in freier, ſauer⸗ ſtoffreicher Luft, innerhalb von Tummelplätzen(S. 159) oder auf Weiden (S. 162); durch einen allen hygieniſchen Anforderungen entſprechenden Stall (S. 123); durch entſprechende Fütterung(S. 65 und Tabelle B); durch allmähliches Trockenſtehenlaſſen der Kühe 4—6 Wochen vor der Geburt. 3. Bei der Benutzung der Tiere zu Maſtzwecken. Die Fleiſch⸗ und Fettproduktion ſetzt, wie ſchon früher(S. 77) ent⸗ wickelt wurde, eine durch möglichſte Beſchränkung der Bewegung und Ab⸗ haltung der Sinnesreize durch Aufenthalt in einem etwas verdunkelten, warmen Stalle(wohl ſeltener durch die kaum mehr ausgeführten zeit⸗ weiligen Aderläſſe) zu erreichende Herabſetzung des Stoffverbrauches voraus, beeinträchtigt alſo die allem geſunden Leben zu Grunde liegenden Prozeſſe in ſo erheblicher Weiſe, daß von vornherein die Maſtung vom Stand⸗ punkt der Geſundheitspflege nicht als ein geſunder Zuſtand bezeichnet werden kann. Wir ſehen daher thatſächlich während derſelben eine Reihe von Folgezuſtänden eintreten, deren Verhütung Aufgabe der Geſundheits⸗ pflege ſein muß. Vor allem beobachtet man als Begleiterſcheinung der allgemeinen Schwächung auch eine ſolche der Muskulatur des Verdauungsapparates, infolge deren die Bewegungen desſelben träger, ſeine Sekretionen geringer werden. Daher treten nicht ſelten Verdauungsſtörungen auf, die ſich durch Verſtopfungen, Aufblähen, ſeltener durch Durchfälle zu erkennen geben. Eine ſorgfältige Regelung der Fütterung, deren Zuſammenſetzung die Tabellen A und B des Anhanges in genügender Weiſe zeigen, vor allem Verteilung des täglichen Futterquantums auf 3—4 Mahlzeiten, Verabreichung kalten, oder mindeſtens nur überſchlagenen Getränkes zur Anregung der Magen⸗- und Darmthätigkeit, ſorgfältige Hautpflege, Reinlich⸗ keit ꝛc. ſind diejenigen Hilfsmittel, welche ſich hiergegen nützlich erweiſen. Eine beſondere Beachtung erfordert der Umſtand, daß bei Schweinen infolge der ſtarken Fettentwicklung im Unterhautbindegewebe die Wärme⸗ ausſtrahlung vermindert und um ſo mehr erſchwert wird, je höher die Außentemperatur iſt. Die Gefahr einer inneren Ueberhitzung(Hitzſchlag) liegt daher bei ſehr fetten Schweinen bedenklich nahe. Es macht ſich in ſolchen Fällen daher nötig, für Abkühlung des Stalles oder dafür zu ſorgen, daß die Schweine auf ihren Tummelplätzen Gelegenheit zum Schwemmen(S. 174) haben, oder daß ſie täglich mindeſtens einmal mit kaltem Waſſer begoſſen werden. —— 208 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen. 4. Benutzung der Wolltiere. Eine gute Wolle kann nur von einer geſunden Haut erzeugt werden. Dieſer einfache Satz lehrt uns, daß es bei der Pflege der Wolltiere vor allem darauf ankommt, die Haut geſund zu erhalten. Das wird aber bewirkt durch alles, was den Körper geſund erhält und ſeinen Ernährungs⸗ zuſtand fördert. Alſo durch eine gute und reichliche Ernährung(ſ. Tabelle B im Anhang), beſonders auch in den erſten Monaten nach der Schur. Die nach derſelben unvermeidlichen größeren Wärmeverluſte ſteigern reflektoriſch die Wärmeproduktion(S. 110) und bedingen hierdurch ſtärkeren Stoffzerfall, der durch reichlichere Stoffzufuhr ausgeglichen werden muß; ferner durch viel Bewegung in friſcher reiner Luft, und endlich durch Abhaltung von ſolchen Hautparaſiten, welche eine Erkrankung der Haut bewirken. Zu letzteren iſt vor allem die RKäudemilbe des Schafes(Dermatocoptes ovis)(Fig. 54) zu rechnen, deren Einſchleppung in die Herde man dadurch verhütet, daß man jede Berührung derſelben mit räudekranken Schafen vermeidet. Man wird alſo vor allem alle neu angekauften Schafe 4 bis 6 Wochen in einem beſonderen, abgelegenen Stalle unterbringen und ſorgfältig auf Scheuern, Reiben, Knabbern ꝛc. beobachten.— Ein anderer die Wolle verderbender Hautparaſit iſt die Schaflausfliege(Melophagus ovinus), auf die ſchon S. 166 hingewieſen wurde; dieſelbe dringt durch das Wollvließ bis auf die Haut vor, ſaugt aus derſelben Blut und veranlaßt das Schaf zum Reiben und Scheuern an der betreffenden Stelle, wodurch das Wollvließ verdirbt. In einzelnen Fällen leidet die Wolle auch durch das ſogenannte Wolle⸗ freſſen, was ſeitens der Schafe gegenſeitig erfolgt. Zu der Schädigung des Wollvließes kommt noch der bedenkliche Umſtand, daß die abgenagte Wolle ſich im Magen(Panſen) zu ſogenannten Wollballen verfilzt, welche in den Darm übertreten und zu tödlichen Verſtopfungen desſelben führen können. Die Urſache dieſer Untugend kennt man nicht, Nachahmung ſpielt jeden— falls eine gewiſſe Rolle hierbei. Erfahrungsgemäß verliert ſich dieſelbe beim Weidegang, an deſſen Stelle im Winter ein Beweiden der Saaten treten kann; ebenſo empfiehlt es ſich, die Wollefreſſer abzuſondern. Gewiſſe geſundheitliche Gefahren ſind für die Schafe noch durch die jährlich ſtattfindende Schafwäſche und Schur gegeben. Jedenfalls ſoll zur Vermeidung von Erkältungen die Temperatur des Badewaſſers nicht unter 15°0 R, beſſer etwas mehr, betragen und die Witterung zur Badezeit trocken und warm ſein, damit Erkältungen— Katarrhe der Luftwege, Muskelrheumatismus ꝛc.— vermieden werden. Muß trotz kalter Witterung das Baden erfolgen, ſo ſollte es in Bottichen mit warmem Waſſer ge— ſchehen. Nach dem Bade ſind die Schafe bei warmem, ſonnigen Wetter tags⸗ über im Freien zu laſſen. Müſſen ſie wegen kalten, regneriſchen Wetters oder nachts in den Stall gebracht werden, ſo iſt derſelbe mit reichlicher, reiner Streu zu verſehen, den Schafen aber reichlich proteinreiches Futter vor⸗ zulegen, um die durch das Bad und die nachfolgende Waſſerverdunſtung ent⸗ ſtehenden Wärmeverluſte(S. 56 u. 109) auszugleichen. Der Stall iſt hierbei gef forn werden. ere vur ird aber prunos abelle5 Schur. ſrigen tärkeren n muß, haltung wirken. doptés dadurch Schafen 2 4 bi n und mnnderer hagus durch und Stelle, olle— ng des Vole in den önnen. jeden⸗ dieſelbe Santen urch die dls ſol a nict gadezet fftwege. itterung ſſer ge⸗ tergs⸗ ers oder „reiner ter vor⸗ ung ent hierbe Naturgemäßer Gebrauch. 209 luftig, aber zugfrei zu erhalten. In dicht geſchloſſenen Ställen ſind mehrfach Todesfälle nach der Wäſche beobachtet worden, welche wohl in der Hauptſache auf Erſtickung(S. 55) zurückzuführen ſein dürften.— Außerdem bringt die Schur noch die Gefahr mit ſich, daß die Schafe hierbei Verletzungen durch Stiche oder Schnitte erleiden können, die nicht ſelten zu Wundinfektionskrankheiten(eitrige Haut und Bindegewebs⸗ entzündung) Veranlaſſung geben. Täglich mehrmaliges Waſchen mit 2% Lyſolwaſſer ſind hiergegen anzuwenden.— Auch nach der Schur ſind die Schafe vor Erkältungen zu ſchützen und kräftig zu füttern. Mchlußwort. Die Grundzüge der Geſundheitspflege in kurzen Sätzen zuſammen⸗ gefaßt, würden nach dem im Vorſtehenden Geſagten ſich wie folgt formulieren laſſen: Das Tier bleibt geſund, 1. ſo lange die zu ſeinem Leben nötigen Außenbedingungen — Luft, Licht, Nahrung, Wärme ꝛc.— ſich nach Art und Menge in gewiſſen Grenzen halten und durch deren Ueberſchreiten nicht zur Krankheitsurſache werden; 2. ſo lange deſſen Organismus imſtande iſt, dieſe und andere auf ihn einwirkende Geſundheitsſchädlichkeiten entweder von ſich abzuwehren oder unſchädlich zu machen. Die Aufgaben der Geſundheitspflege haben demnach darin zu beſtehen: 1. die natürlichen Selbſtſchutzeinrichtungen des Organis⸗ mus(S. 100) möglichſt in ihrer normalen Thätigkeit zu zu erhalten; 2. die(S. 7) Krankheitsurſachen von dem Tiere abzu⸗ halten. Dies wird erreicht a) durch Abhaltung bezw. Beſeitigung der inneren Krank⸗ heitsurſachen(Dispoſition)(S. 115); b) durch Abhaltung aller äußeren Krankheitsurſachen, d. h. durch Gewährung eines geſunden Aufenthaltes(S. 123), durch gute Fütterung und Pflege(S. 166) und durch naturgemäßen Gebrauch(S. 191). . e Johne. 14 210 Zuſammenſetzung und Nährſtoffgehalt der Futtermittel. Anhang. A. Die mittlere Zuſammenſetzung der Futtermittel und deren Gehalt an verdaulichen Beſtandteilen. Nach dem landwirtſchaftlichen Kalender von Mentzel&v. Lengerke 1898. (Nachdruck verboten.) Art— Rohnährſtoffe Verdauliche Nährſ 2 Futtermittel 2. 5 E* 1 ⁵ 8 5½ (Gehalt in 100 Teilen) ½☚¶ ½£☚ 5 5 G= 8. S a l. Grünfutter. a) Gräſer. Hafer, im Schoſſen. 2,4 0,5 8,0 6,6] 1,4 0,2 8,5 8,6] 0,2 3,610,72 Gras, Fettweide. 4,5 1,2 10,1 4,0 3,4 0,7 11,0/14,6] 1,1 2,9ʃ1,35 „ Weide.. 3,5 0,8 9,5 4,2 2,5 0,4 9,9 13,1] 0,9 2,6 ⁄1,14 Knaulgras...... 3,1 0,917,0 9,0 1,9 0,5 15,5 16,2 0,5 4,81, 26 Mais, amerik..... 1,4 0,4 8,9 5,0 0,7 0,21 8,2 8,0] 0,3 2,7 0,59 „ früher.... 1,7 0,5 10,4 5,6] 1,0 0,3 9,8 10,0 0,4 3,10,75 Roggen, Futter⸗. 3,0 0,8,12,0 6,7 1,8 0,4 12,4 13,0] 0,7 4,4 1,07 Raigras, engliſches.26,5] 3,0 0,8 12,0 8,2 1,6 0,3 12,0 12,0 /0,5 4,70,95 „ italieniſches 3,4 1,0 12,0 6,8 2,1 0,4„7 0,5 3,7 1,13 Süßgräſer, mittel.. 3,3 0,8 12,4 9,4 1,9 0,4 0,5 4,8 1,10 Timotheegras.... 2,5 0,7 14,8 10,0 1,2 0,3 0,4 5,1 1,05 b) Klee⸗ u. ähnliche Eſparſette...... 19,0 3,7 0,7 7,6 5,8 2,7 0,5 0,9 2,3 1,04 Luzerne, ſehr jung. 5,5 0,7 6,5 4,4 4,3 0,3 6,7 1,6 1,9/1,22 „Beginnd. Blüte 4,3 0,8 8,7 8,2 3,1 0,3 9,0 1,2 3,2 1,10 Rotklee vor der Blüte 3,4 0,7 7,9 4,5 2,4 0,4 7,8 0,9 2,5ʃ0,91 „ volle Blüle. 3,1 0,6 9,1 5,8 1,7 0,4 9,0 0,6 2,9ʃ0,86 Sandluzerne..... 2 3,8 0,7 7,8 7,9 3,0 0,3 7,9 0,9 3,0ʃ1,01 Schwediſcher Klee.. 3,4 0,7 6,2 5,6 2,2 0,3 6,6 0,7 2,3/0,80 Serradella...... 1 3,7 0,8 7,0 5,7 2,5 0,5 6,4 0,7 2,510,88 Weißklee i. d. Blüte 4,0 0,8 7,5 5,2 2,6 0,5 7,8 0,8 2,5,0,98 c) Hülſenfrüchte. Ackerbohnen..... 1 3,4 0,6 6,3 3,2 2,5 0,4 5,7 0,8 1,5 0,85 Erbſen........ 1 3,5 0,6 7,4 5,5 2,4 0,3 7,2 0,7 2,770,86 Futterwicken..... 3,7 0,6 6,6 5,5 2,6 0,3 6,7 0,7 2,770,92 Lupine, gelbe, Anfg d. Schotenanſatzes.. 3,2 0,4 6,1 4,5 2,2 0,2 7,0 1,3 3,5ʃ0,77 Platterbſe(L. silv.) vor der Blüte.. 5,1 0,4 5,6 4,9 3,8 0,2 6,1 1,1 2,41,06 Vogelwicke...... 6,0 0,7,11,6 5,0 4,3 0,4 10,2 1,5 2,5,1,43 d) Sonſtige Futter⸗ pflanzen. Ackerſpörgel..... 9,7 ,5 0,3 9 0,4 3,3ʃ0,83 Buchweizen..... 6,5 ,5 0,4 6, 0,4 2,5ʃ0,68 100 Kilo Geldwert — = pr Zuſammenſetzung und Nährſtoffgehalt der Futttermittel. Art der Futtermittel (Gehalt in 100 Teilen) Moßnührſtoſfe Trockenſubſt. Extraktſtoffe Protein Stickſtofffr. Rohfaſer Fett Futterdiſtel, gz. jung Raps, Winter⸗. Senf......... e) Nrant Blätter. Futterkohl...... Kartoffelkraut, Okt.. „ Juli⸗Aug. Kohlrabiblätter... Kohlrübenblätter.. Mohrrübenblätter. Runkelrübenblätter. Zuckerrübenblätter. f) Baumlaub. Birkenlaub(Auguſt) Buchenlaub..... Pappellaub(Oktober) I. Dürrheu. a) Wieſenheu. Beſt. Gräſ u. Legum., „„ 2 deß „„„ fr Liel Scheingri u. Grſ. III. Q., ſ.jg. „„ reif „„ alt b. Gräſer. Futterrogg., i. Schoſſ. Raigras, engl. „ franz. „ ital.. Sauergräſer, Carex. Schafſchwingel Timotheegras. c) Klee und kleeartige Pflanzen. Eſparſette, A. d. Blüte „ i. d. Blüte —+— —. S⸗ — 00 — —— 1SSSSS SSg — — Du 3 13,3 2, — — OO O — — dO 88S SSS — — — do x.00 — SS — — — — — — — — — — doœe SS 0 d — 90 Se S — — — do SSdoe SSSSS AS SOA AISEIS b0 d0 — — edoe S — 0O.Oo d0 Oo Oo d do d0. d0 do —— — — OS do — S d0 d +— 8 — R&SS S 00 SG& — — 0= do DA 3 38,0 25,5 40,0 28,0 J380355 8 39,0 30,0 5 36,3 30,2 3 32,5 30,1 2 40,6 22,9 1 9 2 — SR Loo 45,9 25,2 34,6 33,2 46,0 27,3 — Werdanſiche Näͤhrſtoffe Geldwert pr. 100 Kilo haltige Fett Nährſtoffe Stickſtofffr. Amid Stickſtoff⸗ Summa Celluloſe — — — — — — — o S —9dO do — So 80880 SSS OSS= S SS do S 2SS 00 00+ — — — — — — S N— SESS o= L= d do 88808S8S .S — — — — — — === do AÁLAÁGA —. OO — — — — — —=do do do dO dOo A⁴ 0o do do G⸗ 00 SSS — — — — 8 — — —.80.80.,—8= — S8S—½ — — — do do eoe e öe S 90 09 OCo — 6— d O O.& do ⁴O. 0 ₰= — — — —₰ NS — — — — — ½ SSA — — ASEAO SSHdoO —+½— ⸗ — — — rdo ++— — — 10 1 ₰ — — — — —8.,——+ 0⸗ — NWAG Cd O 88 SSS A — — — — — — — ASGSS DoodS 1 — — 82 r SSSASS ESÖSSSg Odo do do— —⁸ 08 — 212 Zuſammenſetzung und Nährſtoffgehalt der Futtermittel. Art der Futtermittel (Gehalt in 100 Teilen) r Protein Fett Stickſtofffr Extraktſtoffe Rohfaſer haltige Fett Summa Nährſtoffe Celluloſe Geldwert pr. 100 Kilo 8 Luzerne, Anf. d. Blüte „ in der Blüte Rotklee, vor der Blüte „ in der Blüte „ End. d. Blüt. Sandluzerne, Anf. d. Blüte...... 8 Schwediſcher Klee.. Weißklee....... 8 d) Hülſenfrüchte. Erbſen, Anf. d. Blüte „ in der Blüte Futterwicke, Anf. d. Bl. Futterwicke, in d. Bl. Lupinen, Anf. d. Blüte „ halb abgebl. Platterbſe(Lath. silv.) Sandwicke...... 8 Wickhafer...... c) Sonſt. Futterpfl. Ackerſpörgel..... 8 Buchweizen..... Raps......... 8 Senf, weißer... f) Kraut, Blätter.. Rebenlaub(Herbſt). Topinamburkraut.. IUlI. Braunhen. Gute Gräſer, hell.. ſchwarz Esparſette...... 8 Luzerne....... Rotklee, hell..... „ ſchwarz... V. Silofutter, Preßheu. a) Silofutter. Gräſer, gute, ſauer. Grünmais, ſauer.. Lupinen, ſauer. Luzerne, ſauer.... Rotklee, ſauer, hell. „ ſüß, dunkler. Runkelrübenbl., ſauer Schwediſch. Klee, ſauer d ρ. 85] Stickſtofff — — — — — — — 90.80 Amid — g .do. S — SSN 90 90 990 18 — Seoe Seer Sd de S S .0.00 d 00 900 00 0 ⸗ .Oê 88=S8S ˙SSSSg DKSS 99 O0 92 S d0. do S⸗ — — — — — — — SS O o en, 00 — 95,00 — O S .S do de ee eee eSen — — — — ,BSgASgÖgAÖ=ÖSÖ SAG Srdo d0 dOo 00 bO.dO0 dO do do. do 00 d o 0 00.9= oR — e Oo eo — — .= Sm 50 SS do Or Oo d .98.8 d0 O0 do — — — — — — — — — + 0 00 02 0 NOͤOͤ S 85 0 Sd A do=SS ꝙ 00 ◻, — — — — SSSS So e oe SAEES. — — O O — — — — — — 80 9OO. S — — — — — — — — — — dO bO 0o0 00 d 00 00 00= d 00 S A S5 S ,SSd 00 d0 dO 00 dOo — — — — — — deod ⁴½— 2 S — So --S S 80 do do o 0.ä.S — α— ρ S — — — — — — — — 00 Oo o G SSSS .O0 0 S — — A A 4,82.2: — O S. do — S C0S S do — — — —=do do doS. 00 00 C0 — SSAS — O S8 S.SK Gœ — 2 ,8SSgSSSg — — — — — — AASAgg d0S SdogS AO— do. do. do d0 do 80 2 u — 3,0 4,23 8,8,4,20 16,9 8,55 22,52,29 13,04, 22 9,6,8,43 12,58,39 12,92,65 4,2 0,90 3,30,71 3,40,86 2,070,94 2,91,11 3,00,96 1,7,0,86 3,311,05 Zuſammenſetzung und Nährſtoffgehalt der Futtermittel. 213 Art Rohnährſtoffe Aerdauliche Nährſtoffe 25 Futtermittel † 5 5 5 52 (Gehalt in 100 Teilen) 1 35 5 5= 2 8 58 5 3 b) Preßheu. Buchweiz.‚hell, äuerl. 29,7] 2,4 23 16,5 7,8 1,5 0,5 14,6 16,3 ,0,9 3,91, 21 Gras„„ 82,0 3,8 2,7 12,9 9,9] 1,9 1,6 13,4 16,1] 1,1 5,9/1,27 Lupinen„„ 119,7 2,9 1,0 4,9 9,5 1,8 0,6 8,1 8,7] 1,1 5,2,0,78 Luzerne 5„ 24,8] 5,4 2,2 6,1 7,4] 4,0 1,4 7,213,1] 2,0 3,0 1,34 Rotklee,„„ 380,0 5,6 2,0 11,6 8,5 3,9 1,3 11,6 /16,7 1,9 3,8/1,55 „ hell, ſüß.. 30,0 5,5 2,0,11,1, 9,1] 3,2 1,3/11,5 15,7 0,7 4,1—1, 40 3 ben.33,0 6,0 2,2 10,5 11,9 3,0 1,5,/11,8 15,9 0,6 5,0ʃ1, 39 „„ ie dunkel. 35,0 6,4 2,3 11,2 12,6] 2,0 1,5 12,0 14,9] 1,2 5,3/1,20 Valatrah a) Halmfrüchte. Hafer......... 5,6 3,5 1,8,37,3 38,1 1,2 0,6 38,5 30,2] 0,1 21,7/2,06 Hirfe......... 85,0 4,6 2,535,5 35,0] 1,4 0,9 33,1 27,0/ 0,2 19,311,87 Mais......... 85,0 3,0 1,0 36,7 40,0] 1,1 0,3 40,5 30,3] 0,1 24,0 2,05 Sommergerſte.... 85,7 3,5 1,4 36,7 40,0 1,3 0,5,40,6 32,1] 0,1 22,0ʃ2,19 zut 34 Klee 85,7] 6,5 2,0,32,5 38,0 3,2 1,0 37,1 32,2 0,7 20,9 2,44 Sommer almſtroh, mittel 85,7] 3,8 1,7 36,4 39,7] 1,4 0,6 40,4 31,8] 0,1 22,7/2,19 „ ſehr gut 85,7] 6,9 2,5/ 32,9 36,7] 2,5 0,8 36,9 31,2 0,2 20,2ʃ2,29 Winterdinkel..... 85,7] 2,5 1,431,8 45,0] 0,7 0,4 32,1 22,5— 22,5 1,51 Kheeer::e i 13 3 11 i biitne ehee Jonidhs Wint gg....n. e 1,5,36,9a6,9 C,3 ,195,0,6,G S4 lt⸗ P in erweizen d Be, 36 1236, 0,0] 0,8 0,4 35,6 26,41 1— 22,01,76 uühſ Aaun unnenh 82,0 92 1,932235,0% 47 0,534433,0) 0,814,6267 Aug Erbſen........ 86,2 8,8 1,5 33,8 35,7 4,3 0,8 32,5 31,6] 0,8 14,1/ 2,54 14 Futterwicken..... 84,0 7,5 1,3,28,9,41,0 3,4 0,6 31,5 28,1] 0,8 16,4 2,20 V 114 Linſen....... 84,0 14,0 2,027,9,33,6/ 6,9 1,2 30,8 33,6 2,2 14,072,99 V Lupinen....... 84,0 5,9 1,1 31,1 41,8] 2,2 0,3 41,6 33,0] 0,6 21,0ʃ2,42 Wlatteiteclaath silv.) 86,0 12,0 2,9 33,6 32,7] 6,0 1,5 31,2 34,2 2,0 13,1˙2,92 anderbſe...... 84,5 7,0 1,4 31,2 41,0 3,2 0,7 33,3 30,0 0,8 16,4 2,29 b Faieenfe...8S,0 6,8 1,2,33,2 40,1 3,0 96 310 30,3 0,7 16,112,29 b c) Sonſtige Pflanzen. Buchweizen..... 84,0 4,5 1,2 34,3 38,0] 2,2 0,5 33,6 28,6] 0,5 16,8 2,08 Rapg....... 84,0 3,5 1,339,0 36,1 1,4 0,6 35,4 30,9 0,2,14,52,13 V Samenklee...... 84,0 9,4 2,0,23,5,43,5] 4,2 1,0 28,6 26,9 0,8 16,6, 2,23 VI. Spren 5 Pitſen. a) Halmfrüchte. Dinkel....... 85,7 3,5 1,3,32,6 40,0 1,1 0,4, 33,9 26,0] 0,3 20,0ʃ1,78 afer........ 86,0 4,5 2,1 38,8 30,3 1,7 1,0 32,6 29,9 0,5 13,6˙2,10 Hirſe ſchalen..... 88,0 4,8 2,2, 29,0 40,8 1,9 1,0 30,5 26,8 0,5 16,0ʃ1,93 Gerſte........ 85,7] 3,0 1,5 38,2 30,0 1,2 0,6 35,0 28,8 0,3 16,5 ˙2,00 b Reisſchalen..... 90,3 3,4 1,4 27,0 42,8] 1,2 0,5 31,4 25,0 0,3 17,511,73 Roggen 85,7 4,0 1,4 30,5/41,8 1,3 0,4 24,5 19,0 0,4 15,5 1,36 Weizen....... 85,71 4,5 1,6 37,0 32,6] 1,4 0,7 22,8 19,8] 0,4 12,11, 42 1 214 Zuſammenſetzung und Nährſtoffgehalt der Futtermittel. Art— Verdauliche Nährſtoffe 2. Darin 5 der 4 E= 5 Futtermittel E558 35 42 5 (Gehalt in 100 Teilen) 52 58 5 5 55 5 Ir. b) Hülſenfrüchte. Bohnen....... 85,0 10,5 2,0 33,5 33,0] 5,1 1,2 35,5 36,3 1,0 2,94 Erbſen........ 9,7 1,5 33,9 35,1] 4,8 0,9 35,1 34,5/1,0 2,78 Linſenſchalen 21,2 2,1 35,3 18,9/11,7 1,3 30,7 40,2/1,9 4,01 Lupinen....... 6,0 1,0/40,2 32,5 2,2 0,4 41,4 36,60,7 2,58 Wicken........ 9,5 2,0 33,5 31,5 4,7 1,2 43,6 44,4 1,0 c) Sonſtige Pflanzen. Buchweizen..... 8 4,6 1,1,35,3 43,5] 2,1 0,6 27,9 34,8,0,5 Erdnußſchalen.. 7,1 3,2 15,3 60,8 2,5 1,4 24,3 21,1ʃ0,6 Lein......... 8 3,5 3,4 35,0 40,71 1,7 1,7 33,8 31,4ʃ0,3 Leindotter...... 2,7 1,1 32,6 45,2 1,3 0,5 35,2 28,6ʃ0,2 Raps......... 4,0 1,6 35,5 38,4 2,0 0,7 34,9 30,0,0,3 VII. Wurzeln und V Knollen. Futterrunkeln, kleine 1,1 0,1 10,1 0,8 10,2 11,0¹0,7 0,5 5, große 1,4 0,1 6,6 1,0 6,9 7,8,0,8 0,6 Kartoffeln, mittel.. 2,1 0,1 21,0 0,7 0,08 21,0 22,6 ʃ1,0 0,4 „ſehr waſſerreich 1,7 0,1/14,7 0,6 0,06 15,1 16,410,8 0,3 „weniger„ 1,9 0,1 17,5 0,6 17,5 18,9ʃ0,9 0,3 „ waſſerarm 2,1 0,2 21,9 0,7 0,10 21,9 23,5 /1,1 0,4 „ſehr„ 2,5 0,2 27,2 1,0 1,9 0,12 27,6 29,5 1,2 0,5 „mitt., gefr., ged., [geſäuert 2,2 0,1 25,2 0,8 1,7 0,09 23,0 24,671,0 0,5 „„ ged., geſ. 1,6 0,0 28,0 1,0 1,11— 27,0 27,800,8 0,6 „„ roh, geſ. 2,1 0,1 40,5 1,1] 1,4 0,07 38,2 39,571,2 0,6 Kohlrabi....... 1 2,3 0,1 6,9 1,5 2 7,3 9,1˙0,8 0,8 Kohlrübe...... 1,3 0,1 9,5 1,1]0, 9,5 10,3 0,6 0,6 „ geſäuert. 1,8 0,2 9,1 2,2 1 9,2 9,8 1,1 1,7 Mohrrübe...... 1 1,4 0,2 10,8 1,71 11,4 12,2 0,5 1,0 Stoppelrübe..... 0,9 0,1 6,0 0,8 0 5,8 6,3ʃ0,4 0,5 Topinambur..... 1,8 0,2 16,0 1,0 1,4 0,12 16,4 17,870,8 0,6 Zuckerrübe...... 1,0 0,1 /15,4 1,3 0 15,8 16,3¹0,6 0,7 VIII. Körner und Früchte. a) Halmfrüchte. Dinkel(Spelz)... „ ⸗Kerne.... Gerſte, mittel.... „ vollkörnig.. „ flachkörnig.. Hafer, mittel.... „ flachkörnig.. „ ſehr vollkörnig Mais......... 8 — 0.90 O O d0 O0— S. — — — — — — —— SASSSS —+ 0Oͤ== SSSS — — — 0.10 0 lS. IdO A — — — — — — — —— — —— —— ———— —= — — — — — — — — — — — — — —— — — 8S2SS=SSA ——— —— —— — — S r S EAENSNOS -1SSSS GS 8S 5 S5=.S8 S eRͤö do de See S= do e .S”S — — — — — S..S 55 H . S= do d .SSS A& S.S: 0ͤ S.S SeeS ’;S SSllll — 809=S.SS R — — do 0-⸗ dodo= — Zuſammenſetzung und Nährſtoffgehalt der Futtermittel. 215 Art Rohnährſtoffe Verdauliche Nährſtoffe der SI 1„Darin de 8.=S=S 2 25 Futtermittel 5ä3 5* S V ⸗* 5 5 ½ (Gehalt in 100 Teilen) ☛ 5 8 ¾ 2[5= 5 5 555 3[a. Mais, ganze Kolben 88,5] 8,0 3,9 68,4 6,7] 6,0 3,1 62,1/73,5/0,3 4,0ʃ10,25 Roggen, mittel... 86,0711,0 2,0 68,7 2,5 9,9 1,6/65,8 78,8/0,5 1,3 12,05 „ flachkörnig.86,0¹14,0 2,5 63,6 4,0ʃ12,2 2,0 61,5 77,500,6 1,9112,30 „ voollkörnig.86,0/ 9,0 1,671,9 1,8 8,0 1,2 68,8 79,30,4 0,8,20,54 25 Weizen, mittel... 85,6112,5 2,0 67,1 2,3—11,3 1,6 64,9 79,4 1,1 1,112,37 3d„ Sommer⸗ 86,0/813,2 2,0 66,0 3,0ʃ12,0 1,6,64,3 79,571,2 1,4 12,54 „ flachkörnig. 85,6 14,0 2,0,63,2 4,5112,7 1,6 62,6/78,211,3 2,0ʃ12,55 926„ vollkörnig.85,67111,0 2,0,69,0 1,9410,0 1,6,/66,7 80,1 1,0 0,912,12 81G b) Hülſenfrüchte. 622 Ackerbohnen..... 85,6 25,0 1,6/48,9 6,9 22,0 1,4 50,0/72,91,9 5,0712,50 8119 Erbſen....... 85,6 22,6 1,9,53,0 5,4 20,1] 1,4 53,0/74,772,5 3,512,30 Né 21¹ Lupine, blaue.... 86,029,5 6,2 36,2 11,2 26,3 5,2 41,3 75,0 3,0 10,113,70 „ weiße.... 86,0 29,4 7,2 34,2 12,2 26,1 6,1 40,5 75,6,2,9/11,113,74 „ gelbe... S6,0 36,6 4,7 27,2 14,2 32,9 4,2 38,9 74,8 3,8 14,215,09 Dog„„ entbitt. 34,0716,7 2,2 7,3 7,1 15,0 2,0/12,9 29,11— 7,1] 6,34 GAln„ lufttr.(86,042,3 5,5 18,4 18,0 38,1 5,0 32,7 75,8—5— 18,016,32 Aan Platterbſe(laihyr. sil.) 8S,4 25,0 1,9 54,5 4,122,6 1,6 53,479,4 2,5 2,7113,35 6919 Sandwicke...... 84,0 23,1 1,5,49,3 7,120,4 1,4 50,5 71,8 2,5 4,712,07 Aim Wicken........ 86,6 26,4 1,8/48,6 6,6 23,3 1,6 50,0/74,6]2,9 5,0 12,99 1427 oc) Oelfrüchte. 1oi Leindotter...... 91,6 21,5,30,0 21,8 11,5117,2 27,0 21,0 100,1 1,1] 5,711,36 21a Leinſamen...... 87,7[20,5 37,0 19,6 7,2 20,1 35,2 18,9 120,2 1,0 6,5718,60 MAu- Rapsſamen..... 90,419,5 43,715,0 8,2 16,1, 42,2 15,3 131,0 ½1,0 3,319,00 — d d) Sonſt. Samen ee.*) V f 8 Aepfeltreſter, friſch.. 26,01,6] 1,2 17,5 4,9 0,8 0,7,14,3 15,8/— 2,0 1,34 2 n„ getrocknet 85,2 5,6] 3,3/49,1 21,4 2,8 2,0,43,0 46,31⁄— 8,6 4,01 8 G„ geſäuert. 25,0] 2,0 1,814,5 5,6] 1,0 1,112,4 14,90,1 2,2 1,31 N hſs Buchweizen*).... 86,8 10,1 1,5,58,4 15,0 7,5 1,1 51,8 57,9°— 8,0 9,27 1IA Eicheln, friſch,.... 44,7] 2,5 1,9 34,8 4,4] 2,0 1,5 34,0 8,2¹1%— 2,7 3,26 5 10”„ geſchält u. getr. 83,0] 5,1 4,0 67,4 4,5 4,1 3,2 63,5 33,9%— 2,8 6,34 4 i Feld⸗Kürbis..... 9,1/ 1,3 04 5,2 1,7 1,0 0,3 5,876,97°— 1,1] 0,68 8 di l Johannisbrot. S7,0 4,0 2,073,3 5,9 2,7 1,1,74,2,77,2(— 4,6 6,37 16 O” Roßkaſtanien, friſch.[50,8] 4,3 1,6 41,3 2,0 3,4 1,3 38,1 44,0%— 1,2 3,92 „ friſch, geſchält 51,0] 3,1] 2,1 43,2 0,8 2,5 1,7,41,5,47,87%— 0,5 4,07 „ geſchält, getr. 85,4] 7,0 4,368,6 3,4 5,0 3,5 65,2 78,%— 2,1] 6,76 IX. Gew. Produkte und Abfälle. a) Mahlabfälle. Buchw., Schalenkleie, grob[81,8° 9,8 2,3 34,0,33,0 6,3 1,6,32,2 37,3/0,5 9,9 5,21 feine 88,0715,2 4,550,0 11,3011,4 3,4 42,7 60,4 1,6 3,7 8,68 röſenſchalen Kleie) 87,7 8,0 2,5 30,5 43,7 5,6 2,0 46,3 45,700,7 21,9% 5,94 *) Preis der Nährſtoffeinheit= 7,7 Pf. **) Mit Roggenpreis verglichen. 216 Zuſammenſetzung und Nährſtoffgehalt der Futtermittel. Art= Rohnährſtoffe Verdauliche Nährſtoffe der S E 3.„ Darin 36 H 3 1 2. 2 2 88 Futtermittel SE 2 ue 5 5 2 5, (Gehalt in 100 Teilen) f. 5 55 5 5= 3 52 5 3[. Erbſenkleienmehl.. 13,9] 1,4 40,1 28,6]ſ 9,7 1,1 46,4 51,511,0 14,3] 7,38 Erbſenmehl..... 23,6 3,5 53,5 4,5 20,9 2,8 55,4 81,5 2,5 2,9 12,75 Erdnußkleie..... 22,4 19,2 23,8 18,7 16,8 16,3 76,270,5 9,3 Erdnußſchal. m. Kleie 8,2 4,1 16,3 53,2 4,9 2,4 24,2 26,71— 16,1 Gerſtfuttermehl... 12,6 2,9 3,0 10,2 2,4 70,911,2 1,5 Gerſtegriesmehl... 12,2 3,3 7,2 9,5 2,6 64,5 1,2 2,4 Gerſtkleie...... 10,3 3,3 50,6 16,5] 7,8 2,5 41,0 52,7 1,1 4,1 Graupenabfall.... 13,4 3,9 52,2 13,2 10,7 2,7 48,4 62,3/1,8 6,6 Haferhülſen..... 2,7 1,3 52,2 27,9] 1,3 0,6 30,1 25,8/0,1 14,0 Haferfuttermehl, grb. 9,6 4,3 51,6 17,2 6,8 3,5 48,3 1,0 14,0 3 feines 13,6 5,6 53,5 11,0 10,5 4,5 44,8 61,811,4 8,6 Haferkleie...... 8,4 3,4 21,6 4,0 1,6 36,8ʃ0,4 10,8 Hirſeſchalenkleie... 4,4 3,6 28,3 41,6 2,4 2,0 25,4 27,4 0,2 10,4 Maiskleie...... 88,2 10,2 3,8,61,8 9,0 7,9 3,4 71,6/0,9 3,0 Reisfuttermehl... 12,0 12,0 8,0 7,6 10,2 42,9 73,9ʃ0,7 2,1 Reiskleie....... 9 5,3 2,7 39,7,30,0] 2,6 1,3/ 28,6 29,8— 9,0 Roggenfuttermehl.. 13,6 2,9 4,2710,6 2,353,3,68,311,1 2,1 Roggenkleie..... 87,5 14,5 3,4 6,0 11,4 2,2 47,6 63,771,5 1,1 Roggenſpitzkleie... 16,0 5,0 51,012,0 12,0 3,5 42,0 61,4 1,7 2,0 Weizenfuttermehl.. 14,2 3,2 4,4 11,7 2,7 54,4 71,5 1,4 2,2 Weizenkleie, feine.. 14,1 4,2 7,3/11,0 2,9 64,0/1,4 2,4 „ grobe. 13,6 3,4 8,9 110,6 2,4 44,4 59,711,3 2,1 b) Gärungsgewerbe. Biertreber, friſch.. ſ⸗ 5,1 1,7 5,1 3,7 1,4 14,970,1 2,0 „ ggetrocknet 20,6 7,0 42,2 16,0714,4 5,7 32,8,57,80,9, 6,2 Maiskeime...... 24,9 12,2 5,3 20,8 11,2 35,3,82,477,3 3,2 Malzkeime(Gerſte). 8S,223,3 2,1 42,8 12,4119,1 1,0 49,5 65,1 7,0 11,8 Brennereitreber getr. 22,1 5,3 40,6 14,716,1 4,5 55,9 1,2 5,8 Kartoffelſchlempe. 1,4 0,2 0,6 1,4 0,2 4,6 0,4 0,6 „ getr 21,8 3,9 41,3 9,4˙21,8 3,9 77,2 5,4 9,4 Maisſchlempe. 2,3 1,0 0,8 1,8 0,9 8,240,1 0,4 „ getr.. 22,9/10,0 7,9118,3 9,0 81,711,0 4,0 Melaſſeſchlempe... 2,8—— 2,8— 6,9 2,3— Roggenſchlempe... 2,3 0,5 0,9] 1,8 0,4 7,6 0,4 0,5 „ getr. 23,0 5,1 9,2 18,4 4,6 51,0 77,9 4,0 4,9 „bei Hefefabr. 1,0 0,3 3,1 0,4 0,8 0,2 4,2 0,2 0,2 Weizenſchlempe, getr. 25,0 4,7 46,1 7,4 20,0 4,2 73,5 3,0 3,7 c) Stärkefabrikation. Kartoffelfaſer(Pülpe) 0,8 0,1 11,7 1,0] 0,7 0,1 12,4 0,1 0,6 „ getrockn. 3,5 0,4 68,1 11,9 3,2 0,3 73,1 0,4 7,9 „ geſäuert 1,2 0,2 12,5 1,4 1,0 0,1 12,4 13,200,3 0,8 Kleber, trocken 68,6 5,0/12,9 0,3166,8 4,2 12,8 89,6,/6,5 0,1 Maisſchlamm, trocken 18,1 6,3 60,7 1,314,5 5,4 83,2 3,0 0,8 Reispreßſchlamm.. 12,3 1,3 29,5 0,5 9,8 1,1 27,2 39,42,8 0,3 „ getrocknet 18,1 2,9,61,8 2,1114,5 2,5 77,313,4 1,3 1 r Geldwe pr. 100 Seere 1 Geltnttdo)e 1 = Zuſammenſetzung und Nährſtoffgehalt der Futtermittel. 217 Art Rohnährſtoffe Verdauliche Nährſtoffe ◻ n 36 der 5 u e* e a 5=5s Futtermittel 2 58 S e 35 3 4 893 E E[58 2 253 3 5 (Gehalt in 100 Teilen)& 5 5 ⅔ G 5H ð Fsls 3[RM. Maisſchalen..... 92,2 11,9 9,5 59,510,1] 9,0 8,5 58,6 85,5 2,0 5,0 8,03 Stärketreber(Weizen)[28,6] 4,2 1,1/20,2 2,8 3,6 0,9 19,0/ 24,110,6 1,4 2,41 „ Neis) getr.[92,236,3 1,1 52,6 0,5 29,0 0,9 47,7 78,6/5,0 0,3 10,53 d) Zuckerfabrikation. Diffuſionsſchnitzel friſch 7,0 c,6 0,1 4,1 1,4 0,4,0,05 4,6 4,5— 1,1] 0,41 „ gepreßt[10,3 0,9 0,1 6,3 2,4] 0,6,0,04 7,4 7,11— 2,0 0,64 4 geſäuert 111,5] 1,1 0,1 6,4 2,8] 0,7 0,1 7,8 7,5, 0,2 2,4] 0,69 „m. Kalk gep. fr. 35,0 3,2 0,5 17,8 9,6 1,9 0,3 23,0 21,66— 8,0] 1,96 „ trocken 89,5] 7,8 1,2 55,0,18,9] 4,9 1,0 62,4 62,0i—,15,3] 5,54 Melaſſe....... 80,7 9,0— 61,3— 9,0— 61,3 70,3 4,6— 6,80 Melaſſetorfmehl...[75,1] 8,3 0,9 52,6 5,8 6,0— 39,3 45,33,0— 4,41 Melaſſepalmkernmehl 80,0 110,4 0,8 55,6 4,4 9,9 0,8 60,5 68,9]4¼,8 3,4 6,97 Preßlinge, friſch.. 27,0] 1,9 0,2 17,3 5,4 1,2 0,2 18,9 18,445— 4,4] 1,60 „ geſäuert.[21,7] 1,6 0,3 12,8 4,3] 1,0 0,2 13,8 13,8ʃ0,3 3,0] 1,22 e) Oelfabrikation. Baumwollſamenkuch. 89,4]24,7 6,6 26,0,24,9 18,0 5,9 17,7 47,0 1,5 5,7 6,76 „ geſchält[90,0 43,9 12,9 20,3 5,5/36,9 12,0 16,8 82,0, 2,6 1,0/12,72 Baumwollſamenmehl[91,243,2 14,6 21,1 5,237,0 13,7 17,1 86,5/71,4 1,0 13,11 Erdnußkuchen.... 90,2 31,0 8,9 ,20,7 22,7724,8 7,2 19,0 59,3ʃ0,9 3,5 8,88 „ geſchält 88,5,47,0 7,3 24,1 5,2 40,4 6,5 23,5 78,8 1,2 1,3 12,98 Kandlenußkuchen.[91,6/]49,0 11,2 18,7 4,1)43,7 10,1 18,5 85,6 1,3 1,6/14,09 Kokosnußkuchen.. 89,7 19,7 11,0 38,7 14,4 15,0 11,0/40,3 77,2 0,4 8,9 8,77 Kokosnußkuchenmehl 87,4 22,1 6,8 38,8 13,4117,7 6,8 41,7 71,1/0,5 9,1] 8,68 Leinkuchen...... 88,2 28,7 10,7 32,1 9,4/24,7 9,6/ 29,8 75,4/0,2 4,1 10,19 Leinmehl...... 89,0 35,3 3,6 34,3 9,6/29,6 3,3 32,3 57,0]2,0 4,8 10,28 Maiskeimkuchen... 89,0 13,7 9,4 50,5 8,810,6 7,9 49,1 75,9 4,2 5,6] 7,92 Mohnkuchen..... 89,3 36,5 9,6 20,1/11,0 28,8 8,8 19,6 66,170,4 6,710,09 Palmkernkuchen... 89,6 16,8 9,5 35,0 24,016,0 9,0 52,6 80,3, 0,4 19,7 9,17 Palmkernmehl... 89,117,4 4,5 36,9 25,9 16,6 4,2 56,0 71,11,5 21,2 8,48 Rapskuchen..... 89,6 30,7 9,8 30,1 11,3 24,9 7,6 23,8/˙66,4/4,4 0,9] 9,50 Rapsmehl...... 91,5 33,1] 5,0,32,113,4 26,5 2,4 27,2 58,8 ⁴,5 1,3] 9,07 Seſamkuchen.... 88,9 37,2 12,8 20,5 7,5,33,5/11,515,5 75,4, 0,4 2,3 11,62 Seſammehl..... 94,0]416,4 2,4 26,7 7,7141,8 2,1 19,2 64,8/0,6] 2,4 12,04 Sonnenblumenkuchen 90,7,34,7 12,5 23,7 13,931,2 11,0 22,5 77,9 8,3 4,3/11,45 X. Futtermittel tieriſch. Urſprungs.*) Blut, getrocknet...89,8 82,6 1,5 1,3— 59,5 1,5 1,3/64,4 9,0— 15,23 Buttermilch..... 9,9 4,0 1,1 4,1— 4,0 1,1 4,1 10,7—— 5,95 Fiſchguano, norweg. 87,4/49,0 1,86—— 44,1 1,6— 47,9]4,5—[11,31 Fiſchfuttermehl, fettarm 87,2 52,4 2,2—— 47,2 1,6— 51,0 3,7—[12,08 „ fettreich 89,948,411,6—— 44,1/10,3— 68,83,7— ſ13,11 *) Die Preiſe für Milch und Eier ſind mit der Kuhmilch verglichen. 218 Zuſammenſetzung und Nährſtoffgehalt der Futtermittel. Art Rohnährſtoffe Verdauliche Nährſtoffe 2 3.. Darin 55 der 1. e ⸗ Futtermittel 8 5. 5* 5 5* (Gehalt in 100 Teilen) 8 5 5 5* 5 5 5 5 3 A Fleiſchfuttermehl..[89,0]71,3] 3,0 0,3—[65,7 12,7 0,3 96,53,5— ſ19,00 Hühnereier..... 26,3/12,6, 12,1 0,6— ſ12,6/12,1 0,6 41,6(—-[21,71 Kuhmilch...... 12,5 3,2113,6 5,0— 3,2 3,6 5,0 16,8—— 7,50 „ abgerahmt 10,0 3,5 0,7 5,0— 3,5 0,7 5,010,21—— 5,44 „ eentrifugiert 9,4] 3,5 03 1 3,5 0,3 1 9,1—— 5,09 i⸗ 4 iin Maikäfer, friſch... 29,6,18,8 3,7— 4,8 13,0 3,1— 20,40,8— 3,87 „ getrocknet 86,555,3 10,9.— 13,6,38,0 9,1— 59,82,3—[11,35 Molken von Kuhmilch 6,4] 0,8 9,1 4,9— 0,8 0,1 4,9 5,9—— 2,37 Ziegenmilch..... 14,3] 4,3 4,8 4,5— 4,3 4,8 4,5 20,3¹5——] 9,30 B. Beiſpiele von Futtermiſchungen für verſchiedene Zwecke. Berechnet von Dr. C. Lehmann(dem landwirtſchaftlichen Kalender von Mentzel& Lengerke 1898, Th. I, S. 115 flg. entnommen). I. Arbeitsochſen. a) Mittlere Anſtrengung. Für 1000 kg Lebendgewicht pro Tag, ent⸗ ſprechend ungefähr in kg; 25 Tr.⸗Sb., 2,0 Nh., 0,5 F., 11,5 Nfr., 12,0 Nr.⸗St, 1:6,5. 1. 3. 5. Kartoffelſchlempe. 50 kg F. aure Schnib. 60 Kg Rüben....... 40 kg Reif. Wieſenheu lIl 9 Wieſenheu III. 6„ Kleehen 4 Sommerhalmſtroh 6„ Sommerhalmſtroh 5„ Wieſenheu II.. 3,5, Winterhalmſtroh. 8„ Winterhalmſtroh. 5„ Winterhalmſtroh. 12„ Rapskuchen 3 Malzkeime Malzkeime. 2„ b= 3 Baumwollkuchen. 2,5, Baumwollkuchen. 35, 4.. Trockenſchnitzel.. 5 kg 2. Kleeheu...... 2„ 6. Roggenſchlempe 50 kg Wieſenheu III.. 2„ Kartoffeln..... 20 kg Reif. Wieſenheulll 9,„ Sommerhalmſtroh 6„ Kleeheu...... 5„ Sommerhalmſtroh 3„ Winterhalmſtroh. 6„ Wieſenheu II... 5„ Winterhalmſtroh. 8„ Bohnenſchrot... 2„ Winterhalmſtroh. 5„ Rapsmehl..... 1„ Palmkernmehl.. 1„ Hiülſenfruchtſtroh. 5„ Reisfuttermehl.. 3„ Nenrteime.... 2„ Napskuchen.... 3„ okoskuchen... 1„ 1 8 v. 100 Kilo (GBeldwe p„ S=ſ= hecke. der don 15. Beiſpiele von Futtermiſchungen. 219 b) Geringe Arbeit(Wirtſchafts⸗Ochſen, Schleppochſen). Für 1000 kg Lebendgewicht pro Tag, ent ſprechend ngefüht in kg: 22 TtSb, 1,4 Nh., 0,3 F., 21⁰ Nfr., 9,7 Nr.⸗St., 1: 77. 5. Kartoffelſchlempe. 50 kg Wieſenheu II.: Winterhalmſtroh. 10„ Sommerhalmſtroh 10„ Seſamkuchen... 0,5, 9. Saure Schnitzel. 40 kg Winterhalmſtroh. 8„ Hülſenfruchtſtroh. 12„ Baumwollkuchen. 1,5, Wieſenheu Kleeheu......„ Winterhalmſtroh. 6„ Sommerhalmſtroh 7„ 5 kg 6 Rapskuchen.... 2„ 4. Kartoffeln.. 10 42 Kleehen...... 5, Winterhalmſtroh. 10„ Haferſtroh.... 8„ Erdnußkuchen.. 1,5, II. Milchkühe. Große Rüben.. 25 kg Kleehen...... 6„ Winterhalmſtroh. 8„ Haferſtroh.... 6„ AMuohutchen,... 2„ Trockenſchnitzel.. 5 kg Winterhalmſtroh. 9„ Weizenſpreu... 6 Hülſenfruchtſtroh. 3„ Friſche Biertreber 6„ Lupinen, entb.lufttr. 2„ a) 7,5 kg täglicher Milchertrag. Für 1000 kg Lebendgewicht und Tag, entſprechend ungefähr in kg: 27 Tr.⸗Sb, 2,0 Nh., 0,4 F., Rüben Wieſenheu I... 8„ „... Winterhalmſtroh. 5„ Gerſtſtroh.. 17„ Weizenkleie.... 2„ Rapskuchen.... 2,5, 2. Rüben...... 40 kg Wieſenheu II... 6„ Winterhalmſtroh. 3„ Gerſtſtroh 8„ Weizenſpreu... 3„ Geſch. Baumwoll⸗ kuchen.....„ Malzkeime. 1,5,, Rüben...... 50 kg Kleeheu..... 6„ Winterhalmſtroh. 10„ Weizenſpreu... 2„ Getr. Biertreber. 2„ Erdnußkuchen, geſch..... 2„ 4. Kartoffeln.... 10 kg Wieſenheu II... 6„ Kleehen...... 8„ Winterhalmſtroh. 4„ Sommerhalmſtroh 4„ Biertreber, friſch. 20„ 12,2 Nr.⸗St., 1: 6. 5. Kartoffeln.... 20 kg Wieſenheu I. 8„ Luzernehen.... 5„ Gerſtſtroh... 2„ Winterhalmſtroh. 5 kg Palmlucheu,... 2„ Kartoffeln.. 15 kg Klechen...... 10„ Wieſenheu I... 5„ Sommerſtroh. 3„ Biertreber, friſch 20„ Kartoffelſ Flenpe⸗ 50 kg Wieſenheu II. 10„ Brm moenalmrpß 10„ Roggenfuttermehl 3„ Seſamkuchen... 1„ 8. Kartoffelſchlempe. 75 kg Wieſenheu II... 10„ Winterhalmſtroh. 10„ Weizenſpreu... 3„ Grobe Weizenkleie 2„ Maisſchrot.... 3„ 9. Roggenſchlempe. 40 kg Wieſenheu II.. 8.„ Sommerhalmſtroh 4„ Winterhalmſtroh. 8„ 11,0 Nfr., Palmkernmehl.. 2 kg Weßzenfültermehl 2„ Fleiſ drnehl, 05, Roggenſchlenpe. 50 kg „ Wieſenheu II. 8„ Sommerhalmftroh 5„ Winterhalmſtroh. 10„ Erdnußkuchen geſch....... 1,5,, 11. Schnitzel, geſ. 30 kg Kleehen...... 5„ Wieſenheu II. 5„ Haferſtroh 5„ Weizenſpreu... 3„ Malzkeime.. 2„ Haferkleie..... 1„ Mela ſvalmterw⸗ mehl..... 2„ geeternei: 1,5, Fleiſ öinehl 0,5, Schnitzel, n.. 40 kg Luzernehen.... 5„ Kleehen...... 3„ Wieſenheu I... 4„ Winterhalmſtroh. 8„ Roggenkleie.... 1„ Weizenkleie, grob. 2„ Baumwollkuchen. 0,5, 220 15. Beiſpiele von Futtermiſchungen. 13. Leinkuchen.... 2 kg Gerſtſtroh..... 5 kg Schnitzel, geſ... 50 kg Seſammehl.... 1,5, Weizenſpreu... 3„ Kleeheu...... 6„ Roggenkleie.... 2„ Wieſenheu II... 5„ 14. Leinmehl..... 2„ Sommerhalmſtroh 4„ Grünmais, geſ. 30 kg Palmkernmehl.. 2„ Winterhalmſtroh. 3„Kleeheu......„ b) 10 kg täglicher Milchertrag. Für 1000 kg Lebendgewicht und Tag, entſprechend ungefähr in kg: 29 Tr.⸗Sb., 2,5 Nh., 0,5 F., 13 Nfr., 14,4 Nr.⸗St., 1: 5,7. 1. Weizenſtroh... s Winterhalmſtroh 6 kg Rüben...... 40 kg Weizenſpreu.. 4„ Palmkernmehl.. 2„ Wieſenheu II... 6„ Biertreber, friſch. 20„ Kokoskuchen.. 2„ Hülſenfruchtſtroh. 8„ Malzkeime.... 1 Rapskuchen... 2„ Rapsſchoten... 4„ Fleiſchmehl.... 0,5,, Maisſchrot. 1„ Reisfuttermehl.. 3„ 10. 6. Erdnußkuchen.. 3,5, Kartoffeln..... 25 kg Schnitzel, geſ... 35 kg Wieſenheu II... 6„ Wieſenheu II.. 4„ 2. Rüben...... 50 kg Winterhalmſtroh. 5„Kleeheu..... 6„ Kleehell...... 8„ Hülſenfruchtſtroh. 8„ Haferſtroh.... 4„ Winterhalmſtroh. 10„ Bohnenſchrot... 2„ Weizenſpreu. 3„ Seſamkuchen... 4„ Seſamkuchen... 3„ Biertreber, friſch 20„ Weizenkleie, grob. 1„ 7. Malzkeime.... Biertreber, trock. 1„ Kartoffelſchlempe. 75 kg Rapskuchen 11 25, 3. Wieſenhen II.. 8„. Rüben...... 20 kg Sommerhalmſtroh 4„ Schnihe geſ.. 45 kg 4 Wieſenheu II... 8„ Winterhalmſtroh. 6„ 4 Sommerhalmſtroh 6„Reisfuttermehl.. 3„ Sommerhalmſtroh 6„ 1, 2 1 Weizenſpreu... 3„ Biertreber, friſch. 25„ Bohnenſchrot. 5,, 7 Rapsmehl.... 3„ Malzkeime..„ Winle hacmreh 2„ Reisfuttermehl. 2„ 8. Palmkernku chen. 2„ 4. Kartoffelſchlempe 100 kg Kohlrüben.... 45 kg Wieſenheu II... 6„ Trockenſchnitzel.. 6 k Wieſenheu II. 6„ Sommerhalmſtroh 6„ Trotrenſch lri. 6 5 Luzerneheu 5„ Winterhalmſtroh. 6„ Kleeheu...... 6„ Winterhalmſtroh. 7„„ Maisſchrot.... 3„ Sommerhalmſtroh 6„, Palmkernkuchen. 3„ Erdnußkuchen.. 2„ Weizenſpreu.... 2„ Erdnußkuchen.. 1,5, 9. Bohnenſchrot... 1„ 5. Roggenſchlempe 50 kg Rapskuchen.... 3„ Kartoffeln.... 20 kg Wieſenheu II.. 6„ Sonnenblumen⸗ Kleeheu...... 10„ Sommerhalmſtroh 5„ kuchen...... 1„ IlI. Maſtrinder. II. Periode. Für 1000 kg Lebendgewicht und Tag, entſprechend ungefähr in kg: 30 Tr.⸗Sb., 3 Nh., 0,7 F., 14,5 Nfr., 17,0 Nr.⸗St., 1: 5,4 1 2 3 Rüben...... 50 kg Rüben...... 75 kg Kartoffeln.... 30 kg Wieſenheu II... 10„(Wieſenheu II.. 6„ Wieſenheu II... 10„ Winterhalmſtroh. 5„ Kleeheu...... 6 Kleehen...... 4 Weizenkleie, grob 4„ Winterhalmſtroh. 4 Winterhalmſtroh. 4„ Erdnußkuchen.. 3„ Getr. ongenſchlemp4„ Biertreber, trock.. 2„ Reisfuttermehl.. 4„ Rapskuchen....„ Erdnußkuchen.. 3„ ==G= 15. Beiſpiele von Futtermiſchungen. 221 4. 6. 8. Kartoffelſchlempe 100 kg Schnitzel, geſ... 50 kg Lertefſeln II 10 kg Wieſenheu II.. 6„ Kleeheu..... 6„ Kleeheu 6 Sommerhalmſtroh 5„ Luzerneheu... 6„ Winterhalmſtroh 3„ Winterhalmſtroh 7„ Gerſtſtroh.... 6„ Seſammehl 3„ Rapskuchen... 1„ Biertreber, friſch 20„ Rapaſamen 1 Reisfuttermehl. 3„ Maisſchrot.... 3„ paſ* Palnnnchen,.. 5„ Erdunſeuchen.. 1„ 5. Roggenſchlempe. 60 kg Grünmais, geſ. 4 Kartoffelſchlempe 75 kg Wieſenheu II..„ Wieſenheu II.. Wieſenheu II.. 6„ Sommerhalmſtroh 4„ Klechen..... Sommerhalmſtroh 5„ Winterhalmſtroh. 4„ Gerſtſtroh.... 3„ Reisfuttermehl. 98 00 do do do do bdo ◻ 8 Winterhalmſtroh 5„ Weizenkleie, grob 3 Weizenſpreu... 3„ Gerſtefuttermehl 1,5, Malzkeime....„„ Roggenfuttermehl 6„ Bohnenſchrot... 3„ Baumwollkuchen„ Seſamkuchen... 3„ Seſamkuchen... 2„ Palmkernmehl..„ Maisſchrot.... 2„ Sonnenblumenkuch. 1„ Rapsmehl....„ IV. Maſtſchafe. II. Periode. Für 1000 kg Lebendgewicht und Tag, entſprechend ungefähr in kg: 28 Tr.⸗Sb., 3,5 Nh., 0,6 F., 14,5 Nfr., 16,9 Nr.⸗St., 1:4,5. 1. Lupinenheu... 10 kg 5. Wieſenhen II.. 10 kg Stroh(durchfr.). 4„ Schnitzel, gepr. 50 kg Klechen..... 6„ Roggenkleie.. 4„ Luzerneheu 12„ Stroh(durchfr.)*) 6„ Seſamkuchen.. 3„ Stroh(durchfr.). 8„ Ackerbohnen.. 9„ 4 Roggenfuttermehl 5,5 Mais...... 3„ 3 Rapskuchen... 4„ 6 2. Kartoffelſchlempe 50 kg. Kartoffeln.... 30 kg Wieſenheu II.. 15„ Kartoffelpülpe.. 40 kg Wieſenheu II.. 12„ Winterhalmſtroh 4„ Wieſenheu II. 8„ Hülſenfruchtſtrop 9„ Sommerhalmſtroh 4„ Sommerhalmſtroh 4„ Erdnußkuchen.. 5„ Roggenfuttermehl 3„ Hülſenfruchtſtroh 3. Palmkernmehl.. 3„ Lupinen, gelbe. Rüben...... 40 kg Baumwollkuchen. 2„ Seſamkuchen... Wieſenheu... 10„ V Rapsmehl.... V. Wollſchafe, feine. Für 1000 kg Lebendgewicht und Tag, entſprechend ungefähr in kg: 23 Tr.⸗Sb., 1,5 Nh., 0,3 F., 12 Nfr., 12 Nr.⸗St. — do œM 1. Wieſenheu II.. 6 kg Rapsſchalen... 5 kg Hülſenfruchtſtr.. 10 kg Hülſenfruchtſtroh 5„ Roggenkleie... 2,5, Klecheu.... 5„ Stroh(durchfr.). 16„ Rapskuchen... 0,5, Wieſenheu II.. 5„ Lupinen..... 1„ 4. Stroh(durchfr.). 8„ Reisfuttermehl. 1„ Kartoffeln... 15 kg Lupinen..... 1„ 3. Wieſenheu II. 10„ Maisſchrot.... 2„ Rüben...... 20 kg Kleehen..... 5„ 2. Wieſenheu II.. 10„ Stroh(durchfr.). 12„ Schnitzel, gepr. 40 kg Stroh(durchfr.). 12„ Baumwollkuchen. 0,5, *) Das als„durchfreſſen“ bezeichnete Stroh iſt als zu dreiviertel wirklich aufgenommen und von der Zuſammenſetzung des„ſehr guten Sommerhalm⸗ ſtrohs“ aufgenommen worden. 222 15. Beiſpiele von Futtermiſchungen. Firch.(durchfr.). 8 kg Wieſenheu II.. 6 kg Kartoffelpülde, gee Roggenkleie.. de⸗ Hinſenfin hiütof 6„ ſäuert..... kg Vohnen..... 0,D, Rapsſcholen.. 4„ Wieſenheu II. 5„ 6 Stroh(durchfr.). 8„ Kleeheu..... 5„ Grünmais, ſauer 30 kg Baumwollmehl. 1„ Für tragende reſp. ſäugende Mutterſchafe ſind hieraus leicht durch einige Kraftfutterzulage paſſende Rationen herzuſtellen. VI. Pferde. a) Bei mittlerer Arbeit für 1000 kg Lebendgewicht und Tag, entſprechend ungefähr in kg: 24 Tr.⸗-Sb., 2 Nh., 0,6 F., 11 Nfr., 12,8 Nr.⸗St. 1.[Mais....... 5 kg Kleehen...... 6 kg Hafer....... 6 kg Wieſenheu II.. 4„ Winterhalmſtroh. 3„ Wieſenheu II.. 15„ Kleeheu..... 6 Erdnußkuchen... 1„ Luzerneheu.... 5„ Winterhalmſtroh. 2,5,„ 7. Winterhalmſtroh 2„ Erdnußkuchen.. 0,75, Kartoffeln 18 kg 2. 5. Wieſenheu II.. 10„ Hafer....... 9 kg Hafer....... 7 kg Winterhalmſtroh 3„ Wieſenheu II.. 11„ Mais....... 3„ Erdnußkuchen.. 2„ Kleeheu..... 6„ Wieſenheu II... 4„ Roggenfuttermehl 4„ 3. Winterhalmſtroh. 2,5, Kartof SZ88k Hafer....... 12 kg Ackerbohnen.... 1,5, Kenoſtenm 6 15 Wieſenheu II.. 8„ Palmkuchen.... 2,0, Wieſenheu II.. 10„ Kleeheu..... 3„ Seſammehl 0,5, Kleehen..... 3„ Winterhalmſtroh 3„ 6. Winterhalmſtroh 2„ 4. Mais....... 10 kg Roggenſchrot... 2„ Hafer...... 5 kg Wieſenheu II.. 6„ Bohnenſchrot.. 3„ b) Bei ſtarker Arbeit pro 1000 kg. Lebendgewicht und Tag, entſprechend ungefähr in kg: 26 Tr.⸗Sb., 2,5 Nh., 0,7 G., 13,3 Nfr., 15,5 Nr.⸗St. 1. Kleehen...... 4 s Roggenkleie... 1 kg Hafer..... 18 kg Winterhalmſtroh. 3 4. Wieſenheu II.. 6„ Erdnußkuchen... 2„— Jodt.— Hafer....... 8 kg Winterhalmſtroh 3„ 3. Bohnen 25 Roggen...... 4„ “, Hafer....... 10 kg Wieſenheu..... 8„ 2. Wieſenheu II.. 10„ T ernaſn.... 4„ Hafer....... 5 kg Luzernehen.... 5„ Winterhalmſtroh. 3„ Mais....... 8„ Winterhalmſtroh 3„ Erdnußkuchen. 1„ Wieſenheu II... 8„ Palmkuchen... 2„ Leinſamenmehl.. 1„ VII. Wachſende Rinder, Milchraſſen(Tagesrationen pro Kopf). a) Alter 2—3 Mon. Mitttlleres Sraſench 70 kg. Futtermiſchungen entſprechend ungefähr in Kilo: 1,60 Tr.⸗Sb., 0,28 Nh., 0,14 F., 0,91 Nfr. 1,47 2 ⸗St. 3. Abgerahmt. Mi c 4 ug gröſenmeyl. 0,5 de Gerſſgrot,. 0,75 kg Ig. Wieſenheu II1„ IZg. Wieſenheu II. 1, 25,, Ig. Wieſ ſenheu I11 ,00„ Safer....... 0,5„ Neisfuttermehl..0,25„ Margkeime.. ,0,5 »Erdnußöl..... 0,08,„ Leinſamen...:0,25„ Leinſamen... 0,33„„ h) Al prec 3g Hafer Kgge Liint 0 Al ſbrech äib. Viiſe Som. Safer Maht Erdu. 11 ſprech Karto Vifſer Hafer Rapss 4 A ſprech Volln .1 Hafer Lint ) Al ſprech Jg.A Hafer ug Leint 9 Al ſpreche Rüben Viieſe Somn b Leint Palmt 10. Beiſpiele von Futtermiſchungen. 223 b) Alter 3— 6 Mon. Mittleres Lebendgewicht 140 kg. Futtermiſchungen ent⸗ ſprechend undeiihrs in Kilo: 3,4 Tr.⸗Sb., 20 42 Nh, 0,14 F., 1 hi 2,55 Nr.⸗St. JIg. Wieſenbeu II 2 18 S Ig. Wieſ ſen,n II 2 1g S Ig. Wieſ zerhen II 2 kg Hafer....... 1.„ Hafer...... 1„ Rüben..... 3„ Roggenkleie 0,5„ Malzkeime. 0,5„ Reisfuttermehl.. 1„ Leinkuchen....9,83„ Leinkuchen....0,5„ Palmkuchen... 1„ c) Alter 6— 12 Mon. Mittleres Lebendgewicht 230 ls. Futtermiſchungen ent⸗ ſprechend ungefähr in Kilo: 6,2 Tr.⸗Sb., 0,46 Nh., 0,115 F., 2,9 Nfr., 3,2 Nr.⸗St. 1. V 2. 3. Rüben...... 4 kg’ Kartoffeln..3 kg Wieſenheu II... 3 kg Wieſenheu II. 3„ Wieſenheu II..4„ Kleehen...... 2„ Sommerhalmſtr. 2„ Feunierhamnſen 2„ Sommerhalmſtroh. 1„ Haferſpreu.... 1„(Rapskuchen 0,75„ Gerſtſchrot..... 2„ Malzkeime 0,5„ Erdnußkuchen. 0,25„ d) Alter 12— 18 Mon. Mittleres Lebendgewicht 320 kg. Futtermiſchungenent⸗ ſprechend ungefähr in Kilo: 8,3 Tr.⸗Sb., 0,6 Nh., 0,13 F., 4,0 Nfr., 4,1 Nr.⸗St. 1. 2. 3. Kartoffeln..... 9 kg Rüben...... 5 kg Kartoffelſchlemp. 20 kg Wieſenheu II.. 4„ Wieſenheu II... 4„ Wieſenheu II.. 4„ Haferſtroh..... 4„ Sommerhalmſtroh 4„ Winterhalmſtroh 4„ Rapskuchen.... 1„ Rapskuchen.... 1„ Malzkeime. 0,25„ Haferfuttermehl. 0,5„ VIII. Wachſende Rinder, Maſtraſſen(Tagesrationen pro Kopf). a) Alter 2—3 Mon. Mitttleres Lebendgewicht 75 kg. Futtermiſchungen ent⸗ ſprechend ungefähr in Kilo: 1,73 Tr.⸗Sb., 0,31 Nh., 0,15 F., 0,97 Nfr., 1,57 Nr.⸗St. 1. 2. V 3. Vollmilch,.3 kg Vollmilch 4 kgs Vollmilch 3 kg Ig. Wieſenheu II 1„ Jg. Wieſenheu I 1„ JFg. Wieſenheu l 1„ Hafer...... 0,5„ oraffehin. 0,25„ Erbsmehl.. 0,7 Leinkuchen.. O, 33„„ Roggenfuttermehl0, 33„ b) Alter 3— 6 Mon. Mittleres Lebendgewicht 150 kg. Futtermiſchungen ent⸗ ſprechend ungeſühri in Kilo: 3,6 Tr.⸗Sb., 0,45 Nh., 0,14 F., 1,9 Nfr., 2,55 Nr⸗St. 2. 3. Ig. Wie ſenheu II 2 kg Mohrrüben. 3,0 kg Rüben...... 3 kg Hafer...... 1„ Jg. Wieſenheu II 2,5„ Ig. Wieſenheu I 3„ Roggenkleie... 1„ Palmkernkuchen 1,0„ Malzkeime.... 0,5„ Leinkuchen.... 0,5„ Leinkuchen.. 0,5„ Hafer...... 0,5„ Leinkuchen.... 0,25„ c) Alter 6— 12 Mon. Mittleres Lebendgewicht 250 kg. Futtermiſchungen ent⸗ ſprechend ungefähr in Kilo: 6,3 Tr.⸗Sb., 0,63 Nh., 0,2 F., 3,4 Nfr., 3,95 Nr.⸗St. 1. 2. 3. Rüben...... 4 kg Schnitzel, ſauer 10 kg Kartoffeln.... 3 kg Wieſenheu II. 4„ Wirſenhen II 4„ Wieſenheu II. 3 9, Sommerhalmſtroh 2— Sommerhalmſtroh 2„ Hülſen fruchtſtroh 2„ Leinkuchen... 1.„ Hafer..... 1„ Hafer...... 0,5„ Palmkuchen 0,5, Seſamkuchen. 0,5„ Leinkuchen.. 1,0„ Le 0,13,, Reisfuttermehl. 0,75„ 224 15. Beiſpiele von Futtermiſchungen. d) Alter 12— 18 Mon. Mittleres Lebendgewicht 340 kg. Futtermiſchungen entſprechend ungefähr in Kilo: 8,2 Tr.⸗Sb., 0,7 Nh, 0,2 F., 4,2 Nfr., 4,7 Nr.⸗St. 1 9. 3. 4 Rüben...... 10 kg Schnitzel, ſauer 10 kg Kartoffell 4 kg Wieſenheu II.. 3„ Wieſenheu II.. 4„ Wieſenheu II... 2„ Hüſeuftuchiſtro 3„ Sommerhalmſtr. 3.„ Klechel..... 2„ interhalmſtroh 2„ Hafer...... 1,0„ Hiülſenfruchtſtroh. 1„ Rapskuchen... 1„ Malzkeime.. 0,5„ Sommerhalmſtroh 1„ Reisfuttermehl 0,5, Palmkernkuchen 0,5„ Hafer....... 1„ Seſamkuchen 0,25,, Rapskuchen.... 1„ Gerſtfuttermehl. 0,5„ IX. Wachſende Schafe, Maſtraſſen(Tagesration für 100 Stück). a) Alter 4—6 Mon. Mitttleres Lebendgewicht 30 kg. Futtermiſchungen entſprechend ungefähr in Kilo: 78 Tr.⸗Sb., 13,2 Nh., 2,7 F., 46 Nfr., 62 Nr.⸗St. 1. 2. Junges Wieſenheu II.... 45 kg Rüben............. 75 kg Junges Kleehen....... 10„ Junges Wieſenheu...... 20„ Hafer.............. 15„ Kleehen............. 20„ Erbſen............. 15„ Hafer.............. 20„ Leinkuchen........... 10„ Mais............. 15„ Erdnußkuchen..........5„ Leinluchen.......... 8„ Erdnußkuchen......... 10„ b) Alter 6—8 Mon. Mittleres Lebendgewicht 38 kg. Futtermiſchungen entſprechend ungefähr in Kilo: 99 Tr.⸗Sb., 13,5 Nh., 2,7 F., 57 Nfr., 68 Nr.⸗St. . 1. 2. Rüben............. 100 kg. Kartoffelln........... 75 kg Junges Wieſenheu...... 30„ Junges Wieſenheu...... 30„ Kleeheli............ 20„ eehen............ 20„ Mais........... 15„ Hülſenfruchtſtroh....... 10„ Gerſtfuttermehl........ 10„ Bohnenſchrot......... 10„ Weizenkleie, grob...... 20„ Leinkuchen........... 15„ Erdnußluchen......... 10.„ Weizenfuttermehl....... 10„ c) Alter 8—11 Mon. Mittleres Lebendgewicht 46 kg. wulterm ſchungen entſprechend ungefähr in Kilo: 111 Tr.⸗Sb., 14 Nh., 2,5 F., 66 Nfr., 75 Nr.⸗St. 1. 2. Schnitzel, geſ......... 100 kg Kartoffeln........... 50 kg Wieſenheu II..... 50„ Wieſenheu II......... 50„ Hülſenfruchtſtroh....... 20„ Hülſenfruchtſtroh....... 20„ Haferſpreu.......... 10„ Maig............. 20„ Leinkuchen......... 15„ Rapsluchen.......... 15„ Rapskuchen.......... 15„ Palmkuchen......... 10„ Roggenfuttermehl...... 10„ Erdnußkuchen......... 5„ Weizenfuttermehl....... 10„ 15. Beiſpiele von Futtermiſchungen. 225 X. Wachſende Maſtſchweine(Tagesration für 10 Stück). a) Alter 2—3 Mon. Mittleres Lebendgewicht 20 kg. Futtermiſchungen entſprechend ungefähr in Kilo: 8,8 Tr.⸗Sb., 1,5 Nh., 0,2 F, 5,6 Nfr., 7,6 Nr.⸗St. 1. 2. Magermilch.......... 20 kg Vollmilch............ 15 kg Gerſtſchrot........... 4„ Gerſtſchrot........... 4„ Mais.............. 2„ Erbſen............. 3„ Erbſen............. 2„ Roggenkleie.......... 1„ b) Alter 3— 5 Mon. Mittleres Lebendgewicht 50 kg. Futtermiſchungen entſprechend ungefähr in Kilo: 17 Tr.⸗Sb., 2,5 Nh., 0,4 F., 12 Nfr., 15 Nr.⸗St. 1. b 2. Magermilch......... 30 kg Kartoffeln.......... 40 kg Kartoffeln.......... 30„ Erbsmehl.......... 6„ Roggenkleie......... 2,5„ Gerſtfuttermehl....... 5H„ Mais............. 2,5„ Fleiſchmehl.......... 0,5„ Gerſtſchrot.......... 3,0„ c) Alter 5— 6 Mon. Mittleres Lebendgewicht 65 kg. Futtermiſchungen entſprechend ungefähr in Kilo: 21 Tr.⸗Sb., 2,8 Nh., 0,4 F., 14,5 Nfr., 18 Nr.⸗St. 1. 2. Magermilch.......... 40 kg Rüben............. 30 kg Kartoffeln........... 50„ Kartoffeln........... 30„ Noggenkleie.......... 4„ Erbsmehl........... 4„ Reisfuttermehl........ 2„ Ropggenkleie.......... 5„ Gerſtfuttermehl........ 3„ Erdnußkuchen......... 1„ d) Alter 6—8 Mon. Mittleres Lebendgewicht 90 kg. Futtermiſchungen entſprechend ungefähr in Kilo: 27 Tr.⸗Sb., 3,2 Nh., 0,4 F., 18,5 Nfr., 23 Nr.⸗St. 1. 2. Magermilch.......... 40 kg Rüben............. 50 kg Kartoffeln........... 75„ Kartoffeln........... 40„ Roggenkleie.......... 5„ Erbsſchrot........... 5„ Gerſtfuttermehl....... 5„ Roggenfuttermehl....... 2„ Erdnußkuchen......... 1„ Johne. 15 Sachregiſter. Seite Abhärtung...6, 122 Abzugsſchleuſe, Berbindung mit dem Jauchenbehälter... 131 Abſchwächung der Dakrerien.. 120 Abſtumpfung.... 6 Abwehrbewegungen!.... 107 Abwehreinrichtungen.... 100 Acanthocephali..... 28 Acarinen....... 33 Acclimatiſation...... 6 Accomodation...... 6 Achorion Schönleinii... 43 Ackerſchnecke....... 36 Actinomyces bovis.... 49 Acyſtoſporidien...... 19 Aörobe Bakterien... 45 Alkohol, Alkoholvergiftung.. 41 Allantois.. 10 Alter d. Pferde z. Arbeitsleiſtung 195 Altersanlage.. 13 Allterdisnöſition..... 13 Aorta...... 66 Amnion. 10 Ammoniak 57,— als norm. Luft⸗ beſtandteil 53,— Zunahme in der Luft...... 55 Amöben........ 19 Amöba coli....... 19 Anaérobe Bakterien.. 45 Anbindevorrichtungen im Stalle 156 Anpaſſung.... 6 Anſteckung.. 139 Anſteckungsſtoffe, flüchtige, fixe 47 — Zerſtörung berſelben 139. Arachnoiden. Arbeitsgröße der Pferde. 196 Arbeitsleiſtung, Alter zur Ver⸗ wendung bei Pferden 195, bei Rindern..205 Arbeitstiere, Benutzung der. 191 Arſenige Säure.... 58 Arterien....... 67 Arthropoden....... 31 Ascariden.. 29 Ascaris lumbrieoides,— mega. locephala.. 29 Aspergillus fumigatus,— elau- eus.... 44 Aſſimilation.. 1 Almoſphäriſche Berhältniſſe.. 51 Atmungsorgane, Pflege derſelben 190 Atmungsvorgang..... Atmungsapparat, Selbſtſchutz desſelben...... 111 Aufenthalt, geſunder.... 123 Aufſatzzügel... 201 Aufſtellung der Tiere im Stalle 138 Aufzucht, rationelle.. 115, 118 Ausartung... 7 Ausſcheren der Feſſelhaare.. 189 Aeußere Krankheitsurſachen 14, 122,— Aühalimng derſelbei 122 Babesia 19 Bachwaſſer. 71 Bakterien 44,— Abſchwächung derſelben 46, 120,— chromo⸗ gene 47,— fakultative 45,— fäulniserregende 47,— obli⸗ gate 45,— gihrungserregende 49,— pathogene 46,— pleo⸗ morphe 49, ſaprogene... 49 Bakterienfärbung..... 45 Bakterienformen.... 47 Balantidium coli... 20 Bandagieren der Schenkel 189 Bandwürmer.. 21 Bandwurm, dreigliedriger 23, — gemäſteter 23,— gerän⸗ derter 24,— geſägter 24, — kürbiskernähnlicher 23, — kurzhalſiger..... 25 Bazillen, Bazillenformen... 48 Bazillus des Milzbrandes, der Tuberkuloſe, des malignen Oedems, des Rauſchbrandes, des Starrkrampfes, der Tau⸗ ben⸗ und Kälberdiphtherie, des Rotzes, des Rotlaufes und der Mäuſeſeptikämie, der Septicae- mia hämorrhagica(Schweine⸗ ſeuche, Kaninchenſeptikämie, Wildſeuche, Hühnercholera), der Schweinepeſt, der Kälberruhr, des Verkalbens, der Cholera 48 Befallungskrankheiten d. Pflanzen 39 Behandlung, ſchwitzender, durch⸗ näßter Pferde.. 175 Benutzung der Arbeitstiere 191, — zu Maſtzwecken 207,— der Pferde 191,— der Woltiere 208 Beſchlag, guter 3.. 185 Beſchleuſung...... 130 1 1 — Sachregiſter. Seite Bewegung, freie, im Stalle.. 149 Bewegungsorgane, Pfiege der 179 Bießfliege.. 35 Blaſenwürmer......21, 22 Blattläuſe.. 37 Bleidämpfe. 58 Bleiröhren, Einfluß auf die Be⸗ ſchaffenheit des Waßers. 72 Blitzſchlag.. 8. 64 Blut.. 66 Blutadern... 67 Blutauffriſchung.. 117 Blutfadenwurm des Hundes 31 Blutgefäße.. 3 66 Blutkörperchen, rote, weiße. 52 Blutkreislauf.. 66 Blutvergiftung 49 Blutzirkulation.. 66 Boden, Capillarität desſelben 91 —, chemiſche Verhältniſſe desſelb. 95 —, Gehalt an pathogenen Bak⸗ terien.. 96 —, Gehalt an ſaprogenen Fäͤul nis⸗) Bakterien. 95 —, Verdunſtungszone desfelben⸗ 93 —, Zerſetzungsprozeſſe in demſ. 95 —, Infektionsgefahr durch dieſen 98 —, fein⸗, grobporiger.. 91 —, mechaniſche Struktur desſelb. 90 —, Temperatur desſelben. 91 Bodenfeuchtigkeit, Einfluß der⸗ ſelben auf den Pflanzenwuchs 94,— auf die tieriſ hſehe Ge. ſundheit. 94 Bodenluft...... 94 Bodenkrankheiten. 91, 98 Bodenverhältniſſe, phyſikaliſche. 91 chemiſche 95 Bornaer Krankheit, Mikrokaitus derſelben 3 48 Botriocephalus latus. 26 Boxen.. 151 Brachycera.. 35 Brand des Getreides. 43 Brom.... 57 Brunnenwaſſer 71 Bruſtſeuche.. 100 Bruſtſeuchekokkus 48 Brückenſtände.. 129 Butterſäure⸗Gährung. 50 Capillaren... 67 Capillarität des Bodens. 91 Celluloſe. 73 Cercarien. 27 Desinfektionsmittel. 227 Seite Eeſtoden........ 21 Chlor....... 57 Chlorkalkmilch.....141 Chorion.... 19 Circulation des Blutes... 56 Eirenlationsvigane 56,— Pflege derſelben..... 190 Circulationseiweiß... 76 Claviceps purpurea.... 44 Coccidien........ 19 Coccidium oviforme.... 19 Coccidioſe der Leber.... 19 Coenurus cerebralis.. 24 Cylinderepithel der Schleimhäute 105 Cysticercoid. 21 Cysticercus 21,— cellulosae 23, — fasciolaris 25,— iner- mis 23,— pisiformis 24,— tenuicollis....... 24 Darmtrichine....... 31 Daſſelbeule.... 36 Daſſelfliege..... 35, 36 Dauerformen der Bakterien.. 45 Decken.......177 Degeneration... 7 Demodex folliculorum 33,— phylloides...... 33 Dermatophagus communis.. 34 Dermanyssus avium.... 34 Dermatocoptes communis.. 33 Dermatoryctes communis.. 34 Desinfektion. 39, 143 39, 140 Desinfektionsverfahren bei Millga brand 144,— Tollwut 145, — Rotz 145,— Maul⸗ und Klauenſeuche 146,— Lungen⸗ ſeuche, Schafpocken, Räude. 147 Desinfektion von Gebäudeteilen 142 — von Geräten..... 142 Desinfektionsvorſchriften des Reichsſeuchengeſetzes.. 140 Dienſtleiſtung des Pferdes, Vor⸗ bereitung auf dieſelbe... 191 Diplococcus intracellularis equi 48 Dispoſition 8,— angeborene 8, erworbene 8,— individuelle. 13 Diſtomatoſe.......28 Distomum hebaticum,— lanceo- latumm.. 28 Doppeljoch.... 202 Drehwurm des Schafes... 24 Druſekokkus.. 48 Dünger, Entfernung a. 8. Stall 131 228 Sachtegiſter Dünger, Einfluß auf Stallluft. 3133 Durchnäßte zaferde. Pflege d der⸗ ſelben... 175 Durſtgefühl...... 70 Echinococcus 23,— eysti- cus 23,— alveolaris.. 23 Echinococcusblaſe..... 23 Echinorrhynchus Gigas... 28 Einfettung der vufe...187 Eihäute...... 10 Eikern... 9 Einrichtungen, regulatoriſche.. 103 Einſchlagen der Hufe.... 187 Einſiedlerbandwurm.... 23 Einwickeln der Schenkel... 189 Eiſen als Nährſtoff.... 75 Eiterkokken.. 48 Eiweißbeſtandteile des Körpers 169,— der Nahrung... 73 Eiweiß, pflanzliches, tieriſches. 73 Eiweißkörper, Verwendung im Organismus..... 5 Eiweißſparer....... 76 Ektoparaſiten...... 15 Endemie.. 47 Endprodukte des Stoffwechſe ſels. 76 Endwirt. 29 Entoparaſ iten..... 18 Entwicklung....... 16 Epichloë typhina..... 44 Epidermis....... 104 Epithelzellen....... 104 Erbfehler....... 13 Erbgrind...... 43 Erhältungsfütterung.. 80 Erkältung, Erkältungskrankheiten 62 Ernährung und Stoffwechſel im allgemeinen. 65 Ernährungsverhältniſſe 65,—als Krankheitsurſache.. 84 Ernährung des Fötus.10, 11 Ermüdung beim Gebrauch 197, 198 Ermüdungskoliken..... 198 Erisyphe... 44 Eſſigſäure, Eſſigſ ſäuregährung. 50 Extraktivſtoffe, ſtickſtofffreie.. 73 — ſtickſtoffhaltige..... 79 Fakultative Bakterien.... 45 Fadenpilze....... 41 Fadenwürmer.. 28 Färbung der Bakterien... 45 Fäulnisbakterien..... 49 Favuspilz.. 43 Feſſelhaare, Ausſcheren derſelben 189 Seite Fett als Körperbeſtandteil.. 69 — als Nährſtoff... 74 Fette, Verwendung im Tierkörper 76 Fettbildung, Bebingungen der⸗ ſelben.. 77, 78 Feuchtigkeit des Bodens... 93 Feuchtigkeitsgehalt der Luft. 54, 56 Feuer als Desinfektionsmittel. 141 Filaria immitis 31,— megas- toma.— sanguinolenta.. 31 Finne 21,— bandförmige 25, — dünnhalſige 24,— erbſen⸗ förmige 24,— des Rindes 23, — des Schweines.... 23 Form, regelm., d. Perdeiönpers 182 Freßmilben. 34 Fruchtkuchen...... 11 Furchungskern..... 9 Fußaxe......... 180 Fußbäder...... 189 Fußboden, hölzerner.... 129 Fußmilbe der Hühner.... 34 Futterberechnung.... 82 Futtergerüſte im Stalle... 155 Futtermiſchungen....81, 218 Futtermitteltabelle... 210 Futtermittel, Verdaulichkeit 79, — Wert derſ. f d. Ernährung 78 Futterrationen.. 83 Futterringe am Hufe.... 180 Futtertiſche...... 155 Futterverunreinigungen durch ſaprophytiſche Pilze 49,— durch tieriſche Lebeweſen.... 36 Futterzeiten...... 83 Fünfloch 31 Fütterung, zweckentſprechende 165, 218 Fleiſchvergiftungen.. 50 Fleiſchbildung, Vedingungen der⸗ ſelben.. 77 Fliege, ſpaniſche...... 37 Fliegen........ 35 Flimmerepithel. 105 Fluorwaſſerſtoffſäure als Lift verunreinigung... 57 Flußwaſſer....... 71 Fruchtkuchen....... 11 Ganglienzellen.. 100 Gaſe, fremde, in d. Atmungsluft 53 Gaſe, organiſche, als Puftver⸗ unreinigung... 55 Gaſtrophilus⸗ Arten.... 35 Gaſtrusfliege.:.... 35 Gattungsdispoſition.... 13 doui Herpe Sachregiſter. Seite Gattungsimmunität.... 113 Gebrauch, naturgemäßer, der Haustiere... 191 Gebrauchsregeln für Pferde 196, — für Zugrinder. 204 Gefälle des Standes.... 130 Gehirnblaſenwurm des Schafes 24 Gehiroloſerbandwurm des Hundes...... 24 Gehirnſ chlagfluß...... 62 Gewebslymphe... 68, 75 Giftigkeit der Bakterien... 46 Giftpflanzen, Wirkungen derſelben 50 Gliederfüßer.. 31 Geſamtproportion des Vferde⸗ körpers.. 182 Geſchirr für Pferde 201,— für herirn er....202 Geſchlechtsdispoſition..... 13 Geſundheit.. 1 Geſundheit im engeren 2,— im weiteren Sinne.... 3 Geſundheitsſ chädlichkeiten.. 4 Getränk, chemiſche 85,— mecha⸗ niſche Verunreinigung desſelben 86 Getreideroſt... 43 Grabmilbe, große und lline. 33 Grubengas.... 57 Grubenkopfbandwurm.. 26 Grundluftſtrömung..... 34 Grundwaſſer und ſeine Be⸗ ſchaffenheit.... 71 Grundwaß erſtand. 93 Grundwaſſer, Zu⸗ und Aüfluß. 93 Grundwaſſerzone.. 93 Gewöhnung...... 6, 122 Haargefäiße...... 67 Haarkopf........ 31 Haarlinge. 35 Haarſackmilben des Hundes und Schweines... 33 Haarwechſel.......176 Haarwürmer..... 31 Haltung der Zuchttiere... 118 Harnſtoff als Stoffwechſelprodukt 76 Harn⸗ und Hippurſäure als Stoffwechſelprodukte.. 76 Haut, äußere, als Selbſt ut⸗ organ. Hautbrand, trockener.... 107 Hautpflege....... 173 Hefepilze........ 41 Herpespilz........ 43 Heufteber........ 60 229 Seite Heumilben....... 37 Herz, Herzklammern.... 66 Herzlähmung....... 199 Hippurſäure..... 76 Hitzſchlag....... 62 Hohlvene........ 67 Holzhock....... 34 Holzfaſer....... 3 Honigtan........ 37 Hufmechanismus..... 157 Huf des Pferdes.... 180 Hufeinfetten und ⸗einſchlagen. 187 Hufpflege 179,— des unbeſchla⸗ genen 184,— es beſchlageüen Hufes.. 185 Hufbeſchlag....... 185 Hufſalben....... 187 Hundezecke........ 34 Hühnercholera...... 99 Hypoderma bovis..... 36 Idioſynkraſie... 8 Immunität 113,— angeborene, natürliche 113,— natürlich⸗ erworbene 113,— künſtlich erworbene 119, 120,— aktive 120,— paſſive 121,— lebens⸗ längliche 113,— zeitliche 114, Zuſtandekommen derſelben. 114 Infektion....... 39 Infektionserreger. 39 Infektionskeime des Bodens 96, Transport derſelben nach der Erdoberfläiche...... 98 Infektionskrankheitt. 39 Infektionsmodus..... 39 Infektionspforten.... 39 Infuſorien....... 20 Inſtinkt........ 114 Insecta..... 35 Intoxikation, putride.. 49 Inzeſt⸗Zucht...... 117 Ixodes reticulatus,— ricinus. 34 Kalkbeine... 34 Kalk als Desinfektionsmittel. 141 Kalk, phosphorſaurer.. 74 Kalkſalze als Körperbeſtandteile 69,— als Nährſtoffe... 74 Kamm, weißer, der Hühner. 43 Kapillaren.. 67 Karbolſäure als Desinfektions⸗ mittel. 141 Kartoffelfäule, nits derſ elben. 43 Kaſtenſtände.. 157 Käfermilben....... 34 230 Seite Kälberruhr....... 100 Kerfe.......345 Keſſelbrunnen.... 72 Klauen, Pflege derſelben... 179 Klauenpflege bei Wiederkäuern. 187 Klauenbeſchlag.. 188 Klauenformen beim Rind.. 183 Klauenſpaltgeſchiwür.. 100 Klima...... 64 Klimatologie....... 64 Kloakengas...... 57 Knochenbrüchigkeit. 74, 95 Knochenweiche...... 95 Kochſalz....... 74 Kochſalzbeigabe...... 172 Kohlehydrate 73, als Körper⸗ beſtandteil 69,— Verwendung im Tierkörper... 76 Kohleoxydgas 58 Kohlenſäure als Luftbeſtandteil 53 — als Luftverunreinigung.. 55 Koßlenwwaſſerſtoffgan, ſchwere, leichtes 57 Kokken 45 Kokkus der Euterentzündung 48, — der Lungenentzündung 48, — d. epidemiſchen Genickſtarre 48,— der Pervobanelroſe. 48 Kolbenſchimmel..... 44 Kornwurm, ſchwarzer.. 37 Körperbeſtandteile, organiſche 69, — unorganiſche 69,— ſtick⸗ ſtoffhaltige u. ſtickſtofffreie. 69 Körperpulsader, große. 66 Körperwärme, Riegulierung durcj die Haut.... 108 Kugelbakterien.. 45 Kummete, berſtollbore, Reinigung derſelben.. 201 Kummetgeſchirr.. 201 Kühe, Verwendung zum Zug. 204 Kraft, waſſerbindende d. Wodens 91 Kraftleiſtung des Pferdes.. 191 Kraftmaß.. 191 Kraftverbrauch, egelung bei der Arbeit.... 203 Krankheit, Definition 5,— an⸗ geborene, ererbte 13,— mias⸗ matiſche 47 Krankeitsanlage 8,— Perworbene, angeborene 8,— Abhaltung u. Beſeitigung derſelben 115,— Tilgung derſelb. durch Schutz⸗ impfung 119,— Ausſchluß Sachregiſter. 8 Seite der damit behafteten Tiere von der Zucht. 115 Krankheitsurſachen 7, innere 7, — äußere.. 14 Krankheitsverhütung 100„— durch Abhaltung der ürſache... 115 Kratzer... 28 Krätzmilben.... 33 Kreislauf 66,— des Fötus. 10, 11 Kreſolwaſſer als„Desinfectinns⸗ mittel..... 141 Krippe........ 152 Kronenroſt........ 43 Latierbäume....... 157 Laufſtände....... 151 Lähme...... 74, 95 Läuſe......... 35 Leben.... 1 Lebensbedingungen, äußere.. 3 — der Bakterien... 45 Lebenserſcheinungen 1 Lebensreize..... 3 Lebensvorgänge...... 1 Leber.. 68 Leberegel, großer und kleiner. 28 Leberegelſeuche 28 Licht, Einfluß auf die Geſund⸗ heit,— als Desinfektions⸗ mittel........ 65 Limax agrestris..... 36 Limnaeus minutus..... 28 Linguatulidae.. 31 Luft, Bedeutung als notwendig⸗ ſter Lebensreiz.. 51 Luft, Beſtandteile derſelben 51, — reine 51,— verdorbene. 54 Luftbewegung. 63 Luftdruck 62,— Einfluß desſelb. auf die Geſundheit... 63 Lnftderunrinigungene gasför⸗ mige 54,— ſtaubförmige. 58 Luftelektrizität. 64 Luftſtäubchen, unbelebte, belebte 59 Lufttemperatur... 61 Lunge......... 6¼ Lungenarterie...... 67 Lungenlähmung...... 199 Lungenſchlagfluß..... 62 Lymphgefäßſyſtem..... 68 mMaisbrand...... 43 Malariaplasmodien.... 19 Maſtitiskolken.... 48 Maſttiere, Benutzung.... 207 Maſtnutzung....... 207 — —-— Sachregiſter. 231 8 Seite Mehlmilben....... 37 Meltau. 39, 44 Miasmatiſche Krankheiten.. 47 Micrococcus ascoformans 48 Mieſcher'ſche Sahlänhe.. 20 Mikrokolkken...... 47 Milben......... 33 Milchſchimmel.. 44 Milchtiere, Benutzung derſelben 205 Milzbrand. 98 Molluscum contagiosum. 19 Monilia candida..... 43 Mucor...... 40 Mueor Mucedo...... 44 Muskelkraft, Quelle der.. 78 Muskelübung....192 Muskulatur, Uebung derſelben. 192 Muskeltrichine.... 31 Mutterkorn....... 44 Mutterkuchen....... 11 Mücke, Kolumbaczer.... 36 Machgeburt....... 10 Nackenjoch........ 202 Nahrungsmittel.... 68 Nahrung, Stitigingsvolumen 81, — Volumen 192,— Wechſel und Manigfaltigkeit.... 83 Nahrungsmittel 68,— Menge der 81,— verſchiedener Wert für die Ernährung.... 78 Rüßuflüfſigkeiten...... 46 Nährböden...... 46 Nährſtoffe, organiſche, unorga⸗ niſche 70,— mineraliſche 74, — 3 icſtaffhaltige ſtickſtofffreie — Verwendung im Tier⸗ Lhper... 75 Nährſtoffverhältnis 80,— Be⸗ rechnung desſelben 81,— in den verſchiedenen Futter⸗ mittenl 210 Nebel....... 56 Nemathelminthes... 28 Nematodes... 28 Nerven 100,— Bewegungs(mo⸗ toriſche) 103,— Empfindungs⸗ 102,— gefäßbewegende(vaſo⸗ motoriſche)⸗ 103,— Gefühls⸗ 102,— Hemmungs⸗ 103,— ſekretoriſche 103,— trophiſche 103,— zentrifugale 103,— zentripetale. 102 Nervenleitung, Schneligkeit der⸗ ſelben.. Seite Nervenſyſtem 100,— KPflege des ſelben.... 190 Nervenzellen....... 100 Nervenzentra.. 100 Niederſchläge, atmoſphäriſche. 56 Oberhaut... 104 Obligate Bakterien... 45 Ochſen, Verwendung zum Zig.. 204 Oedem, malignes 99 Oestrus ovis....... 36 Oidium lactis...... 44 Organeiweiß...... 76 Organzentra, direkte, indirekte, übergeordnete...... 100 Ortſcheite, federnde..... 200 Oſteomalacie.... 74, 95 Dydatinadorgänge.... 68 Oryuren...... 29 Oxyuris curyula..... 29 Palliſadenwürmer.. 29 Palliſadenwurm, bewaffneter 29, — des Kalbes 30,— des Schafes 30,— des Schweines 31,— vierkantiger.. 30 Panaritium.. 100 Paraſiten im allgemeinen 15, — tieriſche 15, pflanzliche. 37 Paraſiten, tieri ſche, temporäre, periodiſche, lebenslängliche 15, — als Krankheitserreger.. 16 Penicillium glaucum.... 44 Pentastomum denticulatum, — taenioides.. 31 Pferde, Behandlung ſchwizender und durchnüßßler.... 175 Pferdebremſe....... 35 Pferdehuf...... 151 Pferdeſchoner!.. 200 Pflanzliche Parafiten als Krank⸗ heitsurſache. 37 Pflege der Atmungs⸗ und Zir⸗ kulationsorgane 190,— des Nervenſyſtems 190,— der Hufe uſ Klauen 179,— der Schenkel..... 189 Pfortader..... 68 Pfriemenſchwänze.... 29 Phytophtera infestans... 43 Pilze im allgem. 38,— patho⸗ gene, ſaprophytiſche 38,— Quelle derſelben... 39 Pinſelſchimmel...... 44 Placenta fötalis,— materna. 11 Placentarkreislauf..... 11 232 Sachregiſter. Seite Plasmaſtrom.. 68, 75 Platodes........ 20 Plattenepithel...... 104 Plattwürmer....... 20 Plerocecreus....... 21 Pneumonokonioſen..... 59 Polydesmus exitans.... 44 Polythrincium trifolii. 40 Prießnitzeinwicklung der Schentei 189 Produktionsfütterung. 80 Prophylaris....... 115 Protoplasma....... 60 Protozoen........ 18 Ptomaine... 49 Puccinia arundinacea,— coro- nata,— graminis,— stra- minis........ 43 Pulsadern....... 66 Putzen......... 174 Pyrosoma...... 19 Guellwaſſer....... 71 Napsverderber...... 44 Naſſedispoſition...... 13 Raufen...... 152 Raupen, Haare...... 37 Rauſchbrand...... 99 Räudemilben....... 33 Nedie......... 27 Regen. 56 dicgeiternng der Körperwärme. 108 Reflexe(motoriſche, ſekretoriſche, obhiſche,d vaſamdioriſche) 103, 112 ei. 3 56 Rekurrensſpirillus... 49 Reinigung a. Sesinfektionsmitte 142 Reinigungsmittel. 140 Reinigungsverfahren.... 141 Reinkulturen der Bakterien.. 45 Rhachitis...... 74 Rieſenkratzer....... 28 Rhizopoden....... 19 Ninderfinne....... 23 Rinderflechte....... 43 Ninderſeuche....... 99 Rindertuberkuloſe, Verbreitung im Stalle... 139, 205 Ringbildung am bufe.... 180 Rinderzecke.... 34 Rioherinnge am Huf..... 180 Roſt.. 3909 Roſtpilze.. 43 Rohfaſer 73,—Verdaulichkeit derſ. 79 Rohfette 74,— erdaulichkeit derſ. 79 Rotlaufſchutzimpfungen(nach Seite Paſteur, Lorenz und mit Porcoſanz... 119 Rohprotein, Verdaulichkeit desſ. 79 Röhrenbrunnen... 72 Ruhepauſen bei der Arbeit.. 203 Rumpfform des Pferdes... 182 Rundwürmer..... 28 Rußbrand.. 43 galpeter⸗ und ſalpetrige Säure als Luftbeſtändtei. 19, 57 Salzſäure..... 57 Samenzellen....... 9 Saprämie........ 49 Sarcoptes major,— minor. 33 Sarkoſporidien.. 20 Sattel,⸗Druck 202,— Unterlagen 203 Sauerſtoff und ſeine Bedeutung für den Organismus... 52 Sauerſtaffabmahme der Luft. 59 Saugmilben... 33 Saugwürmer...... 26 Sättigung, gefühl. 82 Sättigungsvolumen d. Nahrung 192 Säure, arſenige. 58 Säugetierei....... 9 Schafbremſe....... 36 Scheeren........ 175 Schenkelpflege..... 189 S heubelſdellung, normale... 181 Scheuklappen, ⸗leder.... 201 Schlagadern...... 66 Schilfroſt....... 43 Schimmelpilze...... 41 Schleuderkrankheit.. 36 Schleuſe d. Stalles u. Verbin⸗ dung derſelben uiit Jauchenlach 130 Schlußwort... 209 Schmutzmauke...... 189 Schnee.. 56 Schnelligkeit der Nervenleitung. 103 Schraubenbakterien... 45 Schutzimpfungen..... 119 Schwämmchen..... 43 Schwanzblaſe der Finne... 21 Schwefelwaſſerſtoff..... 57 Schweflige Säure..... 57 Schweinefinne...... 23 Schweineſeuche. 99 Schweiß als Wärmeregulations- mittel 109 Schwemmen. 174 Schwitzende Pferde, Behandlung derſelben Seifenwaſſer als Pesinfrctions. ,/———— 2 2 C S .59, 57 . 51 .. 9 .. 49 .33 .. A0 gen 203 ung ung 1103 Sachregiſter. Seite mittel.... 141 Selbſtreinigung der Flüſſe. 71 Selbſtſchutz 100,— aktiver 100, — paſſiver 100,— chemiſcher107, — des Atmungsapparates 111, — des Verdauungsapparates. 110 Selbſtſ burteintichtungei.. 107 Septikämie.... 46 Seuche........ 47 Sielengeſchirr. 201 Sodalauge als Desinfeitions⸗ mittel... 141 Soorpilz........ 43 Sonnenſtich. 62 Spaltpilze 44,— als Kraniheits⸗ erreger.. 46 Spermakern....... 9 Spinnentiere....... 31 Spirillen... 45 Sporen 41,— der Bakterien. 45 Sporenbildung Bedingungen für dieſelbe im Boden.. 97 Sporochſte....... 27 Sporozoein..... 19 Sproßpilze....... 41 Spulwürmer.. 29 Spulwurm, großköpfiger, regen⸗ wurmartiger.. 29 Stall 123,— Trockenheit und Wärme desſelben 123,— Lage u. Untergrund 124,— Decken und Wände 124,— Größen⸗ verhältniſſe 125,— freie Be⸗ wegung der Tiere in demſelben 149,— Beſchleuſung 130, — Lichtverhältniſſe des elben 148 Stalldesinfektion... 139 Stalleinrichtung, innere... 152 Stallfenſter....... 133 Stallfußboden...... 127 Stallluft...... 126 Stallſchleuſe, Verbindung der⸗ ſelben mit dem Jaucheilech 131 Stallventilation..... 132 Standbäume....... 157 Standſäulen.......157 Staphylokokken...... 48 Standabgrenzung... 157 Stand, Gefälle desſelben.. 130 Starrkrampfbazillus.... 99 Staub, atmoſphäriſcher... 59 Staubbrand... 46 Staubinhalationskrankheiten..59 Stäbchenbakterien..... 45 233 Seite Stätigkeit, Abgewöhnung derſelb. 194 Steinbrand. 43 Stellung, normale der Schenkel 181 Steriliſation. 39 Stickſtoff als normaler Luft⸗ beſtandteil.. 53 Stickſtofffreie, ſiaſiofhallige Nährſtoffe.... 73 Stickſtoffgleichgewicht... 76 Stirnjoch. 3. 202 Stoffwechſel 1. 75,— der Tiere und Pflanzen.... 2 Stoffwechſelprodukte.... 1 Siofirpechſelborgänge.... 68 Strahlenpilz.... 49 Strahlfäulringe am Hufe. 180 Streptokokken... 48 Strohroſt........ 43 Strongyliden.. 29 Strongylus armatus 29,— flla- ria 30,— micrurus 30,— paradoxus 31,—tetracanthus 30 Sumpfgas.. 57 Taenia Coenurus 24,—— erassi- collis 25,— cucumerina 23.— denticulata 25,— echino- coccus cysticus u. alveolaris 23,— expansa 25,— pecti- nata 26,— mamillana 25, — marginata 24,— medio- canellata 25,— ovilla 25, — perfoliata 25,— plicata 25,— saginata 23,— solium 23 Tau. 56 T Temperaturbedürfnis d. Bakter. 45 Temperaturwechſel..... 62 Tetanus. 99 Teer als Desinfektionsmittel. 141 Tierhülſenwurm.. 23 Tierkörper, chemiſche Beſtand⸗ teile desſelben.. 69 Tilgung der Krankheitsanlage durch Impfung..... 119 Tilletia caries...... 43 Toxalbumine....... 46 Torine...... 46 Trainieren. 194 Tränken 172,— nach Erhitzung 173 Trematodes 26,— Entivigthin derſelben. 27 Trichine....... 31 Trichina Spiralis..... 31 Trichocephalus crenatus 31,— Trichophyton tonsurans.. 43 234 Trinkwaſſer, Eigenſchaften desſ. Trockenſubſtanz des Körpers 3 — der Nahrung.. Tuberkuloſe, Bekämpfung derſ., Verhütung der Anſteckung von Tier zu Tier, Verhütung der Einſchleppung.. Tummelplätze im allgem. 158, — für Pferde, Rinder, Schweine.. Neberanſtrengung, Folgen der⸗ ſelben. 196, Uebertragung pathogener Bakte⸗ rien, direkte, indirekte.. Uebertreibung der Zuchtrichtung Uebung der Mustulatur.. Uredineen.. Uromycesarten. Ustilago carbo,— longissima, — maidis.... Vegetationswaſſer. Venen... Bentilation des Stalles 132,— doppelte 137,— horizontale 134,— vertikale 135,— natür⸗ liche 132,— ſpontane, künſt⸗ liche Verdaulichkeit der Fuitermitte, relative, bſilnis.... 79 Verdauun.. 79 Vordaunnoakanal, Selbſtſchutz des 110 Verdunſtungszone des Bodens. 93 Verkalben, ſeuchenhaftes... 100 Vererbungstheorie..... 9 Verhältniſſe, atmoſphäriſ che.. 51 Vermehrungsfähigkeitd. Barterien 45 Vermehrungszellen.... 41 Verwandtſchaftszucht....117 Verwendung zur Zucht, Alter. 118 Verwendung der Zuchttiere.. 118 Virulenz der Bakterien... 46 Vogelmilbe..... 34 Vorbauung 115,— im engeren Sinne..122 Vorbereitung der Pferde zur Dienſtleiſtung..... 191 Vorgänge, regulatoriſ che.. 103 Vorkern, männlicher, weiblicher. 9 Volumen der Nahiung.. 192 MWagen....... 199 Sachregiſter. Seite 10 Wachstum der Bakterien... 15 Waſchen der Haut..... 174 Waſſer im allgemeinen 70,— in ſeiner Beziehung zur Ge⸗ ſundheit.. 84 Waſſer, Abhängigkeit v. Boden, Waſſerreinigung u. Zuleitung 70 Waſſer, als Reinigungs⸗ u. Des⸗ infektionsmittel 140,— als Körperbeſtandteil 69,— als Krankheitsurſache 84,— als normaler Luftbeſtandteil, 54 — aus Seen, Flüſſen ꝛc. 71, — Reinigung desſelben durch Kochen und Filtrieren... 72 Waſſerzuleitung...... 72 Waſſerverſchlüſſe...... 131 Weiden im allgemeinen 158,— Pnſeceinnegeſuhren durch die⸗ ſelben 165, für Pferde, Rinder, Schweine Sihafe. Weizenbrand. Widerriſtfiſtel. Wildſeuche.. Winde und Windrichtung Witterung. Wolken. Wollnutzung.. 4 Wolltiere, Benutzung derſelben. 208 Wurmaneurysma beim Pferd. 30 Wurſtvergiftungen.. 50 Wurzelfüßer.. Würner, paraſitierende ecke. Aei zur Verwendung zur Zucht 118 Zellen 66,— ⸗formen 2,— Thätigkeit.... 68 Zerkleinern, mechaniſ ches der Futtermittel. Zubereitungsm eibodent des Rauh⸗ futters.. Zucht, rationelle....115 Zuchttiere, Haltung und Ver⸗ wendung... 118 Zuchtſtiere, Verwendung 3 Zug 205 Zugluft.. 63 Zungenwürmer.. 31 Zuſammenſetzung d. Füttermitti 210 Zwiſchenträger. 47 Zwiſchenwirt......29 Berlin, Druck von W. Büxenſtein. Venasrhechhaudlans Paul Parey in Berlin sW, Hedemannstr. 1e. Sehlipf S nnunes ztandbuch der enenan Gekrönte Preisschrift. braeawd vollständig neu bearbeitete Aufege. Mit 17 Farbendrucktafeln 1 und 315 in den Text gedruckten nunianeem 1 Qanzleinen gebunden, Prejs 7 Hark. Wem es um ein Handbuch zu thun ist, Wcches alle Zreige der Landwirtschaft auf Grund der neuesten Erfahrungen in besonders ver- ständlicher Schreibweise bebandelt, dem darf das bewährte Werk von Schlipf unbedingt empfohlen werden. Der Umstand, dass das Buch nicht nur bei den praktischen Land. wirten seit langem eingebürgert ist, sondern dass dasselbe auch an sehr vielen landwirtschaftlichen Schulen als Lehrbuch gebraucht wird, er forderte eine Vervollständigung mehrerer Abschnitte, ohne dass jedoch die Tendenz des Buches, ein Ratgeber für den praktischen Landwirt zu sein, darunter leiden durfte. Es wurde daher auch bei den mannig fachen Einschaltungen stets die klare und verständliche Sprache, durch welche das Buch sich gerade bei den mittleren und kleineren Land- wirten sowie in den Schulen einer 80 Srozzen Beneeptheit erfreut, sorg. fältig beibebalten. Eine besondere Pereicherung hat diese neue 13. Auflage daddurch 1 8 erfahren, dass die wichtigsten Schläge von Rind, Sch af, Schwein und Pferd und die dem Pflanzenbau schädlichsten Insekten auf 47 Takeln 3. abgebildlet Nvurden, und Zwar naturgetreu i in Farben. Selbst d besten schwarzen Abbildungen im Text vermögen rarben- drucktafeln nicht zu ersetzen, und der Schlipf wird dadurch noch Wwieder mehr Freunde gewinſen. FTrotz dieser 17 Farbendrucktafeln, vielfacher Erveiternngen und †. inschaltungen in Text und Apbildungen wurde der Preis des gut ge. bundenen, in grosser Schrift gedruckten, 586 Seiten grossen Formats umfassenden, mit 415 Textabbildungen versehenen Buches aut nur 7 Mark festgesetzt, so dass man henauplen kann, in Anbetracht des 8 Gebotenen ist der„»Sch lipt« das billigste lundwirtschaftliche Buch. Zu bediehen durch Sede Buehlandiong Veniagsbuehbandiung Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10. Kampf buch gegen die Seh adlinge unserer gelcfuchte- 3 Für praktische Landwirte bearbeitet von hDr. A. B. Frank, Prof. u. Vorstand d. Instituts f. Pflanzenschutz a. d. Lasdw. Hochechule zu Berlin. Mit 20 Farbendrucktafeln erkrankter Pflanzen und deren Beschadiger. Sebunden, Ppreis 76 M. Zu den vielen Kämpfen, die der Landwirt zu führen hat, gehören auch die gegen die kleinen Schädlinge der landwirtschaftlichen Kultur- pflanzen. Der Verfasser giebt hier dem Landwirt ein Buch in die Hand, welches auf Grund der bis jetzt vorliegenden Erfahrungen der Wissen- schaft und der Praxis ihm den besten Rat dazu geben soll, wie er diesen Kampf aufzunehmen und zu führen hat. Ebenso unentbehrlich wie ein Buch über Fiehkrankheiten, ist für jeden Gutsbesitzer dieses„Eampfbneh gegen die Schäd- 33 linge unserer Feldfrüchte“. Ein hervorragend praktisches und nutebringendes Buch! er Quts- Sekretar. Praktische, durch Beispiele erläuterte Anleitung zui Abfassund aller schriftlichen Arbeiten des Landwirts 3 in Beruf und Verwaltung. Von Carl Petri, Lehrer an der landwirtschaftlichen Lehranstalt in PHohenwestedt GAostein) Mit 591 Mustern und formularen. Ein starker Oktavband.— Gebunden, Preis 10 M. Durch das vorliegende Werk mit seinen beinahe 600 Mustern und Föormularen nebst dem systematischen erläuternden Text ist ein Hilfs Huch geschaffen, welches Tausenden Kopfzerbrechen und viel Zeitverlust ersparen wird. Wesentliches wird kaum vergessen sein und selten ein Fall eintreten, in welchem man vergeblich nach Anweisung und Schem für eine zu erledigende schriftliche Arbeit sucht. Der Gutssekretär wird bald auf dem Schreibtisch eines jeden preussischen Landwirts zu finden sein, besonders da der starke Oktavband nur 10 Mark kostet, ein Preis, der sich schon nach einer einzigen durch das Buch ersparten Konsultation bei einem Rechtsanwalt oder dgl. reichlich bezahlt macht. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Begründet 1874. Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Wöõchentlich eine Handelsbeifage. Monatkich eine farbendrucktafe Durch jedes deutsche Postamt bezogen, Preis viertoljãhrlich 5 M. Die»Deutsche Landwirtschaftliche Presse« ist nach Inhalt und Ausstattung eine Fachzeitung grossen Stils und hat eine zweifache Aufgabe: sie dient einerseits der Förderung der agrarischen Interessen in der Wirtschaftspolitik und andererseits dem Fortschritte der Wissenschaft und Praxis von Ackerbau, Viehzucht und den landwirtschaftlichen Ge- werben. Die»Deutsche Landwirtschaftliche Presse« enthält beste fach- männische Artikel über rationelle Technik und Betriebsweise der Land- Virtschaft, welche durch reiche und künstlerische Textabbildungen und Fäarbendruckbeilagen illustriert sind. Wegen der grossen Verbreitung bestes Blatt für alle landwirtsch. Anzeigen. Diie Einheitszeile oder deren Raum 38 Pf.. Probenummern mit Handelsbeilage umsonst und postfrei. Mentzel und von Lengerkes Landwirtschaftlicher Hülfs- und Schreib-Kalender. 51. Jahrgang.“ erausgegeben von Geheimrat Dr. H. Thiel, Ministerialdirektor im Königl. Preuss. Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten. I. Teil(Taschenbuch) gebunden.— II. Teil(Jahrbuch) geheftet. Ausgabe mit ½ Seite weiss Papier pro Tag. In Leinen geb. 2,50 M., in Leder geb. 3 M. Ausgabe mit ⁄1 Seite weiss Papier pro Tag. In Leinen geb. 3 M., in Leder geb. 4 M. Mit seinem Jahrgang 1898 beginnt der Mentzel und von Lengerke'sche landwirtschaftliche Kalender sein zweites Halbjahrhundert. Seine Freunde werden aber sehen, dass er jung geblieben; denn er folgt mit seinem ganzen Inhalt den modernen Bedürfnissen der Landwirtschaft, und nach wie vor wird er sich bewähren als ein Freund des Landwirts, wie man ihn oft lobend bezeichnet hat. 4 An der Spitze des II. Teils steht, wie alljährlich, ein für weite Kreise der Landwirte wertvoller Aufsatz; in diesem Jahre ist er verfasst von dem bekannten Okonomierat Böhme in Görlitz, dessen»Land- Wirtschaftliche Sünden« eines der meistgelesenen landwirtsch. Bücher der Jetztzeit ist, und führt den Titel„Kleine Mittel der Selbsthilfe“. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. ““ 1 2— 1 1dSLI Ak rGehesesegssesassssſsehaganrnghenaarndeneaagaaag 12