8 4 4 —— Cee e Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10 u. 11. en enn THAER-BIBLIOTUHEK„1*oen235. Ackerbau und Düngerwesen. Praktische Bodenkunde von Dr. A. Nowacki, Professor in Zürich. 6. Auflage Käufliche Düngestoffe von Dr. A. Rümpler in Breslau. 5. Auflage. Anwendung künstl. Düngemittel v. Prof. Dr. P. Wagneri. Darmstadt. 6. Auflage Wolffs Düngerlehre. Bearb. von Prof. Dr. H. C. Müller, Halle a. S. 16. Auflage. Ernährung der landw. Kulturpflanzen von Prof. Dr. Ad. Mayer. 2. Auflage. Wolkks Anleitung zur chem. Untersuchung landw. Stoffe. 4. Auflage. Beurteilung und Begutachtung landw. wicht. Hilfsstoffe v. Dr. M. Passon. Die wichtigsten landw. Unkräuter von Dr. F. Bornemann. Pflanzenbau. Babo's Tabaksbau, neubearb. v. Landw. Lehrer Hoffmann, Bellheim. 4. Auflage. Wiesen- u. Weidenbau v. Dr. Burgtorf. Neubearb. v. Dr. M. Augstin. 6. Aufl Anbau der Hülsenfrüchte v. Dr. C. Fruwirth, Professor in Wien. 2. Auflage. Knauers Rübenbau. Bearbeitet v. Prof. Dr. P. Holdefleißi. Halle a. S. 10. Auflage Flachsbau und Verarbeitung von R. Kuhnert in Preetz. 2. Auflage. Rationeller Futterbau von Dr. F. G. Stebler in Zürich. 8. Auflage. Praktischer Kleegrasbau von Prof. Dr. A. Nowacki in Zürich. 4. Auflage. Samen und Saat von Dr. William Loebe-Leipzig. Getreidebau v. Dr. A. Nowacki, Prof. in Zürich, Gekrönte Preisschrift. 5. Auflage. Hopfenbau von Dr. C. Fruwirth, Prof. in Wien.. 2. Auflage. Werner's Kartoffelbau, bearb. v. Prof. v. Eckenbrecher, Berlin. 7. Auflage Schädlinge der landw. Kulturpflanzen von Dr. E. Riehm. Forstkulturen von Urff, Kgl. Forstmeister in Grammentin. 3. Auflage. Tierzucht und Fütterungslehre. Berlepsch's Bienenzucht. Bearbeitet von H. Knoke in Hannover. 6. Auflage. Zoologie für Landwirte v. Dr. J. Ritzema Bos, Prof in Wageningen. 6. Auflage. Pferdezucht v. Reg.-Rat F. Oldenburg, neubearb. v. G. Frölich i. Halle a. S. 3. Aufl Rindviehzucht von 6kon.-Rat Dr. V. Funk. 7., Auflage Milchwirtschaft von Okon. Rat Dr. V. Funk. 2. Auflage. Viehhaltung und Alpwirtschaft von Dr. P. Schuppli. 2. Auflago. Wirtschaftsfeinde aus dem Tierreich von Dr. G. von Hayek, Prof. in Wien. Meyer, Schweinezucht. 7. Auflage Schafzucht von J. Heyne, Schäfereidirektor in Leipzig. 2. ᷓAuflage Pribyl-Dürigen, Geflügelzucht. 7. Auflage Konservierung der Futterpflanzen von Dr. F. Albert, Prof. in Königsberg. Widersetzlichkeiten des Pferdes von B. Schoenbeck. 2. Auflage. Landw. Haustierkunde von Dr. A. Koch. Betrieb. Landw. Betriebslehre von v. d. Goltz. Neubearb. v. Dr. C. v. Seelhorst. 5. Aufl. Landw. Buchführung von v. d. Goltz. Neubearb. v. Dr. C. v. Seelhorst. 11. Aufl. Geschichte der Landwirtschaft. Bearb. von F. Nedderich. 5. Auflage. Rechtsbeistand des Landwirts v. M. Löxw rz. 4. Auflage Das Schriftwerk des Landwi Potri ſh Hohenwestedt. 5. Auflage. Wirtschaftsdirektion d. La tes.46 ee rof. Dr. A. Thaer. 3. Auflage. Handelskunde für den Lan 84 t. Von G. Petr' in Hohenwestedt. 2. Auflage. Abschätzung der Immobilitn, von L. Offenbrg in Düsseldorf. 8 4 — — 2-Hds u,— e Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10 u. 11. wden enn. THAER-BIBLIOTHEK.-NnAen., Landwirtschaftliche Gewerbe. Apfelweinbereitung von Dr. Ernsat Kramer in Klagenfurt. Bierbrauerei von Dr. C. J. Lintner, Professor in München. 4. Auflage Ziegelei von Otto Bock, neubearb v. A. Nawrath, Ziegelei-Ing. in Berlin. 4 Aufl. Baukunde. Engels Pferdestall(Bau und Einrichtg.) neubearb. v. Reg.-Baum. G. Meyer. 3. Aufl. Lngels Viehstall(Bau u. Einricht.), neubearb. v. Reg. Baum. G. Meyer. 4 Auflage. Schuberts ldw. Baukunde. Neubearb. v. Reg.- Baumeist. G. Meyer. 8. Auflage Geflügelställe(Bau u. Einricht.) v. Professor A. Schubert in Kassel. 4. Auflage Kulturtechnik, Maschinenkunde, Ingenieurwesen. Landw. Geräte und Maschinen v. W. Strecker, Prof. in Leipzig. 10. Auflage. Schuberts ldw. Rechenwesen. Bearb. v. H. Kutscher in Hohenwestedt. 4. Aufl. Be- u. Entwässerung der Acker u. Wiesen v. 6k-Rat L. Vincent. 4. Auflage. Wüsts Feldmessen u. Nivellieren. Bearb. v. Prof. Dr.-Ing. A. Nachtwe h. 7. Aufl. Der Landwirt als Kulturingenieur v. Fr. Zajicek, Prof. in Mödling. 3. Auflage. Landw. Plan- und Situationszeichnen von H. Kutscher in Hohenwestedt. Wind Eloktrizitat von Dr. Ing. G. Liebe in Dresden. Veterinärwesen. Tlutpflege, Hufschutz und Beschlag. Von Prof. Dr. H. Möller in Beriin. Englischer Hufbeschlag von H. Behrens, Lehrschmied in Rostock. 2. Auflage. Eingeweidewürmer der Haussäugetiere von Dr. J. Dewitz in Berlin. Gesundheitspflege der Idw. Haussäugetiere v. Prof. Dr. Klimmer. 2. Auflage. Landw. Giftlehre von Med.-Rat Dr. G. Müller, Professor in Dresden. Der kranke Hund von Med.-Rat Dr. G. Müller, Prof. in Dresden. 3. Auflage. Der gesunde Hund von Med. Rat Dr. G. Müller, Prof. in Dresden. 2. Auflage. Geburtshilto von Veterinärrat A. Tapken in Varel. 4. Auflage. Jagd, Sport und Fischerei. K ünstl. Fischzucht v. M. von dem Borne. Neubearb. v. H. v. Debschitz. 5. Aufl. Sürsswasserfischerei von M. von dem Borne- Teichwirtschaft v. M. von dem Borne. Neubearb. v. H. v. Debschitz. 5. Auflage. Goeddes Fasanenzucht. Bearb. v. Fasanenjäger Staffel in Fürstenwald. 4. Aufl. Jagd-, Hof- und Schäferhunde von Ernst Schlotfeldtin Hannover. 2. Auflage. Ratgeber beim Pferdekauf v. Stallmeister B. Schoenbeck in Höxter. 4. Aufl. Reiten und Fahren von Major R. Schoenboeck in Berlin. 5. Auflage. Gartenbau. GeuGlazucht v. J. Hartwig, Grossh. Hofgarteninspektor in Weimar. 2. Auflage Gewächshäuser v. J. Hartwig, Umgearb. v. Obergärtner C. Reiter. 3. Auflage. Meyers Immerwährender(Lartenkalender. 5. Auflage. Obstbau v. R. Noack. Neubearb. von Obergärtner Mütze in Dahlem. 5. Auflage. Obstverwertung von Karl Huber, Kgl. Garteninspektor. Rümplers Zimmergärtnerei. Bearb. v. W. Mönkemeyerin Leipzig. 8. Auflage. Gemüsebau von B. von Uslar. Neoubearb von Amtsrat Koch. 5. Auflage. Gärtnerische Betriebslehre v. A. Bode, Obat- u. Gartenbaulehrer in Altenburg. Gartenblumen(Zucht und Pflege] v. Th. Rümpler. Neuboarb. v. O. Krauss. 3. Aufl. Weinbau und Meinbobonalang von A. Dern. Zu beziehen durch ede Buchhandlung. Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10 u. 11. 1 Herausgeber: Dr. L. Kießling, Professor in Weihenstephan. Weſtere Hefte slnd in Vorbereltung. jedes Heft lst einzeln käuflich. Pyeis jedes Heftes 80 Pf. 20 Exempl. gemischt fur 14 M 50 Exembl. gemischi fur 30 M 1. Der Elnfluss der klimatischen Lage ausf den Landwirtschafts- b„beotrleb in Deutschland. Von Prof. Dr. A. Schnider in München. 2. Nurze Elnleltung in die Techalk der Getreldezfohtung- Von Phr. L. Kießling, Prof. in Weihenstephan. Mit Textabbildungen. 3. Das Unkraut und selne Bekämpfung auf doem Ackerland. Von Dr. G. Fruwirth, Prof. in Wien. Mit Textabbildungen und Tafeln. Futterwert von Henu und Grummot. 4 Zusammensetzung und Von Dr. Ahr, Prof. in Weihenstephan. 5. Bodenkartierung und geologlach-agronomlache Kartem⸗ Von Dr. W. Koehne, Kgl. Geologe b. d. geolog. andesuntersuchung in München. 6. Die Bedeutung des Schafes für die Land- u. Volkawirtschaft. Von Dr. Emil Pott, Professor in Münchhn. 7. Wotterkunde und Landwirtschaft. Von Dr. Aug, Schmauf, Direktor der Bayerischen meteorologischen Zentralstation. Mit 7 Textabbildungen. 8s. Anwendung und Wirkung von Eggen und Schliohten, Von Dr. Gisevius, Prof. in Gießen. Mit 57 Textabbildungen. 9. Walze, Krümmer, Kultluatoren und Federzahngeräte. Von Dr. Gisevius, Prof. in Gießen. Mit 67 Textabbildungen. 10. Über Kartoffeltrocknung und Kartoffelfütterung. Von Dr. Paechtner in Berlin. Zweite Auflage. 11. DIe Bedeutung— Licht- und Schattenselten— der Maschlmen im Landwirtschaftsbetrieb. Von Prof. Dr Schnider in Münclien. 12. DIe Anlage von Dauerfutterflächen. Von Dr. H. Lang in Hochburg 13. DiIe Pflege der Dauerfutterflächen. Von Dr. H. Lang in Hochburg 14. Neuerungen an den Pflugwerkzeugen und der neueste Stand des Motorpfluges. Von Dr. Gisevius. Prof. in Gießen.. 15. DHas GPstgut. Die Anlage landw. Obstpflanzungen. Von A. Janson. 16/17. Mechanische Sicherkeltsvorrichtungen im Landwirtschafts⸗ betrieb. Von Dr. H. Puchner, Prof. in Weihenstephan Mit 79 Textabb. 18. Feld- und Konservengemüsebau. Von A. Janson, Obstbauinspektor 19/20. Ackerbauwereine zur Fönderung des Acker- umd Saatfrucht- baues. Von Prof. Dr. L. Kießling. 21. Die mechanische Saatgutzubereitung und ihr Einfiuss auf die Ernte. Von Dr. Wacker, Prof. in Hohenheim. Mit 18 Textabbildungen. 22. Der Anbau des Getreides mit neuen Hilfsmitteln und nach neuen Methoden. Von Prof. Dr. C. Kraus, Geh. Hofrat in München. 23. Hagel, Hagelschädenbeurteilung u.„Versicherung. Von Dr. W. Rohrbeck, Cöln.— 24. Steigerung der Pflanzenertnäge unter dem Einflusse der Vesstationsfaktoren. Von Dr. Mitscherlich, Prof. in Königsberg i. Pr 25. Dis Gerste mit besondorer Berücksichtigung ihrer Eignung ais Brauware- Von C. Bleisch, Prof. in Weihenstephan. Mit 6 Textabb. 26. Futtersilos und Silagefutter, Von Prof. Dr. A. Stutzer, Geh. Reg. Rat. 27. Einjährige Futterpflanzen. Von Prof. Dr. C. Fruwirth ia Wien. 28. Die Slcherung der Getreideernte, insbesondene danoh die kKkünstliche Trocknung. Von Dr. J. F. Hoffmann, Prof. in Berlin. 29. Landw. wichtige Hülsenfruchter, I. Heft: Erbse, Wicke, Ackerbohne,; Lupine und Linse. Von Dr. C. Fruwirth in Wien. Mit 9 Textabbildungen. 0/1. Landw. wichtige Hülsenfruchter. II. Hoft: Soja, Fisole, Kicher Erve, Ervilie, Platterbse u. andere Hülsenfruchter. Von Dr. C. Fruwirth in Wien. Mit 4 Tafeln und 9 Textabbildungen. 3 32/⁄8. Die ölfrüchte. Von Dr. Hans Wacker, Prof. in Hohenheim. Mit. 20 Textabbildungen. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. andwirtschaftliche Hefte DOr. R. v. Sengbusehn Praktiſche Bodenkunde. Tſdao Anleitung zur Unterſuchung, Klaſſifißation und Karkierung des Grund und Bodens. Von Profeſſor Dr. Anton Nowacki in Zürich. Sechſte, neubearbeitete Auflage. & Mit 12 Tertabbildungen und 1 Farbendrucktafel. Berlin Verlagsbuchhandlung Paul Parey 3 — Verlag für Landwirtſchaft, Gartenbau und Forſtweſen SW. 11, Hedemannſtraße 10 u. 11 4. 1917. Prof. Dr. R.v. Senghusch 4 1 595 Alle Rechte, auch das der Überſetzung, vorbehalten. Vorwort zur erſten Auflage. Im Juli 1883 brachte der Sprechſaal des„Schweizeriſchen landwirtſchaftlichen Zentralblattes“ folgende Anfrage:„In welchen kleineren Werken findet der Landwirt Anleitung zu leicht und mit wenig Koſten ausführbaren Bodenunter⸗ ſuchungen?“ Da in der Literatur ein dem Sinne und Wunſche des Frageſtellers entſprechendes Buch meines Wiſſens nicht exiſtiert, ſo erbot ich mich, für das„Zentralblatt“ eine kurze Anleitung zur einfachen Bodenunterſuchung zu ſchreiben. Sie iſt denn auch in Nr. 38, 39, 48, 49 und 50 erſchienen, aber der beſchränkte Raum des Blattes gebot zahlreiche Kürzungen. Namentlich mußte die genauere Unterſuchung des Bodens auf ſeinen Gehalt an Kalk und an Humus fortgelaſſen werden; ebenſo die Ein⸗ teilung und Beſchreibung der Bodenarten ſowie die Erörterung der Fragen: Wie erkennt und wie beſeitigt man die Fehler und Mängel des Bodens? An welchen Pflanzennährſtoffen fehlt es dem Boden, und womit müſſen wir düngen, um beſſere Ernten zu machen? uſw. Die vollſtändige Arbeit, die auch eine Anleitung zur Anlegung von Bodenſammlungen und zur Aufnahme von Boden⸗ karten enthält, liegt nun hier vor, und ich wünſchte, daß das ab⸗ gerundete Ganze ebenſo beifällig aufgenommen würde, wie die im „Zentralblatt“ bereits veröffentlichten Bruchſtücke. Ich habe mich beſtrebt, den Gegenſtand ſo volkstümlich und praktiſch wie möglich zu behandeln, konnte mich aber nicht entſchließen, dem Haſchen nach Popularität die Gründlichkeit zum Opfer zu bringen, und ich muß, um Enttäuſchungen vorzubeugen, ausdrücklich bemerken, daß auch die einfachere Bodenunterſuchung eine Menge von Kennt⸗ niſſen und Werkzeugen erfordert, deren Anwendung und Hand⸗ habung gelernt und geübt ſein will. Immerhin kann vieles von dem, was in dem Büchlein geſchrieben ſteht, von jedem verſtändigen Landwirt begriffen und nutzbringend verwertet werden; wer etwas über die Sekundarſchule hinausgekommen, wird auch das übrige IV Vorwort. verſtehen. Ich hoffe, daß meine„Anleitung“ dem Forſtwirt, dem Techniker und dem Naturforſcher ebenfalls willkommen ſein, und daß ſie beſonders auch als Leitfaden beim landwirtſchaftlichen Unterricht ſich als brauchbar erweiſen wird. Die im Anhang beigefügte, hier zum erſten Male verſuchte Benennung der Bodenarten in der Sprache der Wiſſenſchaft em⸗ pfehle ich einer nachſichtigen Beurteilung von ſeiten der Gelehrten. Den Praktiker, der von dem gelehrten Kram nichts wiſſen will, um kein„lateiniſcher Landwirt“ zu werden, bitte ich zu berückſichtigen, daß wir in der Schweiz romaniſch⸗, italieniſch⸗, franzöſiſch⸗ und deutſch⸗ redende Bauern haben. Die Wiſſenſchaft aber iſt allgemein, und ſie umſchlingt alle Nationen mit dem gleichen Bande. Fluntern bei Zürich, den 22. Juni 1884. Vorwort zur ſechſten Auflage. Die zweite Auflage erſchien im Jahr 1892, die dritte im Jahr 1899, die vierte im Jahr 1904, die fünfte im Jahr 1910. Die hier angeſchloſſene ſechſte Auflage wurde durchgeſehen und verbeſſert. Wie der Landmann durch Sieben und Säubern die Spreu von dem Weizen ſondert, ſo ſuchte der Verfaſſer das Wertvolle der „Praktiſchen Bodenkunde“ ſorgfältig zu erhalten und zu vervoll⸗ kommnen, das Überflüſſige und Entbehrliche dagegen auszuſcheiden und zu beſeitigen. Es liegt auf der Hand, daß das kleine Werk durch dieſe kritiſche Bearbeitung an Kürze und Kraft gewonnen hat. Der Abſchnitt über die Entſtehung des Grund und Bodens, der in der fünften Auflage hinzugefügt worden war, dient zur Ergänzung des vorbereitenden und zur Begründung des praktiſchen Teill. So hoffe ich denn, daß das Büchlein auch fernerhin ſeinen Zweck erfüllen wird. Zürich, im Frühling 1917. Anton Rowarki. di d dem d daß rricht ſuchte em⸗ hrten. , um tigen, utſch⸗ und Jahr Die ſſert. von der voll⸗ eiden Werk hat. er in nzung ſeinen i. Inhalt. Seite Vorbereitender Teil. Begriff und Weſen des Grund und Bodens. 1. Waz verſteht man unter Boden?....... 1 2. Wo finden wir den Boden?.......... 5 3. Woraus beſteht der Boden?......... 10 Die Entſtehung des Grund und Bodens...... 19 1. Die angeſtammten Böden............ 25 2. Die angeſchwemmten Böden........... 38 3. Die angewehten Böden............. 45 4. Der Boden und die Lebeweſen........... 48 Praktiſcher Teil. Anleitung zur Uuterjnchung, Klaſ liitalipn und Kartiernna des Grund und Bodens...„..... 51 Die Geſtalt der Oberfläche des Bohens Der ebene Boden........... 52 Der geneigte Boden............ 52 Bedeutung der Oberflächengeſtalt......... 53 Die Geologen⸗Buſſole............. 54 Das Nivellierinſtrument........... 55 Flurkarten mit Horizontalkurven....... 56 Die Lagerungsverhältniſſe des Grund und Bodens. I. Der ſenßrechke Schnikt ooer das Proſi....... 60 Probegruben......... 60 Der Erdbohrer................ 62 Der Bohrſtock............... 64 Die Sonde..... 67 Was finden wir auf dem ſentrecten Schnitt?.. 68 Die Mächtigkeit des Bodens.... 68 Angeſtammter und angeſchwemmter Boden...... 70 Schichten.................. 71 Grundwaſſer......... 72 Obergrund und Untergrund........... 74 Die Ackerkrume............... 75 Die Muttererde............... 75 Der Untergrund.............. 79 VI Inhalt. II. Das Gefüge oder die Skrußkur 1. 2. Die Körnigkeit des Bodens Die Lückigkeit des Bodens.. Kapillare Poren und nicht kapillare Hohlräume Kapillarität.. Sättigung und lberſätigung des Bodens Durchläſſigkeit.. Waſſerkapazität .Die Bündigkeit des Bodens 1. Feſtigkeit 2. Klebrigkeit.. 3. Volumenverminderung. Die Stufen der Bündigkeit Die Bodenbeſtandteile und Bodenarten. I. Die Bodenbeſtanoͤkeile 1. 2. Die Unterſuchung des Bodens auf finen Gehalt an Stein Die Unterſuchung des Bodens auf ſeinen Gehatt an Sand und Ton.. Sand. Ton. Lehm Löß. Letten Sandiger Lehm und lehmiger Sand Bedeutung der einfachen Bodenunterſuchung Die mechaniſche Analyſe und das Schzümmemd des Bodens.... Der Kühnſche Schlämmzylinder. Sedimentierröhren Bedeutung und beſ ſcräntte Leiüung der mecha⸗ niſchen Analyſe Die Unterſuchung des Bodens auf zeimen aehan an n Kalk Die einfache Salzſäureprobe. Die genauere Kalkbeſtimmung .Die Unterſuchung des Bodens auf ſeinen Gehalt an Humus Humusbeſtimmung aus dem Glühverluſt. . Wie erkennt und wie beſeitigt man die Fehler und Mängel des Grund und Bodens? a) Grundnäſſe. b) Säure Seite 83 83 89 90 91 91 92 92 100 100 102 10²2 105 109 109 110 111 111 111 112 113 114 114 115 119 121 124 126 127 128 131 134 136 136 137 Inhalt. c) Eiſenſchüſſigkeit d) Salz.. e) Steine.. f) Einſeitiger Beſtand des Bodens... g) An welchen Pflanzennährſtoffen Ernten zu machen?.. Allgemeine Regeln für Düngungsverſuche Beſondere Winke für Duüngundsperſuche. 1. Kalk... 2. Gips.. 3. Phosphorſäure. 4. Kali. 5. Stickſtoff II. Die Bodenarken. 1. Einteilung und Beſchreibung der Bodenarten. Hauptgruppen der Bodenarten I. Hauptgruppe: Steinbodenarten. A. Grusböden. 1. Humoſer Grusboden 2. Lehmiger oder mergeliger Grusboden. 3. Reiner Grusboden B. Kiesböden 4. Lehmiger oder mergeliger Kiesboden 5. Reiner Kiesboden. 6. Grandboden II. Hauptgruppe: gaudüodenarten. . Milder humoſer Sandboden. . Mergeliger Sandboden. . Lehmiger Sandboden . Gemeiner Sandboden . Naßkalter Sandboden . Loſer Sandboden. auptgruppe: Lehmbodenarten. . Milder humoſer Lehmboden. . Lößartiger Lehmboden. . Gemeiner Lehmboden .Schwerer Lehmboden . Naßkalter Lehmboden III. & e do PGS RSNHg fehlt es dem Boden? Womit ſollen wir düngen, um beſſere . Sandiger, grandiger oder ſteiniger Lehmboden. VII Seite 138 140 141 142 151 153 154 154 155 156 158 158 161 161 163 163 163 164 164 164 164 165 165 166 166 167 168 168 169 170 170 172 172 172 VIII Inhalt. IV. Hauptgruppe: Tonbodenarten. VI. VII. G F 90 do GI o de 9= d „Reicher humoſer Tonboden .Kalkhaltiger Tonboden. „Gemeiner Tonboden. Strenger Tonboden.. Naßkalter Tonboden, Lettenboden . Reiner Tonboden. auptgruppe: Mergerbodennrten. Humoſer Tonmergelboden. „Gemeiner Tonmergelboden Humoſer Lehmmergelboden .Lößartiger Lehmmergelboden. Gemeiner Lehmmergelboden Sandiger, grandiger oder ſteiniger Mergelboden auptgruppe: Kalkbodenarten. .Humoſer Kalkboden. . Toniger Kalkboden .Lehmiger Kalkboden.. . Sandiger und grandiger Kaltboden. . Steiniger Kalkboden. .Reiner Kalk⸗ und Kreideboden Anhang. Gipsboden. Hauptgruppe: Humnshydenarten 1. Acker⸗ und Gartenhumus. 2. Grashumusboden 3. Waldhumusboden 4. Riedhumusboden 5. Mooshumusboden 6. Heidehumusboden 2. Anfertigung von Bodenkarten Anhang. Wiſſenſchaftliche Benennung der Bodenarten. Flur⸗ und Bodenkarte Taf. 1 Seite 173 174 174 174 175 175 176 177 177 177 177 178 180 181 181 181 181 182 182 183 184 187 188 190 192 193 204 Vorbereitender Tell. Begriff und Weſen des Srund und Bodens. 1. Was verſteht man unter Boden? Das Wort Boden iſt uns an und fuür ſich nicht verſtändlich, weil es in verſchiedenem Sinne gebraucht wird. Der Töpfer, der Böttcher, der Zimmermann verſteht unter Boden etwas anderes als der Landwirt. Wir wollen verſuchen, uns den Begriff des Bodens klar zu machen, indem wir ihn ſprachlich entwickeln. Nach dem„Deutſchen Wörterbuch“ der großen Sprachforſcher Jakob und Wilhelm Grimm iſt das deutſche Wort Boden urverwandt mit dem lateiniſchen Wort fundus. Fundus kommt her von fundere, und das heißt gießen, ſchütten uſw. Hiernach iſt Boden urſprünglich Guß(z. B. Opferguß) oder Gegoſſenes(z. B. ein Boden Wachs), und dementſprechend bedeutet Boden an einem Gefäß(Topf, Faß, Sack uſw.) die untere innere Fläche, auf die gegoſſen oder geſchüttet wird.*) Wie kommen wir aber von dieſem urſprünglichen oder eigent⸗ lichen Begriff zu dem abgeleiteten oder übertragenen Begriff, mit dem es der Landwirt zu tun hat? *) Unſer Wort Boden hat manche Wandlungen durchgemacht. Die älteſte Form iſt uns in der Benennung des Bodan oder Boden Sees= pota- micus lacus erhalten. Das in potamicus liegende Wort hat ſich in folgen⸗ der Weiſe entwickelt: pötam= pödam= bödom= bödem= böden = böõöden. In dem Winkel, wo die Provinzen Poſen, Weſtpreußen und Brandenburg zuſammenſtoßen, heißt das Wort noch jetzt bodom; ich weiß das genau, weil die dortige Sprache meine Mutterſprache iſt. Sonſt findet ſich das Wort bodom nirgends mehr in der Welt. Die Engländer haben bottom, die Schweden botten, die Niederländer bodem, die Dänen bund (anſtatt budn und bodn). Nowacki, Bodenkunde. 6. Auflage. 1 Begriff und Weſen des Grund und Bodens. b Auf dieſe Frage antworten die Gebrüder Grimm, indem ſie unmittelbar an den urſprünglichen Begriff anknüpfen: Zu dem Begriff Boden im Sinne von solum, terra fönnte man gelangen, indem man Boden deutet als den„von Tau, Regen und allen himmliſchen Gaben übergoſſenen Grund“. Dieſe Erklärung iſt in gewiſſer Hinſicht ſchön, will mir aber doch nicht recht einleuchten. Die Gebrüder Grimm fühlen ſich ſelbſt von ihr nicht befriedigt, denn ſie fügen hinzu:„Natürlicher aber ſcheint es, die Oberfläche der Erde für die obere Wölbung, Rinde, Decke, Wölbung des großen Körpers zu nehmen und ihr, wie dem Faß, einen doppelten Boden, oberen und unteren, beizumeſſen. Den uns zugedrehten, oberen Boden betreten wir, er iſt uns unten, unter uns; wir gehen, ſtehen an oder auf dem Boden.“ Auch mit dieſer Er⸗ klärung kann ich mich nicht befreunden, obwohl ſie manches Richtige enthält. Der Vergleich mit dem Faß, der uns allein an den urſprünglichen Begriff Boden erinnert, ſcheint mir nicht glücklich zu ſein. Noch viel weniger iſt es zuläſſig, unter Boden das Hinge⸗ goſſene oder Hingeſchüttete, d. h.„Schutt“ im naturwiſſenſchaftlichen Sinne, zu verſtehen, denn dieſe ohnehin nicht allgemein zutreffende Deutung des Begriffs Boden iſt viel zu gelehrt und zu modern, als daß ſie für jene weit zurückliegenden Zeiten in Betracht kommen könnte, in denen das Wort Boden zuerſt auf den Erdboden be⸗ zogen wurde. Es läßt ſich noch eine andere Erklärung und Ableitung geben, die ebenfalls an den urſprünglichen Begriff Boden anknüpft, aber auf eine näherliegende Vorſtellung zurückgreift. Wenn die Kinder ſich ein Gärtchen machen, ſo legen ſie einen Kreis von Steinen, oder ſie ſtecken Stäbchen ein: der umſchloſſene Raum iſt ein Boden(fundus), und er iſt zugleich der Boden (solum). Auf ähnliche Weiſe mögen unſere Vorfahren zu dem landwirt⸗ ſchaftlichen Begriff Boden gelangt ſein. Sie haben, außer Töpfen und andern Behältern, zum Hineinſchütten von Vorräten auch Erd⸗ gruben hergeſtellt. Sie haben ſich Hütten gebaut, die nicht allein als Wohnſtätte, ſondern auch als Vorratsraum dienten. Jede Grube, jede Hütte hat unten einen Boden. So wurde der Begriff Boden nach und nach erweitert, zuerſt ndem dem ngen, allen ſt in cten. edigt, fläche des pelten ehten, wir Er⸗ chnge den ücklich inge⸗ lichen fende dern, nmen be⸗ eben, äber einen oſſene Boden dwir⸗ Töpfen hEn⸗ alein Jede zuerſ 1. Was verſteht man unter Boden? 3 auf kleinere Gefäße, dann auf größere Räume bezogen; aber in der Vorſtellung blieb Boden zunächſt immer noch die unten⸗ liegende, von Wänden oder Wandungen eingeſchloſſene, beſtimmt begrenzte Fläche. Dieſe Vorſtellung läßt ſich auch bei der Benennung gewiſſer Ortlichkeiten nachweiſen, z. B. bei dem„Urner Boden“, der eine 1 ½ Stunden lange und 1 ¼ Stunden breite, auf drei Seiten von Felswänden eingeſchloſſene und nur auf der vierten Seite, gegen Stachelberg hin, geöffnete Tal⸗ und Wieſenfläche darſtellt. Noch bekannter iſt die ebene, gleichfalls von hohen Bergen ein⸗ geſchloſſene Talfläche, zwiſchen dem Thuner und Brienzer See in der Umgebung von Interlaken gelegen und im ſchweizeriſchen Volks⸗ mund„Bödeli“(kleiner Boden) genannt. Die Benennung des „Boddens“ bei der Inſel Rügen und des„Bodenſees“ bei Konſtanz gehört ebenfalls hierher; ja, es iſt wahrſcheinlich, daß das Wort Boden zum erſten Male bei dieſem See(vgl. S. 1 Anmerkung) auf eine in der freien Natur liegende, begrenzte Fläche bezogen wurde. Dieſelbe Vorſtellung wurde dann auch auf die mit Mauern oder Zäunen eingefriedigte, zu Privateigentum gemachte Garten⸗, Acker⸗ und Wieſenfläche, und ſchließlich auf die nicht eingefriedigte, aber durch Grenzſteine, Grenzhaufen und dergl. rechtlich begrenzte Land⸗ und Gutsfläche übertragen. In Übereinſtimmung hier⸗ mit verſtanden die Römer unter fundus nicht den Erdboden, ſondern das Grundſtück, das Landgut, d. h. eine abgemeſſene, begrenzte Fläche Land. Selbſt„des Vaterlandes vielgeliebter Boden“ iſt ein beſtimmt begrenzter. Den Boden ohne Grenzen, als Naturprodukt und Naturobjekt zu denken und zu betrachten, gehört einer verhältnismäßig neuen Zeit an. Bevor das Wort Boden in dieſem Sinne gebraucht wurde, behalf man ſich mit den Ausdrücken: Erde, Land, Grund. Das griechiſche Wort:%“ und das lateiniſche Wort solum (ebenſo auch das ſlaviſche Wörtchen pod= unten) weiſen uns darauf hin, den Umſtand ſchärfer ins Auge zu faſſen, daß der Boden für uns, d. h. von unſerm Standpunkt betrachtet, das Untere iſt. Das Wort 270or iſt nämlich abzuleiten von mous, xο⁴ιε(lateiniſch pes, pedis), der Fuß, und das Wort solum bedeutet ſowohl die Fußſohle wie den Boden. Hier wird alſo der Boden in Beziehung 1* 4 Begriff und Weſen des Grund und Bodens. zu dem aufrecht gehenden oder ſtehenden Menſchen gedacht, und wir erhalten die Begriffsbeſtimmung: Boden iſt die Fläche, die wir beim Gehen und Stehen mit dem Fuße oder mit der Fußſohle berühren, oder, kürzer geſagt, Boden iſt die Fläche, an oder auf der wir gehen und ſtehen. Daß auch das deutſche Wort Boden früher nur die Fläche der Erde, des Landes, des Grundes bezeichnete, ergibt ſich ſchon aus der Tatſache, daß im Deutſchen das Wort Grund mit dem Wort Boden ergänzt und zu einem Begriff verſchmolzen worden iſt. Das Wort Grund iſt uns an und für ſich ebenſowenig verſtändlich wie das Wort Boden. Wenn wir aber, beide Aus⸗ drücke zuſammenfaſſend, von„Grund und Boden“ reden, ſo weiß jeder, was gemeint iſt. Was iſt nun Grund? Man könnte meinen: Boden ſei das Obere, Grund das Untere. Wir haben aber geſehen, daß Boden urſprünglich das Untere, die unten liegende Fläche iſt; folglich muß Grund urſprünglich eine andere Bedeutung haben, ſonſt hätte es keinen Sinn, von„Grund und Boden“ zu reden. Es läßt ſich leicht dartun, daß Grund urſprünglich und eigentlich nichts anderes iſt als Erde. Der Sprachgebrauch bei den Alemannen in Süddeutſchland und in der Schweiz belehrt uns über den Urſprung und die Bedeutung des Wortes. Hiernach ver⸗ ſtehen wir unter Grund die feinkörnige Subſtanz des Erd⸗ reichs. Keine Stelle aus der deutſchen Literatur beweiſt dies deutlicher als die folgende:„Im Hunger ſoll der Wolf Grund eſſen. Ihren Dreck decken ſie mit Grund.“ Dieſe beiden Sätze, die wir dem Grimmſchen Wörterbuch entnehmen, laſſen nicht den geringſten Zweifel darüber, daß das Wort Grund ſich auf die Subſtanz der Erde von oben an bezieht, und daß es daher ſprach⸗ lich und ſachlich ganz richtig iſt, die von oben nach unten folgenden Schichten des Grundes als Obergrund und Untergrund zu be⸗ zeichnen. Im Laufe der Zeit iſt das Wort Grund in ſeinem urſprüng⸗ lichen Sinne mehr und mehr außer Gebrauch gekommen und durch das Wort Boden erſetzt worden. Allgemein gebräuchlich ſind noch die Ausdrücke: Grundſtück, Grundbeſitz, Grundſteuer, Obergrund, Untergrund, flachgründig, tiefgründig uſw. Dagegen bezeichnen wir wir die mit die läche ſih d mit nolzen wenig Aus⸗ n, ſo intere. e, die eine rund und bei uns ver⸗ Erd⸗ dies Brund Sätze, t den f die ſpragf genden uu be⸗ ſprüng⸗ durh d voc rgrund, en wit 2. Wo finden wir den Boden? 5 die Arten des Grundes als Sandboden, Lehmboden, Humusboden uſw., wir ſprechen von der Lage, Lagerung und Struktur des Bodens, kurz, wir verſtehen heutzutage unter Boden nicht bloß die Fläche(Oberfläche, Raumfläche) der Grundſtücke, ſondern auch die ganze Maſſe des Grundes von oben bis unten. Demgemäß nennen wir die Lehre vom Grund und Boden kurzweg Boden⸗ kunde oder Pedologie. Es iſt aber gut, daß der deutſche Sprachgebrauch die beiden Begriffe„Grund und Boden“ feſtgehalten und zu einem Be⸗ griff zuſammengefaßt hat. Denn hierdurch werden wir daran er⸗ innert, daß wir den Boden nicht bloß nach der Fläche(Oberfläche, Raumfläche), ſondern auch nach der Tiefe zu betrachten haben. Vielleicht treffe ich das Richtige, wenn ich, im Hinblick auf die vorausgeſchickten ſprachlichen Auseinanderſetzungen, den Begriff „Grund und Boden“ dahin erkläre: Boden bezieht ſich auf die wagerechte Fläche, Grund auf den ſenkrechten Schnitt. Wenn wir das Objekt, mit dem wir es hier zu tun haben, nach dieſen beiden Richtungen betrachten, ſo werden wir es als eine körperliche Maſſe auswendig und inwendig unterſuchen und„durch und durch“ begreifen und verſtehen lernen. 2. Wo finden wir den Boden? Wir finden den Boden an der Erdoberfläche; er bildet die Decke des Erdballs. Da der Boden oben liegt, ſo wird er von der Sonne beſtrahlt, von der Luft umſpült und vom Regen befeuchtet, und da er unten nur bis zum Fels hinabgeht, ſo hat er eine beſchränkte Dicke oder Mächtigkeit. Im Flachlande kann die Mächtigkeit 100 m und darüber betragen, im Gebirgslande be⸗ trägt ſie oft nur 1 m oder noch weniger. Stellenweiſe, nämlich dort, wo der nackte Fels zutage tritt, finden wir keinen„Boden“. Überall, wo Boden in der freien Natur vorkommt, ruht und lagert er auf dem Fels. Der Fels bildet die Unterlage, die Stütze des Bodens. Solange der Fels feſt und ſtill ſteht, ſteht auch der Boden ſtill und feſt. Fängt aber der Fels in der Tiefe an zu ſchwanken oder zu rucken, ſo ſchwankt und kracht auch der Boden.— Wenn wir uns am Meeresſtrande befinden, um ein Bad in der Salzflut zu nehmen, ſo ſtehen wir auf dem Boden. Schreiten 6 Begriff und Weſen des Grund und Bodens. wir in das Waſſer hinein, ſo kommen wir von dem Boden auf den Meeresgrund. Die Grenze zwiſchen beiden iſt eine„fließende“; aber nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauch, der meiſt den Nagel auf den Kopf trifft, hört der Boden dort auf, wo der Meeresgrund anfängt. Es iſt indeſſen klar, daß ſich Boden und Meeresgrund nur durch die jetzige Lage unterſcheiden. Ändert ſich die Lage, ſo wird der Boden zu Meeresgrund, der Meeresgrund zu Boden. Die Lage kann ſich ändern erſtens dadurch, daß der Meeresgrund ſich erhöht, oder zweitens durch Hebungen oder Senkungen des Feſt⸗ landes und des Meeresgrundes, oder drittens auf die Weiſe, daß der Meeresſpiegel allgemein oder nur an gewiſſen Küſten ſteigt, an anderen ſinkt. Derartige Naturereigniſſe haben in der Vergangenheit ſtatt⸗ gefunden, und ſie finden auch in der Gegenwart noch ſtatt, teils langſam und ſtetig, teils plötzlich oder ruckweiſe. Daß ſie auf die Verteilung von Meer und Land und auch auf das Flächenmaß von Boden und Meeresgrund von Einfluß ſind, liegt auf der Hand. Zur Erläuterung einige Beiſpiele. Tag für Tag, Jahr für Jahr, Jahrhundert für Jahrhundert kommt eine Erhöhung des Meeresgrundes auf dem Wege zuſtande, daß die Flüſſe den mitgeführten Schlamm an oder vor ihrer Mündung abſetzen. Beiſpiele: die Deltas der Donau, des Po, des Nils, des Ganges, des Miſſiſſippi uſw. Beiſpiele für Hebungen oder Trockenlegungen des Meeres⸗ grundes finden wir allgemein und überall. Der Boden des Deutſchen Reiches war noch in der Tertiärzeit größtenteils vom Meere bedeckt; ja, die Oberfläche ſämtlicher Kontinente bildete ehemals einen Teil des Meeresgrundes. Ein bekanntes Beiſpiel für die Hebung des Feſtlandes in der Gegenwart liefern uns die Küſten von Norwegen und Schweden. Auch an Beiſpielen für die Senkung des Feſtlandes beſteht kein Mangel. An der holländiſchen Küſte liegt ein Areal von 268 Quadratmeilen ſchon tiefer als der Meeresſpiegel; dieſe bedeutende Bodenfläche wird gegenwärtig noch durch künſtliche Eindeichungen vor dem Eindringen des Waſſers geſchützt; wahr⸗ ſcheinlich aber ſteht ihr dasſelbe Schickſal bevor, wie dem Zuider See, der erſt vor 600 Jahren, genauer im Jahre 1287, durch Einbruch des Meeres zum Meerbuſen geworden iſt. Dabei bleibt d ——=ͤ—— +△̈— „—ͤͤ ntliche wahr⸗ Zuider durch bleibt — 2. Wo finden wir den Boden? 7 es fraglich, ob die Niederlande wirklich ſinken. Die Überflutung des Zuider Sees konnte auch dadurch zuſtande kommen, daß mit dem Steigen von Schweden und Norwegen der Meeresſpiegel ſich hob.— Dagegen iſt die ganze Oſtküſte der Vereinigten Staaten mit ihren untergegangenen Wäldern und trichterförmigen Fluß⸗— mündungen tatſächlich in Senkung begriffen.— Ebenſo ſinkt die Südſpitze Grönlands langſam unter das Meer; über den Pfählen, an denen die eingewanderten Europäer ihre Kähne zu befeſtigen pflegten, und über den Ruinen verlaſſener Gebäude haben ſich die Waſſer bereits geſchloſſen.*) Im Vergleich zur Größe der Erdkugel ſind alle Hebungen und Senkungen der Oberfläche verſchwindend klein; aber ſchon relativ geringfügige Niveauveränderungen reichen hin, den Boden zu Meeresgrund, den Meeresgrund zu Boden zu machen. Bei den Binnengewäſſern wiederholen ſich in kleinerem Maß⸗ ſtabe dieſelben Vorgänge, oft unter Mitwirkung des Menſchen. Solange ein Seebecken bis zum Rande mit Waſſer gefüllt iſt, können wir in bezug auf die bedeckte Fläche von Boden nicht reden. Gelingt es aber, den Seeſpiegel zu ſenken, ſo wird oft eine aus⸗ gedehnte Bodenfläche gewonnen. Ein intereſſantes Beiſpiel hierfür finden wir am Lungernſee in der Schweiz, der im Jahre 1835 durch den Stollen am Kaiſerſtuhl, d. h. durch eine unterirdiſche Ableitung des Waſſers nach dem Sarnerſee, um die Hälfte verkleinert wurde. Der trocken gelegte Seegrund iſt zu Boden geworden. Teile des Seegrundes können ferner dadurch zu Boden werden, daß der Seegrund auf natürlichem oder künſtlichem Wege bis über den Waſſerſpiegel aufgefüllt wird. Ein Beiſpiel hierfür gewähren uns die Quaianlagen am Zürichſee, bei denen der See ſelbſt das Material zur Auffüllung hergeben mußte, indem der kreideweiſe Seeſchlamm durch die Baggermaſchine in Kähne gehoben und aus dieſen über die Spundwand hinweg in das umfangreiche Becken geſchafft wurde, in dem die Auffüllung vor ſich ging. Endlich können Landſeen teilweiſe oder gänzlich zuwachſen, in⸗ dem ſich der Seegrund durch hineingeführten Flußſchlamm oder durch Torfbildung bis über den Waſſerſpiegel erhöht. Beiſpiele: Zahlreiche Torfmoore in der Schweiz, in Norddeutſchland u. a. a. O. *) H. Credner, Elemente der Geologie, 1887, S. 174—182. 8 Begriff und Weſen des Grund und Bodens. Auch ein Flußbett kann zu Boden werden, wenn der Lauf des Waſſers eine künſtliche oder natürliche Verlegung erfährt. Beiſpiele: Flußkorrektionen, verbunden mit Durchſtechung der Serpentinen (Krümmungen), zur Sicherung des Bodens oder zur Beförderung der Schiffahrt. An alle dieſe Vorgänge müſſen wir uns erinnern, wenn wir uns die Frage beantworten wollen: Wo finden wir den Boden? Um aber in der Erſcheinungen Flucht einen feſten Punkt zu haben, ſchließen wir die Becken der Meere und Seen und die Betten der Flüſſe ſolange von dem Begriff des Bodens aus, wie ſie vom Waſſer bedeckt ſind. Denn es gehört zum Begriff und Weſen des Grund und Bodens, daß ſeine Oberfläche wirklich oben liegt, an der freien Luft, unter freiem Himmel.— Ebenſo haben wir den Gegenſatz zwiſchen Fels und Boden feſtzuhalten. Zwar arbeitet die Natur ununterbrochen darauf hin, die Felſen durch Zertrümmerung und Zerſetzung in Boden über⸗ zuführen, und die Natur kennt auch Mittel und Wege, den Boden wieder in Fels zu verwandeln. Aber trotz alledem dürfen wir uns nicht einbilden, Boden und Fels ſeien einerlei; wir müſſen uns viel⸗ mehr klar zu machen ſuchen, daß ſie zweierlei ſind. Wodurch unterſcheiden ſich Boden und Fels? Der Unterſchied beruht auf dem Gefüge: Fels iſt feſt ge⸗ fügtes Geſtein, Boden iſt loſe gefügtes Geſtein. Dieſen Unterſchied können wir uns am beſten zur Anſchauung bringen, wenn wir die Gegenſtände, von denen die Rede iſt, in geeigneter Weiſe mit Waſſer behandeln. Legen wir ein friſch ab⸗ gehauenes kleines Felsſtück in eine Schüſſel mit Waſſer, ſo bleibt es unverändert in Größe, Geſtalt und Gefüge. Ein Erdbrocken da⸗ gegen zerfällt und zerfließt im Waſſer meiſt ſchon von ſelbſt zu einem Brei, oder er wird wenigſtens ſchlüpfrig und geſchmeidig, ſo daß wir ihn mit einem Holzſtäbchen zerdrücken und zerteilen können. Daß die weniger feſt gebundenen Bodenarten(humoſer Sand, ſandiger Lehm uſw.) ſich ſo verhalten, iſt ohne weiteres einleuchtend. Überraſchend iſt es dagegen, daß auch der feſteſte,„ſteinhart“ ge⸗ trocknete Töpferton faſt augenblicklich im Waſſer zerfällt. Ich machte dieſe Beobachtung zum erſten Male Anfang der 1880er Jahre an einem hellgrau gefärbten, kalkhaltigen Töpferton A, den ich im Jahre 1870 bei Corbeil in Frankreich geſammelt und 2. Wo finden wir den Boden? 9 anfänglich in Papier, ſpäter in einer verſchloſſenen Glasflaſche auf⸗ bewahrt hatte. Haſelnußgroße, eckige Stücke dieſes Töpfertons zer⸗ fielen im Waſſer in Zeit von ½ Minute, förmlich lebendig werdend. — Ein anderer, dunkelgrau gefärbter, kalkarmer Töpferton B*), im Limmattal bei Zürich geſammelt und ſeit 1886 zuerſt im Keller und dann in einem Zimmerſchrank aufbewahrt, verhielt ſich im Jahre 1903 im weſentlichen ebenſo; doch zerfiel er bei weitem nicht ſo raſch wie Ton A, indem das Zerfallen erſt nach drei Minuten begann und nach und nach erfolgte. Im Jahre 1892 begann das Zerfallen bei Ton B erſt nach 10 Minuten. Das Zerfallen des Tons im Waſſer iſt eigentümlich; es macht den Eindruck, als ob kleinere oder größere, ſcharfkantige Brocken mit unſichtbaren Keilen abgeſpalten und nach zwei ſich rechtwinklig kreuzenden Richtungen immer weiter und weiter geſpalten werden. Am deutlichſten tritt dieſes eigentümliche Zerfallen bei dem Ton hervor, der in ſeinem natürlichen Gefüge ganz langſam und ſehr lange austrocknen konnte. Der Ton verliert dann ſein Hydratwaſſer. Wird er befeuchtet, ſo zieht er es mit Begier und unter Erwärmung wieder an ſich. Das plötzliche Zerfallen beruht alſo darauf, daß die Waſſerteilchen ſich mit Gewalt zwiſchen die Tonteilchen ſchieben, um ſich chemiſch mit ihnen zu verbinden. Feuchter Ton zerfällt ſelbſtverſtändlich nicht ſo im Waſſer; wenn wir ihn aber mit einem Rührſtabe oder mit einem Borſtenpinſel be⸗ arbeiten, ſo läßt er ſich gleichfalls in Schlamm zerteilen. Eine friſch geknetete Tonkugel, etwa von Haſelnußgröße, bleibt im Waſſer an⸗ ſcheinend unverändert; laſſen wir ſie einige Tage im warmen Zimmer austrocknen, bis ſie„ſteinhart“ geworden, ſo zerfällt ſie, ins Waſſer gelegt, in Zeit von 20 bis 50 Minuten. Bei einem Felsſtück, z. B. bei einem Bruchſtück von Schiefer, Granit, Sernifit uſw., geſchieht dies ſelbſt in Wochen und Monaten nicht, und auch das Umrühren uſw. hilft nichts. Steinſalz und andere weiche Mineralien verhalten ſich ebenfalls anders als Boden; ſie löſen ſich wirklich und vollſtändig im Waſſer. Der Boden dagegen löſt ſich nicht oder doch nur zum kleinen Teil, ſondern er zergeht nur im Waſſer, trübt es und ſetzt ſich nach längerer oder kürzerer Zeit daraus ab. *) Dieſer Ton zeigte bei der Prüfung mit Salzſäure keine Spur von Aufbrauſen. 10 Begriff und Weſen des Grund und Bodens. Was wir Boden oder Erde nennen, iſt demnach, im Gegenſatz zum Fels, eine Anhäufung von unzähligen kleinen Körnern oder Einzelkörpern, die ſo loſe aneinander gelagert ſind, daß ſie ſich im feuchten, oft auch ſchon im trocknen Zuſtande leicht voneinander trennen, aneinander verſchieben und in eine neue Lagerung, Anordnung oder Gruppierung bringen laſſen. Auf dieſen Eigenſchaften des Bodens beruht die Möglichkeit ſeiner Bearbeitung mit Spaten, Pflug, Grubber, Egge und Walze. Der Fels läßt ſich mit den landwirtſchaftlichen Geräten und Werk⸗ zeugen nicht bearbeiten, er iſt zu feſt gefügt. Suchen wir nach Ausdrücken, die uns, immer im Vergleich zum Fels, das loſe Gefüge des Bodens erklären, ſo ſtoßen wir auf die Begriffe: Lockerheit und Zerbrechlichkeit. Von dieſen beiden Begriffen iſt die Zerbrechlichkeit leichter zu verſtehen, weil wir ſie uns mit Hülfe der Sinne beſſer zum Bewußtſein bringen können. Unterhöhlen wir, wie es beim Ausſchachten von Braun⸗ kohlen vorkommt, den Boden auf größere Ausdehnung, ſo ſtürzt er ein und zeigt uns ſeine Zerbrechlichkeit im großen, verſuchen wir den Boden mit dem Spaten oder mit der Hand aufzunehmen, ſo zeigt er uns ſeine Zerbrechlichkeit im kleinen. Es gibt in der deutſchen Sprache keinen Ausdruck, der das Weſen des Bodens, im Gegenſatz zum Fels, kürzer, faßlicher und anſchaulicher bezeichnet als das Wort: Zerbrechlichkeit. Wir kommen daher bei der Erörterung der Frage: Wo finden wir den Boden? zu folgendem Schluß: Wir finden den Boden an der trocknen Erdoberfläche; er geht ſenkrecht hinab bis zum Fels und breitet ſich wagerecht aus vom Fels bis zum Meer. Mit anderen Worten: Der Boden bildet die dünne und zerbrechliche Decke des Erdballs, auf der wir gehen und ſtehen. 3. Woraus beiteht der Boden? Zu einer allgemeinen Beantwortung dieſer Frage gelangen wir, wenn wir an recht vielen verſchiedenen Stellen recht viele verſchiedene Böden unterſuchen und das Geſamtergebnis aller Einzelunterſuchungen in eine kurze Überſicht zuſammenziehen. Die Unterſuchung wird teils in der freien Natur, teils im ,5. ͤ=Sͤ ö— — nſat dern ind, unde din agen hkeit alze. Ler⸗ leich auf jeſen weil ngen aun⸗ t er chen men, t in dens, hnet nden iche, ſich rten: des mwir, liedene ungen z in 3. Woraus beſteht der Boden? 11 Laboratorium ausgeführt. Zur Ermittlung der Hauptbeſtandteile genügt meiſt ſchon ein aufmerkſames Anſehen und Anfühlen unter Mitbenutzung einer Lupe und einiger anderer Hülfsmittel, von denen ſpäter die Rede ſein wird. Für eine weitergehende, genauere Unterſuchung iſt die Zerlegung zweckmäßig ausgewählter Proben durch die mechaniſche und chemiſche Analyſe unter Mitbenutzung des Mikroſkopes erforderlich. Es hat keine Schwierigkeit, feſtzuſtellen, ob die körperliche Maſſe des Bodens, wie ſie in der Natur anſteht, 1. durchweg oder größtenteils aus feinem, oder ob ſie 2. durchweg oder größenteils aus grobem Material beſteht, oder ob ſie 3. ein Gemenge von feinem und grobem Material darſtellt. Das feine Material nennt man im gewöhnlichen Leben Erde, und dieſer Ausdruck iſt ſo übel nicht. Andere, erklärende Ausdrücke für dieſelbe Sache ſind: Feinerde, Feinboden, Reinerde, ſtaubförmige und abſchlämmbare Teile. Weniger paſſend, weil nicht allgemein richtig, iſt der Ausdruck Tonteile. Am meiſten hat von jenen Aus⸗ drücken noch das Wort Feinerde für ſich. Da aber auch dieſes Wort in verſchiedenem Sinne gebraucht wird, ſo ſchlage ich zur Bezeichnung des feinen Materials ein neues Wort vor, nämlich das Wort: Mollgeſtein. Für Mollgeſtein kann man auch ſagen: Mollboden, Mollbeſtandteile oder Moll⸗ ſubſtanz des Bodens, oder kurzweg Moll. Wenn man berücſſichtigt, daß ſich das feine Material durch das weiche oder ſanfte Anfühlen auszeichnet, ſo wird man dieſe neuen Ausdrücke zu⸗ treffend finden. Das grobe Material bezeichnet man, je nach der Größe der einzelnen Körner oder Körper, als Sand, Grand, Kies, Grus und Stein. Daneben ſind die Ausdrücke Schotter, Gerölle und Geſchiebe im Gebrauch. Ganz große„Findlinge“ oder Felsſtücke nennt man Blöcke, ſie haben zuweilen einen Längen⸗ und Querdurchmeſſer von 1—3 m, aber ſie ſind niemals feſtgewachſen, ſondern in die erdige Maſſe des Bodens loſe eingebettet, ſo daß ſie herausfallen, wenn man den Boden ſenkrecht abgräbt.„(Die Spitzen der feſtgewachſenen Felſen, die in den Boden hinaufragen, gehören nach S. 5 nicht zum Boden, ſondern zum Gebirgsmaſſiv.)— Will man das ſämtliche grobe Material mit einem einzigen Ausdruck zuſammenfaſſen, ſo kann man ſich des Wortes Durgeſtein 12 Begriff und Weſen des Grund und Bodens. bedienen. Dies Wort iſt als Gegenſatz von Mollgeſtein allgemein verſtändlich und allgemein richtig, weil auch die groben und feinen Sande trotz ihrer Kleinkörnigkeit wegen ihres rauhen oder ſcharfen Anfühlens im eigentlichen Sinne des Wortes nichts anderes ſind als Durgeſtein. Für Durgeſtein kann man auch ſagen: Durboden, Durbeſtandteile oder Durſubſtanz des Bodens, oder kurzweg Dur. Anſtatt: Der Boden beſteht aus grobem und feinem Material kann es kurz heißen:„Der Boden beſteht aus Dur und Moll.“ Mir ſcheint das nicht bloß kurz, ſondern auch ſprachlich und ſachlich richtig und verſtändlich zu ſein. Dagegen iſt der Ausdruck Skelett, Bodenſkelett, den einige wollen, nicht bloß überflüſſig, ſondern auch ſachlich unrichtig. Man verdeutſche nur das Wort Skelett in Knochengerüſt, um ſich ſofort zu überzeugen, daß das gröbere Geſtein im Boden durchaus nichts Derartiges bildet. Nicht die Steine tragen oder ſtützen den Boden, ſondern Steine und Erde bilden zuſammen den Boden, und Steine und Erde zuſammen werden getragen und geſtützt von dem Fels; die felſenfeſte Erdrinde iſt die Unterlage oder, beſſer geſagt, das Kugelgewölbe, auf dem der Boden ruht. Wir ſagen alſo, der Boden beſteht entweder 1. aus Moll⸗ geſtein(z. B. Ton), oder 2. aus Durgeſtein(z. B. Kies), oder 3. aus Moll⸗ und Durgeſtein(z. B. grandiger Lehm). Das grobe Durgeſtein läßt ſich, wenn wir es mit dem Hammer zerſchlagen, um den friſchen Bruch zu ſehen, mineralogiſch meiſt ohne Schwierigkeit näher beſtimmen als Trümmer, Körner oder Splitter von Quarzfels, Granit, Porphyr, Gneis, Glimmerſchiefer, Grünſtein, Baſalt, Tonſchiefer, Grau⸗ wackenſchiefer, Kalk uſw. Damit gewinnen wir zugleich einen Einblick in die ſtoffliche Zuſammenſetzung der Felstrümmer oder „Steine“ des Bodens, weil die chemiſchen Beſtandteile der ver⸗ breiteten Geſteins⸗ oder Gebirgsarten bekannt ſind. Dasſelbe gilt für die einzelnen Mineralien und Kriſtalle: Quarz, Feldſpat, Glimmer, Augit, Hornblende, Gips, Kalk, Talk uſw., die bei dem Zerfall der Felſen mehr oder weniger unverändert in die Bodenmaſſe gelangen, zuweilen auch durch Kriſtalliſation in der Maſſe des bereits abgelagerten Bodens neu entſtehen, wie z. B. die Gipskriſtalle im Tertiärton. Auch die Kalkknollen(Lößkindel) im ſonſt ſteinfreien Lößboden, und die Knollen oder Bänke von —ꝑ— 2 SͤSͤͤ —̃——,—„2 ͤ— 3. Woraus beſteht der Boden? 13 Raſeneiſenſtein im ſteinfreien Sandboden entſtehen nachträglich in der fertig gebildeten Bodenmaſſe. Bei dem feinen Mollgeſtein, das in der Regel ein Ge⸗ menge von verſchiedenartigen Subſtanzen darſtellt, iſt die Unter⸗ ſuchung nicht ſo leicht zu bewerkſtelligen wie bei dem groben Dur⸗ geſtein. Es iſt bis jetzt nicht gelungen, das Mollgeſtein auf mechaniſchem Wege ſo zu zerlegen, daß man die einzelnen Ge⸗ mengteile getrennt nebeneinander hat. Dagegen kann man mit einer mehr oder weniger weit ausgedehnten chemiſchen und mikroſko⸗ piſchen Unterſuchung dahinter kommen, daß das Mollgeſtein aus Tonpartikeln, Kalk⸗ oder Kreideſtaub, Kieſelmehl und Humusteilchen beſteht. Bald ſind alle dieſe Gemengteile ver⸗ treten, bald fehlt der eine oder andere von ihnen. Mit Hülfe der chemiſchen Analyſe kann man auch die näheren Beſtandteile des Mollgeſteins ermitteln, von denen Kieſelſäure, Tonerde, Kalk⸗ erde, Magneſia, Kali, Natron, Eiſen⸗ und Manganoxyd, Phosphorſäure, Schwefelſäure, Chlor und Fluor die häufigſten und inſofern auch die wichtigſten ſind, als ſie den Pflanzen die mineraliſchen Nährſtoffe(Aſchenbeſtandteile) liefern, oder doch indirekt an der Ernährung der Pflanzen beteiligt ſind. Indirekt wirkt namentlich die Tonerde, die nicht als Nährſtoff in die Pflanzen übergeht, aber trotzdem in hervorragendem Maße zur Fruchtbarkeit des Bodens beiträgt, und zwar in Form von Ton. Der Ton— eine chemiſche Verbindung von waſſerhaltiger, kieſelſaurer Tonerde mit Beimengungen von überſchüſſiger Kieſelſäure, Eiſen⸗ und Manganoxyd, Kalk und Magneſia— iſt der weſentliche und charakteriſtiſche Beſtandteil der Tonböden. Auch in den Lehmböden, Mergelböden und lehmigen Sandböden bildet der Ton einen weſentlichen Beſtandteil. Eine beſondere Berückſichtigung verdient die Humusſubſtanz des Bodens. Streng genommen iſt ſie in den Mollbeſtandteilen des Bodens enthalten. Wir können aber der Einfachheit und Kürze wegen auch die Reſte von Pflanzen und Tieren(z. B. die noch nicht völlig verweſten Leichen der Regenwürmer und Inſekten, der Mäuſe und Maulwürfe, ſowie die noch kenntlichen Überbleibſel der Stoppeln und Wurzeln, der abgefallenen Blätter und Stengel, des Stallmiſtes und Gründüngers) zu der Humusſubſtanz des Bodens rechnen, da alle dieſe Dinge bei ihrer Vermoderung im Boden zu 14„Begriff und Weſen des Grund und Bodens. Humus werden. Wir vermeiden dabei abſichtlich den Ausdruck„or⸗ ganiſche Subſtanz“, um das Lebendige und das Tote auseinander⸗ zuhalten. Naturgemäß finden wir die Humusſubſtanz hauptſächlich in dem dunkler gefärbten Obergrunde, während der heller gefärbte Untergrund in der Regel nur geringe oder ſehr geringe Mengen von ihr aufweiſt. Doch kommen Ausnahmen von dieſer Regel vor (z. B. bei der ruſſiſchen Schwarzerde). Ganz frei von Humus⸗ ſubſtanz iſt der Untergrund ſchon deshalb gewöhnlich nicht, weil ein Teil der in den Untergrund hinabwachſenden Pflanzenwurzeln da⸗ ſelbſt verweſt, und weil die im Boden lebenden Tiere Röhren in den Untergrund bohren und ihre Exkremente uſw. in ihnen ab⸗ ſetzen. Immerhin beſteht der Boden, ſowohl im Obergrund wie im Untergrund, in der Mehrzahl der Fälle überwiegend aus Mineral— ſubſtanz, indem die Humusſubſtanz ganz zurücktritt oder doch nur einige Prozent von dem Gewicht des Bodens ausmacht. Nur bei gewiſſen Böden herrſcht die Humusſubſtanz dem Gewichte oder wenigſtens dem Raume nach ſowohl im Ober⸗ wie im Untergrunde vor. Danach können wir die in der Natur vorkommenden Böden in drei Abteilungen bringen: 1. Mineralböden(z. B. reiner Sand). 2. Humushaltige und humoſe Mineralböden(z. B. humoſer Lehm). 3. Humusböden(z. B. Torf). Wie überall in der Natur, ſo finden wir auch zwiſchen dieſen drei Abteilungen alle möglichen Zwiſchenſtufen und Übergänge. Der Humus iſt eine verwickelt zuſammengeſetzte Maſſe und eine ſehr leicht zerſtörbare Subſtanz. Er verbrennt im Feuer, zer⸗ ſetzt ſich aber auch bei genügendem Luft⸗ und Waſſerzutritt, unter Mitwirkung kleiner Lebeweſen, in Kohlenſäure, Waſſer und Ammoniak, um ſchließlich bei vollſtändiger Zerſetzung nichts zurückzulaſſen, als die mollig-feinerdigen, aus den vermoderten Pflanzen⸗ und Tier⸗ leichen herſtammenden Aſchenbeſtandteile, die ihrerſeits ebenfalls fort und fort verſchwinden, indem ſie von den lebenden Pflanzen auf⸗ gezehrt werden. Da der Humus aber auf dem pflanzentragenden Boden immer von neuem entſteht, ſo iſt jederzeit, namentlich im Obergrunde, ein gewiſſer Humusvorrat vorhanden. Ebenſo ſind jederzeit die Zerſetzungsprodukte des Humus vorhanden. Es gehören mithin nicht bloß die Humusſubſtanzen ſelbſt, ſondern auch ihre 3. Woraus beſteht der Boden? 15 Zerſetzungsprodukte: Kohlenſäure, Waſſer und Ammoniak nebſt der Aſche zu den Beſtandteilen des Bodens. Waſſer kommt überdies mit jedem Regen und mit jedem anderweitigen Niederſchlag in den Boden. Es geht aus dem Boden fort, teils nach unten, teils nach oben, fällt aber immer wieder vom Himmel zur Erde herab, und in den Zuſtand abſoluter Trocken⸗ heit gelangt der Boden höchſtens nur vorübergehend, in unſerem gemäßigten Klima vielleicht niemals. Jedenfalls ſind wir berechtigt, das wirklich im Boden befindliche Waſſer zu den Beſtandteilen des Bodens zu rechnen, und zwar denken wir dabei weniger an das Grundwaſſer, als vielmehr an die in den Poren des Bodens ſitzende und den Bodenteilchen äußerlich anhaftende Feuchtigkeit. Mit demſelben Recht können wir auch die im Boden befindliche Luft zu den Beſtandteilen des Bodens zählen. Daß Luft ſich wirklich im Boden befindet, ergibt ſich aus dem Gefüge des Bodens ohne weiteres. Da der Boden nämnlich nicht eine völlig dichte, ſondern ganz ähnlich wie die Krume des Brotes, eine löchrige, lückige oder höhlige Maſſe darſtellt, ſo müſſen die Hohlräume, die das Waſſer freiläßt, ſelbſtverſtändlich mit Luft gefüllt ſein. Waſſer und Luft verteilen ſich ſo im Boden, daß das Waſſer die kleineren, die Luft die größeren Hohlräume einnimmt; jedoch wird auch ein Teil der Luft im Waſſer aufgelöſt. Will man ſich näher vor Augen führen, daß der Boden in der Tat Luft enthält, ſo braucht man nur einen ausgetrockneten Lehmbrocken in ein mit Waſſer gefülltes Glas fallen zu laſſen; man ſieht dann die Luftblaſen aufſteigen, und zwar um ſo reichlicher, je ſtärker der Lehmbrocken vorher ausgetrocknet war. In der freien Natur ſteht die Bodenluft mit der äußeren Luft in fortwährendem oder doch oft wiederholtem Austauſch. Schon durch den Wechſel von Tag und Nacht(Temperaturdifferenzen uſw.) wird dies bedingt, noch mehr aber durch den Wechſel von Regen und Sonnenſchein. In Zeiten der Trockenheit dringt die äußere Luft, die unter einem mittleren Druck von 720 mm Queckſſilber ſteht, in alle Hohlräume des Bodens ein, aus denen das Waſſer durch die Wurzelhaare aufgeſaugt oder durch einfuache Verdunſtung fort⸗ geſchafft worden iſt. In Zeiten der Näſſe wird die Bodenluft durch das eindringende Waſſer aus den groößeren und kleineren Lücken des Bodens nach außen verdrängt; ſobald aber das in den größeren Hohlräumen verſinkende und verſickernde Waſſer Platz macht, folgt 16 Begriff und Weſen des Grund und Bodens. die äußere Luft auf dem Fuße nach. Der Boden bekommt ſo ab⸗ wechſelnd Luftbäder und Waſſerbäder; nur dem verſumpften Boden wird dieſe Wohltat nicht zuteil, weil in ihm alle Hohlräume, kleine und große, fortwährend mit Waſſer gefüllt ſind. In ihrer Zuſammenſetzung ähnelt die Bodenluft der freien atmoſphäriſchen Luft. Dieſe iſt in der Hauptſache ein Gasgemenge von Stickſtoff, Sauerſtoff, Kohlenſäure und Waſſergas Dieſelben Gaſe haben wir auch in der Bodenluft zu erwarten, jedoch iſt dieſe, namentlich in dem humushaltigen und gedüngten Kultur⸗ boden, ärmer an Sauerſtoff, dafür reicher an Kohlenſäure, weil bei den im Boden vor ſich gehenden Zerſetzungsprozeſſen Sauerſtoff ver⸗ braucht, Kohlenſäure erzeugt wird. Die Ammoniakſalze(kohlenſaures, ſalpetrigſaures und ſalpeterſaures Ammoniak), die in geringer Menge in der atmoſphäriſchen Luft vorkommen, werden mit dem Regen uſw. niedergeſchlagen und im Boden in ſalpetrigſauren und ſalpeterſauren Kalk und in kohlenſaures Ammoniak umgeſetzt. Sowohl dieſes als auch jenes kohlenſaure Ammoniak, das bei der Verweſung der pflanzlichen und tieriſchen Subſtanz des Bodens entſteht, wird von der tonigen Feinerde begierig abſorbiert und feſtgehalten, um jedoch bald eine eigentümliche Zerſetzung und Umwandlung zu erfahren. Die Ammoniakſalze werden nämlich durch äußerſt kleine, im Boden befindliche Lebeweſen beſtimmter Art in ſalpetrigſaure Salze(Nitrite) übergeführt, die ihrerſeits durch Vermittlung kleiner Lebeweſen anderer Art ziemlich raſch in ſalpeterſaure Salze(Nitrate) übergehen. Die Klarlegung dieſes intereſſanten und wichtigen Zuſammen⸗ hangs von Tatſachen haben wir Winogradsky zu verdanken.*) Ich frage nun jetzt, um immer ſtreng bei der Sache zu bleiben: Gehören die betreffenden kleinen Lebeweſen, die ſog. Salpeter⸗ fermente, zu den Beſtandteilen des Bodens oder nicht? Der Geolog und Mineralog wird dieſe Frage wahrſcheinlich verneinen der Chemiker, Phyſiolog und Landwirt wird ſie wahrſcheinlich bejahen. Schon länger wiſſen wir, daß außer den eben berührten auch noch ganz anders geartete kleine Lebeweſen im Boden vorkommen, die in den Wurzelknöllchen der ſtickſtoffſammelnden Pflanzen zur *) E. Schulze hat im„Landw. Jahrbuch der Schweiz“, 1891, S. 82- 85, über die Arbeiten Winogradskys kurz referiert. 3. Woraus beſteht der Boden? 17 Entwicklung gelangen und die Bindung und Nutzbarmachung des freien Stickſtoffs beſorgen oder vermitteln. Nach ihrem Entdecker Beyerinck nennt man dieſe Lebeweſen Wurzelbakterien, und es iſt wahrſcheinlich, daß jede der ſtickſtoffſammelnden Pflanzen⸗ arten: Bohnen, Erbſen, Wicken, Lupinen, Serradella, Klee, Luzerne, Eſparſette uſw. ihre eigene Art oder Varietät von Wurzelbakterien beſitzt und verlangt. Dieſe Wurzelbakterien gehören, ſofern und ſoweit ſie im Boden liegen, ebenſo zu den Beſtandteilen des Bodens, wie die frei in der Muttererde lebenden Bodenbakterien, von denen gewiſſe Arten bei Luftzutritt, andere bei Luftabſchluß ihre ſtickſtoffbindende Tätigkeit entfalten, um die Gräſer und andere Stickſtofffreſſer mit Stickſtoff⸗ nahrung zu verſorgen. Dasſelbe gilt von den wiederum anders und unter ſich ver⸗ ſchieden gearteten kleinen Lebeweſen, die an der Zerſetzung der pflanzlichen und tieriſchen Subſtanz des Bodens beteiligt, ziemlich unbeſtimmt und ſummariſch als Fäulnis- und Verweſungs— erreger bezeichnet werden. Nur der Spezialforſcher vermag dieſe kleinen Organismen zu unterſcheiden und auseinanderzuhalten; der Laie kann ſich einen Begriff von ihrer Menge machen, wenn er erfährt, daß Burri in je 1 g friſcher, feuchter Erde von Acker⸗, Garten⸗ und Wieſenland 3 800 000 bis 16 000 000 Mikroorganismen gefunden hat. Die vorſtehend genannten kleinen Lebeweſen ſind nützliche; es gibt aber auch ſchädliche. Von dieſen erinnern wir an die Sporen der gefährlichen Brandpilze, die, wie Brefeld zuerſt nachgewieſen, längere Zeit lebensfähig im Boden verweilen. Es ſchließen ſich unmittelbar an: die kleinen tieriſchen Feinde unſerer Kulturpflanzen, z. B. die von Julius Kühn näher er⸗ forſchten RKübennematoden, Weizenälchen, Roggenälchenuſw., die ſo ſehr Beſtandteile des Bodens werden können, daß ſie den Boden förmlich verſeuchen. Es ſchließen ſich weiter an: die ſchädlichen Engerlinge, die ſich während ihres einige Jahre dauernden Larvenzuſtandes im Boden aufhalten, und die nützlichen Regenwürmer, die ihr ganzes Leben im Erdboden zubringen und ſo ſehr mit ihm eins ſind, daß man ſie nicht bloß im Boden, ſondern auch den Boden in ihnen findet, uſw. ☛ Nowacki, Bodenkunde. 6. Auflage. 2. 18 Begriff und Weſen des Grund und Bodens. Wollte man gegen dieſe Darſtellung einwenden, daß man nur das zu den Beſtandteilen des Bodens rechnen dürfe, was bleibend und beſtändig in ihm iſt, ſo läßt ſich erwidern, daß der Boden dann überhaupt keine Beſtandteile hat. Denn ſelbſt die Mineral⸗ ſubſtanz des Bodens iſt durchaus nicht bleibend und beſtändig. Nicht allein die Humusſubſtanz, ſondern auch die Mineralſubſtanz des Bodens zerſetzt ſich fortwährend, zum Teil ohne, zum Teil mit Beihülfe gewiſſer Lebeweſen. Das Waſſer führt jahraus jahrein, auch in der Ebene, teils oberirdiſch, teils unterirdiſch die Mineral⸗ beſtandteile fort. Der Wind entführt feine Sand⸗, Ton⸗ und Kalk⸗ teilchen in Form von Staub von unſeren Feldern. Mit den ge⸗ ernteten Pflanzen führen wir alljährlich eine gewiſſe Menge Mineral⸗ ſubſtanz vom Felde fort. Allerdings führen wir, wenn wir ordent⸗ lich wirtſchaften, auch wieder Mineralſtoffe zu, aber dieſer Umſtand dient nur zur Beſtätigung unſerer Auffaſſung, daß der Boden auch in ſeinem Mineralbeſtande nicht etwas Bleibendes iſt, ſondern im Gegenteil etwas Veränderliches und Vergängliches. Aus dem Be⸗ reich der Natur kann freilich kein Stoffatom verſchwinden, wohl aber aus dem Bereich eines Gutes oder eines Landes. Die Mineralſtoffe, die der Rhein im gelöſten oder ſchwebenden Zuſtand bei Baſel abwärts führt, ſind für die Schweiz unwiederbringlich verloren und verſchwunden. Betrachten wir den Boden vom Standpunkt des Geologen und Mineralogen, ſo werden wir ſagen: Der Boden beſteht aus Mineraltrümmern, er iſt im weſentlichen nichts anderes als eine Anhäufung von loſem Geſtein. Betrachten wir den Boden vom Standpunkt des Phyſiologen und Landwirts, ſo werden wir finden: Der Boden ſtellt, im Gegenſatz zum Fels, eine loſe gefügte Maſſe dar, in der größere und kleinere bis verſchwindend kleine Geſteinstrümmer mit Mineralſalzen, Humusſubſtanzen, Waſſer, Luft, pflanzlichen und tieriſchen Lebeweſen zu einem in ſich beweglichen und veränderlichen Ganzen vereinigt ſind. Je weiter nach oben, deſto mehr wird die Maſſe lebendig, bis die Keime, die in ihr liegen, die Köpfchen und Armchen hervorſtrecken und unter den Strahlen der Sonne größer und größer werdend uns Blumen bringen und Früchte. — voll um ihre 301 88 Ste hen Erd det abhe auf Bei Mo Eben der denn bei (6 veth Die Entſtehung des Srund und Bodens. Langſam erſtarrt und erkaltet des Erdballs glühende Kruſte, Und in dem irdiſchen Stoff regt ſich der himmliſche Keim. Wechſelnd in ewigem Fluß folgt ein Geſchlecht nach dem andern, Als der Menſch erſchien, fand er die Tafel gedeckt. Wie die Bewohner ſich mehrten, da mußten ſie pflanzen und ſchaffen, Grund und Boden iſt da, ſehen wir zu, wie er ward. Die Erde iſt ein Stern unter Sternen. Jahr für Jahr vollführt ſie zwiſchen Venus und Mars ihre vorgeſchriebene Reiſe um die Sonne. Dabei dreht ſich die Erde alle 24 Stunden um ihre eigene Achſe, während die Umlaufszeit des Mondes weder 30 noch 31, auch nicht 28 oder 29, ſondern nahezu 27 Tage und 8 Stunden beträgt. Es iſt nicht überflüſſig, hieran zu erinnern. Wollen wir unſre Stellung in der Natur erkennen, dann müſſen wir den Blick nach oben richten. Sonne und Mond, ſie ſind es, die das Leben auf der Erde regeln, leiten und beherrſchen. Man denke nur an den Wechſel der Jahreszeiten, der von der Stellung der Erde zur Sonne abhängt, und an den Wechſel der Gezeiten(Ebbe und Flut), der auf der Stellung des Mondes und der Sonne zur Erde beruht. Bei den Gezeiten überwiegt der Einfluß des kleinen und kalten Mondes den der Sonne, weil der Mond der Erde näher ſteht. Ebenſo erklärt ſich aus der Anziehung vonſeiten des Mondes und der Sonne der Kreislauf des Waſſers und der ſog. Wurzeldruck, denn die Verdunſtung, die dieſen wie jenen bedingt, vollzieht ſich bei jeder Temperatur. In trockner Luft verdunſten Schnee und Eis ebenſowohl wie Tropfen, Wellen und Wolken. Die Erde ſelbſt verhält ſich demgegenüber paſſiv, aktiv dagegen inſofern, als ſie, von 2* 20 Die Entſtehung des Grund und Bodens. den Strahlen der Sonne erwärmt, die Stätte und den Stoff zur Beherbergung und Ernährung der Lebeweſen darbietet, und natür⸗ lich auch inſofern, als ſie durch ihre eigne Schwere und Anziehung ſich zwiſchen Sonne und Mond, Venus und Mars im Gleich⸗ gewicht erhält. Denn alle dieſe und die unzähligen andern Himmelskörper, von denen wir in ſternheller Nacht nur einen kleinen Teil überblicken, ſie ſchweben und ſie bewegen ſich nach beſtimmten Geſetzen in dem Weltraum, und der Weltraum iſt erfüllt von dem AÄther, der nach der alten Theorie ein kraftbegabter, unwägbarer, alles durchdringender Stoff von unendlicher Feinheit. In neuerer Zeit hat Walter Ritz„Die Grundlagen der Elektrodynamik viel unterſucht, und er kam dazu, die Exiſtenz eines Athers zu verwerfen.“ Es iſt aber kaum denkbar, daß der Welt⸗ raum abſolut leer ſei. Mit der Gravitation allein kommen wir nicht aus. Es muß ein kraftbegabter Stoff vorhanden ſein, der die Welt in ihrem Bau zuſammenhält und— auseinanderhält. Ein Stoff, der den Pflanzen, Tieren und Menſchen mit den Sonnenſtrahlen die Kraft zum Leben übermittelt. Ein Stoff, der die Keime liefert zur Belebung der Erde und der andern Himmelskörper. Je mehr ſich mit ihr erklären läßt, deſto wahrſcheinlicher wird die Hypotheſe von dem Daſein des AÄthers. Aus dem Nichts kann weder eine Sonne noch eine Blume entſtehn. Vielmehr iſt der Weltäther das Energiereſervoir, aus dem alle Materie ihren Ur⸗ ſprung herleitet. Daß der AÄther unwägbar, beweiſt nichts gegen ſeine Exiſtenz. Licht und Elektrizität ſind auch unwägbar, und was ſind das für gewaltige Kräfte! Ihre Stofflichkeit verſteht ſich von ſelbſt. Kein Stoff ohne Kraft und keine Kraft ohne Stoff. Denken wir uns ſämtliche Himmelskörper aufgelöſt in Atome, ſie würden den Weltraum nicht füllen. Folglich iſt die Behauptung nicht von der Hand zu weiſen: Die Geſamtheit der anorganiſchen und organiſchen Welt ſtammt aus dem AÄther. Den Urſprung der Lebeweſen führen die Gelehrten zurück auf die Urerzeugung, Generatio aequivoca. Im Widerſtreit hiermit ſtehen die Sätze: Alles Lebende aus dem Ei, omne vivum ex ovo, und omne vivum e cellula, alles Lebende aus der Zelle. Der Widerſpruch löſt ſich durch die Annahme: Omne vivum ex aethere Die Entſtehung des Grund und Bodens. 21 aeterno et universo: Der ewige Weltäther iſt es, der die Keime der Lebeweſen hergibt. Dieſe Annahme hat nichts weiter zur Vorausſetzung, als die unendlich feine Verteilung von Stoff und Kraft, eine Annahme, die durch die Erſcheinungen der Vererbung geſtützt wird. Wie un⸗ endlich fein muß die Verteilung ſein, wenn wir wiſſen, daß ein einziger Menſch innerhalb hiſtoriſcher Zeit Millionen von Nach⸗ kommen haben kann, und dabei genügt zur Befruchtung des weib⸗ lichen Ovulums ein Samenkörperchen von mikroſkopiſcher Kleinheit. Die Tatſache, daß es jetzt auf Erden keine Urerzeugung mehr gibt, läßt ſich mit dem Hinweis begründen, daß die Bedingungen für die erſte Entſtehung der Lebeweſen nur in jener Zeit gegeben waren, als die Kruſte des Erdballs aus dem feurig⸗flüſſigen in den Zuſtand des brodelnden Urbreis überging. Der günſtigſte Zeitpunkt für die Urerzeugung aus den ätheriſchen Keimen war gekommen, als Luft und Waſſer ſich differenzierten und voneinander ſchieden. Daß dies unter dem Eingriff der Elektrizität mit ſolch elementarer Gewalt ſich vollzog, wie nachher nie wieder, das wird uns ſofort klar, wenn wir bedenken, daß ſich das geſamte Waſſer aus der Atmoſphäre niederſchlug. So entſtehen Meer und Land. Es wird Licht. Regen, Luft und Sonnenſchein befruchten die Erde. Und in dem irdiſchen Stoff regt ſich der himmliſche Keim. 3 Wechſelnd in ewigem Fluß folgt ein Geſchlecht nach dem andern, und da kein Lebeweſen dem andern gleicht, auch nicht unter den nächſten Verwandten, ſo iſt nicht ausgeſchloſſen, daß der Welt⸗ äther die Erzeugung und Entwicklung fort und fort be⸗ einflußt, indem er alle Zellen des Pflanzen⸗ und Tier⸗ leibes, alſo auch die Kerne und Elemente der Fort⸗ pflanzungszellen durchdringt und verändert. Damit hätten wir eine Erklärung für die ſonſt rätſelhaften, inneren Urſachen der Variabilität gewonnen. Als Reſultat würde ſich eine ſtetige Anpaſſung an die veränderlichen Lebensbedingungen und eine allmähliche Vervollkommnung des Einzelweſens und der Geſamtheit ergeben. Lebeweſen, die ſich nicht anpaſſen können, ſterben aus. Die Starken ſiegen, die Schwachen unterliegen. So iſt das ſcheinbare Chaos wohlweislich geordnet. Die atmoſphäriſche Luft, die wir mit jedem Atemzuge in uns 22 Die Entſtehung des Grund und Bodens. aufnehmen, iſt ſo fein verteilt, daß wir mit unſern leiblichen Augen weder von Stickſtoff und Sauerſtoff, noch von Kohlenſäure und Waſſergas etwas ſehen, und das iſt ſehr zweckmäßig, ſonſt würde die Erde, von Finſternis umhüllt, nicht in der Lage ſein, den Lebe⸗ weſen als Wohnſtätte zu dienen. Noch feiner als die Luft iſt der Äther. Durch den luftleeren, mit Glas und Queckſilber abgeſperrten Raum im Barometer ſpielen die Wellen des Äthers wie die Sonnenſtrahlen durch die Fenſter⸗ ſcheibe. Das Licht, das in uns leuchtet, verdanken wir dem Ather. Wenn er in uns und wir in ihm, dann wird es uns ver⸗ ſtändlich, daß wir ſeine Offenbarung begreifen und uns ſelbſt erkennen. Die Selbſterkenntnis deckt ſich mit der Welterkenntnis. Denken wir uns den Weltäther als die verkörperte Weltſeele, ſo iſt alles klar und durchſichtig, verwerfen wir den Ather, ſo wandeln wir im finſtern Tal. Unſer Wiſſen iſt Stückwerk. Das Höchſte aber, was der Menſch hat, iſt das Ringen nach Wahrheit, und der Trieb dazu ſtammt aus dem unerſchöpflichen Ather, aus dem alles entſteht, in dem alles vergeht, Weil alles in ewigem Wechſel ſich dreht, Umkreiſend den Stern, der im Mittelpunkt ſteht. Dieſer Satz gilt für die Erde und ihren getreuen Begleiter, er gilt für die 8 großen und 88 kleinen Planeten unſeres Sonnen⸗ und Planetenſyſtems, er gilt für die Geſamtheit der unzähligen Himmelskörper. Sie alle ſchweben frei im AÄther, indem ſie ſich um ihre Achſe drehn, denn die Schwerkraft oder Gravitation iſt die bekannte, aber oft verkannte, allgemeine Naturkraft, die den Rieſen⸗ bau der Welt in Einigkeit und Harmonie geſtaltet, ordnet und zu⸗ ſammenhält. Wir nehmen an, daß die Erde nebſt den übrigen Planeten und ihren Trabanten von der rotierenden Sonne abgeſchleudert, aber doch von ihr angezogen und gehalten wurde und immer noch ge⸗ halten wird, eben durch die Kraft der Gravitation. Wir können uns vorſtellen, wie die feurig⸗flüſſige Erdkugel infolge ihrer eigenen Rotation und Gravitation und infolge der Anziehung von ſeiten der Sonne und des Mondes an den Polen ſich abplattete, am AÄquator ſich hob, und wir können verſtehen, wie eine gewiſſe Schicht des Erdballs infolge der Abkühlung in dem kalten Weltraum kruſten⸗ Die Entſtehung des Grund und Bodens. 23 artig erſtarrte. Indem die Kruſte ſich zuſammenzog, bekam ſie Riſſe, durch die die glühende Lava hervorquoll, und die Hitze trieb die leichteren Gaſe in die Atmoſphäre zurück, während die ſchwereren Stoffe: Platin, Gold, Blei, Eiſen ſich zum Erdkern verdichteten. Dieſe Vorgänge wiederholten ſich ſolange, bis ſich der Dampf von der Luft ſcheiden und als flüſſiges Waſſer in den Vertiefungen ſammeln konnte. Damit erreichte die geologiſche Entwicklung einen wichtigen Wendepunkt, denn jetzt kamen neben den plutoniſchen vor⸗ zugsweiſe die neptuniſchen und meteoriſchen Einflüſſe zur Geltung. Von großer Bedeutung iſt die von Heinrich Wehner erkannte und begründete Theorie, daß der Erdkern und die Erdrinde erſtarrt ſind, während die dazwiſchen liegende Magmaſchicht ſich im zäh⸗ flüſſigen Zuſtande befindet. Sie kann nicht feſt werden, weil Kern und Rinde ſich verſchieben. Die Verſchiebung kommt dadurch zu⸗ ſtande, daß der Kern in der täglichen Rotation um ein ſehr kleines Maß hinter der Rinde zurückbleibt. In dem Zeitraum von 952 Jahren ergibt ſich eine volle Mehrrotation der Rinde. Hiernach erſcheint das Innere unſerer Erde wie eine Mühle, die fortwährend mahlt, und die zähflüſſige Zwiſchenſchicht zwiſchen Kern und Rinde bildet, ſozuſagen, das Mahlprodukt und zugleich das Schmiermaterial zur Verminderung der Reibung in der rieſigen Kugelmühle. Nun iſt die Kernoberfläche ebenſo mit Erhebungen und Ein⸗ buchtungen beſetzt, wie ſie die Erdrinde in ihren Meeren und Ge⸗ birgen außen aufweiſt und wie ſie Geſtaltungen ähnlicher Art auch innen tragen muß. Wandern bei der Verſchiebung des Kerns und der Rinde die Unebenheiten aneinander vorüber, dann wird allemal dort, wo eine Kernrunzel ſich einer beſonders brüchigen, innen ver⸗ worfenen oder gefalteten Rindenſtelle nähert, der Magmendruck der flüſſigen Zwiſchenſchicht ſich ſteigern und je nach den Umſtänden die Rinde irritieren: ſie biegend ſpannen, zum Berſten bringen, Ver⸗ werfungen verurſachen, bei Waſſerſturz in große Tiefen vulkaniſche Ausbrüche zeitigen, uſw. Damit ſind die geologiſchen Verhältniſſe auf eine neue Grund⸗ lage geſtellt, und es ergibt ſich die praktiſch wichtige Erkenntnis, daß die gefährdeten Gegenden in gewiſſen Perioden immer wieder von Erdbeben und Eruptionen betroffen werden. Inzwiſchen ſetzte auch die Bodenbildung ein, wie wir ſie aus der Erfahrung kennen. Denn ähnlich wie der Kriſtall heute 24 Die Entſtehung des Grund und Bodens. noch in derſelben Geſtalt wie vor 100 000 Jahren aus der Mutter⸗ lauge entſteht, ſo entſtand der Boden in der Vorzeit nach denſelben Geſetzen wie in der Gegenwart. Nach Girard“) iſt der Boden zerſtörtes, altes Geſtein auf dem Wege zur Bildung neuer Geſteine. Ich hoffe dieſe Worte richtig zu verſtehen, wenn ich ſie dahin deute: Der Fels wird zu Boden, der Boden zu Fels in immerwährendem Kreislauf. Der Gedanke iſt originell, und er bezeugt den tiefen Blick meines hochverehrten Lehrers. Er darf aber nicht ſo gedeutet werden, als ob der Boden den Zweck hätte, zu Fels zu werden, von dem er genommen iſt, ſonſt wäre es einfacher, der Fels bliebe Fels in alle Ewigkeit. Um dieſer Auffaſſung vorzubeugen, ſchickt Girard die Be⸗ ſchreibung und das Vorkommen der Mineralien und Geſteine und ihre mechaniſche und chemiſche Zerſtörung voraus, und auf dieſen Grundlagen baut er die Entſtehung des Bodens auf. Er ſagt:„Die dargelegten Vorgänge haben eine ſolche äußere und innere Umänderung der Geſteine bewirkt, daß aus ihnen eine ganz neue Bildung hervor⸗ gegangen iſt, die als eigentliches Oberflächen⸗Produkt der geologiſchen Tätigkeit des Erdkörpers eine eigentümliche Stellung einnimmt. Dieſe Oberflächen⸗Bildung aus dem Material der Geſteine hat, zuſammen mit der Gegenwart der Atmoſphärilien, die Möglichkeit für die Entwicklung eines ganz andern Gebietes der Natur gegeben, des Gebietes der organiſchen Welt.“ Ganz richtig. Doch möchte ich ergänzend hinzufügen: Über der feurig⸗flüſſigen Magmaſchicht bildet der Fels das ſtützende und ſchützende Kugelgewölbe, auf dem ſich Meer und Land ausbreiten, um zur Wohnſtätte und zur Nah⸗ rungsquelle für die Lebeweſen zu werden. Der Menſch beherrſcht beides, Meer und Land, er ſchickt ſich ſogar an, das Reich der Lüfte zu beherrſchen, aber ſeine eigentliche Heimat iſt doch das Land, und die Schiffahrt dient weniger dazu, Fiſche, Auſtern, Perlen und Korallen aus dem Meere zu gewinnen, als vielmehr dazu, von einem Land in ein anderes zu gelangen, um ſich dort anzuſiedeln *) H. Girard, Grundlagen der Bodenkunde. Halle 1868. Die Entſtehung des Grund und Bodens. 25 und eine neue Heimat zu gründen, oder Landesprodukte von dort für die alte Heimat zu holen. Nichtsdeſtoweniger ſind Meer und Fels und Fels und Meer für die Entſtehung des Bodens von fundamen⸗ taler Bedeutung. Wäre die Erde glatt wie eine Billardkugel, dann wäre ſie ringsum vom Meere bedeckt. Die Erde hat aber eher die Geſtalt eines geſchrumpften Apfels, und nur durch den Gegenſatz von Hoch und Tief ermöglicht ſie mit der Entſtehung des Bodens das Daſein des ackerbautreibenden Menſchen. Dabei müſſen wir uns erinnern, daß die Gewäſſer ¼ der Erd⸗ oberfläche überfluten, während die Runzeln der Erdkruſte, die wir Gebirge nennen, ſelten um mehr als 4000 m über den Meeres⸗ ſpiegel hinaufragen. Der Montblanc, der König der europäiſchen Berge, erreicht eine Höhe von 4810 m, eine im Vergleich zum Erddurchmeſſer verſchwindende Größe. Tagtäglich führen die Flüſſe aller Erdteile gewaltige Waſſer⸗ maſſen in das Meer. Es läuft trotzdem nicht über, hält ſich viel⸗ mehr bei Ebbe und Flut in ſeinen Grenzen, weil durch die Ver⸗ dunſtung in die atmoſphäriſche Luft ſoviel Waſſer aus dem Meere aufſteigt, wie durch die Flüſſe hineinkommt. Zum Himmel ſteigt es, zur Erde fällt es, ewig wechſelnd, und ſpeiſt die Quellen der Hoch⸗ gebirge, die den Fels durchſickern, zerſetzen und ausnagen und mit ſeinen Beſtandteilen beladen zum Meere zurückkehren. „Der Boden entſteht zwar unmittelbar aus und auf ſeinem Muttergeſtein, aber nicht aller Boden befindet ſich in dieſer ur⸗ ſprünglichen Lage. Bäche, Flüſſe und Ströme befördern das einmal von ſeinem feſten Felsgrunde losgeriſſene Material immer tiefer und tiefer abwärts, bis in das Meer hinab, und erſt auf dem Meeres⸗ grunde kommt es zur Ruhe. Auf dem Wege aber zu dieſem Ziele bildet das wandernde Geſteinsprodukt und Geſteinsmaterial das, was wir Boden nennen.“(Girard.) Hiernach gibt es 1. angeſtammte und 2. angeſchwemmte Böden. Zwiſchen beiden finden wir allerlei Übergänge. Der Überſichtlichkeit wegen betrachten wir beide Gruppen getrennt von⸗ einander. 1. Die angeſtammten Böden.— Die angeſtammten Böden entſtehen durch Verwitterung unmittelbar aus und auf ihrem Muttergeſtein. Man nennt ſie deshalb auch Verwitterungsböden. 26 Die Entſtehung des Grund und Bodens. Was iſt Verwitterung? Den Begriff müſſen wir uns möglichſt klar zu machen ſuchen, um zum Verſtändnis über die Ent⸗ ſtehung des Bodens zu gelangen. Glücklicherweiſe kann ich dem geneigten Leſer mit eigenen Beobachtungen und Erfahrungen auf⸗ warten. Ich will verſuchen, die Sache möglichſt einfach darzuſtellen, ohne mich in gelehrte Auseinanderſetzungen zu verlieren. Im norddeutſchen Flachlande findet man eiförmige Knollen von Feuerſtein in der Größe der Tauben⸗ und Hühnereier. Auf einen kräftigen Schlag zerſpringen ſie in rauchgraue, flachmuſchel⸗ förmige Stücke, die zum Feuerſchlagen dienen. Dabei ſpringt der Funke nicht aus dem Stein, ſondern aus dem geritzten Stahl. Der Stein iſt härter. Aber trotz dieſer Härte zeigt der Feuerſteinknollen ringsherum eine Rinde, die ſich mit dem Meſſer ritzen und ſchaben läßt. Wie kommt das? Die Rinde iſt durch Verwitterung entſtanden, ſie iſt durch Verwitterung weich und weiß, ſie iſt zu Steinmehl— zu Erde geworden. Wenn Stahl weicher als Feuerſtein, dann werden wir uns nicht wundern, daß auch Eiſen verwittert. In der Umgangsſprache ſagen wir: Der Roſt zerfrißt das Eiſen. Und jedermann weiß, daß ein Anſtrich mit Olfarbe vor dem Verroſten ſchützt. Warum? weil der Olanſtrich den Zutritt von Luft und Feuchtigkeit verhindert. Ende der 1860er Jahre ſammelte ich auf einer Exkurſion in der Umgegend von Halle aus anſtehender Braunkohle ½ Dutzend walnußgroßer Knollen von gelb glänzendem, kriſtalliſiertem Schwefel⸗ kies. Als ich ſie nach 10 oder 12 Jahren hervorholen wollte, fand ich ſie in graues Pulver zerfallen. Der immerhin doch be⸗ ſchränkte Zutritt der Luft genügte zur Verwitterung. Der Sauer⸗ ſtoff verband ſich mit dem Schwefel des Minerals zu Schwefel⸗ ſäure und mit dem Eiſen zu Eiſenoxydul, es bildete ſich ſchwefel⸗ ſaures Eiſenoxydul, und die bei dem Oxydationsprozeß entſtehende, deutlich fühlbare Hitze verſengte die Papierhülle, ſo daß auch ſie in Pulver zerfiel. Zwillingskriſtalle von Gips, die ich aus geſchlämmtem Tertiär⸗ ton ebenfalls in der Umgegend von Halle geſammelt und in ähn⸗ licher Weiſe aufbewahrt hatte, zeigten ſich dagegen nach 40 Jahren noch unverändert, weil der ſchwefelſaure Kalk nicht eigentlich ver⸗ r uns te Ent⸗ h dem auf⸗ ſtellen, en von Auf viſchel⸗ gt der 1. Der herum Wie en, ſie r uns prache weiß, rum! gkeit on in utend vefel⸗ wollte, h be⸗ zauer⸗ wefel⸗ wefel⸗ ehende, ſie in ertiär⸗ ähn⸗ gaahren ver⸗ 1. Die angeſtammten Böden. 27 wittert, ſondern in einer größeren Waſſermenge gelöſt wird, während die Würfel von Kochſalz oder Chlornatrium ſchon in feuchter Luft zerfließen. Im Frühling 1866 machte ich einen Spaziergang an der Saale hellem Strande, als mir in der Nähe des berühmten Giebichenſteins zum erſten Mal in meinem Leben eine Felswand entgegentrat. Sie erſchien mir himmelhoch, erreichte in Wirklichkeit aber wohl kaum mehr als 20 m. Sie beſtand aus hellrotem, feſtgefügtem Porphyr, der zu Baumaterial abgeſprengt wurde. Obenauf zeigte ſich eine gelbliche Verwitterungsſchicht, deren Mächtigkeit ich auf 1,20— 1,50 m ſchätzte. Beim Hinaufſteigen erwies ſich das Geſtein über dem Steinbruch zerklüftet, nach oben hin in ſteinfreien Porphyrton übergehend. Ein anſchauliches Bild der Verwitterung. Vorn an der Straße war ein etwa 6 m hoher, oben ab⸗ gerundeter Kegel ſtehen geblieben, weil er durch und durch ver⸗ wittert, alſo nicht als Bauſtein zu brauchen war. Am 31. Mai 1908, nach 42 Jahren kam ich wieder vorbei. Der Porphyrkegel war verſchwunden, der Steinbruch verlaſſen und die Sohle durch Überdeckung mit dem Abraum zu Land gemacht. So wird der Fels zu Boden durch Naturkraft und durch Menſchenkraft. An einer andern Stelle, etwa eine Stunde entfernt von der Stadt, fand ich eine durchaus abweichende Art der Verwitterung. Hier war die Grundmaſſe des Porphyrs ſamt den noch erkennbaren Feldſpatkriſtallen in einer Mächtigkeit von 2,30 m gleichmäßig in kaolinartigen, grauen Ton um⸗ gewandelt, ſo daß man ihn mit dem Spaten abſtechen und zur Backſteinfabrikation benutzen konnte. Überhaupt bot mir die Umgegend von Halle durch die Mannig⸗ faltigkeit der geologiſchen Bildungen eine Fülle von Anregungen. Im Jahre 1871 trug mich das Schickſal nach der Schweiz. Hier fand ich neue Gelegenheit, die Entſtehung des Bodens zu ver⸗ folgen. Manch liebes Mal machte ich mit den Studierenden von Zürich aus eine Exkurſion nach dem Stöckentobel, einer quellenreichen, vom Elefantenbach entwäſſerten Waldſchlucht. Beim Aufſtieg von der Burgwieſe her trafen wir einen kleinen Waſſerfall. Die nagende und löſende Kraft des Baches hatte den 28 Die Entſtehung des Grund und Bodens. anſtehenden Molaſſeſandſtein bis auf eine ſchwache, kaum 50 cm ſtarke Schicht weggewaſchen. Sie bildete quer durch das Bachbett eine Steinbank, unter der durch Verwitterung eine Höhlung ent⸗ ſtanden war, weil hier toniger, leichter verwitterbarer, an der röt⸗ lichen Farbe kenntlicher Molaſſemergel anſtand. Im Stöckentobel ſelbſt blaute und blinkte oberhalb einer maſſiven Schleuſe ein kleiner Stauweiher, der die Triebkraft für eine Schleife lieferte. Unterhalb der Schleuſe lag das Bachbett größtenteils trocken, ſo daß wir es betreten konnten. Zu unterſt ſtand hier Molaſſeſandſtein an, der auch hier ſchalenförmig ausgewaſchen und geglättet war. Dann folgte toniger, ſtark ver⸗ witterter Molaſſemergel, wie wir durch Kneten mit den Fingern und durch Betropfen mit Salzſäure genauer feſtſtellen konnten. Denn die Molaſſe zeigt einen häufigen Wechſel zwiſchen Sandſtein— und Mergeſſchichten. Seitlich und ſüdlich von dem Weiher erhob ſich eine etwa 12 m hohe, faſt ſenkrechte Sandſteinwand mit zwei Flügeln, deren Vor⸗ ſprünge durch Berwitterung abgerundet und von kleinen Höhlen unterbrochen waren. In der Mitte des Abſturzes war nichts von dem Sandſtein zu ſehen. Denn weiter nach oben folgte in einer Mächtigkeit von 2 bis 3 m Molaſſemergel in tonigeren und ſandigeren Schichten mit bläulichſchwarzen, rötlichen und gelblich⸗ grauen Färbungen. Zu oberſt bildete der gelblichrote Diluvial⸗ lehm mit ſchwarzer Krume eine kaum 60 em ſtarke Decke über dem älteren Molaſſegeſtein. Da in der Mitte des Abſturzes Quellwaſſer hervordrang, ſo drachte es den durch den Froſt zerklüfteten und zerſprengten Mergel in Bewegung, und als die Unterſtützung fehlte, mußte auch der Lehm ſamt den Bäumen, die auf ihm ſtanden, hinabſtürzen. Sand, Mergel, Lehm trieben in regelloſem Durcheinander mit dem Waſſer dem Bachbett zu, die Bäume mit ihrem Wurzelballen am Fuße des ſteilen Abhanges zurücklaſſend. Da haben wir ein anderes Bild der Verwitterung. Bei Gelegenheit eines gerichtlichen Gutachtens in einem Waſſer⸗ rechtsprozeß ließ ich im Dolder bei Zürich eine 4 m tiefe Probe⸗ grube ausheben. Sie zeigte von oben bis unten nichts anderes als anſtehenden, rötlichgelben, tonigen Molaſſemergel, und das Ge⸗ ——„—,— 1. Die angeſtammten Böden. 29 Oem chbett ſtein war durch Verwitterung ſo weich geworden, daß es ſich mit ent. dem Spaten abſtechen ließ wie im Schwemmlande der Ziegellehm. rüt Am Südrande des Adlisbergs bietet der Loorenkopf 690 m ü. d. M. eine herrliche Ausſicht in das wald⸗ und wieſenreiche einer Gelände von Pfaffhauſen und Wytikon mit dem friedlichen Kirchlein, 34 und darüber hinaus links nach dem Greifenſee, rechts nach dem ett nterſt örmig ver⸗ ngern nten. ſtein⸗ 12 m Vor⸗ öhlen von einer und blich⸗ viab⸗ dem g, ſo kergel der gand, Abb. 1. Senkrechter Schnitt durch eine Kiesgrube am Loorenkopf bei Zürich. Zu unterſt anſtehend dem Nagelfluh, darüber Sandſtein der Molaſſe, zu oberſt eine ſchwache Schicht von Glaziallehm. n am nere⸗ Zürichſee, während Säntis, Bachtel, Mürtſchenſtock und Glärniſch aus der Ferne herübergrüßen. aſſer⸗ Direkt unter dem Ausſichtspunkt befindet ſich eine Kiesgrube. robe⸗ Das anſtehende Geſtein iſt aber nicht Schwemmlandskies, ſondern 3 als Nagelfluh, alſo ein Konglomeratgeſtein, das hier durch Verwitte⸗ Ge⸗ rung des Bindemittels ſo loſe geworden iſt, daß man das Material als Straßenſchotter benutzen kann. Abb. 1. 30 Die Entſtehung des Grund und Bodens. Über der etwa 3 m mächtigen Nagelfluh folgt eine gegen 2 m mächtige Sandſteinſchicht, die ebenfalls verwittert Bauſand liefert. Zu oberſt eine ſchwache, kaum 30 cm hohe Schicht von Gletſcher⸗ lehm, in dem trotz ſeiner geringen Mächtigkeit wahre Rieſenbäume von Weißtannen, Eichen, Buchen, Eſchen und Ahorn gedeihen. Daß wir es mit Gletſcher⸗ oder Glaziallehm zu tun haben, beweiſt ein in der Nähe liegender, gewaltiger Sernifitblock, auf den eine kundige Hand mit Olfarbe geſchrieben hat: Zeuge der Eiszeit. Abgeſehen von ſolchen Findlingen oder erratiſchen Blöcken, die durch die Tätigkeit der Gletſcher von weit her in die Gegend von Zürich gelangten, findet man hier anſtehend keine andere Gebirgs⸗ bildung als Molaſſe mit den erwähnten Schichten: Nagelfluh, Sandſtein, Mergel. Wollte ich die Verwitterung auch bei anderen Gebirgsarten ſtudieren, ſo mußte ich die Zeit der Ferien zu weiteren Ausflügen benutzen. Es geſchah das Ende der 1870 er und anfangs der 1880 er Jahre. Der erſte Ausflug ging teils per Bahn, teils zu Fuß nach Stein am Rhein. Dort erwartete mich ein landeskundiger Führer, der auf der in Ausſicht genommenen Tour ſchon den Geologen Eſcher von der Linth begleitet hatte. Nach einer herrlichen Kahnfahrt den Rhein hinab bis Schaffhauſen, führte uns die Bahn an dem Hohentwiel vorbei nach dem Hohenkrähen, den wir links liegen ließen, um den geologiſch intereſſanteren Hohenhöwen zu beſteigen. Den ganzen Tag wurde eifrig unterſucht und geſammelt, ſo eifrig, daß uns der Abend überraſchte. Es war ſchon dunkle Nacht, als wir nach dem Abſtieg das Quartier erreichten. Nahe unter dem Gipfel des 846 m hohen Bafaltkegels ſammelten wir je eine Probe von dem urſprünglichen, bläulich⸗ſchwarz ſchimmern⸗ den Baſalt, von dem matten Tuff und von dem blaſigen Traß. Außerdem fanden wir alle möglichen Verwitterungsſtufen. Unter ihnen ſammelten wir als jüngſte oder letzte eine Probe von humus⸗ reichem Tonboden, in dem neben Gräſern und Kräutern auch niedrige Sträucher wurzelten. An der entgegengeſetzten Seite des Bergkegels fanden wir auf einer faſt wagerecht gelegenen Terraſſe einen friſchgepflügten Acker, beſtehend aus ſchwarzem Baſalttonboden, deſſen dunkle Farbe nicht von der Humusbeimengung, ſondern von dem Bitumen des Muttergeſteins herrührte. 12m jefert ſher⸗ äume Daß ſt ein undige 1, die von irgs⸗ fu deren teren fange Stein „der ſcher fahrt dem iegen gen. t, ſo Nacht, nelten nern⸗ graß. Unter mus⸗ auch r auf Acke, Farbe n des 1. Die angeſtammten Böden. 31 Den nächſten Tag wanderten wir ohne Weg und Steg bei prachtvollem Wetter über den Buchberg und den Langen Randen nach Schleitheim. Wir fanden große Maſſen von zerſprengtem Jurakalk, untermiſcht mit Erde, als Waldboden dienend; einen ſchwarzen, ſammetweichen Humus auf anſtehendem weißem Jura, mit glattſtämmigen Buchen beſtanden; und als eigentümliche Bodenbildung einen ſog.„Bohnerz⸗Tonboden“, landwirt⸗ ſchaftlich richtiger als gemeiner Lehmboden zu bezeichnen, denn für Tonboden war er nicht fett genug, und das„Bohnerz“ machte ihn nicht fetter. Der dritte Tag brachte neue Ausbeute, aber auch viel körper⸗ liche Anſtrengung, weil wir, um zu den Fundſtellen zu gelangen, im Zickzack von dem direkten Wege abſchweifen mußten. Wir konnten eine hellgelbe Verwitterung von Dolomit, der aus einer kleinen Grube auf die Oberfläche geworfen war, und auch von anſtehendem, rotbuntem Keupermergel eine Probe ſammeln, die die Verwitterung dieſes Geſteins in feinen, ſcharfkantigen Grus ſehr anſchaulich zeigte. Der Grus rieſelte an der ſteilen Felswand herab, und wenige Schritte von ſeinem Urſprung war er bereits zu erdigem Mergel geworden. Einen weißgrauen Mergel hatten wir vorher bei Schaffhauſen in einer Phonolith⸗Grube gefunden. Das Geſtein wurde hier mit leichter Mühe gebrochen, in Haufen geworfen und der Ver⸗ witterung überlaſſen. Nach Verlauf eines Winters war es in erdigen Mergel zerfallen, der zur Melioration des benachbarten Rebbergs diente. Bei einem andern Ausflug führte mich ein flottes Schimmel⸗ paar im leichten Wagen von Waldshut nach St. Blaſien und von da zurück durch das liebliche Albtal. Auf der Höhe des Schwarzwalds bei Höchenſchwand(1010 m) fand ich eine große Kiesgrube, in der, geologiſch geſprochen, fein⸗ körniger grauer Granit anſtand. Das Geſtein war durch Ver⸗ witterung zerfallen in ſeine noch kenntlichen Beſtandteile: Feldſpat, Quarz und Glimmer, ſo daß es als Gartenkies und Mauerſand be⸗ nutzt werden konnte. An dem Südrand des Schwarzwaldes, bei Albbruck, zeigte ſich ein auf den erſten Blick ganz anderes Geſtein. Bei näherem Zu⸗ ſehen erwies es ſich als ein grobkörniger Granit mit hell⸗ 32 Die Entſtehung des Grund und Bodens. roten Feldſpatkriſtallen. Das Geſtein war hier ebenfalls durch Verwitterung in ſeine noch kenntlichen Beſtandteile zerfallen, weiter ab von dem Steilabhang aber zu Erde, zu Lehm geworden, der als Unterlage für den Weinbau diente. Wieder ein andermal wanderte ich durch das Wäggital und über die Schwein⸗Alp nach Richisau, wo ich im nächſten Jahr einen längeren Ferienaufenthalt nahm. Die Verpflegung war mäßig, die Luft gut, die Ausſicht herrlich, beſonders von der Schwammhöhe aus, wenn der Glärniſch am Abend hellkupferrot erglühte, ſo nahe, daß man förmlich in der Glut gebadet war. Die Schwamm höhe iſt eine ausgedehnte, hochgelegene(1095 m) Gebirgsterraſſe, bedeckt und überſät mit unzähligen abgerundeten Geſteinsblöcken, deren Durchmeſſer meiſt gegen 1 m, ſelten über 2 m beträgt. Eine alte Gletſcherbildung. Eine ähnliche Erſcheinung bietet das„Felſenmeer“ im Oden⸗ wald, das man von Auerbach a. d. Bergſtraße mit Wagen in ½ Stunden erreicht. Die Lage und Umgebung iſt hier bei weitem nicht ſo ſchön wie auf der Schwammhöhe bei Richisau, denn das Felſenmeer liegt im Walde und bietet keine Fernſicht. Aber geo⸗ logiſch iſt das Felſenmeer noch großartiger. Das Geſtein iſt hier Syenit. Die ebenfalls abgerundeten und geglätteten Blöcke liegen dichter beieinander, und ſie erreichen einen Durchmeſſer von 2—3 m. Ja, unter den Blöcken befindet ſich eine künſtlich bearbeitete, ver⸗ laſſene Säule, deren mittlerer Durchmeſſer gegen 1 m beträgt, während die Länge wohl 9 m erreicht. Beſonders ins Auge fällt ein großer Block, von dem 2 m lange Platten ſenkrecht abgeſägt worden ſind. Welch eine Arbeit bei der Härte des Geſteins, und doch geht ſie ſo weit in die Vorzeit zurück, daß ſie den alten Römern zugeſchrieben wird. Nach dieſer Abſchweifung kehren wir zurück nach Richisau. In ſeiner Umgebung intereſſierten mich beſonders die Karrenfelder auf den Silbern. Es ſind das ſilberhell glänzende, in ganz eigen⸗ tümlicher Weiſe verwitterte Kalkfelſen. Die Oberfläche bildet nämlich ein Gewirr von größeren und kleineren Felsſpitzen, zwiſchen denen ſich krugförmige und ſchalenförmige Vertiefungen befinden, rieſigen Blumentöpfen vergleichbar. Der Vergleich paßt auch in⸗ ſofern, als die Vertiefungen zum Teil mit Erde gefüllt ſind, in der Alpenroſen und andere Gewächſe gedeihen. Die Erde beſteht aus durch veiter „der und einen g, die mhöhe nahe, 95 m) deten über Oden⸗ en in eitem das geo⸗ hier iegen 3 m. ver⸗ trägt, fällt geſägt und ömern „ In elder eigen⸗ bildet wiſchen finden, ch in⸗ in der t auz 1. Die angeſtammten Böden. 33 einem tiefſchwarzen, außerordentlich feinen, molligen Humus, der durch Verwitterung aus dem Kalkgeſtein unter Bei⸗ hülfe der Vegetation entſtanden iſt. Die Abrundung und Glättung der Karrenſpitzen und der Höhlungen zwiſchen ihnen hat das kohlen⸗ ſäurehaltige Waſſer zuſtande gebracht, indem es löſend und ab⸗ waſchend wirkte. Der weichere Kalkſtein wurde weggeführt, der härtere blieb ſtehen. Von Richisau ging die Wanderung ohne Führer weiter durch das Klöntal und das Löntſchtal nach Glarus. Zuerſt kommt man an den Klöntaler See, in deſſen oberem Ende ſich der Glärniſch ſpiegelt; man ſieht die kleinſten Felsadern der grauen, in Sonnen⸗ licht gebadeten Felswände 2000 m über und 2000 m unter ſich— ein unvergeßlicher Anblick. Geologiſch betrachtet, hat man beim Abwärtsſchreiten links von der Straße Alpenkalk, rechts Jurakalk. Als erſtes Verwitterungs⸗ produkt werden 5 cm große, ſcharfkantige, unregelmäßig⸗würfel⸗ förmige Stücke von weißgeädertem, ſchwarzem Alpenkalk mitgenommen. Am folgenden Tage gehts von Schwanden aus ins Sernftal. Es hat ſeinen Namen von dem dort anſtehenden Sernifit. Ich fand von Verwitterungsprodukten nur einige ſchiefrige Brocken, weil das Geſtein der Verwitterung gut widerſteht. In meinem Garten am Zürichberg ſind die Wege an den Terraſſen mit Sernifitplatten eingefaßt. Sie zeigen ſich nach 40 Jahren noch unverändert; es haben ſich Flechten und vereinzelt auch Mooſe angeſiedelt, von einem Zerfallen in Grus oder gar in Erde iſt nichts zu bemerken. Indeſſen bedeuten 40 Jahre in der Geologie nicht mehr als eine Sekunde im Leben des Menſchen. Der letzte der zum Studium der Verwitterung unternommenen Ausflüge führte mich ins Urgebirge der Zentralſchweiz. Bei dem Aufſtieg von Meiringen nach der Grimſel ſah ich den Handegg⸗ fall der 46 m tief in den Felsſchlund hinabſtürzenden Aare und die von Gletſchern und Lawinen glattgefegten Granitfelſen, von den Schweizern„Helle Platten“ genannt. Vom Grimſelhoſpiz aus unternahm ich einen Abſtecher nach dem Aargletſcher. Der Führer drückte ſich hinter den Ofen; dafür bot ſich mir ein ebenſo freundlicher wie entſchloſſener junger Herr freiwillig zum Begleiter an. Bei dem ſtrömenden Regen war Nowacki, Bodenkunde. 6. Auflage. 3 34 Die Entſtehung des Grund und Bodens. das in der Tat ein Liebesdienſt. Da es aber windſtill war, konnten wir uns durch Schirme decken, und da kein Gewitter im Anzuge, konnten wir es wagen. Wir erreichten über glattgeſchliffene, aber wagerecht gelegene Felſen wenigſtens den vorderen Rand des ſtunden⸗ langen Eisſtroms und warfen einen Blick auf die zahlreichen Felsblöcke, die der Gletſcher mit ſich geführt und beim Ab⸗ ſchmelzen freigelegt hatte. Weiter vorzudringen verbot die ruhige Überlegung. Die Nacht brachte nach einem leichten Schneefall wieder ſchönes Wetter, und ſo konnte ich bei dem ſteilen Abſtieg nach Gletſch eine Probe von ſchiefrigem Gneisgrus ſammeln und nebenbei die blühenden Alpenroſen an der mit ſchwarzem Humus bedeckten Maien⸗ wang bewundern. Von dem Gaſthaus„Gletſch“ machte ich über die von der jungen Rhone gebildete Ebene einen Spaziergang an den Fuß des kriſtallklaren Rhonegletſchers, ſah die Stein⸗ und Schuttwälle, die der Gletſcher beim Schmelzen und Zurückweichen angehäuft hatte, und fand an der Furkaſtraße bei 2400 m Höhe ganz in der Nähe des Rhonegletſchers als Seltenheit eine 12 cm breite, ſenkrechte Gneisſpalte, von unten bis oben ausgefüllt mit reinem weißem Kaolin. Nach den mitgeteilten und zahlreichen ſpäteren Beobachtungen, deren Beſchreibung den Leſer ermüden würde, gelangte ich über die Verwitterungsvorgänge zu folgenden Schlüſſen. Alle Mineralien und Geſteine unterliegen der Verwitterung. Doch iſt die Widerſtandsfähigkeit der verſchiedenen Mineralien und Geſteine und die Art ihrer Zerſtörung verſchieden. Die Hebel der Verwitterung ſind: Wärme und Kälte, Waſſer und Salze, Kohlenſäure und Sauerſtoff. Wenn ein Feuerſteinknollen, halb eingebettet in den nord⸗ deutſchen Sand, unter den Strahlen der Sonne plötzlich in Stücke zerſpringt, dann liegt der Grund für die Verwitterung in der Aus⸗ dehnung durch die Wärme. In der Nähe des Gleichers, wo die Sonnenſtrahlen ſenkrecht fallen, iſt ihre Wirkung noch ſtärker. Am Nyaſſyſee beobachtete Livingſtone, daß ſelbſt nach Sonnenunter⸗ gang die Steine noch ſo heiß waren, daß man ſich nicht darauf ſetzen konnte. Wenn dann infolge nächtlicher Ausſtrahlung die Ober⸗ — ————— t————-— —===ͤ 1. Die angeſtammten Böden. 35 fläche ſich raſch abkühlte und zuſammenzog, ſprang vft mit lautem Knall die Rinde ab. Noch wirkſamer kommt dieſer Gegenſatz zwiſchen Wärme und Kälte im ſchweizeriſchen Gebirgsklima zur Geltung, wo die Temperatur oft unter den Gefrierpunkt hinabſinkt. Im Hoch⸗ gebirge wird die äußere und obere, der Sonne zugewandte Fels⸗ ſchicht durch die Sonnenſtrahlen viel ſtärker erwärmt, als das Innere. Die Wärme dehnt die Geſteinsmaſſe aus, und wenn das Geſtein aus verſchiedenen Mineralien zuſammengeſetzt iſt, ſo erfolgt eine verſchiedene Ausdehnung der einzelnen Beſtandteile und Kriſtalle. Wiederholt ſich das öfter, ſo entſtehen feine Riſſe, in die das Waſſer durch Haarröhrchenkraft eindringt, und wenn das Waſſer gefriert, wird das Geſtein durch das Eis auseinandergekeilt. Dabei entwickelt das zu Eis erſtarrende und ſich ausdehnende Waſſer eine ſo gewaltige Kraft, daß ihr kein Geſtein widerſteht. Der Froſt ſchafft in unſeren Alpen immer neues Material für die Bodenbildung, er ſchafft in der Krume des Kulturbodens durch Zerſprengung der Geſteinstrümmer immer neue Nährſtoffe für die Pflanzen, und er leiſtet uns bei der Bodenbearbeitung einen un⸗ erſetzlichen Dienſt, indem er die zu feſt gefügten Bodenteilchen aus⸗ einandertreibt. Das Waſſer ſpielt bei der Verwierung auch inſofern eine wichtige Rolle, als es die Beſtandteile der Mineralien und Geſteine aus dem feſten in den flüſſigen Zuſtand über⸗ führt. Schon reines Waſſer hat dieſe Kraft, wie jeder weiß, der im Laboratorium mit deſtilliertem Waſſer gearbeitet hat. Reines Waſſer, das nur aus Waſſerſtoff und Sauerſtoff beſteht, kommt aber in der freien Natur nicht vor. Auch das Regenwaſſer iſt nicht rein, es enthält außer dem Rauch und Staub und den Bakterien, die es aus der Luft niederſchlägt, eine ganze Reihe von Salzen. Eine noch größere Menge von Salzen führt das Quellwaſſer, das als„Mineralwaſſer“ beſonders wohlſchmeckend und heilkräftig iſt. Das gehört hier auch inſofern zur Sache, als das Mineralwaſſer durch die in ihm gelöſten Mineralbeſtandteile ſelbſt kräftiger löſend wirkt, als reines oder an Mineralſtoffen armes Waſſer. Durch ſeine Löſungskraft iſt beſonders kochſalzhaltiges Waſſer ausgezeichnet, indem das Chlornatrium die Löſung der ſchwerlöslichen ſchwefel⸗ ſauren und phosphorſauren Kalkerde befördert. 3*¾ 36 Die Entſtehung des Grund und Bodens. Die Mineralwaſſer führen auch Kohlenſäure mit ſich, oft in ſo großer Menge, daß ſie in Perlen als„freie“ Kohlenſäure aus dem Glaſe entweicht. Durch den Gehalt an Kohlenſäure wird die Löſungs⸗ kraft des Waſſers erhöht, das heißt, Mineralien und Geſteine, die in reinem Waſſer ſchwer löslich ſind, werden in kohlenſäure⸗ haltigem Waſſer leicht löslich, wie der weit verbreitete kohlenſaure Kalk, und die Silikate, die Kali, Natron, Kalk, Eiſen⸗ und Mangan⸗ oxydul enthalten. Die Quellen, die das koſtbare Trink⸗ und Badewaſſer von Ragaz und Pfäffers liefern, entſpringen mit einer Temperatur von 37,5⁰° C. in der weltberühmten Taminaſchlucht am Ende eines 30 m langen, künſtlich in den Fels geſprengten Stollens. Nach der Analyſe von Dr. A. von Planta⸗Reichenau ſind in 10 000 Teilen des kriſtallhellen Waſſers enthalten: Schwefelſaures Kali........ 0,0746 „ Natron........ 0,3219 Chlornatrium........... 0,4934 Chlorlithium........... 0,0020 Jodnatrium........... 0,0001 Bromnatrium........... 0,0002 Borſaures Natron.......... 0,0038 Kohlenſaures Natvon......... 0,0613 Kohlenſaurer Kalk.......... 1,3064 Kohlenſaure Magneſig........ 0,5306 Kohlenſauver Strontian........ 0,0152 4 Baryt......... 0,0064 Kohlenſaures Eiſenoxydul....... 0,0172 Phosphorſaure Tonerde........ 0,0091 Kieſelſäure..... 0,1408 Spuren von Rubidium, Casſtum, Thallium.— Feſte Veſtandteile 2,9905 Halbfreie und freie Kohlenſäure.... 0,7461 Außerdem entſteigen dem Quellwaſſer Gasgemiſche von Stick⸗ ſtoff, Sauerſtoff und Kohlenſäure. Das ausgekochte Gas ergab in 100 Teilen: Kohlenſäure 16,43, Sauerſtoff 24,24, Stickſtoff 59,33. in ſo dem ungs ſteine ſture⸗ nſaure nngen⸗ r von eratur Ende 6 ufind 1. Die angeſtammten Böden. 37 Nach dieſen Zahlen kann man ſich eine Vorſtellung machen von der Menge und Mannigfaltigkeit der Stoffe, die das Waſſer aus den Felſen löſt und fortführt. Daß verſchiedene Quellen eine ver⸗ ſchiedene Zuſammenſetzung zeigen, iſt eine bekannte Sache, und es hat ſeinen guten Grund, daß der eine zur Kur nach Ragaz, der andre nach Ems, der dritte nach Karlsbad geht. Endlich haben wir von den Hebeln der Verwitterung noch des Sauerſtoffs zu gedenken. Wie die Kohlenſäure ſo iſt auch der Sauerſtoff im Waſſer gelöſt und überall tätig. Wir erinnern nur an das erwähnte Roſten des Eiſens und an die Zer⸗ ſetzung des Schwefelkieſes, Vorgänge, die beide die Gegenwart und die Einwirkung des Waſſers und des Sauerſtoffs zur Voraus⸗ ſetzung haben. Um zum Schluß wenigſtens an einem Beiſpiel näher darzutun, wie bedeutend die Veränderungen ſind, denen die Ge⸗ ſteine bei der Verwitterung unterliegen, laſſe ich hier die Zahlen folgen, die E. Wolf und R. Wagner in Hohenheim bei der Unterſuchung von grobſandigem Liaskalkſtein von Ell⸗ wangen und deſſen Verwitterungsboden gefunden haben.*) Urſprüngliches Geſteins⸗ Unter⸗ Aceker⸗ Geſtein reſte grund krume Kohlenſaurer Kalk 78,72 44,42 6,70 2,90 Kohlenſaure Magneſia 1,06 0,74 0,40 0.43 Tonerde.... 0 76 1,30 8,66 9,87 Kieſelſäure.... 16,47 43,10 70,67 73,85 Kali..... 0,15 0,17 1,30 1,70 Natron..... 0,06 0,06 0,26 0,38 Phosphorſäure.. 0,20 0,54 0,52 0,51 Eiſenoxyd..... 2,10 8,91 10,09 8,99 Manganoxyduloxyd. 0,37 0,62 0,82 0,72 Die Zahlen zeigen, daß das Muttergeſtein richtig als Kalk be⸗ zeichnet iſt, denn es enthält gegen 79% Kalk. Den fertigen Boden der Ackerkrume darf man dagegen weder Kalkboden, noch Mergel⸗ boden nennen, denn er enthält nur 2,9% Kalk; die fehlenden 76% ſind durch Auswaſchen verloren gegangen. Da ſich die Tonerde mit *) Württemb. naturwiſſenſchaftl. Jahreshefte. 1871. Die Entſtehung des Grund und Bodens. 38 einem Teil der gefundenen Kieſelſäure zu Ton verbindet und das Eiſenoxyd ſich dem Ton beigeſellt, ſo ergibt ſich, daß wir den Boden der vorliegenden Ackerkrume als kalkhaltigen, ſandigen Lehm⸗ boden zu bezeichnen haben. Dieſes Beiſpiel zeigt zugleich, daß in der Bodenkunde weder der petrographiſch⸗mineralogiſche, noch der geognoſtiſch⸗geologiſche, ſondern der agronomiſch⸗pedologiſche Geſichtspunkt der maßgebende iſt. Oder kürzer und einfacher geſagt: In der praktiſchen Bodenkunde gibt der landpirtſchaftliche Geſichtspunkt den Ausſchlag. 2. Die angeſchwemmten Böden.— Nur ſelten bleiben die angeſtammten Böden in ihrer urſprünglichen Lage auf dem Mutter⸗ geſtein. Die meiſten Böden werden vielmehr von dem Ort ihres Urſprungs fortgeführt, um an einem andern, oft weit entfernten Orte aus dem Waſſer abgeſetzt— angeſchwemmt zu werden. Das Land der ausgedehnten norddeutſchen Ebene beſteht aus angeſchwemmten Böden. Man hat daher den Ausdruck geprägt: und Tief, auf dem Gefäll.* Erhebt man ſich in Berlin mit dem Luftſchiff über die Türme der Stadt, ſo verſchwindet der Kreuzberg ſehr bald in der Ebene, und die Inſel Rügen tritt in den Geſichtskreis. Steigt man höher, ſo erblickt man im Norden als eigentliches Gebirgsland die ſkandinaviſche Halbinſel. Von Berlin nach Chriſtianſand an der Südſpitze Norwegens iſt es, mit dem Zirkel gemeſſen, noch etwas näher, als nach dem St. Gotthard im Herzen der Schweiz. Es iſt daher die Annahme nicht von der Hand zu weiſen, daß der Boden des norddeutſchen Schwemmlandes zum Teil aus Schweden und Norwegen ſtammt. Hierfür ſpricht die ſüdliche Richtung der Flüſſe auf der ſkandinaviſchen Halbinſel, hierfür ſpricht namentlich auch das Vorkommen der erratiſchen Blöcke in dem weiten Gebiet des norddeutſchen Schwemmlands. Bei Stöven, in der Nähe des —— ——„— —,——„ das goden ehm⸗ weder giſche ebende ſchen punkt en die dutter⸗ ihres ernten n. tt aus prägt. eitaus eriſche „tief⸗ ver⸗ mung Hoch Türme Ebene, höher nd die and ar h etwas en, d chweden ung det mentlih Gebie ähe de 2. Die angeſchwemmten Böden. 39 Steinpflaſters, das Napoleon zum Transport ſeiner Kanonen durch den Sand von Schönlanke nach Schneidemühl bauen ließ, habe ich vor 50 Jahren eine große Menge ſolcher Findlinge geſehen. An dem Wege, der durch mein väterliches Landgut von Hüttchen nach Runau führt, lag jahrzehntelang ein ſagenumwobener, abgerundeter Block von 80— 90 cm Breite und 60 cm Höhe; er wurde, wie viele andre, mit Pulver geſprengt und als Bauſtein benutzt. Die Granit⸗ oder Gneisſchale vor dem Berliner Neuen Muſeum iſt mit dieſen Findlingen ſtammverwandt. Nun ſtreiten ſich die Gelehrten darüber, ob jene Findlinge auf Eisſchollen, oder ob ſie mit den Gletſchern aus Schweden und Nor⸗ wegen herübergekommen ſind. Schwimmende Eisſchollen können auf größere Entfernung kein Geſtein davontragen, weil es infolge der Schwere hindurchſinkt. Ich erkläre mich daher für die Gletſcher⸗ theorie. Nur kurz weiſe ich hin auf die Verhältniſſe in Grönland, einſt ein grünes Land, heute unter Gletſchern begraben. Eine ein⸗ gehendere Begründung meiner Anſicht ſtützt ſich auf meine Be⸗ obachtungen in Norddeutſchland und in der Schweiz. Auf der Höhe des Zürichbergs befindet ſich 650 m über dem Meer und 250 m über dem Zürichſee eine Kiesgrube, in der das anſtehende Material unzweifelhaft nichts anderes iſt als eine Moräne. In der ſenkrechten Wand der Grube ſah ich vor Jahren einen 2 m langen Sernifitblock. Er ſtammte aus dem Sernftal, das in das Linthtal mündet. Der oben erwähnte„Zeuge der Eiszeit“ auf dem Adlisberg, ſowie die zahlreichen andern Sernifitblöcke im Bett des Elefantenbachs und auf den Höhen in ſeiner Umgebung, ſie haben alle denſelben Urſprung. In Fig. 2 iſt ein ſolcher Sernifitblock an der Wand der Kiesgrube zu ſehen.*) Die Kiesgrube zeigt außer dem mächtigen Block folgende Schichten: Zu unterſt Kies, beſtehend aus fauſtgroßen bis kopfgroßen Geröllen, untermiſcht mit Grand, Sand und feinkörnigem Lehm⸗ mergel, in unregelmäßigen, geneigten und gekrümmten Schichten. Darüber eine mehr horizontal gelegene, faſt ſteinfreie Schicht, be⸗ *) Mein Haus am Abhang des Zürichbergs ſteht auch auf einer Moräne. Bei der Anlage des Gartens wurde ein 85 om langer Sernifit⸗ block ausgegraben, der mich nun unter dem ſchattenden Nußbaum an ver⸗ gangene Zeiten erinnert. 40 Die Entſtehung des Grund und Bodens. ſtehend aus 40 cm Lehmmergel und 60 cm Lehm. Der Lehm unterſcheidet ſich durch ſeine rötliche Farbe und durch das fehlende Aufbrauſen bei der Prüfung mit Salzſäure ſehr beſtimmt und ſcharf abgegrenzt von dem weißlich grauen, ſtark brauſenden Mergel. Trotzdem gehören beide zu derſelben geologiſchen Formation, und wir müſſen annehmen, daß der Lehm durch Verwitterung aus dem Fig. 2. Senkrechter Schnitt durch eine Kiesgrube auf dem Zürichberg. 650 m über Meer. Moräne⸗ bildung aus der Eiszeit mit den drei Schichten: 1. Kies(darin ein mächtiger Sernifitblock), 2. Lehmmergel, 3. Lehm. Mergel entſtanden iſt. An einem Einſchnitt der neuen, über die Höhe des Zürichbergs führenden Batterieſtraße wiederholt ſich die⸗ ſelbe Schichtenfolge. Nun haben wir Ende der 1860er Jahre bei den Exkurſionen in der Umgebung von Halle dieſelben Schichten: oben Lehm, darunter ſcharf abgeſetzt Lehmmergel und auf der Grenze beider auch einen länglichrunden, erratiſchen Block von 90 cm Länge und Leim jhlende dſczaf Nergal on, und us den tr. Tbline⸗ Sanfibloc) iber i ſch de rirfena hen Lähn nje bedd Lingeu 2. Die angeſchwemmten Böden. 41 40 cm Höhe gefunden. Ich erinnere mich genau, weil Julius Kühn bei dieſem Block ſeine Theorie entwickelte. Folglich ſteht dem Schluſſe nichts im Wege: Auch die Schichten des norddeutſchen Flachlandes ſind eine Gletſcherbildung und ſeine drei Schichten: Miſchſand, Mergel, Lehm entſprechen den drei Schichten des ſchweizeriſchen Diluviums: Kies, Mergel, Lehm. Jetzt entſteht die Frage: Wie erklärt ſich die Ähnlichkeit der Schichten und die Gleichzeitigkeit ihrer Ablagerung? Die Frage ſtellen, heißt ſie beantworten. Gegen Ende der Eiszeit wurde es wärmer. Selbſtverſtändlich. Aber wie kam die Änderung im Klima zuſtande? Daß die Erde mit der Sonne in einen wärmeren Teil des Weltraumes gelangt ſei, dieſe Annahme iſt unzuläſſig. Soweit unſer Denken und unſere Erfahrung reicht, iſt der Weltraum außerhalb unſerer Atmoſphäre überall gleich kalt und gleich warm. Gegen obige Annahme ſpricht überdies die Tatſache, daß die Gletſcher in Grönland vor⸗ rücken, in der Schweiz zurückgehen, wie am Rhonegletſcher feſtgeſtellt und durch Grenzſteine markiert worden iſt. Wir haben daher die Urſache für die ÄAnderung des Klimas auf der Erde ſelbſt zu ſuchen. Anknüpfend an die Tatſache, daß Grönland ſinkt, kommen wir zu dem Schluß, daß auch der Meeresſpiegel an der Küſte von Grönland ſinkt, denn mit der Abnahme von Umfang und Höhe nahm auch die Anziehungskraft des grönländiſchen Feſtlandes ab. Bei Norwegen verhält es ſich umgekehrt, hier hob ſich mit dem Feſt⸗ lande auch der Meeresſpiegel. Nun ſteigt das wärmere, weil leichtere Waſſer bekanntlich nach oben. Aus dieſen einfachen Gründen mußte der Golfſtrom, der vor der Eiszeit die Weſtküſte Grönlands traf, im Lauf der Jahr⸗ hunderte ſich mehr und mehr nach der Weſtküſte Norwegens hin⸗ bewegen und, nach Norden und nach Süden umbiegend, den Weſten von ganz Europa berühren und beeinfluſſen. Auch durch die Drehung der Erde von Weſten nach Oſten wurde der Golfſtrom ganz all⸗ mählich aus der mehr nördlichen in die nordöſtliche Richtung ver⸗ ſchoben. Damit erklärt ſich alles. Mit dem Erſcheinen des Golfſtroms an der Weſtküſte Nor⸗ wegens trat im ganzen weſtlichen Europa eine Verbeſſerung des Klimas ein. Das wärmere Waſſer erwärmte die Luft, der Weſt⸗ 42 Die Entſtehung des⸗ Grund zund Bodens. wind brachte die Wärme nach dem Lande. Zugleich wurde die Verdunſtung aus dem Meere und die Ausgiebigkeit der Nieder⸗ ſchläge geſteigert. Damit waren die Bedingungen für das Abſchmelzen, Zurückgehen und Verſchwinden der Gletſcher gegeben. Mit einem Wort: Durch die Verſchiebung des Golf⸗ ſtroms wurde das Klima Grönlands kälter, das Klima des weſtlichen Europas wärmer und feuchter. In Grön⸗ land brach die Eiszeit an, im weſtlichen Europa erreichte ſie ihr Ende. Ob der hier dargelegte Gedankengang eneu iſt, weiß ich nicht. Doch kann ich verſichern, daß er ſich mir von ſelbſt ergab als logiſche Schlußfolgerung aus bekannten Tatſachen. In der Schweiz läßt ſich die Tätigkeit der Gletſcher noch heute ſehr deutlich verfolgen, wenn ſie auch nicht mehr die Ausdehnung erreichen wie in der Eiszeit. Außer den früber ſchon erwähnten Gletſchern der Aare und Rhone ſind die bekannteren Gletſcher: Eiger, Mönch und Jungfrau nebſt dem Großen Aletſch⸗ Gletſcher, im Weſten von ihnen der Wildſtrubel, im Oſten der Titlis, der Tödi und der Glärniſch. Die Gletſcher ſind Eisſtröme in den Tälern des Hoch⸗ gebirges. Sie ſtehen nicht ſtill, ſie bewegen ſich vielmehr langſam abwärts. Bei ihrem Abwärtsgleiten nehmen ſie alle kleinen und großen Geſteinstrümmer mit, die von den verwitterten Felswänden herabfallen. Mit gewaltigem Druck furchen, glätten und ſchrammen ſie zugleich das anſtehende Geſtein ihres unwirtlichen Bettes. Im Winter rückt der Gletſcher vor, im Sommer geht er zurück. Bei dem Abſchmelzen läßt er das fortgeſchobene Dur⸗ und Moll⸗ geſtein liegen. Der Gletſcherſchutt häuft ſich in der Stirnmoräne und in den Seitenmoränen an und, wenn ſich zwei Gletſcher ver⸗ einigen, auch in der Mittelmoräne.) Jeder Gletſcher hat ſeinen Abfluß. Am Anfang iſt der Bach klein und ſchwach. Bei Regengüſſen aber und bei der Schneeſchmelze ſchwillt er an zu gewaltiger Kraft, alles, was ihm in den Weg kommt, mit ſich reißend. Blöcke von 1—3 m Durchmeſſer unter⸗ ſpült er, bis ſie ins Rutſchen, Kanten, Rollen kommen und, durch Reibung fort und fort verkleinert, zu Kies, Grand, Sand und =— 2 A8 e die ſeder⸗ das ſcher 2. Die angeſchwemmten Böden. 43 Mollgeſtein werden. Das Durgeſtein wird früher abgeſetzt, das Mollgeſtein, beſtehend aus Tonſchlamm, erdigem Kalk und Kieſel⸗ mehl, wird weiter und weiter getragen bis in das nächſte Seebecken. Im weſentlichen wiederholen ſich dieſelben Vorgänge bei jedem Gebirgsbach. Ein lehrreiches Beiſpiel finden wir in der Umgegend von Interlaken, unter⸗ und oberhalb der Badeanſtalt Wilderswil, wo die abgerundeten, geglätteten und zuweilen*) nach Art der „Gletſchermühlen“ ausgehöhlten Kalk⸗ und Granitblöcke bei ent⸗ ſprechender Dicke eine Länge von 1—6 m erreichen und teils im Bett, teils am Ufer des reißenden Saxeten⸗Baches langſam, aber unaufhaltſam ihrer Zerſtörung entgegengehen. Bei dem Hochwaſſer vom 12. Juli 1909 hörte ich das Klappen der Geſteinstrümmer, die der toſende Bach mit ſich fortriß. Von Zeit zu Zeit ſtürzt neues Geſtein mit Donnergepolter von den himmelhohen Felswänden herab. Hier und da ſieht man zwiſchen zwei Blöcken und dem Ufer einen kleinen Buſen gefüllt mit Schlamm. Das meiſte Bodenmaterial aber treibt bei dem ſtarken Gefäll des Baches mit der von den Jungfraugletſchern herbrauſenden Lütſchine nach dem Brienzer See. Das ganze Bödeli,— ſo nennt man die ebne Wieſenfläche zwiſchen dem Brienzer und Thuner See, auf der Interlaken, Unterſeen, Matten, Bönigen, Gſteig, Mülinen und Wilderswil ſtehen,— es iſt nichts anderes, als ein zugeſchwemmter See. Die Verbindung und den Abfluß der genannten beiden Seen vermittelt die Aare, die aus dem Ober⸗ und Unteraargletſcher am Finſteraarhorn ent⸗ ſpringt, Bern und Aarau berührt, die Reuß und die Limmat auf⸗ nimmt, und als der weitaus waſſerreichſte Nebenfluß des Rheins bei Waldshut mündet. Iſt das Geſtein im Waſſer löslich, wie der Nummulithenkalk, der Jurakalk und andere Kalkgeſteine, dann höhlt der Bach ſein Bett tiefer und tiefer bis 100 m und darüber. In der erwähnten *) Im Gletſchergarten bei Luzern ſind derartige„Gletſchermühlen“ zu ſehen mit dem Mahl⸗ oder Reibſtein in der keſſel⸗ oder krugförmig aus⸗ gehöhlten Mühle. Man findet ſie noch heute hier und da in Tätigkeit, und nennt ſie richtiger und bezeichnender Bachmühlen. Denn der Mahl⸗ oder Reibſtein wird nicht durch den Druck eines Gletſchers, ſondern durch die Stoßkraft eines Baches in dem Felskeſſel herumbewegt, und wenn der Keſſel mit Schutt gefüllt wird, dann ſteht die Mühle ſtill. 44 Die Entſtehung des Grund und Bodens. Taminaſchlucht erreicht der Einſchnitt oberhalb von Pfäffers eine Tiefe von 60— 80 m, unterhalb von Pfäffers 200— 250 m, und die ſenkrechten Felswände ſtehen ſich ſo nahe, daß man nur einen ſchmalen Streifen des Himmels erblickt.— Nicht minder ſehenswert iſt die Aareſchlucht bei Meiringen mit ihrem 92 m tiefen ſenkrechten Ein⸗ ſchnitt.— Ein drittes großartiges Beiſpiel für die ausnagende und abſchleifende Kraft des fließenden Waſſers finden wir an der Via Mala oberhalb von Thuſis. In dieſer ſchauerlich ſchönen Gebirgs⸗ ſchlucht ragen die Kalkfelſen zu beiden Seiten des jungen Rheins an die 500 m faſt ſenkrecht empor, und unten wallt es und brauſt es und ziſcht es wie das brandende Meer und wühlt ſich tiefer und tiefer ins harte Herz des Geſteins. Wenn ſich mit dem Gefäll die Geſchwindigkeit des Fluſſes ver⸗ mindert, wie in der Rheinebene von Sargans abwärts bis zum Bodenſee, dann tritt das Hochwaſſer über die Ufer und ſetzt den mitgeführten Schlamm ſchichtenweiſe ab. In der bezeichneten Ebene ſind es abwechſelnde Sand⸗ und Lettenſchichten. An der Mündung in den Bodenſee hat der Rhein von dem mitgeführten Schlamm ein Vorland gebaut, das weit in den Bodenſee hinein⸗ reicht und den Abfluß des Waſſers behindert, ſo daß man mit einem ſeitlichen Durchſtich künſtlich hat Abhilfe ſchaffen müſſen. Im Bodenſee klärt ſich das Waſſer nicht allein durch Abſetzen des Schlammes, ſondern auch durch Niederſchlagen des gelöſten Kalkes, der nach dem Entweichen eines Teils der Kohlenſäure unlöslich wird. Er bildet am Seegrund die bekannte, auch im Zürichſee vorkommende Seekreide. Vom Bodenſee bis Schaffhauſen hat das Waſſer keine Gelegen⸗ heit ſich ſeitlich auszubreiten, obwohl es durch den impoſanten Rhein⸗ fall geſtaut wird. Auch von Schaffhauſen bis zu den Stromſchnellen bei Laufenburg und von da bis Baſel iſt das Flußbett eingeengt. Aber zwiſchen Baſel und Mainz, da dehnt und weitet ſich die fruchtbare Ebene als ein koſtbares Geſchenk vomfreien, deutſchen Rhein“. Ebenſo verdanken die Niederlande ihr frucht⸗ bares Delta dem Rheinſtrom. Anderweitige wichtige Flußbildungen ſind in Europa: die goldene Aue(an der Helme), die Magdeburger Börde und die Marſchen im Gebiet der vom Rieſengebirge herabkommenden, in die Nordſee mündenden Elbe. In Oſtelbien das weizen⸗ und rübenreiche Oder⸗ — /—·—— =ͤdͤeͤͤ —= 2. Die angeſchwemmten Böden. 45 bruch bei Küſtrin, das Warthebruch zwiſchen Küſtrin und Lands⸗ berg und das von Bromberg bis Landsberg reichende, als Natur⸗ wieſe benutzte Netzebruch. In Ungarn der unerſchöpfliche Weizen⸗ boden der Theisebene, in Bulgarien der gleich fruchtbare Boden des Donautals. Und in der Lombardei das durch ſeine Winter⸗ wieſen berühmte Potal. In Nordamerika: das Schwemmland des Miſſiſſippi, des „Vaters der Ströme“, mit ſeinem weit in den Meerbuſen von Mexiko vorgeſchobenen Delta. In Südamerika das Stromland des Amazonas mit ſeinen zahlreichen Nebenflüſſen und der vor der Mündung angeſchwemmten Inſel Marajo. In Aſien: das von den Indern und Tigern bewohnte, von den Engländern beherrſchte Tiefland am Indus und Ganges. Und Meſopotamien, das Land zwiſchen Euphrat und Tigris mit den Ruinen des altberühmten Babylons. Schließlich in Afrika: Egypten, das Geſchenk des Nils, der vom Aquator kommend 32 Breitengrade durchfließt und mit ſeinen Überflutungen den Boden von ganz Unteregypten ſeit der Erbauung des hunderttorigen Thebens um mehr als 6 m erhöht hat. 3. Die angewehten Böden.— In der Natur ſind auch die angewehten Böden von den angeſchwemmten nicht ſcharf geſchieden, weil durch Vermiſchung allerlei Übergänge zuſtande kommen. Wir betrachten auch ſie der Überſichtlichkeit wegen getrennt für ſich. Nach der Art ihrer Entſtehung ſind ſie von anderen Bodenbildungen leicht zu unterſcheiden. Im Winter 1902/03 ſah ich in Zürich bei ſchönem, windſtillem Wetter um die Zeit des Sonnenuntergangs und eine Stunde nach ihm eine auffallende Himmelsröte, wohl zu unterſcheiden von dem gewöhnlichen Abendrot durch die hellroſenrote Farbe und die be⸗ deutende Höhe über dem Horizont. Dieſelbe Röte wurde in Nord⸗ deutſchland und ſelbſt im ſüdlichen Schweden beobachtet. Genauere Unterſuchungen ergaben, daß ſie auf Verunreinigung der Luft durch vulkaniſchen Staub zurückzuführen iſt, der durch den hochwehenden Aquatorialſtrom vom Mont Pelse auf Martinique in Weſtindien über den Atlantiſchen Ozean nach Europa geführt worden war. Für die Entſtehung des Bodens iſt die Erſcheinung inſofern von Belang, 46 Die Entſtehung des Grund und Bodens. als ſie das Vorkommen von Bodenbeſtandteilen erklärt, die den Ge⸗ birgen Europas fremd ſind.— Erinnern will ich auch an die Feuer⸗ kugeln der Meteorſteine, die als Sprengſtücke unbekannter Himmels⸗ körper auf unſre Erde gelangen. Das Blau des Himmels ſuchen die Gelehrten auf alle mög⸗ liche und unmögliche Weiſe, ſo auch durch die Annahme zu erklären, daß die Lichtſtrahlen ſich an dem in der Luft ſchwebenden Staube brechen. Tatſache iſt aber, daß der Himmel in Norddeutſchland niemals ſo tief blau erſcheint, wie in der Schweiz. Und der Himmel erſcheint auch mitten auf dem Weltmeer blau, wo doch die Luft ſehr rein und ſtaubfrei iſt. Die reine Luft beſteht in der Hauptſache aus Stickſtoff, Sauerſtoff, Waſſergas und Kohlenſäure. Als Ver⸗ unreinigungen enthält die Luft nicht bloß organiſche Stoffe in Form von Bakterien, Blütenſtaub, Humus⸗ und Kohleteilchen, ſondern auch eine ganze Reihe von Salzen, unter ihnen am reichlichſten kohlenſauren Kalk. Ein ausgiebiger Regen⸗ oder Schneefall reinigt die Luft von dieſen Beimengungen. So erklärt es ſich, daß man nach einem friſchen Schneefall die Reinheit der Luft beim Atmen förmlich riecht, und dennoch erſcheint der Himmel dann am ſchönſten blau.— Nach alledem kann das Blau des Himmels nicht auf der Anweſenheit, es muß vielmehr auf der Abweſenheit des Staubes beruhen. Je reiner die Luft, deſto blauer der Himmel. Warum? Von den Sonnenſtrahlen wird ein kleiner Teil in der Lufthülle der Erde direkt gebunden, der größte Teil geht hindurch, um vom Erdball zurückgeworfen und zerſtreut zu werden. So ent⸗ ſteht das weiße Luftlicht. Das weiße Licht hat einen ſchwarzen Hintergrund: das iſt der vom Ather erfüllte Weltraum. Auf dieſem Grunde und aus dieſem Grunde kommt der blaue Himmel zum Vorſchein. Das Licht ſelbſt wird nicht blau. Das Licht iſt weiß, und es bleibt weiß, auch wenn es den ſchwarzen AÄther durchdringt. Je höher wir ſteigen, deſto mehr verſchwindet das weiße Licht, deſto mehr tritt der ſchwarze AÄther hervor. Am Horizont erſcheint uns der Himmel hellblau, weil da das meiſte Licht. Bei Bern erſcheint er uns dunkler als bei Berlin, weil Bern rund 500 m höher liegt. Und in den Anden Südamerikas ſah A. v. Humboldt an einigen herrlich⸗wolkenloſen Tagen die Atmoſphäre um ſich herum dunkel⸗ſchwarz.— Mit dieſer einfachen Erklärung, die ich in dem Lehrbuch der Klimatologie 3. Die angewehten Böden. 47 von Lorenz und Rothe beſtätigt finde, werden jalle gelehrten Theorien abgelehnt. Kommen wir vom Himmel zurück auf die Erde, ſo läßt ſich der Landwirt den Staub gefallen, der beim Eggen entſteht, unter der Vorausſetzung, daß er auf dem eignen Lande niederfällt. Führt ihn der Wind fort, dann erfolgt ein empfindlicher Verluſt, weil die feinſten und wertvollſten Bodenteilchen davonfliegen auf Nimmer⸗ wiederſehn. Allgemein bekannt iſt der Straßenſtaub. Er entſteht auf die Weiſe, daß die Wagenräder das Geſtein des Schotters und Pflaſters zermahlen, während der leichtfüßige Wind und die ſchnell⸗ füßigen Räder das Steinmehl aufwirbeln und davontragen. Wird in der Stadt, wie in Halle a. d. S., mit Braunkohlen gefeuert, dann vermengt ſich der herabfallende Rauch mit dem Steinmehl, und es entſteht bei Regenwetter ein ſchwarzer Brei, der abgekratzt, ab⸗ gefegt oder abgebürſtet, ſamt den Pferdeäpfeln und dem anderweitigen Unrat zur Kompoſtbereitung benutzt werden kann. Weiter ab von der Stadt, wo die Reinigung der Straßen der Natur überlaſſen wird, fliegt der aufgewirbelte Staub auf das benachbarte Land, es an Pflanzennährſtoffen bereichernd. So erklärt ſich das Auftreten kalkſteter Pflanzen, wo vor dem Bau der Straße ſolche nicht zu finden waren. Gedenken müſſen wir hier ferner des Flugſandes, der bei ſtarkem Sturm wohl auch zur Wolke werden kann, wie der Straßen⸗ ſtaub, der aber für gewöhnlich doch auf andere Weiſe wandert. Der Flugſand iſt eine weiter und weiter gewälzte Strand⸗ düne. Das Meer hat Ebbe und Flut. Zur Zeit der Flut ſpült es den Sand weit über den flachen Saum der Küſte, zur Zeit der Ebbe läßt es ihn als Düne zurück. Sonne und Wind trocknen die Düne, und der Wind bewirkt die Wanderung. Er rollt Sandkorn für Sandkorn von der Seeſeite auf die Leeſeite. Das geſchieht ſo geſchwind wie der Wind, und bald iſt die Strandwelle zur Sand⸗ ſchelle geworden, die im Lauf der Jahre weiter und weiter wandert bis tief ins Land hinein. Auf dem Gut meines Vaters befinden ſich zwei niedrige, nur 1—3 m hohe Sandhüge!, in der flachen Ebene Elsberg und Voß⸗ berg genannt, weil der Fuchs ſeine Höhle hineingräbt. Sie ſind nichts anderes als zwei Sandſchellen, die von der Oſtſee bis 48 Die Entſtehung des Grund und Bodens. in den Winkel gewandert ſind, wo die Provinzen Poſen, Weſt⸗ preußen und Brandenburg zuſammenſtoßen. Die eine überzog ſich wegen ihrer feuchten Lage von ſelbſt mit Erlengeſträuch und Brom⸗ beerranken, die andere, größere hat mein Großvater durch Beſäen mit Sandhafer befeſtigt und durch Bepflanzen mit Kiefern und Birken nutzbar gemacht. Für die Bodenbildung iſt der Flugſand inſofern von Bedeutung, als er ſchädlich und verderblich wird, indem er beſſeres Land über⸗ deckt und unter ſich begräbt. Er gewährt aber auch ſeinen Nutzen, indem er Material liefert zur Glasfabrikation, zur Mörtelbereitung und zur Verbeſſerung des Torf⸗ und Moorbodens. Die wichtigſte und wertvollſte Erſcheinung unter den angewehten Böden iſt der Löß, bei dem man Lößmergel und Lößlehm unter⸗ ſcheidet. Der Lößlehm iſt durch Auslaugen des Kalkes aus dem Lößmergel entſtanden, ebenſo wie der Diluviallehm aus dem Diluvial⸗ mergel, und Lößlehm und Lößmergel ſind urſprünglich ein und die⸗ ſelbe geologiſche Bildung. Der Löß iſt ſehr verbreitet. Ich habe ihn bei Guttenberg in der Nähe von Halle in mächtiger Ablagerung gefunden, in größerer Ausdehnung mit tiefeingeſchnittenen, ſenkrechten Hohlwegen bei Weißenfels an der Saale, ferner am Rande des Odenwalds bei Auerbach an der Bergſtraße und auch in der Schweiz bei Walters⸗ burg, ½ Stündchen von Aarau. Die größte Verbreitung aber hat er in der Mongolei, wo Richthofen die Art der Entſtehung ſtudiert und ſeine Theorie begründet hat. Ich bekenne mich als Anhänger dieſer Theorie, aus dem einfachen Grunde, weil der Löß überall, wo ich ihn anſtehend fand, dieſelbe luftig⸗lückige, fein⸗ und gleich⸗ körnige Struktur zeigt, derzufolge er Jahrhunderte lang in ſenk⸗ rechten Wänden ſtehen bleibt, was bei den angeſchwemmten, aus dem Waſſer abgeſetzten Bodenbildungen nicht vorkommt. 4. Der Boden und die Lebeweſen.— Es handelt ſich hier nicht um die Bedeutung des Bodens als Wohnſtätte und Nahrungs⸗ quelle für die organiſche Welt, unſere Aufgabe iſt vielmehr, den Einfluß der Lebeweſen auf die Entſtehung des Bodens kurz zu beleuchten und zu ſchildern. Was zunächſt die Tierwelt betrifft, ſo haben die Tiere während hres Lebens inſofern einen Einfluß, als ſie durch ihre feſten und 4. Der Boden und die Lebeweſen. 49 flüſſigen Auswurfſtoffe eine Anderung und Vermehrung der Sub⸗ ſtanz des Bodens herbeiführen, wobei die Miſtkäfer und Regenwürmer die Verarbeitung der unverdauten Stoffe übernehmen. Nach dem Tode fällt der ganze Tierleib der Zerſetzung anheim, indem die fäulnis⸗ und verweſungserregenden Bakterien nebſt den Aaskäfern und„Totengräbern“ ihre geſundheitspolizeiliche Tätigkeit entfalten. Die Umwandlung der pflanzlichen Abfälle und Rückſtände in humus⸗ haltige Erde beſorgen, in Gemeinſchaft mit den mitkroſkopiſch kleinen Bakterien, in ausgiebiger und unerſetzlicher Weiſe in ihrem für dieſen Zweck beſonders eingerichteten Verdauungsapparat die fingerlangen, nur bindfadendicken bis armlangen und daumendicken Regenwürmer, wie ſie der Zoolog Konrad Keller aus den afrikaniſchen Urwäldern mitgebracht hat. Hier wie dort beteiligen ſich dieſe nützlichen Erd⸗ bewohner großer und kleiner Art an der Entſtehung, Bearbeitung und Bereicherung des Grund und Bodens, ſo daß der Ausſpruch berechtigt erſcheint: Die Regenwürmer ſind die getreuen Ge⸗ hülfen der Bodenkultur. Was zweitens die Pflanzenwelt betrifft, ſo haben wir auch hier an die geheimnisvolle Arbeit der unſichtbaren, aber überall ver⸗ breiteten Bakterien, ſowie an die Tätigkeit der unanſehnlichen, aber überaus wichtigen Flechten(Algen und Pilze) zu erinnern, die mit einer Ausdauer und Lebenszähigkeit ohnegleichen den härteſten Fels zerſetzen und in Steinmehl verwandeln. Gewöhnlich ſiedeln ſie ſich auf der Außenfläche an, ich habe ſie aber auch, wenn der Froſt vor⸗ gearbeitet hatte, auf den Spaltflächen im Innern des Geſteins ge⸗ funden. Indem ſie, abſterbend und vermodernd, das Steinmehl an Humus bereichern, laſſen ſie einen Boden zurück, auf und in dem die Mooſe gedeihen, und nach deren Vermoderung erſcheinen humus⸗ liebende Gräſer neben den felszerſtörenden Saxifragen. Alll⸗ mählich ſtellen ſich auch Kräuter und Sträucher und Bäume ein, deren lange und kräftige Wurzeln in die Felsſpalten eindringen, durch ihre ſcharfen Ausſcheidungen das Geſtein chemiſch zerſetzen und anätzen und durch ihr Dickenwachstum mechaniſch angreifen und auseinanderſprengen. Aber auch ihre Lebenskraft erſchöpft ſich, und bei ihrer Verweſung kehren die Mineralſtoffe in den Boden zurück, dem ſie entnommen ſind, während die Humusſtoffe ſich unter geeigneten Verhältniſſen als Torf und Moor anſammeln, oder zu Nowacki, Bodenkunde. 6. Auflage. 4 50 Die Entſtehung des Grund und Bodens. Kohlenſäure, Waſſer und Ammoniak zerſetzt, den Kreislauf des Stoffs erneuern. Langſam erſtarrt und erkaltet des Erdballs glühende Kruſte, Und in dem irdiſchen Stoff regt ſich der himmliſche Keim. Wechſelnd in ewigem Fluß folgt ein Geſchlecht nach dem andern, Als der Menſch erſchien, fand er die Tafel gedeckt. Wie die Bewohner ſich mehrten, da mußten ſie pflanzen und ſchaffen, Und im Schweiß des Geſichts ißt du dein tägliches Brot. Praktiſcher Teil. nleitung zur Unterſuchung, Klaſſifikafion und Karfierung des Srund und Bodens. Wenn wir den landwirtſchaftlichen Wert eines Grundſtücks ermitteln wollen, ſo hat die Unterſuchung, falls ſie vollſtändig ſein ſoll, folgende Verhältniſſe zu berückſichtigen: 1. Die wirtſchaftliche Lage(Verkehrs⸗, Abſatz⸗, Arbeiter⸗ verhältniſſe uſw.). 2. Die klimatiſche Lages(geographiſche Breite, Höhe über dem Meer, Regenmenge, Hagelgefährlichkeit uſw.). 3. Die Beſchaffenheit des Grund und Bodens. Mit dem beſtimmten Hinweis auf ihre große Bedeutung für die Beurteilung des Landes bezüglich ſeiner Fruchtbarkeit und ſeines Reinertrages laſſen wir die wirtſchaftliche und die klimatiſche Lage hier unerörtert und beſchränken unſere Betrachtungen auf die Boden⸗ verhältniſſe. Im beſonderen iſt es der Zweck der angeſchloſſenen Schrift, den angehenden Landwirt und Kulturingenieur durch eine Anleitung zur einfachen Bodenunterſuchung auf praktiſchem Wege zur Kenntnis des Bodens zu führen. Bei der Unterſuchung des Bodens kommen vornehmlich in Betracht: I. Die Geſtalt der Oberfläche. II. Die Lagerungsverhältniſſe. III. Die Bodenbeſtandteile und Bodenarten. 4* Die Seitalt der Oberfläche des Bodens. In der Geſtalt der Oberfläche kommt zum Ausdruck, um wie⸗ viel der Boden von der wagerechten Fläche abweicht. Iſt die Ab⸗ weichung gering, ſo nennen wir den Boden eben, iſt ſie beträchtlich, ſo nennen wir ihn geneigt. Der ebene Boden.— Der wagerechte oder horizontale Boden bildet eine Ebene; er gleicht in bezug auf die Geſtalt der Oberfläche einem See. Deshalb braucht man in der Bodenkunde wie in der Umgangsſprache die Ausdrücke horizontal und eben meiſt als gleichbedeutend; man nimmt überhaupt, und zwar mit Recht, beide Ausdrücke nicht mathematiſch genau. Wir finden den ebenen Boden hauptſächlich in den Flußtälern und am Rande, namentlich am oberen Ende der Seen. Insbeſondere haben viele, aber keineswegs alle Torf⸗ und Riedwieſen eine ebene Oberfläche, weil hier das Land meiſt durch Zuwachſen eines Sees entſtanden iſt. Das ebene Land iſt denn auch der UÜberſchwemmung und der Verſumpfung am häufigſten ausgeſetzt, und dieſen Um⸗ ſtand hat man bei Beurteilung der Oberfläche beſonders in Er⸗ wägung zu ziehen. An Flußufern beſteht überdies die Gefahr, daß der Boden vom Waſſer unterſpült und fortgeriſſen wird, um ſo mehr, wenn die Schiffer mit ihren Ankern das Land verwunden. Der geneigte Boden.— Der geneigte Boden kann eine gleichmäßige und regelmäßige Neigung beſitzen; wir ſprechen dann von einer ſanften oder mäßigen oder ſteilen Abdachung des Geländes. Der geneigte Boden kann aber auch unregelmäßig und verſchiedenartig geneigt ſein; dann bedienen wir uns der Ausdrücke: muldenförmig, keſſelförmig, wellenförmig, terraſſenförmig, hügelig, bergig uſw. Eine nähere Erklärung der genannten Ausdrücke erſcheint nicht nötig, weil ſie ſich von ſelbſt verſtehen. — 8————— 2 els un vie d A rittlt, zentale ſtut de denbnd d edben vor ni ußtälen eſonder ne eben 6 S nnung ſen Ua⸗ n gr t. N d, un vunden. m eir ſrreten achung lnäßig vir un örmig, Nlärung mſebt Bedeutung der Oberflächengeſtalt für die Benutzung des Bodens. 53 Bedeutung der Oberflächengeſtalt für die Benutzung des Bodens.— Alle dieſe Verhältniſſe müſſen aber ſorgfältig beachtet werden, wenn es ſich um die Unterſuchung und Beurteilung des Bodens handelt, denn die Art und der Grad der Neigung ſind auf die land⸗ und forſtwirtſchaftliche Benutzung des Landes von größtem Einfluß. Bei einer Neigung von 1—20 eignet ſich der Boden am beſten zum Ackerbau; völlig ebene d. h. horizontale Lage iſt namentlich bei ſchwerem, undurchläſſigem Boden weniger günſtig, weil ſie den natürlichen Waſſerabfluß behindert, und aus Mangel an Gefäll auch die künſtliche Ableitung des Waſſers erſchwert oder ganz unmöglich macht. Leidet der Boden nicht an Näſſe, was bei durchlaſſendem Untergrunde der Fall ſein wird, ſo hat die ebene oder annähernd ebene Lage für die Zwecke des Ackerbaues in allen Beziehungen den Vorzug. Die Vorteile der ebenen Lage ſind folgende: 1. Die Flur⸗ und Feldeinteilung wird erleichtert; man kann in jeder beliebigen Richtung gerade Grenzen und gerade Wege ziehen. Die Grundſtücke oder Schläge erhalten die Form eines Rechtecks. 2. Alle Feldarbeiten werden erleichtert. Man kann in jeder Richtung(längs und quer) pflügen; die Furchen verlaufen gerade und wagerecht, wodurch die Zugkraft verringert, eine gleichmäßige Tiefe und Breite der Pflugſtreifen, alſo auch eine beſſere Arbeit ermöglicht wird. Ebenſo wird die Anwendung der Egge, der Walze, der Drillmaſchine, der Mähmaſchine erleichtert. Desgleichen die Zufuhr des Düngers und die Abfuhr der geernteten Feldfrüchte. Hemmvorrichtungen an den Wagenrädern ſind nicht erforderlich. 3. Die Anfeuchtung des Bodens durch Regen und Schnee, ſowie die Erwärmung und Beleuchtung durch die Sonne iſt eine gleich⸗ mäßige. Daraus reſultiert ein gleichmäßiger Stand der Kultur⸗ pflanzen. 4. Das Fortſchwemmen der Boden⸗ und Düngerteile iſt weniger oder gar nicht zu befürchten, weil das Regenwaſſer nicht ins Fließen kommt, es ſei denn, daß Beet⸗ und Waſſerfurchen vorhanden ſind. 5. Ein weſentlicher Vorteil der ebenen Lage beſteht auch noch darin, daß ſie die Aufſicht und Überſicht der Feldarbeiten erleichtert. Der Wirtſchaftsdirigent überſieht von jedem Punkt ſeiner Feldmark, ob die Karre im Gang iſt, und wenn nicht, wo es hapert. Ebenſo 54 Die Geſtalt der Oberfläche des Bodens. wird erleichtert die Überwachung der Felder gegen Diebſtahl, gegen Weiden von fremdem Vieh. Es kann ſich niemand hinter den Berg verſtecken, weil kein Berg da iſt. Die Vorteile und Nachteile der geneigten oder bergigen Lage ergeben ſich hiernach von ſelbſt. Die Geſpannarbeit, die ſchon bei 10° ihre Schwierigkeiten hat, erreicht bei 15° ihre Grenze. Bei 10— 20° Neigung gegen Süd, Südoſt oder Südweſt eignet ſich der Boden innerhalb der klimatiſchen Höhengrenzen am beſten zum Weinbau. Beträgt die Neigung 20— 40“°, ſo iſt das Ter⸗ raſſieren der Rebberge geboten. Steile Abhänge nach Nord, Nordoſt und Nordweſt eignen ſich nur zum Waldbau und zum Wieſenbau, doch iſt das an der Schattenſeite erzeugte Futter ärmer an Kleearten und würzigen Kräutern und deshalb weniger ſchmackhaft und nahr⸗ haft als das an der Sonnenſeite gewachſene. Bei 40° Neigung kann der Boden nur noch zum Waldbau benutzt werden. An Abhängen über 450 hält ſich kein Boden mehr. Kommen Bäume, Sträucher, Kräuter und Gräſer an ſteilen Fels⸗ wänden vor, ſo wachſen ſie auf den ſanfter geneigten Terraſſenbändern, oder ſie zwängen ſich mit ihren Wurzeln in die Klüfte und Fugen der Felſen, in denen auch der Boden einigen Halt findet, zumal wenn er durch die Wurzeln umklammert wird. Nur der Lößboden bleibt wegen ſeines eigentümlichen Gefüges ſenkrecht ſtehen, ohne ſich abzuböſchen. Näheres hierüber folgt weiter unten. Die Geologen⸗Buſſole.— Obwohl es in vielen Fällen für die Praxis genügen wird, die Neigungsverhältniſſe einfach mit dem Auge zu ſchätzen, ſo iſt es doch von Wert, ein Inſtrument zu be⸗ ſitzen, mittels deſſen man den Neigungswinkel meſſen kann, um ſo mehr, da ſelbſt ein geübtes Auge ſich leicht trügt und namentlich die Neigung des Bodens oft überſchätzt. Für dieſen Zweck dient die Geologen⸗Buſſole.(Abb. 3, S. 55.) Das iſt ein einfaches, handliches und praktiſches Inſtrument in Geſtalt einer Taſchenuhr. Hält man die Buſſole wagerecht, ſo kann man nach der Stellung der Magnetnadel die Himmelsrichtung beſtimmen, alſo auch genauer ermitteln, ob der betreffende Abhang nach Nord, Nordoſt oder Oſt⸗ nordoſt geeignet iſt uff. Stellt man dagegen das Inſtrument, nachdem man einen Haken aus der Meſſingfaſſung herausgezogen, aufrecht auf eine Setzlatte der gei guße meſſ Rich und gehen n Derg rgigen e ſchn 1 einne beſen 3 da. Nurdoi enbau lautn uuhr⸗ lde nehr. Fl⸗ indem, Juhen zuna Fboden ſe ſt enfür t den zu be un ſ enlch b. 3 ument ellung nauet Dſ⸗ hatn glate Geologen⸗Buſſole. 55 oder einen Maßſtab, ſo gibt ein leicht beweglicher, pendelartiger Zeiger den Grad der Neigung an. Die Magnetnadel wird hierbei außer Tätigkeit geſetzt. Will man alſo die Neigung des Bodens meſſen, ſo legt man z. B. eine gerade Meßlatte in der mutmaßlichen Richtung des Abhanges mit der hohen Kante feſt auf den Boden und ſetzt die Geologen⸗Buſſole auf die Latte; dann kann man ſofort Geologen⸗Buſſole. an dem Inſtrument ableſen, ob der Boden horizontal iſt oder nicht, und wieviel Grad die Neigung beträgt. In Figur 3 zeigt die Spitze des Zeigers, die nach innen gerichtet iſt, eine Neigung von 25° oder, genauer genommen, etwas über 250. Das Nivellierinſtrument.— Handelt es ſich um die Er⸗ mittlung und Darſtellung der Neigungs⸗ oder Gefällverhältniſſe eines größeren Gebietes, dann genügt die Geologen⸗Buſſole nicht, ſondern dann muß das Nivellierinſtrument zu Hülfe genommen werden. Die Handhabung des Nivoelierinſtrumentes erfordert zwar einige Ubung, iſt aber immerhin eine verhältnismäßig einfache Sache. Zwei 56 Die Geſtalt der Oberfläche des Bodens. oder drei Punkte auf ihre gegenſeitige Höhenlage mit dem Nivellier⸗ inſtrument zu vergleichen, ſetzt beiſpielsweiſe kaum ſoviel Kunſtfertigkeit voraus, als eine gerade Linie zu pflügen oder die Mähmaſchine zu lenken. Es iſt daher wohl nicht zu viel verlangt, wenn wir dem Landwirt zumuten, daß er ſich bei leichteren Fragen des Nivellier⸗ inſtrumentes zu bedienen verſteht. Jeder Landwirt ſollte z. B. im⸗ ſtande ſein, den richtigen Zug eines Grabens oder einer Waſſer⸗ furche mit dem Nivellierinſtrument aufzuſuchen und abzuſtecken. Die ſchwierigeren Aufgaben mag er immerhin dem geübten und erfahrenen Geometer oder Ingenieur überlaſſen. Flurkarten mit eingezeichneten Horizontallinien.— Eine Beſchreibung der Konſtruktion und Handhabung des Niivpellier⸗ inſtrumentes würde uns hier zu weit führen; dagegen wollen wir nicht unterlaſſen, ſehr nachdrücklich hervorzuheben, daß eine geo⸗ metriſche Aufnahme, auf der die Gefällverhältniſſe durch Horizontal⸗ linien(Horizontalkurven) mit gleichem Höhenabſtand(Aquidiſtanz) eingezeichnet ſind, die unerläßliche Grundlage bildet für die richtige Behandlung einer Feldflur in landwirtſchaftlicher und kulturtechniſcher Hinſicht. Die Flur⸗ oder Schlageinteilung, die Weganlage, die Möglichkeit der Entwäſſerung und Bewäſſerung, die Richtung der Beet⸗ und Waſſerfurchen, der Entwäſſerungs⸗ und Bewäſſerungs⸗ gräben, die Anordnung der Drainzüge uſw. ergibt ſich leicht und ſicher aus einer mit Horizontalkurven verſehenen Karte. Das Vor⸗ handenſein ſolcher Karten iſt ſowohl im Gebirgslande, wo Berg und Tal auf das mannigfaltigſte miteinander wechſeln, als auch im Flach⸗ lande, wo es oft ſehr ſchwer hält, dem Waſſer den nötigen Abfluß zu verſchaffen, eine Sache von der allergrößten Wichtigkeit, und es wäre im Intereſſe der Hebung der Bodenkultur ſehr zu begrüßen, wenn der nun bald vollendete topographiſche Atlas der Schweiz recht fleißig benutzt und zu landwirtſchaftlichen Zwecken in vergrößertem Maßſtabe gezeichnet würde. Andere Länder, denen ein topographiſcher Atlas noch fehlt, mögen ſich die Schweiz zum Muſter nehmen. Die bereits vorhandenen älteren Flurkarten bedürfen vielfach der Reviſion und Berichtigung. Es ſollte jede größere Gutswirtſchaft, wenn immer möglich, auch jede Gemeinde eine derartige Aufnahme von ihrer Feldflur beſitzen und die betreffende Karte an einem leicht zugänglichen Platze in dem Gemeinde⸗ oder Schulhauſe zur all⸗ gemeinen Einſicht anbringen oder bereit halten. Bei dem Vorhanden⸗ üvelier ferdite ſcine n vit den Uielier d in Piſer en. di fahrene - Ene relier ln vi ne ge⸗ räenur idiin) nittie triche ge, de ung de ſerung tt ud G lu⸗ an ud gat⸗ Ahſuij und e giin, hrt zerten vith n. de eriſo wpvem ne un liitt ur al⸗ ander Flurkarten mit eingezeichneten Horizontallinien. 57 ſein der nötigen Lehrmittel wäre es auch wohl durchführbar, der heranwachſenden Jugend bei Gelegenheit des erdkundlichen oder mathematiſchen Unterrichtes ein Verſtändnis von der Bedeutung der Horizontallinien beizubringen. Eine praktiſche und anſchauliche Übung dazu wäre folgende: In der Turnſtunde ſtellt der Lehrer mit Hülfe des Nivellierinſtrumentes ſämtliche Schüler an einem Ab⸗ hang oder Hügel mit den Hacken ſo auf eine Horizontallinie, daß die Schüler 5— 10 Schritt voneinander entfernt ſind; ſteckt dann jeder Schüler an ſeinem Standort einen Turnſtab oder eine Bohnen⸗ ſtange in die Erde, ſo iſt eine Horizontallinie im Terrain abgeſteckt. Iſt der Abhang gleichmäßig geneigt wie ein Dach, ſo wird die Horizontallinie eine gerade Linie darſtellen. Iſt der Abhang ge⸗ krümmt, ſo wird auch die Horizontallinie in krummer Richtung ver⸗ laufen uſw. Eine einzige ſolche Übung hilft mehr als zehn Lehr⸗ ſtunden. Die am Schluſſe dieſes Buches angeheftete Flur⸗ und Boden⸗ karte(die freilich aus Mangel an Raum nur ein Stück einer ſolchen darſtellt) kann zur Veranſchaulichung der Horizontalkurven dienen. In der Natur erſcheint die betreffende Landfläche— eine unter viele Beſitzer geteilte Riedtorfwieſe— ganz eben und hori⸗ zontal. Die auf der Karte eingezeichneten rotgelben und mannigfach gekrümmten Horizontalkurven laſſen aber ſofort erkennen, daß die Fläche in der Richtung von links oben nach rechts unten um mehr als 4 m geneigt iſt, denn es ſind 5 Horizontalkurven, bezeichnet mit den Zahlen 416— 420, vorhanden und der Höhenabſtand oder die Aquidiſtanz von je zwei benachbarten Horizontalkurven beträgt auf der vorliegenden Karte überall 1 m. Man erſieht auch ſofort, daß die Neigung oder das Gefäll der Bodenoberfläche dort ſtärker iſt, wo die Horizontalkurven, wie bei Probegrube 2, näher beieinander liegen als dort, wo ſie, wie bei Probegrube 1 und 3, weiter von⸗ einander entfernt ſind. Ja, man kann ſogar aus der Karte ent⸗ nehmen, wieviel Prozent Gefäll die Bodenoberfläche an jedem Punkt der Karte hat. Wie unter der Karte geſchrieben ſteht, iſt der Maß⸗ ſtab 1: 10 000, das heißt 1 mm auf der Karte entſpricht einer Länge von 10 m im Terrain. Greift man alſo z. B. bei der Probegrube 2 die Entfernung der Horizontalkurven mit dem Zirkel ab, wobei ſich, auf einem gewöhnlichen Maßſtab gemeſſen, 9 mm ergeben, ſo iſt das Geſäll auf 90 m 1 m, d. h. 1,1%. Bei der 58 Die Geſtalt der Oberfläche des Bodens. Probegrube 1 iſt die mit dem Zirkel abgegriffene Entfernung der Horizontalkurven 19 mm, folglich iſt das Gefäll der Bodenoberfläche hier auf 190 m 1 m, d. h. rund 0,5%. Bei der Probegrube 3, längs des Weges bb gemeſſen, iſt die Entfernung der Horizontal⸗ kurven 23,5 mm, folglich iſt das Gefäll der Bodenoberfläche hier auf 235 m 1 m d. h. rund 0,4%*) uſw. So läßt ſich auch aus der Karte erſehen oder abmeſſen und berechnen, wieviel Gefäll jeder Graben und wieviel Steigung jeder Weg hat.— Man erſieht ferner aus der ſtarken Krümmung der Horizontalkurven 416, 417 und 418, daß bei bbö eine ſanfte Vertiefung ſich befindet, daß alſo der Haupt⸗ graben neben dem Wege bb an der richtigen Stelle liegt. Ebenſo erſieht man aus der ſtarken Krümmung derſelben Horizontalkurven, daß der neben dem Wege gg verlaufende Hauptgraben gleichfalls in einer Vertiefung, alſo gleichfalls an der richtigen Stelle angeordnet worden iſt. Ferner erſieht man, daß alle Seitengräben das größt⸗ mögliche Gefälle haben, weil ſie die Horizontalkurven überall an⸗ nähernd rechtwinklig kreuzen. Eine ſolche Lage der Gräben war hier erwünſcht oder notwendig, weil das Gefäll überall ſehr gering iſt. Dabei wird kein einziges Grundſtück von einem Graben quer durchſchnitten; ſämtliche Grundſtücke ſind vielmehr mit parallelen Grenzen an das Graben⸗ und Wegenetz angepaßt. Ohne die auf das Nivellement geſtützten Horizontalkurven wäre kein Menſch im⸗ ſtande geweſen, einen gleich zweckmäßigen Flurplan zu entwerfen. Durch eine Geradelegung der Gemeindeſtraße wäre zwar eine noch etwas regelmäßigere Einteilung der Fläche möglich geworden, aber die Straße, die ſich in gutem Zuſtand befand, mußte zur Vermeidung bedeutender Koſten an ihrem alten Platz verbleiben. Schließlich ſei noch bemerkt, daß die bei den Horizontalkurven eingeſchriebenen Zahlen zugleich angeben, daß die betreffende Landfläche 416 bis 420 m über Meer gelegen iſt.(Vergl. C. Zwicky, Feldweganlage, Flureinteilung und Güterzuſammenlegung.) *) Ein Grundſtück, das auf die Länge von 100 m nicht mehr Ge⸗ fälle hat als 0,4 bis 0,5 m, ſcheint uns ganz horizontal zu ſein; daß es in Wirklichkeit geneigt iſt und gerade um ſoviel, wie angegeben, können wir nur mit dem Nivellierinſtrument oder allenfalls mit der Waſſerwage oder der Lotwage ermitteln. Die S. 55 erwähnte Geologen⸗Buſſole iſt im Grunde genommen nichts anderes als eine Lotwage. beine Nute Bod ande der jont g der fläche be 3 ontale e hier us der jeder ferner 418, zauyt ihenſo tepen in tdnet 1 lan⸗ war gerng gue lelen eauf d im⸗ rfen noch aber dung h ſei enen bis lage, r g⸗ es in n wir oder runde Flurkarten mit eingezeichneten Horizontallinien. 59 Hiernach wird wohl jeder Landwirt, der dieſer Sache bisher keine beſondere Aufmerkſamkeit zugewendet hat, von dem praktiſchen Nutzen der Horizontalkurven überzeugt ſein. Die Geſtalt der Bodenoberfläche läßt ſich ſchlechterdings in keiner anderen Weiſe einfacher, richtiger und anſchaulicher auf der Guts⸗ oder Flurkarte darſtellen als durch die Hori⸗ zontalkurven. Die lagerungsverhältniſie des Grund und Bodens. 1. Der ſenkrechte Schnitt oder das Proffl. Will man ſich ferner über die Lagerungsverhältniſſe des Grund und Bodens unterrichten, ſo muß man ſich den ſenkrechten Schnitt oder das Profil des Bodens auf irgend eine Weiſe klar zu machen ſuchen. Probegruben.— Anm ſicherſten und deutlichſten, aber freilich auch am koſtſpieligſten geſchieht dies durch Ausheben von Probe⸗ gruben auf 1, 2 oder 3 m Tiefe.(Abb. 4.) Auf kleinen Parzellen von 10—12 Ar Größe erreicht man meiſt mit einer einzigen Probegrube ſchon den Zweck, im übrigen muß man ſo viele Probegruben herſtellen, als nötig erſcheinen, um einen möglichſt richtigen Einblick in die Lagerungsverhältniſſe des Bodens zu gewinnen. Für gewöhnlich werden 5 oder 6 Probegruben pro Hektar genügen, unter Umſtänden kann aber auch die doppelte oder dreifache Zahl erforderlich ſein. Die Stellen, wo eingegraben werden ſoll, müſſen mit Umſicht ausgewählt werden, wobei die Geſtalt der Oberfläche, der Stand der Pflanzen und die Beſchaffenheit der oberen Bodenſchicht wertvolle Fingerzeige geben können. Wie überall, ſo wird auch hier ein geübter und gewandter Sachverſtändiger viel unnötige Arbeit erſparen.(Vergl. Tafel 1.) Bei dem Ausheben der Probegruben gräbt man nicht ein kreis⸗ rundes oder quadratiſches Loch in die Erde, ſondern man wählt am beſten die Geſtalt eines länglichen Rechtecks. An Abhängen richtet man die ſchmale Seite der Grube nach dem Berge hin, weil andern⸗ falls durch das vom Berge herabdrückende Grundwaſſer die Wände lech Spe dder P tefe ol der zun 1 Grund änitt klar n frelit probe⸗ m neſt e nui meinen Brdens ben py ite oder werden ſal de t obern eral, get 1 n bri⸗ ählt in n nit anden⸗ Pinde Probegruben. 61 leicht einſtürzen. Meiſt gelingt es, auch ohne Anwendung von Sperrbrettern bis auf 3 m Tiefe hinabzugraben. In ſchwimmendem oder breiartigem Erdreich muß man auf die Herſtellung tieferer Probegruben verzichten. Damit kein Unfall begegnet, ſollten bei tieferen Probegruben immer zwei Arbeiter zur Stelle, und außerdem ſollten einige Bretter und eine kleine Leiter zur Hand ſein. d(A L,N 1,. N9 9 Abb. 4. Bodenprofil(ſchematiſiert.) Um die Erdbewegung und die Arbeitskoſten bei dem Ausheben der Probegruben möglichſt zu vermindern, kann man folgende Maße zum Anhalt nehmen: Tiefe Breite Länge 1 m 0,40 m 1,20 m 2„ 0,60„ 1,60„ 3 0,90, 2,00„ 62 Der ſenkrechte Schnitt oder das Profil. Mit dieſen Zahlen möchten wir zugleich andeuten, daß es keineswegs immer nötig iſt, die Probegruben 3 m tief zu machen; es genügt vielmehr in den meiſten Fällen eine Tiefe von 1—2 m. Eine Verminderung der Arbeitskoſten läßt ſich auch noch dadurch erzielen, daß man nicht die ganze Länge der Probegrube bis zur vollen Tiefe aushebt, ſondern nur einen Teil. Z. B. bei 1,60 m Länge läßt man bei der Tiefe von 1m einen Erdklotz von 60 cm ſtehen und gräbt nur 1 m lang daneben bis zur vollen Tiefe (2 m) hinab. 3n allen Fällen iſt aber ſehr anzuraten, die Unterſuchung des Bodens ſofort nach Herſtellung der Probegrube vorzunehmen, denn man muß immer darauf gefaßt ſein, daß die Wände einſtürzen. Der Erdbohrer.— Weniger überfſichtlich und anſchaulich, aber oft ſchneller und billiger zum Ziele führend als die Herſtellung der Probe⸗ gruben iſt die Unterſuchung des Bodens mit dem Erdbohrer. Leider iſt dies Werkzeug dort nicht anwendbar, wo der Boden zu viele Steine ent⸗ hält. Ein kopfgroßer Stein, der in dem Bohr⸗ loch getroffen wird, ſtellt dem Erdbohrer ein unüberwindliches Hindernis entgegen; walnuß⸗ große Steine, wenn ſie nicht zu zahlreich ſind, vermag er herauszubrechen. In ſteinfreiem Boden leiſtet das Werkzeug vorzügliche Dienſte. Sind die Bedingungen für die Anwendung Abb. 5. gegeben, ſo kann man ſich mit dem Erdbohrer, Löffel⸗Erdbohrer. wie er für landwirtſchaftliche Zwecke hergeſtellt und benutzt wird, über die Lagerungsverhältniſſe des Bodens bis zu einer Tiefe von 3 m einen völlig genügenden Aufſchluß ver⸗ ſchaffen, wenn man die nötige Fertigkeit im Erkennen und Beurteilen der Bodenarten beſitzt. Es gibt Löffel⸗Erdbohrer und Schrauben⸗Erdbohrer. Die Löffel⸗Erdbohrer ſind nur dann zweckmäßig, wenn Bohrlöffel und Bohrſtange aus einem Stück beſtehen. Abb. 5 zeigt den Erdbohrer, der bei der Landſchaft der Provinz Sachſen im Ge⸗ brauch iſt, ein einfaches, dauerhaftes und wirklich praktiſches Werkzeug. daß machen -2n dadu bis ju 1,60 u 60 ch mTif ng d grube arauf Gtüch üllige Probe⸗ it dem trict ne enr bohr⸗ er en oluu⸗ Paden dendung dohrer rneſelt ens bü luß ver eurtele bohret ehebfl eigt de im be rabiſte Der Erdbohrer. 63 Unpraktiſch ſind dagegen die Löffel⸗Erdbohrer, bei denen der Löffel nicht feſt angeſchmiedet, ſondern nur angenietet iſt. Ein der⸗ artiger Erdbohrer iſt mir ſogleich beim erſten Verſuch zerbrochen. Ferner muß die Bohrſtange eine genügende Stärke und Widerſtands⸗ fähigkeit haben, ſonſt dreht ſie ſich beim Gebrauch in eine Spirale zuſammen, wie ein Pfropfenzieher. Bei einem Erdbohrer, der ſich in der Sammlung der eidgenöſſiſchen Techniſchen Hochſchule befindet, iſt die ſpiralige Drehung zu ſehen, obwohl die— vierkantige Stange einen Durchmeſſer von 16 mm 5 aufweiſt. Für tiefere Bohrungen iſt die Konſtruktion vorzuziehen, bei der der bohrende Teil eine kurze, flache Schraube bildet, während eine 4— 5 cm dicke, durch Anſchrauben mehrerer Stücke ver⸗ längerbare runde Stange die Bewegung der Schraube vermittelt. Mit einem ſolchen Erd⸗ bohrer habe ich ſchon Ende der 1860 er Jahre während meiner Studienzeit in Halle das Ver⸗ ſuchsfeld des landwirtſchaftlichen Inſtitutes auf 3 m Tiefe abbohren ſehen. Zur Bedienung ſind, je nach der Tiefe der Bohrung und der Be⸗ ſchleunigung der Arbeit, zwei bis drei kräftige Männer erforderlich. Dazu kommt noch der Werkführer, der immerfort zugegen ſein muß, um die Unterſuchung der heraufgeholten Boden⸗ proben vorzunehmen und aufzuzeichnen.— Eine ähnliche Konſtruktion zeigt der ameri⸗, 2 kaniſche Erdbohrer, der in Abb. 6 abgebildet 5—— iſt. Die aus einem Stück beſtehende Stange Abb. 6. hat hier eine feſte Länge von 1,5 m. Der Bohrer Schrauben⸗Erdbobrer. ſelbſt hat ſtählerne Schneiden, die, je nach der Breite, ein Bohrloch von 8, 10, 13, 16, 18, 21, 23 ½, 26, 31 cm Weite herſtellen. Bei der Bodenunterſuchung genügt für eine Tiefe von 1,5 m eine Lochweite von 10 cm, für eine Tiefe von 2—3 m eine ſolche von 12— 13 cm. Bei der Arbeit iſt es wichtig, daß genau ſenkrecht gebohrt und daß der Bohrer beim Herausheben nicht gedreht wtrd. Im übrigen wird jedesmal ein Erdpfropf von etwa 15 cm Länge heraufgeholt 64 Der ſenkrechte Schnitt oder das Profil. und ſogleich genau unterſucht. Wird zugleich die Tiefe des Bohr⸗ lochs gemeſſen, wobei die Stange des Erdbohrers als Maßſtab dienen kann, ſo ergibt ſich aus der Zuſammenſtellung der Einzelreſultate ein vollſtändiges und getreues Bild der aufeinanderfolgenden Boden⸗ ſchichten. Mit anderen Worten, wir erhalten auch auf dieſem Wege eine richtige Vorſtellung von dem ſenkrechten Schnitt des Bodens. Der Bohrſtock.— Der Bohrſtock iſt ein kleiner, handlicher Erdbohrer in Stockform. Seit lange iſt der Bohrſtock von Bennigſen bekannt. Aus dem Jahre 1904 ſtammt mein Normalbohrſtock, an deſſen Erfindung und Herſtellung drei Perſonen beteiligt ſind: mein Schüler Alois Günthart in Adliswil bei Zürich, der Mechaniker Jöge in Zürich und der Berichterſtatter. 1. Der Bohrſtock von Bennigſen iſt ähnlich eingerichtet wie ein Stockdegen. Die Bohrſtange iſt von Eiſen, die Hülſe von Holz. Der mit einer gehärteten Spitze verſehene halbzylindriſche Löffel des Bohrers hat eine Länge von 35 cm und einen Durch⸗ meſſer von 10— 12 mm. Bei der runden Stange genügt eine Stärke von 9— 10 mm. Die ganze Länge des Bohrers beträgt bei meinem Inſtrument nur 80 cm, darf aber bis 1 m betragen. Wichtig iſt, daß der Horngriff genügend ſtark und gut befeſtigt, daß das ganze Inſtrument überhaupt ſolid gemacht wird. Die Bohrſtöcke, die von Leipzig bezogen oder hier in Zürich nachgemacht wurden, ſind alle beim Gebrauch ſchadhaft geworden. Bald iſt der Bohrer zerbrochen, bald iſt der Griff oder das Meſſinggewinde für die Hülſe loſe ge⸗ worden, bald iſt der Griff oder die Hülſe geplatzt uſw. Der Bohr⸗ ſtock dagegen, den ich mir im Jahr 1871 von Halle mitgenommen, befindet ſich trotz häufiger Benutzung heute noch in brauchbarem Zuſtande. Bei der Anwendung wird der Bohrſtock von Bennigſen ſenkrecht und ohne zu drehen in den Boden gedrückt, beim Heraus⸗ ziehen dagegen fortwährend und zwar immer in demſelben Sinne (nach links) gedreht, damit die vom Löffel geſchöpfte Erde möglichſt vollſtändig in ihm ſitzen bleibt. Der Löffel füllt ſich zum Teil ſo, daß die geſchärfte Kante das Material abſchneidet, zum Teil füllt er ſich auch auf die Weiſe, daß die Erde beim Hinabſtoßen in den offenen Löffel hineingedrückt wird. Eine reine Probenahme geſtattet der Bohrſtock von Bennigſen nicht. 8 bahr b deene krſultw Blder diſen nit d ſandlte nnigſe ohrſtot igt in. rch, N merttt üſſm Undrich dug⸗ eSürt neinen tig i d gane e mm in al üroden, le p⸗ e büir nonmen, ucbern nnigſe heruu n Sinn nixich Tal ſ d fl nind eſtut Normalbohrſtock von Nowacki. 65 2. Der Normalbohrſtock von Nowacki.— Herr Alois Günthart wollte in den Oſterferien den Boden des väterlichen Gutes unterſuchen. Da ihm der Bohrſtock dazu fehlte, ſo ließ er ſich vom Dorfſchmied einen machen. An einen alten Gewehrlauf wurden Zähne gefeilt, an dem andern Ende ein Handgriff angebracht, und der Bohrer war fertig. Ein Stöpfel, hergeſtellt aus einem ſtarken Draht und einem Hirſchlederlappen, diente zum Entladen. Obwohl 2, in der Ausführung primi⸗ tiv, erwies ſich dieſer Bohr⸗ ſtock doch als brauchbar und zweckmäßig, und er gefiel mir beſonders wegen ſeiner Einfach⸗ heit. V Ich ließ daher nach dem 6 rohen und unvollkommenen 1 G Werkzeug von dem Präzi⸗ ſionsmechaniker Jöge den Normalbohrſtockan⸗ fertigen, wie ihn Abb. 7 darſtellt. 7 Der eine Hauptteil iſt der Bohrer B mit dem Griff gg, dem Lauf ll und den Zähnen z. Der Lauf iſt Stahl; der Griff Hartholz, das hier vor Abb. 7. Normalbohrſtock. dem Eiſen dieſelben Vor⸗ B der Bohrer, S der Stöpſel, s der Schieber. züge hat, wie bei dem Kolben und Schaft eines Gewehrs. Solide Verbindung iſt in der Präziſionsmechanik ſelbſtverſtändlich.— Zum Schutz der Zähne und der Spitze dient die Meſſingzwinge m. Der andere Hauptteil iſt der Stöpſel S mit dem Knopf k (Eiſen), dem Schieber s(Meſſing) und dem kegelförmig zugeſpitzten Bolzen b(Meſſing und gehärtetes Eiſen). Knopf und Bolzen ſind an der Stange feſt; der Schieber iſt beweglich, aber nur zwiſchen Nowacki, Bodenkunde. 6. Auflage. 5 — 12 66 Der ſenkrechte Schnitt oder das Profil. Knopf und Bolzen, ſo daß er nicht verloren gehen kann, und er bleibt an jeder Stelle der Stange ſtehen, weil er federt. Der Schiebers(Abb. 7) dient lediglich zur Feſtklemmung und Führung des Stöpſels in dem Bohrlauf, weil der Griff mit dem Bohrlauf in direkter Verbindung ſteht. Hierauf beruht ein weſentlicher Vorzug meines Normalbohrſtocks. Beim Gebrauch wird der Stöpſel in den Bohrlauf ge⸗ ſchoben. Dabei ſchneidet der Bolzen nicht ſtumpf mit den Zähnen ab, ſondern der nur zum Teil abgeſtumpfte Bolzen ſteht mit ſeiner kegelförmigen Spitze faſt 2 cm vor, wie Fig. 7 a bei b veranſchau⸗ licht. Nun drückt man, indem man ſich mit den Händen auf Knopf und Griff ſtemmt, den Bohrſtock 10, 20, 30 cm oder tiefer in den Boden, zieht den Stöpſel 10— 12 cm heraus, wobei man mit der rechten Hand den Knopf erfaßt und mit der linken Hand den Schieber feſthält, und dann beginnt in bekannter Weiſe das Bohren. Trifft man einen Stein, ſo hebt man den Bohrſtock heraus und verſucht an einer anderen Stelle. Der Bohrſtock iſt kein Steinbohrer, ſondern ein Erdbohrer. Es empfiehlt ſich, jedesmal einen Erdpfropf von nur 5 cm Länge heraufzuholen, weil die Erde ſich gewöhnlich ſo feſt in den Bohrlauf hineinzwängt, daß man über 5 cm hinaus doch nur ſtumpf, alſo zwecklos weiterbohrt. Nur in ſehr feuchtem und weichem Boden gelingt es, einen Erdpfropf von 8— 10 cm Länge zu faſſen. Ein längerer Erdpfropf iſt übrigens beim Hinausſchieben aus dem Bohr⸗ lauf ungeſchickter aufzufangen, und er muß doch zerbrochen werden, um Stück für Stück unterſuchen zu können. Ein Erdpfropf von 5 cm Länge hält ſich beim Hinausſchieben auf der koniſchen Spitze des Bolzens, und die Erdmenge reicht völlig aus zur Unterſuchung und Beſtimmung des Bodens. Im übrigen führen zwei Wege zum Ziel: Entweder man bohrt in ein und demſelben Bohrloch jedesmal 5 cm tiefer, oder man bohrt jedesmal ein anderes Loch an einer andern Stelle. Der zweite Weg verdient den Vorzug, denn er bedingt eine reinere Probenahme. Zum Hinausſchieben des Erdpfropfes dient der Stöpſel, der den Bohrlauf ſchließt und der immer erſt dann 10—12 cm heraus⸗ gezogen und durch den Schieber feſtgeſtellt wird, wenn das eigent⸗ liche Bohren beginnen ſoll. Nur ſo wird eine reine Probenahme erzielt. und a ng und it den ht ein uf ge dühnen tſeie nicher oxj n dn at der dier Vif deſuct ſnden 5 cn in den umyf Boden Ei Vohr⸗ erden, j von Sylte ucung bohrt Kbohr te De ne. el, de herau⸗ eigene enahme Normalbohrſtock von Nowacki. 67 Bei ſauberer und ſolider Ausführung berechnet der Mechaniker Jöge in Zürich den Preis für die gewöhnliche Länge von 90 cm mit Dezimetermaßeinteilung zu 20 Franken= 16 M. Für Torf⸗ und Moorböden kann der Normalbohrſtock mit entſprechendem Preiszuſchlag, in der Länge von 1 m, 1,20 m, 1,50 m, 1,80 m und 2 m geliefert werden. Denn hier läßt ſich der Bohrſtock ohne Schwierigkeit hineindrücken bis auf den Grund, um das unter dem Torf oder Moor anſtehende Material: Kalk, Mergel, Letten, Sand uſw. aus der Tiefe heraufzuholen. Beſonders bei Moorkulturen leiſten dieſe Inſtrumente zur Orientierung vortreffliche Dienſte. Zur Bedienung dieſer langen Bohrſtöcke ſind zwei Mann er⸗ forderlich. Den Bohrſtock gewöhnlicher Länge kann ein Mann hand⸗ haben und entladen, wenn er die nötige Kraft und Geſchicklichkeit beſitzt. Es empfiehlt ſich aber auch hier eine Arbeitsteilung, indem der Gehülfe das Bohren beſorgt, während der Werkführer die Unter⸗ ſuchung des Erdpfropfs übernimmt. Das Herausziehen des Bohr⸗ ſtocks aus dem luftdicht ſchließenden Boden wird erleichtert, wenn man den Griff abwechſelnd nach rechts und links bewegt. Die Menge der Erde, die der Bohrſtock faßt, iſt allerdings nur gering, aber für den Sachverſtändigen groß genug, um die Bodenart zu beſtimmen. Durch dieſes Inſtrument iſt das Problem in einfacher Weiſe gelöſt, aus einer beſtimmten Tiefe eine un⸗ vermiſchte Erdprobe heraufzuholen und der Beſichtigung und Unterſuchung zugänglich zu machen. Der Bohrſtock hat den großen Vorzug, daß eine einzelne Unterſuchung bis auf eine Tiefe von 90 cm nur 5, in ſchwierigen Fällen höchſtens 10 Minuten beanſprucht, ſo daß man in kurzer Zeit an vielen verſchiedenen Stellen des Feldes eine Probe nehmen und daher ein möglichſt vollſtändiges und richtiges Urteil über die Boden⸗ ſchicht gewinnen kann, die den Landwirt zunächſt angeht. Es ſteht auch nichts im Wege, mit dem Bohrſtock gewöhnlicher Länge bis auf 2 m einzudringen, wenn man zunächſt mit dem Spaten eine Probegrube von 1,10 m Tiefe aushebt und dann auf der Sohle der Grube mit dem Bohrſtock noch 90 cm tiefer bohrt. Durch dieſe Kombination von Probegrube und Bohrloch wird im Vergleich zur einfachen Probegrube bedeutend an Zeit und Arbeit geſpart. Die Sonde.— Für beſondere Zwecke, namentlich zur Unter⸗ ſuchung des Bodens auf Wieſenerz(Raſeneiſenſtein) dient die Sonde. 5 68 Der ſenkrechte Schnitt oder das Profil. Das iſt ein einfacher, runder, etwa 15 mm ſtarker und 1,20 m langer Eiſenſtab, der unten zugeſpitzt und oben mit einem Knopf oder Handgriff verſehen iſt. Beim Gebrauch wird die Sonde einfach ſenkrecht in den Boden geſtoßen; das Vorhandenſein von Wieſenerz, das meiſt in einer Tiefe von 30—60 em getroffen wird, macht ſich dem Gefühl und dem Gehör bemerklich, und man ſpürt auch, ob das Wieſenerz in geſchloſſenen Bänken oder in Geſtalt von Grus abgeſetzt iſt. Allenfalls kann auch ein gewöhnlicher Krückſtock mit feſter Zwinge und Spitze zur Sondierung des Bodens benutzt werden. Den Bohrſtock verwendet man für dieſe einfache Unterſuchung aus dem Grunde nicht, um die Spitze und die Schneidezähne nicht un⸗ nötigerweiſe abzunutzen.*) Beſichtigung der vorhandenen Einſchnitte und Erd⸗ blößen.— Zum Schluß wollen wir hier noch daran erinnern, daß man alle ſchon vorhandenen Einſchnitte und Erdblößen beſichtigen wird, um ſich über die Lagerung und ſonſtige Beſchaffenheit des Bodens zu unterrichten. Dahin gehören Eiſenbahn⸗ und Straßen⸗ einſchnitte, Gräben⸗, Ton⸗, Sand⸗, Kies⸗ und Mergelgruben, Stein⸗ brüche, Dohlen⸗, Brunnen⸗ und Kellerbauten, Erdſpalten, Rutſch⸗ flächen, Maulwurfshaufen uſw. Kurz, hier heißt es: Schau dich um! Was finden wir nun auf dem ſenkrechiten Schnitt des Srund und Bodens? Die Mächtigkeit des Bodens.— Unter Mächtigkeit ver⸗ ſteht man den Abſtand zwiſchen der äußeren Oberfläche des Bodens und dem in der Tiefe anſtehenden Fels. Die Mächtigkeit bezieht ſich alſo auf den ſenkrechten Schnitt von der oberen bis zur unteren Grenze des Grund und Bodens(Abb. 4). Im Flachlande wird der Fels in einer Probegrube von drei Meter Tiefe noch nicht getroffen. Wer ſein lebelang immer im Flachlande bleibt, hat überhaupt niemals Gelegenheit, die untere Begrenzung des Bodens zu ſehen. Hier gibt es wohl Feldſteine, als ſeltene Erſcheinung auch einmal einen erratiſchen Block von 1 chm *) Beſagte Unterſuchung hat einen doppelten Zweck. Erſtens muß das Wieſenerz herausgeſchafft werden, weil es dem Pflanzenwuchs ſchädlich iſt, und zweitens läßt es ſich zur Eiſengewinnung verwerten. Wn Knoj enric ſeren tt ſt c, ü Gro . ni verda. u u dt w it ver Boden⸗ bejet nteren n dre ner in unter dſein, 1 C 3 mj cdlch Mächtigkeit des Bodens. 69 Größe, aber der anſtehende Fels tritt nirgends zutage, und auch beim Keller⸗ und Brunnengraben trifft man nicht auf den Fels. Ich war 26 Jahre alt, als ich in dem Porphyrſteinbruch an der Saale, in der Nähe von dem berühmten Giebichenſtein, den erſten Fels zu Geſichte bekam. Die wohl kaum 20 m hohe Felswand machte einen ſo gewaltigen Eindruck auf mich, daß ich ſie jetzt, nach mehr als 50 Jahren, noch deutlich vor mir ſehe. Im Gebirgslande findet ſich der Fels ſchon in viel geringerer Tiefe, ſo daß die Mächtigkeit des Bodens hier oft nur 1—2 m be⸗ trägt. Dabei wechſelt die Mächtigkeit des Bodens ungemein. Von dem neuen Chemiegebäude in Zürich ſteht der ſüdliche Flügel mit ſeinem Fundament direkt auf dem Molaſſefelſen, der nördliche Flügel dagegen ruht auf langen Pfählen, die in den unergründ⸗ lichen Schlammboden ſo tief eingerammt wurden, bis die Spitze ebenfalls auf den Felſen ſtieß. Einige Schritte ſüdwärts von dem Chemiegebäude mußten in dem Garten der land⸗ und forſtwirtſchaft⸗ lichen Schule die Felſen an einer Stelle weggeſprengt werden, um die Gartenerde doch wenigſtens 1 m tief anlegen zu können. Der Molaſſefels war hier nicht ſichtbar geweſen, er ward vielmehr erſt beim Eingraben bloßgelegt. An anderen Orten, z. B. an der„böſen Seite“ im oberen Haslital, an den ſogenannten„hellen Platten“, ſteigt der Fels(in der eben bezeichneten Lokalität iſt es Granit) bis zur Oberfläche empor, ſo daß er gar nicht von einer eigentlichen Erdſchicht bedeckt iſt. Dieſe Verhältniſſe bezeichnet man, ſoweit ſie den Boden betreffen, mit den Ausdrücken: Flachgründigkeit und Tiefgründigkeit, in verſchiedenen Abſtufungen. Beide Ausdrücke werden mit dem Wort „Mächtigkeit“ zuſammengefaßt. Bei der Unterſuchung des Bodens wird die Mächtigkeit mit dem Maſßſtabe feſtgeſtellt, indem man von der äußeren, zutage tretenden Oberfläche des Bodens ſenkrecht bis zum Felſen hinabmißt. Zu dem Zwecke legt man am ſicherſten einen geraden Stab oben quer über die Probegrube hart auf die eigentliche Oberfläche des Bodens, hängt das Senkblei an und ſtellt den Maßſtab oder die Meßlatte ſenkrecht neben die Schnur. Auf dieſelbe Weiſe verfährt man bei allen Meſſungen, die ſich auf das Profil des Bodens be⸗ ziehen. Die Benutzung des Senkbleis iſt namentlich bei geneigtem Boden anzuraten. In der durch Abb. 4 dargeſtellten Probegrube 70 Der ſenkrechte Schnitt oder das Profil. beträgt die Mächtigkeit des Bodens in der Mitte 2,20 m, an der linken Seite 2,40 m und an der rechten Seite 2,55 m. Die Mächtigkeit des Bodens iſt von Bedeutung, weil ſie die Länge der Wurzeln beſtimmt. Bei manchen Kulturpflanzen, namentlich bei der Luzerne, hat man die Wurzeln bis auf 10 m Tiefe verfolgt. Bis zu dieſer Tiefe erſtrecken ſich auch die jähr⸗ lichen, auf dem Einfluß der Sonnenwärme beruhenden Temperatur⸗ ſchwankungen. Es iſt daher wünſchenswert, daß die Mächtigkeit des Bodens 10 m oder noch mehr betrage. Indeſſen genügt den meiſten Kulturpflanzen allenfalls noch eine Mächtigkeit von 1 m. Wird die Mächtigkeit noch geringer, ſo können ſich nur die flach⸗ wurzelnden Gewächſe, z. B. die Gräſer, normal entwickeln, doch leiden auch ſie auf ſo flachgründigem Boden leicht von der Trockenheit. Hat der flachgründige Boden, wie es oft vorkommt, eine ſtark geneigte Lage, dann iſt er nicht bloß der Gefahr des Fortſchwemmens, ſondern auch der Gefahr des Rutſchens ausgeſetzt. Angeſtammter und angeſchwemmter Boden.— Bei dieſer Unterſuchung hat man zugleich darauf zu achten, ob der Untergrund a) in den in der Tiefe anſtehenden Fels all⸗ mählich übergeht, oder ob er b) ſich ſcharf von dem Fels abgrenzt. a) Im erſten Fall iſt der Fels das Muttergeſtein, aus dem der auflagernde Boden durch Verwitterung entſtanden iſt: Angeſtammter Boden, Verwitterungsboden. Wir werden in dieſem Fall nicht allein die Art des Bodens, ſondern auch die Art des Muttergeſteins zu beſtimmen haben, wobei uns die geo⸗ logiſchen Karten gute Dienſte leiſten. Von beſonderem Wert ſind geologiſche Kantons⸗ oder Bezirkskarten, weil auf dieſen die im Gebiete vorkommenden Geſteins- oder Gebirgsarten noch ſpezieller zu erſehen ſind. Die Benutzung der Karten hat zwar einige Vor⸗ kenntniſſe in der Geologie zur Vorausſetzung; für den einzelnen Landwirt wird die Sache aber dadurch ſehr vereinfacht, daß er es auf ſeinem Territorium gewöhnlich nur mit einer einzigen oder mit einigen wenigen Gebirgsarten zu tun hat. b) Im zweiten Fall, nämlich dann, wenn eine ſcharfe Grenze zwiſchen Boden und Fels vorhanden iſt, hat der Boden hin⸗ ſichtlich ſeiner Entſtehung und Zuſammenſetzung nichts mit dem Grundgeſtein gemein, ſondern er iſt von anderswoher durch Ver⸗ län inn Bo wer an der eil ſ lanſe 10 u ejär erutur haite igt d n1n. ſac⸗ dc n d tonm, hr d zgeest R 0 d z al⸗ del n, alb en üt. vende uth d ie ger e ſid die in reile ge Vor nzebre Ga6 der ni Grenze en hin it den c We⸗ Angeſtammter und angeſchwemmter Boden. 71 mittlung des Waſſers— Meeresbildungen, Süßwaſſerbildungen, Gletſcherbildungen— auf ſeine jetzige Lagerſtätte geſchafft worden: Angeſchwemmter Boden, Schwemmlands⸗ oder Schwemm⸗ boden*). Dieſer Fall iſt der gewöhnliche im ſchweizeriſchen Mittel⸗ lande, d. h. auf dem Hochplateau, das ſich zwiſchen Jura und Alpen vom Bodenſee bis zum Genferſee erſtreckt. Das Grundgeſtein iſt hier faſt überall Molaſſe, von der bald eine Sandſteinſchicht, bald eine Mergelſchicht zu oberſt anſteht. Hier und da findet ſich auch Nagelfluh. Zuweilen tritt die Molaſſe zutage, in der Regel aber iſt ſie von angeſchwemmtem Boden(Ton, Lehm, Mergel, Sand, Kies uſw.) überdeckt, ſo daß die Wurzeln der Kulturpflanzen nicht in der Molaſſe ſelbſt, ſondern in dem auf ihr lagernden Schwemmlandsboden ſich verbreiten(Abb. 4).— Im norddeutſchen Flachlande iſt ebenfalls der angeſchwemmte Boden in großer Ausdehnung und Mächtigkeit vertreten. Wir finden daſelbſt an vielen Stellen in der Reihenfolge von oben nach unten die drei Schichten: Lehm, Mergel, Sand, die auch im Mittellande der Schweiz wiederkehren(Abb. 2 u. 4). Der Umſtand, daß auch bei unregelmäßiger Geſtaltung der Oberfläche zu oberſt immer der Lehm getroffen wird, ſpricht dafür, daß der Lehm durch Verwitterung aus dem Mergel entſtanden iſt; Lehm und Mergel gehören alſo in ein und dieſelbe geologiſche Formation. In den meiſten Fällen ſind dagegen die verſchiedenartigen Schichten in verſchiedenen Zeiten nacheinander aus dem Waſſer abgeſetzt worden. Schichten.— Dieſes Vorkommen von Schichten iſt bei der Beurteilung der Lagerungsverhältniſſe des Bodens ganz beſonders ins Auge zu faſſen. In der Regel ſind die Schichten, die man leicht an ihrer verſchiedenen Farbe und Körnung erkennt, bei dem Schwemmlandsboden viel deutlicher als bei dem Verwitterungsboden, bei dem ſie oft ganz fehlen. Die Mächtigkeit der einzelnen Schichten wird in der Probe⸗ grube gemeſſen, ebenſo mit der Geologen-Buſſole(Abb. 3) feſt— *) Die von Fallou eingeführten Ausdrücke: Grundſchuttgelände und Flutſchuttgelände werden in der Bodenkunde(oder ſollen wir Ge⸗ ländekunde ſagen?) am beſten vermieden, weil es unglückliche Wortbildungen ſind. Gelände iſt ſoviel wie Boden, Schutt iſt hier auch nichts anderes als Boden, folglich iſt Grundſchuttgelände= Grundbodenboden!! Das Wort „Grund“ darf zur Bezeichnung einer Bodenklaſſe ohnehin nicht benutzt werden, weil es in dem„Begriff„Grund und Boden“ bereits verbraucht iſt. 72 Der ſenkrechte Schnitt oder das Profil. geſtellt, ob die Schichten horizontal oder ob, und wie ſtark, und nach welcher Richtung ſie geneigt ſind. Außerdem wird natürlich die Bodenart der einzelnen Schichten beſtimmt und zugleich unterſucht, ob die Schichten durchläſſig oder undurchläſſig ſind. Eine durchläſſige Schicht ſetzt der Bewegung des Waſſers einen geringen, eine undurchläſſige Schicht ſetzt der Bewegung des Waſſers einen bedeutenden Widerſtand entgegen. Ein großer Gehalt an Steinen, Kies, Sand oder Humus kennzeichnet die durchläſſigen, ein großer Gehalt an Ton kennzeichnet die undurchläſſigen Bodenſchichten. Auch das Grundgeſtein iſt in der Regel undurchläſſig. Doch kommen auch undurchläſſige Kies⸗ und Sandſchichten vor; dies iſt der Fall, wenn Kies oder Sand durch ein Bindemittel feſt zuſammengekittet worden ſind, was be⸗ ſonders dadurch zu ſtande kommt, daß ſich Kalk oder Eiſen aus dem Bodenwaſſer niederſchlägt. Andererſeits iſt der Fels, der unter dem Erdreich anſteht, nicht immer undurchläſſig, weil er oft mit Spalten und Klüften durchſetzt iſt, die dem Waſſer den Abfluß geſtatten. Waſſerführende Schichten.— Die Durchläſſikeit einer Schicht erkennt man am deutlichſten, wenn ſie Waſſer führt, was immer beſonders bemerkt werden muß. Sind mehrere waſſerführende Schichten, getrennt durch undurchläſſige Schichten, übereinander vor⸗ handen, ſo iſt zu ermitteln, welche Schicht das meiſte Waſſer führt. In einer friſch geöffneten Probegrube läßt ſich dies ge⸗ wöhnlich leicht feſtſtellen, doch muß man ſich mit der Unterſuchung beeilen, ehe ſich die Grube mit Waſſer füllt. Grundwaſſer.— Qulllt aus einer oder mehreren Schichten des Bodens Grundwaſſer hervor, ſo läßt man nach Einmeſſung und Unterſuchung der Schichten das Waſſer etwa einen Tag lang in der Probegrube ſich ſammeln und mißt dann den Abſtand zwiſchen dem Waſſerſpiegel und der äußeren Oberfläche des Bodens*). Wenn es die Verhältniſſe geſtatten, wird man die *) Dagegen iſt es unzweckmäßig, die Waſſerſtandshöhe von der Sohle der Probegrube bis zum Waſſerſpiegel zu meſſen, weil die Sohle durch Hineinſtürzen von Erde oder Hineintreiben von Schlamm ſich oft unbemerkt erhöht. Kommt es, wie z. B. bei Waſſerrechtsprozeſſen, auf größere Ge⸗ nauigkeit an, dann ſchlägt man einen Pfahl in die Probegrube, mißt aber nicht dicht an dem Pfahl hinab, weil das Waſſer ſich an dem Pfahl in die Höhe zieht, ſondern man legt, und zwar jedesmal an ein und derſelben k, ud cichte iß dde vegun ett de tgegan zäche net d ün eKies San) ni he u den er dn Spalln ten. t eine t, vas prend er vor geſſer is ſe jcung cittm neſung ag lng bſtend rfläte nun di er oll le dud nbeyech ſele Ge it or lin d erjeben Grundwaſſer! 73 Meſſungen des Waſſerſtandes unter Rückſicht auf die Witterung öfter wiederholen. Dabei kann man folgende drei Fälle unter⸗ ſcheiden: a) Nähert ſich der Waſſerſpiegel bis auf wenige Zentimeter der Oberfläche, ſo iſt der Boden übermäßig naß und ſowohl auf Ackerland wie auf Wiesland der Entwäſſerung(Drainage) bedürftig. b) Bleibt der Waſſerſpiegel 50— 60 cm von der Oberfläche ent⸗ fernt, ſo iſt auf Ackerland auch noch die Entwäſſerung angezeigt. Auf Wiesland, das nicht zu trocken gelegt werden darf, wird bei dieſem Stande des Grundwaſſers eine Entwäſſerung nur dann not⸗ wendig ſein, wenn der Boden ſchwer iſt und ſonſtige Kennzeichen der Näſſe(Moos, Binſen, Riedgräſer uſw.) aufweiſt. c) Hält ſich endlich der Waſſerſpiegel, ſelbſt bei feuchter Witterung und hohem Grundwaſſerſtand, einen Meter von der Oberfläche ent⸗ fernt, ſo iſt weder auf Ackerland noch auf Wiesland eine Ent⸗ wäſſerung erforderlich. Hierzu bemerke ich noch, daß wir durch Beobachtung und Meſſung des Grundwaſſerſtandes in Probegruben oder Bohr⸗ löchern über die Durchläſſigkeit unſeres Bodens im großen ſicherer ins Klare kommen als durch künſtliche Experimente mit kleinen Erdproben. Liegt der Fall c vor, ſo iſt die Durchläſſigkeit erwieſen, oder es iſt wenigſtens erwieſen, daß wir von der Her⸗ ſtellung einer größeren Durchläſſigkeit mittelſt eingelegter Drain⸗ röhren Umgang nehmen können. In den Fällen a und b iſt ent⸗ weder die Durchläſſigkeit zu gering oder das Gefäll des Grund⸗ waſſers und der waſſerführenden Schicht iſt zu ſchwach, oder es ſteht in der näheren oder ferneren Umgebung dem Grundwaſſer ein mehr oder minder undurchläſſiger Damm im Wege uſw. Alles das kann und muß, nötigenfalls unter Mitbenutzung des Nivellierinſtrumentes⸗ durch Probegruben, Bohrlöcher oder anderweitige geologiſche Unter⸗ Stelle, die Meſſerklinge flach und feſt auf den Kopf des Pfahles, läßt den an den Gelenken feſtſtellbaren Maßſtab langſam an der Meſſerſchneide hinab und drückt ihn in dem Moment, wo das untere Ende des Maßſtabes den Waſſerſpiegel berührt, mit der Kante an die Meſſerſchneide. So kann man, wenn man dieſelbe Meſſung zur Kontrolle zwei⸗ oder dreimal wieder⸗ holt, die Höhe des Waſſerſpiegels bis auf 1 mm genau meſſen. Die Höhe verſchiedener, getrennter Waſſerſpiegel läßt ſich mit der Waſſerwage oder mit dem Nivellierinſtrument feſtſtellen und vergleichen. 74 Der ſenkrechte Schnitt oder das Profil. ſuchungen feſtgeſtellt werden, wenn auf kulturtechniſchem Wege eine gründliche und richtige Abhülfe geſchafft werden ſoll. Dagegen hat es ſehr geringen oder gar keinen Wert für die Beurteilung der Waſſerverhältniſſe eines Grundſtücks, mit entnommenen Bodenproben Verſickerungs⸗ oder Durchläſſigkeitsverſuche in gläſernen oder blechernen Gefäßen anzuſtellen, weil der eingefüllte Boden ganz anders gebaut und gefügt iſt als der auf ſeiner natürlichen Lagerſtätte oefindliche, „gewachſene“ Boden, zumal da dieſer in der Regel aus verſchiedenen Schichten beſteht, von denen einige durchläſſig, andere dagegen un⸗ durchläſſig ſind. Obergrund und Untergrund.— Die auf dem ſenkrechten Schnitt von oben nach unten folgenden Bodenmaſſen unterſcheidet man nach ihrer Lage als Obergrund und Untergrund(Abb. 4). Beide Ausdrücke können im ganz allgemeinen Sinn genommen werden, ſo daß Obergrund einfach den oberen Teil, Untergrund den ſich anſchließenden unteren Teil des Bodenprofils bezeichnet. Bei dieſer Auffaſſung, die für gewiſſe Fälle vorbehalten werden muß, läßt man die Grenze zwiſchen Obergrund und Untergrund ganz un⸗ beſtimmt. In der landwirtſchaftlichen Praxis verſteht man unter Ober⸗ grund meiſt nichts anderes als die Ackerkrume, die gewöhnlich infolge der Humusbeimengung dunkler gefärbt iſt als der Unter⸗ grund. Nach dieſer Auffaſſung iſt die Grenze zwiſchen Obergrund und Untergrund eine beſtimmte: der Untergrund fängt unmittelbar unter der Ackerkrume an, gleichviel, wie ſtark oder wie ſchwach die Ackerkrume ſein mag. Hat ein Feld z. B. eine Ackerkrume von 12 cm Tiefe, ſo greift die Pflugſchar mit dem 13. Centimeter ſchon in den Untergrund, und jeder Vorpflüger verſteht ſeinen Meiſter, wenn dieſer ihm ſagt: Pflügt mir nicht den toten Untergrund herauf! Dennoch decken die Begriffe Obergrund und Ackerkrume, wofür einige Oberkrume wollen, ſich nicht immer. Gräbt man von einem Felde die Acker⸗ oder Oberkrume ab und fährt ſie fort, ſo hat das Feld keine Acker⸗ oder Oberkrume, wohl aber hat es auch jetzt einen Obergrund, denn Obergrund iſt eigentlich und genau genommen nichts anderes als der obere Teil des Grundes, des Bodens, des Grund und Bodens. Das Wort„Oberkrume“ iſt ein Amphibium, das von dem Obergrund den Kopf und von der Ackerkrume den Schwe Unte kanen aſſen Acer jeden land zeich ein Kru krun Bode Erdt fläch Veg tatie ober Ackerkrume, Krume, Bodenkrume.— Muttererde. 75 Schwanz genommen hat; es ſetzt zu ſeiner Ergänzung das Wort „Unterkrume“ voraus; das gibt's aber nicht, und da Unterkrume keinen Sinn hat, ſo hat auch Oberkrume keinen Sinn. Dagegen paſſen Obergrund und Untergrund vortrefflich zuſammen. Die Ackerkrume, Krume, Bodenkrume.— Das Wort Ackerkrume iſt ſo ungemein treffend und bezeichnend, daß man es jedenfalls beibehalten wird, obgleich es auf das Wiesland, Weide⸗ land und Waldland nicht wohl bezogen werden kann, denn es be⸗ zeichnet eigentlich die vom Pfluge gelockerte Schicht. Will man ein allgemein umfaſſendes Wort, ſo kann man kurzweg ſagen: die Krume. Ich wüßte auch nicht, was ſich gegen das Wort„Boden⸗ krume“ einwenden ließe. Dagegen iſt das Wort Erdkrume in der Bodenkunde zu vermeiden, denn die Geologen verſtehen unter der Erdkrume die ganze Maſſe des Grund und Bodens von der Ober⸗ fläche hinab bis zum Fels. Gänzlich zu verwerfen iſt das Wort Vegetationskrume. Die Krume iſt nicht ein Beſtandteil der Vege⸗ tation; der Landwirt verſteht unter Bodenkrume vielmehr die obere Schicht des Erdreichs. Die Muttererde.— Das Wort Vegetationskrume iſt um ſo mehr entbehrlich, weil die deutſche Sprache noch ein anderes Wort gebildet hat, das viel ſchöner und viel bezeichnender iſt. Ich meine das Wort Muttererde. Mit dieſem Wort halten auch die Wörter: Pflanzenerde, Gewächserde, Humusſchicht, Kulturſchicht entfernt nicht den Vergleich aus, und das Wort Dammerde iſt in der Bodenkunde ganz zu ſtreichen, weil es gar keinen Sinn oder wenigſtens einen ganz anderen Sinn hat, als es hier haben ſoll. Anſtatt„Mutter⸗ erde“„Mutterboden“ zu ſagen, ſcheint mir aus ſprachlichen und ſach⸗ lichen Gründen nicht zweckmäßig zu ſein. Das Wort Muttererde iſt rein landwirtſchaftlich gemeint und wohl zu unterſcheiden von dem griechiſchen Demeter, Gemeter und von dem deutſchen Erdmutter und Mutter Erde, die mehr im poetiſchen und religiöſen Sinne genommen werden wollen. Unter Muttererde verſtehen wir die Schicht des Grund und Bodens, die die Pflanzen hervorbringt, und die zugleich in hervorragendem Maße die Eigenſchaft beſitzt, ſie zu ernähren. Ziemlich genau dasſelbe gilt auch von der Ackerkrume. Ackerkrume und Muttererde ſind, ſprachlich genommen, ſehr verſchiedene, techniſch genommen, ſehr nahe verwandte Begriffe, und beide Ausdrücke werden in der land⸗ 76 Der ſenkrechte Schnitt oder das Profil. wirtſchaftlichen Praxis in der Tat oft als gleichbedeutend gebraucht. Wenn ich zur Regulierung des Waſſerabfluſſes auf dem Hofe einige hundert Fuhren Erde vom Felde vor den Viehſtall ſchaffen will, dann kommt es auf dasſelbe hinaus, ob ich bei Beginn der Arbeit zu meinen Leuten ſage:„Räumt die Muttererde ab!“ oder:„Fahrt mir nicht die Ackerkrume fort!“ denn jeder Landarbeiter verſteht darunter, daß der fruchtbare Obergrund auf dem Felde bleiben muß. Worauf beruht die Fruchtbarkeit der Ackerkrume?— Die bevorzugte Fruchtbarkeit der Ackerkrume ergibt ſich aus folgenden Erwägungen: 1. Die Ackerkrume ſteht mit der atmoſphäriſchen Luft in unmittelbarer Berührung und Wechſelwirkung. Sie iſt dem Regen und dem Sonnenſchein, dem Froſt und der Hitze am ſtärkſten aus⸗ geſetzt. Durch die Beackerung wird der Zutritt und die Einwirkung der Atmoſphärilien noch unterſtützt. Aus dieſen Gründen iſt die Verwitterung des Geſteins im Obergrunde weiter fortgeſchritten als im Untergrund und der Obergrund infolgedeſſen reicher an aufnehm⸗ baren mineraliſchen Pflanzennährſtoffen. 2. Die Ackerkrume bereichert ſich auf Koſten der Atmoſphäre mit Pflanzennährſtoffen, denn ſie empfängt die Niederſchläge mit all den Stoffen, die darin ſind. Das Regenwaſſer enthält namentlich kohlenſaures, ſalpetrigſaures und ſalpeterſaures Ammoniak. 3. Die natürliche und künſtliche Düngung kommt zunächſt der Ackerkrume zugute. Dabei denken wir, abgeſehen von den unter 2 angeführten Ammoniakſalzen, an die mineraliſchen, pflanzlichen und tieriſchen Subſtanzen, die dem Boden teils ohne, teils mit Zutun des Menſchen einverleibt werden. 4. Die natürliche und künſtliche Bearbeitung des Bodens kommt ebenfalls ausſchließlich oder doch vorwiegend der Ackerkrume zu⸗ ſtatten. Die künſtliche Bearbeitung geſchieht mit den Ackergeräten. Die natürliche Bearbeitung wird bewirkt durch den Froſt, durch die Pflanzenwurzeln und durch die Tiere, die im Boden leben. Ins⸗ beſondere iſt auf die Tätigkeit der Regenwürmer hinzuweiſen, denen von manchen Seiten die Herſtellung der ganzen Ackerkrume zu⸗ geſchrieben wird. 5. Durch die merkwürdige Eigenſchaft der Abſorption hält die Ackerkrume die wertvollſten Pflanzennährſtoffe in ſich feſt, ſo daß ſie von dem verſickernden Regenwaſſer nicht in den Untergrund gebreutt e ein ffen di er Arhe t. par rderſe den nn ume!- fälgen Aft n n Fegen in us mrim nüd niten u uifrehn mofphir läg m unantlit ächſt der mtet? chen ud it dun nz koumt rune ir ergerite durh d en. N ſen, dens rume 1 hät. ſ, ſo de ntergn Wie mißt man die Ackerkrume? 77 fortgewaſchen werden können. Dieſe Stoffe ſind: Phosphorſäure, Kali und Ammoniak. 6. Die Ackerkrume beherbergt eine Unzahl von kleinen Lebe⸗ weſen, die teils für die Zerſetzung der Mineral⸗ und der Humus⸗ ſubſtanzen, teils für die Überführung der Ammoniakſalze in Nitrite und Nitrate, teils endlich für die Bindung und Nutzbarmachung des freien Stickſtoffs von der größten Bedeutung ſind.(Vergl. S. 16 und 17.) Wie mißt man die Ackerkrume?— Aus den angeführten Gründen beſitzt die Muttererde der Ackerkrume einen wahren Schatz von wertvollen Eigenſchaften, die dem Untergrund gänzlich fehlen oder doch in viel geringerem Grade zukommen. Man ſucht deshalb die Grenze zwiſchen Krume und Unter⸗ grund, die zuweilen ganz ſcharf, zuweilen aber auch undeutlich und verwaſchen iſt, ſo gut als möglich zu beſtimmen, indem man ſich den ſenkrechten Schnitt des Bodens in der Probegrube genau betrachtet und mit dem Meſſer die betreffende Linie bezeichnet. Da die Tiefe der Krume auf die Fruchtbarkeit und auf den Wert des Bodens von hervorragendem Einfluß iſt, ſo empfiehlt es ſich, die Krume genau zu meſſen. Das Meſſen geſchieht ſenk⸗ recht, an Abhängen mit Benutzung des Senkbleis. Hiergegen wird oft gefehlt. Ich will es daher von neuem betonen. Die Halme des Getreides wachſen infolge der irdiſchen Schwerkraft auch an Ab⸗ hängen ſenkrecht und der Rauminhalt der Krume, der ihren Wurzeln zur Verfügung ſteht, ergibt ſich aus der Länge, Breite und Tiefe. Länge und Breite mißt man wagerecht, folglich muß man die Tiefe ſenkrecht meſſen. Denn es macht einen großen Unterſchied, ob man die Tiefe der Krume in der Richtung des Senkbleis, oder unrichtig(!) rechtwinklig zur Neigung des Bodens mißt. Beträgt die Neigung beiſpielsweiſe 45°, dann ergibt ſich bei richtiger Meſſung eine Tiefe der Krume von 30 cm, bei unrichtiger Meſſung eine Tiefe von rund 21 cm, alſo eine Differenz von 9 cm oder von 30%. Wenn der Boden durch die Bearbeitung gelockert ſein ſollte, ſo muß man ihn feſt zuſammentreten, um eine einigermaßen richtige Meſſung der Krume zu erhalten. Es iſt auch vielleicht nicht über⸗ flüſſig, zu bemerken, daß die Krume im naſſen Zuſtande ein größeres Maß ergibt, als im trockenen, weil der Boden in der Näſſe ſich ausdehnt, in der Dürre ſich zuſammenzieht, und zwar um ſo mehr, 78 Der ſenkrechte Schnitt oder das Profil. je mehr Humus und Ton er enthält. Richtet man ſich, wie ge⸗ wöhnlich, bei der Meſſung der Krume nach der Farbe des Bodens, ſo kann man auch noch dadurch getäuſcht werden, daß der feuchte Boden dunkler und ſcheinbar humushaltiger ausſieht als der trockene. Bei gefrorenem Boden kann man die Krume nicht richtig meſſen, weil das kriſtalliſierende Eis ſich ausdehnt und die Poren des Bodens auftreibt. Beziehung zwiſchen Ackerkrume und Bodenwert.— Um näher darzutun, wie wichtig es iſt, die Tiefe der Krume bei der Bonitierung und Taxation eines Grundſtücks genau und richtig zu meſſen, mögen folgende Worte Albrecht Thaers hier Platz finden. „In welchem Verhältniſſe vermehrt oder vermindert die größere oder geringere Tiefe des Bodens ſeinen Wert? Wir nehmen eine 6zöllige Tiefe an. Mit jedem Zoll größerer Tiefe vermehrt ſich ſein Wert, wie wir ſicher annehmen können, um 8%, bis zu der Tiefe von 12 Zoll, ſo daß ein 12 zölliger Boden beinahe um die Hälfte mehr wert iſt als ein 6zölliger. Bei noch größerer Tiefe, die durch den Pflug nicht erreichbar iſt, ſteigt der Wert zwar nicht mehr in derſelben Progreſſion, aber doch wohl immer noch um 5%, da auch die unter der Sohle der Pflugfurche liegende Erde nicht ganz ohne Nutzen iſt. Dagegen fällt ſein Wert mit jeder Verminderung ſeiner Tiefe in eben dem Verhältniſſe.“ Danach be⸗ rechnet A. Thaer folgende Verhältniszahlen, bei denen der Wert des Bodens mit einer 6zölligen Ackerkrume zu 50 angenommen worden iſt. Tiefe der Ackerkrume Relativer Wert des Bodens 3 Zoll 38 4„ 42 5„ 46 6„ 50 7 54 8„ 58 9» 62 10„ 66 11„ 70 12 74 überblick über die Tiefe der Ackerkrume.— Wie zu Thaers Zeiten, ſo können wir auch heutzutage die mittlere Tiefe , wie ge 8 Boders der feutt er trodkene ig neſen Poren d ert.—l ne beih dnitii r Aat fnde die grier ehne eine enan ſc b un ihe un u erer diſ zwu nit r woh m gende bi ni j Dauut be INr Lar nyeunnan ez Lodert Vi tlere Te Untergrund. 79 der Ackerkrume bei den gewöhnlichen Böden zu 6 Zoll oder 15 bis 16 cm annehmen. Doch finden wir eine Mächtigkeit der Krume von 30 em jetzt häufiger als vor 100 Jahren, weil die Land⸗ wirtſchaft, insbeſondere wegen der Einführung und Ausdehnung des Zuckerrübenbaues, von der Flachkultur mehr und mehr zur Tief⸗ kultur übergegangen iſt. Auf den ſtark gedüngten und nur von Zeit zu Zeit oder gar nicht geackerten Wieſen(Matten) des ſchweizeriſchen Mittellandes iſt(auch ohne Zuckerrübenbau) auf gemeinem Lehm⸗ boden eine Krume von 30 und ſelbſt 40 cm Tiefe keine Seltenheit. Nachſtehende Zahlen können einen raſchen Überblick über die in Rede ſtehenden Verhältniſſe gewähren: Bei 10— 12 cm Tiefe nennt man die Krume flach, „ 13—20„„ mmitteltief, „ 21— 30„„ 3„„„ tief, „ über 30„. 3„„„ ſehr tief. Der Untergrund.— Im Gegenſatz zu der milden, lockeren und fruchtbaren Erde der Ackerkrume bezeichnet man die Erde des Untergrundes als roh, wild und tot. Der Untergrund iſt, an die Oberfläche gebracht, in der Regel gänzlich unfruchtbar oder doch auffallend weniger fruchtbar als die Krume, und er wird erſt im Verlauf längerer Zeit geſchickt, Pflanzen zu ernähren. Am deut⸗ lichſten ſieht man dies, wenn(was freilich niemals vorkommen ſollte, aber gelegentlich doch vorkommt) die ganze Muttererde abgegraben und weggefahren wird; an ſolchen Stellen zeigt ſich im Pflanzen— beſtande trotz ſtärkerer Düngung nach 10 Jahren noch ein Schandfleck. Die Erklärung hierfür iſt S. 76 ſchon gegeben worden. Namentlich ſcheint es dem Untergrund an den für das Pflanzenwachstum not⸗ wendigen, ſchon S. 16 und 17 erwähnten kleinen Lebeweſen zu fehlen. Für dieſe Annahme ſpricht die Tatſache, daß der Gehalt des Bodens an Bakterien unter der Ackerkrume plötzlich abnimmt. Aber auch die übrigen, S. 76 unter 1—6 angeführten Tatſachen kommen in Betracht, wenn es ſich darum handelt, den Unterſchied in der Frucht⸗ barkeit zwiſchen Obergrund und Untergrund zu erklären. Zur weiteren Beleuchtung der Untergrundsverhältniſſe können folgende Erfahrungen aus der landwirtſchaftlichen Praxis dienen. Es iſt ziemlich allgemein angenommener Grundſatz, die ſo ſehr erwünſchte Vertiefung der Ackerkrume nicht mit einem Ruck, ſondern nach und nach, Centimeter für Centimeter, in dem Maße 80 Der ſenkrechte Schnitt oder das Profil. vorzunehmen, wie der Vorrat an Stallmiſt oder Gründünger ſich vermehrt. Es gilt ferner als Regel, den aus dem Untergrunde heraufgeholten Mergel nicht ſofort unterzuackern, ſondern längere Zeit, nach der Vorſchrift erfahrener Landwirte einen Winter und einen Sommer, in kleinen Haufen liegen zu laſſen, um ihn der Ein⸗ wirkung des Froſtes, der Sonne, des Regens und der Luft aus⸗ zuſetzen. Es iſt ferner ratſam oder geradezu unerläßlich, den aus dem Torfbruch geholten, zur Melioration ſandigen oder tonigen Landes beſtimmten Moorboden, mit Kalk durchſchichtet, eine Zeitlang in Haufen ſtehen zu laſſen, damit er ſich zerſetzt, ehe er ausgebreitet und untergepflügt wird uſw. Aus dieſen und anderen Erfahrungen iſt zu entnehmen, daß dem„Rohboden“ des Untergrundes gewiſſe Mängel anhaften, von denen die Ackerkrume frei iſt, oder daß ihm gewiſſes Eigenſchaften oder Beſtandteile fehlen, mit denen die Ackerkrume ausgerüſtet iſt, daß er aber bei angemeſſener Behandlung und Verwendung ſehr wohl in„Kulturboden“ umgewandelt, unter gewiſſen Umſtänden ſogar dazu benutzt werden kann, die Ackerkrume in phyſikaliſcher und chemiſcher Beziehung zu verbeſſern. Hierauf kommt es bei der Beurteilung des Untergrundes an. Wir haben uns alſo die Frage vorzulegen, ob das im Unter⸗ grund aufgeſpeicherte Material zur Vertiefung und Ver⸗ beſſerung der Ackerkrume herangezogen werden kann oder nicht. Bei felſigem, ſteinigem und kieſigem Unter⸗ grund wird dies in der Regel ausgeſchloſſen, bei erdigem Unter⸗ grund wird es in der Regel möglich ſein. Selbſt unfruchtbarer Sand kann zur Melioration benutzt werden, wie die Rimpauſchen Moorkulturen beweiſen. Sehr wertvoll iſt der Mergel. Am wenigſten dankbar iſt der zähe Ton. Im übrigen liegen die Ver⸗ hältniſſe günſtiger, wenn die Grundmelioration durch Tiefpflügen (Rajolpflügen, Doppelpflügen, Spatpflügen) an Ort und Stelle aus⸗ geführt werden kann, als wenn ſie einen Transport des ausgegrabenen Materials von einer Stelle zur andern erfordert. Es iſt daher durchaus nicht gleichgültig, aus was für Material der Untergrund beſteht. Wir haben vielmehr bei einem mächtigen und wertvollen Untergrund zwei Landgüter übereinander, denn wir können aus dem unteren holen, was dem oberen fehlt. unger ſ tergrunde lünxer inter un der En⸗ Luft au⸗ „den ui er unie e Jeilu rigebret hmen, i hafta in igeniim geriſe i dong ſh Unftüde olſce m runde u in Unter und ker der un en luke en Uier nfratäen mpauſta gel. b en di r Tieyplümn Stelle u zgegnden aus be n vilni Landgütt „ vas d Untergrund. 81 Für den Haushalt der Pflanzen läßt ſich derſelbe Geſichtspunkt geltend machen. Es ſteht feſt, daß alle Kulturgewächſe die Haupt⸗ maſſe ihrer feinen Saugwurzeln im Obergrunde entwickeln, und daß ſie demzufolge auch die Hauptmaſſe ihrer Nahrung aus dem Obergrunde beziehen. Es ſteht andererſeits aber ebenfalls feſt, daß nicht bloß die ſog. Tiefwurzler, ſondern auch die ſog. Flachwurzler einen Teil der Wurzeln bis zu bedeutender Tiefe(bis auf 1, 2 und mehr Meter) in den Untergrund hinabſenden, ſofern der Untergrund nicht unüberwindliche Hinderniſſe in den Weg ſtellt. Was holen die Pflanzen mit dieſen tiefgehenden Wurzeln aus dem Untergrund? Wir können, ohne uns in weitläufige Auseinanderſetzungen einzulaſſen, einfach antworten, ſie holen das aus dem Untergrund, was ſie im Obergrund gar nicht oder doch nicht in ausreichender Menge finden, mag dies nun eigentlicher Nahrungsſtoff ſein oder Waſſer.*) Es liegt auf der Hand, daß die Ernährung und Waſſer⸗ verſorgung der Pflanzen um ſo mehr geſichert iſt, je länger und zahlreicher ihre ſenkrechten und je länger und zahlreicher ihre wage⸗ rechten Wurzeln ſind, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß *) Da der Obergrund in den allermeiſten Fällen reicher an Pflanzen⸗ nährſtoffen iſt alts der Untergrund, ſo ſcheinen die tiefgehenden Wurzeln hauptſächlich den Zweck zu haben, Waſſer aus dem Unter⸗ grund zu ſchöpfen. Unter den landwirtſchaftlichen Kulturpflanzen hat die längſten Wurzeln die Luzerne. Dieſe Pflanze iſt bekanntlich ein aus⸗ gezeichneter Stickſtoffſammler. Folglich kann die alte Theorie, daß die tief⸗ gehenden Wurzeln die vom Boden nicht abſorbierbare Salpeterſäure aus dem Untergrunde heraufholen, für die Luzerne heutzutage nicht mehr aufrecht er⸗ halten werden. Die Luzerne und die übrigen verwandten Tiefwurzler be⸗ dürfen als Stickſtoffſammler die Salpeterſäure des Untergrundes am wenigſten. Dagegen läßt ſich jener Theorie die andere gegenüberſtellen, daß die Luzerne ihre langen Wurzeln der natürlichen Zuchtwahl und der Anpaſſung an den trockenen Standort verdankt. Die Luzerne ſtammt, wie ſchon ihr botaniſcher Name beſagt, aus Medien, das heißt aus einem heißen und trockenen Klima, wo die tiefgehenden Wurzeln für die Waſſerverſorgung der Pflanzen die allergrößte Bedeutung haben. Wenn der Boden bis zu einer Tiefe von beiſpielsweiſe 1 m ſo ſtark austrocknet, daß die Wurzeln ihm kein Waſſer mehr zu entziehen vermögen, ſo müſſen alle Pflanzen, die nur 1 m lange Wurzeln haben, vertrocknen und abſterben, und nur die Pflanzen, deren Wurzeln tiefer gehen, können Nowacki, Bodenkunde. 6. Auflage. 6 82 Der ſenkrechte Schnitt oder das Profil. ein tiefer Untergrund vor einem ſeichten für die Entwicklung der Pflanzen einen ebenſo großen Vorzug hat wie eine tiefe Ackerkrume vor einer flachen. Den beſten Untergrund, den ich jemals zu ſehen bekommen, habe ich in der Umgebung von Zürich beim Ausgraben der Keller⸗ erde für einen Neubau gefunden. Hier habe ich eine anſcheinend ganz gleichartige humushaltige Lehmſchicht von 1,20, ſtellenweiſe ſogar von 1,80 m gemeſſen, und erſt nachdem ich das Bodenprofil in größerer Ausdehnung bloßgelegt ſah, konnte ich die mir von früher bekannte ſtaunenerregende Produktionskraft des betreffenden Grundſtücks begreifen. Hier beſtand nicht bloß der Obergrund, ſondern auch der Untergrund aus Muttererde, deren Anhäufung im vorliegenden Fall entweder durch künſtliche Auffüllung oder durch die Tätigkeit der Regenwürmer oder durch die Zuſammenwirkung beider Vorgänge zu ſtande gekommen war. In anderen Fällen ſind ähnliche Bodenbildungen unzweifelhaft ein Erzeugnis der Natur. Wir finden ſie in der Umgebung der Meere, Seen und Flüſſe, wo durch die von Zeit zu Zeit wieder⸗ kehrenden Überſchwemmungen eine Humusſchicht nach der andern unter dem abgeſetzten Schlamm begraben wird, ſo daß im Laufe der Jahrhunderte mächtige Ablagerungen eines humusreichen, gewöhnlich ſehr fruchtbaren, ſozuſagen unerſchöpflichen Bodens entſtehen: Schwarzerde, Marſchboden, Aueboden. Weniger günſtig, aber auch nicht zu verachten ſind die Bodenbildungen, die etwas unbeſtimmt als Torf⸗, Bruch-, Moor⸗, Moos⸗, Ried⸗ oder Wiesland bezeichnet, ebenfalls in großer Ausdehnung, Verbreitung ſich erhalten und zur Fortpflanzung gelangen. So kann die natürliche Zuchtwahl die langen Wurzeln der Luzerne und auch der übrigen Pflanzen zu ſtande gebracht und die tiefgehenden Wurzeln können demnach den Zweck haben, die Pflanzen zu befähigen, die Zeiten an⸗ haltender Dürre zu überſtehen. Dabei iſt an die Unterſuchungen von Schultz⸗Lupitz zu erinnern, bei denen ſich ergeben hat, daß die Flachwurzler in der Folge nach tief⸗ wurzelnden Stickſtofffammlern, namentlich in trockenen Jahren, höhere Er⸗ träge liefern, weil ſie, die Wege der Vorgänger benutzend, mit ihren Wurzeln tiefer in den Untergrund hineindringen und in Zeiten der Dürre ihren Be⸗ darf an Waſſer beſſer zu decken vermögen. und ſihre Anf nich den bi üch Are ahh une lung Acertun⸗ beienna der Kl anſcene ſtelenwit Bdenyi ie nirm bennfend bergrun pu jummg damj br 19 unweflhe ngehum d dit vi 7, d tns Ried⸗ R Vatträtuf de milit 1 1” A en 1 geiten 1 zl eintes lge uch t m, tire d ihren Bund un hem Körnigkeit. 83 und Mächtigkeit vorkommen. Die beſtimmtere Unterſcheidung, Be⸗ ſchreibung und Einteilung der Bodenarten folgt weiter unten. Hier handelt es ſich nur darum, mit einigen Beiſpielen die Anforderung zu motivieren, daß die Unterſuchung des Bodens nicht auf den Obergrund beſchränkt, ſondern auch auf den Untergrund ausgedehnt werden muß. Zum mindeſten bis auf 1 m Tiefe ſollte jeder Landwirt das Bodenprofil ſeiner ſämt⸗ lichen Grundſtücke kennen; wer es durchführen kann, ſein ganzes Areal oder wenigſtens alle intereſſanten Stellen bis auf 2 und 3 m abzubohren, wird manchen wichtigen Aufſchluß erhalten und manchen unerwarteten Schatz entdecken. II. Das Sefüge oder die Sfruktur des Bodens. Bei der Beurteilung der Lagerungsverhältniſſe haben wir im beſonderen auch das Gefüge oder die Struktur des Bodens ins Auge zu faſſen, worunter wir die Art und Weiſe verſtehen, wie die einzelnen Bodenbeſtandteile an⸗ und aufeinandergelagert und zu körperlichen Maſſen vereinigt ſind. Wir betrachten das Gefüge oder die Struktur nach den drei verſchiedenen Beziehungen, die ſich aus der Natur der Sache von ſelbſt ergeben, nämlich in Beziehung auf die Körnigkeit, Lückigkeit und Bündigkeit. 1. Die Körnigkeit des Bodens. Je nach der Größe und Geſtalt der ſichtbaren feſten Boden⸗ beſtandteile und je nach dem Vorwalten des gröberen oder feineren Materials bezeichnen wir die Struktur des Bodens als a) grus⸗ artig, b) kiesartig, c) grandartig, d) grobkörnig, e) fein⸗ körnig, 1) ſtaubförmig, g) mollig. Anderweitige, die Struktur betreffende Ausdrücke ſind: h) ſteinig und ſteinfrei, ih gleich⸗ körnig und ungleichkörnig, k) faſerig. a) Grusartig nennen wir die Struktur, wenn der Boden ausſchließlich oder überwiegend aus unregelmäßig-⸗eckigen Ge⸗ ſteinstrümmern beſteht, deren Größe beträchtlich(über 2 mm), übrigens aber ſo verſchieden iſt wie ihre Form. Dieſe Art der Struktur finden wir nur bei dem Verwitterungsboden, alſo namentlich im eigentlichen Gebirgslande. Im Flachlande, wo es keine Felſen, 6* 84 Das Gefüge oder die Struktur. alſo auch keinen Verwitterungsboden gibt, können uns die zerklopften Steine, die zur Beſchotterung der Kunſtſtraßen dienen, die grus⸗ artige Struktur veranſchaulichen. Noch beſſer werden wir uns die grusartige Struktur zum Bewußtſein bringen, wenn wir einen morſchen Stein eigenhändig mit dem Hammer zertrümmern und die Bruchſtücke nicht nur genau beſichtigen, ſondern auch in die Hand nehmen und befühlen. b) Kiesartig iſt die Struktur, wenn der Boden größtenteils aus kleinen abgerundeten Steinen oder Geröllen beſteht, die die Größe der Walnüſſe, Haſelnüſſe, Erbſen und Wicken haben. Die Korngröße beträgt demnach 30— 2 mm; doch laſſen dieſe Maßzahlen namentlich nach oben einen weiteren Spielraum. Die kiesartige Struktur kommt nur im Schwemmlande vor, wo die Kiesablagerungen, oft in einer Mächtigkeit von drei und mehr Metern anſtehend, teils als Flußbildungen, teils als Gletſcherbildungen, ſeltener im Ober⸗ als im Untergrunde vertreten ſind. o) Grandartig wird die Struktur genannt, wenn der Boden überwiegend aus 2—1 mm großen Körnern beſteht, die alſo die Größe der Raps⸗ und Senfkörner haben. Sind die Grandkörner, wie es zuweilen vorkommt, ſcharfkantig, dann haben wir es mit einem Verwitterungsprodukt(z. B. mit Granitgrand), ſind ſie, wie es gewöhnlich der Fall, glatt und abgerundet, dann haben wir es mit einer Schwemmlandsbildung(mit gemeinem Grand) zu tun. Im norddeutſchen Flachlande finden wir den Grandboden in größerer Ausdehnung, und von dorther habe ich den Begriff Grand. Den Grand als Perlſand zu bezeichnen, halte ich ſchon aus dem Grunde für verfehlt, weil die Perlen als Kunſterzeugnis eine ganz un⸗ beſtimmte Größe haben; es gibt Perlen, die ſo groß ſind wie Erbſen und Haſelnüſſe. Überdies iſt das Wort Grand kürzer und aus der Sprache des praktiſchen Lebens genommen. d) Grobkörnig iſt die Struktur, wenn der Boden überwiegend aus 1— 1½ mm großen, meiſt abgerundeten Körnern beſteht, die in der Größe mit den Körnern von Mohn, Weißklee und Timothee übereinkommrn. Dieſe Art der Struktur finden wir gewöhnlich im Schwemmlande; ſie kann aber auch bei der Verwitterung eines grobkörnigen Sandſteins zuſtande kommen. e) Feinkörnig heißt die Struktur, wenn der Boden über⸗ wiegend aus Körnern beſteht, deren Größe ½— ⅛ mm beträgt, wie krlopfe de rli⸗ wir m wvit ein ern udi die ha größtenti beitet d haben. R eMaxja kiesanin blagerum deherd, er in de der din die alr u Grondbone vir àn ſind ſe,n ohen wi zumm. d in gijm rand N den Gud ne gm w- dwedti und uN ibernite eſteht nn nd Tinoiſt ewühnih terunz di rden ür heträgt Körnigkeit. 85 bei dem Samen des Kleeteufels, Orobanche minor. Bei dieſer Größe laſſen ſich die Körner mit bloßem Auge noch deutlich als Körner erkennen. Die Körner ſind meiſt glatt und abgerundet (Quarzſand, Kalkſand), zuweilen aber auch zum Teil blättrig (Glimmerſand), gewöhnlich dem Schwemmlandsboden, ſeltener dem Verwitterungsboden angehörend. f) Staubförmig erſcheint die Struktur, wenn der Boden über⸗ wiegend aus Körnchen beſteht, deren Größe ⅞⅛6— ⁄⁄ mm beträgt. Bei dieſer geringen Größe der Bodenbeſtandteile läßt uns das Auge mehr und mehr im Stich; Körnchen von ⅞— mm können wir nicht mehr mit dem bloßen Auge, wohl aber noch mit dem Gefühl oder Taſtſinn unterſcheiden. Der Boden fühlt ſich immer noch rauh an. Die ſtaubförmige Struktur zeigen uns gewiſſe Sand⸗ ablagerungen, z. B. der Flugſand, der Tertiärſand der Braunkohlen⸗ formation und der lehmige Sand des norddeutſchen Schwemmlandes. Auch der angewehte Lößboden hat eine ſtaubförmige Struktur. g) Mollig nennen wir die Struktur, wenn der Boden ſo fein zerteilt iſt, daß die Körnchen ſich weder mit dem bloßen Auge noch mit dem Gefühl unterſcheiden laſſen. Zwiſchen den Fingern ge⸗ rieben, fühlt ſich derartiger Boden ſo weich oder ſo ſanft an wie Mehl oder Sammet. Aus dieſem Grunde ſcheint mir der Ausdruck mollig bezeichnend zu ſein. Wollen wir uns durch ſinnliche Wahrnehmung überzeugen, daß trotzdem Körnchen vorhanden ſind, ſo machen wir folgenden ein⸗ fachen Verſuch. Wir werfen einen kleinen Tonbrocken in ein Glas Waſſer und rühren einige Zeit kräftig um, bis ſich das Waſſer ge⸗ trübt hat. So laſſen wir das Glas etwa ¼ Stunde lang ruhig ſtehen, damit die Tonbröckchen und Sandkörnchen ſich abſetzen. Dann nehmen wir mit einem reinen Glas⸗ oder Holzſtab aus dem oberen Teil des nur noch ſchwach getrübten Waſſers einen Tropfen auf eine Glasſcheibe(auf ein Stück Fenſterglas oder auf den Objektträger eines Mikroſkops). Nachdem der Tropfen, der nur die abſchlämm⸗ baren Tonteilchen enthält, eingetrocknet iſt, können wir ſowohl bei auffallendem als bei durchgehendem Lichte mit einer guten Lupe die Körnchen ſehen. Sie ſind allerdings ſo klein, daß wir ſie nur bei günſtiger Beleuchtung und bei recht aufmerkſamer Betrachtung als Körnchen zu unterſcheiden vermögen. Steht uns ein Mikroſkop zur Verfügung, dann können wir die 86 Das Gefüge oder die Struktur. Körnchen deutlicher erkennen und mit einem Mikromillimeter⸗Maßſtab auch auf ihre Größe meſſen. Beim Töpferton überſchreitet die Mehr⸗ zahl der Körnchen die Größe von 1 mm nicht, während die kleinſten der bei 600 facher Vergrößerung noch deutlich erkennbaren Körnchen die winzige Größe von 100% min zeigen. Die mollige Struktur finden wir ſowohl bei Schlemmlands⸗ wie bei Verwitterungsböden. Beiſpiele liefern uns außer den Ton⸗ und Tonmergelböden auch gewiſſe Kalk- und Humusböden; mit einem Wort die Mollböden. h) Steinig und ſteinfrei.— Beſteht der Boden größtenteils, d. h. hier genauer zu 80% und darüber, aus ſteinigem Material, dann könnten wir ihn zwar ſteinig nennen, wir werden dann aber lieber die unter a) und b) erklärten Ausdrücke grusartig und kiesartig gebrauchen, weil dieſe Ausdrücke beſtimmter und prägnanter ſind. Ein Boden, der mehr als 80% Steine enthält, iſt mehr als ein ſteiniger Boden, er iſt ein„Steinboden“. Steinig nennen wir die Struktur alſo dann, wenn Steine in der Bodenmaſſe ſich bemerklich machen, wenn ſie aber nicht den Hauptbeſtand des Bodens bilden, oder doch weniger als 80% des Geſamtbodens betragen. Das iſt z. B. im Diluviallehm und im Diluvialmergel gewöhnlich der Fall. Auch der Diluvialſand(Diluvial⸗ miſchſand) iſt gewöhnlich ſteinig. Ferner haben viele Vermitterungs⸗ böden eine ſteinige Struktur; ein Geſteinsgrus, der heute eine grus⸗ artige Struktur aufweiſt, kann infolge der Verwitterung nach zehn oder zwanzig Jahren eine ſteinige Struktur angenommen haben. Bei der kiesartigen Struktur kommt ein ähnlicher Übergang in die ſteinige Struktur ebenfalls vor, aber weniger infolge der Ver⸗ witterung als infolge der Auf⸗ und Einſchlämmung von Feinerde. Wird z. B. eine Kiesablagerung von Ton überdeckt, ſo haben wir unten(in dem Kies) eine kiesartige Struktur, oben(in dem Ton) eine mollige Struktur und in der Mitte(in dem Gemenge von Kies und Ton) eine ſteinige Struktur. Dieſes Beiſpiel zeigt zu⸗ gleich, daß die Struktur auf dem ſenkrechten Schnitt des Bodens ſchichtenweiſe eine ganz verſchiedene ſein kann. Steinfrei werden wir demgegenüber die Struktur eines Bodens oder einer Bodenſchicht dann nennen, wenn die Steine gänzlich fehlen oder doch nur ganz vereinzelt, als zufällige oder ungewöhnliche Beimengungen, vorkommen. Der Ton, der Löß, der Torf ſind ge⸗ erNüiſt die Nar die lenſen en Kornta lemmünd r den To⸗ höden; ni gößtenlh n Mateu erden dm grusatti mmter w eine enhüt .. n Stenxi e vict R s 8ho m udi d Diuuu- rwitterune eine gru g nut ſh men boin rgangnui e d Wr on Finmd. höhe n n dn dn emenge d el zenti de Bö ines Aide nlichic nenühi of ſii h Körnigkeit.. 87 wöhnlich ſteinfrei. Ebenſo der Tertiärſand, der Dünenſand und der Flugſand. Da die Steine das Gefüge des Bodens weſentlich beeinfluſſen, ſo haben wir in jedem Fall auf ihr Vorkommen und ihre Verteilung genau zu achten. Näheres hierüber folgt weiter unten. i) Gleichkörnig und ungleichkörnig.— Genau genommen, iſt die Struktur bei allen in der Natur vorkommenden Boden⸗ bildungen ungleichkörnig. Mir iſt wenigſtens keine Bodenbildung bekannt, in der die Körner ſämtlich gleiche Größe zeigen. Soll alſo der Begriff gleichkörnig in der Bodenkunde einen Sinn haben, ſo dürfen wir ihn nicht wörtlich nehmen. Gleichkörnig können wir die Struktur bei den Bodenarten oder Bodenſchichten nennen, in denen die Körner annähernd gleiche Größe haben. Der Löß hat z. B. eine gleichkörnige Struktur, weil er in der Hauptſache aus Sandkörnchen beſteht, die der Mehrzahl nach die Korngröße von ⅛— o mm aufweiſen, während die Steine und auch die gröberen Sandkörner gänzlich fehlen oder doch ſo ſehr zurücktreten, daß ſie ſich nicht bemerklich machen. Die Tonteilchen, die der Löß enthält, ſind allerdings viel feiner, aber durch ſie wird der Charakter der Gleichkörnigkeit nicht geſtört.— Aus ähnlichen Gründen hat der Ton ebenfalls eine gleichkörnige Struktur, denn im Ton ſind nur mikroſkopiſch feine Beſtandteile vertreten. Auch grobkörnigere Bodenarten, wie Kies, grober und feiner Sand, können eine gleichkörnige Struktur haben, wenn die Körner in der Größe nicht ſehr differieren. Ungleichkörnig können wir dagegen die Struktur dann nennen, wenn die Beſtandteile des Bodens in der Korngröße auffallend von⸗ einander abweichen. Ungleichkörnig iſt das Gefüge namentlich bei dem ge⸗ meinen Lehmboden, der ein Gemenge darſtellt von mikroſkopiſch feinem Ton, grob⸗ und feinkörnigem Sand und außerdem oft auch noch von großen Geröllen oder Geſchieben, die die Struktur obendrein noch ſteinig machen. Ungleichkörnig iſt ferner die Struktur bei dem lehmigen und mergeligen Grus⸗ und bei dem lehmigen und mergeligen Kiesboden; doch wird die Struktur bei dieſen Bodenarten offenbar beſſer durch die eben gebrauchten Be⸗ nennungen charakteriſiert als durch das Wort ungleichkörnig. 88 Das Gefüge oder die Struktur. Überhaupt werden wir gut tun, die Ausdrücke gleichkörnig und ungleichkörnig möglichſt zu vermeiden und ihre Anwendung auf die Fälle zu beſchränken, in denen etwas beſonderes geſagt und betont werden ſoll. Wenn wir z. B. den Gegenſatz von Löß und Lehm hervorheben wollen, ſo können wir ſagen, der Löß iſt gleich⸗ körnig, der Lehm ungleichkörnig, dürfen dabei aber nicht überſehen, daß auch der Löß in Wirklichkeit ungleichkörnig iſt. k) Faſerig iſt eine beſondere, bei gewiſſen Bodenbildungen vorkommende Art der Struktur, die wir hier der Vollſtändigkeit wegen ſchließlich noch berühren. Wir finden ſie namentlich bei den oberen Schichten des Mooshumus und des Riedhumus, in denen die Faſern der abgeſtorbenen Moos⸗ und Riedpflanzen noch nicht in Erde, Moder oder Torf übergegangen, ſondern noch kenntlich vorhanden ſind. Vorübergehend kann auch der ſtrohige Stallmiſt und der Gründünger die Struktur des Bodens faſerig machen. Von dieſen Ausnahmen abgeſehen, iſt die Struktur des Bodens immer körnig.— Wollen wir das Gefüge oder die Struktur des Bodens im all⸗ gemeinen verſtehen und begreifen lernen, ſo müſſen wir uns vor allen Dingen im beſonderen mit der Körnigkeit des Bodens ver⸗ traut zu machen ſuchen. Ein unentbehrliches Hülfsmittel hierbei iſt ein Siebſatz mit gebohrten Löchern von 2, 1, ½ und ⅛ mm Maſchen⸗ weite. Ein anderweitiges praktiſches Hülfsmittel beſteht in der An⸗ legung einer Bodenſammlung, die die unter a) bis g) auf⸗ geführten Strukturen umfaßt. Bei dem Wechſel der Bodenarten im Ober⸗ und Untergrunde läßt ſich eine ſolche Sammlung oft im Umkreis einer Stunde zuſammenbringen. Wenn aber auch die eine oder die andere Nummer der Struktur fehlt, ſo hat dies nicht viel zu ſagen. Die Hauptſache iſt, daß die Anlegung der Sammlung uns Gelegenheit bietet zur fleißigen Ubung des Auges mit und ohne Lupe und ebenſo zur feineren Ausbildung des Gefühls⸗ oder Taſt⸗ ſinns. Der Siebſatz dient dabei zur Kontrollierung unſerer Be⸗ ſtimmungen. Eine Sammlung von Bodenarten beſticht allerdings nicht nur die Pracht und den Glanz der Farben; aber wer wollte in Abrede ſtellen, daß ſie mehr Vergnügen und Nutzen gewährt, als eine Sammlung von Edelſteinen! Haben wir uns auf dieſe Weiſe vorbereitet, dann wird es uns auch gelingen, in den Bodenarten mit verwickelter Struktur das ihlrni fnedun geſagt Lüf m. i geit lbeſhe ndiddun lſtendint ſich de n , in dmn vot ni G kanic e Suluſt achen Un ens inne ens in il it uns w Zodens uer herbi i m Nyſber iw lr- bi h ui denutn in ng dt in uh di er ritt il Sannum t und oir der Ni nſerr d⸗ alledug wer volt ewährt 6 id e I ruttur du Lückigkeit. 89 Verhältnis zwiſchen dem gröberen und feineren Material genauer zu ſchätzen, ohne zu der zeitraubenden Schlämmanalyſe des Bodens, auf die wir weiter unten zurückkommen, unſere Zuflucht zu nehmen. Hier will ich die Aufmerkſamkeit noch auf eine Zerlegung des Bodens hinlenken, die trotz ihrer Einfachheit ſelbſt in ſchwierigen Fällen einen ausgezeichneten Überblick über die Bodenbeſtandteile und ihre Korngröße gewährt. Man verreibt auf einer Glasſcheibe eine kleine Bodenprobe(ein Brocken von der Größe einer Erbſe genügt) mit einem Borſtenpinſel und Waſſer moöglichſt fein und läßt das Waſſer verdunſten. Schon bei dem Verreiben wird man ſpüren, ob der Boden ausſchließlich aus feinen, oder ob er zum Teil aus gröberen Körnern beſteht, und wenn man nachher die Scheibe mit der Lupe betrachtet, ſo hat man die verſchiedenen Korn⸗ größen überſichtlich vor Augen. Macht man dasſelbe Experiment auf dem Objektträger eines Mikroſkopes, dann kann man die ver⸗ ſchiedenen Korngrößen auch meſſen. Man führe den Verſuch ver⸗ gleichend aus mit je einer Probe von Ton, Löß und Lehm, und man wird überzeugt ſein von der Zweckmäßigkeit dieſer einfachſten aller Schlämmoperationen. 2. Die kückigkeit des Bodens. Aus der Körnigkeit folgt unmittelbar die Lückigkeit des Bodens. Legen wir eine Anzahl Bruchſteine mit unregelmäßig⸗ eckiger Form oder eine Anzahl Feldſteine mit abgerundeter Form auf einen Haufen, ſo berühren ſich die Steine nicht allſeitig und überall, ſondern nur an gewiſſen Punkten, und es bleiben Lücken oder Hohlräume zwiſchen den Steinen. Denken wir uns die Steine kleiner und kleiner werdend, wie Kies, Grand, Sand, ſo werden auch die Lücken kleiner und kleiner, aber die Lücken verſchwinden nicht, ſelbſt dann nicht, wenn die Steine oder Geſteinsfragmente ſo klein werden, daß wir ſie nur mit dem Mikroſkop als Körner oder Einzel⸗ körper zu unterſcheiden vermögen. Aus dieſer einfachen Betrachtung ergibt ſich, daß jeder Boden, auch der feinſte und ſcheinbar dichte, Lücken oder Hohlräume enthält, die in der freien Natur ſelbſtverſtändlich nicht leer, ſondern mit Luft, oder mit Waſſer, oder mit Waſſer und Luft gefüllt ſind. Es ergibt ſich weiter, daß die Zahl, Größe und Form der 90 Das Gefüge oder die Struktur. Lücken ſich nach der Zahl, Größe und Form der Bodenbeſtandteile richten muß. Je grobkörniger der Boden iſt, deſto größer und weniger zahlreich ſind ſeine Hohlräume, je feinkörniger er iſt, deſto kleiner und zahlreicher ſind ſie. Die Form der Hohlräume iſt im allgemeinen unregelmäßig. Großlückig wird daher die Struktur ſein bei den Grus⸗, Kies⸗, Grand⸗ und grobkörnigen Sandböden, und zwar um ſo aus⸗ geſprochener, je reiner ſie ſind, d. h. je weniger Mollgeſtein dem Durgeſtein beigemengt iſt. Feinlückig wird dagegen die Struktur ſein bei den feinkörnigen und ſtaubförmigen Böden: Tertiärſand, Löß uſw. Dicht(d. h. ſcheinbar dicht) wird die Struktur ſein bei den molligen Ton⸗ und Tonmergelböden. Quellen die Tonteilchen vom Waſſer auf, ſo wird das Gefüge des Bodens um ſo dichter. Ungleichlückig wird die Struktur ſein bei dem ungleichkörnigen Lehmboden. Kurz, wenn wir die Körnigkeit des Bodens kennen, ſo wiſſen wir auch, wie ſich die Lückigkeit des Bodens im allgemeinen ge⸗ ſtalten wird. Kapillare Poren und nicht kapillare Hohlräume.— In bezug auf die Größe der Lücken hat man im beſonderen zu unter⸗ ſcheiden: a) kapillare Poren, b) nicht kapillare Hohlräume. a) Unter kapillaren Poren verſteht man die ganz kleinen, mit bloßem Auge und auch mit der Lupe nicht ſichtbaren Hohlräume des Bodens, in denen das Waſſer, ähnlich wie in den Poren eines Schwammes, durch Adhäſion hängen bleibt, und in denen es, wenn ſie in Verbindung ſtehen, durch Kapillarität von unten nach oben aufſteigt, ähnlich wie der Kaffee in einem Stück Zucker oder wie das Ol in einem Lampendocht. b) Die nicht kapillaren Hohlräume ſind die größeren Lücken des Bodens, in denen das Waſſer, dem Zuge der Schwer⸗ kraft folgend, hindurchläuft oder hindurchfällt. Eine ſcharfe Grenze zwiſchen den kapillaren und den nicht kapillaren Hohlräumen beſteht jedoch nicht; auch in den größeren Hohlräumen wird eine geringe Waſſermenge durch Flächenanziehung an der Oberfläche der Boden⸗ teilchen zurückgehalten. nbeümdtet gräßer w dr iſ, di äume it i dea Ons⸗ un ſo au⸗ geſten de feinümin ſein beih nteilhen m ihter gleichömin en, ſo vſe gemeinn h zume-) nn zu ur gen lim en hlltim Lonn ius nnen G vm in u in ter un n die güm d ötre tarfe Gen iuna bit ein gri e d dhe Lückigkeit. 91 Kapillarität.— Im Laboratorium pflegt man die Kapillarität mit feinen Glasröhren und einer gefärbten Flüſſigkeit zu demon⸗ ſtrieren. Es läßt ſich leicht zeigen, daß die Flüſſigkeit um ſo höher ſteigt, je enger die Röhren ſind, und ferner auch, daß engere Kapillar⸗ röhren den weiteren die Flüſſigkeit zu entziehen vermögen, aber nicht umgekehrt. Dieſelben Vorgänge finden im Boden ſtatt. Im Ton⸗ und Humusboden ſteigt das Waſſer durch Kapillarität höher als im Sandboden; im reinen Kies, dem die kapillaren Poren fehlen, kann von einem kapillaren Aufſteigen gar keine Rede ſein. Walzen wir den Boden, ſo wird die obere, dichtere, mit engeren Kapillaren ver⸗ ſehene Schicht den unteren Schichten das Waſſer entziehen; lockern wir dagegen den Boden oberflächlich, ſo wird die gelockerte Schicht die unteren gegen das Austrocknen ſchützen, weil der Kapillaritäts⸗ ſtrom unterbrochen iſt uſw. Die kapillare Hubhöhe iſt im Torf⸗ und Moorboden weitaus am größten, ſie erreicht hier 5— 6 m. Im Tonboden beträgt ſie nur 1,00— 1,25 m, im Lehmboden 0,45— 0,60 m, im Sandhoden 0,25 bis 0,30 m. Immerhin kann den Pflanzenwurzeln in Böden mit engen Hohlräumen durch Kapillarität eine gewiſſe Menge Waſſer aus dem Untergrunde zugeführt werden. Sättigung und überſättigung des Bodens.— Wichtiger iſt es jedenfalls, wie ſich der Boden gegen den Regen verhält, der die Pflanzen hauptſächlich mit Waſſer verſorgt. Dabei ſpielen die kapillaren und die nicht kapillaren Hohlräume eine beſondere Rolle. Wie ſie wirken, darüber können wir uns im kleinen durch folgenden einfachen Verſuch unterrichten. Wir nehmen einen gefüllten Blumen⸗ topf, am beſten einen ſolchen, der ſeit längerer Zeit nicht mehr be⸗ nutzt worden, ſo daß die Erde ſich im geſackten und ausgetrockneten Zuſtande befindet. Benetzen wir die Oberfläche tropfenweiſe nach und nach mit Waſſer, ſo wird die Erde das Waſſer begierig ein⸗ ſchlucken, und wir werden zugleich Luftblaſen aufſteigen ſehen, weil das ſchwerere Waſſer die leichtere Luft aus den Hohlräumen des Bodens verdrängt, um ſich ſelbſt hineinzuſetzen. So können wir eine beträchtliche Waſſermenge aufgießen; die Erde wird feucht, jedoch nicht naß erſcheinen. Endlich kommt aber ein Zeitpunkt, wo die Näſſe ſich auf der Oberfläche zeigt, und gleichzeitig fängt das Waſſer an, unten durch die Offnung des Blumentopfes abzutropfen. In dieſem Zeitpunkt iſt der Boden mit Waſſer geſättigt, d. h. 92 Das Gefüge oder die Struktur. ſämtliche kapillare Poren des Bodens, Schicht für Schicht von oben bis unten, ſind mit Waſſer gefüllt, während die größeren, nicht kapillaren Hohlräume immer noch Luft enthalten. Kommt nach der Sättigung noch mehr Waſſer hinzu, ſo verſinkt es, unten ab⸗ laufend, durch die nicht kapillaren Hohlräume, und indem es ver⸗ ſinkt, füllen ſich die leergewordenen Hohlräume ſofort wieder mit Luft. Ganz ähnlich geſtalten ſich die Verhältniſſe in der freien Natur bei einem normalen Boden mit durchläſſigem Untergrunde. Stopfen wir jetzt das Loch am Boden des Blumentopfes zu, und gießen wir nach und nach noch mehr Waſſer auf, ſo werden ſich Schicht für Schicht von unten nach oben auch die nicht kapillaren Hohlräume mit Waſſer füllen, und der Boden wird mit Waſſer überſättigt. Überſättigt iſt der Boden alſo dann, wenn nicht nur die kapillaren Poren, ſondern auch die nicht kapillaren Hohl⸗ räume mit Waſſer gefüllt ſind. Der Blumentopf mit dem zu⸗ geſtopften Abzugsloch veranſchaulicht uns im kleinen die Verhältniſſe eines fehlerhaften Bodens mit undurchläſſigem Untergrunde. Dieſer Verſuch zeigt zugleich, daß auch ein an und für ſich durchläſſiger Boden an Näſſe leiden kann, nämlich dann, wenn er auf einem undurchläſſigen Untergrund ruht. Durchläſſigkeit.— Die Art oder der Grad der Durchläſſig⸗ keit im Ober⸗ und Untergrund hängt natürlich ab von der Art oder dem Grad der Lückigkeit. Die großlückigen Bodenarten oder Boden⸗ ſchichten ſind leicht durchläſſig, die feinlückigen ſind mäßig durchläſſig, die dichten ſind ſchwer durchläſſig bis undurch⸗ läſſig. Gewöhnlich macht man nur zwei Abteilungen, indem man die Durchläſſigkeit der Undurchläſſigkeit gegenüberſtellt, und man kann kurz ſagen: die Durchläſſigkeit beruht auf dem Vor⸗ handenſein, die Undurchläſſigkeit auf der Abweſenheit von nicht kapillaren Hohlräumen. Um Wiederholungen zu vermeiden, verweiſen wir auf S. 73 und fügen nur noch bei, daß die Röhren, die die Regenwürmer bohren, und die Hohlräume, die die verweſenden Wurzeln zurücklaſſen, weſentlich dazu bei⸗ tragen, die Durchläſſigkeit, namentlich der feinlückigen und dichten Böden, günſtiger zu geſtalten. Waſſerkapazität.— Bei der Waſſerkapazität handelt es ſich um die Beantwortung der Frage: Wieviel Waſſer vermag der ͤt vun va beren, ſih donmt nuj unten ah⸗ dem ei dar wieder ni freien Nun runde entoyſes g „ſo wan ht kayilur mit Vſſt „wenn it llaren qo nit den Verhälhiſ rgrunde und fir ſt m, vem; Durlſf der Atte der he⸗ ind ni z undurt inden na , un un den Lor⸗ bweſenhä holumen i ic bi, A Hohlüun fh dau k und dit hdet 6 venax d Lückigkeit. 93 geſättigte Boden in ſeinen kapillaren Poren zu faſſen und feſt⸗ zuhalten, ohne es tropfenweiſe fallen und verſinken zu laſſen? Wiſſenſchaftliche Unterſuchungen über dieſen Gegenſtand hat zu⸗ erſt G. Schübler ausgeführt, der die Waſſerkapazität(oder die waſſerhaltende Kraft, wie er es nannte) ſowohl dem Gewicht wie dem Volumen nach vergleichend bei den einzelnen Hauptbeſtand⸗ teilen des Bodens und auch bei mehr oder weniger mannigfach zu⸗ ſammengeſetzten Bodenarten beſtimmte. Die nebenſtehende Tabelle enthält einen Auszug aus den von Schübler mitgeteilten grund⸗ legenden Zahlen. Siehe Tabelle S. 94. Von den Bodenbeſtandteilen beſitzt der Sand die geringſte Waſſerkapazität, man mag ihn dem Gewicht oder dem Volumen nach mit den anderen Bodenbeſtandteilen vergleichen. Bei dem reinen Kies, den Schübler nicht unterſuchte, iſt die Waſſerkapazität noch geringer als bei dem Sand. Bei dem Sand ſelbſt zeigt ſich die Waſſerkapazität je nach der Feinheit des Kornes verſchieden; bei grobkörnigem Sand und Grand kann ſie ſich nach Schübler bis gegen 20% vermindern, während ſie ſich bei ſehr feinkörnigem bis gegen 40%(dem Gewichte nach) erhöhen kann. Die kohlenſaure Kalkerde zeigt je nach der Feinheit ihres Korns ebenfalls große Verſchiedenheiten in ihrer Waſſerkapazität. Bei dem reinen Ton ſteht die Waſſerkapazität hoch, jedoch nicht höher als bei ſehr fein zerteiltem Kalk; bei den Gemengen von Ton und Sand fällt die Waſſerkapazität mit dem Sandgehalt. Der Humus hat unter den gewöhnlichen Bodenbeſtandteilen die größte Waſſerkapazität; jedoch iſt der Unterſchied zwiſchen den Prozentzahlen, die ſich auf das Volumen beziehen, bei weitem nicht ſo groß wie zwiſchen den auf das Gewicht bezüglichen Zahlen, weil der Humus, auf der Wage gewogen, ſehr leicht iſt. Bei der Gartenerde und der Ackererde, die ein Gemenge von Sand, Ton, Kalk und Humus darſtellen, fand Schübler, wie die Zahlen der Tabelle zeigen, eine höhere Waſſerkapazität, als ſich nach den einzelnen Beſtandteilen erwarten läßt, und dies iſt offenbar darauf zurückzuführen, daß ſich die feinen Bodenbeſtand⸗ teile in die Lücken der größeren lagern und ſo die Zahl der kapillaren Poren vermehren. 94 Das Gefüge oder die Struktur. Aus den Schüblerſchen Unterſuchungen geht ſoviel mit aller Beſtimmtheit hervor, daß die Waſſerkapazität zu der Körnig⸗ keit und Lückigkeit des Bodens in der innigſten Beziehung ſteht. Je feiner das Korn und je feiner und zahlreicher die kapillaren Poren, deſto höher die Waſſerkapazität. Waſſerkapazität Bodenarten nach nach Gewicht Volumen „ 17, Quarzſand........... 25 37,9 Kalkſand.. 29 44,1 Feine Kalkerde*)......... 85 66,1 Ton mit 45% Sand. 40 51,4 Ton mit 24% Sand.. 50 57,3 Ton mit 10% Sand..... 61 62,9 Reiner grauer Ton*)..... 70 66,2 Weißer Ton, Pſeif enerde.).... 87 66,0 Humus)....... 181 69,8 Gartenerde“).......... 89 67,3 Ackererde).......... 52 52,3 *) Über die Bodenproben, die Schübler bei ſeinen Unterſuchungen benutzte, macht er folgende Bemerkungen: Die feine, pulverförmige, kohlenſaure Kalkerde, aus gebranntem Kalk erhalten, war durch 6 Jahre langes Liegen an der Luft wieder in vollkommen kohlenſauren Zuſtand übergegangen. Der reine, graue, gewöhnliche Ton beſtand aus 58% Kieſelerde, 36,2% Tonerde und 5,8% Eiſenoxydul. Der weiße Ton, die ſog. Pfeifenerde, iſt eine der reinſten natürlichen Tonarten. Als Humus wurde zu dieſen Unterſuchungen jedesmal die tieriſch⸗ vegetabiliſche Humusſubſtanz genommen, die ſich auf die Vegetation vor⸗ züglich wirkſam zeigt. Die fruchtbare, ſchwarze Gartenerde beſtand aus 52,4% Ton, 36,5% Quarzſand, 1,8% Kalkſand, 2,0% Kalkerde und 7,2% mildem Humus und organiſchen Überreſten. Die Ackererde beſtand aus 51,1% Ton, 42,7% Quarzſand, 0,4% Kalkſand, 2,3% Kalkerde und 3,4% mildem Humus mit organiſchen Überreſten. G. Schübler, Grundſätze der Agrikultur⸗Chemie, 2. Auflage, 1838. I nit ala er Köriig Beziehung reicher di ät. nach nteriuchnge rannten fal in vollbrnne 3 fiſtlede en wülicen ldr ieitt getaien n 524 9 N 12“n vid thud du t nngenüte uflage 8 Lückigkeit. 95 Schübler veröffentlichte ſeine„Grundſätze der Agrikultur⸗ Chemie“, die im zweiten Teil„Agronomie“ die phyſikaliſchen Unter⸗ ſuchungen des Bodens enthalten, ums Jahr 1830, denn in der mir vorliegenden, von K. L. Krutzſch herausgegebenen zweiten Auflage vom Jahr 1838 wird in dem Vorwort bemerkt, daß die erſte Auf⸗ lage vor 8 Jahren erſchien. Später iſt dann von anderer Seite mit beſonderem Nachdruck betont worden, daß die Waſſerkapazität nicht auf das Gewicht, ſondern auf das Volumen bezogen werden müſſe. Die hiſtoriſche Gerechtig⸗ keit erfordert zu konſtatieren, daß Schübler die Waſſerkapazität (waſſerhaltende Kraft) nicht nur dem Gewicht, ſondern auch dem Volumen nach beſtimmte, und zwar nach beiden Beziehungen mit großer Genauigkeit. Beſtimmung der Waſſerkapazität nach Schübler. a) Dem Gewicht nach. „Die waſſerhaltende Kraft einer Erde, ſo lauten Schüblers Worte, läßt ſich auf folgende Art finden: Man nimmt 400 Gran*) der zu unterſuchenden Erde und trocknet ſie in einer Temperatur von etwa 50° R., bis ſie nichts mehr an Gewicht verliert. Um unter ſich vergleichbare Reſultate zu erhalten, iſt es zweckmäßig, den Verſuch mit nahehin gleichen Quantitäten der Erde in ihrem feinen Zuſtand anzuſtellen, jedesmal etwa mit 400 Gran oder etwa mit 1 Kubikzoll, indem bei großen Erdquantitäten das Gewicht der Erde ſelbſt ein Ausdrücken einer größeren Menge Waſſer veranlaßt, und man daher für dieſelbe Erde verſchiedene Reſultate erhalten könnte. „Man bringt dieſe getrocknete Erde auf ein rundes, aus ungeleimtem Druck⸗ ‿= papier beſtehendes Filtrum, das man zuvor 4⁴ im durchnäßten Zuſtande gewogen und in— einen Glastrichter oder auf eine über einen— Rahmen geſpannte Leinwand(Abb. 8) ge⸗ Abb. 8. legt hat; dies iſt vorzuziehen, indem das Nabmen, wwit eindand öer. aufzugießende Waſſer leichter abfließen Waſſerkapazität des Bodens. kann, und es auch leichter gelingt, das durchnäßte Papierfiltrum von dem Tuch in die Höhe zu heben, ohne es zu zerreißen. *) 16,104 Gran= 1 Gramm. 400 Gran ſind daher rund 25 Gramm. 96 Das Gefüge oder die Struktur. „Man gießt nun der auf dem Filtrum liegenden Erde ſolange deſtilliertes Waſſer oder Regenwaſſer zu, bis ſie völlig durchnäßt iſt, und bringt ſie nun in dieſem durchnäßten Zuſtande, ſobald von dem zugegoſſenen Waſſer keine Tropfen mehr abfließen, mit dem Filtrum auf die Wage und beſtimmt ihr Gewicht, woraus ſich durch eine einfache Rechnung die Menge des abſorbierten Waſſers und ihre waſſerhaltende Kraft nach Prozenten finden läßt. Das Gewicht der trockenen Erde ſei. 400 Gran Das Gewicht des naſſen Filtrums.... 110„ Summa beider 510 Gran Das Gewicht der mit Waſſer eſeütigen Erde mit dem Filtrum.... 706„ ſo beträgt die Menge des aßſordierten Waſſers 196 Gran. „Da 400 Gran dieſer Erde 196 Gran Waſſer abſorbierten, ſo werden 100 Gran 49 zurückhalten(400: 100= 196:x), und die waſſerhaltende Kraft dieſer Erde wird ſich daher durch 49 aus⸗ drücken laſſen. „Sollte die auf dem Filtrum liegende Erde die Feuchtigkeit nur ſchwer und ungleichförmig in ihre Zwiſchenräume aufnehmen, ſo iſt es beſſer, die Erde in ihrem trockenen, zuvor gewogenen Zu⸗ ſtand in einem gläſernen Gefäß(oder in einer Porzellanſchale) mit Waſſer anzurühren und ſie nun aus dieſem Gefäß nach und nach auf das Filtrum zu bringen. „Enthält eine Erde viel Humus, ſo kann es zweckmäßig ſein, die friſch vom Felde genommene Erde ſogleich auf dem Filtrum völlig mit Waſſer zu benetzen und ſie erſt nachher vollkommen aus⸗ zutrocknen, indem der Humus, nach dem eben Erwähnten, die Eigen⸗ ſchaft hat, weniger Waſſer aufzunehmen, wenn er einmal völlig aus⸗ getrocknet wurde. „Bei Erdarten, die nur wenige Prozente Humus enthalten, wie es bei den meiſten Ackererden der Fall iſt, kann ſich jedoch die waſſerhaltende Kraft dadurch nur ſehr wenig verändern; vielmehr wird man durch das oben angeführte Verfahren weit überein⸗ ſtimmendere Reſultate erhalten, indem es nur bei zuvor ausgetrockneten Erden möglich iſt, mit gleichen Quantitäten Erde den Verſuch an⸗ zuſtellen, und tonreiche Erden ſelbſt eine verſchiedene Menge Waſſer aufnehmen, je nachdem ſie zuvor in ihrem durchnäßten Zuſtand einem dde ſolng urcnißt i iid von de dem Fittun durc en 6 ud in ühſorbiet 96:T, u uch 49 Feuci aufnehne wogenen d anſczale n ich ud k. tnijig ſi den ditmn omnen au⸗ ,di luli uu⸗ s erthate c fao n vänd eit iben zgetucren Verjut w enge Wiſe tiand eie Lückigkeit. 97 verſchiedenen Druck und verſchiedener Behandlung ausgeſetzt waren; Verſchiedenheiten, die ſich nur durch vorhergehendes Trocknen und Pulveriſieren aufheben laſſen.“ b) Dem Volumen nach. „In agronomiſcher Beziehung iſt es zugleich von Wichtigkeit, zu wiſſen, wieviel Waſſer ein beſtimmtes Volumen Erde in ſich nehmen kann, wodurch ſich oft die Waſſermenge richtiger beurteilen läßt, die die Pflanzen aus einem beſtimmten Raum abſorbieren können. „Dieſe Beſtimmung läßt ſich jedesmal leicht aus der dem Gewicht nach beſtimmten waſſerhaltenden Kraft und dem Gewicht eines beſtimmten Volumens der Erde im naſſen (d. h. mit Waſſer geſättigten) Zuſtand finden.*) Man habe die waſſerhaltende Kraft des Quarzſandes= 25%, und das Ge⸗ wicht eines Kubikzolles im naſſen(geſättigten) Zuſtand zu 605 Gran gefunden: ſo werden, da 100 Gran dieſes Sandes 25 Teile auf⸗ nehmen, die 605, die einen Kubikzoll bilden, 121 Gran auf⸗ 605. 25 125= 121), woraus ſich leicht die waſſerhaltende Kraft dem Volumen nach finden läßt. 1 Pariſer Kubikzoll Waſſer enthält 1728 Pariſer Kubiklinien und wiegt 319,14 Gran; die 121 Gran Waſſer, die in 1 Kubikzoll Waſſer enthalten ſind, werden alſo einen Raum von 655 Kubiklinien einnehmen, oder die waſſerhaltende Kraft dieſes Sandes dem Volumen nach wird 37,9% betragen(1728:655 65 500 1728— 37,9). Ich habe die Worte Schüblers ausführlich wiedergegeben, um dem Begründer der Bodenphyſik Gerechtigkeit widerfahren zu laſſen, und dann auch aus dem Grundo, weil ſeine Methode der zunehmen imſtande ſein(125: 25= 605: x und x= = 100:X, und Xx *)„Es könnte ſcheinen, daß ſich dieſe Beſtimmung durch die bloße Gewichtsvergleichung eines Kubikzolls trockener und naſſer Erde oder aus dem abſoluten Gewicht eines Volumens der trockenen Erde und der waſſer⸗ haltenden Kraft finden laſſe; man erhält jedoch auf dieſe Art kein richtiges Reſultat, weil ſich viele, vorzüglich ton⸗ und humusreiche Erden beim Aus⸗ trocknen bedeutend zuſammenziehen, ein Kubikzoll trockener Erde nimmt im naſſen Zuſtand gewöhnlich einen größeren Raum ein“(Schübler). Nowacki, Bodenkunde. 6. Auflage. 7 98 Das Gefüge oder die Struktur. Waſſerkapazitätsbeſtimmung dem Gewicht und dem Volumen nach — ſelbſtverſtändlich mit Benutzung des neuen Maß⸗ und Ge⸗ wichtsſyſtems— noch heute brauchbar iſt und an Genauigkeit nichts zu wünſchen übrig läßt. Die Erdmenge, die Schübler benutzte, beträgt nach dem neuen Gewicht rund 25 g. Dieſe Erdmenge iſt für die Beſtimmung der Waſſerkapazität nach dem Gewicht ausreichend, aber für die Be⸗ ſtimmung nach dem Volumen zu klein. Es wird ſich empfehlen, für beide Beſtimmungen annähernd dieſelbe Menge zu nehmen, was bei 35— 40 g oder 25 ccm zutrifft. Als Maßgefäß kann man ein gläſernes Vogelnäpfchen von entſprechender Größe verwenden. Zur Erläuterung ein Beiſpiel. a) Waſſerkapazität nach Gewicht. Gewicht der völlig trockenen Erde....= 38,81 g Gewicht des feuchten Filters.....—6,74 G Zuſammen= 45,55 g Gewicht der geſättigten*) Erde ſamt Filter= 55,70 g Folglich Waſſer feſtgehalten......= 10,15 g Um die Waſſerkapazität nach Gewichtsprozent zu berechnen, haben wir anzuſetzen: 38,81: 10,15= 100: x. Alſo iſt die Waſſerkapazität nach dem Gewicht........... b) Waſſerkapazität nach Volumen. 1 Das Maßgefäß enthält geſättigte Erde..= 48,42 g. Um zu erfahren, wieviel Waſſer in dieſem Gewicht Erde enthalten iſt, haben wir, entſprechend der vorhin ge⸗ fundenen Waſſerkapazität nach Gewicht, anzuſetzen: 126,1: 26,1= 48,42: X x= 10,02 Da 1 com Waſſer 1 g wiegt, ſo können wir dieſe 10,02 benennen, wie wir wollen. 26,1%. *) Die Sättigung der Erde geſchieht zweckmäßig auf einem Filter, das auf einem mit Leinwand überſpannten Rahmen liegt. Vergl. Abb. 8 und die betreffenden Bemerkungen von Schübler. Bei dem Einfüllen in das Gefäß wird die feuchte Erde angedrückt und eingerüttelt, damit keine Hohlräume bleiben. lunen u ⸗ Und Ge Gennuig den neue mnung für die de ˖empfehle ehmen, ue nn manei enden. r = Il = 60, = 4)5S. = 150; = 1l. uberehn = 26 = 40% ewict Gi urhin ge ſehan diſe 1 nren dil rl. 1 6.S Eirflen danit kin Lückigkeit. 99 25,11 ccm. Um die Waſſerkapazität nach Volumenprozent zu berechnen, haben wir anzuſetzen: 25,11: 10,02= 100: X Alſo iſt die TWußſeerahazitat naſ dem Volumen....= 39,9%. Die Beſtimmung nach Gewicht it einfachen und genauer als die Beſtimmung nach Volumen, weil ſich der Boden genauer wägen als meſſen läßt; gewöhnlich wird daher die Waſſerkapazität in Gewichtsprozenten angegeben. Wie ſteht es mit der praktiſchen Verwertung der Waſſerkapazitäts⸗Beſtimmungen?— Das Verhalten des Bodens gegen das Waſſer iſt außerordentlich wichtig, und es iſt auch keines⸗ wegs gleichgültig, was für eine Waſſerkapazität der Boden beſitzt; aber die Zahlen, die wir bei der Waſſerkapazitäts⸗Beſtimmung finden, dienen doch nur zur allgemeinen Beurteilung des Bodens, für die Praxis des Acker⸗ und Pflanzenbaus laſſen ſie ſich nur ſelten ver⸗ werten. Daß es einem loſen Kies⸗, Grand⸗ oder Sandboden zuträglich iſt, die Waſſerkapazität durch Zufuhr von Feinerde(Tonmergel, Humus uſw.) zu erhöhen, das wiſſen wir ſchon ohne eine beſondere Waſſerkapazitäts⸗Beſtimmung. Daß dieſen Böden die Bewäſſerung dient, ebenfalls. Wo andererſeits den Nachteilen einer zu hohen Waſſerkapazität oder, richtiger geſagt, einer zu geringen Durchläſſig⸗ keit durch Zufuhr von Sand oder durch Entwäſſerung entgegen⸗ zuarbeiten iſt, darüber können wir uns auf anderm Wege gleichfalls beſſer unterrichten, als durch die Beſtimmung der Waſſerkapazität (vergl. S. 72). Ferner wiſſen wir, daß wir durch oberflächliches Lockern die Feuchtigkeit des Bodens erhalten können, und daß die Vertiefung der Ackerkrume ein ausgezeichnetes Mittel iſt, die Pflanzen gegen die Dürre zu ſchützen. Im übrigen müſſen wir es dem Himmel überlaſſen, unſeren Boden mit Waſſer zu ſättigen und unſere Pflanzen zu tränken. Aus der Wolke Quillt der Segen, Strömt der Regen. Das Maßgefäß faßt reines Waſſer.. 25,11 g 77 † 100 Das Gefüge oder die Struktur. 3. Die Bündigkeit des Bodens. In der freien Natur äußert ſich die Bündigkeit des Bodens in verſchiedener Weiſe, nämlich: 1. In der Feſtigkeit oder in der Kraft, mit der die Boden⸗ beſtandteile im trocknen Zuſtande zuſammengehalten werden, was uns am deutlichſten zum Bewußtſein kommt, wenn wir den hart⸗ getrockneten Boden eigenhändig umzugraben verſuchen. 2. In der Klebrigkeit oder in der Kraft, mit der der Boden im feuchten Zuſtande an anderen Gegenſtänden, z. B. an unſern Stiefeln, hängen bleibt. 3. In der Riſſigkeit und Volumenverminderung oder in der Kraft, mit der der feuchte Boden beim Austrocknen auf einen kleineren Raum in ſich zuſammengezogen wird. Schübler war der erſte, und er iſt bis heute auch der einzige geblieben, der nach dieſen drei Beziehungen eine Anzahl zweckmäßig ausgewählter Bodenarten planmäßig und vergleichend unterſuchte. 1. Feſtigkeit.— Die Feſtigkeit beſtimmte Schübler, nach⸗ dem er verſchiedene Methoden verſucht und verworfen hatte, in 2 2——— 5- —— Abb. 9. Wage zur Beſtimmung der Feſtigkeit des Bodens. folgender Weiſe.*) Man formt(ähnlich wie man es beim Ziegel⸗ ſtreichen macht) aus den gleichmäßig, aber nicht zu ſtark durchnäßten Bodenproben mittelſt einer unten und oben offenen Form von Hart⸗ *) Die Methoden zur Beſtimmung der Bündigkeit, die von anderen Forſchern vorgeſchlagen worden ſind, ſtehen in bezug auf Anwendbarkeit und Zuverläſſigkeit ſamt und ſonders gegen die Schüblerſche Methode zurück. des Vei r die Be werden, ne vir da ir er der Bi 8. an uſe derung nen alf em ch der eit il zweti unterſa übler, u en hatt, Bündigkeit. 101 holz oder beſſer von Metall kleine vierkantige Balken von 5 cm Länge und 15 mm Dicke, die man in der Form ſelbſt trocknen läßt oder auch ſogleich noch feucht mit einem paſſenden Hölzchen aus der Form hinausſchiebt, um ſie zunächſt an der Luft im Schatten und dann bei einer Wärme von 50— 600 C. völlig auszutrocknen. Die Feſtigkeit dieſer Erdbalken wird mit einer ungleicharmigen Wage (Abb. 9) ermittelt, die an dem langen Arm bei x einen immer ſenkrecht hängenden, unten 15 mm breiten, ſtumpfen Stahlſpatel trägt, indem man je einen Erdbalken unter dieſen Spatel bringt und in die Wagſchale ſolange kleine Gewichte legt, bis der Erd⸗ balken durchſchnitten wird. Der Verſuch wird bei jeder Bodenart mehrere Male wiederholt und aus den Reſultaten das Mittel ge⸗ zogen. Auf dieſem Wege gelangte Schübler, indem er die bei dem dichteſten Ton gefundene Feſtigkeit mit 100 bezeichnete und die Feſtigkeiten der übrigen Bodenarten auf dieſe Zahl zurückführte, zu den in der nachſtehenden Tabelle zuſammengeſtellten Verhältnis⸗ zahlen. Tabelle A. Feſtigkeit im trockenen Anhängen Zuſtand, die, im na 3 nd an die Bodenarten des Tons Iqem = 100 geſetzt 4 Verhältnis⸗ Eiſen V Holz zahlen 8 Quarzſand...... 0 170 V 190 Kalkſand....... 0 190 200 Feine Kalkerde)...... 5,0 650 710 Ton mit 45% Sand.... 57,3 350 400 Ton mit 24% Sand..... 68,8 480 520 Ton mit 10% Sand.... 83,3 780 860 Reiner grauer Ton).... 100,0 1220 1320 Humus)......... 8,7 400 420 Gartenerde*)....... 7,6 299) 340 Ackererde))....... 33,0 260 280 *) Über die Beſchaffenheit und Zuſammenſetzung der Bodenarten vergl. die Anmerkung auf S. 94. 102 Das Gefüge oder die Struktur. 2. Klebrigkeit.— Die Tabelle enthält zugleich die auf neues Maß und Gewicht umgerechneten Zahlen für die Klebrigkeit des Bodens oder für das Anhängen an Eiſen und Holz, das Schübler in folgender Weiſe feſtſtellte. Man befeſtigt unter der Wagſchale einer gewöhnlichen Wage Scheiben von Eiſen oder von Holz und ſetzt mit ihr die andere Wagſchale durch aufgelegte Gewichte ins Gleichgewicht; dann bringt man die Scheibe mit der unter ihr liegenden durchnäßten Erde in innige Berührung und legt in die andere Schale ſolange Gewichte, bis die Schale losreißt. Die Menge der aufgelegten Gewichte entſpricht der Größe der Adhäſion oder der Schwierigkeit, die Erde im naſſen Zuſtande zu bearbeiten. 3. Volumenverminderung.— Zur Beſtimmung der Volumen⸗ verminderung beim Austrocknen formte Schübler aus den zu ver⸗ gleichenden Bodenproben in ihrem naſſen Zuſtande gleich große Würfel(von 1 Kubikzoll Größe), ließ ſie im Schatten nach und nach ſolange austrocknen, bis ſich ihr Gewicht nicht mehr veränderte, und ſtellte durch genaues Meſſen vor und nach dem Trocknen die Volumen⸗ verminderung feſt. In der nachſtehenden Tabelle B haben wir den Reſultaten zur Vergleichung die Zahlen für die Waſſerkapazität beigefügt. Tabelle B. 7 ſ Bolumen⸗ Waſſerkapa⸗ verminderung. zität⸗ Von 100 cem Bodenarten 100 com trockene naſſer Erde Erde halten ſchwinden beim Waſſer feſt Austrocknen com cem Quarzſand......... 37,9 0,0 Kalkſand......... 44,1 0,0 Feine Kalkerde...... 66,1 5,0 Ton mit 45% Sand..... 51,4 6,0 Ton mit 24% Sandd... 57,3 8,9 Ton mit 10% Sand.... 62,9 11,4 Reiner grauer Ton...... 66,2 18,3 Humus........ 69,8 20,0 Gartenerde........ 67,3 14,9 Ackererde......... 57,3 12,0 9 ———— die uif mn lebrigt a as Scüͤhle ee Vaſſti von Hal h Gewitte n der unte i d lent ni t. DieIa Ahäfo h arbeite der Volne 3 den un Jleich nach udn erändere,d die Wulor haben vin Vuſeun Volumer⸗ ermindenn Von lU u roſer Ed⸗ ſriun in Luürrtra Bündigkeit. 103 Reſultate der Schüblerſchen Unterſuchungen.— Üüber⸗ blicken und vergleichen wir die in den Tabellen A und B zuſammen⸗ geſtellten Zahlen, ſo gelangen wir zu folgenden Schlüſſen: 1. Der Ton beſitzt weitaus die größte Feſtigkeit und auch die größte Klebrigkeit. Seine Volumenverminderung iſt ebenfalls ſehr beträchtlich. 2. Der Humus ſchwindet beim Austrocknen am ſtärkſten, noch ſtärker als der Ton— die Erfahrung im großen beſtätigt dies, denn in dem trocken gelegten Humusboden bilden ſich gewaltige Spalten—, trotzdem iſt ſeine Feſtigkeit und Klebrigkeit ſehr gering. 3. Der feine erdige Kalk zeigt im feuchten Zuſtand eine er⸗ hebliche Klebrigkeit, dagegen iſt ſeine Feſtigkeit im trocknen Zuſtande auffallend gering. Ebenſo iſt ſeine Volumenverminderung ſehr ge⸗ ring; ſie genügt zwar, um bei dem in größeren Maſſen austrocknenden Kalkſchlamm die Entſtehung von mäßig breiten Spalten herbei⸗ zuführen(wie ich bei den Kaibauten in Zürich zu beobachten Ge⸗ legenheit hatte), aber der fertige Kalkboden bekommt keine Spalten mehr. 4. Bei dem Sand(Quarzſand und Kalkſand) kann weder von Feſtigkeit noch von Volumenverminderung die Rede ſein, und auch die Adhäſion im feuchten Zuſtande iſt verſchwindend gering. 5. Die Waſſerkapazität ſteht in Beziehung zur Feſtigkeit, doch machen der Humus und der erdige Kalk eine Ausnahme. Die Waſſer⸗ kapazität ſteht auch in Beziehung zur Klebrigkeit, doch macht der Humus eine Ausnahme. Die Waſſerkapazität ſteht endlich auch in Beziehung zur Volumenverminderung, doch macht hier wieder der Kalk eine Ausnahme. Zur leichteren Orientierung in dieſem Wirr⸗ warr diene folgende Zuſammenſtellung. Schematiſche Überſicht über die Eigenſchaften der Bodenarten. ◻ bedeutet gering, bedeutet hoch. Eigenſchaften Sand V Ton Kalk Humus Feſtigkeit...... V* 1. Klebrigkeit. 2 Volumenverminderung.— Waſſerkapazität.... 1 1* 104 Das Gefüge oder die Struktur. In dieſer Überſicht tritt uns der ſcharfe Gegenſatz zwiſchen Ton und Sand entgegen, und wir überblicken auch, durch welche Eigenſchaften ſich Kalk und Humus einerſeits von dem Ton, und anderſeits von dem Sand unterſcheiden. 6. Als Hauptreſultat ergibt ſich, daß die Bündigkeit ganz über⸗ wiegend, faſt ausſchließlich auf der Subſtanz des Bodens beruht, die hohe Waſſerkapazität mit hoher Klebrigkeit und hoher Volumen⸗ verminderung vereinigt und ſich namentlich durch hohe Feſtigkeit auszeichnet. Dieſe Subſtanz, die wie ein Leim die übrigen Beſtand⸗ teile des Bodens zuſammenhält, iſt der gewöhnliche eiſenhaltige Ton.*) Praktiſche Schlußfolgerungen.— Bei den Sand⸗ und Grandböden iſt die Bündigkeit zu gering. Die Bündigkeit läßt ſich erhöhen durch Zufuhr von Ton, Tonmergel und Lehmmergel. Der Ton⸗ und Lehmmergel erfüllt den Zweck beſſer als der Ton, weil er leichter zerfällt. Das Zerfallen erklärt ſich daraus, daß der Mergel ein inniges Gemenge von Kalk und Ton darſtellt, die ſich in bezug auf Feſtigkeit und Volumenverminderung entgegengeſetzt verhalten. Durch Zufuhr von Kalk und Humus wird die Bündig⸗ keit nur ſehr wenig, die Waſſerkapazität dagegen beträchtlich erhöht. — Bei den Tonböden iſt die Bündigkeit im allgemeinen zu groß. Die Bündigkeit läßt ſich vermindern durch Zufuhr von Sand, Kalk, Kallmergel und Humus. Die Bündigkeit wird auch durch die Einwirkung des Froſtes auf den feuchten Boden(auf den völlig trockenen Boden wirkt der Froſt nicht) bedeutend vermindert. Bei einem tonigen Boden, deſſen Feſtigkeit 69 betrug, fand Schübler nach dem Durchfrieren nur eine Feſtigkeit von 45. Das iſt ein ganz erheblicher Unterſchied. Der Froſt erſpart uns alſo viel Arbeit, er leiſtet ſogar mehr als die ſorgfältigſte Beackerung, denn er dringt ins Innere. Indem das Waſſer in den kleinen Hohlräumen des Bodens gefriert, werden die Erdteilchen aus ihrer Lage gerückt und ihre Berührungspunkte vermindert. Dabei wird zugleich ein Teil der kapillaren Poren ſo erweitert, daß das Waſſer herausfällt, d. h. *) Daß das Eiſenoxyd bei der Bündigkeit des Tons eine weſentliche Rolle ſpielt, geht aus der Tatſache hervor, daß Schübler bei dem ge⸗ wöhnlichen grauen Ton eine Feſtigkeit von 100 fand, während die Feſtig⸗ keit bei dem weißen reinen Ton(der ſog. Pfeifenerde) nur 42 betrug. —————O——., ——. 2—— at zwithe urch welh Tu, ud Hanz ühe⸗ ens bent er Volune he Feii gen Beſt⸗ ſenhaltg Sand⸗ m ggkeit li Lehmnen. ils der an, us, dß d ellt, de ſ ttexenwec die Bundr ſtich ahü en zu guh r un em, ſt ei u TNbet, a mn e dind räune d geüt 1 c in di usfäll e veſettt bei den g⸗ ddi pett betrug. Bündigkeit. 105 daß die Waſſerkapazität abnimmt. Nach J. Sachs enthielt ein humoſer Boden bei 0 Grad vor dem Gefrieren in 100 Gewichts⸗ teilen trockener Subſtanz 108,8, nach dem Auftauen(bei 0 Grad) dagegen nur 102,8 Gewichtsteile Waſſer; die Waſſerkapazität hatte ſich alſo um 6% vermindert. Wir haben daher alle Veranlaſſung, uns die Einwirkung des Froſtes dadurch zu ſichern und zunutze zu machen, daß wir den Boden vor Winter in Kämme pflügen oder wenigſtens durch tiefe Beackerung in möglichſt rauhe Furchen legen. Die Stufen der Bündigkeit.— Jeder Landwirt muß im⸗ ſtande ſein, die verſchiedenen Stufen oder Grade der Bündigkeit auch ohne umſtändliche Experimente zu erkennen und annähernd richtig zu beſtimmen.„Man kann ſie“, ſagt Thaer,„bei einiger Übung durch Aufſtoßen mit dem Stocke oder ſogar durch den Fußtritt unter⸗ ſcheiden.“ Zur Orientierung laſſen wir hier eine Abſtufung folgen, die ſich hauptſächlich ſtützt auf das Verhalten des Bodens bei der Bearbeitung. Doch benutzen wir auch die von Schübler ermittelten Feſtigkeitszahlen, indem wir die Feſtigkeit des Tons = 100 ſetzen. 1. Leicht oder loſe nennt man das Gefüge, wenn der Boden ſelbſt bei Regenwetter nicht an Pflug, Egge und Walze klebt, wenn er niemals Brocken oder Schollen bildet, auch nicht eigentlich krümlig wird, ſondern ſtets körnig und leicht verſchiebbar bleibt und nach dem Pflügen ſofort oder ſehr bald wieder zuſammenſackt. Im trocknen Zuſtande wird der loſe Boden bei feiner Körnung vom Winde ver⸗ weht(Flugſand). Es fehlt hier das Bindemittel, der Ton, ganz oder es iſt doch nur in ſehr geringer Menge vertreten. Die Beſtand⸗ teile des Bodens(Körner, Gerölle, Geſteinsbrocken) werden nur durch ihr eigenes Gewicht in ihrer gegenſeitigen Stellung und Lagerung gehalten. Die Bündigkeit nach der Schüblerſchen Skala iſt 0—5. Hierher gehören die reinen Grus⸗, Kies⸗ und Grandböden, ſowie die Sandböden mit grobem und zum Teil auch ſolche mit feinem Korn. 2. Schwammig oder mulmig iſt das Gefüge bei den Böden, die ſich, ſofern ſie nicht naß gelegen ſind, zwar ebenfalls leicht be⸗ arbeiten laſſen, ohne feſte Schollen zu bilden, die aber bei dem Pflügen ſehr beträchtlich an Volumen zunehmen, indem zwiſchen den Bodenkrümeln zahlreiche größere Hohlräume entſtehen, die ſich wegen 106 Das Gefüge oder die Struktur. des geringen Gewichts der Bodenmaſſe lange erhalten. Der Boden ſackt oder ſetzt ſich langſam; er bleibt überhaupt ſchwammig und ſperrig, wenn er nicht durch Sand oder Mergel zuſammengedrückt und befeſtigt wird. Auch im ungepflügten Zuſtande, als Wieſe be⸗ nutzt, verändert der ſchwammige Boden ſein Volumen, indem die Bodenmaſſe bei Regenwetter aufquillt, beim Austrocknen wieder ſchwindet. Unter dem Fußtritt zeigt ſich der ſchwammige Boden elaſtiſch. Auch hier fehlt das Bindemittel, der Ton. Die Bündigkeit beträgt 6—9. Dieſe eigentümliche Art des Gefüges finden wir bei den Torf⸗ und Moorböden, die größtenteils aus Humus und Pflanzenreſten be⸗ ſtehen und daher am kürzeſten als Humusböden bezeichnet werden. 3. Locker und mürbe nennt man das Gefüge, wenn der Boden ſchon einige Bündigkeit zeigt, ſo daß er beim Pflügen im feuchten Zuſtande einen zuſammenhängenden Schnitt bildet. Die Schollen oder Brocken, die beim Pflügen entſtehen, laſſen ſich aber, auch wenn ſie trocken ſind, mit der Egge und Walze leicht zerteilen. Bündigkeit 10—30. Hierher gehören die Bodenarten mit einem mäßigen Gehalt an Ton und einer reichlichen Beimengung von Sand oder Kalk oder Humus, z. B. der lehmige Sand, der ſandige Lehm uſw. 4. Bündig, im gewöhnlichen, engeren Sinne des Wortes, iſt das Gefüge, wenn der Boden in dem richtigen Zuſtande der Feuchtig⸗ keit oder Trockenheit noch ohne erhebliche Anſtrengung gepflügt werden kann, auf dem aber nach dem Eggen und Walzen in der Regel zahlreiche Brocken in der Größe der Haſel⸗ und Walnüſſe zurückbleiben. Bündigkeit 30— 60. Hierher gehören die Mittelböden, die etwa zur Hälfte aus Ton, zur Hälfte aus Sand beſtehen, wie der gemeine Lehmboden u. a. 5. Schwer nennt man das Gefüge des Bodens, wenn das Pflügen ſelbſt im richtigen, ſchnell vorübergehenden Zeitpunkt ſchon bedeutende Anſtrengung erfordert, wenn die Zertrümmerung der Schollen aber durch den Stoß raſchbewegter Eggen oder durch den Druck ſchwerer Walzen(Schollenbrecher) noch gelingt. Bündigkeit 60—75. Hierher gehören die Tonböden, die eine genügende Beimengung von Kalk oder Humus enthalten, alſo auch die Tonmergelböden uſw. der Jöe ammig ud nengedic 3 Wiſſe e „inden a knen wide mige ghh ei den du zenreſt k hnet veie , wem d Pfähan bidet d ſen ſih in icht zetein n Geücke er Kalj i 3w. Ports i der jatiy nng alhen i nd 19 ſte ubin n 44 , vem d — h i rneuumn n er du 1 1 Reinanu elböde Iſa Bündigkeit. 107 6. Streng oder zähe nennt man das Gefüge, wenn der Boden „bei einiger Feuchtigkeit wie ein klebriger Teig ſich an Pflug und Egge hängt, nur ſchwer abfällt, beim Abfallen zuſammenhängend bleibt, ſo daß er nur durch einen Stich oder Schnitt getrennt werden kann, und dann auf der Schnittſeite glatt und glänzend iſt. Bei mehrerer Trockenheit iſt er dagegen hart wie Ziegel, und ſeine Schollen können nur durch einen gewaltſamen Stoß in würfelige oder blättrige Stücke, oft gar nicht in Pulver zerteilt werden“(Thaer). Bündigkeit 75— 90. Hierher gehören die Tonböden, die weder durch Beimengung von Kalk, noch von Humus gemildert ſind und dafür einige Prozent Eiſenoxyd enthalten. 7. Widerſpenſtig oder unbändig nennt man endlich das Gefüge, wenn die Bündigkeit ſo groß iſt, daß der Boden die Be⸗ arbeitung nicht mehr ermöglicht oder wenigſtens nicht mehr lohnt. Bündigkeit 90— 100. Hierher gehört der Töpferton.— Dem landwirtſchaftlichen Sprachgebrauch gemäß haben wir die Ausdrücke„leicht“ und„ſchwer“ zur Bezeichnung der Bündigkeit benutzt, unbekümmert um das Gewicht. Daß das Gewicht des Bodens nicht in Beziehung ſteht zur Bündigkeit, zeigt folgende Zuſammenſtellung: Litergewicht Spez. Gew. 1„ Feſtigkeit Bodenarten Waſſer⸗= l trocken feucht*) Ton 100 kg kg Kalkſand....]²2722 2,085 2,605 0 Quarzſand.. 2,653 2,044 2,494 0 Ton mit 45% Sand. 2,601 1,799 2,386 5/,3 Ton mit 24% Sand. 2,581 1,621 2,194 68,8 Reiner grauer Ton. 2,533 1,376 2,126 100,0 Feine Kalkerde... 2,468 1,006 1,758 5,0 Humus..... 1,370 0,632 1,428 8,7 Ackererde. 2 401 1,5397 2, ,180 33,0 Bei dem Sand fſ das ſpezifiſche Gewicht ſowohl wie das Liter⸗ gewicht(beide gehen ziemlich parallel) am höchſten, die Feſtigkeit dagegen am geringſten. Bei dem reinen grauen Ton iſt das Gewicht ein mittleres, die Feſtigkeit dagegen am höchſten. Bei dem Humus iſt ) Feucht iſt hier ſoviel wie„mit Waſſer geſättigt“. 108 Das Gefüge oder die Struktur. das Gewicht am geringſten, die Feſtigkeit zwar auch nicht hoch, aber doch höher als beim Sand uſw. Kurz, eine Beziehung zwiſchen dem Gewicht des Bodens und der Feſtigkeit oder Bündigkeit beſteht nicht. Übrigens iſt das ſpezifiſche Gewicht des Bodens von dem Litergewicht wohl zu unterſcheiden. Das Litergewicht(Maßgewicht, Volumengewicht) ſindet man, indem man einfach unter Einrütteln und ſanftem Andrücken ein kleines Maßgefäß von bekanntem Rauminhalt das eine Mal mit trockener, das andere Mal mit feuchter Erde füllt und wägt. Das ſpezifiſche Gewicht wird am genaueſten mit einem Thermometer⸗Pyknometer unter Anwendung der Luftpumpe beſtimmt. Für weniger genaue Beſtimmungen dient folgendes, von Schübler benutztes Verfahren. Man füllt ein Fläſchchen mit eingeriebenem Stöpſel genau mit Waſſer und wägt es. Hierauf entleert man es bis zur Hälfte, bringt die vorher völlig getrocknete und abgewogene Boden⸗ probe hinein, füllt es wieder genau mit Waſſer und wägt es, nachdem man die Luftbläschen durch Schütteln entfernt hat, zum zweiten Male. Dann läßt ſich das ſpezifiſche Gewicht der Erde berechnen, z. B. 8 Gewicht des bloß mit Waſſer wejüuten Bliichchens= 60,0 Gewicht der trocknen Erde.... 24.0 . Zuſammer= 84,0 Gewicht des mit Erde und Waſſer gefüllten Fläſchchens= 74,4 Folglich hat das Waſſer verdrängt.......= 9,6 Demnach iſt das ſpezifiſche Gewicht 9 da0= 2,5. Aus dem ſpezifiſchen Gewicht lufun ſich wichtige Schluß⸗ folgerungen nicht ziehen, weil es zu wenig differiert, bei den meiſten in der Natur vorkommenden Bodenarten gegen 2,5 beträgt. Auch das Litergewicht gewährt nur ein geringes praktiſches Intereſſe. Dagegen iſt das Gefüge oder die Struktur des Bodens von fundamentaler Bedeutung. Die Klaſſifikation der Bodenarten ſtützt ſich, wenn auch nicht ausſchließlich, ſo doch vorzugsweiſe auf die Körnigkeit, Lückigkeit und Bündigkeit des Bodens, mit einem Wort, auf ſeine Struktur. Wohl dem Landwirt, der in den mikroſkopiſch kleinen Kammern ſeines Grund und Bodens ſo genauen Beſcheid weiß wie in den Kammern ſeines Hauſes. hodh, ün iichen d eteit ni à von den ſindet nm, drücen in 2 Mal m łägt. mit enen e beſtinne Schüble geriebenn man äli gene Blder 8, nachen eiten Mul e Süli Goeutn weiſe uj dens, ni t, dai Bodens ſ 6. Die Bodenbeitandteile und Bodenarten. Wir haben bei Beſprechung der Lagerungsverhältniſſe ſchon wiederholt angedeutet, daß ſowohl der Ober⸗ wie der Untergrund auf Beſtand und Bodenart zu unterſuchen iſt, und es wird nun unſere Aufgabe ſein, auch hierfür eine kurze Anleitung zu geben. I. Die Bodenbeſtandteile. Die Hauptbeſtandteile des Bodens ſind: Stein, Sand, Ton Kalk, Humus. Wie verfährt man, um den Boden auf dieſe ſeine Hauptbeſtandteile zu unterſuchen? 1. Die Unterſuchung des Bodens auf ſeinen Sehalt an Stein. Ob der Boden im Ober⸗ und Untergrund Steine enthält oder nicht, wird bei dem Ausheben der Probegruben ſofort klar. Wir faſſen zunächſt die Menge der Steine ins Auge. Sie läßt ſich am ſicherſten beurteilen auf dem ſenkrechten Schnitt, den uns die Wände der Probegrube zeigen.(Vergl. Abb. 2 u. 4.) Es hat keine Schwierigkeit, feſtzuſtellen, ob der Boden gar keine, ob er wenige, ob er viele Steine enthält, oder ob er endlich größtenteils aus Steinen beſteht. Durch ein aufmerkſames Anſehen des Profils, unterſtützt durch Anfertigen einer Skizze, überzeugen wir uns auch über die Ver⸗ teilung der Steine, wobei wir etwa folgende Fragen zu beant⸗ worten haben. Sind Steine auf der Oberfläche vorhanden? Sind ſie gleichmäßig im Ober⸗ und Untergrund verteilt, oder ſind ſie in einzelnen Schichten oder Neſtern zuſammengehäuft, während andere Schichten oder Stellen frei von Steinen ſind? Nimmt die Menge 110 Die Bodenbeſtandteile. der Steine nach der Tiefe hin zu? Sind die Steine loſe oder ſind ſie feſtgewachſen, d. h. in Verbindung mit dem Grundgeſtein? Ferner iſt die Größe der Steine zu beachten, wobei wir folgende Einteilung machen können: Erbſengröße(0,5 cm), Haſel⸗ nußgröße(1 cm), Walnußgröße(5 cm), Fauſtgröße(10 cm), Kopfgröße(20 cm) und Blockgröße(über 20 cm). Eine beſondere Bedeutung hat die Form der Steine. Im Schwemmlandsboden haben die Steine nämlich infolge des Rollens und Reibens eine abgerundete, glatte Oberfläche; im Ver⸗ witterungsboden haben ſie dagegen, je nach der Art des Geſteins und nach der Art ſeines Zerfallens bei der Verwitterung, eine un⸗ regelmäßige, eckige oder kantige, muſchelförmige, ſplittrige oder ſchiefrige Geſtalt. Endlich iſt auch die chemiſche Zuſammenſetzung der Steine und ihre Verwitterbarkeit von Wichtigkeit. Die chemiſche Zu⸗ ſammenſetzung erſehen wir aus der Art des Geſteins, die uns die geologiſchen Karten, wenigſtens bei dem Verwitterungsboden, angeben. Im Schwemmlandsboden müſſen wir, ſoweit es nötig er⸗ ſcheint, das Steingerölle mineralogiſch zu beſtimmen ſuchen. Die Verwitterbarkeit läßt ſich beurteilen, wenn wir die Steine mit dem Hammer zerſchlagen und das Innere mit dem Außeren vergleichen, wobei wir die Meſſerſpitze zum Prüfen der Härte und Feſtigkeit benutzen können. Manche Steine ſind ſo morſch, daß ſie ſich mit den Fingern zerbrechen laſſen. Im allgemeinen widerſtehen die im Schwemmlandsboden vorkommenden Steine der Verwitterung viel mehr als die Steine des Verwitterungsbodens. Überdies enthält der Schwemmlandsboden immer mehrere Arten von Geſteinen, z. B. Gerölle von Quarz, Feuerſtein, Granit, Kalk, Hornblende uſw., während die Geſteinsreſte des Verwitterungsbodens gewöhnlich ſämt⸗ lich ein und derſelben Geſteinsart angehören, ſo daß z. B. ein Boden, der durch Verwitterung aus Flyſchſchiefer entſtanden, nur Stücke von Flyſchſchiefer enthält uff. 2. Die Unterſuchung des Bodens auf ſeinen Sehalt an Sand und Ton. Beſteht der Boden größtenteils aus Sand oder größtenteils aus Ton, d. h. mit anderen Worten: ſind Sand⸗ oder Tonboden dder ſai ein wobei wi u) 5 tſe⸗ (1o cn) teine. i es Rules in Ne 3 Geſtir g eime u. ſplittri der Emn emiſte h 8, de u rungbeh 8 vüige ucen d ne ni i vexleite d Fiiki feſ it therwin tennn u di alt ijtrti Sand. Ton. Gemenge von Sand und Ton. Lehm. 111 ziemlich rein, ſo iſt die Unterſuchung leicht; etwas ſchwieriger wird ſie dagegen bei den aus Ton und Sand gemengten Bodenarten, be⸗ ſonders wenn ſie noch anderweitige Beimengungen enthalten. Sand.— Der Sand kennzeichnet ſich durch ſeine Körnig⸗ keit. Bei gröberen Sandarten, deren Körner eine Größe von 1— ½ mm haben, kann das Auge die einzelnen Körner deutlich als ſolche erkennen. Bei den feinen Sandarten mit der Korngröße von ½— ͤ³ mm iſt dies auch noch möglich. Werden die Körner noch kleiner, ſo läßt uns das Auge mehr und mehr im Stich. Wir können dann eine Lupe benutzen, die uns, abgeſehen von der Ver⸗ größerung, ſchon dadurch viel hilft, daß ſie uns zwingt, die Gegen⸗ ſtände ſcharf und mit Aufmerkſamkeit zu betrachten. Noch ſicherer aber iſt es, wenn wir uns nicht allein auf das Geſicht verlaſſen, ſondern das Gefühl mit zu Hülfe nehmen, das in den Fingerſpitzen, beſonders des Daumens und des Zeigefingers, ſehr fein entwickelt iſt und durch fleißige Übung zu unglaublicher Unterſcheidungs⸗ fähigkeit ausgebildet werden kann. Das Gefühl oder, wie man hier beſſer ſagt, der Taſtſinn leiſtet uns bei der Bodenunterſuchung überhaupt ſehr weſentliche Dienſte. Ton.— Was den Ton betrifft, ſo läßt er ſich daran erkennen, daß er im feuchten Zuſtande zähe und klebrig, knetbar und formbar iſt. Im trockenen Zuſtande verbreitet er beim Anhauchen oder An⸗ feuchten den eigentümlichen„Tongeruch“. Ferner läßt ſich ein Stück trockenen Tons in ſehr vollkommener Weiſe mit dem Fingernagel glätten und glänzen; die geglättete Fläche iſt fettig oder ſeifig an⸗ zufühlen. Zwiſchen den Fingerſpitzen zeigt ſich der angefeuchtete Ton ſchlüpfrig, und das Gefühl ſpürt nichts von Körnigkeit oder Rauhigkeit, zum Beweiſe, daß dieſe Bodenart aus lauter äußerſt feinen, molligen Körnchen beſteht(vergl. S. 89). Gemenge von Sand und Ton, die in ſehr verſchiedenen Abſtufungen vorkommen, laſſen ſich auf das Verhältnis von Ton und Sand in den meiſten Fällen auch hinreichend beurteilen nach ein⸗ fachen, leicht in die Sinne fallenden Merkmalen. Lehm.— Der Lehm, der zu dieſen Gemengen gehört, läßt ſich kneten und formen, ähnlich wie der Ton. Aber es beſteht zwiſchen richtigem Lehm und richtigem Ton der weſentliche Unter⸗ ſchied, daß ſich der Lehm körnig oder rauh anfühlt, was bei dem 112 Die Bodenbeſtandteile. Ton nicht der Fall iſt. Dies kommt daher, daß der Lehm gröberen und feineren Sand, kleine und große Steine in größerer oder geringerer Menge enthält, während der Ton gewöhnlich frei von Steinen und von fühlbaren Sandkörnern iſt.*) Überdies iſt der Sandgehalt im Lehm beträchtlich höher. Deshalb nennt man den Ton fett, den Lehm mager. Und da die Sandypartikelchen im Ton mikroſkopiſch klein, nicht fühlbar, und da ſie gleichmäßig zwiſchen den Tonpartikelchen verteilt ſind, ſo erhalten wir beim Kneten und beim Taſten mit den Fingerſpitzen von dem Ton den Eindruck einer gleichartigen(homogenen) Maſſe, während wir bei dem Lehm, indem wir bald die Tonteilchen, bald die Sandkörner und Steinchen fühlen, den Eindruck einer ungleichartigen Maſſe be⸗ kommen. Auch die ganze Lagerung und Struktur iſt bei dem Ton viel gleichartiger als bei dem Lehm. Der Ton bildet oft mehrere Schichten oder Bänke übereinander, deren jede wie aus einem Guß erſcheint, während der meiſt in einer einzigen Schicht abgelagerte Lehm ein regelloſes Durcheinander von Ton, grobem und feinem Sand und Steinen darſtellt. Endlich iſt noch hervorzuheben, daß im ausgetrockneten Zuſtande ein Stück Ton, abgeſehen von den Röhren, die die Würmer und Wurzeln zurücklaſſen, ein dichtgeſchloſſenes, ein Stück Lehm dagegen ein lückiges Gefüge zeigt, was beſonders bei der Unterſuchung mit der Lupe ſehr deutlich entgegentritt. Löß.— Ein Gemenge von Ton und Sand, das einer be⸗ ſonderen Erwähnung verdient, iſt der Löß. Dieſe Bodenart iſt durch einen hohen Gehalt an ſtaubförmigem Sand ausgezeichnet, der mit dem feinen Sand zuſammen gegen 70% der ganzen Boden⸗ ſubſtanz ausmacht. Da überdies die gröberen Sandkörner und Steine ganz fehlen oder doch an Menge ſehr zurücktreten, ſo wird der Löß in bezug auf Gleichmäßigkeit und Feinheit des Kornes dem Tonboden ähnlich. Trotzdem laſſen ſich Ton und Löß durch folgende Kennzeichen leicht voneinander unterſcheiden. Der Löß fühlt ſich rauh und mager an, der Ton ſchlüpfrig und fett. Der trockene Ton läßt ſich mit dem Fingernagel glätten *) Zuweilen kommen Kriſtalle von Gips, von Quarz oder von Schwefel⸗ kies im Tone vor. Geſteinsſtücke gelangen manchmal auf die Weiſe in ein Tonlager, daß ſie von verwitterten Felswänden herabſtürzen. Der durch Verwitterung entſtandene Ton enthält oft noch Reſte ſeines Muttergeſteins. gröbere n gräßere gevöſrit k) Ubedi dwennt mn dpertilte gleitni bein ned den Ender vir bei d dbörner u n Niſe k bei den d öft meirr einen bi t abgelcr und fäner eben, djn den Föhre chloſſeng as beſode entrit as einer Sodenat i ausgeeitn anzen die⸗ dkörnr m ten, vi ingeit di Ton mcj den. en ſchlöf nagel Jlätn unStei Peiſ i en „Dr dut autkegeſen⸗ Löß. Letten. 113 und glänzen, der Löß nicht. Der Löß beſitzt eine viel geringere Zähigkeit und Formbarkeit als der Ton. Im trockenen Zuſtande läßt ſich der Löß leicht krümeln, der hartgetrocknete Ton dagegen läßt ſich gar nicht krümeln, ſondern nur ſchwer in ſcharfkantige Stücke zerbrechen. Ein wichtiges Kennzeichen des Lößbodens iſt ſeine eigentüm⸗ liche Struktur(Auf⸗ und Aneinanderlagerung der Beſtandteile), der zufolge er in 5— 10 m hohen Wänden, an Hohlwegen z. B., ſenkrecht ſtehen bleibt, ohne ſich abzuböſchen oder einzuſtürzen. Dies iſt nur möglich, wenn die ganze Lößmaſſe luftig und porös aufgebaut und, obwohl wenig gebunden, doch widerſtandsfähig gegen Druck iſt, wenn ſie zugleich das Waſſer leicht und gleichmäßig in die Tiefe ſinken und andererſeits auch leicht und gleichmäßig nach oben und außen verdunſten läßt, ohne ſich hierbei im einzelnen und im ganzen weder merklich auszudehnen, noch zuſammenzuziehen. Der Ton verhält ſich in allen dieſen Beziehungen weſentlich anders. Er iſt dicht gefügt, undurchläſſig, waſſerhaltend und ſehr widerſtandsfähig gegen die Verdunſtung. Er dehnt ſich in der Näſſe ebenſo ſtark aus, wie er in der Dürre ſchwindet. Er wird niemals locker und luftig, ſondern in der Näſſe ſchmierig und kotig, in der Dürre hart und feſt wie Stein und zugleich von tiefen Riſſen und Spalten durchſetzt. Hiernach ſind Löß und Ton ſo ſcharf voneinander unterſchieden, daß eine Verwechslung füglich nicht möglich iſt. Letten.— Ja, was iſt Letten?— In den Büchern findet man ſehr abweichende Antworten auf dieſe Frage. Man wendet ſich daher am beſten an die Natur und ſieht ſich namentlich den Boden an, wie er beim Drainieren zum Vorſchein kommt. Man wird dann nicht ſelten eine Bodenſchicht treffen, die naß iſt und ſtark an dem Spaten anklebt. Gewöhnlich iſt das der ſog. Letten. Wie iſt die Bodenart nun näher beſchaffen? Da ſie ſtark anklebt, ſo muß ſie reichlich Ton enthalten. Aber da ſie naß iſt, ſo kann ſie nicht ganz ſo undurchläſſig ſein, wie der fette und ſteife Ton, denn eine ſolche Schicht wird auf ihrer natürlichen Lagerſtätte im Untergrunde zwar feucht, aber niemals eigentlich naß und breiig, ſelbſt wenn das Waſſer unmittelbar über und unter ihr ſteht. Andererſeits kann der Letten aber auch nicht ſo durchläfſig ſein, wie der gemeine ſteinhaltige Lehm, denn wir ſehen beim Drainieren Nowacki, Bodenkunde. 6. Auflage. 8 114 Die Bodenbeſtandteile. häufig, daß der Letten es iſt, der das Waſſer anhält. Folglich ſteht der Letten zwiſchen richtigem Ton und richtigem Lehm in der Mitte, er iſt ein Gemenge von Ton und ſehr feinem Sand, das man entweder als einen fetten Lehm oder als einen mageren Ton auffaſſen kann. Beides kommt ziemlich auf eins heraus; doch ziehe ich es vor, den Letten zu den Tonböden zu rechnen, da ihm die Steine und groben Sandkörner fehlen, und da er in ſeinen ganzen Eigenſchaften mehr mit dem Ton als mit dem Lehm über⸗ einſtimmt. Der Begriff Letten ſchließt das Naſſe und Kotige mit ein, denn wie unſer Lehm von dem lateiniſchen limus, ſo kommt unſer Wort Letten her von dem lateiniſchen lutum, und das bedeutet kotige, breiige Erde. Im Rheintal, von Sargans abwärts bis zum Bodenſee findet ſich der Letten in großer Ausdehnung; er wird dort im Volks⸗ mund ganz richtig Rheinletten genannt. Der Letten iſt alſo ein naſſer oder waſſerſüchtiger, leicht zerfließlicher, ſandiger Ton. Sandiger Lehm und lehmiger Sand.— Die Gemenge von Ton und Sand, die man als ſandigen Lehm und lehmigen Sand bezeichnet, ſtehen einander ſehr nahe. Dennoch gibt es ein einfaches Kennzeichen, mittelſt deſſen ſie der Geübte ziemlich ſicher unterſcheiden kann. Der ſandige Lehm läßt ſich nämlich noch zu einer Kugel ballen; der lehmige Sand dagegen nicht, indem hier die Kugel trotz alles Knetens und Drückens immer wieder platzt, weil das Bindemittel, der Ton, in zu geringer Menge vorhanden iſt. Bedeutung der einfachen Bodenunterſuchung.— In den meiſten Fällen werden die eben beſprochenen einfachen Kennzeichen und Unterſcheidungsmerkmale ausreichen, um nicht allein die reineren Sand⸗ und Tonböden, ſondern auch die aus Ton und Sand ge⸗ mengten Bodenarten(Lehm, Löß, Letten, ſandigen Lehm und lehmigen Sand) zu beſtimmen, d. h. auf ihren Gehalt an Ton und Sand annähernd richtig zu beurteilen, und ich betone ausdrücklich, daß dieſe einfache Art der Unterſuchung, die ſich auf den Gebrauch der Sinne: Geſicht, Gefühl und Gerxuch ſtützt, für die praktiſche Bonitierung und Wertſchätzung des Bodens die allergrößte Bedeutung hat. Denn dieſe ein⸗ fache Unterſuchung geſtattet, an vielen Stellen des Ober⸗ und Unter⸗ dgis der Mi Sand, i ageren dn ; doch ji en, du in er in ſein Lehm ür. in Bddeit t in Vib⸗ ind daenr d Duita u gim Mechaniſche Analyſe. 115 grundes eine Probe zu nehmen, deren Beſtimmung in einigen Minuten abgetan iſt, während jede andere feinere und genauere Unterſuchung ſchon deshalb, weil ſie viel Zeit erfordert, alſo koſtbar wird, denn Zeit iſt Geld!— auf eine geringere Anzahl von Proben beſchränkt werden muß. Schon lange hat man es erkannt und ausgeſprochen, daß die Schlüſſe, die man aus der noch ſo genauen Unterſuchung einiger wenigen Proben auf die Zuſammenſetzung eines ganzen großen Feldes zu ziehen wagt, unſicher und trügeriſch ſind. Wäre der Boden auf größere Strecken gleichmäßig zuſammen⸗ geſetzt, dann ſtände die Sache anders; aber bekanntlich wechſelt die Zuſammenſetzung, beſonders im Gebirgslande, auf kurze Entfernungen, genau genommen, mit jedem Schritt. Darum iſt bei der Bodenunterſuchung an dem Grund⸗ ſatz feſtzuhalten: Je mehr Proben, deſto mehr Sicher⸗ heit. Dieſem Grundſatz kann aber die Unterſuchung in dem Grade beſſer nachkommen, als ſie weniger Zeit erfordert. Eben deshalb hat die beſprochene einfache Art der Bodenunterſuchung ſo großen Wert, zumal da ſie uns nötigt, den Boden auf ſeiner natürlichen Lagerſtätte und in ſeinem natürlichen Zuſtande draußen im Freien zu betrachten, wo wir die Geſamtheit der Verhältniſſe zu überblicken und zu würdigen imſtande ſind. Die mechaniſche Analyſe und das Schlämmen des Bodens.— Daneben iſt aber die genauere Unterſuchung, wie ſie durch die mechaniſche Analyſe und das Schlämmen des Bodens bezweckt wird, nicht zu unterſchätzen. Denn ſoviel muß von vornherein bedingungslos zugegeben werden, daß wir durch eine Zerlegung des Bodens in ſeine Beſtandteile einen beſſeren Ein⸗ blick in ſeine Zuſammenſetzung erlangen als durch jene einfache Art der Unterſuchung. Nur werden wir aus den eben hervorgehobenen Gründen die feinere Unterſuchung auf die Fälle beſchränken, in denen jene einfache Unterſuchung mittelſt der Sinne nicht ausreicht, und wir werden auch hier die Methoden vorziehen, die mit den ein⸗ fachſten Apparaten in der kürzeſten Zeit das vollkommenſte Reſultat zu liefern vermögen. Das gilt, alles zuſammengerechnet, von keiner andern in dem Maße mehr, als von der Unterſuchungsmethode, die ich bei meinem hochverehrten Lehrer Julius Kühn kennen gelernt und ſeither immer 8* 116 Die Bodenbeſtandteile. beibehalten habe, obwohl mir andere Methoden nicht unbekannt ge⸗ blieben ſind. Da indeſſen auch das von Kühn erdachte Verfahren immerhin ſchon mehrere Stunden Zeit zur Beendigung einer Unterſuchung erfordert, alſo nicht auf eine große Zahl von Proben ausgedehnt werden kann, ſo iſt es vor allem unerläßlich, bei der Auswahl der Proben mit Umſicht und Überlegung zu Werke zu gehen. Hieraus ergibt ſich von ſelbſt, daß die mechaniſche Analyſe die beſprochene einfache Unterſuchung des Bodens mit Hülfe der Sinne ſchlechterdings zur Vorausſetzung hat, denn wer nicht weiß, wie, wo und warum er eine Bodenprobe nehmen ſoll, der kann ſich mit der mechaniſchen Analyſe vielleicht auf angenehme Weiſe die Zeit vertreiben, einen wiſſenſchaftlichen oder praktiſchen Erfolg wird er dagegen nicht erzielen.„Das Experimentieren ohne Verſtändnis und ohne klar durchſchauten Zweck wird gar leicht zur nutzloſen Spielerei. Namentlich hat ſich der junge, unerfahrene Landwirt vor derartigen Beſchäftigungen zu hüten, ſolange er nicht auf einer tüchtigen landwirtſchaftlichen Schule vor allen Dingen die nötigen Vorkenntniſſe ſich erworben, nächſtdem aber auch eine ſachgemäße und gründliche Anleitung zu ſolchen praktiſchen Arbeiten genoſſen hat.“ Das habe ich ſchon im Jahr 1873 geſagt, und es paßt auch noch heute. Bei der Entnahme der Probe zum Zweck der mechaniſchen Analyſe muß nächſtdem als ſtrenger Grundſatz gelten: Jede Probe wird für ſich gefaßt und für ſich unterſucht. Auch dies habe ich ſchon früher geſagt und will es heute noch ſchärfer betonen, weil in der Literatur immer wieder das Gegenteil empfohlen wird. Eine Vermengung mehrerer Proben, die von verſchiedenen Stellen des Feldes genommen werden, in der Abſicht, durch Herſtellung einer „Mittelprobe“ die Unterſuchung abzukürzen, hat keinen Sinn und Zweck. Entweder ſind nämlich die Feldproben nach dem Anſehen und Anfühlen uſw. untereinander gleich oder ſehr ähnlich zuſammen⸗ geſetzt, dann iſt es von vornherein überflüſſig, mehrere Proben nach Hauſe zu ſchleppen, weil ja in dieſem Fall eine einzige vollkommen genügt. Oder aber die Feldproben erweiſen ſich nach dem Anſehen und Anfühlen uſw. als ungleich zuſammengeſetzt, dann müſſen ſie auch getrennt gefaßt und getrennt unterſucht werden, weil ſonſt in der durch Vermengung erzeugten„Mittelprobe“ eine Zuſammen⸗ ſetzung hergeſtellt wird, die in Wirklichkeit an keiner Stelle des kennt g mmerin krſuchun uagedein luswaſl gerke zu e Nrulſ Hühe d ücht wii kann ſit Weiſe ü xfolg uid erſtindns uuhoſe dwin m auf enn łie nüthen gemäßem oſen ha noch ſelt echnice de Probt Auh d er beiwnen bler vi un Süll lung äne Smm u n Aiche zuſennar oben nt vollonnen n Aiche niſen i i ſmſti guſemnar Stele d Beſtimmung des Steingehaltes des Geſamtbodens. 117 Feldes vorkommt. Alſo wohlgemerkt: Soviel Proben, ſoviel Einzelunterſuchungen! Die mit einer kleinen Handſchaufel aufgenommene Probe wird am beſten in ein dichtes Leinwand⸗ oder Drillichſäckchen getan, das ungefähr 11 Erde faßt. Größere Steine und Wurzeln bleiben auf dem Felde zurück, indem wir uns über den Steingehalt des Bodens, wie S. 109 angegeben, an Ort und Stelle zu orientieren ſuchen. Selbſtverſtändlich wird bei jeder Probe notiert, von welcher Stelle und aus welcher Tiefe ſie genommen iſt, was nötigenfalls ein Ein⸗ meſſen der Probegrube nach der Karte uſw. erfordert. Zu Hauſe wird die Probe, gröblich zerbröckelt, ſolange vor⸗ getrocknet, bis ſich die Erde leicht mit den Fingern zerkrümeln läßt. Der hierzu nötige mittlere Zuſtand zwiſchen Trockenheit und Feuchtig⸗ keit iſt ſorgfältig wahrzunehmen. Ein gewaltſames Zerſtampfen der etwa hartgetrockneten Brocken in einem Mörſer iſt nicht geſtattet, weil dabei eine Zerkleinerung der Steinchen und Sandkörner ein⸗ treten würde. Von der zerkrümelten, noch etwas feuchten Erde dient ein Teil A zur Beſtimmung des Steingehaltes des Geſamtbodens, ein anderer Teil B zum Schlämmen der Feinerde. Durch dieſe Teilung des Materials wird Arbeit und Zeit geſpart. Die beiden Teile werden auf folgende Weiſe behandelt. A. Beſtimmung des Steingehaltes des Geſamtbodens. Die Bodenprobe A wird auf einem Bogen Papier oder in einer Schüſſel flach ausgebreitet und an der Sonne oder in dem Brat⸗ ofen oder in der Ofenröhre ſolange getrocknet, bis die Brocken durch und durch ausgetrocknet ſind, was man daran erkennt, daß die Brocken im Innern ebenſo hell ſind als außen(der feuchte Boden hat bekanntlich eine dunklere Farbe). Mit einem Wort: die Boden⸗ probe muß in den„lufttrocknen“ Zuſtand übergeführt werden. Von dem lufttrocknen Geſamtboden wägt man ein be⸗ ſtimmtes, nicht zu kleines Gewicht(200 9) ab, ſchlägt die Erde durch ein 5 Millimeter⸗Sieb, wäſcht die im Siebe zurückbleibenden Steine mit Waſſer und einem Borſtenpinſel ſauber ab, entfernt die Wurzeln uſw., läßt die Steine trocknen und wägt ſie. Die Fein⸗ erde, die mit dem Waſſer durch das Sieb geht, gießt man fort, da es zu umſtändlich iſt, ſie zu trocknen; ihr Gewicht ergibt ſich aus der Differenz. 118 Die Bodenbeſtandteile. Zum Beiſpiel: Gramm Prozent Gewicht des lufttrocknen Geſamtbodens....= 200= 100 Gewicht der lufttrocknen Steine....= 94 47 Differenz: Gewicht der abgeſiebten Feinerde.= 106= 53 Der Geſamtboden enthält alſo 47% Steine und 53% ſog. Feinerde.*) B. Schlämmen der Feinerde.— Der andere Teil B des Geſamtbodens wird im zerkrümelten, noch etwas feuchten Zuſtande ebenfalls durch ein 5 Millimeter⸗Sieb geſchlagen. Hier werden aber die im Siebe zurückbleibenden gröberen Materialien: Steine, Wurzeln, Inſektenleichen uſw. einfach beſeitigt. Die geringe Menge Feinerde, die an den Steinen hängen bleibt, kann vernachläſſigt werden. Die abgeſiebte Feinerde, um deren Unterſuchung es ſich jetzt allein handelt, wird ebenſo, wie vorhin angegeben, in den„lufttrocknen“ Zuſtand übergeführt. Von der lufttrocknen Feinerde wägt man 25 g genau ab.*) Der Reſt wird für nötige Kontrollunterſuchungen uſw. in einer ganz trocknen Flaſche aufbewahrt, wobei das Etikettieren nicht zu vergeſſen iſt. Es empfiehlt ſich überdies, einen Teil der urſprünglichen, nicht geſiebten Probe des Geſamtbodens zur Anlegung einer Boden⸗ ſammlung zu verwenden. Die abgewogene Feinerde, mit gewöhnlichem reinem Waſſer in eine genügend große Porzellanſchale getan, muß nun durch ½— 2 ½ ſtündiges Kochen unter fleißigem Umrühren und ſanftem Zerdrücken der Brocken mit einem glatten Stabe von Glas oder Hartholz in einen feinen Brei verwandelt werden mit der Vor⸗ ſicht, daß von den abgewogenen 25 g durch Überkochen, Heraus⸗ ſpritzen uſw. nicht das geringſte verloren geht. Tritt durch Ungeſchicklichkeit oder ſonſt auf eine Weiſe irgend ein Ver⸗ luſt ein, ſo fängt die Arbeit unbedingt mit einer neuen Probe von vorne an. Dieſer Grundſatz gilt unerbittlich auch für s alle folgenden Operationen. 9 Unter r Feinerde⸗ iſt hier das Material zu verſtehen, das durch ein 5 Millimeter⸗Sieb gefallen iſt, das alſo außer den feinſten Teilchen möglicherweiſe auch Kies, Grand, Sand enthält. **) Nimmt man 50 g, ſo erfordert das Schlämmen die doppelte Zeit. —., xᷣ☛˖·(-— —2 ASͤ— Nruxer =. = 5. 3'7 ſog il B de Zuſtade dden üer Purxe, Feinende den. N n handet ' Juſtnd du ab.“ ner en vergeſen hen, i Voder⸗ n Piſe un duh d ſanſen Blas dde der bor , Heuuu⸗ itt durt ein ber⸗ er neunn erbittli das dun en reilten pelt hit Schlämmen der Feinerde. 119 Der Kühn ſche Schlämmzylinder.— Die völlig aufgeweichte und fein zerteilte Bodenſubſtanz kommt in den Kühnſchen Schlämmzylinder. Dieſer Schlämmapparat (Abb. 10) iſt ein einfaches zylindriſches Gefäß von 26 cm Höhe und 8,5 cm lichter Weite, 4 cm über dem Boden mit einem Ausfluß. (Tubulus) verſehen, der mit einem einge⸗ ſchliffenen Glas- oder mit einem Kautſchuk⸗ oder Korkſtopfen verſchloſſen werden kann. Es wird nun Waſſer aufgefüllt bis zur Marke, die 3,5 cm vom oberen Rande ent⸗ fernt iſt, und darauf mit einem glatten Hart⸗ holzſtabe gründlich und gleichmäßig umgerührt. Dann läßt man das Gefäß 15 Minuten lang ruhig ſtehen.— In dieſer Zeit ſetzen ſich die Steinchen und Sandkörner ab, die Ton⸗ teilchen uſw. bleiben dagegen ſchwebend in dem Waſſer, das nun ſamt den feinſten Teichen— durch den Ausfluß abgelaſſen wird.*) Dann Atb. 10. wird von neuem Waſſer aufgefüllt, umgerührt Schlämmzylinder. und wieder nach 15 Minuten abgelaſſen, und dieſe Operation ſo oft(wenn nötig 10mal) wiederholt, bis das 15 Minuten lang ruhig geſtandene Waſſer nicht mehr trübe, ſondern klar erſcheint. Daran erkennt man, daß ſämtliche Tonteilchen uſw. herausgeſchlämmt ſind.**) Damit iſt die eigentliche Schlämmoperation 3 1] Um n Sandverluſt zu vermeiden, muß der Stopfen mit der Innen⸗ wand des Schlämmglaſes genau abſchneiden und gut paſſen und ſchließen, aber doch bequem heraus⸗ und hineingedreht werden können. Dieſe Forde⸗ rungen ſind indeſſen ſchwer oder gar nicht zu erfüllen, wenn die Ausfluß⸗ öffnung ſchlecht gebohrt oder wenn der Tubulus ſchlecht angeſetzt iſt. Ich habe deshalb den Tubulus ausſchleifen und mit einem eingeſchliffenen Glas⸗ ſtopfen verſehen laſſen, den man, wenn er zerbricht oder verloren geht, immer noch durch einen gut paſſenden Kautſchuk⸗ oder Korkſtopfen erſetzen kann. Die Höhe des Zylinders habe ich 3 cm niedriger genommen und die Zeit des Stehenlaſſens auf 15 Minuten ausgedehnt. Dadurch wird eine ge⸗ nauere Scheidung des Dur⸗ und Mollgeſteins erzielt. **) Zuweilen wird das Waſſer überhaupt nicht hell und durchſichtig, ſondern es bleibt weißlich, gelblich oder bräunlich trübe. Nach einiger Übung erkennt man trotzdem leicht, wann die abſchlämmbaren Teile entfernt ſind. 120 Die Bodenbeſtandteile. beendigt: die abſchlämmbaren, molligen Teile, zuweilen nur aus Ton, zuweilen aber auch aus Ton, Humus, mikroſkopiſch feinem Sand und Kalk beſtehend, ſind alle mit dem Waſſer ausgefloſſen, der Sand nebſt den gröberen Geſteinsreſten(Kies, Grus, Grand) iſt in dem Schlämmglas zurückgeblieben. Der Sand wird nun unter Zuhülfenahme einer Spritzflaſche und einer Federfahne vorſichtig und ſauber aus dem Schlämmzylinder herausgeſpült, entweder direkt auf ein Filter oder zunächſt in ein Becherglas. Es handelt ſich jetzt darum, den Sand von dem Waſſer zu trennen. Dies geſchieht am beſten durch Filtrieren. Das Filter(von ¼ Bogen geſchnitten) wird in einen Glas⸗ oder Blech⸗ trichter getan und angefeuchtet, damit es dicht anliegt, alsdann der Sand nach und nach ohne Verluſt darauf gegeben. Nachdem das Waſſer abgetropft, wird der ruhig in dem Trichter verbleibende Sand getrocknet, alsdann von dem Filter in eine kleinere Porzellanſchale getan und gewogen.— Der Chemiker hat zum Trocknen einen beſonderen Trockenſchrank oder auch einen kupfernen Trockenkaſten, der mit einem doppelten Boden, mit einer Tür und einem Thermo⸗ meter verſehen durch eine Gas⸗ oder Spiritusflamme geheizt wird. Auf dem Lande muß man ſich meiſtens mit dem Bratofen, mit der Ofenröhe oder mit der Sonnenwärme behelfen. Nun ſolgt, unter Benutzung eines handlichen Siebſatzes mit runden Löchern von 2, 1, ½ und ½ mm, das Zerlegen des Sandes in die verſchiedenen Korngrößen,“) endlich das Wägen der einzelnen Sortimente auf einer genauen Wage mit Horn⸗ oder Nickelſchalen, und dann läßt ſich das Reſultat in Zahlen zuſammenſtellen. Zur Erläuterung diene folgendes Schulbeiſpiel. Gewicht der lufttrocknen, abgeſiebten Feinerde...= 25 g Sand uſw. im Schlämmzylinder zurückgeblieben..= 13 g Folglich abgeſchlämmt..........= 12 g. *) Bei dem Abſieben des Sandes muß man die zuſammengetrockneten Bröckchen mit einem Hartholzſtabe zerdrücken und die Geduld nicht ver⸗ lieren, wenn das feinſte Sieb an der Reihe iſt, denn die Arbeit mit ihm erfordert 1—2 Stunden Zeit. Dieſe Zeit wird erſpart, wenn man darauf verzichtet, den Sand unter ½ mm weiter zu zerlegen; aber in vielen Fällen iſt es gerade von Wichtigkeit zu wiſſen, wieviel ſtaubförmigen Sand(unter mm) der Boden enthält. Jeder mechaniſche Vorteil iſt mit einem mechaniſchen Nachteil verknüpft. SoG y²— ——,— uweilen w iſc fenn rusgeſlſe dies, G Sprißfiſt mmglide ächſt in dem Vaſe eren. N oder Dae⸗ alsdemn ie Lachdem di tbende En rzellnſh vcnen ein rockentrie em Thenr eheiſt und fen, mit e bbſches ni legen de endlic d Pagen t in zahe lbeiſpil = Ä = 33% — = 123 engetrotn dn rhir 1 man do ir nilen vle Sand(ult nit endl Sedimentierröhren. 121 Ergebnis der Einzelwägungen nach dem Sieben des Sandes. Zuſammenſetzung der Feinerde. 1. Kies...... von 5— 2 mm Größe= 0,75 g vder= 3% 2. Grand.....„ 2— 1„„= 0,25„„ 1, 3. Grober Sand...„ 1—/ 1 9,„—= 1,00,,„= 4„ 4. Feiner Sand..„ /.„„= 3,25,,„= 13 5. Staubförmiger Sand unter ⅛„„= 7,50„„ 30, 6. Ton uſw., mikroſkopiſch klein, abge⸗ ſchlämmt........= 12,00„„— 48,, Verluſt durch Verſtäuben uſw....— 0,25(höchſtens)= 1„ 25,00 g 100% Die in der letzten Reihe ſtehenden Zahlen ſind die Prozente der Feinerde. Da unſer Boden nicht durchweg aus Feinerde beſtand, ſondern 47% Steine und nur 53% Feinerde enthielt, ſo müſſen wir vorſtehende Zahlen auf dieſes Verhältnis umrechnen. Nach dieſer Umrechnung(die nach dem Anſatz 100:3= 53: Xx uſw. geſchieht) ergibt ſich folgende Zrjammenſetzung des Gefamthodene. 1. Steine... 3. über 5 mm Größe= 47,00% 2. Kies........ von 5— 2„„— 1,59„ 3. Grand..„ 2— 1„„= 0,53„ 4. Grober Sand......„ 1— ½„„— 2,12„ 3. Feiner Sand.......„ ⁄½—,„ 6,89 6. Staubförmiger Sand... unter ½„„= 15,90„ 7. Ton uſw., mikroſkopiſch klein, abgeſch chlämmt= 25,44„ Verluſt durch Verſtäuben uſw........— 0,53„ 100,00%. Erſt in dieſen Zahlen kommt das Reſultat der mecha⸗ niſchen Analyſe und die Zuſammenſetzung des Geſamt⸗ bodens richtig zum Ausdruck. Es iſt daher unumgänglich not⸗ wendig, die Zuſammenſetzung der Feinerde und die Zu⸗ ſammenſetzung des Geſamtbodens ſcharf auseinanderzuhalten. Sedimentierröhren.— Für genauere quantitative Be⸗ ſtimmungen iſt der Kühnſche Schlämmzylinder nebſt den dazu⸗ gehörigen Sieben unentbehrlich. Handelt es ſich, wie es in der landwirtſchaftlichen Praxis oft vorkommt, um einen raſchen Über⸗ blick über den relativen Gehalt an groben und feinen Beſtandteilen 122 Die Bodenbeſtandteile. bei einer größeren Zahl von Bodenproben, dann kann man, ſtatt der Schlämmflaſche von Bennigſen, einfache Sedimentierröhren benutzen. Man läßt ſich 10, 20 oder 30 Glasröhren von 12 oder 15 cm Länge und 2 cm Weite ſchneiden. Um vergleichbare Reſultate zu erhalten, muß die lichte Weite bei allen Röhren gleich ſein. Zum Zweck des Schlämmens wird zunächſt eine dieſer kurzen Sedimentierröhren an dem untern Ende feſt verkorkt und durch ein paſſendes Stück Kautſchuk mit einer gleich weiten, aber etwa 30 cm langen Glasröhre in Verbindung gebracht. Von der lufttrocknen, von den größeren Steinen und Wurzeln befreiten Bodenprobe wägt man 10 g ab, zerteilt ſie, wenn nötig, durch Kochen oder Einweichen in Waſſer und ſpült ſie mit Hülfe eines Trichters in die zuſammen⸗ geſetzte Glasröhre. Nachdem dieſe auch am oberen Ende feſt ver⸗ korkt worden, ſchüttelt man Waſſer und Erde kräftig durcheinander, hält dann die Röhre annähernd ſenkrecht und unterſtützt das Sedimen⸗ tieren eine Zeitlang(5—10 Minuten) durch pendelförmiges ſchnelles Hin⸗ und Herbewegen der Glasröhre zwiſchen den Fingern, zu dem Zweck, die feinen Teilchen, die von den gröberen, geſchwinder fallenden Körnern hinabgeriſſen werden, von dieſen zu befreien und ſo ein gleichmäßiges Abſetzen einzuleiten, was trotzdem beim beſten Willen nicht immer gelingt. Darauf ſtellt man die Glasröhre möglichſt genau ſenkrecht in ein Geſtell und läßt ſie ruhig ſtehen. Wenn ſich die Bodenteilchen genügend abgeſetzt haben, nimmt man die obere lange Röhre nebſt dem Kautſchukrohr vorſichtig ab und kann auch das klare Waſſer aus der unteren Sedimentierröhre über dem abgeſetzten Schlamm mit einer Pipette oder einem dünnen Glasröhrchen abziehen. Das Abſetzen von Kies, Grand und Grobſand geſchieht ſofort, bei dem ſtaubförmigen Sand iſt es längſtens in 30 Minuten be⸗ endigt; bei den mikroſkopiſch feinen Tonteilchen ſind dagegen oft 24— 48 Stunden, zuweilen ſogar mehrere Tage und ſelbſt Wochen und Monate zu dem vollſtändigen Abſetzen und Zuſammenſacken er⸗ forderlich. Behandelt man die andern Bodenproben in derſelben Weiſe, ſo hat man ſchließlich in jeder Sedimentierröhre das Material mehr oder weniger regelmäßig nach der Korngröße geordnet, an, ſttd tierröhre dder löa Reiultne r gleich ſen diſet drn ad durc etwa Va lufttrucme nprobe vit rEinvai e zuſemmr de fätn. urcheinnie 4 Shͤine elförmine wiſchen w en griüen 2 in dieſen vas baßbe Üt um d nd liti ben, ninn vorſchit mentienir nem düne Hieht ein Ninn d duxeßn i lt Lr rnſocm lben 5 rril na geh dnä Anwendbarkeit der mechaniſchen Analyſe. 123 anſchaulich vor Augen. Die Sedimentierröhren bieten noch die An⸗ nehmlichkeit, daß man die geſchlämmten Bodenproben beliebig lange in ihnen aufbewahren und immer wieder betrachten und vergleichen kann.*) Anwendbarkeit der mechaniſchen Analyſe.— Die mecha⸗ niſche Analyſe und das Schlämmen des Bodens läßt ſich bei allen Sand⸗ und Grandböden, Ton⸗ und Lehmböden, Kalk⸗ und Mergel⸗ böden, alſo gerade bei den Bodenarten, mit denen es der Landwirt gewöhnlich zu tun hat, in der Weiſe anwenden, wie wir es vorhin beſprochen haben. Bei den Grus⸗ und Kiesböden, namentlich bei ſolchen, die augenſcheinlich ganz überwiegend aus gröberem Geſteinsmaterial beſtehen, iſt die mechaniſche Analyſe zwar ebenfalls anwendbar, doch wird es hier meiſt genügen, um den Gehalt an Feinerde zu er⸗ fahren, eine größere Probe(mindeſtens 1!) mäßig zu trocknen, durch ein 5⸗Millimeter⸗Sieb, ohne Beihülfe von Waſſer, in Steine und Feinerde zu trennen und beide Teile zu wägen oder zu meſſen. Bei den Humusböden, die viel unzerſetzte Pflanzenteile ent⸗ halten, kann man in ähnlicher Weiſe verfahren. Doch hat die mechaniſche Analyſe und das Schlämmen eines Bodens, der augen⸗ ſcheinlich nur aus Pflanzenfaſern beſteht, wie z. B. manche Schichten *) Vor mehreren Jahren überſandte mir Herr Oberingenieur Sikorski aus Lemberg einen Schlämmapparat, der eine Kombination der Schlämm⸗ flaſche von Bennigſen mit dem Kühn ſchen Schlämmzylinder darſtellt. Ich hielt mit meinem Urteil zurück. Da aber der Apparat neuerdings, 1903, in der„Anleitung zur einfachen Unterſuchung und Beurteilung landw. wichtiger Stoffe“, von Siats beſchrieben und empfohlen wird, ſo ſehe ich mich genötigt, darauf zurückzukommen. Der Schlämmzylinder von Kühn iſt einfach, ſolid und handlich, und er liefert brauchbare Reſultate. Das iſt bei der Schlämmflaſche von Sikorski nicht der Fall, weil, abgeſehen von anderen Fehlerquellen, die im Glaſe zurückbleibenden Bodenbeſtandteile nicht gewogen, ſondern gemeſſen werden. Die Erfindung dieſes unglücklichen Zwitterdings veranlaßte mich, die in der 2. Auflage meiner„Praktiſchen Bodenkunde“ abgebildete und beſchriebene Schlämmflaſche von Bennigſen ſchon in der 3. Auflage fortzulaſſeu und durch die Sedimentierröhren zu erſetzen, die nicht mit einer Maßeinteilung verſehen ſind, um nicht den An⸗ ſchein der Genauigkeit zu erwecken, die doch nicht zu erreichen iſt. 124 Die Bodenbeſtandteile. des Moostorfes, kaum einen Zweck. Auch bei den modrig⸗erdigen Humusböden werden wir meiſt auf einem anderen Wege(durch Abglühen der Humusſubſtanz) ſchneller zum Ziele kommen als durch die mechaniſche Analyſe. Bedeutung und beſchränkte Leiſtung der mechaniſchen Analyſe.— Werden die Proben, was unerläßliche Bedingung iſt, von ſachverſtändigen, praktiſchen Männern ausgewählt und unterſucht, ſo unterliegt es keinem Zweifel, daß uns die mechaniſche Analyſe viele wichtige Anhaltspunkte zur Beurteilung der Boden⸗ beſchaffenheit zu gewähren vermag, daß ſie unter jener Bedingung namentlich auch ein Mittel iſt, um für die ſtatiſtiſchen Ver⸗ hältniſſe eines Landes, ſoweit ſie den Grund und Boden betreffen, wertvolles Material zu erhalten. Bei gegebener geographiſcher und örtlicher Lage und bei be⸗ kannten Lagerungsverhältniſſen eines Grundſtücks gewinnen wir mit der Kenntnis des Miſchungsverhältniſſes der gröberen und feineren Bodenbeſtandteile ein ziemlich ſicheres Urteil darüber, wie ſich der Boden bei der Bearbeitung verhalten wird, wie er ſich verhalten wird gegen Waſſer und Wärme, wie gegen den Dünger in feſter und flüſſiger Form(Zerſetzung, Abſorption), wie gegen das Ein⸗ dringen der Luft uff. Kurz, es läßt ſich eine Menge in agronomiſcher Beziehung wichtiger Eigenſchaften des Bodens aus dem prozentiſchen Gehalt an gröberen und feineren Beſtandteilen ableiten. Nachſtehendes Schema wird vielleicht dazu dienen, das oben Geſagte einigermaßen anſchaulich zu machen: Beſteht der Boden überwiegend aus abſchlämmbaren nicht abſchlämmbaren tonigen Teilen, gröberen Teilen, ſo nennen wir ihn a) in bezug auf Bearbeitung ſchwer leicht b)„„„ Buündigkeit feſt loſe c)„„„ Gefüge dicht lückig d)„„„ Feuchtigkeit undurchlaſſend durchlaſſend e)„„„ Wärme kalt hitzig f)„„„ Tuätigleit untätig übertätig Eben deshalb, weil die gröberen und die feineren Beſtandteile ſo verſchieden, in vielfacher Beziehung ſich geradezu entgegengeſetzt nodti⸗ein Pexe ea nmen alz w mechenith Bedingun und untri aniſche li der do ener Beͤn ſtiſchen d goden beuf he und ki vinnen mir n und fim 7, wie ſt ſch veit ünger i ſt egen dot N agrouoni n yrozntt en. ren, dai abſchänmde eren din leict loſe lücig durchlſe ſißig übertäth m viinde entyegengit Bedeutung der mechaniſchen Analyſe. 125 verhalten, iſt die mechaniſche Analyſe, die uns über das quantitative Verhältnis unterrichtet, ſo wertvoll und brauchbar. Immerhin iſt die Leiſtung der mechaniſchen Analyſe inſofern beſchränkt, als ſie den Boden nur in ſeine mechaniſchen Gemeng⸗ teile, nicht auch in ſeine chemiſchen Beſtandteile zu zerlegen vermag. Schon mit bloßem Auge erkennen wir in den nicht ab⸗ ſchlämmbaren Teilen, beſtehend aus Grus, Kies, Grand und Sand verſchiedene Mineralien und Geſteine, z. B. Quarzkörner, Feldſpatſtückchen und Glimmerblättchen, oder Trümmer und Ge⸗ rölle, z. B. von Granit oder Gneis, in denen die eben ge⸗ nannten drei Mineralien zu einer Geſteinsmaſſe vereinigt vor⸗ kommen uſw. So ſind auch die abſchlämmbaren Teile häufig ein Ge⸗ menge von verſchiedenen Subſtanzen. Wir können uns hier⸗ von überzeugen, wenn wir etwas von dem abgeſchlämmten Material unter der Lupe oder unter dem Mikroſkop betrachten. Nach der Farbe und Lichtbrechung ſowie nach der Form und Größe können wir beurteilen, ob wir es mit chemiſch verſchiedenen oder gleichen Stoffteilchen zu tun haben. Noch ſicherer wird unſer Urteil, wenn wir chemiſche Reagentien und den Mikromillimeter⸗ Maßſtab bei der mikroſkopiſchen Unterſuchung benutzen, was wir hier indeſſen nur andeuten können, ohne näher darauf einzugehen. Nur möchten wir bei dieſer Gelegenheit auf die Bedeutung des Mikro⸗ ſkopes dieſes unentbehrlichen Hausgerätes für den mit der Welt fortſchreitenden Landwirt, auch für die Boden⸗ unterſuchung aufmerkſam machen(vgl. S. 89). Die genauere Unterſuchung lehrt, daß die abſchlämmbaren Teile aus Ton, Humus, mikroſkopiſch feinem Sand, Kalk u. a. Subſtanzen beſtehen können. In der Mehrzahl der Fälle iſt der Ton überwiegend; es kommt aber auch vor, daß der Humus oder der Sand überwiegt, und zuweilen enthalten die abſchlämmbaren Teile faſt nichts als Kalk. Behandeln wir z. B. eine Probe von Lößmergel mit dem Kühnſchen Schlämmzylinder, ſo finden wir in den abſchlämmbaren Teilen ein Gemenge von Ton, Kalk und Kieſelmehl; und in dem Schlamm, der bei den Züricher Kaibauten im Sommer 1883 aus dem See gebaggert und zur Auffüllung ver⸗ wandt worden iſt, beſtehen die abſchlämmbaren und übrigens 126 Die Bodenbeſtandteile. auch die im Schlämmglaſe zurückbleibenden Teile faſt durchweg aus Kalk. Wir dürfen daher, ſofern wir uns nicht täuſchen wollen, auf die mechaniſche Analyſe uns nicht allein verlaſſen, ſondern wir müſſen jene einfache Unterſuchung, die ſich auf den Gebrauch der Sinne ſtützt, immer mitbenutzen und außer der mikroſkopiſchen namentlich auch die chemiſche Unterſuchung mit zu Hülfe nehmen. In erſter Linie kommt hierbei die Ermittlung des Kalkes und des Humus in Betracht. Wir wollen deshalb jetzt die chemiſche Unterſuchung des Bodens auf ſeinen Gehalt an Kalk und Humus beſprechen, be⸗ ſchränken uns aber auch hier wieder auf die Methoden, die möglichſt einfach und dabei doch möglichſt zuverläſſig ſind, indem wir die komplizierteren und allerdings auch genaueren Methoden dem Chemiker von Fach überlaſſen. 3. Die Unterſuchung des Bodens auf ſeinen Sehalt an Kalk. Der Kalk findet ſich im Boden im ſteinigen, im ſandig⸗ körnigen und namentlich auch im erdigen oder molligen Zu⸗ ſtande. Es gibt einige ſinnliche Merkmale, die zur Erkennung des Kalkes dienen. Zerſchlägt man Trümmer oder Gerölle von dichtem Kalkſtein, ſo zeigt ſich ein muſcheliger Bruch, und die friſche Bruch⸗ fläche läßt ſich mit der Meſſerſpitze, nicht aber mit dem Fingernagel ritzen. Der Kalkſand iſt weniger hart und nicht ſo glänzend als der Quarzſand oder gemeine Sand, der wegen ſeiner Härte zwiſchen den Zähnen ein ſehr unangenehmes Gefühl verurſacht, während der weichere Kalkſand unſere Zahnnerven viel weniger beleidigt. Und der erdige Kalk beſitzt weder den Geruch noch die Formbarkeit des Tons. Mit dieſen Merkmalen können wir den reinen Kalk ziemlich ſicher von anderen Geſteinen und Erdarten unterſcheiden. Reiner Kalk kommt aber, namentlich im erdigen Zuſtande, nur ſelten vor, vielmehr treffen wir ihn faſt immer in Begleitung von Ton. Die ſehr verbreiteten Mergelböden ſind ein derartiges inniges Gemenge von Kalk und Ton, das oft auch Sand, d. h. Quarzſand, enthält. Aber auch in anderen Bodenarten, in Tonböden, in Lehmböden, ſelbſt in manchen Humusböden findet ſich der erdige Kalk in größerer oder geringerer Menge ſehr häufig. Wir können dann zwar aus dem fai dune en wolle,: ern vit nin ch der ein hen nunat nen. Nai d dei hun e Unteritr heiprecen, , di vi indem wi den(ler⸗ nolt an lä , in ſane nollige Erkemnun le von dür friſce du m Fngen d gläne Hätte wit „vähred elediſt b e gonniat galk jn edden. Fin ur ſelkn t n Tn 2 iges benah 5 rtſi böden, G ſtjm var ali d Kalk. 127 Verhalten des Bodens bei der Bearbeitung, bei dem Abtrocknen uſw. mit einiger Wahrſcheinlichkeit auf die Gegenwart des Kalkes ſchließen, namentlich zerfällt ein mergeliger oder kalkhaltiger Boden nach dem Auftauen aus dem Winterfroſt in eigentümlicher Weiſe; noch ſicherer zeigen gewiſſe Pflanzen, die freiwillig auf dem Boden wachſen, die Gegenwart des Kalkes an; aber dieſe Merkmale ſind entweder nicht zuverläſſig, oder ſie ſind nicht ausreichend, weil nicht immer und nicht überall anwendbar. Die einfache Salzſäureprobe.— Dagegen gibt es ein chemiſches Mittel, um ſchon einen geringen Kalkgehalt im Boden zu entdecken. Das iſt Salzſäure. Gießen wir nänlich einige Tropfen Salzſäure auf eine Bodenprobe, ſo entſteht bei Vorhanden⸗ ſein von Kalk ein Aufbrauſen von Kohlenſäure, indem dieſe aus ihrer Verbindung mit dem Kalk durch die ſtärkere Salzſäure ausgetrieben wird. Andere ſtarke Säuren, wie Schwefelſäure, Salpeterſäure, Eſſigſäure, bewirken dasſelbe, jedoch bedient man ſich bei der Bodenunterſuchung gewöhnlich der Salzſäure. Mit Hülfe dieſes einfachen Mittels können wir bei aufmerk⸗ ſamer Beobachtung und nach einiger Übung in einigen Minuten über die Menge und Verteilung des Kalkes Auskunft erhalten, weil ſich dieſe Verhältniſſe aus der Art und Stärke des Aufbrauſens annähernd erkennen laſſen. 1. Erfolgt gar kein Aufbrauſen, ſo beträgt der Kalkgehalt unter 1%; 2. erfolgt ein ſchwaches Aufbrauſen, ſo können wir den Kalkgehalt zu 1— 2%, 3. erfolgt ein deutliches, aber nicht langanhaltendes Aufbrauſen, ſo können wir ihn zu 3—4% annehmen; 4. erfolgt ein ſtarkes und langanhaltendes Aufbrauſen, ſo beträgt dder Kalkgehalt über 5%; er kann dann alſo 20, 50, 70% und mehr betragen; 5. erfolgt ein gleichmäßiges Aufbrauſen durch die ganze Boden⸗ maſſe, ſo iſt der Kalk gleichmäßig verteilt; iſt das Aufbrauſen dagegen ungleichmäßig, d. h. bemerken wir es nur an einzelnen Punkten, ſo iſt der Kalk in einzelnen zerſtreuten Steinchen, Körnchen oder Stäubchen vorhanden; 6. waſchen wir den Boden mit Hülfe eines ſteifen Pinſels durch ein feines Sieb von ½ mm Maſchenweite, ſo können wir noch Die Bodenbeſtandteile. ſicherer feſtſtellen, ob der Kalk ſowohl in dem gröberen als auch in dem feineren Material, oder ob er nur in dieſem oder nur in jenem vertreten iſt. Ebenſo iſt es leicht, die bei der Schlämmanalyſe gewonnenen einzelnen Produkte auf ihren Kalkgehalt zu prüfen. Um hierbei vergleichbare Reſultate zu gewinnen, müſſen wir zur Unterſuchung immer dieſelbe Verdünnung der Salzſäure und immer auch möglichſt dieſelbe Menge(1—2 Tropfen) verwenden. Es empfiehlt ſich daher ein für allemal eine Säure zu nehmen, die zur Hälfte aus reiner konzentrierter Salz⸗ ſäure und zur Hälfte aus Waſſer beſteht. Die Auskunft, die wir durch dieſe einfache und ſchnelle Art der Unterſuchung erhalten, wird uns in der Mehrzahl der Fälle genügen. Iſt es aber, z. B. bei der Beurteilung eines Mergels von Wichtig⸗ keit, den Kalkgehalt genauer zu kennen, ſo werden wir in der Regel am beſten tun, wenn wir eine mit Umſicht und unter Benutzung der Salzſäure genommene Probe an die agrikulturchemiſche Verſuchsſtation einſenden. Die genauere Kalkbeſtimmung.— Indeſſen will ich doch, um hier nicht eine Lücke zu laſſen, eine Methode der Kalkbeſtimmung beſchreiben, die an Einfachheit und Schnelligkeit nichts zu wünſchen übrig läßt und auch in bezug auf Genauigkeit den Anforderungen der Praxis völlig genügt. Die Methode eignet ſich zwar nur für ſolche Böden, die viel Kalk(über 5%) enthalten, aber gerade deshalb iſt ſie wertvoll, weil wir bei den Böden mit niedrigem Kalkgehalt (unter 5%), wie oben angedeutet, mit der einfachen Salzſäureprobe uns zur Not behelfen können. Unerläßliche Bedingung iſt aber der Beſitz einer feineren Wage und genaues Wägen. Am beſten eignet ſich hierzu eine ſog. Präziſionswage mit Balkenarretierung und 200 g Tragkraft, deren Beſchaffung ohne oder mit Glaskaſten eine Auslage von 38 oder 48 M benötigen würde. Aber es genügt allen⸗ falls auch eine kleine Handwage mit feinen Horn⸗ oder Nickelſchalen, die man für 5—7 M haben kann. Die Tragkraft iſt bei dieſer zweck⸗ mäßig 100— 150 g und der Durchmeſſer der Schalen 9 cm. Mit dieſer wie mit jener Wage läßt ſich bei der nötigen Sorgfalt auf 1160 g genau wägen, und das iſt für die Kalkbeſtimmung und für alle ſonſtigen landwirtſchaftlichen Unterſuchungen ausreichend. Zu der gräͤberen d n diſen an t, de ban te auf inn , müſſen a Salgläue w n) vervan e Säure erter dit hnelle An Fülle geün von Witt in der hi ter Ventu turcheniſt vil ih u alkbeſtimnu zu vinſt Anforderunn war nu ſ erade deſ em Kalheit alſſäunm eſitz inn en einttt tierung u faskaten in genüt llr Nickelſtel dieſer nt 9 en. NI Senjitui ung und t end. Hud Kalk. 129 Wage gehört auch ein vernickelter Gewichtsſatz mit 200, 20, 2, 0,2, 0,02, 0,002 Grammgewichten, der 10 M koſtet.*) Wer ſich häufiger mit derartigen Unterſuchungen beſchäftigen will, wird immerhin beſſer tun, ſich eine Präziſionswage anzuſchaffen. Übrigens iſt es mit dem Wägen wie mit dem Schießen. Ein feiner Schütze trifft auch mit einer ordinären Büchſe ins Schwarze; wer dagegen das Laden und Zielen nicht verſteht, der knallt auch mit der beſten Büchſe in den Wind. Zum Zweck der Kalkbeſtimmung wird von dem lufttrocknen Boden eine kleine Menge in einem Mörſer von Porzellan oder Achat (zur Not tut's auch ein gewöhnlicher Küchenmörſer) fein zerſtoßen und von der gepulverten Erde ein beſtimmtes Gewicht auf einem ſauberen und trocknen Uhrglas genau abgewogen. Bei Mergelboden nimmt man 5 g, bei Kalkboden genügen 2—3 g.**) Alsdann wird in ein gewöhnliches, aber ebenfalls ſauberes und trockenes Medizinfläſchchen mit Hülfe eines Glastrichters ſoviel Salzſäure gegoſſen, daß ſie reichlich einen Centimeter hoch in dem Fläſchchen 5. ſteht.***) Die Salzſäure ſoll auch hier zur Hälfte Lochſläſchchen. aus konzentrierter Salzſäure und zur Hälfte aus Waſſer beſtehen. So gefüllt kommt das Fläſchchen, nach Beſeitigung des Trichters, auf die Wage. Man wägt wiederum genau und notiert das Gewicht. Nun tut man die Erde nach und nach von dem Uhrglas in das Fläſchchen, indem man immer eine ganz kleine Meſſer⸗ ſpitze voll nimmt und ſorgfältig darauf achtet, daß nichts von der *) Obige Angaben habe ich dem Preisverzeichnis von G. Hartner, Fabrikation von Präziſionswagen in Ebingen, Süddeutſchland, entnommen. **) Mergel⸗ und Kalkboden können wir dadurch unterſcheiden, daß der Kalkboden noch ſtärker und anhaltender brauſt, und daß er ſich in einer genügenden Menge Salzſäure bis auf einen kleinen Reſt vollſtändig auflöſt. *r) Das Fläſchchen darf nicht zu groß ſein, ſonſt iſt es zu ſchwer, es darf aber auch nicht zu klein ſein, ſonſt ſchäumt die Salzſäure über. Man wähle alſo ein Fläſchchen von 5 cm Höhe und 5—6 em Weite, und achte auch darauf, daß der Hals kurz und weit iſt.— Bequemer und ſicherer iſt ein Erlenmeyerſches Kochfläſchchen, das 13 cm hoch und über dem Boden 8 em weit iſt.(Abb. 11.) Nowacki, Bodenkunde. 6. Auflage. 9 130 Die Bodenbeſtandteile. Erde verſtäubt, auch nichts an dem Hals des Fläſchchens hängen bleibt. Schüttet man zuviel Erde auf einmal hinein, ſo ſpritzt die Flüſſigkeit in feinen Perlen heraus oder ſchäumt wohl gar über und die Arbeit iſt vergebens. Hier gilt das Sprüchlein: Eile mit Weile. Von Zeit zu Zeit wird das Fläſchchen vorſichtig bewegt, damit die Salzſäure überall mit dem Kalk in Berührung treten und die Kohlenſäure vollſtändig austreiben kann. Die letzte Erde wird mit einem zugeſtutzten Federbart oder mit einem kleinen Pinſel, der wiederum ganz ſauber und trocken ſein muß, auf dem Uhrglas zu⸗ ſammengekehrt und auch die Meſſerſpitze abgeputzt, denn die Auf⸗ gabe iſt die, daß die abgewogene Bodenſubſtanz ohne den ge⸗ ringſten Verluſt in das Fläſchchen gelangt. Iſt dies glücklich erreicht, ſo wartet man einige Zeit, damit der Schaum ſich ſetzen und die Kohlenſäure aus dem Fläſchchen entweichen kann. Dann wird das Fläſchchen wieder genau gewogen. Das übrige ergibt ſich durch Rechnung. Zum Beiſpiel: Erſte Wägung: Uhrglas......= 6,51 g Zweite Wägung: Uhrglas+ Erde......= 11,86& Folglich Erde netto.......= 5,35 g. Dritte Wägung: Fläſchchen † Salzſäure....= 81,99 g Vierte Wägung: Fläſchchen+ Salzſäure+ Erde.= 87,02 g. Die vierte Wägung ergibt weniger als das Fläſchchen mit der Salzſäure und der unveränderten Erde wiegen würde. Nämlich 5,35+[ 81,99= 87,34 Vierte Wägung= 87,02 Differenz= 0,32. Dieſe 0,32 g entſprechen dem Gewicht der Kohlenſäure, die durch die Salzſäure aus der Bodenſubſtanz aus⸗ getrieben worden iſt. Nimmt man an, daß dieſe Kohlenſäure mit Kalkerde verbunden war, ſo läßt ſich das Gewicht des Kalkes berechnen. Es beſtehen nämlich 100 Teile Kalk aus 44 Teilen Kohlenſäure und 56 Teilen Kalkerde. Folglich haben wir anzuſetzen: 44: 56= 0,32: X X= 0,40. Das heißt: 0,32 g Kohlenſäure verbinden ſich mit 0,40 g Kalk⸗ erde zu 0,72 g Kalk. Wir haben alſo 0,72 g Kalk in 5,35 g Boden⸗ ul den —— ᷣᷣ———.e— — dchenz ſin ſo ſrit vohl gor ü ein:(ilen ſſchi ban ung ten u tte Edem ꝛen Pine n Uxjlis: denn di A hne dag diss gli dun ſt ih kann. da übrixe an Kohleniun Ubſtanz ul ſe Kukiir it de lü us 4 11 wir nzuier 1005 535 g Beer Humus. 131 ſubſtanz gefunden. Um die Prozentzahl zu berechnen, machen wir den Anſatz: 5,35: 0,72= 100: X X= 13. Alſo enthält der unterſuchte Boden 13% Kalk. 4. Unterſuchung des Bodens auf ſeinen Sehalt an Humus. Der Humus iſt pflanzliche oder tieriſche Subſtanz, durch Zerſetzung und Zerfall übergeführt in einen faſerigen oder modrig⸗-⸗erdigen, molligen Zuſtand. Im Vergleich zu den anderen Hauptbeſtandteilen des Bodens iſt der Humus ſehr vergänglich. Durch Feuer ſchnell, durch Verweſung langſam zerſtört, verwandelt er ſich in Luft und Dunſt, und an der Stätte, wo er war, bleibt nur ein Häufchen Aſche zurück. Der faſerige Humus, in dem das Pflanzengewebe mehr oder minder vollſtändig erhalten, iſt ohne weiteres als das zu erkennen, was er iſt. Manche Schichten des Moostorfes beſtehen z. B. aus faſerigem Humus. Der modrig-⸗erdige Humus enthält als charakteriſtiſchen Be⸗ ſtandteil den Kohlenſtoff, und durch ihn bekommt er eine dunkle Farbe, die im feuchten Zuſtande meiſt tiefſchwarz, im trocknen Zuſtande ſchwarzbraun, gelblichbraun, bläulichſchwarz oder ſchwärzlichgrau erſcheint. Da nun die anderen Beſtand⸗ teile des Bodens: der Ton, der erdige Kalk und der Sand(Quarz⸗ ſand) eine helle Farbe haben, ſo können wir nach der mehr oder minder dunklen Farbe ziemlich ſicher den Gehalt des Bodens an Humus beurteilen. Nur bei den Böden, die durch Verwitterung aus Baſalt, Schiefer, ſchwarzem Kalkſtein uſw. ent⸗ ſtanden ſind, oder bei ſolchen Böden, die viel Eiſen enthalten, können wir in einen Irrtum verfallen, wenn wir uns allein von der Farbe leiten laſſen. Bei einiger Aufmerkſamkeit läßt ſich dieſer Irrtum vermeiden. Denn die Farbe des Eiſens, wie es im Boden vor⸗ kommt, zieht mehr ins Gelbe und Roſtrote(Eiſenoxyd) oder auch ins Grünliche oder Grünlichbläuliche(Eiſenoxydul). Ferner verrät ſich der Humus im feuchten Zuſtande durch einen eigentümlichen Geruch, den man als„Erdgeruch“ oder„Modergeruch“ be⸗ zeichnet. Außerdem kennzeichnet ſich der Humus durch ſein 9* 132 Die Bodenbeſtandteile. ſchwammiges, mulmiges Weſen und durch ſein ſanftes, molliges Anfühlen. Endlich beſitzt der Humus, wenn er nicht von Waſſer durchtränkt iſt, ein viel geringeres Gewicht als ſämtliche andere Bodenarten. Im großen und ganzen genügt es, wenn wir den Humusgehalt des Bodens nach den ſinnlichen Eindrücken beurteilen. Bei den Humuspolſtern hoch oben auf den Bergen, wo die Alpenroſen blühn, bei den Humuslagen, die wir im Schatten der Laub⸗ und Nadel⸗ wälder finden, bei den Humusmaſſen, die als Torf, Moor oder Moos in den Keſſeln, Becken und Tälern angehäuft ſind, iſt eine Täuſchung nicht möglich. Hier können wir uns meiſt darauf be⸗ ſchränken, die Mächtigkeit der Humusablagerung feſtzuſtellen, eine Unterſuchung, die nicht zu unterlaſſen, übrigens mit einigen Probegruben oder Bohrlöchern abgetan iſt. Im Walde finden wir unter der lockeren und ſchwammigen Humusdecke, die zuweilen nur ſchwach, zuweilen gar nicht vorhanden iſt, häufig eine Schicht, die ein Gemenge von Humus und anderen Bodenbeſtandteilen darſtellt. Die Mächtigkeit dieſer humushaltigen Schicht, an der dunkleren Farbe von dem Untergrund zu unter⸗ ſcheiden, iſt ebenfalls feſtzuſtellen. Das gilt auch für das Wieſen⸗ und Weideland ſowie für das Ackerland mit Einſchluß des Garten⸗ und Reblandes. Auch hier haben wir, wie früher bereits erwähnt, die Tiefe der Ackerkrume oder die Mächtigkeit des Obergrundes möglichſt genau zu ermitteln. Denn es verſteht ſich von ſelbſt, daß der Humus⸗ gehalt des Bodens im allgemeinen um ſo größer ſein wird, je tiefer die Ackerkrume oder je mächtiger der Obergrund iſt. Die Tiefe der Ackerkrume iſt geradezu ein Maßſtab für den Humus⸗ gehalt. Der Untergrund iſt gewöhnlich humusfrei oder humusarm. Doch kommen Ausnahmen von dieſer Regel vor, die nicht überſehen werden dürfen. Man vergleiche das S. 82 Geſagte. Auch im Untergrund macht ſich der Humus durch ſeine dunkle Farbe bemerklich. Die hier und da im Untergrunde vorkommenden Stein⸗ und Braunkohlenflötze werden wir leicht als ſolche erkennen, aber nicht zu dem Humus rechnen, obgleich ſie ihrer Entſtehung nach mit ihm verwandt ſind. Hinſichtlich der Menge und Beſchaffenheit des Humus laſſen i ſuſtz denn er i Geviht i Hunuigeu n. Be h rrroſen lin und Na „Moor de ſind, itäa ſt daruuf feſtuſtle nit enie ſchwannir ct vothen und andm zushaltize nd zu un ad ſowe ſ Reblande wie Teh glitſt f der Hund vird, jti Die di en Hunui zfrei e egel u, „& Gfut dunllehe enden Sii enen, ün ng mt n nus liſe Humus. 133 ſich aus dem Vorhandenſein gewiſſer Tiere einige Schlußfolgerungen ziehen, die hier erwähnt ſein mögen. Wo nämlich viele Inſekten und Würmer im Boden vorkommen, da iſt der Humus reichlich entwickelt. Man achte bei der Unterſuchung der Probegruben be⸗ ſonders auf die röhrenförmigen Gänge, die die Engerlinge und Regenwürmer, das Erdreich durchbohrend, hinter ſich zurücklaſſen. Dieſe Erdbewohner tragen auch ſelbſt zur Humusbildung ihren Teil bei, und zwar einen größeren, als man bei oberflächlicher Betrachtung erwartet. Der bekannte Naturforſcher Darwin hat ein ganzes Buch geſchrieben über die Bildung der Ackererde durch die Tätig⸗ keit der Würmer. Wo viele Regenwürmer leben, da wandert die ganze Ackerkrume und zum Teil auch der Untergrund, mit Pflanzenteilen und Wurmexkrementen vermengt und bereichert, im Laufe der Jahrhunderte durch den Darm der Würmer, und durch dieſe Pflug⸗ und Drainierarbeit leiſten die Regenwürmer der Land⸗ wirtſchaft einen unberechenbaren Nutzen.— Da nun die Regen⸗ würmer und Engerlinge großer und kleiner Art gewiſſen Säuge⸗ tieren und Vögeln zur Nahrung dienen, ſo liefert uns die Menge dieſer Wurm⸗ und Inſektenfreſſer einen Maßſtab für den Reichtum des Bodens an Humus. Im beſonderen dürfen wir dort, wo viele Maulwürfe, Lerchen, Amſeln und Droſſeln ſich aufhalten, einen milden und fruchtbaren Humus erwarten, während wir in jenen Gegenden, wo der Kiebitz ſeinen Klagelaut ertönen läßt, in der Regel einen ſauren und naſſen Humus finden werden. Für die Einteilung und Benennung des Bodens nach ſeinem Humusgehalt können wir uns folgender Abſtufung bedienen. Man nennt den Boden: humusfrei bei einem Humusgehalt von 0% humusarm„„„ unter 2 humushaltig bei,„ von 3— 4,„ humos, humusreich bei einem Humusgehalt von 5— 10— 15, Humusboden.„ über 20„ Dieſe fünf Abſtufungen laſſen ſich nach einiger Ubung auf Grund der vorhin angegebenen Merkmale zur Not unterſcheiden, ohne daß man zu einer eigentlichen Humusbeſtimmung ſeine Zuflucht zu nehmen braucht. Wollen wir den Humusgehalt auf ½% genau erfahren, ſo müſſen wir die Unterſuchung(Elementar⸗Analyſe!) dem Fach⸗ chemiker überlaſſen. Es wäre aber ſehr zu wünſchen, daß die Agri⸗ 134 Die Bodenbeſtandteile. kulturchemiker eine Methode der Humusbeſtimmung ausfindig machten, die bei hinreichender Genauigkeit ſo einfach wäre, daß ſie auch der Landwirt anwenden könnte. Die bis jetzt übliche Methode, den Humusgehalt aus dem Glühverluſt zu beſtimmen, entſpricht den An⸗ forderungen der Landwirtſchaft nur zum Teil. Humusbeſtimmung aus dem Glühverluſt.— Man ver⸗ fährt dabei in folgender Weiſe: Von der durchgeſiebten luft— trocknen Erde(vergl. S. 117) wird ein beſtimmtes Gewicht, der einfachen Rechnung wegen gerade 10 g, in einem kleinen Porzellan⸗ oder Platintiegel genau abgewogen und im Trockenkaſten(vergl. S. 120) bei einer, nach dem Thermometer regulierten Hitze von 140— 1500 C.— über 1500 darf die Hitze nicht ſteigen!— mindeſtens zwei Stunden lang getrocknet.“*) Sobald dann der Tiegel ſoweit abgekühlt iſt, daß man ihn eben mit den Fingern halten kann, wird er noch warm auf die Wage geſetzt und möglighſt ſchnell, aber genau gewogen. Der Gewichtsverluſt entſpricht dem Waſſer, das bei dem Erhitzen fortging. Nun wird der Tiegel über einer Spiritus⸗*) oder Gasflamme zuerſt ſchwach, allmählich ſtärker erhitzt und die darin befindliche Erde unter fleißigem, aber vorſichtigem Umrühren mit einem Platin⸗ draht oder einem Platinſpatel ſolange ausgeglüht, bis das Glimmen aufhört und alle kohligen Teile verbrannt ſind. Dann wird die abgekühlte Erde mit einigen Tropfen einer klaren Löſung von kohlenſaurem Ammoniak befeuchtet, um dem Kalk uſw. die durch die Hitze ausgetriebene Kohlenſäure wiederzugeben. Nachdem nun der Tiegel nochmals einige Minuten ſchwächer erwärmt worden, um das zugeſetzte Ammoniak zu verflüchtigen, kommt er wieder auf die Wage. Der jetzige Gewichtsverluſt gegen die letzte Wägung wird als Glühverluſt in Rechnung gebracht. *) Beſitzt man keinen Trockenkaſten, ſo ſtelltsmanzden Tiegel auf einem ſelbſtangefertigten Draht⸗Dreifuß in den Bratofen und reguliert die Hitze, ſo gut es geht. Man kann den Tiegel auch in einer mit Sand.⸗ gefüllten eiſernen Pfanne auf den Herd ſetzen, um ſo das Trocknen der Bodenprobe im„Sandbade“ zu bewirken. Der praktiſche Mann weiß ſich auch ohne ein glänzend eingerichtetes Laboratorium zu helfen. **) Es iſt hierzu eine Spirituslampe mit doppeltem Luftzuge, eine ſog⸗ Berzeliuslampe, erforderlich. dig maü ſie ut h kthode, w icht de h⸗ -Mu w tebten li⸗ Gewict, n n Porxela gſten den en dite m — mindeſen riegel ſoui kann, vi „aber gm er, di h Gasflenn n befrdit inem Vair aas Glinm mn wid d Lüſung in ſw. dewt dachden m ent vodn rwide u zte Uim gel al tina ler de hn and)geült Boderbud ic vul i uge eneſt Humus. 135 Zum Beiſpiel: Erſte Wägung: Tiegel leer........= 58,73 g Zweite Wägung: Tiegel+ lufttrockne Erde...= 68,73 g Dritte Wägung: Tiegel+ getrocknete Erde...= 67,32 g Vierte Wägung: Tiegel+ geglühte Erde....= 66,71 G Folglich Glühverluſt= 0,61 g Dieſer Glühverluſt von 0,61 g bezieht ſich auf die abgewogenen 10 g Erde. In Prozenten beträgt alſo der Glühverluſt= 6,1%. Iſt nun dieſer Glühverluſt= dem Humusgehalt des Bodens? Antwort: Ja und Nein. Bei der einen Klaſſe von Böden iſt dies der Fall, bei der anderen Klaſſe dagegen nicht. Bei den Böden nämlich, die keinen oder nur ſehr wenig(unter 10%) Ton enthalten, als da ſind: Grusböden, Kies⸗ und Grand⸗ böden, loſe und humoſe Sandböden nebſt den eigentlichen Humus⸗ böden— können wir die Formel als richtig annehmen: Glüh⸗ verluſt= Humus. Bei den Böden aber, die Ton in irgend erheblicher Menge (über 10%) enthalten, iſt die Formel nicht zutreffend, vielmehr fällt bei dieſer Klaſſe von Böden die Humusbeſtimmung nach dem Glühverluſt regelmäßig zu hoch aus. Dies kommt daher, daß der Ton einen Teil des Waſſers ſo feſt hält, daß es beim Trocknen durch eine Hitze von 140 bis 150° C. nicht ausgetrieben, ſondern erſt bei der Glühhitze freigegeben wird. Bei tonigen Böden gilt demnach die Formel: Glühverluſt=Humus+ Waſſer. Leider beſitzen wir bis jetzt kein Mittel, um den hierdurch be⸗ dingten Fehler in der Humusbeſtimmung zu beſeitigen. Wir müſſen uns ſolange, bis die Chemiker eine beſſere und womöglich noch ein— fachere Methode herausgefunden haben, mit der Glühmethode be⸗ helfen, werden aber, um den Humusgehalt nicht zu überſchätzen und um uns nicht zu unſerem eigenen Nachteil zu täuſchen, von dem aus dem Glühverluſt berechneten Humusgehalt bei Ton⸗ und ſchweren Lehmböden.... ½ „ gewöhnlichen Lehmböden.... 18 „ ſandigen Lehm- und lehmigen Sandböden ½ für Waſſer in Abzug bringen.*) Wäre alſo in obigem Beiſpiel die Humusbeſtimmung mit einem gewöhnlichen Lehmboden vor⸗ ) Obige Verhältniszahlen habe ich auf Grund der vergleichenden, nach drei verſchiedenen Methoden ausgeführten Humusbeſtimmungen von 136 Die Bodenbeſtandteile. genommen worden, ſo hätten wir ſtatt der gefundenen 6,1% nur 4% Humus anzunehmen. Mit dieſer Berichtigung, die freilich nur ein Notbehelf iſt, kann die beſprochene Humusbeſtimmung für praktiſche Zwecke immerhin beibehalten werden. 5. Wie erkennt und wie beſeitigt man die Fehler und IHlängel des Grund und Bodens? a) Grundnäſſe.— Der gewöhnlichſte Fehler, an dem der Boden in der kälteren gemäßigten Zone leidet, iſt der Überfluß an Waſſer. Indem das Waſſer im Unter⸗ und im Obergrunde ſtockt und feſtliegt, alle größeren und kleineren Hohlräume zwiſchen den feſten Bodenbeſtandteilen ausfüllend, verwehrt es der Luft den Zutritt, und damit iſt ein Zuſtand herbeigeführt, der nur den eigentümlich eingerichteten Sumpfpflanzen zuſagt, den aber die Kultur⸗ pflanzen durchaus nicht vertragen können. Die Kulturpflanzen bedürfen einen durchlüfteten Grund und Boden; in dem mit Waſſer überſättigten, verſumpften und verſauerten Lande kränkeln und ſterben ſie, und alles Düngen, alles Kalken, alles AÄſchern nützt nichts, alles Pflügen und Pflanzen iſt vergebens, ſolange die Lebensluft im Boden fehlt. Ein äußerlich ſichtbares und ſicheres Kennzeichen der Grund⸗ näſſe gewährt uns das Auftreten gewiſſer wildwachſender Pflanzen: Moos, Binſen, Riedgräſer und Erlen; im Innern des Bodens konſtatiert man die Näſſe durch Probegruben, wie früher ſchon an⸗ gegeben worden iſt.(S. 72 u. 73.) Die einzige Abhülfe beſteht hier in der Entwäſſerung des Landes, ſei es durch Drainage, ſei es durch offene Gräben in Verbindung mit Beet⸗ und Waſſerfurchen. Die Entwäſſerung ſchafft Luft nach allen Richtungen. Einmal ſchafft ſie Luft, indem ſie das feſtliegende Waſſer in Be⸗ wegung und in die Lage bringt, daß es aus den Hohlräumen des Bodens abziehen kann. Zweitens ſchafft ſie Luft, indem nach dem Sinken des Grund⸗ waſſers die Lebensluft, d. h. der Sauerſtoff der atmoſphäriſchen G. Loges, Landw. Verſuchsſtationen 1882, S. 229 ff. mehr durch Schätzung, als durch Rechnung gefunden. n 6,1 44 m g,de fi ſtimnung ſ ehler uni an den d er Überfli Dherxrun ume zwiſt 2s der dui der nun er die gulr turpflau en; in d verſauer ngen, äle lügen u in ge der Gr er Pfente des Side der ſchn e ſerung d ne Griben dichtunzen iſer in 8 lräumen d des Grut⸗ nſphärſte ch Schizun, Drainage. 137 Luft, von außen in die leergewordenen Räume des Erdreichs ein⸗ dringen kann. Drittens ſchafft ſie Luft, indem das befruchtende Regenwaſſer, das früher auf dem hochliegenden Grundwaſſer ſtehen bieb, jetzt in die Tiefe ſinken und die Nährſtoffe im Boden löſen und verbreiten, zugleich aber auch die durch die Lebensluft zerſetzten ſchädlichen Ver⸗ bindungen aus dem Bereich der Pflanzenwurzeln fortwaſchen kann. Kurz, die Entwäſſerung ſchafft Ausfuhr und Ein⸗ fuhr, Tauſch und Umſatz in dem dunkeln Schoß der Erde, ähnlich wie die Waſſer-, Land⸗ und Eiſenwege auf ihrer beſonnten Oberfläche. Die Entwäſſerung durch Drainage erfüllt aber nur dann ihren Zweck, wenn die Röhren 1,20 oder beſſer 1,50 m tief liegen und an den Stoßfugen mit Lehm gedeckt ſind, wobei die lichte Weite der Saugdrains 4 oder beſſer 5 cm beträgt, und das Gefäll ½ Prozent im Minimum. Das Geld für die Drainage iſt zum Fenſter hinaus⸗ geworfen, wenn ſie nicht kunſtgerecht ausgeführt wird. Übernimmt ein Draintechniker die Ausführung im Akkord, dann darf der Wirtſchafts⸗ dirigent nicht verſäumen, die ganze Arbeit und beſonders das Legen der Röhren genau zu überwachen. Peccando discimus, durch Fehler lernen wir. Deshalb will ich folgende Beobachtungen mitteilen. 1. Bei einem Waſſerrechtsprozeß ließ ich als Sachverſtändiger eine alte Drainage aufgraben. Die Röhren waren unverletzt, aber gänzlich von Erde verſtopft, weil viel zu eng, kaum 1 Zoll im Lichten. 2. Bei einer andern Drainage wurden die Stoßfugen nicht mit Lehm gedeckt. Deshalb drang der Triebſand mit dem Waſſer hinein und lagerte ſich in der letzten Saugdrainröhre ab, weil in ihr das Waſſer ſteigen mußte, anſtatt zu fallen. 3. Ein Bauer machte einen Graben 2 Schuh tief und 1 Schuh breit. Auf die Sohle legte er 8 cm weite Drainröhren. Auf die Röhren kamen fauſtgroße Rollſteine. Auf die Steine grüne Tannen⸗ zweige. Das war, trotz der verwendeten Drainröhren, eine alter⸗ tümliche Sickerdohle, aber es war keine moderne Drainage. b) Säure.— Der Landwirt verſteht unter Säure des Bodens nicht immer und nicht genau dasſelbe wie der Chemiker. Der Be⸗ griff„verſauertes Land“ bezieht ſich nämlich nicht allein auf einen chemiſchen, ſondern auch auf einen phyſikaliſchen Zuſtand 138 Die Bodenbeſtandteile. des Bodens, denn verſauertes Land iſt ungefähr ſoviel wie ver⸗ ſumpftes, naßkaltes, untätiges, ungeſundes und unſicheres Land. Moos, Binſen, Riedgräſer und Erlen ſind ſeine charakte⸗ riſtiſchen Bewohner. Hieraus erhellt, daß das verſauerte zunächſt wiederum ſolches Land iſt, in dem das Waſſer feſtliegt. Inn derartigem Lande bilden ſich bei der Vermoderung der abgeſtorbenen Pflanzen in der Tat auch Säuren verſchiedener Art, die wir unter dem gemeinſchaftlichen Namen der Humusſäuren zuſammenfaſſen können. Aber es iſt hervorzuheben, daß die in humoſem Boden vorkommenden Säuren an ſich nicht ſchädlich oder giftig für die Kulturpflanzen ſind. Die Tatſache, daß die Kultur⸗ gewächſe auf dem ſauren Humus nicht gedeihen, iſt vor allem darin begründet, daß der Boden(Torf, Moor) mit Waſſer über⸗ ſättigt iſt, daß er demgemäß an den Fehlern leidet, die wir vorhin ſchon kurz angedeutet haben. Dazu kommt, daß der Humus, wenn er im Übermaß vorhanden, das Gefüge des Bodens zu locker und zu ſchwammig geſtaltet. Endlich fehlen dem Humusboden oft auch die mineraliſchen Nährſtoffe der Pflanzen. Die Säure läßt ſich bei humusreichem Lande ſchon an dem eigentümlichen Geruch erkennen; es iſt aber immerhin ſicherer und ſehr einfach, ſie auf chemiſchem Wege nachzuweiſen. Man be⸗ nutzt hierzu einen Streifen blaues Lackmuspapier, das mit dem feuchten und friſchen Boden in innige Berührung gebracht ſich rot färbt, ſobald freie Säure vorhanden iſt. Je ſaurer der Boden iſt, d. h. je mehr freie Säure er enthält, deſto deutlicher tritt die rote Farbe hervor.*) Das Fundamentalmittel, um verſauertes Land trag⸗ fähig für die Kulturpflanzen zu machen, beſteht wiederum in der Entwäſſerung. Über ſeine ſonſtige Behandlung folgen weiter unten nähere Angaben. c) Eiſenſchüſſigkeit.— Das Eiſen kommt in mannigfachen Verbindungen ſehr verbreitet im Boden vor. Die gelbe Farbe des Sandes, die gelbe oder rotbraune Farbe des Lehms, die gelbliche, *) Derartiges Probierpapier iſt in jeder Apotheke zu haben. Es kann auch zur Unterſuchung der Gülle, wenn man zur Bindung des Ammoniaks Schwefelſäure zuſetzt, benutzt werden. Es muß nämlich ſoviel Schwefelſäure zugeſetzt werden, bis die Gülle nach dem Umrühren anfängt, ſauer zu reagieren, was man daran erkennt, daß das blaue Lackmuspapier ſich rötet. dl wie der urſichere eine cere erte zunih oderung d hiedene A musſäurn daß dei ſhdlih de die Kulm allem dm aſſer ün ie wir vein zumus, um zu b u den oſt ul con m d fichere w en. Anb das nit w racht ſih n er der Ai cer niti Land tur t wiederur dlung flbr Streiſin ingt, ſur 1 apie ſch un Eiſenſchüſſigkeit. 139 grünliche oder bläuliche Farbe des Tons uſw. rührt von Eiſen⸗ verbindungen her. In ſtark eiſenhaltigem, ſog. eiſenſchüſſigem Boden bemerkt man roſtrote Flecke oder Streifen. Wo das im Boden ſtehende Waſſer viel Eiſen aufgelöſt enthält, da wird es zu⸗ weilen Veranlaſſung zur Bildung des Raſeneiſenſteins(S. 67). Auf der Oberfläche der Waſſerlachen zeigt ſich daſelbſt oft eine in Regen⸗ bogenfarben ſchillernde Haut. Das Waſſer, das aus eiſenſchüſſigem Lande in Gräben oder Drainröhren abzieht, ſetzt einen roſtfarbenen Schlamm ab, zum Beweiſe, daß das vorhandene Eiſen durch die Entwäſſerung aus dem Untergrunde herausgeſchafft wird. Die Gegenwart des Eiſens macht ſich hiernach ſo leicht kenntlich, daß eine chemiſche Unterſuchung des Bodens, die wir dem Fach⸗ chemiker überlaſſen, nur ausnahmsweiſe nötig ſein wird, nämlich dann, wenn es ſich darum handelt, gewiſſe ſchädliche Verbindungen des Eiſens(ſchwefelſaures Eiſenoxydul) zu ermitteln, die übrigens wohl nur dort vorkommen, wo der Boden zugleich an Näſſe leidet. Auch hier gewährt alſo die Entwäſſerung, und zwar durch tiefe Drainage mit weiten Röhren, die beſte und ſicherſte Abhülfe, obwohl oft erſt im Verlauf einiger Jahre. Selbſt das Herausbrechen des Raſeneiſenſteins iſt nur dann von dauerndem Erfolg, wenn das Land zugleich trocken gelegt wird, denn ohne Ent⸗ wäſſerung bildet ſich der Raſeneiſenſtein immer wieder von neuem. Nach der Entwäſſerung iſt Kalkung am Platz. Im übrigen erfordert der eiſenſchüſſige Boden 1. eine fleißige Bearbeitung, um das Eiſenoxydul gleichmäßig zu verteilen und durch Berührung mit dem Sauerſtoff der Luft in Eiſenoxyd über⸗ zuführen, und 2. eine häufige Düngung, denn man ſagt ganz treffend von eiſenſchüſſigem Lande: Es frißt den Dünger. Bei der Auswahl der anzubauenden Pflanzen hat man zu be⸗ rückſichtigen, daß tiefwurzelnde Gewächſe, die einen trocknen und kalkhaltigen Untergrund lieben, wie Luzerne und Eſparſette, auf eiſenſchüſſigem Boden auch nach der Entwäſſerung und Kalkung nicht gut gedeihen. Überhaupt iſt derartiger Boden nicht ſehr dankbar; er verlangt viel Arbeit und viel Dünger und leiſtet trotzdem wenig. Durch regelrechte Drainage wird er aber ganz bedeutend in ſeiner Ertragsfähigkeit gehoben. 140 Die Bodenbeſtandteile. ch Salz.— Nicht allein an den Meeresküſten, ſondern hier und da auch im Binnenlande(Salzſteppen, Salzſeen, Salzquellen uſw.) enthält der Boden ſoviel Salze(Kochſalz u. a. Salze), daß er Salz⸗ boden genannt wird. Er trägt dann eine eigene Flora, die Salz⸗ flora*), an deren Vorhandenſein man dieſen Zuſtand des Bodens ſchon hinreichend erkennt. Will man ſich ſonſt noch von dem Salz⸗ gehalt überzeugen, ſo rührt man einige Hände voll Erde in ge⸗ wöhnlichem Trinkwaſſer an, filtriert etwas von der Flüſſigkeit, und erfährt durch den ſalzigen Geſchmack die Natur des Bodens. Der Salzboden gewährt in feuchter Lage oft eine vorzügliche Nutzung als Weide⸗ oder Wieſenland, denn die Gräſer uſw., die er erzeugt, ſind ſehr ſchmackhaft, gedeihlich und nährend: das Vieh erfreut ſich hier der Fettweide. Dagegen iſt der Salzboden für die eigentlichen landwirtſchaft⸗ lichen Kulturpflanzen, für Getreide, Gartengewächſe, Obſt⸗ bäume, ſowie auch für unſere gewöhnlichen Wieſenpflanzen ganz unfruchtbar, und er kann für dieſe Gewächſe auch nicht durch Düngung, durch Bearbeitung oder Erdmiſchung tragfähig ge⸗ macht werden, denn durch alle dieſe Operationen wird das Grund⸗ übel: das Übermaß von Salz nicht beſeitigt.**) Auch hier hilft nur die Entwäſſerung, ſofern ſie ausführbar. Indem nämlich das Regenwaſſer durch den Boden ſickert, löſt es das Salz auf und führt es in den Gräben oder Drainröhren ab. So wird im Ver⸗ Strandmilchkraut, Glaux maritima(fehlt in der Schweiz). Meerſtrandsdreizack, Triglochin maritimum. Seeſtrandswegerich, Plantago maritima(fehlt in der Schweiz). Sumpfaſter, Aster Tripolium. Gemeines Salzkraut, Salsola Kali. Krautartiges Glasſchmalz, Salicornia herbacea(fehlt in der Schweiz). Strandgerſte, Hordeum maritimum. Salzſchwaden, Glyceria distans. Strandſimſe, Scirpus maritimus. Strandbinſe, Juncus maritimus, u. a. m. **) Zuweilen iſt der in der Nähe des Meeres gelegene Boden, wie Heinrich nachgewieſen hat, aus dem Grunde ſo unfruchtbar, weil ihm durch das ſtark löſende Salzwaſſer alle Nährſalze entzogen worden ſind. In dieſem Falle iſt die Unfruchtbarkeit gar nicht, oder nur durch ſtarke Düngung zu heben. ſonder ſi daeuelen in daß er E n, die dal ddei Aüh in den di (den glffeget n Zodens ie vorzut Griſtt ut nälxend. u landwitſte ächſe, di eſenpflerg hſe aug ut tragfüth d dos Gm. Augh hin i nden rini Sah ufr wid in d ne Bodan, n tu, nlie orden ſid d ſatke Dunge Steine. 141 lauf von einigen Jahren der Boden ausgeſüßt, die Salzflora verſchwindet, Weißklee, Geiß⸗ oder Märzblümchen und Löwenzahn erſcheinen, und daran erkennt man, daß nun der Standort für die Kulturpflanzen in Ordnung geſtellt iſt. e) Steine.— Die Steine auf der Oberfläche gewähren den Nutzen, daß ſie zur Befeſtigung des Landes, zur Erhaltung der Feuchtigkeit und zur Erhöhung der Temperatur des Bodens dienen. Bei ſteil gelegenem Rebgelände können dieſe Umſtände von Be⸗ deutung ſein. Bei dem ſanfter geneigten oder eben gelegenen Acker⸗ lande ſieht man dagegen die Steine auf der Oberfläche nicht gern, weil ſie die Anwendung der Ackergeräte und Maſchinen erſchweren. Auch in der Ackerkrume ſind die Steine bei der Beackerung, namentlich beim Pflügen in dem Grade hinderlich, daß die geringe Menge von Pflanzennahrung, die bei der Verwitterung aus ihnen hervorgeht, jenen mechaniſchen Nachteilen gegenüber praktiſch nicht in Betracht kommt. Die Steine ſind und bleiben tote Maſſen. Im Untergrunde ſind die Steine, wenn ſie nicht zu maſſenhaft auftreten, weniger ſchädlich; ſie können hier ſogar inſofern nützlich ſein, als ſie bei dichtgefügtem, tonigem Erdreich die Durchläſſigkeit des Bodens günſtiger geſtalten. Im allgemeinen wird das Beſtreben des Landwirts darauf gerichtet ſein, die Oberfläche und die Ackerkrume von Steinen zu reinigen. Dies kann a) nach und nach geſchehen, indem man jeden Stein, der vom Pfluge getroffen wird, herausſchafft und nebſt den auf der Oberfläche befindlichen Steinen je eher, deſto beſſer auf den Wagen bringt und abfährt. Oder es kann b) mit einem Male radikal geſchehen, indem man das Land auf 40, 50 oder 60 cm Tiefe rajolt, um alle Steine, die darin ſtecken, auf die Oberfläche zu ſchaffen und abzufahren. Die Rajolarbeit rentiert ſich oft vorzüglich, weil man die Steine für Häuſer⸗, Straßen⸗ oder Uferbauten zu hohen Preiſen verwerten kann. Geht das Rajolen tiefer als die Ackerkrume, ſo wird es zweck⸗ mäßig ſo ausgeführt, daß man die Muttererde nicht in die Tiefe, ſondern wieder obenauf wirft. Befolgt man dieſen Wink nicht, ſo kann man ſich durch das Heraufholen des rohen, wilden und toten Untergrundes das Land für viele Jahre oder für immer verderben. 142 Die Bodenbeſtandteile. Schließlich iſt noch vor dem Verſenken der Steine zu warnen, das in der Regel weit mehr Arbeit verurſacht als das Heraus⸗ ſchaffen, ohne daß das Hindernis für die Wurzeln beſeitigt wird. Gerade die großen Steine, mit Pulver geſprengt, liefern, namentlich im Schwemmlande ein ausgezeichnetes und koſtbares Baumaterial. Wird alſo ein großer Findling getroffen, dann kurz entſchloſſen: Heraus mit ihm! †) Einſeitiger Beſtand des Bodens.— In dem beſſeren Kulturlande finden wir ſtets mehrere von den Hauptbeſtandteilen des Bodens vereinigt, und man kann ſagen, daß der Boden um ſo fruchtbarer ſein wird, je mannigfaltiger ſeine Zuſammenſetzung iſt. Ein Grundſtück z. B., das 20% Stein, 20% Sand, 20% Ton, 20% Kalk und 20% Humus in gleichmäßiger Miſchung bis auf 1 m Tiefe enthielte, würde bei günſtiger Lage wahrſcheinlich in keiner Beziehung etwas zu wünſchen übrig laſſen. Wenn dagegen der Boden ausſchließlich oder ſo gut wie aus⸗ ſchließlich, z. B. aus Ton beſteht, ſo iſt er ebenſo unfruchtbar, als wenn er nur aus Kalk oder nur aus Humus oder nur aus Sand oder nur aus Kies beſteht. In der Natur kommt ſo einſeitig zuſammengeſetzter Boden in der Tat vor, und dieſer einſeitige Beſtand iſt ein ſchlimmer Fehler, denn er läßt ſich oft gar nicht beſeitigen.(Wir ſetzen dabei voraus, daß der Untergrund den Obergrund nicht vorteilhaft ergänzt, denn wenn beiſpielsweiſe unter einer Decke von ſchierem Sand ſchon in einer Tiefe von 30 oder 50 cm ein bündiger Lehm anſteht, ſo ſind die Verhältniſſe von vornherin günſtiger, weil dann der einſeitige Beſtand nur in beſchränktem Maße, im Grunde genommen gar nicht vorhanden iſt.) Von den Maßregeln, die hier zur Verbeſſerung des Landes in Anwendung kommen können, mögen folgende hervorgehoben werden. 3 1. Bei Grus⸗, Kies⸗ und Grandboden, dem die Feinerde mangelt, könnte man daran denken, ton⸗, kalk⸗ und humushaltige Erde aufzufahren. Allein dieſe Melioration muß meiſt unterbleiben, einmal, weil das Meliorationsmaterial nicht in ausreichender Menge zu beſchaffen iſt, und zweitens, weil der Transport unverhältnis⸗ mäßig große Koſten verurſacht. Man erwäge nur, daß ein Hektar eine Fläche von 10000 qm umfaßt. Will man alſo ein Grundſtück mit gen brir ne zu vonn dos Henur beſeiig wi rn, nunenti Baumaent entſleſe dem leſer ptbeſtedder Boden mi menſezumni d, 2“, W cung biͦ u hrſchenltt gut ni a fruühtbn 1 nur a dn tter Buent in ſchlime itigen E ergrund it ner Decen er d0 von vonſe beſtrune b g dei Emi heruor ndie Fine hunuü tuntetleir herdet Van unverjülnt qj en har in Giſä Einſeitiger Beſtand. 143 mit beſſerer Erde überfahren, ſo braucht man bei einer Schicht von pro Quadratmeter pro Hektar 1 cm Höhe.. 101 100 cbm Um eine merkliche Wirkung zu erzielen, würde man bei den genannten Bodenarten mindeſtens eine Schicht von 10 cm Höhe auf⸗ bringen müſſen. Das macht pro Quadratmeter pro Hektar 100 1 1000 cbm Eine Erdmaſſe von 1000 chm hat aber im feuchten Zuſtande ein Gewicht von 2000 000— 2 500 000 kg. In dieſen Zahlen liegt die Erklärung, weshalb eine derartige Melioration, ſofern ſie durch trocknen Erdtransport mittelſt Handkarren, Pferde⸗ karren oder Rollwagen geſchehen müßte, nur unter ſehr günſtigen Verhältniſſen in Betracht kommen kann. Läßt ſich dagegen die Zufuhr des Meliorationsmaterials mit Hülfe des Waſſers a) durch Aufſchlämmung bewirken, ſo geſtaltet ſich die Sache weſentlich anders. Dieſe Art der Melioration iſt nicht allein im kleinen, ſondern auch im großen ausführbar, und die Gelegenheit dazu iſt ſowohl im Gebirgslande wie im Flachlande häufig zu finden. Es wäre daher zu wünſchen, daß die Beiſpiele von gelungenen Anlagen, die wir bereits beſitzen, nachgeahmt und vermehrt würden.*) Die Operation der Aufſchlämmung iſt ſehr einfach. Es wird aus einem Fluſſe oder Bache ein Graben abgezweigt, der das Waſſer auf die mit Dämmen eingefaßte Fläche leitet. Hat ſich der Schlamm aus dem ruhig ſtehenden Waſſer abgeſetzt, ſo wird es abgelaſſen, wenn es nicht von ſelbſt verſinkt, und darauf die Fläche von neuem mit ſchlammreichem Waſſer überſtaut. Auf dieſe Weiſe kann man mit geringen Koſten nicht allein Kiesflächen mit beſſerer Erde über⸗ decken, ſondern auch Ausſchachtungen neben Eiſenbahndämmen, ſowie Ton⸗ und Sandgruben uſw. wieder ausfüllen und in nutzbares Land *) Auf der Beſitzung des Herrn Nat.⸗Rat v. Planta in Land⸗ quart, Graubünden, ſind innerhalb zweier Jahre gegen 20 Jucharten er⸗ tragloſes Kiesland 6— 10 Fuß mit ausgezeichnetem Material aufgefüllt und in fruchtbares Acker⸗, Garten⸗ und Wieſenland umgewandelt worden. In der Schweiz, landw. Zeitſchr. 1879, S. 464 ff. iſt die Anlage von F. Anderegg kurz beſchrieben und durch einen lith. Plan erläutert. 144 Die Bodenbeſtandteile. verwandeln. Das Meliorationsmaterial ſelbſt koſtet in dieſem Falle nichts, denn es beſteht aus dem Schlamm, der ſonſt nutzlos in den Flüſſen abwärts treibt bis ins Meer. Zuweilen wird es ſich empfehlen, b) die Abſchwemmung mit der Aufſchlämmung zu verbinden, oder auch für ſich allein ins Werk zu ſetzen, in der Art, daß man die Erde an höheren Stellen mit dem Spaten, Pickel, Karſt uſw. losmacht und durch den Schwemm⸗ graben, der von einem Bach geſpeiſt wird, nach den tieferen Stellen hinſchwemmt. Durch Vorlegen von Faſchinen wird der Waſſerlauf und Schlammabſatz reguliert. Auch auf dieſem Wege wird der Erdtransport ſehr wohlfeil durch das Waſſer beſorgt. Die abgeſchwemmte Fläche, die hierbei zugleich eine regelmäßige Ab⸗ dachung erhält, kann ſehr leicht zur Hangberieſelung eingerichtet werden.*) 2. Bei den Grus⸗, Kies⸗ und Grandböden und ferner auch bei den Sandböden iſt nächſt der Aufſchlämmung die einfache Be⸗ wäſſerung, ſei es durch Berieſelung, ſei es durch Überſtauung ſehr ins Auge zu faſſen. Jedoch beanſpruchen die zuerſt genannten Bodenarten, weil ſie ohne vorausgegangene Aufſchlämmung durch⸗ läſſig ſind wie ein Sieb, ſehr große Waſſermaſſen. Der Sand⸗ boden ſtellt ſich in dieſer Hinſicht günſtiger, und er erweiſt ſich überhaupt ſehr dankbar gegen die Bewäſſerung. Die Bewäſſerung, da ſie nicht allein anfeuchtend, ſondern namentlich auch düngend wirkt, lockt ſelbſt aus gänzlich unfruchtbarem Sande, wie mit einem Zauberſchlage, den üppigſten Graswuchs hervor. Nichts beſſer für den Sand als Waſſer. Auf dem Sandboden hat ſich oft auch das Aufbringen von gutem Lehm⸗ oder Tonmergel(nicht zu verwechſeln mit Lehm und Ton) bewährt. Der Mergel findet ſich in jüngeren und älteren geologiſchen Formationen. Im Alluvium unter dem Riedtorf als Wieſenkalk oder Seekreide. Im Diluvium, meiſt unter einer Lehmdecke, als Diluvialmergel. In der Tertiärformation als Septarienton. In der Molaſſeformation bald als toniger, bald als ſandiger Molaſſe⸗ mergel. In der Juraformation als Liasmergel. In der Keuper⸗, *) In den Grundſätzen der rat. Landwirtſchaft von A. Thaer iſt die Operation der Abſchwemmung ſehr anſchaulich geſchildert. füſen gul tlos in e amung ni in ins Va Stelen n Schwenr⸗ den tifen n wid i ſieſen Aa beſorgt A mäßige N eingerite ner audh k einfache he berſtaum ſt genmmn mung dut Der dan erveit ſt Bewäſeren c düngen ie mit einn itz boſt fbringen mn n mi Um gerbxite Wiſlt ündetk, 3 rienton. d ger Meolſſ der Keuyer Thaer itu Einſeitiger Beſtand. 145 Kreide⸗ und Muſchelkalkformation als Keupermergel uſw. Auch des Phonolithtuffs, der bei Schaffhauſen vorkommt, iſt hier zu gedenken. Kurz, der Mergel iſt ſehr verbreitet. Suchet, ſo werdet ihr ihn finden! Das Gefüge des Mergels iſt bald erdig, bald ſteinig. Um un⸗ nütze Ausgaben zu vermeiden, empfiehlt es ſich, jeden Mergel vor der Anwendung auf ſeinen Kalkgehalt zu unterſuchen(S. 129). Bei dem ſteinigen oder felſigen Mergel iſt ferner das Zerfallen zu prüfen. Setzt man ihn dem Froſt aus, ſo zerfällt er meiſt ſchon in einem Winter zu Erde. Eine alte Regel ſchreibt vor, jeden Mergel, auch den erdigen, einen Winter und einen Sommer in kleineren oder größeren Haufen an der Oberfläche liegen zu laſſen, um ihn der Einwirkung der Atmoſphärilien und der Verwitterung auszuſetzen. Erſt dann wird er ausgebreitet und durch Unterpflügen, Grubbern, Krümmern und Eggen möglichſt gleichmäßig mit der Ackerkrume gemengt. Der Mergel, namentlich der kalkreiche, läßt ſich mit Vorteil auch zur Melioration des Ton⸗- und Humusbodens verwenden, worauf wir weiter unten zurückkommen. Zur Melioration des Sandbodens verdient der Lehm⸗ und Tonmergel den Vorzug. Das Mergeln des Sandbodens iſt rentabel, da bei der Flach⸗ kultur ſchon eine Mergelſchicht von 3—5 mm Höhe eine Wirkung hervorbringt. Freilich macht man auf ſolchem Boden, ſofern nicht außergewöhnlich oft gedüngt werden kann, nur beſcheidene Anſprüche. Die Wirkung der Mergelung hält indes jeweilen nur 6, 9 oder 12 Jahre vor; wiederholt man nach dieſer Zeit die Mergelung nicht, ſo iſt das Land ſo unfruchtbar wie vorher, denn hier gilt das Wort: Sand bleibt Sand. Wo der loſe Sand(Dünenſand, Flugſand) vom Winde weiter gewälzt wird, AÄcker, Dörfer und Wälder begrabend, da iſt ſeine Befeſtigung geboten. Dies kann, wie in Holland, durch Anſaat von Sandhafer(Elymus arenarius) oder mit größerem Nutzen, wie an der Weſtküſte von Frankreich, durch Anſaat von Föhren oder Kiefern(Pinus silvestris, P. pinaster, P. maritima) geſchehen. Die Anſaat der Föhren muß aber an der Windſeite und am Fuße der Sandberge beginnen, um im Laufe der Jahre nach der Höhe und Leeſeite fortzuſchreiten. Auch iſt es nötig, die erſte Aus⸗ Nowacki, Bodenkunde. 6. Auflage. 10 146 Die Bodenbeſtandteile. ſaat mit grünen Laub⸗ oder Nadelholzzweigen zu decken, die mit dem holzigen Ende dem Winde zugekehrt und mit eingeſchlagenen Haken feſtgenadelt werden. Mit dieſen einfachen Mitteln iſt es ge⸗ lungen, der verderbenbringenden Wanderung des Flugſandes Einhalt zu tun und zugleich dem vorher ganz wertloſen Boden einen Ertrag abzuringen. Bis in das hochgelegene Schweizerland verſteigt ſich der Flugſand glücklicherweiſe nicht. 3. Mit dem reinen Ton läßt ſich für die Zwecke der Pflanzen⸗ kultur meiſt gar nichts anfangen. Den weniger widerſpenſtigen, aber immerhin noch fetten Ton hat man(in England) mit Erfolg auf dem Acker gebrannt; aber große Bedeutung hat dieſe Melioration wegen ihrer Koſtſpieligkeit nicht. Auch Zufuhr von Schlacken, Kies, Grand und Grobſand iſt meiſt zu teuer. Am lohnendſten und wirk⸗ ſamſten iſt noch das Kalken. Dabei werden 5000— 10 000 kg ge⸗ brannter Kalk pro Hektar*) in kleinen Haufen(ähnlich wie die Haufen beim Miſtfahren) verteilt, gut mit Erde bedeckt und, falls Waſſer in der Nähe, mit der Gießkanne angenetzt; anderenfalls über⸗ läßt man das Annetzen dem Regen und Tau. In einigen Tagen iſt der Kalk in Pulver zerfallen. Er wird bei trockenem Wetter geſtreut, ſogleich untergepflügt und durch nachfolgendes Eggen, Krümmern oder Grubbern möglichſt gleichmäßig mit dem Tonboden gemiſcht. Die Hauptwirkung des Kalkes, die auch durch eine ent⸗ ſprechende Menge von kalkreichem Mergel erzielt werden kann, beruht hier auf Verminderung der Bündigkeit. Neben der Kalkung und Mergelung hat man auf ſtrengem Tonboden die Lockerung durch den Winterfroſt, durch ſtrohigen Dünger und durch Humusbereicherung ins Auge zu faſſen. Auch Tannennadeln, Sägemehl und Holzwolle leiſten gute Dienſte. 4. Der hitzige, übertätige und zehrende reine Kalk⸗ und Kreideboden kann zwar durch Zufuhr von Lehm, Lehm⸗ und Tonmergel ſehr verbeſſert werden, aber auch hier ſcheitert die Melioration meiſt an dem Koſtenpunkt, ſofern ſie nicht durch Auf⸗ ſchlämmung bewerkſtelligt werden kann. Sehr wirkſam und *) Das angegebene ſtarke Quantum von Kalk paßt nur für den ſtrengen Tonboden; für leichtere Böden, bei denen die Kalkung einen anderen Zweck hat, iſt es angemeſſen, nur 2000 kg zu verwenden und die Kalkung von Zeit zu Zeit zu wiederholen. ken, dien ngeſclegen itA ndes Gdi einen Gt rerſeit ſ der Pflnge derſpenſin ˖mit Gni eMeliontn hlace, gi⸗ ten und vit 0000 ,p lich wid kt und, fu renfalls lüe nigen Tun enem Netn ndes(nnn em Tontode rch ein ar kann, ben uj irnn chtrhin ge zu fft leiſten gu Kalk⸗ w. Lehm. m ſceitn i durh Au⸗ rirhſan w nur für d einen andein die ka Einſeitiger Beſtand. 147 lohnend iſt für Kalkboden die Bewäſſerung mit dungreichem Waſſer. Wo die Gelegenheit hierzu fehlt, da wird man am ſicherſten durch Kompoſt, der aus humoſer Erde, Miſt, Holzaſche, Mergel uſw. beſteht, die Verbeſſerung des Bodens erreichen. 5. Der reine Humusboden, gewöhnlich naß gelegen und verſauert, bedeckt in der Schweiz und den benachbarten Ländern eine bedeutende Fläche; denn zwar nicht alles, aber vieles Land, das man als Bruch, Ried, Torf, Moos und Moor bezeichet, gehört hierher, und derartige Vorkommniſſe finden ſich in allen Höhen von der Talſohle aufwärts bis zu den Regionen des ewigen Schnees. Es tritt daher die Frage an uns heran: Wie ſollen wir dieſe Bodenbildungen vom landwirtſchaftlichen Standpunkt beurteilen, wie ſollen wir ſie benutzen, und wie ſollen wir ſie zum Zweck einer möglichſt hohen Verwertung behandeln? Darauf läßt ſich in der hier vorgeſchriebenen Kürze etwa folgendes antworten. Die gewöhnlich nur ſchwachen Polſter und Lager von Humus, denen wir auf unſeren Alpen häufig begegnen, müſſen ſorgfältig erhalten und im großen und ganzen belaſſen werden, wie ſie ſind. Denn obwohl das Vieh auf ihnen ſelbſt keine Nahrung findet, weil ſie von Moos, Alpenroſen, Heidekraut und andern humus⸗ liebenden Pflanzen beſetzt ſind, ſo ſind ſie doch für die Ertragsfähig⸗ keit der Alpen inſofern von großer Bedeutung, als ſie das Waſſer ſchwammartig aufſaugen und die Feuchtigkeit der Luft erhalten und regeln, auf der die weltberühmte Fruchtbarkeit unſerer Alpenweiden in allererſter Linie beruht. Der Humus mit den niederen Pflanzen, die ihn beſiedeln, übernimmt auf jenen baum⸗ loſen Höhen dieſelbe unentbehrliche Rolle in unſerm wirtſchaftlichen Leben, wie eine Staffel tiefer der Wald. Zerſtörung jener Humus⸗ maſſen iſt gleichbedeutend mit Verwüſtung und Verödung der Alpen. Dem Walde ſelbſt, darüber iſt man ſich ſchon lange einig, muß ſeine Humusdecke ebenfalls und vor allem im Hochgebirge erhalten werden. Es iſt demnach die Entwäſſerung der Alpen mit Vorſicht zu behandeln und auf die Stellen zu beſchränken, wo das Waſſer durch Runſen⸗ und Rutſchbildung gefährlich, oder wo es durch Ver⸗ ſumpfung, verbunden mit allzu üppiger Torfwucherung, offenbar und unzweifelhaft ſchädlich wird. In den mittleren und tieferen Lagen ſpielt der Humus⸗ boden in bezug auf Regulierung der Waſſer⸗ und Feuchtigkeits⸗ 10*½ 148 Die Bodenbeſtandteile. verhältniſſe eine nicht minder wichtige Rolle, als auf den Alpen und im Hochgebirgswald. Ähnlich wie die offenen Waſſerbecken, die zahl⸗ reichen großen und kleinen Seen, die uns allerdings noch als Ge⸗ ſchiebeſammler uſw. einen unberechenbaren anderweitigen Nutzen gewähren, wirken die Ried⸗ und Moosflächen, die zum guten Teil nichts anderes ſind als zugewachſene Seen, indem ſie die Gewalt der Ströme brechen, vor Überſchwemmungen ſchützen und die Luft mit Feuchtigkeit verſorgen. Beweis für die große Waſſermaſſe, die der Humusboden aufſaugt und in den Luftkreis verdunſtet, ſind die häufigen Nebel, die wir über derartigem Lande bemerken. Wir werden hiernach auch in den mittleren und tieferen Lagen aus waſſerwirtſchaftlichen Gründen auf die Erhaltung der Humus⸗ ſubſtanz bedacht ſein und deshalb ihre Zerſtörung auf die Brenn⸗ torfnutzung beſchränken, die Brandkultur, d. h. das ſchichten⸗ weiſe Veraſchen der Humusſubſtanz auf dem Terrain zum Zweck der Bodenverbeſſerung dagegen möglichſt vermeiden. Wo die Bedingungen für die Torfbildung und Torfverwertung ſehr günſtig ſind, da werden wir das Torfſtechen ausnahmsweiſe ohne Entwäſſerung oder doch nur mit vorübergehender Trockenlegung des Landes betreiben, einmal um uns das Waſſer zu erhalten, und zweitens um das Nachwachſen des Torfes, das bei den von Jahr zu Jahr höher ſteigenden Preiſen der Brenn⸗ materialien immer rentabler wird, zu ermöglichen.*) Auch in der Entwäſſerung, ſo wohltätig ſie am rechten Orte wirkt, kann man des Guten zu viel tun. Denn bekanntlich werfen die Torf⸗ und Moorbrücher als Streuland einen Reinertrag ab, der gar nicht ſelten dem der Heuwieſen gleichkommt. Die Streue wächſt eben von ſelbſt, meiſt ganz ohne Zutun des Menſchen, während die Heuwieſen, ſofern ſie nicht bewäſſert werden, gedüngt und ge⸗ pflegt ſein wollen. Die guten und einträglichen Streuriede werden wir jedenfalls *) Lesquereux hat nachgewieſen, daß das Nachwachſen des Torfs im Jura nur ſelten weniger als 2 Fuß und oft mehr als 4 Fuß in 100 Jahren beträgt; in einem Falle betrug die Neubildung in der alten Grube ſogar 6 Fuß in 70 Jahren. Anderwärts hat man noch ſtärkere Nachwüchſe beobachtet, ſelbſt in 30 Jahren 4—6 Fuß(J. Nögg erath, Der Torf. 1875). ethalte laſſen, A ſol, i Entw it de erügt habte Gewi ded feſeen brüche fa jache fil en Alpen u den, de a noch als d tigen lhh e zun ge ſie di Geut und di di ſſermaſt, nſtet, ſw d en. tiefern dun der Hunu⸗ jdie Bren das ſtiie in zun hui orfvervetm nusnahnaxi bergehende as dos Vit des Torfä ſen de demr reht d anntlth ven Reinerta . Die öra ſen, nine dingt ud p wit jderil tſen ds N 16 4 R ng in de in an voc ſite J Nüggeu Einſeitiger Beſtand. 149 erhalten, und meiſt wird es das Richtigſte ſein, ſie einfach zu be⸗ laſſen, wie ſie ſind. Auf Streuland, das nach wie vor auf Streue genutzt werden ſoll, iſt die Entwäſſerung nur in dem Falle anzuraten, wenn die Entwäſſerung mit der Bewäſſerung verbunden wird. Oft iſt dies mit einer einzigen Stauvorrichtung zu erreichen, denn hier genügt es meiſtens, die Gräben zur rechten Zeit voll Waſſer zu halten. So gehandhabt hat die Entwäſſerung den Vorteil, daß die Gewinnung und Abfuhr der Streue erleichtert wird. Auf weniger einträglichem, trockenem Streuland iſt vor allem die Bewäſſerung zum Zweck der Streuvermehrung ins Auge zu faſſen. Auch dungarmes Waſſer, wie es z. B. in Gräben aus Torf⸗ brüchern oder in Drainröhren aus Acker⸗ und Mattland abzieht, iſt auf Streuwieſen brauchbar. Für ihre Bewäſſerung iſt die ein⸗ fache Einſtauung und Überſtauung der künſtlicheren und koſt⸗ ſpieligeren Berieſelung vorzuziehen. Wo das Bedirfnis nach Streue in der eigenen Wirtſchaft nicht vorhanden iſt, da hat man, ehe man ſich zur Trockenlegung des Streulandes entſchließt, die Möglichkeit des Streuverkaufs in Erwägung zu ziehen, wobei in Rechnung zu ſtellen iſt, daß mit der Einſchränkung des Getreidebaues die Nachfrage nach Streue von Jahr zu Jahr zunimmt. Bei der Frage, ob es rätlich iſt, das Streuland in Kulturland umzuwandeln, kommt endlich in Betracht, daß es mit den Koſten der Entwäſſerung nicht allein abgetan iſt, ſondern daß noch ander⸗ weitige Meliorationskoſten und außerdem regelmäßig wiederkehrende Auslagen für Dünger uſw. hinzutreten. Nimmt man nach reiflicher Überlegung die Urbarmachung eines Torf- und Moorbruches an die Hand, ſo heißt es freilich vor allen Dingen: Entwäſſern. Die Entwäſſerung geſchieht dort(vergl. S. 148), wo die Humus⸗ ſubſtanz als Brenntorf zu verwerten iſt, ſo tief, daß die ganze Torf⸗ maſſe bis auf den Grund vollſtändig trocken gelegt wird, was aller⸗ dings genügende Vorflut vorausſetzt. Dann wird der Torf bis auf den Grund ausgeſtochen, denn der unterſte Torf iſt in der Regel als Brennmaterial am wertvollſten, für die Pflanzenproduktion da⸗ gegen am ſchlechteſten. Bei dem Austorfen ſchreitet man regelmäßig und ſtreifenweiſe vorwärts, ſo daß das ausgebeutete Land mit dem 150 Die Bodenbeſtandteile. Abraum ſogleich wieder verebnet wird. Nach dem Austorfen wird der humoſe Abraum gleichmäßig mit Erde gemengt, die man durch Rajolpflügen, durch Doppelpflügen, durch Spatpflügen oder durch Handrajolen aus dem Untergrunde heraufſchafft. Ton⸗ und Letten⸗ boden eignet ſich zu dieſer Vermengung mit dem Humus allerdings viel weniger gut, als Sand und kalkreicher Mergel.(Veenkultur, Miſchkultur.) Wo der moorige Boden nicht als Brennmaterial verwertet werden kann, da wird die Trockenlegung nur ſoweit getrieben, daß dem Lande eine gewiſſe Friſche verbleibt. Noch ſicherer iſt es, wenn die Entwäſſerung mit der Bewäſſerung(Einſtauung, Überſtauung) verbunden wird. Nächſtdem iſt auch in dieſem Fall das Aufbringen von Erde geboten. Sie wird entweder mit dem Waſſer aufgeſchlämmt, oder mit Rollwagen auf Schienen herbeigefahren, oder aus dem Untergrunde heraufgeholt. Das Heraufholen hat ſich nach den Erfahrungen Rimpaus ſelbſt in dem Falle rentiert, wenn die betreffende Schicht auch erſt in einer Tieſe von 1,20— 1,50 m ge⸗ troffen wird. Bei dem Ausſchachten der Meliorationserde werden die Gräben, ſofern ſie nicht zur Entwäſſerung oder Bewäſſerung nötig ſind, ſogleich wieder mit dem Abraum zugeworfen, ſo daß an der betreffenden Stelle eine muldenförmige Einſenkung verbleibt, die ebenfalls zur Pflanzenproduktion benutzt werden kann. Die Dämme dienen als Ackerland, die Mulden als Wiesland. Um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen, muß die Oberfläche des Moors mit einer Sand⸗ oder Mergelſchicht von 10—12 cm Höhe gleich⸗ mäßig überdeckt werden. Je ſchwächer die Decke der Meliorations⸗ erde iſt, deſto ſorgfältiger hat man darauf zu achten, daß ſie nicht tief untergeackert, ſondern zur Beſchwerung der ſchwammigen Humusſubſtanz immer obenauf gelaſſen wird.(Dammkultur, Deckkultur.) Die Düngung des urbar gemachten Torf⸗ und Moorbodens betreffend, ſo iſt Holzaſche, gebrannter Kalk und erdiger Kompoſt, wozu man auch flüſſigen und feſten Viehmiſt verwendet, vorzüglich am Platz. Von künſtlichen Düngemitteln werden ſich Thomasſchlackenmehl und Kaliſalze auf humusreichem Lande in der Regel wirkſamer erweiſen als Chileſalpeter und andere Stick⸗ ſtoffdünger. 3 bau. franzö Wieſer und O näßig grasm ſchote der au büden 8 Wom dieſe luſch der L boden reſand 0 T der O der T iberh fillig den Anal büht dah und boͤ zutfen vi 2 nnn dan der dut und Le 3 allednn eeenkultu. 1l veren trieben, d it&, ve überſtu ingen m eſchlännt er aus da at ſich mi t, wem i 150 up erde wede Bewüſſern. w ſo dajn ng verlit kann. A d. Un ar des Nar Höße glit Neliorctor⸗ daß ſe it wanmizen mmkultu Moorboder und eddin t vervende werden ſt ichen em andere Sit Pflanzennährſtoffe. 151 Im übrigen eignet ſich derartiges Land am beſten zum Futter⸗ bau. Namentlich gut gedeihen die Futtergräſer: Knaulgras, franzöſiſches, italieniſches und engliſches Raigras, Thimothegras, Wieſenſchwingel und Honiggras. Von den Kleearten ſind Luzerne und Eſparſette auszuſchließen und Rotklee als unſicher auch nur mäßig zu verwenden; es bleiben alſo zur Herſtellung der Klee⸗ grasmiſchung hauptſächlich Weißklee, Baſtardklee und Sumpf⸗ ſchotenklee übrig. Als Deckfrucht paßt hier vorzüglich der Hafer, der auch für ſich allein angebaut, auf melioriertem Torf⸗ und Moor⸗ böden höhere und ſichere Erträge liefert als jede andere Frucht.— g) An welchen Pflanzennährſtoffen fehlt es dem Boden? Womit ſollen wir düngen, um beſſere Ernten zu machen? Dieſe Fragen werden von den Landwirten häufig geſtellt, und die Anſicht iſt ſehr verbreitet, daß vor allem der Agrikulturchemiker in der Lage ſei, die paſſende Antwort zu geben, wenn ihm eine Bodenprobe von dem betreffenden Grundſtück zur Unterſuchung ein⸗ geſandt wird. Im großen und ganzen iſt dieſe Anſicht unbegründet. Denn der Chemiker kann zwar in gewiſſen Fällen, nämlich dann, wenn der Boden an dem einen oder dem anderen Pflanzennährſtoff oder überhaupt ſehr arm iſt, durch die Unterſuchung einer Anzahl ſorg⸗ fältig ausgewählter Proben herausfinden, an welchen Stoffen es dem Boden fehlt, aber im allgemeinen kann bis jetzt der chemiſchen Analyſe des Bodens ein großer praktiſcher Wert in der bezeichneten Richtung nicht zugeſprochen werden. Es liegt das einerſeits daran, daß nur kleine und nicht zahlreiche Proben unterſucht werden können, und andererſeits daran, daß die Chemie in der Unterſuchung des Bodens, die eine ſehr umſtändliche und ſchwierige Sache iſt, noch viel zu lernen und zu erforſchen hat. Speziell iſt der Chemiker bis jetzt nicht imſtande, die Fruchtbarkeit eines Bodens richtig zu beurteilen, weil er weder die Seite 16 und 17 erwähnten kleinen Lebeweſen, deren Vorhandenſein die Fruchtbarkeit zum Teil be⸗ dingt, durch die chemiſche Analyſe nachzuweiſen, noch die Tätigkeit der Pflanzenwurzeln auf künſtlichem Wege nachzuahmen vermag. Wir müſſen uns deshalb die Frage: An welchen Pflanzen⸗ nährſtoffen fehlt es dem Boden? Womit ſollen wir düngen, um die Erträge zu ſteigern? vorläufig auf einem anderen Wege beantworten, nämlich durch den direkten Düngungsverſuch. 152 Die Bodenbeſtandteile. Hierbei kann uns der Agrikulturchemiker in Verbindung mit dem wiſſenſchaftlich und praktiſch gebildeten Landwirt ſehr wichtige und wertvolle Winke und Ratſchläge erteilen, aber freilich auch nur dann, wenn wir ihm eine genaue und richtige, klare und kurze Beſchreibung von dem betreffenden Grundſtück geben, geſtützt auf eine Unterſuchung des Bodens, wie ſie in der vorliegenden Anleitung empfohlen wird. Noch beſſer wird es ſein, wenn der ſachverſtändige, mit einem Gutachten betraute Landwirt und Agrikultur⸗ chemiker an der Unterſuchung oder Vorunterſuchung des Bodens perſönlich teilnehmen und nötigenfalls die für die genauere Unterſuchung beſtimmten Bodenproben ſelbſt auswählen und faſſen kann. Iſt die Gegenwart der Sachverſtändigen nicht möglich und es erſcheint eine Zuſendung von Bodenproben angezeigt, ſo empfiehlt ſich für das Faſſen und Verpacken der Proben ein Verfahren, das von einem praktiſchen Schweizer A. Gräßli in Grabs bei Buchs erfunden worden iſt. Man gräbt ein Loch von 60 cm Tiefe, ſticht an der Wand der Probegrube mit einem gewöhnlichen Torf⸗ meſſer einen vierkantigen Erdbalken von 50—60 cm Länge ſenkrecht aus, wickelt ihn in einen großen Bogen Packpapier und legt ihn in eine Kiſte, die auf einem Karren mitgeführt wird. Eine ſolche Bodenprobe iſt viel mehr wert als eine nach gewöhnlicher Art in einen Sack geſchüttete, denn ſie zeigt uns den ſenkrechten Schnitt des Bodens in ſeiner natürlichen Lagerung und Schichtung, und ſie geſtattet die getrennte Unterſuchung der verſchiedenen Schichten. Dabei iſt eins nicht zu überſehen, was oft überſehen oder wenigſtens nicht genügend gewürdigt wird. Bevor wir uns zum Ankauf von Kunſtdünger und zur Einleitung von Düngungsverſuchen irgend welcher Art entſchließen, haben wir uns die Frage vorzulegen: Leidet der Boden an einem Grundfehler: Näſſe, Säure, Eiſenſchüſſigkeit, Salzigkeit, Steinigkeit, Einſeitigkeit? Trifft das eine oder das andere zu, ſo haben wir vor allem die Maßregeln zu ergreifen, die im vorſtehenden angedeutet worden ſind. Denn auf einem Boden, der an einem Grundfehler leidet, ſind alle Düngungsverſuche von vornherein vergebens. Iſt der Grund und Boden von Natur in Ordnung, oder iſt bindung ni hehr vittn ich uuch w klare un ſück geben eſie in d indige, ni Agrikulte uchung d lls die ſ roben ſelli öglich un ſo enyfa in Verfhhn n Grabs k 60 cm Nh. nlihen dor d cm Ling. ackpapier m geführt w hgewönnitt ſenkrecte gerung m ſuchung d berſehen ne wir uns zun ungrait ge vorulzn ſſe, Lin, inſeitiglit por allen d twoddeſn ehler leiden ergeben nung, dderi Pflanzennährſtoffe.. 153 er durch die Kunſt bereits in Ordnung gebracht, ſo laſſen ſich für die Ausführung von Düngungsverſuchen in der hier gebotenen Kürze folgende Regeln geben. Allgemeine Regeln für Düngungsverſuche.— 1. Alle Verſuche, deren Erfolg irgendwie zweifelhaft erſcheint, werden vor⸗ erſt ganz im kleinen ausgeführt(Vorprüfung). 2. Zu jedem Verſuch gehören mindeſtens zwei Vergleichs⸗ parzellen(jede von 10— 20 qm Größe), von denen die eine mit dem betreffenden Düngemittel gedüngt, die andere nicht gedüngt wird. Sicherer, aber auch umſtändlicher iſt es, zweimal zwei oder drei⸗ mal zwei Vergleichsparzellen abzuſtecken, ſo daß die Erträge der un⸗ gedüngten Parzellen ſich gegenſeitig kontrollieren und die Erträge der gedüngten Parzellen ebenfalls. Größe, Lage, Boden und Be⸗ handlung der Vergleichsparzellen müſſen gleich ſein. 3. Bei jedem Verſuch wird immer nur ein beſtimmtes Dünge⸗ mittel geprüft, und man wählt natürlich zuerſt das, von dem man nach Maßgabe der Verhältniſſe am ſicherſten eine Wirkung er⸗ warten kann. 4. Der Ertrag der Vergleichsparzellen wird gewogen und be⸗ ſonders auch die Qualität des Ertrages ſo genau als möglich feſt⸗ geſtellt. Macht man den Verſuch z. B. auf einer Naturwieſe, ſo wird nicht allein das Heu in dem gleichen Zuſtande der Trockenheit gewogen, ſondern auch der Pflanzenbeſtand auf das Verhältnis der Kleearten zu den Grasarten und zu den Unkräutern uſw. gemuſtert. 5. Iſt der Verſuch durch die Witterung, durch ſchädliche Tiere, durch Pflanzenkrankheiten uſw. offenbar geſchädigt oder geſtört worden, ſo wird er im nächſten Jahre auf zwei neuen Parzellen wiederholt. 6. Erweiſt ſich das betreffende Düngemittel wirkſam, ſo wird ein größerer Verſuch wiederum mit zwei Vergleichsparzellen unter⸗ nommen, deren Größe*) z. B. 10 a beträgt(Hauptprüfung). *) Die Größe der Parzellen wählt man ſo, daß man die geernteten Produkte bequem auf einen Wagen laden, alſo das Erntegewicht je mit einer Wägung ermitteln kann. Hat man keine Brückenwage zur Verfügung, ſo ermittelt man das Erntegewicht von einem kleineren, ſorgfältig aus⸗ gewählten und genau abgemeſſenen Muſterſtück. Bei gewiſſen Produkten, z. B. Kartoffeln, Trauben uſw., genügt auch das Meſſen, doch iſt das Wägen immer ſicherer. Bei Getreide muß außer dem Garbengewicht auch 154. Die Bodenbeſtandteile. — Erweiſt ſich dagegen das betreffende Düngemittel auch unter günſtigen Witterungsverhältniſſen uſw. nicht wirkſam, ſo wird ein anderes, und zwar vorerſt wieder im kleinen, geprüft. Nach dieſem meinem Vorſchlage hat man es jedes Jahr nur mit einem einzigen Verſuche zu tun, und ich rate ſehr an, ſich nicht auf zu viel einzulaſſen, ſonſt kommt es im Drange der Geſchäfte leicht dazu, daß das Wägen unterlaſſen und folglich die Hauptſache verabſäumt wird. In der Ernte hat man nie eine Stunde zu viel, oft aber eine zu wenig. Beſondere Winke für Düngungsverſuche.— Was nun die einzelnen Düngemittel betrifft, ſo können wir hier von be⸗ ſonderen Verſuchen mit eigentlichem Stallmiſt, ſowie mit Stock— miſt und Gülle abſehen, weil dieſe in der Wirtſchaft vorhandenen Hauptdünger jedenfalls zu verwenden und unter unſeren Ver⸗ hältniſſen von vornherein als wirkſam zu betrachten ſind. Verſuche über die Art der Behandlung und Verwendung ſind damit nicht ausgeſchloſſen; es iſt hier aber nicht am Platze, dieſes wichtige Kapitel der Düngerlehre zu erörtern. Auch über Kompoſt und Holzaſche, ſowie über die ſonſtigen in der Wirtſchaft vorkommenden Düngemittel können wir hinweg⸗ gehen, da jeder verſtändige und rührige Landwirt alle dieſe Materialien ſorgfältig ſammeln und zweckmäßig verwenden wird. Es kommen hier mehr die ſog. Kunſt⸗ oder Handelsdünger, Hülfs⸗ oder Beidünger in Frage. Auf dieſe wollen wir im folgenden wenigſtens ſoweit eintreten, wie es für den vorliegenden Zweck notwendig iſt. 1. Kalk.— Verſuche mit Kalk ſind angezeigt auf den Böden, die ſo kalkarm ſind, daß bei der Salzſäureprobe(S. 127) kein Auf⸗ brauſen entſteht, und die zugleich infolge vieljähriger Stallmiſt⸗ düngung uſw. einen reichen Vorrat an Humus und„alter Kraft“ beſitzen.. Man berechnet zu dem Verſuch pro 10 dm 2500 g= 2 ½ kg gebrannten Kalk, der vor dem Ausſtreuen mit wenig Waſſer gelöſcht das Stroh⸗ und Korngewicht beſonders ermittelt werden.— Die Qualität der Produkte beurteilt man zunächſt nach den äußeren, leicht in die Sinne fallenden Merkmalen; wo es wichtig erſcheint, wird der Gehalt an Stärke, Zucker, Stickſtoff uſw. beſtimmt, nötigenfalls unter Beihülfe der agrikultur⸗ chemiſchen Verſuchsſtation. auch ur ſo widen à Jalhr m an, ſih it der Geſcit ie Hruptſe ne Stun — Vam hier dn k e mit Ect dorhmer unſern d. nd. Wai ˖dantt ſi eſes viti dee ſonitr wir hnnt ſe Marerulr delsdüng olen wi zvorliegene uj de lün n) kn ger Sulrj alter Kacf g= 1 Gaſfe pt die Du 1 in de Sin halt m dit der ogte Pflanzennährſtoffe. 155 wird, ſo daß er in Pulver zerfällt. Das Anfeuchten geſchieht am beſten durch ein⸗ oder zweimaliges Untertauchen der Körbe, in denen die Kalkſtücke ſich befinden. Anſtatt ihn mit Waſſer zu löſchen, kann man den gebrannten Kalk auch mahlen und mit der Düngerſtreu⸗ maſchine auf das Feld bringen; in Berührung mit der feuchten Erde löſcht er ſich, und er verteilt ſich ſo am gleichmäßigſten. Auf Ackerland wird der Kalk im reinen Zuſtande angewandt, auf Wies⸗ land in Form von Kompoſt, d. h. unter Zuſatz einer reichlichen Menge Erde.. Dabei wird die übliche Düngung mit Stock⸗ und Stallmiſt, mit Jauche und Gülle uſw. beibehalten, denn das Kalken hat hier nur den Zweck, durch erhöhte Tätigkeit des Bodens und durch leb⸗ hafteren Umſatz des Dungkapitals eine Steigerung der Erträge herbeizuführen. Die beſte Zeit der Kalkung iſt der Herbſt. Die gewöhnliche Düngung mit Gülle uſw. folgt im Frühjahr oder ſpäter. Wieder⸗ holung der Kalkung auf bündigem Boden alle 3—6 Jahre, auf leichterem Boden alle 6—9 Jahre. 2. Gips.— Die oft ganz überraſchende Wirkung des Gipſes auf kleeartige Gewächſe(Rotklee, Luzerne uſw.) und Hülſen— früchte(Erbſen, Wicken uſw.) iſt bekannt, ebenſo weiß man, daß dieſes Düngemittel auf andere Gewächſe, namentlich auf Getreide, Kartoffeln, Runkeln und Wieſengräſer keine Wirkung ausübt. Die Wirkung des Gipſes iſt immer noch nicht genügend erklärt; vielleicht beruht ſie darauf, daß der Gips zur Entwicklung und Tätigkeit der Wurzelbakterien in Beziehung ſteht. Für dieſe An⸗ nahme ſpricht die Tatſache, daß der Gips auf die ſtickſtoffſammelnden Pflanzen wirkt, auf andere nicht. Die Verſuche ſind alſo auf die Grundſtücke zu beſchränken, auf denen die Kleearten und Hülſenfrüchte den alleinigen oder vor⸗ herrſchenden Beſtand ausmachen. Man ſäet das Gipsmehl im Frühjahr, wenn die Kleepflanzen handhoch ſind, des Abends, wenn Tau zu erwarten, oder des Morgens, wenn ſtarker Tau gefallen, breitwürfig aus, ſo daß der Gips auf den Blättern hängen bleibt und mit dem Tauwaſſer in Berührung tritt. Dabei berechnet man von dem rohen, ungebrannten Gips pro 10 qm 500 g.(Der gebrannte Gips empfiehlt ſich weniger als der ungebrannte.) 156 Die Bodenbeſtandteile. 3. Phosphorſäure.— Die Stallmiſtwirtſchaft und die Aus⸗ fuhr von Fleiſch, Milch, Käſe, Korn uſw. bringen es mit ſich, daß der Boden an Phosphorſäure leicht verarmt, während der Vorrat an anderweitigen aufnehmbaren Pflanzennährſtoffen ſich nicht in gleichem Maße vermindert, zuweilen ſogar vermehrt. Tritt dieſes Mißverhältnis ein, ſo liegt ein Teil unſeres Dungkapitals ganz nutz⸗ los im Boden oder geht wohl gar durch Auswaſchen in den Unter⸗ rund unwiederbringlich verloren. Es iſt daher auf Acker⸗, Garten⸗, Wieſen⸗ und Rebland ſehr zu empfehlen, die Wirkung der Phosphorſäure zu prüfen. Man darf in den allermeiſten Fällen des Erfolges gewiß ſein. Man wähle zu dem Düngungsverſuch ein Phosphorit⸗ Superphosphat, deſſen garantierter Gehalt an waſſerlöslicher Phosphorſäure nicht unter 16% beträgt, ſo daß man in 100 kg der Ware mindeſtens 16 kg waſſerlösliche Phosphorſäure erhält. Der Kunſtdünger wird, ſo wie er iſt oder beſſer mit der drei⸗ fachen Menge Erde, Sägemehl oder Torfmüll(nicht mit Aſche!) vermengt, im Frühjahr ausgeſtreut und, wo es zuläſſig, ſogleich untergeackert. Man berechnet bei einem kleineren Verſuch als Bei⸗ dünger zu dem gewöhnlichen Dünger pro 10 qm 500 g= ½ kg, bei größeren Verſuchen etwas weniger, nämlich 300— 400 g pro 10 qm oder, was auf dasſelbe herauskommt, 300— 400 kg pro Hektar. Zur näheren Erläuterung derartiger Düngungsverſuche ſchalten wir hier ein Beiſpiel ein, das ſich an die uns am nächſten liegenden ſchweizeriſchen Verhältniſſe anſchließt und ſich auf Lehmboden bezieht. gaummer Größe d nn gung. Ertrag der Art der der Phosphorit⸗ an Parzelle*) Kultur Parzelle Kuhgülle Superphosph. Heu qm 1 kg kg I. Naturwieſe 20 100 19,9 II. do. 20 100— 11,8 Differenz:—— 1 8,1 *) Die Lage der Parzellen wählt man zweckmäßig nicht am Rande, ſondern im Innern der Wieſenfläche, je 5 m lang und 4 m breit. Die vier Ecken bezeichnet man mit Pfählen; zwiſchen den Parzellen läßt man d de Au⸗ i ſt d der Wunn ſch nihti Titt die ganzm den nr Reblend ſt riſen. R hosphen ſerlöälit n in ln nüune eü nit da n ſte lerne boden bin h — 99 I — 1 tt u nu. n bet 5 2 lit u Pflanzennährſtoffe. 157 Durch die Ermittlung des Erntegewichts erfahren wir, daß der Zuſchuß von 1 kg Superphosphat auf der Fläche von 20 qm einen Mehrertrag an Heu und Emd von 8,1 kg ergeben hat. Gewirkt hat alſo in dieſem Falle die in dem Kunſtdünger enthaltene Phos⸗ phorſäure zweifellos, aber hat ſich der Mehraufwand auch bezahlt? 8,1 kg Heu à 0,08 Fr....... 0,65 Fr. 1,0„ Superphosphat......= 0,20„*) Differenz= 0,45 Fr. Der Überſchuß über die Koſten beträgt demnach= 0,45 Fr. Daraus berechnen ſich, wenn wir 0,05 Fr. für die Mehrarbeit (Ausſtreuen des Kunſtdüngers uſw.) in Abzug bringen, pro Hektar 200 Fr. Mit dieſem Reſultat könnten wir ſchon zufrieden ſein. Nun haben wir aber noch zu veranſchlagen, daß der Futterwert des Heues auf der mit Superphosphat gedüngten Wieſe in dem Verhältnis von 9:8 Fr. pro 100 kg beſſer iſt. Danach ſtellt ſich die Rechnung wie folgt: I. Parzelle: 19,9 kg Heu à 0,09 Fr.....= 1,80 Fr. II.„ 11,8.„„ à 0,08„..= 0,95„ Differenz zugunſten der I. Parzelle.....= 0,85 Fr. Davon ab a) für 1 kg Superphosphat. 0,20 b)„ WMehrarbeit..„ 0,05 Bleibt auf der I. Parzelle ein Überſchuß von= 0,60 Fr. Daraus berechnen ſich pro Hektar 300 Fr., und da die ander⸗ weitigen Koſten ſich gleich bleiben, ſo iſt dieſer Überſchuß nichts anderes als höherer Reinertrag oder Reingewinn. einen Weg von 1 m Breite. Um eine möglichſt gleichmäßige Verteilung zu erzielen, verdünnt man die Kuhgülle mit der doppelten Menge Waſſer. Aus demſelben Grunde wird das Superphosphat mit der dreifachen Menge Sägemehl oder Torfmüll(ſ. oben!) vermengt. Bei der Ernte ſchiebt man eine Stange oder Latte von Pfahl zu Pfahl und ſchneidet das Gras außen herum genau bis zur Grenze ab, denn es verſteht ſich von ſelbſt, daß ein Fehler in der Größe der Parzellen auf das Reſultat von Einfluß iſt. *) Wenn der Preis des Düngers niedriger ſteht, ſo ſtellt ſich die Rechnung um ſo günſtiger. 5 Franken= 4 M. 158. Die Bodenbeſtandteile. Dieſe Berechnung hinkt inſofern, als die Üübertragung von einer ſehr kleinen Fläche auf eine ſehr große immer mißlich iſt. Deshalb muß der Vorprüfung im nächſten Jahre die Hauptprüfung auf einem größeren Verſuchsſtück folgen. Fällt dieſe wiederum günſtig aus, ſo werden wir uns zu größeren Zuſchüſſen an Phosphorſäure entſchließen, aber nach einer Reihe von etwa 6 Jahren wieder einen ähnlichen Verſuch machen, um zu kontrollieren, ob der Zukauf von Phosphorſäure noch weiter nötig iſt. Denn da einerſeits ein Teil der aufgeſchloſſenen Phosphorſäure nicht ſogleich verbraucht und andrerſeits ein Teil der nicht aufgeſchloſſenen Phosphorſäure (namentlich bei Anwendung des Thomasmehls) mit der Zeit löslich wird, ſo kann ſich der Vorrat an nutzbarer Phosphorſäure in 6 Jahren ſo anhäufen, daß nun eine Zeitlang der Zuſchuß unter⸗ bleiben kann uff. 4. Kali.— Weniger allgemein wirkſam als die Phosphorſäure wird ſich das Kali erweiſen. Dennoch ſind Verſuche auch mit dieſem Pflanzennährſtoff ſehr anzuraten. Ziemlich ſicheren Erfolg kann man namentlich auf den Humus⸗ böden(Torf und Moor) erwarten. Auch auf Kalk⸗ und Mergel⸗ böden, ſowie auf Sandböden wird ſich das Kali in vielen Fällen bewähren. Am meiſten zweifelhaft bleibt der Erfolg auf Lehm⸗ und Tonböden, weil dieſe Bodenarten ihrer Entſtehung nach ge⸗ wöhnlich reicher an Kali ſind als die vorher genannten. Sehr unſicher iſt ferner der Erfolg der Kalizufuhr auf allen Grundſtücken, auf denen regelmäßig und reichlich mit Kuhmiſt und Gülle und obendrein noch mit Holzaſche, alſo mit kalireichen Dünge⸗ mitteln, gedüngt wird. Doch Probieren geht über Studieren, und ein kleiner Verſuch koſtet ja weniger Geld als Mühe. Von den Staßfurter Düngſalzen wählt man für dieſen Zweck am beſten ſchwefelſaures Kali mit einem garantierten Gehalt an Kali von 50— 52%. Man berechnet pro 10 qm 500 g= ½ kg der Ware und ſtreut das Salz, mit der dreifachen Menge trockener Erde gemengt, jedenfalls im Herbſt aus, um es, wo dies zuläſſig, ſogleich tief unterzuackern. Auf Natur⸗ und Kunſtwieſen und bei Hülſenfrüchten iſt die Wirkung nach den bisherigen Erfahrungen ſicherer als bei Getreide und Hackfrüchten. 5. Stickſtoff.— Nur ſelten wird in einer Wirtſchaft ſoviel Viehmiſt produziert, daß ein Zuſchuß von Stickſtoff überflüſſig gvon en t. Deitul ptprüfun run ouni dphorſiw vieder eim dulwuf m ts en d braucht w osphorſte Zeit lölt horſäure ſchuß unr osphorin hni die en Hund⸗ nd Mergi⸗ diele jil uf dehr ng nat r uuf dulmit m hen dr ner Lett Dünſih 3 Kalim äl, nin in helt Auf Nuur g nach 1 hacflüh ſtui i jübenlüſ Pflanzennährſtoffe. 159 wäre. Gerade dieſer Pflanzennährſtoff iſt geeignet, die Ernten mächtig zu ſteigern; die Wirkung iſt oft augenfällig. Doch hat man nach der Art der anzubauenden Pflanzen und auch nach der Art des Bodens ſorgfältig zu unterſcheiden. Was zuerſt den Boden betrifft, ſo ſind Verſuche mit Stickſtoff auf allen normalen Böden am Platze, nur der Humusboden (Torf, Moor uſw.) bedarf bei ſonſt paſſender Behandlung der Stick⸗ ſtoffdüngung oft gar nicht. Man merke ſich die Erfahrungen, die Rimpau bei ſeinen großartigen Moorkulturen gemacht, und die auf das offene und beachtenswerte Bekenntnis hinausliefen: Ich habe Tauſende von Talern für den Stickſtoff verſchwendet. Was zweitens die Pflanzen anlangt, ſo kann man die Er⸗ fahrungen der Landwirte in folgende Sätze zuſammenfaſſen: a) Auf kleeartige Gewächſe und Hülſenfrüchte, auf die„Stick⸗ ſtofffammler“, äußert die Stickſtoffdüngung meiſt gar keine Wirkung. b) Dagegen unterſtützt der Stickſtoff das Wachstum des Rapſes, der Kohlarten, der Futterrunkeln und Futterrüben ſowie der Futter⸗ gräſer mit Einſchluß von Futtermais und Futterroggen in auffallender Weiſe, und dieſe Gewächſe können nicht leicht mit Stickſtoff über⸗ düngt werden. c) Bei dem Getreide, das Körner liefern ſoll, iſt der Stickſtoff zwar ebenfalls ſehr wirkſam, aber hier hat man zu ſtarke Stickſtoff⸗ düngung zu vermeiden, weil ſonſt die Halme zu geil wachſen und ſich lagern. d) Auch Kartoffeln und Zuckerrüben vertragen nur eine mäßige Düngung mit Stickſtoff. Für einen kleineren Düngungsverſuch, der die Prüfung der vermehrten Stickſtoffzufuhr bezweckt, eignet ſich am beſten der Chile⸗ ſalpeter. Man berechnet, je nach dem Düngungszuſtande des Bodens und je nach der Art der Kulturpflanzen, 100— 300 g pro 10 qm oder 100— 300 kg pro Hektar. Dieſes Quantum, reichlich und gleichmäßig mit Erde gemengt, wird aber nicht mit einem Male, ſondern in zwei oder drei Portionen geteilt, zur Überdüngung in der Zeit vom Beginn der Vegetation bis zum Beginn der Blüte der Pflanzen verwandt.— Haben wir durch die vorſtehend empfohlenen Düngungsverſuche, die nach der einen oder andern Richtung abgeändert und ergänzt werden können, die ſchwachen Seiten unſers Bodens kennen gelernt 1 60 Die Bodenbeſtandteile. und im beſonderen herausgefunden, mit welchen Stoffen wir imſtande ſind, die Erträge zu ſteigern, ſo werden wir zur Düngung im großen aus den im Handel angebotenen Kunſtdüngern die aus⸗ wählen, in denen wir die betreffenden Stoffe in der geeigneten Form am wohlfeilſten beziehen können. Eine nähere Anleitung hierfür zu geben, iſt hier nicht am rechten Ort. Nur eine allgemeine Bemerkung ſei noch geſtattet. Die künſtlichen Düngemittel ſind immer nur wertvolle Hülfs⸗ oder Beidünger, die den Stallmiſt vorteilhaft ergänzen und in ſeiner Wirkſamkeit ſehr weſentlich unterſtützen, niemals aber in phyſikaliſcher Beziehung, und auf die Dauer und im großen auch nicht in chemiſcher Beziehung, vollſtändig erſetzen können. Die ſog. „viehloſe Wirtſchaft“, die ihr Futter nebſt allem, was ſie ſonſt erntet, jahraus jahrein verkauft, iſt nur vereinzelt durchführbar, und ſie vermag ſich nur dadurch zu erhalten, daß ſie von Zeit zu Zeit die Ernte dem Acker opfert(Gründüngung) oder ſtädtiſchen Dünger kauft. Wir anderen, die wir die Viehzucht nicht als ein notwendiges Übel, ſondern als eine Haupterwerbsquelle betrachten, wir werden unentwegt feſthalten an der Stallmiſtwirtſchaft, ſei es mit, ſei es ohne Güllebereitung, denn ſie liefert den reichlichſten, den beſten und den billigſten Dünger, und wir werden dahin trachten, die Menge und Güte des natürlichen Düngers durch intenſiven Futterbau, durch Zukauf von Kraftfutter, durch rationelle Bewäſſerung der Wieſen und vor allem anderen durch zweckmäßige Behandlung im Stalle, auf der Düngerſtätte und auf dem Felde von Jahr zu Jahr zu vermehren und zu verbeſſern. Die feſten und flüſſigen Auswurfſtoffe der Tiere und— der Menſchen ſind und bleiben das Hauptfutter für die Pflanzen. Im Vergleich zu ihnen verſchwinden die künſtlichen Düngemittel wie das Salz in der Suppe. Kauft Kunſtdünger, ſo viel wie ſich rentiert, doch vergeßt das alte Sprüchlein nicht: Miſt iſt des Bauern Liſt. ir inina ngung in die au geeigntn e Anleim kallmin ole Hülſt zen ud s aber a großen u⸗ 1. De ſg ſonſt enn ar, unſ zu Fin ünger eut twendigi raczten, n gaft, ſit eichlichte erden di ngers it ch nriun 8 6 8 1 zwetn fden Rü Die feſtn rMaſta unzen d iteel wied ſich nin Einteilung und Beſchreibung der Bodenarten. 161 II. Die Bodenarten. 1. Sinteilung und Beſchreibung der Bodenarten. (Agronomiſche Klaſſifikation.) Nach den vorwaltenden und charakteriſtiſchen Beſtandteilen kann man die Geſamtheit der Bodenarten gruppieren und einteilen wie folgt: Hauptgruppen der Bodenarten. Charakteriſtiſche Beſtandteile: Zahl und 1. Stein Sand Ton Kalk Humus Denenaatnäpe 79, Ugr h h„ Minimum Minimum Minimum Minimum Minimum ca. ca. V ca. ca. cea. I. Steinbodenarten 80———— II. Sandbodenarten— 80——— III. Lehmbodenarten— 50 20—— IV. Tonbodenarten.—— 50—— V. Mergelboden⸗ arten....—— 20 5— VI. Kalkbodenarten.——— 50— VII Humusboden⸗ 4 arten.———— 20 In der vorliegenden Tabelle iſt die Benennung der Haupt⸗ gruppen angegeben und zugleich angedeutet, durch welche Beſtandteile jede Gruppe charakteriſiert iſt. Vielleicht iſt es nicht überflüſſig, darauf hinzuweiſen, daß die Zahlen bei jedem charakteriſtiſchen Beſtandteil die ungefähre untere Grenze oder das annähernde Minimum angeben. Die Zahl 80 in der erſten Reihe bedeutet alſo: die Steinbodenarten enthalten „mindeſtens 80“, oder ſie enthalten„über 80%“ Steine; und umgekehrt, wenn eine Bodenart„über 80%“ Steine enthält, ſo gehört ſie in die Gruppe der Steinbodenarten. Zur ferneren Erläuterung diene noch folgendes. Nach der Tabelle enthalten die Lehmbodenarten mindeſtens 50% Sand‧, ſie ſollen aber nicht über 80% enthalten, weil mit dieſer Prozent⸗ zahl die untere Grenze der Sandbodenarten überſchritten wird; Nowacki, Bodenkunde. 6. Auflage. 11 1686868686 Die Bodenarten. andererſeits enthalten die Lehmbodenarten mindeſtens 20% Ton, ſie ſollen aber nicht über 50% enthalten, weil mit dieſer Prozent⸗ zahl die untere Grenze der Tonbodenarten überſchritten wird. — Ahnlich verhält es ſich mit dem Kalk. Der Kalk iſt der charakteriſtiſche Beſtandteil der Mergelböden; dieſe müſſen, wie die Tabelle beſagt, mindeſtens 5%, ſie können aber auch 10, 20, 30, 40% Kalk enthalten; ſteigt jedoch der Kalkgehalt über 50%, ſo gehört die Bodenart nicht mehr in die Gruppe der Mergel⸗, ſondern in die Gruppe der Kalkbodenarten uff. Alle in der Tabelle angegebenen Minimalzahlen geſtatten einen Spielraum nach oben und nach unten, was wir mit dem Wörtchen „circa“ angedeutet haben. Die Abgrenzung der Hauptgruppen gegeneinander iſt bis zu einem gewiſſen Grade willkürlich, da eine Gruppe in die andere übergeht und ſcharfe Grenzen in der Natur nicht vorhanden ſind. Wir hoffen aber, daß unſere Einteilung mit der natürlichen Ver⸗ ſchiedenheit der Bodenarten, insbeſondere mit der Abſtufung nach ihren chemiſch⸗phyſikaliſchen Eigenſchaften und nach ihrem Verhalten gegen die Pflanzen ſich möglichſt deckt, und daß ſie zugleich einfach, klar, überſichtlich und auch umfaſſend iſt. Alle auf der Erde vorkommenden Bodenarten, ſo verſchieden ſie im einzelnen auch ſein mögen, werden ſich in eine der genannten ſieben Hauptgruppen einreihen laſſen. Wenigſtens iſt es für prak⸗ tiſche Zwecke nicht nötig, eine größere Zahl von Hauptgruppen zu bilden. Dagegen iſt es zweckmäßig und durchführbar, in den Haupt⸗ gruppen einige Unterabteilungen und Klaſſen zu unterſcheiden, ſo daß man im ganzen etwa 40 Bodenarten erhält. Eine zu weit gehende Spezialiſierung iſt vom Üübel. Denn ſchon der altrömiſche Schriftſteller Columella ſagt:„Es iſt nicht Sache der Wiſſenſchaft, ſich weitläufig über die unzähligen Varietäten des Bodens zu ver⸗ breiten, ſondern einzudringen in die Gattungen und Arten, die durch den Verſtand und durch Worte leicht gefaßt werden können.“ Ob wir dieſer Vorſchrift überall nachgekommen ſind, mag der ge⸗ neigte Leſer entſcheiden. Wir laſſen nun die Beſchreibung der Hauptgruppen nebſt ihren Unterabteilungen und Klaſſen folgen. ſin ſtein o dn r Projet tten wi k üt d iſſe, w 1 ¹', A ber ö0, Mergel⸗ atten ein Porche iſt bi die andr nden ſi lichen de ffung uu Vathalt ich einu verſtiden genmma für n⸗ rumn den hant ceddn, ne zl 3 alttnit giſenihe nz zu k Arten, d n können. g de nebſt iln Grusböden. 163 I. Hauptgruppe: Steinbodenarten. Steine verſchiedener Art, Form und Größe bilden den Haupt⸗ beſtand, über 80%. Feinerdige Teile(Ton, Kalk, Humus) fehlen ganz oder treten an Menge ſehr zurück. Verwitterungsböden oder Schwemmlandsböden. I. Unterabteilung. Grusböden(Trümmer⸗, Schotter⸗, Schuttböden). Kenntlich an der unregelmäßigen, eckigen, muſcheligen, ſplitterigen oder ſchieferigen Geſtalt der Steine. Die Grusböden, auch Trümmer⸗, Schotter⸗ oder Schuttböden genannt, entſtehen als erſtes Produkt der Verwitterung aus den verſchiedenſten Geſteins⸗ oder Felsarten(Verwitterungsböden). Wir finden ſie beſonders häufig im Hochgebirge, wo ſie die Schutthalden bilden. Doch beſtehen nicht alle Schutthalden aus Grusboden, da manche Felsarten, namentlich Mergelgeſteine, bei der Verwitterung ſehr bald einen erdigen Boden liefern, während andere Felsarten, namentlich die Sandſteinfelſen, bei der Ver⸗ witterung alsbald in Sand zerfallen. Verwitterungsprodukte dieſer Art gehören dann nicht in die I. Hauptgruppe, ſondern in die II., III., IV., V. oder VI. Hauptgruppe der Bodenarten. Die Fruchtbarkeit der Grusböden iſt im allgemeinen gering. Je mehr der Gehalt an Feinerde zunimmt, ſei es durch Ver⸗ witterung, ſei es durch Aufſchlämmung, ſei es durch Humusbildung, veranlaßt durch niedere Pflanzen, Flechten, Mooſe uſw., deſto mehr hebt ſich die Fruchtbarkeit.— Hiernach kann man die Grusböden in folgende drei Klaſſen bringen: 1. Klaſſe: Humoſer Grusboden. Gemenge von Geſteinsgrus und Humus. Auf den Alpen und im Hochgebirgswald vorkommend. In jenen feuchten Lagen mäßig fruchtbares Wald⸗ und Weideland. 2. Klaſſe: Lehmiger oder mergeliger Grusboden. Feinerdige Teile(Ton oder Ton und Kalk) zwiſchen dem Ge⸗ ſteinsgrus deutlich bemerkbar, aber an Menge ſo gering(5— 20%, 11* 164 Die Bodenarten. daß ſich eine feuchte Bodenprobe in der Hand nicht ballen läßt. Durch dieſes Kennzeichen zu unterſcheiden von ſteinigem Lehm und Lehmmergel, bei denen der Gehalt an Feinerde über 20% beträgt. Auf Schutthalden in höheren und tieferen Lagen vorkommend. In feuchter Lage mäßig fruchtbar, doch meiſt auch nur als Weide⸗ und Waldland, zuweilen als Rebland zu nutzen. Auf lehmmergeligem Grusboden gedeiht allenfalls Luzerne und Eſparſette. 3. Klaſſe: Reiner Grusboden. Sehr arm an Feinerde(unter 5%). Steile ſteinige Schutt⸗ halden. Fruchtbarkeit ſehr gering. Oft ganz kahl und wüſt. Brauchbar als Straßenſchotter. II. Unterabteilung. Kies⸗ und Grandböden(Geröllböden). Kenntlich an der abgerundeten Geſtalt und geglätteten Oberfläche der Steine. Hierhin gehören Schwemmlands⸗ böden verſchiedener Art, bei denen die feinerdigen Teile ganz oder größtenteils fortgeſchwemmt, ſo daß in der Hauptſache nur größere und kleinere Gerölle zurückgeblieben ſind. Meiſt in Flußtälern, doch auch im Hügel⸗ und Bergland häufig vorkommend. Oft von einer Schicht beſſeren Bodens über⸗ deckt, alſo den Untergrund bildend(Kiesgruben). 1 Im Anſchluß an die Grusböden bringen wir die Kies⸗ und Grandböden in folgende drei Klaſſen: 4. Klaſſe: Lehmiger oder mergeliger Kiesboden. Seinerdige Teile(Ton oder Ton und Kalk) zwiſchen dem groben Gerölle bemerkbar, aber nicht über 20% betragend. In Flußtälern und im Untergrunde vorkommend. Selten zu⸗ tage tretend. Fruchtbarkeit mäßig oder gering. In trockener Lage meiſt nur als Weide⸗ und Waldland(Föhre) oder als Eſper⸗ boden, zuweilen als Rebland, in feuchter Lage auch als Wieſen⸗ land zu nutzen. · 5. Klaſſe: Reiner Kiesboden. 1 Sehr arm an Feinerde(unter 5%), oft mit Grand und Sand gemengt oder wechſellagernd. lath Lehm h herrit nend. i beide m nergelgen ge Shr und vi glättete mmlanèe ganz bd ur grife ˖ Vennle dens ie Kies⸗ W oden. den gybe Sellen 1 trocent als Cfr ls Wife ud S Sandböden. 165 Material für Straßen⸗ und Betonbauten. Fruchtbarkeit ſehr gering. In trockener Lage unbedingter Waldboden. In Flußtälern, der Überſchwemmung ausgeſetzt, oft mit Weiden bewachſen, daher auch zur Korbweidenkultur zu verwenden. 6. Klaſſe: Grandboden. Gerölle von Senfkorngröße(1— 2 mm) bilden den Hauptbeſtand. Das übrige iſt Kies, grober und feiner Sand nebſt einer geringen Menge von Humus oder Ton. Fruchtbarkeit ſehr gering. In trockener Lage unbedingter Wald⸗ boden(Föhre). In friſcher Lage kommen bei genügender Düngung allenfalls Roggen, Lupinen und Kartoffeln fort. Die Flora des gemeinen Sandbodens S. 167 gilt auch für den Grandboden. II. Hauptgruppe: Sandbodenarten. Deutlich ſichtbare und fühlbare Körner unter 1 mm Größe bilden den Hauptbeſtand, über 80%. Die Körner ſind größtenteils Quarzſand. Feinerdige Teile(Ton, Kalk, Humus) ganz fehlend oder an Menge ſehr zurücktretend, unter 20%, meiſt unter 10%. In der Schweiz in einigen Flußtälern(Aare, Rhone, Reuß, 3 Rhein) und im Untergrunde des Hügel⸗ und Berglandes vor⸗ kommend; als Kulturland nicht häufig, weil gewöhnlich von anderen beſſeren Bodenarten überdeckt. In anderen Gegenden, namentlich in Norddeutſchland, ſehr verbreitet. Nach der Ertragsfähigkeit kann man die Sandböden in folgende ſechs Klaſſen abteilen: 1. Klaſſe: Milder humoſer Sandboden. So reichlich Humus enthaltend(5— 10%), daß der Boden im feuchten Zuſtande ſchwarz oder ſchwarzbraun, im trockenen Zuſtande dagegen grau erſcheint. Bei näherem Zuſehen erkennt man die weißen Körner von Quarzſand, die den Hauptbeſtand ausmachen. Auch kleine Schneckengehäuſe kommen hier häufig vor. Dieſe Bodenart findet ſich als Aueboden an Flüſſen und Bächen. Daher meiſt feucht gelegen. Zuweilen der Überſchwemmung aus⸗ geſetzt, doch frei von ſtockender Näſſe. Guter Wieſenboden. Das Gras enthält jedoch gar keine oder nur eine geringe Beimengung von Kleearten. ö“ 8 166 Die Bodenarten. Von anderen landwirtſchaftlichen Kulturpflanzen gedeihen bei genügender Trockenlegung und Düngung: Roggen, Hafer, Hirſe und Mais ſicherer, als Gerſte; Kartoffeln, Möhren, Kohl⸗ und Waſſerrüben ſicherer, als Runkelrüben; Rübſen ſicherer, als Raps. Bei reicher Düngung mit Natur⸗ und Kunſtdünger auch Kohl, Hopfen, Lein und Hanf. Kleearten und Hülſenfrüchte ſind im allgemeinen unſicher, von jenen noch am ſicherſten Baſtardklee und Sumpfſchoten⸗ klee im Gemenge mit Futtergräſern, die ſich für dieſen Boden vorzüglich eignen. Ein häufiges und läſtiges Unkraut auf dem humoſen Sand⸗ boden iſt die Quecke, Triticum repens. 2. Klaſſe: Mergeliger Sandboden. Bei der Salzſäureprobe mehr oder weniger deutlich, aber nicht ſtark aufbrauſend. Kalkgehalt 2— 4%. Etwas bündig, doch leicht zu bearbeiten. Tätig. Geſund. Ziemlich fruchtbar. Mäßige, aber oft wiederholte Düngung ratſam und lohnend. Hauptfrüchte: Roggen und Kartoffeln. Für Weizen zu leicht. In friſcher Lage, bei bündigem Untergrunde, gedeihen Gerſte und Hafer. Außerdem Erbſen, Wicken, Zuckerrüben, Möhren, Tabak u. a. Futtergewächſe nicht ſehr ertragreich, aber von guter Qualität. Kleegras ſicherer als reiner Rotklee. Eſper und Luzerne kommen auch im Reinbeſtande fort. Wildwachſend finden ſich auf dieſer Sandbodenart häufig Gelb⸗ klee, Medicago lupulina, und Brombeere, Rubus caesius, die man als„Leitpflanzen“ für mergeligen Boden betrachten kann. 3. Klaſſe: Lehmiger Sandboden. Arm an Kalk, daher bei der Salzſäureprobe nicht aufbrauſend. Etwas bündig, läßt ſich aber nicht zu einer geſchloſſenen Kugel ballen, weil der Tongehalt nur 5— 20% beträgt. Trotzdem können gewiſſe Varietäten des lehmigen Sandbodens, wenn ſie viel feinen Sand enthalten, bei lange anhaltender Dürre ſo erhärten, daß das Pflügen unmöglich iſt. Trägt dieſelben Kulturpflanzen, wie die vorige Klaſſe, jedoch ſind Erbſen, Wicken, Rotklee, Eſper und Luzerne viel unſicherer, weil der Kalkgehalt zu gering. Für dieſe Pflanzen treten hier hedeihen e ſefer bi Kohk w „ als N ohl dyxfa 3 1 allgenein ungfſhote ſieſen Voe oſen Sm , aber nt , doch lit Näßige, i Weiſen eihen Gen n, Mäm her Quultt ene onn häufg Gel ius, di in kann. ufbrauſen ſenen Ku zdem bm⸗ jril fim hhärten, M laſe, ni unſiten treten hU Sandböden. 167 ſchon ein: Sandluzerne, Lupinen, Wundklee, Serradella und Spörgel. Kleegrasgemenge als Mähefutter nicht ſo ausgiebig, als Wickhafer⸗ gemenge. Zur Weide, beſonders für Schafe, eignen ſich Weißllee mit Thimothe⸗ und engliſchem Raigras. Häufige ſchädliche Unkräuter des lehmigen Sandbodens ſind: Kornblume, Centaurea Cyanus— Kornrade, Agrostemma Githago — und Hederich, Raphanus Raphanistrum. Ebenfalls häufig, aber weniger ſchädlich ſind: Knöterich, Scleranthus annuus— Frühlings⸗ ehrenpreis, Veronica verna— und dreifarbiges Veilchen, Viola tricolor. 4. Klaſſe: Gemeiner Sandboden. Meiſt grobkörnig. Nur in feuchtem Zuſtande etwas bündig. Gehalt an Ton unter 5%. Von Halmfrüchten gedeiht hier nur noch der Winterroggen. Kartoffeln liefern geringen Ertrag, aber vorzügliche, geſunde Saatware. Von anderen Hackfrüchten kommen noch fort Möhren und Waſſerrüben(Räben). Futtergewächſe: Lupinen, Wundklee, Serradella, Buchweizen und Spörgel. Zur Schafweide: Weißklee, engliſch Raigras und Thimothe unſicher; am ſicherſten Schafſchwingel. Namentlich mit Hülfe der Lupine iſt es möglich, dieſem Boden noch einen leidlichen Ertrag abzugewinnen, oft aber dürfte es vor⸗ zuziehen ſein, ihn durch Bepflanzung mit Föhren(Kiefern), Akazien, Birken, Eſpen, Schwarz⸗ und Pyramidenpappeln zur Holzzucht zu verwenden. Von den Pflanzen, die den gemeinen Sandboden kennzeichnen, wollen wir, außer den bereits genannten land⸗ und forſtwirtſchaft⸗ lichen Kulturgewächſen, noch folgende hervorheben: Heidekraut, Calluna vulgaris. Beſenpfriemen, Sarothamnus scoparius. Königskerze, Verbascum thapsiforme. Katzenklee, Trifolium arvense. Grasnelke, Armeria vulgaris. Hungerblümchen, Erophila verna. Sandwegerich, Plantago arenaria. Sandlieſchgras, Phleum arenarium. 168 Die Bodenarten. Nelkenhafer, Avena caryophyllea. Sandriedgras, Carex arenaria. Steinpilz, Boletus edulis. Einige andere Pflanzen der Sandbodenflora werden wir bei der 6. Klaſſe der Sandbodenarten anführen. 5. Klaſſe: Naßkalter Sandboden. Oft eiſenſchüſſig. Oft auch Raſeneiſenſtein im Untergrunde. Im Obergrunde oft ſauren oder auch kohligen, tauben Humus ent⸗ haltend. 1 Im Naturzuſtande zuweilen mit Erlen, im Kulturzuſtande zu⸗ weilen dicht mit Vogelmiere(Stellaria media) bewachſen. Für Kulturpflanzen unſicher. Durch Trockenlegung wird er ſehr verbeſſert. Röhrendrainage lohnt ſich jedoch meiſt nicht, weil der Boden an und für ſich zu ſchlecht. Alſo offene Gräben. Sicherſte Gewächſe: Hafer, Lein, Spörgel und Futtergräſer (Honig⸗ und Timothegras). Das Futter iſt hier aber wenig nahrhaft.— Bei guter Düngung und Behandlung(Beet⸗ oder Dammkultur) trägt er Kohl und Kohlrüben, auch Winterrübſen und Roggen. 6. Klaſſe: Loſer Sandboden. Dünen⸗ und Flugſand, auch ſtaubiger, kohliger Sand(Bleiſand) ſowie grob⸗ und feinkörniger reiner Sand(Streuſand, Seeſand) gehören hierher. Ackerbau rentiert hier nicht mehr, ſelbſt das Aufbringen der Föhrenſaat erfordert beſondere Vorkehrungen(vergl. S. 145). VVon den wenigen Pflanzen, die der Dünen⸗ und Flugſand freiwillig hervorbringt, und die auch künſtlich zu ſeiner Befeſtigung angebaut werden, ſind folgende erwähnenswert: Sandhafer, Elymus arenarius. Sandrohr, Psamma oder Arundo arenaria. Sandſchmiele, Corynephorus oder Aira canescens. Die Blätter und Halme dieſer drei Gräſer ſind ſo hart und unſchmackhaft, daß ſie ſowohl von zahmen wie von wilden Tieren verſchmäht werden. Die unterſte Stufe des loſen Sandbodens wird in trockener Lage zur Wüſte. Derartiges Material läßt ſich zuweilen zur Glas⸗ werden o intergrude ums m uſpnde g widerſt t, well a Juttergit aber vent ammkult toggen. Glird „ Seſnm bringen i 14) d Flugfi Befeſtinn cens. w halt w den Ten in tvden Lehmböden. fabrikation verwenden. Auch als Mauerſand zur Kalkmörtelbereitung ſowie zu Zementarbeiten iſt es vortrefflich geeignet. III. Hauptgruppe: Lehmbodenarten. Gemenge von Sand und Ton, in denen der Sandgehalt zwiſchen 80 und 50%, der Tongehalt zwiſchen 20 und 50% wechſelt. Arm an Kalk, daher bei der Salzſäureprobe gar nicht oder nur ſchwach aufbrauſend. Bündig. Formbar. Rauh oder mager anzufühlen. In der Regel mit Steinen durchſetzt. In der Schweiz und den Nachbarländern ſehr verbreitet, be⸗ ſonders als obere Decke im Hügel⸗ und Berglande. Guter Acker⸗, Wieſen⸗, Weide⸗, Reb⸗ und Waldboden, natürlich mit Abſtufungen in der Fruchtbarkeit. Nach der Ertragsfähigkeit kann man die Lehmböden in folgende ſechs Klaſſen bringen: 1. Klaſſe: Milder humoſer Lehmboden. Reichlich(5— 10%) milden und fruchtbaren Humus enthaltend; dadurch mürbe und locker. Ertragreich und ſicher. Doch zuweilen der Überſchwemmung ausgeſetzt. Dieſer Boden trägt alle Gewächſe mit Ausnahme der eigent⸗ lichen Sandpflanzen.. Vorzüglich gedeihen Gerſte(Gerſtboden) und Zuckerrüben (Rübenboden). Außerdem Raps, Weizen, Pferdebohnen und Hanf. Roggen, Kartoffeln und Erbſen beſſer in zweiter Tracht, als in friſchem Dünger. Rotklee üppig, noch beſſer im Gemenge mit italieniſchem Rai⸗ gras zu ein⸗ oder zweijähriger Nutzung. Futtergräſer, namentlich Knaulgras, engliſches, italieniſches und franzöſiſches Raigras mit Rotklee, Baſtardklee und Luzerne zu mehrjähriger Nutzung angebaut, liefern hohe Erträge, beſonders wenn der Untergrund Mergel enthält. Fehlt der Mergel(Kalk) im Untergrunde, ſo werden Luzerne und Klee unſicher, halten wenigſtens nicht lange aus. Wie ſehr dieſe Bodenart das Wachstum der Gräſer begünſtigt, 8 zeigt der Umſtand, daß wir auf ihr außer den genannten die beſten anderen Wieſengräſer: Wieſenfuchsſchwanz, Wieſenſchwingel, Gold⸗ hafer, Kammgras, die Riſpengräſer u. a. wildwachſend in der — —— — üppigſten Entwicklung antreffen. In feuchter oder friſcher Lage iſt — 1 4 1 70 Die Bodenarten. der humoſe Lehm ſowie der ihm naheſtehende, aber kalkreichere humoſe Lehmmergel ein ganz vorzüglicher Wieſenboden. In trockener Lage als Acker⸗ oder Gartenland benutzt, finden wir auf dem humoſen Lehm und Lehmmergel als Unkräuter den gemeinen Erdrauch, Fumaria officinalis, das jährige Bingelkraut, Mercurialis annua, und das gemeine Kreuzkraut, Senecio vulgaris, oft in großer Menge. 2. Klaſſe: Lößartiger Lehmboden. Ausgezeichnet durch einen hohen Gehalt an fein⸗ und gleich⸗ körnigem Sand(vergl. S. 112). Oft kalkhaltig. Frei von Stein. Ebenfalls ſicher und ertragreich. Trägt dieſelben Kultur⸗ gewächſe, wie die vorige Klaſſe. 3. Klaſſe: Gemeiner Lehmboden. Mehr oder weniger Steine enthaltend. Gehalt an abſchlämm⸗ barem Ton gegen 40%. Gleichfalls ertragreich und ſicher. Bei ge⸗ nügender Düngung trägt er dieſelben Pflanzen wie Klaſſe 1 und 2. Von wildwachſenden Pflanzen finden wir auf dem gemeinen Lehmboden, außer den bei der 1. Klaſſe erwähnten Gräſern, folgende: a) Ackerunkräuter. Feldritterſporn, Delphinium Consolida. Klatſchmohn, Papaver Rhoeas. Hahnenfuß, Ranunculus arvensis und R. bulbosus. Saudiſtel, Sonchus arvensis. Kratzdiſtel, Cirsium arvense. Zichorie oder Wegwart, Cichorium intybus. Ehrenpreis, Veronica arvensis und V. hederaefolia. Hirtentäſchelkraut, Capsella Bursa pastoris. Kamille, Matricaria Chamomilla. Hundskamille, Anthemis arvensis. Gelbe Wucherblume, Chrysanthemum segetum u. a. m. b) Wieſenunkräuter. Löwenzahn, Taraxacum ofſicinale. Weiße Wucherblume, Chrysanthemum Leucanthemum. Hahnenfuß, Ranunculus repens und R. acer. khreihen t, finde duter da welkrau vulga d glit on Sten Kult ſſchlänn. Bei g 1 1! gemein folgende Lehmböden. 171 Rainfarn, Tanacetum vulgare. Wilde Möhre, Daucus Carota. Roßkümmel, Anthriscus silvestris. Wieſenkümmel, Carum Carvi u. a. m. Zur Erläuterung bemerken wir, daß dieſe Pflanzen nicht allein auf dem gemeinen Lehm, ſondern auch auf anderen Lehmbodenarten wachſen. Sie ſind auch nicht ausſchließlich auf die Lehmböden an⸗ gewieſen, ſondern ſie gehen auf verwandte Bodenarten, beſonders auf Tonboden, Ton⸗ und Lehmmergelboden und lehmigen Sand⸗ boden über. Immerhin wird man dort, wo viele oder mehrere von ihnen, oder wo einige von ihnen in Menge, d. h. in zahlreichen Exemplaren, vorkommen, zunächſt einen Lehmboden, und zwar häufiger mit als ohne Mergelunterlage, vermuten dürfen.*) Was die Waldbäume betrifft, ſo finden wir auf Lehm und ver⸗ wandten Bodenarten wildwachſend und kultiviert beſonders harte Laubhölzer: Eichen, Buchen, Eſchen, Ahorne, Ulmen. Daneben auch gewiſſe Nadelhölzer: Rottannen, Weißtannen und Lärchen, bald in reinen, bald in gemiſchten, d. h. aus Laub⸗ und Nadelholz zu⸗ ſammengeſetzten Beſtänden. Wo wir aber bemerken, daß die Föhre, Pinus silvestris, den vorherrſchenden oder alleinigen Beſtand bildet, da werden wir in der Regel einen leichteren Boden(Sand, Kies) an⸗ ſtehend finden, denn im Naturwalde gewinnt die Föhre an den trocknen ſandigen und kieſigen Stellen die Oberhand über den ſonſtigen Anflug, und im Kulturwalde beſetzt der Menſch derartige Stellen ebenfalls mit der Föhre, weil er aus Erfahrung weiß, daß dieſer Waldbaum hier beſſer gedeiht als alle anderen.— Bei dieſer Gelegenheit wollen wir auf eine Täuſchung aufmerkſam machen, die leicht begegnen kann. Man findet nämlich zuweilen im ſchieren Sande alte kräftige Eichen und könnte durch dieſe Erſcheinungen zu der Meinung kommen, daß die Eiche eine„ſandliebende“ Pflanze ſei. Dem iſt aber nicht ſo. Die Eiche wurzelt in ſolchen Fällen im Lehm oder Lehmmergel, und der Sand, der ihn bedeckt, iſt im Laufe der Jahrzehnte vom Winde darüber geweht worden, den Stamm der Bäume mehr und mehr begrabend. *) Die Mächtigkeit des in der Natur vorkommenden Lehmbodens be⸗ trägt oft weniger als 1 m, ſo daß die tiefwurzelnden Gewächſe den unter dem Lehm anſtehenden Mergel erreichen können. 172 Die Bodenarten. 4. Klaſſe: Schwerer Lehmboden. Enthält mehr Ton, als der gemeine Lehmboden. Gehalt an abſchlämmbarem Ton gegen 50% oder ſogar noch etwas höher. Dadurch wird er in ſeinen Eigenſchaften dem Tonboden ähnlich. Oft Drainage oder Beetkultur erforderlich. Von den Kulturpflanzen ſind Weizen, Spelz und Hafer hier ſicherer, als Roggen und Gerſte. Runkel⸗ und Kohlrüben ſicherer, als Kartoffeln. Sehr gut gedeihen die Futtergräſer. Auch die Kleearten, wenn die Lage nicht zu naß. Immerhin iſt Baſtardklee und Rotklee ſicherer, als Luzerne und Eſper, und Kleegrasſaat viel ſicherer, als Reinſaat von Klee. Von Unkräutern zeigen ſich auf dem ſchweren Lehmboden in naſſen Jahren oder in feuchten Lagen auf dem Ackerlande beſonders Roggentreſpe, Bromus secalinus, und gemeines Riſpengras, Poa trivialis; auf dem Wieſenlande die Hahnenfußarten, Ranunculus acer u. a. 5. Klaſſe: Naßkalter Lehmboden. Oft eiſenſchüſſig. Untergrund undurchläſſig. Daher Drainage oder Beetkultur notwendig. Sicherſte Frucht: der Hafer. Von der Winterung: Spelz ſicherer, als Weizen und Roggen. Kartoffeln viel unſicherer, als Runkel⸗ und Kohlrüben. Futtergräſer, wie Timothe, Honiggras und Knaulgras kommen zwar fort, liefern aber ein wenig nahrhaftes Futter. VVon Kleearten gedeiht hier nur der Baſtardklee und auch der nicht ſicher. Häufige Unkräuter ſind Schachtelhalm auf dem Ackerlande und Riedgräſer, Moos, Herbſtzeitloſe auf dem Wieſenlande. 6. Klaſſe: Sandiger— grandiger— ſteiniger Lehmboden. Erheblich magerer, als der gemeine Lehmboden. Gehalt an abſchlämmbarem Ton nur 20— 30%; das übrige iſt Sand, Grand, Kies, Grus oder grobes Gerölle, in dem Sinne, daß entweder nur einer oder mehrere von den zuletzt genannten Gemengteilen vor⸗ ehut 8 bih ähnit afer her ſchas ten, ven ) Nuilk ere, ʒboden beſondes ras, hu nuncla Drainay . S komma Tonböden. 173 kommen. Nähert ſich in ſeinen Eigenſchaften dem lehmigen Sand⸗, oder dem lehmigen Kies⸗, oder dem lehmigen Grusboden. Roggen hier beſte Winterfrucht. Weizen und Spelz unſicherer. Gerſte und Hafer liefern nur mittelmäßige, in trockenen Jahren ſchwache Erträge. Kartoffeln vorzüglich. Auch Zuckerrüben noch leidlich, obwohl nicht ſehr ertragreich. Zur Futtergewinnung Wickhafergemenge ſicherer, als Kleegras⸗ gemenge. Luzerne und Eſper gedeihen nur bei Mergelunterlage. Mähegräſer beſonders in trockenen Jahren viel unſicherer, als Weide⸗ gräſer im Gemiſch mit Weißklee angebaut. IV. Hauptgruppe: Tonbodenarten. Durch den hohen Tongehalt, der über 50, meiſt über 60% — beträgt, im feuchten Zuſtand klebrig, formbar und zähe, im trockenen Zuſtand hart, feſt und dicht, oft mit Sprüngen oder Riſſen durch⸗ ſetzt. Gleichartig, homogen(vergl. S. 111). Bei der Salzſäure⸗ probe gar nicht, oder nicht ſtark aufbrauſend. Daher kalkarm, aber ſelten kalkfrei. In den Flußtälern und auch im Hügel⸗ und Bergland ziemlich häufig, jedoch ſeltener Obergrund als Untergrund bildend(Tongruben). Gewiſſe Arten ſehr fruchtbar, andere dagegen unfruchtbar. Das Nähere ergibt ſich aus der Beſchreibung der einzelnen Klaſſen. 1. Klaſſe: Reicher humoſer Tonboden. Schwarzer, meiſt tiefgründiger Tonboden. Gehalt an Humus zwiſchen 5 und 10%, ſelten höher. In Niederungen und Tal⸗ gründen, am Meeresſtrande, an Flußufern, in ausgetrockneten Meer⸗ und Seebecken. Marſchboden. Schwarzerde. Zuweilen der Über⸗ ſchwemmung ausgeſetzt. Sehr fruchtbar. Düngung oft überflüſſig, wenigſtens für eine lange Reihe von Jahren. Weizen, Raps, Pferdebohnen charakte⸗ riſtiſche Kulturpflanzen.(Weizenboden 1. Klaſſe.) Außerdem liefert dieſer Boden hohe Erträge an Gerſte, Hafer, Mais, Hanf, Lein, Kohl u. a. Gewächſen. 1 Vorzüglich gedeihen auch die Futtergräſer. Manche der ſog. Fettweiden gehören dieſem Boden an. 174 Die Bodenarten. Auch Klee und Luzerne gedeihen bei einigem Kalkgehalt, werden aber leicht von Gras überwuchert, daher Kleegrasgemenge vorzuziehen. In bezug auf die wildwachſenden Wieſengräſer gilt dasſelbe, was bei dem humoſen Lehmboden hervorgehoben worden iſt; auch der humoſe Tonboden iſt ein ausgezeichneter Wieſenboden. 2. Klaſſe: Kalkhaltiger Tonboden. Bei der Salzſäureprobe deutlich, aber nicht ſtark und nicht an⸗ haltend aufbrauſend. Kalkgehalt 3— 4%. Durch den Kalkgehalt tätiger und weniger zähe als der gemeine Tonboden. Steigt der Kalkgehalt auf 5% und darüber, ſo geht der kalkhaltige Tonboden über in Tonmergelboden. Bei fleißiger Bearbeitung und guter Düngung trägt er die⸗ ſelben Gewächſe wie die 1. Klaſſe. VVon den wildwachſenden Pflanzen iſt für den kalkhaltigen Ton⸗ boden charakteriſtiſch der Huflattich, Tussilago Farfara. 3. Klaſſe: Gemeiner Tonboden. Gehalt an abſchlämmbarem Ton 60— 75%. Weizen und Spelz ſicherer als Roggen; Hafer ſicherer, als Gerſte. Runkel⸗ und Kohl⸗ rüben viel ſicherer, als Kartoffeln. Futtergräſer ſicherer, als Kleearten; von dieſen Rotklee, Weißklee und Baſtardklee ſicherer, als Luzerne und Eſper. Die wildwachſenden Pflanzen, die den gemeinen Tonboden kennzeichnen, ſind, außer den Wieſengräſern, dieſelben Acker⸗ und Wieſenkräuter, die wir bereits bei dem gemeinen und bei dem ſchweren Lehmboden genannt haben. Die bei dem gemeinen Lehmboden erwähnten Laub⸗ und Nadel⸗ hölzer gehen auch auf den Tonboden über. 4. Klaſſe: Strenger Tonboden. Gehalt an abſchlämmbarem Ton 75— 90%. Deshalb zäher und widerſpenſtiger, als der gemeine Tonboden. Leidet noch leichter von der Näſſe, als dieſer. Iſt oft auch eiſenſchüſſig. Bearbeitung ſehr ſchwierig. Für erfolgreiche Kultur zeitweiſe Brache nötig mit 1—2 Pflugfurchen vor Winter und 2—3 Furchen im folgenden Sommer. Futtergräſer, Hafer und Kohlrüben ſind hier die ſicherſten Ge⸗ Mergelböden. 4 175 „wenda wächſe. Weizen und Spelz kommen noch fort, werden aber in naſſen zujeeha Jahren von Treſpe, Schmiele, Riſpengras und Hahnenfuß überwuchert. dſel, Wegen der Schwierigkeit der Bearbeitung eignet ſich dieſer it, af Boden bei ſeiner Begünſtigung des Graswuchſes beſſer zum Wieſen⸗ als zum Ackerbau. 5. Klaſſe: Naßkalter Tonboden. 5 nicht Untergrund undurchläſſig. Ober⸗ und Untergrund meiſt eiſen⸗ altheja ſchüſſig. Dem Gefüge und Beſtande nach bald fetter Ton, bald teigt n magerer Ton oder Tonletten; der Letten gegen 50% ſtaubförmigen Tonbode Sand enthaltend. Wenig dankbar. Drainieren! ter d Trägt als Acker⸗, oder beſſer als Wieſenland benust, dieſelben Gewächſe, wenn auch viel unſicherer, wie Klaſſe 3 und 4. gen d a 6. Klaſſe: Reiner Tonboden. Eöpfertom) Gehalt an abſchlämmbarem Ton über 90%. Für die Zwecke des Ackerbaues nicht wh Ibar weil zu zähe, ind She zu ſteif, zu dicht, zu widerſpenſtig; eher noch als Wieſenland zu benutzen. nd ga Dagegen gutes Material für die Ziegel⸗, Röhren⸗ und Porzellan⸗ fabrikation. Pei V. Hauptgruppe: Mergelbodenarten. Tunboi In dieſe Gruppe gehören die Böden, die durch einen hohen, ker⸗ m aber nicht übermäßigen Kalkgehalt(5— 50%) ausgezeichnet ſind. beid Der Kalk iſt der charakteriſierende Beſtandteil; der zweite weſent⸗ liche und oft überwiegende Beſtandteil iſt der Ton. Als ander⸗ d Noe⸗ weitige Beſtandteile kommen vor: Steine, Sand, Humus. Jeder Mergel enthält alſo Kalk und Ton, und zwar ſind die Kalk⸗ und Tonteilchen in den eigentlichen Mergelböden ſo gleichmäßig und innig miteinander gemiſcht, daß ſie auf mechaniſchem db zie Wege(durch Schlämmen) nicht voneinander getrennt werden können. h lüs Man erkennt die eigentlichen Mergelböden daran, daß ſie bei der Salzſäureprobe ſtark und gleichmäßig aufbrauſen. Doch ſtellen twiſ wir die Mergelböden, die über 50% Kalk enthalten(Kalkmergeh, 4 nicht in die Gruppe der Mergel⸗, ſondern in die Gruppe der Kalk⸗ dut böden. Andererſeits rechnen wir kalkreiche Verwitterungsböden, in jen g denen größere und kleinere Kalkſteinſtücke vorkommen, und die dem⸗ 176 Die Bodenarten. nach ungleichmäßig aufbrauſen, dennoch mit in die Gruppe der Mergelbodenarten, wenn der Kalkgehalt der Feinerde nicht über 50% beträgt, wenn ſie alſo nach ihrem Geſamtverhalten beſſer hier⸗ her paſſen als in die Gruppe der Kalkböden. Denn für unſere Einteilung iſt weniger der geologiſche Urſprung als die chemiſch⸗ phyſikaliſche Beſchaffenheit der Bodenarten maßgebend. Deshalb erſcheint es uns auch nicht ratſam, die Mergelböden mit den Sand⸗, Lehm⸗ und Tonböden zu vereinigen, weil ſie ſich in ihren chemiſch⸗ phyſikaliſchen Eigenſchaften und demgemäß auch in ihrem Verhalten gegen die Pflanzen von den bereits abgehandelten Bodengruppen deutlich unterſcheiden. Daß zwiſchen den entſprechenden Bodenarten, z. B. zwiſchen Ton und Tonmergel, zwiſchen Lehm und Lehmmergel uſw., Übergangs⸗ oder Zwiſchenſtufen vorkommen, iſt kein ſtichhaltiger Einwand gegen unſere Einteilung, denn wenn man dieſem Einwande vollſtändig Rechnung tragen wollte, ſo käme man ſchließlich dahin, alle Bodenarten in eine einzige Gruppe zuſammen⸗ zufaſſen, und damit ginge der Hauptzweck der Bodenklaſſifikation, der darin beſteht, ſich unter den verſchiedenen Vorkommniſſen leicht und ſicher zurechtzufinden, ganz oder größtenteils verloren. In der Schweiz und den Nachbarländern ſind die Mergel⸗ böden ſehr verbreitet. Sie bilden hier oft den Ober⸗, oft auch den Untergrund. Ihre Fruchtbarkeit iſt im allgemeinen hoch. Dies beruht zum Teil auf ihrem natürlichen Reichtum an Pflanzennährſtoffen, nicht minder aber auf ihren günſtigen phyſikaliſchen Eigenſchaften. Eine hervortretende Eigenſchaft iſt ihre Tätigkeit, die auf den Kalkgehalt zurückzuführen iſt. Wegen des Kalkgehaltes begünſtigen ſie beſonders das Wachstum der kleeartigen Pflanzen: Rotklee, Luzerne und Eſpar⸗ ſette uſw. Und auf dem Kalkgehalt, der in der Regel von Phosphor⸗ ſäure begleitet iſt, ſcheint es auch zu beruhen, daß alle Gewächſe der Mergelböden geſund, ſtoffreich und nahrhaft ſind. Nach der Ertragsfähigkeit kann man die Mergelböden abteilen wie folgt: 1. Klaſſe: Humoſer Tonmergelboden. Der humoſe Tonmergelboden iſt dem humoſen Tonboden ähnlich, aber bei gleicher Tiefgründigkeit noch günſtiger für das Pflanzenwachstum, als dieſer. Die Bearbeitung iſt zwar auch bei men icht ile zſer hier ir unſer bmit tgellöd lheſt uuhn handeln rechentn Lehm m nnen, i denn un käme na uſammar ſſüiknien ſſen lit Meri auch d ruht ſur fen, nit 3 en. Em Kalkgeſit beſondet ind Gſpur Pposnpee Geviſ n abteit Tonteer Eu Kalkböden. 177 ihm ſchwierig, doch zerfällt der humoſe Tonmergel, wie alle Mergel⸗ böden, dem Winterfroſt ausgeſetzt, in ſehr vollkommener Weiſe. Er trägt dieſelben Pflanzen, die wir bei dem humoſen Ton⸗ boden erwähnt haben. Kleeartige Gewächſe, beſonders Luzerne, ſind hier jedoch ſicherer, als dort. Auch die Qualität der Produkte iſt hier im allgemeinen beſſer. 2. Klaſſe: Gemeiner Tonmergelboden. Er entbehrt des hohen Humusgehaltes, iſt aber trotzdem bei angemeſſener Behandlung und Düngung ein ſehr tragbarer Boden. Er nähert ſich in ſeinen Eigenſchaften dem kalkhaltigen Tonboden, ſteht jedoch insder Ertragsfähigkeit eine Stufe höher, als dieſer. Sein Verhalten gegen die Pflanzen läßt ſich kurz mit folgenden Worten kennzeichnen: Vorzüglicher Klee⸗, Luzerne⸗, Weizen⸗ und Rapsboden. 3. Klaſſe: Humoſer Lehmmergelboden. 4. Klaſſe: Lößartiger Lehmmergelboden.(Lößmergel.) 5. Klaſſe: Gemeiner Lehmmergelboden. Bei Vergleichung mit den entſprechenden Klaſſen der Lehm⸗ bodengruppe ergibt ſich die Beurteilung dieſer Mergelböden aus ihrer Benennung. Es iſt kaum nötig, hervorzuheben, daß die Lehm⸗ mergelböden mit zu den beſten Bodenarten gehören. Die Sicherheit der Ernten in naſſen wie in trocknen Jahren und die vorzügliche Qualität der Produkte macht ſie beſonders wertvoll. Das Getreide: Weizen, Roggen, Gerſte uſw., wird hier dünn⸗ ſchalig und ſchwer im Korn. Lein und Hanf liefern einen vor⸗ trefflichen Baſt. Der Hopfen enthält viel Lupulin. Zuckerrüben ſind zuckerreich. Klee, Luzerne und Futtergräſer zeichnen ſich aus durch Nahrhaftigkeit und Gedeihlichkeit; ebenſo verhält es ſich mit dem Stroh der Halm⸗ und Hülſenfrüchte. Daß dieſe Böden(bei an⸗ gemeſſener klimatiſcher Lage) auch einen guten Wein ſowie ſchmack⸗ haftes Obſt und feſtes Holz erzeugen, verſteht ſich von ſelbſt. Nowacki, Bodenkunde. 6. Auflage. 12 Die Bodenarten. 6. Klaſſe: Sandiger— grandiger— ſteiniger Mergelboden. Man vergleiche die 6. Klaſſe der Lehmbodenarten und berück⸗ ſichtige wieder, daß wegen des Kalkgehaltes die Kleearten, namentlich Luzerne und Eſper, hier ſicherer ſind, als dort. Bei dieſer Boden⸗ klaſſe wird anhaltende Dürre ſchon eher nachteilig, als feuchtes Wetter. Annäherung an mergeligen Sand⸗, Kies⸗ und Grusboden. VI. Hauptgruppe: Kalkbodenarten. Die Kalkböden unterſcheiden ſich von den Mergelböden durch eeinen höheren Gehalt an Kalk. Der Kalkgehalt beträgt nach unſerer Einteilung bei den Mergelböden unter 50%, bei den Kalkböden über 50%. Ihre Erkennung iſt bei Anwendung von Salzſäure eine ziemlich einfache Sache. Sie zeigen nämlich ein ſehr ſtarkes und lange an⸗ haltendes Aufbrauſen. Oft ſind auch Stücke oder Körner von Kalk⸗ ſtein beigemengt, die ſich natürlich ebenfalls mit Salzſäure leicht er⸗ kennen laſſen. Da nun aber die Mergelböden, beſonders die kalkreichen, bei der Salzſäureprobe gleichfalls ſehr ſtark aufbrauſen, ſo wird die Be⸗ ſtimmung der Kalkböden noch ſicherer, wenn man eine kleine Boden⸗ probe in einer Schale oder in einem Gläschen mit einer genügenden Menge Salzſäure behandelt und nun beobachtet, ob der Boden größtenteils verſchwindet d. h. ſich auflöſt, oder nicht. Löſt er ſich nicht, ſo gehört der Boden in die Gruppe der Mergelböden, löſt er ſich, ſo gehört er in die Gruppe der Kalkböden. Bleibt ein gweifel, ſo muß man zu der S. 128 beſchriebenen genaueren Kalk⸗ beſtimmung ſeine Zuflucht nehmen. Übrigens wird man zwar jede Bodenart ſo genau als möglich zu beſtimmen ſuchen, aber bei den Übergangs⸗ oder Zwiſchen⸗ ſtufen, bei denen die Beſtimmung am ſchwierigſten iſt, hat es ſelbſt⸗ redend keinen großen praktiſchen Nachteil, ob man ſie in die eine oder in die andere der in Frage kommenden Hauptgruppen einreiht. Ein Tonmergelboden iſt z. B. eine andere Bodenart, als ein toniger Kalkboden. Der Tonmergel enthält nämlich weniger Kalk und mehr Ton, als der tonige Kalk; auch iſt der Kalk in jenem gleich⸗ mäßiger und inniger mit dem Ton gemiſcht, als in dieſem; endlich en h hunſen dultün ezienit lange e von gul leict i ſt er ſt 4 den, ü Zlibtn ren gal nüſh wiſchen 3 6s ſil⸗ di in init ,ag en iger lul i glic 3 aälh Kalkböden. 1479 können in dem tonigen Kalk Stücke von Kalkſtein vorkommen, die im Tonmergel fehlen. Wenn nun aber ein Tonmergel gegen 50% Ton und gegen 50% Kalk, und wenn andererſeits ein toniger Kalk ebenfalls gegen 50% Kalk und gegen 50% Ton enthält, ſo liegt es auf der Hand, daß der Unterſchied zwiſchen beiden Bodenarten, ohne gänzlich zu verſchwinden, doch nur ein geringer ſein kann. Wenn wir die Grenze zwiſchen Kalk⸗ und Mergelböden bei einem Kalkgehalt von 50% ziehen, ſo iſt das, wie wir bereits zu⸗ gegeben haben, bis zu einem gewiſſen Grade willkürlich. Die Ein⸗ teilung nach dieſem Prinzip läßt auch den geologiſchen Geſichtspunkt zum Teil unbeachtet, denn hiernach wird z. B. der Kalkmergel nicht in die Gruppe der Mergel⸗, ſondern in die Gruppe der Kalkböden zu ſtehen kommen. Aber das ſcheint uns vom landwirtſchaftlichen Geſichtspunkte gerade das Richtige zu ſein, denn alle Böden, die einen ſehr hohen Kalkgehalt aufweiſen, werden, gleichviel ob ſie der Geologe zu den Mergel⸗ oder zu den Kalkgeſteinen rechnet, gleiche oder ſehr ähnliche chemiſche und phyſikaliſche Eigenſchaften beſitzen und ein gleiches oder ſehr ähnliches Verhalten gegen die Pflanzen äußern, und hierauf kommt es in erſter Linie an, wenn man den Boden nicht als Ding an ſich, ſondern als Pflanzenproduktionsmittel betrachtet. Die Böden, die wir in der Gruppe der Kalkbodenarten zu⸗ ſammenſtellen, entfernen ſich von den Mergelböden um ſo mehr, je mehr der Kalkgehalt in ihnen zunimmt. Beträgt er nur 50— 70%, ſo können ſie ſich noch ähnlich günſtig gegen die Pflanzen verhalten wie gewiſſe Mergelböden; ſteigt er aber auf 80, 90% und darüber, ſo leidet der Boden an übermäßiger Hitzigkeit und Tätigkeit und ſinkt mehr und mehr auf die Stufe der Unfruchtbarkeit herab. Wie die Mergelböden, ſo zeichnen ſich auch die Kalkböden da⸗ durch aus, daß die auf ihnen erwachſenen Pflanzen geſund und nahr⸗ haft ſind. Die Flora der Kalkböden iſt mannigfaltig, aber nicht ſehr ergiebig; der Ertrag wird um ſo geringer, je mehr die übrigen Bodenbeſtandteile gegen den Kalk zurücktreten. Zu den wildwachſenden Pflanzen, die den Kalkboden kenn⸗ zeichnen, zwar auch auf Mergelböden, aber gar nicht oder nur aus⸗ nahmsweiſe auf kalkarmen Böden vorkommen, gehören folgende: Gemeine Becherblume, Poterium Sanguisorba. Großer roter Bibernell, Pimpinella magna v. rosea. 12* Die Bodenarten. Stengelloſe Eberwurz, Carlina acaulis. Frauenſchuh, Cypripedium Calceolus. Enzian, Gentiana ciliata und G. cruciata. Gelber Wau, Reseda lutea. Frühlings⸗Adonis, Adonis vernalis. Feuerrote Adonis, Adonis flammeus. Pfingſtröschen, Rosa cinnamomea(auch in Gärten). Weinroſe, Rosa rubiginosa. Sichelklee, Medicago falcata. Roter Bergklee, Trifolium rubens. Gelbweißer Klee, Trifolium ochroleucum. Lederbrauner Klee, Trifolium badium. Federgras, Stipa pennata. Blaues Kammgras, Sesleria coerulea. Federzwenke, Brachypodium pinnatum u. a. m. Von den Waldbäumen zieht namentlich die Buche den kalk⸗ reichen Standort dem kalkarmen entſchieden vor. Ebenſo verhält es ſich mit dem Weißdorn. Von den landwirtſchaftlichen Kulturpflanzen befinden ſich die ausdauernden, die durch ihre tiefgehenden Wurzeln befähigt ſind, die Feuchtigkeit aus dem Untergrunde heraufzuholen, auf dem Kalk⸗ boden am wohlſten. Das gilt insbeſondere von den kleeartigen Pflanzen: Eſper, Luzerne, Rotklee, und anderen Schmetterlings⸗ blütlern. Jedoch gibt es unter dieſen auch einzelne Arten, denen der Kalkboden zuwider iſt, wie z. B. der gelben Lupine. Von anderen Pflanzenfamilien gedeihen gewiſſe Arten auf dem Kalkboden wenigſtens nicht ſonderlich. Dahin gehören Kartoffeln und Topinambur, Kohl⸗ rüben und Kohl, Lein und Hanf, Buchweizen und Spörgel. Auch dem Roggen und dem Hafer ſagt der Kalkboden weniger zu, als dem Weizen, dem Spelz, dem Einkorn und der Gerſte. Die nähere Beurteilungsder Kalkbodenarten ergibt ſich aus der Klaſſifikation, die wir nun folgen laſſen. 1. Klaſſe: Humoſer Kalkboden. Findet ſich namentlich in Wäldern der Kalkgebirge, wo der durch den Blattabfall uſw. entſtandene Humus ſich dem Kalkſchutt beimengt und eine Bodendecke von meiſt geringer Mächtigkeit bildet. den ui verhät en ſih 1 ähig i den G lentin netterin ten, denn un men venixſen bur, K gel. du gut Ssn Kalkböden. 181 Als Waldland benutzt, bringt der humoſe Kalkboden Buchen und Eſchen von unübertrefflicher Schönheit hervor. Für dieſen Zweck eignet er ſich in der Regel am beſten. Denn obwohl er, in Ackerland umgewandelt, anfänglich reiche Ernten an Eſparſette, Luzerne, Rotklee, Wicken, Erbſen, Bohnen, Weizen, Spelz uſw. zu liefern pflegt, ſo nimmt die Fruchtbarkeit mit dem Verſchwinden des Humus doch bald ab, ſo daß ſich, wenn nicht große Düngermaſſen zur Verfügung ſtehen, die Rückkehr zur Wald⸗ kultur oder zur Weidenutzung als notwendig erweiſt. 2. Klaſſe: Toniger Kalkboden. Enrhält neben dem Kalk 30— 50% Ton, durch den die Hitzig⸗ keit und Tätigkeit gemäßigt wird. Bringt freiwillig viele Kleearten und gute Gräſer hervor, trägt, wie die vorige Klaſſe, ſchöne Buchen⸗ waldungen und eignet ſich, ähnlich wie der gemeine Tonmergelboden, vornehmlich zum Anbau von Luzerne, Klee, Eſper, Kleegrasgemenge, Bohnen, Raps, Weizen, Spelz und Einkorn., Auch für den Rebbau bildet jer unter paſſenden klimatiſchen Verhältniſſen eine gute Unterlage. 3. Klaſſe: Lehmiger Kalkboden. Enthält neben dem Kalk, der zum Teil im erdigen, zum Teil im ſteinigen Zuſtande vorkommt, 30— 50% Lehm, d. i. Ton mit Sand gemengt, und wird dadurch zu einem warmen, lockeren und mäßig feuchten Boden. Sein Verhalten gegen die Pflanzen iſt ähnlich, jedoch nicht ganz ſo günſtig, wie das des gemeinen Lehm⸗ mergelbodens, in den er auch übergeht. 4. Klaſſe: Sandiger und grandiger Kalkboden. Enthält neben dem Kalk 15— 20% Quarzgeſtein in feinerem oder gröberem Korn. Hitzig und dürftig. Eignet ſich meiſt nür zur Schafweide oder zur Holzzucht(Föhren und Lärchen). Von landwirtſchaftlichen Kulturpflanzen trägt er allenfalls Eſparſette und MWundklee. 5. Klaſſe: Steiniger Kalkboden. Größere und kleinere Stücke von Kalkſtein bilden den Haupt⸗ ö 3 —,, ——— . 182 Die Bodenarten. beſtand, gegen 80%. Ebenſo ungünſtig für die Pflanzenkultur wie die vorige Klaſſe. 6. Klaſſe: Reiner Kalk⸗ und Kreideboden. Beſteht faſt ganz aus Kalk. Findet ſich auf Kalk⸗ und Kreide⸗ felſen ſowie auch in Seebecken und Talkeſſeln, die noch zum Teil vom Waſſer bedeckt oder mit Torf ausgefüllt ſind, als ſogenannte Seekreide oder Wieſenkalk. In dieſem Falle ſind der erdigen Kalk⸗ maſſe gewöhnlich zahlreiche Schneckengehäuſe(herrührend von Süß⸗ waſſer⸗Konchilien) beigemengt, die der Hauptſache nach gleichfall⸗ aus kohlenſaurem Kalk beſtehen. Fruchtbarkeit des reinen Kalk⸗ und Kreidebodens gering oder ſehr gering. Doch iſt er zur Melioration kalkarmer Böden, Lehm Ton und Humus, mit Vorteil zu verwenden. Anhang. Gipsboden. Als Verwitterungsprodukt auf Gipsfelſen ſelten vorkommend. 1 Enthält als charakteriſtiſchen Beſtandteil Gips, d. i. ſchwefelſauren Kalk. Bringt im Gegenſatz zu dem gewöhnlichen Kalkboden wenig oder keine Kleearten hervor. Das Wachstum der meiſten Pflanzen, die ſich auf ihm anſiedeln, iſt kümmerlich. Nur eine einzige Pflanzen⸗ gattung, die verſchiedene Arten von Gipsophila umfaßt, zeigt einen freudigen Wuchs. Der Gipsboden gehört mit zu den ſchlechteſten Bodenarten. VII. Hauptgruppe: Humusbodenarten. Nach der S. 161 gegebenen Überſicht ſtellen wir in die VII. Hauptgruppe die Bodenarten, bei denen der Gehalt an Humus über 200% beträgt. Dieſe 20% ſind Gewichtsprozente. Da aber das ſpezifiſche Gewicht des Humus zu dem der mineraliſchen Bodenbeſtandteile ſich etwa verhält wie 1:2,5, ſo entſprechen obige 20 Gewichtsprozente ungefähr 50 Volumprozenten, d. h. bei den Humusböden fällt mindeſtens die Hälfte des Raumes, den die Boden⸗ maſſe einnimmt, der Humusſubſtanz zu. Der übrigbleibende Raum iſt zum Teil mit Waſſer oder Luft, zum Teil mit Sand, Ton, ultur v d rat zun ogenant gen ſu von Ei glecii ring ü en, Lär wonmm zelſeurn den ven Punn Pflane eigt in chlechein r in d ehaltn prozent 1 neralit ſchen j bei da ſe ger. gbläbe zand, Tn. 3 Humusböden. 183 Kalk, ſeltener mit Steinbrocken oder größeren Geröllen in ver⸗ ſchiedenen Mengeverhältniſſen ausgefüllt. Während ein Humusgehalt von 5— 20% für alle Bodenarten (Stein⸗, Sand⸗, Lehm⸗, Ton⸗, Mergel⸗ und Kalkböden) günſtig iſt, wird ein Humusgehalt von 20% und darüber, wie er in den Humusböden vorkommt, mehr und mehr vom üÜbel. Namentlich geſtalten ſich dann die phyſikaliſchen Eigenſchaften des Bodens derart, daß ſie den Anforderungen der Kulturpflanzen nicht genügen. In chemiſcher Beziehung ſind die Humusböden gewöhnlich reich an feſter gebundenem, aber doch aufſchließbarem Stickſtoff, arm da⸗ gegen an Phosphorſäure und anderen mineraliſchen Pflanzen⸗ nährſtoffen. Jedoch iſt die Fruchtbarkeit auch in dieſer Gruppe ſehr verſchieden, was am kürzeſten und überſichtlichſten in der Klaſſifikation der Humusbodenarten beſprochen wird. 1 1. Klaſſe: Acker⸗ und Gartenhumus. Jeder Boden, auf und in dem Pflanzen und Tiere leben und ſterben, erhält eine Beimengung von vegetabiliſch⸗animaliſchem Moder. Das iſt namentlich der Fall, wenn der Menſch gezähmte Tiere herden⸗ weiſe auf dem Lande weidet, Nutzpflanzen anbaut, die Wurzeln und Stoppeln uſw. dem Kulturlande beläßt und überdies noch vege⸗ tabiliſch⸗animaliſchen Stalldünger uſw. hinzufügt. Kann ſich das organiſche Material, unter Bedingungen, wie ſie in den oberen, bearbeiteten Schichten des Bodens in unſerm Klima gewöhnlich gegeben ſind, bei genügendem Luftzutritt, hin⸗ reichender Feuchtigkeit und mäßiger Wärme langſam und allmählich zerſetzen, ſo entſteht der Acker⸗ und Gartenhumus, der eine milde Beſchaffenheit beſitzt und das mineraliſche Erdreich in dem Maße fruchtbarer macht, als er reichlicher beigemengt wird. Sein Vorhandenſein erkennt man an der mehr oder weniger dunklen Farbe des Obergrundes.(Ackerkrume, Muttererde.) Indeſſen beträgt die Menge dieſes vegetabiliſch⸗animaliſchen Humus, der dem„rohen“ und„toten“ Untergrunde fehlt, auch in dem Obergrunde in der Regel nur einige, meiſt unter, ſelten über 5% von dem Gewicht des Bodens, ſo daß auf dem angedeuteten Wege zwar humushaltige, unter günſtigen Verhältniſſen auch humoſe Bodenarten gebildet werden, ſelten oder niemals aber 184 Die Bodenarten. eigentliche Humusböden mit einem Humusgehalt von 20% und darüber. Nichtsdeſtoweniger iſt das Vorkommen dieſer Art von Humus landwirtſchaftlich ſo wichtig, daß ſie eine beſondere Erwähnung und Beachtung verdient. Der milde Acker⸗ und Gartenhumus kann durch die Kultur, namentlich durch reiche Stallmiſtdüngung faſt auf allen Bodenarten der Stein⸗, Sand⸗, Lehm⸗, Ton⸗, Mergel⸗ und Kalkbodengruppe entſtehen. Da wir hierauf bei Beſprechung dieſer Gruppen keine Rückſicht genommen haben, um die Bodenklaſſen nicht allzuſehr zu vermehren, ſo war es um ſo notwendiger, auf das Vorkommen dieſer Humusart an dieſer Stelle ausdrücklich hin⸗ zuweiſen. Wir bemerken noch, daß man den Gehalt des Acker⸗ und Gartenlandes an mildem Humus am einfachſten auf die Weiſe be⸗ urteilt, daß man die Tiefe der Ackerkrume mißt und außerdem mit Lackmuspapier feſtſtellt, daß der Boden frei von Säure iſt.(Vergl. S. 138). Auch der normale und üppige Stand der Kulturpflanzen iſt ein guter Maßſtab zur Beurteilung des Bodens in der ange⸗ regten Beziehung. 2. Klaſſe: Grashumus. In reichlicherer Entwicklung, als in dem Acker⸗ und Garten⸗ lande, treffen wir den Humus in den gedüngten Grasländereien oder Matten, wie wir ſie in der Schweiz in großer Ausdehnung beſitzen, weil das Grasland vom Pfluge verſchont und demzufolge die Zerſetzung und Oxydation des Humus in der dichtgeſchloſſenen und ſich fort und fort neu verjüngenden Raſennarbe mehr auf⸗ gehalten wird, als in dem oft gelockerten, dem Zutritt der Luft geöffneten Acker⸗ und Gartenlande. Demgemäß erreicht die Krume auf unſeren Güllewieſen gar nicht ſelten die Mächtigkeit von 30 bis 50 cm. Aber auch hier beſteht die dunkelgefärbte obere Schicht, meiſt allmählich und verwaſchen übergehend in den hellergefärbten Untergrund, für gewöhnlich nicht aus eigentlichem Humusboden, ſondern aus humushaltigem oder humoſem Mineralboden, deſſen Gehalt an Humus, von oben nach unten abnehmend, wohl nur ſelten auf 10% anſteigt. Der Oualität nach ſteht dieſe Humus⸗ art dem Acker⸗ und Gartenhumus nahe; wir nennen ſie, weil ſie auf dem Grasland vorkommt, Grashumus. — —————— ——=— ☛ꝙ—- Humusböden. 185 dan Als ſelbſtändige Bodenart finden wir den Grashumus namentlich in den breiten und flachen Flußtälern der Ebene, wo⸗ dun ſelbſt die feuchte, aber nicht ſumpfige Lage ein üppiges Wachstum nißſnn voornehmlich von Süßgräſern hervorruft, die abſterbend und ver⸗ un in modernd und immer von neuem entſtehend zur Bildung des Gras⸗ füt u humus Veranlaſſung werden. 3 gi in Überdeckt dabei das Waſſer, indem es bei ſtarken Regengüſſen u din von den benachbarten Hängen herabſtürzt oder bei Hochfluten über elliſe die Ufer des Fluſſes tritt, die Talfläche mit Schlamm oder Schlick, ger, l der, eine Vegetation nach der andern begrabend, ſich dem Pflanzen⸗ lic h nmnaoder beimengt, ſo kommt im Laufe der Jahrhunderte die Ab⸗ 1 lagerung eines bald ſandigen, bald lehmigen, bald tonigen, bald ter mh mergeligen oder kalkigen Humusbodens zuſtande. Bei dieſem Pro⸗ deſſ zeſſe, der ſich ſehr verſchiedenartig geſtalten kann, werden Übergänge den ni zu anderen Bodenarten vorkommen, z. B. zu humoſem Sand⸗, zu (Ve. humoſem Lehm⸗, zu humoſem Tonboden uff., von denen in den ab⸗ tyflenn gehandelten Hauptgruppen bereits die Rede geweſen iſt. er one Zugleich erhellt, daß die Bodenart, mit der wir es jetzt zu tun haben, der Grashumusboden, je nach den mineraliſchen Bei⸗ mengungen zahlreiche Schattierungen oder Abſtufungen in der Zu⸗ ſammenſetzung aufweiſen wird, die wir der Überſichtlichkeit und Kürze Garter wegen im einzelnen hier nicht näher berückſichtigen. ündereer Eine zu weit gehende Spezialiſierung iſt hier um ſo weniger dehnn nötig, als alle hierher gehörigen Bodenvarietäten das Gemeinſame enzupoh haben, daß ſie ihres hohen Humusgehaltes und ihrer feuchten Lage cloſere wegen ſich vorzüglich zur Gras⸗ oder Wieſennutzung eignen. ehr u Es gibt Naturwieſen auf dem milden Grashumusboden, die ſeit der Ait Menſchengedenken reiche Erträge geliefert haben und noch immer ie Kune liefern, ohne daß jemals eine Düngung eintrat. Das Waſſer, das von D von Zeit zu Zeit, meiſt ohne Zutun des Menſchen, die Wieſen über⸗ eSüih flutet, macht die Düngung überflüſſig. Nur dort, wo im Intereſſe üütm der Schiffahrt und oft zum Schaden der Landwirtſchaft die Flüſſe nuötcdet korrigiert, d. h. gerade gelegt werden, da nimmt mit dem Nach⸗ lboden. laſſen der Überflutungen auch der Ertrag der Wieſen ab. Soll die d, un Landwirtſchaft hierbei nicht zu kurz kommen, ſo muß bei der Fluß⸗ dunu⸗ korrektion, die gleichbedeutend iſt mit Entwäſſerung, auf künſtliche Bewäſſerung Bedacht genommen werden. lſeuf d 3 Das Futter, das auf derartigen Talwieſen wächſt, hat aller⸗ 186 Die Bodenarten. dings nicht die feine und würzige Beſchaffenheit, wie das Heu unſerer Bergwieſen. Es fehlen ihm die aromatiſchen Kräuter und gewöhnlich auch die Kleearten, während die Süßgräſer, ſtellenweiſe gemengt mit Sauergräſern, den Hauptbeſtand ausmachen. Trotzdem wird es im grünen wie im getrockneten Zuſtande, namentlich von Pferden und Rindvieh, gern gefreſſen. Das daran gewöhnte Niederungsvieh findet es lecker und ſchmackhaft. Unſere verwöhnten Bergraſſen dürften es anfänglich vielleicht für Riedſtreu halten und verſchmähen, bis die nähere Bekanntſchaft ſie belehren würde, daß dies grobe Futter doch erheblich beſſer iſt, als es auf den erſten Anblick erſcheint. Ein Hauptgras, das an feuchten und fetten Stellen oft den alleinigen Beſtand bildet und, mit fingerbreiten Blättern beſetzt, nicht ſelten mannshoch aufſchießt, iſt auf jenen guten Niederungswieſen das Rohrglanzgras, Phalaris arundinacea. Dasſelbe gilt von dem anſehnlichen Süßgras, Glyceria spectabilis. An anderen Stellen findet ſich, ebenfalls oft in geſelligen Beſtänden, der Wieſen⸗ fuchsſchwanz, Alopecurus pratensis. Daneben die Riſpengräſer, Poa pratensis und Poa trivialis— der Wieſenſchwingel, Festuca pratensis— das Honiggras, Holcus lanatus— der gekniete Fuchsſchwanz, Alopecurus geniculatus u. a. Den Anſchauungen der Landwirte entſprechend rechnen wir den Grashumus ebenfalls zu den milden Humusarten, obwohl er nicht immer frei von Säure iſt. Das Entſcheidende für unſere Ein⸗ teilung iſt in dieſem wie in anderen Fällen das Verhalten des Bodens gegen die Pflanzen. Herrſchen in dem Pflanzenbeſtande die Süßgräſer vor, ſo werden wir die Bodenart als(milden) Grass⸗ humus, herrſchen dagegen die Sauer⸗ oder Riedgräſer vor, ſo werden wir die Bodenart als(ſauren) Riedhumus anſprechen. Dieſe Einteilung iſt auch inſofern berechtigt, als der Riedhumus (bei der Prüfung mit Lackmuspapier) viel ſtärker ſauer reagiert alz der Grashumus, der namentlich in der oberen Schicht nur wenig, oft gar keine freie Humusſäure enthält. Den Grashumus ſeiner natürlichen Beſtimmung zu entfremden und dem Ackerbau zu überweiſen, wird bei der gegenwärtigen Nach⸗ frage nach Vieh und Viehzuchtprodukten nur ſelten rentabel ſein, obwohl er, gegen Überſchwemmung geſichert und ſonſt angemeſſen behandelt, reiche Ernten, insbeſondere an Hafer, Raps, Lein, Kohl, Kohlrüben und Kartoffeln einzubringen vermag. ——————— — lunſen wöhnih gemen vid Pfea) ungzurh erglſa ſchnihn 8 It eiſde ſta e, nn nqswiſn git m anden Witſer ngrüſt „Féslla gekner mwirn bwohl ſſere Eh. alten d enbeſtene n Gr un, nſprecu edhum — agiet b ur ven nifterdn gen Ah dbel ſ ngemeſe ein,Kihe Humusböden. Eher kann es gerechtfertigt ſein, ihn in waſſergefährlichen Lagen zur Korbweidenzucht zu verwenden. Wird anderweitige Holz⸗ kultur bezweckt, die ſich ja bis zu einem gewiſſen Grade mit der Grasnutzung verbinden läßt, ſo kann nur Weichholz in Frage kommen, weil der lockere, ſchwammige Humusboden, auch bei milder Beſchaffenheit, für die Produktion von Hartholz ſich nicht eignet, indem die Bäume zu ſchwelgeriſch wachſen und leicht rotfaul werden. Auch für die Wurzeln der Obſtbäume bildet er keinen geeigneten Standort. 3. Klaſſe: Waldhumus. Im Walde der tieferen und mittleren Lagen beſteht der Ober⸗ grund gewöhnlich nicht aus eigentlichem Humusboden, ſondern, ähnlich wie auf dem Acker⸗ und Wieſenlande, aus humushaltigem oder humoſem Mineralboden; doch pflegt ſich in feucht und kühl gelegenen Laubwäldern, namentlich aber in alten Nadelholzbeſtänden des Hochgebirges eine Schicht von Humus anzuſammeln. Das Material hierzu liefern die abfallenden Blätter und Nadeln, die abgeſtorbenen Stämme, Stöcke, Zweige zuſammen mit dem Moos und den anderen im Schatten der Bäume wachſenden und vermodernden Pflanzen. In der niederen Laubwaldregion hat der Waldhumus, ſo⸗ fern der Boden nicht an Verſumpfung leidet, eine milde Beſchaffen⸗ heit, ähnlich wie der Acker⸗ und der Grashumus. In der höheren Nadelholzregion iſt er reicher an Säure, ähnlich wie der Ried⸗ und der Mooshumus(Klaſſe 4 und 5); ferner enthält der Humus des Nadelwaldes in höheren und tieferen Lagen viele Harzteile und nähert ſich dadurch dem Heidehumus(Klaſſe 6 der Humusböden). Je nach den Verhältniſſen kommen im Walde auch Ablagerungen von wirklichem Ried⸗, Moos⸗ oder Heidehumus vor, die jedoch durch den Laubanfall uſw. ſtets eine größere oder geringere Beimengung von Waldhumus erhalten. Abgeſehen von dieſen beſonderen Vorkommniſſen iſt die in der Regel nur ſchwache Humusdecke für den Wald von höchſtem Nutzen, denn ſie konſerviert die Feuchtigkeit, erhält die Oberfläche des Bodens locker, zugänglich für die Luft, erſetzt hierdurch bis zum gewiſſen Grade die Beackerung, und ſie bildet zugleich eine Nahrungsquelle für die Wurzeln der Waldbäume, die namentlich ihren Bedarf an Stickſtoff direkt oder indirekt aus dem Humus beziehen. —— b V — — — — 1 ½ 4 188 Die Bodenarten. Die Fruchtbarkeit des Waldhumus zeigt ſich bei der Um⸗ wandlung des Waldlandes in Ackerland ſehr deutlich, aber ebenſo zeigt ſich ihre Vergänglichkeit, denn ſchon nach wenigen Jahren nimmt die Ergiebigkeit der Ernten ab, und dann heißt es hier wie ander⸗ wärts: Düngen und wieder Düngen. Dieſe Erfahrung macht man bei uns wie in den Urwäldern Nordamerikas. Die Naturgeſetze ſind auf derß ganzen Welt dieſelben. 4.5 Klaſſe: Riedhumus. Der Riedhumus und der Grashumus wird von den Geologen unter der Bezeichnung Wieſenmoor, Grünlandsmoor oder Raſenmoor zuſammengefaßt. Wir müſſen dieſe beiden Humusarten, obwohl ſie ineinander übergehen, aus den S. 186 angegebenen Gründen von einander trennen, und wir müſſen auch, um Ver⸗ wechſlungen vorzubeugen, die Ausdrücke Torf, Bruch, Moor, Moos uſw. in der Bodenklaſſifikation vermeiden. Die Benennung Riedhumus iſt in zweifacher Beziehung zutreffend, denn die Pflanzen, denen dieſe Humusart das Daſein verdankt und denen ſie andererſeits das Daſein verleiht, ſind vorzugsweiſe die Riedgräſer. Überdies hat ſich das Wort Ried in der Volksſprache eingebürgert, und in der Tat beſtehen viele, aber doch nicht alle ſog. Riede aus Riedhumus. Der Riedhumus bildet ſich in ſtehendem oder ſtockendem Waſſer, in mulden⸗ over keſſelförmigen Vertiefungen, in zuwachſenden Seen und Teichen, oder an Bächen und Flüſſen, die wegen ihres trägen Laufes das angrenzende flachliegende Gelände fortwährend naß erhalten und oft überſchwemmen. Unter dieſen Verhältniſſen entwickelt ſich eine üppige Vegetation von Sumpfgewächſen, deren abgeſtorbene Teile unter Waſſer bei behindertem Luft⸗ zutritt in eigentümlicher Weiſe vermodern oder vertorfen. Das Produkt iſt ein ſaurer Humus. Das Waſſer, in dem der Riedhumus entſteht, iſt gewöhnlich hart, d. h. kalkhaltig. Oft finden wir daher unter dem Riedtorf einen Niederſchlag von„Seekreide“ oder„Wieſenkalk“. Die Pflanzen, die auf dieſer Humusart freiwillig wachſen, liefern abgemäht und getrocknet eine Art Heu, das von den Haus⸗ tieren in der Not zwar gefreſſen, aber in Gegenden, wo man aus⸗ reichend beſſeres Futter hat, wie in der Schweiz, nur als Streu⸗ material verwendet wird. t Un⸗ bbeni ninn inde. üt na ugeſee on da or üde naorg, gebaa m Ver. os Ih. humuß „denn it dies hi der Ti zumn cenden cſenden n ihre väͤhren iltniſe “ „dexn Luft⸗ D rößnit Ridrf wodſee Hals⸗ an aut⸗ Etreu⸗ Humusböden. 189 In der„Riedſtreu“ finden wir die Flora des Riedhumus⸗ bodens. Sie beſteht aus folgenden Pflanzen, die jedoch der Zahl und den Arten nach auf verſchiedenen Rieden mannigfach wechſeln. Riedgräſer, Carex in verſchiedenen Arten. Binſen und Simſen, Juncus und Scirpus i. v. A. Gemeines Schilfrohr, Phragmites communis. Rohrglanzgras, Phalaris arundinacea. Anſehnliches Süßgras, Glyceria spectabilis. Blaues Pfeifengras, Molinia coerulea. Sumpf⸗Spierſtaude, Spiraea Ulmaria. Dreiblättriger Fieberklee, Menyanthes trifoliata. Gemeiner Weiderich, Lythrum Salicaria. Orchis, Orchis in verſchiedenen Arten. Hahnenfuß, Ranunculus i. v. A. Sumpf⸗Läuſekraut, Pedicularis palustris(ſchädlich!) uſw. Dazu kommen niedrig wachſende Pflanzen, die in die Riedſtreu nicht hineingelangen, weil ſie von der Senſe nicht gefaßt werden, die aber in vielen Fällen zur Entſtehung des Riedhumus weſentlich beitragen, wir meinen die Moos⸗ oder Hypnum-Arten, die in Ge⸗ ſtalt von mehr oder minder ausgedehnten Raſenpolſtern(Bülten) eine unſichere Brücke auf dem Sumpfwaſſer bilden, unterſinkend ver⸗ modern oder vertorfen und den Standort für die vorhin aufgezählten Riedpflanzen vorbereiten. Die Hypnum-Arten dürfen nicht mit den Sphagnum-⸗Arten verwechſelt werden, denn dieſe fehlen in kalkhaltigem Waſſer gänzlich, ſind alſo an der Bildung des Riedhumus in keiner Weiſe beteiligt. Was die Baumflora betrifft, ſo finden wir große Flächen von Riedhumus(Riedtorf, Riedmoor), die ganz frei von Bäumen ſind. Doch ſiedeln ſich Weiden und Erlen häufig auf dieſer Bodenart an; daneben auch Föhren und Birken. Die Pyramidenpappeln, die da und dort aus den Rieden emporragen, ſind gewöhnlich angepflanzt worden. Die landwirtſchaftlichen Kulturpflanzen gedeihen auf dem Ried⸗ humus gewöhnlich nicht, um ſo weniger, je naſſer er liegt und je mehr die Humusſubſtanz vorherrſcht vor der Mineralſubſtanz. Wird jedoch der Boden trocken gelegt und durch Zufuhr von Sand, Mergel und Mineraldünger verbeſſert(vergl. S. 150), ſo läßt er ſich zum Anbau der Futtergewächſe, namentlich der Gräſer, ſehr wohl 190 Die Bodenarten. benutzen, trägt dann auch Hafer, Roggen, Raps und Rübſen, Lein, Kohl, Kohlrüben, Kartoffeln uſw. 5. Klaſſe: Mooshumus. Unter der Benennung Mooshumus verſtehen wir die Boden⸗ bildung, die ſonſt gewöhnlich als Hochmoor bezeichnet wird. Da⸗ neben ſind die Ausdrücke: Moos und Torf im Gebrauche, ſo daß der Riedhumus mit dem Mooshumus zuſammengeworfen wird. Dieſe Verwirrung und Verwechſlung iſt zu entſchuldigen, weil Ried⸗ und Mooshumus ſehr oft in demſelben Moore vorkommen und die Bedingungen für die Entſtehung der einen oder der anderen Humus⸗ art erſt in der neueren Zeit näher und beſtimmter erkannt worden ſind.*) Der Mooshumus bildet ſich nämlich ſehr häufig, vielleicht immer auf einer Unterlage von einer anderen Humusart. Dieſe Unterlage beſteht gewöhnlich aus Riedhumus, in anderen Fällen aus Waldhumus.(Vergl. Abb. 12.) M ₰ el Se⸗ Mled Moos-o, Fiea Ck hisa Ia K. Semolige ₰ e Abb. 12. Schematiſierter Querſchnitt durch ein Torflager.— Ein Seebecken hat ſich mit Riedtorf ausgefüllt, deſſen Oberfläche horizontal liegt. Auf dem Riedtorf hat ſich durch Wucherung des Torfmooſes ein Lager von Moostorf gebildet, deſſen Oberfläche gewölbt iſt. Bedingung für die Entſtehung des Mooshumus iſt weiches, d. h. kalkarmes, Waſſer. Solange alſo ein Torfmoor von kalkhaltigem Waſſer benetzt wird, iſt die Entſtehung des Moos⸗ humus ausgeſchloſſen; ſobald aber das Torfmoor ſich ſoweit erhöht hat, daß die oberſte Schicht von dem kalkhaltigen Waſſer nicht mehr 8 erreicht, ſondern nur noch von weichem Waſſer angefeuchtet wird, das durch Kapillarität aufſteigt oder als Regen niederfällt, dann ſiedeln ſich auf der Oberfläche des Riedhumus die Torfmoos⸗ *) J. J. Früh, Über Torf⸗ und Dopplerit, Zürich 1883.— A. Nowacki, Die Streunot und die Mittel zu ihrer Abhülfe, mit be⸗ ſonderer Berückſichtigung der Ried⸗ und Moosſtreu, Aarau 1887. 8 ſer ſo aah 4 Boden⸗ n wird lNa. und de Humß wotn ielit di·ie Fülle G t ſih n ſch ud ewölbt iü nus iſ orfmoot Mob elſöſt Humusböden. 191 oder Sphagnum-Arten an, die unten abſterbend und oben weiter wuchernd höher und höher wachſen und, durch das aufſteigende Waſſer ſtetsfort feucht gehalten, vertorfen und ſo die Ablagerung des ſauren Mooshumus zuſtande bringen. Schneiden wir ein derartiges Moos beim Torfſtechen an, ſo zeigt uns das Profil zwei verſchiedene Bodenbildungen oder Schichten, nämlich zu unterſt eine Schicht von Riedhumus und darüber eine Schicht von Moos⸗ humus. Auf ähnliche Weiſe bildet ſich der Mooshumus durch die Wucherung der Sphagnum-Arten auf einer Unterlage von Wald⸗ humus, jedoch iſt dieſe Unterlage in der Regel ſo ſchwach, daß ſie oft überſtehen wird. Die Mächtigkeit der Ablagerung iſt im allgemeinen bei dem Mooshumus größer als bei dem Riedhumus. Sie beträgt bei dem Mooshumus nicht ſelten über 5 m, bei dem Riedhumus da⸗ gegen meiſt weniger als 2 m. Ferner unterſcheiden ſich Moos⸗ und Riedhumus durch die Ge⸗ ſtalt der Oberfläche. Die Oberfläche iſt nämlich bei dem Moos⸗ humus gewölbt, ſo daß die Mitte eines Moosmoores oft 4 m höher liegt als der Rand; bei dem Riedhumus dagegen iſt die Oberfläche eben oder in der Mitte vertieft. Zur Unterſcheidung dient auch die Struktur oder das Gefüge. Der Mooshumus iſt nänlich, beſonders in den oberen Schichten, locker und feinfaſerig oder verfilzt, der Riedhumus da⸗ gegen dicht und dabei erdig oder moorig, nur mit wenigen groben Pflanzenfaſern durchſetzt. Ausgetrocknet(als Brenntorf) erſcheint der Mooshumus locker, leicht und ſchwammig, der Riedhumus im Ver⸗ gleich dazu feſt, hart und ſchwer. Indeſſen wechſelt die Struktur des Mooshumus ſchichtenweiſe ſehr, ſo daß wir oft in demſelben Torfſtück eine lockere und eine dichte Schicht übereinander haben, in jener ſind die Moosfaſern noch deutlich erkennbar, in dieſer ſind ſie umgewandelt in ſteinharten Torf. Die Farbe des trocknen Materials iſt bei dem Mooshumus gelbbraun, dunkelbraun oder weißlich⸗grau, bei dem Riedhumus ſchwarzbraun oder ſchwarz. Wichtiger für uns iſt der Unterſchied in der Flora. Wir finden auf dem Mooshumus als charakteriſtiſch folgende Pflanzen: Torf⸗ oder Sumpfmoos, Sphagnum acutifolium, S. cymbi- folium. 8— 8 — Die Bodenarten. Wollgras, Eriophorum vaginatum u. a. A. Sumpfheidelbeere, Vaccinium uliginosum. Gemeine Gränke, Andromeda polifolia u. a. Weniger charakteriſtiſch ſind die Baumarten, denn wir finden auch auf dem Mooshumus: Weiden, Birken(Zwergbirke), Föhren (Sumpfföhre) und Erlen. Für den Anbau landwirtſchaftlicher Kulturpflanzen iſt der Moos⸗ humus wegen ſeiner Näſſe(und Säure), wegen ſeiner ſchwammigen Beſchaffenheit und wegen ſeines geringen Gehaltes an mineraliſchen Nährſtoffen und an Stickſtoff noch weniger geeignet als der Ried⸗ humus. Sich ſelbſt überlaſſen, erzeugt er weder Heu noch Streu in befriedigender Menge und Güte. Soll er melioriert und für den Pflanzenbau geſchickt gemacht werden, ſo bleibt hier nach der Ent⸗ wäſſerung faſt nichts anderes übrig, als die Brandkultur, durch die Jahr für Jahr oder doch von Zeit zu Zeit eine gewiſſe Schicht der Humusſubſtanz in Aſche verwandelt wird. In der Mehrzahl der Fälle wird es jedoch vorzuziehen ſein, den Torf auszuſtechen und als Brennmaterial zu verwerten. Über die weitere Behandlung und Benutzung, die nach dem Austorfen ähnlich iſt wie bei dem Ried⸗ humus, haben wir ſchon früher(S. 149) geſprochen. 6. Klaſſe: Heidehumus. Der Heidehumus gehört mit dem Ried⸗ und Mooshumus zuſammen zu den ſauren Humusarten, er iſt aber in phyſikaliſcher Beziehung durch größere Trockenheit und in chemiſcher Beziehung durch einen höheren Gehalt an Harz und Wachs ausgezeichnet. Die Struktur iſt locker, krümelig oder ſtaubig; die Farbe im trocknen Zuſtand braun, ſchwarzbraun oder ſchwärzlich⸗grau, im feuchten Zu⸗ ſtand ſchwarz. Wir finden ihn zuweilen als obere Decke auf dem Ried⸗ und auf dem Mooshumus, in großer Ausdehnung aber namentlich in Sandgegenden, unmittelbar auf dem Sande auflagernd. Hier wie dort entſteht er hauptſächlich aus dem geſellig wachſenden Heidekraut, Calluna oder Erica vulgaris. Daher ſeine Name: Heidehumus. Das Heidekraut iſt die Charakterpflanze des Heidehumus. Auch das Borſtengras, Nardus stricta, iſt ihm eigentümlich. Andere Pflanzen, wir Vaccinium uliginosum, Andromeda polifolia, Molinia coerulea ſind weniger charakteriſtiſch, weil ſie auch auf anderen finde 3 Förn Moos⸗ nmin ülſcen Nur treun ür da t En. uch d icht de äla en m ng n Ne. humß kalſcht jihumn 4. NA troäna ten g d und 4 flichn fiet ii dekraut zunuß Alh Anden Molcu andern Bodenkarten. 193 Humnusbodenarten vorkommen. Dasſelbe gilt von Föhren und Birken, die im Gemiſch mit Eſpen und Wacholdern oft den Waldbeſtand auf dem Heidehumus bilden, oft aber auch von dem Heidekraut unterdrückt und gänzlich verdrängt werden, ſo daß das Auge weit und breit keine andere Pflanze erblickt, als die„Heide“. Die Mächtigkeit des Heidehumus beträgt meiſt nur 10 bis 20 cm. In mulden⸗ oder keſſelförmigen Vertiefungen, wo er vom Waſſer zuſammengeſchwemmt wird, erreicht die Mächtigkeit auch wohl 1 m. Die Fruchtbarkeit dieſer Humusart für die landwirtſchaftlichen Kulturgewächſe iſt ſehr gering. Man hat durch die Brandkultur den Anbau von Buchweizen, Roggen, Hafer, Lein und Kartoffeln erzielt, bei der geringen Mächtigkeit der Humusſchicht läßt ſich das Brennen aber nicht oft wiederholen; die Verbeſſerung des Bodens muß daher durch Zufuhr von Mergel, Kalk, Holzaſche, Stallmiſt uſw. bewirkt werden. Meiſt wird es indeſſen vorzuziehen ſein, den Heidehumus nicht landwirtſchaftlich, ſondern forſtwirtſchaftlich zu benutzen durch Anpflanzen von Föhren, Birken und Eſpen. 2. nfertigung von Bodenkarten. Die Unterſuchung des Bodens findet ihren Abſchluß in der Fixierung und Darſtellung der Reſultate durch Zeichnen vom Boden⸗ karten. Es wird daher am Platze ſein, auch hierüber einige Be⸗ merkungen zu machen. Wie wir geſehen haben, kommen bei der Unterſuchung des Bodens vornehmlich in Betracht: 1. die Geſtalt der Oberfläche, 2. die Lagerungsverhältniſſe, 3. die Bodenbeſtandteile und Bodenarten. Soll daher eine Bodenkarte die Reſultate der Unterſuchung bildlich zur Anſchauung bringen, ſo muß ſie nach den angedeuteten drei Richtungen ihren Zweck erfüllen. Wie das geſchehen kann, ergibt ſich aus dem Gange der Unterſuchung von ſelbſt. 1. Die Geſtalt der Oberfläche des Bodens tritt am richtigſten und deutlichſten entgegen aus den Horizontallinien, die alle Orte gleicher Höhe miteinander verbinden. Auf einer Boden⸗ karte dürfen daher die Horizontalkurven nicht fehlen. Nowacki, Bodenkunde. 6. Auflage. 13 ͤ]ͤſ ⅓⅛ — — 1 94 Bodenkarten. 2. Die Lagerungsverhältniſſe laſſen ſich einzig und allein aus dem ſenkrechten Schnitt oder dem Profil des Bodens richtig beurteilen. Eine Bodenkarte muß daher eine genügend große Anzahl von Bodenprofilen aufweiſen. 3. Was die Bodenbeſtandteile und Bodenarten be⸗ trifft, ſo genügt es, die Bodenarten auf der Karte einzuzeichnen, weil ja die Beſtimmung, Benennung und Einteilung des Bodens ſich ſtützt auf die Ermittlung oder Schätzung ſeiner vorwaltenden oder charakteriſtiſchen Beſtandteile. Eine Bodenkarte muß alſo ein deutliches und überſichtliches Bild der in dem betreffenden Gebiete vorkommenden Bodenarten gewähren. Die natürliche Grundlage für eine Bodentarte beſteht in einer Flurkarte, die neben den geometriſchen namentlich auch die topographiſchen Verhältniſſe richtig wiedergibt. Auf einer guten Flurkarte ſind die Grundſtücke im ganzen und im einzelnen nebſt Gebäuden, Grenzen, Wegen und Gewäſſern aufgenommen. Ferner ſind die Höhenkurven eingetragen und überdies auch die Hauptkulturarten nach Acker⸗, Wieſen⸗, Reb⸗, Waldland uſw. unter⸗ ſchieden. Wo derartige Flurkarten bereits vorliegen— und wo dies nicht der Fall iſt, da wird man an die Herſtellung von Boden⸗ karten vorläufig überhaupt nicht herantreten—, da beſchränkt ſich die Arbeit demnach im weſentlichen auf das Aufnehmen und Ein⸗ zeichnen der Bodenarten und Bodenprofile. Immerhin erfordern die Flurkarten, wenn ſie zu Bodenkarten werden ſollen, einige Abänderungen und oft auch Ergänzungen und Berichtigungen. Vor allem iſt es wichtig, daß der Maßſtab nicht zu klein. genommen wird; ſonſt aber wird es mehr nützen, als ſchaden, wenn man im Hinblic auf die Verſchiedenartigkeit der lokalen Verhält⸗ niſſe einen gewiſſen Spielraum geſtattet. Im Anſchluß an den Maßſtab der topographiſchen Karte 1: 25 000 möchten wir für die Fllur⸗ ſowie für die Bodenkarten 1:2500 als Normalmaßſtab empfehlen. Daneben kann der Maßſtab 1:5000, 1: 2000 und 1: 1000 gewählt oder beibehalten werden, je nachdem die Boden⸗ verhältniſſe einfach oder verwickelt ſind. Der Privatmann, der eine Aufnahme von ſeinem Gutsareal in einem noch größeren Maßſtabe, 3. B. 1: 500, beſitzt, wird ihn beibehalten. 3 Der Höhenabſtand oder die Aquidiſtanz der Horizontalkurven Bodenkarten. 195 iſt auf den vorhandenen Flurkarten verſchieden; es iſt aber wünſchens⸗ wert, für die Flurkarten ſowohl, wie für die Bodenkarten ein ein⸗ da heitliches Maß zu haben. Auf der topographiſchen Karte der Schweiz ſeträgt die Aquidiſtanz 10 m. Dieſes Maß ſollte man für die be Flur⸗ und für die Bodenkarten als Grundlage annehmen. Wir nen, empfehlen für die 100 m⸗Kurven unterbrochene Linien, für die den 10 m⸗Kurven ausgezogene Linien. Wo das Terrain ſtark geneigt ma iſt, kann man es bei den 10 m⸗Kurven bewenden laſſen. Überall mn aber, wo ſanftere Neigungen auftreten, ſind 1 m⸗Kurven mit aus⸗ bie: gezogenen Linien einzuſchalten. Bei allen Horizontalkurven wird mit der betreffenden Ziffer die Höhenquote eingeſchrieben, ſo dasßs einet man aus der Karte zugleich erſieht, wieviel Meter über dem Meer de die Gegend liegt.(Vergl. Tafel 1.) innan Damit die Höhenkurven deutlich hervortreten, ſind ſie mit ha einer leuchtenden Farbe(rotgelb) zu zeichnen. Dagegen wird alles ma. übrige, was ſich auf die Topographie bezieht, in ſchwarzer Farbe I angelegt mit einziger Ausnahme der Gewäſſer(Seen, Teiche, ee Weiher, Flüſſe, Bäche, Kanäle, Gräben), für die die blaue Farbe w eeeſerviert wird. Speziell werden alſo mit Schwarz gezeichnet: oden Gebäude, Grenzen, Straßen, Wege, Eiſenbahnen uſw. Ebenſo ſind ſch ddie Kulturarten durch verſchiedene Zeichen in ſchwarzer Farbe kennt⸗ ein lich zu machen, wobei das Ackerland ohne Zeichen gelaſſen werden kann. Die ziemlich allgemein angenommenen Zeichen für die Gebäude, artn Grenzen, Straßen, Wege, Eiſenbahnen uſw., ſowie für die Kultur⸗ nd arten: Ackerland(ohne Zeichen), Wieſe(Matte), Weide, Ried, (Moos, Moor, Torf, Sumpf), Gemüſeland, Ziergarten, Rebland, klen Hopfenland, Obſtbäume, Laubwald, Nadelwald, können beibehalten wen weerden, jedoch iſt Sorge dafür zu tragen, daß der Grund der Karte chil mit den Zeichen für die Kulturarten nicht zu ſehr gefüllt, und daß n insbeſondere das Wieſen⸗ und das Weideland, weil es oft mit Obſt⸗ rwä bäumen beſetzt iſt, alſo lauf der Karte mit zwei Zeichen verſehen Fſtt werden muß, mit einer ſehr zarten Zeichnung unterſchieden wird. odd Der Grund der Karte iſt nämlich für die Eintragung der odh Beodenarten beſtimmt, was unſtreitig am deutlichſten und über⸗ i ſichtlichſten durch verſchiedene Farbentöne und Zeichen geſchieht. Es ſab⸗ ſſteht außer Zweifel, daß dieſe bei geologiſchen Karten allgemein übliche und erprobte Manier der Zeichnung ſich auch bei den Boden⸗ karten bewähren und einbürgern wird. Sonſt aber muß hier nicht 13. 196 Bodenkarten. der geologiſche, ſondern der agronomiſche Geſichtspunkt maßgebend ſein. Beide Geſichtspunkte laſſen ſich nicht miteinander vereinigen, und es iſt ein Ding der Unmöglichkeit, das Geologiſche und das Agronomiſche auf einem und demſelben Kartenbilde gleichmäßig zur Anſchauung und zur Geltung zu bringen. Im Intereſſe der Einfachheit, Deutlichkeit und Üüberſichtlichkeit halten wir es für angezeigt, nicht für jede einzelne Bodenklaſſe, ſondern nur für jede Hauptgruppe der Bodenarten ein Farben⸗ zeichen zu wählen, ſo daß wir bei ſieben Hauptgruppen von Boden⸗ arten nur weniger Farbenzeichen bedürfen. Dabei ſoll das Farben⸗ zeichen, das in die Fläche der Karte eingetragen wird, ausſchließlich für die Bodenart der oberſten, zu Tage gehenden Schicht(Obergrund, Ackerkrume) gelten in der Meinung, daß der Untergrund nur durch die Bodenprofile, die am Fuße oder am Rande der Karte ihren Platz finden, zur Anſchauung gebracht wird. Die Abgrenzung der Hauptgruppen der Bodenarten geſchieht mit einer feinen punktierten Linie in blauer Farbe. Demnach empfehlen wir für die ſieben Hauptgruppen der Bodenarten folgende Farbentöne und Zeichen.(Vergl. Tafel 1.) 1. Steinbodenarten. a) Grusboden: Weiß mit rauchgrauen Kreuzen. b) Kiesboden: Weiß mit hellroten Punkten. 2. Sandbodenarten: Hellgelb. 3. Lehmbodenarten: Hellgelb mit hellroter Schraffierung von links oben nach rechts unten. 4. Tonbodenarten: Hellrot. 5. Mergelbodenarten: Grünlichblau mit hellroter Schraffierung von rechts oben nach links unten. 6. Kalkbodenarten: Grünlichblau. 7. Humusbodenarten: Rauchgrau. Wie man erſieht, haben wir die Farbentöne und Zeichen ſo gewählt, daß außer dem Schwarz nur ſechs Farbentöne erforderlich ſind. Der eine Ton(rotgelb) dient für die Horizontalkurven, der zweite(blau) für die Gewäſſer, die übrigen vier(hellgelb, hellrot, grünlichblau und rauchgrau) für die Bodenarten. Einfachheit be⸗ dingt hier nicht allein eine erhebliche Koſtenerſparnis, ſondern auch eine ſaubere und klare Ausführung bei dem Zeichnen und Drucken des Kartenbildes. zgeben einißn nda üi enlliſ farber. do Fabt. tlilt ergrund ur duh te ia ung niietn * 4 pen d el 1) ung Iffeem 8 eähn fordelit ven, n , hellon 1 htc-.. dern uh Duun “ “ Bodenkarten. 197 Die Bezeichnung der einzelnen Bodenklaſſen geſchieht durch Einſchreiben von Buchſtaben in ſchwarzer Schrift. Wir empfehlen hierfür folgende Abkürzungen der wiſſenſchaftlichen Benennungen.(Dieſe, aus der lateiniſchen Sprache entlehnt, werden dort, wo die Landesſprache romaniſch, italieniſch oder franzöſiſch iſt, ohne weiteres verſtändlich ſein, und ihre Einführung wird auch im deutſchen Sprachgebiet nicht auf große Schwierigkeiten ſtoßen, weil in den deutſchen Schulen neben der Mutterſprache Lateiniſch und Franzöſiſch gelehrt und gelernt wird. Üüberdies muß ja jeder Karte eine Erklärung der Zeichen und Abkürzungen beigegeben werden.) P= petra, Stein. H= humus, Humus. p= petraeus, ſteinig. h= humosus, humos. R= rudus, zerbröck. Geſtein, Grus. V= vulgaris, gemein. rI= rudectus, grusartig. e= errans, loſe, wandernd,(sa- G= glarea, Kies.— bulo errans, Flugſand). g= ö glareosus, kiesartig. t= tenax, ſchwer, ſtreng, zähe, G.= grando, Grand. anklebend. 3 g.= grandinosus, grandig. o= opimus, reich, fett. S= sabulo, Sand. d= dulcis, mild. s= sabulosus, ſandig. ae= acidus, ſauer. L= limus, Lehm. u-f= uvido-frigidus, naßkalt. 1= limosus, lehmig. fe= ferrugineus, eiſenſchüſſig. L.= loessa, Löß. ag= agrestis, Acker⸗;(humus 1= loesseus, lößartig. agrestis, Ackerhumus). La= lutum, Letten. grm= graminosus, Gras⸗;(humus 1.— lutosus, lettig. graminosa. Grashumus). A= arxgilla, Ton. n= nemoralis, Wald⸗;(humus a= argillosus, tonig. nemoralis, Waldhumus). M= mäarga, Mergel. ey= oyperosus, Ried⸗;(humus m= margillosus, mergelig.— cyperosa, Riedhumus). C= calx, Kalk. sph= sphagnosus, Moos⸗;(humus e= calcarius, kalkig. sphagnosa, Mooshumus). Gi= gips, Gips. call= callunosus, Heide⸗;(humus gi= gipsigenus, aus Gips ent⸗ callunosa, Heidehumus). ſtanden;(terra gipsigena, Gipsboden). Es iſt ein glücklicher Umſtand, daß die Wörter für die Haupt⸗ gruppen der Bodenarten in der lateiniſchen Sprache ſämtlich mit verſchiedenen Buchſtaben anfangen, ſo daß zur Abkürzung der An⸗ 198 5 Bodenkarten. fangsbuchſtabe ausreicht. Dasſelbe gilt für die Bodenklaſſen, die in der Meohrzahl der Fälle mit Beiwörtern bezeichnet werden, die von 3 jenen Hauptwörtern abſtammen. Auch bei den ſonſtigen Beiwörtern iſt es meiſt möglich, ſolche mit verſchiedenen Anfangsbuchſtaben zu wählen. Es bleibt alſo nur eine kleine Zahl von Beiwörtern übrig, bei denen die Abkürzung mehr als einen Buchſtaben erfordert, und in den wenigen Fällen, wo dies nötig iſt, werden die ſprachlich zu⸗ ſammengehörenden Buchſtaben näher aneinandergerückt und überdies durch Unterſtreichen kenntlich gemacht. Man könnte nun bei dem Einſchreiben der Buchſtaben für die Bodenklaſſen den Buchſtaben für die Hauptgruppe ganz fort⸗ laſſen, weil dieſe bereits durch ein beſtimmtes Farbenzeichen auf der Karte unterſchieden iſt, ſo daß z. B. durch ein 1 auf hell⸗ gelben Grunde Sabulo limosa oder lehmiger Sand bezeichnet würde; trotz der hierdurch bedingten Vereinfachung ziehen wir es, um Irr⸗ tümer zu vermeiden, vor, den Buchſtaben für die Hauptgruppe mit hinzuzufügen. Das Zeichen für lehmigen Sand iſt alſo 81, für humoſen Lehm L. h, für reichen humoſen Ton A ho, für gemeinen Lehmmergel MIv, für naßkalten Sand Suff, für eiſenſchüſſigen Ton A fe, für Riedhumus Hey, uff. In dem Anhang haben wir eine Üüberſicht der Bodenarten(Genera et species terrarum) gegeben und bei jeder Klaſſe die für die Kartierung beſtimmte Abkürzung beigefügt. Es iſt ein weſentlicher Vorzug der von uns empfohlenen Benennungen, daß das Hauptwort in der lateiniſchen Sprache vor⸗ anſteht, und da das Hauptwort überdies durch einen großen Buch⸗ ſtaben unterſchieden und hervorgehoben iſt, ſo ſind Verwechſlungen ausgeſchloſſen. Anlangend nun die Profile, die ein unentbehrlicher Beſtand⸗ teil einer Bodenkarte ſind, ſo finden ſie zweckmäßig ihren Platz am Fuße und nötigenfalls auch am Rande zu beiden Seiten der Karte, während in der Karte ſelbſt nur die betreffende Nummer mit einer arabiſchen Ziffer eingeſchrieben wird, und zwar an der Stelle, wo das Profil wirklich aufgenommen worden iſt. Da die arabiſchen Ziffern noch zu anderweitigen Bezeichnungen dienen, ſo empfiehlt es ſich, die Profilnummern im Innern der Karte mit einer viereckigen Linie zu umgeben, was zuglich den Vorteil gewährt, daß die Stellen der Profile und Probegruben beſſer hervortreten. Als Maßſtab für die Höhen wird bei den Bodenprofilen 1:100 ———— g fer⸗ mn a) j l. wbe m I. phemh emena iſſte 3 hen ſkt. gegen lürzuag fohlna hemn m3uh ſunn dein. lazʒzm rKate,. it ent le, w abiſſna ſits ereciſa 4 Stelle 1,10 Bodenkarten. 199 genügen. Die Breite des Profils, das wir als ein verkleinertes Bild der Wand einer Probegrube betrachten können, braucht in der Zeichnung nicht mehr, als 4 mm zu betragen. Die Bodenarten der einzelnen Schichten werden ſelbſtredend auch bei den Profilen mit den betreffenden Farbentönen gezeichnet; außerdem werden die Benennungen der Bodenarten oder Klaſſen mit den angegebenen Abkürzungen rechts neben das Profil geſchrieben. Den Stand des Grundwaſſers anzudeuten, iſt nicht ratſam, weil er wechſelt und ſich durch die Melioration der Entwäſſerung verändert. Um neben den agronomiſchen auch den geologiſchen An⸗ forderungen ſoweit als möglich und nötig Rechnung zu tragen, kann der Name des Grundgeſteins(ohne ſymboliſche Abkürzung) unter den Fuß des Bodenprofils geſetzt werden; und zwar wird der Name in dem Falle ſchwarz unterſtrichen, wenn das Grundgeſtein unzweifelhaft das Muttergeſtein des auflagernden Bodens, dieſer alſo durch Verwitteruug aus jenem entſtanden iſt; im anderen Faalle bleibt der Strich fort.— Wenn das Grundgeſtein ſo tief ſteht, daß es durch die Probegruben oder Bohrlöcher nicht erreicht wird, dann wird der Name ganz fortgelaſſen, oder er wird durch einige Punkte in der Verlängerung der Profilgrenzen von dem Bodenprofil getrennt und mit einem Fragezeichen verſehen. Dieſe theoretiſche Ergänzung des Profils iſt jedoch nur dann zuläſſig und von Wert, wenn das betreffende Gebiet geologiſch genau durchforſcht iſt. Denn in der Karte ſollen grundſätzlich nur die tatſächlichen Verhältniſſe zur Darſtellung gelangen.. Der Vollſtändigkeit wegen ſei ſchließlich noch bemerkt, daß jede Karte mit einer ausführlichen Zeichenerklärung verſehen ſein muß, damit ſie auch ohne den erläuternden, in einem beſonderen Büchlein beigegebenen Terxt verſtändlich iſt. An der Hand von Tafel 1 wird man ſich eine Vorſtellung davon machen können, wie eine derartige Flur⸗ und Bodenkarte ausſieht. Bei dem vorgeſchriebenen Format und dem feſtſtehenden Preis der Thaerbibliothekbände mußten wir leider einen ſehr kleinen Maßſtab und ein ſehr einfaches Beiſpiel wählen. Der Maßſtab iſt 1: 10 000, anſtatt daß er wenigſtens 1:2500 ſein ſollte. Hätten wir das Kärtchen viermal ſo groß darſtellen können, ſo wäre alles in richtigerem Verhältnis herausgekommen. Jetzt ſind z. B. die kleinen Vierecke im Innern der Karte, die die Stellen der Probe⸗ 200 Bodenkarten. gruben 1, 2 und 3 bezeichnen, breiter als die Feldwege, ja, ſie ſind ſogar ſo breit wie die ſchmalſten Landparzellen. Trotzdem wird das Kärtchen ſeinen Zweck erfüllen. Von der Bedeutung der Horizontalkurven und der Lage der Wege und Gräben iſt ſchon Seite 56—59 die Rede geweſen. Der Boden iſt in der ganzen Fläche Riedhumus, Humus cyperosa, Hey. Seine Mächtigkeit iſt aus den Bodenprofilen zu entnehmen, die in dem Maßſtab 1: 100 dargeſtellt ſind. Greifen wir z. B. bei Profil 2 das Maß von Uey mit dem Zirkel ab und halten den Zirkel auf einen gewöhnlichen Millimetermaßſtab, ſo ergibt ſich die Mächtigkeit von nicht ganz 1,30 m uſw. Unter dem Riedhumus lagert überall Seekreide, d. h. Kalk, Calx, C und unter dem Kalk folgt eiſenſchüſſiger Ton, Argilla ferruginea, A fe. Man wird ſich, wie ich hoffe, durch die Betrachtung des Kärtchens überzeugen, daß die Bezeichnung der Bodenarten mit den Anfangs⸗ buchſtaben der lateiniſchen Benennungen ebenſo einfach wie ver⸗ ſtändlich iſt. Damit haben wir unſere Anſichten und Grundſätze in betreff der Technik der Bodenkartierung dargelegt, und es erübrigt nur noch, einige Andeutungen darüber zu machen, ob und wie die Auf⸗ nahme von Bodenkarten in der Schweiz praktiſch durchgeführt werden kann. Wegen der Mannigfaltigkeit der Terraingeſtaltung und der Beſitzverhältniſſe wird dieſes Beiſpiel auch für andere Länder von Intereſſe ſein. Da iſt denn zunächſt hervorzuheben, daß die Herſtellung einer Bodenkarte, die die ganze Schweiz umfaßt, kaum in Frage kommen wird, weil der pedologiſchen Bearbeitung des eigentlichen Gebirgs⸗ landes zu große Schwierigkeiten entgegenſtehen. Überdies hat eine Bodenkarte der Hochgebirge und der Alpen nur eine untergeordnete praktiſche Bedeutung, weil das betreffende Land, ſofern es überhaupt benutzbar iſt, in der Hauptſache nur der Wald⸗ und Weidenutzung dient. Wir ſchließen alſo das eigentliche Gebirgsland aus und beſchränken die Aufgabe auf die flacher und tiefer gelegenen, dem Verkehr und der Kultur leichter zugänglichen Gebiete. Zu dieſen rechnen wir, abgeſehen von anderen kleinen Bezirken, namentlich die breiten Täler der Rhone und des Rheins, vor allem aber das große ſchweizeriſche Flachland, d. h. das Hochplateau zwiſchen Jura und Alpen, Bodenſee und Genferſee. “— einer nmen irgs⸗ eine dnete hauyt tzung ud dem dieſen h dis das Jur “ Bodenkarten. 201 In dieſem Teile der Schweiz, deſſen Begrenzung wir ab⸗ ſichtlich nur ganz im allgemeinen angeben, halten wir die Aufnahme von Bodenkarten für lohnend und durchführbar. Der Weg, auf dem man vorzugehen hat, um langſam aber ſicher zum Ziele zu gelangen, ſcheint uns der zu ſein, daß man die Angelegenheit in finanzieller Beziehung den Privaten und den Gemeinden überläßt und die Mitwirkung von ſeiten des Bundes und der Kantone auf die Anſtellung von Technikern und auf die Erteilung von Prämien beſchränkt. Nichts fördert eine gute Sache mehr als Vertrauen auf die eigene Kraft. Zur Zeit iſt das Ver⸗ trauen freilich nicht groß; aber nach den mageren Jahren kommen auch wieder fette. Demgemäß ſtellen wir zunächſt ab auf die Aufnahme von Spezial⸗ oder Gemeinde⸗Bodenkarten, wobei wir die Benutzung der vorhandenen Güter⸗, Flur⸗ und Kataſterkarten ſowie der topo⸗ graphiſchen und der geologiſchen Karten vorausſetzen. Ob und in⸗ wieweit es möglich ſein wird, dieſe Spezial⸗ oder Gemeinde⸗Boden⸗ karten zu Überſichts⸗(Bezirks⸗ und Kantons⸗)Bodenkarten zuſammen⸗ zufaſſen, läßt ſich erſt dann mit Sicherheit überblicken, wenn eine größere Zahl von Spezial⸗ oder Gemeindekarten fertig vorliegt. Es mag indeſſen ſchon jetzt darauf hingewieſen werden, daß die Herſtellung von Überſichts⸗Bodenkarten zwar ſehr wünſchenswert, aber inſofern fraglich iſt, als der für ſie erforderliche kleine Maß⸗ ſtab vorausſichtlich nicht überall ausreicht, um den Wechſel und die Mannigfaltigkeit der Bodenarten zur Anſchauung zu bringen. Man wird auch hier lokaliſieren müſſen und, je nachdem die Boden⸗ verhältniſſe einfach, oder verwickelt ſind, ſich für, oder gegen die Herſtellung von Überſichts⸗Bodenkarten entſcheiden. In erſter Linie ſind jedenfalls die Spezial⸗ oder Gemeinde⸗Bodenkarten in Angriff zu nehmen. Jetzt fragt ſich nur noch, wer den techniſchen Teil der Arbeit übernehmen ſoll. Die Antwort hierauf ergibt ſich aus der Natur der Sache von ſelbſt. Die Aufnahme von Bodenkarten erfordert: 1. Fertigkeit im Beſtimmen der Bodenarten, 2. Fertigkeit im Zeichnen. Sind beide Fertigkeiten in einer Perſon vereinigt, ſo ſteht nichts im Wege, ihr die ganze Arbeit zu übertragen oder zu über⸗ laſſen. Es hat ſogar ſeine weſentlichen Vorteile, wenn der, der Bodenkarten. den Boden unterſucht, auch die Reſultate der Unterſuchung in die Karte einzeichnet. Der Fachmann, bei dem wir die Fähigkeit hierzu erwarten dürfen, iſt der Kulturingenieur; aber ſeine theoretiſche und praktiſche Ausbildung darf ſich nicht auf die Ingenieurwiſſenſchaften im engeren Sinne des Wortes beſchränken, ſondern ſie muß ſich namentlich auch auf Geologie, Boden⸗ und Pflanzenkunde und all⸗ gemeine Landbauwiſſenſchaft erſtrecken. Die Gelegenheit zur Aus⸗ bildung von Kulturingenieuren iſt nun an der eidgenöſſiſchen tech⸗ niſchen Hochſchule in vollem Umfange gegeben, wenn neben den Vorleſungen und Übungen der Ingenieurſchule auch der Unterricht der landwirtſchaftlichen Schule benutzt wird. Außer den Kultur⸗ . ingenieueren, deren Berufsbildung Fertigkeit im Kartenzeichnen ſowie im Beſtimmen der Bodenarten verlangt, wird es immer auch einzelne Land⸗ und Forſtwirte, Geologen und andere Naturforſcher geben, die die Arbeit der Bodenkartierung ſelbſtändig zu übernehmen im⸗ ſtande ſind. Insbeſondere gilt dies von den Forſtwirten, die zugleich Geometer ſind, vorausgeſetzt, daß ſie auch in den landwirtſchaftlichen Dingen die erforderliche Kenntnis und Erfahrung beſitzen. Indeſſen läßt ſich die Arbeit auch teilen in der Weiſe, daß die Bodenunterſuchung den Land⸗ und Forſtwirten, Geologen u. a., das Kartenzeichnen dagegen den Geometern, Ingenieuren, Architekten u. a. überlaſſen oder übertragen wird. Auf dieſem Wege gelangen wir vorausſichtlich ſchneller zum Ziel, denn die Arbeitsteilung gewährt hier, wie in anderen Fällen den Vorteil, daß die Arbeit auf vielen Punkten(auf verſchiedenen Gütern, in verſchiedenen Gemeindefluren) gleichzeitig in Angriff genommen, alſo im ganzen mehr geförder werden kann. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß der Landwirt, der die nötge Gewandtheit im Beſtimmen, d. h. im Erkennen und Benennen der Bodenarten beſitzt, auf ſeinem eigenen Gute die Bodenunterſuchug ſelbſt vornehmen wird. Er bezeichnet dann einfach auf ſeiner Guts⸗ karte die Stellen der Probegruben und die Grenzen der Bodenarten, ſtizziert den Befund der Probegruben in dem Notizbuch und über⸗ gibt das geſammelte Material einem Geometer, der nötigenfalls noch die Höhenkurven aufnimmt und als geübter Zeichner die Gutskarte zu einer Bodenkarte vervollſtändigt. b Bei ſehr zerſtückeltem Beſitz wird es ſich in der Regel empfehlen, gemeindeweiſe oder genoſſenſchaftlich vorzugehen in dem Sinne, daß in de en da terit Kulm. nſout: enzele gebern, n.. ulch ftlie dja 1, 11 mmu en wi⸗ frielen efluren eförden nötige nen e ſuchug rGu enarte. 8 d über⸗ ls Wh utäkut pfehle 3 hieun hew ofnun t ſo ndäl. rA. en t. gewähft Bodenkarten. 203 alle oder mehrere Mitglieder ein und derſelben, oder zweier be⸗ nachbarten Gemeinden ſich zuſammentun, um von ihrem Areal auſ gemeinſchaftliche Koſten eine Bodenkarte anfertigen zu laſſen. Bei gut arrondierten Gütern, wenn ſie auch nur eine Fläche von 3 bis 5 ha umfaſſen, kann jeder Beſitzer auf eigene Fauſt verfügen und handeln. Dies hat viel für ſich, denn es hält bekanntlich immer ſchwer, viele Köpfe unter einen Hut zu bringen. Der Hauptwert der Bodenkartierung beſteht darin, daß ſie uns veranlaßt, den Grund und Boden genau zu unterſuchen, und da dieſe Unterſuchung ohnehin ſtattfinden muß, um das Land richtig zu beurteilen, angemeſſen zu behandeln und vollkommen auszunutzen, ſo dürfen wir dem Konto der Bodenkartierung nur den kleinen Be⸗ trag für die Arbeit des Zeichnens„Zur Laſt“, müſſen ihm dagegen den großen und ſchwerwiegenden Betrag für die Arbeit der Boden⸗ unterſuchung„Gut“ ſchreiben. Mit anderen Worten, die Boden⸗ kartierung iſt nicht umſonſt, aber ſie rentiert ſich; denn ſie iſt ein ſehr wirkſames Mittel, die Kenntnis des Bodens zu verbreiten, und ddie Kenntnis des Grund und Bodens iſt das Fundament der Landwirtſchaft. 4 5 Anhang. Willenſchaftliche Benennung der Bodenarten. Im Jahre 1885 habe ich hier zum erſten Male den Verſuch gemacht, in die Bodenkunde wiſſenſchaftliche, aus der lateiniſchen Sprache entlehnte Benennungen für die Bodenarten einzuführen, wie das in der Botanik und Zoologie bei der Benennung der Pflanzen⸗ und Tierarten längſt geſchehen iſt. Nur auf dieſem Wege ſcheint es mir möglich, die Unbeſtimmtheit und Verwirrung, die in der Benennung der Bodenarten beſteht, nach und nach zu beſeitigen und die ſpezielle Bodenkunde als Wiſſenſchaft mehr und mehr zum Gemeingut der Kulturvölker zu machen. Es freut mich, von meinem Kollegen, Herrn Prof. Dr. Früh, zu vernehmen, daß in der zweiten agrogeologiſchen Konferenz in Stockholm derſelbe Gegenſtand zur Sprache kam, ohne jedoch zu praktiſch brauchbaren Beſchlüſſen zu führen. Ich laſſe dahingeſtellt, ob es mir gelungen iſt, überall den betreffenden Ausdruck zu wählen und da, wo neue Wörter zu bilden waren, ſie überall ſo zu bilden, daß das Denken und das Sprach⸗ gefühl befriedigt wird; doch kann ich nicht umhin, zu bemerken, daß die Gruppierung und Einteilung der Bodenarten in mehrfacher Be⸗ ziehung eine Änderung erfuhr, als ich mich in die Notwendigkeit verſetzt ſah, lateiniſche Benennungen für die Bodenarten zu finden, und ich darf behaupten, daß die agronomiſche Klaſſifikation der Bodenarten durch die Einführung der wiſſenſchaftlichen Sprache er⸗ heblich gewonnen hat. Indem ich auf das in dem Abſchnitt„Bodenkarten“ S. 193 u. f. Geſagte ſowie auf die S. 161 u. f. gegebene Einteilung und Be⸗ ſchreibung der Bodenarten verweiſe, laſſe ich nun die wiſſenſchaft⸗ liche Klaſſifikation der Bodenarten folgen. Bei jeder Klaſſe iſt die Abkürzung beigeſetzt, die zunächſt für die Bodenkartierung be⸗ ſtimmt iſt, die aber ſelbſtredend auch ſonſt benutzt werden kann, z. B. bei der Bonitierung des Bodens, bei der Gütertaxation, bei der landwirtſchaftlichen Buchführung, bei der Etikettierung einer Bodenſammlung uſw. uſw. “ 1 Wiſſenſchaftliche Benennung der Bodenarten. 205 Genera et species terrarum. Gattungen und Arten der Böden. Tabula generum. Üüberſicht der Gattungen. Substantiae propriae Charakt Beſtandteile) 1 Petra Sabulo Argilla Calx Humus Numerus et nomen Stein Sand Ton Kalk Humus 7 Zahl und Benennung.«,%% 97 Minimum Minimum Mimmum Minimum Minimum (circa)(circa)(circa)(circa)(circa) 1. Terrae petraeae 80-———— Steinbodenarten 2. Terrae sabulosae— 80——— Sandbodenarten 3. Terrae limosae— 50 20—— Lehmbodenarten 4. Terrae argillosae—— 50—— Tonbodenarten 5. Terrae margillosae—— 20 5— Mergelbodenarten 6. Terrae calcariae——— 50— Kalkbodenarten 7. Terrae humosae——- 20 Humusbodenarten Tabula specierum. überſicht der Arten oder Klaſſen. I. Terrae petraeae. Steinbodenarten. A. Terrae rudectae. Grusböden. Abbreviatura Abkürzung 1. Terra rudecta humosa.......... Rh 8 Humoſer Grusboden. Terra rudecta limosa aut margillosa. Lehmiger oder mergeliger Grusboden. Terra rudecta pura]. Reiner Grusboden. B. Terrae glareosae. Kiesböden. Terra glareosa limosa aut margillosa.. Lehmiger oder mergeliger Kiesboden. Terra glareosa pura.......... Reiner Kiesboden. Terra grandinosa Grandboden. II. Terrae sabulosae. Sandbodenarten. Terra sabulosa humosa dulcis j. Milder humoſer Sandboden. Terra sabulosa margillosa.... Mergeliger Sandboden. Terra sabulosa limosa... Lehmiger Sandboden. Terra sabulosa vulgaris... Gemeiner Sandboden. Terra sabulosa uvido-frigida(saepe ferruginea) Naßkalter Sandboden(oft ei ſen chiſ ig. Terra sabulosa errans Loſer Sandboden. III. Terrae limosae. Lehmbodenarten. Terra limosa humosa dulcis. Milder humoſer Lehmboden. Terra limosa loessea..... Lößartiger Lehmboden. Terra limosa vulgaris Gemeiner Lehmboden. Terra limosa tenax... Schwerer Lehmboden. Abbreviatura Abkürzung RI; Rm R 61; Gm Su-f(fe) Se ⁴◻ Abkürzung Terra limosa uvido-frigida(saepe ferruginea).... Lu-f(fe) Naßkalter Lehmboden l(oft eiſenſchüſſig) Terra limosa sabulosa, grandinosa, petraea..... Ls; Lg.; Lp Sandiger, grandiger, ſteiniger Lehmboden. IV. Terrae argillosae. Tonbodenarten.“ Terra argillosa humosa opima......... Aho Reicher humoſer Tonboden. Terra argillosa calcaria.......... Ae Kalkhaltiger Tonboden. Terra argillosa vulgaris...... Av Gemeiner Tonboden. Terra argillosa tenacissima.......... At Mergelbodenarten. Terra margillosa argillosa humosa....... Makh Humoſer Tonmergelboden. Terra margillosa argillosa vulgaris........ Mav Gemeiner Tonmergelboden. Terza margillosa limosa humosa........ MIh Humoſer Lehmmergelboden.. Terra margillosa limosa loessea........ MII Lößartiger Lehmmergelboden. Terra margillosa limosa vulgaris........ MIV Terra calcaria humosa............ Ch Wiſſenſchaftliche Benennung der Bodenarten. Abbreviatura Strenger Tonboden. Terra argillosa uvido-frigida, lutosa der neuren.. Au-f; 1,;(fe) Naßkalter Tonboden, Lettenboden loft eiſen uſig, Terra argillosa pura.......... 4A Reiner Tonboden. V. Terrae margillosae.“ Gemeiner Lehmmergelboden. Terra margillosa sabulosa, grandinosa, petraea... Ms; Mg.; Mp Sandiger, grandiger, ſteiniger Mergelboden. 1 VI. Terrae calcariae. Kalkbodenarten. Humoſer Kalkboden. 7 208 Wiſſenſchaftliche Benennung der Bodenarten. Abbreviatura —. Abkürzung 2. Torra calcaria argillosa.......... Ca Toniger Kalkboden. 3. Terra calcaria limosa............ C1 Lehmiger Kalkboden. 4. Terra calcaria sabulosa, grandinosa....... Cs; Cg. Sandiger, grandiger Sandboden. 5. Terra calcaria petraoa............ Cp Steiniger Kalkboden. 6. Terra calcaria et cretosa pura......... C Reiner Kalk⸗ und Kreideboden. Appendix. Anhang. Terra gipsigena..... Gi Gipsboden. VII. Terrae humosae. Humusbodenarten. 1.[Terra humosa agrestis et hortensis].......[Hag] [Acker⸗ und Gartenhumus.] 2. Terra humosa graminosa........... Hgrm Gras⸗Humusboden. 3. Terra humosa nemoralis............ Hn Wald⸗Humusboden. 4. Terra humosa cyperosa........... Hey Ried⸗Humusboden. 5. Terra humosa sphagnosa........... Hsph Moos⸗Humusboden. 6. Derra humosa callunosa........... Heall Heide⸗Humusboden. * Druck von Hermann Beyer& Söhne(Beyer& Mann) in Langenſalza. 420 416 h. Nowacki, Bodenkunde. 6. Aufl. Tafel I. Flur- und Bodenkarte Boden- mit Horizontalcurven. Ppofile. 1: 10000. 1:100. Horizontalcarren mit, 1 dequidistanz. Weode Graben/ Pro begruben Wlesland Hæy= Haurnbds perosa,= Riednuns C= Gaer= Kalr An= Argilla ferruginea, eisens ussiger Ton/ Verlag von Paul Parey in Berlin Verlag! Lal Mit 12 4 Das! gibt— auf blickliche, im landwi — b pop. Achtze Wem 5 auf Grund behandelt O—́Ö3ö Lc auf y weil Profe Nit Sthwe Anklang u übendeén, funden hal schaftlicher Es ent an ein moc K ⅛ Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10 u. 11. Iliustriertees Landwirtschafts-Lexikon. — Vierte, neubearbeitete Auflage. Mit 1250 Textabbildungen. In Halbleder geb. Preis 23 M. Auch in 20 Lieferungen zu 1 M. zu beziehen. Das Landwirtschafts-Lexikon enthält Tausende einzelner Artikel und gibt— aufgeschlagen an der betreffenden Stelle des Alphabets— eine augen- blickliche, klare und bündige Antwort auf alle Fragen, wie sie sich täglich im landwirtschaftlichen Betriebe aufwerfen. olio:: populäres Handbuch der Landwirtschaft. Gekrönte Preisschrift. Achtzehnte, neubearbeitete und vermehrte Auflage. Mit 641 Textabbildungen und 18 Farbendrucktafeln. Gebunden, Hreis 7 M. Wem es um ein Handbuch zu tun ist, das alle Zweige der Landwirtschaft auf Grund der neuesten Erfahrungen in besonders verständlicher Schreibweise behandelt, dem darf das bewährte Werk von Schlipf unbedingt empfohlen werden. Lehrbuch der Landwirtschaft auf wissenschaſtlicher und praktischer Grundlage. Von Dr. Guido Krafft, weil. Professor der Landwirtschaft an der k. k. technischen Hochschule in Wiea. Mit 1009 Textabbildungen und 33 Farbendrucktafeln. Vvier Sãnde.— Gebunden, Preis 22 G. 8 Daraus einzeln: 1. Aokerbaulehre. Zehnte Aufl,] III. Tlerzuchtlehre. Neunte Aufl. vollständig neu bearbeitet von Prot. neubearbeitet von Prof. Dr. Falke, Dr. C. Fruwirth in Wien. Mit 356 Text- Leipzig. Mit 339 Textabbildungen abbildungen, 3 farbigen und 2 schwar- und 13 Tafeln mit 57 farbigen Rasse- zen Tafeln. Gebunden, Preis 5 M. 50 Pf. bildern. Gebunden, Preis 5 M. 50 Pf. lI. Pflanzenbaulehre, Neunte IV. Betrlebslehre, Neunte Aufl. Aufl., neubearbeitet v. Professor Dr. neubearbeitet von Dr. Fr. Falke, Pro- C. Fruwirth. Mit 275 Textabbild. und fessor an der Universität Leivzig. 12 Tafeln. Gebunden, Preis 5 M. 50 Pf. AMiit 39 Textabbildungen und 3 Tafeln. — Gebunden, Preis 5 M. 50 Pf. Schwerlich dürfte ein anderes landwirtschaftliches Lehrbuch gleichen Anklang und gleiche Verbreitung in den Kreisen der lernenden wie aus- übenden, der akademisch wie nichtakademisch vorgebildeten Landwirte ge- funden haben wie Guido Kraffts„Lehrbuch der Landwirtschaft auf wissen- schaftlicher und praktischer Grundlage“. Es entspricht auch wieder in seinen neuesten Auflagen allen Anforderungen an ein modernes Handbuch der gesamten Landwirtschaft. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10 u. 11. Landwirtschaftliche Unterrichtsbücher. M Ackerbau einschl. Geräte- und Maschinenwesen v. Dir. Dr. Droysen u. Pro Dr. Gisevius. Achte Aufl. Mit 195 Textabb. Geb., Preis 1 M. 80 P Leitfaden der Ackerbaulehne von Professor Dr. H. Biedenkopf in Gross-Umstadt. Vierte Auflage. Mit 74 Textabb. u. 8 Tafeln. Geb., Preis 2 M Leltfaden f. elnfache landw. Untersuchungen., Von Prof. Dr. H. Biede kopf in Gross-Umstadt. Zweite Aufl. Mit 38 Pextabb. Geb., Preis 1 M. 20 P Grundzüge der Agrikulturchemie. Bearbeitet von Dr. R. Otto in Proskau. Zweite Auflage. Mit 42 Textabbildungen. Geb., Preis 3 M. 50 Pf. Bodenkunde. Von Dr. W. Lilienthal, Winterschul-Direktor in Genthin. Zweit Auflage. Mit 13 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 20 E Bodenkunde von Direktor A. Wirtz in Odenkirchen. Preis 50 P Mineralogte und Gosteinslehre v. V. Uhrmann, Direktor d. landw. Schul in Annaberg im Erzgeb. Dritte Auflage. Mit 26 Texabbild. Geb., Preis 1 M. 20 P Mineralogie und Gesteinslehre v. Dr. P. T eicke, Oberlenrer an der Landwirtschaftsschule in Salzwedel. Mit 23 Textabb. Geb., Preis 1 M. Pflanzenbau von Dir. Dr. Birnbaum. Achte Auflage, bearbeitet von Prof. Dr. Gisevius in Giessen. Mit 207 Textabb. u. 5 farbigen Tafeln. Geb. Preis 1 M. 80 Pf. Grundzüge der Pflanzenvermehrung von Max Löbner, Garteninspektor in Dresden. Zweite Auflage. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Wiesenbau von H. Kutscher, Lehrer in Hohenwestedt. Dritte Auflage. Mit 87 Textabbildungen. 4 1 Geb., Preis 1 M. 40 Pf. Lehrbuch der Botanlk. Von Prof. Dr. G. Meyer. Dritte Auflage. Mit 296 Textabbildungen.(Geoeb. Preis 2 Leltfaden der Botanlk für landw. Winterschulen und Landwirte. Von Pro Dr. G. Meyer. Dritte Auflage. Mit 246 Textabb. Geb., Preis 1 M. 70 P Botantk von Direktor F. Gaul, Hiildburghausen. Mit 122 Textabbildungen. Zweite Auflage. Geb., Preis 1 M. 30 Pf. Botanik von Dr. Wölfer, Dargun. Mit 192 Textabbildg. Geb. 2 M. 50 Pf. Lehrbuch der Botanlk von Dr. P. Teicke. 2. Aufl. Mit 98 Textabb. Geb., Preis2 M. Pflanzliohe und tlerlsche Schädinge der landw. Kulturpflanzen, Von W. Tillmanni. Ascheberg i. W. Zweite Aufl. Mit 50 Textabb. Geb. Preis 1 M. 20 P Bakterlenkunde von Direktor P. Gordan und Tierarzt C. Bahr. Mit 23 Text- abbildungen.. Geb. Preis 1 M. Leltfaden der Zoologle für niedere landw. Schulen. Von R Hillmann und A. Wolschner. Zweite Auflage. Mit 134 Textabbild. Geb., Preis 1 M. 40 Pf. Lehrbuch der Tlerzucht. Von Dr. H. Bie denkopf, Professor in Gross-Umstad- 7. Aufl. Mit 8 farbigen biolog. Rassebildern u. 127 Textabb. Geb., Preis 2 M. 80 Pf. Viehzucht von V. Patzig, Professor in Marienburg. Achte Auflage. Mit 138 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 80 Pf Tierzuchtlehre von Direktor A. Conradi in Hohenwestedt. Zweite Auflag Mit 1386 Textabbildungen.. Geb., Preis 1 M. 40 Bau undLeben der landw. Haussäugetiere, Von Dr. E. Laur. Seohs Aufl., bearb. von Dr. Käppeli. Mit 102 Textabb. u. 1 Tafel. Geb., Preis 1 M. 50 P Der Körper der landw. Haussäugetlere, Von Dr. J. Becker in Rostock Zweite Aufl. Mit 67 Textabb. Geb., Preis 1 M. 40 Pf, Fütterungslehrne. Von Dr. W. Kleberger, Giessen. Geb., Preis 1 M. 80 Pf. Milchwirtschaft von Direktor W. Tillmann in Ascheberg. Mit 64 Textab Geb., Preis 1 M. 30 P Landwirtschaftliche Betrlebslehre, bearbeitet von Professor Dr. R. Rot vorm. Direktor der landw. Schule in Chemnitz. Zehnte Aufl. Geb., Preis 1 M. 701 Landwlrtschaftilche Betrlebslehre von Dr. Luberg, Direktor des Seminars für Landwirte in Königsberg in Nm. Sechste Auflage. Geb., Preis 2 M 20 Pf. Grundzüge der Wirtschaftslehre von Ok.-Rat Dr. V. Funk. Sechste Aufas 8 Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Betrlebslehre von Dr. Wölfer, Landw. Lehrer in Dargun. Geb., Preis 2 M. 40 Pf. Betriebslenre von Direktor A. Conradi in Hohenwestedt. Fünfte Auflage. Geb., Preis 1 M. 30 Pf. Volksewlrischaftslehre von C. Petri in Hohenwestedt. Zweite Auflage. S. Geb., Preis 1 M. 50 Pf. Taxatlonslehnoe v. C. Petri in Hohenwestedt. Zweite Aufl. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Landwirtschaftsgeschlohte von Ok.-Rat Dr. V. Funk. Zweite Aufl. 8 Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Vaterländlsche Geschichte von P. Knak. Geb., Preis 1 M. 60 PFf. Bürgerkunde von Kreisschulinspektor H. Otto. Zweite Aufl. Geb., Preis 2 M Landwirtschaftspolitik von Ok.-Rat Dr. V. Funk. Gob., Preis 1 M. 60 Pfs — Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10 u. 11. Landwirtschaftliche Unterrichtsbücher. Landmanns Buchführung. Von Dr. H. Glausen, Direktor in Heide, Dritte Auflage. 3 Geb., Preis 1 M 70 Pf. Elnfache landwlrtschaftllche Buchführung von Winterschuldirektor. Dr. P. Habernoll in Krefeld. Zweite Auflage. Geb., Preis 1 M. 20 Pf.. Tabelien zur eilnfachen landw. Buchführung von Dr. P. Habernoll. Dritte Auflage. Selbstuerwaltungsämter, Von C. Petri, Hohenwestedt. Vierte Aufl. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. HGesetzeskunde., Von Dr. Kollath. Zweite Aufl, bearb. von C. Petri Geb., Preis 1 M. 30 Pf. Schriftwerkehr des Landwlrts, Von L. Lemke. Zweite Aufl., neu bearb. von C. Petri, Hohenwestedt. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Landw. Berechnungen. Von Prof. Dr. R. Roth, vorm. Dir. der landw. Schule in — Chemnitz. Vierte Auflage. deb. Preis 1 M. 60 Pf. Lösungen. Preis 50 Pf. Landw. Berechnungen. Von C. Petriin Hohenwestedt. Geb., Preis 2 M. 60 Bf. 8 Lösungen. Preis 1 M. 20 Pf. KRochenbuch für niedere u. mittl. landw Lehranstalten v. L. Lemke. Neubearb. won Ok.-Rat Dr. Ehlert, Gumbinnen. I. Teil. Unterklassen. Fünfte Aufl. Geb., reis 1 M. 80 Pf. II. Teil. Mittel- u. Oberklassen. Dritte Aufl. Mit 112 Textabb. Geb., Jreis 2 M. 20 Pf. Lösungen I. Teil Preis 1 M., II. Teil Preis 1 M. Rechenbuoch für Ackerbauschulen, landw. Winterschulen und ländl. Fortbildungs- Sschulen von P. Knak, Lehrer in Wittstock Achte Auflage. Geb., Preis 1 M. 40 Pf. Lösungen. Preis 1 M. raktlsches Rechen- und Hachschlagebuch. Von Dr. I. P. Zanen in Ettelbrück. Mit 131 Textabbildungen. 3 Geb., Preis 1 M. 60 Pf. techenbuch für mittlere und niedere landw. Lehnanstalten von Hl. Kutscher und C. Petri, Lehrer in Hohenwestedt. I. Teil: Grund- und angewandte Rechnungsarten. Geb. 1 M. 20 Pf. Lösungen 50 Pf. II. Teil: Land- wirtschaftliche Berechnungen. Geb. 1 M. 50 Pf, Lösungen 60 Pf. 3 wometrle, Feldmessen u, Mivellleren von H. Kutscher, Lehrer in Hohenwestedt. Dritte Aufl. Mit 163 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 40 Pf. Hanimetrie und Stereometrie für Landwirtschaftsschulen von Prof. Chr. Nielsen u. Oberlehrer W. Langel. Mit 325 Textabb. Geb. 2 M. 50 Pf. Unaterricht im Feldmessen mit den einfachsten Messgeräten. Von Dr G. Wilsdorf. Vierte Auflage. Mit 20 Textabb. Geb., Preis 1 M. 50 Pf. Faldmess- und Niwellierkunde und das Dralnleren von Chr. Nielson Oberlehrer in Varel. Dritte Aufl. Mit 116 Textabb. u. 3 Tafeln. Geb., Preis? M. Physik von Dr. P. Habernoll, Dir. in Krefeld. Mit 78 Textabb. Geb., Preis 1 M. 80 Pf Physik v. Prof. M. Hollmann. Neunte Aufl. Mit 163 Textabb. Geb., Preis 1 M. 80 Pf. Leirbuch der Physik von Prof. Dr. Lautenschlàger, vorm. Oberlehrer in 8Samter. Dritte Auflage. Mit 398 Tertabb. u. 1 Tafel. Geb., Preis 4 M. Nechanlk, Wärmelehre und Witterungskunde von J. Bohn, Gym- nasiallehrer zu Trier. Mit 178 Textabbildungen. Geb,, Preis 1 M. 50 Pf tandw. Maschinenkunde von Ingenieur H. Schwarzer in Frankenhausen a. Kyfth. Mit 240 Textabbildungen. Geb., Preis 3 M. 60 Pf. Leltfaden für den Unterrloht In der Chemle von B. Marquardn. Direktor in Ragnit. Mit 25 Textabbildungen. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Dhemle von Oberlehrer O. Freybe zu Weilburg. I. Teil. Geb., Preis 1 M. 20 Pt, Lehrgang der Chemie für Land und Gartenbauschulen. Von Prof. Dr. Jo hnf. Leipaig. 3 Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Ehemie von Direktor P J. Murzel in Saarlouis. Dritte Aufl. Geb., Preis 1 M. 40 Ff, Chemie v. A. Maas in Witistock. Zweite Aufl. Mit 10 Textabb. Geb., Preis 1 M. 80 Pf. EChemis für Ackerbau- und landw. Winterschulen von W. Wellershaus, Winter- schuldirektor. Zweite Aufl. I. Teil: Anorganische Chemie. Geb., Preis 70 Pf. II. Teil: Organische Chemie. Geb., Preis 70 Pf. Meyern'’s Forstwirtschaft, Vierte Auflage, bearbeitet von Reg.- und Forst- rat Berlin in Arnsberg. Geb., Preis 1 M. 20 Pf. Forstwlrtschaft von W. Radtke, Forstassessor. Mit 22 Textabbildungen. .“ Geb, Preis 1 M. 40 Pf. Obst⸗ und Gemüsebau v. Otto Nattermüller. Fünfte Auflage, bearbeitet v. Dr. A. Bode, Gartenbaulehrer i. Chemnitz. Mit 76 Textabb. Geb., Preis 1 M. 80 Pf. Obstbau., Nebst Anhang: Die Kultur der wichtigsten Gemüsepflanzen. Von ErnstKümmerlen. Zweite Auflage. Mit 100 Textabb. Geb., Preis 1 M. 60 Pf. Deutsches Lesebuch für Ackerbauschulen, landw. Winterschulen u. ländl. Fort- bildungsschulen, von M. Hollmann u. P. Knak. Fünfte Aufl. Geb, Preis 2 M. Leohr- und Lesebuch für ländliche Fortbildungsschulen von K. Deissmann, H.Jung, Fr. Kolb, W. Scheid u R. Wobig. Sechste Auflage. Geb,, Preis 2 M. Preis 1 M. 20 Pf. —————— — — — 8* 6 9 9 L. eililii-ininninnmnimnnnehhmahma Oem 1 2 3 4 5 6 1 8 9 10 11 12 1