Lehrbuch der Landwirthſchaft, von H. W. Pabſt, Direckor der Königlich Preußiſchen ſtaats⸗ und landwirthſchaftlichen Akademie zu Eldena, Ritter des Großherzogl. Heſſiſchen Ludwigsordens, Mitglied mehrerer Geſellſchaften zur Beförderung der Landwirthſchaft und Induſtrie. Erſten Bandes zweite Abtheilung. Specielle Pflanzenproduktionslehre. —— Darmſtadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1839. Der landwirthſchaftliche Nflanzenbau, von H. W. Pabſt, Director der Königlich Preußiſchen ſtaats⸗ und landwirthſchaftlichen Akademie zu Eldena, Ritter des Großherzogl. Heſſiſchen Ludwigsordens, Mitglied mehrerer Geſellſchaften zur Beförderung der Landwirthſchaft und Induſtrie. ————y Darmſtadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1839. * Vorwort. Ich ſchätze mich glücklich, vor meinem Abgange von hier nach Eldena dieſe vierte und letzte Lieferung meines 1832 im Druck begonnenen Lehrbuches noch vollendet vor mir liegen zu ſehen, und damit ſo man⸗ chen ſeit längerer Zeit an mich ergangenen Mahnun— gen endlich ein Genüge leiſten zu können. Daß aber die Erſcheinung dieſer Abtheilung noch etwas über die, bei der Herausgabe der Abtheilung„Hausthier⸗ zucht“ feſtgeſetzte Friſt ſich verzögert hat, daran ſind zunächſt die ſehr vielen Anſprüche ſchuld, welche die Mitwirkung bei der Veranſtaltung und Leitung der Verſammlungen der deutſchen Landwirthe, und der Herausgabe der Berichte darüber, ſeit länger als zwei Jahren an meine ohnedieß für außeramtliche Arbeiten ſo ſpärlich zugemeſſene Zeit gemacht worden ſind, und hoffe ich darum abermals auf die Nachſicht der ver⸗ ehrlichen Beſitzer der voraus erſchienenen drei Abthei⸗ lungen rechnen zu dürfen. „Es war mein Beſtreben, den landwirthſchaftlichen Pflanzenbau kurz und bündig darzuſtellen, und doch zugleich bei jedem Gewächſe alle auf ſeine Production einflußreichen Momente möglichſt beſtimmt und genau zu bezeichnen, mit beſonderer Rückſicht auf die Wich⸗ tigkeit, welche den einzelnen Culturgegenſtänden in allgemeiner Beziehung beizulegen iſt. Ferner war es mein Bemühen, auch auf ſolche in neuerer Zeit erſt in Anregung gebrachte Gewächſe aufmerkſam zu ma⸗ chen, welche einer Beachtung und weiterer Verſuche werth zu ſein ſcheinen. Die vielen guten Schriften, welche wir aus früherer und ſpäterer Zeit über den Pflanzenbau beſitzen, und meine, ſeit einer längeren Reihe von Jahren in nicht wenig verſchiedenen Ge— genden gemachten Erfahrungen und aus anderen gu⸗ ten Quellen direct geſchöpften Reſultate ſollten mich in den Stand geſetzt haben, meine oben geſtellte Auf⸗ gabe nicht ganz zu verfehlen, und es bleibt mir nur zu wünſchen übrig, daß dem auch ſo ſein werde. Wenn es vielleicht auffallen ſollte, daß ich die Zahlenverhältniſſe(Ausſaat, Ertrag ꝛc.), gleichwie in der erſten Abtheilung dieſes Bandes, in der Regel in heſſiſchen, preußiſchen und würtembergiſchen Maa⸗ — NVI— ßen angedeutet habe, ſo bemerke ich, daß der Grund zu dieſer Arbeit ſchon in meinen, an dem Inſtitute zu Hohenheim für meine Vorträge ausgearbeiteten Heften gelegt war, wo ich es für möglich hielt, neben dem würtembergiſchen noch das preußiſche Maas mit anzugeben; an meinem ſpäter hier etablirten Inſtitute kam dann das heſſiſche Maaß noch hinzu. Aus dem einen oder andern dieſer Maaße wird es dem in an⸗ deren Ländern einheimiſchen Leſer nicht ſchwer werden, auf das ſeinige zu reduziren. Das einfache Verhal⸗ ten des heſſiſchen Maaßes zum franzöſiſchen habe ich im Vorworte zur erſten Abtheilung dieſes, ſowie zur zweiten Abtheilung des zweiten Bandes(Betriebslehre) näher angegeben. Ueberall wo ich von Centnern ſpreche, iſt darunter der heſſiſche gemeint, welcher 100 Pfund oder 50 Kilogramme hat. Als Längenmaas behielt ich den bekannten, rheinländiſchen zwölfzölli⸗ gen Fuß bei, wie ebenfalls im Vorworte zur erſten Abtheilung ſchon bemerkt iſt. Darmſtadt im Auguſt 1839. H. W. Pab ſt. —————— Inhalt. Seite. Pflanzenproductionslehre. Specieller Pflanzenbau. Einleitung......... 3 Erſter Abſchnitt Cultur der Futterpflanzen......... 5 Erſtes Capitel. Grasbau. A. Wieſenbau.......... 5 6 I. Beſchaffenheit der Wieſen im Allgemeinen.... 8 II. Kenntniß der Wieſenpflanzen......... 10 1. Gute Wieſenpflanzen....... 11 2. Geringe häufig vorkommende Wieſenpflanzen 13 3. Schlechte Wieſenpflanzen......... 14 III. Trockenlegung zu naſſer Wieſen.. 15 1. Ermittelung der Urſache....... 16 2. Ausmittelung des Gefälles und Entperiung des Plans 16 3. Anlegung der Gräben....... 17 4. Hauptabzugsgräben............ 19 5. Seitengräben....„...... 19 6. Auffangen der Quellen und bes Ourchſickungswaſſers 1419 7. Auffällken.............. 20 8. Anſchwemmen..„........ 21 9. Verſenken und Abzapfen des Waſſers... 21 10. Unterirdiſche Abführung......... 22 11. Sonſtige allgemeine Regeln... 22 WW. Die Bewäſſerung........... 23 1. Beſchaffenheit des Waſſers........ 23 2. Beſchaffenheit der Wieſe.. 7.. 25 3. Art der Bewäſſerungsanlage...26 a. Ucherrieſelung...........„ 26 2. Hangbau.......... 26 6. Rückenbau............. 36 P. Ueberſtauung....„..... 41 4. Verfahren beim Bewäſſern..... V. Düngung der Wieſen..... VI. Sonſtige Pflege der Wieſen.... 1. Reinigen....... 2. Vertilgung der Wieſenunkräuter.. 3. Verminderung ſchädlicher Thiere. VII. Verjüngung alter und Anlegung neuer Wieſen 1. Abtragen und Tieferlegen.... 2. Aufbruch alter Wieſen..... 3. Ueberdecken mit Gkund..... * . * * * * * 4. Verfahren bei dem Anlegen der Wieſen VIII. Erndte und Ertrag der Wieſen. 1. Erndte....... 2. Haupt⸗Ertrag....... 3. Nebennutzungen.... B. Cultur der Weiden........ 1. Bleibende natürliche Weiden... Trockenleguug.. Düngung und Bewäſſerung... Befriedigung.... Sonſtige Pflege....... 2. Künſtliche, wechſelnde Weiden.. * „ * * * . * * . . * * * * * . Vorbereitung des Landes und Verfahren bei der Beſaamung Auswahl der Saamen..... Pflege der Wechſelweiden.... 3. Benutzung und Ertrag der Weiden. Wahl der Viehart.. . * . . Beſetzung der Weide.. Dauer der künſtlichen Weiden... Benutzung zur Heuwerbung... Baumpflanzung auf den Weiden.. Weideertrag........ Zweites Kapitel. Kleebau............. I. Der rothe Klee........ 1. Wahl des Standortes..... 2. Beſtellung......... 3. Pflege.......... 4. Erndte und Ertrag...... II. Sonſtige Kleearten........ 1. Der weiße Klee....„ 2. Der Incarnakklee...... . . . . . * . . * * . * * 33 Seit⸗ 44 47 50 50 51 51 5²2 52 53 54 55 60 65 66 68 68 69 69 70 70 71 72 72 73 74 74 75 75 76 76 77 77 78 78 79 80 82 88 88 39 Seite 3. Der Melilotenklee„„......„.. 90 4. Mittlerer Klee............. 94 5. Baſtardkleo............ 91. . Hopfenklee und Hopfenluzerne........ 92 Schwediſche Luzerne........... 92 8. Gemiſchte Kleeſaat............. 93 III. Die Luzerne.............. 904 1. Standort................ 94 2. Beſtellung............... 96 3. Pflege................ 97 4. Dauer und Erkrag............ 97 5. Aufbruch....... 99 IV. Die Gsparſette............. 69 1. Standort.............. 100 2. Beſtellung.............. 101. 3. Pfleger........... 102 4. Oauer und Ertrag............ 102 5. Unterſaat anderer Kleearten........ 103 Drittes Kapitel. Sonſtiger Grünfutterbau.............. 104 I. Der Spörgel.............. 104½ II. Als Grünfutter dienende Getreidearten.. 107 1. Mengfutter............ 107 2. Buchweizen, Hirſe........... 100 3. Mais.......„....... 100 4. Futterroggen.............. 110 III. Als Grünfutter dienende Oelgewächſe....... 112 IV. Der Kürbis............ 112 V. Verſchiedene in Deutſchland noch wenig gebaute Futter⸗ pilanzen................ 114 1. Der Caubenkropf............ 114 2. Die Gichorie............ 114 3. Neſſeln, Malven, Aſtern.......... 115 4. Ginſter............... 115 5. Rauhblätterige Schwarzwurzel........ 116 6. Orientaliſche Zackenſchote........ 116 7. Berſchiedene andere Gewächſe....... 116 Viertes Kapitel. Wurzels Wächſtbau............... 112 I. Die Kartoffeln.............. 118 1. Verſchiedenheit der Sorten......... 119 2. Wahl des Standorts........... 120 ₰ —2 1 Kohlbau II. Der Kuhkohl Zweiter 2bfonit. Cultur des Getreides.. 3. Beſtellung. 4— 4. Pflege....... 5. Erndte und Ertrag... 6. Aufbewahrung,.... II. Die Topinambur.. 4. Standort..... 2. Beſtellung und Pflege.. 3. Erndte und Ertrag... III. Die Runkelrlibe. 1 Sktandort...... 2. Beſtellung.. 3. Pflege..... 4. Erndte und Ertrag. 5. Zuckergehalt. 6. Saamenerziehung IV. Die Kohlrübe.. 1. Standpunkt und Pflanzung 2. Pflege.... 3. Erndte und Ertrag V. Die Waſſerrübe. 1. Standort.. 2. Beſtellung und Pflege. 3. Erndte und Ertrag. VI. Die Möhre. 1. Standort. 2. Beſtellung und Pflege. 3. Anbau als Zwiſchenfrucht. 4. Erndte und Ertrag VII. Im Großen noch wenig oder gar aih uiu wurta gewächſe. 1. Die Paſtinake 2. Der dickſtengliſche Sauerklee— 3. Die Arracatſcha. I. Der, Kopfkohl. Lünite⸗ dayite Erſtes Kapitel. Halmgetreidebau... 124 125 126 126 127 127 128 129 130 131 133 134 136 136 137 138 138 139 140 141 141 143 144 144 145 146 146 147 147 148 148 149 149 152 153 154 — XIII— I. Der Weizen.. 4. Gemeiner und engliſcher Weizen als Winterfrucht 1. Verſchiedene Arten...... 2. Standort......... 3. Beſtellung......... 4. Pflege der breitwürfigen Weizenſaat 5. Drillſaat......... 6. Erndte und Ertrag.. . . . B. Bartweizen nnd gemeiner engliſcher Weizen als Gommerfeucht E. Polniſcher Weigen........ D. Spel........... 1. Abarten....... 2. Standort.......... 3. Beſtellung und Pflege..... 4. Erndte und Ertrag... 5. Vergleich zwiſchen Sls und Weizenbau E. Der Emtr....... F. Das Einkorn.......... II. Oer NRoggen......... 4. Abatten....... 2. Standort. 3. Beſtellung..... 4. Pflege......... 5. Erndte und Ertrag.... 6. Sommerroggen........ III. Die Gerſte......... A. Große zweizeilige Gerſe. 1. Standort........... . 2 2. Beſtellung......... 3. Pflege.......... 4. Erndte und Ertrag...... B. Kleine Gerſtte........ C. Wintergerſte......... D. Sonſtige nur wenig angebaute Gerſtenarten.. 1. Nackte Gerſte.. 2. Sechszeilige Gerſte....... 3. Pfauenergerſte.......... 1V. Der Hafer....... 1. Verſchiedene Arten. 2. Standort......... 3. Beſtellung und Pflege 4. Erndte und Ertrag...... V. Gemiſchte Getreideſaat...... Seite 155 155 156 157 158 160 161 163 164 166 167 167 168 168; 169 171 172 174 175 176 177 178 180 181 182 183 184 185 186 188 188 189 191 192 193 194 194 194 195 197 198 199 200 Seite VI. Die Hirſe............ 203 1. Verſchiedene Arten............ 203 2. Standort............... 204 3. Beſtellung und Pflege,.......... 205 4. Erndte und Ertrag.. 206 5. Cultur des Mohars........... 207 VII. Die Moorhirſe.............. 207 VIII. Der Mais................ 203 1. Abarten............... 209 2. Standort.............. 210 3. Beſtellung und Pflege.......... 210 4. Zwiſchenpflanzen anderer Gewächſe..... 213 5. Erndte und Grtrag........... 213 IX. Der Reiſß.............. 215 . Zweites Kapitel. Hülſenfruchtbau............... 216 1. Die Erbſe.............. 217 1. Abarkten............ 218 2. Standork............... 218 3. Beſtellung und Pflege.......... 219 4. Erndte und Erkrag.......... 220 II. Die Linſe.............. 221 III. Die Wiecke............... 223 IV. Die Kicher und die Plattererbſe........ 225 V. Die Phaſeole............. 225 VI. Die Pferdebohne............. 226 VII. Die Lupine............ 229 Drittes Kapitel. Sonſtiger Körnerfruchtbau............. 232 Der Buchweigen................ 232 Die Quinod.................„. 235 Dritter Abſchnitt. Cultur der Handelsgewächſe............. 236 Erſtes Kapitel. Oelgewächſebau................ 238 I. Der Winterraps............. 235 1. Unterſcheidung der zum Kohlgeſchlechte gehörigen ver⸗ ſchiedenen Oelgewächſe...... 238 2. Abarten vom Winterradgßs....... 239 3. Standort............... 240 4. Beſtellung und Pflege des geſäten Rapſes.... 241 5. Verpflanzen des Raſpes......... 6. Erndte und Ertrag......... MI. Der Winkerrtibſen........... III. Der Sommerraps oder Sommerrübſen..„ 1. Sommerraps......... 2. Sommerrübſen............ IV. Der Mohn............ 1. Abarten.......... 2. Standort und Beſtellung....... 8. Pflege.............. 4. Erndte und Erkrag....... V. Der Ootter..... VI. Sonſtige verſuchte oder empfoßlene Oelgewächſe.. 1. Der Oelrettig.......... 2. Die Sonnenblume......... 3. Die Madia............ Zweites Kapitel. Geſpinnſtpflanzenbau.............. 1. Der Flachs............. 1. Abarten...... 2. Standort......... 3. Beſtellung.....„... 4. Auswahl und Behandlung des Saamleins. 5. Pllege der Leinſaat...... 6. Erndte....... 7. Weitere Bearbeitung des Flachſes... 8. Ertrag.......... II. Der Hanf...... 1. Standort und Beſtellung. 2. Pflege, Erndte und weitere Behandlung.. 3. Ertrag.... III. Sonſtige verſuchte oder anpſohlene Geſpinnſtpflanzen 1. Die Brenneſſel.......... 2. Oer neuſeelander Flachs......... 3. Die ſyriſche Seidenpflanze...„ 4. Der Hanfklee... Otittes Kapitel. Farbepflanzenbauu......... I. Der Krapp.......... II. Der Fald........... II. Der Pau....... IV. Der Saflor.......... „. „.. — XVI V. Der Indigo⸗Buchweizen.. Viertes Kapitel. Gewürzpflanzenbuuau.. I. Der Hopfen... 1. Verſchiedene Abarten. 2. Standort...... 3. Anlegung der Hopfenplantage 4. Pflege der Hopfenanlagen. 5. Dauer der Hopfenpflanzungen 6. Erndte und Ertrag. II. Der Senf..... III. Der Kümmel...... IV. Der Fenchel.... V. Der Anis.. VI. Der Koriander.. VII. Der Schwarzkümmel... VIII. Der Saffran...... IX. Das Süßhollg.. X. Die Zwiebel.. XlI. Der Meerrettig.. XII. Einige andere Arzneipflanzen. 8 Bau der Kaffeeſurrogate.... I. Die Cichorie...... II. Die Erdmandel..... III. Die Kaffeewicce.. Sechſtes Kapitel. Bau ſonſtiger Fabrik⸗ und Gewerbspflanzen I. Der Tabof.. 1. Abarten..... 2. Standout...... 3. Cultur des Tabaks.. 4. Erndte.... 5. Ertrag. 6. Saamenerziehung.. II. Die Weberkarde.. III. Das Seifenkraut.. — . . . „ . Fünftes Kapitel. . 1 . .„ ⸗ .„„ Geite 286 287 288 288 289 290 291 293 293 295 295 297 297 298 298 298 299 3⁰0 301 301 3⁰² 303 304 304 3⁰0⁵5 305 3⁰6 307 308 3¹⁰ 313 313 314 316 Pflanzen ⸗Productions⸗Lehre. Zweite Abtheilung. Specieller Pflanzenbau. Pabſi Landwirthſch. I. 2. 1 Einleitung. §. 1. Es iſt nicht genug, daß der Landwirth mit den allgemeinen Bedingungen bekannt iſt, unter denen die Gewächſe vegetiren, daß er verſteht, das Feld für ihren Anbau in gelockerten, gereinigten und geduͤngten Zuſtand zu verſetzen, und die Hülfsmittel kennt, welche zur Pflege und zum Gedeihen der Gewächſe im Allgemeinen beitragen; er muß auch, um die Culturgegenſtaͤnde richtig auszuwählen, welche er in der gegebenen Localität mit Nutzen anbauen kann— und damit er von jedem der angebauten Gewächſe einen befriedigenden Ertrag erzielen kann—, die Natur der landwirthſchaftlichen Gewaͤchſe, hinſichtlich des Bodens, des Climas und der Culturart, welche ſie zu einem guten Gedeihen verlangen, genau kennen und eben ſo wohl zu beur⸗ theilen verſtehen, wie hoch der Ertrag im Durchſchnitt ſeyn wird, den er, nach Maßgabe der einwirkenden Umſtaͤnde, davon zu erwarten berechtigt iſt, und welchen Werth dieſer Ertrag hat. §. 2. Alle dieſe Erforderniſſe umfaßt die Lehre vom ſpeciellen Pflanzenbau; auch begreift dieſelbe eine nähere Kenntniß der verſchiedenen Abarten und Varietaͤten unſerer landwirthſchaftlichen Gewaͤchſe. 1* 4— §. 3. Im weiteren Sinne genommen umfaßt dieſe Lehre nicht nur die Gewächſe, womit Acker⸗ und Grasland unter den gegebenen Verhältniſſen vorzugsweiſe beſaamt oder bepflanzt werden, ſondern auch den Gartengemüſe⸗, den Obſt⸗ und Weinbau, und die Cultur der Waldbaͤume. §. 4. Nach den fuͤr dieſes Lehrbuch gezogenen Gren⸗ zen ſoll jedoch der Garten-, Obſt-, Wein- und Waldbau blos im Allgemeinen beruͤhrt, und nur die Culturgegenſtaͤnde für den Ackerbau im engeren Sinne werden hier ſpeciell ab⸗ gehandelt werden. §. 5. Dieſe Culturgegenſtände zerfallen in die 3 Ab⸗ ſchnitte: Futterpflanzen, Getreide, Handelsgewächſe. §. 6. Die Literatur uͤber die Cultur der landwirth⸗ ſchaftlichen Gewächſe iſt ſehr ausgebreitet und zerfaͤllt in ſolche Schriften, welche dem ganzen Gewaͤchsbaue, oder doch einem großen Theile deſſelben, gewidmet ſind, und ſolche, welche nur von einem Culturgegenſtande, oder wenigen mit einander verwandten, handeln. Von den, den ganzen Gewächsbau oder doch mehrere Haupt⸗ theile deſſelben berührenden Schriften iſt nachſtehend ein Theil der beachtenswertheren namhaft gemacht; von den bloß einzelne Cultur⸗ gegenſtände abhandelnden Werken bleiben am betreffenden Orte noch manche zu nennen. 1. Schwerz, practiſcher Ackerbau, I. und II. B. 2. Thär, Grundſätze der rationellen Landwirthſchaft, IV. B. 3. Burger, Lehrbuch der Landwirthſchaft, II. B. 4. Trautmann, Lehrbuch der Landwirthſchaft, II. B. 5. Reichardt, Land⸗ und Gartenſchatz, II. B. 6. Block, Mittheilungen landwirthſch. Erfahrungen, J. B. 7. Koppe, Unterricht im Ackerbau und der Viehzucht, II. B. 8. Schweizer, Betrieb der Landwirthſchaft, I. und II. B. 9. Schubarth, Anbau der Feldgewächſe, 2. Th. Erſter Abſchnitt. Cultur der Futterpflanzen. §. 7. Die Futterproduction iſt unter den meiſten Ver⸗ hältniſſen die Grundlage der landwirthſchaftlichen Cultur; von ihr haͤngt der Ertrag einer jeden fuͤr ſich beſtehenden Wirthſchaft, welche Geſtalt ſie auch haben moöͤge, in hohem Grade ab. §. 8. Die Cultur der Futterpflanzen zerfaͤllt zunaͤchſt wieder in folgende Capitel: 1) Grasbau. 2) Kleebau. 3) Sonſtiger Grünfutterbau. 4) Wurzelgewaͤchſebau. 5) Cultur der zur Fuͤtterung geeigneten Kohlge⸗ wächſe. Viele der hier vorkommenden Gewächſe dienen auch zu andern Zwecken, namentlich auch zur menſchlichen Nahrung; allein in grö⸗ ßerer Ausdehnung werden ſie doch vorzugsweiſe zur Viehfütterung angebaut, und deßhalb ſind ſie in dieſen Abſchnitt aufgenom men Manche im zweiten und ſelbſt im dritten Abſchnitte vorkommende Gewächſe werden dagegen auch wieder theilweiſe, und manche ſogar größtentheils, z. B. der Hafer, zur Fütterung verwendet. Dennoch — 6— rechtfertigt ſich die hier eingehaltene, und von den landwirthſchaftli⸗ chen Schriftſtellern längſt beobachtete Haupteintheilung wohl von ſelbſt. Erſtes Capitel. Grasbau. §. 9. Unter Gras verſtehen wir, nach unſerem gewoͤhn⸗ lichen Sprachgebrauche, eine Miſchung von perennirenden eigentlichen Graͤſern und verſchiedenen anderen Pflanzen, welche entweder ſchon laͤngſt von Natur den Boden einge⸗ nommen hat, oder die künſtlich angebaut worden iſt. §. 10. Der Grasbau theilt ſich nach der Hauptbe⸗ nutzungsweiſe des Graslandes in A) den Wieſenbau, und B) die Cultur der Weiden. A. Wieſenbau. §. 11. Wieſe nennen wir alles Grasland, deſſen Er⸗ trag in der Regel abgemäht und getrocknet, zu Heu ge⸗ macht, wird. Mitunter wird ein Theil des Wieſengraſes auch grün auf dem Stalle verfüttert; ferner werden die Wieſen, vor oder nach dem Mähen, häufig auch noch zur Weide benutzt(§. 153). §. 12. Lage und ſonſtige Beſchaffenheit der Wieſen ſind entweder von der Art, daß der Boden als Ackerfeld nicht benutzt werden kann, und auch eine Benutzung zu andern Zwecken nicht wohl zuläſſig iſt; oder es iſt nach Lage und Boden auch eine Benutzung als Ackerland zu⸗ laͤſſig. §. 13. Im letzteren Falle iſt die Frage wichtig, ob eine fernere Beibehaltung zur Wieſe oder eine Umwandlung in Feld räthlicher ſey. Dieſe Frage laͤßt ſich aber nur nach Erwaͤgung der Wirthſchaftsverhältniſſe, namentlich der Lage, des Bodens, der Zuſammenſetzung der Wirthſchaft, der ein⸗ gefuͤhrten oder zu wählenden Fruchtfolge und der Viehnutzung des betreffenden Gutes einer Seits, ſo wie anderer Seits nach Erwägung der Beſchaffenheit der Wieſen an und fuͤr ſich, entſcheiden. Dieſelbe Ueberlegung iſt auch zu nehmen, wenn es ſich darum handelt, zu entſcheiden, ob man bisher als Feld benutzten Boden in Wieſen verwandeln ſolle, wenn ſeine Lage an ſich dazu nicht ungeeig⸗ net iſt. §. 14. Zunächſt dient hiebei Folgendes zum Anhalten: Je weniger Clima und Lage einen einträglichen Betrieb des Ackerbaues beguͤnſtigen, um ſo mehr iſt auf Ausdeh⸗ nung des Graslandes Bedacht zu nehmen; je weniger Lage und Boden dem Anbau der gewöhnlichen kleeartigen Futter⸗ kräuter Sicherheit darbieten, eine um ſo nothwendigere Stütze ſind die Wieſen für den Ackerbau, und um ſo mehr iſt nach einer ſtarken Zulage derſelden im Verhältniß zum Ackerlande zu ſtreben; je mehr dagegen der Boden zu einer hoͤheren Ackercultur geeignet iſt und dem künſtlichen Futter⸗ bau guͤnſtig, um ſo weniger bedarf man der beſtaͤndigen Wieſen. §. 15. Dasjenige Grasland, das wegen zu trockner Lage und Mangel an Bewäſſerung nur duͤrftigen Ertrag abwirft(ſ.§. 23.), oder einen reichlicheren nur vermöge ſtarker Duͤngung gewährt, wird jedoch in den meiſten Fäl⸗ len mittelſt Aufbruch hoͤher zu nutzen ſeyn; dasjenige aber, welches ohne beträchtliche Düngung eine reichliche und werth⸗ volle Erndte liefert, wird nur ſelten auf andere Weiſe hoher, oder auch nur eben ſo hoch, benutzt werden können. Im erſten Falle wird man faſt immer den Bedarf an Gras— wuchs durch einen gut gewählten Wechſel zwiſchen Beackerung und — 8— Grasniederlegung(ſ.§. 117.) mit entſchiedenerem Vortheile ſchaffen, als durch Beibehaltung magerer, nur mittelſt reichlicher Düngung mäßigen Ertrag gewährender Wieſen. §. 16. Noch bleibt zu beachten, daß gutes Wieſengras das naturgemäßeſte Nahrungsmittel unſerer groͤßeren Nutz⸗ thiere iſt und daß, wenigſtens bei der Winterernaͤhrung, die Haltung, beſonders aber die Aufhzucht derſelben weſentlich beguͤnſtigt iſt, wenn man eine Zulage von gutem Wieſen⸗ heu zu geben im Stande iſt. §. 17. Die landwirthſchaftliche Literatur beſitzt viele Werke über den Wieſenbau, von denen mehrere den Gegen⸗ ſtand allgemein behandeln, während andere das Verfahren beſchreiben, wie es in gewiſſen Gegenden uͤblich n Empfehlenswerth ſind namentlich: Schwerz, practiſcher Ackerbau, J. Th. Burger's Reiſe durch Oberitalien, II. Bd. v. Lengerke, Anleitung zum practiſchen Wieſenbau, Prag 1836. Vorländer, die Siegen'ſche Kunſtwieſe, Siegen 1837. §. 18. Die Lehre vom Wieſenbau umfaßt folgende einzelne Gegenſtaͤnde: I. Beſchaffenheit der Wieſen im All⸗ gemeinen. II. Kenntniß der Wieſenpflanzen. III. Trocken⸗ legung zu naſſer Wieſen. IV. Die Bewäſſerung. V. Die Düngung. VI. Sonſtige Pflege der Wieſen. VII. Verjuͤn⸗ gung alter und Anlegung neuer Wieſen. VIII. Erndte und Ertrag der Wieſen. I. Beſchaffenheit der Wieſen im Allgemeinen. §. 19. Die Wieſen ſind entweder„bleibende“ oder„Wechſelwieſen.“ Die bleibenden Wieſen ſind entweder„natürliche“, d. h. von Natur oder ſeit un⸗ denklicher Zeit in dem gegenwaͤrtigen Zuſtande, oder ſie ſind, in Folge kunſtgerechter Anlegung, im eigentlichen Sinne des Worts„Kunſtwieſen.“ Jene, die im Wechſel mit dem Anbau anderer Culturgegenſtände fuͤr eine gewiſſe Reihe von Jahren immer wieder von Neuem, oder kuͤnſtlich an⸗ gelegte Wieſen pflegt man auch zum Unterſchiede von den bleibenden Wieſen„kuͤnſtliche“ zu benennen, indem man dann alle bleibenden überhaupt als„natürliche“ jenen gegenuͤber ſtellt. §. 20. Da die Wieſen, insbeſondere die natuͤrlichen, nach Lage und Boden ſehr verſchieden ſind, ſo folgt daraus, daß auch der Graswuchs derſelben und der Werth ihres Ertrags große Verſchiedenheit darbietet. §. 21. Man bezeichnet die Verſchiedenheit der Wieſen in dieſer Beziehung näher, indem man ihren Graswuchs ſüß, zart, nahrhaft, gut ꝛc., oder mehr oder weniger ſauer, rauh, gehaltlos, ſchlecht ꝛc., oder auch die Wieſen ſelbſt ſüß oder ſauer, nennt. Je nachdem ſodann die Wie— ſen jährlich ein-, zwei- oder dreimal geerndtet werden kön— nen, bezeichnet man ſie naͤher durch den Ausdruck: ein-, zwei⸗ oder dreiſchürig. Nach Lage und Behandlung endlich heißen ſie: Höhe- oder Bergwieſen, Niederungs-, Fluß— oder Thalwieſen, Feldwieſen, Waldwieſen, Moor-(Torf— oder Moos⸗) oder Sumpfwieſen, Bewäſſerungs⸗ oder Dung⸗ wieſen, oder endlich(ſ.§. 99) Wechſelwieſen. Die an der Meeresküſte gelegenen, zu Zeiten der Ueberſchwem⸗ mung des Seewaſſers ausgeſetzten Wieſen heißen auch Salz⸗ wieſen. §. 22. Da die Mehrzahl der guten Wieſenpflanzen, namentlich die perennirenden Graͤſer, welche in der Regel den wichtigſten oder doch einen weſentlichen Theil des Pflan⸗ zenbeſtandes der Wieſen bilden, zu ihrem guten Gedeihen ein größeres Maß friſcher Feuchtigkeit lieben, als die mei— ſten auf dem Felde gebauten Gewächſe; ſo iſt bei Beurthei— lung des Wieſenbaues auf die Lage die erſte, auf den Boden aber, als nächſtdem von weſentlichem Einfluſſe auf Guͤte und Menge des Graswuchſes, die zweite Rückſicht zu nehmen. §. 23. Aus dem angeführten Grunde iſt entweder eine feuchte, jedoch ſtauender Naͤſſe durchaus nicht ausgeſetzte Lage von Natur fuͤr die Wieſen, wenn ſie gut ſeyn ſollen, erforderlich, oder die Gelegenheit, mit gutem Waſſer nach Bedürſniß bewäſſern zu können, muß vorhanden ſeyn oder geſchaffen werden koͤnnen. Schlechte Wieſen liegen in der Regel entweder zu naß oder zu trocken. §. 24. Ein mehr warmer, als kalter, nicht zu gebun⸗ dener, noch zu loſer, von Natur kraͤftiger Boden iſt im Allgemeinen der beſte für den Graswuchs; ſchwerer Boden iſt in der Regel noch gut, ſobald die Lage nicht zu naß und kalt und der Boden nicht ganz undurchlaſſend und hu⸗ muslos iſt; loſer, ſandiger Boden iſt fuͤr Wieſen nur dann ſchlecht, wenn die Lage trocken und hinlaͤngliche Bewaͤſſerung nicht ſtatthaft iſt. II. Kentniß der Wieſenpflanzen. §. 25. Eine möglichſt gruͤndliche Kenntniß der Natur und der Nahrungs- und Ertragsfaͤhigkeit der verſchiedenen Wieſenpflanzen iſt als die Grundlage eines rationellen Wie⸗ ſenbaues zu betrachten. §. 26. Man kann zu dem Ende die Wieſenpflanzen eintheilen in gute, geringe und ſchlechte; erſte beide Abthei⸗ lungen wieder in eigentliche Gräſer, in kleeartige und in ſonſtige Wieſenpflanzen. Es kann zwar hier keine ausführliche Wieſenbotanik eingeſchal⸗ tet, vielmehr muß in dieſer Hinſicht auf die im§. 17 namhaft ge⸗ machten Werke hingewieſen werden. Nur zum Anhaltspunkte für einen ausgedehnteren Unterricht führen wir eine Zahl der häufig vorkommenden Pflanzen aus jeder der eben angedeuteten Abtheilun⸗ gen auf. Vielen Aufſchluß über die Natur der Gräſer gibt auch: Sinclair's Hortus gramineus Woburnensis, Stuttgart 1826. 1. Gute Wieſenpflanzen. a. Eigentliche Gräſer. 1) Alopecurus pratensis, Wieſenfuchsſchwanz, ausgezeichnet, aber nur auf gutem, feuchtem Wieſenboden fortkommend.— 2) Fe- stuca elatior, f. pratensis, f. rubra, f. duriuscula, hoher, Wieſen⸗, rother und härtlicher Schwingel. Die zwei erſten gut und reichlich tragend, beide letztere weniger einträglich, aber auf trocknem Boden beſſer fortkommend.— 3) Poa pratensis, p. trivialis, Wieſen⸗ und gemeines Rispengras; jenes gut und faſt für jeden Boden, dieſes rauher, aber noch für etwas naſſe Lage geeignet.— 4) Poa annua, einjähriges Rispengras, zwar nahrhaft und unter höheren Gräſern als Bodengras ſchätzbar, hält ſich als einjähriges Gras jedoch nur auf halb als Weide und halb(nur für einen Schnitt) als Wieſe benutztem Graslande.— 5) Avena flavescens, a. pubescens, Gold⸗ und weicher Hafer, ſehr gut, wo die Wieſen nicht allzutrocken.— 6) Avena elatior(holcus avenacius, auch arrhenatherum elatius), franzöſiſch Raigras, mittelmäßig nahrhaft, äber reichlich lohnend auf guten, nicht naſſen Wieſen.— 7) Lolium perenne, engliſch Rai⸗ gras, kömmt faſt überall fort, trägt zwar nur mittelmäßig ein, iſt aber, wenn es nicht zu ſpät gemäht wird, ſchwer und nahrhaft; als Unterſaat für Wechſelwieſen wird ihm beſonderer Werth beigelegt.— 8) Lolium italicum, italieniſch Raigras, in Italien ſtark cultivirt, zarter und reichlicher lohnend, als L. perenne, aber auch weichlicher und leichter auswinternd.— 9) Dactylis glomerata, Knaulgras, ſehr einträglich, in naſſer Lage noch gut, und auch in trockner Lage noch ziemlich fortkommend, aber etwas hart, weßhalb da, wo es vorherrſcht, früh gemäht werden ſoll.— 10) Agrostis vulgaris, a. alba, a. stolonifera, gemeiner, weißer und geknieter Windhalm; der erſte paßt für magern, trocknen Boden, der letztere(eine Abart des zweiten, auch Fioringras genannt) iſt für torfigen Boden von hohem Werthe.— 11) Phleum pratense, Lieſch⸗ oder Timotygras, zwar etwas hart und ſpät, aber auf kaltem oder torfigem Boden noch ſehr gut fortkommend, und hier, ſo wie für Pferde⸗ und Rind⸗ viehweiden, ſehr zu empfehlen.— 12) Holcus lanatus, Honiggras, faſt überall fortkommend und für die geringeren, beſonders ſandigen, auch moorigen Bodenarten von größerem Werthe, als ihm gewöhn⸗ lich beigelegt wird. Es muß, um nicht an Nährkraft ſehr zu verlie⸗ ren, zeitig gemäht werden. Für gute Lagen ſteht es früher genann⸗ ten Gräſern nach.— 13) Bromus mollis, weiche Trespe, kommt noch auf ziemlich geringem Sande, wo die meiſten Gräſer verſagen, reift früh, und beſaamt den Boden jährlich von Neuem. Wird dieſes Gras nicht frühzeitig gemäht, ſo hat es ſeine Nahrungskraft zum Theil verloren.— 14) Hordeum pratense, Wieſengerſte, nahr⸗ haft, wenn auch nicht ſehr reichlich tragend; nur in einigen Gegen⸗ den, vorzugsweiſe lauf ſalzhaltigem Boden, vorherrſchend.— 15) An⸗ thoxanthum odoratum, Ruchgras, kömmt faſt überall, und auch noch auf trocknem Boden vor, trägt aber wenig und beſitzt die ihm ſonſt von Vielen beigelegten Vorzüge bei weiten nicht.— 16) Aira aquatica, Waſſerſchmiele, für naſſen, ſchwammigen Boden, wo faſt alle guten Gräſer verſagen, von ſehr großem Werthe. b. Kleeartige Pflanzen. ¹) Trifolium pratense, Wieſenklee, überall, wo er ſich findet, ſchätzbar, auf ſchlechten, beſonders zu trocknen Wieſen jedoch nicht fortkommend.— 2) Trifolium repens, weißer oder kriechender Klee, kömmt faſt überall fort und ſollte nie ganz fehlen.— 3) Trifolium hybridum, Baſtardklee, für naſſe Wieſen von beſonderem Werthe.— 4) Trifolium agrarium, Goldklee, und die andern ſ. g. Hopfenkleearten, Medicago lupulina, Hopfenluzerne, ſind ſehr erwünſcht als Unterwuchs und kommen auch noch auf den geringen Bodenarten, die letzte auch auf Torfboden fort.— 5) Lotus corniculatus, Schotenklee, ebenfalls ſehrx gut, kömmt beſonders auf nicht zu armem Mittelboden vor.— 6) Lathyrus pratensis, Wieſenplatterbſe, nicht minder ſchätzbar, liebt mäßig feuchten Wieſenboden.— 7) Vicia cracca, Vogelwicke, kömmt gerne auf kalkhaltigem Boden und aufgefülltem, gerölligem Grunde vor, trägt reichlich und iſt ſehr nahrhaft. c. Sonſtige gute Wieſenpflanzen. 1) Sanguisorba pratensis, Wieſenknopf oder wilde Pimpinelle, ſehr nahrhaft, auch ergiebig auf feuchten guten Wieſen.— 2) Carum carvi, Kümmel, auf mäßig feuchten Wieſen, wird, wenn man ihn nicht zeitig mäht, zu hartſtenglich.— 3) Plantago lanceolata, ſpitzi⸗ ger Wegerich, nahrhaft und ziemlich reichlich tragend.— 4) Tra- gopogon pratense, Bocksbart(wilde Scorzonere), auf etwas trocknen Wieſen.— 5) Polygonum bistorda, Hirſchzunge, auf feuchten Höhe⸗ wieſen. Beide trocknen ſchwerer, als Gräſer. 2. Geringe häufig vorkommende Wieſenpflanzen. a. Eigentliche Gräſer. 1) Cynosurus crystatus, Kammgras, Briza media, Zittergras; beide ſehr ſchwach im Ertrage, häufig auf mageren Wieſen und überhaupt ſehr genügſam in Bezug auf den Standort.— 2) Melica nutans, Perlgras, hartſtenglich, häufig auf Waldwieſen.— 3) Aira caespitosa, a. cristata, Raſen⸗ und Kammſchmiele, rauh und wenig nahrhaft, erſtere auf feuchten, beſonders ſchattigen Wieſen häufig, letztere in dürrer Lage vorherrſchend.— 4) Phalaris arundinacea, Glanzgras, ein rauhes, hartſtengliches Gras, doch auf naſſen, ſum⸗ pfigen Wieſen noch fortkommend. b. Kleeartige Pflanzen. 1) Trifolium montanum, Bergklee, auf trocknen hochliegenden Wieſen; trägt wenig ein.— 2) Trifolium ochroleucum, hellgelber Klee, häufig auf Waldwieſen.— 3) Anthyllis vulneraria, Wundklee, auf kalkhaltigem, magerem Boden, noch geringer im Ertrage. c. Sonſtige geringe Wieſenpflanzen. 1) Achillea millefolium, Schafgarbe, zwar geſund für das Vieh, aber ſehr hart, ſobald ſie Stengel getrieben hat.— 2) Crysanthe- mum leucanthemum, weiße Wucherblume, hartſtenglich, mit wenig Blättern, hänfig auf trocknen Wieſen.— 3) Scabiosa arvensis, Krätz⸗ blume oder Ackerſcabioſe, S. succisa, Teufelsabbiß, beide wie die vorige, aber auch auf mageren, feuchten Wieſen.— 4) Centaurea scabiosa, C. jacea, Krätzflockblume und Wieſenflockblume, ſehr hart⸗ ſtenglig.— 5) Leontodon taraxacum, Löwenzahn, liebt gute, feuchte Lage, zwar nahrhaft, verdrängt aber einträglichere Wieſen⸗ pflanzen.— 6) Salvia pratensis, Wieſenſalbei, auf trocknen, beſon⸗ ders kalkhaltigen Wieſen; die Blätter zerfallen ſehr leicht beim Dür⸗ ren und die Stengel ſind hart.— 7) Ranunculus acris, ſcharfer Hah⸗ nenfuß, auf naſſen, oder ſtark bewäſſerten Wieſen häufig, wenig nahrhaft.— 8) Plantago media, breiter Wegerich, giebt wenig aus und verdrängt beſſere Pflanzen.— 9) Lychnis flos cuculi, Kukuks⸗ lichtblume, auf feuchten Wieſen, von geringem Gehalte.— 10) Or- chis latifolia, o. maculata und andere Kukuksblumenarten, häufig auf feuchten Höhewieſen, ſehr wenig nahrhaft.— 11) Galium mo- luggo, g. verum, g. boreale, Labkraut, ziemlich nahrhaft, aber leicht hartſtenglich, letzteres auf Torfwieſen noch von Werth.— — 44— 12) Heracleum sphondylium, Bärenklau, hat zwar einen ziemlich reichlichen, nahrhaften Blattwuchs, wird aber bis zur Heuerndte hartſtenglich.— 13) Peucedanum Silaus, p. officinale, Wieſenhaar⸗ ſtrang, häufig auf torfigen und thonigen Wieſen und hier nicht gerade ſchlecht.— 14) Daucus carotta und Pastinaca sativa, wilde Möhre, wilde Paſtinake, häufig auf mittelguten Wieſen; hartſtenglig.— 15) Cir- sium oleraceum, Gemüſediſtel, auf mittelguten Wieſen, noch ziem⸗ lich nahrhaft.— 16) Primula, Schlüſſelblume, Campanula, Glo⸗ ckenblume, Euphrasia, Augentroſt, Stellaria, Sternblume, Bellis, Gänſeblume, u. v. a. zwar häufig vorkommende, aber ſehr wenig ausgebende Pflanzen gehören noch in dieſe Abtheilung. 3. Schlechte Wieſenpflanzen. 1) Carex acuta, c. vulpina u. a. verſchiedene Seggen(Ried⸗ gräſer).— 2) Scirpus palustris, s. caespitosus, s. lacustris, Binſen.— 3) Eriophorum polystachion, Wollgras.— 4) Juncus conglomeratus, j. effusus, j. buffonius, Simſen.— 5) Equisetum palustre, e- lim- mosum, Schachtelhalm. Sämmtlich, wie alle Halbgräſer und Sim⸗ ſen, Pflanzen des ſauren, ſumpfigen oder torfigen Bodens, welche wenig oder gar nicht nähren und vom Viehe höchſt ungern verzehrt werden.— 6) Caltha palustris, eben ſo ſchlechte Sumpfpflanze.— 7) Rumex acetosa, r. acetosella, Ampfer, hat eine dem Vieh unge⸗ ſunde Schärfe.— 8) Ranunculus flamula, r. bulbosus, r. scelera- tus, r. repens, ſchlechtere und ſcharfſaftige Ranunkelnarten.— 9) Euphorbia cyparissias, e. palustris, Wolfsmilch, erſtere auf trocknen, ſandigen, letztere auf ſumpfigen Wieſen; giftig.— 10) Ono- nis spinosa, Hauhechel, auf vernachläſſigten, trocknen Wieſen.— 11) Rinanthus crista galli, Hahnenkamm(Klapperkraut), nimmt auf trocknen mageren Wieſen leicht überhand, läßt vor der Henerndte ſchon einen Theil des Saamens fallen und beſitzt alsdann nur noch ganz geringen Antheil von Nahrungskraft; macht die Wieſe immer magerer und verdrängt die guten Pflanzen in gleichem Maße.— 12) Colchicum autumnale, Herbſtzeitloſe, im grünen Zuſtande gif⸗ tig, beſonders der Saamen; die trocknen Blätter ſchaden nicht, haben aber geriuge Nahrungskraft; häufig auf mäßig feuchten Wie⸗ ſen.— 13) Cirsium palustre, c. tuberosum, c. acaule, Sumpf⸗, knollige und ſtengelloſe Diſtel, auf Sumpf⸗ und Torfwieſen.— 14) Sonchus palustris, Gänſediſtel, auf mäßig feuchten Wieſen, der harte Stengel zeigt ſich erſt beim zweiten Hiebe des Graſes.— 15) Chaerophyllum silvestre, Kälberkropf, verdrängt auf beſchatte⸗ ten, zugleich reichen Wieſen gerne einen beſſeren Pflanzenwuchs.— 16) Mentha arvensis, m. aquatica, Münze, wird, wegen ihres ſtar⸗ ken Geruchs, von keinem Viehe berührt.— 17) Potentilla anserina, Gänſerich, Allium vineale, wilder Kuoblauch, Thussilago farfara, Huflattig, Myosotis palustris, Vergißmeinnicht, gehören ebenfalls zu den nicht ſelten vorkommenden Wieſenunkräutern.— 18) Meh⸗ rere Moosarten(musci) ſind theils auf zu feuchten oder ſtark beſchat⸗ teten, theils auf zu trocknen oder zu mageren Wieſen insbeſondere noch zu den ſchlimmen Unkräutern zu zählen. §. 27. Auf guten Wieſen bildet in der Regel ein Ge⸗ miſche von guten eigentlichen Gräſern, kleeartigen und eini⸗ gen andern guten Pflanzen den vorherrſchenden Beſtand. Erſtere gehen mit ihren Halmen mehr in die Höhe, waͤh⸗ rend die kleeartigen Pflanzen vorzugsweiſe das ſogenannte Unter⸗ oder Bodengras bilden. Ein gutes Verhältniß bei⸗ der Hauptbeſtandtheile zu einander begründet einen reichli⸗ chen, werthvollen Ertrag. Nach Lage und Boden iſt zuweilen der eine, zuweilen der an⸗ dere Hauptbeſtandtheil mehr oder weniger überwiegend. III. Trockenlegung zu naſſer Wieſen. §. 28. Stehende, ſtockende Naͤſſe befördert das Ge⸗ deihen der ſauren Gräſer(Halbgräſer) und vieler anderen ſchlechten Wieſenpflanzen; die guten Wieſenpflanzen ſind dadurch unterdrückt oder fehlen ganz. Trockenlegung, bis zu einem gewiſſen Grade, iſt demnach für alle durch zu viele und ſtauende Naͤſſe leidenden Wieſen das nothwendigſte Verbeſſerungsmittel. Es gilt für die Trockenlegung in der Hauptſache alles das, was in der erſten Abtheilung dieſes Bandes, im Capitel von der Urbar⸗ machung, über die Ableitung des Waſſers geſagt iſt, worauf daher hier nicht nur im Allgemeinen hingewieſen wird, ſondern auch häufig noch beſonders zurückgewieſen werden muß. 1. Ermittelung der Urſache. §. 29. Die vor Allem zu ermittelnden Urſachen der ſtauenden Näſſe oder ſelbſt Verſumpfung ſind faſt immer theils in der inneren, theils in der oberflächlichen Bodenfor⸗ mation begründet. §. 30. In der inneren Bodenformation ſind ſie begrün⸗ det, indem der durch obere, durchlaſſende Bodenſchichten herabgeſenkten Feuchtigkeit von unteren nicht durchlaſſenden Schichten das weitere Hinabſinken verwehrt wird, oder auch indem Quellen ihre Waſſerſpende in dem Boden verbreiten. Die oberflächliche Bodenformation bietet in, der Regel in Folge mangelnden Gefälles, neben einer der eben genannten zu Grund liegenden Urſachen, oder neben einer andern Ver⸗ anlaſſung zur unterirdiſchen Waſſerverbreitung, wie vermoͤge hohen Waſſerſpiegels benachbarter Gewaͤſſer,— eine Mit⸗ oder ſelbſt die Haupturſache der Verſumpfung. 2. Ausmittelung des Gefälles und Entwerfung des Plans. §. 31. Damit die Entwäſſerung verläſſig und mit möglichſt geringem Koſtenaufwande ausgeführt werdenkönne, muß das ſich darbietende Gefälle der trocken zu legenden Fläche, und nach Erforderniß oft auch noch das von an⸗ grenzenden Diſtricten, ausgemittelt werden. Abgeſehen von hoͤchſt einfachen Faͤllen, ſo dient dazu ein genaues Nivel⸗ lement. Auf dieſes und die zugleich ergruͤndete Veran⸗ laſſung der Verſumpfung hin iſt dann der Plan für die Entwaͤſſerung zu entwerfen. Gute Anleitung zum Nivelliren geben folgende Schriften: Zam⸗ miner, Anleitung zur Flächenaufnahme, zum Abwägen ꝛc., Darm⸗ ſtadt, 1836.— S. Grafen v. Trautmannsdorf practiſcher Nivellirunterricht, Prag 1836.— Die Lehre vom Nivellement, Darmſtadt 1838.. „Sodann wird in Bezug auf ſpeciellere Anleitungen in den Grundſätzen und Methoden der Entwäſſerung, von denen nachſtehend ₰ weiter die Sprache iſt, verwieſen auf: Johnſtohn's Abhandlung über das Austrocknen ꝛc., Berlin 1799;— Thär's rat. Landwirthſ. III. Bd. und Loudon's Encyclopädie der Landwirthſchaft, 3. Buch. 3. Anlegung der Gräben. §. 32. Die Entwäſſerung wird in der Regel mittelſt Graͤben ausgeführt. Dieſe ſind theils zum Auffangen oder Abſchneiden des unterirdiſchen, theils zum Ableiten des auf⸗ gefangenen und angeſammelten Waſſers erforderlich. Erſtere heißen Auffange⸗, letztere Ableitungsgraͤben. Die Ableitungsgräben ſind übrigens häufig zugleich auch Auf⸗ fangegräben; es kommen deßhalb beſondere Auffangegräben nicht immer vor. §. 33. Die verſchiedenen Gräben ſind entweder offen oder verdeckt. Letztere verdienen in der Regel bei der Ableitung einzelner Quellen und da, wo es ſich von dem Auffangen, Abſchneiden, des unterirdiſch in betraͤchtlicher Tiefe(z. B. 3— 4 und mehr Fuß tief) im Boden verbrei⸗ teten Waſſers handelt, den Vorzug. Sobald die Ablei⸗ tungsgraͤben eine, wenigſtens zu Zeiten, einigermaßen beträchtliche Waſſermaſſe aufzunehmen haben und keine un⸗ gewöhnliche Tiefe erfordern, bleiben ſie in der Regel beſſer offen. Ueber Anlegung der vardeckten Gräben ſ. die erſte Abthei⸗ lung dieſes Bandes§.§. 182 bis 184. §. 34. Fuͤr die Anfertigung der gewöhnlichen offenen Abzugsgräben gelten folgende Grundſätze: a) die Böſchung muß um ſo flaͤcher ſeyn, je loſer der Boden, je tiefer der Graben und je ſtaͤrker der Waſſerfluß darin iſt; für gewoͤhn⸗ lich reicht eine einfüßige Böſchung, in Fällen, wo ſehr ſanfte Boͤſchung Noth thut, macht man ſie 1 ½ bis zweifüßig. b) Das Gefaͤlle der Grabenſole ſei ſo weit thunlich für den ganzen Grabenzug oder doch fuͤr größere Strecken deſſelben gleich. c)) Ein etwas ſtarkes Gefälle iſt um ſo wünſchens⸗ Pabſt Landwirthſch. I. 2. 2 werther, je ſumpfiger und ſchlammiger der Boden iſt; 1 Zoll auf 10 Fuß iſt überall hinreichend, oft muß man aber auch ſchon zufrieden ſeyn, 1 bis 2 Linien Fall auf 10 Fuß Grabenlänge zu haben. Bei zu ſtarkem Gefälle, zumal in lockerem Boden, leiden Ufer und Sole leicht Scha⸗ den. d) Möoglichſte Vermeidung ſcharfer Biegungen in der Richtung der Gräben, ſo wie eines Einfallens der Seiten⸗ graͤben in den Hauptgraben im rechten oder gar ſtumpfen Winkel. e) Die Tiefe richtet ſich nach dem Grade der Verſumpfung, dem Waſſerſtande des Kanals, Bachs oder Fluſſes, in welche der Graben einmündet, und nach der ab⸗ zufuͤhrenden Waſſermaſſe. f) Die Weite richtet ſich nach Waſſermaſſe und Schnelligkeit ihrer Fortbewegung und der Tiefe, welche die Lokalität, wie eben angeführt, zulaͤßt. Iſt der Localität nach ein zu ſtarker Fall nicht zu vermeiden, ſo muß durch Faſchinen, oder Pflaſtern und Aufmauern, reſpective in der Sole oder an den Seitenwänden angebracht, oder durch Wehre(ſ.§. 67) den ſonſt zu fürchtenden Beſchädigungen vorgebeugt werden. Bei ſehr loſem oder ſehr ſchwammigem, zuſammenſinkendem Boden ſind auch bei ſtarker Böſchung und mäßigem Gefälle häuſtg Faſchinen, oder wenigſtens gut geſetzte, feſte Raſen für die Halt⸗ barkeit der Böſchung nöthig. Sind ſcharfe Biegungen der Gräben an einzelnen Stellen nicht zu vermeiden, ſo muß an den der An⸗ ſtrömung ausgeſetzten Ecken oder den Einmündungen ebenfalls mittelſt Mauerwerk geholfen werden.„ §. 35. Eine ſorgfaͤltige Unterhaltung ſaͤmtlicher Ent⸗ waͤſſerungsgräben kann nicht genug empfohlen werden, und Vernachläſſigung derſelben iſt nur zu häufig Urſache, daß die Erfolge immer weniger dem Zwecke der erſten Anlage entſprechen. Es muß ſich dieſe Unterhaltung nicht nur auf das Aufräumen der Gräben, ſondern auch auf Ausbeſſerung ſchadhaft gewordener Stellen an Böſchungen und Solen, Wegbringen der Auswürfe und deren Vertheilen auf die tieferen Stellen, erſtrecken.— Um den glei⸗ chen Fall der Solen für die Hauptgräben beim künftigen Aufräumen zu ſichern, werden bei der Anfertigung in beſtimmten Entfernungen, der Oberfläche der Sole entſprechend, kleine Schwellen eingelegt oder ſtarke Pfähle eingeſchlagen. 4. Hauptabzugsgräben. §. 36. Bei jeder Entwäſſerung iſt wenigſtens ein Hauptabzugsgraben oder Kanal erforderlich; bei bedeutenden Anlagen bedarf man deren meiſtens mehrere. Dieſe Haupt⸗ ableitungsgraͤben müſſen ihre Richtung durch die tieferen Stel⸗ len der zu entwäſſernden Wieſenflächen nach denjenigen Punk⸗ ten hin nehmen, welche eine Ergieſſung in einen Bach, Fluß, Teich oder See, oder in einen allgemeinen Entwaͤſſerungs⸗ kanal der Gegend, geſtatten. In den Hauptgraben muͤnden nach Erforderniß Seitengraͤben und Auffangegraͤben ein. Bei kleinen Entwäſſerungen entſpricht hänfig ſchon ein einziger Graben dem Zwecke einer zureichenden Trockenlegung. Um bei Entwäſſerungen in der Nähe größerer Flüſſe das erfor⸗ derliche Gefälle zu erhalten, müſſen die Hauptentwäſſerungscanäle oft weite Strecken fortgeführt werden, bevor man ſie einmünden läßt. Schleußen, nahe an der Einmündung angebracht, ſchützen wieder ge⸗ gen den Austritt des Stroms bei hohem Waſſerſtande. 5. Seitengräben. §. 37. Die Zahl und Richtung der Seitengraͤben iſt nach der Geſtaltung der Wieſenflaͤche, der mehr oder weniger ſtarken Verſumpfung derſelben, ſo wie nach der Lage und dem Verhalten der Stellen zu beſtimmen, von denen her das aufgefangene oder abgeſchnittene Waſſer den Hauptgraͤ⸗ ben zuzuführen iſt(ſ.§. 38 ff.). Daß die Seitengräben von geringerer Breite und Tiefe als die Hauptgräben ſind, liegt in der Natur der Sache. 6. Auffangen der Quellen und des Durchſickerungswaſſers. §. 38. Eine vollkommene Auffangung der Quellen, welche Verſumpfungen veranlaſſen, iſt, um letztere zu he⸗ ben, durchaus erforderlich; ſie iſt aber nicht immer leicht, 2* — 20— da die Quellen ſich oft ſchon in beträchtlicher Tiefe in den oberen Bodenſchichten verbreiten und alsdann nur mittelſt ausgemauerter oder mit klüftigem Geſteine ausgefüllter Brun⸗ nen, oder, wenn es der Quellen viele ſind, mittelſt tief in den Boden oder in angrenzende Anhöhen hineinzuſchnei⸗ dender verdeckter Auffangegraͤben, abzufangen ſind. Mitunter muß man damit beginnen, Gräben in verſchiedener Richtung anzulegen, blos um die Quellen zuerſt zu finden. §. 39. Ruͤhrt die Verſumpfung, wie beſonders häufig der Fall, zunaͤchſt von dem Durchſickerungswaſſer des be⸗ nachbarten, höoͤher liegenden Bodens und einem undurch⸗ laſſenden Untergrunde der Wieſenflaͤche her, ſo gewaͤhren faſt horizontal angelegte Auffangegraͤben, an der Grenze zwiſchen dem ſumpfigen und trocknen Boden und bis in den undurchlaſſenden Untergrund eingeſenkt, die Hauptabhuͤlfe. §. 40. Rührt dagegen die ſtauende Naͤſſe davon her, daß benachbarte Baͤche mit ihrem Waſſerſpiegel zu hoch ſtehen, oder iſt jene durch die vielen Krümmungen, welche ein ſolcher Bach macht, mitveranlaßt; ſo iſt zu unterſuchen, ob und in wie weit ein Geradelegen des Bachs und eine Leitung deſſelben durch die tieferen Stellen der Flaͤche vor⸗ genommen werden kann. S. 1. Abtheilung dieſes Bandes§, 175. 7. Auffüllen. §. 41. An Näſſe leidende einzelne Stellen von ſo tie⸗ fer Lage, daß durch Abzugsgraͤben nicht geholfen werden kann, muͤſſen, wenn ihr Umfang nicht zu groß iſt, durch Auffüllen ſo weit zu erhöhen geſucht werden, daß ihnen die allgemeinen Abzugsgräben der Hauptflaͤche zu gut kommen koͤnnen. Dazu iſt insbeſondere der Auswurf aus den Grä⸗ ben und der Grund von Anhöhen, deren Abtragen gleich⸗ zeitig zweckmäßig wird, zu verwenden.(§. 83.) — 21— §. 42. Bei ganz ebener ſumpfiger Lage, beſonders in der Nachbarſchaft von Fluͤſſen, deren Waſſerſpiegel zu hoch ſteht, bleibt oft kein Ausweg uͤbrig, als einen Theil des Bodens dem Waſſer ganz preiß zu geben, indem man ſtrei⸗ fenweiſe ausgräbt, und den ſtehen gelaſſenen Theil damit erhöht. 8. Anſchwemmen. §. 43. Zur Ausgleichung tiefer, ſumpfiger, mooriger Stellen kann man unter beguͤnſtigenden Umſtänden auch das Auf⸗ und Anſchwemmen in Anwendung bringen, entweder mittelſt Fluß⸗ oder Bachwaſſer, das trübe Theile mit ſich fuͤhrt(ſ. 1. Abth. d. B.§. 179), oder indem man das Ver⸗ fahren zur Bildung der ſogenannten Schwemmwieſen ein⸗ ſchlägt. Das Nähere hierüber, über die Verbeſſerung durch Auffüllen und die Beſaamung der aufgefüllten Stellen in den§.§. 118 bis 122 9. Verſenken und Abzapfen des Waſſers. §. 44. Bei keſſelförmigen Lagen, wobei auch kein Durchſtich des angrenzenden hoͤher gelegenen Bodens an irgend einer Stelle ausführbar iſt, bleibt die Verſenkung des Waſſers mittelſt Saugſchächte oder Bohrlöcher und ein⸗ geſenkter Roͤhren ein wichtiges Huͤlfsmittel, falls die un⸗ teren Bodenſchichten die Hand dazu bieten. Das Nähere darüber enthält§. 178 der erſten Abtheilung d. B. §. 45. Zuweilen kann die Verſumpfung auch dadurch entſtehen, daß die obere Bodenſchichte undurchlaſſend iſt, und das unter derſelben in durchlaſſender Schichte unterir⸗ diſch ſich herabſenkende und endlich anſammelnde Waſſer der⸗ geſtalt einen Druck nach oben ausuͤbt, daß die obere Schichte davon uͤberfüllt iſt. In ſolchem Falle laͤßt ſich auſſeror⸗ dentlicher Weiſe eine Abzapfung des unterirdiſchen Waſſers durch eingeſenkte Röhren, nach den Grundſätzen der Anle⸗ gung arteſiſcher Brunnen, zur Ausfuͤhrung bringen, derge⸗ ſtalt, daß das Waſſer uͤber der Oberfläche des Bodens als Springquelle ſich ergießt und in ſo hoch als nöthig gehalte⸗ nen waſſerfeſten Canaͤlen abgeführt wird. 10. Unterirdiſche Abführung. §. 46. Iſt bei mangelndem Gefälle und entgegenſte⸗ henden Hinderniſſen keines der bis jetzt angeführten Hülfs⸗ mittel mit Erfolg anwendbar; ſo bleibt noch in Betracht zu ziehen, ob durch Anlegung von Stollen, oder durch tief gelegte uͤbermauerte Canäle oder ſogenannte Siele(unter⸗ irdiſche Leitung durch Bohlencanaͤle) eine unterirdiſche Ab⸗ führung des Waſſers möglich iſt. Bei Wieſenflächen, deren Verſumpfung von einem Bache her⸗ rührte, welcher als Mühlgraben diente und deſſen Waſſerſtand deß⸗ halb, ohne die Mühle aufzugeben, nicht geſenkt werden konute, führte ich z. B. einen Canal unter dem Bette des Bachs durch, welcher unterhalb des Wehrs ſeinen Ausfluß erhielt, und war dadurch im Stande, ein Gefälle von 5 Fuß zu erlangen und eine vollſtändige Entſumpfung zu erreichen. 11. Sonſtige allgemeine Regeln. §. 47. Bei der Trockenlegung von Wieſen, welche nicht gleichzeitig mit einer Bewäſſerungsanlage verſehen werden koͤnnen, iſt, beſonders bei Moor⸗ und Torfgrund, ſtets Bedacht zu nehmen, ſie nicht allzutrocken zu legen, indem der Erfolg ſonſt ein noch geringerer Ertrag, als vorher, ſeyn kann. Können ſolche Wieſen nicht bewäſſert werden, und man hätte, nach ausgeführter Entwäſſerung, ein zu ſtarkes Austrocknen über Sommer zu befürchten, ſo iſt dahin zu trachten, durch Schleußen, welche in die Abzugsgräben eingeſetzt ſind, das Waſſer nach Be⸗ dürfniß bis zu einer gewiſſen Höhe anzuhalten., Uebrigens iſt bei allen ſtark ſumpfigen, zumal torfigen und moo⸗ rigen Wieſen die Entwäſſerung nur die Vorarbeit, um ſie in ein⸗ träglicheren Stand zu ſetzen; erſt durch weiter in Anwendung zu — 23— bringende Bewäſſerung, Ueberfahren mit Erde, Düngen, oder Zer⸗ ſtören der alten und Bildung einer neuen Grasnarbe, wird, je nach den Umſtänden, eine durchgreifende Verbeſſerung erreicht. §. 48. Daß bei allen Entwäſſerungsanlagen von eini⸗ ger Bedeutung die Koſten mit dem zu erreichenden Vortheile vorher in Vergleich geſtellt werden muͤſſen, iſt eine Vor⸗ ausſetzung, welche bei allen Meliorationsarbeiten ſich von ſelbſt verſtehen ſollte. IV. Die Bewaͤſſerung. §. 49. Die Bewaͤſſerung iſt überall, wo ſie mit gutem Waſſer und ohne unverhaͤltnißmäßigen Koſtenaufwand ſtatt⸗ finden kann, das wichtigſte Mittel, den Roh- und noch mehr den Reinertrag der Wieſen zu erhoͤhen. §. 50. Behufs der Anlegung einer Bewaͤſſerung haben wir in naͤheren Betracht zu ziehen: 1) die Beſchaffenheit des Waſſers; 2) die Beſchaffenheit der Wieſe; 3) die zu wählende Art der Bewäſſerungsanlage; daran ſchließt ſich ſodann à) das Verfahren beim Bewäſſern. 1. Beſchaffenheit des Waſſers. §. 51. Das in der Natur vorkommende Waſſer iſt nur in beſonderen Faͤllen zur Bewäſſerung nicht brauchbar, wohl aber iſt es verſchieden in ſeiner Wirkung. §. 52. Ganz unbrauchbar iſt nur ſtark eiſen⸗ oder ſtark ſalzhaltiges und das in Suͤmpfen geſtandene, unmittel⸗ bar daraus abfließende Waſſer; von ſehr geringer Wirkung iſt das aus unfruchtbaren Heiden, und häufig auch das un⸗ mittelbar aus Eichwaldungen kommende, vielen Lohſtoff enthaltende Waſſer. Manche Torfgründe liefern auch ein ſchlechtes Waſſer, während das zum raſchen Abzuge ge⸗ brachte Waſſer ſolcher Gründe ſich jedoch in der Regel gut erweiſet. —— — 24— §. 53. Alles ſchon in beträchtlicher Strecke in Baͤchen oder Fluͤſſen fortgeſtrömte Waſſer iſt zum Bewäſſern gut, und um ſo beſſer, je mehr es unter Wegs gute erdige oder ſelbſt humoſe Stoffe aufgenommen hat. Das ſuͤße Quell⸗ waſſer iſt je nach Temperatur und ſonſtigen Nebenbeſtandthei⸗ len verſchieden in der Wirkung; beſonders wirkſam erweiſen ſich alle durch waͤrmere Temperatur waͤhrend der kälteren Jahreszeit ſich auszeichnende Quellen. Stehende Gewäſſer, welche nicht ſumpfig ſind, und deren Waſſeerſpiegel der Sonne und Luft ausgeſetzt iſt, liefern, vorausgeſetzt daß der Abfluß oberflächlich und nicht durch in der Tiefe ange⸗ brachte Zapfen ſtattfindet, meiſtens ein Waſſer von mittle⸗ rer Qualitaͤt. Ein ziemlich zuverläſſiges Zeichen, daß das Waſſer gut ſei, iſt, wenn da, wo es den Uferrand berührt, vorzugsweiſe gute Gräſer vegetiren.—- In irgend zweifelhaften Fällen mache man zuerſt einen Verſuch im Kleinen, bevor man koſtſpieligere Anlagen im Großen ausführt. §. 54. Durch den Gebrauch zum Bewäſſern verliert das Waſſer um ſo mehr an ſeiner Wirkſamkeit, je bedeu⸗ tender die Wieſenſtrecke iſt, welche es überrieſelt, je lang⸗ ſamer, und in je geringerer Menge es ſich uͤber dieſelbe fortbewegt hat, und je mehr der Boden daneben an Säure leidet. Hat man ſolches gebrauchtes Waſſer in Graͤben oder Bächen wieder eine längere Strecke hinfließen laſſen, ſo ge⸗ winnt es dadurch wieder an Wirkungskraft. §. 55. Es iſt nicht genug, daß man Behufs neu an⸗ zulegender Bewaͤſſerungen die Qualität des Waſſers in Be⸗ tracht zieht, auch die Menge muß uͤberall in weſentlichen Betracht kommen, wo man nicht Ueberfluß an Waſſer hat. Leider beſitzen wir noch keine feſten Anhaltspunkte, wonach ſich beurtheilen läßt, wie viel mit einer vorhandenen Waſſermenge, nach Maasgabe der Lage und des Bodens, bewäſſert werden kann, und man muß ſich mit einer oberflächlichen Schätzung zu helfen ſuchen.— Burger führt aus der Lombardei an, daß man mit der Waſſer⸗ — 25— maſſe, welche durch eine 6 und 8“ weite Oeffnung bei 4“ höherem Waſſerſtande trete, in 24 Stunden 12 Morgen Wieſen mit ſandigem Boden genügend wäſſern könne. Hieraus können wenigſtens einiger⸗ maßen Anhaltspunkte genommen werden. 2. Beſchaffenheit der Wieſe. §. 56. In dieſer Beziehung kommen Boden, Lage und oberflächliche Geſtalt in näheren Betracht. §. 57. Keine Bodenart iſt an und für ſich zur Be⸗ waͤſſerung untauglich; jedoch iſt der Erfolg, unter übrigens gleichen Vorausſetzungen, nach der beſonderen Beſchaffen⸗ heit des Bodens ſehr verſchieden. Je durchlaſſender der Boden bei an ſich trockener Lage iſt, um ſo groͤßer wird der Erfolg der Bewaͤſſerung ſeyn; aber auch auf dem ge⸗ bundenen und ſelbſt undurchlaſſenden Boden iſt das Bewäſ⸗ ſern noch von weſentlichem Erfolge, ſobald nur die Umſtaͤnde ein lebhaftes Ueberrieſeln geſtatten, und fuͤr vollſtaͤndigen Wiederabzug des Waſſers geſorgt iſt.— Mooriger, ſumpfi⸗ ger und anderer bisher durch ſtauende Näſſe und an Saͤure leidender Boden wird, nach vorausgegangener Entwäſſerung, nur dann mit Nutzen bewäſſert, wenn ein raſches, ſtarkes Ueberſtrömen des Waſſers bewerkſtelligt werden kann. §. 58. In kalter und feuchter Lage iſt das Bewäſ⸗ ſern von geringerem Erfolge, als in mehr trockner oder warmer Lage. §. 59. Von der Lage und oberflaͤchlichen Ge⸗ ſtaltung der zu bewäſſernden Flaͤche haͤngt ſodann die Wahl und Ausführung der Bewaͤſſerungsanlage hauptſaͤchlich ab. Sie erfordert daher die ſorgfältigſte Unterſuchung und Erwaͤgung, und in den meiſten Fällen iſt auch ein vollſtän⸗ diges Nivellement vorzunehmen, um darauf hin den Bewäſ⸗ ſerungsplan zu fixiren(§. 61 ff.). Nivellement und Plan für Ent-⸗ und Bewäſſerung ſind, ſobald beide auf derſelben Fläche zur Ausführung kommen ſollen, wie ſich von ſelbſt verſteht, alsdann gemeinſchaftlich zu entwerfen(ſ.§. 31). §. 60. Eine beſondere Ruͤckſicht bei Entwerfung des Bewäſſerungsplans erfordert die einſchlägige Culturgeſetzge⸗ bung, indem, je nach deren Zuſtand, die Ausführung da⸗ durch gefoͤrdert, aber auch gehindert werden kann. 3. Art der Bewäſſerungsanlage. §. 61. In Bezug auf die Art der Anlage haben wir zunaͤchſt zwiſchen Ueberrieſelung und Ueberſtauung zu unterſcheiden. Erſtere entſpricht im Allgemeinen den Vortheilen der Bewaͤſſerung in einem hoͤheren Grade, als letztere. Dieſe bleibt jedoch in manchen Localitäten aus⸗ führbar, wo ſich jener zu viele Schwierigkeiten, nament⸗ lich ein zu großer Koſtenaufwand, entgegenſtellen(§. 93). Zuweilen laſſen ſich beide mit einander verbinden(ſ.§. 96). a. Ueberrieſelung. §. 62. Die Ueberrieſelungsanlagen ſind entweder Hängbau, oder Rücken⸗ oder Beetbau. ³.) Der Hangbau. §. 63. Bei allen Wieſenflaͤchen, welche im Ganzen oder in ihren einzelnen Theilen eine einigermaßen beträchtlich abhaͤngige Lage haben, weiſet dieſe darauf hin, den Hangbau zu waͤhlen, d. h. das zu benutzende Waſſer nach den höhe⸗ ren Punkten zu leiten, und dann weitere Sorge zu tragen, daß dieſes Waſſer möglichſt gleichfoͤrmig über die Wieſen⸗ flaͤchen verbreitet wird. Damit iſt ſtets die Sorge zu ver⸗ binden, daß das zur Ueberrieſelung aufgebrachte Waſſer an keiner Stelle ſtehen bleibt und am Ende wieder gehörig von der Wieſe abgeleitet wird. §. 64. Wie ſtark das Gefälle wenigſtens ſeyn müſſe, um den Hangbau dem Ruͤckenbau vorzuziehen, haͤngt mit von der Beſchaffenheit der Wieſe ab. Iſt dieſe ſauer oder moorig, ſo ſoll ſie, um die Hangbewäſſerung noch mit Er⸗ folg in Anwendung zu bringen, wenigſtens 2 Zoll Fall auf 10 Fuß haben. Bei guͤnſtigerem Boden reichen 1 ½ Zoll Fall auf dieſe Strecke hin; unter 1 Zoll Fall auf 10 Fuß iſt aber eine Hangbewaͤſſerung nicht mehr mit genügendem Erfolge ausführbar. Nur die geringeren Koſten, welche der Hangbau erfordert, kön⸗ nen bei ſo geringem Gefälle mitunter beſtimmen, demſelben vor dem Beetban den Vorzug zu geben, wenn ſchon dieſer hier einen größe— ren Erfolg bewirken würde. Auch Mangel an Waſſer kann bei zu geringem Gefälle es rechtfertigen, dennoch den Hangbau zu wählen, da der Beetban ſich nur lohnt, wenn hinreichendes Waſſer dafür zu Gebot ſteht(ſ.§. 84). Zuleitung des Waſſers. §. 65. Um das Waſſer auf die Höhenpunkte des Hanges zu bringen, bedarf es vor Allem eines oder mehre⸗ rer Hauptzuleitungsgräben, die mit dem Bache, Fluſſe, den Quellen oder beſonderen Behältern oder Leitungen, welche das Waſſer hergeben, in Verbindung ſtehen. Bei Mangel an Waſſer, z. B. bei waſſerarmen Qunellen, thut man wohl, beſondere hoch gehaltene Sammelgruben anzulegen, aus denen dann zur geeigneten Zeit mittelſt Abläſſer das Waſſer in die Zuleitungsgräben tritt. Selbſt blos zum Anſammeln des Regen⸗ waſſers iſt die Anlegung ſolcher Behälter öfters rathſam. §. 66. Behufs der Zuleitung des Waſſers ſind je nach der Localität mancherlei Vorkehrungen zu treffen. Bei ſich darbietendem geringem Gefaͤlle oder ſonſtigen beſonderen Localumſtänden kann namentlich eine Herbeileitung aus groͤßerer Entfernung erforderlich werden. §. 67. Die Eintreibung des Waſſers in den Zulei⸗ tungsgraben kann bei kleinem Gewäſſer häufig mittelſt einer einfachen Schleuße bewirkt werden. Bei ſtärkeren Baͤchen oder kleineren Flüſſen, beſonders ſolchen, welche zeitweiſe ſtärkere Waſſermaſſen enthalten, ſind Wehre oder grö⸗ ßere Schleußen— Stauwerke— nöthig, wäh N 1 rend daneben in die Hauptzuleitungsgräben noch beſondere Schleußen kommen, um das angeſtaute oder von Natur angeſchwollene Waſſer wieder nach Erforderniß abweiſen zu koͤnnen. Bei nicht gar breiten Bächen und Flüßchen mit ziemlich ſtarkem Falle haben die Wehre, bei wenig Fall und ſtärkerer Breite die Stauwerke den Vorzug. Die Schleußen und Wehre werden um ſo mehr eine Strecke unterhalb des Eintritts des neuen Zuleitungsgra⸗ bens angelegt, je mehr das Waſſer ſtark ſtrömt oder Sand, Steine und dergleichen mit ſich führt.— Ein guter Bau der Schleußen und ſonſtigen Stauwerke iſt bei den Wäſſerungsanlagen um ſo mehr von hoher Wichtigkeit, je bedeutender und koſtſpieliger dieſelben ſind. Mangel an Kenntniß, Sparſucht oder Sorgloſigkeit bei der Anle⸗ gung ſtrafen ſich immer durch das bald nachfolgende Durchbrechen des Waſſers und baldigen Verfall der Anlage. Die Hauptrückſich⸗ ten, welche bei den Wehren genommen werden müſſen, ſind: a) eine richtige Höhe; b) eine flache Böſchung; c) Einſetzen im rech⸗ ten Winkel gegen das Ufer; d) ein gehöriges Einſenken in die Sole und Einſchneiden in die Ufer des Bachs oder Fluſſes, nach Umſtän⸗ den mit unterlegtem Roſte; e) Dauerhafter Bau aus Holz und Steinen oder auch ganz aus Stein, und f) gehöriges Verkleiden der Ufer, wo möglich mittelſt guten Manerwerks.— Bei den Schleu⸗ ßen kömmt beſonders eine gehörige Stärke, und eine ſolide Verbin⸗ dung mit der Sole uünd den Ufern in Betracht. Bei einigermaßen bedeutenden Anlagen verdienen Schleußen, wobei nur Roſt und Auf⸗ ziehbretter von Holz, alles Uebrige aus Stein gefertigt iſt, den Vorzug. Bei minder bedeutenden Anlagen genügt ein bloßer Holz⸗ bau mit Zuhülfenahme von Pfählen(Spuntpfählen) und ſtarken Bret⸗ tern auf die Sohle(Schoßbrettern) und gegen das Ufer. Gute Anleitungen zum Schleußen⸗ und resp. Wehrban enthalten: das§. 31 angeführte Werk von Zamminer, Keller's Wieſenbau (Frankfurt 1821); Loudon's Encyclopä die, Lengerke's Wieſenbau u. m. a. §. 68. Bei ungünſtigem Terrain müſſen die Zulei⸗ tungsgräben oͤfters durch hoͤhere Stellen durchgeſtochen oder mittelſt Siele(§. 46.) unter ſolchen durch oder offen um dieſelben herumgeführt, oder über tiefere Stellen mittelſt — 29— Dammbau und dammartig gebauter Ufer, oder mittelſt canalartiger Bauten, Rinnen ꝛc. hingefuͤhrt werden. Es kann z. B. rathſam ſeyn, die Canäle ſtellenweiſe zu mauern, oder Pfeiler aufzumauern und aus Holz zuſammengefügte Waſſerlei⸗ tungen darauf zu legen.(S. Burgers Reiſe durch Oberitalien ꝛc.) Bei Damm⸗ und künſtlichen oberirdiſchen Uferbauten, Durch⸗ ſtichen ꝛc., zu dem gedachten Zwecke, ſind je nach den Umſtänden die Böſchungen ein- bis zweifüßig zu machen. §. 69. Wenn die Beſchaffenheit der Flüſſe und deren Ufer das Einſetzen von Schleußen, Stauungen oder Wehren nicht geſtattet, ſo bleiben noch die Schöpfräder oder durch Waſ⸗ ſer oder Wind in Bewegung zu ſetzende Pumpwerke als außerordentliche Hülfsmittel übrig. Die einfachen Schöpfräder, wie ſie in mehreren Gegenden von Deutſchland(z. B. an der Fulda) häufig vorkommen, erfordern eine etwas raſche Strömung des Fluſſes und ſind zum Auf⸗ und Abſtel⸗ leu nach dem Waſſerſtande, ſo wie zum Herausheben vor Winter eingerichtet. Einfach und nachahmungswerth ſcheint das in den öko⸗ nomiſchen Neuigkeiten von 1836(2. B.) beſchriebene Schöpfrad, das auf ein Flotz geſetzt iſt. Mehrere Schöpfräder beſchreibt auch La⸗ ſteyrie in ſeiner Sammlung von Maſchinen(Stuttgart 1821 ff.). In Franken gibt es eine Art Schöpfräder, welche in einer ſchrägen Stellung liegen und deren Geſtelle am Ufer angebracht iſt.— Ein gewöhnliches einfaches Schöpfrad kann zur Bewäſſerung von 10 bis 20 Morgen Wieſen ausreichen.— Bei größeren Flüſſen kann man Waſſerräder auf Kähnen anbringen und Pumpwerke damit in Ver⸗ bindung ſetzen.— Eine in Oeſtreich gemachte beachtenswerthe Erfindung iſt die von Eberhardt, welcher eine zum Getriebe von Pumpwerken dienende Windmühle conſtruirt hat, die, ohne daß die Stellung verändert zu werden braucht, vom Winde in Bewegung geſetzt wird, woher derſelbe auch komme. §. 70. Für die Zuleitungsgraͤben iſt in der Regel ein Fall von 2 Linien p. 10 Fuß hinreichend. Nur bei ſchwa⸗ chem Waſſerzufluſſe und durchlaſſendem Boden iſt ein etwas ſtärkerer Fall wünſchenswerth. Oefters gebietet das Terrain auch einen ſtarken Fall, und es werden alsdann Vorſichtsmaßregeln erforderlich(Pfläſterung, Faſchi⸗ nen ꝛc.), damit Sole oder Ufer nicht bald beſchädigt werden. ₰ §. 71. Eine Hauptregel fuͤr die Anlegung der Zulei⸗ tungsgräben bleibt ſodann, ſie wenig oder gar nicht in den Boden einzuſenken, indem man ihnen mittelſt kleiner ſanft abgeböſchter Dämme erhoͤhte Ufer baut. Dadurch iſt die Abgabe des Waſſers weſentlich erleichtert, und auch in ſpä— teren Zeiten noch möglich, wenn der Boden der Wieſe durch das Waͤſſern ſich erhöht hat. Zuweilen läßt ſich jedoch das Waſſer nicht hoch genug treiben, um dieſer wichtigen Regel Genüge leiſten zu können. Bei ſehr ſtar⸗ kem Gefälle der Wieſe unterliegt dieſelbe auch noch einer Ausnahme. §. 72. Die Breite der Zuleitungsgräben richtet ſich nach der Waſſermaſſe und beträgt ſelten unter 2 und ſelten uͤber a¹. Für die Tiefe iſt in der Regel die Hälfte der Breite anzunehmen. Iſt die Tiefe nicht über 1 Fuß, ſo bedarf man bei feſtem Bo⸗ den und nicht zu ſtarkem Gefälle im Innern des Grabens nur we⸗ nig Böſchung; je breiter und tiefer der Graben ſeyn muß, um ſo mehr iſt eine entſprechende Böſchung nöthig, welche ſich bei der Auf⸗ dämmung(Führung auf der Oberfläche des Bodens ſ.§. 71) nach außen ohnedieß von ſelbſt verſteht.— Je mehr ſich der Graben ſei⸗ nem Ende nähert, um ſo mehr kann er ſich verengen, da er immer weniger Waſſer zu führen hat. Vertheilung des Waſſers und Verbreitung über die Wieſe. §. 73. Um das Waſſeer allen Theilen der zu bewäſſern⸗ den Wieſen zuzuführen, bedarf es in der Regel noch ver⸗ ſchiedener Gräben, welche, je nach dem Zwecke wozu ſie beſtimmt ſind, Vertheilungs⸗ und Ueberſchlaggraͤ⸗ ben(Wäſſerungsgräben, Waͤſſerungsgrippen) heißen, die jedoch in gewiſſen Faͤllen auch zum Theil, ſelten ganz, ent⸗ behrlich ſind. §. 74. Beſondere Vertheilungsgräben ſind erforderlich, wenn die zu bewäſſernde Wieſenfläche von be⸗ traͤchtlicher Ausdehnung iſt. Sobald das Gefaͤlle nicht un⸗ gewoͤhnlich ſtark iſt, ſo werden ſie von dem Hauptzulei⸗ — 31— tungsgraben aus in der Richtung des Hauptgefälles angelegt. Bei ſtarkem Gefälle muß dieſe Richtung vermieden werden, und bei verſchiedenartig geſtalteter Oberfläche, welche, we⸗ nigſtens vorerſt, nicht umgebaut werden ſoll oder kann (ſ.§. 82), muß auch ihre Richtung nach Geſtaltung des Terrains verſchieden ſeyn. §. 75. Sobald die Wieſe keinen ſtarken Fall hat, ſollen die Vertheilungsgräben(erhoͤhte Zuleitungsgräben, ſ.§. 71, vorausgeſetzt) mittelſt kleiner Raſendaͤmmchen mit ihrem oberen Rande uͤber der Oberfläche des Bodens gehal⸗ ten werden, damit das Waſſer aus denſelben raſch in die Wäſſerungsgraͤben übertreten kann. Ihre Breite richtet ſich wieder nach Laͤnge und Waſſermenge, und verhaͤlt ſich mei⸗ ſtens zwiſchen 1 und 2 Fuß; ihre Tiefe ſoll in der Regel die Hälfte der Breite betragen. Ihre Entfernung von ein⸗ ander iſt ſehr verſchieden nach Lage und ſonſtiger Beſchaf⸗ fenheit der Wieſe. Bei regelmäßiger Lage genügt eine Entfernung von etwa 100 Fuß oder etwas daruͤber; in weni⸗ ger regelmaͤßigen Lagen oder bei Mangel an Waſſer müſſen ſie oft auf 60 bis 80 Fuß zuſammenrücken. Durch ange⸗ brachte Schleußen(im Kleineren auch nur Staubretter) er⸗ halten ſie nach Erforderniß ihr beduͤrftiges Waſſer aus dem Zuleitungsgraben. In Oberitalien hält man es, nach Burger, häufig für nützlich, die Vertheilungsgräben zu mauern. §. 76. Die Ueberſchlag⸗ oder Wäſſerungs⸗ gräben empfangen das Waſſer aus den Vertheilungsgrä⸗ ben oder, bei kleineren Flaͤchen, direct aus dem Zuleitungs⸗ graben, und dienen dazu, das Waſſer ſo an die Wieſe abzugeben, daß dieſelbe überrieſelt wird. Sie ſollen in der Regel eine waagerechte Richtung haben, ſo daß das hin⸗ eingelaſſene Waſſer gleichmäßig über ihren unteren Rand übertritt. Nur bei beträchtlicher Laͤnge und vielem Waſſer gebe man ihnen eine ganz geringe Neigung. Ihre Breite — 32— ſei in der Regel ½ bis ¾ Fuß, ihre Tiefe ½¼ bis ½ Fuß. Je regelmäßiger die Oberfläche der Wieſe, und je mehr man über bedeutende Waſſermaſſen disponiren kann, um ſo gerader kann ihre Richtung, um ſo bedeutender ihre Länge und Entfernung von einander ſeyn. Ihre Länge verhält ſich deßhalb zwiſchen 20 und 60 Fuß, ihre Entfernung von einander zwiſchen 30 und 100 Fuß. Bei ungleichartigem, vorerſt nicht umzubauendem Terrain muß die Richtung der Ueberſchlaggräben noch mannichfacher ſeyn, als die der Vertheilungsgräben.(§. 74.) §. 77. Wenn bei regelmaͤßig beſchaffener oder gebau⸗ ter Lage und nicht zu ſtarkem Fall einer groͤßeren Wieſen⸗ fläche die Vertheilungsgräben nach§. 74 angelegt ſind, ſo münden in den erforderlichen Zwiſchenräumen ſtets zwei Waͤſſerungsgräben einander gegenuͤber in den Vertheilungs⸗ graben ein, und kann mittelſt eines Raſens oder Stau⸗ brettes das Waſſer in beiden zu gleicher Zeit zum Ueber⸗ ſchlagen gebracht werden. Die nachſtehende Scizze dient für ſolche Bewäſſerungsanlage zur näheren Erläuterung. ₰ — 33— Der Zuleitungsgraben iſt mit A bezeichnet, die Vertheilungs⸗ gräben ſind B B und die Ueberſchlaggräben C C angedeutet, D be⸗ zeichnet den Abzugsgraben(§. 80.). Der Zuleitungsgraben iſt ſo hoch gehalten, daß durch das Oeffnen der kleinen Schleußen oder Staubretter bei X X das Waſſer in B B von ſelbſt eintritt. Läßt ſich jener Graben nicht ſo hoch halten und dient er für größere Strecke, ſo müßte unter ſeinem Damme mit ihm parallel ein erſter Verthei⸗ lungsgraben ziehen, welcher mittelſt einer Schleuße ſein Waſſer aus dem Hauptgraben erhält und ſolches dann an die Gräben B abgibt. Iſt die zu bewäſſernde Wieſenſtrecke ſehr breit, ſo daß vier Reihen Ueberſchlaggräben noch nicht ausreichen, ſo müßte unter dem Abzugs⸗ graben D ein zweiter Zuleitungsgraben angebracht ſeyn. In trock⸗ nen Lagen kann auch in ſolchem Falle mitunter ein und derſelbe Graben für Ab⸗ und Zuleitung dienen. Mangelt bei großen Brei⸗ ten eine ſolche Einrichtung, ſo würde der untere Theil der Wieſe zu ſehr von der Näſſe leiden, und während der Bewäſſerungszeit nie⸗ mals ganz trocken gelegt werden können. §. 78. Sind die Wieſenflächen unterhalb des Zulei⸗ tungsgrabens nicht uͤber 100 Fuß breit, ſo koͤnnen die berg⸗ abziehenden Vertheilungsgraͤben entbehrt werden, indem man gleich unter den Zuleitungs⸗ oder unterhalb von mit dieſem parallel laufenden Vertheilungsgräben die Ueberſchlaggräben anbringt, welche mittelſt kleiner Einläſſe das Waſſer aus jenen empfangen. Dieſe Art der Anlage eignet ſich namentlich für die Hänge ganz ſchmaler Wieſenthälchen mit ſtarkem Falle. Pabſt Landwirthſch. I. 2, 3 — 34— Vorſtehende Scizze zeigt für ſolchen Fall in A den Zuleitungs⸗ graben, B B die Einläſſer, C C die Ueberſchlaggräben, D den Ab⸗ zugsgraben. Bei ſehr ſtarkem Falle bringt man zwiſchen C und D eine zweite Reihe von Ueberſchlaggräben an, damit ſich das Waſſer darin von Neuem ſammle und gleichmäßig vertheile. Sind, wie zu wünſchen, die Zuleitungsgräben hoch gehalten, ſo beſtehen die Einläſſer am beſten in kleinen hölzernen Rinnen. §. 79. Trifft es ſich, daß eine an ſich ſchmale, und auch nicht lange Wieſenparzelle dem Zuleitungsgraben nur geringen Fall darbietet, ſo kann deſſen Ufer ſo regulirt wer⸗ den, daß mittelſt von Stelle zu Stelle eingeſetzter Schleuß⸗ chen oder Staubretter das Waſſer uͤbertreten muß. In ei⸗ nem ſolchen Falle koͤnnen alſo Vertheilungs⸗ und Ueberſchlag⸗ gräben entbehrt werden. Abzugsgräben. §. 80. Zur Aufnahme und Abführung des gebrauch⸗ ten Waſſers ſind beſondere Abzugsgräben nur dann entbehr⸗ lich, wenn jenes Waſſer nicht ohnedieß in einen an der tie⸗ feren Stelle der Wieſe hinziehenden Bach oder ſonſtigen Waſſercanal abziehen kann. Die Anlage geſchieht nach den bei der Entwäſſerung aufgeſtell⸗ ten Grundſätzen(§. 34). Eigenthümliche Anlage auf ebenen Wieſen. §. 81. Bei eben gelegenen Wieſen, bei denen man zu⸗ nächſt zu entwaͤſſern hatte und wo man vorerſt den hierher gehörigen Beetbau wegen der Koſten oder unzureichenden Waſſers nicht anwenden wili, kann man zum Nothbehelfe eine eigenthümliche, dem Beethau ſich annähernde Bewäͤſſe⸗ rungsanlage machen. uE weeeeeereeeeere mnnmmnnmnmmmmmnm W 5 4NAALAALA4A4410444444444111LLL VrT n menee nwndn LAALIAIIIIIAAAAAAIIAIALIAIIIIIIIII AAIKMAAIL.— AAIAAAAAAAAAAA444 LAAlAAMAAMAAAAAAAMAMMA44444444AA WI aaataataanadataLKLL4444444444 1114111111LMlui. uullilunS — E b Die beiſtehende Scizze erläutert dieſes Verfahren. A hochge⸗ haltener Zuleitungsgraben, für gewöhnlich trocken liegend, da bei die⸗ * ſer Art Anlage nur ſelten, dann aber ſtark, gewäſſert werden dark; . A B B hochgehaltene Vertheilungsgräben mit etwas höherem Damme gegen C C; D Hauptabzugscanal. Umban und Ebenen. §. 82. Iſt der zu bewaͤſſernde Hang von ſehr ungleich⸗ artiger Oberflaͤche, z. B. theils ſtark, theils wenig abhän⸗ gig, theils zu hoch und trocken, theils zu tief und naß ge⸗ legen; ſo kann eine vollſtaͤndige Bewaͤſſerungsanlage nur mittelſt Umbau der Wieſe bewerkſtelligt werden, indem ſol⸗ che dadurch in eine oder mehrere regelmäßig geſtaltete ſchiefe Flachen gebracht wird. Durch dieſes Verfahren, ſo wie durch den mittelſt Umbau be⸗ triebenen Rückenbau(§. 90), werden die eigentlichen Kunſtwieſen geſchaffen, welche beſonders im Fürſtenthum Siegen ſehr allgemein und vollkommen ſind, und wozu das§. 17 gedachte Werk von Vor⸗ 3* — 36— känder ſehr practiſche, gründliche Anleitung gibt. Es iſt keinem Zweifel unterworfen, und durch Beiſpiele im Kleinen und Großen ſattſam dargethan, daß dadurch, unter der Vorausſetzung einer un⸗ gleichartigen Oberfläche, ein viel höherer Wieſen⸗Ertrag erreicht wird, als wenn die Wieſe in ihrem natürlichen Zuſtande bleibt und blos ſo gut als thunlich bewäſſert wird; es iſt aber auch begreiflich, daß ein ſolcher Kunſtbau Sachkenntniß und Sorgfalt erfordert, und ſelbſt mit eingeübten Arbeitern einen bedeutenden Koſtenaufwand ver⸗ urſacht, der nicht ſelten 80 bis 100 Gulden p. heſſ. oder preuß. Morgen beträgt. Es iſt daher wohl zu erwägen, in wie weit dieſer Kunſtbau unter den gegebenen Umſtänden räthlich ſey, und bei größe⸗ ren Strecken wird man, iſt ſeine Ausführung rathſam, meiſtens ge⸗ nöthigt ſeyn, oder doch wohl daran thun, den Bau auf eine Reihe von Jahren zu vertheilen, und für die Zwiſchenzeit eine proviſoriſche Bewäſſerung einzurichten. §. 83. Wenn auch bei der Ausfuͤhrung von Hangbau⸗ bewäſſerungen ein vollſtaͤndiger Umbau oft nicht noͤthig oder nicht raͤthlich iſt, ſo ſoll man doch niemals unterlaſſen, die⸗ jenigen einzelnen Vertiefungen auszufüllen, in die das über⸗ rieſelte Waſſer ſonſt zuſammen fließt und worin es mehr oder weniger angehalten wird, ſowie die einzelnen hohen Stellen abzutragen, auf welche das Waſſer nicht gehörig zu bringen iſt. Bei einem theilweiſen oder gänzlichen Umbaue wird der Raſen, falls er nicht ſchlechter Art, ſtrichweiſe abgehoben, der Boden nach einer vorausgegangenen Berechnung und Abpflöckung ausgeglichen, und dann der Raſen wieder aufgelegt, wobei die beſſere Dammerde ſtets wieder die erſte Unterlage des Raſens bilden muß. Bei Auf⸗ füllungen verdient in vielen Fällen, ſchon wegen der geringeren Ko⸗ ſten, das Zudecken der alten Narbe, zumal wenn dieſe ſchlechter Art, und friſche Beſaamung den Vorzug.(§. 122 ff.) 9) Rückenbau. §. 84. Hat eine Wieſenfläche mit nicht gerade ſchlech⸗ ter Narbe unter oder höchſtens 1 Zoll Fall auf 10 Fuß, oder bei ſaurer Narbe höchſtens bis 2 Zoll Fall auf dieſe Strecke, ſo iſt der Rücken⸗ oder Beetbau die Bewaͤſſerungs⸗ anlage, welche hier einzig oder doch am beſten geeignet iſt, ſobald es an hinreichendem Waſſer nicht gebricht und die Koſten nur irgend aufgebracht werden können.(§. 64.) §. 85. Man beſtimmt zu dem Ende die Zuleitungs⸗ gräben nach denſelben Grundſaͤtzen wie für den Hangbau, namentlich unter Beobachtung der Regel, ſie auf den höhe⸗ ren Punkten, mit wenig Gefälle(2— 3 Linien p. 10 Fuß), und ſo hoch als thunlich über der Oberflaͤche der Wieſe zu halten(ſ.§.§. 70— 72). Gewöhnlich bedarf man parallel mit dem Zuleitungsgraben, bei größeren Flächen oder etwas ungleicher Oberfläche zum Theil auch in anderer Richtung, noch Vertheilungsgräben, welche das Waſſer aus jenem empfangen. §. 86. Die Beete werden in der Richtung des Haupt⸗ gefaͤlles der Fläche beſtimmt. Die Breite der Beete richtet ſich nach dem Terrain, der zu Gebot ſtehenden Waſſermenge und den Koſten. Die letzteren ſind bei ſchmalen Beeten mit gleichem Gefälle nach den Kanten geringer, als bei breiten. Auch iſt bei ſchmalen Beeten leichter eine gleiche Vertheilung des guten Grundes und darauf hin ein gleiche⸗ rer Graswuchs zu erzielen, als bei breiten. Dagegen erfor⸗ dern dieſe weniger Waſſer zur vollſtaͤndigen Bewäſſerung, als jene. Unter 30 und uͤber 60 Fuß ſoll jedoch nur in be⸗ ſonderen Ausnahmsfällen die Breite beſtimmt werden. §. 87. Die Laͤnge der Beete richtet ſich theils nach der Größe(Breite) der Wieſe, theils nach dem Fall, welchen dieſe hat. Bei etwas betraͤchtlichem Falle muß man die Beete abkuͤrzen, und darf ſie oft nur 60 bis 80 Fuß lang machen; bei ſehr ebener Lage gibt man ihnen 100“ und mehr Länge. Ueber 150“ ſoll, auch auf dem günſtigſten Terrain, das Beet, ohne Unterbrechung des horizontalen Wäͤſſerungsgrabens, nicht lang ſeyn, weil ſonſt eine gleich⸗ mäßige Ueberrieſelung zu ſchwer zu erreichen iſt. Ueber das Unterbrechen oder Abſetzen der Beete ſ.§. 90. §. 88. Jedes Beet muß in der Mitte einen horizon⸗ tal anzulegenden Wäſſerungsgraben erhalten, welcher ſein Waſſer aus dem davor herziehenden Vertheilungsgraben, bei kleinen Anlagen direct aus dem Zuleitungsgraben empfängt. Zwiſchen je zwei Beeten liegt ein Abzugsgraben, welcher das gebrauchte Waſſer den quer unter den Beeten anzule⸗ genden groͤßeren Abzugsgräben zufuͤhrt, die häufig zugleich auch wieder als Zuleitungs⸗ oder Vertheilungsgräben fuͤr andere anſtoßende, etwas tiefer gelegene Bewäſſerungsanla⸗ gen dienen. Bei 60 und darüber breiten Beeten iſt es zweckmäßig, in der Mitte des Beetabhanges noch eine zweite Reihe horizontaler Ueber⸗ ſchlaggräben anzubringen und ſolche mittelſt einiger Einläſſer mit dem Beetwäſſerungsgraben zu verbinden. §. 89. Der Fall des Beetabhanges(vom Waͤſſerungs⸗ nach dem Abzugsgraben) braucht auf gutem Boden am An⸗ fange des Beets nur 1 ½ Zoll auf 10 Fuß zu ſeyn, wäh⸗ rend ſolcher gegen das Ende hin etwa die Haͤlfte mehr be⸗ tragen ſoll; hieraus ergibt ſich zugleich das Gefaͤlle fuͤr den⸗ zwiſchen zwei Beeten angebrachten Entwäſſerungsgraben. Die Wäſſerungsgräben ſind je nach Breite und Länge der Beete am Anfange ½ bis 1 Fuß, am Ende„% bis ¾ Fuß breit; umgekehrt verhält es ſich mit den Abzugsgräben, die An⸗ fangs ſchmaͤler und am Ende breiter und tiefer ſeyn ſollen. §. 90. Um die Beete vollkommen zu formiren, ſo iſt, nach vollzogener Abſteckung der Gräben, der Raſen abzuhe⸗ ben, und alsdann ein Umbau vorzunehmen, wonach die Ra⸗ ſenſtreifen wieder aufgelegt und dabei die Gräben zugleich angelegt werden. Iſt aus triftigen Gründen ein ſolcher vollſtaͤndiger Bau nicht ausführbar, ſo kann bei ſchmalem und flachem Rückenbau auf gutem Boden auch eine, wenn auch unvollkommenere Beetbewaͤſſerung durch Verwen⸗ dung der Raſen und der Erde von den Graͤben und hoͤheren — 39— Stellen und etwas Abdachung der Kanten der Entwäſſe⸗ rungsgräben noch zu Stande gebracht werden. Schwerz heſchreibt dieſes Verfahren(ſ. S. 521 des 1. B. ſei⸗ nes practiſchen Ackerbaus) näher.— Bei vollſtändigem Umbau, deſ⸗ ſen Erfolge ungleich größer ſind, der aber nach der hier gedachten Weiſe auch keinen ſumpfigen, noch ſonſt ganz ſchlechten Boden vor⸗ ausſetzt,— ſind die Regeln, welche zu§. 83 näher bezeichnet ſind, nicht minder wichtig. Unter günſtigen Umſtänden kann der Pflug zur Formirung der Beete zu Hülfe genommen und dadurch bedeu⸗ tend geſpart werden. T G⁴ Ma B =B Ü 1 ſſi Dd M D 2EET, TEEV Die hier beigedruckten Scizzen mögen zur vollſtändigeren Ver⸗ deutlichung des Beetbaues dienen. Zu Scizze A iſt zu bemerken: A Hauptzuleitungsgraben, BB B Vertheilungsgräben, wovon der dritte zugleich als Ableitungsgraben dient; GC C Wäſſerungsgräben; D D P Abzugsgräben; E E E Profile der Beete, jedoch die Höhe nach größerem Maasſtabe, als die Breite. Scizze B ſtellt einige Abweichungen im Beetbau dar, welche uns Burger in ſeinen Reiſebemerkungen aus Oberitalien(ſ.§. 17) mit⸗ theilt, und die ſich auf das Abſetzen der längeren oder auf Boden mit nicht ganz unbedeutendem Gefälle auzulegende Beete beziehen. Sind nämlich die Beete in der Mitte und weiterhin mit einem Ab⸗ ſatze zu verſehen, ſo iſt die Führung des Zuleitungsgrabens in einem kleinen Bogen(A) practiſch, weil dadurch das Waſſer den Graben nicht ſo beſchädigen wird, als wenn es etwa ½ Fuß oder mehr ge⸗ rade herabſtürzte.— Die Einrichtung BB dient dazu, das auf den kurzen Beeten XXX gebrauchte Waſſer den niedriger gelegenen Beeten 2 Z wieder zuzuführen. Der Abzugsgraben der Beete X X wird alſo zum Wäſſerungsgraben für die Beete 2 Z. — 41— §. 91. Bei ſumpfigem, oder wenigſtens ſtark an Näſſe leidendem Grunde iſt die Formirung hoher Rücken mit zwei⸗ bis dreifach ſtärkerem Falle, als§. 89 angegeben, räthlich, ſobald das Zuleitungswaſſer hoch genug gehalten werden kann. Die Herbeiſchaffung weiterer Erdmaſſen iſt in ſol⸗ chem Falle um ſo weniger zu umgehen, je weniger eine voll⸗ ſtändige Entwaͤſſerung moͤglich iſt. Auch hier bedürfen die ſchmaͤleren Beete weniger Auffuͤllerde und verurſachen we⸗ niger Koſten als breitere(§. 86). Die Abzugsgraͤben muͤſ⸗ ſen in ſumpfigem Grunde auch entſprechend breiter und tie⸗ fer ſeyn. Alſo formirte Beete muͤſſen zuletzt beſaamt wer⸗ den.(§. 122 ff.) Zuſammengeſetzter Bau. §. 92. Da es ſich häufig ereignet, daß auf einer Wieſe gewiſſe Theile ihrer Lage nach ſich vollkommen zu Hangbau eignen, für andere Theile dagegen der Beetbau angemeſſen iſt; ſo liegt es in der Natur der Sache, daß man in ſol⸗ chem Falle einen zuſammengeſetzten Bau waͤhlt, wofuͤr ſich aus dem bisher Abgehandelten das nähere Anhalten ergibt. b. Ueberſtauung. §. 93. Wenn groͤßere Wieſenflächen eine faſt ebene Lage, z. B. auf 100 Fuß nur 1 bis 2 Zoll Fall haben; wenn zugleich ein nahe liegender Bach oder Fluß, deſſen Waſſer, zur Zeit ſtärkerer Anſchwellung, viele duͤngende Stoffe mit ſich fuͤhrt, durch anzulegende Schleußen oder Wehre mit einem verhaͤltnißmäßig ſtarken Waſſerſtrome auf die Wieſe gebracht werden kann; wenn dabei der Boden nicht ſumpfig iſt, und der Wiederableitung des Waſſers kein Hinderniß entgegen ſteht; ſo kann die Bewaͤſſerung mittelſt der Ueberſtauung gewöhnlich viel wohlfeiler, als mittelſt des Beetsbaus bewerkſtelligt werden, und deßhalb wird in ſol⸗ chen Fällen jene mitunter vorgezogen, wenn ſchon ſie in — 42— ihren Erfolgen einer zweckmäßig ausgeführten Ueberrieſelung bedeutend nachſteht(ſ.§. 60). §. 9u. Man verſieht zu dem Ende die Wieſe, in ſo⸗ weit nicht ſchon von Natur angrenzende Erhöhungen vor⸗ handen ſind, ringsum mit waggerecht angelegten Daͤmmen, und theilt ſie, je nach Größe und Geſtaltung im Innern, mittelſt weiterer Daͤmme auch noch in mehrere Abtheilun⸗ gen. Durch einen oder mehrere Zuleitungsgräben und die damit in Verbindung ſtehenden Stauwerke wird dann das angeſtaute Waſſer in die einzelnen Abtheilungen gebracht; durch Schleußen, welche in den Dämmen an den tieferen Stellen der Abtheilungen angebracht ſind, und damit in Verbindung ſtehende, möglichſt flach gehaltene Abzugsgraäͤ⸗ ben im Inneren der Stauabtheilungen kann dann das ein⸗ gelaſſene Waſſer nach Erforderniß angeſtaut und reſp. wie⸗ der abgelaſſen werden. Iſt das Terrain faſt ganz eben, ſo werden die Zuleitungsgräben nur längs der Dämme hingeführt; ſind aber im Innern hier und da etwas höhere Punkte, ſo muß man trachten, auch dieſen Zulei⸗ tungsgräben zu geben. §. 95. Die Höhe der Dämme ſoll in der Regel a“ nicht uͤberſteigen und eine Abtheilung im Inneren allerhöch⸗ ſtens 2“— beſſer nicht mehr als 1¼— Fall haben.— Die Groͤße der Abtheilungen richtet ſich nach der Gleichheit des Terrains und der zu Gebot ſtehenden Waſſermaſſe. Ueber 100 Morgen ſoll jedoch, auch bei ſehr ebenem Terrain, eine Abtheilung in der Regel nicht groß ſeyn.— Auf gute Anfertigung und Boͤſchung der Daͤmme, in der Regel zwei⸗ fuͤßige, muß um ſo mehr geſehen werden, je ſtaͤrker der Waſſerdruck iſt, den ſie abzuhalten haben. vrEEnEEEIIIDTIEEEETETIEIIIEITIITITIITIETI- luun A 4+—« 644— fRMNSMNNNMNNCNMn 3 b 1 ememammmmmmmmmmmammmaemmmmnmenemnememmen WWWWNMNNR NMWWWWINRMRRRRRäwRRFRNRNERWWw UIIIVIVInriiif 2 We X X Wiee,,,, ,,,,,,,,,,,, o,,,, X AAN XX 8 5 2 1 rr MWcx,MWWWWW, XNᷣᷣJ 1 VMI eteeeeeieeer!IIIIIIIII Ma ·ñ/’ NNNN NN666006ℳRℳ1ℳ16ℳ01661:RAK,A Die beiſtehende Zeichnung verdentlicht die Anlage einer Stau⸗ bewäſſerung: A Fluß, woraus das Waſſer erhalten wird; B Stau⸗ ung; C Haupteinlaßſchleuße; D D Zuleitungsgräben; E E kleine Schleußen zur Beförderung des Uebertritts des Waſſers; F F Stau⸗ dämme; G Hauptdamm des Fluſſes; HH flach gehaltene Abzugs⸗ gräben; I fortgeſetzter Hauptabzugsgraben, über welchen der Zulei⸗ tungsgraben mittelſt Rinne hinweggeht; K Hauptablaßſchleuße. A erſte Abtheilung der Ueberſtanung; B zweite Abtheilung u. ſ. f. ᷓᷓͥ́Ö́ExKN MMM,, M,, Ein ähnlicher Nutzen, jedoch mehr vom Zufalle abhängig, wie durch die Staubewäſſerung, wird den an Flüſſen gelegenen Wieſen durch das zeitweiſe Austreten und Ueberſtrömen dieſer Flüſſe zu -— 44— Theil. Dagegen richtet das Austreten zur Unzeit aber auch zeitweiſe wieder großen Schaden auf ſolchen Wieſen an. S. 96. Zuweilen iſt es thunlich, mit der Ueberſtau⸗ ungsanlage theilweiſe oder durchgängig eine, wenn auch nicht ganz vollkommene Ueberrieſelung, nach den Regeln des ſanften Hangbaues, zu verbinden, wodurch dann bei getruͤb⸗ ten Fluthen im Herbſt und Frühjahre die Vortheile der Stauung erreicht werden, auſſerdem aber mittelſt der Ueber⸗ rieſelung ein Nutzen bezweckt werden kann. Eine vollkommene Ueberrieſelung iſt wegen des mangelnden zureichenden Gefälles mit der Ueberſtauung nicht zu verbinden; in⸗ deſſen leiſtet deren Verbindung bei nur einigem Gefälle doch ſchon ein Bedeutendes, da man hier immer über ſtarke Waſſermaſſen zu gebieten hat. Inſtrumente und Werkzeuge. §. 97. Um die verſchiedenen Arten von Bewäſſerungen auszuführen, darf es an guten Inſtrumenten und Werkzeu⸗ gen dazu nicht fehlen. Auſſer der Waſſerwaage(§. 59) ſind in der Regel beduͤrftig: Setzwaage, Markirſtabe und Pflöcke, Viſirkreuze oder Kreuzviſire(Voyons), Schnuͤre, Wieſen⸗ beil, Wieſenſpaten ꝛc. Für die Anfertigung langer und doch nur mäßig breiter und tiefer Gräben kann öfters der von Schwerz erfundene und in ſei⸗ nem Werke näher beſchriebene Grabenpflug mit zu Hülfe genom⸗ men werden. Nähere Beſchreibung der zu gebrauchenden Werkzeuge, welche theilweiſe auch bei der Entwäſſerung in Anwendung kommen, findet man in den verſchiedenen bereits angeführten Schriften über den Wieſenbau. 4) Verfahren beim Bewaͤſſern. §. 98. Daß auf die gute Unterhaltung einer einmal gemachten Bewäſſerungsanlage ſtets Sorgfalt verwendet wer⸗ den muß, wenn der davon beabſichtigte Nutzen auf die Dauer ſich bewaͤhren ſoll, ſpringt von ſelbſt in die Augen. Nament⸗ lich ſollen vor Beginn der Bewäſſerung im Herbſte die ver⸗ — 45— wachſenen, zugeſchlaͤmmten oder verſchuͤtteten Graͤben wie⸗ der gehörig in Stand geſetzt und auch im Fruͤhjahre nach Erforderniß nachgebeſſert, Schleußen und Wehre aber zu jeder Zeit in voͤllig gutem Stande erhalten werden. §. 99. In Betreff der Zeit der Bewäſſerung haͤngt Vieles von der Beſchaffenheit des Waſſers und der Localität ab, weßhalb ſich fuͤr alle Faͤlle geltende ſpecielle Regeln nicht aufſtellen laſſen. §. 100. Aus folgenden Anhaltspunkten werden ſich jedoch fuͤr die meiſten Faͤlle die ſpeciell zu beobachtenden Regeln ableiten laſſen: 1) Die Herbſtbewäſſerung, beſon⸗ ders zur Regenzeit, iſt uͤberall von großem Nutzen.— 2) Vor Eintritt des Froſtes ſollen die Wieſen wieder trok⸗ ken geſtellt werden.— 3) Die Fluthen des abziehenden Winters und angehenden Frühjahrs ſind moglichſt zu be⸗ nutzen, jedoch iſt kaltes Schneewaſſer von guten ſuͤßen Wie⸗ ſen abzuhalten, ſo wie Waſſer, das zu ſehr mit Schlamm überladen iſt, oder vielen Sand fuͤhrt.— 4) Bei hellem, rauhem Wetter und Nachtfroͤſten im Fruͤhjahr iſt Trocken⸗ ſtellen der Wieſe ſicherer, als Wäſſern, doch kann ein zu allen Zeiten gutes und nur ſparſam vorhandenes Waſſer auch zu deſſen Benutzung in der ungünſtigeren Zeit beſtim⸗ men; auch iſt bei bisher gewäſſerten, noch naſſen Wieſen, zumal bei bereits begonnener Grasvegetation, das Aufbrin⸗ gen von lebhaft rieſelndem Waſſer hei plöͤtzlich zu befürch⸗ tenden Nachtfroͤſten insbeſondere rathſam.— 5) Bei Ein⸗ tritt der waͤrmeren Frühlingswitterung iſt ein abwechſeln⸗ des Waͤſſern ſo lange gut, als die Wieſe in der Zwiſchen⸗ zeit ſtets wieder abtrocknen kann, Witterung oder Lage die⸗ ſelbe alſo nicht ohnedieß naß erhalten.— 6) Je höͤher das Gras wächſt und je naͤher die Zeit der Heuerndte rückt, um ſo ſeltener ſoll gewäſſert werden. Bei anhaltender trockner Wärme iſt ein jeweiliges Anfeuchten der Wieſe noch erſprießlich, jedoch muß es mit friſchem und doch nicht zu — 46— kaltem Waſſer, und nur bei Nacht geſchehen. Zwei bis drei Wochen vor dem Heugrasmaͤhen ſoll in der Regel nicht mehr gewaͤſſert werden.— 7) Wenn die Grasabſchnitte nach der Heuerndte etwas vernarbt ſind, kömmt ein mehrmali⸗ ges Waͤſſern dem Grummet ſehr zu Statten. §. 101. Das Maaß oder die Dauer der je⸗ desmaligen Bewaͤſſerung müſſen ebenfalls nach der Jahreszeit, der Witterung, der Beſchaffenheit des Waſſers und des Bodens ermeſſen werden. §. 102. Je loſer der Boden iſt, oder je ſtaͤrker ab⸗ haͤngig, um ſo laͤnger und oͤfter darf man waͤſſern, jedoch mit Ruͤckſicht auf das bei ſehr loſem Boden und etwas ſtar⸗ kem Hange mögliche Wegſchwemmen des Bodens, was be⸗ ſonders im erſten Frühjahre ſich leichter ereignet und na⸗ türlich vermieden werden muß. Je waſſerhaltender der Bo⸗ den iſt, oder je tiefer oder flacher gelegen, um ſo kürzere Zeit ſoll das Wäſſern dauern, und um ſo länger ſoll bis zur Wiederholung deſſelben gewartet werden.— Im Spat⸗ herbſte, im Winter oder erſten Fruͤhjahre darf das Waſſer länger auf ein und derſelben Stelle gelaſſen werden, als in der waͤrmeren Jahrszeit.(§. 100.)— In naßkalten Jahr⸗ gaͤngen oder in naßkaltem Klima iſt die Waͤſſerung mit kla⸗ rem, kaltem Waſſer nur ſpärlich zu betreiben, während ein mildes, duͤngende Theile mit ſich fuͤhrendes Waſſer hier viel ſtaͤrker gebraucht werden darf. Seltten iſt es bei der Ueberrieſelung rathſam, das Waſſer in der kühlen Jahrszeit länger als einige Tage auf einer Stelle zu laſſen, in der gemäßigten Jahrszeit genügen 12 bis 24 Stunden. §. 103. Bei der Ueberſtauung kann begreiflich das Waſſer nur eingelaſſen werden, ſo lange das Gras nicht waͤchſt oder wenigſtens noch ganz niedrig iſt. Man benutzt dazu insbeſondere die mit humoſen und guten erdigen Thei⸗ len geſchwängerten Fluthen. Das Waſſer wird ſo hoch an⸗ geſtaut, daß es die ganze Fläche bedeckt; nach mehreren — 47— Tagen wird es wieder abgelaſſen. Man darf die Ueber⸗ ſtauung nicht eher wiederholen, als bis die Wieſe wieder völlig abgetrocknet iſt, und je oͤfter man jene Art der Be⸗ wäſſerung, unter Berückſichtigung dieſer Regel, wiederholt, um ſo kürzere Zeit ſoll das Waſſer auf der Wieſe ſtehen bleiben. §. 104. Uebertreibunz der Rieſelungs⸗ wie Staube waͤſſerung, die man neben mangelhaftem Abzug des gebrauch⸗ ten Waſſers nur zu häufig findet, erzeugt ein Gras von um ſo ſchlechterer Beſchaffenheit, je mehr durch Boden und Lage, oder auch die Beſchaffenheit des Waſſers ſelbſt, ein vorſichtiger Gebrauch des letztern angezeigt iſt. V. Düngung der Wieſen. §. 105. Bei den Wieſen, welche weder durch künſt⸗ liche Bewaͤſſerung, noch durch natuͤrliche Ueberſtroͤmung ei⸗ nen Erſatz für die jährlich abgenommenen Graserndten erhalten, und die auch nicht unter den Pflug genommen werden koͤnnen oder ſollen(§. 15), muß irgend eine Art von Düngung in Anwendung kommen, wenn ihr Ertrag, nach Maaßgabe der ſonſtigen gegebenen Umſtaͤnde, befrie⸗ digend genannt werden ſoll. Bei bewäſſerten Wieſen, deren Waſſer nicht gerade ſtark mit humoſen Stoffen geſchwängert iſt, erweiſet ſich eine zeitweilige Dün⸗ gung immer lohnend. §. 106. Die meiſten bei der Landwirthſchaft gebräuch⸗ lichen Dungſtoffe ſind auch für die Wieſen anwendbar, ihr Werth als Wieſendünger ſteht jedoch mit ihrem wirthſchaft⸗ lichen Werthe als Dungſtoff zu andern Zwecken nicht im⸗ mer in gleichem Verhältniſſe. Für die Wieſen beſonders wirkſame und geeignete Dungſtoffe ſind alle Arten von Com⸗ poſt, namentlich der ſtark mit Erde gemengte, Mergel, — 48— Schlamm und ſelbſt viele humusarme Erdarten des untergrundes; ferner flüſſiger Dung, Pferch, wie die meiſten Streuduͤngerarten, als Malzkeime, Oel⸗ kuchen, Ruß, Aſche, Gips, Kalk u. ſ. w. Alle mit Erde gemiſchten Düngerarten haben für die Wieſen den Vorzug, daß ſie Moos und ſaure Pflanzen unterdrücken, den guten Wieſenpflanzen, insbeſondere den Gräſern aber, außer dem mit der Erde verbundenen Dungſtoff, eine Veranlaſſung zu einer friſche⸗ ren Vegetation darbieten; deßhalb findet man bei mooſigen oder ſauren Wieſen ſelbſt das Ueberfahren mit lockerer, wenig oder ſelbſt keinen Humus enthaltender Erde(Verjüngung der Wieſen, ſ. wei⸗ ter§. 118. ff.) ſehr erſprießlich, jedoch iſt in ſolchen Fällen Nach⸗ hülfe mit beſſeren Dungſtoffen in den folgenden Jahren erforderlich, wenn der Ertrag nicht wieder ſinken ſoll.— Daß alle leicht auflös⸗ lichen und deßhalb den Wieſenpflanzen als Nährſtoff bald zugäng⸗ lichen Dungarten, wie Pfuhl, Pferch ꝛc., ſowie diejenigen Stoffe, welche mit dem im Wieſenboden ſo häufig unthätig liegenden, ſäuer⸗ lichen, oder der Verbindungen mit Salzen ermangelnden Humus glückliche Verbindungen eingehen, wie Aſche, Gips u. ſ. w., iſt leicht erklärlich. Jedoch müſſen mehrere der letztern Stoffe mit Rückſicht auf die beſondere Beſchaffenheit der Wieſe verwendet werden. Torf⸗ aſche taugt in der Regel nur für an Säure leidende, kalte oder doch feucht gelegene Wieſen, Gips wirkt nicht auf naßgelegenen, Dungſalz und Kalk bewähren ſich auf ſumpfigen, moorigen Wieſen nach vor⸗ ausgegangener Trockenlegung. Durch das Vermengen aller dieſer Stoffe unter erdigen, mit Jauche begoſſenen Compoſt wird jeder nachtheiligen Einwirkung am beſten begegnet. Zu den für Wieſen beſonders geeigneten Dungſtoffen iſt auch noch das unmittelbar vor oder bei der Erndte der Kartofſeln gewon⸗ nene Kartoffelkraut zu nehmen. §. 107. Der gewöhnliche Stallduͤnger verdient in Bezug auf ſeine Anwendung fuͤr die Wieſen einer beſon⸗ deren Eroͤrterung. Daß er dafuͤr an und für ſich anwend⸗ bar ſei, bedarf keiner Unterſuchung; wohl aber wird ſich bei genauem Vergleiche der für gewöhnliche ſogenannte Dung⸗ wieſen beduͤrftigen Quantitaͤt Stallmiſtes mit dem daraus hervorgehenden Ertrage in vielen Faͤllen ein ungünſtiges Re⸗ — 49— ſultat ergeben, und in den Wirthſchaften, deren Felder nicht bereits in hoher Kraft ſtehen, wird ſich, bei gründlich an⸗ geſtellter Berechnung, eine regelmäßige Bedüngung der Wie⸗ ſen mit Stallmiſt meiſtens als unwirthſchaftlich erweiſen. Beſonders gering iſt verhältnißmäßig die Wirkung, wenn der Stalldünger auf trocken liegende Wieſen verwendet ward und ein trockner Frühling danach folgt.. Strohiger Dünger wird mit größerem Nutzen verwendet, als zergangener, da die nach dem Material berechnete Maſſe von jenem bei gleicher Wirkung weiter reicht, als von dieſem. Kann man aber den für die Wieſen beſtimmten Miſt nicht friſch verwenden, ſo iſt ein Durchſchichten mit Erde ganz beſonders rathſam. Die unzerſetzt gebliebenen ſtrohigen Theile werden im Frühjahr wieder abgerecht. Als beſonders für die Wieſen geeignet iſt der gewöhnliche Schweinemiſt bereits bezeichnet worden.(1. Abth. d. B.§. 344.) §. 108. Alle einigermaßen voluminoſere Düngerarten werden am beſten im Herbſt oder während des Winters auf den Wieſen verbreitet. Streudünger wendet man ſicherer kurz vor oder mit Beginn der Fruͤhlingsvegetation an. Fluͤſ⸗ ſigen Dung bringt man auf, ſo oft die Wieſen dafür zu⸗ gänglich ſind, ſtrengen Froſt und trockne Hitze ausge⸗ nommen. Nach Umſtaͤnden wird der aufgebrachte Dünger, nachdem er ei⸗ nige Zeit gelegen(im Frühjahr), mit der Harke oder dem Rechen, der Dornegge und Walze(beide letztere ſind beſonders beim Kom⸗, poſt zu empfehlen) weiter zertheilt und geebnet. §. 109. In Bezug auf Stärke und Wiederkehr der Duͤngung läßt ſich nur unter der Vorausſetzung ein Anhal⸗ ten geben, daß die Wieſen durch die Düngung auch in nach⸗ haltig befriegendem Ertrage erhalten werden ſollen. Je nach der Beſchaffenheit und der auf einmal anzuwendenden Nenge der Dungſtoffe darf man alsdann annehmen, daß im Durchſchnitt p. heſſ. oder preuß. Morgen jährlich der Werth von ao Entn. Rindviehdünger zu einer mittelguten Düngung erforderlich iſt. Pabſt Landwirthſch. I. 2. 4 Je nach Umſtänden und Beſchaffenheit des Düngers kann es räthlich ſeyn, alle 1, 2 oder 3 Jahre die Düngung zu wiederho⸗ len; auch wird häufig ein Wechſel mit den Stoffen, z. B. mit Com⸗ poſt und Gips ꝛc. ſich ſehr nützlich erweiſen.— Wird blos Erde verwendet, ſo darf dieſelbe nicht ſtärker, als ohngefähr einen Zoll hoch aufgebracht werden, wenn der Graswuchs im erſten Jahre da⸗ durch nicht leiden ſoll. Alles Speciellere in Bezug auf Beſchaffenheit, Werth und Be⸗ handlung der Düngerarten lehrt das ſechste Kapitel in der 1. Ahth. dieſes Bandes. VI. Sonſtige Pflege der Wieſen. §. 110. Zur weiteren Pflege der Wieſen gehoͤrt noch das Reinigen von fremdartigen Gegenſtaͤnden, Vertilgung der Wieſenunkräuter und Verminderung ſchaͤdlicher Thiere. 1. Reinigen. §. 411. Auf den Wieſen, die nicht bereits in vollkom⸗ mener Pflege ſtehen, finden wir haͤufig Geſtrüppe, Steine, alte Hügel von Maulwuͤrfen und dergl. mehr, deren Ent⸗ fernung eine geregelte Wieſencultur vor allen Dingen ge⸗ bietet. Sodann iſt in vielen Faͤllen eine mit jedem Fruͤh⸗ 'ahre wiederholte Reinigung erforderlich, bezüglich der neu⸗ entſtandenen Maulwurfshügel, der Reſte vorausſtattgehabter Düngung, Bewaͤſſerung oder Ueberſchwemmung. Nament⸗ lich iſt auch, zumal bei geregelten Bewaͤſſerungsanſtalten, immerwährend Sorge zu tragen, etwa noch vorhandene oder neu entſtandene Unebenheiten zu heben. Im Großen dient der Wieſenhobel(die Maulwurfsegge) zur Ausgleichung noch nicht feſt vernarbter kleiner Erhöhungen. Bei ſchwammigen Wieſen empfiehlt ſich der Gebrauch ſchwerer Wal⸗ zen. Im Kleinen bedient man ſich des Wieſenſpatens und ei⸗ nes Stampfers, oder ſtalt deſſen hölzerner mit Eiſen be⸗ ſchlagener Schuhe. 2. Vertilgung der Wieſen⸗Unkräuter. §. 112. Die Mittel zur Vertilgung, oder wenigſtens Verminderung, geringer oder ſelbſt ſchlechter Wieſenpflanzen, die ſich nicht nur auf den Wieſen geringerer Qualitaͤt reich⸗ lich finden, ſondern auch auf den beſſeren Wieſen, durch die Localität beſonders beguͤnſtigt, vorkommen, ſind zunächſt aus der näheren Kenntniß der vorkommenden Wieſen⸗Un⸗ kräuter(ſ.§. 17) zu abſtrahiren. §. 113. Manche ſchlimme Wieſen⸗Unkräuter laſſen ſich, weil ſie ſehr tief wurzeln und perennirend ſind, nur durch Ausſtechen oder öfters wiederholtes Ausziehen vertrei⸗ ben, wie Herbſtzeitloſe, Wolfsmilch u. ſ. w.— Bei denen, welche ein⸗ oder zweijährig ſind(Klapperkraut u. g.), und ſelbſt bei vielen perennirenden Unkraͤutern, iſt das Bewei⸗ den waͤhrend eines oder zweier Sommer, oder einige Jahre Beweiden bis Mitte des Sommers, bewährt.— Schar⸗ fes Eggen oder Ueberziehen mit dem Scarifica⸗ tor empfiehlt ſich als ſehr vorzüglich zu Verminderung der Mooſe und ähnlicher ſchlechten Pflanzen, zumal wenn Dün⸗ gung mit Aſche oder Dungſalz nachfogt. Das kräftigſte Mittel, das Aufkommen der ſchlechten Wieſen⸗ pflanzen zu verhüthen, iſt immer in einer in jeder Hinſicht guten Pflege der Wieſen nach den bisher angegebenen Grundſätzen zu ſuchen, und bei Wieſen, welche mit ſchlechten Pflanzen überfüllt ſind, bleiben Aufbruch oder Auffüllen die allein radicalen Verbeſſerungs⸗ mittel(ſ.§. 115 ff.). 3. Verminderung ſchädlicher Thiere. §. 114u. Für die Wieſen ſchädliche Thiere ſind haupt⸗ ſächlich die Naulwürfe, Mäuſe, Engerlinge und Grillen. Erſtere ſchaden, indem ſie durch die heraufge⸗ wühlte Erde den Pflanzenwuchs ſtören und Unebenheiten verurſachen, auch zum Verſinken des Bewäſſerungswaſſers Anlaß geben; die andern ſchaden durch unmittelbares Zer⸗ ſtören der Grasnarbe. — 52— Die Vertilgungsmittel gegen dieſe Thiere enthält das 8. Kapi⸗ tel der erſten Abth. d. Bandes. VII. Verjuͤngung alter und Anlegung neuer Wieſen. §. 115. Sehr ſchlechte Wieſen koͤnnen, falls ſie nicht durch vollſtändige Ent⸗ oder Bewaͤſſerung, oder beides zu⸗ gleich, ſich in beſſere umwandeln laſſen, zuweilen durch Ab⸗ tragen und Tieferlegen, hauptſächlich aber durch eine wirk⸗ liche Verjuͤngung, entweder mittelſt Aufbruch und neuer Anlegung, oder mittelſt ſtarker Ueberdeckung mit geeigne⸗ tem Grunde, in guten Zuſtand verſetzt werden, vorausge⸗ ſetzt, daß ihre Lage überhaupt von der Art iſt, daß die fer⸗ nere Benutzung zur Wieſe räthlich ſeyn kann(ſ.§. 15). Außerdem koͤmmt die Verwandlung von Feld in Wieſe, namentlich da wo Wechſelwieſen am Platze ſind, oͤfters vor. 1. Abtragen und Tieferlegen. §. 116. Rührt die geringe Qualität der Wieſe ledig⸗ lich von durchlaſſendem Boden in etwas erhöhter, und da⸗ durch zu trockner Lage her, ſo kann, wenn der Boden eini⸗ germaßen tiefgründig iſt, durch Tieferlegen, mittelſt Abtra⸗ gen eines Theils der Oberfläche, haͤufig bewirkt werden, daß nun der Wieſe die nöthige Feuchtigkeit von unten zu ſtatten koͤmmt und ihre Ertragsfaͤhigkeit dadurch weſentlich gefoͤrdert iſt. War die Raſendecke nicht gerade ſchlechter Art, ſo wird ſie auf zweckmäßige Weiſe zuvor abgehoben und zuletzt wieder aufgelegt, im andern Falle wird ſie mit weggenommen und die Wieſe neu angelegt(§. 122). Da dergleichen zu dbohe Wieſenſtellen häufig an zu tief liegen⸗ de angrenzen, ſo kömmt der dort wegzunehmende Boden letzteren zu ſtatten(§. 41); beſonders aber wird durch dieſes Tieferlegen öfters die Möglichkeit berbeigeführt, die Wieſe nunmehr bewäſſern zu kön⸗ nen(ſ.§. 82 und 83). Es iſt bei dem Tieferlegen überhanpt, be⸗ ſonders aber im letzteren Falle, zugleich auf eine möglichſt gleich⸗ — 53— mäßig abhängige Oberfläche Rückſicht zu nehmen, ſowie darauf, daß der beſſere Grund wieder zur Oberfläche verwendet wird. Hat die tiefer zu legende Wieſe vielen früher angeſchwemmten guten Boden, der zum Auffüllen anderer Stellen nicht erforderlich iſt, ſo iſt jener zu andern wirthſchaftlichen Zwecken häufig ſo viel oder ſelbſt mehr werth, als die ganze Arbeit koſtet. 2. Aufbruch alter Wieſen. §. 117. Bei ſolchen ſchlechten, zur Bewaͤſſerung nicht geeigneten Wieſen, welche fuͤr den Pflug gut zugänglich ſind, iſt in der Regel die beabſichtigte Verbeſſerung am ſicherſten und mit den wenigſten Koſten zu bewerkſtelligen, indem die alte Narbe mittelſt Aufbruch zuerſt zerſtört, das Land dann in kraͤftigen und gereinigten Zuſtand geſetzt und wieder neu zur Wieſe angelegt wird. Auch ſelbſt bei ſchlecht benarbten, ſtark bemvosten Bewäſſerungswieſen kann ein ſolcher Auf⸗ bruch räthlich werden. Derſelbe wird in der Regel im Herbſt vorgenommen, im anderen Jahre folgt Hafer, Flachs, oder eine andere fuͤr Umbruch geeignete Beſtellung, im zweiten Jahre Hackfrucht mit Duͤngung und im dritten Jahre wird die Anſaat Behufs der Niederlegung zur Wieſe gemacht.(§. 122.) Hat man Urſache eine recht baldige Wiederbeſaamung zu wün⸗ ſchen, fo können in den im Nachſommer vorgenommenen Aufbruch auch gleich im folgenden Jahre gedüngte, mit der Hand fleißig gebaute Kartoffeln kommen und im zweiten Jahre kann ſchon wie⸗ der zur Wieſe angeſäet werden. Herr v. Babo theilt(landwirth⸗ ſchaftliche Zeitſchrift von Heſſen, 1834) ein Verfahren mit, wonach ſogar im erſten Jahre nach dem Aufbruch die Wiederbeſaamnng mit Erfolg eintreten konnte: eine ſtark mooſige Wieſe ward näm⸗ lich im Nachſommer umgebrochen, im Frühjahre mit Meſſerpflug und Egge tüchtig verarbeitet, mit Grasſaamen beſäet, der zugeſchleift und wonach die obenaufliegenden todten Raſen abgerecht wurden; in dem⸗ ſelben Sommer zeigte ſich noch ein ſehr ſchöner Graswuchs.— Bei einer ganz ſchlechten und ſchwer verwesbaren Narbe kann auch Schä⸗ len, Zuſammenſetzen der Raſen mit Kalk, Miſt ꝛc. rathſam ſeyn, indem man den entblösten Boden einen Sommer als Brache bearbeitet, die in Kompoſt verwandelten Raſen der Oberfläche wiedergibt und nun gleich zur neuen Wieſenanlegung ſchreitet. 3. Ueberdecken mit Grund. §. 118. Nicht blos wenn eine vollſtaͤndige Entwaͤſſe⸗ rung nicht möglich(§§. 41. 42), ſondern uͤberhaupt bei moorigen, ſauren, tief liegenden Wieſen, die mit ſchlechtem Graswuchſe verſehen ſind, bewährt ſich, und zwar nach vor⸗ ausgegangener Entwäſſerung, das Aufbringen von Grund in ſo ſtarkem Maaße, daß eine neue Beſaamung(Verjün⸗ gung) darauf ſtattfinden kann, ganz vorzuͤglich, vorausgeſetzt, daß der erforderliche Boden in der Nähe und von geeigne⸗ ter Beſchaffenheit zu haben iſt. §. 119. Daß ein guter, beſonders nicht zu ſtark ge⸗ bundener, noch an Saͤüre leidender, namentlich auch ein lockerer Mergel⸗Boden dazu vorzuͤglich ſich eignet, bedarf kaum der Anführung; es eignet ſich aber auch geringer loſer Boden, und ſelbſt reiner Sand, um ſo mehr dazu, je mehr die Wieſe moorig oder torfig iſt. Wie hoch man ſolchen Boden aufbringen ſoll, haͤngt von der Menge, welche— und der Nähe, wo ſie zu Gebote ſteht, zuͤnächſt ab. In der Regel ſoll er jedoch, wenn der Zweck vollſtaͤndig erreicht werden ſoll, wenigſtens a4 Zoll dick aufgebracht werden. Iſt der aufgebrachte Boden ganz mager, ſo iſt eine Ueberdeckung mit beſſerem Boden oder Compoſt vor der Beſaamung(ſ.§. 122) ſehr zu empfehlen; doch hat man auch viele Beiſpiele, daß ungedüngter auf entwäſſerten Moorboden aufgebrachter Sand einen ſehr guten Graswuchs zog. Die Wirkung ſolcher blos beſandeten, nicht gedüngten Moor⸗ wieſen iſt jedoch nicht immer nachhaltig; man muß wenigſtens ſpä⸗ ter düngen, oder nach einiger Zeit aufbrechen und neu beſaamen. Köunen die auf dieſe Weiſe verjüngten Wieſen ſpäter bewaͤſſert wer⸗ den, ſo ſind ſie geborgen.— Ausführliches über das ganze Verfah⸗ ren findet ſich in v. Lengerke's Wieſenbau. §. 120. Wenn die Auffüllerde als Anhöhe unmittelbar neben der zu überdeckenden Wieſe, und zugleich eine betraͤcht⸗ lich fließende Waſſermaſſe zu Gebote ſtehend ſich findet, wel⸗ che ſich hoch genug leiten laͤßt, ſo kann das Verfahren der Schwemmwieſen eingeſchlagen und dadurch bedeutend an den Koſten geſpart werden. Der hierzu zu benutzende Grund iſt gewöhnlich arm, und wenn dieſes der Fall, ſo muß auf eine Kraͤftigung mittelſt Compoſt, Pferch ꝛc. vor der hernach vorzunehmenden Beſaamung gedacht werden. Genaue Beſchreibung dieſes Verfahrens, das beſonders im Hau⸗ növer'ſchen ſehr ausgebildet iſt, enthält Thär's rat. Landw. 3. B.; auch Lengerke erwähnt deſſelben ausführlich. §. 121. Fuͤr gewöhnlich iſt der Erdetransport mittelſt der Handkarre oder des Geſpanns(insbeſondere der Sturz⸗ karre) zu bewerkſtelligen. Beträgt die Entfernung nicht über 100 Schritte, ſo behält, bei mäßigen Arbeitspreiſen, die Handkarre den Vorzug; bei groͤßeren Entfernungen muß Geſpann zur Hülfe genommen werden, wodurch der Koſten⸗ aufwand beträchtlich und natuͤrlich um ſo mehr ſich erhöht, je weiter zu fahren iſt. Von großer Entfernung kann bei dem Bedarf ſo großer Erd⸗ maſſen ohnedieß keine Rede ſeyn. Eine Entfernung über 10 Minu⸗ ten verurſacht oft ſchon einen den Nutzen überſteigenden Koſten⸗ aufwand. 3. Verfahren bei dem Anlegen neuer Wieſen. §. 122. Sei es nun, daß man fruͤher aufgebrochene alte Wieſen, oder im regelmäßigen Wechſel zwiſchen Feld und Wieſe ſtehendes Land, oder ſolche Grundſtücke zur Wieſe anzulegen hat, welche bisher gar nicht als ſolche be⸗ nutzt wurden; ſo haͤngt das Gedeihen und der künftige Er⸗ — 56— trag des anzulegenden Graslandes von dem eingeſchlagenen Verfahren in hohem Grade ab. Mangel an Sorgfalt und Kenntniß ſind nur zu oft ſchon die Urſache geweſen, daß neue Wieſenanlagen ſchlecht gediehen, und nie zum vollen Ertrage gelangen konnten. §. 123. Der erſte Grundſatz fuͤr die Anlegung neuer Wieſen iſt: das Land durch kraͤftige Düngung und ſorgfaͤltige Bearbeitung vorher in möglichſt vollkommenen Zuſtand zu ſetzen, und dabei zugleich Bedacht zu nehmen, ihm diejenige oberflaͤchliche Form zu geben, welche fuͤr die künftige Wie⸗ ſenanlage die geeignetſte iſt. Doppelt wichtig wird die letztere Regel, wenn demnächſt auch Bewäſſerung angewendet werden kann. §. 124. Bei den Wechſelwieſen beruht das Verfahren mit auf der Fruchtfolge, welche ſich gewoͤhnlich ſo geſtalten laͤßt, daß im Jahre vorher in kräftiger Duͤngung Hackfruͤchte gebaut werden und dann im folgenden Fruͤhjahre unter eine Sommerfrucht, am beſten unter eine zeitig abzumaͤhende Grünfutterſaat, die Anſaat zur Wieſe gemacht wird. Auch für beſtändige Wieſen fuͤhrt dieſes Verfahren zum Ziele, wenn der Boden von Natur graswächſig, die Lage feucht iſt. Das ſicherſte Verfahren Behufs der Anlegung beſtändi⸗ ger Wieſen, und inz etwas trockner Lage das allein ſichere, iſt jedoch, indem eine ſehr kräftige Düngung zu irgend ei⸗ nem einträglichen Gewächſe im Jahre vorher gegeben, dann vom Herbſte an und das Fruͤhjahr und den Sommer hin⸗ durch eine ſorgfaͤltige Brachbearbeitung angewendet und her⸗ nach im Monat Auguſt die Grasanſaat, ohne ſogenannte Ueberfrucht, auf das fein zubereitete Land gemacht wird, dergeſtalt, daß ſie nur mit der Dornegge untergebracht und dann, nach Umſtaͤnden, geſchleift oder gewalzt wird. Die Abſicht im Anſaatjahre zugleich eine Sommergetreideerndte zu machen, hat in etwas trockner Lage häufig einen geringeren Er⸗ — 5,/— trag in den nächſten Jahren zur Folge, und bei eintretendem trock⸗ nem Sommer kann ſogar ein theilweiſes oder ſelbſt gänzliches Miß⸗ rathen der Wieſenanlage die Folge ſeyn. §. 125. Wichtig bleibt ſodann eine nach Boden und Lage getroffene Auswahl des Saamens. Eine Miſchung meh⸗ rerer Sorten guter Graͤſer und einiger kleeartigen Gewaͤchſe iſt faſt immer räthlicher, als nur eine Grasſorte. Eben ſo weſentlich iſt, mit der Quantität der Saamen nicht zu gei⸗ zen; zwanzig Pfund Saamen verſchiedener Graͤſer und 2 bis à Pfund Saamen von Kleearten ſind in der Regel P. heſſ. oder preuß. Morgen nicht zu viel. Das Gewicht und die Größe der Saamenkörner der Grasarten ſind ſehr verſchieden; deßhalb kann hier nur von einem Durchſchnitte die Rede ſeyn. Hat man ſogenannte Heublumen von Heu, das auf guten Wieſen gewonnen wurde, ſo ſtreue man ſolche zuletzt recht ſtark über die untergebrachte Saat; manches darunter befindliche reife Saa⸗ menkörnchen geht noch mit auf, das Uebrige dient als Düngung und zum Schutze des jungen Graswuchſes. §. 126. Bei der Auswahl der Saamen hat man ſich, nächſt Boden und Lage, auch danach zu richten, welche Sor⸗ ten in guter Beſchafenheit und ohne zu große Koſten zu erhalten ſind. Das ſicherſte und auch die wenigſten Koſten verurſachende Verfahren bleibt zu dem Ende, daß man die betreffenden Saamen ſelbſt zu gewinnen ſucht. Dieß kann auf mehrfache Weiſe geſchehen. Bei häufig vorkom⸗ menden Anſaaten von bedeutendem Belange verlohnen ſich eigne Saa⸗ menſchulen. Auſſerdem gewinnt man den Saamen von einzelnen ausgewählten, bei der Heuerndte zum Reifen ſtehen gelaſſenen Wie⸗ ſenſtellen, oder indem man inſtruirte Sammler an den Wegen, Trif⸗ ten, Wald⸗ und Wieſenrändern unter Aufſicht die reifen Saamen der einzelnen guten Gräſer abſtreifen läßt. §. 127. Folgende, zugleich auch im Groͤßeren leicht zu gewinnende Saamen eignen ſich: 2) fuͤr gebundenen, — 58— oder mäßig gebundenen, aber zugleich feuchten Boden: 1) Festuca elatior und pratensis. 2) Alopecu- rus pratensis. 3) Poa pratensis. 4) Dactylis glome- rata. 5) Lolium perenne. 6) Phleum pratense. 7) Tri- folium repens. 8) Lathyrus pratense. 9) Lotus corni- culatus. b) Auf etwas trocknem, mehr loſem Boden: 1) Avena elatior. 2) Lolium perenne. 3) Avena pubescens. 4) Poa pratensis. 5) Festuca rubra. 6) Holcus lanatus. 7) Bromus mollis. 8) Trifolium re- pens. 9) Lotus corniculatus. 10) Vicia cracca. 11) Me- dicago falcata und lupulina. c) Fur naſſen, torf⸗ oder moorartigen Boden: 1) Phleum pratense. 2) Agrostis stolonifera. 3) Holcus lanatus. 4) Dactylis glomerata. 5) Trifolium repens. 6) Trifolium pratense. 7) Medicago lupulina. Bei andauernden Wieſen iſt der gewöhnliche rothe Klee(trif. prat. sativum) zur Unterſaat nur in ganz geringem Verhaltniß, etwa 1 bis 1 ½ Pf. p. Morgen, zu empfehlen, da er ſonſt die länger peren⸗ nirenden Wieſenpflanzen Anfangs unterdrückt, während er nach eini⸗ gen Jabren abſtirbt. Wegen näherer Beurtheilung dieſer und weiter noch empfehlens⸗ werthen Wieſenpflanzen wird auf§. 26 zurückgewieſen. §. 128. Bei Wechſelwieſen, welche man in der Regel nur auf eine kurze Reihe von Jahren(3 bis 6 Jahre) zur Wieſe, und meiſtens theilweiſe auch zur Weide nieder⸗ legt, begnügt man ſich in der Regel mit einer oder zwei Grasarten und einer oder mehreren Kleearten. Auch laͤßt man hierbei den Kleearten meiſtens ein ſtärkeres Ueberge⸗ wicht, als bei den andauernden Wieſen. Die beliebteſten Grasarten für dieſen Behuf ſind: Lolium perenne, in mil⸗ dem Clima auch L. italicum, Phleum pratense und Dactylis glomerata; an Kleearten: Trifolium pratense, T. repens, T. agrarium und T. medium(vorausgeſetzt, daß dieß das beliebte Cow⸗Graß der Engländer ſei), dann Medicago lupulina. In England liebt man, nach Freiberrn v. Ellrichshau⸗ ſen, eine Anſaat p. heſſ. oder preuß. Morgen von durchſchnittlich: 6 Pfund Trif. pr. sab., 4 ½ Pfund Trif. repens, 3 ½ Pfund Cow⸗ Graß(Trif. med.?]), 3 Pfund Medic. lup. und 6 Pfund Lol. perenne.— In der Lombardei ſäet man gewöhnlich eine Mi⸗ ſchung von Lol, italicum mit etwas Trif. sat.— In Meklenburg wird das Phleum pratense am häufigſten mit einer Kleeart oder de⸗ ren mehreren geſät; man hat dort auch das Lolium italicum mit Glück verſucht; von anderer Seite(Jeppe Herb. vivum) wird die Saat von Dactylis glom. mit Klee gerühmt. Bromus gigantheus, den man ſchon häufig als ſehr einträglich rühmte, ſcheint ſehr leicht zu mißrathen; empfehlenswerther möchte Avena elatior ſeyn. Auch Plantago lanceolata wird noch zur Unterſaat empfohlen. Ueber den Wechſelgrasbau ein Mehreres bei der Cultur der Weiden§. 170 ff. §. 129. Wo bei der Anlegung neuer Wieſen gute Ra⸗ ſen zu Gebote ſtehen(was bei vorausgegangenem Abheben zu hoher und Auffüllen tiefer Stellen gemeiniglich der Fall iſt, ſ.§. 83), läßt ſich auch die Methode des ſogenannten Raſeneinimpfens in der Art anwenden, daß man die Raſen in kleine Stuͤcke zerhackt, dieſe dann vor oder nach dem Säen des Grasſaamens ausſtreut und feſtwalzt. Es ſchlagen dann die Graspflanzen des Raſens theilweiſe Wur⸗ zel, der Ausſchlag gewährt der jungen Saat Schutz, der erſte Ertrag wird verſtärkt und die Wieſe läßt ſich früher bewäſſern. §. 130. Iſt die junge Wieſe im Frühjahre mit einer Ueberfrucht angeſät worden, ſo kann ſie, nach der Erndte der letzteren, im Herbſt häufig noch etwas mit Schafen, je⸗ doch nur bei trocknem Wetter, zu ihrem Nutzen beweidet werden. Im Jahre nach der Anſaat ſoll ſie zeitig zu Heu gemaͤht und dann, wo möglich, mit Schafen bis Mitte Herbſt mit Vorſicht beweidet werden. Wo Weide nicht thunlich, wende man öfters die ſchwere Walze an. Auch im folgen⸗ den Jahre iſt ein theilweiſes Beweiden, und darauf beruhen⸗ des nur einmaliges Maͤhen, noch raͤthlich. Erſcheint der Graswuchs im erſten Herbſte im Ganzen, oder doch an ein⸗ zelnen Stellen, nicht recht kraͤftig, ſo helfe man ja alsbald durch Ueberdüngung nach. Das Gipſen junger Wieſen im Frühjahre nach dem Anſaatjahre bewährt ſich auch meiſtens ſehr. §. 131. Die zur kuͤnftigen Bewaͤſſerung erforderlichen Hauptgraͤben werden in der Regel am zweckmäßigſten ſchon vor der Anſaat, die kleineren Waͤſſerungsgraͤben aber erſt nach gebildeter Grasnarbe angefertigt. VIII. Erndte und Ertrag der Wieſen. 1) Erndte. §. 132. Die Wieſen werden, je nach ihrer Ertrags⸗ fähigkeit und Lage, einmal, d. h. blos zu Heu, oder zwei⸗ mal, zu Heu und Grummet(Ohmet, Nachmacht), oder dreimal, zu Heu, Grummet und Aftergrummet, beerndtet. Ein mehr als dreimaliges Mähen kömmt blos bei ſolchen Wie⸗ ſen vor, deren Gras grün gefüttert wird. §. 133. Der richtige Zeitpunkt zum Mähen des Heugraſes iſt gekommen, wenn die Mehrzahl der Graͤ⸗ ſer in volle Blüthe getreten iſt. Zugleich muß man ſich aber auch nach der Witterung richten, und, je nachdem man dieſe günſtig oder unguͤnſtig erachtet, etwas früher mähen laſſen oder etwas laͤnger warten. Bei der Grummeterndte iſt insbeſondere gegen ein zu langes Hinausſchieben zu warnen, weil bei der Schwierigkeit des Trocknens in der ſpäteren Jahreszeit an der Qualität häufig mehr verloren geht, als die Quantität durch das längere Warten gewonnen hat. §. 134. Je nach den einwirkenden Umſtänden fällt bei zweiſchürigen Wieſen die Heuerndte zwiſchen Anfang Juni und Anfang Juli, die Grummeterndte zwiſchen Mitte Au⸗ guſt und Mitte September. Einſchürige Wieſen werden ge⸗ wöhnlich Ende Juli gemäht. Bei dreiſchuͤrigen fällt, ein früheres Maͤhen zu Heu vorausgeſetzt, die erſte Grummet⸗ erndte zu Anfang Auguſt, die zweite zu Ende September oder Anfang October. §. 135. Beim Mähen iſt darauf zu ſehen, daß das Gras gleich und nicht zu hoch, jedoch auch nicht ſo tief ab⸗ gehauen werde, daß die Krone der Graspflanzen ganz mitweg⸗ genommen iſt. Etwas Feuchtigkeit iſt zu einem guten Mä⸗ hen erforderlich, deßhalb wird auf trocken liegenden Wieſen, bei trocknem Wetter, das Maͤhen von Mittag bis Abend eingeſtellt. Bei Bewäſſerungswieſen iſt es räthlich, Tags vorher etwas Waſ⸗ ſer einzulaſſen, wenn der Boden der Wieſe trocken und feſt iſt. §. 136. Ein guter Maͤher fertigt meiſtens in einem Tage, oder in 10 bis 11 vollen Arbeitsſtunden, 1 ½ bis 1 ½ heſſ. oder preuß. Morgen(1 bis 1%½¼ wuͤrtemb. Morg.) ab. §. 137. Sehr viel haͤngt in Bezug auf die Qualitaͤt des zu gewinnenden Futters von dem weiteren Verfahren Behufs des Trocknens(Duͤrrens) ab. §. 138. Die dazu gebraͤuchlichen Verfahrungsarten ſind verſchieden. Bei der gewöhnlichſten derſelben werden die vom Maͤhen entſtandenen Schwaden Morgens auseinan⸗ der geſtreut, Tags über wird, gutes Wetter vorausgeſetzt, oͤfters gewendet, und vor Abend wird das halbtrockne Heu zum Schutze vor Thau oder Regen auf maͤßig große Hau⸗ fen geſetzt. Am andern Morgen wird erſt aus den Haufen geſtreut, wenn der Boden vom Thau ziemlich abgetrocknet iſt, und die Bearbeitung wird wie Tags vorher fortgeſetzt. Selten iſt das Futter ſo ſchnell getrocknet, daß es rath⸗ ſam iſt, es ſchon am zweiten Nachmittage einzubringen; gewöhnlich muß es wieder auf. Haufen, und zwar jetzt grö⸗ ßere, geſetzt, und am dritten Tage nochmals auseinander⸗ geworfen und nach Erforderniß gewendet werden, wo es — 62— dann, wenn das Wetter anhaltend günſtig war, zuſammen⸗ gemacht und eingefahren werden kann. §. 139. Eine andere Methode iſt, das Gemaͤhte einen Tag, bei trübem Wetter auch einige Tage, ruhig in Schwa⸗ den liegen zu laſſen, dann, bei günſtigem Wetter, je zwei Schwaden gegen einander zu werfen, einige Stunden da⸗ nach kleine Häufchen zu formiren, in denen man das Fut⸗ ter mittelſt Aufziehen und Umwenden vollends zum Austrock⸗ nen kommen laͤßt, und woraus man nöthigen Falls, nament⸗ lich bei zu fürchtendem Regen, ſpäter noch groͤßere Haufen aufſetzt. Dieſe Methode erfordert im Durchſchnitt einen etwas gerin⸗ geren Koſtenaufwand, als die im vorigen Paragraphen ange⸗ führte. Letztere fördert dagegen, wenigſtens bei gutem Wetter, das Austrocknen am ſchnellſten, und deßhalb wird ſie häufiger, als die andern angewendet. Bei einem feinblättrigen Graswuchſe ziehe ich die zuletzt(§. 139) beſchriebene, bei einem hochgewachſenen, ſtarken Graſe die zuerſt beſchriebene vor. §. 140. Verwerflich iſt das in ebenen Gegenden noch haͤufig anzutreffende Verfahren, wobei das Gras bald nach dem Maͤhen geſtreut wird, Tag und Nacht ausgebreitet lie⸗ gen bleibt, nur mitunter einmal gewendet, und erſt zuſam⸗ mengerecht wird, nachdem es ganz duͤrre geworden. Das Unterlaſſen des Aufſetzens in Haufen über Nacht iſt bei den gewöhnlichen Methoden nur bei noch wenig getrocknetem Graſe zu entſchuldigen. Es befördert nicht nur das ſchnellere Trocknen, ſo wie es gegen etwa eintretenden Regen Schutz gibt; das Futter, welches unter Beobachtung dieſer Regel getrocknet worden, erweiſet ſich auch ſtets nährender und geſünder für die Thiere, welche damit gefüttert werden, als das über Nacht ausgebreitet liegen gelaſſene, ſelbſt weun ſonſt die Witterung dieſem günſtig war. Bei dem Grum⸗ met gilt dieß noch mehr, als bei'm Heu. §. 141. Sehr ſchwierig wird die Heuerndte, wenn Re⸗ genwetter eintritt, waͤhrend man ſchon damit begonnen hat. Das Liegenlaſſen des noch nicht geſtreuten Graſes in Schwa⸗ den iſt alsdann jedenfalls eben ſo gerathen, als das eifrige Zuſammenbringen des im Duͤrren ſchon weiter vorgeſchrit⸗ tenen Futters, bevor es beregnet worden, in ſogenannte Wetterhaufen(kleine Schober). Regel iſt, ſowie überhaupt bei unſicherem Wetter ſtets dahin getrachtet werden muß, das Futter um ſo mehr beiſammen zu halten, je weiter es im Trocknen ſchon vorgerückt iſt. Vor dem Regen nehme man zu den ebengedachten Zwecken alle Kräfte in Anſpruch; iſt aber Regen gefallen und noch mehr zu be⸗ fürchten, ſo ſchadet ängſtliche Thätigkeit mehr, als ſie Nutzen ſtiftet. §. 142. Iſt hingegen die Heu⸗(Grummet⸗) Erndte durch anhaltend heißen Sonnenſchein begünſtigt, ſo ſoll man dahin trachten, dem hoͤchſten Grade von Dürrſeyn vorzu⸗ beugen, weil dadurch gerade an den feineren, naͤhrenden Beſtandtheilen des Futters Betraͤchtliches verloren geht. Man vermeide zu dem Ende, ein zu häufig wiederholtes Hin⸗ und Herrechen und halte das duürrere Futter ebeufalls wieder mehr beiſammen. In dieſer Beziehung wird beſonders bei der in§. 138 gedachten Methode häufig gefehlt. Manche Landwirthe laſſen, der Ordnung bei der Fütterung hal⸗ ber, das Heu auf der Wieſe in Bunde von 20 bis 25 Pfund binden. Es hat dieſes, ſonſt löbliche Verfahren iundeſſen gegen ſich, daß, wenn nicht ſehr ſorgfältig verfahren wird, mancher zarte Futterſproſſen als Staub auf der Wieſe zurückbleibt; bei großen Wieſenflächen bleibt ſelten Zeit zu ſolchem Geſchäfte übrig. §. 143. Es ſind auch, zur Erſparniß an Handarbeit, Heuwendemaſchinen erfunden worden, welche durch Pferde fortbewegt werden; ſie ſind jedoch nur auf ſehr eben ge⸗ ſtalteten Wieſen mit Nutzen anwendbar. Practiſcher, und bei zu beerndtenden großen Wieſenflächen häu⸗ figer anwendbar, ſind durch Pferde gezogene Rechen, oder die eng⸗ liſche Heuegge, Behufs des Zuſammenbringens der Heumaſſen. §. 144. Von den vorhin angedeuteten Methoden ſehr abweichend iſt diejenige, welche man hier und da in der Schweiz, in Salzburg, auch mitunter in England antrifft, und wobei das ſogenannte braune Heu erhalten wird. Man wendet die Tags vorher niedergelegten Schwa⸗ den einmal um, bringt ſie am Abend in kleine Haufen, dieſe am folgenden oder nächſtfolgenden Tage wieder in groͤßere zuſammen; wieder einen oder einige Tage ſpäter ſetzt man das ſo behandelte ohngefähr halbduͤrre(welke) Heu in Fei⸗ men, oder unter kleine freiſtehende Schoppen, feſt zuſammen, und ſo bleibt es bis zum Winter ſitzen. Es hat dann, in Folge der überſtandenen Gährung und damit verbundenen Erhitzung, eine braͤunliche Farbe und ſoll, wenn es mit der Erhitzung nicht etwa zu weit gekommen war, nahrhaft und geſund ſeyn. Es ſcheint beſondere Vorſicht und Sachkenntniß zu erfordern, um den rechten Zeitpunkt für das Zuſammenſetzen zu treffen. In Gegenden, wo das Clima feucht, und völliges Austrocknen deßhalb ſchwer zu erlangen iſt, mag jene Methode wohl am Platze ſeyn. Im⸗ mer iſt dabei zu widerrathen, ſolches Futter auf die gewöhnlichen Heuböden zu ſetzen, denn hier kann Selbſtentzündung, und außerdem auch leicht ein Verderbniß der Futters eintreten. §. 145. In einigen Gebirgsgegenden bedient man ſich zum Heutrocknen auch der Vorrichtung, welche unter dem Namen Heinzen oder Kleereiter bekannt iſt. Dieſelbe empfiehlt ſich jedoch für das Wieſenheu weit weniger, als fuͤr Kleeheu und andere Gegenſtaͤnde.. Bei der Beerndtung des Klees iſt davon weiter die Rede. §. 146. Daß das Futter, abgeſehen von dem braunen Heu, zum Einfahren trocken genug ſey, erkennt man am Anfühlen und am Gewichte deſſelben. Ein gut behandeltes gut eingebrachtes Dörrfutter aber iſt an der ſchoͤnen gruͤnen Farbe, die ihm erhalten ſeyn muß, leicht zu erkennen. Beim Grummet iſt mehr Vorſicht noͤthig, daß es nicht zu bald einkomme, als beim Heu. §. 147. Ein feſtes Zuſammenſetzen des Futters auf dem Heuſpeicher und Sorge, daß die Luft die Seiten und die Oberflaͤche des Aufgeſetzten beſtreichen kann, traͤgt zur beſſeren, Erhaltung des Heufutters weſentlich bei. Deßhalb hält es ſich in Feimen und offenen Schuppen ſtets gut. Bei ſolchem Futter, das durch uugünſtige Witterung gelitten, überhaupt bei Futter von geringer Qualität, wird mit Recht empfoh⸗ len, auf den Centner ¾ bis 1 Pfund Salz bei dem Aufbanſen zwi⸗ ſchen zu ſtreuen. Auch Zwiſchenſchichten von gutem Stroh werden hierbei, ſowie überhaupt bei Mangel an Wieſenfutter empfohlen. Das Stroh, welches in das Grummet beim Aukbanſen eingeſchichtet worden, nimmt den ſchönen Geruch davon an und wird von dem Viehe begierig mitverzehrt. §. 148. Iſt die Heuerndte in vollem Zuge, derge⸗ ſtalt, daß taͤglich gemäht wird, ſo ſind auf einen in Arbeit ſtehenden Maͤher, bei den gewoͤhnlicheren Erndtemethoden, ſelten weniger als drei, zuweilen bis vier Heuwerber er⸗ forderlich, welche jedoch in den Frühſtunden zu anderer Ar⸗ beit verwendbar bleiben. 2) Haupt⸗Ertrag. §. 149. Der Heu⸗ und Grummet⸗Ertrag muß nach Qugntitaͤt und Qualitaͤt betrachtet werden. §. 150. In Bezug auf Quantität dient zum An⸗ halten, daß die beſten zwei⸗ und dreimaͤhdigen Wieſen zwi⸗ ſchen 40 und 50 Centner Heu und Grummet vom heſſ. oder preuß. Morgen, in ſelten vorkommenden Fällen ſelbſt noch mehr, abwerfen; in den meiſten Verhaͤltniſſen liefern die mit dem Praͤdicate ſehr gur bezeichneten Wieſen jäͤhrlich p. Morgen jedoch nur zwiſchen 30 und 40 Centner Duͤrrfut⸗ ter; gewöhnlich gute und mittelgute zweiſchuͤrige Wiefen liefern 18 bis 27 Centner p. Morgen; geringere, zum Theil Pabſt Landwirthſch. I. 2. 5 nur einmähdig, 12 bis 16 Centner, und ſchlechte, meiſtens einmähdige, von 10 bis herunter auf 5 Centner p. heſſ. oder preuß. Morgen.(P. Würtemb. Morgen hoͤchſter Er⸗ trag 62, geringſter 6 Centner.) 3 §. 151. In der Qualität iſt das Wieſenfutter ſo verſchieden, daß das beſte Heu dem Gewichte nach mehr als das Doppelte gegenz ſehr geringes werth iſt. In den meiſten Fällen kann durch die größere Quantität bei der Verwendung zur Fütterung die abgehende Qualität gar nicht erſetzt werden, und für viele Zwecke iſt ſaures, oder ſonſt ſchlechtes Heu ganz unbrauchbar. 3. Nebennutzungen. §. 152. Der Nebennutzen von den Wieſen beſteht hauptſächlich in Weide, Obſt und Holz. a) Weidenutzung. §. 153. Ein jeweiliges Beweiden, z. B. alle 3, a oder 5 Jahre in einem halben oder ſelbſt ganzen Som⸗ mer, iſt allen Wieſen, welche keine ſehr naſſe Lage haben, in Bezug auf den Ertrag in den folgenden Jahren zutraͤglich, und ſollte da, wo die Verhältniſſe überhaupt einem Weide⸗ betrieb nicht entgegen ſind, und wo auch eine weſentliche Beſchaͤdigung vorhandener Bewäſſerungsanlagen nicht zu be⸗ furchten iſt, haͤufiger zur Ausfuͤhrung kommen, als dieß ge⸗ wöhnlich der Fall iſt. In manchen Wirthſchaftsverhältniſſen kann es auch rathſam ſeyn, von einem Theile der Wieſen jährlich nur den Heuſchnitt zu neh⸗ men und ſie dann im Nachſommer den Schafen oder dem Rindviehe einzuräumen. Der Weidnutzen kann leicht dem Grummetertrage im Werthe gleich ſtehen, und der Heuertrag höher ſeyn, als wenn auch zum Grummet gemäht wird. §. 154. Das Beweiden im Frühjahre thut in den meiſten Verhältniſſen dem Heuertrage mehr Eintrag, als es für die Viehernährung Nutzen bringt. Mit Rindvieh ſollte es, wenn nicht auf den erſten Schnitt Verzicht gelei⸗ ſtet werden ſoll, niemals geſchehen, und mit Schafen laͤßt es ſich nur rechtfertigen auf reichen, an Feuchtigkeit nicht Mangel leidenden, und doch nicht naß gelegenen Wieſen im erſten Fruͤhjahre kurze Zeit maͤßig ausgeübt. §. 155. Ein maͤßiges Beweiden im Herbſte wird bei ſonſt guter Pflege der Wieſen meiſtens mehr Weidenu⸗ tzung gewähren, als die daraus hervyrgehende Schmälerung des Heuertrags im folgenden Jahre anzuſchlagen iſt. Bei ſtarker Näſſe ſollen Wieſen niemals betrieben werden, und je ſpäter die Jahreszeit, um ſo weniger iſt das Weiden dem Viehe und der Wieſe zuträglich.. Bei Bewäſſerungswieſen iſt in Anſchlag zu bringen, daß die Gräben und Dämme durch das Betreiben mit Rindvieh leicht be⸗ ſchädigt werden, während die Schafe in dieſer Hinſicht nur wenig oder nichts ſchaden. b) Obſt⸗ und Holz⸗Nutzung. §. 156. Durch das Bepflanzen der Wieſen mit Holz wird in der Regel der Graswuchs, zunächſt in Qualität, mehr oder weniger aber auch in Quantitaͤt, um ſo mehr beinträchtigt, als dadurch eine ſtärkere Beſchattung bewirkt und Raum in Anſpruch genommen wird. Indeſſen wird da, wo Boden und Lage dem Gedeihen der Obſtzucht günſtig ſind, das Bepflanzen der Raͤnder der Wieſen doch faſt im⸗ mer, und nicht ſelten auch ein Bepflanzen ganzer Wieſen in weiten Zwiſchenraͤumen mit Obſtbaͤumen, den Geſammt⸗Er⸗ trag des Grund und Bodens erhoͤhen. Auch wird in Ge⸗ genden, wo das Holz in hohem Preiße ſteht, ein verſtaͤndig ausgeführtes Bepflanzen der durch die Wieſen ziehenden Wege und breiteren Gräben oder Baͤche mit nutzbarem Holz, beſonders Kopfholz, meiſtens mehr eintragen, als Schaden verurſachen. 5 R §. 157. Schlechte ſchwer zu verbeſſernde Wieſen wer⸗ den ſehr oft mit ganz entſchiedenem Vortheile durchaus mit Kopfholz bepflanzt, dergeſtalt daß die Holzpflanzung zur Hauptſache, der Grasertrag Nebenſache wird. Man kann dazu mit beſonderem Nutzen ſolche Holzarten wäh⸗ len, deren Blätter ſich wieder regelmäßig zur Viehfütterung verwen⸗ den laſſen.(Zu vergl. II. B. 1. Abth.§§. 78. 207. 434.) B. Cultur der Weiden. §. 158. Statt als Wieſe wird das beſtaͤndige, wie das wechſelnde Grasland auch ausſchließlich als Weide be⸗ nutzt. Theils weil der Graswuchs zu gering iſt, um mit Vortheil unter die Senſe genommen werden zu koͤnnen, theils weil man es den wirthſchaftlichen Verhältniſſen zutraͤglicher findet, das Nutzvieh über Sommer auf der Weide, anſtatt auf dem Stalle zu ernähren. Zu vergleichen II. B. 1. Abth.§. 180 ff.§. 410 ff. §. 159. Wir theilen die Weiden in bleibende na⸗ tuͤrliche und in künſtliche wechſelnde. Die zufällige Weide in der Brache, den Stoppeln, auf den Wie⸗ ſen(§. 153 ff.), im Walde ꝛc. iſt in ihrem wirthſchaftlichen Werthe nicht zu überſehen; es gehört ihr jedoch hier keine beſondere Stelle. 1) Bleibende natuͤrliche Weiden. §. 160. Wenn auch bei fortſchreitender Cultur die natuͤrlichen Weiden mit Recht immer mehr eingeſchränkt werden und mittelſt Aufbruch häufig einel hoͤhere Bodenbe⸗ nutzung derſelben erreicht werden kann, ſo bleibt demohnge⸗ achtet, in Gebirgen wie in Niederungen, die Beibehaltung von natürlichen Weiden vielfältig von den örtlichen Verhält⸗ niſſen geboten, oder doch durch die wirthſchaftlichen Ver⸗ hältniſſe gerechtfertigt. Man faſſe nur Holland, das Limburger Land, die Schweiz und mehrere Gebirgsgegenden Deutſchlands ins Auge. §. 161. Zum größten Nachtheile für die Benutzung werden jedoch die natuͤrlichen, mit Recht noch beizubehal⸗ tenden Weiden an vielen Orten in jeder Hinſicht vernach⸗ läſſigt, während ihnen eine ähnliche Pflege, wie den bleiben⸗ den Wieſen zu Theil werden ſoll, wie dieß aus der nach⸗ ſtehenden weiteren Eroͤrterung der wichtigſten Gegenſtände bei der Pflege dieſer Weiden ſich ergibt. Trockenlegung. §. 162. Dieſelben Gruͤnde, welche fuͤr die Nothwen⸗ digkeit der Trockenlegung zu naſſer Wieſen ſprechen, gelten auch für die Entwäſſerung ſaurer, ſumpfiger, an Naͤſſe lei⸗ dender Weiden, oder auch nur einzelner Stellen der Weide⸗ reviere.(S.§. 28 ff.) Düngung und Bewäſſerung. §. 163. Durch das Verweilen des Viehes auf der Weide wird derſelben ſchon einige Düngung zu Theil und dieſe iſt ſelbſt als zureichend anzuſehen, wenn das Vieh, wie in manchen Gegenden mit ausgedehntem Weidewirthſchafts⸗ betriebe uͤblich, auch uͤber Nacht auf der Weide verweilt. Auſſerdem belohnt ſich die Duͤngung mit Ruß, Aſche, Kalk, Gips, Jauche, Pferch und Compoſt bei den Weiden, welche einigermaßen einen dankbaren Boden haben, nicht minder, als bei den Wieſen.(§. 106 ff.) Auch lohnt ſich die Bemergelung, wo ſich das Material findet, meiſtens in hohem Grade bei den Weiden. §. 164. Vollſtändige Bewaͤſſerung läßt ſich bei den na⸗ türlichen Weiden ſelten anwenden, wohl aber erlaubt es haͤufig die Localität, ihnen im Herbſte und Fruͤhjahre auf einfache Weiſe einige Bewaͤſſerung zukommen zu laſſen, wel⸗ che ſich alsdann als ſehr lohnend erweiſet. Wo ſich bei bisherigen Weiden eine vollſtändige Bewäſſerung — 70— anlegen läßt, wird die Benutzung zur Wieſe meiſtens vortheilhaf⸗ ter ſeyn. 3 §. 165. Das der oͤfteren Ueberſtrömung benachbarter Flüſſe ausgeſetzte Grasland(ſ.§. 95) wird in den meiſten Faͤllen am zweckmäßigſten zur Weide benutzt. Befriedigung. §. 166. Wo ſie nur irgend ausführbar, erhoͤht eine lebendige Befriedigung den Werth der Weiden in bedeu⸗ tendem Grade. Es wird dadurch ſowohl dem Graswuchſe, als dem weidenden Viehe ein höchſt wohlthätiger Schutz ge⸗ waͤhrt und eine regelmäßige Benutzung noch beſonders er⸗ leichtert. Das Speciellere über die Einfriedigung in der 1. Abth. d. B. §. 540 ff. §. 167. Kann man auch eine vollſtändige Befriedi⸗ gung und damit bewirkte Abtheilung der Weiden in Kop⸗ peln nicht uͤberall ausführen, ſo ſollte doch eine Abtheilung der Weidereviere mittelſt Graͤben ꝛc. in der Art nie unter⸗ bleiben, daß die ſo nuͤtzliche Abwechſelung im Betreiben der Abtheilungen ſtattfinden kann.(§. 179.) Sonſtige Pflege. §. 168. Die Wegräumung von Hinderniſſen, als Ge⸗ ſtruͤppe, Maulwurfs⸗ und Ameiſenhügel ꝛc., iſt bei den Wei⸗ den noch mehr, als bei den Wieſen geboten, denn dort ſind der⸗ gleichen noch häufiger vorhanden oder ſtellen ſich von Neuem wieder ein. Daſſelbe gilt von der Ausgleichung von Vertie⸗ fungen, welche durch den Tritt des ſchwereren Weideviehes entſtehen, dem Vertilgen von Unkräutern, die von den Thie⸗ ren nicht angeruͤhrt werden und ſich durch Saamentragen immer weiter verbreiten, wenn nicht dagegen eingeſchritten wird. Auſſerdem ſollen auch die ſtehen gebliebenen härteren Stengel beſſerer Pflanzen jedes Jahr mit der Senſe abge⸗ hauen werden. Schlechte, die Weide beeinträchtigende Pflanzen, welche perenni⸗ rend ſind, ſollen die Hirten ſtets auszurotten angehalten werden; da⸗ hin gehören namentlich: Ononys spinosa, Euphorbia⸗Arten, Equise- tum, Colchicum, Rnmex, Diſteln ꝛc. Auch ſollen bei der Benutzung der Weiden mit Rindvieh oder Pferden die Leute gehalten ſeyn, die Excremente der Thiere täglich dünne auseinander zu ſtreuen.(S. §. 110 ff.) §. 169. Sehr vernachläſſigte natuͤrliche Weiden mit durchaus ſchlechter Narbe können ebenfalls nur durch die⸗ ſelben Mittel, wie ganz ſchlechte Wieſen in befriedigenden Zuſtand gebracht werden, nämlich durch Aufbruch, oder bei ſumpfiger Lage durch Auffüllen oder Anſchwemmen, und darauf folgende neue Beſaamung. Schlechte verwilderte Weideplaͤtze, auch zur Weide beſtimmte Heiden, koͤnnen durch Verwandlung der abgeſchaͤlten Narbe in Compoſt und friſche Beſaamung auf den geſtreuten Compoſt— oder durch Bren⸗ nen und friſche Beſaamung, weeſentlich verbeſſert werden. (ſ.§. 115 ff.§. 172 ff.) 2) Künſtliche, wechſelnde Weiden. §. 170. Die wechſelnden kuͤnſtlichen Weiden bieten ge⸗ gen die bleibenden natürlichen die Vorzuͤge dar, daß ſie bei zweckmaͤßiger, gelungener Anlegung eine reichlichere und angenehmere Nahrung fuͤr die Weidethiere abgeben, und daß der während des Niederliegens darauf gekommene Duͤnger durch den nachfolgenden Aufbruch dem Ackerbau ſtets wieder zu gut kommt. §. 171. Die hierauf beruhende Wechſelweidewirthſchaft (Koppelwirthſchaft) hat ſchon laͤngſt in vielen Ländern eine wichtige Stelle eingenommen; ſie iſt aber, beſonders in Be⸗ zug auf Benutzung der geringeren Bodenklaſſen, erſt in neu⸗ erer Zeit allgemeiner gewuͤrdigt worden und wird es immer noch mehr werden. — 22— Die Verhältniſſe, unter denen Weidewechſelwirthſchaft am Paatze, und die verſchiedenen Fruchtfolgen dafür, handelt das 5. Kapitel der 2. Abth. des 2. Bandes, von§. 325 an, ab. Hier bleibt nur noch von der Art der Anlegung und Benutzung zu reden übrig.— Die⸗ ſelben Hauptgründe, welche für den Vorzug der Wechſelweiden ſpre⸗ chen, ſind auch für die Wechſelwieſen gültig(§. 128), die ohnedieß meiſtens auch zugleich als Weiden benutzt werden. Vorbereitung des Landes und Verfahren bei der Beſaamung. §. 172. Die Hauptgrundſätze, welche fuͤr die Vorbe⸗ reitung des Landes zu Anlegung der Wieſen und die Ver⸗ fahrungsarten bei deren Beeſaamung(§. 122 ff.) geltend ge⸗ macht ſind, gelten auch für die Anlegung der Weiden. 4 Obgleich hier die Anſaat meiſtens im Frühjahr unter Sommer⸗ oder Winterfrucht geſchieht, ſo iſt doch für loſen Boden in trockner Lage die Anſaat im Nachſommer, nachdem Frühkartoffeln, oder ein frühes Grünfutter vorausgebaut worden, für das Aufkommen der Weide weit ſicherer. Wenigſtens ſoll man ſich nicht bedenken, eine mißlungene Frühjahrsſaat im Sommer umzubrechen und Ende Au⸗ guſt oder Anfang September noch einmal zu beſaamen. Auswahl der Saamen. §. 173. Die ſo ſehr wichtige Auswahl des Saamens richtet ſich nach Boden und Lage, der beabſichtigten Benu⸗ tzungsweiſe und Dauer des Niederliegens zu Weide. Bei kurzer Dauer läßt man mehr die Kleearten, bei längerer Dauer mehr die Grasarten vorherrſchen. §. 174. Für die beſſeren Bodenarten und nicht zu trockne Lage können die§. 128 für Wechſelwieſen ange⸗ fuͤhrten Zuſammenſetzungen gelten, namentlich: Lolium pe- renne, Phleum pratense, Dactylis glomerata, Trifolium pratense sativum, T. repens, T. medium, Medicago lupu- lina. Fuͤr die geringeren Bodenarten und namentlich zu Schafweide: Lolium perenne, Holcus Ianatus, Bromus mol- lis, Poa annua, Festuca duriuscula u. ovina, Poterium — 73— sanguisorba, Trifolium repens, T. agrarium, T. procum- bens, Achillea millefolium. Am meiſten werden angeſät: Lolium, Phleum, Trif. prat. sat. und T. repens.— In England ſät man auch Peterſilienſaamen mit Gras⸗ und Kleeſaamen für die Weiden(namentlich unter die zu §. 128 angeführte Miſchung) mit aus, ſowohl um der Futtervermeh⸗ rung, beſonders aber der Geſundheit des Weidviehes halber. Eine andere in England beliebte Miſchung zu zweijähriger Schafweide iſt 6 Pfund weißen Kleeſaamen, 2 Pfund Hopfenklee(Hopfenluzerne ²) 1 ½ Pfund Wegebreit(Plantago lanc.) und 12 Pfund Raygrasſaa⸗ men p. heſſ. oder preuß. Morgen. Der rothe Klee iſt hier wegge⸗ laſſen, weil er in derſelben Fruchtfolge für ſich vorkömmt.— In vielen Koppelwirthſchaften Deuſchlands begnügt man ſich blos mit der Anſaat von rothem und weißem Klee, einzeln oder unter einan⸗ der; wo jedoch die Dauer über 2 Jahre hinansgehen ſoll und der Boden nicht von Natur ſehr graswüchſig iſt, iſt die Miſchung von Gras und Klee jeden Falls vorzuziehen.— Wie wenig man da zu thun braucht, wo die Natur Auſſergewöhnliches leiſtet, ergibt ſich aus Burger’'s Angaben über die Anlegung der Wieſen und Wei⸗ den in der Lombardei. Für uns in Deutſchland bleibt eine Nie⸗ derlegung zur Weide ohne alle Anſaat unter allen Umſtänden ver⸗ werflich. Und eben ſo empfehlenswerth wie für die Anlegung der Wieſen(§. 125) iſt eine recht ſtarke Ausſaat der gewählten Saamen⸗ ſorten. Eine ſehr empfehlenswerthe Schrift über den eben in Rede ſte⸗ henden Gegenſtand iſt die vom Frhrn. v. Hammerſtein über Cul⸗ tur ꝛc. der Schafweiden. Celle, 1832. Pflege der Wechſelweiden. §. 175. Droht die Ueberfrucht die, Weideanſaat eini⸗ germaßen zu unterdrücken, ſo muß jene vor der Reife weg⸗ gemäht werden. Ein maͤßiges Beweiden im erſten Herbſt, ſo lange die Witterung günſtig bleibt, iſt der jungen Weide zuträglich. Im folgenden Frühjahre iſt ein Ueberziehen mit der ſchweren Walze in den meiſten Faͤllen gerathen. Die beſſeren Wechſelweiden werden im Jahre nach der Anſaat meiſtens einmal zu Heu benutzt, was gerade nicht zum Vor⸗ — 74— theile für die folgende Weidebenutzung geſchieht, indeſſen in den Wirthſchaftsverhaͤltniſſen ſeine Rechtfertigung hat. Da⸗ gegen iſt eine Saamenerndte im erſten Jahre, oder das Stehenlaſſen, damit der Saamen ausfalle, für die perenni⸗ renden Weidepflanzen nachtheilig. An einzelnen Stellen zeigt ſich öfters das Bedurfniß einer Nach⸗ ſaat im Frühlinge des erſten Nutzjahres. §. 176. Eigentliche Düngung iſt bei gut vorbereitetem, bei der Saat in Kraft befindlichem Lande waͤhrend des Niederliegens zur Weide, in den erſten Jahren wenigſtens, nicht erforderlich; indeſſen bewährt ſich in den meiſten Faͤl⸗ len die Anwendung von Gips und dergleichen im erſten Jahre und bei laͤngerem Niederliegen auch ſpaͤter. Die ſonſtige Pflege iſt aus§. 168 abzunehmen. In der Lombardei ſind die Wechſelwieſen, welche auch als Wei⸗ den benutzt werden, vollſtändig zur Bewäſſerung eingerichtet, und werden auch dabei noch gut gedüngt. Daß die Vortheile der Befriedigung(Einkoppelung) auch bei den Wechſelweiden dieſelben ſind, wie bei den beſtändigen(§. 166), leuchtet von ſelbſt ein. III. Benutzung und Ertrag der Weiden. §. 177. In Bezug auf die zweckmaͤßigſte Benutzung der Weiden ſind die Hauptmomente: die Wahl der dafür geeigneten Viehart und die Beſetzung nach Maßgabe der Flaͤche und der Productionsfähigkeit derſelben. Wahl der Viehart. §. 178. Man unterſcheidet zu dem Ende zwiſchen Fett⸗, Kuh⸗, Schaf⸗, Schweineweiden ꝛc. Manche Wei⸗ den ſind jedoch zugleich für mehrere Vieharten geeignet und werden am höchſten genutzt, indem man ſie abwechſelnd mit der einen oder anderen beſchlaͤgt, z. B. die Vorweide dem Fettvieh und die Nachweide dem mageren, die Vorweide — 75— den Kuͤhen, die Nachweide den Fohlen oder Schafen ꝛc. Wenn nun auch ein ſolcher Wechſel ſich in der Praxis ſehr haͤufig nicht ausfuͤhren laͤßt, ſo hat man es bei vollſtändi⸗ ger Weidewirthſchaft doch meiſtens in der Gewalt, der Hauptviehgattung in geringer Zahl noch eine in der Nutzung untergeordnete zuzugeſellen, z. B. den Kühen einige Foh⸗ len oder Schafe, oder zu den Pferden einige Kühe. Sol⸗ ches Verfahren wird auch allgemein als nützlich anerkannt und die Gründe dafür ſpringen von ſelbſt in die Augen. Alles Specielle in Bezug auf Beurtheilung der Weiden, wie ſie für die verſchiedenen Hausthierarten ſich eignen, enthalten die Ka⸗ pitel der Lehre von der Viehzucht, im II. B. 1. Abth. dieſes Lehrbuchs. Beſetzung der Weide. §. 179. Nur bei richtigem Beſatze der Weiden kann die volle Nutzung derſelben erreicht werden; namentlich iſt darauf zu ſehen, daß man ſie im Frühjahre nicht zu früh betreibt und überhaupt nicht zu ſtark beſetzt, ſo daß ſie im Sommer nicht zu kahl abgeweidet werden. Dazu hilft be⸗ ſonders auch eine zweckmäßige Ab⸗ und Eintheilung und ein abwechſelndes Schonen(§§. 166. 167). In der Vernachläſſigung und in der Ueberſetzung mit Weidevieh, ſo wie dem unaufhörlichen Betreiben, welches Alles bei den gemein⸗ ſchaftlichen Weiden in der Regel ſtattfindet, iſt hauptſächlich die ge⸗ ringe Nutzung der letzteren begründet, abgeſehen davon, daß ſie ih⸗ rer Lage und Beſchaffenheit nach auch häufig eine andere, höhere Benutzungsweiſe, als zur Weide geſtatten. Auch in Bezug auf Beſetzung und abwechſelnde Schonung der Weiden enthält die 1. Abtheilung des II. Bandes das Nähere; man vergleiche dort namentlich§. 185 und§. 417 ff. Beachtenswerth iſt auch, für geſunde Tränken auf den Wei⸗ den oder in deren Nähe Sorge zu tragen. Dauer der künſtlichen Weiden. §. 180. Die künſtlich angelegten Weiden nehmen in den meiſten Faͤllen mit dem oder nach dem dritten Jahre im — 76— Ertrage ab. Ob man ſie früher oder ſpaͤter aufbreche, haͤngt jedoch noch von vielen andern Verhäͤltniſſen ab, welche die Lehre von der Fruchtfolge darthut. In den meiſten Fäl⸗ len dauert das Niederliegen zur Weide zwiſchen zwei und fünf Jahren. Man vergleiche§§. 328. 329. ff. in der zweiten Abtheilung des II. Bandes. Benutzung zur Heuwerbung. §. 181. Im Allgemeinen iſt ein oͤfteres Benutzen zur Heuwerbung fuͤr die Abſicht, die Weiden als ſolche in moͤg⸗ lichſter Vollkommenheit zu erhalten, nicht zutraͤglich; um ſo weniger, je loſer der Boden iſt. Indeſſen werden aus wirth⸗ ſchaftlichen Gruͤnden viele Wechſelweiden in den erſten Jah⸗ ren(§. 175.) theilweiſe zur Heuwerbung benutzt, und wenn gute beſtaͤndige Weiden alle a— 5 Jahre abwechſelnd einmal geheuet werden, ſo kann ihnen dieß auch keinen weſentlichen Nachtheil bringen. Die Wechſelwieſen können in vielen Gegenden eben ſo gut zu den Wechſelweiden gerechnet werden, da deren Benutzen zur Weide mit dem zum Mähen faſt gleich ſteht, z. B. in der Lombardei, Steyermark, Salzburg, auf dem Schwarzwalde, im Erzgebirge ꝛc. Ueber den Nutzen des jeweiligen Beweidens für die Wieſen ſiehe §. 153. Baumpflanzung auf den Weiden. §. 182. Die Umpflanzung oder Bepflanzung mit Bäu⸗ men kann unter denſelben Vorausſetzungen für den Total⸗ ertrag des Weidebodens Nutzen bringen, wie bei den Wie⸗ ſen(§. 156). Bei beſtändigen, hochgelegenen, trocknen Wei⸗ den wird ſelbſt das Bepflanzen mit nutzbarem Holze fuͤr den Weiddeertrag unmittelbar vortheilhaft ſeyn. Auch zum Schutze für das Weidevieh ſind einzelne Baumgrup⸗ pen ſehr erwünſcht, zumal wo es an lebendiger Befriedigung fehlt. Weideertrag. §. 183. Der Ertrag der Weiden iſt ſo verſchieden oder ſelbſt noch verſchiedener, als von den Wieſen(§. 150). Gewöhnlich wird derſelbe in der Art bezeichnet, daß man den Flächengehalt benennt, welcher in der Hauptweidezeit zur Ernährung eines Stuͤcks Weidevieh irgend einer Gat⸗ tung hinreicht; gruͤndlicher iſt jedoch die Ertragsbeſtimmung nach Heuwerth. Von geringer Schafweide betraͤgt der Jahrs⸗ ertrag nur etwa drei Centner Heuwerth, und von vorzüg⸗ licher Fettweide kann er dreißig Centner Heuwerth und ſelbſt noch mehr vom heſſ. oder preuß. Morgen betragen. Auch hierüber enthalten die Capitel der ſpeciellen Viehzucht das Nähere(II. B. 1. Abtheilung). Noch bleibt hier anzudeuten, daß eine Menge Juttergewächſe als einmalige oder auch einjährige Weide benutzt werden, als Spör⸗ gel, Wickengemenge, Klee, Roggen u. ſ. w., worüber theils beim Vorkommen der betreffenden Gewächſe in dieſer Abtheilung, theils ebenfalls wieder bei der Viehzucht das Nähere zu ſuchen iſt. Zweites Capitel. Kleebau. §. 184. Unter Klee im Allgemeinen begreifen wir nicht blos die eigentlichen Kleearten(Trifolia), ſondern auch die damit nahe verwandten kleeartigen Gewächſe, oder die meiſten ſogenannten kuͤnſtlich gebauten Futterkraͤuter im en⸗ geren Sinn. §. 185. Der Kleebau iſt in allgemeiner Bedeutung als der Bruder des Grasbaues zu betrachten. Er erſetzt den Abgang an natuͤrlichem Graswuchſe unter ſehr vielen Verhältniſſen, iſt die Hauptſtuͤtze der Sommerſtallfuͤtterung und der meiſten für ſich beſtehenden Fruchtfolgen, in denen er eine nicht ſelten noch zu wenig erkannte hoͤchſt wichtige Rolle ſpielt. §. 186. Wir theilen dieſes Capitel in folgende Ab⸗ theilungen: I. Der rothe Klee. II. Sonſtige Kleearten. III. Gemiſchte Kleeſaat. IV. Die Luzerne. V. Die Es⸗ parſette. I. Der rothe Klec. §. 187. Der rothe Klee, ſpaniſche oder brabanter Klee, Kopfklee, dreiblaͤttrige Klee, Trifolium pratense sativum, eine durch die Natur gebildete Abart des Wieſenklees, T. pratense, und daher wie dieſer perennirend, jedoch nach ſei⸗ ner, in Folge der Ackerkultur angenommenen Eigenſchaft ſelten über drei Jahre ausdauernd, war laͤngſt in den Nie⸗ derlanden angebaut— woſelbſt ſein Anbau durch die Spa⸗ nier eingefuͤhrt worden ſeyn ſoll,— bis er ſeit der Mitte des vorigen Jahrhunderts in ganz Deutſchland und vielen andern Ländern verbreitet worden iſt. Auch behauptet er im⸗ mer noch ſeinen Rang als der Koͤnig der künſtlich gebauten Futterkraͤuter. 1) Wahl des Standorts. §. 188. Der rothe Klee koͤmmt in climatiſcher Bezie⸗ hung überall fort, wo Wintergetreide gedeiht, liebt jedoch ein mehr feuchtes und kühles, als trocknes Clima. Sein Element iſt guter Mittelboden, zumal wenn derſelbe etwas kalkhaltig iſt; er kann jedoch auf allen Bodenarten vom Thon bis zum Sande mit Erfolg gebaut werden, ſobald die⸗ ſelben in guter Kraft und Cultur ſtehen, nicht flach⸗ und kaltgründig ſind und ſoferne der von Natur loſe(ſandige) Boden eine mäßig feuchte Lage hat. Durch die Anwendung eines guten Mergels kann ſelbſt ſchon ziemlich trocken gelegener Sandboden kleewüchſig gemacht werden. §. 189. Beſonders wichtig iſt fuͤr den Kopfklee der Standpunkt, den man ihm in der Fruchtfolge anweiſet. Die⸗ ſer ergibt ſich, wenn man weiß, daß dieſe Kleeart einen gereinigten, zu mäßiger Tiefe gelockerten, nicht bereits er⸗ ſchoͤpften Standort verlangt. Sie folgt daher mit groͤßerer Sicherheit nach vorausgegangenem Hackfruchtbau oder vor⸗ ausgegangener reiner Brache, unter Sommer⸗ oder Winter⸗ frucht eingeſaͤt, als unter Halmgetreide, dem ſchon die glei⸗ che Fruchtgattung vorausgieng. Am wenigſten liebt der Klee nach ſich ſelbſt zu folgen, und man nimmt deßhalb an, daß er fruͤher als nach 6 Jahren in der Regel nicht wieder⸗ kehren ſoll. Nur unter beſonders begünſtigenden Umſtänden läßt man ihn nach 4 bis 5 Jahren mit Erfolg wiederkehren. 2) Beſtellung. §. 190. Wird der Kleeſamen unter Winterfrucht ein⸗ geſaͤt, was in Lagen, welche dem Gedeihen des Klees nicht beſonders guͤnſtig ſind, meiſtens am rathſamſten iſt, ſo ſoll die Einſaat im Frühjahr ſo zeitig als möglich geſchehen; je⸗ doch muß das Feld ſo weit abgetrocknet ſeyn, daß ein leich⸗ tes Eineggen ſtatthaft iſt. Bei der Einſaat unter Sommer⸗ früchte, von denen Gerſte, grün abzumähender Hafer (Wickhafer), Hirſe, Lein, beſonders als Ueberfrucht fuͤr den Klee ſich günſtig erweiſen, wird der Kleeſaamen nach⸗ geſät, nachdem die Ueberfrucht untergebracht iſt, und leicht eingeeggt, nach den Umſtänden dann zugewalzt. Manche Landwirthe halten es für gut, den Kleeſaamen unter Winterfrucht über einen ſpätgefallenen Schnee zu ſäen; andere wal⸗ zen ihn blos ein, was jedoch für allgemein nicht zu empfehlen iſt. Auch das Ausſäen unter bereits aufgegangene Sommerfrucht(aufs Blatt ſäen) iſt nur in beſonderen Fällen rathſam.— In mildem Klima hat mau ſchon mit Erfolg den Kleeſaamen im Herbſt unter das Wintergetreide geſät. Auch ſäte ich nach einem trocknen Som⸗ mer, welcher die Frühjahrskleeſaat unter der Gerſte vernichtet hatte, den Saamen in die raſch nach der Erndte umgebrochene und wieder fein zubereitete Gerſtenſtoppel für ſich allein und erhielt ſchönen Klee. Der in Winterfrucht geſäte Klee wirft nach der Erndte der erſteren im Herbſt meiſtens noch einen Schnitt ab. §. 191. Das gewöhnliche Saatquantum, gute Qua⸗ lität des Saamens vorausgeſetzt, iſt 8 bis 10 Pfund p. heß. oder preuß. Morgen(10—12 Pfund p. Würt. M.); auf ſchwerem, etwas rauh daliegendem Lande ſoll man je⸗ doch mehr, bis 12 Pfund p. heß. oder preuß. Morgen ſäen. Man begeht immer einen geringeren Fehler, etwas zu viel Klee⸗ ſaamen, als deſſen zu wenig zu ſäen.— Manche Landwirthe ſäen auch den Saamen in den Kappen(Hülſen), um die etwas koſtſpie⸗ lige Mühe des Reinigens der eigenen Erndte zu ſparen; indeſſen weiß man in ſolchem Falle nicht recht, wie ſtark man ſäet.— Es gibt auch eigene Kleeſaamenſämaſchinen, von denen jedoch wenig Gebrauch gemacht wird.— Zweijähriger, gut aufbewahrter Klee⸗ ſaamen hat noch ſeine volle Keimkraft. 3) Pflege. §. 192. Der junge Klee ſoll im erſten Herbſte nicht ſtark, und wenn er ſchwach ſteht, gar nicht beweidet wer⸗ den; auch das Maͤhen iſt im Spatherbſte des Saatjahres nur dann zutraͤglich, wenn er beſonders kräftig erſcheint. Stark beweideter, oder im Spatherbſt noch gemaͤhter junger Klee, der nur mäßig ſtark oder gar ſchwach in der Entwickelung ſteht, hält den Winter nicht ſo gut aus und der Ertrag davon iſt im andern Jahre geringer, als von dem im Herbſte vorher geſchon⸗ ten. Dagegen würde es unwirthſchaftlich ſeyn, vollkräftigen, ſtark herangewachſenen jungen Klee im Herbſte nicht zum Füttern oder Weiden mit Maas und Ziel zu benutzen, und das Unterlaſſen ſolcher Benutzung kann ſelbſt die Durchwinterung gefährden, ſtatt ihr zu nutzen. 3 §. 193. Ein in weitausgebreiteter Anwendung ſtehen⸗ des Aufhülfemittel des Kleebaues iſt der Gips, deſſen Wir⸗ kung anfänglich ans Wunderbare grenzend erſchien. Statt ſeiner, und öfters mit gleich günſtigem Erfolge, bedient man ſich auch der Aſche, des Rußes, des Kalkes, der Salinen⸗ abfäͤlle, des Braunkohlenſtaubs, oder einer Miſchung jener Stoffe mit Gips. Auch Mergel wird zum Ueberſtreuen von Klee angewendet. Das Näßhere hierüber in der Lehre von der Düngung, 5. Ca⸗ pitel der 1. Abth. d. Bandes. §. 194. Das Ueberfahren mit Jauche(Pfuhl) leiſtet dem Kleebau ebenfalls großen Vorſchub. Ueberdüngen mit Stallmiſt iſt aber, unter Rückſichtnahme auf den wirth⸗ ſchaftlichen Werth dieſes Duͤngers zu andern Zwecken, nur zu empfehlen, wenn es dem mit Klee beſtellten Lande an Kraft mangelt, oder in Lagen, wo es weſentlich iſt, durch den uͤberbreiteten Strohduͤnger dem Klee Schutz gegen den Winterfroſt zu Theil werden zu laſſen(§. 196). §. 195. Wenn der Boden im Fruͤhlingen ſehr geſchloſ⸗ ſen erſcheint, oder als Unkraut zu nehmende Gräſer ſich un⸗ ter dem Klee zeigen, ſo iſt ein tüchtiges Durcheggen, bei maͤßig trocknem Wetter, ganz an ſeiner Stelle, zumal bei zweijährigem(ins dritte Jahr ſtehen gebliebenem) Klee. Bei zu loſe erſcheinendem Kleelande empfiehlt ſich dagegen das Walzen im Frühlinge. Daß das Kleeland im erſten Frühlinge von obenauf liegenden Steinen und andern Hinderniſſen ſür die Benutzung gereinigt werde, verſteht ſich von ſelbſt. §. 196. Zu den Unfällen, welche den Kleebau treffen können, gehören: zu trockne Frühlinge und Sommer, wo⸗ durch beſonders die junge Saat zu Grunde gerichtet werden kann(ſ.§. 191); unguͤnſtige Winter, welche den Klee mehr oder weniger zerſtoͤren, was beſonders in etwas zu loſem, Pabſt Landwirthſch, l. 2, 6 82— etwas ſchwammigem, oder zu naſſem Boden ſich leicht er⸗ eignet; Mehlthau, Schneckenfraß in feuchten Sommern und Herbſten, und Zerſtören durch Maͤuſe und Inſecten. „Uuter den Inſecten ſind es namentlich die Erdflöhe, welche die junge Kleeſaat zuweilen zerſtören, dann die Maden mehrerer Käfer⸗, insbeſondere Rüſſelkäferarten, welche ſich in die Kleewurzeln, von der Krone abwärts, einbohren und das Abwelken und Zurückbleiben ganzer Stellen auf den Kleefeldern verurſachen. Auch durch die Kä⸗ fer ſelbſt werden zuweilen die Kleefelder angegriffen; ein neues Bei⸗ ſpiel ſolcher Verheerungen aus der Gegend von Weiinar durch den Curculio lineatus L. enthält der amtliche Bericht der Verſammlung deutſcher Landwirthe zu Dresden(Dresden und Leipzig 1838.) S. 79. 4) Erndte und Ertrag. §. 197. Die Benutzung des rothen Klees findet einen oder zwei Sommer hindurch ſtatt(das Saatjahr ungerech⸗ net). Die einjährige Benutzungsweiſe iſt am haͤufigſten: theils weil der Klee den zweiten Winter haͤufig nicht ſo gut aushält, als den erſten, oder wenigſtens das Land bei zwei⸗ jaͤhriger Benutzung in unartbareren Zuſtand kömmt, als bei einjaͤhriger; theils weil letztere in viele Fruchtfolgen beſſer paßt. In wie weit bei mehrjähriger Benutzung gemiſchte Kleeſaat räthlicher ſey ſ.§. 221. §. 198. Der Klee wird theils zur Grünfütterung ver⸗ wendet, theils Behufs der Winterfütterung getrocknet, ne⸗ benbei auch abgeweidet. In der Regel wirft er über Som⸗ mer zwei volle Schnitte ab, und unter guͤnſtigen Verhält⸗ niſſen noch einen dritten, meiſtens jedoch ſchwächeren. Wenn nach dem Klee nicht gedüngt wird und das Land auch nur in mäßigem Kraftzuſtande ſich befindet, ſo iſt es in den mehr⸗ ſten Fällen wohlgethan, den ſchwächeren dritten Wuchs als grüne Düngung unterzupflügen. Wird der Klee zwei Jahre benutzt, ſo wird im zweiten Sommer häufig nur ein Schnitt genommen, indem — 83— man zur beſſeren Vorbereitung des Landes für die Winterbeſtellung eine halbe Brache folgen läßt. §. 199. Der volle Ertrag eines jeden Schnittes iſt nur dann zu erreichen, wenn derſelbe in volle Blüthe getre⸗ ten iſt. Zur Grünfütterung wird jedoch mit einem Theile etwas früher begonnen, mit einem andern laͤnger gewartet, weil ſonſt die Nutzungszeit zu kurz ausfallen würde. Nach einem vom Freiherrn v. Riedeſel zu Neuenhof im Jahr 1835 gemachten Verſuche, deſſen Reſultat mir mitgetheilt ward, wurde auf einem ausgezeichnet gut ſtehenden Kleeſtücke von 18 preuß⸗ Morgen die Grünfütterung am 29. Mai begonnen, am 10. Juni wurde ein Theil zum Dürren gemäht, als der Klee noch nicht blühte, am 25. Juni ein aͤndeker in voller Blüthe ſtehender Theil. Der am 10. Juni gemähte Klee gab grün p. Morgen 22,860 Pfund (Leipziger Gewicht) und getrocknet 2988 Pfund(=— 205 heſſ. Ctur. grün und 27 Ctnr. trocken p. heſſ. Morgen). Der am 25. Juni gemähte gab p. preuß. Morgen 28296 Pfund(= 254 Ctur. grün und 47 Ctnr. trocken p. heſſ. Morgen.)— In den letzten 15 Ta⸗ gen hatte ſich alſo das Grüngewicht nur um 1‧¼, das Trockengewicht aber um ¾ vermehrt. Hieraus ergibt ſich, wie nachtheilig ein zu frühes Mähen für den Ertrag ſei, wenn auch bei ſolchem frühzeitigen Mähen die Qualität des Heues etwas beſſer ſeyn mag, und ſelbſt noch ein dritter Hieb erzielt wird, der ſonſt wegfiele. §. 200. Behufs des Trocknens ſoll der gemaͤhte Klee nicht wie Gras aus den Schwaden geſtreut und öfters ge⸗ wendet werden, weil dadurch viel nahrhafte Theile, nament⸗ lich die zarteren, weit früher als die Stengel duͤrr werdenden Blättchen, verloren gehen. Die beſſere unter den gewoͤhnli⸗ chen Verfahrungsarten iſt: die einen oder zwei Tage liegen gelaſſenen Schwaden werden einmal gewendet oder deren zwei und zwei zuſammen geſchlagen; einen Tag ſpaͤter wer⸗ den mit Vorſicht lockere Haufen formirt und in dieſen wird durch vorſichtiges Aufziehen und Umkehren, oder auch unter Zuſammenſetzen in noch groͤßere Haufen, der Klee vollends ſo weit getrocknet, daß er eingebracht werden kann. Man 6* — 82— bedarf auf dieſe Weiſe, ſelbſt bei günſtigem Wetter, 7 bis 8 Tage zum Trocknen eines ſtarken Klees. Je mehr er ſich dem Austrocknen nähert, um ſo mehr muß man, um Blätterverluſt zu verhüthen, alles Rühren des Klees in der Sonnenhitze vermeiden. §. 201. Aehnlich dem Verfahren beim braunen Heu(ſ.§. 1344) iſt die ſogenannte Klappmeyerſche Kleetrockenmethode. Der Klee wird, nachdem er 24 Stun⸗ den bei trocknem Wetter in Schwaden zum Welken gelegen, in große runde, mehrere Wagen voll enthaltende Haufen feſtzuſammengeſetzt, und bleibt nun ſo lange ſitzen, bis er in ſtarke Gährung gekommen und im Innern ſehr heiß ge⸗ worden iſt, was meiſtens 36 bis as Stunden dauert. Jetzt wird er raſch auseinandergeworfen und trocknet nun bei gutem Wetter binnen 20 Stunden vollends aus. Thär beſchreibt dieſe Methode im IV. B. ſeiner rat. Land⸗ wirthſchaft ausführlich. Sie erfordert beſondere Aufmerkſamkeit und kann, bei ungünſtigem Wetter oder fehlerhaftem Verfahren, leicht fehl ſchlagen, weßhalb ſie ſich auch wenig verbreitet hat. Ein anderes eigenthümliches in England vorkommendes Verfah⸗ ren beſchreibt Loudon im VI. Buch§. 5011 ſeiner Encyclopädie, wonach der grüne Klee in kleine coniſch geſtaltete Buͤndel von 8 bis 10 Pfund Gewicht formirt wird, in welchen man ihn zum Austrock⸗ nen kommen läßt. §. 202. Beſondere Beachtung verdienen die ſogenann⸗ ten Kleereiter oder Heinzen, welche ſeit einer Reihe von Jahren ſehr in Aufnahme gekommen ſind. Sie verdienen, wo die Anſchaffung des dazu erforderlichen Holzes nicht all⸗ zu koſtſpielig iſt, um ſo mehr der Anwendung, je ungünſtiger Clima und Jahreswitterung ſind, und jemehr ſie auch zum Trocknen anderer Gegenſtaͤnde mit Vortheil ſich verwenden laſſen. Der bereits abgewelkte, vom Regen oder Thau ab⸗ getrocknete Klee wird zu dem Ende auf die nachſtehend be⸗ ſchriebenen Kleereiter locker auf⸗ und eingelegt und bleibt ſo mehrere Wochen unberührt ſitzen, bis er zum Einbringen trocken genug und das Wetter dazu günſtig iſt. Er verliert, auf dieſe Weiſe behandelt, am wenigſten an ſeinem Gehalte und iſt gegen unguͤnſtige Witterung am meiſten geſchützt, welche bei der gewoͤhnlichen Methode die Qualität des Klee⸗ heues ſo leicht gefährdet und nicht ſelten es dem Verderben nahe bringt. Das Trocknen des Klees, und ſelbſt langen Graſes(§. 145), auf ſogenannten Heinzen iſt in mehreren Gebirgsgegenden des ſüd⸗ weſtlichen Deutſchlands und in der Schweiz üblich, und hat ſich von da weiter verbreitet. Ein ſolcher Heinzen beſteht aus einer mehrere Zoll dicken Stange von verſchiedener Länge, meiſtens von 8 bis 10 Fuß, welche zum Einſchlagen in den Boden geſpitzt iſt. Dieſe Stange iſt mit 4 bis 6 oder auch mehr, immer ins Kreuz eingebohrten Querſtöcken von verhältnißmäßiger, meiſtens gegen 4 Fuß betragen⸗ der Länge verſehen, wie die nachfolgende Fig. A näher erläutert. — — e ——— — — 86— Die Kleereiter, welche zuerſt in Böhmen anfgekommen ſind, und beſonders durch den verſtorbenen Director v. Ellrichs⸗ hauſen von Hohenheim aus verbreitet wurden, beſtehen wie Fig. B darthut aus 3 Stangen, welche oben durch einen Querſtecken ver⸗ bunden und mit 3 bis 4 Zapfen jede verſehen ſind; ſie werden als Pyramide aufgeſtellt(daher auch Futtertrockenpyramiden ge⸗ nannt) und mit Stangen ins Kreuz anf die Zapfen belegt. Das Verfahren beim Aufſtellen und.Aufbringen des Klees läßt ſich hiernach leicht entnehmen.— Die Kleereiter hahen vor den Heinzen den Vorzug, daß das Einſchlagen in vorgebohrte Löcher erſpart wird, daß ſie ſich deß⸗ balb weniger abnutzen, und daß man auf einem Kleereiter mit 10 langen Stangen etwa das Doppelte trocknen kann, was ein gewöhnlicher Heinze aufnimmt; dieſer euthält nämlich meiſtens 50 bis 55 Pfund trocknen Klee, jener 1 Centner und etwas darüber. Danach berechne man den Bedarf. Das Verfahren koſtet im Durchſchnitt nicht mehr Arbeitslohn, als das Trocknen auf der Erde. Dagegen iſt die Zinſe vom Anſchaffungscapital(bei mittleren Holzpreiſen koſtet eine Pyra⸗ mide 30 bis 36 Pr.) und die Abnutzung zuzuxrechnen, was jedoch ge⸗ gen die Sicherheit, welche dieſe Trockengerüſte darbieten, nichl viel ſagen will. Dazu iſt in Betracht zu ziehen, daß dieſelben noch zu andern Zwecken, namentlich Hülſenfrüchten, Handelsgewächſen, mit gleichem Vortheile anwendbar ſind. Man vergleiche auch Schwerz pract. Ackerb. II. B. Als ein Nachtheil der Kleetrockengerüſte bleibt noch in Betracht zu ziehen, daß der Nachwuchs unter denſelben etwas zurückgehalten, auch beim Abfahren des Heues nach Wochen der nachgewachſene junge Klee etwas beſchädigt wird. Aehnlicher und noch größerer Schaden kann jedoch bei eintretendem anhaltendem Regenwetter bei dem Trocknen auf dem Boden eintreten. §. 203. Der Ertrag an trocknem Klee, in 2 oder auch 2 ½ Schnitten, verhält ſich nach Boden, Lage, Jahr⸗ gang zwiſchen 16 und 50 Centnern vom heſſ. oder preuß. Morgen(2o0 bis 60 Cntnr. p. W. M.). Als gewöhnlichen Mittelertrag rechnet man 25 bis 35 Centner p. heſſ. oder preuß. Morgen. Außerordentliche, jedoch ſehr ſelten vorkommende Erträge über⸗ ſteigen auch jene Angabe noch. 4 ½ bis 5 Centner grüner, in der Blüthe ſtehender Klee geben im Durchſchnitt 1 Entnr. dürren. §. 204. Behufs des Saamengewinns muß ein Feld gewaͤhlt werden, worauf der Klee nicht zu üppig ſteht und doch reichlich Blüthe angeſetzt hat. Häufiger iſt der zweite, als der erſte Hieb dazu geeignet. Das Verfahren des Trocknens des reifen Klees iſt aus dem Vorhergehenden zu entnehmen; beſonders empfehlen ſich die Kleereiter dazu. Man kann bis 2 ½ Centner reinen Saamen p. heſſ. oder preuß. Morgen erhalten. Manche binden den Saamenklee in Bündel und ſtellen dieſe auf um ihn mehr zu ſchützen. Man hat auch eine Maſchine(kammartig mit Sack), mittelſt derer die Saamenköpfe von dem noch ungemäh⸗ ten Klee abgeſtreift werden. Die weitere Gewinnung des Saamens durch Dreſchen und Reinigen erfordert noch viele Sorgfalt. Das Saamkleeſtroh hat ohngefähr den halben Futterwerth ge⸗ gen Kleehen; die Spreu vom Saamenklee dagegen hat etwas mehr Futterwerth, als dürrer Klee. II. Sonſtige Kleearten. §. 205. Noch eine betraͤchtliche Zahl von eigentlichen Kleearten wird unter verſchiedenen Verhaͤltniſſen angeſät, mehrere jedoch nur in gemiſchter Saat, und da unter den letztern auch einige ganz gleichbedeutend zu nehmende Luzerne⸗ arten ſich befinden, ſo werden dieſe hier ebenfalls mit auf⸗ gefuͤhrt. 1) Der weiße Klee. V §. 206. Daß der weiße Klee, Trifolium repens, für die Anlegung der künſtlichen Wieſen und Weiden einen be⸗ deutenden Werth habe, iſt im vorigen Capitel dargethan, ſo wie daß er unter Umſtänden auch fuͤr ſich allein füur Wei⸗ den ausgeſaͤt wird(§. 174). Er wird aber auch auf geringen Bodenarten, namentlich auf ſehr ſteinigen, ſtark thonigen, etwas mageren oder ſehr entfernt liegenden Feldern, auf denen der rothe Klee nicht ſicher iſt oder doch nicht lohnt, ausgeſät, um zu Heu oder fuͤr den Saamengewinn benutzt zu werden, denn dieſe Kleeart hat die Eigenſchaft, daß ſie faſt auf jedem Boden fortkömmt, wenn er nur nicht über⸗ maͤßig naß oder ganz dürr und loſe iſt. §. 207. Eine weitere ruͤhmliche Eigenſchaft des weiſ⸗ ſen Klees iſt, daß durch ihn der Boden verhältnißmaͤßig noch mehr, als durch den Anbau des rothen Klees im Kraft⸗ zuſtande verbeſſert wird. Er eignet ſich deßhalb vorzüglich auch zur Anſaat Behufs der grünen Düngung, und ſollte dazu, namentlich unter der Winterfrucht, welcher im andern Frühjahre ein Sommergewaͤchs folgt, weit mehr, als es geſchieht, benutzt werden. §. 208. Beſtellung und Pflege ſind in der Hauptſache wie beim rothen Klee; an Saamen bedarf man jedoch nur etwa die Haͤlfte, 4 bis 6 Pfund p. heſſ. oder preuß. Mor⸗ gen.. — 89— §. 209. Der weiße Klee gibt häufig nur einen vol⸗ len Schnitt, und der Nachwuchs wird meiſtens mit mehr Vortheil zur Weide oder zum Unterpfluͤgen, unter günſtigen Umſtänden auch zum Saamengewinn, benutzt. Man kann ihn ſehr gut auch zwei Sommer benutzen. Zur Grünfütterung auf dem Stalle wählt man ihn ſelten, theils wegen der geringen Ausbeute, theils weil er, in Maſſe vorgelegt, leicht bläht. §. 210. Der Ertrag iſt unter fuͤr den rothen Klee günſtigen Verhaͤltniſeen im Durchſchnitt um ½ bis ½ ge⸗ ringer, als von dieſem. Dagegen iſt das Heu vom weißen Klee von ausgezeichneter Qualität und um ‧0 höher zu ſchätzen, als vom rothen. §. 211. Die Benutzung zum Saamengewinne iſt da, wo es überhaupt räthlich iſt, dieſe Kleeart zu bauen, faſt immer ſtatthaft und meiſtens auch einträglich, denn man kann bis 3 Centner Saamen vom heſſ. oder preuß. Morgen erndten.(3%i Entnr. p. W. M.) 2) Der Incarnatklee. §. 212. Der Incarnatklee, auch roſenrother Klee ge⸗ nannt, Trifolium incarnatum, wird in Italien und der ſüd⸗ lichen Schweiz, auch im angrenzenden Frankreich gebaut. Er koͤmmt auf einem trocknen und ziemlich mageren Boden noch leidlich fort, verträgt aber kein ſtrenges Clima. Er iſt einjährig und man ſät ihn deßhalb in jenen Gegenden meiſtens erſt nach der Erndte; ſelbſt in die ungeſtürzten Stoppeln blos eingeeggt, gedeiht er. §. 213. Dieſe Kleeart wird im Herbſte des Saatjahrs zur Weide benutzt, und gibt im andern Fruͤhjahre ebenfalls eine gute Weide, oder bis zur Bluͤthe geſchont, einen Schnitt, der dem Kopfklee etwas voraus iſt, aber nicht ſo reichlich — 90— augfaͤllt und nicht ganz ſo gerne wie dieſer vom Viehe ver⸗ zehrt wird. Es kann dann noch eine anderweite Benutzung des Feldes in demſelben Sommer ſtattfinden. §. 214. Zur Zwiſchenweide im Herbſt und Frühjahr, zur Aushülfe neben anderem Klee, oder wenn dieſer verdor⸗ hen im Herbſt oder Frühling fuͤr ſich allein, oder beſſer noch im Fruͤhjahr mit zeitig zu mähendem Gruͤnfutter be⸗ ſtellt, ſo wie zur Gruͤndüngung, mag der Incarnatklee in den fuͤr ihn nicht zu rauhen Climaten einen nicht unbedeu⸗ tenden Werth haben. Im Allgemeinen gebuͤhrt ihm aber keineswegs der große Ruhm, der ihm neuerer Zeit, haupt⸗ ſaͤchlich von Saamenſpeculanten ausgehend, beigelegt ward, und er bleibt in ſeinem Werthe weit hinter dem rothen Klee zurück, und ſelbſt der weiße Klee ſteht in allgemeiner Wür⸗ digung über ihm. 3) Melilotenklee. §. 215. Trifolium melilotus officinalis, und T. m. vulgaris, gelber(officineller) und gemeiner(weißer) Stein⸗ klee, ein- und mehrjaͤhrig, wächſt auf kaltgründigen Feldern haͤufig wild, und wurde mit großer Uebertreibung, theils unter dem Namen„Hanfklee,“ theils unter dem Na⸗ men„Wunderklee“ als das non plus ultra aller Fut⸗ terpflanzen, deren Baſt uͤberdieß auch noch dem des Hanfs gleich komme, geprieſen. §. 216. Der ganze Werth dieſer Pflanze, wovon die weiße Abart blätterreicher und ausdauernder iſt, reducirt ſich nach den bis jetzt bekannten Thatſachen darauf, daß ſie auf ſchlechtem, ſteinigem und lettigem Boden noch fort⸗ kmmt und einen ſehr kräftigen Wuchs entwickelt; ihr An⸗ bau als Futterkraut duͤrfte deßhalb für ſolchen Boden(viel⸗ leicht am beſten ohne Ueberfrucht geſät) ernſtlich zu empfeh⸗ len ſeyn, wenn ſchon der Steinklee wegen ſeines ſtarken Geruchs vom Viehe nur ungern angenommen wird, und ſeine aͤſtigen Stengel bald hart und holzig werden, welch' letzterem Nachtheile durch dichte Saat und frühzeitiges Mä⸗ hen übrigens zu begegnen ſeyn würde. Der gelbe und weiße Melilotenklee iſt mit dem blaneu(dem Schabziegerklee), T. M. coerulea, nicht zu verwechſeln. 4) Mittlerer Klee. §. 217. In England baut man ſeit laͤngerer Zeit das Trifolium medium oder eine dieſem ſehr nahe kommende Kleeart, unter dem Namen„Cowgras“(Kuhgras), als ei⸗ nen weſentlichen Beſtandtheil der mehrjaͤhrigen Futter⸗ und Weidefelder. Jedenfalls iſt jener Klee perennirend, leicht fortkommend, ſehr nahrhaft und übrigens dem rothen Klee ſehr ähnlich, wenn auch nicht ſo hochwuͤchſig, und dürfte es darum zu empfehlen ſeyn, ihn nicht nur zu den Wech⸗ ſelwieſen und Weiden(§.§. 128 u. 174) anzuſäen, ſondern auch da, wo die Verhaͤltniſſe dem Rothklee nicht ganz zu⸗ ſagen, unter dieſen, oder auch mit weißem Klee gemiſcht, zu verſuchen. 5) Baſtardklee. §. 218. Der Baſtardklee, Trifolium hybridum, iſt, weil er auf feuchten Stellen gut fortkoͤmmt, ziemlich hochwuͤch⸗ ſig und auch nahrhaft iſt, ſchon mehrmals zum Anbau auf naß gelegenem Boden empfohlen worden. Es ſind aber mit Verlaͤßigkeit noch keine gelungene Verſuche uͤber ſeinen An⸗ bau im Groͤßeren bekannt geworden; auch ſteht dem die Schwierigkeit des Saamengewinns davon entgegen. Krauſe führt in ſeiner ökonomiſchen Botanik an, daß der Au⸗ hau des Baſtardklees in Frankreich nicht ſelten ſey. —- 92— 6) Hopfenklee und Hopfenluzerne. §. 219. Mit dem Namen Hopfenklee werden mehrere einander aͤhnliche Kleearten belegt, als: Trifolium cam- pestre(Feldklee), T. procumbens(liegender Klee), T. agra- rium und T. aureum(Goldklee), und Medicago lupulina (Hopfenluzerne). Ihr Anbau, wenigſtens einiger derſelben, iſt beſonders in England unter den Klee- und Raygrasſaa⸗ ten üblich(ſ.§§. 128 u. 174); hierzu iſt auch ihr Werth nicht zu beſtreiten. Schwerlich aber dürfte eine dieſer Kleearten, trotz der hier und da verſuchten Anpreiſung, zum Anbau für ſich allein einen beſonderen Werth haben, da ſie nicht ſehr ergiebig, und mehr ein⸗ als zweijährig ſind. Selbſt die Botaniker ſind nicht einig, ob nicht mehrere dieſer Kleearten für einerlei zu halten ſind, namentlich T. procumbens und T. campestre, dann T. agrarium und T. aureum. Eben ſo wenig ſtimmen die Werke über engliſche Landwirthſchaft hierin überein. Es iſt daher den deutſchen Landwirth nicht zu verdenken, daß er noch nicht einmal beſtimmt weiß, welches eigentlich der zur Unterſaat beliebteſte Hopfenklee der Engländer iſt, ob blos die Hopfenlu⸗ zerne allein, welche jedenfalls darunter ſeyn dürfte, oder auch noch der eine oder andere der genannten Trifolienarten, was ebenfalls zu vermuthen iſt. 7) Schwediſche Luzerne. §. 220. Die ſchwediſche Luzerne,[Medicago fal- cata,(Sichelklee) ward) ſchon durch Linné zum Anbau empfohlen. Sie koͤmmt namentlich auf trocknem Hoͤhebo⸗ den noch gut fort, und hält dürre Sommer vielleicht beſſer als jede andere Kleeart aus. Daßſ ſie ſich ſo wenig verbrei⸗ tet hat, mag daher kommen, weil ſie ſich bald auf dem Bo⸗ den llagert, leicht hartſtenglich wird und auch nicht ausgiebig genug iſt. Zur gemiſchten Kleeſaat auf trocknem Boden iſt ihr Werth beizulegen,(§. 127.) — 993— 8) Gemiſchte Kleeſaat. §. 221. Von den Englaͤndern, den Meiſtern im mehr⸗ jährigen Futterbau, vernehmen wir, daß ſie als Regel an⸗ nehmen, überall da, wo nicht etwa eine Kleeart ganz aus⸗ gezeichnet gedeiht oder der rothe Klee zur blos einjaͤhrigen Benutzung beſtimmt iſt, eine gemiſchte Kleeſaat, ſey es nun mit oder ohne Raygras, zu wählen, da dieſe einen ſichere⸗ ren und höheren Ertrag erziele, als eine einzelne. Dabei gilt jedoch weiter die Regel, von jedem Saamen faſt ſo viel zu ſäͤen als man bedürfen wuͤrde, wenn er zur alleinigen Saat beſtimmt ſei. Auch in Deutſchland hat man neuerer Zeit ſchon häufig von der Nützlichkeit eines ſolchen Verfah⸗ rens ſich uͤberzeugt. §. 222. Es ſchlägt zwar dieſe wichtige Culturart mehr in die Wechſelwieſen und Weiden ein, und dort iſt ihrer be⸗ reits gebuͤhrend gedacht worden. Allein auch da, wo man blos Klee zur Stallfütterung oder zum Heugewinn zu bauen beabſichtigt, verdient die gemiſchte Kleeſaat die groͤßte Beruͤck⸗ ſichtigung. In Deutſchland iſt die am häufigſten vorkommende Miſchung blos die von rothem und weißem Klee, die ſich auch überall empfiehlt, wo jener nicht einen beſonders kraͤf⸗ tigen Wuchs neben großer Sicherheit darthut, um ſo mehr, wenn man den Klee zweijährig, und vielleicht theilweiſe zur Weide benutzen will. Wie bereits§. 217 und§. 219 dar⸗ gethan dürfte auf nicht völlig kleewüchſigem Boden aber auch das Hinzunehmen von Trif. medium und einer Hopfenklee⸗ art ſich nützlich erweiſen. Wenn man weißen Klee mit dem rothen ausſäen will, ſo muß man, wenn der Ertrag des rothen die Hauptſache bleiben ſoll, vom weißen nicht mehr als ½ des Saamens nehmen. Da aber, wo man hauptſächlich weißen Klee zu bauen beabſichtigt, wird es, ganz ge⸗ ringen Boden abgerechnet, ebenfalls wohlgethan ſeyn, etwas rothen, oder beſſer noch Trif. medium, mit auszuſäen. — 94— Bei blos einjähriger Mähe⸗Kleenutzung kann die Unterſaat don Grasſaamen nicht rathſam ſeyn; ob mitunter bei zweijähriger Nu⸗ tung, bleibt noch zu ermitteln. Im Uebrigen wird in dieſer Bezie⸗ hung auf die§.§. 128, 173 und 174 zurückgewieſen. III. Die Luzerne. §. 223. Die Luzerne oder der ewige Klee, auch blauer Klee genannt, Medicago sativa, iſt eine perennirende Fut⸗ terpflanze, welche ſchon von den Roͤmern angebaut ward, und die auch in einigen Gegenden von Frankreich und Deutſch⸗ land(am Rhein) vor Einführung des Kopfklees ſchon ange⸗ baut wurde. Sie iſt nächſt dem rothen Klee unſer wichtig⸗ ſtes, oder doch eines der wichtigſten Futterkräuter. Ja ſie gewaͤhrt da, wo ſie gut fortkoͤmmt, noch groͤßere Vortheile als jener, und gedeiht auch noch in manchen Lagen, wo jener verſagt. Dagegen kann ſie auch auf mehreren Bodenarten, welche dem Klee zuſagen, nicht mehr mit Sicherheit gebaut werden und laͤßt ſich in die gewöhnlichen Fruchtfolgen nicht ſo wie jener einreihen. Wo beide Futterkräuter neben einander mit Sicherheit fortkom⸗ men, beſitzt der Grünfutterbau, und damit zugleich ein hoher Flor des ganzen Wirthſchaftsbetriebs, ſichere Garantien, und wenn wir den Kopfklee den König der Futterkräuter genannt haben, ſo müſſen wir die Luzerne als deren Königin ihm anreihen. 1. Standort. §. 224. Die Luzerne liebt ein mildes Clima und ſpricht um ſo mehr eine warme Lage an, je weniger das Clima ih⸗ rem natürlichen Verlangen zuſagt. Doch gedeiht ſie auf ihr zuſagendem Boden in dem groͤßeren Theile von Deutſch⸗ land. Sie verlangt, wegen ihrer Eigenſchaft mit den Wurzeln in betraͤchtliche Tiefe einzudringen, durchaus einen tiefgruͤndigen, nicht an Naͤſſe leidenden, mehr warmen als kalten Boden, der übrigens, ſo bald jenen Bedingungen ent⸗ ſprochen iſt, thonig oder ſandig, oder aus Thon und Sand verſchieden gemiſcht ſeyn kann. Beſonders liebt ſie einen mehr oder weniger betraͤchtlichen Kalkgehalt, wenn der ſelbe ſich auch nur im Untergrunde findet, und verträgt ſich eben deßhalb auch gerne mit einem ſteingerölligen Untergrunde, ſobald derſelbe nur einigen Kalkgehalt beſitzt und der Näſſe völligen Abzug, ſo wie das Eindringen der Wurzeln der Luzerne, geſtattet. Auf ſtark graswüchſigem Boden koͤmmt ſie niemals fort. §. 225. Weiter verlangt die Luzerne zu einem guten Gedeihen einen möglichſt gereinigten und tief gelockerten, und auch in guter Kraft ſtehenden Boden. Es iſt hierauf um ſo mehr große Sorgfalt zu verwenden, als Boden und Lage an ſich nicht ganz vorzuͤglich dafuͤr geeignet, und als nicht nur das Aufkommen, ſondern auch die längere Dauer und die Größe des Ertrags weſentlich davon abhaͤngig ſind. Unter von Natur ſehr günſtigen Umſtänden reicht dieſelbe Vor⸗ bereitung des Landes, wie zum rothen Klee(§. 189) ſchon hin; un⸗ ter weniger günſtigen Verhältniſſen darf ein Doppel⸗ oder Rajok⸗ Pflügen und eine ungewöhnlich ſtarke Düngung zu den vorausgehen⸗ den Hackfrüchten(auf ſchwerem Boden auch wohl eine Brache ſtatt der Hackfrucht), oder ein zweijähriger Hackfruchtban mit jedesmali⸗ ger Düngung, nicht geſcheut werden. §. 226. Die beſonderen Verhaͤltniſſe der Wirthſchaft und die Beſchaffenheit der dazu gehörigen Felder müſſen entſcheiden, ob man eine eigentliche Luzernerotation einfuͤh⸗ ren ſoll, oder beſſer daran thut, nur einzelne, beſonders qualificirte Grundſtuͤcke damit anzupflanzen und dieſe ſo lange als thunlich beizubehalten. Oder mit andern Worten: jene Verhaͤltniſſe entſcheiden, ob man jedes Jahr eine neue An⸗ ſaat oder nur dann eine ſolche macht, wenn das bisherige Luzernefeld abgaͤngig zu werden droht. S. II. B. 2. Abtheilung, 5. Cap. — 96— 2. Beſtellung. §. 227. Wo die Luzerne ganz in ihrem Elemente iſt, kann ſie auf aͤhnliche Weiſe, wie der rothe Klee, namentlich unter Sommerhalmfrucht(ſ.§. 190) mitausgeſät werden. Auf nicht völlig ſicherem Standpunkte ſäe man ſie entweder unter fruͤhzeitig gruͤn abzumähenden Hafer, Buchweizen oder ebenfalls grün abzufuͤtternde Hirſe, auch unter nicht zu dicht geſäten Lein, oder auch ohne Ueberfrucht für ſich allein, in welchem Falle die junge Luzerne jedoch meiſtens gejaͤret werden muß. Das Ausſäen für ſich allein iſt beſonders auf gebundenem, übri⸗ gens möglichſt fein vorbereitetem Boden zur Zeit, wo die Frühlings⸗ wärme bereits eingetreten, der Boden und die Witterung aber mä⸗ ßig feucht ſind, rathſam und der im ſelbigen Jahre noch eintretende Ertrag entſchädigt für die verlorne Ueberfrucht.— Die Engländer drillen auch die Luzerne zuweilen in etwa einen Fuß entfernten, mit der Hand oder mittelſt Maſchinen mehrmal zu bearbeitenden Reihen mit gutem Erfolge, was auch hier und da in Deutſchland ſich zweckentſprechend erwieſen haben ſoll.— In günſtiger Lage, z. B. in der Pfalz, hat man nach der Erndte von Frühkartoffeln als⸗ bald ausgeſäete Luzerne wohl gerathen ſehen.— Am ſchwierigſten iſt ſie auf trocknem Sandboden in trocknen Jahrgängen aufzubringen; man thut hier wohl, verſchiedene Saaten zu machen; am glücklich⸗ ſten war ich mit der Ausſaat unter Hirſe, welche mäßig dicht geſät, und worin, als ſie Fingerslang war, der geſäte Luzerneſaamen ein⸗ geeggt ward, die Hirſe aber wurde nach dem Schoſſen zeitig wegge⸗ füttert. Unter allen Umſtänden muß man die Ueberfrucht abmähen, wenn ſie die junge Luzerne zu unterdrücken droht. §. 228. Eine Hauptregel iſt noch, den Luzerneſaamen in um ſo ſtärkerem Maaße zu ſaͤen, je weniger vollkommen guͤnſtig der Boden und die Lage für das Gedeihen dieſes Futterkrauts ſind. Als Regel ſind 11 bis 46 Pfund p. heſſ. oder preuß. Morgen anzunehmen(17 ½ bis 20 Pfund p. würtemb. Morgen). Ueber gemiſchte Saat von Luzerne und Esparſette ſ.§. 248. — 97— Die Unterſaat von rothem Klee, welche man auch ſchon empfohlen hat, wird der Luzerne leicht verderblich, weil mit dem Ausgehen des rothen Klees ſchlechte Pflanzen gerne Platz greifen. 3. Pflege. §. 229. Das Gipſen, Aſchen ꝛc. leiſtet in der Regel der Luzerne gute Dienſte, nur auf ſchwachem, zugleich ſehr waymem Boden empfiehlt es ſich nicht, wenigſtens nicht jähr⸗ lich. Um ſo zutraͤglicher iſt hier, ſo wie uͤberhaupt empfeh⸗ lenswerth, das Ueberfahren mit Pfuhl. Hat man weder dieſen, noch einen anderen wirkſamen Streudung, ſo iſt eine Kompoſtdüngung alle paar Jahre zu empfehlen; jedoch darf es kein Kompoſt ſeyn, der gerne Gras zieht. Ueberduͤngen mit ſtrohigem Stallmiſt iſt für den erſten Winter zu em⸗ pfehlen. §. 230. Um einem Hauptfeinde der Luzerne, dem Ue⸗ berhandnehmen von geringhaltigen Gräſern(wie Schmielen und dergleichen) Einhalt zu thun, ſo wie die wohlthaͤtigen atmosphaͤriſchen Einflüſſe dem ſich immer feſter ſchließenden Boden zugänglicher zu machen, iſt ein jährlich im Fruͤhjahre wiederholtes tüchtiges Durcheggen mit eiſernen Eggen Be⸗ dürfniß. Dagegen iſt das Beweiden in den erſten Jahren der Luzerne ſehr nachtheilig, und darf auch ſpäter, nament⸗ lich mit Schafen, nicht ſtark ſtattfinden. §. 231. Erdfloͤhe, Spinnen, Schnecken ꝛc. können der Luzerneſaat im erſten Jahre, gleichwie dem rothen Klee, Nachtheil bringen(§. 196); auch kann ſie im erſten Win⸗ ter leicht auswintern; ältere Luzerne leidet dagegen von harten Wintern weniger, als Kopfklee, und noch weniger von trocknen Sommern. 4. Dauer und Ertrag. §. 232. Eine kurze Dauer der Luzerne iſt 4 Jahre, eine gewöhnliche(mittlere) 6 bis 7 Jahre, eine lange 9 bis Pabſi Landwirthſch. I. 2. 7 12 Jahre oder noch darüber. Wo ſie regelmaäßig in die Fruchtfolge aufgenommen iſt, beſtimmt man ihr nicht gerne eine laͤngere Dauer als 5 bis 6 Jahre. Auſſerdem haͤngt ſolche von Boden, Lage und anderen auf ihre Vegetation einwirkenden Verhältniſſen ab. Man thut wohl, ſie umzu⸗ brechen, ſobald ein bedeutender Theil der Luzernepflanzen ab⸗ zuſterben beginnt und das Feld dagegen von Gras, Loͤwen⸗ zahn und dergl. eingenommen wird, weil ſonſt der Ertrag ſowie die unterdeß ſtattgehabte ſtarke Krafteinſammlung des Ackers mehr und mehr ſinken. Vor dem Ablauf von 6 Jah⸗ ren darf die Luzerne auf dieſelbe Stelle nicht wiederkehren. Man nimmt auch wohl an, daß man mit der Wieverkehr wenig⸗ ſtens eben ſo viel Jahre warten ſoll, als die Luzerne das Feld einnahm. §. 233. Da die Luzerne, beſonders wenn ſie nicht ſehr dicht ſteht, hartſtenglich wird, ſobald ſie in volle Bluͤthe tritt, ſo muß ſie, ſey es zum Grünfuͤttern oder zum Doͤr⸗ ren, gemaͤht werden, bevor jener Zeitpunkt eingetreten iſt. Dagegen kann ſie um ſo öfterer gemäht werden, indem ſie wenigſtens drei, meiſtens aber vier, zuweilen ſogar fuͤnf Schnitte abwirft. Auch bietet ſie den Vortheil dar, 8 bis 10 Tage vor dem rothen Klee maͤhbar zu ſeyn, und zwiſchen dem erſten und zweiten Hieb des letzteren, ſo wie im Herb— ſte wenn jener zu Ende gegangen iſt, einzuruͤcken. §. 234. Der mittlere Ertrag der Luzerne iſt in ge⸗ trocknetem Zuſtande zu 28 bis 40 Cntnr. p. heſſ. odet preuß. Morgen für den Jahrgang anzunehmen; unter glücklichen Umſtaͤnden kann derſelbe jedoch bis zu 60 Centner Dörrfut⸗ ter ſteigen, während man auf beduͤrftigem Sand⸗ oder Kalk⸗ boden oft auch mit 20 bis 25 Centner Ertrag p. heſſ. oder preuß. Morgen vorlieb nehmen muß(25 bis 70 Centner p. würtemb. Morgen). Im erſten Nußtjahre iſt der Ertrag in der Regel geringer, ſo wie er in den letzteren Nutzjahren ebenfalls ſich wieder mindert. §. 235. Das Verfahren beim Dörren iſt das gleiche, wie beim rothen Klee; auch der Heuwerth duͤrfte ſich im Durchſchnitt gleich ſtehen, während der Werth der Luzerne als Gruͤnfutter durchſchnittlich eher etwas unter, als über dem Klee ſteht. §. 336. Sobald die Luzerne nicht ſehr üppig undsdicht ſteht, ſetzt ſie meiſtens vielenz Saamen an, welcherz leichter zu gewinnen iſt, als der vom rothen Klee, waͤhrend der Saa⸗ menertrag dem des letzteren wenigſtens gleich ſteht(meiſtens von 2 bis zu 3 Cntnr. p. heſſ. oder preuß. Morgen). Man wählt lieber ältere Luzernefelder zum Saamentragen als jüngere, theils weil jene bei dünnerem Stande mehr Saamen an⸗ jetzen, theils weit das Saamentragen bei junger Luzerne die Dauer ſchwächt, namentlich wenn es mehrmals auf demſelben Felde wieder⸗ holt wird. 5. Aufbruch. §. 237. Das zum Aufbruch beſtimmte Luzernefeld(ſ. §. 232) wird am vollkommenſten durch Spaten, wobei die ſtarken Stoͤcke und Wurzeln zugleich entfernt werden, in einen Zuſtand geſetzt, daß man Alles, was ſonſt das durch das Niederliegen ſehr gekräftigte Land traͤgt, danach bauen kann, wie namentlich Raps, Tabak u. ſ. w. Da wo der Spaten wegen der Koſten oder aus andern Gründen nicht am Platze iſt, empfiehlt ſich das Doppelpflügen. Ohne die⸗ ſes oder jenes wird häufig eine, wenigſtens halbe, Brache er⸗ forderlich, wenn Wintergetreide(gewöhnlich Spelz oder Wei⸗ zen) folgen ſoll. IV. Die Esparſette. §. 238. Die Esparſette, auch Esper oder turkiſcher Klee genannt, Hedysarum onobrychis, iſt wie die Luzerne aus dauernd, und würde mit dieſer allgemein gleichen, oder 7*⁴ — 100— ſelbſt noch hoͤheren Werth haben, wenn ihr Standort nicht etwas beſchränkter, beſonders aber ihr Ertrag durchſchnittlich nicht geringer waͤre. Um ſo groͤßer iſt ihr Werth fuͤr die⸗ jenigen Verhaͤltniſſe, wo ſie noch fortkoͤmmt, rother Klee und Luzerne aber verſagen. Ihr Anbau wurde in mehreren Gegenden von Frankreich und der Schweiz ſchon ſeit lange betrieben, verbreitete ſich etwa zur Mitte des vorigen Jahr⸗ hunderts nach den Rheingegenden und iſt ſeitdem in vielen Theilen von Deutſchland aufgenommen. In Frankreich und der Schweiz wurde ſeit etwa 10 Jahren eine beſſere Sorte von Esparſette empfohlen, welche in der Regel zwei volle Schnitte geben ſoll und von Saamenhändlern auch zweiſchnit⸗ tige Esparſette, oder Esparſette der Picardie genannt wurde; man zeigte mir ſolche in der obern Moſelgegend, wo ſie mir von etwas hellerer Farbe in der Blüthe erſchien. Von Paris empfange⸗ ner, verſchiedenen Landwirthen in Rheinheſſen abgegebener Saamen jener angeblich zweiſchnittigen Esparſette ergab im Anban keinen Unterſchied vor der gewöhnlichen. Es ſcheint mir darum zweifelhaft, ob jene Abart in Deutſchland ihre gerühmte Eigenſchaft bewähren wird. 1. Standort. §. 239. Die Esparſette verlangt noch mehr als die Luzerne einen Untergrund, welcher das tiefe Eindringen ihrer Wurzeln geſtattet und nicht an Näſſe leidet. Auch liebt ſie in noch hoͤherem Grade als dieſe einen ſtarken Kalkgehalt, und nimmt, wenn ihr dieſer zu Theil wird, mit einem ſonſt wenig artbaren, namentlich mit einem weniger kräftigen und mehr dem Austrocknen ausgeſetzten, ſelbſt dürren Bo⸗ den vorlieb. Unter gedachten Vorausſetzungen vertraͤgt ſie ſich auch mit einer ziemlich rauhen, namentlich hohen Lage. Damit ſind die Verhältniſſe bezeichnet, unter denen ſie ein Hauptfutterkraut, mitunter ſelbſt das einzig ſichere iſt, z. B. auf allen ſehr Fark kalkhaltigen Feldern, zumal wenn ſie zu ſtark oder zu we⸗ nig gebunden, hoch, oder aus andern Gründen zu trocken gelegen — 101— ſind; ferner auf flachgründigem Boden mit Kalkkies oder Kalkge⸗ rölle zur Unterlage. Daß die Esparſette unter allen Umſtänden ſtarken Kalkgehalt im Boden zu ihrem Gedeihen verlange, kann übrigens nicht behauptet werden, denn ich ſah ſie ſchon ziemlich gut gedeihen auf kaum merkbar kalkhaltigem Sandboden, und ebenſo auf gerölligem Baſaltboden. §. 2¹0. Die Zubereitung des Bodens ſoll in der Haupt⸗ ſache dieſelbe ſeyn, wie für den rothen Klee(§. 189). Auf eigentlichem Esparſettboden braucht nur eine mäßige Dün⸗ gung vorausgegangen zu ſeyn. In Bezug auf die Aufnahme der Esparſette in die Rotation oder deren Anbau auf be⸗ ſonderen in eine Fruchtfolge nicht aufgenommenen Feldern gilt das bei der Luzerne Geſagte(§. 226). 2. Beſtellung. §. 241. Man ſäet den Esperſaamen, die erforderliche Zubereitung des Landes vorausgeſetzt, wie Klee und Luzerne, unter Winter⸗ und Sommergetreide, Gruͤnfutter ꝛc. Wo es an der vorausgegangenen Zubereitung des Landes, oder an Bodenkraft für eine Ueberfrucht mangelt, gebe man dem Felde eine halbe Brache, wo möglich mit Pferch, welcher der jungen Saat vorzüglich zu gut koͤmmt, und ſäe den Saamen recht dicht im Juli oder Auguſt fuͤr ſich allein aus. Auch die im September vorgenommene Saat unter Winterge⸗ treide gedeiht in warmer Lage gerne; gewöhnlich ſät man jedoch unter Winterfrucht den Esperſaamen erſt im Frühjahre. §. 242. Die Esparſette verlangt eine dichte Saat, und da der Saamen ſehr ſtarke, nicht abſpringende Hülſen beſitzt, ſo bedarf man 1 bis 1 ½¼ heſſ. Malter( 2 ⅛ bis 2 ⅜ preuß. Scheffel) p. heſſ. oder preuß. Morgen(¾ bis 1 Scheffel p. wuͤrtbr. M.). Dieſer Saamen wird flach untergeeggt, und bedarf noch mehr als andere Kleeſaat eine Zeitlang feuchte Witterung, um zu keimen und feſtzu⸗ wurzeln. Man muß deßhalb auf die Wahl der Saatzeit be⸗ ſonders aufmerkſam ſeyn. 7.— 102— 3. Pflege. §. 243. Zeigt ſich im erſten Jahre Unkraut, das die Esparſette zu unterdruͤcken droht, ſo darf das Jaͤten derſel⸗ ben nicht geſcheut werden. Die Schafe müſſen in den bei⸗ den erſten Jahren entfernt gehalten werden. Das Aufeg⸗ gen im Frühjahre iſt auch hier ſehr rathſam. Zur Aufhülfe wendet man hauptſaͤchlich den Gips, auch Pfuhl an. Den aͤlteren etwas nachlaſſenden Esperfeldern hilft ein Ueber⸗ pferchen im Herbſte beſonders wieder auf. 4., Dauer und Ertrag. §. 2u4. Die Dauer der Esparſette iſt von 3 bis zu 15 und mehr Jahren. Wo ſie in die Fruchtfolge regelmä⸗ ßig aufgenommen iſt, laͤßt man ſie(ungerechnet das Saat⸗ Jahr) meiſtens nur 3 bis à Jahre, zuweilen nur 2 Jahre niederliegen, wonach das Feld ſo leicht wie Kopfkleeland zur Winterung oder anderen Früchten zuzubereiten iſt, auch in gleichem oder noch ſtärkerem Maaße an Kraft gewon⸗ nen hat. Im Uebrigen, namentlich auch in Betreff der Wiederkehr, wird auf das bei der Luzerne(§ 232) Angeführte hingewieſen. §. 245. Der Hauptertrag der Esparſette beſteht im erſten, meiſtens in den Monat Juni fallenden Schnitte, den man in volle Bluͤthe treten laſſen muß, bevor man ihn zur Gruͤnfuͤtterung oder zum Trocknen beſtimmt. Der zweite Schnitt wird kaum halb ſo ſtark, und in trocknen Som⸗ mern oder in etwas unguͤnſtigen Lagen bleibt er oft ſo kurz, daß die Senſe kaum angewendet werden kann. §. 246. Der Ertrag in getrocknetem Zuſtande verhält ſich zwiſchen 14 und 28 Entnr. p. heſſ. oder preuß. Morg. (17 bis 35 Cntnr. p. wrtbr. M.). Sie iſt leichter zu dör⸗ ren als Klee, und ſelbſt als Luzerne, und ihr Futterwerth wird im Durchſchnitt zu 10 Procent höher angeſchlagen, als bei jenen. — 103— §. 247. Der Saamen iſt leicht zu ziehen: man waͤhlt dazu ein aälteres Esparſettfeld und hat, nach eingetretener mäßiger Reife der Mehrzahl der Koͤrner, darauf zu achten, daß durch das Maͤhen und Abtrocknen der Stengel(welch' letzteres in Bündeln oder aufgeſtellten Kaͤmmen, am beſten aber auf Kleepiramiden geſchieht) nicht ein beträchtlicher Theil des leicht ausfallenden Saamens verloren geht. Man zieht deßhalb haͤufig vor, den Saamen entweder von den nicht gemähten Stengeln abſtreifen, oder gleich nach dem Mähen auf ausgebreiteten Tuͤchern abſchlagen zu laſſen. Man kann 3 bis 5 heſſ. Malter(= 7 bis 11 ½l preuß. Schef⸗ fel) Saamen vom heſſ. oder preuß. Morgen erhalten(2 ½ bis a ¼ würtbr. Schff. p. wuͤrtbr. M.). 5. Unterſaat anderer Kleearten. §. 248. Auf Boden, welcher für Luzerne weder ganz zuſagend, noch ganz unangemeſſen, für Esparſette aber ge⸗ eignet iſt, hat man es ſchon nützlich gefunden, beide Futter⸗ kraͤuter gemiſcht zu ſäen; der erſte Schnitt lieferte alsdann durch die Esparſette, der zweite und dritte durch die Luzerne einen reichlicheren Ertrag; die Verſchiedenheit in der Blü⸗ thezeit beider Futterkräuter bietet jedoch hierbei immer einen nicht ganz zu beſeitigenden Anſtand dar. Häufiger kͤmmt in der Pfalz die Unterſaat von 2 bis 3 Pfund Saa⸗ men vom rothen Klee p. heſſ. Morgen vor, da naͤmlich, wo man, wegen der Fruchtfolge oder wegen geringer Ausdauer der Esparſette, dieſe nur zwei höchſtens drei Jahre benutzt. Unter dieſer Vorausſetzung gewaͤhrt die Kleeunterſaat einen weit reichlicheren zweiten Schnitt, auch kann man Saa⸗ men von ſolchem Klee im zweiten Schnitt in betraͤchtlicher Menge erzielen. — 104— Drittes ECapitel. Sonſtiger Grünfutterbau. §. 249. Noch eine große Zahl verſchiedener, meiſt einjähriger Gewächſe wird zur Hülfe bei der Sommerſtall⸗ fütterung und der Weide(theilweiſe auch zum Trocknen für den Winter) angebaut, deren wir hier, nebſt einigen neue⸗ rer Zeit erſt in Vorſchlag gebrachten, weiter zu erwaͤhnen haben. §. 250. Wir führen ſolche unter folgenden Unterab⸗ theilungen auf. I. Der Spörgel. II. Die als Grünfutter dienenden Getreidearten. III. Die zu gleichem Zwecke die⸗ nenden Oelgewaͤchſe. IV. Der Kürbis. V. Verſchiedene andere beachtenswerthe, in Deutſchland noch wenig gebaute Futterpflanzen. I. Der Spöͤrgel. §. 251. Der Spörgel oder Ackerſpörgel, auch Spark, Knoͤterich, Mariengras u. ſ. w. genannt, Spergula arvensis, ſtammt ſehr wahrſcheinlich von dem überall wildwachſenden Spergula pentandra ab, von dem er botaniſch faſt gar nicht verſchieden iſt. Die beiden Abarten vom Ackerſpoͤrgel, der große und der kleine, welche von Thär und anderen Schrift⸗ ſtellern aufgefuͤhrt werden, ſcheinen auch nur auf dem beſ⸗ ſeren und ſchlechteren Boden, auf dem ſie beziehungsweiſe gebaut werden, und nebenbei der dünneren Saat des erſte⸗ ren und dichteren Saat des letzteren, zu beruhen. Den ſchönſten und längſten Spörgel erzieht man aus den unter dem Leine, beſonders dem ruſſtſchen, ſich häufig findenden Saamen⸗ körnern von Spergula pentandra, welche Art von Weihe wieder ſeparat als Sp. maxima aufgeführt wird. Will man übrigens auf — 105— dem beſſeren des dafür noch geeigneten Bodeus Spoͤrgel bauen, ſo dürfte es wichtig ſeyn, ſich von der größeren Abart Saamen zu ver⸗ ſchaffen; auf ſehr geringem Boden iſt es gleichgültig, welche Sorte man ſäet. §. 252. Die Vorzüge dieſer im nördlichen Deutſch⸗ land und den Niederlanden ſehr haͤufig angebauten Futter⸗ pflanze beſtehen darin, daß ſie auf geringem Sandboden noch fortkoͤmmt, in Zeit von 2 Monaten nach der Saat— zuweilen auch noch fruͤher— zum Maͤhen oder zur Weide herangewachſen iſt, und daß ſie ein ſehr nahrhaftes, beſon⸗ ders milchwirkendes Futter abgibt. Auch bereichert der grün abgemähte, beſonders aber der abgeweidete Spörgel den Bo⸗ den weſentlich. Dagegen iſt er auf den gebundeneren, über dem lehmigen Sand oder dem geringeren ſandigen Lehm ſte⸗ henden Bodenarten nicht mehr lohnend genug; verlangt auch ein nicht zu trocknes Clima oder eine etwas feuchte Lage; überſteigt auf geringem Sande ſelten die Hoͤhe von ½ Fuß und liefert nur einen Schnitt, den Nachwuchs vom ausgefallenen Saamen ausgenommen. Auf ſchwerem und kaltem Boden kömmt er gar nicht fort; auch den Kalkboden liebt er nicht. Auf gutem lehmigem Sand erreicht er, von der Witterung zugleich begünſtigt, die Höhe von 1 ½ bis 2 Fuß. Vor der Blüthe abgeweidet, erfolgt ein ziemlicher Nach⸗ wuchs. §. 253. Der Spoͤrgel wird auf dem geringeren Sande als Haupt⸗ und Nachfrucht gebaut, auf beſſerem Boden hauptſaͤchlich nur als Nachfrucht. In der Regel geht ihm, wenn er als Nachfrucht(Stoppelfrucht) dient, Winterroggen voraus, ſowie dieſer ihm auch meiſtens nachfolgt, wenn er als Hauptvorfrucht gewaͤhlt wird. §. 254. Er bedarf, um gut zu gedeihen, einen reinen und gut gelockerten Standpunkt; wenn indeſſen der Boden nicht ſehr verunkrautet iſt, ſo reicht ein nur einmaliges Pflü⸗ gen hin, dem die Egge, dieſer das Saͤen mit leichtem Ein⸗ — 106— eggen und Zuwalzen folgt. Man ſaͤet ihn vom April bis zu Ende Auguſt, doch muß eine fruͤhe Saat unterbleiben, wo ſtarke Nachtfroͤſte im Fruͤhjahr häufig vorkommen. Er bedarf zu ſeinem Gedeihen, beſonders in der erſten Zeit, maͤ⸗ ßig feuchte und mäßig warme Witterung, und wenn er auch mit geringer Bodenkraft vorlieb nimmt, ſo iſt doch uͤberall wo der Boden mager, eine Kraͤftigung vorher nöthig, wenn der Ertrag einigermaßen befriedigend ſeyn ſoll. Beſonders empfiehlt ſich zu dem Ende das Ueberfahren mit Jauche vor oder nach der Saat. Man ſaͤet p. heſſ. Morgen 18 bis 22 Pf. oder ½ bis ⅛ heſſ. Simmer(=— 5 bis 6 preuß. Me⸗ tzen p. preuß. Morgen oder etwa 1 Simri p. würtbr. M.). Von manchen Seiten wird die Ausſaat nur halb ſo ſtark, oder noch ſchwächer angegeben; ich habe aber die oben angegebene Quan⸗ tität nicht zu ſtark gefunden. Gips wirkt wenig, oft gar nicht auf den Spörgel. Auf geringem Sande kann er in einem Sommer zweimal hin⸗ tereinander gebaut werden, namentlich theilweiſe oder ganz zur Grüu⸗ düngung. §. 255. Der Spoͤrgel wird gemäht, wenn er in Bluͤthe getreten iſt; der kurz gebliebene wird ausgezogen, oder beſſer abgeweidet. Er iſt in ſeiner milchwirkenden Eigenſchaft (dem Gewichte nach) beinahe um die Hälfte höher, als der Klee anzuſchlagen. Er kann auch zu Heu gemacht wer⸗ den, das ebenfalls vorzuͤglich nährend iſt. §. 256. Zum Saamenziehen waͤhlt man lieber die frühere Saat, die zu dem Ende etwas duͤnner geſät wird. Der Zeitpunkt zum Mähen, oder beſſer Ausziehen des Saa⸗ menſpoͤrgels muß wahrgenommen werden, wenn die unteren Koͤrner braun ſind; bei längerem Warten geht durch Aus⸗ fallen viel Saamen verloren. Das Trocknen und Nachrei⸗ fenlaſſen in kleinen Häufchen erfordert Sorgfalt. Der Saa⸗ menanſatz iſt meiſtens ſehr reichlich und man kann p. heſſ. oder preuß. Morgen bis 2 Malter(= 5 preuß. Scheffel — 107— oder 300 Pfund) Saamen gewinnen. Das Saamenheu ſteht gutem Wieſenheu noch gleich. Der Saamen hat auch einen ziemlichen Futterwerth, muß jedoch, da er ſehr feſt iſt, vorher zerſtampft oder bis zum Zerplatzen gekocht werden. Auch enthält der Saamen etwas Oel. §. 257. Der Ertrag an Grünfutter oder Heu wird von den wenigſten Schriftſtellern über Spoͤrgelbau genau angegeben. Er duͤrfte ſich meiſtens zwiſchen 30 bis 45 Centner Gruͤnfutter oder 8 bis 12 Centner Heu verhalten, dem jedoch der Werth von 10 bis 15 Cntnr. gewöhnlich gu⸗ tem Wieſenheu beizulegen iſt. II. Als Gruͤnfutter dienende Getreidearten. §. 258. Von den Getreidearten werden viele zum Grün⸗ futterbau verwendet, wovon die wichtigeren hier nach einan⸗ der aufgefuͤhrt werden, jedoch wird nur in dieſer einen Be⸗ ziehung von ihnen hier die Rede ſeyn, in Betreff ihres An⸗ baus überhaupt wird auf den zweiten Abſchnitt ein fuͤr alle⸗ mal hingewieſen. 1. Mengfutter. §. 259. Das ſogenannte Mengfutter, Miſch⸗ oder Aetz⸗ futter, auch Wickhafer genannt, wird in der Regel aus Halm⸗ und Huͤlſenfrucht zuſammengeſetzt. Am gewoͤhnlichſten iſt eine Miſchung von Hafer und Wicken, wozu meiſtens auch Erb⸗ ſen oder Bohnen, oder auch beide, noch kommen. Gerſte wird auch mitunter zugeſetzt, iſt indeſſen nicht zu empfehlen. Dieſe Miſchungen eignen ſich jedoch nur für einen nicht ganz loſen noch armen Boden; am geeignetſten erweiſen ſich von den eben genannten Körnerfruͤchten fuͤr den loſeren Boden noch die Wicken mit wenig oder gar keinem Hafer. Für den beſſeren und mittleren Sandboden dient insbeſondere ein Gemiſche von Buchweizen und Hirſe mit wenig Erbſen; — 108— auch etwas Mais kann hier, wie auf beſſerem warmem Bo⸗ den, mit dazu genommen werden. Nächſt dem Mais ſind beſonders die Erbſen ſehr milchwirkend. —, Fehlt es am Saamen der Hülſenfrüchte, oder iſt ihnen Lage oder Boden nicht zuträglich, ſo kann auch der Hafer für ſich allein genom⸗ men werden. §. 260. Das Mengfutter dient den meiſten Wirthſchaf⸗ ten, welche Stallfütterung treiben, zur Huͤlfe neben mehre⸗ ren oder wenigſtens einer der Hauptkleearten, und noch be⸗ ſonders zur Aushuͤlfe, wenn die Kleearten mißrathen ſind. Man ſät es als Vorfrucht ganz frühe, z. B. vor Raps, oder auf Felder, welche erſt im Herbſt Winterfrucht erhal⸗ ten, zu verſchiedenen Zeiten, oder auch als Nach⸗ oder Stoppelfrucht zur Herbſtfütterung oder Gründuͤngung. Als Hauptfutter baue man nicht zu viel darauf, theils weil es leicht fehlſchlägt, und nicht frühe herangewachſen, auch je nach der Witterung ungleich im Wachsthume iſt; theils weil ſein Ertrag nur mittelmäßig, während der Saamen theuer iſt; endlich weil es, wenn auch nicht zehrend, doch auch nicht bodenbereichernd und für Winter⸗ getreide auch keine ausgezeichnet gute Vorfrucht iſt. §. 261. Das Land zum Mengfutter ſoll eine Vorbe⸗ reitung wie zu Hafer oder reſp. Buchweizen erhalten, und entweder noch in Kraft ſtehen, oder friſch gedüngt(gepfercht, gepfuhlt) werden. Das Gipſen iſt in der Regel dabei gut angewendet. Man nimmt etwa ein Drittheil Saatfrucht mehr, als man zu denſelben Fruͤchten Behufs des Reifwer⸗ dens ausſaͤen wuͤrde. §. 262. Die Nutzung des Mengfutters iſt am vollkom⸗. menſten, wenn die volle Blüthe eingetreten iſt, auch ein Theil Koͤrner(Schoten ꝛc.) ſchon gebildet ſind. Das zum Grünfuͤttern nicht Bedürftige wird mit Vortheil zu Heu ge⸗ macht, das mit gewöhnlichem Kleeheu ziemlich gleichen Werth hat. Der Ertrag von der Frühjahrsſaat verhält ſich p. heſſ. — 109— oder preuß. Morgen meiſtens zwiſchen 12 und 24 Entnr. auf Heu reducirt, als Stoppelfrucht ¼ bis ⁄½ weniger. 2. Buchweizen, Hirſe. §. 263. Auf leichtem Boden ſind Buchweizen und Hirſe, jedes für ſich allein ausgeſät, zum gleichen Zwecke noch beſonders zu empfehlen. Letztere hat beſonders in trockner Lage Werth, und überdieß den Vorzug, daß man wenig Saa⸗ men bedarf und das Futter ſehr nahrhaft iſt. Dagegen be⸗ darf das Land, wie uͤberall zur Hirſe, Kraft und gute Vor⸗ bereitung. Die Saat wird zwar dichter als zum Reifen ge⸗ macht, auch nicht gejaͤtet, ſondern wenn ſie fingerlang blos durcheggt; doch bringt zu dichter Stand dem Ertrag auch hier Nachtheil. Der Mohar(kleine Kolbenhirſe) dient in gleicher Art, beſonders in etwas rauherer Lage; auf kräf⸗ tigem Sandboden gibt aber die Rispenhirſe mehr aus und hat auch mehr Futterwerth. 3. Mais. §. 264. In den beſſeren Climaten Deutſchlands und auf warmem, nicht zu magerem Boden iſt der Mais fuͤr die zweite Haͤlfte des Sommers und den Vorherbſt eines der allerempfehlenswertheſten Grünfuttermittel. Er wird auf wohl vorbereitetes und gedüngtes Land von Mitte April bis Mitte Juni geſät, und auch als Stoppelfrucht Ende Juli. Im erſteren Fall wird er am beſten in die zweite ſehr breit genommene oder dritte ſchmalere Furche gedrillt; im letztern Falle auch gedrillt, oder breitwuͤrfig geſät und flach unter⸗ gepfluͤgt. Bei der Reihenſaat bedarf man 1 ½ Simmer p. heſſ. Morgen(=½ 1 Scheffel p. preuß. Morg.), bei der breit⸗ wuͤrfigen Saat das Doppelte. Spaͤter wird der gedrillte Mais mit den gewöhnlichen Inſtrumenten bearbeitet, der breitwürfig geſaͤete, wenn er dicht ſteht, mit Vorſicht durch⸗ eggt. — 4410— Bei der Reihenſaat iſt es Behufs der Düngererſparung zu em⸗ pfehlen, den Dünger blos in die Saatfurche einzulegen. Ganz zweckmäßig iſt es auch, etwas Erbſen mit auszuſäen. §. 265. Der Futtermais wird zur Gruͤnfuͤtterung ver⸗ wendet, wenn er anfängt zu bluͤhen bis zur Zeit, wo er Kolben angeſetzt hat. Er iſt das allerbeſte Milchfutter; muß jedoch mäßig kurz geſchnitten werden. Auf ſehr mittelmä⸗ ßigem, jedoch gedüngtem Sande erhielt ich ſelbſt 100 Entn. Gruͤnfutter p. Morgen, und auf gutem Boden kann der Er⸗ trag bis zu 200 Cntnr. ſteigen, was einen Heuwerth von mindeſtens 33 bis 66 Cntnr. p. Morgen betraͤgt. Als Stoppelfrucht bleibt der Ertrag begreiflich geringer, jedoch immer auch ſehr beträchtlich gegen jede andere zum Grünfutter ge⸗ baute Nachfrucht. In naßkalten Sommern und Herbſten ſchlägt er übrigens leicht fehl. a. Futterroggen. §. 266. Ueberall, wo man Stallfütterung treibt, zu⸗ mal beim Beſitze leichterer Bodenarten, iſt der für die erſte Fruͤhjahrsgrünfütterung beſtimmte Roggen etwas früher und um%1 dichter als zum Reifwerden auf noch kräftiges oder gehörig gedüngtes und gut vorbereitetes Land geſät, von weſentlichem Nutzen. Solcher Futterroggen wird alsdann zu mähen angefangen, wenn er beginnt in die Aehren zu treiben, und damit fortgefahren, bis die Halme faſt ihre volle Höhe erreicht haben und zu trocken und hart werden. Der Ertrag in Heuwerth ausgeſprochen überſteigt unter ei⸗ nigermaßen guͤnſtigen Verhaͤltniſſen 20 Cntnr. p. heſſ. oder preuß. Morgen und kann ſich leicht bis auf 30 Entnr. und höher belaufen. Getrocknet gewaͤhrt der Futterroggen fuͤr den ganzen Sommer eine Aushülfe, beſonders als Zuſatz zu etwas zu waͤßrigem Grünfutter. Er kömmt noch vor der Luzerne zum Mähen, woraus ſich von ſelbſt ergibt, daß für das Land noch eine volle Benutzung für den Som⸗ — 111— mer geſtattet iſt. Ueberdieß iſt Kleeunterſaat ſehr am Platze, welche bis im Sommer ſchon mähbar wird. Die Zeit der beſten Nutzung des Futterroggens dauert übrigens nur etwa 10 Tage. §. 267. Säet man auf kraͤftiges Land recht fruͤhe, etwa Anfangs Auguſt, Staudenroggen, ſo kann auch im Herbſt ſchon ein Schnitt hiervon genommen werden. Zum Zwecke einer mehrmaligen Benutzung als Grünfutter im Saat⸗ jahre hat man auch ſchon die Ausſaat im Fruͤhjahre oder zu Anfang des Sommers unternommen. Solches lohnt ſich aber nur auf ſehr kräftigem Lande in feuchter Lage oder in feuchten Sommern. Dagegen gewährt die Fruͤhjahrsausſaat von Roggen auf leichtem Boden zur Benutzung als Schaf⸗ weide uͤber Sommer eine ſehr ſchaͤtzenswerthe Hülfe. Die neuerer Zeit auch ſchon angerühmte mehrjährige Benutzung von Roggen als Futterfeld, der im dritten Jahre noch eine Körner⸗ erndte folgen ſoll, ſteht mit der Natur dieſer Getreideart zu wenig im Einklange, als daß ſie Glauben verdiente. Wohl aber kann man im Herbſt benutzten Futterroggen im andern Jahre zur Reife kom⸗ men laſſen. §. 268. Sehr empfehlenswerth duͤrfte ſodann ſeyn, auf gutem Lande zu einer an ſich etwas ſchwach gegriffenen Roggenſaat eine halbe Spelz⸗ oder auch Weizenſaat zu nehmen. Von ſolchem Felde werden dann im Frühjahr zwei Schnitte genommen; der erſte beſteht in Roggen, der zweite in Spelz oder Weitzen mit nachgewachſenem Roggen vermiſcht. Ferner empfiehlt ſich in den milderen Lagen die Unterſaat von Winterwicken unter Futterroggen. Schon Chriſt empfahl im vorigen Jahrhundert die gemiſchte Futterſaat von Roggen und Spelz, und neuere Verſuche in meiner Nähe haben deren Vortheil beſtätigt. Der Freiherr v. Riedeſel auf Neuenhof hält ſelbſt den Wei⸗ zen, für ſich allein geſät, für nicht zu koſtbar, um dadurch ein, zwi⸗ ſchen den Futterroggen und erſten Kleeſchnitt gerade einrückendes Grünfutter zu erhalten. — 112— III. Als Gruͤnfutter dienende Oelgewächſe. §. 269. In dieſer Beziehung ſind der Raps, Ruͤb⸗ ſen und Senf zu nennen. Wird der erſte auf reichem Boden etwas früher als gewöhnlich, und unter den bei dem Rapsbau zu beobachtenden Regeln geſaͤt, ſo gibt er den ſo⸗ genannten Schnittkohl ab, indem er im Herbſt einmal und im Fruͤhjahr, wenn oder ehe er zu ſchoßen beginnt, wieder gemaͤht wird. Der Ertrag iſt reichlich, allein ſelten bieten die Wirthſchaftsverhältniſſe den Boden ſo dar, daß er den Futterrapsbau als bloße Zwiſchennutzung vom Nachſomtte bis zum Frühjahr geſtattet. Zweckmäßig dürfte auch hier eine Kleeunterſaat ſein. Auch etwas Roggen kann mit Nutzen untergeſät werden. §. 270. Der Rübſen gibt weniger aus, indeß wird der Sommerrübſen in den Rheingegenden als Stoppel⸗ futter für den Spatherbſt gebaut. Der weiße Senf ge⸗ währt auf kraͤftigem Boden einen aͤußerſt reichlichen Schnitt, und fuͤr Milchvieh, unter anderes Futter gemiſcht, ein ſehr wirkſames Fuͤtterungsmittel. Alle dieſe Pflanzen haben ei⸗ nen geringen Saamenbedarf für ſich. IV. Der Kuͤrbis. §. 271. Der Kürbis, Cucurbita Pepo, weicht zwar in ſeiner Beſchaffenheit weſentlich von den in den bisherigen Capiteln genannten Futtergewächſen ab; da dieß aber auch in Beziehung auf die in den andern Capiteln aufzufuͤhrenden der Fall iſt, und er doch hauptſächlich zur Fütterung im Nachſommer und Herbſt ſtatt und neben anderem Grün⸗ futter verwendet wird, ſo moͤge er hier ſeine Stelle finden. Es gibt viele Abarten; man baut aber meiſtens den gewöhnlichen großen länglichrunden Kürbis. §. 272. Der Kürbis gedeiht in den wärmeren Clima⸗ ten Deutſchlands und verlangt einen lockeren, trocknen Bo⸗ den, der an den Stellen, auf welche die Kerne gelegt wer⸗ den, ſtark gedüngt wird. Er kann, unter dieſer Voraus⸗ ſetzung, noch auf dem ganz geringen Sande gebaut werden, und verdient dazu der Empfehlung. §. 273. Das Land muß von Unkraut rein und gut ge⸗ lockert ſeyn. Man macht dann entweder in der Entfernung von etwa 12 Fuß Loͤcher von 1 ½ Fuß Durchmeſſer, welche mir zergangenem Duͤnger und etwas Boden gefüllt und wo⸗ rauf Ende April je drei Kerne gelegt werden. Oder man zieht in ohngefaͤhr gleicher oder noch etwas mehr Entfernung mit dem Häufelpflug Furchen, legt den Dünger ein, deckt ihn mittelſt jenes Pflugs und legt auf dieſen Reihen alle paar Fuß einen Kern. §. 274. Die Zwiſchenraͤume werden ſpaͤter mittelſt des Pflugs oder Extirpators rein gehalten, in der Nähe der Pflanzen wird die Handhacke oder der Karſt zu Huͤlfe ge⸗ nommen. §. 275. Im Auguſt kann man anfangen, Kürbis zu fuͤttern und damit bis in den Spatherbſt fortfahren; es gehoͤrt jedoch zu dieſem wäſſerigen Futtermittel ein nahrhaf⸗ tes und conſiſtentes. Die Maſſe des Ertrags kann bis hun⸗ dert Centner p. Morgen betragen; der Futterwerth dürfte von 6 bis 7 Gewichtstheilen zu 1 Theil Heuwerth zu rech⸗ nen ſeyn. In den Sandgegenden zwiſchen Rhein und Main wird der Kür⸗ bis häufig gebaut. Er eignet ſich für Rindvieh und Schweine. Er enthält ziemlich viel Zuckerſtoff, und man kann Syrup ſo wie Brand⸗ wein daraus gewinnen. Das Fleiſch wird auch zu verſchiedenen Speiſen benutzt und die Kerne ſind ölhaltig⸗ Pabſt Landwlrthſch. I. 2. 8 — 11— IV. Verſchiedene in Deutſchland noch we⸗ nig gebaute Futterpflanzen. 1. Der Taubenkropf. §. 276. Der Taubenkropf, Pucubalus Behen, wird in Rheinheſſen, beſonders von dem kleineren Landmann, ſeit langer Zeit in der Art als Futterkraut gebaut, daß man den ſchwarzkoͤrnigen Saamen zwiſchen die Stoppelrüben ſprengt und das Futter davon im Herbſt benutzt, oder daß man ihn auf mageren Feldern in der Brache allein oder mit etwas Erbſen oder Kichern zum gleichen Zwecke ſaͤet. Der Werth als Futterpflanze ſcheint nicht bedeutend zu ſeyn. §. 277. Dem Taubenkropf ähnlich iſt das Kuhſei⸗ fenkraut, Saponaria vaccaria, das auch ſchon als Fut⸗ terkraut empfohlen ward. Ein von mir im Kleinen auf geringem Sand damit gemachter Verſuch berechtigt zu der Anſicht, daß dieſe Pflanze für Sandboden nicht ohne Werth ſey. 2. Die Cichorie. §. 278. Arthur Young ruͤhmt den Anbau der Cichorie, Cichorium intybus, Behufs der Grünfütterung, zu welchem Zwecke er ſie im ſuͤdlichen Frankreich angebaut gefunden hatte. Er veranlaßte auch ihren Anbau in England. Auch in Deuſchland iſt dieſe Pflanze ſchon öfters für die Grün⸗ fütterung empfohlen und einzeln mit Erfolg verſucht wor⸗ den, jedoch ohne daß ſie dadurch nur einigermaßen verbrei⸗ tet worden wäre, obwohl von allen Seiten die Leichtigkeit des Anbaus, die Genügſamkeit mit geringem Boden, die Aus⸗ dauer und Ergiebigkeit gelobt wird. Man ſaͤt etwa 10 Pf. p. Morgen fuͤr ſich allein, oder wie Klee unter Sommerge⸗ treide. Die Wiedervertilgung anf dem dafür benutzten Felde iſt ſchwie⸗ rig(ſ. im dritten Abſchnitt unter den Kaffeeſurrogaten). Zum Heuen eignet ſich die Cichorie nicht gut⸗ 3. Neſſeln, Malven, Aſtern. §. 279. Die Brennneſſel, Urtica dioica, wurde, nach⸗ dem ihr Anbau als Handelsgewaͤchs aufgehört hatte, lange her zum Futteranbau empfohlen. Man ſäet ſie im Herbſt, kann ſie auch verpflanzen. In Schweden ſoll der Anbau derſelben häufig vorkommen; ſie ſoll jeden Boden und je⸗ des Clima ertragen(naſſe Lage wohl ausgenommen), auch reichlich tragen und naͤhrend ſeyn. Aus welchen Urſachen alle bisherigen Empfehlungen ohne Erfolg blieben, iſt unbekannt. §. 280. Die krauſe Malve, Malva verticillata, iſt in früherer Zeit von Riem als ein perennirendes, mit geringem Boden vorlieb nehmendes und gutes Futterkraut empfohlen worden; jedoch auch ohne Erfolg. Ebenſo ver⸗ hält es ſich mit einer von Petri vor etwa 12 Jahren auſ⸗ ſerordentlich angeruͤhmten neuen Futterpflanze, welche zu den Aſternarten(nach Manchen: Aster amellus) gehö⸗ ren ſollte. 4. Ginſter. §. 281. Der ſtachliche Ginſter, Ulex europaeus, die⸗ ſer in den gemäßigten Gegenden Europas wildwachſende Strauch, wird von den Englaändern(z. B. von Loudon und Twam ley) als Futterpflanze ſehr geruͤhmt. Man kann den Saamen unter Sommergetreide ſäͤen(etwa 15 Pfund P. Morgen); er gewährt alsdann im Herbſt noch einen Schnitt, auch über Winter kann man ihn vom Feld füt⸗ tern, auf dem man ihn nach Belieben mehrere Jahre be⸗ laͤßt und benutzt, und am Ende noch ein Brennmgterial ge⸗ wonnen hat. Die Nahrhaftigkeit wird allgemein gerühmt, doch müſſen die ziemlich harten Schoſſen vorher etwas ge⸗ quetſcht ſeyn. Anderſon empfiehlt dieſen Ginſter beſonders zur Anpflanzung auf die Einfriedigungswälle. 8*½ — 116— §. 282. Eine ähnliche Bewandniß hat es mit der auch häufig unter der Benennung Ginſter paſſirenden Beſen⸗ pfrieme, Spartium scoparium, welche in Deutſchland in ſandigem Waldboden überall anzutreffen iſt, in den Nieder⸗ landen aber häufig als grüne Düngung auf dem geringen Sandboden gebaut wird(ſ. I. Abth. d. B.§. 203), und deren noch nicht zu hart gewordene geſchnittene, und mit anderem Futter gebruͤhten Zweige ſehr nährond, jedoch auch ſehr adſtringirend ſeyn ſollen. M. ſ. meine Anleitung zur Rindviehzucht S. 150 ff. 5. Rauhblättriche Schwarzwurzel. §. 283. Dieſe auch unter dem Namen Beinwell auf⸗ geführte Pflanze, oder das Symphitum asperrimum, iſt in neueſter Zeit erſt als Futterpflanze empfohlen worden. Sie kam vom Caucaſus nach England, wird aus Saamen gezo⸗ gen oder auch verpflanzt; die nahrhaften Blätter wachſen ſehr ſchnell nach und die Pflanze ſcheint beſondere Beach⸗ tung zu verdienen. 6. Orientaliſche Zackenſchote. §. 284. Auch die Bunias orientalis gehoͤrt zu den be⸗ achtenswerthen Gewaͤchſen, welche neuerdings zur Fuͤtterung empfohlen wurden. Sie iſt perennirend und die aus Saa⸗ men gezogenen Pflanzen oder die zertheilten Wurzeln wer⸗ den in ½ Fuß Entfernung verpflanzt. Die Krautnutzung iſt mit der von der Cichorie zu vergleichen und ſoll bis fünf⸗ mal in einem Sommer ſtattfinden können. Sie iſt, wo ſie einmal eingewurzelt iſt, ſchwer wieder ganz zu vertilgen. 7. Verſchiedene andere Gewaͤchſe. §. 285. Noch manche ſchmetterlingsbluͤthige Pflanzen wurden zur beſonderen Futterkultur empfohlen oder dürften — 4117— des Verſuchs werth ſeyn, wie manche Platterbſenarten(3. B. Lathyrus lalifolius), Lotus⸗ und Wickenarten, Geisklee (Galega officinalis); eben ſo verhält es ſich mit einer Menge anderer Gewaͤchſe, unter die wir auch den Spinat und die Peterſilie(§. 1743) zaͤhlen.— Damit wird zugleich hinlaͤnglich angedeutet ſeyn, daß mit den bis jetzt gewoͤhnlich und im Großen gebauten Futterkräutern das Buch des Fut⸗ terbaues ſuͤr die Zukunft keineswegs als geſchloſſen zu betrachten iſt. Viertes Capitel. Wurzelgewächſebau. §. 286. Waͤhrend die bisher abgehandelten Futterpflan⸗ zen als die naturgemäßeſten für die meiſten unſerer größe⸗ ren Hausthiere zu betrachten, und während ſie, mit weni⸗ gen Ausnahmen, im gruͤnen Zuſtande uͤber Sommer, wie im getrockneten Zuſtande für den Winter gleich gut ver⸗ wendbar ſind, endlich waͤhrend ſie größtentheils zugleich als bodenbereichernde Gewaͤchſe zu betrachten ſind,— bieten die Wurzelgewächſe den Vorzug dar: daß ſie an die Stelle der ſonſt oft nothwendigen reinen Brache in die Fruchtfolge ein⸗ geſchoben werden köoͤnnen; daß ſie häufig dem Nahrungs⸗ werthe nach einen groͤßeren Rohertrag, als Gras oder Klee und dieſen ähnliche Gewächſe liefern, namentlich aber auf manchen geringen Bodenarten zugleich ſicherer als jene ſind. Für die Winterfuͤtterung ſind ſie, unter der Vorausſetzung eines das mangelnde Volumen an trockner Subſtanz ausglei⸗ chenden Zuſatzes an Dörrfutter oder Stroh, von großem Werthe. Dagegen iſt ihre Aufbewahrung und Zubereitung — 118— mit manchen Schwierigkeiten verknüpft, im Sommer kann gar nicht auf ſie gerechnet werden, und die Bodenkraft neh⸗ nen ſie in nicht geringem Grade in Anſpruch. §. 287. Hieraus erhellet, daß der Wurzelgewächſebau unter vielen, ja wohl den meiſten landwirthſchaftlichen Ver⸗ hältniſſen in Deuſchland von nicht minderer Wichtigkeit, als der Gras⸗ oder Kleebau iſt, zumal da mehrere der hierzu gehoͤrigen Gewaͤchſe nicht nur zur menſchlichen Nahrung we⸗ ſentlich dienen, ſondern auch zu wichtigen techniſchen Zwek⸗ ken verwendet werden, und in manchen Verhältniſſen ganz als Handelsgewaͤche gebaut werden. In Beznug auf Futterbau ſind die Wurzelgewächſe beſonders für die leichteren Bodenarten von größter Wichtigkeit. §. 288. Der Wurzelgewächſebau umfaßt: I. Die Kar⸗ tofſeln. II. Die Topinambur. III. Die Runkelruͤbe. IV. Die Kohlrübe. V. Die Waſſerrübe. VI. Die Möhre. VII. Andere im Großen wenig oder noch gar nicht gebaute Wur⸗ zelgewächſe. I. Die Kartoffeln. §. 289. Die Kartoffel, Solanum tuberosum, auch Erd⸗ apfel, Erdbirn, Grundbirn, Erdtoffel genannt, iſt nun in der halben Welt als eines der wichtigſten landwirthſchaft⸗ lichen Gewaͤchſe ſo allgemein anerkannt, daß es uͤberfluͤſſig i*ſt, ihre Wichtigkeit weiter zu documentiren. Sie ward am Ende des ſechszehnten Jahrhunderts durch Drake aus ihrer Heimath, den mittel⸗ und ſüdamerikaniſchen Hoͤhe⸗ gegenden, namentlich Peru, nach Europa gebracht, kam aber erſt zu Anfang des vorigen Jahrhunderts nach Deutſch⸗ land, und erſt in der zweiten Hälfte des vergangenen, zum Theil ſogar erſt zu Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts ward ihr Anbau im Großen betrieben, und dehnte ſich ſo allmählig bis zu der gegenwärtigen immenſen Größe aus. — 119— Im Jahr 1710 brachten Waldenſer die erſten Kartoffeln nach Würtemberg; im Jahr 1720 brachten ſie Pfälzer Einwanderer nach Preußen.— Zu dem weitausgedehnten Anbau im Großen haben Thär und ſeine Anhänger und Schüler viel gewirkt. 1. Verſchiedenheit der Sorten. §. 290. Es gibt mehr als 60 Abarten von der Kar⸗ toffel, die hauptſaͤchlich theils durch Einwirkung des Bodens und des Climas, theils durch Vermiſchung des Blüthenſtaubs und die Erziehung aus Saamen gebildet ſind. Wahrſchein⸗ lich gab es aber auch urſprünglich mehrere in ihrer Hei⸗ math wildwachſende Arten. Der auſſerliche Unterſchied thut ſich in der Farbe und der ſonſtigen Beſchaffenheit der Schale und des Fleiſches, der Zahl und Geſtalt der Keimaugen, der Form, Groͤße und dem Geſchmack der Knollen, den Blät⸗ tern, Stengeln und Blüthen kund. §. 291. In landwirthſchaftlicher Hinſicht haben wir hauptſaͤchlich zu unterſcheiden und zu berückſichtigen: 1) Fruͤh⸗ und Spatkartoffeln. 2) Kartoffeln mit ſehr großen, mittel⸗ großen und kleinen Knollen; erſtere werden auch Viehkar⸗ toffeln, die übrigen Speiſekartoffeln genannt; die mittel⸗ großen dienen uͤhrigens zum Speiſen und zur Fuͤtterung. 3) Die Ertragsfähigkeit nach Quantität und Qualität. 4) Die Eigenſchaft auf der einen oder andern Bodenart beſſer zu gedeihen. Die größtentheils aus Stärkemehl beſtehende feſte Subſtanz der Kartoffeln variirt nach Art, Boden und Jahrgang zwiſchen 20 und 30 Procent. §. 292. Zu den guten und auch einträglichen Früh⸗ kartoffeln gehoͤren: die gelbe Hornkartoffel, die Bis⸗ cuit⸗Kartorffel, die rothblau marmorirte, die frühe hellrothe (Pfaͤlzer), die Rockskartoffel, die ſchwarze Kartoffel(dieſe kann auch zu den ſpaͤteren gerechnet werden). Gute mit⸗ telgroße und auch einträgliche Spätkartoffeln ind: die Lerchenkartoffel, die peruvianiſche, die blaue runde, die gelbe Patake, die lange rothe Nierenkartoffel, die gelbe runde rauhſchalige(in Würtemberg Gruber).— Feine aber nicht ſehr einträgliche Speiſekartoffeln ſind: die kleine engliſche, die Seeländer, die Nußkartoffel, (alle drei wenig verſchieden), die ſchottiſche Maus, die Zuk⸗ kerkartoffel. Zu den am meiſten eintragenden gro⸗ ßen Kartoffeln gehören: die engliſche und hollaͤndiſche Viehkartoffel, die neuerer Zeit ſehr geruͤhmte Rohankar⸗ toffel. In warmem Boden und warmer Lage erſcheint in Bezug auf frühere Reife zwiſchen mehreren Früh⸗ und Spatkartoffeln wenig Unterſchied.— Frühkartoſſeln ſind im Durchſchnitt weniger einträg⸗ lich und erhalten ſich meiſtens nicht ſo lange in guter Qualität im I Winter, als Spätkartoffeln. In Beziehung auf Gutbleiben bis zum andern Sommer zeichnen ſich mehrere Sorten aus, darunter die ſchwarze Kartoffel. Die kleinen Speiſekartoffeln lohnen den Anbau nur, wo ſich Gelegenheit zum Abſatz zu höheren Preißen findet. 3 Ausführliches über die Kartoffelarten in Putſche's Monogra⸗ phie der Kartoffel. Weimar 1819. §. 293. In Bezug auf den Boden iſt anzunehmen, — daß in ſehr fettem, uͤberhumoſem, oder ungewöhnlich ſtark geduͤngtem Lande jede Kartoffelart groͤßer, aber auch weni⸗ ger ſtärkemehlreich wird. Am meiſten arten in zu fettem Lande die kleinen Speiſekartoffeln aus. Manche Kartoffel⸗ arten lieben mehr einen feuchten Boden und halten die Naͤſſe beſſer aus, z. B. die rothe Nieren⸗ oder Hornkartoffel; an⸗ dere gedeihen beſſer als jene in mehr trockner Lage, z. B. die runde gelbe rauhſchalige Kartoffel. In moorigem Bo⸗ den kömmt die ſchwarze Kartoffel beſonders gut fort. Um gute Syeiſekartoffeln zu haben, ſoll man ſtets ein zwar kräftiges, aber nicht friſch gedüngtes Land wählen. 2. Wahl des Standorts. §. 294u. Die Kartoffel gedeiht in Bezug auf Clima — 121— uͤberall, wo noch irgend eine Halmgetreideart fortkoͤmmt. Jedoch zerſtoͤrt der geringſte Froſt ihr Kraut, das übrigens wieder aus der Mutterkartoffel treibt, falls es im Früh⸗ jahr erfror. Sie koͤmmt auch auf jedem, eine Cultur noch lohnenden Boden fort, ganz zaͤhen Thon oder ſehr naſſe Lage ausgenommen. Die Bodenclaſſen vom milden Lehm bis zum guten Sande ſind uͤbrigens die zuträglichſten fuͤr die Kartoffeln, und eine mehr hohe als tiefe Lage mit mäßig feuchter Atmosphaͤre ſagen denſelben beſonders gut zu. Beſonders hervorzuheben iſt, daß ſich die Kartoffel leicht mit einem noch nicht artbaren(rohen) Boden befreundet. §. 295. In der Fruchtfolge kann man den Kartoffeln jeden beliebigen Standpunkt anweiſen, wenn man ihnen nur alte oder neu gegebene Bodenkraft zu Theil werden läßt. Man baut ſie häufig auf den abgetragenen Feldern in fri⸗ ſcher Düngung. Auf den nicht ſehr bedürftigen Bodenar⸗ ten iſt jedoch ihr Anbau, wenigſtens theilweiſe, in zweiter (auf ſehr kraͤftigem Boden ſelbſt in dritter) Tracht vor⸗ theilhafter, indem auf dieſe Weiſe fuͤr das gleiche Maas von Ertrag ein geringerer Aufwand an Bodenkraft ſich er⸗ gibt. Auch nach Klee, Luzerne ꝛc. gedeiht die Kartoffel vortrefflich. Man kann ſie auch, ohne einen größeren Abſchlag im Ertrag zu er⸗ halten, als in der verminderten Bodenkraft begründet iſt, zwei Jahre hinter einander bauen. Bei vieljährigem Anbau auf demſelben Laude zeigt ſich ein verhältnißmäßig ſtarkes Dungbedürfniß und eine Ver⸗ ſchlechterung in der Qualität, oft auch in der Quantität des Er⸗ trags. §. 296. In Bezug auf die nachfolgende Frucht iſt an⸗ zunehmen, daß alle Sommergewächſe, beſonders diejenigen, welche einen reinen und feingelockerten Standpunkt vorzugs⸗ weiſe anſprechen, gut nach Kartoffeln gedeihen, das Winter⸗ getreide aber oͤfters danach, beſonders im Strohwuchſe, zu⸗ rückſchlägt. — 122— 3. Beſtellung. §. 297. Ein im Herbſte vorher vorgenommenes tiefes und ſorgfaͤltiges Aufpflügen des Bodens muß als Hauptre⸗ gel für den Karto elbau vorausgeſchickt werden. Statt deſ⸗ ſen iſt ein hohes Aufbaͤlken noch rathſamer, wenn der Zuſtand des Bodens ein ſolches geſtattet. In der Regel iſt alsdann ein nochmaliges Pfluͤgen im Frühjahre ausreichend, die ſpä⸗ ter nachfolgende Saatfurche ungerechnet. In lockerem, in guter Cultur ſtehendem Boden kann auch das Vorpflügen im Frühjahre unterbleiben, indem der Saatfurche blos Eggen oder Extirpiren vorausgieng. Wird geduͤngt, ſo kann man ſchon im Winter einen Theil des dazu beſtimmten Duͤngers auf das im Herbſte aufgepflügte Land bringen. In der Re⸗ gel aber iſt es am zweckmäßigſten, den Duͤnger erſt beim Saatpflügen mit den Pflanzkartoffeln in die Furche zu le⸗ gen. Eine ſtärkere Duͤngung für die Kartoffeln zu verwen⸗ den, als man nach Maaßgabe von Lage und Boden unter einer gewoͤhnlich guten verſteht, iſt nicht wirthſchaftlich. Kalk⸗, Knochenmehl⸗, Aeſcherich⸗ und Oelkuchendüngung laſſen ſich, mit Rückſicht auf den Boden, mit Vortheil hier anwenden. Auch Gülle, Jauche, wird vor dem Legen, oder noch beſſer beim Aufgehen der Kartoffeln mit beſtem Erfolge aufgebracht. Bei dem Bau mit der Hand iſt das Stufendüngen am Platze, und bei Düngermangel acceptirt die Kartoffel noch gerne den vor dem erſten Hacken zu den Stöcken gelegten und dann beim Hacken gedeckten friſchen Dünger. §. 298. Man pflanzt während der beiden Monate April und Mai Kartoffeln. Ein Pflanzen, bevor die mildere Frühlingswitterung die Oberhand gewonnen, hat kein frü⸗ heres oder beſſeres Gedeihen gegen die ſpaͤtere Pflanzung zur Folge. Man legt zwar, wie ſich von ſelbſt verſteht, die Frühkartoffeln immer zuerſt. Dann aber muͤſſen die beſon⸗ ders ſpaͤt reifenden Sorten bald folgen, und für ſpäte Pflan⸗ zung, z. B. Ende Mai oder ſelbſt Anfang Juni muß man wieder eine frühreife Sorte wählen. — 123— §. 299. Die Wahl der Saatkartoffeln erfordert Auf⸗ merkſamkeit. Das wirthſchaftlichſte Verfahren iſt: von den ſtarken Kartoffeln, welche über Winter zum Fuͤttern oder Brandweinbrennen verbraucht werden, die mit Keimen vor⸗ zugsweiſe ſtark beſetzte Stelle(welche man auch den Kopf nennt), etwa zu qe von jeder Knolle, zum Saatgebrauche abſchneiden und gut aufbewahren zu laſſen. Auſſerdem waͤhle man mittelgroße ganze, oder einmal zerſchnittene Kartoffeln. Die ganz kleinen Knollen ſind entweder nicht völlig reif oder haben doch keine ſo ſtarke Triebkraft, als größere. Das Zerſchnei⸗ den der größeren unmittelbar bei der Saat hat häufig ein Zurück⸗ bleiben einzelner Stöcke zur Folge. Das Ausſtechen der Keimaugen mittelſt der eigens dazu erfundenen Juſtrumente bewirkt zwar eine weſentliche Saamenerſparniß, kaun aber, wenn Boden und Witte⸗ rung nicht beſonders günſtig ſind, leicht einen bedeutenden Minder⸗ ertrag zur Folge haben. Eben ſo verhält es ſich mit dem Verpflan⸗ zen von etwa Hand langen Kartoffelpflanzen, welche auf Saamen⸗ beeten aus ganz nahe an einander gelegten Knollen erzogen worden ſind. Aus den Saamenäpfeln der Kartoffeln läßt ſich, indem man ſie an einem geeigneten Orte allmählig vertrocknen läßt und dann zer⸗ theilt, auf Saamenbeeten leicht friſches Pflanzgut für das folgende Jahr ziehen, und es dürfte räthlich ſeyn, dieß von Zeit zu Zeit zu thun, ſtatt es wie gewöhnlich ganz zu unterlaſſen. §. 300. Die gewoͤhnliche, im Großen betriebene Pflanz⸗ methode iſt: die Kartoffeln anf die zweite ſehr breit— oder dritte in maͤßiger Breite gegriffene Furche zu legen, ſo daß die Reihen wenigſtens 2 bis 2 ¼ Fuß— und die Kartoffeln in den Reihen 1 ½¼ bis 1 ½ Fuß von einander entfernt zu liegen kommen; die Bedeckung mit Erde ſoll dabei 2 ½ bis hochſtens 3 ½ Zoll ſeyn. Auf Boden, welcher leicht von der Naͤſſe leidet, markirt man flache Rinnen mit dem Haͤu⸗ felpfluge, legt die Kartoffeln hinein und deckt ſie durch Spal⸗ ten der Zwiſchenräume mittelſt Häufelpflug. Wo man die Kartoffeln ins Kreuz zu bearbeiten wünſcht, wird nach dem Markeur oder auch nach Latten oder Schnüren in Stufen gelegt, ſo daß längs und quer regelmaͤßige Linien entſtehen. Wenn ſpäter blos mit der Hand bearbeitet werden ſoll, pflanzt man in Stufen nach dem Augenmaaß. Wenn man mit 2 vder 3 Pflügen pflanzt, ſo bedarf man 4 bis 5 Perſonen zum Legen der Pflanzkartoffeln. §. 301. Das Saatquantum richtet ſich nach Pflanzart und Dicke der Saatkartoffeln oder Stücken und betraͤgt p. heſſ. Morgen 2 bis 5, gewöhnlich 3 bis 4 Malter(3 ½l bis s preuß. Scheff. p. preuß. Morgen— 1%⅜ bis a“ ¾ würtb. Scheff. p. würtb. Morg)). a4. Pflege. §. 302. Das in rauhen Furchen daliegende Kartoffel⸗ feld wird beim Hervorkommen der jungen Kartoffeln tüch⸗ tig abgeeggt. Sind die Kartoffelſtauden beinahe ½ Fuß lang, ſo wird mit der Hand oder der Pferdehacke gehackt, nach Erforderniß dieß noch einmal wiederholt, ſpäter ein⸗ oder zweimal behäufelt. In den Niederlanden findet man es vortheilhaft, nicht zu behaͤufeln, ſondern blos mehrmals zu hacken, und nach Dombasle's neueren Verſuchen ſoll ſich dieß bewährt haben, wenigſtens auf reichem Boden. Auch wird von mehreren Seiten angerathen, die Blüthen der Kar⸗ toffeln abzupflücken, indem alsdann ſtaͤrkerer Knollenanſatz erfolge. Auf wohlvorbereitetem und ſonſt nicht beſonders ungünſtig be⸗ ſchaffenem Lande werden Pferdehacke und Häufelpflug allgemein an⸗ gewendet, und es iſt bei ſorgfältigem Verfahren kein Rückſchlag im Ertrage zu fürchten; wo dieſen Vorausſſetzungen auch nur theilweiſe nicht entſprochen werden kann, wird das Beſtreben, alle Handbearbei⸗ tung zu erſparen, nur zum Nachtheile des Reinertrags ausfallen.— Die Bearbeitung ins Kreuz erfordert beſondere Sorgfalt, und hat nicht ſowohl einen höheren Ertrag, als ein noch vollkommener durch⸗ arbeitetes und gereinigtes Feld zur Folge. — 125— §. 303. Krankheiten und Unfällen ſind die Kartoffeln ſehr wenig unterworfen. In manchen Gegenden hat man ein fruͤhes Abſterben vieler Stöcke bemerkt, in andern ein Abwelken und Zurückbleiben, was man auch Kraͤuſeln ge⸗ nannt hat. Anderwaͤrts zeigte ſich ein haͤufiges Faulen ſchon vor dem Austhun. Beide Umſtaͤnde dürften von Vernach⸗ läſſigung des Saatguts und groben Fehlern in der Kultur herruͤhren. Das Faulen ſtellt ſich auch in naſſen Herbſten gerne ein. Naſſe Jahrgänge ſind überhaupt, abgeſehen von ſehr trocknem Boden, dem Gedeihen der Kartoffeln nachtheiliger, als trockne. Nach ſehr regen⸗ armen Sommern werden die Kartoffeln gerne zweiwüchſig. 5. Erndte und Ertrag. §. 304. Die Frühkartoffeln reifen im Juli und Au⸗ guſt, die Spatkartoffeln im September und October. Das Abwelken des Krauts zeigt die Reife an. Man bedient ſich, um die Knollen auszuheben, des Karſts oder der Miſtgabel, bei der Reihenpflanzung häufig auch des Pflugs oder eines eige⸗ nen Kartoffelauspflügers, wonach ſodann die Knollen aufge⸗ leſen werden. Spaͤter wird das Land nochmals geeggt und gepflügt, und Nachleſe gehalten. In loſem Boden behält das Ausheben mit der Hand den Vor⸗ zug. Man ſehe darauf, daß die anhängende Erde beim Einleſen ab⸗ gemacht werde; bediene ſich der Käſten auf Sturzkarren oder Wä⸗ gen zum Einbringen.— Es gibt Siebe, über welche man die Kar⸗ toffeln vor der Aufbewahrung rollen läßt, um größere und kleinere Knollen zu ſortiren. Beim Auspflügen bedarf man auf einen Pflug 20 bis 25 Auf⸗ leſer; beim Karſten auf einen Hauer 6 bis 8 Leſer. Der heſſ. oder preuß. Morgen kömmt meiſtens auf 3 ½ bis 4 ½ fl. Ausmacherlohn. §. 305. Der Ertrag von Mittelkartoffeln auf Mittel⸗ boden iſt zu 80 bis 100 Centner p. heſſ. oder preuß. Morg. anzunehmen, unter ſehr günſtigen Verhaͤltniſſen kann er — 126— auf 120 bis 160 Centner ſteigen; auf geringem Boden muß man, je nach Duͤngung und Jahrgang, mit a0 bis 70 Cent⸗ ner zufrieden ſeyn.(Nach dem Maaße: 20 bis 80 Mltr. p. heſſ. Morgen.— 48 bis 190 Scheff. p. preuß. Morg.— 16 bis 64 Scheff. p. würtb. Morg.) Da die Kartoffeln im Durchſchnitt als Futter halben Heuwerth haben, ſo iſt alſo der Ertrag in Heuwerth 20 bis 80 Centner p. Morgen. §. 306. Das Kartoffelkraut hat einen Futter⸗ und Streuwerh. Man mäht daſſelbe, falls es lang iſt, vor der Erndte ab, trocknet und fuͤttert es im Winter geſchnitten unter Bruͤhfutter. Das nicht abgemaͤhte Kartoffelſtroh ſoll alsbald zuſammengebracht und zur Streuverwendung einge⸗ fahren werden. Der Ertrag an trocknem Stroh beträgt 6 bis 12 Cntnr. p. heſſ. oder preuß. Morgen. Zweckmäßig wird das noch grüne Kartoffelſtroh auch zum Ueber⸗ düngen von Wieſen(§. 106), Luzerne ꝛc. verwendet. 6. Aufbewahrung. §. 307. Bei aufzubewahrenden großen Quantitaͤten reichen gewöhnliche Keller nicht aus. Man bedient ſich in trocknem, waſſerfreiem Boden zu dem Ende der einfachen Gruben; auſſerdem der jetzt allgemein bekannten, mit Stroh und Erde gut verwahrten Miethen. Auch hat man in gro⸗ ßen Wirthſchaften eigens eingerichtete Kartoffelhaͤuſer. II. Die Topinambur. §. 308. Die knollige Sonnenroſe, Helianthus tubero- sus, mit verſchiedenen anderen Benennungen als Erdarti⸗ ſchoke, Erdbirne, ſtammt ebenfalls aus Südamerika, wo ſie Topinambur heißt. Sie wurde eben ſo lange, oder noch fruͤher als die Kartoffel in Deutſchland angebaut, in einigen Gegenden, wie im Elſaß und Breisgau, auch im Größeren; — 127— trat jedoch bei Ausbreitung des Kartoffelbaus mehr in den Hintergrund. Sie verdient jedoch, wenn auch nicht als Hauptfrucht, doch neben den Kartoffeln, in ſehr vielen Ver⸗ hältniſſen mehr angebaut zu werden. 1. Standort. §. 309. Die Topinambur kömmt auf jedem Boden fort, der nicht ſehr naß gelegen iſt, und gedeiht ſelbſt auf geringerem Sande, als die Kartoffel. Die Knollen halten den Winter im Boden aus, und ſelbſt die alten Stöcke ſchla⸗ gen im Frühjahre wieder aus. Deßhalb wählt man ein Feld dazu, welches eine längere Reihe von Jahren dem An⸗ baue dieſer Frucht gewidmet bleiben kann. In gewöhnliche Fruchtfolgen eignen ſie ſich nicht wohl, da ſie in dem nach⸗ folgenden Halmgetreide als Unkraut erſcheinen. Soll der Topinamburbau auf einem Grundſtücke nicht mehr fort⸗ geſetzt werden, ſo wähle man Kartoffeln oder Grünwicken mit Klee als Nachfrucht, nachdem das Land möglichſt von Knollen und Wur⸗ zelſtöcken gereinigt worden. 2. Beſtellung und Pflege. §. 310. Man kann die Kuollen im Herbſt oder Früh⸗ jahre nach dem Pfluge legen, nachdem das Feld wie zu Kar⸗ toffeln zubereitet worden. Man verfahre überhaupt wie bei Kartoffelpflanzung, nur waͤhle man eine etwas groͤßere Ent⸗ fernung der Stöcke von einander; auch kann bei der Dün⸗ gung einige Erſparniß eintreten. §. 311. Bei alten Topinamburfeldern erfolgt von den zurückgebliebenen Wurzeln und Knollen eine Beſaamung von ſelbſt; man thut jedoch wohl, jedes Fruͤhjahr friſch auszu⸗ pflanzen, und die ſpaͤter erſcheinenden unregelmaͤßig ſtehen⸗ den Schößlinge bei der Bearbeitung nicht zu ſchonen. Sie laſſen ſich auch recht gut verpflanzen. — 128— Die Topinambur kann auf dieſe Weiſe auf einigermaßen gutem Boden mehrere Jahre ohne wiederholte Düngung gebaut werden. Indeſſen darf bei bedürftigem Boden eine Nachhülfe mit Dung alle paar Jahre nicht unterbleiben. §. 312. Die Topinambur muͤſſen im Vorſommer von Gras und Unkraut rein gehalten werden, wozu ein zweimali⸗ ges Behacken hinreicht; ſpaͤter ſchuͤtzen ſie ſich ſeüſt, durch ihren hohen und blätterreichen Wuchs. 3. Erndte und Ertag. §. 313. Die Topinambur treibt belaubte Stengel, welche bis in den October, je nach Boden und Jahrgang, eine Höͤhe von à bis 12 Fuß erreichen. Die zweckmaͤßigſte Benutzung dieſer Stengel iſt, daß man ſie im Herbſt von unten nach und nach entblättern läßt, die Blaͤtter zur Füt⸗ terung benutzt, die Stengel aber vor Winter zur Feuerung heimbringt. Andere laſſen die Stengel mit den Blaͤttern im Spatherbſt abbringen und, in Bündel aufgeſtellt, trocknen; über Winter gibt dieß ein von den Schafen gerne genoſſenes Futter, wobei die dickeren Stengel übrig gelaſſen werden. Ein zu frühzeitiges Abmachen der Stengel thut dem Knol⸗ lenertrag großen Schaden. §. 314. Da es im Herbſt anderes Blätter⸗ und Wur⸗ zelfutter gibt, das ſich nicht lange aufheben laͤßt, die Topi⸗ namburknollen ſich auch ſchwerer über Winter in Kellern ꝛc. aufbewahren laſſen, als Kartoffeln, und da ſie uͤberdieß ſelbſt bis in den Winter hinein im Wachsthum nicht ganz ſtille ſtehen, während ſie den Winter unter allen Umſtänden im Boden aushalten; ſo iſt die zweckmäßigſte Erndtezeit im erſten Fruͤhjahre, wo ſie dem Rindvieh ein angenehmes und geſundes Futter ſind, indem man immer nur ſo viel austhut, als man auf 4— 5 Tage bedarf u. ſ. f. Das Austhun geht leichter, als bei den Kartoffeln, da die Knollen in einem Klumpen an der Wurzel beiſammenſitzen. — 129— Auch bei Pferden, Schafen, Schweinen werden ſie mit Nutzen gefüttert.— Man bereitet auch Speiſen für die Menſchen daraus, die jedoch nicht ſehr bellebt ſind. . 315. Der Ertrag an Knollen kömmt dem der Kar⸗ toffeln, nach Maasgabe der Localität, ganz nahe(ſ.§. 305); auf geringem Boden uͤberſteigt er denſelben in der Regel. Da nun auch der Futterwerth nur 15 höchſtens 20 Procent hinter den Kartoffeln zuruͤckſteht, der Ertrag an trocknen Stengeln und Blaͤttern meiſtens 15 bis 25 Cntur. p. Morg. betraͤgt, welcher wenigſtens zum halben Heuwerthe anzuſchla⸗ gen iſt, ſo ſpricht dieß, zuſammengehalten mit den ſonſtigen Eigenſchaften der Pflanze, gewiß für ihren Anbau auf Ne⸗ ben⸗ oder Auſſenfeldern. III. Die Runkelrübe⸗ §. 316. Die Runkelrübe, Dickruͤbe, Dickwurz, Bur⸗ gunderruͤbe, Angerſe, weißer Mangold, Beta cicla, iſt, wie die übrigen nachfolgend angefuͤhrten verſchiedenen Rübenarten, eine ſchon lange vor den eben abgehandelten beiden Knollen⸗ gewaͤchſen in Deutſchland einheimiſche Pflanze. Ihr Anbau im Großen hat ſich jedoch auch erſt mit dem Kartoffelbau, oder der Einführung der ſogenaͤnnten Brachfruͤchte, ausge⸗ breitet. Jetzt iſt ſie nicht nur für viele Wirthſchaften ein wichtiges Futtergewaͤchs, ſondern hat auch durch die immer mehr in Aufnahme kommende Fabrikation des Zuckers aus dieſer Rübe einen noch wichtigeren Standpunkt unter den landwirthſchaftlichen Gewächſen eingenommen. Sie hat vor anderen Ruͤbenarten noch die Eigenſchaft zum Voraus, daß ihre Blätter von den Inſecten(Raupen ꝛc.) nicht ſo wie jene angegriffen werden. Neuerer Zeit will man bemerkt haben, daß der grüne Schildkä⸗ fer(Cassida nebulosa) die hervorkommenden Pflänzchen in Menge abfraß. Pabſt Landwirthſch. I. 24 9 — — 130— §. 317. Es gibt eine Menge Abarten von dieſer Ruͤbe, die zum Theil ſo wenig Conſtanz haben, daß ſie in jedem anderen Boden ſich wieder verändern. Der Form nach gibt es laͤngliche und mehr runde oder auch birnformige Runkel⸗ rüben. Eigentlich ſoll die Runkelrübe eine laͤngere Pfahl⸗ wurzel treiben; es gibt aber auch ſolche, welche eine Zahl nicht tief gehender kleinerer Wurzeln haben. Beſonders aber unterſcheidet man ſie nach Farbe des Fleiſches und der Schale: in rothe, roth⸗weiße, gelbe, ganz weiße, und weiße mit rother Schale(beide letzteren werden auch die ſchleſiſche genannt); die drei letzten Sorten gehören zu den runden oder birnförmigen und ſind die zuckerreicheren und zweifelsohne auch nahrhafteren, beſonders die beiden weißen Sorten. Die rothen, roth⸗weißen und gelben mögen dagegen in der Quan⸗ tität etnas reichlicher tragen. Die rothen langen, weit über den Boden hervorwachſenden verdienen als zu wenig nahrhaft am wenig⸗ ſten für allgemein der Empfehlung, allein ſie gedeihen auf flachgrün⸗ digem Voben noch am beſten. Uebrigens hängen Zuckergehalt und Nahrhaftigkeit ſehr viel vom Standorte ab. 1. Standort. §. 328. Die Runkelruͤbe begehrt keine beſonderen Vor⸗ zuͤge hinſichtlich des Climas, doch ſind ihr die ſehr trocknen Climaten nicht günſtig. Die ihr am meiſten zuſagenden Bo⸗ denarten ſind: vom kraͤftigen tiefgründigen Mittelboden bis zum fruchtbaren und zugleich etwas feucht gelegenen Sande. Sie gedeiht aber auch noch auf dem beſſeren, nicht kalt⸗ gruͤndigen Thone und kömnat auch in etwas moorigem Bo⸗ den fort. In Bezug auf Verwendung zur Zuckerfabrikation erweiſen ſich alle ſehr gebundenen, ſowie die überhumoſen Bodenarten, ja ſchon die ſehr reichen Lehmböden, mehr oder weniger ungünſtig. — 131— §. 319. Hinſichtlich des Standpunktes in der Frucht⸗ folge gilt alles von der Kartoffel Geſagte(§. 295 und§. 296) auch von der Runkelruͤbe. Man kann ſie uͤbrigens auf demſelben Felde längere Jahre fortbauen, ohne Rück⸗ ſchlag zu erhalten, wenn man nur alle zwei Jahre wieder gehörig düngt. 2. Beſtellung. §. 320. Die Runkelrüben verlangen eine wo möglich noch tiefere und ſorgfältigere Vorbereitung des Ackers im Herbſte vorher, als die Kartoffeln, und auch im Frühjahre muß noch mehr geſchehen, damit das Land in gut gelocker⸗ tem und gereinigtem Zuſtande ſey. Beſonders iſt jeder günſtige Moment dazu zu benutzen, wenn die Saat unmit⸗ telbar auf das Feld gemacht werden ſoll(§. 322). Die Düngung, welche nicht unterbleiben darf, wenn das Land nicht in noch ſehr guter Kraft ſteht, wird zur Saatmethode am beſten im Winter gegeben, und darf, wenn zur Zucker⸗ fabrikation gebaut wird, nur in kuͤhlenden Dungmitteln, wie Rindviehduͤnger, beſtehen. Zur Pflanzmethode(§. 323) wird gewöhnlich erſt im Laufe des Frühjahrs gedüngt. Zweckmäßig und dungerſparend verfährt man auch, wenn man vor Winter in hohe Balken aufpflügt, zwiſchen dieſe im Winter oder Frühjahr den Dünger einlegt, im Frühjahr durch Spalten deckt und ſpäter noch zweimal ſpaltet, zuletzt die Kämme etwas niederwalzt und darauf ſäet oder pflanzt. Wo es an guter und tiefer Vorbereitung des Landes mangelt, gibt es nicht nur geringeren Ertrag, die Rüben haben auch mehr ge⸗ theilte Wurzeln, ſind ſchwerer auszuthun und zu reinigen. §. 321. Die weitere Cultur theilt ſich in die zwei Methoden, indem die Saamenkerne entweder unmittelbar auf das Feld gelegt, oder indem auf Saamenbeeten Pflan⸗ zen gezogen und dieſe ſpäter verſetzt werden. 9* — 132— §. 322. Bei der Saatmethode legt oder ſtupft man die Koͤrner moͤglichſt fruͤhe, ſpäteſtens Ende April, in das vollkommen vorbereitete Land in 1 ½ bis 2 Fuß entfernte Rejhen auf die aufgepfluͤgte zweite ober dritte Furche und in der Reihe 1 bis 2 Fuß von einander entfernt, oder in mit dem Markeur bezeichnete Quadrate, oder auf die vor⸗ her gebildeten Kämme, auf jede Stelle 1 bis 2 Körner mit etwa einzölliger Erdbedeckung. Es iſt gut, um das ſchnellere Aufgehen zu befördern, die Saatkörner einige Tage vorher ſo ſtark anzufeuchten, daß die Keimkraft dadurch geweckt wird. Man bedarf p. Morgen 1 ⅛l bis 1 ½ Pf. Saamen. Man hat auch Drillmaſchinen für den Runkelrübenſaamen, mit denen jedoch keine weſentlichen Vortheile gegen die Handſaat erlangt worden ſind; dagegen ſind die franzöſiſchen Steckmaſchinen(Mar⸗ kirmaſchinen) zu empfehlen, wo man nicht vorzieht auf die Furche oder Kämme zu legen. Verwerflich iſt die hier und da gebräuchliche breitwürfige Saat. Guter Runkelrübenſaamen behält ſeine Keimkraft 4 und meh⸗ rere Jahre. Behufs des Verarbeitens zum Zucker ſind ſehr dicke Rüben nicht ſo vortheilhaft als mittelgroße; man zieht deßhalb etwas engere Pflanzung als zur Fütterung vor, z. B. die Reihen 1 ½ Fuß weit, und in den Reihen 1 ¼ Fuß, wodurch man ſchon mehr, als noch ein— mal ſo viele Pflanzen auf derſelben Fläche erhält, als bei einer Pflanzung von 2 Fuß im Quadrat, wie ſie zur Fütterung häufig vor⸗ kömmt. Allzu enge Pflanzung ſchmälert jedoch den Ertrag; man muß alſo die Grenze einhalten, wobei Zuckergehalt und Rohertrag befriedigend ſind; auch iſt der ſchwächere Boden enger zu bepflan⸗ zen, als der kräftigere. §. 323. Zur Pflanzmethode müſſen geſchuͤtzt gelegene gut gedüngte Saamenbeete ſchon im Herbſt vorbereitet wer⸗ den. Im erſten Frühjahre, wo möglich ſchon im Maͤrz, wird der Saame in ½ Fuß entfernte Reihen geſaͤt und die Pflanzung ſpäter rein gehalten. Bis Mitte Mai oder ſpa⸗ teſtens Anfangs Juni ſollen die Pflanzen ſo ſtark ſeyn, daß — 133— ſie nach dem Pflanzſtock(der zugleich die Entfernung in der Reihe markirt) auf das vorbereitete Land in 1 ¾ bis 2“ entfernte Reihen, in den Reihen gleichweit oder etwas naͤ⸗ her, waͤhrend des Pflügens von der Furche aus, oder auf Kaͤmme verſetzt werden, wozu ein vorausgegangener Regen wo möglich abzuwarten iſt. Iſt das Wetter ſehr trocken, ſo muß begoſſen werden. Man wird hierbei höchſtens 1 Pfund Saamen p. heſſ. oder preuß. Morgen bedürfen. Die Wurzeln der Pflänzlinge ſollen wenigſtens die Dicke eines Federkiels haben. Man thut wohl die Pfahlwurzel zu ſtutzen und die Pflanzen vor dem Setzen in einen Brei von Kuh⸗ miſt, Erde und Waſſer einzutauchen.— Man kann auch die Pflan⸗ zen, wenn ſie ſehr ſtark ſind, gegen die Furche anlegen und mit dem Pfluge decken laſſen, was jedoch für gewöhnlich nicht rathſam iſt.— Auf einen Pflug bedarf man etwa 8 Perſonen zum Pflanzen, Ver⸗ theilen der Setzlinge ꝛc. §. 324. Die Saatmethode verdient wegen groͤßerer Sicherheit des Gedeihens, und weil dabei keine Unterbrechung des Wachsthums wie bei der Verpflanzung eintritt, im All⸗ gemeinen den Vorzug und iſt namentlich beim Anbau der Runkelruͤbe fuͤr die Zuckerfabrikation Regel. Da indeſſen nicht in jeder Localität das Land zu rechter Zeit in geeig⸗ netem Zuſtande ſeyn kann, im erſten Fruͤhjahre die Arbei⸗ ten ohnedieß ſich ſehr drängen, der vorraͤthige Dünger auch ſchon fuͤr Kartoffeln oder andere Gewaͤchſe in Anſpruch ge⸗ nommen iſt; ſo iſt dennoch die Wahl der Pflanzmethode, theilweiſe oder ausſchließlich, bei nicht wenig Wirthſchaften gerechtfertigt. 3. Pflege. §. 325. Die aufs Feld gemachte Saat muß zeitig ge⸗ jaͤtet und mit der Hand behackt werden. Meiſtens iſt ſpaͤ⸗ ter noch ein zweimaliges, alſo im Ganzen dreimal, Behak⸗ ken nöthig. Bei dem zweiten Hacken werden die doppelt — 134— ſtehenden Pflanzen bis auf eine ausgezogen, die Fehlſtellen nachgepflanzt. Bei den verpflanzten Runkelrüben genügt ein zweimaliges Behacken, indem beim zweiten Male der Bo⸗ den gegen die Ruͤbe etwas angezogen oder angeworfen wird, was auch beim letzten Hacken der Saatrüben geſchehen ſoll. In jeder Saamenkapſel des Runkelrübenſaamens ſind mehrere Körnchen. Bei nicht zu enger Pflanzung und auf mildem Boden kann auch ein Theil des Behackens mit der Pferdehacke verrichtet werden, na⸗ mentlich wenn man dazu den curländiſchen Hacken(Kuhfuß) wählt. Große Sorgfalt muß aber dabei ſtets eintreten; ſonſt kann die da⸗ mit bezweckte kleine Arbeitserſparung theuer zu ſtehen kommen.— Am ſicherſten laſſen ſich die auf Kämme gepflanzten Rüben durchs Pferd bearbeiten; eine Nacharbeit mit der Hand darf aber auch hier nicht unterbleiben.— In manchen Gegenden zieht man beim letzen Hacken den Boden von der Rübe etwas ab, was jedoch mit dem Verfahren für die Zuckerfabrikation, wobei die Rübe bis oben hin mit Erde bedeckt ſeyn ſoll, nicht übereinſtimmt. §. 326. Hoͤchſt nachtheilig fuͤr den Hauptertrag iſt ein fruͤhes Abblatten eines Theils der Blaͤtter, was Behufs der Sommerfütterung, beſonders von den kleineren Land⸗ wirthen, noch häufig geſchieht. Nur wenn die unteren Blät⸗ ter anfangen gelb zu werden, darf ein Wegnehmen derſel⸗ ben eintreten, ohne daß Nachtheil daraus entſteht. Bei der Verwendung zur Zuckerfabrikation iſt ein fruͤhzeitiges oder ſtarkes Blatten beſonders verpönt. Schon vor 30 Jahren that Schwerz durch vergleichende Ver⸗ ſuche dar, daß ein zweimaliges Blatten den Ertrag der Rüben um 36 Procent verminderte, ein einmaliges und nicht frühe vorgenom⸗ menes aber hatte nur einen Minderertrag von 7 Procent zur Folge. a. Erndte und Ertrag. §. 327. Die Erndte fällt in der Regel in den Monat October. Man verfaͤhrt am beſten, indem man täglich ſo viel Blätter ſamt dem Ruͤbenkopf auf den Feldern abſchnei⸗ — 135— det, als man in einem Tage verfuͤttern kann, oder als man am andern Tage Rüben auszuthun gedenkt, und jene Blaͤt⸗ ter zur Fuͤtterung einbringt. Die Rüben werden dann mit der Gabel ausgehoben, von der anklebenden Erde und den Haarwurzeln gereinigt und eingebracht. Dieſes Verfahren hat vor dem gewöhnlichen, wobei man die Rüben an den Blaͤttern auszieht, und ſo auf Haufen wirft, während man das Abſchneiden des Krauts erſt alsdann, meiſtens erſt auf dem Hofe vornimmt,— den Vorzug, daß das Kraut weni⸗ ger mit Schmutz beladen wird, und uͤberhaupt wirthſchaft⸗ licher benutzt werden kann. Daß die Blätterfütterung ſtark purgirt und der Viehſtand da⸗ bei oft um mehr zurückkömmt, als das gauze Futter werth iſt, hat theils in jenem Umſtande, theils darin ſeine Urſache, daß man zuviel ſolcher Blätter füttert und zu wenig conſiſtentes Futter dazu gibt. Die Erndtekoſten ſind um 15 bis 25 Procent geringer, als die der Kartoffeln. §. 328. Die Aufbewahrung geſchieht wie bei den Kar⸗ toffeln(§. 307), namentlich in Miethen und Grr n. Es iſt noch mehr Sorgfalt erforderlich, daß man nicht zu große Maſſen zuſammenhaͤuft und gehoͤrig Luft zum Abzuge der ſich entwickelnden Duͤnſte läßt, weil ſonſt leicht Fäulniß eintritt. §. 329. Ein geringer Ertrag iſt 190 Cntnr. p. heſſ. oder preuß. Morgen, ein Mittelertrag 140 bis 160 Cntur., ein guter und ſelbſt hoher 200 Cntnr. und darüber(125 bis 250 Cntnr. p. wuͤrtbr. Morg.). Der Blaͤtterertrag iſt 20 bis 45 Cntnr. p. Morgen. Ich habe ſelbſt ſchon über 300 Ctnr. Rüben p. Morgen geernd⸗ tet. Es waren p. heſſ. Morg. 8000 Rüben und das Stück wog im Durchſchnitt 4 Pfund. Ein Gewicht von 8 bis 10 Pfund iſt bei einzelnen Rüben nichts Seltenes. In ungünſtigen Sommern kann jedoch auch eine Mißerndte, ja bei der Pflanzmethode ein gänzliches Fehlſchlagen eintreten. — 136— Zur Zuckerfabrikation dürfen 150 bis 160 Ctur. p. Morg., zur Fütterung 180 bis 200 Ctur. als ein befriedigender Ertrag auf mit⸗ telgutem Lande angeſehen werden. Da der Futterwerth der Runkelrüben ſo anzunehmen iſt, daß 2 ½ bis 3 Pf.= 1 Pf. Heuwerth, 6 Pf. Blätter= 1 Pf. Heuwerth ſtehen, ſo iſt ein geringer Ertrag zu 40 Ctnr., ein guter zu 80 Ctnr. Heuwerth p. Morg. anzuſchlagen. Unter gleichen Verhältniſſen dürfte auf den beſſeren Bodenclaſſen der Henwerth des Ertrags der Runkel⸗ rüben im Durchſchnitt etwas höher ſeyn, als der der Kartoffeln. 5. Zuckergehalt. §. 350. Ueber den Zuckergehalt der Rüben werden ſehr verſchiedene Reſultate angegeben. Man hat bei chemi⸗ ſcher Zerlegung ſchon 10 und mehr Procent Zucker daraus gezogen, waͤhrend ſicher ſteht, daß die Fabriken bei einem Durchſchnitts⸗Ertrage von 6 Procent Rohzucker bis vor Kur⸗ zem ſehr zufrieden waren und es wahrſcheitlich auch noch fernerhin, wenigſtens groͤßtentheils, werden ſeyn muͤſſen. Wenn der ausgepreßte Saft nach Beaumé 70 wiegt, ſo ſchließt man auf mäßigen und bei 80 auf ſtarken Zuckergehalt; jedoch iſt dieſe Annahme auch leicht trüglich. 6. Saamenerziehung. §. 331. Wenn man den Runkelruͤbenbau in einiger Ausdehnung betreibt, ſo ſoll man ſich den bedürftigen Saa⸗ men ſtets ſelbſt erziehen; uͤberdieß kann die Erziehung auf den Verkauf lucrativ ſeyn. §. 332. Die Saamenerziehung von dieſer und anderen Ruͤbenarten beruht darauf, daß dieſelben zweijaͤhrig ſind, und doch über Winter nicht, oder wenigſtens nicht ſicher, im Freien aushalten. Man waͤhlt zu dem Ende Rüben von der zu erzielenden Art, ſchneidet die Blaͤtter etwas hoch ab(ohne den Herztrieb zu verletzen), und bewahrt dieſe Saamenruͤben uͤber Winter im Keller im trocknen Sande, oder in kleinen — 137— Gruben, aufrecht geſtellt, mit zwiſcheneingefuͤlltem Sande auf. Dieſe Rüben verſetzt man ſodann im Frühjahr auf gutes, warm gelegenes Land, 2 bis 2 ½“ entfernt, ſo daß nur die Köpfe emporragen. Das Land wird rein und locker gehalten, die geſchoßten Stengel werden an beigeſteckte Pfähle gebunden, und wenn der Saame(Ende Auguſt) reif iſt, wer⸗ den die Stengel abgeſchnitten und auf Böden ꝛc. vollends getrocknet, wonach der Saame abgeklopft oder geſtreift wird. Man kann auf ½¼ Morgen bis zu 1 Ctnr. Saamen gewinnen. IV. Die Kohlrübe. §. 333. Die Kohlruͤbe, Erd⸗oder Bodenkolrabi, Steck⸗ oder Krautrübe, Brassica napobrassica, iſt hinſichtlich ihrer Bedeutung als Futtergewaͤchs der Runkelrübe anzureihen. Auch iſt ſie ein ſchätzbares Gemüſe, und übertrifft in der Nahrungskraft als Viehfutter die Runkelrübe. Man findet ſie wohl deßhalb nur weniger haͤufig in gleich großer Ausdeh⸗ nung gebaut, weil ſie durch trockne Witterung und Inſecten⸗ fraß mehr leidet, und weil ſie ſich nicht ſo gut über Win⸗ ter hält. In der Regel wird man, ſoferne ſie überhaupt am Platze gedei⸗ hen, wohl thun beide Rübenarten zu bauen, indem man im Herbſte und Anfang des Winters zuerſt die Kohlrüben und ſpäter die Run⸗ kelrüben füttert.* §. 334. Es gibt mehrere Abarten, namentlich weiße und gelbe; unter den letzteren zeichnet ſich die ſchwediſche Rübe oder Rutabaga aus, welche etwas runder iſt, we⸗ niger Wurzeltriebe hat, die Kälte beſſer aushaͤlt und ſogleich aufs Land geſaͤt werden kann. Die ſchwediſche oder eine ihr ähnliche gelbe Kohlrübe ſoll in England häufig gebaut werden, indem man ſie wie die weiße Rübe drillt. Die gelben Kohlrüben ſollen etwas nahrhafter als die weißen 138 ſeyn. Wo man beide Sorten untereinander baut, will man die gel⸗ ben aber auch kleiner gefunden haben. 1. Standpunkt und Pflanzung. §. 335. Die Kohlrübe gedeiht auf demſelben Boden, welchen die Runkelrübe anſpricht(§. 318); nur verlangt ſie zu einem guten Gedeihen einen hoͤheren Grad atmosphä⸗ riſcher Feuchtigkeit, oder an ſich ſehr feucht gelegenen oder die Feuchtigkeit anhaltenden Boden. Sie gedeiht deßhalb vorzugsweiſe in Niederungen und Gebirgsgegenden, und be⸗ hauptet hier, zumal auf ſchwerem Boden, einen entſchiedenen Vorzug vor der Runkelrübe. An Bodenkraft verlangt ſie im Vergleich zur letzteren eher noch mehr als weniger. §. 336. Das Verfahren in Zubereitung des Feldes, der Anlegung der Saamenbeete und dem Verpflanzen, ſoll wie fuͤr die nach der Pflanzmethode behandelten Runkelrüben ſeyn. Nur ſäet man den Saamen auf die Saamenbeete erſt Mitte April, da er ſchneller keimt, auch ein zu fruͤhes Verpflanzen das Schoſſen einzelner oder ſelbſt vieler Ruͤ⸗ ben im Nachſommer zur Folge hat, wodurch dieſelben den größten Theil ihres Gehalts verlieren. §. 337. Will man die gelbe Art unmittelbar auf das Feld ſaͤen(§. 334), ſo iſt die bei der Waſſerrübe näher be⸗ ſchriebene Drillmethode(§. 348) zu empfehlen. Man ſät zu dem Behufe im Mai. Spaͤter muͤſſen die jungen Pflan⸗ zen durch Ausziehen auf den Reihen ſoweit verdünnt wer⸗ den, daß ſie nicht näher als 1 Fuß zuſammen ſtehen. Von dem kleinkörnigen Saamen dürfte bei der Pflanzmethode ½ Pfund und bei der Saatmethode 1 Pfund p. Morgen aus⸗ reichen. 2. Pflege. §. 338. Die Bearbeitung uͤber Sommer iſt in der Hauptſache ebenfalls wie bei der Runkelrübe(§. 325); es wird jedoch beim zweiten Hacken ſtets etwas angehaufelt. — 139— §. 339. Die Hauptfeinde der Kohlrübe ſind die Erd⸗ flöhe und Raupen. Erſtere ſtellen ſich ſowohl auf den Saa⸗ menbeeten, als nach der Pflanzung haͤufig ein, und wenn nach dieſer zugleich anhaltende Trockniß eintritt, ſo iſt ſie ſehr gefaͤhrdet. Bei den Saamenbeeten iſt es leichter möglich, die Erdflöhe un⸗ ſchädlich zu machen, als wenn ſie ſich bei der Saat oder Pflanzung auf dem Felde einſtellen. Es wird auch empfohlen: die Pflanzen vor dem Setzen in eine Brühe von in Miſtjauche aufgelösten Assafoedida zu tauchen. S. I. Abth. d. B.§. 583. 3. Erndte und Ertrag. §. 340. Auch bei der Erndte wird wie bei der Run⸗ kelrübe verfahren. Der Ertrag an Kohlrüben dürfte im Durchſchnitt um 15 bis 20 Procent geringer ſeyn, alſo auf 85 bis 170 Ctr. p. Morgen, in auſſerordentlichen Fällen bis 250 Cntnr. anzunehmen ſeyn.(106 bis 310 Cntnr. p. würtb. Morgen.) Der Blätterertrag iſt auch geringer, hat aber auch einen hoheren Futterwerth als bei den Runkeln. Auch bei'm Saamenerziehen wird ähnlich wie bei den Runkeln verfahren. §. 341. Die in Miethen aufbewahrten Kohlruͤben fau⸗ len leicht, und noch leichter die in Kellern in größeren Maſ⸗ ſen aufgehäuften. Man thut deßhalb am beſten, die Erndte in oberirdiſche Räume zu bringen, wo ſie gegen die im An⸗ fang des Winters meiſtens nur leichten Froͤſte durch Stroh⸗ bedeckung geſchützt werden können, und bis Mitte des Win⸗ ters damit aufzuraͤumen. Behufs langerer Aufbewahrung muß man nur kleine ſchmale Gruben oder Miethen machen und Sand dazwiſchen ſchichten. Wenn man in nicht naſſer Lage im Herbſt den Boden über die entlaubten Rüben zieht, ſo halten ſie den Winter im Freien aus. Mäuſe und Haſen ſprechen ihnen aber dann gerne zu. — 140— V. Die Waſſerrübe. §. 342. Die Waſſerrübe, weiße Ruͤbe, Saat⸗, Brach⸗ oder Stoppelruͤbe, der Turnips, Brassica rapa, nimmt zwar in der deutſchen Landwirthſchaft bei weitem nicht die wich⸗ tige Stelle ein, wie in der engliſchen; ſie iſt indeß auch in Deutſchland für alle leichteren Bodenarten ein wichtiges Wurzelfuttergewaͤchs, das ſich überdieß wegen ſeiner kürze⸗ ren Vegetationszeit auf mancher Stelle noch bauen läßt, wo andere Rübenarten nicht hinpaſſen. Daß in Deuſchland die Kartoffel zum größeren Theile den Platz einnimmt, der in England dem Turnips zugetheilt wird, läßt ſich aus der Verſchiedenheit der climatiſchen und volkswirthſchaftlichen Ver⸗ hältniſſe beider Länder leicht erklären. §. 343. Es gibt auſſerordentlich viele Varietäten von der Waſſerrübe, die zum großen Theile durch Vermiſchun⸗ gen des Blüthenſtaubs(Kreutzung) entſtanden ſeyn moͤgen, und die ſich je nach Boden und Lage ſehr ſchnell wieder ver⸗ aͤndern. In der außeren Farbe findet man ſie weiß, violet, grünlich oder gelblich; der Form nach findet man ſie rund, ſpindel⸗, birn⸗, zwiebel⸗ oder tellerfoͤrmig(Cellerruͤbe). Ganz außerordentlich iſt der Unterſchied in der Größe: man hat in England ſchon Ruͤben von 50 Pfund erzeugt und die kleine Teltower Ruͤbe wiegt nur einige Loth. Die Größe hängt am meiſten von Boden und Culturart ab. Da die Abarten ſo leicht der Veränderung unterliegen, ſo iſt es auch ſchwer, über die Vorzüge der einen oder andern beſtimmt zu urthei⸗ len. Anzunehmen iſt indeſſen, daß die Engländer, obgleich ſie ihren Turnips zuerſt aus den Niederlanden oder aus Deutſchland bezogen haben, jetzt im Beſitze beſſerer Turnipsarten ſind, als man ſie ge⸗ wöhulich in Deuſchland findet. Die berühmten kleinen Rüben in einem Striche der Mark(na⸗ mentlich um Teltow) und an einigen andern Orten in Deutſchland werden nur als Speiſe⸗ und Handelsgewächs gebaut. — 141— 1. Standort. §. 3ag. Ein kräftiger, feuchter Sand⸗ oder lehmſan⸗ diger Boden iſt das Element dieſer Ruͤbe. Schwererer Bo⸗ den als maͤßig gebundener Lehm ſagt ihr um ſo weniger zu, je thoniger und kaͤlter er iſt. Sie liebt auch kalkhaltigen leichten Boden. Auch auf trocken gelegtem, in Cultur geſetz⸗ tem Moordoden gedeiht die Waſſerrübe. §. 345. Die weiße Rübe wird entweder wie andere Wurzelgewaͤchſe in die Fruchtfolge eingeſchaltet, und heißt dann Brachrübe, oder ſie wird als zweite Frucht gebaut, wo man ſie Stoppelruͤbe nennt. 2. Beſtellung und Pflege. §. 316. Die Brachrüben verlangen einen gut gereinig⸗ ten und gelockerten Boden, zu deſſen Vorbereitung vom Frühjahr bis zur Saat hinreichend Zeit gegeben iſt. Eine kräftige Duͤn⸗ gung iſt nur in Ausnahmsfällen zu entbehren. Man ſaͤt ſie von Ende Mai bis Anfang Juli. Die gelbe Sorte wird in England am fruͤhſten geſät; die weißen, beſonders die ſtark angebaute Kugelrübe, ſaͤet man ſpäter. Eine Veranlaſſung, die Brachrüben in die Hackfruchtſchläge mit aufzunehmen, liegt gewöhnlich darin, daß man den von der Kartof⸗ felſaat an wieder gewonnenen Dünger noch dazu verwenden kann. Auch Knochenmehl und Kompoſt werden, wenigſtens bei der Reihen⸗ ſaat(§. 348), mit Vortheil dazu verwendet. §. 347. Bei der in Deutſchland meiſtens noch gebraͤuch⸗ lichen breitwuͤrfigen Saat iſt möglichſt dünnes und gleich⸗ mäßiges Streuen des Sammens wichtig. Man braucht davon 2 Pfund per Morgen, der ganz faach eingeeggt wird. Nach dem Aufgehenz wird geeggt und ſpaͤter einmal mit der Hand gehackt, wobei man die zu dicht ſtehenden Ruͤ⸗ ben noch verzieht, ſo daß ſie 1 bis 1½ Fuß von einander ſtehen. — 142— §. 348. Die Drillcultur iſt für die Ruͤben der breit⸗ wuͤrfigen Saat weit vorzuziehen, wie von den Engländern, den Meiſtern im Ruͤbenbau, allgemein anerkannt wird. Am heſten bringt man zu dem Ende den Dünger unter Balken (Kaͤmme) und drillt darauf; man drillt auch, auf das eben gelegte, früher gedüngte Feld in 2 entfernten Reihen. In beiden Fällen laͤßt man auch, beſonders in England bei der Saat auf Balken, Streudung mit oder vor der Saat längs den Reihen aufbringen. Spaͤter wird theils mit dem Pferde, theils mit der Hand behackt; auch müſſen die Ruͤben auf den Reihen bis auf etwa ¾ Fuß Entfernung verdünnt werden. Becker auf Petersau, deſſen Drillmethode wir beim Getreide⸗ und Rapsbau näher berühren, drillte anf Sandboden zwiſchen die 1 ½ Fuß von einander entfernten Balken in die Vertiefung und be⸗ fand ſich wohl dabei. §. 349. Der Stoppelrübenbau kann nur auf kräftigem lockerem Boden und in einem Clima mit Vortheil getrieben werden, wo das Wintergetreide nicht ſpäter als in der zweiten Haͤlfte des Juli geerndtet wird. Man ſtürzt zu dem Ende die Getreideſtoppel alsbald nach dem Entlee⸗ ren des Feldes zu mäßiger Tiefe, oder beſſer, man ſchält und vereggt die Stoppel, recht dieſe ab, walzt und pflügt tiefer, und ſäͤt ſpaͤteſtens zu Anfang Auguſt den Rübſaamen. Kann man vorher Pfuhl aufbringen, ſo iſt dieß ſehr nütz⸗ lich. Sind die Ruͤben im Blatt ein paar Zoll lang, ſo werden ſie durch Eggen dünn geſtellt, was noͤthigenfalls s Tage ſpäter noch einmal wiederholt wird. Eine weitere Bearbeitung wird in der Regel nicht angewendet. Von ei⸗ nigermaßen feuchter Witterung bei und nach der Saat hängt das Gedeihen weſentlich ab, und in trocknen Sommern iſt Mißrathen häufig. Zu beachten iſt, daß auch die Stoppelrüben die Bodenkraft we⸗ — 143— ſentlich in Anſpruch nehmen; insbeſondere gerathen Gerſte und Lein nicht gut danach. Ueber die Wichtigkeit des Stoppelfruchtbaus überhaupt und die Verhältniſſe, unter denen ſolcher am rechten Platze ſ. die Lehre von der Fruchtfolge in der 2. Abth. des II. Bandes, namentlich§. 291 ff. §. 350. Sehr ſchlimme Feinde der Rüben ſind die Erdflöhe und ſpäter die Rübenraupen(Tenthredo rapae). 3. Erndte und Ertrag. §. 351. Mann beginnt gewöhnlich im October fort⸗ während ſoviel Rüben ſamt dem Kraute einzubringen, als man für einige Tage zur Verfuͤtterung bedarf. Erſt im November wird das Uebrige geerndtet. In milden Lagen läßt man ſie noch länger auf dem Felde, indem ihnen ein maͤßiger Froſt nicht ſchadet, und bringt dann bei offenem Wetter von Zeit zu Zeit eine Quantitaͤt ein. Die zum län⸗ geren Aufbewahren beſtimmten werden entkrautet und wie Kohlruͤben behandelt(§. 341). Das Abfüttern(Abweiden) auf dem Felde, wie es in England üblich, hat bis jetzt in Deutſchland keinen Eingang gefunden. Doch ſäet man hier und da auch wohl Rüben zur Schaſweide, ſowie anch zur Gründüngung aus. §. 352. Der Ertrag der Brachrüben iſt auf 120 bis 240 CEntnr. und mehr p. heſſ. oder preuß. Morgen anzuneh⸗ men(150 bis 300 Cntnr. p. wrtbr. M.) was, wenn der Nah⸗ rungswerth hoch, nämlich 4 Theile Rüben fuͤr einen Theil Heu, angenommen wird, 30 bis 60 Entnr. Heuwerth be⸗ traͤgt. Sie ſind uͤbrigens allem Vieh angenehm und geſund. — Der Ertrag der Stoppelrüben iſt im Durchſchnitt zu ½, ſelten zur Hälfte gegen den der Brachruͤben zu ſchätzen. §. 353. Der Saamen wird theils von im Freien über⸗ winterten und zu dem Ende im Herbſt angehäufelten, theils von über Winter im Keller aufbewahrten und im Fruͤhjahr ausgeſetzten Ruͤben gewonnen. — u4— VI. Die Möhre. §. 354. Die Möhre oder gelbe Rübe, Daucus ca- rotta, iſt unter den Wurzelgewaͤchſen das allem Nutz⸗ und Zugvieh angenehmſte und geſündeſte, wenn ſchon ſie in ihrer Nahrungskraft nur auf mittlerer Stufe und den Kohl⸗ ruͤben ohngefaͤhr gleich ſteht. Ihr Anbau wird blos deß⸗ halb weniger im Großen betrieben, weil ſie einen mehr aus⸗ geſuchten Boden verlangt, beſonders aber in Bezug auf Cultur und Erndte groͤßere Anſprüche macht, oder beziehungs⸗ weiſe größere Schwierigkeiten verurſacht, als die bisher ge⸗ nannten Rübenarten. Uebrigens verdient ſie demohngeachtet mehr gebaut zu werden, als es geſchieht, und jene Schwierigkeiten werden häufig für größer gehalten, als ſie in der That ſind. §. 355. Es gibt auch mehrere Arten, namentlich mit mehr weißgelbem oder mehr rothgelbem Fleiſche, dann mit der Eigenſchaft, mehr oder weniger über den Boden empor⸗ zuwachſen. Der oft ſehr bedeutende Unterſchied in der Größe hängt hauptſaͤchlich vom Standorte ab. 1. Standort. §. 356. Die Möhre verlangt, wenn ſie befriedigend lohnen ſoll, einen kraftvollen tiefgründigen Boden; derſelbe mag alsdann mehr oder weniger gebunden ſeyn. Sie liebt auch Kalkgehalt. In Bezug auf das Clima macht ſie keine beſonderen Anſpruͤche. §. 357. Man weißt zwar gewoͤhnlich den Moͤhren den⸗ ſelben Standpunkt in der Fruchtfolge an, wie anderen Hack⸗ fruͤchten. Iſt jedoch eine tief bearbeitete Hackfrucht vor⸗ ausgegangen, ſo iſt ihr Gedeihen dadurch befoͤrdert, ſo wie der Arbeitsaufwand dazu vermindert. In Bezug auf nach⸗ folgende Frucht verdienen, wie bei den andern Ruͤbenarten wegen des ſpaͤten Raͤumens des Feldes, in der Regel Som⸗ merfrüchte den Vorzug vor Wintergetreide. 2. Beſtellung und Pflege. §. 358. Wegen ihrer weit ſich hinabſenkenden Pfahl⸗ wurzel bedarf die Moͤhre einer noch tieferen Vorbereitung des Ackers, als die andern Rübenarten. Das dazu beſtimmte Feld ſoll zu dem Ende vor Winter voͤllig 1 Fuß tief bear⸗ beitet werden. Im Kleinen geſchieht dies durch Spaten; im Größeren wird mit einem gut ausgeführten Doppelpfluͤgen, oder indem in der aufgepflügten Furche ein Rajolpflug folgt, der Zweck genügend erreicht. Wo nicht hinreichend alte Kraft vorhanden iſt, wird am Ende des Winters mit ver⸗ rottetem Miſt gedüngt, im erſten Fruͤhjahre ſo bald thun⸗ lich gepfluͤgt, oder auch noch zweimal im Fruͤhjahre, wenn man den Boden nicht klar genug findet. Manche duͤngen erſt nach der Saat obenauf und rechen die ſtrohigen Theile ſpä⸗ ter wieder ab. Zweckmaͤßig duͤrfte auch fuͤr die Möhren das Aufpfluͤgen von Balken in der Entfernung von 1 ½ Fuß vor der Saat ſeyn, auf welchen man dann die Ruͤben baut; doch geſchieht dieß nicht ſo haͤufig als beim Turnips. §. 359. Man ſäet den gerne zuſammenhängenden, und deßhalb vorher wohl verriebenen Saamen ſo fruͤhe als moͤg⸗ lich und ſo daß p. heß. oder preuß. Morgen nicht mehr als 3 Pfund gebraucht werden. Derſelbe wird nur ganz flach untergebracht und kann ſelbſt bei ſehr früher Saat in feuch⸗ tem Boden ungeeggt gelaſſen werden.— Das Drillen, ähn⸗ lich wie bei den Waſſerrüben(§. 348), kann für die Möhren an ſich auch nur ſehr angemeſſen ſeyn; es bedarf aber be⸗ ſonderer Sorgfalt, daß der Saamen gleichmäßig aus der Maſchine falle, und bei manchen Drillmaſchinen iſt dieß, trotz Abreiben des Saamens und Vermengen mit andern Stof⸗ fen, doch nicht der Fall. Man vermiſcht den Saamen auch bei der breitwürfigen Saat häufig vorher mit trocknen Sägſpänen oder Sand.— Zweckmäßig iſt auch, den Saamen vorher anzufeuchten und etliche Tage ſo liegen zu laſſen, weil er von Natur langſam keimt. Pebſt Landwirthſch. I. 2. 10 — 146— §. 360. Der Moͤhrenſaamen geht, wenn er nicht vor⸗ bereitet war, erſt nach einigen Wochen auf und das ſchnel⸗ ler keimende Unkraut iſt bald nachher ſo ſtark im Zunehmen, daß die noch ganz kleinen Rüben gejaͤtet werden müſſen, was bei der Reihenkultur erleichtert iſt. Spaͤter werden ſie ein⸗ oder beſſer zweimal behackt und auf ohngefaͤhr ½ Fuß Ent⸗ fernung dünner geſtellt. Bei der Reihenkultur kann die Pferdehacke mit verwendet, die Handbearbeitung dadurch aber nur zum Theil entbehrlich gemacht werden. 3. Anbau als Zwiſchenfrucht. §. 361. Die Möhren werden auch mit beſonderem Nutzen als Zwiſchen⸗ und Nachfrucht gebaut, was jedoch ſtets nur auf tiefgruͤndigem, gut vorbereitetem kraͤftigem Boden gerechtfertigt iſt. Man ſäet den Moͤhrenſaamen zu dem Ende unter Wintergetreide, Raps, Mohn und Lein, bei beiden erſteren ſo zeitig als thunlich im Frühjahr, bei den andern unmittelbar nach der Saat der Hauptfrucht. §. 362. Sobald die Hauptfrucht Getreide war, und dieſes das Feld geräumt hat, wird tuͤchtig geeggt, die Stop⸗ peln werden abgerecht, und dann wird durch Jaͤten noch etwas nachgeholfen. Bei Raps und Mohn werden die Wurzelſtöcke mit der Hand ausgezogen und dann folgt, wie nach Flachs, je nach dem Zuſtande des Landes und der Ruͤbenſaat, eine Nachhülfe mittelſt Jäten, Hacken oder Eggen. Erndte und Ertrag. §. 363. Die Moͤhren werden in der Regel im Okto⸗ ber geerndtet. Nur in ſehr loſem, feuchtem Boden laſſen ſie ſich mit der Hand ausziehen; gewöhnlich ſieht man ſich genöthigt, jede Ruͤbe mit einer kleinen Gabel, einem drei⸗ zinkigen Karſt oder dem beſonderen Rübenheber(Spies) einzeln herauszuheben. Man kann ſie jedoch auch auspfluͤ⸗ — 147— gen, was wenigſtens bei der Drillſaat, beſonders der auf Balken, räthlich iſt; bei der breitwuͤrſigen bleibt beim Aus⸗ pflügen manche Ruͤbe und beſonders manches Ruͤbenſtuͤck im Boden. §. 364. Man ſchneidet das Kraut ab, das vom Vieh verſchmaͤht oder wenigſtens ſehr ungerne angenommen wird, läßt die Ruͤben lufttrocken werden und behandelt ſie hinſichtlich der Aufbewahrung wie andere Ruͤben. Man hält es zur längeren Aufbewahrung nützlich, die Haufen oder Miethen alle Fuß hoch mit feiner Erde oder auch Stroh zu durchſchichten. Feucht dürfen ſte durchaus nicht aufgehäuft werden. Bei Anwendung jener Vorſichtsmaaßregeln halten ſie ſich bis zum andern Sommer.— Sie halten auch den Froſt im Boden aus. 365. Ein befriedigender Mittelertrag iſt 130 bis 150 Centner p. Morgen, ein guter 160 bis 175 Centner, oder von 50 bis zu 70 Centner Heuwerth p. Morgen(160 bis 220 Centner p. wuͤrtb. Morgen). Stoppelmoöͤhren tragen bis zur Haͤlfte ſoviel. Die Saamenerziehung wie bei den Kohlrüben. Außer daß man ſie als Gemüſe verbraucht, kocht man auch einen guten Syrup aus den Möhren.. VII. Im Großen noch wenig oder gar nicht gebaute Wurzelgewächſe. §. 366. Als ſolche nennen wir hier noch: 1) die Pa⸗ ſtinake; 2) den dickſtenglichen Sauerklee; 3) die Arracatſcha. 1. Die Paſtinake. §. 367. Die Paſtinake, Pastinaca sativa, wurde ſchon laͤngſt hier und da zur Fuͤtterung angebaut, hat ſich aber zu dem Ende doch nur wenig verbreitet. Die Urſache hie⸗ von mag zum Theil darin liegen, daß man von ihr ſagt, ſie verlange einen noch ausgewählteren Boden als die Möhre. Da dieß aber noch nicht einmal erwieſen ſcheint und andere Eigenſchaften ſehr für ſie ſprechen, ſo dürfte ſie größere Beachtung verdienen, als ihr bis jetzt zu Theil ward. 10 — 148— §. 368. Uebrigens iſt dieſe Wurzelfrucht in der Haupt⸗ ſache den Möhren an die Seite zu ſetzen, indem ſie ganz wie dieſe cultivirt und benutzt wird. Die Wurzel hält Froſt und Naͤſſe im Boden aus, und iſt eben ſo nahrhaft und geſund als die Möhre. Auch taugt das Kraut der Paſti⸗ nake zum Fuͤttern und der Ertrag ſoll eher über, als unter dem der Möhren ſtehen. 2. Der dickſtengliche Sauerklee. §. 369. Dieſe Sauerkleeart, Oxalis crassicaulis oder O. crenata, ward ſeit etwa 10 Jahren durch die Garten⸗ bau⸗Journale haͤufig empfohlen, mitunter auch für die renommirte Arracatſcha ausgegeben. Sie ſtammt aus Mexico, wo ſie wie die Kartoffel benutzt werden ſoll. §. 370. Die nicht ſehr großen Knollen, welche ſie erſt im Spatherbſt anſetzt, ſind wohlſchmeckend und nahrhaft, ſie ſcheinen jedoch im Ertrage gegen die Kartoffeln zurück⸗ zuſtehen. Da indeſſen dieſe Oxalis neuerer Zeit von Süd⸗ frankreich aus ſehr geruͤhmt wird, ſo duͤrfte es räthlich ſeyn, auch in Deutſchland weitere Verſuche damit zu machen. 3. Die Arracatſcha. §. 371. Zu Anfang dieſes Jahrzehnts wurde von dieſer Pflanze, der Arracacha esculenta D. C., viel Rüh⸗ mens gemacht. Sie ſtammt aus Südamerika, iſt ein Dol⸗ dengewaͤchs, deſſen ſtarker Knollenanſatz dort eine ange⸗ nehme und geſunde Koſt abgeben ſoll. Bis jetzt haben ſich alle früher gerühmten außerordentlichen Eigenſchaften bei den im Kleinen in Gaͤrten gemachten Verſuchen nicht be⸗ waͤhrt, und es iſt wahrſcheinlich, daß dieſes Gewaͤchs in landwirthſchaftlicher Hinſicht fuͤr Deutſchland ohne allen Werth iſt. — 149— Fuͤnftes Capitel. Kohlbau. §. 372. Wir begreifen unter dieſer Abtheilung nur diejenigen Arten von Kohl im engeren Sinne(Brassica oleracea), welche im Großen auch zur Viehfuͤtterung ge⸗ baut werden, wenn ſchon ſie eben ſo gut und an vielen Orten ſogar zunaͤchſt, zur menſchlichen Nahrung oder auch als Handelsgewaͤchs gebaut werden, und haben in jener Hinſicht deßhalb blos hier aufzufuͤhren: den Kopfkohl und den Kuhkohl. Wollten wir nach der botaniſchen Eintheilung gehen, ſo hätten wir hier auch die Kohl⸗ und Waſſerrübe, den Raps und Rübſen aufzuführen, welche zu der Hauptart Brassica gehören. I. Der Kopfkohl. §. 373. Der Kopfkohl, das Weiskraut oder Kraut, der Kappes, Brassica oleracea capitata, wird ſchon zum Zwecke der Erzeugung einer beliebten deutſchen Nationalkoſt theils zum eigenen Bedarf, theils zum Verkaufe,— eben ſo wohl aber auch als Futtergewächs im Groͤßeren gebaut; als letzeres ſpielt er jedoch nur in wenigen einzelnen Land⸗ ſtrichen mit vorzugsweiſe fruchtbarem Boden eine Haupt⸗ rolle. §. 374. Es gibt verſchiedene Abarten, von denen hauptſächlich zwei ſich weſentlich unterſcheiden, nemlich die mit runden und die mit ſpitzen Häuptern(Zuckerhut⸗ oder Spitzkraut). Manche Sorte zeichnet ſich weiter durch mehr blaͤuliche, andere durch mehr grünliche Farbe der äußeren Blätter aus. Die Meinungen über die Vorzüge dieſer Varietäten ſind ge⸗ theilt. Sie ſcheinen, ſo wie die Größe, hauptſächlich vom Stand⸗ orte abhäͤngig. §. 375. Jeder milde, reiche, nicht zu trockne Boden iſt für den Krautbau angemeſſen. Wird dieſen Voraus⸗ ſetzungen entſprochen, ſo gedeiht er auch in ſchon rauhem Clima. Wo das gewöhnliche Feld dafür ſich nicht genugſam eignet, er⸗ zieht man das Kraut auf beſonders ausgewählten ſogenannten Kraut⸗ feldern, indem es jedes oder faſt jedes Jahr auf dieſelbe Stelle kömmt. §. 376. Das zu Weißkraut beſtimmte Feld wird vor Winter wenigſtens einmal tief, nach Winter zwei⸗ bis drei⸗ mal gepflügt. Ohne eine ſehr reichliche oder ſelbſt doppelte Düngung, z. B. Stallmiſt und Pferch oder Pfuhl ꝛc., iſt auf gemaͤßigtem Boden keine befriedigende Krauterndte zu erzielen. Da jedoch das Kraut weit von einander entfernt gebaut wird, ſo kann mit geringerem Dungaufwande der Zweck erreicht werden, wenn man einen Theil der Düngung nur auf die Pflanzſtellen bringt, z. B. kräftigen Pfuhl oder vorzüglichen Kompoſt, allenfalls mit Gyps ꝛc. §. 377. Der aus uͤber Winter im Keller aufgehäng⸗ ten oder in Sand geſetzten, und im Frühjahre auf Garten⸗ beete gepflanzten ſchoͤnen Krauthaͤuptern erzogene Saame wird auf gut und beſonders kraͤftig vorbereitete Saamen⸗ beete im März moͤglichſt fruͤh geſaͤt; die jungen Pflanzen bedürfen dann Schutz gegen Erdflöhe und Froſt und wer⸗ den im Mai oder Juni verpflanzt. Fuͤr den Morgen Kraut⸗ feld ſaͤt man etwa 6 Loth Saamen aus. §. 378. Unmittelbar vor dem Pflanzen wird die letzte Furche gegeben. Die Pflanzen werden 2 ½ Fuß, zuweilen bis gegen 5 Fuß von einander mit beſonderer Sorgfalt ge⸗ ſetzt, wobei Anſchlemmen und ſonſtige Maaßregeln wie zu dem Verpflanzen der Runkelrüben ꝛc. anzuwenden ſind. Man pflanzt blos mit der Hand, oder nach dem Pflanzſtock oder der Haue. Auf gebundenem Boden verdient das Pflanzen auf Kämme den Vorzug. — 151— §. 379. Das verpflanzte Kraut wird einmal behackt und einmal angehaͤufelt. Im Großen können Pferdehacke und Haͤufelpflug zu Hülfe genommen werden. §. 380. Der gefaͤhrlichſte Feind des Kohls iſt die Raupe des Kohlweißlings und einiger anderer Schmetter⸗ linge, welche man an der unteren Blattſeite im Ei oder bald nach dem Ausſchlupfen, indem die Raͤupchen noch truppweiſe beiſammen ſitzen, am wirkſamſten vertilgt. §. 381. Man kann im September die unteren Blaͤt⸗ ter zur Fütterung abnehmen. Die Erndte faͤllt in die zweite Haͤlfte des Octobers und den Anfang des Novembers, indem man die Koͤpfe von den Strünken abhaut. §. 382. Die äußeren Blätter werden alsbald abgethan und verfuͤttert. Die zur Fuͤtterung beſtimmten Kohlkoͤpfe werden auf Haufen in luftigen Raͤumen aufgeſchichtet und gegen die Kaͤlte mit Stroh bedeckt. Sie halten ſich bis gegen Weihnachten. Die Struͤnke halten ſich noch laͤnger. Man macht auch das Kraut, indem man es in Viertel theilt, in Kufen und Gruben Behufs der Verwendung zur Winterfütterung ein. Alle Arten des Krautfutters ſind bekanntlich beſonders milch⸗ wirkend. §. 883. Man erzielt p. Morgen, je nach der Ent⸗ fernung beim Pflanzen, 4000 bis 5000 Krautkoͤpfe. Das Gewicht eines ſolchen, wenn das Kraut nur einigermaßen geräth, iſt 3 ½ bis 4 Pfund, bei gutem Gedeihen 5 bis 6 Pfund und mehr. Der Mittelertrag iſt alſo 150 bis 200 Ctr., ein guter Ertrag bis 300 Ctr. p. Morgen, oder von 30 bis 60 Ctr. Heuwerth. Ein Vergleich dieſes Ertrags mit deſſen Unſicherheit und dem dazu erforderlichen Auf⸗ wande berechtigt zu der Anſicht, daß der Kopfkohl nur in Ausnahmsfaͤllen als Futtergewaͤchs im Großen angebaut zu werden verdient. Dagegen kann er als Handelsgewaͤchs ſehr einträglich werden. Man hat ſchon Kohlköpfe von 30 bis 40 Pf. erzogen. 2. Der Kuhkohl. §. 384. Der Kuh⸗, Rieſen⸗ oder Baumkohl, auch pommerſcher Kohl genannt, eine Abart vom Blattkohl, Brassica oleracea viridis, iſt hauptſaͤchlich in unſeren noͤrd⸗ lichen und nordweſtlichen Küſtenländern zu Haus, während er im Binnenlande, die Stromniederungen vielleicht ausge⸗ nommen, ſeine dort gerühmten Eigenſchaften weit weniger oder gar nicht bewaͤhrt. §. 385. Der Saame wird im Frühlinge auf Garten⸗ beete geſät, ſpaͤter werden die Pflanzen auf kraͤftiges, gut vorbereitetes Ackerfeld in der Entfernung von 1 ½ bis 2 Fuß verpflanzt und uͤber Sommer angemeſſen cultivirt. Der hoch in die Hoͤhe gehende Kohl hält in jenen Gegen⸗ den den Winter im Freien aus, und deßhalb können die Blätter vom Herbſt an und den ganzen Winter hindurch von unten abgenommen und endlich auch die 5 bis 6 Fuß hoch werdenden Stengel, auf der Haͤckſelbank geſchnitten, zur Fütterung, hauptſaͤchlich fuͤr die Kuͤhe, verwendet werden. §. 386. Wird der Saame erſt im Juli geſät und die Pflanzung demnach erſt gegen den Herbſt vorgenommen, ſo eignet ſich der ſo behandelte Kuhkohl zur Benutzung in gleicher Art den ganzen andern Sommer hindurch und im darauf folgenden Winter und Frühling. Der in Gärten häufig gezogene Schnittkohl, welcher nach mehreren Autoren aus einer Kreuzung des Rapſes und der Kohl⸗ rübe entſtanden ſeyn ſoll, wird hier und da auch als Viehfutter be⸗ nutzt. Oefterer aber benutzt man den Raps ſelbſt als Schnittkohl, wie ſchon§. 269 angeführt worden iſt. Zweiter Abſchnitt. Cultur des Getreides. §. 387. Unter Getreide im Allgemeinen verſtehen wir die mehlhaltigen Koͤrnerfruͤchte, welche zum großen Theil zur menſchlichen Nahrung, außerdem aber zu vielen anderen Bedürfniſſen und techniſchen Zwecken, endlich zum Theil auch zur Viehnahrung dienen. Insbeſondere dienen noch die Halme oder Stengel dieſer Körnerfrüchte theils zur Fuͤtterung, theils zur Einſtreu, und ſomit entweder unmit⸗ telbar oder mittelbar als ein ſehr weſentliches Material zu Erzeugung des Düngers. §. 388. Dieſe doppelten Eigenſchaften des Getreides, nemlich durch ſeine Körner die erſten Bedürfniſſe der Exi⸗ ſtenz der menſchlichen Geſellſchaft zu befriedigen und eben deßhalb ein faſt überall verkaͤufliches Product abzugeben, andern Theils aber ein ſehr weſentliches Futter⸗ und Dung⸗ material abzugeben und damit die nächſten Erforderniſſe zur Production des durch ihren Anbau dem Boden entzogenen Naͤhrſtoffs, wenigſtens theilweiſe, wieder zu liefern,— im Zuſammentreffen mit der Einfachheit der dazu erforder⸗ lichen Cultur und der gegen viele andere Gewächſe großen 1 Sicherheit des Gedeihens,— haben ſchon längſt dem Ge⸗ treideban, neben dem Futterbau, den Hauptplatz unter den landwirthſchaftlichen Culturgegenſtaͤnden angewieſen. §. 389. Wir theilen den Getreidebau unter folgende Capitel: 1) Halmgetreidebau. 2) Hülſenfruchtbau. 3) Sonſtiger Koͤrnerfruchtbau. Erſtes Capitel. Halmgetreidebau. §. 390. Zum Halmgetreide zählen wir alle nach den gewoͤhnlichen botaniſchen Eintheilungen zu den eigentlichen Graͤſern gehörigen, in der Landwirthſchaft angebaut wer⸗ denden Körnerfruͤchte. Sie ſind theils ein⸗, theils zwei⸗ jaͤhrig, mögen aber wohl in ihrer eigentlichen Heimath, mit wenig oder keinen Ausnahmen ſüdlichere Gegenden, insbe⸗ ſondere der Orient,— meiſtentheils oder ſelbſt ausſchließ⸗ lich nur einjährig geweſen ſeyn. §. 391. Das Halmgetreide iſt es hauptſächlich, auf welches das im§. 388 Geſagte, mit Bezug auf die euro⸗ paͤiſchen Länder, vorzugsweiſe anwendbar iſt, und eben deßhalb nimmt es auch die bei Weitem wichtigſte Stelle bei unſerem Getreidebau ein. Wohl zu beachten iſt aber auch zugleich, daß alles Halmgetreide durchaus zu den zehrenden Feldfruchten gezaͤhlt werden muß, und wenn ſein Stroh⸗ und Koͤrnerertrag, vorausgeſetzt, daß beide auf zweck⸗ mäßige Weiſe in Dünger verwandelt worden, auf gemaͤbig⸗ 2 tem Boden ohngefähr hinreichen mag, die durch deſſen An⸗ bau entzogene Bodenkraft wieder zu erſetzen, ſo iſt auf von Natur bedürftigem Boden der ganze Rohertrag als Erſatz dafür noch nicht einmal ausreichend. §. 392. Wir haben zum Halmgetreide zu zaͤhlen: I. Den Weizen. II. Den Roggen. III. Die Gerſte. IV. Den Hafer. V. Gemiſchte Getreide⸗Saat. VI. Die Hirſe. VII. Die Moorhirſe. VIII. Den Mais. IX. Den Reis. I. Der Weizen. §. 393. Beim Weizen, Triticum, haben wir in bota⸗ niſcher, wie in landwirthſchaftlicher Beziehung zunaͤchſt zu unterſcheiden zwiſchen dem eigentlichen Weizen und den durch das Feſtſitzen der Spelze um die Koͤrner ſich auszeich⸗ nenden uneigentlichen Weizenarten(Spelzen). §. 394. Zu den eigentlichen Weizenarten gehören die Hauptarten: Triticum vulgare, T. turgidum, T. durum und T. polonicum; zu den uneigentlichen: T. spelta, T. amyleum und T. monococcum. In landwirthſchaft⸗ licher Beziehung halten wir uns am beſten an folgende Ab⸗ theilungen: A. Gemeiner und engliſcher Weizen als Win⸗ terfrucht. B. Bartweizen und gemeiner und engliſcher Wei⸗ zen als Sommerfrucht. C. Polniſcher Weizen. D. Spelz. E. Emer. F. Einkorn. Ausführliche Nachweiſung über die verſchiedenen Halmgetreide⸗ arten gibt das Werk von Krauſe:„Abbildungen und Beſchreibung aller bis jetzt bekannten Getreidearten. Leipzig 1834 bis 1837. 8 Hefte.“ Ferner das 1824 erſchienene Werk Metzger's:„Die europäiſche Cerealien ꝛc.“ A. Gemeiner und engliſcher Weizen als Winter⸗ frucht. §. 395. Der gemeine Weizen, T. vulgare, und neben ihm der engliſche, T. turgidum, ſind die als Winterweizen in der Regel angebaut werdenden eigentlichen Weizenarten. — 156— Sie ſind es, welche das meiſte, ſchoͤnſte und feinſte Mehl bliefern, das zur feinen und gewöhnlichen Bäckerei überall verbraucht wird, und welche in Folge des ſtarken Verbrauchs vieler Länder, unter denen manche ihren Bedarf nicht im⸗ mer vollſtaͤndig erzeugen, von allen unſeren Körnerfruͤchten die groͤßte Ausbreitung als Handelsartikel genießen. Außer zu Brod und ſonſtigen Backwaaren wird der Weizen auch zur Brau⸗ und Brandweinbrennerei, zur Stärkefabrikation ꝛc. verwendet. 1. Verſchiedene Arten. §. 396. Der Unterſchied zwiſchen dem gemeinen und engliſchen Weizen beſteht hauptſächlich darin, daß der erſte, T. vulgare, mehr länglichovalen Saamen hat, die vierſei⸗ tigen Aehren theils gegrannt, theils ungegrannt ſind, und daß ſich die Grannen unregelmaͤßig auseinanderſpreizen, waͤhrend der andere, T. turgidum, mehr eirunden, hochge⸗ wöͤlbteren Saamen hat, die Aehre aber iſt noch regelmäßi⸗ ger viereckig, ſtets ſtark begrannt, und die Grannen laufen mit der Aehre faſt parallel in vier regelmaͤßigen Reihen. Der erſte wird am meiſten in Deutſchland, der andere am gewöhnlichſten in England gebaut. Beide Arten werden auch als Sommerweizen gebaut(ſ.§. 417 ff.) §. 397. Von dieſen beiden Weizenarzen giebt es eine große Menge Parietaͤten, zuſammen über 100 an der Zahl; die eine wird hier, die andere dort für beſonders gut gehal⸗ ten, die einen veraͤndern ſich leicht auf anderem Stand⸗ punkte, die andern erhalten ſich an vielen Orten in ihren Haupteigenſchaften conſtant. Wir müſſen uns zunächſt dar⸗ auf beſchränken zu bemerken, daß außer dem Unterſchiede zwiſchen begranntem und unbegranntem(Kolben⸗) Weizen, nach der Farbe der Körner und theilweiſe der Spelzen zwiſchen rothem oder braunem und gelbem oder weißem Weizen zu unter⸗ ſcheiden iſt, und daß ein weiterer Unterſchied in der verſchiedenen — 157— Faͤrbung der Spelzen(weiß, gelb, roth, blau, ſchwarz), ſo wie darauf beruht, ob dieſelben behaart oder glatt ſind (Sammt⸗ oder glatter Weizen). §. 398. Von dem begrannten Weizen ruͤhmt man ein etwas ſtaͤrkeres Stroh, ſowie daß er dem Brande und Roſte, auch dem Vogelfraß weniger unterworfen ſei, von dem unbegrannten, daß er ſtets duͤnnhülſig ſei und feines Mehl liefere, was jedoch manchen begrannten Sorten auch nicht ſtreitig gemacht werden kann. Zu den ſehr gerühmten und vielverbreiteten gemeinen Weizen⸗ arten gehören unter andern: der Talaveraweizen(ein weißer Kolben⸗ weizen), der böhmiſche Weizen(ein ungegrannter weißer Sammtwei⸗ zen), mehrere begrannte braune Weizenarten; zu den gerühmten eng⸗ liſchen Sorten rechnet man den rothen glatten, und rothen ſammt⸗ artigen engliſchen Weizen. Zu den engliſchen Weizenarten gehört auch der ſogenannte Wunderweizen, ausgezeichnet durch ſeine aſtartigen Aehren. 2. Standort. §. 399. Der Weizen gedeiht, die ſehr rauhen Gebirgs⸗ gegenden und ganz tiefen Lagen in der Nachbarſchaft von Mooren und Suͤmpfen ausgenommen, auf dem ihm zuſagen⸗ den Boden überall in Deutſchland. Guter Lehm⸗ und Thon⸗ boden ſind ſein Element, Kalkgehalt iſt dabei ſehr erwünſcht. Er gedeiht auch noch auf den geringen Thonbodenarten, ſo⸗ bald dieſelben einigermaßen in Bau und Kraft geſetzt ſind. Auf feuchtem kräftigem Sandboden kann er noch ausnahms⸗ weiſe erzwungen werden. Auf trocknem Sand⸗ und ſelbſt lehmigem Sandboden verſagt er, und alle ſtark an Saͤure oder ſtauender Näſſe leidenden Bodenarten ſind ihm unzu⸗ träglich. §. 400. In der Fruchtfolge muß der Winterweizen einen ſolchen Standpunkt angewieſen erhalten, daß das Land zur geeigneten Saatzeit in kräftigem und reinem Zu⸗ ſtande iſt. Er wird am meiſten gebaut: nach reiner Brache, — 158.— Raps, Tabak, Bohnen, Klee und Dreiſche. Auf ſehr kraͤf⸗ tigem Boden und bei einem ſorgfältigen Betriebe des Acker⸗ baues uͤberhaupt ſieht man den Weizen auch nach Mais, Wintergerſte, Roggen und ſelbſt nach Hafer vollkommen ge⸗ deihen. Kartoffeln ſind als Vorfrucht nur auf ſehr gutem Boden und bei recht früher Kartoffelerndte fuͤr die Regel zu billigen, noch weniger kann man die Ruͤben oder den Lein zu den guten Vorfrüchten fuͤr den Weizen zählen. Auch die rankenden Hülſenfruͤchte gehoͤren nicht zu den vor⸗ züglichen Vorfruͤchten beim Weizenbau. Nach ſich ſelbſt gedeiht der Weizen faſt uͤberall ſchlecht, und je weniger zu⸗ träglich für ihn der Standort im Ganzen genommen iſt, um ſo laͤngere Zeit ſoll man bis zu ſeiner Wiederkehr ver⸗ ſtreichen laſſen. Unter günſtigen Verhältniſſen gedeiht er alle zwei Jahre auf derſelben Stelle, unter weniger günſtigen darf er nach 4 Jahren kaum wiederkehren. 3. Beſtellung. §. 401. Der Acker für den Weizen ſoll rein und kraͤf⸗ tig, aber nur maͤßig gepülvert ſeyn, namentlich iſt eine zu feine Kruͤmelung der Oberflaͤche leicht nachtheilig. Uebri⸗ gens haͤngt das ſpecielle Verfahren in der Zubereitung des Feldes von deſſen augenblicklichem Zuſtande ab. Wenn man die Brache drei⸗, vier und mehrmal pflügt, ſo kann bei gutem Kleelande eine einfährige Beſtellung genügen. Etwas vergraßter Klee, oder mehrjaͤhrig niedergelegenes Gras⸗ oder Kleeland, kann eine halbe Brache bedürfen oder auch durch ein ſorgfältiges Doppelpflügen in den geeigneten Zu⸗ ſtand verſetzt werden u. ſ. w. Hat ſodann der Acker nicht hinreichend alte Kraft, ſo muß friſch gedüngt werden; man kann auch noch nach der Saat obenauf duͤngen oder pfer⸗ chen. Da wo ſich leicht Brand einſtellt(§. 409) iſt die Düngung mit wenig vergohrnem Stallmiſte, oder mit an⸗ — 159— dern beſonders kraͤftigen friſchen Dungſtoffen, kurz vor der Saat zu vermeiden. So ſehr der Weizen auch hinreichende Bodenkraft in Anſpruch nimmt, wenn er gut lohnen ſoll, ſo bringt doch auch Ueberfülle na⸗ türlicher oder gegebener Kraft leicht den Nachtheil, daß er, wie faſt alle Halmgetreidearten in ſolchem Falle, leicht lagert und in Quan⸗ tität und Qualität des Körnerertrags zurückſchlägt. §. 402. In der Regel iſt es nuͤtzlich, bei Kleeland beſonders wichtig, zwiſchen der Saatfurche und Saat einige Wochen verſtreichen zu laſſen, indem ſich ſchwerer Boden alsdann meiſtens beſſer beſtellt, auf hohl liegendem Lande da⸗ gegen die Saat nicht ſo gut gedeiht. Iſt das Land vor der Saat nicht beſonders rauh und uneben, ſo wird vorher nicht geeggt. §. 403. Die Saatzeit fuͤr den Weizen wechſelt je nach Lage und Clima, Vorfrucht und Witterung von Anfang September bis in den November. Die gewöhnlichſte Saat⸗ zeit in den mittleren Lagen Deutſchlands iſt im letzten Drit⸗ tel des Septembers und erſten Drittel des Oktobers; je rauher die Lage, um ſo früher ſoll— und je milder die⸗ ſelbe, je wärmer der Boden an ſich, um ſo ſpäter darf ge⸗ ſät werden. §. 404. Die Wahl einer völlig reif gewordenen, voll⸗ kommenen, geſunden(durch Lagern, feuchtes Einbringen, ſchlechte Aufbewahrung ꝛc. nicht beſchaͤdigten) Saatfrucht iſt beim Weizenbau von beſonderer Wichtigkeit, weil im andern Falle leicht ein unvollkommenes Gedeihen, namentlich ſchaͤd⸗ liche Pflanzenkrankheiten ſich einſtellen. Um vor letzteren, hauptſaͤchlich dem Brande, noch mehr zu ſchützen, wird die Weizenſaatfrucht faſt uͤberall vor dem Saͤen mit einer ſoge⸗ nannten Beize verſehen(§. 409). Gut erhaltener zweijähriger Weizen hat ſich ſchon öfters zur Saat bewährt; namentlich ſoll bei ſeiner Anwendung nichts ſo leicht Brand entſtehen. — 160— §. 405. Der Saame ſoll auf eigentlichem Weizenboden nicht tiefer als 1 ½ höchſtens 2 Zoll untergebracht werden, und in der Regel bedient man ſich dazu, nach vorausgegan⸗ gener breitwürfiger Ausſaat, der Egge; auf lockerem, trock⸗ nem Boden, iſt ein Unterextirpiren oder flaches Unterpfluͤgen am Platze. Der Weizen vertraͤgt eine etwas naſſe Beſtel⸗ lung beſſer, als der Roggen. Ueber die Drillſaat ſ.§. 410. §. 406. Die Quantitaͤt der Einſaat richtet ſich nach der Beſchaffenheit des Feldes und nach der Saatzeit. Je fruͤher nach Verhaͤltniß der Lage die letztere und je beſſer vorbereitet das Feld iſt, um ſo mehr ſoll eine ſtarke Saat vermieden werden. Ein ſehr geringes Saatquantum iſt 1, 2 Sr.(= o, 7 pr. Schf.), ein mittleres 1, 8 Sr. = 1 pr. Schf.), ein ſehr ſtarkes 2, 4 Sr.(= 1, 4 pr. Schf.) p. heſſ. oder pr. Morg.(— 2, 2 Sri bis 4, 5 Sri p. würtb. Morg.) 4. Pflege der breitwürfigen Weizenſaat. §. 407. Das Durcheggen im Fruͤhjahr, unter den nöthigen Vorſichtsmaßregeln und zur ſchicklichen Zeit ange⸗ wendet(ſ. 1. Abth. d. B.§. 561), bewährt ſich beim Wei⸗ zen vorzüglich. Von höherem und ſichererem Erfolge iſt aber ein im Fruͤhjahre vorgenommenes leichtes Behäckeln mit der Hand, das in England häufig angewendet wird und ohne Zweifel auch in manchen Gegenden Deutſchlands ſich bezahlt machen würde, wo man geſchickte und aufmerkſame Arbei⸗ ter dazu haben kann. Das Jäten wird alsdann entbehrlich, das außerdem uͤberall anzuempfehlen iſt, wo ſich einigerma⸗ ßen Saamenunkraͤuter unter dem Weizen zeigen. §. 408. Hat der Weizen zu Anfang oder Mitte Mai ein ſehr fettes, dunkelgruͤnes Ausſehen, indem ſich die Blät⸗ ter nicht aufrecht erhalten koͤnnen, ſo iſt das mit Sorgfalt unternommene theilweiſe Abſchneiden, oder ſogenannte — 161— Schroͤpfen, das Mittel dem ſonſt unfehlbar nachfolgenden Lagern der Halme vorzubeugen. Unter Umſtaͤnden wird das Schröpfen noch einmal wiederholt. Wo man einen zu üp⸗ pigen Stand des Weizens ſchon früher vorausſieht, darf man das Feld auch einigemal mit den Schafen überhüthen. Die Schröpfe iſt ein vorzügliches Milchfutter. §. 4 09. Zu den Unfällen, welche den Weizen mehr oder weniger häufig treffen, gehören: a) Das Auswin⸗ tern; es iſt in naſſer oder ſonſt unguͤnſtiger Lage oder ungewöhnlich unguͤnſtiger Witterung, namentlich zu Ende des Winters, begruͤndet und laͤßt ſich bis zu gewiſſem Grade nur durch ſorgfältige Trockenlegung und Beſtellung des Feldes verhuͤten. b) Verſchiedene Pflanzenkrankheiten, als Mehlthau, Roſt und Brand, und zwar am allerhäufig⸗ ſten der letztere. Die Hauptvorbeugungsmittel liegen in gu⸗ ter Auswahl, Zubereitung und Beſtellung des Landes, Ver⸗ meidung von Ueberdüngung oder zu friſchem Dünger, Aus⸗ wahl vollkommenen Samens(§. 404) und Anwendung einer guten Beitze bei dem letzteren. Unguͤnſtige Witterungsein⸗ flüſſe koͤnnen uͤbrigens trotz aller Vorſichtsmaßregeln jene Krankheiten herbeifuͤhren. Dgs Näbere darüber in der erſten Abtheil. d. B.§. 499 und dann§. 590 ff. 5. Drillſaat. §. à 10. Indem wir auf die Lehre von der Maſchinen⸗ ſaat in der erſten Abtheilung d. B. zuruͤckweiſen(§. 510 ff.) bleibt in Bezug auf Drillſaat des gewoͤhnlichen Halmgetrei⸗ des im Allgemeinen vorauszuſchicken, daß ſolche bei nicht ſtark unebenem noch ſteinigem Lande und bei einem im Ein⸗ klange ſtehenden Standpunkte des ganzen Wirthſchaftsbe⸗ triebs für mehrere unſerer Getreidearten weſentlich rentiren muß. Wir verſtehen darunter vor Allem, daß diejenige be⸗ ſondere Sorgfalt auf die Bodenbearbeitung und die Drill⸗ pabſt Landwirthſch. I. 2. 11 = 162 kultur ſelbſt verwendet werden kann, welche dieſe zu einem günſtigen Reſultate nothwendig anſpricht. Noch zur Zeit iſt iſt es eine Minderzahl unſerer mittelgroßen Wirthſchaften in Deutſchland, von der man ſagen kann, daß ſie auf ſolchem Standpunkte ſtehe. §. 411. Der Weizen iſt es unter unſeren Halmgetrei⸗ dearten vor anderen, wobei ſich die Drilleultur lohnt, in⸗ dem ihm eine Bearbeitung im Fruͤhjahr und eine Cultur⸗ methode, welche der Atmosphäre freieren Zutritt zu den Pflanzen geſtattet, vorzüglich zu gut kömmt. Man hält eine Entfernung der Saatreihen von 8 bis 9 Zoll(l Fuß) mit nur geringer Saamenerſparniß für die angemeſſenſte und im Fruͤhjahre muß eine wenigſtens einmalige, beſſer noch zweimalige Behackung mit ſchwacher Anhaͤufelung, mit⸗ telſt geeigneter Pferdehacken, und wo dieſe ſich nicht aus⸗ reichend erweiſen mit der Handhacke, eintreten. §. 412. Die ſeit ein paar Jahren in Anregung ge⸗ kommene Becker'ſche Drillmethode hat das Eigenthuͤmliche, daß vor der Saat Balken in der Entfernung von 22 bis 2 Zoll gezogen und zwiſchen je zwei Balken zwei Reihen von 7 bis 8 Zoll Entfernung geſaͤt werden. Im Frühjahre werden die bis dahin ſchon ſtark zuſammengeſunkenen Balken mittelſt fkarſtartiger Dreizinker nach den Saatreihen hin abgezogen. Die bis jetzt bekannt gewordenen Reſultate ſprechen dafuͤr, daß bei dieſer Methode die Saat noch mehr Schutz hat und die Atmosphäre vorzüglicher einwirken, auch der Dünger mehr zur Stelle der Saatreihen gehalten werden kann. Eine in größerer Zahl und unter verſchiedenen Verhältniſſen angeſtellte Reihe von Verſuchen muß hierüber noch näher entſcheiden. Becker verbindet mit ſeiner Methode ein eigenes Syſtem von Bal⸗ keneultur und Düngung mit pulveriſirten Dungſtoffen.(S. die Be⸗ richte über die Verſammlungen der deutſchen Landwirthe zu Dresden und zu Carlsruhe.) In wie weit die in neueſter Zeit von Ugaczy beſonders empfohlene Drillſaat mit der einfachen Pflugſämaſchine den — 163— Vorzug verdient, müſſen vergleichende Verſuche ebenfalls erſt noch herausſtellen. 6. Erndte und Ertrag. §. 413. Die Erndte faͤllt je nach Lage und Jahrgang in die zweite Hälfte des Juli oder in den Monat Auguſt. Sie erfordert in Bezug auf richtige Wahl des Zeitpunktes, ſorgfäͤltiges Abbringen(in der Regel mit der Sichel) und Schutz vor der Naͤſſe ganz beſondere Sorgfalt, theils um Körnerverluſt, theils um eine Werthsverminderung des Korns als Handelswaare zu verhuͤten. Im Uebrigen wird bezüglich der Erndte des Getreides überhaupt auf das 9. Capitel der allgemeinen Pflanzenproductionslehre zurück⸗ gewieſen. §. 414. Der Durchſchnittsertrag an guten Körnern iſt auf geringem Weizenboden 2 ½ Mltr. à 2 Ctnr., auf mitt⸗ lerem a Mltr., auf gutem 6 Mltr. p. heſſ. Mrg.(6 bis 14 Schf. p. pr. M.— 2 ½ bis 6 Schf. p. w. M.)— Höhere Ertraͤge kommen unter beſonders guͤnſtigen Verhaͤlt⸗ niſſen, namentlich bei der Drillcultur, vor, und auf Marſch⸗ boden ſoll der Ertrag bis zum Doppelten des hier als Durch⸗ ſchnitt für guten Weizenboden angegebenen ſteigen koͤnnen. §. 415. Der Nahrungswerth der Koͤrner ſteht dem Gewichte nach etwa 10 Procent, dem Maaße nach gegen 20 Procent höher als vom Roggen. Der Marktpreiß aber ſteht, dem Maaße nach, wenigſtens ½, in manchen Gegen⸗ genden bis zu ½¼ über dem des Roggens. §. 416. Der Strohertrag(einſchließlich der Spreu) wechſelt zwiſchen 10 und 28 Centnern p. heſſ. oder pr. Mor⸗ gen(= 12 bis 35 Ctnr. p. würt. M.). Thaͤr nimmt den Körner⸗ zum Strohertrag= 50: 100 an; meiſtens aber wird der Strohertrag verhältnißmäßig etwas ſtärker ſeyn. Der Futterwerth des Weizen⸗ ſowie des übrigen Strohs iſt in der Lehre von der Viehzucht näher gewürdigt. Als Streuſtroh kömmt das Weizenſtroh dem Roggenſtroh ziemlich gleich. 11* — 164— B. Bartweizen und gemeiner und engliſcher Weizen als Sommerfrucht. §. 417. Die dritte Hauptart unter den eigentlichen Weizen iſt der Bart⸗ oder— richtiger— hartſaamige Wei⸗ zen, Tritieum durum, welcher nur als Sommerfrucht er⸗ ſcheint, außerdem aber von den andern Arten durch mehr dreieckig geformte, breit und tief gefurchte, mehr horn⸗ oder glasartig erſcheinende Saamenkoͤrner und mehr rund⸗ liche, nicht regelmaͤßig viereckige Aehren mit ſehr langen rauhen Grannen ſich auszeichnet. Gewöhnlich nennt man jeden begrannten Weizen auch Bartwei⸗ zen; da aber neuerer Zeit dieſe Benennung vorzugsweiſe dem T. durum beigelegt worden iſt, ſo müſſen wir ſie, um, Irrungen zu verhüten, bei den andern Arten zu vermeiden trachten. §. 418. Sodann werden von dem gemeinen und dem engliſchen Weizen viele Abarten auch als Sommerfrucht ge⸗ baut, namentlich gilt dieß in Bezug auf Deutſchland von mehreren gemeinen Kolben⸗ und noch mehr von den be⸗ grannten gemeinen Weizenarten. Der Bartweizen aber, dieſe ausſchließliche Sommerweizenart, iſt im noͤrdlichen Afrika, in Italien und Spanien zu Hauſe und in Deutſch⸗ land erſt im Kleinen anzubauen verſucht worden. Es gibt übrigens von ihm wieder viele Varietaͤten, als rother, wei⸗ ßer, blaulicher, weißer ſchwarzgegrannter, glatter, ſammet⸗ artiger ꝛc. Krauſe redet dem Bartweizen, wegen ſeines Ertrags an Kör⸗ nern und ſtarkem Stroh und ſeiner kurzen Vegetationszeit, ſehr das Wort und bemerkt, wie ſehr verbreitet er in ſüdlichen Gegen⸗ den ſei, daß man in Italien die beliebte Macaroni daraus bereite u. ſ. w. Größere Verſuche können erſt über den Werth dieſes Wei⸗ zens für unſere Verhältniſſe entſcheiden, wobei auch weſentlich in Betracht kömmt, ob das daraus erhaltene Mehl auch den Werth des gewöhnlichen Weizenmehls habe. §. 419. Nach den bei den bisher in Deutſchland ge⸗ bauten gewöhnlichen Sommerweizenarten gemachten Beohach⸗ — 165— tungen iſt anzunehmen, daß das Korn des Sommerweizens unvollkommener als das vom Winterweizen iſt, auch weni⸗ ger ſchoͤnes Mehl liefert. Dazu kommt, daß auch ſein Ge— deihen an den meiſten Orten unſicherer als das des Winter⸗ weizens und der Gerſte iſt, und deßhalb hat der Anbau des Sommerweizens nur in einigen Gegenden eine größere Aus⸗ dehnung gewonnen. Manche Landwirthe rühmen dagegen den reicheren Korn⸗ und beſonders Strohertrag im Vergleich zur Gerſte. Wo der Winter⸗ weizen leicht auswintert, oder nicht mehr zu rechter Zeit im Herbſt beſtellt werden konnte, tritt der Sommerweizen paſſend an ſeine Stelle.. §. 420. In der Hauptſache verlangt der Sommerwei⸗ zen gleichen Boden mit dem Winterweizen und eher mehr als weniger Bodenkraft, verträgt aber friſche Düngung we⸗ niger, als jener. Die Vorfrüchte dürften am haͤufigſten Klee oder Dreiſche und Hackfrüchte ſeyn, da dieſe es ſind, wel— che nicht immer eine genügende Zubereitung des Feldes zur Winterweizenſaat geſtatten, inſoferne ihre volle Benutzung im Jahre vorher nicht gekürzt werden ſoll. §. 421. Der Acker ſoll gut vorbereitet ſeyn und be⸗ ſonders im Herbſte hieraufhingearbeitet werden. Iſt das Land im Spatherbſte rein und gut aufgepflügt, ſo kann häufig die Saat im Frühjahr auf die rauhe Herbſtfurche ge⸗ geſchehen. §. 422. Die Saat iſt zeitig vorzunehmen und faͤllt in der Regel in den Monat April. Man ſät um 12 bis 15 Procent ſtaͤrker, als den Winterweizen(§. 406). Drill⸗ ſaat iſt fuͤr den Sommerweizen auf überhaupt dafuͤr geeig⸗ netem Boden(§. 410) ſehr zu empfehlen. Das Einbeizen der Saat iſt dabei nicht ſo gewöhnlich, da der Steinbrand ſeltener vorkoͤmmt; dagegen ſtellen ſich Staubbrand und Roſt um ſo häufiger ein und alle Vorſichtsmaßregeln, welche in Bezug auf Auswahl des Saamens beim Winterweizen ange⸗ — 166— geben ſind(§. 404), empfehlen ſich auch für den Sommer⸗ weizen. §. 423. Die Erndte tritt meiſtens einige Wochen ſpaͤ⸗ ter als die vom Winterweizen ein. Der Durchſchnittser⸗ trag an Körnern iſt um ¼½, der Strohertrag um ½4 gerin⸗ ger als von jenem anzunehmen. Der Ertrag des Sommer⸗ weizens unterliegt aber groͤßeren Schwankungen, und in gün⸗ ſtigen Jahren uͤbertrifft er bisweilen ſogar den des Winter⸗ weizens. C. Polniſcher Weizen. §. 42l. Triticum polonicum unterſcheidet ſich von den andern eigentlichen Weizenarten auffallend durch ſeine viel längeren Spelzen und lockeren ungleich laͤngeren Aehren, ſo wie durch viel groͤßere, am unteren Ende ſpitzige, glaſige Körner, endlich durch ſehr ſtarkes, markiges Stroh. Es gibt mehrere Abarten mit laͤngeren oder kuͤrzeren Grannen, laͤngeren oder kürzeren(compacteren) Aehren. Er iſt bloß Sommerfrucht, verlangt fruchtbaren Boden und dünnen Stand, und ſoll die Dürre des Sommers beſſer als ande⸗ res Getreide aushalten. §. a25. Dieſer Weizen, von Manchen auch wallachi⸗ ſches, aſtrachaniſches oder egyptiſches Korn genannt, iſt fuͤr unſere Landwirthſchaft, nach allen bis jetzt daruͤber bekann⸗ ten Erfahrungen und Anſichten, von ganz untergeordnetem oder ſelbſt gar keinem Werthe. Die Vermuthung, daß er in alten Zeiten hier und dort ſtaͤrker angebaut worden, ſpricht nicht für groͤßeres Lob, denn alsdann iſt er wahrſcheinlich von beſſeren Sorten verdraͤngt worden. Jetzt ſoll er noch im ſudlichen Spanien angebaut werden. Von irgend an’s Größere grenzendem Anbau deſſelben in Deutſchland iſt der⸗ malen nichts bekannt. Das Mehl ſteht dem des gewoͤhn⸗ lichen Weizens jedenfalls weit nach. — 16,— D. Spelz. §. a426. Der Spelz, Dinkel oder Veſen, Triticum spelta, unterſcheidet ſich, wie alle uneigentliche Weizenar⸗ ten(ſ.§. 393), von den bisher aufgeführten eigentlichen Weizen zunaͤchſt dadurch, daß die reifen Saamen von den plattgedruͤckten Spelzen feſt umſchloſſen werden und die rei⸗ fen Aehren beim Dreſchen nur in einzelne Aehrchen zerſprin⸗ gen. Zur Unterſcheidung von den andern ſpelzartigen Wei⸗ zen dient ſodann: Die Aehren des eigentlichen Spelzes ſind lang und dünn, bei der völligen Reife kruͤmmen ſie ſich und zerbrechen leicht, in jedem Aehrchen(Balge) ſitzen gewoͤhn⸗ lich 2, ſelten 3 Körner, an der Spitze oft nur eiges. Die Koͤrner ſind denen des gemeinen Weizens ähnlich, doch haͤu⸗ fig etwas dreieckig(kantig) gedrückt, die Grubenſeite brei⸗ ter, das Korn im Innern oft etwas glaſig, ſehr dünnſchalig. §. 427. Der Spelz iſt ſchon ſehr lange Zeit im ſüd⸗ lichen und ſüdweſtlichen Deutſchland, namentlich in Schwa⸗ ben, Franken, Oeſtreich, am Rhein, dann in der Schweiz, hier und da in Frankreich und Spanien einheimiſch. Er wird dorten nicht nur an der Stelle des Winterweizens, ſondern auch auf dieſem nicht mehr zuſagender Stelle, in groͤßter Ausdehnung gebaut und iſt daſelbſt Haupt⸗Brod⸗ und Han⸗ delsfrucht. 1. Abarten. §. 428. Die gewöhnlich angebauten Arten ſind: rother und weißer unbegrannter Dinkel. Die rothe Art ſcheint kräf⸗ tiger und weniger empfindlich und wird beſonders in den Gebirgsgegenden angetroffen, die weiße Art findet man mehr in den flächeren Landſtrichen; man ſieht beide Arten auch oft unter einander. Außerdem gibt es begrannten rothen und weißen, auch begrannten blauen Spelz, welche Abarten man jedoch nur in einigen rauhen Gegenden findet und die von nur geringem Werthe ſeyn ſollen. — 168— §. 429. Der Spelz kömmt auch hier und da als Som⸗ merfrucht vor; indeſſer lohnt er als ſolche ſchlecht und muß dem Sommerwezen, beſonders aber dem Emer nnd Einkorn nachgeſetzt werden. Uebrigens wird der Sommerſpelz aͤhn⸗ lich wie der Sommerweizen oder Emer behandelt. 2. Standort. §. 430. Der Spelz wird zwar im nördlichen Deutſch⸗ land nicht angetroffen, und man hat deßhalb ſchon ſchließen wollen, daß er kein ſo rauhes Klima als der Weizen ver⸗ trage. Indeſſen findet man ihn in den rauhſten Lagen der ſchwaͤbiſchen und anderer ſuͤddeutſchen Gebirge, wo der Wei⸗ zen kaum noch ſich halten würde, was jene Folgerung hin⸗ länglich widerlegt. Hinſichtlich des Bodens gilt nicht nur, daß aller dem Weizen zuſagende Boden(§. 399) auch fuͤr den Spelz geeignet iſt, ſondern daß dieſer auch auf leichte⸗ rem, namentlich trocknerem Boden(Boden in trockner Lage mit verhaͤltnißmäßig wenig Bindung), ſo wie auf weniger kraͤftigem Boden noch mit beſſerem Erfolg, als der Weizen gebaut werden kann. §. 431. Der Dinkel gedeiht nicht nur nach allen dem Weizen zuſagenden Vorfruͤchten; er iſt auch mit den weniger günſtigen vertraͤglicher, namentlich findet man ihn häufig nach Kartoffeln, Lein, Wicken ꝛc. recht gut gediehen, und ſogar nach ſich ſelbſt kann er weit eher als Weizen mit Er⸗ folg gebaut werden, jedoch ſetzt dieß guten Boden und er⸗ neuerte Düngung voraus. Ob der Spelz den Boden auch weniger angreift, als der Wei⸗ zen, was Manche daher ſchließen, weil er mit weniger Kraft noch vorlieb nimmt,— iſt bis jetzt nicht erwieſen. 3. Beſtellung und Pflege. §. 432. Die für die Zubereitung des Weizenfeldes an⸗ gefuͤhrten Regeln gelten auch für den Dinkel. Dieſer ver⸗ — 169— traͤgt überdieß eine rauhe Beſtellung, ſo wie friſche Dun⸗ gung unmittelbar vor der Saat beſſer, als der Weizen. §. 433. Die Saatzeit iſt ebenfalls wie beim Weizen. Wegen der Spelzen, mit denen der Dinkel ausgeſaͤt wird, und die das Volumen der Korner um mehr als das Doppelte vermehren, muß natürlich auch das Saatquantum über das Doppelte gegen das beim Weizen gegriffen werden. Ge⸗ wöhnlich ſät man 3. bis 4 Sr., zuweilen bis 5 ½ Sr. p. heſſ.(5 ½ bis 10 Sri. p. wuͤrtb.) Morgen. Der Saame wird nicht eingebeizt. Auf dem leichteren Boden in dem rauheren Klima wird die Saat mit Nutzen leicht unterge⸗ pflügt, beſonders nach Vorfrüchten, welche den Boden lo⸗ ckern, wie Erbſen, Kartoffeln; außerdem wird untergeeggt. §. 434. In Bezug auf Pflege wird ebenfalls auf den Weizen zurückgewieſen. Namentlich gilt das vom Durch⸗ eggen im Fruͤhjahre, vom Jaͤten und Schröpfen dort Ge⸗ ſagte auch hier. Dem Brand iſt der Spelz weniger als der Weizen unterworfen, dem Vogelfraß gar nicht, ausgenom⸗ men die eben emporkeimende, Saat, welcher die Raben und Staare nachſtellen. Manche Schriftſteller, welche den Spelzbau nicht aus Erfahrung kennen, ſühren irrig mehrere Momente an, worin der Spelz vom Weizen abweiche, z. B. daß er ſich nicht ſo leicht lagere u. dgl. m. à4. Erndte und Ertrag. §. 135. Die Erndtezeit iſt ebenfalls die des Weizens⸗ Man hat darauf zu ſehen, das Abbringen nicht zu weit hin⸗ auszuſchieben, weil alsdann die Aehren leicht abbrechen. Iſt in dieſer Beziehung noch keine Gefahr vorhanden, ſo läßt ſich der Spelz mit weniger Körnerverluſt maͤhen, als der Weizen. Ganz reifer, grasreiner Dinkel wird unmittelbar nach dem Abbringen aufgebunden und eingebracht. Außer⸗ dem bleibt er einige Tage auf der Breite liegen. Er iſt gegen das Beregnen nicht ganz ſo empfindlich, als der Wei⸗ 170— zen; doch ſchadet naſſe Erndtewitterung der Qualität des Mehls auch leicht und bald. Das Dreſchen geht raſch von Statten, und da es faſt gar keine Sbreu gibt, ſo iſt die Reinigung leicht. Einzelne Köruer ſpringen dabei aus den Spelzen, welche mit den ganz leichten noch in den Spelzen ſitzenden der Aehrenſpitze den ſogenannten Durchſchlag ab⸗ geben. §. 436. Der Ertrag auf geringem Boden iſt nur 4 ½ bis 6 heſſ. Malter, auf Mittelboden iſt er im Durchſchnitt zu 9 bis 10 Malter, in den guͤnſtigſten Faͤllen auf ſehr gu⸗ tem Boden bis zu 17 Malter p. Morgen anzunehmen(11 bis 40 pr. Schf. p. pr. M.— A bis 16 Schf. p. w. Mrg.). Um dieſen Ertrag gehörig zu wuͤrdigen, iſt in Betracht zu ziehen, daß der Spelz 36 bis au, im Durchſchnitt 40 Pro⸗ cent Kernen enthaͤlt, deren Werth dem von mittelgutem Weizen an die Seite zu ſetzen iſt; der Marktpreiß des Ker⸗ nen ſteht jedoch meiſtens etwas unter dem des Weizens. Das heſſ. Malter Spelz wiegt 110 bis 120 Pfund, wovon ohnge⸗ faͤhr c½ auf die Kernen kommen. Zum Schälen des Spelzes(Gerben genannt) bedarf es eines beſonders eingerichteten Gangs in den Mühlen(Gerbgang). Der in der Tiefe auf fetterem Boden gewachſene gerbt weniger, der von den Höhen aus weniger reichem Boden gerbt mehr. Er wird theils ungegerbt, theils gegerbt zu Markt gebracht. Das Mehl vom Spelz iſt wohl ſo weiß, als vom Weizen, namentlich wird aas erſterem ein ſehr beliebtes Schwingmehl gezogen. Im Allgemeinen iſt jedoch das Gebäcke aus Spelzmehl ſpröder und trocknet ſchneller aus, als das von Weizenmehl. §. 437. Der Strohertrag iſt wegen der Spreu(Spreuer), welche der Wirthſchaft in der Regel nicht zu gut kömmt, um etwa 10 Procent geringer als vom Weizen anzuſchlagen. Auch hat das Spelzſtroh einen nicht unbetraͤchtlich geringe⸗ ren Futterwerth, als das Wetzenſtroh. — 171— 5. Vergleich zwiſchen Spelz⸗ und Weizenbau. §. 438. Ob es vortheilhafter ſey, Spelz oder Weizen zu bauen, hängt von den Localverhaͤltniſſen ab. Vorausge⸗ ſetzt muß zunächſt werden, daß der Spelzbau im Großen die dazu erforderlichen Mühleinrichtungen bedingt. Dann kömmt es auf den Marktpreiß im Vergleich zum Weizen und Roggen an. Solcher ſteht nur da verhaͤltnißmäßig hoch, wo der Dinkel eine Hauptbrodfrucht iſt. Wo dieſer Fall eintritt, wird man auf allem geringeren Weizenboden und ſelbſt auf vielem fuͤr den Roggen mehr geeigneten Boden mit Vortheil Spelz bauen. Auf gutem, in guter Cultur ſtehendem Wei⸗ zenboden behauptet der Weizen in den meiſten Fällen den Vorzug und ſelbſt in den eigentlichen Dinkelgegenden würde man auf dem beſſeren Weizenboden haͤufig mit Nutzen den Weizen an die Stelle des Spelzes ſetzen. In den Rheingegenden, wo man dem Spelz immer den ſchlech⸗ teren Standpunkt im Vergleiche zum Weizen anweiſet, iſt der Markt⸗ preiß von jenem meiſtens nnr ½ von dieſem und etwa die Hälfte vom Roggen; in Würtemberg, wo der Dinkel die Hauptfrucht iſt, ſteht deſſen Preiß, beſonders gegen den des Roggens, verhältniß⸗ mäßig bedeutend höher. §. 439. In mehreren Gebirgsgegenden, z. B. im Oden⸗ wald, auf der ſchwaͤbiſchen Alb, gedeiht der Spelz mit weit größerer Sicherheit, als der Weizen, und behauptet deßhalb mit Recht den Vorzug; aͤhnlich verhält es ſich in mehreren Huͤgel⸗Flachgegenden, wo der Weizen theils wegen der Lage, theils wegen des Bodens entweder haͤufiger vom Brand leidet, oder uͤberhaupt unvollkommen gedeiht. Bei anzuſtel— lenden Vergleichen iſt ſtets der etwas geringere Strohwerth vom Spelz mit in Betracht zu ziehen. Zu ſeinen Gunſten iſt dagegen noch anzufüuhren, daß er ſich leicht lange aufbe⸗ wahren laͤßt und nicht leicht vom Wurme angegriffen wird, ſo wie daß er ſich gut zur Pferdefütterung eignet. — 172— Halb Spelz, halb Hafer iſt ein ſehr geſundes Futter, und wird in hieſiger Gegend, wo der Spelz nicht ſelten geringer im Preiße ſteht, als der Hafer, oft den Pferden gegeben. Der in den Mühlen reichlich abfallende Spelzſpreuer hat den Werth von Roggenſtroh⸗ häckſel, und wird allgemein unter das ſogenannte Kurzfutter(Siede) verbraucht. E. Der Emer. §. 440. Der Emer, Triticum amyleum, auch mit den verſchiedenen Beinamen: egyptiſcher und griechiſcher Spelz, Reisdinkel, Gommer ꝛc., iſt allem Vermuthen nach eine in ſuͤdlichen Gegenden von alten Zeiten her angebaute Frucht. In Italien ſoll er häufig gebaut werden; in der Schweiz und in Wuͤrtemberg koͤmmt er oͤfters, doch ſelten in groͤße⸗ rer Ausdehnung angebaut vor; auch in den Rheingegenden trifft man ihn einzeln. §. 441. Der Emer unterſcheidet ſich vom Spelz durch rohrartigere Halme mit breiteren Blättern, dicht an⸗ und über einander liegende Spelzen(Aehrchen) und darauf be⸗ ruhende compacte, zuſammengedruͤckt erſcheinende Aehren, die unten oft auch äſtige Auswüchſe haben; die Körner ſind mehr dreikantig, tief gefurcht, oft runzelich, in der Regel zwei in einem Balg. Er iſt meiſtens ſtark begrannt, doch gibt es auch einen weißen ganz wenig begrannten. Man fin⸗ det weißen, rothen und ſchwarzen Emer mit mehr oder we⸗ niger dichten Aehren. Am gewöhnlichſten iſt der als Som⸗ merfrucht gebaute rothe und weiße begrannte; den ſchwarzen begrannten und weißen faſt unbegrannten baut man auch als Winterfrucht. §. 4a42. Der Emer liebt trockenen jedoch nicht ganz ſandigen Boden, wenn er auch ſonſt fuͤr Weizen oder Spelz ſchlecht zu nennen waͤre. Zu einem guten Gedeihen verlangt er aber auch gekraͤftigtes Land. Man waͤhlt ihn mit Vortheil als Lückenbüßer, wo es zur Beſtellung von Wintergetreide im Herbſt zu ſpaͤt ward, z. B. nach Klee oder Kartoffeln; au⸗ ßerdem nimmt man ihn in der Fruchtfolge an die Stelle des Hafers. §. à43. Der gewoͤhnlich angebaute Sommeremer wird nach einmaliger Pflugart im Frühjahr ſo zeitig als möͤglich geſaͤt, indem er wie Hafer oder Sommerweizen beſtellt wird. Man ſaͤt etwa c1 weniger Saamen, als vom Spelz. Winteremer wird wie Spelz behandelt. Ranhe Winter oder kalte Lagen vernichten jedoch denſelben häufig. §. aaa. Die Erndte des gewoͤhnlichen Emers tritt um 3 bis 4 Wochen ſpaͤter, als vom Spelz ein. Der Ertrag iſt verhältnißmäßig gut und auf gewöhnlichem Mittelboden zu 6 ½ bis 8 ½ Mltr. v. heſſ. Morgen(6— 8 Schf. vom w. M.) anzunehmen. Beim Gerben wirft er wenigſtens die Hälfte Kernen, alſo wenigſtens 10 Procent mehr ab, als der Dinkel. Der Ertrag an Stroh iſt reichlich und erreicht gerne 15 bis 20 Ctr. p. heſſ. Mrg.; das ſteife, harte Stroh hat aber ſehr geringen Futterwerth. §. a445. Das Emermehl iſt von geringerer Beſchaffen⸗ heit, als das Spelzmehl, und liefert ein ſproͤdes, nicht wei⸗ ßes Gebäcke; es hat deshalb zu gewoͤhnlichem Weißbrod nur zum Untermiſchen in geringem Verhaͤltniß einen Werth; dazu kommt, daß das Gebäcke zerfließt und bitter ſchmeckt, ſo bald der Emer bei der Erndte beregnet worden. Dagegen eignen ſich die Kernen, bloß geſchält und geriſſen, oder als Graupen, vortrefflich zu Suppen und ungegerbt iſt der Emer ein treffliches Pferdefutter. Aus den erſtangeführten Ur⸗ ſachen wird der Emerbau bei uns nie eine große Ausdehnung erhalten. Dagegen duͤrfte er in geringem Verhaͤltniß zur Aushülfe und als Suppenfrucht, und in trockenen Lagen auch in größerer Ausdehnung an der Stelle des Hafers, wenig⸗ ſtens im ſüdlicheren Deutſchland, mehr Berückſichtigung ver⸗ dienen, als ihm bis jetzt zu Theil geworden iſt. ——— —— , 174— Das Mehl vom weißen Emer iſt beſſer, als vom rothen, der letztere ſoll aber reichlicher tragen, als der weiße Sommeremer. F. Das Einkorn. §. a¹46. Das Einkorn, Peterskorn ꝛc., Triticum mo- nococcum, unterſcheidet ſich von den andern Spelzarten zu⸗ nächſt dadurch, daß in der Regel in jedem Balge oder Aehr⸗ chen nur ein Korn enthalten iſt. Außerdem zeichnet es ſich durch eine ſehr platt gedrückte, mager ausſehende Aehre, welche theilweiſe mit feinen Grannen beſetzt iſt, aus. Dieſe iſt jung von ſehr hellgrüner Farbe, nach der Reife aber roth. Das Einkorn iſt mehr Winter⸗ als Sommerfrucht und wied in Schwaben und der Schweiz und einigen angren⸗ zenden Ländern häufig, doch ſelten in größerer Ausdehnung gebaut. §. a47. Das Einkorn iſt eine ſehr rauhe Frucht, die überall gut fortkoͤmmt, wo Spelz gedeiht. Man uͤberweiſet ihr meiſtens aber nur den ſehr klotzigen, ſteinigen oder ſonſt ſchlechten Boden, beſonders dann, wenn man nicht mehr im Stande war, ihn oder auch beſſeres Land zu Spelz zur Zeit gehoͤrig vorzubereiten. Man ſaͤet es im November und December, auch erſt im Februar oder Anfang Maͤrz. Spä— tere Saat koͤmmt meiſtens nicht mehr zum Schoſſen oder zur Reife. §. a48. Es erträgt eine rauhe Beſtellung, nur darf der Acker nicht verqueckt oder ſtark vergraßt ſeyn. Man ſät ¼ weniger als Spelz. Ueberdüngen im Winter thut ihm ſehr gut. Uebrigens wintert es nicht leicht aus und lagert ſich auch nicht leicht. §. 449. Die Erndtezeit iſt meiſtens etwas ſpäter, als vom Dinkel. Durch Lagern auf dem Boden nach dem Abthun nimmt es leicht Schaden; deßhalb läßt man es auf dem Halme völlig reif werden und bringt es nach dem Mähen oder Schnei⸗ den baldmöglichſt ein. Der Ertrag iſt dankbarer, als die ihm 4175= gewöhnlich zu Theil werdende Behandlung verdient. Man erndtet auf ſchlechtem Boden meiſtens 5 heſſ. Mltr. und oft mehr p. Morgen, auf mittelgutem Boden oͤfters 8 bis 11 Mltr.(4 ¼— 10 q¼ Schf. p. würtb. M.). Der Stroher⸗ trag des Einkorns bleibt hinter dem des Dinkels nicht zurück. Das Stroh iſt aber ſehr ſtarr und zum Fuͤttern ſchlecht ge⸗ eignet. §. 450. Das Einkorn gerbt die Haͤlfte an Kernen, die ein gelbliches Mehl liefern, das zur Baͤckerei aͤhnliche Feh⸗ ler beſitzt, wie das vom Emer, namentlich wenn es bereg⸗ net worden; dagegen iſt das Brod, wozu nicht beregnetes Einkorn kam, geſund und ſchmackhaft, wenn auch von gel⸗ ber Farbe. Auch zum Kochen als Graupen oder Mehl iſt es ſehr gut, ſo wie zu Pferdefutter. §. 451. Wegen ſeines ſicheren und verhältnißmaͤßig guten Ertrags auf ſchlechtem Boden verdient das Einkorn mehr angebaut zu werden; aus den gleichen Gruͤnden, wie ſolche beim Emer angegeben wurden(§. 445), kann es aber auch nie zum Range einer Hauptfrucht gelangen. . Der Roggen. §. 452. Der Roggen oder Rocken, in vielen Gegenden auch Korn genannt, Secale cereale, iſt in einem großen Theile des mittleren, und faſt ausſchließlich im nördlichen Europa Hauptbrodfrucht. Namentlich gilt dieß auch vom größten Theile von Deutſchland. Nimmt man hinzu, daß der Roggen auch zu techniſchen Zwecken(zur Brandweinbren⸗- nerei ꝛc.), ſo wie zur Fuͤtterung verwendet wird, daß er einen beſonders reichlichen Strohertrag liefert, im Stand— orte genügſamer als der Weizen iſt, und namentlich noch auf den Bodenarten lohnt, welche fuͤr den Weizen nicht ge⸗ eignet ſind; ſo iſt begreiflich, daß der Roggen für die mei⸗ ſten Gegenden Deutſchlands und fuͤr viele andere nördliche und öſtliche Länder die wichtigſte Getreideart bleibt. —-——— — 176— 1. Abarten. §. 453. Die Botaniker geben keine von einander we⸗ ſentlich verſchiedenen conſtanten Abarten vom Roggen zu. Indeſſen haben wir in landwirthſchaftlicher Beziehung doch mehrere Varietäten von dem gemeinen Winterroggen aus guten Gruͤnden zu unterſcheiden, nemlich den Staudenrog⸗ gen, den Klebroggen und den Sommerroggen, und wenn auch zugegeben werden muß, daß je nach Klima und Behand⸗ lung jede dieſer drei Varietaͤten der Hauptart ſich wieder nähern oder am Ende derſelben ſogar völlig gleich werden kann; ſo iſt doch nicht weniger gewiß, daß jene Abarten auch unter vielen Verhaͤltniſſen ihre Eigenthuͤmlichkeiten lange, oder ſelbſt beſtaͤndig, und zwar öfters nebeneinander, erhalten. §. 454. Der Staudenroggen, gemeiniglich nach dem Lande woher man ihn zuerſt bezog noch verſchieden be⸗ nannt, zeichnet ſich von dem gewöhnlichen durch die Eigen⸗ ſchaft aus, bei ſchwaͤcherer und fruͤherer Ausſaat ſich ſtaͤr⸗ ker zu beſtocken, laͤngeres Stroh und längere Aehren zu trei⸗ ben und ſchwere und mehlreiche Koͤrner zu produciren, die theils groͤßer, theils etwas kleiner, als gewöhnliches Korn erſcheinen; er verlangt aber, jene Eigenſchaften zu bewäh⸗ ren, einen in Kraft ſtehenden oder geſetzten Boden und win⸗ tert in nicht günſtiger Lage leichter aus. Der Klebroggen, (das Klebkorn oder Spatkorn) hat ein dickſchaligeres, etwas dunkeleres Korn, liefert auch dunkleres Mehl und wird etwas ſpaͤter reif; koͤmmt aber in rauher Lage auf kaltem und naſ⸗ ſem Boden, ſelbſt bei verſpäteter Ausſaat, weit beſſer als der gewoͤhnliche Roggen fort und traͤgt in einigermaßen dank⸗ barem Boden reichlich Koͤrner und Stroh. Der Sommer⸗ roggen unterſcheidet ſich, außer der auf einen Sommer be⸗ ſchraͤnkten Vegetationsperiode, durch etwas ſchwächere Aehren und etwas kleineres Korn. 4 Der Staudenroggen wird an manchen Orten wallachiſches, auch ruſſiſches Staudenkoru genannt, und dieſe Art hat ein ſtarkes Korn; — 17— andern Orts hat man den böhmiſchen Standenroggen, mit etwas dünnem Korn, welcher in den böhmiſchen Gebirgen bei der Hack⸗ waldwirthſchaft unter Sommerroggen oder Buchweitzen geſät und dann im andern Jahre geerndtet wird. Dieſer böhmiſche Stauden⸗ roggen hat ſich in den Hackwaldungen im Odenwalde ebenfalls be⸗ währt, und iſt hier zu Lande nun ſchon ſeit längerer Zeit auch in den Flachgegenden mit vielem Vortheile angebaut; ich habe ſelbſt ganz außerordentlich hohe Erträge davon gemacht.— Das Kleb⸗ korn iſt in den naſſaniſchen und einem Theile der heſſiſchen Gebirgs⸗ gegenden heimiſch. Daß dieſe beiden Roggenarten, wenn auch nicht zum ausſchließlichen Anbau, doch neben dem gemeinen Roggen, für viele Localitäten die größte Beachtung verdienen, iſt ans ihren eben angeführten Eigenſchaften leicht abzunehmen. Ueber den Sommerroggen ſ. weiter§. 467. 2. Standort. §. 455. Mittelboden und guter Sand ſind die dem Roggen zuſagendſten Bodenarten; er nimmt aber auch noch mit dem geringen Sande vorlieb, wenn er nur einigerma⸗ ßen in Kraft geſetzt iſt, und kömmt wiederum auch auf dem geringeren Weizenboden, auf dem naß gelegenen und ſehr ſtark gebundenen jedoch nur mit geringerem Erfolge und mehr gefaͤhrdet, als der Weizen, fort. Dagegen kömmt er in hohen, rauhen Lagen mit gebundenem Boden noch fort, wo der Weizen bereits verſagt, ſo wie über⸗ haupt der Roggen ein rauhes Klima beſſer als der Weizen ertraͤgt, ſobald nur die Lage nicht auch zugleich naß iſt. Je naͤſſer die Lage, um ſo eher ſtellt ſich die Trespe unter dem Roggen ein, die ihn zuweilen faſt ganz verdrängt. Etwas Säure im Boden achtet er auch weniger, und ſogar in trocken gelegtem Moorboden kann er, wenn auch nicht eben ſehr ſicher, gebaut werden. Fehlt es dem ſonſt zu Weizen geeigneten Boden an Kraft, ſo muß der Roggen auch wieder an ſeine Stelle treten. Es gibt alſo nur we⸗ nig Lagen und Bodenarten, von denen man ſagen koͤnnte, daß der Roggen daſelbſt nicht fortkomme, wenn ſchon der Pabſt Landwirthſch. l. 2. 12 — — 178— loſere Boden ſein Element bleibt. Auch die Qualitaͤt des Korns iſt auf loſem Boden beſſer, als auf gebundenem. Auf dem Schwarzwalde und im Rieſengebirge findet man ihn in der Höhe von 3000 Fuß über dem Meere, in Kärnthen und der Schweiz 4000 Fuß über der Meeresfläche noch fortkommend; in Schottland und Norwegen iſt die höchſte Elevation für ihn nur 400 bis 500 Fuß. §. 456. In der Fruchtfolge wird dem Roggen nicht nur mit Erfolg derſelbe Standpunkt angewieſen, den man für den Weizen für angemeſſen haͤlt, ausgenommen jedoch bei gebundenem Boden nach Klee, wo der Roggen bei einfähriger Beſtellung weniger gut geraͤth. Er gedeiht auch nach wohl gerathenen rankenden Huͤlſenfruͤchten lieber, als Weizen, wenn ſchon auch ſie nicht zu den beſten, und in Lagen, wo ſie oͤfters mißrathen, ſogar zu den ſchlechten Vorfrüchten fuͤr den Roggen zu zählen ſind. Auf gutem Boden läßt man ihn mit Erfolg nach Wintergerſte, Weizen, auch nach Sommergerſte einrücken, und auf loſem Boden wird er insbeſondere haͤufig als Stoppelroggen gebaut, und zwar meiſtens nach ſich ſelbſt, zuweilen ſogar einigemal, in der Vorausſetzung fleißiger Cultur und erneuerter Düngung. Buchweizen und Spoͤrgel ſind ihm im Sandboden auch gute Vorlaͤufer; ſchlechte aber ſind fuͤr ihn Kartoffeln, Rüben und Lein, wenn der Boden nicht beſonders kräftig, oder wenn nicht durch Pferchdünger beigeholfen werden kann. In rauhen, ungünſtigen Lagen und nach Dreiſche empfiehlt ſich die reine Brache an der Stelle einer Vorfrucht, und auf gebranntem Graslande gedeiht der Roggen ganz vor⸗ züglich. Auch auf Moorboden ſoll man das Brennen vor⸗ ausgehen laſſen, um Roggen mit moͤglicher Sicherheit zu bauen. 3. Beſtellung. §. 457. Der Roggen verlangt ein reines, muͤrbes, zu mäßiger Tiefe gelockertes Land. Wenn auf gebundenem 179— Boden nicht leicht zu viel geſchehen kann, das Feld dafür in geeigneten Zuſtand zu ſetzen, ſo hat man dagegen bei loſem Boden, inſoferne ſeine Reinigung von Gras und Wurzelunkraut es nicht erheiſcht, zu weit gehende Lockerung zu vermeiden. Insbeſondere liebt die Roggenſaat ein Land, das ſich nach der Saatfurche wieder etwas geſetzt hat; deß⸗ halb trachtet man danach, 2 bis 3 Wochen vor der Saat die letzte Furche zu geben. §. 458. Der Roggen verträgt und lohnt ein eben ſo kräftiges Land als der Weizen, und in mehreren Gegenden, wo man nach der friſchen Duͤngung oder nach ſtark gedüng⸗ tem Raps Lager vom Weizen befuͤrchtet, läßt man dieſem den Roggen vorangehen, weil letzterem das Lagern, wenn es auch eben ſo leicht eintritt, doch weniger ſchadet. Häu⸗ figer jedoch wird ihm ein weniger kraͤftiges Land als dem Weizen zu Theil, weil ſein Bau darauf eher noch ſich lohnt. Den Dünger verträgt der Roggen in allen Geſtal⸗ ten, kurz oder länger vor, oder auch nach der Saat ange⸗ wendet. §. 459. Unter gleichen Umſtänden verlangt der Rog⸗ gen eine etwas frühere Saatzeit, als der Weizen(§. 403), doch darf man ihn um ſo ſpaͤter ſaͤen, je wärmer und leich⸗ ter der Boden iſt. Wenn man daher in rauhen Gebirgs⸗ gegenden ſchon Ende Auguſt ſäet, ſo kann man in milden Lagen mit trocknem Boden noch Ende November, oder ſelbſt im December beſtellen ſehen. Staudenroggen ſoll, auch in guten Lagen, nicht ſpäter als Anfang September, beſſer Ende Auguſt, ausgeſtellt werden. Der Roggen ver⸗ langt auch eine trocknere Beſtellung als der Weizen. Eine ſtarke Bedeckung iſt ihm nicht zutraͤglich, deßhalb wird er in der Regel mit der Egge untergebracht, und wenn man den Extirpator bei trocknem Wetter waͤhlt, ſo darf derſelbe nur flach geſtellt ſeyn. 12* —j4—— —— — 180— §. 460. An manchen Orten ſäet man den gewöhn⸗ lichen Roggen etwas ſchwächer, an andern etwas ſtärker, als den Weizen. Auf gutem Lande darf die Ausſaat von erſterem eher um ein Geringes ſchwächer, als von letzterem ſeyn, da der Roggen kleinere Körner hat und ſich doch nicht viel weniger beſtaudet, als der Weizen. Eine ſchwache Saat iſt 1,1 Sr., eine mittlere 1,6 Sr., eine ſtarke 2,2 Sr. p. heſſ. Morg.(0,66 bis 1,3 pr. Scheff. p. pr. M. — 2 bis 4 Sri. p. w. M.)— Der Staudenroggen darf hoͤchſtens das hier angegebene mittlere Saatquantum errei⸗ chen; in der Regel ſoll man ⅛ weniger, als vom gewoͤhn⸗ lichen ſäen. Man ſaͤet ſtets neuen, möͤglichſt vollkommenen Saamen. Einbeizen iſt nicht Regel, wird ſich jedoch auch immer nuͤtzlich erweiſen. §. 461. Von der Drillcultur hat man beim Roggen auf leichtem Boden nicht gleich große Vortheile erhalten, wie beim Weizen auf ſchwererem Boden. Die Urſache liegt nahe. Indeſſen bleiben die allgemeinen Vortheile der Drill⸗ cultur, wo ſonſt ſie am Platze iſt, ſicher auch auf den Roggen anwendbar. Bei kleinem Beſitzthume in ſtark be⸗ völkerter Gegend duͤrfte das Dippeln insbeſondere fuͤr den Roggen zu empfehlen ſeyn(ſ. 1. Abtheil. dieſes Bandes, §. 509). Die Becker'ſche Drillmethode(ſ.§. 410) iſt beim Roggenbau auf leichtem Boden noch vorzugsweiſe zu beachten. 4. Pflege. §. 462. Auf dem mehr geſchloſſenen Boden wird das Durch⸗ eggen im Frühjahre auch heim Roggen oft Nutzen bringen. Auf leichtem Boden kann ſolches nicht rathſam ſeyn, wohl aber das Walzen, wenn jener ſich nach Winter aufgebläht oberflaͤchlich ſehr locker zeigt. Jäten iſt wegen des frühen und ſchnellen Aufſchießens im Frühjahre beim Roggen ſel⸗ tener nöthig und ausfuͤhrbar, als beim Weizen. Das — 181— Schröpfen iſt aus gleichem Grunde nicht anwendbar. um ſo haͤufiger kͤmmt das Behüthen der Roggenſaaten mit Schafen bei Blachfroſt im Winter vor, und ſobald dieſel— ben ſtark und kräftig in den Winter kamen, wird dieß, mit Maaß und Ziel ausgeuͤbt, dem Gedeihen des Roggens eher foͤrderlich als nachtheilig ſeyn. Bei einem zu uͤppigen Verhalten der Saat im erſten Frühjahre wird das Behüthen als Vorbeugungsmittel gegen Lagerfrucht auch alsdann noch in Ausübung gebracht. §. 463. Der Roggen leidet bei naſſen Herbſten leicht von den Schnecken, auch ſtellt ſich in gewiſſen Lagen im Frühjahr der Roſt oder der Mehlthau zuweilen ein. In manchen Gegenden, beſonders in tiefen oder ebenen freien Lagen, wird der Roggen in der Blüthe nicht ſelten von Spatreifen befallen, wodurch der Körneranſatz ſehr ge⸗ ſchmaͤlert, ja zuweilen eine Mißerndte veranlaßt wird. Ueberhaupt iſt der Roggen in der Blüthezeit gegen unguͤn⸗ ſtige Witterung ſehr empfindlich. §. 464. Eine eigenthümliche Krankheit des Roggens iſt das ſogenannte Mutterkorn. Es iſt dieß eine monſtroͤſe, violett und hornartig ausſehende Mißbildung einzelner Kör⸗ ner, welche ſich beſonders in manchen Lagen oder Jahr⸗ gaͤngen ſtärker, in der Regel jedoch nur ſehr einzeln zeigen. Das Mehl wird blaulich davon und das Brod ungeſund; ja die Wirkung iſt bei einiger Menge giftig. Man kennt bis jetzt noch keine Verhütungsmittel. Nach neueren, namentlich Staudinger's Beobachtungen ent⸗ ſteht das Mutterkorn durch bis jetzt nicht beſtimmt ergründete Stö⸗ rungen in der Entwickelung des jungen Fruchtkorns. 5. Erndte und Eriro §. 465. Die Erndtezeit des Roggens tritt in der Regel um 10 bis 14 Tage früher, als die vom Weizen ein; in guten Lagen meiſtens zwiſchen Mitte Juli und An⸗ ——— — 182— fang Auguſt.(Er fällt nicht leicht aus; doch wird beim Erwarten der Hochreife auch nur verloren, namentlich ver⸗ mindert ſich dadurch der Futterwerth des Strohes. Die Naͤſſe ſchadet dem Roggen auch nicht ſo leicht, als dem Weizen, und das Setzen auf Hocken empfiehlt ſich dafuͤr beſonders. §. 466. Ganz geringer Roggenboden trägt nur 1 ½, hoͤchſtens 2 Malter p. heſſ. Morg., gewöhnlich guter Rog⸗ genboden im Durchſchnitt 3 Mltr., Gerſten⸗ und guter Weizenboden liefern 4 bis 7 Mltr.(3 ½ bis 17 Scheff. p. pr. M.— 1 ½ bis 6% Scheff. p. w. M.). Dabei ſind die außerordentlich hohen, ſeltenen Ertraͤge, welche noch um ½ höher vorkommen können, nicht einbegriffen.— Der Strohertrag iſt, unter gleichen Verhaͤltniſſen, der ſtaͤrkſte von allen unſeren Halmfruͤchten. Er beträgt im Durch⸗ ſchnitt vom geringen Roggenboden bis zum guten Gerſten⸗ boden von 7 bis zu 30 Ctnr. p. heſſ. oder pr. Morg.(9 bis 38 Ctur. p. w. M.). Nach Thär iſt das Verhältniß der Körner zum Stroh— 40 zu 100. Das heſſ. Malter guter Roggen wiegt 180 bis 188 Pfund. In naſſen Lagen und nach ungüuſtigen Wintern befindet ſich ge⸗ meiniglich viele Trespe unter dem Roggen, in Gebirgsgegenden mitunter bis zur Hälfte, welche noch nicht den halben Werth des Roggens hat. Iſt auch das Roggenſtroh von kaum mittelmäßigem Futterwerthe, ſo iſt es von um ſo größerem Werthe als Streuma⸗ terial, und ein möglichſt ſtark betriebener Roggenban iſt jeder Wirthſchaft, die an Kraft zunehmen ſoll, vor jedem anderen Ge⸗ treide ſtets zu empfehlen. Ueber den Anbau des Roggeus zum Füttern ſ.§. 266. 6. Sommerroggen. §. 467. Der Sommerroggen verdient nur da den Vorzug vor dem Winterroggen, wo Klima und Lage den letzteren zu ſehr gefaͤhrden oder deſſen Anbau ſelbſt unzu⸗ — 183— läſſig machen, wie in manchen rauhen Gebirgen. Dann wird er auch mit Recht gewählt, wenn unguͤnſtige Herbſte die Winterroggenbeſtellung auf manchen Feldern zu ſehr verſpäteten, oder auch auf dem geringeren Sande nach ſpaͤt geerndteten Kartoffeln oder Ruͤben. Auch auf Moor⸗ boden, wo der Winterroggen leicht fehlſchlaͤgt, kann er am Platze ſeyn. Im Erzgebirge, in den ſchleſiſchen Gebirgen, auf dem Schwarz⸗ walde kömmt er z. B. ſehr häufig vor. Auf Boden, der im Früh⸗ jahr gewöhnlich bald austrocknet, empftehlt ſich ſein Anban übrigens nicht. §. 468. Der Sommerroggen wird ſo zeitig als moͤg⸗ lich geſät, entweder im Maͤrz oder doch bis Mitte April. Es iſt deßhalb raͤthlich, für die Vorbereitung des Landes im Spatherbſte zu thun, was möglich iſt. Uebrigens gel⸗ ten die Regeln fuͤr die Beſtellung des Winterroggens, und das Saatquantum ſoll eher etwas ſtaͤrker, als ſchwächer gegen das vom Winterroggen ſeyn. §. 469. Die Erndte fällt um mehrere Wochen ſpäter, als vom Winterroggen. Der Körnerertrag iſt ungleicher, als von jenem; beſonders iſt das Gedeihen des Sommer⸗ roggens nach zu naſſen oder zu trocknen Frühjahren leicht gefährdet. Der Ertrag im Korn muß da, wo Winterrog⸗ gen noch ſicher gedeiht, vom Sommerroggen im Durchſchnitt um ⁄1 geringer als von jenem gerechnet werden. Der Minderertrag im Stroh iſt nicht ganz ſo bedeutend. Die Körner haben gleichen Werth mit Winterkorn. III. Die Gerſte. §. 470. Die Gerſte, Hordeum, gehoͤrt zu den ſeit den älteſten Zeiten im Anbau ſtehenden Getreidearten. Sie iſt wegen ihrer kurzen Vegetationsperiode, ihrer Einträg⸗ lichkeit und des vielſeitigen Gebrauchs ihrer Koͤrner uͤber ———————;—::P— alle Welttheile verbreitet, und wird in den meiſten, na⸗ mentlich in den mittel- und nordeuropaͤiſchen Ländern ſehr ſtark angebaut. Am ſtärkſten werden die Gerſtenkörner zur Bierbrauerei verwendet, aber auch zu Malz für die Ge⸗ treide⸗ und Kartoffelbrandweinbrennerei, ſowie zur Eſſig⸗ fabrikation, zur menſchlichen Nahrung(als Graupe, Koch⸗ und Backmehl), und zur Viehfütterung? findet die Gerſte ſtarke und allgemeine Anwendung; und auch das Stroh, freilich im Ertrage am geringſten unter unſeren vier Haupt⸗ koͤrnerfrüchten, hat einen anſehnlichen Futterwerth. §. 471. Es gibt zunächſt drei Hauptarten von der Gerſte, nämlich die zweizeilige, die vierzeilige, eigentlich un⸗ regelmaͤßig ſechszeilige und die ſechszeilige. Von jeder dieſer Hauptarten gibt es wieder verſchiedene Abarten, und zwar gibt es mehrere nackte Gerſtenarten, dann gibt es groß⸗ und kleinaͤhrige, ſchwarze und blaue u. ſ. w. Fuͤr gewöhn⸗ lich wird die Gerſte als Sommerfrucht angebaut; ſie kömmt aber auch aͤls Winterfrucht vor. §. 472. In landwirthſchaftlicher Beziehung halten wir uns am beſten an folgende Abtheilungen: A. Große zwei⸗ zeilige Gerſte. B. Kleine gemeine Gerſte. C. Wintergerſte. D. Sonſtige nur wenig angebaute Gerſtenarten. A. Große zweizeilige Gerſte. §. 473. Die zweizeilige Sommergerſte, auch große Gerſte genannt, Hordeum distigon, iſt die bis jetzt am meiſten und ſtaͤrkſten angebaute Gerſtenart, indem ſie ſich durchſchnittlich am einträglichſten und ſicherſten bewaͤhrt hat, wenn auch in beſonderen Faͤllen eine der andern Arten den Vorzug verdient. Namentlich liefert ſie auf eigentlichem Gerſtenboden vollere und auch mehr Körner, ſowie auch mehr Stroh, als die kleine Gerſte. Ihre Vegetationspe⸗ riode iſt gewoͤhnlich 4, oft aber auch nur 3½ Monate. — 185— Von Schubart, Metzger u. A. wird eine kurzährige, zwei⸗ zeilige Gerſte unter dem Namen Spiegelgerſte aufgeführt, die unter andern im Mansfeldiſchen ſtark gebaut werde, und ſich durch ſtarkes Beſtocken und reichlichen Ertrag bei dünner Saat auszeichne, wenn ſie in feuchtem Niederungsboden gebant werde. Von England her wird neuerer Zeit eine andere Varietät unter dem Namen Cavaliergerſte beſonders gerühmt. 1. Standort. §. 474. Die Gerſte kann in Bezug auf das Klima nicht nur überall gebaut werden, wo der Roggen fort⸗ koͤmmt, ſondern auch noch in hohen und ſehr noͤrdlichen Lagen, welche kein Wintergetreide mehr produeiren, und ſelbſt in Lagen, wo der Hafer nicht mehr reif wird. Sie erträgt aber auch noch ein ſehr warmes Klima, wenn es demſelben nur nicht zu ſehr an Fenchtigkeit gebricht. Sie ſpricht dagegen einen in Kraft ſtehenden warmen Boden an, derſelbe mag nun mehr oder weniger gebunden oder loſe ſeyn. Der gute Mittelboden, welcher ihr am meiſten zuſagt, heißt deßhalb auch Gerſtenboden; indeſſen kömmt ſie auch gut auf dem beſſeren Weizen⸗ und beſten Roggen⸗ boden. Zäher, kalter, naſſer oder dürrer magerer Boden lohnt den Gerſtenbau nicht. Sie liebt auch merge⸗ lichen, haßt aber ſauren Boden. §. 475. In der Fruchtfolge muß ſie nicht abgetrage⸗ nes, noch verunkrautetes Land angewieſen erhalten. Vor⸗ züglich gedeiht ſie nach gedüngten Hackfrüchten; auf kräfti⸗ gem Boden zieht man aber auch nach gut cultivitirtem Wintergetreide ſchoͤne Gerſte. Klee haͤlt man fuͤr keinen guten Vorgaͤnger, doch darf auf einem milden Boden nach einjaͤhrigem, gut geſtandenem Klee, der im Herbſt geſtürzt, oder noch beſſer gedoppelpflügt wurde, kein Mißrathen be⸗ fürchtet werden. Schlechte Vorgaͤnger ſind noch die Stop⸗ pelrüben, und auch nach ſich ſelbſt liebt die Gerſte nicht zu kommen. — 186— In unkrautwuchſigem Lande leidet die nach Wintergetreide fol⸗ gende Gerſte häufig ſehr von Saamenunkräutern(§. 482). 2. Beſtellung. §. 476. Die Gerſte verlangt ein klar und rein vorbe⸗ reitetes Feld. Die ſpecielle Zubereitung des Ackers richtet ſich zunächſt nach den Vorfrüchten. Nach Getreide iſt faſt immer ein dreimaliges Pflügen, wovon wenigſtens eines vor Winter, erforderlich; nach Hackfruͤchten reicht in der Regel ein zweimaliges Pfluͤgen, vor und nach Winter. Baͤlken vor Winter iſt zur Gerſte beſonders zu empfehlen. Auf leichtem, etwas trockenem Boden kann es angemeſſen ſeyn, ſchon im Herbſt zur Saat aufzupflügen. Im Frühjahr bedient man ſich zur weiteren Zubereitung des Gerſtenackers mit beſonderem Vor⸗ theile des Extirpators. §. 477. Die von der Gerſte ſo ſehr angeſprochene alte Kraft im Boden kann, wo dieſe abgeht, durch reichliche Düngung nicht genuͤgend erſetzt werden, denn theils vermag ſich ſolche die Gerſte bei nachfolgender Trockniß nicht ge⸗ hörig anzueignen, theils wird ſie gerne zweiwüchſig danach, oder es gibt Lagerfrucht und wenig Körner. Sehr zu Statten kommen ihr dagegen auf mittelkraͤftigem Lande im Herbſte vorausgegangene Gruͤndüngung; dann vor und auch nach der Saat Pferch und Pfuhl; letzterer iſt ſelbſt dann noch anwendbar, wenn die Gerſte ſchon dem Schoſſen nahe ſteht. Es iſt aus dem angeführten Grunde Regel, zur Gerſte keine Hauptdüngung zu geben, ſondern ſie in zweiter, höchſtens dritter Tracht zu bauen. Indeſſen gibt es in der Landwirthſchaft wenig Regeln ohne Ausnahme, und ſo findet man auch an manchen Orten, z. B. im Odenwald in kühlem, feuchtem Klima, die Düngung zur Gerſte gegeben, und danach Spelz oder Roggen ungedüngt. §. 478. Die Saatzeit iſt aͤußerſt verſchieden. Wo der Boden bald austrocknet oder erhärtet, und die Früh⸗ lingswärme zeitig ſich einſtellt, ſät man fruͤh, damit die — 187— Gerſte erſtanden iſt, bevor ein Austrocknen oder Erhaͤrten des Bodens eintritt. In ſolchen Fällen findet man die Gerſtenſaat ſchon im März oder zu Anfang April ausge⸗ richtet. In kälterer Lage oder auf feuchtem, ſpäter ſich erwaͤrmendem Boden, oder wo die Saamenunkräuter erſt zum Keimen gebracht und wieder zerſtoͤrt werden ſollen, ſät man ſpaͤt, oft erſt Anfang oder Mitte Mai. In der Pfalz und in der Rheinniederung auf dem mergelichen, gerade kurz nach Winter am lockerſten daliegenden Thonboden ſäet man die Gerſte vor dem Hafer, am liebſteu zu Aufang März; ein paar Stunden davon, auf etwas kaltgründigem Sande, wird 10 Wochen ſpäter geſät. §. 479. Die Gerſte ſoll wo möglich eine mäßig feuchte Beſtellung erhalten; in allem leicht austrocknendem Boden iſt ein flaches Unterpfluͤgen, oder beſſer noch Unterbringen mit einem vielſchaarigen Saatpflug dem außerdem gebraͤuch⸗ lichen Unterbringen mit der Egge vorzuziehen. Nach einer trockenen Beſtellung wird haͤufig auch zugewalzt, was jedoch bei Boden, welcher leicht eine feſte Borke erhält, lieber nach aufgegangener Saat geſchieht(§. 482). §. 480. Die Quantität der Ausſaat verhält ſich zwi⸗ ſchen 1,6 und 2,4 Sr.(= 0,9 bis 1,35 pr. Scheff. p. pr. Morgen— 3 bis 4 ½ Sri. p. würt. M.). Zu ſtarke Aus⸗ ſaat auf gutem Boden veranlaßt Lagergerſte, zu ſchwache Saat veranlaßt dagegen leicht ſtaͤrkeres Aufkommeu des Un— krauts und geringen Ertrag, beſonders im Stroh. §. 481. Die Drillcultur hat ſich bei der Gerſte, wenn irgend die Localität dafuͤr überhaupt geeignet und ein zweck⸗ mäßiges Verfahren eingehalten war, ungemein günſtig er⸗ wieſen. Da ſehr häufig Klee eingeſät wird, und dadurch die Bearbei⸗ tung der Drillſaat nicht geſtattet iſt, ſo ſetzt jener Umſtand der Ausbreitung der Drillcultur für die Gerſte noch einen beſonderen Einhalt entgegen.— — 188— . 3. Pflege. §. 482. Abgeſehen von der Cultur der Dritlſaat, ſo tritt bei der Gerſte, wozu nicht ſchon bei der Saat gewalzt wurde, das Walzen ein, wenn die Saat etwa fingerslang iſt, vorausgeſetzt, daß zu dieſer Zeit mehr trockne Witte⸗ rung vorherrſcht. Das Eggen der handlangen Gerſte, welche viel junges, nachwachſendes Unkraut zeigte, hat ſich auch ſchon bewaͤhrt, bedarf jedoch ſehr großer Achtſamkeit, und darf nur mit feinen leichten Eggen und nach einem Strich geſchehen. Jäten iſt nicht zu unterlaſſen, ſobald Hederich, Ackerſenf, Diſteln ꝛc. ſich ſtark einſtellen, was in zu trocke⸗ nen oder zu naſſen Jahrgängen nur zu haͤufig der Fall iſt. Zu fette Gerſte ſoll auch mit Vorſicht geſchröpft werden. §. 483. Außer dem Staubbrande iſt die Gerſte keinen Krankheiten von Bedeutung unterworfen. Dagegen iſt ſie gegen ungünſtige Witterung ſehr empfindlich, namentlich ſtockt ihr Wachsthum und es tritt leicht Vergelben ein bei naßkaltem, wie bei zu trockenem Wetter. In ſehr trocke⸗ nen Sommern bleiben die Aehren in den Blattſcheiden ſitzen. Ob der Staubbrand durch vorzügliche Wahl des Saamens und Einbeizen deſſelben wenigſtens theilweiſe verhütet werden könne, iſt wahrſcheinlich, jedoch noch nicht dargethan. 4. Erndte und Ertrag. §. 484. Die Erndte tritt, je nach Saatzeit und Jah⸗ reswitterung, mit der Kornerndte, zuweilen noch fruͤher, oder auch um 2 bis 4 Wochen oder ſelbſt noch etwas ſpäter ein. Es iſt beſonders wichtig, den rechten Zeitpunkt zu treffen, und ſchon bei einer Verſpaͤtung um einige Tage kann ein Körnexverluſt und bei Hochreife und heißer Wit⸗ terung ein gänzliches Zuſammenbrechen ſich ereignen. Die Gerſte muß recht trocken ſeyn, bevor man ſie einbringen darf, indem nur einigermaßen feucht eingekommene Gerſte — 189— ſich ſtark erhitzt und Körner wie Stroh Noth leiden. Deß⸗ halb laͤßt man ſie gerne mehrere Tage in Schwaden liegen, bevor man ſie aufbindet, wobei auch ein paar Regen von kurzer Dauer nichts ſchaden,— und laͤßt die aufgebundenen Garben auch gerne noch 6 bis 8 Tage in Haufen(Man⸗ deln) auf dem Felde ſitzen. Kleegerſte muß länger auf der Breite liegen, auch gewendet werden. §. 485. Der geringe Gerſtenboden ſoll noch 3 Malter im Durchſchnitt p. M. ertragen; mittelguter Gerſtenboden 4 bis 5 Malter, ſehr guter und beſter 6 bis 8 Malter(7 bis 19 Scheff. p. pr. M.— 2 ⅜ bis 7 ½ Scheff. p. w. M.). Außerordentliche Erträge gehen noch hoͤher. Der Stroh⸗ ertrag iſt unter ungünſtigen Verhaͤltniſſen kaum 7 Centner P. heſſ. oder pr. Morg.— auf Mittelgerſtenboden iſt er zu 12 Ctnr., unter ſehr günſtigem Zuſammentreffen aller Um⸗ ſtände bis zu 20 Ctnr. p. heſſ. oder pr. Morgen anzuneh⸗ men(8 ½ bis 25 Ctnr. p. würt. Morg.). Der Marktpreis der Gerſte ſteht nicht ſelten dem des Roggens nahe, im Durchſchnitt jedoch ½¼ geringer. Das heſſ. Malter gute Gerſte wiegt 160 bis 164 Pfund.— Thär nimmt das Verhältniß der Körner zum Stroh= 62:: 100 an. Ich fand es aber oft auch= 70: 100. Trotz aller Vorzüge, welche der Anbau der Gerſte darbietet, moge der angehende Wirth doch nicht vergeſſen, daß ſie mehr Kraft, als Hafer und manches andere Sommergetreide anſpricht und auch aufzehrt, während fie verhältnißmäßig weniger Stroh liefert, ihr Gedeihen auch in manchen Lagen unſicher iſt. B. Kleine Gerſte. §. 486. Unter kleiner Gerſte verſtehen wir die ge⸗ meine vierzeilige(unregelmäßig ſechszeilige) Sommergerſte, Hordéum vulgare. Sie hat die Eigenſchaft, daß ſie auf geringerem, leichterem Boden und bei ſpaͤterer Ausſaat noch — 190— beſſer fortkoͤmmt, als die große Gerſte. Ihre Vegetations⸗ periode iſt im Durchſchnitt faſt um einen Monat kürzer, als die der letztgenannten, und demnach auf 3 Monate im Mittel anzunehmen. Dagegen iſt ſie auf eigentlichem Ger⸗ ſtenboden im Korn⸗ und Strohertrag geringer, als jene, und die Koͤrner ſind leichter; auch iſt ſie auf gutem Boden geneigter, ſich zu lagern. Ihr Anbau beſchränkt ſich deß⸗ halb auf den für große Gerſte zu leichten Boden und die 4 ſehr nördlichen oder ſehr hohen Lagen mit ſehr kurzen G Sommern. Man kann z. B. dieſe Gerſte in Lappland unter dem 67. Grad nördlicher Breite uoch bauen.— Abarten ſind: die blane und ſchwarze vierzeilige Gerſte, welche bis jetzt nirgends im Großen verbreitet ſind. 4 §. 487. Die Saatzeit der kleinen Gerſte iſt von Mitte April bis Mitte Juni. Sie ertraͤgt die Frühjahrsfroͤſte 1 nicht ſo leicht, als die große, und darf ſchon aus dieſem Grunde nicht ſo früh geſaͤt werden. Man beobachtet auch eine etwa 10 bis 15 Procent ſtaͤrkere Ausſaat, indem ſie ſich weniger beſtockt. Alles, was weiter in Bezug auf Standort, Beſtellung, Pflege und Erndte von der zweizei⸗ ligen Gerſte geſagt worden iſt, gilt auch von der vierzei⸗ ligen. Namentlich ſpricht dieſe, wenn ſie auch auf loſerem und trocknerem Boden eher gedeiht, doch auch einen hin⸗ länglich kraͤftigen Boden an. §. 488. Da die kleine Gerſte nur auf dem geringeren Boden(mehr auf Roggen-, als Gerſtenboden), oder in klimatiſch ungünſtigen Lagen gebaut wird, ſo iſt ihr Kor⸗ nerertrag nur zu 2 ½ bis höchſtens 4 Mltr.(6 bis 9 ½ pr. Scheff. p. pr. Morgen— 2 ½ bis 2 w. S. p. w. M.) anzunehmen; der Strohertrag aber verhaͤlt ſich dort zwiſchen 6 bis 9 Ctnr. p. heſſ. oder pr. Morgen. Das Gewicht der kleinen Gerſte iſt ohngefähr 20 Procent ge⸗ ringer, als das der großen. — 191— C. Wintergerſte. §. 489. Die als Winterfrucht an vielen Orten ange⸗ baute Gerſte iſt eine Abart der eben abgehandelten vierzei⸗ ligen gemeinen Gerſte, Hordeum vulgare. Es mag aber ſeyn, daß die ſechszeilige, Hordeum hexastigon(ſ.§. 498), oder die zweizeilige, Hordeum distigon, auch hier und da als Winterfrucht vorkoͤmmt, namentlich duͤrfte dieß bei erſterer in ſüdlichen Gegenden der Fall ſeyn. Es iſt die auf einem Irrthume beruhende Angabe Thär's, daß die gewöhnliche Wintergerſte das Hordeum hexastigon ſei, in viele landwirthſchaftliche Schriften bis auf die neueſte Zeit übergegangen. §. 490. Die Wintergerſte gedeiht in Deutſchland mit Sicherheit und Erfolg nur in unſeren milderen Climaten, und auch da nur auf dem ſehr kräftigen Mittelboden und dem ſich unmittelbar daran ſchließenden beſten lehmigen Sande. Ja man uͤberläßt ihr dort, wo ſie haͤufig gebaut wird, ſogar vorzugsweiſe einen Standort, welchen man fuͤr Weizen oder Roggen zu fett erachtet, und laͤßt dieſe Getreidearten erſt nachher folgen. Man findet ſie beſonders häufig auch in den milderen Lagen der Küſtenländer, z. B. in Belgien, Holſtein. In den Rhein⸗, Neckar⸗ und unteren Maingegenden, in Thüringens Ebenen ꝛc. wird ſie auch ziemlich ſtark gebaut, doch bei weitem nicht in der Ausdehnung, wie Sommergerſte. §. 491. Man baut ſie haͤufig nach reiner Brache, Raps, Klee, Bohnen, zuweilen auch nach Weizen. Man hat nicht Urſache, friſche Düngung dazu zu ſcheuen. Uebri⸗ gens ſoll die Zubereitung des Ackers zwiſchen der zu Weizen und Roggen ohngefähr in der Mitte ſtehen. §. 492. Die Wintergerſte muß fruͤhzeitig beſtellt wer⸗ den, denn eine ſtarke Beſtockung vor Winter iſt zu einem guten Gedeihen erforderlich; man ſaͤt ſie deßhalb gewöhnlich in der erſten Hälfte des Septembers. Das Saatquantum iſt etwas geringer, als bei der großen Sommergerſte und — 1902— ſoll 1,6 Sr. p. heſſ. Morgen ſelten überſteigen. In den Niederlanden hält man ein Behacken mit der Hand im Herbſt wohl angelegt, und es iſt nicht zu bezweifeln, daß die Drill⸗ cultur auch fuͤr die Wintergerſte ganz beſonders nuͤtzlich ſey. §. 493. Sie iſt dem Auswintern mehr und leichter, als anderes Wintergetreide unterworfen, hat aber ſonſt, abgerechnet noch die Sperlinge, wenig gefaͤhrliche Feinde. Sie wird um mehrere Wochen früher, als der Roggen, gewoͤhnlich Ende Juni oder Anfang Juli reif. In dieſer frühen Reife liegt, außer der dadurch möglichen alsbaldigen Nutzung von Korn und Stroh, der weitere Vortheil, daß eine Menge Stoppelfrüchte nach der Wintergerſte gebaut werden koͤnnen, oder das Land zur abermaligen Beſtellung einer Winterfrucht wieder gehörig zugerichtet werden kann. §. 494. Der Ertrag iſt auf gutem Boden ſtaͤrker, als von der Sommergerſte, und darf auf dem überhaupt für Win⸗ tergerſte geeigneten Boden(§. 490) wenigſtens zu 5 und bis zu 10 Malter p. heſſ. Morgen angenommen werden(12 bis 24 Scheff. p. pr. M.— 4 ⁄¾ bis 9 ½ Scheff. p. w. M.). Der Strohertrag iſt wie von der großen Sommergerſte auf gleichem Boden, alſo 12 bis 20 Ctnr. p. heſſ. oder preuß. Morgen. Die Koͤrner ſind kleiner und um 10 pEt. leichter, als von der großen Gerſte.— Aus dem Geſagten läßt ſich abnehmen, daß die Wintergerſte nur in beſonderen Fällen als ein Hauptculturgegenſtand zu wählen ſeyn wird, daß ſie aber in kleinerem Maaßſtabe überall, wo ſie fort⸗ kömmt, auch gebaut zu werden verdient. D. Sonſtige nur wenig angebaute Ger⸗ ſtenarten. §. 495. Als ſolche bleiben noch anzufuͤhren: die nackten Gerſtenarten, die ſechszeilige und die Pfauen⸗ gerſte. — 193— 1. Nackte Gerſte. §. 496. Nackte Gerſte heißen die Abarten, deren Kör⸗ ner mit keiner dicken Schale mit daran ſitzenden Grannen verſehen ſind, wogegen das ſehr duͤnnſchalige Korn von einer ſich abloͤſenden Spelze umgeben iſt. Es gibt zwei- und vierzeilige nackte Gerſte; jene wurde bis jetzt nicht im Groͤ⸗ ßeren gebaut, wohl aber hat man die andere ſchon oft an⸗ zubauen verſucht und zum Anbau empfohlen. Es iſt dieß die unter dem Namen Himmelsgerſte, Hordeum vulgare coeleste(richtiger iſt jedoch: H. v. nudum) bekannte Abart, an andern Orten auch egiptiſches Korn genannt. Auch die neuerer Zeit unter der Benennung Hymalayagerſte ange⸗ rühmte kleine nackte Gerſte iſt ein Hordeum vulgare nudum. Ihre Vegetationsperiode iſt ſo kurz, als bei der gewöhn⸗ lichen kleinen Gerſte. §. 497. Die Himmelsgerſte verlangt ausgezeichnet guten und kräftigen Boden. Erhaͤlt ſie dieſen und wird ſonſt wie zur Beſtellung von Sommergerſte zweckmaͤßig ver⸗ fahren, auch frühe und wegen der Eigenſchaft, ſich ſtark zu beſtauden, etwas dünner geſaͤet,— ſo iſt der Stroh⸗ ertrag reichlicher, als von jeder andern Gerſte, und auch der Kornertrag ſteht im Maaße dem von großer Gerſte we— nigſtens gleich, waͤhrend er bedeutend ſchwerer iſt, indem dieſe Gerſte ſoviel als Roggen wiegt. Zu Brod iſt das Mehl davon, mit dem von Roggen oder Weizen gemiſcht, recht gut; das Malzen iſt ſchwieriger, als das der gewöhn⸗ lichen Gerſte; Brauer, welche das rechte Verfahren zu tref⸗ fen wußten, rühmen jedoch den Erfolg der Verwendung von Himmelsgerſte; zu Graupen ſoll ſie ſchlecht ſeyn. Das Erforderniß des vorzüglichen Bodens und die Scheu der Brauer dieſe Gerſte zu kaufen, ſind wohl die Haupturſachen, daß dieſelbe immer nur von Einzelnen gebaut wird⸗ Pabſt Landwirthſch. I. 2. 13 4 1 4 — 194— 2. Sechszeilige Gerſte. §. 498. Die regelmäßig ſechszeilige Gerſte, Hordeum hexastigon, macht in Bezug auf den Boden dieſelben An⸗ forderungen, wie die Himmelsgerſte, und wenn ſie auch, falls dieſen Anforderungen entſprochen wird, im Stroher⸗ trag ebenfalls beſonders ergiebig iſt, ſo iſt dieß bezüglich des Koͤrnerertrags noch in Frage zu ſtellen. Sie iſt noch weit weniger angebaut zu finden, und überhaupt weniger ge⸗ kannt, als die Himmelsgerſte. Ihre Vegetationsperiode iſt ebenfalls ſehr kurz. Ob es zwei conſtante Abarten davon gibt, nämlich eine mit längerer und eine mit kurzer mehr compacter Aehre, wie Krauſe annimmt, ſcheint noch eine Frage zu ſeyn. 3. Die Pfauengerſte. §. 499. Die Pfauen⸗ oder Reisgerſte, Hordeum zeo- criton, iſt eine zweizeilige Gerſtenart, die ſich durch ihre faͤcherförmig geſtellten Koͤrner und Grannen auszeichnet. Sie buſcht ſich ziemlich ſtark, bleibt aber im Stroh kurz und im Durchſchnitt wohl auch im Körnerertrag hinter der zweizeiligen großen Gerſte zurück, von der ſie vermuthlich in manchen Gegenden verdraͤngt worden iſt, denn früher ſoll ſie in Deutſchland ſtaͤrker angebaut worden ſeyn; jetzt findet man ſie dort ſelten auf dem Felde. Sie ſoll die Kälte beſſer als große Gerſte aushalten, dabei iſt auch ihre Vegetationszeit kürzer; es möchte daher ſeyn, daß ſie für Gebirgsgegenden ſich beſonders eignet. IV. Der Hafer. §. 500. Der Hafer, Avena, iſt neben der Gerſte unſer allgemeinſtes Sommergetreide, eines Theils weil die Natur dieſer Fruchtgattung von der Art iſt, daß ſie faſt — 195— überall gebaut werden kann; andern Theils weil die vor⸗ züglichen Eigenſchaften des Hafers als Körnerfutter, insbe⸗ ſondere fuͤr die Pferde, ihn zu einem allgemeinen Couſum⸗ tionsartikel in und außerhalb der Wirhſchaften längſt erho⸗ ben haben. Auch wird er in vielen, beſonders ärmeren Ge⸗ genden zur menſchlichen Nahrung häufig verwendet, ſo wie er auch zur Aushülfe bei den Brau⸗ und Brennereien öfters dient. Endlich unterſtützt auch noch der betraͤchtliche Fut⸗ terwerth ſeines Strohes den ausgedehnten Anbau dieſes Ge⸗ treides. Der Hafer ſtand nach den geſchichtlichen Uebertragungen bei den alten Völkern, als den Egiptiern, Iſraeliten ꝛc., nicht im allgemei⸗ nen Gebrauche, wie die Gerſte und der Weizen. Dagegen ſteht feſt, daß er von den Deutſchen in der früheſten Zeit ihres Acker⸗ baues vorzugsweiſe cultivirt ward und ein Hauptnahrungsmittel der Germanen war, bei welchen ihn die Römer wahrſcheinlich auch erſt kennen lernten. Uebrigens ſtammt derſelbe ohne Zweifel auch aus dem Oriente. 1. Verſchiedene Arten. §. 501. Wir haben zunaͤchſt die zwei Hauptarten: Rispen⸗ oder Aſthafer, Avena sativa, und Fahnen⸗, Trau⸗ ben⸗ oder Kammhafer, Avena orientalis, zu unterſcheiden. Der erſtere wird in Deutſchland am meiſten gebaut; der andere hat jedoch auch bereits große Ausbreitung gewonnen, und man hat ihn auf kraͤftigem Boden ſowohl im Korn als im Stroh lohnender, als den Rispenhafer gefunden, in etwas geringem Boden kömmt dieſer aber ſicherer fort; auch iſt guter Rispenhafer etwas ſchwerer im Korn und leichter rein abzudreſchen, als Fahnenhafer. §. 502. Von jeder dieſer zwei Hauptſorten gibt es eine betraͤchtliche Menge Abarten. Vom Rispenhafer wird der weiße am allgemeinſten gebaut, von dem wieder mehrere Varietaͤten vorkommen. Zu bemerken iſt darunter 13* — —— — —— — 196— die früh reifende Sorte, der ſogenannte Auguſthafer, wel⸗ cher bei verſpaͤteter Beſtellung oder in ſehr rauher Lage noch zu rechter Zeit zur Reife kömmt. Eine mehr gelbe, wenig gekannte, aber ſchöne Sorte ſchließt ſich dem weißen an. Nach dem weißen wird auch der ſchwarze Rispenhafer haͤufig gebaut, beſonders in gebirgigen Gegenden, wo er auch etwas eher reift, als der weiße; er hat ein ſchweres Korn, aber eine dickere Schale. Der braune Rispenhafer iſt wenig verbreitet. Auch vom Fahnenhafer gibt es weißen und ſchwarzen; gewoͤhnlich findet man jedoch nur die weiße Art angebaut. §. 503. Als beſondere, gewoͤhnlich nicht angebaut werdende Haferarten ſind noch zu bemerken: a) Avena trisperma, Doppel⸗, Gaͤbeles⸗ oder Klumphafer; eine Rispenhaferart, wobei haͤufig drei Koͤrner in einem Balge beiſammen ſitzen, von denen zwei auch nach dem Ausdreſchen mit einem Stielchen verbunden bleiben; ſie wird in Wirtem⸗ berg angebaut; wegen ihrer Grannen und vielen kleinen Kör⸗ ner mit dicker Schale kann dieſe ſchlechte Abart im Allgemei⸗ nen nicht empfohlen werden, und hoͤchſtens nur auf geringem Boden, weil ſie da noch ziemlich gedeiht, einen Vorzug verdienen. b) Der Sand- oder Purrhafer, Avena stri- gosa, eine Fahnenhaferart, welche von noch weit geringerer Qualitaͤt, als der Doppelhafer iſt, die jedoch noch mit ge⸗ ringem Sande vorlieb nimmt, auf dem ſie in einigen Ge⸗ genden, wie im Luͤneburgiſchen, nach mehreren Angaben gebaut wird.) Der nackte oder chineſiſche Hafer, Avena nuda, A. chinensis. Unter dieſer Benennung wurde eine weiße nackte Haferart ſchon ſeit längerer Zeit hier und da zu bauen verſucht, welche wegen ihres ſchoͤnen, wie geſchäl⸗ ter Hafer erſcheinenden Korns und ihres reichlichen Körner⸗ und Strohertrags von Manchen geruͤhmt, von Andern da⸗ gegen wegen der Kleinkoͤrnigkeit, geringen Ertrags und des leichten Ausfallens der Körner verworfen ward. Da es — 4197— zweierlei nackten Hafer gibt, und der Verſuche damit noch zu wenig gemacht ſind, ſo iſt noch nichts Sicheres darüber zu urtheilen. Krauſe unterſcheidet weſentlich zwiſchen dem großkörnigen nack⸗ ten Rispenhafer, den er für den eigentlichen chineſtſchen hält, und einem kleinkörnigen nackten Fahnenhafer. Man hat auch ſchon von einem Winterhafer geſprochen, der in einigen Gegenden von Frankreich, z. B. in der Bretagne, vor⸗ kommen ſoll; in Deutſchland iſt aber keine Haferart bekannt, welche den Winter aushält. 2. Standort. §. 504. Der Hafer verträgt nicht nur jedes Klima, das die Gerſte erträgt, ſondern auch ein naſſeres. Wenn er auch wegen ſeiner um etwa einen Monat längeren Ve⸗ getationsperiode in einigen ſehr hohen oder ſehr nördlichen Lagen nicht mehr zur Reife koͤmmt, wo die Gerſte noch er⸗ zwungen werden kann, ſo erlaubt er dagegen in rauhen und naſſen Lagen eine frühere Saat, als die Gerſte und nimmt überdieß mit dem in ſolchen Lagen meiſtens vorherrſchenden geringen Boden noch vorlieb, während die Gerſte da ver⸗ ſagt. Hinſichtlich des Bodens iſt der Hafer uͤberhaupt ge⸗ nügſamer, als jedes andere unſerer Getreidearten: er koͤmmt im ſchweren Thon und im leichten Sande, wenn ſolche nur einige Kraft beſitzen, der erſte nicht ganz naß und zaͤhe, der andere nicht ganz dürre iſt; auch auf Moor⸗ und Torfboden gedeiht er; reichlichen und ſicheren Ertrag gewaͤhrt er indeſ⸗ ſen nur auf nicht kraftloſem, nicht ganz ſchwerem, mãßig feuchtem gelegenem Boden. §. 505. In der Fruchtfolge kann man ihm auch jeden beliebigen Standpunkt anweiſen, ſobald das Feld nur nicht ganz verwildert oder entkräftet iſt. Er wird am häufigſten als abtragende Frucht gewaͤhlt; nur ſollte dazu niemals der Grund beſtimmen, daß er ſich die letzte noch vorhandene = 198— Kraft anzueignen verſteht. Vorzügliche Erndten liefert der Hafer nach gut gediehenem Klee; Hackfruͤchte und Dreiſche gehören ebenfalls zu den beſonders geeigneten Vorfrüchten. Er, iſt auch ſehr verträglich mit ſich ſelbſt. 3. Beſtellung und Pflege. §. 506. Der Hafer will früh beſtellt ſeyn; man thue darum fuͤr die Zubereitung des Bodens im Herbſte, was man kann. Lockeren und reinen Boden pfluͤgt man zu dem Ende am beſten im Herbſte ſchon zur Saat auf; ſelbſt bei maͤßig gebundenem Boden iſt dieß oft thunlich. Nach Hack⸗ früchten genuͤgt eine einfährige Beſtellung, eben ſo nach Klee und Dreiſche, welche ebenfalls, beſonders letztere, am beſten ſchon im Spatherbſt ſchon zur Saat mit Sorgfalt gepfluͤgt werden. Nach Getreide hat man bei zweifaͤhriger Haferbeſtellung häufig mehr Unkraut erhalten, als bei ein⸗ fähriger; indeſſen iſt dem durch Pfluͤgen zu verſchiedener Tiefe und vollſtaͤndiges Saatpflügen vor Winter vorzubeu⸗ gen, und im Allgemeinen eine zweifaͤhrige Beſtellung der Getreideſtoppel doch vorzuziehen. Unter ungünſtigen Verhaͤlt⸗ niſſen wird ſich eine dreifaͤhrige Beſtellung am beſten lohnen, ſie wird dem Hafer jedoch ſelten zu Theil; öfters aber wird er, wegen Mangel an Zeit, auf die erſt im Frühjahr um⸗ gepflügte Getreideſtoppel beſtellt, wobei, falls der Boden nicht von lockerer und reiner Beſchaffenheit, freilich ein gu⸗ tes Gedeihen nicht ſicher zu erwarten ſteht. Uebrigens ver⸗ trägt der Hafer auch jede Art von Duͤngung, nur wird ihm eine ſolche ſelten zu Theil. Das Bälken der Getreideſtoppel im Herbſt empfiehlt ſich für den Hafer; eben ſo das Doppelpflügen von Kleeland und Dreiſche. §. 507. Je trockner der Boden von Natur, um ſo mehr beeile man ſich mit der Saat. Die gewöhnliche Saat⸗ zeit iſt Maͤrz oder April; nur in beſonderen Fällen iſt eine — 199— erſt in den Mai fallende Saatzeit gerechtfertigt, wozu man dann den Auguſthafer am beſten wählt. In leichtem Bo⸗ den iſt das Unterbringen mit dem Pfluge oder Extirpator gut; außerdem ſäet man auf die rauhe Furche und eggt zu. Die Drilleultur wurde für den Hafer noch wenig im Groͤ⸗ ßeren angewendet. §. 508. Ein geringes Saatquantum iſt 2 Sr., ein ein ſtarkes 3,5 Sr. p. heſſ. Morg.(1,2 bis 2 Scheff. p. pr. M. 3 ⅜ bis 6 Sri. p. w. M.) Es wird häufig zu wenig Sorgfalt auf gute Auswahl des Saa⸗ mens verwendet und dadurch der Ertrag weſentlich beeinträchtiget. §. 509. In trocknem Boden wird die aufgegangene Saat gewalzt. Zeigt ſich aber bald nach der Saat viel Saamenunkraut, oder das Land durch Regen feſtgeſchlagen, ſo iſt Aufeggen am rechten Platze. Beſonders empfiehlt ſich dieß beim untergepflügten Hafer einige Zeit nachdem er aufgegangen; in manchen Gegenden findet man dieß ſo er⸗ ſprießlich, daß es regelmaͤßig geſchieht. Kömmt dennoch das Saamenunkraut ſtark auf, ſo iſt zu erwaͤgen, ob Jaͤ⸗ ten, oder ſpäter Abmaͤhen und Grünfüttern den Vorzug verdiene. Ueber Verwendung des Hafers zur Grünfütterung uͤberhaupt ſ.§. 259. §. 510. Der Hafer iſt auch dem Staubbrande unter⸗ worfen. In einigen Gegenden, namentlich in Wirtemberg, kömmt auch noch eine Mißbildung des Hafers in der Periode des Schoſſens vor, was man dort Stockhafer nennt, und zunaͤchſt in unzweckmaͤßiger Cultur im Zuſammentreffen mit ungünſtigen Witterungseinflüſſen Veranlaſſung findet. 4. Erndte und Ertrag. §. 511. Da der Hafer eine Vegetationsperiode von 4 ½ bis 5 Monaten hat, ſo fällt deſſen Erndtezeit von —— — 200— Mitte Auguſt bis Ende September. Er wird in der Re⸗ gel gemaͤht; hat man jedoch ſeine Reife zu weit vorſchrei⸗ ten laſſen, ſo fallen dabei nicht wenig Koͤrner aus. Der Hafer reift gerne etwas ungleich; deßhalb und um ein leich⸗ teres Ausdreſchen zu erzwecken, iſt es faſt uͤberall Regel, ihn 8 bis 10 Tage auf dem Acker liegen und wo möglich einmal beregnen zu laſſen; ſicherer und beſſer iſt das bald nach dem Maͤhen erfolgende Aufbinden von kleinen Gärb⸗ chen, welche man etwa 8 Tage aufgeſtellt ſtehen läßt. §. 512. Ein geringer Ertrag iſt 2 ½ bis 3 Malter, ein mittlerer auf maͤßig kräftigem Mittelboden 5 bis 6 Mltr., ein ſehr guter und ſelbſt hoher 8 bis 12 Mltr. p. heſſ. Morgen(6 bis 30 Scheff. p. pr. M. 2 ½ bis 11 ½ Scheff. p. w. M.)— Der Strohertrag verhält ſich von 6 ½ bis 22 Ctr. p. heſſ. oder pr. Morgen(g8 bis 27 Ctr. p. w. M.). Der Mittelpreis des Hafers wird gewöhnlich zur Haͤlfte gegen den des Roggens angenommen; in der Näaͤhe groͤßerer Staͤdte ſteht er jedoch meiſtens etwas höher. Das heſſ. Malter Hafer guter Qualität wiegt 115 bis 120 Pf. Nach Thär ſollen ſich die Körner zum Stroh— 60: 100 verhalten; ich fand das Verhältniß jedoch häufiger— 55: 100. V. Gemiſchte Getreideſaat. §. 513. Die gemiſchte Saat verſchiedener Halmge⸗ treidearten, oder auch von Halmgetreide und Hülſenfrüch⸗ ten, verdient unſere beſondere Beachtung, denn es iſt That⸗ ſache, daß durch ſolches Gemenge unter vielen Verhältniſ⸗ ſen ein höherer Ertrag erzielt wird, als wenn man jede der gemengten Fruͤchte für ſich allein gebaut hätte; ja es ſind ſogar die Faͤlle nicht ſelten, daß eine Fruchtart für ſich allein an gewiſſen Stellen gar nicht gedeiht, während ihr Fortkommen in gemiſchter Saat geſichert iſt. Die Urſachen dieſer Erſcheinungen ſind vielleicht noch nicht voll⸗ ſtändig ergründet, indeſſen zunächſt in der Verſchiedenheit der Nutur der Pflanzen, ſich verſchiedene Stoffe aus dem Boden anzueignen, — 201— in dem Schutze, welchen die eine der andern gewähren kann, und in dem Umſtande zu ſuchen, daß die Witterungseinflüſſe die eine Pflanze gerade mehr begünſtigen können, oder ihr wenigſtens nicht ſchaden, während ſie der andern nachtheilig find. §. 514. Wegen jener Thatſache werden auch in vielen Gegenden häufig Mengfrüchte gebaut; in anderen, wo das eine oder andere Gemenge ebenfalls am Platze ſeyn würde, geſchieht es jedoch, meiſtens aus Nichtkenntniß der daraus entſpringenden Vortheile, zu wenig oder gar nicht. Es ſte⸗ hen indeſſen einer groͤßeren Ausbreitung des Mengfrucht⸗ baues auch haͤufig Hinderniſſe entgegen; dieſe ſind nament⸗ lich: die Ungleichheit in der Reifezeit der gemengten Früch⸗ te, indem oft zur Erndte geſchritten werden muß, bevor die eine Frucht voͤllig reif iſt,— und daß die gemiſchte Frucht meiſtens keine Handelswaare iſt, ihre Verwendung alſo mehr auf die eigene Wirthſchaft beſchränkt bleiben muß. Ueber gemiſchte Saaten zur Grünfütterung ſ.§. 259. ff. §. 515. Die mehr oder weniger haͤufig angebaut wer⸗ denden Mengfruͤchte ſind: 1) Roggen und Weizen oder Roggen u. Spelz. Beide Miſchungen werden unter dem Namen Mengkorn be⸗ ſonders da mit Vortheil gebaut, wo Lage und Boden dem Weizen- oder Spelzbau für ſich allein nicht vollkommen gün⸗ ſtig ſind. In den Gegenden, wo der Spelz Hauptfrucht iſt, ſät man auch öfters auf gutem Spelzboden ¼ oder 1 Roggen mit unter, blos um des ſtärkeren Korn⸗ und Strohertrags halber. Man baut ſolches Mengkorn auch nach Weizen als zweite Frucht. Je nach der beſonderen Localität läßt man die eine oder andere Fruchtgattung mehr vorherrſchen. Die Saatquantitäten ſind nach den für die einzelnen Getreidearten geltenden Angaben zu ermeſſen.— Roggenſpelz hat zum Vorzug, daß ſich der Hauptertrag an Spelz mittelſt Siebe leicht abſondern läßt. §. 516. 2) Linſenroggen und Linſenſpelz. In Wirtemberg werden dieſe Miſchungen auf dem geringeren —— —⸗-—— —. — — ——— — — 202= Kalkboden öfters mit entſchiedenem Vortheile gebaut, und die Linſen halten als Unterfrucht unter Spelz oder Roggen ſelbſt in den rauheren Gebirgslagen den Winter aus. Zu rühmen iſt noch beſonders das dabei erzielt werdende gute Futterſtroh. §. 517. 3) Roggen mit Winterwicken zu bauen ſteht in den Niederlanden und in England, auf feuchtem Sandboden, laͤngſt in geruͤhmtem Gebrauche. Auch in Deutſch⸗ land iſt dieſer Mengbau mit Glück verſucht worden, in kal⸗ ten Lagen oder harten Wintern fand man jedoch die Wicke mitunter ausgewintert. §. 518. 4) Sommerroggen und Erbſen auf Boden, der zu Erbſen für ſich allein zu ſandig und arm. Auch dieſer Bau dürfte aͤhnliche Vortheile, wie Linſenrog⸗ gen gewaͤhren, iſt jedoch wenig bekannt. Die Erbſen laſſen ſich beim Dreſchen abſondern. §. 519. 5) Linſengerſte und Wickengerſte em⸗ pfehlen ſich fuͤr ſchiefrigen, ſteinigen, für Gerſte allein zu ge⸗ ringen Boden, wo ſie außer befriedigendem Koͤrnerertrag ein ausgezeichnetes Futterſtroh liefern. §. 520. 6) Gerſte und Hafer werden in einigen Gegenden ebenfalls im Gemenge gebaut; wegen der unglei⸗ chen Reife dieſer beiden Getreidearten dürfte ſich ſolches jedoch am wenigſten empfehlen. §. 521. 7) Hafer mit verſchiedenen Huͤlſen⸗ fruͤchten, namentlich mit Wicken(Rauhfutter, Wickha⸗ hafer), oder mit dieſen nebſt Erbſen oder Bohnen oder bei⸗ den, iſt auf einem etwas ſchwierigen oder geringen Boden, z. B. Baſaltboden, Thonboden mit felſiger Unterlage ꝛc., ebenfalls ein ſehr rathſames Gemenge, das auch häufig ge⸗ baut wird. Auf kaltgruͤndigem ſchwerem Boden findet man auch eine geringe Unterſaat von Pferdebohnen unter dem Hafer im bewaͤhrten Gzebrauche. — 203— Einiger andern Mengungen, als Erbſen oder Phaſeolen unter Mais, Erbſen unter Pferdebohnen, wird bei den betreffenden Haupt⸗ früchten noch gedacht werden. VN. Die Hirſe. §. 522. Die Hirſe, Panicum, iſt blos fuͤr einige Gegenden von Deutſchland eine Hauptfrucht, in mehreren andern findet man ſie noch als Nebenfrucht in geringer Ausdehnung angebaut, in vielen andern, namentlich allen kaͤlteren Lagen fehlt ſie ganz. Die Urſachen des im Allge⸗ meinen geringeren Anbaus der Hirſe ſind theils in den Beſchraͤnkungen zu ſuchen, welche ſie bezuͤglich des anſpre⸗ chenden Klimas und Bodens gebietet, theils in der von ihr angeſprochenen ſorgfaͤltigeren Cultur; ſodann iſt aber auch ihr Verbrauch viel geringer, als der der bisher abgehandel⸗ ten Hauptgetreidearten, denn die enthuͤlſete Hirſe wird als Kochfrucht nur in ſehr mäßiger Ausdehnung eonſumirt und als Futter dient ſie hauptſächlich nur bei'm Federvieh. In leichtem Boden und trockner, warmer Lage bietet ſie dage⸗ gen durch einen verhältnißmaͤßig hohen Koͤrner- und ſehr werthvollen Strohertrag auch Vortheile dar, welche durch anderes Sommergetreide nicht zu erzielen ſind. In mehreren Gegenden von Baden, Heſſen, Thüringen, Sach⸗ ſen, Baiern und Oeſtreich findet man ſtarken Hirſebau. 1. Verſchiedene Arten. §. 523. Die zwei Behufs des Koͤrnerertrags cultivirt werdenden Haupthirſenarten ſind: die Rispen⸗ oder gemeine Hirſe, Panicum miliaceum, und die große Kolbenhirſe oder der Fennich, Panicum italicum. Letztere unterſcheidet ſich von erſterer außer der ganz verſchiedenen Form der Aehren (Rispen und Kolben) durch mehr oder weniger kleinere Koͤrner und mehr als einen Monat laͤngere Vegetationszeit. ——— — 2⁰4— §. 524. In den meiſten Gegenden Deutſchlands, wo Hirſe gebaut wird, findet man in der Regel nur die Rispen⸗ hirſe, auch Quaſthirſe genannt, von der es nach der Farbe der Koͤrner nicht wenig Varietaͤten gibt, namentlich graue, weiße, gelbe, rothe und ſchwarze. Am gewöhnlichſten wer⸗ den weiße oder gelbe und graue gebaut; im Werthe ſind ſie wenig verſchieden. Man unterſcheidet auch noch eine Abart unter dem Namen Klumphirſe, mit mehr zuſammen gehaltenen Rispen und gewöhnlich gelbem Saamen. §. 525. Von der Kolbenhirſe gibt es Abarten mit gelben, roͤthlichen und braͤunlichen Koͤrnern, mit größeren und kleineren Aehren; gewoͤhnlich ſind dieſe begrannt(bor⸗ ſtig), es gibt aber auch eine kleine unbegrannte Art. Sie ſoll nach Burger u. A. reichlicher tragen, als unſere ge⸗ wöhnliche Hirſe; da ſie aber eine Vegetationszeit von mehr als fünf Monaten hat, und dabei die Fruͤhjahrsfröſte auch nicht verträgt, ſo kann ihr Anbau in Deutſchland keine Ausdehnung gewinnen. In Italien und im ſüdlichen Frankreich wird ſie häufig gebaut. Burger erzählt, daß ſie auch in Kärnthen cultivirt wird; ich fand ſie in den mildeſten Lagen von Baden. §. 526. Eine beſondere Art Kolbenhirſe iſt der in Ungarn allgemeine Mohar, ein Panicum germanicum L. (Setaria italica, S. germanica, nach Andern.) Dieſe klei⸗ nere Hirſenart wird dort, ſo wie auch in der Lombardei und in mehreren andern ſüdlichen Gegenden hauptſächlich als Futterkraut gebaut, und iſt zu gedachtem Zwecke auch hier und da in Deutſchland in neuerer Zeit in Aufnahme gekommen(ſ.§. 533). 2. Standort. §. 527. Die klimatiſche Region für das ſichere Gedei⸗ hen der Hirſe geht nur wenig üher die Linie hinaus, welche — 205— wir fuͤr das Welſchkorn anzunehmen haben(§. 539). Dabei verlangt ſie einen warmen, mehr leichten, als ſchweren, rei⸗ nen, gut gekräftigten Boden, ohne jedoch dieſen beſonders ſtark anzugreifen. Sie verträgt die Trockniß und leichten Boden ſo gut, daß ſie auf warmem Sandboden meiſtens ſicherer iſt und beſſer lohnt, als Gerſte oder Hafer. Sie kömmt beſonders gut auf Neubruch, nach Klee und Hack⸗ früchten, gedeiht ader auch nach vorausgegangenem Halm⸗ getreide, und wird auch dieſem nicht ſelten zur Vorfrucht beſtimmt. 3. Beſtellung und Pflege. §. 528. Durch mehrmaliges, gewöhnlich dreimaliges, Ackern im Herbſt und Fruͤhjahre, und fleißigen Zwiſchen⸗ gebrauch der Egge und Walze ſoll das zur Hirſe beſtimmte Land ſorgfaͤltig vorbereitet werden. Häufig wird auch dazu geduͤngt, was bei einigermaßen mangelnder alter Kraft ſtets rathſam iſt, und auch mit friſchem Duͤnger geſchehen kann, der jedoch mehr Unkraut zieht, als verrotteter oder Pferch und dergleichen. Daß Neubruch nur einmal gepflügt wird, bedarf kaum der An⸗ deutung. §. 529. Die Saat der gewöhnlichen Hirſe findet im Mai ſtatt und wird bei dem gewöhnlichen Verfahren mit der Egge flach untergebracht. Der Saame ſoll ſchon bei der Erndte mit beſonderer Sorgfalt ausgewählt und zurück⸗ gelegt werden. Man bedarf 0,25 bis 0,33 Sr. p. Morg. (= 0,15— 0,2 pr. Scheff. p. pr. M. ½ bis%¾¼ Sri. p. wuͤrt. Morg.) Die Hirſe iſt empfindlich gegen Nachtfröſte; es darf daher nicht eher ausgeſtellt werden, als bis von dieſen nichts mehr zu fürchten iſt. Die Kolbenhirſe verlangt eine ſchon im April vorgenommene Saat, um im September zur Reife zu gelangen. §. 530. Bei einer vollkommenen Cultur wird die Hirſe mittelſt kleiner Haͤckchen zweimal behackt und von allem Un⸗ — 206— kraut zugleich gereinigt. Nach dem zweiten Hacken ſollen die Pflanzen 5 bis 6 Zoll entfernt ſtehen. Durch ein⸗ bis zweimaliges Eggen zur Zeit, wenn die Saat 1 ½ bis 2 ½ Zoll hoch iſt, kann das erſte Hacken erſpart werden, wenn das Land nicht ſehr unrein iſt. Ganz vorzuͤglich iſt für die Hirſe die Drilleultur zu empfehlen, indem dadurch ihr Ge⸗ deihen mehr gefoͤrdert und geſichert, an den Culturkoſten aber erſpart iſt. Das Drillen ſollte dieſerhalb fuͤr die Hirſe allgemein angewendet werden. Mau kann ſich der Sämaſchinen bedienen, welche zu dickkörni⸗ gem Raps geeignet ſind. Wenn die Hirſe weit mehr Trockniß er⸗ tragen kann, als anderes Sommerhalmgetreide, ſo iſt ihr dagegen naßkaltes Wetter ſehr zuwider. 4. Erndte und Ertrag. §. 531. Die Erndte der gewöhnlichen Hirſe fällt mei⸗ ſtens noch in dem Auguſt, in kühlen Sommern auch in den September. Sie reift ungleich und fällt ſehr leicht aus, weßhalb die Erndte ſchwierig iſt und beſondere Aufmerk⸗ ſamkeit erfordert, namentlich hinſichtlich des Treffens des rechten Zeitpunktes. Am beſten bringt man ſie alsbald nach dem Abſchneiden ein und driſcht ungeſäumt, wonach aber das Stroh noch beſonders vollends getrocknet werden muß. Auch die Körner müſſen mit Sorgfalt noch getrocknet werden, indem ſie ſich ſonſt, auf Haufen geſchüttet, erhitzen und im Werthe ſehr verlieren. §. 532. Der Ertrag an Körnern iſt auf geeignetem Boden von der Rispenhirſe zu 4 bis 6 Mltr. vom heſſiſchen Morgen(9 ½ bis 14 Scheff. p. pr. M.— 3% bis 5% w. Scheff. p. w. M.) anzunehmen, wovon das Malter 172 bis 180 Pfund wiegt, und etwa die Haͤlfte nach dem Maaße, oder 60 Procent dem Gewichte nach, an geſchaͤl⸗ ter Hirſe liefert. Die unenthülſete Hirſe ſteht im Preiſe — 207— meiſtens zwiſchen der Gerſte und dem Roggen, die geſchälte gilt das Doppelte. Der Strohertrag iſt ſo reichlich, als vom Roggen auf gleichem Boden, und, wenn das Stroh gut getrocknet und eingekommen, ſo iſt es im Futterwerth noch über Gerſten⸗ oder Haferſtroh zu ſetzen. Zum Enthülſen der Hirſen hat man eigene Mühleneinrichtungen, welche den gewöhnlichen Oelmühlſtampfen ähnlich ſind. 5. Cultur des Mohars. §. 533. Obgleich ſeit einer Reihe von Jahren vielfach empfohlen und oft verſucht, ſo hat doch der Mohar(ſiehe §. 526) in Deutſchland bis jetzt nur geringe Ausbreitung erlangt. Er vertraͤgt eben ſo wenig die Kalte oder gebun⸗ denen, kalten Boden, als die groͤßere Kolbenhirſe; er darf daher aus jenem Grunde auch vor Mai nicht geſät werden. Obgleich er dichter ſtehen muß wie andere Hirſe, und nicht wie dieſe mit der Hand bearbeitet wird, ſo wird doch we⸗ gen der Kleinkörnigkeit ſeines Saamens ein noch etwas ge⸗ ringeres Saatquantum erfordert. Sein Hauptwerth beſteht in der Verwendung zur Grünfürterung, oder auch zum Heugewinn, wozu er in trocknem, leichtem Boden aller⸗ dings beträchtlichen Werth hat, der aber auch der gewöhn⸗ lichen Hirſe nicht abzuſprechen iſt. Er reift im September und gibt reichlichen Saamenertrag; der kleinkoͤrnige Saa⸗ men iſt zur Verwendung fuͤr die Küche untauglich, ſoll aber zu Pferdefutter brauchbar ſeyn. Von mehreren Seiten wird der Mohar für weniger empfindlich gegeu die Kälte geſchildert, auch daß er mit geringerem Boden vor⸗ lieb nehme, als gewöhnliche Hirſe. Auf mittelgutem, warmem Sand⸗ boden wuchs mir die gewöhnliche Hirſe, Behufs der Grünfütterung geſät, höher, als Mohar, und ward auch von den Kühen lieber ver⸗ zehrt, da der Mohar härter iſt(ſ.§. 263.). VII. Diee Moorhirſe. §. 534. Die Moorhirſe, auch Sorgh, Sirk genannt, „Holcus Sorghum, kömmt nur in den wäͤrmſten Lagen des ——— — 208— füdlichen Deutſchlands mit Sicherheit zur Reife; ſie wird in mehreren Strichen von Ungarn, Dalmatien und andern ſüdlichen Laͤndern Europas ſtark angebaut, wo ſie wegen ihres die Hirſe bedeutend übertreffenden ſtarken Körner⸗ ertrags geſchätzt iſt. Dieſer Koͤrnerertrag dient zur Nah⸗ rung der ärmeren Volksklaſſe, ſoll jedoch dem an Beſſeres gewoͤhnten Gaumen nicht zuſagen; beſonders aber wird er als Viehfutter benutzt. §. 335. Sie verlangt einen fetten Boden, der im ge⸗ eigneten Klima ſogar ſumpfig ſeyn darf, und erreicht eine ſehr beträchtliche Höhe. Die Culturart iſt nach Burger u. A. der des Maiſes aͤhnlich. Vou einigen landwirthſchaftlichen Schriftſtellern wird auch noch der Canarienſaamen, Phalaris canariensis, unter dem Halm⸗ getreide aufgeführt. Dieſe Pflanze hat aber für Deutſchland keinen Werth, und wird auch unſeres Wiſſens hier nirgends im Größeren gebaut; im ſüdlichen Frankreich und in Spanien ſoll man unter den Weizen Canarienſaamen ſäen; auch in der Schweiz ſoll dieſes Vogel⸗ futter zuweilen gebaut werden. Da es in Deutſchland hier und da im Kleinen gebant wird, ſo wird es von einigen unſerer Schriftſtel⸗ ler auch unter den Handelsgewächſen aufgeführt. VIII. Der Mais. §. 536. Der Mais, das Welſchkorn oder Türkiſchkorn, der Kukuruz, Zea Mais(Mais vulgaris), ſtammt aus Ame⸗ rika, von wo aus ihn die Spanier zuerſt nach Europa brachten; in Deutſchland ward er erſt im ſiebzehnten Jahr⸗ hundert einheimiſch. Wegen ſeines reichlichen Ertrags an Koͤrnern, der großen Nahrhaftigkeit derſelben, und ihrer vorzüglichen Brauchbarkeit zur menſchlichen Nahrung, auch zur techniſchen Verarbeitung, ſo wie zur Viehfuͤtterung; ferner wegen des ſehr ſchaͤtzbaren Futterwerths ſeiner grü⸗ nen Blaͤtter und Stengel,— iſt der Mais da wo er ſicher ge⸗ deiht eine wichtige, in manchen Laͤndern wie in Italien, in 209— vielen Theilen von Amerika ꝛc., mit die allerwichtigſte Kör⸗ nerfrucht. Im milderen Theile von Deutſchland wird auch viel Mais gebaut; Hauptnahrungsmittel der Menſchen iſt er jedoch nur in wenigen Gegenden und der Körnerertrag wird zum größeren Theile zur Maſtung der Schweine, des Federviehs ꝛc. verwendet. Der Mais verdiente aber in meh⸗ reren Gegenden unſeres Vaterlandes, beſonders auch Behufs der Gruͤnfütterung(ſ.§. 264), einen ſtärkeren Anbau. Die grünen Maisſtengel beſitzen ſtarken Zuckergehalt, und ſind zum Zuckergewinn ſchon oft empfohlen worden. §. 537. Die von unſerem gewoͤhnlichen Halmgetreide ſehr abweichende Natur und darauf beruhende Culturart des Maiſes weiſen dieſem in unſerem Landwirthſchaftsbetriebe einen anderen Standpunkt als jenem an, indem er zunaͤchſt die Stelle einer Hackfrucht einnimmt, und falls der Körner⸗ ertrag davon aus der Wirthſchaft geht, ſo tritt der Mais in die Reihe der den Boden ſtark angreifenden Handelsge⸗ waͤchſe, wobei jedoch der der Wirthſchaft verbleibende Ab⸗ fall an Blaͤttern und Stengeln(§. 545, 550) nicht außer Anſchlag zu laſſen iſt. 1. Abarten. §. 538. Unter den vielen vorkommenden Maisvarietä⸗ ten haben wir zunaͤchſt zwei weſentliche Abarten von einan⸗ der zu unterſcheiden, naͤmlich den gewoͤhnlichen großen gel⸗ ben Mais und den kleinen in Italien unter dem Namen Cinquantino hekannten, welcher einen Monat früher reift, im Ertrage aber hinter jenem weit zurückbleibt. Da dieſer kleine Mais in Deutſchland für die Regel als Stop⸗ pelfrucht nicht mehr zur Reife gelangen kaun, wie in Ita⸗ lien, ſo hat man dort ſeinen Anbau bis jetzt nicht als vor⸗ theilhaft erachten können. Die verſchiedenen Varietäten, welche ſich bei jenen beiden Hauptabarten weiter in der Pabſt Landwirthſch. I. 2. 14 — 210— Farbe der Koͤrner darthun, duͤrften in landwirthſchaftlicher Beziehung keiner beſonderen Beruͤckſichtigung verdienen. Man hat ſchon oft direkt aus Amerika wieder friſchen Saamen bezogen und geglaubt, weil dort die Pflanze viel höher(oft bis 15 Fuß hoch) und vollkommener wird, damit eine nene und beſſere Art zu erhalten; die Erfahrung lehrte aber nach wenigen Jahren, daß das amerikaniſche Welſchkorn ſeine Größe lediglich den ſeiner Vegetation weit günſtigeren Verhältniſſen in ſeiner Heimath verdankt. 2. Standort. §. 539. Das Klima, welches dem Weinbau im Gro⸗ ßen noch guͤnſtig genug iſt, wird auch vom Welſchkorn zu einem ſicheren Gedeihen angeſprochen; da es in Bezug auf ſpecielle Lage jedoch nicht die gleichen Anſpruͤche macht, ſo iſt demohngeachtet dem Maisbau ein bedeutend groͤßerer Be⸗ zirk als dem Weinbau zuzugeſtehen. Der Boden muß vor allen Dingen warm und thaͤtig und nicht ganz entkräftet ſeyn; iſt dieſen Vorausſetzungen entſprochen, dann wird man ſowohl auf ſchon ſtark gebundenem, wie auch ſehr loſem Boden den Mais mit Erfolg angebaut ſehen. Je mehr Klima und Lage ſeinen Anbau begünſtigen, um ſo eher iſt dieſer auf dem mehr gebundenen Boden ſtatthaft. §. 540. Auf die Vorfrüchte hat man nicht nöthig be⸗ ſondere Rückſicht zu nehmen, ſobald ſie das Feld nur in einem Zuſtande hinterlaſſen haben, daß es bis zur Saat zum erforderlichen Grade gelockert und gereinigt werden kann. 3. Beſtellung und Pflege. §. 541. Im vorausgehenden Herbſte ſoll das Land durch ſorgfältiges tiefes Aufpflügen die zu einem guten Ge⸗ deihen des Maiſes ſehr weſentliche tiefere Lockerung erhalten. Meiſtens ſind im Frühjahre noch zwei Pflugarten rathſam. Eine ſtarke, und bei von Natur nicht beſonders reichem Lande ſelbſt ſehr ſtarke Düngung mit kräftigen Dungſtoffen iſt nur in beſonderen ſeltenen Fällen zu entbehren. Manche ziehen vor, den Dünger ſchon vor Winter zu geben; die vortheilhaftere Verwendung bleibt jedoch in die Furchen oder Stufen, welche unmittelhar nachher den Saamen auf⸗ nehmen ſollen. §. 542. Die Saat ſoll möglichſt frühe, jedoch nicht ſo fruͤhe geſchehen, daß fuͤr die 12 bis 14 Tage ſpaͤter her⸗ vorkommenden Pflanzen noch ſtarke Beſchädigung durch Froͤſte zu befuͤrchten iſt. Unſere gewöhnliche Saatzeit iſt nach die⸗ ſen Rückſichten in der zweiten Haͤlfte des April oder zu Anfang des Mai. Da der Saame langſam keimt, ſo iſt ein mäßiger Grad von Einquellen deſſelben zweckmäßig. Die Keimkraft iſt bei nicht völlig ausgereiften oder unzweckmäßig aufbewahrten Körnern leicht ge⸗ ſchwaͤcht; es iſt deßhalb ſehr darauf zu ſehen, im Herbſte die voll⸗ kommenſten Kolben zu Saamen auszuwählen, ſie an trocknem und doch nicht zu kaltem Orte aufzubewahren und erſt im Frühjahre aus⸗ zukernen.— §. 543. Die gewöhnliche Saatmethode iſt: in der Ent⸗ fernung von 2 bis 2 q½ Fuß Stufen mit der Hacke zu ma⸗ chen, in jede 3 bis 4 Körner zu ſtreuen und etwa zwei Zoll mit Erde zu bedecken. Beim Anbau im Großen legt man aber beſſer nach dem flach geſtellten Pfluge auf die dritte Furche, indem man die Koͤrner ohngefaͤhr ½ Fuß von einander entfernt fallen laͤßt und darauf ſieht, daß ſie nicht zu tief oder zu flach zu liegen kommen. Noch beſſer fuͤr die Maiscultur im Großen iſt, ſich einer zweckmaͤßig eingerichteten mit dem Pfluge verbundenen, oder ihm fol⸗ genden, oder auch nach dem Pflügen das Land überziehen⸗ den Sämaſchine zu bedienen. Man bedarf für den heſſ. Morgen etwa ½ Sr. Saamen(% Sri. p. würt. Mor⸗ gen). Behufs der Gruͤnfuͤtterung wird viel ſtärker geſaͤt, 14* ———— —— — — — — — 212— indem in den Reihen 5 bis 6 Körner p. Fuß kommen (ſ.§. 264). Man hat auch Markir⸗ oder Pflanzlatten mit Zapfen zum Le⸗ gen des Welſchkorns. Wo viele Krähen(Raben, Elſtern) in der Nähe ſich aufhalten, ſtellen dieſe Vögel der keimenden Maisſaat ſtark nach, und können ſolche ſogar großentheils vernichten, wenn nicht geſchoſſen und Wache gehalten wird. §. 544. Der Mais muß in der Regel zweimal behackt, und wenigſtens einmal behäufelt werden; die fleißigſten Mais⸗ bauern haͤufeln auch zweimal. Beim Stufenbau wird aus⸗ ſchließlich mit der Hand bearbeitet und das erſte Hacken vorgenommen, wenn die Pflanzen ſtark handhoch ſind, das Behäufeln, wenn ſie die Höhe von 1 bis 1 ½ Fuß erreicht haben. Bei der Reihencultur im Größeren bedient man ſich zweimal der Pferdehacke und zweimal des Haͤufelpflugs; es iſt jedoch eine Beihülfe mittelſt der Handhacke nicht zu entbehren, wenn die Vollſtaͤndigkeit des Ertrags darunter nicht leiden ſoll. Beim zweiten Hacken werden(bei dem zum Reifwerden beſtimmten Maiſe) die Pflanzen zugleich in ſo weit verduͤnnt, daß in jeder Stufe nur die zwei ſtärk⸗ ſten Pflanzen ſtehen bleiben, bei der Reihencultur aber auf %½ bis 1 Fuß eine Pflanze in der Reihe ſteht. Durch eine gut betriebene Reihencultur können wenigſtens zwei Drittheile an Handarbeitskoſten erſpart werden, welche beim Stufen⸗ bau meiſtens auf 7 bis 8 fl. p. Morgen zu rechnen ſind.— Der Mais erträgt auch das Verpflanzen; Fehlſtellen können alſo dadurch ergänzt werden. §. 545. Der Mais treibt, zumal auf kräftigem Bo⸗ den, mehr oder weniger Nebenſchoſſen, welche vor und nach der Bluͤthe ausgebrochen werden, und ein vorzügliches Grün⸗ futter abgeben. Beim zweiten Ausbrechen nimmt man auch ſo viel von den angeſetzten Kolben, und zwar die ſchwäche⸗ ren davon, weg, daß deren nur zwei(auf ſehr reichem — 213— Boden und bei weitlaͤufiger Pflanzung auch drei) an jeder einzelnen Pflanze verbleiben. Auch die maͤnnlichen Bluͤthe⸗ ſtengel ſchneidet man einige Wochen nach vollendetem Ab⸗ blühen über den bereits entwickelten Kolben weg(Entfahnen). Das Wegnehmen der Nebenſchoſſen ꝛc. hat zum Zweck, die voll⸗ kommene Entwickelung der zum Reifen beſtimmten Fruchtkolben zu fördern, deren übrigens oft nicht zu viel oder ſelbſt nicht einmal ge⸗ nug ſich bilden. Das Entfahnen verringert auch noch den Schaden, welchen die Winde leicht in den Maisfeldern anrichten. An vielen Orten nimmt man endlich auch noch zu der Zeit, wenn die Körner völlig ausgebildet ſind und die Reife beginnt, den größten Theil der Blätter weg, um das Ausreifen zu beſchleunigen, was jedoch ja nicht zu frühe geſchehen darf. Zur Zeit der vollen Blüthe ſoll man keine Art von Ausbrechen vornehmen. Unter ungünſtigen Verhältniſſen findet man öfters brandige Kol⸗ ben, oder doch brandige Auswüchſe an theilweiſe noch geſund geblie⸗ benen Kolben. 4. Zwiſchenpflanzen anderer Gewaͤchſe. §. 546. In Gegenden, wo der Maisbau ſtark getrie⸗ ben wird, baut man häufig noch ein nutzbares Gewächs zwiſchen dem Maiſe und bezweckt damit einen höheren To⸗ talertrag. Am beliebteſten iſt zu dieſem Zwecke die Zwerg⸗ bohne(Phaſeole, ſ.§. 583). Andere pflanzen Kuͤrbis, auch Tabak, wieder Andere Hanf, hauptſächlich zum Saamen⸗ tragen. Bei der Reihencultur kann die Bohne mituntergepflügt werden. Burger, auf deſſen Lehrbuch und beſondere Schrift über den Mais⸗ bau wir überhaupt hier hinweiſen, hat ſeine Sämaſchine zur Boh⸗ nenſaat mit dem Maiſe beſonders eingerichtet und hebt dieſen ge⸗ miſchten Bau ſehr hervor. Oefters trifft man auch Welſchkorn mit Kartoffeln vermiſcht angebant; in dieſem Falle ſind jedoch die Kar⸗ toffeln in der Regel die Hauptfrucht. Der Unterſaat von Erbſen wurde ſchon beim Futtermaiſe gedacht. 5. Erndte und Ertrag. §. 547. Die Reife iſt an dem Abdoͤrren der Kolben⸗ blaͤtter und Feſtwerden der Koͤrner leicht zu erkennen. Sel⸗ — = 214— ten zeigt ſie ſich in unſerem Klima vor Ende Septembers, öfters erſt im October. Frühzeitige Froͤſte vernichten den noch nicht reifen Mais. Man bricht Behufs der Erndte die Kolben aus und haut ſpäter die bereits ausgetrockneten Stengel ab. Ohne bald nach dem Einbringen veranſtaltetes völliges Austrocknen der Kolben wuͤrden dieſe dem Schim⸗ meln und endlichen Verderben unterliegen. Man bindet deß⸗ halb eine Anzahl Kolben an ſitzen gelaſſenen Deckblaͤttern zuſammen und haͤngt ſie an luftigen, geſchützten Plätzen auf; oder man bringt die ganz entblaͤtterten Kolben auf luftige Böden und wendet öfters. In Oeſtreich hat man eigene Trockenhäuſer, welche Burger beſchreibt. §. 548. Muͤhſam iſt endlich noch das Entkoͤrnen. Ge⸗ wöhnlich geſchieht dieß im Laufe des Winters zur gelegenen Zeit(am Abend bei Licht) mit Huͤlfe eines ſtumpfen Sä⸗ bels oder eines andern ſehr einfachen Werkzeugs. Man kann aber den Mais mit recht ſtarken Flegeln auch dreſchen; auch gibt es beſondere Maſchinen für das Ausköoͤrnen. Nach Burger dreſchen und reinigen vier Mann in einem Tage acht heſſ. Malter. §. 549. Die Groͤße des Ertrags iſt nach Lage, Bo⸗ den, Jahrgang, Cultur(beſonders Staͤrke der Duͤngung) ſehr verſchieden. Ein geringer Ertrag iſt 4 heſſ. Malter p. Morgen. Schwerz gibt als Durchſchnitt von ſieben verſchiedenen Angaben nahe an 8 Mltr. p. heſſ. Morgen an. Burger erndtete oft 12 ½ Mltr. auf dieſer Fläche, und ſicher kann unter in jeder Hinſicht günſtigen Verhaͤltniſſen der Ertrag noch höher ſeyn.(9 ½ bis 30 Scheff. p. pr. Morg.— 3% bis 12 Scheff. p. w. M.). Der Ertrag der zwiſchengepflanzten Bohnen betraͤgt haͤufig 1 bis 2 Mltr. (2 ½ bis 5 pr. Scheff. p. Morgen). Der Futterwerth des Maiſes iſt dem der beſten Koͤrnerfruͤchte gleich zu achten. = 2415— Der Marktpreis iſt jedoch meiſtens noch etwas unter dem vom Roggen. §. 550. Der Ertrag an Stengeln, Kolbenboden und Deckblättern iſt zu 20 bis 36 Ctnr. p. heſſ. oder pr. Mor⸗ gen(25 bis 45 Ctnr. p. w. M.) anzuſchlagen, und der Futterwerth der früher gruͤn ausgebrochenen Schoſſen und Kolben darf zu 4 bis 8 Ctnr. Heuwerth p. Morgen ange⸗ nommen werden. Die Kolbenböden und Deckblaͤtter haben, geſchnitten, eingeweicht und unter Kurzfutter verwendet, einen betraͤchtlichen Futterwerth, und ſelbſt die Stengel koͤnnen, recht klein geſchnitten und einige Tage eingeweicht oder heiß gebrüht, zum Füttern verwendet werden. Es iſt kaum zu begreifen, daß an ſo vielen Orten die ſo ſehr beträchtliche Stroherndte des Maiſes in keiner Art zur Fütterung und nur zum Brennen benutzt wird. Zum Streuen ſind begreiflich nur die weicheren Blätter brauchbar. IX. Der Reiſß. §. 551. Der Reiß, Oryza sativa, iſt bekanntlich ein Hauptculturgegenſtand und Hauptnahrungsmittel in den Tropenländern und ſeine Cultur in Europa hat ſich nicht über Ungarn und Oberitalien hinaus verbreiten koͤnnen. Sie beruht, neben der Wärme des Klimas, hauptſaͤchlich auch darauf, daß das mit Reiß gebaute Land abwechſelnd längere Zeit unter Waſſer geſetzt wird. §. 552. Es kann demnach der Reiß in einem Lehr⸗ buche der Landwirthſchaft in Deutſchland auch füglich mit Stillſchweigen übergangen werden, und nur eine in den Laͤnderbeſchreibungen ſeit längerer Zeit angeführte Thatſache hat dazu beſtimmt, des Reißes hier dennoch zu gedenken. In China ſoll nämlich, unter dem Namen Bergreiß, die gewöhnliche Reißpflanze, oder eine Abart derſelben, auch auf —-— 216— den Hoͤhen(Bergen) mit Erfolg angebaut werden, und in Italien mit dieſem Bergreiße unternommene Verſuche ſollen nicht mißlungen feyn. Man hegte deßhalb vor noch nicht langer Zeit die Hoffnung, daß der Bergreiß auch im ſuͤd⸗ lichen Deutſchland angebaut werden koͤnne. Es ſcheinen je⸗ doch die in Oeſtreich und Baiern gemachten Verſuche nicht günſtig ausgefallen zu ſeyn. Seit mehreren Jahren hat wenigſtens der Bergreiß wieder auf⸗ gehört ein Artikel der landwirthſchaftlichen Zeitſchriften zu ſeyn, und von gelungenen Verſuchen hat nichts verlautet. Wahrſcheinlich findet doch auch beim Anbau auf den Höhen ein Syſtem der Bewäſſerung ſtatt, die der Reiß durchaus zu verlangen ſcheint. Zweites Capitel. Hülſenfruchtbau. §. 553. Hierzu zaͤhlen wir alle die Schotengewächſe aus der Klaſſe der Diadelphiſten, welche ſowohl ihres Kör⸗ ner⸗ als Stroh⸗ oder Stengelertrags wegen gebaut werden. Deren Koͤrner enthalten den Hauptbeſtandtheil der Halm⸗ getreidekoͤrner, das Staͤrkemehl, ebenfalls in Menge; ſie be⸗ ſitzen aber zugleich mehr eiweißſtoffartige Subſtanzen und unterſcheiden ſich von den andern in mehrfacher Hinſicht weſent⸗ lich. Noch groͤßerer Unterſchied waltet im Stroh ob, das von den Hülſenfruͤchten im Durchſchnitt nahrhafter iſt, als von den Halmfrüchten. Auch die Körner der meiſten Huͤl⸗ ſenfrüchte beſitzen im gleichen Gewichte etwas mehr Nah⸗ rungsſtoff, als die der Halmgetreidearten. Weiter iſt von den Hülſenfrüchten anzunehmen, daß ſie vermöoͤge ihrer Or⸗ ganiſation mehr Nahrung aus der Luft anziehen, den Bo⸗ — 217— den ſtaͤrker beſchatten, und aus beiden Gruͤnden ihn weni⸗ ger angreifen, als Halmgetreide. Endlich ſind ſie mehr wie dieſes zur Grünfuͤtterung und zur Gründüngung geeignet. Sie ſind Sommergewaͤchſe, und nur als Ausnahme kommen einige davon uͤber Winter gebaut vor. §. 554. Ohnerachtet jener vorzuͤglichen Eigenſchaften nehmen die Hülſenfruͤchte im Gaͤnzen genommen einen min⸗ der wichtigen Standpunkt in unſerem Landbau ein, als das Halmgetreide, und zwar hauptſächlich deßhalb, weil ihr Anbau durchſchnittlich nicht die gleiche Sicherheit gewaͤhrt und weil ihre Koͤrner zur menſchlichen Nahrung wie zu an⸗ derweiter techniſcher Verarbeitung in weit geringerem Ver⸗ haͤltniß verbraucht werden, als die Korner von jenen. Das Hauptconſumo der Huͤlſenfrüchte beruht auf ihrer Verwen⸗ dung zur Viehfütterung und zur Anſaat Behufs der Grün⸗ fütterung und Gründüngung, nächſtdem endlich auf dem Verbrauch als Kochfrüchte; in geringem Verhaͤltniß werden manche davon auch zu Brod mitverwendet. §. 555. Die hier näher aufzuführenden Hülſenfruͤchte ſind: I. Die Erbſe. II. Die Linſe. III. Die Wicke. IV. Die Kicher und die Platterbſe. V. Die Phaſeole. VI. Die Pferdebohne. VII. Die Lupine. Man macht auch wohl noch einen Unterſchied zwiſchen rankenden und aufrecht ſtehenden Hülfenfrüchten; zu erſteren gehören die von I. bis V., zu letzteren die unter VI. und VII. angeführten. I. Die Erbſe. §. 556. Die Erbſe, Pisum sativum, iſt eine der am ſtaͤrkſten angebauten Hülſenfrüchte. Ihre Körner werden allgemein als Nahrungsmittel der Menſchen, ſo wie als Viehfutter, beſonders fuͤr Maſtvieh, auch für die Pferde, verbraucht, und das Stroh hat einen dem mittelmäßig gu⸗ ten Heu nahe ſtehenden Futterwerth. — 218— 1. Abarten. §. 557. Es gibt mehrere Arten und Abarten, unter denen ſich zunächſt die gewoͤhnliche runde gelbe und die graue (preußiſche) Erbſe mit violetter Blüthe und etwas eckigen Koͤrnern von einander weſentlich unterſcheiden. Abarten der erſten ſind die mit mehr weißlichen, hochgelben oder grün⸗ lichen, mit groͤßeren oder kleineren Körnern. Die mit klei⸗ nen weißlichen Körnern haben eine kürzere Vegetationspe⸗ riode und werden deßhalb auch Früh⸗ oder Sommererbſen genannt. Die gruͤnlichen und großen gelben Erbſen ſind die beſten zum Speiſen, dann kommen die großen weißen, und dann die kleineren. Die graue Erbſe iſt hiefür viel rauher, ſoll aber in Norddeutſchland, wo ſie haͤufig gebaut wird, ſicherer ſeyn, als die runden gelben und weißlichen Sorten. Burger unterſcheidet noch die Kronerbſen, welche die Schoten mehr büſchelförmig anſetzen. 2. Standort. §. 558. Die Erbſe kömmt auf allen Bodenarten fort, welche nicht ſehr ſtark gebunden oder ſonſt naßkalt, oder ſehr loſe, trocken und arm ſind. Sie liebt, wie alle Hül⸗ ſenfrüchte, etwas Kalkgehalt. Fetter Boden iſt einem be⸗ friedigenden Körnerertrage ungünſtig und mooriger oder ſonſt ſaurer Boden taugt nicht für Erbſen. Sie moͤgen am lieb⸗ ſten ein mäßig feuchtes Klima; auch ſprechen ſie, wegen ihrer faſt fünf Monate zu ſchätzenden Vegetationsperiode, einen nicht zu kurzen Sommer an; dagegen vertragen ſie die Fruͤhjahrsfroͤſte und alſo auch eine fruͤhe Saat. §. 559. Ihr gewöhnlicher Standpunkt in der Frucht⸗ folge iſt, wie in der Regel bei allen ſogenannten Blatt⸗ früchten, nach Halmgetreide. Beſonders günſtige Vorfrucht fuͤr fie ſind die Kartoffeln. Nach ſich ſelbſt liebt die Erbſe nicht bald wiederzukehren. — 219— An manchen Orten hält man auf die Regel, die Erbſen nur alle ſechs Jahre wieder auf dieſelbe Stelle zu bringen. 3. Beſtellung und Pflege. §. 560. Da die Erbſe eine rauhe Beſtellung vertraͤgt, ſo wird gewoͤhnlich nur einmal und zwar unmittelbar vor der Saat dazu gepflügt. Auf nicht ſtark gebundenem Boden iſt tiefes Aufpflügen im Herbſte und ein flaͤcheres zweites Pfluͤgen im Frühjahre ohnſtreitig beſſer. Starke Düngung veranlaßt leicht ein ſtarkes Wachſen ins Stroh und gerin⸗ gen Koͤrnerertrag; deßhalb thut man wohl, der Erbſe ein Land in zweiter oder dritter Tracht anzuweiſen, das noch kräftig genug dazu iſt; oder doch nur halbe Düngung zu geben, welche bei dem gebundeneren Boden lieber erſt nach der Saat übergeſtreut wird. Kalk⸗ und Gipsduͤngung wir⸗ ken vorzüglich auf Erbſen. Nach Gips gezogene Erbſen kochen ſich nicht weich, ebenſo die von ſtark kalkhaltigem Boden. §. 561. Die gewöhnliche Saatzeit für die Erbſen iſt möglichſt fruͤhe, und ſobald das Feld hinlänglich abgetrock⸗ net iſt. Die ſogenannten Sommererbſen werden haͤufig erſt im Mai geſaͤt. Auf dem leichteren und Mittelboden iſt ein Unterpfluͤgen zu mäßiger Tiefe, oder bei fruͤher vorausge⸗ gangenem Pflügen Unterextirpiren, dem Untereggen vorzu⸗ ziehen, das ſich fuͤr den mehr geſchloſſenen Boden empfiehlt. In England ſoll es öfters geſchehen, daß man die Erbſen ſchon im Spatherbſt ſät. §. 562. Das gewoͤhnliche Saatquantum iſt 1 ⅜ bis 2 ½ Sr. p. M.(1 bis 1,3 pr. Scheff. p. pr. M.— 2 ½ bis 4 Sri. p. w. M.). Sollen die Erbſen aber ſpäter be⸗ hackt werden(§. 563), ſo iſt die Saat bedeutend ſchwächer zu nehmen. §. 563. Der gewoͤhnlichen Erbſenſaat iſt Durcheggen, wenn ſie etwa zwei Zoll hoch und der Boden weder zu naß — 220— noch zu trocken iſt, zuträglich, zu welchem Ende nach dem Unterpflugen unmittelbar nach der Saat das Eggen unter⸗ bleibt. Auf loſem Boden verdient das Walzen zu jenem Zeitpunkte den Vorzug. Auch kann ſpaͤter, wenn ſich viel unkraut einſtellt, das Jaͤten rathſam werden. In mehreren Gegenden werden die verhaͤltnißmäßig dünn oder auch in Stufen geſäten Erbſen mit der Hand durchhackt, was ihr Gedeihen weſentlich fördert. Da dieß jedoch bei den meiſten Wirthſchaften im Großen unthunlich iſt, ſo hat man viel⸗ fach die Drillcultur angewendet, wovon die Reſultate jedoch nur dann befriedigend ſind, wenn Boden und Witterung die verſchiedenen Arbeiten dabei beguͤnſtigen. Oft kann das Land nicht in den zur Drillcultur geeigneten Zu⸗ ſtand vor der Saat geſetzt werden. Iſt es zu naß in der Zeit, wo die Pferdehacke gehen ſoll, ſo muß man ſpäter, wenn ſich die Erbſen ſchon zu ſehr über den Boden verbreitet haben, das Handhacken nicht ſcheuen. Iſt der Sommer ſehr trocken, ſo beſchatten die gedrillten Erbſen den Boden weniger, als die breitwürfigen. Man drillt ge⸗ wöhnlich in Reihen von 1 ½ bis 2 Fuß Entfernung. §. 564. Die Erbſen leiden oft ſtark vom Mehlthau, und in deſſen Folge von den Blattläuſen, dann vom Wurme, welches die Larve vom Erbſenkäfer iſt. Hiegegen ſoll Ein⸗ beizen des Saamens mit aufgelößtem Vitriol und Kalk eini⸗ germaßen nützen. Wird ihre Vegetation durch feuchte Wit⸗ terung befördert, ſo lagern ſie ſich ſtark und ſetzen wenig Schoten an. Man hat, letzterem vorzubeugen, das Stiefeln mit Reiſern an⸗ gewendet, was aber die Erndte wieder beläſtigt. Man verſuchte auch ſchon nicht ohne guten Erfolg, nachdem die Erbſen aufgegangen, den Acker mit Stroh zu überdecken. 4. Erndte und Ertrag. §. 565. Die Erndte fällt von Anfang Auguſt bis Ende September. Die Erbſen reifen ungleich und man muß zur — 221— Erndte ſchreiten, wenn die unterſten Schoten ihre Reife erlangt haben. Die mit der Senſe oder Sichel abgemach⸗ ten Ranken werden ſogleich, oder wenn ſie noch viel Grünes enthalten nach ein paar Tagen, in Haufen aufgewickelt, welche liegen bleiben, bis die gruͤneren Theile vollends trocken ſind; tritt dabei Regenwetter ein, ſo muß das Wen⸗ den oder Ruͤhren mit großer Vorſicht geſchehen, denn regne⸗ riſche Witterung verurſacht Aufſpringen der Schoten und ſtarker Körnerverluſt iſt die weitere Folge. Auch die Qua⸗ lität des Strohes leidet dabei ſehr. Die Anwendung der Heinzen(§. 202) iſt für die Erbſen umd andere rankende Hülſenfrüchte beſonders zu empfehlen. §. 566. Der Ertrag iſt mehr noch nach der Witte⸗ rung, als nach dem Boden verſchieden. Er kann ſich von 1 ½ bis zu 6 Mlktr. p. heſſ. Morgen verhalten; ein Mittel⸗ ertrag iſt etwas unter oder über 3 Mltr.(7— 8 pr. Scheff. p. pr. M.— 3 Scheff. p. w. M.). Auch der Strohertreig iſt ſehr wandelbar und darf zu 8 bis 20 Ctnr. p. h. oder pr. M.(10 bis 25 Ctnr. p. w. M.) angenommen werden. Meiſtens darf man unter zwei Jahren nur auf eine gute Erbſen⸗ erndte rechnen, und gänzliche Mißerndten ſind auch keine Seltenheit. Das heſſ. Malter Erbſen wiegt 204 bis 210 Pfund.— Der Marktpreis ſteht meiſtens etwas über dem vom Roggen. Ueber gemiſchte Saat von Erbſen und Sommerroggen u. ſ. w. ſ.§. 518, und über Benutzung zur Grünfütterung§. 259. 264. I. Die Linſe. §. 567. Die Linſe, Ervum lens, iſt gleich dere Erbſe eine allgemein im Verbrauche ſtehende Kochfrucht, wird aber ihres unſicheren Ertrags und geringen Stroh ertrags wegen lange nicht in der Ausdehnung wie die Erbſe gebaut; eben deßhalb wird ſie als Viehfutter in der Regel nicht verwendet. Sie uͤbertrifft in der Nahrhaftigkeit noch die —— — 222— Erbſe und das Linſenſtroh hat ziemlich den gleichen Werth wie Heu. §. 568. Auch von der Linſe gibt es mehrere Abarten, unter denen außer der gewöhnlichen Art beſonders die weit größere ſogenannte Pfennigslinſe bemerkenswerth iſt, welche jedoch auf geringem Boden bald ausartet. Dann gibt es auch ſchwarze und weiße Linſen, letztere mit mehr rundlichen Koͤrnern. Die unter dem Halmgetreide gebaut werdende Winterlinſe(§. 516) iſt der gewoͤhnlichen über Sommer ge⸗ bauten äußerlich faſt ganz ähnlich. §. 569. Die Linſe will mehr loſen, als gebundenen, und koͤmmt noch auf trocknerem Boden als die Erbſe. Na⸗ mentlich liebt ſie in nur mäßiger Kraft ſtehenden(nicht fet⸗ ten) und zugleich einen kalkhaltigen, ſo wie etwas ſchieferi⸗ gen, kieſigen oder ſteinigen Boden. Auf Vorfrüchte braucht man wenig oder keine Rückſicht zu nehmen. §. 570. Das Feld wird wie zu den Erbſen vorberei⸗ tet. Friſche Düngung iſt nicht rathſam. Wird der Acker im Herbſt vorbereitet, ſo kann man im Fruͤhjahr obenauf ſäen. Man ſät ſie etwas ſpaͤter als Erbſen, und bringt ſie ſtets mit der Egge unter. Das Saatquantum iſt, der bedeutend kleineren Koͤrner halber, um%¼ geringer, als bei den Erb⸗ ſen(§. 562). §. 571. Die Linſen müſſen in der Regel gejätet wer⸗ den. Drillcultur duͤrfte fuͤr ſie ſehr angemeſſen ſeyn. Ihre Vegetationsperiode iſt etwas kuͤrzer, als die der Erbſen. §. 572. Sie werden ausgerauft oder auch gemäht, wenn die unteren Schoten braͤunlich werden. Mit dem Ein⸗ bringen muß man eilen, ſobald ſie hinlänglich getrocknet ſind, da ungünſtige Witterung noch größeren Koͤrnerverluſt zur Folge hat als bei den Erbſen. — 223— §. 573. Auf günſtigem Boden koͤmmt der Körner⸗ ertrag dem Mittelertrag der Erbſen(3 Mltr. p. heſſ. Mor⸗ gen) gleich, und kann in glücklichen Faͤllen noch die Hälfte höher ſteigen. Der Strohertrag kann nicht hoͤher, als zu 5 bis 7 Centner p. h. M. angenommen werden. Ueber den Anbau der Linſe unter Gerſte ſ.§. 519. III. Die Wicke. §. 574. Die Wicke, Vicia sativa, iſt zur menſchlichen Nahrung zwar ungeeignet, dagegen wird ſie des Viehfut⸗ ters wegen, beſonders zur Anſaat von Gruͤnfutter und fuͤr grüne Düngung ſtark gebaut. §. 575. Von unſerer gewöhnlichen uͤber Sommer ge⸗ bauten Wicke gibt es Abarten mit helleren und dunkleren Koͤrnern. Weſentlich verſchieden davon iſt die großkoͤrnige, ſogenannte narbonniſche Wicke, welche jedoch bis jetzt in Deutſchland keinen Vorzug bewaͤhrt hat. Dagegen verdient die in England und den Niederlanden einheimiſche Winter⸗ wicke, unterm Roggen gebaut(§. 268), unſere beſondere Aufmerkſamkeit. Dieſe Winterwicke hat bedeutend ſchmalere Blaͤtter als die gewoͤhnliche Sommerwicke. Thär und Andere nach ihm machen auch einen Unterſchied zwi⸗ ſchen hoch wachſender Wicke mit längerer, und niedriger bleibender Wicke mit kürzerer Vegetationsperiode; ich bin aber verſucht zu glauben, daß der Unterſchied hauptſächlich auf Lage und Boden beruht. §. 576. Die Wicke gedeiht auf jedem Boden, wo die Erbſe fortkömmt; ſie verträgt aber auch ſchwereren und feuchter gelegenen Boden und kaͤltere Lage beſſer, als dieſe; auch mit ſteinigem und ziemlich magerem Boden nimmtzlſie eher vorlieb. In Bezug auf Vorfrucht und Wiederkehr bedarf ſie keiner beſonderen Ruͤckſicht. Aus dieſen Urſachen dient ſie ſo häufig als Lückenbüßer bei Uebergängen in den Fruchtfolgen. — — 224— §. 577. Auch in der Beſtellung werden wenig Um⸗ ſtände mit den Wicken gemacht. Mit der Duͤngung muß man nur in ſo ferne vorſichtig ſeyn, als man für die zum Reifwerden beſtimmten, aus denſelben Urſachen wie bei den Erbſen(§. 560), nach Lage und Boden keine zu ſtarke Düngung geben darf. Ihre Vegetationsperiode iſt kürzer, als die der Erbſen; fruͤhe Saat iſt daher nicht ſo ſehr, als bei dieſen geboten, und bis Mitte Mai geſaͤte Wicken wer⸗ den in den mittleren Lagen Deutſchlands noch reif. §. 578. Sollen die zum Reifwerden beſtimmten Wicken fuͤr ſich allein geſät werden, ſo bedarf man 1 ½ bis 1 Simmer p. heſſ. Morgen(0,85 bis 1 Scheff. p. pr. M.— 2 ½ bis 3 Sri. p. w. M.). Zur Grünfütterung, mit Ha⸗ fer'c. vermiſcht(§. 259), wird bis zur Haͤlfte ſtaͤrker ge⸗ ſät. Auch zum Reifen iſt die gemiſchte Saat mit Hafer, ſeltener mit Gerſte(§. 519), ſehr gewoͤhnlich, in welchem Falle man ¼ bis ¼ mehr ſät, als bei reinen Wicken. Die Saat wird in der Regel mit der Egge untergebracht. Der Gips leiſtet bei den Wicken vorzügliche Dienſte. §. 579. Bei anhaltend trocknem Wetter bleibt die Saat ſehr zurück, leidet auch alsdann nach dem Aufgehen leicht von den Erdflöhen und Spinnen. Beſondere Pflege wird den Wicken weiter nicht zu Theil. §. 580. Die Behandlung bei der Erndte iſt dieſelbe, wie bei den Erbſen. Der Körnerertrag der rein gebauten Wicken koͤmmt dem der Erbſen auf gutem Boden nicht ganz gleich. Doch iſt der Mittelertrag dem von jenen, wegen des weniger haͤufigen Mißrathens, an die Seite zu ſetzen (§. 566). Der Strohertrag iſt zu 12 bis 16 Centner p. heſſ. oder pr. M. anzunehmen. Das Stroh hat wenigſtens gleichen Futterwerth mit dem Erb⸗ ſenſtroh. Der Futterwerth der Körner iſt nur weuig geringer, als der von den Erbſen. Der Marktpreis der Wicken ſteht gewöhnlich dem vom Roggen nahe. — 225— IV. Kicher und Platterbſe. §. 581. Die Kicher, Cicer arietinum(C. sativum) und die Platterbſe, Lathyrus sativus, werden hier und da ſeit lange her von dem kleineren Landmann theils der Koͤr⸗ ner wegen, theils als Grünfutter angebaut. Die erſtere ſteht in Bezug auf Benutzung des Korns oder des Krauts zur Gruͤnfütterung der Wicke, letztere der Erbſe näher. Die Kicher nimmt noch mit magerem Boden vorlieb und verträgt trockne Witterung und Lage. Die Platterbſe macht ähnliche Anſprüche wie die Erbſen; beide ſtehen aber fuͤr gewöhnlich im Ertrage den Wicken und reſp. Erbſen nach. In älterer Zeit wurden ſie in manchen Gegenden ſtärker ge⸗ baut, wie namentlich die Kicher in der Pfalz, welche übrigens da⸗ ſelbſt unter Stoppelrüben, Behufs der Benutzung als Grünfutter im Kleinen, noch häufig zu ſehen iſt(§. 276).. §. 582. Ihre Cultur iſt wie die der Wicken und Erb⸗ ſen; doch muß man ſie, wenigſtens die Kicher, verhaͤlt⸗ nißmaͤßig dünner ſäen. Ueber den Ertrag können keine Zah⸗ len mit Zuverlaͤſſigkeit angegeben werden. Die Platterbſe, ſei es nun dieſe oder eine andere Art derſelben (§. 285), verdient wegen ihres ſtarken Wuchſes in's Kraut und der Nahrhaftigkeit des letzteren immerhin der Beachtung und weitere vergleichende Verſuche damit ſind zu wünſchen. V. Di e⸗ Phaſeole. §. 583. Die Phaſeole, Zwergbohne, Fitz⸗ oder Schminkbohne, Phaseolus nanus, wird in mehreren der milderen Gegenden von Deutſchland, wie in den Main⸗- und Rheingegenden, in Franken, um Erfurt ꝛc., im Groͤßeren gebaut. Ihre Körner ſind eine beliebte Speiſe und unter dafuͤr geeigneten Verhaͤltniſſen kann ihr Anbau ſehr einträg⸗ lich ſeyn. Sie ſind übrigens mehr als ein behacktes Handelsgewächs zu betrachten, denn ihr Strohertrag iſt ſehr gering, wohl aber greifen Pabſt Landwirthſch. I. 2. 15 —— — 226— ſie den Boden ſtark an. In beiden Beziehungen muß man ſie alſo von den bisher angeführten Hülſenfrüchten wohl unterſcheiden. §. 584. Es gibt, beſonders beim Gartenbau, viele Abarten. Die am gewöhnlichſten angebaute iſt die weiße; dann hat man auch gelbe und bunte Zwergbohnen. §. 585. Die Phaſeole verlangt einen mehr leichten als ſchweren, und beſonders einen warmen Boden. Das Land ſoll wohl vorbereitet und entweder gut durchduͤngt ſeyn, oder man düngt mit verrottetem Miſt in Stufen vor der Saat. §. 586. Da die kleine Bohne keinen Froſt ertraͤgt, ſo darf vor Ende April nicht zur Saat geſchritten werden. Man legt oder ſteckt in Stufen oder Reihen in der Ent⸗ fernung von 1 ½ bis 2 Fuß. Spaͤter werden ſie wie andere Hackfrüchte behandelt. Beim Stufenbau wirft man immer 3 bis 5 Bohnen zuſammen. Im Größeren kann ſich die Drillcultur auf zuſammengeſchlagenen Kämmen, welche den Dünger bergen, oder zwiſchen Balken, nur empfehlen. Ueber den Anbau der Phaſeole unter dem Maiſe ſ.§. 546. §. 587. Sind die Bohnen im Nachſommer reif, ſo werden ſie ausgerauft, und theils auf dem Felde, theils zu Hauſe(auf luftigen Boͤden ꝛc.) völlig getrocknet und her⸗ nach gedroſchen. Der Ertrag beläuft ſich auf 3 bis 5 Mltr. p. heſſ. Morgen(7 bis 12 Scheff. p. pr. M.— 2% bis 4%⅜ Scheff. p. w. M.). Der freilich nur geringe Stroh⸗ ertrag eignet ſich vortrefflich zur Fütterung. Da ſie im Preiſe häufig dem Weizen gleich ſtehen, ſo läßt ſich die Vortheilhaftigkeit des Ertrags, da wo ſie gut fortkommen und Marktwaare ſind, leicht ermeſſen. VI. Die Pferdebohn e. §. 588. Die Acker⸗ oder Pferdebohne, Vicia faba, iſt noch eines der wichrigſten, im Großen am meiſten ange⸗ bauten Schotengewächſe. Sie iſt die paſſendſte Hackfrucht für den ſchweren Boden und gewaͤhrt unter günſtigen Loka⸗ litaͤten einen hohen Koͤrnerertrag, der zwar zur menſchlichen Nahrung eine ſehr beſchränkte Anwendung, hauptſaͤchlich nur durch Zumengen in geringem Verhältniß unter die ge⸗ woͤhnliche Brodfrucht, findet, aber ein vortreffliches Maſt⸗, Milch⸗ und Pferdefutter iſt. Die Bohne entzieht übrigens dem Boden weit mehr Kraft, als die Erbſen, Wicken ꝛc., und iſt in dieſer Beziehung zu den zehren⸗ den Früchten zu rechnen. §. 589. Von der gewöhnlichen Pferdebohne iſt die Sau⸗ oder Buffbohne eine weſentlich verſchiedene Abart. Letztere hat weit größere plattere Koͤrner als erſtere, wird aber nur ſelten in einiger Ausdehnung auf dem Felde, ſon⸗ dern mehr in Gaͤrten und von den kleinen Grundbeſitzern unter anderen Hackfrüchten als Gemüſe gebaut. Von der im Korn kleineren eigentlichen Ackerbohne gibt es auch noch mehrere Varietäten mit größeren, etwas platteren, kleine⸗ ren mehr runden Körnern ꝛc. Die Saubohne reift übrigens früher, als die Pferdebohne. §. 590. Die Bohne liebt ein maͤßig kühles Klima, das jedoch eine frühe Beſtellung geſtatten muß; iſt die ſicherſte und eintraͤglichſte Hülſenfrucht fuͤr den ſchweren, zugleich kraͤftigen Boden; ſie kömmt jedoch auch gut auf kräftigem Mittelboden bis zum feuchten ſandigen Lehm. Stark an Naäͤſſe leidender oder flachgruͤndiger Boden iſt uͤbri⸗ gens nicht geeignet für dieſe Fruchtgattung. Auf die Vor⸗ frucht braucht keine beſondere Rückſicht genommen zu wer⸗ den, doch darf das zu Bohnen gewählte Land nicht ſtark vergraßt ſeyn. Die Nachfrucht iſt meiſtens mit entſchiedenem Vortheile Weizen oder auch Spelz. §. 591. In der Regel ſoll zu den Bohnen friſch ge⸗ düngt werden, und niemals kann die Düngung dazu zu 15* — † 1 I * 1 1 4 1 1 ————— ſtark ſeyn; nur auf noch ſehr kraftvollem Felde kann ſolche unterbleiben. Sie werden zwar meiſtens einfährig beſtellt, indem damit zugleich der Miſt unterkoͤmmt; zu einer guten Bohnencultur aber gehört ein im Herbſt vorausgegangenes Tiefpflügen. 3 Der Dungwagen ſoll wo möglich noch bei Froſt auf das Feld gehen, damit die frühzeitige und gute Beſtellung durch ein ſpäteres Miſtfahren auf dem weichen Boden im erſten Frühjahre nicht geſtört werde. Kann man ſchon im Herbſt düngen, ſo iſt dieß um ſo beſſer. Beim Drillen wird am beſten der Dünger in die Drillfurchen ein⸗ gelegt. §. 592. Die ſo früh als möglich vorzunehmende Saat wird in der Regel untergepfluͤgt. Die Reihenſaat verdient unbedingt den Vorzug vor der breitwuͤrfigen; zu dem Ende drillt man gewöhnlich in die zweite oder dritte Furche. Man ſät breitwürfig ohngefaͤhr 3 Sr.(1 ½ pr. Scheff.) p. heſſ. oder pr. Morgen(5 Sri. p. w. M.)— gedrillt bis ½ weniger. §. 593. Die ein paar Zoll langen jungen Bohnen werden gehoͤrig abgeeggt; die in Reihen geſaͤten werden ſpaͤ⸗ ter mit Cultivator und Pferdehacke bearbeitet, und auch die breitwuͤrfig geſaͤten verlangen zu einem guten Gedeihen ein zweimaliges Hacken(Felgen) mit der Hand, wobei ſie zu⸗ gleich verdünnt werden, falls ſie zu dicht ſtehen, indem ſonſt dadurch dem vollſtändigen Koͤrneranſatz Abbruch ge⸗ ſchieht. §. 594. Die Bohnen werden leicht vom Roſte, Mehl⸗ oder Honigthau befallen, was ſtets verminderten Ertrag, ja zuweilen Mißerndte zur Folge hat. Man empfiehlt ge⸗ gen den Roſt das Streuen von Salzabfällen über die noch nicht erwachſenen Bohnen, das wie das Gipſen bei den Boh⸗ nen uͤberhaupt günſtig wirkt. Gegen das Zunehmen der nach eingetretenem Honigthau in der Krone niſtenden Blatt⸗ läuſe wird das Abſchlagen der Kronen(das Gipfeln) empfoh⸗ — 229— len, jedoch nicht eher als bis die unteren Schoten völlig angeſetzt haben, wo es uͤberdieß einen vollkommeneren Saa⸗ menanſatz und fruͤhere, gleichere Reife bewirkt. In manchen Lagen leiden die Bohnen durch jene Krankheiten ſo häufig, daß ihr Anbau nicht mehr räthlich bleibt. §. 595. Die Vegetationsperiode der Bohnen iſt auf ohngefähr 6 Monate anzuſchlagen. Sie reifen, ſelbſt bei frühzeitiger Ausſaat, erſt im September, und nicht ſelten fällt ihre Erndte erſt in den October. Dieſe beginnt, ſo⸗ bald die meiſten Schoten ſchwarz erſcheinen. Man bindet die abgethanen Bohnen nach ein oder zwei Tagen in Bündel (kleine Bunde) und ſtellt deren 5 bis 6 zuſammen, damit ſie vollends austrocknen, was meiſtens mehrere Wochen dauert. §. 596. Der Ertrag verhält ſich, wenn die Bohnen nicht mißrathen, nach Lage und Boden zwiſchen 3 ½¼ und 6 ½ Mltr. p. heſſ. Morgen, und unter ſehr guͤnſtigen Um⸗ ſtaͤnden noch hoͤher(7 bis 14 Scheff. p. pr. M.— 3 bis 6 Scheff. p. w. Morgen).— Der Strohertrag iſt zwiſchen 10 und 18 Ctnr. p. heſſf. oder pr. M. anzunehmen. Der Marktpreis ſteht gewöhnlich etwas niederer, als von den Erbſen; der Futterwerth zwiſchen dieſen und den Wicken. Das Kaff und die weicheren Theile des Strohes von gut gediehenen und gut getrockneten Bohnen iſt von bedeutendem Futterwerthe; der harte Theil der Stengel muß zerquetſcht werden, um zum Streuen geeig⸗ net zu ſeyn. Man hält an manchen Orten, beſonders in England, wo die Bohnen ſtark cultivirt werden, für einträglich, etwas Erbſen mit den Bohnen auszuſäen. Ueber deren Anſaat unter Hafer ſ.§. 521, und Verwendung zu Grünfutter§. 259, VII. Die Lupine. §. 597. Die weiße Lupine oder Wolfsbohne, Lupinus albus, wird von lange her in Italien und im ſuͤdlichen — — —-— 230— Frankreich Behufs der grunen Düngung angebaut. Durch v. Wulffen wurde ſie zum gleichen Behufe ſeit etwa 20 Jahren in Deutſchland verbreitet und wird jetzt in einigen Gegenden von Preußen häufig hierzu mit Erfolg be⸗ nutzt. Schon die Römer bedienten fich ber Lupine allgemein zur Grün⸗ düngung.. §. 598. Sie gedeiht im deutſchen Klima recht gut; nur koͤmmt ſie, ſelbſt bei früher Saat,— die ſie übrigens geſtattet, da ihr leichte Froͤſte nicht ſchaden,— nicht über⸗ all zur voͤlligen Saamenreife. Sie gedeiht am beſten auf einem warmen Boden, und wenn ſie auch bei wenig Kraft noch aufkömmt, ſo entſpricht doch eine größere Maſſe an Ertrag einem ihr eingeräumten kräftigeren Boden. Auf naſſem ſchwerem Boden koͤmmt ſie nicht fort. §. 599. Zur Gründüngung wird das Land im Früh⸗ jahr einmal gepflügt, und im Mai oder Juni die Saat flach untergepflügt oder auch mit dem Extirpator unterge⸗ bracht. Man ſaͤt 2 ½ bis 3 Sr.(1 ½ pr. Scheff.) P. heſſ. oder pr. Morgen. Die herangewachſene Lupinenſaat iſt gewoͤhnlich Ende Auguſt oder Anfang September zum Maͤhen und Unterpflügen geeignet und wird auf Sandboden zu 80 bis 125 Ctnr. p. heſſ. oder pr. Morgen angeſchlagen, welche fuͤr die danach gebaute Frucht(gewoͤhnlich Roggen) die Wirkung einer mittelmäßigen Duͤngung haben ſollen. §. 600. Zum Saamenziehen beſtimmt man nur ſo viel Land, als man bedarf, um den erforderlichen Saamen für ſeine Gründungſaaten zu gewinnen; es ſey denn, daß man Vortheil dabei findet, ihn zum Verkaufe zu bauen, was in Gegenden der Fall ſeyn kann, wo die Verwendung der Lupinen zur Gründungung bereits eingefuͤhrt iſt. Das Land muß zu dem Behufe im Herbſt gepflügt(nicht ge⸗ düngt) ſeyn, und wird dann im April am beſten in Reihen — 2331— geſät, welche demnaͤchſt als Hackfrucht behandelt werden. Man braucht dann nur /¼ des vorhin zu Gründung ange⸗ gebenen Saatquantums. v. Wulffen meint, die völlige Reife ſey am beſten auf reinem, mittelmäßigem Sandboden zu erreichen; v. Voght zieht einen ſandi⸗ gen Lehmboden in mittelmäßiger Kraft zum Saamenziehen vor. §. 601. Die Lupine treibt mehrmals Seitentriebe, welche ſpäter bluͤhen und Schoten anſetzen, als der Haupt⸗ trieb. Deßhalb iſt die Reife ungleich und die Erndte ver⸗ zögert ſich oft bis in den November, was jedoch keinen Koͤr⸗ nerverluſt zur Folge hat, da die fruͤher gereiften lederarti⸗ gen Schoten nicht abfallen oder aufſpringen. Uebrigens werden ſie wie die Bohnen bei der Erndte behandelt(§. 595), denen ſie im Mittelertrag an Koͤrnern auch leicht nahe kom⸗ men(3 bis 4 Malter, 7 bis 9 pr. Scheff. p. heſſ. oder pr. Morgen). Die von Wulffeu acclimatiſirte Lupine ſoll jetzt ſicherer zur Reife kommen, als die, welche aufänglich von dem aus dem ſüdlichen Frankreich nach Norddeutſchland gebrachten Saamen gezogen ward. Falls in ſchlechten Herbſten das Ganze nicht zur Reife kommen will, bricht man den erſten reifen Schotenanſatz aus; dieß kann auch bei einer zeitig und nicht zu dicht gemachten Gründungſaat geſchehen. §. 602. Die gruͤnen Lupinen werden von jeglichem Viehe verſchmäht, und auch die Körner enthalten einen ſo bitteren Stoff, daß ſie ſich zur Fütterung nicht wohl eig⸗ nen. Die Benutzung dieſer Pflanze beruht alſo lediglich auf deren Verwendung zur Gründuͤngung, wozu ihr aber, nach den bis jetzt bekannten Erfahrungen, das Land einen ganzen Sommer eingeraͤumt werden muß. In einigermaßen in Kraft ſtehenden Wirthſchaften duͤrften deßhalb die ſchneller wachſenden, zur Stoppelſaat geeigneten Gruͤndungpflanzen meiſtens den Vorzug behalten; fuͤr Wirthſchaften mit ge⸗ ringem Sandboden und bei Abgang anderer zureichender ————— — 232— Mittel zur Hebung der Bodenkraft, hat aber die Lupine einen Werth. Man vergleiche: C. v. Wulffen, über den Anbau der weißen Lupine, Magdeburg 1828. Drittes Capitel. Sonſtiger Körnerfruchtbau. §. 603. Als weder zum Halmgetreide, noch zu den Schotenfrüchten zu zaͤhlendes Getreide bleibt blos noch der Buchweizen übrig. Ein anderes Gewächs, das ſeit einigen Jahren verſuchsweiſe gebaut worden iſt und Aufmerkſam⸗ keit erregt hat, die Quinoa, moͤge nach ihm hier noch beiläufig erwaͤhnt werden. Der Buchweizen. §. 604. Der Buchweizen oder das Heidekorn, Poly- gonum fagopyrum, liefert ein ſehr mehlhaltiges Korn, deſ⸗ ſen Gruͤtze und Mehl in vielen Gegenden Deutſchlands einen ſtarken Verbrauch findet, als Viehfutter ſehr ſchätzbar, und auch zur Brandweinbrennerei verwendbar iſt. Auch als Grünfutter(§. 259, 263) und zur Gruͤnduͤngung hat der Buchweizen betraͤchtlichen Werth, und da er auch auf ge⸗ ringem Boden und in rauhem Klima fortkömmt, ſo iſt er beſonders für die in beider Hinſicht von der Natur wenig beguͤnſtigten Landſtriche von großem Werthe. Der Buchweizen ſoll eigentlich im nördlichen Aſten einheimiſch und im fünfzehuten Jahrhundert durch die Eroberer des griechiſchen Reichs nach Europa verbreitet worden ſeyn. — 233— §. 605. Außer dem gewöhnlichen Buchweizen hat man in Deutſchland neuerer Zeit auch den tartariſchen(P. tar- taricum) anzubauen verſucht, der jedoch wegen ſeiner dick⸗ ſchaligeren Körner mit geringerem Mehlgehalte dem gewöhn⸗ lichen nachzuſetzen iſt, wenn ſchon er ſicherer gedeihen und tragen ſoll. Dem tartariſchen Buchweizen ähnlich iſt der ſogenannte Stein⸗ buchweizen, deſſen Korn von heller Farbe und buckelig mit wenig und ſchlechtem Mehl, und der in manchen Gegenden, z. B. im Odenwald, als Unkraut unter dem gemeinen Buchweizen häufig vorkömmt. §. 606. Der Buchweizen iſt eine Pflanze fuͤr den ſan⸗ digen, auch lehmſandigen und moorigen Boden; in Gebir⸗ gen baut man ihn auch auf mehr gebundenem(z. B. auf baſaltſteinigem) Boden; auf zaͤhem, naſſem oder ſehr fettem Boden kann er mit Erfolg nicht gebaut werden. Er iſt zwar ſehr empfindlich gegen die Kälte, findet aber wegen ſeiner nur drei Monate währenden Vegetationsperiode doch in rauhem Klima ſeinen Platz. Einige Kraft und Feuchtigkeit verlangt er übrigens auch, wenn er auf dem geringen Sande noch gedeihen ſoll. §. 607. Ohne daß die Vorfrucht beruͤckſichtigt zu wer⸗ den braucht, ſoll das Land zu Buchweizen, welcher zum Reifen beſtimmt iſt, durch zweimaliges Pflügen, Eggen ꝛc. rein und locker vorbereitet werden. Auf ſchwachem Lande gibt man eine halbe Düngung. Die Saatzeit faͤllt zwiſchen Mitte Mai und Mitte Juni. Die ohngefähr halb ſo ſtark als Roggen gegriffene Saat(%¾ bis 1 Sr. oder 0,4 pr. Scheff. p. M.) wird flach untergeeggt. Nach dem Aufge⸗ hen iſt Walzen zu empfehlen. Auf Moorboden oder in Hackwaldungen geht Bodenbrennen vor⸗ aus, wouach der Buchweizen beſonders gut gedeiht. In weniger rauhen Gegenden baut man ihn auch als Stoppel⸗ frucht noch zum Reifwerden, in welchem Falle er auf die geſtürzte — 234— Kornſtoppel geſät wird. Beſſer iſt, den Sioppelbuchweizen zur Grünfütterung oder Gründüngung zu beſtimmen. §. 608. Iſt dem Buchweizen ein einigermaßen reines und gut vorbereitetes Land gegeben worden, ſo hängt ſein weiteres Gedeihen in höherem Grade von der Witterung ab, wie bei andern Getreidearten. Anhaltende Duͤrre wie Naͤſſe, ſowie kalte, ſcharfe Winde, beſonders in der Bluͤ⸗ thezeit, bringen dem Ertrage großen Nachtheil. Selbſt haͤu⸗ fige Gewitter zur Blüthezeit ſollen dem Koͤrneranſatz nach⸗ theilig ſeyn. Geraͤth er aber einigermaßen, ſo läßt er kein Unkraut aufkommen, und bringt ſelbſt die Quecken zum Abſterben. Beachtenswerth iſt noch, daß der blühende Buchweizen eine treffliche Bienennahrung darbietet. §. 609. Iſt Ende Auguſt oder im September die Mehrzahl der Koͤrner reif, ſo wird gemaͤht oder geſchnitten, und iſt darauf zu achten, daß man durch Verzoͤgerung nicht bedeutenden Körnerverluſt erleide. Da das Kraut ſchwer trocknet, ſo iſt das Aufſtellen in Büſchel(Stauchen) zu empfehlen, und weil gaͤnzliches Trockenſeyn des Krauts oft nicht abgewartet werden kann, ſo empfiehlt ſich Ausdreſchen auf dem Felde oder in der Scheuer ſogleich nach dem Ein⸗ bringen. §. 610. Der Ertrag wechſelt von 0 bis zu 8 ½ Mal⸗ ter p. h. M.(bis 20 Scheff. p. pr., 8 Scheff. p. w. M.) und kann in außerordentlichen Fällen noch bis beinahe um die Hälfte hoͤher ſteigen. Der Strohertrag uͤberſteigt ſelten 10 Ctnr. p. h. oder pr. M.— oft bleibt er darunter. Der Marktpreis wechſelt ebenfalls ſehr, überſteigt jedoch nur ausnahmsweiſe den vom Roggen, und ſteht meiſtens dem der Gerſte nahe. Man rechnet gewöhnlich nur alle 2 oder 3 Jahre auf eine voll⸗ ſtändige Buchweizenerndte. Im Futterwerthe kommen die Körner(dem Gewichte nach) dem Roggen ziemlich gleich. Das heſſiſche Malter davon wiegt 150 bis 160 Pfund. Das Buchweizenſtroh hat ſicherlich ſo gut bedeutenden Futterwerth als der grüne Buchweizen; allein da daſſelbe oft ſchon auf dem Felde, beſonders aber nach dem Einbringen durch Sitzen in Haufen leidet, wo es leicht erhitzt und ſpäter ſchimmelt, ſo er⸗ klärt ſich daraus die ſchlechte Meinung, welche man in vielen Ge⸗ genden davon hegt, ſo wie daß es allerdings nur mit Vorſicht, und wenn es in keiner Art gelitten hat, gefüttert werden darf. Die Quinoa. §. 611. Seit einigen Jahren wurde in botaniſchen Gaͤrten und hier und da auch ſchon im Felde ein aus Me⸗ xiko kommendes Gewächs, das Chenopodium Quinoa, unter dem Namen Quinoa oder mexikaniſche Reispflanze, zu cul⸗ tiviren verſucht und in Folge des beſonderen Gedeihens die⸗ ſer Pflanze und ihres reichlichen Saamenertrags, der ent⸗ hülſet wie der Reis verbraucht wird, zum Anbau empfohlen. §. 612. Die unſeren wildwachſenden Melden ſehr aͤhn⸗ liche Pflanze wird wie der Mohn cultivirt, und falls eine leicht anwendbare Methode ausfindig gemacht wird, den ſehr kleinen Saamen vollſtaͤndig von den Hülſen zu befreien, ſo könnte die Quinoa leicht groͤßere Verbreitung erlangen, denn die daraus bereiteten Suppen zeichnen ſich durch Ge⸗ ſchmack und Nahrhaftigkeit aus, und das gute Gedeihen und der reichliche Ertrag beſtätigten ſich bereits an mehre⸗ ren Orten. Jedenfalls hat die Quinoa als Federviehfutter einen Werth. Man ſehe Zeitſchrift für die landwirthſchaftlichen Vereine des Groß⸗ herzogthums Heſſen, 1839, Nr. 18. — Dritter Abſchnitt. Cultur der Handelsgewächſe. §. 613. Während bei dem gewoͤhnlichen Betriebe unſe⸗ res Ackerbaues die erzeugten Futtergewaͤchſe ganz, das er⸗ zeugte Getreide, einſchließlich des Strohes, zum groͤßeren Theile in der Wirthſchaft conſumirt werden, bauen wir in vielen, wenn auch bei weitem nicht allen Wirthſchaften auch noch Gewächſe, deren Ertrag entweder ausſchließlich, oder doch größtentheils zum Verkaufe beſtimmt iſt, und welche nur theilweiſe der Wirthſchaft als Dungmaterial zu gebrau⸗ chende Abfaͤlle zuruͤcklaſſen. Dieſe Gewaͤchſe werden im All⸗ gemeinen Handelsgewächſe benannt. §. 614. Ein weiterer Unterſchied zwiſchen den Han⸗ delsgewächſen einer- und den Futterpflanzen und dem Ge⸗ treide andererſeits beſteht darin, daß dieſe zunaͤchſt oder groͤß⸗ tentheils zur menſchlichen und thieriſchen Nahrung dienen, waͤhrend jene hauptſaͤchlich zu vielen anderen Bedürfniſſen und gewerblichen Zwecken verwendet werden, weßhalb man ſie auch, und eigentlich richtiger, Fabrik⸗ und Gewerbs⸗ pflanzen nennt. Werden Futtergewächſe, z. B. Kartoffeln, Rüben, Kohl, Klee oder Körnerfr Fchte ſammt dem Stroh aus der Wirthſchaft verkauft; ſo ſind ſie in Bezug auf ihre Stellung in der Fruchtfolge mit den Handelsgewäͤchſen in eine Cathegorie zu ſetzen, wie es ſich denn auch nicht ſelten trifft, daß es vortheilhafter für eine Wirthſchaft iſt, eines jener Gewächſe als Handelsgewächs zu bauen, ſtatt eine der gewöhnlich unter dieſer Benennung aufgeführten Pflanzen; ja einige unter den Futterpflanzen und Körnerfrüchten abgehandelten Gewächſe dürften ſogar eben ſo gut als Handelsgewächſe aufgeführt werden, wie Kopfkohl, Phaſeolen, Mais. §. 615. Die meiſten Handelsgewächſe bieten die Ge⸗ legenheit dar, mittelſt größeren Aufwands von Arbeit und Duͤnger einen im Geldwerthe größeren Rohertrag, als von anderen Gewächſen zu erzielen, und unter günſtigen Umſtaͤnden geſtatten ſie darüber hin auch noch einen anſehnlichen oder ſelbſt hohen Reinertrag. Da ſie aber die Bodenkraft auch in Anſpruch nehmen, öfters ſogar ſehr ſtark, und großen⸗ theils nur wenig, oft kein Dungmaterial der Wirthſchaft zuruͤckgeben; ſo verdienen alle dieſe Verhältniſſe einer ſorg⸗ fältigen Berückſichtigung und Prüfung, bevor man ſich zur Wahl von Handelsgewaͤchſen und zur Beſtimmung der Aus⸗ dehnung ihres Anbaues entſchließt. Auch daß die Pflege vieler Handelsgewächſe beſondere Geſchick⸗ lichkeit und Kunſtfertigkeit der Arbeiter erfordert, iſt nicht zu über⸗ ſehen. Das Näͤhere in gedachten Beziehungen enthält die Betriebs⸗ lehre. §. 616. Der Handelsgewaͤchſebau wird in folgende Capitel abgetheilt: 1) Oelgewaͤchſebau. 2) Geſpinnſtpflanzenbau. 3) Farbepflanzenbau. 4) Gewürzpflanzenbau. 5) Bau der Kaffeeſurrogate. 6) Bau ſonſtiger Fabrik⸗ und Gewerbspflanzen. — — — ——————————— — 238— Erſtes Capitel. Oelgewächſebau. §. 617. Hierzu zaͤhlen wir die Gewaͤchſe, deren Saa⸗ men zu Oel verwendet wird und welche dieſes ölhaltigen Saamens wegen gebaut werden. Es ſind dieß: I. Der Win⸗ terraps. II. Der Winterruͤbſen. III. Der Sommerraps und Sommerrübſen. IV. Der Mohn. V. Der Dotter. VI. Einige andere verſuchte oder empfohlene Oelgewächſe. Sodann gehören die Saamen der Hauptgeſpinnſtpflanzen, des Hanfes und Flachſes, zu den allgemein zum Oelgewinn in Anwen⸗ dung ſtehenden, und von den Gewürzpflanzen wird der Senfſaamen ebenfalls nebenbei zu Oel verwendet. Auch andere Saamen ſind ölhaltig, wie der Spörgel- und Tabaks⸗, der Waid⸗ und Wauſaa⸗ men, und die Kürbiskerne. Ferner dienen viele Baumfrüchte zum Oelgewinn, unter denen die Nüſſe bei uns die hauptſächlichſten ſind; die Kerne der Weintrauben und vieler anderen Früchte enthalten Oel. Auch der Saamen mehrerer Unkräuter, namentliich des Acker⸗ ſenfs, iſt ölhaltig. §. 618. Die Oelgewaͤchſe ſind mit die wichtigſten Handelsgewaͤchſe, indem deren Saamen, wegen der allge⸗ meinen und ausgedehnten Verwendung der daraus zu gewin⸗ nenden Oele, zu ſo mannigfachen Zwecken eine faſt uͤberall leicht und in Scoßen Quantitäten abzuſetzende Waare ſind, ihre Cultur auch in den dafür geeigneten Localitäͤten wenig Schwierigkeiten unterliegt und die meiſten derſelben der Wirthſchaft ein Bedeutendes an Stroh zurücklaſſen. Aus dieſen Gruͤnden iſt ein ins Größere getriebener Anbau der⸗ ſelben weit zuläſſiger, als von den meiſten andern Handels⸗ gewächſen. I. Der Winterraps. 1. Unterſcheidung der zum Kohlgeſchlechte gehörigen verſchiedenen Oelgewächſe. §. 619. Unter den zum Geſchlechte der Brassica ge⸗ hoͤrigen Oelgewächſen ſind durch die Botaniker und land⸗ — 239— wirthſchaftlichen Schriftſteller, ſo wie durch die verſchiede⸗ nen provinziellen Benennungen ſo manche Verwechſelungen und Verwirrungen hervorgerufen worden, daß es nuͤtzlich iſt, hier zuerſt eine Feſtſtellung der einzelnen Arten voraus zu ſchicken. Wir theilen zu dem Ende jene Oelgewächſe nach Metzger in die beiden Hauptarten: Raps, Brassica Napus oleifera, und Ruͤbſen, Brassica Rapa oleifera. Der erſte iſt in ſeiner Blattbildung dem Kohle ganz aͤhnlich, namentlich ſind die Blätter glatt und von etwas blaulicher Farbe, er treibt eine hoͤhere Staude mit größeren Schoten und dickeren, ſchwaͤrzeren Koͤrnern. Der andere hat ganz grüne, behaarte Blätter, ähnlich denen der Waſſerrübe, bluͤht und reift etwas fruͤher, und hat kleinere mehr bräun⸗ liche Körner u. ſ. w.— Beide Hauptarten werden durch den Winterraps und Winterrübſen, welche in Deutſchland allgemein verbreitet ſind, ſo entſchieden repräſentirt, daß kein gebildeter Landwirth daruͤber in Irrthum gerathen kann, ſo verſchiedene Namen man ihnen auch beilegen mag. Eben ſo entſchieden zeigt ſich der in Deutſchland wenig, mehr aber in den Niederlanden und in einigen Theilen von Frank⸗ reich im Anbau ſtehende eigentliche Sommerraps als eine bloße Abart vom Winterraps. Ob aber der in Deutſch⸗ land längſt und viel allgemeiner angebaute Sommerrübſen, wie Metzger behauptet, ebenfalls nur eine Abart vom Win⸗ terrübſen(B. Rapa oleifera) ſey, oder der in Cultur ge⸗ nommene, haͤufig wild wachſende Feldkohl, Br. campestris, muͤſſen wir dahin geſtellt ſeyn laſſen. Viele Botaniker und landwirthſchaftliche Schriftſteller haben ſeither den Raps als Br. campestris aufgeführt, ſo wie ſie, jeden Falls irthümlich, den Rübſen Br. Napus benannten. S. Metzger's ſyſtematiſche Beſchreibung der cultivirten Kohlarten, Heidelberg 1833. 2. Abarten vom Winterraps. §. 620. Der Raps iſt hauptſächlich erſt im vorigen Jahrhundert von den Niederlanden aus in Deutſchland ver⸗ — —— — 240— 4 breitet worden und iſt jetzt als das wichtigſte unſerer Oel⸗ gewaͤchſe zu betrachten, da er, zuſagenden Standpunkt und angemeſſene Cultur vorausgeſetzt, einen ſtarken und werth⸗ vollen Ertrag liefert, verbunden mit einem ſehr beträcht⸗ lichen Strohertrage, ohne daß er den Boden verhältnißmaäͤ⸗ ßig ſtärker angreift, als die meiſten anderen zehrenden Gewaͤchſe, wie Weizen ꝛc.; wohl aber hinterlaͤßt er das Land in einem ſehr glücklichen Culturzuſtande. §. 621. Außer der Benennung Raps, finden wir ihm noch die Namen Reps, Kohl, Kohlreps, Toͤlpel, Lewat, große Winterſaat ꝛc. beigelegt. Als Abarten haben wir hauptſächlich den auf kräftigem Boden ſehr hoch wachſenden ſogenannten holländiſchen Kohl von dem gewoͤhnlich gebauten zu unterſcheiden. Jener treibt einen ſehr ſtarken hohen Stengel, hat mehr weißgelbe Bluͤthen, nach oben ſtärker zuſammengehaltene Zweige und dickere, längere Schoten mit dickerem Saamen. Er dürfte in milder Lage mit rei⸗ chem Boden einträglicher ſeyn, prosperirt aber in weniger guͤnſtigen Verhaͤltniſſen nicht ſo gut und wintert namentlich leichter aus. Ob unſer gewöhnlicher Winterraps durchaus von dem holländi⸗ ſchen abſtammt, dürfte ſchwer zu entſcheiden ſeyn. Man hat auch noch die Vermuthung aufgeſtellt, daß es eine dritte aus Vermiſchung des Blüthenſtaubs erzeugte Baſtard⸗Kohlrapsart gebe, was ebenfalls dahin geſtellt bleiben mag, ſo wie die Behauptung De Candolle's, daß der Raps ein Baſtard vom Rübſen und einer Kohlart ſey. Dem holländiſchen Kohl ähnlich iſt die gerühmte italieniſche Colza. 3. Standort. §. 622. Der Raps gedeiht, mit Ausnahme der ſehr rauhen Lagen, in ganz Süddeutſchland und auch uͤberall in den beſſeren Lagen Norddeutſchlands, woferne ihm ein kraͤf⸗ tiger, nicht an Naͤſſe leidender Weizen⸗ oder Gerſtenboden angewieſen werden kann. Er liebt beſonders einen zugleich kalkhaltigen Boden, und kann ſelbſt auf kräftigem maͤßig — 241— feuchtem, ſchwachlehmigem Sande, zumal wenn er etwas kalkhaltig iſt, noch mit Erfolg gebaut werden. §. 623. Da wo ihm, wie dieß diee Regel iſt, eine reine Brache vorausgeht, bedarf es auf die letzte Vorfrucht keiner weiteren Rückſicht. Soll aber, was in milderen La⸗ gen, in bereits in vollkommener Cultur ſtehenden Wirth⸗ ſchaften mit nur maͤßig gebundenem Boden, des hoͤheren Totalertrags wegen rathſam ſeyn kann, im Frühjahr oder Vorſommer eine Futtererndte gemacht werden, ſo eignen ſich hierzu: Futterroggen, Grünwicken und Klee, letzterer beſonders auf einem für Raps etwas zu leichten Boden. Naͤchſt einer reichlichen Duͤngung iſt für einen ſicheren und befriedigenden Ertrag des Rapſes nicht weniger wichtig, daß das Land auch noch alte Kraft beſitze, alſo in einen erſchöpften Zuſtand nicht gekommen ſey. Nimmt man hinzu, daß der Raps eine vortreffliche Vorfrucht für Wintergetreide iſt, ſo iſt hiernach die fuͤr ihn paſſende Stelle in der Frucht⸗ folge leicht zu ermeſſen. Auch iſt nicht zu überſehen, daß man in günſtigen Lagen und bei einem energiſchen Wirthſchaftsbetriebe zwiſchen der Rapserndte und der Wintergetreidebeſtellung noch eine Zwiſchennutzung haben kann, namentlich von Klee oder Rüben. Man hat auch ſchon vor⸗ geſchlagen, Runkelrüben zwiſchen den gedrillten Raps zu pflanzen. 4. Beſtellung und Pflege des geſäten Rapſes. §. 624. Das Land zum Rapſe ſoll tief und vollkom⸗ men gelockert, gereinigt und gepülvert ſeyn. Wird er, wie gewoͤhnlich, in reine Brache gebracht, ſo ſoll die tiefſte Furche wo möglich vor Winter gegeben werden. Drei Pflugarten ſind dann in der Regel vom Fruͤhjahre an bis zur Saatfurche noch erforderlich; Eggen und Walzen dazwi⸗ ſchen und nach Erforderniß verſtehen ſich von ſelbſt. Wird er nach Futterroggen oder Gruͤnwicken gebaut, ſo muß nicht nur zu erſterem, ſondern auch zu letzteren das Land im Pabſt. Landwirthſch. I. 2. 16 —— —— — 242— Herbſte vollkommen zugerichtet feyn, die Wickenſaat iſt dann im Frühjahre moͤglichſt zeitig vorzunehmen und ein möglichſt bald erfolgendes Abbringen des Gruͤnfutters muß eben ſo ſtreng beobachtet werden, als das alsbaldige Stürzen der Grünſtoppeln und die weitere ſorgfaͤltigſte und fleißigſte Be⸗ arbeitung dieſes Landes. Das Gleiche gilt vom Klee⸗ und Luzerneland, dem natuͤrlich nur ein Schnitt frühzeitig ent⸗ nommen wird. In milden Lagen kann man auch Früh⸗ kartoffeln vorausbauen. Dagegen iſt der Rapsbau nach eben abgeerndtetem Wintergetreide als in der Regel un⸗ ſtatthaft zu verwerfen. §. 625. Wenn, ſeltene Fälle ausgenommen, eine ſtarke Düngung zu einem guten Gedeihen des Rapſes als Regel angenommen werden muß, ſo iſt doch auch das Maas der⸗ ſelben mit Ruͤckſicht auf die Sicherheit des Gedeihens dieſer Pflanze und die ſonſtigen Wirthſchaftsverhältniſſe nicht ins ungebührliche zu ſteigern; beſonders aber bei der Reihen⸗ cultur(§. 627) Bedacht zu nehmen, in wie weit durch Streudungmittel unter oder auf die Saatreihen der Dung⸗ aufwand ohne Beeintraͤchtigung des Ertrags ermaͤßigt wer⸗ den kann. In der Regel wird der Stallduͤnger am beſten vor der zweitletzten Furche aufgebracht. Friſcher Duͤnger, kurz vor der Saat aufgebracht, bewirkt leichter Erdflohfraß und ungleiches Blühen und Reifen des Rapſes. Beſonders wirkſam erweiſen ſich Schafdunger, namentlich Pferch, dem jedoch, wo das Land nicht beſonders kräftig, eine mäßige Stall⸗ miſtdüngung vorausgegangen ſeyn ſoll. Ferner wirken Gülle, Aſche und Aeſcherich, Mergel, Kalk, Gips ſehr günſtig auf den Raps.— Hat man Futterroggen oder Grüuwicken vorausgehen laſſen, ſo wird die Hauptdüngung ſchon zu dieſen gegeben; eine Nachdüngung mit Pferch, Streudung ꝛc. iſt aber dann zu empfehlen. §. 626. Die Saatzeit fällt in den Monat Auguſt und zwar in den meiſten Fällen zwiſchen den 10. und 20. dieſes — 243— Monats. Sie iſt nach der Localitaͤt und Witterung ſorg⸗ faͤltig zu ermeſſen, da eine Verſpaͤtung um acht Tage ſchon ein ſchlechteres Gedeihen, eine zu fruͤhe, durch kraftvolles Land und gute Witterung begünſtigte Saat aber ſpaͤtere Zerſtörung durch den Froſt leichter nach ſich zieht. Der Boden darf nicht zu trocken ſeyn, wenn zur Saat gepflügt wird, welche auf das abgeeggte Feld alsbald erfolgt und bei breitwürfiger Saat untergeeggt, hierauf bei etwas trock⸗ ner Witterung und loſem Boden zugewalzt wird. Man ſoll nicht mehr als 4 bis 5 Pfund p. heſſ. oder pr. Morgen (5 bis 6 Pf. p. w. M.) ſaͤen, und ffindet man die aufge⸗ gangene Saat ſpäter noch zu dicht ſtehend, was ohne ein⸗ tretende Verduͤnnung einem guten Gedeihen den groͤßten Eintrag thut, ſo wird ſie nach 3 bis 4 Wochen durch mit Ueberlegung vorgenommenes Eggen verduͤnnt. Auf dem kalkhaltigen durch den Sommerbau und Düngung ge⸗ wöhnlich ſehr locker gewordenen Boden in Rheinheſſen zieht man ein flaches Unterpflügen des Rapſes vor; ſorgſame Landwirthe daſelbſt ſäen auch, um ſicherer zu gehen, die Hälfte des Saatquantums vor, und die Hälfte nach der Saatfurche. §. 627. Wenn auch unter in jeder Hinſicht für den Rapsbau günſtigen Umſtänden bei der breitwürfigen Saat ſelten ein Mißrathen eintritt, und oft ſehr reiche Erndten erzielt werden; ſo iſt doch durch die vielfältigſten Verſuche nun dargethan, daß, wenn irgendwo die Drilleultur mehr Sicherheit und Vortheil als die breitwuͤrfige Saat gewährt, dieß beim Rapſe der Fall iſt. Jene Culturmethode verbrei⸗ tet ſich deßhalb auch beim Rapsbaue von Jahr zu Jahr. Bei etwas ſchwachem Lande beobachtet man eine Entfer⸗ nung der Reihen von 1 ½ Fuß, bei reichem oder ſchwerem Boden von 2 Fuß. Es wird wenigſtens einmal gepferde⸗ hackt und wenigſtens ein⸗, beſſer zweimal gehäufelt, und zwar dieß Alles wo möglich vor Winter. Auch iſt es zu einer guten Rapsdrillcultur unerlaͤßlich, die faſt immer zu 16* — 244— dicht ſtehende Saat im Herbſt nach und nach durch Aus⸗ ziehen auf die rechte Entfernung zu verdünnen. Die Beckerſche Drillmethode(§. 412) hat ſich auf dem leichteren Boden hiebei ebenfalls bewährt. Ich finde auf ſolchem Boden wenig⸗ ſtens die abwechſelnde Entfernung der Reihen von 2 und 1 Fuß vor⸗ theilhaft, ſo daß die Pferdehacke und der Häufelpflug nur durch die zweifüßigen Zwiſchenräume gehen, in den einfüßigen Zwiſchenräumen aber nöthigenfalls mit der Hand etwas nachgeholfen wird.— Das raſche in die Höhe Gehen des Rapſes im Frühjahre erlaubt hier höchſtens noch eine, oft gar keine Durchfahrt mit dem Häufelpfluge. Bei der breitwürfigen Cultur ſieht man in den Rheingegenden ſo wohl im Herbſt, wie im Frühjahre den Raps öfters mit der Hand behacken. Werden auch die Vortheile der Drillcultur dadurch nicht ganz erreicht, ſo leuchtet die Nützlichkeit jenes Verfahrens doch von ſelbſt in die Augen. Man empfiehlt auch den im Herbſte ungewöhnlich hoch gewach⸗ ſenen Raps zu ſchröpfen, was jedoch mit großer Vorſicht geſchehen muß. Dagegen iſt ein im rechten Momente vorgenommenes leichtes Abeggen in dem Falle unbedingt anzurathen, wenn nach Winter die Maſſe der verfaulten Blätter gleichſam wie ein Ueberzug auf dem Rapsfelde erſcheint. §. 628. Außer unguͤnſtiger Witterung bei und nach der Saat, und im folgenden Winter und Frühlinge, wodurch Mißrathen oder Auswintern nicht ſelten erfolgen, ſind die Erdfloͤhe und Glanzkaͤfer zwei Hauptfeinde des Rapſes. Ge⸗ gen erſtere wird, außer andern bekannten Mitteln, Praͤpa⸗ ration des Saamens(§. 339) und Ueberſäen von etwas Saamen 3 bis 4 Tage nach der Hauptſaat in neuerer Zeit beſonders angerathen. Hatte man frühzeitig geſaͤt, ſo iſt noch eine zweite Saat moͤglich, wenn die erſte alsbald nach dem Aufgehen vom Erdfloh verzehrt ward. Auch eine ſchwarze Raupe(wahrſcheinlich die Rübenraupe ſ.§. 350) verzehrt zuweilen die kaum dem Erdflohe entwachſene Raps⸗ ſaat. Der kleine Glanzkaͤfer(Nitidula aenea) ſtellt ſich in manchen Lagen, beſonders beim Zuſammentreffen ungünſti⸗ ger Witterung mit der Blüthezeit nicht ſelten ſo ſtark ein, — 245— daß nur geringer Schotenanſatz erfolgt. Ein zuverläſſiges Mittel dagegen iſt bis jetzt nicht nachgewieſen. Der Pfei⸗ fer, d. i. die Made eines Rüſſelkäfers, des Curculio napi, zerſtört zuweilen noch die ſchon angeſetzten Schoten, iſt je⸗ doch mehr dem Sommerrapſe und Sommerrübſen gefaͤhr⸗ lich. Endlich können auch noch bald nach der Bluͤthe ein⸗ getroſſene Spatfroͤſte einen Theil des Schotenanſatzes zer⸗ ſtören. 5. Verpflanzen des Rapſes. §. 629. Das Verpflanzen des Rapſes im Großen iſt hauptſaͤchlich in den Niederlanden gebräuchlich, koͤmmt auch in den Rheingegenden, am Bodenſee und a. a. O. vor. Will man, was im Großen am geeignetſten, nach dem Pfluge pflanzen, ſo muß zum Erziehen der Pflanzen ein gutes Stück Land, nicht viel kleiner als halb ſo groß, als das ſpäter zu bepflanzende Feld, aufs vollkommenſte vorbereitet und gedüngt und ſchon im Juli breitwürfig mit Raps beſaͤt wer⸗ den. Zum Verpflanzen waͤhlt man in der Regel ein Feld, das Halmgetreide getragen hat und das geſtürzt, vereggt, mäßig, bei gutem Kraftzuſtande ſelbſt gar nicht geduͤngt und danach wieder gepflügt wird. Zu Ende September oder Anfang October ſchreitet man zum Pflanzen, indem man die ſtark herangewachſenen Rapspflanzen mehrere Tage vor⸗ her auszieht und etwas abwelken läßt, dann auf die ange⸗ pfluͤgten Furchen 4 bis 5 Zoll entfernt legt und jede einge⸗ legte Furche mit der nachfolgend gezogenen deckt u. ſ. f. Eine weitere Bearbeitung findet in der Regel nicht ſtatt. Im Durchſchnitt kömmt der verpflanzte Raps dem in der Brache erzogenen nicht gleich, jener ſoll aber nicht leicht auswintern. Wenn man in Anſchlag bringt, daß man faſt die Hälfte Land der Saamenerziehung widmen muß, daß die Arbeit des Verpflan⸗ zens p. Morgen leicht auf 4 bis 5 Gulden zu ſtehen kömmt, und der Ertrag doch geringer iſt, als von gedrilltem Rapſe, ſo dürfte das ——————OO———— —— — 246— Verpflanzen für größere Wirthſchaften in der Regel nicht rathſam ſeyn; kleineren Wirthen iſt es aber in günſtigen Lagen und wo der Landpacht(Bodenwerth) hoch ſteht, zu empfehlen, Jedenfalls ver⸗ dient es den Vorzug vor dem breitwürfig betriebenen Rapsbau in der Getreideſtoppel oder der Unterſaat von Raps unter Gerſte, was beides auch hier und da geſchieht, um den Ausfall durch die Brache zu umgehen, aber auch einen weit geringeren Erfolg hat, als die bereits beſchriebenen Culturmethoden. Bemerkenswerth iſt, daß das zum Pflanzenerziehen benutzte Land dadurch ſtärker erſchöpft erſcheint, als dasjenige, worauf der ver⸗ pflanzte Raps zur Reife kam. Nach Umſtänden wird das Pflanzen⸗ land nach dem Ausziehen ebenfalls wieder bepflanzt. §. 630. Man verpflanzt im kleineren Maasſtabe auch nach dem Spaten oder dem Pflanzholze, was ſich beſonders auf einem zum Rapsbau eigentlich zu leichten Boden be⸗ währt. Man bedarf dann eine verhaͤltnißmäßig kleinere Flaͤche zum Pflanzenerziehen, indem ſchwäͤchere Pflanzen ſich fuͤr jene Methode noch eignen. Ausführliche Beſchreibung der Verfahrungsarten beim Verpflan⸗ zen findet man in Schwerz's belgiſcher Landwirthſchaft. Von ſelbſt weiſet das bisher Angeführte darauf hin, bei der Saatmethode einzelne Fehlſtellen, Anwanden ꝛc. durch Verpflanzen zu ergänzen, wozu man immer an anderen Stellen zu dicht ſtehende entbehrliche Pflanzen finden wird. 6. Erndte und Ertrag. §. 631. Die Reife des Rapſes tritt gewöhnlich An⸗ fangs Juli, oder auch ſchon mit Ende Juni ein. Der richtige Zeitpunkt zum Beginnen iſt bei einem im Großen betriebenen Rapsbau ſehr wichtig; er iſt eingetreten, wenn die Koͤrner in den theilweiſe noch grünen Schoten braͤunlich werden. Man maht und ſchneidet mit moglichſter Be⸗ nutzung aller disponiblen Arbeitskräfte. Gedrillter Raps läßt ſich nicht gut maͤhen. Das weitere Verfahren iſt eben⸗ falls ſehr verſchieden. In Süddeutſchland läßt man die Gelege meiſtens liegen, bis die Schoten duͤrre geworden — 247— ſind; alsdann werden ſie dem mit Tüchern belegten Wagen ſorgfältig zugetragen und mit beſonderen Rapsgabeln mit Zuhülfenahme von neben dem Wagen auseinander gehaltenen Tuchern aufgeladen. In Norddeutſchland wird bei dem oft ſehr ins Große betriebenen Rapsbaue der Raps bald nach dem Schneiden oder Mähen entweder in kegelfoͤrmige 6 bis 8 hohe Haufen, oder auch in noch groͤßere Feimen geſetzt, welch' erſtere gewoͤhnlich mit Strohhuͤten verſehen werden und in denen er waͤhrend 10 bis 19 Tagen voͤllig auszeitigt und trocknet. Oder er wird, wozu ein beſonders fruͤhzeitiges Abbringen gehoͤrt, alsbald in Garben gebunden, deren 6 bis 8 aufrecht zuſammengeſtellt werden, um nachzureifen; beim Einfahren wird ein ſolcher Haufen Garben oder ein oben beſchriebener kegelförmiger Haufen zuerſt auf ein ausgebrei⸗ tetes Tuch geſtürzt und von dieſem auf den daneben ſtehen⸗ den Wagen gebracht. Beide letztgedachte Methoden bieten mehr Sicherheit gegen Koͤrnerverluſt durch die Witterung oder Unvorſichtigkeit der Arbeiter dar, als die zuerſt be⸗ ſchriebene. Gedroſchen wird gewöhnlich ſo wie das Ein⸗ bringen begonnen hat; in mehreren Gegenden driſcht man auch auf dem Felde, namentlich wenn man in größere Feimen zuſammengeſetzt hatte, oder läßt durch Pferde aus⸗ treten. Der ausgedroſchene Raps muß noch mit großer Sorgfalt auf dem Speicher vollends getrocknet werden, zu welchem Ende man ihn, um ihn beſſer zu erhalten, Anfangs mit den feineren Dreſchruͤckſtänden zuſammen laͤßt. Die Rapserndte iſt ohnſtreitig eines der Geſchäfte, welches die größte Aufmerkſamkeit und Thätigkeit des Landwirths in Anſpruch nimmt. Bei heißem Wetter macht die Reife an jedem Tage Verluſt drohende Fortſchritte, wenn die Arbeit nicht zu rechter Zeit begann, oder es an Arbeitern fehlt. Oft müſſen die Nächte zu Hülfe ge⸗ nommen, und wenn die Reife zu weit vorgeſchritten iſt, muß bei heißem Wetter von Vormittags 10 Uhr bis gegen Abend mit dem Schneiden eingehalten werden. — — 248— §. 632. Der Ertrag kann von einem Gewächſe, das ſo mancherlei Unfällen unterworfen iſt, ſelbſt in ein und derſelben Localität, nicht anders als wandelbar ſeyn. Er wechſelt, abgeſehen von jeweiligem gänzlichen Mißrathen, zwiſchen 2 ¼ u. 8 ½ heſſiſchen Maltern P. Morgen(6 bis 20 Scheff. p. pr. M.— 2% bis 8 Scheff. p. w. M.). Erhaͤlt man bei einem in der reichlich gedüngten Brache getriebenen Rapsbau nicht einen Durchſchnittsertrag von mindeſtens 4 bis 5 Mltr.(10 bis 12 pr. Scheff.) p. Morgen, ſo be⸗ ruht der Fortbetrieb des Rapsbaues auf eitler Täuſchung. Der Preis des Rapſes wechſelt oft in noch größeren Spruͤn⸗ gen, als ſein Ertrag; im Durchſchnitt darf er wenigſtens um die Hälfte hoͤher, als der Weizenpreis angenommen werden. Das heſſ. Malter guter Raps wiegt 180 Pf.— 100 Pf. Raps ſollen wenigſtens 36 Pf. Oel geben, oder das heſſiſche Malter 65 bis 70 Pfund. §. 633. Der Strohertrag ſteht dem des Weizens dem Gewichte nach im Durchſchnitt nur wenig nach. Die Scho⸗ ten, welche etwa 20 Procent vom Strohgewichte betragen, haben, wenn ſie gut eingebracht und behandelt worden, be⸗ traͤchtlichen Futterwerth, eben ſo die weicheren Theile des Strohes, wenn man dieſes zum Ausleſen in die Raufen gibt, beſonders für die Schafe. Als Streu benutzt fault das Rapsſtroh im Duͤngerhaufen ungemein ſchnell zuſam⸗ men und dürfte zu dem Behufe etwa ¼ geringer als Rog⸗ genſtroh anzuſchlagen ſeyn. Ueber die Verwendung von Rapsſaat zur Grünfütterung ſiehe §. 269. II. Der Winterruͤbſen. §. 634. Der weſentlichſte Unterſchied zwiſchen Raps und Rübſen, Brassica Rapaà oleifera, iſt bereits§. 619 dargethan. Der Winterrübſen, auch Rübenreps, Winter⸗ — 249— ſaat, Winterſämchen genannt, gedeiht auf jedem für den Raps geeigneten Boden; er hält aber ein etwas rauheres Klima beſſer als dieſer aus, auch nimmt er mit etwas ſchwächerem, weniger tiefgruͤndigem Boden eher vorlieb. Man findet ihn deßhalb häufiger in den Gebirgsgegenden, ſo wie auf Sandboden, als den Raps. Es kann nur auf Irthum und Verwechslung beruhen, wenn achtbare Schriftſteller anführen, daß der Rübſen leichter auswintere, als der Raps, denn es verhält ſich gerade umgekehrt. §. 635. In der Hauptſache ſoll der Boden wie zum Rapſe zubereitet werden. Der Rübſen verträgt aber eine um 14 Tage ſpaͤtere Beſtellung, und deßhalb wird er in gu⸗ ten Lagen haͤufiger und mit beſſerem Erfolge in die Stop⸗ pel von frühe abgeerndtetem Getreide gebaut. Auch die Anſaat unter Gerſte laͤßt ſich beim Rübſen mit beſſerem Erfolge bewerkſtelligen. Er wird in mehreren Gegenden von Deutſchland, z. B. in Heſ⸗ ſen, Thüringen ꝛc. fehr ſtark gebaut. §. 636. Abgeſehen von der etwas ſpaͤteren Saat, die gewöhnlich Ende Auguſt oder zu Anfang September vorge⸗ nommen wird, und abgeſehen von der Pflanzmethode, welche für den Rübſen im Großen nicht angewendet wird, iſt die Verfahrungsart in Bezug auf Beſtellung und Pflege wie zum Rapſe. Die Rübſenſaat muß, da die Pflanze ſich weniger ausbreitet, dichter ſtehen als der Raps; da aber die Körner auch kleiner ſind, ſo bedarf es doch kaum einer Verſtärkung des Maaſes. §. 637. Die Erndte des Ruͤbſens tritt um 8 bis 14 Tage früher, als die des Rapſes ein. Auch in dieſer Be⸗ ziehung iſt die Verfahrungsart von dort zu entnehmen. Das Setzen auf kegelförmige Haufen mit Strohhüthen läßt ſich beim Rübſen, wegen ſeiner kleineren geſchmeidigeren Stauden, leich⸗ ter ausführen und wird auch ſehr häufig angewendet. §. 638. Auf gutem Rapsboden iſt der Ertrag vom Ruͤbſen ¼ bis q¼ geringer, als vom Rapſe. Auf etwas —— — 250— ſchwächerem Boden, oder in rauher Lage, oder wenn das Land zur Rapsſaat nicht zeitig genug zubereitet war, kömmt aber der Ertrag des Rübſens dem vom Rapſe nicht nur gleich, ſondern uͤbertrifft ihn auch noch öfters. Der Werth des Rübſens ſteht, weil er etwas weniger Oel gibt, um 7 bis 10 Procent geringer, als vom Rapsſaamen. Der Strohertrag iſt ebenfalls 20 bis 25 Procent geringer; aber zur Fuͤtterung noch etwas geeigneter als das Rapsſtroh. III. Der Sommerraps und Sommerrübſen. 1. Sommerraps. §. 639. Daß eine dem Winterraps ganz aͤhnliche Som⸗ merrapsart in den Niederlanden und in Frankreich, und auch hier und da in Deutſchland gebaut wird, iſt ſchon §. 619 dargethan. Im Rheinthale wird eine nahe damit verwandte Art unter dem Namen Stock⸗ oder Staudenreps oder Butterſaamen zwiſchen Hackfruͤchten vereinzelt von den kleinen Wirthen auf eine für dieſe recht nützliche Weiſe ge⸗ baut(§. 641). §. 640. Der Sommerraps ſoll einen warmen, wohl vorbereiteten, gekraͤftigten Boden erhalten, der, wenn er dieſen Bedingungen entſpricht, wenig Bindung zu haben braucht; namentlich kann er auch auf gebranntem Moor⸗ boden und in entwaͤſſerten Teichen mit Vortheil gebaut wer⸗ den. Im Allgemeinen iſt er unſicherer und weniger eintraͤg⸗ lich, als der Winterraps; auf eigentlichem Rapsboden wird er deßhalb nur alsdann gewählt, wenn der Winterraps ausgewintert iſt. §. 641. Er wird im April beſtellt, indem wie zum Winterraps verfahren wird. Die Erndte tritt im Auguſt oder September ein, wobei ebenfalls das Verfahren von der Winterrapserndte zu entnehmen iſt. Erdfloͤhe, Pfei⸗ — 251— fer ꝛc.(§. 628) ſetzen dem Sommerraps ſtärker zu, als dem uͤber Winter gebauten Rapſe. Deßhalb und weil er ſich nicht ſo ſtark beſtaudet, iſt der Durchſchnittsertrag um etwa% geringer, als von letzterem; in einzelnen Fällen wird aber mitunter ein ſehr hoher Ertrag erzielt. Der§. 639 erwähnte Stockreps wird entweder auf Saamen⸗ beeten gezogen und an die Ränder der Kartoffel⸗ oder Runkelrüben⸗ äcker gepflanzt, oder der Saamen wird im Frühjahr zwiſchen die Kartoffeln ſtellenweiſe, und meiſtens auch nur an den Grenzen der Ackerbeete, geſät. 2. Sommerrübſen. §. 642. Der Sommerrübſen, auch Sommerſämchen, Ruͤbſprenkel genannt, ſteht in vielen Gegenden von Deutſch⸗ land ſeit lange im Gebrauche, und wird in mehreren Land⸗ ſtrichen, wie z. B. den Ebenen von Thüringen, in Heſſen ꝛc., ſtark angebaut. Er zeichnet ſich durch eine kurze Vegeta⸗ tionsperiode von nur 10 höchſtens 12 Wochen aus, ſo daß das Feld nach der Frühjahrsbeſtellung anderer Gewächſe zur Saat noch vollkommen vorbereitet werden, daß er an die Stelle anderer mißrathener Oelgewächſe, z. B. des Mohns, nachbeſtellt, und ſelbſt noch als Stoppelfrucht gebaut wer⸗ den kann. Er iſt im Wuchſe viel niedriger, und in den Koͤrnern kleiner als der Winterrübſen und auch als der Sommerraps. Daß wir es dermalen noch in Zweifel geſtellt ſeyn laſſen müſ⸗ ſen, ob der Sommerrübſen bloß eine Abart vom Winterrübſen, oder ob er die eigentliche Br. campestris ſey, wurde ſchon§. 619 ange⸗ führt. Auch wäre es möglich, daß zwiſchen dem Rübſprenkel der Rheingegend und dem Sommerſämchen(Sommerrübſen) im mehr nördlichen Deutſchland noch ein Unterſchied obwaltet. §. 643. Der Sommerrübſen nimmt mit jedem Boden vorlieb, der nicht zu kalt und naß und nicht zu ſehr ent⸗ kraͤftet iſt, namentlich gedeiht er noch auf Sandboden. Das Land dazu ſoll eine gute Vorbereitung und auch, wo ———— — 252— nicht alte Kraft in reichlichem Maaße vorhanden, eine gute Düngung erhalten. Die Saat wird in der Regel in der zweiten Haͤlfte des Juni, übrigens wie beim Winterruͤbſen, vorgenommen, nur daß man etwa die Haͤlfte ſtärker ſaͤet. Feuchte Witterung bei oder bald nach der Saat iſt zu ſei⸗ nem Gedeihen Bedingung. Da es ſowohl hieran nicht ſel⸗ ten mangelt, und Erdfloh, Pfeifer und grüne und ſchwarze Raupen(§. 628) ihm mehr als den bisher genannten Oel⸗ ſaaten Eintrag thun, ſo iſt ſein Gedeihen im Allgemeinen unſicher, und er eignet ſich deßhalb zur Aufnahme in die Fruchtfolge und zum regelmaͤßigen Anbau im Großen nur für gewiſſe, ſeinem Gedeihen vorzugsweiſe günſtige Gegenden. Namentlich hat dieſe Pflanze fuͤr Gebirgs⸗ und Sandge⸗ genden, wo weder Raps noch Winterruͤbſen mit Erfolg ge⸗ baut werden können, ſo wie auch ſonſt als Luckenbüßer, ihren Werth. §. 644. Wenn der Sommerruͤbſen einſchlägt, liefert er einen Ertrag, der um wenig oder nichts geringer iſt als vom Winterrübſen; im Durchſchnitt muß man aber 1 we⸗ niger, als von dieſem rechnen, und meiſtens verhaͤlt ſich der Ertrag nur zwiſchen 2 und 3 Mltr.(5 bis 7 pr. Scheff.) P. heſſ. oder pr. Morgen. Der Strohertrag iſt gering und wird ſelten 8 Centner p. Morgen überſteigen. Der Saa⸗ men ſteht im Preis ohngefähr ¼ niedriger, als vom Win⸗ terrübſen, weil er faſt ſo viel weniger Oel liefert(p. heſſ. Malter etwa 50 Pfund). Beim Anbau des Sommerrübſens iſt nicht außer Acht zu laſſen, daß er den Boden ſtark angreift. Auch hat man darauf zu ſehen, daß der bei der Erndte ausgefallene Saamen nicht im Acker bleibt, um in ſpäteren Zeiten als Unkraut Verdruß und Schaden zu bringen. IV. Der Mohn. §. 645. Der Mohn oder Magſamen, Papaver som- niferum, iſt nächſt dem Raps eines unſerer ſchätzbarſten — 253— Oelgewaͤchſe. Wirft er auch nicht gleichen Ertrag wie die⸗ ſer ab, ſo nimmt er das Feld auch nur einen Sommer in Anſpruch, geräth auf dem leichteren Boden ſicherer und lie⸗ fert ein vorzügliches Speiſeöl, während das Rapsöl nur zum Brennen und Fahrikgebrauche dient. Zu den Schatten⸗ ſeiten des Mohnbaues gehoͤrt, daß er mehr und ſorgſame Handarbeit als der Raps erfordert, und kein Streumate⸗ rial liefert. 1. Abarten. §. 646. Die beiden von einander weſentlich verſchie⸗ denen Abarten ſind: der Mohn mit offenen kleineren, und der mit geſchloſſenen groͤßeren Köpfen. Ferner hat man zu unterſcheiden zwiſchen dem mit weißem und dem mit ſchwarzgrauem(blaulichem) Saamen, welcher Unterſchied bei beiden erſtgenannten Hauptabarten vorkoͤmmt. Außer⸗ dem findet man noch mancherlei Varietäten nach der Farbe der Blüthe. §. 647. Vom Mohn mit geſchloſſenen Köpfen ruͤhmt man mit Recht den Vorzug, daß durch Winde und bei der Erndte kein Saamenverluſt ſtatt findet, was bei dem mit offenen Koͤpfen nicht ſelten in betraͤchtlichem Grade der Fall iſt. Dennoch wird der letztere häufig vorgezogen, weil man ihn fuͤr ergiebiger haͤlt, und weil der Saamen leichter zu gewinnen und zu reinigen iſt, auch bei naſſer Erndte⸗ witterung weniger Schaden nimmt. Der weiße Mohnſaa⸗ men ſoll etwas öoͤlhaltiger, als der graue ſeyn; der letztere wird aber wegen ſeiner gerühmten groͤßeren Ergiebigkeit doch ſtaͤrker gebaut. 2. Standort und Beſtellung. §. 6¹u8. Der beſte Boden für den Mohn iſt ein mil⸗ der, beſonders auch kalkhaltiger, mehr oder weniger ſandiger Lehm, oder guter lehmiger Sand. Auf fruchtbarem Sand, — 254— der nicht zu trocken gelegen iſt, gedeiht er noch gut; in ſchwerem, kaltem, naſſem Boden aber verſagt er. Dabei muß die Lage von der Art ſeyn, daß in der Regel ſchon im März zur Bearbeitung des Feldes geſchritten werden kann. §. 649. Die beſten Vorfrüchte fuͤr den Mohn ſind gut gedüngte Hackfrüchte; doch wird er haͤufiger nach Halm⸗ frucht gebaut. In letzterem Falle, und wenn überhaupt der Acker nicht kräftig genug, wird eine gute Duͤngung ent⸗ weder im Herbſt, oder unmittelbar vor der Saatfurche im Fruͤhjahre gegeben. Der Mohnacker ſoll rein und muͤrbe, und muß vor Winter jedenfalls in dem Zuſtande ſeyn oder dahin gebracht werden, daß man im Frühjahr bloß die nicht tief zu greifende Saatfurche zu geben hat. Bei etwas hitzigen Bodenarten iſt das Düngen im Frühjahr weniger rathſam, zumal mit friſchem Dünger. Und bei leicht aus⸗ trocknendem Boden ſtürzt man im Herbſt nicht, ſondern pflügt im Frühjahr bloß den Dünger vor der Saat unter. Sehr wirkſam er⸗ weiſet ſich im Spatherbſt und zeitigen Frühjahre angewendeter Pferch. Auf mürbem Boden kann auch ſchon vor Winter die Saatfurche ge⸗ geben werden. §. 650. Der Mohnſaamen ſoll Ende März oder An⸗ fangs April geſät werden. Gewöhnlich ſaͤt man ihn auf das vorher friſch gepfluͤgte und dann geeggte oder geſchleifte Land und eggt ihn flach ein. Man bedarf kaum ein Pfund Saamen p. heſſ. oder preuß. Morgen. Zu empfehlen iſt auch die Maſchinenſaat in 1½ Fuß entfernte Reihen; es iſt aber ſehr darauf Bedacht zu nehmen, daß der Saame nicht tief unterkomme, weil er ſonſt nicht aufgeht. Man hat auch ſchon gut gefunden, das im Herbſte aufgepflügte Land über einen ſpäten Schnee zu beſäen. Leichte Fröſte ſchaden dem aufgegangenen jungen Mohn nichts. 3. Pflege. §. 651. Nicht ſehr lange nach dem Aufgehen ſoll der Mohn mit Haͤckchen gehackt und dabei ſorgfaͤltig gejätet wer⸗ — 255— den. Wenn er Hand hoch iſt, wird das Hacken wiederholt, und bei beiden Malen werden die Pflanzen ſo weit verdünnt, daß ſie etwa ½ Fuß von einander entfernt ſtehen. Später ſoll noch etwas angehäufelt werden. Meiſtens wird jedoch die Arbeit des zweiten Hackens etwas ſpäter vorgenommen und mit einem ſchwachen Anhäufeln verbunden. Es iſt da⸗ bei auf günſtige nicht zu naſſe Witterung ſehr zu achten. §. 652. Iſt der Mohn gedrillt worden, ſo iſt ſtets zu rathen, das erſte Hacken und Verdünnen(in der Reihe auf den Fuß etwa vier Pflanzen) dennoch durch Handarbeiter verrichten zu laſſen. Das zweite Hacken und Behäufeln kann aber mittelſt der Pferdehacke und des Häufelpflugs geſchehen. Der Magſaamen läßt ſich nicht verpflanzen. §. 653. Der Mohn wird von den Inſekten nur ſelten etwas angegriffen; dagegen leidet er von einigermaßen an⸗ haltender naßkalter Witterung, auch wird er nicht ſelten vom Mehlthau befallen, und wenn die Reife naht, ſtellen die Vögel dem Saamen ſtark nach. 4. Erndte und Ertrag. §. 654. Die Erndte fällt in der Regel in den Monat Auguſt. Sobald die Stengel dürre ſind und der Saamen in den Kapſeln loſe iſt, ſchneidet man beim geſchloſſenen Mohn die Stengel ab oder zieht ſie aus und laͤßt ſie, in Buͤſchel aufgeſtellt, vollends duͤrre werden. Nach dem Ein⸗ bringen werden die Köpfe abgebrochen und ſpäter im Klei⸗ nen mit dem Meſſer geöffnet, im Großen auf Maſchinen geſchnitten oder gequetſcht, oder auch gedroſchen, hierauf wird der Saamen gereinigt. Beim offenen Mohn iſt mit Sorgfalt ausgefuͤhrtes Ausziehen oder Schneiden und als⸗ baldiges Ausſchütteln des Saamens uͤber ein ausgebreitetes Tuch die Hauptarbeit der Erndte; die Stengel werden dann gebunden in Haufen geſtellt, und nach 5 bis 8 Tagen wird — 256— abermals ausgeſchuͤttelt und dieß ſpaͤter erforderlichen Falls noch einmal wiederholt. §. 655. Wenn der Mohn nicht mißrathen iſt, ſo ſoll er 2 ½ bis 3½ Mltr. p. heſſ. Morgen— 6 bis 8%½ Scheff. p. pr. M.— 2 ⅜ bis 3 ½ Scheff. p. w. M.— abwerfen. Der Preis ſteht in der Regel 10 bis 30 Procent uͤber dem des Rapſes; ausnahmsweiſe jedoch auch nur gleich oder ſelbſt etwas darunter. Der Strohertrag darf zu 10 bis 14 Ctnr. p. heſſ. oder pr. Morgen(12— 16 Ctnr. p. w. M.) angenommen werden, und hat einen beträchtlichen Werth als Brennmaterial. Das heſſ. Malter Mohn guter Qualität wiegt 160 bis 165 Pf. und ſoll 60 bis 64 Pf. Oel geben, oder 100 Pf. Mohn 37 bis 40 Pf. Oel. Die Mohnölkuchen haben geringeren Futterwerth als die Raps⸗ kuchen und taugen am beſten für Schweine. Man kann hier zu Land 4 bis 4 ½ fl. vom Morgen für die Stengel als Brennmaterial er⸗ löſen. Die Handeultur⸗ und Erndtekoſten betragen hier zu Land p. Morgen ohngefähr 6 fl. Nach gut gerathenem Mohn gibt es auch gute Winterfrucht. Ueber Rübenunterſaat ſ.§. 361. V. Der Dorrer. §. 656. Der Dotter, Leindotter, Schmalz, Butter⸗ ſaamen, Myagrum sativum, koͤmmt noch auf geringem, na⸗ mentlich ſandigem und moorigem Boden, ſo wie auch auf gebrochener Dreiſche fort, leidet nicht von den Inſekten und mißräth auch nicht leicht, weßhalb er fuͤr Sandgegenden und ſonſt geringen Boden von Werth iſt; auf gutem Bo⸗ den rentirt er ſchlechter, als Raps oder Mohn, auch greift er den Boden nicht weniger ſtark als der Sommerrübſen an. §. 657. Er wird in mehreren Gegenden von Deutſch⸗ land, wie im Anhaltſchen, Magdeburgſchen, Altenburgſchen, hier und da in Baiern und Schwaben, und auch in Frank⸗ reich, ziemlich ſtark gebaut. Die Franzoſen nennen den Dotter, nach Peerſon, Camelina sativa, und es ſchien mir die daſelbſt ſo wie die in Schwaben geſe⸗ — 257— hene Art dem gemeinen unterm Flachſe wachſenden Leindotter nicht völlig ähnlich, namentlich höher im Wuchſe und kleiner in den Saa⸗ menkapſeln zu ſeyn, als die in Norddeutſchland früher im Anbau angetroffene Art. §. 658. Das Land wird durch Pfluͤgen und Eggen wie zu Gerſte gut vorbereitet und muß auch in der Regel gedüngt werden. Ende April oder im Mai wird geſät, 7 bis 8 Pf. p. heſſ. oder pr. Morgen, und die Saat flach untergebracht. Die Erndte faͤllt in den Auguſt, indem man die ſaamenreifen Pflanzen mäht und nach dem Einbringen den Saamen ausdriſcht. §. 659. Ein gewoͤhnlicher Ertrag iſt 2 bis 2 ½, ein guter auch 3 Mltr.(5 bis 8 pr. Scheff.) p. heſſ. oder pr. Morg.(2 bis 2 ⅜½ Scheff. p. w. M.). Das Stroh ſoll zu Schaffutter tauglich ſeyn. Er gibt ohngefähr ſo viel Oel als der Sommerrübſen; die Oel⸗ kuchen ſollen aber zur Fütterung ungeſund ſeyn, wenigſtens trächti⸗ gen Thieren. Das Oel taugt bloß zum Brennen. VI. Sonſtige verſuchte oder empfohlene Oelgewächſe. §. 660. Als ſolche bleiben hier noch zu berühren: der chineſiſche Oelrettig, die Sonnenblume und die Madia. 1. Der Oelrettig. §. 661. Der chineſiſche Oelrettig, Rhaphanus chi- nensis, iſt ſeit etwa 25 Jahren öfters als Oelpflanze em⸗ pfohlen, auch vielfältig verſucht worden. Von einer Aus⸗ breitung deſſelben zum gedachten Zwecke iſt jedoch nichts be⸗ kannt; es ſcheint vielmehr, daß man wegen der Unſicherheit des Ertrags und haͤufigen Mißrathens davon wieder zurückkam. §. 662. Der Oelrettig verlangt wenigſtens gleich gu⸗ tes Klima wie der Mohn, auch der von dieſem angeſpro⸗ Pabſt. Landwirthſch. I. 2. 17 — 258— chene Boden und die Zubereitung und Beſtellung deſſelben ſind für jenen angemeſſen. Es iſt genug, wenn der Oel⸗ rettig einmal gefelgt wird. Naßkalte Witterung iſt ihm ſehr verderblich, beſonders iſt er in der Blüthezeit ſehr empfind⸗ lich. Auch die Erdfloͤhe thun ihm leicht Schaden. Sodann lagert er ſich leicht und ſetzt dann wenig Saamen an. Man hat ihn auch ſchon im Herbſt geſät; er hielt aber den Winter ſchlecht aus. §. 663. Die Reifezeit tritt im Auguſt ein; oft reift der Oelrettig aber ungleich. Bei der Erndte wird er ahn⸗ lich wie der Raps behandelt, namentlich gebunden und auf⸗ geſtellt. Der Ertrag ſoll, wenn die Umſtände guͤnſtig wa⸗ ren, dem vom Raps nahe kommen; im Durchſchnitt wird man aber den Ertrag noch nicht ſo hoch als vom Mohn an⸗ ſchlagen dürfen. Das Oel davon iſt gut und er gibt auch deſſen ohngefähr ſoviel als der Mohn. 2. Die Sonnenblume. §. 664. Die Sonnenblume, Helianthus annuus, iſt ebenfalls ſchon oft empfohlen, im Kleinen auch ſchon haͤufig Behufs des Oelgewinns angebaut worden; das Oel davon iſt vorzuͤglich gut und der Werth der Stengel als Brenn⸗ material ſchätzbar. Allein man kann den Anbau der Son⸗ nenblume im Groͤßeren doch nicht anrathen, weil der Saa⸗ mengewinn zu ſchwierig und zeitraubend iſt. §. 665. Um gut zu gedeihen, verlangt die Sonnen⸗ blume kraͤftigen, nicht zu loſen Boden. Man ſteckt im April in 2 ½ bis 3 Fuß von einander entfernte Reihen, und in der Reihe alle 2 Fuß ein paar Saamenkoͤrner. Die Pflan⸗ zen werden gehackt und gehaͤufelt, und die Seitentriebe müſ⸗ ſen dergeſtalt weggebrochen werden, daß jeder Stengel nur 3 bis 4 Saamenkoͤpfe behaͤlt. Man düngt zu der Sonnenblume am beſten in Stufen. — 2509— §. 666. Die Reife erfolgt ſelten vor dem October. Die Voͤgel ſtellen dem reifenden Saamen ſtark nach. Das Trocknen der Saamenköpfe und Ausmachen des Saamens davon iſt ſehr beſchwerlich. Man ſoll aber viel Saamen erhalten, wovon das heſſ. Mltr.(nicht enthuͤlſet) etwa 120 Pfund wiegt und etwa 30 Pfund Oel gibt. Um das Oel zu gewinnen, muß der Saame zuerſt enthuͤlſet werden. 3. Die Madia. §. 667. Erſt ſeit ein paar Jahren wird die Madia sativa, ein Oelgewaͤchs aus Chili, in Folge der in den Kö⸗ niglichen Gärten zu Stuttgart, an dem Inſtitute zu Hohen⸗ heim und von mehreren Landwirthen damit gemachten Ver⸗ ſuche ſehr empfohlen. §. 668. Die Madia ſoll lieber auf Mittel⸗ und leich⸗ tem Boden, als auf ſchwerem gedeihen. Man ſaͤt im April oder Mai 4 bis 5 Pfund auf den heſſ. oder pr. Morgen (6 Pf. p. w. M.)— und behandelt die Pflanze wie den Mohn. Die Reife ſoll etwa 3 Monate nach der Saat er⸗ folgen; bei der Erndte verfaͤhrt man ohngefähr wie beim Rapſe. Dabei iſt zu bemerken, daß die Pflanze in den Stengeln gut austrocknen und dennoch nach dem Einbrin⸗ gen ſogleich gedroſchen werden muß, weil ſich die Stengel, auf Haufen liegend, bald erhitzen und der Saame dadurch leidet. Der Geruch der blühenden Madia iſt ſehr unangenehm. §. 669. Ueber die Vortheilhaftigkeit des Anbaus die⸗ ſer Pflanze laͤßt ſich noch nichts Beſtimmtes ſagen. Da man aber bei den damit gemachten Verſuchen mitunter ho⸗ hen Ertrag und auch ſehr gutes Oel davon erhielt, ſo ver⸗ dient ſie beſondere Aufmerkſamkeit. 17* — 260— Zweites Capitel. Geſpinnſtpflanzenbau. §. 670. Die große Wichtigkeit unſerer Geſpinnſtpflan⸗ zen, welche den Stoff zu mehreren allgemein und viel ver⸗ brauchten Bedürfniſſen liefern, bedarf keiner naͤheren Aus⸗ einanderſetzung. Ueberdieß iſt auch der gleichzeitige Ertrag an Oelſaamen von den Geſpinnſtpflanzen betraͤchtlich. §. 671. Im Allgemeinen iſt der Anbau der Geſpinnſt⸗ pflanzen zunaͤchſt für den kleineren Landwirth in den meiſten Gegenden von Deutſchland von beſonderer Wichtigkeit, indem ihm derſelbe nicht nur das Mittel darbietet, ein ſehr noth⸗ wendiges, im Ankaufe theures häusliches Bedürfniß ſelbſt zu erzeugen, ſondern auch die Gelegenheit, auf das Product einer verhältnißmaͤßig kleinen Fläche eine große Maſſe von Arbeit zu verwerthen. Der groͤßere Landwirth muß, ehe er ſich zum Anbau ſolcher Pflanzen im Großen entſchließt, bedenken, welche bedeutende Arbeitsvorlage er zu machen hat, bis er das Product verwerthen kann, und daß der Preis mit jenem Aufwande oft nicht in gerechtem Verhalt⸗ niſſe ſteht, ſo wie daß die fraglichen Pflanzen den Boden ſtaͤrker in Anſpruch nehmen, und weniger Dungmaterial zu⸗ rückgeben, als viele andere Handelsgewaͤchſe. In manchen Gegenden hat man Gelegenheit, die Arbeiten um einen Antheil am Ertrage in Verding zu geben, in andern das rohe Product auf dem Acker zu verkaufen. In beiden Fällen iſt der An⸗ bau im Großen begünſtigt, ſo wie dort wo die betreffenden Arbeiten noch in der Frohnde verrichtet werden müſſen. §. 672. Unſer Geſpinnſtpflanzenbau umfaßt hauptſäch⸗ lich nur: I. den Flachs, und II. den Hanf. Weiter ziehen wir dann noch in Betracht: III. einige in neuerer oder älte⸗ rer Zeit als Geſpinnſtpflanzen noch empfohlenen Gewächſe. — 261— I. Der Flachs. §. 673. Der Flachs oder Lein, Linum usitatissimum, wird faſt überall cultivirt, wo die Localitaͤt ſeinen Anbau nur einigermaßen begünſtigt. Um dieſen möglichſt vollkom⸗ men zu betreiben und das Product auf die zweckmäßigſte Weiſe zur weiteren Verarbeitung vorzubereiten, dazu gehoͤrt viele Aufmerkſamkeit, Sachkenntniß und Erfahrung. Von den vielen über den Flachsbau exiſtirenden Schriften iſt beſonders die von Breunlin, Anleitung zur Cultur und Verarbei⸗ tung des Flachſes; Stuttgart, 1832— zu empfehlen. 1. Abarten. §. 674. Die zwei Hauptabarten des Leins ſind: der Spring⸗ oder Klenglein, oder die Art, deren Saamenkap⸗ ſeln(Knoten, Bollen) bei der Reife aufſpringen, und der Schließ⸗ oder Dreſchlein, deſſen Knoten bei der Reife geſchloſ⸗ ſen bleiben. Der letztere wird mehr gebaut, als der erſte. Man rühmt namentlich von dem Schließlein, daß er im Durchſchnitt hoͤher wird, und mehr und ſtärkeren Baſt lie⸗ fert; dagegen liefert der Klenglein im Durchſchnitt mehr Saa⸗ men und einen zarten Baſt. Alle nach den Laͤndern benann⸗ ten berühmten Leinſorten, ſo wie der nach der Saatzeit benannte Fruͤh⸗ und Spatlein, reihen ſich unter gedachte beide Hauptarten, und zwar die Mehrzahl unter den Schließlein. Die berühnten Leinſorten, als Lief⸗ und Curländer(Rigaer, Liebauer, Windauer), Seeländer, Tyroler, Rheinlein ꝛc., verdanken ihre vorzüglichen Eigenſchaften bloß den Localitäten ihrer Heimath und der ihnen daſelbſt zu Theil werdenden Erziehungsweiſe, daher ſie auch andern Orts ſo leicht in die gewöhnliche, ſchlechtere, einhei⸗ miſche Sorte ausarten. Das Linum perenne, deſſen Heimath Sibirien iſt, hat für uns keinen Werth. 2. Standort. §. 675. Der Flachs liebt ein nur mäßig warmes, etwas feuchtes Clima. Er geräth in Deutſchland gut theils —. —. 262— in den bergigen Gegenden, theils in der Nähe von Land⸗ ſeen, in den Niederungen großer Flüſſe und an der Meeres⸗ küſte. Der Boden fuͤr den Flachs ſoll von Natur muͤrbe und mehr durchlaſſend als ſtark bindend ſeyn, jedoch auch die Feuch⸗ tigkeit nicht zu ſchnell wieder entſchwinden laſſen. Dabei liebt dieſe Pflanze alte, jedoch nicht überreichliche Boden⸗ kraft. Ein feuchter, kräftiger Sand und Lehmſand, mäßig guter Mittelboden, auch wenn er etwas mergelig iſt, ſo wie aus verwittertem Baſalt entſtandener Boden, eignet ſich vor⸗ zugsweiſe zum Flachsbau. Auch hat man gefunden, daß der Flachs auf talkhaltigem Boden vorzugsweiſe geraͤth. Da⸗ bei ſoll der Acker keine ſtark abhängige Lage haben. Hauptflachsgegenden ſind unter andern in Deutſchland: Schle⸗ ſlen, Böhmen, Weſtphalen, Braunſchweig, Hannover, Heſſen, einige Rheingegenden, Tyrol, der Schwarzwald und andere Striche von Wirtemberg u. ſ. w. §. 676. Der Flachs geräth beſonders gut auf Neu⸗ bruch, nach Klee, Kartoffeln, Kraut, Hanf. Bei einem ſorgfaͤltig betriebenen Ackerbau erhaͤlt man auch nach Ge⸗ treide noch guten Flachs, namentlich nach Huͤlſenfruͤchten, auch nach Hafer; weniger liebt er Gerſte als Vorgaͤnger. Beſſeren Flachs wird man auch nach Getreide erhalten, wenn ſolches nach Klee, Dreiſche, Kartoffeln oder Brache folgte, als wenn jenes, wie es ſich gewöhnlich in der Dreifel⸗ derwirthſchaft trifft, zweimal vorherging. Man ſollte den Flachs hier immer ins Sommerfeld nehmen, oder ihm Kar⸗ toffeln im Sommerfeld vorausgehen laſſen. Sodann iſt es faſt überall auf Erfahrung gebaute Regel, den Flachs nicht ſobald wieder, man nimmt gewoͤhnlich ſechs Jahre dafür an, auf dieſelbe Stelle zu bringen. Daß Winterfrucht nur mittelmäßig, ja oft ſchlecht nach Lein gedeiht, wurde ſeines Orts bereits angeführt. 3. Beſtellung. §. 677. Die Leinſaat verlangt ein reines und in ſo— weit mürbes Land, daß die Wurzel am Eindringen nicht — 263— gehindert iſt. Allzuſtarke Lockerung muß vermieden werden, weil es ſonſt der Pflanze leicht an der nöthigen Feuchtigkeit im Boden gebricht. Grasboden oder Kleeland werden am beſten im Spatherbſt gedoppelpflügt, um darauf im Fruͤh⸗ jahr zu beſtellen; nach Hackfrucht iſt zweimaliges Pflügen hinreichend; nach Getreide müſſen meiſtens drei oder ſelbſt vier Pflugarten folgen. Daß wenigſtens eine der Pflug⸗ arten ſtets vor Wintey gegeben werde, verſteht ſich von ſelbſt. Der Lein liebt dabei nicht eine tiefe Bearbeitung mittelſt der letzten Pflugarten; dagegen koͤmmt ihm eine tiefe Bodenlockerung zur vorausgehenden Frucht ſehr zu ſtatten. Fleißiges Eggen, unter Umſtänden auch Walzen, zwiſchen den verſchiedenen Pflugarten iſt fuͤr die Flachscul⸗ tur beſonders wichtig. In den Flachsgegenden Belgiens wird zu dem dem Flachſe vor⸗ ausgehenden Hafer geſpatet oder gepflugſpatet, was man dort für das vollkommene Gedeihen der Leinſaat für weſentlich hält. §. 678. Bei einem der alten Kraft zu ſehr entbehren⸗ den Acker iſt eine ſtarke friſche Düngung nicht zu umgehen, wonach aber der Flachs ſtaͤrker verunkrautet, eher vielaͤſtig und grob oder ungleich wird, oder ſich leichter lagert. Be⸗ darf das Land einer Düngung, ſo iſt ein mehr verrotteter Miſt zu waͤhlen und vor Winter oder zu Ende des Winters aufzubringen. Gründung, Pferch, Pfuhl, Aſche und ande⸗ rer Streudung wirken vortheilhaft auf das Gedeihen des Flachſes. §. 679. Die Saatzeit fuͤr den Lein iſt äußerſt ver⸗ ſchieden. Man ſät ihn von Anfang April bis Ende Juni, und macht danach einen Unterſchied zwiſchen Früh⸗, Mittel⸗ und Spatlein. Fruͤhe Saat, wo Clima, Thätigkeit und Zuſtand des Bodens ſolche zulaſſen, iſt in den meiſten Ge⸗ genden für ein gutes Gedeihen des Flachſes ſicherer, als ſpäte. Letztere muß aber in manchen Lagen, der beſonde⸗ ren Verhaͤltniſſe wegen, dennoch vorgezogen werden. Und — — 264— wo, je nach Einwirkung der Witterung, das einemal der Früh⸗, das anderemal der Spaͤtflachs beſſer gedeiht, da thut man am beſten, einen Theil fruͤh, den andern ſpät zu ſaͤen. Man hat gewöhnlich beſondere Saamenſorten für frühe und ſpäte Saat. Ruſſiſcher(rigaer ꝛc.) Lein ſoll wo möglich früh geſät werden; Klenglein wird meiſtens ſpät geſät. In den meiſten Flachs⸗ gegenden richtet man ſich nach gewiſſen Tagen, was jedoch bei un⸗ güuſtiger Witterung nicht zu pedantiſch zu nehmen iſt. §. 680. Die Quantitaͤt der Einſaat richtet ſich danach, ob man mehr auf Feinheit und Menge des Baſtes, oder mehr auf Saamengewinn ſieht. Im erſtern Falle wird ſtärker, im andern ſchwaͤcher geſät; auch muß auf die Qua⸗ litaͤt des Saatguts mitunter beſondere Rückſicht genommen werden. Eine ſchwache Saat iſt 2 Sr., eine mittlere 2 ½ bis 3 Sr., eine ungewöhnlich ſtarke nahe an 4 Sr. p. heſſ. Morg.(1,2 bis 2 Scheff. p. pr. M.— 3 ½ bis 6 Sri. p. w. M.). §. 681. Abgeſehen von dem ſchon im Herbſte ſtattfin⸗ denden Aufpfluͤgen der Saatfurche(§. 677), ſo wird ge⸗ woͤhnlich unmittelbar vor der Saat die letzte flache Pflug⸗ art gegeben oder ſtatt deren extirpirt, hierauf tüchtig geeggt, dann die Saat vorgenommen, und danach mehrmals, jedoch nicht tief greifend, uͤbereggt; bei trocknem Wetter zuletzt zugeſchleift oder gewalzt. Windſtille und mäßig feuchte Witterung ſind bei der Leinſaat ſehr erwünſcht. Bei leicht ſich ſchließendem Boden iſt das Eggen nach der Saat weniger ſtark zu betreiben und das Walzen zu un⸗ terlaſſen. 4. Auswahl und Behandlung des Saamleins. §. 682. Wie wichtig fuͤr den Erfolg des Flachsbaues guter Saamlein ſey, iſt allgemein bekannt. Unter allen Umſtänden wirkt hierbei oͤfterer Wechſel des Saamens, ge⸗ — 265— hörige Reife und gute Behandlung deſſelben vorausgeſetzt, auffallend guͤnſtig. Beſonders aber bewaͤhren ſich die aus mehreren berühmten Flachsgegenden bezogene Saamen. Un⸗ ter dieſen ſteht der aus den ruſſiſchen Oſtſeeprovinzen oben⸗ an, und der aus der hollaͤndiſchen Provinz Seeland hat ſich jenem neuerer Zeit an mehreren Orten gleich gut bewaͤhrt. Es iſt notoriſch, daß trotz aller Mühe, welche man ſich bei Er— ziehung guten Saamens gibt, an vielen Orten die von dem fremden Leine erzielte Saat mit jedem Jahre weniger gut ſich erweiſet, während ſie ihre guten Eigenſchaften an andern Orten, ſelbſt bei ge⸗ ringerer Aufmerkſamkeit, länger behält. Eben ſo ſicher aber iſt, daß zweckmäßige Behandlung überall auf die Erzielung guten Saa⸗ mens vom größten Einfluſſe iſt(ſ.§. 674). §. 683. Um guten Saamen zu gewinnen, muß zuerſt ein bewaͤhrter fremder Saamen gewählt werden. Dieſer wird, wo moͤglich auf Neubruch oder nach Klee und nicht neben gewoͤhnliche Leinſaat, duͤnne geſät; den Flachs läßt man ſchon auf dem Stande gelblich werden; nach dem Aus⸗ ziehen muß er aufs vollkommenſte im Freien langſam und voͤllig nachreifen(austrocknen) und dabei vor Verderbniß durch naſſe Witterung mittelſt Aufſtellen(am beſten vielleicht auf Kleereutern, welche mit Stroh bedeckt ſind) geſichert ſeyn. Dieſen Flachs laͤßt man dann entweder über Winter ruhig unter Dach ſtehen und erſt gegen das Frühjahr dre⸗ ſchen, oder man hebt den Saamen uͤber Winter in den ab⸗ geriffelten dürren Knoten auf. Auch hat es ſich vielfältig bewaͤhrt, den Saamen immer erſt uͤber ein Jahr alt wer⸗ den zu laſſen, bevor man ihn wieder ausſaͤt. In Lief⸗ und Curland wählt man zum Saamenziehen meiſtens gebrannten Neubruch und ſtets dünn ſtehenden Flachs; die durchs Nachreifen völlig trocknen Knoten(Bollen) werden gewöhnlich hand⸗ lang unter dem Anſatze abgehauen und noch künſtlich an der Luft getrocknet und dann gedroſchen. Man ſät übrigens dort in der Re⸗ gel vorjährigen(friſchen) Saamen. Der Gebrauch der Leinklapper iſt zum Reinigen von Dotter⸗, Spörgel⸗, Flachsſeide⸗ und andern Unkrautſaamen beſonders anzuempfehlen. — 266— Guter Leinſaamen ſoll glänzend hellbraun oder faſt goldgelb, kleinkörnig, mehr länglich als platt erſcheinen, im Waſſer zu Boden ſinken, auf einer heißen Platte ſchnell knackend zerplatzen. 5. Pflege der Leinſaat. §. 684. Der junge Flachs muß wenigſtens einmal ge⸗ jätet werden, wenn er Hand lang oder auch ſchon länger herangewachſen iſt; wenn ſich aber vieles Unkraut zeigt, kann auch ein zweites Jaͤten erforderlich werden. Die ſchlimmſten Unkraͤuter ſind Flachsſeide, Dotter, Klebkraut, Winden, Spörgel, Hederich, Melden, Schmielen ꝛc. Lagert ſich der Flachs zu fruͤhe, ſo iſt das Umdrehen mittelſt glat⸗ ter Stäbe das Mittel, wenigſtens einigermaßen dem Ver⸗ derben des Baſtes vorzubeugen. Umſtändlicher und ſchwie⸗ riger ausführbar, aber dem eben gedachten Schaden auch — ſicher vorbeugend, iſt das in den Niederlanden auch gebräuch⸗ liche ſogenannte Gabeln oder Laͤndern des Flachſes. 1 Naͤheres darüber in Schwerz's belg. Landwirthſchaft, Bräun⸗ lin's Schrift ꝛc. Auch übergehen wir die Beſchreibung des Ver⸗ 4 fahrens im nördlichen Frankreich und hier und da im angränzenden 1 Belgien, um mittelſt ſehr dichter Saat, Decken mit Reiſern ꝛc. den allerfeinſten Flachs zu Spitzen und Zwirn zu produciren. §. 685. Der Flachs mißraͤth bekanntlich ziemlich häufig. Am meiſten wirken trockne Fruͤhlinge und dürre Sommer darauf. Nicht ſelten ſtellt ſich auch bei trocknem Wetter nach der Saat der Erdfloh ein und zerſtöoͤrt dieſe mehr oder weniger. Von den bekannten Mitteln gegen den Erdfloh bewährten ſich mir nach mancherlei Verſuchen: Ueberſtreuen eines Gemiſches von Gips, Aſche und Tabaksſtanb am beſten. 4 6. Erndte. §. 686. Die Vegetationszeit des Flachſes betraͤgt nur etwa 3 Monate, ſelten über 3 ½ Monate. Will man zu⸗ V naͤchſt auf guten Baſt ſehen, jedoch am Saamen keinen we— ſentlichen Verluſt erleiden, was im Allgemeinen das Wirth⸗ ſchaftlichſte iſt, ſo ſoll der Flachs gezogen werden, wenn — — 267— die Knoten gelblich werden und der Saamen kaum darin anfaͤngt ſich zu faͤrben, während die Flachsſtengel theilweiſe noch grün ſind. Der gezogene Flachs wird bei gutem Wet⸗ ter auf dem Felde, beſſer auf nahen Raſen oder Stoppeln, dünn ausgebreitet, nach einigen Tagen gewendet, und bleibt im Ganzen A bis 8 Tage liegen, um zu trocknen. Bei we⸗ nig ſicherer Witterung iſt es beſſer, den gezogenen Flachs handvollweiſe mit einem Stengel zu umſchlingen und dieſe Bündelchen in Hocken oder Kaͤmme zum Trocknen aufzuſtel⸗ len. Unterdeß reift auch der Saame nach, der trockne Flachs wird eingebracht und das Abriffeln der Knoten auf den dazu dienenden Riffelkämmen vorgenommen, die Kno⸗ ten werden, wenn es nöthig erſcheinen ſollte, vollends mit Sorgfalt getrocknet und beim Schließlein ſpaͤter gedroſchen. Man kann bei gut trocken eingebrachtem Flachſe auch dre⸗ ſchen, ohne vorher zu riffeln. Der Springlein wird ge⸗ wohnlich ſogleich nach dem Ausziehen geriffelt und der Saa⸗ men mittelſt Ausbreiten der Knoten an der Sonne auf Tuͤchern, Sieben ꝛc., gewonnen. In wieferne zum Saamleinerziehen anders zu verfahren ſey, lehrt §. 683. Viele weniger ſorgfältige Flachsbauern laſſen den Baſt zu dürre auf dem Stand werden, wodurch derſelbe gröber und härter wird. Wenn dagegen Andere die noch zu wenig trocknen Knoten als⸗ bald nach dem Ziehen abriffeln, ſo hat dieß, wenn der Flachs dann ſogleich im Waſſer geröſtet wird, einen feineren Baſt zur Folge; es erhitzen ſich aber die ſo gewonnenen Knoten ſehr leicht, wenn ſie nur kurze Zeit auf Haufen liegen, wodurch die Qualität des Leins ſehr leidet. Wieder Andere laſſen den gezogenen Flachs lange, nament⸗ lich auch bei naſſer Witterung, auf dem Acker liegen, wodurch er leicht auf einer Seite ſchwarze oder ſelbſt mürbe Stellen bekömmt. 7. Weitere Bearbeitung des Flackſes. §. 687. Die erſte der weiter mit dem Flachſe vorzu⸗ nehmenden Arbeiten iſt die Röſte oder Rötte, welche be⸗ zweckt den vegetabiliſchen Leim zu loͤſen, der den Baſt an den Steugel bindet. Man bedient ſich entweder der Thau⸗ im Herbſt oder Frühjahr auf einem etwas hoch und abhän⸗ gig gelegenen feſten Raſen ausgebreitet und bleibt, indem man ihn einmal, oder bei unguͤnſtigem Wetter auch mehr⸗ malen umbreitet, ſo lange liegen, bis ſich der Baſt leicht vom Stengel löſet, was meiſtens zwiſchen 3 und 5 Wochen währt. Es iſt dazu abwechſelnd feuchte Witterung ohne an⸗ haltende Näſſe erwuͤnſcht; beim Einbringen aber muß das Wetter gut ſeyn, damit der Flachs vollkommen trocken unter Dach koͤmmt. §. 688. Zur Waſſerröſte iſt ein weiches, wo moͤglich vorher einige Zeit geſtandenes Waſſer erforderlich(am beſten ſind leicht zu reinigende waſſerdichte, nöthigenfalls mit Let⸗ ten ausgeſchlagene oder auch ausgemauerte Behaͤlter in der Naͤhe eines Bachs), in welches der Flachs in kleinen Bün⸗ deln eingelegt und mit Gerüſten, Steinen ꝛc. beſchwert wird. Es iſt genaue Sachkenntniß und Sorgfalt nöthig, um den rechten Zeitpunkt zum Herausthun wahrzunehmen, welcher eingetreten iſt, wenn der Baſt ſich leicht löſet, ohne an ſeiner Stärke verloren zu haben. Das Liegen im Waſ⸗ ſer dauert nach Beſchaffenheit des letzteren, ſo wie des Flachſes und der Witterung, à bis 10 Tage. Der aus dem Waſſer genommene, dabei zugleich ausgewaſchene Flachs wird auf Raſen gebreitet, wenn er einigermaßen trocken, auf Spitzhäufchen geſtellt(aufgeſtaucht), und nach voͤlligem Austrocknen heimgebracht. 5 Es iſt immer räthlich, den Flachs lieber etwas zu kurze Zeit, als nur um Geringes zu lange im Waſſer zu laſſen, denn im erſten Falle darf man ihn nur noch etwas länger auf der Breite liegen, d. h. im Thau vollends gar röſten laſſen, was weit weniger Riſico mit ſich führt, als ein etwas zu lange dauerndes Liegen im Waſſer. §. 689. Ueberall wo brauchbares Waſſer vorhanden iſt und zum Röſten geeignete Behaͤlter geſchaffen werden oder der Waſſerroͤſte. Behufs der Thauroͤſte wird der Flachs — 269— konnen, ſoll man die Waſſerröſte vorziehen, da ſie dauer⸗ hafteren Flachs liefert und ſchneller und bei ungünſtiger Witterung ſicherer iſt, als die Thauroͤſte, welche in viel höherem Grade von der Witterung abhängt, als jene. Die Thauröſte iſt unter andern in den böhmiſchen und ſchleſiſchen Gebirgen, wo Lage und Clima dafür beſonders günſtig ſind, in Schwaben ꝛc. im Gebrauche, in den Niederlanden und in faſt ganz Mittel⸗ und Norddeutſchland iſt aber die Waſſerröſte allgemein. Ein Uebelſtand der letzteren iſt die Verunreinigung der Luft in der Nähe der Röſtebehälter Jauch iſt das Waſſer, worin Flachs geröſtet wird, für die Thiere ungeſund. Die von Chemikern ſchon oft in Anregung gebrachten, und ge⸗ wiß auch große Beachtung verdienenden Verſuche, mittelſt eines chemiſchen Prozeſſes den Baſt von dem kaum gezogenen Stengel in ganz kurzer Zeit zu löſen, haben bis jetzt kein praktiſches Reſultat gehabt. §. 690. Die weiteren, zur Zurichtung des Flachſes bis zum Spinnen erforderlichen Arbeiten ſind: Das Plaueln, Brechen, Schwingen und Hecheln. Das Plaueln oder Botten dient als erſte Vorbereitung zur Trennung des Baſtes vom Stengel und beſteht darin, daß der an der Sonne unmittelbar vorher dürre gemachte Flachs auf ebener Stelle mit Plaueln(Botthämmern) geſchlagen wird. Die⸗ ſes an vielen Orten nicht uͤbliche Verfahren iſt uͤberall da, wo man ſich der gewöhnlichen Handbrechen bedient, als ſehr nuͤtzlich zu empfehlen. In einigen Gegenden hat man auch eigene Poch⸗ oder Plauelmuͤhlen. §. 691. Dem Brechen, mittelſt deſſen der Baſt von dem Stengel getrennt wird, muß ein Dörren an der Sonne, oder in Oefen, oder mittelſt eigens eingerichteter Dörr⸗ anſtalten(Dörrſtuben), vorausgehen. Das Doͤrren an der Sonne verdient dabei im Allgemeinen den Vorzug. Ge⸗ wöhnlich bedient man ſich der Handbrechen, welche oft von ſchlechter Conſtruction ſind, und wobei immer, ſelbſt wenn ſorgfältig verfahren wird, ein Theil brauchbarer Baſt ver⸗ — 270— loren geht. Die ſogenannte Lippedetmold'ſche oder weſtphaäͤ⸗ liſche(eigentlich von Kuthe in der Gegend von Magdeburg erfundene) einfache Flachsbrechmaſchine verhuͤtet jene Nach⸗ theile, foͤrdert uͤberdieß mehr und macht das Plaueln ent⸗ behrlich.. Es gibt auch größere Flachsbrechmaſchinen, welche geruͤhmt wer⸗ den, z. B. die von Heyner in Penig. §. 692. Mittelſt des Schwingens ſoll der Baſt vollends von Stengelreſten(Ahnen, Acheln) gereinigt und beſſer geſpalten werden. Auch hierzu iſt große Sorgſamkeit und geſchicktes Verfahren wichtig, wenn unnöthiger Abgang vermieden werden ſoll. Schwingſtoͤcke und Schwingmeſſer nach Art der Niederlaͤnder ſind hierzu den ſchlechteren Ein⸗ richtungen anderer Gegenden vorzuziehen. Beſonders ver⸗ werflich ſind die eiſernen Schwingmeſſer. Starker Flachs wird vor dem Schwingen unter eigens conſtruirten Stampf⸗ werken oder Reiben noch weiter und beſſer vorbereitet. §. 693. Durch das Hecheln endlich ſoll der Faſer vollends von allem Ungehörigen oder Verwirrten(dem Werch) geſondert und in feine Theile möglichſt geſpalten werden. Man ſoll ſich Hecheln von verſchiedenem Kaliber bedienen, anfaͤnglich gröberer und weiter geſtellter und nachher feinerer, wobei es auf recht ſpitze und elaſtiſche Zähne zugleich ſehr an⸗ kuͤmmt; nicht weniger haͤngt von der Geſchicklichkeit des Ar⸗ beiters ab, daß der Flachs recht ſchlicht und fein dargeſtellt wird, und doch nicht zu viel ins Abwerch faͤllt. Ueber alle dieſe Arbeiten, die dazu dienenden Werkzenge und Vorrichtungen, und über noch andere beſondere Hülfsmittel, einen recht feinen und guten Flachs zu erzielen, namentlich durch das Rib⸗ ben oder Schaben, Schlagen und Bürſten, findet maun in der vorhin (§. 673) benannten Schrift von Breunlin ſehr vollſtändige Aus⸗ kunft. Die Koſten dieſer Arbeiten ſind nach der Beſchaffenheit des Flachſes und der angewendeten Verfahrungsweiſe ſehr verſchieden; — 271— immer bleiben ſie ſehr bedeutend, was ſich ſchon daraus ermeſſen läßt, wenn man zu Notiz nimmt, daß zum Brechen, Schwingen und Hecheln von jedem Pfund rohen(geröſteten) Flachs im Durchſchnitt eine Arbeitsſtunde erforderlich iſt. 8. Ertrag. §. 694. Die Erndte an trocknem rohem Flachs be⸗ trägt, abgeſehen von faſt gänzlichem Mißrathen und von ganz außerordentlichen Ertraͤgen, 6 bis 20 Centner vom heſſ. oder pr. Morgen(7 ½ bis 25 Centner p. w. M.). Durch die Roͤſte verliert ſolcher roher Flachs 25 bis 35 Procent. Beim Brechen hat man Urſache zufrieden zu ſeyn, wenn weniger als die Haͤlfte als Abfall ſich ergibt. Vom gebrochenen Flachs fallen beim Schwingen weitere 20 bis 30 Procent hinweg, worunter jedoch etwas grobes Werch von geringem Werthe. Faͤllt endlich beim Hecheln von dem geſchwunge⸗ nen Flachſe weniger, oder auch nur nicht mehr als die Hälfte unter das Werch, ſo hat man wieder Urſache zu⸗ frieden zu ſeyn. Hiernach berechnet ſich ein Ertrag an ge⸗ ſchwungenem Flachs von 1½ bis 5 Centner p. heſſ. oder pr. Morgen(2 bis 6 ¼l Ctnr. p. w. M.). Der Preis von gehecheltem gutem Flachs ſteht meiſtens zwi⸗ ſchen 30 und 40 fr. p. Pf.— Das Werch koſtet ¼ bis ½¼ ſoviel. In Böhmen und in mehreren Gegenden des mittleren Deutſch⸗ lands hat man, um aus dem Werch ein beſſeres Geſpinnſt zu erzie⸗ leu, kleine Kämmeln, unter dem Namen Werchhecheln, womit das⸗ ſelbe auf eine einfache Art gekämmt und von den Kämmeln ſogleich abgeſponnen wird. Dieſe Werchhecheln finden dermalen anch in an⸗ dern Gegenden Aufnahme. §. 695. Der Ertrag an Lein iſt ebenfalls ſehr ver⸗ ſchieden und gewöhnlich größer, wenn die Erndte an Flachs nicht ſehr ergiebig iſt. Wo das Geſpinnſt der Hauptzweck beim Anbau iſt, der Flachs alſo dicht ſteht und nicht die höchſte Reife erreicht, erndtet man meiſtens nur zwiſchen 1 ¼ und 2 Malter p. heſſ. Morgen(3 bis 5 Scheff. p. pr. Morg.— 1%¼ bis 2 Scheff. p. w. M.). Bei dünne ſtehen⸗ dem Flachſe erreicht die Erndte oͤfters das Doppelte der eben angegebenen Quantität. Der Lein gibt faſt ſo viel Oel als Sommerrübſen und Dotter (das heſſ. Malter von 160 Pf. gegen 50 Pf. Oel). Der befondere Werth des Leinöls zu verſchiedenen techniſchen Zwecken iſt bekannt, ſo wie der Intterwerth der Leinölkuchen. II. Der Hanf. §. 696. Der Hanf, Cannabis sativa, verlangt einen ausgeſuchteren und noch ſorgfaͤltiger präparirten Boden, als der Lein, und wird deßhalb und weil ſein Product ſchwerer zuzubereiten und zu manchen, namentlich den feineren Ge⸗ ſpinnſten weniger geeignet iſt, nicht in ſo allgemeiner Aus⸗ dehnung wie der Flachs gebaut. Da aber ſein Baſt zu an⸗ deren techniſchen Zwecken(zu Stricken, Tauen, Segel⸗ tuch ꝛc.) wieder beſonderen Werth hat, der Ertrag unter be⸗ günſtigenden Umſtänden davon größer iſt, als von unſerer anderen Geſpinnſtpflanze, auch gewiſſe Lagen und Bodenar⸗ ten ſich weit beſſer für Hanf als Flachs eignen; ſo bleibt auch dem Hanfbau große Wichtigkeit beizulegen, und in nicht wenig Gegenden wird er auch in großer Ausdehnung getrieben. In Deutſchland wird beſonders im Rheinthale, in Schwaben und Franken, ferner in Steyermark, Mähren und mehreren Strichen von Niederdeutſchland viel Hanf gebaut. Ferner wird der Haufbau in Italien und Frankreich, wie in mehreren Provinzen Rußlands ſtark betrieben. §. 697. Es gibt keine merklich verſchiedene Abarten vom Hanfe, und wenn man in manchen Gegenden, nament⸗ lich im Rheinthale, einen Unterſchied zwiſchen dem ſehr ſtark und hoch wachſenden ſogenannten Schleißhanfe und dem kleiner bleibenden und zarteren Baſt liefernden Spinn⸗ hanfe macht, ſo liegt dieſer Unterſchied hauptſächlich nur im Boden und der Culturweiſe. Doch wird begreiflich von dem lange Jahre auf gleiche Weiſe und in gleichem Boden erzogenen Schleißhanfe, welcher eine Höhe von 12 bis 15 Fuß erreichen kann, auch an anderem Orte ein ab⸗ weichendes Reſultat, als von anderwärts erzogenem Saamen erlangt: 1. Standort und Beſtellung. §. 698. Der Hanf verlangt einen tiefgründigen, mäßig feucht gelegenen, humusreichen Boden und eine nicht ſehr exponirte Lage. Man findet ihn am haͤufiſten in den fruchtbaren Gauen von Deutſchland, ſeltener auf den Hö⸗ hen und Gebirgen. Wird übrigens jenen Anforderungen entſprochen, ſo kann der Boden eben ſo gut thonig wie ſandig ſeyn. Beſonders gut gedeiht er in abgewäſſerten Teichen, deren Grund aus gutem Schlamm beſteht, und ſelbſt ein guter Moorboden ſagt ihm noch zu. §. 699. Die Vorfrucht iſt ziemlich gleichgültig, ſobald ſie den Acker im Allgemeinen in gutem Culturzuſtande hin⸗ terläßt; nach Hackfrüchten und Klee wird dieß in der Regel der Fall ſeyn; aber auch nach rein geſtandenem Getreide bleibt Zeit genug zu gehöͤriger Zubereitung des Landes. Auch kann der Hanf öfters und ſelbſt unmittelbar hinter⸗ einander ohne Nachtheil auf dieſelbe Stelle gebracht wer⸗ den, wenn nur fuͤr hinreichenden Erſatz der von ihm in be⸗ traͤchtlichem Maaße entzogenen Kraft wieder geſorgt wird. Der Hanf iſt zugleich für jeden andern Culturgegenſtand eine treffliche Vorfrucht. §. 700. Sobald das zu Hanf beſtimmte Land nicht in ungewoͤhnlich hohem Kraftzuſtande ſich ſchon befindet, muß eine reichliche Düngung gegeben werden. Die kraͤftig⸗ ſten, raſch wirkenden Dungſtoffe ſind dazu am beſten, wie Schaf⸗- und Taubenmiſt, Abtrittscompoſt ꝛc. Beſteht die Duͤngung aus Stallmiſt, ſo wird ſie am beſten vor, oder bald nach Winter gegeben. Concentrirtere Dungſtoffe bringt man unmittelbar vor, oder auch nach der Saatfurche auf⸗ Pabſt. Landwirthſch. I. 2. 18 — 274— Vortrefſlichen Hauf erhielt ich bei Anwendung eines Streudungs aus Seifenſiederaſche, Oelkuchen- und Knochenmehl.— Friſcher Stallmiſt iſt nicht zu empfehlen, und übermäßige Düngung hau leicht brüchigen, Hanf zur Folge. 5 §. 701. Die Saat wird in der Regel im Mai, und zwar meiſtens in der erſten Haͤlfte dieſes Monats, vorgenommen, nachdem das Land vor und nach Winter dergeſtalt mit Sorgfalt bearbeitet worden, daß es nach der nur flach und ſchmal zu greifenden Saatfurche vollkommen gepuͤlvert da⸗ liegt. Es wird dann vorgeeggt, und der geſaͤte Saamen flach untergeeggt. Man macht gerne ganz ſchmale Beete, um beim Femmeln (§. 704) beſſer Zugang zu haben. Da die Vögel dem Hanfſaamen ſehr nachſtelleu, ſo muß unter Umſtänden die Saat in den erſten Tagen gehüthet werden. §. 702. Die Stärke der Ausſaat iſt ſehr verſchieden. Wo man mehr auf feinen Hanf ſieht und der Boden nur in mittelmaͤßiger Kraft ſteht, ſät man dichter, als wo man auf fettem Lande mehr auf hohen, ſtarken Hanf zu ſehen Urſache hat. Das Saatquantum verhält ſich demnach zwi⸗ ſchen 2 und 3 ½ Sr. p. heſſ. M.(1,2 bis 2 Scheff. p. pr. M.— 3%⁄ bis 6 Sri. p. w. M.). Auf gut erzogenen Saa⸗ * men des vorigen Jahres hat man beſonders zu ſehen, weil nicht nur die Staͤrke des zu bauenden Hanfs davon ab⸗ haͤngt, ſondern der Hanfſaamen auch leicht taub ſeyn kann. Zu dichte Saat in fettem Boden hat, wie die Ueberdüngung, brüchigen Hanf zur Folge. Der Saamenhauf wird am beſten von in Stufen gezogenem, als Einfaſſung von Kartoffeläckern ꝛc. gepflanztem Hanfe gewonnen(§. 704). Da im Breisgan und Elſaß der Hanfbau mit beſonderer Sorgfalt und unter ſehr günſtigen Localverhältniſſen betrieben wird, ſo iſt ¹ teicht zu begreifen, daß der daher bezogene Hanfſaamen ähnlichen —— —— — Ruf genießt, wie der ruſſiſche Lein. 2. Pflege, Erndte und weitere Behandlung. §. 703. In der Regel bedarf der Hanf keiner weite⸗ ren Pflege und nur ausnahmsweiſe iſt einige Hülfe durch — 275— Jäten nöthig, wobei alsdann möglichſte Schonung der Pflan⸗ zen zu empfehlen bleibt, da der Hanf das Niederdruͤcken nicht verträgt, gleichwie der Flachs. Wo man, nach ſchwacher Ausſaat, Saamenhanf und beſonders ſtarken Schleiß⸗ hanf erziehen will, kann eine Bearbeitung mit Handhaͤckchen nützlich ſeyn. Eine Schmarozerpflanze, welche an der Wurzel des Hanufs niſtet, der Hanfwürger, Orobanche ramosa, wird dem Ertrage zuweilen gefährlich. Auch ſchaden Hagel und Stürme dem Hanf leicht bedeu⸗ tend. Im Allgemeinen wächſt er, wenn feuchte und warme Witte⸗ rung ihn Anfangs begünſtigt, außerordentlich ſchnell, und unterdrückt jede andere Pflanze, welche ſonſt als Unkraut das Feld gerne ein⸗ nimmt. §. 704. Der Hanf gehört zu den zweihaͤuſigen Pflan⸗ zen und die maͤnnlichen Stengel, welche man Femmel(Fim⸗ mel) nennt, werden fruͤher gelb, als die Saamenträger. Darauf gründet ſich der Gebrauch, den Hanf zu femmeln, d. h. die beſchwerliche Arbeit des Ausziehens der maͤnnlichen Stengel vorzunehmen, wenn ſie anfangen gelblich zu wer⸗ den, wodurch man ein zu feinerem Geſpinnſte geeignetes Material erhält, auch die beſſere Ausbildung des Saamens befördert. Erſt 4 bis 5 Wochen ſpäter, gewöhnlich im Au⸗ guſt, wenn der Saamen beginnt zu reifen, wird auch der Saamenhanf gezogen und in kleinen Büſcheln auf dem Felde aufgehockt, welche Hocken man zum Schutze gegen die Vö⸗ gel gerne mit Strohkappen verſieht. Wenn der Saamen gut trocken iſt, wird er abgedroſchen oder abgeſchlagen, und die Wurzelenden werden abgeſchnitten. Man kann auf dem Felde über Tüchern dreſchen oder ausſchla⸗ gen, oder den Hauf auf mit Tüchern belegten Wägen zum Abdreſchen einbringen. Durch ein leichtes erſtes Abſchlagen kann man die be⸗ ſten Körner zur Ausſaat vorweg nehmen(§. 702). §. 705. Der Hanf wird ähnlich wie der Flachs gerö⸗ ſtet, gebrochen und weiter bearbeitet. Meiſtens wendet 18* — 276— man die Waſſerröſte an, beim Femmel jedoch auch oͤfters die Thauröſte. Jene dauert meiſtens 7 bis 14 Tage. Zum Brechen bedient man ſich zuerſt einer groben Breche mit einer Schneide und dann einer feineren zweiſchneidigen. Größere Brechmaſchinen ſind hierbei noch anwendbarer als beim Flachſe. Vor dem Schwingen wendet man in der Re⸗ gel die ſogenannten Hanfreiben an, welche in Hanfgegen⸗ den gewoͤhnlich von den Muͤllern unterhalten werden. Die Hecheln muͤſſen viel groͤber und ſtaͤrker ſeyn, als zum Flachſe. 5 Der ſogenannte Schleißhanf iſt wegen ſeiner Stärke ſchwer zu brechen, und wird deßhalb in manchen Hanfgegenden mit der Hand vom Stengel abgezogen, daher auch jene Benennung. In Italien hat man für das Brechen des groben Hanfes wieder eine andere Vorrichtung. 3 3. Ertrag. §. 706. Man erndtet von 2 bis 7 Centner geſchwun⸗ genen Hanf vom heſſ. oder pr. Morgen(2 ½ bis 8 ¼ Cent⸗ p. w. M.). An Saamen belaͤuft ſich der Ertrag von 1 ½ bis 4 ½ Mltr.(3,5 bis 10 pr. Scheff.) p. Morgen(1 ½ bis 4 ¼H w. Scheff. p. w. M.). Der Abgang am Werch iſt bei ſtarkem Hanf beim Hecheln im Durchſchnitt etwas geringer, als beim Flachs. Der Preis des Hanfs ſteht, wegen ſeines höheren Werthes zu Seilern, Tauen ꝛc., dem vom guten Flachſe ziemlich gleich und un⸗ ter Umſtänden noch etwas höher. Der Hanfſaamen gibt nur ohnge⸗ fähr halb ſo viel Oel als der Raps, das zum Brennen tauglich iſt. III. Sonſtige verſuchte oder empfohlene Geſpinnſtpflanzen. §. 707. Als ſolche bleiben noch zu erwaͤhnen: Die Brennneſſel, der neuſeelaͤnder Flachs, die ſyriſche Seiden⸗ pflanze und der Hanfklee. — 2177— 1. Die Brennneſſel. §. 708. Die gemeine große Neſſel, Urtlea dioica, iſt in früheren Zeiten haͤufig als Geſpinnſtpflanze angebaut und das ſogenannte Neſſeltuch daraus bereitet worden. Seit längerer Zeit hat aber der Anbau der Neſſel als Geſpinnſt⸗ pflanze ſo gut wie aufgehört, und wenn nicht etwa die wech⸗ ſelnde Mode das verſchwundene Neſſeltuch wieder begehren ſollte, ſo iſt kein Grund zu der Annahme vorhanden, daß die Neſſel als Geſpinnſtpflanze irgend wieder in Aufnahme kommen werde. Ueber den Anbau der Neſſel als Futterpflanze ſ.§. 279. 2. Der neuſeelaͤnder Flachs. §. 709. Der ſogenannte neuſeeländiſche Flachs, rich⸗ tiger Flachslilie genannt, oder das Phormium tenax, iſt eine am Meeresufer und in ſumpfigem Boden in ihrer Hei⸗ math wachſende perennirende Pflanze, aus deren 10 Fuß langen Blättern die Eingebornen einen ſehr ſtarken Baſt zu gewinnen und daraus Stricke, Matten ꝛc. zu bereiten wiſſen. Man hat, ſchon durch Cook darauf aufmerkſam gemacht, in Frankreich und England der Acclimatiſirung dieſer Pflanze große Aufmerkſamkeit geſchenkt, auch Fortſchritte darin ge⸗ macht; im Ganzen genommen jedoch ſo viel Hinderniſſe wahrgenommen, daß es bis jetzt unentſchieden blieb, ob das Phormium jemals zu einem allgemeineren Culturgegen⸗ ſtande in Europa werde erhoben werden. Zu Stricken und Tauen ſoll der Baſt noch größere Haltbarkeit als der Hanf beſitzen; zu Geweben hat man jhn aber bis jetzt nicht geeignet gefunden. 3. Die ſyriſche Seidenpflanze. §. 710. Die ſyriſche Seidenpflanze, Asclepias syriaca, wurde ſchon im vorigen Jahrhundert in Deutſchland anzu⸗ hauen verſucht und von einigen Schriftſtellern empfohlen. — 278— Es iſt eine perennirende Pflanze, welche ſowohl durch Saa⸗ men als Wurzelſchößlinge fortgepflanzt werden kann, und die mildes Klima und guten, trocken gelegenen Boden anſpricht. Der in großen Kapſeln ſitzende Saamen hat eine lange, feine ſeidenartige Haarkrone, welche zum Verfilzen, zu Watte, Polſtern ꝛc. gut tauglich ſeyn, zum Verarbeiten als Geſpinnſt aber geringen Werth haben ſoll. Die Pflanze treibt einen hohen Stengel mit grobem aber ſtarkem Baſte. Auch die Asclepias hatte ſich bis jetzt keiner Ausbreitung zu er⸗ freuen, vielmehr ſcheint der früher hier und da begonnene Anban derſelben wieder aufgehört zu haben. a. Der Hanfklee. §. 711. Daß dem gemeinen oder officinellen Meliloten⸗ klee, ſonſt Steinklee genannt, Trif. melilotus vulgaris und officinalis, auch der Name Hanfklee beigelegt ward, weil er einen haltbaren Baſt liefert, iſt ſchon§. 215 angeführt worden. Dieſer Baſt iſt aber ſehr grob und von den aͤſti⸗ gen Stengeln ſchwierig zu gewinnen, weßhalb auch jener Pflanze zu dieſem Behufe kein Werth beigelegt werden kann. Auch die Hopfenranken haben einen ſtarken, groben Baſt, deſſen Gewinnung als Nebenproduct verſucht werden ſollte. Drittes Capitel. Farbepflanzenbau. §. 712. Nicht wenige, Färbeſtoffe liefernde Pflanzen können vom Landwirthe zum Culturgegenſtande im größeren oder kleineren Maasſtabe gewählt werden, was jedoch nur alsdann Vortheil bringen kann, wenn die Localitaͤt die Pro⸗ - 270— duction wie den Abſatz beguͤnſtiget. Weil beides jedoch lange nicht ſo häufig als in Bezug auf Oelgewächſe oder Geſpinnſt⸗ pflanzen ſich trifft, ſo kaun der Anbau der Farbepflanzen auch niemals eine ſolche Ausdehnung wie jene Gewächſe er⸗ reichen.. §. 713. Die hier abzuhandelnden Pflanzen ſind: I. Der Krapp. II. Der Waid. III. Der Wau. IV. Der Saflor. V. Der Indigo⸗Buchweitzen. I. De vy Krap y. §. 714. Die Wurzeln des Krapps oder der Faͤrber⸗ röthe, Rubia tinctorum, ſind ein zum Rothfaͤrben, ſo wie als Zuſatz zu verſchiedenen anderen Farben in allgemeinem Gebrauche ſtehendes Faͤrbematerial, daher der Krapp auch in mehreren Gegenden in beträchtlicher Ausdehnung gebaut wird. Damit ſein Anbau mit Vortheil getrieben werden koͤnne, muͤſſen ſich Krappfabriken(Krappmühlen) in der Nähe befinden, und der zur Krappeultur in beträchtlichem Maaße erforderliche Duͤnger, ſo wie die dazu nöthige Hand⸗ arbeit müſſen um verhaͤltnißmaͤßigen Preis geſtellt werden können. In den Niederlanden(um Maſtricht, Haſſelt ꝛc.), in Frankreich (um Aoignon, im Elſaß ꝛc.) wird längſt ſtarker Krappban getrieben. In Deutſchland findet man ihn in Mittelſchleſten, Meklenburg, Schwaben, der Pfalz u. ſ. w. In mehreren dentſchen Gegenden hat er aber neueper Zeit wieder abgenommen oder ſelbſt aufgehört. §. 715. Der Krapp kann in allen Landſtrichen Deutſch⸗ lands, welche in klimatiſcher Hinſicht nicht ſchon zu den rauhen Lagen zu zählen ſind, gebaut werden; er verlangt aber, wegen ſeiner mehrere Fuß tief eindringenden Wur⸗ zeln, einen tiefgruͤndigen, mehr leichten als ſchweren, und nicht weniger kräftigen Boden, der in keiner Art an Näſſe leidet, noch ſehr zum Austrocknen geneigt iſt. Auf dem zu⸗ — — 280— gleich kalkhaltigen Boden ſoll ein Krapp von beſſerer Qua⸗ litaͤt wachſen. §. 716. Das zu Krapp beſtimmte Land ſoll rein von Unkraut ſeyn, eine ſtarke Düngung mit verrottetem Miſte oder gutem Compoſt erhalten, und gegen 1 ½ Fuß tief ge⸗ lockert werden. Man verfaͤhrt am beſten, Indem man eine Hackfrucht vorausgehen laͤßt, wozu ſchon gut gedüngt wird, läßt dann im Herbſt tief ſpaten oder doppelpflügen und da⸗ mit eine zweite Düngung, halb in die Tiefe, halb in die Mitte, unterbringen. Im folgenden Fruͤhjahre wird dann noch einigemal gepflügt. Man ſieht in tiefgründigem, mildem Boden den Krapp auch ſchon nach einer Vorbereitung gedeihen, wie ſie der Kartoffel ge⸗ wöhnlich zu Theil werden ſoll. §. 717. Gewohnlich wird die beabſichtigte Pflanzung im Mai mit Setzlingen angelegt, welche man in einer aͤlte⸗ ren Krapppflanzung dergeſtalt von den Hauptwurzeln ab⸗ bricht, daß ſie etwas Wurzel haben. Man theilt gewöhn⸗ lich das Land in a bis 8 Fuß breite Beete und läßt fuͤr die Furchen nicht zu ſchmalen Raum. Die angeſchlemmten Setz⸗ linge, deren man etwa 40,000 p. M. braucht, werden bei etwas feuchter Witterung quer uͤber die Beete in 1 Fuß von einander entfernte Reihen, in dieſen 3 bis 4 Zoll von einander, gepflanzt, wozu man ein eigens geformtes breites Pflanzmeſſer oder auch die Hacke zu Hülfe nimmt, indem die Pflanzen in die mit letzterer gemachten Rinnen gelegt und beim Auswerfen der folgenden Rinne mit Boden ge⸗ deckt und angetreten werden. Tritt bald nachher trocknes Wetter ein, ſo muß begoffen werden. Im erſten und zwei⸗ ten Jahre muß die Pflanzung durch Hacken(man bedient ſich kleiner breitſchneidiger Krapphäckchen), Einſenken der Zweige und Decken derſelben mit Boden ꝛc. gut gepflegt werden; auch wirft man, beſonders im Herbſte, den aus den Zwiſchenfurchen ausgehobenen Boden von Zeit zu Zeit — 281— über die Pflanzung. Zweckmaͤßig breitet man auch vor die⸗ ſem Decken im Herbſte etwas Duͤnger uͤber. Der Krapp läßt ſich auch aus Saamen ziehen, den man ſich am beſten aus Frankreich kommen läßt, denn bei uns kömmt er meiſtens nicht zur Reife. Man ſät ſolchen entweder auf Gartenbeete und verſetzt die jungen Pflanzen im anderen Jahre, oder man ſäet ſo⸗ gleich aufs Feld, wonach man den Krapp am beſten dreijährig wer⸗ den läßt(ſ.§. 719). §. 718. Will man den Krappbau ins Größere trei⸗ ben, ſo kann man, um an Handarbeit zu ſparen, entweder hohe Kämme mit Pflug oder Häufelpflug aufwerfen und darauf pflanzen, oder man pflanzt in 2 Fuß von einander entfernte Reihen, und nimmt Cultivator und Haͤufelpflug hei der Bearbeitung zu Huͤlfe. §. 719. Nur an wenigen Orten findet man das ver⸗ werfliche Verfahren, ſchon im erſten Herbſt zu erndten, wobei der Ertrag in Quantität, und noch mehr in Quali⸗ tät gering ausfällt. Gewöhnlich wird die Erndte im zwei⸗ ten oder ſelbſt erſt im dritten Herbſte vorgenommen. Die dreijährige Pflanzung liefert den beſten Krapp und auch mehr als die zweijaͤhrige; der Mehrertrag von jener iſt aber in gutem Lande doch nicht immer ſo bedeutend, daß es nicht häufig gerathen ſeyn koͤnnte, ſchon im zweiten Jahre zu erndten. Das Land wird zu dem Ende ſo tief umgeſpatet, als die Wurzeln gehen, und dieſe werden dabei herausge⸗ nommen und oben auf gelegt; hat man aber die Reihencul⸗ tur mit Cultivator und Häufelpflug gewaͤhlt, dann kann der Krapp auch mittelſt eines ſehr tief(bis 1 ½ Fuß tief) geſtellten Pflugs herausgehoben und von nachgehenden Arbei⸗ tern aufgeleſen werden, wodurch wohl die Haͤlfte jener ſehr koſtſpieligen Handarbeit geſpart wird. Die Erndte mittelſt Spaten kann ſich auf 20 bis 28 fl. p. Mor⸗ gen belaufen. Die übrigen Handarbeiten belaufen ſich in den zwei Culturjahren zuſammen beinahe eben ſo hoch. — 282— §. 720. Den ausgenommenen Krapp laͤßt man in klei⸗ nen Haufen abtrocknen, reinigt ihn von der anklebenden Erde und verkauft ihn am beſten ſogleich. Iſt dieß aber nicht alsbald thunlich, ſo muß er auf luftigen Boͤden weiter mit Sorgfalt getrocknet werden. §. 721. Bei zweijahrigem Krapp iſt der Ertrag auf us bis 60 Ctnr. maͤßig abgetrocknete Wurzeln p. h. oder pr. Morgen(60 bis 75 Ctnr. p. w. M.)— bei dreijährigem zu 54 bis 72 Ctnr.(67 bis 90 Ctur. p. w. M.) anzuneh⸗ men. Außerdem wird im Herbſt ein nicht unbeträchtlicher Ertrag an zur Fütterung geeignetem Kraut oder Heu ge⸗ wonnen. 1 Der Centner halb abgetrocknete Krappwurzeln wird mit 1 ⅜ bis 2 ½ fl. bezahlt. Das Krappkraut macht die Milch und das Fleiſch der damit gefütterten Thiere röthlich, iſt indeſſen geſund. II. Der Waid. §. 722. Bevor der Indigo zum Blaufärben allgemei⸗ nen Eingang gefunden, war die Cultur des zum gleichen Zwecke dienenden Waides, Isatis tinctoria, in mehreren Landſtrichen, wie namentlich in Thüringen, ſehr verbreitet. Seitdem hat aber der Waidbau bedeutend abgenommen und an vielen Orten ſelbſt ganz aufgehoͤrt; indeſſen iſt es That⸗ ſache, daß der Waid bei der Faͤrberei noch nicht ganz ent⸗ behrlich geworden iſt, daher auch an manchen Orten ſein Anbau fortgeſetzt wird. Früher gehörte zu den Erforderniſſen des Waidbaues, daß man auch die Formation und Behandlung der ſogenannten Waidballen verſtand und eine dazu dienende Waidmühle beſaß oder benutzen konnte; neuerer Zeit kaufen aber die Färber auch die bloß getrockne⸗ ten Blätter. 3 §. 723. Dieſes Faͤrbekraut kann in allen beſſeren Ge⸗ genden Deutſchlands gebaut werden, wo ein lockerer, gut gearteter Boden ſich findet. Man düngt dazu vor Winter — 283— mit verrottetem Rindviehmiſte und gibt eine tiefe Pflugart, nach Winter wird wieder gepflügt. Man ſät Ende März oder Anfangs April 4 Pf. Saamen p. heſſ. oder pr. Mor⸗ gen, und bringt ſolchen leicht unter. Die Saat geht erſt nach a bis 5 Wochen auf, wird über Sommer mehrmals behackt und dabei ſoweit verdünnt, daß die Pflanzen 7 bis 8 Zoll von einander ſtehen. Drillcultur iſt für den Waid⸗ bau zweifelsohne ſehr vortheilhaft. Manche Cultivateurs ſaͤen lieber im Auguſt oder September und verſprechen ſich davon im andern Jabre einen ſtaͤrkeren Ertrag als von der Frühjahrsſaat; dagegen muß auch der Herbſtſaat eine halbe Brache vorausgehen. Der Waid iſt eine zweijährige Pflanze, und hält in milder Lage den Winter aus; auch läßt er ſich verpflanzen. §. 724. Sobald die Blätter des(ein⸗ oder zweijähri⸗ gen) Waids Ende Juni oder Juli anfangen gelb zu wer⸗ den, nimmt man ſie mit einem eigens dazu dienenden In⸗ ſtrumente, dem Waidſtoßeiſen, oder mit Sicheln, dergeſtalt ſorgfaͤltig ab, daß das Herz(die Krone) der Stauden un⸗ verſehrt bleibt; die Pflanzung wird dann geeggt und weiter⸗ hin behackt, und die wieder gewachſenen Blätter werden abermals abgeſtoßen. Dieſe Beerndtung kann im Herbſt noch einmal wiederholt werden, doch wird alsdann die Be⸗ ſtellung von Wintergetreide leicht zu ſehr verſpaͤtet. War aber der Waid im erſten Jahre ſchwach, ſo kann man ihn uͤberwintern und im andern Jahre noch einmal benutzen. um Saamen zu erhalten läßt man eine Anzahl Pflanzen im zweiten Jahre zum Blühen und Reifen in die Hoͤhe gehen. §. 725. Nach der alten Verfahrungsart werden die Blätter gewaſchen, auf der Waidmuͤhle gemahlen, die Maſſe muß dann auf Haufen eine Gaͤhrung machen, wonach ſie durchknetet und in Ballen geformt wird, welche getrocknet werden und dann in den Handel kommen. Wo keine Waid⸗ mühlen exiſtiren, begnügt man ſich damit, bloß die Blaͤtter ——— —— —— — 284— im Schatten(z. B. unter mit Stroh bedeckten Kleereutern) zu trocknen, und in dieſem Zuſtande zu verkaufen. Man kann in drei Schnitten 100 bis 150 Centner grüne, oder 15 bis 25 Ctnr. trockne Blätter p. Morgen erhalten. Waidballen rechnet man p. Morgen 12 bis 20 Centner, welche mit 5 bis 10 fl. p. Etnr. bezahlt werden; die trocknen Blätter gel⸗ ten ohngefähr daſſelbe. Ausführliches über den Waidbau in Reichards Land⸗ und Gartenſchatz. III. Der Wau. §. 726. Der Wau⸗ oder das Gilbkraut, Reseda lu- teola, dient zum Gelbfärben und wird in einigen Gegenden Deutſchlands, namentlich um Halle, ziemlich ſtark gebaut. Man macht einen Unterſchied zwiſchen dem franzoͤſiſchen und deutſchen Wau. Letzterer wird in einem Sommer gebaut und erreicht nicht die gleiche Höhe, als jener, welcher im Sommer vorher ausgeſtellt wird, der aber weniger Farb⸗ ſtoff als der franzoͤſiſche haben ſoll. Unſer in Dautſchland wildwachſender Wan, von dem der culti⸗ virte abſtammt, iſt jeden Falls eine zweijährige Pflanze. §. 727. Dieſe Farbepflanze erfordert ebenfalls einen guten, warmen Mittelboden. Das Land muß durch voraus⸗ gegangenen Hackfruchtbau oder anderweite fleißige Bearbei⸗ tung gut vorbereitet ſeyn, auch in guter Dungkraft ſtehen. Friſche Duͤngung haͤlt man nicht für angemeſſen. Dem im Sommer beſtellten Wau können Frühkartoffeln, Grün⸗ wicken und dergleichen mehr, oder Brache vorausgehen. §. 728. Die Saat vom zweijaͤhrigen Wau wird An⸗ fangs oder Mitte Auguſt bei etwas feuchter Witterung vor⸗ genommen, man kann ſolche aber auch unter Gerſte mit⸗ ausſtellen. Der einjährige Wau wird zeitig im Frühjahr geſät. Man bedarf p. heſſ. oder pr. Morgen etwa 6 Pfund Saamen. — 285— §. 729. Die aufgegangene Saat muß durch Jaͤten und Hacken ſtets rein gehalten, und die zu dicht ſtehenden Pflan⸗ zen muͤſſen dabei entfernt werden. Bei unguͤnſtiger Witte⸗ rung mißraͤth der Wau öfters. §. 730. Ende Juli oder Anfangs Auguſt ſteht der zweijährige Wau in voller Blüthe, der einjaͤhrige etwas ſpäter. Fangen dann die unteren Blätter an gelb zu wer⸗ den, ſo werden die Pflanzen ausgezogen oder abgeſchnitten, und, wenn ſie etwas abgewelkt ſind, im Schatten vollends getrocknet. Zum Saamenziehen läßt man eine Parthie Waupflanzen zur vollen Reife kommen. Der Saame iſt auch ölhaltig. §. 731. Der Ertrag von zweijährigem(deutſchem) Wau ſoll von 15 bis 36 Centner p. heſſ. oder pr. Morgen wechſeln, der einjährige(franzoͤſiſche) oft nicht viel mehr als halb ſo viel eintragen; letzterer ſoll aber auch oft um das Doppelte gegen erſteren bezahlt werden. Der Preis vom deutſchen Wau ſteht meiſtens zwiſchen 3 ½ und 7 fl. p. Centuer. IV. Der Saflor. §. 732. Der Saflor, Carthamus tinctorius, iſt ein diſtelartiges in Egipten ſtark im Anbau ſtehendes Gewächs, deſſen Blumen beim Auswaſchen eine gelbe, bei weiterer chemiſcher Behandlung aber eine vorzügliche Roſa⸗ und Scharlachfarbe geben. §. 733. Auch der Saflor will einen guten, lockeren, warm gelegenen Boden, welcher, wenn er nicht bereits in ſehr kräftigem Zuſtande ſich befindet, vor Winter mit ver⸗ rottetem Miſte gedüngt und tief gepfluͤgt wird. Im April wird die Saat vorgenommen, am beſten indem man die Kerne in 1 ¼ bis 1 ½ Fuß entfernte Reihen und in den Reihen ½ Fuß von einander legt. Man ſät auch breit⸗ — 2836— würfig oder in Stufen, und verdünnt ſpaͤter die Pflanzen nach dem eben angedeuteten Maasſtabe. §. 734. Die junge Saat wird behackt und rein ge⸗ halten. Im Juli erſcheinen die Blüthen; ſind dieſe dunkel⸗ roth und beginnen welk zu werden, ſo werden ſie nach und nach des Morgens in der Frühe abgenommen und an ſchat⸗ tigem luftigem Platze getrocknet. Man kann 50 bis 120 Pf. trockne Blüthen p. Morgen erndten, welche, wenn ſie guter Qualitaͤt, mit 36 kr. bis 1 Gulden p. Pf. und mitunter noch theurer bezahlt werden. Den Saamen laͤßt man noch zur Reife kommen, da er einigen Werth zum Oelſchlagen hat. Das Stroh freſſen die Schafe. Unter den bisher genannten Farbepflanzen dürfte der Saflor am wenigſten zu empfehlen ſeyn, theils weil der deutſche weniger gut iſt und nicht ſo gerne gekauft wird, als der orientaliſche; theils weil die Erndte ſehr ſchwierig iſt und gerade in die Getreideerndte fällt. V. Der Indigo⸗Buchweitzen. §. 735. Der Indigo⸗Buchweitzen oder Färbeknöterich, Polygonum tinctorium, iſt in neuerer Zeit aus China über Frankreich nach Deutſchland gekommen, und an mehreren Orten, wo deſſen Anbau verſucht ward, wird die Leichtig⸗ keit der Cultur geruͤhmt, ſowie daß eine dem Indigo ganz gleiche Farbe in reichlichem Maaße daraus gezogen werden koͤnne. 2 Man iſt über die beſte Art der Extraction des Farbſtoffs noch nicht im Reinen; eine bewährte Methode ſoll ſeyn: die grünen Pflan⸗ zen oder Blätter werden en mit Waſſer gefuͤllte Kübel gelegt und (beſchwert) darin belaſſen, bis faule Gahrung eingetreten iſt; nach dem Herausnehmen der Pflanzen ſetzt ſich der Farbſtoff zu Boden, von dem das Waſſer behutſam abgegoſſen wird. §. 736. Dieſe Pflanze ſoll in China zu gedachtem Be⸗ hufe ſehr ſtark angebaut werden. Man ſoll den Saamen nicht eher ausſäen, bis keine Fröſte mehr zu befürchten ſind, — 2831— entweder ſogleich auf das gut vorbereitete Land, oder auf Saamenbeete, um die jungen Pflanzen von da aufs Feld zu verpflanzen. Die Entfernung der Pflanzen von einander ſoll 8 bis 10 Zoll ſeyn. Am beſten ſoll der Ertrag ſeyn, wenn man die Blätter, ſo wie ſie anfangen gelb zu werden, nach und nach von unten abnimmt; auf dieſe Weiſe ſoll die Nutzung bis in den Herbſt fortgeſetzt werden können. Man vergl. Univerſalblatt 15. Band;— Bericht über die Ver⸗ ſammlung der Landwirthe zu Carlsruhe ꝛc. Noch viele andere Pflanzen enthalten zum Färben taugliche Stoffe, und mehrere hat man deßhalb auch noch angebaut oder an⸗ empfohlen, z. B. die Färberſcharte(Serratula tinctoria); mehrere wildwachſende werden zum gleichen Zwecke geſammelt, wie Wald⸗ meiſter, Labkraut ꝛc. Indeſſen iſt außer den bereits hier genannten Farbepflanzen dermalen keine weiter dergeſtalt erprobt oder verbrei⸗ tet, daß deren Cultur hier noch beſonders zu beſchreiben ſeyn dürfte. Der zum Färben auch häufig dienende Safran iſt unter den Ge⸗ würzpflanzen aufgeführt(§. 774), Viertes Capitel. Gewürzpflanzenbau. §. 737. Unter Gewürzpflanzen verſtehen wir ſolche Gewaͤchſe, deren Ertrag als Zuſatz zu Getränken oder Speiſen, der Würze oder des Geſchmacks wegen, verwen⸗ det wird, oder die zu anderen Zwecken als Specereyen einen Abſatz finden. Die meiſten hierher gehörigen Gewaͤchſe ſind zugleich Arzneypflanzen, und einige andere, welche bloß als Arzneypflanzen im Groͤßeren zuweilen gebaut werden, reihen ſich daran. Mehrere jener Gewürzpflanzen gehoͤren wegen = 288— ausgedehnten Verbrauchs und des bei ihrem Anbau zu er⸗ zielenden Gewinns zu den wichtigeren Handelsgewaͤchſen. §. 738. Es ſind hierher zu zählen: I. Der Hopfen. II. Der Senf. III. Der Kümmel. IV. Der Fenchel. V. Der Anis. VI. Der Koriander. VII. Der Schwarzkümmel. VIII. Der Safran. IX. Das Süßholz. X. Die Zwiebel. XI. Der Meerrettig. XII. Einige andere Arzneypflanzen. I. Der Hopfen. §. 739. Der Hopfen, Humulus lupulus, iſt in land⸗ wirthſchaftlicher und induſtrieller Hinſicht wichtiger, als alle uͤbrigen in dieſem Capitel aufgeführten Gewächſe zuſammen genommen, denn er iſt, als weſentliches Material fuͤr die Bierbrauerey, ein in ſehr ſtarkem Verbrauche ſtehendes Product und ein wichtiger Handelsartikel. Mittelſt des Hopfenbaues kann nach Maasgabe der Flaͤche ein groͤßerer Rohertrag erzielt werden, als von irgend einem anderen, zum allgemeineren Anbau geeigneten Handelsgewächſe; da⸗ dagegen erfordert derſelbe auch ein ſehr bedeutendes Vorlage⸗ Kapital für Arbeit, Dünger und Stangen. Der Hopfenbau wird in den meiſten Gegenden von Deutſchland, in vielen jedoch nur in geringer Ausdehnung betrieben; mehrere an⸗ dere Gegenden und Länder zeichnen ſich dagegen durch einen ſtarken Betrieb aus, als Baiern, Böhmen, mehrere Striche von Baden, Würtemberg, Niederſachſen ꝛc. Starker Hopfenbau wird auch in den Niederlanden und in England getrieben. 1. Verſchiedene Abarten. §. 740. Voraus zu bemerken bleibt, daß der Hopfen eine zweihaͤuſige Pflanzk iſt, und nur die weibliche Pflanzt mittelſt Wurzelableger cultivirt wird, etwa erſcheinende maͤnnliche Pflanzen aber als unnütz ſtets vertilgt werden. Die zahlreichen Varietaͤten, welche angebaut werden, unter⸗ ſcheiden ſich nach der Farbe der Ranken, Farbe und Groͤße — 289— der Fruchtzapfen(Trollen), nach der Reifezeit u. ſ. w. Der an vielen Orten wild wachſende Hopfen, von dem ohne Zwei⸗ fel der cultivirte abſtammt, hat nur kleine Köpfe von geringem Ge⸗ würzgehalte. §. 741. Die verſchiedenen Abarten ſind noch nicht feſt beſtimmt; auch über die Vorzüge, welche ſie vor einander beſitzen, iſt man verſchiedener Meinung. Im Allgemeinen iſt anzunehmen, daß der Hopfen mit maͤßig großen, feſten, grünlich⸗gelben Zapfen, und der mehr ſpaͤt als früh reifende, vor dem mit ſehr großen, und dem mit roͤthlichen Köpfen, ſowie vor dem ſehr fruͤhe reifenden den Vorzug verdiene. Reichlich tragend iſt gewoͤhnlich auch der Hopfen mit roͤth⸗ lichen Ranken, die Qualitaͤt des Ertrags davon ſoll aber geringer ſeyn, als vom gruͤnrankigen; doch wird der Hopfen mit carmoiſinrothen Ranken von mehreren Seiten geruͤhmt. Mehr noch als von der Abart hängt in Bezug auf Qualität des Hopfens von dem Boden, der Lage und Culturart ab.— Man beziehe nur daher Setzlinge, wo bereits ein guter Hopfen gezo⸗ gen wird. 2. Standort. §. 742. Der Hopfen kömmt in den gemäßigteren Kli⸗ maten von Deutſchland überall fort, wo zugleich auch die ſpecielle Lage dafür geeignet iſt. Der Hopfen liebt nämlich eine freie, ſonnige Lage; Schutz gegen Norden und Nord⸗ oſten iſt dabei willkommen. Alle Bodenarten, vom Sande bis zum gebundenen Lehm und warmen Thone, ſind zum Hopfenbau in ſonſt geeigneter Lage tauglich; nur darf der Boden nicht an Naͤſſe leiden und die Vorbereitung muß nach ſeiner Beſchaffenheit ermeſſen werden. Auch ein etwas ſteiniger, zumal kalkſteiniger Boden taugt noch. Auf einem kräftigen, etwas kalkhaltigen Mittelboden zieht man in ſonſt günſtiger Lage den beſten Hopfen. §. 743. Von der Aufnahme des Hopfens in die Frucht⸗ folge kann keine Rede ſeyn. Man waͤhlt dazu beſonders ge⸗ Pabſt. Landwirthſch. I. 2. 19 — 290— eignete Stücke, wo möoͤglich in der Nähe des Hofes, aus und beſtimmt ſie auf lange Zeit zum Hopfenbau. 3. Anlegung der Hopfenplantage. §. 744. Ein erſtes Erforderniß iſt eine tiefe Locke⸗ rung des mit Hopfen zu bepflanzenden Bodens. Das Land wird zu dem Ende im Herbſt und Winter vorher 2 Fuß tief, und zwar in der Regel mit der Hand gerottet; auf tief⸗ gruͤndigem gutem Boden kann auch durch ein moglichſt tief gehendes Doppelpfluͤgen zur Genuͤge rajolt werden. Iſt der heraufgebrachte Boden ſehr unartbar, ſo dünge man ge⸗ gen das Frühjahr ſtark, und pflanze im erſten Sommer Kartoffeln. §. 745. Das rajolte und geebnete Land wird entweder mittelſt Schnur, Meßſtangen und eingeſchlagener Pfloͤckchen zur Pflanzung dergeſtalt bezeichnet, daß der Hopfen in's Gevierte in regelmaͤßige Reihen und eine Pflanze von der andern demnächſt 5 bis 6 Fuß entfernt zu ſtehen kommt. Oder man legt mittelſt des Pflugs 5 bis 6 Fuß breite Beete an, auf deren Mitte alsdann alle à bis 5 Fuß ein Stock gepflanzt wird, und wobei in der Folge etwas Handarbeit geſpart werden, auch die Naͤſſe beſſer abziehen kann. Es iſt moͤglichſt dahin zu trachten, daß Beete und Zeilen ihre Richtung von Süden nach Norden haben. Die Erfahrung lehrt, daß es bei zu enger Pflanzung, z. B. 4 Fut und weniger Entfernung, eher weniger als mehr Hopfen, als bei größerer Entfernung(bis zu 6 Fuß) gibt, während man dort weit mehr Stangen nöthig hat. §. 7346. Die erforderlichen Setzlinge werden bei dem Beſchneiden einer aͤlteren Hopfenanlage im Frühjahre(am beſten von vier bis achtjaͤhrigen Stoͤcken) gewonnen(§. 750), oder müſſen, wo es daran fehlt, aus zuverläſſiger Quelle bezogen werden. Solche zugeſchnittene Setzlinge müſſen zwei bis drei Augen haben, gegen à Zoll lang und faſt Fingers dick ſeyn. — 291— §. 747. Ende März oder Anfangs April wird zum Setzen geſchritten, indem man an jede Pflanzſtelle ein Loch von 1 ½ bis 2 Fuß Weite und etwa 1 Fuß Tiefe aufdeckt, daſſelbe zur Hälfte und mehr mit verrottetem Miſte oder gutem Kompoſt ausfüllt und dann mit Erde dem Boden gleich wieder deckt. Auf jede Stelle ſetzt man 2 oder 3 Fech⸗ ſer(Setzlinge) oben nahe zuſammen, nach unten mehr von einander, zieht noch etwas Grund darüber und bezeichnet die Pflanzſtelle mit einem eingeſetzten Stängchen. Je ſchlechter der Boden, deſto mehr Dünger nehme man; in der Regel hat man p. heſſ. oder pr. Morgen 40 bis 50 Pferdslaſt guten Dünger nöthig.— Tritt trocknes Wetter nach dem Pflanzen ein, ſo muß begoſſen werden. §. 7us. Im Juni wird die junge Anlage zum erſten⸗ mal, im Juli zum zweitenmal behackt; ſpäter nach Erfor⸗ derniß rein gehalten. Die jungen Ranken werden an die Staͤngchen etwas angeheftet; im Spatherbſt wird die Ranke über dem Boden abgeſchnitten, der Stock mit Erde etwas gedeckt. Je kräftiger das Land und die Düngung, um ſo eher darf man im erſten Jahre ſchon auf einigen Ertrag(Jungfernhopfen) rechnen. Danach hat man ſich auch in der Wahl kürzerer oder längerer Stan⸗ gen im erſten Jahre zu richten. Im erſten Jahre iſt auch das Zwiſchenpflanzen von Wurzel⸗ gewächſen ſtatthaft. 4. Pflege der Hopfenanlagen. §. 749. Es iſt vorauszuſetzen, daß man vom zweiten Jahre an für die erforderlichen Stangen geſorgt habe. Je laͤnger ſolche ſind, um ſo beſſer; unter 30 Fuß darf die Länge nicht betragen. Sie müſſen gehörig glatt gemacht und zugeſpitzt ſeyn. . Gewöhnlich bedient man ſich Stangen von Kiefern oder Fichten; zur Noth ſind auch noch einige weiche Laubhölzer dazu zu gebrau⸗ chen. Man hat ſchon mancherlei Vorſchläge und darauf beruhende 19* — 292— Verſuche gemacht, für die in den meiſten Gegenden koſtſpieligen Stangen andere Einrichtungen zu treffen, z. B. mittelſt Drathge⸗ ſtänge ꝛc.; es ſcheint jedoch noch kein Surrogat ſich genügend bewährt zu haben. Beachtenswerth iſt die in Rieke's Wochenblatt für Land⸗ und Hauswirthſchaft, 1837, beſchriebene, in Frankreich neuerer Zeit ausgeführte Anwendung von Drathgeländern, und der in Schwei⸗ tzer's Univerſalblatt, Band XI., gemachte Vorſchlag zur Verwendung älterer Hopfenranken, welche in eine Art Rahmen geſpannt werden ꝛc. §. 750. Die Arbeiten in den mehr als zweijaͤhrigen Hopfenanlagen folgen ſich in nachbeſchriebener Ordnung: a) Im April werden bei gutem Wetter die Stoͤcke aufge⸗ deckt, die vorjaͤhrigen Triebe(von denen auch die neuen Setzlinge entnommen werden) von dem Hauptſtock, ſo wie ſchadhafte Stellen mit Vorſicht und Sachkenntniß wegge⸗ ſchnitten. b) Von dem herbeigebrachten Dünger(verrot⸗ teter Stallmiſt oder Kompoſt) wird ein Koͤrbchen voll an den Stock gelegt und mit Erde gedeckt. c) Die Stangen werden mittelſt Locheiſen 1 Fuß vom Stocke gegen die Wet⸗ terſeite hin eingeſetzt. d) Sind die Ranken 3 bis à Fuß lang, ſo werden deren 2, höchſtens 3, mit Stroh ꝛc. ange⸗ heftet; die Nebenranken werden, mit Ausnahme einiger Anfangs noch zur Reſerve belaſſener, ausgeriſſen. Das An⸗ binden muß ſpäter, ſo wie das Vertilgen der Nebenranken, noch mehrmals, bis zur Höhe von 15 Fuß, wiederholt werden. e)) Bald nach dem erſten Heften, zu Anfang Juni, wird gut gehackt; im Juli behaͤufelt. 1) Ueber Sommer werden auch nach und nach die unteren Blaͤtter bis zur Höhe von 6 bis 8 Fuß abgebrochen, wodurch das ungeziefer(§. 751¹) mehr abgehalten und der Safttrieb mehr nach oben geleitet wird. g) Nöthigenfalls wird in der Zwi⸗ ſchenzeit noch gejaͤtet. Männliche Hopfenſtöcke, welche ſich in jungen Pflanzungen An⸗ fangs meiſtens einzeln zeigen, werden, ſo wie ſonſt krankhaft ſich zeigende Stöcke, durch neu zu pflanzende erſetzt. Der im zweiten Jahre ſtehende Hopfen wird ganz nach den hier — 293— angedeuteten Regeln behandelt, nur darf er beim Aufdecken im Früh⸗ jung nicht auch ſchon beſchnitten werden. §. 751. Dem guten Gedeihen des Hopfens können hinderlich ſeyn: a) Lange anhaltende Näſſe oder Duͤrre, beſonders waͤhrend der Bluͤthezeit; Spatfroͤſte, Stürme. b) Honig⸗ und Mehlthau, als Folge von ungünſtiger Wit⸗ terung, wonach ſich in der Regel die Blattlaͤuſe in unge⸗ heurer Menge einſtellen und die kranken Blaͤtter vollends verzehren. c) Die Hopfenraupe, Phalaena noctua humuli, benagt die Wurzeln und verſetzt den Stock dadurch in einen krankhaften Zuſtand; auch die Engerlinge thun zuweilen in ähnlicher Art Schaden. 5. Dauer der Hopfenpflanzungen. §. 752. Die Dauer einer gut angelegten und unter⸗ haltenen Pflanzung iſt 12 bis 15, zuweilen bis 20 Jahre und darüber. Faͤngt die Anlage an ſtark zuruͤckzugehen⸗ ſo ſtockt man ſie aus, baut einige Jahre Kartoffeln, Klee ꝛc. und kann ſie dann von Neuem wieder anlegen. Auf günſtigem Boden kann man die Stöcke nach und nach er⸗ neuern und dadurch eine ſehr lange Dauer der Anlage erzielen. 6. Erndte und Ertrag. §. 753. Die Erndte tritt gewoͤhnlich im September ein. Eg iſt wichtig, den richtigen Zeitpunkt zu treffen, welcher eingetreten iſt, wenn die Saamenköpfe(Trollen) vielen Staub(Mehl), nebſt fettigem Anfühlen, und braͤun⸗ liche Saamenköoͤrnchen beſitzen, zugleich gelbgrün ausſehen, ohne ſich ſchon ſtark geoͤffnet zu haben. Man ſchneidet die Ranken ab, hebt die Stangen mittelſt eines eigens dazu dienenden Hebers aus und pfluͤckt über Tuͤchern, welche auf Boͤcke geſpannt ſind, ab, indem die Stangen darauf gelegt worden, oder man ſtreift die ganzen Ranken von den Stangen, bindet ſolche in Bündel, um ſie zu Hauſe ab⸗ pfluͤcken zu laſſen. — 294— Es iſt dabei darauf zu ſehen, daß die Trollen ganz bleiben und alle Blättertheile aus dem abgepflückten Hopfen entfernt werden. Die Stangen werden am Beſten über Winter unter Dach ge⸗ bracht; fehlt es an hinreichendem Raume, ſo ſtellt man ſie pyrami⸗ denförmig im Freien auf. §. 754. Der geerndtete Hopfen wird auf Böden vder auf mit Bindfaden überſpannten Rahmen mit beſonderer Sorg⸗ falt getrocknet, was gewoͤhnlich erſt nach drei bis vier Wo⸗ chen genuͤgend erreicht iſt. Nun wird er in große Säcke feſt verpackt. Zu früh oder naß eingebrachter, ſchlecht getrockneter oder zu bald verpackter Hopfen verliert ſehr am Werthe, und kann dieſen ſelbſt ganz verlieren. Zu ſpät geerndtet oder zu lange ausgebreitet liegen gelaſſen, verliert er ebenfalls ſehr. Guter und gut behandelter Hopfen muß eine glänzend gelbe Farbe haben, kräftig riechen und in den nicht leicht zerfallenden Köpfen muß diel Hopfenmehl ſeyn. §. 755. Der Ertrag iſt je nach den einwirkenden Um⸗ ſtaͤnden ſehr ungleich. In den Hopfengegenden Baierns rech⸗ net man in 12 Jahren 2 ſehr gute Erndten zu 10 Centner pr. Morgen(heſſ. oder pr.), 6 mittlere Erndten zu 5 Cent., und A ſchlechte zu 1 ½¼ Centner; oder im Durchſchnitt 4 ½ Cent. pr. Mrg.(5 ½ Cent. p. w. M.). Sehr groß iſt ſo⸗ dann, in Folge der großen Verſchiedenheit im Ertrage und der Handelsconjuncturen, der Unterſchied im Preiße, wel⸗ cher von 20 bis 200 fl. p. Cent. wechſeln kann. Ueberdieß iſt der Preiß auch ſehr von der Qualität abhängig. Wollte man eine Durchſchnittsberechnung anſtellen, ſo darf man den Ceut. nicht höher, als zu 30 bis 40 fl. anſchlagen, denn in der Regel iſt er nur dann ſehr thener, wenn man ſehr wenig geerndtet hat. Guter und gut verpackter Hopfen hält ſich mehrere Jahre, doch verliert er an ſeinee Qualität von Jahr zu Jahr. — 295— II. Der Senf. §. 756. Der Senf findet für den Gebrauch der Apo⸗ theken, Materialhandlungen und Senffabriken einen ziemlich ſicheren Abſatz, und kann uͤberdieß, wenn es dort an Abſatz fehlt, zu Oel verwendet werden. Da jedoch der Vortheil als Oelgewächs unentſchieden iſt, große Quantitäten Senfſaamen aber zum Fabrik⸗ und offizinellen Gebrauche nur ſelten vortheilhaft anzubringen ſind, ſo wird dieſes Gewaͤchs auch nur ausnahmsweiſe im Großen gebaut angetroffen. §. 757. Es gibt zwei Arten, den ſchwarzen, Sinapis nigra, und den weißen Senf, Sinapis alba. Jener hat glatte, dieſer rauhe Schoten; der ſchwarze iſt ſchaͤrfer, der weiße jedoch als Speiſenwuͤrze beliebter. §. 758. Der Senf liebt einen guten Boden, der jedoch, wenn er kraͤftig genug iſt, wenig Bindung zu beſitzen braucht. Er geraͤth beſonders gerne auf kräftigem Neubruch und entwäſ⸗ ſertem Schlammboden. Das Land wird wie zum Sommer⸗ raps(§. 639 ff.) vorbereitet und die Saat im Maͤrz oder April, wie bei jenem, vorgenommen. Die Erdflöhe greifen auch die Senfſaat gerne an. §. 759. Die Erndte iſt aͤhnlich wie die des Sommer⸗ rapſes zu behandeln, und der Ertrag ſoll den von die ſem nicht ſelten uͤbertreffen. Das Oel vom Senfe iſt nicht nur zum Brennen, ſondern auch zu Speiſen brauchbar. Nach Thär gibt der Cent. Senfſaamen 32 Pf. Oel, wonach deſ⸗ ſen Oelergiebigkeit der vom Winterrübſen ohngefähr gleich ſtände. Ueber Verwendung des Senfs zur Grünfütterung ſ.§. 269. III. Der Kuͤmmel. §. 760. Der Saamen des Kümmels, Carum cervi, wird als Würze zu Speiſen, als Zuſatz zu verſchiedenen Sor⸗ ten von Brandwein ꝛc., ſtark verbraucht, und in mehrern Gegenden Deutſchlands, namentlich von Thuͤringen und Sach⸗ 1 1 1 4 1 1 7 4 1 4 4 3 4¼ ————. — — — 296— ſen, findet man auch den Kümmelbau im Groͤßeren betrieben und hält ſolchen fuͤr vortheilbringend; im Kleineren wird der Küm⸗ mel zur Deckung des eigenen Bedarfs der Vrandweinbren⸗ nerei an ſehr vielen Orten cultivirt. §. 761. Der Kuͤmmel liebt einen kraͤftigen, warmen und tief⸗ gruͤndigen Boden, welcher zum Anbau dieſer Pflanze gut gelockert und gereinigt ſeyn muß. §. 762. Man ſaͤt auf das klar geeggte Land Ende Aprils oder im Mai, am Beſten in Reihen, p. heſſ. oder prß. Morgen 5 bis 7 Pf. Saamen und bringt ſolchen flach unter. Man kann aber auch die Pflanzen mittelſt recht früher Saat auf Saamenbeeten erziehen und im Sommer aufs Feld in ½ bis 1 Fuß von einander entfernten Reihen verpflanzen. Man ſät auch den Kümmel unter Gerſte oder auch erſt im Au⸗ guſt auf zubereitetes Stoppelfeld; in beiden Fällen hat man jedoch geringere Erndten zu erwarten. §. 763. Ueber Sommer wird der junge Kümmel einige⸗ mal mit kleinen Haͤckchen behackt. Ende Septembers ſchnei⸗ det man das Kraut zum Verfuͤttern ab. Im Fruͤhjahr wird noch einmal behackt. §. 764. Die Saamenſtengel gehen im zweiten Jahre zeitig in die Hoͤhe und die Reife des Saamens tritt ge⸗ woͤhnlich Ende Juni ein. Man bindet die abgeſchnittenen oder auch ausgezogenen Stengel in Bunde, welche man zum völligen Trocknen aufſetzt, wonach dann der Saame auf dem Felde oder in der Scheuer abgedroſchen wird. §. 765. Der Ertrag verhaͤlt ſich von à bis zu 9 Cent.- p. heſſ. oder pr. Mrg.(5 bis 11 Cent. p. w. M.) und zu⸗ weilen noch hoͤher. Der nicht unbeträchtliche Strohertrag wird zum Streuen oder Heitzen benutzt. Der Preiß iſt meiſtens 9 bis 12 fl. p. Cent. Der wilde Kümmel, von dem der cultivirte abſtammt, iſt peren⸗ nirend; der cultivirte dauert hänfig nur zwei Jahre; doch läßt ſich — 297— die einmal augelegte Pflanzung an manchen Orten auch mehrere Jahre beuutzen. IV. Der Fenchel. §. 766. Der Fenchel, Anethum foeniculum(Foeni- culum vulgare), wird in ähnlicher Weiſe, wie der Kümmel verwendet; doch iſt deſſen Verbrauch, den in den Apotheken ausgenommen, nicht ſo groß, als der des Kümmels. §. 767. Der Saame wird gewoͤhnlich zuerſt auf Saa⸗ menbeete geſaͤt, und dann werden die Pflanzen, aͤhnlich wie an manchen Orten der Kuͤmmel(§. 762) verpflanzt, jedoch um die Hälfte weiter. Man kann ihn auch direct auf's Feld ſäen, das aber alsdann gartenaͤhnlich vorbereitet ſeyn muß. Ueberhaupt verlangt auch dieſes Handelsgewächs guten warmen Boden ſo wie Reinhaltung mittelſt Behäckeln ꝛc. §. 768. Die Erndte erfolgt ebenfalls im Herbſte des zweiten Jahres; die Dolden reifen aber ungleich und müſſen deßhalb nach und nach ausgeſchnitten werden. Man benuͤtzt ihn ge⸗ woͤhnlich im dritten Jahre noch einmal. Der Ertrag iſt auf a bis 8 Cent. p. Morgen(5 bis 10 Cent. p. w. M.) an⸗ zuſchlagen. Der Preiß ſteht gewöhnlich zu 12 bis 15 fl. pr. Cent. V. Der Ani s. §. 769. Der Saamen vom Anis, Pimpinella anisum, wird in ähnlicher Weiſe, wie Kümmel und Fenchel, zu verſchiedenen Zwecken häufig verwendet; daher der Anisbau auch im Grö⸗ ßeren vorkoͤmmt. §. 770. Der dazu gewählte Boden ſoll weder ſehr ge⸗ bunden, noch naß oder kalt gelegen ſeyn und in mittelmäßi⸗ ger Kraft ſtehen. Man ſoll das Land vor Winter tief lockern und im Fruͤhjahr zeitig beſtellen, indem man 9 bis 10 Pf. Saamen p. Mrg. ſät und ſolchen ganz flach unterbringt. Der Anis verträgt friſche Düngung nicht gut; am Beſten läßt man gedüngte Hackfrucht vorausgehen. — — 1—— ——ö—õ— —— — 298— §. 771. Der Anis wird zeitig gejätet, ſpaͤter behäckelt. Er iſt zur Blüthezeit ſehr empfindlich, uͤberhaupt leicht dem Mißrathen unterworfen. Im Juli oder Auguſt koͤmmt er zur Reife. Er wird ausgerauft, in Buͤndel gebunden und unter Dach vollends getrocknet, hierauf ausgedroſchen, wozu recht trocknes Wetter zu waͤhlen, da er ſchwer ausgeht und zu reinigen iſt. Man kann 2 ½ bis 5 Cent. p. heſſ. oder pr. Morgen erndten. Das Stroh iſt zum Streuen und ge⸗ ſchnitten ſogar zum Füttern brauchbar. Aus der Spreu kann noch Auisöl deſtillirt werden.— Wegen des häufigen Mißrathens iſt der Preiß ſehr veränderlich; der Cent. koſtet von 10 bis zu 30 fl. und darüber. VI. Der Koriander. §. 772. Der Koriander, Coriandrum sativum, wird in ähnlicher Weiſe wie der Anis benuͤtzt, auch ziemlich ebenſo cultivirt; nur bedarf man das Doppelte an Saamen. Sein Gerathen iſt ſicherer, als das des Aniſes. Der Mittelertrag iſt 5 bis 6 Cent. p. Mrgen; man kann aber auch bis 10 Cent. erndten. Der Preiß iſt gewöhnlich 8 bis to fl. pr. Ent. In England wird der Koriander hänufig zur Würze des Bieres verwendet. VII. Der Schwarzkümmel. §. 773. Der Schwarzkuͤmmel, Nigella sativa, wird ebenfalls wie der Anis gebaut und behandelt. Auch findet der Saame zu aͤhnlichen Zwecken ſeine Verwendung, wie der von den ſeither abgehandelten aͤhnlichen Handelsgewächſen, jedoch iſt der Gebrauch vom Schwarzkümmel gering. VIII1. Der Saffran. §. 774. Der Saffran, Crocus sativus, iſt ein meh⸗ rere Jahre ausdauerndes Zwiebelgewaͤchs, deſſen Bluͤthen⸗ narbe(weibliche Blüthe) von ſehr ſtarkem gewürzigen Ge⸗ ———.j,„—2— 2==— — 299— ruch und Geſchmack iſt. Auſſer dem Gebrauche als Gewürz wird der Saffran auch zum Gelbfärben verbraucht. Er wird namentlich in Oeſtreich häufig gebaut und daſelbſt für ſehr einträglich erachtet. §. 775. Der Saffran koͤmmt nur in den milden Cli⸗ maten Deutſchlands gut fort, in welchen der Weinbau im Großen mit Vortheil getrieben wird. Der dazu ausgewählte Boden muß⸗ſonnig und geſchützt gelegen, mürbe und kräftig ſeyn. Ueberdieß muß derſelbe beſonders eingefriedigt werden, um die Pflanzung vor den Haſen zu ſchützen, welche der Saffranpflanzung ſonſt ſehr gefährlich ſind. §. 776. Das mit verrottetem Miſte geduͤngte Feld wird umgeſpatet, und im Auguſt mit Zwiebeln aus aͤlteren Saffranpflanzungen, welche im Juni ausgegraben worden, dergeſtalt beſetzt, daß ſolche vier Zoll voneinander, und 2 Zoll tief zu liegen kommen. In den beiden folgenden Jah⸗ ren wird die Pflanzung uͤber Sommer mehrmalen behackt. §. 777. Im September des zweiten, und ebenſo des dritten Jahres tritt die Erndte ein, indem man des Mor⸗ gens frühe die völlig aufgeblühten Blumen abbricht, die ge⸗ würzigen Narben herausmacht und ſorgfaͤltig trocknet. Im vierten Sommer im Juni werden die Zwiebeln ausgehoben und die geeignet und nöthig erſcheinenden bis zur Wiederpflanzung (§. 776) im Schatten aufbewahrt. §. 778. Man kann(nach v. Heintl, Schubart u. A.) in den zwei Erndtejahren 10 bis 15 Pf. Saffran p. Morgen erndten. Der Preiß ſteht öfters zu 15 fl. und mehr pr. Pfund. IX. Das Süßholz. §. 779. Das Suͤßholz, Glycyrrhiza glabra, waͤchſt im ſuͤdlichen Europa wild, und wird in einigen Gegenden von Deutſchland, namentlich um Bamberg, im Groͤßeren gebaut. Die holzige, vielen Zuckerſtoff enthaltende Wurzel —— — — 300— dient bekanntlich zu Arzneyen und verſchiedenen techniſchen Zwecken, namentlich wird ſie auch zur Bierbrauerei mit⸗ verwendet. §. 780. Man waͤhlt zum Anbau des Suͤßholzes eine milde Lage und einen tiefgründigen, lockeren, nicht kraft⸗ loſen Boden, welcher im Herbſte mit kurzem Miſte gedüngt und tief umgeſpatet wird. Im Frühjahr wird er vollends klar zubereitet, wonach die Setzlinge(§. 781) in der Ent⸗ fernung von 1 ½ Fuß gepflanzt werden. Die Pflanzung wird uͤber Sommer gut bearbeitet; uͤber Winter werden die Stöcke mit Miſt bedeckt, welcher im Frühjahr untergehackt wird. §. 781. Die Pflanzung muß wenigſtens 3 Jahre fort⸗ gepflegt werden. Im dritten, oder ſelbſt erſt im vierten Herbſte wird geerndtet, indem man die Wurzeln ausgräbt, die ſtärkeren davon zum Verkaufe beſtimmt und die ſchwä⸗ cheren zum Verſetzen im folgenden Fruͤhjahre einſchlägt. Man kann letztere aber auch auf dem Paatze belaſſen und lomit die Pflanzung daſelbſt fortſetzen. §. 782. Der Ertrag kann ſich auf 9 bis 10 Entr. Süß⸗ holzwurzel p. heſſ. oder pr. Mrg. belaufen. Der Preiß p. Cutr. iſt gewöhnlich 12 bis 15 fl. X. Die Zwiebel. §. 783. Die gemeine Zwiebel, Allium Cepa, dieſes überall in den Küchen ſtark verbraucht werdende Gewächs, wird in mehreren Gegenden von den kleineren Wirthen in be⸗ traͤchtlicher Ausdehnung auf dem Felde gebaut und von ſol⸗ chen an umherziehende Haͤndler abgeſetzt. Man baut mehrere Arten, namentlich runde und lange(birn⸗ foͤrmige). §. 784. Die Zwiebel verlangt einen humusreichen Bo⸗ den. Der Saame wird im März auf das ſchon vor Winter gut vorbereitete Land geſät(a Pf. p. Mrg.), flach unter⸗ gebracht und angepatſcht oder gewalzt. Später wird gejätet ——— ¼ — 301— und die Saat auf 2 bis 3 Zoll verduͤnnt. Die Erndte be⸗ ginnt mit dem Gelbwerden des Krauts im Auguſt oder Sep⸗ tember. Die ausgezogenen Zwiebeln bleiben einige Zeit auf dem Felde liegen, werden von dem Kraut getrennt und an luftigen Plätzen vollends getrocknet. Ueber Winter aufbewahrte Zwiebeln werden zum Saamenziehen im andern Frühjahr in Gärten gepflanzt. §. 785. Man kann 50 bis 70 Cntr. Zwiebeln p. Mrg. erndten und dadurch einen bedeutenden Rohertrag erzielen. Der Cntr. wird häufig mit 1fl 10 bis 1 fl. 40 kr. bezahlt. XI. Der Meerrettig. §. 786. Auch der Meerrettig, Cochlearia Armoracia, deſſen Verwendung in der Kuͤche ebenfalls allgemein gekannt iſt, wird in manchen Gegenden, z. B. in Franken, Han⸗ nover, um Hamburg ꝛc., im Groͤßeren gebaut. Er verlangt einen guten tiefgründigen Boden, der auf 1 ½ Fuß tief ge⸗ lockert und gut geduͤngt ſeyn ſoll. §. 787. Man nimmt von vorjährigen Pflanzungen Feder⸗ kiels dicke Wurzel⸗Schoͤßlinge und pflanzt ſolche im Fruͤh⸗ jahr in das wohlvorbereitete Land in 6 bis 8 Zoll tiefe Rinnen, welche 2 Fuß weit von einander ſind. Im Som⸗ mer wird gehackt und rein gehalten, auch hebt man die Pflänz⸗ linge mehrmalen etwas hervor und bricht oder ſchabt die jungen Nebenſchoſſen ab. Man kann im erſten oder zweiten Herbſte die Meerrettigwurzeln erndten. Die Anlage kann laͤngere Zeit benutzt werden, und die endliche gaͤnzliche Ver⸗ tilgung des Meerrettigs vom Patze iſt ſchwierig. XII. Einige andere Arzneypflanzen. §. 788. Da die in dieſem Capitel bereits aufgeführten Gewaͤchſe groͤßtentheils auch zugleich officinell ſind, ſo duͤrf⸗ ten hier noch einige andere Arzneygewächſe zu nennen ſeyn, welche zuweilen auf dem Felde gebaut vorkommen, als Sie⸗ — — 302— benzeiten,(Trigonella foenum graecum), römiſche Chamille (Authemis nobilis), Pfeffermuͤnze, Eibiſch, Enzian, Rha⸗ barber u. m. a. Der Anbau ſolcher Arzneypflanzen iſt je⸗ doch ſchon zu ſehr Sache der Gärtnerei, und im Größeren zu ſelten mit Erfolg ausfuͤhrbar; deßhalb ſehen wir hier von einer naͤheren Beſchreibung der Culturmethode der betreffen⸗ den Gewächſe ab.— §. 789. Von den Siebenzeiten, oder dem Bocks⸗ horn, ſey jedoch bemerkt, daß der bisher üblich geweſene ſtarke Verbrauch von deſſen Saamen unter das Druͤſenpul⸗ ver für Pferde noch am eheſten einen größeren Anbau ge⸗ ſtatten dürfte. Es macht keine großen Anſprüche in Bezug auf den Boden. Im Frühjahr werden ohngefaͤhr 25 Pf. Saa⸗ men auf das wohlvorbereitete Land geſät und eingeeggt. Ueber Sommer wird rein gehalten. Wenn gegen den Herbſt die Mehrzahl der Schoten reif iſt, wird die Erndte abgeſichelt, vollends mit Sorgfalt getrocknet und abgedroſchen. Man kann 10 bis 15 Cntr. Saamen p Mrg. erhalten. Der Centner koſtet 6 bis 8 fl.— Das Stroh ſoll zur Fütterung brauchbar ſeyn. Fuͤnftes Capitel. Bau der Kaffeeſurrogate. §. 790. Bei der Allgemeinheit, welche der Verbrauch des Kaffees in Deutſchland erreicht hat, waͤhrend doch viele Unbemitteltere die Koſten fuͤr den echten Kaffee nicht zurei⸗ chend aufbringen koͤnnen, darf den dafuͤr in Aufnahme ge⸗ kommenen und eigens deßhalb angebaut werdenden Surro⸗ gaten hier eine beſondere Abtheilung gegeben werden. §. 791. Dieſe Surrogate ſind: I. Die Cichorie. II. Die Erdmandel. III. Die Kaffeewicke. — 303— Auſſerdem werden noch eine Menge andere landwirthſchaftliche Producte als Kaffeeſurrogate benutzt, als Roggen, Gerſte, Möhren, Runkelrüben ꝛc. I. Die Cichorie. §. 792. Die von der überall wild wachſend vorkom⸗ menden Cichorie(dem Wegwart), Cichorium intybus, ab⸗ ſtammende cultivirte Cichorie kann nur da im Größeren mit Vortheil gebaut werden, wo Cichorien⸗Kaffee⸗Fabriken in der Nähe exiſtiren oder etablirt werden. Man traf ſonſt und trifft zum Theil noch den Cichorienbau in ſtarker Aufnahme in Mähren, dann um Magdeburg und Braunſchweig, in der unteren Maingegend, am Niederrhein ꝛc. Die cultivirte Cichorie zeichnet ſich vor der wildwachſenden durch dickere, weniger bittere Wurzeln aus. §. 793. Die Cichorie verlangt einen nicht zu gebundenen, noch armen, dabei tiefgründigen Boden, welcher durch mehrmaliges, zum Theil tiefes Pflügen gelockert, auch zeitig geduͤngt ſeyn ſoll, wozu man gerne einen vergohrnen Pferde⸗ duͤnger verwendet. An manchen Orten bringt man den Dünger mit dem Spaten unter. §. 794. Man ſät zu Anfang Mai p. Mrg. 3 bis 4 Pf. Saamen, welcher nur ganz leicht untergebracht wird. Wenn die Pflanzen Fingers lang ſind, werden ſie gejaͤtet und auf ½ bis 1 Fuß Entfernung verduͤnnt, ſpaͤter behackt. §. 795. Im September werden die tief gehenden Wur⸗ zeln mit kleinen Spaten(oder Ruͤbenſpießen) ausgehoben, das Kraut wird abgeſchnitten und verfuͤttert; die Wurzeln aber müſſen wo möglich alsbald an eine Fabrik verkauft werden, indem es für den Producenten für gewoͤhnlich nicht rathſam iſt, ſich mit dem Trocknen abzugeben. Man erndtet haͤufig 80 bis 120 Cntr. p. heſſ. oder pr. Morgen. Der Preiß iſt dermalen 36 bis 54 kr. p. Entr. friſche Wurzeln. Zum Saamenziehen werden ſchöne Wurzeln im Keller in Sand Über⸗ wintert und im Frühjahr verpflanzt. ———————* — — — — 304— Da immer etwas Wurzeln im Acker bleiben, ſo muß man im folgenden Jahre Hackfrucht bauen und die nachkommenden Cichorien, welche ſonſt als ſchlimmes Unkraut im Acker fortwuchern, zu vertil⸗ gen ſuchen. Man baut deßhalb auch gerne zwei Jahre Cichorien auf einer und derſelben Stelle. Da die Cichorie ein ziemlich ſchlechtes, auch nicht einmal ein geſundes Kaffeeſurrogat iſt, der Boden davon überdieß ſehr mitgenommen wird, ſo wäre es kein Unglück für unſere Landwirthſchaft, wenn die Cicho⸗ rienfabriken noch weiter ſich verminderten, als dieß ſchon ſeit längeren Jahren der Fall war. Ueber die Benutzung der Cichorie als Futter⸗ kraut ſ.§. 278. II. Die Erdmandel. §. 796. Die Erdmandel, Cyperus esculantus, iſt eine Grasart mit Wurzelknollen von der Größe einer Haſelnuß verſehen. Nur an wenigen Orten exiſtiren Fabriken für Erdman⸗ del⸗Kaffee, obgleich derſelbe als ein geſundes und auch wohl⸗ ſchmeckendes Kaffeeſurrogat zu betrachten iſt. Es ſcheint, daß der Anbau der Erdmandel zu ſchwierig oder zu unſicher iſt, um allgemeineren Eingang zu finden. §. 797. Der Boden für die Cultur der Erdmandel ſoll warm, gut und in voller Kraft ſeyn. Man legt zweijaͤh⸗ rige Knollen zu Anfang Mai 2 Zoll tief in Reihen von 1 Fuß Entfernung und in denſelben etwas naͤher, bei trocke⸗ ner Witterung ſoll begoſſen werden. Die Pflanzung wird mehrmals behackt und behaͤufelt. Im October, bis wohin ſich eine große Zahl Knollen gebildet hat, erfolgt die Erndte, indem die Knollen mit dem Spaten gehoben und an den Stöcken vollends ausgezogen, ſodann aufgeleſen und gerei⸗ nigt werden. Das vorher abgemähte Gras dient zur Fuͤt⸗ terung. Ueber den Ertrag iſt nichts Sicheres bekannt. III. Die Kaffeewicke. §. 798. Die Kaffeewicke, Astragalus baeticus, wächſt im ſüdlichen Frankreich wild und wird dort ſchon laͤngſt als — 305— Kaffeeſurrogat benutzt. Der König Karl Johann verbreitete ſie in Schweden, von wo aus ihr Ruf ſich auch über Deutſch⸗ land erſtreckte, wo ſie jedoch nur kurze Zeit einiges Glück machte. §. 799. Sie verlangt warmen, lockeren, reinen Boden, wird im Mai in 1 ½ Fuß entfernte Reihen gelegt, über Sommer einigemal bearbeitet. Die Schoten werden nach und nach, wie ſie reifen, abgebrochen. Die mit Kaffee zuſammen zu röſtenden Körner ſitzen in den Scho⸗ ten ſo feſt, daß man dieſe in heißem Waſſer einweicht, um die Kör⸗ ner leichter davon trennen zu können, Sechstes Capitel. —— Bau ſonſtiger Fabrik⸗und Ge⸗ werbspflanzen. §. 800. An Fabrik⸗ oder Gewerbspflanzen, welche im Größeren gebaut werden, aber in keine der bis dahin abge⸗ handelten fuͤnf Abtheilungen der Handelsgewächſe ſich ein⸗ reihen, bleiben noch übrig: I. Der Taback. II. Die Weber⸗ karde. III. Das Seifenkraut. I. Der Tabak. §. 801. Der Tabak, Nigotiana, wird in vielen Gegen⸗ den Deutſchlands in mehr oder weniger großer Ausdehnung gebaut, und wenn auch die Blaͤtter des deutſchen Tabaks die Qualität und den Preiß der amerikaniſchen nicht erreichen können, ſo iſt ihnen in den zahlreich vorhandenen Tabaks⸗ fabriken doch ſtets Abſatz geſichert, und der Taback gehoͤrt da, wo es an arbeitend en Händen und zureichendem Dünger nicht fehlt, zu den einträglichſten Handelsgewaͤchſen. Pabſt. Landwlrthſch. 1.2. 20 — —— — — — — 306— Neuerer Zeit geſchieht viel, namentlich in Baden, durch Aus⸗ wahl der beſten Sorten und Culturmethoden beſſere Qualitäten von Tabak zu erzeugen.— Stark Tabak bauende Gegenden in Deutſch⸗ land ſind: Striche von Baden und Heſſen, namentlich die Pfalz, meh⸗ rexe Lagen in Franken, einzelne Theile der Elbniederung, von der Mark und Schleſien. Sodann wird im Elſaß, in Holland, Ungarn ꝛc. ſtarker Tabaksbau getrieben. §. 802. Gewöhnlich wird Amerika als das Vaterland des Tabaks angegeben; indeſſen iſt kaum zu bezweifeln, daß auch Aſien ein gleiches Recht an ihn hat. Der erſte Verpflanzer des Tabaks nach Europa war Johann Nicot, Geſandter Königs Franz II. am portugieſiſchen Hofe, wel⸗ cher die Pflanze im Jahr 1560 von der Inſel Tabako mitbrachte. 1. Abarten. §. 803. Wir unterſcheiden, nach Metzger, zunächſt die drei Hauptarten: a, virginiſcher, N. Tabacum; b, mary⸗ laͤndiſcher, N. macrophylla; e, tuͤrkiſcher oder ungariſcher, auch Bauerntabak, N. rustica. Der erſte wird am haufig⸗ ſten gebaut und zeichnet ſich durch ſeine langen, ſpitzen Blätter hinreichend aus. Der maryländiſche Tabak wird neuerer Zeit an vielen Orten ſtark gebaut und wegen ſeines reichlichen Ertrags geruͤhmt; er hat breitere, dünnrippigere, weniger ſchmal zugeſpitzte, mehr eifoͤrmige Blätter. Der tuͤrkiſche, auch Veilchentabak genannt, hat runde Blaͤtter, ſehr ver⸗ zweigte, weniger hohe Stengel, auch grüngelbe Blüthen, während die Bluͤthen der beiden andern Sorten röthlich ſind. Er iſt weniger empfindlich gegen die Kälte und wird in meh⸗ reren Gegenden, z. B. um Nuͤrnberg, für vortheilhafter als die anderen Sorten gehalten. Der ſogenannte Baumkanaſter, N. fruticosa, gehört zum virgi⸗ niſchen Tabak. §. 804. Vom virginiſchen, wie vom maryläͤndiſchen Ta⸗ bak gibt es wieder mancherlei Abarten; vom erſteren na⸗ mentlich ſchmal⸗ und breitbläͤttrichen und dickrippigen; vom — 307— Maryland mehr laͤnglich⸗ und mehr rundlichblättrichen u. ſ. w. In neuerer Zeit werden, beſonders von der Pſalz aus, vor andern geruͤhmt: a, der dickrippige virginiſche als ſehr er⸗ giebiges und dem Roſte weniger unterworfenes Carotten⸗ (Schnupftabak⸗) gut; b, der breitblättriche Maryland oder ſogenannte Amersforder, in fettem Boden als Carottengut ſehr eintraͤglich; o, der großblaͤttriche Veilchentabak, vorzüg⸗ liches Pfeifengut, und am wenigſten empfindlich, auch frü⸗ her reif. Man vergleiche: C. Zeller, Anleitung zum Tabaksbau, Carls⸗ ruhe, 1837. Daß Boden, Cultur und Behandlungsart bei und nach der Erndte mehr noch, als die gebauten Sorten auf die Qualiät des Tabaks von Einfluß ſind, darf nicht überſehen werden. 2. Standort. §. 805. Der Tabak macht in Bezug auf das Clima nur wenig geringere Anſprüche, als der Weinſtock; beſonders ſind ihm die rauhen und zugleich den kalten Winden ſehr ausge⸗ ſetzten Lagen unzutraͤglich, zumal wenn ſich gerne Nachtfröſte frühe im Herbſt einſtellen. §. 806. Den kalten, zähen Thon, den dürren Sand und den nicht entſäuerten Moor⸗ und Torfboden ausgenommen, kann der Tabak auf jedem Boden gebaut werden; am meiſten ſagt ihm jedoch ein lockerer, warmer, humoſer Boden zu. Im ſchweren Lande treten in zu naſſen oder zu trockenen Jahr⸗ gängen zu leicht Mißerndten ein; iſt der Thonboden kalkhaltig, ſo eignet er ſich ſchon weit beſſer zum Tabaksbau. Der auf mildem, leichtem Boden erzogene Tabak iſt von weniger ſcharfem Geſchmacke (leichter, milder,) und deßhalb mehr zum Rauchen, der im ſchwereren Boden erzogene iſt mehr zu Schuupftabak geeignet. §. 807. Sehr häufig geht dem Tabak, als einer Hack⸗ frucht, Getreide in der Fruchtfolge voraus. Beſſere Vor⸗ früchte ſind für ihn: Dreiſche, beſonders gebrannte, Luzerne, Klee. Man kann auch ein⸗ und dieſelbe Plantage eine Reihe 20* —- 308— von Jahren dem Tabacksbau beſtimmen, da er gut nach ſich ſelbſt gedeiht. Nach Tabak gerathen alle dem Boden ange⸗ meſſene Gewaͤchſe ſehr gut. Die beſſere Qualität des amerikaniſchen Tabaks ſoll theilweiſe darauf beruhen, daß derſelbe dort entweder iu gebranntem Neubruch, oder doch in Land mit vieler alter Kraft(ohne friſche Düngung) ge⸗ baut wird. 3. Cultur des Tabaks. §. 808. Das zu Tabak beſtimmte Land muß wohl und tief gelockert und von Unkraut gereinigt ſeyn; man hat deß⸗ halb in der Regel theils vor, theils nach Winter 3 bis à Pflugarten zu geben. In unſeren gewoͤhnlichen landwirth⸗ ſchaftlichen Verhältniſſen muß auch in der Regel eine ſtarke Düngung dem Tabak gegeben werden, indem von der Be⸗ ſchaffenheit und Menge des angewendeten Düngers Quanti⸗ tät und Qualität des Ertrags in hohem Grade abhängen. Mehr thieriſcher Dungſtoff, wie menſchliche Excremente, Schaf⸗- und Pferdemiſt, Knochen, Hornſpaͤne ꝛc. wirken auf eine reichliche Erndte, aber auch auf einen ſchweren, ſchar⸗ fen Tabak; Rindviehmiſt und rein vegetabiliſcher Dünger wirken auf gute Qualitaͤt von Rauchtabaken, namentlich wende man ſie vorzugsweiſe auf dem leichteren Boden an. Mehrere mineraliſche Dungmittel, als Kalk, Salzabfaͤlle, wirken ſehr günſtig auf den Tabak, ſo wie Aſche, guter Compoſt ꝛc. Frühzeitiges Aufbringen des Düngers, ſo daß derſelbe durch die nachfolgende Bearbeitung moͤglichſt mit dem Boden vermiſcht wird, iſt um ſo räthlicher, je mehr man unverweſeten oder ſtrohigen Dünger verwendet, zumal auf leichtem Boden. §. 809. Der Sommer unſeres Climas iſt nicht ausrei⸗ chend, um die Tabakspflanzen ſogleich von Anfang auf freiem Felde erziehen zu können. Wir ſind vielmehr darauf ange⸗ wieſen, den Saamen in Miſtbeeten, oder ſogenannten Kut⸗ ſchen, moͤglichſt frühe zum Keimen zu bringen und daſelbſt — 309— die Pflaͤnzlinge zu erziehen. Die Tabakskutſchen ſind um ei⸗ nige Fuß uͤber dem Boden erhabene Käſten, welche mit Miſtbeeterde angefuͤllt ſind und uͤbrigens ganz als Miſtbeet behandelt werden. Die Miſtbeete ſind Behufs des Schutzes vor der Kälte gewöhnlich mit Rahmen(Decken), mit geol⸗ tem Papier überzogen, verſehen; auch bedient man ſich dazu Bretter oder Strohmatten. Der ſehr kleine feine Tabacks⸗ ſaamen ſoll in der Mitte oder doch in der zweiten Haͤlfte des März geſät werden; in der Folge wird rein und maͤßig feucht gehalten, uͤber Nacht und bei rauhem Wetter wird zugedeckt. Man braucht zur Erziehung der für einen Morgen nöthigen Pflanzen ungefähr 4 Eßlöffel voll Saamen, welche ½ Morgen Miſtbeetraum bedürfen. Regenwürmer, Schnecken ꝛc muß man durch unter den Miſt⸗ beeten angebrachte angemeſſene Unterlagen abhalten; die Kutſchen ſichern am beſten gegen Ungeziefer. §. 810. Die gewöhnliche Pflanzzeit iſt im Juni, und zwar je früher um ſo beſſer. Die Setzlinge ſollen bis dahin 6 Blaͤtter getrieben haben. Man ackert etwa 2 Tage vor dem Pflanzen und wenn der Boden alsdann nicht feucht genug iſt, ſo ſoll jede Pflanzſtelle Stunde vor dem Setzen be⸗ goſſen werden. Die Entfernung beim Pflanzen richtet ſich nach Boden und Tabaksart. Gewöhnlich werden die Reihen 2 Fuß von einander entfernt beſtimmt und in den Reihen ſtehen die Pflanzen 1 ½ bis 2 Fuß weit. Man ſetzt entweder auf vorher gezogene ſchmale Beete, oder nach mit einem Markeur gezogenen Linien; in letzterem Falle iſt es ange⸗ meſſen, je 2 und 2 Linien etwas näher zuſammen zu rücken, um zwi⸗ ſchen je zwei ſolcher Doppelreihen einen etwas breiteren Gang für die ſpäter vorzunehmenden Arbeiten zu haben. Auch beobachte man, im Verbande zu ſetzen. Iſt das Wetter ſehr heiß, ſo bedeckt man zweckmäßig jede Pflanze für die erſten Tage mit etwas Moos. Nach acht Tagen werden die Fehlſtellen nachgepflanzt. Kann man ſchon Ende Mai anfangen zu pflanzen, ſo iſt dieß um ſo beſſer. In der Pfalz pflanzt man auch —— — 310— wohl noch Mitte Juli nach Raps, Wintergerſte ꝛc., doch iſt hierbei nurZauf halben Ertrag zu rechnen. §. 811. Einige Wochen nach dem Verpflanzen wird der Tabak mit der Hand behackt, was nach Erforderniß wieder⸗ holt wird; dabei wird die Erde etwas beigezogen, oder im leichteren Boden ordentlich behaͤufelt; doch darf dieß letztere nicht bei anhaltend trockener Witterung vorgenommen werden. §. 812. Sobald der Tabak Blüthenkronen treibt, wer⸗ den ſolche zur Befoͤrderung der Bildung vollkommener Blät⸗ ter abgebrochen; ebenſo werden ſpäter die aus den Blatt⸗ winkeln vortretenden Nachtriebe fort und fort ausgebrochen, was das Geizen genannt wird. Je nachdem der Tabak ſchwä⸗ cheren oder ſtaͤrkeren Trieb hat, laͤßt man jeder Staude we⸗ nigſtens 6 und höchſtens 12 Blätter. Bei dieſen Arbeiten iſt darauf zu ſehen, daß die Blätter ſo we⸗ nig als möglich beſchädigt werden; auch ſoll man jene nicht unmit⸗ telbar nach Regen oder Thau vornehmen. §. 813. Das dem Tabak ſchädlich werdende Unkraut iſt allein der Hanfwuͤrger(§. 703). Er ſtellt ſich am häufig⸗ ſten als Folge ſchlechten Fruchtwechſels oder ſchlechter Feld⸗ bearbeitung ein. Vielen Unfaͤllen iſt aber der Tabak in Folge ungünſtiger Witterung unterworfen, als da ſind: Vergel⸗ ben oder Faulen nach zu großer Naͤſſe; Roſt nach plötz⸗ lichem Witterungswechſel; Erfrieren bevor die Erndte eingetreten; ſodann Stürme und Hagel, welche leichter als bei andern Gewaͤchſen hier Schaden anrichten. Auch Raupen finden ſich zuweilen am Tabak ein, eine grüne von Noctua gamma, und eine graue von Noctua meticulosa. 4. Erndte. §. 814. Wenn die Pflanzung des Tabaks mit Anfang Juni beginnen konnte und die Witterung über Sommer nicht ungünſtig war, ſo kann die Erndte gewöhnlich zu Mitte September ihren Anfang nehmen; häufig faͤllt jedoch ein — 311— Theil der Erndte erſt in den October. Das Zeichen der Reife iſt, daß die Blaͤtter dunkle und gelbliche Flecke und ein marmorirtes Ausſehen bekommen, ſchlaff und pergament⸗ artig erſcheinen. Die unterſten Blätter, Erd⸗ oder Sandgut genannt, werden zuerſt gelblich und vorweg ausgebrochen, auch wegen ihrer ſchlechteren Qualitaͤt von der Haupterndte ſpäter abgeſondert gehalten. Das gewoͤhnliche weitere Ver⸗ fahren bei der Haupterndte beſteht in Abbrechen aller guten Blätter, welche mit der unteren Seite nach oben gekehrt in kleinen Schichten mehrere Stunden zum Abwelken liegen blei⸗ ben und dann an einen trockenen Ort unter Dach gebracht werdeu. §. 815. In Amerika, auch im ſüdlichen Frankreich, werden, nachdem das Erdgut fruͤher abgeblattet worden, die Stauden mehrere Tage vor dem Abnehmen mit einem Hackmeſſer umgehauen, ſo daß ſie ſich halb umlehnen und nun abwelken; nach einigen Tagen werden ſie entweder ſo wie ſie ſind heimgebracht, um die Blaͤtter an den Stengeln zu trocknen, oder es wird nun auch auf dem Felde abge⸗ blattet. Dieſes Verfahren, beſonders mit dem Trocknen der Blätter an den Stengeln, ſoll weſentliche Vorzüge beſitzen. Es iſt in neuerer Zeit in Baden mit beſtem Erfolg verſucht worden. §. 816. Bei dem gewoͤhnlichen Verfahren werden die eingebrachten Blätter aufrecht und nicht hoch noch feſt auf⸗ geſchichtet(namentlich nicht in feſtgebundenen Bündeln) einen bis zwei Tage ſtehen gelaſſen, bis ſie noch mehr abgewelkt ſind und anfangen ein wenig zu ſchwitzen. Nun werden ſie, indem man zugleich die groͤßeren, beſſeren von den geringe⸗ ren nochmals ſortirt, an Bindfaden, jedoch ohne ſie zu dicht an einander zu ſchieben, geſchnuͤrt, an denen ſie in luftigen wo moͤglich vor der Sonne geſchützten Raͤumen(ſ.§. 817) zum Trocknen aufgehangen werden. Beſſer als das Aufſchnü⸗ ren auf Bindfaden ſind 5 bis 6 Fuß lange glatte Ruthen — 312— oder Stecken von weichem Holz, auf welche man die mit einem Schlitz in die Rippe verſehenen Blaͤtter aufſchiebt und die dann zum Trocknen auf Latten oder andere Vorrichtun⸗ gen aufgelegt werden. Das beſte Verfahren aber iſt, nach §. 815 die Blaͤtter an dem aufgehängten Stengel zu trock⸗ nen, wodurch ein ſchoͤneres, feineres Product gewonnen, und uͤberdieß an Arbeit und Schnüren bedeutend geſpart wird. §. 817. Bei großen Pflanzungen hat man eigene Trocken⸗ haͤuſer; fuͤr gewöhnlich bedient man ſich zum Trocknen des Tabaks der Speicher, Stallboͤden, Schuppen ꝛc. Jedenfalls darf es an Luftzug nicht fehlen, ſonſt entſteht Fäulniß oder Moder und der Tabak verliert ſtark am Werthe. Das Auf⸗ haͤngen an den Haͤuſern iſt ein Nothbehelf und nur zurei⸗ chend, wenn die Dächer recht weit uͤberſtehen. §. 818. Nach Befund der Witterung und der Räume ſind die aufgehängten Blätter zuweilen aufzuſchütteln, etwa anfaulende zu entfernen, auch mehrmals umzuhaͤngen. In Ermangelung hinlaͤnglich luftiger Raͤume und bei anhaltend feuchter Witterung nimmt man auch wohl noch zu einem Nothbehelfe, dem mehrmaligen Räuchern mit Wachholder⸗ beerſtauden und dergleichen, ſeine Zuflucht. Bei guͤnſtiger Witterung werden die Bläͤtter im Spatherbſt noch völlig trocken, bei unguͤnſtiger kann es bis zum Frühjahr dauern. Man erkennt den rechten Zeitpunkt an den völlig ausgetrock⸗ neten Rippen. Die abgenommenen Blaͤtter werden gleich⸗ mäßig auf einander in ſchmale Haufen gelegt, indem je 25 bis 30 Blaͤtter mit ein paar Strohhalmen in Bündelchen gebunden werden. Der ſo ſitzende Tabak geräth allmählig in Fermentation, deren höhere Steigerung man jedoch durch Umſetzen verhuͤten muß. Laͤßt ſolche nach oder tritt Froſt ein, ſo ſetzt man ihn bis zum Verkaufe auf größere Haufen. Alle dieſe Arbeiten erfordern viele Aufmerkſamkeit und Sach⸗ kenntniß. Sie werden auf verſchiedene Weiſen und oft ſehr mangel⸗ — 313— haft ausgefuͤhrt, daher die vielen ſchlechten Qualitaͤten des meiſten in Deutſchland erzeugten Tabaks. 5. Ertrag. §. 819. Nach Verſchiedenheit des Bodens, des Jahr⸗ gangs und der gebauten Sorte verhält ſich der Ertrag mei⸗ ſtens zwiſchen 6 und 10 Cntr. trockener Blätter p. heſſ. oder pr. Morgen(7 ½ bis 12 Cntr. p. w. M.). An Carottengut erhaͤlt man gewöhnlich mehr, als an Pfeifengut; letzteres wird aber auch wieder beſſer bezahlt. Ein Mittelpreiß für den Tabak iſt 10 bis 12 fl. p. Entr., ein guter 13 bis 15 fl., ein geringer und die Baukoſten oft nicht hin⸗ länglich deckender 6 bis 8fl.— Die Handarbeiten allein ſind im Durchſchnitt auf 24 bis 30 Arbeitstage, oder auf 9 bis 12 Gulden, P. Morgen anzuſchlagen. In einigen Gegenden verakkordirt der größere Landwirth die ſämmtlichen Arbeiten beim Tabak um einen Antheil am Naturalertrage, gewöhnlich um die Hälfte. §. 820. Bei einer frühen Tabakserndte laͤßt man an manchen Orten an den ſtehen gelaſſenen Stengeln noch ei⸗ nige Geizen zum Treiben kommen, und gewinnt ſo eine ge⸗ ringe und wenig werthvolle Nacherndte. Die Stengel ſind übrigens ein treffliches Material zu Kompoſt; auch liefern ſie beim Verbrennen viele und gute Aſche. 6. Saamenerziehung. §. 821. Hierzu ſetzt man ameebeſten einige Pflanzen auf Gartenbeete] beſonders und in größerer Entfernuug als zum Blättergewinne aus. Man kann aber auch auf dem Felde ſchoͤne Tabaksſtauden zu dem Behufe ſchießen laſſen. Man bricht von den vielen Blumenknospen die ſpäter emporkommenden ab und laͤßt nur die oberſten, zuerſt gekommenen ſtehen. Die Reife tritt gewöhnlich anfangs October ein, und man kann ſchon von wenigen Stoͤcken eine weitreichende Menge Saat⸗ gut erhalten. Man macht den Saamen erſt im Frühjahr aus den in aufgehangenen Saͤcken bewahrten Saamenkoͤpfen. Der Saame iſt auch ölhaltig. —————————— — — 314— II. Die Weberkarde. §. 822. Die Weberkarde, Kardendiſtel, Dipsacus ful- lonum, wird in den Tuchfabriken und Manufakturen zum Aufkratzen der wollenen Fabrikate, Behufs des gleichen Strichs der Haare ſtark gebraucht. In Gegenden, wo viele ſolcher Fabriken exiſtiren, kann deßhalb der Anbau der Weberkarde auch recht eintraͤglich ſeyn, zumalsda derſelbe leicht und ein⸗ fach iſt, auch dem Lande nur wenig Kraſt durch den Kar⸗ denbau entzogen wird. Sie wird unter Andern um Nürnberg und Bamberg, neuerer Zeit auch in Würtemberg ſtark gebaut. Sehr ſtark wird deren Anbau im ſüdlichen Frankreich betrieben. §. 823. Die Karden kommen im nicht zu trocknen Sande, wie im Lehmboden gut fort, beſonders aber in gutem Mit⸗ telboden; auch lieben ſie ſehr einen kalkhaltige Boden. Die Vorbereitung des Bodens ſoll ungefahr wie zu Gerſte ſeyn. Alte Kraft iſt beſſer, als friſche Düngung; fehlt es aber an jener zu ſehr, ſo wird mit verrottetem Miſte mäßig ſtark gedüngt. §. 824. Man ſaͤt den Saamen entweder direct auf das Feld oder auf Saamenbeete, um zu verpflanzen. Das Letz⸗ tere geſchieht am haͤufigſten. Der Saame wird zu dem Ende im Fruͤhjahr zeitig auf gut vorbereitete Beete geſaͤt und die jungen Pflanzen werden hier bis zum Sommer rein gehal⸗ ten. Ende Juli bis Mirte Auguſt wird verpflanzt in 2 Fuß entfernten Reihen, auf kraͤftigem Boden etwas weiter, auf ſchwachem etwas enger. Man kann wie beim Tabak(§. 810) entweder ſchmale Beete wählen oder in näher zuſammenſtehenden Doppelreihen pflanzen. Man kann die Pflanzung nach Wintergerſte, Roggen, Raps, Frühkartoffeln, Wickfutter, einmal geſchnittenem Klee ꝛc. folgen laſſen. §. 825. Hat man ein im Frühjahr ſchon gehörig vor⸗ bereitetes Land, ſo kann der Kardenſaamen unmittelbar auf's Feld in der erforderlichen Entfernung gelegt, oder auch(was — 315— jedoch weniger zu empfehlen iſt) breitwürfig geſät werden. Man kann in dieſem Falle fürs erſte Jahr Mohn oder Rüben als Zwiſchenfrucht wählen. §. 826. Die im Frühjahr auf's Feld geſaͤten Karden werden zweimal, die im Sommer verpflanzten(im Herbſt) nur einmal behackt. Im folgenden Jahre kann eine einma⸗ lige Bearbeitung zureichend, aber auch ein zweites Haͤufeln rathſam ſeyn. §. 827. Ungünſtige Winter können die Pflanzung theil⸗ weiſe oder ſelbſt ganz zerſtoͤren; außerdem ſind die Weber⸗ kardenpflanzungen wenig Unfaͤllen unterworfen. Zuweilen ſtellt ſich der Mehlthau ein. §. 828. Im zweiten Sommer treiben die Pflanzen Sten⸗ gel, deren ſtachliche Köpfe im Juli und Auguſt nach und nach verblühen. So wie ein Theil der Köpfe abgebluͤht hat, werden ſie mit etwa ½ Fuß langen Stengelenden abgeſchnit⸗ ten, und dieß wird alle 8 oder 10 Tage wiederholt, bis die Erndte beendigt iſt. Es darf dieſe Arbeit jedoch nur bei trocknem Wetter vorgenommen werden. Die abgeſchnittenen Köpfe werden auf luftigen Boͤden mit Sorgfalt getrocknet und dann in Büſcheln von 25 oder 50 Stück zuſammengebunden, wo⸗ bei ſie nach der Groͤße und Güte ſortirt werden. Man kann auch ſogleich bei der Erndte die Buͤſchel binden und zum Trocknen aufhängen. Zur Erziehung von Saamen läßt man einzelne Stauden ganz zur Reife kommen. Es iſt wichtig, den rechten Zeitpunkt der Erndte zu treffen, da⸗ mit die Karden weder zu ſpröde noch zu ſchwach ſind. Bei zu ſtar⸗ kem Wuchſe knickt man ſie zu Anfang der Blüthe, um ſie geſchmei⸗ diger zu erhalten. §. 829. Der Ertrag kann 30,000 bis 80,000 Stück p. heſſ. oder pr. Mrg. betragen; der Preiß verhält ſich meiſtens zwiſchen 1 ½ und 3 fl. p. Tauſend. Die Stengel taugen blos zum Brennen. — 316— Wenn auch die Handarbeit p. Morgen der vom Tabak(§. 818) ziemlich gleich kommen mag, ſo muß ſich dennoch der Reinertrag hoch berechnen, ſobald man Abfatz dafür haben kann. III. Das Seifenkraut. „§. 830. Die Wurzel des Seifenkrauts, der Saponaria officinalis, wurde bisher theils zum officinellen Gebrauche, theils zum Gebrauche beim Waſchen von Wollenzeugen, oder auch von Wolle, an manchen Orten, im Ganzen jedoch nur wenig durch Anbau auf dem Felde gewonnen. Da man aber in neueſter Zeit, aufmerkſam gemacht durch Preyß in Peſth, wenn auch nicht beſtimmt die Wurzel der Sapo- naria officinalis, doch einer nahe verwandten Pflanze(nach Mehreren von Lychnis dioica L.) zum Waſchen der Wolle auf den Schafen mit beſonderem Erfolge anwendbar gefun⸗ den hat; ſo duͤrfte, falls ſich die von mehreren Seiten ge⸗ ruͤhmten Vorzüge jener Waͤſche bewähren, der Anbau der ge⸗ dachten Pflanze demnaͤchſt eine bedeutendere Stelle als ſeit⸗ her einnehmen. §. 831. Das Seifenkraut gedeiht gut auf Mittel⸗ oder auch etwas gebundenerem Boden, welcher gut und tief vor⸗ bereitet ſeyn ſoll. Man kann den im Sommer gewonnenen Saamen im Herbſt ſaͤen, und im anderen Herbſte auf aͤhn⸗ liche Weiſe wie den Krapp(§. 719) erndten, wonach die gereinigte Wurzel getrocknet wird. Die Wurzelſproſſen oder aus Saamen gezogenen Pflanzen der Saponaria laſſen ſich auch im Herbſt oder Frühjahr verpflanzen. Z. 8 v. 2 5 v. ⸗ 6 v. 5 12 v: 2 1 v. 2 77 v. 2 1 v. 2 12 v. 2 6 v. 2 13 v. ⸗ 5 v. „ 4 u. 2 8 v. Druckfehler. o/. lies§. 26. ſtatt§. 17. o. l. einen halben Zoll ſt. einen Zoll u. l. 4 Zoll ſt. 3 Zoll. u. I. 3 ſt. III. d. l. V. ſt. 1V. u. fehlt 4. o. I. II. ſt. 2. u. l. jede ſt. jedes. u. l. feucht ſt. feuchten. o. fällt einmal„ſchon“ hinweg. u. l. Phaſeolenbau's ſt. Ertrags. 5 v. o. l. jedenfalls ſt. wenigſtens. u. l. Beginnen der Erndte iſt ſt. Beginnen iſt ꝛc. * In der Verlagshandlung dieſes Werkes ſind erſchienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Pabſt, H. W., Lehrbuch der Landwirthſchaft. Ir Bd. 1ſte Abth. Pflanzenproductionslehre. Auch unter dem Titel: Allgemeine Grundſätze des Ackerbaues. Preis 1 Thlr. oder 1 fl. 45 kr. Deſſelben Werkes 2r Bd. Iſte Abth. Thierproductions⸗ lehre oder Viehzucht. Auch unter dem Titel: Die landwirthſchaftliche Hausthierzucht. 1 Thlr. 4 gr. oder 2 fl. 6 kr. Deſſelben Werkes 2r Bd. 2te Abth. Landwirthſchaft⸗ liche Betriebslehre. 1 Thlr. oder 1 fl. 45 kr. Meine Bienenzucht, oder ausführkiche Anleitung zur Behandlung der Bienen in jeder Jahreszeit. Von Chr. Fr. Ludwig Fuckel, Pfarrer und Schulinſpector zu Rei⸗ chelsheim im Großherzogthum Naſſau. Mit 3 Figuren⸗ tafeln und einem Anhange, die Nutt'ſche Lüftungsbienen⸗ zucht betreffend. 8. geh. 22 gr. oder 1 fl. 36 kr. Wenn es unter den vielen Werken, welche über Bienenzucht ſchon exiſtiren, viele gibt, welche der nach gründlicher und praktiſcher Belehrung ſtrebende Bienenzüchter wohl entbehren kann, ſo iſt dagegen das obige Werkchen nicht hierzu zu rech⸗ nen, vielmehr ſtellt daſſelbe, nach dem Urrheile erfahrener Bienenväter, gründlich und wahr die mit außerordentlicher Liebe und Ausdauer gemachten vieljährigen Beobachtungen und Erfahrungen des Verfaſſers auf eine ſehr klare und faßliche Weiſe dar, es wird viel zur Aufmunterung und Verbeſſerung des ſehr gering geſchätzten und vernachläſſigten Zweiges der Landwirthſchaft beitragen und verdient darum jede Empfehlung, um geleſen und von allen denen benutzt zu werden, welche Gelegenheit haben, ſich mit der edlen Bienenzucht abzugeben. Nach dieſer Schrift können im Frühling 20 und mehr der Fütterung bedürftige Stöcke in einer Stunde für die ganze Zeit des Nothſtandes mit dem erforderlichen Futter verſehen, können ebenſo vielen Stöcken, wenn man auf den freiwilligen Abgang der Schwärme nicht warten will, dieſe in ganz kur⸗ zer Zeit durch die Kunſt entnommen, und kann im Herbſt eine gleich große Anzahl von Stöcken in einem Tage ihrer Völker, ohne ſie zu tödten, entledigt werden. Zum Beweiſe, welche Vortheile durch die empfohlene Methode errungen wer⸗ den können, ſtehe hier noch das vom Verfaſſer in Nr. 47 der Zeitſchrift für die landwirthſchaftlichen Vereine im Groß⸗ herzogthum Heſſen 1838 mitgetheilte Reſultat, welches ſich im Frühjahre 1838 herausgeſtellt hat. Es wurden nämlich von 11 alten überwinterten Stöcken nach einem ſehr mäßigen Ueberſchlage 158 fl. 24 kr. rein gewonnen, ſo daß alſo im Durchſchnitt ein Stock 14 fl. 24 kr. abwarf.. 1 Hülfstafeln zur Berechnung des körperlichen Inhaltes und Werthes des Bau- und Werkholzes nach dem Decimal⸗ maaße. 8. 1 Thlr. 8 gr. oder 2 fl. 24 kr. Berg, C. H. E. von, Anleitung zum Verkohlen des Holzes. Ein Handbuch für Forſtmänner, Hütten⸗ beamte ꝛc. Mit 2 Steindrücken. 8. 1 Thlr. 4 gr. oder 2 fl. Götz, Ph., der aufrichtige Weinbauer, oder kurzer Unterricht, wie man den Weinbau betreiben müſſe, um den erwünſchten Nutzen aus ihm zu ziehen. 8. geh. 8 gr. oder 36 kr. Heß, J., Überſicht der natürlichen Familien der phanerogamiſchen Pflanzen, mit einer kurzen Charakteriſtik der einzelnen Familien. Für angehende Botaniker. 8. 18 gr. oder 1 fl. 20 kr. Wedekind, Frhr. G. W. v., Anleitung zur Forſt⸗ verwaltung und zum Forſtbetriebe. Mit 116 Muſtern. gr. 8. 2 Thlr. 12 gr. oder 4 fl. 30 kr. Verwaltungsordnung der Communalwaldungen im Großherzogthum Heſſen, oder Sammlung der Geſetze, Ver⸗ vordnungen und ſonſtigen Vorſchriften über Verwaltung der Communalwaldungen im Großherzogthum Heſſen. gr. 8. geh. 6 gr. oder 24 kr. —2 Srs g1L eqseᷣ 1 SeDu.