— Univ.-Bibl. Giessen — .,— us — 227/1 khaa. Lehrbuch Landwirthſchaft, von * Dr. H. W. Pabſt, Director und Profeſſor der Königl. Preuß. ſtaats⸗ und landwirth⸗ ſchaftlichen Academie Eldena, Ritter des Großh. Heſſ. Ludewigs⸗ ordens, corresp. und Ehrenmitgliede mehrerer Geſellſchaften ꝛc. zur Beförderung der Landwirthſchaft. Erſter Band Pflanzenproductionslehre. Erſte Abtheilung: Allgemeiner Pflanzenbau. BIEIIOTHKE P. K0XICLICHEN ACADEAAIE DISLANDNALES/ 2u NIGIIX7/ Zweite, neubearbeitete Auflage. Darmſtadt. Verlag von C. W. Leske. 1841. Allgemeine Grundsätze des Ackerbaues, f von Dr. H. W. Pabſt, Director und Profeſſor der Königl. Preuß. ſtaats⸗ und landwirth⸗ ſchaftlichen Academie Eldena, Ritter des Großh. Heſſ. Ludewigs⸗ ordens, corresp. und Ehrenmitgliede mehrerer Geſellſchaften ꝛc. 5* zur Beförderung der Landwirthſchaft. Zweite, neubearbeitete Auflage. Darmſtadt. Verlag von C. W. Leske. 2*— 1841. Vorwort zur zweiten Auflage. Be der vor 8 Jahren herausgekommenen erſten Auflage der erſten Abtheilung meines Lehrbuchs der Landwirthſchaft habe ich im Vorworte bemerkt und gerne wiederhole ich es hier, daß der Zweck zu Abfaſſung dieſes Buches geweſen ſei, einem Bedürfniſſe abzuhelfen, das ich als Lehrer an landwirthſchaftlichen Anſtalten mit jedem Jahre mehr empfand, nämlich einen weder zu ausgedehnten, noch zu ſehr abgekürzten Leitfaden zu wiſſenſchaftlich⸗praktiſchen Lehrvorträgen über die ge⸗ ſammte Landwirthſchaft für landwirthſchaftliche Inſtitute zu veröffentlichen, und denſelben zugleich ſo zu halten, daß er dem Anfänger in einem wiſſenſchaftlich⸗praktiſchen Studium der Landwirthſchaftslehre eine Ueberſicht an die Hand gebe über das was ihm zu erlernen, zu ſtudiren Noth thut, und ihm als Wegweiſer und Stütze bei ſeinen weiteren Studien, ſowie bei Erwerbung prak⸗ tiſcher Erfahrungen und Wahrnehmungen zu dienen. Zu dem Ende war ich ſtets bemüht, die Aufſtellung IV einſeitiger Principien und Urtheile zu vermeiden, viel⸗ mehr dem Grundſatze überall zu huldigen, daß allge⸗ meine und wiſſenſchaftlich geordnete und dargeſtellte Principien ſtets den Anhalt geben müſſen zu einer gründ⸗ lichen Bildung in der Landwirthſchaft, daß aber nur aus der ſorgfältigen Erkenntniß und Erwägung der einwirkenden Local⸗Verhältniſſe der richtige Weg zur Anwendung jener allgemeinen Grundſätze zu finden ſei. Ferner habe ich ſchon damals ausgeſprochen und immer werde ich dieſer Abſicht treu bleiben, daß es mein Stre⸗ ben ſei, den Reſultaten gründlicher wiſſenſchaftlicher Forſchungen, wie denen als zuverläſſig anzuerkennender praktiſcher Wahrnehmungen gleiches Gewicht beizulegen, ſie zu benutzen und zu verſchmelzen in einfache, leicht⸗ faßliche Darſtellung als ſyſtematiſch geordneter Lehr⸗ vortrag. Seit der Herausgabe jener erſten Auflage bin ich nicht müſſig geweſen, Urtheile und Anſichten zu erwei⸗ tern, zu berichtigen, feſter zu begründen; der Gelegen⸗ heiten boten ſich mir, abgeſehen von manchen unterdeß hervorgetretenen wichtigen Erſcheinungen in der Literatur, in meinen ſeitherigen Wirkungskreiſen auch nicht wenige dar. Und wer erkennt nicht, daß die Landwirthſchaft in den letzten 6 bis 8 Jahren in unſerem Deutſchland viele glückliche Fortſchritte gemacht hat. Es wird alſo auch gerechtfertigt ſein, wenn dieſe Auflage in manchen Stücken von der erſten abweicht und mehrere Abſchnitte in veränderter Darſtellung erſcheinen. Aus dieſen Ur⸗ ſachen konnten dann auch die Paragraphen der neuen V Auflage mit denen der erſten nicht übereinſtimmend ge⸗ halten werden, was die Leſer, welche ſich dieſer neuen und der anderen Abtheilungen der erſten Auflage zu gleicher Zeit bedienen, berückſichtigen werden. Uebrigens ſollen die neuen Auflagen der andern Abtheilungen mög⸗ lichſt bald folgen. Was insbeſondere die theilweiſe veränderten Dar⸗ ſtellungen in denjenigen Lehrſätzen betrifft, welche ſich unmittelbar auf Chemie, Botanik oder Zoologie ſtützen, ſo iſt es mir Bedürfniß zu bekennen, daß ich durch Erörterungen, welche ich mit den mir an der hieſigen Academie zur Seite ſtehenden Lehrern, den H. H. D. D. Schulze und Grebe gepflogen, in der wie ich glaube verbeſſerten Bearbeitung eben dieſer Materien weſentlich unterſtützt worden bin. Ich habe mich des in ganz Deutſchland gekannten preußiſchen Maaßes bedient, nämlich des rheinländiſchen Fußes, des Magdeburger Morgens und des Berliner Scheffels; auch der Centner iſt der preußiſche, nur theile ich denſelben nicht in 110, ſondern die 110 Pf. in 100, welche 50 Kilogrammen faſt gleich kommen. Eldena im September 1840. H. W. Pabst. In halt. Seite Einleitung............... 1. Pflanzenproductionslehre. Erſte Abtheilung. Allgemeiner Pflanzenbau. Erſtes Capitel. Allgemeine Bedingungen der Pflanzenvegetation 11. Zweites Capitel. Vom Clima................. 15. Drittes Capitel. Kenntniß des Bodens........ 22 A. Von den Beſtandtheilen des Bodens und der darauf e⸗ ruhenden Verſchiedenheit der Bodenarten... I. Mineraliſche Beſtandtheile..... 41. Sand........... 2. Thon............... 3. Kalk............... 4. Mergel............. 5. Gips..........„ 6. Bittererde........... 7. Mekalloryde ⸗........... 8. Verſchiedene andere noch vorkommende mineraliſche Stofſe............. 9. Steine und Gerölle........... do doe e e & * ☛ Seite II. Die Bodenarten nach ihren mineraliſchen Beſtandtheilen 46. 1. Bandhoden............. 46. a) Loſer Sandboden....... 47. b) Lehmiger Sandboden........ 47. c) Mergeliger Sandboden........ 48. 2. Lehmboden....... 48. a) Sandiger Lehmboden........ 49. b) Gewöhnlicher Lehmboden....... 49. c) Thoniger Lehmboden........ 50. d) Mergeliger Lehmboden........ 50. Letten............. 50. 3. Thonboden............. 51. a) Lehmiger Thonboden........ 51. b) Gewöhnlicher Thonboden....... 5 c) Strenger Thonboden........ 5 d) Mergeliger Thonboden........ 52. 4. Kalkboden............ 5 5. Mergelboden........... 54. 6. Kieß⸗ und ſteiniger Boden........ 54. III. Die organiſchen Beſtandtheile........ 55. 1. Guter oder milder Humus.... 57. 2. In ſeinem dermaligen Zuſtande unwirkſamer Humus 59. IV. Die humushaltigen Bodenarten....... 61. 1. Gewöhnlich humushaltiger Boden...... 61. 2. Humoſer Boden........... 62. 3. Ueberhumoſer Boden........ 62. B. Sonſtige Umſtände, welche auf die Productionsfähigkeit des Bodens von Einfluß ſind......... 65. 1. Tieſe der Oberkrume.......... 65. 2. Untergrund............. 66. 3. Climatiſche und örtliche Lage....... 68. a) Oberflächliche Geſtalt........ 68. b) Richtung nach der Himmelsgegend.... 69. c) Nähere umgebungen........ 70. C. Unterſuchung und Claſſification des Bodens.. 71. I. Unterſuchung des Bodens.......... 71. Zerlegung des Bodens.......... 77. II. Claſſification des Bodens......... 79. 1. Weizenboden............. 81. 2. Gerſtenboden.......... 982. Haferboden............. 83. . Roggenboden... 83. .Zuſammenſtellung ſämmtlicher Claſſen nach ihrer Rohertragsfähigkeit.. 64. Viertes Capitel. Von der Urbarmachung............. 36. A. Wegräumung der Hinderniſſe........ 88. I. Ableitung des Waſſers.......... 33. 1. Auffangung des Waſſers.... 89. 2. Ableitung des Waſſer.„ 91. II. Wegſchaffung größerer Steine.. 94. III. Wegſchaffung von Gehölze......... 95. IV. Ausgleichung der größten Unebenheiten 956. B. Methoden und Hülfsmittel der Urbarmachug. 97. I. Urbarmachung mittelſt gewöhnlicher Pflugarbeit.. 97. II. Urbarmachung mittelſt gewöhnlichen Handhackens. 98. III. Uurbarmachung mittelſt Rajolens... 99. IV. Urbarmachung mittelſt Brenne.nn. 99. V. Bodenmiſchung und Düngug a. 102. VI. Bewäſſerung........... 105. Fünftes Capitel. Von der Bearbeitung des bereits in Cultur ſtehenden Bodens 105. A Von der Pflugarbeit......... 106. I. Der Pflug............. 106:. II. Der Hacken.............. 115. III. Die Beackerung............ 118, 4. Tiefe der Furche........... 118. 1 2. Breite der Rurche...... 121. 3. Geſtaltung der Oberfläche...... 121. 4. Richtung, in welcher zu pflügen...... 125. 5. Feuchtigkeitszuſtand des Bodens...... 127. 6. Wiederholung der Pflugarbeit....... 128. 7. Bälken und ⸗DQoppelpflügen........ 132. B. Van der Eggenarbeit........... 184. 0⸗ XII Auflockerung des Bodens....... * Seite C. Von der Arbeit mit verſchiedenen andern Werkzeugen zur „. I. Werkzeuge zum einer tiefen Eagen⸗ oder flachen Pflugarbeit....... 1. Der ſächſiſche Geyer....... 2. Der Scarrificator oder Meſſerpflug. 3. Der Erſtirpator.... 4. Der Saatpflug....... 5. Der Hobelpflug........ II. Werkzeuge für die Bearbeitung der Hackfrüchte 4. Der Markeur......... 2. Die Furchenegge...... 3. Der Cullivator........ 4. Der Häufelpflug....... D. Von der Arbeit mit der Walze und Shleife. I. Oie Walze........„. II. Die Schleife........ ⸗ E. Von der Bearbeitung des Bodens mit der Hand F. Geräthe zum Transport......... Sechstes Capitel. Von der Düngung........... A. Organiſche Dungmittel......... I. Thieriſch⸗vegetabiliſcher Dung.. 1. Die verſchiedenen thieriſchen Excremente a) Excremente des Rindviehs... b) Excremente der Schafe.... c) Excremente der Pferde..... d) Excremente der Schweine. e) Excremente des Federviehs.. f) Excremente der Menſchen... 2. Das Streumaterial..... a) Stroh.... * * . * * - 139. 140. 140. 140. 141. 143. 143. . 144. 144. 144. 145. 147. 147. 147. 150. 151. 153. 157. 159. 159. 160. . 161. 162. . 164. .165. b) Verſchiedene andere, in der Wirthſchaft ſich ergebende vegetabiliſche Stoffe. c Waldſtreu......„ d) Heidekraut,........ e) Erdige Stoffe.... * 3 . 166. . 167. 169. . 169. . 171. 172. 174. . 175, XIII. Seite 3. Behandlung des Viehdüngers im Stalle.... 177. 4. Behandlung des Viehdüngers auſſerhalb der Ställe 181. 5. Anwendung des Stallmiſtes........ 186. 6. Pferch oder Hordendünger........ 193. 7. Verwendung des flüſſigen Dungs...... 195. s. Schätzung der Düngerproduction.... 199. II. Rein vegetabiliſche Dungmittel....... 200. 1. Gründüngung............ 2004 2. Malzkeime........... 1.„ 205. 3. Oelkuchen....... 205. 4. Verſchiedene andere vegetabiliſche Abfälle. 207. III. Rein thieriſche Dungmittel.... 207, 4. Knochen............. 208. 2. Hornſpäne............. 2115 3. Haare, Federn, Leder ꝛc........ 211. 4. Reſte von geſtorbenen Thieren..... 212. 5. Abfälle aus Zuckerſtedereien..... 212. B. Mineraliſche Oungſtoffe............ 213. I. Gips und andere ſchwefelhaltige Mineralien. 214. d. Gips............... 214 2. Schwefelhaltige Braunkohle........ 218. 3. Andere ſchwefelhaltige Mineralien 219. II. Gebrannter Kalk............ 21 III. Mergel und ungebrannter Kalk...... 22 a) Auffinden und Anlage der Mergelgrube. 224. b) Verfahren bei und nach dem Aufbringen. 225. c) Wirkung und Dauer des Erfolgs von der Mergelung.... 228. d) Anwendung der Kreide und andern kohlen⸗ ſauren Kolks.......... 231. IV. Lehm und andere Eren 231. V. Aſche und Ruß.........„.. 234. 4. Holzaſche........ 235. 2. Ausgelaugte Aſche... 236. 3. Torfaſche........„. 237. 4. Braunkohlenaſche......„„... 238. 5. Steinkohlenaſche......... 238. 6. Ruß........... 238, VI. Verſchiedene Salze 1. Kochſalz... 2. Mutterlauge. 3. Dungſale. 2. Moder. D. Waſſer und Feuer.. 1. Waſſer..„.. — 2. Feuer.... Von der Saat...... I. Beſchaffenheit des Saatguts II. Wechſel mit dem Saatkorn III. Vorbereitung des Saamens IV. Menge des Saamens. 1. Säen mit der Hand. 4. Maſchinen⸗Drillſaat. VI. Saatzeikt.. 2. Der Roſt.... 3. Der Brand... 4 1. Das Behacken. 3 2. Das Behäufeln. 1 3. Das Durcheggen.. . . . 5 . . . 2. Breitwürfige Maſchinenſaat 3. Unterbringen der breitwürfigen Saat.... . * * * . . * IV. Verminderung des Unkrauts . . * * * „ . . . . III. Auflockerung der Zwiſchenräume * . * . . * * . . . * . . . . * C. Organiſch⸗mineraliſcher oder Menge⸗Dünger 1. Compoſt...... . . . V. Ausſäen und Unterbringen der Saat . . . 5. Legen des Saamens mit der Hand 6. Aufräumen des beſtellten Feldes * VII. Verpflanzen... 1 Achtes Capitel. Von der Pflege der angebauten Gewächſe....... 265 I. Schutzmittel gegen nachtheilige Einflüſſe II. Vorbeugung gegen Pflanzenkrankheiten 1. Der Honig⸗ und Mehlthau. . . * . . Siebentes Capitel. „.. 7 „ 6 der Witterung 2 „»..— ...-.. -. 256. XV Seite 1. Beſonderes Verfahren zur Verminderung der Saamenunkräuter........... 280. 2. Verminderung der Wurzelunkräuter insbeſondere 283. V. Abhaltung und Verminderung ſchädlicher Thiere.. 284. 1. Bierfüßige Thiere.......... 285. 2. Bögel................. 286. 3. Inſecten............. 287. a; Käfer.... 287. b) Raupen von Scmettertingen.. 289. c) Maden von Fliegen......... 291. d) Heuſchrecken und Grillen....... 291. Schnecken und Würmer....„ 292. Neuntes Eavirel⸗ 1 Von der Erndte........... 293. I. Nothwendigſte Vorbereirungen..... 2941. II. Wahl des richtigen Zeitpunkts.. 291. III. Das Abbringen.... 2295. IV. Weitere Behandlung der abhemachten Früchte... 297. V. Das Einbringen............. 300. VI. Aufbewahrung der Erndte....... 301. VII. Enthülfen der Körner.........303. VIII. Aufbewahrung der Körner......... 306. Einleitung. Mi der Ausübung der Landwirthſchaft wird allgemein bezweckt: den culturfähigen Boden mit Hülfe der auf die Pflanzenvegetation einflußreichen Elemente, ſowie mit Hülfe von Arbeit, zur Production von Gewächſen zu benutzen, welche zur Nahrung oder Kleidung oder zu irgend einem an— dern Bedürfniſſe der Menſchen unmittelbar oder mittelbar dienen. Als blos mittelbar zu den menſchlichen Bedürfniſſen dienend, haben wir zunächſt diejenigen der producirten Ge⸗ wächſe zu betrachten, welche zur Ernährung von Hausthieren (Vieh) verwendet werden. Dieſe Verwendung eines großen Theils der producirten Pflanzen zur Ernährung von Vieh iſt aus mehrfachen Grün⸗ den theils nothwendig, theils nützlich: weil die angebauten Gewächſe dem Boden gewiſſe Kräfte entziehen und das weſent⸗ lichſte Erſatzmittel dafür in den Excrementen des Viehes (gewöhnlich in Verbindung mit untergeſtreuten vegetabiliſchen Reſten) beſteht, weil die Thiere zur Arbeit bei dem Betrieb der Landwirthſchaft gebraucht werden, und weil endlich durch die Viehzucht viele der nothwendigſten Bedürfniſſe hervorge⸗ Pabſt Landwirthſchaft. I. 1. Zweite Auflage. bracht werden und dadurch alſo auch ein directer Nutzen aus den dazu verwendeten Pflanzenproducten erzielt wird. Nur unter ganz beſonderen Umſtänden wird die Landwirthſchaft ohne Viehhaltung betrieben; nichts Seltenes dagegen iſt es, daß es der Vortheil erheiſcht, die ganze Bodenproduction oder doch den größten Theil davon durch den Viehſtand conſumiren zu laſſen. Demnach ſind alſo nicht blos Pflanzen, ſondern auch Thiere die Producte, welche der Landwirth zu erzielen ſtrebt. Um Landwirthſchaft betreiben zu können, ſind gewiſſe materielle Erforderniſſe unumgänglich nöthig. Das erſte Erforderniß iſt der Beſitz von culturfähigem Boden, daran ſchließt ſich das Beduͤrfniß von Arbeitskräften, Nutz⸗Vieh, Gebäuden, Geräthſchaften, Saatfrüchten u. ſ. w. Wenn die Production von nutzbaren Pflanzen und Thie⸗ ren als allgemeiner Zweck des Landwirthſchaftsbetriebs zu betrachten iſt, ſo ſoll dagegen der beſondere Zweck, der Hauptzweck des Betriebes, ſtets ſeyn: aus dem bewirth⸗ ſchafteten Grund und Boden und dem zu den Betriebserforderniſſen und Mitteln angelegten und vorgelegten Capitale den möglichſt höchſten und nachhaltigen Reinertrag zu erzielen. Dazu gehört nicht nur, daß die Production der Natur der betreffenden Pflanzen und Thiere gemäß betrieben werde, ſondern daß man auch mit nicht zu hohem Aufwande möglichſt viel producire und das Producirte an⸗ gemeſſen verwerthe. Es theilt ſich zu dem Ende die Lehre der Landwirth⸗ ſchaft in zwei Haupttheile, nämlich die Productions⸗ lehre und die Betriebslehre. Die Productionslehre umfaßt die Bedingungen, unter welchen die Gewächſe und Thiere im Allgemeinen her— — 3— vorgebracht werden, und die Grundſätze, welche aus der Kenntniß der Natur der Gewächſe und Thiere zu ihrer vor⸗ theilhafteſten Hervorbringung und Benutzung, ſicheren Be— obachtungen und Erfahrungen oder aus der Naturlehre ent⸗ lehnten Wahrnehmungen zufolge, abgeleitet werden. Die Betriebslehre thut dar, wie das landwirth⸗ ſchaftliche Gewerbe, zu Erreichung des immer feſtſtehenden Hauptzwecks, nach den gegebenen Verhältniſſen einzurichten und im Betrieb zu erhalten ſey. Eine nähere Kenntniß dieſer beiden Haupttheile geht aus nachſtehender Ueberſicht ihrer Beſtandtheile hervor: A. Productionslehre. Die Productionslehre zerfaͤllt in die Pflanzenpro⸗ ductionslehre(Pflanzenbau) und die Thierproduc⸗ tionslehre(Viehzucht). I. Pflanzenproductionslehre. Die Pflanzenproductionslehre zerfäͤllt wieder in einen allgemeinen und einen ſpeciellen Theil. 1. Allgemeine Pflanzenproductionslehre. a) Kenntniß der allgemeinen Bedingungen der Vegetation der Gewächſe. b) Lehre vom Clima, oder Kenntniß des Einfluſſes der örtlichen Atmosphäre auf den Pflanzenbau. c) Kenntniß des Bodens, als da iſt: ſeine ver⸗ ſchiedenartige phyſiſche Beſchaffenheit, beruhend auf näheren Beſtandtheilen und deren Zuſammenſetzung, auf Lage und anderen einwirkenden Umſtänden; dann: Erwägung der aus der Verſchiedenheit des Bodens, nach Miſchung, Lage ꝛc. abzuleitenden Einflüſſe deſſelben auf das Gedeihen der Ge⸗ wächſe. 1* — 5 —Oõ—ꝛr— 4 d) Lehre von der Urbarmachung, oder Kenntniß der Art und Weiſe, den bisher noch gar nicht oder doch nur ſehr unvollkommen zum Pflanzenbau benutzten Boden in den zum Anbau nützlicher Pflanzen erforderlichen Zuſtand zu ſetzen. e) Lehre von der Bearbeitung des bereits angebauten Bodens, um ihn nach jedesmaliger Be⸗ nutzung in den geeigneten Stand zur beabſichtigten Wieder⸗ bepflanzung zu ſetzen. †) Lehre von der Düngung, oder Kenntniß, wie die durch ſtattgehabten Anbau aus dem Boden gezogenen, oder die zum beabſichtigten Wiederanbaue überhaupt nicht in genügendem Maaße vorhandenen Pflanzennahrungsſtoffe zu erſetzen oder zu ſchaffen ſind. 9) Lehre von der Saat, oder Kenntniß der Arten und Weiſen, die Gewächſe fortzuflanzen und deren Saamen in den Boden zu bringen. h) Lehre von der Pflege der Gewächſe, inſoweit eine ſolche während der Dauer ihrer Vegetation zu ihrem Gedeihen nützlich oder nöthig iſt. d) Lehre von der Erndte, oder allgemeine Grund⸗ ſätze, wie die durch den Anbau erzielten, zur Reife gelang— ten Pflanzenproducte ab⸗ und einzubringen und aufzube— wahren ſind. 2. Specielle Pflanzenproductionslehre. Die Lehre vom ſpeciellen Pflanzenbau umfaßt die nähere Kenntniß von der Natur und dem Anbau der einzelnen land⸗ wirthſchaftlichen Eulturgegenſtände, namentlich in Ruͤckſicht auf Beſchaffenheit und Zubereitung des Bodens, Zeit und Weiſe der Saat, Pflege und Erndte, ſowie auf Groͤße und Nutzen des Ertrags u. ſ. w. Der ſpecielle Pflanzenbau wird zunäͤchſt abgetheilt, wie folgt: a) Anbau der Futtergewächſe. b) Anbau des Getreides oder der mehlhaltigen Körnerfrüchte. c) Anbau der Handelsgewächſe. Soll der landwirthſchaftliche Pflanzenbau vollſtändig erſchöpft dargeſtellt werden, ſo gehören weiter dazu: der Anbau der Gartengewächſe; der Obſtbau; der Weinbau, und der Waldbau. II. Thierproductionslehre. Die Thierproductionslehre theilt ſich ebenfalls wieder in eine allgemeine und ſpecielle. 1. Allgemeine Thierproductionslehre. a) Allgemeine Bedingungen der Exiſtenz der Thiere. b) Lehre von den Racen, oder der Entſtehung und Bedeutung der Abarten unſerer Hausthiere. c) Lehre von der Paarung und Fortpflanzung d) Lehre von der Aufzucht der jungen Thiere. e) Allgemeine Grundſätze der Ernährung und Pflege, als Kenntniß der Futtermittel, Maas der Ernährung nach der Natur der Thiere und dem Zweck deren Haltung; ſonſtige Pflege. 2. Specielle Thierproductionslehre. Durch die Lehre von der ſpeciellen Viehzucht erhalten wir Kenntniß von der Natur, den Racen, der Züchtung, Ernährung, Pflege und Nutzung der einzelnen Hausthier⸗ geſchlechter, als da ſind: a) das Rind; b) das Schaf; c) das Pferd; d) das Schwein; e) der Eſel nebſt Maulthier; 0 die Ziege; g) das Federvieh. Außerdem wird noch Nutzen gezogen aus der Zucht der Seidenraupen, Bienen, Fiſche und Schnecken. B. Betriebslehre. Die Betriebslehre zerfällt in die Lehre von den all— gemeinen Erforderniſſen zum Betrieb, in die von der Einrichtung und die von der Führung der Wirthſchaft. I. Allgemeine Erkordernisse zum Betrieb. 1) Sachkenntniß und Betriebſamkeit des Un⸗ ternehmers oder ſeines Stellvertreters. 2) Das Landgut(Grund und Boden mit den nöthigen Gebäuden), namentlich Kenntniß von der Beſchaffenheit der Landgüter, der Verſchiedenartigkeit des Beſitzes und Erwerbs, Ruͤckſichten, welche bei der Wahl und Beurtheilung zu neh— men ſind ꝛc. 3) Das Betriebs⸗Capital, das ſich theilt in das Inventarium oder das Beduͤrfniß an Vieh, Geräthen, Saatfrüchten u. ſ. w. und das umlaufende Capital, d. h. das weitere Bedürfniß an Capital zu den Vorlagen fur den Betrieb, wie zu Anſchaffung der Vorräthe ꝛc. 4) Arbeit, als Haupterforderniß zu jeder Art von Production. Anſchaffung und Verwendung der Arbeitskräfte. Koſten und Werth derſelben, je nach den einwirkenden Ver⸗ haͤltniſſen. 5) Abſatz, insbeſondere Kenntniß der Umſtände, welche die Abſatzkanäle bilden und die Preiſe beſtimmen. — 7— II. Ginrichtung(Organisation) der Wirthsehakt. 1) Kenntniß der Gegenſtände, welche auf die Wahl der Betriebsweiſe von Einfluß ſind, als: a) Lage, Clima, Boden. b) Gelegenheit zum Abſatz, Nationalwohl⸗ ſtand, Bevölkerung, Geſetzgebung und andere ſta⸗ tiſtiſche Verhältniſſe. c) Größe, Beſtandtheile, ſpecielle Lage des Gutes. d) Gerechtſame, Servitute ꝛc. e) Perſönlichkeit und Mittel des Landwirths. 0 Bisherige Bewirthſchaftungsweiſe. 2) Eigenſchaften der Gewächſe, hinſichtlich des Bodens, der Düngung und Zubereitung des Feldes, der Ausſaugung und Zurücklaſſung von Bodenkraft und der Rück⸗ gabe von Duͤngermaterial. 3) Richtige Beſtimmung des Verhältniſſes des Stroh⸗ zum Futtererzeugniß und des Handel⸗ gewächſebaues zu jenen. 4) Berechnung der Düngerproduction und des Bedarfs an Dünger. 5) Fruchtfolge, oder Wahl und Ausdehnung des Anbaus der Culturgegenſtände und Reihenfolge derſelben beim Anbau. 6) Wahl und Zuſammenſetzung des Nutzvieh⸗ ſtandes. 7) Wahl der Arbeitskräfte und Unterhaltungs⸗ und Ablohnungsweiſe derſelben. 8) Betrieb von Nebengewerben. III. Führung(Direction) der Wirthschakt. 1) Perſonale zur Wirthſchaftsführung. 2) Erhaltung der Beſtandtheile der Wirth⸗ ſchaft. 3) Anordnung der Geſchäfte und Aufſichts⸗ führung. 4) Behandlung des Arbeitsperſonals. 5) Anſchaffung der Bedürfniſſe und Ver⸗ werthung der Vorräthe. 6) Rechnungsführung. Pflanzen⸗Productions⸗Lehre. Erſte Abtheilung. Allgemeiner Pflanzenbau. Erstes Capitel. Allgemeine Bedingungen der Pflanzen⸗ vegetation. §. 1. Die Pflanzen ſind als lebende Koͤrper hinſicht⸗ lich ihres Entſtehens, Wachſens, Fortpflanzens und Ab⸗ ſterbens gewiſſen Naturgeſetzen unterworfen und aus Or— ganen(Werkzeugen und Gefäßen) zuſammengeſetzt, welche bei ihrer Entwickelung und Lebenserhaltung beſtimmte Ver— richtungen und Zwecke haben. §. 2. Dieſe Geſetze der Natur zu kennen, iſt für Jeden, welcher Pflanzen produciren will, von hoher Wichtigkeit, um ein naturgemäßes Culturverfahren darauf zu gründen, das allein zum Zwecke führen kann. Deshalb iſt gründ⸗ licher Unterricht in der Botanik, insbeſondere der Anato⸗ mie und Phyſiologie der Pflanzen, zur Ausbildung des Landwirths ſo förderlich. §. 3. Die äußeren Erſcheinungen des Pflanzenlebens ſind, daß das Saamenkorn, nachdem es der Oberfläche des Bodens anvertraut worden, Keime und Wurzeln ent⸗ wickelt, daß Stängel und Blätter entſtehen, dann Blüthen, und aus dieſen Fruͤchte(Saamen). Auch gewahren wir, daß in den Röhren und Gefäßen der lebenden Pflanzen⸗ körper eine ununterbrochene Säftecirculation ſtatt findet, und — 12— daß die äußeren Theile, namentlich Wurzel und Blätter, Poren beſitzen, durch welche theils aus der Luft, theis aus dem Boden Stoffe eingeſogen werden, während auch wie⸗ der Stoffe, hauptſächlich in Gasgeſtalt, entweichen. §. 4. Hieraus folgt, daß mit den Stoffen, welche die Pflanzen fortwährend aufnehmen, in ihrem Inneren Ver⸗ aͤnderungen vorgehen, indem ein Theil zur Bildung und Vergrößerung der Pflanzenſubſtanz verwendet, Dasjenige aber, was ſich der Pflanzenkörper nicht aneignet, am Ende von ihm ausgeſchieden wird. §. 5. Die Hauptfactoren des Pflanzenlebens ſind: die Atmosphäre und der Boden. Unter jener verſtehen wir: Luft, Licht, Wärme und Feuchtigkeit. §. 6. Ohne Luft lebt weder Thier noch Pflanze. Kann auch bei den Pflanzen das Ein- und Ausathmen der Luft nicht, wie bei den Thieren durch die Lungen, be⸗ merkt werden, ſo findet dennoch ein Einſaugen atmosphäri⸗ ſcher Stoffe und ein Ausdünſten von Gas mittelſt der Blätter ſtatt; auch iſt anzunehmen, daß durch den atmos⸗ phäriſchen Sauerſtoff die Säftecirkulation in den Pflanzen weſentlich befördert und daß deuſelben mit der Luft zugleich auch Wärme zugeführt wird: Die Luft befördert das Pflanzenwachsthum auch mittelbar, indem ſie die Zerſetzung(Auflöſung) der im Boden befindlichen oder dahingebrachten, den Pflanzen zur Nahrung dienenden Stoffe be⸗ wirken hilft. 3 §. 7. Die Atmosphäre enthält, außer ihren beiden Grundſtoffen, meiſtens auch noch einen Antheil von Koh— lenſäure, welche bei der Pflanzenvegetation jedenfalls eine wichtige Rolle ſpielt, wenn man auch über dieſelbe noch nicht ganz im Klaren ſein mag. Eben ſo verhält es ſich mit der Electricität. §. 8. Das Licht und die Wärme, welche durch — 13— jenes(die Lichtſtrahlen der Sonne) den Gewächſen zuge⸗ führt werden, ſind zum Gedeihen derſelben eben ſo unent⸗ behrlich. Ohne Licht gedeiht keines unſerer nutzbaren Ge⸗ wächſe, die Wärme aber übt einen eigenthümlichen Reitz auf die Lebensthätigkeit der Gewächſe aus und wo ſie in zu geringem Maaße vorhanden iſt, ſtockt das Pflanzenleben. Nur das erſte Keimen des Saamenkorns geht lieber ohne Licht vor ſich. Auf die Farbe der Gewächſe iſt das Licht insbeſondere von Einfluß. §. 9. Jede Gewächsart verlangt ein gewiſſes Maas von Wärme. Ein Uebermaaß davon bringt um ſo eher der Vegetation Nachtheil, je mehr es zu gleicher Zeit an Feuchtigkeit mangelt. §. 10. Das Waſſer iſt auf zweifache Weiſe bei der Vegetation thätig, indem es mit Beihülfe der Luft die im Boden befindlichen Nahrungsſtoffe der Pflanzen in denjeni⸗ gen Zuſtand der Auflöſung bringt, in welchem ſie von den Pflanzen aufgenommen werden können, und dann indem es von dieſen theils aus dem Boden, theils aus der At⸗ mosphäre eingeſogen und ſo ein Beſtandtheil der Pflanzen wird. Es iſt daher kein Grund vorhanden, die atmosphäriſche Feuch⸗ tigkeit nicht auch als ein Nahrungsbedürfniß der Pflanzen anzu⸗ ſehen. Auch mit dem Waſſer wird den Pflanzen Kohlenſäure (ſ.§. 7.) zugeführt. Daſſelbe gilt von manchen anderen Stoffen⸗ welche das Waſſer häufig enthält. §. 11. Geht das Waſſer den Pflanzen in allzugroßer Menge zu, ſo bringt dieß ihrer Vegetation Schaden. Das größere oder geringere Bedürfniß von Waſſer hängt theils von der Wärme der Atmosphäre(§. 9.), theils von der Natur der betreffenden Gewächſe ab. §. 12. Der Boden iſt aus mineraliſchen und organi⸗ ſchen Beſtandtheilen zuſammengeſetzt. Die mineraliſchen u Beſtandtheile der Erdoberfläche dienen den Pflanzen als Standort, ziehen atmosphäriſche Stoffe, namentlich Feuch⸗ tigkeit, Kohlenſäure ꝛc. an, und führen ſie den Pflanzen zu. Sodann ſind ſie als die Werkſtätte zu betrachten, in wel⸗ cher die Natur die den Pflanzen zur Nahrung dienenden organiſchen Stoffe(ſ.§. 13.) zubereitet. Auch dient der mineraliſche Beſtandtheil des Bodens als Behälter für jene Stoffe und für die Feuchtigkeit, damit die Pflanzenwurzeln nach Bedürfniß ſich davon aneignen können. Endlich muß aber auch angenommen werden, daß die Pflanzen ſich auch Antheile von mineraliſchen Stoffen aus dem Boden an— eignen. Wird das Pflanzenleben mit dem thieriſchen verglichen, ſo zeigt es ſich, daß die vorbereitende Gährung der Nahrungsſtoffe, welche bei den Thieren im Magen ſeatt findet, bei den Pflanzen im Boden vor ſich geht. §. 13. Von ſehr großer Bedeutung für die Vegetation ſind die organiſchen Reſte im Boden, denn ohne daß bis zu gewiſſem Grade verweſete Reſte von Pflanzen oder Thieren darin enthalten ſind, gedeiht kein zu landwirthſchaft⸗ lichen Zwecken angebautes Gewächs zu derjenigen Voll⸗ kommenheit, welche den Anbau lohnt. Daß aber jene Stoffe in der That von den Pflanzen aufgenommen werden, als Hauptnahrung für dieſelben zu betrachten ſind, geht ſchon daraus hervor, daß, je länger die Pflanzenproduction auf einem Grundſtücke fortgeſetzt wird, ohne daß dieſes von den producirten oder anderen organiſchen Stoffen etwas zurück⸗ erhält, um ſo geringer zuletzt ſein Antheil an ſolchen Stof⸗ fen iſt, ſowie auch ſeine Productionsfähigkeit in gleichem Maaße ſich verringert hat. §. 14. Die bisher bezeichneten Hauptfactoren der Pflan⸗ zenvegetation ſind theils von der Oertlichkeit, theils von getroffenen Vorkehrungen und Verfahrungsarten abhängig; — 15— in vieler Beziehung unterſtützen ſie ſich gegenſeitig, öfters aber begegnen ſie ſich auch feindlich. Dazu kömmt, daß die Natur der Gewächsarten hinſichtlich ihres Verlangens nach Wärme, Feuchtigkeit, Bodenbeſchaffenheit und Menge des Nahrungsſtoffes höchſt verſchieden iſt, und daß ein jeg— liches nur dann, wenn neben einem angemeſſenen Boden und anpaſſender Cultur, Wärme, Feuchtigkeit und Nahrungs⸗ kraft in einem beſtimmten Maaße zuſammentreffen und wirken, den vollkommenſten Ertrag gewähren kann. Zweites Capitel. Vom Clima. §. 15. Unter Clima verſtehen wir die beſondere Be— ſchaffenheit der Atmosphäre einer Gegend oder eines Ortes, namentlich das Maas der Wärme und des Feuchtigkeits⸗ niederſchlags und die Vertheilung beider in die einzelnen Jahreszeiten. Man hat längſt und nun auch von ſehr vielen Orten, nach den von Chiminello und Schouw aufgeſtellten Principien, die Durchſchnittstemperatur in den vier Jahreszeiten und fürs ganze Jahr in Folge mehrjähriger täglicher Beobachtungen ermittelt. Eine geringe Durchſchnittstemperatur in Oeutſchland iſt+ 60 R.— eine mittlere 7⁰ und die höhere, in den ſüdlichen und ſüdweſtlichen Theilen vorkommende— 80 R: und auch noch etwas darüber. Der Niederfall an Regen und geſchmolzenem Schnee wird nach jährlich angeſtellten genauen Meſſungen in Zollen ausgedrückt. Ein Regenfall von nur 18 bis 19 Zoll jährlich läßt auf ein trocknes, ein Regenfall von 21 bis 24 Zoll auf ein mäßig feuchtes, darüber(was bis 40 Zoll ſteigen kann) auf ein feuchtes Clima ſchließen. §. 16. Die Beurtheilung des CElimas iſt für den Land⸗ wirth ſo wichtig, als die Kenntnißnahme des Bodens, da von jenem ſo viel, oft mehr, abhängt, als von dieſem. §. 17. Die Beſchaffenheit des Clima's hängt ab: von der geographiſchen und der phyſiſchen Lage, den herrſchen⸗ den Winden, dem Vorhandenſein und der Ausdehnung ſte— hender oder fließender Gewäſſer, der Nähe von Gebirgen und der Geſtaltung der Bodenoberfläche überhaupt, der Menge und Lage der vorhandenen Waldungen, endlich auch von der Beſchaffenheit des Bodens ſelbſt und der Art, wie derſelbe benutzt wird. 1) Geographiſche Lage. §. 18. Der große Einfluß der geographiſchen(mehr oder weniger nördlichen oder ſüdlichen, öſtlichen oder weſt— lichen) Lage auf die Beſchaffenheit des Clima's beruht hauptſächlich auf der bekannten Thatſache, daß es unter ſonſt gleichen Verhältniſſen um ſo kälter iſt, je mehr eine Gegend den Polen nahe liegt. Dazu kömmt der für den Betrieb der Landwirthſchaft noch beſonders wichtige Um⸗ ſtand, daß die Sommer um ſo kürzer ſind, je nördlicher die Lage iſt. Doch wird durch die längeren Sommertage des Nordens die Kürze des Sommers wieder etwas ausgeglichen. Auch iſt unter dem gleichen Grade nördlicher Breite (in Europa) die mehr öſtliche Lage verhältnißmäßig weni⸗ ger warm, als die mehr weſtliche. Innerhalb der Wendekreiſe, d. i. bis zum 23,50 der Breite, ſoll ſich die Temperatur, abgeſehen von den örtlichen Einflüſſen, ziemlich gleich verhalten und im Ourchſchnitt 21,50 R. betragen; über die Wendekreiſe hinaus aber findet eine progreſſive Temperaturvermin⸗ derung ſtatt.— In Neapel, unterm 400 nördliicher Br., iſt die mittlere Temperatur 15,60 R., in Stockholm unterm 590 nördl. Br. 4,50 R. Aus dieſen beiden Differenzen berechnet ſich für jeden Breitegrad mehr nördlich eine Temperaturverringerung von 0,580 R. — 17— Indeſſen iſt vorauszuſetzen, daß die größere Menge von Waͤldern in der umgebung Stockholms und ähnliche Einflüſſe noch für ſich eine Verringerung der Temperatur im Vergleich gegen Neapel bewirken; deshalb dürfte die Annahme von 0,30 R. Temperaturverringerung für jeden Breitegrad mehr nördlich auch wohl genug ſein. In welchem Maasſtabe aber die anderweiten Einflüſſe neben der geographi⸗ ſchen Lage auf das Clima einwirken können, beweißt, daß die mittlere Temperatur von Regensburg unterm 480 nur 70 R. beträgt, während die von Leyden unterm 520 auf 90 R. ange⸗ geben wird. Vergl. Moreau de Jonnes unterſuchungen über die Verände⸗ rungen durch die Ausrottung der Wälder ꝛc. überſetzt von Widemann. Stuttgart 1828. 2) Phyſiſche Lage oder Erhöhung über der Meeresfläche. §. 19. Je mehr die Lage über der Meeresfläche erhöht iſt, um ſo kälter und feuchter iſt die Atmosphäre und um ſo kürzer iſt die Dauer der guten Jahreszeit. Moreau de Jonnes nimmt für je 750 pariſer Fuß Erhöhung eine Durchſchnitts-Temperatur-Verminderung von 10 R. an. Wenn nun auf einen Breitegrad 0,50 R. kommen, ſo müßten 375“ Höhe einen Breitegrad mehr ſüdlich ausgleichen. Nach Alexan⸗ der v. Humbold entſprechen etwa 300 Fuß Erhebung über der Meeresfläche in der Wärmeverminderung einem Breitegrad mehr nördlich⸗ Daß in den höheren Lagen(in den Gebirgen) weit mehr Re⸗ gen und Schnee fällt, als in den tiefer und mehr eben gelegenen Gegenden, iſt allgemein bekannt(auf dem Schwarzwald z. B. fällt im Durchſchnitt noch einmal ſo viel Regen und Schnee, als in den unteren Gegenden von Würtemberg); in wie weit aber die Zunahme des Regenfalls insbeſondere von der größern Menge von Wäldern auf den Höhen herrühre, iſt noch nicht hinlänglich unterſucht. Auf jeden Fall wirken außer der Höhenlage noch mehrere andere um⸗ ſtände, als: Wälder, Gewäſſer, örtliche Lage, Winde ꝛc, auf den Feuchtigkeitsniederſchlag ein. Pabſt Landwirthſchaft. I. 1. Zweite Auflage. 2 — 18 Ein beſonderer mit den hohen Lagen verbundener Umſtand iſt noch ein häufiger und oft ſehr auffallender Wechſel der Temperatur und Witterung. Die herrſchenden Winde. §. 20. Je nachdem die Lage den von Süden oder von Norden kommenden Winden mehr ausgeſetzt iſt, nach⸗ dem die herrſchenden Winde auf ihrem Wege ſchneebedeckte Gebirge, oder große trockne Ebenen überſtrichen haben oder unmittelbar vom Meere herkommen, üben ſie einen nachtheiligen oder günſtigen Einfluß auf das Clima aus. Der Zug der herrſchenden Winde hängt hauptſächlich von der Lage im Allgemeinen, der Geſtaltung des Bodens und der Lage und Entfernung der Gebirge ab. Sind dieſe ſehr hoch und lange mit Schnee bedeckt, ſo ſind die daher kommenden Winde kalt, ſelbſt wenn die Gebirge gegen Süden liegen. Bei einer unebenen Ge⸗ ſtaltung des Bodens haben die Winde weniger Einfluß, als in etwas hohen Ebenen, welche von allen Seiten von den Winden beſtrichen werden, wodurch das Clima rauher und trockner wird. Die unmit⸗ telbar vom Meere herkommenden Winde bringen in der Regel den meiſten Regen; beſonders gilt dieß in Bezug auf das weſtlich ge⸗ legene Meer. 4) Gewäſſer. §. 21. Je größer die Oberfläche von Gewäſſer einer Gegend iſt, um ſo ſtärker iſt die Verdünſtung, um ſo feuchter wird alſo dadurch das Elima. Auf die Wärme haben die Gewäſſer in ſo ferne einen Einfluß, als große Flächen von Waſſer, namentlich die Nähe des Meeres, die Sommer kühler, die Winter aber gelinder machen. Auch veranlaſſen benachbarte große Gewäſſer ſtärkere Luftſtro⸗ mungen und häufigeren Witterungswechſel. England und andere von dem Meere ganz oder theilweiſe umgebene Länder haben weit gelindere Winter, als Landſtriche im Inneren des Feſtlandes unter dem gleichen Breitengrade, während — 10— dorten die Sommer kühler und feuchter ſind. Die Naͤhe des Mee⸗ res kann die Regenmenge um ½ bis ½ vermehren. Berlin und Haag liegen beide unterm 52⁰. Dort iſt der Regenfall jährlich 19,6“, hier 26,4“. Die Nähe großer Moore wirkt vorzugsweiſe lauf Erkältung des Clima's. 5) Die Nähe von Gebirgen. §. 22. Die Hochgebirge wirken im Allgemeinen auf eine Verringerung der Temperatur bis auf eine gewiſſe Entfernung hin, und ein häufigerer Wechſel der Witterung wird dadurch veranlaßt. Unter gewiſſen Bedingungen kön⸗ nen ſie aber auch vortheilhaft auf das Clima einwirken; dieß gilt beſonders für diejenigen Gegenden, welche den Gebirgen ſo nahe liegen, daß die daher kommenden Winde darüber hinwegſtreichen, namentlich gewähren die Gebirge, wenn ſie gegen Norden, Nordoſt oder Nordweſt liegen, für die näheren Umgebungen bedeutenden Schutz. Die Gegenden unter oder die geſchützten Thäler in den Gebir⸗ gen leiden dagegen häufig von Gewittern. Oft iſt auch nur ein gewöhnlicher Bergrücken, ein Wald oder ein Strom die Veranlaſ⸗ ſung, daß ein Landſtrich vorzugsweiſe von Gewittern beſchädigt oder verſchont wird. 6) Geſtaltung der Bodenoberfläche. §. 23. Anders iſt das Clima in ebenen Gegenden, anders das in hügeligen, wenn auch Breitegrad und Ele⸗ vation ſich gleich ſind. Während in ebenen Gegenden des Binnenlandes das Clima gewöhnlich auf große Strecken ſich gleich verhält, findet in unebenen(durchſchnittenend Ge— genden ein um ſo häufigererer Wechſel der Witterung und des Climas ſtatt, je auffallender und häufiger der Wechſel zwiſchen Berg und Thal iſt. Je nach den beſonderen Ver⸗ hältniſſen kann das Clima in der Ebene oder das in der durchſchnittenen Gegend günſtiger ſein. — 20— Die unebenen Gegenden leiden zwar weniger von den Winden (§. 19), aber der Wechſel von Wärme und Kälte, von Regen und Sonnenſchein iſt häufiger. In den Thälern oder gar in den rings von Anhöhen umgebenen Lagen(Keſſeln) herrſcht ein weit milderes Clima, als auf den Anhöhen, obgleich der Unterſchied in der Höhe öft unbedeutend iſt. Eine von Bergen geſchützte Lage kann leicht ein wärmeres Clima haben, als eine tiefer aber frei gelegene Gegend. 5 7) Waldungen. §. 24. Der Einfluß der Wälder auf das Clima nach ihrer Ausdehnung und Lage iſt äußerſt wichtig, aber auch ſehr verſchieden. Im Allgemeinen vermindern große Strek⸗ ken von Waldung die Temperatur und vermehren die at⸗ mosphäriſche Feuchtigkeit, indem ſie die Verdünſtung des Regens befördern, das Austrocknen des Bodens, das Schmelzen des gefrornen Schnees und das Ausſtrömen der Wärme aus der Erde verhindern. Sobald ſie aber vorzugsweiſe nur die Anhöhen bedecken und in nicht zu großer Menge vorhanden ſind, ſo bilden ſie Schutzmauern gegen die rauhen Winde, fangen und halten ſchädliche Dünſte auf, erhalten einen der Pflanzenvegetation zuträg⸗ lichen Feuchtigkeitsgrad in der Atmosphäre und wirken alſo in vieler Hinſicht wohlthätig auf das Clima. Als Deutſchland noch größtentheils mit Wald bedeckt war, war das Clima bekanntlich viel ſchlechter als jetzt. Bereits iſt aber auch das Clima an nicht wenig Orten durch das zu weit getriebene Wegſchlagen der Waldungen auf den Höhen wieder weſentlich ver⸗ ſchlechtert worden.— Zu Salem im Staate Maſſachuſett in Nordamerika unterm 420 nördl. Br. iſt die mittlere Temperatur 7,40 R. und zu Rom, ebenfalls unterm 42, dagegen 12,40 R.; die⸗ ſen Unterſchied ſchreibt Moreau de Jonnes hauptſächlich den jenen Staat noch großentheils bedeckenden Wäldern zu. Nach demſelben Schriftſteller ſind es hauptſächlich nur die Waldungen auf den An— höhen, welche die Regenmenge vermehren, indem ſie die Wolken aus den höheren Regionen anziehen und durch ihre Ausdünſtung und die Verdünſtung der auf ſie gefallenen Nebel und Regen auf weithin einen ſtärkern Regenfall veranlaſſen. 8) Beſchaffenheit und Benutzungsweiſe des Bodens. §. 25. Der Einfluß, den der Boden ſelbſt auf das Clima hat, iſt nicht unbedeutend: kalkiger, beſonders krei⸗ diger oder mit vielen Kalkſteinen angefüllter Boden, ſo wie ſandiger und kieſiger Boden, iſt wärmer und die Wärme ſtrahlt von dieſen Bodenarten mehr zurück, als von tho⸗ nigem oder moorigem Boden; jene Bodenarten laſſen die Feuchtigkeit ſtark durch, dieſe verhindern dieß und es muß deßhalb mehr Feuchtigkeit verdünſten. Auch die Benuz⸗ ungsart des Bodens, nicht nur hinſichtlich der Waldfläͤche zur nicht bewaldeten, ſondern auch in welchem Verhältniſſe Ackerfeld, Wieſen und unbenutzter(kahler) Boden zu ein⸗ ander ſtehen, iſt nicht ohne Einfluß. Je weniger nämlich der Boden anhaltend mit Pflanzen bedeckt iſt, deſto mehr wirkt dieß auf Trockenheit und Wärme, und ſo umgekehrt. Ferner iſt nicht gleichgültig, ob die Felder mit Obſt⸗- oder andern Baumpflanzungen durchſchnitten, ob ſie mit lebenden Hecken befriedigt ſind oder nicht. Auf einer dicht mit Gras bewachſenen Wieſe iſt es kühler, als auf einem abgeärndteten Getreidefelde; dort fällt mehr Thau als hier, weil die Pflanzen⸗ und Bodenausdünſtung ſtärker iſt. Bezeichnung des Clima's. §. 26. Die Haupteintheilung des Clima's auf jeder Erdhälfte iſt bekanntlich die in drei Zonen, die heiße (vom Aequator bis zum 23 ½1 nördlicher oder ſüdlicher Breite), die gemäßigte(vom 23 ½ bis zum 66 ½°0 nörd⸗ licher oder ſüdlicher Breite), und die kalte(über den 66 ½° hinaus). Die gemäßigte Zone theilt ſich wieder in eine — 22— ſuͤdliche und noͤrdliche Haͤlfte. Zur ſpecielleren Be⸗ zeichnung des Clima's bedient man ſich der Ausdruͤcke: warm, mild, rauh, kalt, naß, feucht, trocken u. ſ. w. Ferner iſt es, um das Clima einer Gegend näher zu be— zeichnen, ſehr zweckmäßig, das Gedeihen gewiſſer allgemein bekannter Gewächſe zu berückſichtigen. Von dem Punkte, wo keine Cultur mehr ſtatt findet und nur noch Gras und gewiſſe Bäume und Sträucher fortkommen(der Waldregion), bis zu den mildeſten Lagen Europa's möchte ſich zu dem Ende folgende Stufenleiter annehmen laſſen: a) Clima in welchem nur noch Sommergetreide z. B. Gerſte, Buchweitzen ꝛc., gebaut werden kann; b) Clima, in welchem die gewöhnlichen Win⸗ terfrüchte(Rocken und Weitzen) ſchon ſicher gedeihen; c) wo Raps und Wintergerſte mit Sicherheit gebaut werden können; d) Clima, in welchem der Mais regelmäßig zur Reife kommt; e) Clima, wo der Weinſtock im Freien fortkömmt und reife Früchte trägt; f) wo der Mandelbaum und die zahme Caſtanie im Freien gedeihen und deren Früchte reif werden; g) Clima für die Oliven. §. 27. Kann auch der Menſch an den Hauptpotenzen, welche das Clima beſtimmen, nichts ändern; ſo kann er dennoch in vielen Fällen günſtig auf daſſelbe einwirken, als durch Niederſchlagen zu vieler Wälder, Bewaldung der entblößten Anhöhen, Einfriedigung, Entwäſſerung und Trockenlegung u. ſ. w. Brittes Capitel. Kenntniß des Bodens. §. 28. Der Boden, inſoferne wir ihn in Beziehung auf Ausübung der Landwirthſchaft in Betracht zu ziehen haben, beſteht aus einem Gemenge von mineraliſchen Sub⸗ ſtanzen und organiſchen Reſten. Dieſes Gemenge iſt jedoch 23 von großer Mannigfaltigkeit, und eben darum iſt der Boden, je nach ſeiner beſonderen Beſchaffenheit, von ſo verſchieden⸗ artigem Einfluſſe auf die von Natur darauf vorhandene oder durch die Cultur hervorgerufene Vegetation. Eben deßhalb iſt aber auch die Kenntniß des Bodens unter allen Umſtänden von größter Wichtigkeit für den Landwirth. §. 29. In der Regel hängt die Hauptbeſchaffenheit des Bodens zunächſt von ſeinen mineraliſchen Beſtandtheilen ab. Das dermalige Verhalten derſelben verdankt ſeinen Urſprung den früheren zu mehreren Perioden Statt gehabten Erd⸗ revolutionen, wobei höchſt wahrſcheinlich Waſſer und Wärme (Feuer) in hohem Grade thätig waren. Durch die Ge⸗ wäſſer wurde die Rinde des Erdballs mehr oder weniger aufgelößt, fortgeriſſen, nach dem Einfluſſe der durch die ver⸗ ſchiednen mitwirkenden Elemente und durch die aus dem Erdball erhobenen Gebirgsrücken veranlaßten Strömungen hin⸗ und hergeſpuhlt, und allmählich in mannigfachen Schichten und Formen angeſchwemmt. Bei dem nach und nach erfolgenden Rücktritte der Gewäſſer mußten in den tieferen und länger unter Waſſer gebliebenen Gegenden die ſtärkeren Anhäufungen des abgeſchwemmten Bodens ſich zeigen, während auf den Höhen der Kern der Erde mehr oder weniger entblößt ward. Hier dauerte dagegen die all⸗ mählige Verwitterung fort; auch hört wegen des Regens und der von den Höhen nach den Tiefen ſtrömenden Ge⸗ wäſſer die Abſchwemmung von jenen nach dieſen nie ganz auf, was ſich gegen die Mundung großer Flüſſe hin am deutlichſten beobachten läßt, wo ſich die Anſchwemmungen der neueſten Zeit in größerem Maasſtabe darſtellen. Dazu kömmt endlich noch, daß auch durch die Bearbeitung und willkührliche Miſchung des Bodens von Seiten der Men⸗ ſchen deſſen Beſchaffenheit vielfach verändert worden iſt und noch häufig verändert wird.— Weiter iſt anzunehmen, — 24— daß auf der Erdoberflaͤche nach den letzten großen Revolu⸗ tionen allmählig eine Vegetation, ſowie ein thieriſches Leben entſtand, aus deren verweſeten Reſten nach und nach auch organiſche Stoffe in den Boden kamen, weiche ebenfalls der Ab⸗ und Anſchwemmung, ſowie noch manchen andern Natureinflüͤſſen unterworfen geblieben ſind, woraus ſich denn ſchon im Allgemeinen auch auf große Verſchiedenheit der im Boden ſich findenden organiſchen Stoffe, nach Quan⸗ tität und Qualität, ſchließen läßt, abgeſehen vorerſt von den Veränderungen, welche durch die Cultur darin noch beſonders veranlaßt worden ſind und fortwährend veran⸗ laßt werden. §. 30. Da die Grundbeſchaffenheit des Bodens zunächſt auf den durch die älteren Erdrevolutionen getrennten und wieder verſchiedenartig gemengten, ſowie den durch Ver⸗ witterung, Ab- und Anſchwemmung in ihren gegenwärti⸗ gen Zuſtand gekommenen Mineralien der Gebirgsarten be⸗ ruht, ſo iſt einleuchtend, daß die Mineralogie, und insbeſondere die Geognoſie, als die Grundlage der land⸗ wirthſchaftlichen Bodenkunde angeſehen werden muß. Zur gründlichen Verſtändigung über beide ſind aber wiederum chemiſche Kenntniſſe unentbehrlich. §. 31. Die Lehre vom Boden theilt ſich ab: A, In die Kenntniß der Beſtandtheile des Bodens und der aus deren verſchiedenartigen Zuſammenſetzung entſtehen⸗ den Bodenarten. B. In die Wahrnehmung der ſonſtigen Umſtände, welche auf die Productionsfäͤhigkeit des Bodens von Ein⸗ fluß ſind. C. In die Anleitung zur Unterſuchung und Claſſifica⸗ tion des Bodens. A. Von den Beſtandtheilen des Bodens und der darauf beruhenden Verſchiedenheit der Bodenarten. §. 32. Wir haben in dieſer Beziehung nach einander kennen zu lernen: I. Die mineraliſchen Beſtandtheile. II. Die Bodenarten nach ihren mineraliſchen Beſtand⸗ theilen. III. Die organiſchen Beſtandtheile oder den Humus. IV. Die humushaltigen Bodenarten. I. Mineralische Bestandtheile. §. 33. Die mineraliſchen Bodenbeſtandtheile betrachten wir näher unter folgenden Abtheilungen: 1) Sand. 2) Thon. 3) Kalk. 4) Mergel. 5) Gips. 6) Bittererde. 7) Metalloxyde. 8) Andere noch vorkommende mineraliſche Stoffe. 9) Steine und Gerölle. 1) Sand. §. 34. Sand nennen wir ſolchen Boden, der aus klei⸗ nen, feſten Körnern beſteht, im naſſen Zuſtande einen äußerſt geringen, im trocknen gar keinen Zuſammenhang be⸗ ſitzt. Das Volumen des feuchten Sandes vermindert ſich beim Austrocknen nicht. Er hält nur wenig Waſſer an und läͤßt es ſchnell wieder fahren. Man nimmt an, daß grobkörniger Sand etwa 20 Procent, feinkörniger bis 40 Pro⸗ cent Waſſer aufnehmen kann. Die atmosphäriſche Feuch⸗ tigkeit zieht der gewöhnlich vorkommende Sand faſt gar nicht, die Wärme aber ſtark an und hält ſie auch lange an ſich. Sein ſpecifiſches Gewicht iſt gleich 2,7. §. 35. Der Sand, wie er gewöhnlich vorkömmt, be⸗ ſteht großentheils aus Quarzkörnern, dieſe aber beſtehen hauptſächlich aus Kieſelerde. Etwas Thon mit Eiſenoxyd iſt ihm häufig beigemiſcht, letzteres auch in innigſter Ver⸗ — 26— bindung mit der Kieſelerde in den Quarzkoͤrnern. Nicht ſelten enthält der Sand auch etwas oder ſelbſt in beträͤcht⸗ licher Menge Kalk oder Bittererde, auch Glimmer und Feldſpath. Endlich kann ausnahmsweiſe der Kalk ſogar der Hauptbeſtandtheil des Sandes ſein.(ſ.§. 48.) Abgeſehen davon, daß der Sand außer Kieſelerde noch manche andere Beſtandtheile hat, ſo iſt ſelbſt reiner, faſt nur aus Kieſelerde beſtehender Quarzſand niemals für reine(chemiſch rein dargeſtellte) Kieſelerde zu nehmen, die z. B. eine weit größere Menge Waſſer aufnehmen kann, als der feinſte Quarzſand, und die auch im Thone (§. 40.) der überwiegende Beſtandtheil iſt. §. 36. Die Körnchen des Sandes ſind in ihrer Größe ſehr verſchieden und danach auch das Verhalten des San⸗ des. Der höchſt feinkörnige, ſtaubartige Sand heißt Flug⸗ ſand; um nur wenig mehr grobkörniger Sand heißt: Mehl- auch Quell- oder Triebſand, und wenn er aus runden, etwas größeren hellen Quarzkörnern beſteht, Perl⸗ ſand. Sehr grobkörniger Sand, deſſen Körner bis eine Linie im Durchmeſſer erreichen, nähert ſich dem Grant oder Kieß, der nicht mehr zum eigentlichen Sande gerech— net werden kann.(ſ.§. 83.) Neben der Größe der Sand⸗ körner iſt auch noch wichtig, ob ſie mehr abgerundet oder mehr ſcharf ſind. §. 37. Der Sand iſt von ſehr verſchiedener Farbe: der reinſte Quarzſand iſt faſt weiß; durch verſchiedene Bei⸗ miſchungen erſcheint er aber auch röthlich, gelb, dunkelgrau und ſelbſt ſchwärzlich. Die röthliche Farbe, welche beſon⸗ ders häufig vorkömmt, rührt, ſo wie die gelbe, hauptſäch⸗ lich vom Eiſenoxyd her; die ſehr dunkle Farbe meiſtens von humusartigen Stoffen. §. 38. Da der Quarz die am meiſten verbreitete Stein⸗ art und ein weſentlicher Beſtandtheil der meiſten Gebirgs⸗ — 27— arten iſt; ſo erklärt ſich ſchon daraus das größere oder geringere Vorherrſchen von Quarzſand in ſo vielen Boden⸗ arten. §. 39. Wenn die Haupteigenſchaften des Sandes als Bodenart, und deſſen Einfluß auf das Verhalten anderer Bodenarten als deren Beſtandtheil, im Allgemeinen aus den in§. 34. enthaltenen Angaben zu entnehmen iſt, ſo hängt deſſen Werth für die Vegetation, abgeſehen vom beiwohnen⸗ den Humus, von Lage und Untergrund,— doch noch weſentlich von dem ſpeciellen Verhalten des Sandes in Beſchaffenheit der Körner und von den neben dem Quarz darin enthaltenen Beſtandtheilen ab. Sehr grob- und zumal ſcharfkörniger Sand, ohne Thon, Kalk, Talk ꝛc., ſowie der eigentliche Flugſand, hat den geringſten Werth. Eine ganz geringe Beimiſchung von Thon, Kalk oder Bittererde er— höht den Werth des Sandbodens ſehr weſentlich. Das Vorkommen des Glimmers und Feldſpaths, welche auch Thon, Talk, Kali ꝛc. enthalten und leicht in der Verwit⸗ terung(Auflöſung) fortſchreiten, iſt ein günſtiges Zeichen. Stark glimmerhaltiger Sand wird beſonders als Glim— merſand bezeichnet. Ueber Kalkſand insbeſondere ſ.§. 53. Feiner Sand, wenn er nur etwas Thon und Eiſenoxyd ent⸗ hält, kann, trotz der waſſerdurchlaſſenden Eigenſchaft des Sandes, als Untergrund ziemlich undurchlaſſende Schichten bilden. 2) Thon. §. 40. Der Thon beſteht aus chemiſch mit einander verbundener Kieſelerde und Thon⸗ oder Alaunerde. Außer⸗ dem findet man im Thone immer auch noch unverbundene Kieſelerde in der Geſtalt des feinſten Sandes, welchen man durch Sieden von dem Hauptbeſtandtheile trennen kann. Die Kieſelerde iſt in jener Verbindung meiſtens überwiegend, — 28— da bei vielen chemiſchen Analyſen ſtrenger Thonarten ſelten über 40% Thonerde und unter 50% Kieſelerde gefunden werden. Die Kieſelerde iſt aber im Thone in anderer Form und in anderer Verbindung, als im Sande; es iſt deßhalb erklärlich, daß der Thon, trotz dem, daß der Haupt⸗ beſtandtheil des gewöhnlichen Sandes auch in ihm über⸗ wiegt, dennoch von ganz anderer Beſchaffenheit als der Sand iſt. Rein dargeſtellte trockne Allaunerde erſcheint äußerlich, wie die Kieſelerde, als ein ſeines weißes Pulver; ſie nimmt aber mehr Waſſer auf, als dieſe, und bildet damit einen formbaren Teig. In chemiſcher Hinſicht unterſcheidet ſie ſich noch mehrfach von der Kie⸗ ſelerde, z. B. durch ihre Auflöslichkeit in Säuren ꝛc. §. 41. Der Thon enthält in der Regel einen Antheil an Eiſen⸗ auch Manganoxyden(§. 68 ff.). Dieſer Antheil beträgt meiſtens 3 bis 6%, zuweilen mehr. Die Färbung des Thons, als grau, blau, gelblich, röthlich ꝛc. rührt zu⸗ nächſt von dieſen Metalloxyden her. Außer den eben angeführten Hauptbeſtandtheilen enthält der Thon häufig auch Kalk und einige andere mineraliſche Stoffe, wie Bittererde, Kali ꝛc. Noch iſt nicht zu überſehen, daß der Thon auch 10 bis 15% chemiſch gebundenes Waſſer enthält, das er erſt beim Glühen ganz verliert, während das chemiſch ihm beiwohnende Waſſer ſchon bei mäßiger Warme entſchwindet. §. 42. Der Thon iſt nicht körnig, ſondern fuͤhlt ſich ſein und fett an; er beſitzt einen ſehr großen Zuſammen⸗ hang, im feuchten Zuſtande läßt er ſich ballen und formen und erſcheint äußerſt zähe und anklebend; läßt man ihn austrocknen, ſo erhärtet er zu einer ſteinähnlichen Maſſe, deren Feſtigkeit noch erhöht wird, wenn der Thon vor dem Austrocknen zuſammengeſchlagen oder geknetet wurde; ſein Volumen vermindert ſich dabei, daher die Sprünge des austrocknenden Thonbodens. Das Waſſer ſaugt er bis zu — 29— 70% ſeines Gewichts ſtark ein, läßt es aber nur wenig durchdringen und hält es lange an. Er beſitzt die Eigen⸗ ſchaft, die atmosphäriſchen Stoffe, beſonders Feuchtigkeit, ſtark anzuziehen; die Wärme aber zieht er weniger an und hält ſie nicht ſo lange, als der Sand. Durch Gefrieren im feuchten Zuſtande und das Wiederaufthauen wird ſein Zuſammenhang weſentlich vermindert. Sein ſpecifiſches Gewicht iſt um etwas geringer, als das des Sandes und durchſchnittlich zu 2,5 anzunchmen. Der trockne Thon be⸗ ſitzt beim Anhauchen einen eigenthümlichen Geruch. §. 43. Der Thon beſitzt die Eigenſchaft, die humoſen Stoffe ſtark zu binden und dieſe Stoffe alsdann nur ſchwer als Pflanzennahrung abzugeben, daher der ſtärkere Bedarf an Dünger im Thonboden, im Vergleich zu andern Boden⸗ arten. §. 44. Wird der Thon geglüht, ſo erhärtet er dadurch zu einer ganz feſten Maſſe, welche eine höher geröthete Farbe angenommen hat. Wenn der gebrannte Thon wie⸗ der gepulvert wird, ſo iſt er dann von ganz anderer Be⸗ ſchaffenheit als vorher. Der Zuſammenhang und die waſſer⸗ haltende Kraft ſind ſehr vermindert und gebrannter und wieder verkleineter Thon iſt dem Sande viel ähnlicher, als dem rohen Thone. Die Veränderung, welche der Thon durchs Brennen erleidet, iſt für die Praxis wichtig, denn auch nur theilweiſe geglühter Thon wird ſchon weſentlich verändert und es liegt hierin ein unter Um⸗ ſtänden anwendbares Mittel, die nachtheilige Beſchaffenheit des Thonbodens zu verbeſſern. §. 45. Der Thon iſt hauptſächlich aus der Verwit⸗ terung von Feldſpath, Thonſchiefer, Schieferthon, Baſalt und andern thonhaltigen Gebirgsarten entſtanden; er kommt ſodann auch in den Flötzgebirgen in großen Lagern häufig vor, und da er vom Waſſer leicht fortgeriſſen und weiterhin — 20— mitgenommen wird, als der Sand, ſo erklaͤrt ſich auch ſein häufiges Vorkommen im angeſchwemmten Lande. 3) Kal k. §. 46. Unter Kalk, als Beſtandtheil des Bodens, verſteht man die mit Kohlenſäure verbundene Kalkerde. Der Kalk beſteht aus 56,3 Theilen Kalkerde und 43,7 Kohlen⸗ ſäure.— Die chemiſch rein dargeſtellte Kalkerde erſcheint als ein weißes, unſchmelzbares Pulver und zeichnet ſich vor den übrigen Erdarten dadurch weſentlich aus, daß ſie laugenhaften Geſchmack und ätzende Eigenſchaft beſitzt, und daß ſie Wärme entwickelt, wenn ſie mit Waſſer in Verbindung kömmt. Nach völliger Sättigung mit Waſſer bildet ſie einen erhärtenden Brei. §. 47. Der Kalk kann durchs Gluͤhen der Kohlenſäure entbunden werden und erſcheint dann als ſogenannter Aez⸗ kalk. §. 48. Der kohlenſaure Kalk kömmt ſowohl in den verſchiedenen Gebirgsformationen, wie im angeſchwemmten Lande häufig vor, theils als Hauptbeſtandtheil, theils als Schichte, oder als Nebenbeſtandtheil; es iſt daher erklärlich, daß er von manchen Bodenarten ein Hauptbeſtandtheil iſt, und daß wir ihn namentlich in ſehr vielen Bodenarten in mehr oder weniger inniger Verbindung mit Thon und Sand und andern Beſtandtheilen finden; er kömmt aber auch zu⸗ weilen feinkörnig(als Sand ſ.§. 35), öfterer grobkörnig (als Kieß, Grant ꝛc.) und ſehr oft als Stein in ſehr ver— ſchiedener Große und Form im Boden vor. Der gewöhnliche Kalkſtein, von grauer oder blauer Farbe, ent⸗ hält noch mehr oder weniger Kieſel- und Thonerde, Eiſen, oft auch Mangan, auch Bittererde. Hauptſächlich nur kohlenſauren Kalk mit ſehr wenig fremdartigen Beimiſchungen enthalten der weiße Mar⸗ mor, die Kreide und der Kalkſpath. §. 49. Die Haupteigenſchaften der feinen kohlenſauren Kalkerde ſind, daß ſie viel Waſſer aufnimmt(nach manchen Annahmen mehr, nach manchen weniger als der Thond, — 31— daſſelbe aber weit ſchneller wieder fahren laͤßt als der Thon, üͤberhaupt ſchnell austrocknet; daß ſie im naſſen Zuſtande breiig und mäßig zuſammenhängend erſcheint, im trocknen aber wenig Zuſammenhang beſitzt, daß ſie die Feuchtigkeit aus der Atmosphäre ſtärker als der Sand, aber nicht ſo ſtark als der Thon anzieht. Die Wäͤrme nimmt der Kalk gerne auf und hält ſie lange an. Sein ſpecifiſches Gewicht iſt= 2, 68. Die Angaben, welche die waſſeraufnehmende Kraft der kohlen⸗ ſauren Kalkerde höher als vom Thone ſetzen, dürften weniger Glau⸗ ben verdienen, als diejenigen, welche wir ſchon in den Lehrbüchern von Thär und Sturm finden, wonach ſolche zu 50% angenom⸗ men wird. Die waſſerdurchlaſſende Kraft der Kalkerde ſteht der des Sandes ziemlich nahe. §. 50. Der kohlenſaure Kalk beſitzt zwar bei weitem nicht die ſtark zerſetzende oder ätzende Eigenſchaft, wie der durchs Glühen ſeiner Kohlenſäure entbundene ſogenannte Aezkalk, dennoch wirkt er zur ſchnelleren Zerſetzung des Humus im Boden ſehr weſentlich; auch hat er eine ſtarke Neigung, Säuren zu binden, daher in kalkhaltigem Boden ſich nicht leicht der Vegetation nachtheilige Säuren vorfin— den. Da er endlich zu den Mineralſäuren eine größere Verbindungsneigung, als zur Kohlenſäure beſitzt, ſo wird dieſe bei Uebergießung von Kalk oder kalkhaltigem Boden mit einer Säure frei und es entſteht dabei ein Aufbrauſen. Es iſt deßhalb die Anwendung von Salpeter-, Salz-, oder Schwefelſäure ein weſentliches Hülfsmittel, Boden auf Kalk zu unterſuchen. Ausnahmsweiſe kann ein Boden, welcher mit Säure aufbrauſt, auch kohlenſaures Eiſen enthalten; öfters aber enthält der Boden, wobei ein Aufbrauſen mit den Säuren erſolgt, noch kohlenſaure Bittererde mit Kalk verbunden.(ſ.§. 65.) §. 51. Wenn auch ein zu großer Antheil von Kalk den Bodenwerth herabſetzt(§. 52), ſo iſt dagegen der Kalk, in einem günſtigen Verhältniſſe beigemiſcht, bei allen Boden⸗ — 32— arten ein ſehr nützlicher, wichtiger Beſtandtheil, denn mit Thon und Sand in glücklicher Verbindung erhöht er weſent⸗ lich das Thätigkeitsvermögen der Bodenarten, namentlich zerfällt der thonige Boden, welcher Kalk enthält, leichter an der Luft, trocknet ſchneller aus, und gibt die Nahrungs⸗ theile an die Pflanzen ſchneller und vollſtändiger ab. San⸗ diger Boden wird durch einige Kalkbeimiſchung wenigſtens etwas waſſerhaltender und fähiger, Feuchtigkeit aus der Atmosphäre anzuziehen. Insbeſondere aber verdient die gröͤßte Beachtung, daß der Kalk an und für ſich die Vege⸗ tation wo nicht aller, doch vieler Pflanzen, ſo weſentlich befördert, daß er als ein Nahrungsbedurfniß derſelben an⸗ geſehen werden muß, wenn ſchon er nicht geeignet iſt, zum Erſatz fuͤr die Pflanzennahrungsſtoffe organiſchen Urſprungs zu dienen. Daß der Kalk ſelbſt von den Pflanzen, wenn auch nur in ge⸗ ringem Verhältniſſe, entweder direct oder nach vorausgegangener Zerſetzung aufgenommen werde, dürfte kaum noch einem Zweifel zu un⸗ terwerfen ſein und geht unter andern daraus hervor, daß gemergel⸗ ter Boden Anfangs ſo ſehr fruchtbar ſich erweiſet, nach einer gewiſſen Reihe von Jahren aber in der großen Fruchtbarkeit wieder abnimmt, ſowie er den durch das Mergeln ihm beigebrachten Kalkgehalt als⸗ dann nicht mehr wie im Anfange beſitzt. Da der Kalk in gewiſſem Verhältniſſe in kohlenſäurehaltigem Waſſer auflöslich iſt, da faſt jedes Waſſer Kohlenſäure enthält, dieſe auch durch die Zerſetzung des Humus im Boden ſelbſt ſich fortwährend entwickelt; ſo läßt ſich auch hieraus ſchließen, daß die Auflöſung geringer Mengen der im Boden befindlichen Kalktheile ſtatt finde. Auch die Pflanzen⸗ wurzeln ſelbſt beſitzen die Fähigkeit, den Kalk zur Auflöſung zu bringen, wie dieß die in die Tiefe des Kalkbodens eingedrungenen Wurzelm der Esparſette und Luzerne deutlich darthun. §. 52. Ein Uebermaaß von Kalk im Boden verurſacht, daß der Dünger zu ſchnell zerſetzt wird und entſchwindet, und daß der Boden auch zu leicht an Dürre leidet. Dem thonigen Boden iſt ein ſtarker Kalkantheil aus dieſem Grunde 33— weit eher unſchädlich oder ſelbſt noch von Nutzen, als einem ſandigen. Viel hängt dabei auch vom Clima ab; in einem kühlen Clima iſt eine größere Beimiſchung von Kalk weit weniger nachtheilig, als in einem heißen. §. 53. Sehr weſentlich muß endlich unterſchieden wer⸗ den, ob der Kalk ganz oder zum größeren Theile in inniger Verbindung mit den übrigen Theilen der Ackerkrume, oder in körnigem oder ſteinartigem Zuſtande ſich befindet. Im letzteren Falle iſt ſein Werth um ſo geringer anzuſchlagen, je größer die feſten Kalktheile ſind. Kalkſand iſt nur um etwas höher, als Quarzſand zu achten und Kalkkieß oder Kalkgrant bildet einen Boden von noch geringerem Werthe. Ueber die im Boden ſich findenden Kalkſteine, Kalkkieß ꝛc. f.§. 81. ff. 4) Mergel. §. 54. Iſt der Kalk in ſchon bedeutender Menge mit dem Thon, meiſtens zugleich auch mit Beimiſchung von mehr oder weniger feinem Sand, dergeſtalt verbunden, daß zwar dieſe Verbindung innig erſcheint, der Kalkantheil beim fortwährenden Ausſetzen der Atmosphäre und bei der Benutzung zur Cultur aber dennoch nach und nach leicht abgegeben wird, ſo wird eine ſolche Erdart Mergel ge— nannt. Der Mergel iſt alſo, nach ſeinen Hauptbeſtandtheilen, eine Mi⸗ ſchung der bisher abgehandelten drei Hauptbodenbeſtandtheile; allein ſein Verhalten iſt anders, als das einer vorgenommenen mechaniſchen Mengung von kohlenſaurer Kalkerde, Thon und feiner Kieſelerde, und ſein Vorkommen iſt überhaupt zu wichtig, als daß wir denſelben nicht beſonders in Betracht zu ziehen hätten. §. 55. Man nimmt gewöhnlich an, daß bei dem Vor⸗ herrſchen von Thon im Mergel mindeſtens 15% Kalk vor⸗ handen ſein müſſen, bis der Boden für Mergel gelten kann; Pabſt Landwirthſchaft. I. 1. Zweite Auflage. 2 iſt aber viel Sand dabei, ſo ſind 10% Kalk oder ſelbſt noch weniger hinreichend, um ihn ſchon zum Mergel zu zählen. Hat jedoch ein Boden über 75% Kalk, ſo nennt man ihn um ſo eher Kalkboden, je weniger er dabei den übrigen Begriffen von Mergel entſpricht.(ſ.§. 54. 59. 60. 105.) Der Maasſtab nach Procenten iſt nicht immer zutreffend: manche Bodenart beſitzt bei mehr als 75% Kalk allerdings nicht mehr die Eigenſchaft des Mergels⸗ beſonders wenn unter den übrigen Beſtand⸗ theilen nur wenig Thon iſt, oder wenn der Kalkantheil mehr in der Geſtalt von Kieß oder Sand befindet; manche enthält aber auch mehr als 75% Kalk und zeigt ſich dennoch in Eigenſchaften und Wirkung noch ganz als Mergel. Nach einer Mittheilung von Pu⸗ ris(Mögl. Ann. 1825) enthielt ein blättricher guter Steinmergel 90% Kalk. §. 56. Nicht ſelten enthält der Mergel auch viel koh⸗ leuſaure Bittererde(§. 65.), welche für die practiſche Be⸗ nutzung mit dem Kalk in der Hauptſache als gleichbedeu— tend genommen werden darf. Auch Gips kömmt in manchen Mergelarten vor. Eiſenoryd enthält faſt jeder Mergel, gleich dem Thone, öfters auch Manganoxyd. §. 57. Der Mergel kömmt in verſchiedener Geſtalt in den Flötzgebirgen vor; aber auch im ang geſchwemmten Lande findet er ſich ſehr häufig theils ſchicht⸗, theils neſterweiſe. Er bildet entweder die obere Bodenſchichte oder, was häu— figer, findet ſich erſt näher oder tiefer unter der O Oberkrume liegend. §. 58. Der Mergel iſt deßhalb von beſonderer Wich⸗ tigkeit in landwirthſchaftlicher Be eziehung, weil faſt alle Bo⸗ denarten, welche an ſich nicht ſchon kalkhaltig ſind, durch Zumiſchung von Mergel in ihrer Ertragsfähigkeit weſent⸗ lich erhöht werden können, indem ihnen dadurch nicht nur der mangelnde Kalk, ſondern auch noch andere den Boden chemiſch und mechaniſch verbeſſernde Stoffe zugefuͤhrt werden. Ueber Anwendung und Wirkuag des Mergels ſ. das 6. Capitel. — 35— §. 59. Die Hauptkennzeichen vom Mergel ſind: er nimmt, wenn er trocken iſt, das Waſſer begierig auf und zergeht allmählig im Waſſer worein man ihn gelegt; er zerfällt an der Luft, wenn dieſe abwechſelnd feucht iſt oder wenn er zuweilen befeuchtet wird; mit Säuren erfolgt ein ſtarkes Aufbrauſen; im Feuer zerfließt und verglaßt er. Gewiſſe Gewächſe, als Brombeere, Ackermünze, Hopfen⸗ klee, Huflattig, Winden, Diſteln ꝛc. wuchern vorzugsweiſe gern auf Mergelboden. Die Eigenſchaft im Waſſer oder an der Luft zu zerfallen zeigt ſich nach der größeren oder geringeren Feſtigkeit des Mergels in ſehr verſchiedenem Grade. §. 60. Hinſichtlich des Zuſammenhangs findet bedeu⸗ tende Verſchiedenheit unter dem Mergel ſtatt: er iſt ent⸗ weder weich und zart oder mehr härtlich, öfters auch ſchief⸗ rig, zuweilen ſteinhart, nicht ſelten auch mit Muſcheln und Schneckenhäuſern vermiſcht. Die drei letzten Arten heißen zur Unterſcheidung auch Schiefer⸗, Stein⸗ und Mu⸗ ſchelmergel. Nach den vorherrſchenden Beſtandtheilen und dem äußeren Verhalten wird der Mergel ſodann Thon⸗, Lehm-, Sand⸗- oder Kalkmergel genannt. Der ſchiefrige Mergel trägt nach Verhältniß ſeiner Beſtandtheile mehr zur Lockerung und Erwärmung des Bodens bei, als die an⸗ dern Mergelarten. Die Angabe der Beſtandtheile nach Procenten iſt für die Beur⸗ theilung des Mergels nicht ausſchließlich maasgebend, da Sand und Kalk beide zur größeren Lockerheit beitragen, während der Thon hauptſächlich die Gebundenheit veranlaßt. Indeſſen läßt ſich im Allgemeinen annehmen, daß Thonmergel wenigſtens 50% Thon und wenigſtens 15% Kalk enthalte, daß Kalkmergel über 50% Kalk habe, daß der Lehmmergel wenigſtens 25% und nicht über 50% Thon, und ſelten über 25% Kalk, der Sandmergel aber vielen Sand und wenig Thon, und meiſtens nur zwiſchen 10 und 20%, ja zuweilen noch weniger als 10% Kalk enthalte. — 36— Mittelſtufen laſſen ſich leicht näher bezeichnen, 3. B. thoniger Mergel zwiſchen Lehm- und Thonmergel, ſandiger Lehmmergel zwi⸗ ſchen Lehm- und Sandmergel ꝛc. §. 61. Die Farbe des Mergels iſt ſehr verſchieden: man findet ihn weiß, gelb, grau, roth, violett, braun ꝛc. Die Farbe rührt hauptſächlich vom Eiſen und Mangan, zuweilen auch von Erdharzen und bei cultivirtem Mergel⸗ boden auch vom Humus her. 5) Gips. §. 62. Gips heißt die mit Schwefelſäure verbundene Kalkerde. Er kömmt in Lagern mehr oder weniger tief unter der Oberfläche des Bodens, beſonders in den Floͤtz⸗ gebirgen, auch im Uebergangsgebirge, vor und erſcheint als ein weicher Stein von mehr oder weniger ſchiefrigem Bruch, kriſtalliniſchem Gebilde und von weißlicher, grauer oder blaulicher Farbe mit mattem Glasglanze; dünne Bruch— ſtücke erweiſen ſich durchſcheinend. An dieſem ſeinem äuße⸗ ren Verhalten iſt er leicht zu erkennen und von dem ge— wöhnlichen Kalk ſchon dadurch leicht zu unterſcheiden, daß er mit Säure nicht aufbrauſt, von dem Mergel aber noch beſonders, daß er bei Weitem nicht ſo leicht und ſchnell als dieſer zerfällt. Der Gips, wie er ſich gewöhnlich ſindet, enthält noch einige Erdarten, namentlich Thon beigemiſcht, woher auch die verſchiede⸗ nen Färbungen deſſelben rühren. Der feſteſte und reinſte Gips iſt der Alabaſter. §. 63. Feine Gipserde nimmt(nach Schübler) nur 27% Waſſer auf und verdünſtet ſolches äußerſt ſchnell wie— der; die Feuchtigkeit der Atmosphäre zieht ſie nur ſehr wenig an; ihr ſpecifiſches Gewicht iſt= 2,33. Eine beſonders bemerkenswerthe Eigenſchaft des Gipſes iſt noch, daß er ſich in 450 Theilen reinen Waſſers und in einer noch ge⸗ ringern Menge kohlenſauren Waſſers auflößt. Der reine Gips beſteht aus 33% Kalkerde, 46% Schwefelſäure 37— und 21% Cryſtalliſationswaſſer. Durchs Glühen wird er des letzteren entbunden; er nimmt aber ſo viel hinzugebrachtes Waſſer wieder auf und erhärtet dann wieder, wenn er nach dem Brennen gepulvert und mit Waſſer geſättigt worden war. Die Schwefel⸗ ſäure verliert er durchs Glühen nicht. In vielen Brunnenwaſſern iſt aufgelöſter Gips enthalten. §. 64. Der Gips kömmt in der oberen Bodenſchichte nur ſelten in größerer Menge vor, ſo daß er auf ihr äuße— res Verhalten von ſichtbarer Einwirkung wäre. Da wo er in geringer Menge in der Ackerkrume enthalten iſt, was in manchen Thon⸗ und Mergel-⸗Böden der Fall iſt, kann dies auf deren Ertragsfähigkeit nur von ſehr günſtigem Einfluſſe ſein. Denn es iſt dem Gipſe eine ähnliche, oder ſelbſt noch entſchiedenere directe Einwirkung auf die Vegetation zuzu⸗ ſchreiben, wie dem Kalke. Dieß geht ſchon aus der allge— meinen Anwendung des Gipſes als Dungmittel, beſonders für die Kleearten und Hülſenfrüchte, hervor. Dagegen hat ſich der nur ſehr ſelten vorkommende ſtark gipshaltige Bo⸗ den für die landwirthliche Benutzung nicht günſtig erwieſen. Die hohe Fruchtbarkeit der Felder in den ebeneren Gegenden von Thüringen ſchreibt Pohl zum großen Theil dem an vielen Orten in der Krume enthaltenen Gipſe zu. Da der Gips bedingungsweiſe im Waſſer auflöslich iſt, da dieſe Auflöslichkeit durch Hinzukommen von Säuren und kohlenſtoffhalti⸗ gen Subſtanzen noch vermehrt wird, ſo läßt ſich eine Aneignung ſeiner von Seiten der Pflanzen leicht erklären. Daß beſonders auch die Schwefelſäure das ihrige zu ſeiner vortheilhaften Wirkung auf die Vegetation beitrage, läßt ſich aus der ſchon mehrfältig gemach⸗ ten Beobachtung einer ſehr günſtigen Einwirkung des Schwefels auf das Pflanzenwachsthum ſchließen. Ein Weiteres hierüber im Capi⸗ tel von der Düngung. 6) Bittererde. §. 65. Die Bittererde oder der Talk iſt ein Beſtand⸗ theil vieler weitverbreiteter Geſteinarten, als des Dolomits, Serpentins, Chlorits, Syenits, Grünſteins, Spekſteins, — 38— einiger Glimmer⸗ und Mergelarten ꝛc. Sie iſt entweder mit Kohlenſäure verbunden, und in dieſem Falle in der Regel auch mit kohlenſaurem Kalk vergeſellſchaftet, wie im Dolo— mit und in einigen Mergelarten(§. 56), oder ſie iſt mit Kieſelerde chemiſch verbunden, wie im Spekſtein, Chlorit, Talkſchiefer ꝛc. Sie muß alſo auch ein Beſtandtheil aller der Bodenarten ſein, welche ganz oder theilweiſe aus der Verwitterung jener Gebirgsarten entſtanden ſind, wenn ſchon dieß bis jetzt wenig beachtet worden iſt. Als vor— herrſchender Beſtandtheil kömmt ſie dagegen nur ſelten vor. §. 66. Die rein dargeſtellte Bittererde beſitzt nur mäßi— gen Zuſammenhang, aber die Fähigkeit das Waſſer ſtark anzuhalten; auch zieht ſie die atmosphäriſche Feuchtigkeit und den Sauerſtoff ſtark an; dagegen hält ſie die Wärme nur wenig. Im Allgemeinen wirkt ſie auf das phyſiſche Verhalten des Bodens ohngefähr wie Lehm; ſie kann aber auch in Verbindung mit Kieſelerde ꝛc. in körnigem Zuſtande ſein und alſo mehr in der Eigenſchaft von Sand erſchei⸗ nen.(ſ.§. 35.) In Säure iſt ſie auflöslich, und mit Mineralſäuren bildet ſie bitterſchmeckende Salze. §. 67. Da wir auf den Bodenarten, welche, ihrem Ur⸗ ſprunge nach, Bittererde enthalten, in der Regel eine gute Vegetation bemerken, ſo darf nicht angenommen werden, daß die in mäßiger Quantität vorhandene Bittererde nach⸗ theilig auf den Bodenwerth einwirke, vielmehr iſt Grund vorhanden, das Gegentheil vorauszuſetzen. Die fruchtbarſten Gegenden von Cornwall enthalten, nach Davy, milde Bittererde; Berthier fand ſie mit Kieſelerde ver⸗ bunden in ſehr freuchtbarem Lande bei Lille(ſ. Schübler ꝛc.). In Kärnthen iſt, nach Burger, die Bittererde, von verwittertem Serpentin und Chloritſchiefer herrührend, in Menge im Boden vor⸗ handen, ohne daß ein nachtheiliger Einfluß auf das Wachsthum der Pflanzen bemerkt wird, und im ſächſiſchen Erzgebirge gehört, nach — 39— Pohls Verſicherung, der bittererdige Boden, welcher unter andern bei Marienberg und Zöblitz vorkömmt, zu den fruchtbaren. Der Flachs ſoll beſonders gut darauf gerathen. Wie ſich die kohlenſaure Bittererde, hinſichtlich ihres Einfluſſes auf die Vegetation, gegen die mit Kieſelerde verbundene verhalte, iſt übrigens auch noch nicht genügend ermittelt. Daß erſtere da, wo ſie ſich im Mergel findet, ſich günſtig bei deſſen Anwendung er- weiſe, iſt ſchon§. 56. angedeutet. Schon Einhof fand ſie zu 20% in einem Mergel, der ſich auf die Vegetation ſehr günſtig erwfes, Sprengel im gleichen Falle zu 28%; in Würtemberg fand ſie Schübler in dem zum Weinbau benutzten Mergel bis zu 30%. Dagegen ſprechen ſich Erfahrungen und Verſuche dahin aus, daß der gebrannte bittererdige Kalk nachtheilig auf die Vegetation wirke. Davy theilt in ſeiner Agriculturchemie ein ſolches Beiſpiel von einem gebrannten, 30% Kalk und 20% Bittererde enthaltenden Mergel mit. Schübler fand dieſe nachtheilige Einwirkung der ge⸗ brannten Bittererde durch Verſuche im Kleinen beſtätigt. Es iſt dies ohne Zweifel ihrer Eigenſchaft zuzuſchreiben, im gebrannten Zuſtande ſehr lange ätzend zu bleiben. Da wo viele Bittererde im Kalkſteine enthalten iſt, was mehrfältig vorkömmt, wäre dem— nach Sorge zu tragen, einen ſolchen Kalk im gebrannten Zuſtande nicht zum Düngen anzuwenden. 7) MNeralloryde. §. 68. Von Metalloxyden kommen, wie aus den An⸗ fuͤhrungen über die vier erſten der bereits abgehandelten Bo⸗ denbeſtandtheile zu entnehmen war, Eiſenoxyde in faſt allen und Mangan⸗- oder Braunſteinoxyde in vielen Bodenarten vor; beſonders finden ſie ſich in enger Verbin⸗ dung, und oft in ſtarker Menge, in den thonigen Beſtand⸗ theilen, und die Färbung des Bodens iſt, inſoweit ſie nicht von Humus herrührt, in der Regel ihrer Anweſenheit zu⸗ zuſchreiben. §. 69. Die Oxydationsgrade, und danach die Farben des im Boden befindlichen Eiſens ſind verſchieden: orydirtes Eiſen(Orydul) erſcheint weniger gefärbt, vollſtän— diges Oryd mehr oder weniger roth und pomeranzengelb; ——— —— —— — 40— in Zwiſchenſtufen erſcheint es grau, blau, violett, bräun⸗ lich ꝛc. Auch Mangan findet man in verſchiedenen Oryda⸗ tionsſtufen; deren Färbung iſt gewöhnlich dunkler, als die der Eiſenoxyde. Eine nur geringe Beimiſchung von ½ bis 1% Eiſenoxyd kann ſchon eine bedeutende Färbung des Bodens veranlaſſen. Der Oxyda⸗ tionsgrad des bisher der Luft verſchloſſen geweſenen Eiſengehalts im Boden wird häufig erhöht und damit auch ſeine Färbung, wenn der, Boden der Atmosphäre ausgeſetzt wird. §. 70. Die Wirkung des Eiſen- und Mangangehalts auf die Beſchaffenheit des Bodens und auf die Vegetation hängt theils von dem Oxrydationsgrade dieſer Metalle, der ſonſtigen Zuſammenſetzung des Bodens und von der Menge derſelben ab; ſodann aber auch weſentlich davon, ob das Oryd in hydratiſchem(chemiſch mit Waſſer verbundenem) Zuſtande iſt oder nicht, denn im erſteren Falle wirkt es weit eher nachtheilig als im letzteren. In geringem Ver⸗ hältniß, ſo wie wir es gewöhnlich finden, dem Boden bei⸗ gemiſcht, iſt die Einwirkung jener Oryde auf deſſen Beſchaf⸗ fenheit nur vortheilhaft, denn ſie geben dem mehr ſandigen Boden größere Fähigkeit, Feuchtigkeit anzuziehen, den ge⸗ bundenen und kalten Bodenarten aber, wegen der dunkleren Färbung, größere Fähigkeit zu Anziehung der Wärme. Ueberhaupt aber müſſen wir beiden Metalloryden eine directe günſtige Einwirkung auf die Vegetation zuſchreiben, ſobald ſie nicht im Uebermaas oder in anderweiter nachtheiliger Verbindung vorhanden ſind; denn wir finden ſie in den fruchtbarſten Bodenarten, während gerade da, wo ſie gänz⸗ lich mangeln, der Boden unfruchtbar iſt. Wenn von geringer Beimiſchung des Eiſens die Rede iſt, ſo ſind damit nur wenige Procente, zum höchſten bis 5% gemeint. Der Mangan iſt gewöhnlich in weit geringerer Menge als das Ei- ſen vorhanden. §. 71. In großer Menge im Boden enthaltenes Eiſen 41— uͤbt, wenn auch nicht unter allen, doch unter ſehr vielen Umſtänden einen nachtheiligen Einfluß auf deſſen Beſchaf⸗ fenheit aus. Insbeſondere iſt dies bei nahe unter der Oberkrume liegendem ſtark eiſenhaltigem Untergrunde, ſo— wie überhaupt bei allem der Atmosphäre mehr verſchloſſe⸗ nem ſtark eiſenhaltigem, noch nicht gehörig cultivirtem Bo— den, zumal wenn das Eiſen darin nur ſchwach oxydirt oder in hydratiſchem Zuſtande iſt, der Fall, um ſo mehr, wenn der Boden naßgelegen oder von Natur waſſerhaltend iſt, durch welche Umſtände wahrſcheinlich mehr Eiſenoxydul zur Auflöſung kömmt und auf die Pflanzenvegetation nachthei⸗ liger wirken kann. Trockenlegung, fleißige Lockerung und Kalk vermindern dagegen jene nachtheilige Wirkung oder heben ſie ganz auf. Stark eiſenhaltiger Untergrund iſt faſt immer den Gewächſen ſehr nachtheilig, wenn ſie mit ihren Wurzeln damit in Berührung kommen, beſonders iſt dies beim Weitzen, dem Raps, den Kleearten und mehreren andern der Fall. Dieſelbe Menge Eiſen(wegen der Ausſetzung der Atmosphäre jedoch meiſtens ſtärker oxydirt) in der cultivirten Oberkrume ſchadet jedoch oft gar nicht. Namentlich ſcheint der ſtarke Eiſengehalt ganz unſchädlich zu ſein, wenn der Boden zugleich ſtark kalkhaltig iſt: ſtarkeiſenhaltiger(hochrother) Mergelboden, wie er ſich häufig in Würtemberg findet, iſt z. B. oft noch recht guter Boden, wenn ſchon ſeine Gebundenheit durch das Eiſen vermehrt werden mag.— Auch der ſtark geröthet er— ſcheinende von dem verwitterten rothen Sandſtein entſtandene Sand⸗ boden iſt häufig recht guter Art, obgleich er der Farbe nach nicht wenig Eiſen enthalten kann. §. 72. Einen ſehr eiſenhaltigen Lehm oder feinen Lehm— ſand oder ſelbſt feinen Sand von rothgelber(roſtgelber) Farbe und von ſprödem, rauhem Verhalten nennt man ei— ſenſchüſſig oder okerich. Solcher Boden, der oft 15 bis 20% Eiſen enthält, iſt allerdings für die Vegetation ſehr ungünſtig und ſelbſt ſtarke Düngung thut nur geringe Wirkung darin. Enthält er auch ſtark eiſenhaltiges Sand⸗ * — 42— ſteingeſchiebe, ſo wird er dadurch noch verſchlechtert. Auch ſtark eiſenhaltiger, von verwittertem, ſchieferigem Thon her⸗ rührender Boden, von hochrother Farbe, gehört zu den Bodenarten, welche wegen ihrer ſtarken Eiſenhaltigkeit ſchlecht genannt werden müſſen. Von den meiſten landwirthſchaftlichen Schriftſtellern wurde bis vor Kurzem von den einzeln vorkommenden ſtark eiſenhaltigen ſchlechten Bodenarten oder von den Nachtheilen des eiſenhaltigen Untergrundes mit unrecht allgemein ungünſtig auf das Eiſen ge⸗ ſchloſſen.— Ganz ſicher geſtellt ſind übrigens die Einwirkungen des dem Boden beigemiſchten Eiſen- und Manganoxryds auf die Vege— tation noch nicht zu betrachten. Man vergleiche auch, was Hun⸗ deshagen und Sprengel in ihren Bodenkunden darüber ſagen. §. 73. Zuweilen iſt das Eiſen mit Kohlen⸗, Schwefel⸗ oder Phosphorſäure verbunden. Das kohlen⸗ und das ſchwe⸗ felſaure Eiſen kömmt vorzugsweiſe in moorigem, torfigem und ſumpfigem Boden vor. Beide ſind aber weniger be⸗ ſtändig, wie das mit Säuren nicht gebundene Eiſenoryd, ſondern werden durch Trockenlegung und Zutritt der Atmos⸗ phäre ſchnell zerſetzt. Eine Verbindung von theils kohlen⸗ theils phosphorſaurem Eiſen mit Thon, Lehm und Sand kömmt zuweilen, namentlich im nächſten Untergrunde unter dem Namen Naſeneiſenſtein oder Ortſtein vor und gehört zu den ſchlechteſten Bodenarten, die es gibt. Das ſchwefelſaure Eiſen(Eiſenvitriol), welches in geringer Menge die Vegetation befördert, in einiger Menge ihr aber ſehr nachtheilig iſt, bildet ſich hauptſächlich durch anhaltende Ueberfüllung von ſchwefeleiſenhaltigem Boden mit Waſſer. Kohlenſaures Eiſen⸗ oxydul ſoll nach Thär auch in manchen Lehmarten vorkommen. 8) Verſchiedene andere noch vorkommende mineraliſche Stoffe. §. 74. Die hier zu nennenden Stoffe ſind hauptſächlich: Kali, Natron, Kochſalz, ſalpeterſaurer und phos⸗ — 43— phorſaurer Kalk, Schwefel und bituminoſe und erdkohlige Stoffe. §. 75. Viele der Geſteinarten, deren früherer Zertrüm⸗ merung und Verwitterung die Bodenarten, oder einzelne Beſtandtheile der letzteren, ihren Urſprung verdanken, ſind reich an Kali oder Natron, oder beiden, wie der Glim⸗ mer, der Feldſpath, der Baſalt ꝛc. Gedachte Stoffe aber ſind auf die Vegetation ſehr wirkſam, und wenn ſie auch, wegen ihrer leichten Auflöslichkeit im Waſſer und ihrer Neigung mit organiſchen Stoffen in Verbindung zu treten und ſchnell in die Pflanzen überzugehen, ſich nie in einiger Menge in der Ackerkrume halten können, ſo iſt ihre An⸗ weſenheit auch in anſcheinend ſehr geringem Verhältniſſe ſtets wichtig, ſo wie das Vorhandenſein oder Hinzubringen ſolcher Bodenbeſtandtheile, aus deren fortſchreitender Ver⸗ witterung immer wieder etwas von jenen Salzen der Erd— krume zu gut kömmt. Außerdem werden dieſe und andere Salze auch durch die Dün— gung dem Boden immer wieder zugeführt. §. 76. Das Kochſalz kömmt hauptſächlich da in eini⸗ ger Menge im Boden vor, wo dieſer dem Zutritte des Meerwaſſers oder ſalzhaltiger Quellen ausgeſetzt iſt oder war. In geringer Menge wirkt das Kochſalz für die Vege⸗ tation günſtig, beſonders auf die Gräſer, um ſo mehr wenn es Gelegenheit erhält mit Humus in Verbindung zu treten. In größerer Menge wirkt es nachtheilig oder ſelbſt zerſtörend auf die meiſten unſerer Culturgegenſtände. §. 77. Der ſalpeterſaure Kalk(Kalkſalpeter) bil⸗ det ſich unter den Lagern des Viehes in den Ställen und in den Miſtſtaͤtten in Menge, er kömmt aber auch in kalk⸗ haltigem humoſem Boden vor, und iſt, in nicht ſtarkem Ver⸗ hältniſſe im Boden verbreitet, ebenfalls als ein vortheilhaft wirkendes Salz zu betrachten. Eben ſo kömmt durch die — 44— 2 Duͤngung auch meiſtens etwas ſalpeterſaures Ammo⸗ niak in den Boden. §. 78. Phosphorſaurer Kalk wird in ſehr geringer Menge häufig im Boden gefunden und iſt, unter eben dieſer Vorausſetzung ein nicht weniger nützlicher Beſtandtheil. Ueber ſeine Entſtehungsweiſe als Bodenbeſtandtheil herrſcht noch Dunkel. §. 79. Der Schwefel findet ſich in mehreren Mine⸗ ralien, als den ſchwefelkieshaltigen, dem Thonſchiefer ꝛc. und geht nach ſtattgehabter Verwitterung als Schwefelſäure verſchiedene Verbindungen ein, welche in der Regel vortheil— haft auf die Vegetation einwirken.(ſ.§. 64.) §. 80. Bituminöſe(erdharzige) und erdkohlige Stoffe kommen in der Oberkrume nur ſelten vor, und wo dieſes einmal ausnahmsweiſe der Fall iſt, kann aus ihrer ſpeciellen Beſchaffenheit leicht ihr)e Wirkung auf die Vegeta⸗ tion ermeſſen werden. Bei der Lehre von der Düngung finden wir Veranlaſſung über die meiſten der hier noch genannten Stoffe weitere Erörterung zu pflegen. 9) Steine und Gerölle. §. 81. Trümmer von denſelben Geſteinarten, aus deren Verwitterung der Boden theilweiſe oder größtentheils ent⸗ ſtanden, oder auch ſolche, die ihm in dieſer Beziehung fremd ſind, finden ſich beinahe überall, beſonders in bergigen oder hügeligen Gegenden. Iſt ihre Quantität einigermaßen be⸗ trächtlich, ſo üben ſie einen weſentlichen Einfluß auf die Beſchaffenheit des Bodens aus, denn je mehr ein Boden mit Steinen in ſeiner oberen Schichte angefüllt iſt, um ſo mehr iſt dadurch die tragbare Erdkrume vermindert, die Bearbeitung aber erſchwert. Das Letztere iſt in um ſo ſtärkerem Grade der Fall, je größer die Steine ſind, und noch mehr, wenn ſie mit größeren Steinmaſſen im Unter⸗ grunde zuſammenhaͤngen. Zugleich werden durch die Steine die Werkzeuge weit ſtärker abgenutzt. §. 82. Es iſt nicht gleichguͤltig, welcher Gebirgsart die Steine angehören: Kalkſteine ſind weniger nachtheilig, als viele andere, indem ſie durch ihren Kalkgehalt in man⸗ cher Hinſicht nützen, auch die Werkzeuge weniger angreifen; auch der Baſalt gehört zu den weniger Nachtheil bringen⸗ den; am ſchlechteſten ſind Sandſteine, beſonders grobkörnige oder ſtarkeiſenhaltige, und Quarzſtücke, da ſie das Austrock— nen und übermäßige Erwärmen des Bodens zu ſehr beför⸗ dern und die Feuchtigkeit weder halten noch anziehen, durch ihre Verwitterung die Krume ſelten verbeſſert wird, und die Werkzeuge durch ſie am ſtärkſten abgenutzt werden. Von der Beſchaffenheit der Steine im Boden läßt ſich häufig auch auf ſeine übrigen Beſtandtheile ſchließen. §. 83. Starke Aufhäufungen von Steinen(Gebirgs⸗ trümmern) benennen wir Gerölle. Solches kömmt im Untergrunde öfters vor, und wie leicht begreiflich, iſt auch hier deſſen beſondere Beſchaffenheit von Wichtigkeit. Bilden endlich ſehr kleine Geſteintrümmer den Hauptbeſtandtheil eines Bodens, ſo benennen wir ſolchen Grant oder Kieß, woran ſich dann der grobkörnige Sand anſchließt(§. 36) und wonach der geringe Werth ſolchen Bodens ſich leicht ermeſſen läßt. §. 84. Wenn ſich kleine Steine, welche dem Pfluge und der Egge leicht ausweichen, in nicht allzu großer Menge im Boden finden, ſo iſt ihre nachtheilige Wirkung auf die Cultur der gewöhnlichen Gewächſe unbedeutend. Unter ge⸗ wiſſen Umſtänden kann ſogar die Gegenwart von vielen, aber nur kleinen Steinen Nutzen bringen; dies iſt nament— lich der Fall: bei einem an ſich ſehr humoſen, zum ſchnellen Austrocknen und bei trocknem Wetter zum Staubigwerden — 46— geneigten Boden, ſodann bei einem ſehr ſchweren Boden und an ſtarken Abhängen. Der Fall, daß die Steine den Boden verbeſſern, iſt zwar ſtets als Ausnahme zu betrachten; indeſſen hat man mit Unrecht das Vor⸗ kommen ſolcher Fälle überhaupt beſtritten: auf der ſchwäbiſchen Alb z. B. gibt es vielen humoſen Kalkboden, welcher mehr Steine als Krume enthält und wo die Steine ſowohl zu Erwärmung des Bo⸗ dens im kalten Clima, als wie zu Verhütung zu ſchnellen Aus⸗ trocknens, des Fortwehens und Abſchwemmens des Bodens und der Auswinterung der Früchte weſentlich beitragen; auch auf dem Vo⸗ gelsberg in Heſſen findet man häufig Felder, welche unermeßlich viel kleine Baſaltſteine unter einem thonigen Boden enthalten und die ohne dieſe Steine kaum culturfähig ſein oder einen weit geringeren Ertrag bringen würden, wie auch durch gemachte Verſuche mit flei⸗ ßigem Ableſen in Erfahruug gebracht wurde. Der Schaden, den die Steine an und für ſich bringen, fehlt auch hier nicht, aber die Vortheile, die ſie gewähren, ſind in dergleichen beſondern Fällen größer. II. Die Bodenarten nach ihren mineralischen Bestandtheilen. §. 85. Unter folgenden Abtheilungen betrachten wir die verſchiedenen Bodenarten, nach Maasgabe deren minerali⸗ ſchen Beſtandtheile, als: 1) Sandboden. 2) Lehmboden. 3) Thonboden. 4) Kalkboden. 5) Mergelboden. 6) Kieß⸗ und ſteiniger Boden. Nach den Beſtandtheilen, welche den meiſten Einfluß auf die Beſchaffenheit des Bodens ausüben, wird in der Regel die Haupt⸗ bezeichnung der Bodenart gewählt. 1) Sandboden. §. 86. So lange der cultivirte oder der Cultur fähige Sand nur wenig bindende Beimiſchungen beſitzt, wird er Sandboden genannt. Seine allgemeine Beſchaffenheit iſt: daß er die Feuchtigkeit zu wenig, die Wärme zu ſtark hält, den Dünger ſchnell verarbeitet, ſehr leicht im trocknen, wie feuchten Zuſtande zu bearbeiten iſt, und im Durchſchnitt — 47— eine geringe Productionsfähigkeit zeigt, ja daß viele Ge⸗ wächſe gar nicht darauf fortkommen. §. 87. Es zeigt ſich übrigens, je nachdem der Sand weniger Quarz und dagegen andere günſtigere Beſtandtheile enthält(§. 39), ſowie nach Größe und Form der Körn⸗ chen, Lage und Untergrund, eine ſehr große Verſchiedenheit im Sandboden hinſichtlich ſeines Werthes für die Cultur. Wir betrachten ihn zu dem Ende näher unter den Abthei— lungen: loſer, lehmiger und mergeliger Sand. a) Loſer Sandboden. §. 88. Der gewöhnliche loſe Sandboden hat zum höch⸗ ſten 10 Procent, meiſtens aber weniger, abſchlemmbare Theile, welche aus Thon, Kalk, Talk, Eiſen⸗ und Man⸗ ganoxyden beſtehen. Nach ſeinem beſonderen Verhalten wird er näher bezeichnet als: dürre, heiß, hitzig, fein- oder grobkörnig, grantig, ſehr loſe oder etwas bin— dend, kalkhaltig, eiſenhaltig ꝛc. §. 89. In dieſe Abtheilung fallen die ſchlechteſten, oft die Cultur kaum noch lohnenden Sandbodenarten. Durch günſtige Lage, etwas Thon- und Kalkgehalt, ſo wie guten Humusgehalt, kann ein von Natur loſer Sandboden jedoch auch zu einem bedeutenden Werthe erhoben werden. b) Lehmiger Sandboden. §. 90. Hat ein ſandiger Boden 10 bis höchſtens 20 Procent abſchlemmbare Theile, ſo bezeichnen wir ihn als lehmigen Sand. Dieſer, wenn auch in ſeiner Hauptbe⸗ ſchaffenheit dem eigentlichen Sande noch ſehr nahe ſtehend, beſitzt ſchon einige Bindung und überhaupt mehrere Erfor⸗ derniſſe zu einer beſſeren Pflanzenvegetation, welche dem loſen Sandboden meiſtens abgehen; daher ſein Werth im Durchſchnitt beträchtlich höher zu achten iſt, als der Werth von dieſem. — 48—- §. 91. Lehmiger Sandboden kömmt faſt uͤberall vor, wo Sand der Hauptbeſtandtheil im Boden iſt, und bildet in vielen Gegenden den vorherrſchenden Boden. Nach Be⸗ ſchaffenheit und Quantität der abſchwemmbaren und der Sand Beſtandtheile zeigt ſich auch bei ihm noch eine bedeu⸗ tende Werthsverſchiedenheit. c) MNMergeliger Sandboden. §. 92. Iſt unter den abſchwemmbaren Theilen des lehmig erſcheinenden Sandbodens Mergel in einiger Menge enthalten, ſo daß darin einige Procente Kalk und noch et⸗ was mehr Thon enthalten ſind, ſo wird dadurch der Boden zu einer weit höheren und ſichereren Production befähigt, und bezeichnen wir deßhalb einen ſolchen, gewöhnlich aus der Verwitterung von mergeligem Sandſtein entſtandenen Boden insbeſondere als mergeligen Sandboden. 2) Lehmboden. §. 93. Eine Bodenmiſchung, welche größtentheils aus Sand und Thon beſteht, wobei jener meiſtens jedoch etwas überwiegend iſt, wird Lehm genannt, Lehmboden alſo der ſo häufig vorkommende auf ſolcher Miſchung beruhende Boden. Dieſe in der tertiären Gebirgsformation, wie im Diluvium und Alluvium häufig erſcheinende Hauptbodenart vereinigt in den meiſten Fällen die Eigenſchaften des Tho⸗ nes und Sandes in gemildertem Grade, während die her⸗ vorſpringenden Nachtheile beider ſich gegenſeitig ausgleichen. Da nun der Lehm auch häufig Kalk, Talk und andere nützliche mineraliſche Stoffe enthält, ſo erklärt es ſich, daß er in der Regel einen Boden bildet, auf dem die meiſten landwirthſchaftlichen Gewächſe gut fortkommen, und daß er ſelbſt in den beſten Bodenarten gewoͤhnlich vorherrſcht. — 419 Wir theilen ihn ab in: ſandigen, gewöhnlichen, thonigen und mergeligen Lehm. Die Farbe des Lehms iſt in den meiſten Fällen gelblich oder röthlichgelb, auch braunroth. a) Sandiger Lehmboden. §. 94. Iſt im Lehmboden der Sandgehalt ſo ſehr über⸗ wiegend, daß er nur zwiſchen 20 und 30 Procent abſchlemm⸗ bare Theile enthält, ſo wird er ſandiger Lehm genannt, welcher meiſtens da in Menge vorkömmt, wo lehmiger Sand oder gewöhnlicher Lehm zugleich vorherrſchend ſind. Die beſſeren Qualitäten davon beſitzen wärme⸗- und waſſer⸗ haltende Kraft, Zuſammenhang und Thätigkeitsvermögen in einem erwünſchten mittleren Grade, daher auch, wie die zunächſt ſich anſchließende Stufe des gewöhnlichen Lehms, Mittelboden genannt. Oft ſind ſie auch etwas kalk⸗ und talkhaltig. Die geringeren Qualitäten haben ent⸗ weder zu viel grobkörnigen Quarzſand, alsdann auch gran⸗ tiger Lehm genannt, oder ſind eiſenſchüſſig, oder leiden aus andern Urſachen noch zu leicht durch zu ſchnelles Aus⸗ trocknen. b) Gewöhnlicher Lehmboden⸗ §. 95. Wenn der Lehm ſo ziemlich die Mittelſtufe zwiſchen Sand und Thon darſtellt, in welchem Falle er meiſtens zwiſchen 30 und 40 Procent abſchlemmbare. thonige Theile enthält, ſo nennen wir ihn gewöhnlichen, und iſt er dabei etwas kalk- auch zureichend humushaltig, auch milden Lehm oder vorzüglichen Mittelboden. Nur wenn ein ſolcher Lehm zugleich grantig, oder eiſen⸗ ſchüſſig, ganz arm an Humus, oder in Lage oder Unter⸗ grund ungünſtig beſchaffen iſt, gehört er zu den geringen, außerdem zu den beſſeren oder ſelbſt beſten Bodenarten. Pabſt Landwirthſchaft. I. 1. Zweite Auflage 4 8 c) Thoniger Lehmboden. §. 96. Nähert ſich der Lehm in ſeiner Beſchaffenheit ſchon mehr dem Thone, in welchem Falle er ohngefähr gleiche Theile Sand und Thon, oder von dem letzteren auch ſchon etwas mehr enthält, ſo benennen wir ihn thonigen oder auch ſtrengen Lehm. Je nachdem er mehr thonig, rkalklos oder kalkhaltig, ſtark eiſenhaltig iſt oder nicht, und andere Beſtandtheile darin ſich finden, gehört er zu den beſſeren oder ſchon zu den geringeren Bodenarten. d) Mergeliger Lehmboden. §. 97. Iſt mit dem Lehme ſo viel kohlenſaurer Kalk, 2 bis 5 Procent etwa, innig verbunden, daß wir dadurch berechtigt ſind, ihn mergelig zu nennen, ſo vereinigt er die (§. 92) vom mergeligen Sandboden geſchilderten Vortheile in noch höherem Grade in ſich, und gehört daher an und fuür ſich zu den beſten Bodenarten. Ein allzuſtarker Kalkgehalt kann die Vorzüglichkeit eines ſolchen Bodens übrigens auch um etwas wieder herabſetzen. Letten. 3 §. 98. Die Benennung Letten wird bei verſchiedenen gebundenen Bodenarten gebraucht; am gewöhnlichſten wird ein aus Lehm und feinem Sande gemiſchter, meiſtens zu— gleich viel Eiſen enthaltender, undurchlaſſender, beim Aus— trocknen ſich feſt ſchließender Boden darunter verſtanden; man verſteht aber an andern Orten auch rohen Lehm, Bo⸗ den zwiſchen Lehm und Thon, und ſelbſt Thon, namentlich einen blättrigen, feinſandigen Thon, wie er an manchen Fluſſen vorkömmt, darunter. Die Bedeutung dieſes Aus⸗ drucks iſt darum unbeſtimmt, immer aber verſteht man einen rohen und im dermaligen Zuſtande undurchlaſſenden Boden darunter. Man bedient ſich der Benennung Letten hauptſächlich beim Un⸗ tergrunde. — 51— 3. Thonboden. §. 99. Hierzu haben wir nun die ſtark thonhaltigen Bodenarten mit 55 und mehr Procenten an abſchlemmbaren Thontheilen zu rechnen. Mit Bezugnahme auf die Haupt⸗ eigenſchaften des Thons iſt demnach aller Thonboden ſtark gebunden und waſſerhaltig und ſchwer zu bearbeiten. Iſt er einigermaßen ausgetrocknet, ſo erfordert es ungewöhn— lichen Kraftaufwand, um ihn beim Pflügen zu trennen und er bricht in großen Schollen um; iſt er naß, ſo hängt er ſich ſo ſtark an die Werkzeuge und iſt ſo zähe, daß die Be⸗ arbeitung noch ſchwieriger und unvollkommener wird. Der rechte Zeitpunkt zwiſchen feucht und trocken muß deßhalb ſehr beachtet werden, um ihn mit günſtigem Erfolg zu be⸗ arbeiten. Aus dieſen Gründen können die Wurzeln vieler Gewächſe im reinen Thonboden ſich nicht gehörig verbreiten und er iſt, wenn nicht andere Umſtände und Beimiſchungen ſeine Bindung vermindern, mehr oder weniger ungeeignet ſür viele. §. 100. Weiter geht aus den Eigenſchaften des Thons hervor, daß der Thonboden in der Regel wenig Thätigkeit beſitzt, und namentlich die ihm gegebene Düngung nur langſam und oft unvollſtändig den Pflanzen zu gut kommen läßt. Wir theilen ihn ab in: lehmigen, gewöhnlichen, ſtrengen und mergeligen Thonboden. a) Lehmiger Thonboden. §. 101. Dieſer ſchließt ſich unmittelbar an den tho⸗ nigen Lehm(§. 96) an, hat 55 bis 65 Procent abſchlemm⸗ bare Theile, unter denen meiſtens ziemlich viel Eiſenoxyd, häufig auch etwas Kalk, Talk, Kali ꝛc., und auſſerdem hauptſächlich Sand von verſchiedener, meiſtens feinkörniger Beſchaffenheit. Von dem Maaße und der Beſchaffenheit der mit dem Thone verbundenen ander beiten Beſtandtheile hängt der Werth dieſer Bodenart in hohem Grade ab. Wir bezeichnen ſie demnach als warm oder mild, kalk⸗ haltig, kalt, eiſenſchüſſig u. ſ. w. b) Gewöhnlicher Thonboden. §. 102. Den weniger lehmartigen, jedoch auch noch nicht ganz zäͤhen Thon, mit etwa 20 bis 30 Procent feinen Sand⸗ und 65 bis 80 Procent abſchlemmbaren Thontheilen, bezeichnen wir als gewöhnlichen Thonboden. Je nachdem er etwas Kalk und andere nützliche Beſtandtheile und mehr oder weniger Sand enthält, die Lage und ſonſtige einfluß⸗ reiche Umſtände günſtig ſind oder nicht, iſt er ein noch ziem⸗ lich guter Boden oder nähert ſich den ſchlechtern Boden⸗ arten. c) Strenger Thonboden. §. 103. Iſt der Thonantheil ſo überwiegend, daß ſich nur noch 8 bis 18 Procent feinen Sandes von jenem ab⸗ ſcheiden laſſen, ſo erſcheint ein ſolcher Boden als ſehr zähe und kalt und iſt von um ſo geringerem Werthe für die Cul⸗ tur, in je höherem Grade jene Eigenſchaften vermöge ſeiner Beſtandtheile geſteigert ſind. Oft iſt es auch ein Uebermaaß von Eiſenoxydul und Oxyd, was uns zu der Benennung ſtrenger, kalter oder zaͤher Thon beſtimmen muß. d) Mergeliger Thonboden. §. 104. Ein ſtarker Antheil von mit dem Thone ver⸗ bundenem Kalke, im Betrage von 4 bis 10 Procent, er⸗ höht auch den Culturwerth des Thonbodens in ſehr bedeu⸗ tendem Grade. Wir benennen einen ſolchen mergeligen Thon, wie er ſich in mehreren ebenen Gegenden, beſonders in Niederungen häufig findet, auch Klayboden. 4. Kalkboden §. 105. Iſt in einem Boden der Kalk in feinem, zum Theil auch noch feſtem Zuſtande ſo ſtark vorherrſchend, daß die Hauptbeſchaffenheit des Bodens davon abhängt, ſo be⸗ nennen wir ihn Kalkboden. Solcher iſt gewöhnlich von grauer oder weißgrauer Farbe; iſt er aber mehr weiß und beſteht er größtentheils aus feiner Kreide, ſo wird er Kreide⸗ boden genannt. Der Kalkantheil nach Procenten iſt in ſolchem Boden ſehr verſchieden. Hat er, was oft der Fall, zugleich kohle Lſdhne Bittererde, oder viel feinen Quarzſand, und wenig Thon, ſo kann ein Antheil von 40 bis 50 Pro⸗ cent Kalk ſchon hinreichen, um den Boden in dieſe Abthei⸗ lung zu rechnen, während da, wo Thon und nächſtdem Eiſen die Hanptbeſtandtheile nach dem Kalke ſind, 70 und mehr Procente Kalk erforderlich ſind, um den Boden als Kalk⸗ boden zu bezeichnen. §. 106. Daß der Kalkboden ein zu warmer und trock⸗ ner, oft ſelbſt heißer und ein überthätiger, übrigens leicht zu bearbeitender Boden ſey, geht ſchon aus der näheren Kenntniß des Kalkes(§. 46 ff.), namentlich aus dem§. 52 Geſagten hervor. Durch einen nicht unbeträchtlichen Thon⸗ gehalt wird der Werth des Kalkbodens erhöht, und wenn Lage und Clima ihn einigermaßen begünſtigen, ſo iſt er immer um ein Beträchtliches höher zu benutzen, als g ge⸗ wöhnlicher Sandboden. Je nach ſeinen ſonſtigen Beſtand⸗ theilen benennen wir ihn als ſandigen, lehmigen, thonigen Kalkboden, Kreideboden ꝛc. Sehr häufig enthält der Kalkboden zugleich auch viele Kalk⸗ le oder ſteine oder Kalkkieß(§. 110) ſo wie als Untergrund Kalkgeröl Kalkfels. §. 107. Als kalkhaltig bezeichnen wir jeden elen, welcher etwas, jedoch noch nicht ſo viel Kalk mit Thon oder Lehm verbunden enthält, daß wir ihn mergelen nennen — 514— können(§. 92. 97), alſo in der Regel unter 2 Procent. Iſt aber der Kalk in größerer Menge und außer Verbin⸗ dung mit Thon oder Lehm vorhanden, ſo wird der Boden ſo lange kalkig(z. B. kalkiger Sand ꝛc.) benannt, als der Kalkantheil noch nicht ſo groß iſt, um den Boden als wirklichen Kalkboden aufführen zu können. 5. Mergelboden. §. 108. Sobald ein Boden in der Hauptſache aus eigentlichem Mergel beſteht, dem jedoch faſt immer noch einige andere Beſtandtheile durch Anſchwemmung, Duüngung ꝛc. zugekommen ſind, ſo wird er Mergelboden genannt. Es kann alſo ſo verſchiedene Mergelbodenarten geben, als es verſchiedenen Mergel gibt(§. 60 ff.), und haben wir na⸗ mentlich ſandigen, lehmigen, thonigen und kalkigen Mergel⸗ boden zu unterſcheiden. §. 109. Sind die Antheile von Kalk und Sand neben einander nicht zu ſtark im Mergelboden, ſo iſt es in der Regel ein guter, oft ein vorzüglicher Boden, wie nament⸗ lich der gut gelegene, mäßig kalkhaltige Lehmmergelboden. Der Unterſchied zwiſchen Mergelboden und mergeligem Sand oder Lehm ꝛc. geht aus den§. 92. 97. 104. hervor. 6. Kieß⸗ und ſteiniger Boden. §. 110. Sobald Kieß(Grant) oder Gerölle in ſo großer Menge vorhanden ſind, daß ſie auf die Beſchaffen⸗ heit des Bodens großen Einfluß ausuben, ſo benennen wir ſolche Bodenarten, je nach der Beſchaffenheit der Steine als Kalk⸗- oder Granit oder Quarz-Kießboden, Kalk⸗, Baſalt⸗ oder Sandſtein⸗Gerölle⸗Boden u. ſ. w. Nach ſeinen erdigen Beſtandtheilen nennen wir ihn weiter: thonig, lehmig, mergelig u. ſ. w. Sind dagegen die Geſteintrümmer im Boden in nicht allzuſtarker Menge zu finden, ſo bezeichnen wir ihn, neben ſeiner Hauptbenennung(wie Lehm, Thon ꝛc.) als grantig oder kießig(kalkkießig ꝛc.), ſteinig u. ſ. w. §. 111. Die im Allgemeinen ſchlechte Beſchaffenheit des grantigen und ſteinigen oder Geröͤlle⸗Bodens, und die verſchiedenen Abſtufungen in der geringeren Qualität dieſer Bodenarten, nach Maaßgabe der Beſtandtheile, Größe und Form der Steine, ſind aus den§§. 81 ff. zur Genüge zu entnehmen. Wo in größerer Menge in Ackerboden gewöhnlich nicht vorkom⸗ mende Beſtandtheile, wie Gips, Seeſalz ꝛc., ausnahmsweiſe in ſo großer Menge vorhanden ſind, daß die Hauptbeſchaffenheit des Bo⸗ dens ihnen zuzuſchreiben iſt, da wird es ſich von ſelbſt ergeben, wie ein ſolcher Boden näher zu bezeichnen und zu benennen ſei. III. Die organischen Bestandtheile. §. 112. Welche Anſichten wir uns auch von der frü⸗ heren Vegetation auf unſerer Erdoberfläche und deren Fort⸗ ſchreiten in ſpäterer Zeit bilden, ſo ſteht feſt, daß wir in jedem Boden, worauf ſeither ſchon irgend eine Vegetation ſtattfand, auch Reſte organiſchen Urſprungs finden, welche von mehr oder weniger verweſeten Vegetabilien, ſo wie auch in geringerem Verhältniſſe von mancherlei zur Ver⸗ weſung gelangten thieriſchen Stoffen herrühren. Wir be⸗ zeichnen ſolche im Allgemeinen als„Humus“. Man benennt den Humus auch wohl„Pflanzenerde“, was jedoch unbeſtimmt iſt, da man darunter auch mit Humus verſehene Erde verſteht. Unter„Dammerde“, welche Bezeichnung irrig auch ſchon für Humus gebraucht worden, hat man namentlich die mit Humus verſehene Oberkrume des Bodens zu verſtehen §. 113. Verſtehen wir demnach unter Humus ſämmt⸗ liche im Boden befindlichen Stoffe, welche notoriſch orga— niſchen Urſprungs ſind, jedoch mit Ausnahme der ſich zu⸗ weilen in Menge findenden Gehäuſe von Schalthieren, ſo 1 — —— 5s— darf man ſich darunter durchaus nicht einen einfachen, über⸗ all gleichartig erſcheinenden und gleichartig wirkenden Stoff oder Körper vorſtellen. Vielmehr iſt vorauszuſetzen, daß der Humus im Boden von ſehr verſchiedenartiger Beſchaffen⸗ heit ſey, und zwar je nach Beſchaffenheit der Stoffe, woraus er entſtanden, nach Maaßgabe der bei der Verweſung dieſer Stoffe mitwirkenden Potenzen, als mineraliſche Bodenbe⸗ ſtandtheile, Luft, Feuchtigkeit und Wärme, ſowie je nach⸗ dem die Verweſung(Zerſetzung) längere oder kürzere Zeit gewährt, mehr oder weniger vorgeſchritten iſt. Nicht weniger geht aus alldem hervor, daß jeder Humus fortwährend Veränderungen unterliegt oder doch unterworfen werden kann. Der Humus aus Pflanzen iſt anders, als der von Thieren, aus Holz entſteht ein anderer Humus, als aus Klee oder Gras ꝛc. Mangelte die Feuchtigkeit bei der Zerſetzung organiſcher Stoffe, ſo iſt der Humus anders, als wenn Ueberfluß an Waſſer dabei vor⸗ handen war. §. 114. Der Hauptbeſtandtheil des Humus iſt zwar überall verbrennlich und beſteht aus verſchiedenartigen Ver⸗ bindungen von Kohlenſtoff, Waſſerſtoff und Sauerſtoff, denen auch häuſig noch Stickſtoff beigeſellt iſt; außerdem enthält der Humus in der Regel auch Alcalien und ſelbſt Erdarten, weil ſie Beſtandtheile der organiſchen Gebilde ſind, aus denen jener entſtand. Namentlich enthält der Humus mei⸗ ſtens Kali und Natron, mit verſchiedenen Saäͤuren verbun⸗ dene Kalkerde und Eiſen, auch Kieſelerde ꝛc. Endlich ſind ihm auch meiſtens noch verſchiedene Säuren in gebundenem oder freiem Zuſtande beigegeben. §. 115. Der Humus, welcher in ſeiner Zerſetzung ſo weit vorangeſchritten iſt, daß die organiſchen Gefüge darin nicht mehr bemerkbar ſind, erſcheint als eine mehr oder weniger dunkle Maſſe von ſehr lockerer Beſchaffenheit und ſchwammartigem Verhalten und von geringem ſpecifiſchem 57— Gewichte, welches Schübler zu 1, 225 angibt. Seine waſſeraufnehmende Eigenſchaft iſt bedeutender, als von den mineraliſchen Beſtandtheilen, indem ſolche(nach Schubler) bis zu 190 Procent ſteigen kann. Das Waſſer wird jedoch vom Humus leicht durchgelaſſen. Die atmoſphäriſche Feuch⸗ tigkeit ſaugt er ſtärker, als alle anderen Bodenbeſtandtheile ein. An der Sonne erwärmt er ſich leicht, hält aber die Wärme nur kurz an. Beim Verbrennen entwickelt er einen mehr oder weniger ſtinkenden Geruch. §. 116. Nach dem Werthe, den der Humus für den Landwirth hat, haben wir zunächſt einen Unterſchied zu machen zwiſchen gutem oder mildem Humus und ſolchem Humus, welcher in ſeinem dermaligen Zuſtande für die landwirth⸗ ſchaftliche Pflanzencultur gar nicht oder doch nicht genügend förderlich iſt. 1. Guter oder milder Humus. §. 117. Wir verſtehen darunter diejenigen mit der Erd⸗ oberfläche verbundenen verweſeten organiſchen Reſte, welche nicht mit freien Säuren oder andern der Vegetation der landwirthſchaftlichen Gewächſe nachtheiligen Stoffen ver⸗ bunden, vielmehr in dem Zuſtande ſind, daß ſie, unter Mitwirkung des Bodens, der Atmoſphäre und der Feuch⸗ tigkeit, von den Gewächſen allmählig als Nahrungsſtoff aufgenommen werden. In der Regel entſteht aus den nicht ſchwer verweslichen Vegetabilien und namentlich dem ge⸗ wöhnlichen Miſte ein milder Humus, wenn ſeine Bildung in ſo geringer Tiefe unter dem Boden vor ſich gehen kann, daß der Zutritt der Atmoſphäre nicht ganz verſchloſſen iſt ud wenn zugleich ein mäßiger Grad von Feuchtigkeit und Wärme dabei nicht fehlt. Durch das Hinzukommen von Aetzkalk, verſchiedener Alkalien und Salze oder auch thieri⸗ ſcher Stoffe, wird die Humusbildung weſentlich befördert. Der milde Humus iſt zwar immer nur theilweiſe im Waſſer löslich, aber unter fortdauernder Mitwirkung von Luft, Feuchtig⸗ keit und Wärme, ſowie auch der mineraliſchen Beſtandtheile des Bodens, werden immer wieder Theile deſſelben löslich gemacht. Am ſchnellſten wird dieß durch hinzugebrachte Alcalien bewirkt. Der milde, mit Waſſer aufgerührte Humus ſoll mit Lakmuspapier nicht auf Säuren reagiren. §. 118. Ein guter Humus iſt nicht nur als unmittel⸗ barer Nahrungsſtoff der Gewächſe von ſo beſonderer Wich⸗ tigkeit, er wirkt auch ſehr weſentlich durch ſeine entſchiedene Fähigkeit, atmoſphäriſche Stoffe anzuziehen; auch verbeſſert er, vorausgeſetzt, daß er nicht im Uebermaaß ſich vorfindet, alle Bodenarten mechaniſch: der thonige Boden wird durch ſeine Beimiſchung lockerer, milder, wärmer; der Sandbo⸗ den erhält mehr Bindung, beſonders aber wird ſeine ge— ringe Fähigkeit, Feuchtigkeit anzuziehen und anzuhalten, durch den Humus ſehr erhöht. In wiefern die Bodenbeſtandtheile ſelbſt bei Verwandlung der organiſchen Reſte in Humus, und der Aſſimilirung des letztern als Pflanzennahrungsſtoff mitwirken, weßhalb z. B. dabei der Thon⸗ boden am wenigſten und Sand- und Kalkboden am ſtärkſten wirk⸗ ſam ſind, geht aus dem hervor, was über die Natur der verſchie⸗ denen Bodenarten vorausgegangen iſt. §. 119. Nicht zu überſehen iſt, daß bei der Verweſung der organiſchen Reſte, alſo bei der Bildung des Humus, ſchon ein Theil der Stoffe als Gaſe verflüchtigt wird, und daß auch bereits gebildeter milder Humus, mittelſt der na⸗ tuͤrlichen Thätigkeit des Bodens, durch zu häufige Auf⸗ lockerung, ſowie wegen Mangel an Feuchtigkeit bei Ueber⸗ fluß an Wärme, noch theilweiſe als Gas entſchwinden, alſo fur die nachfolgende Vegetation verloren gehen kann. Eben ſo kann derſelbe durch verſchiedene mineraliſche Bodenbe⸗ ſtandtheile, wie Thon, Eiſen ꝛc. gebunden und in ſeiner Löslichkeit aufgehalten werden. 2. In ſeinem dermaligen Zuſtande unwirk⸗ ſamer Humus. §. 120. Die organiſchen Reſte im Boden ſind fuͤr unſere Culturgegenſtände unwirkſam oder ſelbſt nachtheilig, wenn ſie in der Zerſetzung nicht weit genug vorgeſchritten, oder wenn ſie in Verbindung mit freien Säuren oder harzi⸗ gen und adſtringirenden Stoffen oder in einem kohlenartigen Zuſtande ſind. §. 121. Iſt der Humus lediglich in ſeiner Zerſetzung nicht genug vorgeſchritten, ſo iſt eine längere Einwirkung der Atmoſphäre, und wo ſich viel ſolcher Humus findet, das Hinzubringen von Alkalien(Aſche), Aetzkalk ꝛc. aus⸗ reichend, ihn in milden Humus zu verwandeln. Auch indem, bei ſtarkem Vorherrſchen, ein Theil von ſolchem Humus verbrannt wird und dadurch die Alkalien frei und auf den übrigen Theil wirkſam gemacht werden, wird der Zweck vorzüglich erreicht. §. 122. Wenn bei Bildung des Humus zu viele Feuchtigkeit gegenwärtig, der Zutritt der Luft aber zu ſehr abgehalten war, ſo entſteht ein Humus, verbunden mit mancherlei freien Säuren, namentlich mit aufgelöſten(in Waſſer löslichen) Eiſenoxyd- und Oxydul-Salzen, Quell⸗ ſäure ꝛc. Man nennt den in dieſem Zuſtande ſehr häufig vorkommenden Humus„ſauren Humus.“ Auch entſteht er aus der Verweſung ſolcher Pflanzen, welche der ſaure Humus producirt, wie Binſen, Riedgräſer ꝛc. vorzugsweiſe gerne. Durch die Anwendung von Lackmuspapier kann man ſich bald vergewiſſern, ob ſolcher Humus im Boden vorhanden iſt. Wir finden ihn vorzugsweiſe in allem ſehr an Näſſe leidendem, einer reinen Atmoſphäre zu wenig ausgeſetztem Boden, namentlich im Sumpf⸗, Torf⸗ und Moorboden(5. 133 ff.) §. 123. Zuweilen iſt mit dem im torfigen Boden ent⸗ haltenen ſauren Humus auch ein Harzſtoff(Wachsharz) — so— verbunden; auch im Humus, welcher aus Nadelholz, Heide⸗ kraut ꝛc. entſtanden, ſind öfters ſolche Harzſtoffe enthalten. Adſtringirende Stoffe(Gerbeſtoff, Gallusſäure ꝛc.) enthält der aus Eichenlaub, Nadelholz und beſonders aus Heidekraut entſtandene Humus. Endlich findet man neben dem adſtringirenden Humus im Heideſandlande, ſowie auch in anderem an Feuchtigkeit Mangel leidendem Sandboden, nicht minder auch im Moor- und Torfboden, einen Theil des Humus in einem kohlenartigen, im Waſſer nicht auflöslichen Zuſtande, durch die ihm eigenthümliche ſchwarze Farbe leicht kenntlich. §. 124. ˙Der ſaure, wie der harzige oder adſtringi⸗ rende Humus iſt in ſeinem dermaligen Zuſtande unſeren cultivirten Gewächſen mehr oder weniger nachtheilig. Der kohlenartige Humus verhält ſich ziemlich indifferent zur Pflan⸗ zenvegetation. Die freien Saͤuren und die adſtringirenden Stoffe werden jedoch gebunden oder unſchädlich gemacht, und der kohlenartige Humus wenigſtens theilweiſe noch wirk⸗ ſam: durch Entfernung der zu großen Näſſe, bewirkten ſtärkeren Zutritt der Atmoſphäre, und wo dieß nicht aus⸗ reicht oder andere Urſachen vorliegen(wie z. B. beim Heide⸗ land) durch das Hinzuthun von Kalk, Aſche, Salz ꝛc., oder auch nur durch friſchen, thäͤtigen Stalldünger, durch thätige, gegenwärtig mangelnde Bodenarten, und unter Um⸗ ſtänden endlich durch Anwendung des Feuers. §. 125. Neben dem milden Humus findet man faſt immer auch unvollkommen zerſetzten Humus im Boden; es kann aber auch mehr oder weniger ſaurer Humus neben erſterem vorhanden ſeyn. Beſonders aber ſind mehrere, ja zuweilen alle Arten vonim dermaligen Zuſtande) ſchlechtem Humus zuſammen zu finden. Ihr Werth iſt hauptſächlich danach zu ermeſſen, welche Hülfsmittel erforderlich und an⸗ wendbar ſind, den ſchlechten Humus in guten zu verwan⸗ — 61— deln, und in wie weit die zu einem guten Boden erforder⸗ lichen mineraliſchen Beſtandtheile zugleich vorhanden oder herbeizuſchaffen ſind. IV. Die humushaltigen Bodenarten. §. 126. Der Humus iſt in der Regel nur bis zu einer mäßigen oder ſelbſt geringen Tiefe mit der oberen Boden— krume verbunden, die nächſte Schichte enthält gewöhnlich noch etwas mit dem Waſſer durchſickerten oder aus tief ge⸗ gangenen Pflanzenwurzeln entſtandenen Humus, und tiefer iſt der Boden humuslos, was man auch roh oder unart⸗ bar nennt. Zuweilen aber findet man humushaltigen Bo⸗ den zu ungewöhnlicher Tiefe angehäuft, wie namentlich in den ſogenannten Niederungen. §. 127. Zur näheren Kenntniß der humushaltigen Bodenarten haben wir zunächſt zu unterſcheiden zwiſchen gewöhnlich humushaltigem, humoſem und überhumoſem Boden. 1. Gewöhnlich humushaltiger Boden. §. 128. Wir begreifen hierunter alle nach ihren mi⸗ neraliſchen Beſtandtheilen zu benennenden, durch ſtarken Hu⸗ musgehalt nicht ausgezeichneten Bodenarten. Es ſind dieß zunächſt die ihren mineraliſchen Beſtandtheilen nach ſchlech⸗ teren, und ſehr wenig, zuweilen auch zugleich den ſauren Humus enthaltenden, ſogenannten armen oder Cnach v. Wulffen) bedürftigen Bodenarten. Es gehören aber auch viele von Natur gute, wiewohl milden Humus in nur mäßiger Menge enthaltende Bodenarten hierher, welche v. Wulffen die gemäßigten nennt, und die ſonſt als gewöhnliche, gewöhnlich gute(z. B. ſandiger Lehm⸗ boden, Lehmboden ꝛc.) oder ſelbſt als fruchtbare Boden (z. B. mergeliger Lehm) bezeichnet werden. Der Antheil an gutem Humus überſteigt in dieſen Bodenarten ſelten 3 bis 4 Procente, oft bleibt er darunter. — 62— 2. Humoſer Boden. §. 129. Humos, ſehr kräftig, reich nennen wir den Boden, unter Beibehaltuug ſeiner Hauptbenennung nach den mineraliſchen Beſtandtheilen, wenn er ſo viel guten Humus enthält, daß ſeine Productionsfähigkeit dadurch in ſehr be⸗ deutendem Grade geſteigert iſt. Gewöhnlich enthält ein ſolcher humoſer Boden von 6 bis 12 Procent größtentheils guten Humus und gehört, eine nicht ungünſtige Lage vor⸗ ausgeſetzt, um ſo mehr zu den vorzüglichſten Bodenarten, je günſtiger zugleich ſeine mineraliſchen Beſtandtheile zu⸗ ſammengeſetzt ſind, wie beim humoſen Lehm- oder Mergel⸗ boden, und je weniger er zugleich ſauren Humus enthält. In den Niederungen, wo ſich der humoſe Boden am meiſten findet, wird er auch Marſchboden, und wo er neben vielem Humus nicht ſtark bindende Beſtandtheile hat, auch Auboden genannt. Theilweiſe gehört der Marſch⸗ und Auboden, wegen allzu⸗ vielem Gehalte an Humus, auch zu dem überhumoſen Boden.⸗ §. 130. Dadurch, daß der humoſe Boden theilweiſe auch ſauren oder ſonſt in ungünſtigem Zuſtande befindlichen Humus enthält, kann deſſen Werth, wenigſtens für die Gegenwart, bedeutend herabgeſetzt ſeyn. So findet man z. B. den ſchwarzen humoſen Sandboden von geringer Ertragsfähigkeit, wenn der darin befindliche Humus, weil er größtentheils aus Heidekraut entſtanden, adſtringirender und kohliger Art iſt. 3. Ueberhumoſer Boden. §. 131. Iſt der Humus in allzugroßer Menge im Boden vorhanden, ſo wird dieſer dadurch zu ſchwammig, die Pflanzen finden darin zu wenig feſten Standpunkt; er bläht durch den Froſt auf, bei trocknem Wetter wird er zu Staub und bei der Näſſe zerfließt er zu Brei. Währeud — 63— die Gewächſe in Boden dieſer Beſchaffenheit die zu ihrem Gedeihen erforderlichen mineraliſchen Beſtandtheile nicht in zureichendem Maaße ſinden, wird ihnen das Uebermaaß löslicher organiſcher Stoffe häufig auch wieder nachtheilig. Ueberdieß iſt der in ſehr großer Menge im Boden vorhan⸗ dene Humus häufig theilweiſe oder ſelbſt größtentheils in ſaurem oder ſonſt ungünſtigem Zuſtande. Solcher Boden erhält durch jene übergroße Menge von Humus, die häufig die Hälfte und mehr ſeiner Beſtandtheile ausmacht, ſein hauptſächlichſtes Verhalten, und wir nennen ihn deßhalb Humusboden oder noch beſſer überhumoſen Boden. Der Eulminationspunkt, bei welchem ein zu großer Antheil von Humus mehr Schaden, als Nutzen bringt, läßt ſich nicht genau nach Procenten beſtimmen, da die erdigen Beſtandtheile, die Lage und andere Umſtände dabei weſentlich in Betracht kommen. §. 132. Wenn der Humus im überhumoſen Boden noch mit einer anſehnlichen Menge mineraliſcher Beſtand⸗ theile vergeſellſchaftet, und nicht durchaus ſauer und ſchlecht iſt, ſo wird dieſer Boden in den Ebenen und Niederungen, wo ſich derſelbe vorzugsweiſe findet, noch zum Marſch⸗ oder Auboden(ſ.§. 129) gezählt. Bei günſtiger Lage und guten mineraliſchen Beſtandtheilen hat ſolcher Boden, wegen der außerordentlichen Erndten, die er in gewiſſen Producten gewähren kann, ſo wie insbeſondere wegen der reichen Weide, die er darbietet, noch einen hohen Werth, der aber um ſo mehr ſinkt, je mehr der Humus gegen die mineraliſchen Beſtandtheile überwiegt. §. 133. Beſteht der Boden größtentheils aus ſaurem und kohlenartigem Humus, ſo daß er als eine ſchwarze, pulverige, lockere, ſchwammige, leichte Subſtanz erſcheint, ſo nennen wir ihn Moorboden, bei etwas mehr minera⸗ liſchem Gehalte moorig. Iſt aber neben dem, daß ſolcher Humus vorherrſcht, das Pflanzengefüge, aus dem er ent⸗ — el— ſtanden, zum Theil in halbzerſetztem Zuſtande vorhanden, ſo wird ein ſolcher Boden Torfboden genannt. Der Torf entſtand und entſteht noch auf Stellen, denen es von langeher an Waſſerabzug fehlte, ohne daß jedoch das Waſſer in beträchtlicher Höhe über der Bodenoberfläche ſich anſammeln konnte. Durch das unter ſolchen Umſtänden fortdauernde Entſtehen und Wiederabſterben von Sumpfpflanzen, Mooſen und zuweilen noch andern Gewächſen bildet ſich nach und nach der Torf, welcher hauptſächlich aus den Rückſtänden jener Vegetabilien beſteht, welche nur bis zu einem gewiſſen Grade der Zerſetzung gelangen konnten. Außer ſaurem und kohlenartigem Humus und vielen in der völligen Zerſetzung aufgehaltenen Pflanzenreſten, öfters auch Harzen und ähnlichen Stoffen, enthält der Torf noch mehr oder weniger eigent⸗ liche Erdarten, welche jedoch immer den geringeren Antheil aus⸗ machen. Seine Farbe iſt ſchwarz und ſchwarzbraun und ſeine Mäch⸗ tigkeit(Höhe der Schicht) mehr oder weniger bedeutend. Die Beſchaffenheit des Torfs iſt übrigens ſehr verſchieden und hängt hauptſächlich von der Lage und dem daſelbſt vorherrſchenden Pflanzenwuchſe, der Mächtigkeit der Schicht und dem Alter ab. Der jüngere Torf in der oberen Schichte iſt faſeriger, enthält mehr unzerſetzte Pflanzenreſte, iſt deßhalb leichter und von hellerer(mehr brauner) Farbe, der ältere(tiefer liegende) iſt feſter, mehr zer⸗ ſetzt, kohliger und ſchwärzer, enthält auch häufig mehr erdige Theile. §. 134. Im Allgemeinen kann der Moor⸗ und Torf⸗ boden nur geringen Culturwerth für den Landwirth haben. Derſelbe hängt insbeſondere von dem Antheil mineraliſcher Beſtandtheile und daneben von der größeren oder geringen Schwierigkeit ab, ſolchen Boden bis zum geeigneten Grade trocken zu legen(S.§. 125). In wie weit ſolcher Boden zur Benutzung als Brennmaterial, oder zur Verbeſſerung eines humusarmen Vodens, höheren Werth habe, iſt beſonders in Betracht zu ziehen⸗ §. 135. Sumpfig auch brüchig wird zwar jeder Boden genannt, der an großem Ueberfluſſe ſtauender Näſſe leidet. In der Regel enthält jedoch der ſumpfige Boden auch in Menge ſauren Humus. Aehnliche Bewandniß hat es mit dem nach dem Ablaſſen ſtehender Gewäſſer gewon⸗ nenen Schlammboden, der jedoch auch viele im Waſſer niedergeſchlagene feine mineraliſche Beſtandtheile beſitzt, und häufig eine ſehr glückliche Miſchung eines humoſen Bodens darbietet, der nach geſchehener Entwäſſerung und Entſäue⸗ rung oft von ſehr hoher Ertragsfähigkeit iſt. Vielen Humus enthaltender Schlammboden wird auch„Moder“ benannt. B. Sonſtige Umſtände, welche auf die Productions⸗ fähigkeit des Bodens von Einfluß ſind. §. 136. Dieſe ſind: 1) Die Tiefe der Oberkrume. 2) Die Beſchaffenheit des Untergrundes. 3) Die climatiſche und örtliche Lage. 1. Tiefe der Oberkrume. §. 137. Die Tiefe der Oberkrume oder der Damm⸗ erde wird darnach ermeſſen, wie tief der Boden bei ſonſt gleichem Verhalten mit Humus in gleichem Maaße verbun⸗ den iſt(ſ.§. 126); damit iſt in der Regel bei Ackerland zugleich die Tiefe, zu der es bisher gewöhnlich bearbeitet wurde(Tiefe der Ackerkrume) und bei mit perennirenden Gewächſen beſtandenem Boden(Wieſe, Wald ꝛc.) die Tiefe, bis zu welcher die Mehrzahl der Pflanzenwurzeln ſich ſeit⸗ her verbreitete, verſtanden. §. 138. In den Thälern und tieferen Lagen der Ebe⸗ nen findet ſich in der Regel eine tiefere Oberkrume, als an den Abhängen und bei dem gewöhnlichen Höhelande. Die Tiefe der Oberkrume iſt aber ſehr häufig auch von der ſeit⸗ her ſtattgehabten Cultur bedingt. Wenn dieſelbe ohngefähr einen halben Fuß tief iſt, ſo nennt man dies eine gewöhn⸗ liche Tiefe, einige Zoll weniger iſt eine flache, ſo viel dar⸗ Pabſt Landwirthſchaſt. I. 1. Zweite Auflage, 5 — 66— uber eine Oberkrume von bedeutender und noch mehr eine von ungewöhnlicher Tiefe. §. 139. Eine tiefe Oberkrume gewährt den Vortheil, daß ſich die Pflanzenwurzeln tiefer im Boden verbreiten, mehr Nahrungstheile an ſich ziehen und dem Austrocknen länger widerſtehen können; die überfluͤſſige Feuchtigkeit kann ſich dagegen mehr in die Tiefe ſenken, ſo daß die Pflanzen auch von der Näſſe in der tieferen Krume weniger Schaden leiden, als in der ſeichten. Die Nachtheile einer ſeichten Oberkrume werden erhöht, je mehr der Boden von Natur zum Austrocknen geneigt und je unzuträglicher und ſchlechter der Untergrund iſt. Ja viele Gewächſe, deren Wurzeln einigermaßen tief gehen, können auf Boden mit flacher Krume gar nicht gebaut werden. 2. untergrund. §. 140. Die Beſchaffenheit des Untergrundes iſt von ſo weſentlichem Einfluſſe auf die Ertragsfähigkeit des Bo⸗ dens, daß ſie mit der Oberkrume gleiche Beachtung verdient; namentlich kömmt es darauf an, wie ſich der Untergrund hinſichtlich der Durchlaſſung der Feuchtigkeit verhält, wie groß ſeine Verſchiedenheit von der Oberkrume iſt, wie weit er eine Vertiefung der letztern zuläßt, und noch beſonders ob er kalk⸗ oder mergelhaltig iſt. §. 141. Der Untergrund iſt entweder von derſelben Grundmiſchung, wie die Oberkrume, nur in der Regel hu⸗ muslos(roh, uncultivirt), oder er iſt auch noch in ſeinen mineraliſchen Beſtandtheilen von dieſer verſchieden. Daß in den Niederungen ausnahmsweiſe auch der Untergrund ſtark humushaltig ſeyn kann, iſt bereits§. 126 dargethan, ſo wie, daß ſich bei gewöhnlichem Boden im nächſten Untergrunde meiſtens noch Spuren von Humus finden. Aehnliches, wie beim Niederungs⸗ boden, kömmt bei dem Boden von noch nicht lange vertilgten oder ſelbſt noch beſtehenden Urwäldern vor. — 67— §. 142. Eine Verſchiedenheit der mineraliſchen Be⸗ ſtandtheile des Untergrundes von der Oberkrume iſt nützlich, wenn dadurch fehlerhafte Eigenſchaften der Oberkrume ge⸗ mildert werden, z. B. wenn unter zu gebundener Krume ein durchlaſſender Untergrund oder unter zu loſer Krume ein etwas gebundener Untergrund ſich vorfindet; nachtheilig da⸗ gegen muß ein Untergrund ſeyn, welcher die ſchlimmen Eigenſchaften der Oberkume in noch größerem Maaße be— ſitzt, z. B. unter ſtark gebundener Krume ein noch weniger durchlaſſender Untergrund, oder unter Sand eine Kieß⸗ oder Grantunterlage. Ganz entgegengeſetzte Eigenſchaften ſind dem Untergrunde jedoch in der Regel auch nicht zu wünſchen, damit er gewiſſe Nachtheile in der Beſchaffenheit der Oberkrume ausgleiche; wenigſtens iſt es nie— mals gut, wenn ein ſolcher Untergrund von ganz entgegengeſetzter Beſchaffenheit ſich unmittelbar unter einer flachen Krume findet. §. 143. Gewiſſe Bodenarten geben unter allen Um⸗ ſtänden einen ſchlechten Untergrund ab, ſobald ſie einiger⸗ maßen nahe unter der Oberfläche vorkommen. Dahin ge⸗ hören: ſtark eiſenſchüſſiger oder Ocherboden, roher Thon, Kieß oder Grant, Steine, beſonders Sandſteine(zumal eiſenſchüſſige), Fels, oder auch nur ſchwer verwitternder Thonſchiefer oder Schieferthon. Zuweilen treten auch an gewiſſen Stellen, wegen ſchlechter Beſchaffenheit des Unter⸗ grunds, Quellen in die Höhe, verbreiten ſich in der Ober⸗ krume und verſumpfen dieſelbe. §. 144. Iſt der Untergrund, abgeſehen von dem man⸗ gelnden Humus, von gleicher Beſchaffenheit, wie die Ober⸗ krume und dieſe wenigſtens von mittelmäßiger Tiefe und nicht etwa ſteinig, ſo nennt man den Boden tiefgründig; iſt aber der Untergrund verſchieden und die Krume dabei von geringer Tiefe, ſo heißt er flachgründig. Warm heißt der Untergrund, wenn er aus mildem Lehm, merge⸗ 5* G — 68— ligem Lehm, kalkhaltigem, ſandigem Lehm oder gutem lehmigem Sand, oder auch aus nicht zu nahe liegendem Kalkgerölle beſteht; heiß, hitzig oder durſtig ſagt man, wenn der nahe liegende Untergrund in grobem Sand, Kieß, Schiefer, Steinen oder Fels beſteht; zehrend, wenn der Untergrund ſtark eiſenhaltig, oder gar eigentlicher Ocher oder eiſenſchüſſiger Sandſtein; kaltgrundig, wenn roher Thon oder Letten nahe liegt. Schein⸗, Schrind⸗ oder Schwindſtellen werden ſolche einzelne Stellen auf den Feldern genannt, welche wegen ſehr nahe liegenden Felſens, Schiefers, Grants, Kießes ꝛc. vorzugsweiſe leicht austrock⸗ nen und zugleich eine zu flache Krume beſitzen. 3. Elimatiſche und öortliche Lage. §. 145. Die ſehr weſentlichen Rückſichten, welche wir auf die climatiſche Lage zu nehmen haben, ſind im zweiten Capitel näher auseinandergeſetzt. In Bezug auf öͤrtliche Lage aber kommen noch in Betracht: die oberflächliche Ge⸗ ſtalt, die Richtung nach der Himmelsgegend und die näheren Umgebungen. a) Oberflächliche Geſtalt. §. 146. Die Benutzungsweiſe des Bodens iſt von dey Geſtalt der Oberfläche mehr oder weniger abhängig. Am wünſchenswertheſten iſt zu den gewöhnlicheren Benutzungs⸗ arten des Bodens, namentlich fuͤr das Ackerfeld, eine ſanft abhängige Lage.— Je loſer der Boden und je durchlaſſen⸗ der der Untergrund, um ſo weniger Fall iſt wuͤnſchenswerth, da ein ſolcher Boden bei mehr Neigung zu ſtark austrocknet, auch leicht abgeſchwemmt wird; dem ſehr gebundenen Bo— den wird dagegen ein etwas ſtärkerer Hang zu Statten kom⸗ men. Ein zu ſtarker Hang erſchwert auch die Bearbeitung, die Zufuhr des Düngers und Abfuhr der Erndte. 69 Daß auch das Clima hierbei mit in Betracht gezogen werden muß, verſteht ſich von ſelbſt. §. 147. Unter einem ſanften Abhang iſt eine Neigung des Bodens zu verſtehen, welche wenigſtens einige Grade beträgt und nicht über 60 geht; ein mäßig ſtarker Abhang iſt von 7— 120 Fall anzunehmen, von 13— 190 iſt ſchon ein ſtarker Hang, und Boden von noch ſtärkerem Fall nicht wohl mehr zum eigentlichen Ackerbau nutzbar; ſteil heißt ein Hang von 20— 290, ſehr ſteil von 30— 360 und jähe von 37— 450. Stark abhängige oder ſteile Lagen eignen ſich, je nachdem das Elima und die Richtung nach der Himmelsgegend dabei begünſtigend ſind oder nicht, hauptſächlich noch zum Wein-, Obſt⸗, Gras⸗ oder Waldbau. Durch das Teraſſiren kann den Nachtheilen einer zu ſteilen Lage begegnet werden; in der Mehrzahl der Fälle wird aber der zu er⸗ reichende Nutzen den anzuwendenden Arbeitsaufwand überſteigen. Ein in der Oberfläche ungleichartiger(höckeriger) Boden hat, namentlich wenn er zu Ackerland benutzt werden ſoll, noch ſeine be⸗ ſonderen Nachtheile wegen der erſchwerten Bearbeitung ꝛc. b) Richtuug nach der Himmelsgegend. §. 148. Im Allgemeinen iſt anzunehmen, daß die ſüdliche, ſüdöſtliche und ſüdweſtliche Lage die vortheilhaftere, die Lage nach den entgegengeſetzten Himmelsgegenden aber mehr oder weniger nachtheiliger ſey. Die weſtliche Lage gehört da, wo der Boden nicht zu kalt und naß, auch noch zu den beſſeren. Die Lage gegen Oſten und Nordoſten iſt den kalten Winden und dem Auffrieren(Auswintern) vor⸗ zugsweiſe ausgeſetzt. Die Lage gegen Norden iſt kalt und feucht und genießt zu wenig Sonne und Licht. Clima, Beſchaffenheit und Neigung des Bodens müſſen jedoch durchaus mit in Betracht gezogen werden, wenn man die Richtung nach der Himmelsgegend gehörig würdigen will, und eben wegen des verſchiedenartigen Zuſammentreffens dieſer Umſtände finden ſich in der That häufige Abweichungen und Ausnahmen von der allge⸗ — 70— meinen Regel: einem ſehr dürren Boden in trocknem Clima kann z. B. die nördliche Lage angemeſſener als die ſüdliche ſeyn, eben ſo wird es ſich bei einem ſehr ſteilen und zugleich hitzigen Boden ver⸗ halten. Die mehr oder weniger nördlichen Lagen, zumal, wenn ſie ſich zugleich den ſteilen nähern, ſind am beſten zu Gras(Wieſen oder Weide) oder zu Wald geeignet, während für Ackerland die mehr ſüdlichen Lagen um ſo günſtiger ſind, je ſchwerer der Boden, je geringer der Hang und je weniger trocken und warm[das Clima; am meiſten aber bedingt der Weinbau eine ſüdliche Lage. c) Nähere Umgebungen. §. 149. Werden Grundſtuͤcke auf der Nord⸗ und Nord⸗ oſtſeite von Anhöhen, Wald, Gebäuden, Mauern begrenzt, ſo wird dies. durch den Schutz, welchen die Gewächſe vor der rauhen Witterung erhalten, der Ertragsfähigkeit des Bodens um ſo mehr zu gut kommen, je mehr wegen der ſpeciellen Lage ein ſolcher Schutz Noth thut. Auch voll⸗ ſtändige Einfriedigungen mittelſt lebender Hecken erhöhen in vielen Fallen, namentlich in zu freien Lagen mit trocknem Boden, den Werth der Grundſtrücke bedeutend. §. 150. Finden ſich die Baumparthieen an der Grenze der Grundſtücke gegen Süden, Südoſt und Südweſt, ſo ſchadet ihnen dieß wegen des Schattens, der dadurch ver⸗ anlaßt wird; uͤberhaupt aber ſchaden naheſtehende Bäume durch ihre Wurzeln, welche oft weit in die angrenzenden Grundſtücke hineinwuchern, dem Boden viele Pflanzennah⸗ rungstheile entziehen, ſo wie ſie auf eine nicht unbeträcht⸗ liche Entfernung hin die beſten atmoſphäriſchen Niederſchläge an ſich ziehen. Der Schaden durch die Wurzeln angrenzender Bäume wird noch erhöht durch die Hinderniſſe, welche ſie dem Pflügen entgegen ſtellen; hierin, ſo wie in dem Entziehen der Pflanzennahrungsſtoffe, ſind die weit und flachwurzelnden Bäume beſonders nachtheilig; zu den ſchlimmſten in dieſer Hinſicht gehören die Pappeln. — 21— §. 151. Endlich ſind auch benachbarte Gewäſſer in Betracht zu ziehen, inſofern ſie durch Ueberſchwemmung nützen oder ſchaden, dann, ob ſie zur Bewäſſerung mit beſonderem Vortheil benutzt werden können, oder inſofern ihr Waſſerſpiegel ſo hoch ſteht, daß durch das Durch⸗ ſickerungswaſſer die benachbarten Grundſtücke leiden. Die Einwirkungen der Umgebungen im weiteren Sinne, als Gebirge, große Gewäſſer, Sümpfe u. ſ. w. ſind beim Clima in Betracht gezogen. C. Unterſuchung und Claſſification des Bodens. §. 152. Es bleibt uns nun noch darzuthun uͤbrig, an welche Hulfsmittel wir uns bei der Beurtheilung des Bo⸗ dens vorzüglich zu halten haben und wie die verſchiedenen Bodenarten claſſificirt werden. I. Untersluchung des Hodens. §. 153. So wichtig chemiſche und phyſikaliſche Zer⸗ legungen und Unterſuchungen für die gründliche Kenntniß der Bodenarten ſind, und ſo viele Aufſchlüſſe wir auch ſchon denſelben in der Bodenkunde verdanken, ſo iſt doch bis jetzt noch kein Verfahren erprobt, mittelſt deſſen auf dem Wege chemiſcher und phyſikaliſcher Unterſuchungen in der Praxis überall ſchnell und zuverläſſig das ganze Ver⸗ halten des Bodens beſtimmt werden könnte. Wir müſſen uns vielmehr für gewöhnlich zunächſt an empiriſche Hülfs⸗ mittel halten, ohne jedoch dabei diejenige Unterſtützung hin⸗ tenanzuſetzen, welche uns die wiſſenſchaftliche Kenntniß den⸗ noch zu jeder Zeit gewährt. In wichtigen Fällen, ſowie überhaupt beim Unterrichte in der Bodenkunde ſchreite man endlich zu einer nicht zu ſchwierigen chemiſch-mechaniſchen Zerlegung des Bodens, wenn irgend man die Vorkenntniſſe und Hülfsmittel dazu beſitzt(S.§. 166.) §. 154. Vorausgeſetzt muß überhaupt werden, daß uberall, wo es ſich darum handelt, den Boden zu beurthei⸗ len und ſeine natürliche Ertragsfähigkeit näher zu beſtim⸗ men, die climatiſche und ſpecielle Lage gebührend erwogen, die Gebirgsformation und die Entſtehungsweiſe des Bodens in der fraglichen Localität möglichſt ergrundet und ſodann Oberkrume wie Untergrund genau in Betracht gezogen wer⸗ den.(S.§. 165). §. 155. Die weiteren practiſchen Hülfsmittel zur Un⸗ terſuchung des Bodens ſind ſodann: das Verhalten deſſelben bei und nach der Bearbeitung, ſo wie beim Anfühlen und Zuſammenballen, die Schwere, der Geruch und die Farbe deſſelben, die Anwendung von Säuren und von Lakmus⸗ papier, und die Wahrnehmung der darauf ſtatthabenden Vegetation. Indem man ſich jener Hülfsmittel bedient, muß jedoch dabei ſtets beſondere Rückſicht genommen werden: in welchem Feuchtig⸗ keitszuſtande der Boden ſich eben befindet und welche Witterung vor⸗ ausgegangen iſt, zu welcher Zeit derſelbe zuletzt bearbeitet und ge⸗ düngt worden und in welcher Vollkommenheit und in welchem Maabe beides ſtattgefunden. Ein mittelmäßiger Grad von Feuchtigkeit iſt zur richtigen Beurtheilung des Bodens am günſtigſten.— Der im Naßen bearbeitete Boden erſcheint, nachdem er ausgetrocknet iſt, weit gebundener, als er eigentlich iſt.— Ein Boden, der längere Zeit nicht gelockert worden iſt, wird gebundener erſcheinen, als der von gleicher Beſchaffenheit, aber kürzlich unter günſtigen Umſtänden mit Fleiß cultivirte.— Je nach der Zeit und dem Maaße, in welchen Düngung und Bearbeitung ſtattgefunden, und die voraus⸗ gegangene Witterung günſtig war oder nicht, wird auf ein und demſelben Boden ein Unterſchied in der Vegetation ſich zeigen ꝛc. §. 156. Von dem Kraftaufwande, welcher zum Pfluͤgen erforderlich wird, ſo wie von dem Anhängen des Bodens an die Ackergeräthe, wenn er in naſſem Zu⸗ ſtande ſich befindet, läßt ſich Vieles auf ſeine Gebunden⸗ heit ſchließen; ferner aus der Größe der Schollen, welche — 23— nach dem Pflügen verbleiben und der größern oder geringe⸗ ren Schwierigkeit, welche das Zertrümmern derſelben mit⸗ telſt Egge und Walze verurſacht. Auch ob ſich beim Aus⸗ trocknen mehr oder weniger oder gar keine Riſſe zeigen, dient zur Unterſcheidung. Man ſchließt hiernach zunächſt auf größeren oder geringeren Thon- oder Sandgehalt, darf jedoch dabei nicht üͤberſehen, daß auch in beträchtlicher Menge beigemiſchtes Eiſenoxyd die Gebundenheit des Bo⸗ dens vermehrt, ſo wie, daß außer dem Quarzſand auch Kalk oder Bittererde und hauptſächlich Humus dieſelbe ver⸗ mindern kann. Eine mäßige Beimiſchung von Kalk erleichtert nicht ſowohl die Bearbeitung des thonigen Bodens mittelſt des Pflugs, als vielmehr die weiter beabſichtigte Lockerung, indem das Zerfallen durch Ein⸗ wirkung der Atmoſphäre alsdann weit vollſtändiger und ſchneller von Statten geht.— Iſt ein thoniger oder lehmiger Boden mit Kieß oder grobem Quarzſand untermiſcht, ſo wird er beim Aus⸗ trocknen weit feſter, als wenn ihm mehr feiner Sand beigemiſcht iſt. Daß die Steine, hinſichtlich der Schwierigkeit, welche ſie der Bearbeitung in den Weg legen, beſonders in Betracht genommen werden müſſen, verſteht ſich von ſelbſt. §. 157. An dem Gefühle der Schärfe beim Reiben des Bodens zwiſchen denFingern läßt ſich die größere oder mindere Körnigkeit des Sandes, ſo wie überhaupt deſſen Vorherr⸗ ſchen beurtheilen, während für den Thon mehr ein fettes, feines und zähes Anfuhlen ſpricht; ſelhſt das milde Verhal⸗ ten, welches ein Boden beſitzt, dem es nicht an Humus fehlt, läßt ſich von der mageren Beſchaffenheit eines armen Bodens durch das Gefühl leicht unterſcheiden. Mageres und zugleich feines Anfüͤhlen deutet auf beſonders ſtarken Kalkgehalt. §. 158. Das Zuſammenballen des in mäßig feuchtem Zuſtande ſich befindlichen Bodens mit der Hand und der Widerſtand, der ſich beim Wiederzerbröckeln zeigt, — 24— i*ſt ebenfalls ein weſentliches Huͤlfsmittel, die Gebundenheit und waſſerhaltende Kraft zu beurtheilen; ſchwammiges Ver⸗ halten beim Zuſammenballen deutet noch beſonders auf vie⸗ len Humus oder ſelbſt auf Torf oder Moor. Das Anhängen an die Zunge kann in Bezug auf Thongehalt auch noch mit zu Hülfe genommen werden, inſofern der Boden in mehr trocknem Zuſtande iſt. §. 159. Das Gewicht der mineraliſchen Beſtand⸗ theile des Bodens iſt zu wenig verſchieden, als daß ſich, ohne genaue Abwägungen vorzunehmen, danach etwas auf deren Gegenwart und Mengeverhältniß ſchließen ließe; um ſo größer iſt der Unterſchied zwiſchen jenen und dem Humus, da dieſer nur ungefähr halb ſo ſchwer iſt. Man kann deß⸗ halb annehmen, daß ein Boden um ſo viel mehr Humus hat, je leichter er iſt. Am leichteſten iſt deßwegen der uͤber⸗ humoſe, namentlich der Torf⸗ und Moorboden. Nur darf man in dieſer Beziehung nicht unterſuchen, wenn der Boden naß iſt, da der Humus ſehr viel Waſſer an ſich hält. §. 160. Da die Farbe des Bodens meiſtens vom Eiſenoxyd und Humus herrührt, ſo iſt in Betracht zu ziehen, welchem von beiden der größere Einfluß darauf beizumeſſen. Eine mehr röthliche und gelbliche Farbe iſt mehr dem Eiſen⸗ oryd, eine dunklere mehr dem Humus zuzuſchreiben, wenn zugleich die anderweiten Kennzeichen übereinſtimmen. Bei thonigem und lehmigem Boden iſt die gleiche Quantiät Humus von geringerem Einfluſſe auf die Färbung, als bei Sand⸗ und Kalkboden(ſ.§. 43.). §. 161. Der Geruch, abgeſehen von dem eigenthüm⸗ lichen Geruche des Thons, iſt hauptſächlich in Bezug auf den Humusgehalt beachtenswerth, der ſich theils durch eine eigenthümliche Friſche, beſonders beim Pflügen, und dann bei näherer Unterſuchung durch einen ſtärkeren Modergeruch zu erkennen gibt, wenn deſſen Menge bedeutend iſt. — 75— §. 162. Die beſondere Wichtigkeit der Anwendung von Säuren in Bezug auf Anweſenheit von Kalk oder kohlenſaurer Bittererde iſt bereits genügend hervorgehoben (§. 50 ff.). Aber auch die Anwendung von Lakmus⸗ papier iſt überall zu empfehlen, wo man im Zweifel iſt, ob ſaurer Humus vorhanden iſt oder nicht(ſ.§. 122.). §. 163. Aus den auf den Feldern wachſenden Unkräutern, ſo wie aus der natürlichen Beraſung der Wieſen und Weiden läßt ſich, bei einiger Bekanntſchaft mit der landwirthſchaftlichen Botanik, Vieles auf die Beſchaffen⸗ heit der Oberkrume wie des Untergrundes ſchließen; nur muß dieſer Schluß nicht einſeitig von wenigen einzeln vor— kommenden Pflanzen, ſondern aus der Mehrzahl, welche vorherrſcht, gefolgert und mit den übrigen Wahrnehmungen zuſammengehalten werden. Den Huflattig, thussilago petasites und farfara, wird man z. B. nur auf gebundenem Boden in Menge antreffen, auch der Wegwart, cichorium intybus liebt geſchloſſenen Boden; der He⸗ derich, raphanus raphanistrum, iſt häufiger auf leichtem Lehm⸗ und mehr ſandigem Boden, während der oft damit verwechſelte Ackerſenf, sinapis arvensis, ſowohl hier, als auf gebundenerem Boden zu Hauſe iſt; Löwenzahn, leontodon taraxacum, wächſt gern auf Mittelboden; Spörgel, spergula arvensis, graue Schmiele, aira canescens, Schafſchwingel, festuca ovina, Heide, erica vul- garis, Pfrieme, spartium scoparium, und viele andere herrſchen lieber auf Sandboden vor; Hopfenklee, medicago lupulina, Brom⸗ beere, rubus caesius, Ackermünze, mentha arvensis, Huflattig, thussilago farfara, Ackerwinde, convolvulus arvensis, Esparſette, hedysarum onobrychis, zeigen kalk⸗ oder mergelhaltigen Boden an; Crdrauch, fumaria officinalis, Hühnerdarm, alsine media, Hanfneſſel, galeopsis tetrahit, Melde, atriplex padula, ſtellen ſich häuſig auf fruchtbarem, zumal zugleich feingekrümeltem Boden in Menge ein; Hahnenfuß, ranunculus acris und arvensis, Tau⸗ mellolch, lolium temulentum, Ackertrespe, bromus secalinus, zeu⸗ gen von feucht gelegenen Feldern; Steinklee, melilotus vulgaris und officinalis, Schachtelhalm, equisetum palustre und arvense, von kalt⸗ und thongründigem Boden; auf an Näſſe und Säure leidendem Boden findet man: den Knöterich, polygonum persicaria, die verſchiedenen Seggen⸗ und Binſenarten(carex, juncus, scir- pus etc.), auf ſumpfigem oder moorigem Boden, außer dieſen, das Wollgras, eriophorum polystachion, die Schmalzblume, caltha pallustris und andere.— Welchen Boden die verſchiedenen Wieſen⸗ und Weidepflanzen vorzugsweiſe lieben, wird bei dem ſpeciellen Gewächsbau ausführlicher zur Sprache kommen. Reichhaltige Liſten enthalten in dieſer Beziehung die Werke über die Bodenkunde von Hundeshagen und Sprengel. §. 164. Neben alledem gewähren nun auch noch die Gewächſe, welche wir auf dem Boden vorherr⸗ ſchend angebaut finden, ein weſentliches Anhalten zur Beurtheilung der Bodenbeſchaffenheit, mit Rückſicht auf Clima, Lage, Untergrund ꝛc. Der Grad der Vollkommen⸗ heit in der Vegetation der angetroffenen Gewächſe dient dabei noch beſonders zur Beurtheilung der eigenthümlichen Fruchtbarkeit. Schönen Weizen werden wir in der Regel auf mehr gebundenem, als loſem, und zugleich fruchtbarem Boden antreffen— wo magerer Roggen, Buchweizen und Spörgel vorherrſchen, wird der Boden ſandig ſeyn; gleich guter Stand von Weizen und Roggen, Gerſte und Hafer und das Gedeihen einer großen Zahl von Gewächſen zeigt den Mittelboden an; gute Luzerne wird immer einen nicht armen, cinen tiefen und nicht an Räſſe leidenden Boden beurkunden; wo die Esparſe te vorherrſcht, iſt gewöhnlich der Boden kalkhaltig, häuſig auch ſteinig, und wo der rothe Klee gut gedeiht, kann Krume und Untergrund nicht ſchlecht ſeyn u. ſ. f.. Weiteres in dieſer Beziehung enthalten die§§. 169 ff.; ſodann der ſpecielle Pflanzenbau und das zweite Capitel der zweiten Ab⸗ theilung der Betriebslehre. §. 165. Wo es um eine gründliche Beurtheilung oder eigentliche Bonitirung des Bodens zu thun iſt, iſt es nicht allein rathſam, alle die bis hierher ange euteteu Mo⸗ mente aufs ſorgfältigſte zu beachten, ſondern auch die be⸗ treffenden Grundſtücke in gewiſſen Richtungen zu übergehen — 77— und in beſtimmten Diſtancen zur näheren Unterſuchung der Ober- und Unterkrume bis 2 Fuß tief einzugraben, unter Umſtänden auch den Erdbohrer zur weiteren Unterſuchung des Untergrunds in Anwendung zu bringen. Zerlegung des Bodens. §. 166. Wenn man mit Zuziehung einiger chemiſchen Hülfsmittel eine Zerlegung des Bodens, Behufs einer nä⸗ heren Kenntniß ſeiner Beſtandtheile, unternehmen will, ſo wird es für gewöhnlich genügen, dabei auf folgende Weiſe zu verfahren: Es wird eine Quantität Boden von der zu unterſuchenden Oberkrume ausgeſtochen, von den noch nicht in der Verweſung begriffenen Pflanzen, Wurzeln und Stop⸗ peln gereinigr, vollkommen ausgetrocknet(ohne dabei zu glühen) und abgewogen. Durch ein Sieb werden nun die Steine(und etwa noch vorhandenen gröberen Faſern) ab⸗ geſondert und deren Verhältniß wird dem Gewichte nach beſtimmt. Durch Kochen eines von der zu unterſuchenden Quantität abgeſonderten kleinen Theils vom Boden mit Waſſer und Eintauchen von Lackmuspapier überzeugt man ſich von der Gegenwart von freien Säuren; röthet ſich das Lackmuspapier, ſo wird die Menge der Säure durch all⸗ mählige Tilgung mit filrirtem Aetzkalkwaſſer näher beſtimmt. Von dem getrockneten und der Steine entledigten Boden wird eine abgewogene Quantität ſtark geglüht; der nach dem Glüͤhen ſich ergebende Gewichtsverluſt zeigt den Humusge⸗ halt an, wobei man jedoch berückſichtigen muß, daß der Thon(ſ.§. 41) 10 bis 15% chemiſch gebundenes Waſſer enthält, welche beim Glühen ebenfalls entſchwunden ſind; dagegen darf man noch einige Procente vom Humus(nicht vom Ganzen) für die zurückgebliebene Humusaſche wieder zugeben. Durch möglichſt lange fortgeſetztes Abſchwemmen einer gleich ſchweren, wie oben angegeben, getrockneten und — 78— von Steinen befreiten Quantität Boden wird der Thon, in Verbindung mit ſonſtigen abſchwemmbaren Stoffen, vom Sande getrennt; letzteren kann man durch Sieben wieder in groben und feinen trennen. Ergibt ſich ein Gewichts— verluſt der durch Abſchwemmen gewonnenen und dann ge⸗ trockneten beiden Parthieen des Bodens gegen vorher, ſo rührt dieß von verſchiedenen im Waſſer löslichen Beſtand⸗ theilen, als Kali, humoſen Theilen ꝛc., her. Der nach der Glühprobe ausgemittelte Humus iſt dem abgeſchwemm⸗ ten Betrage abzuziehen, welcher auſſer dieſem Humus haupt⸗ ſächlich Thon, daneben aber auch noch Kalk(von dem aber auch ein Theil unter dem ſuspendirten Sande ſich be⸗ finden kann), Bittererde, Eiſen, Mangan ꝛc. enthält oder reſp. enthalten kann.— Ob Kalk vorhanden ſei, davon uͤberzeugt man ſich bei einigermaßen bedeutender Menge durch das Aufbrauſen mit Säuren, auch läßt ſich durch den dabei ſich ergebenden Gewichtsverluſt leicht der Kalkgehalt ausmitteln, indem für je 44 Gewichtstheile entſchwundene Kohlenſäure 100 Theile Kalk anzunehmen ſind. Die Aus⸗ mittelung des Gipſes, Talkes, Eiſens ꝛc. erfordert ſchon etwas complicirtere chemiſche Zerlegung: fuͤr den Gips er⸗ fordert es der Behandlung mit Barytſalz,— für's Eiſen: mit Ammoniak, und den Talk mit phosphorſaurem Natron. Ich füge hier die Anleitung noch bei, welche der Lehrer der Chemie an der Akademie Eldena, Herr Dr. Schulze, für die Aus⸗ mittelung auch geringen Kalk⸗, ſo wie des Gips⸗, Eiſen⸗, Talk⸗ Gehaltes ꝛc. auf mein Erſuchen mir niedergeſchriehen hat:„Man verſchaffe ſich zuerſt einen wäſſrigen Extract der Erde, indem man eine abgewogene, trockne, pulveriſirte Quantität auf ein benetztes Filter bringt, mit deſtillirtem Waſſer übergießt und letzteres ſo oft wiederholt, bis ein Tropfen von der aus dem Filter abfließenden Flüſſigkeit, auf einer Glasplatte verdampft, keinen Rückſtand läßt. Meiſt mag es genügen, die Geſammtmenge der in dem Extracte aufgelößten Beſtandtheile, unter denen ſich Kali, Ammoniak, Sal⸗ 25— peter, Kochſalz, Gyps und humusartige Stoffe gewöhnlich befinden zu beſtimmen, indem man den ganzen Extract zuerſt in größere, und dann in möglichſt kleinen(tarirten) Gefäßen bis zum Trocknen eindampft und dann auf einer feinen Waage abwägt. Die Gegen⸗ wart des Kalkes und Gypſes in dem Extracte entdeckt man, indem man davon zwei Hälften nimmt, zu der einen Ammoniak und ſo⸗ dann Kleeſalzauflöſung gießt, zu der andern aufgelößtes Barytſalz nebſt etwas Salzſäure; entſteht nur im erſten Falle ein weißer Niederſchlag, ſo zeigt dieß Kalk an, entſteht auch im zweiten Falle ein ſolcher, ſo iſt auch Gyps vorhanden.— Man nehme ſodann eine andere Quantität von der Erde, übergieße dieſelbe mit Salz⸗ ſäure, laſſe ſie einige Zeit damit in Berührung und filtrire. In die filtrirte Flüſſigkeit gieße man überſchüſſiges Ammoniak, wodurch hauptſächlich das Eiſen gefällt wird(als Oxydul bläulich, aber an der Luft ſich roth färbend, als Oxyd rothbraun); zugleich wurden aber auch etwas Thonerde, etwaige phosphorſaure Erden und phos⸗ phorſaure Metalloxyde mitgefällt; der Niederſchlag wird filtrirt, ausgewaſchen, und die filtrirte Flüſſigkeit in zwei Hülften getheilt; zu der einen Hälfte gieße man Hydrothion-Ammoniak, wodurch Mangan, falls ſolcher vorhanden, fleiſchfarbig gefällt wirdz zu der andern Hälfte gieße man Kleeſäure oder Kleeſalz, um den Kalk abzuſcheiden, der damit in Verbindung ein weißes unlösliches Pul⸗ ver darſtellt. In der davon abfiltrirten Flüſſigkeit entdeckt man die etwa vorhandene Talkerde durch eine Auflöſung von phosphor⸗ ſaurem Natron, die mit Talk einen cryſtalliniſch⸗flockigen Nieder⸗ ſchlag macht.“ II. Classification des Bodens. §. 167. Um ſich über die Beſchaffenheit und insbe⸗ ſondere die Ertragsfähigkeit des Bodens kurz und beſtimmt auszudrücken, hat man die hauptſächlich vorkommenden Bo⸗ denarten in verſchiedene Haupt- und Unterabtheilungen claſſificirt. Zu ſolchen auf den Grund der vorausgegangenen Bonitirung vorzunehmenden Claſſificationen ſind mancherlei Syſteme in Vorſchlag, und theilweiſe auch in Anwendung gekommen. Am meiſten hat ſich bis jetzt die ſchon längſt bekannte Claſſiſication des Ackerlandes in Aufnahme erhalten, — ——ÿmm wonach zunächſt die vier Hauptabtheilungen: Weizen⸗, Gerſte-, Hafer- und Noggenboden zu Grund gelegt werden und ſodann fur jede dieſer Abtheilungen wieder eine Anzahl von Claſſen beſtimmt wird. Den Ackerboden nach Hauptculturgegenſtänden zu bezeichnen, welche vorzugsweiſe darauf gedeihen, hat jeden Falls Vieles für ſich. Ob die von Schönleutner zuerſt in Vorſchlag gebrachte und neuerer Zeit von mehreren landwirthſchaftlichen Schriftſtellern beifällig aufgenommene Bezeichnung nach den Hauptfutterkräutern, für welche der Boden vorzugsweiſe geeignet iſt, vor der älteren Abtheilung nach dea Getreidearten den Vorzug verdiene, ſcheint noch zweifelhaft, und eben ſo verhält es ſich mit manchen anderen Syſte⸗ men. Auch müßten die Vorzüge neuer Syſteme ſehr erheblich ſeyn, wenn es räthlich ſeyn ſollte, das bisher auf weithin bekannte und wohlverſtandene ganz aufzugeben. Man beſchäftige ſich lieber blos mit der Vervollkommnung des letzteren. §. 168. Indem die nähere Darſtellung jener am häu⸗ figſten gebräuchlichen Claſſification hier folgt, iſt ſtets zu berückſichtigen, daß nicht allein der Boden, wie er auf der Oberfläche ſich findet, ſondern auch die übrigen auf ſeine Ertragsfähigkeit influirenden Umſtände bei der Beſtimmung der Claſſe erwogen werden muͤſſen. Ferner iſt vorauszu⸗ ſetzen, daß nach der Localität und dem Zwecke der Claſſi⸗ fication eine größere oder geringere Zahl von Claſſen an⸗ genommen werden mag, oder daß man jeder Claſſe noch⸗ mals einige Unterabtheilungen(a, b ete.) geben kann. Endlich iſt nicht zu überſehen, daß manche ſelten vorkom⸗ mende Bodenarten ſtets beſonders benannt und bezeichnet werden müſſen, wie dieß namentlich mit manchem Niede⸗ rungsboden der Fall iſt. Den Niederungsboden überall von dem Höhenlande zu trennen und beſondere Claſſificationsnormen dafür anzunehmen, dürfte übri⸗ gens umgangen werden können, denn der Niederungsboden mittlerer und geringer Qualität kann in der Negel in eine der für das ge⸗ wöhnliche Höhenland angenommenen Claſſen geſetzt werden, und es 81— dürfte ſodann genügen, für den beſten Niederungs⸗Weizen⸗ und Gerſtenboden nur noch einige über den andern ſtehende Claſſen vor⸗ kommenden Falls anzunehmen. Häufig ereignet es ſich dagegen, daß ein Boden in ſeiner Be⸗ ſchaffenheit zwiſchen zwei Hauptabtheilungen in der Mitte ſteht, was man nach A. P. Thärs Vorſchlag(ſ. die Verhandlungen der deut⸗ ſchen Landwirthe zu Dresden) leicht durch Zuſammenziehung beider Benennungen, z. B. Weizen⸗Gerſtenboden oder Gerſten⸗Haferbo⸗ den u. ſ. w., näher bezeichnen kann, wenn auch eine ſo große Ver⸗ vielfältigung der Benennungen, wie dort vorgeſchlagen, ſchwerlicht anzunehmen ſeyn möchte.— Auch das Zuhülfenehmen der Schön⸗ leutner'ſchen Benennungen zu den alten Hauptbezeichnungen würde ſehr häufig zur genaueren Beſtimmung beitragen können, z. B. Luzerne⸗Weizenboden, Klee⸗Weizenboden, nicht kleewüchſiger Weizenboden, Esparſett⸗Roggenboden u. ſ. w. 1. Weizenboden. §. 169. Aller Boden, welcher mit entſchiedenem Vor⸗ zuge als Winterfrucht Weizen trägt, wird Weizenboden genannt. Es iſt dieß immer ein gebundener Boden, da ſich dieſer in der Regel um ſo mehr fuͤr den Weizen, und um ſo weniger für den Roggen eignet, je ſtärker ſeine Bin⸗ dung iſt; daraus folgt alſo, daß aller Thonboden, ſo wie der ſtärkere Lehmboden hauptſächlich in dieſe Abtheilung gehört, ſobald er nicht ſo ſchlecht iſt, daß keine Winterfrucht mehr mit Vortheil darauf gebaut werden kann. Wo der Spelz an der Stelle des Weizens gebaut wird, gilt von jenem daſſelbe, was von dieſem geſagt iſt; nur iſt zu bemer- ken, daß der Spelz auf trocknerem und leichterem Boden oft noch ausſchließlich gebaut wird, während ſolcher Boden für den Weizen ſchon nicht mehr ganz geeignet iſt; Boden der Art gehört dann in der Regel ſchon zum Gerſtenboden. Der beſſere Weizenboden trägt noch mit Erfolg Gerſte, Hafer, Bohnen, Raps, Klee, Luzerne u. ſ. w., der ſchlechteſte außer Weizen (Spelz) und Gras kaum noch Hafer. In manchen Gebirgen, beſonders da, wo der Baſalt vorherrſcht, findet man auf dem gebundenen und zugleich ſteinigen Lande dem⸗ Pabſt Landwirthſchaft. I. 1. Zweite Auflage. 6 ohngeachtet den Roggen allgemein und den Weizen nur wenig an⸗ gebaut, zumal da, wo die Dreiſche gebrannt wird, was haupt⸗ ſächlich in der geringen Kraft des Bodens, theils auch im Bedürf⸗ niſſe an Brodfrucht und Stroh ſeinen Grund hat. Solcher Boden wird am beſten als Weizen⸗Haferboden bezeichnet. §. 170. Es genügt, den Weizenboden in vier Claſſen abzutheilen und nur fuͤr den beſten Nied erungsweizen⸗ boden noch eine Claſſe mehr vorzuſetzen. Jede dieſer Claſſen, oder auch nur die höheren, wird man häͤufig wie⸗ der in zwei Unterabtheilungen nach ihrer höheren oder ge⸗ ringeren Ertragsfähigkeit zu bringen haben. 2. Gerſtenboden. §. 171. Sobald der Boden fuͤr die Gerſte ſich gut eignet, während er als Winterfrucht ſowohl Weizen, als Noggen trägt, letztern jedoch wegen Mangels an Kraft und Bindung häufig lieber, ſo wird er zum Gerſtenboden ge⸗ zählt. Da die Gerſte einen warmen, weder zu ſtark ge⸗ bundenen, noch ganz loſen, weder naſſen, noch allzuhitzigen Boden zu ihrem guten Gedeihen verlangt, ſo ſind haupt⸗ ſächlich der milde, der leichte mergelige, der nicht ſchlechte ſandige Lehm, nicht fehlerhaft in Lage oder Untergrund, und der beſſere lehmige Sand, auch der humoſe, feuchtge⸗ legene Sand- und der beſſere Kalkboden, der nicht zu heiß und mager, hierher zu zählen. Auf dem beſſeren Gerſtenboden, dem eigentlichen Mittelboden, gedeihen die meiſten landwirthſchaftlichen Gewächſe, ſoferne ihnen das Clima nicht entgegen iſt. §. 172. Der Gerſtenboden wird häufig nur in zwei, wo man nach dem ſtrengen Begriffe geht, aber beſſer in drei Claſſen abgetheilt, denen für den beſten Niede⸗ rungsgerſtenboden noch eine höhere Claſſe zuzugeben iſt. Dieſe und die gewöhnliche erſte Claſſe iſt nach Um— ſtänden noch in Unterabtheilungen zu bringen. — 83— Wenn man den ſtärkſten Gerſtenboden noch zum Weizenboden rechnet, was füglich geſchehen kann und die Claſſiſication ſogar er⸗ leichtert, ſo daß nur ſandiger Lehm und guter lehmiger Sand als Gerſtenboden gilt, ſo kann man mit zwei Claſſen dafür ausreichen. 3. Haferboden. §. 173. Hierher gehört zunächſt das zwiſchen dem Gerſten- und Noggenboden ſtehende Land, namentlich der geringere ſandige Lehm und lehmige Sand, welcher wegen ungünſtiger Lage, Mangel an Kraft oder anderer Fehler Gerſte nicht mehr mit Sicherheit, wohl aber den Hafer als Sommerfrucht noch befriedigend lohnt. Auſſerdem gehören andere fehlerhafte Bodenarten hierher, die für Winterfrucht entweder gar nicht mehr geeignet ſind, oder ſolche doch nur mit ſehr geringem Erfolge tragen, während Hafer noch leidlich darauf gedeiht. Solche Bodenarten ſind: Moor⸗— und Torfboden, eiſenſchüſſiger, oder großentheils aus ſchlech⸗ ten Steinen, Grant ꝛc. beſtehender, mehr oder weniger ge— bundener Boden, ferner der Näße ſo ſtark ausgeſetzter Bo⸗ den, daß keine Winterfrucht mehr darauf gebaut werden kann.— Es werden für den Haferboden in der Regel drei Claſſen genügen. Durch beſſere Cultur und Düngung, namentlich auch durch Mergelung, kann Haferboden nach der zuerſt bezeichneten Beſchaf⸗ fenheit in Gerſtenboden verwandelt werden. 4. Roggenboden. §. 174. In dieſe Abtheilung fällt endlich aller Boden von ſo ſandiger Beſchaffenheit, daß nur der Roggen als Hauptfrucht dafüͤr paßt, wenn auch der beſſere Theil noch Hirſe und Hafer, und zuweilen ſelbſt noch kleine Gerſte produzirt. Auch der geringere Kalk⸗ und Kreideboden ge⸗ hört hierher.— Man reicht gewöhnlich mit drei Claſſen fuͤr den Roggenboden aus. *† — 31— Außer Roggen und den genannten Sommerfrüchten werden auf dieſem Boden Kartoffeln, Rüben, weißer Klee, Buchweizen, Spör⸗ gel, bei Tiefgründigkeit und guter Düngung auch Luzerne gebaut;— auf dem ſchlechteſten wächſt außer Roggen nur Spörgel. 5. Zuſammenſtellung ſämmtlicher Claſſen nach ihrer Rohertragsfähigkeit. §. 175. Nach dem hier dargeſtellten Claſſifications⸗ ſyſteme würden ſich im Ganzen 15 Haupteclaſſen zum all⸗ gemeinen Anhalten ergeben, deren durchſchnittliche Ertrags⸗ fähigkeit in den Hauptculturgegenſtänden bei gewöhnlich guter, der Localität angenieſſener Cultur in nachſtehender Tabelle angedeutet iſt, während die Claſſen zugleich nach ihrem Rohertrage aneinandergereiht ſind. 9 5——*— 1ugoge ee e III udoq0 91 3 96—— 1— uvS 43 b uS I u Coqudb06 nI c1—er— 89——— IaN a2 u derplag u d0s a22 pelce! a932 II u doqa. 91 01 09„(5—-u d0OQοασρ⁵σhoJun ⸗ quv aazn 61211176 1 u doquab5 6 21 ——.u oR 405 1100u 3 1 9 2— 9 d 1 3 1oG 6 88* 72351u 4a2519513 auvlugo a0lb una II usd0a2lv— 11 EI——— 9 b v u eeu ae edm A1„u0Quae 01 3— u oqaο aeanb 22 28 8 9-gqa1n 9 2 j„Auvlugo gun uuge deul ab uae 1 usdoqaslvc 5 55 0s 0r 8 ſ[S=—Idet=TNauvſuno a211512731ut7urheg du a25duned II u Joquoga 8 2 0 ſer— or—— 8„uo aebuaag gun uod aolg e ee us doquo 2 .— 11z1— 01 quv a05 1uu 0]. 08 001 rI— 11 1— 01 8 onollog qun utqo aab quv aeg uo doquaaed 9 og 06(d⅛l— 1 51— 01 01 0IL ee a26 91 v goquge n ⸗ uoT a042b5 u 5 gvanII„u doquees, 9 [0OrI— 051 25— 91]91— †r 1— lſri 11 u do, oaog 1-u doque aS„ ——or——,-ugeh dun e C 8 1— C. 7 d.. 0 2 I ſorl oulfte Sllen 21 El 126 112baou Pnv o aolounc ao ua u⸗ doquo s e L 09 3 95 08 21 3„zaN a2e—h k usdoquasbunae e ſ. asqnaoqn aaan. 5 . 4 2.-u goqplavaé aouac 7. 9 9 gA⸗ uoele asbuna 3 08 3 5 96 2 4 ⸗unqob 42u 62125 znb„42b 1obaout aaſoun ungoauseaaisbuna⸗dond a⸗aes aoon aaan a n EEEE e e ee e 2 — aIny 3.uo. a.ia Jozavg alog ollao 95036G usc„uzavuo a2 eeploganve 5 vunuCp Lnve 3 — 5 5 uabaoG gnoad ac vvazaD a0a — 86— Uiertes Capitel. Von der Urbarmachung. §. 176. Wenn ſich der Boden von lange her ſelbſt überlaſſen war und wenig oder keinen Nutzen abwarf, heißt er wüſte, uncultivirt, unartbar, Wildland ꝛc. Damit ein ſolcher Boden zu Erzeugung landwirthſchaftlicher Gewächſe mit Erfolg benutzt werden könne, muß er von den die Cul⸗ tur bisher ſtörenden Hinderniſſen befreit und in denjenigen gereinigten, geebneten und gelockerten Zuſtand geſetzt wer⸗ den, welchen das Gedeihen der zum Nutzen angebauten Ge⸗ wächſe erheiſcht. Dieſe Wegräumung von Hinderniſſen und Umwandlung in culturfähiges Land heißt urbar machen oder anroden und ein ſolches Land wird Neubruch, Neuthe, Neu⸗ reuthe, Rodung, Nottland genannt. Auch bei der Umwandlung von Wald oder natürlicher Weide in Feld oder Wieſen ꝛt. bedient man ſich der angegebenen Benen⸗ nungen. §. 177. Je langer und je mehr eine gute landwirth⸗ ſchaftliche Cultur in einer Gegend allgemein verbreitet iſt, um ſo weniger wird ſich noch unartbarer, die Urbarmachung noch lohnender Grund und Boden finden; während da, wo die Cultur noch wenig vorgeſchritten iſt, oder wo Servi⸗ tute und gemeinſchaftlicher Beſitz eine angemeſſene Boden⸗ benutzung bisher verhinderten, die Urbarmachung ein größe⸗ res Intereſſe gewinnt. §. 178. Ehe man zur Urbarmachung ſchreitet, iſt ge⸗ nau in Erwägung zu ziehen, wie ſich der künftig mit Sicherheit zu erwartende Ertrag zu den Zinſen des zur Urbarmachung zu verwendenden Capitals verhalte, ob der — 87— zu machende Aufwand in keiner Hinſicht die Kräfte des Unternehmers überſteige, und ob nicht irgend ſchwere oder gar nicht zu beſeitigende Hinderniſſe bei der Ausführung ſich ergeben können; endlich auch, zu welcher Art von Be⸗ nutzung ſich das urbar zu machende Grundſtück ſeiner na⸗ türlichen Beſchaffenheit nach am beſten ſchickt, damit bei der Urbarmachung auf ſeine kuüͤnftige Beſtimmung die er⸗ forderliche Ruͤckſicht genommen werde. Insbeſondere möge man überall da, wo das Holz bereits einen anſehnlichen Werth hat, oder doch Ausſicht vorhanden iſt, einen ſolchen bald zu erlangen, und noch mehr da, wo es bereits an Brennmaterial mangelt, ſich nicht übereilen, in gutem Zuſtande beſindliche Waldungen zur Rodung zu beſtimmen, und ſelbſt wenn das pecuniäre Intereſſe die Rodung gut heißet, ſo möge bei dem, der ſich und ſeine Nachkommen im Grundbeſitze permanent denkt, auch das nationalökonomiſche und das Intereſſe zukünftiger Ge⸗ nerationen mit in Erwägung gezogen werden. Bei der vorher anzuſtellenden Verechnung iſt beſonders erheb⸗ lich, ob der urbar zu machende Boden wenigſtens ſo kräftig ſey, daß er aus den erſten Erträgen das Material zu ſeiner künftig er⸗ forderlichen Düngung zu liefern im Stande ſey, oder ob er ſogar die Elemente enthalte, deſſen mehr zu liefern, als zu ſeinem eige⸗ nen Bedarfe erforderlich ſeyn wird. §. 179. Von ſehr weſentlichem Unterſchiede für den Unternehmer und das Reſultat des Voranſchlags iſt, ob es ſich darum handelt, einen abgeſonderten größeren Diſtriet anzuroden, wo Gebäude und ſonſtige Betriebserforderniſſe erſt geſchaffen werden muſſen, alſo eine ganz neue Wirth⸗ ſchaft gegründet werden ſoll; oder ob es ſich darum han— delt, neben einem ſchon im Betriebe ſtehenden Beſitzthume, zu einer ſchon eingerichteten Wirthſchaft, nur verhältniß⸗ mäßig kleinere Flächen urbar zu machen. Im erſten Falle ſind eine Menge Rückſichten zu nehmen, als Anlage des Hofes, Waſſer, Wege, Anlage⸗Capital, Herbeiſchaffung und unterhaltung der Arbeitskräfte u. ſ. w., welche im andern Falle ganz oder größtentheils bei Seite bleiben, indem da die Ur⸗ barmachung meiſtens zu gelegener Zeit mit den ſchon beſitzenden Arbeitskräften vorgenommen werden kann und verhältnißmäßig nur geringe Vermehrung des Betriebscapitals erforderlich wird. §. 180. Wir theilen die Lehre von der Urbar⸗ machung ab: A. Von der Wegräumung der Hinderniſſe. B. Von den verſchiedenen Methoden und den haupt⸗ ſächlichſten Huͤlfsmitteln der Urbarmachung. A. Wegräumung der Hinderniſſe. §. 181. Wir begreifen darunter: I. Die Ableitung des Waſſers. II. Die Wegſchaffung größerer Steine. III. Die Wegſchaffung von Gehölze. IV. Die Ausgleichung der größten Unebenheiten. I. Ableitung des Wassers. §. 182. Ueberall, wo Boden und Untergrund, nebſt Mangel an Abzug, ein zu ſtarkes Anſammeln oder An⸗ Anſtaunen des entweder oberirdiſch zuſammenfließenden oder unterirdiſch hervordringenden Waſſers veranlaſſen, wo⸗ durch eine lohnende Benutzung des Bodens gehindert wird, iſt die Entwäſſerung die erſte und wichtigſte Arbeit. Was hier über dieſen wichtigen Gegenſtand geſagt iſt, gilt nicht blos für die Urbarmachung, ſondern auch für den an Näſſe leidenden Grund und Boden, der bisher ſchon in Cultur ſtand. In Bezug auf Entwäſſerung der Wieſen und verſchiedene ſpecielle Regeln für die Entwäſſerung, wird auf die zweite Hauptabtheilung dieſes Bandes hingewieſen. §. 183. Um die Entwäſſerung zweckmäßig vornehmen zu köͤnnen, muß vor Allem die Urſache der zu ſtarken An⸗ ſammlung der Näſſe ergründet, hieraus aber weiter ge⸗ ſchloſſen werden, welche Mittel zur Abhülfe anzuwenden ſind. In der Regel handelt es ſich zunächſt um Auffangung — 8d9— und ſodann um Ableitung der überflüſſigen Näſſe. In ge⸗ wiſſen Fällen muß auch zugleich durch Erhöhung der Bo⸗ denoberfläche zu Erreichung des Zweckes mitgewirkt werden. 1. Auffangung des Waſſers. §. 184. Wenn die Anſammlung der Näſſe davon her⸗ rührt, daß das Negenwaſſer von benachbarten Anhöhen zu Tage ſich nach den tiefer und mehr eben gelegenen Grund⸗ ſtücken herabzieht und daſelbſt anhält, ſo leuchtet die Noth⸗ wendigkeit ein, jenes Waſſer durch angemeſſene Auffang⸗ gräben abzuhalten und das dabei zu ergreifende Verfahren ſpringt von ſelbſt in die Augen. Häufiger aber, oder auch gleichzeitig, iſt die Verſumpfung in der innerlichen Be⸗ ſchaffenheit und Schichtung des Bodens begründet, indem ſich entweder an verſchiedenen Stellen Quellen in dem des Abzugs ermangelnden Boden verbreiten; oder indem die Näſſe, welche ſich im Inneren des höher gelegenen Bodens herabgeſenkt hat, in Folge von Hinderniſſen, welche die innere Bodengeſtaltung darbietet, ſich nicht weiter hinab— ſenken oder anderwärtshin verbreiten kann,— auf weithin in den oberflächlichen Bodenſchichten ſich aufhalten muß. In dieſen hier angedeuteten Fällen muß das unterirdiſche Waſſer durch geſchickt angelegte Gräben ebenfalls aufzu— fangen getrachtet werden. §. 185. Da ſolche Auffanggräben ganz nach dem ſo verſchiedenartig beſchaffenen Terrain ſich richten müſſen, ſo laſſen ſich nur wenige allgemeine Grundſätze für deren An⸗ legung angeben. Solche ſind: a) Sie bedürfen nur eines ſehr geringen Gefälles, in manchen Fällen können ſie ſelbſt ganz horizontal angelegt werden. b) Wo es ſich darum handelt, nur oberirdiſches Waſſer aufzufangen, müſſen die Gräben offen angelegt werden; auch da, wo unterirdiſches Waſſer zu ſehr geringer Tiefe ſchon abgefangen werden — 90— kann, verdienen offene Gräben häufig den Vorzug. c) Wo aber tiefer in den Boden eingedrungen werden muß, um Quellen oder unterirdiſch durchſickernde Näſſe abzufangen, ſind verdeckte Gräben vorzuziehen, oder ſelbſt nur allein zuläſſig. d) Die Auffanggräben muſſen in der Regel mit Abzugsgräben(§. 188) in Verbindung gebracht werden, um das in jenen angeſammelte Waſſer weiter zu entfernen. §. 186. Ueber die Form der offenen Gräben iſt bei den Ableitungsgräben(§. 189) weiter die Rede. Behufs der Anlegung verdeckter Gräben werden die Wände ſenkrecht zur erforderlichen Tiefe, welche von 1 ½ bis zu 2 Fuß ſich verhalten kann, wobei gewöhnlich eine Breite von 1%½ bis zu 2 Fuß eingehalten wird. Sind auf dieſe Weiſe die zu verdeckenden Gräben(Unterdrains) in derer forderlichen Tiefe angefertigt, ſo werden ſie entweder förmlich als Canäle (meiſtens mit Feldſteinen und eingelegtem Moos) ausge⸗ mauert, oder blos mit groben Steinen bis zu einer gewiſſen Höhe ausgefuͤllt; auf dieſe kommen dann kleinere Steine und hierauf kömmt Reiſig oder Stroh; am Ende muß noch etwa% bis 1 Fuß Höhe zu Bedeckung mit Boden bleiben. In Ermanglung der Steine nimmt man auch Reiſigfaſchi⸗ nen, welche jedoch nach einer Reihe von Jahren wieder erneuert werden müſſen. Sobald es ſich darum handelt, nicht blos eine einzelne Quelle unterirdiſch abzuführen, ſondern größeren naſſen Stellen durch An⸗ legung ſolcher Canäle abzuhelfen, muß immer darauf gedacht wer⸗ den, die Decke des Canals ſo anzulegen, daß ſie das Waſſer, aber nicht die Erde durchläßt. Die Anlegung unterirdiſcher Canäle iſt beſonders in England ſehr ausgebildet. Dort werden ſie häufig auch von gebrannten Steinen in mancherlei Geſtalt angefertigt. M. ſ. Loudon's En⸗ cyclopädie der Landwirthſchaft ꝛc. Die verdeckten Gräben koſten zwar in der erſten Anlage mehr, als offene, dagegen gewähren ſie den Vorzug, daß ſie keine oder — 91— nur ſehr geringe Unterhaltungskoſten erheiſchen, daß keine Brücken nöthig werden, und daß für die Bodenbenutzung kein Raum verlo⸗— ren geht und kein Hinderniß geſchaffen wird. §. 187. Nicht ſelten entſteht auch die Verſumpfung durch benachbarte Flüſſe oder Bäche, welche ein zu ſeichtes oder zu hochliegendes Bett oder einen zu trägen Lauf haben, weßhalb ſich das Waſſer in den umgebenden Boden, ſo weit ſolcher flach liegt, verbreitet. In ſolchen Fällen iſt darauf zu denken, ob dem Fluſſe oder Bache ein tieferes oder ein neues, tiefer gelegenes Bett angewieſen, oder ob durch Correction der großen Krümmungen geholfen werden kann. Zuweilen muß man auch einen Theil des Bodens dem Waſſer preisgeben, um den übrigen durch Dämme ſchützen zu können. Gehen dergleichen Anlagen einigermaaßen ins Größere, ſo erfor⸗ dern ſie viele Umſicht und man wird am beſten daran thun, einen Waſſerbauverſtändigen mit zu Rathe zu ziehen. 2. Ableitung des Waſſers. §. 188. Sind die zu entwäſſernden Flächen nur einiger⸗ maaßen von bedeutender Ausdehnung, ſo bedarf man für das ober⸗ oder unterirdiſch aufgefangene Waſſer einer wei⸗ teren allgemeinen Ableitung. Oft aber läßt ſich das in tiefen Lagen anſtauende Waſſer uͤberhaupt nicht genügend auffangen, und die Anlegung von Abzugsgräben, welche zugleich die Stelle der Auffanggräben erſetzen, wird dann doppelt wichtig. In der Regel muß ein genaues Nivelle⸗ ment vorausgehen, damit darnach das Nähere beſtimmt werden kann. §. 189. Von der geſchickten Anlegung der Entwäſſe⸗ rungsgräben hängt nicht nur der beabſichtigte Zweck in hohem Grade ab, ſondern auch der Koſtenaufwand, wel⸗ cher für ihre Unterhaltung künftig zu machen iſt. Es kömmt dabei darauf an, daß ſie in der gehörigen Nichtung, Weite, Tiefe, mit dem erforderlichen Gefälle und der gehörigen — 92— Böſchung angelegt werden. Man muß zu dem Ende zu⸗ nächſt darauf Bedacht nehmen, in den tiefſten Stellen des Grundſtücks und in der Richtung, welche noch einiges Ge⸗ fälle darbietet, einen Hauptcanal, oder bei größeren Flächen deren auch mehrere, anzulegen; in dieſe werden dann Sei⸗ tencanäle(Gräben) eingelaſſen, deren Anzahl verhäliniß⸗ mäßig um ſo größer ſeyn muß, je mehr Waſſer abzufuͤhren, je geringer das Gefälle und je undurchlaſſender der Boden iſt. Die Auffanggräben münden entweder unmittelbar in einen Hauptabzugsgraben, oder in beſonders dafuͤr anzu⸗ legende Seitencanäle. Die Weite und theilweiſe auch die Tiefe der Abzugsgräben richten ſich nach der abzuführenden Waſſermenge; die Tiefe noch beſonders nach dem allgemein vorhandenen Gefälle, auch muß ſie in angemeſſenem Ver⸗ hältniſſe zur Weite ſtehen. Ein mäßig ſtarkes und dabei möglichſt gleiches Gefälle, etwa 1 bis 2 Zoll auf 10 Fuß, iſt für die Abzugsgräben am wünſchenswertheſten. In der Regel müſſen ſie offen angelegt werden; nur wo kleine Quantitäten Waſſer von Quellen auf längere Strecken zu füͤhren ſind, wählt man, beſonders bei Ackerfeld, auch hier verdeckte Gräben. Die Böſchung der offenen Gräben ſoll wenigſtens einfüßig, bei loſem Boden oder ſtarker Waſſer⸗ ſtrömung 1 ½⸗ bis zweifüßig ſeyn. Weitere ſpecielle Anweiſung hierzu und für die Unterhaltung der Gräben ſ.§. 34 ff. der zweiten Abtheilung dieſes Bandes. §. 190. Wenn das an Näſſe leidende Grundſtuck eine ſolche Geſtaltung und Lage hat, daß nach keiner Seite hin Abfluß möglich iſt, ſo ſchafft man in ſolchem Falle Ab⸗ hülfe, indem man entweder den Rand des keſſelförmig ge⸗ ſtalteten Bodens, wo er am flachſten iſt, durchſticht, nach⸗ dem man ſich durch's Nivellement überzeugt hat, daß der Durchſtich nicht zu tief und weit zu gehen braucht,— oder indem man an den tiefſten Stellen Bohrverſuche anſtellt, — 93— um zu unterſuchen, ob ſich unter dem undurchlaſſenden Bette des Sumpfes eine durchlaſſende, das ihr zuzuführende Waſſer aufnehmende Bodenſchichte findet. Iſt dieß der Fall, ſo ſetzt man entweder in die Bohrlöcher Röhren ein, um die ein kleiner Waſſerbehälter gebildet iſt, dem man das Waſſer in Gräben zuführt, oder man legt, nachdem die Bohrverſuche die Ausfuhrbarkeit dargethan haben, mit Steinen auszufüllende, allenfalls auch noch mit einem Ein⸗ ſenkrohr verſehene Schächte an, Saugſchächte genannt, wo⸗ mit man das Waſſer ebenfalls in die Tiefe verſenkt. Fin⸗ det ſich keine durchlaſſende Bodenſchichte in der nächſten Tiefe, ſo bleibt noch, wenn auch nur als partielle Abhülfe, die Anlegung eines Sees(Teiches) in der tiefſten Stelle übrig. Selten wird es die Koſten bezahlen, den Rand eines Keſſels durchzuſtechen, wenn ſolches tiefer als 6 bis 8 Fuß geſchehen muß und die Strecke lang iſt. Kurze, durch ſtarke Ränder zu führende Abzüge können auch übermauert werden. Ausführliches und höchſt Schätzbares über die Entwäſſerung enthält der zweite Band von Thärs engliſcher Landwirthſchaft. §. 191. Zuweilen iſt die Lage des Bodens ſo flach, eben und tief, daß weder vollkommene Abführung, noch weniger Abfangung des Waſſers möglich iſt, neben dem, daß auch durch Verſenkung nicht geholfen werden kann; man kann dann hauptſächlich nur noch durch Erhöhung des Bo⸗ dens in Verbindung mit vielen und breiten Gräben helfen, welche das Terrain durchſchneiden und wenigſtens einen Theil des zum Auffüllen bedürftigen Bodens hergeben, ſo wie ſie das dadurch zurückgedrängte Waſſer aufnehmen. Zuweilen läßt ſich auch durch künſtliches Aufſchwemmen der Boden erhöhen. Die Erhöhung des Bodens durch Aufſchwemmen kann ins Werk geſetzt werden: 1) indem man einen Fluß oder größeren Bach, wenn er bei Regenwetter viel erdige Theile mit ſich führt, ſperrt, — 94— und in die aufzufüllende Vertiefung öfters wiederholt ſtark einſtrö⸗ men läßt, um den Schlamm alda abzuſetzen; 2) wenn man einen Bach nach einer höheren Stelle oberhalb der Vertiefung leiten kann, und von da herunter die Erde abſchwemmen läßt. Durch Einlegen von Faſchinen kann man den aufzuſchwemmenden Boden nach Er⸗ forderniß anhalten. Specielles hierüber enthält Thärs rat. Landw., dritter B., und das dritte Stück von Thärs Annalen der nieder⸗ ſächſ. Landw. Nach Sinclaire(Grundgeſetze des Ackerbaues, Wien 1819) treibt man in England die Aufſchwemmung am Meeresufer mittelſt Dämme und Schleußen und mit Hülfe der Ehbe und Fluth ins Große. Wo die Umſtände die Trockenlegung ſumpfiger Stellen zu ſehr erſchweren oder unthunlich machen, bleibt in den meiſten Fällen Anpflanzung mit Gehölze, das auf ſolchen Stellen fortkömmt, am gerathenſten, z. B. Eſchen(wo nicht zu viel Näſſe), canadenſiſche und andere Pappeln, Erlen u. ſ. w. Man vergleiche auch§. 41 ff. der zweiten Abtheilung dieſes Bandes. II. Wegschaltung grösserer Steine.. §. 192. Sobald ſich größere Steine in einiger Menge in oder auf der Oberkrume des urbar zu machenden Bodens finden, iſt deren Wegſchaffung ein Hauptbedurfniß, weil ſonſt nachmals keine ordentliche Bearbeitung und Benutzung ſtattfinden kann und bei jedesmal wiederkehrender Bear⸗ beitung ein außerordentlicher Aufwand an Arbeit und Werk⸗ zeugen eintreten muß. §. 193. Sind die Steine mehr einzeln und nicht von ungewöhnlicher Größe, ſo iſt es hinreichend, wenn das erſte Pflügen des Bodens mit einem ſogenannten Rajol⸗ oder Wühlpfluge geſchieht, hinter welchem mehrere Arbeiter mit den erforderlichen Werkzeugen hergehen, um die durch den Pflug angedeuteten Steine ſogleich herauszuheben und bei Seite zu ſchaffen. Ueber den Rajolpflug ſ.§. 229. §. 194. Bei vielen und zum Theil ſehr großen Stei⸗ nen muß ein Rajolen mit der Hand ſtattfinden, das heißt, der Boden muß mit Bickel, Reuthaue und Brechſtange bis zu einer gewiſſen Tiefe durcharbeitet werden, indem dabei alle großen Steine bei Seite geſchafft werden, um ſie nach— mals abzufahren. Bei ganz großen Blöcken oder aus dem Untergrund hervorragenden Felsſtücken wendet man entwe⸗ der eigens dazu conſtruirte Wägen zum Wegſchaffen, auch das Sprengen mit Pulver an; einzelne in einem an ſich mehr ſteinloſen Boden befindliche Steinblöcke können auch verſenkt werden, wenn man das Sprengen und Wegfahren koſtſpieliger findet. D. Gerke theilt in ſeinen landwirthſchaftlichen Erfahrungen (erſter Band, Hamburg 1822) intereſſante Anleitung zum Weg⸗ ſchaffen der Steine mit. Die Wegſchaffung ganz kleiner Steine übergeht man Anfangs bei der Urbarmachung; dies geſchieht, wenn es überhaupt erfor⸗ derlich iſt, füglicher, nachdem das Land ſchon etwas in Cultur ge⸗ kommen iſt. Unter Umſtänden, wo die Wegſchaffung einzelner Felsblöcke zu große Koſten verurſacht, läßt man dieſe einzelnen Stellen vorerſt lieber unbeurbart. Viel hängt davon ab, welchen Werth die alſo gewonnenen Steine zu anderweitem techniſchen Gebrauche haben. III. Wegschaltung von Gehölze. §. 195. Die Ausrodung von Bäumen iſt bei der Ur⸗ barmachung von Waldboden von Belange. Bei Stämmen von einiger Stärke verdient das Ausſtocken der Bäume ſammt den Wurzeln den Vorzug, weil dabei der Stamm als Hebel zum Herausreißen der Wurzeln mit benutzt wer⸗ den kann und dadurch die Geſammtkoſten geringer ſind, als wenn man die Stämme auf gewöhnliche Weiſe ſchlägt und ſpäter die Stöcke beſonders herausthun muß. Bei ſehr ſtarken Stämmen und wenn das Holz zugleich ge⸗ ringen Werth hat und deßhalb das Roden der Stöcke verhältniß⸗ mäßig gleich Anfangs zu viel koſtet, unterbleibt oft das Roden der einzelnen großen Stöcke in den erſten Jahren, und erſt, wenn ſie — ——— — ——— — 96— etwas angefault und leichter zu roden ſind, wird der Neubruch vollends davon gereinigt; dafür iſt man aber dem Nachtheil einer ſchwierigeren Bearbeitung und unvollkommneren Benutzung während jener Zeit ausgeſetzt. Mittelſt einer Winde, welche an einem noch ſtehenden Stamme befeſtigt wird, oder auch mittelſt Zugvieh, das an ein am Baum⸗ gipfel befeſtigtes langes Seil angeſpannt wird, unterſtützt man das Umlegen der mit der Wurzel gerodeten Stämme. Auch hat man eigene Stöckerodmaſchinen; eine ſolche, vom Amtsrath Siemens zu Pyrmont im Größeren angewendet, iſt in André's ökon. Neuigkeiten von 1825 beſchrieben; auch durch Pulver werden harte Stücke geſprengt; eine beſondere Maſchine dazu beſchreibt Hermb⸗ ſtädt in ſeiner Agriculturchemie(viertes Heft). Vom vorläufigen Abbrennen des Waldes⸗ oder Tödten der Bäume durch Abſchälen eines Theils der Rinde rings um den Stamm (Schwenden) und dem allmähligen Faulenlaſſen derſelben, wie bei den großen Anrodungen in Amerika geſchieht, kann in Deutſchland wohl kaum noch die Rede ſeyn. §. 196. Daß und wie man junges Gehölze, Sträucher und ſonſtiges Geſtruͤppe, wo ſich dergleichen auf urbar zu machendem Boden findet, wegzuſchaffen habe, bedarf keiner weiteren Anleitung. Wo das Geſtrüppe dünnſtenglig iſt, kann oft ein⸗ oder mehrmaliges Abmähen in dem Jahre, welches der Urbarmachung vorausgeht, ſchon genügen. Ueber das Brennen von Heidekraut ꝛc. ſ.§. 2094 IV. Ausgleichung der grössten Unebenheiten. §. 197. Mitunter iſt der urbar zu machende Boden ſo uneben, daß vor allen Dingen zum Abheben der ſtörend⸗ ſten Erhöhungen und zur Ausfullung der tiefſten Stellen geſchritten werden muß, bevor an eine weitere Unternehmung fur die Urbarmachung gegangen werden kann. Da wo Bäume gerodet oder Steine weggeſchafft werden müſſen, läßt ſich dieſes gewöhnlich mit der Ausgleichung verbinden. Eben ſo verhält es ſich da, wo durch und durch zu rajolen — 97— iſt. Man hat darauf zu achten, die Stellen, wo die Er⸗ höhungen weggenommen werden, nicht zu ſehr vom beſſeren Boden zu entblöſen. An ſtarken Abhängen iſt in Ueberlegung zu ziehen, ob eine mehr oder weniger teraſſenartige Formation mit der Ausgleichung ver⸗ bunden werden kann. Manche Wüſtungen ſind mit vielen kleinen Hügelchen(alten Maulwurfs⸗ und Ameiſenhügeln) bedeckt. Solche werden am beſten abgehauen und in Haufen zum Faulen gebracht; unterdeß bearbei⸗ tet man das Land und bringt ſpäter den Compoſt darauf. B. Methoden und Hülfsmittel der Urbarmachung. §. 198. Nach Maaßgabe der anzuwendenden haupt⸗ ſächlichſten Hülfsmittel laſſen ſich folgende verſchiedenen Me⸗ thoden der Urbarmachung unterſcheiden: I. Mittelſt gewöhnlicher Pflugarbeit. II. Mittelſt gewöhnlichen Handhackens. III. Mittelſt Rajolens. IV. Mittelſt Brennens. Weitere wichtige Hülfsmittel ſind ſodann: V. Zweckmäßige Bodenmiſchung und Dungmittel. VI. Bewäſſerung. I. Urbarmachung mittelst gewöhnlicher Pflugarbeit. §. 199. Gewöhnlicher, nicht zu ſtark filziger Gras⸗ boden, der Stöcke und Hauptwurzeln entledigter, dabei gut⸗ gearteter Waldboden, entwäſſerter Schlammboden, kann in der Regel mittelſt zweckmäßig angewendeter Pflugarbeit, und unter Zuhulfenahme der Egge und anderer gewöhnlichen Ackerinſtrumente, urbar gemacht werden. Iſt es thunlich, ſo möge man den erſten Umbruch im Herbſte vornehmen, wornach ſodann im anderen Jahre, je nach Beſchaffenheit des Bodens, Hafer, Sommerweitzen, Hirſe, Buchweitzen, Wickengemenge, Lein, Sommerraps, in wenig benarbtem Pabſt Landwirthſchaft. I. 1. Zweite Auflage 7 — 98— Boden auch Kartoffeln, angebaut werden können. Im zwei⸗ ten Jahre folgt in der Regel Hackfrucht, oder auch reine Brache zu Winterfrucht, in kräftigem Lande auch zu Raps. Die im Herbſt umgepflügte, am beſten gedoppelpflügte Gras⸗ narbe bleibt in den meiſten Fällen im Frühjahre ungepflügt, um ſo mehr aber werden Egge, Schleife und Walze gebraucht.— Bei Land, das noch viele Wurzeln oder kleinere Steine enthält, bedient man ſich eines Pfluges oder Hackens mit ſtarkem, ſchmalem Schaare und nimmt noch Handarbeit mit zu Hülfe. §. 200. Kann erſt im Frühjahre zum erſten Umbruche geſchritten werden, ſo wird dieſer Umbruch am räthlichſten als Sommerbrache mit Fleiß behandelt, in die man Rog⸗ gen, Winterrübſen ꝛc. bringt. Bei einem Zuſammentreffen unguͤnſtiger Umſtände kann nach ſolcher Brache im erſten Herbſte noch keine Winterung mit Sicherheit genommen werden, und man wählt dann Hackfrucht im folgende Jahre. §. 201. Bei nicht ſtark bewachſenem Heidelande, oder ſolchem, das des Heidekrauts zuerſt durch Abmähen oder Abbrennen(§. 209) entledigt wird, wird entweder auch eine Brachbearbeitung zu Roggen oder(im andern Jahre) Buchweitzen gegeben, wobei man vor der Saatbeſtellung die noch unverweſten Heideplaggen durch Abeggen und Abrechen bei Seite ſchafft. Oder das über Sommer einmal flach gepflugte, im Herbſt gedoppelpflügte Land wird im Früh⸗ jahre mit Hafer und Weideanſaat(Klee⸗ und Grasarten) beſtellt; nach ein⸗ bis zweijähriger Schafweide wird man ſodann ein artbares Land haben. II. Urbarmachung mittelst gewöhnlichen Handhackens. §. 202. Ein erſtes Durcharbeiten mit der Handhacke iſt räthlich bei mehr verwildertem, mit Wurzeln oder Stei⸗ nen noch ſehr beſetztem, oft auch noch unebenem Lande. Man bringt dann entweder mit der Hand zu bearbeitende — 99— Kartoffeln, oder zuerſt Hafer und dann Kartoffeln, auch zweimal Kartoffeln hintereinander. Man erreicht häufig ſeinen Zweck ſicher und einfach, indem man ſolches Land an ſogenannte kleine Leute auf ein oder zwei Jahre, unter Bedingungen, welche ſich nach den Localverhältniſſen richten (oft um einen Antheil am Brutto-Ertrage), zum Kartoffelbau mit der Hand überläßt. III. Urbarmachung mittelst Rajolens. §. 203. Ein mehrere Fuß tiefes Najolen iſt erforder⸗ lich, wenn eine ſchlechte Schichte Untergrund ſehr nahe liegt, z. B. Ocher, viele Steine ꝛc.— ſodann bei ſehr uneben geſtalteter Oberfläche, der man nur mittelſt Najolens die fuͤr den beabſichtigten Zweck erforderliche Umgeſtaltung geben kann. Ferner iſt Najolen auch bei beſſerem Boden vorzunehmen, wenn derſelbe zu Weinbergen, Hopfengärten und ähnlichen Zwecken beſtimmt iſt, welche eine tiefe und eigenthümliche Vorbereitung erfordern. §. 204. Eine recht vollkommene Rojalarbeit iſt nur mit der Hand(mit Rodehaue, Spaten ꝛc.) zu erlangen. Bei nicht ſehr ungünſtigem Terrain läßt ſich jedoch der Zweck auch öfters durch Rajolpflügen mit einem minderen Koſtenaufwande erreichen.(S.§. 229). Man fängt bei dem Handrajolen an den tieferen Punkten an, theilt ſich den zu rajolenden Boden in ſchmale Streifen(Schläge) ein, pflöckt die zu gebende oberflächliche Geſtaltung nach vorgenom⸗ menem Nivellement ab, bringt den Untergrund mehr nach oben, die Steine und Wurzeln bei Seite u. ſ. f. IV. Urbarmachung mittelst Brennens. §. 205. Brennen der Narbe iſt in vielen Fällen das beſte, zuweilen das einzige bald zum Ziele führende Hulfs⸗ mittel für die Urbarmachung. Es wird in der Negel räͤth⸗ lich bei allem Boden, welcher ſehr viele, zim Theil noch — 100— wenig zerſetzte vegetabiliſche Reſte enthält, zumal wenn er ſich zugleich in verſäuertem Zuſtande befindet. Dahin ge⸗ hören namentlich: mit Schilf ſtark bewachſene entwäſſerte Teiche, dicknarbiger, ſaurer, verwilderter Grasboden, Moor⸗ und ſehr wilder Waldboden; in kaltem feuchtem Clima macht ſich das Brennen auch bei gewöhnlicher Grasnarbe und bei Heideland geltend, zumal wenn letzteres ſehr filzig iſt. §. 206. Der Zweck des Brennens der Narbe und des damit zuſammenhängenden Bodens ſoll niemals ſeyn, alle vegetabiliſchen Reſte gänzlich in Aſche zu verwandeln; es ſoll vielmehr durch ein gedämpftes Glühen nur ein Theil der Vegetabilien im Boden zum vollſtändigen Brennen ge⸗ langen, während der andere Theil nur mehr einſäuert und auflöslich und in Verbindung mit der Aſche des verbrann⸗ ten Theils viel wirkſamer für den Pflanzenbau wird. Auch mit den erdigen Beſtandtheilen des mehr oder weniger ge⸗ gluhten Bodens gehen theilweiſe Veränderungen vor, welche für die nachfolgende Pflanzenvegetation wichtig ſind; auch nehmen ſie den beim Brennen gebildeten Ruß auf. Alles dieß zuſammen belebt ſodann die Thätigkeit des nicht ge⸗ brannten Theils des Bodens und zugleich ſind die ſeiner guten Bearbeitung im Wege ſtehenden ſchwer zerſetzlichen Vegetabilien entfernt. Weiteres über das Bodenbrennen im 6. Capitel. §. 207. Das Verfahren beim Narbebrennen iſt ver⸗ ſchieden. Ein haͤufig in Anwendung kommendes iſt: mit⸗ telſt breiter ſcharfer Hauen die Narbe in Plaggen abzuſchä⸗ len, oder letztere zu gewinnen, indem man einen Schaͤlpflug anwendet, dem entweder ein Meſſerpflug quer vorausge⸗ gangen iſt oder dem ein Zerhauen der Plaggenſtreifen nach⸗ folgt; die Plaggen werden, indem man ſie aufrecht ſtellt, getrocknet und alsdann bei trocknem Wetter mit etwas Wind⸗ zug, nachdem man ſie mit Reiſig, und die Narbe ſtets — 101— nach Innen gewendet, in Haufen zuſammengeſetzt, gebrannt, wobei durch Laſſen und Verſchließen von Zugöffnungen, Wiederaufdecken neuer Raſen u. ſ. w. auf ein langſames und nicht alle vegetabiliſchen Stoffe verzehrendes Glühen hingearbeitet wird. Man ſetzt auch zum gleichen Zwecke die Plaggen mit dem Holze ofenartig; bei leichtbrennender Narbe kann aber das Hinzuthun von Holz auch ganz ent⸗ behrt werden. §. 208. Der auf die eine oder andere Art gebrannte Boden mit der erzeugten Aſche wird über den unterdeß auf irgend eine Weiſe bereits aufgelockerten unabgelösten Bo⸗ den alsbald geſtreut, mit Egge, Erſtirpator oder flach ge⸗ ſtellten Hacken ꝛc. ſo raſch als thunlich mit der Oberkrume vermengt, auch die Beſtellung danach ſo bald als möglich ausgeführt. Man wählt, wenn das Brennen ſchon im Vorſommer geſchehen konnte, gerne fuͤr den erſten Anbau: Buchweitzen, Rüben, Kartoffeln, Sommerrübſen; wurde erſt im Nachſommer gebrannt, ſo wird faſt immer Roggen da⸗ nach gebaut. Iſt der Boden noch nicht hinlänglich vorbereitet, um alsbald nach dem Streuen und Mengen die Saat folgen laſſen zu können, oder die Zeit hierfür noch nicht gekommen, ſo deckt man die gebrann⸗ ten Haufen ſo lange mit Crde. In den Niederlanden verfährt man bei gebranntem geringem Heidelande auch auf ſolgende Weiſe: nach dem Streuen der ge⸗ brannten Reſte der Narbe wird eine dem Boden angemeſſene Weide⸗ anſaat gemacht, dieſe zwei Jahre für Schafe benutzt und dann in den Aufbruch Roggen mit halber Düngung genommen. §. 209. Wenn man Heideland und mit ſonſtigem Ge⸗ ſtrüppe bewachſenen Boden zu Anfang oder Ende des Win⸗ ters bei trocknem Wetter, unter Beobachtung geeigneter Vorſichtsmaaßregeln, auf der Windſeite anzündet, und ſo blos oberflächlich abbrennt, ſo wird eine beſſere Weide die unmittelbare Folge ſeyn, welche man dann durch gewöhn⸗ — 12— lichen Umbruch urbar zu machen im Stande ſeyn wird, wenn die Narbe daneben nicht zu ſtark und filzig iſt. §. 210. Bei Moor⸗ und Torfboden iſt es durch ein⸗ oder mehrmal vorgenommenes Brennen öfters allein mög⸗ lich, ſolchen Boden zum Anbau einiger Gewächſe, als Buchweitzen, Rüben, Sommerrübſen, Kartoffeln, Hafer, geſchickt zu machen, oder einen leidlichen Graswuchs auf eine Reihe von Jahren darauf zu etabliren. Bei mächtiger Schichte wird das Brennen des Moors von Zeit zu Zeit wiederholt, was aber am Ende doch ſeine Grenze finden muß. Ein häufig noch zu wenig beachtetes Haupthülfsmittel, gebrann⸗ ten Moorboden tragbar zu erhalten, liegt in zeitig und reichlich angewendeter Miſtdüngung und in der Zumengung erdiger Theile (§. 212. 216.).— Bei der vorausgehenden Entwäſſerung von Moor⸗ und Torfboden hat man darauf zu ſehen, daß das Waſſer in den Gräben ſo hoch ſtehen bleibt, oder wieder angeſtaut werden kann, daß der Torf nicht nach der Tiefe in Brand geräth; auch für die künftige Benutzung iſt es wichtig, daß die Feuchtigkeit der ſonſt zu ſehr austrocknenden Oberkrume nach Erforderniß zu gut kommen kann. 3 V. Bodenmischung und Düngung. §. 211. Bei einem von Natur ſchlechten oder armen Boden iſt zwar die erſte Cultivirung öfters leicht. Allein ohne ſolchen Boden in einen beſſeren Zuſtand zu ſetzen, wird er die Cultur ſelten lohnen und deßhalb handelt es ſich hierbei vor allen Dingen um ſolche Hulfsmittel, welche ohne verhäͤltnißmäßig zu große Koſten eine zureichende Ver⸗ beſſerung bewirken können. Dieſe Hülfsmittel beſtehen haupt⸗ ſächlich in der Aufbringung geeigneter Erdarten oder in der Anwendung von Dungſtoffen. §. 212. Häufig iſt bei humusarmem Boden Mergel, Moder oder Moorerde in der Nähe zu finden, und darin ein ſicheres Mittel gegeben, ihn in culturfähigen Stand — 103— zu ſetzen; beſonders gilt dieß von geringem Sandboden. Bei moorigem Boden empfiehlt ſich ebenfalls der Mergel, aber auch jeder andere damit vermengbare erdige Grund, und ſelbſt Sand, wenn dergleichen in der Nähe oder viel⸗ leicht ſelbſt im Untergrunde ſich findet. §. 213. Mäßig benarbtes Wildland von kalter Be⸗ ſchaffenheit, wobei ſich das Brennen aus irgend einem Grunde nicht gut anwenden läßt, wird auch auf folgende Weiſe leicht urbar gemacht und in einen thätigeren, kräfti⸗ geren Zuſtand verſetzt: Man ſchält die Narbe(ſ.§. 207.), ſetzt die Stuͤcke mit gebranntem Kalk, auch wo thunlich mit etwas friſchem Stallmiſt, auf Haufen, welche man in Compoſt ſich verwandeln läßt, den man ſodann auf das unterdeß bearbeitete Land ſtreut und damit mengt. Auch bei einem nicht ſehr ſtark benarbten moorartigen Boden iſt dieſes Verfahren mit Erfolg anwendbar. §. 214. Wo es an Gelegenheit mangelt, Hülfsmittel der eben gedachten Art anzuwenden, auch anzukaufende oder aus der beſtehenden Wirthſchaft zu erübrigende Dung⸗ mittel nicht zu Gebote ſtehen, möge man in Ueberlegung ziehen, ob man durch mehrmals wiederholte Gründüngung dem Boden die erſte nöthigſte Aufhülfe geben kann. Of aber wird man beſſer daran thun, ſehr geringen Boden zu⸗ nächſt zu Wald anzulegen, und falls man dieſen nicht auf die Dauer belaſſen will, nach einer Neihe von Jahren erſt anzuroden, nachdem der Boden ſich unterdeß gekräftigt ha⸗ ben wird. Etwas Düngung, z. B. Pfuhl oder Compoſt, iſt auf armem Sandboden ſelbſt zur erſten Gründüngung erforderlich, wenn dieſe gedeihen und einer zweiten zum noch beſſeren Aufkommen zur Grund⸗ lage dienen ſoll. Statt der Gründüngung kann man auch, ebenfalls unter Vorausſetzung der Anwendung irgend eines wenn auch nur ſpärlich zugemeſſenen Dungmittels, eine Weide zu erzielen ſuchen, 1 — 1014— um damit Daſſelbe zu erreichen. Specielleres über die Gründün⸗ gung im ſechsten Capitel. In der Brabanter Campine hat man auf geringem Sandboden die mit Sorgfalt ausgeführte Kiefernſaat mitunter ſchon nach 8 Jah⸗ ven wieder gerodet, oft aber auch bis zu 40 Jahren belaſſen, um dann zur Benutzung als Ackerland überzugehen. Bei urbar zu machendem Heideland und ſonſtigem von Natur dürrem Boden empfiehlt ſich auch die Abtheilung in nicht große Flächen und deren Einfriedigung mit bepflanzten Wällen. S. das achte Capitel. §. 215. In manchen Landſtrichen, z. B. in nördlichen Kuͤſtenländern, findet man ſtrichweiſe den Flugſand ſo arm und unbenarbt, daß vorerſt ſelbſt an eine Benutzung zu Wald nicht zu denken iſt, und es ſich nur darum handelt, die Verwehung benachbarten beſſeren Bodens zu verhüthen, den Flugſand zum Stehen zu bringen, was oft ſehr ſchwierig iſt. Ganz niedere, nahe beiſammengeſetzte Flechtzäune und Belegen der Zwiſchenräume mit kurzen, zum Theil einge— ſteckten Kiefernreiſern, dazu Ueberſtreuen von Saamen von Sandgras, Sandhafer, auch Kiefern(mit den Aepfeln aus⸗ geworfen), Birken ꝛc., Einſtecken von Sandweiden und der⸗ gleichen Pflanzen, führte ſchon öfters zu einem erwünſchten Ziele. Findet man glücklicher Weiſe thonigen Boden in der Nähe, ſo fahre man ihn auf und vertheile ihn in kleine Klumpen. Selbſt Steine hat man ſchon auf ſolchen Flug⸗ ſand gebracht. M. vergl. von Pannewitz Anleitung zum Anbau der Sand⸗ flächen ꝛc. §. 216. Bei allem angerodeten Boden, ſelbſt wenn er ſich auch Anfangs noch ſo kräftig zeigt, iſt endlich drin— gend anzuempfehlen, mit geeigneter Dungung zu Huͤlfe zu kommen, ſobald ſich nur einige Abnahme ſeiner Productions⸗ fähigkeit zeigt; denn iſt ein zu ſtark in Anſpruch genomme⸗ ner Neubruch bereits in einen gewiſſen Zuſtand der Erſchö⸗ — 105— pfung gekommen, ſo iſt dann ſehr ſchwer, ihn wieder in einen guten Zuſtand zu ſetzen. VI. Bewässcrung. §. 217. Läßt ſich auf einen bisher wenig einträg⸗ lichen Boden, namentlich Sand oder Moor, gutes Waſſer in hinreichender Menge bringen, ſo reicht dieß oft allein hin, in kurzer Zeit einen befriedigenden Graswuchs hervor⸗ zurufen. Mehr wird man jedoch in ſoͤlchem Falle erzielen, wenn man ſolchen Boden zuerſt angemeſſen cultivirt, von Neuem zu Gras anlegt und dann eine zweckmäßig einge⸗ richtete Bewäſſerung ihm zu gut kommen läßt. Das Nähere in dieſer Beziehung in der zweiten Abtheilung dieſes Bandes. —— Von der Bearbeitung des bereits in Eultur ſtehenden Bodens. §. 218. Der zum Pflanzenbau benutzte Boden muß, wenn die Cultur und Erndte eines bisher angebauten Ge⸗ wächſes ihr Ende erreicht hat, von Neuem in einen fuͤr das nachfolgend anzubauende Gewächs angemeſſenen Zuſtand geſetzt werden, d. h. er muß gewendet und aufgelockert, von Unkraut gereinigt, und wieder geebnet werden, die Ober— fläche muß zugleich, je nachdem der Abzug oder das An⸗ halten der Feuchtigkeit Erforderniß iſt, geſtaltet, Dünger und Saamen müſſen untergebracht werden. Mancher ſchon länger in Cultur ſtehende Boden befindet ſich hinſichtlich der Ableitung des Näſſe und der Wegſchaffung der Steine noch in einem vernachläſſigten Zuſtande, für welchen Fall auf das — 106— über dieſe Gegenſtände im vorigen Capitel Geſagte zurückgewieſen wird. §. 219. In der Regel werden jene verſchiedenen Ar⸗ beiten mit Huͤlfe des Geſpanns, unter Umſtänden werden ſie aber auch blos mit der Hand ausgeführt. Man bedient ſich zu dem Ende: A. Des Pfluges und des Hackens. B. Der Egge. C. Verſchiedener anderer Werkzeuge, welche zur Locke⸗ rung des Bodens dienen. D. Der Walze und der Schleife. E. Verſchiedener Handarbeitsgeräthe. Endlich mögen auch noch F. die Geräthe zum Transport hiermit erwähnt werden. A. Von der Pflugarbeit. §. 220. Mittelſt des Pflugs und theilweiſe des Hackens wird der Boden bis zu der erforderlichen Tiefe gewendet und bis zu einem gewiſſen Grade gelockert, auch das Un⸗ kraut theilweiſe zerſtört; zugleich dienen beide zu Unterbrin⸗ gung des Miſtes, zuweilen auch des Saamens, und end⸗ lich wird mit dem Pfluge der Oberfläche auch die beabſichtigte Geſtaltung gegeben.— Unterſuchen wir zuerſt die Conſtruc⸗ tion und Leiſtung jener beiden wichtigſten Ackerwerkzeuge, und lernen ſodann die Arbeit mit denſelben näher kennen. I. Derpel u. §. 221. Die Haupttheile des Pflugs ſind: a) das Schaar, auch Pflugeiſen genannt, zum waagerechten Abſchneiden des Erdſtreifens, von Eiſen. Es iſt entweder einem rechtwinklichen oder einem gleichſchenklichen Dreieck ahnlich und im letztern Falle zweiſchneidig; zuweilen hat es auch die Geſtalt einer Zunge; ſodann iſt es entweder platt — 107— oder etwas eingedruckt oder entgegengeſetzt nach oben ge⸗ wölbt. b) Das Sech(Pflugmeſſer, Colter) zum ſenkrech⸗ ten Durchſchneiden des Bodens, ebenfalls von Eiſen; zu⸗ weilen fehlt es ganz; ausnahmsweiſe beſteht es in einer ſcharfkantigen Scheibe. c) Das Streichbrett oder Rü⸗ ſter hat den Zweck, den abgelösten Boden weiter zu tren⸗ nen und umzulegen; theils von Eiſen, theils von Holz mit oder ohne Eiſenbeſchläge; in ſeiner Länge, Höhe und Form äußerſt verſchieden, mit oder ohne Schweifung, feſtſtehend oder beweglich. d) Die Sohle oder das Haupt, von Holz mit Eiſen beſchlagen, oder auch ganz von Eiſen. Sie dient zum ſicheren Gang des Pflugs und um Schaar und Streichbrett daran zu befeſtigen, auch einige andere Theile des Pflugs mit einander zu verbinden. e) Der Grindel (Krengel, Pflugbaum) aus ſtarkem Holz, häufig mit Eiſen beſchlagen; zur Anſpannung und Fortbewegung des Pfluges nothwendig. f) Die Griesſäule verbindet und befeſtigt Haupt und Grindel. g) Die Sterzen(Handhaben) zur Führung des Pflugs; gewöhnlich zwei, an manchen Pflu⸗ gen auch nur eine. h) Das Vordergeſtell, zum Stellen des Pflugs, gewöhnlich auch zum Anſpannen. Daſſelbe beſteht meiſtens in einem kleinen zweiräderigen Wagen, zu⸗ weilen blos in einer Stelze mit einem Fuß oder Rädchen; an einigen Pflügen aber fehlt es ganz. Zum Hinausſchaffen des Pflugs dienen verſchiedene Arten von Schleifen, zum Reinigen von der anklebenden Erde kleine Spatel (Reutel) ꝛc. §. 222. Wenn der Pflug ein feſtſtehendes Streichbrett und ein mehr rechtwinklich geformtes Schaar hat, ſo heißt dies ein Beetpflug; iſt aber das Streichbrett beweglich (von einer Seite zur andern verſetzbar), ſo heißt ein ſol— cher Pflug ein Wendepflug. Die Pflüge, welche ein Vor⸗ dergeſtell mit Axe und Rädern haben, heißen Räderpflüge, — 108— die, welche blos einen in den Grindel eingeſetzten Fuß haben, Stelzpfluͤge, und die ohne alles Vordergeſtell, Schwingpflüge. §. 223. Mit dem Beetpflug muß ſtets ein zum Pfluͤgen vorgenommenes Stuüͤck Feld entweder von der Mitte an zuſammengepfluͤgt oder von den beiden Seiten an aus⸗ einandergepflugt werden; dadurch entſtehen durch Furchen getrennte Abtheilungen, Beete genannt Mit dem Wen⸗ depflug wird am einen Ende des Feldes angefangen, nach jeder gezogenen Furche das Streichbrett umgeſetzt und die neue Furche an die eben gezogene wieder angepflügt und ſo fort, wodurch die Beete und Zwiſchenfurchen vermieden werden. In der Regel ſteht bei den Beetpflügen das Streichbrett auf der rechten Seite; an manchen Orten, z. B. an der Bergſtraße, auch in einem Striche von Flandern, iſt es aber auf der linken befeſtigt. .§. 224. Wenn der Pflug ſeinem Zwecke in jeder Hinſicht entſprechen ſoll, ſo ſind folgende Forderungen an ihn zu machen: 1) er muß zum Flach⸗ wie zum Tiefpflü⸗ gen zu gebrauchen ſeyn und ſich dazu leicht ſtellen laſſen; 2) er muß vermöge einer einfachen Stellung zum Pflügen eines ſchmaleren und breiteren Streifens angewendet wer⸗ den können, welche Schnittbreite jedoch wieder von der Form und Breite des Schaars bis zu gewiſſem Grade bedingt iſt (ſ.§. 244); 3) er muß den Erdſtreifen ſenkrecht und waag⸗ recht vollkommen abſchneiden; 4) er muß die abgeſchnittene Erde umwenden und zugleich möglichſt zerkrumeln; 5) der Kraftaufwand muß im Verhältniß zur geleiſteten Arbeit ſtehen; 6) er muß dauerhaft und nach Verhältniß der Dauer und Feſtigkeit, welche der zu pflgende Boden erfordert, nicht zu koſtſpielig ſeyn; 7) zu ſeiner Führung muß keine größere Achtſamkeit erforderlich ſeyn, als die man bei ver⸗ ſtändigen und willigen Ackersleuten erwarten darf. — 109— Hinſichtlich der Tiefe iſt zu bemerken, daß ein guter Pflug ſchon auf eine Tiefe von 2 und bis zu der Tiefe von 4 Fuß ſoll ge⸗ braucht werden können. Will man, tiefer pflügen, ſo bedarf man entweder beſonders dazu conſtruirter Pflüge, oder einer Veränder⸗ ung oder eines AÄnſatzes für das Streichbrett, oder man wendet das Doppelpflügen an(ſ.§. 268). Da beim Umwenden auch Lockerung oder Krümelung eine Hauptabſicht bleibt, ſo darf man auch kein ſolches Umkehren des Bodens verlangen, daß das oben Gelegene ganz genau unten, das unten Gelegene genau obenhin zu liegen komme; überhaupt iſt wegen des beſſeren Zutritts der Atmoſphäre und des beſſeren Eingreifens der ſpäter nachfolgenden Egge ein ganz ebenes Wiederhinlegen der gepflügeten Furche in den meiſten Fällen gar nicht wünſchenswerth, ſondern vielmehr eine nach dem Pflügen auch noch gefurcht erſcheinende Oberfläche. §. 225. Ein rechtwinkliches oder in der Form eines halben Keils conſtruirtes Schaar von zureichender Breite und mit recht ſcharfer Schneide, dann eine gute Verbindung des Schaars mit dem Rüſter und eine ſolche Form des letzteren, daß der gut abgeſchnittene Boden raſch und leicht gehoben wird, und umſtürzend möglichſt ſchnell das Streichbrett wieder verläßt, tragen am meiſten dazu bei, daß eine gute und verhältnißmäßig nicht zu viel Kraftaufwand verur⸗ ſachende Pflugarbeit erreicht werden kann. Da nun am Wendepflug ein zweckmäßig geformtes Schaar und Streich⸗ brett und eine gute Verbindung beider mit einander ſich nicht ſo zweckdienlich wie am Beetpfluge anbringen läßt; ſo folgt daraus, daß ein gut conſtruirter Beetpflug im All⸗ gemeinen den Vorzug vor dem Wendepflug verdient. An ſteilen Abhängen, welche möglichſt horizontal gepfluüͤgt wer⸗ den müſſen, unterliegt jedoch der Gebrauch des Beetpflugs größeren Schwierigkeiten; in bergigen Gegenden muß darum die Beibehaltung des Wendepflugs gutgeheißen werden. Ueberhaupt muß ſich in mehrfacher Beziehung der Bau des Pflugs oder einzelner Theile deſſelben nach dem Boden 8 richten. Ein breites Schaar taugt z. B. nur für ſtein⸗ — 110— loſen Boden; iſt dieſer ſtark gebunden, jedoch nicht ſehr ſteinig, ſo iſt ein Schaar von mittlerer Breite einem ganz breiten vorzuziehen; in ſteinigem Boden verdient ein noch mehr ſchmales, nach oben gewölbtes Schaar, bei ſehr vie— len Steinen ein zungenförmiges den Vorzug. Mit unrecht wirft man dem Beetpflug die Nothwendigkeit der Furchen vor, da dieſe, da wo man ihrer nicht bedarf, ſo behandelt werden können, daß ſie keinen Schaden bringen(ſ.§. 253); auch der Zeitverluſt beim uUmziehen mit dem Veetpfluge, beim jedesmaligen Umkehren, den man ihm zur Laſt legen will, wird beim Wendepflug durch das Wenden des Streichbretts und umkeilen des Sechs, das nach jeder Furche ſtattfinden muß, ausgeglichen. Einige Vorzüge behält der Wendepflug dagegen zum Saatunterpflügen, wenigſtens gegen die Beetpflüge mit geſchweiftem Streichbrette. Um die Nachtheile, welche in der Conſtruction des Wendepflugs liegen, zu vermeiden, und doch ſeine Vorzüge beizubehalten, hat man ſchon an verſchiedenen Orten einen ſogenannten Doppelpflug gebaut und anzuwenden verſucht, deſſen Eigenthümlichkeit darin be⸗ ſteht, daß an einem und demſelben Grindel zwei Pflugkörper(einer oben und der andere unten) angebracht ſind, dergeſtalt, daß nach jedem Umwenden der Pflug herumgedreht und derjenige Theil angeſetzt wird, welcher bei der eben gezogenen Furche in der Luft ſchwebtez die Sterze muß dabei beweglich ſeyn, um jedesmal wieder nach oben gedreht zu werden. Etwas der Art iſt der Pflug, den Burger den noriſchen nennt(ſ. deſſen Lehrbuch 1ter Th.) Das Unpractiſche eines ſolchen Werkzeugs iſt leicht einzuſehen. Degegen würde man ſich mit Vortheil zum Wendepflug zweier für die rechte und linke Seite zweckmäßig geſchweifter, abwechſelend einzuſetzenden Streichbretter bedienen, und es iſt zu verwundern, daß dieſe Einrichtung als Verbeſſerung des Wendepfluges noch nicht in Aufnahme gekommen iſt. §. 226. Die Schwingpflüge erfordern, gleich gute Conſtruction im Allgemeinen vorausgeſetzt, verhältnißmäßig etwas weniger Zugkraft, als die Stelz⸗ und Räderpflüge. Sie erfordern aber auch die größte Achtſamkeit und Ge⸗ ſchicklichkeit bei der Fuͤhrung, und wo dieſe fehlen, nament⸗ — 111— lich wenn der Boden ungleich, feſt, oder auch locker in der Tiefe, oder gar ſteinig iſt, gibt es leicht Furchen von ſehr ungleicher Tiefe.— Die Stelzpflüge verurſachen durch den auf dem Boden hinſchlüpfenden Fuß eine kleine Nei⸗ bung, welche bei den Schwingpflügen wegfällt, dieſe iſt aber unbedeutend und verringert ſich, je tiefer gepflügt wird; dagegen gehen ſie ſicherer. Nur wo die Oberfläche des Bo⸗ dens ſehr holprig(ſchollig) iſt, oder wo der Steine ſehr viel ſind, oder die Lage ſtark abhängig iſt, iſt auch die Führung der Stelzpflüge ſchwierig. Das Vordergeſtell am Räderpfluge vermehrt zwar die zur Fortbewegung des Pflugs im Boden erforderliche Kraft noch etwas mehr, als dieß durch die Schleife beim Stelzpfluge geſchieht; es iſt aber bei ſonſt zweckmäßiger Conſtruction des Vordergeſtells die dadurch bewirkte Vermehrung der Zugkraft nicht ſo be⸗ deutend, als gewöhnlich angenommen wird; dagegen iſt den Räderpflügen der Vorzug nicht abzuſprechen, daß ihre Führung am eheſten ungeſchickten Händen anvertraut wer⸗ den kann und daß ihr Werth um ſo mehr ſteigt, je mehr Steine und unebener Boden den Gang des Pflugs er⸗ ſchweren. Bei den Räderpflügen kömmt es ſehr auf die Höhe und Länge des Pflugs, ſo wie auf die Höhe der Räder an, in wie weit durch das Vordergeſtell das Erforderniß an Zugkraft größer wird. Iſt der Bau ſo, daß bei mitteltiefer Stellung kein ſtarkes Drücken des Grindels auf das Geſtell, noch von dieſem ein ſtarkes Streben, jenen nach oben zu drängen, ſtattſindet, und haben die Räder dabei einen großen Durchmeſſer; ſo wird das Vodergeſtell nur eine geringe Vermehrung der erforderlichen Zugkraft veranlaſſen. Unter um⸗ ſtänden dürfte es deßhalb räthlicher ſeyn, den Bau des Pflugs und Vordergeſtells zu verbeſſern, als den Räderpflug gegen den Stelz⸗ oder Schwingpflug zu vertauſchen. Blicken wir auf die Pflüge der Alten, oder nur auf den Pflug der Römer zurück, ſo gewahren wir, daß man zuerſt Pflüge ohne Vor⸗ dergeſtell hatte, das letztere aber erſt ſpäter als eine Verbeſſerung — 112— beigegeben ward, bis man dann in der neueren Zeit deſſen Weg⸗ laſſung(bei den Schwingpflügen) abermals als eine große Verbeſ⸗ ſerung ſtempelte. §. 227. Mit Unrecht hat man bisher auf eine ſchmale Pflugſohle beſonderes Gewicht gelegt und nicht bedacht, daß auf die kleinere Erdfläche, womit die ſchmalere Sohle in Berührung kömmt, ein um ſo ſtärkerer Druck vom Ge⸗ wichte des Pflugkörpers ausgeübt wird, als auf die größere Fläche der breiteren Sohle. Dagegen iſt es nicht gleich⸗ gültig, ob die Sohle Holz oder glattes Eiſen iſt, indem letzteres weit weniger anhängt(anklebt) als erſteres.— Unweſentlich endlich iſt bei ſteinloſem Boden, ob der Pflug eine oder zwei Sterzen hat; bei ſehr ſteinigem oder ſteil gelegenem Boden aber erleichtern zwei Sterzen die Führung. §. 228. Die Schwere des Pflugs iſt ſehr in Be⸗ tracht zu ziehen, da ſolche begreiflich von bedeutendem Ein⸗ fluße auf die zu ſeiner Anwendung erforderliche Zugkraft iſt. Indeſſen darf die Stärke, welche zur Anwendung des Pflugs unter den gegebenen Verhältnißen erforderlich iſt, nicht leiden durch das Beſtreben, den Pflug möglichſt leicht zu bauen. Die Schwere muß ſich alſo zunächſt nach dem Boden richten, welcher— und der Tiefe, zu der er bear⸗ beitet werden ſoll. Ueberhaupt iſt eine gute Conſtruction noch wichtiger, als ein möglichſt geringes Gewicht. Manche Pflüge ſind unnöthig ſchwer und plump gebaut und da⸗ bei auch gewöhnlich ſonſt ſchlecht conſtruirt. Andere ſind auf Koſten einer guten und feſten Conſtruction zu leicht. Ein nach Verhältniß des zu pflügenden Bodens zu leichter Pflug hat überdieß einen un— ſtäten Gang. Es gibt Pflüge von ½ bis 2 Centner Gewicht; einige ſind ſo⸗ gar über 2 Centner ſchwer. Gut conſtruirte Schwing- und Stelz⸗ pfluge für ſchweren Boden ſind in der Regel nicht über einen Cent⸗ ner ſchwer, für leichten Boden gewöhnlich nur 70 bis 80 Pfund. §. 229. Ungewöhnlich ſtark und ſchwer gebaut ſind — 113— die Rajolpflüge, mittelſt deren der Boden zu ungewöhn⸗ licher Tiefe— über 1 Fuß tief— gelockert und in vielen Fällen auch herumgearbeitet werden ſoll. Wenn letzterer Zweck miterreicht werden ſoll, ſo iſt die Einrichtung des Streichbretts beſonders wichtig, das höher als am gewöhn⸗ lichen Pfluge geſtellt ſeyn muß. Soll der Najolpflug haupt⸗ ſächlich nur in der Tiefe lockern, ſo bleibt das Streichbrett weg(§. 240). Man muß vor einen ſolchen Rajolpflug häufig 6 und mehr Stück Zugvieh ſpannen. Wenn ſolcher Pflug in ſteinigem Boden angewendet werden ſoll, ſo wird in das Ohr eines ſenkrecht auf den Grindel geſetzten Ei⸗ ſens eine Querſtange geſchoben, welche zum beſſeren Halten des Pflugs dient, indem auf jeder Seite ein Mann geht und die Stange hält. §. 230. Je tiefer der Boden gepflügt werden ſoll und je ſchwerer er iſt, um ſo mehr kömmt es auf einen zweck⸗ mäßigen Bau des Pflugs an, während in leichtem Boden bei nicht tiefer Furche ein weniger zweckmäßig gebauter Pflug noch ziemlich gute Arbeit macht und der Kraftauf⸗ wand in ſolchem Falle auch beim ſchlechteren Pfluge immer nicht groß iſt. §. 231. Obgleich man immer mehr einſieht, von wie großem Einfluße auf den für die Bearbeitung des Bodens zu machenden Aufwand, wie auf den daraus zu erzielenden Ertrag der Bau des Pfluges ſei; obgleich auch die Auf— merkſamkeit vieler intelligenten Landwirthe in neuerer Zeit auf die vergleichende Unterſuchung und die Verbeſſerung verſchiedener Pfluge und die Ermittelung der beſten gerich⸗ tet iſt; ſo iſt man über den bedingten Werth der irgend in gutem Rufe ſtehenden Pflüge doch noch lange nicht im Reinen; eine Theorie des Pfluges und der Leiſtung und Wirkung ſeiner einzelnen Theile, je nach ihrer verſchiedenartigen Conſtruc⸗ tion, iſt noch nicht genügend aufgeſtellt und Vieles bleibt Pabſt Landwirthſchaſt. I. 1. Zweite Auflage. 8 — 114— in den gedachten Beziehungen noch näher zu ergründen und feſtzuſtellen. Vergleichende Verſuche, mit Zuhülfenahme eines Kraftmeſſers, wie man ſie nun ſchon oft angeſtellt hat, können viel zur Feſtſtellung eines Urtheils über den Werth verſchiedener Pflüge beitragen. Mit Unrecht hat man aber die Reſultate ſolcher einzelnen Verſuche als entſcheidend geltend machen wollen; denn nicht nur, daß der eine Pflug für dieſen, der andere für jenen Boden, oder auch aur für verſchiedene Zuſtände ein und deſſelben Bodens, beſſer ge⸗ eignet iſt; ſo liegt in der Vollkommenheit des Baus, der Schaar⸗ ſchärfe ꝛc. der einzelnen Pflugexemplare, ſo wie auch in der Geſchick⸗ lichkeit der Pflüger mit dem einen Pfluge beſſer umzugehen als mit dem andern, noch großer Anlaß zu einem für allgemein nicht richti⸗ gen Urtheile. Ueberhaupt liegt an dem Fleiße und der Geſchicklichkeit, womit die Pflugarbeiten ausgeführt werden, ſo viel, daß wir mit einem mittelmäßigen Pfluge oft beſſere Arbeit, als mit einem anerkannt beſſern ausgeführt ſehen. Die Schwingpflüge kamen durch die Engländer Baylay und Small zuerſt in Ruf, welche für deren Erfinder gelten. Ge⸗ genwärtig iſt in England ein Schwingpflug von Morton, beſon⸗ ders aber der ganz aus Eiſen gebaute, ſogenannte ſchottiſche Pflug ſehr gerühmt.— In Frankreich hat Dombasle's Schwingpflug einen Ruf erhalten.— In Deutſchland ſind die Schwingpflüge durch Thär, Koppe, Carr u. A. eingeführt, jedoch nur in einzelnen Wirthſchaften. Die Heimath der Stelzpflüge iſt Belgien, und der fland⸗ riſche Pflug, durch Schwerz nach Hohenheim verpflanzt und von da aus in Oeutſchland vielverbreitet und deßhalb auch der Schwerz⸗ ſche Pflug genannt, hat überall den Ruhm als einer der beſten Pflü⸗ ge behauptet, die es gibt. Zu den beſſeren Räderpflügen mit feſtſtehendem geſchweif⸗ tem Streichbrett gehören: der pfälzer oder berg ſträßer und der oberelſäßer;— der altenburger(verbeſſerte thürin⸗ ger) gehört zu den beſſeren mit ungeſchweiftem Streichbrett.— Beſondere Aufmerkſamkeit verdient der unter dem Namen Ruchadlo ſeit einigen Jahren in Böhmen vielverbreitete Räderpflug. Sein Bau iſt höchſt einfach und Schaar und Streichbrett ſind nur ein — 115— Stück Eiſen. Er geht leicht und gut, legt aber unter Umſtänden zu wenig um, was jedoch leicht zu verbeſſern iſt.— Zu den beſſeren Räder⸗ und. Wendepflügen ſind zu rechnen: der flandriſche und der pfälzer Wendepflug. Auch im jülicher Lande und in andern Strichen des linken Niederrheins trifft man ziemlich gute Wende⸗ pflüge. Der bonniſche Pflug kann als Muſter eines Pflug mit zun⸗ genartigem Schaar(für kieſigen, ſteinigen Boden) gelten. §. 232. Zu gewiſſen Zwecken, namentlich um die Lei⸗ ſtung des Pflugs zu erhöhen, ſind noch mancherlei Verän⸗ derungen und Zuthaten an verſchiedenen Pfluͤgen angebracht worden. Wir zählen dahin: 1) Die Verdoppelung des Schaars und Streichbretts, ſo daß zwei Schnitte auf ein⸗ mal gepflügt werden; dieſe Doppelpflüge haben ſich aber für gewöhnlich nicht practiſch erwieſen, es ſey denn zu einem ganz ſeichten Pflügen, wozu aber alsdann die ſoge⸗ nannten Saatpflüge noch geeigneter ſind(ſ.§. 288).— 2) An⸗ oder Aufſätze am Streichbrett oder auch eine Vor⸗ richtung, das Streichbrett höher zu ſtellen, was zu einem tieferen Pflügen, als gewöhnlich, an manchen Pflügen ganz zweckmäßig iſt.— 3) Der Streichhacken, welcher beim Tief⸗ pflügen am brabanter Pfluge zum beſſeren Auslegen der Furchen angehängt und von einem Buben gehalten(geführt) wird. Man vergleiche auch Block's Mittheilungen ꝛc. 1. Band, Breslau 1830. Ein eigenthümliches zu den Pflügen zu zählendes Werkzeug iſt noch die in Oſt- und Weſtpreußen gebräuchliche Zoche, welche zwei Schaare und zwei Streichbretter hat, jedoch immer nur eine Furche damit zieht. Die Landwirthe aus jenen Gegenden ſind ſehr dafür eingenommen und es ſoll eine gute Arbeit damit geliefert werden können, die Führung ſcheint aber ſchwierig zu ſein. II. Der Hacken. §. 233. Der Hacken, in Sachſen Nuhrhacken, in Oeſt⸗ reich Aadl genannt, unterſcheidet ſich zunächſt dadurch vom 8* — 116— Pfluge, daß er kein Streichbrett hat; dagegen iſt an man⸗ chen Hacken über dem Schaar eine Art von Schild ange⸗ bracht, mittelſt deſſen der Boden, je nachdem man das Werk⸗ zeug führt, mehr auf eine, oder gleichmäßig auf beide Sei⸗ ten geworfen wird; einige andere haben am Hintertheile der Sole zum gleichen Behufe zwei Streichhölzer. Das Schaar am Hacken iſt gleichſeitig, in der Form übrigens auch ſehr verſchieden; indem es bald breit, bald ſchmal, ſpitz oder rund, oder auch mit einer Zunge ſich findet. Das Sech fehlt häufig, doch nicht immer. Zuweilen hat der Hacken auch keine eigentliche Sole, ſondern das Schaar iſt an einem mehr ſenkrecht am hinteren Theile des Grindels angeſetzten Bälkchen angebracht. Oefters trifft man ihn mit einem Rädergeſtelle, auch mit einer Stelze mit Rad oder Fuß, öfters hat er auch gar kein ⸗Vordergeſtell; im letzte⸗ ren Falle werden die Zugochſen häufig unmittelbar an den Balken(Grindel) angeſpannt. In bergigen und ſteinigen Gegenden iſt das Vordergeſtell gleich⸗ wie beim Pfluge zweckmäßig.— Die Hacken ohne Sole und mit vorne rundem Schaar, wie z. B. der in einigen Strichen von Schleſien einheimiſche, ſtehen, wegen des unſicheren Ganges und weil ſie ſchlecht abſchneiden, gegen die mit Sole und ſpitzem(zwei⸗ ſchneidigem) Schaar, wie der mecklenburgiſche oder der ſäch⸗ ſiſche, nach. In ſteinigem Boden, wo der Hacken beſonders zu empfehlen iſt, iſt die Einrichtung eines mehr zungenförmigen Schaars, wie an einigen Orten im Erzgebirge, vorzuziehen. In Curland, und in mehreren angrenzenden ruſſiſchen Pro⸗ vinzen, bedient man ſich eines Ackerinſtruments, das ebenfalls zu den Hacken zu rechnen iſt und das Eigenthümliche hat, daß das Schaar in der Mitte getheilt iſt, wodurch zwei Spitzen entſtehen, welche ohngefähr einen Zoll von einander entfernt ſind. Man hält dort viel auf dieſes Werkzeug. Daſſelbe iſt ſeiner Conſtruction nach mit der Zoche(§. 232) verwandt. §. 234. Der Hacken iſt in nicht wenig Landſtrichen Deutſchlands im Gebrauche, theils indem man ihn dem — 117— Pfluge nachſetzt und nur für gewiſſe Pflugarbeiten wählt, wie in Sachſen, Schleſien, einigen Theilen von Oeſtreich ꝛc., theils indem man ihn zu den meiſten, ja mitunter zu allen Pflugarbeiten nimmt, wie in Mecklenburg, Vorpommern ꝛc. Seine Vorzüge beſtehen darin, daß er den Boden verhält— nißmäßig mehr rührt und lockert, und der Einwirkung der Atmoſphäre mehr ausſetzt, als der Pflug, auch der Wir⸗ kung der Egge mehr vorarbeitet. Dazu kömmt, daß— bei nicht zu ſehr erhärtetem Boden— der Hacken auch mehr fördert, oder daß eine ſchwächere Beſpannung dazu hinreicht. Auch iſt er weniger koſtſpielig, als der Pflug. Dagegen ſchneidet er den Pflugſtreifen weniger gleich ab, und wendet unvollkommener, als ein guter Pflug, was ſich beſonders bei erhärtetem oder mit ſtarker Gras⸗ oder Kleenarbe be⸗ wachſenem Boden am deutlichſten zeigt. Auch wird ein einigermaßen ſtrohiger Dünger vom Pfluge beſſer, als dem Hacken unter den Boden gebracht, und zu einer mehr als mitteltiefen Bearbeitung ſind die gewöhnlichen Hacken nicht zu gebrauchen. §. 235. Alles erwogen, ſo iſt da, wo man nur eines von beiden gebrauchen will, ein guter Pflug dem Hacken vorzuziehen; wo aber beide nebeneinander gebraucht werden, dergeſtalt, daß zu den Hauptfurchen, namentlich zum Klee⸗ und Dreiſch⸗Umbruch, Tieſpflügen vor Winter, Dünger⸗ unterbringen ꝛc., in der Regel der Pflug, zum Stoppelſtür⸗ zen, Rühren, Bälken ꝛc. der Hacken angewendet wird,— da wird ein möglichſt gut gebauter Acker mit größerer Zu⸗ verläſſigkeit und geringerem Aufwande zu erlangen ſeyn, als wo man nur das eine oder das andere beider Werk⸗ zeuge ausſchließlich in Gebrauch behält. Daß man mit einem guten Hacken allein auch einen guten Ackerbau zu Wege bringen kann, beweiſet Mecklenburg und Vor⸗ pommern. Indeſſen iſt noch nicht erwieſen, daß man mit Zuhülfe- nehmen eines guten Pflugs nicht ſchneller und ſicherer über die Wur⸗ — 118— zelunkräuter Meiſter werden, und nicht in kürzerer Zeit ein Klee⸗ oder Dreiſchland zur Saat geſchickt bringen könne.— Für das Geſagte beweiſet noch der Umſtand, daß die neuerer Zeit am Meck⸗ lenburger oder anderen Hacken angebrachten gerühmten Verbeſſerun⸗ gen in der Regel darauf hinaus laufen, ihn dem Pfluge näher zu bringen; dieß gilt namentlich von dem von Herrn v. Thünen verbeſſerten Hacken, dem man auch den Namen Hackenpflug gegeben hat. Erwähnenswerth bleibt auch noch, daß durch den Gebrauch eines guten Exrſtirpators(§. 286) neben dem Pfluge der dem Hacken zu⸗ zugeſtehende Nutzen in mehreren Fällen mit noch minderem Arbeits⸗ aufwande zu erreichen ſeyn möchte. III. Die Beackerung. §. 236. Bei der Beackerung, ſie möge mit Pflug oder Hacken ausgeführt werden, haben wir in Betracht zu ziehen: 1) die Tiefe; 2) die Breite der Furche; 3) die der Ober⸗ fläche des Feldes zu gebende Geſtalt; 4) die Richtung, nach welcher zu pflügen iſt; 5) den Feuchtigkeitszuſtand des Bo⸗ dens; 6) die Wiederholung der Pflugarbeit; 7) die Anwend⸗ barkeit einiger beſonderer Pflugarten, namentlich des Bäl⸗ kens und Doppelpflügens. 1) Tiefe der Furche. §. 237. Bei der Vorausſetzung, daß in einem zu an⸗ gemeſſener Tiefe bearbeiteten Boden der Ertrag größer und geſicherter iſt, als bei einer zu geringen Tiefe der Krume, bleibt im gegebenen Falle in Erwägung zu ziehen: a) ob die Tiefe, zu welcher die Ackerkrume bisher bearbeitet wurde, für gewöhnlich als zureichend zu betrachten ſey, oder nicht; b) von welcher Beſchaffenheit der Untergrund iſt; c) zu welchen Gewächſen der Acker vorbereitet werden ſoll, ob dieſe vorzugsweiſe eine tiefe Beackerung verlangen und in wie weit ſie das Heraufbringen eines rohen Grundes ver⸗ tragen; endlich d) ob man auch im Stande iſt, den Nach⸗ — 119— theilen, welche ein heraufgebrachter roher Grund ſonſt mit ſich bringt, durch eine ſtärkere Düngung zu begegnen. §. 238. Je beſſer der Untergrund iſt, z. B. ein guter Lehm oder lehmiger Sand, oder gar ein Boden von mer⸗ gelartiger Beſchaffenheit, um ſo eher iſt eine Vertiefung zu⸗ läſſig; je roher, feſter und ſchlechter der Untergrund, z. B. Thon, Letten, Kies, eiſenſchüſſiger Boden, um ſo ſchwie⸗ riger iſt die Vertiefung und um ſo mehr muß man ſich hüten, von ſolchem Grunde viel auf einmal heraufzubrin⸗ gen, um ſo größer kann aber auch in der Folge der Vor⸗ theil einer Vertiefung ſeyn. Ueberhaupt iſt es faſt immer räthlich, eine einigermaßen bedeutende Vertiefung der Krume nur nach und nach vorzunehmen. §. 239. Die paſſendſte Zeit, die tiefere Beackerung eintreten zu laſſen, iſt vor Winter, und zwar, nachdem das Land abgetragen hat und ohnedies friſch gedüngt wer— den muß; man läßt dann am beſten gedungte Hackfrüchte oder gedüngte Brache folgen. Theils durch den Einfluß des Winters und der Düngung, theils durch die fortgeſetzte Bearbeitung des Bodens, wird der rohe Grund artbar und zugleich mit der älteren Krume völlig vermiſcht, auch das viele Saamenunkraut zerſtört, welches gewöhnlich mit dem nächſtliegenden Untergrunde zum Vorſchein gebracht wird und das in dem gleich nach dem Heraufbringen gebauten Getreide, dem über⸗ dies, ſo wie vielen andern Gewächſen, der rohe Grund nicht zuſagt, vielen Nachtheil bringt. Kartoffeln vertragen ſich dagegen weit eher mit einem friſch heraufgebrachten rohen Untergrunde, wenn nur dazu gedüngt wird. §. 240. Bei einem ſteinigen oder ſonſt ſehr ſchlechten und zugleich undurchlaſſenden Untergrunde kann eine Ver— mengung des letztern mit der Oberkrume unter Umſtänden mehr Schaden als Nutzen bringen, oder ſelbſt ganz unthun⸗ lich ſeyn. In einem ſolchen Falle kann man die undurch— laſſende Beſchaffenheit des Untergrundes noch einigermaßen — 120— verbeſſern, wenn man einen ſtark gebauten Pflug mit einem ſchnabelförmigen Schaar und ohne Streichbrett(einen ſtreich⸗ brettloſen Najolpflug, ſ.§. 229) dem gewöhnlichen Pfluge, welcher zur gewöhnlichen Tiefe geht, in der Furche folgen läßt und ſolchergeſtalt den Untergrund aufwühlt, ohne ihn heraufzubringen. §. 241. Eine Pflugart, welche nur 4 Zoll oder dar⸗ unter tief iſt, heißt eine flache, von 5 bis 6 Zoll iſt eine gewöhnlich tiefe, von 7 bis 8 Zoll eine tiefe, und darüber eine Pflugart von ungewöhnlicher Tiefe(ſ.§. 245 und §. 268).. §. 242. Es iſt weder nothwendig, noch zweckmäßig, die Ackerkrume bei jedesmaligem Pflügen zur vollen oder gleichen Tiefe umzuwenden; vielmehr iſt, wenn zu einem Culturgegenſtand mehr als einmal geflügt wird, ein Pflü⸗ gen zu verſchiedener Tiefe zur vollkommenen Zubereitung des Bodens förderlich. In der Regel iſt es hinreichend, wenn zu jeder Beſtellung ein⸗ mal zur vollen Tiefe einer gewöhnlichen Ackerkrume gepflügt wird; erlaubt aber der Boden eine noch tiefere Lockerung, ſo braucht dieſe nicht alle Jahre, ſondern nur von Zeit zu Zeit und namentlich dann vorgenommen zu werden, wenn tief wurzelnde Gewächſe gebaut werden ſollen. §. 243. Beim Stürzen der Stoppel ſoll in der Regel flach gepflügt werden, vorausgeſetzt, daß dies nicht zugleich ſchon wieder die Saatfurche, oder daß es nicht die Pflug— art unmittelbar vor Winter iſt, in welchen beiden Fällen ein tieferes Pflügen der Stoppel nöthig oder doch räthlich iſt; zur Saat ſoll man nur mäßig tief pflügen, beſonders wenn eine tiefere Pflugart hat vorhergehen können; auch den Miſt ſoll man immer nur zu mäßiger Tiefe unterpfluͤgen. Wird das Land mehr als zweimal gepflügt, ſo iſt die erſte oder zweite Pflugart die tiefſte; wird nur zweimal gepflügt, ſo entſchei⸗ den die beſonderen Uumſtände, ob die erſte oder letzte Pflugart die 121= tiefere ſeyn ſoll; niemals ſollten aber zwei bald nach einander fol⸗ gende Pflugarten gleich tief ſeyn, es ſey denn, daß quer gepflügt wird(§. 256). 2) Breite der Furche. §. 244. Die Breite des Schnitts muß ſich zunächſt nach der Breite des Schaars richten, indem der Abſchnitt nicht vollkommen ſeyn kann, wenn er mehr als einen, höchſtens zwei Zoll breiter als das Schaar genommen wird; ein Schnitt, welcher viel ſchmaler genommen wird, als das Schaar iſt, gibt aber ebenfalls zu einer ſchlechteren, nament⸗ lich unvollkommen umgelegten Pflugarbeit Anlaß und ver— urſacht üͤberdieß größeren Zeitaufwand. Nächſtdem hat man ſich aber auch nach dem Zuſtande des Bodens zu rich⸗ ten, in welcher Hinſicht als Regel anzunehmen iſt, daß man die Furchen um ſo ſchmaler nehmen ſoll, je zuſammenhän⸗ gender der Boden iſt und je mehr ihm Auflockerung und Reinigung von Unkraut Noth thut. Uebrigens kömmt auch noch ſehr viel auf die Conſtruction des Pflu⸗ ges an, denn ein guter Pflug, z. B. der brabanter oder der Ruchadlo, lockert in der That bei einem breiteren Schnitt den Boden vollkom- mener, als manch' anderer, womit man einen ſchmaleren Schnitt nimmt. §. 245. In Bezug auf Breite und Tiefe des Schnitts iſt im Allgemeinen noch zu beachten, daß die Tiefe ein gewiſſes Verhältniß zur Breite nicht überſchreiten darf, wenn eine vollkommene Arbeit erreicht werden ſoll. Beträgt die Tiefe der Furche mehr als ¾¼ von der Breite, ſo wird bei den meiſten Pflügen ein vollſtändiges Wenden nicht mehr zu erreichen ſeyn. Hieraus folgt, daß ſchmalſchaarige Pflüge zu einer tiefen Pflug⸗ arbeit niemals vollkommen geeignet ſeyn können. 3) Geſtaltung der Oberfläche. §. 246. Indem man ſich eines Wende⸗ oder Beet⸗ pfluges bedient, und indem man mit dieſem ſchmale oder — 122— breite Abtheilungen mit bedeutender oder geringer Erhöhung pflügt, hat man es in ſeiner Gewalt, das Feld entweder ganz eben zu belaſſen, oder in ſchmale oder breite, gar nicht, wenig oder ſtark gewölbte Abtheilungen oder Beete(Rücken, Satteln) zu legen. §. 247. Schmale Beete ſind ſolche, welche nur 3 bis 8 Fuß breit ſind, halb breite von 10 bis 16 Fuß, und breite, wenn ſie 20 bis 40 Fuß breit ſind. §. 248. Die Hauptvortheile, welche gut angelegte Beete gewähren, ſind, daß ſie durch ihre Furchen und etwas gewölbte Form dem Waſſer einen ſtärkeren und ſchnelleren Abzug gewähren und daß dadurch die angebauten Gewächſe vor zu vieler Näſſe mehr geſchützt ſind und das Austrock⸗ nen des Bodens befördert wird. Auch wird bei gewölbten Beeten eine etwas vergrößerte Bodenoberfläche den Einwir⸗ kungen der Atmoſphäre dargeboten. Ob an und für ſich wegen der größeren Oberfläche auch mehr Pflanzen auf dem Beete wachſen, wie auch ſchon hat behauptet wer⸗ den wollen, möchte, wenigſtens bei allen einigermaßen in die Höhe gehenden Pflanzen, zu bezweifeln ſeyn; bei Weidepflanzen und an⸗ dern, welche blos den Boden bedecken, iſt dieß jedoch nicht ganz in Abrede zu ſtellen. Bei der Cultur von Gewächſen, welche ein mehrmaliges Jäten und Bearbeiten mit der Hand erfordern, gewähren die ſchmalen Beete, indem die Furchen als Gänge dienen, noch beſonderen Nutzen. §. 249. Den den Beeten zugeſtandenen Vorzügen iſt aber entgegen zu ſtellen, daß der Beetbau, wenn auch nicht immer, doch meiſtens nicht unbeträchtlich mehr Arbeit, auch etwas mehr Schwierigkeiten bei der Beſtellung und Erndte verurſacht, in jedem Falle aber bedeutend mehr Aufmerk— ſamkeit und Geſchicklichkeit von Seiten des Pflügenden er⸗ fordert, wenn nicht die Nachtheile ſchlecht bearbeiteter Beete alle Vortheile uͤberwiegen ſollen. Auch iſt die Anwendung — 123— neuerer arbeitserſparender Werkzeuge, ſowie das Querpflü⸗ gen, auch die Drillcultur beim Beetbau erſchwert. Daß man häufiger ſchlecht, als vollkommen gut bearbeitete Beete antrifft, und in Folge deſſen ungleichen Stand der Früchte, leere Zwiſchenräume an den Furchen ꝛc. dabei bemerkt, iſt die Ur⸗ ſache, daß von manchen Landwirthen aller Beetbau unbedingt ver⸗ worfen wird. §. 250. Es folgt daraus, daß bei allem nicht ſehr an Näſſe leidenden Boden die ſchmalen Ackerbeete entweder gar nicht am Platze oder doch entbehrlich ſind, und daß häufiger ihre Abſchaffung, als deren Einfuͤhrung rathſam iſt. Auf einem Boden, welcher wegen Beſchaffenheit der Krume, der Lage und des Untergrundes ſtark an Näſſe leidet, wer— den dagegen gut angelegte und geſchickt bearbeitete Beete ſtets einen ſehr weſentlichen Einfluß auf größeren und ſiche⸗ rern Ertrag ausüben. Wo es an der Gelegenheit mangelt, geſchickte Pflüger zu haben, wird die Einführung des Beetbaus auch von ſchlechtem oder doch unzureichendem Erfolge ſeyn. Man wird in ſolchem Falle hãufig beſſer fahren, die zu naſſen Felder in nicht großen Entfernungen mit Gräben zu durchziehen. Uebrigens überheben uns die Beete in ſolchen Lagen nicht vollſtändig der Nothwendigkeit, Gräben anzu⸗ legen, deren auf alle Fälle zur Abführung des aus den Beetfurchen abfließenden Waſſers noch nöthig werden. Daß dagegen ſogenante Waſſerfurchen in naſſen Lagen die Beete ganz entbehrlich machten, wie auch behauptet wird, kann man nur zugeben, wenn man ſo viel Waſſerfurchen als Beetfurchen macht, was aber ſchwierig und aufent⸗ haltig iſt und dann fehlt immer noch die Wölbung der Beete. Richtig aber bleibt, daß man außer den Beetfurchen öfters noch be⸗ ſondere Waſſerfurchen zur vollkommenen Entwäſſerung bedarf.— Iſt es bei ſehr naſſer und platter Lage erforderlich, die zu ziehenden Gräben einander ſo nahe zu legen, daß der Ackerraum dazwiſchen nicht breiter, oder doch nicht viel breiter, als ein ſehr breites Beet iſt; ſo kann es zweckmäßig ſeyn, dem Boden zwiſchen je zwei Grä⸗ ben eine gleichmäßige ganz ſanfte Wölbung zu geben, wie man es in Brabant mitunter findet. Ueber die Waſſerfurchen das Nähere im 7ten Capitel. 124— §. 251. Wo es ſich darum handelt, dem Beetbau auf einem an Näſſe leidenden Boden den Vorzug zu belaſſen, da ſoll man mäßig ſchmale oder halbbreite Beete wählen, welche mit einer ſanften Wölbung angelegt werden, die jedoch nur ſo ſtark ſein darf, daß die Beete noch ohne Schwierigkeit nach jedem erneuerten Pflügen umgeſetzt wer⸗ den können, wodurch dem Zuſammenhäufen des guten Grun⸗ des in der Mitte vorgebeugt und eine gleiche, vollkommene und tiefe Bearbeitung des Bodens erreichbar wird. Bei ſolchem Beet iſt es dann auch ſtatthaft, zur Sommerfrucht, und namentlich zu den Hackfrüchten, die ſchmalen Beete in breitere mehr ebene umzuwandeln, wenn jene nur zur Sicherung der Win⸗ terfrucht erforderlich ſind. Je ſchmaler man die Beete macht, um ſo mehr Furchen werden zwar zum Abzug der Näſſe dargeboten, um ſo eher treten aber auch die mit dem Beetbau ſo gerne verbundenen Mängel ein; wird aber die größte Breite der halbſchmalen Beete(16 Fuß) überſchritten, dann laſſen ſich die ſo wichtige ſanfte Wölkung und das Umſetzen nicht wohl mehr vereinigen. Man wird deshalb in den meiſten Fäl⸗ len, wo überhaupt Beete Noth thun, ſolche von 10 bis 16 Fuß Breite als die geeignetſten zu erachten haben. Um einen muſterhaft unterhaltenen Beetbau zu ſehen, muß man nach Brabant und Flandern gehen; man findet dort meiſtens eine Breite von 8, zuweilen auch von 16 Fuß.— Viel iſt ſchon über die Vorzüge und Nachtheile der vierfurchigen Beete, der ſogenann⸗ ten Bifſange, verhandelt worden, welche in einem großen Theile von Franken, Altbaiern und Oeſtreich im Gebrauche ſtehen. Sie be⸗ fördern allerdings das Austrocknen und Lüften des ausgepflügten Bodens in höherem Grade, und wo man bei gebundenem und zugleich tiefgründigem Boden mit beſonderer Sorgfalt ſie baut, mögen ſie den von ihren Fürſprechern ihnen gezollten Ruhm einigermaßen be⸗ haupten; wenn man ſie dagegen, wie häufig der Fall, auf flach⸗ gruͤndigem Boden fahrläſſig behandelt, und dünne und ungleich ſtehende, verunkrautete Früchte darauf angebaut ſieht, ſo wird man bei vor⸗ urtheilsfreier Betrachtung nur einen ſehr bedingten Werth ihnen zugeſtehen. §. 252. Hochgewölbte, nicht umſetzbare Beete ſind um ſo tadelnswerther, je ſtärker verhältnißmäßig die Wöl⸗ bung iſt, denn die beſſere Krume iſt in der Mitte zuſammen⸗ gehäuft und die Kanten ſind davon entblößt, Feuchtigkeit, Wärme und Zutritt des Lichts ſind ungleich vertheilt, und ein ungleiches Gedeihen der Früchte iſt mit manchen ande— ren Beſchwerden beim Betriebe des Ackerbaus auf ſolchem Lande vergeſellſchaftet. §. 253. Aus den dargethanen Gründen ſollen daher breite Beete in der Regel eben gehalten werden. Zwi⸗ ſchen breiten, nicht gewölbten Beeten und mit dem Wende⸗ pflug oder dem Hacken ebengepflügtem Lande beſteht aber alsdann in Bezug auf oberflächliche Geſtaltung kein Unter⸗ ſchied weiter, als daß dort noch in gewiſſen Zwiſchenräu⸗ men eine Furche vorkömmt. Diejenigen, welche nicht in dem Falle ſind, Beete zu bedürfen, thun darum Unrecht, deshalb eines beſſer gebauten Beetpfluges, ſtatt des Wende⸗ pflugs, ſich nicht bedienen zu wollen, indem etwa alle 40 Fuß eine ſchmale Furche dem Ertrag des Feldes nicht den geringſten Abbruch thut. Man kann ſelbſt die Furchen auf 80 Fuß Breite verringern, wenn man zuerſt das erſte, dritte, fünfte u. ſ. w.(vierzig Fuß breite) Beet zuſammenpflügt und dann die dazwiſchen liegen ge⸗ laſſenen Beete(das zweite, vierte, ſechſte ꝛc.) auseinanderſchlägt; endlich kann man, wenn die Abneigung gegen irgend eine Furche ſo gar groß iſt, oder wenn wegen leicht abſchwemmbaren Bodens ſolche wirklich vermieden werden müſſen, die Furchen vor der Saat mit dem Pfluge zuſchleifen und dann vollends zueggen. 4) Richtung, in welcher zu pflügen. §. 254. Bei eben gelegenem Lande, das auch nicht in mehr oder weniger gewölbten Beeten gebaut wird, iſt die Richtung, in der man die Furchen zieht, ziemlich gleich— gültig; man beſtimmt ſolche hauptſächlich nach der Geſtalt — 126— der Ackerſtuͤcke, welche auch bei abhaͤngig gelegenem oder in Beeten gebautem Lande mitberückſichtigt werden muß. §. 255. Bei abhängig gelegenem Lande, und überall, wo man in gewölbten Beeten baut, erfordert dit Richtung, in der man pflügt, mehrfache Rückſichten. In Bezug auf den Hang gilt Folgendes: Bei ſtarkem Hange pflügt man mehr in waagrechter Linie, oder doch nur mit einem geringen Fall, weil ſonſt der gelockerte Boden zu leicht weggeſchwemmt werden, das Pflügen ſelbſt auch zu ſehr erſchwert ſeyn würde. An weniger ſtarken Abhängen richtet man ſich neben der Geſtalt des Grundſtuͤcks nach der Beſchaffenheit des Bo⸗ dens; indem bei ſchwerem und naſſem Boden ein nicht ganz unbedeutender Fall der Furchen zu wünſchen iſt, während ſol⸗ cher bei loſem Boden, wegen des Fortſchwemmens, möglichſt vermieden werden muß. Die Beachtung dieſer Regeln iſt um ſo wichtiger, je mehr das Land in ſchmalen Beeten ge— baut wird. Bei Verſchiedenheit des Hangs auf ein und demſelben Grundſtücke kann es auch räthlich oder ſelbſt nothwendig werden, die Beete nach mehr als einer Rich⸗ tung anzulegen. Sodann iſt auch noch, inſoweit es die an⸗ geführten Hauptrückſichten erlauben, bei etwas gewölbten Beeten die Nichtung von Norden gegen Süden die wün— ſchenswertheſte, indem bei einer Richtung von Oſten gen Weſten, oder umgekehrt, der Einflutz der Sonne(Wärme) auf die beiden Seiten des Beetes nicht ganz gleich iſt. Ueber die vorzugsweiſe Anwendung des Wendepflugs bei ſtei⸗ lem Hang ſ.§. 225. §. 256. Sobald man nicht in gewölbten Beeten baut, und Geſtalt und Lage des Grundſtuͤcks keine Hinderniſſe entgegenſtellen, iſt bei wiederholter Beackerung das Pflü⸗ gen in die Quere ſehr rathſam, indem dadurch eine voll⸗ ſtändigere Bearbeitung, namentlich Mengung und Lockerung des Bodens erreicht wird. Dieß gilt in höͤherem Grade — 127— bei der Anwendung des Hackens oder von Pflügen mit ſchmalem Schaar, welche keinen vollſtändigen und gleichen Abſchnitt der Pflugſtreifen bewirken. Bei mehr langen und ſchmalen Ackerſtücken kann man die Vor— theile des Querpflügens durch eine etwas ſchräge Richtung der Fur⸗ chen, einmal nach der rechten, das anderemal nach der linken Seite, einigermaßen erreichen. §. 257. Wenn man wie gewöhnlich nach einer Rich⸗ tung pflügt, ſo bedarf man— ſobald das Feld auf beiden Seiten, wo gewendet wird, nicht auf Wege ohne Gräben oder auf Grundſtücke ſtößt, denen das Umwenden keinen Schaden bringt— der ſogenannten Anwanden. Um dieſe zu entbehren, und des Umwendens und beim Beetpflug der Furchen überhoben zu ſeyn, kann man bei ziemlich eben gelegenen und in der Länge und Breite nicht ſehr unglei— chen Ackerſtücken, denen keine Furchen Noth thun, auch ins Viereck pflügen, indem man am einen Ende des Ackers anſetzt und den Streifen nach außen werfend ſo lange herumfährt, bis zuletzt das Pflugen in der Mitte ſein Ende erreicht hat; das näͤchſtemal fängt man dann in der Mitte an und pflügt wieder von außen herein, bis man den Nand des Feldes erreicht hat. Wenn man dem Zugvieh nicht einige Ruhe gönnt, ſo wird es hierbei mehr angeſtrengt; auch verurſacht die oftmalige kurze halbe Wendung, welche im Mittelpunkte des Feldes nicht zu vermeiden iſt, einige Schwierigkeit. 5) Feuchtigkeitszuſtand des Bodens. §. 258. Je gebundener der Boden iſt, um ſo wichti— ger iſt es, den rechten Zeitpunkt zwiſchen trocken und feucht zum Pflügen zu treffen. Pflügt man einen gebundenen Bo⸗ den in zu naſſem Zuſtande, ſo werden die zuſammenhän⸗ gend gebliebenen und theilweiſe ziegelähnlich geſtrichenen Erdſtreifen bei nachfolgendem trocknem Wetter ſo erhärten, — 128— daß der Acker auf lange verdorben iſt. Wird in zu trock⸗ nem Zuſtande gepflügt, ſo beſteht der Nachtheil zunächſt in dem alsdann erforderlichen größeren Kraftaufwande; auch iſt die weitere Zerkrümelung der aufgebrochenen Schollen bei fortdauernder Trockniß ſchwierig. Kann man aber durch⸗ weichende Regen abwarten, ſo kömmt dieß dem Bau des trocken aufgebrochenen Landes zu ſtatten. Insbeſondere iſt ein Pflügen in naſſem Zuſtande kurz vor der Saat zu vermeiden; wird vor Winter gepflügt, wo das Land in rauhen Furchen liegen bleiben ſoll, ſo hat es weniger zu ſagen. Zum Pflügen in zu trocknem Zuſtande iſt man während des Som⸗ mers öfters genöthigt, um der ſpäter heranrückenden Beſtellung vorzuarbeiten. §. 259. Beim loſen Boden hat es an und fur ſich weniger zu ſagen, in welchem Feuchtigkeitszuſtande er ge— pflügt wird, und namentlich geht es hier weit eher an, wenn er noch etwas zu feucht iſt; indeſſen iſt das Bearbei⸗ ten im naſſen Zuſtande doch auch hier nachtheilig; ge⸗ ſchieht aber die Bearbeitung in ſehr trocknem Zuſtande, ſo wird dadurch die ohnedies mangelnde Feuchtigkeit vollends verdünſtet und die Verflüchtigung der im Boden befindlichen düngenden Theile befördert. Eine Ausnahme von letzter Regel macht ein Boden, welcher über Sommer von Wurzelunkraut gereinigt werden ſoll. 6) Wiederholung der Pflugarbeit. §. 260. Wie vielmal die Pflugarbeit zu wiederholen ſey, bis das Feld zur Saat oder Bepflanzung in den ge⸗ eigneten Zuſtand gekommen iſt, hängt theils von der Be⸗ ſchaffenheit und dem Zuſtande des Bodens, theils von der Witterung, theils von den anzubauenden Gewächſen ab. Auch die Art der Ausführung der Pflugarbeit und die an⸗ zuwendenden Werkzeuge ſind mit von Einfluß. Cin gebundener Boden erfordert mehr Begrbeitung, als ein loſer; iſt der Boden ſehr geſchloſſen oder verunkrautet(verwildert), -— 129— ſo muß er öfter gepflügt werden, als ein ſolcher, der in guter Cultur ſteht und durch das zuletzt angebaute Gewächs ſchon einen Theil ſeiner Vorbereitung erhielt; ungünſtige Witterung kann die vorausgegangene Bearbeitung wieder zu nichte und eine Wiederho⸗ lung erforderlich machen, ſie kann aber auch, weil ſie die Bearbei⸗ tung zu rechter Zeit nicht zuließ und die Zeit zur Saat heranrückte, die Unterlaſſung einer Pflugart nothgedrungen herbeiführen; ſodann verlangt ein Gewächs vor dem andern einen mehr gelockerten und vorbereiteten Boden. Je nachdem man Hacken oder dieſen oder jenen Pflug anwendet, Eggen, Exſtirpatoren vor und nach gebraucht, und mit oder ohne Geſchicklichkeit und Aufmerkſamkeit verfährt, kann eine Pflugart mehr erforderlich oder eine erſpart werden. Es kann ſich darum ergeben, daß ſchon ein einmaliges Pflügen zureicht, aber auch, daß ein vier⸗ und fünfmaliges erforderlich wird. §. 261. Wenn ein mehrmaliges Pflügen erforderlich iſt, ſo bleibt noch ſehr wichtig, die Wiederholung im ge⸗ eignetſten Zeitpunkt eintreten zu laſſen. Ob dieß bälder oder ſpäter geſchehen muß, hängt jedoch wieder von vielen Umſtänden ab, als: Boden und Clima, Witterung, dann, ob das Land viel oder wenig Unkraut, Stoppeln, Wurzeln u. dgl. enthält und ob viel oder wenig Zeit bis zu Vollen⸗ dung der Beſtellung gegeben iſt. Zur Regel läßt ſich blos anführen, daß eine Wiederholung des Pflügens mit Vortheil erſt dann ſtattfinden kann, wenn das früher umgepflügte Unkraut und die Reſte des vorher cultivirten Gewächſes größtentheils verweſet ſind und das Land ſich geſetzt hat; auch ſoll in den meiſten Fällen das Land in der Zwiſchen⸗ zeit zur beſſeren Lockerung und Ebnung und Beförderung der Zerſtörung des Unkrauts mit der Egge bearbeitet worden ſeyn. Ein thätiger warmer Boden, ein warmes Clima und abwech⸗ ſelnd feuchte und trockene Witterung befördern vorzüglich, wie man es bezeichnend nennt, die Gahre des gepflügten Feldes. Es können je nach den einwirkenden Umſtänden zuweilen ſchon ein paar Wochen als Zwiſchenzeit genügen, während in andern Fällen ſo viele Monate verſtreichen müſſen. Pabſt Landwirthſchaft. I. 1. Zweite Auflage 9 — 130— Durch fleißiges in der Zwiſchenzeit vorgenommenes Eggen und Walzen, und durch Pflügen zu verſchiedener Tiefe(namentlich wenn zuerſt flach gepflügt wird und nach tüchtigem Eggen und Walzen eine tiefere Pflugart folgt— oder auch durch Doppelpflügen) kann zwar, wenn keine Ueberfüllung mit Wurzelunkraut und keine Raſen⸗ oder Kleenarbe vorhanden, die ſonſt erforderliche Zwiſchenzeit im Nothfalle abgekürzt werden; ganz läßt ſich aber ſelbſt durch die flei⸗ ßigſte Bearbeitung das gehörige Liegenlaſſen nicht erſetzen. §. 262. Aus dem Geſagten folgt, daß unter ſonſt gleichen Umſtänden eine um ſo längere Zeit zur Vorberei⸗ tung eines Feldes gegeben ſeyn muß, je mehr eine mehr⸗ fältige Wiederholung der Pflugarbeit Noth thut, und daß die Zeit, welche von der Aberndtung eines vorausgegan⸗ genen bis zur Saat des nachfolgenden Gewächſes gegeben iſt, nicht immer zureichend zur gehörigen Vorbereitung des Feldes ſeyn wird, daß vielmehr das Bedürfniß eintreten kann, der vollſtändigen Bearbeitung einen halben oder ſelbſt ganzen Sommer zu widmen. §. 263. Wenn der Bearbeitung des Feldes ein gan⸗ zer Sommer eingeräumt wird, ſo heißt man dieß Brache halten. Zu einer vollkommenen Bearbeitung der Brache gehört(abgeſehen vorerſt von der Arbeit mit der Egge oder anderen Inſtrumenten), daß das Land viermal gepflügt wird: die erſte Pflugart wird entweder ſchon im Herbſte oder zu Ende des Frühjahrs(zu Anfangs Sommers) ge⸗ geben, die zweite und dritte Furche folgt während des Som⸗ mers und die letzte im Herbſt; ſehr häufig reichen aber auch drei Pflugarten aus oder müſſen ausreichen, denn vor Winter wird ſehr oft das erſte Pflügen zur Brache unterlaſſen, obgleich dieß in der Regel nicht unterbleiben ſollte. Die erſte Furche zur Brache wird auch brachen genannt, ſonſt aber heißt das erſte Umpflügen nach der Erndte ſtürzen(an man⸗ chen Orten auch falgen oder fälgen); wenn viermal zur Brache — 131— gepflügt wird, ſo heißt in einem Theile von Deutſchland das zweite Pflügen wenden, das dritte ruhren, was, wo der Hacken im Gebrauche, mit dieſem und wo möglich quer geſchieht; finden nur drei Pflugarten ſtatt, ſo heißt die zweite ruhren(die Ruhrfurche), welcher Ausdruck auch bei dreimaligem Pflügen vom Herbſt bis zur Frühjahrsbeſtellung für die zweite Furche gebräuchlich iſt; die letzte Furche vor der Saat heißt immer die Saatfurche(zur Saat pflügen). Man nennt wohl auch einen den Sommer über nicht angebau⸗ ten und nicht bearbeiteten, gewöhnlich blos beweideten Acker brach liegen, was jedoch mit brachen oder Brache halten nicht zu verwechſeln; zur beſſeren Unterſcheidung nennt man die bearbeitete Brache in Norddeutſchland ſchwarze Brache, auch mürbe Brache. Es kömmt auch ein fünf⸗ und ſechsmaliges Pflügen der Brache vor §. 264. Wird das Feld bis zur Mitte des Sommers benutzt und wird es dann bis in den Herbſt noch zwei⸗ bis dreimal gepflügt, ſo heißt dieß eine halbe Brache oder halbe Sommerbrache; zur genaueren Unterſcheidung hier⸗ von heißt dann die eben beſchriebene vollſtändige Brache auch ganze Brache. §. 265. In wie weit die Anwendung und zeitweilige Wiederholung einer Brache nützlich oder nothwendig ſey, hängt von der Beſchaffenheit des Bodens und anderen Wirthſchaftsverhältniſſen ab. Je ſchwerer der Boden, je weniger zu Hackfrüchten geeignet, je mehr verunkrautet und graswüchſig, je feuchter und kühler das Clima, je mehr Mangel an Dung, um ſo mehr wird von Zeit zu Zeit eine ganze Brache am rechten Platze ſeyn; wohingegen bei nicht ganz zähem und kaltem Boden und einer weniger ungün⸗ ſtigen Lage durch eine gut gewählte Fruchtfolge und ſorg⸗ fältige Feldbearbeitung die vollſtändige Brache größtentheils und häufig ſelbſt ganz entbehrlich gemacht werden kann. Wo der Hacken ausſchließlich oder ein ſchlechter Pflug im Gebrauche ſteht, kann ebenfalls die Brache mehr Beduͤrfniß — 132— ſeyn. Eine halbe Brache zuweilen eintreten zu laſſen, iſt und bleibt für ſehr viele Wirthſchaftsverhältniſſe angemeſſen. Ein Mehreres hierüber bei der Fruchtfolge. 7) Bälken und Doppelpflügen. §. 266. Bälken nennt man in mehreren Gegenden, wenn beim Stoppelſtürzen oder beim Pflügen vor Winter eine Furche um die andere gepflügt wird, dergeſtalt, daß immer der umgepflügte Streifen auf den ſtehen gebliebenen zu liegen kömmt. Dadurch wird mit geringerem Arbeits⸗ aufwand eine größere Oberfläche der Atmoſphäre ausgeſetzt und dem Waſſer, wenn das Land ſo über Winter liegen bleibt, ſehr viel Abzug verſchafft. Dieſen Vortheilen ſteht aber entgegen, daß die Hälfte der Ackerkrume unberuͤhrt und ungelockert geblieben iſt; vollkommen gut zu heißen iſt dieſe Arbeit darum erſt dann, wenn das gebälkte Land ſpäter tüchtig vereggt wird und nun die beim erſten Pflü⸗ gen ſtehen gebliebenen Streifen auf die gleiche Weiſe aufge— pflügt werden. Wenn das Land mit Wurzelunkraut ſtark angefuͤllt iſt, ſo empfiehlt ſich jedoch fuͤr deſſen Vertilgung dieſe Pflugart nicht. Bei Boden, der über Winter leicht zuſammenfließt, auch bei Mangel an Zeit, das Land vor Winter vollſtändig und gehörig tief aufzupflügen, endlich noch beſonders bei ſchmalſchaarigen Pflügen, iſt dieſe Methode vorzugsweiſe zu empfehlen. Am Niederrhein, wo dieſe Pflugart ſehr gebräuchlich iſt, heißt man das nachfolgende umackern der erſtſtehengebliebenen Streifen: ſtülpen. Bei achtfurchigen Beeten ſucht man den Zweck des Bälkens auch zu erreichen, indem man die Beete mit vier Furchen dergeſtalt auseinanderpflügt, daß die zwei erſten Streiſen nächſt der Furche übergangen werden und in der Mitte ein ſchmaler Kamm neben den zwei geöffneten Furchen ſtehen bleibt. §. 267. Wenn man bereits lockeres und reines Land, namentlich Hackfruchtland, das zur Sommerſaat fürs nächſte Frühjahr beſtimmt iſt, oder einige Zeit vorher vollſtändig — 133— gepflügte und ſo eben abgeeggte Felder, z. B. zum Hack⸗ frucht⸗ oder Rapsbau fuͤrs andere Jahr beſtimmte, mittelſt des Hackens oder Häufelpflugs vor Winter hoch aufbälkt, ſo werden alle jene Vortheile ebenfalls erreicht, ohne daß ein Nachtheil dabei entgegentreten kann. Es iſt darum ein ſolches Verfahren, das bis jetzt noch viel zu wenig ausge⸗ führt wird, recht ſehr zu empfehlen. Selbſt bei der Sommerbrache dürfte dieſes Bälken mitunter, abwechſelend mit gewöhnlicher Pflugarbeit, ſeinen Rutzen bringen. §. 268. Eine andere, unter Umſtänden ſehr wichtige, in Deutſchland noch wenig gekannte, oder doch nur wenig in Anwendung kommende Pflugart iſt das Doppelpflü⸗ gen. Man verſteht darunter, wenn zwei Pflüge dergeſtalt hintereinander gehen, daß der zweite Pflug in der von dem erſten gezogenen Furche geht, den Grund von dieſer heranf— bringt und über den erſten Schnitt hindeckt. Dieſe Ver⸗ fahrungsart, wozu übrigens zur zweiten Furche ein zum Tiefpflügen geeigneter, gut gebauter Pflug gehört— am beſten eignet ſich ein guter Stelz- oder Schwingpflug,— gewährt in allen Fällen, wo eine ungewöhnlich tiefe Pflug— art gegeben werden ſoll, große Vortheile; nicht minder em⸗ pfehlenswerth iſt ſie beim Umbruch von Luzernefeldern und mehrere Jahre zu Gras niedergelegenem Boden, indem dadurch häufig eine viel koſtſpieligere Brachbearbeitung er— ſetzt werden kann. Selbſt beim Umbruch von Kleeland, wobei eine blos einfährige Beſtellung nicht zureicht, iſt das Doppelpflügen ſehr am Platze. Der Boden darf nur nicht zu flachgründig ſeyn. Das Doppelpflügen iſt hauptſächlich in den Niederlanden ge⸗ bräuchlich.— In einem Striche dieſes Landes wird, Behufs einer ungewöhnlich tiefen Vorbereitung des Landes zu einem beſtimmten Zwecke, der Grund unter der zuerſt mit dem Pfluge umgelegten Furche mit dem Spaten herausgehoben, was man Pflugſſpaten nennt. — 134— B. Von der Eggenarbeit. §. 269. Der gepflügte Boden bedarf in der Regel noch weiterer Lockerung und Krümelung. Man bedient ſich hauptſächlich der Egge, um denſelben noch mehr zu zer⸗ theilen; zugleich wird damit das Feld auch beſſer geebnet, Wurzelunkraut wird ausgeſondert, Saamenunkraut zerſtört, nachdem es zum Keimen gekommen war; endlich dient die Egge noch beſonders zu Unterbringung des Saamens. §. 270. Die Egge beſteht aus zuſammengefügten höl⸗ zernen Balken, in welche Zähne(Zinken), bald aus Holz, bald aus Eiſen, eingeſetzt ſind. In Form und Schwere findet große Verſchiedenheit ſtatt. Die Zahl und Länge der Balken iſt nicht blos verſchieden; ſie bilden auch theils ein mehr reguläres, theils ein mehr längliches Viereck; zuwei⸗ len iſt ihre Form rhomboidiſch oder ſie ſind ſo eingerichtet, daß die Balken beweglich ſind; manchmal ſind die Balken gekrümmt; auch gibt es dreieckige Eggen. Die Zähne, in der Länge und Dicke ſehr verſchieden, ſind entweder ſenk⸗ recht in die Balken eingeſetzt, oder mehr oder weniger ſchräg; zuweilen ſind ſie auch etwas gekrümmt oder an der vorde⸗ ren Kante ſchärfer; auch ſtehen ſie mehr oder weniger nahe beiſammen. . Die meiſten Eggen haben vier Balken, manche nur drei, andere ünf. ar Beſchaffenheit der Eggen iſt ſo verſchieden, daß man von ein bis vier Stück Zugvieh zu einer Egge bedarf. §. 271. Obgleich die Egge ein einfacheres Werkzeug iſt, als der Pflug, ſo kömmt auf einen zweckmäßigen Bau derſelben doch auch ſehr viel an. Bei einer gut gebauten Egge ſollen, wenn ſie fortbewegt wird, die Zähne in mög— lichſt verſchiedenen Richtungen durch den Boden ziehen; die Zähne ſollen auch nicht zu nahe zuſammen ſtehen, weil ſie ſonſt zu wenig eingreifen oder Boden und Unkraut ſich — 135— dazwiſchen ſetzen; ſehr kurze Zähne thun zu wenig Wirkung, ſind ſie aber zu lange, ſo iſt die Fortbewegung zu ſehr be⸗ hindert oder ſelbſt ohnmöglich; der gleiche Fall wuͤrde bei einer zu ſchrägen Richtung oder zu ſtarken Krümmung der Zähne eintreten. Ferner ſoll die Egge zum ſchärferen oder flächeren Eingreifen geſtellt werden können, was durch An⸗ ſpannen an verſchiedenen Punkten, oder durch ein längeres oder kurzeres Anſpannen oder durch einen aufrecht ſtehen⸗ den Kamm, in welchem man höher oder tiefer einhängen kann, bewirkt wird. Auch kann man zum gleichen Zwecke, wie häufig geſchieht, die Egge noch beſchweren. Wenn man die Egge, Behufs beſſeren Eingreifens, mit einem oben aufgebundenen Gegenſtande beſchwert, ſo muß dieſe Auflage mit der Stärke der Egge in Verhältniß bleiben. §. 272. Hiernach iſt leicht zu ermeſſen, daß ſich der Bau, und insbeſondere die Schwere der Egge, neben Feſt⸗ haltung gewiſſer allgemeinen Grundſätze, hauptſächlich nach dem Boden richten muß, daß man für ſchweren, kloſigen Boden weit ſchwerere und theilweiſe auch anders gebaute Eggen nöthig hat, als für einen loſen Boden u. ſ. w. In Bezug auf die Wirkung, welche von der Schwere der Egge abhängt, iſt zu beachten, daß nicht ſowohl das Gewicht der ganzen Egge, ſondern hauptſächlich das Gewicht zu berückſichtigen iſt, welches bei Vertheilung des ſummariſchen Gewichtes auf jeden einzelnen Zahn ſich berechnet. §. 273. Da indeſſen ein und derſelbe Boden das eine⸗ mal in einem feſteren Zuſtande, als das anderemal ſich be— findet, ſo iſt es faſt immer zweckmäßig, zweierlei Eggen zu haben, nämlich eine für gewöhnlich der Beſchaffenheit des Bodens angemeſſene, nnd eine ſchwerere, welche gebraucht wird, wenn der Boden ungewöhnlich erhärtet oder beſon⸗ ders ſtark mit filziger Grasnarbe verſehen iſt. Bei ſchma— len Beeten muß ſich die Form der Egge insbeſondere nach Wölbung und Breite der Beete richten. — 136— Eine zweckmäßige Form für ſchmale Beete iſt, daß die Egge ſtark ein halbes Beet einnimmt, wo man dann zwei ſolcher Eggen mit Gewerben, oder Kettchen aneinander hängen kann; noch beſſer dürften die von Block vorgeſchlagenen dreitheiligen Eggen für et⸗ was gewölbte, nicht breite Beete ſeyn. Auch für ebenes Land ſind die getheilten, mit Gewerben oder Ketten aneinandergefügten Eggen von kleinerer Form empfehlenswerth, denn die Wirkung in Bezug auf Schwere bleibt ſich gleich, ob das Gewicht einer oder mehreren aneinander hängenden Eggen zuſammen angehört(§. 272); dabei gewähren aber ſo getheilte Eggen den Vortheil, daß der Zug ihrer Zähne mehr verſchiedene Richtungen nimmt, daß ſie mehr tanzend ſich bewegen und mehr der Oberfläche des Bodens ſich anſchmiegen, was Alles die Wirkſamkeit unterſtützt. §. 274. Schwere Eggen ſollten ſtets eiſerne Zin⸗ ken haben; bei ſehr ſchweren Eggen werden auch die Bal⸗ ken noch ſtark mit Eiſen beſchlagen. An ſolchen ſchweren Eggen darf man den Zähnen aus dem§. 271. angeführten Grunde gar keine oder eine nur wenig ſchräge Richtung geben. Bei leichten Eggen mit eiſernen Zähnen gibt man zur Erhöhung ihrer Wirkſamkeit den letzteren gerne eine ſchräge Richtung nach vornen; am ſtärkſten trifft man dieſe auf Sandboden, wo es viele Quecken auszueggen gibt. Bei den ſchwereren Eggen iſt eine verſtärkte Schärfe der vor⸗ deren Kanten(Ccken) der Zinken nützlich. §. 275. Mittelſchwere und leichte Eggen, zur Anwen⸗ dung in einem loſen Boden beſtimmt, trifft man häufig mit hölzernen Zähnen, welche verhältnißmäßig mehr Länge und eine ſchrägere Richtung nach vornen haben müſſen. Sie haben den Vorzug, daß ſie weniger koſten, als eiſerne; dafuͤr ſind ſie aber auch bald abgenutzt, die Zähne müſſen öfters geſpitzt und erneuert werden. Noch dürfte dieſen ſogenannten hölzernen Eggen unter Umſtänden der Nutzen zuzugeſtehen ſeyn, daß ſich damit in loſem Boden mit weni⸗ ger Kraftaufwand die erforderliche Lockerung zur gehörigen — 137— Tiefe erreichen läßt, als mit eiſernen. Wo aber der Bo⸗ den einigermaßen zuſammenhängend oder ſteinig iſt, über⸗ haupt wo es ſich um eine kräftige Wirkung mittelſt der Egge handelt, werden zweckmäßig conſtruirte eiſerne Eggen den Vorzug vor hölzernen behaupten. Eine ſehr gut conſtruirte hölzerne Egge iſt die brabanter mit vier etwas gekrümmten Balken und ſtark ſchräg ſtehenden lan⸗ gen Zähnen. In Polen hat man geflochtene hölzerne Eggen, welche bei raſcher Bewegung in leichtem Boden ziemlich viel leiſten ſollen. Schlechte hölzerne Eggen trifft man in mehreren Theilen von Süddeutſchland und der Schweitz.— In vielen Diſtricten von Deutſchland, unter andern in Thüringen und Oberheſſen, trifft man gute mittelſchwere eiſerne Eggen, welche gemöhnlich vier Balken haben und ein längliches Viereck bilden. Ausgezeichnet iſt die voigtländiſche bewegliche Egge, welche ſo eingerichtet iſt, daß ſich bei der Anwendung die Balken mehr oder weniger aus⸗ einander oder näher zuſammenſchieben können, ſo daß ſie bald ein Viereck, bald eine Rhomboide bildet. Die etwas rhomboidiſche Form iſt überhaupt zu empfehlen, weil dadurch ein verſchiedener Zug der ein⸗ zelnen Zähne am einfachſten erreicht wird. Beſonders wird die ſchot⸗ tiſche rhomboidiſche Egge ſeit Kurzem gerühmt. Eine recht gute Egge iſt auch die von Dombasle verbeſſerte mit vier ge⸗ raden Balken und wenig ſchräg ſtehenden Zähnen.— Die drei— eckigen Eggen, welche man hier und da in Frankreich und auch zuweilen in Deutſchland findet, ſtehen im Allgemeinen den vier⸗ eckigen nach. Auf die noch nicht lange erfundene Meſſeregge des um die Einführung beſſerer Werkzeuge ſchon vielfach verdienten Hauptmann Carr im Holſteiniſchen, welche ſich zur Krümelung ſchweren Bo⸗ dens trefflich erwieſen hat, wird hiermit noch beſonders aufmerkſam gemacht. Durch die Stelle, welche man als Punkt zum Anſpannen wählt, hat man es insbeſondere noch in der Gewalt, zu vermeiden, daß die Zähne nicht in einerlei Richtung ziehen.— Kleinere oder mittelgroße Eggen, deren jede nur ein Stück Zugvieh bedarf, hängt man zu zwei bis vier zuſammen und ſpannt dann auch eine größere Zahl Pferde davor. — 138— Zum Transport der Egge dienen einfache Schlitten oder Schleifen. Die würtembergiſche Landegge hat zu dem Behufe zwei auf den Balken befeſtigte Bügel. §. 276. Um die Egge mit Erfolg anwenden zu kön⸗ nen, darf der Boden nicht in feſtgeſchloſſenem Zuſtande ſich befinden; auch ſoll der Boden nicht ſo naß ſeyn, daß er anhängt oder ſchmiert, eben ſo wenig darf er in Schollen bedeutend erhärtet ſeyn. Es iſt darum beim Eggen, und namentlich wenn es ein gebundener Boden iſt, noch wichti— ger, als beim Pflügen, den günſtigen Zeitpunkt zu treffen. Bei Vertilgung von Wurzelunkraut wartet man ausnahmsweiſe einen beſonders trocknen Zuſtand des Bodens zum Eggen ab. §. 277. Je ſchwerer der Boden und je mehr verun⸗ krautet, deſto mehr muß geeggt werden. Zu vieles Eggen, namentlich in etwas feuchtem Zuſtande und zur Saat, kann jedoch auch nachtheilig werden, indem der Acker dabei zu feſt getreten wird, ohne daß deßwegen der Saamen beſſer unterkäme; auch kann durch zu feines Eggen ein Zuſam⸗ menfließen und Erhärten des Bodens auf der Oberkrume nachmals leicht erfolgen. §. 278. Zwiſchen zwei Pflugarten ſoll ſtets die Egge angewendet werden; nach den Umſtänden geſchieht dieſes theils gleich nach dem Pflügen, z. B. wenn man einer Erhärtung des Bodens in Schollen zuvorkommen will, damit er bald wieder bearbeitet werden könne, oder wenn man das Saamenunkraut zum Keimen zu bringen wünſcht; theils geſchieht es erſt längere Zeit nachher, z. B. wenn das Land viel Raſen oder Quecken enthält, oder wenn längere Zeit bis zum Wiederpflügen verſtreichen ſoll, be⸗ ſonders aber, wenn im Spätherbſt gepflügt wird, wornach das Eggen ſtets erſt im andern Fruͤhjähre folgt. . Iift zu lange Zeit verſtrichen, ſeit der Boden nicht gepflügt wurde, ſo muß in der Regel von neuem gepflügt werden, bevor die Egge wirken kann. — 139— §. 279. Wenn die Egge raſch fortbewegt wird, ſo leiſtet ſie weit mehr, als bei langſamer Bewegung; Pferde ſind deshalb beſſer, als Ochſen vor der Egge. Am zweck⸗ mäßigſten iſt es, wenn der Führer hinter der Egge geht, und ſie an einem Strick oder am Bügel regiert, theils um ihre Bewegung etwas ſchlängelnd zu machen, theils um ſie zu heben, wenn ſich Unkraut darunter anſammelt. In manchen Ländern, z. B. in Mecklenburg, wo man nicht ſchwere Eggen und ebenes Land hat, ſitzt der Führer von 3 bis 4 Eggen und ebenſoviel Pferden auf dem Sattelpferd, und eggt im Trabe, wodurch die Wirkung des Eggens verſtärkt wird, die Thiere aber auch mehr ermüdet werden. §. 280. Wenn es der Zweck der Bearbeitung und die Beſchaffenheit des Landes erfordern, die Egge zwei⸗, drei⸗ und mehreremal hintereinander anzuwenden, ſo ſoll man dahin trachten, nach mehr als einer Richtung zu eggen. Zu dieſem Ende eggt man entweder quer, oder im Zickzack, auch bei großen und ebenen Grundſtücken im Viereck oder in die Runde. Bei ſchmalen, etwas gewölbten Beeten ſind dieſe verſchiedenen Methoden zu eggen wenig, zum Theil gar nicht anwendbar. C. Von der Arbeit mit verſchiedenen anderen Werk⸗ zeugen zur Auflockerung des Bodens. §. 281. Einſehend die Unvollkommenheit der Arbeit, welche in manchen Fällen die Egge leiſtet, oder in der Abſicht, an der Arbeit zu erſparen, wenn man zu einer mehr oberflächlichen Lockerung des Bodens dennoch des Pflugs oder des Hackens, wegen Unzulänglichkeit der Egge, ſich zu bedienen genöthigt war,— hat man ſeit längerer Zeit mancherlei Werkzeuge erfunden, welche hinſichtlich ihrer Wirkung im Allgemeinen zwiſchen Pflug und Egge in der Mitte ſtehen und von denen geſagt werden kann, daß ihre — 140— Anwendung in den geeigneten Fällen weſentliche Vortheile gewährt. Auch handeln wir die Werkzeuge hiermit ab, welche, zu Erſparniß der Handarbeit, zur Cultivirung der Hackfruchte in Anwendung gebracht werden. I. Werkzeuge zum Ersatz einer tiefen Eggen⸗ oder klachen Pflugarbeit. 1) Der ſächſiſche Geyer. §. 282. Das unter dem Namen Geyer oder Feldgeyer in einigen Gegenden von Sachſen im Gebrauch ſtehende Inſtrument beſteht aus drei im Dreieck zuſammengeſetzten Balken, in welche gegen zwanzig oder mehr ſtarke eiſerne Zinken mit kleinen nach vornen gebogenen Schnäbeln oder Füßen(die der hintern Zinkenreihe oft auch ganz mangeln) eingeſetzt ſind. Man kann demnach dieſes Inſtrument als eine dem Exſtirpator ſich nähernde dreieckige Egge bezeichnen. §. 283. Früher wurde der Geyer an der vorderen Spitze wie eine Egge angeſpannt und ſo angewendet. Man gab ihm aber ſpäter, zu Verſtärkung der Wirkung, höhere Füße, eine längere und ſchmälere Form, zwei Hand⸗ haben und einen auf ein Vordergeſtell gelegten Grindel. Dieſes alſo verbeſſerte Werkzeug leiſtet zur ſtarken Lockerung des Bodens und Vertilgung des Saamenunkrauts ſehr gute Dienſte, und in ſteinigem oder verquecktem Lande dürfte es leicht den Vorzug vor dem Exſtirpator verdienen. Schmalz hat namentlich jene Verbeſſerung veröffentlicht und nannte ſeinen ſo umgeſtalteten Geyer den Baſtard. 2) Der Scarrificator oder Meſſerpflug. §. 284. Der Meſſerpflug, Scarrificator, Schneidepflug, Schröpfer, Reißpflug, hat ein auf einem Vorderwagen ruhen⸗ des Geſtelle, worin in zwei Reihen und in verſchiedener Zahl(5— 11) Meſſer oder Seche in etwas nach vornen — 141— gebogener Richtung eingeſetzt ſind, womit der Boden durch⸗ ſchnitten und tiefer als mit der Egge gelockert wird. §. 285. Wenn es ſich darum handelt, ein geſchloſſenes Land oberflächlich zu lockern oder von Moos und dergleichen zu reinigen, z. B. altes Luzerneland, mooſige Wieſen, ſo leiſtet der Meſſerpflug ſehr gute Dienſte. In den meiſten Fällen, wo eine mäßig tiefe Lockerung mittelſt eines In⸗ ſtruments zwiſchen Pflug und Egge beabſichtigt wird, ver⸗ dient jedoch der Geyer oder ein Erſtirpator den Vorzug. Der ſogenannte Beatſon'’ſche Reißpflug(ſ. Beatſon's neues Ackerbauſyſtem, überſetzt von Haumann, mit Nachtrag dazu von Meyer) wurde vor wenig Jahren von mehreren Seiten beſonders empfohlen, indem ein drei⸗ bis viermaliges Durchziehen des Landes mit dieſem Inſtrumente vorgeſchrieben ward. Abgeſehen davon, daß die eigentliche Pflugarbeit dadurch nur in beſonderen Fällen erſetzt werden kann, muß dem Beatſon’'ſchen Werkzeuge der Vorzug einer beſonders guten Conſtruction zugeſtanden werden, wozu auch gehört, daß man es durch eingeſetzte Füße mit kleinen Schaa⸗ ren auf verſchiedene Weiſe in einen Exſtirpator umgeſtalten kann. Cin Fall, wo der Meſſerpflug ſehr gute Dienſte leiſtet, verdient noch angedeutet zu werden. Es iſt dieß, wenn man einfährig zu beſtellendes Kleeland vorher einigemal quer mit dem Meſſerpflug durchzieht, bevor man es aufpflügt. Der Erfolg iſt ausgezeichnet. — Wo der ſtark zu lockernde Boden nicht zu feſt geſchloſſen iſt, wird eine ſchwere eiſerne Egge, beſonders die neue Meſſeregge, den Scarrificator entbehrlich machen. 3) Der Erſtirpator. §. 286. Der Erſtirpator, auch Grubber genannt, hat zum geringſten fünf, zum höchſten eilf, am gewöhnlichſten und zweckmäßigſten ſieben, höchſtens neun Füße, woran ſich kleine Schaare von verſchiedener Form befinden. Das Geſtelle mit Vorderwagen iſt daſſelbe wie bei dem Meſſer⸗ pflug. Die Schaare ſind meiſtens zweiſchneidig und ent⸗ weder gegen die Spitze mehr rund und nach oben ſtark — 142— gewölbt, was für ſandigen oder kieſigen Boden paſſend iſt, oder ſie ſind dreieckig, mehr ſpitz und ſcharfkantig, für ſchwereren Boden; es gibt aber auch Schaare, welche, wie am Beetpfluge, die Form eines rechtwinklichen Dreiecks haben. Die letzte Art von Schaaren befindet ſich an dem von Schwerz in Hohenheim verbeſſerten Exſtirpator, es ſind zugleich ganz kleine Flügel oder Streichbrettchen von Blech angebracht; dadurch beſitzt dieſer Exſtirpator den Vorzug, daß er den Boden zugleich umwendet, was beſonders für das Saatunterpflügen weſentlich iſt. Die zuerſt beſchriebenen Formen der Schaare finden ſich an dem durch Thär in Deutſchland vielverbreiteken engliſchen Exſtirpator. Der Fellenbergiſche, woran die Füße von Holz und die Schaare ganz platt ſind, iſt als weniger brauchbar faſt überall wieder bei Seite gelegt worden. Eine Verbeſſerung an den neueren Exſtirpatoren iſt auch noch, daß die Füße nicht ſenkrecht ſtehen, ſondern eine nach vornen ge⸗ richtete Beugung haben. Am Beatſon’'ſchen Erſtirpator hat die vordere Reihe der Füße meiſelförmige Enden, ſtatt Schaare, wodurch der Pflug in etwas feſtem Lande beſſer eindringt. Viele Abbildungen von Scarrificatoren und Exſtirpatoren findet man in Werken über engliſche Landwirthſchaft, z. B. in Loudon's Encyclopädie.. Man nennt den Erſtirpator auch wohl Pferdehacke, Schau⸗ felpflug, welcher Ausdruck jedoch auch bei den zum Hackfruchtbau dienenden Inſtrumenten gebräuchlich iſt. §. 287. Der Erſtirpator geht zwei bis vier Zoll tief und wird mit Vortheil dann angewendet, wenn dem in halbfeſtem Zuſtande befindlichen Boden eine nicht gerade tiefe Lockerung Noth thut, wenn das gekeimte Unkraut zer⸗ ſtört oder wenn die Saat etwas tiefer, als mit der Egge untergebracht werden ſoll. In dieſen Fällen kann durch den mit zwei Pferden beſpannten Erſtirpator noch drei⸗ bis viermal ſo viel, als mit dem Pfluge verrichtet werden. — 143— Bei einem ganz feſten oder einem ſehr ſcholligen, ferner bei einem Boden, welcher noch nicht verweste Raſen oder viel Wurzel⸗ unkraut enthält, ſind die Erſtirpatoren nicht mit Vortheil zu ge⸗ brauchen. 4) Der Saatpflug. §. 288. Der Exſtirpator dient zwar auch als Saat⸗ pflug, man hat aber auch außerdem noch beſondere Pflüge erfunden, welche ausſchließlich zum Unterbringen der Saat beſtimmt ſind, und dabei eine vollkommenere Arbeit, als jene, zuwegebringen. Der Saatpflug unterſcheidet ſich vom Exſtirpator, daß er ſtatt des zweibälkigen Rahmens nur einen ſchräg geſtellten mit dem Grindel verbundenen Bal⸗ ken hat, in welchem drei bis fünf kleine Pflugſchaare mit kleinen hölzernen oder eiſenblechnen Streichbrettern ange⸗ bracht ſind. Zu einer mäßig tiefen und gleichmäßigen Un⸗ terbringung der Saat leiſtet dieſes Inſtrument in der That ſehr gute Dienſte und fördert zugleich dreimal ſo viel, als ein Pflug. Es iſt auffallend, daß man die Saatpflüge noch ſo ſelten angewendet findet, da manche Exſtirpatoren die Saat doch ſehr ungleich unter⸗ bringen, während jene auch bei anderen Gelegenheiten die Stelle der Exſtirpatoren erſetzen können. Der ſchon vor 25 Jahren be⸗ kannte Arndt'ſche Saatpflug dürfte immer noch empfehlenswerth ſein und mehrere neuerer Zeit als neue Erfindung angekündigte Saatpflüge wenig gegen jenen zum Voraus haben. 5) Der Hobelpflug. §. 289. Den Namen Hobelpflug hat man einem In⸗ ſtrumente gegeben, bei welchem ein horizontal liegendes Meſſer an einem Geſtelle ſo angebracht wird, daß man damit den Boden oberflächlich horizontal abſchneidet, ohne ihn zu wenden. Der Gebrauch eines ſolchen Werkzeugs iſt jeden Falls ſehr beſchränkt und der Nutzen davon bis jetzt nicht erwieſen. — 144— II. Werkzeuge kür die Hearbeitung der Hackfrüchte. 1) Der Markeur. §. 290. Wenn Hackfrüchte mit den nachbenannten In⸗ ſtrumenten bearbeitet werden ſollen, ſo müſſen ſie nach einer Seite oder auch nach verſchiedenen Seiten in regulären Linien ſtehen, und falls man nicht nach dem Pfluge oder den von dieſem hinterlaſſenen Furchenkämmen pflanzen kann, ſo bedient man ſich zum Bezeichnen der Linien eines Markeurs, welcher in einem leichten Balken von 8 höchſtens 10 Fuß Länge beſteht, in den die Linien ziehenden Füße in der erforderlichen Entfernung, z. B. von zwei Fuß, ein⸗ geſetzt ſind. Der Balken iſt mit zwei Handbaben und einer Scheere zum Anſpannen eines Pferdes verſehen; beſſer aber iſt, ſtatt der letzteren, ein Grindel auf einem Vordergeſtelle, woran das Zugthier angehängt wird, weil hierbei kleine abweichende Bewegungen deſſelben weit weniger Einfluß auf unregelmäßige Linien haben, als bei einer Gabel, die un⸗ mittelbar am Balken befeſtigt iſt. Im Kleinen bedient man ſich auch eines zu einem Markeur eingerichteten, durch einen Menſchen fortgezogenen Rechens. §. 291. Um gleichweit von einander ſtehende Kämme oder Balken mittelſt des Häufelpflugs zum Darauf⸗ oder Dazwiſchenpflanzen anzufertigen, bedient man ſich eines als Arm am Häufelpfluge einzuſetzenden Markeurs. Aehnliche Vorrichtung kann man auch an Pflugen zum Markiren für die Anfertigung ſchmaler Beete anbringen. Zu letzterem Zwecke dienen auch beſondere dreifüßige Mar⸗ keur's wie die im vorigen Paragraphen beſchriebenen. Man vergleiche§. 28 in Blo ck's Mittheilungen I. B. 2) Die Furchenegge. §. 292. Seit der großen Ausdehnung des Hackfrucht⸗ bau's ſind die Inſtrumente zum Erſatze des Hackens und Häufelns mit der Hand wichtig geworden und man bedient — 145— ſich deren von mancherlei Conſtructionen. Das einfachſte zu erſterem Zwecke, auch deutſcher Erfindung, iſt die Furchenegge, auch Igel oder Kratzigel genannt, welche im Altenburgiſchen und andern Gegenden von Sachſen im Gebrauche ſteht. Sie beſteht aus drei leichten Balken, welche vornen ver⸗ bunden und mit einem ſtellbaren Rädchen verſehen ſind, hinten aber mittelſt zweier mit Löchern verſehenen leichten Schienen beliebig weiter oder enger geſtellt werden können; zur Führung ſind zwei Sterzen vorhanden. Die Balken ſind mit eiſernen Zinken beſetzt, welche theils nach vornen, theils ſeitwärts, und zwar abwechſelnd rechts und links gerichtet ſind. Der Erfinder des Igels ſoll(nach Pohl's Archiv, 37. B.) der Bauer Liebernickel zu Schwarzbach bei Rochlitz ſeyn. Uebrigens hat man in England ein ähnliches Inſtrument unter dem Namen Drillegge. §. 293. In einem Boden, welcher nicht ſehr geſchloſſen, noch ſtark mit ſchon mehr herangewachſenem Unkraute bedeckt iſt, leiſtet die Furchenegge häufig ſo gute Dienſte, als ein Cultivator; in ſteinigem Boden verdient ſie ſogar den Vorzug. 3) Der Cultivator. §. 294. Mit dem Namen Cultivator, Reihenſchaufler, Schaufel- Felg- oder Hackpflug werden die verſchiedenen anderen Inſtrumente belegt, deren wir uns mittelſt eines vorgeſpannten Zugthieres zur erſten Bearbeitung der in Reihen gepflanzten Hackfrüchte, in vielen Fällen mit ent⸗ ſchiedenem Vortheile, bedienen, indem durch ihre Anwendung an Arbeitskoſten geſpart und auch da ein ausgedehnter Hackfruchtbau möglich wird, wo es ſonſt an arbeitenden Händen dazu mangeln würde. Die Verbreitung dieſer Werkzeuge ging zuerſt von England aus, und in Deutſchland hat Thär dazu den Impuls gegeben. Pabſt Landwirthſchaſt. I. 1. Zweite Auflage. 10 — 146— §. 295. Am häufigſten hat der Cultivator drei Füße mit Schaaren, ähnlich denen am Erſtirpator; der vordere dieſer Füße iſt in den Grindel eingelaſſen, die beiden hin⸗ teren ſitzen in einem auf jenem befeſtigten Bälkchen; vornen iſt eine ſtellbare Stelze mit Fuß oder Rädchen. Die Schaaren ſind, wie beim Exſtirpator, von verſchiedener Form und können enger oder weiter geſtellt werden. An dem von Schwerz verbeſſerten Hohenheimer Cultivator ſind, wie an meh⸗ reren neueren engliſchen, die Füße nach vornen gekrümmt, auch ſind die hinteren Schaaren nur auf einer Seite ſchneidig, ſo daß ſie, wenn die platte Seite nach außen gekehrt wird, die Pflanzen nicht leicht verletzen. §. 296. Eine von jener verſchiedene Einrichtung hat der Fellenberg'ſche ſogenannte Paßauf, woran ein Hobelmeſſer und dahinter eine kleine an einem Fuße feſt⸗ ſitzende Egge die Stelle der Schaaren erſetzen. Dombas⸗ le's Cultivator hat das Geſtelle einer Furchenegge, an der vorderen Spitze ein breites Schaar, in den Seitenbalken abwechſelnd Zinken und horizontal nach innen gerichtete Meſſer; derſelbe liefert gute Arbeit. Auch der in der Rheingegend in häufigem Gebrauche ſtehende, zu dem Zwecke verbeſſerte curländiſche Hacken(§. 233.) leiſtet bei nicht ſehr weit ſtehenden Reihen der Hackfrüchte ſehr gute Dienſte. Letzteres Inſtrument hat den Vorzug, daß der Führer es ganz in ſeiner Gewalt hat, es zu heben, nahe ſtehenden Pflanzen auszu⸗ weichen ꝛc. Ich habe die Form der Füße und Schaaren noch weiter angemeſſen zu geſtalten, auch eine weitere einfache Vorrichtung an⸗ zubringen geſucht, mittelſt deren es zugleich als Häufelpflug dient. Aehnliches hat man auch mit verſchiedenen Cultivatoren in England zu bewerkſtelligen geſucht. Bemerkenswerth iſt die von Koppe zum Behacken der Runkel⸗ rüben getroffene Vorrichtung, indem drei leichte an einem Quer⸗ balken angehängte Cultibatoren von einem Pferde fortbewegt werden; man bedarf jedoch drei Führer, erſpart aber zwei Pferde. Ueber die Anwendung dieſer Inſtrumente ſ. das achte Cap. — 147— 4) Der Häufelpflug. §. 297. Der Häufelpflug oder die Pferdehacke hat ein dem gewöhnlichen Hacken ähnliches Geſtelle mit Nad oder Stelze, ein gleichſeitiges Schaar von verſchiedener Breite und Form, zuweilen ſtatt deſſen auch nur eine Spitze oder Zun⸗ ge, ſodann hat er zwei Streichbretter, entweder platt, oder, was beſſer iſt, mit einer zweckmäßigen Schweifung; ge⸗ wöhnlich ſind ſie von Holz, die geſchweiften zuweilen auch von Eiſen; auch richtet man ſie zweckmäßig ſo ein, daß ſie enger oder weiter geſtellt werden können. Ein mäßig breites Schaar hat hierbei vor einer bloſen Spitze oder ſchmalen Zunge den Vorzug, daß der Boden in der Tiefe der Rigole, welche der Häufelpflug zieht, beſſer gelockert wird. Unter umſtänden leiſtet zu dem Behufe ein nach beiden Seiten etwas gebogenes, hinter dem Schaar, ſtatt der Streichbretter, aufgeſetztes Schild noch beſſere Dienſte. §. 298. Der Häufelpflug gewährt zum Behäufeln der Hackfrüchte die gleichen und ſelbſt noch größere Vortheile, als der Cultivator zum Behacken, auch dient er weſentlich zur Anfertigung der Balken zum Pflanzen, Diillen ꝛc. ſo⸗ wie zum Ausziehen der Beet⸗ und Waſſerfurchen. D. Von der Arbeit mit der Walze und Schleife. §. 299. Zum Feſtdruͤcken, Zermalmen und Ebnen des Bodens dient insbeſondere die Walze, zuweilen auch die Schleife. I. Die walze. §. 300. Die Walze beſteht am häufigſten aus einem hölzernen, an den Enden mit eiſernen Ringen verſehenen Cylinder von 4 bis 8 Fuß Länge und 1 bis 2 Fuß Dicke, welcher mittelſt eiſerner Zapfen in einem einfachen, mit einer Scheere oder einer Deichſel zuſammenhängenden Rah⸗ mengeſtelle läuft. Es gibt aber auch ſteinerne und eiſerne 10* — 148— oder ſtark mit Eiſen beſchlagene Walzen, mit mancherlei Abweichungen in der Conſtruction. §. 301. Als Hauptgrundſatz für die Conſtruction der Walze gilt, daß ihre Wirkung um ſo ſtärker iſt, je größer das Gewicht, je ſtärker der Durchmeſſer und je geringer die Länge(eigentlich Breite) iſt. Steinerne oder mit Eiſen beſchlagene ſind daher ſchwerer als hölzerne, unter dieſen die dickeren und kürzeren wirkſamer, als die längeren und dünneren; ſelbſt bei gleichem Gewichte. Auf jeder Walze läßt ſich leicht ein Kaſten anbringen, um durch einzulegende Steine das Gewicht nach Erforderniß zu vermehren; dieſe zweckmäßige Vorrichtung ſollte den gewöhnlichen Walzen nie⸗ mals abgehen. Die gußeiſernen Walzen ſind gewöhnlich hohl; es gibt aber auch hohle Walzen aus Bohlen bis 3/ im Durchmeſſer. Zu den Walzen dieſer Conſtruction gehört die neuerer Zeit in Eng⸗ land erfundene und von da durch Carr nach Holſtein gekommene zweitheilige Walze, welche ſich dadurch auszeichnet, daß beim Um— drehen der Boden nicht zuſammengeſchoben wird.— Wenn die Walze kantig iſt, wie die kleine ſteinerne Beetwalze in den Nie⸗ derlanden, wird ihre Wirkung dadurch etwas vergrößert. §. 302. Da die Walzen gewöhnlicher Conſtruction nicht immer genug leiſteten, ſo hat man noch verſchiedene Veränderungen zu Vergrößerung der Wirkung anzubringen geſucht; dahin gehören die Walzen, welche aus eiſernen Ringen beſtehen, die an einem hölzernen Cylinder zuſammen⸗ geſchoben ſind(Ringelwalzen), die Scheiben- und die Stachelwalzen. Die Scheibenwalzen beſtehen aus zwei in einem Rahmen eingeſetzten ſcheibenförmig ausgearbeiteten, bei der Fortbewegung in einandergreifenden Walzen; die Stachelwalzen ſind mit mehr oder weniger langen eiſernen Stacheln beſchlagen. §. 303. Die Ringel-, wie Scheibenwalzen leiſten auf kloſigem Boden vorzügliche Dienſte. Die Stachelwalzen arbei⸗ ten nur in recht trockenem Boden gut; iſt derſelbe nur — 149— etwas feucht, ſo haͤngt er ſich zwiſchen den Stacheln feſt und die Arbeit iſt gehindert und ungleich. Dieſe drei verſchiedenen Arten Walzen kommen ziemlich theuer zu ſtehenz indeſſen werden ſie ſich auf größeren Gütern mit ſchwerem Boden doch verintereſſiren. Bei ſchmalen Beeten muß die Form der Walze danach gerichtet werden. Je nach dem Bau der Walze bedarf man von ein bis zu vier Stück Zugvieh davor. Wenn man einen gebundenen Boden hat, ſo wird man am beſten thun, zweierlei Walzen zu halten, ganz ſchwere und leichtere; bei mehr loſem Boden kann man mit einerlei Walzen, mehr leicht als ſchwer, aus⸗ kommen, wenn ſolche nur eine Vorrichtung zum Beſchweren haben. §. 304. Die Walze wird angewendet: 1) um durch das Zuſammendrücken eines loſen Bodens das Austrocknen zu vermindern; 2) um dem gepflügten und durch die Egge nicht hinlänglich gepulverten(in Schollen erhärteten) Bo⸗ den mehr zu zertrümmern; 3) um das beſtellte Feld zu Erleichterung des künftigen Mähens beſſer zu ebnen; 4) zuweilen endlich, um feine Sämereien ganz flach in den Bo⸗ den zu bringen, oder loſe gewordene Saaten anzuwalzen. §. 305. Zum erſten Zwecke bedient man ſich, beſon⸗ ders wenn das Walzen nach der Saat ſtatt findet, leich⸗ ter oder nur mäßig ſchwerer Walzen, auch zum Ebnen und Anwalzen des Saamens hat man in der Regel die leichteren zu wählen; um ſo mehr bedarf man der ſchwe⸗ reren oder ſtark beſchwerten Walzen, wenn es ſich darum handelt, einen in Schollen erhärteten Boden zu verkleinern. §. 306. Wenn die Walze angewendet werden ſoll, ſo muß der Boden immer ſo trocken ſeyn, daß er ſich nicht an die Walze anhängt. Handelt es ſich um die Pulve— rung eines kloßigen Bodens, ſo kann ein mehrmaliges Walzen erforderlich werden, zwiſchen jedesmaliger Wie⸗ derholung muß jedoch ein tüchtiges Eggen ſtattgefunden haben. — 150— §. 307. Zu rechter Zeit und am rechten Platze ange⸗ wendet, leiſtet die Walze ſehr wichtige Dienſte: ohne ihre Beihülfe läßt ſich bei trockenem Wetter ein ſtrenger Boden oft gar nicht gehörig bearbeiten und in loſem Boden ver⸗ dirbt die nicht gewalzte Saat in trocknen Sommern eher, als die gewalzte, ſowie durch das Walzen des trocknen, loſen Bodens, wenn er nach dem Pflügen, beſonders nach dem Düngerunterpflügen, längere Zeit unbeſäet bei trocknem Wetter liegen bleiben ſoll, einer Verflüchtigung pflanzen⸗ nährender Theile vorgebeugt wird. Die Walze ſoll darum in keiner Wirthſchaft fehlen, was ſie auch fuͤr Boden habe. Das Walzen unmittelbar nach der Saat erfordert beſondere Achtſamkeit, indem unter umſtänden auch leicht Nachtheile daraus entſtehen können, theils weil manche Saamenunkräuter dann ſtärker und ſchneller auflaufen, theils weil bei bald nachfolgendem Regen und wieder eintretender Trockniß eine zu feſte Borke auf der Ober⸗ fläche entſtehen kann. Näheres im 8. Capitel und bei dem ſpe⸗ ciellen Pflanzenbau. §. 308. Noch bleibt der in England erfundenen und durch Schwerz von Hohenheim aus verbreiteten Furch⸗ enwalze Erwähnung zu thun, welche von der Mitte gegen die Axen ſtark coniſch zuläuft und dazu dient, die mit dem Häufelpfluge ausgezogenen Beet- und Waſſerfurchen zu durchziehen und die erhöhten Ränder niederzudrücken. II. Die Schleite. §. 309. Die Schleife, ein einfaches in den Niederlan⸗ den gebräuchliches Ackerwerkzeug, beſteht aus einem ohn— geſähr 4“ breiten und 2 ½“ langen leichten Rahmen, mit mehreren Scheiden, und mit biegſamem Holze durchflochten; in der Mitte iſt ein Hacken, woran die Pferde angehängt werden; der Fuͤhrer aber ſtellt ſich mit ausgeſpreiteten Beinen auf die Schleife, wenn ſie angewendet werden ſoll. — 151— §. 310. Die Schleife verrichtet eine Mittelarbeit zwi⸗ ſchen Egge und Walze und verdient in manchen Fällen den Vorzug vor beiden, z. B. wenn man ein Feld ebnen, aber nur ſehr gelinde feſtdrücken, oder wenn man feinen Saamen recht flach unterbringen will; ferner, wenn man eine umgelegte Grasnarbe bearbeitet, welche ſcharfes Eggen nicht leiden mag, oder wenn man bei flach geſtürztem Stop⸗ pelacker die Stoppeln und Wurzeln möglichſt vom Boden trennen will, um ſolche hernach abzurechen. Die Schleife reibt mehr, als ſie drückt, und man hat bei ihrer Anwendung nicht zu befürchten, daß ſich hintennach eine Borke bil⸗ det, wie dieß leicht der Fall, wenn man einen fein bearbeiteten Acker gewalzt hat, der noch etwas feucht war(§. 307).— Man bedient ſich ihrer ſeit kange in Hohenheim in den geeigneten Fällen und iſt ſehr zufrieden damit.— Durch den in vielen Gegenden üblichen Gebrauch der umgeſtürzten etwas beſchwerten Egge erreicht man einigermaßen denſelben Zweck. E. Von der Bearbeitung des Bodens mit der Hand. §. 311. Abgeſehen von den mancherlei Culturarbeiten und Nachhülfen neben Anwendung des Geſpanns, welche ſtets mittelſt Handarbeit ausgefuͤhrt werden, ſo können die Umſtände auch gebieten, die Hauptculturarbeiten ausſchließ⸗ lich mit der Hand auszuführen, oder es doch räthlich ma⸗ chen, zur Ausführung eines Theils jener Arbeiten die Hand⸗ arbeit der Spannarbeit vorzuziehen. §. 312. Da wo das Grundeigenthum ſo ſehr getheilt iſt, daß der einzelne Beſitzer nicht ſo viel Fläche hat, um Geſpann fur deren Bearbeitung halten zu können, iſt der— ſelbe durch die Verhältniſſe darauf hingewieſen, die meiſten vorkommenden Culturarbeiten mit der Hand zu verrichten. Es trifft dieſes dann auch mit einer ſo zahlreichen Bevöl⸗ kerung zuſammen, daß dieſe ihrerſeits wieder darauf hinge⸗ 22 wieſen iſt, allen jenen Verdienſt für ſich ſelbſt noch in An⸗ ſpruch zu nehmen, welchen anderwärts das Geſpann macht. Es gibt aber in ſtark bevölkerten Gegenden häufig auch Fälle, wo dem ſchon größeren Grundbeſitzer die Wahl bleibt, gewiſſe Arbeiten mit dem Pfluge oder dem Spaten ver⸗ richten zu laſſen, und in dieſer, ſo wie in volkswirthſchaft— licher Beziehung überhaupt iſt es wichtig, zu unterſuchen, wie ſich Koſten und Ertrag gegeneinander verhalten. §. 313. Im Allgemeinen iſt zu dem Ende anzuneh⸗ men, daß die Spatenarbeit vier⸗ bis zehnmal ſo viel koſtet, als die Pflugarbeit, daß dagegen einmal Spaten oft eben ſo viel oder ſelbſt noch mehr leiſtet, als mehrmaliges Pflü⸗ gen, daß beſonders bei ſehr unreinem, ſtark bewurzeltem oder benarbtem Lande, oder wo eine Bearbeitung zu unge⸗ wöhnlicher Tiefe Noth thut, die Spatenarbeit einen ſo viel ſicheren und größeren Erfolg bewirken kann, als die Pflug⸗ arbeit, ſo daß die mehreren Koſten der erſteren durch den höheren Ertrag reichlich gedeckt werden. Eben ſo verhält es ſich auch mitunter bei der Bearbeitung von Hackfrüchten, indem ſich der größere Aufwand für die Handarbeit reich⸗ lich durch größeren Ertrag bezahlt macht. Je mehr die Bevölkerung und die Theilung des Grundeigen⸗ thums zunehmen, um ſo wichtiger wird die Rolle, welche Spaten und Haue dann ſpielen. §. 314. Die hauptſächlichſten Handarbeitsgeräthe ſind: 1) der Spaten oder das Grabſcheid. 2) die gewöhn⸗ liche Haue, die Hacke oder Felghaue und der Karſt. 3) die Schaufel oder Schippe.+ der Rechen oder die Harke. 5) die Patſche. 6) der Kloshammer. Statt einer näheren Beſchreibung des Zweckes, wozu dieſe Werkzeuge dienen, möge die Bemerkung ausreichen, daß der Spaten und die Haue nebſt Schippe mehr zur Umarbeitung des Bodens gleich dem Pfluge dienen; Hacke und Karſt — 153— dienen mehr zur oberflaͤchlichen Bearbeitung, beſonders der Hackfrüchte; die Harke vertrittt die Stelle der Egge, auch hat man kleine Handeggen; die Patſche und der Klosham⸗ mer vertreten die Walze bei der Handeultur. §. 315. Die Form dieſer Handarbeitsgeräͤthe iſt keines⸗ wegs gleichguͤltig und man findet in den verſchiedenen Län⸗ dern mancherlei Abweichungen, welche ſich einer zweck⸗ mäßigen oder unzweckmäßigen Form mehr nähern. Aber es iſt ſehr ſchwer, das gewohnte Handgeräthe bei dem ge⸗ meinen Arbeiter mit anderem ungewohntem, wenn ſchon beſſerem, zu vertauſchen. §. 316. Zu gewiſſen Zwecken hat man noch beſonders conſtruirte Handgeräthe, wie zum Bearbeiten des Krapps und einiger anderen Handelsgewächſe, in England zum Be⸗ arbeiten des gedrillten Getreides oder auch ungedrillten Weizens ꝛc. Auch die Unkrautſtecher und Heber und aͤhnliche dergleichen Ge⸗ räthe ſind hier namhaft zu machen. F. Geräthe zum Transport. §. 317. Eine gründliche Kenntniß der Lehren der Mechanik, worauf ſich die Conſtructionen des Fuhrwerks gründen, bleibt fuͤr den Landwirth ſehr wichtig; daran muß ſich zugleich eine practiſche Kenntniß der einzelnen Theile der verſchiedenen Arten und Einrichtungen der Fuhrgeräthe anſchließen. Wir müſſen eingeſtehen, daß unſer Fuhrgeſchirr in den ver⸗ ſchiedenen Gegenden von Deutſchland noch an mancherlei Mängeln leidet. §. 318. Der Hauptunterſchied beim landwirthſchaft⸗ lichen Fuhrwerke beſteht zunächſt zwiſchen Karren und Wa⸗ gen oder zwei⸗ und vierräderigem Transportgeräthe. — 154— Man hat auch ſchon dreirädrige Fuhrwerke, auf gewiſſe Theo⸗ rien geſtützt, empfohlen, und in einigen ſehr ebenen Landſtrichen (z. B. in Flandern) kann man deren auch zuweilen in Anwendung ſehen. Ihre Anwendbarkeit iſt aber in der Praxis beſchränkt, ja meiſtens unthunlich. §. 319. Zu Gunſten der Karren läßt ſich anführen, daß ein Fuhrwerk, bei welchem die Laſt nur auf einer Achſe ruht, zur Fortbewegung derſelben eine geringere Kraft er⸗ fordert, als wenn dieſe Laſt auf zwei Achſen vertheilt iſt, um ſo mehr, weil es beim Karren ſtatthafter iſt, ſich höherer Räder zu bedienen als beim Wagen; ſowie daß bei einem einſpännigen Fuhrwerk das Zugthier ſeine volle Kraft ein⸗ zig auf die Fortbewegung des Fuhrwerks anwendet, wäh⸗ rend bei einem mehrſpännigen durch jede Ungleichheit in Schritt und Bewegung, und ſelbſt in der Größe des Spann— viehes, Zugkraft verloren geht, was in noch höherem Grade der Fall iſt, wenn mehrere Zugthiere vor einander geſpannt ſind. Es iſt wohl nicht zu viel geſagt, wenn man annimmt, daß bei gleicher Stärke der Zugthiere beim zweiräderigen Fuhrwerke drei Stück ſo viel leiſten, als deren viere beim vierräderigen. §. 320. Dagegen iſt den Karren zur Laſt zu legen und zu Gunſten der Wägen anzuführen, daß jene beſonders ſtarke und dauerhafte Thiere verlangen, daß dieſe in ber⸗ gigen Gegenden durch das ſtarke Aufliegen des Karrens beim Bergabfahren ſehr mitgenommen werden, daß die für eine größere Wirthſchaft erforderliche Anzahl Karren mehr koſtet, als Wägen, daß man mehr Menſchen zur Führung bedarf und daß die mit Heu, Getreide und der⸗ gleichen geladenen Karren bei etwas unebenen Wegen oder Feldern leicht umfallen, überhaupt die Heu- und Getreide⸗ erndte durch Wägen leichter und ſchneller gefördert wird, als mittelſt Karren. — 155— §. 321. Theilweiſe läßt ſich den eben in Bezug auf die Karren angeführten Nachtheilen begegnen, indem man ſie ſo einrichtet, daß ſie mit zwei nebeneinander gehenden Zugthieren beſpannt werden. An Führern kann bei den einſpännigen Karren auch geſpart werden, indem man zu mehreren derſelben nur einen Führer gibt, wozu jedoch achtſame Leute und gut gewöhnte Thiere gehören. §. 322. Berückſichtigt man, auſſer dem Vorangeſchick⸗ ten, auch noch, daß für Transporte nach größerer Entfer⸗ nung Wägen Vorzüge vor den Karren haben und daß man in den meiſten Gegenden von Deutſchland fuͤr das Hauptfuhr⸗ weſen den erſteren bisher ſchon den Vorzug gab; ſo dürfte anzunehmen ſeyn, daß in kleinen Wirthſchaften die einſpän⸗ nigen Karren, in etwas größeren Wirthſchaften mit ebener Lage, und wo große Wegſtrecken zurückzulegen ſind, die zweiſpännigen Karren in der Regel den Vorzug verdienen, daß aber in größeren Wirthſchaften, und überhaupt da, wo das Geſpann häufig weite Strecken zurückzulegen oder viel und ſteile Berge zu paſſiren hat, die Wägen für den Haupt⸗ gebrauch vorzuziehen bleiben. Wo man darauf denkt, die Wägen gegen Karren zu vertauſchen, iſt auf die Stärke des Geſpanns und die Anſtelligkeit der Fuhrleute (Knechte) die erſte Rückſicht zu nehmen. Daß man in England und den Niederlanden ſehr häufig der Karren ſich bedient, ſpricht zu deren Gunſten; indeſſen iſt nicht zu überſehen, daß hier der Boden durchaus, und dort häufig mehr eben als ſteil abhängig iſt, daß man faſt ausſchließlich Pferde gebraucht und dieſe ſehr ſtark ſind. Man vergleiche: Darſtellung der Land⸗ wirthſchaft Großbrittanniens, bearbeitet von Schweitzer, 1. Bd. 1. Abtheilung. §. 323. Wenn demnach den Wägen für den Haupt⸗ gebrauch unter vielen Umſtänden der Vorzug eingeräumt bleiben muß, ſo iſt es dagegen zweckmäßig, in jeder einiger⸗ maßen bedeutenden Wirthſchaft eine verhältnißmäßige An⸗ zahl ſogenannter Sturzkarren zu halten, zum Boden⸗, — 156— Steine⸗, Compoſt⸗, Wurzelwerk⸗Fahren u. dgl. mehr, da zu dergleichen Fuhren die Karren entſchieden im Vorzug ſind. §. 324. Beim Gebrauch der Wägen bleibt noch die Wahl zwiſchen zwei⸗, drei⸗ und vierſpännigen. Da bei dem Langſpannen mit Vieren nicht unbeträchtlich an Zug⸗ kraft verloren geht, und deßhalb zwei zweiſpännige Wagen mehr fortſchaffen, als ein vierſpänniger, ſo behalten im Allgemeinen zweiſpännige Wägen den Vorzug; indeſſen kön⸗ nen ſchlechte Wege, ſteile Berge, Mangel an Leuten, um zu je zwei Zugthieren einen Führer zu geben, große Ent⸗ fernung der Grundſtücke, in größeren Wirthſchaften dennoch beſtimmen, vier Pferde oder Ochſen an den Wagen zu ſpan⸗ nen. Dreiſpännig, wenn die drei Zugthiere nicht neben ein⸗ ander geſpannt werden können, iſt das ſchlechteſte Fuhrwerk. §. 325. Beim Bau der Karren bleibt die Hauptſache: hohe Räder und eine richtige Vertheilung der Laſt, derge⸗ ſtalt, daß ſie beim Fahren auf ebenem Boden faſt ganz auf der Achſe ruht. Auch zweckmäßige Vorrichtungen zum Aufklappen des Kaſtens zum Aufſetzen von Rahmen für voluminoſe, nicht ſchwere Gegenſtände, ſowie zum Sperren ſind dabei wichtig. Bei den Wägen iſt Hauptſache: ſoweit wegen des Kehrens thunlich, gleich hohe Räder am Vorder⸗ und Hinterwagen, eine anſehnliche Breite, und eine Vor⸗ richtung, um den Wagen verkürzen und verlängern zu können(kurze und lange Leitern aufzulegen). Eiſerne Ach⸗ ſen und mehr breite, als ſchmale Felgen ſind für Karren und Wägen zu empfehlen. Die Breite der Fuhrwerke muß ſich nach der in der Gegend eingeführten Wagenſpur richten. Mittelſpur iſt in der Regel am beſten, denn allzubreite Spur macht die Fuhrwerke unbeholfen und erſchwert beſonders das Kehren und Ausweichen; bei ſchmaler Spur aber faſſen die Wägen zu wenig und fallen, hoch beladen, leicht um, Die an verſchiedenen Orten gebräuchlichen Einrichtungen: zum Dungfahren beſondere Bretter einzuſetzen, Flechten von Weiden oder — 157— Stroh bei den Erndte⸗ und andern Fuhren in die Leitern zu legen, Käſten zum Aufſetzen auf die Wägen für Erde-, Kartoffel⸗Fahren und dergleichen zu haben— ſind ſämmtlich zweckmäßig. Sechstes Capitel. Von der Düngung. §. 326. Alle Stoffe, welche wir zum Erſatze der durch den ſtattgefundenen Pflanzenanbau dem Boden ent⸗ zogenen Pflanzennahrungsſtoffe, oder überhaupt zur Ver⸗ mehrung oder größeren Wirkſamkeit der letzteren, in oder auf den Boden verwenden, oder mit anderen Worten, alle Stoffe, welche irgend chemiſch den Boden zu verbeſſern und dadurch deſſen Ertragsfähigkeit zu erhöhen geeignet ſind, ſind als Dünger oder Dungſtoffe zu betrachten und gehören deßhalb in das Bereich der Lehre von der Düngung. §. 327. Als Principien für die Lehre von der Düngung ſind folgende Sätze voranzuſtellen: 1) Die Pflanzen nehmen einen großen Theil der zu ihrer Bildung und Subſiſtenz bedürftigen Stoffe aus dem Boden und zwar bedürfen ſie zu ihrer Ernährung ſtets nicht blos organiſche, ſondern auch anorganiſche Stoffe. 2) Dem Boden fehlen ſehr häufig von Natur mehrere ſolcher Stoffe, welche zur Pflanzenernährung erforderlich ſind, oder er beſitzt ſie doch in zu geringer Menge; jeden⸗ falls aber werden viele derſelben, wenn ſie auch in ge⸗ nügendem Maaße vorhanden waren, durch den Pflanzenbau immer mehr conſumirt. Dazu kommt, daß die Natur der — 158— Gewächſe auch ein verſchiedenes Verlangen zeigt, von dieſen oder jenen Stoffen ſich mehr oder weniger anzueignen. 3) Es iſt deßhalb ſehr wichtig, die Stoffe zu kennen, welche in gedachten Beziehungen die Pflanzen verlangen; den Boden und die verſchiedenen Dungſtoffe aber ebenfalls wieder daraufhin zu beurtheilen, um das Bedürfniß an Dünger und die Wirkſamkeit und Anwendbarkeit der ver⸗ ſchiedenen Dungſtoffe genügend zu ermeſſen. 4) Die Pflanzen vertragen von vielen Stoffen, welche ſie anſprechen, nur gewiſſe Mengen und ein Uebermaaß wird ihnen nachtheilig; von anderen kann dagegen auch ein großes Uebergewicht vorherrſchen, ohne daß ihnen ſol⸗ ches ſchädlich wird. 5) Es gibt auch Stoffe, welche in den Boden gebracht oder darin enthalten, unter Umſtänden oder immer nach⸗ theilig auf die Pflanzenvegetation wirken. 6) Damit die Pflanzen die ſie nährenden Stoffe auf⸗ nehmen können, müſſen dieſe im Waſſer löslich ſein, oder doch nach und nach löslich werden. 7) Durch Gährung und Fäulniß, auch Lüftung, wird die Löslichkeit, alſo auch Wirkſamkeit, vieler Dungſtoffe befördert. 8) Durch Gährung und Fäulniß, zu viel vorhandene oder mangelnde Feuchtigkeit, zu ſtarke Auslüftung, oder Mangel an Luftzutritt verlieren aber auch die Dungſtoffe ſehr häufig mehr oder weniger an ihrer Wirkſamkeit, oder dieſe wird, in Bezug auf die beiden letzteren Einwirkungen, wenigſtens verzögert. Nach Sprengel, deſſen„Dü ngerlehre“ allen Landwirthen, welche wiſſenſchaftliches Streben haben und chemiſcher Kenntniſſe nicht ganz entbehren, zum Studium empfohlen werden muß, enthal⸗ ten die meiſten Gewächſe folgende 15 Stoffe: Sauerſtoff, Kohlen⸗ ſtoff, Waſſerſtoff, Stickſtoff, Schwefel, Phosphor, Chlor, Kali, Natron, Kalk, Talk, Thonerde, Kieſelerde, Eiſen, Mangan. Wenn —— — 159— man nun auch, gegen die Sprengel'ſche Anſicht, annehmen mag, daß manche dieſer Stoffe einander auch wohl bis zu gewiſſem Grade ſubſtituiren können und daß der Mangel des einen oder andern, oder ſelbſt einiger, noch nicht Veranlaſſung wird, daß der Boden überhaupt nicht mehr mit gutem Erfolg zum Pflanzenbau benutzt werden kann; ſo darf doch wohl der Sieg für die von Sprengel verfochtene Theorie nicht mehr zweifelhaft bleiben: daß nemlich die Pflanzen diejenigen Stoffe, welche man bei chemiſcher Zerlegung darin findet, größtentheils aus dem Boden ſich angeeignet haben, und wie demnach daraus zu ſchließen ſey, daß wenigſtens die meiſten jener Stoffe auch im Boden in genügendem Maaße vorhanden ſeyn ſollen, damit ein gutes Gedeihen der darauf gebauten Vegetabilien erfolgen könne; wobei übrigens die Wichtigkeit und der Einfluß der phyſiſchen Eigenſchaften des Bodens im vollem Maaße aner⸗ kannt bleiben. §. 328. Wir betrachten alle Arten von Dungmitteln in folgenden Hauptabtheilungen: A. Organiſche Dungſtoffe. B. Mineraliſche Dungſtoffe. C. Organiſch⸗mineraliſche Stoffe(Mengedünger). D. Waſſer und Feuer(Bewäſſern und Bodenbrennen). A. Organiſche Dungmittel. §. 329. Die organiſchen Dungmittel zerfallen in fol⸗ gende: I. Thieriſch⸗vegetabiliſche. II. Nein vegetabiliſche. III. Rein thieriſche. I. Thierisch⸗ vegetabilischer Dung. §. 330. Wir verſtehen darunter die Excremente unſerer Hausthiere, in der Regel gemengt mit verſchiedenen vege⸗ tabiliſchen Stoffen, alſo den gewöhnlichen Viehdünger, dem wir unbedingt den erſten Rang unter den Dungmitteln ein⸗ — 160— zuräͤumen haben, weil er bei dem Betriebe der Landwirth⸗ ſchaft unmittelbar erzeugt wird, auch auf das Maas der Erzeugung dabei weſentlich gewirkt werden kann, und weil er in Folge ſeiner Beſtandtheile und Eigenſchaften für die meiſten Culturzwecke tauglich und wirkſam iſt. §. 331. Wir haben dabei in Betracht zu ziehen: 1) die Beſchaffenheit der verſchiedenen thieriſchen Excremente; 2) das Streumaterial; 3) die Behandlung des Düngers im Stalle; 4) Behandlung außerhalb der Ställe; 5) An⸗ wendung des feſten Stallmiſtes; 6) Anwendung als Pferch; 7) Anwendung der flüſſigen Theile; 8) Schätzung der Dünger⸗Production. 1) Die verſchiedenen thieriſchen Excremente. §. 332. Die Excremente unſerer Hausthiere ſind von verſchiedenartiger Beſchaffenheit. Solche beruht auf dem eigenthümlichen Organismus der Thiergeſchlechter, auch auf dem Alter und der Benutzungsweiſe der Thiere; ſodann auf der Art und Menge der Nahrungsmittel, welche ſie erhalten. Inwieferne außerdem Behandlung und Streumaterial von weſentlichem Einfluße auf die Beſchaffenheit des Viehdüngers ſeyen, wird weiterhin beſonders zur Sprache kommen. §. 333. Im Allgemeinen iſt anzunehmen, daß bei der gleichen Thierart die Excremente um ſo mehr Werth als Dungſtoffe haben, je mehr die Thiere mit kräftigen, concentrirten Nahrungsmitteln genährt worden ſind. Thiere, welche dabei einen Theil ihrer Säfte auf Production von Jungen und Milch verwenden, werden einen minder krãf⸗ tigen Miſt produciren, als ſolche, wobei dieß nicht ſtatt— findet(Maſtvieh), und der Miſt von jungen, ſtark wach⸗ ſenden Thieren iſt, bei der Ernährung mit ein und den⸗ ſelben Futtermitteln, etwas weniger werth, als der von ausgewachſenen gut genährten Thieren. — 161— a) Excremente des Rindviehes. §. 334. Die Futterreſte in den Auswürfen aus dem Darmkanale des Rindviehes ſind nicht ſo ſtark, als bei den andern Hausthieren, verkleinert, enthalten viel Wäßrigkeit und ſind von breiartiger Beſchaffenheit; ſie nehmen aus dieſen Urſachen verhältnißmäßig viel Streumaterial auf und laſſen ſich gut damit mengen. Aus jener Beſchaffenheit, und weil der Antheil an Ammoniak im Nindviehdünger nur gering iſt, läßt ſich zugleich folgern, daß die Zerſetzung und Wirkung des Rindviehdüngers weniger ſchnell von ſtatten geht, als die von den Excrementen anderer Haus⸗ thiere. Uebrigens eignet ſich der Rindviehdünger für jeden Boden, vorzugsweiſe jedoch für den mehr thätigen als kalten. Die Angaben über den Gehalt an Wäßrigkeit in den feſten Excrementen des Nindviehes ſind verſchieden: nach Einhof und Morin beträgt er 71%, der trockene Theil alſo 29%, nach Zierl 75%(trockne Subſtanz= 25%) und nach Block ſogar 84%, wo⸗ nach nur 16% trockne Subſtanz verblieben. Im Durchſchnitt dürften wohl 75% Waſſer und 25% trockne Subſtanz anzunehmen ſeyn, welch' letztere zum größeren Theile in Pflanzenfaſern beſteht. §. 335. Wenn ſchon der Harn des Rindviehes ſelten mehr, oft noch etwas weniger als 5 Procent Subſtanz und außerdem nur Waſſer enthält, ſo ſind doch die darin be— findlichen Stoffe, als Harnſtoff, Kali, Natron, Ammoniak ꝛc. auch in geringer Menge, bei gehöriger Verdünnung und Anwendung, ſo wirkſam, daß den flüßigen Excrementen des Rindviehes, welche daſſelbe in verhältnißmäßig großer Menge gewährt, ein bedeutender Werth beizulegen iſt.(ſ.§. 398.) §. 336. Wie viel Dünger von einer gegebenen Menge Futter bei dem Rindvieh gewonnen werde, hängt von ver⸗ ſchiedenen,§. 332 zum Theil angedeuteten Umſtänden ab. Geht man auf die trockne Subſtanz des Futters zuruck und zieht auch blos die trockene Subſtanz des Dungers in Be— tracht, was beides zunächſt maaßgebend ſeyn muß, ſo wird Pabſt Landwirthſchaft. I. 1. Zweite Auflage. 11 — 162— man niemals mehr als 50% trocknen Dünger(einſchließlich der feſten Subſtanz im Harn) aus dem Trockenfutter er⸗ halten, öfter aber einige Procente weniger. Block erhielt z. B. 42 bis 44% trockne Excremente(ohne Harn) aus Heu und Strob, 14% aus Kartoffeln, welches wohl das Doppelte an trockner Subſtanz enthalten mochte. Da nur 5, 9 höchſtens 8% des trocknen Futters in den thieriſchen Körper, als Zuwachs oder als feſte Milchſubſtanz übergehen, ſo muß alſo beinahe die Hälfte des Trockenfutters in Gas und Waſſer ſich verwandeln und entweichen. Daraus möge man abſtrahiren, unter welchen Umſtänden aus den direct in Verweſung gebrachten Vegetabilien, oder aus deren Verfütterung mehr Dungmaterial gewonnen werde. (ſ. 8. 405.) b) Excremente der Schafe. §. 337. Die Auswürfe der Schafe ſind feſter und trockner, als die vom Rindvieh; auch ſind die darin befind⸗ lichen Pflanzenfaſerreſte feiner zermalmt; ſie nehmen deßhalb, nach Verhältniß des Futters, nur ohngefähr halb ſo viel Streu auf, als die des Rindviehes, und mengen ſich ſchwerer damit. Der Schafmiſt enthält auch mehr Ammoniak, als der des Rindviehes und zerſetzt ſich, bei hinzutretender Atmosphäre, Wärme und Feuchtigkeit, bedeutend ſchneller, als dieſer. Wenn dieß aber bei der gewöhnlich dem Schafmiſt zu Theil werdenden Behandlung weniger der Fall zu ſein ſcheint, ſo iſt das theils in dem Zuſammentreten im Stalle, theils in ſeiner natürlichen größeren Conſiſtenz und Trockenheit begründet, wodurch der Zutritt der Luft abgehalten und ein zu geringes Maas von Feuchtigkeit gegeben iſt. Seine Wirkung auf die Vegetation iſt aber ſeiner feineren, mehr auflöslichen, ſtickſtoffreicheren, den Pflanzen unmittelbar leicht zugänglichen Theile wegen ſtets ſchneller, dagegen aber auch minder anhaltend. Wegen dieſer Eigenſchaften paßt er vorzugsweiſe fuͤr mehr kalten und gebundenen Boden; er iſt jedoch auch für den thätigeren Boden ſehr anwendbar, — 163— ſobald er in verhältnißmäßig geringerer Menge aufgebracht wird und an Feuchtigkeit nicht zu ſehr Mangel iſt. Block fand in den Schafexcremenren 66% und Zierl 68% Wäßrigkeit; es dürfte demnach anzunehmen ſein, daß ſie im Durch⸗ ſchnitt 33% trockne Subſtanz enthalten. §. 338. Der mindere Gehalt an Wäßrigkeit im Schaf⸗ miſte erklärt ſich daher, weil das Schaf ein weniger wäßriges Futter liebt und verhältnißmäßig weniger trinkt, dagegen ſtärker durch die Haut ausdünſtet, als das Rind. Aus dieſen Gründen iſt der Urinabgang beim Schafe ſo ſehr gering, im Vergleich zum RNinde, und jener wird bei der Stallhaltung von den Excrementen des Darmcanals und der Streu ſtets aufgenommen. Der Schafharn enthält auch nur 4 bis 5% trockene Subſtanz. §. 339. Der Schafmiſt beſitzt demnach in der gleichen Gewichts⸗ und Volums⸗Maſſe eine größere Menge wirkender Dungſtoffe, als der Rindviehmiſt; deßwegen muß von jenem, um eine gleiche Wirkung zu haben, eine kleinere Maſſe, als von dieſem, auf einmal angewendet werden. Es iſt aber auch die erzeugte Dungmaſſe bei Schafen verhältniß⸗ mäßig kleiner und die Wirkung jener von minderer Dauer, wenn nur ſo ſtark gedüngt wird, daß bei der erſten Frucht eine gleiche Wirkung wie mit Rindviehmiſt ſichtbar iſt. Ein unterſchied in der Wirkung des Schafmiſtes liegt noch darin, ob er im Stalle erzeugt worden, oder als Pferch unmittelbar angewendet wird(ſ.§. 390).— Bemerkenswerth iſt auch, daß die Wirkung der Miſtarten auf die Beſchaffenheit der Producte verſchieden iſt: der Schafmiſt producirt z. B. mehr Kleber in dem danach gebauten Getreide, daher eine zum Brauen minder gute Gerſte; auch producirt er mehr ſalzhaltige und weniger zuckerhaltige Run⸗ kelrüben.— Der Miſt der Ziegen iſt dem Schaſmiſt gleich zu achten. §. 340. Im Allgemeinen iſt in Bezug auf den Werth des Düngers bei der Haltung von Schafen, im Vergleich zum Düngerwerthe von dem mit Rindvieh conſumirten Futter, anzunehmen, daß das Schaf die NMahrungaſteffe aus dem — 164— genoſſenen Futter etwas ſtärker ſich aneignet, als das Rind. Auch haben mehrere angeſtellte Verſuche dargethan, daß die Schafe etwas weniger trocknen Dünger aus dem trocknen Futter gewähren, als das Rindvieh. Da jedoch dort in der etwas geringeren Quantität leicht etwas mehr wirkſame Stoffe ſeyn können, von dem Schafharn auch weniger un⸗ genutzt wegfließt, als dieß beim Rindviehharn gewöhnlich der Fall iſt; ſo duͤrfte der Dungwerth der Schafexcremente, nach Proportion der Fütterung und abgeſehen von der aufgewendeten Einſtreu, dem der Rindvieh⸗ excremente im Allgemeinen als naheſtehend anzunehmen ſein. Block fand bei Schafen die trockne Maſſe der Excremente, nach Maßgabe des Trockenfutters, ohngefähr 2% geringer, als beim Rindvieh(§. 336). c) Excremente der Pferde. §. 341. Die Excremente der Pferde ſtehen nach ihrem Gehalte an Feuchtigkeit und ihrem Zuſammenhange zwiſchen denen vom Rinde und Schafe. Wegen ihrer balligen Form mengen ſie ſich ſchlecht mit der Streu; dagegen gehen ſie wegen ihrer Lockerheit, beſonders aber wegen des Gehalts von Schleim, Ammoniak und anderen thieriſchen Stoffen, ſehr raſch in Gährung über, wobei ſie ſich ſtark erhitzen und in kurzer Zeit zerſetzen. Block gibt den Feuchtigkeitsgehalt der Pferdeexcremente zu 75%, Gazzeri und Zierl geben ihn zu 70% an. §. 342. Der im Gehalte an feſten Stoffen über dem Rindviehharne ſtehende Pferdeharn wird in verhältnißmäßig geringer Menge abgeſondert und meiſtens ganz oder doch größtentheils von den Excrementen des Darmcanals und von der Streu mit aufgenommen. § 343. Der Pferdemiſt, wenigſtens der von Pferden, welche mit Körnern gut genährt werden, iſt noch treibender und wirkt noch ſchneller, aber auch weniger anhaltend, als — 165 der Schafmiſt. Er iſt deßhalb auch noch vorzüglicher füͤr kalten und ſehr gebundenen Boden geeignet, um ſo weniger aber für trocknen, leichten Boden, wo er eines Theils durch ſeine hitzige Eigenſchaft auf die Gewächſe leicht nachtheilig wirkt, andern Theils durch Verflüchtigung viel verliert. §. 344. Wenn auch die Excremente der Pferde, un⸗ mittelbar nachdem ſie producirt worden, keinen oder einen nur wenig geringeren Dungwerth, nach Proportion der Fütterung, haben mögen, als die vom Rind- und Schaf⸗ viehe; ſo iſt doch bei gewöhnlicher Behandlung nicht zu verhüten, daß in kurzer Zeit viel mehr düngende Stoffe, in Folge der ſtarken Zerſetzung, davon verloren gehen, als von den beiden andern Dungarten. Deßhalb wirkt eine ſtarke Pferdehaltung auf den Düngungszuſtand der Wirth⸗ ſchaft weniger guͤnſtig, als Rindvieh oder Schafe an deren Stelle. Es iſt aus jenen Gründen nicht rathſam, den Pferdemiſt für ſich allein zu behandeln und anzuwenden, ſondern ihn mit den kühleren Dungarten, dem Rindvieh⸗ oder Schweinemiſt zu vermiſchen, oder ihn auf andere Weiſe(§. 377) gegen ſtarke Zerſetzung und Verflüch⸗ tigung zu ſchützen. Wegen ſeiner wärmenden Eigenſchaft benutzt man den Pferde⸗ miſt zu den Miſtbeeten, zum Schutz gegen Froſt ꝛc, Der Miſt von Eſeln und Maulthieren iſt, wenn die Fütterung nicht ſchlechter iſt, dem von Pferden gleich zu achten. d) Excremente der Schweine. §. 345. Die Schweine nehmen unter den größeren Hausthieren nach Verhältniß der trockenen Nahrung am meiſten Wäſſerigkeit zu ſich, ſie eignen ſich die im Futter enthaltenen Nahrungstheile ſehr vollkommen an und werden häufig mit Futterſtoffen von geringer Nahrhaftigkeit erhalten. „Aus dieſen Gründen iſt der Miſt von den mit Abfaͤllen der Küche, der Molkerei, der Brennereien ꝛc., oder mit — 166— Grünfutter und dergleichen genährten Schweinen wäſſerig, viel Streu erfordernd, kalt und von nicht ſtarker Wirkung. Je mehr aber die Schweine mit conſiſtenteren und kräftigen Futterſtoffen genährt werden, um ſo mehr vermindern ſich jene Eigenſchaften, und der Miſt von ſtark mit Körnern, Kartoffeln, Eicheln ꝛc. genährten Maſtſchweinen gibt gutem Rindviehmiſt wenig oder gar nichts nach. §. 346. Urin ſondern die Schweine ſehr ſtark ab, auch enthält derſelbe wenigſtens eben ſo viel conſiſtente Theile, als der Rindviehharn. Derſelbe wirkt jedoch, bevor er eine faulige Gährung gemacht hat, ätzend auf die jungen Saaten(nach Sprengel wegen des enthaltenden vielen Harn⸗ ſtoffs und daraus entſtehenden Aetzammoniaks) und es ſind deßhalb Vorſichtsmaßregeln dagegen anzuwenden. Sehr unwirthſchaftlich aber iſt es, deßhalb den Schweineharn nicht gehörig aufzufangen und nutzbringend zu machen. §. 347. Da die Wirkung vom gewöhnlichen aus viel Streu und von dieſer aufgefangenen wäſſerigen Theilen beſtehenden Schweinemiſt den andern Miſtarten nicht gleich kömmt, da der Urin der Schweine, wenn kurz vor der Saat gedüngt wird, auf letztere bei nachfolgender trockener Wit⸗ terung aus den vorhin angefuͤhrten Gründen leicht ätzend wirkt, da das Unkrautgeſäme im Schweinedung wegen des geringen Grads von Gahrung, welcher darin ſich einſtellt, ſeine Keimkraft behält, ſo liebt man dieſen Dünger weniger für Getreide und Wurzelgewächſe, als zum Ueberdüngen von Wieſen, Klee, Luzerne u. dgl., wo er ſich ſehr vor⸗ theilhaft erweiſet. Hat man nicht Gelegenheit ihn auf letzte Art zweckmäßig zu verwenden, ſo thut man am beſten, ihn mit andern Miſtarten zu⸗ ſammen zu ſetzen(ſ.§. 344). e) Excremente des Federviehes. §. 348. Das Geflügel, welches ſich von Körnern, Inſecten, Würmern u. dgl. nährt, und dabei wenig Waſſer — 167— zu ſich nimmt, wie die Tauben und Huhner, producirt einen aͤußerſt kräftigen Miſt, welcher den von den größeren Haus⸗ thieren bei weitem übertrifft und deßhalb nur in ſehr viel kleineren Gaben angewendet werden darf. Der Miſt von den Waſſervögeln, von den Gänſen und Enten, iſt von weit geringerer Qualität. Letzterer hat auch im friſchen Zuſtande bedeutend ätzende Eigenſchaft. §. 349. Die zweckmäßigſte Anwendung des Federvieh⸗ miſtes iſt, indem man den verkleinerten trocknen Miſt ent⸗ weder zu gleicher Zeit mit dem Saamen ausſtreut und eineggt, oder ſpäter die Saaten damit überſtreut. Um ihn hiezu vorzubereiten, ſtreue man in die Geflügelſtälle Säg⸗ ſpäne, oder noch beſſer humoſe Erde(z. B. Moorerde), bringe den Miſt alle Herbſt und Frühjahr, oder auch öfter, heraus, und verkleinere ihn durch Stampfen. In den Niederlanden, wo ſtarker Handel mit Taubenmiſt ge⸗ trieben wird, achtet man einen Sack voll Taubenmiſt einem Karren Kuhmiſt gleich. f) Excremente der Menſchen. §. 350. Die menſchlichen Excremente ſind denen der größeren Hausthiere in der Wirkſamkeit ebenfalls weit über⸗ legen. Sie wirken, wenn ſchon in kleiner Menge ange⸗ wendet, ſchnell und ſtark; dabei beſitzen ſie die Eigenſchaft, ſich leicht zu verfluchtigen; ſie werden deßhalb— ſo wie auch wegen ihrer verhältnißmäßig geringen Maſſe und ihrer Neigung, ätzend auf die Gewächſe zu wirken, wenn ſie friſch und unvermiſcht angewendet werden— am ſchicklichſten mit Erde, Raſen oder Mergel vermengt und erſt verwendet, nachdem dieſe Miſchung mehrere Monate geſeſſen hat. Oder man verduünnt ſie mit ohngefähr drei Theilen Waſſer und läßt die ſonach von ſelbſt erfolgende Gährung beendigen, ehe man ſie anwendet. — 168— §. 351. In ſehr vielen Wirthſchaften wird noch zu wenig Achtſamkeit auf das Sammeln und Benutzen dieſes ſehr werthvollen Dungſtoffs gewendet, nicht zu gedenken, wie viel davon in den größeren Ortſchaften und Städten verloren geht. Es iſt zwar nur zu loben, wenn man zuerſt dahin trachtet, jeder uͤbelen und der Geſundheit nachtheiligen Ausdünſtung in Bezug auf die Beſeitigung der menſchlichen Excremente zu begegnen. Es läßt ſich aber das Streben nach Reinlichkeit recht gut mit einer angemeſſenen Benutzung jener Stoffe verbinden. Wenn z. B. die Abtritte ſo eingerichtet werden, daß Rollkäſten eingeſchoben ſind, welche zur gehörigen Zeit während der Nacht an einen abgelegenen Ort entleert und da mit Erde ꝛc. zu Compoſt (§. 491) zugerichtet werden, ſo iſt beiden Zwecken ſehr einfach Ge⸗ nüge geleiſtet. Oder die Cloaken haben ausgemauerte Räume, welche von Zeit zu Zeit mit Erde gedeckt und dann ſeltener entleert werden. Das Aufſchütten von ungelöſchtem Kalk iſt inſoferne zu widerrathen, als dadurch das Ammoniak ſchnell flüchtig gemacht wird. Das Leiten der Cloaken in die Jauchenbehälter der Dung⸗ ſtätte oder die Verdünnung des Inhalts jener mit Waſſer in beſon⸗ deren Behältern führt zwar auch zu einer ſehr zweckmäßigen Be⸗ nutzung jener Stoffe, allein die damit, oder auch nur in der Nähe beſchäftigten Menſchen ſind fortwährend von den übelen Ausdünſtungen der faulenden flüſſigen Maſſe beläſtiget. In Toskana iſt die Ver⸗ miſchung und Anwendung mit Waſſer allgemein. Beſondere Auf⸗ merkſamkeit verdient für die Städte das Verfahren der Chineſen, welche die Excremente mit Lehm miſchen, dieſe Maſſe wie Ziegeln formen und trocknen, und dann im verkleinerten Zuſtande als trocknes Dungpulver anwenden. Was die beſſere Benutzung der in Rede ſtehenden Dungſtoffe aus den großen Städten betrifft, ſo hat man zwar ſchon vielfach damit ſich beſchäftigt, Vorſchläge zu machen, auch berechnet, wieviel jene werth ſeyen,(Hermbſtedt berechnet z. B. den Abtrittsdung Berlins ausreichend jährlich für die Bedüngung von 6000 Mrgn.); auch ſind manche zweckmäßige dazu mitwirkende Einrichtungen, wie die tragbaren Abtritte(Latrinen), hier und da in Ausführung ge⸗ bracht; allein in den großen Städten geht immer noch der größere — 169— Theil verloren. Die berühmte Fabrikation von Poudrette und Urate zu Paris macht in dieſer Beziehung keine Ausnahme. Das beſte Beiſpiel für Städte mittleren Umfangs bleibt immer noch das in den niederländiſchen Städten längſt gebräuchliche Verfahren der Vereinigung des Gaſſenkehrigs und der Abtrittsausleerungen zu Compoſt, welches ſeit einer Reihe von Jahren auch zu Caſſel eingeführt worden. 2. Das Streumaterial. §. 352. Bekanntlich werden bei unſern Hausthieren, ſobald ſie auf dem Stalle ſtehen, die Excremente ganz oder doch zum Theil mittelſt verſchiedener eingeſtreuter Materialien aufgefangen. Man hält nemlich, außerdem daß die Unter⸗ ſtreu dazu dient, die Thiere reinlicher und geſuͤnder zu er— halten, dieſelbe fuͤr erforderlich, einmal um die Auswürfe der im Stalle gehaltenen Thiere gehörig aufzufangen und den Dünger für die Behandlung und Anwendung geſchickter zu machen; ſodann aber auch um ſeine Maſſe zu vermehren und mancherlei Gegenſtände auf dieſem Wege in Dünger zu verwandeln, welche ſich ſonſt nicht in einem dazu geeig⸗ neten Zuſtande befinden. Der beſonderen Fälle, wo dem Stallviehe nicht eingeſtreut wird, und deſſen Excremente mittelſt beſonderer Vorrichtungen auf⸗ gefangen und weggeſchafft werden, bleibt zwar nebenbei zu erwähnen; ſie ſind aber nur als ein durch die Noth gebotener Behelf zu be⸗ trachten. §. 353. Die verſchiedenen Streumaterialien ſpielen demnach in mehrfacher Hinſicht eine wichtige Rolle bei der Düngergewinnung, namentlich hinſichtlich des Antheils, den ſie ihrerſeits an der Quantität und Qualität des zu pro⸗ ducirenden Düngers haben, ſowie hinſichtlich der Productions⸗ koſten deſſelben. Wir ziehen in dieſer Rückſicht die wich⸗ tigeren Streumaterialien näher in Betracht. a) Stroh. §. 354. Das Stroh iſt ſchon aus dem Grunde das — 170— wichtigſte und am häufigſten in Anwendung gebrachte Streu⸗ material, weil es ein Erzeugniß jeder Wirthſchaft iſt, die Getreide baut; es beſitzt aber auch an ſich ſehr ſchätzens⸗ werthe Eigenſchaften zu dem gedachten Zwecke: durch ſeine röhrige Beſchaffenheit faßt es viele Flüſſigkeit auf, ſodann miſcht es ſich leicht mit den Excrementen und zerſetzt ſich mit dieſen im Vergleiche zu den meiſten andern Streu⸗ mitteln weder zu ſchnell noch zu langſam. Aus ſeinen Beſtandtheilen läßt ſich aber auch folgern, und die Erfahrung beſtätigt dieß, daß das eingeſtreute Stroh nicht nur die Quantität des Düngers ſehr bedeutend ver⸗ mehrt, ſondern auch ſeinen Theil zu der wirkenden Kraft beiträgt, die er beſitzt. Das Stroh des Getreides enthält nach Sprengel 2,8 bis 5,7% mineraliſche Theile, und zwar hauptſächlich Kieſelerde, Kalk, Talk, Kali, Natron, Schwefel, Phosphor u. ſ. w. Sodann enthält es etwas unter oder über 50% in Waſſer und Kali lösliche Sub⸗ ſtanzen, worunter auch mehr oder weniger Stickſtoff. Hieraus iſt wohl hinlänglich zu entnehmen, daß das Stroh als Einſtreu auch ſehr weſentlich den Werth des Düngers erhöhen muß. §. 355. Im Allgemeinen iſt vorauszuſetzen, daß das Stroh um ſo günſtiger auf die Qualität des Düngers wirke, je größer ſein Futterwerth ſey, und daß überreifes, ſteifes oder vom Regen ausgelaugtes Stroh den mindeſten Werth in jener Beziehung habe. Da jedoch dasjenige Stroh, das einen nicht unbeträchtlichen Futterwerth beſitzt, mit größerem Nutzen für die Wirthſchaft zur Verfütterung beſtimmt wird, wenn ſchon der daraus entſtehende Duͤnger minderen Werth hat, als wenn daſſelbe direct durch Einſtreu in Dünger ver⸗ wandelt worden wäre, ſo rechtfertigt ſich das Verfahren vollkommen, zunächſt dasjenige Stroh zur Einſtreu zu ver⸗ wenden, welches am wenigſten zur Verfuͤtterung ſich eignet. Dieſes iſt in der Regel das Noggen⸗ und Spelzſtroh; nächſt dieſen das Weitzenſtroh. Gerſten⸗ und Haferſtroh, und noch — 171— mehr das Stroh von rankenden Hulſenfruͤchten, wird da⸗ gegen in der Regel nur dann eingeſtreut, wenn es in Folge der Witterung oder beſonderer Umſtände weniger Futter⸗ werth beſitzt, als dieß gewöhnlich der Fall, oder wenn der Vorrath davon den Futterſtrohbedarf überſteigt. Das Win⸗ terfruchtſtroh beſitzt übrigens den Vorzug, daß es unter dem Viehe im Stalle nicht ſo ſtark zuſammenfällt, daß alſo weniger davon erforderlich iſt, um gute Streu zu bereiten und die Excremente aufzufangen, und daß es ſich auch auf der Miſtſtätte nicht ſo raſch zerſetzt, als das Stroh der Gerſte, und noch mehr das von Erbſen und Wicken, was bei dieſem, ſowie auch beim Rapsſtroh, durch ein ſchneller erfolgendes Zuſammenſinken, alſo eine Maſſeverminderung des gährenden Düngerhaufens ſich kund giebt. Man legt aus letzterem Grunde und weil es die Excremente auch unvollkommener einſaugt, dem Rapsſtroh einen geringeren Werth bei, als dem Roggenſtroh. Die Urſache des ſchnelleren Zu⸗ ſammenfallens des Rapsſtrohmiſtes mag auch wohl mit darin liegen, daß das Rapsſtroh wegen ſeiner geringeren Biegſamkeit den Dünger zu locker erhält und ſtärkeren Luftzutritt geſtattet. Starkes Raps⸗ ſtroh, ebenſo das Bohnenſtroh, ſollte vor dem Gebrauche unter ſtarke Walzen gebracht und zerquetſcht werden. Buchweitzenſtroh liefert guten Miſt, gährt aber auch raſch. b) Verſchiedene andere, in der Wirthſchaft ſich er⸗ gebende vegetabiliſche Stoffe. §. 356. In vielen Wirthſchaften bieten ſich noch mancherlei andere vegetabiliſche Stoffe dar, welche ſich als Streumaterial mit mehr oder weniger Vortheil benutzen laſſen, die aber, zum Nachtheile des Betriebes, häufig zu wenig beachtet werden. Wir rechnen dahin: 1) Das trockne Kartoffelkraut. Daſſelbe hat nicht weniger Dungwerth, als gewöhnliches Stroh; allein es zerſetzt ſich ſchwer und der Dunger, wozu es als Einſtreu mitverwendet worden, ſoll etwas locker und länger liegen und öfters mit — 172— Jauche begoſſen werden. 2) Schilf, Binſen, Heu von ſauren Gräͤſern. Dieſe Gegenſtände können in tiefen Lagen oft in Menge gewonnen werden und da ſie als Ge— mengtheil des Miſtes eher zu ſchnell als zu ſchwer in Zer⸗ ſetzung kommen, auch denſelben angemeſſen bereichern, ſo thut man ſehr unrecht, ſie nicht jährlich zu gewinnen und zu benutzen. 3) Die Sägſpäne werden, wo man im Beſitze von Sägmühlen iſt, bei Strohmangel auch zur Ein⸗ ſtreu benutzt; da ſie ſich aber ſehr ſchwer zerſetzen und wenig dungfähige Stoffe enthalten, ſo iſt ihr Werth auch gering zu achten. 4) Noch geringer iſt der Werth der Ab⸗ fälle bei der Flachs⸗ und Hanfbereitung(Schäbe, Anen), indem ſie faſt nur in holziger Faſer beſtehen. c) Waldſtreu. §. 357. Unter Waldſtreu verſteht man nicht nur die abgefallenen Blätter der Waldbäume, ſondern auch das auf dem Waldboden wachſende Moos und ſonſtige Waldunkraut. Abgeſehen von dem Heidekraut(ſ.§. 360), ſo beſteht die gewöhnliche Waldſtreu indeſſen zunächſt in Laub oder Nadeln. uUnter dem Laube der verſchiedenen Baumarten dürfte in Bezug auf Qualität ein nicht unbeträchtlicher Unterſchied anzunehmen ſein, beſonders aber kömmt es darauf an, ob das Laub erſt kürzlich abgefallen oder durch Waſſer und Luft ſchon ſtark ausgelaugt iſt. Im Ganzen genommen beſitzt das Waldlaub weniger auflösliche Theile, zerſetzt ſich ſchwerer und iſt weit weniger zum Auffangen der thie⸗ riſchen Excremente geeignet, als gutes Stroh, und deßhalb iſt auch ſein Werth bedeutend geringer, als der von letzterem. Die Nadelſtreu, beſonders wenn etwas Moos darunter iſt, erweiſet ſich geſchickter zum Auffangen, auch gewinnt man bei deren Anwendung einen etwas beſſeren Dung, als bei Laubſtreu, der jedoch dem von guter Strohſtreu auch noch nicht gleichkömmt. — 173— Es dürfte wohl eine ziemlich richtige Annahme ſeyn, wenn man gewöhnliche trockne Laubſtreu zu 50%, gewöhnliche Nadelſtreu zu 66 bis 70% Werth gegen gewöhnliches Streuſtroh anſchlägt. §. 358. Hat man Gelegenheit, Farrenkräuter zu der Waldſtreu zu thun, ſo gewinnt dieſe ſehr dadurch, da jene, beſonders wegen ihres ſtarken Gehalts an kaliſchen Stoffen und an Stickſtoff, zu den beſten vegetabiliſchen Streumaterialen gehören. Weniger günſtig erweiſet ſich das Heidelbeer⸗ und Preißelsbeerkraut, da es vielen Gerbeſtoff enthält und ſchwer fault. Beſſer ſind die noch nicht holzigen Theile der Pfrieme, jedoch müſſen ſie durch gehörige Gährung für die Zerſetzung vorbereitet werden und dabei ihren Gerbeſtoff verlieren. In wie weit es räthlich ſei, dem Walde einen Theil ſeiner Abfälle zu nehmen und ſolche dem Ackerbau zu gut kommen zu laſſen, kann hier nicht Gegenſtand einer gründlichen Unterſuchung ſeyn. Indeſſen mögen bei der Wichtigkeit, welche dieſe Frage in land⸗ und forſtwirthſchaftlicher Beziehung hat, folgende Andeutungen hier Platz finden, als: 1) Die Entziehung der Blätterabfälle muß überall von Einfluß auf einen mehr oder weniger geringeren Holz⸗ zuwachs ſein. 2) Je ärmer und trockener der Waldboden, um ſo nachtheiliger wird das jeweilige Wegnehmen des abgefallenen Laubes oder der abgefallenen Nadeln ſein. 3) Ebenſo gut als bei dem Ackerbau ein guter Boden mehr Dungmaterial producirt, als ein geringer Boden, und eben ſo gut wie jener gute Boden ſeine Dung⸗ material⸗Production nicht immer ſämmtlich wieder in Anſpruch nimmt, um ohne Verminderung ſeines Kraftzuſtandes fortcultivirt werden zu können; eben ſo wohl kann auch ein kräftiger Waldboden einen Theil ſeiner größeren Production an Laubabfall entbehren, ohne daß deßhalb ein Herabſinken in einen ſchlechten Zuſtand zu fürchten iſt. 4) Es iſt gewiß anzunehmen, daß es Verhältniſſe gibt, wo die Verwendung eines mit Maas und Ziel dem Walde entnommenen Antheils des Laubfalls zum Düngergewinn für den Feldbau höheren Ertrag gewährt, als durch das Belaſſen jenes Antheils im Walde. Es läßt ſich alſo auch denken, daß der Wald⸗ eigenthümer in ſolchen Verhältniſſen einen Preiß für die Waldſtreu erhalten kann, welcher die Verminderung des Holzzuwachſes völlig — 174— deckt. 5) Wenn bei einem armen Boden ſeither eine regelmäßige Abgabe von Waldſtreu an den Feldbau ſtattfand, ſo gehört eine durchgreifende Veränderung der Wirthſchaftsweiſe und unter Um⸗ ſtänden ſogar ein Aufgeben der Fortbewirthſchaftung eines Theils des Ackerareals dazu, um jenen Zuſchuß entbehren zu können. 6) Je mehr der Holzbedarf und damit der Preis deſſelben ſteigt, um ſo mehr wird dadurch eine Einſchränkung der Waldſtreuabgabe geboten und um ſo mehr iſt auf Wirthſchaftseinrichtungen zu denken, welche jene entbehrlicher machen. §. 359. In mehreren mit Nadelholz reich begabten Gebirgsgegenden bedient man ſich insbeſondere der abge⸗ hackten grünen Spitzen des Nadelholzreiſigs zur Ein— ſtreu. Der holzige Theil derſelben widerſteht begreiflich längere Zeit der Fäulniß; dagegen müſſen die grünen Nadeln mehr Dungwerth haben, als die abgefallenen duͤrren der aufgerechten Waldſtreu. Im Ganzen genommen kann daher jenes Streumaterial nicht zu den ſchlechten gezählt werden. Man läßt den Dünger bei Verwendung dieſes Materials lange unter dem Vieh liegen und ſtreut zugleich Stroh mit ein, damit die Wirkung ſolchen Düngers im Boden im Anfange nicht zu gering ſey. Hierbei, ſowie überhaupt bei der Waldſtreu, ſind die nicht unbeträchtlichen Koſten der Gewinnung mit in Betracht zu ziehen. d) Heidekraut. §. 360. Das Heidekraut wird entweder von Wald⸗ bloßen oder von Strecken armen, ſandigen Bodens gewon⸗ nen, gewöhnlich durch Abplaggen(Abhauen mit ſcharfer Haue); wo es hoch genug gewachſen iſt, wird es auch mit mehr Schonung fuͤr den Waldboden, abgeſichelt oder ge⸗ mäht. Obgleich es ſchwer verweſet und vielen Gerbeſtoff, Harz und dergleichen Stoffe enthält, welche ſchlechten Humus geben, ſo enthält es doch auch ziemlich viel Beſtandtheile, welche günſtig für die Bodenbereicherung ſind. Damit dieſe — 175— wirkſam werden koͤnne, muß es aber im Düngerhaufen länger gaͤhren, wodurch auch der Gerbeſtoff ꝛc. wenigſtens zum Theil unſchädlich gemacht wird. Es iſt längſt durch die Erfahrung beſtätigt, daß der Heide⸗ krautmiſt von geringerer Wirkung iſt als der Strohmiſt. Von dem ſogenannten Plaggenmiſt, zum größeren Theile aus dem abgeſchälten Heideboden beſtehend, gilt dieß um ſo mehr, als die Plaggen mehr Beſtandtheile eines ſchlechten Heidebodens enthalten. In mehreren Gegenden gilt als Regel, daß das mit Plaggenmiſt gedüngte Land von Zeit zu Zeit auch eine Strohmiſtdüngung wieder erhalten müſſe, wenn es in ſeiner Ertragsfähigkeit nicht zurückgehen ſolle. §. 361. Es iſt keine Frage, daß für manche Sand⸗ gegenden mit dürftigem Boden die Benutzung des Heide⸗ krauts oder der Plaggen von großer Erheblichkeit iſt und die Exiſtenz des dermaligen Ackerbaues unter ſolchen Verhältniſſen theilweiſe darauf beruht. Je mehr aber die Forſteultur einerſeits und die landwirthſchaftliche Cultur andererſeits Fortſchritte machen, um ſo mehr wird die Nutzung jener Stoffe Einſchränkungen unterliegen. In der durch Schwerz berühmt gewordenen brabanter Campine bedurfte man früher 2 bis 3 Morgen Heide, um das Streumaterial für 1 Morgen in Cultur ſtehenden Landes zu gewinnen; ein Ver⸗ hältniß, das ſchwerlich auf die Dauer beſtehen geblieben iſt und anderwärts noch weniger lange beſtehen bleiben kann. Dazu kommt, daß durch das fortgeſetzte Abplaggen der Heideboden immer ſchlechter werden muß, wenn man auch, wie in den Niederlanden, die Vor⸗ ſicht gebraucht, wie die Felder im Schachbrett, einen Streifen um den andern zu hauen, und die ſtehen gebliebenen erſt in ſpäteren Jahren an die Reihe kommen u. ſ. f. e) Erdige Stoffe. §. 362. Bei dem Mangel an Streuſtroh und andern als Surrogat dafür geeigneten vegetabiliſchen Stoffen, der vermöge der eigenthümlichen wirthſchaftlichen Verhältniſſe in manchen Gegenden notoriſch iſt, wird jede humoſe oder mit Grasnarbe vermengte Erde, nachdem ſie in trocknen — 176— Zuſtand gekommen, mit entſchiedenem Vortheile als Streu⸗ material verwendet werden, zumal wenn man zur Verbeſ⸗ ſerung des Viehlagers, wie des Düngers, noch etwas Streu⸗ ſtroh mit dazu verwenden kann. Ganz beſonders empfiehlt ſich dazu eine moorige Erde oder gebröckelter Torf, indem die vielen ſauren und ſchwer auflöslichen Humustheile, welche darin enthalten ſind, durch die Mengung und Gäh⸗ rung mit den thieriſchen Excrementen in thätigen Humus umgewandelt, dieſe aber ſehr vollkommen dadurch aufge⸗ fangen werden. §. 363. Beſondere Aufmerkſamkeit iſt in neuerer Zeit der Einſtreu von gewöhnlicher, wenn auch humusloſer Erde gewidmet worden. In den Schafſtällen iſt die Erdſtreu zur unterſten Schichte und bei längerem Liegenbleiben des Schafmiſtes im Stalle auch als Zwiſchenſchichte unbedingt zu empfehlen und die Vortheile welche daraus entſpringen, fallen von ſelbſt in die Augen. Bei der Rindviehhaltung bedarf man geräumig eingerichtete Ställe, in der Nähe vorfindliche wenigſtens nicht ſchlechte Erde, Vorſorge, dieſe trocken herbeizubringen und trocken aufzubewahren, willige thätige Leute in den Ställen und hinreichende, nicht theure Handarbeiter, wenn die Sache im Größeren practiſch aus⸗ führbar ſeyn ſoll, und ſelbſt dann muß erſt noch ein richtig gezogener Calcul darthun, in wieweit der Vortheil der Erd⸗ ſtreu, welcher hauptſächlich in möglichſt vollſtändiger Auf⸗ fangung der Excremente und in Verhinderung einer zu ſtarken Vergährung beſteht, die vermehrten Koſten, beſtehend in Handarbeitslohn, Erdetransport nach dem Hofe und Trans⸗ port der größeren Dungmaſſen von da nach dem Felde, uberſteigt. Durch Block's erſtes über die Erdſtreu erſchienenes Schriftchen und viele in Zeitſchriften ſpäter erſchienenen Mittheilungen dürfte die Ausführbarkeit der Anwendung der Erdſtreu im Größeren dargethan ſeyn. Noch aber iſt nicht genügend dargethan, unter welchen Verhältniſſen ſie für die Rindviehhaltung unbedingt zu empfehlen, oder unvortheilhaft, oder ſelbſt unthunlich ſei. Soviel iſt indeſſen für allgemein anzunehmen, daß nur da, wo es weſentlich an Streuſtroh mangelt und andere Surrogate ebenfalls nicht genügend vorhanden ſind, von regelmäßiger Anwendung der Erdſtreu die Rede ſeyn kann, vorausgeſetzt, daß zugleich die oben erwähnten weiter dafür erforderlichen Bedingungen ſich erfüllen laſſen. Die Vortheile der Erdſtreu werden auch nur da in glänzendem Lichte ſich darſtellen, wo die eben angeführten Umſtände zuſammentreffen, und bisher, wegen Mangel an Streu und wegen unzweckmäßiger Behand⸗ lung des Düngers überhaupt, viele der von den Thieren abfallenden Dungtheile verloren giengen. Ueber das weitere Verfahren ſ.§. 369. 3) Behandlung des Viehdüngers im Stalle. §. 364. Hierbei kömmt zunächſt das Verhältniß der Einſtreu zu den Excrementen in Betracht. Da wo man ſich des Strohes oder anderer Vegetabilien bedient, iſt das für Qualität und Quantität des Düngers zuſammengenom⸗ men günſtigſte Verhältniß erreicht, wenn nicht nur die fe⸗ ſteren Excremente ganz, ſondern auch die flüſſigen ſämmtlich oder doch größtentheils von der Streu aufgefangen werden und wenn zugleich die Streu von dieſen Stoffen möglichſt durchdrungen iſt. Bei zu wenig Streu geht leicht ein Theil der düngenden Stoffe verloren, wenn man auch Anſtalten zum Auffangen und Benutzen der flüſſigen Abgänge trifft; man zieht zugleich zu wenig Nutzen aus der Eigenſchaft der Excremente, die damit gemengten Streu⸗ materialien in kurzer Zeit in wirkſamen Dünger umzugeſtalten, erhält einen ſchwieriger zu behandelnden Dünger und nach Verhält⸗ niß des gehaltenen Viehſtandes deſſen überhaupt zu wenig. Ueber das angedeutete rechte Verhältniß hinausgehende reichliche Einſtreu vermehrt zwar die Düngermaſſe noch weſentlich; allein dieſe macht bei der zu großen Menge lockerer und mit Excrementen nicht ge⸗ nügend vermengter Vegetabilien eine weniger günſtige Gährung und die Qualität des Düngers iſt geringer. Pabſt Landwirthſchaſt. I. 1. Zweite Auflage. 12 — 178— Bei Schafen und Pferden, welche weniger Flüſſiges von ſich geben, iſt das rechte Verhältniß leicht einzuhalten. Bei Rindvieh erlauben die Wirthſchaftsverhältniſſe ſehr häufig nicht, die Einſtreu zum vollen Maaße zu geben, denn der mittlere Bedarf an Streuſtroh iſt bei Rindvieh, wenn der Harn wenigſtens größtentheils mit auf— gefangen werden ſoll, ¼ bis ⅛ des Gewichts vom verabreichten Trockenfutter; bei Schafen iſt er aber nur ⅛ bis ⅛ vom gegebenen Trockenfutter. Auch die Schweine bedürfen verhältnißmäßig ſehr viel Streu. §. 365. Eine zweite wichtige Frage iſt, ob man den Miſt längere oder kürzere Zeit im Stalle unter dem Vieh liegen laſſen ſolle. Theilweiſe hängt die Entſcheidung hier⸗ über von der betreffenden Viehgattung ab. Im Allgemeinen iſt es indeſſen für den Düngergewinn vortheilhafter, den bei guter Einſtreu erhaltenen Dünger nicht zu oft aus den Ställen zu bringen, weil bei längerem Liegenbleiben unter den Thieren die Auswürfe vollkommener mit der Streu vermengt werden und der Urin beſſer aufgefangen wird, und weil durch das Feſttreten des Miſtes einer zu ſtarken Gährung und Zerſetzung, und ſomit einem Verluſte, mehr vorgebeugt wird, als bei täglichem Ausmiſten und längerem Liegenbleiben im Freien. Beſonders zuträglich iſt das längere Liegenlaſſen unter dem Vieh bei harten, ſchwer mit den Excrementen zu mengenden Streu⸗ materialien, wie Plaggen, Tannenſproſſen ꝛe. §. 366. Beim Schafmiſte iſt die eben empfohlene Verfahrungsart leichter ausführbar als jede andere, und deßhalb überall im Gebrauche; beim Rindviehmiſte dagegen iſt ſie ſeltener, theils weil man die Stalleinrichtungen dazu nicht hat oder kennt, hauptſächlich aber, weil man dazu nur ſelten Streumaterial genug beſitzt; ohne davon hin⸗ länglich anwenden zu können, würde aber das Vieh bei einem längeren Liegenlaſſen des Miſtes im Stalle ſich uͤbel befinden. — 179— Den Schafmiſt aus den Schafſtällen zu bringen, um ihn im Freien aufzuſetzen, weil man noch nicht Gelegenheit hat, ihn anzu⸗ wenden, würde eine raſchere Zerſetzung deſſelben und großen Verluſt zur Folge haben; es ſei denn, daß man ihn ſtark mit Erde durch⸗ ſchichte und decke und feucht halte. In der Regel wird dieß aber auch im Stalle geſchehen können. Um hier der Verflüchtigung des Ammoniaks vorzubeugen, wird neuerer Zeit das öftere Aufſtreuen von Gips angerathen. Länger als 6 Wochen im Sommer und 10 bis 12 Wochen im Winter läßt man den Rindviehmiſt nicht gerne unter dem Vieh, wenn überhaupt dieſe Methode im Gebrauch iſt, weil er ſich ſonſt zu hoch anhäuft, und zu hoch angehäufte Maſſen auch hier in immer ſtärkere Gährung gerathen müſſen, und auch der Geſundheit des Viehes Nachtheil bringen können. Man bedarf dazu um 3 bis 4 Fuß höhere, recht luftige und auch geräumigere, dem Miſtwagen zugängliche Ställe; die Barren zum Füttern müſſen zum in die Höhe Stellen eingerichtet ſein und der Miſt muß öfters nach dem vorderen Stande des Viehes hin verzogen werden. Man findet dieſe Einrichtung in einigen Sandgegenden der Niederlande, wo man viel Plaggen ſtreut, auch in einigen ſtrohreichen Gegenden von Schleſien und der Lauſitz— ferner in Steyermark, wo man viel Tannen⸗ ſproſſen mitunterſtreut. Hier hat man die beſondere Vorrichtung, daß der Stall durch Stangen in Stände abgetheilt iſt, in deren jedem 2 bis 3 Stück Vieh unangebunden eingeſperrt ſind. Die Einrichtung der bedeckten Viehhöfe, welche in England gewöhnlich iſt, gehört ebenfalls hierher. §. 367. Da das monatelange Liegenlaſſen des Rind⸗ viehdüngers unter dem Vieh aus mehrfachen Gründen mei⸗ ſtens nicht thunlich iſt oder von der Mehrzahl der Landwirthe wenigſtens nicht rathſam erachtet wird; ſo iſt dagegen überall da, wo es gar nicht zu ſehr an Streumaterial gebricht, leicht ausführbar, den Miſt eine halbe oder ſelbſt eine ganze Woche im Stalle zu laſſen, in welchem Falle man ihn nach und nach etwas rückwärts zieht, wie er ſich anhäuft. Dadurch wer⸗ den die Vortheile des beſſeren Mengens und Feſttretens wenig⸗ ſtens zum Theil erreicht. Nur da, wo man nur ſehr wenig 12* — 180— einſtreuen kann, iſt es wegen der Reinlichkeit am beſten, alle Tage, oder ſelbſt mehreremal taͤglich, auszumiſten. Den Pferden wird wegen der größeren Reinhaltung, die ſie erfordern, gewöhnlich alle Tage ausgemiſtet; bei den Schweinen iſt es hinreichend, alle Woche zweimal zu miſten. §. 368. Eine eigenthümliche Einrichtung iſt noch die, wo der Miſt nicht unter dem Vieh, ſondern hinter demſelben in einer beſonderen Dungſtätte aufgeſchichtet wird. Man findet ſolche an einigen Orten in den Niederlanden. Die Arbeit des Miſtens iſt dadurch zwar ſehr erleichtert, und der Miſt liegt vor Luft und Sonne vollig geſchützt; dagegen bedarf man den doppelten Stallraum, der Miſt liegt zu locker, und ſeine Gährung wird weit ſtärker, als da wo das Vieh darauf ſteht, und im Winter auch mehr als im Freien, befördert. Auch fuͤr die Viehhaltung ſelbſt entſtehen bei einem einigermaßen bedeutenden Viehſtande aus dieſer Ein⸗ richtung mancherlei Unannehmlichkeiten. Durch die von Schwerz ausgegangene Heraushebung der Vor⸗ theile dieſer Einrichtung war ſie von Perſonen, die ſie und die Verhältniſſe, unter denen ſie exiſtirt, nicht genau kannten, über jede andere erhoben worden, und es hatte ſich die Meinung verbreitet, als exiſtire ſie in ganz Brabant, während ſie nur in dem kleinen Diſtricte um Contigh und hier und da in der Campine ſich findet, wo man vielen Plaggendung macht, für deſſen Bereitung ſie gut ſein mag. §. 369. Ueber das zweckmäßigſte Verfahren bei der Anwendung der Erdſtreu in den Rindviehſtällen(§. 363) ſcheint man noch nicht völlig einverſtanden zu ſein. Indeſſen gehört bei größeren Wirthſchaften dazu eine Stalleinrichtung, welche das Zufahren der Erde und Wegbringen des Erd⸗ dungers mittelſt Geſpann geſtattet. Auch muß die unter⸗ zubreitende Maſſe trockner Erde jedenfalls ſo bedeutend ſein, daß ſie faͤhig iſt, ſämmtliche Excremente aufzunehmen. Es empfiehlt ſich zu dem Ende, nach ſtattgehabtem Ausbringen, — 181— eine auf einmal zu gebende, längere Zeit zu belaſſende ſtarke Unterlage der Erde, und kaum iſt zu bezweifeln, daß es gut ſey, wenigſtens dann, wenn die Erdſtreu alle Ex⸗ cremente nicht mehr völlig aufnimmt, vegetabiliſche Streu mit zu Hülfe zu nehmen und mit deren Verwendung eine Reihe von Tagen fortzufahren, bis eine befriedigende Reinhaltung der Thiere nicht mehr thunlich, wonach dann das Aus⸗ bringen erfolgen muß. Nach einigen Angaben ſoll man per Tag auf ein mittelgroßes Stück Rindvieh etwa 1 ½ Cubikfuß trockne Erde bedürfen. Auf die Fähigkeit der letzteren, Flüſſigkeit aufzunehmen, muß es dabei weſentlich mit ankommen; ein tonhaltiger Boden, immer trocknen Zuſtand vorausgeſetzt, muß deßhalb vor einem ſandigen den Vorzug verdienen. 4) Behandlung des Viehdüngers außerhalb der Ställe. §. 370. Da der Schafmiſt in der Regel, und zum wirthſchaftlichen Vortheile(§. 366), im Stalle verbleibt, bis die Zeit gekommen iſt, welche ſeine Ausbringung nach dem Felde geſtattet, die andern Hauptmiſtarten aber in der Regel nicht ſo lange im Stalle liegen bleiben können, daß es angeht, ſie von da unmittelbar auf's Feld zu bringen; ſo bedarf man dafuͤr beſonderer Miſtſtätten in der Nähe der Stallungen, in denen der aus dieſen täglich, oder wöchentlich ein- oder mehremal oder in noch läͤngeren Zwi⸗ ſchenräumen, gebrachte Miſt bis zum Ausfahren verbleibt. §. 371. Die Einrichtung der Miſtſtätten iſt deßhalb für den Gewinn an Dünger nach Qualität und Quantität von beſonderer Wichtigkeit, und zwar kömmt es bei deren Anlage darauf an: a) daß alle vom Miſte nicht angehaltene oder ſchon aus den Ställen abfließende Feuchtigkeit(Jauche) in verſenkten Behältern geſammelt wird, aus denen der Miſt nach Bedürfniß leicht begoſſen werden kann; b) daß das — 182— im Gehöfte zuſammenfließende Waſſer wenigſtens größten⸗ theils abgehalten iſt, und daß auch kein unterirdiſches Waſſer in die Miſtſtätte oder den Jauchenbehälter dringe; c) daß der Miſt vor dem Austrocknen durch Sonne und Luft möglichſt geſchützt iſt; d) daß der Grund der Miſtſtätte feſt iſt und keine Fluſſigkeit durchſickern läßt; e) daß die Miſt⸗ ſtätte ſo geräumig iſt, daß der Miſt nicht über 4 Fuß hoch angehäuft zu werden braucht; f) daß die An⸗ und Abfahrt möglichſt erleichtert iſt. §. 372. Es läßt ſich dieſen Grundſätzen in der Aus⸗ führung auf verſchiedene Weiſe entſprechen und muß ſich dabei insbeſondere nach der gegebenen Localität nnd den Wirthſchaftsverhältniſſen gerichtet werden. Die Jauchen⸗ behälter ſind entweder inmitten, an einem Ende oder un⸗ mittelbar neben der Miſtſtätte anzubringen und durch Rinnen und Canäle mit den Abzugsrinnen aus den Stäͤllen in Verbindung zu ſetzen. Sie ſind waſſerfeſt gemauert oder aus ſtarken Bohlen gefugt, nöthigenfalls mit Letten unter⸗ futtert. Die Abhaltung des Regenwaſſers iſt durch geeignete Pflaſterrinnen im Hofe, und wo ſich dieſe nicht genügend anbringen laſſen durch Dachkändeln zu bewirken. Dabei ſuche man es ſo einzurichten, daß nach Beduͤrfniß von dem niederfallenden Regenwaſſer auch der Miſtſtätte ein Theil zuge⸗ wieſen werden kann. Wo in gewiſſer Tiefe unterirdiſches Waſſer ſich einſtellt, müſſen Miſtſtätte und Jauchenbehaͤlter weniger tief in den Boden gelegt werden. Auſſerdem aber iſt durch eine mehr in den Boden geſenkte Miſtſtätte das Mittel gegeben, ſtarker Verdünſtung vorzubeugen, auch die zu ſtarke Gährung des Düngers zu mindern. Iſt der Boden von Natur nicht ſehr feſt, ſo ſoll der ganze Boden der Miſtſtätte gepflaſtert und bei durchlaſſendem Boden dem Pflaſter eine feſtgeſtampfte Unterlage undurchlaſſender Erde gegeben ſein. Je nach dem Raum, welcher ſich darbietet, iſt die Form regel⸗ mäßig viereckig oder länglich, oder mit abgeſchnittenen Ecken, oder — 183— oval u- ſ. w. Wo es die Localität geſtattet, gehe man mit der Mitte der Dungſtätte wenigſtens 3 Fuß in den Voden, ungerechnet die größere Tiefe des Jauchenbehälters; gebe auf zwei Seiten ge⸗ rade gemauerte Wände und auf zwei Seiten eine mehr flache Form zum Aus⸗ und Einfahren. Je weniger tief man in den Boden eindringen darf, um ſo mehr iſt darauf zu denken, den über der Bodenoberfläche ſich anſammelnden Dünger durch Mauerumfaſſung zu ſchützen. In kleinen Wirthſchaften, zumal mit engen Höfen, empfiehlt ſich eine viereckige, verſenkte, gemauerte Grube als ſehr zweckmäßig. Die Größe richtet ſich nicht nur nach dem Viehſtande, ſondern auch nach Fütterung und Einſtreu, und der längſten Zeit des Liegen⸗ bleibens des Düngers. Als Durchſchnitt iſt für das Rindvieh an⸗ zunehmen, daß bei mittelſtarker Einſtreu und einem höchſtens drei Monate langen Liegenbleiben des Düngers die Miſtſtätte ohngefähr ſo groß als der Stallraum ſein ſoll, welchen die Thiere, einſchließlich der Krippen und Miſtgänge, aber ungerechnet die Futtergänge und Zubereitungsräume, einnehmen.— Das Raumerforderniß für den Jauchenbehälter hängt noch mehr von Fütterung und Einſtreu ab. Wo man wäßriges Futter verabreicht und nicht ſtark ſtreut, kann man für die Jauche von einem Monat per Kuh bis 300 Quart Raum nöthig haben, in entgegengeſetzten Fällen oft nur den vierten Theil davon. Zweckmäßig iſt, eine ſo geräumige Miſtſtätte zu haben, daß man einen Theil derſelben ſo lange nicht mit Miſt belegt, als bis der übrige Theil hoch genug ſich angehäuft hat, oder bis einige Wochen vor dem Ausbringen. Auf dieſe Weiſe wird der ältere Miſt von dem jüngſt gewonnenen geſondert gehalten. Ferner iſt es zweckmäßig, dahin zu ſtreben, daß das Vieh täglich beim Gange zur Tränke oder Weide über den Miſt gehe, oder daß die Dungſtätte dergeſtalt eingefriedigt iſt, daß man, Behufs feſteren Tretens, das Vieh nach Zeit und umſtänden öfters einige Stunden darauf ſtehen laſſe. Mit Dächern verſehene Miſtſtätten haben ſich nicht pract iſch bewährt. Sehr gut aber iſt, wenn ſie Schatten und Schutz geg en ſcharfe Winde haben können. §. 373. Behufs des Hebens der Jauche aus dem Behälter, entweder zum Begießen des Miſtes oder um ſie „— 184— anderweit zu verwenden, bedient man ſich guter Pumpen. Gute Druckpumpen, für größere Miſtſtätten doppelte, ſind dazu am geeignetſten. Man ſtellt ſie, um einer ſonſt leicht eintretenden Verſtopfung vorzubeugen, am beſten in einen ſeparaten mit dem Hauptbehälter in Verbindung ſtehenden kleineren Raum. Bei kleinen Dungſtätten vertritt der Schöpfer die Stelle der Pumpe. In den Rheingegenden findet man zu dieſem Endzweck mehrere ſehr zweckmäßige Einrichtungen im Gebrauche, womit zugleich Ueber⸗ ſpritzen des Düngers mittelſt einfacher Vorrichtung verbunden iſt. Man hat auch gußeiſerne Pumpen, welche im Vergleiche zur Dauer⸗ haftigkeit nicht theuer kommen. Mehrfache Beſchreibungen ſolcher Pumpen finden ſich in den verſchiedenen Jahrgängen der Zeitſchrift der landwirthſchaftlichen Vereine des Großherzogthums Heſſen. Im Jahrgange 1838 dieſes Blattes ſind auch die Grundſätze für die Einrichtung der Dungſtätten von mir ausführlicher dargelegt. §. 374. Zum Transporte des Miſtes vom Stalle nach der Miſtſtätte bedient man ſich zweckmäßig niederer Hand⸗ karren; ſchlechter iſt das Schleifen in Wulſten mittelſt der Miſthacken. In großen Viehſtällen behält die Einrichtung den Vorzug, den Miſt mittelſt eines vor eine Schleife ge⸗ ſpannten Pferdes aus dem Stalle zu bringen. §. 375. Auf der Miſtſtätte angelangt, ſoll der Miſt ſogleich, bei kleinen Miſtſtätten über den ganzen Raum, bei größeren über die abwechſelnd vorgenommene eine Ab⸗ theilung, gleichmäßig verbreitet und dabei ſo viel als möglich feſtgetreten werden, um ungleicher und zu ſtarker Gährung vorzubeugen. Auf tüchtiges Feſtpacken ſehe man um ſo mehr, wenn es nicht thunlich iſt, das Vieh dazu mitwirken zu laſſen.(§. 372.) §. 376. Da es Thatſache iſt, daß der im Freien auf⸗ gehäufte Dünger um ſo mehr an düngenden Stoffen durch Verdünſtung und Zerſetzung verliert, je mehr, bei zu wenig Feuchtigkeit, Wärme und Zutritt der Atmosphäre mitwirken, — 185— — ein beſtändiges Feuchthalten dagegen dem weſſentlich vorbeugt und dennoch zur gleichmäßigen Zerſetzung ſchwer verweslicher vegetabiliſcher Stoffe bedeutend mitwirkt; ſo kann nicht genug empfohlen werden, das Begießen des Miſtes mit Jauche, oder wenn es daran fehlt mit Waſſer ſo oft vorzunehmen, daß derſelbe immer mit Feuchtigkeit getränkt iſt und ſtarke Erhitzung niemals eintritt. Wie oft dieſes Geſchäft vorzunehmen ſei, dieß richtet ſich aber ſpeciell nach Lage der Miſtſtätte, der Witterung, der Art und Anhäufung des Miſtes. Es kann im Winter ganz uͤberflüſſig ſein; in der wärmeren Jahrszeit kann ein einmaliges Begießen wöchentlich hinreichen, aber auch ein zwei-bis viermaliges nothwendig ſein. Etwas tiefe ſchattige Lage der Miſtſtätte, kühle Witterung, wenig hoch angehäufter Miſt machen das Begießen minder noth— wendig, als wenn mehr oder weniger das Gegentheil hievon ſtatt⸗ findet. Pferdemiſt muß öfterer als Rindviehmiſt begoſſen werden, bei Schweinemiſt darf es ganz unterbleiben.— Zeigt ſich beim Aus⸗ einanderſchlagen des Miſtes brandiger Schimmel, ſo iſt dies der Beweis, daß er zu wenig feucht gehalten wurde und daß beträcht⸗ licher Verluſt ſtattgefunden hat. Daß der Miſt ſo zu ſagen in der Brühe ſchwimmt, iſt jedoch auch nicht gut, wenigſtens ſoll vor dem Ausfahren die zu viele Flüſſigkeit entfernt werden, denn ein im Waſſer gelegener Miſt zeigt geringere Wirkung. §. 377. Erlauben es die Wirthſchaftsverhältniſſe nicht, den Miſt ſo oft auszubringen, daß er ſich in der Miſtſtätte nicht zu ſtark zerſetzt, und erweiſet ſich zur Vorbeugung gegen zu ſtarke Vergährung das Begießen allein nicht ausreichend; ſo wird man einem weiteren ſtarken Verluſte durch Bedecken oder Durchſchichten mit Plaggen, Mergel oder anderer Erde am ſicherſten vorbeugen, indem durch eine ſolche Bedeckung die im andern Falle verflüchtigten Stoffe aufgenommen werden, die Gährung ſelbſt aber auf einem mäßigen Stand⸗ punkte zurückgehalten wird. Doch muß auch hierbei ein mittelmäßiger Grad von Feuchtigkeit unterhalten werden. — 186— Wenn man Erde hierzu verwendet, ſo iſt es wichtig, daß man fie im rechten Verhältniſſe anwende, dergeſtalt, daß die Gährung nicht ganz unterbrochen und die Erde nicht in ſchlechter Menge vor⸗ handen iſt, daß ſie beim Aufladen ein Hinderniß darbietet.— Um das Beifahren der Erde zu erſparen(auf die auszuführende Maſſe wirkt dieſelbe nur in geringem Verhältniſſe vermehrend), ziehen viele Landwirthe vor, den Dünger nach dem dafür beſtimmten, aber eben für den Miſtwagen noch nicht zugänglichen Felde zu fahren und am Rande mit Erde durchſchichtet und gedeckt aufzuſetzen. Es wird jedoch bei letzterem Verfahren, wenn ſchon es im Vergleiche gegen das zu lange Liegenlaſſen des nicht mit Erde gedeckten Düngers ein gutes genannt werden muß, an Dungſtoff ſchon etwas mehr verloren gehen, als da wo das Durchſchichten und Decken mit Erde auf der Dungſtätte vorgenommen wird. 5) Anwendung des Stallmiſtes. §. 378. Wenn auch die ſchwerer zerſetzlichen vegeta⸗ biliſchen Streumaterialien es erheiſchen, eine längere Zeit der Gährung in und außerhalb der Ställe überlaſſen zu bleiben(§. 356 ff.); ſo iſt dagegen bei der Anwendung gewöhnlicher Strohſtreu nur ein ſehr kurzer Zeitraum erfor⸗ derlich, damit der Dunger in den erſten Grad der Gährung gekommen iſt, in dem er zu den meiſten Culturgegenſtänden und für die meiſten Bodenarten anwendbar iſt, durch Ver⸗ flüchtigung und Fäulniß aber noch wenig verloren hat. Es ſind deßhalb, nach Maasgabe der Wirthſchaftsverhältniſſe, geeignete Vorkehrungen von größter Wichtigkeit, um den Dünger öfters ausbringen und anwenden zu können; zu den Zeiten aber, wo die Umſtände dieß nicht geſtatten, müſſen diejenigen Vorſichtsmaßregeln eintreten, welche zur Verhinderung eines größeren Verluſtes bei längerem Liegen⸗ bleiben in den Ställen oder auf der Dungſtätte vorhin bezeichnet worden ſind. §. 379. Man ſagt nicht ohne Grund, daß ein wenig zerſetzter, ſogenannter ſtrohiger Miſt für ſchweren und kalten — 187— Boden vorzugsweiſe geeignet ſei, wäaͤhrend ein ſolcher Dünger für leichten warmen Boden ſich nachtheilig erweiſe, und daß deßhalb für letzteren der Dünger einen höheren Grad der Zerſetzung erreicht haben müſſe. Wenn man aber daraus folgern wollte, daß der Stallmiſt für den loſen Boden immer ſtark vergohren ſein müſſe, ſo würde dieß eben ſo irrig ſein, als zu glauben, daß ein mäßig vergohrner guter Dünger für gebundenen Boden ſich ungeeignet erweiſe. Ein ſolcher, namentlich ein bei nicht zu ſtarker, noch zu ſchwacher Strohſtreu gewonnener Rindviehdünger, erweiſet ſich viel⸗ mehr für jeden Boden und jedes Gewächs als ſehr an— wendbar. Der Nutzen des in großer Menge auf einmal angewendeten, viel Stroh enthaltenden Düngers beſteht bei gebundenem Boden darin, daß er eine ungewöhnliche Lockerung und Entſäurung, und damit ein größeres Thätigkeitsvermögen in ſolchem Boden erzeugt, und da es daneben nicht an Feuchtigkeit gebricht, ſo kann die Zer⸗ ſetzung des ſonſt zu trocknen Miſtes dennoch gut vor ſich gehen. Einen von Natur zu trocknen und loſen Boden würde aber ein ſolcher Dünger in ſeinen nachtheiligen Eigenſchaften erhöhen, und weil es an Feuchtigkeit mangelt, ſo wird der Dünger dann auch im Boden entweder zu wenig oder auf ungünſtige Weiſe ſich zerſetzen. Deßhalb mißrathen auf ſehr thätigem Boden die Saaten nach ſolcher unmittelbar vorher gegebener Düngung um ſo eher, je trockner der Sommer iſt; deßhalb iſt, zur Herbſtſaat angewendet, unter ſolchen Vorausſetzungen, ſelten eine ſtark nachtheilige Folge, weit eher dagegen bei unmittelbarer Anwendung ſolchen Düngers zur Früh⸗ jahrsſaat zu erwarten.— In der wärmeren Jahreszeit reicht aber bei in richtigem Verhältniſſe angewendeter Strohſtreu und bei zweck⸗ mäßiger Behandlung ſchon ein Zeitraum von 14 Tagen hin, daß ein guter Rindvieh- oder Schafdünger in einen auch für thätigen Boden und für die meiſten Gewächſe geeigneten Zuſtand komme, und je kühler und feuchter die Jahreszeit, um ſo weniger darf man bei Anwendung von friſchem Dünger beſorgt ſein, wenn man nur nicht unmittelbar auf das dadurch anfänglich zu locker und hohl liegende Land die Saat folgen läßt. In Bezug auf Waldſtreu⸗ — 188— und Plaggendung wird auf das beim Streumaterial Geſagte zu⸗ rückgewieſen. In wie ferne einige Dungarten, z. B. Schweinemiſt, bei der Anwendung in friſchem Zuſtande leicht ätzend wirken, iſt oben beſonders bemerkt. Endlich bleibt in Bezug auf die Natur der Gewächſe, welche friſchen, weniger vergohrnen Dünger überhaupt nicht vertragen, auf die ſpecielle Pflanzenproductionslehre zu ver⸗ weiſen In einem noch wenig vergohrnen Dünger befindet ſich häufig mehr keimfähiges Unkrautgeſäme, als in länger und ſtärker ge⸗ gohrnem, weßhalb bei der Anwendung von erſterem nach den Um⸗ ſtänden hierauf die geeignete Rückſicht zu nehmen iſt. §. 380. Bei dem Aufbringen des Miſtes iſt zu be— achten, daß er, abgeſehen von der beabſichtigten Stärke der Düngung, gleichmäßig aufgefahren und bald darnach auch möglichſt gleichmäßig verbreitet werde. Das längere Liegen⸗ laſſen der abgezogenen Haufen iſt unwirthſchaftlich, denn es hat zur Folge, daß der Dünger in der Zerſetzung fort⸗ ſchreitet, theilweiſe zur Stelle ausgewaſchen wird, auch nach— mals ſchwerer zu breiten iſt. Bei ſtark abhängigen Feldern thut man wohl daran, oben etwas ſtärker als am unteren Theile zu düngen.— Den Anwanden ſollte man immer nur eine halbe Düngung geben.— Daß man, im Falle Miſt von verſchiedener Qualität, z. B. mehr ſtrohiger und mehr vergohrner, ausgefahren wird, beſonders darauf zu ſehen hat, daß der geringhaltigere verhältnißmäßig ſtärker aufgefahren werde, ver⸗ ſteht ſich von ſelbſt. §. 381. Abgeſehen von der Ueberdüngung von Saaten (§. 385), ſo iſt anzunehmen, daß am wenigſten Dungſtoff verloren geht, wenn der Duͤnger bald nach dem Aufbringen zu geringer Tiefe untergebracht wird. Wenn aber die zu ſtark vorſchreitende Gährung des Miſtes auf der Dungſtätte und die eben disponiblen Arbeitskräfte es wünſchenswerth machen, daß der Dünger ausgefahren werde, die Witterung und der Zuſtand des Landes aber das alsbaldige Unter⸗ pflügen nicht geſtatten; ſo wird man in der Regel dabei, — 189— daß man den Dünger einige Zeit ausgebreitet liegen läßt, weniger Verluſt haben, als wenn man die Zerſetzung im großen Dunghaufen immer weiter vorſchreiten läßt und die Geſpanne unbeſchäftigt ſtehen laſſen muß. Stets zu wider⸗ rathen iſt jedoch das lange Liegenlaſſen des ausgebreiteten Miſtes, wenn noch anhaltender Froſt, Schnee ꝛc. bevorſtehen, zumal bei abhängig gelegenen Feldern, oder wenn anhaltend austrocknende Witterung herrſcht, namentlich im Sommer. Wenn man die Erfahrung gemacht haben will, daß von ſolchem Lande, wo der Miſt längere Zeit obenauf liegen geblieben war, die erſte Erndte beſſer war, als nach dem ſogleich untergepflügten Dunge, ſo läßt ſich dieß leicht erklären, gewiß wird aber der Ertrag in den folgenden Jahren zu Gunſten des letzten Verfahrens ausgefallen ſein. Denn wenn auch der Boden die vom Regen und Thaue ge⸗ lößten Dungtheile größtentheils aufnimmt, wenn auch der Gras⸗ und Unkrautwuchs beim gebreitet liegen gebliebenen Dünger etwas ſtärker iſt und dieſes Mehr an grüner Düngung dem Lande nachher zu gut kömmt; ſo bleibt doch immer wahr, daß um ſo viel mehr Dungſtoffe in die Atmosphäre ſich verflüchtigen müſſen, je länger der Dünger allen Einflüſſen der letzteren ausgeſetzt daliegt. §. 382. Weiter iſt in Betracht zu ziehen, ob das zu düngende Land bald nachher beſtellt werden ſoll, oder ob ihm, bei längerem Zwiſchenraume bis zur Saat, noch eine mehrmalige Bearbeitung bevorſteht. Letzteres kann gut ſein, wenn der Boden wenig Thätigkeit beſitzt, das Klima mehr kühl als warm und trocken iſt, und wenn der Miſt beim Aufbringen noch wenig in der Zerſetzung vorgeſchritten war. Auf warmem, thätigem Boden, in warmer, teockner Jahres⸗ zeit, muß aber ein frühzeitiges Düngen und nachfolgendes mehrmaliges Wenden und Rühren des Landes in längeren Zwiſchenräumen nothwendig die Verflüchtigung eines nicht unbeträchtlichen Theils von Dungſtoffen zur Folge haben. Man muß ſich in dieſer Beziehung auch nach den beſonderen Wirthſchaftsverhältniſſen und der Natur der Gewächſe richten, wozu die Düngung gegeben wird. 1 — — 190— §. 383. Beim Unterbringen des Düngers iſt es um ſo wichtiger, daß er in einem feuchten Zuſtande ſei, je trockner und thätiger der Boden von Natur iſt; dagegen liegt ein zu naß untergebrachter Dünger in gemäßigtem oder ſelbſt kühlem Boden zu lange unthätig. Je ſparſamer die Dungung gegeben werden muß, um ſo wichtiger iſt es auch, daß die⸗ ſelbe nur ſehr ſeicht untergebracht werde, damit die Pflanzen⸗ wurzeln, beſonders in der erſten Zeit ihrer Entwickelung, auch im Stande ſind, davon ſich das Nöthige anzueignen. Ein Unterbringen des Düngers zu bedeutender Tiefe iſt für die gewöhnlicheren Culturgegenſtände immer fehlerhaft. §. 384. Sehr beachtenswerthe Hülfsmittel, um, nach Verhältniß der Menge des anzuwendenden Düngers, gleich im erſten Jahre möglichſt großen Ertrag davon zu haben, ſind beim Hackfruchtbau das Düngen in die Saatfurchen oder unter die zum Beſäen oder Bepflanzen beſtimmten Balken(Kämme); im Kleinen, bei Handkultur, in Stuffen. §. 385. Anſtatt den Dünger vor der Saat in den Boden zu bringen, läßt ſich derſelbe auch über die den Boden ſchon einnehmenden Gewächſe verbreiten. Es iſt jedoch ein weniger ſicherer und gleicher Erfolg davon zu erwarten und es gehen auch nicht wenig düngende Stoffe, beſonders bei nachfolgender trockner Witterung, davon ver⸗ loren. Das Ueberdüngen iſt darum in der Regel nur dann am rechten Platze, wenn vor der Saat Zeit oder Miſt zur Duͤngung mangelte, oder wenn man Gewächſen, welche ſchon einige Zeit das Feld einnahmen, noch zu Hülfe kommen will. Man gibt zu dem Ende nur eine halbe Düngung und verwendet gerne einen noch nicht ſtark zer— gangenen Miſt, weil ſich dieſer am gleichmäßigſten verbreiten läßt, worauf es hier ſehr ankömmt, und er auch zugleich den Saaten zum Schutz dient; nur darf in demſelben vom Stroh oder Futter her nicht viel Unkrautſamen ſich befinden, wenn man Getreideſaaten überdüngt. — 191— Man überdüngt Winterfrucht, Hülſenfrüchte, Klee, Luzerne, Wieſen ꝛc. Kann man beim Ueberdüngen des Getreides den Dünger gleich nach der Saat aufbringen, ſo iſt dies beſſer und ſicherer, als wenn die Frucht ſchon aufgegangen iſt. Das Ueberdüngen wirkt oft noch im 2. Jahre, beſonders wenn das erſte trocken war, wo dann in dieſem die Wirkung aber auch nur geringe. Daß der zum Ueberdüngen verwendete Stallmiſt weniger pro⸗ ducirt, als der dem Boden ganz einverbleibte, kann man am beſten ermeſſen, wenn man das Product von dem den Wieſen regelmäßig gegebenen Dünger mit dem Ertrage vergleicht, welcher von derſelben Quantität auf dem Acker erzielt werden kann. §. 386. Soll endlich für die Stärke der Düngung ein Anhaltspunkt gegeben werden, ſo iſt zu ermeſſen, welche verſchiedenen Umſtände nach dem bisher Vorgetragenen auf die Qualität des Düngers von Einfluß ſind, und daß ſelbſt bei ein und derſelben Viehgattung und gleicher Art von Ein⸗ ſtreu, nach Maasgabe der Fütterung und Düngerbehandlung, noch ein großer Unterſchied ſich ergeben kann, endlich daß nach Clima, Lage, Boden, Fruchtfolge und Culturgegen⸗ ſtand der Begriff von ſtarker oder ſchwacher Düngung ebenfalls noch ſehr relativ bleibt. §. 387. Zunächſt möge als allgemeines Anhalten dienen, daß man ſo lange nach ſtarker und zugleich öfterer Düngung ſtreben ſoll, als der Boden noch nicht in befriedi— gendem Kraftzuſtande ſteht. Weiter kann geſagt werden, daß ein ſchwerer, kalter Boden, und zumal in einem kalten Klima, eine ſtarke Düngung auf einmal erfordert; weil aber die Thätigkeit des Düngers hier verhältnißmäßig nicht groß iſt, ſo hält er, wenn ſtark geduͤngt wurde, länger an, und es braucht dann ſeltener gedüngt zu werden. Entgegen⸗ geſetzt verhält es ſich beim warmen und leichten Boden. Für den Mittelboden ergiebt ſich das Verfahren hieraus von ſelbſt. Würde bei leichtem, warmem Boden eine zu große Quantität Dünger auf einmal angewendet, ſo würde die Wirkung auf die — — 192— erſte Frucht übermäßig ſeyn und zugleich würden zu viele Dung⸗ theile durch Verflüchtigung verloren gehen.— Die übrigen einwir⸗ kenden, im vorigen 8. angedeuteten Umſtände führen dann bei jeder Bodenart wieder mancherlei Modificationen herbei, z. B. das Ge⸗ treide, zumal auf an ſich kräftigem Boden, verträgt keine ſehr ſtarke Düngung; bei manchen Handelsgewächſen und Hackfrüchten, beſonders wenn ihre Cultur koſtſpielig iſt, kann aber ein befriedigender Rein⸗ ertrag nur durch eine ſehr ſtarke Düngung erreicht werden u. ſ. f. Ein Mehreres hierüber bei der Fruchtfolge. §. 388. Ein weiteres Anhalten läßt ſich geben, wenn man annimmt, daß eine ſchwache oder halbe Düngung eine ſolche ſei, welche nur auf die erſte Tracht danach be— friedigend, auf die zweite nur noch wenig oder gar nicht wirkt; eine gewöhnliche oder mittelſtarke Düngung bezeichnen wir als eine ſolche, welche fuͤr zwei Trachten Getreide oder Hackfrüchte befriedigend wirkt, in der dritten aber nicht mehr genügend. Iſt die Wirkung länger dauernd und An⸗ fangs auf gewöhnlichem Boden bei Getreide leicht Lager⸗ frucht veranlaſſend, ſo iſt die Düngung ſtark oder ſelbſt ſehr ſtark zu nennen. §. 389. Nimmt man gewöhnlich guten, im rechten Verhältniſſe mit Streu gemengten, nur mäßig vergohrnen Rindviehdünger als Normaldünger an, und behalten wir die gewöhnlicheren landwirthſchaftlichen Verhältniſſe Deutſch⸗ lands im Auge, ſo wird eine halbe oder ſchwache Düngung meiſtens 80 bis 100 Centner ſolchen Düngers, eine gewöhn⸗ liche oder mittelſtarke 150 dis 200 Centner, eine ſtarke 220 bis 300 Centner ſolchen Düngers p. preuß. Morgen erfordern. Anderen oder in anderem Zuſtande befindlichen Dünger muß man ſo genau als möglich hiernach zu ſchätzen ſuchen. Bei gewöhn⸗ lich gutem Schafdünger wird man zwei Centner gerne für drei Centner Rindviehdünger rechnen dürfen. Durch Thär iſt die Rechnung nach Fudern zu 20 Centner ge⸗ bräuchlich geworden. Man berückſichtigt aber häufig zu wenig, wie verſchieden das Gewicht der Fuder nach den Localumſtänden iſt. — 193— 5) Pferch oder Hordendünger. §. 390. unter Pferchen verſteht man bekanntlich ein fortrückendes Einſperren des Weideviehes über Nacht, und zum Theil auch Mittags in aufgeſchlagenen Horden auf dem zu überdüngenden Grundſtücke. In der Regel kömmt das Pferchen nur bei den Schafen vorz beim Rindvieh nur unter beſonderen Umſtänden. Bei dem Ueber⸗ nachten des Rindviehes auf der Weide, dem Tüdern und dem Auf⸗ ſtellen des Rindviehes auf den Turnipsfeldern(in England) wird übrigens auf dieſelbe Weiſe wie durch das Pferchen gedüngt. §. 391. Durch das Pferchen oder Horden kommt der Dünger ohne Verluſt und Koſten unmittelbar auf das Feld und möglichſt ſchnell in Wirkung; man entbehrt dabei der Streu und kann mit einer verhältnißmäßig geringen Menge von erzeugtem Dung eine verhältnißmäßig große Fläche, wenn auch nur ſchwach, überdüngen. §. 392. Wenn der Schafpferch auf noch nicht be⸗ ſtelltes Feld angewendet wird, ſo iſt wichtig, um ſeine Wirkung möglichſt vollkommen zu erhalten, daß er bald, aber nur flach untergebracht, und daß das Feld nachher nicht viel mehr gerührt, und auch nicht mehr tief bearbeitet werde. §. 393. Bei nicht zu naſſer, auch nicht ſehr austrock⸗ nender Witterung darf das Pferchen auch nach der Saat noch fortgeſetzt werden, bis dieſe ſtark herauskömmt. Auch bei Wieſen, Luzerne⸗ und Esparſettefeldeun iſt das Pferchen ſehr anwendbar. Faſt alle Gewächſe lieben den Pferch, wenn er auf geeignete Weiſe angewendet wird; eine vorzügliche Wirkung äußert er auf die Oelgewächſe und mehrere andere. §. 394. Der Schafpferch eignet ſich für jeden Boden, nur iſt bei ſchwerem Boden um ſo mehr erforderlich, daß die bedürftige Lockerung dem Pferchen in der Hauptſache vorausgegangen ſei. Pabſt Landwirthſchaft. I. 1. Zweite Auflage. 13 194= Ausnahme von dieſer Regel findet natürlich bei Wieſen, Lu⸗ zernefeldern ꝛc. ſtatt. 1 §. 395. Die Stärke und Wirkung der Pferchdungung wird gewöhnlich nach der Anzahl von Schafen und Pferch⸗ nächten, welche es auf eine beſtimmte Fläche erträgt, berechnet. Eine gute Weide und ein Verweilen mittelgroßer Schafe wäh— rend 10 bis 12 Stunden im Pferch vorausgeſetzt, ſo darf das Behorden von 10 Rhl. Quadr. F. p. Schaf als ein ſtarkes, 15 Q. F. p. Schaf als ein mittleres und 20 Q. F. p. Schaf als ein ſchwaches Pferchen gerechnet werden. Ueber die Stärke der Pferchdüngung findet man ſehr abweichende Angaben. Thär rechnet 1200 St. p. pr. M. für ein ſchwaches, 2400 St. für ein ſtarkes Behorden, Koppe meint, 3000 St düngten einen pr. M. in einer Nacht mäßig ſtark, Block will dem Schaf nicht mehr als 4 bis 5 Q. F. einräumen, wornach es 5200 bis 6400 St. auf den preuß. M. ertrüge; ein ſo ſtarkes Pferchen kömmt aber jedenfalls nur als Ausnahme vor. Daß es auf die Zeit des Pferchens und die Ernährung der Schafe ſehr mitankommt, leuchtet von ſelbſt ein.— Der Schäfer hat wegen der gleichmäßigen Vertheilung des Pferchs darauf zu achten, daß die Schafe nicht zu ungleich in den Horden liegen; bei großen Heerden iſt es zu dem Ende zweckmäßig, den nächtlichen Pferchraum in mehrere Abthei⸗ lungen zu bringen, und die Schafe verhältnißmäßig zu vertheilen; endlich iſt es zu gleichem Zwecke bei ſchwachem Pferchen gut, wenn man die Horden nur für die Hälfte des in 24 Stunden zu über⸗ pferchenden Naumes herrichtet und den Schäfer in der Nacht um⸗ ſchlagen läßt; Morgen⸗ und Mittagsſtall(wo dieſer gemacht wird) kommen dann gewöhnlich zuſammen. § 396. Ein ſchwaches Behorden wirkt nur im erſten Jahre, eine ſtarke Pferchdüngung äußert im zweiten Jahre häufig noch einige Wirkung. §. 397. Ob es nützlicher ſei, über Sommer mit den Schafen zu pferchen oder den Miſt von ihnen im Stalle zu ſammeln, muß, unter der Vorausſetzung, daß es an paſſender Gelegenheit den Pferch anzubringen, nicht mangele, 195— und wenn wir blos im Intereſſe der Dungerproduction ur⸗ theilen, zu Gunſten des Pferchens entſchieden werden, da man überall ſich durch die Erfahrung überzeugen kann, daß mit dem in der gleichen Zeit von den Schafen über Nacht im Stalle gewonnenen Dünger nicht ſo viel ausge— richtet werden kann, als durch das Ueberpferchen. Der Vortheil iſt um ſo mehr auf der Seite der Pferchanwendung, je entfernter die zu bedüngenden, in der Regel zugleich auch Weide darbietenden Grundſtücke vom Hofe ſind. Dagegen muß aber auch in Erwägung gezogen werden, daß dem Reinertrage der Schafzucht um ſo eher durch das Pferchen Schaden erwachſen kann, je feiner die Wolle iſt und je ungünſtiger Clima und Witterung ſind. Man findet deßhalb bei hochfetner Schafzucht das Pferchen meiſtens gar nicht„oder doch nur bei warmer Jahreszeit und in günſtigem Clima in Anwendung, bei mittelfeinem Viehe aber häufi⸗ ger und bei grobwolligem in der Regel. Ein Mehreres hierüber bei der Schafzucht. 6) Verwendung des fluͤſſigen Dungs. §. 398. Aus der näheren Betrachtung der Excremente und der Behandlungsweiſen der Düngerarten geht hervor, daß hauptſächlich nur beim Rindvieh, nächſt dieſem auch öfters bei den Schweinen um ſo mehr eine beträchtliche Maſſe eines flüſſigen Düngers ſich anſammelt, je ſpärlicher die Einſtreu und je wäſſeriger das verabreichte Futter war. Der Haupttheil dieſer in den dafuür eingerichteten Behältern (§. 371 ff.) geſammelten Fluſſigkeit, die gewöhnlich Jauche oder Pfuhl genannt wird, beſteht in der Regel aus dem abgefloſſenen Harne; es befinden ſich aber ſtets auch mehr oder weniger der auflöslicheren Theile der Afterexcremente darunter; auch hat faſt immer, ſei es nun mehr zufällig oder abſichtlich, eine Beimiſchung von Waſſer ſtattgefunden. Hiernach iſt zu ſchließen, daß der Antheil an düngender 13* — 196— Subſtanz in einem gewiſſen Volumen der auf gewöhnliche Weiſe angeſammelten Jauche ſehr verſchieden ſeyn muß. §. 399. Die Behandlung des auf gewöhnliche Weiſe aus den Viehſtällen und in der Miſtſtätte gewonnenen flüſſigen Dungs beſteht ganz einfach darin, daß man ihm nur ſo viel Waſſer zufließen laſſe oder beimenge, daß er noch geneigt bleibe, eine Gährung zu machen und bei der Anwendung ſich noch genügend kräftig erweiſe. Hierzu wird in der Regel die Hälfte an Waſſer, der Maſſernach genommen, ausreichen, zuweilen ſelbſt nicht ſo viel nöthig ſein. Durch eine Gährung mit Waſſer, wozu in der wärmeren Jahreszeit 3 bis 4 Wochen hinreichen, werden die bei der Anwendung in friſchem Zuſtande ätzenden Stoffe des Harns inſoweit gebunden und umgewandelt, daß eine nachtheilige Wirkung davon auf die Pflanzen nicht leicht mehr zu fürchten iſt. Häufig und ſehr zweckmäßig werden auch die Abflüſſe aus der Küche und dem Waſchhaus dem Pfuhlſammler zugeleitet. Durch Zuführung der Anſammlungen der Abtritte, durch zugeſetzte Oelkuchen (§. 417) ꝛc. kann und muß begreiklich die Wirkſamkeit des flüſſigen Düngers ſehr erhöht werden.— In der Schweiz fand ich an einigen Orten, daß man auf 100 Cubikfuß Jauche ohngefähr 1 ¼ Pfund Eiſenvitriol zuſetzte, und es ward verſichert, daß dadurch die raſche Vergährung der Jauche ungemein befördert werde. §. 400. Die Jauche kann, unter gewiſſen Vorſichts⸗ maßregeln, zu den meiſten Gewächſen angewendet werden, indem man ſie entweder vor der Saat aufbringt und mit letzterer eineggt, oder indem man unmittelbar darnach oder ſpäter über die bereits grünenden Pflanzen pfuhlt. Sie erweißt ſich beſonders wirkſam fuͤr alle Futterkräuter, die Wieſen eingeſchloſſen, zu Raps, Lein, Kartoffeln, Getreide. Auf trocknem, warmem Boden iſt die Wirkung davon größer und ſicherer, als auf gebundenem und kaltem Boden. Bei den bereits grünenden Gewächſen ſoll die Anwendung bei anhaltend trockner und warmer Witterung nicht ſtatt finden, es ſei denn, daß die Lage ſehr feucht ſei, denn bei zu wenig vorhandener oder zutretender Feuchtigkeit iſt immer noch eine ätzende Wirkung auf die Gewächſe zu befürchten. Auf feſt gefrornen Boden ſoll man auch nicht pfuhlen, weil dabei zu viel Verluſt an Dungſtoff erfolgt. Daß die Jauche zunächſt zum Begießen des Miſtes auf der Dungſtätte dienen ſoll, wurde früher(§. 376) berührt. Zu Zeiten, wo ſie hierfür nicht erforderlich, auch kein geeignetes Feld zum Aufbringen vorhanden iſt, wird ſie am angemeſſenſten auf den Compoſthaufen(§. 493) verwendet. §. 401. Zum Auffahren des Pfuhls bedient man ſich am zweckmäßigſten eigens dazu eingerichteter Karren oder Wägen mit breiten Felgen und aufgeſetzten Käſten oder Fäſſern. Der Zapfen befindet ſich im Boden(oder unten mitten im Bauche des Faſſes) und mittelſt deſſen Oeffnung ſtürzt die Jauche auf ein untergehängtes Brett, wodurch eine gleichmäßige Vertheilung erreicht wird. In Schwerz's practiſchem Ackerbau(erſter Theil) iſt ein ſol⸗ cher Jauchekarren abgebildet; da Fäſſer öfters wohlfeiler ſind, ſo können dieſe den Kaſten wohl erſetzen und im Nothfall dient ſchon ein auf die Axe eines Vorderwagens befeſtigtes Faß. §. 402. Man wendet gewöhnlich auf junge Saaten, Wieſen oder Klee 12 bis 16 Pferdslaſten zu 20 Cubikfuß p. Morgen an, kann aber auch, beſonders vor der Saat angewendet, um ein Bedeutendes höher ſteigen. Von ge⸗ wöhnlich guter Jauche, in mittlerer Stärke aufgebracht, hat man für eine Tracht die Wirkung einer halben Düngung zu erwarten. Drei gewöhnliche Pferdslaſten Pfuhl dürften im Durchſchnitt einer Pferdslaſt guten Rindviehdüngers gleich zu ſchätzen ſein. §. 403. Als eines eigenthümlichen Verfahrens bleibt hier noch der Fabrikation der ſogenannten Gülle zu er⸗ wähnen, welche in einigen Gegenden der Schweiz und — 198— Baierns im Gebrauche ſteht. Man verſteht darunter eine Auflößung eines großen Theils der feſteren Excremente des Rindviehes in Waſſer. Die dazu erforderliche Einrichtung beſteht in einem etwa 1 Fuß breiten und beinahe eben ſo tiefen Canale(Kuhgraben genannt) an der Stelle der gewöhnlichen Rinne hinter dem Viehe; dieſer Canal hat eine waagerechte Lage und am einen Ende einen Ablaſſer. Wo möglich muß in denſelben Waſſer beliebig eingelaſſen werden können. Sodann bedarf man am oder theilweiſe im Stalle mehrere verſenkte Gül⸗ lenbehaͤlter von beträchtlichem Umfange. Die Verfahrungsart iſt folgende: der Kuhgraben wird am Morgen zur Hälfte mit Waſſer gefüͤllt, in welchem außer dem Urin auch ein Theil der feſteren Auswürfe den Tag über nach Zeit und Gelegenheit verrührt wird. Am andern Morgen wird das Miſtlager des Viehes im Kuh⸗ graben tüchtig hin- und hergezogen und nachdem es in, nebenan aufgeſetzten Häufchen etwas abgetropft iſt, auf die Miſtſtätte gebracht. Auf dieſe Weiſe wird die Gülle nach Belieben noch mehr oder weniger bedeutend mit den ausge— waſchenen Excrementen verdickt; der Strohmiſt aber wird ganz mit Gülle getränkt. Die Heimath der Güllebereitung iſt in der Umgegend des Zürcher See's, wo ſie Tſchiffeli zuerſt verbreitet haben ſoll. §. 404. Die auf die vorerwähnte Weiſe bereitete Guͤlle muß eine vier- bis ſechswöchentliche Gährung machen. Sie wird dann wie Jauche angewendet, ihre Wirkung iſt aber aus einleuchtenden Grüͤnden um ein Beträchtliches ſtärker, als von dieſer. Der Vortheil dieſes Verfahrens liegt haupt⸗ ſächlich darin, daß man mit wenig Streu auskommen kann, durch Vergährung wenig verloren geht und die Gülle fuͤr Wieſen, Klee u. dgl. ein ſehr geeigneter Dünger iſt. Wenn man aber erwägt, daß durch das Güllemgchen, beſonders — 199— aber durch den Transport der Gülle, wegen des vielen beigemiſchten Waſſers, ſehr beträchtliche Arbeitskoſten ver⸗ urſacht werden, und daß da, wo es an Streumaterial nicht fehlt, ſo wie fuͤr viele Bodenarten und Wirthſchaftsweiſen die Gülle, auch wenn ſie gegen andere Methoden nichts mehr koſtete, doch ſich nicht empfehlen kann; ſo wird dieſes Verfahren nur in eigenthümlichen, bei uns in Deutſchland nur ſelten vorkommenden Verhältniſſen ſich rechtfertigen laſſen. 8) Schätzung der Duͤngerproduction. §. 405. Wenn die Menge und der verhältnißmäßige Werth der Düngerproduction einer Wirthſchaft oder eines Zeitraums aus dem Wirthſchaftsjahre angeſchlagen werden ſoll, ſo müſſen für ſich betrachtet werden: Viehhaltung, Fütterung, Einſtreu, Düngerbehandlung, namentlich auch Zeit des Faulenlaſſens in den Ställen und auf der Miſt⸗ ſtätte. Aus der Verſchiedenartigkeit der Einwirkung dieſer Verhältniſſe aber iſt zu ermeſſen, wie ſchwer es ſei, allge— meine Anhaltsſätze in dieſer Beziehung aufzuſtellen. §. 406. Zu möglichſt richtigen Reſultaten in Bezug auf die quantitativen Verhältniſſe kann man nur gelangen, wenn man die Fütterung auf Trocknes reducirt, hievon die Production an trocknem Duͤnger berechnet(bei Rind- und Schafvieh durchſchnittlich 42 bis 48%, ſ.§§. 336 und 340); wenn man ſodann die trockne, vegetabiliſche Streu dem anzunehmenden trocknen Miſte zurechnet und dieſen Betrag mit ſoviel in feuchten Dünger berechnet, als man das Ver— hältniß an Wäßrigkeit in letzterem, nach Maasgabe der hierauf einwirkenden Umſtände, anzunehmen hat, ſo wird man damit die Maſſe des Products an friſchem Dünger erhalten. Dieſem iſt wieder in Abrechnung zu bringen: der Verluſt, welcher durch Vergährung in den Ställen oder auf der Dungſtätte entſteht. — 200— Bei Rindviehdünger, der wenig durch Vergährung verloren hat, wird man auf das trockene Futter immer 175% feuchten Dünger, und auf die trockne Strohſtreu 325 bis 350% rechnen dürfen.— Iſt der Schafdünger gut gehalten, ſo darf muͤn vom trocknen Futter 120%, von der trocknen Streu 210 bis 230% mittelfeuchten Dünger berechnen. Ausführlichere Auseinanderſetzungen bei der Lehre von den Fruchtfolgen. . 9,.. II. Rein vegetabilische Dungmittel. §. 407. Die meiſten zur Düngerproduction beſtimmten Pflanzenerzeugniſſe werden zwar, theils des daraus zu er⸗ zielenden größeren Vortheils wegen, theils weil ſie für ſich allein als Dünger nicht genügend wirkſam ſind, in der Regel durch Verfüͤtterung und Einſtreu in Duͤnger verwandelt; manche ſind jedoch auch zur unmittelbaren Benutzung fuͤr die Düngung geeignet. Sodann gibt es auch manche Ab⸗ fälle oder Rückſtände von in der Hauptſache zu andern Zwecken benutzten Vegetabilien, welche direct als Dung⸗ mittel dienen. Dergleichen Gegenſtände ſind: Verſchiedene Pflanzen im gruͤnen Zuſtande, Malzkeime, Oelkuchen, Scheuern⸗ und Heubodenabfälle ꝛc. 1) Gründüngung. §. 408. Gründüngen heißt: Saamen von blätter- und ſaftreichen Gewächſen ausſäen und die Saaten davon, wenn ſie herangewachſen ſind(gewöhnlich, wenn ſie bis zur Blüthe gekommen ſind), grün unterpflugen, damit ſie im Boden verweſen und demſelben als Düngung zu gut kommen. §. 409. Damit von der Gründüngung ein bedeutender Effect mit Sicherheit erwartet werden darf, muß man ſolche Gewächſe wählen, welche auf dem betreffenden Boden gerne gedeihen, verhältnißmäßig wenig Kraft in Anſpruch nehmen und viel Maſſe liefern; ſodann muß der Saamen dichter als zum Reifwerden geſäet werden, und der dazu benützte — 201— Boden darf auch nicht ganz kraftlos ſein, weil ſonſt, ſelbſt wenn die dafür paſſendſten Gewächſe zur Ausſaat gewählt werden, nur eine geringe Maſſe von Gründung erzeugt werden und alſo auch die Wirkung davon nur gering ſein wird. Eine untergeordnete Rückſicht endlich verdient der Preis des Saamens, mit Rückſicht auf das für eine gewiſſe Fläche erforderliche Maas. §. 410. Man wendet dieſe Düngungsart am liebſten als zweite Saat nach der Erndte an, kann ſie in günſtigem Clima aber auch zeitig im Frühjahre anwenden, um dann noch eine Anpflanzung fuͤr den Sommer darnach vornehmen zu können, endlich auch über Sommer, wenn ohnedies das Land brach liegen ſoll. Im letzten Falle wählt man gerne eine Saat, welche längere Zeit zu ihrem Heranwachſen bedarf und dafür größere Maſſen ab— wirft; man kann auch zwei ſchnell wachſende Grünſaaten nachein— ander machen. §. 411. Die am häufigſten zur Gründüngung benutzten Gewächſe ſind: a) Wicken, Erbſen, jedes für ſich oder miteinander, ſowie mit Hafer und dergleichen gemengt, für nicht zu ſchwachen Boden; b) Buchweitzen für leichten, doch nicht ganz ſchlechten Boden; c) Waſſerrüben dicht geſäet, für leichten, noch in einiger Kraft ſtehenden Boden; d) Spörgel für Sandboden; e) Klee unter Halmfrucht im Frühjahr eingeſäet, und im Spatherbſt oder zu Ende des folgenden Frühjahrs untergepflügt, für nicht kraftloſen Boden; f) Naps und Rübſen für guten Boden; g) die weißen Lupinen, vorzüglich für geringen Sand- und Kalkboden. Die Lupinen werden in Italien und dem ſüdlichen Frankreich mit beſonderem Vortheile für armen, leichten und trocknen Boden zur Gründüngung benutzt; ſie ſind aber in Folge der durch v. Wulffen beharrlich fortgeſetzten Verſuche nun auch im nördlichen Deutſchland — 202— zum gleichen Zwecke bereits vielfach angebaut, und wenn ſie einer⸗ ſeits dem Tadel unterliegen, daß ſie als zweite Saat nicht zur Gründüngung benutzt werden können, ſondern das Land einen ganzen Sommer hindurch ihnen gewidmet ſein muß; ſo iſt ihnen anderer⸗ ſeits der große Vorzug zuzugeſtehen, daß ſie auf Sandboden eine größere Wirkung thun, als jedes andere bis jetzt dafür angewendete Gründungmittel. Man vergleiche: die Cultur der Lupine in der zweiten Abtheilung dieſes Bandes. §. 412. Weniger gebräuchliche Gründungmittel ſind: die Beſenpfrieme(Spartium scoparium), welche in den Sandgegenden der Niederlande angewendet wird und die alle Beachtung zu verdienen ſcheint; verſchiedene andere wild wachſende, bisher als Unkräuter angeſehene Gewächſe; ſodann der Seetang in den Küſtengegenden. Was die Anwendung einiger bisher als Unkraut betrachteter Gewächſe betrifft, ſo iſt ſolche insbeſondere durch Nebbien dringend empfohlen worden(m. ſ. deſſen Aufhelfungs⸗Futter und Weidebuch, Leipzig 1835). Sowenig nun auch dem Unkrautſäen das Woͤrt geredet ſein ſoll, und ſowenig bis jetzt dargethan iſt, in wie ferne die vielen dort angegebenen Pflanzen den Vorzug vor unſern längſt cultivirten und zur Gründüngung bisher benutzten verdienen; ſo iſt doch zuzugeſtehen, daß unter den wild wachſenden Pflanzen leicht einige aufgefunden werden können, welche ihres ſicheren Gedeihens auf geringem Boden, ihres reichlichen Krautwuchſes und ihrer leichten Saamengewinnung wegen verdienen, zur Gründüngung angewendet zu werden. Des Beiſpiels halber mögen Melden und Königskerzen genannt ſein, welche wir auf geringem Sandboden noch üppig ins Kraut gewachſen finden; dann der Rainfarren, welchen Sprengel den Lupinen gleichſtellt. Das Chenopodium Quninoa(ſ. 2. Abth. d. B.) dürfte ebenfalls zu Verſuchen zu empfehlen ſein. Daß wir eine Menge wild wachſender Pflanzen gelegentlich durchs Unter⸗ pflügen als Gründung mitbenutzen, und daß ihnen ein Theil der Bereicherung des Landes durch die Braache zuzuſchreiben, bedarf kaum der Anmerkung. Der Seetang wird in den Küſtengegenden häufig zur Grün⸗ düngung, zur Unterlage in Schafſtälle, oder zur Durchſchichtung des Düngers auf der Miſtſtätte benutzt. Manche ziehen vor, ihn grün — 203— oder wenigſtens in feuchtem Zuſtande in die Furchen einzulegen, Andere laſſen ihn erſt auf Haufen faulen, damit ſie weniger Maſſe zu transportiren haben. In Menge auf trocknen thätigen Boden angewendet, zumal im ausgetrockneten Zuſtande, kann er auch eine nachtheilige Wirkung auf die danach gebauten Pflanzen haben, wahr⸗ ſcheinlich wegen des ſtarken Antheils von Salzen, den er enthält. §. 413. Iſt die zur Gründüngung beſtimmte Saat nicht ſehr hoch herangewachſen, ſo iſt es hinreichend, wenn man ſie vor dem Umpflügen anwalzt; im andern Falle iſt es beſſer, ſie abmähen und in die Furchen einlegen zu laſſen. Nach dem Unterpflügen muß dem Lande 2 bis 4 Wochen Ruhe gelaſſen werden, damit es ſich ſetze und das Unter— gepflügte zur Verweſung komme, ehe man zur Beſtellung ſchreitet. Häufig und ſehr zweckmäßig wird die Gründüngung im Spat⸗ herbſt untergepflügt und die Saat folgt erſt im nächſten Jahre. Herr v. Wulffen empfahl bei der Potsdamer Verſammlung eine Art ſtumpfer Beſen, welche am Vorderpflug angebracht wird, als die zweckmäßigſte Vorrichtung ſtatt des Niederwalzens. §. 414. Was den Werth und die Wirkung der Grün⸗ düngung betrifft, ſo hängen beide ſehr von den Umſtäuden ab. Für allgemein iſt vorauszuſchicken, daß die zur Grün⸗ düngung gewählten Pflanzen den größeren Theil der zur Bildung ihrer Subſtanzen erforderlichen Stoffe aus der Atmosphäre und dem Untergrunde entnehmen müſſen, und daß deßhalb eine beträchtliche Kraftvermehrung des Bodens dadurch zu erreichen iſt; ferner iſt es als feſtſtehend anzu⸗ nehmen, daß die als Gründüngung verwendete Pflanzen⸗ maſſe bedeutend mehr, und unter güͤnſtigen Umſtänden wohl das Doppelte wirkt, als derjenige thieriſche Dünger wirken würde, der aus der Verfütterung jener Maſſe gewonnen werden kann(ſ.§. 406). Dagegen iſt aber auch voraus⸗ zuſetzen, daß die Gründüngung, auf die Dauer und für ſich allein angewendet, den thieriſch⸗vegetabiliſchen Dünger — 204— nicht ganz erſetzen kann, und daß ſie um ſo weniger am Platze iſt, je kälter und waſſerhaltender der Boden iſt. Wer noch daran zweifelt, daß durch die Gründüngung eine be⸗ deutende Vermehrung der Bodenkraft zu erlangen ſei, der iſt auf die allbekannte Thatſache zu verweiſen, wie bedeutend durch die Klee⸗ und Grasniederlegung(auch wenn nicht geweidet wird) die Bodenkraft gewinnt, zumal wenn man den Klee ꝛc. vor dem Unter⸗ pflügen noch etwas heranwachſen ließ; wem anders, als den theils bei der Benutzung abgefallenen, theils beim Umbruche des Landes in und auf dem Boden verbliebenen ſaftigen Pflanzenreſten iſt dieſer Erfolg zuzuſchreiben? §. 415. Will man Werth und Wirkung der Grün⸗ dungung näher beſtimmen, ſo muß hauptſächlich die ge⸗ wachſene Pflanzenmaſſe in Betracht gezogen werden, und dürfte dieſe, wenn ſie nicht ungewöhnlich wäßrig iſt und wenn die Wurzeln und Stoppeln, welche beim Abmähen ohnedieß dem Boden verbleiben würden, nicht dazu gerechnet werden, im Durchſchuitt nicht geringer, zuweilen ſogar etwas höher anzuſchlagen ſein, als eine gleiche Gewichtsmaſſe wenig vergohrnen, bei reichlicher Strohſtreu gewonnenen Rindviehdüngers. Es wird ſich danach der Werth einer Gruͤndüngung meiſtens zwiſchen einer viertel bis zu einer halben Düngung nach gewöhnlichem Maasſtabe verhalten, auch in der Regel nur fur die erſte Tracht auf eine be⸗ friedigende Wirkung zu rechnen ſein. Zieht man nun in Betracht, wie gering die Koſten einer als Nachfrucht(nach der Erndte der Hauptfrucht) angebrachten Gruͤndüngung, im Vergleiche zu ihrem Werthe, ſind; ſo muß ſolche, auf dieſe Weiſe angewendet, dringend empfohlen werden, ſoweit es nur irgend die Wirthſchaftsverhältniſſe geſtatten. Als jeweilige(niemals ausſchließliche) Hauptdüngung, der man das Land einen ganzen Sommer widmet, wird ſie aber hauptſächlich nur auf armem und trocknem, zumal vom Wirthſchaftshofe weit entlegenem Boden, und bei Mangel — 205— an anderem wohlfeilem Dünger, eine beſondere Beruückſich⸗ tigung verdienen. Die abgemäht geſchätzte grüne Maſſe, deren Qualität freilich auch wieder eine große Verſchiedenheit darbietet, wird in wenig günſtigen Fällen kaum 40 dis 50 Centner, in günſtigen Fällen 80 bis 100 Centner und mehr betragen. Die Lupinen ſollen bis 140 Centner abwerfen, auch im zweiten Jahre noch wirken.— Ob man da, wo die gegebenen Verhältniſſe die Wahl geſtatten, die grünen Pflanzen entweder mit dem Nutzviehe zu conſumiren und dagegen Viehdünger anzuwenden, oder jene unterzupflügen, an dem Einen oder Anderen beſſer thue, iſt im Allgemeinen nicht, ſondern lediglich nach Maasgabe der einwirkenden Verhältniſſe zu beſtimmen möglich. 2) Malzkeime. §. 416. Die bei Brauereien in beträchtlicher Menge ab— fallenden Malzkeime ſind für Wieſen, Klee, junge Saaten ꝛc. welche man damit überſtreut, ein ſehr ſchätzbares Dungmittel, deſſen Wirkung ſo bedeutend iſt, daß 3 bis 4 Säcke voll, oder etwa 4 Centner, für einen Morgen hinreichen, um einen bedeutenden Erfolg davon zu erhalten. 3) Oelkuchen. §. 417. Die unmittelbare Verwendung der Oelkuchen, hauptſächlich von Raps, Rübſen und Mohn, zur Düngung iſt in Belgien und England ſehr gebräuchlich, neuerer Zeit auch einzeln in Deutſchland verſucht worden. Man weicht ſie dort entweder in der Jauche auf und läßt ſie mit dieſer eine Gährung machen, bevor man ſie ausbringt, oder man ſtreut ſie, zu Mehl verkleinert, mit der Saat oder auch über bereits grünende Saaten. Man verwendet von 3 bis zu 9 Centner p. pr. Morgen. Die Oelkuchen beſitzen eine ſtarke Neigung, ſobald etwas Feuchtigkeit hin⸗ zutritt, zu gähren, ſich bedeutend zu erhitzen und viel Ammoniak zu entwickeln, weßhalb man bei zarten Saamen 5 4 — 206— und Gewächſen, z. B. Rüben und Raps und ſelbſt bei Kartoffeln(weniger bei Getreide) Sorge tragen muß, das Oelkuchenmehl nicht unmittelbar auf den Saamen oder den ausgebrochenen Keim zu ſtreuen, weil dieſer dadurch leicht getödtet wird, wenn nicht niederfallende Feuchtigkeit mildernd dazwiſchentritt. Wenn man über Saaten ſtreut, muß aus jenem Grunde feuchte Witterung abgewartet werden. Man wird deßhalb die Oelkuchen mit größerer Sicherheit zu Wintergetreide, als zu Sommergetreide verwenden. Zu Rüben, Raps, Kartoffeln wirken ſie aber auch trefflich, wenn die geeignete Vorſicht angewendet wird und es nicht an Feuchtigkeit mangelt. Ich befolgte mit ausgezeichnetem Erfolge das nachbenannte, von Becker zu Petersau empfohlene Verfahren zu den letztgenannten Gewächſen: die Mohnölkuchen wurden in Waſſer aufgelößt und p. Centner mit 10 pr. Scheffel Seifenſiederaſche gemengt; die Haufen kamen im Freien bald in ſtarke Erwärmung, welche mehrere Wochen anhielt; nach 4 Wochen wurde dieſer Dünger im Verhältniß von 3 bis zu 4 ½ Centner Oelkuchen und 30 bis 45 Scheffel Aſcherig p. Morgen mit der Saat geſtreut. Der Aſcher koſtete mich in dieſem Verhältniſſe ſoviel als die Oelkuchen und ſchwerlich würde die doppelte Ouantität der letzteren ohne den erſteren die gleiche Wirkung hervorgebracht haben. §. 418. Man hält dafür, daß die Oelkuchen, auf leichten Boden angewendet, ſicherer und ſchneller wirken, als auf ſchwerem. Wenn jedoch dort anhaltend trockne Witterung nachfolgt, ſo iſt die Wirkung der als Mehl ge⸗ ſtreuten Oelkuchen geringe. Man ſchätzt unter günſtigen uUmſtänden den Erfolg einer mittleren, alſo vielleicht 6 bis 7 Centner betragenden, Oelkuchendüngung im erſten Jahre einer mäßigen Stallmiſtdungung gleich; im zweiten Jahre geringer. Für gebundenen Boden empfiehlt Schwerz eine vor⸗ herige Mengung mit%⅛ gebranntem Kalk. Bevor man ſich entſchließt, Oelkuchen im Größeren anzuwenden, möge man die Koſten dieſes Dungmittels zum davon zu erwartenden — 207— Nutzen und zum Preiße anderer Dungmittel in Rechnung ſtellen. Auch iſt bei den Rapskuchen, welche zur Fütterung einen beträcht⸗ lichen Werth haben, in Erwägung zu ziehen, wie hoch man ſie durch Fütterung nutzen kann, und daß der daraus hervorgehende Dünger auch noch einen guten Theil der wirkenden Stoffe der Oel⸗ kuchen enthält. In England hat man z. B. gefunden, daß der Miſt von Maſtochſen, welche ſtark Oelkuchen erhielten, über die Hälfte mehr wirkte, als Ochſendünger bei Rübenfutter gewonnen. Wenn auch die Anwendung der Oelkuchen für ſich allein nur ausnahmsweiſe ſich wirthſchaftlich erweiſen mag, ſo dürften ſie als Zuſatz gewiß häufig ſich reichlich bezahlt machen, z. B. zu etwas magerem Compoſt, zu Aeſcherig ꝛc. 4) Verſchiedene andere vegetabiliſche Abfälle. §. 419. Noch mancherlei vegetabiliſche Abfälle bieten ſich in den Wirthſchaften dar, deren Dungwerth ſich leicht aus ihrer Beſchaffenheit ermeſſen läßt. So werden 3. B. die Scheuernauswürfe, das Kehrigt von den Heuböden, die Leinknoten, und ähnliche Gegenſtände, ſofern man keinen anderweiten nützlichen Gebrauch davon zu machen weiß, am zweckmäßigſten durch Begießen mit Jauche in Kompoſt verwandelt. Auch aus den Obſttreſtern läßt ſich durch Zuſammenſetzen mit Kalk ein brauchbarer Kompoſt bilden. Die erſtgenannten Düngungsmittel dürfen wegen des darin enthaltenen Unkrautſaamens nicht auf Ackerfeld angewendet werden. — Viele andere Vegetabilien ſind ſchon unter den Streumaterialien genannt, wie Moos, Sägſpäne, Farrenkraut, Schilf, Flachs⸗ und Hanfſchäben ꝛc. Will man ſie zum Streuen nicht verwenden, ſo dienen ſie am beſten zu Kompoſt. III. Rein thierische Dungmittel. §. 420. Die rein thieriſchen Stoffe enthalten und ent⸗ wickeln der Maſſe nach die meiſte düngende Kraft wegen ihres größeren Gehaltes an Stickſtoff, Phosphor, Schwefel, Chlor ꝛc. Dabei ſind ſie, mit Ausnahme von Horn und Knochen, ſehr auflöslich und raſch wirkend. — ' —— — 208— Weil aber die thieriſchen Producte, mit wenigen Aus⸗ nahmen, für die unmittelbare Verwendung zur Duͤngung viel zu theuer ſind; ſo bleiben fuͤr dieſe nur gewiſſe thieriſche Abfälle und Reſte, welche entweder zufällig im Landhaushalte vorkommen, oder von Gewerbtreibenden, welche thieriſche Stoffe verarbeiten, öfters acquirirt werden können. Gegenſtände dieſer Art ſind: Knochen, Hornſpäne, Reſte geſtorbener Thiere, Abfälle von Schlachtereien, Lum⸗ pen, Federn ꝛc. 1) Knochen. §. 421. Die Hauptbeſtandtheile der Knochen ſind ſtick⸗ ſtoffhaltige Galerte oder Knorpel nebſt etwas Fett, und phosphorſaurer Kalk(in den friſchen Knochen unſerer größe⸗ ren Hausthiere von letzterem über die Hälfte bis zu, vom Knorpel etwa ⅓). Die knorpelige Galerte iſt zwar nach mehreren, z. B. Körtes, Beobachtungen bei den im Boden vertheilten Knochen ſchwer auflöslich; indeſſen erfolgt die Auflöſung doch immer vor und nach, auch kann ſie durch vorausgegangene Behandlung vorbereitet werden. Die durch Ausſieden oder durch längeres Liegen im Freien des Fetts und eines großen Theils der Galerte entzogenen Knochen können darum nicht die gleiche Wirkſamkeit wie die friſchen beſitzen. Indeſſen äußern doch auch jene, wenigſtens in vielen Fällen, noch eine bedeutende Wirkung. Letztere iſt alsdann hauptſächlich der phosphorſauren Kalkerde allein zuzuſchreiben. Manche wollen den verkleinerten Knochen, welche zur Düngung verwendet werden, eine mehr mechaniſche Wirkung beilegen, was jedoch eine irrige Schlußfolge ſeyn dürfte. §. 422. Die zur Duͤngung zu verwendenden Knochen werden auf eigens dazu eingerichteten Stampf⸗oder Quetſch⸗ mühlen pulveriſirt. Je vollkommener ſie verkleinert werden, um ſo beſſer iſt dies. Friſche Knochen werden häufig nach dem Mahlen mit Kalkmehl oder Gips vermiſcht, um die — 209— Gährung etwas zu hemmen, welche in dem aufgehäuften Knochenmehl eintritt, auch iſt das Ausſtreuen dadurch er⸗ leichtert. Rathſamer aber iſt, das Knochenmehl durch Ver⸗ mengen mit Jauche, feuchter Aſche, oder ſelbſt mit Stallmiſt, kurz vor der Anwendung einen gewiſſen Grad der Gährung erreichen zu laſſen, weil alsdann eine ſchnellere und ſicherere Wirkung davon zu erwarten iſt. Wird Kalk oder Gips in bedeutender Menge untergemiſcht, ſo wird dadurch der Werth des Knochenmehls heruntkergſetzt, denn das gleiche Gewicht von jenen Stoffen hat einen ungleich geringeren Werth zur Düngung, als von dieſem. Es iſt demnach für den Landwirth, welcher Knochenmehl anwenden will, wichtig, ſich ſowohl über die Qualität der verwendeten Knochen, als über die Ver⸗ fahrungsart bei und nach dem Verkleinern in Kenntniß zu ſetzen. §. 423. Ueber den zur Düngung mit Knochenmehl vorzugsweiſe geeigneten Boden, die zweckmäßigſte Weiſe der Anwendung und den daraus zu erzielenden Erfolg iſt man in Deutſchland noch nicht im Reinen. Und ſelbſt von England aus, wo das Knochenmehl in vielen Gegenden regelmäßig angewendet wird, vernimmt man noch häufig abweichende Meinungen. §. 424. In Bezug auf Boden ſtimmen die meiſten Erfahrungen dahin überein, daß das Knochenpulver auf einem mehr trocknen und warmen Boden, ſei es nun Sand⸗, Lehmſand⸗, Kalk⸗ oder moorartiger Boden, in der Negel ſich wirkſam erweiſe, während es auf naſſem, zumal thonigem und kaltem Boden wenig oder gar nicht wirke. Demohn⸗ erachtet iſt das Hinzutreten von atmosphäriſcher Feuchtigkeit in nicht zu geringem Grade erforderlich, wenn auf leichtem trocknem Boden die Wirkung befriegend ſein ſoll. Auch iſt dargethan, daß es auf ganz humusarmem Boden nur wenig leiſtet. Die noch nicht genügend aufgeklärte Erſcheinung, daß das Knochenmehl zuweilen auf, dem Anſcheine nach dafür geeigneten, Localitäten ſich dennoch unwirkſam erwieſen Pabſt Landwirthſchaſt. I. 1. Zweite Auflage. 14 — 210— hat, dürfte entweder in zu geringer Menge oder ſchlechter Beſchaffenheit des Materials, oder in dem Umſtand zu ſuchen ſein, daß der Boden die Hauptſubſtanz des Knochen⸗ mehls, den phosphorſauren Kalk, bereits enthielt. §. 425. In England wird das Knochenmehl am meiſten und mit dem beſten Erfolge zu Turnips und auf ſpäter aufzubrechendes Grasland verwendet. Es wirkt aber auch in den folgenden Jahren auf das nach jenen Vor⸗ früchten gebaute Getreide. Ein tiefes Unterbringen dieſes Dungmittels muß unter allen Umſtänden vermieden werden. Man ſtreut es auf die Reihen mit der Saat, auch breit⸗ würfig und eggt es dann unter. Im erſten Falle, und wenn das Knochenmehl fein gemahlen, braucht man weniger, als im andern Falle und bei weniger vollkommener Zerkleinerung. Die größere Quantität mehr gröblich verkleinerter Knochen erweiſet ſich dagegen länger wirkſam. In England wendet man am häufigſten 20 bis 30 Buſhel auf den engliſchen Acker an, was 8 bis 12 pr. Scheffel(700 bis 1050 Pf.) auf den pr. Morgen beträgt. Man hat dort, ſowie an manchen Orten in Deutſchland, von dieſer Quantität gleiche oder noch beſſere Wirkung, als von einer guten Miſtdüngung gehabt. Auch zu Kartoffeln, indem man das Knochenpulver beim Legen zu den Saamkartoffeln ſtreut, erweiſet ſich daſſelbe beſonders för— derlich; ferner zu Raps. Die§. 422 angedeuteten verſchiedenen Methoden der Mengung und voraus bewirkten Gährung ſind in England häufig in Anwendung und werden gerühmt. Manche Landwirthe erſparten dadurch weit mehr an Knochenmehl, als der Werth der Zuthat anzuſchlagen war. Zu vergleichen: Darſtellung der Landwirthſchaft Großbrittaniens von Sch weitzer. Man will auch beobachtet haben, daß bei Knochenmehldügung die Erdflöhe weniger Schaden thaten, als nach Miſtdüngung. §. 426. Wenn auch der Werth der Knochenmehl⸗ düngung von Denen, die ihr das Wort redeten, für Deutſchland — 211— häufig zu hoch geſchätzt worden iſt und ſich namentlich dar⸗ thun läßt, daß jetzt ein großer Theil Knochen zur thieriſchen Kohle, deren Verbrauch ſo außerordentlich ſteigt, erforderlich wird, und mit dem übrigbleibenden Theile nur verhältniß⸗ mäßig ſehr kleine Flächen unſeres in Cultur ſtehenden Bo— dens gedüngt werden können, auch der Preis der Knochen durch die Concurrenz in manchen Gegenden bereits eine zu große Höhe als Dungmaterial erlangt hat; ſo iſt den— noch im Intereſſe unſeres Landbaues und Nationalwohl— ſtandes zu wünſchen, daß in den verſchiedenen Gegenden mehr entſcheidende Verſuche mit dem Knochenmehl gemacht werden, und daß da, wo es ſich wirkſam erweiſet, einfache Etabliſſements zur Verkleinerung der Knochen gegründet werden, welche es den Landwirthen möglich machen, ent⸗ weder ihren Bedarf zu billigem Preiſe zu beziehen oder die Verkleinerungs⸗Apparate ſelbſt nachzuahmen. In England koſtet der Centner Knochenmehl durchſchnittlich 4 bis 5 Schillinge oder 1 ⅛ bis 1 ⅜ Thlr. Danach dürfte der Preiß in Deutſchland höchſtens halb ſo hoch kommen, da die Preiße unſerer aus der Düngung hervorgehenden Producte kaum halb ſo hoch, als die in England ſtehen. 2) Hornſpäne. §. 427. Die Hornſpäne, Abfälle aus den Werkſtätten der Horndrechsler und Kammmacher, ſind in ihrer Wirk⸗ ſamkeit über das Knochenmehl zu ſetzen, Jedenfalls ſind die Beſtandtheile beider ſehr verſchieden, da erſtere haupt⸗ ſächlich aus verhärtetem Eiweißſtoff beſtehen. Man wendet ſie auf ähnliche Weiſe wie das Knochenmehl an, am beſten indem man ſie vorher mit Stallmiſt oder mit Jauche be— goſſener Erde eine Gährung hat machen laſſen. Sie ſind ſelten in größerer Menge zu billigem Preiße zu haben. 3) Haare, Federn, Leder ec. §. 428. Haare, Borſten, Wolle, welche bei Gerbereien 14* — 212— und andern Gewerben(letztere auch bei der Tuchfabrikation) abfallen, ferner wollene Lumpen, Lederſchnitzel, ſchlechte Federn, die Abfälle aus den Leimſiedereien ꝛc. haben den⸗ ſelben Hauptbeſtandtheil, wie die Hornſpäne, und gehören ſämmtlich zu den vorzüglich wirkſamen Dungmitteln. „Quantitative Verhältniſſe laſſen ſich hier nicht angeben; es kömmt auch hierauf weniger an, als darauf, daß dergleichen Gegen⸗ ſtände, wo man ſie hat oder haben kann, nicht ungenutzt bleiben. 4) Reſte von geſtorbenen Thieren. §. 429. Die enthäuteten Körper crepirter Hausthiere ſollten, ausgenommen die von Thieren, welche an ſeuchen⸗ artigen Krankheiten umgekommen ſind, niemals ungenutzt ver⸗ graben bleiben. Man überdeckt zu dem Ende das zerſtuͤckelte Aas in einer dafüͤr beſtimmten Grube mit fünf- bis ſechs— mal ſo viel Erde, nach 6 bis 8 Wochen laſſen ſich die thieriſchen Reſte mit der Erde zu einem ſehr kräftigen Com— poſt umarbeiten, wobei man die feſteren Knochen wieder zum beſonderen Gebrauche ausſcheiden kann. Aehnlich ver⸗ fährt man mit den Abfällen aus Schlachtereien. Kleine Hausthiere vergräbt man an die Wurzeln der Bäume. — Schwerz erzählt, daß man in Brabant die abgängigen Pferde auf ein Feld führt, ihnen hier eine Ader öffnet, und ſie verblutend herumführt, hernach das Fleiſch zerhackt und ebenfalls auf dem Felde zum baldigen Unterpflügen vertheilt. §. 430. Fiſche und Abfälle davon ſind ebenfalls ſehr wirkſam zur Düngung. In den Küſtengegenden ſind ſie zuweilen in ſo großer Menge und ſo billig zu haben, daß es ſich verlohnt, ſie zur Düngung zu verwenden. um Hamburg 3. B. ſollen die Häringe, wenn der Fang ungewöhnlich reichlich ausgefallen iſt, wagenvouweiſe zur Düngung verwendet werden. Nach Sprengel entſteht nach Fiſchdüngung gerne Roſt und Brand im Getreide. 5) Abfälle aus Zuckerſiedereien. §. 431. Dieſe beſtehen aus ausgenutzter Thierkohle mit — 213— Eiweiß, Kalk ꝛc. verbunden, dann häufig auch aus Reſten von Blut oder Milch. Sie ſind, wenn Blut oder Milch mitverwendet ward, äußerſt wirkſam, weniger wo man ſich keines dieſer Stoffe und hauptſaächlich nur der Thierkohle beim Naffiniren bedient. B. Mineraliſche Dungſtoffe. §. 432. Daß der Boden in ſeinen phyſiſchen Eigen⸗ ſchaften durch das Zumengen gewiſſer, ihm abgehender mineraliſcher Stoffe ſehr häufig weſentlich verändert und verbeſſert werden kann, wird von keinem Landwirthe in Abrede geſtellt. Dieſe Thatſache würde uns jedoch noch nicht genügend berechtigen, die zu jenem Zwecke dienenden Erdarten auch zu den eigentlichen Dungſtoffen zu zählen (§. 326.) Es kann aber ebenſo wenig in Abrede geſtellt werden, daß viele Mineralien mittel- oder unmittelbar einer Auflöſung im Waſſer oder durch Säuren fähig ſind, daß ſie oder ihre getrennten Grundbeſtandtheile mittel- oder unmittelbar mit organiſchen Stoffen, oder mit Gasarten, neue Verbindungen eingehen, und daß ſie in ſolchen Ver— bindungen oder auf andere Weiſe in größeren oder geringeren Mengen in die Pflanzen übergehen. Am allerwenigſten aber können die ausgezeichneten Erfolge in Abrede geſtellt werden, welche man, abgeſehen von der mechaniſchen Ver⸗ beſſerung des Bodens durch das Zumengen anderer Erdarten, von der Anwendung gewiſſer mineraliſcher Stoffe, die dem Boden einverleibt werden, bei dem darauf folgenden Pflanzen⸗ anbau längſt gewahrte und fortwährend hundertfältig wahr⸗ nimmt. Es bedarf auch keiner weiteren Rechtfertigung, wenn ſehr viele mineraliſche Stoffe im eigentlichen Sinne des Wortes(§. 327) als Dungmittel und zwar zum Theil als ſehr wichtige, angeführt werden. §. 433. Die wichtigeren mineraliſchen Dungſtoffe ſind: I. Gips und andere ſchwefelhaltige Mineralien. II. Gebrannter Kalk. III. Mergel und ungebrannter Kalk. IV. Lehm, Sand und andere Erden. V. Aſche und Ruß. VI. Verſchiedene Salze. Aſche und Ruß wurden ſonſt von mir, als Reſte verbrannter Vegetabilien, zu den vegetabiliſchen Dungmitteln gerechnet. Da ſie jedoch blos noch die mineraliſchen(unverbrennlichen) Reſte enthal⸗ ten, ſo dürfte die Zutheilung zu den mineraliſchen Düngern richtiger ſein. — I. Gips und andere schwekelhaltige Mineralien. 1) Gips. §. 434. Die Anwendung des ſchwefelſauren Kalks oder Gipſes zur Düngung hat ſo ziemlich zu gleicher Zeit mit der Verbreitung des Kleebau's begonnen und iſt ſeitdem immer allgemeiner geworden. Außer zu Klee und ähn⸗ lichen Futterkräutern wird er auch zu Hulſenfrüchten, Raps, Lein, Hafer und mehreren andern Gewächſen, ſo wie auf die Wieſen, verwendet. Pfarrer Mayer in Kupferzell hat ſich das anerkannt große Verdienſt um die erſte Verbreitung der Gipsdüngung erwor⸗ ben. Unterdeß iſt man in manchen Gegenden immer noch nicht im Reinen über die Wirkung und den Nutzen der Gipsdüngung, und fortwährend werden neue, beachtungswerthe Erfahrungen darüber gemacht, in welcher Beziehung beſonders Mecklenburg, und namentlich Pogge auf Ziersdorf, rühmlich zu erwähnen ſind. §. 435. Das Verfahren bei der Anwendung des Gipſes zur Düngung umfaßt hauptſächlich folgende Momente: Der in den Gipslagern(ſ.§. 62.) gebrochene Gips iſt, je nach⸗ dem er verſchiedene Nebenbeſtandtheile enthält, von ver— ſchiedener Qualität. Er wird auf eigenen Mühlen möglichſt fein gemahlen und theils in dieſem Zuſtande, theils auch als Bruchſtein, indem Landwirthe oder Händler mit dem Mahlapparate verſehen ſind, auch dahin als Handelswaare in große Entfernung verladen, wo ſich keine Gipslager finden. An manchen Orten wird er auch vor dem Mahlen gebrannt, wodurch er das damit verbundene Waſſer, und in Folge deſſen etwa 20 Procent am Gewichte verliert und ſich leichter verkleinern läßt, ſonſt aber nichts in Qualität gewinnt. Man ſtreut den Gips entweder mit der Saat, was jedoch nicht das gewöhnliche Verfahren iſt, oder nach— dem jene aufgegangen iſt und den Boden mehr oder weniger bedeckt hat. Am häufigſten wählt man zum Gipſen eine feuchte Witterung oder wartet wenigſtens eben vorausge— gangenen ſtarken Thau ab. Ausnahmsweiſe hat man auch mit Erfolg auf einen die jungen Pflanzen, namentlich Klee, noch bedeckenden Schnee gegipſt. Manche gipſen die junge Kleeſaat im Herbſte, Andere zu Ende des Winters; Viele erſt wenn die Vegetation im Frühjahre bereits ſich zeigt. Auch gipſte man mit beſonderem Erfolge zweimal, z. B. im Herbſt und Frühjahre; oder im Winter und Sommer. Heller, weißer Gips iſt in der Regel beſſer, als grauer oder bläulicher Bemerkenswerth iſt auch die künſtliche Gipsbereitung, welche bei den Vitriolwerken der Gräflich Salmſchen Güter in Böhmen aus der abfallenden Schwefelſäure und gebranntem Kalk im Großen ſtattfinden ſoll. §. 436. In Bezug auf Quantität iſt der Gebrauch ebenfalls ſehr verſchieden. In mehreren Gegenden, gewöhn⸗ lich da wo der Gips zugleich theuer iſt, hält man 90 bis 100 Pfund für den pr. Morgen ſchon hinreichend; an an⸗ dern Orten ſtreut man das Doppelte und Dreifache. Dem Maaße nach beträgt dieß von ¼ bis 2 ½ Scheffel auf den pr. Morgen. Daß die Qualität des Gipſes, ſo. wie der Umſtand, ob er durch's Brennen leichter geworden, hierbei mit in Rückſicht kom⸗ men, iſt leicht zu ermeſſen. — 216— §. 437. Die nach Maasgabe der aufgewendeten Quan⸗ tität und deren Koſten außerordentliche Wirkung des Gipſes iſt am allgemeinſten anerkannt bei den Kleearten und Hül⸗ ſenfrüchten. Sie iſt in vielen Gegenden ſo auffallend und entſchieden, daß man ohne die Anwendung dieſes Dung⸗ mittels den Kleebau nicht für ausführbar, oder doch für zu wenig ſicher und zu wenig lohnend erachtet. Andern Orts iſt der Erfolg minder bedeutend, und an manchen Stellen wendete man den Gips bis jetzt vergebens an. Es hat ſich derſelbe namentlich auf ſehr naß gelegenen Feldern und Wieſen in der Regel nicht bewährt. Auch auf ſehr humusarmem Boden iſt die Wirkung unbefriedigend, und wenig reicher Boden, welcher ſtets gegipſt und nicht mit organiſchen Dungſtoffen verſehen wird, verliert allmählig immer mehr an Kraft und der Gips ſchlägt dann immer weniger an. Endlich wirkt der Gips auch an manchen Stellen nicht, welche dem äußeren Verhalten nach wenig oder keine Verſchiedenheit von ſolchen Localitäten darbieten, in denen er ſich längſt bewährt hat. Die Urſache dieſer Erſcheinung iſt noch nicht vollſtändig ergruͤndet; es iſt aber zu vermuthen, daß in ſolchem Falle der Boden ſchon Gips enthält, oder doch andere Stoffe, welche ihn bei der Pflan⸗ zenvegetation erſetzen. Man hat an mehreren Orten in Mecklenburg gefunden, daß der Gips erſt wirkte, nachdem der Boden gemergelt worden war. Wahrſcheinlich fehlten dieſem Boden auſſer Gips nech mehrere andere wichtige Beſtandtheile, um Klee ꝛc. zu tragen, welche ihm erſt durch den Mergel gegeben wurden. Dieſer Fall, ſowie andere Fälle, wo ſich der Gips auch auf kalkhaltigem Boden wirkſam er⸗ wies, thun dar, daß man irrig geglaubt hat, daß der Kalk den Gips erſetze, oder dieſer auf kalkhaltigem Boden nicht wirke, was allerdings an einzelnen Orten, aber ſicher aus anderen urſachen, auch der Fall war. Weiter hat man in Mecklenburg die Erfahrung ge⸗ macht, daß, beſonders auf Wieſen und Weiden, erſt nach mehrmaliger Wiederholung des Gipſens ein befriedigender Erfolg eintrat. — 217— §. 438. Auſſer Boden und Beſchaffenheit des Gipſes hängt der Erfolg ſeiner Anwendung noch viel von der Wit⸗ terung ab. Fehlt es auf von Natur trocknem Boden nach dem Gipſen an Feuchtigkeit, ſo wird die Wirkung gering ſein, ſie wird aber in der Regel noch ſpäter, bei zugetre⸗ tener Feuchte, ſich zeigen. Auf feucht gelegenem Boden wird dagegen bei minderem Feuchtigkeits-Niederſchlag der Erfolg günſtiger ſein, als nach eingetretener naſſer Wit⸗ terung. In kalten Frühjahren und Sommern iſt ebenfalls die Wirkung vom Gipſe viel geringer, als in warmen, denen es nicht allzuſehr an Feuchtigkeit fehlt. §. 439. Beachtenswerth iſt ferner die Eigenſchaft des Gipſes, daß er da, wo der Boden nicht humusarm iſt, ſo ſtark auf den Krautwuchs der Hülſenfrüchte wirkt, daß dieſe zu wenig Schoten zur Reife bringen und fort und fort grünen und blühen. Man darf deßhalb in ſolchen Fällen nur wenig, zuweilen ſelbſt gar keinen Gips anwenden. Gegipste Erbſen kochen ſich auch nicht weich. §. 440. An mehreren Orten will man es ſehr nützlich erachtet haben, den Schafdünger in den Ställen von Zeit zu Zeit mit Gips zu überſtreuen, ſowohl damit der Dünger ſich weniger zerſetze, als weil man ihn dann äußerſt wirk— ſam fand. Ebenſo hat man das Streuen von Gips über den Schafpferch von mehreren Seiten ſehr gerühmt. Nach Sprengel iſt anzunehmen, daß die Schwefelſäure des Gipſes ſich mit dem Ammoniak des Schafdüngers raſch verbinde und daß dieſes ſchwefelſaure Ammoniak, da es ſehr leicht im Waſſer löslich ſei, auch ſehr raſch auf die Pflanzen wirke. §. 441. Die früheren Erklärungen von der Wirkung des Gipſes, wie namentlich daß er als ein ſogenanntes Reizmittel auf die Vegetation wirke, oder daß er die atmos⸗ phäriſchen Stoffe ſehr ſtark anziehe, ſind jetzt durch die gründlichen Unterſuchungen und Beobachtungen vieler Agri⸗ — 218— culturchemiker und Landwirthe als beſeitigt zu betrachten. Eine richtigere Erklärung iſt wohl die, daß der Schwefel ein auf die Vegetgtion vieler Pflanzen, namentlich der Leguminoſen, ſehr wirkſamer Stoff ſei, daß der Gips in 450 Theilen Waſſer löslich iſt und daß, ſobald dieſe Auf⸗ löſung im Waſſer eintritt, die Schwefelſäure des Gipſes, ſowie auch die Kalkerde, von den Pflanzenwurzeln direct oder in anderweiten Verbindungen(z. B. mit Ammoniab) aufgenommen werden kann. Wird damit die allgemeine Theorie der Pflanzenernährung, namentlich daß dieſe niemals auf einem einzigen Stoffe beruhen kann, zuſammen gehalten; ſo werden ſich die wichtigeren Thatſachen, welche bei der Gipsdüngung bis jetzt ſich ergeben haben, mit wenig Ausnahmen, einfach und richtig erklären laſſen. Nach Burger wirkten 200 Pf. Schwefel gleich 1000 Pf. Gips. 2) Schwefelhaltige Braunkohle. §. 442. Eine viel ſchwefelſaures Eiſen enthaltende Braunkohle findet ſich in mehreren Gegenden und man hat ſie, namentlich die pulverigen Abfälle an den Braunkohlen⸗ werken, zur Düngung, ähnlich wie den Gips, benutzt und gleichen oder noch größeren Vortheil davon erlangt. Das Maas und die Art der Anwendung muß ſich hauptſächlich nach dem Gehalte an Eiſenvitriol richten. Am meiſten Ruf hat die Oppelsdorfer Braunkohle in der Oberlauſitz, welche in der weiten Umgegend in allgemeinem Ge⸗ brauche ſteht. Sie enthält, nach Dr. Schmidt(ſ. Erdmann’'s Journal ꝛc. von 1839), von 19 bis 41 Procent Eiſenvitriol und außerdem auch noch Schwefelkies. Sie wird theils übergeſtreut, theils mit der Saat untergebracht, und nach Schweitzer wendet man im erſten Falle 5 Scheffel, im andern Falle das Doppelte p. pr. Morgen an. Auf dem Bergwerke zu Hof in Heſſen hat man die Braun⸗ kohlenabfälle in größerer Menge auf das Feld gebracht, mit Erde gedeckt, wie trockne Raſen gebrannt und dann den gebliebenen Reſt — 219— mit der Ackerkrume gemengt; der Erfolg von dieſer Art der An⸗ wendung ward ſehr gerühmt. An anderen Orten iſt die gute Wir⸗ kung von vitriolhaltiger Braunkohlenaſche längſt erprobt(ſ.§. 482.). 3) Andere ſchwefelhaltige Mineralien. §. 443. Ob und wo es ſich verlohne, reinen Eiſen— vitriol zur Düngung zu verwenden, iſt noch nicht beſtimmt ermittelt. Sicher aber werden mit Vorſicht angewendete geringe Mengen davon den Gips erſetzen können, denn dort wie hier iſt die Schwefelſäure das wirkende Princip. Sprengel rechnet 30 bis 40 Pfund p. Morgen, räth aber große Vorſicht bei der Vertheilung an, indem irgend ſtarke Quantitäten ätzend wirken und die Pflanzen zerſtören. Eine Verdünnung mit Waſſer oder Anwendung bei naſſer Wit⸗ terung dürfte wohl beſonders rathſam ſein(ſ. auch§. 399.). Auch ſagt Sprengel, daß auf ſehr humusreichem Boden der Eiſenvitriol ſtets nachtheilig wirke, auf Kalkboden aber am wenigſten zu be⸗ fürchten ſei. §. 444. Schwefel und namentlich Schwefelſäure ent⸗ haltende Erdarten oder Abfälle von techniſchen Productionen kommen noch verſchieden vor und verdienen ſtets der Be⸗ achtung und eine verſuchsweiſe Anwendung. Insbeſondere aber muß der ſchwefelhaltige Thonſchiefer noch ge— nannt werden, welcher in manchen Gegenden ſich häufig findet und der, ſobald er an der Luft zerfällt und ähnlich wie Mergel angewendet wird, ſehr lohnend wirkt. Auch kann ſchwefelſaures Kali und ſchwefelſaures Na⸗ tron bei chemiſchen Fabriken zuweilen ſo billig acquirirt werden, daß ſich deren Verwendung, in ohnedieß nur ſtatt⸗ hafter ſehr geringer Menge, lohnen muß. II. Gebrannter Kalk. §. 445. Der gebrannte oder Aetz⸗Kalk wird zur Dün⸗ gung ſehr häufig verwendet. Seine Wirkſamkeit beruht theils darauf, daß er in dieſem Zuſtande leichter in Waſſer — 220— köslich iſt, als ungebrannter Kalk, daß er alsdann ver⸗ ſchiedene weitere Verbindungen eingeht, in denen er für die Pflanzenwurzeln zur Aufnahme geeignet iſt; beſonders aber auch, weil er den ſauren Humus in milden verwandelt, die alten im Boden befindlichen Reſte von ſchwer auflös⸗ lichem Humus und anderen organiſchen Stoffen zerſetzt und ſomit in Thätigkeit bringt, auch auf höhere Orydation der Metalloxydule wirkt, wodurch ihre nachtheilige Einwirkung auf die Vegetabilien ausgeglichen wird; endlich weil er den gebundenen, kalten Boden lockert und überhaupt ſeine zu geringe Thätigkeit erhöht. Nebenbei kann der Kalk außer der gewöhnlich damit verbundenen Kieſel⸗ und Thonerde nebſt Eiſenoxyd auch etwas phosphorſauren Kalk oder kohlenſauren Talk enthalten, welche dann ihrerſeits noch beſonders bei der Anwendung mitwirken. Daß nach mehreren Vorgängen ein Kalk, der mit viel Bitterde verbunden war, im gebrannten Zuſtande nachtheilig(zu ätzend) wirkte, wurde§. 67 näher angedeutet. §. 446. Aus der vorzugsweiſe zerſetzenden, ſäuretil⸗ genden, lockernden und erregenden Wirkung der Kalkdüngung iſt zu ſchließen, daß ſie ganz vorzüglich für ſchweren, kalten, eiſenſchüſſigen, an Säure leidenden Boden, ſodann aber überhaupt für allen Boden paſſend iſt, welcher vielen ſchwer auflöslichen Humus, oder eine ſtarke Narbe, z. B. von Gras, Klee, Luzerne ꝛc. enthält, deren baldige Zerſtörung gewünſcht wird. Ferner empfiehlt ſich die Kalkdüngung vorzugsweiſe in kaltem, feuchtem Klima. §. 447. Schädlich oder wenigſtens von geringem Er⸗ folge iſt die Kalkdüngung auf abgemagertem Boden ohne Pflanzenreſte, auf an ſich ſtark kalkhaltigem oder an ſich ſehr aufgeſchloſſenem und thätigem(hitzigem) Boden; ſowie bei zu häufiger Wiederholung in großer Quantität, ohne Miſt⸗ düngung dazwiſchen aufzubringen. Auch auf ſehr naſſem Grunde, oder bei ſtarker Näſſe auf ſonſt geeigneten Boden aufgebracht bleibt der Kalk unwirkſam. — 221— Er wird im letzten Falle leicht zu Mörtel, welcher nachher unthätig im Boden liegt. §. 448. Die gewöhnliche Art, mit Kalk zu düngen, iſt, ihn vor der Saat mit der Krume zu vermengen. Man wählt zu dem Ende in der Regel eine ganze oder halbe Brache(z. B. nach Dreiſche, Klee ꝛc.) und fährt den Kalk bald nachdem er gebrannt worden auf das ſchon mehrmal geackerte Feld, zieht ihn in Häufchen ab, und deckt dieſe mit Erde oder noch beſſer mit Torfaſche oder Teichſchlamm, wenn man dergleichen haben kann. Dieſe Arbeit muß bei trocknem Wetter geſchehen; indeſſen iſt es gut, wenn es nach dem Ueberdecken etwas regnet, da das Zerfallen dadurch befördert wird. In Ermangelung des Regens nehme man die Gießkanne zu Hülfe. Die gänzliche Umwandlung in Mehl muß auf jeden Fall abgewartet werden; dann wird das Kalkmehl bei trocknem Wetter geſtreut und durch tüch⸗ tiges Eggen und flaches Pflügen möglichſt vollſtändig und raſch mit dem Boden vermiſcht. Bei Anwendung nicht großer Quantitäten dürfte das ſchichtweiſe Aufſetzen mit Erde noch zweckmäßiger ſein, welche Haufen man ſo lange ſitzen läßt, bis aller Kalk zerfallen iſt; alsdann werden ſie auf dem Felde möglichſt gleichmäßig vertheilt. Weniger empfehlenswerth iſt die Methode, wobei der Kalk in lange ſpitze Reihen aufgeſetzt und ſo lange mit Waſſer begoſſen wird, bis er ſich in Mehl verwandelt hat, das man alsdann mit Karren und Schaufeln auf dem Felde zu vertheilen ſucht. Das Streuen ſolchen Kalkmehls iſt ſehr beſchwerlich und bei Wind nicht vollkom⸗ men ausführbar; auch kann leicht zu ſtark begoſſen und dadurch die Wirkung des Kalks gemindert werden. Zur beſſeren Vertheilung im Boden dienen beſonders auch Erſtirpator und Dornegge. Zu Kartoffeln kann man Kalkmehl in mäßiger Quantität(etwa 10 Scheffel p-EMorgen) beim Legen mit in die Furche zu den Saamkartaffeln ſtreuen, und darf keine aͤtzende Einwirkung auf den Keim fürchten. — 222— §. 449. Man wendet, je nachdem der Boden mehr oder weniger vergraſt, verſäuert und gebunden iſt, 10 bis 30 pr. Schf. p. pr. Morgen und zuweilen noch mehr an. Es wird zu Winterfrucht, Hafer, Rüben, Raps und meh⸗ reren anderen Gewächſen gekalkt. Bälder als nach 6 Jahren darf das Kalken nicht wiederkehren, gewöhnlich aber kalkt man nur alle 9 bis 12 Jahre, und niemals ſollte eine Miſtdüngung in der Zwiſchenzeit fehlen. Der Boden, der Preis des Kalkes, der Nutzen, müſſen hier das Nähere an die Hand geben. Leider verbieten jetzt in vielen Gegenden die hohen Preiße des Kalks oder des Brennmaterials dazu die ſtärkere Ausdehnung der Kalkdüngung. Beſonders ſtark wird das Kalken in England getrieben, und hier ſollen Kalkungen bis zu 100 Ctr. p. Morgen vorkommen. Auch in einigen Theilen von Schleſien und mehreren andern Gegenden Deutſchlands bömmt das Kalken regelmäßig vor. §. 450. Da, wo man keinen Gips hat, wird der Kalk auch zum Ueberſtreuen auf Klee, Hulſenfruͤchte, Kar⸗ toffeln ꝛc. mit gutem Erfolge verwendet. Ferner erweiſet er ſich ſehr nutzbar auf ſauren, mooſigen, jedoch nicht ſehr naſſen Wieſen. Zum Ueberſtreuen nimmt man nicht mehr, als 2 ½ bis 5 Scheffel auf den pr. Morgen. Man be⸗ obachtet beim Ausſtreuen eine nicht anhaltend trockene Wit⸗ terung zu treffen. Ueber die Verwendung des Kalks zu Kompoſt ſ.§. 492. §. 451. Nebendem, daß man nach einer unter ange⸗ meſſenen Umſtänden angewendeten Kalkdüngung auf gleich hohen Ertrag, wie ſonſt nach einer guten Miſtdüngung, rechnen darf, wirkt eine ſolche Düngung insbeſondere auch auf beſſere, nahrhaftere Beſchaffenheit der Erzeugniſſe, läßt weniger Unkraut aufkommen und mindert ſchädliche Inſekten und Würmer. III. Mergel und ungebrannter Kall. §. 452. Was unter Mergel zu verſtehen ſei und welche — 223— verſchiedene Arten von Mergel es giebt, iſt im dritten Kapitel (§. 54 ff.) dargethan. Auch wurde die Wichtigkeit des Mergels als ein ſo weſentliches Mittel zu Erhöhung der Ertagsfähigkeit des Bodens dort bereits hervorgehoben. §. 453. Ueber die Art, wie der Mergel wirke, waren die Meinungen ſeither noch häufig getheilt; indeſſen läßt ſich ſchon aus dem bedeutenden Antheile von Kalk, den er enthält, ſchließen, daß er ſäuretilgend und auf die im Boden befindlichen organiſchen Stoffe auflöſend wirke. Eben ſo wohl aber läßt ſich aus der auf viele Erfahrungen begrün⸗ deten Thatſache, wornach auf die Mergelung, ohne Miſt⸗ düngung, eine Reihe guter Erndten erfolgte, ſchließen, daß der Mergel auch unmittelbar für die Gewächſe nährend ſei. Dieſe Anſicht erhält ihre volle Beſtätigung in den Ergeb— niſſen chemiſcher Analyſen ſehr vieler Mergelarten, indem man neben dem Kalke ſtets noch mehrere andere für die Pflanzenernährung wichtige Stoffe darin fand, als phos⸗ phorſauren Kalk, Gips, Talk, Salpeter, Kochſalz, und ſelbſt organiſche Reſte. Zugleich aber muß aus der ebenfalls auf Erfahrung beruhenden Thatſache, daß bei fortgeſetztem Mergeln, ohne zureichende Miſtdüngung, der Boden in ſeiner Ertragsfähigkeit mehr und mehr zurückgieng, wie⸗ der geſchloſſen werden, daß der Mergel die Düngung or⸗ ganiſchen Urſprungs nicht völlig erſetze. Daß endlich durch den Mergel, vorausgeſetzt, daß er für den gegebenen Boden nicht unpaſſend ſei, der Boden auch mechaniſch ver⸗ beſſert werde, liegt in der Natur der Sache. Ueberſehen aber möge man niemals, wo es ſich um näheren Betracht der Wirkung des Mergels handelt, daß dieſer in ſeinen Beſtandtheilen eine ſehr große Mannigfaltigkeit darbietet, und daß neben näherer Kenntniß jener Beſtandtheile eben ſo wohl die Beſtandtheile des Bodens, worauf er angewendet ward oder werden ſoll, gekannt und erwogen ſein müſſen. — 224— Ein nicht unbetraͤchtlicher Vortheil des Mergelns beſteht auch noch darin, daß er viele Unkräuter vertreibt, wie Ampfer, Wucher⸗ blume, Hederich. Die nach dem Mergel dagegen ſich gerne ein⸗ ſtellenden Unkräuter, wie Vogelwicke, Ackerwinde und andere, ſind weniger ſchädlich, als jene. §. 454. Schon in alter Zeit hat man gemergelt und in manchen Gegenden nie damit aufgehört, während man an andern Orten wieder davon zurückgekommen war; in der neuern Zeit iſt das Mergeln in Holſtein und Meck⸗ lenburg am ſtärkſten betrieben und von da aus auch in den angrenzenden Ländern immer mehr verbreitet worden. Schon Plinius ſpricht vom Mergel(merga) und beſchreibt das Verfahren der Nömer. Nach ihm hätten dieſe es von den Galliern und Brittaniern gelernt.— Am Niederrhein wird, nach Schwerz, ſchon ſeit lange gemergelt.— In den Weinthälern von Würtemberg wird ſchon ſeit länger als 100 Jahren ge⸗ mergelt(man nennt hier den Mergel Leberkies, rothen Boden; ſ. Sprenger über den Weinbau ꝛc.)— Im Hohenloh'ſchen iſt das Mergeln der Felder, nach Mayer, ebenfalls ſchon ſeit 100 Jahren im Gebrauch.— An manchen Orten von Schleſien mergelt man ſchon lange.— In Holſtein kam es im vorigen Jahrhundert durch Rixen zuerſt in Aufnahme.— a) Auffinden und Anlage der Mergelgrube. §. 455. Die Hauptanhaltspunkte zum Aufſuchen von Mergel haben wir aus der Geognoſie und Bodenkunde zu entnehmen. Außer den in der Bodenformatiou und den be⸗ reits vorhandenen Beiſpielen liegenden Andeutungen halten wir uns insbeſondere an die Pflanzen, welche kalkhaltigen Boden(untergrund) anzeigen, unterſuchen Berg⸗ und Hü⸗ gelabhänge, Ufer und Solen von Gräben und Bächen und nehmen da, wo wir irgend Anzeichen haben, den Spaten und Erdbohrer, ſowie die Säure zu Hülfe. Iſt endlich auf⸗ brauſende Erde gefunden, ſo ſtelle man wenigſtens inſoweit eine chemiſche Unterſuchung an, daß man den Kalk⸗, Thon⸗ und Sandgehalt daraus entnehmen kann. Liegt der Mergel — 225— tiefer als 6 höchſtens 8 Fuß, ſo iſt wohl in Betracht zu ziehen, ob die Gewinnung nicht zu ſchwierig und koſtſpielig werde. §. 456. Nachdem man ſich, in zweifelhaften Fällen auch noch durch im Kleinen vorher angeſtellte Verſuche, von der Brauchbarkeit des Mergels überzeugt, auch ſich vergewißert hat, daß die Koſten nach Maaßgabe des Er⸗ folgs nicht zu groß ſein werden, muß zuerſt der Abraum auf die Seite geſchafft, dann die Ein- und Ausfahrt be— quem angelegt und zugleich auf die Entfernung des ſich ſpäter anſammelnden Waſſers gedacht werden. Bei der Koſtenberechnung iſt beſonders die Entfernung zu be⸗ achten, denn wenn der Mergel nicht nahe bei den zu bemergelnden Grundſtücken ſich findet, ſo kommen die Koſten zu hoch. Bei dem Abraum denke man ſo weit thunlich auf ſpätere Wie⸗ derausfüllung der Mergelgrube. Zu Abführung des Waſſers braucht man, außer Gräben, öfters Waſſerſchnecken oder Pumpen, auch macht man zuweilen tiefere Gruben zum Sammeln des Waſſers. b) Verfahren bei und nach dem Aufbringen. §. 457. Da die Hauptkoſten der Mergelung im Auf— laden, dem Transporte und Verbreiten beſtehen, ſo muß man dabei auf zweckmäßige Einrichtung ſehr bedacht ſein. Man bedient ſich zu dem Ende meiſtens der Sturzkarren im Wechſel, hält auf zwei Karren nur einen Führer, und giebt das Aufladen und Verbreiten dem Karren nach in Accord. Zugleich iſt auf gleichmäßiges Auffahren zu ſehen. Neurer Zeit hat man in der Mark, da nämlich wo der Mergel nahe unter der Oberfläche des zu bemergelnden Fel⸗ des ſich findet, das Aus- und Aufbringen mit Handkarren ſehr vortheilhaft gefunden. Die Auflader müſſen gerade vollauf beſchäftigt ſein, daß ſie ſo viel laden, daß die ankommenden Karren blos umgeſpannt zu wer⸗ den brauchen. Einſpännige Karren ſollen 10 Cub. Fuß, zweiſpännige Pabſt Landwirthſchaft. I. 1. Zweite Auflage. 15 —:— —— — 226— 18 bis 20 Cub. Fuß faſſen.— Damit recht gleichmäßig aufgefahren werde, iſt es gut, bei jeder Reihe eine Stange zu geben, deren Länge die Entfernung der Haufen von einander bezeichnet, oder vorher die Stellen mit der Hacke markiren zu laſſen. §. 458. Man kann zwar zu jeder Jahreszeit mergeln, wo der Boden zu befahren iſt, am häufigſten geſchieht es jedoch entweder über Sommer, indem man die Brache oder Dreiſche mergelt, und Winterfrucht darnach baut; oder im Spätherbſt und Winter, ſo lange ſtarker Froſt das Los⸗ hacken des Mergels nicht zu ſehr erſchwert, entweder auch auf Brache, oder zu Erbſen, Kartoffeln ꝛc. Zuweilen bemergelt man auch über Winter Wieſen, Klee, oder ſelbſt Winterſaat und ſtreut ſobald der Mergel zerfallen iſt. Iſt es ein ſchwer zerfallender Mergel(Steinmergel), ſo iſt das Auf⸗ bringen über Winter beſonders räthlich; dennoch läßt ſich oft nicht Sommergetraide ꝛc. danach bringen, ſondern es muß Brache ein⸗ treten, damit Zeit zum völligen Zerfallen gelaſſen ſei. Das Aufbringen bei ſtarker Näſſe iſt um ſo mehr zu vermeiden, je thoniger der Mergel oder der zu bemergelnde Boden iſt; über⸗ haupt ſchlägt der Mergel, beſonders der thonige, weniger an, wenn die Grundſtücke, auf welche er gebracht wird, an Näſſe leiden und nicht vorher trocken gelegt werden. Wenn man bei nicht ſtarkem Froſte mergelt, ſo verhütet man durch Zudecken der Mergelgrube am Abend das Gefrieren des Mer⸗ gels über Nacht. §. 459. Die aufzubringende Menge hängt von der Beſchaffenheit des Bodens und des Mergels ab. Zum An⸗ halten dient hierbei, daß um ſo weniger erforderlich iſt, je mehr Kalk und andere wirkſame Stoffe der Mergel ent⸗ hält,— daß Thonboden eine größere Menge Kalk erfor⸗ dert und verträgt, als Sandboden,— daß der ſandhaltige Mergel, beſonders der raſch zerfallende und feinpulverige, wenn er auch nicht ſehr viel Kalk enthält, ſchneller wirkt, als der thonhaltige, oder von Natur feſtere, daß man daher von jenem, ſowie vom Kalkmergel, auf ſtark ſandhaltigen — 227— Boden bei weitem nicht ſo viel, als auf thonigen Boden bringen ſoll, während man den Thonmergel auf den Sand⸗ boden ſtark auffahren darf und auf thonigen Boden ſtark auffahren muß, wenn er wirken ſoll;— endlich daß fruchtbare Felder ſchwächer als mager gemergelt werden ſollen. §. 460. Eine ſchwache Mergelung iſt 60 Karren zu 10 Cub. Fuß auf den pr. Morgen; eine mittelſtarke und gewöhnliche 90 bis 120 Karren auf den Morgen. Es giebt aber auch Fälle, wo man das Doppelte und noch mehr auffährt. Die Angaben über die Quantität ſind höchſt verſchieden, was aus den vorhin angegebenen Gründen ſich ermeſſen läßt. Näheres in Schwerz's Ackerbau, Mayer's Landwirthſchaft(Nürnberg 1788); Jverſens gekrönter Preisſchrift über den Mergel, abgedruckt in der Schnee'ſchen landwirthſchaftlichen Zeitung von 1829; Gerke's landwirthſchaftl. Erfahrungen 1. Bd.; Koppe's Anleitung in der Landwirthſchaft 2. Bd. Bei einer Mergelung von circa 100 Kl. auf den Morgen wird der Boden beinahe ½ Zoll dick mit Mergel verſehen. Nimmt man hierbei an, daß der Mergel 10 Procent Kalk enthielt, ſo berechnet ſich auf eine Ackerkrume von ½ Fuß die Kalkbeimengung hiernach auf 0,7 Procent. Es kann zwar eine ſtärkere Mergelung einen etwas größeren und nachhaltigeren Erfolg bewirken; wenn man aber die Koſten be— rückſichtigt, ſo wird man ſich doch in der Regel beſſer ſtehen, nur eine ſo ſtarke Mergelung vorzunehmen, als zu einem befriedigenden Erfolge ſich nöthig erweiſet, wenn auch eine Wiederholung der Mergelung dann früher erforderlich wird. §. 461. Je mehr der Mergel vor dem Unterbringen gepulvert iſt und je vollkommener er mit der Krume ver⸗ mengt wird, um ſo beſſer iſt es. Man ſtreut ihn zu dem Ende, nachdem er ſchon möglichſt zerfallen iſt, läßt ihn zum beſſern Zerfallen im Nothfall nach dem Streuen noch einige Zeit liegen, walzt, eggt wieder auf und walzt er— forderlichen Falls noch einmal und pflügt ihn dann flach unter. Hierauf muß wo möglich noch ein- oder mehrmal 15* — 228— gepfluͤgt und dazwiſchen geeggt werden. Zu all dieſen Ar⸗ beiten, beſonders zu den erſteren, iſt trockenes Wetter ab⸗ zuwarten; dazwiſchen fallender Regen iſt indeß der zu Grund liegenden Abſicht förderlich. In den erſten Jahren nach dem Mergeln ſoll man nicht tief pflügen, da der Mergel ohnedies die Neigung hat, ſich immer tiefer hinunter zu ſenken. Daß man den Mergel vor dem Aufbringen auf den Acker oder nachher ſehr lange liegen laſſen müſſe, wie von manchen Landwir⸗ then vorgeſchrieben wird, gilt nur vom ſchwer zerfallenden Stein⸗ mergel und allenfalls von aus dem Waſſer gebrachten Mergel. c) Wirkung und Dauer des Erfolgs von der Mergelung. §. 462. Die auffallendſte Wirkung leiſtet das Mergeln auf Boden vom Sand bis zum Lehm, der an ſich keinen Kalk enthält; viel größer iſt die Wirkung, wenn ſolcher Boden zugleich nicht arm an unthätigem(kohligem ꝛc.) Humus iſt, wobei er gewöhnlich auch an Säure leidet. Auf kalkloſem Thonboden wirkt ein mehr ſand- und kalk⸗ haltiger Mergel ebenfalls ſehr günſtig. Auf einem von Natur fruchtbaren Boden iſt die Wirkung nicht ſo bedeutend, als auf einem Boden von geringerer Qualität; am geringſten iſt die Wirkung auf ſtark kalkhaltigem Boden. Uebrigens kann auch auf Kalkboden unter Umſtänden das Mer⸗ geln noch lohnend ſein, z. B. wenn der Mergel, abgeſehen vom Kalke, viele ſolche Beſtandtheile enthält, welche jenem Boden ab⸗ gehen, aber nützlich ſind. Daß man auf Thonboden nur Kalk- und Sandmergel und auf Sandboden nur Thon- und Lehmmergel anwenden dürfe, hat man oft vorgeſchrieben; wenn man indeſſen bei dem erſteren Boden nur Thon⸗ oder Lehmmergel hat, ſo kann man davon bei Anwendung einer größeren Quantität immer noch Vortheil ziehen, ſo gut als bei Sandboden von ſtarkkalkhaltigem Mergel, indem man davon verhält⸗ nißmäßig weniger aufbringt. Und daß ein guter Sandmergel auf Sand⸗ boden vortrefflich wirken könne, hat längſt die Erfahrung dargethan. Auf moorigen Wieſen wirkt hauptſächlich Sand- und Kalkmergel. — 229— §. 463. Faſt alle Gewächſe, welche der Localität an⸗ gemeſſen ſind, gedeihen nach dem Mergeln, namentlich Hafer, Gerſte, Weitzen(Spelz), Erbſen, Raps, Kleearten, Gräſer, Rüben, Roggen ꝛc, War der Mergel paſſend und wurde zweckmäßig verfahren, ſo kann ein Mehrertrag über die Hälfte des vorherigen Ertrags durch die Mergelung erreicht werden; Boden, der vorher kaum Hafer trug, trägt nun Gerſte und Klee; wo nur Roggen als Winterfrucht gedieh, kann nun oft Weitzen gebaut werden u. ſ. w. Wenn auch in den meiſten Fällen die Ertragsfähigkeit des gemergelten Landes nach und nach, auch bei ſonſt richtiger Behandlung (ſ.§. 465) wieder mehr oder weniger ſinkt, ſo bleibt ſie doch in der Regel um ein Bedeutendes höher ſtehen, als ſie vor dem Mergeln ſtand. In Mecklenburg und Holſtein nimmt man an, daß die nach jener Abnahme ſtehen bleibende Ertragsfähigkeit im Durchſchnitt 25% höher ſei, als ſolche vor dem Mergeln war(ſ. Monatsblatt der märk. ökon. Geſellſchaft von 1840.) §. 464. Wie lange die Mergelung wirkt, hängt von der Qualität und Quantität des Mergels, von der Boden⸗ art und Saatenfolge ab: Thonmergel hält länger an, als Sandmergel; in Sandboden iſt die Kraft bälder erſchöpft, als in Thonboden; bälder natürlich nach ſchwacher als nach ſtarker Mergelung; bälder auch bei angreifender und keine Ruhe geſtattender Fruchtfolge. Man rechnet darum 10 bis 20, ja zuweilen 30 Jahre und darüber. Am ſchwierigſten aber iſt zu beſtimmen, wenn der Zeitpunkt gekommen ſei, die Mergelung zu wiederholen und deren Wirkung in dieſem Falle vorher zu ermeſſen. Allgemeines läßt ſich bis jetzt gar nicht mit Beſtimmtheit dafuͤr angeben. Als ein Zeichen, daß eine wiederholte Mergelung am Platze ſei, betrachtet man das Wiedererſcheinen dem Ampfers(Bumen) und der⸗ gleichen, welche ſaure Pflanzen nach der erſten Mergelung verſchwunden waren. Es giebt ſehr viele Beiſpiele, welche darthun, daß bei nicht lange dauernder Wirkung der erſten Mergelung die Wiederholung ein⸗ und mehrmal gleich gut wie das erſte Mergeln wirkte; wie⸗ derum giebt es viele Beiſpiele, wonach die Erfolge der erſten Mer⸗ gelung eine lange Reihe von Jahren gleich gut blieben, alſo eine Wiederholung nicht erforderlich ſein konnte. Andere Beiſpiele thun dagegen wieder dar, daß eine wiederholte Mergelung nicht wirkte, obgleich ein Sinken der Ertragsfähigkeit des Bodens im Vergleiche zur erſten Zeit nach der Mergelung augenfällig war. Wie verſchieden die Erfahrungen und Anſichten in den eben ge— dachten Beziehungen ſeien, beweiſen folgende Beiſpiele: In Selchow in der Mark iſt nach Schneider(Monatsblatt der märkiſch⸗öko⸗ nomiſchen Geſellſchaft 1829) Sandboden in 24 Jahren ſchon drei⸗ und viermal mit gleich gutem Erfolge gemergelt worden(Lehmmergel und nur 20 vierſpännige Fuder auf den Morgen.) Iverſen(in der angeführten Preisſchrift) findet im 4. Saatenumlauf einer ſie⸗ benſchlägigen Koppelwirthſchaft, alſo nach dem 21. Jahre noch keine Abnahme(ſtarke Mergelung, Mittelboden).„Die längſte Erfahrung über den Erfolg des Lehmmergels, ſagt Koppe, haben die Ein⸗ wohner der Proetzer Propſtei in Holſtein, welche jetzt 60 Jahre hinausreicht.“ In Mecklenburg und Pommern liegen zahlreiche Er⸗ fahrungen der neueren Zeit vor, wonach eine wiederholte Mergelung nicht wirkte. Daß nur dann belehrende und gründliche Reſultate gewonnen werden können, wenn die Beſtandtheile und die Ertragsfähigkeit des Bodens vor der Mergelung genau ermittelt waren; wenn ſodann die Abnahme der Ertragsfähigkeit und die Beſtandtheile des Bodens vor Wiederholung der Mergelung wieder genau nachgewieſen ſind, und wenn auch der jedesmal angewendete Mergel genau analiſirt war,— iſt leicht einzuſehen. Bei der dieſem Gegenſtande in Nord⸗ deutſchland dermalen zugewandten großen Aufmerkſamkeit kann es nicht ausbleiben, daß auch über dieſen noch ſo wenig aufgeklärten Punkt bald mehr Licht gewonnen werden wird. §. 465. Die Urſache, daß die Ertragsfähigkeit, des gemergelten Bodens immer tiefer ſank, mag wohl häufig in dem Umſtande zu ſuchen geweſen ſein, weil man die Düngerproduction unter dem Bedarf für die dem Boden — 231— zugemuthete Pflanzenproduction zurückbleiben ließ, und über⸗ haupt eine zureichende Düngung mit thieriſch⸗vegetabiliſchen Stoffen nicht gegeben ward. Hierauf muß deßhalb die Aufmerkſamkeit des Mergelwerths beſonders gerichtet ſein. Eben deßhalb bleibt auch die nach der Mergelung beobachtete Fruchtfolge von großer Wichtigkeit. Wenn man nach der Mergelung Raps und andere Gewächſe baut, welche ſehr reichliche Düngung ertragen, ſo iſt es ganz am Platze, neben und mit dem Mergel zugleich Miſtdüngung zu geben. Zu Getreide und Hülſenfrüchten unterbleibt dagegen in der Regel in erſter Tracht die Miſtdüngung. d) Anwendung der Kreide und anderen kohlenſauren Kalks. §. 466. Die Kreide kömmt zuweilen in weicher, zer⸗ fallender Beſchaffenheit vor, und in dieſer Geſtalt wird ſie in der Regel mit ähnlichem Erfolge wie Kalkmergel ange⸗ wendet werden. Man bedarf alsdann noch eine geringere Quantität davon, als von dieſem. §. 467. Endlich kann man da, wo die Straßen aus Kalkſteinen gebaut ſind, den in Menge ſich darbietenden ſtaubartigen Abraum davon ebenfalls zur Verbeſſerung des nicht kalkhaltigen Bodens verwenden. Dieſe Subſtanz enthält überdieß verſchiedene andere düngende Theile. IV. LCehm und andere Erden. §. 468. Gleichwie dem Mergel muß auch noch andern Erdarten eine düngende Wirkung zugeſtanden werden, wenn ſie auch ſelten ſo eminent iſt, wie bei jenem. Denn ſobald eine Erdart von den anerkannt für die Pflanzenvegetation wichtigeren Beſtandtheilen in beträchtlicher Menge enthält, jene Beſtandtheile aber gerade dem betreffenden Boden ab⸗ gehen, ſo wird ſich eine gute Wirkung von ſolcher Erdart erwarten laſſen, vorausgeſetzt, daß ihr nicht zugleich andere Beſtandtheile beiwohnen, die wieder nachtheilig wirken können. —— — 232— In der Regel iſt es aber mehr noch eine mechaniſche und dauernde Bodenverbeſſerung, welche man durch Aufbringung weder wurzeliger noch humushaltiger Erdarten bezweckt, als eine Bereicherung des Bodens an verzehrbaren mineraliſchen Stoffen. Oder es ſind die letzteren doch in ſo geringer Menge vorhanden, daß nur große Quantitäten aufgebrachter Erde wirken, welche zugleich eine phyſiſche Veränderung im Zuſtande des Bodens mit ſich bringen. §. 469. Vor Allem iſt es der Lehm, welcher ſich häuftg mit Vortheil anwenden läßt und zwar der gebundenere jedoch noch gerne zerfallende, für ſandigen, der mehr ſandige für thonigen Boden. Es hat dieſe Erdart den Vorzug, daß ſie manche andere wichtige mineraliſche Beſtandtheile enthält und daß ihre Mengung mit dem betreffenden Boden ſehr erleichtert iſt. Daß aber je nach ihren Beſtandtheilen, z. B. ob ſie etwas Kalk, Gips, Talk ꝛc. enthält, ihr Werth höchſt verſchieden ſei, und daß es auch Lehm gibt, womit man den Acker verderben kann, wie namentlich ſtark eiſen— ſchüſſiger, iſt leicht einzuſehen. §. 460. Eigentlicher Thon, wenn er ſonſt nicht ſehr ſchlechter Art, ſollte zwar beſonders geeignet ſein, den loſen Sandboden zu beſſern und man wird davon weniger, als vom Lehm nöthig haben. Iſt man aber auch ſo glüͤcklich, thonige Erde in der Nähe des Sandes zu finden, ſo bietet die ſo nothwendige innige Mengung häufig große Schwierigkeit dar, wenn der Thon nicht etwas kalk⸗ oder ſandhaltig und wenigſtens über Winter, bei Vertheilung in immer kleinere Maſſen, zum gänzlichen Zerfallen zu bringen iſt. Ehe dieſes erreicht iſt, darf aber nicht zum Mengen mittelſt fleißigen Eggens, Erſtirpirens und flachen Pflügens geſchritten wer⸗ den. Kann übrigens der Thon über Winter auf Weide⸗ ſandland gebracht, möglichſt vertheilt und das Land über — 233— Sommer noch zur Weide benutzt werden, ſo wird auf die einfachſte Weiſe die Mengung erreicht. Ueber Anwendung von gebranntem Thon und Lehm ſ.§. 508. §. 471. Aehnliche Bewandniß hat es, wenn man Sand auf Thon anwendet. Doch iſt die Mengung wie im umgekehrten Falle und ſogar noch ſicherer zu erreichen, wenn der Sand auf das zur Weide niederliegende Land im Winter aufgebracht und dieſes erſt im Sommer aufge⸗ brochen und anfänglich ſehr flach bearbeitet wird. Aber auch im Herbſte gut aufgepflügter, im Winter mit Sand befahrner Thonboden, läßt ſich im Laufe des Frühjahres mit dem Sande durch Eggen ꝛc. mengen, wenn der Moment richtig benutzt wird. Iſt der Sand zugleich kalkhaltig, ſo wird begreiflich ſein Werth zur Anwendung auf Thon— boden ſehr erhöht. Die größte Wirkung aber äußertz der Sand auf ſauren Humusboden, namentlich auf Moor⸗ und Torfboden, wenn er in genügender Menge aufge— bracht wird. Er gibt dieſem Boden die ſo ſehr man—⸗ gelnden mineraliſchen Beſtandtheile, trägt zu ſeiner Ent— ſäuerung und größeren Conſiſtenz bei, wodurch die Ertrags⸗ fähigkeit eines ſolchen Bodens außerordentlich gehoben wird. Näheres hierüber bei der urbarmachung und beim Wieſenbau. §. 472. Was die Quantität der in eben gedachten Fällen aufzubringenden Erdarten anbelangt, ſo muß ſolche in der Regel groß ſein. Wenn z. B. 1000 Cubikfuß Mergel p. Morgen häufig ſchon hinreichen, ſo mag leicht das Drei⸗ fache nöthig ſein, wenn Thon auf Sand eine befriedigende Wirkung thun ſoll, und das vier- bis fünffache, wenn Sand oder Lehm auf eine dazu geeignete Bodenart verwendet werden ſollen. Es kann übrigens zweckmäßig ſein, Anfangs nur die Hälfte und in einem ſpäteren Jahre die zweite Hälfte der im Ganzen aufzubringenden Quantität zu verwenden. — 234— §. 473. Das erſte Bedürfniß Behufs einer ſolchen Bodenverbeſſerung iſt, daß die aufzubringende Erde ganz in der Nähe ſich finde, und daß die anzuwendenden Koſten mit dem zu erzielenden Erfolge im Verhältniß ſtehen. Nicht ſelten findet ſich die zur Verbeſſerung geeignete Erde im Untergrunde und nur Mangel an Aufmerkſamkeit und In⸗ telligenz iſt die Urſache, daß deren Anwendung bis jetzt unterblieb. Zuweilen iſt eine Mengung des nahen Untergrundes mit der Oberkrume mittelſt Rajolpflug oder Pflugſpaten möglich. §. 474. Außerdem kann durch mit Ueberlegung vor⸗ genommenes Ab- und Aufbringen des Bodens von einer Stelle der Grundſtücke zur andern fortwährend auf Ver⸗ beſſerung des Ganzen gewirkt werden. Dahin gehört das jeweilige Abſtechen der unteren Ränder der abhängig ge⸗ legenen Felder und Hinſchaffen des Abgehobenen auf die mageren Höhen, das Abheben der Anwanden ꝛc. Auch die Anlegung von ſogenannten Schlammgruben oder Erd⸗ fängen bei abhängig gelegenen Feldern und das jeweilige Ausfahren derſelben gehört zu den Mitteln, deren ſich ein aufmerkſamer Landwirth bedient um die Ertragsfähigkeit ſeiner Felder zu mehren. Durch Anwendung der Erde zur Einſtreu(§. 363) zu Compoſt (§. 491) ꝛc. wird nebenbei immer auch auf Beſſerung der Krume mittelſt mineraliſcher Stoffe gewirkt. V. Asche und Russ. §. 475. Die verſchiedenen Aſchenarten, als von Holz und anderen Vegetabilien, von Torf, Braun- und Stein⸗ kohlen ꝛc. enthalten, nebſt dem Ruße, ſehr verſchiedene mine⸗ raliſche Beſtandtheile; daher iſt auch ihr Werth als Dung⸗ material von ſehr großer Verſchiedenheit und jede Hauptart muß hier für ſich betrachtet werden. — 235— 1) Holzaſche. §. 476. Die Aſche der gewöhnlich zum Brennen be⸗ nutzt werdenden Holzarten enthält viel Kali und Kalk, auch beträchtlich Gips, Talk, Natron, Eiſen und Manganoxyd, nebſt anderen Salzen und Erdarten, und da ein großer Theil dieſer Stoffe ſchnell löslich im Waſſer und ungemein wirkſam auf die Vegetation der Gewächſe beſonders der Leguminoſen iſt; ſo erklärt ſich der große Effect, der durch ſcheinbar kleine Quantitäten von Aſche hervorgebracht wird. Theilweiſe iſt dieſer große Effect auch begründet in der Eigenſchaft jener Beſtandtheile, den ſauren und kohlenartigen Humus in Thätigkeit zu ſetzen. Es iſt jedoch unter den Aſchen der gewöhnlichen Brennholzarten wieder ein großer Unterſchied: die Aſche von Buchen, Ulmen und Eſchen enthält mehr Kali, Gips ꝛc. und iſt deßhalb mehr werth, als die von Eichen; noch weniger Kali, aber um ſo viel mehr Metalloxyde enthält die Nadelholzaſche, welche wieder unter der Eichenaſche ſteht. Größeren Werth noch als die Buchenaſche hat die Aſche von Kartoffel und Rapsſtroh u. dgl. Wegen ihres Werths zu techniſchen Zwecken und zur Fertigung der Lauge zum Waſchen werden die beſten Aſchenarten ſelten im Größeren zum Düngen verwendet. §. 477. Die zur Düngung beſtimmte Holzaſche wird in der Regel am vortheilhafteſten zum Streuen auf Wieſen und Weiden, oder über Klee verwendet. Bei ſauren oder mooſigen Wieſen iſt es zweckmäßig, gebrannten Kalk, bei beſſerem Graswuchſe und Klee— Gips zuzuſetzen. Man ſtreut von 1½ bis 5 pr. Scheffel auf den pr. Morgen. Die Wirkung davon gränzt zuweilen ans Wunderbare, in⸗ dem die ſchönſten Klee⸗ und Weidenarten und dieſen ver⸗ wandte Pflanzen in üppigem Wuchſe erſcheinen, wo vorher nichts davon zu ſehen war. In größerer Quantität ange⸗ wendet; 5 bis 10 Scheffel p. Morgen, kann man die Holz⸗ — 236— aſche auch mit der Saat eineggen; es kann dieß namentlich, mit oder ohne zugeſetztes Kalkmehl, zu Raps ſehr zweck⸗ mäßig ſein. 2) Ausgelaugte Aſche. §. 478. Der ſogenannte Aſcher oder Aeſcherich, wie er von den Seifenſiedern, Bleichern, beim Waſchen, in den Potaſcheſiedereien ꝛc. gewonnen wird, enthält nur noch ſchwache Reſte von Kali und Salzen, daher er dem Maaße nach von geringerer Wirkſamkeit iſt, als die unausgelaugte Aſche. Durch die größere Menge wird aber der Mangel an jenen ſehr auflöslichen Stoffen erſetzt, zu deren Anwen— dung man um ſo mehr berechtigt iſt, da der Preiß auch ein weit geringerer iſt. Auch iſt die Wirkſamkeit bei der Anwendung größerer Quantitäten von Aeſcherich länger dauernd, als die von einer kleinen Quantität Aſche, welche meiſt nur ein Jahr anhält. Die Qualität des Aſchers iſt übrigens auch verſchieden; von den Seifenſiedereien, welche Holzaſche gebrauchen, iſt er z. B. wegen beiwohnenden Kalks und einiger thieriſchen Reſte weit beſſer, als von den Potaſcheſiedereien. Neuerer Zeit verwendet man jedoch in den Seifenſiedereien meiſtens Soda, und es fällt nur der ausgelaugte Aſchkalk ab, welcher weit geringeren Werth hat. §. 479. Der Aeſcherich eignet ſich ganz vorzüglich für kalten, zu wenig thätigen Boden, daher man in Ge⸗ birgsgegenden ihn beſonders als Dungmittel hochgeſchätzt findet. Man verwendet von 15 bis zu 36 Scheffel, oder 20 bis 50 Centner, auf den pr. Morgen, indem man ihn vor der Saat mit der oberen Krume flach mengt. Beſon⸗ ders zweckmäßig wird dieſes Dungmittel nach Dreiſcht ver⸗ wendet, und Hafer wie Roggen, auch Kartoffeln, gedeihen vorzuglich danach. Man ſtreut es aber auch über Klee und Wieſen. Man richtet ſich bei Beſtimmung der Quantität theils nach dem Boden, indem man in beſſerem Clima und auf leichten Boden — 237— weniger, in kaltem Clima und auf kalten ſchweren Boden moͤglichſt viel anwendet; theils berückſichtigt man auch den Anſchaffungspreiß. Nicht zu überſehen bleibt, daß auch der Aeſcherich auf die Dauer den thieriſch-vegetabiliſchen Dung nicht völlig zu erſetzen fähig iſt. 3) Torfaſcche. §. 480. Die Torfaſche enthält in großer Quantität Kieſelerde(oft viel über die Hälfte), meiſtens auch viel Eiſenoxyd oder Oxydul, mehr oder weniger mit Phosphor⸗ ſäure verbunden; dann enthält ſie meiſtens auch in beträcht⸗ lichem Verhältniſſe, Kalk, Talk, auch Gips und Thon kommen meiſtens und oft nicht unbeträchtlich darin vor; an Kali aber ſo viel wie nichts. Die Verſchiedenheit in der Qualität iſt je nach den Beſtandtheilen ſehr groß, ja zuweilen geht ihr aller Werth ab. Je mehr Kieſelerde und Eiſen, zumal wenig orydioles oder phosphorſaures, um ſo ſchlechter, je mehr Kalk, Gips ꝛc. ſie enthält um ſo beſſer iſt ſie. Immer iſt der Werth der Torfaſche viel geringer, als der von der Holzaſche. §. 481. Die beſſere Torfaſche wird zum Streuen auf Wieſen(mehr ſauer, feuchte), Klee, Hülſenfrüchte, Raps, Lein ꝛc. verwendet; auch kann ſie nach Brache vor der Saat geſtreut und mit eingeeggt werden. Man nimmt 10 bis 24 Scheffel p. pr. Morgen. Für trockenen, warmen Boden, zumal wenn er kalkhaltig, oder ſehr humusarm iſt, eignet ſich die Torfaſche am wenigſten oder ſelbſt gar nicht. Da ihre Wirkung hauptſächlich auf dem Antheile an Kalk und Gips beruht, ſo iſt dieſelbe aus der Lehre über dieſe beiden Dungſtoffe leicht zu abſtrahiren. Wo man Gelegenheit haben kann, die Torfaſche, zumal die der geringeren Qualität, mit Jauche öfters begießen zu können, bevor man ſie zum Streuen auf Wieſen ꝛc. verwendet, wird man in jeder Beziehung gut und ſicher fahren. Eben ſo empfiehlt ſich die An— — 238— wendung mit Aetzkalk, womit ſie Behufs des Zerfallens des letzteren zuſammen geſetzt wird(ſ.§. 448.). 4) Braunkohlenaſche. §. 482. Nur wo die Braunkohle ſchwefelhaltig iſt, kann aus deren Aſche ein wirkſamer Mineraldünger erhal⸗ ten werden(ſ.§. 442.). Häufig beſteht aber die Braun⸗ kohlenaſche nur aus Kieſelerde, Thonerde und Eiſenoxyd und hat alsdann keinen Düngerwerth. Wo ſich dergleichen Aſche nicht wirkſam erwieß oder wo man darüber in Zweifel iſt, wird eine chemiſche Unterſuchung bald Auf⸗ ſchluß geben. 5) Steinkohlenaſche. §. 483. Die Steinkohlenaſche enthält zuweilen beträcht⸗ lich Gips oder ſchwefelſaures Eiſen, oder beides, und wird alsdann ſowohl zum Ueberſtreuen, als wie zum flachen unterpflugen, zu 15 bis 25 Scheffel per pr. Morgen, mit Erfolg verwendet. Die vorherige Mengung mit anderen Düngſtoffen, wie Oelkuchen, Jauche, Taubenmiſt, iſt ſehr zu empfehlen. Viele Steinkohlenaſche iſt aber auch ohne allen Düngerwerth. 6) Ruß. §. 484. Die ſehr kräftige Wirkung des Ofenrußes iſt üͤberall bekannt. Sie beruht auf ſeinen im Waſſer größ⸗ tentheils ſehr leicht löslichen Beſtandtheilen, als eſſigſaure Kalkerde, eſſigſaures Kali, Ammoniak, kohlige, ölige und humoſe Stoffe ꝛc. Man ſtreut ihn zu 6 bis 12 Scheffel (5 bis 10 Centner) p. Morgen über Saaten, Klee, Wie⸗ ſen ꝛc., und bleibt blos zu bedauern, daß in der Regel nur kleine Quantitäten davon zu haben ſind. Bei ſehr trocknem Wetter darf der Ruß nicht auf die Saaten geſtreut werden. — 239— VI. Verschiedene Salze. §. 485. Den meiſten, der im Waſſer löslichen Salze wohnt ein fuͤr die Pflanzenvegetation düngendes Princip bei (ſ.§. 326.) und die anerkannt wirkſamſten Düngerarten enthalten ſtets auch mehrere jener Salze. Es darf deßhalb auch keinem Zweiſel unterliegen, daß die Anwendung ver⸗ ſchiedener Salze, neben anderen organiſchen und mine⸗ raliſchen Stoffen und im richtigen Verhältniſſe, in vielen Fällen von Erfolg ſein muß. Es kann hier jedoch nur von ſolchen Stoffen die Rede ſein, welche in der Erfahrung, wenn auch nur einzeln, ſich ſchon bewährten und deren Anſchaffung nicht durch einen zu hohen Preiß überall als unthunlich zu erachten iſt. Es ſind dieß, außer den§§. 442. ff. ſchon angefuͤhrten mit Schwefelſäure gebundenen Stoffen, hauptſächlich: Kochſalz, Mutterlauge und zuſammengeſetzter Salzdünger(Dungſalz). Man vergleiche auch das§. 74 ff. Geſagte. 1) Kochſalz. §. 486. Von der Anwendung des Kochſalzes zur Dün⸗ gung will man ſchon häufig bedeutenden Erfolg gehabt haben, namentlich rühmen dieß die Engländer. Gewiß iſt, daß da wo etwas Kochſalz in den Boden kam, und es an den anderen Pflanzennahrungsſtoffen nicht zu ſehr mangelt, die Pflanzen dadurch kräftiger, nahrhafter, dem Vieh nament⸗ lich angenehmer und gedeihlicher werden. Zugleich wirkt es auf Vertilgung mancher Unkräuter, wie der Mooſe, und auch ſchädliche Thiere, wie Schnecken ꝛc. Endlich hält es den Boden auch feuchter, und ſelbſt der Froſt ſoll nach der Salzdüngung nicht ſo leicht ſchaden. Das Kochſalz ſoll beſonders günſtig auf Gras, Flachs, Hopfen, Bohnen ꝛc. wirken. Man vergl. Johnſon, über die Anwendung des Kochſalzes, Leipzig 1825; Sinclär, Grundgeſetze ꝛc. — 240— §. 487. Man ſoll das Dungſalz entweder kurz vor der Saat ſtreuen und damit eineggen, oder vorher mit Stallmiſt oder Compoſt mengen und ſitzen laſſen. Die letz⸗ tere Methode oder vielleicht noch beſſer: von Zeit zu Zeit vorgenommenes Streuen von etwas Salz über den Dünger im Stalle oder auf der Dungſtätte, möchte vorzuziehen ſein.— Sprengel hält 60 bis 70 Pfund Salz p. Morgen für ausreichend, in England will man mehr als das Dop⸗ pelte mit Erfolg verbraucht haben. In allen Ländern, wo durch das Salz⸗Monopol des Staates der Salzpreiß hoch ſteht, wie faſt jetzt überall in Deutſchland, wird man nur auf ſalzhaltige Abfälle(§. 488.) zur Düngung reflectiren können, und von dem theuren Salze einen beſſeren Gebrauch zu machen wiſſen, indem man daſſelbe dem Futter der Hausthiere auf angemeſſene Weiſe beigeſellet, wovon, was wohl zu beachten, der Düngung auch wieder ein Theil zufällt. Das gewöhnliche rohe Seeſalz enthält, außer Kochſalz auch Gips, Talk, Kalk, Kali ꝛc. und dürfte daher beſonderen Werth zum Düngen haben. Bekannt iſt die Nahrhaftigkeit des ſogenannten Salzfutters von den vom Meere zuweilen überſtrömten Wieſen. 2) Mutterlauge. §. 488. Die abfallende Lauge der Seifenſieder enthält verſchiedene Salze und cauſtiſche Stoffe, und wird ſich als Zuthat zu Compoſt und ſelbſt zum Uebergießen der Dün⸗ gerhaufen(Miſtſtätten) ſehr qualificiren. Ebenſo andere Laugen von Fabriken und ſelbſt die fluͤſſigen Abfälle aus den Salinen müſſen noch einen Werth zu gleichem Zwecke haben. 3) Dungſalz e. §. 489. Sogenannte Dungſalze werden hauptſächlich als Abfälle bei chemiſchen Fabriken gewonnen, zuweilen auch eigens für den Handel präparirt. Sie beſtehen mei⸗ ſtens zum geringeren Theile aus im Waſſer löslichen Salzen, — 241. als Natron mit verſchiedenen Säuren, Salpeter ꝛc. und zum größeren Theile aus Gips, Kalk ꝛc. Nach dem Verhältniſſe der leicht und ſchwer löslichen Theile iſt hauptſächlich ihr Werth zu ermeſſen, und wenn auch von Speculanten deren Werth häufig übertrieben wird, ſo werden ſie doch auch da, wo ſie billig zu haben ſind, öfters noch viel zu wenig be⸗ nutzt. Sie werden entweder mit dem Saamen eingeeggt oder wie der Gips geſtreut. Hierzu gehört auch der Pfannen- und Dornſtein der Salinen, welcher ebenfalls vielen Gips und Kalk, nebſt etwas Kochſalz ꝛc. enthält, alſo einen den gewöhnlichen Gips noch etwas überſteigenden Worth hat.— Von mehreren ſolchen Dungſalzen iſt mir bekannt, daß 3 bis 5 Centner p. Morgen einen befriedigenden Erfolg ge⸗ währten. Sehr viel hängt bei der Anwendung aller dieſer Stoffe noch davon ab, inwieweit ſolche nicht ſchon im Boden von ſelbſt oder durch die gewöhnliche Düngung in einer zureichenden Menge vor⸗ handen ſind. Zweckmäßig werden dergleichen Salze auch einem erdigen Com⸗ poſt zugeſetzt(ſ.§. 494.) C. Organiſch-mineraliſcher oder Menge⸗Dünger. §. 490. Da ſowohl organiſche wie mineraliſche Dung⸗ ſtoffe zu einer vollkräftigen Vegetation unſerer Culturgegen⸗ ſtände erforderlich ſind, ſo kann es nicht fehlen, daß eine gut gewählte Combination beider einen fuür viele Zwecke beſonders tauglichen Dünger liefert. Dazu kommt, daß, wie wir bei der Abhandlung der organiſchen Dungſtoffe bereits mehrfällig vernahmen, viele der letzteren durch Mengung mit mineraliſchen Stoffen beſſer aufgefangen und vorbereitet Gerſetzt), und ſomit vollkommener benutzt werden können. Endlich bieten die Wirthſchaftsverhältniſſe ohnedieß häufig eine von ſelbſt vorhandene Mengung von beiderlei Stoffen dar, um deren vollſtändige Benutzung es ſich handelt. Wir Pabſt Landwirthſchaſt. I. 1. Zweite Auflage. — 242— verſtehen hierunter namentlich den Moder; den künſtlich präparirten Mengedünger aber benennen wir Compoſt, und beide ſind in mehrfacher Beziehung von großer Erheb⸗ lichkeit. 1) Compo ſt. §. 491. In jeder Wirthſchaft finden ſich mehr oder weniger zu Compoſt geeignete Stoffe und durch eine zweck⸗ mäßige Benutzung derſelben hierzu kann der Duͤngungszuſtand der Wirthſchaft nicht nur weſentlich vermehrt, ſondern der Boden durch die zum Compoſt genommenen erdigen Theile häufig auch noch mechaniſch verbeſſert werden. §. 492. Gegenſtände, welche ſich vorzüglich zum Com⸗ poſt eignen, ſind: Grünes Unkraut, zur Fütterung unbrauch⸗ bare Dreſchabfälle, Haus⸗ und Hofkehricht, Straßenerde, Torfbröckel, Heideplaggen, bei den Viehtränken geſammelte Dungſtoffe, menſchliche Excremente, Viehharn, crepirtes Vieh und mancherlei andere Abfälle der Wirthſchaft. Als erdiger Zuſatz dienen Raſen, Schlamm, Torf- und Moor⸗ erde, Mergel und andere Erdarten mit mehr oder weniger organiſchen Reſten; auch gebrannter Kalk wird öfters, beſonders bei ſchwer verweslichen, verſäuerten oder gerbe— ſtoffhaltigen Materialien, mit Vortheil untergemiſcht. Ferner ſind die geringeren Aſchenarten, Braunkohlenmulm u. dgl. mehr dazu geeignet. Daß Raſen, Schlamm oder andere humushaltige Erden oder auch Mergel den armen Erdarten vorzuziehen und dieſe nur im Nothfall und in geringer Menge zu nehmen ſeien, verſteht ſich von ſelbſt. §. 493. Zu Bereitung des Compoſtes legt man vier— eckige, längliche Haufen von etwa 4 Fuß Höhe an. Hat man leicht und ſchwer verwesliche und auch viel erdige Stoffe, ſo beobachtet man ein ſchichtweiſes Aufſetzen. Hat man wenig thieriſche und vegetabiliſche und viel erdige Stoffe, z. P. Raſen, Moorerde ꝛc. ſo dient zu Verbeſſerung — 243— der Maſſe, etwas Stallmiſt, namentlich Pferdemiſt, mit hinzu zu nehmen. Das Begießen mit Jauche verbeſſert den Compoſt weſentlich, und ſollte um ſo öfter geſchehen, je trockener und ſchwer verweslicher die Subſtanzen ſind. Bei dem Zuſatz von Stallmiſt darf nicht überſehen werden, daß der zum Compoſt verwendete Miſt ſpäter in Thätigkeit kömmt, als der direct angewendete. Man thut woyl, ſich für den Hof⸗Compoſt eigene Gruben oder ſchattig gelegene Plätze in der Nähe des Hofes zu halten. Wieſencompoſt von Grabenausſchlägen ꝛc. ſetzt man zweckmäßig an den Rändern der Wieſen auf. In gröberen Wirth⸗ ſchaften iſt es zweckmäßig, verſchiedene Compoſthaufen nach den Materialien von beſſerer und geringerer Qualität anzulegen. §. 494. Guter, leicht zerſetzlicher Compoſt, braucht nur einmal, ja oft gar nicht umgeſtochen zu werden, und iſt ſchon nach 2 bis 3 Monaten brauchbar. Dagegen muß der Compoſthaufen um ſo länger ſitzen(6 bis 12 Monate) und um ſo nothwendiger thut ihm ein wenigſtens einmaliges Umarbeiten; je ſchwerer die Subſtanzen verweslich ſind, und je mehr Säure und Lohe oder ungemiſchte Erde dar— unter ſind. §. 495. Der Compoſt eignet ſich vor Allem auf Wieſen und Kleeäcker. Indeſſen iſt er in vielen Fällen auch fuͤr das zu anderen Gewächſen zu düngende Ackerfeld paſſend; nur muß man ſich hüten, ſolchen, welcher Unkrautſaamen enthält, dahin zu bringen; auch darf er nur flach unterge⸗ bracht werden. Der ſtark erdhaltige iſt vorzugsweiſe für leichten, allzuthätigen Boden geeignet. Die Quantität muß nach der ſo ſehr verſchiedenen Qualität regulirt werden. Von recht gutem Compoſt bedarf man oft nicht ſo viel, als wenn man mit Stallmiſt düngte, von erdigem kann zwei— und dreimal ſo viel erforderlich ſein. Man bringt ihn ſtets nur flach unter. Andeutungen auf Mengung von organiſch⸗mineraliſchen Dung⸗ ſtoffen enthalten bereits die 8§. 350. 377. 399. 429. 15* -— 244— Die vor Kurzem von Frankreich her ſo überaus angeprieſene Jauſtret'ſche Düngermethode iſt nichts anders, als eine künſtliche, häufig jedoch zu theuer kommende Compoſtfabrikation. Pflanzenab⸗ fälle verſchiedener Art ſollen nämlich mit einer aus Kalk, Aſche, Salpeter, Salz, Gips und Abtrittsdünger bereiteten Lauge begoſſen und mit Erde bedeckt werden. Es tritt begreiflich bald Gährung ein und daß danach ein ſehr vorzüglicher Mengedünger zu erwarten ſei, iſt leicht einzuſehen. 2) Moder. §. 496. Einen aus organiſch⸗mineraliſchen Stoffen zuſammengeſetzten Dünger bietet uns die Natur in dem ſogenannten Moder dar. Derſelbe beſteht in dem mehr oder weniger ſchlammigen, auch moorartigen Bodenſatz, welcher ſich in ſtehenden Gewäſſern und in den Sinken zwiſchen verſchiedenen Grundſtücken durch das Anhäufen beigeſchwemmter mehr oder weniger humoſer Erdarten und die darin gelebt habenden, zur Verweſung gelangten Vege⸗ tabilien und Thiere gebildet hat. §. 497. Die Qualität des Moders iſt ſehr verſchieden, und hängt davon ab, in wie weit das anſchlemmende Waſſer von gutem oder ſchlechtem Boden zuſammengeſtrömt iſt, ob dieſes Waſſer aus Gehöften oder auf andere Weiſe düngende Subſtanzen aufnahm; ob er mehr mineraliſche oder mehr organiſche Theile enthält und von welcher Beſchaffenheit dieſe ſind. Ferner kömmt es gar ſehr darauf an, ob der Schlamm gips⸗ und kalkhaltig, ob er lange und tief unter Waſſer geſtanden, ob er ſumpfig, torfig, ſauer, eiſenhaltig iſt, oder nicht. Gute Fiſchteiche haben auch guten Moder. §. 498. Iſt der Moder eigentlich ein Schlamm guter Art, namentlich nicht verſaͤuert, ſo iſt es hinreichend, ihn vor oder mit Anfang des Winters auszubringen und ent⸗ weder neben ſeiner bisherigen Lagerſtätte oder auch auf den für ihn beſtimmten Grundſtücken, wohin er ſogleich gebracht — 245— wurde, bis zum Frühjahr ausgebreitet liegen zu laſſen. Stark eiſen- und ſäurehaltiger Schlamm muß ein Jahr liegen und einmal umgeſetzt werden; auch iſt hiebei Zuſatz von Mergel, Kalk, Aſche, Jauche, ſehr zu empfehlen. So großen Vortheil guter Moder gewähren kann, wenn man ſolchen in ſeinem Beſitzthume findet, ſo kann er doch auch ſo ſchlecht ſein, daß er das Ausbringen, Bearbeiten, Durchſchichten mit Kalk ꝛc. nicht lohnt. Beſondere Sorgfalt iſt nöthig, die Teiche vor dem Aus⸗ bringen möglichſt trocken zu legen. Häufig eignet ſich der Winter zu dieſer Arbeit am beſten, indem man den Moder bei Froſt in großen Klumpen auf Schlitten herausſchafft. §. 499. Da die Qualität des Moders ſo verſchieden iſt, ſo muß es auch die aufzubringende Menge ſein. Von gutem Moder darf man 45 bis 50 Karren à 10 Cub. Fuß auf den pr. Morgen, von geringerem bis zum doppelten rechnen. Er eignet ſich beſonders für Wieſen, und für Acker mit leichtem Boden. Man ſucht ihn hier flach und gut mit der Krume zu vermengen. §. 500. Beſonderen Betracht verdient die in flachen Gegenden in tieferen Sinken ſich häufig findende mehr oder weniger moorige oder torſige und von dem ganz unter Waſſer geſtandenen Moder mehrfach unterſchiedene Erde, an mehreren Orten auch ſchwarze Wieſenerde genannt. Sie beſitzt verhältnißmäßig mehr kohligen und ſauren Humus und weniger ſchlammartigen Moder; dabei wohnen ihr aber auch häufig ſehr wichtige mineraliſche Theile an, wie Gips, kohlenſaurer, phosphorſaurer Kalk, verſchiedene Salze. Uebrigens iſt ſie in Beſtandtheilen, und daher auch in Qualität ebenfalls höchſt verſchieden. §. 501. Dieſer moorige Moder iſt in ſeiner großen Wich⸗ tigkeit erſt neuerer Zeit mehr erkannt worden. Man hat ihn beſonders in Mecklenburg und Pommern zur Düngung von leichtem und warmem Boden mit mehr oder weniger 2416 großem Erfolge angewendet, namentlich zu Erbſen, Kar⸗ toffeln, Raps ꝛc. Da wo er recht guter Qualität, hat man zur Erzielung eines gleichen Reſultates ohngefähr das Dreifache von gewöhnlichem Stallmiſte aufgebracht. In Vorpommern hat ſich beſonders Homeyer auf Murchin durch Beiſpiel und Aufmunterung zu ausgedehnter Anwendung des Moormoders verdient gemacht. Die Murchiner Moorerde wird zu allen Jahreszeiten, und ohne daß ſie längere Zeit der Atmosphäre ausgeſetzt bleibt, angewendet und enthält nach einer Analyſe, welche Sprengel veranlaßte: 40 Kieſelerde, 1 Kalkerde, 0,25 Talk, 0,5 Allaunerde, 0,25 phosphorſauren Kalk, 7 Gips, 0,5 Kochſalz, 0,25 Natron, 1 Harz, 2,5 Eiſenoxyd und Oxydul, 1,5 ſtickſtoffhaltige Körper, 15,25 Humusſäure, 30 Humus, Humuskohle und Pflanzen⸗ 1 reſte.— Als Gegenſatz möge hier auch noch der Gehalt eines Moor⸗ moders aus Kenzlin Platz finden, der ſich weniger wirkſam er⸗ wies und worin Dr. Schulze fand: 79,5 Kieſelerde, 0,75 Thonerde, I 0,9 Eiſenoxyd und Oxydul, 0,1 Kalk, Talk, Gips, Phosphorſäure, 14,75 Humuskohle, Humusſäure ꝛc. 4 Waſſer. Man möge hieraus abſtrahiren, welchen Aufſchluß chemiſche Analyſen geben! D. Waſſer und Feuer. 1) Waſſer. §. 502. Das aller weiteren Beimiſchungen entbehrende (reine) Waſſer kann zwar wegen der vermittelnden Rolle, die es bei der Pflanzenvegetation hat(ſ.§. 10) noch nicht als Dungſtoff betrachtet werden. Da das aus der Erde entſprungene Quellwaſſer, ſowie das nach ſtattgefundenem Niederſchlage aus der Atmosphäre auf der Bodenoberfläche zuſammengeſtrömte Waffer aber auch mehr oder weniger organiſche und mineraliſche Theile ſowie auch kohlenſäure mit ſich füͤhrt; ſo muß auch das Waſſer der Quellen, Bäche, Flüſſe und Teiche mit Recht als Duüngerzuführend(düngend) angeſehen werden. §. 503. Da wir jedoch in Deutſchland ſelten in der Lage ſind, die Bewäſſerung auf andere Gewächſe, als auf — 247— Gras im Größeren anwenden zu können; ſo wird in Bezug auf Beurtheilung der Qualität des verſchiedenartigen Waſ⸗ ſers, ſowie auf Verfahrungsart Behufs der Bewäſſerung auf den Wieſenbau verwieſen. Manche Localitäten duͤrften jedoch auch geſtatten, in trockner Jahrszeit eine Bewäſſerung auf Ackerfeld zur Ausführung zu bringen; auch kommt es vor, daß durch das Austreten der Flüſſe die Felder Dung⸗ ſtoffe zugeführt erhalten. 2) Feuer. §. 504. Das Feuer wird auf zweifache Weiſe als Hülfsmittel zur Erhöhung der Produktionskraft des Bodens angewendet, einmal, indem nachtheilig wirkende Stoffe da— durch entfernt oder in wirkſame verwandelt werden, und dann, indem man die Beſchaffenheit des Bodens ſelbſt da⸗ durch vortheilhaft zu verändern ſtrebt. §. 505. Die Vortheile, welche ein gedämpftes Bren— nen von mit dem Boden verbundenen oder zuſammenge— brachten Vegetabilien und ein theilweiſes Glühen des Bodens gewährt, ſind hauptſächlich, daß eine ſonſt ſchwer zur Ver⸗ weſung zu bringende Narbe oder das im Boden in Menge angehäufte Wurzelunkraut möglichſt ſchnell zerſtört und daß der Boden zugleich durch das Brennen gelockert, entſäuert und erwärmt wird; daß ihm durch die halb und ganz ver— brannten Vegetabilien ſehr wirkſame Dungſtoffe zu gut kom⸗ men; daß auch der Boden zum Theil chemiſch verändert und verbeſſert wird, indem namentlich Thon und Kalk ſo weſentlich verändert werden, daß nicht nur beſſere Lockerung des Bodens dadurch bewirkt, ſondern derſelbe auch weit geſchickter gemacht wird, atmosphäriſche Stoffe anzuziehen, während jene Beſtandtheile zugleich in neue nutzbringende Verbindungen eingehen. Auch wird durch das Brennen die Brut von Inſecten und Gewürme, ſo wie der Unkraut⸗ ſaamen zerſtört. — 248— Unter die beim gedämpften Brennen ſich entwickelnden ſehr wirkſamen Stoffe iſt namentlich der Ruß zu rechnen, welchen der Boden dabei aufnimmt. Nach Sprengel wird auch aus dem Eiſen- und Mangan-⸗Oxydul durch das Glühen Ammoniak, alſo Stickſtoff, entwickelt. §. 506. Da jedoch eine beträchtliche Maſſe vegetabi⸗ liſcher Stoffe durch das Brennen aus dem Boden verſchwin— det und nur ein ſehr kleiner Rückſtand davon verbleibt, ſo muß man annehmen, daß, wo jene Vegetabilien durch Fäulniß in düngende Stoffe leicht zu verwandeln geweſen wären, das Brennen einen Verluſt an Dungſtoff im Gan⸗ zen verurſacht. Dazu kömmt, daß in der Regel ein beſon⸗ derer Aufwand an Brennmaterial nicht zu umgehen iſt. Das gewöhnliche Narbe-Brennen kann deßhalb nur unter beſonderen Umſtaͤnden entſchiedenen Nutzen bringen. Dieſe Umſtände ſind namentlich: a) wo eine ſehr beträchtliche Maſſe von Gräſern, Kräutern und andern Pflanzen den Boden bedeckt, oder dieſer gewiſſermaaßen damit oder mit andern vegetabiliſchen Reſten überfüllt iſt; b) wo ein feuch⸗ tes und kaltes Clima die Bildung der Grasnarbe ſehr be⸗ günſtigt, ihre Zerſtörung Behuf des Fruchtbaues hingegen ſehr erſchwert; c) wo entweder das Clima, oder die be⸗ ſondere Lage und die Beſtandtheile des Bodens dieſen kalt und zur Säure geneigt und deßhalb mehr oder weniger unfruchtbar machen; d) wo neben einem oder mehreren dieſer Umſtände das erforderliche Brennmaterial nicht zu hoch kömmt. Bei thätigem, humoſem, warmem, trocknem oder gar hitzigem Boden, würde das Brennen nicht nur keinen Vortheil, ſondern ſelbſt Nachtheil bringen. §. 507. Die gewöhnlichen Verfahrungsarten beim Bo⸗ denbrennen, namentlich von Dreiſche oder Torfboden, bei welchen beiden das Brennen öfters und regelmäßig in An⸗ wendung kömmt, ſind§. 207 ff. bei der Urbarmachung — 249— bereits beſchrieben. Bei mooſigen oder ſonſt ſchlechten Wieſen kann auch das oberflächliche Brennen des abge⸗ ſtorbenen Graſes durch Anzünden auf der Seite, woher der Wind kömmt, im Fruühjahre gute Dienſte leiſten. Die Verfahrungsart des Narbebrennens findet man ſehr häufig in Gebirgsgegenden, z. B. regelmäßig auf dem Schwarzwald, in einigen Theilen von Oberſchwaben, in Steiermark, Weſtphalen, im Odenwald(bei den Hackwaldungen), an der Moſel, in der Eifel ꝛc.; in vielen Fällen würde es gar keinen Vortheil bringen, das Land unter den Pflug zu nehmen, wenn nicht vorher gebrannt würde. Dieß gilt namentlich auch von manchem Moor- und Torfboden. Nicht unwichtig iſt, was uns die ältere Geſchichte über die Anwendung des Feuers beim Ackerbau überliefert hat: die Hebräer z. B. ſchnitten blos die Aehren des Getreides ab, verbrannten die Halme auf dem Stande und bauten ohne weitere Düngung wieder an. §. 508. Beſondere Betrachtung iſt aber dem Brennen oder vielmehr Röſten von thoniger oder lehmiger Erde zuzuwenden, welche keine vegetabiliſchen Reſte enthält, und welche dann als Dungmittel dienen ſoll. In Großbrittanien, wo dieſes Verfahren einzeln ſchon lange in Anwendung ſtehen ſoll, hat man entweder eigens conſtruirte Oefen, oder man fertigt Gräben an, in welchen man das Brennmaterial anlegt und ſpäter anzündet, und worüber der Thon oder Lehm in etwas abgetrocknetem Zuſtande ſo gelegt wird, ſo daß das darunter brennende Feuer röſtend darauf wirkt, während auch der Rauch davon möglichſt aufgenommen wird. Dieſe halb geglühte, leicht zerfallende Erde, ſammt der verbliebenen Aſche, wird nun mit der vorbereiteten Acker⸗ krume oberflächlich gemengt. Man ſchreibt, je nach Be— ſchaffenheit des Feldes und der geröſteten Erde, von 10 bis zu 40 Fudern à 20 Ctr. p. Morgen vor. §. 509. Was die Wirkung dieſer geröſteten thonigen Erde anbelangt, ſo wird überall, wo ſie angewendet wird, verſichert, daß jene ſehr bedeutend ſei. Zunächſt iſt — 250— anzunehmen, daß ſie ſäuretilgend und auf unthätigen Humus anregend und auflöſend wirke, daher ſie auch für gebundenen, kalten Boden vorzugsweiſe paſſend iſt; durch das Brennen hat ſie aber auch direct duͤngende Stoffe(ſ.§. 505) auf⸗ genommen, wozu auch noch die Aſche kömmt. Sie kann alſo auch, zumal wenn ſie nur ſchwach geröſtet wird, für den beſſeren oder fuͤr leichten Boden angemeſſen ſein. Ins⸗ beſondere aber kömmt es auf die ſpecielle Beſchaffenheit der anzuwendenden Erde an, ob ſolche z. B. kalkhaltig oder ſelbſt mergelig iſt oder nicht. Die Vortheilhaftigkeit des Verfahrens hängt ſodann ab: ob ſich die geeignete Erde in der Nähe der zu bedüngenden Grundſtücke findet und ob das erforderliche Brennmaterial billig zu ſtehen kömmt. Beſondere Anregung fand dieſes, in Deutſchland noch wenig angewendete Verfahren durch Beatſo n's bekannte Schrift(„Neues Ackerbauſyſtem ꝛc.“), worin ſein Werth jedenfalls übertrieben darge⸗ ſtellt iſt. Beachtenswerthes enthält das Schriftchen:„Einiges über Düngerverwendung und Anwendung des gebrannten Mergels von B. v. Stenglin, Roſtock und Güſtrow.“ Weitere comparative Verſuche ſind wünſchenswerth. Ferner iſt auf die von Lampadius gemachten Verſuche zu verweiſen, mitgetheilt in verſchiedenen Jahr— gängen von Erdmann's Journal ec. Bekanntlich iſt auch der Lehm und Schutt alter Gebäude, Back⸗ und Ziegelöfen ein treffliches Dungmittel, deſſen gute Eigenſchaften ſicher auch auf der theilweiſen Röſtung, und den aufgenommenen Rauchtheilen mit beruhen. Siebentes Capitel. Von der Saat. §. 510. Wie das Feld im Allgemeinen zur Saat vorzubereiten ſei, davon handeln die beiden vorigen Capitel. Hier haben wir nun auch noch die Verfahrungsarten bei der Beſtellung der Saaten näher kennen zu lernen. —-— 251— §. 511. Bei der Saat kommen in Betracht: I. Die Beſchaffenheit des Saatguts. II. Der Wechſel mit dem Saatkorn. III. Die Vorbereitung deſſelben. IV. Die Menge des Saamens. V. Das Ausſäen und Unterbringen. VI. Die Zeit der Ausſaat. VII. Die Verpflanzung. Ausnahmen von der gewöhnlichen Art, durch Saamen die Ge⸗ wächſe fortzupflanzen, ſind: die Fortpflanzung durch Wurzelaus⸗ triebe(auch Wurzelknollen ꝛc.) oder durch Zweige(junge Schoſſen). I. Beschaftenheit des Saatguts. §. 512. Je vollkommener, reifer, reiner, gleicher und beſſer erhalten der Saamen iſt, um ſo ſicherer darf, ab⸗ geſehen von andern einwirkenden Umſtänden, ein gutes Gedeihen der Saat erwartet werden. Unvollkommene Kör⸗ ner, oder ſolche, welche bei der Erndte oder Aufbewahrung Noth gelitten haben, erzeugen ſchwächliche Pflanzen, oder beſitzen gar keine Keimkraft. Eine ungewöhnliche Größe des Saatkorns iſt nicht gerade wün— ſchenswerth, in manchen Fällen ſelbſt nachtheilig; aber eine ver⸗ hältnißmäßig bedeutende Schwere, ein glänzendes, geſundes Aus— ſehen, ein guter Geruch ſind Anhaltspunkte, nach denen man die Qualität des Saatkorns zu beurtheilen hat. §. 513. Um ſich ſtets eines Saamens von guter Qualität zu verſichern, ſoll man die Früchte auf denjenigen Feldern, wo ſie ſich am vollkommenſten ausgebildet und am reinſten von Unkraut finden, beſonders zum Saamen beſtimmen, das allenfalls vorhandene Unkraut ausjäten, den Saamen zu voller Reife kommen laſſen, die Erndte mit beſonderer Sorgfalt bewerkſtelligen, eigens aufbewahren; beim Dreſchen ſodann noch beſonders auf Entfernung der ſchwächeren Körner und Reinigung von Unkraut⸗ oder ſon⸗ ſtigen nicht unter die Fruchtart gehörigen Saamen Bedacht — 252— nehmen; endlich auch zur Aufbewahrung der Saatfrucht einen trocknen und luftigen Platz wählen. Das Schütten der Saamfrucht in mit Waſſer angefüllte Gefäße erleichtert beſonders das Abnehmen der ſchlechten Beimengungen; nur muß dann Sorgfalt auf das Wiedertrocknen verwendet werden. In manchen Fällen, wo es ſehr auf guten reinen Saamen an— kömmt, und ſolcher ſchwer zu erziehen iſt, ſind noch weitere Maaß⸗ regeln empfehlenswerth, wie das Ausſchneiden einzelner Aehren oder Saamenſtengel, die Anlegung von Saamenſchulen ꝛc.— Manche Sämereien werden beſſer in den Hüllen(Hülſen, Dolden ꝛc.) auf⸗ bewahrt.— Von der Aufbewahrung und Saamenerziehung der zweijährigen Wurzelgewächſe, wie der Rübenarten, handelt der ſpecielle Pflanzenbau. §. 514. Die Dauer der Keimfaͤhigkeit der Saamen iſt verſchieden; ſie hängt theils von der Natur der Gewächſe theils von der Beſchaffenheit und Aufbewahrung des Saa— mens ab. Die ölhaltigen Saamen, Hanf ausgenommen, bleiben länger keimfähig, als die mehlhaltigen(Gräſer ꝛc.); jene bleiben wenigſtens 2 bis 3, oft 5 bis 6 Jahre und länger keimfähig; dieſe meiſtens nur 1 bis 2 Jahre. Man ſäet deßhalb ſelten gern zweijähriges Getreide, den Weitzen ausgenommen, welcher von älterem Saamen nicht ſo leicht Brand bekömmt; man kann jedoch auch überjährige Erbſen und Bohnen ſäen. Zweijähriger Kleeſaamen wird häufig ohne Nachtheil geſäet, und Raps, Mohn, Kohl⸗, Spörgelſaamen darf 3 Jahre alt ſein; Lein im Alter von 5 bis 6 Jahren keimt noch und kann ein Saame von ſolchem Alter ſelbſt beſonderen Vortheil gewähren. Das Zeitverhältniß von der Saat bis zum Aufgehen iſt unter gleich günſtigen Umſtänden und bei angemeſſener Bedeckung: 4 bis 6 Tage bei ölhaltigen Saamen, 7 bis 10 Tage bei Getreide. Be⸗ ſonders langſam keimen der Tabak und der Mais. S§. 515. Die Keimfähigkeit der Saamen kann durch verſchiedene Proben unterſucht werden; ganz zuverläſſig ſind die Reſultate davon jedoch nicht, da ein ſchwaches Saamen⸗ korn wohl noch keimen kann, aber nur eine ſchwächliche Pflanze treibt. — 253— Die beſte Art zu unterſuchen iſt: in einem zuſammengeſchlagenen wollenen Lappen oder Lölſchpapier eine gewiſſe Zahl von Körnern einzulegen und dann den in einen Teller gelegten Lappen feucht zu halten. II. Wechsel mit dem Saatkorn. §. 516. An manchen Orten und beſonders bei gewiſſen Culturgegenſtänden hält man ſehr viel darauf, mit dem Saamen öfters zu wechſeln, dergeſtalt, daß man ihn von einem andern Orte oder aus einer andern Gegend her, wo nicht jährlich, doch nach Verlauf mehrerer Jahre, bezieht. Unbedingt kann ein ſolches Verfahren zwar nicht als vor— theilhaft angeſehen werden, es bewährt ſich jedoch in ſehr vielen Fällen; ſolche ſind, wenn Clima und Boden einem Gewächſe nicht vollkommen zuſagen, oder die Saamener⸗ ziehung deſſelben vernachläſſigt wird, und deßhalb allmͤhlich eine Verſchlechterung ſeines Gedeihens eintritt, oder wenn zufällige Urſachen oder ſchwer auszuſcheidende Unkrautſaa⸗ men eine geringere Vollkommenheit des ſelbſt erzogenen Saamens veranlaßt haben. Bei manchen Culturgegenſtänden tritt der Vortheil des Wechſels beſonders hervor, wie beim Leine. Daß im Wechſeln ſelbſt etwas liege, läßt ſich daraus abnehmen, daß es Beiſpiele giebt, wonach zwei Gemarkungen(Lagen) gegenſeitig ihren Saamen mit Erfolg austauſchen. §. 517. Hat man Urſache, einen Saamenwechſel für zweckmäßig zu erachten, ſo nehme man auch Bedacht, den Saamen nicht nur von einem dem Gewächſe zuträglichen Boden, ſondern auch von einer ihm zu Theil gewordenen ſorgfältigen Cultur zu erhalten und hüte ſich zugleich vor Einſchleppung gefährlicher Unkräuter. Zu vermeiden iſt dabei noch, den Saamen welcher in ſehr humoſem Boden gewachſen iſt, nach einem armen Boden zu bringen, weil hier eben ſo leicht ein ſchlechteres Gedeihen erfolgt, als wenn man Saamen aus ſehr milder Lage plötzlich in ganz rauhe verſetzt. — 254— III. Vorbereitung des Saamens. §. 518. Durch das Einquellen oder Anfeuchten des Saamens, kurze Zeit vor der Saat, wird die Keimkraft geweckt und dadurch ein ſchnelleres Aufgehen befördert. Es kann jedoch fuͤr gewöhnlich dieſe Verfahrungsart nicht em⸗ pfohlen werden, weil eine Saat mit gequollenem Saamen, wenn er in trocknen Boden geſäet wird und trockne Wit⸗ terung nachfolgt, leicht Schaden nimmt, bei feuchtem Boden aber das Aufgehen ohnehin ſchnell vor ſich geht; tritt aber nach der Saat große Näſſe ein, ſo leidet das vorher von der Feuchtigkeit ſchon durchdrungene Korn auch wieder mehr von der Näſſe, als das trocken geſäete. Nur bei ſchwer und langſam keimenden Saamen, wie Tabak, Welſch⸗ korn ꝛc., kann ein Einweichen vor dem Säen nützlich ſei. §. 519. Eine wichtigere Vorbereitungsart iſt das Ein⸗ beizen, indem der Saamen mit einer Mengung von ge⸗ branntem Kalk, Salz und Jauche, oder mit aufgelößtem Eiſenvitriol und ähnlichen Stoffen in Verbindung gebracht wird. Man bezweckt damit gewöhnlich zunächſt, gewiſſen Krankheiten, namentlich dem Brande(§. 565.) vorzubeugen. Die Entwickelung des Keims und der jungen Pflanze wird durch eine ſolche Zuthat ohne Zweifel befördert; und darum ſollten ſchon aus dieſer Rückſicht die Beizen noch mehr an⸗ gewendet werden. Orydiote Salzſäure hat man beſonders belebend wirkend ge⸗ funden auf die faſt erloſchene Keimkraft alter und ſchwacher Saamen. IV. Menge des Saamens. §. 520. Als allgemeines Anhalten bei Beſtimmung der Quantität der Ausſaat dient, daß ſo viel Pflanzen auf dem Boden zu ſtehen kommen ſollen, als darauf voll⸗ kommen gedeihen können, ohne einander hinderlich zu wer⸗ den. Zu dem Ende muß ſich im Speciellen nach der Größe — 255— der Saamenkörner, ſo wie nach der Ausbreitung der daraus bervorgehenden Pflanzen gerichtet werden. Auch die Güte des Saamens und die ſtattfindende Saat⸗ und Culturmethode ſind mit von Einfluß. Von großen Körnern braucht man dem Volumen nach mehr, als von kleinen; iſt der Saamen gut, ſo braucht nicht ſo ſtark geſäet zu werden, als wenn ſchwache Körner darunter find; je mehr die Gewächſe im Verlaufe ihrer Vegetation ſich ausbreiten, um ſo dünner müſſen ſie ausgeſäet werden; ſollen ſie ſpäter bearbeitet werden, ſo ſäet man weniger, als wenn dies nicht der Fall ſein ſoll; durch die Anwendung von Säemaſchinen wird die Ausſaat vermindert, und durch einen geſchickten Säemann kann auch bei dem Handſäen geſpart werden. §. 521. Weſentliche Rückſicht iſt ſodann bei näherer Beſtimmung des Saatquantums auf Clima und Boden zu nehmen, und gilt in dieſer Hinſicht im Allgemeinen: je günſtiger das Clima, und je zuträglicher die Witterung bei der Saat insbeſondere, um ſo eher darf und ſoll die Saat⸗ menge verringert werden. Milder und fruchtbarer oder ſehr gut vorbereiteter Boden ſoll in der Regel ſchwächer beſäet werden, als rauhes, ſchweres und unartbares oder ſtark unkrautwüchſiges Land. Daß das alte Sprüchwort, je beſſer das Land, um ſo dichter die Saat, irrig ſei, bedarf keines Beweiſes; richtiger zwar iſt der Satz, wenn man ihn umkehrt; doch erleidet er auch häufig Ausnahmen, wie bei ungewöhnlich humoſem Boden, auf dem das Unkraut leicht ſtark aufkömmt, dann bei ſchwerem(kloſigem) Boden, wo mehr Saamenkörner verloren gehen, als bei leichtem Boden, indem ſie zu tief oder zu flach unterkommen, von Schollen verdeckt werden ꝛc. Aber auch bei leichtem Boden gilt das Dichterſäen für das ſchlechtere Land nur bedingungsweiſe, denn einen ganz dürftigen Sandboden beſäet man dennoch ſchwach, wenn ſchon an keine Beſtockung zu denken iſt, und zwar aus dem ſehr triftigen Grunde, weil dieſer Boden nur wenige Pflanzen in einiger Vollkommenheit zu produciren im Stande iſt. — 256— §. 522. Auch die Zeit der Ausſaat iſt in ſo ferne von Einfluß auf die Beſtimmung der Ouantität, indem man um ſo weniger Saamen zu ſäen hat, als man nach Maaß⸗ gabe der Natur des Gewächſes und der Localität die Saat frühzeitig vorzunehmen im Stande iſt. §. 523. Eine für die obwaltenden Verhältniſſe zu ſtarke Saat bringt neben der Saamenverſchwendung den Nachtheil, daß die Pflanzen, weil ſie zu dicht ſtehen, ſich nicht gehörig ausbilden können, und, weil ſie weniger kräf⸗ tig ſind, leichter von ungünſtiger Witterung leiden, auch wegen der ſchwächeren Halme und des zu geringen Zutritts von Luft und Licht, leicht Lagerfrucht entſteht, deren Folge ſtets ein unvollkommenerer Körneranſatz, oder wenigſtens eine unvollkommnere Ausbildung des Korns iſt. Zu dunne Saat aber hat ſowohl wegen der leer bleibenden Stellen, als wegen des Spielraumes, welcher dadurch dem Unkraut gegeben iſt, geringeren Ertrag zur Folge. v. Aussäen und Unterbringen der Saat. §. 524. Der Saamen wird entweder mit der Hand oder mittelſt Maſchinen ausgeſtreut und dann mit verſchie⸗ denen Werkzeugen untergebracht, oder er wird mit Maſchinen geſaͤet und zugleich damit untergebracht(Drillſaat); endlich kann der Saamen auch mit der Hand gelegt(geſteckt) werden. 1) Säen mit der Hand. §. 525. Die Saat mit der Hand(breitwürfige Saat) iſt bei den meiſten Eulturgegenſtänden die gewöhnliche. Es kömmt dabei ſehr viel auf die Geſchicklichkeit und Aufmerk⸗ ſamkeit des Säemanns an, damit nach Beſchaffenheit des Saamens und der übrigen einwirkenden Umſtände das rechte Maas eingehalten und der Saamen recht regelmäßig ver⸗ theilt werde. — 257— §. 526. Als Mittel, die Stärke der Einſaat zu regu⸗ liren, dienen dem Säenden: indem er mit der ganzen Hand ſtärker oder ſchwächer in den Saamen greift, oder(bei ſehr kleinen Saamenkörnern) nur mit drei Fingern greift, bei jedem oder nur beim zweiten Schritt ausſtreut, größere oder kleinere Schritte macht, eine größere oder geringere Breite auf einmal uberſtreut, endlich auch, indem er einfach oder doppelt überſäet. Wo Beete exiſtiren, iſt ſich nach deren Breite beſonders zu richten. Wo man keine Beete hat und die Schritte und der aus⸗ geſtreute Saamen auf dem beſäeten Theile zum Anhalten nicht zu⸗ reichen, werden Stäbchen als Signale eingeſteckt. 2) Breitwürfige Maſchinenſaat. §. 527. Da ein gleichmäßiges Ausſäen und ein rich⸗ tiges Treffen des nach den Umſtänden gerade geeigneten Maßes bei dem Säen mit der Hand ſo ſehr ſchwierig iſt, und es nur zu oft an geſchickten und zuverläſſigen Perſonen dafür mangelt; ſo hat man füͤr größere Wirthſchaften Maſchinen in Anwendung gebracht, welche fuͤr jedes be⸗ liebige Saatquantum regulirt werden können und dieſes gleichmäßig vertheilen. Es kann überdieß dadurch, in Folge der größeren Gleichmäßigkeit der Saat, häufig eine Saamenerſparniß von ⅛ bis ¼ gegen Handſaat gemacht werden. Sind dieſe Maſchinen einfach und ſolide gebaut, fördern ſie auch genügend, und hat man eben gelegenes Land, ſo wird deren Gebrauch auf größeren Wirthſchaften ſich ſehr wohl bewähren. Beſonders geeignet erweiſet ſich für jenen Zweck die von dem Mechanikus und Maſchinenfabrikant Dr. Alban in Güſtrow con⸗ ſtruirte Säemaſchine, mit der man mit einen Pferde und 2 Perſonen 40 Morgen täglich beſaen kann, und die ſowohl für Getreide, als wie für Oel⸗ und Kleeſaamen gleich gut geeignet iſt. Auch die Säemaſchine des Domainerath Sibeth zu Güſtrow zeichnet ſich durch gute und ſolide Conſtruction aus. Pabſt Landwirthſchaft. I. 1. Zweite Auflage. 17 — 258— 3) Unterbringen der breitwürfigen Saat. §. 528. Die breitwürfig gemachte Saat kann mit dem Pfluge oder Hacken, mit Saatpflug oder Erſtirpator, mit der Egge, Schleife oder Walze untergebracht werden. Die Wahl des Verfahrens richtet ſich zunächſt nach der Stärke der Bedeckung, welche dem Saamen am zuträglichſten iſt. Zu dem Ende aber iſt anzunehmen, daß der Saamen um ſo weniger tief unter den Boden kommen ſoll, je kleinkör— niger er iſt, während große, gleich Anfangs einen ſtarken Keim entwickelnde und dann gewöhnlich auch langſamer keimende Saamenkörner eine ſtärkere Bedeckung erfordern. Es hängt aber auch in dieſer Beziehung wieder Vieles von Lage, Boden und Witterung ab, denn je ſchwerer oder feuchter der Boden, deſto weniger tief ſoll der Saamen, je loſer und zum Austrocknen geneigt, um ſo eher ſoll er ‚etwas tiefer untergebracht werden. Auch iſt wohl zu merken, daß es im Durchſchnitt weit eher Schaden bringt, den Saamen zu tief als ihn etwas zu flach untergebracht zu haben. Bei feinen Saamen(Klee- und Grasſaamen) iſt eine Bedeckung von ½ bis ¼ Zoll, bei etwas ſtärkerem(Raps ꝛc.) von 1 bis 1 ½ Zoll, bei Getreide von 1 ½⅓ bis 3 Zoll die nach den beſonderen umſtänden näher zu beſtimmende, angemeſſene Stärke der Be⸗ deckung. §. 529. Die gewöhnlichſte Art, den Saamen zu mäßiger Tiefe unterzubringen, iſt mit der Egge; wird dabei auf die rauhe Furche geſäet, ſo iſt ein etwas tieferes Be— decken, wird der Saat vorgeeggt, ein flächeres zu erreichen. Der Walze, Schleife, Dornegge oder umgeſtürzten Egge bedient man ſich, wenn eine nur ganz geringe Bedeckung beabſichtigt wird; des Exſtirpators(Saatpflugs ꝛc.), wenn der Saamen etwas vollkommener und tiefer, als mit der Egge unterkommen ſoll, und zum gleichen Zwecke oder einem noch tieferen Unterbringen des Pflugs oder Hackens. — 259— Das Unterbringen mit der Egge muß zwar immer unvollkommen genannt werden, weil eine gleiche Tiefe dabei nicht zu bewerkſtelligen iſt und beſonders dann viele Körner unbedeckt bleiben, wenn das Korn groß und ſchwer iſt, der Boden aber fein und eben daliegt. Dennoch wird bei der breitwürfigen Saat in den meiſten Fällen die Egge mit Vortheil beibehalten werden, weil ſie am leichteſten und überall anwendbar iſt und wenigſtens die Mehrzahl der Saa— menkörner zu der für gewöhnlich erforderlichen Tiefe damit unter⸗ gebracht werden kann. Iſt eine tiefere Bedeckung räthlich, ſo gewähren die Exrſtirpatoren und Saatpflüge den größten Nutzen, ſobald der Boden von der Art iſt, daß ſie angewendet werden können. Näheres enthält bereits das fünfte Capitel. 4) Maſchinen⸗Drillſaat. §. 530. Einſehend die Unvollkommenheit der gewöhn⸗ lichen Saatmethoden, einſehend daß breitwuͤrfige Maſchinen⸗ ſaat auch nur einſeitigen Nutzen gewähre, hat man die längſt erfundenen Säemaſchinen dahin zu vervollkommnen geſucht, daß ſie ein beſtimmtes Saatquantum in regelmäßige Reihen ſäen und zu beliebiger Tiefe zugleich unterbringen, und daß ſodann ſpäter eine Bearbeitung der Zwiſchenräume eintreten kann. Dieſe Saatmethode, einſchließlich der nach— herigen Bearbeitung der Reihenſaat, wird nach den Eng— ländern die Drilleultur genannt. Man nennt gewöhnlich den Engländer John Tull als den Erfinder der Säemaſchinen und DOrillcultur. Indeſſen ſoll man in Indien ſchon in alter Zeit mit Maſchinen geſäet haben, und Loudon behauptet, ein Deutſcher habe 1647 zuerſt dem Könige von Spanien eine Säemaſchine überliefert, welche dann ſpäter in England bekannt geworden ſei(). §. 531. Es giebt zu dem Ende eine große Zahl von verſchiedenartigen Maſchinen, die zum Theil nachſtehend näher bezeichnet ſind: 1) Ugaczy's Pflugſäemaſchine, zum Säen in die Furche, welche der Pflug machk, und wieder deckt; ihr Werth iſt noch nicht genau bekannt.— 2) Die ſogenannten 17*† — Trommel⸗Drillmaſchinen, engliſche Erfindung, zur ein- bis vierreihigen Saat von Oel- und Rübenſaamen. Für dieſe Gewächſe hat ſich die Reihenſaat in der Ent⸗ fernung von 1½ bis 2 Fuß vor allen anderen bewährt und auch in Deutſchland verbreitet und die dazu dienenden, meiſtens zwei und dreireihigen Säemaſchinen, von einem Pferde gezogen, ſind jetzt faſt überall bekannt, wo man Raps oder Rüben im Großen baut.— 3) Der Bohnen⸗ driller, meiſtens einreihig zum Säen in die zweite Furche, iſt ebenfalls für die Cultur der Pferdebohnen ein anerkannt gutes Inſtrument. Man hat ihn auch mehrreihig, namentlich auch zum Drillen des Maiſes, füͤr die Entfernung von 1½ bis 2 Fuß.— 4+ Verſchiedene Getreideſäemaſchinen, von denen in Deutſchland die Fellenberg'ſche mit Bürſten (nach dem Syſteme von Duket), und die große Ugac⸗ zy'ſche, mit ausgehölten Walzen, am meiſten bekannt ſind. Sie ſäen die Neihen 3½ bis 8 Zoll von einander.— 5) Die vollkommenſte der bis jetzt bewährten Säemaſchinen dürfte immer noch die bekannte Cook'ſche ſein(mit Löffeln zum Reguliren des Saatquantums ꝛc.) ſowohl weil ſie für jede Art von Saamen und jede beliebige Entfernung der Reihen regulirt werden kann, als insbeſondere weil ſie in England am meiſten im Gebrauche und in gutem Nufe ſich erhalten. Bohnendrillſaaten laſſen ſich auch in die zweite oder dritte Furche gut mirtelſt der Hand ausführen. §. 532. Indem in Bezug auf den Nutzen der Bear⸗ beitung der Zwiſchenräume der Drillſaaten auf das folgende Capitel, in Bezug auf die Ausfuhrung der Drillſaat der einzelnen Culturgegenſtände auf die ſperielle Pflanzenpro⸗ ductionslehre verwieſen wird, bleibt hier nur noch anzudeuten, daß als erſte Bedingung für die Anwendung der Drilleultur gilt: daß der Boden nicht beträchtlich uneben, noch ſteinig ſei, daß er in guter Cultur ſtehe und namentlich von — 261— Wurzelunkraut rein ſei, und daß man ſelbſt eine unaus⸗ geſetzte Sorgfalt auf dieſe Culturmethode zu verwenden im Stande iſt, oder ganz zuverläſſige Leute dafür hat. §. 533. Die Saamenerſparniß bei der Drillcultur kann häufig ⅓ gegen breitwürfige Saat betragen, oft aber iſt es auch Täuſchung, wenn man den Vortheil in einer zu ſtarken Verringerung des Saatquantums ſucht. Jeden⸗ falls wiegen die größexen Koſten der Drillcultur die Saa⸗ menerſparniß völlig auf. Der Vortheil muß hauptſaͤchlich in der vollkommeneren den Drillſaaten zu Theil werdenden Cultur geſucht werden. 5) Legen des Saamens mit der Hand. §. 534. Bei Gewächſen, welche in größerer Entfer⸗ nung von einander regelmäßig zu ſtehen kommen ſollen, um ſpäter behackt zu werden, fuͤhrt, wenn die Pflanzen nicht zuerſt auf Saamenbeeten, Behufs des Verpflanzens gezogen werden, das Legen des Saamens mit der Hand, meiſtens zum Zwecke. Man legt theils auf die zweite oder dritte Furche, theils in Stufen hinter der Hacke. Bei großen Pflanzungen, z. B. der Zuckerrunkelrüben, bedient man ſich auch zu ſolchen Saaten der Maſchinen, oder weni igſtens einer Maſchine, um die Legſtellen(Pflanzſtellen) zu markiren. §. 535. Hierher gehört auch das ſogenannte Dippeln des Getreides, namentlich des Weizens und Roggens. Man bedient ſich dazu eines Brettes(Dippelbrett) mit einem Stiele und kleinen Zapfen auf der unteren Seite, welche 3 bis 4 Zoll von einander entfernt ſind und womit die Legſtellen markirt werden, in deren jede durch Kinder einige Körner gelegt und zugleich mit Erde bedeckt werden. Später wird dann das Getreide mit der Hand behackt. Daß ſolches Verfahren nur bei ſchon ſehr getheiltem Grundbeſitze und dichter Bevölkerung ausführbar, leuchtet ein. Es wird aber mehrfältig behauptet, daß der Arbeitsaufwand durch die Saamenerſparniß und den höheren Ertrag reichlich gedeckt werde. Nach Sinclair ſoll dieſe Culturmethode in England in nicht ganz kleinem Maßſtabe öfters zur Ausführung kommen. 6) Aufräumen des beſtellten Feldes. §. 536. Nach Unterbringung der Saat bleiben noch verſchiedene Nacharbeiten übrig, als: Zurückbringen des herausgeſchleiften Bodens durch Umziehen mit dem Pfluge und Anwendung der Schaufel, Aufgraben oder Hacken nebſt Saamenunterbringen an den Enden der Anwanden und um die auf dem Felde ſtehenden Bäume, Aufräumen der Beet— fuͤrchen mit Häufelpflug und Furchenwalze oder Spaten und Anlegung der Waſſeerfurchen, ſo ferne deren bedurftig ſind. Bei ſehr ſcholligem Lande iſt zuweilen nach der Saat noch ein Zerſchlagen einzelner größerer Schollen mit der Haue oder dem Kloßhammer am rechten Platze; bei raſigem Lande kann das Zer⸗ ſtückeln einzelner obenaufliegender Raſen und bei friſch gedüngtem das Auseinanderziehen des zuſammengeſchleiften ſtrohigen Düngers rathſam ſein.— Auch das Wegtragen der bei der Bearbeitung des Feldes oben auf zu liegen gekommenen größeren Steine, und das Abrechen des allenfalls ſich auf der Oberfläche noch zeigenden Wur⸗ zelunkrauts, iſt hier noch zu erwähnen. §. 537. Waſſerfurchen heißen die auf dem beſtellten Felde, vorzüglich dem mit Winterfrucht beſtellten, beſonders gezogenen Furchen, um dem ſonſt ſtellenweis anſtauenden oder den Boden zerreißenden Waſſer Abzug zu verſchaffen. Das Ziehen der Waſſerfurchen erfordert genaue auf Erfahrung beruhende Kenntniß der Localität, damit ſie an den rechten Stellen und mit dem richtigen Fall angelegt werden. Gewöhnlich geſchieht es mit dem Pfluge, man bedient ſich aber auch des Häufelpflugs, und mit dem Spaten und der Schaufel wird nachgeholfen, denn die Ränder müſſen geebnet und die gezogenen Furchen, ſo wie die Stellen, wo dieſe die Beetfurchen durchſchneiden, völlig aufgeräumt ſein, damit dem Waſſer überall der freie Abzug geſichert iſt. — 263— VI. Haatzeit. §. 538. Die Gewächſe verlangen nach ihrer Natur verſchiedene Saatzeiten, welche ſich noch ſpeciell nach Clima, Boden und Witterung richten. Die beiden Hauptſaatzeiten ſind das Frühjahr, fuͤr ein- und mehrjährige Gewächſe, und der Herbſt für die ſogenannten Winterfrüchte. §. 539. Je rauher das Clima iſt, um ſo früher muß die Herbſtbeſtellung ihren Anfang nehmen, damit die Saat vor Winter ſich noch gehörig entwickele, um ſo ſpäter kann dagegen in ſolchem Clima die Frühjahrsbeſtellung beginnen. Gebundener und kalter Boden muß in gleicher Lage im Herbſt früher beſtellt werden, als leichter, warmer und trockner Boden, während dieſer im Frühjahr bälder beſäet werden ſoll, damit die Winterfeuchtigkeit der Saat noch zu gut kömmt; bei jenem aber gedeiht die Frühjahrsſaat beſſer, wenn man ſie erſt dann in den Boden bringt, wenn er bis zu einem gewiſſen Grade abgetrocknet und erwärmt iſt. Die zur Saat günſtige Witterung, welche in einem Jahre früher, im andern ſpäter eintritt, beſtimmt noch insbeſondere den Zeitpunkt zur Saat. Sich eigenſinnig und einzig nach Kalendertagen zu richten, kann deßhalb oft einen ſchlechten Erſolg haben, wenn ſchon die in einer Gegend für zuträglich geltenden Tage zur Saat gewiſſer Früchte, ſoferne ſie auf Erfahrungen beruhen, auch nicht unbeachtet zu laſſen ſind.— Gewiſſe Erſcheinungen in der Natur können öfters ſicherer zum Anhalten dienen, wie das Ankommen von Zugvögeln, das Eierlegen mancher Vögel, das Blühen wilder Ge⸗ ſträuche ꝛc. Zufällige Umſtände, wie die noch nicht beendigte Vertilgung von Unkraut, ſchädlichen Thieren ꝛc., beſtimmen zuweilen zur Ver⸗ ſchiebung der Saatzeit. §. 540. Diejenigen einjährigen Pflanzen, welche eine lange Vegetationsperiode haben, müſſen im Frühjahre ſo zeitig geſäet werden, als es ihre Empfindlichkeit gegen Spatfröſte und Näſſe zuläßt; die Saat von ſchnell reifenden — 201 kann dagegen ſpäter vorgenommen werden. Diejenigen, welche eine etwas rauhe oder naſſe Beſtellung eher vertragen, werden im Frühjahr zuerſt beſtellt, ſpäter die, welche einen mehr gepulverten und erwärmten Boden verlangen und keine Fröſte ertragen. VII. Verpklanzen. §. 541. Das Ausſäen der Saamen in Miſtbeete oder auf beſondere Saamenbeete, um die daraus entſproſſenen Pflanzen hernach auf das für ſie beſtimmte Feld zu ver— ſetzen, iſt nothwendig oder doch häufig vortheilhaft bei Ge⸗ wächſen, welche, nebendem daß ſie bei ihrer Entwickelung einen großen Raum erfordern, und behackt werden müſſen, eine lange Vegetationsperiode haben, dabei aber zu em⸗ pfindlich ſind und ein zu gut vorbereitetes Land verlangen, um im Fruühjahr ſehr zeitig unmittelbar aufs Feld geſäet werden zu koͤnnen. §. 542. Das erſte Erforderniß zu dieſer Verfahrungs⸗ art iſt guter Boden und geſchützte Lage für das Saamen⸗ beet(einige Gewächſe, z. B. Tabak, erfordern ſelbſt ein Miſtbeet), und daß ſolches ſchon im Herbſt gehörig gedüngt und vorbereitet werde, um im Frühjahr die Saat möglichſt zeitig vornehmen zu köͤnnen. Durch Ueberſtreuen mit kräf⸗ tigen Dungmitteln, durch Begießen bei trocknem Wetter und Bedecken, wenn Fröſte zu befürchten ſind, wird das Wachs⸗ thum der aufgegangenen Pflanzen weiterhin noch möglichſt zu fördern geſucht. §. 543. Beim Verpflanzen ſelbſt ſuche man wo mög⸗ lich eine mäßig feuchte Witterung zu wählen. Durch An— ſchlemmen der Wurzeln in einem Brei von Jauche und feiner Erde, und durch ſorgfältiges Andrücken beim Setzen wird das Gedeihen der Setzlinge befördert und geſichert. Das Pflanzen geſchieht entweder blos mit der Hand, oder mit Hülfe eines Setzholzes, oder eines Pflanzmeſſers, oder — 265— des Spatens, auch der Haue, mitunter auch nach und mit dem Pfluge. Die Beſchaffenheit des Bodens und der Pflänzlinge entſcheidet, ob die eine oder die andere Pflanzmethode beſſer ſei. Das Pflanzen mit der Hand iſt nur in loſem, mildem Boden räthlich; das Pflanz⸗ meſſer verdient Vorzug vor dem Setzholz; nach dem Spaten oder der Haue pflanzt man nur ziemlich große Pflanzen, welche dicht zu ſtehen kommen und noch größer müſſen ſie ſein, wenn man ſie mit dem Pflug decken will. Um in Linien zu pflanzen, richtet man ſich entweder nach den Furchen des friſch gepflügten Feldes, oder man bedient ſich eines Markeurs. §. 544. Bei den verpflanzten Gewächſen müſſen nach einiger Zeit die Stellen, wo die zuerſt geſetzten Pflänzlinge nicht gediehen ſind, nachgepflanzt werden. Das Nachpflanzen läßt ſich aber auch bei vielen unmittelbar auf das Feld geſäeten Gewächſen mit Vortheil in Anwendung bringen, wenn an einzelnen Stellen die Saaten zurückgeblieben oder zu Grund gegangen ſind. Bei Mais, Raps, Kartoffeln ꝛc. würde ein ſolches Nachpflanzen öfters, ſelbſt bei großen Feldabtheilungen ſich belohnen; ja beim Wintergetreide kann es unter Umſtänden, jedoch nicht ſehr im Großen, mit Vortheil ausgeführt werden. Man vergleiche, was Schwerz in ſeiner belgiſchen Landwirthſchaft darüber ſagt.— Sind größere Stellen in den Getreidefeldern ausgegangen, ſo wird man in der Regel am beſten thun, auf ſolche eine Fruchtart nachzuſäen, welche noch zur Reife kommen kann. Achtes Capitel. Von der Pflege der angebauten Gewächſe. §. 545. Was bei der allgemeinen Pflanzenpro⸗ ductionslehre in Bezug auf Pflege der Gewächſe noch zu — 266— ſagen übrig bleibt, dürfte unter folgenden Abtheilungen zu begreifen ſein: I. Schutzmittel gegen nachtheilige Einflüſſe der Wit⸗ terung. II. Vorbeugung gegen Pflanzenkrankheiten. III. Auflockerung der Zwiſchenräume. IV. Verminderung des Unkrauts. V. Abhaltung und Verminderung ſchädlicher Thiere. I. Schutzmittel gegen nachtheilige Einklüsse der Witterung. §. 546. Die weſentlichſten Vorkehrungen gegen die nachtheiligen Einflüſſe der Näſſe beſtehen in der geeigneten Ausführung der Maßregeln zur Trockenlegung nach Be⸗ dürfniß. Solche ſind bereits im 4., 5. und 7. Capitel angegeben und bleibt nur noch darauf hinzuweiſen, daß nach bedeutenden Regengüſſen und beim Schneeabgang die Waſſerfurchen und Waſſerabzüge nachgeſehen und aufgeräumt werden und daß überhaupt von Zeit zu Zeit erforderlich erſcheinende Nachhuͤlfe nicht unterbleibe. §. 547. Als Schutzmittel gegen Näſſe und Froſt iſt auch das Behäufeln(§. 573) und Bedecken mit Erde vor Winter zu erwähnen. In rauhen Lagen hält man auch die Saaten des Wintergetreides durch ein tieferes Unter⸗ bringen des Saamens für geſicherter. Gegen Spatfröſte im Frühjahr ſchützt unter Umſtänden das Räuchern. §. 548. Als Schutzmittel gegen austrocknende Wit⸗ terung kennen wir: tiefere Bearbeitung und reichliche Düngung des Bodens und Walzen(5. und 6. Cap.) unter Umſtänden dient auch Bewäſſerung(6. Cap.). Bedecken mit Stroh, Moos oder Reiſig iſt nur im Kleinen ausführbar. §. 549. Beſonderen Schutz gegen austrocknende, nament⸗ lich gegen rauhe Witterung gewähren die Einfriedigungen, 267 worunter wir Umfaſſung von Landabtheilungen mit lebenden Hecken, Erdwällen ꝛc. verſtehen. Da mit dieſer Vorkehrung auch ein nicht unbeträchtlicher Aufwand, und häufig auch andere Nachtheile verknüpft ſind; ſo müſſen deren Vor⸗ und Nachtheile gegen einander erwogen werden. §. 550. Durch die Einfriedigungen wird den Gewächſen bis zu gewiſſem Grade Schutz gegen rauhe und austrocknende Winde gegeben; auch iſt anzunehmen, daß die Verflüchtigung düngender Stoffe dadurch einigermaßen gemindert werde. Insbeſondere erweiſen ſich die Einfriedigungen für den Gras⸗ wuchs günſtig. Sie erleichtern auch den Betrieb der Weide⸗ wirthſchaft und gewähren den weidenden Thieren Schutz gegen Kälte und Sonnenhitze. Ueberall wo die Grundſtücke an Straßen, Wege und fremdes Eigenthum angrenzen, iſt den angebauten Gewächſen durch die Einfriedigung mehr Schutz gewährt. Endlich werfen die lebenden Einfriedigungen auch einen Holznutzen ab. §. 551. Als Nachtheile der Einfriedigung ſind anzu⸗ führen, daß die erſte Anlage oft ſchwierig iſt und be⸗ trächtlich koſtet; daß ſowohl durch die Verzögerung des Austrocknens in feuchten Lagen, als durch die Beſchattung den angebauten Gewächſen Eintrag geſchieht; daß es wegen Abhaltung des Luftzuges leichter Lagergetreide gibt und die Erndte verzögert wird; daß die Arbeit mit dem Geſpann an den Rändern etwas erſchwert, auch die Verbreitung des Wurzelunkrauts von da aus erleichtert iſt; daß ſchädliche Inſecten und Vögel in den Hecken ihre Schlupfwinkel fin— den; daß die Einfriedigungen ſelbſt Raum wegnehmen; endlich daß in den Gegenden, wo viel Schnee fällt, dieſer hinter den Hecken ꝛc. ſich anhäuft, und wegen ſeiner Höhe und ſeines langen Liegenbleibens die Winterſaaten erſtickt. §. 552. Wenn demnach die ſchützende Einfriedigung in milder Lage und auf von Natur reichem, zugleich auf — 268— Stallfutterung bewirthſchaftetem Boden, endlich in ohnedieß zu feuchter Lage, zumal mit ſchwerem Boden, in der Regel am unrechten Platze ſein wird; ſo werden dagegen in mehr exponirter Lage, wo zugleich ein Weidewirthſchafts⸗ ſyſtem rathſam iſt, die Einfriedigungen in der Regel größeren Nutzen als Schaden bringen. Daß ſie bei zerſtückeltem Grundbeſitze nicht allgemein ausführbar ſind, liegt nahe. Je mehr Ausdehnung der Weidewirthſchaft, zumal mit Rindvieh, gegeben iſt, um ſo mehr findet man in mehreren, durch ihren land⸗ wirthſchaftlichen Betrieb ausgezeichneten Ländern die Einfriedigung in Aufnahme, wie in England, in der Normandie, in Hol⸗ ſtein, in der Provinz Limburgec. Allgemein wird behauptet, daß man für eingefriedigtes Land in England einen höheren Pacht zahle.— Nicht unbeachtet zu laſſen iſt, daß in Holſtein die einfrie⸗ digenden Hecken jedesmal abgehauen oder doch entaſtet werden, wenn der Weideaufbruch ſtattfindet, wodurch dann in den erſten Jahren der Getreidebau durch den Holzwuchs wenig beeinträchtigt iſt. §. 553. Die im Größeren zweckmäßigſten Einfrie⸗ digungen ſind die mit lebenden Hecken, welche entweder auf den ebenen Boden oder auf Wälle, gefertigt von dem Aus— wurfe gezogener Gräben, angepflanzt ſind. Die Hecken ohne Wälle nehmen weniger Raum weg; die Vereinigung von Wällen und Hecken dagegen gewährt noch mehr Schutz und wegen der Gräben zugleich Anlaß zur beſſeren Trocken— legung der Grundſtücke. Die beſonderen Verhältniſſe müſſen die Wahl im ſpeciellen Falle näher beſtimmen. §. 554. Wenn man fuͤr die Einfriedigung bepflanzte Wäͤlle anlegen will, ſo werden dazu meiſtens zwei Gräben für jeden Wall gewählt, mitunter hat man aber auch nur einen Graben. Das Letzte iſt vorzuziehen, wenn das Grund⸗ ſtuck an Wege, Wieſen ꝛc. grenzt. Man kann dann die Heckenpflanzung am Fuße des Walls gegen den an der Auſſenſeite gezogenen Graben anlegen. Bei Wällen mit — 269— Doppelgräben pflanzt man entweder oben auf den Wall, oder, was in trocknem Boden vorzuziehen, auf beide Böſch⸗ ungen. Schon die Anfertigung der Wälle erfordert nicht geringe Sorgfalt und Umſicht, und noch mehr gilt dieß be⸗ züglich der Aulegung und Heranziehung guter Schutzhecken. Beſonders ſind die Holzarten mit Rückſicht auf Boden, Clima, demnächſtige Nutzung und zu erwartenden Schutz mit Sachkenntniß zu wählen und nach ihrer Natur weiter zu behandeln. Dichte, aber wenig Holznutzen abwerfende Hecken giebt der Weißdorn, die Hainbuche, die Fichte, die Rheinweide(Ligustrum), die Stechpalme. Mehr Holzautzen, aber weniger Dichtheit gewäh⸗ ren Acazien, Birken, Eichen, Haßelnuß. Wo Seidenzucht getrieben werden kann, denke man an Maulbeerhecken.— Man kann auch noch in gewiſſen Entfernungen Hochſtämme auf die Wälle pflanzen, welche gehauen werden, wenn ihr Schatten und ihre Wurzeln zu vielen Schaden verurſachen. Hierher gehören Eichen, Buchen, Pap⸗ peln, ſelbſt Obſtbäume. M. v. Sprengels Lehre von der Urbar⸗ machung, 1838. §. 555. Ob man Behufs der Einfriedigung größere oder kleinere Abtheilungen machen ſoll, hängt theilweiſe von den Verhältniſſen des Beſitzthums und der Einthei— lung der Felder in Schläge ab. Insbeſondere aber ſollte man ſich in der Größe der einzufriedigenden Strecken und der Höhe der Anpflanzungen mit nach der Beſchaffenheit des Bodens und dem größeren oder geringeren Bedürfniß des Schutzes richten. Man findet einen Unterſchied von 5 bis zu 100 und mehr Morgen in der Größe der Koppeln. §. 556. In freien, den rauhen Winden ſtark ausge⸗ ſetzten Lagen kann noch beſonders durch Holzpflanzungen auf den höheren, gegen Nord und Nordoſt gelegenen Punk— ten weſentlich auf Schutz hingewirkt werden, ſo wie auch ſchon Pflanzungen von Bäumen an den Wegen, Triften ꝛc. die nachtheilige Einwirkungen der Winde zu mindern ge— — 270— eignet ſind. Da aber ſolche Pflanzungen auch wieder Raum wegnehmen und auf die allernächſte Umgebung nicht ſelten nachtheilig wirken; ſo muß es genügen im Allgemeinen auf jene Schutzmittel aufmerkſam zu machen, und dabei anzu⸗ deuten, daß auch in dieſer Beziehung nur aus genauer Erörterung der Localverhältniſſe das einzuſchlagende Ver⸗ fahren abgeleitet werden kann. In neueren Zeiten hat Nebbien in ſeinen Schriften die Ein— friedigungengund Schutzpflanzungen beſonders dringend empfohlen, und für allgemein wohl etwas zu hoch geſtellt. II. Vorbeugung gegen Pllanzenkrankheiten. §. 557. Die weſentlichſten Vorbeugungsmittel gegen die häufig Schaden bringenden Pflanzenkrankheiten beſtehen darin, daß man in der Auswahl des Bodens und Saa⸗ mens, ſowie in der Cultur der betreffenden Gewächſe Alles thue, was unter den gegebenen Umſtänden möglich, um der Natur der Gewächſe, ſowie der Natur des Bodens zu ent⸗ ſprechen und zu Hülfe zu kommen. Da aber wo es ſich darum handelt, den bisher häufig vorkommenden Krank⸗ heiten für die Zukunft entgegen zu wirken, müſſen vor allen Dingen die ſpeciellen Urſachen ihrer Veranlaſſung ergründet werden. §. 558. Wir beachten hier nur diejenigen Krankheiten, welche bei vielen Gewächſen vorkommen, nemlich den Honig und Mehlthau, den Roſt und den Brand; der mehr einzeln vorkommenden Krankheiten geſchieht beim ſpeciellen Pflanzen⸗ bau Erwähnung. 1. Der Honig⸗ und Mehlthau. §. 559. Von dieſer Krankheit werden Winter- und Sommergetreide, Schotenfrüchte, Klee, Hopfen und meh⸗ rere andere Gewächſe befallen. Der Unterſchied von Ho⸗ nig- und Mehlthau beſteht blos darin, daß jener als eine — 271— mehr gelbe, zähe, ſüßliche Maſſe ſtallenweiſe auf den Blät—⸗ tern, beſonders auch in den Blattſcheiden zum Vorſchein kömmt, welche erſt nach und nach mehlig wird; während der Mehlthau gleich Anfangs mehr mehlig erſcheint, aber doch immer als der unmittelbare Nachfolger des Honigthaus zu betrachten iſt. Die Blätter und Stengel werden an den beſallenen Stellen ſpäter grau und ſchwarz, und der ſchwarze Staub des Mehlthaues iſt eigentlich ein Pilz, Albigo communis. Häufig findet ſich(ausgenommen bei den Halmfrüchten) bald nachher eine Menge von Blatt⸗ läuſen und andern Inſekten ein, welche beſonders zu einem ſtark verminderten Ertrage beitragen. Am größten iſt der Schaden, wenn die Früchte in der Blüthe oder kurz nachher vom Honigthau befallen werden. Am verheerendſten ſind die Folgen von Mehl- und Honigthau bei Hülſenfrüchten und beim Hopfen, und oft wird der ganze Ertrag zerſtört. §. 560. Dieſe Krankheiten entſtehen hauptſächlich durch atmosphäriſche Einfluſſe, welche eine Störung in der Circulation der Säfte in den Pflanzen veranlaſſen. Durch die Lage und andere örtliche Umſtänden wird das häufige Vorkommen oder der höhere Grad der Krankheit mehr oder weniger beguͤnſtigt. Der Honig- und Mehlthau zeigt ſich am häufigſten nach plötzlichem ſtarkem Wechſel in der Tem— peratur und der Trockenheit und Feuchtigkeit der Atmos— phäre, beſonders in der Nähe großer Flüſſe, Seen und Sümpfe, überhaupt in tiefen feuchten Lagen. Wenn zu Anfang des Sommers, bei warmer und trüber At⸗ mosphäre ein feiner Staubregen fällt, und bald nachher die Sonne ſcheint, ferner wenn der ſogenannte Heerrauch ſtark über die Felder gezogen iſt, ſtellt ſich der Honig- und Mehlthau ebenfalls gern ein. — Das Entſtehen des Heer⸗ oder Höherauchs iſt noch nicht ganz ergründet. Viele glauben, daß er vom Brennen des Bodens her⸗ rührt, welches im Sommer in gewiſſen Gegenden vorgenommen und wovon der Dunſt durch den Wind auf weithin fortgeführt wird. §. 561. Saatzeit, Cultur⸗ und Düngungszuſtand des Feldes, Beſchaffenheit des Saamens, überhaupt ſolche urſachen, welche ein zu gailes oder zu armes Gedeihen der Gewächſe veranlaſſen, können mitwirkend ſein, daß ein ſtärkeres Befallen von Honig- oder Mehlthau erfolgt. Der Hauptgrund bleibt aber ſtets in dem Zuſammentreffen jener atmosphäriſchen Einflüſſe mit einem Moment in der Vegetationsperiode der Pflanze, in welchem ſie für jene Einflüſſe beſonders empfänglich iſt. Hieraus läßt ſich ab⸗ nehmen, wie wenig es in unſerer Gewalt ſteht, den Honig⸗ und Mehlthau zu verhuten. Man vermeide darum, ſolche Fruͤchte zu bauen, welche ihm in gewiſſen Lagen ſtark un— terworfen ſind, ſuche ein uüppiges, wie ein zu mageres Wachsthum durch möglichſt vollkommene Beſtellung zu ver— huten, und entferne die ſtehenden Gewäſſer und Sumpfe, ſo weit es im allgemeinen thunlich ſein kann, durch Trok⸗ kenlegung. Der Anbau von Roggen und Weitzen(Mengfrucht) ſchützt in manchen Gegenden in ſo ferne, als die Mengfrucht nur ſelten be⸗ fallen wird, während Weitzen oder Roggen, jedes für ſich allein gebaut, öfters von der Krankheit heimgeſucht werden. inbeizen der Saamen, Gipſen, Beſtreuen der Pflanzen mit Salzabfällen, Beſpritzen mit Salzwaſſer(1 Theil Salz und 8 Theile Waſſer) empfohlen worden, und daß ſolche Mittel in manchen Fällen jenen ſchädlichen Einflüſſen entgegen wirken können, iſt auch wohl nicht in Abrede zu ſtellen, aber als ausreichend oder ſicher ſchützend, ſind ſie noch weit weniger zu betrachten. Noch iſt E 2) Der Ro ſt. §. 562. Der Roſt beſteht in dem Erſcheinen von roſt— ähnlichen Flecken auf den Blättern und Stengeln der davon befallenen Gewächſe, welche ſpäter ſchwarz werden, ſo daß die Pflanzen woran er im hohem Grade vorhanden iſt, wie halb verbrannt erſcheinen. Er gehört, unter dem Namen — 273— Puccinia, ebenfalls zu den Pilzen, und zeigt ſich am häu⸗ figſten beim Getreide, beſonders beim Weitzen und Spelz. Zunächſt leidet das Stroh, und wenn es ſtark befallen war, taugt es nicht zur Fütterung; aber auch das Korn bildet ſich wegen geſtörter Vegetation der Pflanzen häufig nur unvollkommen aus. Dieſer Fall tritt namentlich dann ſtärker ein, wenn nach dem Erſcheinen des Roſtes kalte und rauhe Witterung länger anhält, oder wenn der Roſt über⸗ haupt das Getreide bald nach der Blüthe befällt. §. 563. In Bezug auf die Entſtehung des Roſtes ſpielen die atmosphäriſchen Einflüſſe zwar auch eine Haupt⸗ rolle, und namentlich zeigt ſich der Noſt gerne, wenn gegen die bisher herrſchend geweſene Temperatur plötzlich eine viel kältere eintritt. Indeſſen ſteht feſt, daß Boden und Culturverfahren ſehr weſentlich dabei mitwirken. Namentlich iſt beobachtet worden, daß gerne Roſt entſtand, wenn das Land, beſonders der Untergrund, vieles kohlen⸗ oder ſchwe⸗ felſaures Eiſenoxydul enthielt, oder ſonſt an Säure litt; ferner wenn es zu mager und flachgründig war, oder wenn es bei der Beſtellung zu hohl und ſchollig ſich machte; ent— gegengeſetzt aber auch wieder, wenn es zu ſtark, namentlich mit friſchem oder hitzigen Dünger, geduͤngt worden war. Die Nähe von Berberitzen, Huflatttig, Silberpappeln und Weiden ſoll auch gerne Mehlthau oder Roſt bewirken, was jedoch nicht erwieſen iſt. §. 564. Wird demnach die Beſtellung der Felder gut und zu rechter Zeit vollbracht, werden die unzuträglichen Düngungsmittel vermieden, und wird namentlich bei ſehr thätigem und reichem Boden die friſche Düngung zu den Vorfrüchten, z. B. dem Rapſe, und nicht unmittelbar zum Getreide gegeben; wird der Boden entſäuert, wo er an Säure leidet, und wird die Krume vertieft, wo ſie, zu— mal bei eiſenhaltigem Untergrunde, zu flach iſt; ſo wird Pabſt Landwirthſchaft. I. 1. Zweite Auflage. 8 — 274— man zwar nicht immer, aber doch oft dem Roſte vor⸗ beugen.. Die Düngung mit Salz ſoll, nach Sinclair's Verſicherung in England ſchon häufig vor dem Roſte geſchützt haben. Allzuſtarke Salzdüngung dürfte aber ebenſowohl Roſt veranlaſſen, wenigſtens wirkte ſtarke Düngung mit Seetang auf das Erſcheinen von vielem Roſte im Weitzen. 3) Der Brand. §. 565. Der Brand im Getreide zeigt ſich als eine ſtaubartige, ſchwarze ſtinkende Materie, in welche entweder blos die Körner, oder die ganze Aehre verwandelt iſt. Auch jene Materie iſt eine Art Pilz, welche mit dem Namen Ustilago oder Uredo belegt worden iſt. Beim Weitzen und Spelz ſind die Spelzen, welche ſonſt das Korn, nun den Brand umhüllen, gewöhnlich nicht brandig und man nennt dieſen Brand Schmier- oder Stinkbrand, auch Steinbrand. (Ustilago sitophila). Bei Gerſte und Hafer iſt die ganze Aehre ergriffen und ſolcher Brand wird, wegen ſeines äußeren Verhaltens, Staub⸗, Ruß⸗ oder Flugbrand, Ustilago(Uredo) segetum, genannt. §. 566. Ueber die Entſtehungsurſachen des Brands herrſchen verſchiedene Meinungen. Manche glauben, daß er dadurch fortgepflanzt werde, daß der anklebende Brand⸗ ſtaub mit dem Saatkorn in den Boden komme und nun dergeſtalt einen Entwickelungsprozeß mit der Pflanze beſtehe, daß er am Ende in der Aehre als Schmarozerpflanze zur Ausbildung gelange, ſobald nicht beſondere Umſtände jenen Vegetations- oder Entwickelungsproceß ſtörten. Mehr dürfte jedoch die Annahme für ſich haben, daß der Brand aus verſchiedenen Urſachen entſtehe, von denen meiſtens mehrere zuſammenwirken und welche durch im Allgemeinen fuͤr die Vegetetation ungünſtige, namentlich zu naſſe oder zu trockne Witterung noch befördert werden, als: a) Ausſaat von — 275— ſchlechten oder wenigſtens nicht recht vollkommen ausgebil⸗ deten oder ausgereiften Saamenkörnern, aus denen ſchwäch⸗ liche, bei geringem Anlaſſe kränkelnde Pflanzen entſtehen; b) verſpätete Ausſaat; c) an ſich der Fruchtart unzuträg⸗ licher Boden, namentlich zu naß gelegene und an Säure leidende Grundſtücke(beim Weitzen auch zu trockner und leichter Boden); dh ſchlecht vorbereitetes, namentlich kloßig und hohl liegendes Land, oder auch ſtark mit friſchem Miſt gedüngtes Feld. §. 567. Als Schutzmittel haben ſich am zuverläſſigſten bewährt: vorzüglich guter, auch zweijähriger Saamen und ein zweckmäßes Einbeizén. Dann bleiben aber immer noch die allgemeinen Bedingungen zu einem guten Gedeihen der betreffenden Gewächſe, hinſichtlich der Auswahl und⸗Zu⸗ bereitung des Bodens, zu erfüllen, wenn man ſich von der Anwendung jener Mittel ſicheren Erfolg verſprechen will. Die Beize, worüber Näheres§. 519, wird gemeiniglich nur beim Weitzen angewendet; man ſollte ſich deren aber auch beim Hafer und der Gerſte bedienen, wo dieſes Getreide häufig Brand zeigt. Verbleichen, Nothreife, Lagern, Auffrieren des Getreides, ſind keine eigentliche Krankheiten, ſondern blos Folgen der Beſchaf⸗ fenheit des Bodens, der Art ſeiner Bearbeitung und der Witterung. III. Auflockerung der Zwischenräume. §. 568. Der Nutzen der Auflockerung des Bodens in den Zwiſchenräumen der vegetirenden Gewächſe iſt im All— gemeinen überall anerkannt und gründet ſich darauf, daß das Unkraut dadurch vertilgt, der Atmosphäre mehr Zutritt geſtattet und den Wurzeln mehr Anlaß zur Ausbreitung gegeben wird. Auf überthätigem, loſem, trocknem Boden kann jedoch eine oftmalige Auflockerung im Sommer auch eine ſtärkere Verflüchtigung von Feuchtigkeit und düngenden Stoffen veranlaſſen. 18* 276— §. 569. Je weitläuftiger die Gewächſe, ihrer ſpäter erfolgenden Ausbreitung und ihres Nutzzweckes wegen, ſtehen müſſen, um ſo nothwendiger iſt, beſonders in der erſten Hälfte ihrer Vegetationszeit, eine Bearbeitung der Zwiſchen⸗ räume, weßhalb dieſe Gewaͤchſe auch im Allgemeinen Hack⸗ früchte benannt werden Aber auch bei weniger ſich aus⸗ breitenden Gewächſen, deren Natur gleich Anfangs einen mehr geſchloſſenen Stand verträͤgt, iſt in vielen Fällen eine Bearbeitung ſtatthaft und nützlich, welche dann entweder mit der Egge zu erreichen geſucht, oder mit der Drilleultur verbunden wird. Nähere Angaben müſſen der ſpeciellen Pflanzenproduetionslehre vorbehalten bleiben. Zugleich bleibt hier auf die Lehre über die Werkzeuge zur Bearbeitung der Hackfrüchte(§. 290 ff.) und über die Drillcultur(§. 530 ff—§. 535) zurückzuweiſen. 1) Das Behacken. §. 570. Durch das Behacken oder Felgen wird ins⸗ beſondere oberflächliche Auflockerung und Unkrautzerſtörung beabſichtigt. Dieſe Arbeit wird deßhalb vorgenommen, ſo⸗ bald die zu bearbeitenden Pflanzen einigermaßen herange⸗ wachſen ſind und das Unkraut zu wuchern oder der Boden ſich zu ſehr zu ſchließen beginnt; auch kann es ſpäter nach Erforderniß wiederholt werden. §. 571. Das Behacken geſchieht im Kleinen oder bei breitwürfig geſäeten Pflanzen mit der Handhacke(Felghaue); im Größeren und bei Reihenenltur mit dem Cultivator(der Pferdehacke), der Furchenegge und ähnlichen Werkzeugen. Sind die Pflanzen regelmäßig ins Kreuz angepflanzt, ſo kann das zweite Felgen mit dem Cultivater alsdann das erſte durch⸗ kreuzen und dadurch die Arbeit vollkommener werden. Bei engen Reihen hat man einſchaarige, bei weiteren dreiſchaarige Cultivatoren. §. 572. Eine wichtige Bedingung bei dem Behacken iſt, dazu eine mehr trockne, als naſſe Witterung zu wählen. 277— Wird im Naſſen bearbeitet oder folgt dem Arbeiter ein Regen auf dem Fuße, ſo wuchert das Unkraut um ſo beſſer fort und das Land wird oftmals feſter nach dem Behacken, als es vorher war. Ungewöhnlich ſoll der Boden jedoch auch nicht ausgetrocknet ſein, weil er dann entweder zu ſchwer zu bearbeiten iſt, oder(bei leichtem Boden) vollends ausdorrt. 2) Das Behäufeln. §. 573. Durch das Behäufeln(Anhäufeln) wird theils der gleiche Nutzen, wie durch das Behacken bezweckt; zu⸗ gleich ſoll den Gewächſen aber auch mehr fruchtbare Erde gegeben und ſie dadurch in den Stand geſetzt werden, theils ſtärker, theils neue Wurzeln(K ollen) zu treiben; auch ſchutzt es vor Näſſe und Froſt und bei hochwachſenden Pflanzen vor dem Aiwere durch den Wind. §. 574. Zum Behäufeln, das im Größeren mit dem Häufel Singe, im Kleineren auch mit der Handhacke geſchieht, müſſen die Gewächſe ſo weit erſtarkt ſein, daß ſie durch die angezogene Erde nicht zugedeckt werden es wird deßhalb in der Regel erſt vorgenommen, nack Zeit vorher ſtattgefunden. Mitunter genügt jedoch das letztere allein und jenes unterbleibt. Der Boden ſoll dazu in einem mäßig trocknen Zuſtande ſein. Wenn Getreide gedrillt worden, iſt die nachfolgende Bearbeitung ein Mittelding zwiſchen Felgen und Anhäufeln. In leichtem Boden muß beſonders hoch und ſtark angehäufelt werden, um dem Austrocknen vorzubeugen; zuweilen unterbleibt das Behäufeln hier lieber ganz und es wird blos gefelgt. §. 575. Die Vortheile, welche die Anwendung der Pferdearbeit mit den dazu gehörigen Inſtrumenten bei der Cultur der Hackfrüchte im Größeren gewährt, beſtehen in Erſparung an Arbeitsaufwand und der dadurch gegebenen Möglichkeit, die Arbeit im ſchicklichſten Zeitpunkt vorzunehmen hdem das Behacken einige — 278— und zu beendigen, überhaupt aber einen ausgedehnten Hack⸗ fruchtbau auch da zu treiben, wo es an Handarbeitern dazu gebrechen würde. §. 576. Die zuletzt angeführten Umſtände ſind es hauptſächlich, welche der Pferdehackcultur ſo allgemeine Aus⸗ breitung verſchafft haben, denn ſonſt wuͤrde häufig eine recht ſorgfältige Handhackeultur einen größeren Mehrertrag ge⸗ währen, als die Koſtenerſparniß durch die Pferdehacke be⸗ trägt. Niemals aber ſollte außer Acht gelaſſen werden, daß die Anwendung der Pferdehackeultur nur dann ſich bewähren wird, wenn das dazu beſtimmte Land eine gute Vorbereitung erhalten hat und nicht mit Wurzelunkraut oder Steinen überfüllt, oder ſehr ſteil gelegen iſt, wenn die Rei⸗ henpflanzungen oder Drillſaaten mit beſonderer Sorgfalt und Regelmäßigkeit geſchahen, und wenn man ſich nicht ſcheut, nach dem erſten Hacken überall, wo ſich ein Be⸗ dürfniß zeigt, mit der Hand nachzuhelfen. Bei zarten, Anfangs lange klein bleibenden Gewächſen, wie Möhren, Mohn ꝛc. iſt ohnedieß ein erſtes Handbearbeiten unerläßlich, und manche Handelsgewächſe, wie der Tabak, erfordern eine ſo ſorgfältige Cultur, welche nur mit der Hand zu erreichen iſt; oder die Beſchädigung durch Thiere ſchadet mehr, als durch die Arbeits⸗ erſparniß gewonnen wird. Da ein Pferd mit einem Manne im Durchſchnitt täglich gegen 4 Morgen bearbeitet, dazu aber 12 bis 20 Handarbeiter erforderlich ſein würden, ſo läßt ſich die mittelſt jener Culturart zu erlangende Arbeitserſparniß leicht ermeſſen. 3) Das Durcheggen. §. 577. Oefters iſt es auch angemeſſen, die Egge, zuweilen auch den Scarrificator, zur Reinigung und Lockerung bereits angeſäeter Felder anzuwenden. Begreiflich kömmt es dabei ſehr auf den Moment an, damit der Zweck erreicht werde, ohne daß in dem Stande der angebauten Pflanzen Schaden bringende Lücken entſtehen. — 279— §. 578. Das Durcheggen wird namentlich öfters an⸗ gewendet: bei Wintergetreide im Frühjahre, wenn ſich der Boden zu ſehr geſchloſſen hat und die Witterung weder zu trocken und rauh, noch zu naß iſt; ferner bei untergepflüͤgten Sommerfrüchten, wie Erbſen, Bohnen, Hafer, Kartoffeln. Vorzüglich günſtig erweiſet es ſich ſodann bei perennirenden Futterkräutern. IV. Verminderung des Unkrauts. §. 579. Unkräuter heißen alle Pflanzen, welche von ſelbſt und gegen unſere Abſicht auf dem cultivirten Boden wachſen und zum Schaden der angebauten Gewächſe Raum und Nahrung wegnehmen, während ſie keinen oder nur einen zufälligen und unbedeutenden Nutzen gewähren. §. 580. Man unterſcheidet zunächſt zwiſchen Saamen⸗ und Wurzelunkräutern; erſtere pflanzen ſich nur durch Saamen fort und ſind ein- und zweijährig; die andern ſind in der Regel mehrjährig und durch Wurzelausläufer fort⸗ pflanzbar. Daß aber die eine oder andere Art von Unkraut vorzugsweiſe und mehr oder weniger ſtark vorkömmt, dazu geben Boden, Lage, Kraftzuſtand, Düngung, Bearbeitung und Fruchtfolge hauptſächlich Veranlaſſung. §. 581. Die Mittel, welche zu einer bis zur Unſchäd⸗ lichkeit zu treibenden Verminderung jener beiden Hauptarten der Unkräuter anzuwenden ſind, ſind theils dieſelben, theils ſind ſie aber auch weſentlich verſchieden. §. 582. Die unter allen Umſtänden geltend bleibenden Hauptmittel, der Ausbreitung des Unkrauts vorzubeugen, liegen in einer guten und ſorgfältigen Bearbeitung des Feldes und in einer zweckmäßig gewählten Fruchtfolge. Sodann ſind hiezu noch behülflich: die ſorgfältige Reinigung der Saamfrucht, die Verhütung des Saamenausſtreuens oder der Wurzelausbreitung der ſo häufig an Rainen, Wegen, — 280— der Saamenverbreitung durch den Miſt. beſonders häuſig; auch unter Wintergetreide.— Ackerlolch, Graͤben und Hecken wachſenden Unkraͤuter und die Verhütung Gegenſtände, welche ihres Orts ſchon zur Sprache gekommen ſind oder noch kommen werden. Man vergleiche die Angaben Sinclairs in ſeinen Grundge⸗ ſetzen des Ackerbaues ꝛc.— In Hohenheim früher angeſtellte Ver⸗ ſuche enthält das Korreſpondenzblatt des landw. Vereins von Würtemberg, 4ter Band. * 1) Beſonderes Verfahren zur Verminderung der Saamenunkräuter. §. 583. Die Saamenunkräuter ſind zu trennen in ſolche, welche einjährig ſind, und hauptſächlich nur unter Som⸗ merfrüchten vorkommen, und in zweijährige, haupſächlich 2* unter Winterfrucht vorkommende. Zu den häufig vorkommenden und meiſtens auch ſehr ſchädlichen Saamenunkräutern gehören: a) Einjährige: Flughafer, Axvena fatua, beſonders gerne in etwas feuchtem, nicht ganz loſem Boden.— Taumellolch, Lolium temulentum, in naſſen Jahren und auf gebundenem Boden Lolium arvense, auf Mittelboden, beſonders gerne unter Flachs.— Bluthirſe, Panicum sanguinale, auf manchen Sandbodenarten in großer Menge und ſchwer zu vertilgen.— Wolfs milch, Eu- phorbia Cyparissias, auf leichtem Boden, beſonders wenn er zur Weide liegt.— Mehrere Arten Knöterich, Polygonum aviculare, P. persicaria, P. covolvulus.— Hanfneſſel, Galeopsis Tetrahit, unter Hanf, Lein ꝛc.— Melde, Atriplex padula, auf leichtem und Mittelboden, beſonders unter Hackfrüchten, Flachs.— Ackerkuh⸗ ¹ weitzen, Melampyrum arvense, auch unter Wintergetreide ſehr häufig.— Steinſaamen, Lithospermum arvense.— Flachs⸗ ſeide, Cuscuta europaea, unter Flachs, Linſen, Klee.— Wucher⸗ blume, Chrysanthemum segetum, eines der ſchlimmſten Unkräuter. Kreutzkraut, Senecio vulgaris, auf mehr trocknem Boden.— 6 Hühnerdarm, Alsine media, auf gutem feuchten Boden oft in Menge und dann die junge Saat gerne unterdrückend.— Hederich, Raphanus raphanistrum, auf Sand⸗ und Lehmboden öfters einer der ſchlimmſten Feinde der Sommerfrucht.— Ackerſenf, Sinapis arvensis, wie der Hederich, mehr noch auf Mittel⸗ und gebundenem Boden.— Täſchelkraut, Thlaspi arvensis, T. bursa pastoris. Hahnenfuß, Ranunculus arvensis, R. acris, auf feuchten Stellen.— b) Zweijährige: Trespe, Bromus secalinus, auf feuchtem Boden, beſonders ſtark in naſſen Jahren.— Klapper⸗ kraut, Rhinanthus cristagalli,— Kornrade, Agrostemma gi- thago.— Kornblume, Centaurea cyanus.— Unächte Cha⸗ millen, Anthernis cotula und A. arvensis.— Gänſediſtel, Sonchus arvensis.— Vogelwicke, Vicia cracca.— Klatſch⸗ roſe, Papaver rheas.— Die Ackerdiſteln, namentlich Ser- ratula arvensis, ſind ebenſowohl hierher, als zu den Wurzelun⸗ kräutern zählbar. §. 584. Durch öfteres Wenden und Eggen des Bodens, nöthigenfalls durch Einſchaltung der reinen Brache, ſowie durch das Bearbeiten der Zwiſchenräume bei dem Hack⸗ fruchtbau, werden die im Boden ruhenden Saamen der Unkräuter um ſo mehr zum Keimen und Wiederzerſtören gebracht, je mehr man den dafür günſtigen Zeitpunkt, nach Maßgabe der Localität, zu benutzen verſteht. Dahin gehört auch das Liegenlaſſen des zur Saat gepflügten Feldes, damit beim Saateggen das gekeimte Unkraut zerſtört werde, das Durcheggen junger Saaten(§. 577) ꝛc. Haben gewiſſe Unkräuter, wie Wucherblume, Hederich, überhand ge⸗ nommen; ſo vermeide man möglichſt den Anbau des Som⸗ mergetreides, beſonders nach vorausgegangener Halmfrucht; baue dagegen mehr Hackfrucht und Grünfutter, in ſchlimmen Fällen unmittelbar hintereinander. Kalkdüngung, Mergel und andere mineraliſche Dungmittel ſind bekanntlich auch mitwirkend zur Reinigung ſtark verunkräuteter Felder. §. 585. Ein weſentliches, und oft das letzte und ein— zige Abhülfemittel bleibt ſodann das Jäten. Da daſſelbe koſtſpielig iſt, ſo entſteht in dem Falle, wo in Folge ver— nachläſſigter Cultur oder ungünſtiger Witterung unter den Saaten vieles Unkraut ſich eingefunden hat, die Frage, ob — 282— das Jäten durch den zu erwartenden Vortheil eines beſſeren Gedeihens der Saaten ſich auch bezahlt machen werde, wobei aber auch beſonders das verhinderte Ausſtreuen des Unkraut⸗ ſaamens und die damit für die Folge vorgebeugte Verunkrau⸗ tung des Feldes in Anſchlag zu bringen iſt. In den meiſten Fällen wird man ſich gewiß für das Jäten zu entſcheiden haben, ſobald man die erforderlichen Arbeiter aufbringen kann. Wo es aber wegen zu großer Menge des Unkrauts allzu koſtſpielig kommen muß, oder wo ſich das Unkraut im Uebermaaß eingefunden hat, während es an Menſchen⸗ händen zum Jäten gebricht, da thut man öfters beſſer, das ganze Feld abzumähen, das Gemähte grün zu verfüttern und dann noch etwas anderes zu bauen. Die trotz voraus⸗ gegangener ſorgfältiger Bearbeitung, ſich noch in geringer Menge einſtellenden ſchädlichen Unkräuter durchs Jäten zu entfernen, heißt einer guten Cultur die Krone aufſetzen. §. 586. Wer ſeine Früchte jäten laſſen will, fange damit an, ſobald die Größe des Unkrauts ein Ausziehen leicht geſtattet, denn je eher es geſchieht, um ſo weniger hat das Unkraut noch die Saat unterdrückt und Nahrung weggenommen, und um ſo weniger leidet die Saat durch das Zertreten. Bei Beurtheilung über die Nothwendigkeit des Jätens iſt nicht nur die Menge, ſondern auch die Schädlichkeit des Unkrauts in Betracht zu nehmen. Bei einigen Gewächſen iſt das Jäten unentbehrlich, die voraus⸗ gegangene Bearbeitung des Feldes mag auch noch ſo gut geweſen ſein, wie beim Flachs, den Möhren ꝛc. Bei andern verliert der Körnertrag am Preis, wenn Unkrautſaamen darunter iſt, z. B. beim Weitzen. Dadurch, daß man Kinder zum Jäten unter gehöriger Aufſicht verwenden kann, laſſen ſich die Koſten vermindern. In Gegenden, wo es viele unbemittelte Leute giebt, welche etwas Vieh halten, kann man ſogar das Wintergetreide im Frühjahr unentgeldlich ge⸗ gejätet erhalten. — 283— 2) Verminderung der Wurzelunkrauter ins⸗ beſondere. §. 587. Die Wurzelunkräuter pflanzen ſich zwar auch vielfältig durch den Saamen fort, indeſſen iſt doch bei den meiſten die Verbreitung durch Wurzelausläufer vorherrſchend, und in der Entfernung der Wurzeln aus dem Boden iſt auch das weſentlichſte Abhülfemittel zu ſuchen. Häuſig vorkommende Wurzelunkräuter ſind: Schachtelhalm, Equisetum arvense, gerne auf feucht-gründigem, in der Oberkrume leichtem Boden.— Quecke, Triticum repens, auf den meiſten Bodenarten, am liebſten auf lockerem, feuchtem Boden.— Wind⸗ halm, Agrostis spica venti und A. vulgaris, ähnlich wie die Quecken wuchernd.— Ampfer, Rumex acetosa und R. acetosella, wo der Boden an Säure leidet.— Ackerwinde, Convolvulus arvensis, gerne auf kalkhaltigem Boden.— Huflattich, Tussi- lago farfara, auf Lehm und Thon, beſonders kalkhaltigem, ſehr tief gehende Wurzeln.— Attich, Sambucus Ebulus, auf gutem, ge⸗ bundenem, feuchtem Boden.— Brombeere, Rubus caesius, gerne auf mergeligem Untergrunde.— Hauhechel, Ononis spinosa, auf leichtem Boden, beſonders wenn er zur Weide liegt. Dieſe drei letzten Unkräuter gehen mit den Wurzeln ebenfalls ſehr in die Tiefe. Kriſechender Hahnenfuß, Ranunculus repens, auf feucht ge⸗ legenem Boden. §. 588. Viele Wurzelunkräuter wuchern beſonders in zu naſſer Lage; hier iſt alſo Trockenlegung als erſtes Mittel dagegen angedeutet. Sodann muß möglichſt vermieden wer⸗ den, den von Unkrautwurzeln, wie Quecken ꝛc. beläſtigten Boden in verhältnißmäßig feuchtem Zuſtande zu pflügen, und noch mehr ihn in feuchtem Zuſtande zu eggen. Man laſſe vielmehr den mit gut abſchneidenden Pflügen in trock⸗ nem Zuſtande mehr tief, als flach gepflügten Boden in rauher Furche längere Zeit liegen und austrocknen und ge⸗ brauche die Egge nur dann, aber auch tuüͤchtig, wenn das Land recht trocken iſt, und ſchaffe ſodann die ausge⸗ eggten Wurzeln vom Felde., Kann man Doppelpflügen — 281— anwenden, ſo werden dadurch die Unkrautwurzeln in die Tiefe gebracht und müſſen verfaulen, wenn man die gehörige Zeit bis zum Wiederpflügen verſtreichen läßt. Auch der Anbau von dicht ſtehenden, beſchattenden Gewächſen, wie Buchweitzen, Grünwicken ꝛc. unterdrückt das Wurzelunkraut. Hackfruchtbau genügt nur dann, wenn trockne Sommer und Handcultur zu Hülfe kommen. Durch nach den vorhin gegebenen Andeutungen angewendete reine Brache iſt in der Regel der Zweck ſicherer zu erreichen. §. 589. Bei manchen, namentlich den ſehr tief wur⸗ zelnden Unkräutern, wie Huflattig, Brombeere, Attich, Hauhechel ꝛc. iſt die ſorgfältigſte Cultur mit Anwendung der ebenbenannten Mittel nicht hinreichend zur Zerſtörung. Hier muß dann Ausſtechen mit eigens conſtruirten Unkraut⸗ ſtechern, oder ſelbſt Ausgraben, zu Hulſe genommen werden. Ein ſorgfältiges öfteres Ausziehen oder Abkneipen der wie⸗ der hervorkommenden jungen Triebe iſt noch beſonders zu empfehlen. Ausführlicheres in Teintl, die Unkrautpflanzen und deren Vertilgung, Wien 1827.— Celnard, Kunſt den Boden fruchtbar zu machen, überſetzt von Haumann.— Landwirthſch. Zeitſchrift von Heſſen 1835.— Sodann beim ſpeciellen Pflanzen⸗ und Wieſenbau. V. Abhaltung und Verminderung schädlicher Thiere. §. 590. Thiere verſchiedener Art thun durch Abfreſſen der Saaten, Bluthen, Saamen und Wurzeln dem Feld⸗ ertrag häufig mehr oder weniger Schaden, welchem der Landwirth durch Abhalten und Vertilgen nach Möglichkeit vorzubeugen ſuchen muß. Es iſt zu dem Ende wichtig, die Naturgeſchichte der ſchädlichen Thiere, namentlich die Art und Zeit, wie ſie ſich vermehren, genau zu erfdrſchen, weil ſich daraus allein die ſicherſten Mittel, dem Ueberhandnehmen vorzubeugen, abnehmen laſſen. — 285— Leuchs, Abhaltung, Vertilgung ꝛc. ſchädlicher Thiere, Nürn⸗ berg, 1831.— Zenkers Naturgeſchichte der ſchädlichen Thiere. 1) Vierfüßige Thiere. §. 591. Größeres Wild wird durch Umzäunung, Scheuchen und Hüten abgehalten; für Haſen wendet man bei Bäumen und Weinſtöcken auch widrig riechende Sachen, als Hirſchhornöl, Assa foetida, Fuchsfett, Seife ꝛc. an. §. 592. Hamſter finden ſich hauptſächlich nur in ebenen Gegenden mit etwas gebundenem, ſteinloſem Boden und thun hier durch das Wegſchleppen der reifen Früchte großen Schaden. Man hat verſchiedene Arten von Fallen, gräbt ſie in ihren Höhlen aus, was ſich oft ſchon durch die daſelbſt ſich findenden, von den Hamſtern aufgeſpeicherten Körner bezahlt macht; auch werden von den Regierungen gewöhnlich Preiſe für die eingelieferten Felle bezahlt. Hamſterfallen ſind beſchrieben in Reichardt's Land-⸗ und Gartenſchatz, 1ter Th. §. 593. Die Maulwürfe freſſen zwar die Wurzeln, der Pflanzen nicht, wie man gewöhnlich glaubt, ſondern nützen ſogar noch, indem ſie die Wuͤrmer verzehren; aber indem ſie dieſen nachſtellen, wühlen ſie die Erde bei jungen Saaten und Pflanzen, auf Wieſen ꝛc. heraus. Das Weg⸗ fangen durch Schlingen und Tödten durch Selbſtſchüſſe wird am häufigſten zu ihrer Vertilgung angewendet; auch hat man neuerer Zeit erprobt, ſie durch die zur Vertreibung der Mäuſe bekannten Räuchermaſchinen aus ihren Höhlen zu bringen, wornach ſie leicht zu tödten ſind. Näheres hierüber findet ſich in Andree's ökonomiſchen Neuig⸗ keiten v. 1829. §. 594. Die Feldmäuſe, deren es mehrere Arten giebt, vermehren ſich hauptſächlich in trocknen Sommern und Herbſten oft ungeheuer und fügen dann ſowohl der Erndte, wie den jungen Saaten, großen Schaden zu. Es — 286— giebt vielerlei Mittel, ſie zu vermindern, welche jedoch nur dann einigen Erfolg haben, wenn ſie gleich Anfangs, wo ſich eine Vermehrung der Mäuſe zeigt, beſonders aber wenn ſie gleichzeitig in ganzen Fluren zur Ausführung kommen. Die bewährteſten ſind: Gift, durch ſichere Perſonen, mit Aepfeln, Rüben, Pfannkuchen, Körnern(in Giftwaſſer ge⸗ ſotten) in die Höhlen gelegt; das Bohren von Löchern in den Gängen zwiſchen den Mauslöchern, oder das Verſenken von Töpfen, um die hineingefallenen Mäuſe dann zu tödten (die Töpfe könner auch mit Waſſer halb gefüllt werden); ferner das Ausgießen der friſchen Löcher mit Waſſer, nach⸗ dem alle Löcher vorher zugetreten waren: das Ausräuchern, wozu man ein eigene Maſchine hat(beſchrieben in Schwerz's belgiſcher Landwirthſchaft) hat ſich im Größeren nicht be— währt. Das Schonen der Thiere, welche den Mäuſen nach⸗ ſtellen, wie Füchſe, Katzen, Raben und Eulen, iſt gewiß auch ein Mittel, dem Ueberhandnehmen der Maͤuſe vorzu⸗ beugen. Veim Pflügen der Felder, worin viele Mäuſe waren, iſt noch beſonders zu empfehlen, hinter jedem Pfluge ein oder zwei Buben anzuſtellen, um die hervorkommenden Mäuſfe todt zu ſchlagen. Auch beim Ausgießen der frifch geöffneten Löcher mit Waſſer kann man viele hervorkommende Mäuſe tödten. Naſſe Witterung, beſonders auch Glatteis und eine Art epide⸗ miſche Räude, welche ſich zuweilen unter den Mäuſen einſtellt, ver⸗ mindern glücklicher Weiſe in der Regel im Spatherbſt und Winter die Mäuſe ſo ſtark, daß im folgenden Frühjahr nicht viel übrig geblieben ſind, wenn fie auch im Herbſt ungewöhnlich zahlreich waren. 2) Vögel.. §. 595. Tauben, Krähen, Sperlinge und viele andere Vögel ſchaden entweder durch das Aufleſen des geſäeten Saamens, oder indem ſie die reifenden Früchte in großen Schwärmen überfallen. Viele Vögel ſind dagegen Feinde der Mäuſe, Inſecten, Schnecken ꝛc. Man unterrichte ſich — 287— deßhalb genau, welche Vögel uns mehr nützlich, als ſchäd⸗ lich ſind, bevor man einen Vertilgungskrieg gegen dieſe armen Thiere beginnt. Durch Verſcheuchen läßt ſich auch häuftg größerem Schaden vorbeugen. 3) Inſecten. §. 596. Eine große Zahl der in dieſe Claſſe gehörigen Thiere, theils im ausgebildeten, theils im Larvenzuſtande, fügt unſeren landwirthſchaftlichen Producten Schaden, oft ſehr beträchtlichen, zu und noch zur Zeit ſind wir bei der Mehrzahl ungewiß oder ſelbſt ganz im Dunkeln, ob und welche Vorbeugungs⸗ oder Vertilgungsmittel vorkommenden Falls genügenden Erfolg verſprechen. Lernen wir wenigſtens die ſchlimmſten dieſer Feinde näher kennen. a) Käfer. §. 597. Der Maikäfer, Melonthra vulgaris. Iſt ſchon der Schaden beträchtlich, den die Maikäfer in manchen Jahren bei den Obſt- und Waldbäumen anrichten, ſo iſt doch der Schaden, welchen deren Larven, die drei bis vier Jahre in der Erde lebenden Engerlinge, durch Verzehren der Wurzeln junger Saaten, des Klees, Graſes, der Knol⸗ lengewächſe ꝛc. verurſachen noch weit beträchtlicher. Das wirkſamſte Mittel großem Schaden vorzubeugen iſt: in der gan⸗ zen Flur mit Einſchluß der Waldränder durchgeführtes tägliches Abſchüͤtteln der in Menge auf den Bäumen ſich zeigenden Käfer und Tödten derſelben. Dann ſind noch zu empfehlen: Ableſen der Engerlinge beim Pfluͤgen der Felder, wo ſich deren viele zeigen; Auftreiben der Schweine auf die abge⸗ erndteten Felder, wo ſich viele Engerlinge zeigten; Um⸗ hacken der Stellen, wo die Pflanzen größtentheils durch den Engerlingfraß abſterben. Im Großherzogthnm Heſſen beſtehen polizeiliche Verordnungen zu Vertilgung der Maikäfer, Raupen ꝛc. — 288— Die Maikäfer können den Schweinen und dem Federvieh ge⸗ füttert werden; es iſt jedoch Vorſicht nöthig, daß man nicht zuviel davon gebe. Auch kann ein zu Wagenſchmier ꝛc. brauchbares Fett aus den Maikäfern gepreßt werden. Man unterrichtet ſich gründlich über diefen Gegenſtand in: Plieningers„der Maikäfer als Larve und als Käfer“ Stutt⸗ gart 1834.“ Einigen Schaden, jedoch weit weniger als der Maikäfer, ver⸗ urſacht auch der ihm ähnliche, aber kleinere, Brachkäfer(Melo- lonthra solsticialis.) §. 598. Die Erdflöhe, Haltica, deren es eine be⸗ trächtliche Zahl verſchiedener Arten giebt, als H. oleracea, H. napi, H. brassicae etc.— gehören zu unſeren weit ver⸗ breiteſten Pflanzenzerſtörern. Sie greifen eine Menge junger, kaum aufgeſproßter Pflanzen an, beſonders alle Kohl- und Nuͤbenarten(Naps, Rübſen ꝛc.) Lein, Klee, Hülſenfruͤchte, und vernichten große Strecken der Saaten ſolcher Pflanzen. Warme Witterung, warmer Dünger, warmer Boden, be⸗ gunſtigen weſentlich ihre Entwickelung. Ganz zuverläſſige Abhaltungsmittel gegen den Erdfloh ſind bis jetzt nicht be⸗ kannt; aber mit mehr oder weniger Glück wendet man folgende Mittel dagegen an: Einbeizen des Saamens mit Kalk, Jauche und ſtinkenden Sachen, namentlich Assa foetida; Düngung mit Jauche, Kalk, Knochenmehl, Aſche, Ruß, Salz, theils vor, theils nach der Saat; ſtreuen von Tabaksſtaub; Ueberſpritzen mit Waſſer worin Salz aufge⸗ lößt, oder Knoblauch, Hollunder, Fiſchreſte ꝛc. gekocht; Nach⸗ ſäen von Saamen, deren Pflanzen der Erdfloh beſonders gerne verzehrt, unter die eigentliche Saat, als Creſſe, Raps ꝛc.; Saen von Hanf und anderen Pflanzen, deren Geruch den Erdflöhen zuwider, als Einfaſſung der Beete. V §. 599. Der Glanzkäfer, Nitidula aenea, iſt be⸗ V ſonders dem Raps und Rubſen gefährlich, indem er deſſen Bluͤthe zerſtört. Ein practiſch anwendbares Vertilgungs⸗ mittel kennen wir leider bis jetzt nicht. — 289— §. 600. Mehrere Rüſſelkäferarten, oder deren Lar⸗ ven, richten ebenfalls unter verſchiedenen Gewächſen häufig Schaden an, als Curculio napi(der Pfeiffer) an den Scho⸗ tenölgewächſen, Curculio pisi, Erbſenkäfer, an den Huͤlſen⸗ früchten; ferner der Apfelruͤſſelkäfer, Curculio pomorum, deſſen Made die Apfelblüthen zerſtört, u. a. §. 601. Des Zuſammenhangs wegen möge hier auch noch der ſchwarze Kornwurm, Calandra granaria, an⸗ gefuͤhrt ſein. Er gehört ebenfalls zu den Rüſſelkäfern, legt ſeine Eier im Frühjahre in die Körner; nach 6 Wochen entſteht die Made, welche das Innere des Korns verzehrt, ſich einpuppt, und im Juli als Käfer wieder zum Vorſchein kömmt, der ſich noch längere Zeit in dem Kornhaufen auf⸗ hält, über Winter aber in Ritzen oder in der Erde verbirgt. Außer den allgemein auf den Speichern als Vorbeugungs⸗ mittel zu beobachtenden Regeln(ſ.§. 645) empfiehlt man das Hinlegen ſtark riechender Gegenſtände, wie Hopfen, Tabak ꝛc., das Umgeben der Fruchthaufen im Fruühlinge mit einem Ringe von Aſche, öfteres Rollen und Anwerfen der Körner, damit die Käfer entfliehen oder ſterben. Ueber den weißen Kornwurm ſ.§. 606. b) Raupen von Schmetterlingen. §. 602. Nicht weniger großen, oder noch größeren Schaden fügen einer großen Zahl von Gewächſen die Raupen verſchiedener Schmetterlinge zu. Namentlich ſind ihnen Kohl⸗ und Rübengewächſe und Obſtbäume ausgeſetzt, aber auch Getreide und Gras und verſchiedene andere Ge⸗ wächſe werden von ihnen heimgeſucht. §. 603. An Kohlarten, Rübſen ꝛc. erweiſen ſich namentlich häufig ſchädlich: der Kohlweißling, Pa— pilio(Pontia) brassicae, beſonders am Weißkohl, an den Kohlrüben ꝛc.; der Rüben⸗ und Rapsfalter, Papilio (Pieris) rapae und napi, die Saateule, Noctun(Agrotis) Pabſt Landwirthſchaft. I. 1. Zweite Auflage. 19 — 290— seggetum, ſowohl den Raps, als das Wintergetreide ver⸗ zehrend, hält ſich am Tage in der Erde auf. Bei den bereits ausgebreiteten Pflanzen, wie Weißkohl, können die ganz jungen, noch truppweiſe zuſammenſitzenden Raupen in Menge vertilgt werden; bei den andern kann Streuen von Kalk, Gips, Aſche, ſowie Walzen einige Minderung be⸗ wirken. §. 604. Auf Wieſen kann die Graseule, Noctua (Hadena) popularis, und die Grasmotte Noctua(Episema) graminis, Schaden anrichten. Den Flachs verzehrt zuweilen die Noctua(Plusia) gamma. §. 605. Die den Obſtbäumen ſchädlichſten Raupen ſind: der Baumweißling, bapilio(Pontia) Crataegi; die ausgekrochenen Räupchen überwintern in Geſpinnſten (Neſtern); die Stammmotte, Bombyx(Liparis) Dispar, verzehrt vom Mai an Blätter, Bluͤthen und Früchte; der Goldafter, Bombyx(Liparis) Chrysorrhoea, eine der verheerendſten Obſtbaumraupen, welche ganze Plantagen entblättert; die Ringelraupe, Bombyx(Gastropacha) Neustria, legt ihre Eier als bunte Ringchen um die Zweige, die Räupchen halten ſich zu Anfang des Frühlings noch in Neſtern beiſammen; der Froſtfalter, Geometra Brumata; die bekannte ſchädliche Spannraupe, durch die viel empfoh⸗ lenen Theerbänder im Spatherbſt abzuhalten; der Apfel⸗ wickler, Tortrix(Carpocaspa) pomonana, welcher beſonders die Aepfel und Birnen anſticht(wurmſtichig macht). Außer den beſonderen Vertilgungsmitteln, welche ſich aus der ge— naueren Kenntniß der Naturgeſchichte einer jeden Raupen⸗ art ergeben, werden als allgemeine Vertilgungsmittel der Obſtbaumraupen empfohlen: Abkratzen der halb loſen äußeren Rinde, Anſtreichen der glatt gemachten Rinde mit Kalk⸗ waſſer, Beſpritzen der Baͤume mit Salz- und Seifenwaſſer, Pudern mit Kalkſtaub mittelſt beſonderer großer Streubüchſen, — 291— Wegſchießen der truppweiſe oder in Neſtern beiſammen ſitzen⸗ den jungen Raupen. §. 606. Aus gleichen Gründen, wie(§. 601) den ſchwarzen Kornwurm, führen wir hier auch noch den weißen Kornwurm, oder die Kornmotte, Tinea granella, auf. Der kleine Nachtſchmetterling, die Kornmotte, legt ſeine Eier zu Anfang des Sommers an die Getreidekörner, die bald entſtehenden Räupchen überziehen die Kornhaufen theil⸗ weiſe mit einem Geſpinnſte und zerfreſſen die Körner; gegen den Winter verpuppen ſie ſich. Zur Zeit, wo die Motte erſcheint, ſoll man mit Schwefel ꝛc. räuchern, die Korn⸗ haufen mit Tuͤchern belegen; von den angegriffenen Haufen aber ſoll man vorerſt blos die oberen Schichten, ſoweit der Kornwurm eingedrungen, abnehmen und dann erſt die noch reine untere Frucht bei Seite ſchaffen(ſ.§. 647). c) Maden von Fliegen. §. 607. Die Maden mehrerer Fliegen ſind bisweilen einzelnen Gewächſen ſchädlich, als die Rüͤbenmücke, Ocyptera brassicaria, von deren Made die knolligen Auswüchſe am Raps und Rübſen herrühren; die Maden der Tenthredo rapae, welche beſonders den Weißruͤben gefährlich ſind; die Oscinis pamilionis und 0. frit, in den Halmen des Ge— treides. d) Heuſchrecken und Grillen. §. 608. Die gewöhnlichen Heuſchrecken thun ſelten bedeutenden Schaden; um ſo größer ſind die Verheerungen, welche die Wanderheuſchrecke, Acridium migratorium, in den öſtlichen Gegenden anrichtet. Zuweilen kömmt ſie bis in das nordöſtliche Deutſchland. Sobald ſie ſich einſtellt, ſind durchgreifende, von der Staatspolizei unterſtutzte Maß⸗ regeln nothwendig. Ausführliches über die Wanderheuſchrecke im 20. und 23. Bande der Mögliner Annalen. 19⸗ — 292— §. 609. Die Maulwurfsgrille, Gryllotalpa vul- garis, ſchadet an manchen Orten den jungen Saaten, auch dem Klee und den Wieſen nicht unbedeutend. Auch die Blattläuſe, Spinnen, Ameiſen und einige andere Inſecten ſind hier noch zu erwähnen. Man vergl. auch: 25. und 26. Bd. der Mögl. Annalen. 4) Schnecken und Würmer. §. 610. Von dieſen Thieren thut bei der Landwirth⸗ ſchaft die graue Ackerſchnecke, Limax agrestis, den mei⸗ „ ſten Schaden. Site ſtellt ſich hauptſäͤchlich in naſſen Herbſten I auf der jungen Winterſaat gerne ein, und zwar lieber auf gebundenem, als ſandigem Boden, ſtärker nach Brachfruchten, als nach reiner Brache. Sie frißt die jungen Saaten ſo kahl ab, daß oft ganze Strecken zerſtört ſind und neu beſäet 6 werden müſſen; auch die Kartoffeln, Ruͤben und der Klee werden von ihr ſtark angegriffen. Einige Hülfe gewährt das Walzen der Saaten bei Nacht, beſſer aber iſt das Streuen von Kalk, mit Salz und Aſche vermiſcht, imgleichen von Gerſtenſpreu(Grannen), welches ebenfalls bei Nacht vorzunehmen iſt, wo die Schnecken auf dem Saamen ſtitzen, während ſie über Tag im Boden verborgen liegen. Einigen Schaden an manchen jungen Saaten verurſacht auch der Regenwurm. — 293— Neuntes Capitel. Von der Erndte. §. 611. Sobald die angebauten Gewächſe reif, d. h., in ihrer Entwickelung ſo weit vorgeſchritten ſind, daß entweder ihr Saamen völlig ausgebildet iſt oder daß ſie wenigſtens für den ihrem Anbau zu Grund liegenden Zweck den höch⸗ ſten Werth erlangt haben, müſſen ſie abgemacht und ein⸗ gebracht— geerndtet— werden. §. 612. Das Verfahren bei der Erndte muß ſich nach der Beſchaffenheit und beſonderen Beſtimmung der abzu⸗ erndtenden Producte richten, und bei der großen Verſchieden⸗ heit der letzteren muß begreiflich auch die Methode der Erndte ſehr verſchieden ſein. Es können deßhalb hier nur gewiſſe allgemeine Regeln, und namentlich ſolche, welche ſich auf die Erndte der Körnerfrüchte beziehen, Platz finden. Dagegen ſchließen wir auch die Regeln für die Aufbewahrung und das Enthülſen(Ausdreſchen) dieſer Producte mit ein. Alles Uebrige fällt der Lehre vom ſpeciellen Pflanzenbau anheim. §. 613. Die Lehre von der Erndte zerfällt in folgende Abtheilungen: I. Nothwendigſte Vorbereitungen. II. Wahl des richtigen Zeitpunkts. III. Das Abbringen. IV. Die Behandlung der abgemachten Früchte auf dem Felde. V. Das Einbringen. VI. Die Aufbewahrung des eingebrachten Getreides. VII. Das Enthülſen der Körner. VIII. Die Aufbewahrung der Körner. 294 I. Rothwendigste Vorbereitungen. §. 614. Damit das wichtige Geſchäft der Erndte in keiner Art geſtört und aufgehalten ſei, müſſen da, wo man in Strohbande bindet, zu gelegener Zeit vorher die erforder⸗ lichen Garbenbande angefertigt werden; die Scheunen müſſen einige Zeit vor Beginn der Erndte gereinigt und ausgelüftet worden ſein; das Arbeits- und Fuhrgeſchirr muß gehörig in Stand geſetzt ſein; vorzüglich aber muß man ſich der erforderlichen Zahl guter Arbeiter in Zeiten verſichert haben. II. Wahl des richtigen Zeitpunkts. §. 615. Die Wahl des rechten Zeitpunktes iſt in ſo ferne von beſonderer Wichtigkeit, als davon der größtmög⸗ lichſte Gewinn in der Quantität und Qualität der Erndte weſentlich abhängt. Im Allgemeinen gilt bei allen Kör⸗ nerfrüchten als Grundſatz, daß es, abgeſehen von der Witterung, vortheilhafter ſei, den höchſten Grad der Reife nicht abzuwarten, ſondern die Erndte zu beginnen, bevor der Halm völlig abgeſtorben iſt und die Körner zwar nicht mehr ſehr weich, jedoch auch noch nicht ganz hart gewor⸗ den ſind. Man verliert dadurch nichts an der Qualität, gewinnt aber in der Quantität, indem weniger Körner durch's Ausfallen verloren gehen; auch behält das Stroh einen höheren Futterwerth.— Bei Hülſen⸗ früchten, Raps und andern Früchten, welche ungleich reifen und gerne ausfallen, ſetzt man ſich großem Schaden aus, wenn man mit dem Abbringen zu lange zögert. §. 616. Da gute Witterung ein ſo weſentliches Be— duͤrfniß für eine gute Vollbringung der Erndte iſt, ſo muß man ſich in dem Beginn der letztern, außer dem Grad der Neife der Früchte, noch beſonders nach der Witterung richten. Man ſchreite zu dem Ende einige Tage fruͤher zur Erndte, als es nach dem Zuſtande der Körner eigentlich ſein ſollte, wenn das Wetter günſtig iſt; laſſe dagegen bei ungünſtigem — 295— Wetter die reifen Früchte lieber einige Tage länger auf dem Halme ſtehen. Die Erndte etwas vor der völligen Reife zu beginnen, iſt noch beſondere Regel für größere Wirthſchaften, welche nicht ſo viel Ar⸗ beiter haben, um in kurzer Zeit das angefangene Geſchäft beendigen zu können. III. Das Abbringen. §. 617. Zum Abbringen der Erndte bedient man ſich, ausgenommen die Gewächſe, welche ausgezogen oder bei denen die Wurzeln geerndtet werden, der Sichel, der Senſe und der Hauſichte(des Sichets). Meiſtens braucht man mehrere dieſer Werkzeuge nebeneinander, in manchen Gegenden kennt man aber nur eins davon und bringt Alles damit ab. §. 618. Die Sichel hat zum Vorzug: 1) daß die damit abgebrachte Frucht geordneter zu liegen kömmt und deßhalb leichter rein auszudreſchen iſt; 2) daß am wenigſten Halme und Aehren auf dem Felde verſtreut werden; 3) daß insbeſondere ſtark gelagertes und verworrenes Getreide mit geringerem Verluſte geſchnitten werden kann; 4) daß Weiber und ſelbſt ſtärkere Kinder damit arbeiten können; 5) daß bei überreifen oder an ſich ſehr leicht ausfallenden Fruͤchten ein ſtarker Körnerausfall am eheſten vermieden werden kann. §. 619. Die Senſe gewährt den Vortheil, daß die Arbeit etwa halb ſo hoch oder ſelbſt noch niedriger, als beim Schneiden kömmt, daß die Erndte ſchneller abgefertigt werden kann und das Stroh näher am Boden abkömmt. Das Abbringen mit der Senſe erfordert aber gut eingeübte Arbeiter und zweckmäßige Geſchirre, und iſt um ſo ſchwerer, je höher die Frucht gewachſen iſt; endlich muß auch nach dem Aufbinden das Feld mit dem Hungerrechen überfahren werden. Ein geſchickter Mäher bringt in einem Tag 1 ½ bis 2 ½˖ M. und zuweilen noch mehr ab, während man zum Schneiden eines — 296— Morgens 2 bis 5 Perſonen nöthig hat. Die Sichel hinterläßt wenigſtens Hand hoch höhere Stoppeln, als die Senſe.— Bei nicht hoch gewachſener Frucht(Gerſte, Hafer) bedient man ſich eines ſo⸗ genannten Reffs, bei lang gewachſener(z. B. Roggen) wird mit der mit einem Bügel verſehenen Senſe gegen die noch ſtehende Frucht angehauen und durch eine nachfolgende Perſon das Abge⸗ hauene abgenommen. In Norddeutſchland hat man größere Senſen, als in Süddeutſchland, und dort fertigt ein Mäher auch ein Bedeu⸗ tendes mehr, als hier. §. 620. Die Hauſichte iſt ein Mittelding zwiſchen Senſe und Sichel. Sie hat den Vorzug, daß die Frucht von dem Hauer ſogleich in Gelege(Fröſche) gebracht wird und daß ſie bei gelagerter Frucht beſſer, als die Senſe zu gebrauchen iſt. Ihre Führung erfordert aber beſondere Ge⸗ ſchicklichkeit und viele Uebung. Es wird damit etwas weniger abgefertigt, als mit der Senſe. Sie iſt in den Niederlanden und in mehreren Gegenden Nord⸗ deutſchlands im Gebrauche. §. 621. Bei großen Gütern iſt es ſchon wegen der Nothwendigkeit, die Erndte in einer beſtimmten Zeit mit einer gewiſſen Anzahl von Arbeitern zu beendigen, Erſor⸗ derniß, ſich vorzugsweiſe der Senſe oder der Hauſichte zu bedienen. Die Vortheile, welche dieſe Inſtrumente an ſich gewähren, ſind aber groß genug, um ſich ihrer auch da, wo man Schnitter genug haben könnte, bei nicht gelagerten und nicht leicht ausfallenden Früchten, namentlich dem Hafer und der Gerſte, zu bedienen, ſobald guter Wille und Ge⸗ ſchicklichkeit der Arbeiter dazu nicht mangeln. Daß man daneben die disponiblen weiblichen Arbeiter, ſo lange man ſie zu anderweiten Erndtearbeiten nicht gebraucht, zum Schnei— den mit der Sichel mitverwende, verſteht ſich von ſelbſt. Daß die Senſe insbeſondere auch zum Abbringen des Graſes, des Klees u. ſ. w. diene, bedarf kaum der Anmerkung. §. 622. Man hat auch, Behufs ſchnelleren und weniger koſtſpieligen Abbringens der Erndte, Maſchinen erfunden. — 297— Allein bis jetzt hat ſich keine der in Vorſchlag gebrachten Erndtemaſchinen bewäͤhrt und verbreitet. Mehreres führt Loudon in ſeiner Encyclopädie darüber an. IV. Weitere Behandlung der abgemachten Früechte. §. 623. Von dem abgemachten Getreide ſind theils die Körner, theils das Stroh noch nicht hinlänglich aus⸗ getrocknet, auch iſt letzteres meiſtens mehr oder weniger mit grünenden Pflanzen(Gras, Unkraut) durchwachſen. Es muß deßhalb das Getreide nach dem Abbringen in der Regel noch mehr austrocknen, bevor es eingebracht wird. Zwiſchen dem Abbringen und Einfahren iſt das Geſchäft des Bindens in Garben vorzunehmen(§. 628). Nur wenn die Frucht völlig reif iſt und kein oder doch nur ſehr wenig Gras hat, kann ſie unmittelbar nach dem Abbringen gebunden und eingefahren werden. Am öfterſten geht dies beim Spelz(Din⸗ kel) an, ſeltener beim Weizen und Roggen, und bei Sommerfrüchten am wenigſten. §. 624. Die einfachſte Art, die Körnerfrüchte zu trocknen, iſt, ſolche die erforderliche Zeit in Schwaden liegen zu laſſen und nöthigen Falls ein⸗ oder bei ungünſtiger Witterung, mehreremal zu wenden. Dieſes Verfahren kann aber bei unbeſtändiger Witterung, beſonders in feuchtem Clima, mehr oder weniger die Verringerung der Qualität von Körnern und Stroh, ja ſelbſt deren Verderbniß beför⸗ dern helfen. Deßhalb ſollte daſſelbe bei den Getreidearten, welche leicht Schaden nehmen, während ihr Stroh ein bal⸗ diges Binden oder Zuſammenſetzen verträgt, wie dieß beim Wintergetreide ſich findet, in der Regel nicht in Anwendung kommen, und bei denen, deren Stroh und Unterwuchs das Liegen in Schwaden mehr erheiſcht, wie Gerſte, Hafer, ſollte dieſes ſo kurze Zeit als möglich dauern. §. 625. Beſſere Methoden, die Früchte beim Trocknen mehr vor Verderbniß zu ſchützen, ſind: Man binde die — 298— Frucht unmittelbar oder doch bald nach dem Abbringen, und zwar in um ſo dünnere Bunde, je mehr Austrocknen Noth thut, ſetze dann die Bunde in Haufen, Hocken oder Puppen, dergeſtalt, daß je 5 bis 6 oder mehr Garben mit den Aehren zuſammengeſtellt und durch eine verkehrt geſtürzte Garbe gedeckt ſind. Dieſes Verfahren empfiehlt ſich ganz beſonders für Weitzen und Roggen. Kurzhalmigeres Getreide(Gerſte, Hafer) läßt ſich nicht puppen(in Puppen ſetzen); man begnügt ſich hier mit dem Aufſetzen in Stiege (Zeilen von etwa 20 Garben, von 2 Seiten gegeneinander geſetzt); oder man ſetzt, wenn die Frucht beim Binden recht trocken war und ſtarke Bunde gemacht werden, in ſogenannte Manteln, je 15 Garben zuſammen, wobei es viel auf Sorgfalt und Geſchicklichkeit im Setzen ankömmt. §. 626. Oder man richtet die Frucht ungebunden auf, indem man ein zuſammengebundenes ſchwaches Gelege auf— ſtellt und an dieſes die Halme in Form eines Kegels ringsum anlehnt; jeder dieſer Haufen erhält oben unter den Aehren zum Halt ein Strohband. Oder man macht von einem umgeknickten Gelege einen ſogenannten Bock, legt auf dieſen die Frucht kreisförmig, die Aehren nach der Mitte, an, und deckt zuletzt den Haufen mit einem(gewöhnlich aus der Frucht gefertigten) Hut. Dies iſt das in einigen Gegenden von Deutſchland ꝛc. beliebte Kaſten. Dieſe Methoden eignen ſich vorzugsweiſe für noch nicht genügend abgetrocknete oder ſtärker durchwachſene Frucht. Iſt dieſe unge⸗ wöhnlich ſtark mit Gras oder Klee durchwachſen, ſo muß ſie jedoch auch erſt einige Tage in Schwaden liegen und abwelken. §. 627. Für ſehr ungünſtige Climate dienen beſonders kuͤnſtliche Vorrichtungen zum Trocknen des Getreides, als eigens eingerichtete Trockenhäuſer, wie in Rußland; aus Balken und Stangen gebaute hohe Gerüſte, Harſen genannt, an denen die Garben aufgehangen werden(in einigen — 299— Gegenden von Oeſtreich und Schweden im Gebrauche). Ein⸗ facher, jedoch für die Regel und im Großen immer auch umſtändlich und koſtſpielig, iſt die Anwendung der Futter⸗ trockenpyramiden oder der ſogenannten Heinzen. Beſonders empfehlen ſich dieſe für Huͤlſenfrüchte und einige Handels⸗ gewächſe. Die Harfen beſchreibt Burger in ſeinem Lehrbuche; von den zuletzt genannten Vorrichtungen wird beim Futterbau weiter die Rede ſein. §. 628. Das Binden des Halmgetreides in Garben iſt nöthig, damit daſſelbe mit weniger Verluſt transportirt und leichter ausgedroſchen werden kann. Man bindet ent— weder in Ruthen(Weiden) oder in beſonders angefertigte (doppelte) Strohbande, wobei es mehr oder weniger ſtarke Garben giebt. Oder man bindet in kleine Bunde in einfach genommenes Stroh oder in Halme von der aufzubindenden Frucht. Große Garben haben meiſtens ein Gewicht von 25 bis 40 Pfund; kleine Garben wiegen meiſtens 8 bis 14 Pfund. §. 629. Uebermäßig ſtarke Bunde ſind niemals rath⸗ ſam; mitteldicke gewähren den Vortheil, daß ſie etwas weniger Arbeit verurſachen und das Auf- und Abladen fördern. Kleine Bunde haben den Nutzen, daß bald nach dem Abbringen gebunden werden kann, und daß die Frucht nach dem Aufſtellen, leicht vollends, und ſelbſt wenn ſie beregnet worden, wieder trocken wird. Die mit der Geſtellſenſe gemähte Frucht muß vor dem Binden mittelſt des Rechens in Fröſche(kleine Häuſchen) aufgezogen werden. Beim Binden ins doppelte Strohſeil braucht man auf einen Binder zwei Anträger; bei kleinen Bunden kann die Arbeit durch Weibsleute allein verrichtet werden. Beim Binden mit Halmen der zu erndtenden Frucht findet, wenn es mit Geſchick vor ſich geht, nur ein ſehr unbedeutender, oder ſelbſt gar kein größerer Körner— verluſt ſtatt. Uebrigens kann man ſich auch hier des ausgedroſchenen, etwas angefeuchteten Strohs von Roggen bedienen. — 300— V. Das Einbringen. §. 630. Es nimmt die ganze Thätigkeit des Land⸗ wirths in Anſpruch, im günſtigen Zeitpunkte möglichſt viel, ohne außerordentlichen Koſtenaufwand, einzubringen. Das Geſpann muß zu dem Ende im beſten Zuſtande ſein, Auf⸗ lader und Ablader müſſen mit dem Fuhrwerke im Verhältniß ſtehen und kein Theil des Geſchäfts darf fuͤr den andern einen beträchtlichen Aufenthalt verurſachen. §. 631. Sehr gefördert wird beſonders das Einbringen der Erndte, wenn man mit ſo viel Wägen verſehen iſt, daß man damit zu wechſeln im Stande iſt. Bei nahen Feldern braucht man hiezu auf 3 Geſpanne 5 Wägen, bei etwas entfernten Feldern, oder, wenn bei nahen Feldern das Abladen nicht raſch von Statten geht, auf 2 Geſpanne 3 Wägen. Ueber die Verhältniſſe, unter denen Karren, zwei⸗ oder vier⸗ ſpännige Wägen den Vorzug verdienen, handelt das 5. Capitel. Bei Früchten, die leicht ausfallen, ſollen die Wägen mit Tüchern verſehen ſein. §. 632. Die nöthige Zahl der Auflader richtet ſich nicht nur nach der Zahl der Geſpanne, ſondern auch nach der Entfernung des Feldes. Iſt dieſe unter ¼ Stunde, ſo iſt anzunehmen, daß von 2 Wägen immer einer auf dem Felde und einer unterwegs iſt; bei einer Entfernung uͤber ½ Stunde wird von 3 Wägen nur immer einer im Laden begriffen ſein. Für jeden zu gleicher Zeit zu ladenden Wagen(alſo auf 2 Ge⸗ ſpanne im erſten, auf 3 Geſpanne im andern Fall) bedarf man, außer dem Fuhrknechte, einen zweiten Lader auf den Wagen(wozu man geſchickte Leute wählen muß) und 2 bis 4 Aufgäbeler. §. 633. Die Zahl und Eintheilung der Ablader richtet ſich nach der Beſchaffenheit der Scheunen und der Zahl der einzubringenden Wägen. Dabei iſt auf gute Eintheilung — 301— des Raums für die verſchiedenen Früchte Bedacht zu nehmen und auf geſchicktes Banſen derſelben zu ſehen. Auf den abzuladenden Wagen gehören 2 Perſonen, dazu in den Barren einen Banſer und auf je s bis 10 Fuß Entfernung eine Perſon zum Fortreichen der Garben.— Beſondere Aufficht erfordert das Aufſtellen der unterſten Garben, damit die Aehren nicht auf dem Boden, und weiterhin nicht gegen die Wand liegen.— Das Legen von Stroh ganz oben auf die aufgebanſete Frucht iſt zweck⸗ mäßig, weil das oben Liegende durch die entweichenden Dünſte leicht Noth leidet. VI. Aufbewahrung der Erndte. §. 634. Die eingeerndteten Gegenſtände werden auf⸗ bewahrt: entweder in Gebäuden— Scheunen, Schuppen, Futterböden— oder in ſogenannten Feimen oder Miethen, auch Diemen, Triſten, Schober genannt. §. 635. Abgeſehen von der Größe der Scheunen, welche natürlich nach dem Cubikgehalte der darin aufzube⸗ wahrenden Maſſe ſich richten muß, ſoll man bei deren Er⸗ richtung ebenſowohl darauf Bedacht nehmen, daß die Frucht darin ſich in guter Qualität erhält, als daß Einfahren, Abladen, Aufbanſen und Dreſchen möglichſt erleichtert ſind. Es iſt deßhalb, neben einer ſoliden und doch nicht koſt⸗ ſpieligen Conſtruction, die Lage der Scheune und die Ab⸗ theilung der Banſen und Tennen, auch die Richtung der letzteren, nach der Länge oder Quere, zu beachten. Für einen Centner Wintergetreide find ohngefähr 30 Cub. Fuß, für einen Centner Sommergetreide ohngefähr ½¼ mehr erforderlich. Die innere Eintheilung der Scheune hängt zunächſt davon ab, welche Richtung und Entfernung man den Tennen giebt. In den meiſten Gegenden gehen dieſe quer durch die Scheunen; bei großen, tiefen Gebäuden ſindet man es auch angemeſſen, die Tennen nach der Länge mitten durchgehen zu laſſen; eigenthümlich iſt die hier und da in Norddeutſchland übliche Bauart, wonach eine längs an⸗ gebaute ſogenannte Abſeite die Tenne bildet. Dagegen findet man 2 302— in der Schweiz und in einigen Gegenden Süddeutſchlands die Ein⸗ fahrt und Tenne im Giebel in der halben Höhe der Scheune, wo⸗ durch die Benutzung des unteren Raumes als Stall erleichtert oder ſelbſt die Möglichkeit gegeben iſt, oben und zu gleicher Erde Ein⸗- fahrten und Tennen zu haben.— Nicht nur der Boden der Tenne ſoll gut und feſt angelegt ſein, ſondern auch der Boden der Banſen; am beſten iſt bei letzteren das Belegen mit Steinplatten oder Ueberziehen mit Mörtel. Wo das Holz wohlfeil iſt, hat man auch Tennen aus Bohlen. §. 636. Um auf gewöhnliche Art Feimen oder Miethen anzulegen, wied ein trockner Platz geebnet und feſtgeſchlagen, mit Stroh, beſſer zuerſt mit Reiſig, belegt und dann das Getreide(oder auch Futter) in zirkelförmige oder auch viereckige, zugeſpitzte Haufen aufgeſetzt, die Spitze zuletzt mit Stroh gedeckt. Hiebei iſt jedoch ein Kör— nerverluſt unvermeidlich. Solchem iſt theilweiſe begegnet, wenn der Boden geplattet iſt, oder, was noch beſſer, wenn uber einem geplatteten Boden ein auf Säulen ruhendes Balkengerüſte dem Getreide als Unterlage dient. Durch ein auf- und abſchiebbares Dach kann endlich dem Feimen mehr Schutz vor der Witterung gegeben werden. Die Einrichtung mit den Säulen findet ſich öfters in England, wo die Feimen allgemein ſind(ſ. Sinclair's Grundgeſetze des Ackerbaues, Schweitzer, Loudon ꝛc.).— Die ſchiebbaren Stroh⸗ dächer hat man in Holland; ſie haben ſich neuerer Zeit in Deutſch— land viel verbreitet und verdienen beſondere Beachtung. Man vergl. auch: Bericht der Verſammlung deutſcher Landwirthe in Carls⸗ ruhe, 1838. Die nicht mit Dach verſehenen Feimen mache man nicht zu groß, damit das Aufſetzen und Wegbringen ſo raſch gehen kann, daß daſſelbe nicht leicht durch Regenwetter geſtört werden kann.— Zum Aufſetzen gehören Sorgfalt und Geſchicklichkeit, und eben ſo zum Decken mit Stroh.. §. 637. Daß das Getreide ꝛc. in zweckmäßig con⸗ ſtruirten Gebäuden ſicherer untergebracht ſei, als im Freien, wenn auch hier mit Stroheꝛc. gedeckt, iſt wohl keine Frage; — 303— und wenn es auch Gründe giebt, nicht ſo viel Scheunenraum zu ſtellen um die ganze Erndte unterzubringen, ſo müſſen wir doch immer, zumal mit Rückſicht auf den erforderlichen Dreſchraum, ſo viel Scheunen haben, daß ein bedeutender Theil der Erndte untergebracht werden kann. Wo aber die Gebäude theuer zu ſtehen kommen, und ganz aus⸗ reichender Scheunenraum nicht vorhanden iſt; da dürfte es ſich bei genauer Rechnung ökonomiſcher erweiſen, einen Theil der Erndte in zweckmäßig angelegten Feimen, nament⸗ lich unter ſogenannten holländiſchen Feimendächern, als in noch zu bauenden, theuren Scheuern unterzubringen. Roggen und ſolche Weitzenarten, welche nicht leicht ausfallen, ſowie Bohnen, eignen ſich beſſer zum Setzen in Feimen, als das meiſte Sommergetreide, welches, beſonders Gerſte und Erbſen, mehr Körner verliert.— Dr. Schulz in Züſchendorf ſchlägt den Mehr⸗ aufwand an Arbeit und Verluſt an Körnern bei richtig behandelten Feimen zu 3% vom Werthe an. Getreide, das in kleine Garben gebunden iſt, iſt viel leichter gut in Feimen zu ſetzen, als das in ſtarke Garben gebundene. VII. Enthülsen der Körner. §. 638 Das Scheiden der Körner vom Stroh kann geſchehen: durch's Dreſchen mit der Hand, durch's Aus— treten mittelſt des Viehes, durch beſpannte Walzen und durch beſondere Dreſchmaſchinen. §. 639. Das Dreſchen mit dem Flegel iſt die gewöhnlichſte Art; ſie genügt zwar dem Zwecke vollkommen, verurſacht aber einen bedeutenden Koſtenaufwand, indem der Dreſchlohn meiſtens i4 bis 16 des Ausgedroſchenen beträgt. Man hat beim Dreſchen mit der Hand darauf zu ſehen, daß die Flegel gut ſind, daß nicht über ½ Fuß hoch angelegt wird, daß die Frucht nicht blos am Aehrenende, ſondern auch in der Mitte über⸗ ſchlagen und dreimal gewendet wird, daß gut aufgeſchüttelt und, — 304— dies alles zu dem Ende, daß rein gedroſchen werde. Man läßt 3 bis 4 Mann zuſammendreſchen. §. 640. Das Austreten durch Pferde oder Ochſen iſt die älteſte Art, Körnerfrüchte zu enthülſen, iſt noch in manchen Läͤndern und Gegendeu im Gebrauche, und ge— ſchieht theils im Freien, theils auf den Scheuertennen. Bei leicht zu dreſchenden Früchten, wie Hirſe, Naps ꝛc., auch beim Hafer und Spelz, iſt das Austreten ſehr anwendbar, beſonders, weil es auch ſehr fördert. Bei weniger leicht zu dreſchender Frucht hingegen iſt das völlige Reindreſchen auf dieſe Weiſe ſchwer. Die Excremente der dreſchenden Thiere müſſen ſoviel wie mög— lich aufgefangen werden, damit die Frucht nicht verunreinigt wird; das Anlegen und Wenden iſt verſchieden von dem beim Dreſchen mit der Hand, indem die Frucht mehr aufrecht geſtellt wird; Spreu giebt es beim Austreten mehr. Das Austreten iſt unter andern in Ungarn noch häufig im Gebrauche. Auch in Oberſchwaben findet man es noch an manchen Orten. Ich wohnte hier einer Probe bei, wo mit 4 Pferden und 2 Mann in einer Stunde 40 Garben Spelz und davon 9 ½ Preuß. Scheffel gedroſchen wurden, wobei jedoch das Putzen nicht einbegriffen iſt.— Der Raps wird in Norddeutſchland häufig ausgeritten. §. 641. Mit Blöcken oder mit Leiſten beſchlagene Walzen, hat man ſchon vor langer Zeit in manchen Län⸗ dern angewendet, namentlich in Spanien und Italien. Man wendet aber auch dermalen in Norddeutſchland zum Dreſchen des Rapſes und ähnlicher Früchte die Walze an, indem ein geebneter Platz mit großen Tüchern(Laken) belegt und der aufgelegte Naps ꝛc. im Trabe uͤberwalzt wird. Bei gehöriger Einrichtung und Aufſicht fördert dieſe Methode ſehr. Der Raps ꝛc. wird auf mit Tuch ausgeſchlagenen niedrigen Wägen, oder leichten Schlitten beigebracht. An Arbeitern zum Auflegen, Wenden, Abnehmen ꝛc. darf es nicht fehlen. §. 642. Die eigentlichen Dreſchmaſchinen kamen zuerſt in England in Aufnahme, ſind aber jetzt in Deutſch⸗ — 305— land auch häufig in Gebrauch. Es giebt deren eine größere Zahl von verſchiedenartiger Einrichtung und nach verſchie⸗ denen Erfindern benannt. Als die bewährteſte iſt immer noch die ſogenannte ſchottiſche Gzuerſt von Meikle er⸗ fundene) zu bezeichnen, wobei eine mit Leiſten beſetzte Trom— mel, welche mit großer Geſchwindigkeit ſich dreht, das Hauptgeſchäft verrichtet. Man baut ſie fur 2 bis 6 Pferde. Auch giebt es eine Einrichtung, wobei die Dreſchmaſchine auf Rädern ruht, um an verſchiedenen Stellen aufgeſtellt werden zu können. Zur Bedienung einer ſolchen Maſchine ſind 4 bis 6 Menſchen erforderlich. Iſt ſie gut conſtruirt, ſo muß eine von 3 Pferden be⸗ wegte Maſchine in der Stunde 2200 bis 2500 Pf. Garben, oder 9 bis 11 Schffl. Wintergetreide, oder 15 bis 18 Schffl. Sommer⸗ getreide ausdreſchen. Kann man Waſſerkraft mitbenutzen, ſo liegt darin begreiflich ein großer Vortheil.— Es laſſen ſich auch Putzmühlen mit den Dreſchmaſchinen verbinden. §. 643. In kleinen Wirthſchaften wird man ſich in der Regel des Handdreſchens bedienen. Auch auf mittleren und größeren Gütern wird daſſelbe in vielen Fällen, wo nicht ganz, doch theilweiſe, ſchon deßhalb beizubehalten ſein, weil der Eigenthuͤmer der Wirthſchaft ſeinen ſtändigen Ar— beitern auch im Winter ſicheren Lohn gewährende Arbeit geben muß. Da aber die ſtändigen Arbeiter zum Dreſchen oft nicht ausreichend ſind, da es auch noch viele andere Arbeiten für ſie an den Herbſt- und ſelbſt an vielen Win— tertagen giebt, da man auch zu den Dreſchmaſchinen Leute braucht; ſo ſprechen folgende beiden wichtigen Gruͤnde auf größeren Gütern auch ſehr häufig entſchieden dafuͤr, ſich zum Ausdreſchen eines bedeutenden Theils der Erndte der Ma— ſchinen zubedienen, nämlich: 1) weil, wenn die Berechnung in jeder Beziehung richtig geſtellt wird, das Maſchinen— dreſchen bei zweckmäßiger Einrichtung bedeutend weuiger Pabſt Landwirthſchaft. I. 1. Zweite Auflage. 20 — 306— koſtet und häufig auch noch etwas mehr Ausbeute liefert; und 2) weil man im Stande iſt, raſch ſeine bedürftige Saamfrucht, ſowie bei günſtigen Conjuncturen eine zum Verkaufe beſtimmte größere Quantität auszudreſchen. §. 644. Nachdem das abgedroſchene Stroh aufgebun⸗ den und bei Seite geſchafft worden, wird die Frucht zur Trennung der noch darunter befindlichen Halme und Aehren durch grobe Siebe geſchlagen, dann wird durch's Werfen mit der Schaufel, beſſer aber durch Putzmühlen(Frucht⸗ fegen) die Trennung des Staubs, Unkrautſaamens und der leichten Körner von der guten Frucht bewerkſtelligt. Zum Abſcheiden des Unkrauts werden nach Erforderniß auch noch verſchiedene feinere Siebe angewendet. VIII. Aufbewahrung der Körner. §. 645. Die gewöhnliche Art der Aufbewahrung der ausgedroſchenen Körner iſt auf Speichern(Kornböden, Fruchtkäſten), welche in den oberen Räumen von Wirth⸗ ſchaftsgebäuden oder in beſonders dazu beſtimmten Bauten eingerichtet ſind. Sie ſollen vor jedem nachtheiligen Ein⸗ fluſſe der Witterung geſchützt, mit guten Fußböden(Dielen oder Eſtrich) ſowie mit zahlreichen Luftzügen verſehen ſein. Ihre Höhe braucht nicht mehr als 8 bis 9 Fuß für die einzelne Speicherabtheilung zu betragen. Die Luftzüge ſind beſſer einige Fuß über dem Fußboden, als mehr in der Höhe angebracht; ſie müſſen mit Läden und Gittern verſehen ſein. §. 646. Je weniger vollkommen trocken das Getreide iſt, um ſo dünner muß es aufgeſchüttet, auch öfters gewendet werden. Trockne Frucht darf 1 ½ Fuß, die rauhen Sorten, wie Spelz, dürfen noch höher aufgeſchüttet werden. Von Zeit zu Zeit muß das länger aufgeſpeicherte Getreide umgeſtochen wer⸗ den. Zugleich iſt auf Reinlichkeit, Abhaltung oder Tödtung — 307— der Mäuſe und anderer, das Getreide verzehrender Thiere, auf den Kornböden immerdar Acht zu haben. In feuchten Climaten hat man beſondere Einrichtungen, um die ausgedroſchenen, zum Aufſpeichern noch zu feuchten Körner künſt⸗ lich zu trocknen(ſ.§. 627). §. 647. Bei Getreide, das mehrere Jahre aufge⸗ ſpeichert war, kann ſich, trotz aller Vorſichtsmaßregeln, häufiger aber in Folge von Nachläſſigkeit, der Kornwurm einfinden(§. 601. 606). Hat die eine oder andere Art deſſelben überhand genommen, ſo muß die angegriffene Frucht möglichſt ſchnell weggeſchafft werden, der Speicher dann einen ganzen Sommer leer ſtehen bleiben und in dieſer Zeit auf's ſorgfältigſte gereinigt werden, indem man Ge⸗ bälke, Wände und Fußboden mit ſcharfer Lauge mehrmals auswaſchen läßt. Weitzen und Roggen werden am liebſten angegriffen, weniger gern Gerſte und Hafer und noch weniger Spelz. .§. 648. Da die auf gewöhnlichen Speichern aufge⸗ ſchütteten Früchte einer fortwährenden Verminderung durch Inſecten, Mäͤuſe und andere Thiere ausgeſetzt, oder bei langem Liegen ſelbſt dem Verderben unterworfen ſind, ſo hat man ſchon mannigfache Vorrichtungen verſucht und em⸗ pfohlen, um Getreide mit weniger oder gar keinem Verluſt lange Zeit ſicher aufzubewahren. Dahin gehören insbeſondere luftdicht verſchloſſene, und gegen Feuchtigkeit geſchützte RNäume, welche jedoch bei ſolider Herſtellung meiſtens zu theuer zu ſtehen kommen, wie dieß mit den von Dejean em⸗ pfohlenen Bleikammern und anderen mit Metall(Zink ꝛc.) ausgekleideten Räumen der Fall iſt. Auch die Aufbewahrung in Silo(unterirdiſchen Gewölben), welche von alten Zeiten her in Italien, Nordafrika, Spanien gebräuchlich iſt, hat ſich in Deutſchland durchaus nicht practiſch erwieſen, ſo ſehr ſie auch durch Terneaux und Andere empfohlen worden war. — 308— M. v. Voit, Aufbewahrung des Getreides ꝛc., Simondi, toskaniſche Landwirthſchaft ꝛc. §. 649. Practiſcher erſcheint die alte in Nordafrika längſt gekannte, einfache Methode, die gut trockne Frucht auf einen feſten, geplatteten Boden hoch aufzuſchütten und mit einem Lehm- und Kalkguß feſt zu bedecken und zu ſchließen. Vorheriges Ueberdecken mit grobem Wergleinen möchte dabei rathſam ſein. Ferner iſt rathſam, alte Tonnen im Innern mit Papier in allen Fugen zu verkleben, mit Getreide faſt voll zu fullen, zuzuſchlagen und auf dem Speicher aufeinander aufzuſchichten. Alle paar Monate werden die Tonnen beim Umſchichten etwas hin und her gerollt. Auch die in Ungarn und der Türkei gebräuchlichen oberirdiſchen, unter Bedachung ſtehenden Gewölbe dürften zur längeren Bewahrung größerer Getreidevorräthe Beachtung verdienen. Sie ſind hoch und verhältnißmäßig nicht weit, aus gebrannten oder halbge⸗ brannten Steinen mit Lehmmörtel aufgeführt, haben oben zum Einfullen eine enge Oeffnung, welche mit einem Stöpſel feſt verſchloſſen wird, und unten eine etwas weitere, ver— ſchließbare Oeffnung zum Entleeren. Beſchrieben von Nebbien im 11 Band der Mögliner Annalen. Ein großes, eigenthümlich eingerichtetes Getreidemagazin be⸗ ſchreibt Sinclair in dem mehrfach angeführten Werke. — Druckfehler, welche man zu verbeſſern und wegen Entfernung des Ver⸗ faſſers vom Druckorte zu entſchuldigen bittet. Seite 28 Zeile 11 v. u. lies mechaniſch ſtatt chemiſch. „ 73„ 2 v. u. fällt„ſich“ weg. 86„ 13 l. Reuthe ſt. Neuthe. „ 88„ 18 l. Anſtauen ſt. Anſtaunen. „ 90„ 12 l. 5 Fuf ſt. 2 Fuß. „ 96„ 12 l. Stöcke ſt. Stücke. „ 124„ 10 v. u. l. aufgepflügten ſt. ausgepflügten. „„ 245„ 2!I. und ſt. auch. „ 155„ 15 fehlt: keine hinter: wo. „ 162„ 51. welche ſt. welches⸗ „ 162„ 61. mochten ſt. mochte. „ 179„ 6 v. u. fällt„gar⸗ weg. „ 181„ 12 l. thonhaltig ſt. tonhaltig. „ 186„ 31l. ſolcher ſt. ſchlechter. „ 197„ 16 l. Oeffnen ſt. Oeffnung. „ 213„ 4 v. u. fehlt: alſo hinter: bedarf. „ 229„ 3 v. u. l. Rumex ſt. Bumex. „ 232„ 3l. mergeliger ſt. wurzeliger. „ 235„ 4 v. u. l. Wickenarten ſt. Weidenarten. „ 236„ 13 v. u. l. Aetzkalk ſr. Aſchkalk. „„ 236„ 6 v. u. I. Dreiſche ſt. Dreiſcht. „ 237„ 16 l. opydirtes ſt. oxydioles. „ 237„ 13 1. ſaure ſt. ſauer. „ 240„ 12 1. 489 ſt. 488. 3 „ 244„„ 2 l. Jauffret ſt. Jauſtret. „ 254„ 8 v. u. l. Oxydirte ſt. Orydiote. „ 277„ 13 l. ſtärbere ſt. ſtärker. , 281„ 9 I. Anthemis ſt. Anthernis. l. 2 b2 & ₰ — — Melolontha ſt. Melonthra.