Voden. — — — — — — 2— 2 b Deutſchlands Boden ſein geologiſcher Bau umd deſſen Einwirkungen aut das Leben der Menschen. Von Bernhard Cotta. In zwei Abtheilungen. Erſte Abtheilung. Mit zahlreichen in den Tert eingedruckten Holzſchnitten und vier Tafeln. Leipzig: F. A. Brockhaus. 1834. =2 Herrn Alexander freiherrn von qumboldt in größter Verehrung gewidmet von Bernhard Cotta. —— Inhalt. Erſte Abtheilung. Einleitung............................................... Erſter Abſchnitt. Allgemeine Betrachtungen über den Einfluß des Bodenbaues. Unmittelbare und mittelbare Bodenwirkung................... Einfluß des Bodens auf die allgemeine Entwickelung der Menſchen Einfluß des Bodenbaues auf die Anſiedelung der Menſchen....... Einfluß des Bodenbaues auf den Verkehr............:....... Einfluß des Bodenbaues auf den örtlichen Wohlſtand............ Zweiter Abſchnitt. Die Lage und der innere Bau Deutſchlands im Allgemeinen. Der Bau Europas als des Welttheiles, deſſen einzelnes Glied Deutſchland bildet...................................... Deutſchlands Lage.................................... Deutſchlands allgemeine Bodenmannichfaltigkeit................. Der allgemeine geologiſche Bau Deutſchlands.........l........ 1) Maſſige oder Eruptivgeſteine.......................... 2) Kryſtalliniſche Schiefer- oder metamorphiſche Geſteine....... 3) Geſchichtete oder Sedimentaͤrgeſteine.................... Grauwackengruppe................................. Kohlenkalkſtein........:..................... Steinkohlengruppe............................... Zechſteinformalion............................... Triasgruppe...................................... Juragruppe............................... Wieldenformation........................... Kreidegruppe.................................... Molaſſegruppe.....................:............ Diluvialgebilde...... r....................... Alluvialgebilde............ XUL................ 4) Ganggeſteirennnnn)nn... Abhängigkeit der Oberflächenformen vom innern Bau der Erde. Erhebung der Gebirge................................... Bildung der Thäle9᷑u c ⁊.. Dritter Abſchnitt. Innerer Bau der einzelnen Gebiete Deutſch⸗ lands. Natürliche Eintheilung Deutſchlands......................... Die Norddeutſche Niederung.........Uᷓ........................ 1) Die pommeriſch⸗preußiſche Seenplatte.................. 2) Die poſener Ebene..................... 3) Das Hafelland.............................. 4) Mecklenburg und Vorpommernnrn. 5) Holſtein mit Hamburg und Lübek........ 6) Die Lüneburger Haooooooo 7) Das Sauerland.................................. 8) Die Rheinbucht von Köln............................ 9) Die Bucht von Münſter............................. 10) Das Hügelland nördlich vom Harz................... 11) Die Bucht von Leipzig........................ 12) Der Flämiintn ʒ...... 13) Die Niederlauſitz................................... 14) Die Schleſiſche Bunvbhhtttt 15) Das trebnitzer und tarnowitzer Berggebiet................ Rückblick.......................................... 5*... Das deutſche Mittelland........).................... 1) Die Weſergebirgrgppeel............ 2) Das heſſiſche Bergland........ ͤ.‧‚.... 3) Der Harz..................................... 4) Das Thüringer Becken.......................... 5) Der Thüringer Wald............................ 6) Das Hochplateau des Fichtelgebirges................... 7) Das Erzgebirge..................................... 8) Das Oberlauſitzer Bergland.......... 9) Das Rieſengebirge................................... 10) Oas Glatzer Becken.............................. 11) Die Sudeten....... b.............................. 12) Das Böhmiſch⸗Mähriſche Gebirge!...................... 13) Das Böhmiſche Becken.............................. 14) Der Böhmer Wald................................ 15) Das Bairiſche Becken........................... 16) Die Rhön................................. 4 42 = *8☛— 17) Das Vogelsgebirge............................... 18) Das Rheiniſche Schiefergebirge........................ 19) Das Rheinbecken............................. 20) Der Odenwald................................... 21) Der Schwarzwald...................... 22) Die Haardt.................................... 23) Das Wiener Becken.......................... Das deutſche Alpenland................................... 1) Der nördliche Molaſſerand der Alpen......... ꝰ......... 2) Die nördlichen Kalkalpen.............U............... 3) Die Centralkette der deutſchen Alpen............. 4) Die ſüdlichen Kalkalpen.................... 5) Das Becken von Gratz.............. 6) Diluviale und alluviale Gebilde der Alpen.............. Rückblick auf die Alpen................................... Vierter Abſchnitt. Rückblick auf die Lehre vom Bodeneinfluß... Was will und was kann die Lehre vom Bodeneinfluß leiſten..... Syſtem der Lehre................................ 1) Einfluß des Bodenbaues auf Menge, Vertheilung und Art der Quellen.............................................. 2) Einfluß des geologiſchen Baues auf die Vegetation...... 3) Einfluß des Bodenbaues auf die Quantität und Qualität der menſchlichen Anſiedelung.......................... Stärke der Bevölkerung.................... Vertheilung der Wohnorte........................... Formen des Anbaues............................. Bauart der Häuſer,,,,,,, h.. 4) Einfluß des Bodenbaues auf Beſchäftigung und Wohlſtand der Bevölkerung......../.................. 5) Einfluß des Bodenbaues auf den Verkehr.............. 6) Einfluß des Bodenbaues auf den Krieg.... 7) Einfluß des Bodenbaues auf den Geſundheitszuſtand...... 8) Einfluß des Bodenbaues auf die geiſtige und gemüthliche Ent⸗ wickelung der Menſchen................................ Zweite Abtheilung (oder Beilagen). 1. Einfluß des Bodenbaues auf den Nationalcharakter........ 2. Einfluß des Bodenbaues auf die Lage der Orte........... (Beiſpiele aus Sachſen und Thüringen in Tabelle I.) 3. Städtegürtel um Gebirge............................... — x— Seite 84 4. Stromſchnellen und Waſſerfälle geologiſch bedingt........... 23. 2 5. Einfluß des Bodenbaues auf den Geſundheitszuſtand, Beiſpiele und Eitate............................................. 24 40 ¹s 6. Weltſtellung der Länder............................... 46 8 7. Aenderungen durch die Zeiitt.. 51. 109 8. Geognoſtiſche Karten und deren Benutzung............... 53 46 9. Bau der Gebirge........................ 55 A0 10. Literatur zum Geſammtgebiet Deutſchlands.................. 57 aut 11. Literatur zum norddeutſchen Tiefland..................... 58 uüd 12. Literatur zu den Weſerketten........./..:.............. 62 1 13. Kohlenlager der weſtfäliſchen Wieldenformation................ 63 14. Der Thalkeſſel von Pyrmont........................... 65 49 15. Literatur zum Heſſenland................................... 70 18 16. Literatur zum Harz.............................. 71 36 17. Temperaturunterſchiede nach der Höhe......⁊................ 73 4 18. Literatur zu Thüringen............................. 74 1 19.(20.) Literatur zum Fichtelgebirge.......................... 79 1 20.(21.) Literatur zum Erzgebirge......................... 80 äA 21.(22.) Ackererden in Sachſen................... 85 1 Mineraliſche Dünger in Sachſen.......... ⁊)........... 87 Cementbereitung in Sacſeen)n.... 102 22.(23.) Eiſenbahnen in Sachſen............................. 102 25 23.(24.) Vertheilung der Orte nach Geſteinen und Formationen in Fi Sachſen(Fabelle II.)........ 106 Einfluß des Bodenbaues in Sachſen auf Culturweiſe..... 122 Das v. Bennigſen⸗Förder'ſche Zahlengeſetz............... 124. 24.(25.) Literatur zum Oberlauſitzer Bergland................. 126. 25.(26.) Literatur zum Rieſengebirge...........:...... 128 26.(27.) Literatur zum Glatzer Becken........................ 129 27.(28.) Literatur zu den Sudeten........./..... 130 28.(29.) Literatur zum Mähriſch⸗Böhmiſchen Gebirge............. 131 29.(30.) Literatur zum Böhmiſchen Becken...................... 13²2 30.(31.) Der Mineralkohlenſchatz Böhmens..................... 136 31.(32.) Der Mineralmoor bei Franzensbad.................... 138 32.(33.) Literatur zum Bairiſchen Becken....................... 138 33.(34.) Ueber den Oberflächencharakter der Geſteine überhaupt und beſonders einiger Flötzformationen in Schwaben.......... 143 34.(35.) Ueber Bodenbildung und Vegetationsverhältniſſe auf den ver⸗ ſchiedenen Geſteinen in den Umgebungen des Riesgaues.... 149 35.(36.) Einfluß des geologiſchen Baues auf die Landwirthſchaft in Würtemberg................................... 165 36.(37.) Literatur zur Rhön................................ 172 37.(38.) Literatur zum Vogelsgebirge!...........:........ 173 Seite 38.(39.) Klimatologiſche Studien aus dem Vogelsgebirge.......... 174 Ueber die Weſterwald⸗Induſtrie........................ 178 39.(40.) Literatur zum Rheiniſchen Schiefergebirge!............... 179 40.(41.) Ueber die Vegetationsverhältniſſe der Eifel............... 187 Die Cultivirung der Eifel..../........................ 190 41.(42.) Ueber Anwendung der Geſteine der Rheinprovinz zu architek⸗ toniſchen Zwecken................................... 193 42.(43.) Literatur zum Rheinbecken............:.............. 206 43.(44.) Einfluß der Felsarten auf den Weinbau................. 210 44.(45.) Bodenbeſchaffenheit in den Cantonen Frankenthal und Grün⸗ ſtadt in Rheinbaieyn................................. 212 45.(46.) Literatur zum Odenwald und Speſſart.................. 219 46.(47.) Literalur zum Schwarzwald................ ͤ...... 220 47.(48.) Induſtrie im Schwarzwald....................... 222 48.(49.) Literatur zum Wiener Becken........:).............. 225 49.(50.) Literatur zu dem deutſchen Alpenland................... 226 50.(51.) Klimatiſche Zuſtande der Alpen....................... 238 51.(52.) Einfluß der Wälder................................ 243 52.(53.) Pflanzennahrung aus dem Boden...................... 244 53.(54.) Der landliche Bauſtil.............................. 244 54.(55.) Einfluß des Bodenbaues auf Geſundheitszuſtäͤnde......... 249 55.(56.) Einfluß des Bodenbaues auf die plaſtiſche Kunſt.......... 259 56.(57.) Bodenbau und Geſchichte........................... 260 * ——— ——— Einleitung. Die rein wiſſenſchaftliche Entwickelung der Geologie hat einen ſo hohen Grad erreicht, daß es bereits Jedem, der nicht Geolog von Fach iſt, ziemlich ſchwer wird, ſich völlig auf dieſem Gebiete zu orientiren, den Einzelheiten zu folgen, ihre wahre Bedeu⸗ tung zu erkennen und gleichzeitig einen Ueberblick des Ganzen zu behalten. Dieſer Umſtand hat vielartige populäre Dar⸗ ſtellungen der Wiſſenſchaft vom innern Bau und von der Ent⸗ ſtehung des Erdkörpers zur Folge gehabt, und dieſe haben den Zweck erreicht, die Wiſſenſchaft als ſolche für Jedermann zugäng⸗ lich zu machen. Eine derartige allgemeine Populariſirung beabſichtige ich in— deſſen hier nicht, ſondern vielmehr die Zugänglichmachung und Ausnutzung der Geologie für eine beſtimmte andere Wiſſenſchaft, und zwar für die Wiſſenſchaft vom Staate— ſpecieller für die Nationalökonomiez; es handelt ſich, kurz ausgedrückt, um den Ein⸗ fluß des innern Erdbaues auf das Leben. Dieſe beſondere Anwendung iſt zugleich naturgemäß eng verbunden mit der Be⸗ deutung, welche die Geologie für die Geographie hat. Als Karl Ritter die geographiſchen Wiſſenſchaften reformirte, war der innere Bau der Länder noch wenig erforſcht. Der be⸗ rühmte Geograph konnte daher damals weſentlich nur die äußern Formen in den Bereich ſeiner Betrachtungen ziehen. Jetzt vermag man einen Schritt weiter zu gehen, man kann die äußern For⸗ men aus dem innern Bau herleiten und zugleich manche unmittelbare Einwirkungen des letztern auf ſtatiſtiſche Geographie nachweiſen. So ſind beide Lehren, Geologie und Cotta, Deutſchlands Boden. 1 — 2— Geographie, aufs engſte verbunden und in dieſer Verbindung ein ſehr wichtiges Element der Staatenkunde. Dem großen Gründer der rationellen phyſikaliſchen Geo⸗ graphie, Alexander v. Humboldt, verdankt die Nationalökonomie zuerſt die Möglichkeit, dieſe wichtige Wiſſenſchaft als eine ihrer naturwiſſenſchaftlichen Grundlagen benutzen zu können. In ähn⸗ licher Weiſe machte Karl Ritter die plaſtiſche Geographie für ſie an⸗ wendbar, Dove ſpecieller die Meteorologie. Juſtus v. Liebig hat die Chemie in die Reihe dieſer Grundlagen eingeführt, die Botanik beginnt erſt jetzt für die ſepraktiſche Anwendung zugänglich zu wer⸗ den und ähnlich verhält es ſich mit der Geologie, die bisher noch zu viel mit ihrer eigenen ſichern Entwickelung beſchäftigt war, um ſchon eine vielfache praktiſche Anwendung zu geſtatten. Die Statiſtik als ſolche lieferte beinahe unfruchtbare Reſultate, einen Ballaſt für das Gedächtniß, ſolange ſie nur Zahlenwerthe an⸗ häufte, ohne ihre gegenſeitigen Beziehungen zu zeigen. Das iſt ſeit einiger Zeit geſchehen, aber Ernſt Engel hat, ſoviel ich weiß in ſei⸗ nem Werke über die Bewegung der Bevölkerung in Sachſen, zuerſt eine ganz naturwiſſenſchaftliche Methode angewendet, indem er gleichſam mit den Zahlenwerthen experimentirt und ſie aufeinander reagiren läßt. In ähnlicher Weiſe wird man auch naturwiſſen⸗ ſchaftliche Thatſachen, z. B. die Verſchiedenheiten des Boden⸗ baues, mit den von der Statiſtik gebotenen Werthen vergleichen lernen und ſo dahin gelangen, den Einfluß des Klimas, der Ge⸗ birgsart, der Höhe u. ſ. w. durch Zahlenverhältniſſe auszudrücken. Die hier vorliegende, wie jede Erforſchung, kann ſtets nur vom Speciellen ausgehen und durch Häufung und Grup⸗ pirung einzelner Thatſachen nach und nach zu immer allgemei⸗ nern Reſultaten vorſchreiten. Die Darſtellung des bis jetzt bereits Erforſchten gewinnt dagegen ſehr an Ueberſichtlichkeit, wenn ſie mit den allgemeinſten Reſultaten beginnt und den um⸗ gekehrten Weg vom Allgemeinern zum Beſondern einſchlägt, ſelbſt auf die Gefahr hin, daß manche der allgemeinern Sätze noch etwas unſicher ſind, während alles Specielle nothwendig in That⸗ ſachen beſtehen muß. A ng ein Geo⸗ onomie ne ihrer en äͤhn⸗ ſie an⸗ big hat Botanik zu wer⸗ ebisher ſchiſtig geſtatten. deſultate erthe a⸗ a iſt ſät iß in ſi⸗ n, zurrt ndem e feinander arwiſſen⸗ Boden⸗ rgleiche der Ge⸗ !drücken. nn ſtetz * Grup⸗ allgemei bis jetzt ttlichkeit den um⸗ t, ſelbſt tze noch in That⸗ — 3— Es waren aber auch ganz ſpecielle Thatſachen, welche den Verfaſſer nach und nach dahin geleitet haben, den Einfluß des Bodenbaues auf das Leben zum Gegenſtande dieſer Arbeit zu machen. Beiſpielsweiſe mögen ein paar dieſer veranlaſſenden Thatſachen genannt werden. Bei einer geologiſchen Unterſuchung der Gegenden von Kö⸗ nigsbrück und Kamenz in Sachſen ſiel es auf, daß dort die Dörfer vorzugsweiſe auf kleinen Grauwackeninſeln liegen, welche aus dem ſandigen aufgeſchwemmten Lande(Diluvialgebilde) her⸗ vorragen. Der natürliche Zuſammenhang ergab ſich ſehr leicht, die Grauwackengeſteine liefern nicht nur einen feſtern Baugrund, ſondern auch— und das iſt wol Hauptſache— einen frucht⸗ barern Boden für Felder als die vorherrſchend mit Kiefernwald bedeckten Sandſtrecken. Es zeigte ſich demnach hier eine auf⸗ fallende Uebereinſtimmung der geologiſchen mit den Culturgrenzen. Ein zweites Beiſpiel der Art bot ſich in der unmittelbaren Nähe meines Wohnorts dar. Die Grenzen des aus Porphyr und Quaderſandſtein beſtehenden Gebiets zwiſchen Tharand und Freiberg, einerſeits gegen Thonſchiefer und andererſeits gegen Gneis, fallen beinahe überall zuſammen mit den äußern Grenzen des Tharander Waldes; man hat hier offenbar nach und nach den fruchtbaren Boden dieſer Schiefergeſteine in Feld umgewandelt und zuletzt den Wald auf jene dem Feldbau minder günſtigen Geſteine beſchränkt. Eine dritte beinahe noch auffallendere Thatſache ergab ſich bei geologiſchen Kartenarbeiten in Thüringen. Hier zeigte ſich nämlich ſehr bald: erſtens, daß alle größern Muſchelkalkgebiete auffallend von Ortſchaften gemieden werden, die ſich eben deshalb ganz vorzugs⸗ weiſe an deren Rändern angeſiedelt finden; und zweitens, daß die Mehrzahl der größern Städte dieſes kleinen deutſchen Gebietes auf Erhebungslinien liegt, wo ſie entweder einen Terrainabſchnitt, eine vorzugsweiſe feſte Lage, guten Baugrund, paſſende Baumaterialien oder nutzbare Quellen zur Dispoſition vorgefunden haben. So auffallende Beiſpiele lenkten die Aufmerkſamkeit auch auf minder deutliche Erſcheinungen ähnlicher Art, und führten nach 1* — 4— und nach zu immer allgemeinern Folgerungen. Zuerſt wagte ich es, in den Beilagen der augsburger„Allgemeinen Zeitung“ in Briefform den Gegenſtand zu beſprechen. Dieſe Briefe wurden dann in etwas veränderter Geſtalt im erſten Bande der„Ger⸗ mania“ zuſammengefaßt und ich glaube nicht unpaſſend, was dort einleitend geſagt wurde, hier wiederholen zu können. Der Boden, den wir Menſchen bewohnen, iſt nie ohne Ein⸗ fluß auf unſere Zuſtände und Sitten, er iſt eine der Urſachen beſonderer nationaler Entwickelung, und zwar eine der unver⸗ änderlichſten. So reichen denn eine Menge Wurzeln des menſch⸗ lichen und des ſtaatlichen Lebens tief hinab in das Innere der Erde und zurück in längſt vergangene Zeiten, denn es iſt der Boden, den wir bewohnen, das Reſultat unzähliger, langſamer oder plötzlicher Umwälzungen(Reformen oder Revolutionen). Wo die Reform zu lange zurückgehalten wurde, da brach Revolution aus, da erfolgten zerſtörende Eruptionen, und es ſcheint, ſie ſind in der Geſchichte der Völker ſo unvermeidlich als in der der Erde. Groß und erhaben ſind die Ueberreſte ſolcher Naturrevolutionen, doch ſchön erſt dann, wenn die heilende Zeit ſie überwachſen hat. Aber, wohl uns! von dieſen gewaltigen Paroxysmen der Erde iſt meiſt nur das Schöne und Erhabene übrig geblieben in herr⸗ lich aufragenden Gebirgen, während die Geſchlechter längſt ver⸗ ſchwunden ſind, deren Exiſtenz von dieſen Ereigniſſen bedroht, verletzt oder vernichtet ward. Der Aufbau der Alpen, ſo allmälig er auch erfolgt ſein mag, koſtete den Bewohnern ganzer Oceane ihr Leben, und ihre verſteinerten Leichen mahnen uns wie Schlacht⸗ felder, auf denen der Untergang von Nationen entſchieden ward und das Heil anderer erblühte. Indem wir unſere Unterſuchungen über den Einfluß des innern Bodenbaues auf die menſchlichen Zuſtände, auf Deutſch⸗ land als ein Beiſpiel richten, entſteht vor allem die Frage: Gibt es für den Geologen ein Deutſchland?— Kaum! Ein Spanien, ein England, ein Norwegen, ein Schweden, ein europäiſches Rußland, auch allenfalls ein Frankreich, ein Böhmen, ein Baiern, das läßt ſich geologiſch nachweiſen, aber ein Deutſchland habe ꝛere der iſt de gſaner ). Wo olution ſie ſind r Erde. tionen, ſen hat. r Erde n herr⸗ ſt ver⸗ edroht, Umälig Dceane hlacht⸗ ward ß des eutſch⸗ Gibt anien, äiſches aiern, habe — 5— ich immer vergeblich geſucht. Es ſcheint wirklich nur ein künſt⸗ licher Begriff zu ſein, die Grenze zwiſchen andern Ländern, ein geologiſches(wie politiſches) Conglomerat, etwa der geologiſche Centralpunkt, wie der geiſtige, für ganz Europa, ein breiter Mittelpunkt ohne Peripherie, aber kein einheitliches Land. Vergeblich ſucht man nach umgrenzenden Gebirgen oder Meeren; uns fehlen Pyrenäen, ein Ural oder ein Kaukaſus, nicht einmal die Alpen begrenzen uns, und, wo ſie es könnten, da iſt es uns diesſeits zu eng, wir ſehnen uns nach einem adria⸗ tiſchen Hafen. Vergeblich ſucht man nach einem großen centra⸗ liſirenden Becken oder nach einem ganz und durchaus deutſchen Hauptfluß. Uns fehlt das weite Seinebecken oder das der Themſe, unſere großen Flüſſe entſpringen kaum auf eigenem Gebiet, noch weniger münden ſie auf demſelben, da iſt nirgends ein natür⸗ licher Centralpunkt geboten, kein deutſches London oder Paris, höchſtens ein Wien, Berlin und Frankfurt— Mainz. Iſt das nun ein Glück oder ein Unglück? Beides, wenn ich nicht irre. Die ungemeine Mannichfaltigkeit der deutſchen Bodengeſtal⸗ tung und des innern Baues derſelben hat eine ähnliche Mannich⸗ faltigkeit der Bevölkerung, ihrer Sitten, Gewohnheiten und Induſtriezweige, eine vielfältige geiſtige Durchbildung und in Folge davon eine ähnliche der Staaten und ſtaatlichen Einrich⸗ tungen hervorgerufen. Statt eines großen haben ſich eine Menge kleiner Centralpunkte erſten, zweiten und dritten Ranges gebildet, und jeder hat wie eine Sonne ſeine befruchtenden Strahlen um ſich her geſendet. Statt einer homogenen Nation haben ſich eine Anzahl geſonderter Volksſtämme entwickelt. Der Einfluß der Bodengeſtaltung auf die Bevölkerung iſt ein ſehr vielartiger, ſchwer in ſeinen Einzelheiten zu ermittelnder, noch ſchwerer voraus zu beſtimmender. Denken wir uns gleichartige Bevölkerungselemente gleichartig über ein geognoſtiſch ſehr mannichfaltiges Land ausgebreitet, ſo wird der Boden es ſein, welcher, neben andern Einflüſſen, ſehr allmälig Ungleichheiten in der Bevölkerung, ſowol in ihrer Natur als in ihrer Dichtigkeit hervorbringt. Denken wir uns aber einen .— 6— kleinen Stamm irgendwo eingewandert und feſtgeſetzt, ſo wird er ſich den gegebenen Bodenverhältniſſen anſchmiegen, ſeine Sitten und ſeine Induſtrie ihnen entſprechend entwickeln, und wenn er ſich nun mehr und mehr ausbreitet, ſo wird das vorzugsweiſe nach den Richtungen hin geſchehen, wo die gewohnten, durch viele Generationen vertraut gewordenen Bodenverhältniſſe am ähnlich⸗ ſten ſich vorfinden. Auf dieſe Weiſe entſtanden beſondere Volks⸗ ſtämme in gewiſſen natürlichen Abgrenzungen, und von dieſen einfachen Normen erfolgten nur Ausnahmen durch äußern oder innern Drang(Krieg oder Uebervölkerung) oder durch das Lockende weit ergiebigerer Landſtriche der Nachbarſchaft. Das iſt nicht etwa lediglich Folge der äußern Formverhält⸗ niſſe, die ohnehin ſtets von den innern abhängen; der Einfluß jener herrſcht freilich vor, aber auch der innere Bau, der geo⸗ gnoſtiſche, iſt nicht ohne Wirkung. Wer gute geologiſche Karten vergleicht, der wird bald erkennen, daß gerade der geologiſch bun⸗ teſte Theil Deutſchlands, zwiſchen dem Erzgebirge und dem Rhein, auch der politiſch und der Stammverſchiedenheit nach bunteſte iſt. Doch darf man ſich dabei nicht durch die bloße Farbenmannich⸗ faltigkeit der geologiſchen Karten allein leiten laſſen; dieſe iſt in gewiſſem Grade eine willkürliche, da leider ein Jeder beliebige Farben für beliebige Geſteinsabtheilungen zu wählen pflegt. In dieſem Falle iſt aber wirklich auch der Wechſel heterogener und auf Induſtrie und Bodengeſtaltung einflußreicher Geſteine ſehr groß. Wie einförmig erſcheinen dagegen geognoſtiſch das alte Preu⸗ ßen, Baiern, Böhmen und das Erzherzogthum Oeſterreich. Dieſer ſehr mannichfaltige Bau, der für die Einheit Deutſch⸗ lands jedenfalls ungünſtig war und noch iſt, hat nicht wenig bei⸗ getragen zu der geiſtigen Durcharbeitung, Schmiegſamkeit und Vielſeitigkeit unſerer Nation, aber ebenſo auch zu dem Mangel an Einheits⸗ oder Nationalgefühl. Ich verkenne nicht, daß der Einfluß des innern Bodenbaues auf das Leben der Menſchen größtentheils nur ein indirecter iſt, der überdies vielfach durch andere ſtärkere Einflüſſe modificirt, verſchoben oder theilweiſe überwunden wird; aber bedenken muß — — ſgſũúꝑ/,—½———ꝑẽx̃— ——.— .—— n„ erd er Sitten un er zweiſe hviele ünüch⸗ Volks⸗ dieſen en oder Lockende verhilt Einfluß der ger Karten ſch bun⸗ Rhein, teſte it nannich⸗ ſe iſt in beliebige gt. Il und auf r groß. ePreu⸗ . deutſch⸗ nig bei⸗ it und Mangel nbaues ter iſt difieirt, n muß — 7—. man, daß die Urſache jener wenn auch noch ſo ſchwachen Ein⸗ wirkung unter allen die conſtanteſte und urſprünglichſte iſt. Der innere Bau der feſten Erdkruſte iſt im Weſentlichen derſelbe ge⸗ blieben, ſeitdem ſie von Menſchen bewohnt wird, und ſeine wenn auch geringen Einflüſſe haben ohne Unterbrechung fortgewirkt auf das locale Leben an ſeiner Oberfläche. Die Völker haben ſich gleich Flüſſigkeiten über jenem relativ Unveränderlichen, Starren ausgebreitet, verdrängt und verſchoben; wo aber viele Genera⸗ tionen auf derſelben Scholle Land einander folgten, da iſt auch jener dauernde Einfluß in ihrem Leben und Charakter bemerkbar geworden, wie fallende Waſſertropfen zuletzt den feſteſten Stein aushöhlen. Die Völker verwachſen endlich mit ihrem Wohnplatz — er wird ihr Vaterland in voller Bedeutung, und nicht blos mit ſeinen klimatiſchen und äußern formalen Zuſtänden, auch mit ſeinem tiefinnerſten Grunde wird er es. Die immer größere in⸗ dividuelle Beweglichkeit der Neuzeit mag dieſem Einfluß entgegen⸗ wirken, ganz aufheben für die große Maſſe kann ſie ihn nie. Dieſer Einfluß des innern Baues iſt, wie geſagt, mehr ein mittelbarer als ein unmittelbarer. Die Formen der Landſchaft ſind Folgen des innern Baues und localer geologiſcher Vorgänge, wie Erhebungen, Senkungen und Flutungen. Die Vegetation trägt neben dem überwiegenden des Klima einigermaßen auch den Charakter der Gebirgsarten; von den Pflanzen leben Thiere, und beide benutzt der Menſch. Der feſte Boden ſelbſt liefert Bau⸗ ſteine, formbare Erden, Metalle, Kohlen und Salze; einen feſten oder unfeſten Baugrund, große oder geringe Schwierigkeiten für Verkehrswege, viel oder wenig Quellen, gutes oder ſchlechtes Trinkwaſſer, Thermen oder mineraliſche Heilquellen; er zwingt die Flüſſe zu ſehr gleichmäßigem oder ſehr unregelmäßigem Lauf; er befördert oder hindert ihre Schiffbarkeit, erhöht oder mindert ihre Anwendbarkeit als Waſſerkraft. Er wirkt als guter oder ſchlechter Wärmeleiter, er erzeugt Exhalationen von mancherlei Dämpfen und Gasarten; er iſt durch das Alles nicht ohne Einfluß auf das phyſiſche Wohlbefinden und auf die Beſchäfti⸗ gung der Menſchen. Genug, ich glaube zeigen zu können, daß —y—ry-n—ͤ —õ———ö— 3— s— der innere Bau des Bodens nicht ganz einflußlos geweſen iſt auf die Geſchichte der Menſchen, auf die Grenzen der Völker⸗ ſtämme und der Staaten, auf die Mannichfaltigkeit ihrer Ent⸗ wickelung, auf das ſociale, moraliſche und intellectuelle Leben. Von ſelbſt ergibt ſich daraus auch einige Beziehung auf Politik und ihre ultima ratio— die Kriegführung. Aber alle Wirkun⸗ gen der ungleichen Art des Bodens werden naturgemäß immer ſchwächer und ſchwächer, jemehr ſie ſich gleichſam von ihrer ma⸗ teriellen Quelle entfernen und in höhere geiſtige Regionen ein— dringen. Es liegt mir fern, die Reſultate der Unterſuchungen in die⸗ ſem neuen Gebiet, die nähere Kenntniß jener kleinen Wirkungen des Bodens, die ſich ſchwerlich ſogleich alle numeriſch werden feſtſtellen laſſen, unmittelbar praktiſch ausnutzen und anwenden zu wollen. Der geologiſche Bau des Bodens iſt ja ohnehin das Unveränderliche, dem das organiſche Leben ſich fügt und an— ſchmiegt. Man kann keine Kohlenlager oder Erzgänge herbei⸗ zaubern, wo ſie nicht ſind. Man kann überhaupt den Boden nicht ändern, durch ihn nicht willkürlich einwirken, und ſeinet— wegen wird man das hiſtoriſch oder factiſch Gegebene, das Be⸗ ſtehende einer Theorie zu Liebe nicht leicht abändern oder um⸗ geſtalten, ſelbſt wenn es ſich irgendwo finden ſollte, daß es in einigem Widerſpruch damit ſtehe, was nur durch Gewaltſamkeit und Uebermacht der andern Einwirkungen geſchehen ſein könnte. Indeſſen ſolche Fälle der Umgeſtaltung werden ſicher dann ein⸗ treten, wenn erſt die natürlichen Bedingungen des Bodens beſſer bekannt ſind. Ich will beiſpielsweiſe hier nur daran erinnern, daß es geologiſche Bodenconſtitutionen gibt, die ſich, um productiv zu ſein, nur zum Waldbau eignen, und die dennoch als Feld benutzt werden, während anderwärts noch Holz auf ſehr geeigne⸗ tem Feldboden erzogen wird; mindeſtens den erſtern Fall müßte jeder Nationalökonom, der es vermag, zu beſeitigen ſuchen. Iſt es denn aber, abgeſehen von der ſpeciellen praktiſchen Bedeutung, nicht ſchon wichtig genug, den innern Zuſammenhang der Er⸗ ſcheinungen möglichſt genau kennen zu lernen, auch die zarteſten ſen iſt Völker⸗ er Ent— Leben. Poliik Wirkun⸗ immer rer ma⸗ nen ein⸗ in die erkungen werden wenden hin das nd an⸗ herbei⸗ Boden ſeinet⸗ as Be⸗ er um⸗ 3 es in tſamkeit könnte. mn ein⸗ beſſer n, daß foduttid s Feld geeigne⸗ müßte n. Iſt eutung, er Er⸗ rteſten — 9— Wurzeln der ſocialen und moraliſchen Zuſtände womöglich bis zu ihren äußerſten Enden zu verfolgen? Die wahre Urſache eines Uebels zu kennen iſt ſtets von hohem Werth, ſelbſt wenn man ſie nicht zu beſeitigen vermag; man kämpft dann mindeſtens nicht gegen falſche an. Aber es müßte ſonderbar zugehen, wenn nicht ebenſo gut auf dieſem Gebiet wie in der Anthropologie die wahre Phyſiologie zur wahren Heilkunde führte, ohne daß ich deshalb etwa der geologiſchen Grundlage dieſen Werth für ſich allein vindiciren möchte, er kommt vielmehr der Geſammtheit der Naturwiſſenſchaften als Baſis der Nationalökonomie zu. Die Kenntniß der Bodenwirkungen wird nie zu gewaltſamen Aenderungen des Beſtehenden, nie zu einem gänzlichen Syſtem⸗ wechſel führen, wol aber kann ſie darauf leiten, von der Natur gegebene Richtungen zu fördern oder zu hemmen, jenachdem es der Staatszweck erheiſcht. Es iſt dieſe Kenntniß offenbar eine der urſprünglichſten Grundlagen für das Gebäude der National⸗ ökonomie, und als ſolche iſt ſie meines Wiſſens bis jetzt noch nicht dargeſtellt worden. Dies zu verſuchen iſt aber hier mein Zweck, indem ich vor— zugsweiſe Deutſchland— als mir am genaueſten bekannt— zum Gegenſtand der beſondern Unterſuchung in dieſer Hinſicht wähle. Es iſt alſo meine Abſicht, in dieſem Buche für Deutſchland als an einem Beiſpiel zu zeigen, welchen Einfluß der geo⸗ logiſche Bau der Länder auf das Leben der Völker hat. Kein Ethnograph, Nationalökonom oder Statiſtiker wird leugnen, daß ein ſolcher Einfluß überhaupt ſtattfinde. Wer möchte leugnen, daß der Silberreichthum Perus, der Goldreich⸗ thum Californiens oder eines Theiles von Auſtralien einen großen Einfluß auf die politiſchen und ſocialen Zuſtände dieſer Länder gehabt haben und noch ausüben? Wer möchte leugnen, daß England ſeinen induſtriellen Reichthum theilweiſe den Kohlen⸗ und Eiſenſteinlagern verdankt? Daß die Unbewohnbarkeit der afri⸗ kaniſchen Wüſten, das beſondere Leben in den Pampas von Südamerika, und in geringerm Grade ſelbſt die Unwirthlichkeit des Karſtgebirges bei Trieſt weſentlich Folgen ihres geologiſchen — 10— Baues ſind? Es kann ſich alſo nur darum handeln, ob derſelbe überall und nicht blos in ſo beſondern Fällen groß genug iſt, um Beachtung zu verdienen. Streng genommen iſt in der Natur nichts ohne allen Einfluß aufeinander. Man würde aber in keiner wiſſenſchaftlichen Betrachtung zu einem Ziel und Abſchluß gelan⸗ gen, wenn man alle, auch die zarteſten gegenſeitigen Wirkungen vollkommen erſchöpfen wollte; deshalb ſcheidet man ſtets die un⸗ weſentlichen ab und beſchränkt ſich auf die weſentlichen, mit dem Bewußtſein, daß jene zwar exiſtiren, aber im Vergleich zu dieſen ignorirt werden können, ohne die Wahrheit der Betrachtung zu ſtören. Der Fortſchritt der Unterſuchung kann indeſſen auch ſolche lange Zeit für unweſentlich gehaltene Wirkungen in die Reihe der weſentlichen erheben, und dadurch wird dann allemal zu den frühern ein neues fruchtbares Feld der Bearbeitung ge⸗ wonnen. Die Ueberzeugung, daß der innere(geologiſche) Bau der feſten Erdkruſte allerdings von weſentlichem und deshalb beachtenswerthem Einfluß auf das Leben der Menſchen ſei, ver⸗ anlaßt den Verſuch, es hier nachzuweiſen. Ich will nicht behaupten, daß man die Exiſtenz dieſes Ein⸗ fluſſes bisher durchaus ignorirt oder in Abrede geſtellt habe. Karl Ritter z. B. hat die Wahrheit der Sache ſchon vielfach hervorgehoben, Ami Bous hat in ſeiner kleinen Schrift über Zweck und Nutzen der Geologie manches Wichtige darüber be⸗ merkt; aber noch niemals iſt der Verſuch gemacht worden, den Gegenſtand ſelbſtändig zu bearbeiten und dadurch eine neue Baſis für nationalökonomiſche Studien zu gewinnen, welche neben den andern Grundlagen dieſer Wiſſenſchaft gewiß ebenfalls Beachtung verdient. Die Nationalökonomen und die Statiſtiker haben allerdings in letzter Zeit die Geologie nicht ganz unbeachtet gelaſſen. Aber zu einer fruchtbringenden Anwendung derſelben ſind ſie nicht gelangt. Alexander v. Lengerke hat in ſeinem trefflichen Werk über die landwirthſchaftliche Statiſtik der deutſchen Bundesſtaaten (1840) auf 127 Seiten eine große Menge von Thatſachen über die phyſikaliſche Beſchaffenheit Deutſchlands zuſammengeſtellt, aber a dj tim ntſ an ta. derſelbe nug iſt r Natur i keiner F gelan⸗ irkungen die un⸗ mit den zu dieſen htung zu ſen auch in die allemal tung ge⸗ de) Bau deshalb ei, ver⸗ ſes Ein⸗ lt habe. vielfach iift über über be⸗ den, den ne Baſſ ben den eachtung llerdings 1. Abet ſie nicht n Werk eöſtaaten zen über Ut, aber — 11— des ihm fremdartigen geologiſchen Stoffes iſt er nicht Meiſter geworden. Nirgends geht daraus eine Beziehung deutlich her⸗ vor; die Erſcheinungen bleiben gänzlich unverbunden und man weiß zuletzt nicht, wozu überhaupt dieſe Aufzählung der Gebirgs⸗ arten dienen ſoll. Aehnlich aber iſt es bisher allen andern Stati⸗ ſtikern und Nationalökonomen ergangen, welche es verſucht haben, die Geologie in ihre Betrachtungen hereinzuziehen. Am meiſten hat mich in dieſer Beziehung die Erwartung getäuſcht, welche ich, durch den Titel beſtochen, von Gobbi's„Abhängigkeit der phyſi⸗ ſchen Populationskräfte von den einfachſten Grundſtoffen der Na⸗ tur“ hegte, während Gobbi in einſeitiger Weiſe faſt nur die Wir⸗ kungen des Waſſers im flüſſigen und gasförmigen Zuſtande beachtet. Daß es ſo iſt, kann durchaus nicht Wunder nehmen, wenn man bedenkt, daß ſpecielle geologiſche Karten ganzer Länder, alſo die wichtigſten Hülfsmittel für dieſen Zweck, eigent⸗ lich erſt ſeit etwa 20 Jahren angefertigt worden ſind, und daß dieſe überdies nicht leicht von irgend Jemand zu ſol⸗ chem Zweck verwendet werden können, der nicht ſehr mit dem Gegenſtande vertraut, womöglich ſelbſt geübter Geolog iſt, damit er die Bedeutung der Darſtellung verſtehe, die durchaus nicht vollſtändig aus der Farben⸗ oder Zeichenerklärung zu entnehmen iſt. Minder genaue, allgemeinere oder geologiſche Ueberſichts⸗ karten, wie ſie ſeit Anfang dieſes Jahrhunderts exiſtiren, konnten in der Hand eines Ungeübten noch weniger nützen, zumal da auf letztern unter einer Bezeichnung ſtets mehre Geſteine dar⸗ geſtellt ſind, die möglicherweiſe eine gänzlich verſchiedene Bedeu⸗ tung für das Leben haben. Dieſer Umſtand iſt ſogar für die meiſten Specialkarten noch jetzt in gewiſſem Grade gültig, und eben darum ihre Anwendung ſo ſchwierig. Das Rothliegende und der bunte Sandſtein umfaſſen z. B. theils über⸗, theils nebeneinander ſehr ungleiche Geſteine(Schieferthon, Thonſtein, Sandſteinconglomerat und ſelbſt Kalkſtein), welche auf Karten nicht geſondert dargeſtellt zu werden pflegen, und Aehnliches gilt für die meiſten ſogenannten Flötzformationen. Es fällt daher die Schuld der Unfruchtbarkeit mehr auf die Geologen zurück, welche der Statiſtik noch kein ganz und ohne Umgeſtaltung brauchbares Material geliefert haben. Unter dieſen Umſtänden ſehe ich mich genöthigt, das Lehr⸗ gebäude vom Einfluß des innern Bodenbaues auf das Leben von Grund aus als etwas Neues zu betrachten. Von einem ſolchen Neubau, zu welchem ſogar die Materialien größtentheils erſt herbeigeſchafft oder mindeſtens umgehauen werden müſſen, iſt nicht zu erwarten, daß er ſogleich einen hohen Grad der Voll⸗ endung erreicht, er wird vielmehr, wie ich wohl weiß, ſehr lückenhaft ausfallen und ſelbſt ohne abſchließendes Dach bleiben, beinahe nur aus Umfaſſungsmauern beſtehend, da meine Kräfte nicht ausreichen, geſtaltend in die ſtaatswirthſchaftlichen Lehren einzugreifen. Ich muß es vielmehr den Staatsökonomen über⸗ laſſen, ob ſie Das, was ich von meinem geologiſchen Standpunkte aus ihnen darzubieten vermag, benutzen und weiter ausbauen wollen. Für ſie liefere ich nur Materialien. Ich bin auch weit davon entfernt zu glauben, daß dieſe neue Betrachtungsweiſe, ſelbſt wenn ſie Eingang gefunden, weſentliche Umgeſtaltungen in den ſtaatsökonomiſchen Lehren hervorbringen könne. Dieſe ſind offenbar ſchon auf das Thatſächliche der Erſcheinungen gegründet, mein Beſtreben kann es nur ſein, die geologiſchen Urſachen der thatſächlichen Erſcheinungen näher zu unterſuchen, welche längſt als ſolche anerkannt worden ſind. Dabei bin ich indeſſen der Meinung, daß jedes beſſere Ver⸗ ſtändniß der Urſachen auch ein beſſeres Verſtändniß ihrer Wir⸗ kungen herbeiführen müſſe, wenn ich auch dieſes letztere nicht ſelbſt zu bieten vermag. Die Anwendung der Lehre auf Deutſchland als concretes Beiſpiel wird hoffentlich geeignet ſein, ihr eine möglichſt ſichere Grundlage zu geben, doch halte ich es für nöthig, dieſer An— wendung einige allgemeine Betrachtungen vorauszuſchicken. : — d! dine rrtie niter hit Beuie Einige ſtlc Da diſt die aher viee Ind l ſhm! in. 4 beren uüch ge hacten uchbares as Ahhr⸗ eben von ſolchen eils ert ſſen, iſ der Vol⸗ iiß, ſehr bleiben, te Kraͤfte Lehren en über⸗ ndpunkte wusbauen uch weit agsweiſe, ungen in dieſe ſind egründet, achen der he längſt ſere Ver⸗ rer Wir⸗ ere nicht toncreteð ſt ſchen jeſer Ar⸗ en. Erster Abschnitt. Allgemeine Betrachtungen uͤber den Einfluß des Bodenbaues. Unmittelbare und mittelbare Bodenwirkung. §. 1. Die Einwirkung des innern Baues der feſten Erdkruſte auf das Leben der Menſchen läßt ſich als eine unmittelbare und eine mittelbare erkennen. Unmittelbar wirken die verſchieden⸗ artigen Geſteine durch ihre ungleiche Qualität, chemiſche und mineralogiſche Zuſammenſetzung, Feſtigkeit, Wärmeleitungsfähig⸗ keit, Verhalten zum Waſſer u. ſ. w. Einige ſind nutzbar als Bauſteine, Erze, Brennmaterialen, Salze, Düngematerialien. Einige bilden durch ihre Verwitterung einen guten, andere einen ſchlechten Boden u. ſ. w. Mittelbar wirkt dagegen der innere Bau der Erdkruſte durch die Formen ihrer Oberfläche, welche größtentheils Folgen deſſelben ſind, oder auf welche er doch min⸗ deſtens einen ſehr großen Einfluß hat. Dieſe äußern Formen aber wirken deutlich auf die Vertheilung der feſten Anſiedelung, wie auf die Wege des Verkehrs, ſie fördern oder hemmen beide und leiten ſie; ja ſie wirken ſogar auf das Gemüth des Men⸗ ſchen und auf beſondere Richtungen ſeiner geiſtigen Thätigkeit ein. Beide Wirkungen, die unmittelbaren und die mittel⸗ baren, vermiſchen ſich oft in gewiſſem Grade oder heben ſich auch gegenſeitig theilweiſe auf; es iſt zuweilen ſchwer, in der Be⸗ trachtung ſie ſtreng zu iſoliren. — 14— Einfluß des Bodens auf die allgemeine Entwickelung des Menſchen. §. 2. Am ſchwierigſten iſt es natürlich, die Wirkungen des Bodens auf die Natur des Menſchen in irgend einer Richtung ſpeciell zu zeigen. Wo ſo vielerlei Einflüſſe im wechſelnden Spiel ein Pro⸗ duct erzeugten, da iſt es kaum noch möglich, die einzelnen zu ſondern. Wir vermögen nur ganz allgemein zu behaupten, daß der heutige Menſch mit all ſeinen Eigenſchaften das endliche Product all der phyſiſchen und geiſtigen Eindrücke ſei, durch welche die ihn umgebende Außenwelt auf ihn und ſeine Vorältern von An⸗ beginn an eingewirkt hat. Die immer höhere Entwickelung des Menſchengeſchlechts iſt eine allgemeine, aber die beſondere Stufe und Art derſelben iſt eine beſondere locale 1). Welchem andern Umſtande können wir die Unterſchiede der Völkerſtämme(die Nationalverſchiedenheiten), die großen Ungleichheiten ihrer phyſi⸗ ſchen wie geiſtigen Entwickelung zuſchreiben, als der phyſiſchen Ungleichheit der Länder? Es iſt ganz der Geſammtnatur und ſelbſt dem geologiſchen Bau dieſer Erdtheile entſprechend, daß die Bewohner Europas höher entwickelt ſind als die Aſiens, und dieſe höher als die Afrikas. Auf ähnliche Urfachen weiſen im Grunde alle natio⸗ nalen Verſchiedenheiten hin, nur daß ſie nicht überall ſo deutlich hervortreten, weil die Völker theils ihre Wohnplätze gewechſelt haben, theils in vielfachen ausgleichenden Verkehr miteinander getreten ſind. Wir finden mit gewiſſen Modificationen noch jetzt räumlich nebeneiander, was bei den entwickeltſten Völkerſtämmen hiſtoriſch hintereinander liegt. Die Ungunſt des Landes hat den Neuholländer in der erſten Kindheit der Entwickelung zurück— gehalten, während ſeine Begünſtigung die Europäer die höchſte Stufe der Civiliſation erklimmen ließ. Wenn aber auch Spe⸗ cielles ſich in dieſem Falle nicht nachweiſen läßt, ſo müſſen wir doch jedenfalls die Natur des Landes als eine Haupturſache na— tionaler Verſchiedenheit betrachten. In der Natur des Landes kelung es Bodene ſpecill i e ein Pu⸗ nzelnen zu en, daß de he Produt welche di mvon M⸗ kelung de dere Stuf eim andern nme(di rer phyſe phyſiſchen eologiſchen Europes er als di alle natir ſo deutlit gewechſe iteinande noch jet kerſtämma s hat der ig zurück die höhſte nuch Sp⸗ nüſſen wit rſache na⸗ 1s Landes — 15— iſt aber neben Lage und Klima der Bau der Bodens eine weſent⸗ liche Urſache der Ungleichheit. Wenden wir uns von dieſen ihrer ganzen Natur nach etwas unbeſtimmten und unſichern, deshalb höchſt allgemeinen Betrach⸗ tungen zu ſolchen, die eine größere Schärfe und Sicherheit der Ermittelung zulaſſen. Einfluß des Bodenbaues auf die Anſiedelung der Menſchen. §. 3. Die feſte Anſiedelung der Menſchen, die Lage der Städte und Dörfer iſt in hohem Grade abhängig von der äußern und innern Beſchaffenheit des Bodens. Schon der Nomade ſchlägt nicht ohne ſorgliche Auswahl der Stelle ſein luftiges Zelt auf, mit weit größerer Sorgfalt aber haben überall die Menſchen ihre dauernden Wohnplätze gewählt, wo ſie nicht durch Uebereilung, Noth oder feindliches Entgegentreten an unpaſſende gefeſſelt wurden. Bei dieſer Auswahl ſpielt die äußere wie die innere Bodengeſtaltung eine weſentliche Rolle theils unmittelbar, theils mittelbar, und wir können ſowol für Anſiedelung vorherrſchend günſtige als ungünſtige Bodenzuſtände unterſcheiden. §. 4. Günſtig wirken: Ebenheit der Oberfläche, feſter Grund, Raum zur Ausbreitung, Anweſenheit von Quellen oder fließendem Waſſer, Schutz gegen klimatiſche Uebel oder gegen lebende Feinde(feſte Lage), Nachbarſchaft von Baumaterialien(Stein, Lehm oder Holz), Nachbarſchaft von Brennmaterialien(ſeien es über⸗ oder unterirdiſche), Nachbarſchaft von beſondern natürlichen Erwerbs⸗ quellen aus dem Mineral⸗, Thier⸗ oder Pflanzenreich, Nachbar⸗ ſchaft von nutzbarer Waſſerkraft. Für die meiſten dieſer Motive localer Anſiedelung iſt der innere Bau, die Natur und Lagerung der Geſteine von großem Einfluß. Alle dieſe Zuſtände wirken in den beſchränkteſten Kreiſen, ſind ſelbſt für die kleinſten An⸗ ſiedelungen relativ wünſchenswerth, beſitzen aber keine große Trag⸗ weite, begünſtigen deshalb noch nicht die Entſtehung großer ——⅓¼ — 16— Städte. Für das Heranwachſen ſolcher vorzugsweiſe wichtig ſind: Die Lage an Terrainabſchnitten(Gebirgsrändern oder Meeres⸗ küſten), an ſchiffbaren Flüſſen, beſonders deren Verbindungen oder Mündungen in das Meer, an ſchützenden Häfen, in der Mitte weiter Becken und endlich als von größter Tragweite: die günſtige Weltlage. Dieſe für die Entſtehung großer Städte be⸗ ſonders einflußreichen Bodenzuſtände hängen verhältnißmäßig weit weniger von dem ſpeciellen innern Bau der Gegend ab als jene. Die wichtigern dieſer Bedingungen können die unwichtigern erſetzen, ſogar ungünſtige aufheben, da menſchlicher Scharfſinn die Ungunſt der Natur in gewiſſem Grade zu beſiegen vermag. §. 5. Ungünſtig für Anſiedelung wirken dagegen: Große Uneben⸗ heit des Bodens, nachgiebiger oder ſumpfiger Grund, Mangel an Raum, Mangel an Waſſer, zu große Höhe, gänzlicher Man⸗ gel an Baumaterial, große Unfruchtbarkeit, Schwierigkeit des Verkehrs. Aber es können, wie geſagt, dieſe poſitiv ungünſtigen Zuſtände theilweiſe durch Kunſt beſiegt werden; ſie bieten darum meiſt keine abſoluten Hinderniſſe dar. §. 6. Wenn wir bedenken, daß alle Anſiedelungen das natürliche Beſtreben möglichſt gleichförmiger Vertheilung über die gegebene Oberfläche haben, ſo werden wir bei genauer Unterſuchung finden, daß faſt jede Abweichung von dieſem erſten und natürlichſten Grundgeſetz durch die Vertheilung ſolcher Bedingungen veranlaßt iſt, denn nur ganz ausnahmsweiſe haben auch beſondere Laune, ſociale, religiöſe oder politiſche Zufälligkeiten dauernde Anſiede⸗ lungen ins Leben gerufen, ohne irgend eine natürliche Bedingung zu berückſichtigen. J. G. Kohl hat in ſeinem zu wenig beachteten Werk über den Verkehr die Geſetze der Anſiedelung wie der Bewegung ſo gründlich unterſucht, daß in ihrer Beziehung zu den äußern Formen des Erdkörpers kaum noch etwas zu thun übrig bleibt. Pr ftmen rar ſr tiije dij Wit Vir Naye teti Lot tig ſind. Meeres⸗ indungen „in dar eite: die tädte be⸗ äßig wei als jene. ichtigern ſcharfſim vermag. e Uneben⸗ „Mangl hher Man⸗ gkeit de günſtigen en darun natürliche gegebene g finden, irlichſten deranlaßt te Laune, Anſiede⸗ edingung erk über ewegung äußern bleibt. 3 — 17— Aber ſeine Arbeit bezieht ſich wieder lediglich auf die Oberflächen⸗ formen, nicht auf den innern Bau, während doch dieſer nicht nur jene bedingt, ſondern auch unmittelbar als anziehend oder abſtoßend wirkende Urſache eingreift. §. 7. Der ſpecielle Theil unſerer Betrachtungen, welcher Deutſch⸗ land als Beiſpiel behandelt, wird vielfach Gelegenheit bieten, die geologiſchen Urſachen localer Anſiedelung ans Licht zu ziehen. Hier ſei es nur noch erlaubt, für einige wichtige Hauptſtädte Deutſchlands die Vorzüge und Nachtheile ihrer Lage kurz zu beſprechen und dann für Thüringen und Sachſen die Lage aller Städte einer tabellariſchen Betrachtung zu unterwerfen. Durch Weltlage begünſtigt ſind im ganzen deutſchen Gebiet nur zwei Städte, und auch dieſe nicht vollkommen, da ihre über⸗ haupt nicht ſehr ausgezeichneten Häfen ſchon etwas zu weit im Feſtlande liegen. Dieſe Städte ſind Bremen und Hamburg, deren Weltlage ſich bei weitem nicht meſſen kann mit der von Amſterdam, Antwerpen, Havre, London oder Liverpool. In Meeresbuchten mit Häfen finden wir: Lübeck, Stral⸗ ſund, Stettin, Danzig, Königsberg und Trieſt. In weiten Becken und Gebirgsbuchten lagern: Miünſter, Köln(mit Düſſeldorf und Bonn), Erfurt(mit Weimar, Gotha und Mühlhauſen), Leipzig, Breslau, Prag, Nürnberg, Frankfurt (mit Mainz), München mit Augsburg, Wien und Grätz. Mehre von dieſen wie von den vorigen ſind natürlich zugleich auch durch andere Umſtände begünſtigt, aber nur einige werde ich deshalb wiederholt aufzählen. An ſchiffbaren Flüſſen finden wir: Bremen, Hamburg, Köln, Düſſeldorf, Magdeburg, Berlin, Frankfurt a. d. O., Deſſau, Wittenberg, Halle, Dresden, Koblenz, Mainz, Frankfurt, Hanau, Würzburg, Bamberg, Leitmeritz, Manheim, Heidelberg, Ulm, Regensburg, Paſſau, Linz und Wien. Zugleich durch Fluß⸗ verbindung oder beckenförmige Thalerweiterung ſind unter dieſen Cotta, Deutſchlands Boden. 2 ———— eess — 18— begünſtigt: Dresden, Koblenz, Mainz, Leitmeritz, Regensburg, Paſſau. 6 Vorzugsweiſe durch Terrainabſchnitte, Gebirgsränder oder Erhebungslinien hervorgerufen erſcheinen: Lüneburg, Osnabrück, Halberſtadt, Aachen, Bautzen, Görlitz, Heidelberg, Freiburg in Baden, Kaufbeuern, Salzburg. In kleinern Gebirgsbecken und günſtigen Thalverbindungen finden wir: Zwickau, Chemnitz, Zittau, Reichenbach, Innsbruck, Botzen, Klagenfurt, Laibach. Zahlreichere Beiſpiele der natürlichen Lage kleinerer Orte mag die Tabelle I der Beilagen ²) vorführen, welche die Gebiete von Sachſen und Thüringen umfaßt und zu welcher beſondere Bemer⸗ kungen beigefügt ſind. Gerade dieſe kleinern Orte liefern die am meiſten ſpecifiſch geologiſchen Beiſpiele, während die größern mehr von äußern Formen abhängen. Einfluß des Bodenbaues auf den Verkehr. §. 8. Der Verkehr gleicht in gewiſſem Grade einer Flüſſigkeit, welche ſich nach hydrauliſchen Geſetzen bewegt. Er ſenkt ſich überall von den Höhen in die Tiefen herab, umgeht die höchſten Spitzen, überſchreitet Gebirge an ihren tiefſten Einſenkungen, ſtrömt in beſtimmten, theils vorgefundenen, theils ſelbſt ge⸗ ſchaffenen Betten und ſammelt ſich in den großen Becken der Länder. Seine Quellen aber entſpringen meiſt aus dem Boden. §. 9. Die wichtigſten Unterſchiede der Bodengeſtaltung für die räumliche Bewegung der Menſchen und ihre materiellen Güter ſind: Waſſer, ebenes Land und Gebirge. Ihre gegenſeitigen Grenzen ſind ſtets ausgezeichnet durch eine vermehrte Friction des Verkehrs, die man ſeine Brandung nennen könnte. Er hat ſtets einige Schwierigkeiten zu überwinden bei der Ueberſchreitung ſol⸗ cher Grenzen; dadurch ſchafft er die vorzugsweiſe Belebung der Küſten und Ufer, den Kranz kleiner Städte, von denen plötzlich ensburg, der oder nabrüch iburg in ndungen nobruck, arte mag diete von Bemer⸗ die an größern liſſigkeit ſenkt ſich höchſte enkungen, elbſt ge⸗ icken der Boden für dir n Güter nſeitigen ttion des hat ſteto ung ſol ung der plößlich — 19— aufſteigende Gebirge an ihrem Fuß umgeben zu ſein pflegen ¹). Das Alles ſind alſo Folgen ſeiner Brandung. §. 10. Dieſe Unterſchiede der Bodenform ſind um ſo einflußreicher, je langſamer, je weniger energiſch, aber dabei je dauernder die Be⸗ wegungen des Verkehrs ſind. Doch ſelbſt der Krieg— Feldzüge und Schlachten— als äußerſte Mittel der Politik, ſind trotz ihrer rückſichtsloſen Energie noch abhängig vom Boden und bewegen ſich vorzugsweiſe in natürlichen Betten, wie ſchon ein flüchtiger Blick auf v. Rothenberg's deutſche Schlachtenkarte beweiſt. Nur ein großes Kriegsgenie wagt es zuweilen, die natürlichen Betten zu durchbrechen. Aber auch ein Napoleon wird ſie nie ohne Noth überſchreiten, und es würde das ſicherſte Zeichen mangeln⸗ den Genies ſein, wenn ein Heerführer ſeine Größe durch unnöthige Ueberſchreitung der natürlichen Wege beweiſen wollte. Das Alles ſind bekannte Dinge, die nur in Erinnerung ge⸗ bracht zu werden brauchen. Weniger beachtet worden iſt es aber bisher, daß die äußern Formen der Erdoberfläche größtentheils nur Folgen des innern Baues ſind, der ſomit ebenfalls in die Reihe der wirkenden Urſachen eintritt, theils nur indirect durch die äußern Formen, theils aber direct durch die Qualität der Geſteinsmaſſen. §. 11. 3 Der Lauf der Flüſſe, dieſer natürlichſten Verkehrsadern, und noch mehr die Art ihres Gefälles, Stromſchnellen, Katarakte, Ausbreitungen, Verengungen und Inſelbildungen ſind größten— theils Folgen der innern Architektur der Länder 4). Der Rhein⸗ fall bei Schaffhauſen wird durch eine feſte Jurakalkmauer bedingt, wie der Niagarafall durch eine Grauwackenkalkplatte. Die Fähr— lichkeiten des Bingerlochs entſprangen aus dem Hervortreten der vergleichsweiſe feſtern Grauwackengeſteine, die ſeichten und felſigen Stromſchnellen der Elbe zwiſchen Loboſitz und Pirna werden durch Baſalt, Phonolith oder beſonders feſte Sandſtein⸗ — 20— ſchichten bedingt. Die Zahl ſolcher Beiſpiele ließe ſich leicht ſehr vervielfältigen. §. 12. Aber nicht nur für die natürlichen Waſſerwege, auch für Kanäle, Eiſenbahnen und gewöhnliche Straßen iſt der innere Bau, die ungleiche Feſtigkeit der Geſteine von großer Bedeutung theils dadurch, daß die weichern Felsarten urſprünglich tiefere Ein⸗ ſchnitte, leichtere Gebirgsübergänge darbieten als die feſtern, theils dadurch, daß ſie mit weniger Schwierigkeit zu durchbrechen ſind. Die ſpecielle Betrachtung Deutſchlands wird uns auch in dieſer Beziehung viele einzelne Beiſpiele vorführen, auf die ich hier nur allgemeinhin verweiſen will. Bei Beurtheilung der Verkehrs⸗ bahnen iſt indeſſen ſtets zu beachten, daß ſie nicht ſelbſt Zweck, ſondern nur Mittel ſind. Ihre Richtung wird deshalb mehr durch die End⸗ oder Zielpunkte als durch die Natur des durch⸗ ſchnittenen Raumes beſtimmt; dieſe kann ſtets nur verhältniß⸗ mäßig kleine Krümmungen oder Modificationen bedingen. Einfluß des Bodenbaues auf den örtlichen Wohlſtand. §. 13. Es iſt hier nicht meine Aufgabe, die Geologie in ihrer An— wendung auf land- und forſtwirthſchaftliche Bodenkunde darzu⸗ ſtellen, ich habe das in meiner praktiſchen Geognoſie bereits ver⸗ ſucht. Auch die große Bedeutung für den techniſchen Betrieb alles Bergbaues gehört nicht hierher, wol aber haben wir den Einfluß dieſer wie anderer mehr oder minder durch den Boden⸗ bau begünſtigten Gewerbe auf Anſiedelung und Verkehr in dem Deutſchland beſchreibenden Theile vielfach ins Auge zu faſſen. Dabei wird ſich manche Gelegenheit bieten, zu zeigen, von wel— chem Einfluß ſelbſt der innere Bau des Bodens auf die Ver⸗ theilung von Wald und Feld oder Wieſen, auf Bewirthſchaftungs⸗ ſyſteme und manche damit in Verbindung ſtehende ſtaatswirth⸗ ſchaftliche Einrichtung ſein müſſe. Es wird ſich aber auch zeigen laſſen, daß zuweilen vorzugsweiſe die beſondern Geſteinscombina⸗ tionen oder Oberflächenformen gewiſſe Induſtriezweige hervor⸗ icht ſchr uch füt einner deutung ere Ein⸗ , theils en ſind. i dieſer hier nur zerkehrs⸗ Zweck, b mehr durch⸗ hältniß⸗ ſtand. rer An⸗ e darzu⸗ its ver⸗ Betrieb vir den Boden⸗ in dem Kfaſſen. on wel⸗ ie Ver⸗ ftungs⸗ twirth⸗ hzeigen ömbina⸗ hervor⸗ — 21— gerufen und begünſtigt haben, daß es bodenſtändige und vom Boden unabhängige Induſtriezweige gibt, daß man naturgemäße und nicht naturgemäße Induſtrie für jeden Erdraum unterſcheiden könne. So greift der geologiſche Bau des Bodens von den elementarſten Beſchäftigungen ausgehend in immer höhere Ge⸗ biete der ſtaatlichen Einrichtungen und zuletzt ſelbſt in das der Politik ein, da es nicht gleichgültig iſt, wie die localen Boden⸗ ſchätze durch Ländergrenzen getrennt oder geeint ſind, und da es geologiſch wie geographiſch natürliche Grenzen für Provinzen und Staaten gibt. 3 §. 14. Zum allgemeinen Wohlſtand des Menſchen gehört auch ſeine geſunde körperliche Ausbildung; es läßt ſich aber nachweiſen, daß dieſe in manchen Fällen auch durch die innere Bodenbeſchaffenheit beſonders begünſtigt, in andern behindert wird, ſelbſt abgeſehen von den mineraliſchen Heilquellen, die hier und da zu einem reichen Badeleben Veranlaſſung geben. Auch dieſer medieciniſche Theil der Bodenwirkung iſt bis jetzt nur wenig beachtet worden. Was mir darüber bekannt geworden, werde ich nebſt ein paar eigenen Bemerkungen in eine Beilage ⁵) aufnehmen. §. 15. Endlich iſt auch die Schönheit der Landſchaft mit ihrem ganzen mächtigen Einfluß auf das menſchliche Gemüth in hohem Grade abhängig von dem innern Bau der Erde. Ganz allge⸗ mein läßt ſich behaupten: je mannichfaltiger der innere Bau iſt, deſto mannichfaltiger ſind auch die äußern Formen. Dieſe Mannich⸗ faltigkeit iſt aber ſtets ein Element der Schönheit. Es iſt kein Zufall, daß die romantiſchſt gelegenen Orte durchſchnittlich an den äußern Rändern der Gebirge gefunden werden. Nicht nur der Contraſt des Niedern und Hohen, des Ebenen und Unebenen, des Freien, Offenen und Umſchränkten wirkt hier befriedigend, ſondern es kommt dazu in der Regel auch noch der Umſtand, daß an Gebirgsrändern gewöhnlich mehre verſchiedenartige Geſteine aneinander grenzen, wie es der Contact der auf der einen Seite — 22ñ— ruhig gebliebenen, auf der andern emporgeſchobenen Maſſen mit ſich bringt, ſich gegenſeitig aufgerichtet oder verſchoben haben und dadurch wie durch ihre ungleiche Widerſtandsfähigkeit eine roman⸗ tiſch wechſelnde Oberflächenform bedingen. Als Beiſpiele ſolcher relativ zu ihrer Umgebung romantiſch gelegenen Orte brauche ich nur an folgende zu erinnern. Goslar, Harzeburg, Ilſenburg, Wernigerode, Blankenburg, Thale, Gernrode, Ballenſtedt, Neu⸗ ſtadt, Ihlefeld, Ellrich, Walkenried, Sachſa, Herzberg, Oſterode, Eiſenach, Georgenthal, Elgersburg, Ilmenau, Saalfeld, Sonnen⸗ berg, Suhl, Herges, Liebenſtein, Tetſchen, Karlsbad, Berneck, Zwingenberg, Auerbach, Schriesheim, Weinheim, Heppenheim, Baden⸗Baden, Salzburg u. ſ. w. Auf die Entwickelung des Schönheitsſinnes und der bilden⸗ den Kunſt kann ſelbſt die Natur der Geſteinsmaſſen Einfluß üben; ich brauche hier nur an die ſchönen Marmor Griechen— lands, beſonders ſeiner Inſeln zu erinnern, die gewiß nicht ohne Einfluß waren auf die Veredelung der Bildhauerei im alten Griechenland. Wie plump blieben dagegen die Granitſtatuen und ſelbſt die Bauwerke Aegyptens, obwol die Kunſtperiode dort früher begann. Zweiter Abschnitt. Die Lage und der innere Bau Deutſchlands im Allgemeinen. Der Bau Europas als des Welttheiles, deſſen einzelnes Gilied Deutſchland bildet. §. 16. Karl Ritter hat zuerſt gezeigt, von wie großem Einfluß die Weltlage und die natürliche Beſchaffenheit jedes Landes auf die hiſtoriſche Entwickelung ſeiner Bewohner iſt. Er hat gezeigt, ſſen mit ben und roman⸗ e ſolche auche ih lſenburg dt, Neu⸗ Oſterode Sonnen⸗ Berneck penheim, bilden⸗ Einfluß jriechen⸗ ht ohne n alten uen und de dort ands inzelnes fluß die auf die gezeigt, 23— daß die vielfache Gliederung und die Lage Europas inmitten der Continentalhemiſphäre unſers Erdkörpers und gerade in dieſem Klima die günſtigſte auf dem ganzen Erdenrunde für Entfaltung menſchlicher Cultur iſt ⁶). Dieſe Lage, die Mannichfaltigkeit des innern geologiſchen Baues, die davon größtentheils abhängige reiche Gliederung in horizontaler wie verticaler Richtung und alles Das, was man unter dem Ausdruck Klima zuſammenfaſſen kann, ſind in menſchlicher Zeit unveränderliche Dinge(Größen, Factoren), ſie ſichern darum Europa und beſonders ſeiner Weſt⸗ hälfte für alle Zeiten*) einen Vorzug vor jedem andern Erdtheil. Wenn auch extreme Steigerung und Anſpannung des Völker⸗ lebens die Nationen Europas für irgend einen Zeitraum dem Ver⸗ fall und Verſinken preisgeben kann, immer wird auf dieſem Boden wieder neues reiches Leben erwachen, immer wird er ſich wieder aufs neue als bevorzugter Schauplatz der Menſchengeſchichte er— weiſen, in deren Drama das Local der Hauptſcenen nur inner⸗ halb enger Grenzen wechſelt. Neuholland wird nie zur Weltbühne werden. Neben dieſen unveränderlichen beſtehen aber auch ver⸗ änderliche, ſich hiſtoriſch entwickelnde Bedingungen, welche eben⸗ falls auf das Leben der Völker mächtig einwirken. Die wichtig⸗ ſten darunter ſind die Fortſchritte in der Anwendung der Natur⸗ wiſſenſchaften und namentlich alle die, welche den Verkehr erleich⸗ tern. Dadurch ſind gewiſſe Wanderungen, Verſchiebungen der weltgeſchichtlichen Centralpunkte bedingt. §. 17. Als die Schifffahrt noch in ihrer Wiege lag, die compaß⸗ loſen Boote mühſam von Markſtein zu Markſtein ſich an den Küſten hintaſteten, als nur die kühnſten Seefahrer vereinzelt ſich durch die Säulen des Hercules hinaus in die Atlantis wagten, da war das Mittelländiſche Meer mit ſeinen vielfachen Buchten der Schauplatz des Weltverkehrs, große Handelsplätze gab es nur an ſeinen Geſtaden. Griechenland und Italien waren damals die bevorzugteſten Länder der Erde, am meiſten geeignet, das ganze Litorale des Continentalmeeres zu beherrſchen. Dieſe Ge⸗ — 24— ſtade wurden die Wiege der höchſten Cultur, inſofern man die⸗ jenigen Nationen die cultivirteſten nennt, welche am meiſten die Natur beſiegt, ſich am meiſten von dem Kindheitszuſtand der Menſchen entfernt haben. Jemehr man ſich aber in den Ocean hinauswagte, um ſo mehr rückten die Handelsemporien von Oſt gegen Weſt, von Phönizien über Griechenland und Italien nach der Pyrenäiſchen Halbinſel. Die Entdeckung Amerikas vollendete dieſen Proceß. Es war jetzt für den Handel mehr außerhalb als innerhalb des Mittelmeeres zu ſuchen, dieſes hatte ſeine Welt— bedeutung verloren; auch die Pyrenäiſche Halbinſel, als letzte in der Reihe, konnte nun nicht mehr die Herrſchaft des Meeres feſthalten, ihr natürlichſter Sitz war von nun an die Um⸗ gebung des Kanals als der Gegend unſerer Erde, von wo aus man die größte Zahl von Küſtenpunkten auf dem kürzeſten Wege erreichen kann. §. 18. Aber die Neuzeit, nachdem räumlich die zugängliche Welt entdeckt iſt, beſiegt mehr und mehr die Hinderniſſe, welche die Natur dem Verkehr entgegenſtellt. Sie ebnet den Boden, durch⸗ bricht Berge, legt überall hin ihre Schienen und zwingt anorga⸗ niſche Kräfte zu beliebigem Dienſt. Das iſt in gewiſſem Grade ein Sieg des Menſchen über die Natur. Viele Einflüſſe der be⸗ ſondern Bodengeſtaltung werden dadurch gemäßigt oder neutra⸗ liſirt. Das räumlich Getrennte rückt ſich zeitlich näher. Die Vortheile günſtiger Lage und Bodengeſtaltung verlieren dadurch unverkennbar etwas an Werth, aber dennoch werden ſie ſtets noch ein ſehr beachtenswerther Factor bleiben. §. 19. Ohne Dampfſchiffe und Eiſenbahnen hätten die meiſt ein— förmigen, vom Klima nicht begünſtigten Länder Nordamerikas mit Europa nie in die Schranken treten können und trotz dieſer Hülfsmittel werden die unveränderlichen Verkehrsfactoren Europa doch ſtets einen kleinen Vorſprung ſichern, wenn nicht zeitweiſer Verfall ſeiner Völker es zeitweiſe verhindert. * ——.———, ——— nan die⸗ iſten die and der n Ocean von Oft lien nach ollendete ußerhalb ae Welt⸗ als letzte Meeres die Um⸗ von wo kürzeſten ze Welt lche die , durch⸗ anorga⸗ n Grade eder be⸗ neutra⸗ er. Dit dadurch ſie ſtets iſt ein amerikas otz dieſer Europa eitweiſer — 25— §. 20. Ich habe vorhin ſchon angedeutet, daß die vielfache Glie⸗ derung Europas, die Mannichfaltigkeit ſeiner Bodengeſtaltung eng zuſammenhängt mit ſeinem geologiſchen Bau. Es wird aber gut ſein, dieſe Behauptung wenn auch nur in den einfachſten Um⸗ riſſen weiter zu begründen. In keinem andern Lande hat die Gebirge bildende vulka⸗ niſche Thätigkeit in ſo vielerlei Richtungen Berg⸗ und Hügel⸗ ketten in bunteſter Weiſe aufgeworfen, ohne durch ſie dem Ver— kehre allzu ſchwer überwindbare Hinderniſſe, wie etwa Himalaya und Andes, entgegenzuſtellen. Wie aber die äußere Meerumgren⸗ zung die horizontale Ausdehnung des Landes ebenfalls Folge vulkaniſcher Erhebungen(aller Zeiten) iſt, ſo hat durch ihr com⸗ plicirtes Ineinandergreifen Europa eine ganz überwiegend gün⸗ ſtige Küſtengeſtaltung s) erhalten. Ebenſo iſt dadurch die Zahl der vom Meere aus zugänglichen Flüſſe eine im Vergleich zum Geſammtflächenraum viel größere geworden als in irgend einem Erdtheile. Unterſuchen wir aber noch näher den innern geologi⸗ ſchen Bau, ſo zeigt ſich auch hier, wie ſchon die Mannichfaltig⸗ keit der Oberfläche als ſeine Folge erwarten läßt, ein viel grö⸗ ßerer Wechſel der Geſteine und Formationen als in irgend einem andern bis jetzt geologiſch näher bekannten Welttheil. Da man in den Vereinigten Staaten längſt die hohe Wichtigkeit des geo⸗ logiſchen Baues erkannt und alle zugänglichen Gebiete bereits durch beſondere Staatengeologen hat unterſuchen laſſen, ſo wird es ſicher nicht lediglich Folge noch zu mangelhafter Unterſuchung ſein, daß in ganz Amerika fünf oder ſechs kryſtalliniſche Geſteine Europas unbekannt ſind und höchſtens etwa zwei oder drei dafür dort vorkommen, die uns fehlen. Noch auffallender aber ſind die Lücken, welche ſich, verglichen mit Europa, in der amerikaniſchen Flötzformationsreihe zeigen als eine Folge davon, daß dieſe ganze Erdfläche nicht ſo häufig und nicht an ſo vielen Einzelſtellen einem Wechſel von Hebung und Senkung ausgeſetzt geweſen iſt, was überdies auch in der einförmigern Oberflächengeſtaltung ſich kund gibt. — ͦ-==— ⅓ — — 26ñ— §. 21. Unſere ſogenannten Flötzformationen ſind freilich in gewiſſem Grade willkürliche Abgrenzungen und wir können nicht gerade die Reihe, welche in Europa aufgeſtellt und ſyſtematiſch geglie⸗ dert wurde, als Normalreihe für die ganze Erde betrachten. Wenn man aber alle in Europa aufgefundenen einzelnen Glieder dieſer Reihe zuſammenſtellt und damit alle die vergleicht, welche bis jetzt in Süd⸗ und Nordamerika nachgewieſen ſind, ſo ergibt ſich ein bedeutender Ueberſchuß der Mannichfaltigkeit für Europa, ob⸗ wol wenigſtens Nordamerika ſchon ſehr eifrig von ſeinen Staaten⸗ geologen durchforſcht worden iſt. Aber nicht Europas Boden⸗ ſchilderung iſt meine Aufgabe, nur inſofern man den Bau des einzelnen Gliedes nicht gehörig verſtehen und würdigen kann, ohne eine Ueberſicht des Geſammtorganismus zu haben, mußte ich dieſe flüchtigen Bemerkungen vorausſchicken. Deutſchlands Lage. §. 22. Im Herzen Europas gelegen, nur wenig vom Meere be⸗ ſpült, iſt Deutſchland von der Natur vorzugsweiſe mehr auf den innern Verkehr und auf die Landverbindung als europäiſches Centralglied als auf den Welthandel angewieſen. Wenn den⸗ noch ſein Seeverkehr ſich zu einer großen Zahl von Handels⸗ ſchiffen emporgeſchwungen hat, ſo iſt das mehr der regen natio⸗ nalen Betriebſamkeit als einer Weltlage zuzuſchreiben, denn die Mündungen der Weſer und Elbe, das entlegene nur halb deut⸗ ſche Trieſt und die mit künſtlichen und natürlichen Zollſchranken verſperrten Oſtſeehäfen können ſich mit den Sechandelsgelegen⸗ heiten aller übrigen weſteuropäiſchen Ländercomplexe ſicher nicht meſſen. Um ſo günſtiger iſt in vieler Beziehung Deutſchlands klimatiſche Lage. Die Iſothermen beſchreiben in ihm einen gro⸗ ßen Bogen gegen Nord der Art, daß dieſelben Breitegrade eine weit niedrigere mittle Temperatur beſitzen als in andern Erd⸗ gegenden. Die nähere Betrachtung der Lage iſt indeſſen hier gewiſſem t gerade h geglie . Wenn eer dieſet elche bis gibt ſich opa, ob⸗ Staaten⸗ BBoden⸗ Bau des en kann, , mußte Neere be⸗ auf den opäiſches enn den⸗ Handels⸗ en natio⸗ denn die alb deut⸗ ſſchranken ſtsgelegen⸗ her nicht tſchlande inen gro⸗ rade eine ern Edd— ſſen hit — 27— ebenfalls nicht unſere Aufgabe, ſie mußte nur als eins der un⸗ veränderlichen äußern Elemente kurz berührt werden. Deutſchlands allgemeine innere Bodenmannichfaltigkeit. §. 23. Die äußere wie die innere Mannichfaltigkeit Deutſchlands iſt mindeſtens ebenſo groß als die Frankreichs und entſchieden größer als die Englands. Nur dieſe beiden Länder laſſen ſich, was den innern Bodenbau anlangt, bereits genügend mit Deutſch⸗ land vergleichen, weil nur ſie ungefähr in gleichem Maßſtabe genau unterſucht und auf Karten dargeſtellt ſind. Doch läßt ſich aus den allgemeinen Darſtellungen des übrigen Europa ſchon ſo viel erkennen, daß kein Land dieſes Welttheiles einen entſchieden complicirtern innern(geologiſchen) Bau beſitzt als Deutſchland und Frankreich mit Einſchluß der Schweiz. Die meiſten ſind ſogar von offenbar einfacherm Bau, ſo Rußland, Skandinavien, Dänemark, Polen, Italien und Spanien. §. 24. Wenn ich ſoeben ſagte, der innere Bau Deutſchlands ſei mannichfaltiger als der Englands, ſo wird es mir leicht ſein, dieſe Behauptung durch einige Bemerkungen zu erläutern. England beſitzt kein Eruptivgeſtein, welches Deutſchland fehlt, denn ſeine Trapprocks ſind meiſt nichts Anderes als Grünſteine. Ihm fehlen dagegen faſt ganz unſere echten Baſalte, Phonolithe und Trachyte, deren Kegel ſo weſentlich den Reiz mancher Land⸗ ſchaften erhöhen; ihm fehlen ferner, wie es ſcheint, unſer Gra⸗ nulit, Greiſen, Glimmerporphyr und Mandelſteinporphyr und bei⸗ nahe auch der Syenit. In England iſt zwar die Flötzformations⸗ reihe ziemlich vollſtändig entwickelt, auch enthält dieſelbe einige uns mangelnde Glieder, die ſich aber nicht durch beſonders aparte Geſteinsbeſchaffenheit auszeichnen. Ihm fehlen dagegen unſer eigen⸗ thümlich zuſammengeſetztes Rothliegendes, unſere complicirte Zech⸗ ſteinbildung und der Muſchelkalk unſerer Triasgruppe. Ihm feh⸗ len endlich die beſondern Formationsentwickelungen, welche das — 28ñ— deutſche Alpengebiet auszeichnen und welche vielfach von den Ge⸗ ſteinsbildungen in Mitteldeutſchland abweichen. Es iſt aber nicht blos der Mangel gewiſſer Geſteinsbildungen, welcher eine größere geologiſche Einförmigkeit Englands bedingt, ſondern mehr noch die Art der Vertheilung Deſſen, was vor⸗ handen iſt. Dieſe iſt nun ganz entſchieden in England eine ein⸗ fachere als in Deutſchland. Die Schichten liegen dort, nur ſehr ſelten von eruptiven Bildungen durchbrochen, beinahe in einer ungeſtörten Reihe von Nordweſt nach Südoſt übereinander, ſo⸗ daß man, von der Isle of Man aus quer durch das Land nach London reiſend, von den kryſtalliniſchen Geſteinen aus nach und nach durch alle einzelne, immer neuere Flötzbildungen gelangt, beinahe ohne alle Wiederholung derſelben Schichten. Eine ſolche Reiſe wäre in Deutſchland in keiner Richtung möglich, hier ſind alle Schichten vielfach aus ihrer urſprünglichen Lagerung gebracht, aufgerichtet, verſchoͤben und von kryſtalliniſchen Geſteinen durch⸗— ſetzt. In England läßt ſich eine Reiſe von ſehr vielen Punkten aus mit ganz ähnlichem geologiſchen Erfolg wiederholen. Dieſer relativ ſehr einfache geologiſche Bau Englands ver⸗ hindert aber nicht, daß daſſelbe durch eine ungemein günſtige Verbreitung und Verbindung einiger ſehr nutzbarer Lagerſtätten, wie Steinkohle und Eiſenſtein, vor Deutſchland weſentlich be⸗ vorzugt iſt, während ſeine günſtige Weltlage und Küſtengeſtaltung die geringere Mannichfaltigkeit des innern Baues hinreichend erſetzt. §. 25. Ehe ich aber zur ſpeciellen Betrachtung von Deutſchlands Boden übergehe, halte ich es für nöthig, in einem allgemeinern Sinne den innern Bau der feſten Erdkruſte und die Einwirkung ihrer einzelnen Elemente auf das Leben zu beſprechen, d. h. einen möglichſt kurzen Abriß der Geognoſie vorauszuſchicken, ſtets mit beſonderer Rückſicht auf Deutſchland und auf den Einfluß, wel⸗ ſchen die geologiſch unterſchiedenen Beſtandtheile der feſten Erd⸗ maſſe auf das Leben ausüben. Um indeſſen dabei jedes ſpeciellern Eingehens in die Terminologie der Geologen überhoben zu ſein, ſt ſh r uf iſc iht her den Ge⸗ ildungen bedingt, was vor⸗ eine ein⸗ nur ſehr in einer ader, ſo⸗ kand nach nach und gelangt ine ſolche hier ſind gebracht, e durch— Punkten ands ver⸗ günſtige gerſtätten, ntlich be⸗ geſtaltung no 3erſetz tſchlands gemeinern inwirkung „h. einen ſtets mi uß, wel ſten Erd⸗ pecieller zu ſein — 29— ſetze ich voraus, daß der Leſer mit den Elementen dieſer Wiſſen⸗ ſchaft bereits vertraut iſt. Zu Erwerbung der für dieſen Zweck nöthigen geologiſchen Vorkenntniſſe muß ich meinestheils, ſelbſt auf die Gefahr der Parteilichkeit hin, vorzugsweiſe meine„Prak⸗ tiſche Geognoſie“(1852) empfehlen, ſchon deshalb, weil ich hier überall dieſelben techniſchen Ausdrücke und Eintheilungen an— wenden werde, die ich dort erläutert oder eingeführt habe. Der allgemeine geologiſche Bau Deutſchlands. §. 26. Bei den ſpeciellern Unterſuchungen über den Einfluß des innern Baues der Erde auf das Leben muß ich, wie bemerkt, eine gewiſſe Summe geologiſcher Kenntniſſe vorausſetzen oder wenigſtens mich auf Das ſtützen, was ich kürzlich in meiner „Praktiſchen Geognoſie“ dargeboten habe. Dennoch erſcheint es zweckmäßig, ja nöthig, der geognoſtiſchen Ueberſicht Deutſchlands ſowie der ſpeciellern Betrachtung ſeiner einzelnen Gebiete einige leitende Bemerkungen über den innern Bau der feſten Erdkruſte vorauszuſchicken. Dieſe Gelegenheit werde ich aber zugleich be— nutzen, um hier und da Bemerkungen über den vorherrſchenden Einfluß der einzelnen Geſteinsformationen ohne Rückſicht auf ihre beſondere locale Entwickelung und gegenſeitige Gruppirung ein⸗ zuſchalten. 8. 27. Es iſt nicht ſehr ſchwierig, ſich eine allgemeine Ueberſicht von dem gegenwärtigen Zuſtande der Geologie zu verſchaffen, es iſt dagegen ſehr ſchwierig, ſie für einen beſondern Zweck prak⸗ tiſch auszubeuten, weil in dieſem Falle außer der allgemeinen Theorie ſtets auch die große Summe von wirkenden Neben—⸗ umſtänden und ausnahmsweiſen Möglichkeiten zu beachten iſt. Es ſetzt z. B. große Vertrautheit durch Uebung voraus, wenn man die Wirkungen des Bodenbaues aus einer geognoſtiſchen Karte beurtheilen, wenn man ſie für dieſen Zweck richtig ver⸗ ſtehen will. Erſt eine ſolche Vertrautheit befähigt, auch die fei⸗ nern Beziehungen aufzufinden und den relativen Werth der ein⸗ — 30— zelnen dargeſtellten Erſcheinungen zu beurtheilen. Bei ſolchen Operationen als Führer zu dienen, ſie zu erleichtern, iſt eine Hauptaufgabe der nachfolgenden Abſchnitte). §. 28. Die Geſteine, welche die feſte Erdkruſte zuſammenſetzen, laſſen ſich ihrer allgemeinen Natur nach in vier große Gruppen theilen, die höchſt wahrſcheinlich auch eine verſchiedenartige Entſtehung haben. Dieſe Gruppen ſind: 1) maſſige Geſteine, auch Eruptivgeſteine genannt; 2) kryſtalliniſch-ſchieferige Geſteine, auch metamorphiſche Geſteine genannt, und 3) geſchichtete Geſteine, auch ſedimentäre Geſteine genannt. Alle die Geſteine dieſer drei Gruppen, welche ich ihres räumlichen Vorherrſchens wegen die Hauptgruppen nennen will, ſind aber häufig von Spalten durchſchnitten, in welchen ſich allerlei Mineralien in etwas anderer Weiſe, meiſt kryſtalliſirt abgelagert, zeigen. Die Ausfüllungen dieſer Spalten nennt man Mineral⸗ oder Erzgänge und man kann ſomit als eine vierte Gruppe die 4) Ganggeſteine unterſcheiden, wobei jedoch nicht vergeſſen werden darf, daß auch die Geſteine jener drei Hauptgruppen, beſonders die maſſigen, zuweilen als Ausfüllungen von Spalten— als Gänge— gefunden werden. §. 29. Es iſt nicht ſchwer, die charakteriſtiſchen Merkmale und Unter⸗ ſchiede dieſer Gruppen anzugeben und ſich einzuprägen; es iſt aber im einzelnen Falle zuweilen ſehr ſchwer zu unterſcheiden, ob ein beſtimmtes Geſtein zu dieſer oder jener Gruppe zu rechnen ſei, da ſich außer den typiſchen eine Menge Uebergangsformen vorfinden. §. 30. Die kurze Schilderung der Geſteinsgruppen, welche auch ſchon allgemeine Verſchiedenheiten ihres Einfluſſes auf das Leben zeigen ſollen, kann ſich daher hier nur auf die charakteriſtiſchen ſolchen iſt eine n, laſſen theilen, tiſtehung — orphiſche genannt. ich ihres nen wil, h allerlei gelagert, ral⸗ oder je eergeſſen druppen, gen von d Unter⸗ iſt aber u, ob ein en ſei, de vorfinden ſche auch das Leben eriſtiſchen — 31— Fälle ſtützen, mit Uebergehung der zweifelhaften Miſchlinge und Uebergänge. Dieſes Verfahren iſt aber bei Darſtellung der Natur faſt allemal nöthig, wenn man es zur Erleichterung der Ueber⸗ ſicht unternimmt, ihre Einzelweſen zn claſſificiren und zu grup⸗ piren. Jene Zwitterformen bleiben als Schwierigkeiten des Stu⸗ diums zwiſchen dem Gerippe der einfachſten Darlegung übrig. §. 31. Der Charakteriſirung der Gruppen und ihrer Unterabthei⸗ lungen ſchließe ich ſogleich eine Ueberſicht ihrer Verbreitung in Deutſchland an, woraus ſich dann von ſelbſt eine allgemeine geologiſche Ueberſicht des deutſchen Bodens ergeben wird, wäh— rend in dem ſpäter nachfolgenden Abſchnitt die Einzelgebiete Deutſchlands jedes für ſich ſpeciell zu beſprechen ſind. §. 32. Jene drei Hauptgruppen von Geſteinen ſind nun in der Weiſe miteinander verbunden, daß man die kryſtalliniſchen Schiefergeſteine im Allgemeinen als die älteſten von allen anzuſehen hat, welche dann im Laufe der geologiſchen Zeiträume von den geſchich⸗ teten Geſteinen mehr und mehr überlagert worden ſind, während die ſo gebildete äußere Kruſte der Erde ebenfalls in verſchiedenen Perioden von unten her zerſprengt wurde, indem gleichzeitig Eruptivgeſteine in ihre Zerſpaltungen eindrangen. 8§. 33. Von dieſer ungleichen Entſtehungsweiſe der einzelnen Ge⸗ ſteinsgruppen iſt zugleich die Art ihrer räumlichen Vertheilung eine ganz natürliche Folge. Das Emporpreſſen der Eruptiv⸗ geſteine veranlaßte Gebirgserhebungen, darum finden wir ſie vor⸗ herrſchend in Gebirgsgegenden, oft zunächſt umgeben von einem Mantel kryſtalliniſcher Schiefer oder um- und theilweiſe ſelbſt überlagert von vielfach zerriſſenen Schichtgeſteinen. In den Ebe⸗ nen dagegen herrſchen letztere in wenig geſtörter, oft noch faſt ganz horizontaler Lagerung der Art vor, daß die örtlich oberſte — 32— Schicht die übrigen größtentheils überdeckt. Auch die Mineral⸗ und Erzgänge finden ſich am häufigſten in Gebirgsgegenden, weil da die feſte Erdkruſte am meiſten zerſpalten worden iſt. §. 34. Dieſe als vollſtändig begründet anzuſehenden Anſichten über die Bildungsweiſe der Sedimentär⸗ und Eruptivgeſteine ſind in gewiſſem Grade unabhängig von den noch weniger ſichern Ver⸗ muthungen über die Bildung der kryſtalliniſchen Schiefer, die von der Mehrzahl der Geologen für umgewandelte(und zwar durch plutoniſche Thätigkeit umgewandelte) Sedimentärgeſteine ge⸗ halten und deshalb auch metamorphiſche Geſteine genannt werden. § 35. Es ſtehen dieſe theoretiſchen Anſichten ferner in vollem Ein⸗ klang mit der allgemeinen Harmonie, welche zwiſchen den äußern Formen der Erdoberfläche und dem innern Bau der feſten Erd⸗ kruſte unverkennbar beſteht. Deshalb gerade ſind ſie auch für den vorliegenden Zweck von großer Wichtigkeit. §. 36. Den Geographen wird es oft ziemlich ſchwer, durch die bloße äußere formale Erſcheinung ein Gebirge zu individualiſiren und ſeine Grenzen deutlich zu bezeichnen. Dieſe Aufgabe wird durch Unterſuchung des innern Baues oft ſehr erleichtert. Faſt jedes Gebirge, welches wirklich als eine in ſich ſelb⸗ ſtändige Gruppe von Bergen anzuſehen iſt, zeigt auch eine ge⸗ wiſſe geologiſche Individualität und Selbſtändigkeit. Es beſteht nicht aus einer blos äußerlichen Hervorragung oder Maſſenanhäu⸗ fung ohne innern, gleichſam organiſchen Zuſammenhang, ſondern es reicht mit ſeinen Wurzeln tief in das Erdinnere hinab. Könnte man z. B. den Harz oder den Thüringer Wald oder die Alpen⸗ kette im Niveau der nächſten flachen Umgebungen gänzlich ab⸗ raſiren, ſodaß gar kein Berg, vielmehr nur eine glatte Ebene übrig bliebe, ſo würde man dennoch den in die Tiefe hinab⸗ Mineral⸗ den, wel hten über e ſind in eern Ver⸗ tefer, di und zwar eſteine ge⸗ t werden. Uem Ein⸗ n äußern ten Erd⸗ auch für durch di dualiſiren abe widd t. ſich ſel ane ge⸗ s beſteht ſenanhin⸗ , ſonden Könnte ie Alper⸗ zlich d⸗ te Ebene fe hinch — 33— reichenden Stiel jedes dieſer Gebirge aus dem beſondern Zu⸗ ſammenbau der Geſteine in dieſen Gegenden auch dann noch deutlich erkennen können. Man würde ſehen, daß hier einſt ein Gebirge geſtanden haben müſſe, man würde ſeine einſtige Größe, Richtung, ja ſogar ſeine äußern Grenzen noch ungefähr beſtimmen können ¹⁰). Dieſer noch zu wenig beachtete Umſtand läßt ſich am einfachſten dadurch ausdrücken, daß man Gebirge als geo⸗ logiſche Individuen bezeichnet, deren äußere Form mit ihrem innern Bau in einer gewiſſen Harmonie ſteht, wobei allerdings der Begriff Individuum nicht ganz in dem Sinne zu nehmen iſt wie in den organiſchen Reichen der Natur. F§. 37. Die allgemeinſten Charakterzüge und die wichtigſten deutſchen Verbreitungsgebiete jener drei Hauptgeſteinsgruppen ſind nun etwa folgende. Zweckmäßig dürfte es ſein, beim Leſen dieſes Abſchnittes eine geologiſche Karte von Deutſchland zur Hand zu nehmen, wo⸗ möglich die, welche nächſtens die Deutſche Geologiſche Geſellſchaft herausgeben wird; andere geologiſche Karten ſind in der Bei⸗ lage ¹¹) genannt. 1) Maſſige oder Eruptivgeſteine. §. 38. Hierzu werden namentlich gerechnet Granit, Syenit, Por⸗ phyre aller Art, Grünſteine aller Art, Trachyt, Phonolith, Baſalt, Serpentin, Eklogit, Laven u. ſ. w. Es ſind das faſt ſämmtlich kryſtalliniſche, wenn auch zuweilen ganz dicht erſcheinende Ver⸗ bindungen mehrer Mineralien, beſonders von Feldſpath, Quarz, Glimmer, Hornblende und Augit, theils im körnigen oder porphyr⸗ artigen, theils im dichten, blaſigen(mandelſteinartigen) oder ſogar ſchlackenartigen Zuſtande. Sie ſind weder wirklich geſchichtet noch ſchieferig(höchſtens local) und enthalten niemals organiſche Reſte (Verſteinerungen). Die räumlichen Verhältniſſe, unter denen ſie auftreten, laſſen deutlich erkennen, daß ſie in einem weichen(wahr⸗ ſcheinlich heißflüſſigen, lavaartigen) Zuſtande aus dem Erdinnern Cotta, Deutſchlands Boden. 3 ͤͤͤſͤſͤſͤſͤſͤſͤſſſſſ — 34— hervor in Zerſpaltungen der andern Geſteine hineingepreßt worden ſind, zuweilen aber nicht immer an der Oberfläche über dieſelben überfließend wie Lavaergießungen. Sie bilden unregelmäßige, oft im Horizontalſchnitt der Ellipſenform genäherte Maſſivs, die man bei allſeitig großer Ausdehnung Gebiete, bei kleinerer Stöcke oder Kuppen zu nennen pflegt, oder ſie füllen deutlich Spalten aus(bilden ſogenannte Geſteinsgänge). Am häufigſten findet man ſie, wie geſagt, in Gebirgsgegenden, deren erſte Urſache ſie waren, zu deren Mannichfaltigkeit ſie weſentlich beitragen, aber nicht in allen Gebirgen ſind ſie maſſenhaft bis zur Oberfläche durch⸗ gedrungen. §. 39. Dem Menſchen werden ſie wichtig durch die Folgen und Formen ihres Auftretens, durch ihre Zerſetzung zu meiſt frucht⸗ barem Boden(aber oft in ungünſtiger Höhe, Lage und Form), als Baumaterialien und durch die zuweilen mit ihnen verbundenen Erzlagerſtätten. §. 40. Die einzelnen Geſteine dieſer Gruppe gehen ſämmtlich durch vermittelnde Glieder oder Zuſtände ineinander über, ſie ſind über⸗ haupt, wie alle Geſteine, nicht Arten(Species) im naturhiſtori⸗ ſchen Sinne, ſondern nur Gemenge oder Aggregate von Mineral⸗ arten, deren Zuſammenſetzung nur innerhalb ziemlich weiter Gren⸗ zen einigermaßen conſtant iſt. Allerdings treten gewiſſe typiſche Mineralverbindungen, wie z. B. die des Granits(aus Feldſpath, Quarz und Glimmer gemengt) ungemein häufig und in allen Erd⸗ theilen in ſehr conſtanter Weiſe auf und dieſer Umſtand hat eben veranlaßt, dieſe ſich vielfach wiederholenden Geſteine mit beſondern Namen zu belegen; man darf aber dieſe Regel, welche zur bequemern Unterſcheidung benutzt worden iſt, nicht für ein Naturgeſetz halten und nie vergeſſen, daß die Unterſcheidung und Benennung der Geſteine eine rein menſchliche Satzung iſt, die niemals den Gegenſtand wirklich erſchöpfen, niemals die geſammte Mannichfaltigkeit der Natur zum Ausdruck bringen kann. Die Unterſchiede zwiſchen den einzelnen Varietäten, die man unter tworden dieſelben gige, i die mi Stick Spalt ndet min ie wana, nicht in de durch gen und t frucht Form) undenen h durch düber⸗ hiſtori⸗ ineral⸗ rGren⸗ typiſche dſpath, en Erd— nd hat ane mit welche für än ung und iſt, de eſamnte n. Die n unter — 35— einem Geſteinsnamen zuſammenfaßt, ſind zuweilen ſogar viel größer als die gegenſeitigen Unterſchiede zweier Geſteine. §. 41. Deſſenungeachtet laſſen ſich die Eruptivgeſteine ganz paſſend wieder in drei Abtheilungen gruppiren, deren jede beſonders in der Art der Verbindung und des äußern formalen Auftretens ihre eigenthümlichen Charaktere beſitzt. §. 42. Zu der erſten dieſer Abtheilungen rechne ich die granit⸗ artigen Geſteine: Granit, Syenit, manche Quarzporphyre, Granulit und Greiſen; zu der zweiten die meiſten ſowol quarz⸗ haltigen als quarzfreien, oft mandelſteinartigen Porphyre und die Grünſteine; zu der dritten endlich die baſaltiſchen, tra⸗ chytiſchen und phonolitiſchen Geſteine. §. 43. Die granitiſchen Geſteine pflegen, am häufigſten mit kryſtalliniſchen Schiefern verbunden, flache oder hohe Gebirgs⸗ rücken zu bilden, in denen ſie oft als centrale Kerne hervor⸗ treten. Ihre Gebiete ſind in Deutſchland meiſt über das Niveau größter Fruchtbarkeit emporgerückt, mit Wald und Wieſen be⸗ deckt. Sehr gewöhnlich finden wir auf oder neben ihnen Regio⸗ nen des Metallbergbaues. §. 44. Die Porphyre und Grünſteine bilden gewöhnlich minder große zuſammenhängende Maſſivs. Letztere werden am häufigſten als kuppig hervorragende Durchſetzungen zwiſchen Thon und Grau⸗ wackenſchiefer gefunden, oft ſchon in ziemlich hohen vorherrſchend bewaldeten Regionen, aber nicht als eigentliche und höchſte Central⸗ maſſen von Gebirgsrücken, ſondern als zahlreiche iſolirte Kuppen auf breiten von Thälern durchſchnittenen Plateaus. Auch in ihrer Nähe ſind ziemlich oft metalliſche Lagerſtätten bekannt. Die quarzführenden, quarzfreien und mandelſteinartigen Por⸗ phyre dagegen finden wir am häufigſten vereint mit Ablagerungen 3* — 36— der Steinkohlenformation, zwiſchen deren fruchtbarem und in⸗ duſtriereichem Hügellande ſie oft als bewaldete Berge hervor⸗ ragen, ohne eigentliche Gebirge zu bilden. §. 45. Die baſaltiſchen, trachytiſchen und phonolithiſchen Geſteine endlich treten gewöhnlich als iſolirte oder zu gebirgsähn⸗ lichen Gruppen vereinte Berge auf, die aber nie hohe und maſſive Gebirgsrücken bilden, ſondern ſtets mehr aus einer Zuſammen⸗ häufung iſolirter Kegelberge beſtehen. Ziemlich oft finden wir ſie mit Ablagerungen der Braunkohlenformation zuſammen. Sie liefern einen äußerſt fruchtbaren Boden, der nur leider häufig durch zu ſteile Abdachung dem Feldbau unzugänglich iſt. An metalliſchen Lagerſtätten findet man mit ihnen verbunden faſt nur Eiſenerze und Manganerze. §. 46. Die Porphyre, Grünſteine, Baſalte, Phonolithe und Tra⸗ chyte haben durch ihr felſiges und kuppiges Hervortreten ganz beſonders häufig leicht zu befeſtigende, die Gegend beherrſchende Punkte dargeboten. Auf ihnen finden wir darum ſehr oft feſte Burgen und Ruinen derſelben, und es iſt charkteriſtiſch für dieſe, daß ſie nicht an Thäler gebunden ſind, während alle andern Geſteine vorherrſchend nur in den Thalwindungen und Vorſprün⸗ gen oder an Gebirgsrändern Veranlaſſung zu ſolchen Befeſtigun⸗ gen im Kleinen darboten. Verbreitung der maſſigen Geſteine in Deutſchland. §. 47. In Deutſchland nehmen die granitiſchen Geſteine beſon⸗ ders folgende Gebiete ein, gleichſam als von andern Geſteinen umlagerte, aus der Tiefe emporragende Kerne. 1) Am Harz den Brocken mit ſeinen nächſten Nachbarbergen, und die Gegend zwiſchen dem Ramberg und der Roßtrappe. Hier iſt der Granit ausnahmsweiſe nicht von kryſtalliniſchen Schiefern, hervor⸗ thiſchm irgsähn⸗ d maſſie ſamma⸗ wir ſi en. Sit r häuff iſt. A den faßß nd Tra⸗ en ganz rſchende ft feſte ſch für andern rſprün⸗ eſtigun⸗ e beſon⸗ zeſteine rbergen, e. Hir hiefern, — 37— ſondern unmittelbar von Grauwackenbildungen umgeben, aus denen er, gleichſam zwei feſte Kerne bildend, hervorragt. 2) Im nordweſtlichen Theile des Thüringer Waldes treten in unregelmäßig umgrenzten Gebieten Granit, Syenit und Quarz⸗ porphyr auf, erſtere beide ſind mit Gneis und Glimmerſchiefer ver⸗ bunden, bilden aber nicht den Kamm des Gebirges, ſondern viel⸗ mehr Depreſſionen der Abhänge in den Gegenden von Mehlis, Celle, Brotterode und Liebenſtein. Der jüngere Quarzporphyr, welcher ihnen zum Theil hier gar nicht zuzurechnen iſt, über⸗ ragt ſie. 3) Im Fichtelgebirge bilden vier große und einige kleinere Granitmaſſivs die Kerne, welche zunächſt von Gneis und Glimmer⸗ ſchiefer, dann aber von Thonſchiefer umlagert ſind. 4) Das Erzgebirge beſteht zwar vorherrſchend aus kryſtalli⸗ niſchen Schiefern, dieſe ſind aber vielfach durchſetzt von großem und kleinem Granit und Porphyrmaſſivs, und von zahlreichen Gängen dieſer Geſteine. Südlich reichen ſie in der Gegend von Karlsbad ſogar weit über die Grenzen des Erzgebirges hinaus, noch jenſeit des Egerthales ein beträchtliches Granitgebiet bildend. 5) Nördlich vom Erzgebirge zeigt ſich zunächſt ein ellipſen⸗ förmiges Granulitgebiet von etwa ſechs Meilen Länge und zwei Meilen Breite, umwallt von Gneis und Glimmerſchiefer und durchſetzt von Granit, Grünſtein und Serpertin. Dieſes merkwürdige Gebiet bildet zwar jetzt keine Hervor⸗ ragung, welche man berechtigt wäre ein Gebirge zu nennen, den⸗ noch beſitzt es deutlich den innern Bau eines kleinen ſelbſtändi⸗ gen Gebirges von der Form des Harzes und iſt wahrſcheinlich als der letzte Ueberreſt eines ſolchen anzuſehen ¹²). 6) Die Oberlauſitz beſteht vorherrſchend aus einem großen, wenig erhabenen Granitgebiet, an welches ſich weſtlich bis an die Elbe kleinere noch flachere Gebiete von Granit, Syenit und Quarzporphyr anſchließen, aber auch von allen dieſen ragen nur die höhern Theile unbedeckt hervor. 7) Im Rieſengebirge zeigt ſich zunächſt ein großer, aus zwei miteinander verwachſenen Maſſen beſtehender Granitkern, umhüllt — 38ñ— von kryſtalliniſchen Schiefern, aus denen noch mehre kleinere Maſſen von Granit und Porphyr hervortreten. 8) Der kryſtalliniſche Kern der Sudeten iſt vorherrſchend gra⸗ nitiſcher Natur, welches Geſtein aber vielfach in Gneis übergeht. 9) In der breiten und flachen Anſchwellung des Böhmiſch⸗ Mähriſchen Grenzgebirges finden wir wieder ſehr ausgedehnte Ge⸗ biete von Granit und Granulit, verbunden mit Gneis und Glimmer⸗ ſchiefer, deren Verbreitungsformen aber wenig bekannt ſind. 10) Aehnlich verhält es ſich mit dem Böhmer Wald, in wel⸗ chem granitiſche Geſteine beſonders am nordöſtlichen und ſüdweſt⸗ lichen Abhange vorzuherrſchen ſcheinen, während im Centrum die kryſtalliniſchen Schiefer überwiegen. 11) Südlich lehnt ſich daran der vorherrſchend granitiſche Bairiſche Wald an, der, dem Donauthale folgend, einen grani⸗ tiſchen Ausläufer bis nach Linz erſtreckt. Uns mehr nach dem Weſten Deutſchlands wendend, finden wir 12) im Odenwald wieder eine vorherrſchend aus Granit und Syenit, untergeordnet auch aus Quarzporphyr beſtehende Er⸗ hebung, als deren nördliche, durch das breite Mainthal unter⸗ brochene Fortſetzung 13) die Granite und Porphyre am ſüdlichen Fuß des Speſſart anzuſehen ſind. Nach der entgegengeſetzten Richtung vom Odenwalde aus erhebt ſich in derſelben Linie, aber gleichfalls durch eine flache Einſenkung getrennt, 14) die große vorherrſchend kryſtalliniſche Gebirgsmaſſe des Schwarzwaldes. Granit, innig mit Gneis verbunden, und Quarzporphyr treten hier als erhebende Principe an die Ober⸗ fläche und erreichen mit Ausnahme der Alpen die größten Höhen in Deutſchland. Endlich haben wir nun noch ganz im Süden Deutſchlands 15) das mächtige Alpengebirge ins Auge zu faſſen, in deſſen innerer Centralkette granitiſche Kerne vielfach aus kryſtalliniſchen Schiefern hervorragen, während ein großes, relativ ſehr altes Quarzporphyrmaſſiv in der Umgegend von Botzen eigentlich nur e kleinet hend gre⸗ übergatt Böhmiſte ehnte Ge⸗ Glimme⸗ ſind. , in wel⸗ ſüdweſ⸗ trum die ranitiſch n grani⸗ den wir mit und nde Er⸗ l unter⸗ Speſſart lde aus e flache aſſe des n, und le Ober Höhen ſchlandz n deſſen liniſchen zr altts ich nur — 39— in den Senkungen der Oberfläche unter mächtigen Flötzablage⸗ rungen zum Vorſchein kommt. §. 48. Dieſe granitiſchen Gebiete bezeichnen in der Hauptſache zu⸗ gleich die Lage der bedeutendſten Gebirgserhebungen Deutſchlands. Man erkennt deutlich den innigen Zuſammenhang zwiſchen ihrem Hervortreten und dieſen beſondern Formen der Erdoberfläche. Allerdings werden wir auch in Deutſchland einige Gebirge ken⸗ nen lernen, welche keine granitiſchen Kerne beſitzen, ſo z. B. das große rheiniſche Schieferplateau, die ſchwäbiſche Alp, das böhmi⸗ ſche Mittelgebirge, die Rhön und das Vogelsgebirge; dieſe zeigen aber auch einen durchaus andern Charakter äußerer Form. §. 49. Die wichtigſten Gebiete, in welchen dem Granit nicht zuge⸗ hörige Porphyre, Mandelſteine und Grünſteine in Deutſch⸗ land auftreten, ſind folgende: 1) Am Harz finden wir die Grauwackenbildungen vielfach durchſchwärmt von ſtock⸗ oder gangförmigen Grünſteinmaſſen, welche aber ſtets nur kleine kuppenförmige Hervorragungen bilden. Durchaus in derſelben Weiſe zeigen ſich die Grünſteine 2) in dem breiten Grauwackenplateau an beiden Seiten des Rheins zwiſchen Bingen und Bonn; 3) auf der Hochfläche, welche den Thüringer Wald mit dem Fichtelgebirge und Erzgebirge verbindet; 4) in dem ſchleſiſchen und 5) in dem böhmiſchen Grauwackengebiet. Der allgemeine Charakter dieſer Grünſteinbildungen iſt ſomit ein durchaus übereinſtimmender und dieſelbe Erſcheinung wieder⸗ holt ſich auch in andern Ländern. Außerdem aber finden ſich hier und da z. B. im Erzgebirge auch Grünſteine und Serpentine vereinzelt zwiſchen kryſtalliniſchen Schiefern, Granit oder Granulit. 6) Am Südrand des Harzes finden wir ferner bei Ihlefeld ein kleines Gebiet, in welchem quarzführende und quarzfreie, oft mandelſteinartige Porphyre als kuppige Berge aus dem kohlen⸗ führenden Rothliegenden aufragen. Ganz ähnlich verhalten ſich 7) im nordweſtlichen Theile des Thüringer Waldes die Quarz⸗ und Glimmerporphyre, die Mandelſteine und gewiſſe mehr den Grünſteinen verwandte augit-oder hornblendereiche Maſſen. Ebenſo 8) am ſüdlichen Fuße des Hundsrück im dortigen Steinkohlen⸗ gebiet mancherlei Porphyre, Mandelſteine und mit dem unbeſtimm⸗ ten Namen Trapp oder Melaphyr belegte grünſteinartige Geſteine. 9) Die Glimmer⸗ und Mandelſteinporphyre, welche in der Umgegend von Zwickau mit der Kohlenformation zuſammen vor⸗ kommen. 10) Die Hornblendeporphyre im Pottſchappler Kohlenbecken. 11) Die Porphyre und Mandelſteine, welche in der mit Stein⸗ kohlenbildungen erfüllten Einſattelung zwiſchen dem Rieſengebirge und den Sudeten hervortreten. 12) Die Porphyre, welche im Innern Böhmens zum Theil mit Steinkohlenbildungen verbunden ſind. Abweichend von ſolcher Combination finden wir 13) die Grünſteine und Serpentine, welche, zum Theil erz⸗ haltig, zwiſchen dem Waldenburger Kohlengebiet, Breslau und Neiſſe, in kryſtalliniſchen Schiefern und granitiſchem Geſteine ſich finden. 14) Das breite und flache Porphyrgebiet zwiſchen Altenburg und Oſchatz in Sachſen, von welchem indeſſen nur hier und da einzelne Kuppen und felſige Thalgehänge aus einer mächtigen Decke von Diluvial⸗ und Braunkohlenbildungen hervorragen. Damit dürften indeſſen unter der Diluvialebene Leipzigs hinweg 15) auch die Porphyrhügel bei Halle in Verbindung ſtehen, welche dort abermals mit Steinkohlenbildungen in Contact treten. §. 50. Alle dieſe Grünſtein⸗ und Porphyrgebiete unterſcheiden ſich ſomit nicht blos durch die Natur der Geſteine von den zuvor genannten granitiſchen Gebieten, in welchen untergeordnet auch freie, ſi kohlen eQuar⸗ hehr den Ebenſo kohlen⸗ eſtimm⸗ Geſteine e in der nen vor⸗ enbecken. t Stein⸗ ngebirge im Theil heil er d Neiſſe finden. tenburg und da nDecke Damit ſtehen, treten. den ſic — zuvor et auch — 41— Quarzporphyre als ihnen zugehörig auftreten, ſondern wol noch weſentlicher dadurch, daß ſie meiſt nicht wahre Gebirgserhebungen und auch nicht einen umhüllenden Mantel kryſtalliniſcher Schiefer⸗ geſteine bedingt haben. Wo ſie in breiten Gebirgsplateaus auftreten, wie am Rhein, am Harz und zwiſchen dem Thüringer Wald und Fichtelgebirge, da kann man ſie dennoch nicht als Urſachen dieſer Gebirgserhebungen anſehen. Der Bau derſelben iſt in keiner Weiſe von ihnen abhängig, wie das bei den Granitgebieten der Fall iſt, ſelbſt wenn auch letztere oft noch lange nach ihrer Entſtehung neue Hebungen erlitten haben. Jede einzelne Grünſtein⸗ oder Porphyrkuppe mag allerdings entweder das Reſultat einer ſelb⸗ ſtändigen Empordrängung oder der größern Widerſtandsfähigkeit gegen Zerſtörungen von außen ſein, aber ſie haben durch ihre gemeinſame Erhebung in der Regel keine wahren Gebirgsketten bedingt. Zugleich ſind ſie im Allgemeinen neuerer Entſtehung als die granitiſchen Geſteine und verrathen ſich durch ihre oft blaſige oder mandelſteinartige Textur als näher der urſprüng⸗ ſichen Oberfläche feſtgewordene Geſteine. Durch welche Urſachen das gewöhnliche Zuſammenvorkommen der Grünſteine mit Thon⸗ ſchiefer und gewiſſer Porphyre mit Steinkohlenbildungen bedingt ſei, iſt bis jetzt noch nicht hinreichend erkannt. §. 51. Die baſaltiſchen Geſteine mit den zu ihrem Gefolge ge⸗ hörigen Trachyten, Phonolithen und tuffartigen Bildungen zeigen ſich noch weniger an wahre Gebirgserhebungen geknüpft als die Porphyre und Grünſteine. Sie bilden zunächſt eine breite, aus einzelnen dichtern Gruppen und zwiſchenliegenden Lücken beſtehende Zone quer durch Deutſchland hindurch von Schleſien bis zur Eifel. 1) In Schleſien und dem nordöſtlichen Böhmen ſind ihre Kegelberge ſehr vereinzelt, theils über Niederungen ausgeſtreut, theils bis zu den Gipfeln des Rieſengebirges aufſteigend, aber unabhängig von dieſem. 2) Im böhmiſchen Mittelgebirge drängen ſie ſich dann zu einem kleinen aus lauter ſchönen Kegeln beſtehenden Gebirge, — 42— deſſen nördliche und weſtliche Zweige auf der Höhe des Erz⸗ gebirges und im Fichtelgebirge gefunden werden. 3) Nach einer kleinen Unterbrechung folgt nun weſtlich die weniger dichte Gruppe der Rhön. 4) Am innigſten zu einem Ganzen verbunden, aber nur zu geringer Höhe aufſteigend, finden wir ſie im Vogelsgebirge, deſſen vereinzelte Vorpoſtenkegel ſich über einen großen Theil von Heſſen und der Wetterau ausbreiten. Dann folgen 5) die Baſalte des Weſterwaldes; 6) die Trachyte und Baſalte des Siebengebirges und 7) die zum Theil ſehr neuen Baſalte der Eifel mit durch⸗ aus vulkaniſchem Charakter. Dieſe drei letzten Gruppen liegen auf dem breiten rheiniſchen Grauwackenplateau, welches auch zwiſchen ihnen hier und da von kleinen Baſaltkegeln überragt wird, oder an deſſen äußerm Rand. Außerhalb dieſes breiten Gürtels, welcher zugleich ungefähr die Grenze zwiſchen Nord⸗ und Süddeutſchland bildet, finden wir dann im Süden hauptſächlich noch drei Gruppen. 8) Im kleinen Kaiſerſtuhlgebirge, welches mitten aus der Thalebene des Breisgaues aufragt; 9) in der Schwäbiſchen Alp und bis zu den Rändern des Riesgaues, ſehr vereinzelt; ſowie endlich 10) in der Umgebung vom Gleichenberg in Steiermark. Zerſtreute Baſaltberge finden ſich indeſſen auch im Oden⸗ walde und in deſſen Umgebungen. §. 52. Eine ſolche Unabhängigkeit von der Lage und Richtung der Gebirgsketten zeigen die Baſalte, Trachyte und Phonolithe bei⸗ nahe in allen Ländern der Erde, wo man ſie kennt. Ueberall ſind ihre Berge mehr oder weniger vereinzelt. Sie treten darum dem Verkehr im Großen weniger hindernd entgegen als alle andern Eruptivgeſteine, denn ſie laſſen ſich leichter umgehen, des Er eſtlich d er nur i gge, deſen on Heſſa und nit dur⸗ heiniſche d da von m Rand. ungefähr den wir aus der dern des nark. a Oden zgtung da lithe bi⸗ leberal en darun als alt ungehen — 43— während dagegen ihre einzelnen Berge oft ſchwer zu erſteigende und beſonders feſte Punkte bilden. §. 53. Eine natürliche Folge der im Vorſtehenden wenn auch nur ganz flüchtig geſchilderten Vertheilung und Gruppirungsweiſe der Eruptivgeſteine auf deutſchem Boden, die aber in den meiſten Ländern ſich ähnlich wiederholt, iſt die, daß von allen die gra⸗ nitiſchen Geſteine am häufigſten natürliche Grenzen bilden und minder bewohnbare Flächenräume hervorrufen. Das Letztere ergibt ſich auch ganz ſpeciell durch die Ortszählungen im Gebiet der geognoſtiſchen Karte von Sachſen, ſobald man die Reſultate der einzelnen Sectionen mit gehöriger Umſicht vergleicht. 2) Kryſtalliniſche Schiefer⸗ oder metamorphiſche Geſteine. §. 54. Zu ihnen gehören Gneis, Glimmerſchiefer, Talkſchiefer, Chlorit⸗ ſchiefer, Hornblendeſchiefer und manche Thonſchiefervarietäten. Es ſind kryſtalliniſch⸗ſchieferige Verbindungen von Glimmer, Quarz, Feldſpath, Talk, Chlorit und Hornblende in verſchiedenen Ver⸗ hältniſſen. Auch ſie bilden wie die Maſſengeſteine keine abge⸗ ſchloſſenen Arten, ſondern gehen alle ineinander und ſelbſt in manche Maſſengeſteine über, wie ſich denn z. B. der Gneis nur durch ſeine ſchieferige Textur vom Granit unterſcheidet. §. 55. Außer der allen eigenthümlichen Schiefertextur zeigen ſie zu⸗ weilen auch noch eine Art Schichtung(Sonderung in Platten und plattenförmige Wechſellagerung), ſowie ſehr oft auch eine gewiſſe lineare Streckung oder Fältelung nach einer beſtimmten Richtung. Porphyrartig werden ſie manchmal entweder durch einen ihrer weſentlichen Gemengtheile oder durch Kryſtalle eines der ſehr häufig acceſſoriſch in ihnen auftretenden Mineralien, wie Granat, Magneteiſenerz, Eiſenkies u. dgl. Nie enthalten ſie deut⸗ liche Verſteinerungen, ſehr oft aber untergeordnete Einlagerungen — 44— nicht ſchieferiger Geſteine, z. B. Kalkſtein, Dolomit, Quarz, Eiſen⸗ ſtein, und ebenſo ſind ſie ſehr oft durchſetzt von kleinen Maſſen oder Gängen von Eruptivgeſteinen und von Erzgängen. §. 56. Sehr oft herrſcht in einem großen Gebiet eins der Schiefer⸗ geſteine, z. B. Gneis oder Glimmerſchiefer, als Hauptmaſſe vor, während andere oder vielerlei Varietäten deſſelben Geſteins ihm untergeordnet parallel der Schieferung eingelagert ſind; dadurch gewinnen dergleichen Gebiete zuweilen eine größere Mannichfaltig⸗ keit, als man aus ihren Darſtellungen auf geologiſchen Karten zu vermuthen geneigt iſt. §. 57. Ihre Entſtehungsweiſe iſt noch mehr in Dunkel gehüllt als die der andern Geſteine, die meiſten Geologen ſind indeſſen der Anſicht, daß ſie größtentheils durch einen Umwandelungsproceß aus geſchichteten Ablagerungen entſtanden ſind, welcher durch plutoniſche Thätigkeit im Erdinnern hervorgerufen wurde, und daß ſie erſt nach ihrer Umwandelung durch Erhebung und Zer⸗ ſtörung darüber liegender Maſſen an die Oberfläche gelangten. Jedenfalls ſind ſie in der Regel als die älteſten Geſteinsbildungen anzuſehen, welche von allen deutliche Verſteinerungen enthalten⸗ den Schichten überlagert und von allerlei Maſſengeſteinen oder Gangbildungen durchſetzt werden. Darum enthalten ſie auch faſt niemals Bruchſtücke oder Geſchiebe anderer Geſteine. §. 58. Sie finden ſich ganz vorzugsweiſe in Gebirgsgegenden mit granitiſchen Geſteinen zuſammen, die von ihnen oft rings umgeben werden. Von dieſen Kernen der granitiſchen Geſteine aus gelangt man dann durch die umhüllende Zone der kryſtalliniſchen Schiefer in die deutlich ſedimentären Geſteine. Sie ſind in dieſen Fällen offenbar erſt durch das Empor⸗ drängen der granitiſchen Geſteine in dieſe Stellung gelangt. larz, Eiſ ien Maſe n. er Schif tmaſſe te eſteins in d; dadar nnichfulig hen Kart gehültt al deſſen da ngsproccj her durch de, und und Zer⸗ elangten. eildungen enthalten⸗ nen oda auch faſ enden ni s umgeba us gelang en Schiff 5 Empor⸗ angt. §. 59. Wo ihre Schieferung in großen Gebieten ziemlich horizontal liegt oder doch nur wenig aufgerichtet iſt, da bringen ſie meiſt eine ziemlich einförmige Oberflächengeſtaltung hervor, die nur in tief eingeſchnittenen Thälern durch Felſenbildung unterbrochen wird, ſo z. B. im Erzgebirge. Wo dagegen, wie in den weſt⸗ lichen Alpen, ihre Schieferung ſtark aufgerichtet iſt, da bilden ſie oft ſehr ſchroffe und zackige Felsſpitzen. §. 60. Der Boden, welcher aus ihrer Zerſetzung hervorgeht, iſt meiſt fruchtbar, aber dieſe Fruchtbarkeit wird häufig durch un⸗ günſtige Niveauverhältniſſe neutraliſirt.. Zu Baumaterialien eignen ſich ihre feſtern Varietäten meiſt nur im rohen unbehauenen Zuſtande als eigentliche Mauerſteine oder etwas zugerichtet als Platten. Von Erzgängen ſind ſie ganz beſonders häufig durchſetzt, namentlich in der Nähe von Eruptiv⸗ geſteinenz außerdem enthalten ſie aber nicht eben viele nutzbare Lagerſtätten. §. 61. Ihre wichtigſten Verbreitungsgebiete in Deutſchland ſind folgende: 1) Im nordweſtlichen Theile des Thüringer Waldes, bei Brotterode, tritt Gneis nur ſehr untergeordnet und innig mit Granit verbunden auf, dagegen finden wir bei Ruhla den Glimmer⸗ ſchiefer ziemlich ſelbſtändig und mächtig entwickelt. 2) Im Fichtelgebirge ſind die großen Granitkerne von brei⸗ ten Gneis⸗ und Glimmerſchieferzonen umgeben, an welche ſich dann auch halbkryſtalliniſcher Thonſchiefer, Chlorit⸗ und Horn⸗ blendeſchiefer anſchließen. Beſonders merkwürdig iſt aber hier auf dem weſtlich ausgebreiteten Plateau noch das elliptiſche Ge⸗ biet kryſtalliniſcher Schiefergeſteine, welches Münchberg umgibt, theils aus Gneis, theils aus Glimmerſchiefer beſtehend, welche beide ineinander übergehen und viele Einlagerungen von Horn⸗ blendeſchiefer enthalten, außerdem aber von zahlreichen Eklogit⸗ — 46— und Serpentinkuppen durchſetzt werden. Dieſes flache kryſtalli⸗ niſche Gebiet, welches in Geſtalt und Größe ungemein dem ſäch⸗ ſiſchen Granulitgebiet ähnelt, lagert ringsum auf Grauwacken⸗ bildungen. 3) Das Erzgebirge beſteht ganz vorherrſchend aus Gneis und Glimmerſchiefer. Dieſe werden nur hier und da von großen Granit⸗ und Porphyrmaſſivs, von kleinern Porphyr⸗ und Grün⸗ ſteingängen, ſowie vielfach von Erzgängen durchſetzt und ſind nördlich von halbkryſtalliniſchem Thonſchiefer umlagert. Hier hat Werner zuerſt die in gewiſſem Grade conſtante Aufeinanderfolge dieſer drei Hauptſchiefergeſteine feſtgeſtellt, die aber mancherlei Ausnahmen erleidet und gewiß nicht ſo zu deuten iſt, wie ſie Werner auf dem damaligen Standpunkte der Wiſſenſchaft ge⸗ deutet hat. Man findet nämlich in der Regel die am meiſten kryſtalliniſchen Schiefer(wie Gneis) zuunterſt, darüber minder kry⸗ ſtalliniſche(z. B. Glimmerſchiefer), und darüber die am wenigſten kryſtalliniſchen(z. B. Thonſchiefer), welche ſich an mehren Orten wiederholende Reihe aber nach neuerer Anſicht nur als eine Folge ungleich ſtarker Metamorphoſe von innen heraus anzuſehen iſt. 4) Auch das ſächſiſche Granulitgebiet iſt von einem ziemlich regelmäßigen, aber ſchmalen Saum von Gneis, Glimmerſchiefer und halbkryſtalliniſchem Thonſchiefer rings umgeben. 5) Im Rieſengebirge iſt das große Granitgebiet zwiſchen Reichenberg und Hirſchberg nördlich von Gneis mit eingelagertem Glimmerſchiefer, ſüdöſtlich aber in den höchſten Regionen un⸗ mittelbar von Glimmerſchiefer umgeben und überlagert, in wel⸗ chem mehrfach körniger Kalkſtein eingelagert iſt. 6) Die noch wenig genau bekannten Sudeten beſtehen vor⸗ herrſchend aus Gneis und Glimmerſchiefer, durchſetzt von Graniten. 7) Eine außerordentliche Verbreitung erlangen aber dieſe Ge⸗ ſteine in dem böhmiſch⸗mähriſchen Grenzgebirge, 8) ſowie in der Hauptaxe des Böhmer Waldes, die beide ebenfalls noch zu den geognoſtiſch minder bekannten Gegenden Deutſchlands gehören. 9) Am ſüdlichen Fuß des Speſſart und dem ſic aus Gnii von groſa und Grir t und ſi Hier i nanderſt manchen ſt, wieſ nſchaft g im meſfa ninder i⸗ wenigſi ren Ortn eine Folg ſehen iſt ziemlich erſchiefer zwiſchen elagerten onen u⸗ in we⸗ tehen vor Granitn. dieſe be⸗ die bede Gegende — 47,— 10) im Odenwald ſpielen Gneis und Glimmerſchiefer nur eine ſehr untergeordnete Rolle neben den granitiſchen Maſſengeſteinen. 11) Der Schwarzwald beſteht dagegen vorherrſchend aus dieſen beiden kryſtalliniſchen Schiefergeſteinen, welche auch hier granitiſche Kerne umhüllen, von Porphyr⸗ und Erzgängen durch⸗ ſetzt ſind, wie im Erzgebirge. 12) Im deutſchen Alpenlande finden wir die Centralkette wieder durchaus vorherrſchend aus kryſtalliniſchen Schiefern ſehr verſchiedener Art zuſammengeſetzt, die nur hie und da in grani⸗ tiſche Geſteine übergehen oder von ihnen wie von Serpentinen durchſetzt werden. Gneis und Glimmerſchiefer ſpielen zwar auch hier eine wichtige Rolle, aber ſie ſind vielfach durch Wechſel⸗ lagerung verbunden mit Chloritſchiefer, Talkſchiefer, Talkkalk⸗ ſchiefer und Kalkglimmerſchiefer, wie denn auch eine Menge reine körnige Kalkſteinlager darin auftreten. Dieſes große Gebiet kry⸗ ſtalliniſcher Schiefer iſt verhältnißmäßig arm an Erzgängen, unter denen beinahe nur die goldhaltigen Quarzadern in den Salz⸗ burger und Tiroler Tauern genannt zu werden verdienen. §. 62. Obwol ſonach die Zahl der kryſtalliniſchen Schiefergebiete geringer iſt als die der Granitkerne, ſo iſt doch der Flächenraum, den ſie einnehmen, bedeutend größer, und das iſt in der That charakteriſtiſch für die Art ihres Auftretens. Uebrigens aber ſtimmen ſie in ihrem Einfluß auf das Leben ſehr überein mit den mineralogiſch ſo verwandten granitiſchen Geſteinen. 3) Geſchichtete oder Sedimentärgeſteine. §. 63. Ihr allgemeiner Charakter iſt durch die Art ihrer Entſtehung bedingt. Es ſind Ablagerungen aus Waſſer. Kalkſteine ver⸗ ſchiedener Art, Dolomit, Mergel, Thon, Schieferthon, Thon⸗ ſchiefer, Quarzit, Sandſtein, Conglomerat und tuffartige Bil⸗ dungen wechſeln vielfach in Bänken(Lagern) miteinander ab, die gewöhnlich in ſich dentlich geſchichtet ſind und oft ſehr viele deut⸗ — 48ñ— liche Ueberreſte von vorweltlichen Pflanzen und Thieren enthalten, durch deren Natur man auch ohne erkennbare Lagerung ihr rela⸗ tives Alter zu beſtimmen vermag. Zu dieſen häufigſten Geſteinen geſellen ſich als ſeltnere Einlagerungen beſonderer Art: Kohlen, Eiſenſteine, Gyps, Anhydrit, Steinſalz, Kieſelſchiefer, Alaun⸗ ſchiefer, Schwefel, Schwefelkies, Kupferſchiefer und Galmei. An der Oberfläche aber findet man häufig noch unverbundene, loſe Anhäufungen von Gerölle, Kies, Sand, Lehm, Muſchel⸗ und Infuſorienſchalen. §. 64. Jene Geſteine ſind gruppenweiſe miteinander verbunden, der Art, daß gewiſſe derſelben gewöhnlich zuſammen vorkommen. Sie haben ſich urſprünglich regelmäßig übereinander gebildet, ſind aber dann durch die Wirkungen der vulkaniſchen(plutoniſchen) Thätig⸗ keit örtlich oft aus ihrer erſten Lagerung gebracht worden, ſodaß ihre Schichten nun gebogen, zerbrochen, aufgerichtet und über⸗ einander geſtürzt oder geſchoben ſind. Dieſe Störungen haben beſonders in Gebirgen und an deren Rändern ſtattgefunden, zuweilen jedoch auch an ſolchen Stellen, wo äußerlich keine Gebirgserhebung ſichtbar iſt. Dadurch iſt dann natürlich auch ihre urſprüngliche Aufeinanderfolge vielfach geſtört worden. 3§. 65. Die ſehr mannichfache und mächtige Reihe aller ſo über⸗ einander gebildeten Geſteinsſchichten hat man zur bequemern Ueber⸗ ſicht in ſogenannte Gruppen und Formationen eingetheilt, in denen man wieder als Unterabtheilungen einzelne Glieder unterſcheidet. Geht man von den ſpeciellen Geſteinsplatten, den einzelnen Schichten aus, ſo bilden mehre durch ihre Eigenthümlichkeiten zuſammengehörige ein Formationsglied, verwandte Formations⸗ glieder zuſammen eine Formation und mehre Formationen rechnet man zu einer Gruppe. §. 66. Eine Zeit lang glaubte man, daß ſich die ſogenannten Flötz⸗ formationen als über den ganzen Erdkörper hinweg gleichartige enthalta, ihr nio Geſteinen Kohlan , Alaun mmei. An dene, lſ hel⸗ und nden, de nen. Ei ſind abe ) Thäti⸗ en, ſoddß ind über⸗ an deren Stellen, iſt dann geſtört ſo über en Ueber in denen rſcheidet einzelnan nlchkeitn rmatione⸗ en rechne ten Flöt⸗ leichrtin — 49— und gleichzeitige Bildungen anſehen ließen. Daß man alſo überall dieſelben Schichten in derſelben Reihe wieder finden müſſe. Genauere Unterſuchung ergab indeſſen, daß ſie alle nur in gewiſſem Grade locale Bildungen ſind, Reſultate periodiſcher Ablagerung in größern oder kleinern Waſſerbecken, welche im Laufe der Zeiten ihre Ausdehnung und ſogar ihre Lage gänzlich verändert haben. S. 67. Indem in mehren ſolcher großen Waſſerbecken gleichzeitig Ablagerungen erfolgten, ſind dieſe zwar zeitlich äquivalent, aber oft mineralogiſch ſehr voneinander verſchieden. So gibt es z. B. Ablagerungen, welche durch ihre Verſteinerungen als dem Alter nach ganz unſerer nordeuropäiſchen weißen Kreidebildung entſpre⸗ chend erkannt worden ſind, auch in den Alpen, in Griechenland, im weſtlichen Aſien, im nördlichen Frankreich, in Süd⸗ und Nordamerika; aber die Geſteinsſchichten, aus denen ſie beſtehen, ſind in allen dieſen Ländern außerordentlich verſchieden vonein⸗ ander, ſo verſchieden, daß man daraus nie auf ihre gleichzeitige Bildung hätte ſchließen können. §. 68. Während man zuerſt das Geſetzmäßige ihrer räumlichen Auf—⸗ einanderfolge und daraus abgeleiteten Nacheinanderbildung nur aus der beobachtbaren Uebereinanderlagerung der einzelnen Schich⸗ ten erkennen konnte, hat man jetzt durch die darin enthaltenen Verſteinerungen ein neues Hülfsmittel ihrer Altersbeſtimmung gewonnen, durch welches es möglich wird, auch die Ablagerungen ſehr voneinander entfernter Erdgegenden, deren materielle Ver⸗ bindung und gegenſeitige Lagerung man nicht beobachten kann und deren Geſteinszuſammenſetzung gänzlich verſchieden iſt, den⸗ noch miteinander zu vergleichen und ihr relatives Alter minde⸗ ſtens annähernd zu beſtimmen. §. 69. Auf dieſe Weiſe iſt nach und nach für die ganze Erdober⸗ fläche, ſoweit ſie bis jetzt in dieſer Beziehung unterſucht iſt, eine Cotta, Deutſchlands Boden. 4 ideale Scala oder Flötzformationsreihe gewonnen worden, von welcher aber an jedem einzelnen Orte ſtets nur gewiſſe Glie⸗ der vorhanden ſind. Da die Geſteinszuſammenſetzung der gleich alten Glieder keineswegs überall dieſelbe iſt, ſo hat dieſe für die Wiſſenſchaft von der Erdbildung ſo höchſt wichtige Methode der Altersbeſtimmung weit voneinander entlegener Schichtgruppen kei⸗ nen ſo unmittelbaren Einfluß auf das Leben. Man kann nicht allge⸗ mein aus dem Alter auf die Geſteinsnatur ſchließen. Man kann nicht erwarten, gewiſſe nutzbare Foſſilien, die man in Europa in einer beſtimmten Formation kennt, auch in Amerika in derſelben wie⸗ der zu finden oder umgekehrt. Solche Schlüſſe ſind nur in beſchränk⸗ term Kreiſe zuläſſig. In einem Lande, nicht größer als Deutſch⸗ land, da gelten ſie allerdings, da kann man z. B. in der Muſchel⸗ kalkformation oder im Zechſtein überall Steinſalz erwarten, und je geringer der Abſtand zweier Punkte iſt, um ſo ſicherer kann man auch darauf rechnen, ſelbſt die unbedeutendſten Geſteinsmodifica⸗ tionen ganz in derſelben Ordnung übereinander wieder zu finden. Die horizontale Gleichmäßigkeit der Ablagerungen iſt alſo nur eine relative. Sie gilt nur für beſchränkte Flächenräume, deren Ausdehnung aber für die einzelnen Fälle ganz ungleich iſt und ſich daher nie genau vorausbeſtimmen läßt. Sie berechtigt zur Hoffnung des Wiederfindens einer beſtimmten Schicht und dieſe Hoffnung iſt um ſo größer, auf je beſchränktern Raum ſie aus⸗ gedehnt wird, um ſo geringer, je größer dieſer Raum. §. 70. Die allgemeine Scala der Flötzformationen, wie ſie in jedem guten Lehrbuch der Geognoſie zu finden iſt, hat aus dieſem Grunde für unſern vorliegenden Zweck keinen großen Werth, wol aber die genaue Kenntniß der Formationsreihe innerhalb Deutſchland. Die deutſche Flötzformationsreihe läßt ſich überſichtlich ſo darſtellen: den, von ſſe Gu⸗ der glech ſe für d thode de ppen ki⸗ icht alle lan kan uropa i elben wie reſchränt⸗ Deutſch⸗ Muſchel⸗ und je in man nodifica⸗ finden. aliſo mu e, deren iſt und tigt zur nd dieſe ſie aus⸗ in jeden s dieſen Werth innerhalt ſchtlic ſ 51 Gruppen. Formationen. Formationsglieder. Paraliligilde. Alluvial⸗ Ganz neue Anſchwemmungen der Flüſſe gebilde. Ablagerungen. u. des Meeres: Schlamm, 3 Schlick, Sand, Geſchiebe ꝛc. Korallenriffe. Quellenabſätze: Kalktuff, Ra⸗ ſeneiſenſtein u. ſ. w. Torf und Infuſorienlager. Diluvial⸗ Erratiſche Felsblöcke und Geſchiebe aus gebilde. Blöcke. Skandinavien. Löß. Lehm, Sand, Thon und Ge⸗Höhlenſchwamm, Kno⸗ ſchiebe. chenbreccie, Bohnerz. Molaſſe⸗ Pliocen: Süßwaſſerkalk, Meeresſand gruppe formation und Kalkſtein. oder(obere Molaſſe). Tertiär⸗ Miocen⸗ Tegel, Grobkalk, Sand und Oer größte Theil der gebilde. formation Sandſtein. eigentlichen Alpen⸗ (mittlere Mo⸗ molaſſe. laſſe). Eocenformation Septarienthon, Töpferthon, (untere Molaſſe). Braunkohlen, Braunkoh⸗ lenſandſtein. Nummulitengeſteine. Kreide⸗ Kreide: Weiße Kreide mit Feuer⸗Tuffkreide von Ma⸗ gruppe. formation. ſteinen. ſtricht. Weiße Kreide ohneFeuerſteine. Kreidemergel. Ueber Quader nörd⸗ lich vom Harz. Quader⸗ Oberer Quaderſandſtein. Sudmerſtein daſelbſt. formation. Oberer Mergel des obern Quaders da⸗ ſelbſt. Plänerkalk. Unterer Mergel des obern Quaders da⸗ ſelbſt. Plänermergel(Flammen⸗Hippuritenkalkſteine mergel). der Alpen. Plänerſandſtein. Wiener Sandſtein z. Th.. Unterer Quaderſandſtein. Neocom⸗ Hilsſandſtein. Neocomien. Einiger formation. Flyſch der Alpen. Hilsthon. Jura⸗ Wielden⸗ Wieldenſandſtein(Deiſter⸗ gruppe. formation. ſandſtein). Wieldenkalk(Serpulit). Juraformation. Weißer Jura: Kalkſtein, Do⸗Soolenhofener Kalk⸗ lomit, Korallenkalk, Ro⸗ ſchiefer, Diceraskalk. genſtein. Brauner Jura:(Dogger) Thon, Sandſtein u. Eiſen⸗ ſtein. 4* Gruppen. Formationen. Formationsglieder. Parakighilde. Jura⸗ Leias(Lias). Schwarzer Jura: Mergelſchie⸗Belemnitenſchiefer, gruppe. fer, Kalkſtein u. Sandſtein. Poſidonienſchiefer. Trias⸗ Keuper. Keuperſandſtein. gruppe. Keupermergel⸗ und Gyps. New red sandstone Kalkſtein und Dolomit. Englands bis Roth⸗ Sandſtein und Schieferthon. liegendes. Lettenkohle. Muſchelkalk. Oberer Muſchelkalk: Kalk⸗Encrinitenkalk, Cera⸗ ſtein und Dolomit. titenkalk. Gyps, Anhydrit, Steinſalz und Salzthon. Unterer Muſchelkalk(Wellen⸗Terebratulakalk, kalk). Mehlbatzen. Buntſandſtein. Röth: bunter Thon und Mer⸗ gel mit Gyps. Sandſtein mit Rogenſtein⸗ lagern. Braunrother Schieferthon. Zechſtein⸗ Zechſtein⸗ Kalkſtein, Dolomit, Gyps gruppe. formation. und Steinſalz. Stinkſtein und bituminöſer Das Permiſche Syſtem Mergel⸗ od. Kupferſchiefer.D] Rußlands und der Weißliegendes(Sandſtein od. Magnesian lime- Conglomerat). stone Englands. Kohlen⸗ Rothliegendes. Conglomerat meiſt braun⸗New red sandstone gruppe. roth, Schieferthon und Englands bis hier⸗ Sandſtein. her. Thonſtein, Schieferthon, Kalk⸗ . ſtein und Hornſtein. Steinkohlen⸗ Kohlenſandſtein und Kohlen⸗ formation. ſchiefer mit Kohlenlagern. Sandſtein und Conglomerat. Kohlenkalkſtein. Kalkſtein, Mergel⸗ und Schieferthon(Grauwacken⸗ ſchiefer). Grau⸗ Obere(Grauwackenſchiefer, Thon⸗ wacken⸗ oder devoniſche ſchiefer und Grauwacken⸗ gruppe. Grauwacke. ſandſtein mit Einlagerun⸗ gen von Kalkſtein, Quarzit, Kieſelſchiefer, Alaunſchie⸗ . fer u. ſ. w. Mittlere Dieſelben Geſteine. oder ſiluriſche Grauwacke. Untere Thonſchiefer und feiner feſter oder cambriſche Sandſtein veefiine kede Grauwacke. mehr vor. Kryſtalliniſche Schiefergeſteine. — eöd. — hiefer, ſchiefer. andston- bis Not lk, Cera⸗ alk, 3 Syſtem und der lime- lands. ndstone dis hier⸗ — 53— §. 71. Aber auch dieſe deutſche Flötzformationsreihe iſt inſofern ideal, als an keinem einzelnen Punkte alle dieſe Bildungen wirk⸗ lich übereinander liegend gefunden werden, ſondern überall nur gewiſſe Theile der ganzen Reihe, und ſelbſt dieſe Theile bleiben ſich in ihrer ſpeciellen Gliederung nicht überall ganz gleich. Darum wird es nöthig, die beſondere Entwickelung der einzelnen Grup⸗ pen, Formationen und Glieder in den einzelnen Gegenden zu beſchreiben, um ein einigermaßen treues Bild der Flötzbildungen Deutſchlands zu erhalten. Nicht nur fehlen oft ganze Glieder, Formationen oder Gruppen, ſondern auch der petrographiſche Cha⸗ rakter der vorhandenen iſt örtlich zuweilen ein ziemlich ungleicher innerhalb Ablagerungen von genau demſelben Alter. Wo aber nachweisbar dieſelben Schichten vorhanden ſind, da liegen ſie auch allemal(oder lagen wenigſtens urſprünglich) genau in der⸗ ſelben Ordnung übereinander und das iſt natürlich ein auch prak⸗ tiſch ſehr wichtiger Umſtand. §. 72. Wir wollen nun die einzelnen Ablagerungsgruppen, von den älteſten beginnend, in ihrer allgemeinen Verbreitung und un⸗ gleichen Entwickelung ſo kurz und überſichtlich als möglich durch Deutſchland verfolgen, während die ſpeciellere Darſtellung ihrer localen Zuſammenſetzung und ihres localen Einfluſſes einem ſpä⸗ tern Abſchnitte vorbehalten bleibt. §. 73. Auf die Verſteinerungen brauchen wir hier keine Rückſicht zu nehmen, da es ſich nicht um Belehrungen über Altersbeſtim⸗ mung und Wiedererkennung der Formationen handelt, ſondern um Beſchreibung bereits geologiſch beſtimmter Ablagerungen für einen beſondern Zweck. Die Reihenfolge der Ablagerungen durch⸗ gehe ich von unten nach oben, von den älteſten zu den jüng— ſten aufſteigend; wo es ſich aber um Darſtellung der zunächſt — 54— übereinander liegenden Glieder handelt, ſetze ich dieſelben in ihrer natürlichen Lagerung übereinander, d. h. die zuoberſt liegenden obenhin, damit man dieſe überſichtlichen Reihen nicht in Ge— danken umzukehren brauche. §. 74. Ganz allgemein gehören die Flötzbildungen mehr den Ge⸗ birgsrändern, den Becken zwiſchen ihnen und den Ebenen, als den eigentlichen Gebirgsgegenden an, obwol ſie von letztern nicht ausgeſchloſſen ſind. Grauwackengruppe. §. 75. Man hat dieſe ungemein mächtige Gruppe neuerlich— und zwar zuerſt in England— in mehre Formationen geſondert: die cambriſche, die ſiluriſche und die devoniſche. In Deutſchland iſt es indeſſen noch nicht möglich geweſen, dieſe Sonderung überall räumlich durchzuführen, da hier die einzelnen Abtheilungen einander petrographiſch ſehr ähnlich ſind und bei⸗ nahe nur durch organiſche Reſte voneinander unterſchieden wer⸗ den können. Aus dieſem letztern Grunde iſt für unſern Zweck die Son⸗ derung überhaupt minder wichtig, da der allgemeine Einfluß auf das Leben wegen Aehnlichkeit der Geſteine ſich in allen Abthei⸗ lungen ziemlich gleich bleibt. §. 76. In dieſer ſehr mächtigen Schichtengruppe herrſcht ein viel— facher Wechſel von Thon⸗ und Grauwackenſchiefervarietäten und Grauwackenſandſtein durchaus vor. Die allerdings nicht ganz gleichmäßig vertheilten Hauptgeſteine ſind aber zuweilen mächtige Lagermaſſen oder dünne Schichten von Quarzit, Kieſelſchiefer, Dach⸗ und Tafelſchiefer, Wetzſchiefer, Alaunſchiefer, Kalkſtein, Dolomit, Conglomerat und Eiſenſtein eingebettet. Unter dieſen Einlagerungen ſind einige, wie ſich von ſelbſt verſteht, techniſch in viel en und t ganz nächtigt ſchiefer alkſtein dieſen echniſch — 55— wichtig, und zu ihnen geſellen ſich auch noch geringe Anthracit- lager, verſchiedenartige Erzgänge und ſtockförmige Erzmaſſen. § 77. Selbſt die Grünſteine, obwol eruptiver Natur, verdienen dennoch unter die allgemeinen Charaktere der deutſchen Grau⸗ * wackengebiete mit aufgenommen zu werden, da ſie ſo ungemein häufig in denſelben vorkommen und, wo es der Fall iſt, in der Regel kleine Berg- oder Felskuppen verurſachen. Mancherlei Erzgänge und Einlagerungen von Galmei haben zu nicht un⸗ wichtigem Bergbau in dieſem Gebiet Veranlaſſung gegeben. §. 78. Der Boden der deutſchen Grauwackengebiete iſt, von man⸗ chen zu kieſelreichen Geſteinen abſehend, im Allgemeinen frucht⸗ bar zu nennen, doch liegt das Niveau ihrer Oberfläche mehrfach ſo hoch, daß nur noch Wälder und Wieſen üppig auf ihnen gedeihen. §. 79. Die bedeutendſten Grauwackengebiete Deutſchlands ſind fol— gende: Zunächſt treten im nordweſtlichen Deutſchland drei ſolcher Gebiete unter jüngern Flötzformationen hervor, welche offenbar eigentlich zuſammengehören, ein Ganzes bilden und nur an der Oberfläche durch neuere Ablagerungen in den breiten Zwiſchen⸗ einſenkungen voneinander getrennt ſind. Dieſe ſind: 1) Das rheiniſche Schiefergebiet zwiſchen Bingen und Bonn, Arnsberg und Trier, umfaſſend den Taunus und Weſterwald, die Lennegegend, der Hundsrück, die Eifel, die hohe Veen und die Ardennen. Es iſt das größte zuſammenhängende Grauwacken⸗- gebiet Deutſchlands, nur hier und da von jüngern Bildungen, wie Braunkohle, ſporadiſch überlagert und von Grünſteinen und Baſalten vielfach durchſetzt. 2) Die Hauptmaſſe des Harzes fortſetzend in den Hügeln bei Magdeburg, und — 56— 3) das ganze breite Verbindungsplateau zwiſchen dem nord⸗ weſtlichen Thüringer Wald, dem kryſtalliniſchen Theil des Fichtel⸗ gebirges und dem Erzgebirge. Alle drei bilden ſehr bewaldete Hochplateaus mit flachen Rücken, zwiſchen welche einige tiefe und ſehr gewundene Thäler eingeſchnitten ſind. Mehrfach werden auch ſie von Grünſteinen durchzogen und von mancherlei Erzgängen durchſetzt. Alle drei Gebiete zeigen ferner ein gemeinſames Hauptſtreichen der Schichten, wodurch gerade ihr unterirdiſcher Zuſammenhang höchſt wahr⸗ ſcheinlich wird, und alle drei beſtehen theils aus oberer(devoni⸗ ſcher), theils aus mittlerer(ſiluriſcher) Grauwacke, wenn nicht am Erz⸗ und Fichtelgebirge ſogar die untere(cambriſche) Ab⸗ theilung in Geſtalt von verſteinerungsleeren Thonſchiefern auf⸗ tritt, die ſich dann innig an die kryſtalliniſchen Schiefer dieſer Gebirge anſchließen. Die übrigen Hauptgebiete der Grauwackengruppe in Deutſch⸗ land ſind folgende: 4) Das ſchleſiſche Gebiet vom nördlichen Abhang des Rieſen— gebirges mit Unterbrechungen durch neuere Bedeckungen bis in das Innere Sachſens ausgedehnt, wo eine Art von Verbindung mit der erzgebirgiſchen Grauwacke ſtattfindet. 5) Das ſudetiſche Grauwackengebiet, welches die kryſtallini⸗ ſchen Schiefer und Maſſengeſteine der Sudeten beinahe rings umgibt, mit beſonderer Breite gegen Oſt und Süd bis jenſeit Brünn hinab, aber noch wenig bekannt. 6) Das böhmiſche, meiſt ſiluriſche Grauwackengebiet, im In— nern dieſes großen Keſſellandes bei Prag und Pilſen, eine kleinere ſehr alte Mulde ausfüllend, hier und da noch kleinere Steinkohlen⸗ mulden in ſich tragend, übrigens von Quarzporphyr und von Grünſteinen und Erzgängen durchſetzt. 7) Das nördliche alpiniſche Grauwackengebiet, zwiſchen den nördlichen Kalkalpen und der kryſtalliniſchen Centralkette der öſtlichen Alpen von Neunkirchen über Leoben und Radſtadt bis beinahe nach Innsbruck ausgedehnt, und durch die relative Weich⸗ heit der Geſteine eine große Längendepreſſion in der Gebirgskette tera ſtei fitt Eiſer n üche und em non. z Fich t flache e Thile ünſteinn Alle due ſchichten t wahr (devoni⸗ in nicht ) P⸗ auf⸗ dieſer eutſch⸗ Rieſen⸗ bis in indung ſtallin⸗ e ringe jenſei im Ir kleinen inkohler und von chen da eette de kadt bi Weit⸗ irgskett — 57— veranlaſſend. Dieſe Zone, welche durchaus devoniſch zu ſein ſcheint, enthält viele techniſch höchſt wichtige Spatheiſenſteinlager⸗ ſtätten von ungleicher Form und Mächtigkeit. Die geſammte Eiſen⸗ und Stahlinduſtrie Steiermarks beruht darauf. Durch die kryſtalliniſche Hauptkette davon getrennt ſind noch vier ſüd⸗ liche kleinere Grauwackengebiete in den deutſchen Alpen bekannt, und zwar 8) das an Kalkſtein und Spatheiſenſtein reiche Gebiet nörd⸗ lich von Grätz, ebenfalls devoniſch. 9) Das Grauwackengebiet des Drauthales zwiſchen Marburg und St.⸗Veit bei Klagenfurt, von da nördlich bis Neumarkt zwiſchen die kryſtalliniſchen Schiefer eindringend. 10) Eine große iſolirte Grauwackenſcholle auf kryſtalliniſchen Schiefern am Königſtuhl nordöſtlich von Gmünd, und 11) das in der Sohle des Geilthales unter jüngern Flötz⸗ bildungen nur ſchmal hervortretende Grauwackengebiet. ImK eigentlichen Norden jenſeit des Harzes ſowie im ganzen Südweſten Deutſchlands fehlen ſonach die Grauwackenbildungen an der Oberfläche gänzlich. Sie ſind beſchränkt auf eine breite, aus ſechs Einzelgebieten beſtehende Zone in Mitteldeutſchland und auf eine zweite aus fünf Gebieten beſtehende in den öſtlichen Alpen. Kohlenkalkſteine. §. 80. Dieſe aus Kalkſtein, Mergel und Schiefer beſtehende For⸗ mation tritt nur im nordweſtlichen Deutſchland einigermaßen zu⸗ ſammenhängend auf. Sie iſt hier nördlich angelehnt an das große rheiniſche Grauwackengebiet und ſinkt bald unter neuere Steinkohlengebilde ein. Sie iſt den Grauwackenbildungen ſo ähnlich, daß man ſie früher damit verwechſelt hat. Dieſer Um⸗ ſtand macht die ſporadiſchen Vorkommniſſe des Kohlenkalkſteins in dem Grauwackengebiet der Gegend von Hof und bei Kunzen⸗ dorf in Schleſien, die man nur durch Verſteinerungen als ſolche erkannt hat, für unſere Zwecke ganz unwichtig. Weiter ſüdlich iſt noch keine Spur von Kohlenkalkſtein gefunden worden. — 58ñ— Steinkohlengruppe. §. 81. Sie beſteht in Deutſchland aus der Steinkohlenforma⸗ tion und dem Rothliegenden, die meiſt ziemlich deutlich von— einander geſchieden ſind. §. 82. Die erſtere tritt in 13 voneinander iſolirten Gebieten auf, beſteht aber überall aus einem vielfachen Wechſel von grauem Sandſtein und Schieferthon(Kohlenſandſtein und Kohlenſchiefer) mit Einlagerungen von Steinkohlen und ſeltener auch von Thon⸗ eiſenſtein. Keine andere Formation erweiſt ſich durch ihren ma⸗ teriellen Beſtand ſo einflußreich auf das locale Leben, keine ruft eine ſo vielfache und dicht gedrängte Induſtrie an der Oberfläche hervor als dieſe. Das wird ſich bei Betrachtung der Einzel⸗ gegenden noch ganz beſonders deutlich herausſtellen. Sehr oft finden ſich die Kohlenbildungen in becken⸗, mulden⸗ oder bucht⸗ förmigen Vertiefungen der einſtigen Oberfläche eingelagert und ſelbſt die gegenwärtige Oberfläche zeichnet ſich häufig durch ähnlich geformte Einſenkungen aus, was theilweiſe von der urſprünglichen Lagerung, theilweiſe aber auch von der relativ leichtern Zerſtörbar⸗ keit ihrer Geſteine herrühren mag. Die vorherrſchenden Geſteine der Kohlenformation liefern überdies einen fruchtbaren Boden, ſind indeſſen ſo oft von Rothliegendem überdeckt, daß die an der Ober⸗ fläche von ihnen eingenommenen Gebiete meiſt nur ſehr klein ſind. Die Wirkung der Kohlenlager dehnt ſich aber nicht nur an der Oberfläche weit über den Flächenraum hin aus, mit welchem ſie dieſelbe berühren, ſondern ſie reicht auch, wo ſie gar nicht hervor⸗ ragen, noch durch ziemlich mächtige Bedeckungen herauf. Wie die Pole eines ſtarken Magnets ſelbſt durch eine Tiſchplatte Eiſenfeil— ſpäne local gruppiren, ſo ruft ein Kohlenlager durch mehre hundert Fuß mächtige Schichten hindurch, wenn es bergmänniſch aufge⸗ ſchloſſen iſt, Anhäufungen induſtrieller Bevölkerung hervor. §. 83. Die wichtigſten Steinkohlengebiete Deutſchlands ſind folgende: nforma⸗ ten auf grauen ſchiefer Thon⸗ en ma⸗ e ruft flache inzel⸗ ſr oft bucht⸗ t und ähnlich glichen törbar⸗ jeſteine n, ſind Ober⸗ mſind. an der hem ſie hervor⸗ Wie die iſenfei⸗ hunder aufge ‧ lgende. — 59— 1) Das Steinkohlengebiet von Aachen iſt nur eine Fort⸗ ſetzung des großen und überaus wichtigen belgiſchen Gebietes auf deutſchem Boden. In der breiten Bucht des Roer⸗ und Rheinthales iſt daſſelbe von Molaſſe und Diluvialbildungen überdeckt, tritt aber dann nordöſtlich als 2) Ruhrgebiet zwiſchen Elberfeld und Dortmund wieder an die Oberfläche hervor, zu einem reichen induſtriellen Leben um ſo mehr Veranlaſſung gebend, da hier wie dort auch mancherlei Erzlagerſtätten ſich in der Nähe finden. Als eine weitere Fortſetzung derſelben Kohlenablagerung in nordöſtlicher Richtung kann man 3) die Steinkohlenbildungen bei Ibbenbühren unweit Osna⸗ brück anſehen, die aber durch die weite, mit Kreide und Molaſſe erfüllte Bucht von Münſter, oberflächlich davon geſchieden ſind. Charakteriſtiſch für dieſe drei unterirdiſch wahrſcheinlich zuſammen⸗ hängenden Gebiete iſt es, daß in ihnen die Kohlenformation nicht von Rothliegendem bedeckt iſt, wie ihnen auch die damit gewöhn⸗ lich verbundenen Porphyre fehlen. Die wahrſcheinlich unterirdiſch ebenfalls zuſammenhängende große thüringiſche Kohlenbildung tritt wieder beſonders in drei Ge⸗ genden an den Rändern dieſer weiten Mulde zur Oberfläche hervor: 4) im Thüringer Walde bei Winterſtein, Kleinſchmalkalden, Ilmenau, Amt⸗Gehren und Neuſtadt; 5) bei Ihlefeld am Harz und 6) bei Wettin und Löbejün unweit Halle. In allen drei Gegenden innig mit dem dick bedeckenden Rothliegenden verbunden und vielfach von Porphyren unter⸗ brochen oder ſogar durchſetzt. Das unbedeutende Auftreten der Kohlenformation und des Rothliegenden weſtlich von Magdeburg und am nördlichen Harz⸗ rande will ich hier nur der Vollſtändigkeit wegen erwähnen. Techniſche Wichtigkeit hat daſſelbe noch nicht gewonnen. Die ſächſiſche Steinkohlenbildung finden wir in zwei ganz voneinander abgeſonderten beckenförmigen Gebieten: — 60— 7) zwiſchen Zwickau und Hainichen größtentheils von Roth— liegendem überlagert, nur in den Ecken und an den Rändern der langen und ſchmalen ſogehauniten erzgebirgiſchen Mulde her⸗ vortretend; 8) in der kleinen Mulde von Potſchappel bei Dresden, deren Längenaxe das gegenwärtige Weißeritzthal beinahe recht⸗ winkelig durchſchneidet. Hier wie bei Zwickau von quarzfreien Porphyren begleitet. In Schleſien ſind wieder zwei abgeſonderte Kohlengebiete zu unterſcheiden, und zwar: 9) das Kohlengebiet in der muldenförmigen Einſattelung zwiſchen dem Rieſengebirge und den Sudeten, in welchem beſon⸗ ders bei Waldenburg die Steinkohlen von Porphyren durchſetzt und begleitet ſind, ſowie. 10) das Kohlengebiet zwiſchen Tarnowitz und Krakau. 11) In Mähren tritt in den Umgebungen von Brünn die Kohlenformation in geringer Entwickelung unter dem Rothliegen⸗ den hervor. 12) In Böhmen finden wir mehre kleine, urſprünglich zu⸗ ſammengehörige Steinkohlengebiete in Vertiefungen der Grau⸗ wackengeſteine zwiſchen Mies und Przibram eingelagert, denen die gewöhnliche unmittelbare Decke von Rothliegendem fehlt. Ganz im Weſten Deutſchlands finden wir nun noch 13) das große und reiche Steinkohlengebiet zwiſchen Saar⸗ brück und Bingen am ſüdöſtlichen Fuß des Hundsrück, in wel— chem ſchon mehr als 100 einzelne Kohlenflötze gezählt worden ſind. §. 84. Alle dieſe Kohlengebiete liegen in einer breiten Zone, welche von Weſt nach Oſt in der Grenzregion von Nord und Süd ſich quer durch Deutſchland hindurchzieht. Südlich davon ſind nur höchſt unbedeutende Spuren der Kohlenformation an den Rän⸗ dern des Schwarzwaldes und an der Stangenalpe in Steier⸗ mark bekannt. — Üihher von Rott n Nända Mulde 3 Dresda nahe rett quarzftein hlengebien ſottelung m beſon⸗ urchſett u. ünn dir thliegen⸗ glich zu r Grau⸗ t, denen fehlt. j en Sarr in wee nden ſid ne, welh Sid ſih ſind nu den Run⸗ n Stein — 61— §. 85. Das Rothliegende als die nächſte Decke der Kohlenforma⸗ tion iſt in Deutſchland auch ihr gewöhnlicher Begleiter. Nur in den drei nordweſtlichen Kohlengebieten fehlt es, wie wir geſehen haben, gänzlich und in den Alpen iſt es mindeſtens noch nicht nachgewieſen; ſonſt finden wir es am Harz, am Thüringer Walde, bei Halle, bei Zwickau und Chemnitz, im Potſchappler Kohlen⸗ becken, bei Waldenburg, bei Brünn, am Hundsrück wie am Schwarzwald innig mit den Kohlenbildungen verbunden, ja die thüringiſchen und ſchleſiſchen Kohlenablagerungen werden ſogar von einigen Geologen ihm noch zugerechnet. Daſſelbe tritt in— deſſen auch in einigen Regionen auf, wo bis jetzt die Steinkohlen⸗ formation noch nicht darunter aufgefunden worden iſt, ſo bei Darmſtadt und im Innern Böhmens. Hier nämlich bildet es drei ziemlich große Gebiete in einiger Entfernung von den Stein⸗ kohlenmulden bei Kriegern, bei Schwarz⸗Koſteletz und am ſüd⸗ lichen Fuße des Rieſengebirges. §. 86. Daſſelbe beſteht vorherrſchend aus mächtigen braunrothen Conglomeratſchichten, wechſelnd mit röthlichem Sandſtein und Schieferthon; als ſeine untere Abtheilung treten indeſſen zuweilen auch weniger roth gefärbte thonigere und ſelbſt kohlenhaltige Ge⸗ ſteine auf, ſo bei Oſchatz in Sachſen und bei Liebenau in Böhmen. §. 87. Der Boden, den es bildet, iſt meiſt ſehr uneben und mehr zu Wald⸗ als zu Feldceultur geeignet. Seine feinkörnigern Con⸗ glomerate werden hier und da zu Mühlſteinen benutzt, auch ent⸗ hält es zuweilen bauwürdige Kalkſteinlager. Zuweilen wird es von Eiſenerzgängen durchſetzt. §. 88. Schließlich mag hier noch erwähnt werden, daß am weſt⸗ lichen, bairiſchen Abhang des Böhmer Waldes Steinkohlengebilde — 62— und Rothliegendes vorzukommen ſcheinen, die aber noch nicht näher bekannt ſind. §. 89. Die Zechſteinformation beſteht von oben nach unten aus folgenden einzelnen Gliedern: a) Stinkſtein, Dolomit, Gyps und Steinſalz in unregelmäßi⸗ ger Form miteinander verbunden; b) Stinkſtein(eigentlicher Zechſtein) regelmäßig geſchichtet und übergehend in c) bituminöſen Mergelſchiefer, welcher in ſeiner unterſten circa 1 Fuß mächtigen Lage oft Kupfererze enthält und dann Kupferſchiefer genannt wird; d) Weiß⸗ oder Grauliegendes, ein zuweilen Kupfererze ent⸗ haltender, oft conglomeratartiger Sandſtein von geringer Mächtigkeit, der ſich durch ſeine meiſt hellgraue Färbung deutlich von dem zuweilen darunter folgenden Rothliegen⸗ den unterſcheidet. §. 90. Am Thüringer Walde werden dieſe Glieder überdies noch von unregelmäßig gang⸗ oder ſtockförmigen Maſſen von Spath⸗ und daraus entſtandenem Brauneiſenſtein unterbrochen oder durch⸗ ſetzt, während in denſelben Gegenden, in Heſſen und ſeltener auch am Harzrande ſchmälere kupfer⸗, kobalt⸗ und ſilbererzhaltige Gänge die Schichten durchſchneiden und vielfach verwerfen. §. 91. Einige dieſer Beſtandmaſſen der Formation ſind von großer techniſcher Bedeutung. Sie iſt in dieſer Zuſammenſetzung eine norddeutſche, faſt nur auf Thüringen, Franken und Heſſen be⸗ ſchränkte Localbildung. Im eigentlichen Süddeutſchland und am Rhein fehlt ſie ganz und iſt durch keinerlei Ablagerung vertreten. Im Königreich Sachſen und in Schleſien ſind nur ein paar Glieder derſelben in geringer Verbreitung aufgefunden. Weiter gegen Oſten, im Innern Rußlands hat man das ſogenannte Permiſche Syſtem als dem Alter nach ihr ungefähr entſprechend erkannt, — noch ſict nach unn rregelmiſ⸗ ichtet id rſten cirn und dam tze ent⸗ geringer zärbung thliegen⸗ dies noch Spat⸗ eer durc⸗ ener auch ge Gäng großer ng eine ſſen be— und am ertreten. Glieda r gegen dermiſcht erkannt, — 63— aber von ganz anderer Geſteinszuſammenſetzung als den deutſchen Zechſtein. Auch gegen Norden reicht die Formation nicht über die Harzgegenden hinaus, doch finden ſich in dem New red sand- stone Englands einige Schichten wieder(Magnesian limestone), die der deutſchen Zechſteinbildung zu entſprechen ſcheinen. §. 92. Dieſe eigenthümlichen Ablagerungen von geringer Mächtig⸗ keit zwiſchen zwei ſehr abweichenden ganz mechaniſch gebildeten, aus rothen Conglomeraten und Sandſteinen beſtehenden Forma⸗ tionen treten auch in ihrem Hauptgebiet nirgends mit großer Flächenausdehnung an die Oberfläche, ſondern zeigen ſich haupt⸗ ſächlich nur an den Rändern des Harzes und des Thüringer Waldes, wo ihre Schichten oft ſtark aufgerichtet einen ſchmalen Saum bilden, und am Oſtrand des rheiniſchen Grauwacken⸗ gebietes bei Marsberg und ſüdlich von Korbach. Außerdem treten ſie noch an einigen Stellen in Folge von localen Erhebungen oder von Zerſtörung der früher darüber vorhanden geweſenen Schich⸗ ten hervor, ſo bei Artern und Frankenhauſen in Thüringen, bei Riegelsdorf, Allendorf und in den Umgebungen von Hanau in Heſſen und bei Aſchaffenburg. §. 93. Der Einfluß dieſer Formation auf die Geſtaltung der Ober⸗ fläche iſt ein ſehr geringer, doch bilden die Dolomit⸗ und Gyps⸗ maſſen an den Rändern des Harzes, des Thüringer Waldes und an der Südſeite des Kyffhäuſer einige auffallende Fels⸗ und Hügel⸗ gruppen, die ſich ſehr von ihren Umgebungen unterſcheiden. Die wenigen Spuren des Zechſteins zwiſchen Werdau, Altenburg und Rieſa in Sachſen ſind faſt ganz ohne Einfluß, und auch die ſchmale Zone bei Löwenberg in Schleſien verdient nur wegen ihrer Gypseinlagerung der beſondern Erwähnung. So gering aber auch der Einfluß der Zechſteinbildung auf die Oberflächengeſtaltung und Bodenbildung iſt, ſo wird ſie doch — 64— ſehr bedeutungsvoll durch die Ausbreitung der mit ihr verbunde⸗ nen Erze, Steinſalz⸗ und Gypsmaſſen. §. 94. Die Triasgruppe beſteht von unten nach oben aus den Formationen: Buntſandſtein, Muſchelkalk und Keuper. Sie nimmt im Weſten Deutſchlands große zuſammenhängende Gebiete ein und zeigt ſich in geringerer Ausdehnung auch in Schleſien und im In⸗ nern der Alpen. Dagegen ſcheint ſie gänzlich zu fehlen in Böhmen, Mähren und dem Erzherzogthum Oeſterreich. So ſehr auch ihre ein⸗ zelnen Formationen zuſammengehören, wird es doch gut ſein, die⸗ ſelben jede für ſich zu beſprechen, da ſie petrographiſch ſehr verſchie⸗ den ſind und in Folge davon auch einen ſehr ungleichen Einfluß auf das Leben ausüben. §. 95. Der Buntſandſtein beſteht ganz vorherrſchend aus fein— körnigen, meiſt röthlich oder gelblich gefärbten Sandſteinſchichten, nur local finden ſich zwiſchen denſelben Rogenſteinablagerungen, ſowie etwas allgemeiner verbreitet über und unter ihnen bunte Schichten von Schieferthon mit Gyps, ſelten mit Steinſalz⸗ einlagerungen. Wo alle dieſe Bildungen vorhanden ſind, beſteht die Formation ſonach von oben nach unten aus folgenden ein⸗ zelnen Gliedern: a) Rothe und grünliche Schieferthone oder Schiefermergel wech⸗ ſeln miteinander und enthalten dünne Hornſtein⸗ und Faſer⸗ gypslagen. Man hat dieſes obere Glied Röth genannt. b) Eine 20— 30 Fuß mächtige Gypsbank, in welcher auch Steinſalz gefunden worden iſt. c) Hellfarbiger Sandſtein. d) Rother, oft mit Schieferthon wechſelnder Sandſtein, brtlich Rogenſteinſchichten enthaltend. e) Mächtige rothe Sandſteinſchichten. f) Braunrother Schieferthon. verbunde maus da die nimmt te ein ud d im Ir Böhmen, ihre ein ſein, die verſchie⸗ fuuß auf us fein⸗ ſchichten, gerungen en bunte teinſalz „beſteht den ein⸗ ggel wet⸗ nd Faſer genann. cher auc n, örlich §. 96. Die Oberflächenformen des bunten Sandſteins ſind in der Regel etwas monoton und ſeine Fruchtbarkeit iſt gering, die ganze Oberflächenbildung mehr für Wälder als für Felder und Wieſen geeignet. Er enthält nur wenig nutzbare Einlagerungen, beſondere locale Erſcheinungen, wie die Erzbildung bei Commern, das Steinſalz in Nordweſtdeutſchland und die Porzellanerde am Thüringer Walde ausgenommen, hauptſächlich nur Gyps, gute Bauſteine, Dachſteine, ſowie hier und da Mühlſteine und Schleif⸗ ſteine. §. 97. Das größte zuſammenhängende Gebiet bildet der Buntſand⸗ ſtein zwiſchen dem Harz, Thüringer Wald, Odenwald und dem rheiniſchen Grauwackenplateau. Hier erreicht die Formation zu⸗ gleich ihre größte Mächtigkeit und ſetzt faſt für ſich allein die ein⸗ förmige waldbedeckte Anſchwellung des Speſſart zuſammen. §. 98. Aber von dieſem großen Hauptgebiet, welches nur hier und da von neuern Formationen(beſonders breiten Muſchelkalkplatten) überdeckt und von Baſalten durchbrochen iſt, verzweigen ſich Arme in die Weſerketten, um den Harz herum, nach dem Innern Sachſens, an den ſüdlichen Fuß des Fichtelgebirges, an den Schwarzwald und jenſeit des Rheinbeckens, wo faſt das ganze Haardtgebirge und ein großer Theil der Vogeſen aus buntem Sandſtein beſteht. Dieſe Arme beſtehen zum Theil aus langen, mehr oder minder breiten Streifen, die durch Aufrichtung von benachbarten Gebirgsketten aus ſo bandförmig hervortreten. Dann findet ſich mehr iſolirt ein Streifen dieſer Formation am nordöſtlichen Fuß des Rieſengebirges und zwei ähnliche, aber petrographiſch ſehr abweichende, im Innern der deutſchen Alpen unmittelbar auf Grauwackenbildungen gelagert. Ganz Böhmen, Mähren und das Erzherzogthum Oeſterreich ſind frei davon. Cotta, Deutſchlands Boden.. 5 §. 99. Der Muſchelkalk beſteht, wo er, wie z. B. in Schwaben, recht vollſtändig entwickelt iſt, von oben nach unten aus folgen⸗ den Gliedern, die ſich mehr oder minder deutlich auch in Thü⸗ ringen wieder finden: a) Grauer, zuweilen dolomitiſcher Kalkſtein und Mergel. Darin einzelne feſtere, beſonders verſteinerungsreiche Schichten, z. B. der Encrinitenkalk und der Ceratitenkalk. b) Anhydrit, Gyps, Steinſalz und Salzthon; c) Wellenkalk, dünn und wellig geſchichteter Kalkſtein und Do⸗ lomit, oft mit Mergelzwiſchenlagen und mit einzelnen dickern, feſtern, beſonders verſteinerungsreichen Bänken(Terabratula⸗ kalk, Mehlbatzen). §. 100. Unter dieſen Gliedern iſt natürlich das mittlere von vorzugs⸗ weiſer techniſcher Wichtigkeit. Einen ähnlichen Rang nehmen aber auch die mehr localen Galmei⸗, Bleiglanz⸗ und Eiſenſteineinlage⸗ rungen ein, welche der Muſchelkalk in Oberſchleſien und in Baden enthält. §. 101. Die mächtigen und dichten Kalkſteinplatten dieſer Formation, der obere wie der untere Muſchelkalk bilden ſehr häufig breite und ebene Hochplateaus oder kantige Rücken, beide mit ſteilen Rändern. Dieſe Flötzplatten liegen, oft ganz von weitem als ſolche erkennbar, auf dem niedern mehr undulirten Boden des Sandſteins, über dem ſie ſich wie lange Felsmauern oder mehr iſolirt, feſtungsartig erheben. Sowol die unbedeckten Kalkplateaus als ihre ſteilen Ränder ſind waſſerarm, wenig fruchtbar und darum von Wohnorten ſehr gemieden, zuweilen dagegen von ausgezeichnet ſchönen Buchenwaldungen bedeckt. §. 102. Folgende ſind die wichtigſten Verbreitungsgebiete des Muſchel⸗ kalks in Deutſchland, wo er nur ausnahmsweiſe unmittelbar auf alterer Unterlage als bunter Sandſtein gefunden wird: chwahg, z folgen in Thü . Dauin en,z8 und Do⸗ dickern ratula⸗ rzugs⸗ —aber inlager Baden mation, breit ſtein em als en des rmehr ateaus darum eichnet euſchel⸗ ar auf — 67— 1) Das größte zuſammenhängende Gebiet bildet derſelbe öſt⸗ lich vom Speſſart und Odenwald, zwiſchen dem Neckar und Main und von da bis zur Werra hinüber. Die Flötzplatte liegt hier weſtlich auf buntem Sandſtein und ſenkt ſich öſtlich ſanft unter Keuperbildungen ein. 2) Von dieſem größten Gebiet aus erſtreck ſich die Forma⸗ tion, ſüdlich vielfach von Keuper überdeckt, durch das ganze flach⸗ hügelige Gebiet zwiſchen dem Odenwald, dem Schwarzwald und der Schwäbiſchen Alp bis nach Laufenburg am Rhein. 3) Als ſchmaler, hier und da unterbrochener Saum um⸗ gibt der Muſchelkalk den Schwarzwald auch auf ſeiner badiſchen Weſtſeite. 4) Wir finden ihn dann wieder an den Rändern des Haardt⸗ waldes, ſowol öſtlich als weſtlich, und von dieſer Weſtſeite ver⸗ zweigt er ſich nördlich am linken Ufer der Saar über das Moſel⸗ thal hinaus bis zum Fuß der Eifel. 5) In Franken und Heſſen, zwiſchen der Fulda und Werra, lagern iſolirte Muſchelkalkplateaus, oft von Baſalten durchſetzt, auf dem breiten Hügelgebiet des bunten Sandſteins. 6) Oeſtlich dehnen ſich von hier theils als Ausläufer des unter 1) genannten Hauptgebietes mehre ſchmale Streifen bis zum ſüdweſtlichen Fuß des Fichtelgebirges aus. 7) Im Thüringer Becken bildet der Muſchelkalk eine im Großen ſchildförmige Platte auf der Unterlage des Buntſandſteins, deren nach oben gekehrte concave Seite mehre kleinere Keuper⸗ mulden trägt und die ſich randlich mehrfach auszweigt, z. B. nach Halle und nach Göttingen hin. 8) Ein ziemlich großes, nur theilweiſe von Keuper bedecktes Gebiet, findet ſich dann mehr weſtlich zwiſchen der Weſer und der Gegend von Paderborn. 9) Von ihm aus durchziehen mehre Streifen in der Richtung von Südoſt nach Nordweſt die Weſerketten und den Teuto⸗ burger Wald. 10) In dem Hügellande nördlich vom Harz finden wir aber⸗ 5*⁵ — 68ñ— mals einige parallele Streifen und kleine oblonge Gebiete bis zur Aller und Saale. 11) In Oberſchleſien bedeckt ein ziemlich ausgedehntes Ge⸗ biet die Kohlenformation zwiſehen Krakau und der Oder. End⸗ lich ſind nördlich noch 12) die iſolirten Muſchelkalkpartien zu erwaͤhnen, welche in der norddeutſchen Niederung ſehr vereinzelt aus den Diluvialgebilden hervortreten, dadurch die unterirdiſche Fortſetzung der Formation andeuten und wegen ihres Iſolirtſtehens zu ganz beſonderer Aus⸗ nutzung Veranlaſſung geben, ſo bei Wehrau in der Lauſitz, bei Rüdersdorf unweit Berlin, zwiſchen der Milde und dem Au⸗ graben und bei Lüneburg. Nach einer großen Unterbrechung treten dann 13) ſüdlich im deutſchen Alpengebiet, ſowol in den nörd⸗ lichen als in den ſüdlichen Kalkalpen, ſehr mächtige Muſchelkalk⸗ bildungen auf, die aber noch nicht ſcharf von den neuern Kalk⸗ ſteinbildungen des alpiniſchen Keuper und der Juragruppe haben geſondert werden können, und die wir deshalb mit ſammt ihren nutzbaren Einlagerungen von Erzen, Steinſalz und Marmorarten in dem ſpeciellen Theile unter der etwas unbeſtimmten Benen⸗ nung Alpenkalkſtein ſchildern müſſen. §. 103. Die Keuperformation erreicht das Maximum ihrer charak⸗ teriſtiſchen Entwickelung in Baiern und Württemberg. Sie be⸗ ſteht hier von oben nach unten aus folgenden Hauptgliedern: a) Kalkſtein und Thon(faſt nur in Württemberg); b) oberer Keuperſandſtein; c) Spuren von Kohlenlagern; d) ſcheckige Sandſteine mit Pflanzenreſten(Bau⸗ oder Schiff ſandſtein) mit Mergel wechſelnd; ) Gyps und Anhydrit mit dolomitiſchem bunten Mergel, zu⸗ weilen auch mit Salzthon oder Steinſalz. f) Flammendolomit und Kalkſtein; g) Lettenkohle; iete bi . En, e in da gebidda rmation er Aus⸗ it, bi m Au⸗ nörd⸗ elkalt⸗ Kalk⸗ haben t ihren orarten Benen⸗ charat⸗ Sie be⸗ ern: Schilf⸗ el, zu⸗ — 69— h) Grauer Sandſtein und Schieferthon. Gegen den Norden Deutſchlands iſt die Gliederung eine ein⸗ fachere. In Thüringen kann man nur noch unterſcheiden: a) bunte Mergel mit Lagen von Thonquarz; b) bunte Mergel mit Gypsſtöcken und Schnüren; c) Dolomit⸗ und Kalkfſteinſchichten; d) grauer Sandſtein und Schieferthon mit dem Lettenkohlenflötz. §. 104. Die meiſten dieſer Geſteine ſind ziemlich leicht zerſtörbarer Natur. Dieſer Umſtand, wie die urſprüngliche Einlagerung in Buchten und flache Becken des Muſchelkalkgebiets, bewirkt, daß der Keuper ſelten eigentliche Bergzüge bildet, vielmehr in der Regel ein unebenes Hügelland oder flache Ebenen. Der Boden, der aus ſeinen Sandſteinen und Schieferthonen entſteht, iſt meiſt ſehr fruchtbar, die gypshaltigen Mergel bedürfen aber zuweilen erſt noch der Mengung mit Thon oder Sand, um fruchtbar zu werden; namentlich ſind die aus ihnen beſtehenden Abhänge zu ſehr den Zerſtörungen durch Waſſer ausgeſetzt. Unter den Sand⸗ ſteinen ſind einige gute Bauſteinſchichten, der Gyps wird wie anderer benutzt. Die Kohlenlager dieſer Formation haben ſich noch nirgends recht abbauwürdig gezeigt, auch der Steinſalzgehalt iſt unbedeutend gegen den im Muſchelkalk. §. 105. Die wichtigſten Verbreitungsgebiete der Keuperbildung ſind folgende: 1) Eine breite, flachhügelige, zum Theil ſogar ebene Zone zwiſchen dem Muſchelkalk und den Juraablagerungen Württem⸗ bergs, Badens und Baierns. Schmal beginnend bei Laufenburg am Rhein, bei Tübingen ſich mehr ausbreitend, jenſeit Stuttgart durch darunter hervortretenden Muſchelkalk etwas unterbrochen, dann aber mit beinahe gleich bleibender Breite fortſetzend über Nürnberg und Bamberg bis Koburg, von hier etwas ſchmäler — 70— auf der Oſtſeite des Jurahöhenzugs über Baireuth bis beinahe nach Amberg. 2) In geringer Ausdehnung finden wir den Keuper auch an der Süd⸗ und Weſtſeite des Schwarzwaldes. 3) In Thüringen füllt er, wie erwähnt, mehre flache Becken des ſchildförmigen Muſchelkalkgebietes aus. 4) In Weſtfalen nimmt er weſentlichen Antheil an der Zu⸗ ſammenſetzung der Weſerketten und des Teutoburger Waldes. 5) Nördlich vom Harz bildet er, wie der Muſchelkalk, mehre ſchmale Streifen und kleine Gebiete zwiſchen den andern wellen— förmig erhobenen Flötzbildungen dieſer intereſſanten Gegend. §. 106. Oeſtlich vom 10. pariſer Längengrad, welcher ungefähr dem Meridian von Leipzig entſpricht, iſt die echte Keuperformation in Deutſchland nicht bekannt. Wir ſehen ſie demnach weit zurück⸗ bleiben hinter der Ausbreitung des Muſchelkalks, an deſſen Auf⸗ treten ſie im Uebrigen beinahe gebunden erſcheint. Vom Bunt⸗ ſandſtein ausgehend, ſcheinen die wirklichen(aber nicht die zu Tage liegenden, ſondern zum Theil unterirdiſchen) Verbreitungs⸗ gebiete der Triasgebilde gegen oben immer geringer zu werden, was theilweiſe allerdings von Zerſtörungen der obern bedeckenden Ablagerungen herrühren mag. §. 107. Wie Buntſandſtein und Muſchelkalk, ſo iſt auch die Keuper⸗ formation im deutſchen Alpengebiet zwar vertreten, ihrer ganzen Natur nach aber noch abweichender als jene. Statt einer ſand⸗ ſtein⸗, thon⸗ und mergelreichen Küſtenbildung finden wir hier durchaus marine, vorherrſchend kalkige Geſteinsſchichten, welche durch nichts, ſelbſt nicht durch die organiſchen Reſte ihren wahr⸗ ſcheinlichen Aequivalenten, den Keuperbildungen im übrigen Deutſch⸗ land, gleichen. Man hat ſie daher nur durch ihre Lagerung zwi— ſchen Schichten, die einerſeits dem Muſchelkalk und andererſeits der Juragruppe zugehören, als wahrſcheinliche Aequivalente der Kal Ec vor beinihe der auch Becken der zl des. mehr. wellen⸗ teuper⸗ ganzen ſand⸗ hier welche wahr⸗ eutſch⸗ g zwi⸗ rerſeits nte de — 71— Keuperbildung erkennen können. Wir werden dieſelben in der Schilderung des Alpengebiets näher kennen lernen. §. 108. Die Juragruppe beſteht aus den beiden Formationen Leias (Lias) und Jura, welche faſt überall zuſammen gefunden werden. In Deutſchland umſäumt dieſelbe in einem weiten Umkreiſe das Rheinland, welches, wie L. v. Buch gezeigt hat, während ihrer Ablagerung eine große Halbinſel mit einigen einſpringenden Buchten gebildet haben mag, denn ſeine Umſäumung wird noch vollſtändiger, wenn wir zugleich die Verbreitung der Formation in der Nordſchweiz und in Frankreich ins Auge faſſen. Außer⸗ dem bildet ſie ein großes Gebiet in Oberſchleſien und Polen und tritt, in der Alpenkette innig mit den Triasbildungen verbunden, als ſogenannter Alpenkalkſtein ſehr mächtig entwickelt auf. Dem Königreiche Sachſen, dem weſtlichen Schleſien, Böhmen und dem Erzherzogthume Oeſterreich ſcheint ſie faſt ganz zu fehlen und wie die Trias⸗ und Zechſteinbildungen von jeher gefehlt zu haben, Letzteres vielleicht mit Ausnahme von Sachſen. §. 109. Ihre beiden Formationen ſind ſo innig verbunden, daß wir ſie hier gemeinſam betrachten können. Die normalſte Gliederung von oben nach unten iſt in Deutſchland folgende: a) Weißer Jura, beſtehend aus hellfarbigen Kalkſteinen, Rogen⸗ ſtein und Dolomit, zuweilen mit weißen Thonzwiſchenlagen; b) brauner Jura, beſtehend aus bräunlichem Thon, gelbem, brau⸗ nem und zum Theil ſehr eiſenreichem Sandſtein mit Einlage⸗ rungen von meiſt oolithiſchem Thon⸗ oder Brauneiſenſtein; c) ſchwarzer Jura oder Leias, beſtehend aus dunklem bitumi⸗ nöſen Mergelſchiefel, dunklem bituminöſen Kalkſtein, Thon und Sandſtein. §. 110. Der obere oder weiße Jura bildet meiſt eine feſte Felsplatte, welche als ſolche plateauartig die andern Schichten überlagert. — 72— Die Geſteine derſelben liefern gutes Baumaterial und örtlich zur Lithographie geeignete dichte Kalkſteinplatten. In Zerſpaltungen und Höhlenräumen dieſer Abtheilung werden oft große Anhäufun⸗ gen von nutzbarem Bohnerz gefunden. Die Fruchtbarkeit des Bodens iſt durchſchnittlich nicht groß, namentlich ſind die kleinen Hochplateaus, wie die des Muſchelkalks, oft ſehr waſſerarm und in Folge davon von Orten gemieden. §. 111. Die mittlere oder braune Abtheilung bildet ſanftere Abhänge unter der Felsplatte oder, unbedeckt, ein fruchtbares Hügelgebiet. Techniſch wichtig ſind namentlich in der Schwäbiſchen Alp die darin enthaltenen Eiſenſteinlager. §. 112. Die unterſte Abtheilung oder der Leias bildet faſt überall flache Gebiete von großer Fruchtbarkeit. Seine Geſteine dienen zum Theil als gute Bauſteine, beſonders die Sandſteine, und aus den ſehr bitumenreichen Schiefern kann man Asphalt gewinnen. §. 113. Die wichtigſten Verbreitungsgebiete dieſer drei Juraglieder, die faſt ſtets zuſammen vorkommen, der Art, daß das oberſte die übrigen größtentheils überdeckt, ſind folgende: 1) Das größte und mächtigſte Juragebiet Deutſchlands iſt das, welches Württemberg und Baiern quer durchzieht. Daſſelbe bildet mit ſeinem Südweſttheile die ſogenannte Rauhe oder Schwä⸗ biſche Alp, in welcher, obwol ſie ein Gebirge bildet, außer einigen unwichtigen Baſaltkuppen keinerlei Eruptivgeſteine zu Tage treten. Der braune und ſchwarze Jura kommen hier nur an dem ſteilen Nordweſtabhang zum Vorſchein, während der flache Südoſtabfall ganz aus der weißen Felsplatte beſteht. Dieſes Gebiet verlängert ſich dann in ähnlicher Weiſe nur niedriger und in einem großen Bogen längs der Donau bis Regensburg und von da nördlich bis beinahe nach Koburg. tlich zur Altunge häufm. keit de ekleinn arm und lbhänge lgeebiet. p die überall dienen nd aus vinnen glieder oberſt de iſ aſſelhe chwi⸗ inigen treten. ſteilen tabfall ängert großen ördlich — 73— 2) In das breite Rheinthal ſind nur ein paar kleine Par⸗ zellen der Juragruppe vielleicht als theilweiſe Ausfüllungen von Meeresbuchten eingedrungen; die nördlichſte berſelben liegt immer noch ſüdlich vom Neckar. 3) Im ganzen Thüringer Becken ſind ebenfalls nur ein paar unbedeutende Ueberreſte der unterſten Abtheilung dieſer Gruppe, bei Gotha und Eiſenach, hängen geblieben, als Zeugen einer frü⸗ her hier allgemeinern Leiasbedeckung. 4) An der Zuſammenſetzung der Weſerketten und des Teuto⸗ burger Waldes nehmen auch Juraſchichten einen entſchiedenen An⸗ theil, und ebenſo breiten ſie ſich 5) in dem Hügelland nördlich vom Harz mehrfach in ge⸗ krümmten Streifen aus. Dann tritt öſtlich eine große, vielleicht durch Zerſtörungen und neuere Bedeckungen entſtandene Lücke ein, in welcher nur 6) bei Hohenſtein in Sachſen höchſt unbedeutende Spuren der Juraformation in abnormer merkwürdiger Lagerung aufge⸗ funden worden ſind. 7) In Oberſchleſien finden wir dagegen zwiſchen der Oder und Wartha wieder ein großes flaches, auch weit nach Polen hineinreichendes Gebiet, welches, wie in der Schwäbiſchen Alp, durch Eiſenſteineinlagerungen wichtig iſt. Von vereinzelten Spu⸗ ren der Jurabildung im norddeutſchen Diluvialgebiet wird im ſpeciellen Theile weiter die Rede ſein. 8) Einige inſulare Ablagerungen als Vorpoſten der karpa⸗ tiſchen Juraſchichten finden ſich in den Umgebungen von Brünn. 9) In den nördlichen und ſüdlichen Kalkalpen ſpielen die Glieder dieſer Gruppe eine ſehr wichtige Rolle, ſind jedoch noch nicht hinreichend ſcharf von den ältern Schichten des Alpenkalk⸗ ſteins geſondert. §. 114. Die Wieldenformation iſt eine nicht marine Bildung zwiſchen der Jura⸗ und Kreidegruppe. Sie tritt in Deutſchland mächtig entwickelt nur in Weſtfalen auf, wo ſie in den Weſer⸗ ketten und im Teutoburger Walde mehrfach die Oberfläche erreicht. — 14— Sie beſteht hier vorherrſchend aus Sandſtein und Schieferthon, wird aber techniſch wichtig durch bauwürdige Kohlen⸗ und Eiſen⸗ ſteinlager. Ihre hügelige Oberfläche iſt fruchtbar. §. 115. Die Kreidegruppe pflegt man gegenwärtig in die Neo⸗ com oder Hilsformation, die Quaderformation und die Kreideformation zu theilen. Da aber dieſe Abtheilungen zum Theil innig miteinander verbunden und petrographiſch ſchwer von⸗ einander zu unterſcheiden, daher auch früher oft miteinander ver⸗ wechſelt worden ſind, ſo werde ich ihre nachſtehenden Glieder ge⸗ meinſam betrachten und nur, wo es leicht iſt, örtlich unterſcheiden, dann zugleich Bemerkungen über ihre Geſteinsnatur anfügend: a) Weiße Kreide mit Feuerſteinen; b) Kreidemergel; c) oberer Quaderſandſtein; d) Pläner⸗, Mergel⸗, Kalk⸗ und Sandſtein, Flammenmergel; e) unterer Quaderſandſtein; †) Hilsſandſtein, Hilsconglomerat und g) Hilsthon. §. 116. Die Kreidebildungen finden ſich in Deutſchland in zwei Zo⸗ nen vertheilt, eine nördliche und eine ſüdliche, die ſich aber öſtlich einander ſehr nähern. In der nördlichen unterſcheiden wir, als an der Oberfläche hervorragend, folgende Hauptgebiete: 1) Die weiße Kreide mit Feuerſteinlagern und Knollen iſt nur an den Nordküſten Deutſchlands bekannt, wo ſie die Fels⸗ riffe der Inſel Rügen und einiger Nachbarinſeln bildet. 2) In der Umgegend von Aachen lagern Mergel und Sand⸗ ſteine, welche obern Abtheilungen der Kreidegruppe angehören, unmittelbar auf den Schichten der Kohlenformation. Sie bilden im Allgemeinen ein fruchtbares Hügelland. 3) Ziemlich dieſelben Glieder treten diesſeit des Rheins in der weiten und flachen Bucht von Münſter auf, an deren Rän⸗ dern ſie namentlich als breiter und flacher Saum unter Diluvial⸗ ffetthen dEſſa⸗ he Neg. und die gen zun der von⸗ der ver der ge⸗ heiden, nd: nergel; vei 3o⸗ öſtüc ir, alo len iſ Fels⸗ Jand⸗ hören, bilden iins in Rän⸗ lluvial⸗ -—— 75— bildungen hervortreten, ſüdlich an die Kohlenformation, nördlich an Juragebilde angrenzend. 4) An der Nordſeite des Teutoburger Waldes, in den Weſer⸗ ketten und nördlich vom Harz treten dann ſehr ausgedehnte und mächtige Kreidebildungen auf, die mit Wielden, Jura, Leias, Keuper, Muſchelkalk und buntem Sandſtein gemeinſam ein eigen⸗ thümliches fruchtbares Hügelland zuſammenſetzen. Die Kreide⸗ bildungen beſtehen hier von oben herein aus Kreidemergel, z. B. am Sudmerberge, oberm Quaderſandſtein, z. B. bei Blanken⸗ burg am Harz, dann aus ſehr hellfarbigem dichten Plänerkalk⸗ ſtein und Mergel, der am nördlichen Harzrande weit ausgedehnt iſt, aus wenig verbreiteten glaukonitiſchen Mergeln, z. B. bei Quedlinburg, aus etwas ſandigem ſogenannten Flammenmergel, aus unterm Quaderſandſtein, Hilsſandſtein, Hilsconglomerat und Hilsthon, welcher letztere z. B. bei Braunſchweig im Großen zur Ziegelbereitung benutzt wird, während der Hilsſandſtein und das Hilsconglomerat, welche aber keineswegs überall aus Sand⸗ ſtein und Conglomerat beſtehen, ſondern auch aus Mergel, ſan— digem Thon, glaukonitiſchem Sand und feſtem Kalkſtein, ört⸗ lich ſich auszeichnen durch Eiſenſteineinlagerungen, ſo bei Salz⸗ gitter. Wir werden dieſe vielerlei Kreideglieder, die oft ſchwer voneinander zu unterſcheiden ſind, in dem ſpeciellen Theile näher kennen lernen. §. 117. Von Deſſau aus öſtlich fehlen die Kreidegebilde bis Meißen in Sachſen, hier aber beginnt 5) das große ſächſiſch⸗böhmiſche Quader⸗ und Plänergebiet, deſſen am meiſten charakteriſtiſche Region die ſogenannte Sächſiſche Schweiz bildet. Daſſelbe reicht weit nach Böhmen hinein und ſeine Zuſammenſetzung ſcheint im Allgemeinen von oben nach unten dieſe zu ſein: a) Oberer Quaderſandſtein, wenig fruchtbare Felsplatten bildend; b) Plänerkalkſtein;. c) Plänermergel; — 76— d) grüner glaukonitiſcher Sandſtein; e) unterer Quaderſandſtein, dem obern höchſt ähnlich. Die drei mittlern Glieder b, c und dà ſind indeſſen nicht überall deutlich entwickelt und dadurch wird dann zuweilen auch die Trennung des obern Quaderſandſteins vom untern ſehr ſchwierig. 6) Von ganz ähnlicher Zuſammenſetzung iſt auch das Quader⸗ gebiet, welches ſüdlich von Waldenburg und Glatz als Heuſcheuer⸗ gebirge die Kohlenformation und das Rothliegende überlagert, ſowie die kleine 7) Quaderſandſteinpartie am nördlichen Fuß des Rieſengebir⸗ ges, welche ſich nach der Lauſitz verzweigt. Jenſeit der Sudeten und des böhmiſch⸗mähriſchen Gebirges beginnt dann die ſüdliche Zone. 8) Bei Brünn in Mähren ragen die karpatiſchen Kreide⸗ bildungen petrographiſch ziemlich abweichend von den nördlichen nach Deutſchland herein. Noch abweichender ſind aber 9) die Kreidegebilde der Alpen, welche als Wiener Sand⸗ ſtein, als Goſauſchichten und als Hippuritenkalkſteine von Wien aus weſtlich vielfach am Nordrand und Abhang der Alpen ge⸗ funden werden, ſowie die, welche 10) das große Kalkgebiet der Juliſchen Alpen bilden mit den techniſch wichtigen Queckſilbereinlagerungen bei Idria. Endlich findet ſich 11) auch im Herzen Deutſchlands noch ein ſehr iſolirtes kleines Quaderſandſteingebiet in der Umgegend von Regensburg. Der Südweſten Deutſchlands iſt frei von Ablagerungen dieſer Periode. §. 118. Die Molaſſegruppe, deren Ablagerungen ſehr gewöhnlich auch als Tertiärgebilde bezeichnet werden, beſteht in Deutſch— land größtentheils aus einer Anzahl localer Gebilde, die man je nach dem Verhältniß der ausgeſtorbenen und noch lebenden Arten darin enthaltener Verſteinerungen ohne alle Rückſicht auf den Geſteinscharakter in die Eocenformation oder untere Mo⸗ ſen ii ilen au ſchwiei Qunder uſcheun⸗ erlagan ſengebi ſebirges Kreide⸗ nlchen : Sand dn Wien lpen ge den mit . iſolirte nsburg n dieſet öhnlich deutſch⸗ ie man lebenden it ai ere M. — 77— laſſe, die Miocenformation oder mittlere Molaſſe und die Pliocenformation oder obere Molaſſe zu ſondern verſucht hat. §. 119. Da dieſe rein geologiſche Eintheilung für unſern Zweck einen weit geringern Werth hat als die Natur der Geſteine in den ein⸗ zelnen Ablagerungen, ſo werde ich die wichtigſten Einzelgebiete derſelben ohne ganz conſequente Rückſicht auf ihre Altersfolge nacheinander vorführen. §. 120. Ich beginne diesmal mit dem 1) Alpengebiet, weil in ihm die ganze Gruppe ſehr voll⸗ ſtändig und mächtig entwickelt iſt. Sie zerfällt hier in folgende Glieder(von oben nach unten): a) Kalkhaltige Schiefer und Süßwaſſerkalkſteine(Pliocen); b) Molaſſe im engern Sinne, beſtehend aus feinkörnigem grauen Sandſtein, grobem Conglomerat(Nagelfluhe), Schieferthon und Mergelſchiefer mit ſehr wichtigen Einlagerungen von Kohlen(Miocen); c) graue Schiefer und Sandſteine, Fliſch, Fucoidenſandſtein, auch wol Wiener Sandſtein genannt, ebenfalls mit Kohlenlagern; d) Nummulitengeſteine, ſowol ſandige als kalkige, mit Ein⸗ lagerungen von Eiſenſtein(Eocen). Oeſtlich im Wiener Becken und deſſen Umgebung geſellen ſich dazu noch Leithakalk, Tegel und loſe Sandſchichten, ſowie in der Gebirgsbucht von Grätz in Steiermark: Braunkohlenſandſtein, Braunkohlen und Grobkalk. Der tertiäre Südrand der Alpen gehört meiſt ſchon zu Italien. Dieſe Ablagerungen bilden eine ungleich breite Zone am nörd⸗ lichen Saum der Alpen meiſt bis zur Donau, die ältern Schich⸗ ten ſind zum Theil noch ſtark mit aufgerichtet, die jüngern drin⸗ gen tief in einige Gebirgsbuchten ein, ohne aufgerichtet zu ſein. Die aufgerichteten Theile bilden meiſt für den ſorgfältigen Anbau zu ſchroffe Formen, dagegen finden wir die neuern als die Grundlage eines äußerſt fruchtbaren Hügellandes, wo nicht ſterile Geröllmaſſen dieſelben überdecken. Die Kohlen⸗ und Eiſen⸗ ſteineinlagerungen werden ſchon jetzt hier und da benutzt, ver⸗ ſprechen aber in Zukunft noch ungleich viel wichtiger zu werden, da ſie eine viel größere Ausdehnung beſitzen, als man früher geahnt hat. Der Tegel hat im Wiener Becken koloſſale Ziegel⸗ brennereien hervorgerufen. Auch an gutem Baumaterial fehlt es in dieſen Ablagerungen nicht. §. 121. Die deutſchen Molaſſebildungen finden ſich außerhalb der Alpen überall noch in ungeſtörter, d. h. nicht local aufgerichteter Lagerung. In den öſtlichen Alpen iſt nur die untere Abtheilung ſtark aufgerichtet, in den weſtlichen(der Schweiz) auch die obere. §. 122. 2) Jenſeit der Donau erſtrecken ſich vom Wiener Becken aus ganz ähnliche Ablagerungen in Mähren bis nach Olmütz, eine tiefe Einſenkung zwiſchen dem böhmiſch⸗mähriſchen Gebirge und den Karpaten ausfüllend. §. 123. 3) Eins der kleinſten deutſchen Molaſſebecken finden wir im Riesgau, dieſer eigenthümlichen Bucht, welche in den bairiſchen Jurahöhenzug eingeſchnitten iſt. Die tertiären Steinbildungen beſtehen aber hier nur aus unzuſammenhängenden Süßwaſſerkalk⸗ ablagerungen ſehr neuen Urſprungs. §. 124. 4) Der ebene Boden des langen Rheinbeckens zwiſchen Baſel und Bingen ſcheint überall Ablagerungen dieſer Gruppe zu ber⸗ gen, aber nur am untern Ende deſſelben haben ſie ſich natur⸗ gemäß mächtig angehäuft und erreichen in beträchtlicher Aus⸗ dehnung die Oberfläche. Sie beſtehen hier im ſogenannten Main⸗ zer Becken aus folgenden Gliedern(von oben nach unten): d Eien tt, de wedda, n friha e Jeegl fehlt s alb da richtetn heilung obere. Becken Olmüt, Gebirge wit in airiſchen ldungen iſeeka⸗ Baſel zu ber⸗ natur⸗ r Aus⸗ Main⸗ 4 — 79— a) Sandſteinſchichten, welche zuweilen Schwerſpath enthalten; b) Thon und Schieferthon mit Braunkohlenlagern, beſonders in der Wetterau ausgebreitet; c) Kalkſteinſchichten mit Meeresmuſcheln; d) Süßwaſſerkalkſtein; 3 e) Mergel und blauer Thonletten mit Braunkohlen; f) Sand und Sandſtein mit Meeresmuſcheln. 5) Im Weſterwald lagern auf dem Grauwackengebiet und vielfach von Baſalt durchbrochen Braunkohlengebilde. 6) Im Vogelsgebirge bildet bunter Sandſtein die Unterlage für Braunkohlenbildungen, die ebenfalls mit Baſalten in naher Beziehung ſtehen. §. 125. 7) Noch ausgedehnter ſind die Braunkohlenbildungen am Habichtswald bei Kaſſel und in einigen benachbarten Gebieten Heſſens, wie am Meißner, wo ebenfalls überall zugleich Baſalte vorkommen und die Braunkohlen durchſetzen. Zugleich ſind hier aber auch kalkige und ſandige Tertiärablagerungen mit Meeres⸗ muſcheln vorhanden. §. 126. 8) In der Röhn finden wir abermals Braunkohlengebilde auf bunten Sandſtein gelagert und von baſaltiſchen Geſteinen begleitet. Dieſelbe Erſcheinung wiederholt ſich dann jenſeit des Fichtelgebirges. §. 127. 9) Am ganzen Nordrand von Böhmen entlang, wo zwi⸗ ſchen Eger und Tetſchen eine große Zahl von zum Theil ſehr guten Braunkohlenflötzen abgebaut wird. Unter den eigentlichen Braunkohlengebilden mit ihren thonigen Geſteinen liegen hier mäch⸗ tige, derſelben Formation zugehörige Sandſteinbildungen, darüber aber oft noch Süßwaſſerkalkſtein und Süßwaſſerkieſel. §. 128. 10) In dem großen Gebiet des flachen nördlichen Deutſch⸗ lands ſcheinen unter der Alluvialdecke überall auch tertiäre Ab⸗ — 80— lagerungen vorhanden zu ſein, die aber nur hier und da frei hervorragen, beſonders an den Rändern und in den Buchten der Gebirge. Die Reihenfolge von oben nach unten iſt hier: a) Locale Meeresablagerungen, theils ſandig, theils kalkig, z. B. die ſogenannten Sternberger Kuchen in Mecklenburg, die ter⸗ tiären Meeresbildungen bei Osnabrück und bei Kaſſel. Viel⸗ leicht auch manche Infuſorienſchalenlager. Zum Theil pliocen. b) Septarienthon, eine ſehr verbreitete Thonbildung mit feſtern MNergel⸗ und Kalkausſcheidungen(Septarien), welche der Braunkohlenformation zuzurechnen iſt. c) Braunkohlenformation, beſtehend aus feſtem Sandſtein, wei⸗ ßem Sand und nutzbarem plaſtiſchen Thon, Schieferthon und oft ſehr mächtigen Braunkohlenlagern. Sie wird von L. v. Buch für miocen, von Andern dagegen mit dem Septarienthon für eocen gehalten. 6§. 129. Die Septarienthone finden ſich beſonders in der Mark Bran⸗ denburg und in Weſtfalen, erreichen aber verhältnißmäßig ſelten die Oberfläche, weshalb auch ihre wahre Ausbreitung noch gar nicht bekannt iſt. Wichtig können ſie werden für arteſiſche Brunnen⸗ bohrungen, da ſie eine das Waſſer ſchwer durchlaſſende Unterlage bilden, auch ſind ſie an ſich als Thon nutzbar. §. 130. Weit beſſer iſt ſchon jetzt die große Ausbreitung der übrigen Glieder der norddeutſchen Braunkohlenformation bekannt, die wahrſcheinlich eine wenig unterbrochene Ablagerung unter der Oberfläche des flach plateauförmig erhöhten Theiles faſt des gan⸗ zen norddeutſchen Tieflandes bildet, wenn ſie auch nicht überall bauwürdige Kohlenlager enthält. Am früheſten wurde ſie an den Gebirgsrändern und in deren Einbuchtungen bekannt, weil hier ihre Schichten oft unbedeckt zu Tage liegen. So in der Rheinbucht bei Bonn, in der flachen Mulde zwiſchen Elm und Harz bei Halberſtadt und von da bis in die Gegenden von Magdeburg und Deſſau, in der Bucht von Leipzig und deren Verzweigung nach der güldenen Aue, in der Bucht von Zittau Rot Gru da fu Buhhn hier i,18 , die n el. Ve lpliota it feſen elche de ein, wei hHon und v. Buch Hon für Bran⸗ g ſelte noch ger -runnen⸗ nterlag übrigun unt, di nter da des gar⸗ t überil ſie an t, weil in der Im und den von d deren zZittau — 81— in Sachſen. Aber auch mitten in der Ebene hat man hier und da ſeit langer Zeit ſchon Braunkohlen gewonnen, beſonders im Weichſel-, Oder⸗ und Elbgebiet und bei Muskau in der Nieder⸗ lauſitz. Fortwährend mehrt ſich indeſſen die Zahl der Stellen, an welchen man Schächte durch die Diluvialdecke abſenkt, um die foſſilen Brennmaterialſchätze darunter hervorzuholen. Unbedeutend und hier kaum nennenswerth ſind dagegen in Norddeutſchland die Gebiete, in welchen das oberſte Glied dieſer Gruppe durch marine Ablagerungen vertreten iſt. 8 §. 131. Aus dieſer gedrängten Ueberſicht der Molaſſeverbreitung in Deutſchland ergibt ſich ſomit, daß die Glieder dieſer Gruppe be⸗ ſonders im Süden und Norden, am Alpenrand und in der nord⸗ deutſchen Niederung eine ſehr große Ausdehnung beſitzen, da⸗ zwiſchen aber, in unſerm Mittelland, nur hier und da in kleinen zerſtreuten Partien, oft in deutliche Becken eingelagert, auftreten. §. 132. Der Mangel an neuern Gebirgserhebungen im geſammten nicht alpiniſchen Gebiet Deutſchlands, in deſſen Folge die Mo⸗ laſſebildungen ohne Schichtenſtörung weite Becken erfüllen, deren flachen Boden bildend, hat auch hier die in ſo vielen Gegenden der Erde beobachtete Thatſache hervorgerufen, daß die großen Hauptſtädte meiſtentheils in den, wenn auch äußerlich nachmals von Diluvialgebilden bedeckten Gebieten dieſer Ablagerungen liegen. In Deutſchland z. B. Berlin, Magdeburg, Hamburg, Bremen, Köln, Münſter, Braunſchweig, Leipzig, Frankfurt a. d. O., Danzig, Königsberg, Breslau, Mainz, Frankfurt a. M., München, Grätz, Brünn und Wien. Nicht der beſondere Geſteinscharakter iſt die Urſache davon, ſondern die Art der Lagerung. Diluvialgebilde. §. 133. Ich rechne dazu alle die neueſten Ablagerungen, welche das Feſtland in ſo großer Ausdehnung bedecken und deshalb wäh⸗ Cotta, Deutſchlands Boden. 6 — 82— rend ihrer Bildung ein anderes Niveauverhältniß zwiſchen Waſſer und Land vorausſetzen laſſen als das gegenwärtig beſtehende. Außerdem werde ich aber auch manche localere Formationen hier anreihen, die vielleicht als Ablagerungen in Landſeen oder als von vorübergehenden Ueberſchwemmungen herrührend anzu⸗ ſehen ſind, ſobald es wahrſcheinlich iſt, daß ihre Entſtehung ungefähr derſelben Zeitepoche angehört. Die meiſten dieſer Bil⸗ dungen beſtehen nicht aus feſtem Geſtein, ſondern aus noch unverbundenen Anhäufungen von Geröllen, Kies, Sand, Lehm und dergleichen. Man pflegt als hierzu gehörig zu unter⸗ ſcheiden: Lößbildungen und erratiſche Bildungen, indem man unter erſtern die meiſt nicht deutlich geſchichteten, aber doch weithin zuſammenhängenden Decken von Lehm, ſandigem Lehm, Sand und Kies verſteht, unter letztern die gröbern Geröllmaſſen und zerſtreuten Felsblöcke, deren weit entlegener Urſprung oft deutlich nachweisbar iſt. §. 134. Streng genommen iſt mehr als die Hälfte von ganz Deutſch⸗ land durch dieſe Bildungen überzogen, aber wo ihre Decke nur dünn und nicht zuſammenhängend iſt, pflegt man ſie auf geolo⸗ giſchen Ueberſichtskarten nicht darzuſtellen, um den Zuſammen⸗ hang des feſtern und geologiſch intereſſantern Felsbaues nicht allzu ſehr zu verſchleiern. §. 135. Die größte und ununterbrochenſte Ausbreitung beſitzen die⸗ ſelben in der norddeutſchen Niederung, deren geologiſchen Ge⸗ ſammtcharakter ſie jedenfalls beſtimmen. Von dieſer Niederung aus reichen zerſtreute Ablagerungen von Sand und Lehm bis etwa zu 1000 Fuß Meereshöhe in die ſüdlich anſtoßenden Ge⸗ birgsgegenden hinauf; die gröbern Geſchiebe und die erratiſchen Felsblöcke nicht ſo hoch. Aber auch in der Niederung ragen hier und da ältere Geſteinsſchichten unter der allgemeinen Diluvial⸗ bedeckung hervor, die in der vorſtehenden Ueberſicht ihrer Ver⸗ breitung bereits Berückſichtigung gefunden haben. ſen Vaſe beſtehen rmationa ſeen an end an ntſtehun ieſer Bl aus nc d, Lehn u unter , inden ber doch Lehm, maſſen ing oft Deutſch⸗ decke nu uf geole⸗ ſamma⸗ tes niht hen die den Ge⸗ ederung hm bis en Ge⸗ ztiſchen den hier diluvia⸗⸗ ter Ver⸗ — 83— §. 136. Je nachdem in der großen Diluvialniederung an der Ober⸗ fläche reiner oder ſandiger Lehm, Sand oder Kies örtlich vor⸗ herrſcht, je nachdem ſind dieſe Gebiete fruchtbar und angebaut oder wenig fruchtbar und höchſtens mit magern Kiefernwäldern bedeckt. Der lehmige und thonige Untergrund hat bei mangeln⸗ der Bodenneigung hier und da auch zu großen Verſumpfungen, Flußverzweigungen(wie im Spreewald) oder zu Torfbildungen Veranlaſſung gegeben. §. 137. Der Lehm wird vielfach in Ziegel⸗ und Topfbrennereien ver⸗ wendet, auch der Sand und Kies finden einige Anwendung und ſelbſt die erratiſchen Felsblöcke, die, aus Skandinavien abſtammend, theils gruppenweiſe, theils einzeln über die andern Diluvialgebilde ausgeſtreut ſind, werden hier und da als eine beſondere Segnung angeſehen, indem man ſie als feſten Bau⸗ und Chauſſeeſtein zu monumentalen Zwecken oder ſelbſt als Kalkſtein gebrannt zu Mörtel oder als Düngematerial verwendet. Anderwärts ſind ſie indeſſen auch wol dem Feldbau hinderlich und müſſen mühſam beſeitigt oder verſenkt werden. §. 138. Unter den hierher gehörigen Ablagerungen im deutſchen Mittel⸗ lande iſt die der Rheinthalebene zwiſchen Baſel und Mainz die bedeutendſte, in ihr ſind aber die Diluvialſchichten vielfach wieder überdeckt von noch neuern Anſchwemmungen des Fluſſes. Der charakteriſtiſche Löß dieſer Gegenden tritt indeſſen an allen Ge⸗ birgsrändern frei hervor und reicht oft weit in die Seitenthäler des Rheins hinein, überall einen ausgezeichnet fruchtbaren Boden bildend. §. 139. Es würde beinahe unmöglich, wenigſtens nicht zweckmäßig ſein, hier alle die kleinern Lehm⸗ und Sandablagerungen Mittel⸗ deutſchlands einzeln aufzuzählen. Nur ganz allgemein will ich 3 1 — 84— darüber bemerken, daß ſie alle einen weit heimiſchern Charakter an ſich tragen als die Diluvialgebilde der norddeutſchen Niede⸗ rung, die größtentheils von fern her zuſammengeſchwemmt ſind. Sie beſtehen aus Material, welches aus den benachbarten Gebirgs⸗ gegenden abſtammt, was man am deutlichſten an den darin vorkommenden feſten Geſchieben erkennen kann. §. 140. Sehr mächtig entwickelt ſind namentlich auch die diluvialen Ablagerungen, welche von den Alpen ausgehen. Sie bedecken oft große Oberflächen des flachen Molaſſevorlandes bis zur Donau hinab. Ihre Rollſteinablagerungen erzeugen ſehr unfruchtbare Ge⸗ biete, während die Anhäufungen des feinern Schlammes in den Flächen des Donauthales und ſeinen ſüdlichen Auszweigungen anderwärts einen ſehr fruchtbaren Boden liefern. §. 141. Dem Alter nach ſcheinen auch viele Ausfüllungen von Höhlen und Spalten in den ſüddeutſchen Kalkſteinen und Dolomiten hier⸗ her zu gehören und unter ihnen ſind einige techniſch wichtig durch den Gehalt an Bohnerz. Neueſte Ablagerungen. (Alluvialgebilde.) §. 142. Dieſe beſtehen für uns nur aus localen Bildungen, nament⸗ lich aus den Ablagerungen der Quellen an ihren Mündungen, den Anſchwemmungen der Flüſſe und den Ablagerungen in Süm⸗ pfen oder Landſeen, da wir die neueſten Bildungen des Meeres größtentheils überhaupt nicht beobachten können, jedenfalls aber hier nicht in Berückſichtigung zu ziehen haben, wo es ſich nur um den Felsbau Deutſchlands handelt. §. 143. Alle dieſe neueſten Geſteinsbildungen auf dem Lande ſind durchaus localer Natur, nirgends bedecken ſie Flächenräume in Sharakte n Nide amt ſin Gebitg⸗ en darn wiluviala bedecke Donau are Ge⸗ in den gungen Höhle iten hir⸗ wichi nament ndungen, in Süm⸗ Meerdi Uls aber ſich nut ande ſin raume in — 85— beträchtlicher Ausdehnung. Es kann daher hier nicht meine Auf⸗ gabe ſein, die unzähligen Stellen zu citiren, an welchen ſolche Geſteinsbildungen noch jetzt erfolgen oder in hiſtoriſcher Zeit erfolgt ſind. Ich werde vielmehr nur ihre verſchiedenartige Natur ganz im Allgemeinen zu ſchildern ſuchen. §. 144. Die Ablagerungen der Quellen an ihren Mündungen ſind in Deutſchland weſentlich kalkiger Natur, denn die Inkruſtirun⸗ gen mit Eiſenocker ſind zu unbedeutend, um hier in Betracht gezogen zu werden. Den durch Quellen abgelagerten Kalkſtein pflegt man Kalktuff oder Kalkſinter zu nennen. Kalktuff, wenn er durch Inkruſtirung von Vegetabilien oder durch die unruhige Weiſe ſeiner Ablagerung ein poröſes, zelliges oder mürbes zer⸗ reibliches Geſtein bildet; Kalkſinter dagegen, wenn er feſte Gegen⸗ ſtände mit zuſammenhängenden faſerigen Kruſten überzieht. §. 145. Die Kalktuffbildungen erlangen zuweilen eine ziemlich be⸗ trächtliche Mächtigkeit und verhältnißmäßige Ausdehnung. Doch iſt in Deutſchland keine bekannt, welche zuſammenhängend eine Viertelquadratmeile bedeckte. Wo ſie ſeit ſehr langer, zuweilen ſchon in der Diluvialperiode beginnender Zeit ſich local ange⸗ häuft haben, da bilden ſie einen vortrefflichen Baugrund und liefern zugleich ausgezeichnete Baumaterialien, ſowol Steine als Mörtel. Kalkſinter erzeugt ſich gewöhnlich nur in Spalten und Höhlen⸗ räumen. §. 146. Die Anſchwemmungen der Flüſſe beſtehen je nach der Art ihrer Ueberſtrömungen aus Gerölle, Sand oder feinem fruchtbaren Schlamm; ſie kommen natürlich nur da vor, wo die Ufer flach ſind und der Boden neben denſelben ziemlich eben iſt. Von be⸗ ſonderer, dem Waſſerverkehr ungünſtiger Bedeutung ſind indeſſen auch die Ablagerungen der Flüſſe in ihren Betten und Mündungen. Die letztern beſtehen theilweiſe aus Ueberreſten mikroſkopiſch kleiner Thiere, die im Flußwaſſer leben, durch den Eintritt der Meeres⸗ flut aber ſterben und zu Boden fallen. So der„Schlick“ in der Elbmündung. Zu Gunſten der Schiffahrt müſſen ſie oft mit großen Koſten entfernt werden. §. 147. Die Ablagerungen in Sümpfen und Landſeen werden ge⸗ wöhnlich nur nach deren natürlicher oder künſtlicher Austrocknung beobachtbar und zuweilen nutzbar. Sie beſtehen außer Geröllen, Sand und Schlamm auch noch aus Raſeneiſenſtein, Torf und kieſeligen Infuforienſchalen. Dieſe letztern Geſteinsbildungen ſind bekanntlich unter Umſtänden alle drei nutzbar: als Eiſenſtein, als Brennmaterial und als Putzmaterial. §. 148. Außerdem gehört nun aber noch zu den neueſten und größten— theils in hiſtoriſcher Zeit erfolgten(auch noch erfolgenden) Bil⸗ dungen, die äußere Verwitterungskruſte aller Geſteine und Das, was der Landwirth„Bodendecke“(oder Bodenkrume) zu nennen pflegt. Letztere iſt aus erſterer hervorgegangen durch eine Men⸗ gung mit verweſten organiſchen Subſtanzen(Humus). Sie be⸗ findet ſich aber nicht überall auf urſprünglicher Lagerſtätte wie die Verwitterungskruſte, ſondern ſie iſt häufig durch Wirkungen des Waſſers local zuſammengeſchwemmt. §. 149. Die genauere Unterſuchung und Beſchreibung der Verwitte⸗ rungskruſte und der Bodendecke gehört einer beſondern Lehre„der Bodenkunde“ an und kann hier nur beiläufig Berückſichtigung finden, inſofern ſie eben local einen beſondern Einfluß auf das Leben ausübt. . Ganggeſteine. §. 150. Die Gangbildungen, welche vielfach durch den darauf beruhenden Bergbau wichtig ſind, beſtehen in Ausfüllungen von h kleine Meett⸗ in de öft mi den ge ocknung Berölle, orf und en ſind enſtein, rößten⸗ 4) Bi⸗ d Das, nennen e Men⸗ Sie be⸗ ätte wie irkungen gerwitt⸗ hre„de htigung uf das 3 darauf gen von — 87/ꝛ— Spalten durch allerlei Mineralien, unter denen beſonders häufig auch nutzbare Erze oder gediegene Metalle enthalten ſind. In dieſem Falle nennt man ſie Erzgänge. §. 151. Sogenannte Erzgänge finden ſich in Deutſchland ganz vor⸗ zugsweiſe in den kryſtalliniſchen Schiefergeſteinen und in den Grau⸗ wackenbildungen, ſchon ſeltener auch in den granitiſchen Geſteinen, den Porphyren und Grünſteinen, im Rothliegenden und in der Zechſteinformation. In noch neuern Flötzformationen kennt man ſie auf deutſchem Gebiete beinahe gar nicht. Die Erzgänge ſind gleichſam geſelliger Natur, d. h. wo man einen findet, kann man ziemlich ſicher darauf rechnen, daß noch mehre ähnliche in derſelben Gegend vorhanden ſind, wenn auch nicht alle von gleichem Gehalt. §. 152. Die wichtigſten deutſchen Erzganggebiete ſind folgende: 1) Der Harz. Die Gänge finden ſich hier meiſt in der Grauwacke oder an den Grenzen derſelben gegen Grünſteine; ſie enthalten an nutzbaren Metallen: Silber, Blei, Kupfer, Eiſen und Selen. In dem ilefelder Porphyrgebiet auch Mangan. 2) Der Thüringer Wald enthält in ſeinen Porphyren, in der Grauwacke und auch im Rothliegenden Gänge mit Eiſen— und Manganerzen. Am Rande im ZJechſtein auch Kobalt⸗ und Kupfererzgänge. 3) In der Grauwacke des Fichtelgebirges ſind Eiſenſtein⸗ gänge und Kupfer⸗ und Nickelerzgänge bekannt. Im Granit deſſelben Gebirges hat man früher Zinnerz gefunden und im Gneis und Thonſchiefer bei Goldkronach Antimonerz und Gold. 4) Das Erzgebirge enthält vorherrſchend in ſeinem Gneis⸗ gebiet, doch auch im Granit, Greiſen, Porphyr und Glimmer⸗ ſchiefer, eine ſehr große Zahl von Erzgängen. Die daraus dar⸗ geſtellten Metalle ſind: Silber, Kupfer, Blei, Arſen, Kobalt, Nickel, Zinn, Eiſen und Antimon. — 88— 5) Im Rieſengebirge ſind vorzüglich Eiſenerzgänge bebaut. 6) In dem böhmiſchen Grauwackengebiet(Przſchibran Mies) gewinnt man aus Erzgängen Silber, Blei, Kupfer und Eiſen. 7) In dem Granit der karlsbader Gegend(Schlaginwalde) Zinnerze. 8) Das rheiniſche Grauwackengebiet iſt reich an Eiſenſtein— gängen; im Naſſauiſchen enthält es auch Silber⸗, Kupfer⸗ und Bleierzgänge. 9) In dem Steinkohlengebiet am ſüdlichen Fuß des Hunds— rück bebaut man Queckſilbererzgänge. 10) Bei Ringelsdorf in Heſſen kobalt-, nickel⸗ und kupfer⸗ haltige Gänge im Zechſtein. 11) Im Böhmer Wald, wie im böhmiſch⸗ mähriſchen Ge⸗ birge, vorherrſchend Eiſenſteingänge. 12) Im ſüdlichen Theil des Schwarzwaldes durchſetzen den Gneis und einige angrenzende Geſteine ſilber⸗, kupfer⸗ und blei⸗ haltige Gänge. Auch Eiſenſtein iſt mehrfach gangweiſe im Schwarz⸗ walde bekannt. 13) Im deutſchen Alpengebiet ſind beſonders die goldhaltigen Quarzgänge im Gneis der Centralkette zu erwähnen. §. 153. Ich beſchränke mich hier auf dieſe als die wichtigſten Re⸗ gionen deutſchen Gangbergbaues, da es nicht darauf ankommen kann, eine vollſtändige bergmänniſche Statiſtik zu liefern, in der ſelbſt unbedeutende Verſuchsarbeiten aufzunehmen wären. Uebri⸗ gens werden die Erzlagerſtätten aller Art, nicht blos die gang⸗ förmigen, in dem ſpecillen Theile weitere Berückſichtigung finden. Abhängigkeit der Oberflächenformen vom innern Bau der Erde. §. 154. Die äußern Formen der Erdoberfläche ſtehen in innigem Zu⸗ ſammenhange mit dem innern Bau der feſten Kruſte. Sie ſind 1 bebaut n Mic Eiſen inwadd ſenſtei⸗ er⸗ und Hunde⸗ kupſer n Ge⸗ en den d blei⸗ chwarz⸗ zaltigen ten Re⸗ kommer „in de Uebi⸗ ie gang finden — 89ñ— großentheils davon abhängig. Sie ſind nämlich vorzugsweiſe die Reſultate folgender Urſachen: 1) Der vulkaniſchen Thätigkeit des Erdkörpers, welche von jeher erhebend und ſenkend gewirkt und in kleinerm Maßſtabe auch ſpecielle Erhöhungen durch Ueberfließen und Aufſchütten von Ge⸗ ſteinsmaterial hervorgebracht hat. 2) Der Zerſtörungen und Ablagerungen durch Waſſer. 3) Des ungleichen Widerſtandes, welchen die bereits vor⸗ handenen Maſſen dieſen Wirkungen entgegenſetzten. Allerdings haben auch die Luft und das organiſche Leben ſtets einigen Einfluß auf die äußern Formen der Erdoberfläche geübt; er iſt aber im Vergleich zu den oben genannten ſo gering, daß wir ihn hier billig unberückſichtigt laſſen können. §. 155. Die vulkaniſche Thätigkeit und das Waſſer, ſie wirken beide ſowol zerſtörend als neu bildend. Sie unterſcheiden ſich aber dadurch, daß die vulkaniſche Thätigkeit ſowol durch ihre Zer⸗ ſtörungen als durch ihre Neubildungen Unebenheiten hervorruft, während das Waſſer alle Erhöhungen nach und nach zerſtörend angreift, die losgeriſſenen Theile aber in Vertiefungen ablagert und nur ganz ſpeciell hier und da Rinnſale oder Thäler ein⸗ ſchneidet. §. 156. Im Allgemeinen wirkt daher das Waſſer mehr nivellirend, die vulkaniſche Thätigkeit mehr das vorhandene Niveau ändernd. Aehnlich aber ſcheint es zu allen Zeiten geweſen zu ſein, ſeitdem die Erde eine feſte Kruſte und eine Waſſerhülle beſaß. Dieſe entgegengeſetzten Wirkungen halten ſich gegenſeitig ungefähr im Gleichgewicht, d. h. wenn nur die eine von beiden vorhanden wäre, ſo würde das endliche Reſultat ein Extrem ſein. Die vul⸗ kaniſche Thätigkeit für ſich allein würde eine höchſt unebene und zerriſſene Oberfläche hervorbringen, das Waſſer für ſich allein eine höchſt ebene und gleichförmige. — 90— §. 157. Unſere Aufgabe iſt es nun hier, zu unterſuchen, wie dieſe beiden activen Urſachen durch die paſſive Wirkung des ungleichförmigen Widerſtandes der bereits vorhandenen Maſſen vielfach modifſicirt worden ſind, und in welcher Art daher die äußern Oberflächen⸗ formen von dem innern Bau abhängig ſind oder wenigſtens da⸗ mit in Beziehung ſtehen. Von praktiſcher Wichtigkeit iſt dieſe Unterſuchung namentlich inſofern, als ſie rückwärts zu mancherlei Schlüſſen aus der äußern Form auf den innern Bau befähigt. §. 158. Die Erhebungen und Senkungen, welche durch vulkaniſche Thätigkeit hervorgebracht werden, ſind theils allgemeine, con⸗ tinentale, theils locale, wie die Gebirgserhebungen und die Senkungen von Seegebieten. §. 159. Für die continentalen Erhebungen und Senkungen läßt ſich zur Zeit noch keinerlei beſtimmter Zuſammenhang mit dem innern Felsbau nachweiſen. Sie erſcheinen noch lediglich als eine Folge wenig erkannter Schwankungen in dem Zuſtande des flüſſigen Erdinnern ohne nachweisbare Beziehung zu der beſondern Natur der ſtarren Kruſte. Dagegen finden wir die localen Erhebungen, die Hebungen der Gebirgsketten, in der Regel begleitet von dem Emporpreſſen eruptiver Geſteine, und wenn dieſe auch nicht alle⸗ mal die Oberfläche wirklich erreicht haben, ſo zeigt ſich denn doch gewöhnlich eine ſo auffallende Störung in den urſprünglichen Lagerungsverhältniſſen der zu Gebirgen erhobenen ſedimentären Geſteine, daß man ſchon daraus auf das wenn auch unterirdiſch gebliebene Empordrängen flüſſiger oder weicher Geſteinsmaſſen zu ſchließen berechtigt iſt. Allerdings ſcheint es aber auch einige Ge⸗ birgsketten zu geben, welche nur durch den gewaltſamen Seitendruck, den in einiger Entfernung davon emporgeſchobene Maſſen aus⸗ übten, gebildet wurden, durch eine ſtarke Faltung, Knickung oder Aufrichtung der urſprünglich horizontalen Schichten, ſo z. B. die ebeda örmigan odifein flächen ens de ſſt diſ mncherli ähigt. aniſche con⸗ und ißt ſch innern Folge iſſigen Natur ungen, dn dem ͤt all⸗ n doch gliche entären irdiſch ſen zu ge Ge⸗ ndruch n als⸗ ng oder B. dit — 91— Jurakette; und andere ſind ausnahmsweiſe wirklich nichts An⸗ deres als die Ueberreſte mehr continentaler Erhebung großer Land⸗ ſtriche, ſo vielleicht in Deutſchland die Schwäbiſche Alp. §. 160. Die überwiegend große Mehrzahl der Gebirge zeigt aber jedenfalls eine deutliche Uebereinſtimmmung und Wechſelbeziehung zwiſchen äußerer Form und innerm Bau. Man würde aus letz⸗ term ihre einſtige Anweſenheit auch dann noch erkennen können, wenn ihr hervorragender Theil gänzlich zerſtört oder von neuern Ablagerungen eingehüllt wäre.(Vergl.§. 36.) §. 161. Wenn für die überhaupt ſeltenern localen Senkungen durch vulkaniſche Thätigkeit, wie ſie etwa bei manchen Binnenſeegebieten (wie dem des Todten Meeres) vorgekommen ſein mögen, ein ſolcher Zuſammenhang von Form und Bau noch nicht nach⸗ gewieſen iſt, ſo liegt das wol ſehr natürlich an folgenden drei Umſtänden: erſtens ſind ſie überhaupt viel ſeltener als die Ge⸗ birge; zweitens iſt der innere Bau einer eingeſenkten Region natürlich weit ſchwerer zu ermitteln als der einer als Gebirge hervorragenden, und drittens läßt ſich a priori vermuthen, daß die Urſachen ſolcher Senkungen mehr paſſiver als activer Art ſind, mehr in einem Zurückweichen als in einem Empordrängen der flüſſigen Innenmaſſe beſtehen. §. 162. Für uns haben jedenfalls die Gebirge eine weit wichtigere Bedeutung als jene ſeltenen localen Senkungen der Oberfläche, ſchon deshalb, weil ein ſolches Senkungsgebiet(ein negatives Gebirge) innerhalb Deutſchland nicht mit Sicherheit nachgewieſen werden kann. Nur ganz allgemein haben wir zu beachten, daß ebenſowol die Vertiefungen als die Erhöhungen poſitiver Ent⸗ ſtehung ſein können, und daß umgekehrt auch manche Erhöhun⸗ gen bloße Folgen von Zerſtörungen neben ihnen ſind, wie viele — 92— Vertiefungen von einem nicht Miterhobenſein, andere aber von Auswaſchungen herrühren. §. 163. Wir wollen uns indeſſen mehr mit der Regel als mit den Ausnahmen beſchäftigen, und jene iſt: Die Continente und die Gebirge entſtanden durch continentale und locale Erhebungen; die Meeres⸗ und Seebecken durch Zurückbleiben oder Senkung; die Einzelberge(in Ebenen) durch Ueberfließen oder Aufſchütten, ſel⸗ ten durch locales Stehenbleiben im Uebrigen zerſtörter Ablage⸗ rungen; die Thäler durch Zerſpaltung und Auswaſchung. Erhebung der Gebirge. §. 164. Je nachdem bei einer localen Erhebung nur die vorhandenen Schichten gefaltet, aufgerichtet und in ein relativ höheres Niveau gerückt oder zugleich flüſſige Geſteinsmaſſen an die Oberfläche gepreßt wurden, an der ſie erſtarrten, je nachdem unterſcheidet ſich die allgemeine Natur der Gebirge. Ihre beſondere Form und Höhe iſt ferner abhängig davon, ob die Erhebung in linea⸗ rer Ausdehnung oder central um einen Hauptmittelpunkt erfolgte. Danach unterſcheiden ſich Kettengebirge und Maſſengebirge. Ferner ob ſie einſeitig, d. h. auf einer Seite einer Spalte, zu beiden Seiten einer Spalte oder zwiſchen zwei Hauptſpalten ſtattfand. Danach unterſcheidet ſich Gebirge mit einſeitigem Steilabhang, wie das Erzgebirge. —— ber don mit da und d gen; d ung; de tten, ſe Ablage ng. andenen Niveau berfläche erſcheidt e Fom n linen erfolgte . Ferne u bede ſtattfen ſilabhang — 93— Gebirge mit gleichen Abhängen und oft mit mittlern Längen⸗ thälern, wie die Alpen und der Jura. — Gebirge mit einer Hochfläche zwiſchen zwei ſteilen Abhängen, wie der Harz. §. 165. Aber die urſprüngliche Form der Gebirge, d. h. die, welche ſie unmittelbar durch ihre Erhebungsweiſe erhielten, hat ſich nie lange erhalten. Ein großer Theil ihrer urſprünglichen Oberfläche iſt ſtets zerſtört und abgeſchwemmt worden und je nach dem Grade dieſer Abſchwemmungen, der großentheils von der Dauer ihres Beſtehens abhängt, laſſen ſich, wie ich früher gezeigt habe ¹³), Gebirge von ungleich tiefem Querſchnitt unterſcheiden. Je län⸗ ger oder je energiſcher die oberflächliche Zerſtörung eingewirkt hat, um ſo tiefere innerlichere Regionen ſind dadurch nothwendig an die jetzige Oberfläche gebracht. Im flüſſigen Zuſtande empor⸗ gedrängte(eruptive) Geſteinsmaſſen, welche bei ihrer Bildung die Oberfläche nicht erreichten, ſind dadurch zum Vorſchein gekom⸗ men, und Gebirge, welche urſprünglich äußerlich nur aus erhobenen, nicht aus emporgepreßten Geſteinen beſtanden, zeigen in dieſem Falle dennoch mächtige granitiſche Kerne. §. 166. Das iſt ein Hauptgrund, warum in den meiſten Gebirgen jene kryſtalliniſchen Eruptivgeſteine wirklich an der Oberfläche erſcheinen, deren Empordrängung allerdings in den meiſten Fällen die Urſache der Erhebung geweſen iſt, die aber doch keineswegs urſprünglich — 94— wirklich die Oberfläche erreichten und die, wo ſie wirklich bis zu ihr hervordrangen, in der Regel eine ganz andere, minder kryſtalliniſche Beſchaffenheit zeigen. §. 167. Da die jetzt vorhandenen Gebirge in ſehr ungleichen Zeit⸗ räumen erhoben ſind, ſo iſt es ganz natürlich, daß man die ver⸗ ſchiedenartigſten Stadien dieſer Zerſtörung räumlich nebeneinander findet. Alle Zwiſchenſtufen von jenen, deren urſprünglich innere Kernmaſſe durch Zerſtörung freigelegt iſt, bis zu denen, die noch beinahe mit ihrer erſten Oberfläche erhalten ſind. Die letztern beſtehen entweder nur aus erhobenen wäh⸗ rend der Erhebung ſchon feſten Erdkru⸗ ſtentheilen, oder aus übergefloſſenen Erup⸗ tivgeſteinen, die ſich über den Ausflußſtel⸗ als Lavaſtröme abfloſſen. Einigen Antheil an ihrer Bildung neh⸗ men ſogar die im zerſtückten Zuſtande aus Krateröffnungen ausge⸗ ſchleuderten und um dieſelben herum angehäuften Maſſen. Beide Entſtehungsarten ſind indeſſen ſehr gewöhnlich miteinander ver⸗ bunden. Neben den erhobenen Maſſen treten auch ausgefloſſene auf, und in Gebirgen, die vorherrſchend aus übergefloſſenen Eruptiv⸗ geſteinen beſtehen, finden ſich zugleich auch erhobene Maſſen. §. 168. Als typiſch für jene ältern bis zu großer Tiefe unter die urſprüngliche Oberfläche zerſtörten Gebirge nenne ich das Rieſen⸗ zu ih iniſh Zeit e ver⸗ dander nnere noch etztern er nur waͤh⸗ bung deru⸗ t aus Erup⸗ ie ſih lußſtel oder ig nch⸗ auöge⸗ Bedde er ver⸗ ne auf, ruptiv⸗ en. ter die Rieſen⸗ — 95— gebirge, das Erzgebirge, das oberlauſitzer Granitgebirge, den Odenwald. Für die beiden Hauptgattungen der Gebirge mit beinahe urſprünglicher Oberfläche erinnere ich dagegen an die Weſerketten und den Teutoburger Wald, in denen nur aufgerichtete Schicht⸗ geſteine, gar keine Eruptivmaſſen gefunden werden, und an das böhmiſche Mittelgebirge, welches in der Hauptſache aus lauter einzelnen Baſalt⸗ und Phonolithkegeln zuſammengeſetzt iſt, zwiſchen denen die vor ihrer Entſtehung vorhandenen Erdkruſtentheile verhält⸗ nißmäßig nur geringe Störungen der Lagerung wahrnehmen laſſen. §. 169. In allen dieſen Fällen verſchiedenartiger Gebirgsbildung bleibt es aber ein gemeinſamer Charakter aller durch locale Erhebung entſtandener Gebirge, daß in ihnen eine größere Mannichfaltigkeit von Geſteinen in mannichfaltigerer Lagerungsweiſe zu Tage tritt als in den ebenern Gegenden, und dieſer Umſtand iſt offenbar von bedeutendem Einfluß auf ihre Bewohnbarkeit. Die Schwierig⸗ keiten, welche ſie naturgemäß dem Verkehr entgegenſtellen, und das häufig Ungünſtige ihrer klimatiſchen Verhältniſſe werden dadurch in hohem Grade ausgeglichen. Zu der größern Mannichfaltigkeit überhaupt kommt aber noch als ebenfalls beachtenswerth, daß gewiſſe Claſſen von Geſteinen ganz vorzugsweiſe in ihnen ge⸗ funden werden, darunter namentlich die kryſtalliniſchen Schiefer⸗ und Maſſengeſteine, ſowie die Erzgänge. Ueberhaupt aber pflegt die Mannichfaltigkeit der Geſteine in ihnen größer zu ſein. Die dem Völkerleben günſtige Natur Deutſchlands beruht in der That zum großen Theile auf den vielfachen localen Erhebungen, welche in dieſem Lande Gebirge hervorgebracht haben. §. 170. Doch nachdem wir die Urſachen der Gebirgsentſtehung ſowie ihrer allgemeinen Verſchiedenheiten kennen gelernt haben, müſſen wir etwas ſpecieller diejenigen Einzelgeſtaltungen derſelben unter⸗ ſuchen, welche vorherrſchend durch die ungleiche Natur der ſie zuſammenſetzenden Einzelmaſſen bedingt ſind. §. 171. Schon gegen die erhebenden Wirkungen haben ſich geſchich⸗ tete und ungeſchichtete, feſte und minder feſte Geſteine ſicherlich un⸗ gleich verhalten. Die kleinen Unterſchiede, welche ſie im Conflict mit ſo gewaltſamen Vorgängen bewirkten, laſſen ſich indeſſen nur äußerſt ſchwierig und unſicher ſpeciell nachweiſen. Anders verhält es ſich aber mit ihrem Widerſtand gegen die von außen her wirken⸗ den Zerſtörungen durch Verwitterung und Abſchwemmung, welche entweder im freien Luftraum nur durch atmoſphäriſche Niederſchläge, durch fließende Gewäſſer oder durch zeitweiſe darüber hinflutende Oceane hervorgebracht wurden, über deren Niveau ſie erſt durch ſpätere continentale Erhebungen emportraten. Hier zeigen ſich ſehr deutlich auffallend große Unterſchiede der Widerſtandsfähigkeit ein⸗ zelner Geſteine. Die unauflöslichſten, am ſchwerſten verwitternden und durch ihre Feſtigkeit auch allen mechaniſchen Einwirkungen den größten Widerſtand entgegenſetzenden treten als Berge, Gipfel und Kuppen, als Felsmaſſen, ſcharfe Rücken oder ein⸗ zelne Felspfeiler, allgemein als Erhöhungen hervor; die in irgend einer Art leichter zerſtörbaren ſind abgerundet zu flachen Ge⸗ bieten, ſie bilden Gebirgspäſſe, ſattelförmige Einſenkungen oder breite Thäler nehmen in ihnen ihren Laufv; endlich gibt es ihrer ganzen Maſſe nach im Waſſer auflösliche oder wenigſtens leicht zerſtörbare Geſteine, wie Steinſalz, Gyps, Thon, Mergel und in gewiſſem Grade auch Kalkſtein und Dolomit. Dieſe haben Ausnagungen ganz beſonderer Art erlitten, theils oberflächliche, theils ſogar unterirdiſche; es ſind dadurch Höhlenräume entſtanden, deren Einſtürzungen dann auch wieder an der Oberfläche die Bil⸗ dung von Erdfällen, Seebecken oder Thälern bedingt haben. §. 172. Eine ſehr gewöhnliche Erſcheinung iſt es ferner, daß die Grenzen zweier Geſteine durch ſanfte Einſenkungen der Ober⸗ fläche, durch Einſattelungen, Gebirgspäſſe, Schluchten oder Thä⸗ ler bezeichnet werden. Dieſer Umſtand erleichtert zuweilen die Auffindung ſolcher Grenzen. ij giſcih lich ur Conſit ſſen un verhät wirkn⸗ „walct rſchläg; flutend ſt durc ſcch ſehr eit ein— ernden kungen Berge der ein⸗ n irgand hen Ee gen ode es ihre ens läch ergel und iſe hobe flachlt ntſtanden edi B aben. daß di er Ober der dhi⸗ veilen di 97— §. 173. Auch die innere Structur der Geſteine iſt auf die Formen ſolcher Zerſtörung nicht ohne Einfluß. Ungeſchichtete Maſſen ver⸗ halten ſich anders als geſchichtete, und dieſe wieder verſchieden je nach der Stellung der Schichten. Wenn irgend ein Berg oder Felsrücken aus einem feſten Geſtein mit flach geneigter Schichtung beſteht, ſo wird beinahe ſtets die Seite, an welcher die Schichten quer durchſchnitten oder durchbrochen ſind, ſteilere Abhänge beſitzen als die, an welcher die Oberfläche ungefähr der Schichtung parallel geht, der ſie dann gewöhnlich ziemlich genau folgt. Es iſt das ein Fall, der ſich ganz ungemein oft beobachten läßt. Steil aufgerichtete Schichtung oder Schieferung verurſacht dagegen oft beſonders zackige und ſchroffe Felskämme. §. 174. Alle dieſe Umſtände erlauben manche Schlüſſe aus der Ober⸗ flächenform auf den innern Bau, welche für den Bewohner einer Gegend nicht unwichtig ſind, hier aber freilich nicht ſpeciell aus⸗ geführt, ſondern nur im Allgemeinen angedeutet werden können. Bildung der Thäler. §. 175. Während die Urſache der Entſtehung von wahren Gebirgen ausnahmslos in der vulkaniſchen Thätigkeit des Erdkörpers zu ſuchen iſt, müſſen wir als Urſachen der Thalbildung zweierlei unter⸗ ſcheiden: vulkaniſche Thätigkeit und Auswaſchung. Die meiſten Thäler der Gebirgsgegenden ſcheinen durch Aufberſtungen bedingt und dann erſt durch Waſſer ausgewaſchen zu ſein, wobei der Einfluß beider Wirkungen auf die gegenwärtige Thalgeſtaltung Cotta, Deutſchlands Boden. 7 — 98— ein ſehr ungleicher ſein kann. Viele Thäler in den Ebenen und auch einige in Gebirgsgegenden ſind dagegen offenbar nur durch Eroſion entſtanden. §. 176. Wir müſſen beide Arten der Thalbildung etwas näher be⸗ trachten. bildung gehabt hat, iſt ein ſehr verſchiedenartiger. Vor allem müſſen wir bedenken, daß bei jeder Gebirgs⸗ erhebung der erhobene Erdkruſtentheil nothwendig vielfach zer⸗ ſpalten und die einzelnen Stücke zu ungleichem Niveau empor⸗ geſchoben wurden. §. 177. Auf dieſe unebene und zerſpaltene Gebirgsoberfläche wirkte dann das Waſſer ein, entweder ein bewegtes Meer oder der Ab⸗ lauf der atmoſphäriſchen Niederſchläge. In beiden Fällen nagte das Waſſer die weichern oder am meiſten mechaniſch zertrümmerten Stellen vorzugsweiſe aus und begann auf dieſe Weiſe den eigent⸗ lichen durch die Erhebung und Zerſpaltung nur eingeleiteten Thal⸗ bildungsproceß. Die Strömungen eines Meeres brachten dabei an— dere Formen hervor als der Ablauf atmoſphäriſcher Niederſchläge; zuweilen laſſen ſich die Kennzeichen davon in den gegenwärtigen Thälern noch beobachten, welche manchmal mehr tief eingeſchnit⸗ tenen Meeresbuchten(Fiorden) als Flußeinſchnitten gleichen. Da aber alle Gebirge, die wir auf der Landoberfläche kennen, ſeit lange den Wirkungen des Meeres entrückt ſind(wenn ſie den⸗ ſelben überhaupt je unterworfen waren), und dagegen denen des ablaufenden Waſſers ausgeſetzt, ſo hat dieſes alle Thalformen in ſeiner Weiſe(und gleichſam für ſeine Zwecke) möglichſt regulirt. Doch davon ſpäter. §. 178. Wo Vertiefungen in den aufgeſprengten oder durch Einſturz entſtandenen Thalrinnen vorhanden waren, die dem Waſſer keinen Ablauf geſtatteten, da bildeten ſich Seen, die aber ſtets einem langſamen Ausfüllungsproceß durch die Einſpülungen des Waſſers Der Einfluß, welchen die vulkaniſche Thätigkeit auf die Thal⸗ en und darc her be⸗ eThal ebirge ch zu empor⸗ wirkte er Ao⸗ gte das nmerten digent n Thal bei an⸗ ſchläge, ärtigen zeſchnit⸗ n. Da en, ſät ſie den enen dii rmen in regulitt Einſtur ſer keine ts einm Vrſſer — 99— unterliegen und in vielen Fällen bereits ganz ausgefüllt ſind, ſo⸗ daß nun an der Stelle des ehemaligen Sees nur noch ein beſon— ders ebener breiter Thalboden vorhanden iſt. §. 179. Die vulkaniſche Thätigkeit hat nicht blos in dieſer allgemei⸗ nen Weiſe Thalbildungen eingeleitet, ſondern zuweilen auch ſolche ganz ſpeciell veranlaßt und regulirt. Wir finden ſogenannte Längenthäler in vielen Gebirgsketten, welche im Widerſpruch mit dem naturgemäßen Ablauf des Waſſers auf große Strecken dem Kamme des Gebirges parallel laufen und offenbar durch der allgemeinen Erhebung parallele Aufberſtungen bedingt ſind, denen ſpäter die Strömung oder der Ablauf des Waſſers ſich noth⸗ wendig fügen mußte, ſo unnatürlich die Richtung auch ſein mochte. In den Alpen und im Jura ſind ſolche Längenthäler eine ſehr ge⸗ wöhnliche Erſcheinung und ſie ſind hier in dem Grade ausgebildet, daß ſie geradezu dieſe Gebirge in mehre Parallelketten ſondern. §. 180. Aber nicht nur in Gebirgen, ſondern auch in ziemlich ebenen Gegenden kommen analoge Erſcheinungen vor, die man häufig als Erhebungsthäler bezeichnet hat. Die geſchichteten Geſteine ſind in irgend einer Richtung, meiſt in der einer benachbarten Gebirgskette, nicht nur zerſpalten, ſondern auch zu beiden Seiten der Spalte et⸗ was aufgerich⸗ tet. Dadurch aber iſt eine Rinne bedingt, welche ſpäter — 100— das Waſſer zu ſeinem Ablauf gewählt und oft ſehr erweitert hat. Fr. Hoffmann hat im Hügellande Nordweſtdeutſchlands mehre ſolche Erhebungsthäler nachgewieſen, in deren einem z. B. der Curort Pyrmont liegt. §. 181. Ebenſo wie durch Aufberſtung hat die vulkaniſche Thätigkeit auch durch Einſenkung der Schichten zu beiden Seiten einer Spalte Thalbildungen veranlaßt und dieſe hat man im Gegenſatz zu je⸗ nen Senkungs⸗ ——— lbhäler genannt. Sie beſitzen ge⸗ —— woöhnlich min⸗ der ſteile Ge— hänge. §. 182. Auch einfache Spaltenthäler laſſen ſich hier und da in ver— hältnißmäßig ebenen Gegenden erkennen. Die Waſſerwirkung folgte einer Spalte, zu deren Seiten keine Aufrichtung oder Sen⸗ kung ſtattgefunden hat. Ich ſelbſt habe dergleichen in Thüringen nachgewieſen. §. 183. Auf dieſe verſchiedenen Arten iſt alſo die Bildung der Thäler häufig durch die Wirkungen der plutoniſchen Thätigkeit veranlaßt, das ſchließt jedoch nicht aus, daß auch bei ihnen die gegenwärtige Geſtalt gewöhnlich vorzugsweiſe eine Folge von Waſſerwirkun⸗ gen iſt. §. 184. Wenden wir uns nun zunächſt zu der Thalbildung, welche lediglich durch den Ablauf des Waſſers veranlaßt wird. Das großartigſte Beiſpiel der Art iſt in der Thalſtrecke unterhalb des Niagarafalles bekannt. Es läßt ſich mit großer Beſtimmtheit nachweiſen, daß die gegen 200 Fuß tiefe Thalſchlucht, in welcher der Lorenzſtrom vom Niagara bis nach Queenstown gegen ſieben engliſche Meilen weit fließt, lediglich durch ein Fortrücken des eiter lande „. eingen dhäler nlaßt, ärtige irkun⸗ welche Das lb des mntheit welcher ſieben ken des — 101— Falles nach oben, alſo durch Auswaſchung entſtanden iſt. Ganz ähnlich entſtehen und erlängen ſich im ſüdlichen Rußland ſehr viele kleinere Thalſchluchten, die in das Schwarze Meer münden, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß eine ſehr große Zahl von Thälern in flachen Gegenden nur durch einen analogen Ero⸗ ſionsproceß gebildet worden iſt. Bemerkenswerth iſt dabei, daß alle dieſe Thäler nicht von den Quellen, ſondern von den Mün⸗ dungen der Flüſſe aus entſtehen und nur ſehr langſam in ihrer Bildung nach den Quellpunkten vorſchreiten. Ihre ganze Bil⸗ dung erfolgt in einer Art und Weiſe, wie ſie bei den meiſten Gebirgsthälern nicht denkbar iſt. §. 185. Eine andere Art, wie Thäler durch Auswaſchung entſtehen, läßt ſich in dem Karſtgebirge zwiſchen Trieſt und Laibach viel⸗ fach beobachten. Hier haben die meiſten Bäche und Flüſſe einen unterirdiſchen Lauf. Sie fließen durch ein Syſtem von Höhlen⸗ räumen, welches ſie ſich, allerdings wol durch Zerſpaltungen ver⸗ anlaßt, ſelbſt gebildet, d. h. erweitert haben. Werden die Höhlen⸗ räume zu groß für die Tragkraft des Deckengeſteins, ſo ſtürzen ſie ein, es entſtehen zunächſt vereinzelte ſogenannte Erdfälle, d. h. trichterförmige Einſenkungen über dem unterirdiſchen Waſſerlauf, durch deren Häufung und Verſchmelzung aber zuletzt ein Thal. So fließt die Recka von St.⸗Canzian bis Duino fünf Meilen weit durch unterirdiſche Höhlenräume, durch deren theilweiſen Einſturz aber an der Oberfläche bereits lange Reihen von trichter⸗ förmigen Erdfällen und thalartige Senkungen entſtanden ſind, die ſich im Laufe von Jahrtauſenden noch zu einem völligen Fluß⸗ thale ausbilden können. §. 186. Wir haben hier alſo zwei Arten der Thalbildung durch Ero⸗ ſion verfolgt, müſſen nun aber noch etwas ſpecieller auf die be⸗ ſondern Thalformen eingehen. Hierbei kommen namentlich zwei Um⸗ ſtände in Rückſicht: erſtens die Neigung des Waſſerlaufs und — 102— zweitens die Ungleichheit des Widerſtandes der Geſteine. Je größer die Neigung(das Gefälle) iſt, um ſo mehr iſt das Waſſer be⸗ fähigt, kleine Widerſtände zu überwinden, um ſo geradliniger erfolgt unter übrigens gleichen Umſtänden ſein Ablauf. Je ge⸗ ringer dagegen dieſe Neigung iſt, um ſo kleinere Unterſchiede der Feſtigkeit können auch ſchon große Abweichungen aus der geraden Richtung hervorbringen. Das iſt der Grund, warum die Fluß⸗ betten im Allgemeinen um ſo mehr gewunden zu ſein pflegen, je geringer ihr Gefälle iſt. In den Gebirgen, wo man die ſteilſten Thalneigungen findet, kommt dazu noch der Umſtand, daß hier die Thäler meiſt durch Zerſpaltungen veranlaßt, ihre Richtungen alſo därch die Lage der Spalten vorgeſchrieben ſind. §. 187. Der hier aufgeſtellte Grundſatz erklärt ſehr gut, warum die Thäler in den hochplateauförmigen Grauwackengebieten des Nieder⸗ rheins und der Gegend zwiſchen Thüringer Wald, Erzgebirge und Fichtelgebirge ſo außerordentlich ſtarke Windungen zeigen. Dieſe Thäler haben wie die Plateaus, in die ſie eingeſchnitten ſind, nur ein geringes Gefälle, ſie ſind vorherrſchend Eroſions⸗ thäler, und die Geſteine, in welche ſie eingeſchnitten ſind, haben eine örtlich ſehr ungleiche Feſtigkeit. Die nothwendige Folge davon waren jene mäandriſchen Windungen der Flüſſe und ihrer Thäler. §. 188. Als oberſten Grundſatz muß man feſthalten, daß jede Win⸗ dung eines Flußbettes oder Thales durch eine, wenn auch noch ſo kleine Ungleichheit des Widerſtandes der Seitenwände oder durch den Seitenſtoß eines einmündenden Waſſerfadens bedingt iſt. Die Tendenz des Waſſers an ſich iſt es nur, den bequem⸗ ſten Weg zu wählen. Auf einer abſolut gleichförmigen geneigten Oberfläche würde es ſtets geradlinig ablaufen. Eine ſolche Ober⸗ fläche findet ſich aber in der Natur nicht und kann ſelbſt künſtlich kaum hergeſtellt werden. Selbſt an einer ſcheinbar ganz ebenen t grißer ſer be binige Je ge ede de geraden Fuß⸗ gen, jt findet durch he der n die dieder⸗ ſebirge eigen. nitten ſions⸗ haben Folge ihrer Win⸗ hnoch oder edingt quem⸗ heigten Ober⸗ nſtich ebenen — 103— Fenſterſcheibe rinnen Waſſertropfen in gekrümmten Wegen herab, aber auch hier iſt jede kleine Windung durch eine Ungleichförmig⸗ keit in der Maſſe oder Oberfläche des Glaſes bedingt, nicht durch eine Vorliebe des Waſſers für Windungen. Die Eigenthümlich⸗ keit faſt aller Bäche und Flüſſe, einen gekrümmten Lauf zu neh⸗ men, iſt durchaus nicht in der Natur des Waſſers begründet, ſondern lediglich in den aäußern Verhältniſſen, unter denen es abläuft. §. 189. Jede kleine Ungleichförmigkeit in der Zuſammenſetzung eines Flußbettes, jeder ſeitlich einmündende Bach vermag alſo eine kleine Windung des Bettes hervorzubringen. Jedes vorzugsweiſe feſte Geſtein tritt in allen Thälern als ein Vorſprung oder als eine Kuppe auf; jedes vorzugsweiſe weiche, leicht zerſtörbare Geſtein veranlaßte dagegen Erweiterungen oder Thalbecken. §. 190. Auch bei den Thälern zeigt ſich nicht nur die ungleiche Feſtig⸗ keit, ſondern auch die beſondere Structur von einigem Einfluß auf die Geſtaltung. So wird man z. B. auch bei ihnen in der Regel finden, daß bei flach geneigter Schichtung oder Schiefer⸗ textur der Geſteine die ſteilern Gehänge dem Querbruch der Schich⸗ tung oder Schieferung, die flachern den Flächen derſelben ent⸗ ſprechen. Solche Umſtände beſtimmen dann aber gewöhnlich zugleich die Lage des Flußbettes in der Thalſohle. Daſſelbe verläuft näm⸗ lich in der Regel dicht an dem ſteilern Gehänge, während auf der Seite des flachern oft noch ein ebener Thalboden vorhanden iſt. — 104— §. 191. Ein ſehr merkwürdiger Umſtand iſt noch die große Gleich⸗ förmigkeit des Gefälles vieler Thäler auf weite Strecken hin. Wie konnte dieſelbe trotz der Unregelmäßigkeit und localen Un⸗ gleichförmigkeit aller Erhebungen und Senkungen des Bodens dennoch entſtehen? Zum größern Theile müſſen wir die Urſache dieſer Gleichförmigkeit des Gefälles in den regulirenden Wirkun— gen des ablaufenden Waſſers ſuchen, welches ſtets die Stellen des ſtärkſten Gefälles auch am ſtärkſten angriff und alle Ver⸗ tiefungen nach und nach durch Ablagerungen ausfüllte, auf dieſe Weiſe immer mehr und mehr ein mittleres Gefälle auf große Strecken herſtellend. §. 192. So iſt alſo die gegenwärtige Form aller Thäler, in welchen Waſſer abläuft, eine Folge der ungleichen Natur oder Zerſpal⸗ tung der Geſteinsmaſſen und der Wirkungen des Waſſers auf dieſelben. Man kann darum mit einiger Vorſicht auch rückwärts aus der Form der Thäler auf die Natur der ihre Gehänge bildenden Geſteine ſchließen. §. 193. Es gibt auch ſpecielle Vertiefungen in der Erdoberfläche, in welchen kein conſtanter Waſſerablauf ſtattfindet oder je ſtattgefun⸗ den hat, deren gegenwärtige Geſtaltung ſomit durch andere Ur⸗ ſachen bedingt iſt. Es ſind dies aber keine wahren Thäler, ſie unterſcheiden ſich von denſelben ſchon durch ihre Form. §. 194. Dahin gehören namentlich alle Krater der Vulkane, jene keſſel⸗ oder trichterförmigen Einſenkungen auf den Gipfeln oder an den Abhängen vulkaniſcher Berge. Ihre Entſtehungsweiſe kann als hinreichend bekannt vorausgeſetzt werden; in Deutſchland findet man dergleichen deutlich nur an den erloſchenen Vulkanen der Eifel. ße Glät rcen ſi Kalen U 3 Bodar Wie Urſut Putu. e Stlla alle Ve⸗ auf diſſ uf große welchen Jerſpal⸗ ers auf irts aus ildenden che, in gefün⸗ re Ur⸗ ler, ſie ne keſſe an da ann ab d fiude erEiffe — 105— §. 195. Außer den wahren Kratern haben wir aber auch noch die ſogenannten Maare zu nennen, jene keſſelförmigen Einſenkungen im Grauwackengebiet, die neben den kleinen erloſchenen Vulkanen der Eifel gefunden werden. Auch ſie ſind offenbar durchaus vul⸗ kaniſchen Urſprungs, nicht durch Waſſer gebildet; doch iſt die Art ihrer Entſtehung noch etwas räthſelhaft, man glaubt, daß ſie durch minenähnliche Exploſion von Gasarten entſtanden ſind und hat ſie darum Exploſionskrater genannt. §. 196. Endlich muß hier nochmals der ſogenannten Erdfälle gedacht werden, welche durch unterirdiſche Auswaſchungen dann entſtan⸗ den, wenn die Decke derſelben zuſammenbrach und dadurch an der Oberfläche ſich eine meiſt trichter- oder keſſelförmige Ein⸗ ſenkung bildete. Sie ſind in manchen Gegenden Deutſchlands eine ſehr häufige Erſcheinung, beſonders in denen, wo unter— irdiſche Steinſalzmaſſen vorhanden und der Auswaſchung aus⸗ geſetzt ſind, ſo in Thüringen, in Franken, in Schwaben und in Salzburz. Manche Landſeebecken mögen durch ſolche Einſtürzun⸗ gen entſtanden ſein, bei einigen iſt es deutlich nachweisbar. Am häufigſten findet man ſie im Karſtgebirge, wo ſie indeſſen, wie es ſcheint, nicht durch Auswaſchung von Steinſalz, ſondern durch die von Kalkſtein bedingt ſind. Etwas den Erdfällen durchaus Analoges iſt zuweilen auch in Gegenden entſtanden, wo durch Bergbau, alſo künſtlich, unterirdiſche Hohlräume gebildet wurden, die ſpäter einſtürzten. Die ſo entſtandenen Erdfälle pflegt man Bingen zu nennen. §. 197. Der Einfluß, welchen die einzelnen Geſteinsarten auf den landſchaftlichen Charakter der Gegenden ausüben, iſt zum Theil ſchon im vorigen Abſchnitt berückſichtigt worden; was im Ein⸗ zelnen darüber zu ſagen iſt, wird hier und da bei der ſpeciellen Schilderung der Einzelgebiete berührt werden. Namentlich wird * — 196— dazu im Gebiete Württembergs das ſchöne Kartenwerk Heinrich Bach's Gelegenheit bieten, in welchem verſucht worden iſt, die Bergzeichnung auf Situationskarten in innige Verbindung mit der Geognoſie der Gegenden zu bringen, da jedes Geſtein ſeine beſondern Oberflächenformen zu bilden pflegt. Dritter Abschnitt. Innerer Bau der einzelnen Gebiete Deutſchlands. ³*⁴) §. 198. Es kann natürlich nicht Abſicht ſein, hier eine vollſtändige Statiſtik der einzelnen Geſteine oder der mineraliſchen Productio⸗ nen Deutſchlands zu liefern, am wenigſten beabſichtige ich, dieſe letztern durch Zahlen auszudrücken, da ſie meiſt ungemein wech— ſelnd und zum Theil von der Art ſind, daß ein erhöhtes Be⸗ dürfniß ſehr leicht eine Steigerung der Production bewirken kann. Wol aber ſoll verſucht werden, in dieſer Beziehung das dem Weſen nach Wichtigſte überall hervorzuheben und namentlich auf Das aufmerkſam zu machen, was etwa in Zukunft noch zu erwarten iſt. Da ſich unmöglich das ganze deutſche Gebiet mit Einem male auf dieſe Weiſe in Betracht ziehen läßt, ſo iſt zunächſt der Ver⸗ ſuch einer zweckmäßigen Eintheilung zu machen. Natürliche Eintheilung Deutſchlands. §. 199. Nach ſeiner äußern Oberflächenform zerfällt Deutſchland in zwei Hauptabtheilungen, die nördliche ebene— das Tiefland— und die ſüdliche gebirgige— das Hochland. Letzteres kann paſſend wieder in das von vielen kleinen Gebirgsketten durchzogene tt Hemit en iſ, ü indung i zeſten ſin nds. 3) olſtändig Produthe⸗ eich, diſ mein wih öhtes B irken kam dem Weſe auf Dai warten iſ inem mall t der Ver tſchandi iefland- gterz in durtſoge — 107— Mittelland und das ſüdlichſte oder Alpenland geſondert werden. Dieſe ſomit alſo dreifache Gliederung— Tiefland, Mittel— land, Alpenland— wollen wir als Hauptabtheilungsmittel benutzen, obwol der innere Bau in mancher Beziehung zu einer Viertheilung Veranlaſſung bietet. §. 200. Es iſt nämlich die Schichtenfolge ſehr verſchieden im öſt⸗ lichen und weſtlichen Theile des Mittellandes, im Hochland und in der norddeutſchen Niederung. Wenn wir die Vertheilung der von den Geognoſten nach ihrem Alter und Weſen in Formationen geſonderten Flötzabla⸗ gerungen im deutſchen Gebiet unterſuchen, ſo ſtellt ſich alſo eine ſehr ungleiche Vertheilung derſelben heraus, wonach man nicht unpaſſend ganz Deutſchland in vier geologiſche Pro⸗ vinzen eintheilen könnte, die als Ergebniſſe früherer Zuſtände, als Reſultate der örtlichen Erdentwickelungsgeſchichte gewiß recht intereſſant ſind, auf die gegenwärtige Bewohnung des Landes aber einen verhältnißmäßig nur ſehr geringen Einfluß üben, wes⸗ halb es mir denn auch nicht beikommt, ſie als Grundlage für irgend eine ideale äußere Eintheilung benutzen zu wollen. §. 201. Ihr Einfluß iſt nämlich neutraliſirt theils durch die große mineralogiſche Aehnlichkeit der Flötzablagerungen aus den un⸗ gleichſten Zeitepochen, theils und vorzüglich aber durch den Um— ſtand, daß oft die jüngſten Ablagerungen, alle ältern bedeckend, auf große Strecken beinahe die ganze Oberfläche einnehmen, ſodaß alſo dann die Natur der Oberfläche nicht ſowol von der Zahl und Beſchaffenheit der übereinander liegenden Schichten, ſondern nur von der Natur der oberſten, neueſten vorhandenen Schichten bedingt wird. Auf die phyſiſchen Zuſtände der norddeutſchen Ebenen z. B. haben die unter dem Diluvium liegenden Schichten — 108— nur einen geringen Einfluß, und ähnlich iſt es auch im ſüd— lichen Deutſchland da, wo irgend eine Formation einen großen Flächenraum überdeckt. §. 202. Die angedeutete ungleiche Vertheilung der Flötzformationen in vier geologiſche Provinzen Deutſchlands wird ſich am beſten in der S. 109 folgenden Tabelle überſehen laſſen, wobei jedoch zu bemerken iſt, daß für die einzelnen Provinzen nur Central⸗ localitäten, nicht ſcharfe Abgrenzungen angegeben werden können. §. 203. Um die Einſchriften dieſer Tabelle alle richtig zu verſtehen, iſt es vielleicht für Manchen nöthig, das für dieſen Zweck em⸗ pfohlene Lehrbuch der Geognoſie zur Hand zu nehmen. Man wird dann genauer erkennen, wie groß die Lücken ſind, die in den Ablagerungen Süddeutſchlands hier und da wahrgenommen werden, während Norddeutſchland in ſeiner Totalität beinahe die ganze Reihe der in Europa bekannten Flötzſchichten enthält und darum faſt in allen geologiſchen Perioden von Waſſer bedeckt geweſen zu ſein ſcheint, was ſehr gut mit dem Mangel an Kenn⸗ zeichen örtlicher plutoniſcher Thätigkeit in dieſem oberflächlich faſt horizontalen Tieflande übereinſtimmt. §. 204. Aber dieſe vollſtändige Reihe der Schichtablagerungen in Norddeutſchland iſt, wie geſagt, vielfach von den neueſten Bil⸗ dungen überdeckt und tritt vorzugsweiſe nur an den ſüdlich auf⸗ ſteigenden Gebirgserhebungen und auch da gewöhnlich nur theil— weiſe an die Oberfläche hervor. Man hat darum eine große Zahl einzelner Beobachtungen in Weſtfalen, Thüringen, Sachſen, Pommern und Schleſien miteinander verbinden müſſen, um die vollſtändige Reihe dieſer Schichten zu erhalten. ULa and, Südweſtdeutſchland, — Steiermarr. 8. Alpe Tirol und — Südoſtdeuſchlrand. »„ ummu B. pv aunvag U.ſv usbuvz ee ugu 1201036 uo bunong ⸗u p⸗lobaoe mi e V Lwu ii u O0026 8 uavao en zu — 2 ujvg a ebueu 42421f D'n u auv uo nS ugo eeeee n no bv2 zuu 2v10ut2220S uolgogunvagk nu lvjouae dvgS 2429G ngob wiann e ¶ eee Bungnqu⸗ꝓv ainvaò ⸗bpvꝛs uonvuiao u* o 1 S 80 u bor06 lIL up uvlaoqvnd adun aoupich qobunogunvac ggoad 10b⸗2 12b4 Qun gwaev rwatLava D i ee u quvD azunR J1vge p n205 a0 dᷣnο 8b 0 uoq dun zogvans watLavac u gun bangsu⸗ boe eg ee qo buqoqunvag ujo plnuig*a2⸗2S zn d we dee Iaao lvagnS 993 vunqgnquepvamvad 2b(pp uvuo uo v u u⸗ 1oa g2 Cu⸗ b0 u l(po uuvS aoungs o GplnS aocnoF 8 b uooT dun zipgvans u ⸗ (u&) uo⸗e u auvlaogvn gun aaupich 2aN. nqabualcogunvag uo uvc⸗S ujo p nui*a*οπα 1j0b4020S u⸗ꝓ uplwane ii auu oewe bppac I ue Lun Joa uoaqvx an u*uρᷣρ uoguvaL zun u“dba 2 uognoach'n u⸗ bung unjc e 4 4 aupju aI. 4 Guol erscoan2„euo glznaduomane au cplins(116 === 8 ,⅛ S F= 2 ”5 S*=2= S 2 SS SSö 5S S=E 1 — 110— §. 205. Der Lauf der Flüſſe iſt in Deutſchland nicht ganz ſo, wie man nach jener dreifachen Abſtufung von Alpenland, Mittelland und Tiefland erwarten könnte. Sie entſpringen nicht vorherrſchend in den Alpen, um ſich in die nördlichen Meere zu ergießen. Aus ihrem Lauf ergibt ſich vielmehr eine mittlere(centrale), nicht überall durch eigentliche Gebirgserhebungen bezeichnete Anſchwellung(all⸗ gemeine Waſſerſcheide) vom Fichtelgebirge einerſeits bis zur Donau⸗ quelle und andererſeits über den Böhmer Wald und das Mähri⸗ ſche Gebirge bis zur Elbquelle. Der Hauptquellenknoten Deutſch⸗ lands iſt geradezu das kleine Fichtelgebirge, von dem aus Ge— wäſſer nach der Elbe, der Weſer, dem Rhein und der Donau abfließen. Ich ſehe in dieſer Theilung der Flüſſe nach Nord und Süd eine der Urſachen für die wenn auch etwas ideale Son⸗ derung unſeres Vaterlandes in Nord⸗ und Süddeutſchland, eine Theilung, die ſich denn auch gegen Weſten hin ganz ins Un⸗ beſtimmte verliert, vielleicht weil dort der Rhein die Alpen mit der Nordſee verbindet, wozu noch kommt, daß hier die deutſche Niederung ungemein ſchmal iſt. Gehörte Holland zu Deutſch— land, ſo würde ſich wol auch hier trotz des Rheins ein etwas deutlicherer Gegenſatz entwickelt haben. §. 206. Aber auch die Stromgebiete gewähren uns nicht die zweck⸗ mäßigſten Hülfsmittel zu einer natürlichen weitern Eintheilung, eher noch die Gebirgsketten, deren Lage in gewiſſem Grade unabhängig von jenen iſt. 4 Es durchſchneiden nämlich das Mittelland eine große Zahl kleiner Gebirgsketten nach verſchiedenen Richtungen und bringen zwiſchen ſich mehr oder minder große, halb oder ganz geſchloſſene Becken hervor. §. 207. Vom Norden herein finden wir zunächſt den Teutoburger Wald, der durch die Weſerketten ſich mit dem Harz verbindet. Jenſeit der leipziger Ebenen ſetzt dann in der Verlängerung der⸗ we mn gun o, 1 ttellandwe herithadi Aus im üccht üne ellung zur Dom⸗ das Niß ten Deuſt n aus 6e der Donn Nord un ale Son⸗ and, in ins we Appen mi ee deuſſt Deutſt ein etwi die zwei⸗ tthheilung, en Grade große zu id bringe zſchloſſen. eutoburge verbindtt rrung de — 111— ſelben Linie das ſächſiſche Weingebirge, das lauſitzer Berggebiet, das Rieſengebirge und die ſuddetiſche Kette fort. Dieſe lange herzyniſch⸗ſudetiſche Gebirgserhebung bildet in der Richtung aus NW. nach SO. die äußerſte nordöſtliche Grenze des Hochlandes. §. 208. Unter einem ſpitzen Winkel damit finden wir etwas ſüdlicher den Thüringer Wald, der ſeine ſüdöſtliche Verlängerung im Fichtel⸗ gebirge und im Böhmer Wald hat. Quer zwiſchen dieſen beiden Hauptlinien der Erhebung er⸗ ſtreckt ſich dann, faſt rechtwinkelig auf ſie, der breite Rücken des Erzgebirges aus Südweſt nach Nordoſt und iſt an beiden Seiten ſcharf von jenen Linien abgeſchnitten. Ihm parallel ſchließt ſüd⸗ öſtlich die noch flachere Erhebung des böhmiſch⸗mähriſchen Ge⸗ birges den faſt quadratiſchen böhmiſchen Keſſel ab. §. 209. Im Weſten des Mittellandes erhebt ſich als ſein äußerſter nördlicher Grenzpfeiler die breite plateauartige Maſſe des rheini⸗ ſchen Grauwackengebiets, überragt von zahlreichen kleinen Berg⸗ kuppen. Seine verſchieden benannten einzelnen Theile ſind nur durch verhältnißmäßig kleine Thalbildungen oder Senkungen von⸗ einander getrennt. §. 210. Im Süden davon beginnt mit dem Speſſart eine Gebirgs⸗ linie in nordſüdlicher Richtung durch zwei breite Einſattelungen geſchieden in den Speſſart, den Odenwald und den Schwarz⸗ wald, die jenſeit des Rheins ihre Parallelketten im Donnersberg, Hardtgebirge und in den Vogeſen finden. §. 211. Schräg durch Baiern und Württemberg, beinahe in der ſüd⸗ weſtlichen Verlängerung des Erzgebirges, erhebt ſich dann die anfangs niedrige deutſche Jurakette, in der Schwäbiſchen Alp zu ihren größten Höhen aufſteigend. — 112— §. 212. Endlich ſchließt den Süden die mächtige Alpenkette ab, aus mehren Parallelketten beſtehend und öſtlich in zwei bis drei ent⸗ ſchiedene Hauptarme ſich ſpaltend, deren beide nördliche das Ge⸗ birgsbecken von Grätz einſchließen. §. 213. Außer dieſen zuſammenhängenden Gebirgszügen, die vor⸗ zugsweiſe große Becken abſondern, finden wir aber noch eine An⸗ zahl baſaltiſcher Einzelberge und Berggruppen minder geordnet vertheilt, ſo in der Lauſitz, im böhmiſchen Mittelgebirge, in der Röhn, im Vogelsgebirge und im Kaiſerſtuhl. §. 214. Jeder Verſuch, natürliche Abgrenzungen einigermaßen ſcharf zu ziehen, ſtößt überall auf Schwierigkeiten. Die verſchiedenartigen Rückſichten der Eintheilung durchkreuzen, miſchen oder decken ſich theilweiſe und es iſt nicht möglich, den Verſuch durchzuführen, ohne der Natur der Sache einige Gewalt anzuthun. Die poli⸗ tiſchen Grenzen ſind freilich ſchärfer, aber ſie ſind nicht nur der Veränderung ausgeſetzt, ſondern faſſen auch zuweilen ganz Hete⸗ rogenes zuſammen oder trennen Gleichartiges. Darum bleibt für unſere Betrachtungen doch nichts Anderes übrig, als ideale natür— liche Gebiete, wenn auch zuweilen mit einiger Gewaltſamkeit, zu bilden. Es wird dabei vorzugsweiſe darauf ankommen, ihre Centren charakteriſtiſch zu wählen, wenn auch ihre Grenzen ſich verlaufen. Wir werden die Becken, und ihre Grenzen: die Ge⸗ birge, beſonders betrachten. §. 215. Nachſtehendes Schema mag den Verſuch der Eintheilung überſichtlich darſtellen, die wie jedes Syſtem nur Hülfsmittel, nicht Zweck iſt und daher als unweſentlich, nur als zur Erleich⸗ terung der Darſtellung dienend, angeſehen werden muß. — 113— I. Norddeutſches Tiefland mit deſſen Ausbuchtungen: d db, an 1) Die pommeriſch⸗preußiſche Seendlatte;; drei a 2) die poſener Ebene; e das e 3) das Havelland; 4) Mecklenburg; 5) Holſtein; 6) die Lüneburger Haide; 7) das Sauerland; 8 1 8) die Bucht von Köln; ere 9) die Bucht von Münſter; nn 10) die nördlichen Vorhügel des Harzes; 2 11) die Bucht von Leipzig; 12) der Fläming; 13) die Niederlauſitz; 14) die Bucht von Breslau; ſcharf 15) die trebnitz⸗tarnowitzer Berge; nartigen II. Gebirgiges Mittelland: ecen ſih 1) Teutoburger Wald und die Weſerketten; zufühtn 2) das heſſiſche Bergland; die pol⸗ 3) Harz; nur da 4) Thüringer Becken; 3 Hete⸗ 5) Thüringer Wald; leibt für 6) Fichtelgebirge; natür⸗ 7) Erzgebirge; eit, zu 8) Sächſiſche Schweiz und Oberlauſitz; 1, ihre 9) Rieſengebirge; zen ſih 10) das Glatzer Becken; di Ge⸗ 11) ſudetiſche Gebirge; 12) das böhmiſch⸗mähriſche Gebirge; 13) Böhmiſches Becken; 14) Böhmer Wald; 9 15) Bairiſches Becken; heilung, znitt 16) Röhnz Eliit⸗ 17) Vogelsgebirge; 18) das rheiniſche Schiefergebirge; Cotta, Deutſchlands Boden. 8- — 114— 19) das Rheinbecken(von Bingen bis Baſel); 20) der Odenwald; 21) der Schwarzwald; 22) das Haardtgebirge; 23) das Wiener Becken; III. Alpenland: 1) der Molaſſerand; 2) die Kalkalpen; 3) die Centralkette; 4) das Gebirgsbecken von Gratz. §. 216. Für jedes dieſer Einzelgebiete hat unſere Darſtellung zu be⸗ rückſichtigen: die Lage, die Erhebung und Form der Ober⸗ fläche, den Waſſerlauf, den innern Bau und die Einflüſſe aller dieſer Factoren auf das Leben. Unter Lage faſſen wir da— bei zuſammen: die Stellung zum Ganzen, die Art der Umgren⸗ zung und die klimatiſchen Verhältniſſe; unter Oberflächenform: die allgemeine Erhebung, die Lage, Richtung, Form und Er⸗ hebung der Gebirge oder Hügelketten; unter Waſſerlauf: den Reichthum an Quellen, ihre Natur und die Formen des Fluß⸗ laufes; unter innerm Bau nicht nur deſſen erſchließbare Geſtal⸗ tung und ſeinen Einfluß auf die Oberflächenform, ſondern auch deſſen Qualität in Beziehung auf techniſche Ausnutzung. Der Einfluß auf die organiſche Welt— das Leben— wird überall da zu erörtern ſein, wo er ſich in charakteriſtiſcher Weiſe nachweiſen läßt. Ich werde aber dabei keineswegs ſtreng ſchema⸗ tiſch verfahren, ſondern vielmehr die einzelnen Erſcheinungen ſo an— einander zu reihen ſuchen, wie es mir eben für den beſondern Fall am paſſendſten erſcheint. §. 217. Nicht alle jene Gebiete ſind gleich bekannt, am wenigſten für den Verfaſſer, der ſeine Betrachtungen doch ſtets am lieb⸗ ſten auf eigene Beobachtungen gründet. Es werden darum ein⸗ zelne derſelben, gleichſam als Beiſpiele, in der Schilderung ſehr bebotz bibden g zu be Ober⸗ enflüſſe wir d Ungre⸗ enform. und Er zuf: den es Fluß⸗ eGeſtal⸗ ern auch 9. De — witd r Weſe zſcheme⸗ en ſogr den du weiſtn am li⸗ tun är ung ſte — u15— bevorzugt, ſo namentlich die, welche Sachſen und Thüringen bilden. Die norddeutſche Niederung ¹⁵). §. 218. Dieſes große Gebiet werde ich zunächſt ganz im Allgemeinen zu ſchildern verſuchen, dann aber etwas ſpecieller in ſeinen ein⸗ zelnen Theilen. Die norddeutſche Niederung umfaßt alles deutſche Land nörd⸗ lich vom Fuß der Sudeten, des Rieſengebirges, der Oberlauſitz, des Erzgebirges, des Harzes, der Weſerketten, des Teutoburger Waldes und des rheiniſchen Schiefergebirges und dringt auch noch mehrfach in Buchten zwiſchen dieſe Gebirge ein. Auf einem Flächenraum von mehr als 7000 Quadratmeilen erhebt es ſich nur wenig über den Spiegel des Meeres. Seine größten Höhen ſtei— gen kaum einige Hundert, nie volle Tauſend Fuß darüber empor. Aber es iſt dennoch keine ununterbrochene Ebene, ſondern es wird von mehren flachen Höhen oder Landrücken durchzogen, welche ſich 300— 800 Fuß über den Meeresſpiegel erheben. §. 219. Einer dieſer Höhenzüge umgibt in weitem Bogen die Küſten der Oſtſee. Sein weſtlichſter Theil iſt der holſteiniſche Landrücken, daran ſchließt ſich jenſeit der Stecknitz der mecklenburgiſche Land⸗ rücken, dann aber der pommerſche Landrücken und die preußiſche Höhe an. Merkwürdigerweiſe ſind gerade dieſe flachen Höhen von ungemein vielen kleinen Landſeen bedeckt, weshalb man ſie auch die norddeutſche Seenplatte genannt hat. Sie werden von den Thälern der Stecknitz, der Oder und der Weichſel quer durch⸗ brochen, während diesſeits dieſes langen Höhenzugs die Netze, die Spree, die Havel und die Elbe gleichſam in einem gemein— ſamen großen Längenthale ſtrömen und vielfach auch von jenen flachen nördlichen Höhen her Zuflüſſe erhalten. Meyn ſagt in der Zeitſchrift der deutſchen geologiſchen Geſell⸗ ſchaft(Bd. 4, S. 584) von jenen Landſeen:„Der außerordent⸗ liche Seengürtel, welcher die Oſtſee umzingelt, iſt ein viel merk⸗ 8* — n16— würdigeres Phänomen, als gewöhnlich angenommen wird. Viele dieſer Seen ſind ſehr tief, eine große Zahl gilt im Volke für unergründlich. Einige Meſſungen, welche man über tiefere Seen hat, ergeben 4, 5, 6, 700 Fuß, wenn ihr Hügelrand 2 und 300 Fuß aufſteigt, und ſo außerordentliche Niveauunterſchiede beziehen ſich immer nur auf Keſſelbildungen, nie auf Längenthäler oder Hügelketten. Viele dieſer Seen ſind hiſtoriſch beglaubigte Erd⸗ fälle, andere verrathen eine ſolche Entſtehung durch ihren Ha⸗ bitus, andere enthalten erweislich verſunkene Wälder und Torf— moore, von vielen fabelt das Volk, daß Städte und Dörfer darin verſunken ſeien.“ §. 220. Ein zweiter, theilweiſe dem vorigen paralleler Höhenzug be⸗ ginnt weſtlich mit der Lüneburger Haide, breitet ſich von hier bis zum Elbthal bei Magdeburg aus, findet jenſeit deſſelben eine Fortſetzung in dem Fläming, dann aber öſtlich nach einer größern Unterbrechung in den Hügeln von Sorau und Grüneberg und in den Trebnitzer Bergen. §. 221. Zwiſchen dieſen beiden Höhenzügen breitet ſich öſtlich die poſener Ebene aus, in der Mitte aber erheben ſich die kleinen Hügelgruppen von Spandau und Müncheberg bei Berlin. Dieſe flachen Höhenzüge oder Landrücken beſtehen an der Oberfläche größtentheils aus diluvialem Sand, und der verbreitetſte Aus— druck für dieſen etwas erhöhten Sandboden iſt„Geeſt“ oder „Geeſtland“, während der ebene oft alluviale oder ſumpfige Bo⸗ den dazwiſchen je nach Umſtänden„Klei, Marſch, Moor oder Schlick“ genannt wird. 8. 222. Sehr merkwürdig iſt in dem flachen Gebiet von Norddeutſch⸗ land, ſüdlich von der Seenplatte, der Lauf der Flüſſe. Sie ſuchen nicht auf dem nächſten Wege von den Gebirgen aus das Meer zu erreichen, ſondern ſie folgen vorherrſchend der Richtung aus SO. nach NW., und wo ſie dieſe Hauptrichtung verlaſſen, um ſich nördlich zu wenden, da geſchieht es gewöhnlich plötzlich, d. Ae Volke ſi fere En und 3 ebezit äler ade gte Ed ren He ad Tori d Düift nzug be pon hie bben ein größen g undi llich di e kleinen 7. Diſe berfläch ſte Aus⸗ 1“ oder ſige Be⸗ door ode deutſch ſe. Ei aus di Richkung verleſtn — 117— aber nur auf eine kurze Strecke, um dann wieder in die alte Rich⸗ tung zurückzukehren; ja hinter ihren faſt rechtwinkeligen Umbiegun⸗ gen findet ſich ſogar mehrfach ein anderer Fluß ein, welcher die alte Richtung faſt genau in ihrer linearen Verlängerung fortſetzt. So findet die Elbe jenſeit Magdeburg ihre Fortſetzung in der Aller, die Oder jenſeit Frankfurt erſt in der Spree und dann in der Elbe. Sind ſie aber einmal in die norddeutſche Seenplatte eingedrungen, dann kehren ſie nicht wieder in die alte Richtung zurück, die par⸗ allele Schichtenaufrichtung, welche die herrſchende Flußrichtung ver⸗ anlaßt, ſcheint unter ihr nicht weiter nördlich fortzuſetzen. Jeder auf⸗ merkſame Blick auf irgend eine gute Karte läßt ſogleich dieſe eigen⸗ thümliche Thatſache erkennen, weshalb ich es für überflüſſig halte, ſie ſpecieller zu beſchreiben. §. 223. Fragen wir nach der Urſache davon, ſo finden wir dieſelbe in dem innern geologiſchen Bau. Die geſchichteten Geſteine unter⸗ halb einer oft mächtigen horizontalen Diluvialdecke ſind in dieſen Gegenden, wie es ſcheint, überall parallel den benachbarten Ge⸗ birgsketten aufgerichtet. Ihre feſtern Ränder treten ſogar zu⸗ weilen auf dieſe Weiſe, aus SO. nach NW. exſtreckt, unter der Decke hervor; wo das aber auch nicht der Fall iſt, haben ſie dennoch durch Bodenanſchwellung oder ungleichen Widerſtand einen Einfluß auf den Ablauf des Waſſers geübt. Sie haben gleich⸗ ſam Längenthäler bedingt, die nur hier und da von Querthälern durchbrochen und unter ſich verbunden ſind. Man erkennt ihren Bau durch die Diluvialdecke wie durch einen verhüllenden Schleier hindurch, oder beſſer: die Erhebungen, welche hier vor unermeß⸗ lichen Zeitperioden ſtattgefunden haben, üben noch immer ihren Einfluß auf die Oberflächengeſtaltung und durch dieſe auf das Leben, obwol ihre unmittelbaren Reſultate faſt bis zur Unſicht⸗ barkeit bedeckt ſind. §. 224. Die norddeutſche Niederung beſteht an ihrer Oberfläche vor⸗ herrſchend aus Diluvialbildungen, aus Löß(ſand⸗ und kalk⸗ haltigem Lehm), Thon, Mergel(Kleiboden), Sand, Kies und — — 118— erratiſchen Felsblöcken(Geeſtland). Zuweilen ſind über dieſe mäch⸗ tige Diluvialdecke große Torfmoore, ſtarke, fruchtbare Humus⸗ decken(Marſchen), Ablagerungen von Raſeneiſenſtein oder von Infuſorienſchalen ausgebreitet, nur ſelten treten ältere Schichten darunter hervor. Unter dieſen hier und da auftauchenden ältern Schichten ſind wieder die Braunkohlenbildungen die häufigſten, weit vereinzelter erſcheinen Kreide, Jura und Muſchelkalk. §. 225. Die an der Oberfläche überall vorherrſchenden Diluvialgebilde zeigen äußerſt ungleiche Grade der Bodenfruchtbarkeit, je nachdem ſie aus Löß(Lehm und Thon), Sand, Kies oder Mergel beſtehen, von Torfmooren oder von mächtigen Humusſchichten bedeckt ſind. Das Sandland iſt die Heimat der dürren Haiden und ſchatten⸗ armen Kiefernwälder, während Löß, Mergel und Humus von den üppigſten Fluren bedeckt ſind. Den Mergel, wo er vereinzelt auftritt, beutet der Landwirth für ſeine Felder aus, Lehm und Thon werden in Baumaterialien und in häusliche Geſchirre ver⸗ wandelt, als Brennmaterial dient hier und da der Torf, der Raſeneiſenſtein wandert in benachbarte Hohöfen und die großen erratiſchen Felsblöcke, die nach Anſicht der Geologen auf ſchwim⸗ menden Eisſchollen aus Skandinavien und Finnland nach Deutſch⸗ land eingewandert ſind(darum auch nordiſche Geſchiebe genannt), dienen vielfach zu den gemeinſten wie zu den erhabenſten Zwecken. Begierig greift in der felſenloſen Niederung der Straßenbauer wie der Pflaſterer nach dieſen feſten Wanderblöcken; aus Kalk⸗ ſtein beſtehend, ſind ſie höchſt willkommene Vertreter weit und breit mangelnder Kalkflötze, die ſchönſten granitnen Findlinge aber wählt ſich der Künſtler aus, um ſie entweder ſelbſt in Kunſt⸗ werke zu verwandeln oder wenigſtens ſeine Statuen darauf ruhen zu laſſen. So ſind ſie im fremden Lande ein reicher Segen ge⸗ worden und zugleich die Denkſteine einer merkwürdigen geologi— ſchen Periode, in welcher nordiſche Eisſchollen bis an die deut⸗ ſchen Gebirge herantrieben und den heimiſchen Grabſtein eines Schwedenkönigs auf dem Schlachtfelde von Lützen bereit hielten. — ſe nit Hunu⸗ der wn Schihte n ältm pfigten Agebitd nachden eſtehe kt ſind catten von da ereinzt ehmn und zirrebe⸗ orf, de großen ſchwin⸗ Deutſcy⸗ enannh) Zweckn enbauer 5 Kal⸗ veit und nge ahr Kuni. uf ruhn egen g geolii die deu ein Cnä üt hiltn — 119— §. 226. Zunächſt unter dieſen diluvialen Bildungen folgen, weit ver⸗ breitet, aber nur hier und da zu Tage tretend, Thon⸗ und Sand⸗ ſchichten mit zuweilen ſehr mächtigen Braunkohleneinlagerungen oder auch wol bloße Thonablagerungen mit Meeresmuſcheln (Septarienthone). Uns intereſſiren, als für das menſchliche Leben einflußreich, beſonders die erſtern. §. 227. Seit lange ſchon hat man in der Nähe der Gebirgsränder oder in ihren Buchten bei Merſeburg, Halle, Grimma, Muskau, Zittau u. ſ. w. dieſe Braunkohlenlager abgebaut und trefflich ver⸗ werthet, aber erſt in neuerer Zeit hat man ſie auch unter die weiten Diluvialſtrecken hinab verfolgt, unter denen ſie ſehr wahr— ſcheinlich beinahe allgemein ausgebreitet ſind. Seitdem ſind nun auch ſchon an ſehr vielen Punkten mitten in der weiten Niede⸗ rung Braunkohlengruben eröffnet worden, und es iſt keine Frage, daß dieſes für viele Zwecke ſehr brauchbare, wenn auch nicht ſehr concentrirte Brennmaterial von immer größerm Einfluß auf die Induſtrie des deutſchen Tieflandes werden wird. §. 228. Dieſe Braunkohlen umſchließen zugleich als deſſen urſprüng⸗ liche Lagerſtätte den Bernſtein, der aber häufiger noch, durch die Oſt⸗ ſee ausgeſpült, an deren Küſten aufgefunden wird und dort in der ſogenannten Bernſteinfiſcherei einen, wenn auch nicht allgemein wich⸗ tigen, doch ſehr eigenthümlichen Induſtriezweig hervorgerufen hat. Durch ähnliche Auswaſchungen iſt er auch in die Schichten der Diluvialzeit gelangt, die ihn hier und da ſporadiſch enthalten. §. 229. Was unter den Braunkohlenbildungen liegt, ragt, wie ge⸗ ſagt, nur höchſt vereinzelt an die Oberfläche hervor, wenn wir davon die flachen Hügelgebiete ausnehmen, welche den Harz nörd⸗ lich umgeben und welche zwiſchen der Oder und den Quellen der — 120— Warthe ſich ausbreiten, in denen die Schichten der Kreide⸗, Jura⸗, Trias⸗, Kohlen⸗ und Grauwackengruppe in ziemlicher Verbrei⸗ tung hervortreten und noch dazu in Schleſien mit einer ganz beſondern techniſch wichtigen Bedeutſamkeit. Es enthält näm⸗ lich hier die Juraformation ſehr ausgebreitete und reiche Thon⸗ eiſenſteinlager, während im Muſchelkalk eine mächtige unregel⸗ mäßige Einlagerung von Brauneiſenſtein, Galmei und Bleiglanz auftritt. Dazu geſellen ſich nun aber auch noch benachbarte Stein⸗ kohlenablagerungen, ſodaß durch den Verein dieſer Mineralſchätze die Umgegend von Tarnowitz ſeit lange ſchon eine große berg⸗ und hüttenmänniſche Bedeutung gewonnen hat. §. 230. Zu den ganz inſularen ältern Bildungen in dem weiten Gebiet des Flachlandes gehören die ſchönen Kreidefelſen der Inſel Rügen, die von koloſſalen Steinbrüchen aufgeſchloſſenen Muſchel⸗ kalkſchichten von Rüdersdorf bei Berlin und die ähnliche gyps⸗ haltige Felſenenclave bei Lüneburg, welche beide nicht nur faſt ge⸗ nau in der verlängerten Richtung der untern Elbe liegen, ſondern auch ebenſo genau in einer Linie mit der aus gleichen Schichten beſtehenden Inſel Helgoland, ſodaß man gerade hier wol eine Bruch⸗ und Erhebungslinie der geſchichteten Geſteine anzunehmen hat, die aber im größten Theile ihrer Ausdehnung ganz von den jüngern Diluvialbildungen überdeckt und dadurch unkenntlich ge— worden iſt. Einige minder wichtige Vorkommniſſe ähnlicher Art werden wir noch kennen lernen. §. 231. Die klimatiſchen Verhältniſſe der norddeutſchen Niederung, welche ſich vom 51. bis zum 55. Breitengrad ausdehnt, ſind keineswegs überall gleiche. Nicht nur ſinkt die mittlere, auf den Meeresſpiegel reducirte Jahrestemperatur von den ſüdlich⸗ ſten Regionen bis zu den nördlichſten von 10° C. bis auf 80 (80— 60 R.) herab, ſondern durch die eigenthümliche Verthei⸗ lung der Wärme im centralen Europa, welche in ſeinen Jahres⸗ Jan, Lerbue⸗ gmnj nin⸗ Thon⸗ nregel eiglan Skein⸗ ſhätt berg⸗ veiten Inſc uſche⸗ gyxe⸗ fat ge ondern ichten lheine ehmen n den h ge⸗ Art — 121— iſothermen ſo auffallend große Biegungen hervorbringt, ſind die Gegenden zwiſchen Leipzig und Lübeck, ſowie die Ufer des Rheins vorzugsweiſe klimatiſch begünſtigt gegen alle öſtlicher und weſt⸗ licher oder dazwiſchen gelegenen Regionen. §. 232. Die Summe der jährlichen atmoſphäriſchen Niederſchläge in dem nördlichen flachen Theile von Deutſchland erreicht nur etwa 19 Zoll, während die mittlere Regenmenge für ganz Europa jährlich etwa 32 Zoll beträgt. Dabei iſt die Regenmenge in dem weſtlichen Theil des Tieflandes etwas größer als in dem öſtlichen. §. 233. In Flachländern, wie die norddeutſche Niederung, iſt der Verkehr nicht durch die Geſtaltung des Bodens geregelt, die ihn beinahe in keiner Richtung verhindert, ſondern durch die Ver⸗ theilung der ſchiffbaren Flüſſe, der Häfen, des vorzugsweiſe fruchtbaren Landes und benachbarter Induſtriediſtricte. Die grö⸗ ßern Flüſſe durchſchneiden, wie wir geſehen haben, die norddeutſche Niederung alle in einer beſtimmten Richtung aus OSO. nach WNW. Die großen Hauptſtädte haben ſich aber nicht überall an ſie angelehnt und, da ſie gerade die mächtigſten Anziehungs⸗ punkte des Verkehrs geworden ſind, ſo hat ſich ein ſehr compli⸗ cirtes Netz von Hauptſtraßen entwickelt, welches ſich nur ſchwierig aus einfachen Grundurſachen ableiten läßt. Indeſſen ſind einige Hauptwege denn doch deutlich durch die Geſtalt, Lage und Um⸗ gebung unſerer Niederung geboten. Wir finden ſie am leichteſten, wenn wir ihre naturgemäßen Eintritts- oder Ausgangspunkte aufſuchen. §. 234.. Die Hauptlandverbindung mit Rußland ſtellt nur eine Haupt⸗ ſtraße her, parallel der Küſte der Oſtſee. Das Warthethal und das Oderthal öffnen den Haupteingang aus Polen, Galizien und Mähren, das Elbthal den aus Böhmen und Sachſen, das Thü⸗ ringer Becken die natürliche Verbindung mit dem Rheinland, — 122— während das centrale Süddeutſchland nur auf dem etwas künſt— lichen Wege über Hof durch die Bucht von Leipzig mit dem Tieflande in Verbindung getreten iſt. Zum Niederrhein hat man einen Weg durch die Weſerkette gefunden. Nun folgen an der Küſte die Häfen: Bremen, Hamburg, Kiel, Lübeck, Stralſund, Stettin, Danzig, Königsberg. Dieſe Eingangsthore ſind mit den innern Centralpunkten Berlin, Frankfurt a. d. O., Leipzig, Magdeburg, Braunſchweig, Hannover u. ſ. w. zu verbinden, um die Hauptfäden und Knoten des Verkehrsnetzes zu erhalten. 4† Daß Hamburg noch nicht mit Bremen und Lübeck, Berlin noch nicht mit Poſen und Warſchau durch Eiſenbahnen verbunden ¼- ſind, liegt offenbar nur an der Eigenthümlichkeit politiſcher Ab⸗ grenzungen und Zuſtände. §. 235. Das norddeutſche Tiefland bildet kein in ſich abgeſchloſſenes natürliches Gebiet. Nur gegen Nord und Süd iſt es von der Natur begrenzt durch Meer und Gebirge, nicht aber gegen Oſt und Weſt. Wir können uns darum nicht wundern, wenn ſeine politiſche Eintheilung im Lauf der Jahrhunderte eine vielfach wechſelnde geweſen iſt, je nachdem öſtlich, ſüdlich oder weſtlich angrenzende Stämme, die eigenen Bewohner, oder die jenſeit der Oſtſee zu größerer Macht gelangten. Die erſte einigermaßen ſcharfe ſtaatliche Umgrenzung in dieſem Erdtheile durch den Ver⸗ trag zu Verdun(843 n. Chr.) ſchied, dem Lauf der Elbe und Saale entſprechend, öſtlich Saxonia(aus Oſt⸗ und Weſtfalen beſtehend) von dem öſtlichen Wendonia und Polonia. Unter den Hohenſtaufen ums Jahr 1200 finden wir in dem Gebiete der norddeutſchen Niederung unterſchieden: Weſtfalia, Lüneburg, Brunſwyc, Holſtein, Mikilinburg, Rugia, Brandenburg, Lu⸗ ſatia, Slavia, Pomerania, ſowie einige minder wichtige Gebiete oder Stämme und ganz im Oſten jenſeit der Weichſel Pruſſia. In den zunächſt folgenden Jahrhunderten und bis zu Maximi⸗ lian's I. Zeit geſtalten ſich die Herzogthümer Wolgaſt und Stettin. Mecklenburg wächſt, aber von natürlicher Abgrenzung iſt überah — i noch wenig bemerkbar. Der 30jährige Krieg bringt einen Theil den von Vorpommern in die Hände Schwedens. Der Zeitraum von tun 1649— 1792 und in ihm namentlich Friedrich der Große dehnt nn de die preußiſche Monarchie beträchtlich aus, die nun unter ſich zu⸗ lſond ſammenhängend aus Oſt⸗ und Weſtpreußen, Ermeland, dem Netz⸗ — ni diſtricte, Vor- und Hinterpommern, der Mark Brandenburg, ganz 1Ä Schleſien, dem Magdeburgiſchen und Halberſtädtiſchen beſteht, „um außerdem aber aus einigen kleinern Gebieten in Thüringen(Halle, Ellrich), in Weſtfalen(Minden, Tecklenburg, Grafſchaft Mark, erin Geldern, Kleve, Lingen) und Oſtfriesland beſteht. Dieſer der unden Natur des Landes entſprechende Conſolidirungsproceß im nord⸗ A⸗ deutſchen Tieflande iſt von da ab im Vorſchreiten geweſen. Das Königreich Preußen hat ſich mehr und mehr nach ſeinen natür⸗ lichen Grenzen, den ſüdlich vorliegenden Gebirgen ausgedehnt, ſtatt Oſtfrieslands und des entlegenen Baireuth aber Stralſund vſſenes und Rügen, Weſtfalen, Rheinpreußen und die Provinz Sachſen on det gewonnen. Das war ein naturgemäßer, wenn auch unvollendet en R gebliebener Staatenbildungsproceß. ſeine elfach§. 236. eſtlich Naach dieſem Allgemeinen wollen wir uns einzelnen Theilen it der der norddeutſchen Niederung zuwenden, ohne daß es dabei meine naßen Abſicht iſt, das geſammte Gebiet überall ſpeciell zu durchwandern. Ver⸗ Ich werde der Reihe nach beſprechen: und 1) die pommeriſch⸗preußiſche Seenplatte; ffale 2) die poſener Ebene zwiſchen Netze und Bartſch; er der 3) das Havelland; te dt 4) Mecklenburg; bburg 5) Holſtein; „Lr 6) die Lüneburger Haide; zebiet 7) das Sauerland zwiſchen der Ems und Weſer; gruſ 8) die Rheinbucht von Köln; erini 9) das Becken von Münſter; deetin 10) die nördlichen Vorhügel des Harzes; lben 11) die Leipziger Bucht; — 124— 13) die Niederlauſitz; 14) die Schleſiſche Bucht; 15) die trebnitz⸗tarnowitzer Berge. 1) Die pommeriſch⸗preußiſche Seenplatte. §. 237. Zu wenig bekannt mit dem Lande jenſeit der Weichſel, wo die Lithauer ihre kleinen Pferde züchten, die Maſuren in Erd⸗ höhlen leben, die„Krähenfreſſer“ den ſonderbaren ſchmalen Damm (die„Neerung“¹) bewohnen, welcher das Kuriſche Haff von der Oſtſee ſcheidet; weder mit der geologiſchen Natur der„Wildniß“ um Johannisburg, noch des„Paradieſes“ bei Fiſchhauſen oder des„Güldenen Bodens“ bei Elbing bekannt, muß ich das große, zum Theil erhöhte und von zahlreichen Seen durchſchnittene Di⸗ luvialgebiet Oſtpreußens unbeſchrieben laſſen, um ſogleich auf etwas deutſcherem, wenn auch immer noch wenig bekanntem Boden zu beginnen. §. 238. Dieſe Seenplatte iſt ein ungemein flacher Landrücken, der im Gollenberge bei Köslin ſeine größte Höhe(450 Fuß) erreicht, und in welchem bis jetzt an der Oberfläche faſt nur diluviale Ab⸗ lagerungen erkannt worden ſind, häufig von zerſtreuten oder gruppirten erratiſchen Felsblöcken bedeckt. Da aber an den äußern Rändern deſſelben, ſowol mehrfach im Oderthale als bei Lands⸗ berg und im Weichſelthale bei Frodon, bei Schwetz und bei Danzig, blauer Braunkohlenthon und Braunkohlenlager aufge⸗ funden ſind, von denen der erſtere mehrfach als Ziegelthon be⸗ nutzt wird, ſo iſt es in hohem Grade wahrſcheinlich, daß die⸗ ſelben auch unter dieſer Platte fortſetzen und überall in einer gewiſſen Tiefe gefunden werden können. Da aber dieſe wenig bevölkerte Gegend noch keinen Mangel an Holz und Torf leidet, ſo wird man das unterirdiſche und vielleicht ſchwierig zu gewin⸗ nende Brennmaterial wol für ſpätere Zeiten ruhen laſſen. Zu dem Gebiet dieſer ſo ſonderbar von Seen durchzogenen Anhöhe 12) den Fläming; ⸗ — 125— rechne ich hier indeſſen auch alles flache Land, welches in Pom⸗ mern und Weſtpreußen zwiſchen der Oder, der Netze, der Weichſel und dem Meere liegt. Das Meer wirft auch hier, wie in Oſt⸗ preußen, Bernſteine an die Küſte aus, die aufgeſammelt oder ausgefiſcht und theilweiſe in Elbing verarbeitet werden. Beinahe noch ſchönere finden ſich vielfach in dem blauen Thon oder Let⸗ ten, z. B. bei Graudenz und im ehemaligen Ermelande, oft wer⸗ den ſie auch von den Wellen der vielen Landſeen aus demſelben ausgeſpült. §. 239. Merkwürdigerweiſe treten jenſeit des flachen Landrückens an dem äußerſten Küſtenſaum Deutſchlands in den Umgebungen von Kammin noch einmal ſporadiſch feſte Geſteinsſchichten an die Ober⸗ fläche hervor, welche der Kreide⸗ und Juraformation angehören. Nach Weſſel's Unterſuchung finden ſich dergleichen Kreidebildungen in den Gegenden von Witzdorf, Medewitz und Tribſow, Jura⸗ bildungen dagegen bei Fritzow, Kammin, Soltin, Schwerz, Klem⸗ men, Bank und Schwanteshagen, während in derſelben Gegend Soolquellen bekannt ſind bei Kleinweckow, Dobberpfuhl, Reckow, Königsmühl, Morgow, Schwirſen und Kleiniuſtin. §. 240. Die geringe Bevölkerung von nur 1500— 2000 auf eine Quadratmeile iſt eine natürliche Folge nicht nur der dem Verkehr entrückten Lage, ſondern ganz beſonders auch der ebenen Oberfläche ſehr geringer Fruchtbarkeit oder techniſchen Nutzbarkeit des Bodens. Nur wenige Theile dieſes großen Landſtriches zeigen eine mittlere Fruchtbarkeit, namentlich die weſtlichen in der Nähe der Oder, die nördlichen in der Nähe der Küſte und ein paar innere Oaſen. Wahre Ausnahmen bilden das Land„Fetry“(fetter Acker) bei Dirſchau und der„Waitzacker“ bei Pyritz, in denen die diluvialen Ab⸗ lagerungen theils durch neuere Schlammablagerungen bedeckt ſind, theils aus Löß beſtehen. Den größern Theil bedeckt ſteriler Diluvialſand, der mehrfach in Flugſand ausartet, oder Sumpf, welcher letztere allerdings durch Entwäſſerung oft in fruchtbaren — 126— Wiesgrund umgewandelt werden kann; namentlich ſind die Ge⸗ biete des Schwarzwaſſers und der Brahe durch große Unfrucht⸗ barkeit in Folge von Verſumpfung ausgezeichnet. §. 241. Wo, wie hier, die Beſitzungen noch ſo ausgedehnt ſind, weder viel Arbeitskraft noch viel Capital vorhanden iſt und der Getreidebau noch am meiſten lohnt, da iſt natürlich das Syſtem der Felderwirthſchaft(Dreifelderwirthſchaft) noch ganz an ſeinem Platze. Doch iſt in dem fruchtbarern und dem Verkehr günſtiger gelegenen weſtlichen Theile, in der Nähe der Oder, bereits eine Uebergangsſtufe der in Mecklenburg herrſchenden Wechſelwirth⸗ ſchaft zur Fruchtwechſelwirthſchaft an die Stelle der Feldwirth⸗ ſchaft getreten. §. 242. An beſondern Erwerbsquellen, welche der Boden darbietet, ſind außer dem Bernſtein und den zu hoffenden Braunkohlen nur etwa die Salinen bei Kolberg und das kalte Mineralbad von Polzin zu nennen, welches letztere indeſſen ſchwerlich von Andern als von Bewohnern des Landes beſucht werden dürfte. §. 243. Die Küſte der Oſtſee hat Veranlaſſung gegeben zu den Häfen von Danzig, Leba, Stapelmünde, Rügenwalde und Kolberg. Außer den beiden Grenzflüſſen Weichſel und Oder ſind nur fünf Flüßchen für kurze Strecken kleinen Booten zugänglich, doch wird das Holz der häufigen Kiefernwälder auf 14 Bächen dem Meere wie den größern Flüſſen zugeflößt. Eine größere Stadt fehlt im Innern dieſes großen Gebiets gänzlich. 2) Die poſener Ebene. §. 244. So wollen wir hier den Landſtrich nennen, welcher, von der untern Warthe durchſtrömt, ſich zwiſchen der Netze, Oder und Bartſch ausdehnt, faſt überall als eine kaum undulirte Ebene. Er iſt nur ſparſam von Bächen bewäſſert, aber vielfach von hlinen Fhel an ciwe Gebitt gech kohle (agow öbit berit un hohtt bebit dc Kahſer ſchu boſend nt In! ie Ge -ruct ſind, d der ſtem inem ſiger 3 eine wirth⸗ virth⸗ bietet kohlen d von indern däfen berg. fünf wird Meere lt in n der und tbene. von — 127— kleinen Landſeen unterbrochen, beſonders in ſeinem nordöſtlichen Theile. Meiſt fruchtbarer Boden bedeckt in dem Grade die ganze Oberfläche, daß er jeden Einblick in den innern Bau ſehr erſchwert. Doch ſind neuerlich in dem weſtlichen Theile dieſes Gebiets an vielen Punkten Braunkohlen und Alaunerdelager auf⸗ geſchloſſen worden. Plettner bezeichnet auf ſeiner kleinen Braun⸗ kohlenkarte in den Gegenden von Züllichau, Schwiebus, Liebenau, Lagow, Schermeißel, Gleißen, Zielenzig, Droßen, Sonnenburg, Göritz und Frankfurt nicht weniger als 19. Stellen, an denen bereits Braunkohlen und Alaunerde gewonnen werden. Da man nun auch in Bromberg den blauen Thon mit Braunkohlen er⸗ bohrt hat und v. Oynhauſen denſelben vielfach in dem öſtlichen Gebiet zu Tage gehend beobachtete, ſo läßt ſich daraus ſchließen, daß auch dazwiſchen dieſer an ſich nutzbare Thon mit ſeinen Kohlenlagern ſelten fehlen werde, ja es iſt ſogar nicht unwahr⸗ ſcheinlich, daß die bedeutende Fruchtbarkeit dieſes Landſtriches, beſonders in den Umgebungen von Poſen und Gneſen, zum Theil mit durch den Thon der Braunkohlenformation bedingt werde. In den ſüdöſtlichſten Zipfel des Großherzogthums Poſen(Kreis Schildberg) reichen auch noch die Moorkohlen und Thoneiſen⸗ ſteinlager des Leiasformation herein, welche wir in Schleſien als beſonders wichtig kennen lernen werden. Außerdem iſt, abgeſehen von einigen oberflächlichen Kalktuffbildungen im Mogilnoer Kreiſe und ſchwachen ſporadiſchen Ablagerungen von Süßwaſſermergel in dem ganzen Gebiet nur an drei Punkten anſtehendes Geſtein bekannt. Nämlich Gyps bei Wapno und dem benachbarten Sre⸗ breagora im Schubiner Kreiſe und unter der Stadt Inowraclaw einige Meilen öſtlich von Exin, ſowie weißer Jurakalk bei Lie⸗ chocinek(oder Slönsk) ſüdlich von Thorn. § 245. Jenen Gyps hat man ſchon ſeit langer Zeit gewonnen und neuerlich ſogar bei Wazno deshalb eine Dampfmaſchine aufgeſtellt, da er natürlich nicht nur als Stukk, ſondern weit mehr noch als Düngematerial in dieſen Gegenden ſehr werthvoll iſt. Sein Vor⸗ — 128— kommen iſt aber auch noch außerdem von ganz beſonderer Be⸗ deutung, da ſich in denſelben Gegenden vielfach Spuren von Salzquellen finden. Einige davon enthalten bis 6 Proc. Kochſalz, und bei Slönsk haben die deutſchen Ordensritter ſchon im Jahre 1235 eine Saline beſeſſen. Gumprecht bemerkt daher ſehr richtig, daß es von großem Nutzen für die Provinz Poſen werden könne, wenn man durch Bohrarbeiten hier eine reiche Soolquelle erlange; er glaubt, daß die Provinz für wenigſtens 700,000 Thaler Salz verbrauche. Natürlich aber würde der Bedarf an Viehſalz durch deſſen billige Lieferung außerordentlich ſteigen und dies zugleich von ſehr vortheilhaftem Einfluß auf den Betrieb der Landwirth⸗ ſchaft ſein. §. 246. Von welchem geologiſchen Alter jener wahrſcheinlich mit Salz verbundene Gyps ſei, iſt ſchwer zu entſcheiden, für unſern Zweck zunächſt aber auch nicht von großer Wichtigkeit. Da die Stein⸗ ſalzgebilde von Galizien ſich als mitteltertiär erwieſen haben, ſo iſt es am wahrſcheinlichſten, daß auch dieſe poſener Salzgebilde der miocenen Molaſſe angehören. §. 247. Bernſtein wurde in neuerer Zeit viel bei Rogaſen und in den Waldungen von Gniewkowo bei Thorn gefunden; ebenſo an der neumärkiſchen Grenze zu Chobienice bei Karge. Hier wie an vielen andern Orten des Großherzogthums findet ſich derſelbe ſtets im Gebiet des blauen Thons. §. 248. Die zum Theil auf dem Löß⸗ und Thonboden beruhende Frucht⸗ barkeit in Verbindung mit den günſtigſten Abſatzwegen, ſeewärts auf vier ſchiffbaren Flüſſen, von denen zwei(Netze und Weichſel) überdies durch den kurzen Bromberger Kanal verbunden ſind, erklärt hinreichend die Bevölkerungszahl von 2600 auf die Quadrat⸗ meile, welche hoch iſt im Vergleich zu den öſtlichen, nördlichen und weſtlichen Nachbargegenden und für ein Gebiet, in welchem er Be⸗ en von ochſ Jabe richig könne lange; Sah durch uglach dwirth t Sahz Zweck Stein⸗ den, ſo ggebid nd in nſo an er wie erſelbe Frucht⸗ ewart zeihſel n ſin, uadrat⸗ nlichen velchen — 120— der Landbau ganz überwiegt. Die größern Städte werden natur⸗ gemäß ſämmtlich an den ſchiffbaren Flüſſen gefunden, ſo Poſen, Thorn, Bromberg, Landsberg, Küſtrin, Frankfurt und Glogau. §. 249. Die allgemeine Gleichförmigkeit der Oberfläche hat wenig Veranlaſſung zu beſondern Unterſcheidungen gegeben. Das Land der„Palluken“(Pfeilträger), ſüdlich von Bromberg, hat mehr eine hiſtoriſche als geographiſche Bedeutung, das„Blaue Ländchen“ (oder Knödelland), öſtlich von Frankfurt, erhielt ſeinen Namen vielleicht wie das Blaue Ländchen bei Frankenfelde durch Wald⸗ bedeckung; ſpecifiſcher iſt die Unterſcheidung des„Netze⸗ und Warthe⸗ bruchs“, des ſumpfigen Gebiets zwiſchen Küſtrin und Drieſen an der Netze, woran ſich dann unterhalb Küſtrin noch der„Oder⸗ bruch“ anſchließt. Dieſe Brüche haben, während ſie früher un⸗ zugänglich waren, durch zweckmäßige Entwäſſerung einen hohen Grad von Fruchtbarkeit erlangt. §. 250. Auch in dieſem Gebiet iſt wieder ein vereinzeltes Mineral⸗ bad durch die Stahlquelle von Gleißen bedingt. Auf den ge⸗ ringen Weinbau bei Züllichau und gegenüber von Frankfurt komme ich bei Beſprechung des Grüneberger zurück. 3) Das Havelland. §. 251. Im engern Sinne wird darunter nur ein kleines Gebiet nörd⸗ lich von Potsdam und Brandenburg verſtanden, ich werde in⸗ deſſen die Schilderung hier zugleich auf die öſtlich und ſüdlich angrenzenden Gegenden bis zur Oder und bis zum Fläming aus— dehnen. Es iſt das Herz der heutigen preußiſchen Monarchie, der natürliche Centralſitz ihrer Regierung, zugleich die Reſidenz⸗ ſtadt umſchließend. Cotta, Deutſchlands Boden. 9 — 130— §. 252. Dieſes Geſammtgebiet wird von der Spree und Havel mitten durchſtrömt und dadurch in einen ſüdlichen flachen und nördlichen hügeligen Theil geſchieden. Die natürliche Bewäſſerung dieſer Gegend, welche vielleicht einſt an Stelle der Spree und Havel von der Oder durchſtrömt war, iſt eine ungemein mannichfache, namentlich beſteht die Havel hier faſt nur aus einem Syſtem untereinander verbundener Seen und dazu erleichtern noch fünf künſtliche Kanäle den allſeitigen Waſſerverkehr der Art, daß die Oder zwei mal ſchiffbar mit der Elbe verbunden iſt. Zwiſchen dieſem Flußnetze erheben ſich die Sandhügel von Schandau und Potsdam ſowie die ſanft anſteigende Höhe, auf der man ſich von Berlin aus öſtlich bis zu dem plötzlich abfallenden Rand des Oderbruchs erhebt. §. 253. Klöden hat in ſeinem Werke über die Verſteinerungen der Mark Brandenburg eine allgemeine Schilderung dieſer Provinz geliefert, welche mir ganz geeignet erſcheint, hier aufgenommen zu werden. Er ſagt:„Das wellige Flachland der Mark, aus mehr oder weniger fruchtbarem Sand⸗ und Haideboden, zu welchem ſich häufig Thon geſellt, beſtehend, zeigt im Ganzen eine ſchwache Senkung von Süden nach Norden, deren Niveau⸗ unterſchied an den äußerſten Punkten auf etwa 500 Fuß zu ſchätzen ſein dürfte. Jener Sand⸗ und Haideboden iſt meiſtens bedeckt mit den mehlreichen Cerealien, welche den Fleiß des Land⸗ mannes bald mehr, bald weniger, doch beinahe überall in aus⸗ reichendem Maße lohnen und die Mark zu einem kornreichen Lande machen. Die von ihnen bedeckten Flächen ſind umſäumt von den Rändern weit gedehnter harzduftender Kiefernwälder, zwiſchen denen ſich da, wo die Bäume noch als junger Anflug erſcheinen, die lebhaft pfirſichroth gefärbten Sträuschen des Haidekrauts er⸗ heben. Hier und da erſcheinen Wälder ſchlanker Birken, ſeltener aber Eichen, welche meiſt nur einzeln auftreten. Im Norden wird Thonboden häufiger; mit ihm der goldgelbe Weizen und majeſtä⸗ tiſche Buchenwälder, welche ſpiegelklare ſtille Seen umgürten. — 131— §. 254. Auf den welligen Flächen des Landes erheben ſich bald ein⸗ zeln, bald kammartig oder in Gruppen verſammelt, mehr oder weniger hohe Hügelmaſſen, zuweilen von ziemlicher Erſtreckung, deren Fuß ſich weit hindehnt und die bedeutend erſcheinen, weil keine gefährliche Nachbarſchaft eines höhern Gebirges ſie durch mögliche Vergleichungen in Schatten ſtellt. Sie gewähren in ihren ſanft geſchwungenen Wellenlinien oft ſehr hübſche Anſichten und von ihren Gipfeln weithintragende Blicke in die Ferne, die reichlich die geringe Mühe ihres Beſteigens belohnen. Solche Höhen ſind der hohe Fläming, der Hagelsberg, die rauenſchen Berge, die Kronsberge, Müggelsberge, Ravensberge, Kranichs⸗ berge u. ſ. w. Ueberall aber iſt die wellige Fläche durchſchnitten von mehr oder weniger breiten, tiefgeſenkten Flußthälern, deren Sohle zuweilen eine vollkommene meilenweite Ebene bildet, wie ſie im Großen die Lombardei zeigt und deren Fall oft auf be⸗ deutender Erſtreckung nur einige Zoll beträgt. Dieſen Thal⸗ boden, durch welchen ſich ein flach eingeſchnittener Fluß oder Bach meiſt mit mäßigem oder geringem Fall hinwindet, bedeckt der ſanfte Schmelz blumiger Wieſen oder des Eisbruchs kurz⸗ halmiger Raſen und breite Torfflächen, deren elaſtiſcher Boden nicht ſelten jedem Drucke mit Leichtigkeit nachgibt, weil er auf unſichtbarem Waſſer ſchwimmt, in welchem die Natur den ge⸗ heimen chemiſchen Proceß der Torfbildung durch die Zerſetzung organiſcher Gebilde eingeleitet hat, der aber auch oft unbeweglich bedeutenden Laſten widerſteht, weil unter ihm das bereits gebil⸗ dete wärmende Material, in dichten Maſſen aufgeſpeichert, fertig ruht. Häufig dienen dieſe Flächen auch ſchattigen Laubholz⸗ waldungen als Boden. Wo der Thalboden eine tiefere Senkung macht, wird dieſe durch das Waſſer eines fiſchreichen Sees aus⸗ gefüllt, aus dem der Himmel in tiefem Blau widerſcheint und den Binſen und Rohrgewächſe umrändern, in welchen das ein⸗ ſame Geſchlecht der Waſſervögel ſein ſtilles Leben verträumt. Ihn durchzieht der Strom oder Bach, der oft bedeutend genug iſt, um der Handlung als Bahn zu dienen und ſegeltragende Schiffe 9* — 132— auf ſeinem Spiegel zu führen. Begrenzt werden dieſe Flächen durch die Thalgehänge jener höher gelegenen Terraſſen des Geeſt⸗ landes, oft ſehr uneigentlich Berge genannt, deren Fuß ſie aller⸗ dings haben, deren Gipfel ihnen jedoch fehlen, weil dieſe durch breite Flächen erſetzt ſind. In vielen Gegenden hat die Cultur dieſe weit gedehnten Thäler— in der Mark ſehr häufig Bruch oder Luch genannt— in vorzüglich fruchtbare Aecker umge⸗ ſchaffen, in andern bedeutende Torfſtiche eröffnet, wie dies der Oderbruch, der Warthebruch, der havelländiſche Luch u. a. m. beweiſen. §. 255. Dieſe Thäler enthalten vorzugsweiſe die Lager, welche die neuere Geognoſie unter dem Namen des Alluviums begreift und welche ſtets die obere Decke des Thalbodens bilden. Sie beſtehen aus: 1) Dammerde; 2) Wieſenmergel, krümeligen Maſſen unter der Dammerde der Wieſen, bis einige Fuß mächtig, meiſt in alten Seebecken abgelagert; 3) Torf; 4) Raſeneiſenſtein; 5) Schlamm und Sand als älterer See⸗ und Flußboden; 6) neueſter Süßwaſſerkalk, Kalktuff.“ §. 256. Diluviale Ablagerungen, beſtehend aus Meeresſand und Ge⸗ ſchiebelehm, herrſchen an der Oberfläche durchaus vor. Beide trennt eine Mergellage, welche indeſſen ſelten entblößt iſt und in der Regel nur als ſchmaler Saum da ſichtbar wird, wo der Meeres⸗ ſand unter dem bedeckenden Lehm hervortritt. Unter dem Sand folgt ein brauner oder gelblicher Thon, der wie der Lehm zum Ziegel⸗ brennen benutzt wird. §. 257. So einförmig aber auch die allgemeine Zuſammenſetzung die⸗ ſes Landſtrichs erſcheint, ſo hat dennoch v. Benningſen⸗Förder aufſ lj be Säur Baum aan, tern! hvol nch und und: Irrth dr d bit — 133— auf ſeiner geologiſchen Specialkarte der Umgegend von Berlin 15 verſchiedene Gebirgsarten trennen können. Als allerneueſte Bildungen nämlich: Dammerde und Bruchland, Torf, foſſile Baumſtämme, Raſeneiſenſtein, Süßwaſſerkalk, alte Flußalluvio⸗ nen, erratiſche Felsblöcke und Infuſorienlager, auf welchen letz⸗ tern merkwürdigerweiſe ein Theil der Stadt Berlin erbautz iſt, obwol dieſelben nach Ehrenberg's Unterſuchungen ſich zum Theil noch im lebenden Zuſtande befinden. Unter dem Geſchiebelehm und ſeinen Mergelbildungen dagegen: Kies, Meeresſand, Thon und nochmals erratiſche Geſchiebe(was nach Plettner auf einem Irrthume beruht), welche letztere vier Bildungen v. Benningſen der Braunkohlenformation zurechnet. §. 258. Dieſe Gebilde ſind aber nicht lediglich auf die nächſte Um⸗ gegend Berlins beſchränkt, ſie gehören dem hier betrachteten Ge— biet allgemein an und unter ihnen ſind, wo ſie Erhöhungen bedecken, mit einiger Wahrſcheinlichkeit überall Braunkohlenthon und Braunkohlen zu erwarten. §. 259. Da die Braunkohlenlager der norddeutſchen Niederung an immer mehr und mehr Punkten aufgeſchloſſen werden und eine immer größere Wichtigkeit gewinnen, ſo erſcheint es paſſend, von den ungemein ſorgfältigen Beobachtungen Plettner's über die Braunkohlenformation der Mark Brandenburg hier die wichtig⸗ ſten Reſultate auszugsweiſe mitzutheilen. Dieſelben beziehen ſich auf ein größeres Gebiet als das ſoeben vorliegende, und können in gewiſſem Grade als belehrend für die ganze norddeutſche Nie⸗ derung angeſehen werden, obwol, wie wir ſehen werden, O. Weber und v. Strombeck in der Rheinbucht und in dem nördlichen Vor⸗ land des Harzes zu etwas abweichenden Reſultaten gelangt ſind. §. 260. Sand, Thon und Braunkohle bilden in mehrfacher Com⸗ bination die Geſteinsſchichten, aus welchen dieſe Formation be⸗ —— 2 —yx ——— — 134— ſteht. Durch dieſe Combinationen entſtehen folgende einzelne Geſteine: 1) Kohlenſand, ein reiner Quarzſand von rundlichem Korn, höchſtens durch Kohlenſtaub braun gefärbt; 2) Glimmerſand, weißer feiner Quarzſand mit Glimmer; 3) Formſand, ſtaubförmiger Quarzſand mit Glimmer, ver⸗ ſchieden gefärbt und plaſtiſch durch Kohlenſtaub. Er wird in vielen Gießereien zu Herſtellung der Formen benutzt; 4) Letten, ein Gemenge aus Thon, Sand und Kohle in verſchiedenem Verhältniß, daher ſandiger, ſandig⸗ thoniger und thoniger Letten, oft auch etwas Glimmer enthaltend; 5) Alaunerde, ein Letten mit ſtarkem Gehalt an Thon und Schwefelkies, oft auch dunkel gefärbt durch Kohlenbeimen⸗ gung. Wird vielfach benutzt zur Darſtellung von Alaun; 6) Braunkohle, erdige, dichte, blätterige, bituminöſes Holz und ſogenannte Moorkohle; 7) ſandiger Thon, zu feuerfeſten Gefäßen verwendbar; 8) plaſtiſcher Thon, ohne alle Einmengung von Sand. Außer dem Glimmer und Schwefelkies treten in dieſen Ge— ſteinen acceſſoriſch oft auch noch auf: Gyps, Retinit(in der Kohle), Meeresmuſcheln(im Thon), Alaun, ſchwefelſaures Eiſen⸗ oxyd(Vitriol) und am ſeltenſten gediegener Schwefel. Bernſtein kommt in den märkiſchen Braunkohlen nicht vor. §. 261. Die Gliederung der Formation, d. h. die Art, wie ſie aus dieſen Einzelbildungen zuſammengeſetzt iſt, läßt ſich aus den zahlreichen Beobachtungen ideal von oben nach unten etwa ſo conſtruiren: :1) Sandlager(Glimmerſand); 2) Thon, Septarienthon(zuweilen vielleicht Alaunerdeflötze ent⸗ haltend); 3) Formſand mit Lettenlagern; 4) obere Kohlenflötzgruppe(bis drei Kohlenflötze mit Formſand wechſelnd); zelne dorn, r) ver⸗ wird àm wige tend; und men⸗ laun; Holß — 135— 5) Lettenlager; 6) Kohlenſand; 7) untere Kohlenflötzgruppe(bis vier Kohlenflötze mit Kohlen⸗ ſand wechſelnd); 8) Kohlenſand, deſſen weitere nterlage noch nicht aufge— ſchloſſen iſt. §. 262. Dieſe ideal normale Gliederung iſt aber an keinem einzelnen Orte ganz vollſtändig, oft ſind vielmehr nur ganz einzelne Glie⸗ der derſelben vertreten. Sie iſt eben nur das Reſultat einer Com⸗ bination von ſehr vielen Einzelbeobachtungen, namentlich im mitt⸗ lern Theile der Mark. §. 263. Nirgend in der Mark Brandenburg iſt die Braunkohlen⸗ formation in ungeſtörter horizontaler Lagerung angetroffen wor⸗ den; überall ſind die Schichten ſo ſtark gegen den Horizont ge⸗ neigt, daß ſie urſprünglich nicht können in ihrer gegenwärtigen Stellung gebildet worden ſein. Wo die Aufſchlüſſe durch Gruben⸗ baue eine größere Ausdehnung erreicht haben, bilden die Flötze ſammt den ſie begleitenden Schichten eine Menge von Süätteln und Mulden, die allerdings unter ſich einen conſtanten Paralle⸗ lismus des Streichens bewahren, aber doch außerdem auf die mannichfachſte Weiſe miteinander in Verbindung ſtehen. Zu⸗ weilen beobachtet man indeſſen auch nur ſteiler oder flacher ein⸗ fallende Flötzlager, über deren weitere Geſtaltung noch gar nichts Näheres bekannt iſt, und die daher ebenſo gut Ränder von Mul⸗ den oder andern Faltungen als die übrig gebliebenen Schollen eines früher ausgedehntern, jetzt theilweiſe zerſtörten Lagers ſein können. Auch im Streichen hören die Kohlenlager zuweilen plötz⸗ lich auf, ſei es nun, daß ſie durch eine Spalte verworfen oder durch Waſſerſtrömungen theilweiſe zerſtört wurden. Ganz ge⸗ wöhnlich iſt ferner die Erſcheinung, daß die Flötze in der Rich⸗ tung des Streichens, beſonders in der Nähe der Sattellinie oder auch der tiefſten Muldenlinie von Klüften durchſetzt werden, die oft auf weite Strecken dem Streichen parallel laufen und faſt — 136— immer von einer einſeitigen Senkung oder Hebung(alſo Ver— werfung) des Flötzes begleitet ſind. Dieſe Verwerfungsklüfte ſind ſtets ungemein ſcharf und glattflächig eingeſchnitten, und ſo⸗ bald ſie auch nur einige Zoll weit klaffen, ſind ſie ſtets von oben herein mit diluvialem Sand oder mit Geröllen ausgefüllt. Wenn dann in ihnen zugleich ſtarker Waſſerzudrang ſtattfindet, ſo wer⸗ den ſie durch das ſogenannte„Schwimmende Gebirge“ zuweilen unüberwindliche Hinderniſſe für den Bergbau. Dergleichen mit Geröllen ausgefüllte Klüfte mögen auch die Veranlaſſung dazu gegeben haben, daß man nordiſche Geſchiebe mitten in den Schich⸗ ten der Braunkohlenformation aufgefunden zu haben glaubte. §. 264. An der beiweitem überwiegenden Mehrzahl der Localitäten, welche bis jetzt beobachtet wurden, folgen die Braunkohlenlager dem Streichen aus OSO. nach WNW., welches zugleich für die Hauptflußthäler und für die ſüdlich zunächſt anſtoßenden Gebirge das herrſchende iſt. Es ſcheint alſo die allgemeine Er⸗ hebung in dieſer Richtung auch nach Ablagerung der Braunkohlen⸗ bildung noch gewirkt zu haben, obwol v. Strombeck an den Braun⸗ kohlenbildungen im Braunſchweigiſchen etwas Aehnliches nicht beobachtet hat. Die Stärke der Aufrichtung ſteigt von 15 auf 20 und 50 Grad, ja in einzelnen Fällen ſind die Schichten ſenk— recht geſtellt oder überſtürzt, ſodaß ſie verkehrt lagern. §. 265. Sehr beachtenswerth iſt der Umſtand, daß die Braunkohlen⸗ formation innerhalb der Mark Brandenburg nirgends in beträcht⸗ licher Ausdehnung frei an die Oberfläche hervortritt. Sie iſt hier überall von Diluvialbildungen bedeckt. Höchſtens bildet ſie in ſteiler eingeſchnittenen Thälern Ausgehende von geringer Ver⸗ breitung. Daher iſt man denn auch an verhältnißmäßig nur ſehr wenigen Stellen durch das Zutagetreten der Kohlenflötze auf ſie aufmerkſam geworden und verdankt ihre Auffindung vielmehr meiſt entweder beſonderm Zufall(wie Brunnengrabungen, Weg⸗ — 137— einſchnitten) oder abſichtlich zu dieſem Zweck unternommenen berg⸗— männiſchen Unterſuchungsarbeiten(Schürfen oder Bohrlöchern). Dieſer Umſtand iſt ſicher ſehr beachtenswerth und ſtellt noch viele neue Auffindungen ſo nützlicher Lagerſtätten in Ausſicht. §. 266. Es iſt unter dieſen Umſtänden von beſonderer Wichtigkeit, die Thon⸗, Mergel⸗, Lehm⸗, Sand⸗ und Geſchiebebildungen des Diluviums von den zum Theil ähnlichen Ablagerungen der Braun⸗ kohlenformation zu unterſcheiden. Lehm, Mergel und größere, namentlich nordiſche oder kalkige Geſchiebe werden in den Braun⸗ kohlenbildungen niemals gefunden. Der Sand und Thon des Diluviums zeichnet ſich aber von denen der Braunkohlen durch gelbliche oder bräunliche Färbung oder durch beigemengte Feld⸗ ſpathkörner aus. Die Mächtigkeit dieſer neuern, diluvialen Auf⸗ lagerungen beträgt zuweilen über 100 Fuß. §. 267. Bemerkenswerth iſt es ferner, daß alle Braunkohlen in der märkiſchen Niederung ſich bis jetzt nur in den etwas erhöhten Plateaus(dem Geeſtland) gefunden haben. Selbſt die tiefſten Theile der bekannten Flötzmulden ſenken ſich nicht unter das Niveau der benachbarten Thalböden hinab. Ihr Fortſetzen unter den Thälern hinweg iſt darum hier nicht zu erwarten. Das Alter dieſer Kohlenbildungen iſt nach Plettner der eoce⸗ nen Periode entſprechend, während L. v. Buch ſie für miocen hielt. §. 268. In dem gegenwärtig von uns ſpecieller betrachteten Theile der Mark Brandenburg kennt und benutzt man Braunkohlenlager in bedeutender Ausdehnung bei Freienwalde, Wrietzen, Prötzel, Müncheberg, Welkow, Petershagen, Frankfurt a. d. O., Bauen und Straganz(Alaunerde zugleich bei Freienwalde und bei Bees⸗ kow). Aber alle dieſe Orte liegen öſtlich von Berlin, während im eigentlichen Havellande bis jetzt noch keine Braunkohlen ge⸗ wonnen werden, wie es von der Zukunft zu hoffen iſt. — 138— §. 269. Nur bei Rüdersdorf und bei Sperenberg, unweit Berlin, treten, wie wir nachher ſehen werden, noch ältere feſte Geſteins⸗ ſchichten an die Oberfläche hervor. §. 270. Die Ungleichheit dieſer die Oberfläche bildenden Gebirgs⸗ arten bedingt eine ſehr ungleiche Fruchtbarkeit des Bodens. Das vorherrſchende Sandland kann nur durch die große Dünger⸗ production der Städte in einen einigermaßen fruchtbaren Boden umgewandelt werden. Am häufigſten iſt dieſer Sand mit Wald bedeckt, aber die Hügel, welche er bildet, hat man in dieſem ver⸗ hältnißmäßig milden Klima und veranlaßt durch die Nachbar⸗ ſchaft großer Conſumtionsorte, in Obſt⸗ und Weinberge umge⸗ wandelt. So iſt hier auf den Hügeln von Potsdam, Werder und Brandenburg der jetzt nördlichſte Weinbau auf unſerer gan⸗ zen Erde entſtanden, da die frühern Weingärten der Niederung zwiſchen Thorn und Marienwerder längſt eingegangen ſind, und die berliner Kirſchenfreunde finden überdies ihre reichſte Aus⸗ beute auf den Bergen von Werder, während die ſandigen Felder von Teltow, ſüdlich von Berlin, berühmt ſind durch treffliche kleine Rüben. §. 271. Lehm und Thon bilden einen beſſern Boden, aber ihre Ver⸗ breitung iſt gering. Die fruchtbarſten Strecken unſeres Gebiets ſind deshalb die ſogenannten Brüche, die naſſen Wieſen, die ſich nur wenig über das Niveau der Flüſſe erheben und deren Unter⸗ lage weſentlich Thon zu ſein ſcheint. Aber ſie gehen zuweilen über in grundloſe Sümpfe. Ein ſolcher ſtellte dem Bau der Berlin⸗Magdeburger Eiſenbahn in der Nähe von Brandenburg ganz unerwartete Schwierigkeiten entgegen, da der Damm, den man hindurchzuführen begann, während mehrer Wochen jede Nacht wieder ſpurlos verſchwand, ſodaß nur ein koſtſpieliger Roſtgrund die Natur zu beſiegen vermochte. 3 grſ ſtandt ſoben lrſeh d Nider übt k zuſtän Baich ſch ſ den kriſt nehr finde dem Verii Snnd wä aber zetln, teins⸗ itgs⸗ Das unger. ZBoden Wald ver⸗ hbar⸗ unge⸗ derdet gan⸗ erung und Aus⸗ eder liche Ver⸗ biets ſch nter⸗ eilen der burg den jede lige — 139— § 272. In dem Havellande iſt jene eigenthümliche Uebergangsſtufe zwiſchen Wechſelwirthſchaft und Fruchtwechſelwirthſchaft die herr⸗ ſchende, bei welcher Futterbau zwiſchen die Getreideſaaten einge⸗ ſchoben wird. Davon iſt ſowol die Verkehrslage als der Boden Urſache. §. 273. Das kleine Gebiet von Muſchelkalk, welches in der Gegend von Rüdersdorf unweit Berlin aus den diluvialen Bildungen hervorragt, übt keinen unmittelbaren weſentlichen Einfluß auf die Fruchtbarkeits⸗ zuſtände des Bodens, um ſo wichtiger iſt es dagegen in techniſcher Beziehung, auch als Düngematerial. Es iſt kein Wunder, daß hier ſich ſo großartige Steinbrüche entwickelt haben, wie man ſie in an⸗ dern Gegenden Deutſchlands nur ſelten findet, da ſie in einem Um— kreiſe von mehr als 20 Meilen die einzigen ſind und zudem ein mehrfach nutzbares Material liefern, nämlich Kalkſtein. Außerdem finden wir als ſpecielle geologiſche Erwerbsquellen wahrſcheinlich dem Muſchelkalk zugehörige Gypsbrüche bei Sperenberg unweit Berlin, erratiſche Felsblöcke, Ziegelthon, Bernſtein im Lehm und Sand bei Brandenburg, ſowie am Nordrande unſers Gebiets zwei Stahlbäder, nämlich Neuſtadt⸗Eberswalde und Freienwaldau, aber ſie ſind beide von geringer Bedeutung. §. 274. Bringt man die Reſidenzſtadt ſelbſt nicht mit in Rechnung, ſo iſt die Bevölkerung ihrer Umgegend, trotz der Anweſenheit von Potsdam, Spandau und Brandenburg, unerwartet gering, ſie beträgt nur etwa 2000 auf eine Quadratmeile. Man erkennt hier deutlich, wie die Natur des Bodens trotz der Nähe einer induſtriereichen Reſidenz, ſtarker Bevölkerung ungünſtig iſt. Die⸗ ſes Reſultat iſt um ſo beachtenswerther, da auch in den Nachbar⸗ orten Berlins, z. B. in Brandenburg, durch bloße ſociale oder perſönliche Zufälligkeiten mancherlei Induſtriezweige geweckt wor⸗ den ſind, welche keineswegs durch die Natur der Lage inducirt waren. Wer könnte z. B. erwarten, in Brandenburg die Werk⸗ „ — 140— ſtätten zu finden, aus denen ſämmtliche Mahagonikiſtchen hervor⸗ gehen, in denen der öſterreichiſche Staat ſeine Cigarren verpackt. Das Holz dazu wächſt natürlich nicht in den märkiſchen Kiefern⸗ wäldern, es wird zum Theil ſogar über Trieſt bezogen. Der Reichthum an Holz, Braunkohlen oder Torf, ſowie die leichte Waſſerverbindung haben in dieſer metallarmen Gegend auffallender⸗ weiſe eine Anzahl von Hüttenwerken entſtehen laſſen, ſo in Hager⸗ mühle, Neuſtadt-Eberswalde, und indem ich das früher beſpro⸗ chene Gebiet jenſeit der Oder hinzuziehe, am rechten Ufer der Netze: Kutzdorf, Vietz, Zanshauſen und Zansthal. §. 275. Unter den volksthümlichen Benennungen ſpecieller Localitäten des eben betrachteten Gebiets ſind beſonders folgende beachtens⸗ werth: Die„Märkiſche Schweiz“, eine Hügellandſchaft in der Umgegend von Buckow, öſtlich von Berlin; die„Zauche“, ſüd⸗ lich von der Havel gelegenz das hohe Havelland aus den Hügeln weſtlich von Spandau beſtehend; der„Glie“ oder„auf dem Glie“(von dem ſlawiſchen Worte glima, Ziegelthon, abzuleiten) die lehm- und thonreiche Umgegend von Cremmen und das „Waſſerland“ oder Land„Rinow“. 4) Mecklenburg und Vorpommern. §. 276. Unter dieſer Bezeichnung faſſen wir hier das große Gebiet zwiſchen der Oder, dem Havelland, der Elbe, der Stecknitz und der Oſtſee zuſammen, einſchließlich der Inſeln Rügen, Uſedom und Wollin. Der ganze Süden dieſes Gebiets wird durch den mecklenburg⸗pommerſchen(und uckermärkſchen) Landrücken einge⸗ nommen, der auf ſeiner flachen, 200— 300 Fuß über das Meer anſteigenden Höhe, von zahlreichen Seen bedeckt, in ſeinem ſüd⸗ weſtlichſten Theile die„Priegnitz“ heißt. Dieſen flachen Land⸗ rücken durchbricht der neue Kanal, welcher die Kracke und durch dieſen die Elbe mit der bei Wismar in die Oſtſee mündenden Stör verbindet. hervor⸗ rpack. jefern Der leicht ender⸗ ager⸗ ſpro⸗ t der täͤten tens⸗ der ſüd⸗ igeln dem ten) das — 141— §. 277. Nordöſtlich trennt dieſen Landrücken die flache Niederung Vorpommerns vom Meere ab, in welcher quer herüber vom klei⸗ nen Haff durch die Peene, die Trebel und die Reckenitz eine Waſſer⸗ verbindung ſtattfindet. Jenſeit dieſer Niederung erhebt ſich das Land noch einmal in den Inſeln Wollin, Uſedom und Rügen, auf letzterer zu der beträchtlichen Höhe von 540 Fuß anſteigend, dann plötzlich in das Meer abfallend. §. 278. Es iſt merkwürdig genug, daß in dieſem Gebiet, ſo weit ent⸗ legen vom deutſchen Bergland, viel häufiger anſtehende feſte Ge⸗ ſteinsſchichten vortertiärer Formation zu Tage treten, als in dem großen Gebiet, welches die norddeutſche Seenplatte ſüdlich vom Bergland trennt. §. 279. Die ſolide Grundlage des mecklenburgiſchen Landrückens bil⸗ den offenbar vorherrſchend Schichten der Kreideformation, welche vielfach in ihm zu Tage treten, ſo namentlich in den Umgebun⸗ gen von Pappentin und Roggentin, ſüdlich von Malchin und mehr vereinzelt am nordöſtlichen Fuß und Abhang der ganzen, äußerlich mit Diluvialgebilden bedeckten Anhöhe, ſowie unweit Doberan an der Küſte des Meeres, zu beiden Seiten des 390 Fuß aufſteigenden Diedrichshagen. Die Kreideſchichten bilden überhaupt nicht die höchſten Hervorragungen, dieſe beſtehen viel⸗ mehr ſtets aus diluvialen Sandmaſſen, ſo z. B. der 546 Fuß hohe Helpterberg bei Woldegk und der über 600 Fuß hohe Runen⸗ berg, welche zugleich die höchſten Erhebungen des Landes bilden; ja es iſt nicht unwahrſcheinlich, daß manche von den Stellen, wo Kreide mit Feuerſteinen gefunden wird, dieſe eigentlich nur ſchollenweiſe im Diluviallande enthalten, während ſie an andern Orte deutlich anſteht, aber nicht immer ganz der weißen Kreide von Rügen entſpricht. Die Kreideſchichten ſind ſüdweſtlich zu⸗ nächſt bedeckt von Braunkohlengebilden, die in der Umgegend von — 142— Looſen, Dömitz, Parchim und Perleberg mehrfach zu Abbauen von Braunkohle und Alaunerde Veranlaſſung gegeben haben. Da ähnliche Schichten auch bei Auguſtenhof unweit Schwerin, bei Goldberg und bei Neubrandenburg bekannt ſind, ſo läßt ſich auch hier eine ziemlich allgemeine Verbreitung derſelben unter den diluvialen Ablagerungen vermuthen, wo nicht gerade das Auf⸗ ragen der Kreide durch ihre freigelegten Stellen angedeutet iſt. §. 280. Dieſe Diluvialgebilde zeigen außer den gewöhnlichen Lehm-, Sand⸗ und Geröllmaſſen eine eigenthümliche Anordnung der vie— len theils ſkandinaviſchen Gerölle und Felsblöcke. Ernſt Boll ſagt darüber: „Gerölle von Granit, Gneis, Syenit, Diorit, Porphyr, Sand⸗ ſtein, Kalkſtein u. a. m. kommen in verſchiedenen Größen über das ganze Land verbreitet vor; die größten Gerölle auf der Boden⸗ oberfläche, welche zum Theil einen Rauminhalt von einigen Tau⸗ ſend Kubikfuß beſitzen, gehören indeß ausſchließlich dem Granit an.— Stellenweiſe ſind aber dieſe Gerölle ſo ungemein häufig, daß ſder Boden förmlich mit ihnen überſäet erſcheint. Es iſt dies beſonders der Fall in einigen Streifen, welche das Land in der Richtung von NW. nach SO. durchziehen. Ich habe dort Felder geſehen(z. B. zwiſchen Sapshagen und Sophienhof ſüd⸗ lich vom Malchiner See), auf welchen der Raum zwiſchen je zwei benachbarten Geröllen durchſchnittlich nur etwa einen Fuß betrug. Auf der Feldmark des mecklenburg⸗ſtrelitzſchen Domanial⸗ guts Neuhof, im Amte Feldberg, ſind die Gerölle(wie dies an mehren Orten geſchehen iſt), um den Acker von ihnen möglichſt zu reinigen, in große Haufen zuſammengetragen; ſolcher Stein⸗ haufen ſind dort 1900 vorhanden. Auf dem Klützer Ort ſind im Jahre 1850 zu den Waſſerbauten an der Trave ungefähr 300,000 Kubikfuß Gerölle ausgebrochen worden, ohne daß da⸗ durch eine weſentliche Verminderung derſelben zu ſpüren wäre. Manche Strecken des fruchtbarſten Bodens lagen noch vor we⸗ nigen Jahrzehenden der Gerölle wegen unbebaut; ein Landgut, Stein⸗ ſind efäh 5 da⸗ wäre. rwe⸗ daut — 143— welches freilich nicht in Mecklenburg ſelbſt, aber doch dicht an der Grenze deſſelben bei Demmin in einem der pommerſchen Geröllſtreifen liegt, wurde vor einigen 20 Jahren für ungefähr 20,000 Thaler verkauft, ſodann einige Jahre ſpäter für 28,000 Thaler, bald darauf aber, nachdem der Boden von Geröllen ge⸗ reinigt war, für 42,000 Thaler, und wird von ſeinem jetzigen Beſitzer auf wenigſtens 80,000 Thaler geſchätzt. Dieſe Beiſpiele werden genügen, um eine beſtimmte Vorſtellung von der Menge der Gerölle in den bezeichneten Streifen zu geben. §. 281. Da Mecklenburg keine anſtehenden Felsmaſſen beſitzt, aus welchen Bauſteine gebrochen werden könnten, ſo ſind dieſe Ge⸗ rölle von unberechenbarem Werthe für das Land. Schon ſeit vielen Jahrhunderten als Bauſteine verbraucht, ſind ſie jetzt in manchen Gegenden, welche von den vorhin beſchriebenen Streifen nicht berührt werden, ſchon ziemlich ſelten geworden und nament⸗ lich in den letzten Decennien, in welchen ſo viele Chauſſeebauten ausgeführt wurden, ſehr beträchtlich im Preiſe geſtiegen. In jenen Streifen aber iſt bis jetzt die Abnahme der Gerölle durch Verbrauch ſo wenig zu ſpüren geweſen, daß die Grundbeſitzer häufig mit großen Koſten ſich bemühen, derſelben durch Ver⸗ ſenken in den Boden oder in Seen und Teiche möglichſt ſich zu entledigen.“ §. 282. Unter den Felsblöcken kryſtalliniſcher Geſteine ſind Granite mit ſchönen großen Granaten, welche man in Schwerin geſchliffen und zu ſchönen Tiſchplatten verwendet hat. Die Kalkſteingerölle, welche ſowol der Grauwacke als dem Muſchelkalk, dem Jura und der Kreide angehören, werden vielfach als Brennkalk benutzt, welche Verwendung durch ihre oft locale Vertheilung ſehr be— günſtigt wird. So finden ſich Muſchelkalkgerölle hauptſächlich zwiſchen Neuſtrelitz und Fürſtenberg, Juragerölle beſonders zwi⸗ ſchen Penzlin und Stavenhagen, tertiäre Gerölle zwiſchen Parchin und Sternberg und unter dieſen zeichnen ſich die ſogenannten — 144— Sternberger Kuchen durch viele und ſchöne Verſteinerungen aus, aus denen ſie faſt gänzlich beſtehen. Ein Theil dieſer Gerölle ſtammt offenbar aus der nächſten Umgegend, ſo die letztern, wäh⸗ rend die Mehrzahl aus Skandinavien herübergeführt iſt. §. 283. Bei Lübthena im ſüdlichen Mecklenburg erhob ſich eine kleine Gypskuppe ein wenig über die Sohle des Thales, die aber ſeit 1825 bereits ſo weit abgebaut iſt, daß man nun genöthigt wird, in die Tiefe hinabzugehen. Ebenſo hat man ½¼ Meile davon bei Probſt Jeſar eine kleine Gypskuppe aufgefunden; beide ſind ſehr wahrſcheinlich Fortſetzungen des Gypſes von Lüneburg, der dem Muſchelkalk angehört und da in die Verlängerung derſelben Linie auch der Gyps und Muſchelkalk der Gegend von Rüdersdorf bei Berlin fällt, ſo verdienen die dazwiſchen liegenden Regionen die aufmerkſamſte Unterſuchung, denn in dieſen Gegenden iſt jede anſtehende Gyps⸗ oder Kalkſteinbildung ein werthvoller Gegen— ſtand. Mit dieſem Gyps ſtehen ſehr wahrſcheinlich auch die Salz⸗ quellen von Sülz unweit Dömitz, von Finkenberg und von Sol⸗ tow in Verbindung, ſie deuten ein unterirdiſches Salzlager an, welches der in dieſer Linie erhobenen Muſchelkalkbildung zugehört und welches möglicherweiſe durch Bohrlöcher oder Schächte gün⸗ ſtiger aufgeſchloſſen werden könnte. §. 284. In einen ſolchen innern Zuſammenhang laſſen ſich die übri⸗ gen Salzquellen Mecklenburgs und Pommerns noch nicht bringen. Sie finden ſich, inſofern ſie unſerm Gebiete angehören, bei Sül⸗ ten unweit Sternberg, bei Neuenkirchen, bei Sülz an der Recke⸗ nitz, bei Greifswalde und bei Koblenz an der Randow. Schon hier zeigt ſich der Zuſammenhang gewiſſer Ortsnamen mit der Anweſenheit von Salzquellen, dem wir im übrigen Deutſchland mehrfach begegnen werden und welcher zugleich einen Einblick in die Vertheilung der Volksſtämme einer ſehr frühen Periode ge⸗ ſtattet. In Norddeutſchland und in Thüringen findet man die ——2— übri⸗ ingen. Lir Ree⸗ Schen nit di ſchlan blickin V ode ge an di — 145— Salzpunkte häufig durch Ortsnamen wie Sulz, Sulza, Sülz, Sülten, Salze bezeichnet; in Süd- und Mitteldeutſchland durch die celtiſchen Worte: Hall, Halle, Hallein, Halberſtadt; in Polen durch die ſlawiſchen Worte: Slone, Solek, Solka, Slönsk. §. 285. Man hat auch die Entſtehung der vielen und manchmal tief eingeſenkten Seen auf allen dieſen norddeutſchen Landrücken und Höhenzügen mit der Auswaſchung früher vorhanden ge⸗ weſener unterirdiſcher Steinſalzmaſſen in Verbindung zu bringen geſucht. Es kann kaum einem Zweifel unterliegen, daß manche dieſer Seen, wie z. B. bei Segeberg in Holſtein, durch Zu⸗ ſammenſtürzung ausgewaſchener Hohlräume entſtanden ſind, aber die Mehrzahl dieſer Tauſende von kleinen und großen Waſſerbecken muß wol eine andere Urſache haben, da kein anderer Umſtand dafür ſpricht, daß eine ſo allgemeine Verbreitung von Salz⸗ und Gypsbildungen einſt hier vorhanden geweſen ſei. Auch iſt die Mehrzahl dieſer Seen keineswegs tief und trichterförmig geſtaltet. §. 286. Von dem oben betrachteten Höhenzug nordöſtlich breitet ſich nun alſo die ganz mit diluvialen und alluvialen Bildungen be⸗ deckte vorpommerſche Niederung aus. Auf den drei großen In⸗ ſeln Rügen, Uſedom und Wollin tritt dagegen die weiße Kreide wieder in mächtiger Entwickelung unter den Diluvialbildungen hervor und bildet z. B. die ſchönen Felswände von Stubben⸗ kammer und Arkona. Sie iſt zugleich die Urſache eines bedeuten⸗ den Terrainanſteigens, welches auf Rügen etwa 500 Fuß beträgt. §. 287. Dieſes alſo iſt der innere Bau des Gebiets, welches wir ſoeben betrachteten. Die Fruchtbarkeit des Bodens in demſelben iſt in den meiſten Regionen ſehr bedeutend, namentlich zeichnen ſich aber dadurch aus: ein Theil der Inſel Rügen(das Paradies), die Umgebungen von Stralſund und Demmin, die„Kornkammer Cotta, Deutſchlands Boden. 10 — 146— Berlins“ in der Ukermark zwiſchen Strasburg und Schwedt, ſo⸗ wie die niedern Theile Mecklenburgs. §. 288. Faſt in ganz Mecklenburg und im nördlichen Theile Vor⸗ pommerns iſt die Wechſelwirthſchaft herrſchend, bei welcher man Getreideſaaten ſo lange aufeinander folgen läßt, bis der Boden erſchöpft iſt, worauf dann der erſchöpfte Acker zur Beraſung niedergelegt wird, bis er durch dieſe Art Brache wieder trag⸗ fähig für Getreide geworden iſt. Sie beruht auf einem ähnlichen Princip wie die Felderwirthſchaft, hat ſich aber beſonders da aus⸗ gebildet, wo der Boden eine größere Graswüchſigkeit beſitzt und vorzüglich den Betrieb der Viehzucht bedingt, an den Küſten, in den Niederungen, wenn dieſe nicht viel Grasland darbieten, wel⸗ ches entweder wegen beſonderer Güte als ſolches werthvoller oder wegen periodiſcher Ueberſchwemmungen nur ſchwer in Ackerland zu verwandeln iſt. Die verſchiedenen landwirthſchaftlichen Bewirthſchaftungs⸗ ſyſteme beruhen zum Theil nur auf altem Herkommen und blei⸗ ben oft auch dann in einer Gegend die herrſchenden, wenn be⸗ reits zweckmäßigere, der Natur derſelben entſprechende bekannt ſind; ſie können deshalb nicht immer als Maßſtab für die Beurtheilung der Bodennatur dienen. §. 289. Die Größe der Bevölkerung in dem betrachteten Gebiete ſteigt von 2200— 2700 auf die Quadratmeile, am größten iſt ſie in dem Großherzogthum Mecklenburg⸗Strelitz. Das reichſte Städte⸗ leben hat ſich natürlich an den Küſten und ſchiffbaren Flüſſen entwickelt, hier finden wir die Hafenorte Wismar, Roſtock, Barth, Stralſund, Greifswald, Wolgaſt, Swinemünde und Stettin. Im Innern ſind außer den kleinen Reſidenzen Schwerin und Strelitz keine Städte von Bedeutung vorhanden, aber auch keine natür⸗ lichen Kryſtalliſationspunkte für ſolche geboten. — 147— 5) Holſtein, mit Hamburg und Lübeck. §. 290. Ich faſſe unter dieſer Bezeichnung das ganze Gebiet zu⸗ ſammen, welches zwiſchen der Elbe, der Steckenitz, der Eider und dem Meere liegt. Den größern Theil deſſelben nimmt der flache holſteiniſche Landrücken ein, neben dem ſich weſtlich die fruchtbaren Ditmarſchen ausbreiten, während öſtlich eine ſeenreiche allmälige Abdachung bis zur Oſtſee ſtattfindet. §. 291. Die Oberfläche dieſes Gebiets iſt wieder faſt durchgehends mit Diluvialgebilden bedeckt, beſtehend aus Sand und Korallen⸗ ſand, Lehm und Geſchieben, oder großen Felsblöcken, oder mit noch neuern Fluß⸗ und Meeresalluvionen, ſo in den fruchtbaren Vierlanden, den Halsdorfer⸗, Biederberger⸗ und Wilſtermarſchen längs des rechten Elbufers und in den Ditmarſchen längs der Nordſee. Diluvialſand und Lehm enthalten auch hier noch Bern⸗ ſtein und Kohlenſtückchen, welche letztere zuweilen ſogar zu ſecun⸗ dären Lagern vereint ſind, wie in der Nähe von Kiel, und die erratiſchen Felsblöcke haben hier und da zu den eigenthümlichen ſogenannten Cyklopenmauern Veranlaſſung gegeben, deren ſchönſte kürzlich bei Kiel ausgeführt worden iſt. §. 292. Unter dieſen Diluvialbildungen lagert in ganz Lauenburg, ſo⸗ wie von da aus weſtlich bis jenſeit Glückſtadt(hier noch 300 Fuß mächtig erbohrt), blauer oder ſchwärzlicher Thon der Braunkohlen⸗ formation, auch von geringen Sand⸗ oder eiſenſchüſſigen Sand⸗ ſteinſchichten begleitee. Der Thon wird vielfach als Ziegelthon verwendet. Unter ihm iſt überall einige Hoffnung vorhanden, Braunkohlen⸗ oder Alaunerdelager aufzufinden, doch iſt noch an keiner Stelle ermittelt, ob ſie wirklich vorhanden ſind und nicht für die Gewinnung zu tief liegen. 10* — 148— §. 293. Im Norden von Holſtein ſcheint dagegen dieſe Thon⸗(und Braunkohlen⸗) Unterlage zu fehlen; die Diluvialgebilde ruhen hier wahrſcheinlich unmittelbar auf Kreide oder auf noch ältern Schichten, welche letztere höchſt ausnahmsweiſe darunter hervor zu Tage treten. So z. B. bei Segeberg, deſſen Gyps und Steinſalzbildung längſt ſchon ein für Holſtein wichtiger Gegen⸗ ſtand der Benutzung iſt und zugleich dem Mineralogen ein inter⸗ eſſantes Vorkommen des Borazits in dem Gyps darbietet. §. 294. In der Nähe von Segeberg ſind neuerlich auch Schichten eines bituminöſen Kalkſteins beobachtet worden, wechſelnd mit einem Geſtein, welches die mansfelder Bergleute Aſche zu nennen pflegen, doch würde es voreilig ſein, daraus zu ſchließen, dieſe Segeberger Geſteine entſprächen auch dem Alter nach der thürin— giſchen Zechſteinformation. §. 295. Die ungemeine Fruchtbarkeit Holſteins und namentlich ſeiner Marſchen iſt beinahe ſprüchwörtlich geworden. Man ißt dort nicht die Butter zum Brote, ſondern das Brot zur Butter, nur die waldbedeckten Sandhöhen, wie die Segeberger Haide, machen von der durchſchnittlichen Fruchtbarkeit Ausnahmen, reichen aber eben nur hin, den Holzbedarf der nicht ſehr ſtarken Bevölkerung zu befriedigen. Die Bevölkerungszahl beträgt nämlich, wenn man Hamburg und Lübeck ausſcheidet, etwa 2900 auf die Quadrat⸗ meile, was freilich immer noch etwas mehr als in allen unmittel⸗ bar angrenzenden Ländern iſt, aber doch nicht ſo viel, wie man in einem ſo fruchtbaren und gut bewirthſchafteten Lande erwarten könnte, wenn es ſich nicht überall deutlich herausſtellte, daß große Bodenfruchtbarkeit für ſich allein keineswegs eine beſonders ſtarke Bevölkerung hervorruft, im Gegentheil Uebervölkerung eher zu verhindern als zu befördern ſcheint. Sie leitet die Bewohner vorherrſchend zum Landbau und dieſer iſt es nicht, welcher Ueber⸗ Bevö bölke hen † 8. bahr emäh ichji her — 149— völkerung bewirkt. Darum finden wir ſonderbar genug in man⸗ chen durch Boden und Klima wenig begünſtigten Gegenden, wie z. B. im ſächſiſchen Erzgebirge und namentlich im Voigtlande, wahre Uebervölkerung, d. h. mehr Menſchen, als der Boden zu ernähren vermag, hervorgerufen gerade durch den Umſtand, daß ſich in dieſen wenig fruchtbaren Gegenden, wo der Boden als ſol⸗ cher keinen hohen Werth hat(oder früher hatte), eine induſtrielle Bevölkerung ausgebildet und ungemein ſtark vermehrt hat. §. 296. Faſt nirgends tritt der Unterſchied zwiſchen Dem, was die Bewohner Geeſtland und Marſchland nennen, deutlicher hervor als an der Weſtküſte Holſteins und Schleswigs, wo man das letztere überall noch in ſeiner fortgeſetzten Bildung begriffen ſieht. Den intereſſanten Schilderungen, welche J. G. Kohl davon ent⸗ worfen hat, erlaube ich mir einige Bemerkungen zu entnehmen. §. 297. Dieſe Marſchen ſind ein Geſchenk der See, das ſie aus dem feinen Material, welches die Eider, die Elbe und andere Flüſſe aus dem Innern des Landes heranführten, gebildet hat, indem ſie daſſelbe an die Küſte warf und dort zu Inſeln und fetten Schlammbänken aufhäufte, die nachher der Menſch durch Be⸗ deichung ſicherte und durch Bebauung benutzt. §. 298. Wenn der Fluß viel feines fruchtbares Material mit ſich führt und zu gleicher Zeit in ſeinem untern Gebiete ein flaches Land erreicht, das ſich allmälig unter dem Meere verläuft, ſo wird die Marſchbildung am leichteſten ſein. Dies iſt bei der Eider, der Elbe, der Weſer, der Ems und dem Rhein der Fall. Daher überall an ihren Mündungen der Anſatz ſo reicher und ſchö⸗ ner Marſchländereien. §. 299. Dieſer Abſatz erfolgt aber nur dann unmittelbar vor den Mündungen der Flüſſe als ſogenannte Deltabildung, wenn das — 150— Meer ein verhältnißmäßig ruhiges iſt. Die genannten nord⸗ deutſchen Ströme münden aber in eins der bewegteſten Meere der Welt, deſſen Gewäſſer ſowol durch urſprüngliche Strömun⸗ gen als auch durch eine ſtarke Ebbe und Flut beſtändig in Auf⸗ regung erhalten werden. Auch ſind die herrſchenden Winde dieſes Meeres gerade der Richtung der Ströme entgegen. Die Elbe und die Weſer kommen aus Südoſten, die herrſchenden Stürme aus Weſten und Nordweſten. Sie verſchlagen das herangebrachte Material beſtändig zur Rechten und Linken. Daher kommt es, daß wir kein compactes Elb-⸗ und Weſerdelta beſitzen, und daß wir den fetten Flußſchlamm weit und breit zerſtreut und gleichſam an das Land verſpritzt finden. Ein fetter, vielfach zerriſſener Marſchſtrich zieht ſich wie ein grüner Saum überall an den Küſten der Mündungsgebiete dieſer Ströme hin und ſetzt ſich weit nach Norden hinauf hier und dort an Inſeln, Halbinſeln und Sandbänken an. §. 300. Die weſtlichen und nördlichen Küſten der Länder Schleswig, Holſtein, Hannover, Oldenburg, Oſtfriesland und Holland ſind ſämmtlich von dieſem grünen Marſchſaume umzogen. In den Ländern, die unter däniſchem Scepter ſtehen, erſtreckt er ſich, von Hamburg an gerechnet, faſt 30 Meilen weit. Da kommen zuerſt die Marſchen zwiſchen Hamburg und Glückſtadt, dann die be⸗ rühmten Marſchen von Krempe und Wilſten, weiter nordwärts die Dithmarſchen, das Land Eiderſtedt und endlich die nord⸗ frieſiſchen Marſchen, die bis in die Nähe von Ripen in Jütland hinaufgehen. Nordwärts von Ripen wird kein Schlamm mehr angeſpült und die jütiſche Weſtküſte zeigt daher nichts als einen dürren Saum von Sandbänken und Dünen. §. 301. Dieſe Marſchen bilden eine beſondere Welt für ſich. Schon dem äußern Auge ſtellen ſie ſich als eine ſolche dar. Da die Marſch ein Niederſchlag aus dem Waſſer iſt und keine von — 151— unten wirkenden vulkaniſchen Kräfte ihr Niveau zerriſſen und ge⸗ ſtört haben, ſo iſt ſie vollkommen flach und ſcheidet ſich daher ſcharf von dem hügeligen Feſtlande, das ihr, wie dem Fleiſch die Rippe, als Anhaltepunkt diente. §. 302. Die Marſchbewohner, ſowol die in Schleswig und Holſtein als die in Hannover, Oldenburg und Oſtfriesland, nennen dieſes Hügelland„die Geeſt“ oder„Gaſt“. Die hohe, hügelige unfruchtbare Geeſt tritt natürlich in bunt⸗ geſtalteten Vorgebirgen und Landzungen in die flache Marſch hin⸗ ein, und da das Flußmaterial ſich zuweilen auch an aus dem Meere aufragende Inſeln anſetzte, ſo gibt es auch Inſeln, die halb Geeſt und halb Marſch ſind. .§. 303. Der Gegenſatz zwiſchen Geeſt und Marſch wird daher hier zu Lande immer beſprochen und beſchäftigt alle Leute. Einem rechten Marſchbewohner zerfällt die ganze Welt in Geeſt und Marſch. Mir erzählte Jemand, ein Marſchbewohner hätte ihn gefragt,„ob Sachſen ein Geeſt⸗ oder ein Marſchland ſei.“ Die Marſch iſt niedrig, flach und eben, die Geeſt hoch, uneben und minder fruchtbar. Die Marſch iſt kahl und völlig baumlos, die Geeſt ſtellenweiſe bewaldet; die Marſch zeigt nir⸗ gends Sand und Haide, ſondern iſt ein ununterbrochener fetter, höchſt fruchtbarer Erdſtrich, Acker an Acker, Wieſe an Wieſe; die Geeſt iſt haidig, ſandig und nur ſtellenweiſe bebaut. Die Marſch iſt von Deichen und ſchnurgeraden Kanälen durchzogen, ohne Quellen und Flüſſe, die Geeſt hat Quellen, Bäche und Ströme. §. 304. Ich ſage, alſo ſchon dem äußern Auge ſtellt ſich die Marſch in ihrem ſchneidenden Contraſte mit der Geeſt als eine eigen⸗ thümliche Welt für ſich dar. Mehr noch tritt dies hervor, wenn man die moraliſchen Verhältniſſe der Bewohner unterſucht. — 152—— Die eigenthümliche Beſchaffenheit des Landes macht einen eigenthümlichen Ackerbau nöthig und dieſer bedingt, ſowie die Art zu wohnen, ſo überhaupt die Sitten vielfach. Ganz eigen⸗ thümliche Kunſt und Kenntniß erfodert die Eindämmung und Vertheidigung des Landes gegen die Angriffe des Meeres, die Errichtung und Erhaltung der Deiche. Dieſe Deichbauten, die dabei vorkommenden Arbeiten, die Schleuſenanlagen und die Kanalgrabungen zur Ableitung der ſüßen Gewäſſer erfodern ſo mancherlei Uebung, daß nur ein Volk, das ſeit langer Zeit in einer ſolchen Gegend wohnt, alles dabei Nöthige leiſten kann. Der Reichthum, den die Leute in den Marſchen erlangten, machte ſie ſtolz und freiheitliebend. §. 305. Die Möglichkeit, ihr Land und ihre Freiheit durch künſtlich veranlaßte Ueberſchwemmungen vor feindlichen Einbrüchen zu ſichern, that dieſer Freiheitsliebe noch mehr Vorſchub, und ſo bildete ſich denn von Holland und den Mündungen der Maas an bis in die Mitte der cimbriſchen Halbinſel(Jütland) hinauf eine ganze Reihe kleiner, mehr oder weniger unabhängiger Marſchdemo⸗ kratien, die z. Th. ſelbſt noch heutigen Tages, obgleich ſie allmälig ihre Souverainetät verloren haben, als mit beſondern Privilegien und Communalrechten begabte Ländchen exiſtiren. Solche Länd⸗ chen ſind in Hannover und Oldenburg: das Land Hadeln, das Alte Land, das Land Kedingen, das Land Stedingen, die Land⸗ ſchaft Jever und viele andere und auf der cimbriſchen Halbinſel ſind es die eben genannten und einige andere. §. 306. Die beſagte phyſiſche Abtheilung in Marſch- und Geeſtland iſt zunächſt von größter Einwirkung in Bezug auf die Bebauungs⸗ weiſe der Inſeln geweſen. Sämmtliche Dörfer der Inſeln liegen der Reihe nach gerade auf der Grenze zwiſchen der Marſch und Geeſt, und zwar auf dem Rande der letztern. — 153— §. 307. Es erklärt ſi 6 dieſe Erſcheinung daraus, daß die Leute in der Ueberſchwemmungen ausgeſetzten Marſch nicht gern wohnten. Weil ſie aber ſowol Aecker auf der Geeſt als Wieſen in der Marſch beſaßen und weil ſie beiden gern ſo nahe als möglich ſein wollten, ſo ſiedelten ſie ſich hart auf dem Rande der Geeſt an. Selbſt der Flecken Wyk auf Föhr liegt auf dieſer Grenze, gleich vor ſeinem nördlichen Thore fängt die Marſch an. §. 308. Es iſt ein ſolcher mit Dörfern, Flecken und Städten be⸗ ſäeter Geeſtrand eine allgemeine Erſcheinung in allen Marſch⸗ ländern. Alle Hauptorte Dithmarſchens, z. B. Lunden, Heide, Meldorf, liegen auf Vorſprüngen der Geeſt. Ebenſo findet man alle die kleinen Küſtenſtädte im nördlichen Hannover und Oldenburg, z. B. Stade, Neuhaus, Otterndorf, Varel, Jever, Eſſen, Norden, auf dem Rande der Geeſt. Auch in i Holland läßt ſich etwas Aehnliches bemerken. §. 309. Einen ſehr charakteriſtiſchen Zug bilden in der Landſchaft die Deiche(Dämme), die ſich in langen Linien durch die Wieſen ſtrecken. Man unterſcheidet ſie in Binnen⸗ und Haf⸗ oder See⸗ deiche. Mit dem letztern Namen wird der äußere Deich, der gegen die See ſchützt und unmittelbar an der Küſte hinläuft, bezeichnet. Wenn das Land nach dem Meere zu anwächſt und dann durch ſeine Eindeichung ein neuer Hafdeich entſteht, ſo wird der alte Hafdeich dadurch ein Binnendeich. Man läßt dieſe Binnen⸗ deiche beſtehen, weil ihre Wegſchaffung ſehr koſtſpielig ſein würde und weil ſie auch beim Durchbruch des Hafdeichs noch ſchützen können. §. 310. Zwiſchen dieſen Deichen liegen breite und völlig ebene, un⸗ abſehbare Wieſenfluren, gänzlich baumlos, aber im Sommer — 154— überall bevölkert von zahlreichen Rinderheerden. Wie die Rinder, ſo ſind auch viele Wohnungen der Leute weit und breit verſtreut. Sie liegen auf künſtlich errichteten Hügeln von 10— 15 Fuß Höhe, die„Wurten“(Wurfen, Werfen, Warten) genannt wer⸗ den, und die den Leuten und allen ihren Habſeligkeiten als Zu⸗ fluchtsorte bei großen Ueberſchwemmungen dienen. §. 311. Die Häuſer ſind hier in einem ganz andern Stile gebaut als auf der Geeſt Sie ſind nur einſtöckig, lang, von Ziegeln, ohne vielen Holzaufwand, wie in Holland. Und über den nie⸗ drigen Thüren iſt immer ein kleiner ſchmaler Bogen, der ſchnee⸗ weiß angekalkt iſt, der einzige übertünchte Streifen am ganzen Hauſe. Ich muß dieſen weißen Bogen für nationalfrieſiſch hal⸗ ten, da ich ihn ſonſt nirgends, hier aber überall geſehen habe. §. 312. Großer Mangel herrſcht überall in dieſen baumloſen Marſch⸗ gegenden(wie überhaupt im nördlichen Holſtein) an Brenn⸗ und Baumaterial. Man hilft ſich ſo gut man kann. Zum Brennen wird vielfach, natürlich zum Nachtheil der Landwirthſchaft, der in Kuchen(Fladen) geformte und getrocknete Miſt verwendet. Bauholz bezieht man aus Norwegen oder benutzt von den Grön⸗ landfahrern mitgebrachte Walfiſchrippen ſtatt ſeiner. Im Geeſt⸗ gebiet bieten ſich vereinzelt auch erratiſche Felsblöcke dar. Der landwirthſchaftliche Betrieb Holſteins entſpricht im All⸗ gemeinen dem Mecklenburgs, nur geſellen ſich dazu an der Weſt⸗ küſte noch die eigenthümlichen eingedeichten Weideländereien, die ſoeben nach Kohl's Darſtellung beſprochen wurden. Die Hauptſtädte finden ſich auch hier an den beſchiffjbaren Ufern, ſo Hamburg, Lübeck, Rendsburg, Glückſtadt und Altona. Gebie in Be — 155— 6) Die Lüneburger Haide. §. 313. Mit ihr gemeinſam ſoll hier das ganze parallelogrammförmige Gebiet zwiſchen der Elbe, der Aller, der Weſer und dem Meere in Betrachtung gezogen werden. §. 314. „Die eigentlich ſogenannte Lüneburger Haide“— ſagt Fr. Hoffmann—„zeichnet ſich vor dem übrigen Theile des nord⸗ deutſchen und ſüdbaltiſchen Flachlandes auf eine ſehr beſtimmte Weiſe durch Form und Charakter ihrer Oberfläche aus. Sie bildet einen erhöhten Landſtrich, welcher ſich von der weſtlichen Grenze der Altmark bis in die Gegend zwiſchen Bremen und Stade ununterbrochen, in unveränderter Richtung von SO. nach NW. erſtreckt. Auf beiden Seiten wird ſie durch die tief ein⸗ geſchnittenen Parallelthäler der Elbe und der Aller begrenzt, welche ſich beide erſt nach einer bedeutenden Krümmung dieſer Strei⸗ chungslinie angeſchloſſen haben. Der höchſte Rücken der Haide ſtreicht eben ſo gleichförmig näher bei dem nordöſtlichen Rande der ganzen Erhebung; die Höhe deſſelben wechſelt in bedeutender Ausdehnung zwiſchen 300 und 400 pariſer Fuß über dem Meere und ſcheint in der Gegend von Undeloh, nordoſtwärts von Sol⸗ tau, am bedeutendſten zu ſein.— Der Abfall der Haide iſt zu beiden Seiten ſanft, doch nicht gleichförmig, ſüdwärts erſt in ſehr bedeutender Erſtreckung merkbar, nordwärts etwa vier mal ſo ſteil. Dieſes Verhältniß der entgegengeſetzten Abdachungen läßt den Wanderer, welcher von Norden kommt, die Haide als einen ausgedehnten blauen Gebirgsſtreif am Horizonte wahr⸗ nehmen, aus welchem die ihm entgegenkommenden Flüſſe mit beträchtlichem Fall und in tief eingeſchnittenen Thälern hervor⸗ treten, während er, wenn er von Süden kommt, nichts als end⸗ loſe Ebene vor ſich ſieht, deren Flüſſe langſam durch einen brei⸗ ten Rand von Sümpfen und Torfmooren zur Aller abfließen. — 156— §. 315. Dieſe Form des Landes hat ſchon früher in demſelben einen verborgenen Gebirgszug mit einſeitiger Schichtenneigung ahnen laſſen; namentlich betrachtet Herr Senf, der Erſte, der ſie be⸗ ſchrieben hat, den hohen Nordrand der Haide als die Stirn eines Muſchelkalkgebirges, unter welchem der Gyps von Lüneburg an paſſender Stelle hervortrete. Wie ungeheuer mächtig die bedeckende Trümmerſchicht des aufgeſchwemmten Landes überall ſein müſſe, beweiſen Taube's und Jordan's Nachweiſungen bis 100“ tiefer Brunnen in dieſem Lande. Die allgemein verbreiteten Geſchiebe, die beſonders um Fallingboſtel an der Böhme, bei Piperhöfen, zwiſchen Uelzen und Dannenberg, bei Hohenboſtel u. ſ. w. ſich durch Umfang und Menge auszeichnen, ſind durch Jordan als Abkömmlinge des Nordens bekannter geworden. Die Beobachtung des anſtehenden Geſteins bei Lüneburg beweiſt, daß der ältere Gyps erſt nach der Bildung des Kreidegebirges hervorbrach(2), um es in der Streichungslinie der Haide zu erheben, und es iſt daher auch wol nicht unwahrſcheinlich, daß auch die Erhebung des Haiderückens ſelbſt eine von den rieſenhaften Erſcheinungen geweſen ſei(2), welche als gleichzeitig mit dem Fortſchleudern(2) entfernter Gebirgsbruchſtücke betrachtet werden dürfen. .§. 316. Die Beſchaffenheit des Bodens der Haide iſt nicht minder eigenthümlich als die Geſtalt ſeiner Oberfläche. Sehen wir gleich in ihm nichts als herrſchenden Sand, mit untergeordneten Thon⸗ und Mergellagern, ſo iſt doch die auffallende Leichtigkeit, mit welcher er die Vegetation begünſtigt, höchſt bemerkenswerth; nir⸗ gends trifft das Auge kahle Sandſchollen und Hügel, welche der Wind verſetzt; ſelbſt in der höchſten Trockenheit bekleidet Erica Tetralix, mit gemeiner Haide(Erica vulgaris) um den Rang ſtreitend, den Boden; wo Zutritt der Feuchtigkeit eine freiere Entwickelung erlaubt, treten in großem Umfange ſchöne Waldun— gen von Buchen und Birken auf; und die herrlichen Eichenwäld— chen, welche die einſamen Haidedörfer umgeben, zeugen von der Fruchtbarkeit ihrer Grundlage. Einförmige Kiefernwälder und nit — 157— mit ihnen öde Sandſchollen beginnen erſt in der Nähe des Aller⸗ thals und an den ſumpfigen Rändern der Flüſſe des Südabhanges; doch findet ſich der Wanderer auch hier nicht ſelten erfreut durch eine Vermiſchung derſelben mit Fichten, bei deren rauſchenden Gipfeln in der einſamen Landſchaft man ſich auf die Gebirgs⸗ ebenen des Oberharzes um Klausthal und Elbingerode verſetzt glaubt; denn in den nächſten Gebirgen nimmt dieſer Baum die höhere Waldregion ein und ſteigt nicht leicht unter 1000 Fuß Meereshöhe herab. Noch eine Pflanze, von welcher ſich am Harze faſt daſſelbe ſagen läßt, nämlich Arnica montana, iſt gleich⸗ förmig überall durch die Haide vertheilt und ziert die Ebene bis Hannover in großem Ueberfluß. Nicht eine verminderte Tempe⸗ ratur des Bodens, nur ſeine innere Beſchaffenheit kann die Ur⸗ ſache ſein, daß ſie hier erſcheint, denn nicht die ganze ſie um⸗ gebende Flor folgt ihr auf die Gebirge nach, nur die bekannten Vaccinium-Arten und Arbutus Uva Ursi ſteigen von hier noch über die Region der Arnica hinaus bis zum Gipfel des Brockens.“ „ §. 317. Eine ſolche Wiederholung gewiſſer Formen oder Zuſtände in der nordiſchen Niederung und in den höhern Gebirgen Deutſchlands, ja ſelbſt in den Alpen zeigt ſich noch auf andere Weiſe. Es iſt un⸗ verkennbar, daß auch in der Natur der Länder manche Extreme gewiſſe Berührungspunkte oder Analogien darbieten. Die Zwerg⸗ kiefer und das Schneehuhn zeigen ſich in den nördlichen baltiſchen Ländern wie in den Alpen. Das Minimum der Bevölkerung kann ebenſo wol durch Unzugänglichkeit hoher Gebirgsgegenden als durch Sumpfſtrecken oder Sandſchollen in den Niederungen hervorgebracht werden; die Wechſelwirthſchaft, welche von Olden⸗ burg bis nach Rügen herrſcht, kehrt wieder auf dem rheiniſchen Schieferplateau, im Erzgebirge, im Schwarzwalde und in dem Gebiete der Alpen. §. 318. Daß bei Lüneburg anſtehende Schichten von Muſchelkalk mit mächtiger Gypseinlagerung am Kalkberge an die Oberfläche — 158— treten, iſt oben bereits erwähnt worden. Nach Otto Volger lehnt ſich daran nordöſtlich auch noch Keuper, der am Zeltberge 8 S S 2 7 KAn Bei Lüneburg. M.= Muſchelkalk. K.= Keuper. Kr.= Kreidegebilde. Gy.= Gyps. T.= Tertiaͤrer Thon. Zaleber X S AKalkbe Safarlas unmittelbar von Kreidegebilden und dann am Ziegelberge jenſeit der Ilmenau von Braunkohlenthon bedeckt wird. Volger bringt dieſe Thatſache in Verbindung mit einer Erhebungslinie, welche in ihrer nordweſtlichen Verlängerung auf die gleichfalls aufge⸗ richteten Triasſchichten von Helgoland trifft und in der That, wenn man dieſelbe Linie rückwärts gegen SO. verlängert, ſo ſtößt man auffallend genug auf die Gypskuppen von Lübthena in Mecklenburg und auf die Muſchelkalkpartie von Rüdersdorf bei Berlin, was Alles offenbar eine ſolche lang ausgedehnte Schichtenaufrichtung parallel den norddeutſchen Hauptthälern und wahrſcheinlich als deren Urſache andeutet. §. 319. Wir finden jedoch auch außerhalb dieſer Linie zwiſchen der Milde und dem Augraben ſüdlich von Arendſee eine kleine Muſchel⸗ kalkhervorragung angedeutet, aber dieſe beiden ſind die einzigen anſtehenden feſten Geſteinsmaſſen, welche in dem großen Gebiet zwiſchen der Elbe und Aller bekannt ſind. Was von der Lüne— burger Haide ſüdöſtlich gelegen, von der Elbe umrankt wird, iſt meiſt fruchtbares hügeliges Diluvialland oder Moor(im Dröm— ling), gegen Nordweſt aber dehnt flacher, zum Theil ganz neu angeſchwemmter Marſchboden, hier und da mit Sümpfen bedeckt, ſich bis zum Meere aus. Als eine geologiſch intereſſante Local⸗ Dberdd bildung mmähnt 9 Gebic de(i nade i der ſchel gigen Hebit Lüne⸗ d it röm⸗ neu deck Loal⸗ — 159— bildung muß noch die gegen 20 Fuß mächtige Infuſorienerde bei Oberode unweit Ebsdorf am Nordweſtabhang des Haiderückens erwähnt werden. §. 320. Bei dieſem geologiſch ziemlich einförmigen Bau des ganzen Gebiets kann es befremden und leicht für einen Widerſpruch gegen die Einflüſſe des innern Bodenbaues gehalten werden, daß ge⸗ rade in dieſem Theile Deutſchlands die größten Ungleichheiten rückſichtlich der Bevölkerungszahl ſehr nahe beiſammengefunden werden. Dieſer Umſtand muß um ſo mehr auffodern, den Ur⸗ ſachen der Ungleichheit nachzuſpüren. Während nämlich im Fürſtenthume Lüneburg durchſchnittlich 1584 Menſchen auf der Quadratmeile leben(der Rücken der Haide iſt allerdings noch viel geringer bevölkert), finden wir weſtlich dicht daneben im Herzogthume Verden nur 1442, gleich daneben im Stadtgebiet von Bremen 14564, mehr nördlich im alten Herzogthume Bremen 2253, von dieſem umſchloſſen im Lande Hadeln 3170, in den Umgebungen von Ritzebüttel ſogar 4883. Ebenſo zeigen ſich ſüdweſtlich neben der Lüneburger Haide ſogleich große Sprünge in dieſen Zahlen, im Regierungsbezirk Magdeburg nämlich 3081 und im Helmſtedter Kreis 4079. In der That, keine andere Gegend Norddeutſchlands zeigt ſo große Bevölkerungsunterſchiede auf ſo kleinem Raume, ſo dicht und ſo wechſelnd beiſammen. §. 321. Welches ſind nun wol die Gründe davon? Ich habe nie behauptet, daß der innere Bodenbau für irgend einen Bevölke⸗ rungszuſtand allein beſtimmend ſei; Lage, Oberflächenform und hiſtoriſche Zufälligkeiten ſind oft von weit überwiegenderm Ein⸗ fluß. Sie zeigen ſich auch hier von ganz beſonderer Bedeutung, aber auch der Bodenbau iſt nicht ohne allen Einfluß. §. 322. Die Lüneburger Haide hat Bevölkerungsverhältniſſe, wie ſie einem durch innern Bau und Oberflächenform nicht auf Induſtrie — 160— angewieſenen ziemlich fruchtbaren Waldlande ganz angemeſſen erſcheint. Die Zahl der Orte iſt in ihrem Innern äußerſt gering, am äußern Rande dagegen ziemlich bedeutend. Der Regierungs— bezirk Magdeburg iſt am linken Elbufer und in ſeinem ſüdlichen Theil— der Magdeburger Börde— nicht nur beſonders frucht⸗ bar, ſondern auch überdies noch ſehr induſtriereich, hervorgerufen durch günſtige Lage am ſchiffbaren Fluß und Erzeugung von Cichorien und Zuckerrüben in dem ſchwarzen und angeſchwemm⸗ ten Boden. Dieſe Theile würden ſogar eine noch weit größere Zahl für die Quadratmeile ergeben, wenn ſie von den minder fruchtbaren und ungünſtiger gelegenen ſandigen Umgebungen Salz⸗ wedels iſolirt würden. Was vom Helmſtedter Kreiſe in unſer Gebiet herüberragt, iſt ebenfalls in der Zählung nicht iſolirt, die hohe Zahl iſt hier nur eine ſcheinbare, ſie gehört eigentlich und in noch höherm Grade dem nördlich daran grenzenden fruchtbaren und braun⸗ kohlenhaltigen Hügelgebiet deſſelben Kreiſes an. Das Fürſtenthum Bremen iſt nicht nur durch ungemein fruchtbare Fluß⸗ und Meeresalluvionen(Schlick) zwiſchen ein⸗ zelnen ſumpfigen Regionen begünſtigt, ſondern ganz beſonders auch durch ſeine Fluß⸗ und Meereslage, die eine bedeutende Schifferbevölkerung erzeugt hat. Dieſe Umſtände wirken in noch höherm Grade im Lande Hadeln und am meiſten in dem zu Hamburg gehörigen Gebiet von Ritzebüttel. Die Bevölkerung drängt ſich hier aber überall an den Kü⸗ ſten und Flußufern zuſammen, da ragt Kirchthurm hinter Kirch⸗ thurm, während im Innern oft große Hochmoore allen Anbau verhinderten. Das Stadtgebiet Bremen bietet eben nur die ſtarke Bevöl⸗ kerung der nächſten Umgegend jeder großen Stadt dar, wenn man zugleich dieſe ſelbſt mit einrechnet, aber das Minimum der Bevölkerungszahl in dem Herzogthume Verden iſt allerdings minder leicht zu erklären. Neres, ind und und dure ionen noor o lidung riche Nfſee d WKafmoo iidunge diſen ding Ungs⸗ üchen rucht tufn bon emm. ößere dnder Sah⸗ tragt t hir öhern draun⸗ gemin n an⸗ onders ttende noch en zu Ki⸗ Kirch⸗ Anban Bevu wenn m der ding 7) Das Sauerland. §. 323. Ich rechne dazu hier das ganze Gebiet, welches von den letzten Ausläufern der Weſerketten nördlich zwiſchen der Weſer und der Ems liegt. Eine beinahe hügelloſe Niederung, die in großer Ausdehnung mit Moor und Torf bedeckt iſt. Feſtes Geſtein iſt hier nirgends bekannt, ſandige Anhöhen nur in den Gegenden von Haſelünne, Kloppenburg und Baſſum. Die nörd⸗ liche Küſte iſt wie die des vorigen Gebiets in ſtetem langſamen Zuwachſen begriffen, durch Ablagerungen der Flüſſe und des Meeres, welche vorzugsweiſe unter dem Namen Schlick bekannt ſind und theilweiſe aus Infuſorienreſten beſtehen. Trocken gelegt und durch Dämme gegen das Meer geſchützt, bilden dieſe Allu— vionen einen ungemein fruchtbaren Boden. Aber wo im Hoch⸗ moor oder im eigentlichen Sauerland die Torf⸗ und Sumpf⸗ bildung vorherrſcht, da erzeugen dieſe die troſtloſeſten Land⸗ ſtriche Deutſchlands. §. 324. Griſebach beſchreibt eine dieſer Regionen mit folgenden Worten: „Ein gemeinſames trauriges Gepräge iſt der Natur in jenen weiten Niederungen aufgedrückt, welche längs der Nord- und Oſtſee die baltiſche Ebene begreift. Kiefernwälder, Haiden und Torfmoore erfüllen das langgeſtreckte Tiefland; dieſe Vegetations⸗ bildungen(Formationen) ſind aber nicht gleichmäßig darüber ausgeſpannt. In den Flußgebieten der untern Weſer und Ems läßt ſich namentlich eine weſtliche Gliederung des Landes nach⸗ weiſen, wodurch zwei Gebiete von ungleicher Höhe über dem Meeresſpiegel und von entgegengeſetzter, durch den Charakter des Erdreichs beſtimmter Production abgeſondert werden. Schon de Luc kannte die dadurch hervorgerufenen Gegenſätze in den Erwerbsmitteln der Hannoveraner; er bezeichnete Lüneburg als das Extrem des trocknen, Bremen des feuchten Bodens. Die Ems⸗ gegenden zumal ſind ſowol durch den phyſiognomiſchen Ausdruck Cotta, Deutſchlands Boden. 11 der Pflanzendecke als durch ihre natürlichen, zum großen Theil rii zukünftiger Betriebſamkeit aufbewahrten Hülfsquellen von dem dulhe zwiſchen Aller und Elbe gelegenen Haidegebiet weſentlich unter⸗ ij ſchieden. nd §. 325. ſch Die Geeſt der Provinz Lüneburg erhebt ſich unweit Soltau iuh am Haidhügel von Wilſede zu einer Meereshöhe von 527 pariſer ſri Fuß. Dieſes Niveau des Haiderückens iſt kaum um die Hälfte bi niedriger als die mittlere Höhe der Flötzmaſſen, von denen der de gebirgige Charakter der ſüdlichen Provinzen Hannovers abhängt. zon Allein der regelmäßige Wechſel von waldigen Bergketten und in kornreichen Thälern, der ihre Fluren ſo freundlich geſtaltet und Dfich ſchmückt, iſt Lüneburgs Haiden fremd. Von jenem hohen Rücken ſenc dachen ſich dieſe allmälig in weitläufig gedehnten, ohne Symme⸗ iui trie geordneten Wölbungen und Mulden gegen die Elbe und nunt Aller ab. Ihre Schichten ſcheinen jeder Hebung und Senkung ſin des Flötzgeſteins zu folgen, über dem ſie als ein hochmächtiger, nnc durch Thonlager gebundener Schutt von loſem Wüſtenſande aus⸗ hin gegoſſen ſind. Ihre flachen Hügelkämme tragen Haide oder rnn Kiefernwald, in weiten Umkreiſen umgrenzen ſie Torfmoore oder ri— bewäſſerte Wieſengründe. Hier iſt die Cultur noch weit entfernt,f ſdr die urſprüngliche Vegetation des Landes zu bemeiſtern. Der Acker⸗ ſder bau muß die Thonlager aufſuchen und auf allmälige Verbeſſe— daln rung der ſandigen Erdkrume ausgehen. An ſolchen Fortſchritten zeſſ hat ihn vielmehr die Vertheilung des Eigenthums als die Ungunſt ſdi des Bodens gehindert und ſeitdem die aus gemeinſchaftlichem ai Grundbeſitz entſpringenden Hemmniſſe beſeitigt ſind, geht die den Provinz der Entwickelung ihres natürlichen Reichthums entgegen. b §. 326. Ganz verſchieden verhalten ſich die großen Niederungen im ſe Flußgebiete der Ems, welche auf vielen Quadratmeilen eine faſt tan vollkommene Horizontalität der Bodenfläche bewahren. Es iſt dr dieſelbe durch vorweltliche Säugethierreſte bezeichnete Tertiär⸗(oder ſ Diluvial⸗) Formation. Wie dort wird ſie umſchloſſen von ſtets 8 — 163— wachſenden Alluvionen, den längs der Küſten und Ströme ab⸗ gelagerten Marſchen, welche in Oſtfriesland eine Tiefe von 40—50 Fuß mit kalkhaltiger Erdkrume ausgedämmt haben. Allein da die Flötzgeſteine, auf denen ſie ruht, weſtwärts von der Weſer ſich allmälig verflachen und von der Oberfläche verlieren, ſo ſinkt auch die Geeſt in ein niedriges Niveau herab und würde bei fort⸗ ſchreitender Senkung raſch vollſtändig bis zu den doch kaum 200 Fuß hohen Sanddünen des Huimling in die Nordſee eintauchen. Die Schichten, welche in der Lüneburger Geeſt unter den hori⸗ zontalen Alluvionen eine geneigte Lage beſitzen, liegen wagerecht im Herzogthume Aremberg. Auf einer ſo tiefen und ebenen Ober⸗ fläche iſt der Waſſerabfluß gehemmt. Ein Kranz zuſammen⸗ gewehter Dünen hat einen großen Theil jener Landſchaft von hinlänglicher Verbindung mit der Nordſee abgeſondert und Hoch⸗ moore von weiteſtem Umfange darüber ausgebreitet. Ein ſelt⸗ ſamer, auf dieſem organiſchen Boden betriebener Ackerbau, der nach ſechs Ernten eine dreißigjährige Brache erfodert, ernährt hier ſeit kaum anderthalb Jahrhunderten eine ſpärliche Bevölke⸗ rung. So viel für dieſe von Seiten des Staats ſchon durch reichlicher eröffneten Abſatz ihres Brennſtoffs geſchehen könnte, ſo lehren doch die Erfahrungen in Bremen, Oſtfriesland und Papen⸗ burg, daß erſt durch völlige Entfernung des Torfs und Be⸗ bauung des Untergrunds allmälig ein angemeſſenes Verhältniß zwiſchen der Bevölkerung und den Hülfsquellen des Bodens her⸗ beigeführt werden kann. Bis jetzt iſt deren volle Benutzung auf wenige Oaſen eingeſchloſſen, deren Wohlſtand erneute Anlagen von Colonien wünſchenswerth macht.“ 68§. 327. An der hannoveriſch⸗holländiſchen Grenze hat Griſebach, zwi⸗ ſchen Heſepertwiſt und Ruetenbrock das pfadloſe Moor von Bour⸗ tange überſchreitend, einen Punkt beſucht, wo wie auf hohem Meere der ebene Boden am Horizont von einer reinen Kreislinie um⸗ ſchloſſen ward und kein Baum, kein Strauch, keine Hütte, kein Gegenſtand von eines Kindes Höhe auf der ſcheinbar unendlichen 11* — 164— Einöde ſich abgrenzte. Auch die entlegenen Anſiedelungen, die, in Birkengehölzen verborgen, lange Zeit noch wie blaue Inſeln in weiter Ferne erſcheinen, ſinken zuletzt unter dieſem freien Ho⸗ rizonte herab. Dieſes Schauſpiel, auf feſtem Boden ohne ſeines Gleichen, überall hin auf abgerundete Haideraſen und über dem Schlamm geſellig ſchwebende Cyperaceen das Auge einſchränkend, zugleich ſelttſam das Gemüth mit der Gewalt des Schrankenloſen ergreifend, verſetzt uns in urſprüngliche Naturzuſtände, wo eine organiſche, jedoch einförmige Kraft Alles überwältigend gewirkt hat. Es iſt das Gebiet der größten zuſammenhängenden An⸗ ſammlungen von Torfſubſtanz, welche Deutſchland beſitzt. Man kann dieſe organiſche Maſſe, welche das zwiſchen der oſtfrieſiſchen Geeſt und dem Huimling von der Hunte bis zu den Marſchen am Dollart ausgedehnte Becken ausfüllt, auf 50—60 geogra⸗ phiſche Quadratmeilen Oberfläche ſchätzen. 25 Quadratmeilen liegen in ununterbrochener Fläche allein auf dem linken Emsufer und werden unter der Bezeichnung des Bourtanger Moors und Twiſts begriffen. §. 328. Von der Sitte, in dieſen Gegenden große Quantitäten dieſer Torfanhäufungen zu verbrennen, um fruchtbares Land zu ſchaffen, gehen jene eigenthümlichen rauchartigen Nebel aus, welche, dem übrigen Deutſchland durch Winde zugeführt, unter dem Namen Höhenrauch bekannt ſind. Griſebach hat ferner nachgewieſen, daß dieſe ſogenannten Hochmoore wirklich zuweilen in ihrer Mitte höher gewölbt ſind, wie dies auch in Nordamerika bei dem Eiſenbahnbau durch den Great dismal zwiſchen Nordcarolina und Virginien deutlich er⸗ kannt worden iſt.— §. 329. Es kann Niemand verwundern, wenn in dieſem Gebiete, im Herzogthume Aremberg, die allergeringſte Bevölkerungszahl in ganz Norddeutſchland gefunden wird, nämlich nur 1328 auf die Quadrat⸗ meile, denn es gibt hier mehre einzelne Quadratmeilen, auf denen gar Niemand wohnt. In der Niedergrafſchaft Lingen nimmt die — 165— Bevölkerung zu bis 2014, im Großherzogthume Oldenburg be⸗ trägt ſie durchſchnittlich 2200, und in dem fruchtbaren meer⸗ umſpülten Oſtfriesland ſogar 3200. Größere Städte ſind außer der Hafenſtadt Emden in dieſem ganzen Gebiete nicht zu finden. 8) Die Rheinbucht von Köln. §. 330. In das rheiniſche Schiefergebirge iſt von Norden her eine weite Bucht eingeſchnitten, die ſich von Düſſeldorf aufwärts bis Bonn ausdehnt. Dieſe Bucht hat die Geſtalt eines Dreiecks, deſſen zwei Seiten von Schieferhöhen gebildet werden, während die dritte zwiſchen Elberfeld und Aachen durch keinerlei natürliche Grenze bezeichnet iſt. §. 331. Die ganze Bucht iſt nur eine Verzweigung der niederrheini⸗ ſchen Tiefebene zwiſchen das nördlich angrenzende Hügelland; einer breiten Mündungsbucht des Rheins entſprechend, ſobald man ſich den Spiegel der Nordſee um einige hundert Fuß erhöht oder ganz Norddeutſchland um ſo viel niedergeſenkt denkt. Da die geologiſche Zuſammenſetzung der Hügel zu beiden Seiten der Bucht eine entſprechende iſt, ſo muß man vorausſetzen, daß die Schichten der Grauwacke und der Kohlenformation unter dem Boden derſelben fortſetzen, der Art, daß die von Elberfeld und Aachen in unterbrochenem unterirdiſchen Zuſammenhange ſtehen. Aber in dieſen breiten Einſchnitt ſind neuere Schichten ab⸗ gelagert, welche jenen Zuſammenhang gänzlich überdecken, und zwar Braunkohlengebilde, Diluvial⸗ und Alluvialgebilde. §. 332. Die Glieder der Braunkohlenformation treten hauptſächlich an den beiden gebirgigen Rändern der Bucht an die Oberfläche, laſſen ſich jedoch auch zwiſchen der Erf und dem Rheine weit gegen Norden verfolgen. Es ergibt ſich aus dieſer Art des Her⸗ vortretens ziemlich ſicher, daß ſie eigentlich den Grauwackenboden der Bucht faſt überall bedecken, aber am Rheine, an der Erf — 166— und am Boer von diluvialen und alluvialen Bildungen mächtig überlagert ſind. .§. 333. Otto Weber ſagt über die Entſtehung, Zuſammenſetzung und Lagerung dieſer Braunkohlenformation Folgendes: „Das Rheinthal von Linz abwärts bildete um die Zeit der Braunkohlenbildung eine tief eingehende weite Bucht, aus wel⸗ cher das Siebengebirge, theils bereits gebildet, theils in ſeiner Bildung noch begriffen, mehr oder weniger iſolirt hervorragte. Die Ufer dieſer Bucht wurden zu beiden Seiten durch das rhei⸗ niſche Grauwackengebirge gebildet. In ihr wurden die einzelnen Glieder der Braunkohle abgelagert, zum Theil wol ſpäter durch den Strom ſelbſt wieder zerſtört, und ſo treten ihre Reſte nur noch ſtellenweiſe an den jetzigen Thalgehängen hervor. Keines⸗ wegs überall aufgeſchloſſen ſind doch von Linz abwärts bis gegen Düſſeldorf und Aachen hin auf beiden Seiten des Rheins in mehr oder weniger zuſammenhängender Weiſe beinahe überall Spuren der Braunkohlenformation nachweisbar. Die Glieder derſelben ſind im Allgemeinen nach dem Alter ihrer Ablagerung, alſo von unten nach oben, folgende: Aeltere Sandſteine und Kieſelconglomerate. Sand, Thon, Trachyt⸗ und Baſaltconglomerate. Braunkohle, Papierkohle. Kieſelſchiefer. Alaunthon. Thon. Sand. Jüngere Sandſteine und Süßwaſſerquarze. Gerölle. Ueber dieſem Löß und Diluvium. §. 334. Wenn dieſes Schema nun freilich ein allgemeines Bild der Reihenfolge der Schichten liefert, ſo iſt damit durchaus nicht geſagt, daß conſtant überall die nämliche Folge beobachtet wird, kor b acht 9 und eit de wel ſeiner ragte. the⸗ zelnen durch te nur deines⸗ gegen ains i überal Glide gerung Bild de us nich tet wid — 167— ebenſo wenig, daß überall ſämmtliche Glieder vorhanden ſind, vielmehr unterliegt der Schichtenwechſel ebenſo ſehr manchen Va⸗ riationen, als die Zahl der übereinander gefundenen Glieder. Ohne in die Specialitäten der Unterſuchung einzugehen, zumal wir nächſtens eine gründliche geognoſtiſche Bearbeitung des Sieben⸗ gebirges durch Herrn v. Dechen zu erwarten haben, bemerke ich nur noch, daß die Bildung der niederrheiniſchen Trachyte ſowie die der dort etwas jüngern Baſalte ziemlich in die Mitte der Braunkohlenepoche hineinfällt.“ §. 335. Die Braunkohlenlager ſind ſeit vielen Jahren ſchon Gegen— ſtand der Gewinnung geweſen, und auch kleine Thoneiſenſtein⸗ bildungen, welche örtlich mit den Braunkohlen zuſammen vor⸗ kommen, hat man zu benutzen verſucht. §. 336. Der Löß, ein kalkig⸗ſandiger Diluviallehm, welchen wir im obern Rheinthal noch näher kennen lernen werden, diluviale Sand⸗ und Geſchiebelager, ſowie ganz neue(alluviale) Anſchwemmun⸗ gen der Flüſſe breiten ſich über dieſer Kohlenformation mit der⸗ ſelben Einförmigkeit wie in den meiſten Niederungen Norddeutſch⸗ lands aus, und zwar auch noch jenſeit der Grenzen unſerer Rheinbucht, ſoweit hier das deutſche Gebiet reicht und darüber hinaus bis zum Meere. §. 337. Die Fruchtbarkeit des Bodens iſt auch in dieſem Gebiet ſehr un⸗ gleich, je nachdem echter Löß, Lehm, Sand oder Kies, Thon, Sand⸗ ſtein oder Trachyttuff die Oberfläche bilden. Am größten natürlich auf dem Löß, Lehm, Thon und Trachyttuff. Schon die localen Benennungen gewiſſer Diſtricte deuten dieſe Ungleichheiten an, ſo der„Griesberg“ ſüdlich von Weringen, eine unfruchtbare Kies⸗ und Sandſtrecke,„des heiligen römiſchen Reichs Kornkammer“, in den Umgebungen von Düren und Jülich, das„Haferland“ — 168— ſüdlich daran ſtoßend, und das„Flachsland“ in dem Umkreiſe von Dahlen. §. 338. Die Landwirthſchaft folgt in dieſem Gebiete vorzugsweiſe dem Syſtem der Fruchtfelderwirthſchaft, welches, auf einen ſehr ertragsfähigen Boden berechnet, dadurch charakteriſirt wird, daß auf dem Ackerlande ſowol die direct verkäuflichen, als die erſt indirect durch den Viehſtand zu verwerthenden Früchte abwechſelnd gebaut werden, daß ſie aber nicht den Futterbau auf Gras und Klee beſchränken, ſondern mit letzterm namentlich den Hackfrucht⸗ bau verbinden, durch welchen gleichzeitig die Nothwendigkeit einer vollſtändigen Brachbearbeitung mehr oder weniger vermindert werden kann. Es iſt dabei die Verbindung von Ackerbau und Viehzucht inniger verwebt als bei jedem andern. Es iſt das in Deutſchland am wenigſten verbreitete Syſtem. Der Weinbau reicht hier am Rheine herab nördlich bis Mühlheim. §. 339. Weenn die Bevölkerung des Regierungsbezirks Düſſeldorf in ganz Deutſchland die dichteſte iſt, nämlich 8660 auf die Quadrat⸗ meile, ſo muß das vorzugsweiſe der günſtigen Lage und Boden⸗ form, zum Theil aber allerdings auch der Anweſenheit von Braun⸗ und Steinkohlen, theils in unſerm Gebiete ſelbſt, theils in ſeiner unmittelbaren Nachbarſchaft zugeſchrieben werden. Die Zahl würde ſich für unſere Bucht für ſich allein vielleicht etwas niedriger ſtellen, aber zu dem Regierungsbezirk, welcher in ſeiner Totalität ſo ſtark bevölkert iſt, gehören auch die Gegenden von Elberfeld und Barmen. §. 340. Lage und Form— eine weite Bucht zwiſchen Bergland an einem ſchiffbaren Strom— war der Bildung größerer Städte äußerſt günſtig. Darum finden wir in einer Reihe kurz nach⸗ einander Bonn, Köln, Düſſeldorf, Duisburg und Weſel; zur Seite dieſer Flußlinie aber noch: Düren, Jülich, Krefeld und Geldern. Mühlheim, Elberfeld und Barmen gehören wie Aachen rich B bide — 169— nicht mehr der Bucht an, ſtehen aber doch noch in einer gewiſſen Beziehung zu ihr. Das natürliche Centrum der ganzen Bucht bildet unſtreitig Köln. 9) Die Bucht von Münſter. §. 341. Mit ähnlicher Geſtalt, wie die Kölner Bucht, verzweigt ſie ſich von der rheiniſchen Tiefebene zwiſchen die Hügelketten des Teutoburger Waldes und des rheiniſchen Schieferplateaus; ihre breite Oeffnung iſt aber nicht nach Nord, ſondern nach Weſt gekehrt und niemals war ſie die Mündung eines großen Fluſſes, ſondern während der Diluvialzeit nur eine offene Meeresbucht, ge⸗ bildet durch die weit vorragende, flach hügelige Landzunge der Weſerketten und des Teutoburger Waldes. Gegenwärtig bildet dieſe Bucht das Quellengebiet für die Ems, die Vechte und die Lippe, deren gegenſeitige Waſſerſcheiden kaum merklich erhöht ſind. Darum iſt es denn auch leicht geweſen, Münſter durch den Mar⸗Klemens⸗Kanal mit der Vechte zu verbinden. §. 342. Während das Rheinthal bei Weſel etwa 60 Fuß über dem Meere liegt, erhebt ſich die Bucht von Münſter ganz allmälig bis etwa zu 400 Fuß Meereshöhe in der Umgebung von Paderborn. §. 343. Die Unterlage der ganzen Bucht bilden Schichten der Kreide⸗ formation, die ſüdlich unmittelbar auf Gliedern der Kohlenforma⸗ tion ruhen, nördlich aber mit Jurabildungen gleichzeitig auf⸗ gerichtet ſind. Dieſe Kreideſchichten breiten ſich von dem ſüd⸗ lichen Rande noch ziemlich weit nach dem Innern der Bucht aus, nur ganz- allmälig unter diluvialen Ablagerungen ver⸗ ſchwindend, unter denen ſie auch im Innern der Bucht noch mehrfach hervortreten. Solche innere Kreidegebiete finden ſich namentlich bei Oſtrupp, bei Burgſteinfurt, in den Hügeln von Horſtmar und Schäppingen, im Kirchſpiele Altenberge, in den — 170— Gegenden von Kösfeld, Billerbeck, Dülmen und Haltern, bei Münſter, im Kirchſpiel Werne, bei Stromberg und an mehren andern Orten. Durch dieſe vielen Hervorragungen wird es wahr⸗ ſcheinlich, daß man überall in geringer Tiefe anſtehende Kreide⸗ bildungen unter dem Diluvium erwarten kann, und daß nirgends in der ganzen Bucht Braunkohlen oder andere Molaſſegebilde einigermaßen mächtig und verbreitet eingelagert ſind. §. 344. Der diluviale Sand und Lehm iſt hier wie anderwärts be⸗ gleitet von einzelnen erratiſchen Felsblöcken, ſie ſind aber weit ſparſamer als in den öſtlichern Theilen Norddeutſchlands vor⸗ handen. Torfbildungen finden ſich hier und da über dem Diluvium. Beſonders merkwürdig und auch nationalökonomiſch wichtig iſt eine Zone von Salzquellen am ſüdöſtlichen Rand der Bucht, welche zu den Salinen Salzkotten, Weſterkotten, Neuwerk, Höppe und Königsborn Veranlaſſung gegeben haben. Aus ihrer An⸗ weſenheit in dieſer Region läßt ſich vermuthen, daß unter den Kreidegebilden, zwiſchen dieſen und der devoniſchen Grauwacke, welche an der Erdoberfläche unmittelbar an ſie angrenzt, noch ſalzführende Schichten lagern, die wahrſcheinlich der Triasgruppe angehören. §. 345. Die Fruchtbarkeit des Bodens in dieſem eigentlichen Weſt⸗ falen nimmt im Allgemeinen zu von dem Nordrande gegen den Südrand hin, ſie iſt am größten in dem Landſtrich zwiſchen Eſſen und Paderborn, den ſogenannten„Hellweg“ einſchließend, in welchem Kreide und Diluvium aneinander grenzen. Am ge⸗ ringſten in dem Sumpf⸗ und Waldland der„Senne“ nordweſt⸗ lich von Paderborn und auf dem Kreidegebiet zwiſchen Haltern und Borken, welches nebſt den nördlich angrenzenden Gegenden die Benennung das„Sandland“ erhalten hat, aus welchem gleich Oaſen die„ſchöne Eſch“ bei Südlohn und das Gebiet der„gu— ten Stewerbauern“ um Lüdinghauſen hervortreten. Das eigent⸗ liche Münſterland führt dagegen den Beinamen„die Kleie“. Nü — 171— §. 346. Die landwirthſchaftlichen Bewirthſchaftungsſyſteme ſind in dieſem verhältnißmäßig kleinen und gleichförmigen Gebiet ſehr wechſelnde. Am fruchtbaren und ſtädtereichen Südrand herrſcht die Fruchtfelderwirthſchaft, welche ſich von da aus auch längs der alten Heerſtraße nach der Porta Weſtfalica ausdehnt. Im Innern des Beckens aber finden wir, ſchwerlich durch Boden⸗ unterſchiede bedingt, ſüdlich die Felderwirthſchaft und nördlich die Wechſelwirthſchaft, die ſonſt nur in Gebirgen und an den Küſten des Meeres gefunden wird. §. 347. Die Stärke der Bevölkerung beträgt im Regierungsbezirk Münſter etwa 3170 auf die Quadratmeile, im öſtlichſten Theile der Bucht aber etwas mehr, gegen 4000. §. 348. Intereſſant iſt in dieſem Gebiet namentlich die Lage der Städte. Ungefähr die Mitte der ganzen Bucht nimmt die alte Hauptſtadt Münſter ein. Das war eine ganz motivirte Lage, aber der naturgemäße Weg durch die Porta Weſtfalica nach der wichtigern Rheinbucht hat ſie etwas aus dem Verkehr gerückt, und in Verbindung mit den größern Bodenſchätzen des Süd⸗. randes an dieſem eine Reihe von bedeutenden Orten empor⸗ blühen laſſen, welche die Wichtigkeit jenes Hauptorts in den Hintergrund geſtellt haben. An dieſem Südrand und von da bis zur ſchiffbaren Lippe finden wir: Dorſten, Eſſen, Bochum, Haltern, Dortmund, Hamm, Lamen, Unna, Werle, Soeſt, Lipp⸗ ſtadt, Geſeke, Salzkotten und Paderborn in einem dichten Gürtel beiſammen. 10) Das Hügelland nördlich vom Harz. §. 349. Ich rechne dazu Alles, was zwiſchen den Weſerketten, dem Harz, der Aller, der Elbe und der Saale liegt. Alſo einen ſchmalen Gürtel, welcher den nördlichſten Gebirgszug Deutſchlands — 172— nördlich umgibt. Seine mittlere Erhebung über den Meeresſpiegel kann man auf 200 Fuß abſchätzen, ſo hoch liegt Braunſchweig. Die Hügelketten erheben ſich darüber bis zu 900 Fuß und der Einfluß der Aller in die Weſer liegt nur noch etwa 40 über dem Meere; die Quelle der Aller dagegen bei Seehauſen 477 Fuß. Dieſes Gebiet bildet ſowol geographiſch als geologiſch eine Uebergangsſtufe von der Niederung zu dem mitteldeutſchen Gebirgsland. Eine große Reihe von Flötzſchichten tritt in ihm an die Oberfläche und bildet ein wel— liges Hügelland, deſſen innerer Bau ſchon bedeutende Schichten⸗ ſtörungen und Faltungen deutlich erkennen läßt als Folge ſchwa⸗ cher localer oder energiſcher benachbarter Erhebungen. Die Hunte, die Aue, die Weſer, die Leine, die Wietze, die Fuße, die Oker und andere kleine Seitenarme der Aller durchſtrömen daſſelbe ſämmtlich in der Richtung von Süd nach Nord, ohne durch be⸗ merkenswerthe Waſſerſcheiden voneinander getrennt zu ſein. Auch die Bode folgt anfangs dieſem Lauf, wendet ſich dann aber ganz gegen Oſt. Trotz dieſer herrſchenden Flußrichtung iſt die Rich⸗ tung der Hügelketten durchſchnittlich eine ganz andere, ſie folgen mehr der allgemeinen Schichtenfaltung aus SO. nach WNW. und werden daher von den Thälern jener Flüſſe quer durch⸗ ſchnitten, die wieder zwiſchen den Hügelketten vielfach kaum durch flache Anhöhen voneinander getrennt ſind. Die Folge davon iſt eine netzförmige Thalverbindung, die mehrfach ſogar eine kanalartige Verbindung der kleinen Flüſſe veranlaßt hat. §. 350. Es werden in dieſem Gebiet folgende einzelne Glieder der allgemeinen Flötzformationsreihe, aber oft in etwas geſtörter oder lückenhafter Lagerung untereinander beobachtet: 1) Neueſte Ablagerungen der Flüſſe, Kalktuff⸗ und Torf— lager; 2) Diluvialſand, Lehm und Lehm mit erratiſchen Blöcken; 3) Grobkalk(oder Septarienthon?); 4) Braunkohlenthon⸗ und Sand mit Braunkohlenlagern; 21ol 0a 3 5) Ueberquader; di 6) Kreidemergel; u 7) Sudmerſtein; di 8) obere Mergel des obern Quaders; itt 5 9) oberer Quaderſandſtein; der*† 410) untere Mergel des obern Quaders; ihe* 111) Plänerkalk; el. 12) Flammenmergel; . 13) unterer Quaderſandſtein; da⸗ 1⁴) Hilsſandſtein; nte 15) Hilsthon; ker 3 16) Wieldenſandſtein oder Deiſterſandſtein; be*17) Wieldenkalk oder Serpulit; be. 18) oberer und unterer Portlandkalk; V 19) Korallenkalk; uch 9 anh 3 20) brauner Jura oder Dogger; ich. 21) oberer und nnterer ſchwarzer Jura; gen 22) Keuperſandſtein; W. 9 23) Keupermergel; ch⸗ 3 24) oberer und unterer Muſchelkalt; im 25) Röth und Gyps; lge 26) Oberer und unterer Buntſandſtein; gar 27) Zechſteinformation; 28) Rothliegendes; 29) devoniſche Grauwackenbildung; und zwiſchen mehren dieſer Glieder tritt in ziemlich abnormer, bei⸗ nahe eruptiver Lagerungsweiſe hier und da Gyps hervor, welcher de in der Tiefe auch mit Steinſalz verbunden iſt. Es ſind demnach in ter dieſem kleinen Gebiet beinahe alle deutſchen Flötzbildungen vertreten, es fehlen nur etwa die eocenen Gebilde, die Lettenkohlenglieder der orf Triasgruppe, die Kohlen⸗ und Kohlenkakſtemmformation, ſowie die ſiluriſche Grauwacke. §. 351. Die Oberflächenverbreitung dieſer Flötzbildungen iſt eine ſo complicirte, daß man nur mit Hülfe einer geologiſchen — 124— Karte zu einigermaßen klarer Anſchauung derſelben gelangen kann. Zu dieſem Zweck empfehle ich beſonders die in der Beilage 11 genannten Arbeiten Lachmann's, Beyrich's und Römer's, doch will ich verſuchen, hier einige Hauptzüge der Formationsausbrei⸗ tung hervorzuheben, inſofern ſich daran manche Bemerkungen über ihre Bodenwirkung anknüpfen laſſen. §. 352. Ich beginne mit den unterſten Schichten. Die devoniſche Grauwacke bildet nordweſtlich von Magdeburg, in der Richtung nach Neuhaldensleben und Flechtingen, eine wenig bemerkbare im Mühlberge bei Warsleben bis zu 510 Fuß aufſtei⸗ gende Erhebung über die hier ganz herrſchenden Diluvialgebilde. Ihre Schichten ſind ſehr verworren nach den verſchiedenſten Richtungen geneigt. Vorherrſchend aus grauem Sandſtein und Schiefer beſtehend, enthalten ſie zuweilen Spuren von Anthrazit und Schwarzkohle, welche ſchon zu vergeblichen Verſuchsarbeiten auf bauwürdige Steinkohlenlager veranlaßt haben. Dieſes kleine Gebiet ſcheint nordweſtlich von den neuern Flötzbildungen um⸗ lagert zu werden und das Auftreten einer kleinen Gypspartie zwiſchen Wolmirſtädt und Neuhaldensleben deutet an, daß auch auf ſeiner Nordoſtſeite Zechſtein oder Muſchelkalk, von Diluvial⸗ gebilden bedeckt, an demſelben lagern. §. 353. Denkt man ſich dieſes Gebiet, wie es wahrſcheinlich iſt, mit dem großen und ſtark erhobenen Grauwackengebiet des Harzes in unterirdiſchem Zuſammenhang, ſo ergibt ſich dazwiſchen ein wei⸗ tes Becken, deſſen tief unterirdiſcher gefalteter Boden aus Grau⸗ wackenſchichten beſteht, welche über ſich eine große Zahl neuerer Ablagerungen muldenförmig tragen. §. 354. Südweſtlich an das magdeburger Grauwackengebiet grenzt zunächſt eine kleine faſt ganz mit Wald bedeckte, im Fuchsberg Vi bi ſchme gern Schi rich t renzt berg — 175— bis 445 Fuß aufragende Porphyrpartie an. Dann folgt ein ſchmaler Streif von Rothliegendem zwiſchen Everingen und Nord⸗ germersleben, ebenfalls zum großen Theile bewaldet. Dieſelben Schichten treten auch am nordöſtlichen Harzrande wieder hervor, reichen aber weſtlich nur bis in die Gegend von Ballenſtedt. Weiter gegen Weſten kennt man Rothliegendes im flachen nörd⸗ lichen Deutſchland nicht mehr. §. 355. Ebenſo iſt die Zechſteinbildung nur von ſehr geringer Ver⸗ breitung. Am nordöſtlichen Harzrand tritt ſie nur als ein ſchmaler Streif zwiſchen Wiederſtedt bei Sondersleben und Ilſenburg an die Oberfläche, auf der magdeburger Seite iſt ihr ſchmales Her⸗ vortreten zwiſchen Nordgermersleben und Emden noch unbedeu⸗ tender, verräth aber dennoch die unterirdiſche Fortſetzung der— ſelben. Wir werden auf ſie wie auf das Rothliegende bei Be⸗ ſprechung des Harzes zurückkommen. §. 356. Eine ungleich größere Verbreitung zeigt der Buntſandſtein. Im äußerſten Nordoſten unſeres Gebiets finden wir auf ſeinen hier ſteil aufgerichteten Schichten die Stadt Magdeburg, und ganz offenbar iſt dieſe verhältnißmäßig feſte Grundlage die Ur⸗ ſache geworden, warum die Stadt gerade an dieſer Stelle erbaut wurde. Dieſe kleine Hervorragung iſt aber durch diluviale und alluviale Bedeckung der magdeburger Börde gänzlich getrennt von der breitern Fortſetzung dieſer Formation, welche den Boden des Schwanefeld⸗Erxleben'ſchen Forſtes bildet und nördlich ſich bis Ribbendorf verfolgen läßt, in ihrem Liegenden mächtige Ein⸗ lagerungen von Rogenſtein enthaltend. Ebenſo iſt ſie durch neuere Bildungen getrennt von den iſolirten Partien, welche bei Sul— dorf und bei Großen⸗Salza unter dem Muſchelkalk hervortreten. Schon dieſe Ortsnamen deuten hier die Anweſenheit von Salz⸗ quellen und Salinen an und ſie beziehen ihre Soole unter dem — 176— bunten Sandſtein hervor aus dem Steinſalz des Zechſteins, ebenſo wie das jenſeit der nun eintretenden Muſchelkalkbedeckung bei Staßfurt der Fall iſt. §. 357. In dieſen öſtlichſten Theilen ſchließt nämlich die mulden⸗ förmige Einlagerung der Flötzformationen zwiſchen Magdeburg und dem Harz mit einer flachen und häufig von Diluvium über⸗ deckten Muſchelkalkplatte ab. Die Glieder der Jura⸗ und Kreide⸗ gruppe ſcheinen hier zu fehlen. §. 358. Südlich von Staßfurt und Bernburg breitet ſich der bunte Sandſtein mit mächtigen und ausgedehnten Rogenſteineinlage⸗ rungen, die noch feſtere Bauſteine liefern als der Sandſtein ſelbſt, zu beiden Seiten der Saale aus, wird aber bei Sandersleben wieder von Muſchelkalk bedeckt, zwiſchen dem und den ältern Formationen er dann als ein ſchmaler Saum aufgerichteter Schich⸗ ten längs des ganzen nördlichen Harzrandes bis jenſeit Goslar zu verfolgen iſt. §. 359. An dieſem nördlichen Harzrande, der bei dem Gebiet dieſes Gebirges ausführlicher zu beſprechen iſt, findet ſich überhaupt eine ſehr vollſtändige Reihenfolge ſtark aufgerichteter Flötzſchichten von der Grauwacke bis zu den oberſten Kreidebildungen, wäh⸗ rend im Innern unſeres nur an ſeiner Oſtſeite deutlich mulden— förmig gebauten Gebiets gewöhnlich nur einzelne dieſer Schichten als horizontale Platten oder in kleinen Hügelketten mit oft ſtark aufgerichteter Schichtung hier und da an die Oberfläche treten, der größere und namentlich der nördliche Theil aber von Diluvial⸗ gebilden ganz überdeckt iſt. §. 360. Rückſichtlich der ſpeciellen Ausbreitung auf die citirten Karten⸗ werke verweiſend, will ich hier nur der durch Schichtaufrichtung bewirkten kleinen Hügelketten und der größern horizontal gelagerten — 117— Plateaus noch beſonders gedenken, inſofern ſie einen weſentlichen Einfluß auf die Oberflächengeſtaltung, den Waſſerlauf, die Boden⸗ cultur und Induſtrie ausüben. Jene Schichtenerhebungen, welche ſo oft zugleich kleine Hügel⸗ ketten hervorgebracht haben, ſind beinahe alle aus NW. nach SO. gerichtet, alſo der Längenaxe des Harzes und den norddeutſchen Hauptflußrichtungen parallel, §. 361. Vom Harzrand ausgehend finden wir die erſte in der ſo⸗ genannten Teufelsmauer zwiſchen Blankenburg und dem Bode⸗ thale. Sie wird hervorgebracht durch aufgerichtete ſehr feſte Sand⸗ ſteinſchichten, welche der oberſten Abtheilung der Kreidegruppe angehören und ihre öſtliche Fortſetzung bei Ballenſtedt in den Gegenſteinen finden. Dieſe kieſelreichen Schichten haben allen Zerſtörungen mehr widerſtanden als ihre mürberen Sohl⸗ und Dachgeſteine; das iſt die Urſache ihres localen felſigen Hervor⸗ tretens. Die Quaderſandſteinfelſen der Gegeuſteine und des Regenſteins(920“ hoch) haben eine ähnliche Urſache, beſtehen jedoch aus einem etwas ältern Glied der Kreidegruppe. §. 362. Eine zweite auffallende Erhebungslinie finden wir parallel dieſer erſtern zu beiden Seiten von Quedlinburg, vom Hoppel⸗ berg bei Langenſtein bis zum Steinberg bei Paderborn. Sie iſt vom Bodethale quer durchbrochen und dadurch in zwei ungleiche Theile geſpalten, in welchen ſehr verſchiedenartige Schichten an die Oberfläche treten. Den Kern der öſtlichen Hälfte bildet in den Seweckenbergen: Gyps, welcher überhaupt mehrfach gerade in dieſen Erhebungslinien auftritt, weshalb Frapolli ihn für die Urſache derſelben hält. Den Gyps umgibt hier zunächſt Muſchel⸗ kalk, dann ſüdlich auch Keuper⸗ und Quaderſandſtein.(Hierzu Tafel I.) Die größere Weſthälfte dieſer Hügelerhebung zeigt dagegen einen Kern von Keuper und Leias, umgeben zu beiden Seiten Cotta, Deutſchlands Boden. 12 4* — s— von einem Quaderſandſteinwall; die Aufberſtung oder Freilegung iſt hier offenbar keine ſo vollſtändige. Wenn wir uns dieſe Erhebungslinie dem Harzrande parallel gegen NW. verlängert denken, ſo ſtoßen wir auf eine ähnliche in dem Harlyberge bei Woltinrode, deren ſteil aufgerichtete Muſchel⸗ kalkſchichten von der Harzburger Eiſenbahn durchſchnitten worden ſind. Hier kommt unter dem Muſchelkalk auch noch etwas Bunt⸗ ſandſtein zum Vorſchein, während die ganze Umgegend nur aus horizontalen Schichten der Kreidegruppe(Pläner, Flammenmergel und Quaderſandſtein) beſteht, die ein meiſt bewaldetes, flach⸗ hügeliges Gebiet bilden, in dem der weiße Plänerkalkſtein mehr⸗ fach zu großen Steinbrüchen Veranlaſſung gegeben hat, da er einen guten Brennkalk liefert. §. 363. Eine dritte minder deutlich parallele, aber um ſo höhere Er⸗ hebung bildet die Muſchelkalkpartie des Hackel bei Kochſtädt, des Huywaldes und des großen Fallenſteins, alle drei voneinander ge⸗ trennt durch das Bodethal bei Gröningen und das breite Doppel⸗ thal von Dardesheim und Amt Heſſen. Im Huywalde, deſſen 856 Fuß hoch liegendes Kloſter dieſe ganze Hügelkette beherrſcht, finden wir einen Kern von Bunt⸗ ſandſtein und Gyps, rings umgeben von bewaldeten Muſchelkalk⸗ höhen. Der weſtliche Theil dieſer Hügelkette, der große Fallen⸗ ſtein, beſteht wieder wie der öſtliche Hackel nur aus einer ein⸗ förmigen Muſchelkalkplatte, die wie die meiſten ähnlichen von ſchöner Buchenwaldung bedeckt iſt. Aber noch bei Hornburg zeigen ſich Spuren von Schichtenſtörung in den viel jüngern Ablagerungen. §. 364. Die vierte parallele Hügelkette finden wir in der reich be⸗ waldeten Aſſe, dem alten Stammſitz der Grafen von Aſſeburg. Dieſe kleine Berggruppe, welche ſich etwa 440 Fuß über den ebenen Boden von Wolfenbüttel erhebt, gehört zu den geologiſch lehrreichſten Stellen in unſerm ganzen Gebiet. ſung alll e in ſch Nden unt⸗ — 179— Hier beſteht der innere Kern aus buntem Sandſtein, deſſen. Rogenſteineinlagerungen zu guten Bauſteinbrüchen Veranlaſſung gegeben haben; öſtlich ſchließt ſich an dieſen Sandſteinkern wieder Gyps an, beide Geſteine ſind rings umwallt von Muſchelkalk, der noch weit gegen Südoſt unter den neuern Schichten aufragt. Am Fuß der Muſchelkalkhügel und mit aufgerichtet folgen in regelmäßiger Reihe: Keuper, Leias(nicht überall) und Hils⸗ Zie Asse —— See.— 7, afuer Se e e — bildungen. Die Aufrichtung der Schichten läßt ſich aber noch weit gegen Südoſt bis nach Jerxheim verfolgen und mehrfach tritt Gyps dazwiſchen hervor. Ganz dieſelbe Schichtenreihe zeigt ſich auch in den kahlen Hügeln des Oeſel bei Neundorf wieder, hier aber mehr mit nord⸗ ſüdlichem Streichen ſteil aufgerichtet. §. 365. Die breite Platte des Elmwaldes bildet die fünfte parallele, etwa bis 900 Fuß über den Meeresſpiegel aufſteigende Erhebung, aber nur durch die Richtung der Längenaxe dieſes Gebiets erkennt man in ihr den Parallelismus, da von Schichtenſtörung kaum etwas zu bemerken iſt. Das ganze Gebiet ſcheint vielmehr aus einer horizontalen Kalkplatte zu beſtehen, deren waſſerarme Ober⸗ fläche, wie ſo häufig die Muſchelkalkgebiete, mit prachtvollen Buchen⸗ waldungen bedeckt iſt. Es würde zu den größten Thorheiten ge— hören, wenn man ſo natürlichen Waldboden(wie es in Thüringen mehrfach geſchehen iſt) in Feld oder Weideland umwandeln wollte. Das Geſtein dieſer Platte wird vielfach als Brenn⸗ und Düngekalk gewonnen, an ihrem ſüdöſtlichen Ende aber liegt Schönebeck mit ſeinen Salzquellen, welche durch Bohrarbeiten in 1677 Fuß Tiefe auf ein 23 Fuß mächtiges Steinſalzlager des obern Buntſandſteins geleitet haben, nachdem man vorher 587 Fuß Keuper mit Salzſpuren, 659 Fuß Muſchelkalk mit etwas Salz⸗ 12* — 180— gehalt und 431 Röth mit Gyps und Anhydrit durchbohrt hatte. Rings am Fuß dieſer flachen Höhe finden wir überall zunächſt die fruchtbaren thonigen Mergelſchichten der Keuperformation auf⸗ gelagert und mit ihnen tritt auch überall ſogleich der natürliche Feld⸗ oder Wieſenboden ein. §. 366. Eine ſechste Aufrichtungslinie iſt an der Oberfläche nur ſchwach angedeutet durch das Hervortreten des bunten Sandſteins und Gypſes bei Barenberg, bei Büdenſtedt und am Dorm(547 9, an welchem letztern zugleich wieder eine Muſchelkalkhülle gefunden wird. Dieſe Erhebungslinie ſcheint ſogar noch eine äußerſte ſüd— öſtliche Fortſetzung in der mit Gyps verbundenen Aufrichtung der Buntſandſteinſchichten bei Weſters⸗Egeln im Bodethale zu finden und in der Schichtenaufrichtung bei Bernburg. Dieſe Linie iſt ſchon weit mehr aus SO. nach NW. ge⸗ richtet als die vorigen, welche mehr OSO. nach WNW. ſtrei⸗ chen. Daraus ergibt ſich eine Art fächerförmiger Stellung aller hieſigen Erhebungslinien, indem ſie gegen die Saale hin conver⸗ giren, was ganz mit der Verſchmälerung des Hauptbeckens nach dieſer Seite hin harmonirt. §. 367. Undeutlicher und noch mehr nach Nordweſt gerichtet ſind einige Schichtenſtörungen öſtlich von Helmſtädt, die ich hier nicht ganz unberührt laſſen wollte, weil ſie wahrſcheinlich als die Ur⸗ ſache der Helmſtädter Mineralquelle anzuſehen ſind und jedenfalls die anſehnliche Hügelkette(bis 588“ aufſteigend) veranlaßt ha⸗ ben, welche ſich von der bransleber Höhe bis zum Anfang des drömlinger Moorgebiets bei Weſerlingen verfolgen läßt. §. 368. Zwiſchen allen dieſen Aufrichtungen oder horizontalen Schichten⸗ hebungen, die meiſt mit Anſchwellungen der Oberfläche verbunden ſind, ſind die Schichten muldenförmig gebaut, und dieſe Mulden — 181— ſind zugleich die Ablagerungsgebiete der Braunkohlen geworden, welche nach v. Strombeck's Unterſuchungen hier nie von den Auf⸗ richtungen ſelbſt mit betroffen wurden, weil ſie neuerer Ent⸗ ſtehung ſind. Wenn auch die äußern Ränder ihrer Ablagerungen zuweilen ziemlich ſtarke Schichtenneigung zeigen, ſo ſcheint dieſe doch ſtets nur durch die muldenförmige Geſtaltung ihres Ab⸗ lagerungsbodens, nicht aber durch ſpätere Erhebung bedingt zu ſein. Dieſer Umſtand, der allerdings mit den Beobachtungen Plettner's in der Mark Brandenburg nicht harmonirt, iſt von großer techniſcher Wichtigkeit, denn es ergibt ſich daraus, daß man bauwürdige Braunkohlenablagerungen in dieſer Gegend alle⸗ mal nur zwiſchen den Erhebungslinien in der mittlern Region der kleinen, faſt parallelen Mulden aufzuſuchen hat. In ſolchen ſind ſie zwiſchen Helmſtädt und Niendorf zwiſchen Süpplingen und Ott⸗ leben, bei Hamersleben, bei Krottdorf, zwiſchen Aſchersleben, Had⸗ mersleben und Aſchersleben, ſowie nördlich von Aſchersleben wirk⸗ lich gefunden und haben ein bedeutendes induſtrielles Leben hervor⸗ gerufen, welches, jetzt erſt in ſeinem Jugendzuſtande, noch einer großen Entwickelung fähig ſcheint, zumal da Hoffnung vorhanden iſt, die Kohlen in dieſen Mulden noch mehrfach aufzufinden. Auch die Magdeburger Börde, dieſer eigenthümliche Buſen, wel— cher von Magdeburg aus weſtlich und ſüdlich in das Hügelgebiet eindringt, ſcheint überall Braunkohlenlager unter ihrem fetten Alluvialboden zu bergen; man kennt ſie bei Stemmern, Oſter⸗ weddingen und Ottersleben. §. 369. Man hat bei Magdeburg zwiſchen der Grauwacke und dem Rothliegenden unabhängig von den oben erwähnten Verſuchen im Gebiet der Grauwacke ſelbſt, auch Steinkohlen aufzufinden gehofft, das iſt indeſſen bis jetzt noch nicht gelungen. Die Wahrſchein⸗ lichkeit ihrer Anweſenheit iſt allerdings vorhanden, aber es iſt leicht möglich, daß ſie vorhanden und dennoch, für gegenwärtige Gewinnung zu ſtark bedeckt, einer ſpätern Zeit aufbewahrt blei— ben müſſen. — 182— §. 370. Einmal von techniſch nutzbaren Schichten ſprechend, will ich hier ſogleich erwähnen, daß nicht nur der Braunkohlenthon, ſon⸗ dern ganz beſonders auch der Hilsthon dieſer Gegenden ein treff⸗ liches Material zu Ziegeln liefert und z. B. weſtlich von Braun⸗ ſchweig zu den großen Vieweg'ſchen Ziegelbrennereien Veranlaſſung gegeben hat. Die Wieldenformation mit ihren Kohlen⸗ und Eiſen⸗ ſteinlagern tritt zwar im Bückeburgiſchen und Hildesheimiſchen auch in unſer Hügelgebiet ein, ihre bauwürdigen Flötze finden ſich aber bis jetzt mehr im Innern der Weſerketten, wo wir ſie noch näher kennen lernen werden; damit ſoll jedoch keineswegs die Möglichkeit beſtritten ſein, daß man dieſelben einſt auch nörd⸗ lich von dem Weſergebirge ausgedehnt benutzen könne. §. 371. Auch die unterirdiſchen Steinſalzlager des Muſchelkalks, des bunten Sandſteins und des Zechſteins gehören zu den beſonders wichtigen Gebilden dieſer Gegend. Sie ſind erkannt und theil⸗ weiſe aufgeſchloſſen durch die Salzquellen und Bohrlöcher von Schöningen, Salzdahlum, Juliushall bei Neuſtadt, Egesdorfs⸗ hall bei Hannover, Watenſtedt, Ingeleben, Barenberg, Höters⸗ leben, Groß⸗Doncte, Remkersleben, Mehringen, bei Aſchers⸗ leben, Todendorf, Weſter-Egeln, Sohlen und Marsleben, Sül⸗ dorf, Großen⸗Salza(Elmen), Schönbeck und Staßfurt. Am letztern Orte iſt das Steinſalz(1851) bei 826 Fuß Tiefe unter dem Buntſandſtein in der enormen Mächtigkeit von mehr als 1000 Fuß erbohrt worden und die Regierung hat deshalb beſchloſſen, zu ſeiner Gewinnung einen Schacht abzuteufen, ein Unternehmen, welches von der größten nationalökonomiſchen Bedeutung iſt, einmal, weil zu vielen Zwecken das Steinſalz ohne weiteres, ohne Aufwand von Brennmaterial verwendet werden, dann aber auch, weil man ſeine Reinigung und Ver⸗ ſiedung an jedem beliebigen Orte vornehmen kann. Leider iſt das ſtaßfurter Steinſalz nach den Bohrproben größtentheils ſehr ſtark mit Bitterſalz gemengt und enthält überdies als mineralo⸗ 3, de onders thei⸗ r von dorfe⸗ öters⸗ ſchers⸗ Sül- Am unter it als deshab uteufen wiſchen teinſat rwendet d Ve⸗ der it ls ſcht inerale⸗ — 183— giſch intereſſante Erſcheinung große Partien von Borazit. Einen wie wichtigen Einfluß der Salzgehalt der innern Erdſchichten auf das induſtrielle Leben der Oberfläche gewinnen könne, zeigt ſich am deutlichſten ſchon jetzt bei Schönebeck, wo, begünſtigt durch die ſchiffbare Elbe und die Eiſenbahn, aber am meiſten veranlaßt durch die Nebenproducte der Salzgewinnung nach und nach eine große Zahl verſchiedenartiger Induſtriezweige erblüht ſind. Daß auch der Gyps, wo er als regelmäßige Einlagerung oder ſtockförmig zwiſchen geſtörten Schichten an die Oberfläche tritt, vielfach benutzt wird, bedarf wol kaum einer beſondern Er⸗ wähnung. Bei ſeiner abſichtlichen Aufſuchung wird man vor⸗ zugsweiſe die Erhebungslinien zu beachten haben. §. 372. Außer den Braunkohlen und den ihnen entſchieden zugehörigen Thonen(worunter die Septarienthone), ſind in einigen dieſer Mulden, ſo bei Weſter⸗Egeln unweit Egeln, bei Oſterweddingen und ähnlich in dem flachen Nordweſten unſeres Gebiets bei Walle in Hannover und jenſeit der Aller bei Lüneburg, tertiäre Thon⸗ und Mergelbildungen mit Meeresconchylien aufgefunden worden, von denen es noch unſicher iſt, ob ſie nicht einer neuern mio⸗ cenen, beinahe pliocenen Bildung zugehören. Eine ſolche findet ſich nämlich in den breiten Thalbecken der Weſergebirge, wo wir ſie noch kennen lernen werden. §. 373. Während im ſüdöſtlichen Theile unſers Gebiets vielerlei Flötz⸗ formationsglieder theils mit in beſtimmten Linien aufgerichteter Schichtung, theils horizontal liegend an die Oberfläche hervor⸗ treten und nur dazwiſchen, beſonders in den Schichtmulden, von Braunkohlenbildungen, diluvialen(erratiſchen) und alluvialen Bil⸗ dungen überdeckt ſind, werden dieſe letztern im nordweſtlichen Theile durchaus vorherrſchend und jenſeit der gekrümmten Linie, welche Minden, Hannover, Braunſchweig und Oebisfelde ver⸗ bindet, gehören feſte Geſteinsſchichten an der minder hügeligen Oberfläche ſchon zu den ſeltenern Ausnahmen. Dagegen ſind in — 184— dieſem Theile Torfbildungen und große Moorſtrecken ſchon eine häufige Erſcheinung, während in dem ſüdlichen Theile des Ge— biets Torflager beſonders in den alten Seebecken um Aſchersleben, Aderſtedt und Veltheim gefunden werden. Eine eigenthümliche Erſcheinung bilden in jenen großen Weideebenen des nordöſtlichen Theiles die ſogenannten Erdwarzen, von denen der obere Wies⸗ boden oft dicht gedrängt bedeckt iſt. Ihr Urſprung ſcheint ein mehrfacher zu ſein. Einige ſind durch beſonders üppigen Pflanzen⸗ wuchs auf Kuhfladen entſtanden, andere durch Maulwürfe ver⸗ anlaßt. Die Erſcheinung iſt auch in vielen andern Gegenden bekannt, hier nur gerade beſonders charakteriſtiſch. §. 374. Unter dieſen neueſten Ablagerungen an der äußern Erdober⸗ fläche verdienen beſonders noch genannt zu werden: das geſchiebe⸗ reiche Schwemmland der kleinen Harzflüſſe bald nach ihrem Aus⸗ tritt aus dem Gebirge, welches die ebenen und meiſt ſehr ſteinigen Thalböden und Thalterraſſen z. B. zwiſchen Harzburg und Horn⸗ burg bei Derenberg und unterhalb Thaale bildet, ſowie die mäch⸗ tigen Kalktuffablagerungen, welche beſonders an den Rändern der Muſchelkalkgebiete ſich finden und z. B. bei Königslutter unter dem Namen„Duckſtein“ in großen Steinbrüchen abgebaut wer— den, weil ſie einen ſehr geſuchten Bauſtein liefern. Bei Königslutter haben die ſtarken und kalkreichen Quellen, wie es ſcheint, noch einen beſondern Einfluß auf die Güte des Weißbieres, welches daraus gebraut wird und ebenfalls den Namen„Duckſtein“ erhalten hat. §. 375. Es iſt gewiß ſehr beachtenswerth und von entſchiedenem Ein⸗ fluß auf den allgemeinen Charakter der Gegend, daß die mehr⸗ fachen kleinen Hügelketten, welche dem Harz nördlich in paralleler Richtung vorliegen, von den kleinen Hauptthälern dieſer Gegend meiſt quer durchbrochen ſind, während in den durch die Schichten⸗ erhebungslinien gebildeten Längenthälern oder Faltenmulden nur 1 Ein⸗ mehr. allele gegend chten⸗ n nut — 185— kleinere Seitenzuflüſſe ihren Lauf nehmen der Art, daß z. B. die Waſſerſcheiden der Ocker und der Bode, der Selke und der Eine in ihnen nur höchſt wenig erhöht ſind. Durch dieſen Umſtand iſt es ſogar ſehr leicht geworden, die beiden erſtgenannten Flüſſe zwiſchen Hornburg und Aſchersleben durch einen Kanal zu ver⸗ binden, der einen überall moorigen ebenen Thalboden durch⸗ ſchneidet. Ebenſo ſind am Rande des Drömling, die Aller und die Ohre, alſo die Flußgebiete der Weſer und der Elbe, durch den Spetzebach wirklich miteinander verbunden, indem er ſich bei Flechtingen in zwei Arme theilt, deren einer der Aller, der andere der Ohre zufließt. Da nun im Nordweſten des Weſer— gebiets an der Haaſe und Elſe ſich ganz dieſelbe Erſcheinung wiederholt, indem beide, aus einer Quelle entſpringend, die Ems und die Weſer verbinden, ſo ergibt ſich die merkwürdige That⸗ ſache, daß, veranlaßt durch Längenthäler, die ihren Urſprung nicht im Waſſerablauf haben, die Elbe, die Weſer und die Ems von Natur miteinander verbunden ſind. §. 376. Der ſüdöſtliche Theil unſeres Gebiets, in welchem ſo vielerlei Flötzſchichten zu Tage treten und eine hügelige Oberfläche bilden, iſt im Allgemeinen ſehr fruchtbar. Dieſer Umſtand allein würde aber nicht eine ſo ſtarke Bevölkerung hervorgebracht haben, wie ſie vorhanden iſt. Sie iſt vielmehr bedingt durch die Mannich⸗ faltigkeit des innern und äußern Baues, welche mancherlei be⸗ ſondere Induſtriezweige begünſtigte und zugleich die Entwicke⸗ lung des Städtelebens förderte. Es ſind zwar keine großen Hauptſtädte, aber eine Menge mittlere und kleine in dieſem Ge⸗ biete vorhanden; dieſer Umſtand wird beſonders auffallend, wenn wir damit das nördlich angrenzende Gebiet der Lüneburger Haide vergleichen. Der innere Bau iſt hier unverkennbar die wichtigſte Urſache des Unterſchieds. Während im Halberſtädtiſchen ungefähr 3100 Menſchen auf der Quadratmeile wohnen, ſteigt dieſe Zahl in dem Braunſchweiger Kreis bis auf 6000, nimmt aber nord⸗ weſtlich in den Allergegenden wieder ab bis auf 1800. -— 186— Mit dem unebenern, geologiſch mannichfaltigern Terrain be⸗ ginnt hier auch ſchon die größere politiſche Gebietszerſplitterung, welche im weſtlichen Mitteldeutſchland ihr Maximum erreicht. 11) Die Bucht von Leipzig. §. 377. Ich rechne dazu das flache Gebiet, welches von Merſeburg und Torgau abwärts zwiſchen die Saale und Elbe eingeſchloſſen iſt und aufwärts bis in die Gegend von Zeitz und Altenburg reicht. §. 378. Es beſteht daſſelbe an der Oberfläche ganz vorherrſchend aus diluvialem Lande mit ſehr vereinzelten erratiſchen Felsblöcken, nur an den Flußufern von noch neuern Alluvialbildungen bedeckt. Aber unter dieſen ſehr neuen Ablagerungen treten an ſeinen Gren⸗ zen ältere Geſteinsbildungen hervor zwiſchen Torgau und Grimma, ſowie nördlich und öſtlich von Halle eine Anzahl Porphyrhügel, welche in letzterer Gegend von der Steinkohlenformation um⸗ ſäumt ſind, die nordweſtlich noch von Rothliegendem, Zechſtein und buntem Sandſtein bedeckt wird. Der bunte Sandſtein um— grenzt auch ſüdlich von Halle die Weſt⸗ und Südſeite dieſer Bucht, während hier öſtlich wieder vereinzelte Porphyrhügel ihre etwas unbeſtimmten Grenzmarken herſtellen. Es iſt wahrſchein⸗ lich, daß dieſelben Porphyre den unterirdiſchen Felsboden des größern nordöſtlichen Theiles dieſer Bucht bilden, während im ſüdweſtlichen Theile wahrſcheinlich Buntſandſtein und Grauwacken⸗ gebilde dieſe Stelle einnehmen; die letztern erheben ſich nämlich in zwei flachen Hügeln bei Iſchocher unweit Leipzig inſelartig mitten aus dem diluvialen Boden. Zwiſchen dieſen feſten Geſteinsmaſſen, welche den Felsboden des Beckens bilden, und den oberflächlichen Diluvialbildungen ſcheinen aber beinahe überall in dieſer Bucht noch tertiäre Ab⸗ lagerungen vorhanden zu ſein, beſtehend aus Braunkohlen mit zugehörigem Thon und Sand, ſowie aus marinen Ablagerungen dieſer Periode, welche nach Naumann's Bericht neuerlich durch 2 dung hiet diig — 187— Bohrlöcher unter Leipzig aufgefunden worden ſind. Dieſe Bil⸗ 1 dungen ſind indeſſen wie in der Mark Brandenburg, ſo auch hier, faſt überall von diluvialen bedeckt, ſie bilden niemals in einiger Ausdehnung die Oberfläche. ün§. 379. öſſen Was von dieſen alten Geſteinen und Ablagerungen ſich einiger⸗ burg maßen einflußreich zeigt, wollen wir einer weitern Betrachtung unterwerfen. Die Porphyre, theils quarzführend, theils quarzfrei, bilden cend wenig fruchtbare kahle oder bewaldete, zuweilen ſogar felſige cken, Hügel, welche in dieſem flachen Lande trotz ihrer geringen Höhe det. ſehr auffallend hervortreten. Sie erreichen im Petersberg bei Gren⸗ Halle eine abſolute Höhe von 837 Fuß, während das flache unnn Land unſerer Bucht durchſchnittlich ſich nur 260— 500 Fuß über hügt den Meeresſpiegel erhebt. Ihr Geſtein wird vielfach zum Bauen, un Pflaſtern und als Chauſſeeſtein verwendet und liefert bei Duͤrr⸗ hſtein reichenbach, unweit Wurzen, ſogar ſehr ſchöne Plattenſteine. Der un⸗ zu Porzellanerde zerſetzte Porphyr wird bei Halle an mehren diſſe Punkten gewonnen als Material für die Porzellanfabrik in Berlin. lihre Die Porphyre ſind hier zunächſt oft von eigenthümlichen Conglo⸗ chin meraten umgeben, von denen es noch zweifelhaft iſt, ob ſie dem des Rothliegenden zugerechnet werden können. d in acken⸗§. 380. init Die Steinkohlenlager von Löbejün und Wettin haben in der ſlari Gegend nördlich von Halle zu beträchtlichem Bergbau Veranlaſſung gegeben, und wenn ſie auch wegen geringerer Qualität(im Ver⸗ ööode gleich zu denen von Zwickau) keinen Gegenſtand bedeutender Aus⸗ dungn fuhr bilden, ſo verſorgen ſie doch reichlich die Umgegend und u Ä” namentlich die Hüttenwerke im nahen Mansfeldiſchen. Wie ander⸗ n nit wärts, ſo haben ſie auch hier ein beſonderes induſtrielles Leben rungen erweckt, welches auf der Billigkeit des Brennmaterials beruht. dun Die Steinkohlen lagern zwiſchen Löbejün und Halle nicht wie — 188— ſonſt gewöhnlich in einer deutlich muldenförmigen Vertiefung, ſondern ſie umſäumen vielmehr das Gebiet der quarzführenden Porphyrhügel, während quarzfreie Porphyre ſie theilweiſe über⸗ lagern. §. 381. Ich übergehe die andern ältern Geſteine, welche nur wenig in unſere Bucht hereinragen und deshalb bei den angrenzenden Landſtrichen ausführlicher zu beſprechen ſind, um mich ſogleich zu den Braunkohlen zu wenden, welche eine ungemein wichtige Rolle in der ganzen Ausdehnung dieſer Bucht ſpielen, in welcher man ſie ſeit lange an ſehr vielen Stellen gewinnt. Namentlich iſt das der Sia e e aetunnaen von Halle, Schopau, Netzſch⸗ kau, Mücheln, Krankleben, Bretzſch, Dürrenberg, Queſitz, Schlechte⸗ witz, Buſendorf, Roßbach, Taucha, Domſten, Theſau, Eythra, Stüntzſch, Groitzſch, Oderwitz, Teuchern Görſchen„Haardorf, Trebnitz, Zipſendorf, Lucka, Ruppersdorf, Schelditz, Altenburg, Regis, Lobſtädt, Borna, Lauſigk, Brandis und Schwemſal mit ſeinen wichtigen Alaunerdelagern. Schon aus dieſer großen Zahl überall vertheilter Grubengebiete ergibt ſich die wahrſcheinlich ſehr allgemeine Ausbreitung der Braunkohlenbildung über den feſten Geſteinsboden dieſer ganzen Bucht, über deren imaginäre Ränder ſie nach allen Seiten noch weit hinausreicht, ſporadiſch aufgela— gert auf die Gebiete des Porphyrs, des bunten Sandſteins oder anderer Geſteine. Auch wo in unſerer Bucht die Braunkohlen— formation noch nicht aufgefunden iſt, kann ſie beinahe überall unter den etwas erhöhten Plateaus zwiſchen den Flußthälern noch aufgefunden werden, doch mag ich damit keineswegs be⸗ haupten, daß die Kohlenlager ſelbſt auch überall vorhanden und bauwürdig ſein müßten. Sie zeigen ſich vielmehr von ſehr un⸗ gleicher Beſchaffenheit, ſind ſehr ungleich mächtig(bis gegen 50 Fuß, liegen zuweilen in zwei Flötzen übereinander, keilen örtlich ganz aus und ſind auch ſehr ungleich dick bedeckt; Alles Umſtände, welche auf ihre Gewinnungswürdigkeit von großem Einfluß ſind, und welche ſich meiſt nicht im voraus, nicht ohne genaue Unterſuchung entſcheiden laſſen. di — 189— §. 382. Mit den Braunkohlen ſelbſt iſt hier oft Thon verbunden, oder es finden ſich in der Nähe brauchbare Lehmlager, welches Zuſammentreffen zu Steingutfabriken, Töpfereien und ungemein zahlreichen Ziegelbrennereien Veranlaſſung gegeben hat, zumal neuerlich in den Regionen, welche von Eiſenbahnen berührt werden. Außerdem gehören der Formation auch gypshaltige Mergelſchichten an und quarzige Sandſteine in Schichten oder vereinzelten Knollen. §. 383. Die Qualität der Braunkohlen iſt meiſt keine ſehr gute, ſie ſind erdig und müſſen deshalb gewöhnlich mit Waſſer durchknetet und in Formen geſtrichen werden, weshalb man ſie hier gewöhn⸗ lich Torf zu nennen pflegt, obwol ſie ſich weſentlich von dieſem unterſcheiden. Trotz der meiſt geringen Qualität hat aber den⸗ noch die vielfache Gewinnung dieſer Kohlen ſeit lange ſchon einen Einfluß auf die Bevölkerungsweiſe der Gegend geübt, und wir werden in den Unterſuchungen und Betrachtungen über die Ver⸗ theilung der Orte in dem Gebiete der geognoſtiſchen Karte von Sachſen ſehen, daß ſehr wahrſcheinlich die Anweſenheit der Braun⸗ kohlengruben einen merkbaren Einfluß auf die gruppenweiſe Ver⸗ theilung(auf die neue Entſtehung) der Dörfer gehabt hat. §. 384. Die breiten und meiſt ſehr fruchtbaren Alluvialböden der flachen Thäler enthalten mehrfach Ablagerungen von Raſeneiſen⸗ ſtein, ſo bei Albrechtshain und bei Etzoldshain unweit Grimma, während Torfbildungen aus den Thälern auch auf die flachen Höhen heraufſteigen, in den Gegenden von Lauſigk, Pardau, Grethen, Seifershain, Schönefeld, Lübſchütz u. ſ. w. §. 385. Wichtig ſind ganz beſonders auch noch die meiſt wol aus Zechſtein entſpringenden Salzquellen von Halle, Dürrenberg, Teu⸗ ditz und Kötzſchau, welche namentlich auch eine zweckmäßige Ver⸗ — 190— werthung der minder guten Braunkohlen möglich machen. Das Mineralbad Lauchſtädt mit ſeiner eiſenhaltigen Quelle, die ſalz⸗ reiche Mineralquelle Wittekind zu Giebichenſtein, aus der Stein⸗ kohlenformation entſpringend, ſowie die Mineralquelle zu Glaucha und bei Böllbern ſe ſi nd„vom verhältnißmäßig geringer Bedeutung. Sen§. 386 Dieſe weite Bucht, mit welcher das norddeutſche Tiefland zwiſchen Harz und Erzgebirge eindringt, iſt zu einem natur⸗ gemäßen Verkehrsknoten Deutſchlands geworden. Leipzig nimmt ihr Centrum ein und hier reicht ſich der Handel aus den extrem⸗ ſten Theilen unſeres Feſtlandes die Hände, ohne von einem ſchiff⸗ baren Fluſſe angelockt zu ſein. Es iſt das zugleich die Gegend, in welcher beinahe am häufigſten die Geſchicke deutſcher Länder durch große Schlachten entſchieden worden ſind. Ich brauche außer Leipzig ſelbſt in dieſer Beziehung nur noch Lützen, Roß⸗ bach und das benachbarte Jena zu nennen. Die wichtigſte Ur⸗ ſache von dem Allen iſt freilich nicht die ſpecielle Eigenthümlich⸗ keit dieſer Bucht, ſondern ihre Lage. Durch ſie laufen die bequemſten Verbindungswege zwiſchen dem Oſten und Weſten, dem Nordoſten und Südweſten, dem Nordweſten und Südoſten Deutſchlands. §. 387. Die Bevölkerungsverhältniſſe dieſer im Allgemeinen durch Löß⸗ und Alluvialboden fruchtbaren Bucht ſind ſehr ungleich in ihren einzelnen politiſchen Gebieten. Wir finden im Lande Köthen nur 2807 Menſchen auf der Quadratmeile, im Regierungsbezirk Merſeburg 3714, im Herzog⸗ thum Deſſau 4092 und im Leipziger Kreiſe 6236, worauf jedoch die Stadt Leipzig einigen Einfluß übt. 12) Der Fläming. §. 388. Dieſer Höhenzug, zwar ſeinem Umfang nach klein, iſt durch ſeine Erhebung die bedeutendſte unter den norddeutſchen Diluvial⸗ ein⸗ — 191— höhen. Seine größte Höhe erreicht er im Hagelsberg bei Belzig, welcher ſich etwas mehr als 700 Fuß, nach Volger ſogar 900 Fuß über die Oſtſee erhebt und von dem aus man die Thürme Pots⸗ dams und zugleich den Petersberg bei Halle ſehen kann. Der Flä⸗ ming bildet einen langgeſtreckten breiten Sandrücken, welcher, ähnlich der norddeutſchen Seenplatte, auf ſeiner flachen Höhe eine Menge kleine Seen trägt. Seine Längenerſtreckung ent⸗ ſpricht ungefähr der Richtung des Harzes ſowie der wahrſchein⸗ lichen Aufrichtungslinie aller Flötzformationen Norddeutſchlands und zugleich der Hauptrichtung der Flüſſe aus OWO. nach WNW. §. 389. Sein innerer Bau iſt noch wenig bekannt, es ſcheinen in demſelben Sandſteinſchichten(der Braunkohlenformation?) zu Tage auszuſtreichen, welche zu Steinbrüchen Veranlaſſung ge⸗ geben habenz Volger ſpricht auch etwas unbeſtimmt von Schich⸗ ten der Triasgruppe, welche im Fläming ausſtreichen ſollen, und ſeine oſtſüdöſtliche Verlängerung wird, nach Angabe der Vorarbeiten zur geognoſtiſchen Karte von Sachſen, ſüdlich von Kalau durch einen ſchmalen Streifen von Kalkſteinſchichten bezeichnet, welche wahrſcheinlich der Muſchelkalkformation angehören, während an ſeinem Weſtende bei Gommern Fr. Hoffmann ſchon 1823 eine Sandſteinbildung auffand, deren relatives Alter er nicht zu be⸗ ſtimmen vermochte und die auf ſeiner ſpätern Karte von Nord⸗ weſtdeutſchland nicht mehr angegeben iſt. Klöden hält dieſes Vor⸗ kommen für vereinzelte große Schollen von Braunkohlenſandſtein. In der Gegend zwiſchen Wittenberg, Koswig und Kroppſtadt werden mehrfach Braunkohlen gewonnen, die von Sand und Thon bedeckt ſind und auf bituminöſem Thon zu ruhen ſcheinen. §. 390. Die Höhe des Fläming iſt größtentheils mit Kiefernwaldung bedeckt, der Nordabhang am fruchtbarſten; bei Jüterbogk und bei Schweinitz an der Elſter findet ſich einiger Weinbau. Die Be⸗ völkerung des waldigen Höhenzugs iſt natürlich eine ſehr geringe, — 192— ſteigt aber an den fruchtbaren Ufern der Elbe zu 3300 auf die Quadratmeile. Wittenberg an der Elbe iſt die einzige größere Stadt dieſes Gebiets. Ich habe dieſen kleinen Höhenzug nur wegen ſeiner ſehr iſolirten Erhebung hier als ein beſonderes Gebiet behandelt. 13) Die Niederlauſitz. §. 391. Ich beſchränke mich auch bei dieſem Gebiet nicht auf ſeine politiſchen Grenzen, ſondern ich rechne dazu alles Flachland, wel⸗ ches von der Katzbach bis zum Friedrich⸗Wilhelms⸗Kanal zwi⸗ ſchen der Oder und der Elbe liegt. Südlich wird dieſes Gebiet begrenzt von dem Theile des Königreichs Sachſen, in welchem Granit, Gneis, Porphyr und Grauwackenhügel aus dem beinahe ebenen aufgeſchwemmten Lande hervortreten. Hier iſt kein Rand von wellenförmigen Flötzbildungen zwiſchen den ſehr alten Ge— ſteinen und den neueſten Ablagerungen vorhanden, wie in dem nördlichen Vorland des Harzes. Jene ſind, wenn überhaupt vorhanden, gänzlich bedeckt und treten erſt mehr gegen Norden ſehr iſolirt und ſporadiſch an die Oberfläche. §. 392. Im Norden unſeres Gebiets finden wir einen flachen Höhen⸗ zug, welcher parallel dem Oderthale die Hügel von Müncheberg mit den trebnitzer Bergen verbindet, aber quer durchſchnitten vom Friedrich⸗Wilhelms⸗Kanal, von der Neiſſe und von der Bober, ſowie zuletzt auch von der Oder. Dieſer Höhenzug bildet das Hauptgeeſtland unſeres Gebiets, während der größere ſüdliche Theil und der ganze Spreelauf vorzugsweiſe zu den oft ſumpfi— gen Marſchgegenden gerechnet werden kann. Doch fehlen auch in ihm nicht von großen Kiefernwaldungen bedeckte ſandige Ebenen. §. 393.. In dieſem faſt ganz von diluvialen und alluvialen Ablage⸗ rungen überzogenen Lande treten nur am Koſchenberge und am — 193— 1 Steinberge ſüdlich von Senftenberg etwas Granit und Grau⸗ ſin wacke an die Oberfläche hervor, als die nördlichſten Ausläufer dieſer oberlauſitziſchen Gebilde. Das ſind wahrſcheinlich die einzigen an⸗ ſ ſtehenden feſten Felsmaſſen in unſerm ganzen Gebiete. Dagegen ſind die oberflächlich bedeckten Schichten der Braunkohlenformation mehrfach künſtlich aufgeſchloſſen und haben zu den nicht unwich⸗ V tigen Abbauen bei Finſterwalde, Spremberg, Muskau(Alaunerde), Sorau, Grüneberg, Guben und Neuzelle Veranlaſſung gegeben. ſeine Die Braunkohlenformation zeigt hier dieſelben Verhältniſſe, welche wel für die Mark Brandenburg bereits allgemein geſchildert worden ſind. zw. Außer den Braunkohlen ſind in gewerblicher Beziehung be⸗ ſöhit ſonders wichtig die bedeutenden Ablagerungen von Raſeneiſen⸗ chen ſtein, welche ſich am häufigſten in den ſumpfigen Niederungen die⸗ inahe ſer Gegend vorfinden, und welche Freiesleben ſchon 1817 in Nand ſeinen geognoſtiſchen Arbeiten ausführlich beſchrieben hat. Dieſe Ge⸗ Eiſenſteine haben an der nördlichen Grenze des Königreichs Sach⸗ dm ſen zu den bedeutenden gräflich Einſiedel'ſchen Hüttenwerken thauut(Mückenberg, Lauchhammer, Kröditz u. ſ. w.) Veranlaſſung gegeben. ſotden Auch die Torfbildung iſt in dieſem Gebiete an einigen Or⸗ ten ſehr bedeutend. Thon und Lehm werden vielfach zu Thon⸗ geſchirren und Ziegeln gebrannt. Die Stahlquelle bei dem parkumgebenen Muskau hat zu einer kleinen Heilanſtalt Ver⸗ öhe⸗ anlaſſung gegeben. heberg§. 394. ron Die Fruchtbarkeit des Bodens iſt eine ſehr ungleiche. Dürre dade oder mit Kieferwaldungen bedeckte Sandſtriche wechſeln mit den 8 fruchtreichſten Niederungen und mit ſumpfigem Moorgrund ab. üdit Zwei Gebiete zeichnen ſich vorzugsweiſe durch ihre beſondere Ei⸗ ſunfe genthümlichkeit aus. Die Hügel von Grüneberg durch ihren aus⸗ authi gedehnten Weinbau und der Spreewald durch ſeine eigenthümlichen Fbenn Waſſerverbindungen. V§. 395. la Der grüneberger Weinbau iſt viel bedeutender als ſein Ruf. ud m Er verzweigt ſich über einen weiten Umkreis, ſeine äußern Vor⸗ Cotta, Deutſchlands Boden. 13 — 194— poſten finden wir bei Frankfurt a. d. O., bei Züllichau jenſeit der Oder, bei Kroſſen, Guben, Sommerfeld, Sagan und Beuthen. Die Geſammtheit dieſer Orte producirt jährlich eine große Quantität Wein, deſſen beſſere Qualitäten aber faſt ſämmtlich unter fremden Namen getrunken werden, während nur die ſchlechtern, minder trinkbaren ſich des eigenen Vaterlandes rühmen, und im Liede zu jenem ſchmeichelhaften Eingeſtändniß des Teufels Veranlaſſung gegeben haben: Denn länger zu trinken ſolch ſaueren Wein Müßt' ich ein geborener Schleſier ſein. Es iſt dieſer Weinbau in der That auch eine Folge des geolo⸗ giſchen Baues der Gegend. Die flachen Sandhügel in einer ver⸗ hältnißmäßig milden Niederung haben ihn veranlaßt. §. 396. Der Spreewald wird eine Region unſers Gebietes genannt, in welchem die Spree wegen mangelnden Gefälles in Verlegen⸗ heit, welchen Weg ſie wählen ſoll, ſich in unzählige Arme zer⸗ ſpaltet, die ein üppiges Waldgebiet nach allen Richtungen netz⸗ förmig durchſchneiden. Dieſes natürliche Kanalſyſtem hat in dem ganzen Gebiet den Gebrauch des Wagens unmöglich oder wenig⸗ ſtens unnöthig gemacht. Aller Verkehr erfolgt auf kleinen Kähnen, auf ihnen übt hier nicht nur der Fiſcher ſein ergiebiges Hand⸗ werk, auf ihnen führt man auch das Vieh zur Weide und das Heu zur Scheuer, auf ihnen gleitet die Gemeinde am Sonntag zum Gotteshaus, und auf ihnen beſchleicht mit unhörbarem Ru⸗ derſchlag der Jäger das zahlreiche Wild. In geringerm Grade wiederholt ſich eine ähnliche Landſchaft auch bei Ruhland, an den Ufern der Elſter. §. 397. Die Bevölkerung der Niederlauſitz iſt im Allgemeinen gering, etwa 2200 auf die Quadratmeile, ſie ſteigt indeſſen in ihrem ſüdlichen, den Gebirgen nähern Theilen etwas höher. Große Städte fehlen ganz und nur ein wichtiger Verkehrsweg durch⸗ ſchneidet ſie als Frankfurt-Breslauer Eiſenbahn, während man — 195— im Innern des Gebietes Kottbus durch eine kurze Bahnſtrecke mit dem Schwielungſee verbunden hat, der als ein breiter Arm der Spree die Waſſerverbindung mit Berlin und durch den Fried⸗ rich⸗Wilhelms⸗Kanal auch mit Frankfurt herſtellt. Der größere Theil der Oberfläche iſt ſtark bewaldet, im Feldbau herrſcht die Felderwirthſchaft vor. 14) Die Schleſiſche Bucht. §. 398. Zwiſchen dem ſudetiſchen Bergzug und den trebnitzer Ber⸗ gen breitet ſich das flachhügelige Thal der Oder aus, gleichſam als eine buſenförmige Verzweigung der norddeutſchen Niederung gegen Südoſt, inſofern man etwa die tarnowitzer Berge ſelbſt nicht mehr unbedingt zu dieſer hinzurechnen will, wie es hier von mir allerdings geſchehen iſt. §. 399. Dieſe breite Thalbucht zeigt indeſſen ſchon mehrfach an die Oberfläche hervorragendes feſtes Geſtein, und nur der größere Theil derſelben iſt von diluvialen Ablagerungen bedeckt. Ihren Felsboden bilden von der Südſeite aus hauptſächlich Grauwacken⸗ bildungen und kryſtalliniſche Geſteine, von Norden her dagegen Glieder der Jura⸗ und Triasgruppe. Es könnte hier wenig nutzen, die vielen inſularen Gebiete der erſtern, welche beſonders in den Gegenden von Reichenbach, Frankenſtein und Münſterberg hervortreten, oder die der letztern, welche ſich bei Oppeln zeigen, einzeln aufzuzählen und zu be⸗ ſchreiben. Von ihrer Formation wird bei der Schilderung der zu beiden Seiten liegenden Höhenzüge die Rede ſein. Ich beſchränke mich daher jetzt vorzugsweiſe nur auf die tertiären und dilu⸗ vialen Ablagerungen, welche der Bucht vorherrſchend ihren geo⸗ logiſchen Charakter verleihen. §. 400. Unter den tertiären Bildungen zeichnen ſich Thonablagerun⸗ gen(der Braunkohlenformation?) aus, welche erſt neuerlich in 13* — 196— den Umgebungen Breslaus mehrfach aufgeſchloſſen worden ſind. Bei Schoßnitz z. B. fand Göppert in einem ſolchen Thonlager bereits 130 foſſile Pflanzenarten, von denen 118 früher nicht be⸗ kannt waren, und darunter die Blätter von allein 27 Eichen⸗ arten, während ganz Europa jetzt deren nur 13 beſitzt. Deutſch⸗ land ſcheint hiernach in der Tertiärzeit viel mehr„deutſche Ei⸗ chen“ beſeſſen zu haben als jetzt, oder ſelbſt als vor 500 Jahren. Ein ähnlicher Thon enthält bei Strieſe, etwa 6 Meilen von Schoßnitz, Palmenreſte, und bei Dirſchel kommt in einer thonigen Gypsbildung eine ähnliche foſſile Flora vor. Die geologiſche Stellung dieſer Thone iſt trotz ihrer vielen Pflanzenreſte noch etwas ungewiß, denn mit den mehrfach auf⸗ geſchloſſenen Braunkohlenlagern kommen gewöhnlich andere Pflan— zenarten vor als die in jenen Thonen. Die diluvialen Bildungen der Bucht ſind denen im übrigen Norddeutſchland ſehr ähnlich. §. 401. Die Schleſiſche Bucht zeigt in dem größern Theile ihrer Ausdehnung an der Oder hinauf bis nach Ratibor einen ſehr gleichmäßigen, aber nicht eben bedeutenden Grad der Fruchtbar⸗ keit, es ſind vorherrſchend die lehmigen Diluvialablagerungen in ſie eingedrungen; nur an ihrer untern nordweſtlichen Oeffnung, in den Umgebungen von Dyhrnfurt und Wohlau, haben Sand⸗ und Kiesanhäufungen ein minder fruchtbares Gebiet veranlaßt. §. 402. Das vielfache nutzbare Gefälle der vielen Seitenzuflüſſe der Oder, ſowie die Nachbarſchaft von Kohlen⸗, Eiſen⸗ und andern Metalllagern, haben eine bedeutende Induſtrie hervorgerufen. Vor⸗ zugsweiſe dieſer Umſtand erklärt die ſtarke Bevölkerung von 4500 auf die Quadratmeile. Sie iſt zugleich eine Urſache geworden für jene hier, wie im niedern Sachſen und im Magdeburgiſchen herrſchende Uebergangsſtufe von der Feldwirthſchaft zur Frucht⸗ felderwirthſchaft, bei welcher an die Stelle der Brachen, nament⸗ lich bei der zuſammengeſetzten Dreifelderwirthſchaft, theilweiſe ein dnigen vielen hauf⸗ hſar ungen nüich t ihra en ſhr chthar⸗ gen in fuung d⸗ und lſſe d anden 1. Por en 4500 eworden rgiſcen Frucht nament⸗ eiſe in — 197— mehr oder weniger ausgedehnter Ackerbau tritt, meiſt verbunden mit Stallfütterung. §. 403. Die in Bezug auf Arbeit und Capital ſehr ausgebildeten Verkehrsverhältniſſe haben dieſe Umgeſtaltung der gewöhnlichen Felderwirthſchaft veranlaßt. Eine Hauptverkehrsader durchzieht als Eiſenbahn die ganze Länge der Bucht, Norddeutſchland mit Polen und dem öſtlichen Oeſterreich verbindend; an ihr liegen alle größern Städte. Den naturgemäßen Centralpunkt der gan⸗ zen Bucht bildet Breslau. 15) Das trebnitzer und tarnowitzer Berggebiet. §. 404. Ich rechne dazu alles deutſche Land, welches zwiſchen der Schleſiſchen Bucht und der Bartſch liegt. Dieſes Hügelgebiet erreicht bei Tarnowitz eine abſolute Höhe von 1070 Fuß, und in dem Katzengebirge bei Trebnitz immer noch 700 Fuß. Beide ſind voneinander geſchieden durch eine breite Senkung, in welcher die Weida und die Zabiruck ihren Lauf nehmen. Da nun in dem hohen öſtlichen Theil dieſes Hügellandes vielfach auch feſte Ge⸗ ſteinsſchichten zu Tage treten, ſo könnte man ſich leicht veranlaßt ſehen, ihn ſchon zum mitteldeutſchen Berglande zu rechnen, wenn er nicht von dieſem durch das breite Oderthal getrennt wäre, und wenn nicht doch der größere Theil ſeiner Oberfläche von diluvialen Ablagerungen bedeckt würde. Es ſind überdies, mit Ausnahme einer einzigen Baſaltkuppe, nur Schichtgeſteine, welche mit vorherrſchend horizontaler Lagerung in dieſem Gebiet als feſte Felsmaſſen auftreten. §. 405. Den älteſten noch deutlich ſedimentären Bildungen(der Grauwackengruppe) begegnen wir nur in zwei ganz kleinen, durch neuere Ablagerungen voneinander getrennten Gebieten bei Toſt und weſtlich von Leſchnitz. — 198— §. 406. An der äußerſten Oſtſeite zeigen ſich die Steinkohlenbildun⸗ gen in den Umgebungen von Mislowitz und Nicolai ziemlich ver⸗ breitet. In geringerer Ausdehnung auch bei Nieder-Radeſchau, unweit Rybnick, und öſtlich von Koslowagara bei Tarnowitz. Sie enthalten mehrfach im Abbau begriffene Kohlenlager, welche zu vielen Hüttenwerken der Umgegend Brennmaterial liefern. Zu⸗ nächſt darüber folgen ein paar ſehr vereinzelte Parcellen von Buntſandſtein bei Joſephsdorf, Koslowagara und Groß⸗Chelm, während auch die oben erwähnten kleinen Grauwackeninſeln auf ihrer Nordſeite von einem ſchmalen Saume dieſer Formation umgeben ſind. §. 407. Ungleich verbreiteter und zugleich faſt wichtiger iſt die Formation des Muſchelkalkſteins. Sie beſteht in dieſer Gegend von oben nach unten aus folgenden Hauptgliedern: 1) Kalkſtein von Opatowitz. 2) Dolomit mit ſtockförmigen Einlagerungen von Galmei. 3) Dolomit mit Einlagerungen von Bleiganz. 4) Brauneiſenſtein. 5) Sohlenkalkſtein, ein dichter grauer Kalkſtein, dem Wellen⸗ kalk anderer Gegenden entſprechend. Dieſe Gebilde finden ſich in bedeutender Ausdehnung in den Gegenden von Georgenberg, Tarnowitz und Beuthen, das untere Glied der Formation breitet ſich von da auch noch weit gegen Weſten aus, über Groß⸗Strehlitz bis an die Oder, und enthält zwiſchen Tarnau und Dombrowka nochmals Galmeiauflagerungen. Von dieſer Hauptverbreitung ſüdöſtlich finden ſich einige kleinere Partien der Muſchelkalkformation auch noch bei Paſinki, Lendzin, Berun und Smilowitz. Die erwähnten Erzeinlagerungen haben zu einem bedeutenden Bergbau und Hüttenbetrieb in dieſen Gegenden Veranlaſſung ge⸗ geben. Namentlich war das hieſige Zinkausbringen bisher das beträchtlichſte in ganz Deutſchland, und mit ſeiner Darſtellung ſind zugleich Meſſingwerke verbunden. —,— ali ellen⸗ n den untere gegen athält — 199— §. 408. Noch verbreiteter als die Muſchelkalkformation zeigen ſich ge— wiſſe Glieder der Juragruppe, und zwar von oben nach unten folgende:. 1) Vereinzelte Kalkſteinauflagerungen auf dem Thon N. 2, z. B. bei Woznik und Lublinitz. 2) Bunter Thon, in einem breiten Streifen von Woznik über Lublinitz bis Guttentag. 3) Thon mit Eiſenſteineinlagerungen, wahrſcheinlich der Leias⸗ formation zugehörig. Sehr ausgedehnt zwiſchen Rybnick, Ratibor und Kieferſtädtel, längs des linken Ufers der obern Liswarta und der obern Prosna, in den Umgebungen von Karlsruhe, und öſtlich von Falkenberg. Eine große Zahl von Eiſenwerken verſchmilzt die Eiſenſteine dieſer Ablagerung. §. 409. Hierüber folgt eine Thon⸗, Gyps⸗ und Mergelbildung mit geringen Kalkſteineinlagerungen von noch etwas zweifelhaftem Formationsalter, vorzugsweiſe entwickelt in den Gegenden zwi⸗ ſchen Loslau und Ratibor. Vereinzelter unter Diluvialablage⸗ rungen hervortretend bei Gleiwitz, Klein⸗Paniow und Gollawitz unweit Berun, ſowie ſüdlich von der Oder zwiſchen Deutſch⸗ Neukirch und Hultſchin. Die Gypsmaſſen dieſer Ablagerung, deren Verbindung mit Steinſalz noch nicht nachgewieſen iſt, werden vielfach abgebaut. §. 410. In dem Oderthale bei Oppeln treten auch noch Kreidekalk⸗ ſteine an die Oberfläche, deren Zuſammenhang mit den norddeut⸗ ſchen Kreidebildungen noch nicht erkannt iſt, und ganz iſolirt finden wir endlich St.⸗Anna bei Leſchnitz auf einer einſamen Ba⸗ ſaltkuppe, der nordöſtlichſten von allen in dieſem Theile von Europa. §. 411. Im Uebrigen iſt unſer Gebiet noch ganz mit den gewöhn⸗ licheng Diluvialbildungen bedeckt, die in dem Platcau von Sa⸗ — 200— cherau und Ploß, wie in der norddeutſchen Seenplatte, eine ſehr große Zahl kleiner Landſeen einſchließen, welche theilweiſe keinen Ablauf beſitzen. §. 412. Jene erzhaltigen Einlagerungen in den geſchichteten Geſteinen haben, wie erwähnt, vielerlei Gruben⸗ und Hüttenwerke veranlaßt, ſo namentlich um Tarnowitz und Beuthen, bei Rybnick, Königs⸗ hütte, Gleiwitz, Malapane und Kreuzburg, denen die benachbar⸗ ten Steinkohlen ſowie der große Waldreichthum der Gegend ſehr zu Statten kommen. Oberſchleſien für ſich allein producirt über die Hälfte von allem Rohzink, welches auf den europäiſchen Markt kommt, über eine halbe Million Centner jährlich. §. 413. Die Fruchtbarkeit des Bodens in dieſem Gebiet iſt im All⸗ gemeinen gering, nur in der mittlern Region um Oels und Trebnitz, ſowie nach der Oder zu eine mittlere. Die gewöhnliche Felderwirthſchaft iſt die vorherrſchende. Die Zahl der Bevölkerung iſt dagegen ſehr bedeutend; im Regierungsbezirk Oppeln 3866, und im weſtlichen zu Breslau gehörigen Theile des Gebietes ſogar 4500 auf die Quadratmeile. Auch hier beſtätigt ſich alſo wieder: daß die Stärke der Bevölke⸗ rung nicht von der Fruchtbarkeit, ſondern von andern Eigenſchaf⸗ ten des Bodens und beſonders auch von der Lage abhängig iſt. Letztere iſt für den öſtlichen Gebietstheil dicht an der polniſchen Grenze ſicher eher ungünſtig als günſtig zu nennen, hier aber zeigen ſich die unterirdiſchen Bodenſchätze vorzugsweiſe einflußreich. Große Städte gehören dem Gebiet nicht an. Nückblick. §. 414. Werfen wir noch einmal einen flüchtigen Ueberblick auf das Geſammtgebiet der norddeutſchen Niederung zurück, ſo ergibt ſich, daß ſeine Oberflächenformen wie ſeine geognoſtiſche Zuſammen— ſetzung an der Oberfläche, mit Ausnahme der randlichen Ueber⸗ — 201— gangsſtufen zum Bergland, ſehr einfache ſind. Lage, Bodenform, innerer Bau und geringes Gefälle der Flüſſe ſind im Allgemeinen dem Verkehr, dem Handel und dem Landbau günſtiger als der Induſtrie. Allgemein fehlt es an treibender Waſſerkraft, und ehe der Menſch die Dampfkraft in ſeinen Dienſt nahm, mußte er in dieſen Ländern wie auf offenem Meere vorzugsweiſe den Wind und das organiſche Leben als bewegende Kraft anwenden. Das Vorherrſchen der Windmühlen über die Waſſermühlen iſt darum etwas Charakteriſtiſches für dieſen Theil von Deutſchland im Gegenſatz zu dem Mittel⸗ und Hochland. Anbau und Volksſitten ſind vielfach übereinſtimmende, obwol durch Wanderung und Ver⸗ ſchiebung der Volksſtämme eine größere Mannichfaltigkeit der Nationalität hervorgebracht iſt, als man in einem ſo einförmigen Landſtrich erwarten ſollte. Beſonders ſind vom Oſten her die ſlawiſchen Nationen, dieſe Freunde der Ebenen, weit in den weſt⸗ lichen Theil der Niederung vorgedrungen. Trotzdem iſt, wie wir früher geſehen haben und wol auf Grund des Bodenbaues, der politiſche Conſolidirungsproceß in der norddeutſchen Niederung wirkſamer vorgeſchritten als im deutſchen Mittellande. Das deutſche Mittelland. §. 415. Es umfaßt daſſelbe Alles, was zwiſchen der norddeutſchen Niederung und den Alpen liegt. Eine große Zahl von Gebirgen in Hügelketten durchzieht dieſes Gebiet nach ſehr verſchiedenen Richtungen und geſtattet dadurch eine weitere Theilung in natür— liche Abſchnitte, welche wir bereits in§. 236 theils als Bergge⸗ biete, theils als muldenförmige Senkungen geſchieden haben. Der innere Bau dieſes Mittellandes iſt wie der äußere ein ungemein mannichfaltiger, und ich habe dieſe doppelte Mannich⸗ faltigkeit des Landes bereits in Einklang gezeigt mit der politi⸗ ſchen und ſocialen Vieltheilung gerade dieſes Theiles von Deutſch⸗ land, die offenbar eine größere geblieben iſt als in dem Tieflande, weil alle Elemente ihr günſtig waren; wir müſſen dieſelbe bei den Einzelgebieten in Betrachtung ziehen. — 202— Die auf den Meeresſpiegel reducirte mittlere Temperatur die⸗ ſes Landſtriches ſteigt von † 10 bis+ 130 Cent.(8 bis 11 R.), iſt aber in Wirklichkeit wegen der ſehr ungleichen Erhebung eine ſehr ungleiche zwiſchen weiteren Grenzen. Namentlich beſitzt aber der öſtliche Theil aus dieſen und andern Gründen im Allgemeinen eine geringere Wärme als der weſtliche unter gleicher Breite. Die Menge der atmoſphäriſchen Niederſchläge iſt größer als im Tieflande, durchſchnittlich etwa 25 Zoll, am Saume der Alpen am größten. Die Schilderung beginne ich mit dem nördlichſten Ausläu⸗ fer der Gebirgsketten. Die Weſergebirge 1¹⁶). §. 416. Vom nordweſtlichen Ende des Harzes und von dem Plateau des heſſiſchen Berggebietes verzweigt ſich eine Anzahl unterein⸗ ander ziemlich paralleler Hügel und Bergketten weit gegen Nord⸗ weſt in die Ebene hinein. Sie bilden auf dieſe Weiſe den äußerſten Gebirgsvorſprung des deutſchen Mittellandes, und ſchei⸗ den zugleich die Bucht von Münſter aus dem allgemeinen Ge⸗ biet der Niederung ab. §. 417. Die bekannteſte und markirteſte dieſer Ketten iſt der Teuto⸗ burger Wald, welcher an jene Bucht von Münſter unmittelbar angrenzt. Ihm ziemlich parallel ſtreckt ſich im Nordoſten die Weſerkette. Auch die übrigen haben alle ihre beſondern Namen, welche indeſſen minder bekannt ſind. Zwiſchen dieſen beiden Hauptketten, wie zwiſchen den kleinern, liegen breite Längenthäler, während ſie ſelbſt mehrfach in Querthälern von den Hauptflüſſen der Gegend durchbrochen ſind. §. 418. Das ganze Gebiet gleicht einem großen Kettengebirge, von dem nur die höchſten einander ziemlich parallelen Rücken aus der Ebene hervorragen. Denken wir uns die Jurakette um einige ————ↄ· — —— — 7—— — 203— Tauſend Fuß eingeſenkt, um ſoviel weniger erhoben, oder ſo hoch herauf von neuern weitausgebreiteten horizontalen Ablagerungen umgeben, ſo müßte das Reſultat ein ähnliches ſein. §. 419. Die Baſis dieſer Hügelketten liegt in dem nordweſtlichſten Theile derſelben, nur etwa 100 bis 150 Fuß über dem Meere, erhebt ſich aber allmälig gegen Südoſt bis zu 400 Fuß, und auf der Südſeite ſogar noch höher. Die Gipfel derſelben erheben ſich zu 900 bis 1300, und im öſtlichen Theile bis 1500 Fuß. §. 420. Während das Nordweſtende dieſes Berggebietes ſich ſchmal, niederig und beinahe ſcharf zuſpitzt, wird es gegen Oſt immer breiter, höher und zerſpaltet ſich in immer mehr Einzelketten, die innig verwachſen ſind mit dem Bergplateau Heſſens. §. 421. Unter den Längenthälern iſt eins von ganz beſonderer Be⸗ deutung, nämlich das zwiſchen den beiden Hauptketten, in wel— chem die Weſer und die Elſe von zwei entgegengeſetzten Seiten kommend, bei Rehme ſich vereinigen, um dann gemeinſam die nördliche Kette in der Porta Weſtphalica quer zu durchbrechen. Ddieſes breite Längenthal ſetzt in nordweſtlicher Richtung unab⸗ hängig von dem Lauf der Flüſſe bis in die Diluvialebene des untern Emsgebietes fort. Weſer und Ems ſind in ihm nicht ein⸗ mal durch eine Waſſerſcheide voneinander getrennt, denn die Elſe und die Haaſe entſpringen aus derſelben Quelle, erſt bei Ges— mold theilt ſich der Bach und ſendet ſeine Gewäſſer nach zwei entgegengeſetzten Seiten, durch die Elſe nach der Weſer, durch die Haaſe nach der Ems. Die Haaſe bleibt aber ſelbſt nicht in dem geologiſchen Haupt⸗ längenthal, ſondern durchbricht bei Bramſche die nördliche Hügel⸗ kette, während an ihrer Stelle die Mettinger Aa den directen Lauf zur Ems fortſetzt. — 204— §. 422. Die Begrenzung unſeres Gebietes iſt meiſt eine ganz natür⸗ liche, nur gegen das heſſiſche Bergland, mit dem es innigſt ver⸗ wachſen iſt, müſſen wir uns eine Grenze willkürlich ziehen, und ſetzen dafür eine Linie feſt, von Horn über Holzminden, Daſſel, Moringen und Nordheim nach Oſterode am Rand des Harzes. Auf dieſe Weiſe wird der Solling davon ausgeſchieden, wie der Harz ohnehin ein ſelbſtändiges Gebiet bildet. §. 423. In dem Berreiche dieſer Bergketten treten nirgends kryſtalli⸗ niſche Maſſengeſteine oder kryſtalliniſche Schiefer an die Ober⸗ fläche hervor. Dagegen ſind die Flötzformationen von der Koh⸗ lengruppe bis zur Molaſſe außerordentlich vollſtändig vertreten. Wir finden von oben nach unten folgende einzelne Ablage⸗ rungen übereinander. 1) Alluvialgebilde; 2) Diluvialgebilde; 3) Marine Molaſſegebilde(miocen oder pliocen); 4) Braunkohlengebilde; 5) Plänerkalk; 6) Flammenmergel; 7) Hilsſandſtein; 8) Hilsthon; 9) Sandſtein der Wieldenbildung(Dieſterſandſtein); 10) Kalkſtein der Wieldenbildung(Serpulit); 11) Weißer Jura Portlandkalk; Korallenkalk; 12) Brauner Jura(Dogger); 13) Schwarzer Jura(Leias); 14) Keuperſandſtein; 15) Keupermergel; 16) Muſchelkalk; 17) die obere Gypsbildung des Buntſandſteins; 18) Buntſandſtein; ddnabodag da eddnabvangs ——————— ddnabgv — 205— 19) Zechſtein nur im äußerſten Weſten bei Ibbenbühren und öſtlich am Harzrand; 20) Steinkohlenformation nur im äußerſten Nordweſten bei Ibbenbühren; 21) Grauwacke nur im anſtoßenden Harzgebirge. §. 424. Dieſe verſchiedenartigen Schichtmaſſen liegen aber keineswegs in ungeſtörter Reihe horizontal übereinander, ſondern ſie ſind vielmehr vielfach parallel gefaltet und gegeneinander verſchoben, der Art, daß dieſe Falten theils nach oben, theils nach unten geöffnet mehrfach ineinandergreifen. Da nun die einzelnen Ge⸗ ſteine eine ſehr ungleiche Feſtigkeit beſitzen, ſo ſind dadurch auch entſprechende Oberflächenformen veranlaßt, welche zum Theil kleinere, in ſich abgeſchloſſene Hügelketten oder elliptiſche Berg⸗ gebiete mit zwiſchenliegenden Thalmulden bilden, deren Axen aber faſt ſämmtlich der allgemein herrſchenden Richtung aus NW. nach SO. folgen. Es dürfte zweckmäßig ſein, dieſe kleinern zu einem Ganzen vereinten Gebiete einzeln zu beſprechen. Ich beginne mit den äußerſten nordweſtlichen Ausläufern. §. 425. 1) Im Bentheimer Wald treten mit ſehr flacher Erhebung mergelige Leiasbildungen(oder Hilsthon?) hervor, auf beiden Seiten eingefaßt von niedern Sandſteinhügeln der Juragruppe (oder Hilsſandſtein?), welche hier offenbar die ſpecielle Veran⸗ laſſung zur Erbauung von Schloß und Stadt Bentheim gegeben haben. Dieſe meiſt bewaldete Hügelgruppe ſteigt ringsum inſel⸗ förmig aus einer waſſerreichen Moorfläche auf, bis zu einer Mee⸗ reshöhe von etwa 300 Fuß. Die nördlichſte Kuppe, der Iſter⸗ berg, erreicht nur etwa 200 Fuß, aber die endloſen braunen Moor⸗ flächen des Landes von Meppen, auf die man vvn hieraus herab⸗ blickt, liegen nur etwa 60 Fuß über dem Meere. Dieſe iſolirten Sandſteinhöhen haben natürlich zu ſehr vielen Steinbrüchen Ver⸗ anlaſſung gegeben. — 206— §. 426. 2) Jene Mergel laſſen ſich öſtlich bis zur Ems verfolgen, 4 wo im Kirchſbit von Salzbergen mehrfach ältere Kalkſteine darunter hervorragen, bei Rheine be aber ſich Kreidegebilde auf dieſelben f auflagern, die in dem Stadtberge in eine Meereshöhe von 240 erreichen. 3 ſt §. 427. 3) In den Dicken⸗ und Schaaf⸗ ſa bergen bei Ibbenbühren, welche im Goldhügel eine abſolute Höhe von 540 Fuß erreichen, finden wir ein ſehr iſolirtes Hervortreten der Stein⸗ b 4 kohlenformation mit zum Theil bau⸗ würdigen Kohlenlagern, theilweiſe umſäumt von Zechſtein und Bunt⸗ ſandſtein. Dieſes nördlichſte Stein⸗ kohlengebiet Deutſchlands ſteht wahrſcheinlich unter der Bucht von Münſter hinweg in unterirdiſchem Zuſammenhang mit den mächti⸗ ger entwickelten Kohlengebilden der Ruhrgegend. Wenn aber auch da⸗ zwiſchen überall Kohlenlager fort⸗ ſetzen ſollten, ſo liegen ſie doch jeden⸗ falls zu tief für Gewinnung in nächſter Zukunft. Sie gehören zu den Bodenſchätzen, welche mögli⸗ 1 cherweiſe ſpätern Jahrhunderten vorbehalten bleiben. Ein ähnliches, aber viel klei⸗ neres Gebiet der Kohlenformation zeigt ſich auch noch im Piesberg, — 207— nördlich von Osnabrück, abermals zunächſt von Buntſandſtein umgeben. § 428. 4) Südlich von dem kleinen und abgeſchloſſenen Hügelgebiet beginnt bei dem Städtchen Bevergeren mit ſeiner äußerſten nord⸗ weſtlichen Spitze der Teutoburger Wald. Er beſteht hier nur aus einer ſchmalen aber geradlinigen Hügelkette von Sandſtein, der nach Ferd. Römer's neueſten Unterſuchungen dem Hilsſand⸗ ſteine entſpricht, ſüdlich überlagert von gegen 1000 Fuß mächtigen Pläner⸗ und Flammenmergelſchichten, die bald ebenfalls zu Hü⸗ geln aufragen und ſo die flache Bucht von Münſter ſcharf ab⸗ grenzen. Der Höhenzug wird dadurch theilweiſe zur doppelten Bergreihe und erhebt ſich durchſchnittlich zu 600 bis 700 Fuß, im Schloß Tecklenburg 770 Fuß, über das Meer. Nördlich grenzen an den Sandſtein noch nicht genau beſtimmte Juragebilde, aus denen ſich mit überragender Höhe(bis 990 Fuß) der Hilsſand⸗ ſtein noch einmal zu dem ſogenannten Burggebirge erhebt, wel⸗ ches Osnabrück mit Bauſteinen verſorgt. §. 429. Den Rücken des Teutoburger Waldes weiter ſüdöſtlich ver⸗ folgend, finden wir ihn jenſeit Iburg wieder einfach, immer noch vorherrſchend aus Hilsſandſtein, Flammenmergel und Pläner be⸗ ſtehend, unter denen aber bei Burgholzhauſen außer Juraſchichten auch noch Keuper und Muſchelkalk hervortreten. §. 430. Von nun an(bei Bielefeld) ſpaltet ſich dieſe intereſſante Bergkette bald in drei parallel nebeneinander laufende Rücken, deren ſüdweſtlichſter aus Pläner und Flammenmergel beſteht, der mittlere aus Hilsſandſtein und der nordöſtliche aus Muſchelkalk, an den ſich Keuper anlehnt. Von der Dürenſchlucht bei Det⸗ mold wird dieſe dreifache Hügelkette, welche man hier auch den Lippſchen Wald nennt, wieder quer durchbrochen, ähnlich wie bei Bielefeld, und ſetzt dann nur noch als Doppelkette, aber breiter und mit ähnlicher Zuſammenſetzung, nach Horn fort, wo der — 208— 8 E S 8 8 S Farkaese Mnleregge Jernree 9 1. M. Querſchnitt des Teutoburger Waldes bei Oerlinghauſen. M.= Muſchelkalk. K.= Keuper. Fl.= Flammenmergel. Pl.= Pläner. W.= Wielden, beſtehend aus Sandſtein, Mer⸗ gel, Kalkſtein und einem Kohlenlager. 8 8 S 44* 5 A Mamner a. Ttegesrlee Teutoburger Wald. S S S „ 35 eh 5 MK.= Muſchelkalk. Teutoburger Wald. BS.= Buntſandſtein. — 1 7— — 209— Sandſtein den intereſſanten Felskamm der Exterſteine bildet, in ihren Formen ähnlich den Felſen der Sächſiſchen Schweiz. In der Grotenburg erhebt ſich der Teutoburger Wald bei Beginn dieſes öſtlichen Abſchnittes zu 1200 Fuß, im Steinberg bei Holz⸗ hauſen zu 1270 Fuß, und in der Barnacken ſogar gegen 1400 Fuß. Bei Horn erleidet der Bergzug, wie ſein innerer Schichten⸗ bau, eine ſtarke Wendung gegen Süd, und verläßt in dieſer Richtung unſer jetzt betrachtetes Gebiet. §. 431. Dieſer ganze lange und ſchmale Höhenzug iſt ebenſo charak⸗ teriſirt durch üppige Laubwaldbedeckung, die oft ſcharf abſchnei⸗ det gegen die dürre Ebene der Bucht von Minſter, als durch beſondern Reichthum an kleinen Städten, die ſich an ſeine Hö⸗ hen oder an ſeine Querdurchbrüche(als Verkehrsübergänge) an⸗ geſetzt haben. So Bevergeren, Tecklenburg, Lengerich, Iburg, Burgholzhauſen, Halle, Werther, Bielefeld, Detmold und Horn. Auch an alten befeſtigten Burgen fehlt es dieſem Höhen⸗ zuge nicht. §. 432. 5) Von Branmſche über die Porta Weſtfalica bis zum Ha⸗ melbach, unweit Hameln, läuft die dem Teutoburger Walde ſehr ähnliche Weſerkette zugleich ziemlich parallel demſelben, welche 8 8 S 8 S 8 1 8 S N 1— H S 4 5 h —, e e 4 Durchſchnitt der Weſerkette bei Minden. Cotta, Deutſchlands Boden. 14 — 210— beinahe in dieſer ganzen Ausdehnung die nördliche Grenze unſeres Gebiets bildet. Ihr öſtlichſter Theil iſt das ſogenannte Süntel⸗ gebirge. Auch ſie iſt mehrfach von engen Querthälern durchbro⸗ chen, die aus dem oben beſchriebenen weiten Längenthale aus⸗ münden, ſo bei Bramſche, bei Oſterkappeln, bei Barkhauſen, Holzhauſen und in der berühmten Porta Weſtfalica. Auch ihr innerer Bau iſt ein ähnlicher wie der des Teutoburger Waldes, nur ſind es meiſt Schichten anderer Formationen, welche in ihr aufgerichtet ſind, ſie gehören ſämmtlich der Juragruppe an. Die Analogie zwiſchen beiden Ketten bleibt dennoch ſehr groß und zeigt deutlich, daß ſie durch erhebende Kräfte ganz unabhängig von der Ablagerung und dem Ablauf der Gewäſſer gleichzeitig gebildet wurden. Die Weſerkette, deren Gipfel ſich 700 bis 1100 Fuß über das Meer erheben, macht bei dem Durchbruch der Hunte eine ſtarke Krümmung, aus der ſie aber bald wieder in die alte Rich⸗ tung zurückkehrt. Hier wie im Kirchſpiel Engter treten nördlich von derſelben noch einige Hügel von ähnlichem innern Bau aus der Ebene hervor, während von Minden aus öſtlich der waldreiche Bückeberg und der Reinſer, aus Sandſtein der Wieldenformation beſtehend, einen breiten Vorſprung in die Ebene bildet. §. 433. Auch dieſe Hügelkette iſt vorherrſchend mit Laubwald be⸗ deckt und hat abermals eine Reihe kleiner Städte und alter Burgen an ſich gefeſſelt, ſo Bramſche, Oſterkappeln, Preußiſch⸗ Oldendorf, Lübecke, Minden, Hausberg, Bückeburg, Oberkirchen, Rodeberg und Minder. Ihr öſtlich ausgebreiteter Theil hat neuerlich durch die Kohlenlager der Wieldenformation eine be⸗ ſondere Wichtigkeit erlangt ¹⁷), während längſt ſchon die Sand⸗ ſteine des 1000 Fuß hohen Bückeberges in großen Steinbrüchen gewonnen wurden. §. 434. Zwiſchen dieſen beiden langen weſtlichen Parallelketten unſeres Gebiets iſt nun die breite und unebene Längeneinſenkung von ete nte bre aus⸗ uſe, ji ides rih Dit und ingi eitig über eine Ric⸗ rdlich u ali dreice mation d be⸗ alter hiſh jrhen, il heit ne be Sm hrüchen unſetes g von Osnabrück bis Hameln und Pyrmont erfüllt mit Gliedern der Triasgruppe, die oft auch noch flach bedeckt ſind von Leias, Jura und marinen Tertiärſchichten, noch nicht genau beſtimmten Alters, welche letztere beſonders in dem Becken von Osnabrück und ſeinen vielfachen Thalverzweigungen abgelagert ſind, ohne an den Schich— tenſtörungen der ältern Formationen Theil zu nehmen. Kreidebil⸗ dungen fehlen dagegen in dieſer Einſenkung faſt gänzlich. Der Muſchelkalk, als feſtere Maſſe, bildet mehrmals iſolirte Berg⸗ oder Hügelgruppen von beträchtlicher Höhe in dieſer fruchtbaren Senkung, in welcher Wald, Feld und Wieſe maleriſch miteinander wechſeln. Während wir zwei Zonen kleiner Städte und Burgen an die beiden äußern Parallelketten des weſtlichen Theiles unſeres Ge⸗ biets angelehnt fanden, zeigen ſich nun im Innern des Längen⸗ thals zum Theil ſchon größere Orte an die Flüſſe angebaut, oder im mittlern Abſtand von beiden Parallelketten. Letzteres iſt beſonders charakteriſtiſch für die Lage von Osnabrück, wel⸗ ches offenbar wegen dieſer Beckenlage für ein ganzes Gebiet zur Hauptſtadt geworden iſt, obwol gegenwärtig durch die Richtung der Eiſenbahnen und Hauptſtraßen ſehr dem Ver⸗ kehr entrückt. §. 435. Das Osnabrücker Ländchen iſt in Sitte und Anbau ſo charakteriſtiſch für einen großen Theil des hügeligen Weſtfalens, daß ich eine kurze Schilderung, welche H. Orges in der Allge⸗ meinen Zeitung davon entworfen hat, hier auszugsweiſe aufneh⸗ men werde, indem ich voraus bemerke, daß der geologiſche Cha⸗ rakter der Gegend auch hier einen entſchiedenen, wenn auch nicht ſpeciell nachweisbaren Einfluß auf die beſondere Volksentwicke⸗ lung gehabt hat. Alle dieſe Zuſtände könnten niemals in einer eigentlichen Gebirgsgegend oder in völliger Ebene ſich wiederholen, ja ich behaupte, auch niemals in einem Lande mit reichen innern Bodenſchätzen, welche geeignet ſind, eine lebhafte Induſtrie zu be⸗ günſtigen. Dieſer umgeſtaltende Einfluß würde ſich ſicher bald zeigen, wenn die Kohlenlager von Ibbenbühren zu einer großen Ausbeutung gelangen ſollten, denn der Abbau reicher Kohlenlager 14* — 212— verträgt ſich leider nie lange mit ſo einfachen patriarchaliſchen Zuſtänden. §. 436. „Wenn Sie die Weſer im Beginnen ihres Unterlaufes vom rechten nach dem linken Ufer überſchreiten(ſagt Orges), ſo ſtehen Sie an der äußerſten Spitze des deutſchen Berg⸗ und Hügellan⸗ des, zugleich an der Grenze der nordiſchen Niederung und der Südmarke der Sachſen⸗Sitten. Nie ſind dieſe weit in das Berg⸗ land eingedrungen, ſie waren echte Bewohner der Ebene, und ſelbſt die alten Schlöſſer und Burgen finden ſich, mit Ausnahme von Ravenſtein, Burg Holte und der Tecklenburg, in der Tiefe, in der Sohle der Thäler. Wer von den Höhen das Land auf beiden Ufern der Haaſe weithin überblickt, ſucht vergebens dicht⸗ gedrängte Dörfer mit ihren freundlichen rothen Ziegeldächern, von halbſtädtiſchem Weſen und Trachten, umgeben von weiten baum— loſen Kornfluren, wie man ſie überall wenige Meilen ſüdwärts findet. Statt deſſen ſehen Sie die langen Strohdächer der ein⸗ zelnen Höfe und Kotten aus den Hecken und Wäldchen hervor⸗ ragen, die das ganze Land durchziehen. Nur an der Krete der Hügel haben ſich größere Waldörter erhalten, doch iſt es auch dort ſelten ein hochſtämmiger geſchloſſener Beſtand, ſondern meiſt nur ein von einzelnen Samenbäumen überragter Niederwald von Eichen und Buchen, in den ſich erſt in der neueſten Zeit kleine Tannenkämpe ſporadiſch eingeſchwärzt haben. Die einzelnen Ge⸗ höfte liegen an der untern Grenze dieſer Wäldchen, da, wo ſich die Hügel zur Thalebene verflachen, faſt geſetzmäßig geordnet. Von Zeit zu Zeit ein großes Vollerbe, das vormals einen Rei⸗ tersmann zum Gefolge ſtellte, die darum noch heute zum Theil Sadelhöfe heißen und ihre Wirthſchaft mit vier und mehr Pfer⸗ den betreiben; dann einige Halberben, die mit dem halben Ge⸗ ſpann ein kleineres Feld bebauen, an die ſich mehr oder weniger Köttereien anſchließen. Dies ſind zu den Voll⸗ und Halberben gehörende, mit einem Hauſe beſetzte Parcellen von acht oder zehn Morgen, die theils eigene Beſitzer, Erbkötter haben, theils von Heuerleuten nur gepachtet ſind, um ſich von ihrer Handarbeit — 213— und von dem Ertrag ihres kleinen Viehſtandes von 2 bis 4 Kühen zu ernähren. §. 437. In dem preußiſchen Antheil des alten Weſtfalens hat die Bodenfreiheit und das gleiche Erbrecht der Kinder faſt überall das Land, im Bergiſchen bis zu iriſchen Verhältniſſen herab, zer⸗ riſſen, die Höfe zerſchlagen und den Grundtypus der ganzen Bevölkerung verändert. Im Hochſtift Osnabrück aber, wo die Untheilbarkeit der Güter bis zu beſtimmter Grenze geblieben iſt, können Sie noch heute Höfe finden, welche bereits vor tauſend Jahren beſtanden haben. So ſteht an der Spitze einer Bauernſchaft in der Nähe von Engern, der Hauptſtadt der alten Sachſen, wo auch Wittekind begraben liegt, ein Maier, der auf dem Sadelhofe Nalob ſitzt. Dem Herzog mußte nämlich ſein Gefolge auch das Grabgeleite geben, und der damalige Beſitzer jenes Hofes hatte ſich ſo ver⸗ ſpätet, daß er dieſem nachlaufen(nalopen) mußte. Seit jener Zeit heißt er der Maier Nalob. Die Gegenwart hat zwar in den rechtlichen Verhältniſſen dieſer Gegend Vieles geändert, alle Exemtionen der Ritterſchaft und jede Hörigkeit iſt verſchwunden, Rechte und Pflichten aller Eingeſeſſenen ſind faſt gleich geworden, doch die Bauerſchaften ſind geblieben, und erſt in neueſter Zeit iſt ein bedeutungsvoller Theil ihres Weſens, der gemeinſame Beſitz der„offenen Mark“, durch Theilung derſelben und Zuweiſung der einzelnen Parcellen an die verſchiedenen Höfe verloren ge⸗ gangen. Eine Bauerſchaft iſt nämlich eine Gruppe von Colonen (Voll- und Halberben, Erbkötter und Heuerleute), an deren Spitze ein Maier ſteht. Jeder Beſitzer hat ſeine„Binnengründe“ mit einer auf den Wegen durch Schlagbäume verbundenen, auf der Krete mit Eichen⸗ und Buchenhecken beſetzten Umwaldung eingehegt, innerhalb derer die, oft wieder von Knicken umgebenen Felder liegen, während draußen in der offenen Mark das Vieh eines Jeden ſich ohne Beſchränkung auf Wieſe und Wald herum⸗ trieb. Im Forſt hatten die Säſſigen nach Maß ihrer Höfe ein — 214— verſchiedenes Recht auf Streu, Laubrechen, Plaggenhauen, An⸗ pflanzungen und Axthieb, von dem ſie wieder ihren Heuerleuten nach Bedürfniß überließen. Die Nutzungen der offenen Mark mußten nämlich zumeiſt die Cultur der Binnengründe ermöglichen, denn die Brache war nirgend üblich, obgleich der Acker jahraus jahrein mit Roggen und Lein beſtellt wurde, und durch den Weide⸗ gang des Viehs der größte Theil des Düngers verloren ging. §. 438. Dieſes Gemiſch von Abhängigkeit und Freiheit, von gemein⸗ ſamem und eigenem Beſitz hat zu einer Unzahl von ſeltſamen Verhältniſſen, Beſchränkungen und Rechten geführt, welche ſich eng an die Sitten und Gebräuche angeſchloſſen und mit ihnen entwickelt haben. Die zerſtreute Lage der Wohnungen inmitten der Binnengründe hat allerdings den raſchen Austauſch der Ge⸗ danken, gemeinſames Fühlen und Handeln erſchwert, und dem Fortſchritt manche Schwierigkeit in den Weg gelegt; aber anderer⸗ ſeits hat ſich dadurch bei der ländlichen Bevölkerung eine große Selbſtändigkeit und Liebe zur Unabhängigkeit, eine Einfachheit erhalten, wie ſie ſich nirgends findet, wo das Kneipenleben durch die Geſchloſſenheit der Dörfer unterſtützt wird. Hier eſſen die Bauersleute noch ihr großes mächtiges ungeſäuertes Roggenbrot, den Pumpernickel, an jedem Tag der Woche, und nur an Sonn⸗ und Feſttagen, wo ſie der Kirchgang nach der Stadt führt, findet auch ein Stuten von Weizenmehl den Weg auf ihren Tiſch, auf dem ſelten ein anderes Getränk wie ein eigenes Gebräu von Märzbier erſcheint. Daß dieſe Landes⸗ und Lebensweiſe einen eigenthümlichen Einfluß auf das politiſche Leben gehabt, zeigt ſich in der feſten Rolle, welche ſeit länger als einem halben Jahr⸗ hundert die kaum 13,000 Seelen umfaſſende Hauptſtadt des Bisthums Osnabrück geſpielt hat. §. 439. Die eigenthümliche glückliche Miſchung energiſchen, aber be⸗ ſonnenen Strebens für den Fortſchritt, der die Osnabrückſche 8 — 215— Oppoſition, wie ſie Stüve vertrat, charakteriſirt, hat ihr Maß, aber auch ihre Kraft in der Grundbewegung der Geiſter gefunden, zu der Möſer einſt den Anſtoß gab. Nirgends haben bis jetzt feindliche Gewalten ſich dieſer Bewegung ſo hemmend entgegen⸗ geſtellt, daß die Parteien einander direct feindlich gegenübertraten, und mit behutſamem Takt hat man die frühern beengenden Ver⸗ hältniſſe, namentlich die Bande, in welchen der Boden lag, gelöſt. Die offene Mark iſt nach dem Nutzen, welchen die einzelnen Höfe bis dahin davon gezogen hatten, aus dem gemeinſamen in den getheilten Beſitz übergegangen. Die Naturalabgaben ſind auf den Geldfuß normirt, und die Ablöſung derſelben nicht blos erleich— tert, ſondern ſogar faſt nothwendig gemacht worden. Ueberall hat man aber das Gute der frühern Einrichtungen zu conſervi⸗ ren geſucht. §. 440. Daher finden Sie nirgends in der Umgegend Osnabrücks jenes ländliche Proletariat, wie es in Folge unbeſchränkter maß⸗ loſer Bodenzertheilung im benachbarten Preußen von Jahr zu Jahr ſich drohender entwickelt. Der Beſitz und die Veräußerung des Bodens iſt vollkommen frei von jedem beengenden Zwange, aber das Zerſchlagen deſſelben iſt nicht erlaubt, es ſei denn, daß der Hof ſo groß, daß er, nach dem Urtheil der Gemeinde, ur⸗ ſprünglich der Seßhaften jeder Bauerſchaft, ſich auch mit einem kleinern Theil, als er beſitzt, vollſtändig auf der Höhe der Be⸗ wirthſchaftung erhalten kann, welche ſeiner urſprünglichen Größe als Voll⸗ und Halberbe entſpricht. Nur die Bauerſchaft, die Gemeinde ſelbſt, kann darüber urtheilen, in welcher Ausbildung und zu welchem Reinertrage die Bewirthſchaftung eines Gutes möglich ſei; denn dieſer hängt nicht blos von Grund und Boden, ſondern von der Bildung der Bewohner und jenen kleinen Ver⸗ hältniſſen des Abſatzes, der Gewohnheiten, ja der Vorurtheile ab, die nur der Anſäſſige ſelbſt kennt und darum zu berückſichtigen vermag, und wäre es auch nur, indem er ſich unbewußt durch ſie beſtimmen läßt. — 216— §. 441. Selbſtverwaltung iſt auch hier der einzige Weg, wodurch allgemein richtige Grundſätze und Principien ohne Ungerechtigkeit und Nachtheil durchgeführt werden können, da alle Bedingungen des Lebens je nach ihrer Bedeutung berückſichtigt werden müſſen; ja ſelbſt die Vorurtheile, denn dadurch, daß man ſie ignorirt, hebt man ſie nicht auf. Die Sachſenſtämme haben vorherrſchend großen Heimatstrieb, und es iſt hart, daß die Kinder das ange⸗ ſtammte Erbe ihrer Väter verlaſſen ſollen, wenn gleiche Erbbe⸗ rechtigung es unmöglich macht, den Hof der Aeltern von einem der Kinder bewirthſchaftet zu ſehen; und Möſer ſagt, daß kaum unter 30 einer das überkommene Erbe verdoppelt. Es iſt aber immer beſſer, daß einer jener vorherrſchend deutſchen Empfindun— gen nicht nachgegeben wird, als daß man den praktiſchen Fode⸗ rungen des gemeinen Beſten zu Gunſten eitler Sentimentalität ſchadet. Nichts hindert den Heuer oder Kötter, ein Halb⸗ oder Vollerbe zu kaufen, wenn er das Geld dazu hat, aber der Hof darf nie zerſchlagen, ſondern nur verkauft werden, wenn es ſich um eine Vermögenstheilung handelt. Dieſe freie Selbſtbeſchrän⸗ kung findet ſelbſt bei den freien Gründen ſtatt, denn es iſt ein keineswegs vereinzelter Wunſch, daß, wo kleine Köttereien für Heuerleute einmal errichtet, d. h. Parcellen von 8 oder 10 Mor⸗ gen mit einem Hauſe als geſchloſſenes Gut gegründet ſind, dieſe ohne Zuſtimmung der Gemeinde nur zum Hof herangezogen, nie aber zerſchlagen und die Köttereien beliebig vermehrt werden kön⸗ nen. Der Sachſe haßt die Zwergwirthſchaft über ein gewiſſes Maß, denn eine beſtimmte Anzahl anderweitiger Arbeitskräfte bedarf natürlich jeder Hof, und er kann daher der Köttereien und der Heuerleute nie entbehren. Er hat das Bedürfniß des ge⸗ ſchloſſenen Beſitzes, und hat ſogar ſein ganzes Hab und Gut unter Einem Dach. § 442. In Immermann's Münchhauſen findet ſich eine vortreffliche Schilderung eines weſtfäliſchen Bauerhauſes, doch weicht ſie etwas —-— ————— — 217— von der alten ſächſiſchen Form ab. Mir iſt es hier nicht um die poetiſche, ſondern um die praktiſche Seite zu thun, und dieſe iſt jedenfalls die bedeutendere. Intereſſant iſt aber die gegenſeitige Abhängigkeit voneinander, denn wo Alles unter Einem Dach, um Ein Feuer ſich ſammelt, da mußte auch in der Familie, ja zu den Thieren eine viel größere Anhänglichkeit entſtehen und ſich erhal⸗ ten als da, wo das Alles zerfahren und getrennt lebt. Wo man 10 Minuten bis zum nächſten Nachbar, eine Stunde bis zum Wirthshaus zu gehen hat, da iſt die Häuslichkeit natürlicher, ent⸗ wickelter als da, wo der Familienkreis durch die entgegengeſetzten Verhältniſſe geſtört wird, und ſchwerlich hebt der größere und leichtere Schulbeſuch die Nachtheile auf, welche eine größere Con⸗ centration der Bauerhäuſer, als durch die der Felder geboten wird, unzweifelhaft hervorrufen würde. In Belgien, wo das Bedürf⸗ niß und die Intelligenz der Regierung gleichzeitig dahin geführt hat, Muſterwirthſchaften anzulegen, um nicht blos durch die Be— lehrung, ſondern auch durch das Beiſpiel eine höhere Stufe der Bodenbearbeitung herbeizuführen, hat die Agricultur in der neueſten Zeit auffallende Fortſchritte gemacht. Es kann uns dieſer Weg als Richtſchnur dienen, was überhaupt und wie es zu ermöglichen iſt; denn gerade weil der Betrieb ſich ganz nach dem Flächen⸗ raum, dem in einer Hand befindlichen Capital u. ſ. w. richtet, wird die rationellſte Bewirthſchaftung größerer Güter nur von ſehr geringem Einfluß auf die der kleinen ſein. §. 443. Was für ſolche Zwecke Alles zu berückſichtigen, geht aus der Möſer'ſchen Skizze über die Vortheile eines weſtfäliſchen Bauer⸗ hauſes vortrefflich hervor.„Der Herd“, ſagt er,„iſt faſt in der Mitte des Hauſes und ſo angelegt, daß die Frau, welche bei demſelben ſitzt, zu gleicher Zeit Alles überſehen kann. Ein ſo großer und bequemer Geſichtspunkt iſt in keiner andern Art von Gebäuden. Ohne von ihrem Stuhle aufzuſtehen, überſieht die Wirthin zu gleicher Zeit drei Thüren— die große Ausfahrt in der einen Giebelſeite, die rechte und linke Seitenthüre— dankt — 218— Denen, die hereinkommen, und heißt ſolche bei ſich niederſitzen, be— hält ihre Kinder und Geſinde, ihre Pferde und Kühe im Auge, hütet Keller, Boden und Kammer, ſpinnt immerfort und kocht dabei. Ihre Schlafſtelle iſt hinter dieſem Feuer, und ſie behält aus derſelben eben dieſe große Ausſicht, ſieht ihr Geſinde zur Ar⸗ beit aufſtehen und ſich niederlegen, das Feuer anbrennen und verlöſchen, und alle Thüren auf⸗ und zugehen, hört ihr Vieh freſſen, die Weberin ſchlagen, und beobachtet wiederum Keller, Boden und Kammer. Wenn ſie im Kindbett liegt, kann ſie noch einen Theil ihrer häuslichen Pflichten aus dieſer ihrer Schlafſtelle wahrnehmen. Jede zufällige Arbeit bleibt ebenfalls in der Kette der übrigen. Sowie das Vieh gefüttert und die Dreſche gewandt iſt, kann ſie hinter ihrem Spinnrade ausruhen, anſtatt daß an andern Orten, wo die Leute in Stuben ſitzen, ſo oft die Hausthür aufgeht, Jemand aus der Stube dem Fremden entgegengehen, ihn wieder aus dem Hauſe führen und ſeine Ar— beit ſo lange verſäumen muß. Der Platz bei dem Herde iſt der ſchönſte unter allen, und wer den Herd der Feuersgefahr halber von der Ausſicht auf die Dehle abſondert, beraubt ſich unendlicher Vortheile. Er kann ſodann nicht ſehen, was der Knecht ſchneidet und die Magd füttert; er hört die Stimme ſeines Viehs nicht mehr. Die Einfuhrt wird ein Schleichweg des Geſindes, ſeine ganze Ausſicht vom Stuhle hinterm Rad am Feuer geht ver⸗ loren, und wer vollends ſeine Pferde in einem beſondern Stalle, ſeine Kühe in einem andern, ſeine Schweine in einem dritten hat, und in einem eigenen Gebäude driſcht, der hat zehnmal ſo viel Wände und Dächer zu unterhalten und muß den ganzen Tag mit Beſichtigungen und Aufſicht zubringen.“ §. 444. Man ſieht, daß Möſer, der ſeinen Nachmittagskaffee bei einem Bauer einzunehmen liebte, ein gründlicher Beobachter des land⸗ wirthſchaftlichen Lebens in ſeinen kleinſten Theilen geweſen iſt, und die Vortheile der Bauernwirthſchaft unter Einem Dach wohl erkannt hat. Ein großer Theil der weſtfäliſchen Bauernhäuſer iſt ———y,’,— nen lande i wohl tr it — 219— noch heutigen Tags nur unbedeutend von jener Form unterſchie⸗ den. In der einen Giebelſeite des langen Gebäudes findet ſich die Einfahrt, welche unmittelbar auf die Tenne führt, rechts und links derſelben ſind die Stellen für das Vieh, welches mit den Köpfen nach innen ſteht. Ueber dieſen bis zum Dach iſt die„ Ernte geſpeichert. Am Ende derſelben durchſchneidet die jetzt durch eine Wand abgetrennte Küche das Haus. Aus ihr führen zwei Seitenthüren ins Freie und einige andere nach den Zimmern in der der Einfahrt gegenüberſtehenden Giebelſeite. §. 445. Es wird immer eine der ſchwierigſten Fragen bleiben: welche Form und Größe iſt die paſſendſte, um eine möglichſt vortheil⸗ hafte Bearbeitung des Bodens zu geſtatten. Faſt in ganz Deutſch⸗ land ſpringt die Wirthſchaft nach den Pferdepaaren, und es dürfte vielleicht nicht unrichtig ſein, wenn man dieſe Kräfte als Maßſtab zur Beſtimmung der normalen Größe der Bauergüter verwendete. Dieſes Maß würde immer ein relatives bleiben, da damit noch durchaus nicht die auf den Acker verwendete Kraft normirt wäre, ſondern dieſes den Bedingungen überlaſſen bliebe, welche durch den höchſten Reinertrag und die Höhe der Agricultur überhaupt geſtellt werden; denn der Reinertrag iſt an ſo ver⸗ ſchiedene Bedingungen geknüpft, daß der Bauer, welcher die Hälfte ſeines Ackers brach liegen läßt, wie im ſüdlichen Rußland, die andere kaum umpflügt, und der Londoner Gärtner, welcher jeden Kohlkopf unter einer Glasglocke zieht, gleich rationell verfahren. §. 446. Jede Gemeinde oder nächſtgrößere Eintheilung hätte daher zu beſtimmen, wie groß ein Bauerhof ſein muß, um die Be— wirthſchaftung auf ihm mit zwei und vier Pferden zu betreiben, wobei die übrigen Arbeitskräfte durch Kötter beſchafft werden müſſen, deren Taglohn weſentlich die Familie zu ernähren beſtimmt wäre, die aber zu ihrem Hauſe ſo viel Acker als feſtes Theil in Pacht erhielten, als durch zwei Kühe beſtellt werden kann. Wieſen dürften vielleicht principiell nicht für den Kötter abgegeben, ſon⸗ — 220— dern dieſer lediglich auf den Bau von Futterkräutern in dieſer Beziehung hingewieſen werden, wodurch ſeine Arbeitskräfte gerade in den Zeiten der Ernte ganz disponibel werden, und doch die Kraft ſeines Zugviehs nicht brach liegt, ſondern, während deſſen Kraft zur Beſtellung nicht gebraucht wird, ſich durch den Milch⸗ ertrag verwerthet. §. 447. Es iſt dies ungefähr das Grundprincip, welches den Kötte⸗ reien, Halb⸗ und Vollerben in den osnabrückſchen Landen zu Grunde liegt, und es ſcheint uns eine Organiſation, an welche ſich zu fernerer Entwickelung anknüpfen ließe. Bei einer rich⸗ tigen Grundidee wird die Ausführung einen bleibenden Werth haben, denn mit der höhern Cultur wird zugleich die Anfode⸗ rung an die auf den Boden zu verwendende Kraft erhöht; iſt danach die normirte Arbeitskraft der Höfe nur zur Beſtellung eines kleinern Ackers befähigt, ſo wird dadurch auch wieder Land für Kötter disponibel, wodurch zugleich die verfügbare Taglöhner⸗ arbeit geſchafft wird.“ Doch ich kehre von dieſer Abſchweifung zurück zum geologiſchen Bau unſers Gebietes. §. 448. Da der Teutoburger Wald und die Weſerkette nicht genau parallel verlaufen, ſo erweitert ſich der von ihnen eingeſchloſſene Raum öſtlich mehr und mehr. Sie ſelbſt verſchwinden in den Gegenden von Hameln und Horn gänzlich, oder biegen ſich we— nigſtens in eine ganz andere Richtung. Zwiſchen und neben ihnen treten aber in dem öſtlichen Theile neue Faltungen der Schichten in größerer Häuſigkeit und Mannichfaltigkeit auf, und bringen eine nicht genau beſtimmbare Zahl kleiner geſonderter Höhenzüge und Mulden hervor, deren wichtigſte wir einigermaßen näher betrachten wollen. §. 449. 6) Auf der öſtlichen breiten Seite finden wir zwiſchen den beiden Parallelketten ein ſonderbares, durch locale Erhebung be⸗ dingtes Gebiet, in der Umgebung des Badeorts Pyrmont. Es 1———, — 221— iſt dies nämlich eins der ſchönſten Beiſpiele von Erhebungsthä⸗ lern im nordweſtlichen Deutſchland(ein ähnliches werden wir ſpäter bei Driburg kennen lernen). Der Thalkeſſel von Pyrmont iſt unregelmäßig länglich geſtaltet mit weſtöſtlicher Hauptaxe. Der Boden des weiten Wiesgrundes inmitten dieſes Keſſels beſteht aus buntem Sandſtein, um denſelben erheben ſich aber überall ſteil aufſteigende Muſchelkalkberge, die dem Emmerfluſſe nur einen ſchmalen Ein⸗ und Ausgang geſtatten. Die Schichten des Kalk⸗ 8 d 8 3 d 8 d 5 W Mas od 2 AAl.— B — Brrnl- Sandgterre, 25 4. 9G Thal von Pyrmont von S. n. N. ſteins fallen ringsum von dem Thalkeſſel abwärts, wie man es erwarten muß, wenn ſie von ihm aus als Centrum geſprengt und etwas erhoben ſind. Dieſer ſteile Muſchelkalkwall erhebt ſich durchſchnittlich etwa 700 Fuß über den gegen 300 Fuß über dem Meere liegenden Thalboden, auf welchem gänzlich iſolirt noch ein vereinzelter Muſchelkalkberg, der Königsberg, zu einer Meereshöhe von 770 Fuß aufragt. Jenſeit des oft nur ſchmalen Muſchel⸗ kalkwalles überlagert denſelben allſeitig die Keuperbildung, welche zum Theil zu noch größern Höhen aufſteigt, im Winterberge bis 1355 Fuß. 1¹8) §. 450. 7) Der Deiſter liegt nicht zwiſchen den beiden parallelen Hauptketten, ſondern noch nordöſtlich von dem Süntelgebirge. Als ein etwas gekrümmter Bergrücken dehnt er ſich zwiſchen Ro⸗ denberg und Pattenſen aus. Im Allgemeinen von NO. nach SO. ſtreichend, iſt ſein nordöſtlicher Abhang zur Ebene von Hanno⸗ — 222—— AS= Klathz Herg 95!, 8 Traneln in heretheat 207 Satemeuesberg g509 Aõ. Purrel VL6 Müunae 409 Ebers Barg ,36 Hobelaers 1230 fllanmacken V *εαν ver ungemein ſanft und gleich⸗ förmig, aber von zahlreichen kleinen Thälern durchſchnitten, welche rechtwinkelig vom Kam⸗ me auslaufen, der ſich 900 bis 1200 Fuß uͤber das Meer erhebt. Der ſüdweſtliche Abhang iſt überall ungleich ſteiler. Seine Höhe beſteht aus dem Sand⸗ ſtein der Wieldenformation, 2 or Sumtet 7a7 welcher gute Bauſteine liefert und den H. Römer nach dieſer Localität Deiſterſandſtein ge⸗ nannt hat. Er iſt zunächſt faſt rings umſäumt und unterla⸗ gert von einem Kalkſtein der⸗ ſelben Formation, welcher den Namen Serpulit erhalten hat. Unter dieſem folgen helle Jura⸗ kalkſteine, und zuletzt tritt auch noch ein zum Theil breiter Saum von den braunen thonig⸗ ſandigen Schichten der Jura⸗ formation hervor. Der ganze läßt in ſeinem Innern die Koh⸗ lenlager der hieſigen Wielden⸗ formation erwarten. Bei Ro⸗ denberg tritt aus der Tiefe des Thales noch eine mächtige Gypsmaſſe des Keuper hervor. §. 451. 8) An den Deiſter ſchließt ſich ſüdlich zunächſt der Oſter⸗ Bergrücken iſt bewaldet und —— —— —„— ↄPD—,— z —— — — — wald an; ebenfalls ein Höhenzug, welcher der herrſchenden Rich⸗ tung folgt. Er beſteht in ſeinem Centrum, dem Wülfinghauſer Kloſterforſt, aus oberm Jurakalk, unter dieſem treten nordöſtlich nach einander unterer welcher letztere, vielfach von Diluvium bedeckt, den feſten Schichtboden der kleinen Bucht von 5 Springe bildet. Süd⸗ weſtlich folgen dagegen auf den obern Jurakalk die Kohlen führenden— kalkigen und ſandigen Schichten der Wielden⸗ formation, unter denen aber am Fuß abermals die untern Glieder der Juraformation und Leias hervortreten. Nur beim Dorfe Oſterwald iſt eine kleine Partie von Hilsthon aufgelagert. §. 452. 9) Südlich von Hil⸗ desheim erhebt ſich ein faſt durchaus bewalde⸗ ter Höhenzug von bei⸗ nahe elliptiſcher Geſtalt, H 5 deſſen lange Axe wieder der allgemeinen Rich⸗ tungslinie der hieſigen Bergketten entſpricht. Der innere Theil die⸗G ſes Gebiets beſteht aus Häaldechamer Hale Pnaelilepeze alangenkal Jurakalk, brauner Jura und Leias hervor, Brauner Jura. H. S.= Hilsſandſtein. 5. J. 6.= Grobkalk. L.= Leias. = Hilsthon. .1. K.= Keuper. P.= Pläner. M.= Muſchelkalk. F.= Flammenmergel. W. J.= Weißer Jura(Portland und Korallenkalk). 5b. S.= Buntſandſtein. Buntſandſtein, in deſſen Mitte ein auffallendes Längenthal einge⸗ ſenkt oder vielmehr aufgeborſten iſt, welches bei Dickholzen ſeinen Querdurchbruch findet. Dieſes Längenthal, welches der Bruchlinie entſpricht, umgeben auf allen Seiten zunächſt Sandſteinhöhen mit beiderſeits abfallender Schichtung, dann aber ein zweiter ſchmaler Bergwall von Muſchelkalk, an den erſt in der Tiefe Keupermergel angelagert ſind. Oeſtlich wird dieſes Gebiet bei Salzdettfurt von der Innerſte quer durchſchnitten. §. 453. Dem oben Beſchriebenen ungefähr parallel erheben ſich ein wenig ſüdlicher die Siebenberge, in Verbindung mit den Vorbergen Hogeanele und dem Sackwald, aber⸗ 11) Jenſeit eines ſchma⸗ BDealinsen len, aus NW. nach SO. ge⸗ ſtreckten Muſchelkalkrückens d mals ein elliptiſches Gebiet S mit concentriſcher Schichten⸗ A anordnung bildend, nur mit 8 E en dem Unterſchied, daß hier die 5 2, 3 Schichtenſtellung nicht eine 15. Hanen ſattelförmige, ſondern eine S5˙5.. muldenförmige iſt, ſo alſo, 5 1 2 daß ihre Concavität ſich nach 5 IMAAh Cundllekagze oben kehrt. Die Höhen be⸗ 5 ½ 8 Palxiekaasen ſtehen aus Pläner, darunter 5 ⁸ folgt Flammenmergel, dann 5„5 brauner Jura, Leias und 4 5 4 Keuper. Denkt man ſich . 4 dieſe beiden Gebiete quer * 1 S Leha, durchſchnitten, ſo ergibt ſich 35 2 für ſie umſtehender Schich⸗ 5 u 9 55 Loinkapee tenbau.(Vergl. S. 223.) 3§. 454. 5 S 5 3 3ps—= 7 225— folgt dann noch mehr ſüdlich eine dritte elliptiſche Schichten⸗ aufrichtung, abermals von muldenförmigem Bau. Die Mitte der Mulde bildet hier Braunkohlenthon, und unter dieſem folgen nacheinander Deiſterſandſtein, Wieldenthon, oberer Jurakalk, welcher die höchſten Muldenränder bildet, Korallenkalk, brauner Jura, Leias, Keuper, Muſchelkalk und Buntſandſtein mit etwa nebenſtehendem Querſchnitt.(S. 224.) §. 455. Daſſelbe elliptiſche Ge⸗ biet zeigt aber in ſeiner ſüdöſtlichen Verlängerung, welche unter der beſondern Benennung die Hilsmulde bekannt iſt, einen noch complicirtern Bau, da hier auch die untern Kreide⸗ bildungen eine kleinere Mulde in der größern bilden. Dieſe Localitaͤt iſt es, von welcher der Hils⸗ thon und der Hilsſand⸗ ſtein ihren Namen erhal⸗ ten haben, weil man hier zuerſt erkannte, daß ſie nicht dem Quaderſand⸗ ſtein, ſondern dem Neo⸗ comion entſprechen. Der Querſchnitt dieſer Mulde würde etwa folgende La⸗ gerungsweiſe zeigen. §. 456. 12) In derſelben Rich⸗ tung finden wir dann Cotta, Deutſchlands Boden. Beseede Die Hilsmulde. = Muſchelkalk. N. Keuper. b. S§.= Buntſandſtein. M. ſandſtein. Leias. 5. J.= Brauner Jura. D.= Deiſter P.= Pläner Wieldenthon. L. F.= Flammenmergel. W.= nkalk). eißer Jura(Portland und Koralle H. 1I.= Hilsthon. H. S.= Hilsſandſtein. 40. 1.= —““““““G“GʒGʒGʒGʒGʒG⁊GʒGG — 226— endlich noch am ſüdlichen Rande unſers Gebiets eine Mulde, deren Inneres bei Einbeck und Markoldendorf aus Leias beſteht, ringsumſäumt von Keuper und Muſchelkalk, von denen aber nur der letztere einen bergigen Rand bildet, zum Theil mit ſehr be— ſtimmt ausgeſprochener Richtung aus NW. nach SO. Zwiſchen dieſen eigenthümlichen elliptiſchen Hügelketten, Schichtenſätteln und Mulden mit erhöhten Rändern und dem äußern Zechſtein⸗ ſaum des Harzes beſteht die wellige Oberfläche in unregelmäßi⸗ ger Abwechſelung aus Buntſandſtein, Muſchelkalk und Keuper. Der Muſchelkalk bildet auch hier gewöhnlich bewaldete Bergrücken oder kleine Hochplateaus, welche mit oft ſteilen Rändern auf das flachere Hügelland des Buntſandſteins aufgeſetzt ſind, §. 457. Es bleibt uns von unſerm Berggebiet jetzt noch der Theil zu beſprechen übrig, welcher in nördlicher Richtung dem weſt⸗ lichen Ende des Harzes vorliegt. Obwol in dieſem Gebiet zwi⸗ ſchen Goslar und Hildesheim die Hügelketten minder regelmäßig geſtaltet ſind, ſo iſt dennoch in ihrem innern und äußern Bau noch die herrſchende Richtung aus SO. nach NW. erkennbar. Buntſandſtein, Muſchelkalk, Keuper, Leias, brauner und weißer Jura, ſowie die untern Abtheilungen der Kreidegruppe, bilden oft gewundene und in complicirter Weiſe verbundene Streifen oder breitere Gebiete. §. 458. Der innere wie der äußere Bau des ganzen jetzt betrachteten Weſergebiets iſt ſo eigenthümlich, daß ſich daſſelbe mit keiner andern Gegend Deutſchlands, als höchſtens mit dem anſtoßenden nordöſtlichen Vorlande des Harzes vergleichen läßt, welches in⸗ deſſen nicht zu ſolchen Höhen anſteigt, deshalb mehr von Dilu— vialbildungen bedeckt iſt und von uns noch zur norddeutſchen Niederung gerechnet wurde. Die Mannichfaltigkeit und der Wech⸗ ſel der Schichtgeſteine ſind außerordentlich groß. Sie ſind viel⸗ — 227— fach aufgerichtet und gegeneinander verſchoben. Auch der land⸗ ſchaftliche Charakter der Gegend iſt dadurch ein ganz beſonderer geworden. d. 459. Wenn ich auch bereits mehrfach die Nutzbarkeit gewiſſer Geſteine unſeres Gebiets beiläufig angedeutet habe, ſo ſehe ich mich doch genöthigt, auf dieſen Gegenſtand nochmals zurück⸗ zukommen. Wir fanden echte Steinkohlenlager bei Ibbenbühren. Die Kohlen der Wieldenformation werden jetzt bereits an vielen Orten gewonnen und ihre Ausbeutung ſcheint in Zunahme begriffen zu ſein. Der„Bergwerksfreund“ enthielt darüber kürzlich die in der Beilage ¹⁸⁹) mitgetheilten Notizen über das Kohlenausbringen in der Landdroſtei Hannover. §. 460. Zu Steinbrüchen haben die Kalkſteine und Sandſteine aller Formationen Veranlaſſung gegeben; für den Buntſandſtein iſt aber noch beſonders zu bemerken, daß man ſeine dünn geſchichte— ten Varietäten in dieſen Gegenden ſehr häufig gleich dem Thon⸗ ſchiefer zum Dachdecken verwendet, während er beſonders in den Gegenden von Hameln und Oldendorf ſehr gute Bau⸗ und Mühlſteine liefert. Der Hilsthon wie der Wieldenthon liefern Material für Ziegel und Töpfe. Aus dem Braunkohlenthon von Duingen werden ſehr viele Flaſchen(Kruken) gebrannt, und den von Davenſtadt bei Haumober hat man zur Raffinirung des Zuckers benutzt. Kalktuff, welcher bei Hameln eine mächtige Ablagerung an der Oberfläche bildet, wird als Brennkalk und gemahlen (als„Dux“ oder„Traß“) zur Bereitung von Waſſermörtel benutzt. Im Wielden der Gegend von Minden, und im Hilsſand⸗ 15*¾ — 228— ſtein der Gegend von Salzgitter finden ſich bauwürdige Eiſenſteine, und einige Eiſenwerke ſind darauf begründet. §. 461. Das Steinſalz der Muſchelkalkformation und des Zechſteins zeigt ſich zwar auch hier niemals an der Oberfläche, aber es hat dennoch zu einer Anzahl von Salzwerken Veranlaſſung gegeben, deren bedeutendſte folgende ſind: Rheina a. d. Ems, Rothen⸗ felde, Neuſalzwerk bei Rechan, Hagerſen, Pyrmont, Großen⸗Rüden, Münder, Salz⸗Hemmendorf, Salz⸗Detfurt, Salzgitter, Salz⸗ kotten u. ſ. w. Unter dieſen iſt Neuſalzwerk bei Rechan noch ganz beſonders intereſſant wegen des über 2000 Fuß tiefen Bohrlochs, welches hier niedergebracht worden iſt, und mit wel⸗ chem man eine Salzquelle von einigen dreißig Grad Wärme er⸗ bohrt hat, die zugleich als Heilquelle benutzt wird. §. 462. Auch andere heilkräftige Mineralquellen fehlen unſerm Ge⸗ biet nicht und ſtehen ſogar in lehrreichem Zuſammenhang mit ge⸗ wiſſen geologiſchen Erſcheinungen. Fr. Hoffmann hat zuerſt nach⸗ gewieſen, daß der Thalkeſſel von Pyrmont durch Erhebung ent⸗ ſtanden iſt, und daß die dortigen Mineralquellen offenbar ebenfalls eine Folge dieſer gewaltſamen Sprengung des Felsbodens ſind. (Vergl. ²⁰)). 5 Bei Eilſen, unweit Bückeburg, welches allerdings auch in einer Erhebungslinie liegt, bei Bückeburg ſelbſt und bei Nenndorf ſcheint es dagegen mehr noch der Bitumengehalt der Schichten zu ſein, welcher dieſe heilkräftigen Mineralquellen veranlaßt. §. 463. Der Boden iſt vorherrſchend ſehr fruchtbar, wenn auch ſtark wechſelnd ſeiner Natur nach. Landwirthſchaftliche Gewerbe herr⸗ ſchen im weſtlichen Theil vor, aber öſtlich zwiſchen den vielen Hügelketten hat ſich eine mannichfaltige Induſtrie eingefunden, unter welcher die Leinwandweberei in der Umgegend von Biele⸗ ———,., ———, 2— — 229— feld den älteſten Ruf hat. Kohlenbergbau und Eiſenhüttenweſen ſind neuerlich zu den alten Salzwerken mit ihren langen Gra⸗ dirwänden hinzugekommen. §. 464. Die Bevölkerung beträgt in dem noch ſehr patriarchaliſchen Fürſtenthum Lippe 3270, im Osnabrückſchen 3680, in den Ge⸗ bieten von Minden, Hildesheim und Pyrmont aber 4500 bis 4800 auf die Quadratmeile. §. 465. Die Weſerketten in Verbindung mit dem Harz ſtellen ſich der Verkehrsverbindung zwiſchen der nordoſtdeutſchen Niederung und dem Rheinland hindernd entgegen. Deshalb ſind die Quer⸗ durchbrüche dieſer Ketten an der Porta Weſtfalica und bei Bielefeld ſchon ſeit älteſter Zeit zu einer Hauptſtraße, neuerlich aber auch für eine wichtige Eiſenbahnverbindung benutzt worden. Dieſer, von der Natur des Landes vorgeſchriebene Verkehrsweg iſt denn natürlich auch nicht ohne Einfluß geblieben auf die Ent⸗ ſtehung und Vergrößerung einer Anzahl von Städten. §. 466. Die Geſchichte unſers Landes läßt frühzeitig eine vielfache Theilung erkennen, und wer mag leugnen, daß die Unebenheit des Bodens, die Lage feſter Orte oder natürlicher Grenzen eine Haupt⸗ urſache davon ſei? Im Jahre 550 n. Chr. finden wir bereits Teutoburg(die Grotenburg) und Munitium, das heutige Osna⸗ brück. Unter den Hohenſtaufen ſondern ſich die Gebiete von Tecklenburg, Osnabrück, Ravensberg, Minden, Berge, Sternberg, Lippe, Schwalenberg Everſtein, Lichtenberg, Waldenberg, Hil⸗ desheim und Braunſchweig. Nach mancherlei Veränderungen der Grenzen finden wir im 16. Jahrhundert noch die Bisthümer Osnabrück und Minden, die Grafſchaften Bingen, Tecklenburg (viel kleiner geworden), Ravensberg, Schauenburg, Lippe, Pyr⸗ mont, das Fürſtenthum Kalenberg, Hildesheim und das Herzog⸗ thum Wolfenbüttel. Obwol nun die Neuzeit Osnabrück, Kalen⸗ — 230— berg und Hildesheim mit Hannover; Minden und Ravensberg mit Preußen verbunden hat, ſo bringen die Fürſtenthümer Lippe und das öſtlich hereinragende Herzogthum Braunſchweig immer noch eine große Mannichfaltigkeit der politiſchen Abgrenzung her⸗ vor, eine größere, als ſie in irgend einem ebenen Theile Deutſch⸗ lands vorkommt. Das heſſiſche Bergland. 21) §. 467. Das heſſiſche Bergland, welches hier geſchildert werden ſoll, beginnt ſüdlich von der obenbezeichneten willkürlichen Grenze des Weſerkettengebiets, und reicht von da zwiſchen der Thüringer Mulde und dem Rheiniſchen Schiefergebirge bis zur Rhön und zum Vo⸗ gelsgebirge. Das iſt nun allerdings eine ſehr unbeſtimmte Um— grenzung, es kommt aber hier mehr darauf an, den charakteriſtiſchen Theil des Ganzen auf irgend eine Weiſe abzuſondern, als gerade ganz beſtimmte äußere Grenzlinien feſtzuſetzen. Auf die politiſchen Grenzen iſt dabei gar keine Rückſicht genommen. §. 468. Faſt dieſer ganze Landſtrich gehört dem Quellengebiet der Weſer an, nur die Lahn reicht weſtlich noch in denſelben herein, und einige Zuflüſſe der Weſer entſpringen weit jenſeit ſeiner Grenzen, ſo die Werra. Die auf den Meeresſpiegel reducirte mittlere Temperatur die⸗ ſes Landſtrichs iſt 100 Cent(= 80 R.), die wirkliche in Göt⸗ tingen 8,30⁰0 C. Die Summe der atmoſphäriſchen Niederſchläge etwa 25 Zoll. §. 469. Das ganze Gebiet erhebt ſich durchſchnittlich zu einem Niveau von 500 bis 1000 Fuß, und beide Extreme weichen nicht ſehr von dieſen mittlern Summen ab. Der Weſerſpiegel bei Holz⸗ minden liegt nämlich 280 Fuß über dem Meere, und die höchſten Bergſpitzen ragen bis zu 1850 und ganz ausnahmsweiſe, am Meißner, bis zu 2240 Fuß auf. Es iſt ein flaches ungeordnetes —— —=„— ——r —2 5——, ——jye,— — 231— Bergland, oder beſſer ausgedrückt, ein gegen 1000 Fuß erhobenes Plateau, welches hier und da von Einzelbergen überragt und viel⸗ fach unregelmäßig von Thälern durchſchnitten iſt, aber mit einer zuweilen bemerkbaren Hauptrichtung der Bergrücken und Thä⸗ ler aus Süd nach Nord. §. 470. Die Hauptmaſſe dieſes Plateau beſteht aus Buntſandſtein, unter ihm treten nur vereinzelt Zechſtein, Rothliegendes und Grauwacke hervor, darüber lagern in beſchränkter Ausdehnung Muſchelkalk, Keuper und Braunkohlengebilde, nur am nordweſt⸗ lichen Rande auch Glieder der Kreidegruppe. Alle dieſe Schichten ſind aber vielfach durchſetzt von Baſalt, der darüber zu ſchönen Kegelbergen aufragt und deshalb auch die mittlere Plateauhöhe am häufigſten und am meiſten überſteigt. §. 471. ₰ Den nördlichſten Theil unſeres Gebiets bildet der Sollinger Wald zwiſchen der Weſer, Werra und Leine. Dieſe einförmige, überall mit Wald bedeckte Höhe beſteht gänzlich aus Buntſand⸗ ſtein. Er erhebt ſich im Moosberg bis zu 1520 Fuß. Der weſt⸗ liche und ſüdliche Abfall des Solling gegen Weſer und Werra ſind ſteiler als der nördliche und öſtliche, nur ſanft gerundete Kuppen erheben ſich auf ſeinem Plateau um wenige Hundert Fuß. Ein flach muldenförmiges Thal ſcheidet ihn bei Neuhaus und Silberborn in zwei Hälften. Nur an ſeiner nordöſtlichen Grenze, zwiſchen Daſſel und Nordheim, iſt noch die Richtung der Weſer⸗ ketten in aufgerichteten Muſchelkalkſchichten deutlich erkennbar. Sein Inneres iſt außerordentlich arm an Orten, dagegen hat ſich an ſeinem äußern Rande ein Kranz von kleinen induſtriereichen Städten entwickelt, wie man ihn ſonſt gewöhnlich nur an höher aufſteigenden Gebirgen findet. In dieſem Kranz liegen: Stadt⸗ Oldendorf, Daſſel, Moringen, Hardegoſſen, Adelebſen, Uslar, Bodenfelde, Karlshafen, Beverungen, Höxter, Holzminden und Bevern. - 232— §. 472. Weſtlich vom Solling, jenſeit der Weſer, dehnt ſich eine breite, in ihren äußern Grenzen vielfach verzahnte Muſchelkalk⸗ platte aus, auf deren Höhe in flachen Thaleinſenkungen Brakel und Gehrden liegen; dann folgt als ſüdliche Fortſetzung des Teu— toburger Waldes eine von Horn bis nach Wrexen an der Diemel fortlaufende bewaldete Hügelkette, welche vorherrſchend durch Hils⸗ ſandſtein gebildet wird, der mit weſtlichem Fallen der Schichten an Juragebilde, Keuper oder Muſchelkalk angelehnt iſt. Die ſüd⸗ lichſte bedeutende Erhebung dieſer Hügelkette bildet die Egge. §. 473. Mit dieſer nordſüdlichen Erhebung und Schichtenaufrichtung in inniger Verbindung ſteht offenbar das intereſſante Erhebungs⸗ thal von Driburg, welches auf eine ſehr merkwürdige Weiſe dem von Pyrmont entſpricht. Nähert man ſich dem Driburger Thal von Nord, Oſt oder Süd her, ſo ſteigt man fortwährend ſanft gegen daſſelbe auf. Sobald man aber den Blick in daſſelbe werfen kann, befindet man ſich an einem Rande von ringförmig ſcharf abgeſchnittenen Höhen, welche mit verhältnißmäßig ſteilen Abfällen dem Innern des Thalgrundes zugekehrt ſind. Nur zwei Lücken durchbrechen dieſe Einfaſſung, durch welche der Fluß ein⸗ und ausſtrömt. Die Höhen überragen den 633 Fuß hohen Thalboden freilich nur um 400 bis 500 Fuß, ſind aber doch ſehr auffallend, und in dem Innern dieſes Keſſels, in welchem auch hier, wie bei Pyrmont, merkwürdige Heilquellen entſpringen, erhebt ſich hier wie dort ein 7⁵⁶ Latobarge Wala. 770 ina dem der auff ndet nen ern hen Die um. dem ont, ten — 233— iſolirter kleiner Muſchelkalkberg. Es iſt unverkennbar, daß das Hervortreten der kohlenſäurereichen Mineralquellen bei Pyrmont und bei Driburg unter ganz analogen geologiſchen Verhältniſſen ſtattfindet und an beiden Orten durch Zerſpaltung des Thalbodens bedingt iſt. §. 474. An die Muſchelkalkplatte von Brakel grenzt ſüdlich unmit— telbar die Warburger Börde an, eine flache, mit Keuperbildungen erfüllte Mulde, in deren Mitte Borgentreich liegt. An ihrem Rande tritt überall der Muſchelkalk hervor, welcher den mulden⸗ förmigen Ablagerungsboden für den Keuper bildet. Hier zeigen ſich nun aber auch ſchon eine Menge baſaltiſcher Durchbrüche, deren iſolirte Kegelberge öſtlich und ſüdlich immer häufiger werden. §. 475. Südweſtlich an den äußern Muſchelkalkſaum der Warburger Börde, welcher oft zu bewaldeten Höhen aufragt und vom Thal der Diemel durchſchnitten iſt, grenzt ein einförmiges Buntſand⸗ ſteingebiet an. Auf ihm liegen Rhoden, Arolſen, Freienhagen, Sachſenhauſen und Korbach, während an ſeiner Weſt⸗ und Süd⸗ grenze zwiſchen ihm und dem rheiniſchen Grauwackengebiet mehr⸗ fach Zechſtein an die Oberfläche tritt, ſo bei Stadt Bergen, Cor⸗ bach und Thalitter, wo eine breite Zunge des Grauwackengebiets weit in das Heſſenland hereinragt. §. 476. Von dieſer Grauwackenzunge ſüdlich wiederholt ſich eine ganz ähnliche Buntſandſteinlandſchaft bis zum Fuß des Vogelsgebirges hin, und in einer tiefen Bucht der ältern Grauwackenbildung finden wir bei Frankenberg abermals Zechſtein an die Oberfläche reichend, welcher hier zu nicht unbeträchtlichem Kubferſchieferberg⸗ bau Veranlaſſung gegeben hatt. §. 477. Wir haben den Buntſandſtein bereits als vorherrſchende For⸗ mation unſers ganzen Gebiets kennen gelernt. Zu beiden Seiten — 234— der Edder, der Schwabe und der Fulde von Alten⸗Mörſchen bis nach Kaſſel hinab iſt er wieder nur von einzelnen Baſaltkegeln unterbrochen. Dagegen umgrenzt ihn öſtlich ein ſchmaler Saum von Muſchelkalk, von Friedlos über Thalhauſen, Alten⸗Morſchen, die Feſte Spangenberg und Lichtenau bis nach Almerode, hinter welchem zwar abermals Buntſandſtein fortſetzt bis zum Thüringer Walde und zur Rhön, aber vielfach unterbrochen von Zechſtein, der z. B. zu dem Riegelsdorfer Kupferſchieferbergbau Veranlaſſung gegeben hat, und überlagert von Muſchelkalk⸗Rücken und Platten. §. 478. In der Senkung des Werrathals, zwiſchen Eſchwege und Witzenhauſen, tritt dann abermals eine große Partie Zechſtein an die Oberfläche, unter dem auch ein paar flache, meiſt unterirdiſche Grauwackenkuppen hervortauchen. Dieſer Zechſtein hat die Saline Allendorf bedingt. Hier in den Umgebungen von Eſchwege und Waldkappel zeichnet ſich unter den vielen kleinen, aber geologiſch höchſt intereſſanten Baſaltbergen(blaue Kuppe, Alpſtein u. ſ. w.) beſonders der Meißner durch Größe, Höhe und ſeine Braunkoh⸗ lenlager aus. Der Fuß dieſes ſchönen Berges beſteht nämlich öſtlich aus Buntſandſtein, weſtlich aus Muſchelkalk, darüber aber lagern ſchon ziemlich hoch oben Braunkohlenbildungen, welche überdeckt ſind von einer mächtigen Baſaltdecke, die mit einem Stiel durch ſie hindurchreicht und die lockern Schichten auf dieſe Weiſe vor Zerſtörung ſchützend gleichſam auf der Höhe feſtgena— gelt hat. Der Menſch aber läßt ſich durch dieſe Befeſtigung nicht irren, ſeit Jahrhunderten ſchon holt er das treffliche Brennmaterial unter der ſchützenden Baſaltdecke hervor, und hat auf dieſe Weiſe den 2240 Fuß hohen Berg von allen Seiten angenagt. §. 479. Sehr ähnlich ſind die Lagerungsverhältniſſe in dem Habichts⸗ walde bei Kaſſel, dieſem kleinen vorherrſchend baſaltiſchen Berg⸗ gebiet, welches in der Wilhelmshöhe am Fuße des Herkules etwa 1310 Fuß über den Spiegel der Fulda und 1730 Fuß über das Meer ——— — 235— aufſteigt. Nur ſind mit dem Baſalt hier viele Tuffbildungen und Conglomerate verbunden, welche letztere fremdartige Geſteins⸗ brocken enthalten, die der Baſalt offenbar aus der Tiefe mit emporgeführt hat. Außer den Braunkohlenlagern, welche viel⸗ fach abgebaut werden, finden ſich hier aber auch noch muſchel⸗ reiche marine Tertiärbildungen. 4 §. 480. Von Kaſſel nördlich dehnt ſich zu beiden Seiten der Fulda und Weſer im Rheinhardswald(bis 1200 Fuß hoch) und im Tielm⸗ kewald wieder einförmiger Buntſandſtein aus, hier und da über⸗ ragt von einzelnen kleinen Baſaltkuppen. Endlich haben wir an der Grenze gegen das Thüringer Becken noch das Leinethal zu berückſichtigen. Daſſelbe beſteht von Gandern bis Nordheim aus einer breiten Mulde von unge⸗ fähr nachſtehendem Querſchnitt. 8 8. 8 8 88 8 N 8 8 8 B 8 8 2 8 8 8 S 8 8 1 Paratt u, e K. Keuper. §. 481. Bedeckung durch diluviale und alluviale Bildungen findet im ganzen Lande nur in geringer Ausdehnung ſtatt, am meiſten noch in der Einſenkung ſüdweſtlich von Kaſſel. Erratiſche Felsblöcke ſind nicht bis in unſer Gebiet eingedrungen. §. 482. Unter den mehr oder weniger vom Boden abhängigen In⸗ duſtriezweigen dieſes Landes verdienen etwa genannt zu werden: der Kupferſchieferbergbau und der damit verbundene Kupferhüt— tenbetrieb bei Riegelsdorf und Frankenberg, die Braunkohlen— — 296— gruben am Meißner und im Habichtswalde, die Salzgewinnung bei Allendorf, Bodenfeld, Karlshafen, Büdingen u. ſ. w. An andern Mineralquellen ſind vorzugsweiſe zu nennen die in der Umgegend von Driburg(vergl. S. 232)), Godelheim, Höxter, Hof⸗Geismar, Wildungen. Die Benutzung des ausgezeichneten Thones bei Groß⸗Allme⸗ rode(beſonders zu Schmelztiegeln), ſowie die Eiſenverarbeitung und beſonders Stahlklingenbereitung im Solling; dieſe ſind mehr durch Holzreichthum als durch nahe Eiſenſteingruben veranlaßt. Bauſteine, Mühlſteine und Kalkſteine ſind für den Bedarf hinreichend vorhanden, aber nicht in ſo ausgezeichneter Qualität, daß ſie zum Ausfuhr⸗ gegenſtand würden. Den zu dieſem Zweck ſehr glücklich vertheil⸗ ten Baſalt benutzt man als gutes Straßenbaumaterial. §. 483. Durch ihre Lage ſind begünſtigt Kaſſel, Münden, Karls— hafen und Göttingen, letzteres inmitten eines breiten und frucht⸗ baren Thalkeſſels, obwol etwas dem Verkehr entlegen, wie denn überhaupt der große Verkehr Deutſchlands in Folge ſeiner geolo⸗ giſchen Lage dieſes Gebiet nur wenig berührt, da der Harz und die Weſerketten den Zugang von Norden, das Rheiniſche Schie⸗ fergebirge aber den von Weſten her etwas erſchweren. Die Frank⸗ furt-Leipziger Eiſenbahn iſt etwas gewaltſam hereingebogen wor⸗ den. Specieller haben Baſaltkegel und Muſchelkalkberge vielfach zu alten Befeſtigungen Veranlaſſung gegeben. §. 484. Die Bodenfruchtbarkeit iſt durchſchnittlich nur eine mittlere, deshalb und wegen Unebenheit ſind ſehr große Flächen mit Wald bedeckt. Die Wechſelwirthſchaft iſt durchaus die herrſchende. Trotz⸗ dem iſt die Bevölkerungszahl keine geringe, ſie beträgt in Nie⸗ derheſſen 3630, ſteigt im Fürſtenthum Göttingen auf 3813, um Warburg und im Fürſtenthum Grubenhagen aber auf 5700, während ſie unmittelbar daneben im ſtarkbewaldeten Holzmindener Kreis wieder auf 2980 herabſinkt, im Fürſtenthum Waldeck(gleich⸗ falls ſehr waldreich) ſogar bis auf 2580. V V V — ———— §. 485. Das Land der Katten gehörte nach dem Vertrag von Verdun zum öſtlichen Franken. Zur Zeit Maximilian's I. finden wir hier ſchon das Landgrafenthum Heſſen beinahe in der gegenwärtigen Ausdehnung des Kurfürſtenthums, nur drängt ſich ſüdlich das Gebiet von Fulda herein, und im Innern liegen unabhängige Parcellen zerſtreut. In der Reformationszeit gelangte Fulda zu Heſſen, aber die nördlichen Grenzen blieben unverändert und ſind es bis jetzt ge⸗ blieben, während im Süden eine willkürliche Abtrennung Heſſen⸗ Darmſtadts eintrat. Dieſe alten nördlichen Grenzen ſcheinen nun wirklich theilweiſe natürliche und geologiſch begründete zu ſein, beſonders in den Werragegenden, wo ſie oft mit den ſcharfen Grenzen der erhöhten Muſchelkalkplateaus zuſammenfallen. Ebenſo folgt die nordweſtliche Grenze gegen Weſtfalen ungefähr der Ver⸗ breitung des Brakeler Muſchelkalkplateaus. Der Harz. 2²2²) S. 486. Der Harz iſt unter allen das abgeſchloſſenſte und ſelbſtändigſte Gebirgsgebiet Deutſchlands. Seine Grenzen ſind überall orogra⸗ phiſch wie geologiſch ziemlich deutlich erkennbar. Dies gilt wenigſtens für das Harzgebirge im engern Sinne, während aller⸗ dings der aus aufgerichteten Flötzſchichten beſtehende äußere Rand deſſelben theilweiſe minder ſcharf von dem benachbarten Hügellande geſchieden iſt. §. 487. Die Grundfläche des Harzes ſtellt beinahe eine Ellipſe dar, deren lange Axe aus NW. nach SO. gerichtet iſt. Die Nord⸗ oſtſeite dieſer Ellipſe iſt aber plattgedrückt, oder es iſt hier ein Segment von ihr faſt geradlinig abgeſchnitten, ſodaß beinahe nur die Hälfte der ganzen Ellipſe übrig bleibt. Die lange Axe von Seeſen bis Hettſtädt mißt etwa 12 Meilen, der größte Querdurchmeſſer von Blankenburg nach Walkenried 4 Meilen. Den geſammten Oberflächenraum kann man auf 36 Quadratmeilen ſchätzen. ———— öböbö—öböböböböböbdbdbddo 1 — 238— 1§. 488. Die Baſis dieſes abgeſchloſſenen Gebirgsgebietes liegt an den Austrittsſtellen der Flüſſe aus dem Gebirge durchſchnittlich 680 Fuß über dem Meere. Auf der Südſeite etwa 100 Fuß höher als auf der Nordſeite(718 und 640 Fuß durchſchnittlich). Ueber dieſe Baſis erhebt ſich das Gebirge als eine zuſammen⸗ hängende Maſſe, ohne einen deutlichen Hauptrücken, nur mit einem Hauptgipfel, der auf ein erhöhtes Plateau aufgeſetzt iſt. Das Plateau des Harzes, deſſen Oberfläche oft nur flach gewellt, aber von einzelnen tiefen Thälern durchſchnitten iſt, ſteigt von Südoſt nach Nordweſt allmälig an. Am ſüdöſtlichen Ende erhebt es ſich nur etwa 900 bis 1000 Fuß über den Meeres⸗ ſpiegel, oder 300 bis 400 Fuß über ſeine Baſis. Von da ab ſteigt es aber langſam und erreicht in den Umgebungen von Klausthal eine mittlere Erhebung von 1800 Fuß über das Meer, oder 1100 Fuß über ſeine Baſis. Nach dieſer ungleichen Er⸗ hebung unterſcheidet man mit nicht genau beſtimmbaren Grenzen einen„Unterharz“ und einen„Oberharz“. §. 489. Ueber das allgemeine flachhügelige Plateau erheben ſich nun aber einige einzelne ſanft gewölbte Berge, die gleichſam auf daſ⸗ ſelbe aufgeſetzt erſcheinen. Der bedeutendſte darunter iſt der Brocken, welcher bis zu 3510 Fuß über das Meer aufſteigt, ſich alſo reichlich noch ein mal ſo hoch über das Plateau erhebt als dieſes über ſeine Baſis. Er iſt zunächſt von einigen kleinern Bergen umgeben, die mit ihm eine gemeinſame Gruppe bilden. §. 490. Dann zeigt ſich eine zweite auffallende Erhebung über das Plateau im Ramberg und der Roßtrappe(1751 Fuß und 1235 Fuß), und eine dritte im Auerberge bei Stollberg(1754 Fuß). Alle dieſe Bergkuppen unterſcheiden ſich auch in ihrer innern Zuſammen⸗ ſetzung von ihren niedrigern Umgebungen, wie denn überhaupt am — 239— Harz der Einfluß der Geſteinsnatur auf die Oberflächenform ganz beſonders deutlich hervortritt. §. 491. Der Harz iſt ſeiner Form nach ein ausgezeichnet charakteri⸗ ſtiſches Maſſengebirge mit wenig zertheilter Oberfläche. Ihn um⸗ gibt allſeitig jenes eigenthümliche Hügelland, welches wir auf zwei Seiten bereits kennen gelernt haben, in welchem überall die Richtung aus NO. nach SW. durch Faltung oder Berſtung der Schichten, wie durch äußere Oberflächenform(Hügelketten, Berg⸗ rücken und Längenthäler) deutlich ausgeſprochen iſt. Keine an⸗ dere Gegend Deutſchlands zeigt ähnliche Phänomene. §. 492. Die für den Meeresſpiegel berechnete mittlere Temperatur der Harzgegenden iſt 10⁰ Cent(= 80 R.), durch die factiſche ungleiche Erhebung wird dieſe aber natürlich in ſehr ungleichem Grade herabgedrückt, bei 600 Fuß Erhebung durchſchnittlich um 1° Cent ²³). Die Summe der atmoſphäriſchen Niederſchläge beträgt jährlich ungefähr 30 Zoll, iſt demnach größer als in den Um⸗ gebungen. §. 493. Der innere Bau des Harzgebirges iſt im Vergleich mit dem anderer Gebirge ziemlich einfach und beinahe regelmäßig. Seine Hauptmaſſe beſteht aus Grauwackenbildungen. An der durchſchnittlich am höchſten aufragenden und am ſteilſten ab⸗ fallenden Nordſeite ragen zwei Kernmaſſen von granitiſchem Ge⸗ ſtein aus der Tiefe empor durch die Grauwacke hindurch und bilden die Berggruppen des Brockens und des Ramberges. Wäre die Grundfläche voll ellipſenförmig, und alſo auch gegen Nordoſt mehr ausgebreitet, ſo würden dieſe beiden eruptiven Kernmaſſen ungefähr in den Brennpunkten der erhobenen Grauwackenellipſe liegen, ſo aber haben ſie offenbar die größere Höhe und Steilheit des nördlichen Randes veranlaßt.(Hierzu Tafel II.) — 240— §. 494. Zunächſt um dieſe beiden Granitkerne finden wir die Schie⸗ fer- und Sandſteine der Grauwackenformation mehrfach verändert, umgewandelt in Hornfels und eine Art Blatterſtein. Bemer⸗ kenswerth iſt es aber, daß nur ganz ausnahmsweiſe in dem tiefen Einſchnitt des Eckerthales auch ein gneisartiges Geſtein zunächſt am Granit vorkommt, während im Uebrigen den Granitkernen des Harzes jede Umhüllung von kryſtalliniſchen Schiefergeſteinen fehlt. Den Grund davon habe ich bereits früher darin geſucht, daß im Harz kein unterer oder mittlerer, ſondern ein oberer Gebirgs⸗ Querſchnitt dargelegt iſt. §. 495. Die petrographiſche Zuſammenſetzung der ungemein mächti— gen Grauwackenbildung iſt hier wie im übrigen Deutſchland eine ſehr einförmige. Grauwackenſchiefer, zuweilen in regelmäßigen Dach- oder Tafelſchiefer übergehend, wechſelt vielfach mit fein⸗ körnigem Grauwackenſandſtein. Dieſe Verbindung bildet durch⸗ aus die Hauptmaſſe des Harzgebirges. Untergeordnet treten aber zwiſchen dieſen Schichten folgende ihnen zugehörige Geſteine auf: 1) Quarzit, ein ſehr quarziges und darum feſtes ſandſteinarti⸗ ges Geſtein, welches wegen ſeiner größern Feſtigkeit ge⸗ wöhnlich über den Schiefer hervorragende Kuppen oder Bergrücken bildet, ſo z. B. den zu 2700 Fuß aufſteigenden Bruch⸗ und Ackerberg bei Klausthal. 2) Conglomeratartige Sandſteinſchichten. 3) Kieſelſchiefer, welcher wie der Quarzit wegen ſeiner Feſtig— keit gewöhnlich Rücken, Kämme oder Kuppen bildet. 4) Alaunſchiefer, welcher z. B. bei Goslar und bei Harzgerode zu bedeutenden Abbauen Veranlaſſung gegeben hat. 5) Kalkſtein bildet um Elbingerode und Rübeland, ſowie ober⸗ halb Grund, ſehr mächtige Einlagerungen, deren erſtere ſehr bekannt ſind durch Marmorbrüche und Tropfſteinhöhlen. 6) Roth⸗ und Brauneiſenſteinlager, die mehrfach abgebaut werden.. —— — 241— §. 496. Der größere Theil der harzer Grauwacke gehört nach Römer's Unterſuchungen der devoniſchen Formation an, und das Wenige, was ſiluriſch iſt, unterſcheidet ſich nicht weſentlich und allgemein durch einen andern Geſteinscharakter. Ueberhaupt hat die ſpecielle Unterſcheidung einzelner Forma⸗ tionsglieder der Grauwacke, wie ſie gegenwärtig durch geologiſch ſehr dankenswerthe Arbeiten Römer's nach ihrem paläonthologi⸗ ſchen Charakter unternommen worden iſt, für unſere Zwecke zu⸗ nächſt noch keinen großen Werth. §. 497. Schon Hausmann hat gezeigt, daß die Lagerung, Schichtung und Schieferung der Grauwacke am Harz weder der Hauptaxe des Gebirges, noch den Rändern der Granitkerne entſpricht, ſon⸗ dern unabhängig von beiden vorherrſchend der Richtung aus SW. nach NO. folgt, alſo einen gewiſſen Parallelismus zeigt mit der Richtung des Erzgebirges, ſowie mit den Schichten im öſtlichen Thüringer Wald und im Rheiniſchen Schiefergebirge. Dieſelbe Ablagerung ſcheint in allen dieſen Gegenden zur ſelben Zeit und durch dieſelbe Kraft auf gleiche Weiſe aufgerichtet wor⸗ den zu ſein, unabhängig von dem ſpätern localen Emporſchieben einzelner Gebirgsgebiete. §. 498. Alle die genannten Grauwackenbildungen des Harzes ſind nun, außer von den beiden Granitmaſſivs, auch noch von vielen kleineren Eruptivmaſſen durchbrochen und zum Theil förmlich durch⸗ drungen worden, beſonders von Grünſteinen mancherlei Art(Dia⸗ bas, Diorit, Aphanit, Euritporphyr, Gabbro und Serpentin). Gewöhnlich haben auch dieſe Geſteine, wie der Granit, durch ihre größere Feſtigkeit kleine hervorragende Kuppen oder Felsriffe gebildet. Einige derſelben ſind zunächſt umgeben von Hornfels, der offenbar durch ihre Einwirkung auf die Thonſchiefer entſtanden iſt. Bei andern finden ſich an der Grenze Eiſenſteine und andere zum Theil ſelenhal⸗ tige Erzbildungen, ſo beſonders in den Umgebungen des Selkethales. Cotta, Deutſchlands Boden. 16 — 242— §. 499. Quarzporphyr findet ſich innerhalb des harzer Grauwacken⸗ gebietes nur einmal und zwar beſteht aus ihm der Auerberg bei Stollberg, welcher, wie wir geſehen haben, die dritte und kleinſte auffallende Hervorragung über das gewöhnliche Niveau des Grau⸗ wackenplateaus bildet. §. 500. Dagegen ſind die Grauwackengeſteine in mehren Regionen von Eiſenſtein⸗ und andern Erzgängen durchſetzt, welche an der Oberfläche in der Regel keine beſondern Phänomen hervorrufen, wol aber vielfach zu Bergbau Veranlaſſung gegeben haben. §. 501. Wenden wir uns nun von dieſer Zuſammenſetzung des Harz⸗ gebirges im engeren Sinne zu ſeinen äußeren Rändern, die in der Regel als etwas ſchon orographiſch Abgeſondertes, wiewol dem Gebirge noch Zugehöriges erſcheinen. Sie beginnen überall mit der Grenze des Grauwackengebiets, und beſtehen aus Rothliegen⸗ dem mit Einlagerungen von Steinkohle,(durchbrochen von Por⸗ phyren) Zechſtein mit Gyps, Buntſandſtein, Muſchelkalk, Jura und Kreidegliedern. Dieſe Formationen ſind aber nicht überall und gleichmäßig alle vorhanden, ſondern ungleich vertheilt. §. 502. Das Rothliegende umgibt vorzugsweiſe den ſüdöſtlichen Theil des Harzes. Hier läßt es ſich als ein ungleich breiter Saum von Lauterberg über Ilefeld, Rottleberode und Mannsfeld bis Ballenſtedt verfolgen. An mehren Orten enthält es in ſeiner untern Abtheilung graue Schieferthone mit Pflanzenabdrücken und Kohlenlager, welche aber nach Anſicht der Geologen nicht zur eigentlichen Steinkohlenformation gehören, ſondern etwas neuerer Entſtehung ſind, ſo bei Ilefeld, Neuſtadt und Ballenſtedt, an beiden Localitäten in Einbuchtungen des Grauwackengebietes gela⸗ gert. Die obere Abtheilung des Rothliegenden beſteht wie gewöhnlich — daty die in ol dem lll wit ſicgen⸗ Por⸗ ura ¹ 4 Thel SSaun nd bi ſeine⸗ 31 und zur zruerer 1 an ajglle⸗ ohrüih 2 dberil — 243— aus groben Conglomeraten. Zwiſchen den kohlenführenden Schich⸗ ten und den Conglomeratbildungen tritt bei Ilefeld eine Gruppe von maleriſchen Porphyrbergen hervor, welche durch ihre Höhe ſich noch vollſtändig dem eigentlichen Harzgebirge anſchließen, in ihrer Form aber bedeutend von den einförmigen Grauwackenpla⸗ teaus abweichen. Es ſind theils quarzführende, theils quarzfreie Porphyre. Die letztern enthalten als Mandelſteine zum Theil ſehr ſchöne Achate. Beide werden von Manganerzgängen durch⸗ ſetzt, die zugleich Schwerſpath führen. Eine ähnliche Gruppe von Porphyrbergen erhebt ſich auch bei Sachſa, hier aber zwiſchen dem Rothliegenden und der Grau⸗ wacke, im Ravensberg bis zu der Meereshöhe von 2030 Fuß aufſteigend. §. 503. Die Zechſteinformation umgibt den Harz meiſt wallartig und in größerer Ausdehnung als das Rothliegende, nämlich von Seeſen an auf der ganzen Weſt-, Süd⸗ und Oſtſeite zuſammen⸗ hängend bis in die Gegend von Ermsleben. Spuren von ihr erkennt man zwiſchen den übrigen ſteil aufgerichteten Schichten des Nordoſtrandes ſelbſt noch bei Ilſeburg, nur in der Gegend von Goslar ſcheint ſie an der Oberfläche gänzlich zu fehlen. In ihrem Verlaufe macht ſie, durch einen Ausläufer des Rothliegen⸗ den gezwungen, bei Eisleben einen großen Bogen in das Thü— ringiſche Becken hinein und in dieſer Gegend iſt es gerade, wo ihre unteren kupfer⸗ und ſilber⸗erzhaltigen Schichten(Kupfer⸗ ſchiefer und Sanderz) bei flacher Lage zu einem ſehr ausgedehn⸗ ten Bergbau Veranlaſſung gegeben haben. In ihrer oberen Ab⸗ theilung herrſchen am Harzrand Stinkſtein und mächtige Gyps⸗ maſſen, welche letztere zuweilen als ſchneeweiße Hügelketten(700 bis 1200 Fuß hoch über dem Meerresſpiegel aufſteigend) parallel vor dem inneren Harzrande liegen; der Gyps war urſprünglich mit Steinſalz verbunden, iſt es in der Tiefe wol noch. In der Nähe der Oberfläche iſt daſſelbe aber nach und nach durch Auswaſchung gänzlich zerſtört und dadurch ſind ſowol unterir⸗ diſche Höhlenräume, ſogenannte Gypsſchlotten, als durch deren 16* — 244— Einbruch äußerlich trichterförmige Erdfälle und thalartige Senkun⸗ gen ohne Waſſerlauf entſtanden. §. 504. An der Weſt⸗, Süd⸗ und Oſtſeite hört mit dem Zechſtein die Region auf, welche man paſſender Weiſe noch zu dem äußeren Harzrande rechnen kann. Mit dem Buntſandſtein beginnt hier ein anderer Charakter der Oberflächenform und zwar größtentheils die niedere Region der Güldenen Aue. Das iſt anders auf der Nordſeite; dort tre⸗ ten auch die neueren Ablagerungen bis zur Kreidegruppe aufwärts entſchieden mit in den Gebirgsrand ein. §. 505. Die Urſache von dieſer Verſchiedenheit iſt offenbar die Un⸗ gleichartigkeit der Gebirgserhebung und Schichtenaufrichtung. Die Harzmaſſe iſt an ihrer Nordſeite energiſcher und höher erhoben als an ihrer Südſeite. Südlich ſind darum die benachbarten Schichten nur wenig aus ihrer urſprünglichen Lage gebracht, ſie fallen flach und je mehr entfernt um ſo flächer vom Gebirge ab. Ihre einzelnen Zonen treten deshalb ziemlich breit hervor, und jenſeit der Zechſteinzone ſind nur noch geringe Spuren von Auf⸗ richtung bemerkbar. Auf der Nordſeite dagegen ſind die angren⸗ zenden Schichten ſteil, zum Theil ſenkrecht oder überhängend ge⸗ ſtellt. Jede einzelne Zone iſt darum kaum breiter als die Mäch⸗ tigkeit der Ablagerung und die Wirkung der Erhebung hat ſich⸗ durch das ganze Schichtenſyſtem bis zum oberen Quaderſandſtein fortgepflanzt oder vielmehr ſichtbar erhalten, während ſüdlich die einſt auch mit, nur ſchwächer, aufgerichteten neueren Ablagerungen, zunächſt am Gebirgsrande zerſtört ſind.(Vergl. Taf. II.) §. 506. Streng genommen reichen freilich die Wirkungen der Erhe⸗ bung des Harzes auf allen Seiten noch viel weiter, denn man muß das ganze gefaltete Land der Weſerketten, der nördlichen Vorhügel, und gewiſſe ſpäter zu beſprechende Erhebungslinien im M — 245— Thüringer Becken als Folgen davon oder wenigſtens als von einer gemeinſamen Urſache herrührend betrachten, hier haben wir es aber zunächſt nur mit der unmittelbaren Randbildung zu thun, die als ein paralleler Aufwurf oft wallartig unmittelbar um das Hauptgebirge verläuft. §. 507. Auf dieſe Weiſe randlich aufgerichtet, ſteil geneigt, ſenkrecht oder ſogar überhängend finden wir alſo am Nordrande des Harzes Rothliegendes und Zechſtein(nur bis Ballenſtedt deutlich), Bunt⸗ ſandſtein, Muſchelkalk, Keuper, Leias, Jura, Hilsſandſtein, Pläner, Flammenmergel und Quaderſandſtein. Der Keuper fehlt in die⸗ ſem Rande oft ganz, obwol er in dem Hügellande daneben hin⸗ reichend entwickelt iſt. Die weiche Natur ſeiner Mergel ſcheint die Urſache dieſes örtlichen Fehlens zu ſein, mögen dieſe nun ge— waltſam zwiſchen den härteren Schichten herausgequetſcht, oder ſpäter durch Waſſer ausgeſchwemmt worden ſein. Daſſelbe gilt vom Hilsthon. Die Reihe der genannten Schichten iſt aber über⸗ haupt ungleich vollſtändig in den einzelnen Regionen, am voll⸗ ſtändigſten in der Gegend von Goslar, vielleicht weil dort Roth⸗ liegendes und Zechſtein fehlen, alſo die neueren Schichten dicht an der Grauwacke beginnen und ſämmtlich in der Breite der randlichen Aufrichtungsſphäre Platz finden. .§. 508. Es bleibt uns nun noch übrig, eine ganz jugendliche Bil⸗ dung zu erwähnen, welche hier und da die Oberfläche des Harzes bedeckt und überdies einigen Nutzwerth beſitzt. Ich meine die Ablagerungen von Torf, welche beſonders in den Umgebungen des Brockens und beinahe auf ſeinem Gipfel— auf der Heinrichs⸗ höhe 3190 Fuß über dem Meere— ſehr mächtig und ausge⸗ dehnt gefunden werden. §. 509. Dies alſo iſt der geologiſche Bau des Harzes. Sehen wir nun, welchen bemerkenswerthen Einfluß derſelbe auf die Geſtaltung des Lebens an ſeiner Oberfläche übte und noch übt. — 226— Unter den aufgezählten Geſteinen ſind einige als ſolche nutz⸗ bar. Der Granit des Brockengebietes wird ſeit Herſtellung der Harzburger Eiſenbahn im Bodethale in großer Menge gebrochen und iſt neuerlich ſogar um ganz Dänemark herum zu einem Brückenbau nach Dirſchau bei Danzig geführt worden. Die Grünſteine liefern gutes Straßenbaumaterial und zu dieſem Zweck werden, gleichfalls ſeit Herſtellung der Harzbahn, im Radauthale oberhalb Harzburg ungeheure Quantitäten eines gabbroähnlichen Diabaſes gewonnen, der nun auf allen Straßen des Herzogthums Braunſchweig den früher angewendeten Muſchel⸗ kalk verdrängt hat. Obwol dieſe Steine in den entlegenen Lan⸗ destheilen um ein Vielfaches theurer zu ſtehen kommen als der benachbarte Kalkſtein, ſo hat ſich dennoch ihre Verwendung wegen ihrer Feſtigkeit ſelbſt pecuniär vortheilhaft bewährt. Der Thonſchiefer wird, wo er beſonders ebenſchieferig iſt, in eini⸗ gen großen Steinbrüchen als Dachſchiefer gewonnen. Ebenſo der Alaunſchiefer zur Alaunbereitung, bei Goslar und Herzberg. Grau⸗ wackenſandſtein liefert brauchbare Bauſteine, einiger ſogar Geſtell⸗ ſteine, die aber beſſer aus fein zermahlenem Thonſchiefer künſtlich hergeſtellt werden. Den dunkeln Grauwackenkalkſtein von Elbingerode verarbei⸗ tet man in einer beſondern Marmorſchleiferei zu Tiſchplatten, Leichenſteinen, Gefäßen und allerlei Spielereien. Unter den Ge⸗ ſteinen des Randes wird der Gyps am vielartigſten benutzt, der weiße und feinkörnige als Alabaſter zu Gefäßen und andern Kunſt⸗ gegenſtänden, der übrige als Düngematerial und zu Bereitung von Stukk. Die Benutzung der Kalkſteine, Sandſteine und Porphyre des äußeren Gürtels entſpricht der in der früher be⸗ ſchriebenen entfernteren Umgebung des Harzes. §. 510. Unter den Erzlagerſtätten ſind beſonders dreierlei wichtig. Die bleiiſchen Silbererzgänge des Oberharzes(Goslar, Klaus⸗ thal, Zellerfeld, Andreasberg), die Eiſenſtein⸗Gänge und Lager im Grauwackengebiet, und der Kupferſchiefer der Zechſteinforma⸗ tion. Was bei Ilefeld an Braunſtein gewonnen wird, iſt kaum — 247— nennenswerth, ebenſo iſt der Silbergangbergbau des Unterharzes ziemlich unbedeutend. Alle zuſammengenommen haben aber eine große Zahl von berg⸗ und hüttenmänniſchen Anſtalten hervor⸗ gerufen und dem geſammten Harzleben einen eigenthümlichen berg⸗ männiſchen Charakter verliehen. Es iſt aber auch der Harz die⸗ jenige Gegend des deutſchen Mittellandes, in welcher der älteſte Bergbau betrieben worden iſt. Der Bergbau hat frühzeitig Be⸗ wohner auf die an ſich wenig anziehenden Höhen hinauf gelockt. Ohne den Bergbau wäre ſicher kein Klausthal und Zellerfeld auf kahler Höhe 1800 Fuß über dem Meere, und ſchwerlich Andreas⸗ berg erbaut worden; ohne den Bergbau fänden wir kein gaſtliches Dach in Schierke oder in Elend. Harzer Bergleute ſollen es geweſen ſein, welche zuerſt die Umgegend von Freiberg bergmän⸗ niſch bevölkerten, und ſeit Jahrhunderten ſind ſie auch über den Ocean geſegelt, um in Peru und in Mexico dem Meſtizen wie dem rothhäutigen Indianer Anleitung in unterirdiſcher Kunſt zu geben. §. 511. Außer dem Metallbergbau finden ſich am Rand des Gebir⸗ ges bei Ilefeld und Ballenſtedt auch Kohlengruben, ihr Aus⸗ bringen iſt aber nicht von großer Bedeutung. Beinahe ebenſo wichtig ſind die vielen Torfſtechereien auf der Höhe des Gebirges, die nur leider ſehr mit Ungunſt der Witterung zu kämpfen haben. Könnte man den friſchgeſtochenen Torf des Brockengebietes auf einer billigen Schienenbahn, durch eigene Schwere die leeren Wagen heraufziehend, in tiefere, minder feuchte Regionen hinabgleiten laſſen, um ihn dort zu trocknen, ſo würde möglicher Weiſe ein größerer Gewinn aus den mächtigen Ablagerungen zu ziehen ſein. §. 512. Zu dem Bergbau mit ſeinem hüttenmänniſchen Gefolge ge⸗ ſellt ſich am ganzen Oberharz als vorherrſchend der Waldbau. Hohe Lage und Bodenform machen ihn nebſt Weidegrund zu der faſt allein rentirenden Culturform. Da aber das Holz hier in große Flächenräume zuſammengedrängt iſt, ſo hat dieſer Um⸗ ſtand zugleich die Waldköhlerei in bedeutender Ausdehnung her⸗ — 248— vorgerufen, durch welche ſein Brennwerth leichter transportirbar wird. Wo nicht der Bergmann ſein Fänuſtel ſchwingt oder der Hüttenmann Erze ſchmelzt, begegnet man dampfenden Kohlen⸗ meilern, Waldarbeitern aller Art und einſamen Hirten, die mit helltönenden Glocken geſchmückte Viehheerden weit in die Wälder hineintreiben. Bis zu 1400 Fuß über dem Meer, und nament⸗ lich am ſogenannten Unterharz, gedeihen überall die herrlichſten Laubwälder, darüber aber weichen ſie den abgehärtetern Fichten. §. 513. Ein regeres Leben, eine dichtere Bevölkerung entwickelt ſich rings am Fuß des Harzes, da liegen eine Menge nette Städtchen, die, ſich an die Berge lehnend, den Verkehr zwiſchen Gebirge und Ebene vermittelnd, gerade aus dieſer zugleich meiſt ſehr romantiſchen Lage Vortheil ziehen, ſo Blankenburg, Wernigerode, Ilſenburg, Neuſtadt, Goslar, Seeſen, Oſterode, Herzberg, Sachſa, Walkenried, Ellrich, Ilefeld, Nordhauſen, Sangerhauſen, Mans⸗ feld, Hettſtedt, Ermsleben, Ballenſtedt, Gernrode und Quedlinburg. Nicht nur erblühen in ihnen mancherlei vom geologiſchen Bau und von nutzbarer Waſſerkraft abhängige Induſtriezweige, ſondern ſie ſind auch mehr und mehr die Zielpunkte der Erho⸗ lung geworden. Gar manche wohlhabende Familien der großen Städte Norddeutſchlands, denen die Alpen noch zu entlegen ſind, wählen einen dieſer Orte zu ihrem Sommeraufenthalt, und eine große Zahl von Vergnügungsreiſenden pilgert überdies jeden Sommer von einem zum andern und von da nach den höhern Gebirgsgegenden, nach der maleriſchen Felſenpartie der Roßtrappe, nach den Teufelsmühlen auf dem Ramberg oder nach dem kahlen Gipfel des Brockens, wo freilich neidiſche Nebel gar oft die ohnehin nicht ſehr formenreiche Fernſicht verhindern. Auch ſchwache Mine⸗ ralquellen entſpringen hier und da, wie zu Alexisbad, dem Gebirge. §. 514. Sehr abweichend von dem ſogenannten oberharzer Gebiet, in welchem Wald⸗ und bergmänniſches Leben durchaus vorherr⸗ — 249— ſchen, iſt der Charakter des Anbaues in dem ſüdöſtlichſten Theile des Gebirges. Schon faſt in der Gegend von Friedrichshöhe nimmt dieſe einförmige Fläche ihren Anfang. Sie erſtreckt ſich von dort auf beide Ufer der obern Selke, zwiſchen Günthersberge und Alexis⸗ bad, gegen N. bis an die Baſis des Ramberges und gegen S. bis an jene des Auerberges. Aus den Umgebungen von Harz⸗ gerode gegen O. aber verbreitet ſie ſich in ihrer größten Längen⸗ ausdehnung in der Richtung auf Hettſtedt, reichlich noch 3 geogr. Meilen weit. Dort iſt es auch, wo dieſe Ebene, ihres ſchon beträchtlich geringern Niveaus wegen, in hohem Grade täuſchend den Charakter von den Ebenen des Tieflandes an ſich trägt. Ermüdende Strecken weit bewegt man ſich hier von O. her, wiewol mitten im Berglande, mit auf allen Seiten wag⸗ recht abgeſchnittenem Horizont, ohne Ausſicht auf benachbarte tiefer oder höher gelegene Punkte zwiſchen Kornfeldern und Dör⸗ fern, oft ohne Wieſen und Wald, und ſtets ohne Bergbäche. Frei auf der kahlen Fläche endlich liegt noch Harzgerode ſelbſt, doch werden wir, nur um ein Weniges jenſeits gegen W., über⸗ raſcht, uns am Rande des Selkethales mit dem Blick in die Tiefe auf dem Gipfel hoher Berge zu finden. §. 515. Die Bevölkerung des Harzes iſt nicht ſo übermäßig wie in manchen Theilen des Thüringer Waldes und des Erzgebirges. Sie beträgt im Oberharz wenig über 3000 auf die Quadratmeile, ſinkt in der Grafſchaft Hohnſtein und im Blankenburger Kreis (wo weder ergiebiger Bergbau noch viel Feldbau vorhanden) auf 2800 und 2600 herab, ſteigt aber im öſtlichſten und niedrig⸗ ſten Theile bis auf 3300. §. 516. Alle Hauptverkehrsſtraßen haben natürlich ein ſo kleines und leicht zu umgehendes Gebirgsgebiet von je her gemieden. Alle Wege haben hier nur den Zweck, den Rand mit dem Innern hhhhhhhhhnnupd¶nn—· — 250— zu verbinden. Eine größere Stadt fehlt unter dieſen Umſtänden im Innern des Gebirgslandes gänzlich. §. 517. Der Harz iſt nicht arm an hiſtoriſchen Erinnerungen, wem wären nicht die alten Kaiſerſitze Goslar und Harzburg bekannt! Seinen Rand umgürtet gleichſam ein Kranz alter Burgen, die kühn nach dem niedern Hügellande hinausblicken, und dieſe feſten Plätze der Vorzeit haben wol mit beigetragen zu der be⸗ deutenden politiſchen Zerſplitterung des Gebietes, welche an manchen Punkten ſo weit geht, daß Holz und Boden oder Wald und Jagd verſchiedenen Landesherren zugehören. Der Baccensis silva bildete in ſeinem wenig bewohnten Zu⸗ ſtande lange Zeit nur eine Grenzmarke zwiſchen Gebieten, ſo zwiſchen Saxonia und Francia austria oder ſpecieller zwiſchen North-Turingia und Suth-Turingia. Unter den Hohenſtaufen finden wir ihn aber ſchon mehrfach getheilt, da alle Nachbarn auch etwas von dem reichen Jagdlande und von den bergmänniſchen Schätzen des Gebirges für ſich ha⸗ ben wollten. Dieſe Theilung und Zerſplitterung hat ſich bis in die Reformationszeit eher vermehrt als vermindert, und noch ge⸗ genwärtig ragen von allen Seiten kleine Zipfel der angrenzenden Länder in ſein Gebiet herein, während er am naturgemäßeſten ganz zu Hannover gehört, beſonders in dem Falle, wenn dieſem einſt Braunſchweig zufallen ſollte. Dann wird es übrigens mehr als jetzt möglich ſein, durch einheitliche Leitung dem Berg- und Waldbau, dem Eiſenhütten⸗ weſen wie der geſammten naturwüchſigen Induſtrie dieſes kleinen Gebirgslandes einen immer höhern Aufſchwung zu geben. Das Thüringer Becken. 24) §. 518. Ich verſtehe darunter das Land zwiſchen dem Harz und dem Thüringer Wald, weſtlich ungefähr durch die Leine, und öſtlich durch die Saale begrenzt. Es beſteht daſſelbe aus einer Vereini⸗ —„— —,., da dem ſlich teini gung mehrer kleinerer Becken, welche durch Hügelketten oder flache Plateaus voneinander getrennt ſind. Im Mittel erhebt es ſich etwa 600 bis 700 Fuß über den Meeresſpiegel, an ſeinen höchſten Stellen(z. B. im Ettersberg) 1440 Fuß, während der Spiegel der Saale bei Halle nur noch 280 Fuß über dem Meere liegt. Seine meiſten Gewäſſer fließen öſtlich der Saale zu, weni⸗ gere weſtlich der Werra und Leine. Beide Flußgebiete ſind aber durch keinen auffallenden Höhenzug voneinander getrennt, ſon⸗ dern bei Gotha beinahe urſprünglich und künſtlich durch den Leinekanal miteinander verbunden. §. 519. Die auf den Meeresſpiegel reducirte mittlere Temperatur dieſes Landſtriches iſt ungefähr= 100 Cent.(= 80 R.) die wirkliche natürlich etwas niedriger je nach den Niveauverhältniſſen. Die Summe der atmoſphäriſchen Niederſchläge beträgt jährlich ungefähr 20 Zoll, im Norden und Weſten des Gebietes etwas mehr, bis 30 Zoll.§. 520. Der allgemeine geologiſche Bau entſpricht der Oberflächen⸗ form, es herrſchen nur Flötzformationen vor, die im Allgemeinen horizontal liegen, an den Gebirgsrändern aber und in mehren Erhebungslinien oft ſtark aufgerichtet ſind. Dieſe Formationen ſind von unten nach oben: 1) Rothliegendes, 2) Zechſtein, 3) Buntſandſtein, 4) Muſchelkalk, 5) Keuper, 6) Leias in ſehr beſchränkter Ausdehnung, 7) Braunkohlengebilde, 8) Diluvial⸗ und Alluvialgebilde. Ich will zunächſt ihre locale Gliederung und Verbreitung näher betrachten, um dann in dieſem mir zufällig ziemlich genau bekannten Lande ihre Einwirkungen etwas ausführlicher darzu⸗ ſtellen, als dies bei den früheren Beiſpielen geſchehen iſt, — 252— §. 521. Das Rothliegende tritt vorherrſchend nur an und in den beiden einſchließenden Gebirgsketten an die Oberfläche und ge⸗ hört da noch ganz zu den Gebieten des Harzes und des Thü⸗ ringer Waldes. An zwei Stellen ragt es jedoch auch im Innern des Beckens unter den neuern Formationen hervor, nämlich am Kiffhäuſer und bei Bottendorf an der Unſtrut. Nur am Kiff⸗ häuſer verdient es durch ſeine Ausdehnung Beachtung. Es bil⸗ det ganz weſentlich dieſe iſolirte, reich bewaldete Berggruppe, die rings von fruchtbaren Auen umgeben iſt. Braunrothe Conglomerate und grobkörnige Sandſteine von ähnlicher Färbung, beide oft verkieſelte Stämme von Baumfarren einſchließend, ſetzten die Formation zuſammen, die nördlich unmittelbar auf granitiſchem, ſyenitiſchem und dioritiſchem Geſtein lagert, ſüdlich aber von Zech⸗ ſtein mit viel Gyps überdeckt iſt. Die Conglomerate wie die Sand⸗ ſteine werden in großen Steinbrüchen gewonnen, theils als Bau⸗ ſteine, theils als Mühlſteine. Unter ihnen kann möglicher Weiſe bei noch höhern Brennmaterialpreiſen die Kohlenformation durch bergmänniſche Arbeiten aufgeſchloſſen werden. Dem Feldbau ſind dieſe Geſteine ſchon wegen der Unebenheit ihrer Oberfläche nicht beſonders günſtig, dagegen gedeihen auf ihnen die üppigſten Laubholzwälder. §. 522. Die Verbreitung der Zechſteinformation iſt ſehr ähnlich der des Rothliegenden, auch ſie gehört vorherrſchend noch zu den benachbarten Gebirgsgebieten und nur am Kiffhäuſer ſowie in deſſen ſüdweſtlicher Verlängerung tritt ſie unter den neuern Ab⸗ lagerungen hervor. Sie beſteht hier von unten nach oben aus Weißliegendem, Kupferſchiefer, Stinkſtein und Gyps. Der Kupfer⸗ ſchiefer und das Weißliegende, welche an den Rändern des Har⸗ zes und des Thüringer Waldes zu einem ſo bedeutenden Bergbau Veranlaſſung gegeben, ſind auch am Kiffhäuſer in alter Zeit viel⸗ fach abgebaut und auf Kupfer verſchmolzen worden, unzählige Halden und Bingen bezeichnen darum die Gegend, wo ſie der —————— = — 253— Oberfläche nahe kommen, und es iſt allerdings einige Hoffnung vorhanden, daß man ſie mit Vortheil auch noch in größere Tiefe verfolgen und da künftig abbauen könne. Der den Kupferſchiefer zunächſt bedeckende bituminöſe Mergelſchiefer und Stinkſtein bil⸗ den einen fruchtbaren, auch für Feldcultur ganz geeigneten Boden, ſo in der Umgegend von Roßleben. Am Kiffhäuſer iſt ſeine Oberfläche meiſt zu uneben und überdies der Streif dieſer Ge⸗ ſteine zwiſchen dem Rothliegenden und Gyps verhältnißmäßig nur ſchmal. §. 523. Ein ſehr ſonderbares Terrain erzeugt die mächtige Gypsbil⸗ dung des Zechſteins, wo ſie wie am Kiffhäuſer in beträchtlicher Ausdehnung die Oberfläche erreicht. Da erheben ſich lauter kleine oft regelmäßig kegelförmige Kuppen und zwiſchen ihnen ſenken ſich trichterförmige Löcher ein. Dieſe Formen ſind alle Folgen von äußern oder innern Waſſerauswaſchungen. Die Vegetation iſt eine ſehr ſparſame und meiſtentheis leuchten die weißen Gyps⸗ maſſen unbedeckt an die Oberfläche hervor. Der Gyps ſelbſt wird benutzt als Düngematerial, als Stukk und in ſeinen rein⸗ ſten Varietäten als Alabaſter. Mit ihm verbunden ſind aber auch noch mächtige ſtockförmige Einlagerungen von Steinſalz, welche die Salinen von Frankenhauſen, Artern und Köſen, vielleicht auch die von Sulze hervorgerufen haben. Der Verſuch, das Steinſalz bei Artern durch einen Schacht aufzuſchließen, iſt bis jetzt noch an den Schwierigkeiten der Ausführung geſcheitert. §. 524. Der Buntſandſtein zeigt ſchon eine weit größere Ver⸗ breitung und man kann wol behaupten, daß der geologiſche Charakter des Thüringer Beckens weſentlich durch die Formatio⸗ nen der Triasgruppe: Buntſandſtein, Muſchelkalk und Keuper, bedingt werde, gegen ſie treten alle andern Geſteinsbildungen in den Hintergrund. Der Buntſandſtein nimmt zunächſt eine breite Zone ſüdlich vom Harz ein, wo er erſt im Eichsfeld, in der Hainleithe, — 254— Schmücke und Finne von Muſchelkalk überlagert wird. Dann bildet er von Halle aufwärts die Ufer der Saale bis Naumburg und breitet ſich von da ſüdlich bis zu dem Oſter⸗ und Voigt⸗ ländiſchen Grauwackengebiet aus. Mit geringer Unterbrechung bildet er von hier aus noch einen ungleich breiten Saum am nord⸗ öſtlichen Fuß des Thüringer Waldes bis nach Wartha an der Werra. Endlich iſt er auch noch zwiſchen Blankenhain und Hohenfelden durch locale Zerſtörung der Muſchelkalkplatte in einer Art von Erhebungsthal freigelegt. §. 525. Es beſteht derſelbe in ſeiner mächtigern untern Abtheilung aus röthlichen, gelblichen, weißen oder buntgefärbten Sandſteinen, welche durch braunrothen Schieferthon vom Zechſtein getrennt ſind, mit localen Einlagerungen von Rogenſtein und von Schie⸗ ferthon, darüber aus einem vielfachen Wechſel von rothem und grünlichem Schieferthon mit Gyps, Hornſtein und Dolomit. Dieſer obere Theil iſt ſehr paſſend wegen der vorherrſchenden braunrothen Färbung mit der Benennung„Röth“ belegt wor⸗ den, am bezeichnendſten iſt in demſelben oft eine mächtige Gyps⸗ bank zunächſt auf dem Sandſtein, welche hier und da auch ſalz⸗ führend zu ſein ſcheint.§. 526. Von dieſen Geſteinen liefert der Sandſtein treffliche Bau⸗ ſteine und bei Nebra auch Mühlſteine. Bei Weißenfels beſteht ſein Bindemittel aus Kaolin(daher die Benennung des Ortes von dem weißen Geſtein) und dieſer wird zur Porzellanbereitung ausgeſchwemmt. Wo ſich die Hauptglieder des bunten Sandſteins weiter ausbreiten, herrſcht ein trockner, ſandiger Boden vor. Zum Acker⸗ bau eignet er ſich wenig, nur die Kartoffel wächſt, namentlich in feuchteren Jahren, vorzüglich. Von den Baumarten gedeihen beſonders die Kiefer und die Fichte(in den Umgebungen der herrlichen Ruine Paulinzelle, auf der Haide bei Saalfeld, auf einem großen Theil des Saalplateau u. ſ. w.) Ganz anders verhält es ſich, wenn der bunte Sandſtein mit Thon⸗, Gyps⸗ — 255— und Mergellagen(in ſeiner obern Abtheilung) wechſelt, oder wenn er in Folge ſeiner Oberflächenverhältniſſe durch die Gewäſſer mit ſchwerem, fettem Boden gemengt und bedeckt iſt. Wie günſtig er dadurch dem Ackerbau wird, haben wir Gelegenheit, in der Güldenen Aue, wie in einigen Theilen des Werra⸗ und Saalthales zu ſehen. §. 527. Der Muſchelkalk bildet auf dem Buntſandſtein eine mäch⸗ tige unregelmäßig ſchildförmige Platte, der Art, daß die concave Seite des Schildes nach oben gekehrt iſt. Dieſe concave Seite iſt aber in ſich wieder uneben, in mehre kleinere Becken getheilt, welche gewöhnlich theilweiſe mit Keuperbildungen ausgefüllt ſind. Die vielfach ausgezackten Ränder der großen ſchildförmigen Kalk⸗ ſchale werden ungefähr durch die Lage folgender Orte bezeichnet: Heiligenſtadt, Sondershauſen, Heldrungen, Bibra, Nebra, Quer⸗ furt, Schraplau, Mücheln, Naumburg, Eiſenberg, Jena, Blan⸗ kenburg, Ordruff, Waltershauſen, Eiſenach und Wahnfried. Außerdem findet ſich noch ein abgetrennter Theil dieſer Platte im Ohmgebirge zwiſchen Worbis und Bleicherode. Die äußern Ränder dieſer Kalkplatte ſind aber keineswegs die urſprünglichen der Ablagerung, ſondern erſt durch theilweiſe Zerſtörung einer allgemeinen Bedeckung hervorgebracht. §. 528. Die Formation beſteht vorherrſchend aus dichtem grauem Kalkſtein, der zuweilen etwas mergelig oder dolomitiſch iſt. Man unterſcheidet einen obern und einen untern Muſchelkalk, letzterer iſt wegen ſeiner eigenthümlichen dünnen knotigen Schichtung „Wellenkalk“ genannt worden. Zwiſchen beiden liegt eine Gyps⸗, Thon⸗ und Steinſalzbildung, die aber faſt niemals an der Ober⸗ fläche erſcheint, wahrſcheinlich, weil ſie da durch Wirkung des Waſſers wieder zerſtört iſt. In der Mitte des Beckens hat man ſie dagegen durch mehre Bohrlöcher(bei Stotternheim, bei Buffleben, bei Kreuzburg und neuerlich auch bei Arnſtadt) auf⸗ geſchloſſen, und die dortigen Salinen beziehen daraus ihre Soole. Einzelne beſonders mächtige oder beſonders reine Kalkſt inbänke — 256— werden vielfach als gute Bauſteine oder als Brennkalk gewon⸗ nen, beſonders die unter der Benennung Mehlbatzen und Kröten⸗ ſtein(Terebratulakalk) bekannten. Es läßt ſich von der Zu⸗ ſammenſetzung des Muſchelkalks in Thüringen nachſtehendes ideale Schema entwerfen: Dolomitiſcher Kalkſtein. Oberer Terebratulakalk. Thoniger Kalkſtein mit Amnites nodosus und Nautilus bidorsatus. Limabank. Thoniger Kalkſtein. Oberer Muſchelkalk. Oolithiſcher Kalkſtein. Mergelkalk, ebenflächig. Gyps, Thon und Steinſalz. Zelliger Mergelkalk. Schaumkalk(Mehlbatzen). Dünngeſchichteter Wellenkalk. Unterer Terebratulakalk. Dünngeſchichteter Wellenkalk. Unterer Muſchelkalk. Trigonienbank. Röth. ew röta 3 deu — 257— §. 529. Die in ihrer Lagerung nicht geſtörten Muſchelkalkgebiete bil⸗ den oft kleine Hochplateaus, die theils ſehr unfruchtbar, theils mit üppiger Buchenwaldung bedeckt ſind. Solche Plateaus ſind z. B das Eichsfeld, der Hainich, die Höhe von Fahnern, der Etters⸗ berg, die Ilmplatte, die Saalplatte. Die unfruchtbarſten Gegenden Thüringens haben den Wellen⸗ kalk der Muſchelkalkformation zur Unterlage; dahin gehört das Eichsfeld, und an der Südſeite der Thüringiſchen Mulde die Hoch⸗ fläche zwiſchen Ohrdruff und Plauen, ſowie der größere Theil der Ilmplatte. Die ſchwache Lage eines lehmigen Erdreichs, ein felſiger Untergrund, welcher nach jedem heftigern Regenguß in zahlreichen Fragmenten zur Oberfläche gelangt, und offene Ge⸗ ſteinsklüfte und Schluchten, in welchen das Waſſer einen raſchen Ablauf findet, das Alles hat einen unfruchtbaren, die Mühen des Landmanns kaum lohnenden Boden zur Folge. Dem Laubholz jedoch, beſonders der Rothbuche, iſt derſelbe, wenn nicht nackte Felsſchichten unmittelbar die Oberfläche bilden, ſehr günſtig; die kräftigen Buchenwaldungen am Hainich, nördlich von Mühl⸗ hauſen, und in andern Theilen des Eichsfelhes, liegen im Bereich des Wellenkalkes. Etwas fruchtbarer iſt die obere Abtheilung dieſer Formation. Aber an den ſteilen Thalgehängen, zwiſchen welchen theilweiſe die Saale, die Ilm, die Gera und die Unſtrut fließen, findet in beiden Abtheilungen häufig nicht einmal Niederholz die nöthige Nahrung. Vor allem ſind die Südabhänge der Muſchelkalkberge und Thäler oft ſehr trocken und ſteril, und ſind ſie einmal von Wald entblößt, ſo iſt es ungemein ſchwierig, beinahe unmöglich, ſie wieder damit zu bedecken. Die ſchönen aber kahlen Berge in den Umgebungen Jenas beweiſen das um ſo ſicherer, da man ſich gerade hier mit ihrem Anbau ſchon ſehr viele vergebliche Mühe gegeben hat. Die Kardendiſtel und der Weinſtock ſind beinahe die einzigen nutzbaren Pflanzen, die zum Theil nur mit großer Mühe ſich an dieſen dürren Abhängen anſiedeln laſſen, und durch Cotta, Deutſchlands Boden. 17 uͤ— ——— — 258— dieſen Umſtand iſt die Rebe in ein Klima eingedrungen, welches ihrer Natur nicht völlig entſpricht. „In Jena preßt man Trauben aus * Und macht ſogar noch Wein daraus,“ ſagt eins der vielen Spottlieder auf die norddeutſchen Weinbau⸗ verſuche; indeſſen ſind dieſe Weingärten und Diſtelplantagen doch wenigſtens eine beſſere Zierde für die kahlen Abhänge als die dürftige Schafweide, welche den größern Theil derſelben bedeckt. §. 530. Die Keuperformation füllt in Thüringen eigentlich nur die Einſenkungen der großen Muſchelkalkplatte aus. Nirgends reicht ſie über dieſelben hinaus, nirgends liegt ſie unmittelbar auf älteren Geſteinen. Es laſſen ſich mehre größere und kleinere ſolche Keupermulden unterſcheiden. Die größte wird von der Unſtrut zwiſchen Erfurt und Sachſenburg quer durchſchnitten, ſie dehnt ſich öſtlich bis Eckartsberga und weſtlich bis Schernberg aus. Das iſt der mittlere fruchtbare Theil Thüringens im engern Sinne. Mit dieſem größten Keuperbecken ſteht das etwas kleinere von Mühlhauſen in unmittelbarer Verbindung. Ein zweites Haupt⸗ becken dehnt ſich zwiſchen Arnſtadt und Gotha aus und ver⸗ zweigt ſich nach Groß⸗Behringen, nach Mechterſtedt und nach Ohrdruff. Dieſes Becken wird aber durch eine ſchmale und unter⸗ brochene Hügelkette, die ſich als Folge einer Schichtenaufrichtung zwiſchen Arnſtadt und Gotha ausdehnt, in zwei ungleiche Hälften geſondert. Kleinere iſolirte Keuperbecken finden ſich ferner zwiſchen Eiſenach und Kreuzburg, bei Bauernfeld, bei Biſchofsroda, bei Schlotheim, bei Weimar und bei Apolda. §. 531. Die Keuperformation Thüringens beſteht von oben nach unten aus folgenden einzelnen Gliedern: 1) Bunter Mergel mit Lagen von Thonquarz, 2) Bunter Mergel oft mit ſtockförmigen Gypsmaſſen oder von Faſergypsadern durchzogen. 3) Einige dolomitiſche Kalkſteinſchichten. velche einba en deh als d bedec ich nur irgends ar auf ſolche inſtrut dehnt g aus. Sinne. pre von Haupt⸗ vet⸗ d nach Hunttr⸗ richtung Hälfta zwiſche da, bi en nich der voh — 259— 4) Grauer Schieferthon und Sandſtein mit einem ſchwachen Kohlenflötz(Lettenkohle). Der Keuper, beſonders die untere Abtheilung deſſelben, füllt, wie wir geſehen haben, die vorzugsweiſe fruchtbaren Vertiefungen des ſüdlichen Beckentheils. Aber die Geſteine des Keuper haben nur ein Element zu dieſem fruchtbaren Boden geliefert, durch ihre leichte Zerſtörbarkeit und Mergelhaltigkeit. Die vorherrſchen⸗ den bunten oberen Keupermergel ſind an ſich beinahe unfruchtbar, aber dadurch, daß an den urſprünglich von ihnen eingenommenen Stellen flache Vertiefungen ausgewaſchen und vorzugsweiſe mit Diluvial⸗ und Alluvialgebilden bedeckt wurden, haben ſie dieſe ge⸗ ſegneten Auen Thüringens bedingt, in denen jedoch Mangel an trinkbarem Waſſer häufig der fühlbarſte Uebelſtand iſt. Mergel und Gyps dieſer Formation werden vielfach zur Düngung der Felder benutzt. Die ſogenannte Lettenkohle hat man an mehren Orten als Brennmaterial zu verwerthen geſucht, aber ſtets hat ſich gezeigt, daß die Kohle zu erdig, zu kieshaltig und zu wenig mächtig iſt, um ſie mit Vortheil abbauen zu können. Daher ſind denn dieſe Verſuche in den Gegenden von Apolda, Eckartsberga, Buttſtädt, Weimar, Gotha, Tennſtädt u. ſ. w., ſämmtlich bald wieder zum Erliegen gekommen. §. 532. Die Leiasformation iſt in dem Thüringer Becken nur durch einige kleine und ſehr vereinzelte Parzellen vertreten, welche von einer etwas allgemeinern Bedeckung übrig geblieben zu ſein ſcheinen. Sie liegen alle in dem Gebiete zweier jener merkwürdi⸗ gen Erhebungslinien(zwiſchen Eiſenach und Kreuzburg, Gotha und Arnſtadt), auf die ich noch ausführlicher zurückkommen werde, und kaum läßt ſich bezweifeln, daß eben dieſer Umſtand die Ur⸗ ſache iſt, durch welche ſie erhalten wurden. §. 533. Die Formation iſt in dieſen kleinen Parzellen faſt nur durch einen hellgelben feinkörnigen Sandſtein vertreten, der vortreffliche Bauſteine liefert, und deshalb bei Eiſenach, wie an den Seeber⸗ 17* — 260— gen bei Gotha in vielen großen Steinbrüchen gewonnen wird. Nur ganz untergeordnet zeigt ſich zwiſchen dieſem Sandſtein eine dünne Kohlenlage, und über demſelben eine Spur von Mergel⸗ ſchiefer mit Belemniten. Der Einfluß dieſes Sandſteins auf den Charakter der Oberfläche iſt durch ſeine Feſtigkeit charakteriſtiſch. Er bildet als Ueberreſt einer früher allgemeinern Decke einzelne ſchroffe bewaldete Bergkuppen, gleichſam die oberen Kappen von Hügeln, die bei Arnſtadt z. B. zu der Erbauung der ſogenann⸗ ten Drei Gleichen Veranlaſſung gegeben haben. §. 534. Die Juraformation fehlt im Thüringer Becken gänzlich, was um ſo auffallender iſt, da ſie nördlich vom Harz und ſüdlich vom Thüringer Wald mächtig entwickelt gefunden wird. Auch von allen Gliedern der Kreidegruppe, die in Sachſen wie am nördlichen Harzrand ſich ſo mächtig entwickelt zeigt, iſt nur erſt ganz neuerlich durch Herrn J. G. Bornemann eine ſehr geringe Spur in den Ohmbergen bei Worbis entdeckt worden. Dieſe Spur beſitzt aber lediglich geologiſche Wichtigkeit. §. 535. Die Braunkohlenformation finden wir ſehr mächtig entwickelt in dem nördlichen Theil der Mulde, in den Gegenden von Frankenhauſen, Artern und Sangerhauſen. Südlich von der deutlich ausgeſprochenen Erhebungslinie, die von Sondershauſen über Eckartsberga bis Eiſenberg verfolgt werden kann, oder anders ausgedrückt im ganzen Gebiete der Muſchelkalkplatte, iſt dieſe Formation beinahe gar nicht vertreten, denn die ſehr kleine Partie in der ſelbſt ſüdlichen Region des von Muſchelkalk eingerahmten Beckens bei Kranichfeld liegt nicht auf Muſchelkalk, ſondern auf Buntſandſtein. Daraus ergibt ſich zugleich, daß die theilweiſe Zer⸗ ſtörung der Muſchelkalkplatte und namentlich auch die Bildung des Erhebungsthales von Blankenhain und Kranichfeld vor Ab⸗ lagerung der Braunkohle erfolgt ſein muß. Die Formation beſteht in Thüringen aus ſehr ungleich mäch⸗ tigen Ablagerungen von erdiger Braunkohle und bituminöſem wid n eint kergel 5 auf iſtiſ. nzelne n von nann⸗ h, was ſüdlih Auch vie am nur aſ geringe Diſſt ſüchtig enden ) von jauſen inders dat Prxii ahntn ern auj ſſe Je aildung or A⸗ 1 mäch⸗ anöſem — 261— Holz, überlagert von weißem Thon und Sand. Bei Artern und Frankenhauſen kommen in der Kohle Neſter von Honigſtein vor. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß dieſe foſſilen Brennmateria⸗ lien zu bedeutender Gewinnung Veranlaſſung gegeben haben, noch aber ſind beiweitem nicht alle ihre Ablagerungsgebiete aufge— ſchloſſen, namentlich ſind weſtlich vom Kiffhäuſer noch ſehr mächtige Lager nur durch Bohrarbeiten nachgewieſen. Auch der Thon dieſer Formation iſt oft als plaſtiſcher Thon anwendbar. §. 536. Die diluviale Lößbildung iſt als obere Decke aller feſten Geſteinsbildungen im nordöſtlichen Theile des Thüringer Beckens ſehr verbreitet, wird aber gegen Süd und Weſt immer unzuſam⸗ menhängender und ſchwächer. Sie füllt überhaupt nur Vertie⸗ fungen aus oder bedeckt ſehr niedere Plateaus wie zwiſchen Mer⸗ ſeburg und Naumburg. Den flachen Muſchelkalkhöhenzug, der von Jena aus, ſüdlich von Arnſtadt und Erfurt, nördlich von Gotha nach dem Werrathal ſich erſtreckt, überſchreitet ſie gar nicht, nur durch die Thalenge zwiſchen Burgtonna und Ballſtädt un⸗ weit Gotha ſind nordiſche Diluvialbildungen in geringer Aus⸗ dehnung auf die Südſeite dieſes Höhenzuges vorgedrungen. §. 537. Die Lößformation beſteht in der beſchriebenen Gegend aus ſandigem oder mergeligem Lehm von ſehr großer Fruchtbarkeit, der oft nierenförmige Knollen von Mergel(ſogenannte Lößkindel) enthält. Der minder kalkhaltige Diluviallehm iſt zur Ziegelberei⸗ tung ganz geeignet und wird auch zu Herſtellung bloßer Lehm⸗ wände ſehr vielfach verwendet. Erratiſche Felsblöcke ſind nur ſehr ſporadiſch über den Löß ausgebreitet, reichen aber noch etwas höher an dem oben bezeichneten Höhenzug hinauf. §. 538. Vom Süden begegnen dieſen nordiſchen Diluvialgebilden wahrſcheinlich ziemlich gleichzeitige Ablagerungen von Ge⸗ — 262— ſchieben, die aus dem Thüringer Walde abſtammen, aber mehr⸗ fach unabhängig von dem jetzigen Flußlauf in breiten Streifen, alten Flußbetten vergleichbar, auf den flachen Höhen lagern. Solche Geröllzonen finden ſich z. B. zwiſchen Arlsberg und Plauen auf dem rechten Gehänge der Gera, zwiſchen Crawinkel und Ohrdruff, zwiſchen Georgenthal, Gotha und Ballſtädt. Herr Credner hat nachgewieſen, daß dieſe bis über 50 Fuß mächtigen Geröllablagerungen theilweiſe wirklich ehemaligen Flußbetten ent— ſprechen, und daß z. B. die Gewäſſer, welche jetzt von Gotha aus durch die Hörſel ſich in die Werra ergießen, einſt durch die Thalenge von Burgtonna ihren Abfluß nach der Unſtrut nahmen. * §. 539.— Die allerneueſten geologiſchen Bildungen Thüringens beſte⸗ hen aus Kalktuff, Torf und Flußalluvionen. Wir müſſen dieſe heterogenen Maſſen einzeln betrachten. Kalktuff, durch Abſatz aus kalkhaltigen Quellen entſtan⸗ den und noch entſtehend, findet ſich in 10 bis 50 Fuß mächtigen Ablagerungen z. B. bei Heiligenſtadt, Körner, Mühlhauſen, Lan⸗ genſalza, Gräfentonna, Burgtonna, Tennſtädt, Klingen, Greu⸗ ßen, Weimar, Altenberga, Kamburg u. ſ. w., er liefert treffliche Bauſteine und zugleich einen feſten zu Anlage von Kellern ſehr geeigneten Baugrund. Beide Umſtände haben, wie wir ſehen wer⸗ den, einen Einfluß auf die Lage mehrer Städte geübt. §. 540. Mit dem Kalktuff geht bei Gleichenthal und Tennſtädt eine Art Torfbildung Hand in Hand, übrigens iſt wahrer Torf in dem Thüringer Becken eine ſehr ſeltene Erſcheinung,(z. B. bei Wangenheim und bei Langenſalza). Bei Mühlhauſen wird eine offenbar ungewöhnlich alte Torfablagerung bergmänniſch gewon⸗ nen, dieſelbe iſt nämlich 50 Fuß dick von diluvialem Lehm be⸗ deckt, beſteht aber dennoch erkennbar aus lauter noch jetzt in Deutſchland grünenden Moosarten, ganz vorherrſchend aus Hypnum riparium. beſte⸗ müſſen entſten ächtigen en, Lar „Grar treflich en ſchr hen wel⸗ adt einr Törf in B. bi ird in gevor ehm be jett i nd aui — 263— §. 541. Flußalluvionen finden ſich in allen Flußthälern, am aus⸗ gebreitetſten in dem der Unſtrut zwiſchen Erfurt und Sachſen⸗ burg, ſowie in der Goldnen Aue. Hier haben dieſelben einen vorzugsweiſe fruchtbaren ebenen Schlammboden bedingt und ſchei⸗ nen in der That dadurch eine ſo ungemein große Ausbreitung erlangt zu haben, daß der Durchbruch der Unſtrut durch die Schmücke und durch die Muſchelkalkplatte bei Freiburg anfangs nicht ſo tief war als jetzt, und in dem flachen Keuperbecken und Buntſandſteinthale das Waſſer zu einem oder mehren Seen(Sam⸗ melbecken) aufſtaute, auf deren Boden ſich auch die feinſten Schlamm⸗ theilchen ablagerten, während die gröbern Geſchiebe meiſtentheils ſchon hinter der Erfurter Thalenge zurückgeblieben ſind. Selbſt bei der großen thüringiſchen Flut, 30. Mai 1613, ſoll ein Theil dieſer Gegenden zeitweiſe in Seen umgewandelt worden ſein. §. 542. Nachdem wir im Vorſtehenden die regelmäßige Uebereinan⸗ derfolge der geſchichteten Ablagerungen im Thüringer Becken ken⸗ nen gelernt haben, wird es nun nöthig, die mancherlei auffallen⸗ den Störungen der urſprünglichen Lagerung einigermaßen zu ſchil⸗ dern, welche zugleich vom größten Einfluß auf die Geſtaltung der Oberfläche, auf den Lauf der Flüſſe, auf die Vertheilung der Städte und auf den Verkehr ſind. Dieſe Störungen zeigen ſich in mehren unter ſich und mit dem Harz und Thüringer Wald parallelen Linien, Erhebungs⸗, Aufrichtungs⸗, Faltungs⸗ oder Verwerfungslinien, die meiſtentheils ſchon durch lineare Hügelketten kenntlich ſind. Ihre Entſtehung verdanken ſie offenbar derſelben Urſache, welche die Erhebung der benachbarten Gebirgsketten bewirkte, dabei mag es aber hier un⸗ entſchieden bleiben, ob ſie blos durch ſeitliche Zuſammenſtauung (Knickung und Faltung) der Schichten, oder auch durch wirkliche parallele Erhebung, durch Empordrängen von Geſteinsmaſſen, be⸗ dingt wurden. Der Abſchluß ihrer Bildung fällt in den Zeitraum zwiſchen Ablagerung des Leias und der Braunkohlen. Dͤͤ — — 264— §. 543. Dieſe Erhebungslinien bilden etwa 6 Zonen, deren jede aus mehren einzelnen linearen Phänomenen zuſammengeſetzt zu ſein pflegt. Gewöhnlich ſind ſie nur dann recht deutlich und leicht erkennbar geworden, wenn die feſte Platte des Muſchelkalks da⸗ bei geſprengt und local aufgerichtet, oder in ein ungleiches Niveau gerückt und wenigſtens theilweiſe erhalten worden iſt, während ſie ſich in den nachgiebigen Sandſtein⸗ und Mergelſchichten des Buntſandſteins und des Keupers weit ſchwieriger erkennen oder verfolgen laſſen. §. 544. Die nördlichſte dieſer Zonen wird bezeichnet durch die Erhe⸗ bung des Kiffhäuſergebirges und durch die kleinen Zechſteinpartien, welche in deſſen ſüdöſtlicher Verlängerung im Unſtrutthale an die Oberfläche empor ragen. Auch die Richtung des Unſtrutthales ſelbſt, von Artern bis Wangen, und ſein Durchbruch durch die Muſchelkalkplatte zwiſchen Laucha und Freiburg, ſind offenbar Fol⸗ gen dieſer linearen Erhebung oder Schichtenſprengung. §. 545. Eine zweite, und zwar die ſchönſte von allen dieſen Erhe⸗ bungslinien, läßt ſich faſt ohne Unterbrechung von Sondershauſen über Sachſenburg und Eckartsberga bis nach Eiſenberg verfolgen, und ſcheint jenſeit Eiſenberg noch eine minder deutliche Fortſetzung in den Gypsmaſſen des Zechſteins von Köſtritz zu finden. Dieſe Linie iſt bei Sondershauſen nur durch die ihr entſprechende Richtung des Wipperthales und durch den faſt geradlinigen Abbruch der Muſchel⸗ kalkplatte erkennbar. Oeſtlich von Seega beginnt aber eine merk⸗ würdige Aufrichtung der Muſchelkalkſchichten, die von da aus ohne Unterbrechung fortſetzt über Sachſenburg, durch die Schmücke und Finne, über Eckartsberga, Sulza und Kamburg bis nach Eiſenberg. Beſonders deutlich iſt dieſelbe aufgeſchloſſen in den Thaleinſchnitten bei Sachſenburg, Bachera, Raſtenberg, Burg⸗ holzhauſen, Sulza und Kamburg. Sie gibt ſich aber auch in der ganzen Ausdehnung von Sachſenburg bis Eckartsberga ſehr deut⸗ ——— V V 3— 265— lich zu erkennen durch den ſchmalen Mu⸗ de au ſchelkalkrücken, der hier als eine feſtere zu ſä Geſteinsplatte zwiſchen Buntſandſtein keich und Keuper emporragt und eben dadurch k d zu den Befeſtigungen von Sachſenburg, Niven Beichlingen, Burgwenden, Raſtenberg äͤhren und Eckartsberga Veranlaſſung gegeben ten des hat. Südöſtlich von Eckartsberga ſtehen n oder die aufgerichteten Kalkſchichten, ohne merkbar hervorzuragen, zwiſchen den 5 auf beiden Seiten horizontalen; haben 8 erhe aber doch noch die Burg Kamburg und 32 riin, den ſchmalen wenig aufgerichteten Kalk⸗— 8 n die ſteinzipfel bei Eiſenberg veranlaßt. Sehr A hales wahrſcheinlich iſt auch das Hervorbre⸗ ih die chen der wol aus dem Jechſtein ent⸗ r Far⸗ ſpringenden Salzquellen bei Sulza und des Gypſes bei Köſtritz eine Folge die⸗— J ſer über 13 Meilen lang nachweisbaren 8 Schichtenbrechung, wie die Salzquellen X Erhe⸗ von Frankenhauſen und Artern durch N auſen jene nördliche Zone der Erhebung bedingt N Algen, ſein mögen. Dieſe Linie iſt zugleich njin Fei Bachera zieiſt des— iſhe⸗ 5 n„. 4. m 4 K= Keuper. M.= Muſchelkalk. BS.= Buutſandſtein. mückt nac ungemein wichtig für die ganze orographiſche Geſtaltung Thü⸗ n der ringens, ſie theilt daſſelbe in ein nordöſtliches und ein ſüdweſt⸗ Bux liches, ſie ſchließt das centrale Becken, in deſſen Mitte Söm⸗ in de merda liegt, vollſtändig ab. Sonderbarer Weiſe iſt ſie aber außer deut von der Unſtrut auch noch bei Seega von der Wipper durch⸗ — 266— brochen, welche ſich gewaltſam durch den Rand der Muſchelkalk⸗ platte in das innere Becken hereindrängt, während ſie anſchei⸗ nend bei Gellingen einen viel bequemern Weg zur Unſtrut hätte finden können. § 546. Die dritte Aufrichtungszone läßt ſich weniger deutlich und weniger ununterbrochen von Schlotheim über Ottſtedt und Wei⸗ mar bis Magdala verfolgen. Bei Schlotheim wird dieſelbe nur durch eine ſchmale aus NW. nach SO. erſtreckte Keuperſcholle und die ihr entſprechende flache Thalbildung bemerkbar, dann äußert ſie ſich in einem zipfelförmigen Hervortreten des Muſchel⸗ kalkes gegen Tennſtädt hin. Man würde dieſe Erſcheinungen für ſich allein kaum als die Folgen einer ſo beſondern Urſache er⸗ kennen. Sie werden aber wichtig durch die genau entſprechende Lage und Richtung des wenn auch flachen Thales der Gramme zwiſchen Werningshauſen und Eckſtedt, und noch mehr durch die zwiſchen dem Keuper mit aufgerichteter Schichtung hervorgeſtoßene Muſchelkalkplatte zwiſchen Ottſtedt und Trebsdorf, welche durch den Eiſenbahneinſchnitt an letzterm Orte beſonders deutlich auf⸗ Eiſenbahneinſchnitt bei Trebsdorf. SA! KlllM Saaota thon AHnvahelkalk Kacgeermagel das Ketlgur geſchloſſen iſt. Südöſtlich von Trebsdorf entſpricht dann wieder die ganz abnorme Richtung des Ilmthales zwiſchen Weimar und Mellingen, ſowie das kleine Thal bis Magdala faſt genau dieſer Linie, und hier zeigt ſich auch abermals eine Störung der Lage⸗ rung, indem ein ſchmaler, dem Thal entſprechender Keuperſtreif einſeitig unter den Muſchelkalk eingeſunken iſt. helkale anſchei⸗ t hätt ich und Wei⸗ be nur eicholl , dann Vuſchel⸗ en für he er⸗ dchende raume zaurh dt eſtoßen te durch ich ef⸗ wiede Lar und 1 ditſe gr Lage⸗ perſrif — 267— §. 547. Die vierte Zone läßt ſich verfolgen von Schloß Arnſtein bei Witzenhauſen über Geismar, Faulungen, Erfurt und Blan⸗ kenhain bis zur Leuchtenburg bei Kahla, alſo über 19 Meilen weit. Dieſe Zone iſt zwiſchen Burg Arnſtein und Faulungen ſowol durch Thalrichtungen als durch Schichtenſtörungen deut⸗ lich erkennbar, verliert ſich dann in der waldbedeckten Hainich⸗ platte, ſcheint den flachen Höhenzug des Muſchelkalkes zwiſchen dem Hainich und Erfurt ohne ſehr merkbare Schichtenſtörung bedingt zu haben, prägt ſich aber ſüdöſtlich von Erfurt wieder viel deutlicher aus in einer aufgerichteten Muſchelkalkplatte, die wie bei Ottſtedt zwiſchen den Schichten des Keupers emporſtößt. Dann folgt wieder eine Region, in welcher nichts von gewalt⸗ ſamen Störungen erkennbar iſt, aber das auffallende längliche Loch in der Muſchelkalkbedeckung, in welchem Tannenroda, Berka und Blankenhain auf Buntſandſtein liegen, iſt offenbar eine Folge dieſer Bruchlinie, es iſt ein Erhebungsthal, das zeigt ſich am deutlichſten durch den ganz geradlinigen und genau unſerer Zone parallelen Abbruch des Muſchelkalkes zwiſchen Hohenfelden und Kranichfeld. Jenſeit Blankenhein iſt wieder keine Störung ſichtbar bis zum Bodrite-Berg bei Altenberga, von dieſem aus ſind aber die Kalkſchichten aufgerichtet und ragen gleich einer Landzunge weit in das Gebiet des Buntſandſteins hinaus, jen— ſeit der Saale eine ſehr deutliche Fortſetzung findend in den ſteil aufgerichteten Kalkſchichten des Dohlenſteins und der Leuch⸗ tenburg. §. 548. Die fünfte Zone beſteht aus beſonders vielen einzelnen Phä— nomenen, die nicht nur hinter-, ſondern zum Theil auch parallel nebeneinander liegen. Ihre deutlichen Spuren zeigen ſich zuerſt in und an der kleinen Keuperbucht nordweſtlich von Gotha. Da treten bei Oeſter⸗-Behringen zwei Muſchelkalkrücken mit etwas auf⸗ gerichteter Schichtung mitten aus dem Keuper hervor, im Gold⸗ berg bei Goldbach ſind ebenfalls die Schichten ſtark geneigt. — 268— Noch deutlicher iſt die Aufrichtung in einer ſchmalen Muſchel⸗ kalkplatte zwiſchen dem Keupermergel bei Remſtedt, die ihre Fort⸗ ſetzung nördlich von Siebleben zu beſitzen ſcheint. Dieſer Linie parallel ſtreicht nun aber etwas ſüdlicher eine weit deutlichere Auf⸗ richtung und Verwerfung vom Krahnberge aus durch den Schloß⸗ berg von Gotha und den ganzen Höhenzug der Seeberge. Am ſüdlichen Fuß der Seeberge, wo Gyps unter dem obern Muſchel⸗ kalk hervortritt, da ſind zugleich alle Schichten um etwa 500 Fuß verworfen, d. h. auf der Nordſeite einer Spalte um ſo viel höher gerückt.(Man vergl. den Holzſchnitt.) Jenſeit der Apfelſtädt L.= Leiasſandſtein. K.= Keupermergel. LK.= Keuper mit Lettenkohle. M.= Muſchelkalk. G.= Gyps. zeigt ſich die Fortſetzung dieſer Erhebungslinie zunächſt in dem aus Leiasſandſtein beſtehenden Wandersleber Berge, und ſpaltet ſich dann in zwei oder drei Muſchelkalkſtreifen, die theils zwiſchen dem Keuper, theils ihn ſüdlich begrenzend, mit geradlinig aufgerichteter Schichtung bis nach Arnſtadt fortſetzen. Hinter Arnſtadt wer⸗ den die Folgen der Erhebung zunächſt wieder undeutlich, aber beinahe von Stadt Ilm aus laſſen ſie ſich abermals, beſonders bei Burg Ehrenſtein, ſehr deutlich in der ſchmalen Muſchelkalk⸗ zunge verfolgen, welche hier von dem Hauptgebiete aus bis nach Volkſtadt an der Saale fortſetzt, und jenſeit der Saale tritt, durchaus analog mit der Leuchtenburg, noch einmal die Schich⸗ tenaufrichtung ſehr deutlich an der Muſchelkalkplatte des Kulm— berges hervor. Aber auch hier iſt noch eine parallele Aufrichtung in der mehr nördlichen ſchmalen Muſchelkalkzunge vorhanden, ——— uſche For⸗ Linie e Auf chloß .An euſcher⸗ 0 Fuß höher felſtidt rnit in aus it ſcc u dem tete 4. wer⸗ , dde onders gelkal⸗ 8 nac 1 tritt tit Kulm⸗ uöhtung anden, — 269— welche von Kirch⸗-Remda aus beinahe bis Rudolſtadt zwi⸗ ſchen Buntſandſtein fortſetzt, und der entſprechend in Rudol⸗ ſtadt ſelbſt der Zechſtein über das Niveau des Saalthales empor⸗ gehoben iſt. §. 549. Die ſechste Zone endlich berührt zum Theil unmittelbar den Fuß des Thüringer Waldes und vermengt ihre beſondern Folgen mit den Phänomenen des Gebirgsrandes. Sie beginnt bei Röhrda in Heſſen, von wo aus das Näterthal geradlinig ſich nach Südoſt erſtreckt, als ein deutliches Erhebungs- oder Senkungsthal auf beiden Seiten mit Muſchelkalk eingefaßt, während der Boden aus Keuper beſteht. Jenſeit der Werra, wo natürlich der Näter⸗ fluß zu Ende iſt, ſetzt dennoch die Thalſenkung in derſelben Rich⸗ tung, nur etwas breiter fort. Hier iſt es eine Keupermulde, in welcher an drei Stellen aufge⸗ richtete Muſchelkalkſchichten hervor⸗ ſtoßen, während an drei andern Stel⸗ len weniger geneigte Schichten des Leiasſandſteins auflagern. Gegen die Hörſel hin iſt dieſe Mulde ebenfalls durch einen ſchmalen Muſchelkalk⸗ ſaum mit aufgerichteter und über den Keupermergel umgekippter, alſo ver⸗ kehrter Schichtenſtellung begrenzt, was beſonders an der Michelskuppe, Eiſenach gegenüber, deutlich beob⸗ achtet werden kann. Bei Eiſenach ſpaltet ſich dieſe Zone in zwei etwas divergirende Arme; der eine läuft als ein aufge⸗ richteter Muſchelkalkrücken zwiſchen Buntſandſtein faſt ganz ſüdlich nach dem obern Theil des Dorfes Mos⸗ 8 S — — — — 3 — — — — 0 —2 —2 8 5 8 — 270— bach, der andere durch die Hörſelberge, und dann als ein ſchma⸗ ler etwas gebogener und aufgerichteter Kalkſteinſaum zwiſchen Buntſandſtein und Keuper über Settelſtedt nach Waltershauſen und Georgenthal. §. 550. Obwol die Flußrichtungen dieſen Erhebungslinien im All⸗ gemeinen keineswegs entſprechen, ſo iſt dennoch in einzelnen Fällen ihr Parallelismus um ſo frappanter, auch zeigt jede gute geographiſche oder geologiſche Karte von Thüringen das Vor⸗ herrſchen einer nordweſt-ſüdöſtlichen Richtung ſowol rückſichtlich der breiten Höhenzüge und ſchmalen Hügelketten, als namentlich auch aller kleinern Becken und der meiſten Geſteinsgrenzen. Wie⸗ fern nun alle dieſe Umſtände in Verbindung mit der Natur der Geſteine auf den Anbau und Verkehr in Thüringen von jeher eingewirkt haben und noch einwirken, das wollen wir ſogleich unterſuchen. §. 551. Vor allem übten die Erhebungslinien Thüringens einen ſehr entſchiedenen Einfluß auf die Anlage von Städten und feſten Burgen. Geradezu die Mehrzahl der größern Städte Thüringens liegt auf oder dicht an ihnen, und man kann dreiſt behaupten, die kleinen Reſidenzen Thüringens ruhen faſt ſämmtlich auf geo⸗ logiſch revolutionärem Boden. Eine Ausnahme von dieſer Lage machen unter den größern Städten eigentlich nur Mühlhauſen, Ohrdruff, Langenſalza, Naumburg und Jena, deren Platz durch andere, aber ebenfalls geologiſche Urſachen bedingt iſt. 2²) §. 552. In der nördlichſten oder erſten Erhebungszone finden wir Frankenhauſen, Artern, Laucha und Freiburg, die Rothenburg, die Kiffhäuſerburg, Kloſter Roßleben, die uralten Burgen Wen⸗ delſtein und Burgſcheidungen, ſowie das Kloſter Memmleben, Laucha und Freiburg. In der zweiten Zone liegen: Sondershau⸗ ſen, Sachſenburg, Heldrungen, Burg Beichlingen, Burgwenden, Bachera, Burg und Flecken Raſtenberg, Burg und Stadt Eckarts⸗ ſchme b wiſchen hauſen m Al⸗ nzelnen de gute Vor⸗ ſſichlich nentlich Wie⸗ dr der jeher ogleich ten ſchr feſten Engens Lupten, df ge⸗ 6 Lage uuſen, duc . Fn wit aiburg 9 Wen⸗ aleben a cöh⸗ Jenden, A ckarti⸗ — 271— berga, Sulza, Kamburg, Eiſenberg und Köſtritz. In der dritten: Schlotheim, Tennſtädt, Weimar und Magdala, ſowie die Som⸗ merreſidenz Belvedere. Die vierte beginnt mit den alten Burgen Arnſtein und Hanſtein und endet mit dem feſten Schloß Leuch⸗ tenburg; dazwiſchen enthält ſie als bedeutendere Orte: Geismar, das uralte Burgtonna, Erfurt, Burg und Stadt Kranichfeld, Burg und Flecken Tannenroda, Blankenhain(auch Berka), Al⸗ tenberga und Kahla. In der fünften liegen Gotha, die ſoge⸗ nannten Drei Gleichen, Arnſtadt, Stadt Ilm, Burg Ehrenſtein, Remda, Schloß und Stadt Rudolſtadt. In der ſechsten endlich: Kreuzburg, Eiſenach, Waltershauſen und Georgenthal. §. 553. Die Urſache dieſes vielfachen Zuſammentreffens iſt leicht er⸗ klärlich. Jene beſondern geologiſchen Ereigniſſe haben auch be⸗ ſondere Bodenformen bedingt, namentlich allgemeine Terrain⸗ abſchnitte, Thaldurchbrüche und leicht zu befeſtigende Bergkuppen oder Vorſprünge. Außerdem iſt durch innere Zerklüftung beſon⸗ ders ſtarken, zuweilen auch ſalzhaltigen oder Kalktuff ablagernden Quellen, wie es ſcheint, in den Erhebungslinien ein leichterer Weg geöffnet und manche feſtere Geſteinsſchichten ſind durch ſie an die Oberfläche gerückt, dadurch aber der Benutzung als Bau⸗ grund oder Bauſtein leichter zugänglich geworden. Solche Um⸗ ſtände haben theils vereinzelt, theils gemeinſam gewirkt. §. 554. Eine zweite ſehr allgemeine Beziehung geologiſcher Verhält⸗ niſſe zum Anbau beſteht in Thüringen darin, daß der Muſchel⸗ kalk als Wohnplatz möglichſt vermieden iſt. Seine oft kahlen und waſſerarmen, zuweilen jedoch von dichten Buchenwaldungen überſchatteten, plateauförmigen Höhen ſind von allen Städten ge⸗ mieden, die ſich dagegen gar oft gerade an den Rand der Muſchelkalkpartien angelagert haben, wo derſelbe entweder von Keuper überdeckt iſt, oder wo darunter der Buntſandſtein hervortritt. Oft hat dabei, wie es ſcheint, noch eine dritte — 272— Geſteinsbildung Einfluß auf die beſondere Lage der Städte gehabt, das iſt der Kalktuff, der nicht nur einen vortrefflichen Bauſtein liefert, ſonden auch einen herrlichen Grund, beſonders für Keller. Am Rande der Muſchelkalkplateaus liegen a) auf Keuper die Städte: Mühlhauſen, Schlotheim, Kindelbrück, Bachera, Raſten⸗ berg, Gotha, Erfurt, Apolda, Magdala, Ohrdruff, Mühlberg und Arnſtadt; b) auf Buntſandſtein: Worbis, Bleicherode, Heiligenſtadt, Wanfried, Treffurt, Eiſenach, Sondershauſen, Heldrungen, Laucha, Plauen, Remda, Teichel, Berka, Blankenhain, Blankenburg und Naumburg, Jena, Lobeda, Bürgel und Kahla; c) auf Kalktuffabla⸗ gerungen oder dicht bei ſolchen, offenbar mit durch ſie bedingt: Mühlhauſen, Langenſalza, Burgtonna, Gräfenkonna⸗ Tennſtädt, Greußen, Klingen und Weimar. Es iſt gewiß auffallend, wie der Muſchelkalk von den grö⸗ ßern Orten und ſelbſt von den Dörfern geradezu gemieden wird; zwar noch auf denſelben, aber doch dicht am äußerſten Rand ſeiner oberflächlichen Verbreitung, liegen die Städtchen Schern⸗ berg, Kreuzburg, Waltershauſen, Stadt Ilm, Freiburg, Eckarts⸗ berga und Dornburg; im Innern ſeines Gebietes findet man nur Dingelſtedt, Sulza und Kamburg, und die beiden letztern ſind hier durch eine Erhebungslinie bedingt, welche bei Kamburg ſogar die Mergel des Buntſandſteins bis in die Thalſohle emporgerückt hat. Dieſes Meiden des Muſchelkalkes iſt um ſo auffallender, wenn wir ſehen, daß das ſicher nicht größere Keu⸗ pergebiet derſelben Gegend 20 Städte enthält. Das Verhältniß iſt aber ein ähnliches bei den Dörfern, und ſo iſt es denn ganz natürlich, daß gerade die Grenzen des Muſchelkalkes oft durch eine beſonders dichte Aneinanderreihung von Orten bezeichnet wer⸗ den, da die Bewohner, mit Vermeidung der Kalkſteinplateaus als Wohnplatz, doch überall möglichſt nahe an ihren, auch auf dem Muſchelkalk liegenden Feldern zu wohnen wünſchten. Zu der geringen Bewohnbarkeit des Muſchelkalkes trägt ganz ent⸗ ſchieden ſeine große Armuth an Quellen bei. Das auf ihn fal⸗ lende atmoſphäriſche Waſſer läuft großentheils ſchnell durch rch — 273— unzählige Klüfte und Felsſpalten ab, die es oft zu Höhlenräumen erweitert. Ganze Bäche verſinken auf dieſe Weiſe in ſeinem Ge⸗ biet, rinnen eine Strecke unterirdiſch und treten dann plötzlich irgendwo(wie bei Plauen) an ſeiner untekn Grenze hervor, die überhaupt beſonders quellenreich iſt. §. 555. Die Geſammtheit der Bevölkerung lebt in der Thüringer Mulde vorzugsweiſe vom Feldbau. Die Felderwirthſchaft herrſcht im weſtlichen und ſüdweſtlichen Theil vor, ihre Uebergangsform zur Fruchtwechſelwirthſchaft im öſtlichen Theil. Wald⸗ und Berg⸗ bau ſind untergeordnet, ebenſo Fabrikweſen und Handel. Indeſ⸗ ſen fehlen die letztern Erwerbsquellen durchaus nicht in einem auffallenden Grade, und manche derſelben ſind unmittelbar durch den geologiſchen Bau bedingt; ſo die Salinen und die damit verbundenen chemiſchen Fabriken. Das ganze Gebiet enthält außer den zu Soolbädern benutzten Salzquellen Frankenhauſen, Artern, Sulza und Köſen nur drei ſchwach eiſenhaltige Mineralquellen, bei Langenſalza, Tennſtädt, Berka und Lauchſtädt, welche letztere bereits erwähnt wurde. Viel anders geſtaltet ſich das Verhältniß der Induſtrie indeſſen ſogleich in den Städtegürteln, welche den Harz und den Thüringer Wald unmittelbar an ihrem Fuß um⸗ geben, und die ich deshalb ſchon zu jenen Gebieten rechne. 8. 556. Auch die wichtigſten Verkehrsſtraßen zeigen ſich in Thürin— gen einigermaßen abhängig von den Erhebungslinien und von der Verbreitung des Muſchelkalks, doch ſind auf ihre allgemeine Rich— tung natürlich die Nachbarſchaft des Harzes und des Thüringer Waldes und die bequemſten Uebergangspunkte des letztern noch einflußreicher. Der Hauptverkehr geht in oſtweſtlicher Richtung durch das Becken, er iſt gegenwärtig durch eine Eiſenbahn⸗ linie gefeſſelt. Die vielen kleinen Haupt- und Reſidenzſtädte haben eine große Zerſplitterung des Verkehrs bedingt, aber ſicher ſehr zur Cotta, Deutſchlands Boden. 18 — 274— Ausbildung des Lebens beigetragen. Die Eiſenbahn, welche Thü⸗ ringen durchzieht, hat mit einiger Mühe ſo viele dieſer kleinen Hauptſtädte als möglich berührt, und aus dieſem Grunde einen Weg gewählt, der für ihre Anlage in techniſcher Beziehung nicht der günſtigſte unter den möglichen iſt. Von Halle über Nord⸗ hauſen und Heiligenſtadt nach Kaſſel hätte man leichter eine Bahn bauen können, als über Weimar, Erfurt und Gotha, aber wie wären dann dieſe kleinen Centralpunkte aus dem deutſchen Verkehr auf die Seite geſchoben worden! In einem Lande, wel⸗ ches bereits vollſtändig bevölkert iſt, wird man ſolche Rückſichten nie ganz aus dem Auge laſſen dürfen. Die Verkehrswege müſ⸗ ſen ſich da nach den ſchon beſtehenden Anſiedelungen richten, man kann nicht verlangen, daß um eines neuen bequemen Weges willen der ganze Anbau ſich umgeſtalte. §. 557. Die thüringiſche Flötzgebirgsmulde umfaßt eine große Zahl kleiner Ländergebiete, deren Zerſplitterung man allerdings nicht auf Rechnung des Bodenbaues bringen kann, da das geſammte Thüringen ein einziges geologiſch recht gut conſolidirtes Land bildet mit Erfurt als natürlichem Mittelpunkt. Die große poli⸗ tiſche Zerſplitterung iſt nur Folge der ſtaatlichen Entwickelung Deutſchlands überhaupt, nicht gerade des beſondern örtlichen Baues. Dieſe iſt, wie wir ſahen, zum Theil durch den Boden⸗ bau bedingt, in ihrer Ausführung hat ſie dann aber häufig die natürlichen Bedingungen weit überſchritten, weil es einmal Ge⸗ brauch geworden war, die Länder unter die Kinder zu theilen. Bei der Theilung wollte man gern Jedem von jeder Art Boden etwas zukommen laſſen. Dieſe Abſicht tritt nirgends deutlicher hervor als bei den Fürſtenthümern Schwarzburg⸗Rudolſtadt und Sondershauſen, deren jedes eine ſogenannte Oberherrſchaft(im Gebirge) und Unterherrſchaft(in der fruchtbaren Niederung) ent⸗ hält. So indirect hat wahrſcheinlich auch bei andern Länderthei⸗ lungen die Bodengeſtaltung geleitet. Die Theilung und maßloſe Zerſplitterung des Grundeigen⸗ ———ͤͤͤͤͤͤ —— — 275— thums tritt in einem großen Theile Thüringens noch weit greller in den Feldgrundſtücken der Bauern hervor; dieſe ſind oft bis auf wenige Fuß breite Streifen unter die Erben getheilt worden, und es kommt dazu noch eine dem Feldbau ungünſtige Bauart der meiſten Dörfer beſonders in den fruchtbarſten Gebieten. Die Bauerngüter liegen ſtadtartig in Gruppen beiſammen, und man⸗ cher Landwirth hat zu ſeinem entfernteſten ſchmalen Feldſtreif einen Weg von mehren Stunden zurückzulegen. Man kann auch dieſe Zerſplitterungen zwar nicht auf Rechnung des geolo⸗ giſchen Baues ſchreiben, aber auffallend bleibt es doch, daß die gedrängte Gruppirung der Dörfer ſich vorherrſchend nur in ebenen, wenig von Thaleinſchnitten durchzogenen Gegenden findet, während in den meiſten Gebirgsgegenden die Dörfer ſich längs der Bäche hin ausdehnen. Ausnahmen von beiden Erſcheinungen hat indeſſen hier und da die Sitte ſeit uralter Zeit hervorgerufen und erhalten; wir lernten bereits eine ſehr auffallende in den allerdings weder gebirgigen noch ebenen, ſondern flachhügeligen Umgebungen von Osnabrück kennen, wo beinahe alle Bauern⸗ höfe vereinzelt inmitten ihrer Felder liegen. Die Bevölkerungszahl ſchwankt in den vielen Einzelgebieten Thüringens zwiſchen 3700 und 5400 auf die Quadratmeile. Das iſt nicht zu viel für ein Land von ſolcher Productionskraft. §. 558. Das Reich der Thüringer reichte einſt vom Main bis zur Elbe und Havel, in dem heutigen Thüringen aber wohnten da⸗ mals die Angeln. In der Gegend von Mühlhauſen ſcheint ihre Hauptſtadt Biscurdinum gelegen zu haben. Zu den älteſten Städten ſoll Thamsbrück gehören, während Burgſcheidungen und der Kiffhäuſer als ſehr alte Kaiſerſitze genannt werden, und Memmleben als uraltes Kloſter. Gerade dieſe Punkte ſind gegen⸗ wärtig zur Unbedeutendheit herabgeſunken und werden höchſtens noch wegen hiſtoriſcher Erinnerungen beſucht. Zur Zeit der Karolinger finden wir ein Nord⸗ und Süd⸗ 18* — 276— thüringen unterſchieden, erſteres jenſeit des Harzes, letzteres dem heutigen Thüringer Becken entſprechend. Unter den Hohenſtaufen ſind in dieſem Landſtrich ſchon man⸗ cherlei Abgrenzungen getroffen, namentlich aber bleibt von da an die theils bewaldete, theils ſterile Muſchelkalkplatte des Eichs- feldes als etwas Abgeſondertes zum Kurfürſtenthum Mainz ge⸗ hörig. Vielfache Erbtheilungen zerſplittern bis zum 15. Jahr⸗ hundert das Gebiet mehr und mehr und werden die Urſache, daß es noch jetzt zu den politiſch bunteſten Gebieten Deutſchlands ge⸗ hört. Dieſe innern Abgrenzungen Thüringens haben, wie ich ſchon erwähnte, wenig ſpeciell nachweisbare Beziehung zu dem geologiſchen Bau, doch iſt es unverkennbar, daß die Sonderung in kleine Mulden, ſowie die oft leicht zu befeſtigenden Erhebungs⸗ linien einen Einfluß auf Theilung geübt haben. Der Thüringer Wald. §. 559. Nur der nordweſtliche Theil des Gebietes, welches von den Geographen zum Thüringer Walde gerechnet wird, ſoll hier unter dieſer Ueberſchrift beſprochen werden. Das breite Grauwacken⸗ plateau, welches ſich von Amt-Gehren und Breitenbach ſüdöſtlich ausdehnt und vollſtändig mit dem Fichtelgebirge verbindet, wird Gegenſtand des nächſten Abſchnittes ſein. Es iſt nur eine ſchmale aber außerordentlich ſcharf um⸗ grenzte Gebirgskette, welche gleich einer Landzunge von dem brei⸗ ten Hochplateau des Fichtelgebirges und Voigtlandes in das mitteldeutſche Hügelland hineinragt und dadurch Franken von Thüringen ſcheidet. Die ganze Länge dieſer ſchönen Bergkette von Altenfeld bis Landröden an der Werra beträgt kaum 10 Meilen, die Breite im Durchſchnitt kaum 2 Meilen, an der brei⸗ teſten Stelle nur wenig mehr. §. 560. Die Baſis dieſes Gebirgsrückens ſteigt von NW. nach SO. allmälig an, ſie liegt bei Landröden als Werrathalboden etwa wa 630 Fuß über dem Meere, bei Georgenthal an der Nordoſtſeite etwa 1050 und bei Seligenthal an der Südweſtſeite 1000 Fuß. Bei Amt⸗Gehren 1330 und bei Eisfeld 1400. Alſo auf beiden Seiten einander entſprechend ziemlich gleich hoch. Die höchſten Punkte liegen im mittlern Kamm, der zugleich die Waſſerſcheide bildet; ſie erreichen im Inſelsberg 2856 Fuß und im Schneeberg 3044 Fuß. Nur wenige hundert Fuß niedriger iſt die mittlere Höhe des ganzen Kammes und keiner der kleinen Uebergangspäſſe i*ſt viel tiefer eingeſchnitten. Daraus ergibt ſich von ſelbſt eine nur flach undulirte Kammlinie. Um ſo pittoresker ſind dagegen oft die Formen der beiden Abfälle. Das ganze Gebirge beſteht nur aus einer einfachen Hauptkette, deren Krete zugleich eine ſehr entſchiedene Waſſerſcheide bildet. Auf dieſer führt ein allenfalls fahrbarer Weg, der ſogenannte Rennſteig, längs des ganzen Rückens hin und mehrfach trifft man gerade auf dieſem Kamm, von dem man häufig nach beiden Seiten in die Ebene hinabblicken kann, kleine Ortſchaften, oder wenigſtens gaſtliche An⸗ ſiedelungen. Längenthäler ſind in dem Gebirge gar nicht vor— handen, alle Bäche laufen quer vom Hauptrücken zum Fuß und erreichen deshalb keine große Ausdehnung. Obwol aber der Kamm des Thüringer Waldes für alle dieſe Bäche eine ſehr entſchiedene Waſſerſcheide bildet, ſo iſt dennoch die ganze Gebirgskette, wenig— ſtens ihrer Hauptrichtung nach, keineswegs als die Grenzſcheide zweier Strom- oder Flußgebiete anzuſehen. Nicht nur der ganze Südweſtabfall, ſondern auch ein großer Theil des nordöſtlichen (von Neuenhof bis nach Reinhardsbrunn) ſendet ſeine Gewäſſer in die Werra, nur von da aus bis Amt⸗Gehren reicht das Zu⸗ flußgebiet der Saale. Die Waſſerſcheide zwiſchen dem Elb- und Wefergebiete läuft demnach nicht in der Längsrichtung, ſondern beinahe quer über unſere kleine Gebirgskette hinweg. Die mittlere Temperatur iſt im Thüringer Walde natürlich nur durch die Niveauverhältniſſe von der des Beckengebietes verſchieden, die atmoſphäriſchen Niederſchläge ſind aber größer, erreichen durch⸗ ſchnittlich die Summe von 30 Zoll jährlich. ————— 9 — 278— §. 561. Rothliegendes und verſchiedene Porphyrvarietäten herrſchen in dem ſchmalen Theil des Thüringer Waldes durchaus vor, man kann ſagen, er beſteht weſentlich aus ihnen. Untergeordnet treten auf: Granit, Syenit⸗Granit, Gneis, Glimmerſchiefer und verſchie⸗ dene Grünſteinvarietäten, an ſeinem äußern Rande aber läuft ein ſchmaler, nur hier und da unterbrochener Saum der Zechſtein⸗ formation hin, deren Schichten gewöhnlich ziemlich ſtark aufge— richtet ſind. Doch wir müſſen dieſe Geſteine und Formationen mehr im Einzelnen verfolgen, dabei aber ſei es erlaubt, von den ältern zu den wahrſcheinlich jüngern vorzuſchreiten. §. 562. Die kryſtalliniſchen Schiefergeſteine ſind vertreten durch Gneis und Glimmerſchiefer, erſterer aber iſt ſo innig mit dem Granit verbunden, daß man ihn hier füglich als eine ſchiefrige Varietät deſſelben betrachten kann. Der Glimmerſchiefer bildet zwiſchen Schweina und Thal bei Ruhla ein unregelmäßiges Ge⸗ biet, welches quer über den Gebirgskamm hinwegſtreicht. In ihn iſt das tiefe und enge Thal von Ruhla eingeſchnitten, neben wel⸗ chem ſich öſtlich der 2776 Fuß hohe Breite Berg erhebt. Das ganze Gebiet iſt üppig bewaldet, mit alleiniger Ausnahme des Ortes Ruhla und einiger ſchmalen Wiesgründe. Buchenhochwald herrſcht durchaus vor. Außerdem bildet der Glimmerſchiefer noch einen breiten gleichfalls waldbedeckten Bergrücken weſtlich von Klein⸗Schmalkalden. §. 563. Granit und Gneis bilden zwei größere und mehre klei⸗ nere Gebiete. Das weſtliche der erſtern dehnt ſich von den obern Häuſern Ruhlas bis nach Herges, und über Brotterode und Klein⸗Schmalkalden bis nach Seligenthal aus. In dieſer Region beſteht der Südweſtabfall des Gebirges beinahe nur aus dieſen Geſteinen, welche am äußern Rand von Zechſtein überlagert wer⸗ den, unter dem ſie noch vielfach in vereinzelten Partien hervor⸗ — 279— ſtoßen. Von dieſem unregelmäßigen Maſſiv laufen aber mehrfach Verzweigungen in nördlicher und öſtlicher Richtung aus, den Glimmerſchiefer gangförmig durchſetzend, ſelbſt noch an ſeiner nördlichſten Grenze bei Thal und unter dem jüngern Rothliegen⸗ den hervortretend. Als Geſteinsvarietäten laſſen ſich unterſcheiden: 1) Granit⸗Gneis, ſüdweſtlich von Steinbach und bei Brotterode. 2) Hornblendehaltiger Syenit⸗Granit, in den Umgebungen von Brotterode. 3) Gewöhnlicher, normaler Granit, zuweilen durch große Or⸗ thoklaskryſtalle porphyrartig, beſonders am Gerberſtein bei Herges und oberhalb Seligenthal. 4) Glimmerarmer, theils feinkörniger, theils porphyrähnlicher Granit, durchſetzt vielfach die andern granitiſchen Geſteine gangförmig, die Gänge ſtreichen oft parallel den Ge⸗ birgsrücken. Auch dieſes Granitgebiet iſt wie der Glimmerſchiefer faſt überall mit ſchönen Buchenwaldungen bedeckt, vielfach gewundene Thäler durchziehen ſeine flachkuppige Oberfläche, die hier und da mit maleriſchen kleinen Felſen oder großen Blöcken bedeckt iſt. Das ſchönſte unter ihnen iſt das ſogenannte Druſenthal zwiſchen Brotterode und Herges. Das Geſtein dient wie gewöhnlich als guter Bauſtein. §. 564. Das zweite granitiſche Hauptgebiet wird durch die Orte Mehlis, Suhl und Goldlauter bezeichnet; auch dieſes bildet ſomit für eine gewiſſe Strecke den Südweſtabhang des Gebirges, zugleich aber eine auffallende Depreſſion der Oberfläche. Bei Zella be⸗ findet man ſich inmitten einer granitiſchen Senkung, die rings von bewaldeten Höhen überragt wird, welche theils aus Rothliegendem, theils aus Porphyr beſtehen. Hier wechſelt nur gemeiner, zuwei⸗ len porphyrartiger Granit mit hornblendehaltigem Syenit⸗Granit ab. Beide ſind mehrfach von Quarzporphyrgängen durchſetzt. In dieſer granitiſchen Depreſſion iſt die Waldbedeckung nicht mehr überwiegend, es dehnen ſich ſchon große und zuſammen⸗ — 280— hängende Feldflächen aus. Die Anwendung des Geſteins iſt keine andere als in dem weſtlichen Gebiet. Daſſelbe wird hier wie dort von einigen Eiſenſteingängen durchſetzt. §. 565. Nun finden ſich noch eine Anzahl kleinere Granitmaſſivs, ebenfalls mit Depreſſionen der Oberfläche verbunden, bei Schmiede⸗ feld, zwiſchen Stützerbach und Gehlberg, oberhalb Gabel und am Ehrenberg bei Ilmenau. Verbindet man alle dieſe iſolirten Gebiete zu einer Zone, ſo ergibt ſich für dieſelbe eine halbmondförmige Geſtalt, woraus man vermuthen könnte, daß vor dem Empordringen der Porphyre und vor Ablagerung des Rothliegenden ein granitiſcher Berg⸗ kranz eine Bucht gebildet habe, in deren Centrum jetzt ungefähr die Orte Schwarzwald und Tambach liegen. Aber es iſt freilich kaum wahrſcheinlich, daß dieſe halbmondförmige Granitbucht wirk— lich je unbedeckt(an der Oberfläche) vorhanden geweſen ſei, da aus keinem Umſtande hervorgeht, daß bei ſeiner Entſtehung der Granit die Oberfläche erreicht habe. §. 566. Die Porphyre des Thüringer Waldes ſind theils quarz⸗ führende, theils quarzfreie. Die letztern enthalten ſtatt des Quarzes häufig Glimmer und ich habe ſie aus dieſem Grunde Glimmer— porphyre genannt. Sie ſind durchſchnittlich die ältern. Ihre Grundmaſſe iſt meiſt braun oder grünlichbraun, ſie gehen oft über in blaſige und mandelſteinartige Varietäten, ein Theil dieſer Geſteine wurde von mehren Geologen zu dem Melaphyr gerech⸗ net. Dieſe Glimmerporphyre bilden ein ſehr großes Gebiet am öſtlichen Ende unſeres Gebirgsrückens, wo er mit dem Grauwacken— plateau verwachſen iſt. Zwiſchen Ilmenau, Amt-Gehren, Möh— renbach, Kahlert und Stützerbach, bei Frauenwald und Steinbach beſtehen die meiſten Berge nur aus ihnen, doch werden dieſelben auch hier mehrfach von mächtigen Quarzporphyrgängen durchſetzt, die dann meiſtentheils beſonders felſig oder kuppig über die mehr —— — 281— gerundete Oberfläche des Glimmerporphyrs hervortreten. Faſt ganz allgemeine Waldbedeckung hindert ſehr die genaue geognoſti⸗ ſche Unterſuchung dieſes Gebietes. Von der Hauptmaſſe laufen aber mehrfach zipfelartige Verzweigungen in das benachbarte Grau⸗ wackengebiet hinein, ein ſolcher Gang z. B. bis nach Maſſerbach, und auch gegen Weſt iſt die Begrenzung gegen Granit, Quarz⸗ porphyr und Rothliegendes eine ſehr unregelmäßige. Der Boden, welcher durch Zerſetzung des Glimmerporphyrs entſtanden iſt, ſcheint im Allgemeinen fruchtbarer zu ſein als der aus Quarzporphyr hervorgegangene. Zum Straßenbau wird das Geſtein vielfach verwendet. Bei Oehrenſtock ſetzen in ihm ſehr zahlreiche Manganerzgänge auf, welche zu einigem Bergbau Ver⸗ anlaſſung gegeben haben. Ein zweites kleineres Gebiet des Glimmerporphyrs dehnt ſich gangförmig zwiſchen Granit und unterem Rothliegenden von Suhl bis in die Gegend von Steinbach aus. Ein drittes tritt in bei⸗ nahe elliptiſcher Geſtalt oberhalb Georgenthal unter dem Roth⸗ liegenden hervor. Da man viele Geſchiebe des Glimmerporphyrs und beſon⸗ ders auch ſeiner blaſigen Varietäten im Rothliegenden findet, deſſen Conglomerate z. B. bei Friedrichsrode ſtellenweiſe faſt ganz daraus zuſammengeſetzt ſind, ſo ſcheint dieſe jedenfalls eruptive Geſteinsbildung am Thüringer Walde im Allgemeinen älter zu ſein als das Rothliegende. Damit ſteht auch die Gangform bei Suhl nicht unbedingt in Widerſpruch, inſofern dieſe vielleicht nur durch einen bei Ablagerung des untern Rothliegenden ſchon gang⸗ förmig hervorragenden Bergrücken bedingt ſein kann. Uebrigens ſcheint es auch, als habe man das Rothliegende theilweiſe als eine Conglomeratbildung zu betrachten, welche eben durch die Eruption des Glimmerporphyrs bedingt wurde, wie manche ähn— liche Conglomeratablagerung an noch thätigen Vulkanen. §. 567. Ich habe ſchon bemerkt, daß die Quarzporphyre des Thü⸗ ringer Waldes im Allgemeinen neuerer Entſtehung ſind als die Glimmerporphyre, welche ſie oft gangförmig durchſetzen, und von denen ſie zuweilen Bruchſtücke enthalten. Das ſchließt jedoch nicht aus, daß einzelne Quarzporphyre älter ſind als gewiſſe Glimmerporphyre, denn beide zeigen vielerlei Varietäten des Ge⸗ ſteins, welche zum Theil auch in etwas ungleichen Perioden emporgedrungen ſein mögen. Quarzporphyre treten in der ganzen Ausdehnung des Ge⸗ birges vielfach zwiſchen andern Geſteinen an die Oberfläche, und es iſt danach wahrſcheinlich, daß ſie, wenn man daſſelbe in dem Niveau ſeiner Baſis vollſtändig hinwegſchneiden könnte, dann als eigentliche Kernmaſſe des Ganzen eine noch weit größere Aus— dehnung zeigen würden, als die iſt, mit welcher ſie jetzt die Oberfläche erreichen. Das größte zuſammenhängende Gebiet der Quarzporphyre liegt zwiſchen Georgenthal, Elgersburg, Goldlauter und Ober⸗ ſchönau. Wir wollen dieſes nach ſeinem ungefähren Centrum das Maſſiv von Oberhof nennen. In dieſem Gebiet ſind die Quarz⸗ porphyre aber mehrfach gleichſam von kleinen Schollen des Roth⸗ liegenden bedeckt, welche es wahrſcheinlich machen, daß dieſe Be⸗ deckung einſt eine viel allgemeinere war. Außer dieſem Hauptgebiet findet ſich nun noch, ſowol nord⸗ weſtlich als ſüdöſtlich, eine größere Zahl von vereinzelten Porphyr⸗ bergen und Gängen. Die letztern durchſetzen zwiſchen Amt⸗Gehren und Manebach, ſowie zwiſchen Schmiedefeld und Hinterthal den Glimmerporphyr, ſüdlich von Schmiedefeld und ſüdlich von Ga⸗ bel den Thonſchiefer der Grauwacke, bei Suhl und bei Brotte⸗ rode den Granit, bei Thal den Glimmerſchiefer, zwiſchen Fried⸗ richsrode und Neſſelhof, vielleicht auch in der Umgegend von Rotterode und bei Winterſtein das Rothliegende. Viele andere Quarzporphyrkuppen und Rücken treten aber unter dem Rothlie⸗ genden hervor, ohne es durchſetzt zu haben, ſie ſind als älter von ihm theilweiſe um- oder überlagert. Das relativ höhere Alter der meiſten Quarzporphyre im Vergleich zum Rothliegen⸗ den ergibt ſich auch ſchon aus den ſehr zahlreichen Geſchieben derſelben, welche in dem obern Conglomerate des Rothliegenden — 283— auftreten. Nach Danz ſollen in der Gegend von Herges einige Quarzporphyre ſelbſt den Zechſtein durchſetzen, das iſt aber von andern Beobachtern bis jetzt am Thüringer Walde noch nicht ge⸗ ſehen worden, obwol ſehr häufig, z. B. bei Alsbach, auch aus und unter dem Zechſteingebiet kleine Kuppen von Quarzporphyr als älter hervortreten. §. 568. Die Geſteinsvarietäten des Quarzporphyrs ſind am Thürin⸗ ger Walde außerordentlich mannichfaltig, kaum dürfte irgend ein anderes bekanntes Gebiet ſo reich daran ſein. Die wichtigſten derſelben, welche aber alle durch viele Zwiſchenſtufen miteinander verbunden ſind, werden etwa folgende ſein: 1) Normaler Quarzporphyr mit braunröthlicher, gelblicher oder ins Violette ſpielender felſitiſcher Grundmaſſe. Darin deut⸗ liche Kryſtalle von Feldſpath und Quarz; ſehr häufig. 2) Daſſelbe Geſtein neben den Quarzdodekaedern mit ſehr gro⸗ ßen Feldſpathkryſtallen, welche zuweilen aus der leichter ver— witternden Hauptmaſſe herausfallen, z. B. bei Manebach, am Uebelberg bei Tabarz, am Heiligenſtein bei Ruhla u. ſ. w. 3) Dieſelbe Grundmaſſe mit ſehr wenigen und nur ſehr kleinen Kryſtallen; häufig 4) die Grundmaſſe beinahe ohne alle Kryſtalle, oder nur mit kleinen Feldſpathkryſtallen; häufig 5) Kugelporphyr. Theils beſteht die ganze Maſſe vorherrſchend aus kleinen hirſekorn- bis erbſengroßen Kügelchen, theils treten einzelne größere und bis kopfgroße Kugeln in einem gewöhnlichen Porphyr auf. Am Regenberg bei Friedrichs⸗ rode und im Schneetiegel am Schneeberg enthalten dieſe großen Kugeln zuweilen ſchöne Quarz⸗ und Amethyſt⸗Druſen oder Kalcedonkerne. Uebrigens ſind die Kugelporphyre ſo⸗ wol mit kleinen als großen Kugeln am Thüringer Walde ziemlich häufig. Mühlſteinporphyr, löcherig und druſig, in allen Druſen mit kleinen Quarzkryſtallen beſetzt, wird oberhalb Frankenhain 6 — — 284— und Dürrberg als ſehr guter Mühlſtein gewonnen, ſteht aber auch im Jügnitzthal bei Arlsberg, zwiſchen Heiders⸗ bach und der Schmücke, ſowie bei Gehlberg als Fels an. Dieſer geht aber über in mm 7) eine Art Porphyrbreccie, die ebenfalls ſehr druſig und des⸗ 1 2 halb zu Mühlſteinen brauchbar iſt. W 6 8) Bandporphyr oder bunter Porphyr, beſonders ſchön bei 1 Winterſtein und bei Aſchbach unweit Schmalkalden; er geht 1 über in u 4 9) Schalenporphyr, welcher eine Art von gewunden ſchieferiger 5 Textur beſitzt. 10) Grüner Porphyr, deſſen Grundmaſſe grün gefärbt iſt, findet n ſich häufig als Fragmente und Geſchiebe, z. B. am Schützen⸗ a berg bei Oberhof, am Regenberg bei Friedrichsrode. 8 11) Zerſetzter in Kaolin übergehender Porphyr. mn 12) Trümmerporphyr, welcher dadurch entſtanden zu ſein ſcheint, daß ein älterer Porphyr einen jüngern durchbrochen hat. §. 569. 1 Ich habe bereits einige beſondere Nutzanwendungen dieſer Porphyrvarietäten kurz berührt. Die meiſten liefern ein ſehr gutes 1 Straßenbaumaterial, aber nur ſelten paſſende Bauſteine, ihre Zer⸗ ſ klüftung iſt für dieſen Zweck meiſt zu ſtark. Bei Elgersburg fi ſetzt in dem Quarzporphyr eine große Zahl von Manganerz⸗ gängen auf, welche zu einigem Bergbaubetrieb Veranlaſſung geben. ſe Auch Eiſenſteingänge ſind darin mehrfach bekannt. 1 Er bildet in der Regel eine ſehr unebene oft felſige Ober⸗ fläche. Wenn man im Thüringer Walde die Regionen überblickt, welche vorherrſchend aus Quarzporphyr und Rothliegendem be⸗ ſtehen, ſo kann man nach einiger Uebung gewöhnlich ſchon von weitem die hervorragenden Kuppen und Felsvorſprünge, oder die b unebenern Bergabhänge des erſtern als ſolche erkennen und von 1 dem Gebiet des Rothliegenden unterſcheiden. Die meiſten und 1 höchſten Berge des Thüringer Waldes beſtehen darum aus die⸗ ſem Geſtein. Gewöhnlich ſind dieſelben mit Felſen geziert, ſo der 285— Finſterberg, der Rupperg bei Mehlis, der Hermannsberg bei Ober⸗Schöna, der Donnershang, der große Buchberg bei Diet⸗ hardt, der Stille Stein bei Altersbach, die Felskuppe ſüdöſtlich von Klein⸗Schmalkalden, der Inſelsberg, der Meiſenſtein bei Schmerbach, der Uebelberg bei Tabarz, die kleinen Felskuppen bei Winterſtein; ſie ragen zum Theil wie feſtere Zähne aus ihren Um⸗ gebungen hervor. Auch in den Thälern bildet der Quarzporphyr ſehr häufig beſonders hervortretende Felspartien, ſo die Katzenſteine bei Etterwinden, der Thorſtein und ſeine Nachbarn im Felſenthal bei Tabarz, der Burgberg bei Friedrichsroda, die Felſen des Spitter⸗ falles, die Felſen bei Aſchbach, die Felſen von Hallenburg und der Umgebung, die Felſen von Schwarzwald, die Felſen in den Thälern der wilden Gera und der Arlsberger Gera, das Felſenpanorama im Schneetiegel am Schneekopf, die Felſen am Domberg bei Suhl und die Falkenſteine oberhalb Hirſchbach bei Schleuſingen. §. 570. Grünſteine verſchiedener Art durchſetzen ſowol den Granit als auch den Thonſchiefer der Grauwacke und die Schichten des Rothliegenden. Einige dieſer Grünſteinvarietäten ſind bisher ge⸗ wöhnlich unter der Benennung Melaphyr aufgezählt worden; in⸗ ſofern ſie dunkler gefärbt ſind und keinen Quarz enthalten, mag dieſe Benennung paſſend ſein. Da ſie aber ſämmtlich Uebergänge bilden in körnige Diorite oder Diabaſe, ſo halte ich es für beſſer, ſie unter der ältern allgemeinen Bezeichnung Grünſtein zuſam⸗ menzufaſſen, ohne jedoch einen großen Werth auf den Namen von Geſteinen zu legen, die ſich theilweiſe noch gar nicht genau beſtimmen laſſen. §. 571. Die horizontale Verbreitung der Grünſteine, und ſomit ihr Einfluß auf die Bodengeſtaltung, iſt nur gering. Das größte und zuſammenhängendſte Gebiet bilden ſie in den Hühnbergen und dem Schützenberg bei Schnellbach. Dieſes Gebiet ſtellt ſich als ein ſehr mächtiger, aus Süd nach Nord ſtreichender Gang im Rothliegenden dar, deſſen Schichten an der Grenze nicht nur — 286— durchbrochen, ſondern auch gewöhnlich ſtark verändert ſind. Aus dem Schieferthon iſt eine Art Kieſelſchiefer geworden, den man bei Schnellbach zuweilen zum Chauſſeebau benutzt. In dieſem mächtigen Gang iſt das Geſtein beſonders kryſtalliniſch oft ſo grobkörnig ausgebildet, daß man es früher für Syenit gehalten hat. Es beſteht daſſelbe hier aus einem Gemenge von Amphybol und einem lithionhaltigen Feldſpath, oft mit etwas Magneteiſenerz und wird vielfach wie ſeine Contactproducte zum Chauſſeebau be⸗ nutzt. Seine bergige Oberfläche iſt ganz mit Wald bedeckt, der meiſt einen guten Wuchs zeigt. Wir können das Hühnberger Geſtein um ſo mehr als den am meiſten charakteriſtiſchen Grünſtein(Diorit) des Thüringer Waldes betrachten, als es in dieſer Localität mehrfach Uebergänge in die feinkörnigern dichten und porphyrartigen Varietäten bildet, die anderwärts bei geringerer Mächtigkeit zuweilen blaſig und mandelſteinartig auftreten und dann beſonders als Melaphyr be— ſtimmt worden ſind. Doch ſoll damit nicht behauptet werden, daß ſie alle Amphybol zum Gemengtheil haben, vielmehr iſt es wahrſcheinlich, daß das dunkelfärbende Mineral bei vielen Augit ſei(das Geſtein alſo Diabas). §. 572. Solche feinkörnige, dichte porphyrartige, blaſige und mandel⸗ ſteinartige Geſteine von ſtets ſehr dunkler Färbung durchſetzen als 10 bis über 100 Fuß mächtige Gänge den Granit zwiſchen Herges und Schweina, weſtlich von Schmiedefeld, wo ſie mit dem Magneteiſenſtein des ſchwarzen Kruxes innig verbunden ſind, und am Ehrenberg bei Ilmenau; den Thonſchiefer der abgetrenn⸗ ten Parcellen bei Schmiedefeld und von da ſüdlich; das untere Rothliegende bei Klein⸗Schmalkalden(hier zugleich auch Granit und Porphyr), bei Tabarz und im Winterſteiner Forſtrevier. Sie werden überall in Steinbrüchen vorzugsweiſe zum Chauſſeebau gewonnen, haben aber übrigens geringen Einfluß auf das Leben. Vom Zechſtein ſind dieſelben bei Schweina regelmäßig überlagert, folglich älter als derſelbe. §. 573. Das Rothliegende des Thüringer Waldes läßt ſich paſſend in zwei Abtheilungen ſondern: eine untere kohlenführende, vor⸗ herrſchend aus grauen Sandſteinen und Schieferthonen beſtehende, und eine obere ganz vorherrſchend durch braunrothe Conglomerate gebildete, die nur untergeordnet rothen Sandſtein und Schieferthon enthält. Jene untere Abtheilung zeigt eine große Aehnlichkeit mit der eigentlichen Steinkohlenformation, und es kann die Frage ent⸗ ſtehen, ob man ſie nicht als ihr zugehörig bezeichnen ſoll, zumal da auch wirklich ſelbſt abbauwürdige Kohlenlager darin enthalten ſind. Der innige Verband mit der obern Abtheilung und der vollſtändige Uebergang in dieſelbe, ſowie geringe Verſchiedenheiten der foſſilen Pflanzenreſte haben indeſſen bei der Mehrzahl der Geologen die Anſicht hervorgerufen, daß dieſe Schichten, ſowie die entſprechenden am Harz, über die eigentliche deutſche Stein- kohlenformation gehören, wie ſie in Sachſen und Böhmen, bei Saarbrücken und an der Ruhr entwickelt iſt. Dieſe Frage von vorherrſchend geologiſchem Intereſſe iſt auch praktiſch nicht ganz unwichtig, da eine ſolche Trennung von der eigentlichen Stein⸗ kohlenformation die Hoffnungen etwas vermindert, welche dieſe Gebilde rückſichtlich ihrer Kohlenführung gewähren. Man iſt unter ſolchen Umſtänden kaum berechtigt, ſo mächtige und ſo gute Koh⸗ lenlager in ihr zu erwarten, als nun einmal in der darunter ge⸗ hörigen Formation vielfach bekannt ſind. Und auch in dieſer Beziehung ſprechen die bisherigen Erfahrungen für eine Abtren⸗ nung, wobei es freilich weſentlich ganz gleichgültig ſein würde, ob man die fraglichen Schichten als unteres Rothliegendes, oder als obere Kohlenformation bezeichnen wollte. §. 574. Beide dieſe Abtheilungen des Rothliegenden nehmen einen ſehr weſentlichen Antheil an dem Bau des Thüringer Waldes. Sie ſind beſonders in ſeinem nordweſtlichen Theil ungemein ver⸗ breitet. Ja von Etterwinden an nördlich beſteht der Rücken des Gebirges geradezu nur aus Rothliegendem, und zwar aus ſeiner — 288— obern conglomeratiſchen Abtheilung. Südöſtlich von dem Ruhlaer Glimmerſchiefergebiet herrſcht zunächſt und bis zu dem Hühn⸗ berger Grünſteingang das vielfach von Porphyren und Grün⸗ ſteinen durchſetzte untere Rothliegende vor, noch mehr öſtlich aber, und beſonders in den Umgebungen von Tambach das obere. Bei Rotterode, Oberſchönau, Oberhof, Gehlberg, Elgersburg und Manebach, bei Sillbach, Oberwied, Maſſerberg, Amt-⸗Gehren und Langewieſen werden beide Abtheilungen in unregelmäßigen und ſehr verſchieden großen Parcellen auf und zwiſchen den hier ganz vorherrſchenden Quarzporphyren gefunden. Die Regel⸗ mäßigkeit der Lagerung iſt dabei mannichfach geſtört, die geolo⸗ giſchen Karten ſind noch ziemlich unvollkommen, da hier auch porphyriſche Reibungsbreccien und ſedimentäre Conglomerate in⸗ einander überzugehen ſcheinen. Beſonders ſchwierig iſt es aber, von ſo unregelmäßiger Verbreitung durch bloße Beſchreibung, ohne ſehr ſpecielle Karte, ein irgend deutliches Bild zu geben. Von beſonderm geologiſchen Intereſſe iſt es, daß in den Schich— ten des untern Rothliegenden bei Friedrichsrode Fährteneindrücke von großen Reptilien gefunden wurden. Sie gehörten, als ich ſie auffand, zu den älteſten Fußſpuren. §. 575. Das untere Rothliegende liefert als nutzbar Bauſteine, Plat⸗ tenſteine und Kohlen. Die letztern werden an mehren Stellen berg⸗ männiſch gewonnen, ſo beſonders bei Kammerberg und Manebach, unweit Ilmenau und bei Krock. An ſehr vielen andern Orten ſind Schürfe, Verſuchsbaue und Bohrlöcher unternommen worden, um die Kohlenlager bauwürdig aufzuſchließen. Schwache Kohlenflötze wurden dadurch mehrfach erreicht. Ich ſelbſt habe als Vertreter einer Actiengeſellſchaft bei Tambach ein Bohrloch etwas über 1300 Fuß tief niederbringen laſſen. Die grauen Geſteine des untern Rothliegenden oder der Kohlenformation wurden von 700 Fuß Tiefe an noch 600 Fuß mächtig durchſunken, aber ohne Kohlen zu erreichen, leider mußte das Unternehmen aufgegeben wer⸗ den, doch ſteht zu hoffen, daß die herzoglich gothaiſche Regierung — 289— es fortſetzt, da die Frage in dieſem Falle durchaus noch nicht entſchieden iſt. Ein anderer Bohrverſuch wurde ſpäter bei Eiſenach begonnen und iſt, ſoviel ich weiß, noch nicht ganz aufgegeben. Die Conglomerate und Sandſteine des obern Rothliegenden liefern vielfach gute Bauſteine und bei Krahwinkel auch Mühl⸗ ſteine, die zuſammen vorkommen mit poröſen Mühlſteinporphyren und vielleicht als eine Art von Reibungsbreccie oder Tuffbildung derſelben anzuſehen ſind. Mehrfach ſetzen in dem Rothliegenden bauwürdige Eiſenſteingänge auf, beſonders in der Gegend von Friedrichsrode. Die Oberfläche der ganzen Formation iſt grüßtentheil ſehr uneben, wenn auch nur an den Thalrändern felſig, und in Folge davon faſt überall mit Wald bedeckt, zwiſchen dem nur ſchmale Wiesgründe in den Thälern hinlaufen, oder der in der Nähe der ſparſamen Orte einigen Feldern und Gärten Platz gemacht hat, wie bei Tambach. §. 576. Die Zechſteinformation, welche nur den äußern Rand des Thüringer Waldes einfaßt, beſteht von oben nach unten aus folgenden Gliedern: 1) Stinkſtein und Rauchwacke, einem grauen oft poröſen oder zelligen, zuweilen dolomitiſchen Kalkſtein. 2) Gyps mit Thon und Steinſalz, welche ſtockförmig hier und da in dieſes obere Glied eingelagert ſind. 3) Bituminöſer Mergelſchiefer, übergehend in 4) Kupferſchiefer, 5) Weiß⸗ oder Grauliegendes. Dieſe Glieder ſind nicht überall alle vorhanden, zu ihnen geſellen ſich aber local auch noch: Eiſenkalkſtein und Eiſendolomit, ſowie Lager und ſtockförmige Maſſen von Spatheiſenſtein, die beide durch Zerſetzung übergehen in Brauneiſenſtein und braunen Glaskopf. Alle dieſe Bildungen ſind aber an manchen Orten auch noch ſehr vielfach durchſetzt von Schwerſpathgängen, die zwiſchen dem Kupferſchiefer und Weißliegenden oft Kupfer⸗, Cotta, Deutſchlands Boden. 19 — 290— Kobalt⸗, Nickel⸗ und Silbererze enthalten, ſo bei Schweina, Kat⸗ terfeld und Ilmenau. §. 577. Dieſe Zechſteinzone, welche zugleich ganz zweckmäßig als die äußere Grenze des eigentlichen Gebirges im engern Sinne be⸗ trachtet werden kann, beginnt an der Nordweſtſeite bei Lange⸗ wieſen, erfüllt bei Ilmenau eine Art Bucht, ſetzt von da deutlich über Elgersburg bis jenſeit Frankenhain fort und verſchwindet hier auf kurze Strecke unter Buntſandſtein und Muſchelkalk. Schon vor Luiſenthal aufs neue hervortretend, läßt ſie ſich dann beinahe ohne Unterbrechung beobachten über Georgenthal, Friedrichsrode, Tabarz, Schmerbach, Seebach und Kittelsthal bis Eiſenach. Hier verſchwindet ſie wieder auf kurze Strecke unter Buntſandſtein, umſäumt aber dann die äußerſte Nordweſtſpitze des Gebirges bei Neuenhof und dehnt ſich von da mit flacherm Fallen deshalb als ein breiterer Streif über Wolfsburg, Eckartshauſen, Waldfiſch und Schweina bis Herges aus. Von Herges ſüdöſtlich erreichen nur noch einzelne Parcellen und Streifen derſelben die Oberfläche, dieſe laſſen ſich aber verfolgen über Seligenthal, Alsbach, Bens⸗ hauſen und Linſenhof, bis noch jenſeit Suhl. §. ,578. In dieſer ganzen Ausdehnung ſind die Schichten der Zechſtein⸗ formation und des Buntſandſteins größtentheils ſteil aufgerichtet, entſprechend der Erhebung des Gebirges, zuweilen ſogar überge⸗ kippt, gegen daſſelbe einſchließend. Die letzten Erhebungen der ree SNM An der Klinge. Am Domberg bei Suhl. 4 Sacadren „N... W 7 uin tt hier Schon einghe rode, Hier ſtein, bei b als diſch eichen liche, Bens⸗ — 291— Gebirgskette müſſen folglich neuer ſein als der Zechſtein, und da zugleich alle Glieder der Triasgruppe, ja bei Rothenthal ſelbſt die Schichten des Leiasſandſteins mit aufgerichtet ſind, ſo müſſen dieſe letzten Erhebungen ſogar neuer ſein als die Leiasbildung und der Zeit nach ungefähr zuſammenfallen mit der Bildung der 6 Er⸗ hebungszonen im Innern des Thüringiſchen Beckens. Das iſt aber geologiſch um ſo intereſſanter, da man in dem Gebirge mit Si⸗ cherheit noch kein Eruptivgeſtein kennt, welches entſchieden neuerer Entſtehung wäre als der Zechſtein, obwol allerdings Herr Danz dies von mehren derſelben behauptet. An der Grenze zwiſchen den eruptiven Geſteinen und dem 88 3 55 55 de l 88* 8 Æ☛ᷓ ₰ 5 ⁸ lS2 58 8 8 A 5☛ 81 3 8,8 Iy S 85 R 8 555„ 8 8G ſfceN 5 S —— goor e N 5⁸ 5 Krdene Te el⸗ 5A — 4 N 8 4³ Ta Bwes Eilſeſ0 45⁸ 15 1 8 29 2 58 58*=A= 5 l5 5* 55 — 2* 8 ½ 3 8 55 99ℳ 5 1 uige Aohaed 8 ⁵ 9 N = A NA 3 8 58 — 292— Zechſtein oder Buntſandſtein zeigen ſich nicht ſelten gangförmige Einlagerungen von Roth⸗ und Brauneiſenſtein. Die umſtehenden zwei Holzſchnitte ſollen eine ungefähre Idee von dem innern Bau des Gebirges und ſeiner Ränder ge⸗ währen. §. 579. Der Zechſtein mit ſeinen untergeordneten Einlagerungen iſt die techniſch wichtigſte Formation am ganzen Thüringer Wald. Den Gyps von Kittelsthal, Reinhardsbrunn und Beiroda be⸗ nutzt man als Düngmaterial und als Mörtel, in Ruhla werden auch Vaſen, Leuchter, Briefbeſchwerer u. ſ. w. daraus gefertigt. Die ſchönſte kryſtalliniſche Gypsmaſſe der Welt vielleicht iſt bei Friedrichsrode durch den Herzog⸗Ernſt⸗Stollen aufgeſchloſſen. Kryſtallprismen von 3 bis 5 Fuß Länge und von der Dicke eines Menſchenbeines ſind zu einer glänzenden Felsmaſſe durch einander gewachſen, die wie ein hausgroßer Klumpen im dichten Gyps des Zechſteins liegt. Spatheiſenſtein, hier und da in Brauneiſenſtein umgewandelt, bildet wie erwähnt Lager und ſehr merkwürdige ſtockförmige Maſ⸗ ſen im Zechſtein, die man bei Saalfeld wie an der Mommel und am Stahlberg unweit Herges mit großem Gewinn abbaut. Auf dieſem vortrefflichen Eiſenerz beruht ſogar weſentlich die am Thüringer Wald ſo verbreitete Stahlinduſtrie, die ſich bei Suhl, Zelle und Mehlis als Gewehrfabrikation, in Ruhla und Stein⸗ bach als Meſſerfabrikation entwickelt hat. Das Steinſalz ragt nie an die Oberfläche hervor, nur durch Bohrlöcher iſt es nachgewieſen, aber ſeine geſättigte Auflöſung ſpeiſt die Salinen bei Salzungen und bei Schmalkalden, wäh⸗ rend die von Kreuzburg ihre Soole aus dem Muſchelkalk erhält. Der Kupferſchiefer hat beſonders in zwei Gegenden des nord⸗ öſtlichen Thüringer Waldes zu beträchtlichem Bergbau Veranlaſ⸗ ſung gegeben, in der von Ilmenau und in der von Schweina. In beiden ſind es, außer dem Kupferſchiefer ſelbſt, vorzugsweiſe die kobalthaltigen ihn durchſetzenden Gänge, ſogenannte„Rücken“, rmige fihr 5 ge⸗ gen iſt Wah. da be⸗ verden ertigt ſt bei oſſen. eines nander p des nndelt Naſ⸗ mmel baut. ie am Suhl, dtein⸗ durch öſung wäh⸗ chält nond⸗ anlaſ veina. weiſe ken“, — 293— die man gewonnen hat und noch gewinnt, und die auch bei Cat⸗ terfeld einigen Bergbau hervorriefen. Der Kupferſchiefer iſt zu⸗ gleich reich an organiſchen Reſten; außer vielen Fiſchen und Pflanzen hat man einzelne Gerippe von Sauriern darin gefun⸗ den, und die bei Schweina über ihm aufragenden von Höhlen durchzogenen Dolomitfelſen ſind oft voll von Zoophyten und ein⸗ zelnen Terebrateln. Mit den kobalthaltigen Gängen ſind gewöhnlich mächtige Schwerſpathgänge verbunden, die aber nicht blos den Zechſtein, ſondern auch darüber den bunten Sandſtein, und darunter den Granit, den Gneis, das Rothliegende und ſelbſt die Porphyre, aber beinahe ganz ohne Erzgehalt, durchſchwärmen. Man ge⸗ winnt dieſen Schwerſpath, um in einigen Farbenfabriken, z. B. in Eiſenach, das Bleiweiß damit zu mengen, oder, wenn man bei einem allgemein eingeführten Gebrauch ſo ſagen darf, zu ver⸗ fälſchen. So kommt es denn, daß der Zechſtein, der den Thüringer Wald als ein ſchmaler Saum umgibt, ganz vorzugsweiſe zu einer beſondern und localen Induſtrie in dieſem kleinen, leider zu ſehr bevölkerten Berggebiet beigetragen hat und noch beiträgt. Auf ſeiner Exiſtenz beruhen nicht nur zahlreiche Eiſenwerke und Stahlfabrikationszweige, ſöondern auch Salinen, Blaufarbenwerke, chemiſche Fabriken und Drechslerwerkſtätten. §. 580. Der Zechſtein bildet zugleich die ſcharfe Grenzlinie des ei⸗ gentlichen Gebirges, überall kann man hier ſagen, das Gebirge hört auf, wo der Zechſtein anfängt. In irgend einem der ſchönen Gebirgsthäler herabwandernd, nimmt man augenblicklich eine gänz⸗ lich veränderte Geſtaltung, eine Erweiterung und Abflachung der Gehänge oder eine eigenthümliche Einſenkung von Erdfällen und nicht durch den Waſſerlauf modificirten Längenthälern wahr, ſowie man aus dem Granit, Porphyr oder Rothliegenden in den Zech⸗ ſtein, bunten Sandſtein oder Muſchelkalk eintritt, die zum Theil mit aufgerichteter Schichtung das Gebirge umſäumen, ſich aber — 294— nur ganz ausnahmsweiſe in Geſtalt iſolirter Fragmente im In⸗ nern deſſelben vorfinden, was wol darauf hindeutet, daß daſſelbe während ihrer Ablagerung bereits eine flache Landzunge oder Inſelgruppe bildete. Kaum an irgend einem andern Gebirge iſt die äußere Grenze ſo ſcharf ausgeſprochen als am Thüringer Wald, aber freilich der Saum aufgerichteter Schichten, der ihn mehrfach umgibt, bildet eine Art von deutlich geſchiedenem Vorgebirge, welches von Geo⸗ graphen gewöhnlich noch zum Gebirge ſelbſt gerechnet wird; ſo die Berge von Waltershauſen und Moßbach, Markſuhl und Vacha. Wo die Formation Breite genug beſitzt, um einen merkba⸗ ren Einfluß auf die Natur des Bodens zu gewinnen, da iſt die⸗ ſer offenbar ein günſtiger; ſo zwiſchen Neuenhof und Schweina. §. 581. Nachdem wir ſomit die Geſteinsbildungen des Thüringer Wal⸗ des, ihre Eigenthümlichkeiten und gegenſeitigen Lagerungsverhält⸗ niſſe im Allgemeinen kennen gelernt haben, gehe ich jetzt über zu einigen Bemerkungen über die beſondere Geſtaltung des Lebens in dieſer Gegend. Der Thüringer Wald iſt, entſprechend ſeiner Benennung und ſeinem geologiſchen Bau, vorherrſchend mit Wald bedeckt, nur zunächſt um die vereinzelten Orte findet man Felder und mitten im Wald liebliche Wiesgründe. Dieſe Umſtände bedingen als vorherrſchend: Cultur und Verwerthung der Wälder ſowie Vieh⸗ zucht, welche letztere nicht überall zum Vortheil der Wälder aus⸗ gedehnt wird, das Waldleben aber, verbunden mit der häufigen Waldköhlerei, um ſo romantiſcher geſtaltet. Außer den Natur⸗ producten der Oberfläche wirken hier und da auch die der Tiefe ein, welche aus Gruben und Steinbrüchen gefördert werden. Un⸗ ter erſtern ſind ſeit alter Zeit am einflußreichſten die Eiſenſteine. Dieſe Rohproducte haben in ihrer Verbindung eine Menge kleine Eiſenwerke, allerlei Arbeiten in Stahl, Gewehrfabriken und Meſ⸗ ſerſchmieden, Glashütten und Porzellanfabriken ins Leben geru⸗ fen. Der Thüringer Wald iſt aber überdies, namentlich an und „nur mitten en als Vieh r all⸗ ufigen Natur⸗ Tiefe Un⸗ heine. kleine Maß geru⸗ ch an — 295— ſeinem äußern Rande, von einer Anzahl kleiner Orte bedeckt, die durch ihre beſondere Induſtrie ſich auszeichnen, ohne daß deren Urſache allemal im benachbarten Boden zu finden iſt, vielmehr ſcheint ſie oft nur aus der geſchützten und abgeſchloſſenen Lage ſowie aus dem Mangel an Feldern zu entſpringen. Wir wollen dieſen kleinen Ortekranz mit ſeinen Verzweigungen in das In⸗ nere flüchtig überblicken. §. 582. Ilmenau dankt ſeine verhältnißmäßige Größe weſentlich dem frühern Bergbau auf Kupferſchiefer und Braunſtein, jetzt wird hier nur noch der letztere gewonnen, aber in der Nähe ſind da⸗ für die Kohlenwerke von Cammerberg und Manebach entſtan⸗ den. Längſt beſaß es auch eine ſchwache Mineralquelle und ſeine romantiſche Lage hat neuerlich die Errichtung einer Kaltwaſſer⸗ heilanſtalt veranlaßt. In dieſer Eigenſchaft findet es aber als weimariſche Stadt zwei Rivalen in dem nahen gothaiſchen El⸗ gersburg und dem entferntern meiningiſchen Liebenſtein. In Louiſenthal und Georgenthal Eiſenwerke. Tambach nährt ſich von Holzhandel und Glasfabrikation. In Friedrichsrode wäſcht und bleicht man für Gotha und Erfurt, überdies iſt es durch ſeine reizende Lage zum beliebten Sommeraufenthalt geworden, wie denn die Naturſchönheiten des ganzen Thüringer Waldes ſeit lange zu ſeinen Erwerbsquellen gehören und immer mehr zu ſol⸗ chen geworden ſind, ſeitdem die Verbindung mit dem übrigen Norddeutſchland durch die nahe vorüberziehende Eiſenbahn ſo weſentlich erleichtert worden iſt. Unweit, obwol nicht mehr im eigentlichen Gebirge, aber doch mehr von ihm als von der Ebene abhängig, liegt das betriebſame Waltershauſen, ganze Wälder werden hier in Spielwaaren umgewandelt und Schweineheerden in Gothaer Würſte, weshalb es denn auch durch eine Zweigbahn mit der thüringiſchen Hauptbahn verbunden worden iſt, die das Volk ſcherzweiſe die Puppen⸗ oder Wurſtbahn nennt. Ruhla iſt das Mancheſter des Thüringer Waldes; es liegt in einem tiefen und engen Thal, gerade auf der Grenze zweier Länder, die aber — 296— in dieſem Ort gemeinſame Intereſſen verfolgen, d. h. die 2000 oder 3000 Bewohner würden niemals von ihren paar Gärten und Wiesſtückchen leben können, die tapetenartig an den ſteilen Bergen kleben, ſie haben es deshalb übernommen, alle Abfälle der Meerſchaumdrechsler Europas zu einer neuen Meerſchaum⸗ maſſe zu vereinigen und daraus Rauchapparate aller Art zu ſchnei⸗ den, außerdem aber noch Pfeifenbeſchläge und Pfeifenſpitzen, Meſ⸗ ſer, Scheren, Schnallen u. ſ. w. zu fertigen, die ſie in alle Welt hin verſenden. In der Woche ſieht man in jedem Hauſe die ämſigſte Thätigkeit, um ſo luſtiger geht es dafür an den Sonn⸗ und Feſttagen her. Weit berühmt ſind die Ruhlaer Mädchen als hübſch und apart, wozu die beſondere Tracht und Sprache nicht wenig beitragen mögen. Eiſenach, ein alter Stammſitz des ſächſiſchen Hauſes, iſt nicht nur Verkehrsſtation, ſondern auch durch mancherlei kleine Fabriken begünſtigt, noch mehr aber durch den Strom der Vergnügungkrelſonden⸗ die von hier aus in die Berge eindringen. In Schweina alter Bergbau und neue Spinnereien, nahe dabei Liebenſtein, längſt als Curort durch ſeine kohlenſäuerehaltige Eiſenquelle bekannt, die auf meinen Rath im Jahre 1846 durch eine kleine Bohrarbeit weſentlich verſtärkt worden iſt. Als Kalt⸗ waſſerheilanſtalt wurde es ſchon erwähnt. Unweit auch Stein⸗ bach, ein Ruhla im kleinern Maßſtabe. Nun folgen die Spath⸗ eiſenſteingruben des Zechſteingebietes, die Mommel und der Stahl⸗ berg, welche treffliches Erz für beträchtliche Eiſenwerke liefern. In Bennshauſen hat ſich aus mir unbekannten Urſachen eine kleine Colonie von Weinhändlern feſtgeſetzt. Zelle, Mehlis und Suhl ſind berühmt durch ihre Gewehr— fabriken. Und nun finden wir noch hoch oben im Gebirge den Flecken Brotterode, wo 1850 Fuß über dem Meere die Taback⸗ blätter des Werrathales in Rollen, Cigarren und Schnupfpulver verwandelt werden, die freilich alle wol mehr geeignet ſind, läſtige Inſekten zu vertreiben, als die Naſe des Menſchen zu erfreuen. Ich habe natürlich nicht alle die kleinern Orte nennen wollen, welche Glas⸗ und Porzellanhütten oder ähnliche Induſtriezweige — 29— beſitzen. So iſt denn der Thüringer Wald in gar mancher Be⸗ ziehung reich begabt durch äußere Reize, innere Schätze und vielſeitige Entwicklung des Lebens auf ſeiner Oberfläche. Der Gedanke liegt nahe, all' dieſe Mannichfaltigkeit in eine gewiſſe, wenn auch nicht überall deutlich nachweisbare Beziehung zu brin⸗ gen zu der großen Mannichfaltigkeit ſeines innern geognoſtiſchen Baues. Wenigſtens findet man ſolche Mannichfaltigkeit niemals in geologiſch einförmigen ebenen Landſtrichen. §. 583. Das ſchmale Gebirge iſt neuerlich von ſo vielen bequemen Straßen durchſchnitten worden, daß es kaum noch als Verkehrs⸗ hemmniß angeſehen werden kann, wenn auch alle Eiſenbahnen natürlich es meiden werden ſo lange ſie können. Bemerkenswerth iſt es aber wol, daß die bequemſten und niedrigſten Uebergänge den Quarzporphyr kaum berühren. Von den 8 Hauptſtraßen, welche den ſchmalen nordweſtlichen Theil des Thüringer Waldes überſchreiten, gehören 3 vorherrſchend dem Gebiet des Rothliegenden an, 3 durchſchneiden Rothliegendes, Granit, Glimmerporphyr und ſchmale Quarzporphyrgänge, eine Glimmerporphyr und Quarzporphyr und nur eine, die am höch⸗ ſten aufſteigend, durchſchneidet das Quarzporphyrmaſſiv von Ober⸗ hof. Dieſes Meiden iſt um ſo auffälliger, da dieſe Porphyre hier ſo ſehr allgemein verbreitet ſind. §. 584. Die Bevölkerungszahl ſchwankt im Thüringer Walde zwi⸗ ſchen 3600 und 3800 auf die Quadratmeile. Das iſt wol etwas viel für die Productionskraft, aber doch lange nicht ſo viel als im öſtlich anſtoßenden Gebiet im Voigtlande und Erzgebirge. Die meiſten Menſchen wohnen dabei am äußern Saum des Ge⸗ birges, ſein Inneres iſt verhältnißmäßig arm an Orten. §. 585. Die geringe Breite und überall leichte Zugänglichkeit dieſes Gebirgsrückens laſſen ihn erſt in ſpäter Zeit als Grenzmarke für — 298— Ländertheilungen im Kleinen auftreten. Das Reich der Thürin⸗ ger wie das der Oſtfranken umſchloſſen ihn gänzlich. Auch un⸗ ter den Hohenſtaufen reichen die thüringiſchen Länder meiſt bis zu ſeinem ſüdweſtlichen Fuß herab. Henneberg dagegen über⸗ ſchreitet ihn nordwärts. Je mehr aber in dieſem Theile Deutſchlands die Feudalzeit heimiſch wurde, kleine ſelbſtändige Dynaſtien erblühten und Län⸗ dertheilungen erfolgten, um ſo mehr benutzte man den ſcharfen Kamm als natürliche Grenze. Wol in keiner andern Gegend findet man darum mehr ſogenannte Dreiherrenſteine ſo nahe bei⸗ ſammen als an dem Rennſteig, dieſem uralten Grenzweg auf dem Gebirgskamm, bis zu welchem jedes der vielen kleinen Län⸗ der irgendwo heraufragt, deren man hier als leidlicher Fußgänger in einem Tage leicht 5 bis 6 in ihren äußerſten Zipfeln durch⸗ wandern kann. Die vielfache Gelegenheit, welche die äußern Vorſprünge des Gebirges zu Erbauung von feſten Burgen dar⸗ boten, iſt dabei offenbar nicht ohne Einfluß geblieben auf den oft wiederholten Theilungsproceß, da ſie paſſende Gebietscentra dar⸗ boten. Das Hochplateau des Fichtelgebirges. 20⁰) §. 586. Zu ihm rechne ich außer Dem, was man gewöhnlich als Fich⸗ telgebirge bezeichnet, noch das ganze Grauwackengebiet des Voigt⸗ landes und des ſüdöſtlichen Thüringer Waldes nebſt dem Fran⸗ kenwalde. Es iſt das ein Landſtrich von unregelmäßig vierſeitiger, faſt quadratiſcher Geſtalt zwiſchen den Orten Amt-Gehren, Eis⸗ feld, Goldkronach, Redwitz und Ronneburg. Dieſes breite Ge⸗ biet ſteigt allmälig von Norden gegen Süden an und erreicht am Südrand im eigentlichen Fichtelgebirge ſeine höchſten Punkte. Der Nordrand liegt durchſchnittlich 670 bis 1500 Fuß über dem Meere, das Plateau in ſeinen höchſten Regionen 1500 bis 2000 Fuß, die Granit⸗Gipfel des Fichtelgebirges erheben ſich aber darüber noch um 1000 bis 1700 Fuß, oder zu einer Meeres⸗ höhe von 2800 bis 3250 Fuß. Der Südweſtabfall dieſes Hoch⸗ ürin⸗ hm⸗ 1bs übe. clzät Lin⸗ arfen egend ebei⸗ J auf Län⸗ inger urch⸗ ißern dar⸗ en oft dar⸗ dich⸗ oigt⸗ Fran⸗ tiger, Eis⸗ Ge⸗ rricht unkte dem 2000 aber keres⸗ bol⸗ — 299— plateaus iſt überall verhältnißmäßig ſchroff und beinahe geradlinig, entſprechend der Verlängerung des Thüringer Waldes bis zum Böhmer Wald. Seine Baſis liegt höher als die des Nordran⸗ des, durchſchnittlich 1000 bis 1400 Fuß über dem Meere. Gegen Nordweſt, Oſt und Süd iſt das Plateau mit dem Thüringer Wald, Erzgebirge und Böhmer Wald innigſt verwachſen. Es iſt ihr Vereinigungspunkt, von dem ſie nach drei Seiten auslau— fen. Die breite Hochfläche iſt von vielen meiſt ſtark gewundenen Thälern nach allerlei Richtungen ſehr unregelmäßig durchſchnitten. Das längſte und wichtigſte unter dieſen Thälern iſt das Saalthal von Zell(2050) bis Saalfeld herab(7000). Nach ihm ſind zu nennen: Das Elſterthal von Steingrün bis in die Gegend von Gera, das Egerthal von Weißenſtadt bis Eger, die Quellbäche der Nab und der Weiße Main vom Fuß des Ochſenkopfes bis Berneck. Schon aus dem Laufe dieſer Flüſſe nach allen Weltge⸗ genden hin und nach den Flußgebieten der Elbe, der Donau und des Rheins ergibt ſich, daß das Fichtelgebirge, in deſſen engerer Umgrenzung alle jene Flüſſe entſpringen, als die mit ihrer Baſis am höchſten liegende Gebirgsgegend Mitteldeutſchlands, zugleich ſeinen Hauptquellenknoten bildet, wie ſeinen wichtigſten Gebirgs⸗ knoten. Die klimatiſchen Verhältniſſe dieſer Gegend ſind ihrer allge⸗ meinen hohen Lage entſprechend ziemlich ungünſtig, obwol die auf den Meeresſpiegel reducirte mittlere Temperatur etwa 11° Cent beträgt. Die Summe der atmoſphäriſchen Niederſchläge iſt wie im Thüringer Wald, durchſchnittlich 30 Zoll. §. 587. Eine ſehr innige Beziehung gibt ſich zu erkennen zwiſchen dem innern und äußern Bau dieſes Gebietes. Sehr deutlich un— terſcheidet ſich das vorherrſchend granitiſche Fichtelgebirge im en— gern Sinne— die Berggegend ſüdlich von Aſch und Sparneck,— von der ganz vorherrſchend aus Grauwackenſchichten beſtehenden ſanft undulirten und nur von gewundenen Tiefthälern durchſchnit⸗ tenen Hochfläche, auf welcher hier und da kleine Grünſteinkuppen — 300— ſich nur wenig über die mittlere Höhe erheben. Dieſer allgemeine Unterſchied veranlaßt mich, beide Abtheilungen bei der Beſprechung etwas zu ſondern. §. 588. Das thüringiſch⸗fränkiſch⸗voigtländiſche Grauwackengebiet mit ſeinen untergeordneten Einlagerungen bildet die etwas erhöhte Baſis, über welche die Berge des eigentlichen Fichtelgebirges in einer verhältnißmäßig kleinen Gruppe aufragen. Dieſe Baſis umfaßt geographiſch den öſtlichen breiten Theil des Thüringer Waldes, den Frankenwald, das Plateau von Hof und das Voigtland. In dieſer ganzen Ausdehnung herrſcht die Grauwackenformation gänzlich vor. Dieſelbe beſteht wieder vor⸗ herrſchend aus einem vielfachen Wechſel von Thonſchiefer, Grau⸗ wackenſchiefer und Grauwackenſandſtein mit untergeordneten Ein⸗ lagerungen von Quarzit, Kieſelſchiefer, Alaunſchiefer, Wetzſchie⸗ fer, Kalkſtein, Grünſteintuff und Eiſenſtein, häufig und zwar oft der Schieferung parallel durchzogen und durchſetzt von allerlei Grünſteinen. Seltener durchbrochen von Granit und Quarzpor⸗ phyr. Den Nordrand umſäumt eine ſchmale Zone von Zechſtein, gegen die granitiſche Berggruppe hin aber geht der Thonſchiefer allmälig über in Glimmerſchiefer und dieſer in Gneis, während in den Umgebungen von Münchberg ein ellipſenförmig an die Oberfläche hervortretendes ſehr merkwürdiges Gebiet von kryſtal⸗ liniſchen Schiefergeſteinen(Gneis, Glimmerſchiefer und Hornblend⸗ ſchiefer) der Art zwiſchen die Grauwackenbildungen eingekeilt iſt, daß es dieſelben auf allen Seiten überlagert, ohne ſich jedoch zu größerer Höhe über dieſelben zu erheben. In dieſer kryſtalliniſch ſchiefrigen Ellipſe finden ſich ſtatt der gewöhnlichen Grünſteine des Grauwackengebietes ihnen ganz ähnliche Kuppen von Eklogit und Serpentin. Die Grauwackenſchichten ſtreichen vorherrſchend in der Rich⸗ tung des Erzgebirges aus SW. nach NO. und fallen gegen NW. Die örtlichen Abweichungen von dieſer Richtung ſind nur Aus— nahmen von der allgemeinen Regel. Seitdem es gelungen iſt, die — 301— Grauwackenbildungen Englands in eine devoniſche ſiluriſche und vielleicht auch cambriſche Formation zu ſondern, haben die Geologen ſich vielfach bemüht, dieſe Unterſchiede auch bei den deutſchen Grauwackenbildungen überall nachzuweiſen. Das wurde ſehr erſchwert durch die große Aehnlichkeit der Geſteine aller Abtheilungen. Nur die wenigen Locali⸗ täten, wo man deutliche Verſteinerungen fand, konnten bis jetzt ſicher beſtimmt wer⸗ den, gewöhnlich aber noch nicht ihre gegen⸗ ſeitigen Grenzen. In unſerm Gebiet hat man vorherrſchend devoniſche Verſteinerungen gefunden, hier und da jedoch auch filuriſche, und bei Gattendorf und Trogenau unweit Hof ſogar ſolche des Kohlenkalkſteins, ohne daß es bis jetzt gelungen wäre, deren gegenſeitige Lagerung hinreichend aufzu⸗ klären. Doch ſcheint ſich aus den bisheri⸗ gen Unterſuchungen wenigſtens ſo viel zu ergeben, daß durch vielerlei Schichten— ſtörungen, Verwerfungen, Biegungen u. ſ. w. alle Abtheilungen vielfach aus ihrer ur⸗ ſprünglichen Lage verſchoben und ſelbſt zwiſcheneinander geſchoben ſind, wodurch zugleich höchſt wahrſcheinlich ſich die ſchein— bar ungeheure Mächtigkeit der ganzen Ablagerung erklären läßt, die von Hof bis Amt⸗Gehren rechtwinkelig über das Streichen gemeſſen bei der Annahme gleich⸗ förmiger Lagerung unter einem mittlern Fallwinkel von 45° ungefähr 4 geogra⸗ phiſche Meilen betragen würde. Nimmt man dagegen ein mehrfaches Verſchoben⸗ ſein der Art an, ſo reducirt ſich die Ge⸗ ſammtmächtigkeit jedenfalls auf ein viel Grauwaek enchebe 2 Ganz ideale Darſtellung der Grauwackenlagerung zwiſchen Schauenſtein und Königſee. ✕* Verwerfungsſpalten. — 302— geringeres, jedoch noch unbeſtimmtes Maß. Für unſern Zweck haben die genauen Beſtimmungen des Formationsalters weit ge⸗ ringern Werth als die Unterſchiede der Geſteine, und ich werde nach dieſen wenigen allgemeinen Bemerkungen über den innern Bau zu der Betrachtung der einzelnen Geſteine des Grauwacken⸗ gebietes übergehen. §. 589. Das verbreitetſte unter allen Geſteinen der Grauwacke iſt der Thonſchiefer in ſeinen verſchiedenen Varietäten als halbkryſtal⸗ liniſcher Thonſchiefer, Grauwackenſchiefer, Dach— und Tafelſchie⸗ fer, Griffelſchiefer und Wetzſchiefer. Dieſe Geſteine, verbunden mit den Grauwackenſandſteinen, bilden gleichſam das Hauptge⸗ webe, in welches die übrigen nur untergeordnet eingefügt ſind. Einige dieſer Thonſchiefervarietäten ſind nutzbare Geſteine und verdienen als ſolche hier noch beſonders hervorgehoben zu werden. Dach⸗ und Tafelſchiefer, die reinſten und ebenſchiefrigſten Arten des Thonſchiefers, gewinnt man in großen Steinbrüchen der Umgegend von Lehſten im Herzogthum Meiningen, ſowie an einigen andern Stellen, und es unterliegt keinem Zweifel, daß dieſe Erwerbsquelle noch weit mehr ausgedehnt werden könnte, durch Verwendung größerer Betriebscapitalien, techniſche Vervoll⸗ kommnung der Gewinnung und Verarbeitung und beſſere Trans⸗ portvorrichtungen, Abfuhrbahnen u. ſ. w. Die lehſtener Schie⸗ fer ſind qualitativ ebenſo gut als die engliſchen, wer aber die Großartigkeit der Schieferbrüche in Wales und die dortige viel⸗ artige Verarbeitung zu polirten und colorirten Möbeln, Zim⸗ merbekleidungen und ähnlichen Zwecken nur einigermaßen kennt, muß ſich ſagen, daß etwas Aehnliches wol auch im Grauwacken⸗ gebiete des Thüringer Waldes möglich ſein würde. Die herzog⸗ lich meiningiſche Regierung iſt auch in der That bereits ſehr be⸗ müht, den Betrieb der in ihr Gebiet gehörenden Schieferbrüche in der angedeuteten Weiſe zu heben. Griffelſchiefer. Zu Bereitung der Schieferſtifte haben offen⸗ bar gewiſſe, an der Oberfläche ſtiftförmig abgeſonderte weiche 2 Iwet eit ge werde innern vacken⸗ ke iſt ryſtal⸗ eſſche⸗ unden ptge⸗ ſind. und erden. tigſten rüchen ie an daß unte, rvoll⸗ rand⸗ Schie⸗ die viel⸗ zin⸗ kennt acke. og r be rüche fffen⸗ weich — 303— Thonſchiefer, die erſte Veranlaſſung gegeben. Jetzt aber werden dieſe natürlichen Stifte nicht mehr angewendet, ſondern man ſägt und ſpaltet die Stifte aus einem weichen Schiefer mit ſehr deut⸗ lichem Linearparallelismus, welcher demſelben eine holzähnliche Textur verleiht. Dieſe Varietät findet ſich beſonders ſchön und häufig in der Gegend nördlich von Sonnenberg, wo deshalb mehre Dörfer vorherrſchend auf dieſen Induſtriezweig angewie⸗ ſen ſind. Bei der großen Billigkeit der Stifte und der beſchränk⸗ ten Ausdehnung ihrer Anwendung iſt für dieſe Induſtrie kein ſo großartiger Aufſchwung denkbar als für den Schieferabbau. Alaunſchiefer wird an mehren Orten abgebaut und zur Alaunbereitung verwendet, ſo bei Saalfeld, bei Wiersberg unweit Berneck und bei Reichenbach im Voigtlande. Wetzſchiefer findet ſich in ganz vorzüglicher Qualität na⸗ mentlich an dem linken Gehänge des Schwarzthales in der Um⸗ gend von Katzhütte und wird hier in ziemlicher Menge ge⸗ wonnen. Der gewöhnliche Thonſchiefer wird nur in Mangel anderer beſſerer Geſteine zum Bauen verwendet. Dagegen eignet ſich der Quarzit meiſtentheils ganz vorzüglich zu Mauerſteinen, wie er denn ſeiner Härte und geringen Verwitterbarkeit wegen als guter Chauſſeeſtein dient. Die reinen und ſelbſt die dolomitiſchen Kalkſteine finden, da ſie nur ſparſam eingebettet ſind, überall, wo man ſie kennt, ihre techniſche Verwendung als Brennkalk, als Düngekalk und mehr⸗ fach auch als Marmor. Es iſt kein weißer Statuenmarmor, wel⸗ cher in der Grauwackenbildung auftritt, wol aber ein dunkler, grauer, oder röthlicher geflammter oder geaderter Kalkſtein, den man in Baireuth(und früher auch im Schwarzburgiſchen) zu Tiſchplatten, Epitaphien, Briefbeſchwerern und ähnlichen Gegen⸗ ſtänden verarbeitet. Beſonders gut nehmen ſich die ſchwarzen von weißen Kalkſpathadern durchzogenen, die röthlichen knotigen und die verſteinerungsreichen Kalkſteine aus, wie man ſie bei Elbers⸗ reuth und Schübelhammer unweit Schwarzbach, bei Saalfeld und an manchen andern Stellen gewinnt. Jene knotigen Kalk⸗ — 304— ſteine beſtehen nämlich aus einer conglomeratähnlichen Verbindung von Kalkſteinknollen, die meiſt auch Verſteinerungen enthalten, durch Thonſchiefermaſſe als ihr Bindemittel. Auch als Bauſteine werden dieſe Knotenkalkſteine vielfach gewonnen. Unter den Kalkſteinen dieſes Grauwackengebietes ſind einige, welche ihren Verſteinerungen zufolge, wie bereits bemerkt, eigent⸗ lich einer etwas jüngern Formation— dem Kohlenkalkſtein— angehören, ſo die von Trogenau und Gattendorf bei Hof; da aber ihre Lagerungsverhältniſſe noch nicht genügend ermittelt, ihr Einfluß aufs Leben kein ſelbſtändiger iſt, ſo bleiben ſie hier un— geſondert, mit den ächten Grauwackenkalkſteinen vereint. Gewinnungswerthe Eiſenſteinablagerungen enthält die Grau⸗ wacke vielfach, z. B. weſtlich von Saalfeld und in der Umgegend von Lobenſtein, die meiſten Eiſenſteine ihres Gebietes füllen aber Spalten gangförmig aus und ſind ſomit neuerer Entſtehung, ſo in der Umgegend von Steben und bei Schmiedefeld unweit Grä⸗ fenthal. Dieſe Gänge ſcheinen urſprünglich alle aus Spatheiſen⸗ ſtein, zuweilen mit Kupferkies gemengt, beſtanden zu haben, be⸗ ſtehen zum Theil noch daraus, und ſind erſt durch Zerſetzung in der Nähe der Oberfläche in Brauneiſenſteingänge umgewandelt worden. Es könnte für die Eiſeninduſtrie des Gebietes ſehr wich⸗ tig werden, wenn es gelänge, mächtigere und nachhaltigere Spath⸗ eiſenſteingänge oder Maſſen aufzufinden, als bis jetzt bekannt ſind. Die analogen Vorkommniſſe im Siegenſchen und in Steiermark laſſen eine ſolche Hoffnung keineswegs unbegründet erſcheinen. In der Umgegend von Steinhaide auf dem hohen Rücken des Gebirges hat man in früherer Zeit Bergbau auf goldhalti⸗ gen Gängen getrieben und ebenſo an mehren Stellen innerhalb einer Zone zwiſchen Saalburg und Waida. Dieſer alte Bergbau iſt gegenwärtig faſt vergeſſen. Auch mehre Flüſſe enthalten Goldkörner und Goldſtaub in ihren Betten, ſo die Waida, die Saale und ganz beſonders die Schwarza. Es iſt aber im Thale der letztern neuern Verſuchen nicht gelungen, mit Vortheil dieſes Waſchgold zu gewinnen. inden chalten zuſtein einig, eigent tein- oß d ., ihr ler un⸗ Grau⸗ egend aber 8, ſt Gri⸗ heiſen⸗ n, be ing in ndelt wich⸗ vath⸗ kannt d in ündet Kücken hall⸗ rhel tgbeu galten , die V Thale dieſt — 305— In den Umgebungen von Lobenſtein wird einiger Bergbau auch auf nickel⸗ und auf antimonhaltigen Gängen betrieben. §. 590. Für die Bodenbildung ſind im Grauwackengebiete die Thon⸗ ſchiefer- und Sandſteinvarietäten natürlich am wichtigſten. Ihre Oberfläche zeigt ſich überall von mittlerer Fruchtbarkeit, aber die Niveauverhältniſſe ſind meiſt dem Feldbau ungünſtig; um ſo üp⸗ piger gedeihen die Wälder und Wieſen. Man findet im ſoge⸗ nannten Frankenwald beinahe die ſchönſten Edeltannenbeſtände Deutſchlands. Ueberall zeigt ſich ſogleich ein großer Unterſchied, wo im Sandſtein oder Schiefer die Kieſelerde ſehr vorherrſcht und dadurch Uebergänge in Quarzit oder Kieſelſchiefer bewirkt. Es treten dann verhältnißmäßig kahle Bergrücken oder Felsgrate hervor, welche oft die höchſten Kuppen bilden. Auch die Grün— ſteine bewirken durch ihre Feſtigkeit dergleichen Hervorragungen, aber ihr Boden iſt mindeſtens dem Waldbau ſtets günſtig, wenn auch für Feldbau oft zu uneben und zu flachgründig; ſie liefern darum die vielen kleinen bewaldeten oder bebuſchten Kuppen, welche manchen Theilen des Voigtlandes einen ganz eigenthümli⸗ chen landſchaftlichen Charakter verleihen. § 591. Unter den Eruptivgeſteinen, welche das Grauwackengebiet durchſetzen, ſind die Grünſteine, ſowol Diorite als Diabaſe, durch⸗ aus vorherrſchend. Sie finden ſich beſonders in zwei Hauptzonen vertheilt, welche ungefähr der allgemeinen Streichrichtung der Schie⸗ fer parallel verlaufen, zwiſchen Lobenſtein und Weida und zwiſchen Kupferberg⸗Enchenreuth und Elſterberg. Die letztere Zone erreicht eine außerordentliche Breite und in ihr bilden die Grünſteine zum Theil breite ausgedehnte Gebiete, in denen ſie nur untergeordnet noch von Grauwackenbildungen durchzogen ſind, ſo zwiſchen Hof und Plauen, zwiſchen Plauen und Elſterberg. Auch dehnen ſich mächtige Ausläufer dieſer Zone nördlich bis in die Umgegend von Lichtenberg aus. Außer dieſen Grünſteinen finden ſich im gan⸗ Cotta, Deutſchlands Boden. 20 — 306— zen großen Grauwackengebiete nur noch wenige eruptive Geſteine, namentlich ein Granitgang zwiſchen Glasbach und Katzhütte an der Schwarza, neben welchem der Grauwackenſchiefer in Gneis umgewandelt iſt, die von Quarzporphyr durchſetzte Granitkuppe des Henneberges bei Heberndorf, ähnliche Granite im benachbarten Thal, eine kleine Granitpartie bei Tobertitz unweit Plauen, ei⸗ nige kleine Porphyrpartien ſüdlich von Saalfeld und ein mäch⸗ tiger Porphyrgang beim Neuhammer unweit Greiz. Das ellipſenförmige von Knotenſchiefer umſäumte Granitge⸗ biet von Falkenberg liegt ſchon hart an der Grenze des Erzge⸗ birges und kann mit demſelben Rechte zu dieſem als hierher ge⸗ rechnet werden. §. 592. Es iſt ſehr ſchwierig, den verſteinerungsleeren halbkryſtallini⸗ ſchen Thonſchiefer dieſer Gegenden ſcharf von den Grauwacken⸗ gebilden zu ſondern, auch iſt ſeine Wirkung auf das Leben kaum eine andere. Es mag daher hier genügen zu bemerken, daß er von dem ſüdöſtlichen deutlich kryſtalliniſchen Gebiet aus zuſam⸗ menhängend bis an die Gegenden von Rehau, Oelsnitz, Plauen und Reichenbach vordringt, von letzterm Orte aus aber noch als ein breiter Zipfel zwiſchen die deutliche Grauwacke hineinragt, über Greiz bis Pauſa, Hohenleuben und Vogelgeſang, während ein durch Grünſteine ganz abgetrenntes Gebiet deſſelben zwiſchen Lich⸗ tenberg, Lobenſtein und Gefell hervortritt, hier an einigen Stel⸗ len ſogar mit untergeordneten Einlagerungen von Gneis und Talkſchiefer. Der äußere Charakter der Gegend wird dadurch kaum verändert.— §. 593. Innerhalb dieſes großen vorherrſchend aus Thon⸗ und Grau⸗ wackenſchiefer ſowie Grünſtein beſtehenden Gebietes tritt nun, wie ſchon oben bemerkt wurde, zwiſchen Hof und Markt⸗Schor⸗ gaſt ein ſehr merkwürdiges faſt ellipſenförmiges Gebiet von Gneis mit untergeordnetem Glimmerſchiefer und Hornblendeſchiefer auf, allini⸗ acken⸗ kaum aß et uſam⸗ ſauen als ragt, d ein Lich⸗ Stel⸗ und durch zrtu⸗ nun, chor⸗ neis auf — 307— welches rings an ſeinen Grenzen die Grauwacke aber dem Niveau nach nicht darüber erhebt. Die kryſtalliniſche Schieferellipſe iſt ſtatt der gewöhnlichen Grünſteine vielfach von Eklogit und Serpentin, hier und da auch von Granit durchſetzt. An ſeinem Südoſtrand aber grenzen daran in dem Steilabfall des Gebirges, zwiſchen Micheldorf und Wiersberg, harte chloritiſche und hornblendereiche Schiefer. Unter den Geſteinen dieſes Gebietes findet nur der Serpentin eine beſondere Anwendung. Der des Peterleſteins bei Kupferberg wird viel⸗ fach zu Drechslerarbeiten verwendet. Hornblende⸗ ſchiefer und Eklogit benutzt man vorzugsweiſe zum Straßenbau. Die Oberflächenformen dieſer Gneisellipſe zeichnen ſich nur etwa dadurch von denen des Grauwackengebietes aus, daß die Thäler weni⸗ ger tief eingeſchnitten und weniger ſtark gewun⸗ den ſind, während ihre Zwiſchenräume im All⸗ gemeinen etwas unebener, welliger geformt ſind. §. 594. Das Fichtelgebirge im engern Sinne, zu dem ich jetzt übergehe, ragt, wie erwähnt, als ein bergiges Gebiet um 600 bis 1000 Fuß über die mittlere Höhe des großen Plateaus empor. Die Kerne deſſelben beſtehen aus Granit, dieſer bildet alle die höhern Berge, ſo den Ochſenkopf (3135)), den hohen Matzen, die Köſſeine(2861), den Schneeberg(32500), Rudolfſtein(2600), Waldſtein und Kornberg. Die granitiſchen Haupt⸗ kernmaſſen erheben ſich aber nur in ihrem weſt⸗ lichen Theil zu hohen Bergen, öſtlich von Mark— leuthen aus bilden ſie ein verhältnißmäßig flach⸗ überlagert, ſich 7I7—t K N 2½⁸* 22 len X 7* — 308— hügeliges Gebiet bis nach Brambach und Wildſtein. Die in der Richtung des Erzgebirges länglich ausgedehnte Hauptgranitmaſſe iſt begleitet oder umgeben von einigen kleinern, die alle wie die Hauptmaſſe aus Glimmerſchiefer emporragen, örtlich zuweilen zunächſt umhüllt von etwas meiſt grobflaßrigem Gneis. Solche kleinere Granitmaſſen finden wir bei Kornbach als Waldſtein und Hohnſtein, dann als Kornberg, und ſüdlich, zum Theil in Syenit übergehend, zwiſchen Garmersdorf und Raſenbühl. Dieſe Granite liefern ſehr gute Bauſteine, bei Weißenſtadt enthalten dieſelben Zinnerze, die man aber nicht mehr gewinnt, und an mehren Orten werden ſie von Eiſenſteingängen durchſetzt, ſo beſonders bei dem Dorf Fichtelberg. Den Ochſenkopf durchſchneidet überdies ein mächtiger Diabasgang, welcher einflußreich für die Induſtrie der Gegend geworden iſt; man hat dieſes leicht ſchmelzbare Geſtein be⸗ nutzt, um daraus ein ſchwarzes Glas herzuſtellen, aus welchem in Steinach, Geiersberg und Biſchoffsgrün Hemdenknöpfchen ge⸗ preßt werden. Da man dieſe hier zu Lande„Batterle“ nennt, ſo hat davon das Geſtein den Namen Batterleſtein erhalten. Dieſe urſprünglich ſehr einfache und rohe Glasbereitung hat ſich dann ſpäter weiter entwickelt und zu einer ziemlich ausgedehnten Bereitung von bunten Glasperlen(Glaskorallen) Veranlaſſung gegeben, ſowie zu allerlei andern zierlichen Glasbläſereien, welche be⸗ ſonders als Tauſchartikel für den Handel mit uncultivirten Na⸗ tionen benutzt werden, die nun aber nicht mehr in directer Be⸗ ziehung zu jenem Grünſtein ſtehen. Die Oberfläche des Granitgebietes iſt größtentheils bewaldet, an den Bergen iſt dieſelbe meiſt bedeckt von einzelnen kleinen Felſen, und von unzähligen abgerundeten, wollſackförmigen Blö⸗ cken, deren gedrängte Zuſammenhäufung, z. B. an der Louiſen⸗ burg unweit Wunſiedel, ein vielbeſuchtes pittoreskes Felſenlaby⸗ rinth verurſacht. § 595. An den Granit ſchließt ſich zunächſt der Gneis an. Er bil⸗ det ein breites größtentheils bewaldetes Gebiet zwiſchen Weißen⸗ in de nitmaſe wie di uweila Solch tein und Syeni Granit ieſelben mehren ders bei ies ein ie der ein be⸗ elchem hen ge⸗ nennt, thalten. dat ſich ehnten nſung ce be⸗ n Na⸗ r Be⸗ valdet kleinen nBl⸗ oliſen enlabh⸗ Fr bil ſeißen⸗ — 309— ſtadt und Wunſiedel, einen ſchmalen Saum zwiſchen Großwendern und Fleußen bei Brambach, einen ähnlichen kleinern an der Südſeite des Waldſteines, eine breitere Contactfläche des Granites bei Redwitz und auf der andern Seite bei Nettſtedt. Endlich tritt derſelbe auch iſolirt vom Granit, im Glimmerſchiefer bei Goldkronach und Feldmar auf, wo er am Goldberge Bruchſtücke des benachbarten Grauwackenſchiefers enthält und ſich dadurch hier als ein erupti⸗ ves Geſtein bewährt. Dieſe Gneisgebiete ſind an ſich von keinem bemerkenswerthen beſondern Einfluß auf das Leben. Sie fallen in dieſer Beziehung mit dem Glimmerſchiefer zuſammen. Bei Goldkronach aber ſetzen in dieſem Gneis und im benachbarten Grauwackenſchiefer antimon⸗ und goldhaltige Gänge auf, welche früher zu bedeutendem Bergbau Veranlaſſung gegeben haben ſol⸗ len und auch für die Zukunft nicht ohne Ausſicht ſind. §. 596. Glimmerſchiefer iſt die äußere Hülle aller fichtelgebirgiſchen Granitmaſſen und oft fehlt zwiſchen beiden der Gneis. Er um⸗ gibt dieſelben mit unregelmäßig ellipſenförmiger Geſtalt in der ganzen Ausdehnung zwiſchen Goldkronach, Kornbach, Hallenſtein, Elſtra, Schönbeck, Eger und Redwitz. Der größere Theil ſeiner Oberfläche iſt flach undulirt und bewaldet. In ihm treten zwei untergeordnete Geſteine von beſonderer Bedeutung auf, nämlich Kalkſtein und Brauneiſenſtein, beide oft miteinander verbunden. Sie bilden zwei Hauptlagerzüge. Der eine beginnt weſtlich von Gröbchenreuth, und ſetzt dann gegen oſtnordoſt fort über Wun⸗ ſiedel, Göpfersgrün, Thierſchheim und Kothigenbiebersbach bis nach Hohenberg. An allen dieſen Orten findet man große Kalkſtein⸗ brüche. Bei Gröbchenreuth, Göpfersgrün, Thierſchheim und Ko⸗ thigenbiebersbach wird aber auch Brauneiſenſtein gewonnen, der eine Lagermaſſe im Hangenden des Kalkſteins bildet. Der zweite Hauptzug beginnt bei Redwitz und ſetzt hin⸗ ter einer Unterbrechung durch Syenitgranit über Arzberg bis Schirnding fort.— Auch hier liegt Eiſenſtein im Hangenden des Kalkſteins.— — 310— Der Kalkſtein iſt weißer körniger Marmor, dem Glimmer⸗ 6ü8 ſchiefer parallel eingelagert, bei Kothigen⸗ du biebersbach von Granitgängen durch⸗ gli ſetzt. Der Eiſenſtein iſt Brauneiſenſtein, ſein welcher aber offenbar erſt aus einer Zerſetzung von Spatheiſenſtein hervor⸗ en gegangen iſt. Bei Arzberg, wo der⸗ digen ſelbe ſehr ſchwunghaft abgebaut wird, dni enthält er oft Manganerze. Dieſe bei⸗ ſaal den Lagerzüge ſind nicht nur geologiſch, 8 2 mineralogiſch und techniſch wichtig,— beſchäftigen eine ziemliche Anzahl von 3 Menſchen— ſondern ſtehen auch in ſaten einer gewiſſen Beziehung mit den For⸗ terge men der Oberfläche und mit der Ver⸗ la theilung der Wohnorte. Sie haben F eine Reihe von kleinen Thälern oder dih thalartigen Depreſſionen veranlaßt, und frue *8 es iſt kein bloßer Zufall, daß ſie alle ger kleinen Städte der Gegend an ſich ge⸗ bit feſſelt haben, nämlich Wunſiedel, Thierſch⸗ 8 heim, Hohenberg, Arzberg und Redwitz. S. 8§. 597. 1h Außer dieſen Geſteinen treten nun h aber im Gebiet des Fichtelgebirges, im En engern Sinne, noch einige andere in aber geringerer Ausdehnung auf, welche Och ebenfalls genannt zu werden verdienen. Der beiſtehende Querſchnitt durch ien zwei der minder hohen Granitgebiete ril mag dazu dienen, dieſe Lagerungsver⸗ kann hältniſſe einigermaßen zu verſinnlichen. In den Umgebungen von Thierſch⸗ heim und Markleuthen ſind Granit und immer thigan durg ſeenſten 3 eine hervor⸗ po da⸗ t widd eſe bi⸗ logiſch tg 5 hl von ich in n For⸗ r Ver⸗ haben en oder ßt, und ſie all ich ge⸗ ierſch edwit. en nun es, in dere in welche dienen. durch gebiett gover⸗ lichen ierſ⸗ lit und — 311— Glimmerſchiefer mehrfach von kleinen Porphyrmaſſen oder Gängen durchſetzt, welche als eine Art Pyrmorid zum Theil voll von ku⸗ gelförmigen Concretionen ſind und welche man als Straßenbau⸗ ſtein hier und da gewinnt. Bei Göpfersgrün werden oberflächliche Speckſteinlager auf dem Granit abgebaut, deren Maſſe ſehr wahrſcheinlich durch einen eigenthümlichen Umwandlungsproceß an Ort und Stelle entſtan— den iſt; ſie enthalten mineralogiſch höchſt intereſſante Afterkry⸗ ſtallbildungen und werden übrigens als Speckſtein verwendet. §. 598. Mehrfach iſt der Granit und der Glimmerſchiefer von Ba⸗ ſalten durchbrochen, die ſich über ihm zu meiſt bewaldeten Kegel⸗ bergen erheben, einer derſelben trägt die Ruine von Thierſtein, 11 andere liegen um dieſen zerſtreut, der nördlichſte bei Reuth. Ein zweites Gebiet von Baſaltkuppen liegt zwiſchen Red⸗ witz und Waldſaſſen, wo mehre derſelben ſich zu einer äußerſt fruchtbaren, aber ganz bewaldeten Berggruppe vereinigen, andere zerſtreut im Granit, Gneis, Glimmerſchiefer und Thonſchieferge⸗ biet liegen. §. 599. Ein ſehr mächtiger Quarzfelsgang durchſetzt zwiſchen See⸗ berg und Aſch ſowol den Granit als den Gneis und Glimmer⸗ ſchiefer, oft als ein zackiger Felsrücken hervorragend und dem Straßenbau ſehr gutes Material liefernd. Ein zweiter ähnlicher, aber mit Eiſenglanz verbunden, findet ſich an der Südoſtſeite des Ochſenkopfes neben dem Dorfe Fichtelberg. Nördlich von Haslau wird der Granit von einer eigenthüm⸗ lichen, dem Eklogit verwandten Felsmaſſe durchſetzt, in welche viel Egeran(Idokras) eingemengt iſt, eine den Mineralogen be⸗ kannte Fundſtätte. — 312— 7 §. 600. Auf dem Glimmerſchiefer und an ſeinen äußern Rändern lagern bei Markhauſen, Hohenberg, Schirnding, und ſüdlich von Arzberg kleine Braunkohlengebiete, die hier und da auch zu Koh⸗ lengewinnung Veranlaſſung gegeben haben und beſonders reich ſind an foſſilen Früchten, neben denen ſie auch kleine Fiſchab⸗ drücke(Leuciscus papyraceus) enthalten. §. 601. Torflager ſind im Granit⸗ wie im Glimmerſchiefer⸗ und Gneisgebiet mehrfach vorhanden, am mächtigſten bei Weißenſtadt und in dem Sattel zwiſchen dem Ochſenkopf und der Platte. Dieſes letztere Hochmoor führt den Namen Seelohe, ſoll früher ein See geweſen ſein, und iſt der gemeinſame Urſprung des Wei⸗ ßen Main und der Nab, verbindet alſo das Rhein⸗ und Donau⸗ gebiet. Die Torflager werden an vielen Stellen benutzt und von ihnen gehen die erſten gelungenen Verſuche der Torfverkohlung durch Moſer aus. §. 602. Wir haben nach dieſer Ueberſicht des innern und äußern Baues unſeres Gebietes nun auch noch einen Blick auf den Bau ſeiner äußern Ränder an den beiden Seiten zu werfen, wo dieſe nicht mit benachbarten Gebirgen verwachſen ſind, ſondern an das flache Land angrenzen. Auf der ganzen Nordſeite wird das thüringiſch⸗voigt⸗ ländiſche Grauwackengebiet von Zechſtein umſäumt, ganz ähnlich wie der ſchmalere Nordweſttheil des Thüringer Waldes. Die Schichten dieſes Zechſteines fallen flach unter Buntſandſtein ein. Sie beſtehen auch hier von unten nach oben aus Weißliegendem, Kupferſchiefer, Zechſtein, Rauhwacke und vereinzelten Gyps⸗ maſſen. Techniſch wichtig iſt dieſer ſchmale Zechſteinſaum beſonders in der Gegend zwiſchen Saalfeld und Pößneck, wo bei Kamsdorf und Könitz nicht unbeträchtlicher Bergbau auf Kupferſchiefer und anden ich don u Koh⸗ 3 reic iſcha⸗ ⸗ Und enſtadt dlatte. früher Wei⸗ donal⸗ d von ohlung Gaues ſeiner ht mit Land voig⸗ hnlich di n en. ndem, Gype⸗ onders ödorf rund — 313— den ihn durchſetzenden kupfer⸗ und kobalthaltigen Gängen(ſo⸗ genannten Rücken) betrieben wird, und wo er außerdem ſehr ſchmelzwürdige Eiſenſteinlagerungen enthält. Die zum Theil do⸗ lomitiſchen Rauhwackefelſen der Formation haben zu den alten feſten Burgen von Könitz, Rahnis, Pößneck u. ſ. w. Veranlaſ⸗ ſung gegeben, überhaupt aber ſetzt der den nordweſtlichen Thürin⸗ ger Wald umſäumende Städtekranz auch auf dieſen Theil der Zechſteinzone fort, von Amt-Gehren aus durch Königſee, Blan⸗ kenburg, Saalfeld, Könitz, Pößneck, Neuſtadt und Triptis bis Gera. Die geologiſch intereſſanteſten Lagerungsverhältniſſe beobach⸗ tet man an der Polwand bei Saalfeld, ſie ſind von Herrn Rich⸗ ter ziemlich ſpeciell beſchrieben und abgebildet worden. §. 603. Ganz anders als der Bau des nördlichen Randes iſt der des ſüdweſtlichen gegen Baiern. Hier grenzt gewöhnlich unmittelbar an die Grauwackenbildungen: Buntſandſtein, Muſchelkalk oder Keuper, und zwar nicht mit ſchwachgeneigter Anlagerung, ſondern mit deutlicher Durchbrechung oder Abſetzung der Schichten, welche zuweilen dem Gebirge zufallen und mit dem Rande parallelen groß⸗ artigen Verwerfungen im Gebiet der Triasgruppe, in der Weiſe, wie die nachſtehenden Holzſchnitte es andeuten. 8 8 8 8 Jaa 8 3— X. A/A 8 1 8 M 3* Lee inse e I d ſ geſe Profil von Forkendorf nach Berneck. 8 8 S K 8 8*8½ 8 8 8 4 8 T— I 8 8 T 3 8B— 2 4 ₰— S— h,, N BBA’A r; teun eeennke 7, u, ,, AQODA Z 2 Profil von Kauerndorf nach Leugaſt. — 314— Der Zechſtein fehlt hier faſt gänzlich oder kommt wenigſtens nur bei Burggrub zum Vorſchein. Dagegen findet ſich bei Crock und bei Neuhaus ein ſchmaler Streif des untern Rothliegenden mit ſehr mächtigen Kohleneinlagerungen in ſtark aufgerichteter Stellung, welche zu bedeutenden Grubenbauen Veranlaſſung ge⸗ geben haben, deren Producte ihrerſeits wieder bei Neuhaus groß⸗ artige Eiſenwerksanlagen hervorriefen, welche indeſſen bis jetzt noch zu keinem ſo ſchwunghaften Betriebe gelangt ſind, als man erwartete. Der randliche Städtekranz läßt ſich auch auf dieſer Seite deutlich verfolgen. Von Eisfeld aus folgen nacheinander Schal⸗ kau, Sonneberg, Neuhaus, Cronach, Stadt⸗Steinach, Ludwig⸗ Schorgaſt, Berneck, Goldkronach und Kemnath. §. 604. Vergleicht man dieſe beiderſeitigen Randbildungen miteinan⸗ der, ſo ergibt ſich, daß die Erhebung des ganzen Plateaus eine etwas einſeitige geweſen ſein muß, d. h. ſtärker und plötzlicher, mit einer langen Zerſpaltung verbunden am Südweſtrand, ſodaß hier ein ſchroffer Abbruch erfolgte, während nördlich nur ein all⸗ mäliges Erheben bemerkbar iſt. Die Reihe der Flötzformationen iſt auf beiden Seiten eine ſo analoge, daß man vorausſetzen kann und darf, ſie wurden unter einer gemeinſamen ungetrennten Waſ⸗ ſerbedeckung abgelagert. Das Grauwackenplateau bildete zu die⸗ ſer Zeit keine Ablagerungsſcheide, keine Begrenzung der Meere. Damit ſcheint es für den erſten Anblick in Widerſpruch zu ſtehen, daß auf ſeiner Höhe beinahe gar keine Ueberreſte neuerer Abla⸗ gerungen als eben Grauwacke gefunden werden, als ſeien hier nie⸗ mals dergleichen vorhanden geweſen. Bei genauerer Unterſuchung ergibt ſich indeſſen, daß ſolche doch nicht durchaus fehlen. Bei Alsbach liegen auf der größten Höhe des Plateaus, auf ſeiner Waſſerſcheide, zwei kleine iſolirte Parcellen, gleichſam große Schollen von Buntſandſtein, unter deren öſtlicher ſogar auch et⸗ was Zechſtein bemerkbar iſt, und beim Waldhaus unweit Greiz liegt eine ſehr verſteinerungsreiche Muſchelkalkſcholle ganz iſolirt nigſten i Ctod egenden richtetr ung ge 3 groſ⸗ Wis jett ls ma r Seit Schal⸗ pudwip teinan⸗ 1s eine klicher ſodaß in all ionen kann Waſ⸗ zu die Meere. — 315— auf der Thonſchieferhöhe, oder vielmehr, ſie ſteckt mit aufgeſchich⸗ teter Schichtung in einer Spalte des Thonſchiefers und iſt wol gerade aus dieſem Grunde vor der Zerſtörung bewahrt worden. Das ſind aber auch die einzigen bis jetzt bekannt gewordenen Ueberbleibſel neuerer Flötzformationen auf dem großen thüringiſch⸗ voigtländiſchen Grauwackengebiet. Ihre hiernach unzweifelhaft einſtige allgemeine Bedeckung iſt bis auf dieſe geringen Spuren gänzlich zerſtückt und abgeſchwemmt. Es gehören dieſe kleinen Ueberreſte einer früher allgemeinen Bedeckung offenbar zu den geologiſch intereſſanteſten Erſcheinun⸗ gen der ganzen Gegend, und zufällig ſind ſie auch techniſch wich⸗ tig geworden. Der Buntſandſtein von Steinhaide iſt nämlich ein ganz feldſpathfreier Kaolinſandſtein, der ſich deshalb vor⸗ trefflich zu Geſtellſteinen für Hohöfen eignet, und aus dem man überdies die Porzellanerde ausſchwemmt, wodurch denn unmit⸗ telbar dabei, in Glasbach, eine kleine Porzellanfabrik veran⸗ laßt worden iſt. Der Muſchelkalk bei Greiz wird dagegen als guter Brennkalk ſehr eifrig gewonnen und es iſt wol zu erwar⸗ ten, daß man in nicht allzulanger Zeit dieſe ganze Scholle ab⸗ bauen wird. § 605. Nach dieſen Betrachtungen über den innern und randlichen Bau unſeres Gebirgsgebietes, bei welchem mehrfach die Wirkung auf das Leben ſchon angedeutet wurde, wollen wir nun noch ein— mal mehr zuſammenhängend die wichtigſten Folgen dieſes Baues und Das, was ſich ſonſt Beſonderes daran knüpft, flüchtig über⸗ blicken. Das ganze Plateau iſt, abgeſehen von den ſpeciellen Uneben⸗ heiten, flach gegen Nord geneigt, daraus folgt von ſelbſt, daß die Waſſerſcheide nahe dem Südweſtrande liegt und die Flüſſe vorzugsweiſe gegen Nord rinnen. Dies iſt auch die natürlich vor⸗ herrſchende Richtung des Verkehrs geworden. Das ganze Gebiet iſt der Entſtehung großer Städte ungünſtig. Hof und Plauen * — 316— ſind die größten in demſelben. Es iſt ſtark bewaldet und durch hohe Lage dem Feldbau wenig günſtig, darum ein natürlicher Sitz der kleinen Gebirgsinduſtrie, die ihren Herd in jede Hütte verlegt. Weben, Wirken, Sticken und Klöppeln füllt die freie Zeit der Mehrzahl der Bewohner, welche hier ganz beſonders dicht zuſammengedrängt leben. 7500 Menſchen wohnen im ſächſiſchen Voigtlande auf der Quadratmeile, und das iſt viel mehr, als der Boden an ſich ernähren kann. Es iſt eins von den vielen Beiſpielen, in welchen die Bevölkerungszahl gewiſſer⸗ maßen in umgekehrtem Verhältniß mit der Ertragsfähigkeit des Bodens ſteht. Es grenzen in dieſem Gebiet zwei land⸗ wirthſchaftliche Betriebsſyſteme aneinander, weſtlich herrſcht die Feldwirthſchaft vor, öſtlich von Plauen und Hof die Wechſel⸗ wirthſchaft, welche von da aus durch das ganze obere Erzgebirge verbreitet iſt. Als beſondere, dem Boden entſpringende Erwerbsquellen, habe ich oben bereits angeführt die Gewinnung von Dach⸗, Ta⸗ fel⸗ und Stiftſchiefer, Wetzſchiefer, Alaunſchiefer, Kalkſtein, Ser⸗ pentin, Grünſtein(Batterleſtein), feuerfeſtem Sandſtein, Kaolin, Speckſtein, Torf, Braunkohle, Eiſenſtein aus Lagern und Gän⸗ gen, Kupferſchiefer, Gold, Antimon, Kupfer, Kobalt und Nickel in ſehr geringen Quantitäten. Dieſe haben mannichfache Verarbeitungen hervorgerufen: Die Benutzung der Schiefervarietäten, Marmorſchleifereien, Glashüt⸗ ten, Porzellanfabriken, Eiſenhüttenwerke in ſehr großer Zahl und Blaufarbenwerke. Dazu kommen aber noch die ſogenannten Merbelmühlen bei Sonnenberg, in welchen Muſchelkalkſtein zu Flinten⸗ und Spielkugeln verarbeitet wird, und einige Mineral⸗ quellen, unter denen die von Alexandersbad, Steben, Ronneburg und Elſter beſonders genannt zu werden verdienen. Die Quellen des letztern, welche eine große Aehnlichkeit mit denen von Fran⸗ zensbad bei Eger beſitzen, kommen durch Bemühung der königlich ſächſiſchen Regierung immer mehr und mehr in Aufnahme. Bei⸗ nahe ſcheint es, als ſtehe auch die Flußperlenfiſcherei in einiger Beziehung zu der Gebirgsart, da ſie ſich ganz übereinſtimmend — 317—. unch in den Grauwackenſchieferthälern der Elſter und der Oelsnitz bei che Berneck wiederholt. ütt Außer dieſen bodenſtändigen, und jenen mehr durch die äu⸗ fret V fßern Formen und den Fruchtbarkeitsgrad veranlaßten Gewerben der finden wir in dieſem Gebiet auch noch einige Induſtrieanhäufun⸗ in gen beſonderer Art, welche nur höchſt indirect in Beziehung zum dil Bodenbau ſtehen. So die großartige Spielwaarenfabrikation in von Sonnenberg, die Schuh⸗ und Medicamentenbereitung in König⸗ ſſe⸗ ſee, der Finkenhandel in Breitenbach, die Fabrikation von muſi⸗ gkeit kaliſchen Inſtrumenten und Holzkämmen in Klingenthal. and⸗ ſel Dem Verkehr hat unſer Gebiet ſtets bedeutende Schwierig⸗ rge keiten entgegengeſtellt, weniger durch ſeine abſolute Erhebung als durch die große Breite des nach allen Richtungen von vielen ſtark llen, gewundenen Thälern durchſchnittenen Plateaus. Dennoch iſt es Ta⸗ durch ſeine Lage zwiſchen drei andern Gebirgsketten ſeit uralter Ser⸗ Zeit von einer der Hauptverbindungsſtraßen zwiſchen Süd⸗ und olin, Norddeutſchland durchſchnitten. Die Umwandlung dieſer Straße Bän⸗ in eine Eiſenbahn gehörte zu den ſchwierigſten und koſtſpieligſten und in ganz Deutſchland, namentlich wurden dabei die großartigſten Thalüberbrückungen nöthig, welche überhaupt zu Gunſten von Di Eiſenbahnen bis jetzt ausgeführt worden ſind, die berühmten züt Aeberbrückungen des Elſter⸗ und des Gölzſchthales. und 8 unten§. 607. n zu Das Fichtelgebirge mit ſeiner breiten thüringiſch⸗fränkiſch⸗ dral voigtländiſchen Grauwackenbaſis theilte in vieler Beziehung die buug Schickſale des eng damit verbundenen Thüringer Waldes. telln Die vielfachen Grenztheilungen begannen hier zur Zeit der ran⸗ Hohenſtaufen. Unter Maximilian I. finden wir die Gebiete von glch Eger, Oberpfalz, Baireuth, Bamberg, Koburg, die reußiſchen Bei⸗ Lande und das kurſächſiſche Voigtland. Noch jetzt gibt es ganz in der Nähe, auf der äußerſten Nordweſtſeite des Erzgebirges auf den Schönecker Felſen, 2300 Fuß über dem Meere, einen Punkt, 8— 318—. von welchem aus man mit einem Blick in 4 Königreiche, 1 Groß⸗ herzogthum, 2 Herzogthümer und 2 bis 3 Fürſtenthümer hinab⸗ blicken kann. Am meiſten durch die Natur motivirt iſt hier das Aneinan⸗ dergrenzen der vier Königreiche, wenigſtens liegt der mitteldeutſche Gebirgsknoten, das Fichtelgebirge, als natürlicher Dreiherren⸗ ſtein auf der Grenze von Norddeutſchland, Südweſtdeutſchland und Böhmen. Das Erzgebirge. 21) §. 608. Zu dieſem rechne ich hier den größten Theil des Königreiches Sachſen auf der linken Seite der Elbe. Es läßt ſich aber das eigentliche Erzgebirge im engern Sinne von ſeinem nordweſtlichen Vorhügellande abſcheiden. Das Erzgebirge im engern Sinne hat ungefähr die Geſtalt eines Parallelogramms, deſſen längere Seiten aus SW. nach NO. gerichtet ſind, mit der ſüdweſtlichen ſchma⸗ len Seite iſt es dem ſichtelgebirgiſch⸗voigtländiſchen Gebiet ver⸗ wachſen, und ſeine Grenzen laſſen ſich vom geologiſchen Stand⸗ punkte etwa ſo angeben: Südweſtlich Reichenbach, Falkenſtein und das Zwothathal bis etwas unter Bleiſtadt; ſüdöſtlich Doplas⸗ grün, Klöſterle an der Eger, Kommotau, Oſſeg und Tyſſa am Schneeberg; nordöſtlich Gottleube, Tharand und Noſſen; nord⸗ weſtlich Hainichen, Frankenberg, Chemnitz und Zwickau. Daran ſchließen wir nun aber hier das geſammte Hügelland an, welches in Sachſen zwiſchen der Pleiße und der Elbe liegt, und deſſen nördliche Grenzen durchaus nicht ſcharf zu beſtimmen ſind. Beide dieſe Abtheilungen muß ich jedoch in der Darſtellung einigerma⸗ ßen trennen. §. 609. Das Erzgebirge bildet einen ſteilen Abhang gegen Böhmen, während es auf der ſächſiſchen Seite faſt unmerklich in das vor⸗ jrop nab⸗ inar itſce erre hland ſches das üihen hat Seitten ſchm⸗ et ver Stand⸗ enſti oplas ſſa en nodd Darm welcht deſſe Bär germe öhman s vol⸗ — 319—.„ liegende Hügelland verläuft. Es beſteht ſomit in Sachſen aus einer wenig geneigten Gebirgsplatte, deren höchſter ſüdöſtlicher Rand zugleich dem Kamm des Gebirges entſpricht. Dieſer Kamm ſtreckt ſich, entſprechend der Grundform, aus Südweſt nach Nordoſt. Derſelbe bildet ungefähr, aber nicht genau auch die Waſſerſcheide zwiſchen den Zuflüſſen der Eger und der Elbe ober⸗ halb Tetſchen einerſeits, und andererſeits allen den Flüſſen, welche von Königſtein abwärts der Elbe Waſſer aus dem Erzgebirge zuführen. Der höchſte Kamm bildet, wie geſagt, nicht genau dieſe Waſſerſcheide, da einige Zuflüſſe der Eger etwas nordweſtlich von der Kammlinie entſpringen. Als Waſſerſcheide trennt das Erzge⸗ birge, wie aus Obigem hervorgeht, überhaupt nicht zwei größere Flußgebiete, ſondern wird vielmehr von dem Elbgebiet gänzlich umrankt, es liegt innerhalb deſſelben. §. 610. Der flache und breite ſächſiſche Abfall zeigt, abgeſehen von ſeiner Erhebung über den Meeresſpiegel, durchaus nicht den Cha⸗ rakter eines Gebirges. Nur wenige Berge erheben ſich als ſolche beträchtlich über das mittlere Niveau ihrer Umgebung. Das ſanft geneigte Plateau iſt aber von ſehr gewundenen Flußthälern viel⸗ fach durchzogen, die theils flach, theils ſchroff eingeſchnitten ſind, und deren vorherrſchende Richtung gegen Nord oder Nordweſt iſt. Ihr geringes Gefälle ſcheint Urſache der vielfachen Windungen und Richtungsänderungen zu ſein. Die kurzen Thäler im ſchma⸗ len Steilabhang gegen Böhmen ſind viel weniger gewunden(vgl. §. 186). Der Fuß des Gebirges liegt öſtlich im Elbthale nur 286(bei Meißen) bis 364(bei Tetſchen) über dem Meere, in⸗ ſofern man ſeine Ausdehnung bis dahin gelten laſſen will, was vom geologiſchen Standpunkte aus allerdings kaum zu rechtferti⸗ gen iſt. Geologiſch gehört das Sandſteinplateau der Sächſiſchen Schweiz auf beiden Seiten der Elbe zuſammen, und nicht mehr zum Erzgebirge, es iſt daſſelbe aber ſo mit dem Rücken des letz⸗ tern verwachſen, daß dieſes gegen Oſten eigentlich gar keinen Fuß hat. Aehnlich verhält es ſich gegen Südweſt, wo im Niveau „— 320— von 1200 bis 2000 Fuß eine innige Verwachſung mit dem Voigtlande und Fichtelgebirge ſtattfindet. Dagegen läßt ſich auf den beiden langen Seiten allerdings von einer Baſis(und einem Fuß) des Gebirges ſprechen, dieſe erhebt ſich auf der Nordweſt— ſeite 700(Noſſen), 900(Chemnitz) und 800(Zwickau 787) durch⸗ ſchnittlich alſo 800 Fuß über den Meeresſpiegel, auf der Süd⸗ oſtſeite dagegen 900(Oſſeg), 1050(Kommotau) und 1280 Fuß (Zwothathal), durchſchnittlich alſo etwa 177 Fuß mehr über den Ocean als auf der Nordweſtſeite. §. 611. Der Rücken erreicht eine mittlere Meereshöhe von 2500, im öſtlichen Theil etwas weniger, im weſtlichen, im ſogenannten Obergebirge, etwas mehr, überhaupt alſo etwa 1600“ mehr als durchſchnittlich die Baſis und auf dieſem ſowie auf dem ſanften Nordweſtabfall erheben ſich einzelne Berge bis zu 3800, nämlich: Der Keilberg...... 380² Der Fichtelberg..... 3720) Der Spitzberg bei Gottesgabe. 3445 Der Plattenberg...... 3172 Der Auersberg...... 3132 Die Kuppe bei Neuhaus... 3083 Der Wieſelſtein...... 2942 Der große Rammelsberg... 2928 Der Bärenſtein bei Ladung.. 2859 Der Hirſchberg bei Niklasberg. 2795 Der gr. Lugſtein b. Neugeorgenfeld 2750 Der Stürmer bei Neuſtadt... 2670 Die höchſten von dieſen liegen aber auch am höchſten und keiner von allen erhebt ſich als ſelbſtändiger Berg mehr als 900 Fuß über ſeine nächſte Umgebung. Der höchſte Ort und Uebergangs⸗ punkt, Gottesgabe, liegt 3129 Fuß über dem Meere, alſo faſt ſo hoch wie das Brockenhaus. Nur wenige Thäler ſind über 600 Fuß tief in das Plateau eingeſchnitten, die meiſten nicht ſo tief. Daraus ergibt ſich ungefähr die allgemeine äußere Geſtaltung. kane 0 dü gange fiſt t er 600 ſo tij ung fer herrſchen durchaus vor. Dieſe Die auf den Meerresſpiegel reducirte Mitteltemperatur dieſer Gegend beträgt 10° Cent. Erhe⸗ bung und Lage des größern Ab⸗ falles gegen Norden machen aber das Klima ziemlich ungünſtig; ungleich beſſer iſt es bei derſel⸗ ben Höhe an dem ſteilen Süd⸗ oſtabhange gegen Böhmen. Die jährliche Regenmenge beträgt z. B. in Freiberg nach Reich's neue⸗ ſten Beſtimmungen im Durch⸗ ſchnitt 23 ½ par. Zoll, die Zahl der jährlichen Regentage 184. §. 612. Der innere Bau iſt ein ver⸗ hältnißmäßig einförmiger, ent⸗ ſprechend den flachen Undulatio⸗ nen der äußern Oberfläche. Kry⸗ ſtalliniſche Schiefergeſteine, Gneis, Glimmerſchiefer und Thonſchie⸗ 8 e 7r„ — 1 MN ₰ 9 4 gp 1 ſind durchſetzt von großen kry⸗ 9 ſtalliniſchen Geſteinsmaſſen(Gra⸗ 17 nit und Porphyr), von kleinen 1 A9 7 Eruptivgeſteinsſtöckenund Gängen— 4 3„9 1 8 b (Porphyr, Grünſtein, Baſalt) und von Erzgängen, randlich aber ſehr ſparſam überlagert von Grauwacke, Steinkohlenformation, Rothliegendem und Quaderſand⸗ ſtein. 1 1 11' 4 1 9 1 1 à R F Cotta, Deutſchlands Boden. 21 Durchaus idealer oder ſchematiſcher Querſchnitt des Erzgebirges. — 322— §. 613. Das größte und zuſammenhängendſte Gebiet nimmt der Gneis ein. Von dem nordöſtlichen und ſüdweſtlichen Rande dehnt ſich daſſelbe als ein großes unregelmäßiges Dreieck über die Hälfte der ganzen Oberfläche aus, an ſeiner Weſtſeite vielfach verzahnt in den Glimmerſchiefer, deſſen Grenze oft durchaus nicht ſcharf zu beſtimmen iſt. Im Allgemeinen läßt ſich dieſelbe bezeichnen durch die Orte Noſſen, Oederan, Iſchopau, Geyer, Schlettau und Oberwieſenthal. Außerdem finden ſich aber iſolirte kleinere Gneis⸗ partien noch bei Cunnersdorf und Frankenberg, ſowie am Rande des Granitmaſſivs bei Schwarzenberg, Schneeberg und Kirchberg. Dieſes große Gneisgebiet beſteht indeſſen keineswegs aus einer ganz gleichartigen und homogenen Maſſe, ſondern es iſt aus vielerlei Varietäten zuſammengeſetzt, als deren wichtigſte Abthei⸗ lungen man neuerlich beſonders zwei als grauen und rothen Gneis unterſchieden hat. Der erſtere iſt z. B. der in der Umge⸗ gend von Freiberg vorherrſchende, während der andere mehr am obern Gebirgskamm und ſtreifenweiſe am Weſtrand des ganzen Gebietes auftritt. Beide Gneistypen zerfallen wieder in vielerlei Varietäten, z. B. ſehr quarzreiche oder Quarzſchiefer, ſehr feldſpathreiche (Felſitſchiefer oder Granulitgneis), ſehr glimmerreiche oder glim⸗ merſchieferartige, ſehr körnige oder Granitgneis, ſehr langflaßrige oder Drehfelder Gneis. Der graue Gneis iſt ſehr wahrſcheinlich als eine an Ort und Stelle metamorphoſirte Geſteinsbildung anzuſehen, der rothe dürfte dagegen bei ſehr ſtarker Metamorphoſe zugleich eruptiv geworden und ſomit dem Granit nahe verwandt ſein. Wichtig iſt die Un⸗ terſcheidung beſonders rückſichtlich des Vorkommens der Silber⸗ erzgänge, die ſich häufiger und reicher im grauen als im rothen Gneis finden. 4 Sowol der graue als der rothe Gneis enthält verhältnißmä⸗ ßig nur ſelten untergeordnete Einlagerungen von ganz fremdarti⸗ gen Geſteinen, wie körniger Kalkſtein oder Dolomit. Gnet⸗ Nande rihber gs aus iſt aus Abthei⸗ othen Umge⸗ ehr an ganzen ietäten hreiche gim⸗ flahtige Ort md he dütf eworde die l⸗ Silba⸗ wotha tnifmi endar — 323—„ §. 614. Das große Gneisgebiet iſt in ſeiner Oſthälfte mehrfach durch⸗ ſetzt von mächtigen Granit⸗ und Porphyrmaſſen und von ſchmalen Gängen dieſer Geſteine.. Sparſamer treten in demſelben Grünſtein, Eklogit, Serpen⸗ tin und einige Baſaltkuppen auf, und in der Zone zwiſchen Noſ⸗ ſen und Oberwieſenthal finden an mehren Localitäten vielfache Durchſetzungen von ſilberhaltigen Erzgängen ſtatt, während Zinn⸗ erz⸗ und Eiſenſteingänge häufiger in der Nähe des höchſten Ge⸗ birgsrückens gefunden werden. §. 615.* Der Glimmerſchiefer umſäumt zunächſt das Gneisgebiet auf ſeiner Weſtſeite von Noſſen bis Geier als eine ſchmale Zone, breitet ſich aber von hier aus weiter weſtlich über den ganzen Ge⸗ birgsrücken aus, der Art, daß er das Gebiet der Gegenden von Schellenberg, Gottesgabe, Joachimsthal, Johanngeorgenſtadt, Schwarzenberg und Schneeberg weſentlich zuſammenſetzt, und dann wieder jenſeit eines großen Granitmaſſivs als weſtlicher Saum deſſelben im Zwothathal bei Gräßlitz u. ſ. w. hervortritt. Auch dieſer Glimmerſchiefer ſpaltet ſich in vielerlei Geſteins⸗ varietäten und enthält zugleich ziemlich viele untergeordnete Ein⸗ lagerungen von Schörlſchiefer, Talkſchiefer, Hornblendeſchiefer, Quarzſchiefer und körnigem Kalkſtein oder Dolomit. Granit, Quarzporphyr, Grünſtein(zum Theil erzführend), Quarzbrocken⸗ fels und Baſalt durchſetzen das Gebiet maſſig oder gangförmig, ebenſo ſind hier und da Zinnerz⸗, Eiſenſtein⸗ und Silbererzgänge in demſelben vorhanden. 3 §. 616. Gneis und Glimmerſchiefer gemeinſam bilden alſo die Haupt⸗ maſſe des Erzgebirges, ihre Schiefertextur und Schichtung liegt meiſt ziemlich flach, und dieſer Umſtand, verbunden mit der we⸗ nig energiſchen Hebung der Kette, ſcheint der Hauptgrund der ſehr einförmigen Oberflächengeſtaltung zu ſein, der Grund zugleich 21* — 324— warum das Erzgebirge auf ſächſiſcher Seite beinahe ein Gebirge ohne Berge iſt. Die allgemeine Einförmigkeit der Oberflächen⸗ geſtaltung wird faſt nur da unterbrochen, wo Eruptivgeſteine die jetzige Oberfläche erreicht haben oder wo Quaderſandſtein auf die⸗ ſelbe aufgelagert iſt. Alle Granitgebiete unterſcheiden ſich ſogleich durch mehr kuppige oder bergige Oberflächengeſtaltung, ähnlich die der Quarz⸗ und Syenitporphyre, wo ſie nicht gar zu ſchmale Spalten ausfüllen. Am auffallendſten unterſcheidet ſich aber der Baſalt durch ſeine aufgeſetzte Kuppenform. Etwas mehr Abwech⸗ ſelung als die Höhen zeigen die Thäler in den kryſtalliniſchen Schiefern, ſowol durch ſtarke Windungen als auch hier und da durch felſige Gehänge, wo gerade etwas feſtere Schichten von ih⸗ nen durchſchnitten wurden. §. 617. Der Boden, welcher aus der Zerſetzung von Gneis und Glim⸗ merſchiefer entſteht, iſt nicht ſchlecht, aber er bildet nur eine dünne Verwitterungskrume(Beil. Nr. 22) und die Lage auf dieſen Geſtei⸗ nen iſt meiſt eine zu hohe, um recht fruchtbar zu ſein. Dieſe beiden ſich einigermaßen widerſprechenden Factoren haben verurſacht, daß zu viel Oberfläche nach und nach aus Wald in Feld umgewan⸗ delt worden iſt, welches in ſehr günſtigen Jahren wol fruchtbar iſt, in welchem aber nur allzuhäufig die Ungunſt des Klimas eine gute Ernte verhindert. Daran iſt aber nicht lediglich die äußere verhältnißmäßige Fruchtbarkeit des Bodens an ſich ſchuld, ſondern theilweiſe auch der Metallgehalt. Mehre Zonen von Silber⸗, Zinn⸗ und Eiſenerzgängen durchziehen, wie wir geſehen haben, das Erzgebirge; auf dieſen iſt ſeit langer Zeit Bergbau betrieben worden, und es ſind bei früher höherm Metallwerth, ſowie durch zuwei⸗ len wenig rationellen Grubenbetrieb(Raubbau), manche Gegenden ſtärker bevölkert worden, als ihrer Production an Nahrungsſtoffen entſpricht und als der Bergbau nachhaltig ernähren konnte. Es geſchah das nicht ſowol direct durch die beim Bergbau ſelbſt be⸗ ſchäftigten Menſchen, als dadurch, daß durch ihn überhaupt mehr Anbau in eine Gegend hingeleitet wurde, als für dieſe geeignet Hlim⸗ dünne Geſter beiden daß wan⸗ üſtbar 5 aͤne äußer ondenn ilber⸗ haben triehen zuvi⸗ genda ſtof 6. 6 bſt be⸗ tmeͤr rignet — 325— iſt. Der Bergbau wurde ſo eine der Bevölkerungsurſachen, was gewiß nicht als ein Vorwurf für ihn gelten kann. Die einmal vorhandene Bevölkerung griff, bei theilweiſem oder tempo⸗ rärem Verfall des Bergbaues, in ihrer Nahrungsnoth zu einer ziemlich mannichfaltigen Handinduſtrie: Spitzenklöppeln, Sticken, Strumpfwirken, Weben, Spielwaaren⸗ und Inſtrumentenfabrika⸗ tion u. ſ. w. Dieſe Induſtriezweige ſind mancherlei Schwankun⸗ gen des Abſatzes und Preiſes unterworfen. Anfangs günſtige Erfolge ſteigerten die Bevölkerung mehr und mehr, und ſo iſt ſie leider eine für die natürliche Bodenproduction viel zu große ge⸗ worden. Die Wälder ſind immer mehr aus ihrem naturgemäßen Bereich verdrängt worden, es iſt endlich zu viel Induſtrie und zu wenig Wald übrig geblieben. Der Bergbau iſt unter allen den beſondern Gewerben des Erzgebirges jetzt immer noch das nachhaltigſte und verhältnißmäßig ergiebigſte, dazu ein durchaus bodenſtändiges, ja ſogar ein noch größerer Entwickelung fähiges; aber leugnen läßt ſich nicht, daß er in gewiſſem Grade wol mit den erſten Anlaß zur Uebervölkerung gegeben hat. Außer den Erzlagerſtätten enthalten die kryſtalliniſchen Schie⸗ fer nur wenig nutzbares Geſtein. Als Bauſtein dienen ſie überall in Ermangelung beſſern Materials, Granite und ſelbſt Porphyre ſind dazu beſſer, namentlich als Straßenbauſteine, die wenigen Kalkſteinlager werden meiſt zu Mörtel ausgenutzt, ſeltener als Düngematerial. Durch ſtarke Zerſetzung des Gneiſes und locale Zuſammenſchwemmung der daraus hervorgegangenen Theile ſind hier und da, z. B. bei Freiberg, geringmächtige und wenig aus⸗ gebreitete Lehmablagerungen entſtanden, welche zum Ziegelbrennen benutzt werden. §. 618. Wie der Glimmerſchiefer einerſeits zuweilen unmerklich in den Gneis übergeht, ſo geht er andererſeits in den verſteinerungs⸗ leeren und halbkryſtalliniſchen Thonſchiefer über, der im allgemei⸗ nen ſeinen äußerſten nordweſtlichen Saum bildet, dann aber ganz im Weſten ſich als breites Gebiet in das Voigtland und nach — 326— dem Fichtelgebirge ausdehnt. Nördlich von Kirchberg und in der Gegend zwiſchen Noſſen und Tharand, ſowie zwiſchen Maxen und Berggießhübel, legt er ſich außerdem auch noch unmittelbar an den Gneis an, doch kann man die beiden letztern Thonſchieferge⸗ biete kaum noch zum Erzgebirge im engern Sinne rechnen, da hier bereits eine andere Richtung des Streichens, parallel dem Elbthale, vorherrſcht. Dieſer Thonſchiefer enthält als untergeordnete Varietäten und Einlagerungen: Dachſchiefer, Wetzſchiefer, Quarzſchiefer, Kieſel⸗ ſchiefer, Alaunſchiefer, Hornblendeſchiefer und Kalkſtein oder Do⸗ lomit, und bei Berggießhübel Magneteiſenſtein. Mehrfach iſt er, oft lagerförmig, durchſetzt von Grünſteinen, ſeltener(beſonders in der Umgegend von Flöha) auch von Porphyren; bei Kirchberg und weſtlich von Falkenſtein aber von zwei großen Granitmaſſivs, an deren Rändern er ſich in Knotenſchiefer(Fruchtſchiefer, Fleck⸗ ſchiefer) umgewandelt zeigt. §. 619. Die Grauwackenformation tritt nur als eine ſchmale An⸗ oder Auflagerung auf die kryſtalliniſchen Schiefer des Erzgebirges an deſſen nordweſtlichem Fuße auf, nämlich ſüdweſtlich von Zwi⸗ ckau und öſtlich von Frankenberg. An beiden Orten beſteht die⸗ ſelbe vorherrſchend aus einem Wechſel von Grauwackenſchiefer und Grauwackenſandſtein mit untergeordneten Einlagerungen von Kieſelſchiefer und Kalkſtein, vielfach durchſetzt und durchzogen von Grünſteinen. §. 620. Das Thonſchiefer⸗ und Grauwackengebiet, welche ſich petro⸗ graphiſch kaum unterſcheiden, ſteigt nicht zu ſo beträchtlichen Höhen an als Glimmerſchiefer und Gneis, verhält ſich aber rück⸗ ſichtlich ſeiner äußern Geſtaltung und Fruchtbarkeit im übrigen ſehr ähnlich dieſen Geſteinen, wo es nicht wegen ſeiner tiefern Lage von aufgeſchwemmten Bodenſchichten überdeckt iſt(Nr. 22). An Erzlagerſtätten iſt daſſelbe im Erzgebirge weit ärmer als Gneis dicſe nutz n in da en und bar m efere en, d :d de en und Kieſte er Da⸗ iſt e, asehn. hberg ſſios, Fleck⸗ le Ae kbirgas 3wi⸗ t die ſchiefe en von dzoga petro⸗ llichen rück⸗ brigen iefern 7. 29) Gnein — 327— und Glimmerſchiefer, dagegen enthält es mehr Kalkſteineinlagerun⸗ gen und auch außerdem mehre nutzbare Geſteine, die jenen fehlen. Das wichtigſte darunter iſt der Dachſchiefer, deſſen Gewinnung ſicher eine große Bedeutung erlangen wird, ſobald die Gegenden von Lößnitz und Zwönitz durch benachbarte Eiſenbahnen(Nr. 23) und andere Verkehrserleichterungen befähigt werden, mit der Schieferproduction anderer Länder beſſer zu concurriren als jetzt, wo in allen der Elbe nahe liegenden Orten der engliſche Schiefer billiger iſt. Die unſtreitig vorhandenen guten Dachſchieferdepots dieſer Gegenden bilden darum einen zur Zeit noch wenig ausge⸗ nutzten Schatz. Von minderer Bedeutung ſind die Alaunſchiefer⸗ und Wetzſchiefereinlagerungen, z. B. bei Reichenbach. §. 621. An den äußern Rändern des eigentlichen Erzgebirges finden ſich auf zwei Seiten Anlagerungen der Steinkohlenformation und des Rothliegenden. An der Nordweſtſeite zwiſchen Werdau und Hainichen, an der Nordoſtſeite zwiſchen Wilsdruff und Maxen. Beide liegen in muldenförmigen Vertiefungen, deren Längenaxe der Gebirgsgrenze folgt, und bei beiden iſt die Kohlenformation größtentheils vom Rothliegenden überdeckt, ſodaß ſie nur in gerin⸗ ger Ausdehnung an die Oberfläche hervortritt, unter dem Rothlie⸗ genden aber jedenfalls einen viel größern Flächenraum einnimmt. Die ſogenannte Erzgebirgiſche Kohlenmulde zwiſchen Werdau und Hainichen erreicht eine Längenausdehnung von ungefähr 10 Meilen in der Richtung von Südweſt nach Nordoſt, während ſie an der Oſtſeite ſich gegen 4 Meilen breit durch das Auftreten des Rothliegenden nach der Gegend von Altenburg hin verfolgen läßt, und hier unterirdiſch, möglicherweiſe noch weiter in die Leip⸗ ziger Bucht vordringend, ſpitzt ſie ſich nordöſtlich gegen Hainichen ganz ſchmal zu. Sie iſt hier eingerahmt, einerſeits durch das eigentliche Erzgebirge, andererſeits durch das granulitiſche Vorge⸗ birge, welches wir näher kennen lernen werden. Die Kohlenformation beſteht wie gewöhnlich aus einem viel⸗ fachen Wechſel von meiſt grauem, zuweilen conglomeratartigem ¹ — b —y—— — 328— Sandſtein mit Schieferthon, in welchen in Wechſel Steinkolen eingelagert ſind, bei d Zwickau 9 Flötze, bei Hainichen, wo et⸗ n was ältere Schichten aufgeſchloſſen zu mn ſein ſcheinen, weniger und minder regel⸗ ic mäßige. Das Rothliegende dagegen be: 1 ſteht vorherrſchend aus groben Conglo⸗ ähn meraten, in ſeiner untern Abtheilung ii Hjedoch mehr aus thonigen Geſteinen, b aus Thonſtein(Felſittuff), Hornſtein u. hä dgl. Aus ihm wie aus der Kohlenfor⸗ mation ragen hier und da Kuppen von noo Porphyr hervor, bei Zwickau Glimmer⸗ ic und Quarzporphyre begleitet von Man⸗-⸗ a delſtein und Pechſtein. Bis jetzt baut man die Kohlenlager faſt nur in den Gegenden ab, wo die ſie einſchließende Formation die Ober⸗ fläche erreicht. Es iſt aber ſehr wahr⸗ ſcheinlich, daß man ſie ſpäter auch weit unter die Bedeckung des Rothliegenden hinab verfolgen wird, da kein Grund vorhanden iſt, der vermuthen ließe, daß ſie in der Tiefe des großen Beckens feh⸗ len ſollte.(Vgl.§. 622.) Die Potſchappler Kohlenmulde, welche I von dem Weiſeritzthale oder Plauenſchen mu „82 baqobead 92 ge ee i ſaon aaweee Grunde quer durchſchnitten iſt, hat eine der Längenausdehnung von etwa 3 Mei⸗ ma ‚ len in der Richtung von Nordweſt u 80 noch Südoſt und eine mittlere Breite I von einer halben Meile. Sie liegt zwi-: u e ſchen dem nordöſtlichen Abfall des Erz⸗ zin 8 gebirges einerſeits und dem Syenit⸗Gra⸗ ſir nitgebiet des Elbthales andererſeits. Auch 1 orduet Brit gt zi es Eh it⸗G⸗ 3 Auc *— 329— in ihr bedeckt ähnlich wie in der Erzgebirgiſchen Mulde zu⸗ ſammengeſetztes Rothliegendes den größern Theil der Ober⸗ fläche, während die Kohlen⸗ formation, ebenfalls von ſehr ähnlicher Zuſammenſetzung wie bei Zwickau, hier nur 4 bis 5 beachtenswerthe Flötze ent⸗ hält. Außerdem finden ſich nun noch in zwei Gegenden des höchſten Gebirgsrückens kleine vereinzelte Ablagerungen der Kohlenformation und ſelbſt des Rothliegenden, in wel⸗ chen die Kohlenflötze gering⸗ mächtig und anthrazitiſcher Natur, aber dennoch abbau⸗ würdig ſind. Die eine auf Gneis bei Brandau, die an⸗ dern bei Schönfeld, Bärenburg⸗ und Zaunhaus unweit Alten⸗ berg, theils auf, theils zwiſchen Granitporphyr, Quarzporphyr und Glimmerſchiefer. Es ſchei⸗ nen dieſe iſolirten Schollen der erzgebirgiſchen Kohlenfor⸗ mation einſt entweder mit den beiden größern Gebieten in Zuſammenhang geſtanden zu haben, durch nachfolgende Er⸗ hebungen und Oberflächen zer⸗ ſtörungen davon getrennt wor⸗ den zu ſein, oder ſie ſind g§X 24e 8 NNN 8 8 N X ⁴ν punuze Wtee ANK n (X AXKNN NN N N 8X K ⁸ S T L N MX Idealer Querſchnitt am Nordoſtrand des Erzgebirges. EE— I d S,— 2. — 4 KN I N——— X 3 NN X 1 3 1 54 — 330— wenigſtens ungefähr gleichzeitige Localbildungen, während ihre Kohlenlager, vielleicht zeitweiſe einer höhern Temperatur ausge⸗ ſetzt, in Anthrazit umgewandelt wurden. Eine bei Brandau ge⸗ fundene Pflanzenverſteinerung(deutliche Sigillaria) deutet wenig⸗ ſtens an, daß das Alter der Ablagerung hier kein anderes iſt als bei Zwickau. §. 622. Die Kohlenformation iſt an der Oberfläche zu wenig ver⸗ breitet, um durch Form⸗ oder Bodenbildung einen bemerkbaren Einfluß auszuüben. Ihre mächtige Wirkung auf das Leben beſteht lediglich in dem Brennmaterial, welches ſie darbietet und wel⸗ ches ſowol zur Heizung dient als auch die zur Zeit noch wichtigſte Maſchinenkraft liefert. Beide ſächſiſche Kohlengebiete ſind dadurch rückſichtlich ihres Anbaues ſeit Anfang dieſes Jahrhunderts gänz⸗ lich verändert worden. Eine dichte Bevölkerung hat ſich auf und um dieſelben zuſammengedrängt, die verſchiedenartigſten Fabriken ſind gleich Pilzen empor geſchoſſen, ein ungewöhnlich lebhafter Verkehr hat ſich entwickelt, obwol demſelben merkwürdigerweiſe noch eine genügende Eiſenbahnverbindung mangelt ²³). Sind einſt dieſe Kohlendepots mit den benachbarten Erz⸗ und Fabrikdiſtricten durch Schienenwege verbunden, dann erſt werden ſie alle das Le⸗ ben entfalten, deſſen Keime und Quellen ſie in ſich bergen. Nach und nach wird man dann auch die Kohlenlager immer weiter unter das ſie bedeckende Rothliegende verfolgen, und endlich ihre ganze Ausdehnung bis zu großer Tiefe hinab dem Leben dienſtbar machen. In dieſer Beziehung iſt ein noch weit größerer Erfolg von der Erzgebirgiſchen Mulde zu erwarten als von der des Plauenſchen Grundes, denn von Zwickau bis Hainichen läßt ſich, wir wir geſehen haben, ein unterirdiſcher Zuſammenhang der Koh⸗ lenlager vermuthen. §. 623. Das Rothliegende nimmt in unſerm Gebiet einen ziemlich bedeutenden Oberflächenraum ein, vorzugsweiſe aber nur unter emlich unter — 331— dem Niveau von 1000 Fuß. Daher kommt es, daß daſſelbe gro⸗ ßentheils von neuerm angeſchwemmtem, meiſt diluvialem Boden bedeckt iſt. Charakteriſtiſche Oberflächenformen ſeiner obern und mächtigern aus Conglomeraten beſtehenden Abtheilung treten eigentlich nur im Plauenſchen Grunde auf, hier bildet es ſteile felſige Gehänge, höchſt ähnlich denen bei Eiſenach, und Berge wie am Südrand des Harzes. In der Erzgebirgiſchen Mulde iſt es da⸗ gegen nur von flachen Thälern durchſchnitten, und rückſichtlich der äußern Form deshalb nicht charakteriſtiſch entwickelt. Wo ſeine Conglomerate unbedeckt die äußere Oberfläche bilden, der Boden nur aus ihrer Zerſetzung hervorging, da iſt derſelbe natürlicher Waldboden, als ſolcher fruchtbar, aber zur Feldcultur wenig ge⸗ eignet. Günſtiger verhalten ſich in dieſer Beziehung die untern thonreichen oder feinſandigen Schichten. In der großen Erzge⸗ birgiſchen Mulde aber und auch in einem Theile der Potſchappler iſt die äußerſte Bodendecke meiſt eine aufgeſchwemmte und darum für den Feldbau auch ſehr geeignete, ſo z. B. zwiſchen Chemnitz und Zwickau. Als beſonders nutzbare Geſteine des Rothliegenden ſind ei⸗ gentlich nur die Thonſteine(Porphyrtuffe) des Zeiſigwaldes bei Chemnitz und der Gegend von Flöha, ſowie die dolomitiſchen Kalkſteineinlagerungen bei Schweinsdorf und am Windberg bei Potſchappel zu nennen. Oertlich benutzt man allerdings auch die Sandſteine und conglomeratartigen Sandſteine zum Bauen. §. 624. Am nordöſtlichen Rand des eigentlichen Erzgebirges breitet ſich der öſtlich angrenzende Quaderſandſtein der Sächſiſchen Schweiz auch noch ein wenig über die kryſtalliniſchen Geſteine und in das eigentliche Gebiet des Gebirges aus. Seine faſt horizontalen Schichten bilden im Tharander Walde, bei Tharand und bei Dippoldiswalde mehre kleine flache plattenförmige Aufſätze auf Gneis und auf Quarzporphyr. 1 ö ˙˙˙˙˙˙˙˙˙˙˙˙˙˙˙˙˙— — 332— .§. 625. Dieſe erhöhten Parzellen ſind faſt ausſchließlich von Wald bedeckt, weil der aus dem Sandſteine entſtehende Boden dem Feldbau wenig günſtig iſt. Das Geſtein ſelbſt wird aber mehr⸗ fach im Tharander Walde, bei Dippoldiswalde und bei Bannwitz in großen Steinbrüchen als guter Bauſtein gewonnen. Die un⸗ tere Abtheilung der Formation enthält im Tharander Walde Ein⸗ lagerungen von dunkelgrauen, etwas mergeligen Schieferthonſchich⸗ ten mit vielen Landpflanzenreſten und geringmächtigen Kohlen⸗ ſchmitzen. Dieſe letztern haben wiederholt zu vergeblichen Verſuchs⸗ bauen auf Steinkohlen Veranlaſſung gegeben. Die Erfahrung hat aber nun bereits hinreichend gelehrt, daß in der ſächſiſchen Quader⸗ ſandſteinablagerung kein bauwürdiges Kohlenflötz zu erwarten iſt. §. 626. Endlich mag noch der Thon-⸗ und Sandlager gedacht wer⸗ den, welche, an Geſteine der Braunkohlenformation erinnernd, bei Annaberg und bei Scheibenberg zwiſchen den kryſtalliniſchen Schie⸗ fern und Baſalt lagern, und welche durch dieſe Stellung zu Wer⸗ ner's Zeit eine gewiſſe Bedeutung in dem damaligen Streit der Neptuniſten und Vulcaniſten erlangten, jetzt aber geologiſch nur dadurch von beſonderm Intereſſe ſind, daß ſcheinbar ſo neue Ab⸗ lagerungen ſo hoch oben im Gebirge gefunden worden, hier viel⸗ leicht ausnahmsweiſe vor Zerſtörung und Wegſchwemmung ge⸗ ſchützt durch eine feſte Baſaltdecke. Dieſe wahrſcheinlich tertiären Thone und Sande finden einige techniſche Anwendung, beſonders der Thon. Ihre Verbreitung iſt aber ſehr unbedeutend, und die Hoffnung, mit ihnen zuſammen bauwürdige Braunkohlenlager zu finden, hat ſich nicht bewährt. §. 627. Die eruptiven Geſteinsmaſſen, welche, wie wir geſehen ha— ben, in allen drei kryſtalliniſchen Schiefergebieten des Erzgebirges auftreten, zeigen in ihrer Vertheilung und Umgrenzungsform durch⸗ aus keine Uebereinſtimmung mit der Haupterhebungsaxe des Ge⸗ onte lten neis ch0 wet Wad n den mehr nnwi die un⸗ de Ein ſchic⸗ ohlen⸗ eſuche⸗ ing hi Auader⸗ ten iſ t wer nd, be Scji Wer⸗ it der nur eAo⸗ tviel⸗ 9 ge⸗ anige eitung annnen ährt en h birges durg⸗ 6 Ge⸗ — 333— birges; im Gegentheil, ihre größern Dimenſionen durchſchneiden dieſelben zum Theil faſt rechtwinklig. Der Granit bildet zunächſt zwei große Maſſivs am ſüdweſt⸗ lichen Ende des ganzen Gebirges, während ein drittes, noch weſt⸗ licheres, ſchon dem Voigtlande angehört. Das größte dieſer Granitgebiete dehnt ſich vom Egerthale bis ziemlich nach Schnee⸗ berg aus, und iſt faſt ganz von Glimmerſchiefer umgeben, das andere tritt kreisförmig bei Kirchberg aus dem Thonſchiefer her⸗ vor, der dadurch am Rande theils in Gneis, theils in Knoten⸗ ſchiefer umgewandelt zu ſein ſcheint. Außer dieſen zwei größten Granitmaſſivs laſſen ſich im Glim⸗ merſchiefergebiet noch 10 kleinere von meiſt ellipſenförmiger Ge⸗ ſtalt unterſcheiden, deren Mehrzahl zunächſt von einem ſchmalen Gneisſaume umgeben iſt, ſo bei Schwarzenberg, Aue und Geyer. Eine dieſer Granitkuppen beſteht an ihrer obern Grenze aus Por⸗ zellanerde. Im Gneisgebiet laſſen ſich 3 größere und 6 bis 7 kleinere Granitmaſſivs von meiſt ziemlich ellipſenförmiger Geſtalt unterſcheiden, die größern, in der Region zwiſchen Freiberg und Altenberg, zeichnen ſich zugleich durch ihre im Vergleich zum Gneis kuppigere Oberfläche aus. Dazu müſſen wir indeſſen auch noch als ſehr verwandt das Gebiet des zinnerzhaltigen Greiſen unweit Altenberg rechnen. §. 628. Unter den Porphyrgeſteinen herrſchen die Quarzporphyre vor. Sie bilden zwei große Gebiete, das eine zwiſchen Teplitz und Dippoldiswalde rechtwinklig auf die Hauptgebirgsaxe des Gebir⸗ ges ausgedehnt, das andere faſt kreisförmig, mit gangförmigen Ausläufern, zwiſchen Freiberg und Tharand. Außerdem treten ſie ſehr vielfach als kleine Kuppen und Gänge, ſowol im Gneis als im Glimmer- und Thonſchiefergebiet auf, viel ſeltener im Granit. Zu den Quarzporphyren ſind auch die zinnerzhaltigen ſogenannten Stockwerksporphyre bei Altenberg zu rechnen. Syenitporphyr bildet nur im öſtlichen Gebirgstheil, wo über⸗ haupt die meiſten eruptiven Durchſetzungen ſtattfinden, drei mäch⸗ — 334— tige und langausgedehnte Gänge, die auch Granit und Quarz⸗ porphyr durchſetzen. Glimmerporphyr mit Mandelſtein und Pech⸗ ſtein, ſowie Hornblendeporphyr ſcheinen vorzugsweiſe auf die Ge⸗ biete der Kohlenformation und des Rothliegenden bei Zwickau und Potſchappel beſchränkt zu ſein. §. 629. Die granitiſchen wie die porphyriſchen Durchſetzungen der Schiefer des Erzgebirges bringen, wie wir geſehen haben, überall durch größere Unebenheit einige Abwechſelung in das landſchaft⸗ lich ſo monotone Gebiet. Und wenn dieſe Unebenheiten auch nur ſelten zu bedeutenden Bergen anſchwellen, ſo ſind ſie doch im Speciellen groß genug, um im Verein mit häufigen kleinen Fels⸗ partien und ſehr zahlreichen großen oder kleinen, die Oberfläche bedeckenden Felsblöcken oder Steinen, dieſe Gegenden dem Feld⸗ bau ſchwer zugänglich zu machen; alle dieſe Geſteine bilden des⸗ halb, bei zugleich hoher Lage, natürliche Waldregionen, in welche der Pflug nur ſelten und nie mit großem Erfolg ein— gedrungen iſt. Die zuſammenhängendſten Wälder des Erzge⸗ birges ſind entweder nur durch hohe Lage oder durch dieſe Erup⸗ tivgeſteine und Quaderſandſtein bedingt, wie z. B. im Tharander Walde. Als Mauer⸗ oder Straßenbauſteine ſind dieſe Geſteine mei— ſtentheils wenn auch in ungleichem Grade brauchbar, die graniti⸗ ſchen mehr als Mauerſteine, die porphyriſchen mehr als Chauſſee⸗ ſteine, doch iſt ihr Nutzwerth zu dieſen Zwecken nicht groß genug, um einen weiten Transport derſelben zu veranlaſſen. Die Zerſetzungsproducte des Granites bei Aue liefern jene berühmte Porzellanerde, welche in Meißen ſeit langer Zeit ver⸗ wendet wird. §. 630. Baſalt mit ſeinen acceſſoriſchen Geſteinen bildet ein nicht kuppenförmiges Gebiet im Glimmerſchiefer bei Oberwieſenthal, außerdem aber eine ziemliche Anzahl zum Theil kleiner iſolirter darf hec e Ge vicku en übenl ſſhet ach ne och in Fl⸗ erſaäch ded⸗ en deo en, in g eir Erzge Erux⸗ ander e me⸗ raniti⸗ zuſſee⸗ genug —n jene eit ver n niht ſentho. olin — 335— Bergkuppen auf Granit bei Hermersgrün und Töpfersgrün, auf Glimmerſchiefer bei Hengſterſeifen und Scheibenberg, auf Gneis bei Annaberg, Bärenſtein, Presnitz, Brandau, Geyersberg, Al⸗ tenberg und Dippoldiswalde, endlich auf Quaderſandſtein bei Spechtshauſen. Die ſehr vereinzelten Baſaltkuppen liegen meiſt zu hoch, um die gewöhnliche Fruchtbarkeit ihres Bodens bewähren zu können, nur am Landberg iſt die günſtige Einwirkung ſehr deut⸗ lich bemerkbar durch ſchöne Holzbeſtände. Die Kuppen im höhern Gebirge ſind zum Theil kahl. Das Geſtein dient örtlich als Bauſtein, iſt aber im Erzgebirge nirgends ſo regelmäßig ſäulen⸗ förmig abgeſondert, um dadurch eine beſondere Benutzung mög⸗ lich zu machen. §. 631. Außerdem treten ſehr vereinzelt auch noch Eklogit, Serpen⸗ tin und Grünſteine, erſtere beſonders im Gneis, letztere beſonders im Thonſchiefer auf, ohne irgend bedeutendere Oberflächenräume einzunehmen. Die wenigen Grünſteine des Erzgebirges verhalten ſich den Porphyren ſehr ähnlich. Den Serpentin verwendet man bei Zöblitz zu vielerlei Drechslerarbeiten, und die Anwendung dieſes ſchönen Materials könnte ſicher noch mehr ausgedehnt werden, wie das Beiſpiel der vielfachen Serpentinbenutzung in Corn⸗ wallis lehrt. Das große Syenit⸗Granitgebiet zwiſchen Meißen und Dohna mit ſeinen vielfachen Durchſetzungen von Porphyr, Metaphyr und Pechſtein, gehört geologiſch ſtreng genommen nicht zum Erzge⸗ birge, ſondern zu dem großen kryſtalliniſchen Geſteinsgebiet jen⸗ ſeit der Elbe. Es ſteigt daſſelbe nur ein paar Hundert Fuß über das Niveau des Elbthales auf und iſt in ſeiner größern Aus⸗ dehnung von Pläner oder Diluvialgebilden bedeckt, dergeſtalt, daß man Syenit und Granit vorzugsweiſe nur in den oft felſigen kurzen Thaleinſchnitten findet, die quer in das Elbthal einmünden, wie der Plauenſche Grund, der Schoner Grund, das Triebiſch⸗ — 336— thal u. ſ. w. Man benutzt den Syenit des Plauenſchen Grundes „ganz beſonders zu regelmäßig behauenen Pflaſterſteinen, zu wel⸗ chem Zwecke große, die Freundlichkeit des Thales recht ſtörende Steinbrüche angelegt worden ſind. Sowol der Syenit als der Granit dieſer Gegend wird mehrfach durchſetzt von Quarz⸗, Glimmer⸗ und Hornblendeporphyren, und in den oft ſchaligen Quarzporphyren der Gegend von Meißen bildet wie⸗ der ausgezeichneter Pechſtein ſehr mächtige Gänge oder ſtockför⸗ mige Maſſen, die gewöhnlich als ſchroffe Felſenbildungen in die Thäler hereinragen. Der Pechſtein enthält oft große kugelförmige Klumpen des Quarzporphyrs in ſeiner Maſſe eingeſchloſſen. Für die Vegetationsverhältniſſe ſind alle dieſe Geſteine nicht beſonders einflußreich, da ſie faſt nur an den meiſt bewaldeten Thalgehängen frei zu Tage treten, auf den flachen Höhen und an den weitern Thalſtellen aber in der Regel von neuen Ablage⸗ rungen bedeckt ſind. .§. 632. Man kann hiernach wol ſagen, daß das Erzgebirge ſeine Entſtehung der einſeitigen Hebung einer großen Platte kryſtallini⸗ ſcher Schiefergeſteine verdanke, deren innere Structur aber keines⸗ wegs der Plattenform entſpricht. Die erſten Hebungen dieſer Platte ſcheinen der Ablagerung der Kohlenformation vorausge⸗ gangen zu ſein, da dieſe zum Theil übergreifend über aufgerichte⸗ ten Thonſchiefer⸗ und Grauwackenſchichten liegt, die letzten aber ſind jedenfalls neuer als die Ablagerung des Quaderſandſteins, vielleicht ſogar neuer als die gewiſſer tertiärer Schichten, welche zwiſchen Baſalt, Gneis und Glimmerſchiefer eingeklemmt ſind. Dem Bruchrand, der Hauptſpalte ſcheint die Mineralquellen⸗ und Baſaltzone Böhmens zu entſprechen. §. 633. Ich wende mich nun zu einer eben ſo allgemeinen Ueberſicht des nordweſtlich dem Erzgebirge vorliegenden Hügellandes. Wir haben es hier mit einem recht merkwürdigen Gebiet zu . Jon käürt 9 lis letten des V wi ende fch ndin wi⸗ ffür ndi mige richt eten und lage⸗ ſine dlini⸗ ines⸗ deſer zusge⸗ riche⸗ nabet ſtein welhe t ſind n⸗ Id berſih biet zu — 337— thun, in welchem ſich vom geologiſchen Standpunkte ein ſelbſtän⸗ diges Gebirge unterſcheiden läßt, welches ſich aber nicht(oder nicht mehr) als auffallende Anſchwellung der Oberfläche zu erkennen gibt, daher geographiſch kein Gebirge bildet. Es iſt das große elliptiſche Granulit⸗ oder Weißſteingebiet, welches die eruptive Kernmaſſe dieſes ſächſiſchen Mittelgebirges bildet. Seine längere Axe mißt über 6 Meilen und liegt paral⸗ lel dem Kamm des Erzgebirges; die Breite beträgt durchſchnitt⸗ lich etwa 2 Meilen. Der Granulit dieſes Gebietes enthält vielfach mächtige Schol⸗ len von Gneis und Dichroitgneis, wird durchſetzt von einem brei⸗ ten Gange feinkörnigen Granites zwiſchen Mittweida und Burg⸗ ſtädt, und außerdem faſt überall von unzähligen ſchmalen Granit⸗ gängen und Adern. An mehren Orten auch von Serpentin, ſo bei Waldheim, Böhrigen und Taura. Er bildet ein überall von oft ſehr gewundenen tiefen und ſchroffen Thälern durchſchnittenes Hügelland, deſſen Gipfel ſich durchſchnittlich 900 Fuß, der höchſte bei Seifersbach 1037 Fuß, über die Meeresfläche erheben, wäh⸗ rend die Thalböden 460 bis 590 Fuß über dem Meere, alſo durch⸗ ſchnittlich 300 bis 400 Fuß tiefer als die Höhen liegen. Die Haupt⸗ thäler kommen vom Erzgebirge und gehen quer durch das ganze Gebiet hindurch, ſo die der Zſchopau, der Freiberger und der Zwi⸗ ckauer Mulde. Nur kleine Bäche entſpringen innerhalb deſſelben. Das Klima iſt nur dem Niveau entſprechend günſtiger als im eigentlichen Erzgebirge. §. 634. Den Granulitkern umgibt ringsum zunächſt eine ſchmale Zone von Glimmerſchiefer, deſſen Fallen überall nach außen ge⸗ kehrt iſt, mit einzelnen Partien von Granit, Gneis, Dichroit⸗ gneis, Gabbro und Serpentin, dann zuäußerſt verſteinerungs⸗ leerem Thonſchiefer und Grauwacke, durchſetzt von Grünſteinen. Dieſe äußere Umgebung erhebt ſich durchſchnittlich etwas höher als das Granulithügelland, bildet daher einen flachen Wall um daſſelbe von durchſchnittlich 50 bis 150 Fuß mehr Höhe. Nau⸗ Cotta, Deutſchlands Boden. 22 1219 banuvag avo pano zinuplaen 121v⸗e — 338— Aocklatr 454 Mu Denrtkal Iteinbæ᷑g 960 4 eibznae mMittweida ν mann hat dieſen äußern etwas erhöhten Wall dem Rande eines Erhebungskraters vergli⸗ chen, welche Vergleichung ſich aber mehr auf den innern Bau als auf die äußere Geſtalt be— zieht, denn die gegenwärtige Form der Oberfläche iſt hier ſicher nicht mehr die urſprüng⸗ liche. Viele Umſtände ſprechen dafür, daß die Eruption oder Aufblähung des Granulites Urſache dieſes Baues war und zugleich mancherlei Contacter⸗ ſcheinungen an den äußern Rän⸗ dern hervorbrachte. §. 635. Das große Granulitgebiet zwiſchen Penig und Roßwein bildet, wie wir geſehen haben, ein Berg⸗ oder Hügelland von geringer Meereshöhe, und viel⸗ fach durchſchnitten von oft ſtark gewundenen, theils ſehr ſchroffen felſigen, theils flachen Thälern. Es tritt dadurch dem Verkehr beinahe mit ebenſo gro⸗ ßen Hinderniſſen entgegen als die höchſten Regionen des Erzgebirges, was ſich nament⸗ lich auch bei dem Bau der Chemnitz⸗Riſaer Eiſenbahn be⸗ währt hat. Der Anſiedelung aber war dieſes Gebiet ſehr gün⸗ n etwa Rm 3 ver ung ſc ern Ba ſtatthe nwirig iſt j riſoring ſpreche ion da ranulit war und ontacter n Ran⸗ litgebit koßwein haben, nd von nd vil⸗ en of s ſehr flachen rch den ſo ge⸗ gen a n do nament au N ahn be edelung rgür — 339— ſtig, und namentlich verhält ſich ſein äußerer Rand zu ihr unge— fähr wie ein wirklicher Gebirgsrand(vgl. Nr. 9). Die vorherr⸗ ſchenden Geſteine verwittern nur ſchwierig, trotz ihres großen Feldſpathgehaltes, ſie liefern darum an ſich nur eine dünne, wenn auch gute Bodendecke. Da aber das ganze Gebiet nur an einem Punkte 1000 Fuß überſteigt, ſo iſt es faſt in allen mäßig geneig⸗ ten Regionen bedeckt von diluvialem Boden und dadurch frucht⸗ bar. Die von diluvialen Anſchwemmungen freien Stellen ſind naturgemäß meiſt mit Wald bedeckt, und ſo iſt hier oft eine ſchöne Miſchung von fruchtbaren Feldern, üppigen Wiesgründen und kleinen Waldgruppen entſtanden, zwiſchen denen eine große Zahl wohlhabender Dörfer zerſtreut liegt. Günſtiges Gefälle der Flüſſe hat dabei zahlreiche Fabriken hervorgerufen. Der plattenförmig abgeſonderte Granulit eignet ſich im rohen Zuſtande vortrefflich zum gewöhnlichen Bauſtein, läßt ſich aber leider gar nicht bearbeiten. Die dichteſten Varietäten liefern recht gute Chauſſeeſteine. Beſſer bearbeitbar iſt der feinkörnige Granit von Mittweida und Burgſtädt, meiſt aber tief hinein zerſetzt. Dichroitgneis bildet wegen ſeiner großen Feſtigkeit und ſchwierigen Verwitterbarkeit gewöhnlich hervorragende Felskämme oder einzelne mächtige Felsblöcke, die ſcheinbar erratiſch an der Oberfläche liegen, wie bei Mittweida, in Wirklichkeit aber ausgewittert ſind. Der Gegend gereichen ſie oft zur Zierde, weniger zum Nutzen. Den Serpentin dieſes Gebietes verwendet man bis jetzt noch nicht zu Kunſtzwecken, er iſt in der Nähe der Oberfläche meiſt ſehr zerſetzt. Der kryſtalliniſche Schieferwall, welcher das Granulitgebiet rings umgibt, beſtehend aus Glimmerſchiefer und Thonſchiefer mit untergeordneten Maſſen von Gneis, Granit und Gabbro, iſt in ſeinen höchſten Regionen großentheils mit Wald bedeckt, nur ſo weit, als der diluviale Boden an ihm heraufreicht und ihn überzieht, dem Feldbau günſtig. 22* — 340— §. 636. Das ſind die Umſtände, welche einer landbauenden Bevölke⸗ rung, untermiſcht mit einer gewerbtreibenden, hier und da in große Fabrikanlagen zuſammengedrängt, reichlich die Elemente ihrer Exiſtenz darboten. Der Bergbau berührt nur die äußerſten Rän⸗ der dieſes Gebietes(bei Gersdorf, Hainichen, Schönbörn und Hohenſtein), ſein Inneres gehört ganz der Landwirthſchaft und dem Webſtuhl. Es bildet den Kern Sachſens, in welchem die Fabrikdiſtricte ſich mit den ackerbautreibenden verſchmelzen. Eine Menge wohlhabender Städtchen, aber keine einzige größere Stadt, wozu überall der paſſende Raum fehlt, erheben ſich zwiſchen freundlichen Ortſchaften, alten Burgen und Ritterſitzen. Aber bemerkenswerth iſt es, daß gerade in dieſem Gebiet die politiſche Bewegung des Jahres 1848 vorzugsweiſe Wurzel gefaßt hat. Nächſt dem Voigtlande war dieſes Mittelgebirge an den unglück⸗ lichen Zuckungen Sachſens am meiſten betheiligt. §. 637. Nördlich von dieſem kleinen geologiſch ſelbſtändigen Gebirge dehnt ſich ein breites und flaches Hügelgebiet aus, deſſen Baſis faſt ganz aus Quarzporphyren, deren Tuffbildungen und Syenit⸗ porphyren zu beſtehen ſcheint, die aber an der Oberfläche größ⸗ tentheils bedeckt ſind von Braunkohlenformation, diluvialen und alluvialen Ablagerungen. Nur an den ſteilern Thalgegenden und an einigen Bergkuppen, deren höchſte als Rochlitzer Berg ſich 1047 Fuß über den Meeresſpiegel erhebt, treten die Porphyre frei unter ihrer ſehr jugendlichen Hülle hervor. Dieſe Porphyre zeigen ſehr oft eine Tendenz zur Säulenform mit ſenkrechter Stel⸗ lung, bei Dahlen dagegen ſehr regelmäßige Plattenform. Es iſt ſchwierig, die Entſtehungsweiſe dieſes ſehr ausgedehnten und plat⸗ ten Porphyrgebietes zu erklären. Bei der gewöhnlichen und gut begründeten Annahme eruptiver Entſtehung dieſer Geſteine fehlt hier faſt jede Andeutung einer Eruptionsſtelle, auch ſetzt die weite horizontale Ausbreitung nach allen Seiten hin bei lavaähnlicher Bildung entweder eine ſeeähnliche Ausbreitung der flüſſigen Maſſe e weit nlchr Naſt — 341— an der Oberfläche, oder ein Eindrängen unter ein feſtes geſchich⸗ tetes Geſtein voraus, welches nachher gänzlich verſchwunden ſein müßte. Wollte man auch annehmen, das elliptiſche Granulitge⸗ biet ſei die innere Baſis eines einſt hier vorhanden geweſenen großen Vulkans etwa von dem Umfange des Aetna; die granit⸗ erfüllte Spalte zwiſchen Mittweida und Burgſtädt ſei ſein jetzt durch erſtarrtes Geſtein verſtopfter Schlund geweſen, und dieſe Porphyre ſtellten mächtige Lavaergießungen auf ſeiner Nordſeite dar: ſo werden dadurch immer noch nicht alle Schwierigkeiten ge⸗ löſt und jedenfalls bliebe eine ſolche Annahme ſehr gewagt, das thatſächlich Vorliegende weit überſchreitend. §. 638. Das große nördliche Porphyrgebiet iſt, wie wir ſahen, der⸗ maßen von neuern Bildungen überdeckt, daß nur an einzelnen Bergkuppen und an den ſteilern Thalgehängen der Porphyr frei zu Tage tritt. Seine Oberfläche iſt in dieſem Falle meiſt mit Wald bedeckt. Felder exiſtiren nur ausnahmsweiſe auf dem blos durch ſeine Verwitterung entſtandenen Boden. Dagegen hat das Hervortreten feſtern Geſteins ziemlich häufig, wie es ſcheint, die beſondere Veranlaſſung zur Lage der Orte, namentlich der kleinern Städte gegeben. Das Geſtein dient als unbehauener Bauſtein, als behauener Pflaſterſtein und als Chauſſeeſtein. Bei Dahlen gewinnt man aus demſelben beſonders ſchöne und große Platten, welche durch eine natürliche Abſonderung gebildet ſind, während die meiſten Porphyre dieſer Gegend eine Hinneigung zu ſenkrechter Säulen— form zeigen, beſonders deutlich bei Leisnig. Mit den gewöhnli⸗ chen meiſt braunen Quarzporphyren ſind bei Rochlitz tuffartige Bildungen verbunden, welche hier den die ganze Gegend beherr⸗ ſchenden Rochlitzer Berg bilden. Dieſe liefern ein außerordentlich geſuchtes Material für behauene Bauſteine und auch für Mühl⸗ ſteine. Die ganze Kuppe des ſtark bewaldeten Berges iſt deshalb von großen Steinbrüchen durchwühlt, in denen einige hundert Menſchen Beſchäftigung finden. In demſelben Tuff kommen — 342— auch viele kleine Partien von Steinmark vor, die eine ziemlich beſchränkte mediciniſche Anwendung finden. §. 639. Im Kulmberg bei Oſchatz und öſtlich von da erhebt ſich noch einmal die Grauwacke und zwar zu der verhältnißmäßig beträcht⸗ lichen Meereshöhe von 957 oder durchſchnittlich 500 Fuß über das umgebende Land, und bei Rieſa und Klotitz ſind mehre kleine Granitinſeln als letzte Ausläufer des Oberlauſitzer Granitgebietes entblöſt, ohne jedoch irgend eine bemerkbare Bodenanſchwellung zu bedingen. §. 640. Dieſes ganze Hügelland verläuft nördlich in der Gegend der Dresden⸗Leipziger Eiſenbahn und weſtlich zwiſchen Wurzen und Frohburg unmerklich und mit unbeſtimmbaren Grenzen in das große Gebiet der Norddeutſchen Niederung. Die mächtigen Di⸗ luvialablagerungen der letztern reichen weit in daſſelbe herein und füllen namentlich auch eine kleine Bucht zwiſchen Rieſa und Mü⸗ cheln aus, in welcher ſie alles ältere Geſtein überdecken, während am weſtlichen Rande dieſer ganz flachen Bucht kohlenführendes Rothliegendes und etwas Zechſtein hervortreten. Etwas Aehnli⸗ ches wiederholt ſich weſtlich von der großen Leipziger Bucht aus⸗ gehend zwiſchen Frohburg und Waldenburg, wo aber in den tiefſten Thaleinſchnitten oft Thonſchiefer oder Grauwacke unter den diluvialen Ablagerungen zum Vorſchein kommen. §. 641. G An den Rändern der Bucht von Mücheln, und namentlich von dieſem Orte nach Oſchatz zu, treten, wie erwähnt, unter den hier ſehr mächtigen Diluvialbildungen die Schichten des Zechſteins und des Rothliegenden hervor. Beide mit geringer Oberflächen⸗ ausdehnung und kaum merklichem Einfluß auf Bodenform und Fruchtbarkeit. Aber die zwar unreinen Kalkſteine des Zechſteins werden als ſolche und als gewöhnliche Bauſteine gewonnen, während eniih ch no ttricht ß ibr e klei gebiet wellun — ——— —— d der en und in das gen Da⸗ ein und d Ni⸗ vährend tendes Achnli⸗ ht aus⸗ in den ke unte mnentih nter de echſten rlläcer am und ecſtinn vähred — 343— das hier nur aus ſeiner untern, nicht conglomeratiſchen Abtheilung beſtehende Rothliegende Kohlenlager in ziemlich aufrechter Stellung enthält, die man bei Oſchatz abzubauen angefangen hat. Ihre Mächtigkeit iſt ziemlich beträchtlich, aber ihre Beſchaffenheit iſt etwas unrein, ſie geben für viele Zwecke einen zu großen Aſchen⸗ gehalt. Wollte man im Königreich Sachſen nach Steinſalz ſuchen, ſo würde dieſe Bucht wenigſtens nicht ganz ohne Ausſicht ſein, da der Zechſtein inmitten der Bucht möglicher Weiſe dergleichen enthalten könnte. §. 642. Auf dem Porphyr oder der Grauwacke als Unterlage finden ſich in dieſen Gegenden an vielen Orten Ablagerungen der Braun⸗ kohlenformation, oberflächlich meiſt bedeckt von diluvialem Sand oder Lehm. Die Formation beſteht hier vorherrſchend aus wei⸗ ßem Sand und Kies, weißem oder hellgrauem plaſtiſchem Thon und Braunkohle. Die letztere liegt gewöhnlich zuunterſt, unmit⸗ telbar auf älterm Geſtein, und beſteht theilweiſe, d. h. örtlich nur aus bituminöſem Holz, ſo bei Grimma, theilweiſe ganz vorherr⸗ ſchend aus mürber erdiger Kohle. Beide werden abgebaut, wo ſie zugänglich und mächtig genug ſind. §. 643. Die Braunkohlenformation dieſer Gegenden iſt an der Ober⸗ fläche meiſtentheils von diluvialen Ablagerungen bedeckt, aus die⸗ ſem Grunde, und weil außerdem ein Theil ihrer ſandigen und thonigen Schichten dem diluvialen Sand oder Lehm in gewiſſem Grade ähnlich iſt, übt dieſelbe keinen bemerkbaren Einfluß auf Bodenform und Bodenfruchtbarkeit aus. Um ſo größer iſt aber wieder wie bei der Steinkohlenformation der Einfluß durch die nutzbaren Geſteine, welche ſie darbietet. Dieſes ſind aber nicht nur die Kohlen ſelbſt, ſondern auch die fetten oder kieſel⸗ reichen und dann feuerfeſtern plaſtiſchen Thone. Die Gewinnung und Benutzung der Braunkohlen im großartigern Maßſtabe iſt — 344— in Sachſen von noch etwas neuerm Datum als die der Schwarz⸗ kohlen, es läßt ſich deshalb noch nicht vollſtändig überſehen, wel⸗ chen Wirkungskreis ſie einſt einnehmen werden; bis jetzt benutzt man ſie faſt ausſchließlich als Feuerungsmaterial für häusliche und techniſche Zwecke, wie Kalk⸗ und Ziegelbrennen, ſehr wenig als Maſchinenkraft. Der plaſtiſche Thon liefert unter andern das Material zu den großen Thonwaarenbrennereien in und bei Waldenburg. §. 644. Die größte Verbreitung beſitzt aber hier überall das Dilu⸗ vium oder die Lößformation, beſtehend aus ſandigem Lehm, Sand oder Kies, an der äußern Oberfläche häufig mit erratiſchen Fels⸗ blöcken. Sie erreicht örtlich eine Mächtigkeit von wahrſcheinlich mehr als 100 Fuß, bedeckt alle flachen Höhen dieſes Gebietes und läßt nur zuweilen die Geſteine gleichſam durchblicken. Von dieſer Region, ihrer ſehr zuſammenhängenden und mächtigen Ver⸗ breitung aus verzweigt ſich dieſelbe aber über alle flachen Gegen⸗ den von weniger als 1000 oder 1200 Fuß Meereshöhe über die Gebiete des Granulites und des Rothliegenden hinweg, ein Stück an dem flachen Abhang des eigentlichen Erzgebirges hinauf. In den Flußthälern ſind dagegen die diluvialen Ablagerungen ge⸗ wöhnlich entweder nicht vorhanden, oder von noch neuern allu— vialen überdeckt. §. 645. Die Diluvialgebilde bedecken in unſerm Landestheile einen viel größern Flächenraum, als die geognoſtiſche Karte von Sachſen darſtellt, da dieſe alle kleinern Gebiete derſelben auf beſtimmt er⸗ kannten Geſteinen oder Formationen, unberückſichtigt läßt. Sie gleichen ſtets die unter ihnen etwa vorhandenen Unebenheiten möglichſt aus, nirgends ſind ſie nachträglich erhoben oder aufge— gerichtet, nur flache Thalrinnen ſind in ſie eingeſchnitten. Von ganz beſonderer Wichtigkeit ſind ſie in agronomiſcher Beziehung. Ueberall bewirken ſie einen lockern und tiefgründigen Boden, der⸗ — 345— war ſelbe iſt aber von ſehr ungleicher Fruchtbarkeit, je nachdem ſie ni örtlich aus Löß(ſandigem und kalkigem Lehm), aus Sand oder denut Kies beſtehen. Während die letztern wenig fruchtbare noch am uöli meiſten für Kieferwald geeignete Regionen bilden, ſind die Löß⸗ deih gebiete die wahren Träger großer Fruchtbarkeit. 23) Man kann anden behaupten, in allen vorzugsweiſe fruchtbaren Gegenden Sachſens, nd bi wie z. B. in der Lommatſcher Pflege, iſt Löß die Urſache dieſer Fruchtbarkeit. Es findet aber dieſer Löß in ſeinen reinern Lehm⸗ varietäten auch noch vielfache Anwendung zum Ziegelbrennen und ſelbſt zur Herſtellung von andern Thonwaaren. Sand und Kies Dil⸗ dienen als Wegſchutt oder Mörtelzuſatz, die großen erratiſchen Sand Felsblöcke aber erſetzen in einigen Gegenden auch hier das an⸗ Fels⸗ ſtehende feſte Geſtein als Baumaterial. änlich ebietes§. 646. 2 Von Die alluvialen Ablagerungen überziehen höchſt ſporadiſch die n Ve⸗ ganze Oberfläche bis zum höchſten Kamm des Erzgebirges hinauf. Gegen⸗ Alle breitern Bach- oder Flußthäler zeigen hier und da einen ber di ebenen aus Kies, Sand oder Schlamm beſtehenden angeſchwemm⸗ Stüch ten Boden und zuweilen übrig gebliebene Reſte ſolcher Ablage⸗ In rungen aus frühern Perioden in einem Niveau von 20 bis 60 en ge Fuß über dem jetzigen Waſſerſpiegel. Auf den Höhen aber, und all⸗ namentlich auf den breiten Hochplateaus des Erzgebirges finden ſich vielfach mächtige Torfbildungen, welche zum Theil noch jetzt im Zunehmen begriffen ſind. Die locale Entſtehungsweiſe aller alluvialen Ablagerungen erlaubt anzunehmen, daß ſie in ihrem einen gegenwärtigen Niveau gebildet worden ſind, ſetzt alſo keine nach⸗ Satſ träglichen Erhebungen des Gebirges voraus, wie das bei allen unt t⸗ marinen Ablagerungen in ſo hoher Stellung der Fall ſein würde; . ei aber die hohen Anſchwemmungen in manchen Flußthälern ſetzen enheite dagegen zum Theil veränderte Waſſerſtände, einſtige Seeanſtauun⸗ aufße gen oder ein nachträglich tieferes Einſchneiden der Flußbetten an voraus. iehung en, de⸗ — 346— §. 647. Die Alluvionen der Flüſſe bilden häufig, wie wir geſehen haben, den ebenen Thalboden zur Seite des Flußbettes, wo die Thäler hierzu breit genug ſind und nicht viel Gefälle beſitzen. Dieſe mechaniſchen Alluvionen ſind am häufigſten mit Wieſen be⸗ deckt, ſeltener in Feld umgewandelt, wenn vorherrſchend aus Kies und Geröllen beſtehend dann oft ſehr ſteril, aus feinem Schlamm aber oft ſehr fruchtbar. Auch über dem Niveau der heutigen Thal⸗ böden finden ſich, wie erwähnt, zuweilen noch mechaniſche Alluvionen von ähnlicher Beſchaffenheit, ſo die alten Uferterraſſen und gewiſſe Rückſtände früherer kleiner Seebecken. Sie ſind beide in Sachſen von geringem Belang. Einige derſelben haben in früherer Zeit in den Gegenden von Eibenſtock und Johanngeorgenſtadt zu Zinn⸗ ſeifen Veranlaſſung gegeben. Als nicht mechaniſche Alluvialbil⸗ dung treten Torflager auf, welche beſonders in den Gegenden von Altenberg, Marienberg, Kühnhaide, Jöhſtadt, Cranzahl, Unterwieſenthal, Schlettau, Neudorf, Grünhain, Eibenſtock und Jahnsgrün Gegenſtand der Gewinnung geworden ſind. §. 648. Eine Vergleichung der Ortsnamen im Gebirge mit denen in den umgebenden Niederungen belehrt uns, daß zu der Zeit, als dieſer Theil Deutſchlands von ſlawiſcher Bevölkerung bewohnt war, das Erzgebirge frei davon blieb. Während am nördlichen wie am ſüdlichen Fuße deſſelben überall die ſlawiſchen itze und ode mit den germaniſchen auf au, bach, dorf, berg u. ſ. w. en⸗ denden Ortsnamen gemiſcht ſind, fehlen jene ſlawiſchen Endungen im eigentlichen Gebirge ganz. Es ſcheint von der ſlawiſchen Be⸗ völkerung wie eine Inſel umflutet geweſen zu ſein; ſei es nun, daß die Slawen überhaupt nicht liebten, in die Gebirge einzudrin⸗ gen, oder daß ſie wenigſtens die fruchtbarern Ebenen ſo lange vor⸗ zogen, als ſie darin genug Platz fanden. Erſt die germaniſche Bevölkerung iſt in die norddeutſchen Gebirge eingedrungen, und zwar in das Erzgebirge von Nord gegen Süd auf dem flachen Abhang emporſteigend. Wie ihnen die Gegend nach und nach wilder und uviona gewiſt Sachſe rer Zät Zinn⸗ dialbil⸗ genden anzahl ock und denen t Näi, ewohnt nichen ge und w. en⸗ dungen hen Be des nun, zudti⸗ gge vor naniſce ndzwck Abhang der und — 347— rauher erſchien, haben ſie durch zahlreiche Ortsnamen ausgedrückt, ſo Wildenfels, Wildenſtein, Rauhenſtein, Bärenburg, Bärenſtein, Bärenklau u. ſ. w.; aber das jagdbare Volk ließ ſich dadurch nicht abhalten, es drang immer höher und höher hinauf, bis es end⸗ lich auf dem Rücken anlangte. Da waren ſie nun überraſcht durch die plötzliche Aenderung der Landſchaft, der romantiſche fruchtbarere Südabhang kam ihnen doppelt lieblich vor nach dem zurückgelegten rauhen Weg, und dieſes Gefühl drückt ſich auch hier in den Ortsnamen aus, ſo in Eilau, Arbeſau, Gorkau, Kom⸗ motau, Molkau, Falkenau, Roſenthal, Langwieſe, Schönbach, Mariengrün, Hüttmannsgrün, Lichtenſtadt u. ſ. w. §. 649. Aber dieſe erſte Jägerbevölkerung des Erzgebirges war nur eine ſehr ſpärliche. Erſt in ſpätern Jahrhunderten ſcheinen ärmere Claſſen, die Proletarier jener Zeit, dahin nachgedrängt worden zu ſein, wo ſie jedenfalls Boden und Holz umſonſt fanden. So kümmerlich ſie ſich ernähren mußten, hat ihre Zahl doch unge⸗ mein zugenommen, wie denn wol überall die ärmſten Claſſen die fruchtbarſten ſind. Man ſann nun auf Beſchäftigung und Er⸗ werb für dieſe die Bodenproduction überſteigende Kopfzahl. Es gelang, im Webeſtuhl und im Klöppelſack eine lange dauernde Hülfe zu finden. Aber freilich eine gefährliche, denn die tempo⸗ räre Blüte dieſer Gewerbe vermehrte nur um ſo mehr die Fami⸗ lien, und bei den nach und nach ſich zeigenden Stockungen mußte man immer wieder zu andern Palliativen greifen. Man drechſelte und ſchnitzte Spielwaaren(Seifen), man führte die Schwarzwäl⸗ der Uhrenfabrikation ein(in Karlsfeld, neuerlich werden in Gies⸗ hübel auch Taſchenuhren gemacht), man fertigte Muſikinſtrumente aller Art(Neuenkirchen) und man ſuchte Geld durch ihre Anwen⸗ dung zu verdienen(reiſende Muſiker aus Gottesgabe und Gräs⸗ litz). Aber das Alles will nicht mehr ausreichen. Der Bergbau allein mit ſeinen unmittelbaren Folgen iſt, wenn auch ſchwankend, doch dauernd eine ſichere Erwerbsquelle geblieben. Die erſten Bergleute ſollen ums Jahr 1170 aus dem Harz — 348— in die Gegend von Freiberg gekommen ſein, nachdem Fuhrleute Erzſtufen von hier mit dahin gebracht hatten. Von der Zeit da⸗ tirt der freiberger und der erzgebirgiſche Bergbau, der jetzt ge⸗ gen 12,000 Menſchen direct und gegen 70,000 indirect beſchäftigt und nährt. In der Natur ſeiner Erträge lag es, ungemein auf⸗ und ab⸗ zuſchwanken, ſolange man ihn noch wenig rationell, meiſt als ſogenannten„Raubbau“ betrieb. Durch dieſen Raubbau iſt freilich oft das Beſte oben abgeſchöpft worden, einzelne Unterneh⸗ mer wurden ſchnell reich, aber das Ganze litt. Vergleicht man das jährliche Ausbringen, z. B. des freiberger Silberbergbaues, in den letzten 300 Jahren, ſo zeigt ſich mit der Zunahme der bergmänniſchen Intelligenz ein beſtändiges Steigen der Production von 10,000 bis auf 108,142 Mark Silber, welches nur durch Kriegsperioden, oder durch beſonders trockene Jahre, die den Gru⸗ ben die nöthige Waſſerkraft entzogen, unterbrochen ward. Am auffallendſten iſt dieſes Steigen in den letzten 30 Jah⸗ ren geweſen, von 45,000 auf 108,142 Mark Silber, und ſelbſt der Ueberſchuß der Gruben iſt in letzter Zeit geſtiegen, wie dies noch kürzlich von dem Vorſtand des ſächſiſchen Bergbaues, Frei⸗ herrn von Beuſt, in einem Schriftchen über den ſächſiſchen Sil⸗ berbergbau nachgewieſen worden iſt. Dieſes Steigen des Silberausbringens iſt in der Hauptſache keineswegs eine Folge ſehr glücklicher Anbrüche geweſen, ſondern viel⸗ mehr eine Folge vollkommenerer Ausnutzung verhältnißmäßig armer Lagerſtätten. Darin beſteht überhaupt der Charakter und Einfluß des erzgebirgiſchen Bergbaues, ja ich möchte ſagen, in Folge da— von der erzgebirgiſchen Induſtrie. Dieſe breite Gebirgsmaſſe bie⸗ tet nicht mit verſchwenderiſcher Hand reiche Schätze der Natur dar, aber vielfache Anregung, ihr kleine Gaben mühſam abzuge⸗ winnen. Dadurch gerade hat ſie die gewerbliche Thätigkeit und Intelligenz ihrer Bewohner in hohem Grade geſteigert. Die erſte Anregung dazu gab der Bergbau. Daß ſich Freiberg einen berg⸗ männiſchen Weltruf erwarb, iſt größtentheils der verhältnißmäßi⸗ gen Armuth ſeiner Erzgänge bei großer Zahl derſelben zuzuſchrei⸗ hrlau deit de ett ge ſchäft und d teſſt i bau it nterni ht mmn gbaues me der uttion durch n Gre 90 Jah⸗ d ſäbſ vie die Fre⸗ n Sir⸗ uptſach mm vill armet Einfluß olge de aſſe bir r Natu ahyugr keit ud die eit en bet ißmij⸗ uſchri⸗ — 349— ben, alle Mittel bergmänniſcher Kunſt und Wiſſenſchaft mußten aufgeboten werden, um unter ſolchen Umſtänden beſtehen zu kön⸗ nen. Aehnlich erging es in Sachſen manchem andern Induſtrie⸗ zweig, wir werden aber ſchwerlich irren, wenn wir den mühſa⸗ men Bergbau als eine Hauptpflanzſchule und als Vorbild vieler anderer induſtrieller Thätigkeit bezeichnen. §. 650. Gerade die geringere Fruchtbarkeit in Verbindung mit ge⸗ wiſſen innern Bodenſchätzen iſt ſomit erſte Urſache einer viel zu ſtarken Bevölkerung geworden. Es wohnen nach den neueſten Zählungen im Kreisdirectionsbezirke Zwickau, der aber auch das ſächſiſche Voigtland mit umfaßt, 9740 Menſchen auf der Qua⸗ dratmeile, das iſt wahrſcheinlich die ſtärkſte Bevölkerungszahl in ganz Deutſchland. Im Kreisdirectionsbezirke Leipzig, der außer dem erzgebirgiſchen Vorberglande auch in die norddeutſche Niederung eingreift: 7270, und im Kreisdirectionsbezirke Dresden, welcher außer dem öſtlichen Erzgebirge auch viel von dem rechten Elbufer einſchließt, nur 7170. Außer dem Metallbergbau, deſſen Pro⸗ ducte in Silber, Kupfer, Blei, Kobalt, Nickel, Arſen, Zinn und Eiſen beſtehen, liefert der Felsboden des Erzgebirges, wie wir ge⸗ ſehen haben, als beſondere, der weitern Bearbeitung oder dem unmittelbaren Handel zufließende Producte: Bauſteine, Dach⸗ ſchiefer, Alaunſchiefer, Kalkſtein, Porzellanerde, Thon, Torf und ſeit 50 Jahren als vorzugsweiſe wichtig Braunkohlen und Stein⸗ kohlen. Kaum zu nennen ſind dagegen die geringfügigen Aus⸗ beuten an Schwerſpath, Vitriol, Antimon, Braunſtein, Topas, Achat und Amethyſt(ſonſt), Wetzſtein, Schmirgel, Walkerde und Steinmark. Der Metallbergbau hat die Silber⸗, Kupfer⸗, Zinn⸗ und Eiſenhüttenwerke, die Schmalte⸗, Arſen⸗ und Vitriolwerke, die Argentanfabrikation, die Schrot⸗ und Bleiröhrenfabrikation ins Leben gerufen. Die andern nutzbaren Lagerſtätten bedingten Alaunwerke, Kalköfen,(früher auch eine Marmorſchleiferei), Porzellan⸗, Steingut⸗ und Thonwaarenfabriken, Glashütten, eine Cementfabrik, alle dieſe einzeln von geringem Belang; ganz be⸗ — 350— ſonders belebend hat aber in ſehr vielfacher Beziehung die immer mehr geſteigerte Gewinnung der Braun⸗ und Steinkohlen auf die ſächſiſche Induſtrie eingewirkt. Es würde kaum möglich ſein, ihren Wirkungskreis vollſtändig zu entwickeln, in ſeiner All⸗ gemeinheit kann derſelbe als hinreichend bekannt vorausgeſetzt werden. Nur ſehr gering iſt der Einfluß aufs Leben, welchen im Erzgebirge die wenigen und ſchwachen Mineralquellen ausüben, von denen ich hier nur die von Wieſenbad bei Annaberg, Wol⸗ kenſtein, Hohnſtein, Tharand, Buſchbad bei Meißen und Berg⸗ gießhübel nennen will; das ungleich wichtigere Elſter haben wir im vorigen Abſchnitt kennen gelernt. §. 651. Die Bevölkerung des Erzgebirges zeigt wenig Eigenthümli⸗ ches oder Nationales, weder in Tracht noch in Sitte. Der Volks⸗ ſtamm iſt nicht groß und kräftig, ſondern klein und oft ſogar ſchwächlich, wie es die ſchlechte Nahrung kaum anders erwarten läßt. Die ſchönen Mädchen, welche in Sachſen auf den Bäumen wachſen ſollen, ſucht man vergeblich, ſowol auf als unter den Bäumen. Dazu fehlt den Frauen wie den Männern eine irgend⸗ wie beſondere oder nationale Kleidung. Dieſer Mangel anziehen⸗ der äußerer Form wird einigermaßen erſetzt durch ämſige Thätig⸗ keit und durch Vorliebe für kleine Verſchönerungen der Häuslich⸗ keit. Die ſtundenlang in den Thaälern hin zerſtreuten Dörfer zeigen mehr Sorgfalt, als man in ſo armer Gegend zu erwarten berechtigt iſt. Die Häuſer ſind nett und ſauber, die braunen Balken treten freundlich aus den weißen Kalkwänden hervor, die oft durch grüne Fenſterrahmen unterbrochen werden, und auch der ärmſte Häusler, Bergmann oder Tagelöhner ſucht ſich ein kleines Obſt⸗ oder Blumengärtchen vor der Hausthür zu ſchaf⸗ fen und treu zu pflegen, oder wenigſtens mit einigen Blumen⸗ ſtöcken die niedern, aber reinlichen Fenſter der Wohnſtube zu ſchmücken. Im höhern eigentlichen Erzgebirge herrſcht die Wechſelwirth⸗ imma len au nögii ner Al usgeſch chen i usühg, , Ple d Ba hen wi thüml⸗ Volke⸗ ft ſoga erwarten Bäumen ter den irgend⸗ zziehen⸗ Thätig iuslich⸗ Dörfer rwarten braunen vor, d nd aut ſich in u ſhhj Zlume⸗ kube zu dlvirt⸗ — 351— ſchaft vor, in den niedern Gegenden, und namentlich überall, wo diluviale Bedeckungen ſtattfinden, jene Uebergangsſtufe aus der Felderwirthſchaft zur Fruchtfelderwirthſchaft, welche wir§. 402 kennen gelernt haben. §. 652. Das Erzgebirge hat mehr als andere mitteldeutſche Gebirge ſeit früheſter Zeit eine politiſche und nationale Grenzſcheide ge⸗ bildet, wenn auch die ſpecielle Grenzlinie auf ſeinem flachen Rü⸗ cken hin und her ſchwankte, eben weil hier ein ſcharfer natürlicher Kamm fehlt. Es trennte das Reich der Thüringer von dem der Sueven, Juthungen und Marcomannen. Es ſchied als Ferguniſches Gebirge das Czichu⸗Windoniſche Böhmen von dem Serbiſchen Sachſen, und ſonderte auch unter den Hohenſtaufen Böhmen von dem damals vielgetheilten Meißner Lande ab. Es iſt ganz na⸗ turgemäß, daß zu einer Zeit, in welcher feſte Burgen von grö⸗ ßerm Gewicht waren als in der Tiefe gelegene Städte, Meißen der Reſidenzort Sachſens war, eben ſo natürlich aber auch, daß ſpäter das günſtiger gelegene Dresden an ſeine Stelle trat. Im 15. Jahrhundert finden wir das Kurfürſtenthum Sachſen mit mancherlei kleinen Herrſchaftsgebieten über den flachen Nord⸗ abfall unſeres Gebirges ausgebreitet, die nach und nach immer mehr dem wachſenden Hauptlande zufielen. Die ſpätere Theilung des Königreichs ward durch keine natürliche Abgrenzung veran⸗ laßt, ſondern durch politiſche Zufälligkeiten. Seiner natürlichen Lage nach gehört der Nordabfall des Erzgebirges zu dem Geſammt⸗ gebiet Norddeutſchlands. Der große Verkehr dieſer ſanften Ge⸗ birgserhebung fällt nach den Geſetzen der Verkehrsbewegungen dem Norden, nicht dem Süden zu, doch iſt die ſüdliche Oeffnung des Elbthales nicht ganz zu überſehen. Und was die Bodenform urſprünglich veranlaßt hat, iſt durch mehrhundertjährige Entwicke⸗ lung mehr und mehr ausgebildet worden. — 352— Das Oberlauſitzer Bergland. 2²4) §. 653. Wir rechnen dazu alle die Berge und Hügel, die ſich in Sachſen, einem kleinen Zipfel Böhmens, und bis nach Görlitz hinab auf der rechten Seite der Elbe erheben. Sie beſtehen in ihrem Innern größtentheils aus Granit, nordöſtlich aus Sye⸗ nit und Porphyr. Gegen Süd ſchließt ſich aber daran ein ſehr zer⸗ riſſenes Quaderſandſteingebiet an, deſſen weſtlicher Theil gewöhnlich die Sächſiſche Schweiz genannt wird, und auch dieſes vereinige ich hier mit unter derſelben Ueberſchrift. Granit wie Quaderſandſtein ſind vielfach von Baſalt und Phonolith durchſetzt, die dann ſchöne kegelförmige Bergkuppen auf ihrer Oberfläche bilden. Den nördlichen Fuß der Granithöhen bedecken überall Diluvialablagerungen, aus denen jenſeit der meiſt unterirdiſchen Granitgrenze hier und da Hügel oder flache Berge von Gneis, Glimmerſchiefer und Grauwacke hervorragen. So viel ganz im Allgemeinen, Specielleres über den innern Bau folgt ſpäter. §. 654. Es iſt kein eigentliches Gebirge, am wenigſten eine Berg— kette, mit der wir es hier zu thun haben, ſondern ein unregel⸗ mäßiges Berg- und Hügelland ohne einheitlichen innern Zuſam⸗ menbau. Auch äußerlich laſſen ſich nirgends ſcharfe Grenzen ziehen. Weſtlich verſchmilzt das Sandſteinplateau mit dem Erz⸗ gebirge, wird aber vom Elbthale tief durchſchnitten, welches auch zwiſchen Pirna und Rieſa einen bemerkenswerthen breiten Ein⸗ ſchnitt in das hier theils ſyenitiſche, theils granitiſche und por⸗ phyriſche Gebiet bildet. Nördlich verlaufen immer flachere und vereinzeltere Höhen und Hügel in die große Diluvialniederung, aus der indeſſen zuweilen noch vereinzelte feſte Geſteinskuppen hervorragen. Weſtlich verknüpfen ſich die Zittauer Berge mit denen von Reichenbach in Böhmen, die paſſender ſchon zum Rie⸗ ſengebirge gerechnet werden, und ſüdlich reicht derſelbe Quader⸗ ſch i Gütii beſtehe s Eh ſehr ze vöhnit nige ih dlt und en auf thöhen t weit Verge So vi eu folg Bexg⸗ unregel⸗ Zuſam⸗ jrenzen m Ewy es auh en(ir nd por ſere und ederung skuppen rge nit im Ri⸗ Auader — 353— ſandſtein, welcher, nahe der Granitgrenze vielfach von Baſalten durchſetzt, ein auffallendes Bergland bildet, noch weit, aber mit ungleich flacherer Oberfläche, in das Innere des Böhmiſchen Keſſels hinein. §. 655. Die Baſis dieſes Berggebietes liegt nördlich etwa 500— 700 Fuß, ſüdlich im Durchſchnitt 1000 Fuß über dem Meere, das Elb⸗ thal aber ſchneidet in daſſelbe bis zum Niveau von 364 Fuß bei Tetſchen und 266 Fuß bei Rieſa ein. Die höchſten Berge erhe⸗ ben ſich in der Region zwiſchen Gottleuba, Schandau und Kratzau. Nämlich: Der Schneeberg(Quaderſandſtein).... 2223 Buh Der Große Winterberg(Baſalt)..... 1716 Höchſte Kuppe öſtlich von Sebnitz Giauith. 1506 ⸗ Baſaltkuppe bei Wolfsberg...... 1793 ⸗ Der Blitzenberg bei Zeidler(Baſalt).... 1808 ⸗ Der Borſtenberg bei Fürſtenwalde(Phonolith) 1866 ⸗ Der Tannenberg bei Tannendörfel(Phonolith) 2383 ⸗ Der Roſenberg bei Tetſchen(Baſalt)... 1910 ⸗ Der Herrnhausberg bei Steinſchönau(Baſalt). 1858 Der Große Buchberg bei Falkenau(Phonolith) 2158 Der Buchberg bei Neuhütte(Pyonolith).. 2366 Oberſtes Haus von Liebersdorf...... 1856 Jägerdörfel(Phonolith)........ 2028 Die Lauſche bei Zittau(Phonolith).... 2469 Der Hochwald bei Zittau(Phonolith)... 2366 Der Limberg bei Dreihäuſer(Phonolith).. 2056 und unter dieſen Bergen ſind einige, welche entſciedener als ſelbſtändige Berge über ihre nächſte Umgebung hervortreten wie irgend ein Berg im Erzgebirge. Es iſt aber kein ſo compacter und zuſammenhängender Rücken vorhanden, die meiſten der ge⸗ nannten ſind Baſalt⸗ oder Phonolithberge und ruhen auf einer Baſis von Sandſtein oder Granit. Außer dem höchſten Bergzug treten aber nördlich von dem⸗ Cotta, Deutſchlands Boden. 23 — 354— ſelben noch mehre vereinzelte Gruppen oder Kegel auf, ſo der Keulenberg(1164) mit ſeinen Umgebungen bei Königsbrück, die Ohornerberge unweit Pulsnitz(1287), die Berge bei Arnsdorf und bei Cunnewalde unweit Bautzen, die Königshainer Berge (1248) und die Landeskrone(1291) bei Görlitz, der Löbauer Stadtberg(1374) und der Rothſtein(1390). §. 656. Dieſes Bergland bildet die Waſſerſcheide zwiſchen der Elbe und Oder. Aber nur die Neiße iſt es, welche, bei Reichenberg in Böhmen entſpringend, bis Zittau mit weſtlichem, dann mit nördlichem Lauf ihr Waſſer der Oder zuführt. Alle übrigen Flüſſe ſtrömen der Elbe zu. Die auf den Meeresſpiegel reducirte mittlere Temperatur dieſer Gegend iſt etwa 9 ½ Cent. Eine dem Nordoſtwind ſehr ausgeſetzte Lage bewirkt aber an ſehr vielen Orten derſelben eine größere Kälte, als durch die bloße Höhenlage bedingt iſt. Die atmoſphäriſchen Niederſchläge ſind geringer als im Erzgebirge. §. 657. Seiner innern Zuſammenſetzung nach können wir dieſes ganze Gebiet in drei Hauptzonen theilen: eine ſüdliche, in welcher der Quaderſandſtein ganz vorherrſcht, zuweilen durchſetzt von Baſalt und Phonolith; eine mittlere, in welcher Granit und Syenit vorherrſchen, durchſetzt von Porphyren, Grünſteinen, Baſalten, Phonolithen und Quarzgängen; und eine nördliche, in welcher die Oberfläche größtentheils von Diluvialbildungen bedeckt iſt, unter denen aber hier und da noch Granit, Gneis, Glimmer⸗ ſchiefer, Grauwacke, Braunkohlengebilde und Baſalt hervortreten, ja ganz im Nordoſten, bei Niederbiela, auch wieder etwas Qua⸗ derſandſtein. §. 658. Granit iſt das Grundgebirge des größten Theiles der Ober⸗ lauſitz. Gegen Süden erhebt er ſich zu bedeutenden Bergen und 1 1 f, ſon brütk, Arna ner Bh er Löbe der El tichente dann ni eihriga nperatur dund ſähr Aben ein iſ.. d gebirge ſes ganz ſcher de n Baſct d Sheni Baſalen weͤche ddect iſ Glimme⸗ vortretn vas Dur der Oler rgen 1 — 355— ragt frei über die ſpätern Anſchwemmungen empor. Gegen Nor⸗ den, in den Ebenen iſt er oft dick mit aufgeſchwemmtem Lande bedeckt, und nur hier und da in den Thaleinſchnitten treten ein⸗ zelne Felſen hervor, oder es erheben ſich kleine mit großen Blö⸗ cken gekrönte Kuppen aus den weiten Ebenen. Das frei hervorragende Granitgebiet reicht gegen Norden ungefähr bis zu den Orten Großenhain, Okrylla, Königsbrück, Biſchoffswerda, Bautzen, Weißenberg, Wieſa und Görlitz, von da an beginnt Gneis, Grauwacke oder das aufgeſchwemmte Land herr⸗ ſchend zu werden, und nordiſche Geſchiebe finden ſich zahlreich ein. Unter dieſer hier und da zerriſſenen Decke von aufgeſchwemmtem Lande ſetzt der Granit nördlich fort bis Skaska, Kamina, Lomske, Mallſchwitz, Belgern, Weißenberg, Rothkretſcham, Seifersdorf, Wieſa, Rengersdorf, Kunnersdorf und Görlitz, hinter welcher Linie theils Gneis, theils die Glieder der Grauwackenformation beginnen. §. 659. Das Land der Lauſitz iſt nach ſeinem allgemeinen Habitus in Ober⸗ und Niederlauſitz eingetheilt worden. Wir haben es hier eigentlich nur mit der Oberlauſitz zu thun, die jedoch eben⸗ falls wieder in einen gebirgigen und einen ebenen Theil abgeſon⸗ dert werden kann. Granit iſt, wie erwähnt, faſt überall, beſon⸗ ders aber in dem gebirgigen Theile die vorherrſchende Gebirgsart. Die Berge erheben ſich im Süden, gegen Norden breiten ſich Ebenen aus, von flachen Thälern durchſchnitten und nur von kleinen Hügeln unterbrochen. In den Thälern treten hier und da durch die Macht des Waſſers freigelegte Felspartien hervor, ſowie auch jene Hügel meiſt durch feſtere Granitpartien bedingt ſind. Dieſe kleinen Felspartien, ſowol in den Thälern als an den Hü⸗ geln, verleihen oft der Gegend, z. B. zwiſchen Bautzen, Guhrig und Purſchwitz, einen recht freundlichen wechſelnden Charakter, und ſie ſind von den alten Sorben und Wenden, welche ſich, wie aus den Ortsnamen hervorgeht, geſcheut haben, in die höhern bewaldeten Berge einzudringen, häufig zu Erbauung feſter ring⸗ 23* — 356— förmiger Schanzen benutzt worden, deren man in dieſem Vorhü⸗ gellande noch jetzt einige 30 findet. Weiter ſüdlich ſteigt das Land ziemlich plötzlich zu größerer Höhe an und bildet Bergreihen, die von Oſt nach Weſt laufen und von einzelnen Felſen oder langausgedehnten Felſenkämmen gekrönt ſind, z. B. der Bergrücken vom Pielitzer Berge bis zum Hohen Stein bei Löbau. Dieſe Bergreihen ſind, aus der Ebene geſehen, ſchon recht imponirend, obwol ſie ſich im Mittel nur etwa 1300 Fuß über das Meer oder 700 Fuß über die Ebene von Bautzen erheben. Ueber dem Niveau von 1000 Fuß Meereshöhe ſind ſie größtentheils bewaldet, darunter wech⸗ ſeln Wald, Feld und Wieſe oft in maleriſcher Weiſe park⸗ artig miteinander ab. Hier und da ragen kleine Granit⸗ oder Quarzfelſen ruinenartig über die Oberfläche hervor, oder dieſe iſt mit mächtigen wollſackförmigen Blöcken bedeckt. Dieſe Blöcke ſowol als das anſtehende Geſtein ſind ſehr vielfach Gegenſtand der Gewinnung geworden. Ueberall hört man hämmern und picken, und viele Tauſende von breiten Platten werden jährlich aus der Gegend ſüdlich von Biſchoffswerda nach Dresden, Pots⸗ dam, Berlin u. ſ. w. verſandt, um als Trottoirs zu dienen, wo⸗ zu ſie ſich wegen ihrer Feſtigkeit weit mehr eignen als der benachbarte, leichter zu gewinnende Sandſtein der Sächſiſchen Schweiz. Eine ſehr abgeſonderte Gebirgspartie bilden die ſogenannten Königshainer Berge, deren Häupter, meiſt mit grotesken Felſen geziert, ſich gegen 1200 Fuß über den Meeresſpiegel erheben. Von Norden aus einmal in den gebirgigen Theil des Lan⸗ des gelangt, bleibt man gegen Süden fortwährend auf einer be⸗ trächtlichen Höhe, bis zum Gebiet des Quaderſandſteins. Die Gegenden von Sebnitz, Neuſtadt, Nixdorf, Hainspach, Schlu⸗ ckenau und Rumburg bilden eine Art von Hochplateau, auf dem ſich hier und da einige Granitberge und mehre leicht kenntliche baſaltiſche Kegel noch höher erheben. Nach Oſten ſenkt ſich die⸗ ſer immer mehr von Baſaltkuppen bedeckte Höhenzug von Löbau und Herrnhut an allmälig gegen das Thal der Neiße. Vothi rößere laufn ämma ſis zun Ehe ttel nur ber d m 100' wec⸗ park⸗ oder jeſe iſt Blöck enſtend en und jährlch „Pokz⸗ en, wo— s der ſſſhen tannten Felſen n. es Lan⸗ iner be⸗ z. R Schli nuf de enntüch ſich de Löbmu — 357— §. 660. Dem Lauſitzer Granitgebirge fehlt durchaus ein entſchiedener Hauptkamm; die Berge liegen in vereinzelten Gruppen umher, wiewol eine vorherrſchende Richtung aus WNW. nach OSO. an den einzelnen Theilen, beſonders an den mächtigen Quarz⸗ gängen nicht wohl zu verkennen iſt. Die Bäche irren nach allen Richtungen hin und umgehen in ſanft eingeſchnittenen Thälern jedes feſtere Geſtein. Ein größerer Fluß fehlt faſt ganz, denn die Spree wird erſt im niedern Lande bedeutend, und mit der Neiße iſt gegen Oſt die eigentliche Gebirgserhebung für einige Zeit unterbrochen. Nur zwiſchen Hirſchfelde und Oſtritz durch⸗ ſtrömt ſie ein enges Gebirgsthal, welches den einzigen Ablauf für das Zittauer Gebirgsbaſſin darbietet. Mehr weſtlich bildet der Granit in der Gegend von Stolpen ein 400 bis 600 Fuß über den Dresdener Elbſpiegel erhöhtes, mehrfach von tiefen Thälern(Polenz, Weſenitz) durchſchnittenes Gebiet. Flachhügelig und gerundet, ohne hervorſtehende Berge, an der Hohburkersdorfer Linde als ſanfte Anhöhe bis zu 1176 über die Meeresfläche anſteigend, durch das Niveau weder bedeu⸗ tend vom Sandſtein, noch vom aufgeſchwemmten Lande, wol aber durch die gerundetern Formen ſehr auffallend vom erſtern und oft auch noch deutlich vom letztern unterſchieden, zeichnet er ſich durch gefällige runde Berge und ſanft geſchlängelte Thäler aus, deren Gehänge nicht einförmig, ſondern ſtets wechſelnd ge⸗ ſtaltet ſind. Die Berge und Hügel gleichen flachen Kugelſegmen⸗ ten, oft mit kleinern Schmarotzerhügeln geziert. Auf ihren Kup⸗ pen ragen auch hier häufig kleine Felſen zu Tage, und die Ab⸗ hänge ſind auch wieder zuweilen mit großen Steinblöcken bedeckt. Oeſtlich von Pulsnitz erhebt ſich der Granit zu anſehnlichen Höhen, die für dieſe Gegend recht wohl Berge genannt werden können; die ausgezeichnetſten derſelben ſind: Der Sibyllenſtein(1403, Der Ohorner Stein(1287, Der Hirſchberg, Der Tanneberg(1271). — 358— Dieſer Höhenzug ſchließt ſich bei Rähnitz unmittelbar an die Kamenzer Grauwackenberge an, und iſt durch flachere Rücken ge⸗ gen Nordweſt mit dem Keulenberge(Auguſtusburg) verbunden, der mit 1146“ Meereshöhe weit und breit die ganze Gegend be⸗ herrſcht und deshalb auf ſeiner von Granitfelſen gekrönten Spitze eine weite Ausſicht gewährt. Südlich von hier breitet ſich die Radeberger Granitgegend aus und bildet eine mit vielem Walde bedeckte, flache, einförmige Erhebung, die nur durch das mannichfach gewundene Röder⸗ thal und weiterhin durch den engen Priesnitzgrund einige Abwech⸗ ſelung gewinnt. Mannichfaltiger geſtaltet ſich die Oberfläche ſüdlich von der Straße zwiſchen Bautzen und Dresden. Zunächſt erhebt ſich bei Weißig der kegelförmige Hutberg mit vielen Nebenkuppen, aus Mandelſteinporphyr beſtehend, und dann tritt der 1103 Fuß hohe Porsberg mit ſeinen zum Theil noch höhern Umgebungen(Za⸗ ſchendorfer Höhe) recht auffallend hervor. Viele Schluchten be⸗ ginnen nun gegen SW. gerichtet immer tiefer einzuſchneiden, und werden endlich zu maleriſchen Felsgründen, die den Gebirgs⸗ abfall durchſchneiden, wo er, mit zahlloſen Weinbergen und Win⸗ zereien bedeckt, ſich plötzlich und ſteil in das Elbthal hinabſenkt. Dies iſt der ſüdöſtliche Theil des Sächſiſchen Weingebirges, wel⸗ ches ſich von hier bis Merſchwitz unterhalb Meißen erſtreckt. Ein großer Unterſchied findet ſtatt zwiſchen dem Klima die⸗ ſes ſüdweſtlichen Gebirgsabfalles und den dahinterliegenden fla⸗ chen Gegenden von Radeberg, Pulsnitz und Stolpen. Hier am Elbgehänge gedeihen Wein und Aprikoſen in den freien Berggär⸗ ten, und ſelbſt einzelne Mandelbäume tragen ihre Früchte, wäh⸗ rend man auf jenem erhöhten, den Nord⸗ und Nordoſtwinden ausgeſetzten Landſtriche dieſe Pflanzen höchſtens nur an wohlan⸗ gelegten Spalieren mit Erfolg zu bauen vermag. Bei Kamenz ſtoßen nur einzelne abgerundete Felskuppen des Granites unter dem aufgeſchwemmten Lande hervor, die durch ihr äußeres Anſehen dem Geognoſten ſchon aus der Ferne ſich kundgeben. egan rnig Rüder bweh n da ch be aus hohe n Ge- ten be neiden, bbitge⸗ Win⸗ ſenkt. , wel t. n die en ſla⸗ jer an erggir⸗ , Vih winda wohler pen d e duut rne ſi — 359— Das ganze Terrain zwiſchen Meißen, Sörnewitz, Steinbach, Hohndorf, Skaſſa und an der Elbe ſcheint im Weſentlichen aus Granit zu beſtehen, der jedoch durch größere und kleinere Porphyr⸗ maſſen unterbrochen, durch Sandſtein, Pläner und aufgeſchwemm⸗ tes Land häufig bedeckt iſt. Jenſeit der Elbe ſetzen dieſe Ge⸗ birgsarten auf ähnliche Weiſe fort, gegen N. und NO. jedoch werden ſie vom Gneis und Syenit abgeſchnitten, in welchem letz⸗ tern der Granit bei Steinbach einen großen Vorſprung, zugleich aber auch ſcheinbar einen unmerklichen Uebergang bildet, während hingegen die Grenzen bei Hohndorf recht ſcharf ſind. Der nordöſtliche Theil dieſes Granitgebietes iſt flachhügelig und wenig markirt, den weſtlichen bezeichnet das Elbthal mit ſeinen felſigen Gehängen und romantiſchen Seitenſchluchten. Süd⸗ lich erhebt ſich das ſogenannte Spaargebirge mitten aus dem Elbthale, rings von Flußalluvionen umgeben und ehedem wahr⸗ ſcheinlich eine Inſel in der geſpaltenen Elbe bildend. Dieſes ſo⸗ genannte Spaargebirge iſt durch ſeine Oberflächengeſtalt recht auffallend. Von allen Seiten erhebt es ſich ſchroff aus dem Thal— boden und trägt auf ſeiner von zahlreichen Schluchten zerriſſenen Oberfläche die ergiebigſten Weinberge Sachſens. Sein höchſter Punkt erreicht bei der Boſel 613/ Meereshöhe(alſo etwa 313 über dem Elbſpiegel). Viel höher wird der Granit zwiſchen Gro⸗ ßenhain und der Elbe ſich nirgends erheben, denn er bildet im Allgemeinen nur ein Hügelland. §. 661. Mitteninnen in der großen ſoeben geſchilderten Granitzone findet ſich eine ausgedehnte Syenitmaſſe, die wir das Moritzbur⸗ ger Syenitgebiet nennen wollen. Daſſelbe ſteht unter dem Elb⸗ thalboden hinweg in Verbindung mit demjenigen Syenit, den wir bereits§. 631 am äußern Nordoſtrande des Erzgebirges ken⸗ nen gelernt haben. Dieſes Moritzburger Syenitgebiet erſtreckt ſich nördlich als flaches Hügelland bis Großenhain und bildet ſüdlich das ſteile Gehänge des Elbthales, welches zwiſchen Box⸗ dorf und Zitzſchewig durchaus mit Weinbergen bedeckt iſt. Dieſer — 360— Syenit iſt gegen NO. von einem ſchmalen Gneisſtreifen umge⸗ ben, auch gegen SW. begrenzt ihn am Spitzberge ein ſchmaler Gneisrand, der jedoch dem nordöſtlichen nicht gleichzuſtellen iſt, da er eigentlich mitteninnen im Gebiete des Syenites liegt. Das Gebiet erhebt ſich vom Elbthale aus ziemlich ſchroff mehr als 400 Fuß über die Elbe(etwa 750 Fuß über den Mee⸗ resſpiegel), und bildet dann ein mit unzähligen kegelförmigen Hügeln bedecktes, faſt ganz bewaldetes Plateau, welches ſich nur ſehr allmälig gegen das Röderthal verflacht. Nach dem Elbthale ergießen ſich nur wenige unbedeutende Bäche durch kurze aber tief eingeſchnittene Schluchten; die meiſten Quellen nehmen ihren Ablauf nach der Röder hin, nachdem ſie vorher zahlreiche große Teiche durchſtrömt haben. Dieſe Art der Abdachung iſt der des Erzgebirges ziemlich analog, während hingegen alle übrigen äu⸗ ßern und innern Streichlinien dieſer Gegend(z. B. die Gneis⸗ grenze), aus NW. nach SO. gekehrt, mehr denen des Rieſenge⸗ birges entſprechen. Eine recht auffallende Erſcheinung ſind jene unzähligen klei nen, aber oft ſehr regelmäßig kegelförmigen Hügel, welche das Moritzburger Syenitgebiet auszeichnen; ſie ſind gewöhnlich veran— laßt durch ſchmale ſchwerer verwitternde Granitgänge, die den Syenit vielfach durchſetzen. Am Gipfel zeigen ſie oft anſtehende Felsmaſſen oder aufeinandergehäufte Steinblöcke, am Fuße ſind ſie dick mit Grus und Boden bedeckt. Im Thiergarten bei Mo— ritzburg iſt ein ſolcher Hügel, welcher deshalb der hohle Stein heißt, mit einem Tunnel durchgraben. Man hatte unter Auguſt dem Starken durch dieſen Berg hindurch eine vollkommen gerade Straße von Moritzburg nach dem Schloſſe Meißen herſtellen wollen. Sonderbar iſt auch der ſüdliche ſteile Abfall gegen das Elb⸗ thal geſtaltet, indem ſich immer wieder kleinere Kegelberge vor dem eigentlichen Abfalle erheben, die zu Erbauung der zahlrei⸗ chen Weinbergsthürmchen eine verführeriſche Gelegenheit dargebo— ten haben. Zu den wichtigern untergeordneten Geſteinsmaſſen in dem gro⸗ ſchm teleni Axge tir nen ih he groß der de gen air e Gnei⸗ Riſſeng igen e elche di h berwr die da aſtehen uße ſu bei R Stein Augui en geri herſile da b berge n ezahbi dargä dem ge⸗ ßen Granitgebiet gehören auch die Quarz⸗ und Glimmerporphyre zwiſchen Großenhain und Meißen. §. 662. Die flachen Berge zwiſchen Gävernitz, Laubach, Zottewitz und Priſtewitz beſtehen aus einer zuſammenhängenden Porphyr⸗ maſſe, welche gegen Weſt ſcharf und ſenkrecht vom Granit be⸗ grenzt wird, nach den andern Seiten hin aber unter dem aufge⸗ ſchwemmten Lande verſchwindet, aus dem hier und da noch kleine Kuppen davon hervorragen. Rund um dieſes Porphyrgebiet herum finden ſich in den andern Geſteinen, im Gneis, Granit und Syenit größere und kleinere ſporadiſche Porphyrmaſſen, die man wol mit vollem Rechte als zugehörig zu dieſer Hauptmaſſe, gewiſſermaßen als Ausläufer derſelben anzuſehen hat. Dieſe Porphyre finden nur wenig Anwendung, und faſt nur als Straßenbauſteine, zu welchem Zweck man z. B. die dunkeln und glimmerhaltigen gegenüber von Meißen zwiſchen dem Syenit⸗ granit heraus gewinnt, den ſie vielfach gangförmig durchſetzen. Porphyre durchſetzen auch noch weiter gegen Oſten mehrfach den Granit als Gänge oder ſtockförmige Maſſen. So ein horn⸗ blendehaltiger Gang bei Moritzburg und ein faſt dichtes öfters mandelſteinartiges Geſtein am Hutberge bei Weißig. Je weiter öſtlich, um ſo ſeltener werden die Porphyrdurchſetzungen im Gra⸗ nit, oft ſind ſie auch zu ganz wackenartigen Geſteinen zerſetzt und können dann leicht verwechſelt werden mit den wackenartigen Grünſteingängen, von welchen ſpäter die Rede ſein wird. Auch noch jenſeit der nördlichen Grauwackenzone finden ſich bei Nieder⸗ rengersdorf und bei Oberhorka zwei völlig iſolirte flache Porphyr⸗ kuppen, welche rings von Diluvialgebilden umgeben ſind. §. 663. Außer den Porphyren ſind als lediglich dem Granitgebiet angehörig noch die oft ſehr mächtigen Quarzgänge zu betrachten, welche z. B. bei Ottendorf, Seifersdorf, Hartha, Stolpen, Niederguh⸗ rig bei Bautzen, Schluckenau, Spitzkunnersdorf und Cunewalde den — 362— Granit durchſetzen und in den letztern Gegenden als beſonders feſte Geſteine, oft als mauerförmige weiße Felſen über deſſen Oberfläche hervorragen, und zwar mit einem allgemeinen Streichen aus NW. nach SO., welches ungefähr der Richtung der Sudetiſchen Ge— birgskette entſpricht. Man benutzt ſie als gute Straßenbauſteine, könnte ſie auch z. B. zur Glasbereitung anwenden. §. 664. Ein kleinerer Gneisſtreif begrenzt, wie wir geſehen haben, auch den ſüdlichen Abhang des Syenitplateaus, dieſer liegt jedoch, wenn man das jenſeitige Elbufer berückſichtigt, eigentlich zwiſchen Syenit, wie denn auch außerdem einige vereinzelte Gneisſchollen in demſelben gefunden werden. Ferner zeigen ſich in der Gegend von Radeberg, beſonders im Röderthale, mehre ſtreifenweiſe Einlagerungen von Gneis im Granit, welche als vorzugsweiſe feſt und feinkörnig zum Wege⸗ bau benutzt werden; dieſe ſind ebenfalls wahrſcheinlich nur ſehr große Bruchſtücke, wie deren der Granit im kleinern Maßſtabe hier faſt überall enthält. Endlich iſt nun noch des ebenfalls ziemlich feinſchiefrigen Gneiſes zu gedenken, welcher bei Weißenberg auftritt. Die Löbau ſtrömt hier durch ein vielfach gewundenes Thal, deſſen felſige Ge— hänge aus Gneis beſtehen. Dieſer Gneis ragt zu beiden Seiten des Thales noch auf einige Erſtreckung in Geſtalt ſanfter Hügel aus den Ebenen des aufgeſchwemmten Landes hervor, und zeigt ſich ganz in der Nähe auch in zwei abgeſonderten Parzellen bei Belgern und Briesnitz. Alle Grenzlinien des Gneiſes gegen Granit und Grauwacke ſind von Sand und Geſchiebeablagerun⸗ gen bedeckt und deshalb unbeſtimmbar. Nach der allgemeinen Stellung zwiſchen Granit und Grau⸗ wacke hat man auch die beiden kleinen und flachen Gneiskuppen zwiſchen Burkau, Glaubnitz und Uhiſt mit der Weißenberger Partie für analog zu halten. — 363— — § 665. Von Klotzſcha über Ebersbach und Großenhain bis nach Merſchwitz und Glaubitz an der Elbe erſtreckt ſich ein anderer ſchma⸗ ler Gneiszug, der mit ſchwachem Bogen das Moritzburger Syenit⸗ gebiet von dieſer Seite ganz umſſchließt. Seine ſüdweſtliche Be⸗ grenzung gegen den Syenit iſt meiſt ſehr ſcharf zu beſtimmen, Geſteinsübergänge finden hier nicht ſtatt, dagegen macht die Grenzlinie an zwei Stellen(bei Ebersbach und bei Bernsdorf) bedeutende Haken in das Syenitgebiet hinein. 1 Die Längenausdehnung dieſes ſelten über ½¼ Meile breiten Gneiszuges beträgt gegen 5 Meilen. Die Oberflächenverhältniſſe deſſelben ſind nichts weniger als hervorſtechende. Etwas flachere Hügelform unterſcheidet ihn nur wenig von dem angrenzenden und überlagerten Syenit, die Hügel verlaufen ſich ganz unmerk— lich in die des nachbarlichen Granites und der Grauwacke ſowie in die Ebenen des aufgeſchwemmten Landes, aus dem der Gneis in der Gegend der Elbe auffallender und zuweilen in Felſenge⸗ ſtalt hervorragt. Alle dieſe Hügel erreichen wol nie eine abſolute Meereshöhe von 700 Fuß, während das Flußgebiet der benach⸗ barten Röder ſchon gegen 400 Fuß über dem Spiegel der Oſtſee liegt. §. 666. Grauwacke bildet einen langen durch diluviale Bedeckung vielfach unterbrochenen Streifen längs der nördlichen Grenze des Granites und Syenites oder des ihnen zunächſt angelagerten Gneiſes. An der Oberfläche zeigt ſich die Formation in den Ge⸗ genden von Großenhain, Ortrant, Radeburg, Königsbrück, Ka⸗ menz, Keſchwitz, Stier, Oberradiſch und Görlitz. Am ausge⸗ dehnteſten ſind noch die Parzellen bei Radeburg, Königsbrück und Kamenz, ſowie bei Görlitz, wo ſie überall ohne Zwiſchenlagerun⸗ gen von Gneis unmittelbar an den Granit angrenzen und viel⸗ leicht gerade deshalb als bemerkbare Höhen aufragen. An allen an⸗ dern Orten bildet ſie nur ganz kleine und flache inſulare Partien im Diluviallande. — 364— Die flachen Hügel im weſtlichen Gebiete dieſer Formation bei Kalkreuth, Schönfeld und Radeburg werden ſich ſelten mehr als 100 Fuß über das gewöhnliche Niveau der Gegend(alſo höchſtens 600“ über das Meer) erheben. Dennoch zeigen ſie oft auffallende Kuppenformen und ſind dadurch ſowie durch beſſere Vegetation gewöhnlich leicht von den Hügeln des aufgeſchwemm⸗ ten Landes zu unterſcheiden. Größere Höhen erreichen ſchon der Buchberg, der Waldberg und der Wagenberg bei Königsbrück; zu einem wirklichen kleinen Gebirge ſteigt aber die Formation erſt in der Gegend von Schwoosdorf und Kamenz an, wo ſich unter andern der Waldberg mehr als 1000 Fuß über den Mee⸗ resſpiegel erhebt. Es wurde ſchon früher bemerkt, daß dieſe grö⸗ ßern Höhen von der Nachbarſchaft des Granites abhängig zu ſein ſcheinen und gleichſam einen Gebirgswall(Aufrichtungswall) an deſſen Grenzen bilden. Die Thäler, von denen das hieſige Grauwackengebiet durch⸗ ſchnitten wird, dringen nur ſelten tief ein, bilden aber dann, be⸗ ſonders in der Nähe des Granites, kleine romantiſche Felspartien, die außerdem der Formation in dieſer Gegend ſehr mangeln. Solche Felſenſcenerie bildet die Röder bei Dittmannsdorf, die Pulsnitz ober⸗ halb Königsbrück, die Elſter und der Kamenzer Bach bei Kamenz. Auch bei Prirtitz im Elſterthale ragt ein äußerſt feſter Grauwacken⸗ felſen hervor und trägt die deutlichen Ueberreſte einer jener altger⸗ maniſchen oder ſlawiſchen Befeſtigungen deren ringförmige, kra⸗ terähnliche Wälle weiter öſtlich in der Lauſitz, wie wir geſehen haben, ſehr häufig zu finden ſind. Quarzreiche Einlagerungen bilden kleine Felsriffe bei Radiſch, Horſcha und See. Nördlich von Görlitz erhebt ſich wieder ein zuſammenhängenderer aus Grauwacke beſtehender Höhenzug, und auch hier, wo das Neißethal die Formation durchbricht, treten, zumal in der Nähe der Granitgrenze, von beiden Seiten Grau⸗ wackenfelſen in das Thal herein und verengen es. Die Formation beſteht ganz vorherrſchend aus einem vielfa⸗ chen Wechſel von ſandigem Grauwackenſchiefer und ſehr feinkörni⸗ gem grauem Sandſtein(Grauwacke, Blauſtein). Untergeordnet ſind Ra wrf te lih Gorl verſor nen ſe an. nißi 11 Grun de und förn Viſ well Korf netsd badj Guh aber unzi gen. weit in i halte daui Ga ation meht (oli ſe iſ büſee venne en de brit natien ſ Me gtü⸗ ſein ) an durch⸗ n be⸗ arten, Solche ober⸗ neng. acken⸗ utger⸗ , krr zeſehen ddiſch er din , und treten Grau⸗ vieffe körmi xrdne — 365— ſind zuweilen eingelagert mehr conglomeratartige Schichten(bei Radeburg) Kieſelſchiefer, Quarzit, und bei Görlitz Kalkſtein. Die meiſten Geſteine der Formation dienen als Bauſteine, der feinſandige Schiefer wird bei Okrylla und Stier als ein gu⸗ ter Wetzſtein benutzt. Ganz beſonders wichtig iſt aber die ziem⸗ lich mächtige Einlagerung von feinkörnigem grauem Kalkſtein bei Görlitz, welche einen ſehr großen Bezirk mit dieſem Material verſorgt und deshalb in vielen und großen Steinbrüchen gewon⸗ nen wird. Höchſt lohnend wäre es, die weſtliche Fortſetzung die⸗ ſes Kalklagerzuges aufzufinden, da es hier überall weit und breit an Kalkſtein fehlt.— Alle dieſe Grauwackengeſteine zeichnen ſich durch verhältniß⸗ mäßig größere Fruchtbarkeit aus als das ſie umgebende, hier faſt nur aus Sand und Kies beſtehende Diluvialland. Aus dieſem Grunde, und vielleicht wegen beſſern Baugrundes, findet man die Grauwackenoberfläche dieſer Gegend vorzugsweiſe von Orten und Feldern bedeckt, während das Sandland vorherrſchend ein⸗ förmige Kiefernwälder trägt. §. 667. Granit, Gneis und Grauwacke werden alle drei in ähnlicher Weiſe mehrfach von Grünſteinen durchſetzt, welche dann zu⸗ weilen kleine Felshügel an der Oberfläche bilden, ſo z. B. am Korſaren bei Bullwitz, bei Biela, Groß⸗Grabe, Schwepnitz, Hen⸗ nersdorf bei Görlitz, Ober⸗Kunnersdorf, am Klumen bei Ebers⸗ bach, bei Wendiſchſohlland, Nechern, Klein⸗Bautzen, Nieder⸗ Guhrig, Klein⸗Jenkwitz, Stiebitz u. ſ. w. Außerdem durchſetzen aber ähnliche nur feinkörnigere Grünſteine den Granit auch in unzähligen, zum Theil wackenartig zerſetzten geringmächtigen Gän⸗ gen. Ein ſehr deutlicher der Art wird bei Klein⸗Belmsdorf un⸗ weit Biſchoffswerda für den Straßenbau abgebaut. Das Geſtein iſt hier ſehr dicht und ſchwarz, weshalb es leicht für Baſalt ge⸗ halten werden kann. Sehr ähnliches Geſtein bildet einen äußerſt deutlichen nur 2 Fuß mächtigen, aber weit fortſetzenden Gang im Granit des Sibyllenſteines bei Elſtra. — 366— Dieſe Grünſteine ſind von geringem praktiſchen Intereſſe, aber von großem geologiſchen, inſofern ſie ein ausgedehntes Gra⸗ nitgebiet an unzähligen Stellen gleichſam durchadern. §. 668. Quaderſandſtein und Pläner bilden gemeinſam nur eine For⸗ mation, indem der letztere zwiſchen den erſtern eingelagert iſt. Da ſie aber in Sachſen an der Oberfläche in getrennten Regio⸗ nen auftreten und ſich zu derſelben ſehr ungleich verhalten, ſo wollen wir ſie hier auch nacheinander beſprechen. §. 669. Der Quaderſandſtein bildet, wie erwähnt, den ſüdlichſten Theil unſers Gebietes, über welches er ſüdlich noch weit hinaus⸗ reicht, während ihn nördlich der Granit und Thonſchiefer ſehr ſcharf und ſehr merkwürdig begrenzt. Dieſe merkwürdige Grenze iſt vor einer Reihe von Jahren der Gegenſtand vielfacher Unterſuchungen geweſen, weil man an ihr zum erſten male den Granit theilweiſe über dem Quaderſandſtein, theil⸗ weiſe ganz ſteil daneben gelagert fand. Noch merkwürdiger wurde dieſes an ſich ſchon ſehr auffallende Phänomen dadurch, daß gewiſſe kalkige und mergelige Zwiſchenlagerungen zwiſchen Granit und Qua⸗ derſandſtein bei Hohnſtein ſich durch zahlreiche Verſteinerungen als zur Juraformation gehörig erwieſen. Hier zeigte ſich demnach die ge⸗ wöhnliche Lagerungsfolge geradezu umgekehrt: zu oberſt Granit, darunter Jurakalk und unter dieſem Quaderſandſtein. Nichts lag unter dieſen Umſtänden näher als der Gedanke an eine Umkippung 8,—— A A—, 22. . 6 Jeiedergeraeeeee —.—.—,— * Lagerung beim Hohnſteiner Kalkbruch. der u der he hekann Angeſ d56 da J da geiund ſinde Oad. nol iſſ hii brig ibenn dipbe tene pie — ereſt Gr⸗ — — — — 367— der urſprünglichen Verhältniſſe, als deren Urſache von Einigen der heißflüſſig empordringende Granit ſelbſt, von Andern ein un⸗ bekanntes aus der Tiefe herauf auf denſelben wirkendes Agens angeſehen wurde; denn die frühere Annahme einer Unterlagerung des Sandſteins unter granitiſche Ueberhänge konnte, ſeitdem man den Jurakalk zwiſchen beiden erkannt hatte, nicht mehr beſtehen. Da nun aber einige in den Jurakalkzwiſchenlagerungen auf⸗ gefundene Granitſtücke und Geſchiebe ſowie manche andere Um⸗ ſtände deutlich bewieſen, daß der Granit hier nicht ſpäter als der Quaderſandſtein entſtanden, d. h. im weichen Zuſtande emporge⸗ quollen ſein könne, ſo bleibt für jetzt nur noch die Erklärung zu⸗ läſſig, daß die urſprüngliche Lagerung des Granites der Jura⸗ ſchichten und des Quaderſandſteins an dieſer Grenzlinie durch ein Ereigniß nach ihrer Bildung derart umgekippt worden iſt. Nicht überall iſt das Reſultat dieſer Erhebung feſter Maſſen eine Um⸗ kippung geweſen, zuweilen nur eine Ueberſchiebung oder Schich⸗ tenaufrichtung, wie die nachſtehenden drei Holzſchnitte es bei⸗ ſpielsweiſe verſinnlichen mögen. —— ——— Lagerung im Kalkbruch bei Weinböhla. = Grtenstetn 295 N S 2 8 Fuclendtort „ 8 = 6,2 N. Profil von Gräfenſtein nach Judendorf bei Gabel. = d Mblo= g Juvag= 9 ene nvu⸗qung ppu wa ee ee e c q uocc 2 e 2e — 368— ggue Koeaa Man findet die einzelnen Beobach⸗ tungen ſowie Das, was über dieſe ſonderbaren Grenzverhältniſſe bisher ausgeſprochen worden iſt, größten⸗ theils in meinen„Geognoſtiſchen Wan⸗ derungen“ zuſammengeſtellt; ich werde mich deshalb nicht länger dabei auf⸗ halten, ſondern zur allgemeinen Schilderung des Quaderſandſteinge⸗ bietes übergehen. Beſondere Bemer⸗ kung verdient es jedoch noch, daß dieſe Kalkſchichten der Juraformation bei Hohnſtein und Hinterhermsdorf in ihrer abnormen Lagerung techniſch ſehr wichtig geworden ſind, da ſie weit und breit den einzigen brauch⸗ baren Kalkſtein darbieten. §. 670. Wem wären nicht die grotesken 8 Formen und zierlichen Felsbildungen der Sächſiſchen Schweiz durch An⸗ Dſchauung, Schilderung oder Abbil⸗ 8 dung bekannt! Sie gehören ſämmt⸗ lich dem Quaderſandſtein an, der der Gegend dieſen eigenthümlichen, mehr zierlichen als großartigen Charakter verleiht. So mannichfaltig und un⸗ terhaltend aber dieſe Formen bei ihrer einzelnen Betrachtung ſind, ſo läßt ſich doch eine gewiſſe Ueberein⸗ ſtimmung und ein ähnlicher, faſt monotoner Charakter aller nicht ver⸗ kennen. Man ſieht bald, daß ſie durch fremde Kraft(durch Zerſtörung, richt hen rxia tn, ne ſod ih B Sandſ Rordd ſäche Meers — nicht durch eigene Bildung) aus den eigenthümlichen, überall glei⸗ chen Structurverhältniſſen des Geſteins hervorgegangen ſind. Horizontale Schichtung und ſenkrechte Zerklüftung— Eigenſchaf⸗ ten, welche zu dem Namen Quaderſandſtein Veranlaſſung gaben— ſind ihre Grundbedingungen. Bei einigem Ueberblick erkennt man ferner deutlich, daß dieſe Sandſteinformation den Verbindungskanal zwiſchen Böhmen und Norddeutſchland als ein breiter Damm erfüllt hat, deſſen Ober⸗ fläche ſich ziemlich gleichförmig 1500 bis 2000 Fuß über die Meeresfläche erhebt. Spätere Fluten durchbrachen dieſen Damm 8 8 b — G S 8— — S— ——— 8 — ſie ließen über dem Niveau von 700 bis 800“ Meereshöhe nur die Ränder des Durchbruches und in deſſen Mitte einzelne Fels⸗ pfeiler ſtehen, die jetzt mit auffallender und unter ſich ähnlicher Geſtalt als Lilienſtein, Königſtein, Zſchirnſtein, Falkenſtein, Bärenſtein, Pfaffenſtein, Papſtſtein u. ſ. w. über die erhabenen Flächen emporragen, die man hier Ebenheiten nennt und in welche erſt die eigentlichen Thäͤler und Schluchten ebenſo ſchroff eingeſchnitten ſind, als jene Felſen ſich ſchroff darüber erheben. An den Nordoſt⸗ und Südweſtgrenzen der Formation iſt der Sandſtein, wie erwähnt, meiſt bis zu ſeinem urſprünglichen Ni⸗ veau durch die Fluten ungeſtört geblieben, ſo von Saupsdorf bis Dittersbach und jenſeits in den Regionen des hohen Schneeber⸗ ges; aber nicht minder ſchroffe und um ſo tiefere Seitenthäler durchſchneiden ihn hier und ändern auffallend und plötzlich ihren ſchroffen Charakter, ſobald man ſie aufwärts in das Gebiet des Granites verfolgt, wo überall die runden Formen herrſchen. Die Sebnitz, die Weßnitz, die Polenz bilden ſolche Thäler, die den Cotta, Deutſchlands Boden. 24 — 370— nordweſtlichen Theil der hohen Sandſteinwand durchbrechen und ſpäter zwiſchen den niedrigern Ebenheiten hin in das Elbthal münden. Horizontale und ſenkrechte Linien bezeichnen alſo den Form⸗ charakter dieſer Gegend. Geneigte Abhänge ſcheinen faſt nur als ſecundäre Folgen ſpäterer Felſenzertrümmerungen und Schuttan⸗ häufungen vorhanden zu ſein, als welche ſie beſonders den Fuß jener mächtigen freiſtehenden Pfeiler kegelförmig umgeben und an dem untern Theile der Thalgehänge hinziehen. Die eigenthümlichen Formen des Quaderſandſteins der Säch⸗ ſiſchen Schweiz und ihre Beziehungen zu dem Durchbruch der Elbe aus dem Böhniſſhen Keſſel heraus ſtellen ſich nie deutlicher dar, als wenn bei einem ſchönen Sommermorgen, z. B. von der Baſtei aus geſehen, alle Vertiefungen voll Nebel lagern, aus deſſen weißen Wogen nur die höhern Felſen hervorragen; dann erkennt man mit einem Blicke ein altes koloſſales Elbthal, welches faſt ohne Krümmungen das Sandſteingebiet durchzieht, aus dem nur einzelne Felsinſeln emporragen, auf deſſen Boden man aber nach verſcheuchtem Nebel das jetzige ſtark gewundene Elbthal erkennt. §. 671. Es iſt allgemein bekannt, daß der ſächſiſche Quaderſandſtein ein vorzügliches Baumaterial— den Pirnaiſchen Sandſtein— liefert, und nicht nur als Bauſtein, ſondern auch als Mühlſtein (im Liebethaler Grunde und bei Johnsdorf) und als Stein für Bildhauerarbeiten(bei Cotta) hat er einigen Ruf. Geologiſch in— tereſſant ſind namentlich auch die Mühlſteinbrüche bei Johnsdorf unweit Zittau, da hier der gewöhnliche Sandſtein erſt durch Ein— wirkung des ihn durchſetzenden Baſaltes ſäulenförmig abgeſondert, halb gefrittet und dadurch zu ſehr brauchbarem Mühlſtein ge⸗ worden iſt. Wo nur die Gelegenheit günſtig war, beſonders an den trocknen ſüdlichen Gehängen der Thäler, ſind überall Steinbrüche angelegt, welche die übrigens ſo pittoreske Gegend nicht wenig entſtellen. Da man in dieſen Steinbrüchen ganze Fele fütn wie 1LD 1 griche gad nach 1 dine dem ihne vorde zii indem datbot Käri then, den w Elbth Tom nut chutte den gij den uh er Eich ruch da eutliche oon der 7, aus ; dam welches zdus den an aber Elbthe ſandſti ſtein— Nühlſti Stein ſ ogiſhi ohnade — 371— Felswände unterminirt und durch ihre eigene Schwerkraft herab⸗ ſtürzen läßt, ſo iſt der Abbau gefährlich, und nicht ſelten kommt dabei ein Unglück vor. Die Steinbrecher bilden beſondere Innun⸗ gen, in welche innerhalb der ſogenannten Sächſiſchen Schweiz zwiſchen 900 und 1000 Arbeiter eingeſchrieben ſind. In der Ge⸗ gend ſüdlich von Zittau enthält der Quaderſandſtein auch gering⸗ mächtige mergelige Kalkſteineinlagerungen. Die pittoresken Formen des Quaderſandſteins ſind als ſolche eine wichtige Nahrungsquelle geworden, da jährlich Tauſende aus dem In⸗ und Auslande der Sächſiſchen Schweiz zuſtrömen, um ihre Felſenbildungen zu bewundern; ſie ſind es um ſo mehr ge⸗ worden, je mehr der Verkehr erleichtert worden iſt. In früherer Zeit hatten dieſe Formen theilweiſe eine ganz andere Bedeutung, indem ſie den Verkehr hemmten, ſchwer einzunehmende feſte Punkte darboten und dadurch die Lage manchen Ortes beſtimmten, ſo der Königſtein, der Sonnenſtein, Hohnſtein, Lohmen, Wehlen, Ra— then, Tetſchen und Oybin bei Zittau. Das Gebiet des Quaderſandſteins iſt nicht gerade unfruchtbar, aber in aller Hinſicht herrſcht eine Flora niederer Organiſation. Die ausgebreiteten Waldungen beſtehen vorwaltend aus Kiefern und Fichten, ſeltener ſind Tannen, Birken, Buchen und Eichen. Die feuchten Schluchten zeichnen ſich durch Vorherrſchen und üp⸗ piges Gedeihen ſehr mannichfaltiger kryptogamiſcher Gewächſe aus und Farrn, Mooſe und Flechten ſind es, welche hier vorwalten. Auf dem beſchränkten Raume weniger Schritte zählt man in jenen engen Felſengründen mehr als zehn verſchiedene Farrnar⸗ ten; die ſenkrechten Wände ſind mit gelben und weißen Flechten bedeckt; auf den vorſpringenden Rändern und in der Tiefe wuchern zahlreiche Mooſe. Der Feldbau iſt, mit Ausnahme des Elbthales, auf die Hoch⸗ ebenen(Ebenheiten) beſchränkt und nicht ſonderlich ergiebig, da⸗ gegen findet man den ebenen Boden der hinreichend weiten Thäler mit fruchtbaren und wohlbewäſſerten Wieſen bedeckt. Der Quaderſandſtein zeichnet ſich nach Beilage Nr. 24 noch da⸗ . 24* — 372— durch aus, daß ſeine Oberfläche in Sachſen vorzugsweiſe wenig Orte enthält. §. 672. Quaderſandſtein und Pläner entſprechen gemeinſam der obern Abtheilung der Kreidegruppe und beſtehen von oben nach unten aus folgenden Gliedern: 1) Oberer Quaderſandſtein, 2) Plänerkalk, 3) Plänermergel, 4) Grüner Sandſtein und Conglomerat(nur local), 5) Unterer Quaderſandſtein, ſeine unterſte Abtheilung bilden die Niederſchönaſchichten, charakteriſirt durch graue Schiefer⸗ thonlagen mit unbauwürdigen Kohlenſchmitzen und vielen Landpflanzenreſten. Dieſe untern Schichten haben ſchon mehrfach zu vergeblichen Verſuchsarbeiten auf Kohlenlager veranlaßt. Die organiſchen Reſte aller dieſer Glieder ſind untereinander ziemlich übereinſtimmend, und im Pläner vielleicht nur ſo viel verſchieden, als durch die ungleiche Geſteinsnatur ſeiner Ablage⸗ rung bedingt ward. Es ſind vorherrſchend Reſte von Meeresbe⸗ wohnern. Die am meiſten charakteriſtiſchen Verſteinerungen ſind folgende, denen ich ein(O.),(P.) oder(U.) beifügen werde, je nachdem ſie am bezeichnendſten für übern Quader, Pläner oder untern Quader ſind. Die Autoritätsbezeichnungen laſſe ich weg, mich in dieſer Beziehung auf die Arbeiten von Geinitz be⸗ ziehend. Schuppen, Zähne und Koprolithen von Fiſchen(P.), Ser- pula gordialis(P.), Nautilus elegans(P. u. U.), Ammonites Rhotomagensis(U.), Scaphites aequalis(P.). Rostellaria Reussii (P.), Cardium Hillanum(U.), Pinna pyramidalis und depressa (U.), moceramus 8 Arten(O. P. u. U.), Lima Hoperi(P.), Pecten membranaceus und arcuatus(P. U.), Pecten asper(O.), Pecten aequicostatus(U.), Pecten quinque- und quadricostatus wen er oben ) min bilden chiefer⸗ dielen n ſchon lenlage einande ſo dil Ablage ſeeresht gen ſid verde, ner ode ich deg nitz be 9.) der umolils 31 Neli rlepres Tri d- 'el 0. zaasdäl — 373— (P. u. U.), Spondylus spinosus(P.), Exogyra columba(O. P. u. U.), Ostrea vesicularis(P. u. U.), Ostrea carinata(U.), Te- rebratula octoplicata(P. u. U., ſowie 8 andere Arten meiſt in P.), Hippurites(P. u. U.), Nucleolites carinatus(U.), Spatan- gus cor anguinum(P.), Turbinolia centralis(P.), Fungia coro- nula(P. u. U.), Scyphia(P. u. U.), Spongites saxonicus(O., P. u. U.), Farrnwedel, Lycopodien, Coniferenreſte und viele Dicotyledonenblätter, darunter beſonders Crednerien(U.). §. 673. Der Pläner füllt gleichſam die breite beckenförmige Region des Elbthales zwiſchen Pirna und Meißen aus, in deſſen Mitte er aber ſelbſt überall wieder von neuern Bildungen überlagert iſt, ſodaß ſeine Schichten eigentlich nur an den beiden Gehängen zum Vorſchein kommen, indem ſie ſich namentlich über das fla⸗ chere linke Gehänge weithin als oberſte Decke auf Granit und Syenit ausbreiten. Am rechten Gehänge ſind ſie dagegen mit Granit und Syenit in ähnliche Conflicte gerathen wie der Quaderſandſtein, und es ſind dadurch die merkwürdigen Aufrichtungen und Ueber⸗ ſchiebungen am Letzten Heller bei Dresden, bei Weinböhla und Oberau entſtanden, welche ebenfalls im 2. Band meiner„Geogno⸗ ſtiſchen Wanderungen“ ausführlich beſprochen worden ſind und mehr geologiſches als praktiſches Intereſſe darbieten. Oberhalb Pirna verſchwindet der Pläner unter dem obern Quaderſandſtein, indem er eben durch ſeine Zwiſchenlagerung einen obern von einem untern Quader abſcheidet, welche aber in Sach⸗ ſen und Böhmen, da wo der Pläner nicht ſichtbar vorhanden iſt, durch nichts ſicher voneinander unterſchieden werden können, wes⸗ halb ich denn auch vorhin darauf keine Rückſicht nahm. Die Einlagerung des Pläners in das Dresdener Elbbaſſin iſt dagegen von eben ſo großem allgemeinem als ſpeciell geologiſchem Intereſſe. Es ergibt ſich aus den Brunnenbohrungen auf dem Antonsplatze und in Neuſtadt⸗Dresden, daß Pläner und darun⸗ ter folgender Sandſtein hier ein bei Meißen ſchon ganz durch — 374— Granit abgeſchloſſenes Becken von mehr als 859 Fuß Tiefe theil⸗ weiſe ausfüllen, deſſen noch nicht erreichter kryſtalliniſcher Geſteins⸗ boden alſo unter Dresden mehr als 500 tiefer als der Meeres⸗ ſpiegel liegt. Zugleich aber ergibt ſich daraus und weil man mit dem Antonsplatzer Bohrloch zuletzt gegen 200 Fuß rothes Con⸗ glomerat erbohrt hat, auch die Möglichkeit, um nicht zu ſagen Wahrſcheinlichkeit, daß in dieſem alten Keſſel oder Seebecken ſo nahe der Potſchappler Kohlenformation ebenfalls wie bei Potſchappel Steinkohlen abgelagert ſind, nur vielleicht zu tief bedeckt für die Gewinnung in jetziger Zeit. Plänerkalk und Plänermergel haben überall, wo ſie zu Tage lie⸗ gen und ihre Lagerung nicht geſtört wurde, eine ebene Oberfläche erzeugt, indem ſie zuweilen deutlich die Unebenheiten des Ablagerungs⸗ bodens ausglichen. So auf dem linken Gehänge des Elbthales zwi⸗ ſchen Pirna und Koſtebaude. Beide bilden einen recht fruchtbaren Boden, und der erſtere findet zugleich, wo er irgend rein und mäch⸗ tig genug die Oberfläche erreicht, den Gegenſtand ſehr lebhafter Gewinnung, ſo bei Strehlen, Koſtebaude, Nieder⸗Wartha, Wein⸗ böhla u. ſ. w. Alle dieſe Kalkbrüche beſchäftigen ſehr viele Menſchen, und namentlich ſind die letztern(zugleich ſo intereſſant durch die theilweiſe Ueberlagerung des Syenites) ſehr wichtig ge⸗ worden, ſeitdem die Leipziger Eiſenbahn gebaut iſt. Auch der Mergel des Pläners wird hie und da, vielleicht noch zu ſelten, als Düngematerial verwendet; allerdings iſt er an den meiſten Stellen nicht von der beſten Beſchaffenheit zu dieſem Zweck. Dresden verdankt ſeine günſtige Lage der theilweiſen Pläner⸗ erfüllung eines uralten und tiefen Felſenkeſſels. * §. 674. Die Braunkohlenformation der Oberlauſitz beſteht außer den Braunkohlen aus Thon, Sand, und an einer Stelle bei Zittau auch noch aus den Producten eines Kohlenbrandes: gebranntem Thon, Erdſchlacke und Porzellanjaspis. Dieſe Formation iſt am deutlichſten entwickelt und aufgeſchloſſen in dem breiten Becken von Zittau, welches ſich in die Granitoberfläche einſenkt dicht an Lage li⸗ erfläch rungs⸗ 8s zwi⸗ hthara dnach lebhafte „Väi⸗ r vilt tereſemt ctig luch de K ſelte. weiſtn ec. Pläm. ußer d i zittu rannten riſm Becn dicht u — 375 deſſen Grenze gegen den Quader⸗ ſandſtein. Dieſes urſprünglich viel tiefere Becken iſt offenbar großen⸗ theils durch Braunkohlengebilde bis zu ſeinem gegenwärtigen Niveau aus⸗ gefüllt worden, an der Oberfläche ſelbſt ſind dieſe aber wieder durch baſaltiſche Geſteine, Diluvial- und Alluvialgebilde bedeckt. Bei Olbers⸗ dorf unweit Zittau hat man durch ein im Ganzen 216 Fuß tiefes Bohrloch die mit dünnen Thonſchich⸗ ten wechſelnden Braunkohlen 184 Fuß mächtig, bedeckt von 32 Fuß Kies, Sand und Thon aufgeſchloſſen, ohne das Grundgebirge zu erreichen. Dieſe enorme Mächtigkeit der Kohlen würde einen ganz außerordentlichen Brenn⸗ materialſchatz verrathen, wäre die⸗ ſelbe nicht eine blos ſehr locale, und wären dieſelben von beſſerer Qualität als ſie ſind. Durch andere benachbarte Bohrlöcher ergab ſich eine weit gerin⸗ gere Mächtigkeit, dergeſtalt, daß man an jener Stelle eine beſondere Vertie⸗ fung der urſprünglichen Bodenfläche vorausſetzen muß, in welcher die Kohlen zuſammengeſchwemmt wur⸗ den. Deſſenungeachtet iſt die Zit⸗ tauer Braunkohlenmulde jedenfalls von großer Wichtigkeit für das in⸗ duſtrielle Leben dieſer Gegend und wird es immer mehr werden. Es ſind aber die Braunkohlen⸗ ablagerungen der Oberlauſitz nicht 1 ¹Sal Lee e Hockhwall 2sss Profil von Zittau über den Hochwald nach Lindenau zu. — 376— auf das Becken von Zittau beſchränkt, man hat ſie vielmehr auch in den Gegenden von Radmeritz, Bernsdorf, Bautzen und Ka⸗ menz an ſo vielen Punkten aufgefunden, daß ſich wol als ziem⸗ lich ſicher vorausſetzen läßt, ſie bilden eine mit den Braunkohlen der norddeutſchen Niederung zuſammenhängende ſehr allgemeine Ablagerung in den meiſten Vertiefungen des Granit⸗ und Grau⸗ wackengebietes, ſind aber an der Oberfläche größtentheils von Diluvialbildungen bedeckt, unter denen man ſie an den geeigneten Orten aufſuchen muß. Es ſind nicht die Kohlen allein, welche einer Benutzung fähig ſind, auch die mit ihnen verbundenen plaſtiſchen Thone werden ſehr häufig in Ziegeleien und Töpfereien verwendet, der⸗ geſtalt, daß in dieſer Formation das eine Geſtein zur beſſern Verwerthung des andern dient.— §. 675. Baſalt und Phonolith ſind ihrer Natur und Entſtehungs⸗ weiſe nach zuſammengehörige, petrographiſch aber doch ſcharf zu trennende Geſteine. Sie bilden meiſt kegelförmige Kuppen, welche gruppenweiſe oder ganz einzeln über alle andern Geſteinsgebiete zerſtreut ſind, am häufigſten in der Umgegend von Zittau. Der Baſalt bildet zunächſt 4 bis 5 größere Gebiete in der Nachbarſchaft von Zittau, außerdem aber etwa 70 iſolirte Kup⸗ pen im Granitgebiet, 4 im Gneisgebiet, 1, die nördlichſte bei Sproitz im Grauwackengebiet, gegen 140 im Quaderſandſtein, ſoweit wir denſelben hier mit in Betracht ziehen, und 21 in den Regionen der Braunkohlenformation und Diluvialgebilde. Vom Phonolith dagegen zählt man etwa 18 Kuppen im Granitgebiet (meiſt in der Umgegend von Zittau), 1 im Gneis, 40 im Quaderſandſtein, 8 im Baſalt, 4 in den Regionen der Braun⸗ kohle und des Diluviallandes. Die gewöhnlichſte Geſtalt der Baſalt⸗ und Phonolithberge iſt im Allgemeinen ſo wunderbar gleichfömig, daß man oft ſchon aus großer Entfernung dieſelben erkennen kann. Es ſind Kegel. Von dieſer Normalform finden freilich mancherlei Abweichungen d mehr uh und ge als zim⸗ tauntohla allgemein nd Grar heils w geeignetn Benutu en Thon det, de t beſſen ſtehunge⸗ ſhuf u n, welch nogebien u. ein de tte Ku⸗ ichſte bi ſandſten lin dn e. Won nitgelit 40 in Braur lithbae ſt ſh HKahl hungen — 377— ſtatt; die runde Baſis dehnt ſich in die Länge, die Spitze geſtaltet ſich zum Kugelſegment, zum Felſenkamm oder Rücken, die Abhänge verflachen ſich ungleich oder erheben ſich wiederholt zu unregelmäßigen Erhöhungen und Felſen, die meiſten Formen aber laſſen ſich auf die Kegel- oder Kugelſegmentform wenigſtens zurückführen. Nur die zuſammenhängenden Berggebiete des Baſaltes machen hiervon zuweilen entſchiedene Ausnahmen. Flache Bergrücken ſind dann aneinander gereiht, aus denen nur einzelne ganz ſelbſtändig er⸗ ſcheinende offenbar jüngere Baſalt⸗ oder Phonolithkegel aufragen. Schwer dürfte es ſein, bei den iſolirten Kegeln einen allge⸗ meinen Unterſchied in der Geſtalt zwiſchen Baſalt und Phonolith aufzufinden. Denn wenn auch die erſtern im Durchſchnitt zier— licher, kleiner und weniger ſteil ſind als die letztern, ſo finden doch von beiden Seiten zahlreiche Ausnahmen ſtatt. Beide ſind oft rund und glatt wie gedrechſelt und endigen in runde Gipfel, ſcharfe Spitzen, oder beſtehen aus zackigen Felſen. Die ſchönſten und auffallendſten Baſaltkegel ſind: über dem Meere: Der Roſenberg..... Baſis 989/ Spitze 1909, Der Schloßberg bei Kamnitz. ⸗ 9007 ⸗ 1646 Der Kalleberg..... ⸗ 13000 ⸗⸗ 2245 Der Löbauer Stadtberg.. ⸗ 7507 ⸗ 1374 Der Rothſtein bei Sohland.-⸗ 800) ⸗ 1390 Die Landeskrone bei Görlitz. ⸗ 700 1291 Die merkwürdigſten Phonolithkegel dagegen: über dem Meere: Der Kleiß bei Haida... Baſis 1400“ Spitze 2365 Die Lauſche bei Zittau.. ⸗ 20400 ⸗ 2470 Der Limberg bei Gabel.. ⸗ 12000 ⸗2060 Der Urthelsberg bei Haida. 1000 ⸗ 1690 §. 676. Die eigenthümliche Oberflächenform der meiſten Baſalt- und Phonolithberge hat ganz beſonders häufig zu ihrer Befeſtigung Veranlaſſung gegeben, oder wenigſtens zu Errichtung von kleinen — 378— Kapellen auf denſelben. Als früher befeſtigte Baſaltberge ſind z. B. zu nennen: der Stolpner Baſaltberg, die ruinengekrönten Berge bei Böhmiſch Kamnitz, Kreibitz, Rumburg und Schlu⸗ ckenau, die Landeskrone bei Görlitz, der Löbauer Berg, Roth⸗ ſtein und Stromberg, welche letztere drei mit uralten, zum Theil verſchlackten Steinwällen bedeckt ſind. Sowol Baſalt als Phonolith werden vielfach als Bauſteine und vortreffliche Chauſſeeſteine verwendet. Erſterer zeichnet ſich zuweilen durch ſehr regelmäßige ſäulenförmige Abſonderung aus (Stolpen), und dieſe Säulen haben dann auch beſondere Ver⸗ wendung gefunden zu monumentalen Zwecken(Werner's Denk⸗ mal bei Keſſelsdorf, H. Cotta's Grab bei Tharand) oder wenig⸗ ſtens als Eckſäulen. Ich habe hier den Dolerit nicht vom Ba⸗ ſalt geſchieden, mit dem er faſt ſtets zuſammen vorkommt, ebenſo habe ich der mancherlei Tuff⸗ und Wackenbildungen nicht beſon⸗ ders gedacht, welche zuweilen mit dem Baſalt und Phonolith ver⸗ bunden ſind, es wird von ihnen bei Schilderung des Böhmiſchen Keſſels weiter die Rede ſein. Aber auf den Nephelindolerit, aus welchem ein Theil des Löbauer Baſaltberges beſteht, muß ich doch noch aufmerkſam machen, da die Frage entſtanden iſt, ob man nicht den großen Kaligehalt dieſes Geſteins nutzbar machen könne. Die Oberfläche des Baſaltes ſowol als des Phonolithes zeigt ſich entſchieden fruchtbarer als die aller übrigen Gebirgsarten der Gegend. Wo an dieſen Bergen irgend nur die Steilheit es er⸗ laubt, da findet ſich ſogleich eine üppige und ſehr mannichfaltige Vegetation ein, während z. B. die benachbarten Sandſteinberge ſchon bei geringer Steile ziemlich kahl ſind. Aus den ungleich einförmigern Waldbeſtänden des Sandſteins gelangt man auf dieſen Baſalt⸗ und Phonolithkuppen ſogleich zwiſchen Buchen, Eichen, Ahorne, Aspen, Rüſtern, Eſchen, Tannen, Fichten, Linden, Feldahorne, Vogelbeer-⸗, Hollunder⸗, Hirſchhollunder⸗ und Haſelſträucher, mit üppigem Unterwuchs von wilden Roſen, Sta⸗ chelbeeren, Johannisbeeren, Himbeeren, Brombeeren u. dgl. überall einen fruchtbaren Boden bezeichnenden Geſträuchen. Aus der Art der Vegetation möchte man ſogar ſchließen, daß auch das — —— ge ſa krönta Sähſe Noh n Th alſten net ſc ung au re Ve⸗ 3 Dart wenig mm Ber ebenſt beſon⸗ th ver wiſchn it, aud ic doc b man könne. zdt ten de d er hfali einberg unglic an af Buchm Fiht „ Ei übernl us de ch di — 379— Klima auf den Baſalt⸗ und Phonolithbergen, vielleicht durch dunkle Farbe und überhaupt große Wärmecapacität des Bodens, wärmer ſei als auf den gleich hohen Sandſtein⸗, Granit⸗ oder Thonſchieferbergen; wenigſtens findet man den Feldbau in weit größerer Höhe auf dem Baſalt als auf dem Sandſtein, Thon⸗ ſchiefer oder Granit dieſer Gegend. Auf den in den hohen Regionen frei hervorragenden Baſalt⸗ felſen wächſt ſehr häufig jene weiße überrindende Flechte, welche man z. B. im Vogelsgebirge und im ſüdlichen Frankreich zur Darſtellung einer ſchönen rothen Farbe benutzt. Hier wird ſie noch nicht eingeſammelt. §. 677. Diluvialbildungen überdecken auch in der Oberlauſitz wie am nördlichen Fuß des Erzgebirges die meiſten feſten Geſteinsbil⸗ dungen bis zu einem Niveau von 1000 bis 1200 Fuß über den Meeresſpiegel, ſodaß dieſelben unter dieſem Niveau eigentlich nur ausnahmsweiſe frei hervorragen. Dieſe Diluvialgebilde beſtehen aber in dieſen Gegenden vielmehr aus Sand und Kies als aus Lehm oder Löß und üben deshalb einen weniger günſtigen Ein⸗ fluß auf die Bodenfruchtbarkeit als dort. Am meiſten iſt das in den nördlichen Regionen des ganzen Gebietes der Fall, wo des⸗ halb in den Diluvialniederungen oft große ärmliche Kieferwal⸗ dungen über weite Sand⸗ und Kiesſtrecken ausgebreitet gefunden werden. In dem Becken von Zittau und in den kleinern Buchten und Mulden zwiſchen Granit oder Grauwackenhöhen, bei Löbau, ſüdlich von Bautzen, bei Elſtra, Kamenz und Pulsnitz findet ſich dagegen oft ein ſehr fruchtbarer Lößboden vorherrſchend. Bei Kamenz hat man eine gewiſſe Varietät dieſes Lehmes als Glaſurlehm verwendet, während derſelbe überhaupt ſehr häufig zur Ziegelbereitung benutzt wird. Man ſollte glauben, ſo lockere Aggregate als die Glieder des aufgeſchwemmten Landes ſind, könnten unmöglich geeignet ſein, andere als nur ganz flache Formen zu bilden; dem iſt aber nicht — 380— ſo. Die nördlichen Regionen unſerer Gegend ſind allerdings durchſchnittlich ſehr flach, es beginnt da die weite norddeutſche Ebene; gegen die ſüdlichen Gebirge hin nimmt aber mit dem Auftreten der Felsgeſteine zugleich auch das aufgeſchwemmte Land andere Formen an. Es bildet nicht nur flache Bergrücken, ſon— dern erhebt ſich ſogar zu unzähligen ſteilen, völlig kegelförmigen Hügeln. Dieſe beſtehen in der Regel aus Anhäufungen von lauter groben Geſchieben, während in ihren niedern Umgebungen feinerer Sand und Kies mit nur einzelnen Geſchieben vor⸗ herrſcht. Beſonders auffallend iſt dieſe Erſcheinung ſüdlich und weſtlich von Roſſendorf, zwiſchen Dresden und Schmiedefeld, wo ſolche kleine Kegelberge von 20 bis 100 Fuß Höhe in großer Zahl aufgethürmt ſind und der Gegend ein eigenthümliches, faſt pittoreskes Anſehen verleihen. Wol 20 habe ich beſtiegen, in der Meinung, ich müſſe auf dem Gipfel anſtehendes Geſtein hervor⸗ ragen ſehen, aber vergeblich, alle beſtehen ſie aus einem Hauf— werk von abgerundeten Geſchieben, welches, unabhängig von der Grundgebirgsart, ſich ſelbſtändig zu ſolchen Kegeln aufgethürmt hat. Ich überzeugte mich endlich, daß ihre Unterſcheidung von dem übrigen aufgeſchwemmten Lande lediglich darin beruhe, daß ſie mehr aus Geſchieben, weniger aus Sand beſtehen. Auch bei Kmehlen, unweit Ortrand, ſetzen dieſe Hügel förmlich ein kleines Gebirge, die ſogenannten Kmehlener Berge, zuſammen, die man bei ihrer Höhe von 100 bis 130 Fuß über der Ebene aus der Ferne leicht für kleine Baſaltberge halten kann. Hier bemerkt man indeſſen allerdings an einigen Stellen einen anſtehenden feſten Braunkohlenſandſtein, welcher vielleicht locale Urſache der Kieshügel wird. Aehnliche Hügel ſind in andern Gegenden: der Spitzberg bei Radeberg, die Kuppen ſüdlich von Gommlitz und Weixdorf, der anſehnliche Bergrücken zwiſchen Jeſſen und Oberau, das Küpp⸗ chen in der Ebene zwiſchen Zaſchendorf und Weinböhla, der Wind⸗ mühlenberg bei Gleina, die Hügel bei Quoos, Neſchwitz, Bloa— ſchütz, Salzförſtchen, Klein⸗Welka, Sonnenberg, Bodewitz, Sink⸗ witz, Lommnitz, Tauchritz und Penzig; ein recht auffallendes lerding deuſſt nit de ute Lan en, ſar förnign gen wa gebunge een vir lich ud niädfic6, n große hes, fii in der hervor⸗ n Hauf von de gethürnt ung von hhe, dah Auch bi leinei die ma aus de bemeit ſeehenden ache d uberg dorf, de Kiyr r Vid „Bo 4 Sint allende — 381— Beiſpiel iſt auch der Mühlberg bei Dörfel mit ſeinen Nachbarn gegen Oſten, die ſich kuppenförmig auf einem granitiſchen Plateau erheben. Ganze Hügelzüge beſtehen ferner vorzugsweiſe aus Ge⸗ ſchieben zwiſchen Königswarte und Groſtewitz, bei Groß⸗Duberau, zwiſchen Rackel und Gröditz und zwiſchen Neudorf und Bur⸗ kersdorf. Aus Allem geht hervor, daß dieſe Diluvialgebilde ihre Ent⸗ ſtehung einer ſehr allgemeinen, aber unruhigen Waſſerbedeckung verdanken. Die Geſchiebe, der Sand und der ſandige Lehm, ſind gerade ſo über die Gegend vertheilt, wie man die Vertheilung durch ein bewegtes, über eine unebene Fläche ausgebreitetes Meer, erwarten kann. Wo Strömungen waren, wurde Alles weggeſpült. Dazwiſchen, beſonders in den natürlichen Buchten, häuften ſich die Ablagerungen, und kreiſende Bewegungen thürm⸗ ten hier und da ſteile Geſchiebehügel auf. §. 678. Die Alluvialbildungen der Flüſſe ſind hier nicht weſentlich verſchieden von denen im Erzgebirge, nur ſind ſie oft noch ſchwie⸗ riger als dort von den diluvialen Ablagerungen zu trennen, na⸗ mentlich da, wo das Material der letztern durch die Flüſſe nur translocirt wurde. Das gilt z. B. ganz beſonders für das breite Elbbaſſin zwiſchen Pirna und Meißen. Hier miſchen ſich dilu⸗ viale und alluviale Kies⸗ und Sandablagerungen ſo innig, daß es oft ſehr ſchwer wird, ſie voneinander zu unterſcheiden. Nach den Bohrverſuchen in Dresden beſteht der Boden hier bis zu einer Tiefe von 54—57 Fuß aus ſolchen Ablagerungen, erſt dann beginnt Pläner. Beſonders intereſſant ſind die Elbſand⸗ bildungen am rechten Gehänge dieſes Thalbeckens, zwiſchen Pill⸗ nitz und Weinböhla. Sie geſtalten ſich hier oft zu langen Wällen und Dämmen längs der Granit⸗ und Syenitberge, auf denen zwar vortrefflicher Wein wächſt, Häuſer aber nur mit Vorſicht erbaut werden dürfen, wenn man nicht eben ganz auf Sand bauen will. Nicht unwahrſcheinlich und durch Traditionen behauptet, iſt — 382— es z. B., daß der Sand des Sebnitzbettes geringe Quantitäten gediegenen Goldes enthält, entnommen aus den kieshaltigen Dio⸗ ritgeſteinen des durchſtrömten Granitgebietes. Charpentier er⸗ wähnt in ſeiner mineralogiſchen Geographie S. 38 das Vorkom⸗ men von Zinnerzkörnern in dem Sande des Weßnitzthales. Im Sande der Kirnitzſchbach findet man Hyacinth, Magneteiſen, Iſerin, Augit und Hornblende, und im Seufzergründel, einer Seitenſchlucht des Kirnitzſchthales, enthält derſelbe nach Götzin⸗ ger(„Schandau“ S. 392) Hyacinth, Augit, Hornblende, Titanit, Menakan, Iſerin, Nigrin, Bohnerz, Granat, Magneteiſen und Dlivin, welche faſt alle wahrſcheinlich aus dem Baſalt des nahen Hausberges abſtammen. §. 679. Außer dieſen mechaniſchen Alluvialbildungen kommen im Oberlauſitzer Gebiet ziemlich häufig Torf- und Raſeneiſenſteinbil⸗ dungen vor, welche beide auch vielfach benutzt werden. Erſtere z. B. bei Rothenwalde, zwiſchen Hohnſtein und Neuſtadt, bei Reinhardsdorf, bei Ober⸗Lichtenau, bei Pulsnitz, bei Biſchoffs⸗ werda, bei Neuſtadt, bei Petersbach, bei Rumburg, bei Reichen⸗ bach, Thielitz, Wilka, Wieſa, Niesky, Binhain, Thiemendorf, Altendorf, Melanne, Hilbersdorf, Bernſtadt, Ober⸗Oderwitz, Dör⸗ fel u. ſ. w. Letztere bei Zaſchendorf, unweit Meißen, bei Radeburg, im Friedewalde, bei Weixdorf, am Fuß des Keulenberges, bei Maria⸗ ſtern, Königswerda und Wittichenau, bei Guttau und Malſchwitz, bei Radibor und Luppa, bei Reingersdorf, Neudorf und Rothen⸗ burg, überhaupt in den niedern Bluhgebislen des Schwarzwaſſers, der Spree und der Neiße. §. 680. Nach dem Allen ergibt ſich, daß der innere Felsbau des Oberlauſitzer Berglandes ſeinen Bewohnern verhältnißmäßig nur wenig Erwerbsquellen darbietet. Es ſind, wie wir geſehen haben, weſentlich etwa folgende: Braunkohlen, Granit und Sandſtein als weit verführte Bauſteine, Kalkſtein nur bei Görlitz, Hohn⸗ antitätn gen die tier e⸗ Vorkon les. In gneteiſ, el, ein Götzi „Titnii eiſen un es nahen en im ſtnbi⸗ Erſter adt, b iſchoff⸗ Meichen nendorf 6, Dör⸗ deburg Mrri⸗ Rother⸗ waſſen — 383— ſtein und Hinterhermsdorf, etwas Wetzſchiefer, Thon, Lehm (Töpfereien bei Königsbrück, Kamenz, Bodenbach, Pirna u. ſ. w.), Torf und Raſeneiſenſtein. Als Erwerbsquelle dienen auch die anziehenden Felsformen der Sächſiſchen Schweiz und in ſehr ge⸗ ringem Grade die Mineralquellen bei Radeberg, Schandau und Schmeckwitz. Die Bewohner, deren im Kreisdirectionsbezirk Bautzen un⸗ gefähr 6560 auf die Quadratmeile kommen, ſind unter dieſen Umſtänden vorherrſchend und zunächſt an die äußern Erzeugniſſe des Bodens gewieſen, an Feld, Wieſe und Wald. Daneben hat ſich auch hier, wie in ſo vielen Gebirgsgegenden, eine ſehr bedeutende Handinduſtrie, Weberei, Strumpfwirkerei, Bleicherei u. ſ. w. ent⸗ wickelt, die jedoch nirgends entſchieden in die Niederung herabreicht, ſondern auf das wirklich bergige Gebiet beſchränkt iſt. In Böh— men geſellt ſich dazu auch noch das Glasſchleifen in der Umgegend von Steinſchönau. Als vorzugsweiſe günſtige Städtelagen ſind in dem hier be⸗ trachteten Gebiet die von Dresden und Zittau hervorzuheben. Sicherlich iſt auch Tetſchen oder vielmehr das zugehörige Boden⸗ bach, noch zu einer bedeutenden Rolle beſtimmt. Die befeſtigten Orte haben hier ihre Bedeutung faſt gänzlich verloren. Ueber die Verkehrswege und Vertheilung der Orte findet man Specielleres in den Beilagen Nr. 23 und 24. In dem ſüdlichen Theile unſeres Gebietes herrſcht neben vie⸗ lem Wald die Felderwirthſchaft vor, in dem nördlichen dagegen ihre Uebergangsſtufe zur Fruchtfelderwirthſchaft. §. 681. Das Oberlauſitzer Berggebiet war in ſeinen niedern Theilen im 6. Jahrh. von Slawen bewohnt, in die höhern Berge ſind ſie aber nie weit vorgedrungen, hier finden wir vielmehr wie im Erzge⸗ birge lauter deutſche Ortsnamen, während in der Niederung faſt alle Ortsnamen ſlawiſchen Urſprungs ſind und viele noch jetzt von Wenden bewohnt werden. Böhmen, das Land der Czechen, grenzte ſich davon erſt im 9. Jahrhundert ab, ſeitdem iſt aber — 3z84a— das Oberlauſitzer Gebirge(anfangs ſein nördlicher Abfall) mit kleinen Variationen ſtets die Nordgrenze Böhmens geblieben. Es ſonderte die Wenden von den Czechen, auch lange nachdem dieſe vielfach mit Germanen gemiſcht waren. Im 13. Jahrhundert gehörte die Oberlauſitz zu Brandenburg, im 15. dagegen finden wir ſie politiſch mit Böhmen verbunden. Es entwickeln ſich die ſogenannten Sechsſtädte mit ihren beſondern Rechten und Privi⸗ legien, ihnen gegenüber aber auch ein mächtiger Adel. Gegen⸗ wärtig bildet ſie bekanntlich den äußerſten Oſtzipfel des König⸗ reiches Sachſen, während ihr nordöſtlicher Theil zu Preußen ge⸗ hört, ihr ſüdlichſter zu Böhmen. Das Nieſengebirge. 26) §. 682. Ich trenne daſſelbe von dem öſtlich anſtoßenden Glatzer Be⸗ cken, rechne aber dazu einen großen Theil des nordweſtlichen Schleſiens und ſelbſt der preußiſchen Oberlauſitz, mit unbeſtimm⸗ ter Begrenzung gegen die Schleſiſche Bucht. Leider noch nicht durch eigene Anſchauung mit dieſer Gegend bekannt, werde ich mich in der Zuſammenſtellung fremder Beobachtungen ſehr kurz faſſen. Daſſelbe gilt ebenſo für einige der nächſtfolgenden Ab⸗ ſchnitte. §. 683. Der Kamm des Gebirges ſtreckt ſich in der Richtung aus NW. nach SO. beinahe in der Verlängerung der Harzlinie. Es erhebt ſich in ſeinen höchſten Gipfeln 4— 5000 Fuß über den Meeresſpiegel, z. B. als Schneekoppe.... 4960 Fuß als Hohes Rad.... 4630 als Sturmhaube.... 4580⸗ als Reifträger. 4200 ⸗ Seine Baſis liegt nördlich etwa 1000, füdlich etwa 1500 Fuß hoch. Jene Gipfel ſind folglich die höchſten zwiſchen der obern Donau al) wi ben. G em diſe thunda en finda ſcch d d Prir Geger 8 Küni eußen ge tzer Be veſtlihen beſtimn⸗ och niht verde i ehr ku den A kung u inie E über d uß det Donal — 385— und den Gebirgen Skandinaviens, ſowie zwiſchen den Karpaten und der Nordſee. Die Form der Oberfläche iſt weit bergiger als die des Erzgebirges, auch tritt hier kein entſchiedener Steilabhang in Gegenſatz zu einem flachern, was mit dem ziemlich ſymmetriſchen innern Bau völlig in Einklang ſteht. Die auf den Meeresſpiegel reducirte Mitteltemperatur beträgt etwa 9,5° Cent. Die Summe der jährlichen atmoſphäriſchen Niederſchläge gegen 25 Zoll. Von bedeutenden Flüſſen wird das Gebiet nicht durchſchnit⸗ ten, es bildet die natürliche Waſſerſcheide für Zuflüſſe der Elbe und der Oder, deren Thäler zum Theil recht tief eingeſchnit⸗ ten ſind. §. 684. Der innere Bau iſt ein vorherrſchend concentriſcher. Das Centrum bildet eine mächtige Granitmaſſe von beinahe achtför⸗ miger Geſtalt, d. h. es ſind zwei faſt ellipſenförmige Gra⸗ nitgebiete derart miteinander verwachſen, daß die beide ver⸗ bindende Axe ungefähr aus WSW. nach ONO. gerichtet iſt. Das iſt merkwürdig genug, da dieſe Richtung die vorherr⸗ ſchende des Gebirges unter einem Winkel von etwa 45° durch⸗ ſchneidet. Die achtförmige centrale Granitmaſſe des Rieſengebirges er⸗ ſtreckt ſich der Länge nach von Reichenberg und Kratzau bis Ku⸗ pferberg und Schmiedeberg. Ihre ſtärkſte Einſchnürung zeigt ſich in der Gegend öſtlich neben dem Iſarthal. Zunächſt um den Granitkern ſinden ſich Gneis und Glim⸗ merſchiefer, welch letzterer dann weiter nach außen in Thon⸗ ſchiefer übergeht, der zum Theil ſchon der Grauwackenformation angehört. An den ſchmalen Enden des Granitgebietes fehlt ſo⸗ gar die Zwiſchenlage von Gneis und Glimmerſchiefer ganz, der Granit grenzt hier unmittelbar an den Thonſchiefer, ſo bei Rei⸗ chenberg und nordöſtlich von Hirſchberg. Cotta, Deutſchlands Boden. 25 — 3986— §. 685. Dieſer Bau zeigt offenbar eine gewiſſe Analogie mit dem des Harzes, inſofern man etwa annehmen kann, daß hier von der urſprünglichen Oberfläche mehr zerſtört iſt als dort. Wäre am Harz die feſte Erdkruſte einige Tauſend Fuß tiefer aufge⸗ ſchloſſen, d. h. ſo viel mehr von der jetzigen Oberfläche zerſtört, ſo würden ſehr wahrſcheinlich auch dort die beiden Granitgebiete des Brocken und des Ramberges ſich miteinander verwachſen zeigen, und ſtatt der Grauwacke und des Hornfelſes würden wir eine breite Zone kryſtalliniſcher Schiefer rings um den Granit herum erblicken.. Sicher gibt es Gebirgsketten, welche ſich weſentlich auch da⸗ durch voneinander unterſcheiden, daß ſie unter ungleichen Umſtän⸗ den gebildet worden ſind, daß Eruptivgeſteine in ihnen bis zur Oberfläche empordrangen oder nicht, oder daß ſie mit beſondern Formen oder mit beſonderer Energie hervordrangen; aber eine große Zahl anderer Gebirgsketten zeigt ſich nur deshalb ſo we⸗ ſentlich verſchieden in ihrer äußern geognoſtiſchen Zufammen⸗ ſetzung, daß ihre urſprüngliche Oberfläche in ſehr ungleichem Grade zerſtört iſt, alſo ſehr ungleiche Tiefen ihres urſprünglichen Baues der Beobachtung dargelegt ſind; ſo iſt es wahrſcheinlich beim Harz⸗ und Rieſengebirge, die noch dazu in einer und der⸗ ſelben Erhebungslinie, der ſudetiſch⸗hercyniſchen, liegen. §. 686. Von der Grauwackenbildung aufwärts und geographiſch ge⸗ nommen nach außen, zeigen ſich nun aber die Anlagerungen an den Abhängen und am Fuß des Gebirges ungleich an ſeinen ver⸗ ſchiedenen Seiten. Es läßt ſich daraus ſchließen, daß daſſelbe während der Ablagerungen dieſer neuern Gebilde ſchon in ge⸗ wiſſem Grade eine Meerresſcheide bildete, alſo ſchon als Gebirge vorhanden war, wenn es auch ſpäter noch gehoben wurde. Dieſe neuern Ablagerungen finden ſich nämlich ungefähr ſo vertheilt, wie das nachſtehende Schema zeigt: mit da hiet hen tt. An fer ai e zerſtt anitgebe verwatſa ürden m en Grwit auch de Umſtän⸗ bis zu beſonden nber ei ib ſo we rfammer engleiche ingliche rſcheinli rund der 1 T ungen a rinen ber deſi n in ge Gic he. efähr — 387 —.———ę— —õ— Nordoſtabhang Südoſtabhang Südweſtabhang Nordweſtabhang Schleſien. Glatzer Rohlen⸗ Böhmen. Lauſitz. Braunkohlen——„ Braunkohlen Quaderſandſtein Quaderſandſtein Quaderſandſtein— mit Pläner mit Pläner mit Pläner Muſchelkalk——— Buntſandſtein——— Zechſtein——— Rothliegendes Rothliegendes Rothliegendes— — Kohlenformat. Kohlenformat.— Grauwacke, Thonſchiefer, Glimmerſchiefer und Gneis. Granit. Am auffallendſten iſt dabei der gänzliche Mangel aller Trias⸗ bildungen(Keuper, Muſchelkalk, Buntſandſtein) und des Zech⸗ ſteins auf der böhmiſchen Seite, da dieſe überhaupt und zugleich mit allen Jurabildungen in ganz Böhmen fehlen, auch wahr⸗ ſcheinlich nie dort abgelagert ſind. Die meiſten der bisher genannten Geſteine und Formationen ſind nun aber auch noch mehrfach durchſetzt von kleinen ſtockför⸗ migen Maſſen oder Gängen von Porphyr, Mandelſtein und Ba⸗ ſalt, ſowie von einzelnen Erzgängen. Am nördlichen und öſtlichen Fuß und Abhang des Gebirges dringen die Diluvialgebilde Norddeutſchlands mehrfach bis zu einem Niveau von etwas mehr als 1000 Fuß in daſſelbe ein, und alluviale Ablagerungen fehlen auch hier nicht in den Fluß⸗ thälern, ſowie als Torf auf den breiten Höhen des Gebirges. §. 687. Zu dieſer allgemeinen Schilderung des Gebirgsbaues, deſſen etwas idealiſirten Querſchnitt der auf S. 388 ſtehende Holzſchnitt zu verſinnlichen ſucht, vermag ich nur wenige einzelne unzuſam⸗ 25* — 388— menhängende und jedenfalls unvollſtändige Bemerkungen über die g0balqo bu⸗ee e laen aowee e Verbreitung und Lagerung der ſpeciellen Geſteine, ſowie über ihre Wirkungen hin⸗ zuzufügen. Das Granitgebiet bildet keineswegs überall den höchſten Kamm des Gebirges, es verbreitet ſich vielmehr ſchräg über denſelben hinweg, bei Reichenberg wie bei Hirſchberg ganz zum Fuß herabſinkend. Die höchſten Punkte des Kammes, z. B. die Rieſenkoppe, der Brunnenberg, der Ziegenrücken gehören nicht dem Granit an, beſtehen vielmehr aus Glimmerſchiefer, der wallartig durch den Granit erhoben zu ſein ſcheint, obwol übrigens, wie wir ge⸗ ſehen haben, die Gebirgserhebung nicht füglich dem Aufſteigen des Granites zugeſchrieben werden kann, da weder Richtung noch Form damit überein⸗ ſtimmen. Der Granit iſt, wo er zum Gebirge aufſteigt, größtentheils mit Wald oder Gebirgsweiden bedeckt; über dem Niveau von 4000 Fuß herrſcht auf ihm wie auf den kryſtalliniſchen Schiefern gänzlich die Region des Knieholzes(der Krumm⸗ holzkiefer) und der Gebirgsweide, wo nicht mächtige Moorſtrecken dieſe unterbrechen. Eine alpenartige Viehwirthſchaft hat ſich auf dieſen Höhen ausgebildet, den Senn⸗ hütten entſprechen die ſogenannten„Bau⸗ den“, die ebenfalls nur im Sommer be⸗ wohnt werden. Seine Niederungen ſind ſelten frei von einer Diluvialdecke, die den Feldbau begünſtigt. An Erzen iſt über d ſpeciala ungen hi⸗ keinezni Gebing hräg ün rg wiele rabſinkan nes, z d. berg, Pranit a hiefer a johen zu e wir ⸗ ang nich (Granit da wan ibexir Gebine add dde Nitur wie uf nzlic ü Krunn⸗ „w iich eebtechn ht ſ en Sen⸗ n, Ber nmer ke gen ſi ecke, i rxen i — 389— der Granit arm, Eiſenſteingänge ſind hier beinahe die einzi⸗ gen erwähnenswerthen. Außer dem Wald und der Feldeultur in den Niederungen ſind darum die Bewohner des Granit⸗ gebietes vorzugsweiſe auf jene Handinduſtrie hingewieſen, die ſich ſeit Jahrhunderten in den Gebirgsthälern feſtgeſetzt hat, hier vielfach unmächtig ankämpfend gegen großartige Fabrikanlagen, in denen man die Menſchenhand mehr und mehr durch künſtliche Maſchinen erſetzt. Dieſen letztern bieten die zahlreichen Gebirgs⸗ bäche mit ihrem ſtarken Gefäll und die Nachbarſchaft der Kohlen⸗ lager willkommene Stützen, und die zu zahlreiche Bevölkerung wird durch das Zuſammentreffen aller dieſer Umſtände bei ſtetem Wachſen der Induſtrie dennoch auf ein Minimum des Verdienſtes herabgedrückt. Die wenigen mineraliſchen Heilquellen, welche den kryſtalli⸗ niſchen Geſteinen des Rieſengebirges, z. B. bei Warmbrunn und Flinsberg entſpringen, ſind nur von kleinem Einfluß auf die Maſſe der Bewohner. Die Bevölkerung ſt im Allgemeinen eine arme zu nennen. Die kryſtalliniſchen Schiefer und die Grauwackenbildungen enthalten ziemlich häufig untergeordnete Einlagerungen von Kalk⸗ ſtein, welche vielfach benutzt werden. Bei Kupferberg gehen die⸗ ſelben in Hornblendeſchiefer und Chloritſchiefer über und werden von kupfererzführenden Gängen durchſetzt, welche zu nicht unbe⸗ trächtlichem Bergbau Veranlaſſung gegeben haben. Außer dieſen Erzgängen ſind im Gebiet des Rieſengebirges nur einige Eiſen⸗ erzlagerſtätten nennenswerth. Der quarzreiche und dadurch ſehr feſte Thonſchiefer bildet ſüdlich von Reichenberg in Böhmen den ziemlich ſelbſtändigen Bergwall des Jeſchken, der ſich in ſeiner höchſten Kuppe 3000 Fuß über das Meer erhebt. §. 688. Die Anlagerung der neuern Flötzbildungen entſpricht im Norden wie im Süden der Hauptrichtung des Gebirgskam⸗ — 390— mes. Oeſtlich aber wird dieſelbe dadurch faſt rechtwinklig abge⸗ ſchnitten. Unter dieſen Anlagerungen iſt natürlich die Kohlenformation beſonders wichtig, ſie gehört aber vorzugsweiſe dem Gebiet des Glatzer Beckens an, welches wir im nächſten Abſchnitt betrachten werden. Auch ſüdlich vom Gebirge bei Liebenau, Semil, Lieb⸗ ſtädtel u. ſ. w. hat man Kohlenlager aufgefunden, die jedoch mehr dem untern Rothliegenden als der eigentlichen Kohlenfor⸗ mation zuzugehören ſcheinen, und ſich auch bis jetzt nicht ſo bau⸗ würdig erwieſen haben als die der Gegend von Waldenburg. Dieſes Rothliegende umſchließt im öſtlichen Jeſchkengebirge ſowie im Koſakowgebirge und deſſen Umgebungen große Gebiete von quarzfreiem, oft mandelſteinartigem Porphyr, welcher durch Tuff⸗ bildungen innig mit demſelben verbunden iſt. Nördlich von Lähn, an der Nordſeite des Gebirges, treten dagegen an ihrer Stelle Quarzporphyre auf. Der Zechſtein bildet nur ſüdlich von Löwenberg einen ſchma⸗ len Streifen zwiſchen Rothliegendem und Quaderſandſtein, in welchem er aber bei Neuland äußerſt wichtige Gypseinlagerungen enthält, da dieſe weit und breit die einzigen ſind. Die Kupfer⸗ ſchieferabtheilung ſcheint dieſem öſtlichſten aller bekannten Zech⸗ ſteingebiete ganz zu fehlen. Bunter Sandſtein zeigt ſich nur ſporadiſch ſüdlich von Lähn und bei Wehrau, wo auch etwas Muſchelkalk ihn begleitet. Sehr ausgedehnt iſt auf drei Seiten, aber überall nur am Fuß des Gebirges, die Ablagerung des Quaderſandſteins. Sein ſüdliches Gebiet gehört ſchon ganz dem Böhmiſchen, das öſtliche dem Glatzer Becken an. In der Gegend von Löwenberg bildet er aber einige Hügelreihen, die der Richtung unſeres Gebirgs⸗ kammes entſprechen, und hier enthält derſelbe auch bauwürdige Eiſenſteineinlagerungen. Ein kleineres Gebiet bildet er, von der Bober durchſchnitten, ſüdlich von Lähn. G klig dör fformein Gebiet e betratn wil„d die jii Kohlerie it ſo bar aldenbu wirge ſent ebiete da ucch Tuff on Lähn, er Stell en ſchne dſtein, i lagerunge ie Kupfe kten Zech ſich u uch ehne U nur m ns. Ei ds üftt en bi Gebig⸗ uwüddi „von i — 391— §. 689. Recht merkwürdig iſt im Gebiet des Rieſengebirges die Ver⸗ theilung der iſolirten Baſaltkuppen. Im Allgemeinen ſind die⸗ ſelben als eine Fortſetzung der nordböhmiſchen Baſaltzone anzu⸗ ſehen, die hier mit ihren zerſtreuten Vorpoſten quer über den Gebirgskamm vordringt, ohne dadurch eine Ablenkung in ihrer Richtung zu erleiden. Einzelne Baſaltdurchbrüche treten mitten im hohen Gebirgskamm hervor, ſo am 3000 Fuß hohen Keulich⸗ ten Buchberg bei Iſer, andere liegen einzeln oder gruppenweiſe, gewöhnlich als ausgezeichnete Kegelberge, im niedern Granitland ſüdlich von Lauban, im Gebiet der kryſtalliniſchen Schiefer bei Friedberg und Friedland; im Thonſchiefer und Rothliegenden bei Semil und bei Goldberg; im Quaderſandſtein von Löwenberg und Böhmiſch Aicha. Sehr häufig haben ſie auch hier durch ihre Form die Veranlaſſung zu kleinen Befeſtigungen, zu Burgen der Vorzeit gegeben. 4 §. 690. Das Rieſengebirge iſt von keiner Hauptverkehrsſtraße durch⸗ ſchnitten, bei ſeiner geringen Längenausdehnung war keine Nö⸗ thigung dazu vorhanden, der große Verkehr konnte es leicht um⸗ gehen; es kam mehr darauf an, ſeine einzelnen Theile unterein⸗ ander und mit den nächſten Verkehrsorten zu verbinden, welche alle ſchon außerhalb des Gebirgsgebietes liegen. Der wichtigſte unter ihnen iſt offenbar Breslau. Nördlich von dem vorherrſchend bewaldeten Kamm herrſcht wie im Schleſiſchen Becken die Uebergangsſtufe aus der Felder⸗ wirthſchaft in die Fruchtfelderwirthſchaft vor, ſüdlich wie in ganz Böhmen die Felderwirthſchaft. Die Bevölkerungszahl iſt auf der nördlichen preußiſchen Seite für eine Quadratmeile 3560, auf der ſüdlichen böhmiſchen ſogar 5850. Beides offenbar zu viel für die natürliche Productionsfähigkeit der Gegend, wenn auch noch lange nicht ſo viel als im Erzgebirge. Der eigentliche hohe Gebirgskamm i*ſt natürlich viel weniger bevölkert. Orte fehlen hier auf bedeu⸗ tende Strecken ganz, wie ſie denn im Rieſengebirge überhaupt — 392— faſt nur in den Thälern, nicht wie im Erzgebirge auch auf Plateaus gefunden werden, es iſt das eine ganz natürliche Folge des mehr gebirgigen Charakters; Städte finden ſich in dem ei⸗ gentlichen hohen Gebirgsgebiet gar nicht, ſie liegen zwiſchen den niedrigen Vorbergen zerſtreut, ohne einen entſchiedenen Städtekranz zu bilden wie am Harz und Thüringer Wald, wozu hier jede geologiſche Veranlaſſung fehlt. Das Rieſengebirge(Asciburgos mons) war wie das Lau⸗ ſitzer Bergland in alter Zeit rings von Slawen umwohnt, die aber nie weit in daſſelbe eindrangen. Mit den Sudeten vereint bildet es frühzeitig die Grenze zwiſchen Böhmen und Schleſien. Dieſe iſt es geblieben unabhängig von dem Wechſel der Herrſchaft zu ſeinen beiden Seiten. Das Glatzer Becken. 22) §. 691. Die gebirgige Einſenkung zwiſchen dem Rieſengebirge und den Sudeten verdient nur geologiſch ein Becken genannt zu wer⸗ den, nicht geographiſch. Der äußern Form nach bildet ſie ein Berggebiet zwiſchen zwei höhern Gebirgen, aber der Bau in den Schichten derſelben, ihre Lagerung, iſt beckenförmig. Indeſſen ſelbſt vom geologiſchen Standpunkte ſtellt dieſe Berggegend eine innige Verbindung dar zwiſchen den nordöſtlichen Hauptbergket⸗ ten Deutſchlands, ſie fällt in das Syſtem ihrer Erhebung hinein; und auf der andern Seite hat man auch geographiſch dieſelbe von je her als die Grenzſcheide zweier deutlich individualiſirter Ge⸗ birgskörper betrachtet. Es iſt ſchwierig, die Grenzen eines ſolchen Landſtriches näher zu beſtimmen, der im Grunde eben nur die Grenze zwiſchen zwei beſſer individualiſirten bildet. Auf ſcharfe äußere Abgrenzung kommt es uns hier aber überhaupt nicht an, ſondern mehr auf die Beſtimmung charakteriſtiſcher Centra. auch ai che dalg den ſchen a tdten hier i das bu⸗ oöhnt, en veriit Schleſa dericht rge und zu we⸗ t ſſe in in da Indeſn end ein tbergie hinenn dlbe dm ter Ge nihe en zwi enzun hr ui — 393— §. 692. Den nordöſtlichen Rand unſeres Beckens bildet das Eulen⸗ gebirge, welches ſich in der hohen Eule 3130 Fuß über das Meer erhebt. Die Beckenmitte nimmt das Heuſcheuergebirge ein, in der großen Heuſcheuer 2830 Fuß aufſteigend, von dieſer nord⸗ weſtlich erheben ſich die Adersbacher Felſen gegen 1900 Fuß, und dann das Ueberſchargebirge 1990 Fuß. Gegen Südweſt grenzt daran ohne beſtimmbare Grenzlinie das große Böhmiſche Becken. Flußthäler durchſchneiden den Landſtrich nach allen Rich⸗ tungen, die Waſſerſcheide zwiſchen Elbe und Oder beſchreibt er⸗ ſtaunlich verſchlungene Bogen. Die Steina aber durchſtrömt als ein Zufluß der Neiße in einem Hauptlängenthal die Mitte un⸗ 3 ſeres Gebietes faſt in ſeiner ganzen Länge, und ſcheidet ſo das Eulengebirge von dem Heuſcheuergebirge. Während die großen Höhen unter denen des Rieſengebirges wie der Sudeten weit zurückbleiben, liegt die Baſis durchſchnitt⸗ lich etwas höher als die des Rieſengebirges. Die auf den Mee⸗ resſpiegel reducirte mittlere Jahrestemperatur iſt ungefähr dieſelbe wie im Rieſengebirge, die Summe der atmoſphäriſchen Nieder⸗ ſchläge iſt aber ſchon viel geringer. §. 693. Der innere Bau dieſes Gebietes iſt, wie erwähnt, im All⸗ gemeinen ein beckenförmiger; nordweſtlich und ſüdöſtlich wird der Rand und Boden dieſes Beckens durch den Thonſchiefer und die kryſtalliniſchen Schiefer der angrenzenden Gebirge gebildet; nord⸗ öſtlich durch den Gneis und Thonſchiefer des Eulengebirges. Süd⸗ weſtlich gegen Böhmen hin, bei Eypel, Koſtelatz u. ſ. w. gibt ſich derſelbe nur durch eine ſattelförmige Stellung der Schichten zu erkennen, nicht durch das Hervortreten älterer Geſteine. In dieſem Becken lagern nun gleichſam ſchalenförmig über⸗ und ineinander: Die Kohlenformation, das Rothliegende und der Quaderſandſtein. Die Kohlenformation tritt in Folge dieſes Baues nur am äußern Rand an die Oberfläche, und auch da nicht überall, denn ſüdöſtlich, in der Gegend von Reinerz, bedeckt Quaderſand⸗ — 394— S ſtein auch dieſen äußern Rand und verbreitet gin 4 K ſich von der Heuſcheuer zuſammenhängend fth nach dem innern Böhmen und nach Mähren. arc d Das Rothliegende nimmt ſchon einen f weit größern Flächenraum ein, beſonders ſ hihihm 1 dem Hauptlängenthal der Steina. Der Qua⸗ ede derſandſtein endlich bildet nur die centralen hen Berg⸗ und Felſengruppen der Gegend von des Adersbach und der Heuſcheuer und ſetzt von gen hier, wie wir geſehen haben, alles Aeltere über⸗ ſſe deckend zuſammenhängend fort nach Südoſt. ds S Die beiden ältern dieſer Flötzbildungen dure 3 ſind nun aber in ihren Gebieten vielfach un⸗ 5 erici ter⸗ und durchbrochen von allerlei porphyr-⸗ ſi 5 B 8 ſchen Geſteinen, ſowol quarzführenden als ihh 5 8. quarzfreien, im letztern Falle oft mandelſtein⸗ 0 5 N artigen. dur 5 8 Dies iſt der allgemeine geologiſche Bau did 3 unſeres Gebietes, der ſich ungefähr durch dr S beiſtehende ideale Skizze verſinnlichen läßt. 5 Ez 1 K§. 694. 5 Ueberblicken wir jetzt flüchtig die einzel⸗ Ki 5§ nen Geſteinsgebiete. Das Eulengebirge be⸗ ja ſteht nordöſtlich aus einer ziemlich einförmi- uf gen Gneismaſſe, hier und da durchſetzt von a Quarzporphyren, welche von da noch weit nach Nordoſt, obwol oft von diluvialen Ab⸗ lagerungen bedeckt, über die flache Umgegend von Reichenbach fortſetzt, ſüdweſtlich aus Thon⸗ der ſchiefer. Unter dieſen Umſtänden iſt es allerdings aa auffallend, daß der äußere Gebirgsrand zwiſchen ¹ lmt Oberwißtritz, Lautmannsdorf, Silberberg und 1 Wartha ſo ſcharf und geradlinig abſetzt, als müſſe hier ein ganz anderes Geſteinsgebiet be⸗ verbreit enhängan hMihmn hon tin ſonders Der dur centrala egend wn ſitt m ltere ih Südſſt bildunga fach un vorphpri den al adelſten⸗ ſche Bu ir dur nliſt. ie dinz birge he infonm⸗ ſett ve och nit alen de ngege 5Thhor lerdin wite etg 1 tt 1 ite — 395— ginnen. Daraus geht aber nur hervor, daß die Erhebung dieſer Berg⸗ kette unabhängig von der Bildung der ſie zuſammenſetzenden Geſteine durch Stöße lange nach deren Entſtehung hervorgebracht worden iſt. Offenbar durch dieſelben Erhebungen, welchen die Sudeten, das Rieſengebirge und vielleicht auch der Harz ihre Entſtehung verdanken. Der Anfang dieſer Erhebungen muß in dieſem öſtli⸗ chen Theil Deutſchlands mindeſtens in die Zeit vor Ablagerung des Zechſteins fallen, da ſchon dieſer dadurch von dem Eindrin⸗ gen nach Böhmen abgehalten worden iſt, das Ende derſelben ſcheint dagegen auch hier wie am Harz erſt nach Ablagerung des Quaderſandſteins eingetreten zu ſein, da deſſen Schichten da⸗ durch oft mit aufgerichtet ſind. Die kleine aber geologiſch intereſſante Bergkette des Eulen⸗ gebirges endet nordweſtlich mit dem Querthal der Wißtritz, ſüdöſt⸗ lich dagegen hat ſie eine genaue Verlängerung in dem Reichenſteiner Gebirge, welche urſprünglich homogene Geſammtkette indeſſen jetzt durch das Neißethal bei Wartha quer durchſchnitten iſt, ſodaß dadurch der Grund zu einer geographiſchen Sonderung hinreichend dargeboten wird. Das Gneisgebiet des Eulengebirges iſt hier und da von Erzgängen durchſetzt, die z. B. den alten Bergbau von Silberberg (1370) veranlaßt haben, welcher indeſſen ſeit dem 30 jährigen Kriege in Verfall gekommen iſt. Die von Friedrich dem Großen angelegten merkwürdigen Feſtungswerke dieſes Ortes erheben ſich auf einem Gneisplateau und auf einer Thonſchieferkuppe 1450 bis 2200 Fuß über den Meeresſpiegel. §. 695. Vom Südoſtrande des Eulengebirges aus breitet ſich längſt der Neiße und Steina das Gebiet des Thonſchiefers mit einzel⸗ nen untergeordneten Kalkſteineinlagerungen bis jenſeit Glatz aus, und Glatz ſelbſt, nach dem wir unſer Becken benannt haben, liegt ſomit nicht inmitten deſſelben, ſondern auf ſeinem äußern Rand. Dennoch iſt es die naturgemäße Hauptſtadt des Beckens wie der ganzen Gegend, da dieſe Stelle durch das Zuſammen⸗ — 396— treffen von 5 Thälern aus verſchiedenen Richtungen begünſtigt, durch den Schloßberg geſchützt zugleich in dem bequemſten Ueber⸗ gangspunkt über die ſudetiſche Geſammtkette liegt. §. 696. Die Kohlenformation legt ſich unmittelbar an den Südweſt⸗ rand des Eulengebirges an, tritt aber hier nur als ein ſchmaler Streif zur Oberfläche, das Grünſteingebiet von Ebersdorf hat ein wiederholtes Hervortreten derſelben zwiſchen Eckersdorf und Kohlendorf bedingt. Eine größere Breite gewinnt ſie dann in den Gegenden von Charlottenbrunn, Waldenburg⸗Gottesberg und Landshut. Vorzugsweiſe hier, wo ſie indeſſen vielfach von jün⸗ gern Porphyren durchſetzt und aus der urſprünglichen Lage ge⸗ bracht iſt, hat ſich ſeit lange ein ergiebiger Kohlenbergbau ent⸗ wickelt und nach und nach mit dem größern Kohlenbedürfniß ge⸗ ſteigert. Der Anbau hat, wie gewöhnlich in Kohlengegenden, einen immer mehr induſtriellen Charakter angenommen, und da⸗ durch eine Zweigbahn von Breslau aus nach dieſer Gegend her⸗ vorgerufen. Die theils mechaniſchen theils chemiſchen Aen⸗ derungen, welche die durchſetzenden Quarzporphyre in den Kohlenlagern hervorgerufen haben, ſind zwar für den Berg⸗ mann meiſt keine erfreulichen, um ſo intereſſanter aber für den Geologen. Von Landshut aus läßt ſich dann die Kohlenformation wie⸗ der als ſchmaler Streif über Liebau nach Schatzlar verfolgen, und ebenſo tritt ſie nördlich von Eypel und Koſtelitz hervor. Bisher hat ſich der Abbau der Steinkohlen, wie in den meiſten deutſchen Kohlengebieten, ſo auch hier, vorzugsweiſe auf die äußern zu Tage tretenden Ränder der Formation beſchränkt. Der ſo unge⸗ mein deutliche beckenförmige Bau des ganzen Gebietes erlaubt aber mit großer Sicherheit ein bauwürdiges Fortſetzen dieſer nutz⸗ baren Lagerſtätten nach der Beckenmitte zu als ſicher anzuneh⸗ men, und wenn man auch vielleicht niemals die Steinkohlen un⸗ ter der mächtigen Sandſteindecke der Heuſcheuer hervorgraben wird, ſo iſt es doch höchſt wahrſcheinlich, daß ſich die Gewin⸗ nun gzünſig en Uäe Sidac ſchmag dorf ſe dorf u dam h berg un von ji Lage g hau ent fniß ge dgenden und de hend her en Aer in da Berf für da ion wi⸗ en, un Bühe eutſch hern i o unge telaut er nut zune een ur grahn Hewir — 397— nung bei allmäliger Erſchöpfung der äußern Ränder nach und nach mehr nach der Mitte hinziehen werde. §. 697. Das Rothliegende bildet hier wie gewöhnlich ein unebenes Berg⸗ und Hügelland, mehrfach enthält es nutzbare Kalkſteinein⸗ lagerungen, iſt übrigens durch Tuffbildungen mit den Porphyren innig verbunden. Einen beſondern Einfluß auf den Anbau ſcheint es nicht auszuüben. §. 698. Quaderſandſtein bildet zunächſt das in der Beckenmitte hoch aufragende Heuſcheuergebirge. Zwiſchen den einförmigen Sand⸗ ſtein ſind mehrfach, zum Theil wol dem Pläner entſprechende kal⸗ kige und mergelige Schichten ziemlich horizontal eingelagert, welche zuweilen eine Art von Terraſſirung der Oberfläche bedingt ha⸗ ben, da ſie leichter zerſtörbar waren als der Sandſtein. Bei Adersbach geſtaltet ſich derſelbe Quaderſandſtein zu ſehr pittores⸗ ken Felspartien, welche der ganzen Natur nach denen der Säch⸗ ſiſchen Schweiz ähneln, und dadurch manchen Luſtreiſenden an⸗ locken. Die wenig fruchtbare Oberfläche des Quaderſandſteins zeigt verhältnißmäßig wenig Wohnorte und iſt meiſt mit Wald bedeckt. Nirgends durchbrechen ihn neuere eruptive Geſteine, den⸗ noch ſind ſüdlich von Glatz, am Rothen Berge, ſeine Schichten ſteil aufgerichtet, durch eine Erhebung, welche nach der Bildung der an der Oberfläche vorhandenen Geſteine ſtattgefunden haben muß, ähnlich wie im ſüdlichen Theile der Oberlauſitz, und welche hier Grauwacke, Rothliegendes und Quader gleichzeitig betrof⸗ fen hat. §. 699. Quarzführende und quarzfreie Porphyre, letztere gewöhnlich mit Mandelſteinen verbunden, durchſetzen, wie wir ſchon geſehen haben, ſehr vielfach die Kohlenformation und das Rothliegende dieſer Gegend oder treten unter letzterm als älter hervor. Am ver⸗ — 398s— breitetſten ſind dieſe Geſteine zwiſchen Neurode, Waldenburg und Landshut, ſowie zwiſchen Landshut und Trautenau. Sie bilden überall kuppige, faſt ganz bewaldete Berggebiete, ſo z. B. ſehr zuſammenhängend in dem kleinen Ueberſchargebirge bei Schömberg. §. 700. Dieſe allgemeinſten Umriſſe des innern Baues eines Theils der Grafſchaft Glatz mögen genügen. Steinkohlen und Wald nebſt Eiſenſtein bilden hier offenbar die wichtigſten naturwüchſigen Erwerbsquellen, auf welche zugleich ein bedeutendes induſtrielles Leben gegründet iſt. Die tauſend Kirchlein und Kapellen, die überall ſich erheben, die mit Fahnen und Kreuzen daherziehenden Proceſſionen, die Menge von Gnadenörtern, zu denen aus allen benachbarten Landen zahlreiche Pilgerſcharen wallfahrten, geben den reizenden Thälern noch eine eigenthümliche Staffage. Die Bevölkerungszahl wird durchſchnittlich auf 4000 bis 4500 für die Quadratmeile ſteigen. Von geringer Bedeutung ſind die Stahl⸗ quellen bei Waldenburg(Altwaſſer), Reinerz und Cudova un⸗ weit Lewin, wichtiger ſchon die Säuerlinge bei Salzbrunn, Charlottenbrunn und Langenau unweit Habelſchwerdt. Die Frucht⸗ barkeit des Bodens iſt am größten im Neißethal und von da nach Frankenſtein zu, ſehr gering am ſüdlichen und öſtlichen Rand des Gebietes auf dem Quaderſandſtein ſowol als auf dem Roth⸗ liegenden und Gneis. Die Uebergangsſtufe von der Felderwirth⸗ ſchaft zur Fruchtfelderwirthſchaft iſt vorherrſchend. Die natürliche Veranlaſſung zur Unterſcheidung des Geiersgaues um Charlotten⸗ brunn iſt mir unbekannt. §. 701. Das Becken von Glatz gehörte unter den Hohenſtaufen wie Mähren zu Böhmen. Im 14. Jahrhundert finden wir die Haupt⸗ maſſe deſſelben als beſondere Grafſchaft, wie es denn in der That zum Theil recht natürliche Umgrenzungen darbietet, dieſe reichte je⸗ doch öſtlich über unſer geologiſches Beckengebiet hinaus. Die Benen⸗ nung„Grafſchaft Glatz“ hat es denn auch beibehalten, ſeitdem durg u iie bida B. ſi cönben hes Thal nd Wd wüchſge duſtrilts elln, d ziehenda aus alln u, geben ge. Di 0 für di ie Stahe doba m⸗ alzbum, e Fruch von d ſen Nand m Rot dervit gatütich jarlotta⸗ ufen wi e Huuxt der ht eihtej⸗ „Benur ſeide — 399— es mit Preußiſch Schleſien unter einem Scepter ſteht und dem Regierungsbezirk Breslau einverleibt iſt. Die Sudeten. 28) §. 702. Das breite Gebirgsland, welches ſich ſüdöſtlich vom Glaͤtzer Becken bis zur Oder und Brezwa ausdehnt, ſüdlich aber von der March begrenzt wird, faſſe ich unter dieſer Benennung zuſammen. Es iſt das öſtlichſte Bergland Deutſchlands, von Geologen bisher noch wenig beſucht, und deshalb ſein innerer Bau noch wenig bekannt. Mehre Bergketten durchziehen daſſelbe vorherrſchend in der Richtung aus NW. nach SO., ſo das Reichenſteiner Gebirge, das Habelſchwerdter Gebirge und die Böhmiſchen Kämme. Dieſe bilden drei parallele Rücken, die aber durch den Querriegel der Schneeberge miteinander in gewiſſem Grade verbunden ſind. An die nordöſtlichſte dieſer Bergketten ſchließt ſich dann in ſüdöſtlicher Richtung noch das Altvatergebirge an, welches ſich vom Altvater aus ſüdlich gegen Auſee wendet. Noch weiter ſüdöſtlich ſind in der allmäligen Abdachung des Mähriſchen Geſenkes kaum noch beſtimmte Bergketten zu unterſcheiden. Die Baſis dieſes Berg⸗ landes erhebt ſich überall durchſchnittlich gegen 1000 Fuß über das Meer, ſeine höchſten Spitzen ind liende, Der Altvater... 4600 Fuß Der Peterſtein... 4402 ⸗ Der Glatzer Schneeberg. 4375 ⸗ Der Hackſchaar.... 4100 ⸗ Die Hohe Haide.... 4092 ⸗ Die Dürre Koppe.... 4047 ⸗ Die Hohe Meeſe... 3316 ⸗ Die auf den Meeresſpiegel teducirte mittlere Jahrestempera⸗ tur iſt 100 Cent. Dieſe im Vergleich zur geographiſchen Breite gegen Weſtdeutſchland ſehr niedere Temperatur iſt eine Folge der mehr continentalen Lage, die gegen Oſten zunimmt. In den höchſtgelegenen Schluchten bleibt der Schnee oft das ganze Jahr — 400— liegen, auf den freien Gipfeln bis gegen Johanni. Die Summe der atmoſphäriſchen Niederſchläge beträgt von Nordweſt nach Süd⸗ oſt abnehmend 25 bis 20 Zoll. Die Mehrzahl der Gewäſſer rinnt aus dieſem Gebiet der Oder zu, ſo die Neiße, die Bielau, die Schwarze und die Mohre. Von den Böhmiſchen Kämmen fanmmelt die Adler ihr Waſſer für die Elbe, die ſüdliche Ecke aber iſt durch die Marchzuflüſſe der Donau tributpflichtig. §. 703. Der nordöſtliche Theil dieſes Gebirgsgebietes beſteht vor⸗ herrſchend aus Gneis und Glimmerſchiefer mit Einlagerungen von körnigem Kalkſtein, und häufig durchſetzt von granitiſchen und dioritiſchen Geſteinen und einzelnen Baſaltkuppen; nur im Habel⸗ ſchwerdter Gebirge und dem angrenzenden Neißethal überlagert von Quaderſandſtein und Pläner. Die ſüdöſtliche Hälfte dagegen beſteht faſt nur aus Grauwackenbildungen mit Einlagerungen von Kalkſtein, und am äußerſten Südoſtrand, gegen die Karpaten hin, überlagert von tertiären Schichten, unter denen zwiſchen Oderberg und Wittkowitz ein kleines Gebiet der Kohlenformation hervorragt, und hinter denen ſich jenſeit einer breiten Depreſſion die Sandſteinberge der Karpatenkette in gänzlich abweichender Richtung erheben. §. 704. Zu dieſer höchſt allgemeinen Schilderung des innern Baues des ſudetiſchen Gebietes vermag ich in der That nur wenig hin⸗ zuzufügen, höchſtens kann ich beiſpielsweiſe einzelne Partien etwas ſpecieller beſprechen. Die Umgegend von Reichenſtein und Landeck iſt wegen ihres Metallgehaltes zu wiederholten malen geologiſch beſchrieben wor⸗ den, und zwar zuerſt von dem Altmeiſter der Geologie, Leopold von Buch. Die herrſchende Gebirgsart iſt hier Glimmerſchiefer, dieſer enthält ziemlich unregelmäßige Einlagerungen, zum Theil vielleicht ſtockförmige Maſſen, von körnigem Kalkſtein, Hornblende⸗ ſe Sun nach ei Gebiet n die Nah Waſeefn ufluſt d iſteht we ungen we ſchen un im Habel äberlagen e dagege enngen tar Karpetn zwiſhe rformatin Hepreſſe deichende irn Buu penig li⸗ tien ene ggen ind eben wr Leopdl rerſciſt im d enblae — 401— geſtein und Serpentin. Dieſe aber ſind theilweiſe durchzogen von Kieſen, unter denen goldhaltiger Arſenkies am wichtigſten, und von ſilberhaltigen Bleiglanzgängen. Jene kieſigen Erzlager⸗ ſtätten zeigen eine gewiſſe Analogie in Beſchaffenheit und Vor⸗ kommen mit den ebenfalls erzreichen und von körnigem Kalkſtein begleiteten Grünſteinlagergängen im Glimmerſchiefer der Gegend von Schwarzenberg in Sachſen. Der Goldgehalt des Arſenkieſes hat neuerlich durch eine von Plattner vorgeſchlagene Methode der Darſtellung größere Bedeutung gewonnen. §. 705. Von dem kryſtalliniſchen Geſteinsgebiet zwiſchen Jauernig und Hohenſtadt ſagt v. Hingenau: „Von Jauernig ſüdöſtlich über Friedeberg, Würbenthal, Freu⸗ denthal, dann ſüdöſtlich um Römerſtadt, Bergſtadt bis Hohen⸗ ſtadt herrſchen kryſtalliniſche Geſteine, welche ſich bei Schildberg an die gleichen Bildungen in Böhmen anſchließen. Dieſe Ge⸗ ſteine bilden in dieſem Knotenpunkte des Sudetengebirges be⸗ trächtliche Höhen. Der Hauptſtock iſt zwiſchen dem Spiglitzer Schneeberg und dem Altvater, von wo ſich Ausläufer nach meh⸗ ren Seiten verzweigen. Einen Theil dieſes Gebirgspanoramas überſieht man vom Gräfenberge bei Freiwaldau; der Altvater, un⸗ weit Karlsbrunn, dürfte eine noch vollſtändigere Ueberſicht geben. Die höchſten Gipfel des Gebirges erheben ſich bis über 4400 Fuß über die Meeresfläche. Die vorwaltenden Beſtandtheile des Gebirges ſind Feldſpath, Quarz und Glimmer, wozu ſich auf weite Strecken Chlorit und Talk, an andern Punkten Hornblende geſellt. Die Structur iſt vorherrſchend ſchiefrig, und ſelbſt jene Stücke, die als Handſtücke eine körnigere Structur zeigen, laſſen oft im Anſtehen die ſchiefrige Tendenz nicht verkennen, die zu⸗ gleich mit einer, oft nicht unbeträchtlichen Neigung verbunden iſt. Die Uebergänge dieſer metamorphiſchen Geſteinsarten ineinander ſind ſehr mannichfaltig, die Größe der Beſtandtheile nicht minder verſchieden, ſodaß man z. B. mehre Cubikfuß große Stücke Quarz ſowie Partien antrifft, in denen faſt nur Glimmer und Talk Cotta, Deutſchlands Boden. 26 — 402— ſichtbar ſind. Als beſondere Lagerſtätten finden ſich darin Mag— neteiſenſtein, Eiſenglimmer, Graphit(bei Altſtadt)— Bleiglanz⸗ und Kiesgänge(bei Bergſtadt, Hangenſtein, Janowitz, wo vor Alters auch darauf gebaut wurde und der Bergbau ſo beträcht⸗ lich war, daß Kaiſer Rudolf II. im Jahre 1542 eine eigene Berg⸗ ordnung für ſein Revier erließ, die unter dem Namen der Han⸗ genſteiner bekannt iſt), dann goldhaltige Gänge in Obergrund bei Zuckmantel, und körnigen Kalk; endlich vielerlei Mineralien aus den Geſchlechtern der Quarze und Gemmen, z. B. Rauchtopas, Chryſoberyll u. ſ. w. Endlich auch Serpentin(bei Altſtadt, dann am Berge Idiar und der Goldkoppe). Betrachtet man die petro⸗ graphiſche Verſchiedenheit dieſer Gebirge, ſo kann man Gneis, Glimmerſchiefer, Chlorit und Talkſchiefer, auch wol hier und da Granit als die herrſchenden Geſteinsarten annehmen, deren Gren⸗ zen gegeneinander jedoch bis jetzt nicht genau beſtimmt ſind und jedenfalls erſt nach wiederholten Detailforſchungen werden angege⸗ ben werden können, wenn es überhaupt möglich iſt, die mannich⸗ faltigen Uebergänge ſolcher kryſtalliniſcher Gebilde in ſcharfe Gren⸗ zen zu zwängen. Nach Prof. Heinrich's Angaben beſtehen in der Regel die höhern Punkte aus Glimmerſchiefer, die Abhänge und Thalgründe aus Gneis. Granit tritt minder allgemein auf und zwar entwe⸗ der gangartig, wie im Wieſenberger Gebirge, oder hier und da in einzelnen Kuppen, z. B. auf dem Königsberge bei Schild⸗ berg, auf dem Erz⸗ und Badersberge bei Wieſenberg. §. 706. Oeſtlich an dieſes kryſtalliniſche Gebirge ſchließen ſich die et⸗ was niedrigern Berge der Thonſchiefer⸗ und Grauwackengruppe an, welche ebenfalls noch lange nicht genug durchforſcht ſind und ſich öſtlich bis zu den Flüſſen Oder und Beczwa, ſüdlich unter den mit angeſchwemmtem Lande bedeckten Ufern der March bis in die Nähe von Brünn erſtrecken, dort in einem Dreiecke auslaufen, deſſen ſüdlichſte Spitze bei Poſoritz(2 Meilen ſüdlich von Brünn) liegt, während ſie ſich nordweſtlich über Jedownitz, Gewitſch, in My leiglen wo w betric ne Ba der Ha. grund li alien u uchtepe⸗ dt, dan die petr 1 Gnai und d n Gren⸗ ind und angege manvice rfe Grer Negel di algründ entme r und d iScitd h det ruppem undſt unter de is in 1 uslaufn Brün) Hewiſſh — 403— gegen Mähriſch⸗Trübau und Müglitz hinziehen, öſtlich aber faſt regelmäßig bis an die von Brünn nach Olmütz führende Poſt⸗ ſtraße reichen. Im Norden bilden ſie einen kleinen Umkreis um die Stadt Troppau, welche auf Schuttland liegt, und ſcheinen in ihrer weitern Fortſetzung von jener Kataſtrophe zerſtört wor⸗ den zu ſein, welcher die Kohlenlager von Mähriſch⸗ und Polniſch⸗ Oſtrau und die Karpaten⸗Geſchiebe ihre Exiſtenz verdanken. Dieſe Formation, in der eigentliche Grauwacke mit Grauwacken⸗ ſchiefer abwechſelt, bildet faſt ganz jenen Gebirgstheil, der unter dem Namen des Mähriſchen Geſenkes bekannt iſt, deſſen orogra⸗ phiſche und hydrographiſche Verhältniſſe von Prof. Heinrich in Wolny's„Topographie“ Band V, S. XIX bis XXI ausführlich geſchildert werden. Die geologiſchen Verhältniſſe ſind noch zu wenig ſtudirt worden, um über dieſe ganze, ſich über nahezu 100 Quadratmeilen ausbreitende Geſteinspartie ein vollkommen begrün⸗ detes Urtheil zu fällen. An mehren Punkten ſind mächtige Kalkſteineinlagerungen darin bekannt, ſo bei Endersdorf, Einſiedel, Eulenberg, Krzmann und öſtlich von Weißkirchen. Die darin gefundenen Verſteinerun⸗ gen deuten auf obere(devoniſche Grauwacke) wenn nicht theilweiſe ſogar auf Kohlenkalkſtein).. Bei Friedland und Raudenberg finden ſich kuppenförmige Baſaltdurchſetzungen. §. 707. Oeſtlich von dieſem großen Grauwackengebiet erhebt ſich zwiſchen Poſtrau und Freiſtadt aus diluvialen und tertiären Ab⸗ lagerungen das kleine Steinkohlengebiet von Dombrau. Die Steinkohlenflötze, welche, mehre an der Zahl, mit be⸗ deutenden Betriebskräften von verſchiedenen Gewerkſchaften abge⸗ baut werden und eine der beſten Sorten von Steinkohle liefern, liegen zwiſchen Kohlenſchiefer und mit dieſem zwiſchen Kohlen⸗ ſandſtein von grauer Farbe und theilweiſe conglomeratartiger Be⸗ ſchaffenheit. Die Mächtigkeit dieſer Flötze iſt verſchieden und ſteigt bis 12 Fuß. 26* — 404— §. 708. Ueber die Natur des ſogenannten Geſenkes überhaupt ſagt Scharenberg: „Von der Oder bis zu den öſtlichen Ausläufern des Glatzer Schneegebirges zieht ſich in nordweſtlicher Richtung ein in viele Kämme zertheiltes Gebirge mit wenigen hervorragenden Kuppen und meiſt abgeplatteten Gipfeln durch einen Theil der öſtreichiſch⸗ mähriſchen und ſchleſiſchen Länder. Die höhern über die Baum⸗ region erhobenen Kämme und Gipfel abgerechnet, iſt es meiſt mit Wald bedeckt, ſeine waſſerreichen Thäler prangen mit üppiger Vegetation, und obgleich auch in anderer Beziehung voll ſchöner ſehenswerther Punkte, wurde dieſer Theil der Sudeten wegen ſeiner Entfernung von den vielbeſuchten Badeörtern Schleſiens von dem reiſenden Publicum nur wenig beachtet. Seitdem aber die Kaltwaſſercuren von Prießnitz Gräfenberg zu einem Bade um⸗ ſchufen, wird das Altvatergebirge zwar häufiger beſucht, bleibt aber immer noch der verlaſſenſte und am wenigſten beachtete Theil der Sudeten. Das öſtliche Geſenke, eigentlich nur die öſtliche Abdachung des Altvatergebirges, iſt eine Grauwacken⸗ und Thon⸗ ſchiefer-⸗Formation, die ſich in der Gegend von Troppau und Jä⸗ gerndorf unter aufgeſchwemmtem Lande verliert. Bei Freudenthal aber durchbricht ein Baſaltkegel den Thonſchiefer und bildet den Köhlerberg, einen der freundlichſten Umſichtspunkte des niedern Geſenkes. Von Römerſtadt nordwärts nach Engelsberg, und von hier in einer Krümmung nach Freiwaldau und Ziegenhals zieht ſich die Grenze dieſer Formation hin, denn auf dem gan⸗ zen bezeichneten Zuge ſtößt der Glimmerſchiefer des hohen Geſen⸗ kes an dies Flötzgebirge(Grauwacke), das ſich nirgends über 2000 Fuß erhebt, während der Altvater oder Neißer Schnee⸗ berg bis gegen 4500 Fuß anſteigt. Am Altvater und Peters⸗ ſteine, ſowie am Köpernik und Fuhrmannsſteine tritt der Glim⸗ merſchiefer in großen nackten Felſen hervor, und es iſt für das Geſtein des Geſenkes beſonders charakteriſtiſch, daß es im weſtli⸗ chen Theile des Gebirges viel Staurolith und rothen Andaluſit aupt ſg ·8 Glae win wi n Kuute ſtreihſt ie Baur meiſt ni t üppigr ſchöm wagen ihleſiens em abe ade un t, blei tet dhi e iſtich d Ther und eudenthe ildet de niedm , w egenhet em gir nGſir ds ür Schr pen⸗ Glr für d pi ndabi 3— 405— enthält, der ſich ſelbſt noch bei Landeck findet. Zahlloſe Rieſeln und Bergbäche ſtürzen zu beiden Seiten des Gebirges durch dunkle, zum Theil wildromantiſche Thäler, treiben mit ihrer jungen That⸗ kraft überall Mühlen und Eiſenhämmer und ſenden ihr Waſſer auf der Südſeite mittels der March und Donau dem Schwarzen Meere, auf der Nordſeite durch die Oder der Oſtſee zu. Dieſe Thäler, hier faſt die einzigen Punkte, welche uns an den vom Berggewäſſer vielfach zerriſſenen und tief ausgeſpülten Berglehnen das anſtehende Geſtein zeigen, ſind dem Geognoſten und Botaniker, mehr noch dem Maler, ihrer pittoresken Vorder⸗ dergründe halber, zu empfehlen. In botaniſcher Hinſicht verdient es Beachtung, daß hier ſowie im Glatzer Gebirge, aus noch nicht ermittelten Urſachen, nirgends Knieholz(Krummholzkiefer, Pinus pumilio) vorkommt, während daſſelbe ſowol öſtlich im Teſchen⸗ ſchen, als auch weſtlich im Rieſengebirge ſich auf Höhen zeigt, welche das Geſenke an vielen Punkten überſteigt. Die klimatiſchen Verhältniſſe ſtimmen zwar im Allgemeinen mit denen der ent⸗ ſprechenden Höhen der übrigen Sudetenzüge überein, doch iſt die Temperatur hier niedriger, ob blos in Folge der mehr nach Oſten vorgeſchobenen Lage, wage ich nicht zu entſcheiden. Nur kärglich nährt hier das Gebirge ſeine zahlreiche Bevölkerung meiſt durch Eiſen⸗ und Holzarbeiten.“ § 709. Die Bevölkerung dieſes Gebietes iſt auf der öſtreichiſchen Seite eine viel ſtärkere als auf der preußiſchen, die Seelenzahl ſteigt dort für die Quadratmeile bis auf 5100, hier nur auf 3870. Auf die erſtere Größe influirt indeſſen das Thalgebiet von Olmütz. Die Kette der Sudeten trennt in ihrer ganzen Ausdehnung, das Rieſengebirge mit eingerechnet, allgemein Böhmen und Mäh⸗ ren von Schleſien. Der öſtliche Theil derſelben, mit welchem wir es hier zu thun haben, war aber faſt niemals eine eigentliche ſpecielle politiſche Landesgrenze. Der Grund dafür liegt vielleicht in der großen Breite und in dem Mangel eines einfachen Kam⸗ — 406— mes. Der noch jetzt öſtreichiſche Theil Schleſiens gehörte im 13. Jahrhundert mit Moravien zum Königreich Böhmen, die Herr⸗ ſchaften Jägerndorf, Troppau und Teſchen ſind dem Hauſe Habs⸗ burg auch nach dem Verluſt des übrigen Schleſiens geblieben. Bemerkenswerth iſt es wol, daß dieſe politiſche Abgrenzung un⸗ gefähr der Umgrenzung des großen mähriſchen Grauwackengebie⸗ tes entſpricht, als wenn hier der innere Bau einflußreicher als die äußere Gebirgserhebung geweſen wäre. Das Böhmiſch⸗Mähriſche Gebirge. 29) §. 710. Es bildet die ſüdöſtliche Einrahmung des großen Böhmiſchen Beckens. Sein durchaus flacher Rücken ſchließt ſich bei Grulich mit einer Senkung an die Schneeberge der Sudetenkette an und dehnt ſich von da über Iglau nach Gmünd, von wo aus derſelbe durch den Greiner Wald in Verbindung mit dem Böh⸗ mer Wald tritt. Auch den Manhardtsberg rechne ich dazu. Der ganze Rücken iſt mehr eine erhöhte Waſſerſcheide als ein eigent⸗ liches Gebirge zu nennen, auch ſein innerer Bau iſt durchaus nicht ein ſelbſtändiger, ſchließt ſich vielmehr unmittelbar dem des innern Böhmiſchen Berglandes, des Mähriſchen Geſenkes und des Böhmer Waldes an. Der breite Abfall gegen Südoſt, welcher als Mähriſches Hügelland und in ſeinem Südweſttheile als Manhardtswald be⸗ zeichnet zu werden pflegt, liefert die Hauptzuflüſſe der March. Vier derſelben vereinigen ſich oberhalb ihres Einfluſſes in die March in der Gegend von Brünn und bilden dadurch ein kleines ſelbſtändiges Gebirgsbecken, welches ſehr geeignet war, eine Haupt⸗ ſtadt untergeordneten Ranges in ſich aufzunehmen. Auf der böhmiſchen Seite ſenkt ſich der Abfall kaum merk⸗ lich, da hier der Boden des Böhmiſchen Beckens ſelbſt hoch liegt und ganz allmälig zur Waſſerſcheide aufſteigt. Die größten Höhen des Kammes betragen nur 3500 bis 3700 Fuß, durchſchnittlich ſteigt derſelbe etwas 2000 Fuß über ein! yit Dn ſe du debliehn zung w Kengait icher t hwiſcha Grulic tte an vo an n Biß u. D aigen⸗ urcheu em de und de Hriſch ald he — 407— die Meeresfläche an. Nachſtehende Höhenpunkte können als Bei⸗ ſpiele dienen: Kunitzberg bei Kochol......... 3650 Fuß Skalkaberg.......3630 ⸗ Richwald bei Schwebetan⸗...3500⸗ Horcitz...... 3450 ⸗ Alte Alaungrube bei Blansko..... 2480 Dubowaberg......... 3260 Höhen bei Iglau und Teltſch..... 2000 ⸗ Thl enen n eae ae e n nae enen, A9e Blansko... 1700 ⸗ Höhen bei Budwit.... 1500 ⸗ Höchſte Eijanbahadel bei Zwittau.. 1344 ⸗ Znaim.... j. 900 ⸗ Olmükz................ 650 Brünn... 600 Göding an der March, als teme Put in Mahren..... 530 Die auf den Meeresſpiegel reducirte mittlere Temperatur die⸗ ſes Landſtriches wird etwa 11° Cent. betragen, aber ſeine Lage iſt im Allgemeinen eine ziemlich hohe. Die Summe der atmo⸗ ſphäriſchen Niederſchläge iſt gering, noch nicht 20 Zoll, und die Zahl der jährlichen Regentage beträgt nur etwa 131. § 711. Die Hauptmaſſe dieſes in ſeinem Innern noch wenig genau unterſuchten Gebietes beſteht aus kryſtalliniſchen Schiefergeſteinen, Gneis, viel Granulit, Glimmerſchiefer, Chloritſchiefer und Horn⸗ blendeſchiefer, hier und da mit Einlagerungen von Serpentin(Hrub⸗ ſchitz) und von körnigem Kalkſtein. Der letztere bildet beſonders einen langen, zuweilen mehrfachen Lagerzug zwiſchen Fratting und Weitin unweit Melk. In der Nähe dieſes Kalkſteins finden ſich auch Lagerſtätten von Graphit bei Vöttau, Groß⸗Deſchau und Haf⸗ nerluden, und von Eiſenſtein bei Lispitz, Pullitz, Zapans, Kor⸗ dula und Röſchitz. — os— Die kryſtalliniſchen Schiefer breiten ſich aber von Iglau nord⸗ öſtlich noch weit in das Böhmiſche Becken hinein aus, bis jen⸗ ſeit Kuttenberg, welches durch ſeinen uralten Gangbergbau be⸗ rühmt iſt. Im Innern des Gebietes hat man früher bei Jamnitz und bei Ilau ebenfalls Bergbau auf Silbererzgängen betrieben, und Eiſenſteineinlagerungen kennt man außer den oben genann⸗ ten bei Saar, Neuſtadtl, Stiepenau und Lazanko. Mehrfach ſind dieſe kryſtalliniſchen Schiefer von granitiſchen Geſteinen durch⸗ und unterbrochen, aber die Grenzen beider ſind bis jetzt noch wenig genau beſtimmt. Ihre Bodenwirkung iſt übrigens eine ſehr ähnliche, nur etwas unebener und mannichfal⸗ tiger geſtaltet ſich das granitiſche Terrain zwiſchen dem ſehr ein⸗ förmigen Hochland der kryſtalliniſchen Schiefer. Waldbedeckung herrſcht in dieſen alten Geſteinsgebieten ganz naturgemäß durch⸗ aus vor, nur der ſüdöſtliche Abfall, das Mähriſche Hügelland, ge⸗ ſtaltet ſich lieblicher und fruchtbarer, hier wird auch die Rebe ſchon heimiſch. §. 712. In der Linie zwiſchen Znaim und Mähriſch⸗Trübau wird das große kryſtalliniſche Geſteinsgebiet auf eine ſehr ſonderbare Weiſe plötzlich abgeſchnitten und von neuern Geſteinen überlagert. In einem verhältnißmäßig ſchmalen Streifen treten hier über und nebeneinander, und meiſt mit ſteiler Schichtenſtellung auf: Grau⸗ wacke, Kohlenformation, Rothliegendes und Quaderſandſtein. Dieſer Umſtand bewirkt ſogleich auch ein regeres Leben an der Oberfläche. Die Grauwacke enthält nutzbare Thonſchiefer⸗ und Kalkſteineinlagerungen. Die Kohlenformation umſchließt in einem ſchmalen Streifen von Ritſchau unweit Schwarzkirchen über Noſſitz und Zebeſchau bis ſüdlich von Oslawan drei Kohlenlager, welche lebhaft abgebaut werden, und enthält außerdem auch noch Einlagerungen von Thoneiſenſtein. Rothliegendes und Quader⸗ ſandſtein liefern Bauſteine und bringen eine gewiſſe Mannichfal⸗ tigkeit in die Oberflächengeſtaltung. Dieſer ſonderbare Streifen neuerer Geſteinsbildungen ſetzt dun li Baln nur g griſter ier D nu n bis jn bau he Janni ſettitn genan⸗ witi der ſid kung i nnichi thr eir deckung durch⸗ nd, ge⸗ Rah. u wid derbar dlagen der und Grau adſtei an der r⸗ und tine ihe lage. not uade⸗ üihfe — 409— dann nördlich von Mähriſch⸗Trübau noch weit in das Böhmiſche Becken hinein fort bis Geyersberg, hier aber nun nicht als eine neuere Geſteinszone auf ältern, ſondern als eine ältere Geſteinszone zwiſchen neuern Ablagerungen, da er aus Rothliegendem beſtehend unter Quaderſandſtein und weit verbreitetem Pläner hervortritt. §. 713. Oeſtlich von dieſer eigenthümlichen Geſteinszone finden wir zunächſt, ihr parallel, ein kleines Syenitgebiet, von Miſtitz über Brünn bis Hornahora und Boſchowitz ausgedehnt. Daſſelbe iſt flachhügelig und meiſt von fruchtbarem Culturland überdeckt. Dann wird die Grauwackenformation mit vielen höhlenrei⸗ chen Kalkſteineinlagerungen herrſchend. Ihr Gebiet ſteht, über Olmütz hinweg, in unmittelbarer Verbindung mit dem, welches das ſüdöſtliche Ende der ſudetiſchen Bergketten im Mähriſchen Geſenke bildet. Die Höhlen des erwähnten Kalkſteins enthalten häufig Knochen von Säugethieren, beſonders von Ursus spelaeus und durch das Zuſammenbrechen ihrer Decken ſind viele Erdfälle an der Oberfläche entſtanden. §. 714. Geologiſch merkwürdig iſt in dieſer Gegend beſonders noch das erſte Wiederauftreten der Juraformation, die in ganz Böh⸗ men fehlt. Man findet eine ſehr kleine Ablagerung derſelben bei Ollomuczan und Rudiz. Die hellfarbigen Kalkſteine enthalten viele Verſteinerungen und konnten nur dadurch als Jura erkannt werden, denn ihre Lagerung iſt eine gänzlich iſolirte, ähnlich wie bei Hohnſtein in Sachſen, nur nicht in ſo abnormer Stellung. Sie ſind übrigens mit weißem feuerfeſtem Thon und kleinen Bohnerzablagerungen verbunden, welche letztere im ſüdweſtlichen Deutſchland ſo charakteriſtiſch mit dieſer Formation zuſammen vorkommen. Dieſe Eiſenerze werden auf den benachbarten großen Eiſenwerken mit andern verſchmolzen. Das Mähriſche Becken, welches an der March bis über Ol⸗ mütz hinaufreicht, ſteht in ſo inniger geologiſcher Verbindung mit — 410— dem Wiener Becken, daß ich ſeine allgemeine Schilderung für dieſes Gebiet aufſpare. S§. 715. Wir ſahen bereits, daß der größere nördliche und weſtliche Theil unſeres Gebietes ſehr reichlich mit Wald bedeckt iſt, weni⸗ ger iſt das der Fall in den Umgebungen von Brünn; hier ſcheint überhaupt die abweichende geologiſche Zuſammenſetzung einen ent⸗ ſchiedenen Einfluß auf die Lebensverhältniſſe auszuüben. Die Be⸗ völkerungszahl iſt in ihr am größten, erhebt ſich bis 4500 auf die Quadratmeile, ſinkt dann im Iglauer Gebiet auf 3700, im Znaimer auf 3120 und im Manhardtsberge auf 2630 herab. Die Benutzung von Eiſenerzen und Kohlen iſt auf dieſe Zahlen gewiß nicht ohne Einfluß geweſen, würde aber für ſich allein noch keine ſo großen Unterſchiede bedingen. Schon die ganze Verkehrslage i*ſt für die bevölkertſten Theile eine günſtigere. Auch beide Eiſen⸗ bahnen, welche das Mähriſche Gebirge überſteigen, haben die alten kryſtalliniſchen Schiefer möglichſt umgangen und ihre Wege über die neuern Ablagerungen gewählt, welche da, wo das Mäh⸗ riſche Gebirge aus den Sudeten entſpringt, eine Art von Ein⸗ ſattelung bilden. Einer noch entſchiedenern Senkung, einer Art Verbindung des Wiener Beckens durch das March⸗ und Beczwa⸗ Thal mit der norddeutſchen Niederung, folgt die Verbindungsbahn von Prerau nach Coſel. Man könnte vielleicht ſagen, darauf habe auch die Lage ſo wichtiger Orte wie Olmütz und Brünn einge⸗ wirkt, aber erſtens iſt dieſe Lage durch den geologiſchen Bau be⸗ dingt und zweitens hat ſie allein nicht abgehalten, Prag und Wien durch eine directe Bahn miteiander zu verbinden. Terrainhinder⸗ niſſe waren vielmehr die Haupturſachen und dieſe beſtehen hier weniger in großer Höhe des zu überſteigenden Rückens oder in ſteilen Abfällen deſſelben, als vielmehr in ſeiner Breite, in den vielen und ſehr feſten kleinen Unebenheiten, ſtarken Thalbiegungen u. ſ. w., welche die kryſtalliniſchen Schiefer ſo häufig darbieten, und welche z. B. auch die Chemnitz⸗Riſaer Bahn ſo ungemein erſchwert haben. unter Hnder ih dung d ni iſ, 1 ſin ſ dina e .Dah 4500 370hh erab. d len ger noch ki kehrale de Ei⸗ haben ihre A das R. von(i einet! dBer dungit darzuf ünn d en Bul undd reinhin ſtthen ns ddi ke, in lbiegn dartin unget — 411— §. 716. Wir haben geſehen, daß das alte Moravia ſich über die Su⸗ deten hinweg ausdehnte, während es ſpäter üblich geworden iſt, den Nordoſtabfall der Sudeten zu Schleſien zu rechnen. Zur Zeit der Karolinger dehnte es ſich zwiſchen der March und der Donau bis zu deren Vereinigung aus, dieſer untere Zipfel wurde unter den Hohenſtaufen mit dem Herzogthum Oeſtreich vereint. Andere Veränderungen ſind nicht eingetreten. Das Grenzgebirge zwiſchen Mähren und Böhmen iſt der Luna Silva der Alten. Das Böhmiſche Becken. ³⁰) §. 717. Dieſes große vierſeitige Becken bildet den am ſelbſtändigſten abgegrenzten Theil Deutſchlands. Seine Grenzen ſind nordweſt⸗ lich das Erzgebirge, nordöſtlich das Rieſengebirge mit dem Gla⸗ tzer Berggebiet, ſüdöſtlich das Mähriſche Gebirge und ſüdweſtlich der Böhmer Wald. Das Waſſer hat aus dieſem gebirgeumſchloſ⸗ ſenen Lande nur den einzigen Ausweg durch die enge Felſenſpalte des Elbthales unterhalb Tetſchen gefunden. Alles Waſſer deſſel⸗ ben fließt ſomit der Elbe zu, deren Hauptquellenarm eigentlich aber die Moldau iſt. In der Gegend, wo die Hauptzuflüſſe der Elbe: die Moldau und Eger, ſich mit ihr vereinigen, da liegt das wahre ſtaatliche Centrum des Landes, und man ſollte des⸗ halb die Hauptſtadt vielmehr bei Leitmeritz und Thereſienſtadt ſuchen als in Prag. Der tiefſte Punkt des Beckens liegt bei Tetſchen etwa 400 Fuß über dem Meere, von da aus erhebt es ſich nach allen Sei⸗ ten, und zwar gegen Süd und Weſt allmälig aufſteigend, bis zu den flachen im Mittel etwa 2000 Fuß hohen Kämmen des Mäh⸗ riſchen Gebirges und des Böhmer Waldes. Das Innere des Beckens iſt durch mehre zum Theil ſehr bedeutende Anſchwellun⸗ gen in einige kleinere Mulden geſchieden. Zunächſt trennt das baſaltiſche Mittelgebirge, mit einzelnen Bergkuppen bis zu 2570 Fuß über das Meer aufſteigend, parallel dem Erzgebirge, ein — 412— ſchmales überaus fruchtbares Becken ab, zwiſchen Eger und Tet⸗ ſchen. Dann aber ſondert das innere böhmiſche Bergland der Gegenden von Klattau, Piſek, Kuttenberg und Iglau, aus alten kryſtalliniſchen Geſteinen und Grauwacke beſtehend, das obere Elb⸗ becken von dem Becken von Budweis. Die auf den Meeresſpiegel reducirte Mitteltemperatur des ganzen Landſtriches iſt ungefähr 11°Cent. Die Summe der jähr⸗ lichen atmoſphäriſchen Niederſchläge beträgt im ſüdöſtlichſten Theile wie in Mähren noch nicht ganz 20 Zoll, ſteigt aber gegen Nord und Weſt bis auf 25. Sehr auffallend iſt die Vertheilung der Gewitter, welche Berghaus auf einer beſondern Karte in der er⸗ ſten Abtheilung ſeines phyſikaliſchen Atlas dargeſtellt hat. §. 718. Jene äußern Formen und Beckengliederungen ſtehen in Zu⸗ ſammenhang mit dem innern Bau, und namentlich mit der Ver⸗ theilung der neuen geſchichteten Formationen. Das Egerbecken und das von Budweis enthalten tertiäre Ablagerungen, beſonders charakteriſirt durch die Braunkohlenformation. Das Elbbecken enthält vorzugsweiſe Rothliegendes, Quaderſandſtein und Pläner. Vom geologiſchen Standpunkte läßt ſich aber noch ein viertes beſonderes Becken in Böhmen unterſcheiden, welches, ſchon mit ſehr alten Schichten ausgefüllt, doch noch verräth, daß dieſe Bo⸗ denform in dieſer Gegend der Erde eine uralte iſt. Dieſes älteſte Baſſin iſt das der Grauwacke und der Stein⸗ kohlenformation, in deſſen Mitte ungefähr Pilſen liegt. §. 719. Von dieſer ganz allgemeinen Schilderung des geologiſchen Baues von Böhmen werde ich jetzt zu einzelnen Theilen über⸗ gehen, bin aber dabei wieder zu einem ſehr ungleichen Grade der Ausführung genöthigt, weil meine eigene Kenntniß ſich nur über einzelne dieſer Theile erſtreckt, fremdes Material aber ebenfalls nur in ſehr ungleichem Grade vorliegt. Die kryſtalliniſchen Schiefer des Mähriſchen Gebirges, Gneis, b feine Gtenu ſcn urja 5 niſche unteid a. 1 Beder Rähl ih deſ landi tur de : undd tgland aus ah oben eratut ne der ſten de gegen heilung in dee hat. en in 3 t der N Egerbett „beſende Elbbei nd Mlan ein vien ſchon n diſſed der Ei eologit eiln ir Gradel nur 1 ebai 8, G — 413— Granulit, Glimmerſchiefer, Hornblendeſchiefer u. ſ. w., breiten ſich, wie wir§. 711 geſehen haben, zuſammenhängend über einen großen Theil des innern Böhmens aus. Sie bilden dadurch eben vorzugsweiſe das ſogenannte Böh⸗ miſche Bergland. Auch hier ſind dieſelben mehrfach von Granit unterbrochen, am zuſammenhängendſten am Nordweſtrand zwi⸗ ſchen Klattau, Pilſek und Schwarz⸗Koſteletz. Der Charakter aller dieſer Geſteine und ihr Einfluß auf die Bodenoberfläche iſt hier überall ein durchaus ähnlicher wie im Mähriſchen Gebirge. Der ganze von ihnen eingenommene Land⸗ ſtrich zeigt eine große Monotonie. Nirgends bedeutende Berge, das flachgewölbte, von Thälern unregelmäßig durchſchnittene Hoch⸗ land iſt großentheils mit Wald bedeckt. Unter den durch die Na⸗ tur des Bodens bedingten Gewerben dieſer Gegend ſind Eiſen⸗ ſteinbergbau, Eiſen⸗ und Glashütten zu nennen. §. 720. Das beſondere Becken von Budweis umfaßt nur einen kleinen Theil des Moldauthales und des Luſchwitzthales. Es iſt durch einen flachen Rücken kryſtalliniſcher Geſteine abermals in zwei Abtheilungen, eine weſtliche und eine öſtliche, geſchieden, in beiden viele kleine Landſeen enthaltend. Der größere Theil der Oberfläche wird in beiden durch tertiäre, zum Theil Braunkohlen enthaltende Ablagerungen eingenommen, im weſtlichen zeigt ſich aber öſtlich von Budweis auch eine kleine Partie Steinkohlenför⸗ mation mit bauwürdigen Kohlenlagern. §. 721. Das obere Elbbecken umfaßt im Allgemeinen die Gegend zwiſchen dem Rieſengebirge, dem Oberlauſitzer Bergland, den Leitmeritzer Bergen und der Elbe, greift aber auch noch eine Strecke über dieſe letztere ſüdlich hinüber. Am ſüdlichen Fuß des Rieſengebirges bildet in ihm zunächſt 1 Rothliegendes, vielfach von Porphyren und Mandelſteinen ſowie von einzelnen Baſaltkuppen unterbrochen, ein unebenes Hügelland. — 414— Unter dem Rothliegenden treten hier und da auch Steinkohlen⸗ führende Schichten zu Tage, ſo bei Nachod, Semil und Liebenau, die aber zum Theil wahrſcheinlich jünger ſind als die eigentliche Steinkohlenformation. Die Gewinnung der Kohlen hat in dieſen Gegenden noch keine große Bedeutung gewonnen. Auf das Rothliegende, welches eine Menge verkieſelte Baum⸗ ſtämme enthält, legt ſich dann weiter ſüdlich und weſtlich Qua⸗ derſandſtein, ſehr häufig von Baſalt durchbrochen, der kuppen⸗ förmig darüber aufragt. Die ſüdlichſte und weſtlichſte Region aber nehmen ſehr flachhügelige Plänerbildungen ein. In dem bergigen Gebiet des Rothliegenden entwickelt ſich eine lebhafte induſtrielle Thätigkeit, charakteriſtiſch iſt namentlich die, wenn auch an ſich unbedeutende Edelſteinſchleiferei in der Gegend von Thurnau(ſchon im Sandſteingebiet); die induſtrielle Thätig⸗ keit nimmt aber auf den neuern Bildungen mehr und mehr ab, die flache Plänerregion gegen die Elbe hin gehört faſt ausſchließ⸗ lich der Land- und Forſtwirthſchaft an. Die zerſtreuten Baſalt⸗ kuppen haben ſehr vielfach zu feſten Burgen Veranlaſſung ge⸗ geben. §. 722. Das uralte böhmiſche Grauwackenbecken dehnt ſich mit ſeiner längern Axe, parallel dem Erzgebirge, von Prag nach Tausz aus und umfaßt ſo ziemlich das ganze Flußgebiet der Beraun. Die Lagerung der Grauwackenſchichten iſt nach Barrande's Dar⸗ ſtellung durchaus eine muldenförmige, d. h. ſie ſchießen von dem Rande nach der Mitte zu ein; in der Mitte(etwas ſüdlich von Beraun und Prag) finden ſich die neueſten, gegen die breiten Ränder hin immer ältere. Alle dieſe Schichten ſind ſiluriſch, d. h. ſie gehören der untern Abtheilung der Grauwackengruppe an, wie Barrande durch zahlreiche Verſteinerungen, beſonders Trilobiten, Graptoliten und Brachiopoden nachgewieſen hat. Derſelbe Forſcher glaubt aber in der ſpeciellen Vertheilung dieſer Verſteinerungen einen ſehr merkwürdigen Umſtand entdeckt zu haben, welchen er als eine Colonie eigentlich ſchon erloſchener Arm! iin in drr du gatmd di fm d ztedi häufg Imder en 4 tiefach ren un ltzttr belln ſad.) ten ſer nigi aif Mi trg lchen güt d ſid nict dang ihrer bece ſalbe tohle Dih dund nh — 415— ntoe Arten an beſtimmten Localitäten bezeichnet, an denen ſie ſich Lihan über ihre gewöhnliche geologiſche Zeitdauer hinaus erhalten haben iigant oder durch eine Strömung aus dem benachbarten Mähriſchen inde Becken eingeführt worden ſeien. Die Thonſchiefer, Sand⸗ te Ba ſteine, Conglomerate und Quar⸗ lich d zite dieſer Formation enthalten er hune häufig auch Einlagerungen von gon nuktzbaren, meiſt dunkelfarbi⸗ gen Kalkſteinen, und werden tſcha vielfach durchſetzt von Porphy⸗ ntlih ren und Grünſteinen, welche r Geg letztere durch Tuffbildungen zu⸗ Thah weilen innig damit verbunden mehr ſind. Nutzbare Eiſenſteine tre⸗ uäſchli ten ſowol gang⸗ als lagerför⸗ B mig in dem Grauwackengebiet ſing auf, und bei Przibram und Mies haben bleiiſche Silber⸗ erzgänge zu nicht unbeträcht⸗ lichem Bergbau Veranlaſſung ſihr gegeben. haa Die Grauwackenbildungen Ban ſind aber in dieſem Gebiet c d nicht ganz unbedeckt geblieben. vn Lange nach der Aufrichtung dihn ihrer Schichten ſind in kleinere 1 beckenförmige Vertiefungen der⸗ fus ſelben Schichten der Stein⸗ nim kohlenformation mit recht wich⸗ V qin tigen Kohlenflötzen eingelagert worden, die aber nördlich auch 71 noch weit über das Gebiet der 4 Grauwacke übergreifen; ſolche kleine Kohlenmulden finden ſich — 416— z. B. nordweſtlich von Pilſen, bei Radnitz, bei Zobrak, nördlich von Beraun und von Rakowitz. Dieſe Kohlengebilde ſind dann nach außen zum Theil wieder von Rothliegendem und von Qua⸗ derſandſtein bedeckt. Die reiche vorweltliche Flora dieſes Stein⸗ kohlengebietes wurde ſchon in den zwanziger Jahren dieſes Jahr⸗ hunderts von dem Grafen Kaspar von Sternberg beſchrieben. Wir haben alſo hier eine dreifache Einſchachtelung von Be⸗ cken ineinander, deren innerſte kleine Steinkohlenmulden ſind. Uebrigens ſcheint es beinahe, als wenn ſelbſt der innere Bau die⸗ ſes Grauwackenbeckens, welches nach ſeinen äußern Formen dem böhmiſchen Berglande angehört, dennoch nicht ohne Einfluß auf den Anbau geblieben wäre. Wir finden in demſelben einige der wichtigern Städte Böhmens vereint, nämlich Prag, Beraun, Pilſen, Rakonitz und Przibram. §. 723. Das Böͤhmiſche Mittelgebirge ſtreckt ſich parallel dem Rücken des Erzgebirges, 1 bis 2 Meilen von deſſen ſüdöſtlichem Fuß entfernt, aus der Gegend von Sandau bis in die Gegend von Zwickau bei Gabel in Böhmen. Seine Baſis ſteigt von 400 Fuß Meereshöhe an der Elbe bis zu 1300 Fuß an der obern Eger, die höchſten Gipfel erreichen: Donnersberg(oder Weisſchane). 2573 Fuß Radelſtein... 2327⸗ Klotzberg bei Koſtenblatt. 2267⸗ Woſtrai bei Roth⸗ Augeöde. 2218 ⸗ Kletſchen..... 2177— Talinaberg bei Lukow.... 2072 ⸗ Der ſehr zerſchnittene Kamm bleibt mit ſeiner ſchwer beſtimm⸗ baren Mittelhöhe dahinter weit zurück. Daſſelbe wird zweimal von Flußthälern quer durchſchnitten, bei Saatz von der Eger, bei Außig von der Elbe, dadurch zerfällt es in drei einzelne Berg⸗ gruppen, deren mittlere ganz vorzugsweiſe Böhmiſches Mittelge⸗ birge genannt zu werden pflegt. Das ganze Gebiet bildet über⸗ haupt weder orographiſch noch geologiſch ein in ſich abgeſchloſ⸗ ſans diin Dufſh Jir fert,un den 5 dht rpet uührn nn in dreir und u H ·, nä ſind w von d ſes ei lſes de beſchit g von! Aden i e Bud ormen h jinfluß einiged Betu erbiſtr d get⸗ der elned Mit idtti tgit — 417— ſenes Gebirge, es iſt vielmehr nur ein Theil(eine beſonders ge⸗ drängte Gruppe) der großen Zone von Baſaltkuppen, welche Deutſchland von der Eifel bis nach Schleſien quer durchzieht. Mehr vereinzelt ſetzen dieſe Kuppen auch in das Fichtelgebirge fort, und noch entſchiedener in das oberlauſitzer Bergland. An dem Spaltenrand des Erzgebirges bilden ſie aber vorzugsweiſe dicht gedrängte Gruppen, ein Umſtand, der von der gewaltigen Zerſpaltung der feſten Erdkruſte gerade in dieſer Region herzu⸗ rühren ſcheint. § 724. Der weſtlichſte Theil dieſes Bergzuges von Sandau bis in die Gegend von Karlsbad beſteht vorherrſchend aus Granit und Gneis, er bildet eine Verbindung zwiſchen dem ganz ähnlich zu⸗ ſammengeſetzten Böhmer Wald und Erzgebirge. Aber dieſe alten kryſtalliniſchen Geſteine ſind von neuern eruptiven Geſteinen und von Erzgängen durchſetzt. Unter den eruptiven Geſteinen ſpielen Baſalte und Phonolithe die wichtigſte Rolle, ſie ragen in zahlreichen iſolirten Kuppen über die Oberfläche empor und zeigen zum Theil einen ſehr neu vul⸗ kaniſchen Charakter, ſo beſonders der Wolfsberg unweit Plan. Serpentin nimmt ein ziemlich ausgedehntes Gebiet zwiſchen Einſiedel und Sangerberg ein, wodurch er zu vielfacher Bearbei⸗ tung in und um Einſiedel Veranlaſſung gegeben hat. Unter den Erzgängen ſind die zinnerzhaltigen von Schlag⸗ genwalde die wichtigſten, ein nicht unbedeutender Bergbau iſt da⸗ durch hervorgerufen worden. Ganz beſonders wichtig für die Gegend, ja für ganz Böh⸗ men, ſind aber die heilskräftigen Mineralquellen, welche zu Ma⸗ rienbad und Karlsbad dem Boden entſpringen. Sie bilden ge⸗ meinſam mit denen von Franzensbrunn, Bilin, Püllna, Texplitz und mehren untergeordneten eine Mineralquellenzone, welche ganz augenſcheinlich in gewiſſen Beziehungen ſteht zu der großen Hauptſpalte am Erhebungsrand des Erzgebitges und mit den vie⸗ Cotta, Deutſchlands Boden. 27 — 418— len baſaltiſchen und phonolithiſchen Maſſen, welche in derſelben Zone aus dem Erdinnern emporgeſtiegen ſind. Es erſcheint un⸗ nöthig, die große ſtatiſtiſche Bedeutung dieſer böhmiſchen Bade⸗ orte ſpeciell nachzuweiſen. Sie liefern ein ſehr ſchlagendes Bei⸗ ſpiel für den Einfluß des innern Bodenbaues auf das Leben an ſeiner Oberfläche. Oeſtlich von Karlsbad bilden Baſalt und Phonolith mit ihren Tuffbildungen eine zuſammenhängendere Berggruppe, der Art, daß nur hier und da noch jene alten kryſtalliniſchen Geſteine an der Oberfläche beobachtet werden können. Dann aber folgt eine breite Einſenkung zwiſchen Radonitz und Bilin, ſchräg durch⸗ ſtrömt von der Eger, deren Boden faſt überall mit Braunkohlen⸗ bildungen bedeckt iſt, nur vereinzelt durchſetzt und dann meiſt kegelförmig überragt von Baſalten und Phonolithen. §. 725. In der Gegend von Bilin beginnt mit dem ſchroffen Pho⸗ nolithfelſen des Borzen und noch vorher durch flachere Kuppen das Mittelgebirge im engern Sinne, und reicht von da bis zur Elbe oder bis Zwickau bei Gabel, denn die Berggruppen, welche ſich jenſeit der Elbe und bis in die Gegend von Zwickau daran anſchließen, ſind genau von derſelben Beſchaffenheit. Der eigenthümliche, ich möchte ſagen exotiſche Charakter die⸗ ſes kleinen baſaltiſchen Gebirges, ſtellt ſich beſonders deutlich dem Auge dar, wenn man es von irgend einer Höhe überblickt. Ke⸗ gelberg erhebt ſich hinter Kegelberg, immer ſchaut wieder ein hin⸗ terer dem vordern über die Schultern. So iſt Berg an Berg gedrängt, dazwiſchen aber kaum ein eigentliches Thal zu finden, ſondern nur eine höchſt unregelmäßige Verzweigung von Schluch⸗ ten und Sätteln. Die Berge erinnern überall an vulkaniſche Kegel, aber Krater und deutliche Lavaſtröme fehlen ihnen doch gänzlich, es ſind nur zuckerhutähnliche Kegel, deren Baſalt⸗ oder Phonolithmaſſe nach dem Erdinnern durch ſehr unregelmäßiege, zuweilen ſtielartige Spalten verzweigt iſt. Mehre dieſer Kegel ſind zuweilen zu größern Plateaumaſſen verſchmolzen(ſo um ſtrit diſe deule 3 phond hiet! und re freme titen rige tm n lager de Gne daſeh heintu en dg des h. Aüa. nolih auppe d en bin dbrr rig de untiäe ann ni fen e Aan da bi en, nt fau de rakte utlchd lict. ¹ et enn 1 ſe d (on — 419— Außig), faſt immer aber erkennt man noch einzelne ſie zuſammen⸗ ſetzende Kuppen. Der nebenſtehende Holz⸗ ſchnitt ſucht den innern Bau dieſer Gegend auf eine etwas ideale Weiſe zu verſinnlichen. Zwiſchen den baſaltiſchen und phonolithiſchen Bergen treten hier und da(vielfach zerbrochene und durchſetzte) Schichten neue⸗ rer Ablagerungen hervor, Sand⸗ ſteine mit einzelnen Pflanzen⸗ reſten und Braunkohlen in tho⸗ nige Schichten eingebettet. Sel⸗ ten nur findet man die darunter lagernden Geſteine der Kreide⸗ gruppe oder den noch tiefern Gneis und Thonſchiefer unbe⸗ deckt an der Oberfläche. Aber diluviale Bildungen oder tuff⸗ artige vulkaniſche Zuſammen⸗ ſchwemmungen haben nicht nur alle Vertiefungen ausgefüllt, ſondern oft ſelbſt den weniger geneigten Fuß der Baſaltkegel umhüllt. Von beſonderm In⸗ tereſſe iſt unter dieſen Anſchwem⸗ mungen das ſogenannte Gra⸗ natenland bei Meronitz, in wel⸗ chen Pyropen, die wahrſchein⸗ lich dem Serpentin entnom⸗ men ſind, mit unzähligen kleinen Verſteinerungen der Kreidegruppen, und mit vieler⸗ Airzs eeee— &ᷣl Ku, Sl daogf Baegeeen S 27* — 420— lei Geſteinsbrocken vereint, in einem Sand- und Mergellager an⸗ gehäuft ſind. Alle jene baſaltiſchen Geſteine, in verhältnißmäßig neuer Zeit dem Erdinnern entquollen, tragen noch die Urkraft der Frucht⸗ barkeit in ſich. Reiche Korn⸗ und Obſtfelder bedecken ſie, wo nur irgend die ſanftere Neigung des Bodens es geſtattet, während die ſteilern Abhänge von Laubhölzern in üppiger Mannichfaltigkeit beſchattet ſind. Dieſe Fruchtbarkeit, die Schönheit der Formen, die benachbarten Heilquellen, nutzbare Braunkohlen, Steinbrüche und Granatenlager im Verein mit dem Verkehrsweg des Elbtha⸗ les beleben auf das mannichfaltigſte die Oberfläche, namentlich ſeit der Staat dem vielfachen Verkehr ſeine ſchützende und ſtü⸗ tzende Hand gereicht hat, und man vergißt darüber leicht jene Zeiten, in welchen auf ſehr zahlreichen iſolirten Baſalt⸗ und Pho⸗ nolithfelſen noch feſte Schlöſſer ſich erhoben, von denen jetzt zu⸗ weilen kaum noch maleriſche Ruinen übrig ſind. Wer vor 20 Jahren das romantiſche Elbthal zwiſchen Lobo⸗ ſitz und Tetſchen durchſtreifte, und wer es jetzt durchreiſt, der fin⸗ det einen unglaublichen Fortſchritt des Verkehrs. Damals konnte dieſer Weg beinahe nur zu Fuß oder auf ſchwerfälligem Kahn zurückgelegt werden, ſeitdem fahren bequeme Dampfſchiffe an allen dieſen Herrlichkeiten vorüber, und faſt gleichzeitig ſind eine breite Chauſſee und eine Eiſenbahn vollendet worden. Es gibt aber auch in ganz Deutſchland kaum anmuthigere landſchaftliche Umgebungen als die von Außig, die gleichzeitig dem Geologen eine große Zahl ungemein intereſſanter Beobachtungsſtellen dar⸗ bieten. Da iſt z. B. der herrliche Baſaltfels dem Schreckenſtein gegenüber, deſſen federförmig geſtellte Säulen ganz deutlich zeigen, wie die Geſteinsmaſſe noch während ihrer Erſtarrung in einer weiten Spalte des Sandſteins emporgeſchoben wurde. Da ſind ferner die Phonolithgänge, die den Baſalttuff am Ziegenberg ähnlich wie die Lavagänge die leuzitiſchen Geſteine der Somma am Veſuv durchſetzen, dann das Kohlenflötz bei Prieſen, welches an der Grenze des Baſaltes in Coaks umgewandelt iſt, während in eini⸗ ſcnal Erzge wichi mddi R g wähe det oben noce ſig wan er Fut⸗ , wo me hrendi 8 fulißt Fornn teinteit 3 Etht amentic und ſüt icht jen no Phe jetzt ze en Lolt⸗ der ffr z konntt n Kahn iffe an ind ei Es güt haftütt Heologen len der ckenfti hzeha in eine da ſid genban nna in an da in eini laget ie — 421— ger Entfernung ſich das ausgetriebene Bitumen als Erdpech con⸗ centrirt hat, und ähnliche intereſſante Stellen ſind in großer Menge vorhanden. Ein ſo reich begabtes Bergland iſt natürlich ſehr geeignet, ſeine Bewohner nicht nur zu ernähren, ſondern auch zu erheitern. Und wirklich wird der ſüddeutſche Charakter hier alsbald deutlich erkennbar in Sitte, Gewohnheit und Religion, ſowie man von Sachſen her den ſüdlichen Abfall des Erzgebirges erreicht. §. 726. Es bleibt mir vom großen Böhmiſchen Becken nun noch die ſchmale Mulde zu beſprechen übrig, welche ſich zwiſchen dem Erzgebirge und Mittelgebirge einſenkt. Sie iſt beſonders wichtig durch die reichen Braunkohlenablagerungen, die ſie enthält, und die ſich von da aus in das Mittelgebirge verzweigen, ſowie durch die große Fruchtbarkeit des diluvialen und alluvialen Bodens, welcher an den meiſten Stellen die Braunkohlenformation über⸗ deckt. Die braunkohlenhaltigen tertiären Ablagerungen zeigen von oben nach unten folgende Reihenfolge der Schichten, die aber kei⸗ neswegs überall vollſtändig vorhanden iſt: 1) Schieferthon mit Einlagerungen von Halbopal, Süßwaſſer⸗ kalk, Süßwaſſerquarz und Polirſchiefer. 22) Schieferthon und Brandſchiefer mit Einlagerungen von Braunkohlen. 3) Braunkohlenſandſtein. Jener obere Schieferthon enthält ſehr häufig wohlerhaltene Abdrücke von Dikadyledonenblättern und kleinen Süßwaſſerfiſchen (Leuciscus papyraceus), ebenſo der Halbopal. Im Süßwaſſer⸗ kalk und Quarz ſinden ſich viele Süßwaſſerſchneckengehäuſe. Der Polirſchiefer bei Bilin beſteht nur aus den Kieſelſchalen ſehr klei⸗ ner Infuſorien. Ungefähr 1000000000 bilden einen Kubikzoll. Die Schieferthone der Braunkohlenformation enthalten außer den Braunkohlen bei Altſattel zugleich für techniſche Benutzung wichtige Eiſenkieseinlagerungen(Alaun⸗, Vitriol⸗ und Schwefelhütten). — 422— Der Braunkohlenſandſtein, welcher im Mittelgebirge früher für Quaderſandſtein gehalten wurde, iſt ſehr reich an Pflanzen⸗ abdrücken, und dient bei Falkenau als guter Bauſtein. Die Zahl der ergiebigen Braunkohlengruben dieſes Gebietes iſt ſeit 50 Jahren im unausgeſetzten Zunehmen ³¹). Die zufällige Ent⸗ zündung einiger ihrer Lager hat gebrannten Schieferthon, Porzellan⸗ jaspis und Erdſchlacken erzeugt, die man theilweiſe als treffliches Straßenbaumaterial benutzt; bei Teplitz iſt ſogar ein eigenthüm⸗ liches Gebäude, die ſogenannte Schlackenburg, nur aus ihnen hergeſtellt worden. * §. 727. Die diluvialen Ablagerungen Böhmens überhaupt, und der kleinen jetzt beſprochenen Mulde insbeſondere, weichen ab von de⸗ nen Norddeutſchlands. Sie tragen nicht jenen erratiſchen Cha⸗ rakter an ſich, ſie ſind nicht aus großen Entfernungen zuſammen⸗ geſchwemmt, ſondern beſtehen überall mehr aus den örtlich ver⸗ ſchiedenartigen Verwitterungs⸗ und Zerſtörungsproducten benach⸗ barter Geſteine. Als ſehr günſtig für die Vegetation zeichnen ſich namentlich die von baſaltiſchen Geſteinen herrührenden lehmigen Anſchwemmungen aus. Eine ſcharfe Trennung zwiſchen Dem, was diluvial und alluvial iſt, wird unter dieſen Umſtänden begreifli⸗ cherweiſe hier noch weit ſchwieriger als in Norddeutſchland. Zu den neueſten Bildungen gehören natürlich auch die Torf⸗ ablagerungen. Die größte Ausdehnung und Mächtigkeit erreichen dieſelben in dem weſtlichſten Theile der Egermulde, in den Um— gebungen von Franzensbad, welcher Badeort theilweiſe ſelbſt mit großen Schwierigkeiten auf Moor erbaut iſt. Dieſe Torflager enthalten hier und da nicht unbeträchtliche Anhäufungen von ſo— genannter Kieſelguhr, einem gänzlich aus kieſeligen Infuſorien⸗ ſchalen beſtehenden Putzpulver. Ein Theil dieſer Moorlager iſt überdies reich an Eiſenvitriol und andern Mineralſalzen, welche man theilweiſe daraus gewinnt, theilweiſe wenigſtens in den ſo⸗ genannten Mineralmoorbädern mediciniſch anwendet. ³²) indi oen niche N rngiſe ſm, d reialien rtten w Piſart gexrun Beie wiiſe in diſſ handen Pllager Etärſch bran Bete währer in off d üihe, leict! doch e Unges 6000 ſrun V tn? llne dutn deing duii von d en Che ſammer lich de benac⸗ znen ſih ehmigen m, was egreffl⸗ d. ie Tor erreice den Ur⸗ übſtnt corfler bon ſ fuſbrie lage i „ud den i — 423— §. 728. Ganz Böhmen iſt durch ſeinen geologiſchen Bau ein Land, welches neben Feld⸗ und Waldwirthſchaft weſentlich auf Induſtrie angewieſen iſt. Die Natur liefert dazu: Stein⸗ und Braunkoh⸗ len, Holz, Eiſenſteine, einige andere Erze, Porzellanerde, Ma⸗ terialien für Glas, einige Edelſteine und andere nutzbare Stein⸗ arten wie Serpentin, Polirſchiefer, Dachſchiefer u. ſ. w. und viel Waſſerkraft. Kochſalz fehlt dem Lande gänzlich, auch iſt keine gegründete Hoffnung vorhanden, daß dergleichen im Böhmiſchen Becken noch aufgefunden werde, da die in Deutſchland vorzugs⸗ weiſe ſalzführenden Formationen, vom Zechſtein bis zum Jura, in dieſem Lande merkwürdigerweiſe gänzlich fehlen, auch nie vor⸗ handen geweſen zu ſein ſcheinen, und ebenſo diejenigen tertiären Ablagerungen, welche im benachbarten Galizien die mächtigen Steinſalzablagerungen enthalten. Letztere ſind hier vertreten durch braunkohlenreiche Süßwaſſerablagerungen. Das ganze Böhmiſche Becken war eben ſeit uralter Zeit etwas für ſich Abgeſchloſſenes. Nur während der Kreideperiode hat es vom Meere bedeckt temporär in offener Verbindung geſtanden mit dem nordiſchen Ocean. §. 729. Die Bevölkerungsverhältniſſe Böhmens ſind ſehr eigenthüm⸗ liche, eine ſichere Beziehung derſelben zu dem innern Bau iſt nicht leicht nachweisbar, einige Vermuthungen laſſen ſich darüber indeſſen doch ausſprechen. Die ſtärkſte Bevölkerung findet ſich, die nächſte Umgegend von Prag ausgenommen, im Leitmeritzer Kreis, etwa 6060 auf die Quadratmeile. Das iſt das frucht⸗ und zugleich induſtriereiche Gebiet des Mittelgebirges, von der Elbe durch⸗ ſtrömt, durch Schönheit der äußern Formen und die weltberühm⸗ ten Quellen von Teplitz geſegnet. Das Extrem hierzu bildet das kleine Becken von Budweis mit nur 2800 Seelen auf die Qua⸗ dratmeile. Es iſt ein rauhes und beinahe ſumpfiges Gebirgsbecken, geringe Kohlenlager ausgenommen, der Induſtrie wenig Stoff darbietend. Das obere Elbbecken mit 5 bis 6000 Menſchen auf der — 424— Quadratmeile zeigt wie gewöhnlich die ſtärkſte Bevölkerung in feinem gebirgigen Theile, die ſchwächere in dem ebenen. Der Elbogener Kreis mit 4800 verdankt dieſe Zahl wieder, nächſt den wichtigen Mineralquellen, hauptſächlich ſeiner gebirgigen Natur, und dies tritt beſonders deutlich hervor, wenn man damit den Saatzer Kreis vergleicht, der als flacherer Theil zwiſchen den Karlsbader und Teplitzer Gebirgen mitten inne liegt, er enthält nur 3480 auf der Quadratmeile. Aehnlich verhält ſich nun auch der größere Theil des flachen innern böhmiſchen Berglandes, mit Einſchluß des Grauwacken⸗ beckens und der Steinkohlengegenden. Wir finden da 3— 4000 Bewohner auf der Quadratmeile. In dem ſchon viel gebirgigern und meiſt dem Böhmer Walde angehörenden Klattauer Kreis ſteigt die Zahl auf etwa 4250. §. 730. Dem Weltverkehr iſt die Bodenform Böhmens urſprünglich wenig günſtig, er iſt darum nie bedeutend geweſen. Die Neuzeit hat jedoch Mittel gefunden, dergleichen Schwierigkeiten, wie ſie hier die Natur darbietet, mit Leichtigkeit zu überwinden. Die Zahl der ein⸗ und ausführenden Hauptſtraßen hat ſich ſeit 20 Jahren bedeutend vermehrt. Eiſenbahnen und Dampfſchifffahrten ſind dazu gekommen, nur zwiſchen Prag und Wien macht die Haupt⸗ verbindung noch einen großen Umweg um das breite mähriſche Berg⸗ land und wählt den am leichteſten überſteigbaren Gebirgsſattel zwi⸗ ſchen Parduwitz, Olmütz oder Brünn. Für Hebung des innern Ver⸗ kehrs hofft man namentlich viel von einer Bahn längs der nörd⸗ lichen Gebirgsmulde, welche Teplitz, Bilin, Karlsbad und Eger mit der Elbe, und vielleicht auch mit Hof verbinden würde. Böhmen iſt unter allen deutſchen Ländern das am natürlichſten abgegrenzte. Dieſer Umſtand hat ſich denn auch zu allen Zeiten ein⸗ flußreich bewährt. Das Land iſt nie von innern Grenzen durchſchnit⸗ ten worden, wenn es auch vorübergehend äußerlichen Zuwachs erhielt, ſtets hat es ſich in der Verwaltung getrennt, in gewiſſem Grade ſelbſtändig erhalten. Schon zur Zeit der Karolinger bil⸗ dts ij ſů genzan fen d dnt ſ ölkernn enen.— nächt gen Ni damit v·ſchn er ent des ſitt rauwait 3— 1 gebirgige duer Kri ſprüngt ie Neuzit u, wieſt en. Di ſeit A fffahrte je Hauxt che Br attel z nern Vr der nu und Er de ürlicſtr eiten i rhſi Zuuvag gewiſe ngeri — 425— det es ein beſonderes Reich, dem nur das obere Gebiet der Eger an ſeiner heutigen Ausdehnung fehlte. Seine gegenwärtige Ab⸗ grenzung iſt eine außerordentlich naturgemäße. Und ebenſo iſt ſeine politiſche Verbindung mit Oeſtreich weit naturgemäßer als eine ſolche mit Norddeutſchland ſein würde. Der Böhmer Wald. ³⁰) §. 731. Er gehört unter allen deutſchen Gebirgen zu den unwegſam⸗ ſten, unbeſuchteſten und geologiſch unbekannteſten, er iſt in letzter Beziehung beinahe noch eine terra incognita. Man weiß nur ganz allgemein, daß er vorherrſchend aus Granit und gneisarti⸗ gen kryſtalliniſchen Geſteinen beſteht, und daß zu ſeinen beiden Seiten ſich Flötzbildungen in ungleichen Reihen angelagert zeigen. Aus dem Fichtelgebirge, dieſem deutſchen centralen Gebirgs⸗ knoten entſpringend, bildet er deſſen ſüdöſtliche Verlängerung bis zur Donau hin, gerade ſo wie der Thüringer Wald die nordweſt⸗ liche bis zur Werra. Die Formen ſeiner Oberfläche ſind im All⸗ gemeinen wenig auffallend und wenig pittoresk, doch ſollen nach Senoner's Zuſammenſtellung böhmiſcher Höhenmeſſungen einige Berge in demſelben bis über 4000 wiener Fuß aufſteigen. Da⸗ nach erreichen: Der Bürſtling unweit Winterberg 4500 Fuß Der Weſſeley daſelbſt..... 4300 ⸗ Das Zollhaus bei Auſſergefield. 4000 ⸗ Der Schreinersberg bei Maahadit 3970 ⸗ Der Ort Seewieſe. 3422 ⸗ Der Czerkow bei Taus.... 3305 ⸗ §. 732. Seine Lage und ſeine verhältnißmäßige Unwegſamkeit machen den Böhmer Wald zu einer eben ſo wichtigen geographiſchen Grenzſcheide, als er ſeit der Grauwackenbildung eine geologiſche geweſen iſt. Ein uralter Gebirgsrücken muß es ſein, auf deſſen — 426— Nordoſtabhang in Böhmen die Während auf dem bairiſchen Flötzformationen ſo aufeinan: Südweſtabhang die Reihenfolge der folgen: dieſe iſt: Grauwacke. Grauwacke. Kohlenformation. Spuren der Kohlenformat. Rothliegendes.——— 1 —— Bunter Sandſtein. ——— Muſchelkalk. —— Keuper. —— Leias. — Jura. Quaderſandſtein.——— (nur bei Regensburg). Pläner.——— Quaderſandſtein.——— Braunkohlengebilde.——— Das Vorhandene wie das Fehlende iſt ſomit auf beiden Seiten faſt gänzlich verſchieden, woraus denn hervorzugehen ſcheint, daß der Böhmer Wald während aller dieſer Ablagerungs⸗ perioden eine Waſſerſcheide oder Meeresgrenze gebildet hat. So große Ungleichheit der beiderſeitigen Ablagerungen zeigt kein anderes deutſches Gebirge und doch iſt dieſes im Grunde nur ein flacher niederer Rücken. So flach vielleicht gerade deshalb, weil ſo alt, weil ſo lange der Zerſtörung ausgeſetzt und in ſpäterer Periode nicht mehr weſentlich gehoben. §. 733. Ein noch wenig bekanntes, beinahe fabelhaftes Phänomen durchzieht dieſes anſcheinend übrigens geologiſch ſo wenig intereſ⸗ ſante Gebirge, das iſt der ſogenannte„Pfahl“, ein viele(man ſagt 20) Meilen langer mächtiger Quarzgang, der vermöge ſeiner Härte gewöhnlich hervorragende Felsrücken, ſogenannte„Teufels⸗ mauern“ bildet, aber leider weder Gold noch irgend ein anderes Metall in bauwürdiger Menge zu enthalten ſcheint. Auffallend ſbtli iſc ſide berge nnth den fbeiden zugehen erungz⸗ . So nderes ſlacher ſo alt Perood dnoma intei (nm ſen euftl⸗ nderi alln — 427— iſt überhaupt in dieſem ſo vorherrſchend aus kryſtalliniſchen Schie⸗ fergeſteinen beſtehenden Gebirge der Mangel an edlen Erzgängen, beinahe nur Eiſenſteingänge ſind in demſelben bekannt, und ha⸗ ben, da es nicht an Holz fehlt, Eiſenhütten veranlaßt; vielleicht iſt der Mangel porphyriſcher oder grünſteinartiger Durchſetzung, die ſonſt ſo häufig in gewiſſen Beziehungen mit Erzgängen ge⸗ funden werden, der Grund dieſer auffallenden Erzarmuth, doch das iſt natürlich nur eine Hypotheſe, wie denn der Mangel an Erzgängen möglicherweiſe nur ein ſcheinbarer ſein könnte, da die Gegend noch ſo wenig genau unterſucht iſt. §. 734. Am Südende der Bergkette, bevor ſie durch das Donauthal plötzlich beendet wird, hat man den Bairiſchen Wald mehr poli⸗ tiſch als naturhiſtoriſch, als einen beſondern Gebirgstheil unter⸗ ſchieden. Dieſer iſt dann auch durch die Beſchreibung Winne⸗ berger's ſchon etwas beſſer bekannt als das übrige Gebiet. Hier enthält übrigens der kryſtalliniſche Schiefer in den Umgebungen von Paſſau ziemlich mächtige Einlagerungen von Graphit, welche wichtig ſind durch ihre techniſche Anwendung zu Schmelztiegeln und zu Maſchinenſchmiere, die Herſtellung von Bleiſtiften aus dem Paſſauer Graphit iſt noch nicht von günſtigem Erfolg ge⸗ krönt worden. In derſelben Gegend wird aus zerſetztem Granit viel Porzellanerde gewonnen. §. 735. Ihren Namen verdient dieſe Gebirgskette iu vollem Maße, denn beinahe überall iſt ſie und faſt nur mit Wald bedeckt, in ihrem böhmiſchen Antheil findet man wahre Urwälder, in die noch keine Axt eingedrungen iſt, in denen der einſame Waidmann über verweſende Baumſtämme klettern muß, um dem Eber aufzulauern oder den liſtigen Luchs zu erlegen. So anlockend der große Holzreichthum dieſes Gebietes ſein mag, ſo iſt doch die Induſtrie bisher noch wenig in daſſelbe ein⸗ gedrungen, einzelne Glashütten, Theerſchwelereien und Rußöfen — 428— hat ſie als Vorpoſten vorangeſchoben, während die complicirtern Anſtalten immer noch am äußern Saum des Gebirges Halt machen. Ich habe dieſen noch ſo wenig bekannten Theil Deutſchlands hier nur nicht ganz übergehen wollen. Die meiſten Beziehungen deſſelben ſind verbunden mit den Abſchnitten über die beiden gro⸗ ßen angrenzenden Becken, das Böhmiſche und das Batriſche. §. 736. Der Böhmer Wald(Saltus Hyrcanus oder Hercynia silva) iſt wieder eine uralte Länderſcheide, ſchon zur Zeit der Karolinger trennte er, wie heute, Böhmen von Baiern, oder vom Oſtfrän⸗ kiſchen Reiche, nur mit der kleinen Abweichung, daß das Gebiet von Eger zu dem letztern gehörte. Sein Inneres iſt vorzugsweiſe lange beinahe unbewohnt geblieben, und noch jetzt, wie geſagt, unter allen deutſchen Gebirgsgegenden am wenigſten bekannt, weil kein großer Verkehrsweg hindurchführt und keinerlei Merkwürdig⸗ keit oder Naturſchönheit Reiſende anlockt. Der ſüdweſtliche Theil, welcher unter dem beſondern Namen „Bairiſcher Wald“ bekannt iſt, gab frühzeitig zu einigen Gebiets⸗ abgrenzungen Veranlaſſung, unter denen das Bisthum Paſſau die nennenswertheſte iſt. Das Bairiſche Becken. ³³) §. 737. So nenne ich hier, um es einfach zu bezeichnen, das große ziemlich dreiſeitige ganz von Flötzformationen bedeckte Gebiet zwi⸗ ſchen dem Böhmer Wald, Fichtelgebirge, Thüringer Wald, Rhön⸗ gebirge, Speſſart, Odenwald, Schwarzwald und den Alpen. Außer dem größern Theile Baierns gehören ſomit ganz Württemberg, ein Theil von Baden und das eingeſchloſſene Hohenzollern dazu. Es iſt im geſammten deutſchen Mittellande das größte zuſammenhängend aus Flötzbildungen beſtehende Gebiet. Der äußern Oberflächen⸗ form nach iſt dieſes Länderdreieck freilich kaum ein Becken zu nennen, denn wenn es auch überall von Gebirgen eingerahmt iſt, ſo wird es doch auch wieder von einem ſehr bedeutenden Höhen⸗ nplitiren lt macha dtſchla dziehung eideng iriſch nia Sih Katolugn Offftu⸗ as Gelit zugeweit e geſagt int, wel kwürdif n Namen Gebiete⸗ aaſau de . 5 as gruß biet zu. „ Rüür .. Auir dexg, ü Gi hängai rflic icen hmt ih Hähm — 429— zuge durchſchnitten, und zeigt ſich keineswegs als ein einfaches Sammelgebiet des Waſſerlaufes, ſondern im Gegentheil als Waſ⸗ ſerſcheide für die drei großen deutſchen Flußſyſteme der Donau, der Weſer und des Rheins. Auch der bedeutende Höhenzug der Schwäbiſchen oder Rauhen Alp(des Schwäbiſchen Jura), welcher daſſelbe von Südoſt nach Nordweſt mitten durchſchneidet, und dann von Regensburg gegen Koburg zu eine etwas flachere Fortſetzung in dem ſogenannten Fränkiſchen Jura findet, bildet keine conſtante Waſſerſcheide zwiſchen jenen Flußgebieten, iſt vielmehr mehrfach von Flüſſen durchbrochen. Der innere Bau iſt aber, wie wir ſehen werden, allerdings ein beckenförmiger zu nennen. Die mittlere Erhebung dieſes bedeutenden Landſtriches be⸗ trägt gegen 1000 Fuß, die höhern Regionen des flachen Theiles erheben ſich ſüdlich der Donau bis über 2000 Fuß und an der Oſtſeite des Schwarzwaldes bis 2500 Fuß. Darüber erhebt ſich aber der Rücken der Schwäbiſchen Alp noch durchſchnittlich 600 Fuß und in ſeinen höchſten Kämmen bis zu 4000 Fuß über den Meeresſpiegel. Dieſer Umſtand vermindert die factiſche Mittel⸗ temperatur außerordentlich, während ſie auf den Meeresſpiegel reducirt zwiſchen 12 und 13° Cent. ſchwankt. Die wirkliche Mit⸗ teltemperatur Münchens iſt nur 8,790 C., und zwar im Winter 1,18, Frühling 8,77, Sommer 18,20, Herbſt 9,99. Die Summe der atmoſphäriſchen Niederſchläge beträgt durchſchnittlich 25 Zoll, ſteigt aber am Rande der Alpen höher. §. 738. Außer einigen iſolirten Baſalt⸗ und Phonolithkuppen und noch viel unbedeutendern Granitpartien treten in dem ganzen Gebiet nur ſedimentäre Geſteine auf, und zwar nachſtehende Formationen: 1) Alluvialgebilde, 2) Diluvialgebilde, 3) Molaſſebildungen, 4) Dem Quader entſprechende Kreidegebilde, 5) Juraformation, 6) Leiasformation, — 430— 7) Keuper, 8) Muſchelkalk, 9) Buntſandſtein. Der Zechſtein, das Rothliegende und die Kohlenformation zeigen ſich nur an den äußerſten Rändern des Beckens in zum Theil noch nicht genau bekannter Ausdehnung. Wir werden hier dieſe Ablagerungen in umgekehrter Ord⸗ nung, von den ältern zu den jüngern vorſchreitend beſprechen, wodurch ſich zugleich eine Theilung des großen Gebietes in klei⸗ nere Abtheilungen von ſelbſt ergeben wird. §. 739. Die Kohlenformation, innig verbunden mit Rothlie⸗ gendem, und vielleicht geologiſch ihm zugehörig, d. h. in die⸗ ſem Falle eine etwas neuere Kohlenbildung als die eigentliche Steinkohlenformation, zeigt ſich am Oſtrand des Schwarzwaldes, z. B. bei Schrammberg, und gehört hier ganz entſchieden noch dem Gebiet des Gebirges ſelbſt an. Dann finden wir bei Aſchaf⸗ fenburg am ſüdlichen Ende des Speſſart Rothliegendes und et⸗ was Zechſtein zwiſchen granitiſchen Geſteinen und Buntſandſtein. Am ſüdweſtlichen Fuß des Thüringer Waldes zeigen ſich wiederum Kohlenbildungen, Rothliegendes und Zechſtein, unter den Buntſandſtein einſchließend, von denen die erſtern bei Neu⸗ haus zu nicht unbeträchtlichem Bergbau Veranlaſſung gegeben haben. In dieſer Gegend treten dieſe Bildungen bei Ahlſtedt unweit Schleußingen auf von Porphyrgängen durchſetztem Sye⸗ nitgranit auch noch einmal mitten aus dem Buntſandſtein hervor, und bilden ſomit eine vom Gebirge iſolirte Parzelle, welche durch — kü Eeeeee ᷣ 2. 8 4— e, ne, Hae— ASy rd Schlangengrund bei Ahlſtedt. ds B ügm fie! rung fihre Batt din ſo nen A nüglit Käthä ſtrit beret des maii zu te gehenr ſhu korne 1 dint hige Gebi asi Dden i we trite dſ formain d in u rter d deſprehe e in li Rothlie⸗ in d ſigentlit erzwadde⸗ eden noc ei Aich und er andſtein gen ſch u, unter bei Na⸗ — 431— eine ſeitliche Verzweigung der Erhebung des Thüringer Waldes bedingt zu ſein ſcheint. Noch wenig bekannt iſt die Natur und Verbreitung der Koh⸗ lengebilde und des Rothliegenden am weſtlichen Abhang und Fuß des Böhmer Waldes, möglich iſt es indeſſen, daß hier zu künf⸗ tigen Unternehmungen noch ein ſehr beachtenswerther Schatz foſ⸗ ſilen Brennmaterials vorliegt. Dieſes mehrfache randliche Hervortreten einer Kohlenablage⸗ rung von noch nicht genau beſtimmtem Alter kann auf die Idee führen, daß dieſelbe den Boden des ganzen großen Bairiſchen Beckens unter dem bunten Sandſtein hinweg bilde. Es iſt aber ein ſolcher allgemeiner Zuſammenhang bei nicht eigentlich mari⸗ nen Ablagerungen durchaus kein nothwendiger ſondern nur ein möglicher, ſchon bei Ahlſtedt treten zwar die Conglomerate des Rothliegenden in einem andern als dem oben gegebenen Quer⸗ ſchnitte hervor, doch die kohlenführenden Schichten fehlen hier bereits ganz. Aber ſelbſt wenn alle die neuern Flötzformationen des Bairiſchen Beckens wirklich auf einer mächtigen Kohlenfor⸗ mation ruhen ſollten, ſo würde dieſelbe doch jedenfalls faſt überall zu tief liegen und zu mächtig bedeckt ſein, als daß ſich bei den gegenwärtigen Brennmaterialpreiſen und Hülfsmitteln bergmänni⸗ ſcher Technik an eine Ausbeutung derſelben denken ließe. Wir können deshalb die Schichten dieſer Formation zugleich mit denen des Rothliegenden und des Zechſteins als für das große Becken einflußlos bezeichnen, ſie gehören weſentlich den benachbarten Ge⸗ birgen an. Der Zechſtein ſogar nur den nördlichen. §. 740. Der bunte Sandſtein bildet ein ſehr zuſammenhängendes Gebiet in der nordweſtlichen Ecke unſeres Beckens. Hier beſtehen aus ihm die Hauptmaſſe des Speſſart und der öſtliche Theil des Odenwaldes bei mehr als 2000 Fuß Seehöhe. Vom Speſaeart, in welchem er zu einer Meereshöhe von 1400 Fuß aufſteigt, ver⸗ breitet er ſich durch die Rhön nach dem Thüringer Wald und an deſſen ſüdweſtlichen Fuß als ſchmaler Streif bis zum Fuß des — 432— Fichtelgebirges. Davon durch neuere Ueberdeckungen getrennt, tritt er ferner an der Oſtſeite des Schwarzwaldes, im Quellen⸗ gebiet des Neckar und der Donau, wieder hervor und reicht in das Gebirge hinein bis zu einer Höhe von mehr als 3000 Fuß. Seine Zuſammenſetzung iſt überall eine ſehr einfache. Fein⸗ körniger gelblicher oder röthlicher Sandſtein herrſcht durchaus vor, mit dieſem wechſeln aber geringmächtige Einlagerungen von Schie⸗ ferthon und Rogenſtein. Der Schieferthon nimmt, beſonders in den nördlichen Gegenden, nach unten und nach oben etwas mehr überhand, und bildet ſo in Franken und Heſſen zwiſchen Bunt⸗ ſandſtein und Muſchelkalk den ſogenannten Röth, einen Wechſel von buntem Schieferthon, oft mit etwas Gyps. Die ganze For⸗ mation enthält nur ſehr wenige Verſteinerungen, theils Pflanzen, theils Muſcheln, beſonders intereſſant ſind die bei Hildburghauſen und Kulmbach gefundenen Thierfährten. Die Oberflächengeſtaltung dieſes Sandſteingebietes iſt durch— gehends eine ſehr einförmige, flache Rücken und breite Berg⸗Plateaus ſind nur hier und da von Thälern durchſchnitten, unter denen ſich dann zuweilen allerdings auch felſige Gehänge zeigen, wie im Neckarthale oberhalb Heidelberg. Die Oberfläche iſt größtentheils bewaldet, ſo im Speſſart, Odenwald und Schwarzwald mit ihren Sandſtein⸗Vorhügeln. Der Sandſtein liefert recht gutes Bau⸗ material, was denn auch an ſehr vielen Stellen in großen Steinbrüchen gewonnen wird, außerdem bietet er kaum etwas Nutzbares dar. §. 741. Auf den Buntſandſtein legt ſich gegen Weſt und Südweſt mit kaum merkbarer Schichtenneigung die mächtige Platte des Muſchelkalkes. Zuweilen ſteigt er ſogleich zu einem erhöhten Plateau an, zuweilen iſt ſeine Grenze nicht ſo auffällig markirt, immer aber bleibt der Buntſandſtein noch eine Strecke weit in ſein Gebiet hinein in den Thaleinſchnitten ſichtbar und einzelne Kup⸗ pen des Kalkſteins liegen manchmal von dem Hauptgebiet abge⸗ getrent Qurllr ad uit neht d d. dür haus m on Eije onderzi wa ni en Buf nWäcſſ anze di⸗ Pflanza Krghauſt iſt duro⸗ Pdateaut ter denn wie in tentheils dit ihten es Bal⸗ guujn n che Süwi latte de eehähte martkt t in ſ ne Au— itt age — 433— trennt auf dem Sandſtein. Dieſe Muſchelkalkplatte beſteht aus folgenden einzelnen Gliedern: a) Grauer Kalkſtein, ſogenannter Kalkſtein von Friedrichshall, auch Hauptmuſchelkalk oder oberer Muſchelkalk genannt. Ei⸗ nige Lagen deſſelben ſind dolomitiſch. Charakteriſtiſch für ihn ſind beſonders folgende Verſteinerungen: Encrinites liliiformis, Trigonia vulgaris, Avicula socialis, Plagiostoma striatum, Pecten laevigatus, Terebratula vulgaris, Nautilus bidorsatus und Ceratites nodosus. b) Gyps, Anhydrit, Steinſalz und Thon. Dieſes Glied er⸗ reicht nur ſelten das Ausgehende oder iſt vielmehr am Aus⸗ gehenden durch Waſſerwirkung zerſtört, durch zahlreiche Bohrlöcher aber in bedeutender Mächtigkeit nachgewieſen. Alle ſchwäbiſchen und die meiſten eän iſche Salinen ver⸗ danken ihm ihren Urſprung. c) Wellenkalk oder unterer Muſchelkalk, ein dünn geſchichteter knotiger Kalkſtein, wieder mit einzelnen dolomitiſchen Ein⸗ lagerungen und mit den compactern Bänken des Terebra⸗ tulakalkſteins. Dieſe Abtheilung iſt faſt noch reicher an foſ⸗ ſilen Muſcheln als die obere, ganz vorherrſchend ſind aber nur wenige Arten, ſo Terebratula vulgaris, Trigonia vul- garis, Plagiostoma lineatum und Avicula socialis. Dieſe drei Glieder ſind nicht überall alle vorhanden, oder noch vorhanden, namentlich fehlen zuweilen die beiden obern und die aufgeſetzte Platte beſteht dann nur aus dem Wellenkalk. Das zuſammenhängendſte und größte Verbreitungsgebiet des Muſchel⸗ kalkes liegt zwiſchen der Fränkiſchen Saale und dem Neckar bei Wimpfen. Nördlich von der Saale begleiten mehre Streifen die Werra bis an deren Quellen, und ſetzen dann dem Fuße des Thüringer Waldes und des Fichtelgebirges parallel bis jenſeit Bayreuth fort, ſtets mit wallförmiger Erhöhung des Bodens verbunden. Von Wimpfen aus ſüdlich ſpaltet ſich die ſichtbare Ver⸗ breitung des Muſchelkalkes in zwei Arme, deren einer weſtlich die Buntſandſteinberge der Gegend von Heidelberg bis zum Rhein⸗ thale umſäumt, während der andere ſüdlich den Neckar begleitet, Cotta, Deutſchlands Boden. 28 — 434— ſich vielfach in deſſen Seitenthäler verzweigt, auf den Höhen von Keuper überlagert, und dem Oſtrand des Schwarzwaldes parallel durch das oberſte Donaugebiet bis Laufenburg am Rhein fortſetzt. 1 Dieſe Muſchelkalkplateaus erheben ſich durchſchnittlich 1500 bis 2000 Fuß über den Meeresſpiegel und ſind auf ihren Höhen, wo ſie nicht von Keuperſchichten bedeckt werden, entweder bewal⸗ det oder wenig fruchtbar, meiſt ſehr waſſerarm und in Folge von dem Allen auch arm an Orten. Ihre ſteilen Abhänge ſind an der Sonnenſeite oft von Weinbergen bedeckt, die minder günſtig gelegenen im beſten Falle bewaldet, oft aber äußerſt kahl und unfruchtbar. Einige Kalkſtein⸗ und Dolomitſchichten, ſowol der untern als der obern Abtheilung, verwendet man als Bauſtein oder Brennkalk, von ganz beſonderer Wichtigkeit iſt aber natür⸗ lich das Steinſalz der mittlern Abtheilung, welches namentlich in den Neckargegenden zu einer großen Zahl badiſcher und wür⸗ tembergiſcher Salinen Veranlaſſung gegeben hat. Außer dem Steinſalz finden ſich bei Wiesloch in Baden auch noch Erzeinlagerungen im Muſchelkalk, welche neuerlich eine große Bedeutung zu gewinnen ſcheinen. Sie beſtehen vorherr⸗ ſchend aus Galmei, welches aber nicht mit dem Muſchelkalk gleich⸗ zeitig abgelagert worden ſein kann, ſondern vielmehr unregelmä⸗ ßige Hohlräume und Zerſpaltungen in demſelben ausgefüllt hat. §. 742. Auf den Muſchelkalk legt ſich ſüdöſtlich der Keuper. Wo die Wutach in den Rhein einmündet beginnend, breitet ſich die⸗ ſer vom nordweſtlichen Fuß der Schwäbiſchen Alp als ſehr un⸗ regelmäßiger und vielfach durchſchnittener Streif über den Muſchel⸗ kalk aus, dringt in der breiten Einſenkung zwiſchen dem Schwarz⸗ wald und Odenwald bis in das Rheinthal vor und zieht ſich über Nürnberg, Bamberg und Koburg nach dem obern Main⸗ und Nabgebiet, in welchem er an den Fuß des Fichtelgebirges und ſelbſt noch des Böhmer Waldes heranreicht. Die tiefern Thäler ſind oft durch ſeine Schichten hindurch bis in den Mu⸗ öhen w 8 peral m Ri klich l en Hita der bene Folgem ge ſinda er güni kahl w ſowol e Bauſt der niir amentit und vir in Baͤa erlich in voryen⸗ lglit nregelni⸗ ült het per. I t ſchä⸗ ſchr w Muite Schne jitt i m Mir elgebige ie tiin den N — 435— ſchelkalk eingeſchnitten und mitten auf der Muſchelkalkplatte füllt der Keuper, wie in Thüringen, zuweilen flache beckenförmige Ver⸗ tiefungen in deren Oberfläche aus. Seine Gliederung iſt von oben nach unten die folgende: a) Gelber Kalkſtein. b) Rother Thon, welcher einen fruchtbaren Boden bildet. c) Weißer Sandſtein mit geringen Kohleneinlagerungen. d) Bunter Mergel. e) Grüner und rother Sandſtein mit Pflanzenreſten und Koh⸗ lenſchmitzen.— †) Mergel mit ſtockförmigen Gypsmaſſen. 9) Dolomit und Kalkſtein, gefleckt und mit Muſcheln. h) Lettenkohle. i) Grauer Sandſtein mit Pflanzenreſten. Die Sandſteine dieſer Formation liefern zum Theil recht gute Bauſteine. Sie allein bilden zuweilen kleine ſchluchtige Berge und Hü⸗ gel oder felſige Thalgehänge, während die übrigen Schichten wegen geringer Mächtigkeit oder leichter Zerſtörbarkeit immer nur mit flacher Oberfläche auftreten. 84) Die Kohlenlager haben hier und da zu Abbauen Veranlaſſung gegeben, die ſich aber noch nirgends ſehr gewinnbringend bewährten, was indeſſen nicht ausſchließt, daß ſie unter günſtigen Umſtänden mit einigem Vortheil abgebaut wer⸗ den können. Mit dem Gyps ſcheint auch in dieſer Formation urſprünglich etwas Steinſalz verbunden geweſen, an den meiſten zugänglichen Stellen aber bereits ausgewaſchen zu ſein. Als eine ziemlich charakteriſtiſche Keupergegend hebe ich noch beſonders den Steigerwald hervor. Er bedeckt die flachen Anhöhen zwiſchen Bamberg, Anspach und dem Main, welche trotz ihrer unbedeu⸗ tenden Höhe dieſen letztern zu einem weiten Bogen genöthigt ha⸗ ben. Sie beſtehen in ihrer Baſis aus Muſchelkalk, der aber von Keuper bedeckt iſt, und dies iſt zugleich der einfache Bau der gan⸗ zen flachhügeligen Gegend von hier über Nürnberg bis Stuttgart. Die Keuperniederungen ſind zum Theil ungemein fruchtbar, die Höhen bewaldet, oder mit Haide bedeckt. Große Haideſtrecken haben in dieſem Theile Deutſchlands wie im Lüneburgiſchen ſeit 28* — 436— alter Zeit die Bienenzucht, das Zeidlerweſen, erblühen laſſen. Die Haide, Erica vulgaris, iſt eine Sandpflanze, heimiſch auf dem Keuperſandſtein wie auf dem bunten, auf dem Quaderſand⸗ ſtein wie auf dem Diluvialſand der norddeutſchen Ebenen. §. 743. Sämmtliche Glieder der Juragruppe zeigen ſich im Bai⸗ riſchen Becken in der Regel in ein gemeinſames Gebiet zuſam⸗ mengedrängt und ſo übereinander gelagert, daß die untern nur als ſchmale Streifen hervortreten. Sie bilden nämlich die Schwä⸗ biſche oder Rauhe Alp(auch Schwäbiſcher Jura genannt) und von Regensburg über Amberg gegen Koburg fortſetzend das Berg⸗ land des Fränkiſchen Jura. Außerdem zeigen ſich die untern Glie⸗ der der Gruppe nur noch in ein paar vereinzelten Gebieten auf dem Keuper ſüdweſtlich von Stuttgart und am Rande des Rein⸗ thales bei Langenbrücken. Die einzelnen Glieder dieſer Schichtengruppe ſind von oben nach unten folgende: (ſa) Weißer oder hellgelber dünngeſchichteter Kalkſtein, in der Grafſchaft Pappenheim als lithographiſcher Stein verwendet, mit ſehr vielen Ueberreſten von Fiſchen, . Krebſen, Ammoniten, Sepien, Aptychen, Seeſternen und Sauriern. b) Bläulicher Thon. c) Eine mächtige Platte von dickgeſchichtetem, weißem oder gelbem Kalkſtein, der aber ſtellenweiſe durch ganz kryſtalliniſchen Dolomit vertreten wird. Reich an Verſteinerungen, beſonders Ammoniten, Belemni⸗ ten, Korallen, Echiniten, Crinoiden und Muſcheln. Die Korallen bilden zuweilen wahre Riffe. Der Do⸗ lomit iſt von Höhlen durchzogen. d) Oolithiſcher Kalkſtein mit Belemniten. e) Bläulicher Mergel mit viel Korallen und Strahl⸗ thieren. Weißer Jura. NMN K Juraformation. — Zurg: Avauuer Jur, „chwarger „ n laſſe niſch a aderſan enen. in Be et zuſer ntern m e Sni⸗ unt) un ds Bag ern Gli eten ai es Reir von oba fſkein i er Stein Fſſchen, eſternn wefn ſe dart . Nii Belenne Nuſche Der Do Strahl — 437— c) Kalkſtein mit Mergel wechſellagernd, darin viele Am⸗ mmoniten und Terebrateln. () Brauner Thon und Eiſenrogenſtein mit ſehr vielen Ammoniten, Belemniten, Terebrateln, Muſcheln und einigen Saurierreſten. h) Mergeliger Kalkſtein mit Thon wechſelnd, meiſt blau⸗ grau. Darin ähnliche Verſteinerungen. i) Brauner Sandſtein mit Eiſenerzen, enthält Fiſch⸗ und Saurierreſte, Ammoniten und Muſcheln. 1uL) Thon mit Ammoniten, Belemniten und Trigonien. 4)) Mergel und bituminöſer Mergelſchiefer, ſogenannter Brauner Jura. N S8 Keiasſchiefer, dunkelfarbig, faſt ſchwarz. Mit vielen 22 Belemniten, Sepien, Ammoniten, Pentacriniten, Sau⸗ 5 riern und einigen Muſcheln(beſonders Poſidonomien). 58 m) Thon, Mergel und dunkler bituminöſer Leiaskalkſtein ꝓ* voll Verſteinerungen: Ammoniten, Belemniten, Gry⸗ 5 phäen, Inoceramen, Terebrateln u. ſ. w. 2 n) Leiasſandſtein, wechſelnd mit Mergel, meiſt gelb und 5 braun, darin ähnliche Verſteinerungen, doch nicht ſo viele. § 744. Dieſe Glieder liegen nun zwar gewöhnlich, aber nicht überall alle vollſtändig übereinander. Am lehrreichſten iſt ihre Lagerung in der ſogenannten Schwäbiſchen Alp. Dieſe bildet vom Rhein bei Schaffhauſen bis Regensburg, parallel dem Laufe der Donau, einen bedeutenden Höhenzug, ein wahres Gebirge, am höchſten in ſeinem ſüdweſtlichen Theile, wo es mit ſeinem breiten Rü⸗ cken durchſchnittlich 3000 Fuß über den Meeresſpiegel auf⸗ ſteigt. Es zeigt hier eine durchaus einſeitige Aufrichtung, der ſteile Abhang, an welchem alle Schichten als ſchmale Streifen übereinander beobachtet werden, iſt gegen Nordweſt gekehrt, der flache, welcher faſt nur aus weißem Jurakalk beſteht, gegen die Donau. Etwas idealiſirt läßt ſich dieſes Verhalten ſo. darſtellen, wie der Holzſchnitt auf S. 438 zeigt. 438— Die äußere Form dieſes Querſchnittes, aber auch nur dieſe, gleicht ſehr der des Erzgebirges, dennoch iſt es mindeſtens zwei⸗ felhaft, ob dieſes Gebirge durch eine locale Erhebung gebildet worden ſei. L. v. Buch hat vielmehr zu zeigen geſucht, daß die geringe Schichtennei⸗ gung hier wie im Fränkiſchen Jura und in dem jenſeit des Rheines gegen das große Becken von Paris hin, nicht von Erhebung, ſondern von Umlage⸗ rung eines halbinſelförmigen ältern Gebietes herrührt. Verhält es ſich ſo, ſo iſt die Schwäbiſche Alp, vielleicht als große Ausnahme unter den eigent⸗ lichen Gebirgen, weſentlich ein Reſul⸗ tat der Waſſerbildung und theilweiſen Wiederzerſtörung durch Waſſer. Ihr gegenwärtiges Niveau müßte ſie aber immerhin auch in dieſem Falle ſpäte⸗ rer continentaler Erhebung verdanken. Indeſſen iſt zu beachten, daß in der Schwäbiſchen Alp zwar gar keine kry⸗ ſtalliniſchen Schiefer und mit höchſt geringer Ausnahme(im Riesgau), auch keine ältern Eruptivgeſteine zu Tage treten, wol aber eine ziemliche Anzahl iſolirte baſaltiſche Geſteinskuppen, de⸗ ren Vertheilung allerdings mit der Hauptrichtung des Gebirges in Ueber⸗ einſtimmung ſteht. Sie finden ſich nicht nur im Höhgau, ſondern auch ſüdlich von Kirchheim und ſüdöſtlich von Ellwangen an den Rändern des Riesgaues, ich werde ſpäter noch auf ſie zurückkommen. Auch die verſchie⸗ dur dih den n dir i vordn ſ zu ziie ciihtme ſchen i eins en hin it n Uuic gen ihn dſt , vilit den eie ein Ri theihvei ſſer. d ke ſie ch ill ſwi kerdanie ſin de kanen nit hät gau) u zu du he Ani ppen,d ni d inlie — 439— denartigen Mineralquellen, welche am Steilabhang hervortreten, bei Reutlingen, Boll, Ditzenbach, Mögglingen u. ſ. w. deuten zum Theil, wie die Baſalte, auf eine vorzugsweiſe Zerſpaltung in dieſer Region hin, welche wol mit der beſondern Erhebung in einiger Beziehung ſtehen könnte. Doch dieſe Frage rein theoreti⸗ ſcher Natur intereſſirt uns hier nur beiläufig, wir haben es vor⸗ herrſchend mit den thatſächlichen Zuſtänden zu thun. §. 745. Obwol der Schwäbiſche Juragebirgszug im Allgemeinen der Donau parallel verläuft und ganz im Großen für ſie das linke Thalgehänge bildet, wie die Alpen das rechte, ſo hat dennoch zwiſchen Donaueſchingen und Sigmaringen die Donau den gan⸗ zen Gebirgszug ſchräg durchbrochen. Ebenſo wird derſelbe im Riesgau von der Wörnitz, und dann noch einmal von der Alt⸗ mühl quer durchſchnitten. Hier iſt er zwar nicht mehr ſo hoch, kaum noch ein eigentliches Gebirge, deſſenungeachtet bleibt es geologiſch recht merkwürdig, daß dieſe Flüſſe ſich ihren Weg durch eine ſo mächtige und ſo breite feſte Kalkſteinplatte hindurch ge⸗ bahnt haben. Ein ganz ähnliches Verhalten, nur in umgekehrter Richtung, zeigt übrigens auch die Pegnitz, welche den Fränkiſchen Jura quer durchſchneidet. Es iſt ein Umſtand, welcher auf der Thalauswaſchung vorhergehende Zerſpaltung hindeutet. Es iſt wahrſcheinlich die öde und durch Dolomite zuweilen rauhe Oberflächenbeſchaffenheit des breiten und flachen Südab⸗ hanges, welche zu der Benennung„Rauhe Alp“ die Veranlaſ⸗ ſung gegeben hat. Dieſelbe iſt wegen ihrer einförmigen und wenig fruchtbaren Beſchaffenheit auch nur ſchwach angebaut. Ganz anders zeigt ſich das Alles ſogleich am Abhang und Fuß des ſteilen Nordrandes, durch üppig bewaldete Gehänge treten wir da in einen dichten Kranz von Ortſchaften ein, die durch die Mannichfaltigkeit und Fruchtbarkeit des innern Baues bedingt ſind. Als Beiſpiele will ich nur folgende nennen: Bahlingen, Hechingen, Tübingen, Reutlingen, Pfuhlingen, Metzingen, Neu⸗ hauſen, Duttlingen, Urach, welches tief in eine nördliche Schlucht — 440— eingedrungen iſt, ferner: Neuffen, Owen, Lenningen, Kirchheim, Weisheim, Göppingen, Geislingen, Weiſenſtein, Gmünd, Henn⸗ bach, Aalen und Waſſeralfingen. Gleich einem Teppich breitet ſich der dunkelfarbige Leias noch eine Strecke vor dem Steilab⸗ hang über das Keupergebiet aus. Ihm entſpringen eine Anzahl Schwefelquellen, welche hier, wie bei Langenbrücken in Baden, wol nur eine Folge ſeiner Geſteinszuſammenſetzung ſind. Von beſonderer Wichtigkeit in der Reihe zonenartig an die— ſem Steilabhang hervortretender Schichten ſind der Eiſenſandſtein und der Eiſenrogenſtein, die an vielen Orten, beſonders aber in der Gegend von Aalen und Waſſeralfingen, zu bedeutendem Berg⸗ bau und Eiſenhüttenbetrieb Veranlaſſung gegeben haben. Zugleich ſind alle dieſe Schichten ungemein reich an verſteinerten Meeres⸗ organismen. Bei Boll z. B. hat man ſchon eine große Zahl zum Theil wohlerhaltener Saurierſkelette aus dem Leiasſchiefer hervorgezogen, ſodaß dieſe Gegend neben denen von Kloſter Banz bei Bamberg und Lime ridges in England als die berühmteſte Fundſtätte großer vorweltlicher Reptilien anzuſehen iſt. Nur mit äußerſter Anſtrengung, mit großen Curven und einem theilweiſen Anſteigen von 1 auf 40, hat die ſchöne Eiſen⸗ bahn von Stuttgart nach Ulm dieſen Flötzgebirgsrücken durch das Thal der Fils überſteigen können, einmal auf der Höhe, ſenkt ſie ſich dann in gewaltigem Bogen auf dem flachen Abhang hinab nach Ulm. §. 746. Von ganz beſondern Erſcheinungen iſt ſehr oft hier wie im Fränkiſchen Jura das Auftreten des Dolomites begleitet, er iſt vorzugsweiſe zur Felſen⸗ und Höhlenbildung geneigt. Eine große Zahl alter feſter Burgen hat ſich auf ihm angeſiedelt, während andere ſich auf iſolirten Baſalt⸗ und Phonolithkuppen erheben. Wol 30 Höhlen kennt man bereits, die den ſchwäbiſchen Jurado⸗ lomit durchziehen, namentlich bei Tuttlingen, Münſingen, Urach, Sontheim u. ſ. w. Faſt eben ſo viele ſind im Fränkiſchen Jura bekannt, in den Gegenden von Streitberg und Muggendorf. In Kitt id, Hen dich brit T Stile ne An . imü enſandin ts aberi dem Saf Auyli Nau⸗ öße u aoſchinn ker Ba rühmtiſ ven und eEiſer rch das ſenkt Aühenn n Ba — 441— beiden Gegenden enthalten ſie Kalkſinterbildungen(Tropfſtein) und Einlagerungen von Schlamm mit vielen Knochenreſten vor⸗ weltlicher Säugethiere, namentlich des Ursus spelaeus. In Schwa⸗ ben geſellen ſich aber dazu auch noch Bohnerze, die, außer in den wahren Höhlen, auch noch in vielerlei unregelmäßigen Zerſpaltungen und Vertiefungen der Kalkſtein⸗ oder Dolomitober⸗ fläche gefunden und bergmänniſch gewonnen werden. Dieſe verſchiedenartigen Eiſenerzeinlagerungen im braunen Jura und in den Hohlräumen des weißen, haben nun eben am Nordrand der Schwäbiſchen Alp wie im Thale der Altmühl(um Eichſtädt) einen lebhaften Eiſen⸗, Gruben⸗ und Hüttenbetrieb hervorgerufen. In der Umgegend von Eichſtädt, der alten Grafſchaft Pap⸗ penheim, geſellt ſich dazu noch die ungemein wichtige Gewinnung der weltberühmten lithographiſchen Steine von Solenhofen. Da der zur Lithographie geeignete Kalkſtein nur die oberſte Decke der üppig bewaldeten Bergplateaus bildet, ſo befinden ſich auch alle die in ihm angelegten Steinbrüche nur auf den Höhen. „Darum“(ſagt L. v. Buch)„ſind aber gerade dieſe Stein⸗ brüche ſo überraſchend für das Auge, ſchon aus einer Entfernung von mehren Stunden. Seit Jahrhunderten aufgeſchloſſen, um Steinplatten für ganz Europa und ſelbſt einen Theil von Aſien zu liefern, erſcheinen jene Aushöhlungen und Schutthalden von weitem wie die Werke einer Feſtung von unermeßlicher Größe, welche die größten Höhen des Landes krönt.“ Kaum naht man ſich einem dieſer Steinbrüche, ſo hört man ſchon das hellklingende Hämmern der Arbeiter, die hier zu vielen Hunderten beſchäftigt ſind, die dünnen Schichten abzuheben und zu regelmäßigen Tafeln zurecht zu ſchlagen. Kleine Hüttendörfer haben ſich in den weiten Räumen der Steinbrüche niedergelaſſen, und neben den hoch aufgeſtapelten Steintafeln, die für die Künſtler und Pfuſcher aller Welttheile beſtimmt ſind, um darauf die Werke ihres Genies oder ihrer Laune zu verewigen, ſeien es nun Raphaelitiſche Madonnen, Eti⸗ ketten für Weinflaſchen oder treue Abbildungen naturhiſtoriſcher 3 “ “ — 442— Gegenſtände. Neben dieſen regelmäßigen Steinhaufen findet der Geolog, ſeiner harrend, auch ſchon eine Menge kleinerer Stein⸗ tafeln, die Ueberreſte von den vielerlei Meeresthieren enthalten, welche in großer Zahl in demſelben Geſtein gefunden werden, durch deſſen Hülfe dann dieſe wunderbaren Geſtalten im Druck vervielfältigt werden. Der Handel mit Verſteinerungen bildet hier einen beſondern Induſtriezweig der Arbeiter. Außerdem wer⸗ den aber die zu dünnen, oder der Maſſe nach minder guten Plat⸗ ten, auch noch zum Dachdecken, Täfeln und dergl. verwendet. Man hat die lithographiſchen Kalkſteine künſtlich nachzuah⸗ men geſucht, aber dieſe Aufgabe iſt bis jetzt noch nicht gelungen; eben ſo erreichen die Kalkſteine, die man an andern Orten der Erde, z. B. im ſüdlichen Frankreich, zur Lithographie zu verwen⸗ den geſucht hat, bei weitem nicht die Pappenheimer an Güte, namentlich an Feinheit des Kornes und Sicherheit gegen das Springen unter der Preſſe. Das kunſtſinnige Baiern beſitzt da⸗ her in dieſen Steinbrüchen eine Art von Monopol für die ge⸗ ſammte Lithographie. Die maſſigern Kalkſteine darunter liefern treffliche Bauſteine. §. 747. Von der Grafſchaft Pappenheim aus dehnt ſich dann der Fränkiſche Jura in der Richtung nach Koburg hin aus. Sein innerer Bau iſt ganz ähnlich wie der der Schwäbiſchen Alp, nur ſind die Schichten noch weniger geneigt, und in Folge davon er⸗ hebt ſich die Juraplatte faſt allſeitig mit ſteilen Rändern über das Keupergebiet, auch treten die Leiasſchichten auf beiden Seiten hervor. Der Fränkiſche Jura bildet hier ein von gewundenen Thälern vielfach durchſchnittenes, nicht ſehr hohes Plateau. Die Höhen ſind meiſt bewaldet, in den Thälern ziehen ſich Wiesgründe hin, an den Ge⸗ hängen treten häufig Dolomitfelſen hervor, von Höhlen durchzo⸗ gen und von alten Burgen gekrönt; es iſt dies die maleriſche Gegend, die man neuerlich zuweilen die Fränkiſche Schweiz ge⸗ nannt hat. findet erer En enth en wen in d agen hi erdenne zuten ge rwendt ˖ nachu gelung Orta zu verne an Gi gegen d beſitted ür di ter liſe ann di 6. Ei Alp m davon über i i hen nritii indni dab urte nlei ar 1 — 443— §. 748. Den Baiern durchziehenden Jura können wir nicht verlaſſen, ohne noch der baſaltiſchen Durchſetzungen beſonders gedacht zu haben, welche ihn auszeichnen. Sie finden ſich öſtlich zuerſt in den Umgebungen des Riesgaues, dann in mehren kleinen Grup⸗ pen bei Kirchheim, Urach u. ſ. w., am ausgezeichnetſten aber im Höhgau. Sie beſtehen aus Baſalt, Phonolith und beiden zuge⸗ hörigen Tuff⸗ oder Conglomeratbildungen, in welchen zuweilen Geſteinsbrocken eingeſchloſſen gefunden werden, die nothwendig aus einer ſehr großen Tiefe empor geführt worden ſein müſſen. So z. B. enthält der Phonolithtuff am Hohentwiel im Höhgau eine Menge Granit⸗ und Gneisſtücke, die, den örtlichen Lagerungs⸗ verhältniſſen entſprechend, aus einer Tiefe von 3000 bis 4000 Fuß unter der jetzigen Oberfläche abſtammen müſſen. Es wird dieſe Behauptung vielleicht etwas deutlicher werden durch die Skizze Fig. 3 auf Taf. III, auf welcher die allgemeinen Lagerungsver⸗ hältniſſe dieſer Gegend incluſive des ſüdlichen Schwarzwaldes nach H. Bach's Zeichnung dargeſtellt ſind. Die baſaltiſchen und phonolithiſchen Kegel und Felſen haben zu zahlreichen alten Befeſtigungen Veranlaſſung gegeben, die ſtärkſte und berühmteſte darunter war der Hohentwiel, welcher durch Gewalt der Waffen niemals gewonnen und beſonders durch den tapfern Widerhold während des ganzen 30 jährigen Krieges behauptet wurde. Das Phonolithgeſtein enthält hier zugleich in⸗ tereſſante Natrolithklüfte. Die baſaltiſchen Tuffbildungen ſind zum Theil wahre Traſſe, und können in dieſem Falle zur Bereitung von Cementkalk ver⸗ wendet werden. §. 749. Mit dem Jura ſchließt die regelmäßige und vollſtändige Schich⸗ tenfolge des Bairiſchen Beckens. Die Kreidegruppe iſt nur durch wenige Schichten in dem kleinen beckenförmigen Gebiet von Regensburg vertreten, während ſüdlich von der Donau in der Re⸗ gel auf dem Jura unmittelbar Molaſſegebilde lagern. — — 44— Zwiſchen den ſoeben beſchriebenen Jurahöhen und den aus kryſtalliniſchen Geſteinen beſtehenden Bergen des Bairiſchen Waldes ſenkt ſich mit unregelmäßiger Form das Becken von Regens⸗ burg ein, Sandſteine mit Exogyra columba, ſowie Kalkſteine, welche beide den obern Abtheilungen der Kreidegruppe zugehören, ſind in demſelben zunächſt auf den Jurakalk gelagert, an einigen Stellen aber wieder von neuern Süßwaſſerſchichten und Braun⸗ kohlengebilden überlagert. Das Thal des Regenfluſſes, welches dieſes Becken durchſchneidet, hat in ſeiner Sohle zugleich die Baſis oder Unterlage dieſer localen bairiſchen Kreidebildung, den Jurakalk, frei gelegt. Dieſer tritt aber auch am Oſtrande deut⸗ lich hervor und hinter ihm folgen hier bis zum Granit ſchmale parallele Streifen von braunem Juraſandſtein, Leias, Keuper, et⸗ was Steinkohlenformation und etwas Thonſchiefer. Es iſt dies der äußerſte Oſtrand des großen ſüddeutſchen Beckens und hier zeigt es ſich, daß alle dieſe Schichten das ganze Becken erfüllen, nur ſehr oft überdeckt von den jüngern Bildungen. Für die Reihe bis zum bunten Sandſtein abwärts, deſſen Ausgehendes aller⸗ dings hier bedeckt iſt, wird das ſchon bei jeder flüchtigen Beach⸗ tung der allgemeinen Vertheilung erkennbar, daß aber auch die Steinkohlenformation von den Rändern des Thüringer Waldes und des Frankenwaldes bis hierher reiche, war nicht ſo deutlich. Alle die genannten Geſteinsſchichten, die zudem noch vielfach von Braunkohlenbildungen, Lehm, Kies und Flußalluvionen über⸗ lagert ſind, üben keinen auffallenden beſondern Einfluß auf die Bodengeſtaltung und auf das Leben dieſes kleinen Beckens, doch iſt offenbar die Lage der Hauptſtadt Regensburg bedingt durch dieſe breite und flachhügelige Einſenkung des Bodens, und ſie iſt jedenfalls eine weit natürlichere als die von München. §. 750. Die Molaſſegruppe nimmt im Bairiſchen Becken weſent⸗ lich nur die Region ſüdlich von dem Höhenzug der Schwäbiſchen Alp und der Donau ein. Sie beſteht in dieſer Region, bis da⸗ hin, wo die Vorberge der Alpen aufſteigen, faſt nur aus grauem Na n aus Lad gens fdein chänn dinign Braur welch ſich ng, d e deu⸗ ſchme per, K it is nd hie rfülln, e Rühh Jalce Bend⸗ uch di Laldes atlich. vieffach m übe⸗ auf d 6, doh t dart dſeit weſen⸗ bbiſch bis de grauen — 445— Molaſſeſandſtein mit thonigen Zwiſchenlagerungen und Nagelfluhe, eocene Schichten treten erſt im Alpenrand hervor. Außer dieſem Hauptmolaſſegebiet finden ſich weniger verbrei⸗ tete Tertiärgebilde nur noch bei Regensburg und im Riesgau. Von erſtern war bereits die Rede, letztere wollen wir jetzt zunächſt in Betrachtung ziehen, ehe wir uns dem Hauptgebiet zuwenden. §. 751. Das Riesgau iſt ein weites Becken, eingeſchnitten in die öſtliche Verlängerung des Jurahöhenzugs der Rauhen Alp. Sei⸗ nen Boden bilden Jurakalk, Leias und Keuper, aber dieſe ſind im Becken überlagert von Braunkohlengebilden und Süßwaſſer⸗ kalk und von einer überaus mächtigen humoſen, oft moorartigen Decke. Die Wörniz, die es durchſtrömt, hat ſüdlich nur noch einen ganz ſchmalen Jurakalkſteindamm zu durchbrechen, um dann ſogleich in die Donau einzumünden. Das ganze Riesgau iſt gleichſam eine Erweiterung des Wörnizthales. Die Ebene des Riesgaues bietet einen ungemein fruchtbaren Boden dar, der von üppigen Feldern und Wieſen bedeckt iſt. Ringsum erheben ſich als erſter Rand kleine Süßwaſſerhügel, dann reich bewaldete Jurakalk⸗ und Baſaltberge, und nur einige wenige kleine Süß⸗ waſſerkalkfelshügel haben ſich auch im Innern des Beckens dem Anbau entzogen, während man ſie als Bauſteine ausgebeutet und als Bauplätze benutzt hat. Ihrer Anweſenheit verdanken Nördlin⸗ gen und Wallerſtein ihre örtliche Lage. Merkwürdigerweiſe zeigt ſich am Rande des Riesgaues in den Thalſohlen hier und da auch ein wenig granitiſches Geſtein aus der Tiefe auf⸗ ragend. ³⁵) Die bairiſche Hauptbahn hat durch dieſes Becken den einzi⸗ gen bequemen Durchweg durch den Jurakalkhöhenzug gefunden, welcher Nordbaiern von Südbaiern trennt. §. 752. Es iſt die Molaſſe⸗Hochebene, welche von der Do⸗ nau ſanft gegen die Alpen anſteigt, das breite Plateau, auf — 446— welchem München und Augsburg zwiſchen 1500 und 1600 Fuß über dem Meere liegen, die wir jetzt zu betrachten haben. Gleich⸗ ſam als habe die Natur überall nur eine gewiſſe Summe von landſchaftlicher Anmuth zu vergeben gehabt, ſcheint es, als wenn ſie dieſer Strecke alle Reize ſtiefmütterlich entzogen hätte, um ſie dann in dem plötzlich aufſteigenden Alpengebiet um ſo verſchwen⸗ deriſcher anzuhäufen. Mehr weſtlich und mehr öſtlich, in der Schweiz und in Oeſtreich iſt das aber anders, da bildet die Mo⸗ laſſezone ein ſehr liebliches Vorhügelland der Alpen. Nur hier gerade ſcheinen gewaltige Strömungen einen unwiderſtehlichen und allgemeinen Nivellirungsproceß ausgeübt zu haben. Eine große Zahl von Flüſſen läuft ohne eigentliche Thäler zu bilden quer über dieſe Pläne hinweg von den Alpen der Donau zu, ſo die Iller, die Günz, die Mindel, die Wartach, der Lech, die Paar, die Amber, die Iſar, der Inn und die Salza. Den Boden dieſes ganzen Gebietes bilden, wie geſagt, Mo⸗ laſſeſchichten, größtentheils eigentlicher Molaſſeſandſtein, hier und da aber auch Süßwaſſerkalkſtein, wie z. B. zu Steinheim bei Ulm die ungemein ſchneckenreichen Schichten. Alle dieſe Tertiär⸗ gebilde werden aber vielfach bedeckt von den geſchiebereichen Allu⸗ vionen der Flüſſe und von breiten Moorſtrecken und Torflagern. Die Alpen kann man hier in ihren Trümmern ſtudiren, denn alle die Geſteine, die im Innern der Kette himmelanſtrebende Berge und Felſen bilden, liegen an ihrem Fuße, zu kleinen Ge⸗ ſchieben abgerundet, bunt über⸗ und nebeneinander. §. 753. Die ſüdlich vorliegende Bergmauer hindert und kühlt nicht nur den milden Hauch der ſüdlichen Winde, ſondern, und das wirkt noch nachtheiliger auf die Witterung dieſer Gegend ein, ſie ſtaut auch die regenbringenden Nord⸗ und Weſtwinde an, ſodaß ſie gerade über dieſer Gegend den Inhalt ihrer Wolken vorzugs⸗ weiſe reichlich ausgießen. Dieſe Umſtände vereint mit der hohen Lage machen dieſe Gegend zu einer verhältnißmäßig rauhen und naſſen und haben zugleich ſehr ausgedehnte Torf⸗ und Moorbil⸗ 3 8 d Glet me m lo wa m erſche „ur diene Nrri ſchen m ſine gi den ſ u, ſt die dar agt, N hier m thein hi Tertü fen Allr fllagern en, dem ſtreben inen Ge äühlt it und d dn an, ud vorza der he uhen 1 Meti — 447— dungen in derſelben veranlaßt oder befördert. Erſt an der Donau ſelbſt, und beſonders an ihrem linken Gehänge geſtalten ſich die atmoſpäriſchen Verhältniſſe günſtiger, durch die größere Entfer⸗ nung der Alpen, und durch den Schutz der nördlich vorliegenden Hügelketten. Die Molaſſeſchichten laſſen in dieſem Lande um ſo weniger beſondere Einwirkungen auf das menſchliche Leben wahrnehmen, als ſie, wie erwähnt, ſehr oft überdeckt ſind von jüngern Fluß⸗ anſchwemmungen. Sehr fruchtbare Bodenſtrecken wechſeln unre⸗ gelmäßig mit Kies oder Sandland, mit Haide oder Sumpfland. Nur gegen den Rand der Alpen hin, wo auch die Oberfläche ſich ſchon hügeliger und mannichfaltiger geſtaltet, treten unter der eigentlichen Molaſſe gewiſſe tertiäre Schichten hervor, welche einen weſentlichen Einfluß auf die locale Induſtrie üben; es ſind dies eocene Eiſenſtein⸗ und Kohlenlager, die wir bei Betrachtung des Alpengebietes näher kennen lernen werden. Daß die Hauptſtadt Baierns ſich auf dem unintereſſanteſten Boden des ganzen Landes in dem unſchönſten Theile dieſer Hoch⸗ ebene 1570 Fuß über dem Meere erhebt, gehört gewiſſermaßen zu den abnormen Erſcheinungen in der Naturgeſchichte der Städte, da irgend eine beſondere Veranlaſſung zu der Wahl dieſer Stelle kaum nachweisbar ſein dürfte. Die Kunſt hat gerade hier nach und nach Erſatz zu bieten geſucht für Das, was die Natur nicht darbot. Dem Verkehr ſtellt eine ſolche Fläche natürlich nach keiner Richtung weſentliche Hinderniſſe in den Weg. Die Lage der Bahnen und Hauptſtraßen iſt hier faſt nur bedingt durch die Lage größerer Städte und der Thore oder Uebergänge, welche ſich in den rings umgebenden Gebirgen öffnen. Dieſe ſind: Das Donauthal bei Paſſau, die Thäler der Regen, Wal und Altmühl bei Regensburg, das Wörnizthal bei Donauwörth, der Uebergang über die Rauhe Alp bei Ulm, der Eintritt der Donau bei Rie⸗ dingen, die Niederung des Bodenſees, der Gebirgspaß von Mit⸗ tenwald, das Innthal, das Saalthal, das Salzachthal und das Traunthal. — 448— §. 754. Ganz im Weſten, an den Ufern des Bodenſees, erheben ſich die Molaſſegebilde wieder zu bedeutendern Hügeln und Bergen, beſonders in den das Höhgau umſäumenden Hügelketten zwiſchen dem Ueberlinger See und dem Rhein. Hier treten in ihnen einige ganz neue pliocene Ablagerungen auf, welche ſeit langer Zeit das Intereſſe der Geologen in hohem Grade auf ſich gelenkt haben. Bei Wangen unweit Oeningen noch auf badiſchem Gebiet, aber dicht an der Grenze der Schweiz, werden mehre Steinbrüche in einem mit Schieferthon wechſellagernden Süßwaſſerkalkſtein be⸗ trieben, faſt nur um die ſchönen Verſteinerungen zu gewinnen, welche darin vorkommen, beſtehend aus dicotyledonen Blättern, Süßwaſſerfiſchen, Eidechſen, Schildkröten, einzelnen Säugethier⸗ ſkeletten und unzähligen gut erhaltenen Inſektenarten. Auch der ſeiner Zeit berühmte home diluvii testis Scheuchper's(eigentlich ein Salamander) ſtammt aus dieſen Schichten. 8§. 755. Die Diluvialgebilde, deren Natur und Einfluß wir theil⸗ weiſe bereits beiläufig kennen gelernt haben, ſind in dem Bairiſchen Becken nicht nordiſcher Abſtammung wie im Norden Deutſchlands. Sie laſſen ſich ihrem Urſprung nach in zweierlei ſondern, in alpini⸗ ſche und in ganz locale. Die erſtern herrſchen ſüdlich von der Do⸗ nau vor und ſteigen in den Umgebungen des Bodenſees nach den Unterſuchungen von Frommherz bis zu einem Niveau von 2500, ja ſelbſt bis 2800 Fuß über den Meeresſpiegel auf. Die localen Ablagerungen der Diluvialzeit beſtehen aus Geſchieben und an⸗ dern Zerſtörungsproducten der benachbarten Geſteine, und zu ihnen ſind z. B. auch die Bohnerzablagerungen und Knochenbreccien in den Spalten und Höhlenräumen des Jurakalkſteins zu rechnen. §. 756. Alluviale Ablagerungen finden ſich natürlich auch in dieſem Gebiet überall zerſtreut an der Oberfläche als Kalktuffab⸗ lagerung der Quellen, als Torf und Raſeneiſenſteinbildung in —— ä intrit fſten ſtwim, Btn ugchie Aah k „ igatt ir h driſche hlande lpini dr d nachin nB — 449— ſumpfigen Strecken, z. B. auch den Hochebe⸗ nen Münchens, und als neue Anſchwem⸗ mung der Flüſſe in den Thälern. Letztere beſonders charakteriſtiſch in dem Thale der Donau, welche, ehe ſie bei Paſſau in das beiderſeitige Berggebiet eintritt, ſeit uralter Zeit ihre mechaniſchen Beimengungen großen⸗ theils abgelagert und dadurch nach und nach einen breiten ebenen Thalboden gebildet hat. §. 757. Es beſteht nach dem Allen das große ſüddeutſche Flötzbecken aus einer ziemlich re⸗ gelmäßigen Uebereinanderlagerung der For⸗ mationen Buntſandſtein, Muſchelkalk, Keu⸗ per, Leias, Jura und Molaſſe, in der Rich⸗ tung von Nordweſt nach Südoſt(vergl. die beiſtehende ganz ideale Skizze), d. h. die äl⸗ tern dieſer Formationen treten vorzugsweiſe an der Nordweſtſeite an die Oberfläche, die neuern an der Südoſtſeite. Die dichten Kalk⸗ ſteine und Dolomite der Juraformation bil⸗ den dabei im Innern des ganzen Gebietes einen bedeutenden Höhenzug, ein wahres Gebirge, der indeſſen von einigen Thälern quer durchbrochen iſt. Außerdem bildet der Muſchelkalk im Innern der Nordhälfte hier und da Hochplateaus, die ſich um ein paar hundert Fuß über das gewöhnliche ohnehin ziemlich bedeutende Niveau erheben. Dieſe Beziehungen der einzelnen Formationen zur Oberflächenform, welche ich in der Beilage 34 noch ſpecieller beleuchten werde, haben entſchiedenen Einfluß auf die Vertheilung der Städte und die Hauptrichtungen des Verkehrs Cotta, Deutſchlands Boden. mgeekelt — 450— gehabt. Von den größern Städten wird nur eine, Würzburg, mitten im Muſchelkalkgebiet und nur eine, Amberg, im Jurage⸗ biet gefunden. Die meiſten liegen im Keuper, wie Bayreuth, Koburg, Bamberg, Nürnberg, Stuttgart, Tübingen, einige auf Kreide, Molaſſe und neuer Anſchwemmung, wie Regensburg, Mün⸗ chen, Augsburgund Ulm. Die Eiſenbahnen ſind mit möglichſter Um⸗ gehung von Muſchelkalk und Jura auf Keuper und Molaſſe geblie⸗ ben. Ueber den Einfluß des geologiſchen Baues auf die Vegetations⸗ verhältniſſe und auf die Landwirthſchaft in einem Theile des großen ſüddeutſchen Beckens enthalten die Beilagen 35 und 36 beſondere Ab⸗ handlungen. §. 758. Die beſondern Geſteine, welche zwiſchen die vorherrſchenden ſandigen, thonigen und kalkigen Schichten aller der genannten Formationen eingeſchloſſen ſind, bieten zur Gewinnung und wei⸗ tern induſtriellen Verwerthung beſonders Eiſenſtein, Steinſalz und lithographiſchen Kalkſtein dar. Stein⸗ und Braunkohlen fin⸗ den ſich in beachtenswerther Weiſe eigentlich nur an den Rändern des Beckens. Das Steinſalz hat eine große Zahl von Salinen veranlaßt. Im Neckar⸗ und Maingebiet wird vorherrſchend das Muſchelkalkſalz benutzt, im Werragebiet und theilweiſe auch in dem des Main das Zechſteinſalz. Mit ihm ſtehen auch einige Heilquellen in Beziehung, ſo die bei Kiſſingen. Die Eiſenſteine gehören urſprünglich oder auf ſecundärer Lagerſtätte der Jurafor⸗ mation an. Der lithographiſche Kalkſtein bildet local das oberſte Juraglied. Dem Leias entſtrömen ſchwefel⸗ und eiſenreiche Mi⸗ neralquellen. Säuerlinge finden ſich am Rande der Schwäbiſchen Alp. Torflager ſind am häufigſten über die ſüdliche Molaſſehoch⸗ ebene ausgebreitet. Traß iſt mit den Baſalten und Phonolithen verbunden. Höhlenſchlamm, foſſile Knochen und Koprolithen der Dolomithöhlen und ſelbſt manche phosphorſauern Kalk ent⸗ haltende Verſteinerungen würde man wie in England wahrſchein⸗ lich als gute Düngematerialien verwenden können, wozu der Gyps in anderer Richtung bereits vielfach dient. Aus den ſehr bitu⸗ minöſen Leiasſchiefern ließe ſich vielleicht Asphalt gewinnen. — — Penn! tervend Anven Einftu lkche dt O erleng aif Re n d prang ſche UVolog de M Nar 1470 Nau c 4 Dnu * b dünten Janag Bayrat nige u urg,N chſterhe nſſe g getatine des gyir ondere errſcaan genannin und e Steni kohlen ſe Nände Salin hend dai auch in ch(rig giſenſten Jarefer gas obgt rache wibita glſchtt honoltha opwilthe Kalk i ohrih der G ſehr bir anen. — 451— Der große Reichthum an ſchönen Verſteinerungen, welchen einige Schichten des Schwäbiſchen Jura enthalten, hat, abgeſehen von dem alten Verſteinerungshandel in Solenhofen und bei Oe⸗ ningen, in neueſter Zeit wirklich ein Hülfsmittel dargeboten zur Beſchäftigung der Armen und zur Erleichterung ihrer Noth. Der Pfarrer Dr. Fraas in Laufen bei Bahlingen hat ſich dieſes Gegenſtandes mit ſehr verdienſtlichem Eifer angenommen, durch ſeine Vermittelung erhalten eine Anzahl Familien Beſchäftigung durch Sammeln und Reinigen der organiſchen Reſte, die Freunde der Wiſſenſchaft aber ſehr billige Bereicherungen für ihre Sammlungen. Man hört oft die Bemerkung, die Urſache, warum das Bier im Allgemeinen in Baiern beſſer ſei als in andern Ländern, be⸗ ruhe wenigſtens theilweiſe in der Beſchaffenheit ſeiner Quellen. Wenn nun auch nicht geleugnet werden kann, daß die Natur des verwendeten Waſſers, ſolange man deſſen Zuſtand nicht vor der Anwendung künſtlich verändert, auf die Güte des Bieres von Einfluß ſei, ſo iſt doch durchaus zu beſtreiten, daß die allgemeine Urſache der Güte des bairiſchen Bieres von der Beſchaffenheit der Quellen herrühre. Kulmbach liegt auf buntem Sandſtein, Erlangen auf Keuper, Muggendorf zwiſchen Juradolomit, München auf Molaſſe und Diluvialgeſchieben. Die Waſſer dieſer berühm⸗ ten Bierorte haben daher überall einen andern geologiſchen Ur⸗ ſprung und ganz analoge Quellen bieten dieſelben Formationen ſicher auch in andern Ländern dar. Wir können demnach dem geologiſchen Bau keinen ſolchen allgemeinen Einfluß auf die Güte des Bieres zuſchreiben. Ebenſo wenig als man es etwa dem Muſchelkalkboden zuſchreiben kann, daß in dem kleinen Städtchen Marbach am Neckar vier berühmte Männer geboren worden ſind, 1470 der Arzt Alex. Seitz, 1696 der Augenarzt Burkh. David Mauchard, 1723 der Aſtronom Tobias Meyer und 1759 Fried⸗ rich Schiller. §. 759. Das jetzige Baiern war einſt in zeitlich und räumlich nicht genau beſtimmbarer Umgrenzung von Alemannen, Sueven, Ju⸗ 29* — 452— thungen, Vandalen, Hermunduren, Burgundern und Turonen bewohnt. Unter den Karolingern grenzten in der Gegend von Weißenburg(Wizenburg) aneinander die Herzogthümer der Bo⸗ joarier, der Alemannen und der Franken. Zur Zeit der Hohen⸗ ſtaufen finden wir die Herzogthümer Bavaria superior und Ba- varia inferior, an welche ſich weſtlich und nördlich eine große Zahl kleinere Gebiete anſchließen. Die größte Zerſplitterung tritt aber in dem Zeitraum zwiſchen Rudolph von Habsburg und Ma⸗ ximilian J.(1273 bis 1493) ein. Da finden wir vielfach inein⸗ andergreifend ein Baiern München, Baiern Landshut, Baiern Straubing, Baiern Ingolſtadt, die Gebiete von Paſſau, Degen⸗ burg, Eichſtet, Oberpfalz, Pappenheim, Brandenburg, Oetting, Augsburg, Burgau, Waldburg, Kirchberg, Helfenſtein, Bam⸗ berg, Würzburg, Nürnberg, Wertheim, Rienk, Mainz u. ſ. w. In der Reformationszeit conſolidirt ſich Baiern etwas beſſer, aber während des 30 jährigen Krieges iſt die Zerſplitterung im weſtlichen und nördlichen Theile immer noch ſehr groß, bis end⸗ lich nach Beſiegung Napoleon's das Königreich Baiern in ſeiner jetzigen Geſtalt daraus hervorgeht. Wol iſt es dabei bemerkens⸗ werth, daß der Conſolidirungsproceß von dem am natürlichſt um⸗ grenzten Landestheile zwiſchen den Alpen und dem Böhmer Walde ausgegangen iſt; ihm fielen nach den Geſetzen der Schwere, auf die Staatswiſſenſchaft angewendet, jene kleinen Gebiete Schwa⸗ bens, der Pfalz und Frankens zu, inſofern ſie nicht von nähern Schwerpunkten ſtärker angezogen wurden. Die Nhön. 37) §. 760. Sie ſchließt im Verein mit dem Vogelsgebirge die Nordſeite des großen Bairiſchen Beckens ab und bildet geologiſch betrachtet kein geſchloſſenes Gebirge, ſondern nur eine Gruppe baſeltiſcher, phonolithiſcher und ſelbſt trachitiſcher Kegel auf der flachen Waſ⸗ ſerſcheide zwiſchen dem Weſer⸗ und Maingebiet. Es iſt das ein ähnlicher Bau wie der des Böhmiſchen Mittelgebirges. Das ganze Gebiet iſt nur klein und bedarf hier keiner be— nicht arr ſ Ir d Braun ftin, icht, ruijü heno. ſconge Aͤli dnth de K na, über i, d ſe vu in d gen däe ban 13. Turone end ven dr W⸗ doeha⸗ und Re ne guße uny tit ind Ma⸗ h nei — 453— ſondern Schilderung ſeiner phyſikaliſchen Verhältniſſe. Ich werde mich auf einige wenige Bemerkungen über dieſes Berggebiet be⸗ ſchränken. §. 761. Die baſaltiſchen und phonolithiſchen Kegel der Rhön ſind meiſt nicht ſo ſcharf zugeſpitzt als ihre Brüder bei Teplitz. Einige ſo— gar ſind oben ganz abgeplattet und von Moorſtrecken bedeckt. Ihr Fuß ruht nicht wie in Böhmen auf Quaderſandſtein und Braunkohlengebilden, ſondern auf Muſchelkalk und buntem Sand⸗ ſtein, doch fehlen Braunkohlenablagerungen auch in dieſer Gegend nicht ganz. Dieſe Flötzgebirgsbaſis iſt von gewundenen Thälern durchſchnitten, auf deren plateauartigen Scheiden die Baſalt⸗ und Phonolithkegel viel einzelner zerſtreut umherſtehen als in den Um— gebungen des Mileſchauers, wodurch gerade hier eine gewöhnliche Thalbildung zwiſchen den Bergen möglich geworden iſt, die dort beinahe fehlt. Aber wie in Böhmen, ſo werden auch in Franken die Kegel rings um die Hauptgruppe immer einzelner und einzel⸗ ner, während in ſehr großem Umkreis immer noch einzelne ſich über die geſchichtete(Flötz⸗) Platte erheben. Sonderbar iſt es da⸗ bei, daß ziemlich häufig der Muſchelkalk gerade nur am Fuß die⸗ ſer vulkaniſchen Kegel ringförmig erhalten iſt, gleichſam als hät⸗ ten dieſe feſten Geſteinskuppen, wie in die Erdkruſte eingeſchla⸗ gene Rieſennägel, einzelne Fetzen dieſer früher allgemeinen Flötz⸗ decke auf den bunten Sandſtein feſtgehalten, der im Großen und Ganzen die Oberfläche des Landes bildet. Außer den abgerundeten Kuppen ſieht man hier und da den Baſalt und Phonolith auch gangförmig aus dem Sandſtein oder — 454— Flötzkalk hervorragen, und kaum kann es noch einem Zweifel un⸗ terliegen, daß alle die Felskuppen auf weit fortſetzenden Gang⸗ ſpalten oder ſtielartig ausgefüllten Schlünden ruhen, aus denen ſie einſt in heißflüſſigem Zuſtande lavaartig hervordrangen. Da⸗ durch wird dann die formelle Aehnlichkeit mit eingeſchlagenen Nägeln um ſo größer. Zwiſchen den einzelnen Bergkuppen fin⸗ den ſich, wie erwähnt, hier und da kleine Braunkohlengebiete, mit plaſtiſchem Thon und Sand, und auf den breiten Plateaus der größern wie z. B. des 2870 Fuß hohen Dammersfeldes, mächtige Torfbildungen. Bei Kleinſaſſen und am Ziegenkopf bei Schackau enthalten trachitiſche Geſteine Spuren von Manganerz⸗ gängen. Das iſt der geologiſche Bau der Rhön. § 762. Die Gegend iſt verhältnißmäßig rauh, weil hoch. Die Thal⸗ ſohlen liegen im Durchſchnitt 1300 bis 1500 Fuß über dem Meere, die Plateaus zwiſchen ihnen gegen 2000 Fuß, die Bergſpitzen aber erheben ſich wenig über 2800 Fuß. In den Thälern liegen die Ort⸗ ſchaften zerſtreut, ihre Felder und Triften ſind über die Gehänge und Plateaus ausgebreitet, die Kegel ſind bewaldet oder kahl, im letztern Falle nur als ſpärliche Weide nutzbar. Auffallend iſt es, daß man auf der plateauförmigen Höhe mancher der breiten Kup⸗ pen deutliche Spuren früher weit ausgebreitetern Feldbaues vor⸗ findet, was eine Verſchlechterung des Klimas anzudeuten ſcheint. Da der Feldbau dieſer Gegend wenig ergiebig iſt, ſo iſt die größ⸗ tentheils ländliche Bevölkerung vorzugsweiſe auf Viehzucht an⸗ gewieſen.— Berühmt ſind die fetten Rhönhammel. Die feſte Erdkruſte bietet in dieſem Gebiet nur wenig nutz⸗ bares Material, darunter Braunkohlen und Töpferthon. Groß⸗ artige Fabrikinduſtrie iſt noch gänzlich untergeordnet, doch ſind Webſtühle in allen Dörfern thätig. Eine techniſch nutzbare Pflanze, die in dieſer Gegend wie an vielen Bergen Heſſens eingeſammelt wird, ſcheint ein eigenthümliches Gewächs des Baſaltes zu ſein; es iſt eine hellgraue Flechte, die in dicken V weft n n Em us dan en. de ſchlagne ppenſ⸗ lengeit Platu nerifa enkeyf langane Dahl em Ner pizen ahe die de Gehäͤng kahl, in dit ten K⸗ aues her en ſceit di gij zuct K enig ui . Gri doch ſi nutbun dHeſan ichs de in ditn — 455— Kruſten die Baſaltfelſen überzieht und aus welcher ein ſchönes Roth hergeſtellt wird. §. 763. Wer die Rhön beſucht, wird es nicht unterlaſſen, die Milze⸗ burg, dieſen ſchroffen 2500 Fuß hohen Phonolithfels, und den Hei⸗ ligen Kreuzberg(2600 Fuß hoch) zu beſteigen, wo die wohlge⸗ nährten und gaſtfreien Mönche, treffliches Bier und ſchmackhafte Koſt vorſetzen. Vom Kreuzberge kann man die ganze Rhön und weithin das Land überblicken, welches von Verkehrsſtraßen nur äußerſt ſparſam durchſchnitten iſt. Am Fuße liegt das Bade⸗ örtchen Brückenau, deſſen mineraliſche Quellen durch den kunſt⸗ ſinnigen und prachtliebenden König Ludwig von Baiern mit ge⸗ ſchmackvollen Gebäuden umgeben worden ſind. Ein ſo kleines zerſtreutes Bergland auf einem übrigens gleichförmigen breiten Hochplateau konnte niemals eine beſondere politiſche Bedeutung gewinnen. Doch grenzen hier Baiern, Heſ⸗ ſen und einige der thüringiſchen Staaten aneinander. Das Vogelsgebirge. 3) §. 764. Es erhebt ſich zwiſchen dem heſſiſchen Bergland und der Wetterau. Es bildet wie die Rhön eine Scheide zwiſchen den Zuflüſſen der Weſer und des Main. Außer Dem, was man ge⸗ wöhnlich als Vogelsgebirge oder auch Vogelsberg bezeichnet, werde ich hier noch einen nicht ſcharf beſtimmbaren Theil der Umge⸗ bungen in die Betrachtung hereinziehen. Ueber die klimatiſchen Zuſtände dieſes Gebietes handelt die Beilage 39. Das Vogelsgebirge, der Vogelsberg im engern Sinne, bil⸗ det eigentlich nur einen einzigen ganz flach anſteigenden Kegel, deſſen Seiten mit dem Horizont etwa einen Winkel von 1° bil⸗ den, während der Radius der Grundfläche dieſes Kegels 3 bis 4 Meilen beträgt. Als Centralgipfel erhebt ſich der Taufſtein etwa — 456— 1500 bis 2000 Fuß über die Baſis oder 3100 Fuß über den Meeresſpiegel. Die Spitze dieſes Kegels bildet das flache Plateau des Oberwaldes mit dem Taufſtein. Die Abfälle deſſelben, die Seiten des Kegels, ſind in merkwürdiger Regelmäßigkeit radien⸗ artig nach allen Richtungen der Windroſe von Thälern durch⸗ zogen, deren Zahl in dem Maße zunimmt, als man ſich von dem Centralplateau entfernt, ſodaß die langgeſtreckten Rücken zwiſchen denſelben gewöhnlich nur einige hundert Schritte bis zu einer Viertelſtunde breit ſind. Ueber dieſe ganze Oberfläche des breiten Kegels ſind warzenartig zahlreiche kleine Baſaltküppchen verbrei⸗ tet, welche als ebenſo viele untergeordnete Erhebungen anzuſehen ſind, wie die ganz iſolirten Baſaltkegel in der Umgebung des Vogelsberges. Es iſt dies im Grunde beinahe die Form des Aetna, nur viel flacher und ohne noch erkennbare Krater, während dagegen baſaltiſche Lavaſtröme als Ausläufer von der Hauptmaſſe nicht zu fehlen ſcheinen. § 765. Die Baſis dieſes Baſaltgebirges bildet vorherrſchend bunter Sandſtein, der ſich von da über das ganze nördliche Heſſen und Baiern ausbreitet, zunächſt noch vielfach unterbrochen von einzel⸗ nen Baſaltkuppen, zerſtreuten Vorpoſten der vulkaniſchen Haupt— maſſe. Auf der Weſtſeite iſt aber der Buntſandſtein in dem ſchma— len, zum Theil ganz verſchwindenden Zwiſchenraum gegen das große Rheiniſche Grauwackengebiet vielfach bedeckt von allerlei tertiären Ablagerungen, auf die wir noch zurückkommen werden. Geringere Bedeckungen der Art treten auch an der Süddoſtſeite des Baſaltgebietes auf und hier geſellt ſich dazu auch der Mu⸗ ſchelkalk und in dem Niddathale reicht der Zechſtein der Wetterau bis beinahe nach Ortenberg herauf. §. 766. Nach dieſer ganz allgemeinen Schilderung des geologiſchen Baues wollen wir uns zunächſt einer weitern Betrachtung des läll ihii dihur ſi inn ide nn lt ai diſen Wöſal ſha pore dri ſitt deht ich über a Alrtn ba, ä it ndin in dut von de Käwiſt zu imn ds briin n vern. anzuſc bung d etna, mu daxga ricta d bunte ſen und nzel⸗ Haupt⸗ n ſchme gen de aleli werden. üdoſtſät der Me Wetterue ggiſchn ug de — 457— baſaltiſchen Hauptgebietes zuwenden. Ich folge dabei zum Theil der Darſtellung Becker's. Die Entſtehungsweiſe des Vogelsberges und die Formen, welche durch Ströme baſaltiſcher Lava erzeugt werden, erklärt zur Genüge die Oberflächenbildung in ihren Einzelheiten. Es muß dabei bemerkt werden, daß die ſpäte, der Tertiärzeit angehörende Emporſteigung dieſes Gebirgs die Einwirkung der auflöſenden und abſpülenden Kräfte der Atmoſphärilien auf die jüngſte, ver⸗ gleichsweiſe alſo kurze, Periode der Erdbildung beſchränkt. Man erkennt deshalb faſt überall noch die vielfachen Unregelmäßigkeiten und Rauheiten der Oberfläche des Baſaltgebietes. Alles Krater⸗ ähnliche iſt jedoch verwiſcht. Namentlich gehört dahin der oft plötzliche Wechſel der Böſchungen. Eine ſteile mauerartige Ab⸗ dachung erſcheint plötzlich durch flachern Hang unterbrochen, als ſei ein Mauerſtück eingeſtürzt. Viele dieſer Baſaltberge ſind dem Bilde ausgedehnter Ruinen ähnlich, indem man die Repräſen⸗ tanten der Wartthürme, Ringmauern und Vorwerke erkennt; der zahlreich vorkommende Name„Alte Burg“ deutet hier weit öfter auf ſolche Aehnlichkeit, als auf hiſtoriſche Wirklichkeit hin. In⸗ deſſen beſtehen nicht alle Berge des Vogelsberges aus compacten Baſalten. Der größere Theil der Oberfläche beſteht aus baſalti⸗ ſcher Lava, erkennbar meiſt an ihrer mehr oder weniger ſtarken Poroſität, ihrer oft plattenförmigen Abſonderung und endlich an der äußern Form. Geſtreckte flache Rücken, flache Gehänge ge⸗ ſtatten, dieſe Formen mit Recht mit den Höhenzügen jüngerer neptuniſcher Formationen zu vergleichen, wenn ſie ſich nicht end⸗ lich durch plötzlichen Böſchungswechſel, kurze ſteile Wände, Riſſe, Spalten, oder wenigſtens kleine grasbedeckte Vertiefungen bis zu den ſogenannten Brunkeln(oft mit Waſſer gefüllten Vertiefun⸗ gen) herab zur Genüge von den Bergformen unterſchieden, die ausſchließlich oder vorzugsweiſe durch Niederſchlag und Spülung ent⸗ ſtanden ſind. Auch die kleinen untergeordneten baſaltiſchen Kegel, welche ſich in allen Theilen des Vogelsberges finden, ſind von der man⸗ nichfaltigſten Form. Repräſentanten dieſer Formen finden ſich — 458— nicht minder in allen den iſolirten Baſaltgruppen, welche den Vogelsberg rings umgeben. Oft ſind die ſchroffen Abfälle dieſer von der Natur gebildeten Säulenbündel nicht überall entblößt, man ſieht ſteile ſteinbruchartige Wände auf der einen Seite, wäh⸗ rend auf einer andern Seite das umgebende flachere Terrain bis zur Spitze ununterbrochen fortſetzt, ſo z. B. am Taufſtein und Diebſtein im Oberwald, Steinberg zwiſchen Lauterbach und Schlitz im Sandſteingebiet, Burgfriedberg im Wetterauer Diluvialland, Wildeſtein bei Büdingen, ebenfalls im Sandſtein auftretend und zugleich ein merkwürdiges Beiſpiel der vulkanifchen Einwirkung des Baſaltes auf das durchbrochene Geſtein darbietend, welches dadurch vielfach ſäulenförmig zerſpalten iſt. Häufiger, wenigſtens auffallender in ihrer Form, ſind die rundum entblößten Kegel von etwa 20 bis 100 Fuß relativer Höhe mit kleiner Grundfläche, an den Gehängen meiſt mit Haufwerken baſaltiſcher Geſteine mancherlei Structur bedeckt, wenn nicht die Säulenbildung offen zu Tage tritt. Die Namen dieſer Kegel tragen gewöhnlich die Endung Kopf, Stein, Küppel u. dergl. Beiſpielsweiſe ſei unter der großen Zahl derſelben aufgeführt: Geißelſtein und Hoheroths⸗ kopf im Oberwald, Sauſtallskuppe und andere in der Umgebung von Lauterbach, Teufelskopf bei Köddingen, der Felſen von Mün⸗ zenberg, den Molaſſeſandſtein durchbrechend und verändernd, mehre Kegel im Sandſteingebiete ſüdlich von Eifa. Oft iſt eine Höhe mit mehren ſolcher Kegel in unmittelbarer Nähe gekrönt, z. B. Alteburg bei Herchenhain, Bilſtein bei Breungeshain, Vaitsberg, Oſſenberg und Eckartsküppel bei Lauterbach, Gäns⸗ berg bei Dorf Altenburg ſüdlich von Alsfeld. Beſonders bilden dieſe kleinen Kegel in Verbindung mit dem mehrerwähnten raſchen Böſchungswechſel Bergformen, welche vorzugsweiſe Ruinen oder verfallenen Bergfeſten ähnlich ſind. Die Plateaus ſind mit kleinen Kegeln beſetzt, die Ränder der Plateaus fallen ſtellenweiſe ſteil und ſchroff, dann plötzlich wieder flach ab, weiter abwärts zeigen ſich neue Terraſſen und Vor⸗ ſprünge, äußern Ringmauern, Baſteien und Vorwerken gleichend. Bei aller Mannichfaltigkeit der Form zeigen ſolche Berge einen ijctin h⸗ di b autt taberg bt bſche Unge nach Berg ichſt daü ld Hel ag nd ſuc beig 8” V nen Kal di te bg lubia u retendu ännitw d, vich wenigie Kagim rundſit :Gii ung ſ hnüch ſäi mt doherote Umgebun on Nu ränden ft iſt ü e gekin ngtitbi , 68 gnit , vlh lih ſt inder h wir und Ar gleite tge 1 — 459— übereinſtimmenden Charakter, dem namentlich auch die regellos in Feld⸗ und Wieswachs wechſelnde Bodenbeſchaffenheit zukommt. Die bezeichnendſten Beiſpiele ſolcher Formen ſind: Altenberg bei Lauterbach, überhaupt die Umgebung dieſer Stadt, Brandküppel, Katzenhauer, Hörſtchen in der Umgebung von Stockhauſen, Win⸗ terberg, Röderküppel, Knorz, Lerchenberg bei Freienſteinau, Schloß⸗ berg und Warte und andere Umgebungen von Eichelſachſen und Eſchenrod, Kiſſelberg bei Nidda, ſowie in ſchwächerm Profil die Umgebungen von Brauerſchwend. Die kleinen Felskegel gehen, wie in vielen Beiſpielen ſich nachweiſen läßt, zu größern mehr oder weniger abgerundeten Bergformen mit weniger ſteilen Abdachungen über. Die beträcht⸗ lichſten ſolcher großen Kegel mögen ſein: Ulrichſteiner Schloßberg, Heuberg ſüdlich davon, Rohrberg bei Sichenhauſen, Heegköpfchen bei Buckhards, Steinkopf bei Ilbeshauſen, ſämmtlich dem höhern Theile des Gebirges angehörend, anderer niedriger gelegener nicht zu gedenken. Feldkrücker Höhe, Herchenhainer Höhe, Siebenahorn und andere hohe Punkte des Oberwaldes ſind ausgedehnte aber flach abgeböſchte Höhen, und können nicht mehr den Bergformen beigezählt werden, welche die deutlichen Spuren localer baſaltiſcher Hebung an ſich tragen. §. 767. Alle Thäler des Vogelsberges ſind Radienthäler. Kaum wird man ein Beiſpiel finden, daß die Hunderte der ſchmalen Rücken, welche ſie trennen, ein concentriſches Thälchen zeigen. Wenn die Divergenz der Thäler die zwiſchenliegenden langen Rücken ver⸗ breitert, ſo tritt gewöhnlich einer jener untergeordneten Baſalt⸗ kegel als neuer ſecundärer Centralpunkt auf, von dem aus mehre neue Thälchen beginnen, und wodurch ſich die Zahl der Radien⸗ thäler nach dem Gebirgsfluß hin ſehr vermehrt. Eine allgemeine und faſt ohne Ausnahme beſtehende Erſchei⸗ nung zeigt ſich bei den Thalanfängen. Alle beſtehen aus ganz flachen oft auf mehre hundert Morgen mit Wieſen oder Weiden bedeckten Mulden, welche bis an die höchſten Stellen des eben⸗ — 4609— falls flachen umgebenden Terrains hinaufreichen, und anfangs durchaus kein beſtimmtes Rinnſal erkennen laſſen. Ausnahms⸗ weiſe wird das Weideland der Thalanfänge auch durch Waldſtücke mit naſſem Boden erſetzt. Das Wies⸗ und Weideland der Thal⸗ anfänge erſtreckt ſich oft ohne Unterbrechung über den flachen brei⸗ ten Gebirgsſattel bis zum gleich flachen und ausgedehnten Quell⸗ bezirk des Gegenfluſſes. Dieſe Erſcheinungen ſind eben ſo allge⸗ mein im und am Oberwald, als bei den untergeordneten wei⸗ ter unterhalb beginnenden Thälern. So iſt das feuchte weidebe⸗ deckte Flachland öſtlich von Ulrichſtein der Quellbezirk(denn Quelle kann man nicht ſagen) der Ohm; wenige hundert Schritte weiter ſickert der Niederſchlag der Felda zuſammen, und weiterhin öſtlich im gleichen Flachlande entſpringen die Schwalm und ihre Zuflüſſe, ſowie die Bäche, welche der Fulda zufließen. Erſt wei⸗ ter abwärts, wenn die Thäler bereits ſteilere Gehänge haben, zeigen ſich wirkliche Quellen, welche von der Witterung unabhän⸗ gig ſind, ſo z. B. der Entenborn bei Storndorf, der in trockener Jahreszeit die erſte bleibende Nahrung des beginnenden Schwalm⸗ fluſſes iſt.— Am auffallendſten zeigen ſich dieſe Verhältniſſe bei der Nidda. Der Centralpunkt des Vogelsberges, wofür der kleine Felshaufen des Taufſteins eigentlich nicht gelten kann, iſt keine Anhöhe, ſondern eine von Anhöhen umgebene Niederung. Zwi⸗ ſchen den flachen Höhen nämlich, welche einerſeits den Namen Siebenahorn und Grünberg tragen, und in welchen andererſeits der Taufſtein und Geiſelſtein ſich finden, dehnt ſich eine ſumpfige Niederung mit Torfboden aus, bei deren Betrachtung man wol an einen weiten längſt erloſchenen Krater denken kann. In dieſer Niederung entſpringt ebenſowol die Nidda als der der Schlitz und Fulda und ſomit dem Weſergebiete angehörende Ellersbach. §. 768. Ueber die Art der Zerſtörung des Baſalts durch auflöſende Kräfte und ihre Wirkung auf die Vegetation ſagt von Klipſtein: „Die dem Baſalte eigenthümliche Fähigkeit, feuchte Dünſte an⸗ nil ſ ſin mni d Dfne a u dm d wedet d(im tShht wät und 1 Erm ge hahn unchht troc Schwan ktniſe b der klen it kein 9. Jwi a Nama ndererſt ſonyſ man ann. 1 3 der h ngehörd 3 6 aufläſc Klipſt Ddünſte i — 461— zuziehen, ſowie überhaupt das Waſſer bis ins Innerſte ſeiner Maſſe eindringen zu laſſen, bewirkt trotz ſeiner beträchtlichen Fe⸗ ſtigkeit gar häufig ungemein ſchnelle Zerſtörung und Umwandlung. Dieſe ſchreitet entweder allmälig durch die Maſſe von Tage nie⸗ der, oder ſie greift mehr einzelne durch abweichenden Beſtand leich⸗ ter zerſtörbare Felſen an. Eigenthümliche Erſcheinungen bieten die prismatiſchen Baſalte durch ihre Auflöſung dar, indem durch allmälige Abrundung der Kanten die Form von Kugeln und Sphäroiden hervorgerufen wird. Aus den in Auflöſung begriffe— nen baſaltiſchen Laven entwickelt ſich ein ſchwärzlicher oder brauner und röthlichbrauner, ſehr eiſenreicher, höchſt nahrhafter Boden. Keine Felsart wirkt einflußreicher und kräftiger auf die Vegetation als dieſe. Nicht allein der Getreidebau iſt der gedeihlichſte, ſon⸗ dern auch das Wachsthum der Waldbäume ausgezeichnet und üp⸗ pig. Gewiß gedeihen Buche, Ahorn und Eſche auf keiner Felsart mehr und in größerer Fülle als auf Baſalt und den ihm verwand⸗ ten Laven.“ 1 Wenn trotz deſſen der Vogelsberg nicht zu den fruchtbarern Theilen des Großherzogthums Heſſen gehört, ſo liegt der Grund einmal in der beträchtlichen Höhe des größern Theils deſſelben, dann aber auch darin, daß der Verwitterungsproceß nur erſt eine ſchwache Humusdecke erzeugt hat, deren Feſthaften an den Gehängen noch obendrein wenig geſichert iſt. In tieferliegenden und in ebenern Gegenden, auch auf ſolchen Rücken, welche ziemlich eben, viel⸗ leicht in der Mitte ſogar etwas vertieft ſind, findet man wol in Fülle fruchtbare Erde für Feld⸗ und Waldbau. Aber ein be⸗ trächtlicher Theil des Gebirgs hat namentlich für Feldbau nur wenig Zoll Erdreich, dem regelmäßige und häufige Regen nothwendig ſind, wenn er etwas eintragen ſoll. Wald⸗, Feld⸗ und Wies⸗(Weide⸗, Haide⸗) Land mögen ſich im Vogelsberg, was den Flächeninhalt betrifft, ſo ziemlich die Wagſchale halten, wenn auch in einzelnen Theilen eine oder die andere dieſer Cul⸗ tenarten vorherrſcht. Wenn auch beträchtliche Waldungen vor⸗ handen ſind, ſo entbehren ſie, der regelloſen Geſtalt des Terrains wegen, eines ununterbrochenen Zuſammenhangs. Selbſt im Ober⸗ — 462— wald, der keinen Getreidebau zuläßt, macht das Wies⸗ und Weideland dem Wald, den es in allen Richtungen zertheilt, an Grundfläche den Rang ſtreitig. Außerdem finden ſich die beträchtlich⸗ ſten Waldbezirke öſtlich und ſüdöſtlich von Laubach bis zur Nidda hin, nordöſtlich von Stadt Nidda, öſtlich von Herbſtein und Lauterbach, zwiſchen Grebenau, Schlitz und Lauterbach, am nörd⸗ lichen Abfalle des Vogelsberges von Lohrain nach Kirdorf, Rom⸗ rod und Alsfeld hin. Was das Gedeihen dieſer Waldungen, in denen Laubholz vorherrſcht, betrifft, ſo läßt ſich im Vogelsberg die Richtigkeit der oben angeführten Behauptung überall zeigen, wo die Cultur nicht vernachläſſigt, dem Boden die ſchützende Decke nicht entzogen worden iſt. Daß die von der Natur vorgeſchriebenen zahlreichen Wies⸗ und Weideflächen der Rindvieh⸗ und Pferdezucht beſonders zu Statten kommen, ſei hier nur beiläufig erwähnt. Die Regel⸗ loſigkeit in der Abwechſelung zwiſchen Wieſe und Feld, welche an ähnlichen Beſtand in manchen Theilen der Niederung des Rhein⸗ thals erinnert, iſt nicht wie dort meiſt willkürlich, ſondern hängt größ⸗ tentheils von dem ſchnell wechſelnden Grade der Bodenfeuchtigkeit ab, welche z. B. oft in den höherliegenden Theilen eines Abhangs größer iſt als in tiefer gelegenen. Die natürliche Reihenfolge von Wald, Feld und Wieſen, die in andern Gebirgen— beſonders regelmäßig im öſtlichen Odenwald— von oben nach unten ſtatt⸗ findet, iſt im Vogelsberg faſt eben ſo oft geſtört, als Veranlaſ⸗ ſung dazu in der Bodenbeſchaffenheit ſich findet. Beiſpiele hierzu bieten ſich überall dar; je kleinlicher, regelloſer die Oberflächen⸗ bildung, deſtomehr wechſelt Feld mit Graswuchs; je flacher und höher das Terrain, deſto häufiger wechſeln Wald und Weide. Ein Theil des nordweſtlichen Abfalls des Vogelsberges, wel⸗ cher vorzugsweiſe der Feldcultur angehört, nämlich die Gegend zwiſchen der Feldkrücker Höhe, Freienſeen, Felda, Helpershain und Ulrichſtein zeichnet ſich in auffallender Allgemeinheit und Regel⸗ mäßigkeit durch zahlreiche Raine aus. So oft auch im Vogels⸗ berg rainartige Abfälle von größexer oder geringerer Höhe rein nhe Vild ſt G rkei i dſſo 5: In ält,a achtt r M ſein m m rid f,Ner ngen,i ögebäe zäna ſchüßen —n Wi nde ie R velche 3 Kher ngt grif uchtigte Abhangz lge von gſonden ten ſtit Vertn lle hienn erfläher. e flahr zald w ge, Gexe hain m d R Wogl⸗ ühe i — 463— geologiſch zu erklären ſind, ſo wenig iſt dies in dieſem 1 bis 2 Meilen breiten Landſtriche der Fall. Die Verwitterung hat nur die Oberfläche der Geſteine zerſetzt. Zahlloſe meiſt abgerundete Baſaltſteine bedecken die Felder, deren Bebauung das Aufhäufen dieſer Steine an den Ackergrenzen nöthig macht. Hierdurch wer⸗ den beträchtliche trockene Mauern oder Steindämme gebildet, welche ſich öfter mit Geſtrüppe bedecken. Sind dieſe Steinhaufen an Abhängen zuſammengetragen, ſo bilden ſie bald und leicht mehr oder weniger vollſtändige Terraſſen. Meiſt folgen ſie wie erklär⸗ lich Horizontallinien des Terrains, namentlich wo die Böſchungen ſtärker werden; oft aber auch, z. B. nordöſtlich von Ulrichſtein, bei Hörgenau, Hopfmannsfeld und Eichenrod laufen ſie parallel unter ſich quer über flache Rücken. §. 769. Die Beſchaffenheit der Wohnorte iſt ſo wechſelnd wie die Beſchaffenheit des Gebirgs. Oft liegen die Dörfer gruppenweiſe nahe beieinander, oft haben beträchtliche Strecken, namentlich die Wald⸗ und Weidebezirke, keine Wohnungen. Eben ſo verſchieden iſt Größe, Bauart und Wohlſtand der Orte; die durch die Weg— barkeit mitbedingte Größe der Gemarkungen, die Oberflächenbe⸗ ſchaffenheit derſelben, die Leiſtungsfähigkeit des Bodens und die abſolute Höhe des Geländes haben natürlich einen weſentlichen und ſehr wechſelnden Einfluß. Von den armen, am Rande des Oberwaldes liegenden Dörfern, deren ſchlechte Häuſer nicht von Hintergebäuden oder Gärten umgeben ſind, finden ſich alle Ab⸗ ſtufungen des Wohlſtandes bis zu den gewerbreichen Städten Lau⸗ terbach und Alsfeld oder bis zu den getreidegefüllten Gehöften nach der Wetterau hin. §. 770. Während die meiſt flachen Böſchungen der Communication im Großen trotz der beträchtlichen Höhe des Gebirgs wenig Hin⸗ derniſſe darbieten, iſt es mehr die Bodenbeſchaffenheit ſelbſt, gegen welche der Wegbau zu kämpfen hat. -— 464— Die Kunſtſtraßen ſind bei ſorgfältiger Zerkleinerung des ſo vortrefflichen Straßenbaumaterials, Baſalt, im erwünſchteſten Zu⸗ ſtande. Wenn dieſe Straßen den Vogelsberg in der Richtung ſeiner Radienthäler und Rücken durchziehen, ſo weichen ſie bei dem allmäligen Anſteigen des Gebirgs trotz ſeiner beträchtlichen Höhe nur unbedeutend von der geraden Linie ab, wie z. B. die Straße von Ortenberg über Gedern, Grebenhain nach Alten⸗ ſchlirf bei Herbſtein. Jedoch können locale Veranlaſſungen, z. B. die Foderung, möglichſt auf der Südſeite zu bleiben, Urſache zu Umwegen ſein, wie man ſie unter andern auf der Straße von Schotten nach Ulrichſtein an der Südſeite der Feldkrückerhöhe findet. Um ſo mehr weichen dagegen diejenigen Straßen, welche die Radienrichtung ſenkrecht durchſchneiden, von der geraden Linie ab. Die Straße von Schotten nach Gedern, welche Orte eine gerade Entfernung von 4000 Klaftern haben, iſt 6300 Klafter lang. Sie muß etwa 10 Rücken überſchreiten, deren Abfälle zwar meiſt nur 5 geneigt ſind, die aber doch bei den ſtrengen Anfoderungen an Kunſtſtraßen hinſichtlich des Maximums der Steigung zu fort⸗ währenden Zickzacks nöthigen. Die beiden Hauptverkehrslinien durch dieſen Theil Deutſch— lands haben das Vogelsgebirge auf beiden Seiten umgangen, öſt⸗ lich die alte Heerſtraße zwiſchen Leipzig und Frankfurt, weſtlich die Eiſenbahn zwiſchen Frankfurt und Kaſſel. §. 771. Außerhalb des eigentlichen Vogelsgebirges iſt daſſelbe nun noch umgeben von einer großen Zahl iſolirter Baſaltkegel auf den Gebieten des bunten Sandſteins, der Grauwacke und der tertiären Ablagerungen. Viele derſelben haben in früher Vorzeit auch hier zur Erbauung feſter Burgen Veranlaſſung gegeben. Auf einem ſolchen iſolirten Kegel thront ſogar eine ganze kleine Stadt: Amoenenburg bei Schweinsberg, gut ſichtbar von der Ei⸗ ſenbahn aus, bevor man von Kaſſel kommend Marburg erreicht. Die Lage dieſer Stadt zeigt außerordentliche Aehnlichkeit mit der == — * Urſete Straße n krüctt welcen en Lnit eine gan lang E rmeitn rrungen u g zu ſer Deutſt angen, if t, weſit iſſebe m ltkegu d d und d er Verji gextba. zanze kln on der⸗ g erict t mit d — 465— von Gergovia im alten Gallien, welche einzunehmen Cäſar nicht gelang(de bell. gall. Lib. VII C. 36 u. 41); nur iſt der Baſalt⸗ berg, worauf Gergovia unweit Clermont lag, auf einer Seite noch mit einem benachbarten Hochplateau verbunden, es iſt nicht eine iſolirte Kuppe, ſondern der Ueberreſt eines Baſaltſtromes. Amoe⸗ nenburg iſt rings umgeben von einer kleinen Tertiärmulde auf buntem Sandſtein, deren Schichten ganz ähnlich ſind dem obern Braunkohlenletten der Wetterau, die jedoch außer Braunkohlen aber auch Sphäroſiderite enthalten. 4 8. 772. Die tertiären Gebilde, welche ſüdlich bis an den Fuß des Vogelsgebirges heranreichen, werden wir bei Betrachtung des Rhein⸗ beckens kennen lernen. Hier will ich nur des Vorkommens der Braunkohlen bei Münſter unweit Laubach und bei Salzhauſen, und des Eiſenſteins in den Gegenden von Hirzenhain, Leiſewald, Spielberg und Romsthal gedenken, welche auf dem Baſalt lie⸗ gen und durch Grubenbaue gewonnen wurden und zum Theil noch werden. Ebenſo der theils tertiären, theils ältern plaſtiſchen Thone, welche am ſüdöſtlichen Fuß des Gebirges, zwiſchen Schlüch⸗ tern und Hellſtein, in derſelben Gegend auftreten, wo auch noch einzelne Fetzen des Muſchelkalks hängen geblieben ſind. Salzquellen und Säuerlinge ſind mehrfach, aber nur am äu⸗ ßern ſüdlichen Rande des Gebirges, nicht in ſeinem Innern zu finden, ſo bei Oberhärgen, Berſtadt, Grünſchalheim, Wieſelsheim, Rödchen, Schwalheim, Staden, Salzhauſen, Nidda, Ortenberg, Bodingen, Sooden und Schlüchtern. Das Rheiniſche Schiefergebirge. 4⁰) §. 773. Bei Bingen zwängt ſich der Rhein aus ſeinem weiten Gau in eine enge, von neckenden Flußgeiſtern und alten Burgen be⸗ wachte Thalſpalte hinein, die ſich mühſam zwiſchen hohen Ge⸗ hängen hinwindet, bei Koblenz zwar zu einem Becken erweitert, Cotta, Deutſchlands Boden. 30 — 466— dann aber bald wieder ſich verengt und erſt oberhalb Bonn den Strom ganz aus ihrer Umarmung entläßt. Dieſer enge Theil des Rheinthales durchſchneidet ein breites Grauwackengebiet, das Rheiniſche Schiefergebirge. Gegen Weſten überſchreitet daſ⸗ ſelbe die Grenzen Frankreichs und reicht öſtlich bis Gießen, Mar⸗ burg und Waldeck in Deutſchland herein. Dieſes breite durch⸗ ſchnittlich kaum 1500 Fuß, nur im ſüdlichen Schieferwall höher über den Meeresſpiegel aufragende Hochplateau, vorherrſchend nur aus Grauwackenbildungen beſtehend, ſondert ſich auf ſeiner Ober⸗ fläche wieder in mehre einzelne Bergketten und Gruppen. Dieſe ſind: A. Auf der linken Rheinſeite: 1) ganz im Weſten die Ardennen, 2) öſtlich ſich daran anſchließend die Eifel, 3) ſüdlich von der Eifel der Hundsrück, B. auf der rechten Rheinſeite: 4) in der nordöſtlichen Verlängerung des Hundsrück der Taunus, 5) von dieſem nördlich der Weſterwald, 6) zwiſchen dieſem und Bonn, das Siebengebirge, 7) nördlich von der Sieg ein breites Bergland bis zur Ruhr, das Sauerland und ſpeciell die Lenner⸗ gegend. Die Baſis dieſes vom Rhein quer durchſchnittenen Hochpla⸗ teaus liegt im Rheinthal bei Bonn 140, bei Bingen 310 Fuß über dem Meere, ſteigt aber von hier aus öſtlich und weſtlich der Art auf, daß an der Oſt⸗ und Weſtſeite nur noch ein geringer Niveauunterſchied zwiſchen dem Ufergebiet und den angelagerten neuern Formationen übrig bleibt. Die Lage der Iſothermen iſt für dieſes Gebiet eine ungünſtige, die auf den Meeresſpiegel reducirte mittlere Temperatur beträgt 10,5°bis 11° Cent., die Summe der jährlichen atmoſphäriſchen Niederſchläge etwa 21 Zoll. Außer dem Rhein ſind es weſentlich 5 Flüſſe, welche daſ⸗ ſelbe in mäandriſchen Windungen durchſtrömen, wie ſie allen dorüt d tge, dbis z Lenner Hochpe 3l0 3i peſlihr n gerixr gelagein ngünſi ir bettit phärich iche u ſie ala — 467— Thonſchiefer⸗ und Grauwackengegenden eigen ſind, und welche durch ihre allgemeinen Thaleinſenkungen eben ſo weſentliche Gebiete abſondern als die zwiſchen ihnen liegenden Berggruppen, deren keine als ein geologiſch ſelbſtändiges Gebirge betrachtet werden kann. Dieſe Flüſſe ſind: die Moſel, die Aar, die Lahn, die Sieg und die Lenne. §. 774. Die Hauptmaſſe des ganzen Gebietes beſteht aus Thonſchie⸗ fer und Grauwackenbildungen, aus einem Wechſel von Grauwa⸗ ckenſchiefer und Grauwackenſandſtein mit mächtigen Einlagerungen von Talkſchiefer, Kalkſtein, Dolomit, Quarzit, Kieſelſchiefer, Alaunſchiefer, Eiſenſtein und Schaalſteinſchiefer. Die Schichten und Schiefer dieſer Geſteine ſind meiſt ziemlich ſteil aufgerichtet und ſtark gefaltet, und ſtreichen im Allgemeinen wie die Süd⸗ grenze des Gebietes aus SW. nach NO. Sie werden durchſetzt von Grünſteinen, beſonders in den Lahngegenden, von Porphy⸗ ren in den Lennegegenden, von trachytiſchen Geſteinen im Sie⸗ bengebirge und von Baſaltgebilden vereinzelt beinahe überall, am häufigſten aber in der Eifel und im Weſterwald, in welchem letz⸗ tern ſie auch noch überlagert ſind von weit ausgebreiteten Braun⸗ kohlengebilden. Dieſe mächtige Schiefer⸗ und Grauwackenbildung iſt erſt in ſehr neuer Zeit recht gründlich unterſucht und nach ihrer geologiſchen Stellung und Gliederung bekannt geworden. Fridolin Sand⸗ berger hat ſich am meiſten darum verdient gemacht; er entwirft folgende ſchematiſche Darſtellung der Schichtenfolge von unten nach oben: 1) Taunusſchiefer, an der Südgrenze den Taunus und Hundsrück bildend, beſtehend aus Thonſchiefer und Talkſchiefer ohne organiſche Reſte, auf den Höhen überlagert(oder nur über⸗ ragt) von Quarzit. 2) Rheiniſche Grauwacke, beſtehend aus grauem oder grau⸗ braunem Sandſtein mit vielen Spiriferen(Spiriferenſandſtein) wechſelnd mit ſandigem Schiefer und Thonſchiefer(Uſingen, Id⸗ 30* — 468— ſtein, Naſſau,„Hachenburg), gegen 1000 Fuß mächtig. Bezeich⸗ nende Verſteinerungen ſind: Spiriler macropterus und micropte- rus, deren Steinkerne unter dem Namen Hysterolithes parado- xus bekannt ſind, Spirifer cultrijugatus und striotulus(Stein⸗ kerne Hyster. vulvarius), Orthis semiradiata und dilatata, Te- rebratula reticularis(prisca), Nucula solenoides und securifor- mis, Pterinea und Gardiomorpha(mehre Arten), Pleurotomaria Daleidensis, Bellerophon trilobatus, Conularia, Ctenocrinus, Isocrinus, Cyathocrinus pinnatus, Gorgonia infundibuliformis, Pleurodictyon problematicum und aus der Abtheilung der Tri⸗ lobiten Homalonotus und Pleuracanthus. In der Gegend von Dillenburg geſellen ſich dazu in dunklem Thonſchiefer oft verkieſte und ſehr ſchön erhaltene Reſte von Orthaceratiten, Goniatiten, Cyrtoceras und Phaoops. 3) Kalkſtein mit ſehr vielen Verſteinerungen, darunter r be⸗ ſonders häufig Stringocephalus Burtini, weshalb ihn Sandberger Stringocephalenkalk nennt.(Weilburg, Limburg). Charakteriſtiſche Verſteinerungen ſind außer den Stringocephalen: Calamopora po- lIymorpha, Stromatopora polymorpha, Cyathophyllum ceratites, helianthoides und vesiculosum, Pleurotomaria decussata, qua- drilineata, nodulosa und subclathrata, Catantostoma, Scoliosto- ma, Murchisonia, Euomphalus(viele Arten), Loxonema, Natica, Macrochilus, Gonialites, Cyrtoceras und Orthoceratites(viele Arten), Conularia, Bellerophon lineatus, elegans und dichoto- mus, Spirifer bifidus, simplex und Verneuilii, Terebratula re- ticularis, ferita, parallelepipeda und andere, Pentamerus gry- phoides, Productus spinulosus, Platycrinus(viele Arten), Acti- nocrinus, Bronteus aculeatus. 4) Dolomit, dem Kalkſtein untergeordnet, enthält am häu⸗ figſten Cyathophyllen, Calamoporen, Stromatoporen und Tere- bratula reticularis. 5) Schaalſtein, in derſelben Zone mit den Kalkſteinen, wahr⸗ ſcheinlich ein Umwandlungsproduct aus Thon⸗ und Grauwacken⸗ ſchiefer. Oft von Eiſenſteinlagern begleitet. Auch im Schaal⸗ ter ag ri 1 m! R pu kalk ſtin fern dan d Güe du Sejac ekopte- Päradh. (Stiir ta, le- dcurildr. dloman docrinb iformb der de gend wn veriſt oniatien unter be andbetgt teriſiſct pora po. reratites 1, qla- aoliosto. „ Näties es(did dichobo atula Ie- ros g n), Kei- am här nd ler i, vir uwakg Scheu⸗ — 469— ſtein, Roth⸗ und Brauneiſenſtein kommen zuweilen Verſteinerun⸗ gen vor, beſonders Korallen, Crinoideen und Terebrateln. 6) Cypridinenſchiefer, beſtehend aus Thonſchiefer und Kieſel⸗ ſchiefer, charakteriſirt durch Cypridina serratostriata(Weilburg). Andere bezeichnende Verſteinerungen ſind: Phacops cryptophthal- mus, Harpes ungula, Posidonomya venusta, Crinoideen und Korallen. 7) Poſidonomyenſchiefer, beſtehend aus gelbgrauem thonigem Sandſtein, ſandigem Schiefer, kohligem Schiefer und Kieſelſchie⸗ fer, charakteriſirt durch Posidonomya Becheri(Gegend von Her⸗ born). Außer der Posidonomya finden ſich darin beſonders: Pec- ten grandaevus, Orthoceratites striolatum, Goniatites creni- striata, Calamiten und Farrnabdrücke. Darüber folgen dann in der Eifel Glieder der Triasgruppe und im Weſterwalde Ablagerungen der Braunkohlenformation, die wir ſpäter beſprechen werden. An die äußern Ränder des großen Schiefergebietes angelagert finden wir im Norden Kohlen⸗ kalkſtein, die Kohlenformation und Kreidegebilde, im Oſten Zech⸗ ſtein, bunten Sandſtein und Muſchelkalk, im Süden die Kohlen⸗ formation, Rothliegendes und tertiäre Schichten(Molaſſe), beſon⸗ ders Braunkohlen, welche letztern, wie geſagt, auch auf die Höhe des Weſterwaldes heraufreichen; endlich im Weſten wieder die Glieder der Triasgruppe, außerdem aber auch noch Jurabil⸗ dungen. §. 775. Trotz des ziemlich gleichartigen geognoſtiſchen Baues der großen innig verbundenen Hauptmaſſe wird es doch nöthig ſein, die einzelnen geographiſchen Abtheilungen einzeln zu durchblicken. Am einförmigſten iſt der innere Bau der Ardennen, und in Folge davon auch ihr äußerer. Thonſchiefer herrſcht hier durch⸗ aus vor, andere Einlagen ſind eine Seltenheit, Durchſetzungen von Eruptivgeſteinen findet man faſt gar nicht. Ein flacher brei⸗ ter, von gewundenen Thälern durchſchnittener Rücken bildet den Ardenner Wald, Weide, Holz und Dachſchiefer ſind die weſentlichſten 1 3 ͤͤͤͤ ————— ,„fß “ — 470— Erzeugniſſe dieſer wenig anziehenden und wenig fruchtbaren, nicht einmal waldreichen Gegend. Nordweſtlich reihen ſich daran in der hohen Veen und an deren Nordabhang zunächſt obere Grauwackenbildungen mit ſehr vielen Kalkſteinen und ſtockförmigen Einlagerungen von Galmei, Eiſenſtein und Bleierzen, dann die Schichten der Kohlengruppe, Kalkſteine, Sandſteine und Schieferthone mit wichtigen Stein⸗ kohlenflötzen, bunter Sandſtein bei Comern mit Bleierzen, ſowie weiterhin die Kreidebildungen der Gegend von Aachen, die weit nach Belgien und Holland hinein fortſetzen. Mit dieſem Gebirgs⸗ abfall und Geſteinswechſel nimmt nicht nur die äußere Frucht⸗ barkeit in außerordentlichem Grade zu, ſondern es geſellen ſich dazu auch die belebenden Einwirkungen der Kohlenlager, der Ei⸗ ſenſteine und Zinkerzlagerſtätten. Ein Paradies für den Land⸗ wirth bildet er gleichzeitig den Boden für das regſte Fabrikleben deutſchen und flämiſchen Landes. Es iſt eine treue Copie der reichſten engliſchen Fabrikgegenden, welche man auf der tunnelge⸗ ſegneten Eiſenbahn von Aachen nach Lüttich durchſchneidet. Und dieſer doppelte Reichthum iſt durchaus bedingt von dem geo⸗ logiſchen Bau. §. 776. An die Ardennen ſchließt ſich in dem Quellengebiet der Aar, der Lieſer und der Alf die Eifel an. Der innere Bau wird hier, verglichen mit den Ardennen ohne deren randliche Anlage⸗ rungen, ſogleich um Vieles mannichfaltiger, ſo auch der äußere. Zu den Schiefern geſellen ſich Sandſteine, mächtige Kalkſtein⸗ maſſen und Dolomite, ſowie Eiſenſteinlagerſtätten, darüber liegen einige kleine Buntſandſteinparzellen, und alle dieſe Schichtgeſteine ſind von ſehr vielen oft ſchlackigen Baſalt⸗ und einzelnen Tra⸗ chytmaſſen durchbrochen, die ſich darüber gewöhnlich zu regelmä⸗ ßigen Geſteins⸗ oder Schlackenkegeln erheben, oft mit wohlerhal⸗ tenen Kratern und weit erſtreckten Lavaſtrömen. Zu dieſen ge⸗ ſellen ſich auch noch die loſen Anhäufungen vulkaniſcher Geröll⸗ und Tuffmaſſen, ſowie die ſonderbaren kraterförmigen Löcher enn und a ſnitſc Ghei orunf Sti 1 ſtwi det üi dut lun ſt deb n Lnd beitin dpien unnee ſchnedet dem ger der Aer au wid Anlag⸗ iuſe. alkſtir r lic Rgeſtin en Ar⸗ ngelni hlettue eſen ge Getil Löcht — 471— (Maare) im Grauwackengebiet, welche von einigen Geologen durch mächtige Gasexploſionen erklärt werden. Es gehören dieſelben zu den merkwürdigſten Oberflächenfor⸗ men, da ſie durchaus nicht eigentliche Krater ſind, ſondern nur oft kreisrunde, mehre 100 Fuß tiefe Keſſelthäler, in die Ober⸗ fläche eines Schieferhochplateaus eingeſenkt, wie manche Mare der Mondoberfläche, ohne alles anſtehende vulkaniſche Geſtein, höchſtens von einzelnen Schlackenbomben umgeben, die das Reſul⸗ tat gewaltſamer Ausſchleuderungen zu ſein ſcheinen. Ihren Bo⸗ den nimmt ein kleiner See ein oder eine durch Einſchwemmung gebildete Ebene, auf der zuweilen ein Ort liegt; nicht alle beſitzen einen Ausfluß durch Verbindung mit einem Thal. Die Höhenverhältniſſe der Eifel laſſen ſich etwa durch nach⸗ ſtehende Beiſpiele bezeichnen: Dollendorf bei Bonn..... 230 Fuß Andernach am Rhein..... 320 ⸗ Die Moſel bei Trier..... 370 ⸗ Der Hohe Simmer..... 1902 ⸗ Der Hohe Kolberg..... 1930 ⸗ Die höchſte Grauwackenkuppe im Salmer Walde...... 1950 Die Nyrburg....... 2010 ⸗ Der Goldberg bei Ormont... 2070 ⸗ Der Ernsberg bei Dockweiler.. 2210 ⸗ Die Hohe Acht...... 2250 ⸗ Das Grauwackenplateau erhebt ſich durchſchnittlich 1500 Fuß über den Meeresſpiegel, über ihm erheben ſich die vulkaniſchen Kegel 300 bis 500 Fuß und in daſſelbe ſind die tiefern Thäler und die Maare 300 bis 600 Fuß tief eingeſenkt. Die Gegend liegt ſonach im Ganzen ziemlich hoch und rauh, daher die Benennung Eifel, von Eiv= Schnee, und iſt deshalb nicht beſonders fruchtbar 4¹). Am geſegnetſten iſt ſie für den Geologen, der nicht nur Gelegenheit findet, die ſchönſten Formen erloſchener Vulkane auf ungefährlichſte Weiſe zu ſtudiren, in die Krater und Maare hinabzuſteigen, Bomben und andere Aus⸗ — 472— würflinge der Vorzeit einzuſammeln, ſondern auch die Fauna des Grauwackenmeeres in den verſteinerungsreichen Kalkſteinen von Gerollſtein, Hillesheim, Prüm u. ſ. w. mit großer Leichtigkeit zu ſtudiren, da oft ganze Acker mit Trilobiten, Cyathophyllen und Spiriferen überdeckt ſind. Sehr bezeichnende Arten ſind z. B. Calamopora Gothlandica, Cyathophyllum ceratites, flexuo- sum, radicans, hexagonum, Cypressocrinus Schlotheimii, Or- thoceratites imbricatus, Gerolsteinensis, Eifliensis u. gracilis, Cyrtoceratites ventricosus u. lineatus, Lituites Eifliensis, Goniati- tes primordialis u. auris, Natica(6 Arten), Murchisonia intermedia, Euomphalus Bronnii, annulatus u. a., Pleurotomoria Daleiden- sis u. a., Bellerophon striatus, Buccinum Oceani, Cardium(viele Arten), Lucina(oiele Arten), Nucula(viele Arten), Pterinea(viele Arten), Calceola sandalina, Terebratula pugnus, Daleidensis, angulosa, reticularis, aspera u. Gerolsteinensis, Stringocephalus Burtini, Pentamerus galeata u. formosa, Spirifer cuspidatus, ma- cropterus, speciosus u. intermedius, Orthis lunata, tetragona, striatula, Productus depressus, lepis u. dilatatus, Chonetes sar- cinulata, Phacops Schlotheimii, Bronteus flabellifer, Homalono- tus Ludensis u. Knightii, Cypridina serrato striata. Es birgt die Eifel einen reichen Schatz an Eiſenſteinlager⸗ ſtätten, welcher für die Zukunft noch eine viel größere Ausbeute verſpricht, als die gegenwärtige iſt. Es fehlen zur Zeit noch billige Verkehrswege für Brennmaterialbeiführung und Eiſenabfuhre. Darum iſt ſchon mehrfach der Gedanke und Wunſch laut gewor⸗ den, die Eifel mit der Gegend von Aachen durch eine Eiſenbahn zu verbinden. Eine ſolche würde ganz vorherrſchend auf den in⸗ nern Bau, die Mineralſchätze beider Gegenden begründet ſein. Einige der vulkaniſchen Tuffbildungen liefern ſehr gute feuer⸗ feſte„Backofenſteine“, andere zur Cementbereitung tauglichen Traß, da aber die Traſſe des Brohlthales dem Rheine näher liegen, ſo werden die der Eifel nur ſeltener benutzt. Intereſſant iſt der Einfluß, welchen die beſondern vulkaniſchen Formen dieſer Gegend auf den Anbau ausgeübt haben, ſehr ge⸗ wöhnlich findet man in der Tiefe der größern Maare, oder an dterwel- Dabil lom(it inea ſt V dleilers ocepbin datus h tetraoon Dletes d. Homaloh- ſteinlage Ausbeu och biln enabfuht dut gen Eiſentan uuf dni het ſen gute ſur ateugith ine nit rülkanich t, ſirx oder — 473— ihrem obern Rande ein Dorf oder ein Städtchen, und ebenſo ha⸗ ben die kleinen vulkaniſchen Kegel ſehr häufig gleichſam als Schutz⸗ und Anlehnungspunkte für Orte gedient; es ſind darum dieſelben in der Nachbarſchaft dieſer Kegel häufiger, als ſonſt. §. 7773 An die Eifel ſchließt ſich nordöſtlich unmittelbar das vulka⸗ niſche Gebiet des Laacher Sees an. Dieſes ſenkt ſich ſüdlich nach dem weiten Thalkeſſel von Neuwied und Koblenz ein und gehört durch dieſe Lage theilweiſe zu den milden weinbauenden Rhein⸗ gegenden. Noch häufiger und zuſammenhängender als in der Eifel iſt hier der Grauwackenboden von vulkaniſchen Geröll⸗ und Tuffſchichten überdeckt, zu denen ſich auch noch Bimssſteinſchichten, Lehm(Löß), Sand und Geſchiebeablagerungen eines Landſees ge⸗ ſellen, der ehemals einen Theil dieſer Gegend, das Becken von Koblenz, bedeckt zu haben ſcheint und deſſen Abfluß durch das Rheinthal erſt in verhältnißmäßig neuer Periode erfolgt ſein dürfte. Die baſaltiſchen Durchſetzungen ähneln hier ganz denen der Eifel, dazu kommen aber noch mehr trachytiſche und phonolithiſche, die weiterhin, im Siebengebirge, ganz vorherrſchend werden. Den Mittelpunkt des ganzen Gebietes bildet der Laacher See ſelbſt, dieſe große kraterförmige Einſenkung, umgeben von Lava⸗ ſtrömen und ganz vulkaniſchen Bergen. Eine reizende Abtei la⸗ gert an dieſem einſamen, von Wieſen und bewaldeten Hügeln eingerahmten Waſſerbecken, kaum läßt ſich ein geeigneterer Ort für ein zurückgezogenes beſchauliches Leben finden als dieſer. Aber die Mönche ſind längſt verdrängt und ein Wirthshaus be⸗ herbergt an ihrer Stelle zechende Studenten oder heitere Rhein⸗ reiſende. Von dieſem Centralpunkt vulkaniſcher Thätigkeit erſtrecken ſich beſonders zwei techniſch wichtige Geſteinsbildungen ſtromartig in die benachbarten Thäler hinab: die Mühlſteinlava von Nieder⸗ mendig und der Traß des Brohlthales. Die erſtere wird in großen unterirdiſchen Steinbrüchen gleich⸗ — 474— ſam bergmänniſch gewonnen, da das Geſtein an der Oberfläche nicht nur mit loſen Schlacken bedeckt, ſondern auch zunächſt dar⸗ unter noch zu ſtark ſäulenförmig zerklüftet iſt, um es zu Mühl⸗ ſteinen verwenden zu können. Aber auch die kleinern Maſſen dieſes poröſen und doch äußerſt feſten Geſteins ſind ſehr brauch⸗ bar als Bauſteine ²²), als welche ſie ſich durch Leichtigkeit, Fe⸗ ſtigkeit und Trockenheit auszeichnen. Den Traß, der als ein vulkaniſcher Schlammſtrom in dem Brohlthale hinabgefloſſen zu ſein ſcheint— trotz ſeiner Waſſer⸗ mengung noch heiß genug, um umſchloſſene Baumſtämme zu ver⸗ kohlen— gewinnt man in ſehr vielen Tagebrüchen und pocht ihn dicht dabei in ſogenannten Traßmühlen zu Pulver, worauf er auf den Rhein verladen und weit verſendet wird, beſonders nach Hol⸗ land zu den dortigen Waſſerbauten. Dem Traß nahe verwandt ſind auch in dieſer Gegend wie in der Eifel die ſogenannten „Backofenſteine“ die man bei Rieden als beſonders feuerfeſte Geſteinsplatten gewinnt. Ein drittes Traßlager zeigt ſich bei Kretz, während im übrigen der Boden des Koblenzer Beckens zwiſchen der Moſel, dem Rhein und Mayen vorherrſchend von Bimsſteinſchuttſchichten bedeckt iſt. Eine geologiſch merkwürdige, und ſogar techniſch nutzbare Eigenthümlichkeit der Umgebungen des Laacher Sees beſteht in den ungemein vielen und reichen Kohlenſäurequellen. Die Kohlenſäure tritt, theils mit Waſſer verbunden(als Säuerling), theils für ſich allein, gasförmig aus dem Innern hervor und man hat im letztern Falle Vorrichtungen angebracht, um dieſes Gas aufzufangen, und nutzbar z. B. zur Bleiweißfabrikation zu verwenden. Ein anderer Theil der ausſtrömenden Kohlenſäure bildet an Waſſer gebunden eine große Zahl von Säuerlingen(Bad Tönnſtein). Den Mineralogen iſt dieſe Gegend eine reiche Fundſtätte zum Theil ſeltener Mineralien, beſonders wichtig ſind in dieſer Beziehung die vulkaniſchen Bomben und Auswürflinge, welche man in der unmittelbaren Umgebung des Laacher Sees vorfindet. Von Arthil ungen ſ t ſine dauuf n gat man arr itgen tt vn tiuin, i m mu! Sd ba aüt d ddiſen betſit hſt w u N Maſa r hut keit, 1 in a „Wiſe ge zu e pochtih uf aa nach hel verwen enanntn feueffn ſch i Becket end vn dutzbare in der lenſäm für ſi letken en, u anden ebunda undſtt in diſe „nec rfade — 475— §. 778. Von hier wenden wir uns zunächſt nordweſtlich in das Aarthal. Ungemein ſchroff und mit den merkwürdigſten Win⸗ dungen iſt dieſes in das Grauwackenplateau eingeſchnitten. Aber trotz ſeiner Steilheit ſind alle ſüdgekehrten Thalgehänge bis hoch hinauf mit Weinbergen bedeckt. Zu unzähligen kleinen Terraſſen hat man die grauen Schieferſteine übereinander gebaut, und wo nur irgend der ſchroffe Fels einen kleinen Vorſprung darbot, da hat man etwas Erde zuſammengetragen, um einige Reben anzu⸗ pflanzen, die an dieſen ſonnigen Abhängen des dunkeln Schie⸗ fers den bekannten Aarwein hervorbringen. Die obern Höhen, wie die gegen Nord gekehrten Abhänge ſind größtentheils mit Wald bedeckt, und die alte Burg von Altenaar thront als ein wahres Adlerneſt auf einem der zungenförmigen Schiefervorſprünge in dieſem Felſenthal. §. 779. Auf längere Strecke, ebenſo ſchroff, aber mit noch ſtärkern größern Windungen durchſchneidet das Moſelthal den verſtei⸗ nerungsleeren, mit Talkſchiefer verbundenen Thonſchiefer, welcher weiter ſüdöſtlich den Hundsrück bildet. Die baſaltiſchen Durch⸗ ſetzungen haben in dieſer Gegend ziemlich aufgehört, nur noch einmal zeigen ſie ſich beſonders ſchön und von einem ſehr deut⸗ lichen Lavaſtrom begleitet, in dem Uesbachthal bei Bad Bertrich. Die Schroffheit der Abhänge und die ſcharfen Windungen der Moſel haben hier oft ſehr ſonderbare Trennungen und Ver⸗ bindungen der Bevölkerung hervorgerufen. Bewohner von Orten, die geographiſch kaum eine Viertelſtunde auseinander und an derſel⸗ ben Flußſeite liegen, ſind durch eine ſchroffe Felsmauer voneinander getrennt, die der Fluß in weiten Bogen umgeht und ihre Bewohner können zuweilen nur auf großen Umwegen zu einander gelangen; da im Thal wegen dieſer Windungen keine Straße hingeführt werden konnte, ſo geht es zu Wagen nur indem ſie die dem Thal im Allgemeinen und abgeſehen von ſeinen Windungen parallele Hauptſtraße auf der Höhe aufſuchen und von dieſer aus dann — 476— den nächſten Seitenweg in ihr unmittelbares Nachbardorf einſchla⸗ gen. Auf dreiſtündigem Umwege gelangen ſie ſo zuweilen nur eine halbe Stunde weit; am leichteſten iſt da noch der Verkehr zu Waſſer. Aber auch dieſer rückt die ſich gegenüberliegenden Orte näher aneinander, als die durch ſcharfe Windungen getrennten deſſelben Ufers. Die Höhenverhältniſſe ſind im Allgemeinen dieſelben wie in der Eifel, nur fehlen die überragenden Baſaltkuppen. Wein⸗ bau, Holzhandel und Schiffahrt ſind die natürlichſten Haupter⸗ werbsquellen dieſer Thalbewohner, dazu geſellen ſich aber auch noch die Eiſenhüttenwerke, welche ſich hier und da am Ufer erheben (z. B. bei Alf), begründet auf benachbarte Eiſenſteinlagerſtätten, auf Holzreichthum, Schiffstransport und viel überflüſſige Waſſerkraft. Daß auch andere Induſtriezweige aus dieſem Gebiet nicht ausge⸗ ſchloſſen ſind, verſteht ſich von ſelbſt. Die Verbindung der Moſel mit dem Rhein hat das weite und fruchtbare Becken von Koblenz hervorgebracht. Obwol die Waſſerſtraße der Moſel durch die enormen Windungen ſehr er⸗ ſchwert iſt, ſo iſt ſie doch immer noch der Hauptweg für ſchwere billige Fracht, namentlich aus dem Thale ſelbſt. Jedenfalls hat dieſe alte Waſſerſtraße auch die neuen Verkehrswege bedingt, und es ſind deshalb zu beiden Seiten des Moſelthales auf der Höhe ihm parallele Hauptſtraßen geführt worden. Dazu kommt nun noch die der Moſelmündung beinahe gegenüberliegende Einmündung der Lahn, die wieder ein ſehr großes Gebiet mit dem Rheinthal in Verbin⸗ dung ſetzt, um Koblenz zu einem der wichtigſten Knotenpunkte des rheiniſchen Verkehrs zu machen. Beſonders iſt es ein ſolcher auch in ſtrategiſcher Beziehung und darum auch von jeher zu einem befeſtigten Platze auserſehen geweſen. Hoch oben thront, der Moſelmündung gerade gegenüber, der feſte Ehrenbreitenſtein mit ſeinen kanonengeſpickten Montalembert'ſchen Thürmen. §. 780. Auf dem linken Rheinufer haben wir nun nur noch den Hundsrück mit ſeinen ſüdlichen Vorbergen flüchtig zu durch⸗ wandern; im Gebirge ſelbſt, im eigentlichen Hundsrück iſt wenig uhn gähad, u Ba 2u3 t, hi lttrt ealcer ). zun m 6 95 ** ane )! u d ihurt Darcior ufii len un Vaitt Onr ä in dſſt iſita den. Te en Hane er auhu Hfr cie rftitm Paſſett nicht t dem Oöwul en ſc für ſch enfalz not, und bibe noih gderb in Veit otenvui — 477— zu ſuchen. Ein flacher breiter Rücken, beinahe dem Ardennerwald gleichend, dehnt er ſich durchſchnittlich nahe zu 2000 Fuß über den Meeresſpiegel anſteigend parallel dem untern Moſelthal aus. Seine Maſſe beſteht faſt ganz aus verſteinerungsleerem Thonſchie⸗ fer, hier und da übergehend in Talkſchiefer und aus Quarzit. Letzteres bildet wegen ſeiner Feſtigkeit die hervorragenden Rücken. Solcher Quarzrücken unterſcheidet Steiniger fünf. Nämlich: 1) Den weſtlichen Hauptzug zwiſchen Dreisbach an der Saar und Hermeskeil, zwiſchen Zorf und Wadern, 2122 Fuß hoch. 2) Den weſtlichen Hochwald zwiſchen Schillingen und Beuern, an der Straße zwiſchen Thomm und Hermeskeil, 2034 Fuß hoch. 3) Den weſtlichen Hochwald verbunden mit dem Idarwald; durch die flache Depreſſion zwiſchen beiden läuft die Straße von Birkenfeld nach Bernkaſtel, im Walderbſenkopf 2526 Fuß, im Idarkopf 2263 Fuß erreichend. 4) Die Haardt vom Drohnbachthal durchſchnitten, der kleinſte unter den Quarzrücken. 5) Der große Soonwald in Verbindung mit dem Lützel⸗ Soonwald und dem Markerwald, am Reenwege zwiſchen Eck⸗ weiler und Tiefenbach, 2015 Fuß hoch. Er ſetzt durch den Bin⸗ ger Wald vom Rheinthal unterbrochen nach dem Taunus fort. Dieſe Quarzitgebiete ſind eingeſchloſſen von gewöhnlichem Thonſchiefer, der keine gleiche Höhe erreicht. Sie ſind, wie ſchon aus ihren Namen hervorgeht, größtentheils bewaldet, zwar ent⸗ halten ſie hier und da auch ein kleines Gebirgsdorf und ihre Felsvorſprünge in die Thäler tragen manche ſtolze Burg, aber kein einziger größerer Ort liegt im Bereiche derſelben, wie denn der geſammte Taunus nur ein paar Städte zählt. Der die Quarzite umſchließende Thonſchiefer zeigt mildere Ober⸗ flächenformen, hier und da wird er als Dachſchiefer, auch als Wetz⸗ ſchiefer benutzt. Bei Stromberg enthält er eine Kalkſteineinlagerung; wichtiger ſind Brauneiſenſteinlagerſtätten, welche zu mehren bedeu⸗ tenden Hüttenwerken der Gegend Veranlaſſung gegeben haben. Sie ſind von zweierlei Natur; die einen liegen lager⸗ oder gangförmig im — 478— Thonſchiefer und ſcheinen nach Nöggerath durch eine Art von Um⸗ wandlung des Thonſchiefers entſtanden zu ſein, ſo beſonders in den Kreiſen Simmern und Zels. Die andern lagern übergreifend auf den Quarziten des Soonwaldes, enthalten Quarzgeſchiebe und ſcheinen tertiäre Ablagerungen, wenn nicht gar alte Raſen⸗ eiſenſteinbildungen zu ſein. Mit dem Quarzit kommen untergeordnet auch noch eiſen— glimmerſchieferähnliche Geſteine vor, aus denen wahrſcheinlich der geringe Goldgehalt herrührt, den man in vom Soonwalde herab⸗ kommenden Bächen aufgefunden hat. Ein Quarzgang im Kau⸗ tenbach bei Bernkaſtel enthält Kupfer⸗ und Bleierze. §. 781. Von dem wenig Intereſſe erregenden Gebiet des eigentlichen Hundsrück wende ich mich jetzt deſſen ſüdlichen Vorbergen zu, welche aber nur als äußere Randbildung oder Umgebung zu dem Rheiniſchen Schiefergebirge gerechnet und eben ſo gut als ein ſelbſtändiges Gebiet behandelt werden können. Sie bilden ein elliptiſches Kohlenbecken zwiſchen der Nahe und der Saar, ſeine Länge beträgt von NO. nach SW. etwa 13 Meilen, ſeine Breite 4 Meilen. Die äußere Form iſt eine ſehr unebene bergige, im innern Bau zeigt ſich aber einigermaßen muldenförmige Schichtenſtellung, nur vielfach geſtört durch neuere Eruptivgeſteine. Die höchſten Kuppen erreichen hier kaum 1500 Fuß Meereshöhe, bleiben alſo weit zurück hinter denen des Hundsrück. Es iſt größtentheils ein liebliches, oft ſehr romantiſches und fruchtbares Bergland, nach vielen Richtungen von freundlichen Thälern durchſchnitten. Außerordentlich groß iſt der Unterſchied nach Zahl und Art der Orte in dieſem Gebiet, verglichen mit dem unmittelbar anſtoßen⸗ den Hundsrück, und das iſt offenbar nicht nur Folge der Höhen⸗ unterſchiede, ſondern auch des innern Baues, genug der geſamm⸗ ten Bodennatur. Vorherrſchend ſind in dieſem Vorhügelland die Schichten der Kohlenformation, beſtehend aus Kohlenſandſtein, Schieferthon mit ſhyout ir i b- In R in d Aln b tſttm unmitte An d in h 5 1 9 Fanbe rth wo ürnen erd rüdig von b undns) ergtii azgeii lte A noch ie wennt ide he Pink eigetitt ergeng ng zu de ut ab a bildn i aar, ſa ine Bei mn imn enſtelun ie hüche ltöan iftenti Begie hſſchitt d tn anſtir der Hißr r geſem wichtn rthen —,— 479— ſehr vielen Pflanzenreſten, 164 bekannten und darunter gegen 100 bauwürdigen Steinkohlenlagern in einer Geſammtmächtigkeit von 338 ½ Fuß, Kalkſteinflötzen und einzelnen Einlagerungen von Thoneiſenſtein(Sphäroſiderit). Es iſt die flötzreichſte unter allen bekannten Steinkohlenmulden, aber freilich viele der Flötze beſitzen nur ſehr geringe Mächtigkeit; die, welche man abbaut, ſchwanken zwiſchen 2 und 14 Fuß. Manche Kohlenflötze ſind unmittelbar von Kalkſtein begleitet. An zwei Stellen wird der etwas veränderte Kohlenſandſtein von Queckſilbererzgängen durchſetzt, welche ſeit lange bebaut wer⸗ den, das iſt am Stahlberg und am Moſchel⸗Landsberg bei Ober⸗ Moſchel. Die Kohlenformation iſt zwiſchen Laubenheim an der Nahe und Oberſtein, ſowie zwiſchen Dambach und Neukirchen an der Spaar von breiten Streifen des Rothliegenden überlagert, wel⸗ ches wie gewöhnlich aus rothem(hier porphyrreichem) Conglome⸗ rat und gleichfarbigem Sandſtein beſteht, der nordweſtlich von Kreuznach leicht mit buntem Sandſtein verwechſelt werden kann. §. 782. Den Felsboden dieſer Ablagerungen bilden offenbar zum gro⸗ ßen Theile ältere Quarzporphyre, welche hier und da darunter hervorragen. Der Quarzporphyr(oder Thonporphyr) zeigt ſich unbedeckt: öſtlich von Düppenweiler, weſtlich von St.⸗Wendel, im obern Nahethale um Gonnesweiler, im 1670 Fuß hohen Kingsberg bei Wolfſtein, im 2050 Fuß hohen Donnersberg bei Kirchheim⸗Boland und in der maleriſchen Region des Nahetha⸗ les, wo oberhalb Kreuznach die Alſenz einmündet, hier ragen die ſchönen und ſchroffen Porphyrfelſen des Rheingrafenſteins gegen⸗ über der Eberburg auf, und in der Thalſohle entſpringen merk⸗ würdigerweiſe aus dem Porphyr die jodhaltigen Salzquellen der Kreuznacher Salinen und berühmten Soolbäder. Jünger als die Quarzporphyre und als die Kohlenformation oder ſelbſt das Rothliegende, zeigen ſich dagegen gewiſſe dichte oder mandelſteinartige Eruptivgeſteine, welche in dieſer Gegend — 480— gewöhnlich Trapp genannt worden ſind und welche man als pyr⸗ oxenhaltig abwechſelnd auch zum Diabas, Aphanit, Melaphyr oder Dolerit gerechnet hat. Sie treten in dem ganzen Gebiet an ſehr vielen einzelnen Stellen als durchbrechende Kuppe oder htuanderran A 7 5 2.— ½ 2 durchſetzende Gänge hervor, bilden eine Menge kleine Hügel, Fels⸗ kuppen oder in die Thäler hereinragende Felspartien, haben die regelmäßige Schichtung oft geſtört, ſind aber auch lagerförmig zwiſchen ſie eingedrungen und tragen durch das Alles nicht wenig zum maleriſchen Wechſel der Landſchaft bei. Sie ſind aber auch noch außerdem techniſch wichtig geworden durch die großen und ſchönen Achatmandeln, welche ſie häufig enthalten oder welche ſich loſe in ihren Verwitterungsproducten finden. Dieſe haben die Steinſchleiferei als einen beſondern Induſtriezweig in großartigem Maßſtabe veranlaßt. Ihren Hauptſitz hat dieſelbe in Oberſtein und deſſen Umgegend. Die Nahe treibt hier eine große Zahl kleine Schleifmühlen, aus denen die Frankfurter Meſſe mit achat⸗ nen Doſen, Ringen, Armbändern, Broſchen, Petſchaften, Reib⸗ ſchalen u. ſ. w. verſorgt wird. Dieſe einmal im Gange befindliche Induſtrie beſchränkt ſich jetzt nicht mehr blos auf einheimiſche Achate, ſondern verarbeitet auch fremde Steine. Der Verein dieſer mancherlei mineraliſchen Rohproducte, Kohlen, Eiſenſtein, Queckſilberze, Alaun, Salz und Achat hat die Gegend zwiſchen Saarbrück und Kreuznach zu einer vorzugs⸗ weiſe induſtriereichen gemacht. Abgeſehen von dieſen verſchiedenartigen Mineralſchätzen iſt die Gegend ungemein fruchtbar, es wächſt hier manche Flaſche W Wi häfte nnß it He dr dmt äh, audi uüng tit bet un y mm ff ſtmäͤt ſſefer ſrricer auäiet geeiyn Grauwa üge, 3 V haben i agerfine ſicht wan aber ut cßen u velche ſt aben di Farüͤge Oberſti vyße 30 nit aht u, Ji befadit gheinit gorddun Ach b veran⸗ hizm i eFut — 481— trefflichen Weines und manche Nuß zur Schmückung des deut⸗ ſchen Chriſtbaumes. §. 783. Wir überſchreiten jetzt den Rheinſtrom, um uns der öſtlichen Hälfte des Schiefergebirges zuzuwenden. Vor dem Uebertritt muß ich aber noch der eben ſo merkwürdigen als ſchönen Lage Bingens gedenken. Die Nahe verbindet ſich mit dem Rhein nicht vor dem feſten Schieferwall, welcher das Rheinbecken nördlich ab⸗ ſchließt, ſondern beide Flüſſe dringen erſt ein Stück in denſelben ein und ſchneiden dadurch ein kleines Dreieck deſſelben, den Ro⸗ chusberg, zwiſchen ſich ab. Auf der Nordweſtſpitze dieſes Drei⸗ eckes liegt Bingen in dem Vereinigungspunkte dreier Thäler, deren zwei aber nach oben zu ſehr bald ſich zum weiten Rhein⸗ gau öffnen. Das Binger Loch mit ſeinen Felsriffen und Strom⸗ ſchnellen war ſeit alter Zeit der Schiffahrt gefährlich; dieſe Be⸗ ſchaffenheit verdankt es dem hier durch das Rheinthal herüber⸗ ſtreichenden quarzreichen Thonſchiefer der Hundsrück⸗ und Tau⸗ nuskette, der von weit feſterer und darum zur Riffbildung geeigneterer Beſchaffenheit iſt als die nördlich darauf folgenden Grauwackengeſteine. §. 784. Den ſüdlichſten Höhenzug der öſtlichen Schiefergebirgshälfte bildet der Taunus. Ein impoſanter Rücken, wenn man ihn aus der Gegend von Frankfurt betrachtet, aber nur ſchwach undulirt in ſeinem Profil und, wenn man ihn erſtiegen hat, kaum deutlich abzuſcheiden von dem nördlich dahinterliegenden Grauwackenhoch⸗ land. Seine höchſten Punkte liegen im nordöſtlichen Theil. Der höchſte von allen iſt der Große Feldberg bei Königſtein 2721 hoch, nach ihm folgt der Kleine Feldberg mit 2482“ und der Alt⸗ könig mit 2449°. Im mittlern Theil der Kette erheben ſich: der Roſſert 1520, der Stauffen 1285*, der Trompeter 1483“ und die Platte mit ihrem Jagdſchloß 14185. Südweſtlich finden wir die Cotta, Deutſchlands Boden. 31 — 482— Hohe Wurzel 1781¼, die Kalte Herberg 1720“ und die Hallgar⸗ ter Zange 1710“. Der innere Bau des Taunus iſt ſehr analog dem des Hunds⸗ rück, es iſt die nordöſtliche Fortſetzung deſſelben. Seine Haupt⸗ maſſe beſteht aus verſteinerungsleerem Thonſchiefer, hier und da übergehend in Talkſchiefer, aus beiden ragen aber als feſter die Quarzite hervor und bilden gewöhnlich, wie im Hundsrück, die höchſten Rücken, während mächtige Quarzgänge hier und da noch beſondere Felsriffe veranlaßt haben. Nördlich grenzen auch hier wie im Hundrück die gewöhnlichen Grauwackenbildungen an. Ein neues Element geſellt ſich aber hinzu, das ſind die baſaltiſchen Durchſetzungen, die jener Gegend zu fehlen ſcheinen. Sie finden ſich im Taunus beſonders zwiſchen Wiesbaden und Naurod und ſcheinen in Beziehung zu ſtehen zu den vielen und vielerlei mi⸗ neraliſchen Quellen, von denen das Gebirge ſelbſt und ſeine Um⸗ gebungen belebt werden. Mit Uebergehung einiger wenig beachte⸗ ten erinnere ich hier nur an die warmen Quellen von Wiesbaden, Schlangenbad und Aßmannshauſen, ſowie an die meiſt kohlen⸗ ſäuerereichen zu Soden, Cronberg, Homburg, Schwalbach und Selters. Nicht mehr zum Taunus gehören die an der Lahn ge⸗ legenen: Ems, Geilenau und Fachingen, ſowie Ober⸗Lahnſtein und Braubach, aber die geologiſchen Verhältniſſe ſind für ſie dieſel⸗ ben. Daß die ſoeben genannten Badeorte zu den wichtigſten der auf geologiſchen Urſachen beruhenden Erwerbsquellen der Ge⸗ gend gehören, bedarf keines Beweiſes. Die kupfererzhaltigen Gänge bei Naurod und Königſtein haben ſich bis jetzt noch nicht abbauwürdig erwieſen, ebenſo we⸗ nig als die Schwefelkieslagerſtätten bei Wildſachſen unweit Epp⸗ ſtein. Hier und da wird Dachſchiefer und Wetzſchiefer gewonnen oder Quarzit als Bau⸗ und Chauſſeeſtein. Waldbedeckung herrſcht vor, nur die Südabhänge ſind mit Weinbergen geziert oder ver⸗ unſtaltet; Aßmannshauſen, Rüdesheim und zum Theil auch Geiſen⸗ heim liefern echte Taunusweine. Dx tönſtin Heuiſh wmunde iadert De and wo n W Galu! u lle Fm dch nden lanutg feme h hal und B zägt ſ Graun Atheſ arh derung V ſabur, griſdo rnſt ür ſche tich ricth lüſe 1n — — dahh ds de ne du er u fene derit nd ar dauc en n.h baſatit Sie fi Laurohu welelän ˖ſeinelr ſig beit Wiesbenn eiſt bohln lbbach m Lahn g ſtein un ſie diiſt wichigit in der b iniſ bbenſo n weit El gewomr ag hatt oder n ch Gi — 483— § 785. Das Gebiet des Lahnthales bildet zwiſchen Gießen und Lahnſtein eine zweite nicht ſcharf umgrenzbare Abtheilung des Rheiniſchen Schiefergebirges, eine flache Depreſſion mit tiefer ſtark gewundener Thalrinne, welche den Taunus vom Weſterwald ab⸗ ſondert. Der untere Theil dieſes romantiſchen Thales bis in die Ge⸗ gend von Geilenau herauf beſteht faſt nur aus dem gewöhnli⸗ chen Wechſel von Grauwackenſchiefer und Sandſtein, zwiſchen Werlau bei St.⸗Goar und Holzappel, von wichtigen ſilber⸗, kupfer⸗ und bleihaltigen Erzgängen durchſetzt. Aehnliche Erzgangzüge finden ſich bei Ober⸗Lahnſtein, Altweilenau und Cransberg, mehr durch Schwerſpath charakteriſirte bei Marienfels und Michelbach. Andere Erzgänge und Neſter in den Gegenden von Ems, Dil⸗ lenburg und Lautzenbrücken. Auch die Schalſteinſchiefer und Grün⸗ ſteine ſind oft von Erzgängen durchzogen, beſonders von kupfer⸗ erzhaltigen, während ſie begleitet werden von Magnet⸗, Roth⸗ und Brauneiſenſteinlagern. Oeſtlich von jener untern Thalregion zeigt ſich dagegen bis Wetzlar ein ſehr mannichfacher Wechſel von Grauwackenkalkſtein(Stringocephalenkalk), Dolomit, Schalſtein, Rotheiſenſtein und Cypridinenſchiefer, mehrfach durchſetzt von Porphyr, Grünſtein und Baſalt. Eine ähnlich complicirte Glie⸗ derung wiederholt ſich im Dillthale, in der Umgegend von Dil⸗ lenburg und Heerborn, nur wird dort der Cypridinenſchiefer durch Poſidonomyenſchiefer vertreten und unter den eruptiven Geſteinen herrſchen die Grünſteine(oft lagerförmig) ganz vor. In beiden Localitäten iſt die urſprüngliche Lagerung vielfach geſtört durch Faltungen und Verwerfungen, ſodaß es ſchwer wird, ſich ein genaues Bild davon zu machen. Beide Gegenden ſind reich an mancherlei Erzlagerſtätten, unter denen Eiſenſteine die wichtigſte Rolle ſpielen, weshalb denn auch die Waſſerkraft der Flüſſe vielfach für Eiſenhüttenwerke verwendet iſt und ſchon nicht mehr ausreicht. 31* — 1484— §. 786. Der Weſterwald, das Grauwackenplateau zwiſchen der Lahn und der Sieg krönend, iſt im Gegenſatz zu den ſoeben be⸗ trachteten Thalregionen charakteriſirt durch Auflagerungen der Braunkohlenformation und ſehr zahlreiche baſaltiſche, trachytiſche und phonolithiſche Durchſetzungen, welche in Geſtalt von kleinen Kuppen darüber emporragen. Die Kegelform iſt deshalb bei den Bergen des Weſterwal⸗ des die herrſchende, ſpitzer bei den Baſalten, glocken⸗ oder dom⸗ förmig bei den Trachyten und Phonolithen, wie das namentlich ſehr ſchön am Malberg bei Leuterod und am Breitenberg bei Oberötzingen zu beobachten iſt. Die Gipfel der Berge ſind meiſt abgerundet und mit Felsblöcken überſäet, die oft wahre Felſen⸗ meere bilden, ſo z. B. an den ſteilen Abhängen des Haiden⸗ häuschen bei Ellar unweit Beilſtein. Gewöhnlich ſchließt eine Gruppe ſolcher Kegelberge ringförmig eine Niederung ein, die dann meiſt ſumpfi ſiig und mit Torfmooren erfüllt, oder ein See iſt. Auch die höchſte Region des Weſterwaldes bildet ein ſolches von nur wenig höhern Bergen umgebenes eingeſenktes Plateau zwiſchen Marienberg, Bach, Fahl, Ritzhauſen, Höhe, Schönberg und Krackenberg. Kein Berg dieſer Gegend erreicht ganz 2000 Fuß Meereshöhez folgende ſind die höchſten: Saalberg oder Salzburger Kopf. 1937 Fuß Galenberg bei Stein..... 1932 Homberg.... 1900 Mörſer Stein bei Lamerichenhain. 1866 ⸗ Kühfelder Stein...... 1838 Es ſind nur kleine Thalgründe, welche zwiſchen den niedern Kegelbergen des Weſterwaldes unregelmäßig verlaufen, nur ſehr ſelten durch den Braunkohlenthon und die Braunkohlen bis in Grauwackenſchichten eingeſchnitten. Bemerkenswerth ſind aber namentlich im ſüdweſtlichen Theil einige Seen, ſo bei Steinbach, 82 tar döa aga ntn d ki Veiee der nament enben ſidn te düt der Hlißtn — 485— Dreifelden, Straßen, Stahlhofen und Steinen. Der größte un⸗ ter ihnen iſt der Dreifelder Weiher, von zwei kleinern durch eine Landzunge getrennt, auf welcher ſich das Jagdſchlößchen Seeburg erhebt. Alle dieſe Seeen ſind ringförmig von Baſaltkuppen ein⸗ geſchloſſen in der Art wie der Laacher See, ihre Ufer ſind ſum⸗ pfige Moorgründe. Die große kalte Feuchtigkeit des Klimas, begünſtigt durch viele Verſumpfungen, ſcheint im Weſterwalde der Vegetation überhaupt und beſonders der Holzzucht nicht günſtig zu ſein⸗ Seine nördliche Region iſt auch noch unter dem beſondern Na⸗ men die Kalte Eich bekannt. Er iſt darum verhältnißmäßig ſehr kahl. Der baſaltiſche Boden an ſich iſt dagegen dem Wachs⸗ thum der nicht perennirenden Gewächſe recht günſtig, trotz der kurzen Sommerszeit wird deshalb ziemlich viel Hafer, Gerſte, Kartoffeln, Kohl und Heu erbaut. Ausgezeichnet ſind die Ge⸗ birgsweiden. Durch immer weiter fortgeführte Austrocknung der Sümpfe können auf dieſem tellenreichen Hochplateau noch große Verbeſſerungen erzielt werden. Der innere Bau liefert zur Be⸗ nutzung namentlich Braunkohlen und Töpferthon. § 787. Die nordweſtlichſte Spitze zwiſchen dem Rhein und der Sieg nimmt das Siebengebirge ein, welches ſich dicht oberhalb Bonn in üppigen Formen neben dem Rhein erhebt. Trachyt⸗ kegel ragt hinter Trachytkegel, und dazwiſchen miſchen ſich einige zierliche Baſaltſpitzen. Stolze Burgen, ſtolz noch in ihren Rui⸗ nen, krönen dieſe Bergkuppen, während neben denſelben die Braunkohlenformation nur hier und da von bimsſteinreichen Trachyttuffbildungen bedeckt wird. Die Baſis bildet aber auch hier noch das Grauwackengebiet, obwol es in der weiten Bucht von Köln und Bonn, zwiſchen Duͤren und der Ruhr⸗ mündung von tertiären und noch neuern Schichten dick über⸗ deckt iſt. Das Siebengebirge iſt vorherrſchend trachytiſch und den Tra⸗ — 486— chyt, welcher am Drachenfels beſonders charakteriſtiſch mit großen Kryſtallen glaſigen Feldſpaths entwickelt iſt, gewinnt man in mächtigen Steinbrüchen als Bauſteine(Beilage 42). Auch der Baſalt zeigt in der Nähe ſehr merkwürdige Ab⸗ ſonderungsformen, bei Unkel am Rhein Säulen von ungewöhnlicher Länge, die ſchon A. v. Humboldt in einem ſeiner erſten Bücher („Ueber die Baſalte am Rhein“) beſchrieb, und bei Ober⸗Kaſſel eine ſehr ſonderbare concentriſche Schalenbildung, welche der Theil eines ungeheuren Ellipſoides von 500 Fuß Durchmeſſer zu ſein ſcheint. Außer dieſen Steinbrüchen ſind im Siebengebirge der Traß, die Braunkohlen und gewiſſe dünne Thoneiſenſteinlager von eini⸗ ger techniſcher Bedeutung. Nicht ohne Einfluß auf den Wohl⸗ ſtand der Bewohner ſind aber auch die ſchönen Formen und ro⸗ mantiſchen Ruinen dieſes kleinen Gebirges, die gar manchen rei⸗ chen Sohn Albions anlocken und feſſeln. §. 788. Das Siegthal ſchlingt ſich mit ſeinen ſcharfen Windungen wieder durch ein petrographiſch ziemlich einförmiges Grauwacken⸗ gebiet. In ſeinen obern Regionen iſt daſſelbe aber vielfach durch⸗ ſetzt von theilweiſe in Roth⸗ und Brauneiſenſtein umgewandelten Spatheiſenſteingängen, die an ihren Salbändern und in den klei⸗ nern Verzweigungen oft Kupfer und Silbererze enthalten. Alle dieſe Erze haben in der Gegend von Siegen vielfach zu Bergbau Veranlaſſung gegeben und in zahlreichen Eiſenhütten wird ein treffliches Eiſen dargeſtellt, welches ſich beſonders zur Stahlbe⸗ reitung eignet. Die mächtigſte Spatheiſenſteinmaſſe liefert der Stahlberg bei Müſen. In der Nachbarſchaft erheben ſich einzelne Baſaltkuppen über das Grauwackenplateau, deren unterirdiſche Verzweigungen hier und da auch durch den Metallbergbau auf⸗ geſchloſſen worden ſind. Das ſchönſte Beiſpiel der Art liefert der Druidenſtein, an welchem ein ſtielförmiges Fortſetzen der Baſaltkuppe nach unten erkannt worden iſt, das zwiſchen Baſalt mit gui t um ürdige gewähnit ſten Bü Oberg welce rchmtſe, ge derdi er bon i dea W gen udt nanchen Windunge raumacken ach durt wandelt in den l rlten. 1 vu Baßt wid i r St lifer 3 sich eint untertii argbru d Att lit tſchen! — 487— und Grauwacke von bauwürdigem Eiſenſtein umgeben iſt, wie es der nachſtehende Querſchnitt ungefähr verſinnlicht. Die ſteilen Abhänge der Thäler ſind hier großentheils mit einer eigenthümlichen Art von Waldcultur bedeckt, der wir auch im Odenwald und Schwarzwald wieder begegnen. Die ſoge⸗ nannten Hackberge ſind Niederwaldungen von 15⸗ bis 20 jährigem Umtrieb, ſie beſtehen größtentheils aus Eichenſchößlingen, die man vor dem Abtriebe ſchält, um die Lohe zu gewinnen. Nach dem vollſtändigen Abtriebe werden die kleinern Zweige mitſammt der Raſendecke verbrannt und dann folgt nach einiger Bodenbe⸗ arbeitung durch Umhacken eine ein⸗ bis zweijährige Beſtellung mit Frucht oder Kartoffeln, bevor die neuen Stockausſchläge wie⸗ der eine entſprechende Größe erreicht haben. Dieſe eigenthümliche Waldeultur glaubte ich deshalb erwähnen zu müſſen, weil ſie allerdings mindeſtens mit der Bodenform in einer gewiſſen Be⸗ ziehung zu ſtehen ſcheint, ſie findet ſich vorherrſchend nur an ſtei⸗ len Abhängen. §. 789. Von dem großen rheiniſchen Grauwackengebiet bleibt uns nun noch der Theil zu betrachten übrig, welcher nördlich von dem Siegthale und dem Quellengebiet der Lahn liegt, bekannt unter der Geſammtbenennung das Sauerland. Als beſonders charak⸗ teriſtiſch hebe ich hier die Lennegegenden hervor. In ihnen enthält die Grauwacke wieder mächtige Einlagerungen von ver⸗ — 488— ſteinerungsreichem Grauwackenkalkſtein, nordweſtlich von Alten⸗ dern, wie bei Paſſrath und Bensberg am rechten Rheinthalge⸗ hänge, Alaunſchiefer und Eiſenerzlagerſtätten. Außerdem wird ſie aber größtentheils parallel ihrer Streichrichtung durchſetzt oder durchzogen von einer ſehr großen Zahl kleiner Partien von Quar⸗ porphyr und quarzfreiem Porphyr, in den Gegenden zwiſchen Olpe, Heiesberg und Schmallenberg. Den nördlichen Rand des ganzen Gebietes nehmen abermals höhlenreiche Grauwackenkalk⸗ ſteine ein, in einem ziemlich zuſammenhängenden Streifen, der durch die Orte Elberfeld, Barmen, Schwelm mit ſeinen eiſenrei⸗ chen Heilquellen, Limberg, Grüne, Iſerlohn, Balve, Allendorf, Brilon und Bleiwaſch bezeichnet werden kann. Dieſe nördlichſte devoniſche Kalkſteinzone des rheiniſchen Grauwackengebietes iſt noch von beſonderer techniſcher Wichtigkeit durch die wenn auch nicht gleichzeitig gebildeten ſtockförmigen Einlagerungen von Zink⸗ (Galmei), Blei⸗ und Eiſenerzen, die ſie an mehren Punkten ent⸗ hält. Erwähnenswerth ſind auch die andern Erzgruben dieſer Gegend, beſonders Antimonerzgruben in den Gegenden von Arns⸗ berg, Adenau, Wintertrog und Nuttler. Der Einfluß dieſer La⸗ gerſtätten läßt ſich indeſſen kaum iſoliren von dem der etwas neuern Schichten des Ruhrthales, zu deren Betrachtung als den nördlichen Randbildungen des rechtsrheiniſchen Schiefergebirges ich ſogleich übergehen werde. §. 790. Das Ruhrthal durchſchneidet von Bigg bis Mühlheim mit ſeinen zahlreichen Windungen nur Schichten der Kohlengruppe, welche öſtlich noch bis Stadtbergen fortſetzen. Dieſe Gruppe beſteht hier von oben nach unten aus folgenden einzelnen Gliedern: 1) Kohlenſchiefer und Kohlenſandſtein, viele ſchöne Pflanzen⸗ verſteinerungen enthaltend, mit Kohlenflötzen und Thoneiſenſtein⸗ lagern(dem ſogenannten Blackband, einem bituminöſen Sphäro⸗ ſiderit). 2) Flötzleerer Sandſtein, wahrſcheinlich entſprechend dem aglit faſoue ſtiin Alaun ſen daete hiten. aglit fenil tber aud lend n flei von Aia⸗ dem wiͤ thſttt von dn len zwita à Rund Luwackit treifn, ren ciſe 1 Alunde 2 rürdii gebitts zunktn a ruben di von An dieſrk der etti tn as de dagedigt Jijhe „llengrun aſe Grut ünzthe Nfe zwiſaſtt n Sthit jend da — 489— engliſchen Millestonegrit mit geringen Koh⸗ lenſpuren. 3) Ein mehrfacher Wechſel von thon⸗ ſchieferartigen Geſteinen, Kieſelſchiefer, Alaunſchiefer und oft bituminöſem Kalk⸗ ſtein, charakteriſirt durch die Genera Pro- ductus, Euomphalus und einzelne Trilo- biten. Dieſe Abtheilung entſpricht dem engliſchen Karboniferous limestone(Koh⸗ lenkalkſtein). Dieſe Schichten ruhen ſüdlich auf dem obern devoniſchen Kalkſtein, und werden nördlich unmittelbar übergreifend überlagert von den Kreidebildungen des Beckens von Münſter. Sie zeigen aber in ſich man⸗ cherlei Störungen, Biegungen und Ver⸗ werfungen, wodurch die regelmäßige Auf⸗ einanderfolge unterbrochen wird. Die koh⸗ lenführenden Schichten mit ihren neuerlich erſt als ſolche erkannten wichtigen Blackband⸗ Einlagerungen herrſchen im nordweſtlichen Theile vor, zwiſchen Mühlheim, Herdecke und Unna, die kies⸗ und alaunſchieferhal⸗ tigen des Kohlenkalkſteins im weſtlichen Theile zwiſchen Hagen und Stadtbergen, reichen jedoch ebenfalls bis zum Rheinthal und ſind zwiſchen Ratingen, Richrath und Mettmann durch ein nochmaliges Her⸗ vortreten der Grauwacke unterbrochen. Der beiſtehende Holzſchnitt gibt einen idealen Querſchnitt durch die mittlere Region. §. 791. Es kann nicht meine Abſicht ſein, die oft beſchriebenen Geſteins⸗ und Lagerungs⸗ Kohlenkalk. Unergiebige Kohlen- Flötzleerer Sandstein. formation. — 490— verhältniſſe dieſer Gegend hier ſpecieller zu ſchildern, ich wende mich vielmehr dem außerordentlichen Einfluß zu, den ſie in Ver⸗ bindung mit den Geſteinsbildungen der unmittelbaren Nachbar⸗ ſchaft auf Anbau und Leben ausgeübt haben, und zukünftig in noch höherm Grade ausüben werden. Lage und Natur der äußern Bodenform ſcheinen ſchon ſeit ſehr alter Zeit dieſe Gegend zu einer vorzugsweiſe induſtriereichen gemacht zu haben, aber Größe und Wohlſtand der dichtgedräng⸗ ten Städte ſind weſentlich ein Reſultat der immer ſtärkern Aus⸗ nutzung innerer Bodenſchätze. Den wichtigſten derſelben bilden die Kohlenlager, mit ihrer Hülfe ſind die mancherlei Erzlager⸗ ſtätten(beſonders Eiſen und Galmei) um ſo nutzbarer geworden; zu ihnen geſellen ſich aber noch Alaunſchiefer, Dachſchiefer und guter Bauſtein. Keine andere Region Deutſchlands iſt gegenwärtig ſo reich an betriebſamen Städten; in eine ſchmale Zone zuſammengedrängt finden wir hier: Mühlheim, Kettwig, Werden, Eſſen, Ratingen, Mettmann, Elberfeld, Barmen, Schwelm, Bochum, Dortmund, Herdecke, Hagen, Limberg, Schwerte, Unna, Menden, Iſerlohn, Balve, Bresberg, Langenſcheid, Allendorf, Warſtein, Brilon und Stadtbergen, lauter dem Induſtriellen bekannte Namen. Am dichteſten natürlich in der weſtlichen Kohlenregion. Zwiſchen dieſen Städten erheben ſich aber überall alljährlich noch neue Dampfeſſen und techniſche Werkſtätten. Noch ganz neuerlich hat die großartigſte aller deutſchen Bergwerksunternehmungen in die⸗ ſer Gegend ihren Sitz gefaßt, welche der Hauptſtapelplatz der ge⸗ werbtreibenden Welt Preußens iſt. §. 792. Wir haben nun die einzelnen Theile des Rheiniſchen Schie⸗ fergebirges und die davon abhängigen Randbildungen wenn auch nur flüchtig durchwandert, jetzt ſei es mir geſtattet, noch einige allgemeine Blicke auf das ganze Gebiet zu werfen, vom geologi⸗ ſchen ſowol als vom nationalökonomiſchen Standpunkte. Obwol man geographiſch in dem betrachteten Gebiet mehre — 491— jva einzelne Theile geſondert und als ſelbſtändige Gebirge unter den n 1 Benennungen Ardennen, Eifel, Hundsrück, Taunus, Weſter⸗ Natr wald, Siebengebirge geſondert hat, ſo unterliegt es doch keinem unfig n gweifel, daß daſſelbe in ſeiner Geſammtheit ein geologiſches Gan⸗ zes, ein gemeinſchaftlich Gehobenes bildet. Es iſt ein abgeſon⸗ ſcenſt derter Theil der deutſchen Grauwackenbildung, welcher hier im dititn Durchſchnitt 500 bis 1000 Fuß über das Niveau ſeiner Umge⸗ tgeddin bungen aufragt und ſo ein kleines unebenes Plateau⸗Hochland tern d bildet. Rings an den Rändern deſſelben haben ſich jüngere Schich⸗ en bih ten, in, wie wir geſehen haben, ungleichen Reihen angelagert. Erg Charakteriſtiſch iſt dabei, daß in dieſem breiten Gebirgsgebiet nir⸗ geworda⸗ gends große Maſſen kryſtalliniſcher Eruptivgeſteine oder kryſtalli⸗ ifft u niſcher Schiefer zu Tage treten, ſondern nur ſchmale ſpaltenför⸗ mige oder faſt cylindriſche Durchſetzungen von Porphyren, Grün⸗ ſo uith ſteinen und von Baſalten oder Trachyten, welche letztere beide agedtint ſich an der Oberfläche zu Kegelbergen aufgethürmt haben. Ratinga Die Horizontalform des ganzen Gebietes würde ungefähr ortmund die eines etwas verſchobenen Rechtecks ſein, wenn nicht zwei Jeerlöhr breite Buchten in daſſelbe einſchnitten, die eine von Südweſten Brilon herein bis Steinborn und Wittlich, die andere, die Kölner, von Nanen. Norden her bis Bonn. Die eſſtere iſt die geologiſch ältere, ſie Iwiſchen ſiſt bereits von den Ablagerungen der Triasgruppe wieder erfüllt ch a worden, und einige unzuſammenhängende Partien dieſer Schich⸗ rrich bt ten laſſen vermuthen, daß dieſe Bucht einſt als eine Art flache in d Depreſſion bis gegen Düren hin fortſetzte, auf dieſe Weiſe das 6 dg ganze Gebiet oberflächlich in zwei Abtheilungen ſondernd, wie das jetzt in ähnlicher Weiſe durch das ungleich engere und zugleich tiefere ſehr gewundene Rheinthal geſchieht. V Die nördliche Kölner Bucht iſt dagegen erſt nach Ablage⸗ Eh rung der Kreidebildungen ausgewaſchen und deshalb nur von enn aut Molaſſebildungen erfüllt, die hier den innern Zuſammenhang h än deerr Grauwacken⸗, Kohlen⸗ und Kreidegebilde oberflächlich ver⸗ galp decken. Die Reliefformen des ganzen Gebietes ſind weſentlich durch tmh ſehr gewundene Thaleinſchnitte mit zwiſchenliegenden breiten — 492— Rücken und durch aufgeſetzte Kegelberge charakteriſirt oder bedingt, d. h. wir können uns das ganze Gebiet in der Zeit bald nach ſeiner Erhebung als ein einförmiges Hochplateau denken, in wel⸗ ches ſich zahlreiche Waſſerfäden, ſehr gewundene Thalwege einnag— ten, überall die feſtern Geſteine als beſondere Hervorragungen zurücklaſſend, und welches außerdem von ſehr jugendlichen Erup⸗ tivgeſteinen durchſetzt wurde, die an der Oberfläche ſich kegelförmig aufhäuften. §. 793. Wenden wir uns nun zu dem leberblick vom nationalöko⸗ nomiſchen Standpunkte. Das ganze betrachtete Gebiet ſtellt ſich uns da zunächſt und urſprünglich als ein Hinderniß leichten Verkehrs dar. Seine Thäler ſind zu gewunden, ſeine Höhen zu uneben für leichte Anlage bequemer Straßen. In früher Zeit hat man des⸗ halb beinahe nur den Rhein⸗ und Moſelweg durch dieſes Gebiet gekannt, die gerade deshalb ſo vorzugsweiſe reichlich mit alten Burgen bedacht ſind, weil hier Wegelagerer ihre beſte Nahrung fanden. Jetzt freilich hat der Kunſtſtraßenbau jene natürlichen Hinderniſſe längſt überwunden, und auch dieſes Gebiet iſt nach allen Richtungen von ihnen durchzogen. Im Innern des Grauwackenplateaus herrſchen oft Waldungen vor, Naſſau z. B. iſt das waldreichſte Land Deutſchlands, vier Zehntheile ſeiner Oberfläche ſind mit Wald bedeckt, ein Zehntheil etwa mit Weingärten, ſodaß nur die Hälfte für Felder und Wieſen übrig bleibt. Sind die Höhen hier großentheils mit Wald bedeckt, ſo finden wir faſt an allen ſonnigen Abhängen der Hauptthäler den Weinſtock cultivirt. Sehr ungleich iſt übrigens der Grad der Fruchtbarkeit nach Höhenlage und vorherrſchendem Geſtein. Am geringſten auf den Quarzrücken des Hundsrück und Taunus, auf dem Grauwackenſandſtein des Rothhaar⸗Gebirges in den Quel⸗ lengegenden der Sieg und in der Eifel, größer auf den Thon⸗ ſchiefer⸗ und Grünſteinhöhen, ausgezeichnet in einigen Regionen n, nach wel nng. ngen großen Geſteinswechſels oder wo viel kalkige Schichten eingela⸗ gert ſind, wie im Kreiſe Wetzlar, in den Umgebungen von Sim⸗ mern und Kirchberg und um Rheinbach. Die bodenſtändige Induſtrie beſchränkt ſich im Innern un⸗ ſers Gebietes vorzugsweiſe auf Bergbau, Eiſenhüttenweſen, Dach⸗ ſchiefer⸗, Braunkohlen⸗, Mühlſtein⸗ und Traßgewinnung. Da⸗ gegen ſind die Nord⸗ und Südränder ausgezeichnet durch eine ſehr intenſive Induſtriezone, weſentlich geſteigert durch Steinkoh⸗ lenlager. Auch die großen Handelsplätze Frankfurt und Köln verdanken ihre Bedeutung einigermaßen ihrer Lage in dieſen Rändern, in die der Handelsverkehr aus dem Innern des Ge⸗ birgslandes ſeit alter Zeit verwieſen iſt. Unverkennbar hat in dieſer durch Romantik ſehr bevorzugten Gegend Deutſchlands auch die Lieblichkeit der Formen einen nennenswerthen Einfluß auf die Größe der Belebung und auf das Bedürfniß von Verkehrsanſtalten aller Art gehabt. Wenige ſind in dem Grade aufgeſchloſſen und zugänglich gemacht durch Dampfſchiffe, Eiſenbahnen und bequeme Straßen. Ddie Bevölkerungszahl iſt im Regierungsbezirk Koblenz etwa 4470, in dem von Arnsberg 3925, in dem von Trier aber nur 3650. Der Rhein, der Main, die Nahe und die Ruhr haben in ihrer Nachbarſchaft die Bevölkerung vorzugsweiſe angehäuft. Entſchieden groß iſt der Unterſchied gegen das öſtlich anſtoßende Gebiet des bunten Sandſteins, wo die Zahl zwiſchen 2500 und 2900 ſchwankt. Die Zahl bemerkenswerther Städte iſt im Innern des brei⸗ ten Hochplateaus äußerſt gering, um ſo bedeutender an ſeinem Nord⸗ und Südrand. §. 794. Das Rheiniſche Schiefergebirge bildete den Kern des alten Frankens. Am Rhein wohnten die Ripuarier. Schon damals unterſchied man einen Arduenna Silva. Zu den älteſten deutſchen Städten gehört Trier(die Augusta Trevirorum der Römer), wel⸗ ches noch vorrömiſche Bauwerke enthält. Die Eintheilung des — 494— Landes unter den Karolingern war eine ſehr naturgemäße, vor⸗ herrſchend nach Flußgebieten. Das Gebiet der Moſel bildete das Herzogthum an der Moſella, nördlich grenzte Ripuaria an, öſt⸗ lich, das ganze Main⸗ und Lahngebiet umfaſſend, Oſtfranken. Unter den Hohenſtaufen beginnt aber hier die mittelalterliche Vieltheilung, zu der die Unebenheiten des Landes und die viel⸗ fache Gelegenheit zu Burgen nicht wenig beitragen mochte. Na⸗ türliche Grenzen ſind von da ab wenig beachtet worden, und noch heute ſind ihnen die politiſchen nicht im geringſten entſprechend. Gut umgrenzte Ebenen oder Becken haben dazu ſtets mehr ver⸗ anlaßt, als breite Bergländer ohne Hauptkamm. Das Rheinbecken. 43) §. 795. Zum Rheinbecken rechne ich die breite Thalſtrecke des Rheines zwiſchen Baſel, Bingen und Aſchaffenburg, ſeitlich eingerahmt vom Schwarzwald, Odenwald, Speſſart und Vogelsgebirge, ſo⸗ wie von den Vogeſen und dem Hardtgebirge, während Taunus und Hundsrück den untern Abſchluß bilden. Der Spiegel des Rheines liegt bei Bingen wahrſcheinlich etwas mehr als 300 Fuß, bei Baſel ungefähr 800 Fuß über dem Meere, und über dieſes Niveau erhebt ſich, was zum Rhein⸗ becken gehört, mit Ausſchluß des doleritiſchen Kaiſerſtuhles, überall nur um ein paar hundert Fuß. Die auf den Meeresſpiegel reducirte Mitteltemperatur beträgt 12 bis 13 Cent, und nur wenig geringer iſt die wirkliche. Die Summe der atmoſphäriſchen Niederſchläge beträgt nördlich von Strasburg nur wenig über 20 Zoll, ſüdlich davon etwas mehr. Es iſt unſtreitig der durch ſein Klima am meiſten begünſtigte Theil Deutſchlands. §. 796. Dieſes weite Thalbecken ſtellt ſich als der durch Ablagerun— gen geebnete Boden eines einſtigen langen Sees dar. Das Waſ⸗ mnterg ud! gal T nur d innus ni d im n Nu at nac en in durc erun⸗ Weß — 495— ſer in demſelben ſcheint eine Miſchung von Meer⸗ und Süßwaſ⸗ ſer, ſogenanntes brakiſches Waſſer geweſen zu ſein, deſſen Salz⸗ gehalt je nach dem temporären und örtlichen Ueberwiegen des Meeres oder der einſtrömenden Flüſſe ſchwankte. Sehr jugendliche Ablagerungen bilden dieſen Boden und nur am obern und am untern Ende ſind dieſe theilweiſe durchbrochen von baſaltiſchen und doleritiſchen Eruptivgeſteinen, ſo am Kaiſerſtuhl im Breis⸗ gau und in der Wetterau. Die tertiären Ablagerungen laſſen ſich nur auf ſeiner Nordweſtſeite über ſeine geographiſche Grenze hinaus verfolgen, ſie finden ſich jenſeit des Vogelsgebirges, z. B. bei Amoenenburg und Kaſſel wieder. Auf dieſer Seite ſcheint der Zuſammenhang unſerer Bucht mit dem offenen Meere während der Tertiärzeit ſtattgefunden zu haben, nicht durch das Rheinthal. Nur an den Rändern dieſes Beckens treten hier und da ältere als tertiäre Schichten hervor, lehnen aber dann meiſt ſo an be⸗ nachbarte Gebirge an, daß man ſie füglich mit zu dieſen rech⸗ nen kann. Nur in der Wetterau ſind einige derſelben noch weit in das Innere des Beckens herein verfolgbar und deuten da⸗ durch die geringere Mächtigkeit der jugendlichen Bedeckungen an. Die Reihenfolge der in den verſchiedenen Gegenden des Rheinbeckens beobachteten Schichten oder Ablagerungen iſt von oben nach unten die nachſtehende, doch liegen ſie keineswegs an irgend einer Stelle alle übereinander: 1) Neueſte Ablagerungen, Anſchwemmungen der Flüſſe, be⸗ ſonders des Rheins. Stellenweiſe goldhaltiger Sand. Ueberall in der Nähe der Flüſſe, jedoch meilenbreit. 2) Diluviale Ablagerungen, beſonders Löß, als am meiſten charakteriſtiſch für das Rheinbecken, er bildet 50— 100 Fuß hohe Terraſſen am Saum der Gebirge und reicht oft weit in die klei⸗ nen Seitenthäler hinein. 3) Kohlenführender Sand, local unter dem Löß oder un⸗ bedeckt, z. B. bei Eppelsheim. An deſſen Stelle am Weſtrand des Schwarzwaldes auch Bohnerz, aber nur da, wo die Jurafor⸗ mation auftritt. Ihm entſprechen nach Sandberger auch die mu⸗ ſchelreichen Meeresſandſchichten bei Kaſſel. — 496— 4) Oberer Sandſtein, z. B. bei Bodenheim in der Wetterau, bei Wiesbaden und bei Kreuznach, zwiſchen obern Braunkohlen⸗ letten eingelagert(Blätterſandſtein Sandberger's). 5) Oberer Braunkohlenletten, mit Einlagerungen von Braun⸗ kohlen, beſonders in der Wetterau. 6) Litorinellenkalk, charakteriſirt durch die ungemein häufige Litorinella acuta, eine Brackwaſſerbildung, welche beſonders in der Gegend von Mainz ſehr verbreitet iſt. 7) Cerithienkalk, mit ungemein vielen Cerithien, ebenfalls eine Brackwaſſerbildung, z. B. bei Flörsheim und Oppenheim. 8) Süßwaſſerkalk, reich an Land⸗ und Süßwaſſerconchylien, eine locale Bildung bei Hochheim am Fuße des Taunus, viel⸗ leicht durch die Einmündung eines Fluſſes bedingt(Landſchnecken⸗ kalk Sandberger's). 9) Unterer Braunkohlenletten, nicht ſo reich an Braunkohlen⸗ einlagerungen als der obere. Enthält auch viele Meeresbewohner (Septarienthon und Cyrenenmergel Sandberger's), z. B. bei Hanau und an der Selz. 10) Meeresſand und Sandſtein, ſehr reich an Meeresconchy⸗ lien, Fiſchzähnen und Cetaceenreſten. Am Rande des Beckens bei Alzei, Weinheim, Flonheim, Fürfeld u. ſ. w. Das iſt die unterſte Beckeneinlagerung, darunter folgen dann in gewöhnlicher Reihe, aber in weiterer Verbreitung, nicht an das Becken gebunden, in demſelben meiſt nur an den Rändern her⸗ vortauchend: 11) Jura, 12) Leias, 13) Keuper, 14) Muſchelkalk, 15) Buntſandſtein, 16) Zechſtein, 17) Rothliegendes, 18) Steinkohlenformation, 19) Grauwacke. 11 dd he, hne F trete und rd tul terau bler raun⸗ dufßr t i — 497— Alle Kreidebildungen, Wielden und Kohlenkalkſtein fehlen in dieſer Reihe. §. 797. Nach dieſer ganz allgemeinen Schilderung wollen wir ein⸗ zelne charakteriſtiſche Abtheilungen dieſes langausgedehnten Be⸗ ckengebietes noch etwas näher betrachten. Die Wetterau. Bei Aſchaffenburg verläßt der Main das große ſüddeutſche Gebiet des Buntſandſteins, zu beiden Seiten breiten ſich fruchtbare Niederungen aus, ſüdweſtlich an der Ger⸗ ſprenz bis zum Odenwald, nördlich an der Kinzig und Nidda bis zum Vogelsgebirge. Dieſe Niederung wird in ihrer nördli⸗ chen Verzweigung die Wetterau genannt, und bildet als ſolche den nordöſtlichſten Theil des großen Rheinbeckens. Ich ziehe indeſſen hier auch den ſüdlichen Theil der Mainbucht mit in dieſe Betrach⸗ tung herein. Zwiſchen Vilbel und Altenſtadt im Niddathale, an der Kinzig und bei Klein⸗Oſtheim und Rückingen unweit Aſchaffenburg treten unter den tertiären Ablagerungen hervor: Rothliegendes und Zechſtein; aus dem erſtern beſtehen die bewaldeten Berge nordöſtlich von Darmſtadt, welche das nördliche Ende des Oden⸗ waldes bilden, und dann zeigt es ſich nochmals zwiſchen Nierſtein und Nuckenheim in der Tiefe des Rheinthales. Daraus ergibt ſich, daß Rothliegendes und theilweiſe Zechſtein der Ablagerungsboden für die tertiären Bildungen der Wetterau waren, unter denen ſomit die Glieder der Trias, Jura⸗ und Kreidegruppe gänzlich fehlen. Der Zechſtein, welcher hier ſo ziemlich die ſüdlichſte Grenze ſeiner Verbreitung erreicht, tritt mehr nördlich und öſtlich noch mehr⸗ fach unter dem bunten Sandſtein hervor, ſo bei Büdingen, Bie⸗ ber, Rottenberg und Kahl, wo er dann ſogar zu Kupferſchiefer⸗ bergbau Veranlaſſung gegeben hat. Ddie Baſalte und Dolerite, welche in der Wetterau vorkom⸗ men, ſcheinen ebenfalls meiſt älter zu ſein als die hieſigen tertiä⸗ ren Ablagerungen, ſie bilden vielleicht darum keine hervorragen⸗ den Bergkuppen, ſondern ganz abgeflachte Gebiete, die theilweiſe von den Braunkohlenſchichten überlagert ſind. Das Waſſer, wel⸗ Cotta, Deutſchlands Boden. 32 b — 498— ches einſt unſer Becken füllte, mag ſehr lange zerſtörend auf ihre Oberfläche eingewirkt haben, daher rührt vielleicht auch die ſehr bemerkenswerthe Opalbildung in den Zerklüftungen des Dolerites von Steinheim bei Hanau. Als tertiäre Beckeneinlagerungen treten in der Wetterau faſt nur die obern und untern Braunkohlengebilde auf, beſtehend aus ſogenanntem Letten, plaſtiſchem Thon und Braunkohlenlagern; nur ſehr vereinzelt zeigen ſich Cerithienkalk und unterer Meeres⸗ ſand. Diluviale und alluviale Ablagerungen bedecken indeſſen den größten Theil der Oberfläche. Die Braunkohlenlager werden viel⸗ fach abgebaut und der Thon eignet ſich theilweiſe ſehr zur Her⸗ ſtellung von Thongeſchirren. Die durchgehends nur flachen Undulationen des Bodens ſind überall mit fruchtbaren Feldern, Obſt⸗ und Weingärten bedeckt, Wald findet ſich beinahe nur auf den aus Grobkalk, Rothliegen— dem und Baſalt beſtehenden Anhöhen. Unzählige nicht langge⸗ ſtreckte oder zerſtreut gebaute, ſondern dicht gruppirte Ortſchaften ſind dazwiſchen ausgeſtreut. Die flachen Höhenzüge und Vertie— fungen der Wetterau liefern nur wenige Quellen, darunter aber die Soolquellen von Nauheim, Wieſelsheim, Rockenberg, Ober⸗ Hergern, Salzhauſen, Selters an der Nidda, Büdingen, Soo⸗ den, Salzſchlirf und Großenlüder, die Sauerbrunnen von Schwal⸗ heim, Roßbach, Friedberg, Großkarben, Okarben und Vilbel, und noch manche andere ſchwache Säuerlinge und Salzaquellen. Gar Vieles hat ſich vereint, um in dieſem Theile Deutſchlands Handel und Fabrikweſen erblühen zu laſſen. Zu der günſtigen Lage an zwei ſchiffbaren Flüſſen geſellen ſich mildes Klima, fruchtbarer Boden und die concentrirende Wirkung minder gün⸗ ſtiger Gebirgsumgebungen, welche dennoch eine Anzahl Natur⸗ producte und Arbeitskräfte liefern. Der Verein dieſer Umſtände bewirkt, daß die Wetterau nicht wie die meiſten nur fruchtbaren Landſtriche ſchwach bevölkert und vorherrſchend nur dem Land⸗ bau zugänglich iſt. ——— —= n= ͤ= e ——— uj ihr ͤe ſch Aleiitz rau fiſ ·ind aus lagenn — 499— §. 798. Das Mainzer Becken iſt weder von der Wetterau noch von den ſüdlichern Regionen des Rheinbeckens durch irgend eine natürliche Grenze ſcharf geſchieden. Wir rechnen hier dazu das untere Mainthal bis in die Gegend von Frankfurt und das Rhein⸗ thal von Bingen bis Worms. Die flache Ebene zwiſchen dem Rhein, dem Main und dem Odenwald iſt hier gänzlich von ganz neuen größtentheils alluvialen Anſchwemmungen bedeckt, ziemlich unfruchtbares Sandland herrſcht in dem Grade vor, daß man ſich in die Umgegend von Berlin verſetzt glauben kann, wenn man die dürren Kiefernwälder zwiſchen Frankfurt, Darmſtadt und Mainz durchreiſt. Nur am Rand des Odenwaldes treten, etwas erhöht, terraſſenförmig, diluviale Lößablagerungen hervor und bedingen einen ungemein fruchtbaren Landſtrich. Ganz anders iſt es auf der linken Rhein⸗ und auf der rech⸗ ten Mainſeite, da treten überall tertiäre Schichten an die Ober⸗ fläche und bedingen ein flachhügeliges zum Theil ungemein frucht⸗ bares Gebiet. Cerithien⸗ und Lithorinellenkalk herrſchen an der Oberfläche vor, ſtellenweiſe wie bei Eppelsheim bedeckt von kno⸗ chenführendem Sand. Unter ihnen hervor treten der untere marine Braunkohlenletten z. B. bei Odernheim, ſowie der Meeresſand und Sandſtein zwiſchen Alzey und Kreuznach, wo auch einige darunter hervorragende Kuppen älterer Eruptivgeſteine(Grün⸗ ſteine) und der Steinkohlenformation freigelegt ſind, wie bei Nierſtein das von Baſalt durchſetzte Rothliegende. Löß bildet gewöhnlich die äußern Ränder dieſer flachen Hügelgruppen und bewahrt überall ſeine große Fruchtbarkeit. Die berühmteſten Weinorte liegen faſt alle auf dieſer nordweſtlie chen Seite des Mainzer Beckens, deren Oberfläche vorherrſchend aus tertiären kalkigen Schichten und Löß beſteht, nicht auf der alluvialen Sandebene von Darmſtadt. Wir finden hier in kleinem Umkreis und ohne die Weinabhänge des Taunus zu berückſichtigen: Johannis⸗ berg, Hattenheim, Ingelheim, Hochheim, Hattersheim, Rödel⸗ heim, Nierſtein, Laubenheim und Liebfrauenberg bei Worms. 32* — 500— Wem wecken dieſe Namen nicht freundliche Erinnerungen, und es wird kein bloßer Zufall ſein, daß ſie alle eine geologiſch ähnliche Lage haben ¹⁴⁴). Die nach ihrer Waſſerhaltigkeit ſehr ungleichen wechſelnden horizontalen Tertiärſchichten des weſtlichen Beckentheiles ha⸗ ben in dieſer breithügeligen Gegend eine große Zahl ſehr ſtarker Quellen veranlaßt, dadurch daß das atmoſphäriſche Waſſer leicht durch die obern lockern Schichten eindringt und dann durch eine thonige Unterlage aufgehalten und genöthigt wird, an den Rändern der kleinen Plateaus einen Ausweg zu ſuchen. Viele dieſer Quellen treiben kurz nach ihrem Urſprung verhältnißmäßig hochgelegene Mühlen. Die Mühle im Sörgenloch, die Wingertsmühle in Nie⸗ derolm, die Ecklochsmühlen zwiſchen beiden Orten, die drei Müh⸗ len oberhalb Elsheim, die Mühlen in und bei Sauerſchwaben⸗ heim, Niederingelheim, Wackernheim und Bretzenheim werden durch ſolche Quellenbäche getrieben. Auch die ſtarke Quelle des Münſterweihers in den Feſtungswerken von Mainz gehört hier⸗ her. Im ſüdlichern Theile findet man ähnliche mühlentreibende Quellen bei Wörrſtadt, Freimersheim, Alsheim und Mölsheim. In Weſthofen entſpringt die Seebachquelle mit ſolcher Stärke, daß ſie wenige Schritte von ihrem Urſprung ſogar eine unterſchläch⸗ tige Mühle zu treiben vermag. Die Erſcheinung iſt demnach eine ziemlich allgemeine für dieſe Gegend und gänzlich in ihrem geo⸗ logiſchen Bau begründet. §. 799. Das Rheingau zwiſchen Worms und dem Breis⸗ gau zeigt an der Oberfläche einen geologiſch ſehr einförmigen Bau, wenn man, wie es angemeſſen erſcheint, alle vortertiären Schichten den angrenzenden Gebirgen zurechnet. Nur bei Hep⸗ penheim und bei Kalkofen treten ein paar ſehr kleine Partien von tertiärem Sandſtein und Kalkſtein hervor. Die breite Rheinthal⸗ ebene beſteht hier überall aus ganz neuen Anſchwemmungen von Schlamm, Sand und Geſchieben oder aus Sumpfſtrecken. Der Strom hat offenbar, ehe man ihn durch künſtliche Eindämmungen bode — 501— feſſelte, ſeinen Lauf vielfach gewechſelt und ſo nach und nach alle Theile mit neuen Bodenſätzen überzogen, bald mit ſehr fruchtba⸗ ren, bald mit ſehr unfruchtbaren, die verlaſſenen Betten ſind dann häufig zu Moorſtrecken und mächtigen Torflagern geworden. Einige dieſer Sandablagerungen des Rheins ſind aber ſeit lange als etwas goldhaltig befunden worden, mehrfach hat man des⸗ halb den Verſuch gemacht, dieſes angeſchwemmte Gold zu ge⸗ winnen, bis jetzt aber noch nicht mit hinreichend günſtigem Er⸗ folg. Wahrſcheinlich ſtammt dieſer geringe Goldgehalt aus den Zuflüſſen der Aar. Auch die Seitenflüſſe, wie der Neckar, wechſelten mehrfach ihren Lauf und ihre Einmündungsſtelle, beſonders ſcheinen ſie zu⸗ weilen oft auf große Strecken parallel mit dem Hauptfluß ge⸗ laufen zu ſein, ehe ſie ſich ihm verbanden. An den Seiten des ebenen Thalbodens zeigen ſich ſehr häu⸗ fig ältere Diluvialterraſſen, aus fruchtbarem Löß beſtehend; ſie bilden ſchmale und niedere Hügelſäume längs der ſogenannten Bergſtraße am Odenwald wie am Schwarzwald, und gegenüber an der Haardt wie an den Vogeſen. Dieſe Lößterraſſen zeichnen ſich nicht nur durch ihre beſondere Fruchtbarkeit, ſondern auch durch ihren Ortereichthum aus. Sie ziehen ſich häufig noch ein Stück in die kleinen Seitenthäler herein, aber die vielen kleinen Städte und Dörfer liegen nicht gerade immer auf dem Löß ſelbſt, ſondern ſehr oft auf den Vorhügeln des feſten Sn die der F Grareie Wezace Lößwall umgibt, in den Thälern, die ihn durchſchneiden oder dicht an ſeinem äußern Rande, aber noch auf dem ebenen Alluvial⸗ boden. Zwei geologiſche Verhältniſſe ſcheinen gemeinſam die Urſache Qaardt 22 — 8 5ssᷣtarrase Hnrnn- Faredxᷣtenn — 5302— dieſer dichten Ortegürtel geworden zu ſein: der Gebirgsrand und die vorzugsweiſe Fruchtbarkeit dieſes Bodenſtreifens. §. 800. Der oberſte Theil des Rheinbeckens führt ſeit lange den Na⸗ men Breisgau, offenbar in Folge ſeiner geſegneten Zuſtände. Der ebene Thalboden und die beiderſeitigen Lößterraſſen wieder⸗ holen ſich auch hier mit allen den ſoeben geſchilderten Eigenthüm⸗ lichkeiten. Am Rande des Schwarzwaldes aber geſtalten ſich, beſonders oberhalb Freiburg, die Verhältniſſe etwas mannichfal⸗ tiger dadurch, daß die meiſt ſtark aufgerichteten Schichten der Trias⸗ und Juragruppe oft noch ein bis meilenbreites Vorhügel⸗ land bilden, in welchem die Mannichfaltigkeit des innern Baues ſehr groß iſt, da die vielerlei Schichtenköpfe häufig wieder von Bohnerz oder Löß überdeckt ſind. Auf dieſen ſtark bewaldeten Hügelſtreif werde ich aber bei Beſprechung des Schwarzwaldes nochmals zurückkommen. §. 801. Mitten aus der Rheinthalebene im Breisgau, und ganz ge⸗ trennt vom Schwarzwald, erhebt ſich dagegen die kleine ſelbſt⸗ ſtändige Berggruppe des Kaiſerſtuhles. Sie iſt bedingt durch eine Anzahl Baſalt⸗ und Doleritkegel, die ſich hier nebeneinander erhoben haben, der höchſte oder eigentliche Kaiſerſtuhl bis 1785 über den Meeresſpiegel oder etwa 1080“ über den Thalboden. Mit dieſen eruptiven Geſteinen ſind aber zugleich vortertiäre Ab⸗ lagerungen, beſonders Juraſchichten emporgetreten oder gegen gänz— liche Zerſtörung durch Waſſerfluten von ihnen geſchützt worden. Ein Theil dieſer Schichten ſcheint ſogar durch Einwirkung der baſaltiſchen Geſteine in körnigen Kalkſtein umgewandelt und von Magneteiſenerzkryſtallen imprägnirt zu ſein. Die feſten Baſalthügel ſind überdies noch umhüllt von ba⸗ ſaltiſchem Tuff und Conglomerat, und haben als Flutenbrecher eine Menge kleine Ablagerungen von Löß zwiſchen ſich feſtgehal⸗ ten. Durch alle dieſe Umſtände hat ſich der innere Bau wie die „ende glh nd d d. kudſi tur“ ſowie d fud h enfft V recher Ben, 4 aulif ligen( ninder de fe V geigen niſſen vohne ner 8 Dund Aer Fran dma Bruch tnige ſieger drat nd — 503— Oberflächenform dieſer iſolirten kleinen Berggruppe äußerſt man⸗ nichfaltig geſtaltet und dadurch auch eine viel größere Mannich⸗ faltigkeit des äußern Anbaues bedingt, als ſie auf dem flachen Alluvialboden des Rheinthales zu finden iſt. §. 802. Das geſammte Rheinbecken iſt ein vorzugsweiſe fruchtbarer Landſtrich Deutſchlands durch Klima und vorherrſchende Boden⸗ natur ¹5⁵). Nur die rein ſandigen und kieſigen Flußalluvionen ſowie die Moorſtrecken machen davon Ausnahmen. Dieſer Um⸗ ſtand hat, verbunden mit ſehr günſtiger Verkehrslage in einigen Gegenden dieſes Beckens, den Anbau nährender Kornfrüchte und Kartoffeln nach und nach immer mehr verdrängt. Man baut vorherrſchend nur noch Handelsgewächſe und Gemüſe, namentlich Wein, Taback, Hopfen, Cichorien, Runkelrüben, Obſt, Gurken u. ſ. w. Dadurch iſt der allgemeine Wohlſtand geſtiegen, zu— gleich aber ſind es auch die Preiſe der einfachſten Lebensmittel und die Arbeitslöhne. Unter allen Ablagerungen des Beckens iſt der Löß die nationalökonomiſch wichtigſte, weil die fruchtbarſte, zugleich iſt ſie durch gewöhnliche Terraſſenform manchem nachthei⸗ ligen Einfluß(wie Ueberſchwemmungen, Thalnebel, Spätfröſten) minder ausgeſetzt als der alluviale Thalboden. Die Wohnorte, die faſt durchgehends eine abgerundete geſchloſſene Gruppirung zeigen, haben ſich zum Theil ganz vorzugsweiſe an dieſe Lößter⸗ raſſen angeſetzt. Man findet Dörfer mit 1000 bis 4000 Ein⸗ wohnern, doch auch einzelne Höfe in der Mitte großer geſchloſſe⸗ ner Feldgüter. In Rheinheſſen kommt ein Dorf auf 9½¼ bis ½ Quadratmeile Oberfläche. Mehre große Städte haben im Rhein⸗ becken eine durchaus naturgemäße Lage gefunden, ſo Mainz, Frankfurt und Strasburg, für geringere Ausdehnung auch Hanau, Aſchaffenburg, Wiesbaden, Mannheim, Heidelberg, Bruchſal, Baden, Offenburg, Lahr, Freiburg, Speier und einige der elſaſſer Städte oberhalb Strasburg. Unnatürlich liegen dagegen Darmſtadt, Karlsruhe und wenn man von ſeiner ſtrategiſchen Bedeutung abſieht, auch Raſtadt. Darmſtadt hat — 504— wenigſtens noch den alten Verkehrsweg und den Bergrand für ſich, aber jeder Fluß fehlt ihm in einem Landſtrich, wo es in dieſer Beziehung Tantalusqualen erleiden muß. Noch unglückli⸗ cher iſt Karlsruhe ſituirt, mitteninne zwiſchen dem Waſſerweg und dem alten Landweg. Von den prachtvollſten Bergländern allſeitig umgeben, aber dem Spaziergänger ſchon in zu großer Ferne, zwiſchen Wald und Wüſte gebaut ein Tantalus unter den Städten in jeder Beziehung. Die Macht des Herrſcherwillens und die Nothwendigkeit, das einmal Beſtehende zu ſchützen, haben freilich viel gethan für die Hauptſtadt des Landes, den großen Verkehr haben ſie ſogar gewaltſam durch die Eiſenbahn herzugelenkt; aber durch kein Mittel wird es gelingen, dieſem Platz ein ſolches Leben einzuhauchen, wie es von ſelbſt erblühen würde, wenn die Reſidenz⸗ ſtadt Badens nach Mannheim oder vielleicht ſogar in die Gegend von Kuppenheim, nach Bruchſal oder nach Offenburg verlegt wor⸗ den wäre. Die Bevölkerung iſt in einigen Theilen des Rheinthales eine außerordentlich dichte, im Kanton Frankenthal z. B. 7793, im Kanton Grünſtadt ſogar 8552 auf die Quadratmeile. Der große Verkehr folgt im Rheinbecken natürlich ſeiner Längenrichtung, die alte romantiſche Bergſtraße und der ſehr ge— wundene Waſſerweg ſind aber in neuer Zeit gänzlich in den Hin⸗ tergrund gedrängt worden durch doppelte Schienenwege, welche rechts und links ihre Zweige ausſenden. §. 803. Das Rheinbecken zählte bereits im 6. Jahrhundert eine große Menge Städte, unter denen z. B. Bingiam, Magneti(das heu⸗ tige Mainz), Wormacia, Spira und Argentoratum(Strasburg) gefunden werden. Unter den Karolingern bildete der Rhein von Basila bis zur Einmündung der Murg die Grenze zwiſchen den Herzogthümern Mosella und Alemannia, der untere Theil unſers Beckens gehörte aber zu Francia australis. Im Mittelalter wird nun auch hier wie im größern Theile von Deutſchland die Vieltheilung außerordentlich groß und ſchwer Lrn V und l di Bau drnnt 1 ſcwand lUmäli An nat renze Nain! zufliſe V dänche in zwe Ungeger Uemn i hebn Nah n nd ſi — 505— überſichtlich, bis endlich nur noch der heutige Reſt davon übrig geblieben iſt, nach welchem dieſes ſchöne natürliche Becken immer noch zu Baden, Frankreich, Baiern, Heſſen, Frankfurt, Naſſau und Rheinpreußen gehört. Die Grenzen Deutſchlands waren hier im 6. Jahrhundert weit natürlichere; damals bildeten die Vogeſen die Scheide zwi⸗ ſchen Gallia und den Alemannen und Aehnliches wiederholte ſich unter den Hohenſtaufen. Ein Fluß von der Größe und Natur des Rheines bildet nie eine natürliche Landesgrenze, da er den Verkehr eher fördert als hindert. Das Verlangen unſerer weſt⸗ lichen Nachbarn nach der Rheingrenze iſt darum kein naturge⸗ mäßes, ſondern lediglich auf Eitelkeit baſirt. Viel naturgemäßer würde es ſein, wenn wir alles Land bis zum Kamme der Vo⸗ geſen zurück verlangten. Der Odenwald. 4⁶) §. 804. Zwiſchen dem Neckar und dem Main erhebt ſich unmittelbar und plötzlich aus dem breiten und ebenen Rheinthal die maleriſche Bergkette des Odenwaldes, hier an ihrem Weſtabhang gewöhnlich die Bergſtraße genannt. So ſcharf und beſtimmt dieſe weſtliche Grenze des Odenwaldes ſich darſtellt, ebenſo unbeſtimmt und ſchwankend bleibt die öſtliche. Das Berggebiet verläuft hier ganz allmälig in das hohe Buntſandſteinplateau des Bairiſchen Beckens. Am naturgemäßeſten noch läßt ſich die Gegend als ſeine öſtliche Grenze betrachten, wo zwiſchen Mittenberg und Eberbach der Main und der Neckar ſich am meiſten nähern und zugleich beide Zuflüſſe aus der Gegend von Ernſtthal aufnehmen. Dieſer Linie beinahe parallel durchſchneidet aber den Odenwald mehr öſtlich noch ein zweites Längenthal, in welchem aus der gemeinſamen Quel⸗ lengegend bei Bergfelden ſich ſüdlich der Gammelsbach bei Hirſch⸗ horn in den Neckar ergießt und nördlich die Mämmling über Eberbach und Michelſtadt in den Main. Gewöhnlich wird indeſſen auch noch der Katzenbuckel bei Eberbach zu dem Odenwalde gerechnet, und ſieht man ab von dem tiefen Einſchnitt des Neckarthales, ſo — 506— erſcheint es naturgemäß, auch noch den Kaiſerſtuhl bei Heidelberg mit ſeinen ſüdlichen Umgebungen, mindeſtens ſoweit der bunte Sandſtein reicht(bis Wisloch) als eine Fortſetzung des Oden⸗ waldes zu betrachten. Ja von einem allgemeinern geologiſchen Standpunkte iſt ſelbſt der Speſſart nichts weiter als eine durch das breite Mainthal unterbrochene Fortſetzung deſſelben, beide aber liegen in derſelben Erhebungslinie mit dem Schwarzwalde, mit dem ſie zugleich in ihrer geognoſtiſchen Zuſammenſetzung eine ganz außerordentliche Aehnlichkeit beſitzen. Unter dieſen Umſtänden müſſen wir alle drei als das Reſul⸗ tat einer gemeinſamen Erhebung betrachten, die nur in dem Zwi— ſchenraum zwiſchen Wisloch und der Murg minder energiſch ſich äußerte und bei Heidelberg vom Neckar wie bei Aſchaffenburg vom Main quer durchbrochen wurde. Die Baſis des Odenwaldes liegt im Rheinthal 350 Fuß über dem Meere, ſeine höchſten Gipfel erheben ſich: Der Hardberg(Buntſandſtein).... 2380 Pns Die Neukirchener Höhe(Buntſandſtein) 2360 Die Seesbacher Höhe(Buntſandſtein).. 2220 Der Katzenbuckel(Dolerit)..... 2180 Der Wärzberg(Buntſandſtein).... 2160 Der Melibokus(Granit).... 2079 Der Kaiſerſtuhl bei Heidelberg(Buntſ.„. 1723 Der Oelberg bei Schiesheim(Porphyr) 1600 alſo 1500 bis 2000 Fuß über die Baſis; und die mitllere ee Höhe ſeines öſtlichen Sandſtein⸗Kammes läßt ſich auf 2000 über den Meeresſpiegel, die des weſtlichen kryſtalliniſchen Bergrandes auf 1500 Fuß ſchätzen. Seine klimatiſchen Verhältniſſe ſind nur durch die Höhen⸗ unterſchiede andere als in dem anſtoßenden Rheingau. §. 805. Geologiſch zerfällt der Odenwald in zwei deutlich geſchiedene Abtheilungen. Die nordweſtliche an das Rheinthal angrenzende, beſteht vorherrſchend aus kryſtalliniſchen Schiefer- und Maſſen⸗ Gi Denweld itren a nberubt ud ſo blit le nänand ſihrcte ilfche niht ke hähe r da 5 uf diher iedene zende daſen⸗ — 5072— geſteinen mit einem nördlichen Anhang von Rothliegendem. Die öſtliche beſteht faſt nur aus buntem Sandſtein mit einer unbe— deutenden Auflagerung von Muſchelkalk und im Katzenbuckel bei Eberbach durchbrochen von einer nephelinhaltigen Doleritkuppe. Beide dieſe Abtheilungen finden ihre entſprechenden Fortſetzungen im Speſſart, in welchem freilich die kryſtalliniſchen Geſteine ein beſchränkteres Gebiet einnehmen, und in welchem ſich zwiſchen ihnen und dem Buntſandſtein auch noch deutlicher Zechſtein fin⸗ det. Auch rückſichtlich ihrer Oberflächenformen ſind dieſe beiden Abtheilungen des Odenwaldes außerordentlich verſchieden vonein⸗ ander. Die kryſtalliniſchen Geſteine bilden eine ſehr unebene kuppige Oberfläche von zahlreichen Thälern und Schluchten nach allen Richtungen durchſchnitten, der bunte Sandſtein zeigt ein— förmige meiſt waldbedeckte Hochebenen nur von wenigen und weit einförmigern Thalrinnen durchzogen. Dieſe Verſchiedenheit hat einen ſehr bemerkenswerthen Einfluß auf die Natur des Anbaues gehabt. Auf den kryſtalliniſchen Geſteinen und ſelbſt noch auf dem von Grünſteinen und Trachyt durchſetzten Rohliegenden fin⸗ den wir zahlreiche alte Burgen und unter ihrem Schutz eine Menge Dörfer und kleine Städte, umgeben von einer lieblichen Abwechſelung zwiſchen Wald, Feld, Wieſe und Gärten. Dieſe reiche Belebung verſchwindet ſogleich, wenn wir den Fuß auf das Hochplateau des Sandſteins ſetzen. §. 806. Es iſt dieſer Gegenſatz zwiſchen dem weſtlichen und öſtlichen Odenwald ſo auffallend, daß ich ihn hier noch etwas weiter aus⸗ führen zu müſſen glaube, wobei ich Becker's Abhandlung nicht unbenutzt laſſen kann.— In dem vielgeſtaltigen weſtlichen Oden⸗ wald, ſo z. B. in den obern Moldaugegenden und im Weſchnitz⸗ gebiet liegen die meiſt kleinen Dörfer oft nur Viertelſtunden weit auseinander, dazwiſchen noch einzelne Höfe und Mühlen. Lang⸗ geſtreckte den Thälern folgende Dörfer findet man hier nicht. Die vielfachen Windungen und Zuflüſſe gruppiren die Wohnungen mehr kreisförmig und geſchloſſen. Dazu ſind auch die Vegeta— — 508— tionsverhältniſſe ſehr mannichfaltige. Schon abweichend zeigt ſich das nördliche Gebiet des Rothliegenden, beſonders in ſeiner ſüd⸗ lichen Hälfte. Der Wald, welcher hier ſüdlich von der Straße zwiſchen Langen und Orbebach liegt, deckt zuſammenhängend über eine Quadratmeile der ziemlich einförmigen Oberfläche; nördlich von jener Straße unterbrechen jedoch eruptive Geſteinskuppen dieſe Einförmigkeit, die Gegend wird offener und bewohnter. Im öſtlichen Odenwald, auf dem Gebiet des Buntſandſteins dagegen, ſind drei Viertheile der Oberfläche mit Wald bedeckt, theils Na⸗ delholz, theils Laubholz, das letztere an den ſteilen Gehängen als Eichen⸗Hackwald. Je ſteiler die Abhänge der Bergrücken, je en⸗ ger die Thäler werden, deſto beſchränkter iſt die Feldeultur. Ue⸗ brigens iſt im öſtlichen Odenwald der Waldbeſitz großentheils ſehr zerſplittert, und in Folge davon ihr Beſtand nicht ſo gut, als er ſein könnte. In manchen Gegenden herrſcht hier noch die Hubeneinrichtung, z. B. in Würzberg. Senkrecht zur Richtung des Thales, in welchem die Wohnungen liegen, iſt die ganze Ge⸗ markung in ſchmale Streifen getheilt, an deren tiefſter Stelle der Hof mit ſeiner Wieſenabtheilung liegt, in welchen dann die Fel⸗ der zu beiden Seiten aufwärts folgen, denen ſich auf den Höhen die Waldparzellen anſchließen. Der Länge nach zieht durch jede dieſer Huben der Weg des Beſitzers. Mit Ausnahme der höchſt⸗ gelegenen Orte und einiger gedrängt gebauter Städtchen und Fle⸗ cken im Neckar⸗ und Mämmlingthale, ſind die Wohnſtellen des öſtlichen Odenwaldes meiſt zu langgeſtreckten, in den geraden Thälern ſich hinziehenden Dörfern verbunden, deren Gehöfte meiſt einige Entfernung voneinander haben. Einige derſelben ſind über eine Meile lang. Ueberhaupt aber iſt die Anzahl der Dörfer im öſtlichen Odenwalde weit geringer, die Bevölkerung weit lichter als im weſtlichen. Aehnliches wiederholt ſich im Speſſart. Da⸗ gegen machen die ſtarken Quellen des Sandſteinsgebietes die Bäche hier von dem Witterungswechſel ziemlich unabhängig. Die Bäche frieren ſchwer zu und behalten auch im Sommer hinreichend Waſſer zum Betriebe der zahlreichen Mühlen, der Tuchfabriken und Eiſenhüttenwerke. Die Wieſen, überall auf A pmnige inſtalii gſenma gbweicunn giiſtem i Gnti rüätennat bnin jalih a idn, u hom we tortauche ot wied pim, Ha 1 anzende n Kich de g n Hähn rh je hüchſ und ge len d perdde fenitſ ind ide itſe in it liht t. Dw ets de thindi Somme ſen, dar cal vuſ — 509— die Thalſohle beſchränkt, ſind bei günſtiger Bewäſſerung meiſt üppig. §. 807. An dieſe allgemeinen Betrachtungen ſchließe ich nur noch wenige Bemerkungen über die einzelnen Geſteine an, welche das kryſtalliniſche Gebiet des Odenwaldes und des ſüdlichen Speſſart zuſammenſetzen, da die Höhen des bunten Sandſteins hier keine Abweichung zeigen von ihrer Natur in dem bereits geſchilderten Bairiſchen Becken, und da ich auf ihre Contraſte gegen Granit und Gneis noch einmal bei Beſprechung des Schwarzwaldes zu⸗ rückkommen werde. Gneis, zuweilen übergehend in Glimmerſchiefer, bildet ein ziemlich ausgedehntes Berggebiet in den Umgebungen von Beer⸗ felden, von da nordöſtlich einen Zweig ausſendend gegen Schaf⸗ heim, noch zweimal aus der Alluvialebene des Mainthales her⸗ vortauchend, und dann jenſeit dieſes Fluſſes, am Fuße des Speſ⸗ ſart, wieder ein rundliches Hügelgebiet bildend zwiſchen Klein⸗Oſt⸗ heim, Hörſtein und Unterſailauf. In dieſen kryſtalliniſchen Schiefern, ſowie zugleich in den an⸗ grenzenden Granit hinein fortſetzend, zeigt ſich zwiſchen Auerbach und Reichenbach ein mächtiger Gang von körnigem Kalkſtein, bei Hirſchbach ſcheint er eine Fortſetzung zu finden. Dieſer körnige Kalkſtein iſt nicht nur durch ſeine Gewinnung techniſch wichtig geworden, ſondern auch geologiſch höchſt intereſſant, weil er, wie v. Leonhard gezeigt hat, den erſten Beweis lieferte, daß auch Kalkſtein unter gewiſſen Umſtänden(wahrſcheinlich durch Schmel⸗ zung und Preſſung dichten Kalkſteins) eruptiv geworden ſein müſſe. Die Salbänder dieſes Kalkſteinganges ſind reich an aller⸗ lei Verbindungen der Kalkerde mit Kieſel und Thon, beſonders Idokras. §. 808. Nächſt dem Gneis ſcheint der Syenit das älteſte Geſtein des Odenwaldes zu ſein. Er bildet ein ſehr zuſammenhängendes, wenn — 510— auch vielfach von Granitgängen durchſetztes Gebiet zwiſchen Wein⸗ heim und Fürth, wo ihn das maleriſche Gorksheimer Thal durch⸗ windet, und ein zweites kleineres zwiſchen Darmſtadt und Nieder⸗ Beerbach. Es iſt dies letztere das Syenitgebiet, welches auf die Höhe des Melibocus heraufreicht und öſtlich von demſelben das ſogenannte Felſenmeer bildet, eine Anhäufung von gewaltigen Steinblöcken, die man in alter Zeit zu architektoniſchen Zwecken verwendet hat. Noch jetzt liegt hier aus der Römerzeit abſtam— mend die eine Hälfte der ſogenannten Rieſenſäule, deren andern Theil man in den altrömiſchen Bauwerken Triers wiederzufinden geglaubt hat. Dieſen Granit durchſetzen außer Granitgängen bei Nieder⸗Beerbach auch Serpentine. §. 809. Granit, meiſt porphyrartig durch große Feldſpathkryſtalle, aber wie der Syenit häuſig durchſetzt von feinkörnigen oft tur⸗ malinreichen Granitgängen, tritt nicht nur im Neckarthale unter dem bunten Sandſtein hervor, als Felsboden von Heidelberg und ſeiner Ruine, ſondern auch als ein größeres Gebiet zwiſchen Schriesheim, Weinheim und Fürth, und dann wieder jenſeit des Gneiſes zwiſchen Auerbach, Reinheim und Boßdorf, überall mit ganz vorzugsweiſe kuppiger Oberfläche. Am ſüdweſtlichen Fuß des Speſſart zeigt er ſich bei Aſchaffenburg und von da öſtlich. §. 810. Quarzporphyre durchſetzen als mächtige Maſſen den Granit bei Schriesheim und Weinheim, ſie ragen meiſt als ſchroffe Fels⸗ zacken aus demſelben hervor, wie das die gewöhnliche Natur die⸗ ſes Geſteins iſt. Oeſtlich von Umſtadt durchſetzt derſelbe den Gneis und auch bei Aſchaffenburg finden ſich Porphyrgänge im Granit. Bei Schriesheim iſt der Porphyr von Schwerſpathgängen begleitet, auf denen man zu verſchiedenen Zeiten Bergbau betrieben hat, zuletzt nur noch, um den Schwerſpath zur Bleiweißverfälſchung zu gewinnen. Hedel menhä lir fung berg! da b Palfit all nkten nciin efn fnan ihun falin Naſe henii pend en Vi. al dnt dNa 3 afd ſelben da ewali 1 Jrci tabſe dander zufid e bi — dyſtale dſt wer nnterde herg u wich enſeit erall n hen di iſtich — 5141— §. 811. Das Rothliegende bildet, mehrfach von Grünſteinen, von Baſalt und von Trachyt durchſetzt, den ſchmalen und niedrigen nördlichen Ausläufer des Odenwaldes, welcher ſich als bewaldetes Berggebiet von Darmſtadt aus bis etwas jenſeit Diezenbach er⸗ ſtreckt. Die feſtern Geſteinskuppen ſind auch hier mehrfach von alten Burgen gekrönt. §. 812. Der bunte Sandſtein, welcher im Allgemeinen auf den öſt⸗ lichen Theil des Odenwaldes beſchränkt iſt, bildet ausnahmsweiſe ſüdlich von Umſtadt auch eine große Scholle auf Granit und zeigt ſich ſogar in zwei kleinen Hügeln am weſtlichen Gebirgsfluß dicht an der Bergſtraße etwas nördlich von Heppenheim. Bei Heidelberg reicht er über das kleine Granitgebiet hinweg zuſam⸗ menhängend bis zu dem ſteilen Rand der Bergſtraße und hat hier neuerlich zu ſehr großartigen Steinbruchsarbeiten Veranlaſ⸗ ſung gegeben, da er, wie ſchon die herrliche Ruine von Heidel⸗ berg lehrt, treffliche Bauſteine liefert. An ſeiner Grenze gegen den Granit bemerkt man zwiſchen Schloß Heidelberg und dem Wolfsbrunnen noch Spuren von Zechſteindolomit, wahrſcheinlich die allerſüdlichſten dieſer Formation, die als ſelbſtändig und cha⸗ rakteriſtiſch entwickelt nur bis zum Main reicht. Pittoreske Sce⸗ nerien liefert der bunte Sandſtein des Odenwaldes nur in dem tiefen Einſchnitt des Neckarthales, wo noch manche alte Burg an ſeinen Felswänden hängt. §. 813. Werfen wir noch einmal einen Blick auf den allgemeinen Bau des Odenwaldes zurück, ſo ergibt ſich, daß er ſeine Ent— ſtehung als Gebirge einer einſeitigen Hebung verdankt. Die kry⸗ ſtalliniſchen Geſteine ſeiner Weſthälfte wurden als bereits fertige Maſſen neben einer großen Hauptſpalte, deren Lage ungefähr der heutigen Bergſtraße entſpricht, in die Höhe geſchoben, ihre Sand⸗ ſteindecke dadurch theils zerſtört, theils ſchräg aufgeklappt, in der — 512— Art, wie es der nachſtehende durchaus ideale und allgemein ge⸗ haltene Holzſchnitt verſinnlicht. Es iſt von keinem der an der Berg⸗ CGalarewala Zässtenasge ſtraße auftretenden Eruptivgeſteine nachweisbar, daß es durch ſein flüſſiges Empordrängen dieſe Erhebung bewirkt habe. Syenit, Gra⸗ nit, Porphyr und Grünſteine ſind entſchieden älter als der mit ge⸗ hobene Buntſandſtein. Ganz ähnlich finden wir die Lagerungsver⸗ hältniſſe am Speſſart und am Schwarzwalde, und ich baabſſ chtige bei letzterm noch näher darauf einzugehen. §. 814. Als beſondere Wirkungen des innern Baues in dem ſoeben beſprochenen Gebiet ſind etwa folgende hervorzuheben. Granit, Syenit und Quarzporphyr bilden eine ſehr unebene mannichfach geſtaltete Oberfläche, ihnen ſchließen ſich in dieſer Beziehung zunächſt der Gneis und das Rothliegende an, die beide mehrfach von Eruptivgeſteinen durchſetzt und eben deshalb wol mannichfaltiger geſtaltet ſind als anderwärts. Dieſer Umſtand mit verhältnißmäßiger Fruchtbarkeit des Bo⸗ dens haben einen ſtärkern und vielartigern Anbau veranlaßt, als er auf dem in jeder Weiſe einförmigern Buntſandſtein gefunden wird, die Zahl der Orte iſt größer, die Cultur um dieſelben iſt verſchiedenartiger. Der Wald iſt auf dem kryſtalliniſchen Theil vorherrſchend Laub⸗ wald oder gemiſcht, auf dem Sandſtein vorherrſchend Nadelwald oder Niederwald(Eichenſchälwald, Hackwald). Der größere Ver⸗ kehr hat ein ſo kleines Gebirgsgebiet natürlich ganz umgangen, eine Art von doppelläufigem Längenthal hat aber die directe Verbindung zwiſchen Aſchaffenburg und Heidelberg weſentlich wi Hli orte! ffra Oee K dher bo bis zu iiißd T d G 3600, ffil Kam Wo0 mälg iren Moüixps aat ie Cot — 513— ng erleichtert. Als politiſche Grenze iſt der kleine Odenwald unwich⸗ Va tig, die zwiſchen Baden und Darmſtadt läuft quer über denſelben hinweg. Der Schwarzwald. 47) §. 815. Dieſes ſchöne Gebirge bildet den äußerſten ſüdweſtlichen Grenzpfeiler des heutigen Deutſchlands. Das Rheinthal umrankt hſcn und begrenzt ihn von Thiengen an der Wutach, nicht weit unter Gr⸗ den berühmten Rheinfällen von Schaffhauſen, bis in die Gegend t g von Karlsruhe herab. Er bildet in dieſer ganzen Ausdehnung das tve⸗ ſchroff aufſteigende rechte Gehänge deſſelben. Minder ſcharf läßt ſige ſich ſeine Grenze auf der Oſt- und Nordſeite ziehen, wo er ſehr allmälig in das Schwäbiſche Hochland verläuft. Donaueſchingen, Villingen, Nagold und Pforzheim können hier etwa als Grenz⸗ orte bezeichnet werden. Die Baſis dieſer aus Nord nach Süd etbe erſtreckten Bergkette, deren geologiſchen Zuſammenhang mit dem Odenwald und Speſeart wir bereits kennen gelernt haben, liegt nebent bei Karlsruhe nicht ganz 500 Fuß über dem Meeresſpiegel, ſteigt dieſet aber von dieſem Punkte an nach allen Seiten auf. Im Rheinthale beide 3 bis zum Wendepunkt bei Baſel auf 770 Fuß, und bis zum Ein⸗ v fluß der Wuttach bei Thiengen auf 1060 Fuß. Ueber dieſe Baſis erhebt ſich der thaldurchſchnittliche Kamm Be⸗ des Gebirges von Nord nach Süd immer höher von 3000 bis ,i s 3600 Fuß über den Meeresſpiegel, der Feldberg als höchſter Gi⸗ unde pfel ſogar bis zu 4700 Fuß. Der Unterſchied der mittlern an iſ Kammhöhe und der Rheinthalbaſis beträgt demnach meiſt über 2000 Fuß. Ganz anders auf der Oſtſeite, wo das Gebirge all⸗ galh⸗ mälig in die Schwäbiſche Hochebene verläuft. Dieſe ſteigt in rah iihren höchſten Regionen ſelbſt bis zu 2500 Fuß an und der Ge⸗ Vr⸗ birgskamm ragt über dieſelbe in manchem Querſchnitt nur ein ngn. paar 100 Fuß empor. Als Beiſpiele mögen hier nur noch einige ditate ſpecielle Höhenbeſtimmungen folgen. ntich Cotta, Deutſchlands Boden. 33 Der Feldberg...... 4650 Fuß (nach Ziegler nur..... 4590)⸗ Der Belchen...... 4390 Das Herzogenhorn..... 4300 Die Hornisgründe..... 3620 Der Kniebis... 2960 Ein eigentlicher Gebirgskamm iſt im Grunde gar nicht vor⸗ handen. Ueberſchaut man das Gebirge vom Gipfel des Feldberges, ſo ſtellt es ſich als ein breites Bergland dar, welches aus dem ein⸗ förmigen ſchwäbiſchen Hochplateau ſich entwickelnd nach dem Rhein⸗ thale zu plötzlich endet. Jene große Ungleichheit in der Höhe der weſt⸗ lichen und öſtlichen Baſis verurſacht, daß daſſelbe Gebirge, welches aus dem Rheinthale überall als eine dunkel bewaldete hohe Bergmauer vorliegt, wenn man aus Schwaben kommt, als ein wenig be⸗ merkbarer Waldrücken erſcheint. Auch der Lauf der Gebirgsflüſſe iſt durch dieſe Niveauverhältniſſe in Verbindung mit der beſon⸗ dern Hebungsweiſe des Gebirges ein recht eigenthümlicher gewor⸗ den. Am auffallendſten iſt in dieſer Beziehung die Kinzig, ſie durchſchneidet das ganze Gebirge quer von Oſt nach Weſt. Ihre Quellen rinnen in kleinen Längenthälern am öſtlichen Fuß zu⸗ ſammen, dann durchſchneidet das Hauptthal das Gebirge in ſeiner ganzen Breite und verbindet ſich weſtlich mit dem Rheinthal. Hierdurch theilt es die geſammte Bergkette in eine ſüdliche und nördliche Hälfte, deren innerer Bau aber im Allgemeinen ein übereinſtimmender iſt. Aehnlich wie die Kinzig verhält ſich, nur in ſchräger Richtung, auch die Murg, und ſelbſt die Elz reicht mit ihren Quellen über die Mitte des Gebirges öſtlich hinaus. Das Quellengebiet des Neckar gehört ſchon gar nicht mehr dem Schwarzwald an, es liegt merkwürdigerweiſe höher als die Bäche, die ihm zunächſt im Gebirge entſpringen und ſich zur Kinzig ver⸗ binden. Auch die Donau bezieht nur wenig Waſſer aus dem Gebirge, hat man doch ſogar ihre angebliche, ich möchte ſagen officielle und monumentale Quelle nach Donaueſchingen verlegt, wo ſich aber ein viel ſtärkerer von Ellwangen herkommender Bach mit ihr verbindet, der eigentlich den Urſprung der Donau bildet. — 515— §. 816. Die klimatiſchen Verhältniſſe des Schwarzwaldes ſind natür⸗ lich ſehr verſchieden nach Höhe und Lage, ſie ſpiegeln ſich am deutlichſten in den ungleichen Vegetationsverhältniſſen ab. Von den kahlen mit dürftiger Weide bedeckten Höhen des Feldberges über der Region von 4200 Fuß, oder von den Krumm⸗ holzkieferbeſtänden auf den moorbedeckten Hochplateaus im Sand⸗ ſteingebiet, ſteigt man durch ſchlanke Fichten⸗ und Tannenwälder herab in die Region der kräftigen Eichen, ſie beginnen bei 2500 Fuß Meereshöhe und reichen vorherrſchend als Niederwald bis zu 1500 Fuß herab. Darunter beginnt in den Thälern die üppige Vegetation der Obſtbäume gemiſcht mit zahlreichen guten Kaſta⸗ nien und wälſchen Nüſſen, endlich geſellt ſich dazu an der Mün⸗ dung der Thäler gegen den Rhein auch die edle Rebe. §. 817. Der innere Bau des Schwarzwaldes iſt ähnlich dem des Odenwaldes, nur etwas complicirter. Der Kern des Gebirges be⸗ ſteht aus einem vielfachen Wechſel von Gneis und Granit, hier und da durchſetzt von Porphyren. Dieſer kryſtalliniſche Kern iſt auch hier wie dort am Nordende von Rothliegendem überdeckt, und auf der Oſtſeite von einer vielfach zerriſſenen mächtigen Decke von Bunt⸗ ſandſtein faſt horizontal überlagert, während am ſteilen Weſtab⸗ hang und Fuß hier und da eine ganze Reihe abgebrochener oder aufgerichteter Schichten vom Buntſandſtein bis zum Jurakalk ſich zeigt.(Vgl. Taf. III.) Nur ſehr untergeordnet treten auch(wahrſchein⸗ lich der Grauwacke angehörige) Schieferbildungen und Schichten der Steinkohlenformation auf. Die kryſtalliniſchen Geſteine ſind am deutlichſten, am ausgedehnteſten und am wenigſten bedeckt am Südende. Gegen Nord nimmt die von der ſchwäbiſchen Hoch⸗ ebene herüberragende Bedeckung durch bunten Sandſtein mehr und mehr zu und endlich verſchwindet in der Gegend von Baden⸗ Baden der kryſtalliniſche Kern faſt ganz unter einer ſehr mächtigen 33* — 516— Conglomeratbildung des Rothliegenden und unter dem nordöſtlich darauf folgenden Buntſandſtein. §. 818. Betrachten wir die verſchiedenen Geſteinsbildungen einzeln oder in ihrer gegenſeitigen Gruppirung. Granit und Gneis von ziemlich gleicher mineralogiſcher Zuſammenſetzung und nur durch ihre Textur verſchieden, bilden wie geſagt die Hauptkernmaſſe des ganzen Gebirges. Beide ſind ſehr innig miteinander verflochten, indem auch da, wo der Gneis ganz vorherrſcht, zuweilen noch granitiſche Gänge ihn durchziehen, dieſe mehren ſich, werden mächtiger und man gelangt endlich in ziemlich reine Granitgebiete, die aber doch noch zuweilen verein⸗ zelte Gneisſchollen umſchließen. Eine ſolche vorherrſchend grani— tiſche Zone umgibt die reinere Gneismaſſe, welche vom Feldberge bis nach Oppenau zuſammenhängt als ein breiter Streifen an ihrer Süd⸗, Oſt⸗ und Nordweſtſeite. Die Structur des Gneiſes läßt kein conſtantes regelmäßiges Streichen und Fallen beobachten, ſie iſt in ihrer Totalität wie es ſcheint verworren und ohne be⸗ ſtimmte Beziehung zur Lagerung, öfters wird ſie undeutlich und man weiß kaum noch, ob man das Geſtein Gneis oder Granit nennen ſoll. Beide ſind alſo nicht nur durch Ramiſficationen, ſondern auch durch Geſteinsübergänge innig miteinander verbun⸗ den. Anderwärts geht der Gneis auch wol in Glimmerſchiefer, ja ſelbſt in Thonſchiefer über und zeigt wie gewöhnlich manrher⸗ lei Modificationen. Alle dieſe Geſteine und Geſteinsvarietäten beſitzen aber eine Menge gemeinſame Eigenſchaften und verhalten ſich namentlich rückſichtlich ihrer Oberflächengeſtaltung und übrigen Bodenwirkung ſehr ähnlich. Ich werde auf dieſe Beziehungen ſpäter zurückkommen, wo ſich die Gegenſätze der Geſteinswirkungen beſſer hervorheben laſſen und bemerke hier nur noch, daß ſowol im Gneis als im Granit des Schwarzwaldes hier und da Erzgänge aufſetzen, in welchen Silber⸗, Kupfer⸗ und Kobalterze mit Schwerſpath verbunden BWat One fom penau, nahrfa Rhoͤen. Nen nde ndG geſtei Marzig rchrſt in pac li E vahſe t lleine tolſte wn e itig e düſtch ſtinen wiche bäden deſed Gnii ihen ic in teil⸗ roni⸗ berge en m zneiſe achten, ne be⸗ G und Hranit joner, erbun⸗ üiſe cher tr die detich vutung en, N laſin Granit velchen punden — 517— ſind. Die durch den Bergbau bis jetzt am meiſten bekannten ſind die im Münſterthal, bei Badenweiler, im Schappachthal und bei Wittigen. Aehnliche Gänge durchſetzen auch Porphyr und Buntſandſtein, aber wie es ſcheint mit geringerm Gehalt. Außerdem finden ſich vereinzelt auch Eiſenſteingruben in dem Gebiet dieſer Geſteine. §. 819. Quarzporphyr tritt hier und da in Geſtalt iſolirter Bergkuppen oder kleiner Felſengebiete aus den Granit⸗ oder Gneisgeſteinen hervor, die er offenbar als etwas jüngere Erup⸗ tivmaſſe durchſetzt hat, ſo bei Baden⸗Baden, nördlich von Op⸗ penau, öſtlich von Lahr, im Münſterthal bei Staufen und noch mehrfach im ſüdlichen Gebirgstheil. Einige dieſer Porphyrkegel haben Veranlaſſung zu Erbauung feſter Burgen gegeben, ſo die Pburg bei Baden und Geroldseck bei Lahr. Auch Grünſtein und Serpentin finden ſich ſehr vereinzelt im Gneis bei Todtenau und Gündelwangen unweit Freiburg. Ein Quarzbrockenfels⸗ geſtein öſtlich von Trieberg hat ſich als Straßenbaumaterial vorzüglichen Ruhm erworben. §. 820. Thonſchiefer und verwandte Geſteinsbildungen, welche wahrſcheinlich der Grauwackengruppe angehören, finden ſich als ein paar kleine Parzellen mitten im Gneisgebiet bei Oberlenzkirch, bei Schönau und im Thal von Badenweiler. Sie haben hier wahrſcheinlich durch leichtere Zerſtörbarkeit Thalweitungen veran⸗ laßt und trotz der großen Unebenheit ihrer Oberfläche die Lage kleiner Städte bedingt. Dieſe Geſteine gehen ſüdlich von Todtenau vollſtändig über in Gneis und faſt ſcheint es, als ſeien es nur von einer allgemeinern Metamorphoſe in kryſtalliniſche Schiefer übrig gebliebene Reſte. Die ſchwerſpathreichen Erzgänge ſetzen bei Schönau auch in ſie fort. — 518— §. 821. Von der Kohlenformation hat man nur geringe Spuren an einigen Stellen des Schwarzwaldes gefunden, die durch ſchwache Kohlen⸗ oder Anthrazitlager allerdings zu bergmänniſchen Unter⸗ nehmungen Veranlaſſung gaben, bis jetzt aber noch nirgends recht bauwürdige Flötze gezeigt haben. Solche Verſuche und unwich⸗ tige Abbaue auf Steinkohlen und Anthrazit finden ſich z. B. zwiſchen Baden und Steinbach, nördlich von Oppenau, ſüdlich von Offenburg und bei Schramberg. Mächtige und ausgedehnte Kohlenlager können im Schwarzwald und an ſeinen Rändern nach der ganzen Natur ſeines innern Baues nicht erwartet werden. §. 822. Das Rothliegende, vorherrſchend aus grobem porphyrrei⸗ chem Conglomerat beſtehend, bildet am Nordende des Gebirges eine mächtige Decke auf Granit und Porphyr. Aus ihm beſtehen die mit Burgen gekrönten Felsberge, welche Baden umgeben, deſſen berühmte Heilquellen indeſſen aus dem in der Thalſohle anſtehenden Granit entſpringen. Die Formation ſetzt auch über das Murgthal hinüber gegen Nord und Oſt fort, wird aber auf dieſer Seite bald von einer ebenſo mächtigen Decke des bunten Sandſteins überlagert, unter dem weiter öſtlich nur in den tiefen Thaleinſchnitten bei Herrnalp und Wildbad nochmals Granit und Rothliegendes zum Vorſchein kommen. Das hier wol über 600 Fuß mächtige Conglomerat des Rothliegenden ſcheint gegen Süd immer mehr an Mächtigkeit ab⸗ zunehmen, nur mühſam läßt es ſich im Gebiet des Kinzigthales noch an den Rändern der Buntſandſteinplateaus zwiſchen dieſen und dem Granit auffinden, doch beobachtet man Spuren davon ſelbſt noch am ſüdlichſten Gebirgsende zwiſchen Kandern, Zell und Schopfheim. naddü vadde nur u zavil Dberſ von bon? aus ul ſets n nit u deckun Kini don Gneis ſeinen reni pure er auf unte ſtifen tud t d it d⸗ tha diſee daven 30 §. 823. Eine viel wichtigere Rolle als die Grauwacke, die Kohlen⸗ formation und ſelbſt das Rothliegende ſpielt im Schwarzwald der bunte Sandſtein. Er bildet in vielen Gegenden die oberſten Bergplateaus auf einer Baſis von Granit oder Gneis. Der nördlich und öſtlich von der Murg gelegene Theil des Schwarz⸗ waldes beſteht an der Oberfläche faſt gänzlich aus Buntſandſtein, nur in den tiefſten Thaleinſchnitten wie bei Wildbach tritt hier zuweilen noch etwas Rothliegendes, Granit oder Gneis an die Oberfläche. Ebenſo beſteht der ganze öſtliche Rand des Gebirges vom Quellengebiet der Murg über Villingen bis in die Gegend von Waldshut am Rhein, aus buntem Sandſtein, der von hier aus ungleich weit gegen Weſt in das Gebirge hereinreicht, aber ſtets nur als oberſte Kappen oder in iſolirten Schollen auf Gra⸗ nit und Gneis. Am weiteſten weſtlich reichen dieſe Sandſteinbe⸗ deckungen im mittlern Gebirgstheil zwiſchen der Murg und der Kinzig. Hier ſind geradezu alle höhern Berge breite Plateaus von Sandſtein und nur in den Thälern zeigen ſich Granit und Gneis. Da die Grenze zwiſchen Sandſtein und den ältern Ge⸗ ſteinen nicht ganz horizontal iſt, ſondern ſich im Allgemeinen ein wenig gegen Oſten einſenkt, entſprechend einſeitiger Gebirgserhe⸗ bung, und da zugleich die meiſten Thäler dieſer Gegend öſtlich ihren Anfang nehmen und gegen Weſt oder Nordweſt in das Rheinthal ausmünden, ihre Sohlen daher eine umgekehrte Nei⸗ gung beſitzen wie die untere Sandſteingrenze, ſo folgt aus die⸗ ſen Umſtänden ganz nothwendig, daß die Region der kryſtallini⸗ ſchen Geſteine in dieſen Thälern von Oſt gegen Weſt nach Höhe —- —-“ —4 und Breite zunimmt. Sie beginnt zuweilen, wie bei Rippoldsau an der Wolfach, mit einem ſchmalen und niedern Streifen in der Thalſohle, der immer breiter wird, immer höher an den Ge⸗ — 520— hängen emporſteigt und immer mehr kleine Seitenthäler in ſich aufnimmt, bis endlich auf dem weſtlichern Granit⸗Gneisgebiet nur noch ſchmale Sandſteinkämme oder vereinzelte Kuppen deſ⸗ ſelben übrig bleiben. Südlich von der Kinzig ſteigt das Gebirge im Allgemeinen höher auf, und der Sandſtein reicht nun nicht mehr ſo weit und ſo zuſammenhängend in daſſelbe herein, ſeine Plateaus zerſplittern ſich ſehr bald in iſolirte Theile, hier und da findet man zuweilen nur noch dünne Sandſteinſchollen auf den Granithöhen oder gar nur iſolirte Blöcke oder andere Ueberreſte des zerſtörten Sandſteins(Sand und Kies); ſo auf den Höhen von Oberlenzkirch. 1 Auch an der Weſſtſeite zeigt ſich vereinzelt wieder bunter Sandſtein, zwiſchen dem Kinzig⸗ und Elzthale ſogar in bedeuten⸗ der Ausdehnung, meiſt aber mit aufgerichteter Schichtung als äußere Randbildung, auf deren beſondere Betrachtung ich zurück⸗ kommen werde. §. 824. Die weſentlichſten Beſtandmaſſen des Schwarzwaldes und ihren Zuſammenbau haben wir im Vorſtehenden kennen gelernt, der letztere dürfte noch deutlicher werden durch die idealen Quer⸗ ſchnitte auf Tafel III. Einige untergeordnete Geſteinsbildungen finden ſpäter gelegentlich Erwähnung, hier werde ich zunächſt verſu⸗ chen, die Oberflächencontraſte anzudeuten, welche durch die kryſtallini⸗ ſchen Geſteine einerſeits und den Sandſtein andererſeits bedingt ſind. Granit und Gneis bilden überall, wo ſie im Schwarzwalde auftreten, eine unebene gleichſam warzige kuppige Oberfläche, meiſt gerundet, doch mit einzelnen ſchroffern Felspartien in den unre⸗ gelmäßig gewundenen Thälern, oder felſige Thalengen, wie im Höllenthal oberhalb Freiburg. Aus ihrer Zerſetzung geht ein fruchtbarer Boden hervor. Der Buntſandſtein hingegen bildet einförmige Plateaus ohne Formenwechſel, arm an Quellen, von Nadelholz⸗Hochwald oder Moor und Torf mit Krummholzkiefern bedeckt, beinahe ohne Orte, während letztere auf dem ſüdlichen Granit⸗Gneisgebiet zu viel höherm Niveau aufſteigen. Bezeich⸗ nend iſt es, daß einer der wenigen Orte auf den Buntſandſtein⸗ zveie 2 — 521— höhen des Schwarzwaldes, das ärmliche Dorf Kniebis(nur 2900 Fuß über dem Meeresſpiegel) durch von der Regierung unter⸗ ſtützte Auswanderung nächſtens ganz verſchwinden wird. Dieſe Contraſte zeigen ſich am deutlichſten zwiſchen der Kin⸗ zig und der Murg. Der Gneis und Granit erreichen hier faſt überall nur ein Niveau von etwa 2000 Fuß. Darüber folgen dann die Sandſteinkappen. Es laſſen ſich da zuweilen gleichſam zweierlei Thalbildungen ineinander beobachten. Eine obere meilen⸗ —— Hart Meudeteun: Gner. Grasur breite einförmige Thalrinne zwiſchen den Sandſteinplateaus und eine untere ſehr vieltheilige im Granit⸗Gneisgebiet. Soweit das letztere reicht, ſind die Gehänge zerſchnitten von einer Menge kleiner, unregelmäßiger Seitenthäler, deren Anfangspunkte gewöhn⸗ lich alle am Rand der Sandſteinplateaus liegen, in die ſie nicht hineinreichen. An dieſem Rande entſpringen zugleich vorzugsweiſe viele Quellen. Dieſe Verſchiedenheit der Oberflächenform geht Hand in Hand mit ungleicher Fruchtbarkeit des Bodens und mit noch einigen Eigenthümlichkeiten der kryſtalliniſchen Geſteine. Die Folgen da⸗ von ſind: auf den Sandſteinhöhen Moor oder Nadelholzhochwald, faſt frei von Orten; auf dem Granit⸗Gneisgebiet Laubholz, Niederwald, Feld, Wieſe und Obſtgärten im mannichfachſten Wechſel mit Ortſchaften, deren zerſtreut gebaute Höfe mit ihren breiten Strohdächern bis auf die größten Granithöhen hinaufſtei⸗ gen, aber den Sandſtein vermeiden, waſſerreiche Bäche mit ſtar⸗ kem Gefälle, vielfach benutzt zur Holzflöße, ſeltener zu Mühlen und Fabrikanlagen. Zahlreiche Mineralquellen benutzt in Badeanſtalten, einiger Bergbau auf Erzgängen. In Summa ein mannichfach ge⸗ ſchäftiges Leben, während in das Sandſteingebiet nur die Holzaxt und das eigenthümliche Holztransportweſen hinaufreicht, welches dem Flößen vorausgeht. Die Grenzen dieſer Zuſtände ſind ſehr ſcharf und ganz dem geologiſchen Bau entſprechend. Ueberhaupt — 522— aber iſt im Schwarzwald, im Gegenſatz zu der nur wenig niedri⸗ gern ſchwäbiſchen Hochebene, der Contraſt zwiſchen kryſtalliniſchen Geſteinsgebieten und ſedimentären Flötzgebieten ganz außerordentlich groß, die geologiſche Urſache der Landesverſchiedenheit ſſtd da vor⸗ zugsweiſe deutlich. §. 825. Ehe ich das höhere Gebiet verlaſſe, um den Bau ſeines weſt⸗ lichen Randes zu ſchildern, muß ich noch einer merkwürdigen geologiſchen Erſcheinung gedenken, welche im ſüdlichen Gebirgs⸗ theile ziemlich häufig beobachtet wird. Es ſind das die deutlichen Ueberreſte von alten hochgelegenen Seebecken. Fromherz hat ſie zuerſt nachgewieſen und genauer unterſucht. Man erkennt ſie durch Ablagerungen von groben Geſchieben, Kies und feinem Sand in beſtimmten Gebieten, welche dem Niveau früherer Ge— birgsſeen entſprechen, von welchen jetzt nur noch drei kleine Ueber⸗ reſte im Feldſee, Tittiſee und Schluchſee vorhanden ſind, während in mehren andern hochgelegenen Thalregionen ähnliche Ablagerungen nachgewieſen wurden, in denen jetzt gar keine Seen mehr vor⸗ handen ſind. Es iſt noch nicht gelungen, die Zeit und die Um⸗ ſtände näher zu beſtimmen, in und durch welche dieſe frühern oft bedeutenden Waſſerbecken zerſtört wurden, offenbar ſteht aber ihr Abfluß in Beziehung mit den gewaltigen Geſchiebeanhäufungen, die ſich vor der Ausmündung einiger der ſüdlichen Gebirgsthäler in das Rheinthal aufgehäuft finden. Die im Gebirge beobachte⸗ ten Thatſachen ſind jedenfalls der Art, daß ſie ſich hier nicht, wie einige Geologen meinten, durch frühere Anweſenheit von Gletſchern erklären laſſen. Von ſolchen als dem Gebirge ſelbſt angehörig finden ſich im Schwarzwalde keine Spuren, wol aber an ſeinem Südabfall einzelne Moränenblöcke, die von Alpenglet⸗ ſchern herrühren, ich ſelbſt beobachtete einen ſolchen dicht bei Hohenſchwand noch St.⸗Blaſien zu, in einer Meereshöhe von etwa 3000 Fuß. Auch die Geſchiebeablagerungen der Flüſſe haben an den Thalrändern zuweilen eine beträchtliche Höhe über der Thal⸗ ſohle erreicht, ſo z. B. bei Zell am Hammersbach, und vor den 4 — 523— tiaͤft Einmündungen in das Rheinthal bilden ſie breite aber flache niih Geſchiebekegel, z. B. an der Elz. entüch d bor⸗§. 826. In Folge einſeitiger Erhebung ſenken ſich die das Gebirge bedeckenden Buntſandſteinplat⸗ ten ſanft gegen Oſt, während veſt. am weſtlichen Erhebungsrand dimn eine ganze Schichtenreihe zum rz⸗ Theil ſteil aufgerichtet iſt, da⸗ ſlihen bei aber theilweiſe wieder über⸗ t ſi deckt von diluvialen Lößbildun⸗ t ſe gen, ſodaß nur hier und da ren durch ſie ein bergiges oder hü⸗ 5 öe⸗ geliges Vorland bewirkt wird. 5 ſber Von Durlach bis zum 2 grend Kinzigthale aufwärts fehlen dieſe 2 ungen Randbildungen, hier iſt nur die 5 vor⸗ gewöhnliche Lößterraſſe vorhan⸗ 5 umn⸗ den, wie ſie den Odenwald ein⸗ 5 oft ſäumt. Zwiſchen dem Kinzig⸗* rin thale und dem Elzthale lehnt e num ſich dagegen ein breites Gebiet N häͤer von Buntſandſtein an die Gneis⸗ 2 tir berge, welches mit ihnen gleiche 8 58 itt Höhen erreicht und in einzelnen§ N ömn Verzweigungen ſogar auf ihren 8 8 ſii Höhen fortſetzt. Dieſen Bunt⸗ 6 S 86 lhe ſandſtein bedeckt dann zwiſchen S ple⸗ Ettenheim und Einmendingen 4 tbi auch noch eine kleinere Partie. Aut voon Muſchelkalk. Weit com⸗ ren plicirter geſtaltet ſich die Rand⸗ har bildung ſüdlich von Freiburg. 2, den Hier findet man am 2000 Fuß — 524— hohen Schönberg die ganze Schichtenreihe vom Buntſandſtein bis zum weißen Jura nebeneinander in aufgerichteter Stellung und überdies noch durchbrochen von Dolorit, während im Innern des Schwarzwaldes nur an einer Stelle, am Carlſtein bei Hornberg, eine kleine Baſaltkuppe gefunden wird. Die am Schönberg ne⸗ beneinander aufgerichteten Formationsglieder ſind folgende: 1) Buntſandſtein, 2) Muſchelkalk, 3) Keuper, Kalkſtein 4) Leias Mergel Mergelſchiefer. Mergelſandſtein Eiſenrogenſtein 5) Brauner Jura4 Walkerde Rogenſtein Mergel und Thon. 6) Weißer Jurakalk. Bei Staufen ſind dieſe Schichten größtentheils wieder von alluvialen Ablagerungen bedeckt, treten dagegen weiter ſüdlich aber⸗ mals um ſo deutlicher hervor, ein ziemlich breites meiſt bewalde⸗ tes Hügelland bildend, in welchem bei Kandern zu den genann⸗ ten Flötzbildungen ſich noch die Ein⸗ und Auflagerungen von Bohnerz und nierenförmigen Eiſenſteinen geſellen, die urſprüng⸗ lich der Juraformation angehören, theilweiſe aber nach einmaliger Zerſtörung wieder in oberflächliche Vertiefungen des Kalkſteins abgelagert ſind. Sie haben den nicht unwichtigen Bergbau und Eiſenhüttenbetrieb der Gegend von Kandern veranlaßt, während ganz in der Nähe der Contact zwiſchen Granit und dem ſteil aufgerichteten Buntſandſtein den früher ergiebigen Blei⸗ und Silbererzgang von Haus⸗Baden enthält. Zwiſchen Kandern und Hauſen, am Südrand des Gebirges, geſellt ſich dazu auch noch etwas Grauwacke(?) und ein ſchmaler Streif von Rothlie⸗ gendem. 1 ͤiha Eürri tm ſtinde ¹ derbi ſcht birge fen klinſ in e baren diſd oed herab tüäte und; ſll⸗ u ein bis g und rn des möen — 525— §. 827. Wenden wir uns von dieſer flüchtigen Ueberſicht der geolo⸗ giſchen Verhältniſſe des Schwarzwaldes noch einmal zu dem Charakter des Lebens in dieſem verhältnißmäßig ſtark bevölker⸗ ten Gebirge, beſonders inſofern derſelbe durch geologiſche Zu⸗ ſtände bedingt iſt. Waldbedeckung herrſcht im Allgemeinen vor. Dieſe hat in Verbindung mit dem benachbarten Rhein als Transportweg einen ſehr ausgedehnten Holzhandel hervorgerufen. Im Innern des Ge⸗ birges iſt derſelbe vermittelt durch ein äußerſt complicirtes Sy— ſtem von Holzrieſen, Schlittwegen und Flößbächen. Auch die kleinſten Gewäſſer hat man, wenn ſie mit ergiebigen Waldungen in Verbindung ſtehen, durch Schleußen und Uferbauten zu flöß⸗ baren Bächen gemacht, dadurch aber in gewiſſem Grade der In⸗ duſtrie als treibende Kraft entzogen. Die längſten Tannenſtämme werden zu ſchmalen Geſtören verbunden auf ihnen zum Rheine herabgeſchwemmt. Zu ihrer Vereinigung bedarf man große Quan⸗ titäten gebähter und gedrehter Haſel⸗ oder Birkenruthen, dieſe und zugleich Eichenlohe werden gewonnen in den Eichen⸗, Ha⸗ ſel⸗ und Birkenniederwaldungen, die nach 15 jährigem Umtriebe noch Verbrennung der Reiſer und des Abfalles auf Abhängen, ein Jahr lang mit Feldfrüchten beſtellt werden. In einigen Thä⸗ lern(z. B. an der Murg und Dreiſam) werden die ſtarken Stämme in großen Schneidemühlen zu Bretern verarbeitet und auch dieſe geflößt. All' dieſer Holzhandel wird aber offenbar ſehr begünſtigt durch den Umſtand, daß mehre Gebirgsflüſſe ſo weit im Oſten entſpringen und faſt das ganze Gebirge quer durch⸗ ſchneidend in den Rhein einmünden. Führten ſie von einem mitt⸗ lern Gebirgskamme ihr Waſſer zur Hälfte dem Rhein, zur Hälfte dem Neckar zu, ſo würde durch den damit verbundenen großen Umweg der Holztransport für den öſtlichen Gebirgsabfall weſent⸗ lich erſchwert werden. Noch ſind die Wälder des Schwarzwaldes ſo ausgedehnt, daß eine Stockung dieſer Erwerbsquellen nicht ſobald zu beſorgen — 526— iſt. Aber die zunehmende Bevölkerung und der Umſtand, daß viele der Waldflächen ſich in Privatbeſitz befinden, haben doch eine allmälige Verminderung der Waldfläche eingeleitet, die, wenn ſie ſo fortſchreitet, in Zukunft bedenklich werden könnte, da die⸗ ſes Uebel, einmal eingeleitet, ſich ſelbſt ſteigert. Fängt man ein⸗ mal an, die Zunahme der Bevölkerung durch Vergrößerung der Dorffluren und Häuslernahrungen auf Koſten der Waldfläche zu begünſtigen, ſo wird natürlich das Bedürfniß nach Feld⸗ und Wieſenfläche beſtändig ſteigen. Man ſollte deshalb bedenken, daß ein Gebirge wie der Schwarzwald ſeiner ganzen geologiſchen Natur nach darauf angewieſen iſt, die Bewohner vorzugsweiſe durch den Wald zu ernähren. Es iſt hier keinerlei ausreichender Erſatz von der Natur geboten, weder Kohlen noch ergiebige Erz⸗ lagerſtätten. §. 828. Mit dem Holzreichthum würden die wichtigſten Nahrungs⸗ quellen des Schwarzwaldes ſchwinden, mit ihm ſtehen aber auch einige andere in directer Verbindung, dahin gehören das Eiſen⸗ hüttenweſen, die Glas⸗, Porzellan⸗ und Steingutfabrikation, in geringerm Grade ſelbſt die Uhrenmanufactur.(Beil. Nr. 48.) Eiſenerze liefert der Boden wenn auch nicht in bedeutender Aus⸗ dehnung, doch hinreichend für mehre Hüttenwerke. Der Thon und die Porzellanerde für die Steingut⸗ und Porzellanfabriken zu Zell und Schramberg werden aber größentheils aus entfernten Gegen⸗ den bezogen, Thon aus Naſſau und Porzellanerde aus Frankreich. Dieſe Fabriken beruhen daher hier nur auf billigem Brennmate⸗ rial und verhältnißmäßig billiger Arbeitskraft. Die Uhrenmanu⸗ factur, beſonders verbreitet in den Quellengegenden der Donau und der ſüdlichen Kinzigzuflüſſe, welche ſich von den einfachſten hölzernen Uhrwerken allmälig zu Metalluhren und ſehr complicir⸗ ten Spieluhren emporgeſchwungen hat, iſt in ihrer erſten Ent⸗ ſtehung eine echte Gebirgsinduſtrie. Sie war als ſolche möglich in den entlegenſten Gebirgswohnungen bei ausreichender billiger Wohnung und Feuerung. Jeder Arbeiter machte mit Ausnahme 3ff tt ſch nduſt Kunbät in di tollen don teril Glab tnei de G M durch A den n nar f dm Dach dalter Bade hiftg dorzun pogär Qucl prin poddẽ ſLut knuft und vend icht dien hen wena de und viſe der — 527— des Zifferblattes die vollſtändige Uhr fertig. Erſt nach und nach hat ſich eine fabrikmäßigere, intelligentere Betriebsweiſe dieſes Induſtriezweiges entwickelt und in den kleinen Gebirgsſtädten Lenzkirch, Trieberg, Föhrenbach u. ſ. w. mehr concentrirt, wo ihn die Regierung durch entſprechende Unterrichtsanſtalten zu ver⸗ vollkommnen ſucht. Zunehmende Bevölkerung und in Folge da⸗ von ein Steigen der Preiſe von Nahrungsmitteln und Brennma⸗ terial könnte dieſer Induſtrie wie den Steingut⸗, Porzellan⸗ und Glaswerken ſehr nachtheilig werden. Auch das Strohflechten iſt eine im obern Schwarzwald ziemlich verbreitete Nebenbeſchäftigung der Gebirgsbewohner, welche ſich leicht mit dem Hüten und der Pflege des Viehs verbinden läßt, im Uebrigen aber nicht gerade durch locale Zuſtände bedingt wird. Der Boden ſelbſt liefert im Schwarzwald, abgeſehen von dem wenig bedeutenden Silber⸗ und Kobaltbergbau und dem faſt nur für örtlichen Verbrauch beſtimmten Steinbruchsbetrieb(die dünnen Buntſandſteinplatten werden auch hier zuweilen zum Dachdecken verwendet), als ziemlich wichtig noch eine große Zahl kalter und warmer mineraliſcher Heilquellen, unter denen die von Baden⸗Baden die bedeutendſte Rolle ſpielen, theils durch ihre heil⸗ kräftige Natur und ihren großen Waſſerreichthum, theils durch die vorzugsweiſe glückliche Lage in einer höchſt romantiſchen und leicht zugänglichen Gegend; aber auch die andern Badeorte, deren Quellen ſämmtlich aus den alten kryſtalliniſchen Geſteinen ent⸗ ſpringen, ſind beachtenswerth, ſo Wildbad, Badenweiler, Rip⸗ poldsau, Griesbach, Petersthal, Freiersbach, Sulzbach, Antogaſt, Lauterbad, Trieberg. Im Innern des Gebirges iſt noch viele freie Waſſer⸗ kraft vorhanden, welche aller Wahrſcheinlichkeit nach mehr und mehr der Induſtrie dienſtbar werden wird, obwol ihre An⸗ wendung dazu theilweiſe etwas gehemmt iſt durch die Floßein⸗ richtungen. Dieſe zukünftige Ausnutzung der Waſſerkraft im Dienſte der Fabrikinduſtrie wird hier wie anderwärts von ähnli⸗ chen Vortheilen und Uebelſtänden begleitet ſein. — 528— §. 829. Natürlich drängt ſich die Bevölkerung am dichteſten gegen den Weſtrand des Gebirges zuſammen, wo derſelbe an das ebene Rheinthal angrenzt. Hier findet ſich, wie wir ſchon bei Beſpre⸗ chung des Rheinbeckens geſehen haben, eine dichte Zone von kleinen induſtriereichen Städten und Dörfern, die alle durch die alte Bergſtraße und die neue Eiſenbahn miteinander verbunden ſind. Auch das Innere des Gebirges iſt jetzt nach allen Richtun⸗ gen von bequemen Kunſtſtraßen durchſchnitten und in jeder Be⸗ ziehung zugänglich gemacht. Sein Nordende iſt bereits von der Eiſenbahn umgangen, welche Karlsruhe über Bruchſal mit Stutt⸗ gart verbindet; um das Südende herum iſt eine zweite Bahn im Rheinthale bereits abgeſteckt, und quer hindurch beabſichtigt man eine dritte Bahn durch das Kinzigthal zu führen, welchem Plane indeſſen der beſondere geologiſche Bau Schwierigkeiten ganz ei⸗ genthümlicher Art entgegenſtellt. Man kann nämlich an der Kin⸗ zig den ganzen Schwarzwald von Oſt nach Weſt quer durchſchnei⸗ den ohne irgend erhebliche Steigungsſchwierigkeiten, wo aber die Bahn auf der Oſtſeite aus dem Gebirge in die vorliegende ſchwä⸗ biſche Hochebene überzugehen hat, da würde ſie aus der Tiefe der Gebirgsthäler beinahe 1000 Fuß aufſteigen muſſen, um aus dem Gebirge kommend gleichſam ſeinen Fuß zu erreichen, der ſo viel höher liegt als ſeine Thäler. §. 830. Den Schwarzwald nannten die Römer Marciana silva, er war im 6. Jahrhundert umwohnt von Alemannen. Unter den Hohenſtaufen bildete unſer Gebiet den Kern des Herzogthums Schwaben. Dann aber trat eine große Zerſplitterung ein und nur noch der Name Schwaben blieb dieſem Conglomerat von kleinen Ländern gemeinſam, unter denen die Grafſchaft Wirten⸗ berg allerdings bald eine überwiegende Rolle zu ſpielen begann. Dieſe erlangte als Herzogthum in der Reformationszeit ſchon eine beträchtliche Ausdehnung auch nach dem Bairiſchen Becken hinein, die ſchon während des 30 jährigen Krieges theilweiſe wieder ver⸗ — 529— loren ging. Gegenwärtig grenzen an der Oſtſeite des Schwarz⸗ waldes ohne naturgemäße Scheide Baden und Würtemberg an⸗ einander. 4 Die Hardt. ¹⁵) §. 831. Dieſe Bergkette iſt eine nördliche Verlängerung der Vogeſen auf noch jetzt deutſchem Boden und erſtreckt ſich von jenem Hauptge⸗ birge aus parallel dem Rheinthale als deſſen weſtliche Einrahmung bis nach Rheinheſſen. Kirchheimbolanden kann als ihr nördliches Ende bezeichnet werden. Ihre höchſten Punkte ſteigen etwa 1400 Fuß über den Meeres⸗ ſpiegel auf und 1000 Fuß über den hier gegen 400 Fuß hoch liegen⸗ den ebenen und breiten Boden des Rheinthales. Von der rech⸗ ten Rheinſeite aus ſieht man ſie überall als eine ziemlich gleich hohe, ganz bewaldete, dunkle Bergmauer vor ſich, und was man von da aus erblickt, beſteht faſt nur aus buntem Sandſtein. Hinter dem ſichtbaren Rücken, im Gebiet der Blies, legt ſich dann Muſchelkalk auf denſelben und weiterhin Keuper; dieſe Formatio⸗ nen gehören aber hier ſchon größtentheils unter franzöſiſchen Scepter. Daſſelbe gilt von den Muſchelkalk⸗, Leias⸗ und Jura⸗ ſchichten, welche ſich nördlich von Strasburg auch am öſtlichen Rande des Gebirges zeigen. Ich glaube, auf dieſes kleine, ſehr einförmige und nur zum Theil deutſche Berggebiet hier nicht viel Raum verwenden zu müſſen, die literariſche Beilage über daſſelbe habe ich mit der zu dem Rheinbecken verbunden. §. 832. Es iſt weſentlich nur der bunte Sandſtein, welcher im Hardt⸗ gebirge als gänzlich vorherrſchend unſere Aufmerkſamkeit auf ſich lenken kann. Bei dieſem ſind es aber wieder nur die beſondern Formen der Oberflächengeſtaltung, welche ſich am ſchönſten z. B. im Anweiler Thale zeigen. Dieſes Thal ähnelt durch ſeine Fels⸗ Cotta, Deutſchlands Boden. 34 — 530— bildungen außerordentlich manchen Thälern im Quaderſandſtein der Sächſiſchen Schweiz. Die Urſachen ſind hier dieſelben wie dort: horizontale Schichtung und verticale Zerſpaltung, betroffen von einer mechaniſch zerſtörenden Thalauswaſchung. Die Wirkung war freilich eine weit großartigere in der Säch⸗ ſiſchen Schweiz, da dort der ganze Elbſtrom ſich ſeinen Weg quer durch das Sandſteingebiet bahnte, hier nur ein verhältnißmäßig kleiner Fluß. Denn wenn auch der äußere öſtliche Hardtrand als Uferwand für das gewaltige Rheinbett bezeichnet werden kann, ſo iſt das doch wieder durchaus nicht vergleichbar mit dem Elb⸗ durchbruch zwiſchen Tetſchen und Pirna. Das Rheinthal zwi⸗ ſchen Baſel und Mainz iſt, wie wir geſehen haben, lange Zeit hindurch ein Landſee oder Meeresarm geweſen und in dieſer Zeit haben ſich alle etwa vorhandenen ſchroffen Durchbruchsformen weſentlich abgerundet. Es ſind nur noch die felſigen Kegel übrig geblieben, welche vor der höhern Bergmauer in das Rheinthal hereinragen und welche ſo beſonders häufig von alten Burgen gekrönt ſind, unter denen z. B. das Schloß Hambach eins der bekannteſten iſt. Wie faſt überall, ſo iſt auch hier der bunte Sandſtein, wo er ſich nur einigermaßen zu Bergen erhebt, vorherrſchend bewal⸗ det. Seine ganze Natur iſt der Landwirthſchaft, und in Folge davon auch dem Anbau wenig günſtig(Beil. 45). Von Baſalten wird der bunte Sandſtein der Hardt nur ſehr vereinzelt durchſetzt, ſo z. B. ſüdlich von Dürkheim. Das Wiener Becken. ¹) §. 833. Die Geoologen haben ſeit lange die Erweiterung des Donau⸗ thales bei Wien als Wiener Becken bezeichnet, ohne dafür be⸗ ſtimmte Grenzen anzugeben. Letzteres iſt in der That ſehr ſchwie⸗ rig. Ich werde zu dem Wiener Becken auch das ſogenannte Mähriſche Becken und das Leithathal bis Glocknitz aufwärts rech⸗ nen. Es iſt das alſo eine beckenförmige Einſenkung, welche ſich rid rr niti juer deri wald nütd aten rixe dor Um eit Jdür miji dnund iann, Eb. wme Sii Zai men duig nthel urger d de , wo ewal⸗ Folge f kur ohu⸗ t be imwie annt nch⸗ eſc — 531— mit ihrer langen Axe in der Richtung aus Südweſt nach Nordoſt quer mit dem Donauthal verbindet. Das beſonders durch das Hereinragen des Wiener Waldes unregelmäßig geſtaltete Gebiet wird ſonach begrenzt ſüdlich und weſtlich durch die Alpenausläu⸗ fer im Wiener Wald und öſtreichiſchen Stufenland, den Greiner⸗ wald, den Manhartswald und das mähriſch⸗böhmiſche Gebirge, nördlich durch das mähriſche Geſenke und öſtlich durch die Kar⸗ paten und einen die Alpen mit den Karpaten verbindenden Gebirgs⸗ riegel, welcher bei Presburg die Donau nöthigte, ihn in einer engen Thalſpalte zu durchbrechen, deſſen ſüdlicher Theil als Leitha⸗ gebirge bezeichnet zu werden pflegt. Den ebenſten und niederſten Theil dieſes Beckens bildet das Marchfeld in dem Winkel zwiſchen dem Zuſammenfluß der March mit der Donau. Sein Boden liegt durchſchnittlich 450 Fuß über dem Meeresſpiegel. Die Mitteltemperatur Wiens beträgt für das ganze Jahr 10,88°Cent, im Winter 0,50⁰°, im Frühling 10,800, im Sommer 20,41°, im Herbſt 10,50°. Die Summe der atmoſphäriſchen Nie⸗ derſchläge 20 Zoll, ſie iſt geringer im nördlichen Beckentheil, grö⸗ ßer im ſüdlichen. §. 834. In dem Becken ſelbſt treten nur tertiäre, diluviale und al⸗ luviale Ablagerungen auf, und zwar unterſcheidet Czijzek in den Umgebungen von Wien von oben nach unten folgende Glieder: 1) Anſchwemmungen der Donau, der March u. ſ. w. und vereinzelte Kalktuffbildungen. 2) Diluviale Geröllablagerungen, meiſt vom Wiener Sand⸗ ſtein herrührend. 3) Erratiſche Granitblöcke aus den Alpen, ſehr vereinzelt. 4) Löß⸗, Lehm⸗ und Sandablagerungen. 5) Süßwaſſerkalkſtein, ſehr vereinzelt. 6) Quarz⸗, Granit⸗ und Gneisgerölle mit Sand. 7) Conglomerat. 8) Leithakalk. 9) Sand mit Tegellagen und Gerllſcchichten. 34* 532— 10) Sandſtein und Cerithienkalk. 11) Tegel, Thon und verhärteter Thon mit Sandlagen wech⸗ ſelnd, ſehr mächtig und am allgemeinſten verbreitet. Die Hauptausfüllung des Beckens bildend. 12) Braunkohlen, ſehr vereinzelt. Den Rand und wahrſcheinlichen Boden des Tertiärbeckens bilden auf der Nordweſtſeite von der Donau bis zum Mähriſchen Geſenke alte kryſtalliniſche Geſteine und Grauwacke. Ebenſo zwi⸗ ſchen Haimburg und Ottenthal, übrigens aber Alpenkalk und Karpatenſandſtein, letzterer ragt ſogar vom Wiener Wald aus noch ein Stück nördlich über die Donau herüber in zwei vonein⸗ ander getrennten Hügelketten, welche das Becken unterbrechen. Dieſe Spaltung durch eine theilweiſe nur unterirdiſche ältere Hügel⸗ kette gibt ſich durch das Hervorragen von feſten ältern Kalkſteinen bei Aspern und Nikolsburg als eine zuſammenhängende zu erken⸗ nen bis zu dem Karpatenausläufer, welcher ſüdlich von Kremſier auf das rechte Marchufer herüberreicht. Dadurch wird das ganze Becken gleichſam in zwei Längsmulden geſchieden, eine nordweſt⸗ liche zwiſchen St.⸗Pölten und Olmütz und eine ſüdöſtliche zwiſchen Wiener Neuſtadt(oder Glocknitz) und Napagedl an der March. Auf der Grenze beider liegt Wien. §. 835. Die Vertheilung der Ablagerung iſt in dieſem weiten und unregelmäßigen Becken natürlich keine gleichförmige. Es würde aber hier viel zu weit führen, wenn ich darauf ſpeciell eingehen wollte. Nur einige Hauptpunkte, und zwar vorzugsweiſe nur ſolche aus der nähern Umgebung Wiens, können hervorgehoben werden. Alluviale Schichten bilden den breiten Thalboden der Donau wie der March, beſonders breit vor ihrem Zuſammenfluß. Mit zahlloſen Armen umſchlingt bei Wien die Donau eine Menge meiſt ſehr fruchtbarer Inſeln, ſogenannte Auen, großentheils üppig bewaldet. Die Urſache dieſer vorherrſchend ſchlammigen Abſätze eines oft veränderten und inſelreichen Strombettes liegt in dem — 533— Bergriegel, welcher oberhalb Presburg das Thal verengt und den Fluß ſo lange zu einem See aufgeſtaut hat, bis deſſen Tiefe nach und nach ausgefüllt, ſein Abfluß aber eingeſchnitten war. Dadurch wurde der Fluß in dieſer Region zu einem höchſt langſamen Laufe genöthigt, der auch die feinſten Schlammtheilchen zur Ablagerung bringt. Dergleichen locale Einſchnürungen, wechſelnd mit weiten Sammel⸗ und Ablagerungsbecken, wiederholen ſich im Laufe der Donau mehrfach, am deutlichſten oberhalb der Altmühl, oberhalb Paſſau, oberhalb Presburg und bei Gradiſtin in Ungarn. Kurz unter dem Austritt aus der Thalenge finden ſich dann die groben Geſchiebe abgelagert, weiterhin Sand und gegen unten die feinſten Schlammtheilchen. Auch das Marchthal beſitzt, wo es den Karpatenſandſtein durchbricht, eine ſolche Thalenge und dahinter eine beckenförmige Erweiterung, in welcher ſich fruchtba⸗ rer Schlamm abgelagert hat; ſo um Kremſier im Lande der Hannaken. §. 836. Die diluvialen Geröllablagerungen, welche hier vorherrſchend aus der Zerſtörung von Wiener Sandſtein hervorgegangen ſind, finden ſich in dem ſüdlichen Zipfel des Beckens, ſowol den flachen Thalboden als einige erhöhte Seitenterraſſen bildend. Wir wer⸗ den ihre beſondere Natur bei Betrachtung der Alpen noch näher kennen lernen. Der Löß des Wiener Beckens ähnelt nach Beſchaffenheit und Lagerung ſehr dem des Rheinthales. Er findet ſich auf bei⸗ den Seiten des ebenen alluvialen Donauthalbodens und reicht auch gewöhnlich noch ein Stück in die Seitenthäler herein. Er bildet oft flache, terraſſenartige Vorhügel von großer Fruchtbar⸗ keit, beſonders häufig auch von Weingärten bedeckt. Der größere Theil von Wien liegt auf Löß, im Uebrigen hat er nicht eine gleiche Anziehungskraft ausgeübt wie im Rheinthale, wahrſchein⸗ lich weil hier die Contraſte nicht dieſelben ſind. Quarz⸗, Granit⸗ und Gneisgerölle, welche unter dem Löß folgen, bilden wenig fruchtbare flache Hügelzüge und alte Ufer⸗ — 534— terraſſen zwiſchen dem Biſamberg und Weikendorf am linken Donauufer, zwiſchen Schwechat und Himberg, ſowie in den Gegen⸗ den von Ebergaſſing, Trautmannsdorf und Schadendorf am rechten. §. 837. Der Leithakalk bildet den äußern Saum des kleinen Leitha⸗ gebirges. Es iſt ein grober, poröſer Kalkſtein mit vielen Ueber⸗ reſten von Seegeſchöpfen: Muſcheln, Haifiſchzähnen, Schildkröten. Oft beſteht er ganz aus Korallen, welche zu Riffen verwachſen ſind. Mitten unter den Meeresbewohnern zerſtreut, finden ſich in ihm aber auch Knochen und Zähne von Landſäugethieren, na⸗ mentlich von Dinotherien, Anthrakotherien, Maſtodonden, Hirſchen, Schafen u. ſ. w. §. 838. Ein Wechſel von Tegelthon mit Sand⸗ und Geröllſchichten nimmt vorzugsweiſe große Flächenräume ein auf der rechten Do⸗ nauſeite jenſeit der alluvialen Ebenen, er zeigt ſich jedoch auch vielfach in der breiten Bucht des Leithathales. Von größter Wichtigkeit iſt aber der eigentliche untere Tegel mit ſeinen ſan⸗ digen Zwiſchenlagen, obwol er an der Oberfläche vielfach von neuern Schichten bedeckt iſt. In größern Gebieten tritt er in der Nach⸗ barſchaft Wiens hervor, bei Städteldorf, Inzersdorf, Laxenburg und Bruck, in kleinern bei Wipfing, Korneuburg, Welkersdorf, Raggendorf, ſüdlich von Weikendorf, bei Fiſchament, Getzendorf, Moosbrunn und Schönbrunn. Oft bildet er, noch weit in das Gebirge herein fortſetzend, den Boden der Thäler im Wiener Walde. Die gegen 1000 Fuß mächtigen, unten ganz marinen, oben mehr brakiſchen Tegelbildungen ſind ungemein reich an wohlerhal⸗ tenen Schalthierreſten, unter denen die nachſtehenden als charakte⸗ riſtiſch betrachtet werden können: Conus(viele Arten), Ancillaria glandiformis; Buccinum reticulatum und baccatum; Pyrula ru- stica; Fusus burdigalensis; Cancellaria inermis; Pleurotoma granulatocincta; Cerithium minutum, Bronnii, pictum und scabrum, Turritella Archimedis und vindobonensis, Natica mil- lepunctata und Josephina; Melanopsis, Martiniana, Crassatella üt it Söuf Daget Becke werth ürünne harttt wdi von Niot irer bekan 1 Wi — — 535— dissita; Lucina columbella; Venus Brocchii, glabrata und gre- garia; Arca diluvii; Pectunculus polyodonta und pulvinatus; Congeria subglobosa; Pecten solarium und flabelliformis. Be⸗ ſonders wichtig iſt dieſe mächtigſte der Beckeneinlagerungen ein⸗ mal dadurch, daß die Sandzwiſchenlagen den bis unter das Mee⸗ resniveau hinabreichenden arteſiſchen Brunnen von Wien ihren reichen Waſſerzufluß liefern, dann aber auch durch das vortreff⸗ liche Material, welches er zahlreichen und zum Theil ſehr groß⸗ artigen Ziegeleien darbietet. Bei Innersdorf am Wiener Berge werden dadurch allein gegen 2000 Arbeiter beſchäftigt, überhaupt aber beinahe 5000, welche jährlich 107 Millionen Ziegeln liefern. §. 839. Von den unter dem Tegel liegenden Braunkohlen hat man bis jetzt in der Nachbarſchaft Wiens faſt nur unbauwürdige Spuren aufgefunden, ſo gegenüber Piſchelsdorf an der Leitha. Dagegen ſcheint dieſe Ablagerung in dem mähriſchen Theile des Beckens ungleich mächtiger entwickelt und dadurch ſehr beachtens⸗ werth zu ſein. Partſch ſagt darüber: „Ueber große Strecken, namentlich im ſüdlichen Theile des brünner Kreiſes bei Anſpitz, verbreiten ſich Alternationen von ver⸗ härtetem Mergel und tertiärem Sandſtein. In dieſer Gegend und in dieſem Gebilde ſind bei Nikolſchitz auch Zwiſchenſchichten von Halbopal mit Fiſchabdrücken vorhanden. Die Gegend bei Milotitz, bei Göding, Tſcheitſch u. ſ. w. iſt in neueſter Zeit durch ihre mächtigen und weitverbreiteten Lager von bituminöſem Holz bekannt geworden. Sie liegen zwiſchen Thonmergelbänken, die zum Theil mit einer zahlloſen Menge von Congerien erfüllt ſind. Wir haben bereits angeführt, daß dieſe foſſilen Muſcheln ſich vor⸗ nehmlich im Tegel der wiener Gegend finden. Dieſe Kohlen⸗ ablagerungen wären daher, nach dieſen organiſchen Reſten zu ur⸗ theilen, dem Tegelgebilde zuzuweiſen. In dem Sande der benach⸗ kbarten Gegend, namentlich bei Goya und Biſenz, findet ſich nebſt dieſen Congerien auch die Melanopsis Martiniana.— Weiter nörd⸗ ich in Mähren bei Butſchowitz wird ein tertiärer Sandſtein herr⸗ — 536— ſchend, der in Handſtücken von jenen der Karpaten ſchwer zu unterſcheiden iſt.“ §. 840. Aus dieſer allgemeinen Ueberſicht der Schichten des Wiener Beckens ergibt ſich, daß deſſen flaches Hügelland auf eine ſehr mannichfaltige Weiſe zuſammengeſetzt iſt und dieſe Mannichfaltig— keit drückt ſich denn auch nicht nur durch die Formen der Ober⸗ fläche, ſondern ſelbſt durch die Natur des Anbaues aus, die frei⸗ lich nebenbei ſehr durch die Nähe der großen Hauptſtadt und ihre Weltſtellung bedingt wird. 4 Die Lage Wiens verdient jedenfalls beſondere Beachtung. Faſſen wir zunächſt die Bauſtelle ſpeciell ins Auge, ſo ergibt ſich: Wien liegt auf einer ſehr neuen, aber hinreichend feſten Schich⸗ tenterraſſe, angelehnt mit ſeiner Weſtſeite an einen niedern Aus⸗ läufer der Alpenkette, öſtlich begrenzt von der vielarmigen Donau, auf der geologiſchen Scheide zweier mit tertiären und ganz neuen Schichten erfüllten Mulden, eines großen Beckens, gerade da, wo dieſe Scheide vom mächtigen Flußthal durchbrochen iſt. In beiden Mulden breitet ſich fruchtbares Hügelland und ebener Thalboden aus, während jener Alpenausläufer reichlich mit Wald bedeckt iſt. Dieſe Situation iſt an ſich eine ſo günſtige, wie man ſie nur ſelten findet. Die Lage der Hauptſtadt zeigt ſich aber noch be⸗ ſonders glücklich für den Staat, der von ihr aus beherrſcht wird. Dieſer Staat bildet keineswegs ein homogenes Gebiet, er iſt viel⸗ mehr nach ſeiner geologiſchen Natur wie nach der Nationalität ſeiner Bewohner ſehr vieltheilig. Er beſteht aus drei großen und einem kleinern, von Gebirgen eingerahmten Becken. Dieſe Becken ſind: Böhmen, Ungarn, das Becken von Mailand und das von Wien. Man könnte das Gratzer noch als ein viertes kleineres nen⸗ nen. Die einrahmenden Gebirge ſind nicht ſchmale Ketten, ſondern breite, ſtark bewohnte Bergländer, wahre Gebirgsländer für ſich, ſo die öſtlichen Alpen, der Böhmer Wald mit dem mähriſchen und ſchleſiſchen Gebirge, die Karpaten und Siebenbürgen. In dieſem Länderaggregat liegt Wien an der Stelle, von welcher die ſeu d 3 Styten Aus ſi gern ge ſaufen mehren 6 zun noch je fnd,; enne — 537— Mehrzahl derſelben am leichteſten zugänglich iſt. Keine andere ließe ſich auffinden, von welcher aus ſo viele Theile des Reiches ſo leicht zugänglich wären, man hätte darum keine paſſendere für die Hauptſtadt der öſtreichiſchen Monarchie in ihrer gegenwärti⸗ gen Zuſammenſetzung finden können, wenn dieſe ſchon vorhanden geweſen wäre, als man den erſten Grundſtein zur heutigen Kai⸗ ſerburg legte. Der äußere Wirkungskreis dieſer Hauptſtadt iſt aber durch die gegenwärtigen Landesgrenzen noch nicht erreicht; führte irgend ein politiſcher Zufall den größern Theil Süddeutſch⸗ lands in denſelben Staat ein, ſo würde dadurch der natürliche Wirkungskreis ſeiner Hauptſtadt noch nicht überſchritten werden. Die Bevölkerungszahl dieſes Beckengebietes iſt, wenn man die Hauptſtadt nicht einrechnet, eine ſehr mäßige, ſie beträgt nur 2370 bis 3650 auf die Quadratmeile. Auffallend viel höher iſt ſie in dem weſtlich anſtoßenden Hausrucker Viertel, nämlich 4140. §. 841. Das Wiener Becken bewohnten einſt die Rugier und die Scyren. Die Römer gründeten eine große Zahl von Colonien. Aus Vindobona entſtand das heutige Wien. Unter den Karolin⸗ gern gehörte es zu dem Herzogthum Bojoaria. Unter den Hohen⸗ ſtaufen bildete es den Haupttheil des Herzogthums Auſtria mit mehren geiſtlichen Enclaven. Unter Rudolf von Habsburg ward es zum Erzherzogthum Oeſtreich unter der Enns. Dies iſt es noch jetzt, nachdem die geiſtlichen Enclaven daraus verſchwunden ſind, zugleich aber der Herrſcherſitz und Centralpunkt für die ge⸗ ſammte öſtreichiſche Monarchie. Das deutſche Alpenland. 5⁵0) §. 842. Es iſt eine einzige mächtige Bergkette, welche Deutſchland im Süden abſchließt und begrenzt. Die Alpen, noch weit gegen Weſt als geſchloſſene Maſſe über Deutſchlands Grenzen hinausreichend, ſpalten ſich öſtlich in der Gegend von Klagenfurt in zwei Hauptarme. — 538— Der nördliche überſchreitet gleichſam bei Presburg die Donau, oder i*ſt hier von ihr durchbrochen, und ſtellt ſo eine unmittelbare geolo⸗ giſche Verbindung der Alpen mit den Karpaten her. Der ſüd⸗ liche theilt ſich abermals in zwei, die aber bald aus den Grenzen deutſchen Gebietes heraustreten: das Warasdiner Gebirge und die Juliſchen Alpen. Zwiſchen den Hauptarmen liegt das große Tertiär⸗ becken von Gratz, zwiſchen den Warasdiner und Juliſchen Alpen das Sauthal. Ich werde nach einigen allgemeinen Bemerkungen über den äußern und innern Bau dieſes Gebirgslandes zu der ſpeciellern Betrachtung einiger Theile deſſelben übergehen. §. 843. Die Baſis der Alpen liegt auf der Südſeite; wo ſie nicht, wie bei Trieſt, unmittelbar aus dem Meere aufſteigen, nur wenig über demſelben, ſie ſteigt aber gegen Weſt in der breiten Po⸗ ebene doch bis 600 Fuß an. Auf der Nordſeite liegt ſie ſchon bei Wien 450, bei München 1597, am Bodenſee 1208 und bei Thun 1713 Fuß über dem Meere. Darüber erhebt ſich auch die Gebirgskette, wie die Baſis weſtlich am höchſten, und zwar von Weſt nach Oſt: im Montblanc....... 14,776 Fuß, ⸗ Monteroſa....... 14,222 ⸗ ⸗ Finſteraarhorn...... 13,159 ⸗ in der Jungfrau...... 12,827 im Orteles.... 12,200 „ Löffel oder Trippach 2nis.. 10,500 2 Venediger...... 11,620 Großglockner...... 12,158 ⸗ Weißkogel....... 11,840 ⸗ Herzog Ernſt..... 9,300 Ankogel...... 10,300 ⸗ Radſtätter Tauern... 7,400 ⸗Schneeberg(öſtl. Alpenkalkzone) 6,370 Zwiſchen dieſen höchſten Spitzen ſind die Päſſe oft verhält⸗ tjaint ſtt us diſr di aunek Er. 38 Enule bet 1 A. 1 egüg Suin Bermſ Brenne Raſti duuſche rorden. DAA ſtinen Kalkfket richen, beracht d. en⸗ 0d hhäler, ſein, de miczen danze S Achem, nhäl⸗ — 539— nißmäßig ſehr tief eingeſchnitten, wodurch der beſondere alpiniſche, ſehr ausgezackte Charakter bedingt wird. Einige der wichtigſten dieſer Päſſe und ihrer benachbarten Bergſpitzen ſind folgende: Name des Paſſes. Höhe deſſel⸗ Name des nächſten Höhe deſſel⸗ . ben. Gipfels. ben. Gr. Bernhard... 7,600 Fuß M. Cervin... 13,850 Fuß Simplon...... 6,174 ⸗ M. Rofa. 14,222 ⸗ Gotthard...... 6,600 ⸗ Fibia...... 9,300 ⸗ Kl. Bernhard... 5,990 ⸗ Tombo Horn. 9,760 ⸗ Splügen...... 6,513 ⸗⸗ Tombo Horn 9,760 ⸗ Septimer...... 7,360 ⸗ M. Disgrazia 11,316 ⸗ Wormſer Joch... 8,600 ⸗⸗Ortels..... 12,020 ⸗ Brenner...... 4,340 ⸗⸗ Hoch Seilſpitz. 9,280 ⸗ Radſtätter Tauern. 4,960 ⸗ Hochgolling... 8,794 ⸗ Sömering..... 3,052 ⸗-⸗ Schneeberg... 6,302 ⸗ Die mittlere Kammhöhe der Alpen iſt im weſtlichen(nicht⸗ deutſchen) Theile auf 7200, im öſtlichen auf 6000 Fuß abgeſchätzt worden. Die höchſten Punkte liegen in der aus kryſtalliniſchen Ge⸗ ſteinen beſtehenden Centralkette, aber auch die größtentheils aus Kalkſtein beſtehenden Parallelketten zu beiden Seiten derſelben er⸗ reichen, wie wir für die deutſchen Alpen ſpäter ſehen werden, ſehr beträchtliche Höhen. §. 844. Die Thäler der Oſtalpen ſind größtentheils entſchiedene Län⸗ gen⸗ oder Querthäler, zu den erſtern gehören die meiſten Haupt⸗ thäler, ſo namentlich das Innthal von ſeinem Urſprunge bis Kuff⸗ ſtein, das Etſchthal von Glurns bis Meran, das Rienzthal von Innichen bis Brixen, das ganze Drauthal und Gailthal, das ganze Sauthal, das Salzathal von ſeinem Urſprunge bis St.⸗ Johann, das Ennsthal von ſeinem Urſprunge bis Hiflau, das 2 — 540— Murthal und das Mürzthal von ihren Quellen bis Bruck. Und dabei iſt es noch beſonders merkwürdig, daß mehre dieſer Längen⸗ thäler in gemeinſamen großen Depreſſionen liegen, der Art, daß ihre Flüſſe, wie die Rienz und Drau bei Innichen, im Puſter⸗ thale von einem Punkte aus gerade entgegengeſetzt fließen, oder daß mehre Flüſſe in derſelben Hauptdepreſſion nach derſelben Richtung fließend hintereinander folgen, wie der Inn, die Salza und die Enns, oder endlich der Art, daß zwei Flüſſe von ent⸗ gegengeſetzten Seiten kommend in derſelben Depreſſion faſt gerad⸗ linig aufeinander ſtoßen, wie die Mur und Mürz oder wie die Enns und die öſtliche Salza. Aus dieſem bemerkenswerthen Umſtande ergibt ſich, daß die erſte Veranlaſſung zu der Richtung und Lage dieſer Thäler nicht in dem Ablauf ihrer Gewäſſer ge⸗ ſucht werden kann, obwol dieſe ſicher den durch Zerſpaltungen vorgezeichneten Thalweg weſentlich ausgewaſchen haben werden. Die Querthäler gehören, mit Ausnahme derer, welche durch die plötzliche, faſt rechtwinkelige Wendung des Inn, der Salza, der Enns und der Mur hervorgebracht werden, ſämmtlich nur kleinen Nebenflüſſen an. In der Regel unterſcheiden ſie ſich auch dadurch von den Längenthälern, daß ſie enger und felſiger ſind als dieſe. Der Quellenreichthum des Alpengebietes iſt in Folge der be⸗ deutenden atmoſphäriſchen Niederſchläge ſehr groß. Es ſind dar⸗ unter außer den ſalzhaltigen nur ſehr wenige Mineralquellen, und diejenigen, welche eine hohe Temperatur beſitzen, wie die von Ga⸗ ſtein, ſcheinen dieſelbe nur der Höhe der benachbarten Berge zu verdanken, welche hier ebenſo wirken, als wenn die Quellen aus ſehr großer Tiefe entſprängen. Auffallend iſt es, daß auch dieſe warmen Quellen nur äußerſt wenig mineraliſche Beſtandtheile ent⸗ halten und es ſteht das vielleicht in Beziehung mit ihrem großen Waſſerreichthum und dem gänzlichen Mangel baſaltiſcher Geſteine im Innern der deutſchen Alpen. Erſterer, von der Menge der atmoſphäriſchen Niederſchläge und der im Sommer thauenden Schneedecke herrührend, bewirkt gleichſam eine ſtete Verdünnung der Solutionen. Leicht begreiflich iſt es, daß einige der Alpen⸗ tit. D Wönen in gewi Ndr übri die ſchen Al ſte gerat Iürtöte -b †8, in Nealle Saten 0 Luf je Apen d der Hi iinge, rehtnen mm klein ümpacte aitite ſe dag — 541— quellen, wie z. B. am Hallſtädter See, nur im heißen Sommer ſtark fließen, dann aber mit niedrigerer Temperatur als im Winter, da ſie im Sommer durch viel Thauwaſſer der Eis⸗ und Schnee⸗ decken geſpeiſt werden, welches im Winter verſiegt. Die höchſte natürliche Quelle fanden die Gebrüder Schlagintweit in der Ge⸗ gend des Großglockner 8223 Fuß über dem Meere, 2000 Fuß unter den benachbarten Gipfeln, ſie zeigte eine Temperatur von + 0,8° Cent. §. 845. Die klimatiſchen Zuſtände des Alpenlandes verdienen wegen ihrer großen Ungleichheit beſondere Berückſichtigung und ſind des⸗ halb auch vorzugsweiſe ſorgfältig unterſucht worden. Ich folge bei ihrer Darſtellung meiſt den Arbeiten der Gebrüder Schlagint⸗ weit. Dieſe beziehen ſich vorherrſchend auf die Gegend des Groß⸗ glockners, berückſichtigen aber auch andere Alpengebiete und ſind in gewiſſem Grade maßgebend für die analogen Niveauverhältniſſe der übrigen deutſchen Alpen. Die auf den Meeresſpiegel reducirte Mitteltemperatur der deut⸗ ſchen Alpen iſt ungefähr 130 Cent., von ihr weicht aber die facti⸗ ſche gerade in dieſem Lande vorzugsweiſe ſtark ab. Die mittlere Jahrestemperatur ſcheint für die höchſten Alpengipfel— 130 bis — 150° Cent. zu ſein. In Wien iſt ſie+ 10,8, in Salzburg + 8,9, in München+ 7,8, in Chur+ 9,5, in Genf+ 11,5, in Mailand+† 12,9, in Venedig+ 13,1, in Botzen+ 13,0°. In Botzen 0,6 höher als in dem tiefer und ſüdlicher gelegenen Trient. Auf je 540 Fuß Erhebung nimmt die Mitteltemperatur in den Alpen durchſchnittlich um 10 Cent. ab. Die verticalen Abſtände der Höheniſothermen ſind aber in der Nähe der Baſis des Ge⸗ birges, mit Ausſchluß localer Schwankungen, am größten und nehmen mit größerer Höhe ab; bei 6000 und 7000 Fuß ſind ſie am kleinſten, alſo geringer wie 540 Fuß für 1⁰. In den größern compacten Berggruppen bilden die Höheniſothermen kleine Con⸗ vexitäten nach oben, in den kleinern und am Außenrande ſinken ſie dagegen. Orte gleicher Höhe haben hiernach im Innern der — 542— breiten Centralkette eine höhere Mitteltemperatur als am äußern Rande. Ein Breitengrad entſpricht in der Nähe der lombardi⸗ ſchen Ebene einer Temperaturdifferenz von 0,70 Cent., im Innern der Alpen einer ſolchen von nur 0,5° bis 0,6° Cent. Weitere Details über die klimatiſchen Zuſtände der Alpen übergebe ich der Beilage 51, worin zugleich manche Vegetationsverhältniſſe Be⸗ rückſichtigung finden. §. 846. Die Alpenkette bildet in ihrer geſammten Ausdehnung nur ein harmoniſches Gebiet, gleichſam ein geologiſches Individuum. Sie beſteht nicht aus einzelnen, zufällig zuſammengehäuften, un⸗ abhängig nebeneinander gebildeten Bergen oder Gebirgen, ſondern es findet in ihr ein allgemeiner Zuſammenhang des innern Baues ſtatt, jeder ihrer Theile iſt von den andern und von dem Gan— zen abhängig. Wenn man auch dieſen ganzen Theil Mitteleuro⸗ pas bis zum Meeresſpiegel abraſiren könnte, ſodaß nichts als eine ebene und nackte Geſteinsfläche übrig bliebe, ſo würde immer noch die einſtige Exiſtenz dieſer merkwürdigen Gebirgskette aus der Verbreitung beſtimmter Geſteine und aus der Stellung der Schichten ſich erkennen laſſen. So iſt es bei den meiſten größern Gebirgen, hier aber vorzugsweiſe deutlich. Die Trennungen und ſpeciellen Benennungen ihrer einzelnen Theile, welche man aus einer Art von geographiſchem Bedürfniß vorgenommen hat, laſſen ſich allerdings zum Theil auch geologiſch rechtfertigen; wir wer⸗ den für den öſtlichen Theil ſehen, wie ſie mit dem innern Bau zuſammenhängen. Aber ſie verhalten ſich im Grunde doch alle nur wie die Glieder zu einem großen Organismus. Um die allgemeine Ueberſicht des in ſeinen Einzelheiten oft ſehr verwickelten innern Baues der Alpen einigermaßen zu erleich⸗ tern, beginne ich mit einem Querſchnitt der ganzen Kette, an einer Stelle, wo ſie ſich gerade von beſonders einfachem und ſo⸗ gar ſehr ſymmetriſchem Bau zeigt; das iſt zwiſchen Roſenheim, Kuffſtein und Tolmezzo. Aber ſelbſt dieſen einfachſten Querſchnitt werde ich zunächſt in ſehr idealiſirter Weiſe vorlegen, da in Wirk⸗ ikiitd eſtein rchälhiſ uner ne ine gena nem Re ſchwitr zwij tn Ort ſm dig Huuke ſtaliniſ Glnme dhloriſc gen don Satpen ſett vo zul faliniſ nan ge der Tan ſind bre lr ihr dr au fugswei fürdere watkenf diſſ de Depreſf rindlic geſond 1ls c ſnd. — 543— lichkeit die Mannichfaltigkeit der Geſteine und ihrer Lagerungs⸗ verhältniſſe auch an dieſer Stelle immer noch ſo groß iſt, daß eine genaue Darſtellung auf klei⸗ nem Raume unmöglich, oder ſchwierig auszuführen ſein würde. Zwiſchen den beiden genann⸗ ten Orten finden wir, wie un⸗ ſere Figur zeigt, eine centrale Hauptkette, beſtehend aus kry⸗ ſtalliniſchen Schiefern: Gneis, Glimmerſchiefer, Talk⸗ und Chloritſchiefer, mit Einlagerun⸗ gen von körnigem Kalkſtein und Serpentin, hier und da durch⸗ ſetzt von Granit. §. 847. Zu beiden Seiten dieſer kry⸗ ſtalliniſchen Hauptkette, welche man geographiſch als die Kette der Tauern zu bezeichnen pflegt, ſind breite und tiefe Längenthä⸗ ler ihr parallel eingeſchnitten oder aufgeſpalten, welche vor⸗ zugsweiſe den etwas leichter zer⸗ ſtörbaren Geſteinen der Grau⸗ wackenformation folgen. Durch dieſe der Hauptkette parallelen Depreſſionen werden beiderſeits nördliche und ſüdliche Kalkalpen abgeſondert, deren erſtere z. B. als Salzburger Alpen bekannt ſind. Ueber den Grauwacken⸗ — 544— ſchichten finden wir zunächſt eine rothe Sandſteinbildung, welche dem ſogenannten bunten Sandſtein Norddeutſchlands zu entſpre⸗ chen ſcheint, dann aber erheben ſich als eine mächtige Platte zu beiden Seiten die oft dolomitiſchen Kalkalpen. Ihre Felswände ſind beſonders ſchroff gegen die innere Hauptkette gekehrt, ſie ſind aber auch nach außen ſo vielfach von gewaltigen Thalſpalten durch⸗ ſchnitten und erheben ſich ſo plötzlich aus den benachbarten Ebe⸗ nen, daß dadurch ihr geſammter Oberflächencharakter ein unge⸗ mein zerriſſener und felſiger wird. Dieſe 4 bis 6000 Fuß mächtige, ſtark zerriſſene Felsplatte beſteht vorherrſchend nur aus Kalkſtein und Dolomit, die Ein⸗ lagerungen von thonigen und ſandigen Geſteinen, von Gyps und Steinſalz, welche ſie enthält, treten dagegen als ſehr untergeordnet zurück. Es entſpricht aber dieſe Kalkplatte— der ſogenannte Alpenkalkſtein—, wie aus den hier und da darin gefundenen Verſteinerungen hervorgeht, ſechs bis ſieben derjenigen Flötzfor⸗ mationen, welche man im übrigen Deutſchland deutlich voneinan⸗ der unterſcheiden kann. Sie umfaßt nänlich in ſich wahrſchein⸗ lich: Muſchelkalk, Keuper, Leias, Jura, Neokom, Quader und Kreide. Das Alles auf beiden Seiten ungefähr ſymmetriſch. Verſucht man jedoch, dieſe Formationen geographiſch vonein⸗ ander zu trennen, dann zeigen ſich ſogleich einige der großen Schwierigkeiten, welche ſich in den Alpen überhaupt aller geolo⸗ giſchen Forſchung entgegenſtellen. Die Geſteine dieſer Abtheilun⸗ gen ſind nur wenig und vielleicht überhaupt nicht conſtant von⸗ einander verſchieden, ihre Lagerung iſt außerordentlich geſtört, die Schichten ſind vielfach gebogen, zerbrochen und ineinander geſcho⸗ ben. Viele Stellen ſind ſchwer oder gar nicht zugänglich. Deut⸗ liche Verſteinerungen findet man nur an einzelnen Punkten, und dieſe laſſen ſich aus obigen Urſachen oft kaum auf eine ſichere Weiſe miteinander verbinden. Dazu kommt aber noch, daß ein Theil der alpiniſchen Verſteinerungen ſehr abweicht von denen, welche man nördlich von den Alpen in den wahrſcheinlich ent⸗ ſprechenden Formationen gefunden hat. Ja dieſe Abweichung iſt ſogar ſo groß, daß man eine Zeitlang glaubte, in den Ablagerun⸗ aae gen ſ entved d lungen ddet gehor Aben gibt, dn G ten, Nind Ayen 1 und, Alpen menſt Niihe Geol übeten kaines nern dn j de a die wedd hang hoce noch vacke — 545— gen ſeien überhaupt die Geſetze der Vertheilung organiſcher Reſte entweder gar nicht befolgt, oder wenigſtens ganz andere als die, welche man anderwärts beobachtet hatte. Das ſind die Gründe, warum es bis jetzt noch nicht ge— lungen iſt, auf einer geologiſchen Karte der ganzen Alpenkette, oder auf den einzelnen Karten aller ihrer Theile dieſe Formationen gehörig voneinander zu trennen. Es iſt dies nur erſt für wenige Alpengegenden möglich geweſen, woraus ſich allerdings ſchon er⸗ gibt, daß in den öſtlichen Alpen die dem Muſchelkalk entſprechen⸗ den Schichten vorzugsweiſe gegen die Centralkette hin hervortre⸗ ten, die der Kreide entſprechenden vorzugsweiſe an den äußern Rändern und die der Juragruppe vorzugsweiſe in der Mitte der Alpenkalkzone, aber das Alles mit manchen ſpeciellen Ausnahmen. §. 847. Um zunächſt eine allgemeine Ueberſicht von der Gliederung und gegenſeitigen Stellung der ſedimentären Ablagerungen in den Alpen anzubahnen, benutze ich Franz v. Hauer's treffliche Zuſam⸗ menſtellung im erſten Bande des Jahrbuches der geologiſchen Reichsanſtalt, jedoch mit dem Bemerken, daß die Anſichten der Geologen noch nicht über die Stellung aller einzelnen Schichten übereinſtimmend ſind. Ich laſſe die einzelnen Abtheilungen, die keineswegs unter ſich gleichen Werth haben, mit v. Hauer's Num⸗ mern in der Reihe von unten nach oben, alſo von den ältern zu den jüngern vorſchreitend folgen und füge, wo es möglich iſt, die am meiſten charakteriſirenden Verſteinerungen ſogleich bei. Die Natur der Geſteine kann hier nur ganz kurz angedeutet werden. 1) Silurformation, bei Dienten und Werfen am Nordab⸗ hang der Oſtalpen. Schwarzer graphitiſcher Thonſchiefer mit Or- thoceratiten, Cardiola interrupta und Cardium gracile. Darunter noch mächtig entwickelte andere meiſt ſchiefrige und ſandige Grau⸗ wackengeſteine mit Einlagerungen von Kalkſtein und Spatheiſen⸗ ſtein. Ob alle Grauwacke in dem breiten Streif einerſeits bis Innsbruck und andererſeits bis Glocknitz hierzu gehöre, oder nicht Cotta, Deutſchlands Boden. 35 — 546— vielmehr großentheils devoniſch ſei, iſt unſicher. Daſſelbe gilt von den ſüdlichern Grauwackengebieten. 2) Devonformation, v. Hauer nennt nur den Plawutſchberg bei Gratz, Bleiberg und Eiſenerz. Es iſt aber wie geſagt wahr⸗ ſcheinlich, daß ein ſehr großer Theil der Alpengrauwacke devoniſch ſei. Es ſind an den meiſten Orten noch zu wenig deutliche or⸗ ganiſche Reſte bekannt. 3) Kohlenkalkſteinformation ſoll bei Bleiberg in den Südalpen vertreten ſein. Iſt jedoch noch ſehr unſicher. 4) Kohlenformation, an der Stangenalp in den Südoſt⸗ alpen und in der Tarentaiſe in den Weſtalpen durch Pflanzenabdrücke ziemlich ſicher nachgewieſen, welche in Schiefergeſteinen mit Anthra⸗ zitlagern vorkommen. 5) Buntſandſteinformation, vertreten durch die braun⸗ rothen Schiefer und Sandſteine von Werfen und Rottenberg in den Nordoſtalpen, an beiden Abhängen des Geilthales und zum Theil durch die Schichten von Seiß, St.⸗Ullrich im Credenthal u. ſ. w. in den Südalpen, Pordingues de Valorsine in den Weſtalpen Man findet darin nicht ſelten, aber meiſt undeutlich: Myacites Fassaensis, Posidonomia Glarae und Avicula Venetiana. 6) Unterer Muſchelkalk, Dachſteinkalk mit Iſokardien(der ſogenannten Dachſteinbivalva) in Salzburg, Emmerich's unterer Alpenkalk in Baiern, ein Theil der Schichten von Seiß und Umgegend in den Südalpen, in welchen deutlich Encrinites lilii- kormis, Gervillia socialis und Terebratula vulgaris gefunden werden. Poſidonomienkalk von Fuchs. 7) Oberer Muſchelkalk,(rother) Ammonitenmarmor zum Theil in den Nordoſtalpen; in den Südalpen dagegen Schichten von St.⸗Caſſian, Muſchelmarmor von Bleiberg, Halobienſchiefer, Crinoideenkalk und doleritiſcher Sandſtein von Fuchs. Die be⸗ zeichnendſten Verſteinerungen ſind: Monotis salinaria, Ammonites Johannis Austriae, A. Gaytani, A. subumbilicatus, A. tornatus, A. galeiformis, A. Jarbas, A. Neojurensis, A. Morloti, A. Si- monyi, A. Aon. Dieſe im Salzkammergut gefundenen Arten ſind faſt alle neu, das Merkwürdigſte iſt aber, daß dieſe Ammo⸗ titm Speit ſid b Cardita ie cins diaie jttt hen Mujſch Jura haltt freter 8 Kehle ſtand nit berg nürdl Pedd den N derin. teris Noch bon durch nanr In! teter mon vor. dorn Frim ſer Südeſ bdrüct Anthre⸗ braur⸗ in de mThel ſ.. talga aeites (der tert und s X funde r zun ſictn hieir iebe nite dtll ,§. lrtn mme⸗ — 547— niten zuſammen vorkommen mit ebenfalls früher unbekannten Species von Orthoceratiten und Goniatiten. Bei St.⸗Caſſian ſind beſonders charakteriſtiſch: Nucula lineata und strigillata, Cardita grenata, Terebratula sufflata, Producta alpina, Pleu- rotomaria radians, Encrinus varians und liliformis, Penta- crinus laevigatus, Cidaris dorsata und alata, Montlivaltia ca- pitata, Cnemidium variabile und astroides. Von den bis jetzt beſtimmten 754 Arten St.⸗Caſſians ſtimmen 12 mit ſol⸗ chen des Kohlenkalkſteins und Zechſteins, 10 mit ſolchen des Muſchelkalkes, 11 mit ſolchen des Leias und 3 mit ſolchen des Jura ziemlich gut überein, alle andern ſind neu. Ich meinestheils halte dieſe noch ſehr problematiſchen Ablagerungen für marine Ver⸗ treter der Keuperformation. 8) Keuper wird nach v. Hauer in den Alpen durch gewiſſe Kohlenflötze enthaltende Schichten des ſogenannten Wiener Sand⸗ ſteins vertreten, ſo im Helenenthale bei Baden, ſüdlich von Ber⸗ nitz, bei Altenmarkt, bei Kaumberg, im Rehgraben bei Kirch⸗ berg a. d. Bietach, auf der Tonibaueralpe bei Wienerbrückel, nördlich von Mariazell, zu Groſſau, Gaming, Hinterholz bei Weidhofen, Höllenſtein, im Pechgraben, bei Lindau u. ſ. w.(in den Nordoſtalpen). Als charakteriſtiſche Pflanzenreſte fand man darin: Equisetites columnaris, Pterophyllum longifolium, Pecop- teris Stuttgardiensis u. ſ. w. 9) Leias. St.⸗Veit weſtlich von Loobersdorf bei Wien, Pechgraben bei Weyer, Reifling im Ennsthale, Loſenſtein ſüdlich von Steyer, Gaiſau und Adneth bei Hallein. Am bedeutendſten durch ſeinen Reichthum an organiſchen Reſten iſt von den ge⸗ nannten Punkten Adneth, gegenüber von Hallein an der Salza. In den großen Steinbrüchen bei dieſem Orte wird ein dünn geſchich⸗ teter rother Kalkſtein gewonnen, der eine ſehr große Anzahl von Am⸗ moniten(Ammonitenmarmor) enthält. Arieten herrſchen darunter vor: Ammonites Bucklandi, A. rarecostatus und andere verwandte Formen ſind häufig. Ferner findet man Capricornier, Heterophyllen, Frimbriaten, Falciferen u. ſ. w., alles Formen von echt leiaſi⸗ ſchem Typus. Zugleich finden ſich Belemniten und Orthoceren. 35* 27 — 548— Analoge Foſſilien, wenn auch nicht in ſo großer Zahl, kommen an den andern genannten Punkten vor, nur bei Reifling fand man in hellgrauem, dicht geſchichtetem Kalkſtein das vollſtändige Skelett eines Ichtyosaurus platyodon, eine Art, die ebenfalls den Leias charakteriſirt. Weiter nach Weſten finden ſich ähnliche Leiasbil⸗ dungen, bei Waidring in Tirol, dann wol an manchen Stellen in den bairiſchen Alpen, wo Schafhäutl zahlreiche Localitäten des Vorkommens von Ammoniten citirt, die aber er ſowol als Emme⸗ rich mit Unrecht mit den hallſtädter Ammonitenkalken, die zum obern Muſchelkalk gehören, verbinden. In der Schweiz und in den Südalpen ſind hierher gehörige Bildungen ſehr häufig. 10) Unterer Jura. Gumpoldskirchen ſüdlich von Wien, Helenenthal bei Baden, Greſten öſtlich von Waidhofen, Waid⸗ hofen, Pechgraben, Groſſau u. ſ. w. Wenig mächtige Schichten eines ſehr dunkel gefärbten Kalk— ſteins finden ſich an den genannten Localitäten. Von bezeich⸗ nenden Verſteinerungen enthalten ſie: Pholadomya ambigua Sow., Lutraria unionoides Goldf., Thalassites concinna Sow., Pecten textorius, Spirifer Walcotti, Terebratula decorata u. a. Weiter weſtwärts finden ſich ähnliche Bildungen, bei Köſſen in Tirol, im Allgau in Baiern(Emmerich's Gervilliasſchichten), dann im Süden bei Lenz im Puſterthale in Tirol. 11) Mittlerer Jura. Bei Windiſchgarſten findet ſich ein weißer Kalkfelſen voll Terebrateln, es ſind darunter mehre neue Arten, aber auch die merkwürdige Terebratula antiplecta und Terebratula concinna, alſo jene Formen, die L. v. Buch in der Münſter'ſchen Sammlung, als angeblich aus dem Thale von Caprun ſtammend, auffand. Die Localität der letztern iſt aber wahrſcheinlich Vils weſtlich von Füſſen in Tirol, von dorther wenigſtens befinden ſich zahlreiche Exemplare der genannten Ar⸗ ten und der T. pala in den Sammlungen des geognoſtiſch⸗mon⸗ taniſtiſchen Vereins in Innsbruck. T. concinna gehört dem mitt⸗ lern Oolith an, und dieſem wird man demnach auch die Tere⸗ bratulakalkſteine von Windiſchgarſten und von Vils beizählen müſſen. 1 durh nit Dobüte. bi E' Kloui haz⸗ kalk u apen uch dh öſtlch weiſen ſäint⸗ Se es wa eine! gen h and. Alpen deſe Norl gäihn Clioc Nooe nern benu uum md Vſ nehe Heetn hi ebon tber rther A⸗ mon⸗ nitt⸗ Lere⸗ hlen — 549— 12) Der Oxfordthon ſcheint in den Alpen vertreten zu ſein durch rothe von vielen Quarzausſcheidungen durchzogene Kalkſteine mit Aptychus latus und lamellosus, Belemnites hastatus, Am- monites Humphriesianus und Calypso, Terebratula Bouéi, z. B. bei St.⸗Veit unweit Hitzing, Hörnſtein bei Pieſting, Dürrn⸗ und Klausalpe bei Hallſtadt, Gaiſau bei Hallein. Emmrich's Apty⸗ chus⸗ oder Wetzſchiefer in den bairiſchen Alpen und Fuchs' Diphya⸗ kalk und Ammonitenkalk(Calcare ammonitico rosso) in den Süd⸗ alpen gehören hierher. 13) Weißer(oberer) Jura. Sehr wahrſcheinlich iſt es, daß auch dieſer Formation ein großer Theil des Alpenkalkes zufällt, doch läßt ſich ihr Vorhandenſein nur an wenigen Stellen der öſtlichen Nordalpen durch Petrefacten mit voller Sicherheit nach⸗ weiſen. Uebrigens hat Herr Profeſſor Unger an mehren Stellen ſeines Durchſchnittes zwiſchen Groſſau und dem Leopoldſteiner See echte Coralrag⸗(Ober⸗Jura) Petrefacten gefunden, auch iſt es wahrſcheinlich, daß der Kalkſtein des Plaſſen bei Hallſtatt, der eine Unzahl von Nerineen enthält, hierher gehört. 14) Neocomienformation. Rofßfeld bei Hallein, Umgebun⸗ gen von Iſchl. Längſt bekannt iſt das Vorkommen von Ammoniten und Hamiten in den grauen Schichten des Roßfeldes, die auf Alpenkalk ruhen. Deſſenungeachtet ſind auf den meiſten Karten dieſe Gebilde von dem Alpenkalk nicht getrennt. Auf Herrn v. Morlot's Karte ſind ſie jedoch ſchon als Kreideformation einge⸗ zeichnet. Die Foſſilien Ammonites cryptoceras, A. Grasianus, Crioceras Duvalii u. ſ. w. beweiſen, daß man es hier mit echtem Neocomien zu thun hat. Auch am Salzberge bei Iſchl finden ſich Neocomienverſtei⸗ nerungen in einem grauen Mergel, der zu hydrauliſchem Kalk benutzt wird. Ferner gehören dazu Emmrich's Aptychenſchiefer, zum Theil der Spatangankalk und Schrattenkalk der Schweizer und die Biancone der italieniſchen Geologen. 15) Gault iſt wahrſcheinlich nur in den nichtdeutſchen Weſtalpen vertreten. 16) Obere Kreideformation. Hierher gehören die Hip⸗ — 550— puritenkalkſteine der Oſtalpen. Sie ſchließen ſich aufs innigſte den Goſaubildungen an, und ſind auch auf den Karten theilweiſe wenig⸗ ſtens mit dieſen vereinigt. Mit Unrecht zählt ſie Murchiſon der Neocomienformation zu. 1 In den mergelig⸗ſandigen Schichten der ſogenannten Goſau⸗ formation treten als charakteriſtiſch auf: Pecten quinque costa- tus, Gryphaea vesicularis, Inoceramus Cripsii und Cuvieri, viele Rudiſten, Korallen u. ſ. w. Auch der Seewerkalk der ſchweizeri⸗ ſchen und die Scaglia der italieniſchen Geologen gehören hierher, vielleicht auch ein Theil des ſogenannten Wiener Sandſteins. 17) Eocenformation. Nummulitenkalk und andere num⸗ mulitenreiche Geſteine am Nordrand der Alpen, oft verbunden mit oolithiſchem Thoneiſenſtein.— Die verbreitetſten unter allen Foſſilien der Nummulitenge⸗ ſteine ſind die Nummuliten ſelbſt, von denen ſie den Namen er⸗ halten haben. Außerdem finden ſich Fiſchreſte, Zähne von Haien und Myliobates, Cruſtaceen, z. B. Cancer Kressenbergensis und mehre andere, von Cephalopoden der merkwürdige Nautilus lin- gulatus, ſehr viele Gaſteropoden(erithium giganteum, Nerita co- noidea, Acephalea, Brachiopoden, Echinodermen, Polyparien kurz eine ungemein reichhaltige Fauna. Alle ſicher beſtimmten Species, die nicht dieſen Gebilden ganz eigenthümlich ſind, hat man anderwärts nur in den Eocengebilden gefunden. Auch ein großer, aber ſchwer abzugrenzender Theil des Wie— ner Sandſteins gehört hierzu, dieſer enthält faſt nur Fucoidenreſte (deshalb Fucoidenſandſtein genannt). v. Hauer rechnet ferner dazu die Kohlengebilde von Häring in Tirol, den Baluneſer Sandſtein, den fiſchreichen Kalkſchiefer des Monte Bolca, die Sotzka und den obern Karſtkalkin den ſüdlichen Alpen. 18) Obere Tertiärformation(miocen und pliocen= neogen). Vorherrſchend ſandige mergelige und thonige Schichten. Molaſſe mit Nagelfluhebänken. Meiſt nur außerhalb der eigentlichen Alpen, doch auch im Innern in einigen kleinen Gebirgsbecken, ſo bei Parſchlug, Turnau und in andern tiefen Thälern. Zuweilen — 551— Kohlenlager enthaltend und mit dieſen kommen dann oft Reſte von Mastodon augustideus, Dorcatherium Naui u. ſ. w. vor. 19) Diluvium. Durch v. Morlot geſchieden in älteres und jüngeres. Das ältere bildet aus Sand und Geſchieben oder Conglomerat beſtehende Seitenterraſſen in ſehr vielen Alpenthä⸗ lern. Zu dem jüngern rechnet er Löß und erratiſche Blöcke, welche letztere in den Alpen unzweifelhaft oft durch Gletſcher transportirt worden ſind. 20) Alluvium wie anderwärts. v. Hauer rechnet dazu auch das ſogenannte Heidengebirge der Salzablagerungen, als eine neueſte Umbildung, dieſes wird aber von Andern für älter gehalten. Von dieſer ganz allgemeinen Darſtellung des geologiſchen Baues der Alpen gehe ich jetzt zur etwas nähern Betrachtung einzelner Gebiete über. Der nördliche Molaſſerand der Alpen. §. 848. Längs des ganzen nördlichen Randes der Alpen zieht ſich ein breiter Saum von Molaſſebildungen hin. Sie erreichen nie⸗ mals die Höhe der Kalkalpen, bilden aber doch ſchon recht be⸗ deutende Berge, theils als äußerer Bergſaum des hohen Gebir⸗ ges, theils als breites Berg⸗ und Hügel⸗Vorland, während eben⸗ falls aus Molaſſegebilden die Baſis des flachen Plateaus von München beſteht, welches ich mit zum Bairiſchen Becken gerechnet habe. Die allgemeine Zuſammenſetzung dieſes Molaſſerandes läßt ſich von oben nach unten ungefähr ſo darſtellen. 1) Feine graue Sandſteine wechſelnd mit Schieferthon, Thon und Mergel, in der Nähe des Gebirges oft mächtige Schichten groben Conglomerats, ſogenannte Nagelfluhe enthaltend, die aber mit der Entfernung vom Gebirge an Häufigkeit, Mächtigkeit und Größe der Geſchiebe abnehmen. 2) Graue ſandige Schiefer und Sandſteine zuweilen mit Kohlen oder Kalkſtein, auch mit Conglomerateinlagerungen, wechſelnd — 552— bezeichnet als Flyſch, Fucoidenſandſtein, Wiener Gandütein zum Theil, Karpatenſandſtein u. dergl. 3) Nummulitenreiche Schichten, theils kalkig, theils ſandig, an mehren Stellen ſehr eiſenreich und geradezu als oolithiſches Eiſenerz gewinnbar. Von dieſen nicht überall leicht voneinander zu ſondernden drei Abtheilungen iſt die obere miocen und pliocen oder wie Hörnes ſich ausdrückt neogen. Die beiden untern(2 und 3) da⸗ gegen ſind eocen, inſofern ſie nicht theilweiſe ſogar ſchon zur Kreidegruppe gehören. §. 849. Die obere neogene Abtheilung gehört größtentheils ſchon gar nicht mehr der Alpenkette an. Ihre Schichten liegen meiſt ziem⸗ lich horizontal, ſie bildet aber das ſchöne fruchtbare Berg⸗ und Hügelland, welches von dem Vereinigungspunkt der Salza mit dem Inn quer über die Thaler der Traun, der Enns und der Ips hinweg, zwiſchen der Donau und den Alpen bis St.⸗Pölten fortſetzt, wo ſich das Wiener Becken im weitern Sinne daran anſchließt, und ebenſo bildet ſie auf der andern Seite im Allgau das Berg⸗ und Hügelvorland der Alpen vom Tegernſee über Murau und Kempten bis zum Bodenſee hin. Der übereinſtim⸗ mende Charakter dieſer Landſtriche iſt weſentlich durch den überall faſt gleichbleibenden Geſteinswechſel bedingt, welcher, der Wald⸗ und Feldeultur günſtig, wenig oder keine innern Bodenſchätze dar⸗ bietet, deshalb von einer vorzugsweiſe Ackerbau und Viehzucht treibenden Bevölkerung bewohnt wird. In dieſer Zone liegen der Bodenſee, Staffelſee, Ammerſee, Wurmſee, Starnberger See, Chiemſee, Wäginger See und Trummerſee. §. 850. Die eocenen Glieder der Molaſſegruppe ſind dagegen meiſt ſtark aufgerichtet, der Hauptkette theils zu, theils von ihr abfal⸗ lend. Durch Ueberſtürzung iſt die Lagerung der Schichten häu— j an tuſt li diſſr Alaxer am Gelirg b diſer ſe, d ud d. dutend A hfen bif d Nctenn ba d Mond Greſte 6 fätte nit de nur li ſonden gerung 5 näher als d lich und, Beſch beſond Aloend — 553— fig eine umgekehrte geworden, der Art, daß die oberen zu un⸗ terſt liegen und ſelbſt noch ältere Geſteine einſchließen. In Folge dieſer Störungen, Erhebungen und Aufrichtungen, welche der Ablagerung der neogenen Gebilde vorausgingen, gehören die eo⸗ cenen Schichten größtentheils auch geographiſch ſchon wirklich dem Gebirge an, bilden wenigſtens ſeinen äußern hohen Bergſaum. Ein großer Theil der ſchönen randlichen Gebirgsſeen liegt in dieſer eocenen Geſteinszone, ſo der Kochelſee, Tegernſee, Wallen⸗ ſee, Trummerſee, Zellerſee bei Zell am Moor, Mondſee, Atterſee und Traunſee. Unter den Bergen dieſer Zone ſind z. B. be⸗ deutende:. Der Pfannenſtein, der Maria Bildſtein bei Bregenz, der Pfandlerberg, der Hochhelry, der Feuerſtädter Berg, der Römer⸗ kopf, der Geishornberg, der Hochwaldſpitz, der Luchaſpitz, der Metzenmarſch, die Benedictenwand bei Kochel, der Kogl⸗Kopf bei Tegernſee, der Teiſenberg bei Teiſendorf, der Saurüſſel bei Mondſee, der Spaden bei Seitenſtetten, der Schwatzberg bei Greſten, der Rücken des Wiener Waldes(1800). §. 851. Es beſitzt dieſe Geſteinszone durch manche nützliche Lager⸗ ſtätte ſchon jetzt eine große techniſche Wichtigkeit, welche aber mit der Zeit noch viel bedeutender zu werden verſpricht. Nicht nur liefert dieſelbe an vielen Punkten treffliche Bauſandſteine, ſondern ſie enthält auch ſehr ſchöne Kohlen⸗ und Eiſenſteineinla⸗ gerungen. Die Kohlen, welche man hier oft Alpenkohlen zu nennen pflegt, nähern ſich ihrer mineralogiſchen Natur nach mehr den Steinkohlen als den Braunkohlen, ihrem Alter nach entſprechen ſie aber ſo ziem⸗ lich den norddeutſchen Braunkohlen. Das iſt techniſch wichtig und geologiſch ſehr intereſſant, inſofern ſie wahrſcheinlich dieſe Beſchaffenheit, welche ſonſt gewöhnlich nur ältern Kohlen zukommt, beſonders energiſcher plutoniſcher Einwirkung bei Erhebung der Alpenkette zu danken haben. Schon jetzt baut man dieſe Kohlen an ſehr vielen Punkten — 554— ab, z. B. ſüdlich von Schönau und Weilheim, nördlich von Tölz, in der Gegend von Miesbach, öſtlich von Roſenheim und von Traunſtein(in den Baitriſchen Alpen), es iſt aber höchſt wahrſcheinlich, daß ſie eine zuſammenhängende Lagerzone bilden, welche man mit der Zeit noch an ſehr vielen andern Punkten aufſuchen und finden wird; beſonders iſt das noch in dem öſt⸗ lichen, öſtreichiſchen Theil des Molaſſerandes zu erwarten. Frei⸗ lich wird dabei die Aufrichtung und häufige Störung der ur⸗ ſprünglichen Lagerung dem Abbau manche Schwierigkeiten be⸗ reiten. Die kohlenführenden Tertiärſchichten, von nicht überall ſicher beſtimmtem, zum Theil neogenem Alter, ſind aber nicht lediglich auf den äußern Gebirgsrand beſchränkt, ſie verzweigen ſich in einigen Hauptthälern ziemlich weit in das Innere des Gebirges hinein, z. B. im Innthale bis Rattenberg(die Kohlenlager von Häring gehören hierzu), im Murthale bis Judenburg und im Lavantthale bis St.⸗Leonhard. Es ergibt ſich daraus, daß die Gebirgserhebung ſchon vor ihrer Ablagerung begonnen hatte und daß damals in die kryſtalliniſchen Geſteine ſowol als in den Al⸗ penkalk bereits tiefe, vielleicht fiordähnliche Furchen einſchnitten waren. Die Eiſenſteine ſind meiſt ſogenannte Thoneiſenſteine. Man kennt ſie oder wenigſtens die Formationsglieder, denen ſie ange⸗ hören, bereits bei Kreuzberg nordöſtlich von Füßen, bei Murau (in Baiern), bei Leingruben unweit Kochel, bei Neu⸗Beuern, zwiſchen Bergen und Ober⸗Teiſendorf, bei Simmerſtadt und Ko⸗ ſtendorf unweit Laufen und öſtlich neben dem Traunſee. Am längſten werden ſie ſchon gewonnen am ſogenannten Kreſſenberg oder Kreſſengraben unweit Teiſendorf, wo dieſes Formationsglied zugleich eine große geologiſche Berühmtheit erlangt hat wegen der außerordentlich vielen organiſchen Reſte, die darin gefunden werden. Die übrigen Glieder der Eotenformation ſ ſind dagegen ſehr arm an Verſteinerungen, doch ſind zwei Fucusarten(F. intrica- tus und F. targioni) bezeichnend für die Sandſteine und die ſie meine Ann, 8 Nützi ette d dn ke Pruit fein d Bräit Wine b ußern becken aus: Hiſſh Kother Syi terpit ſit, nenwe Breit Schn (oo ſn ſhön Scho r. d Vrm Gloch von n und bücſ ſilden, ſdntten em üſs dri⸗ de r⸗ ten be lſche ddixlih ſch in birges r von nd in aß de te und en A⸗ hnitten Man — 555— begleitenden ſandigen Schiefer, die man deshalb Fucoidenſandſtein genannt hat. Die nördlichen Kalkalpen. § 852. Parallel der Centralkette, von ihr getrennt durch eine allge⸗ meine Depreſſion, in welcher die Längenthäler der Roſanna, des Inn, der Salza, der Enns, der Polter, der Liſing und der Mürz ihren Lauf nehmen, erhebt ſich die vorzugsweiſe zackige Kette der nördlichen Kalkalpen. Sie beginnt für Deutſchland in dem kleinen Fürſtenthum Liechtenſtein am Rhein, zieht in großer Breite durch Vorarlberg, iſt am ſchmalſten da, wo ſie bei Kuf⸗ ſtein der Inn quer durchbricht, und ſetzt dann wieder in größerer Breite durch das Salzkammergut bis zur ſüdlichen Bucht des Wiener Beckens fort. Unter den vielen ſchroffen Felsbergen, die oft unmittelbar am äußern Gebirgsrand, neben tiefen Thälern oder lieblichen See⸗ becken aufragen, zeichnen ſich von Weſt nach Oſt z. B. folgende aus: Hohe⸗Engel, Muttekopf, Hoch⸗Gerach, Mittagsſpitz, Hirſchberg, Didams, Gottesack, Hohen⸗Iſer, Molinenfluhe, Rothewand, Arzberg, Grabacher Spitz, Starzkopf, Paſſenger Spitz, Senfteberg⸗Spitz, Heiter⸗Wand, Hohe⸗Mundiberg, Ru⸗ terſpitz, gr. Solſtein bei Innsbruck, Zunder bei Hall, Bäcker⸗ ſpitz, Sonnberg, Rabenſpitz, Juifenberg, Beitberg, Hinter Son⸗ nenwand, Wendelſtein, Hochkaiſerſpitz bei Kufſtein, Fellhorn, Breithorn, Birnhorn, Steinernes Meer bei Salfelden, Ewiger Schneeberg bei Biſchoffshofen, Wazmann(9300), Hohe Göll (8000⁰), Untersberg bei Salzburg(60000, Tännengebirg bei Wer⸗ fen(7000“), Hohenkronſpitz, Schaffberg bei Wolfgang(5600“ ſchöner Ausſichtspunkt), Dachſtein(9500), Thorſtein(9330), Schönberg bei Auſſee, Traunſtein bei Gemunden, Lockenberg(7760), gr. Traglberg, Roßarſch, Hoher Burgas bei Admont, Lugauer, Brandſtein, Hochſchwab, Windberg bei Kapellen, Schneeberg bei Glocknitz(6370) und Schaffberg bei Kaunberg. Die höchſten dieſer — 556— Berge und Felszacken, welche nahe 10,000 Fuß erreichen, lie⸗ gen alle auf der innern der Centralkette zugekehrten Seite. Die wichtigſten Querthäler, welche die nördlichen Kalkalpen durchſchneiden, ſind das Rheinthal, das Enchthal, das Iſarthal, das Innthal, das große Achenthal, das Salzathal(mit Paß⸗ lung), das Traunthal und das Ennsthal. An größern Seen fin⸗ den ſich darin: der Achenſee, der Königſee, 700“ tief, der Wolf⸗ gangſee, 600 tief, der Hallſtädter See, 396 tief, der kleine See bei Auſſee. Südlich von der Kalkzone hören in den deutſchen Alpen die großen und tiefen Gebirgsſeen gänzlich auf. §. 853. Der innere Bau dieſer vielfach zerriſſenen Kette iſt außer⸗ ordentlich ſchwierig zu ſchildern, theils weil er noch nicht hinrei⸗ chend erkannt, theils weil er ungemein verwickelt iſt. Derſelbe umfaßt in ſich wahrſcheinlich Alles, was in den Alpen als Ver⸗ treter unſerer deutſchen Trias⸗, Jura⸗ und Kreidegruppe ange⸗ ſehen werden kann, aber die petrographiſche Gliederung iſt eine andere, einfachere, als wir ſie im übrigen Deutſchland gewohnt ſind; Kalkſteine herrſchen hier gänzlich vor, und da Verſteinerun⸗ gen oft fehlen oder nur undeutlich und ſelbſt abweichend von den anderwärts bekannten Formen vorhanden ſind, da ferner auch die Lagerung häufig verworren und undeutlich iſt, ſo iſt es, wie ſchon bemerkt wurde, bis jetzt nur erſt an einzelnen Stellen gelun⸗ gen, die verſchiedenen Formationen geographiſch voneinander zu ſondern. Im Allgemeinen muß man ſie noch immer gemeinſam als Alpenkalk bezeichnen. Nachſtehende(S. 557) ziemlich ideale Querſchnitte nach Kudernatſch mögen dazu dienen, für ein paar Gegenden eine un⸗ gefähre Idee von der Lagerungsweiſe eben nur als Beiſpiel der überall vorhandenen vielfachen Störung der urſprünglichen Lagerung zu geben. Durch die beiden erſten Holzſchnitte wird der äußere und — — 5524— innere Bau der nördlichen Kalkalpen ganz allgemein und ſchema⸗ tiſch verſinnlicht. Kudernatſch unterſcheidet darin Hochgebirge, Voryeæbbge Mittelgebirge und Vorgebirge, erſteres betrachtet er als weſent⸗ lich emporgeſchoben, letztere mehr als gefaltet und dadurch ge⸗ birgig. Etwas ſpecieller ſtellt die nachſtehende Figur(S. 558), aber immer noch in idealer Weiſe, die Lagerungsverhältniſſe im Mittelgebirge zwiſchen Gaming und Lackenhof dar. Die Zeichnung ſoll hier nur dazu dienen, um ein Beiſpiel von den mancherlei Störungen der Lagerung zu geben. Ebenſo — 558— die zweite hier folgende Darſtellung der Lagerung in der Gegend von Soreck. V N — I N X8 D 8 2 Sia D 2 ☛‿ Abule Alm La. rer aane 25o aer §. 854. Ich werde nach dieſen ganz allgemeinen Bemerkungen über den geologiſchen Bau der Kalkalpen nur Einiges über die wich⸗ tigern der einzelnen darin auftretenden Geſteine hinzufügen. Die rothen Alpenſandſteine wechſelnd mit Schieferthon, welche oft zwiſchen den Gliedern der Grauwackengruppe und dem dgent ererd in tife rnen etan taaber mos! fin d ſuß i . kalk un purite üge ſt zaden uneher terför flache it fi tüfen len ſir ſts da, a berwit de in Hire 1 erreic genei ento nehm ügen iina n 2 7 wibet wich⸗ tthon, ˖dem — 3559— eigentlichen Alpenkalk auftreten, entſprechen ſehr wahrſcheinlich un⸗ ſerer deutſchen Buntſandſteinformation. Sie finden ſich immer nur in tiefen Thaleinſchnitten am Fuß der ſteilen Kalkwände, unter denen ſie mit flachern Hügelformen als ſchmaler Saum hervor⸗ treten. So z. B. am Nordrand der Kalkalpen bei Schwaz, Rat⸗ tenberg, Wörgl, Elmann, Alpendorf, Saalfelden, Werfen, Filz⸗ mos und Weißenbach, im Innern des Gebietes aber in den tie⸗ fen Thaleinſchnitten bei Berchtesgaden und Abtenau. Ihr Ein⸗ fluß iſt unbedeutend. §. 855. Die wirklichen Alpenkalkſteine, welche theils dem Muſchel⸗ kalk und Keuper, theils dem Jurakalk und in der Geſtalt des Hip⸗ puritenkalkſteins ſelbſt der Kreide entſprechen, bilden überall mäch⸗ tige felſige Bergmaſſen. Nach oben enden ſie in ſchroffe Fels⸗ zacken oder breite Hochplateaus, wahre Steinwüſten von ſehr unebener blockbedeckter Oberfläche, häufig unterbrochen von trich⸗ terförmigen Erdfällen und weiten Schrunden. Nackte Felsober⸗ fläche herrſcht im Gebiet des Alpenkalkes beinahe vor und dieſe iſt faſt allerwärts von einen Zoll bis mehre Fuß breiten und tiefen Rinnen, den ſogenannten„Karren“ durchſchnitten, zuwei⸗ len ſind auch tiefere Löcher„Rieſentöpfe“ eingebohrt, die beider⸗ ſeits eine Folge von Waſſerauswaſchungen ſind. Nur hier und da, an geſchützten Stellen, hat ſich eine ſpärliche Vegetation auf verwitterter Felskrume oder angeſchwemmtem Boden angeſiedelt, die im Sommer vereinzelten Viehheerden zur Nahrung und ihren Hirten zur Feuerung dient. An den ſteilen beinahe ſenkrechten Felswänden, die, z. B. bei Hallſtadt nur aus Kalkſtein beſtehend, eine Höhe von 3000 Fuß erreichen, treten häufig die Schichtwechſel als horizontale oder geneigte Leiſten,„Felsbänder“ hervor, die, von Moos, Farrn, Al⸗ penroſen und einzelnen Bäumen geziert, den nackten Fels ange⸗ nehm unterbrechen und zuweilen in ſchwindelnder Höhe den flüch⸗ tigen Gemſen wie ihren eifrigen Verfolgern als gefahrvolle Pfade dienen. — 560— Das Innere dieſer Felsmaſſen iſt von zahlreichen Klüften und Höhlen durchzogen, welche letztere durch Auswaſchung des Kalkſteins ſelbſt oder früher eingelagerter Steinſalzmaſſen entſtan⸗ den ſind. Dieſe Klüfte und Höhlen geſtatten dem Thauwaſſer wie den unmittelbaren atmoſphäriſchen Niederſchlägen beinahe überall unterirdiſche Abflüſſe. Aus dieſem Grunde findet man nur ſelten auf der Höhe der Kalkſteingebirge Quellen und Bäche und die vorhandenen verſchwinden zuweilen plötzlich in einer Fels⸗ ſpalte. Die Mehrzahl derſelben nimmt einen unterirdiſchen Ab⸗ lauf und bricht dann ſehr oft am Fuß der Kalkberge als ein ſtarker Gebirgsbach unmittelbar aus dem Felſen hervor. Ander⸗ wärts hat die Feſtigkeit der Geſteinsſchichten zahlreiche toſende Waſſerfälle veranlaßt, oder es haben ſich in trichterförmigen Lö⸗ chern(Erdfällen) ohne Abfluß, kleine Waſſertümpel angeſammelt, wie denn ſelbſt die größern Gebirgsſeen zum Theil wenigſtens, von dergleichen Einſtürzungen der Oberfläche durch unterirdiſche Auswaſchungen herzurühren ſcheinen und deshalb in der kryſtalli⸗ niſchen Centralkette viel ſeltener, auch nie ſo tief ſind. Jene Waſſerarmuth der Oberfläche iſt eine Haupturſache der großen Sterilität aller einigermaßen hohen Alpenkalkgebiete. An einigen Stellen, wie z. B. bei Schwaz in Tirol, ſind rinnenförmige, aber innere Auswaſchungen des Kalkſteins mit ver⸗ ſchiedenen Erzen(Bleiglanz, Fahlerz, Blende) erfüllt, und haben unter der Benennung„Erzrinner“ zu Bergbau Veranlaſſung ge⸗ geben. Andere, namentlich Bleierze, gewinnt man im Alpenkalk am Hammersbach und bei Alpſpitz unweit Garmiſch, ſowie ſüd⸗ lich und weſtlich von Mittenwald in Baiern. Eiſenerzgruben fin⸗ den ſich in demſelben Gebiet an der Nordſeite der Wetterſtein⸗ wand und am Ballatbach öſtlich von Füßen. Die Kalkſteine die⸗ nen theilweiſe als ſehr gute Bauſteine und werden z. B. am Untersberg in großen Steinbrüchen gewonnen, um ſie in Schlei⸗ fereien als Marmor zu architektoniſchen Zwecken, beſonders für das benachbarte München zu verarbeiten. Dazu werden nament⸗ lich auch einige verſteinerungsreiche Schichten ausgewählt, in denen dann die Verſteinerungen mancherlei eigenthümliche Zeichnungen hervor genen lihe tariti haliig far 6 G groft — 561— hervorrufen(rother Ammonitenmarmor von Adnet). Die ſoge⸗ genannten Marmorbrüche beſchäftigen in den Kalkalpen eine ziem⸗ liche Zahl von Menſchen. Natürlich werden die reinern Kalkſtein⸗ varietäten vielfach als Brennkalk verwendet, gewiſſe thon⸗ und kieſel⸗ haltige der Gegend von Steinach an der Wils haben dagegen zur Cementfabrikation Veranlaſſung gegeben. In der Gegend von Partenkirchen werden die Kalkſteine auf große Strecken durch Dolomite vertreten. §. 856. Nächſt dem Kalkſtein treten als deſſen Zwiſchenlagerung oft ſchiefrige Geſteine auf, die theils zur Bedachung der breiten Al⸗ penhäuſer benutzt werden, theils für ausgezeichnete Wetzſteine gelten. Letztere finden ſich vorzüglich in einer Zone zwiſchen Am⸗ mergau und Füßen und haben zu ſehr zahlreichen Wetzſteinbrü⸗ chen Veranlaſſung gegeben, deren Producte einen nicht unbeträcht⸗ lichen Hauſirhandel mit Wetzſteinen ernähren. Gypsbrüche finden ſich in der Gegend von Füßen, zwiſchen Kappel und Steinach, bei Buching, Ober⸗Ammergau, Garmiſch, Partenkirchen und Mittenwald; am häufigſten aber iſt der Gyps auch hier mit Steinſalz verbunden, welches mit ihm unregelmäßig ſtockförmig und einem thonig⸗mergeligen, zuweilen conglomeratartigen Ge⸗ ſtein, dem ſogenannten„Haſelgebirge“, liegen. Das Formations⸗ alter dieſer ſehr verbreiteten und ſehr mächtigen alpiniſchen Stein⸗ ſalzbildung iſt noch nicht ſicher beſtimmt. Gewöhnlich findet es ſich zuſammen mit dem rothen oder gelblichen Ammonitenmarmor, deſſen Verſteinerungen durch Zuſammenvorkommen von ander⸗ wärts unbekannten Ammoniten und Orthoceratitenſpecies geolo⸗ giſch ſehr räthſelhaft und merkwürdig ſind. Man kennt(und be⸗ nutzt auch größtentheils) dieſe Steinſalzbildung bereits an folgen⸗ den Orten: nördlich von Hall am Inn, bei Hallein und Berch⸗ tesgaden, bei Hallſtadt, Laufen und Auſſee. Es iſt aber ſehr wahrſcheinlich, daß ſie in der öſtlichen Alpenkalkzone noch an ſehr vielen andern Stellen aufgefunden werden kann; indeſſen genügen die beſtehenden Salinen vollſtändig dem Bedarf und gehören zu Cotta, Deutſchlands Boden. 36 — 562— den ſehr wichtigen geologiſch begründeten Induſtriezweigen der Alpen. §. 857. In den tiefen Thälern und Schluchten des Alpenkalkes, ſel⸗ tener zu einer bedeutenden Höhe anſteigend, finden ſich an ſehr verſchiedenen Stellen im ganzen Gebiete vorwaltend mergelige, oft aber auch ſchiefrige, ſandſtein⸗ oder conglomeratartige Maſſen, die durch ihren Reichthum an Foſſilien ſowol als auch durch die eigenthümliche Lage, die ſie meiſt zwiſchen den hochaufgethürmten Kalkſteingebirgen einnehmen, ſchon lange die Aufmerkſamkeit der Geologen im hohen Grade auf ſich gezogen haben. Nach dem Goſauthale bei Hallſtadt, wo ſie zuerſt erkannt wurden und wo ſie ſich beſonders mächtig entwickelt finden, hat man ſie unter dem Namen der Goſauformation in die Biſſenſchaft eingeführt. Wichtigere Punkte ihres Vorkommens von Oſt nach Weſt ſind: die Neue Welt, weſtlich von Wiener⸗Neuſtadt, Krampengraben und eine zweite zwiſchen Neuberg und Mürzſteg gelegene Schlucht, weſtlich von Neuberg, Lunz ſüdweſtlich von Gaming, Gams bei Hieflau, Hinterlauſſa bei Altenmarkt, Windiſchgarſten, Eiſenau am Traunſee, am Grundelſee öſtlich von Auſſee, Goſau, Wolf⸗ gangſee ſüdliches Ufer, Golling bei Halleinz am Nordabhang des Unterberges u. ſ. w. Weiter nach Weſten ſowie in den Süd⸗ alpen ſcheinen ſie durch in petrographiſcher Beziehung und durch Lagerungsverhältniſſe ſehr abweichende Schichten erſetzt zu ſein. Wo man die Unterlage der Goſauſchichten beobachten kann, bei ihrem eigenthümlichen Vorkommen in den tiefen Thälern iſt dies ſelten der Fall, ruhen ſie auf nicht näher beſtimmtem Alpenkalk oder an einigen Stellen auch auf dem bunten Sandſtein auf. Zu den deutlichſten Punkten in dieſer Beziehung dürften gehören das Zlamthal beim Grundelſee, wo ſich nach Murchiſon's Pro⸗ filen eine deutliche Ueberlagerung der Kalkſteine des Großberges und Telſchberges durch Goſauſchichten zu erkennen gibt, ferner die Nordſeite des Untersberges. Die unterſte Abtheilung der Goſauformation bilden nach den Schilderungen von Lill hier die “ ürnim küt d ih dm und w ter de gefüht t ſid. Praben cluc n bei kiſenau Polf⸗ g des Sid⸗ duch u ſin m, li ſt dis pentit in ui gehorm 6 Pu⸗ ßberje fernar ig der ſier di — 563— Hippuriten⸗Kalkſteine, die unter einem Winkel von 30° nach Nord fallen, und demnach auf dem eigentlichen Alpenkalk des Untersberges aufruhen. Höher folgen dann Mergel mit Inocera⸗ men und noch höher Nummulitenformation. Auf buntem Sand⸗ ſtein ruhend beobachtet man die Goſauſchichten im Rußbachthal an der Weſtſeite des Goſauthales gegen die Abtenau. Häuſig fallen aber die Goſauſchichten gegen die umgebenden Mauern von Kalkſtein ein und ſcheinen dieſen zu unterteufen; die auffallendſten Beiſpiele dieſer Art ſieht man in der Neuen Welt. Gewöhnlich füllen ſie mit ſehr geſtörter Lagerung kleine Buchten oder Becken im Alpenkalk aus, als ſeien ſie erſt abgelagert worden, nachdem in deſſen Oberfläche bereits durch marine Auswaſchung fiordähn⸗ liche Buchten eingeſchnitten waren. Aber ihrer Einlagerung müſ⸗ ſen noch ſpäter bedeutende locale Hebungen und Störungen ge⸗ folgt ſein. Eine ſehr gute Kohle findet ſich in öfter abbauwürdigen Flötzen zwiſchen den Schichten der Goſauformation. In der Neuen Welt, weſtlich von Wiener⸗Neuſtadt, werden mehre ſolche Flötze abgebaut. Die feinkörnigen Sandſteine derſelben Forma⸗ tion liefern gute Schleifſteine. §. 858. Auch von Dem, was wir S. 550 als Wiener Sandſtein kennen gelernt haben, ſcheint nur ein Theil eocen zu ſein, wäh⸗ rend ein anderer Theil der mit dieſem Namen bezeichneten Schich⸗ ten zur Kreidegruppe oder nach v. Morlot ſelbſt zu noch ältern Formationen gehört. Die bisherigen Beſtimmungen reichen hier noch gar nicht aus und ſo kommt es denn auch, daß man ſelbſt von mehren nutzbaren alpiniſchen Kohlenablagerungen das relative Alter bis jetzt noch nicht ſicher hat feſtſtellen können, obſchon Unger und v. Ettinghauſen durch Beſtimmung darin enthaltener Pflanzenreſte neuerlich bereits Außerordentliches geleiſtet haben. 36* — 564— §. 859. Die große nördliche Alpenkalkzone, welche geologiſch beſon⸗ ders dadurch ſich auszeichnet, daß in ihr faſt gar keine Erup⸗ tivgeſteine auftreten, ſtellt dem gleichförmigen Anbau ganz be— ſondere Schwierigkeiten entgegen. Mit Vermeidung aller hohen (ſterilen) Kalkplateaus hat er ſich vorherrſchend in einzel⸗ nen Thälern und Buchten an Flüſſen und Seen concentrirt, von denen aus man durch Sommerweideſtationen in den ein⸗ ſamen Berggebieten von deren vegetabiliſcher Production ſo viel als möglich auszubeuten bemüht iſt. Aber ganze Qua⸗ dratmeilen ſind frei von jeder für das ganze Jahr benutzten menſchlichen Wohnung. Die Straßen konnten in dieſem großen Gebiet beinahe nur den Thälern folgen, blos ausnahmsweiſe ſind ſie nothgedrungen über einige der niedern und minder felſigen Joche geführt worden. Die Centralkette der deutſchen Alpen. §. 860. Mit im Allgemeinen abnehmender Höhe dehnt ſie ſich von Graubünden durch Tirol und Salzburg nach Steiermark und Kärnten aus. Vor Gratz theilt ſie ſich, wie wir geſehen haben, in zwei Arme, deren einer nordöſtlich in der Richtung nach Presburg fortſetzt, während der andere ſüdöſtlich ſich gegen Feiſtritz wendet, wo die kryſtalliniſchen Geſteine unter neuern Ablagerun⸗ gen verſchwinden, während die Erhebung ſich noch weit zwiſchen der Drau und der Sau hinab verfolgen läßt, wo denn weiterhin auch noch einige male wieder kryſtalliniſches Geſtein zur Ober⸗ fläche ragt. Ich ſagte ſchon, daß ihre Höhe im Allgemeinen von Weſt nach Oſt abnimmt, dieſe Abnahme iſt aber keine gleich⸗ mäßige und auch die hohen Regionen ſind von ſattelförmigen Einſenkungen unterbrochen. Eine ſolche Einſenkung verbindet ſchon dicht an der Grenze der Schweiz das Innthal mit dem Vintzſchgau in dem bequemen nur 4570 Fuß hohen Paß von Finſtermünz über Heide nach Glurns. Eine zweite breitere ſolche Senkung erhebt ſich im Brenner Paß, der das Wippthal mit eſtti gerun⸗ wiſchn iierhin Hber en von gleih⸗ rmigen rbindet it dem F von ſolche al mit — 565— dem Eiſackthal verbindet, nur 4330 Fuß, dann folgt die ununter⸗ brochene und überall mit ewigem Schnee und Eis bedeckte Kette der Tauern, in welcher der Großglockner als höchſter deutſcher Berg 12158 Fuß über das Meer aufragt; öſtlich vom Hafner Spitz hört aber alle conſtante Schneebedeckung auf, es folgt hier zunächſt die Paßſtraße zwiſchen Radſtadt und Villach, welche in der Mitte der Kette das gegen Oſt gerichtete Längenthal der Mur durchſchneidet, wodurch ſchon bei St.⸗Michael eine Theilung der Kette in zwei angedeutet iſt. Der Gebirgsbau wird von da öſt⸗ lich immer verwickelter. Aus dem Längenthal der Mur führt von Unzmarkt eine bequeme Senkung über Frieſack nach Klagenfurt, eine zweite Straße von Weißkirchen über St.⸗Leonhard nach Bleiberg und eine dritte von Bruck einerſeits nach Wien, anderer⸗ ſeits über Gratz und Marburg nach Laibach. §. 861. Die centrale Hauptkette beſteht in den öſtlichen Alpen ganz vorherrſchend aus kryſtalliniſchen Schiefern, aus Gneis, Glim⸗ merſchiefer, Talkſchiefer, Chloritſchiefer und deren Uebergängen in⸗ einander. Dieſe enthalten aber vielfach Einlagerungen von körnigem Kalkſtein und Dolomit, Hornblendeſchiefer und Serpentin, inſo⸗ fern letzerer nicht ſtockförmige eruptive Maſſen bildet. Der Kalk⸗ ſtein iſt überdies mit dem Glimmer⸗, Chlorit⸗ und Talkſchiefer ſo innig und in ſo dünnen Blättern wechſelnd verbunden, daß man hier beſondere Geſteine als Kalkglimmerſchiefer, Kalktalk⸗ ſchiefer und Kalkchloritſchiefer unterſchieden hat. Entſchieden erup⸗ tiv treten zwiſchen den Schiefergeſteinen Granit, Quarzporphyr und Hyperſthenfels auf. An dieſe kryſtalliniſchen Geſteine ſchließt ſich aber auf der Nordſeite zwiſchen Innsbruck und Glocknitz eine zuſammenhängende Zone von Grauwackenbildungen an, welche Formation in mehren zerſtreuten aber großen Partien auch mitten in der Centralkette und auf ihrer Südſeite wieder gefunden wird. Sie beſteht vorherrſchend aus Thon⸗ und Grauwackenſchiefer mit untergeordneten Einlagerungen von Sandſtein, Conglomerat, Kalk⸗ ſtein, Dolomit, Anthracit und Spatheiſenſtein, ſonderbarer Weiſe I O0 Sszeh wnn Bbatstein,, HMadbad ooe a Gatene 2o Laua ore kadkktkat, 2o, — 566— ohne alle Grünſteindurchſetzungen, die anderwärts in den Grau⸗ wackengebieten ſo häufig gefunden werden. §. 862. Die verſchiedenartigen kryſtal⸗ iniſchen Schiefer ſind bis jetzt nur auf der ſchönen, durch den geognoſtiſch⸗montaniſtiſchen Ver⸗ ein herausgegebenen Karte von Tirol voneinander geſondert, in dem öſtlichern Theile der Alpen hat man ſie noch auf keiner Karte getrennt dargeſtellt. Sie bilden übrigens ein geologiſch eng ver⸗ bundenes und zuſammengehöriges Ganze, deſſen allgemeine Wir⸗ kungen auf das Leben ebenfalls ge⸗ meinſame zu ſein ſcheinen, ſodaß nur der relative Nutzen einzelner Geſteine für uns noch beſonders in Betracht kommt. Ihre Ober⸗ fläche iſt im Allgemeinen etwas einförmig, nicht ſo felſig und bei gleichem Niveau fruchtbarer als die des Alpenkalkes. Die Thäler laufen großentheils recht⸗ winklig vom Hauptkamm nach den großen Längenthälern zu bei⸗ den Seiten, ſie ſind meiſt weit und ihre Gehänge ziemlich gleich⸗ förmig geneigt. Die Thalſohle zeigt dagegen ſehr oft einen ganz im Großen treppenförmigen Bau, der Art, daß lange Strecken, von ſehr geringer Neigung, mit ans enn Sagat dulſt 1 rine: 55 enunn d wei der C gängen Gaſtei ander näml Schn ſende komn VI au⸗ ſůe jat ˖da Vr⸗ w t, i Aon Knrt bilda ber örige Vi⸗ ls ge ſodaß zelnee nder ber⸗ twas und kbarer Die rech⸗ nach u be⸗ wet blic⸗ lſohle ganz Bau, ſken, mit — 567— kurzen meiſt auch engern von ſehr ſtarkem Gefälle abwechſeln, an denen dann häufig brauſende Waſſerfälle gefunden werden. Dieſe Geſtaltung iſt offenbar durch ungleiche Feſtigkeit der einzel⸗ nen Geſteine bedingt, wie ſich das in mehren Fällen deutlich nachweiſen läßt. Die feſtern Geſteine haben der Auswaſchung mehr Widerſtand geleiſtet und Querriegel veranlaßt, hinter denen lange Zeit kleine, wenig tiefe Gebirgsſeen ſich bildeten, die aber gegenwärtig größtentheils ausgefüllt oder abgelaufen ſind. Ein beſonders deutliches Beiſpiel dieſer ſehr verbreiteten Thalform lie⸗ fert das Thal von Gaſtein; in ihm laſſen ſich drei ſtark geneigte enge Stellen mit hohen Waſſerfällen unterſcheiden, bei Lend, Bad Gaſtein und oberhalb Böckſtein, dahinter aber alte Seebecken mit breiten ebenen Thalböden bei Hof⸗Gaſtein, zwiſchen Bad Gaſtein und Böckſtein und im Naßfeld. Ganz ähnlich verhält ſich das Gegenthal von den Tauern nach der Möll zu. Vergl. umſtehenden Holzſchnitt. §. 863. Unter den kryſtalliniſchen Schiefern iſt eigentlich nur der reine Talkſchiefer techniſch wichtig geworden, man benutzt ihn z. B. bei Gaſtein als leicht bearbeitbares feuerfeſtes Geſtein(ſo⸗ genannter Topfſtein) zu Ofenplatten, Geſtellſteinen u. ſ. w. Aber es werden ſämmtliche kryſtalliniſche Schiefer an mehren Stellen der Centralkette von goldhaltigen Quarzgängen und andern Erz⸗ gängen durchſetzt, auf denen ſich beſonders in den Thälern von Gaſtein, Rauris und Fuſch ſeit uralter Zeit ein nicht unerhebli⸗ cher Bergbau entwickelt hat, in Meereshöhen, in denen man anderwärts in Europa keinen Bergbau mehr zu treiben pflegt, nämlich bis 8000 Fuß über dem Meeresſpiegel unter ewiger Schnee⸗ und Eisdecke. Das Gold ſoll nicht nur in Gängen, ſondern am Katſchberge und bei Gmünden auch in Lagern vor⸗ kommen, was indeſſen einigermaßen noch zweifelhaft iſt. Körnige Kalkſteine und Dolomite, die man natürlich hier wie anderwärts benutzt und unter denen einige ſich zu Sta⸗ tuenmarmor eignen, finden ſich z. B. am Slanderskreuz im Vintzſchgau(weißer Marmor), im Pfeldersthal und Kutſchingthal — 568— nördlich von Meran, am linken Gehänge des Wipthales ſüdlich von Innsbruck, im obern Ziller⸗ und Darthale, mehrfach am ſüdlichen Gehänge des Pinzgaues, im Fuſcher⸗, Rauriſer⸗ und Gaſteinerthale, nördlich von Murau u. ſ. w. Serpentin iſt am häufigſten in den Thälern von Rauris und Gaſtein zwiſchen kry⸗ ſtalliniſche Schiefer eingeſchloſſen. §. 864.. Die wichtigſten Granitgebiete der öſtlichen Alpen, welche ſich indeſſen nur wenig von denen des Gneiſes unterſcheiden, ſind fol— gende: bei Thal im Martelthal ſüdlich von Slanders, bei Meran, bei Mittelwald und Mühlbach zwiſchen Sterzing und Brixen, bei St.⸗Jacob und St.⸗Leonhard im Feſſereggenthal, ſüdlich vom Hoch-Golling und Knallſtein und bei Guttenſtein unweit Bleiberg; es ſind keineswegs die höchſten Punkte der Kette, ſon⸗ dern vielmehr Abhänge und Thalregionen, welche hier aus Gra⸗ nit beſtehen. §. 865. Quarzporphyr bildet zwei große Gebiete, das eine in der Um⸗ gegend von Botzen, das andere nördlich von Brunecken. Das von Botzen bildet verhältnißmäßig eine auffallende Senkung zwi⸗ ſchen höhern Bergen. Die Oberfläche des Porphyrs erreicht nämlich nur etwa das Niveau von 4000 Fuß, während ſich wei⸗ terhin die umgebenden Schiefer⸗, Kalk⸗ und Dolomitberge weit höher und bis zu 7000 Fuß erheben, letztere ſchon deshalb, weil die gegen 3000 Fuß mächtigen Kalkſteine und Dolomite auf dem Porphyr liegen. Soweit als daher der Porphyr frei gelegt iſt, ſchwankt die Oberfläche zwiſchen dem Niveau von 1000 und 4000 Fuß. Er bildet ein ungemein fruchtbares, mit viel Wald und an den tiefern Abhängen mit Weingeländen bedecktes, ſehr unebenes, aber meiſt nur welliges Bergland, in welches die ſich bei Botzen vereinigenden Thäler der Etſch und der Eiſack und der Tolfer mit oft felſigen Gehängen tief eingeſchnitten ſind. Die Felſen zeigen eine im Großen ſenkrecht ſäulenförmige Abſonderung de hal in Aul fiſten, da O. harat änem Audel Natur iſtrech kenntli d onſchn Formen da ſih d nächſt ſtalin Glock ſchen ſchnit berhau kette koße deG iſt a ſtwe Grau Arm En! drau un; furt 1 — 569— des Porphyrs, ganz ähnlich wie in dem ungleich flachern Mulden⸗ thal zwiſchen Grimma, Wurzen und Leisnig in Sachſen. Auf den Höhen liegen überall freundliche Orte und Sommer⸗ friſchen, umgeben von den herrlichſten Nußbäumen und Kaſtanien. Der Quarzporphyr bewirkt in dieſer Gegend einen etwas andern Charakter der Landſchaft und der Anbauweiſe, als er in irgend einem andern Theile der Alpen wieder zu finden iſt. Es iſt ſeine Ausdehnung und allgemeine Begrenzung darum nicht nur in der Natur, ſondern ſelbſt auf der trefflichen Generalſtabskarte der öſtreichiſchen Monarchie auch ohne geologiſche Colorirung leicht kenntlich. Hyperſthenfels bildet eigentlich nur nördlich von Klauſen ein anſehnliches Gebiet, welches ſich ebenfalls durch ſeine kuppigern Formen von dem umgebenden Gneis ziemlich leicht unterſchei⸗ den läßt. §. 866. Die Grauwackengeſteine bilden, wie wir geſehen haben, zu— nächſt eine zuſammenhängende Zone am nördlichen Fuß der kry⸗ ſtalliniſchen Centralkette von Hall bei Innsbruck, bis jenſeit Glocknitz, in welchem oder auf deren Grenze gegen die kryſtalli⸗ ſchen Schiefer vorzugsweiſe große und breite Längenthäler einge⸗ ſchnitten ſind, wie namentlich die der Salza und der Enns. Ue⸗ berhaupt erreichen die Grauwackenberge nie die Höhe der Eentral⸗ kette oder der Kalkalpen, dergeſtalt, daß die ganze Zone eine große Längendepreſſion bildet. Südlich von Radſtadt breitet ſich die Grauwacke vorzugsweiſe weit nach der Centralkette hin aus, oft aber iſt die Grenze gegen die kryſtalliniſchen Schiefer ſehr ſchwer beſtimmbar, da beide ineinander übergehen. Ein zweites Grauwackengebiet lehnt nördlich von Graz an dem nordöſtlichen Arm der Alpen da, wo dieſer von der Mur durchbrochen iſt. Ein drittes ſchließt ſich zwiſchen Mahrenberg und Marburg, vom Drauthal durchſchnitten, an den ſüdöſtlichen Arm der Hauptkette an; ein viertes nimmt die Senkung zwiſchen Unzmarkt, Klagen⸗ furt und Bleiburg ein; ein fünftes liegt mitten auf der kryſtalli⸗ — 570— niſchen Hauptkette, den Königsſtuhl und den Eiſenhut zwiſchen Gmünd und Murau bildend; ein ſechstes tritt zwiſchen Alpenkalk und Dolomit in der Sohle des Gailthales in deſſen ganzer Län⸗ genausdehnung hervor, und ſetzt dann weſtlich im Puſterthale wahrſcheinlich bis gegen Brunecken fort. §. 867. Die vorherrſchenden Geſteine der Grauwackenzone, Thon⸗ ſchiefer, Grauwackenſchiefer und Sandſtein, ſind wenig nutzbar, wenn man ſie auch hier und da als Dachſchiefer verwendet, ſie bilden aber einen fruchtbarern Boden als der Alpenkalk, ihnen verdankt das Pinzgau wie das Pongau ſeine Fruchtbarkeit. Tech⸗ niſch weit wichtiger ſind die eingelagerten Kalkſteine und noch mehr die Spatheiſenſteine, welche letztere an einigen dreißig Stellen ſchon zu Bergbau Veranlaſſung gegeben haben und auf deren Anweſenheit die alte, berühmte und vielverzweigte Eiſen⸗ und Stahlinduſtrie Steiermarks und Kärntens beruht. Die Spatheiſenſteine bilden wie es ſcheint ſowol Lager als Gänge und unregelmäßig ſtockförmige Maſſen in der Grauwacke. Die mächtigſte und wichtigſte darunter iſt die des Erzberges bei Vor⸗ dernberg. Die Ungleichheit der Einlagerungsform ſcheint anzu⸗ deuten, daß urſprüngliche Lager des Eiſenſteins durch Metamor⸗ phoſe theilweiſe eruptiv geworden ſind, wie das ganz ähnlich bei den körnigen Kalkſteinen zwiſchen kryſtalliniſchen Schiefer⸗ und Maſſengeſteinen höchſt wahrſcheinlich oft der Fall iſt. Auch Erzgänge kommen im alpiniſchen Grauwackengebiet vor, wenn auch ſeltener als anderwärts, wie denn überhaupt die Alpen verhältnißmäßig weit ärmer an Erzgängen ſind als andere Gebirge. Die wichtigſten dieſer Erzgänge ſind im Berggerichts⸗ bezirk Kitzbühel die von Simwell, Schattberg, Kögelergraben, Kupferplatten, Kelchalpe, Chriſtian⸗Himmelfahrtſtolln, Röhrer⸗ bühel, Rößholz und St.⸗Antoniſtolln in Stauthalgraben, welche beſonders Kupferkies und Fahlerz enthalten. vieij dicſeben um det un der DMhact, DMHdrr Kalk Sus ſ wed ds Sy über gri rundliht Irr d Nvie de Auftete SAd dich Mhllgenz ſc vir ſtor, ni w ehr Ein Sie beſ Kridde⸗ zagchär d 1000 F dſſen d berrlihſ in diſer tt ze vüſte — 571— Die ſüdlichen Kalkalpen. § 868. Sie ſind noch weniger genau bekannt als die nördlichen und da ſie überdies nur zum kleinern Theile Deutſchland angehören, ſo werde ich mich auf einige ſehr allgemeine Bemerkungen über dieſelben beſchränken. Sie beginnen in der Hauptſache ſüdlich von der Drau, deren großes Längenthal ſie in ähnlicher Weiſe von der Centralkette abtrennt, wie die nördlichen durch ein gan⸗ zes Syſtem von Längenthälern abgetrennt werden. Sie grenzen aber größtentheils unmittelbar, ohne Zwiſchenlagerung von Grau⸗ wacke, an die kryſtalliniſchen Geſteine an, während das bei den nördlichen nur weſtlich von Hall bei Innsbruck der Fall iſt. Ihre Oberfläche zeigt einen ähnlichen ſchroffen felſigen Charakter wie die jener und dieſer wird noch geſteigert durch das häufigere Auftreten des kryſtalliniſch⸗körnigen Dolomites an der Stelle des dichten Kalkſteins, deſſen Formen noch weit ſchroffer zu ſein pflegen; es kommen hier(beſonders in der Gegend des Faſſatha⸗ les) wirklich ſenkrechte Felswände von mehr als 3000 Fuß Höhe vor, wie man ſie in keiner andern Gegend der Alpen, auch in der Schweiz nicht findet. §. 869. Einen ganz außerordentlichen Charakter zeigt die Oberfläche der Kalkalpen in dem ſogenannten Karſtgebirge nördlich von Trieſt. Sie beſtehen hier aus ſehr neuen Kalkſteinen, welche theils der Kreide⸗, theils ſogar der Eocenformation(Nummulitenkalk) an⸗ zugehören ſcheinen. Dieſe bilden ein Hochplateau, welches ſich etwas mehr als 1000 Fuß über den Spiegel des Adriatiſchen Meeres erhebt, auf deſſen dunkle Fläche man von der Höhe bei Optſchina einen der herrlichſten Blicke genießt. So verſchwenderiſch ſich die Natur in dieſem ſüdlichen Hemirama zeigt, eben ſo geizig, karg und bi⸗ zarr zeigt ſie ſich auf der Kehrſeite deſſelben. Eine wahre Stein⸗ wüſte breitet ſich aus, ſo weit der Blick reicht. Kein Baum iſt — 572— da ſichtbar, kaum eine grünende Pflanze. Und dieſer erſte Blick iſt kein trügeriſcher, verfolgt man die Straße nach Adelsberg zu, ſo bleibt viele Meilen weit der Anblick derſelbe. Kein Bach, kein Quell unterbricht als erquickende Oaſe das todte Steinfeld, nur unzählige Erdfälle groß und klein ſind trichterförmig in den Bo⸗ den eingeſenkt und in den größern derſelben hat ſich zuweilen etwas Vegetation angeſiedelt, an ſie hat ſich ſehr ſparſam ein kleiner Ort angelegt oder in ihnen ein einzelner Hof feſtgeſetzt. Das iſt die waſſerloſe im Sommer von Kalkſtaub bedeckte, im Herbſt und Winter von den heftigſten Winden abgefegte Stein⸗ wüſte des Karſt. §. 870. Die Urſache dieſes unwirthlichen Zuſtandes iſt ganz und gar der geologiſche Bau der Gegend, die Natur und Lagerung des Kalkſteins. Alles Waſſer verſinkt in dieſes vielfach zerſpaltene Geſtein und nimmt einen unterirdiſchen Ablauf, entweder im Niveau des benachbarten Meeres, oder auf waſſerdichtern untern Geſteinsſchichten. Selbſt Flüſſe, welche weiter öſtlich entſpringend in offenen Thälern in ihrer Richtung nach dem Adriatiſchen Meere auf den Karſt treffen, nehmen durch ihn einen unterirdiſchen Lauf, ſo die Recka, welche öſtlich von Trieſt bei St.⸗Canzian verſchwindet und erſt bei Duino nach 5 Meilen langem unterirdiſchen Lauf wieder hervorſtrömt, um ſich dann ſehr bald in das Adriatiſche Meer zu ergießen. Die Bäche und Flüſſe haben ſich ſelbſt ihre unter⸗ irdiſchen Wege gebahnt und ausgeweitet, zu denen ſie urſprünglich durch die vielfache Zerklüftung des Geſteins veranlaßt wurden. Auf dieſe Weiſe ſind zahlloſe unregelmäßige aber langgeſtreckte und miteinander verbundene Höhlenräume ausgewaſchen worden, die nur zum kleinern Theile erſt bekannt oder zugänglich ſind, wie z. B. die berühmten Höhlen von Adelsberg. Ihr Bildungs⸗ proceß ſetzt unermeßliche Zeiträume voraus und nachdem ſie ge⸗ bildet, wurden in viele derſelben die Ueberreſte einer vorweltlichen Fauna eingeſchwemmt, deren Knochen von Höhlenſchlamm einge⸗ hüllt oder durch Kalkſinter zu einer feſten Knochenbreccie verbun⸗ dn 1 ſteeſa üdunn iit ſ antet d iwi Gogend gaze aa Th Dberſl groß v bideter Dhearſ velche ſemitd ſtſog gründ nähſt Recka . dem. der nödh rirge Kalle vüſte der din ſpie ſüͤdli ſhüt len. Vil nd zu ng d patn det in unten ingen Meer dauf vindet wiede Mr unte⸗ üngic pundm. ffratt vorde. ſß dunge⸗ ſie ge klcchen enge tthun⸗ — 573— den ſind, während ſelbſt in den von der Oberfläche mehr abge⸗ ſchloſſenen Theilen kalkhaltige Sickerwäſſer prachtvolle Tropfſtein⸗ bildungen ablagerten. Die unterirdiſchen Bäche und Waſſerbe⸗ hälter ſind nicht ohne alle Belebung geblieben, es iſt in denſelben unter andern der lichtſcheue Proteus anguineus entſtanden, ein merkwürdiges Thier, welches bis jetzt nur in dieſer beſchränkten Gegend bekannt iſt, auf deſſen geologiſcher Eigenthümlichkeit ſeine ganze Exiſtenz beruht. Der Auswaſchungsproceß dieſer ſubterra⸗ nen Thalrinnen war von Anfang an zugleich von andern, an die Oberfläche herauf wirkenden Folgen begleitet. Wo die Hohlräume zu groß wurden, da brach ihre Felſendecke über ihnen zuſammen und es bildeten ſich jene unzähligen trichterförmigen Erdfälle, welche die Oberfläche des Karſt auf ſo eigenthümliche Weiſe charakteriſiren und welche gewöhnlich in gekrümmten Reihen hintereinander liegen, die ſomit den unterirdiſchen Waſſerlauf bezeichnen. Auf dieſen Umſtand iſt ſogar der ſehr einleuchtende, aber noch nicht ausgeführte Plan ge⸗ gründet worden, die Stadt Trieſt durch eine Art Stolln bis zu dem nächſten, durch eine Reihe Erdfälle bezeichneten Waſſerlauf der Recka mit friſchem Waſſer zu verſehen. Die Eigenthümlichkeiten des Karſtgebirges wiederholen ſich dem Weſen nach allerdings in den meiſten größern Kalkſtein⸗ oder Dolomitgebieten ſehr ähnlich, z. B. in vielen Gegenden der nördlichen Kalkalpen, aber nirgends in ſo entwickeltem Grade und nirgends ſo empfindlich für das organiſche Leben. In den nördlichen Kalkalpen, wo es auf den hohen Plateaus ebenfalls ſterile Stein⸗ wüſten gibt, wirkt immer noch die größere Unebenheit, der Schutz der überragenden Felswände und ſelbſt die größere Meereshöhe günſtig, in welcher häufige Nebel und Regen eine wenn auch ſpärliche Vegetation beſſer ernähren als die trockene Luft auf dem ſüdlicher gelegenen und nirgends durch nahe Ueberragung ge⸗ ſchützten Karſtplateau. 1 Man hat ſchon viele vergebliche Verſuche gemacht, den ſteri⸗ len Karſt durch Vegetation zu beleben, aber es iſt nicht gelungen, Wälder darauf zu erziehen, deren Schutz dem übrigen Anbau dann große Vortheile gewähren würde. — — §. 871. Unter den mancherlei nutzbaren Geſteinen, welche auch die ſüdlichen Kalkalpen dem Menſchenleben darbieten, hebe ich hier nur die Queckſilberlager von Idria und die Bleierzlagerſtätten von Bleiberg hervor, auf welchen ſeit alter Zeit ein bedeutender Bergbau ſich entwickelt hat. Die erſtern beſtehen aus queckſilber⸗ haltigem bituminöſen Schiefer, der unter noch nicht genau ermit— telten Verhältniſſen in den hier wahrſcheinlich der Kreideformation angehörigen Alpenkalk eingelagert iſt, während bei Bleiberg Galmei und ſilberhaltiger Bleiglanz ſtock⸗ und gangförmig in Kalkſteinen liegt, die der alpiniſchen Triasgruppe angehören, welche durch ihre organiſchen Reſte, wie wir geſehen haben, von der Triasbildung Deutſchlands ziemlich abweicht. Marmore(na⸗ mentlich Muſchelmarmor bei Bleiberg), Alpenkohle, Walkerde (bei Cilli) und andere nutzbare Geſteine fehlen auch den ſüd— lichen Alpen nicht. Das Becken von Gratz. §. 872. Zwiſchen die öſtliche Gabeltheilung der Alpenkette iſt das Tertiärbecken oder vielmehr die große, faſt halbmondförmige Bucht von Gratz eingeſenkt. Seine Gebirgsumwallung beſteht nördlich, weſtlich und ſüdlich aus kryſtalliniſchem Schiefer und Grauwacke mit viel Kalkſtein, gegen Oſt iſt es offen und mündet in die Niederungen Ungarns. Die Mur als Hauptfluß des Beckens durchſchneidet es mit ihrem breiten Thale in der Richtung aus Nordoſt nach Südweſt, und ebenſo wie dieſe den nördlichen Ge— birgsarm durchbrochen hat, um bei Gratz in das Becken einzu⸗ münden, ebenſo hat die Drau den ſüdlichen Arm durchſchnitten, aus dem ſie bei Marburg hervortritt, um in ſüdöſtlicher Richtung den deutſchen Boden bald zu verlaſſen. Den nördlichen Becken⸗ theil entwäſſert die Raab. Der Boden dieſes Beckens iſt keines⸗ wegs ganz eben, ſondern hügelig und ſelbſt bergig. Miocene und neogene Ablagerungen herrſchen in dieſer weiten Bucht ganz vor, ſ““ “ nnd ih d c hir rtittn utende ſllber ani. rnrtin Bleümg mnig i ehern. en, wm kre(ar Lalked en ſie f u Bucht ordlch, uwact in d Beckene ng aus en Ge⸗ iinzu⸗ ritten, htung zecken⸗ eines⸗ e und vor — 575— in der Gegend von Gleichenberg vielfach unterbrochen von baſal⸗ tiſchen und trachytiſchen Bergen. Der allgemeine geologiſche Charakter iſt darum hier ein gänzlich anderer als in den Alpen. Nur in dem weſtlichſten Winkel der Bucht, bei Kainach, zeigen ſich einige Schichten der Kreidegruppe, ungefähr entſpre⸗ chend den Ablagerungen der Goſau, und ſchon mehr dem Gebirge als dem Becken angehörend. Von da öſtlich iſt Alles tertiär mit Ausnahme der bis Gratz hier und da noch darunter hervorſtoßen⸗ den, meiſt aus Kalkſtein beſtehenden Berge der Grauwackengruppe. §. 873. Die Molaſſegebilde des Beckens ſind wie geſagt größtentheils miocene(oder neogene), ſie beſtehen aus Sandſtein und Schiefer⸗ thon, hier und da mit Braunkohleneinlagerungen, ſowie aus Grob⸗ kalk und ſogenanntem Leithakalk, den wir bereits im Wiener Becken kennen gelernt haben. Letzterer bildet z. B. die Berge ſüdlich und öſtlich von Preding und ſüdweſtlich von Hardenberg. Die Kohlen gewinnt man bis jetzt vorzugsweiſe in der weſtlichen Ecke der Bucht in den Gegenden von Koflach, Kainach und Voitsberg, dann auch bei Eibiswald und nördlich bei Pinkafeld. Ausgezeichneter Braunkohlenſandſtein, ganz dem böhmiſchen glei⸗ chend, mit vielen Coniferen⸗ und Dicotyledonenreſten, bildet Berge bei Gleichenberg. Bei Pichelsdorf am Nordrand der Bucht zeigt ſich auch eine ſalzhaltige Einlagerung. Ein beſonderes, namentlich geologiſches Intereſſe gewinnt die Gegend zwiſchen Radkersburg, Feldbach und Fürſtenfeld durch die vielen baſaltiſchen und trachytiſchen Durchſetzungen, die hier, umgeben von allerlei Contactproducten und Tuffbildungen, eine Anzahl ſchöner Kegel und Kuppen bilden, und offenbar in naher Beziehung ſtehen mit den vielen kohlenſäurereichen Mineralquellen, welche die Umgegend des Badeortes Gleichenberg auszeichnen. §. 874. Das Murthal liegt bei Gratz 1047 Fuß über dem Meere und viel höher erhebt ſich nirgends die Baſis der weiten Bucht. — 576— Es iſt ein ungemein fruchtbares Hügel-⸗ und Bergland, überall bedeckt von reichen Fruchtfeldern, Weingärten und Wieſen, hier und da angenehm unterbrochen durch Wälder. Die durch den nördlichen Alpenarm geſchützte Lage erhöht die urſprüngliche Fruchtbarkeit des Bodens, auf eine frühe Sommerernte folgt in der Regel noch die Beſtellung mit Mais, der bis in den Spät⸗ herbſt hinein als dichter Halmenwald die Felder beſchattet. Der niederſte aller Alpenübergänge verbindet durch das Be⸗ cken von Gratz Wien mit Trieſt; es iſt der erſte, der in eine Ei⸗ ſenbahn umgewandelt wurde, die freilich noch bequemer, mit Vermeidung des Semmering, von Wien über Oedenburg gelegt werden konnte, wenn nicht ſtaatliche Rückſichten davon abge— halten hätten. Gratz, die naturgemäße Hauptſtadt der Steiermark, zeigt eins der Beiſpiele vorzugsweiſe günſtiger Lage. An der geeig⸗ netſten Stelle einer großen Gebirgsbucht, nahe dem Rand des hier ſehr zerſchnittenen Gebirges, an einem anſehnlichen Fluſſe, deſſen Thal den vorliegenden Gebirgsarm wenigſtens theilweiſe durchſchneidet und weſtlich tief in die Centralkette der Alpen ein⸗ dringt, am Fuße und Abhang ungemein lieblicher Hügel liegt es im Schutz eines inſelartig 400 Fuß hervorragenden ſchroffen Grauwackenkalkſteinberges, der die Ruinen einer früher ſehr ſtar⸗ ken Befeſtigung trägt. Es iſt kein Wunder, daß dieſe in den deutſchen Alpen am ſchönſten gelegene Stadt auch die größte iſt. Diluviale und alluviale Gebilde der Alpen. §. 875. Die diluvialen und alluvialen Ablagerungen ſind in den Alpen nicht auf beſtimmte Zonen beſchränkt, ſondern überall ſpo⸗ radiſch vertheilt und es iſt hier wie anderwärts oft ſehr ſchwer, ſie ſcharf voneinander zu ſcheiden. Sie treten unter folgenden verſchiedenen Formen auf, deren einige den Alpen eigenthüm⸗ lich ſind. 1) Diluviale Ablagerungen von Geſchieben, Sand und Lehm Göhu äa da hvii cih)i ) wahe Gletſch Nange ſen d antfer Oberſl Lage quur tranäye dr D rict gibt, vie bis i Be . gegen und haber — 577— (Löß) in den Thälern oft weit hinaufreichend und häufig an ihren Gehängen Terraſſen bildend, welche ſich 50, 100 oder mehr Fuß über den eigentlichen Thalboden erheben. Sehr oft liegen vor⸗ zugsweiſe auf ihnen die Orte.. 2) Erratiſche Ablagerungen, Felsblöcke und Schuttmaſſen, welche offenbar als Moränen von früher weit ausgedehntern Gletſchern transportirt worden ſind. Charakteriſtiſch für ſie ſind: Mangel an Schichtung, Mangel an Abrundung der oft ſehr gro⸗ ßen Felsblöcke oder Steine, welche zuweilen von ziemlich weit entfernten Bergen abſtammen, Schleifung und Quetſchung der Oberfläche auch der geſchiebeartig abgerundeten Theile, zerſtreute Lage einzelner Felsblöcke, oder Anhäufung in alten Endmoränen quer über den Thalboden hinweg. Dieſer Stein⸗ und Schutt⸗ transport durch Gletſcher hat nach v. Morlot ſowol vor als nach der Diluvialperiode ſtattgefunden, und ſeine Ueberreſte finden ſich nicht blos in den Alpengegenden, in denen es jetzt noch Gletſcher gibt, ſondern auch in ſolchen, wo dieſe längſt verſchwunden ſind, wie in Steiermark; auch reichen ſie aus dem Gebirge heraus bis in die vorliegenden flachern Gegenden, wie in das Wiener Becken. 3) Geſchiebe⸗, Sand⸗ und Schlammablagerungen, welche den gegenwärtigen oft ſehr ebenen Boden der größern Thäler bilden, und namentlich auch viele ehemalige kleine Seebecken ausgefüllt haben. 4) Alluvialkegel vor den Einmündungen der ſteilen und en⸗ gen Seitenthäler in die breiten Hauptthäler; aus Schutt, Ge⸗ ſchieben, Sand u. ſ. w. beſtehend, ſie bilden bis 500 Fuß hohe flache Halbkegel, ſehr ausgezeichnet z. B. im Vintzſchgau und Möllthal, wo man ſie zum Theil noch fortdauernd in ihrer Bil⸗ dung begriffen ſieht, die oft mit unangenehmen Zerſtörungen der darüber hinweggeführten Straßen verbunden iſt. 5) Felstrümmer⸗ und Schuttanhäufungen durch Berg⸗ und Felſenſtürze oder durch Lawinen. Sie ſind für den Anbau be⸗ ſonders beachtenswerth, ſowol die bereits erfolgten durch erzeugte Unebenheit, als die zukünftigen, welche mit der Gefahr der Cotta, Deutſchlands Boden. 37 — 578— Verſchüttung drohen. Zahlreiche Beiſpiele ſind hinreichend be⸗ kannt. 6) Torfbildungen(ſogenannte Moore oder Mooſe) ebenſo⸗ wol in den tiefen Thälern als auf den breiten Päſſen und Hoch⸗ ebenen. Nur ſelten wird der Torf in den Alpen als Brenn⸗ material benutzt. Rückblick auf die Alpen. §. 876. Während ich beim deutſchen Mittellande wegen der Vielthei⸗ lung es vorzog, allgemeine nationalökonomiſche und hiſtoriſche Bemerkungen mit jedem Einzelgebiete zu verbinden, erſcheint es nun bei dem ſüddeutſchen Hochland wieder zweckmäßiger, daſſelbe in dieſer Beziehung als ein Ganzes zu beſprechen. Die Kette der Alpen war lange Zeit ein bedeutendes Hin⸗ derniß für den Verkehr zwiſchen Italien, Deutſchland und Frank⸗ reich. Das iſt ſie kaum noch, ſeitdem eine große Zahl bequemer Straßen und ſelbſt eine Eiſenbahn quer über ſie hinweggeführt ſind. Immerhin drängt ſie aber noch jetzt den Verkehr in ihr auf einzelne Punkte zuſammen, die in der Richtung der bequemſten Uebergangspunkte liegen. Alle größern Alpenſtädte finden wir am äußern Rand oder in den Paßlinien. In den deutſchen Alpen haben offenbar Gratz und Botzen die wichtigſten Situationen unter allen. Erſteres in einer Bucht zwiſchen der öſtlichen Ga⸗ beltheilung, letzteres in dem Vereinigungspunkte zweier leichten Uebergangsſtraßen, deren eine noch durch Längenthäler mit Wien und Trieſt verbunden iſt, in einer fruchtbaren, überaus milden Senkung des ſüdlichen Abfalles, welche durch das ausnahmsweiſe Auftreten des Porphyrs bedingt wird. Daß die Form des ländlichen Anbaues, die Zerſtreuung der meiſten Dörfer in vereinzelte Höfe, und darüber hinaus in Senn⸗ hütten als Sommerſtationen, mittelbar durch die Form der Ober⸗ fläche veranlaßt iſt, bedarf hier kaum der Erwähnung, zumal da ich auf dieſen Gegenſtand noch einmal zurückkommen werde. Ebenſo verhält es ſich mit dem Vorherrſchen der Viehzucht unter dbe dene Huce Vuum⸗ Jälhe⸗ firiſh eint 6 daſth 6 S Frunt rgueme geüh iht au renſten vit am Apm ationen en Ge lähtn t Win widen noweſe ung de Senn⸗ Dber⸗ nal de werde unter — 579— den ländlichen Erwerbsquellen; Bergbau und andere Gebirgsin⸗ duſtriezweige(z. B. Holzſchnitzen) ſind dagegen gering zu nennen, mit Ausnahme der Eiſenproduction und Verarbeitung im öſtlich⸗ ſten Theil der deutſchen Alpen. Der Goldbergbau trägt kaum ſeine Koſten, die Salzgewinnung beſchäftigt, ſo bedeutend ſie iſt, ihrer ganzen Natur nach keine große Menſchenzahl, ähnlich ver⸗ hält es ſich mit denjenigen Steinbrüchen, deren Erzeugniſſe die Grenzen des Weichbildes überſchreiten und die ſich deshalb größ⸗ tentheils in der Nähe des äußern Gebirgsrandes finden. Die Bevölkerung der Oſtalpen iſt im Allgemeinen ſchwach, wie ſich bei der großen Ausdehnung vieler culturunfähiger Ge⸗ biete nicht anders erwarten läßt. Sie iſt aber, am meiſten den klimatiſchen, erſt in zweiter Reihe den geologiſchen Verhältniſſen entſprechend, auch ſehr ungleich. Sie iſt am ſchwächſten um Ju⸗ denburg und im Puſterthale: nicht ganz 1000 auf die Quadrat⸗ meile; das ſind ſehr hochgelegene gebirgige Regionen. Darauf folgen die Kreiſe von Bruck, Salzburg, Villach und Unter⸗Inn⸗ thal mit 1100 bis 1400, Adelsberg und Klagenfurt mit 2100, dann Botzen, Vorarlberg, Trient und Laibach mit 1650 bis 2750, endlich Eilli, Gratz, Udine und Marburg mit 3150 bis 3600 auf der Quadratmeile. Die Kalkalpen und der Karſt würden ent⸗ ſchieden die ſchwächſte Bevölkerung zeigen, wenn ſie ſich rein aus⸗ ſcheiden ließen, nicht durch die politiſche Eintheilung mit weit günſtigern Gebieten verbunden wären und dieſe Ungunſt würde ſich abſolut noch mehr ſteigern, wenn ſie in der Mitte der gan⸗ zen Kette lägen, nicht an dem äußern Rande. § 877. Im 6. Jahrhundert nach Chriſti Geburt finden wir in den deutſchen Alpen folgende römiſche Provinzen und Stämme: In Vorarlberg und dem weſtlichen Tirol die Rhaetia, in Südtirol die Breonen und Heruler, im öſtlichen Theil der Alpenkette Noricum. Die natürlichſten Städtelagen ſind bereits angebaut, ſo Bregenz als Brigantium, Meran als Majas, Botzen als Pons 37* — 580— Drusi, Innsbruck als Veldidera, Salzburg als Invavia, Lienz als Loncium, Villach als Santiculum u. ſ. w. Unter den Karolingern gehört der weſtliche Theil der deut⸗ ſchen Alpenkette bis zum Paß von Finſtermünz, nördlich zum Herzogthum Alemannia, ſüdlich zu Longobardia, der öſtliche da⸗ gegen: Tirol und Salzburg, zum Herzogthum Bojoaria, Steier⸗ mark und Kärnten zum Herzogthum(orinthiae(Slavinia), der Südabhang dagegen zu Friuli. Die weſtliche Schweiz war da⸗ mals das Reich der transjuraniſchen Burgunder, ſpäter Ducatus Burgundiae minor. Dann finden wir unter den Hohenſtaufen die Oſtſchweiz, Vorarlberg und einen Theil von Tirol in unbe⸗ ſtimmter Weiſe mit dem Herzogthum Schwaben vereint, öſtlich ſchließen ſich daran Bavaria superior und inferior, Görz, Tirol, Salzburg an, ſowie Steiermark und Kärnten, beide mehrfach in ſich abgetheilt. Nun ſondert ſich unter Rudolf von Habsburg weſtlich vom Rhein und obern Inn das Land der Eidgenoſſen ab, welches beinahe aus lauter einzelnen ſouveränen Gemeinden beſteht. Auch öſtlich wird die Zertheilung größer, faſt jedes Flußgebiet bildet ein eigenes Ländchen; wir finden da die Grafſchaft Bregenz, die Grafſchaft Waldburg, die Abtei Kempten, das Gebiet von Augs⸗ burg, die Grafſchaft Tirol, Werdtfels, Baiern, Brixen, Ingol⸗ ſtadt, Salzburg, Görz, Herzogthum Kärnten, Herzogthum Steiermark, Erzherzogthum Oeſtreich und Grafſchaft Cilly. Dieſe vielerlei Einzelgebiete fallen aber ſpäter(Salzburg wechſelnd) theils Oeſtreich, theils Baiern zu, dergeſtalt, daß gegenwärtig die ganze deutſche Alpenkette vorherrſchend zu Oeſtreich gehört und nur ein verhältnißmäßig kleiner Theil zu Baiern und zur Schweiz, der kleinſte zu Liechtenſtein. Dieſe politiſche Vereinigung kam in⸗ deſſen von außen, ſie iſt nicht aus der Natur des Landes oder ſeiner Bewohner hervorgegangen. Dieſe ſind immer noch beinahe in jedem größern Thalgebiet beſondere. Die Bewohner unter⸗ ſcheiden ſich ſehr deutlich nach Tracht, Sprache und Sitte, theil⸗ weiſe ſogar nach ihrer Nationalität. Von Süden her ſind Ita⸗ liener eingedrungen, vom Weſten Franzoſen und vom Oſten(in Kärnte riſche wohnen Hae bont, innern dch borher ſpin derſch onde l5. enz al r dar⸗ h zun iche de Sti ia) N war de Ducabu ſteuin une „üflih „Til. nehfuh ich bon welch . Acch tbide z, i Augé⸗ Ingol dgthun DDiſ cſen) mwitig ört ud hvii am ir oda beinahe unter⸗ thei⸗ Ita⸗ en(i — 581— Kärnten) Slawen. Dazu kommen jene eigenthümlichen roma⸗ niſchen Stämme, die ſporadiſch mehre abgelegene Thalwinkel be⸗ wohnen und vielleicht auch Einwanderer aus Skandinavien, z. B. im Hasli der Schweiz. Genug, die Bewohnerſchaft iſt eine ſo bunte, wie man ſie nur immer in einem Lande mit ſo ſchroffen innern Abgrenzungen erwarten kann. In ihrem Bauſtil iſt je⸗ doch im ganzen deutſchen Gebiet ein gemeinſamer Charakter der vorherrſchende geworden, nämlich der Holzbau mit dem weit vor⸗ ſpringenden Dach, er iſt durch den ſtarken atmoſphäriſchen Nie⸗ derſchlag, die vorherrſchende Viehzucht und die gewöhnliche Ab⸗ ſonderung der Weideſtationen, ja ſelbſt eines Theils der meiſt aus Heu beſtehenden Sommerernte hinreichend motivirt. Vierter Abschnitt. Ruͤckblick auf die Lehre vom Bodeneinfluß. § 878. Nachdem ich im Vorſtehenden Deutſchlands innern Boden⸗ bau wenn auch nur in allgemeinen Umriſſen darzuſtellen verſucht und daran einige Erörterungen über deſſen Einfluß auf das Le⸗ ben angeknüpft habe, ſcheint es mir jetzt an der Zeit, die durch dieſe Beiſpiele gewonnenen Reſultate möglichſt zu ſammeln und zu verſchmelzen, um dadurch die Lehre vom Bodeneinfluß eini⸗ germaßen zu begründen. Es kann dies vor der Hand nur ſehr fragmentariſch, mehr in Andeutungen als in Ausführungen ge⸗ ſchehen und ich betrachte dieſen Anhang durchaus nur als einen flüchtigen Geſtaltungsverſuch, der, wenn er überhaupt weitere Ausbildung verdient, auch bedeutende Umgeſtaltungen erfahren wird. Wenn ich ſtatt des Ausdrucks Bodeneinfluß zuweilen Bodenwirkung, oder nur Wirkung anwende, ſo möge man dies — 582— mit dem Streben entſchuldigen, durch zu häufige Wiederholung deſſelben Worts nicht zu ermüden. Was will und was kann die Lehre vom Bodenein⸗ einfluß leiſten? §. 879. In Beantwortung dieſer Frage glaube ich vor Allem einem möglichen Misverſtändniß begegnen zu müſſen. Es handelt ſich bei dieſer Lehre nicht um Einflüſſe des Bodens, die ihrer Na⸗ tur und Urſache nach myſtiſch und unerkennbar ſind, ſondern nur um ſolche, die ſich auf beſtimmte materielle Eigenſchaften der Geſteine oder ihrer Lagerung zurückführen und aus dieſen erklä— ren laſſen. Oberflächengeſtaltung, Bodenfruchtbarkeit, Quellenbildung und techniſche Verwendbarkeit der Ge⸗ ſteine oder Lagerſtätten ſind die wichtigſten Momente, durch welche ſich ein ſolcher Einfluß geltend macht, der für die einzelnen ver⸗ ſchieden iſt. Nur mit ſolchen urſachlich nachweisbaren Einwir⸗ kungen kann ſich eine Unterſuchung beſchäftigen, welche Anſprüche darauf macht, eine wiſſenſchaftliche zu ſein. Es genügt nicht, die Thatſachen feſtzuſtellen, man muß ihre Urſachen zu erkennen ſuchen, und darin hoffe ich gegen die frü⸗ hern Verſuche ähnlicher Art, ſelbſt gegen die ſehr ſchätzenswer⸗ then von v. Bennigſen⸗Förder's, vorgeſchritten zu ſein. Das iſt kein beſonderes Verdienſt, ſondern nur ein naturgemäßer Fort⸗ ſchritt, entſprechend dem, welchen auch die Statiſtik der Neuzeit gemacht hat, die ſich nicht mehr mit bloßer Anhäufung von Thatſachen in langen Zahlenreihen begnügt, ſondern überall ihren Urſachen nachſpürt. §. 880. Ein franzöſiſcher Geolog des vorigen Jahrhunderts behaup⸗ tete bereits, daß die Gebirgsarten einen Einfluß ſelbſt auf die geiſtige Entwickelung ihrer Bewohner ausübten. Er blieb aber bei dieſer allgemeinen, vielleicht auf einigen ganz guten Beobach⸗ Grat dlgene dange ſich dun ii Deutur ſche? für d und H dann dr J iliſc 16 G betim oling deinen dt ſt ter Re ſonden ften e n all⸗ arkei eer e wätt in n. Eimir ſprüch ß ih ftu⸗ nawer⸗ Das f Fonr⸗ Nauxit g n l ihren chauy⸗ uf die Haber bbach⸗ — 583— tungen beruhenden Behauptung ſtehen, ohne die Gründe aufzu— ſuchen. So ſchrieb er z. B. den Bewohnern baſaltiſcher Gegen⸗ den einen vorzugsweiſe religiöſen Sinn zu. Das mochte wie geſagt auf einzelnen Erfahrungen beruhen, iſt aber ſicher keine allgemeine Wahrheit und läßt übrigens die verſchiedenartigſten Deutungen zu. Es iſt z. B. wohl möglich, daß zahlreiche zier⸗ liche Baſaltkegel in manchen Gegenden die Urſache geworden ſind für die Errichtung beſonders vieler maleriſch gelegenen Kapellen und Heiligenbilder und daß dieſe in ihrer gemüthlichen Romantik dann auch wieder zurückgewirkt haben auf die religiöſe Stimmung der Menſchen. Jedenfalls würde das aber nur für einzelne ba⸗ ſaltiſche Gegenden gelten, nicht ſür alle, nicht für den Baſalt als Geſtein, ſondern für gewiſſe äußere Formen deſſelben unter beſtimmten Umſtänden, und in keinem Falle darf man irgend einem Geſteine oder irgend einer Formation einen allgemeinen Einfluß auf die Bewohner zuſchreiben, ohne ſpecielle Gründe für dieſe Erſcheinung beibringen zu können; denn ſobald Letzteres nicht möglich, iſt eine Vielzahl anderer Urſachen nicht ausgeſchloſſen. So hat man ferner in neuerer Zeit einmal behauptet, die ältern Formationen übten einen andern Einfluß auf die Menſchen aus als die neuern. Das iſt in dieſer allgemeinen Faſſung eine eben ſo vage Behauptung, um ſo unzuläſſiger, da die Altersverhält⸗ niſſe der Formationen gar nicht immer mit beſtimmten gleichblei⸗ benden Eigenſchaften derſelben zuſammentreffen. Es kann auch an dieſer Behauptung möglicherweiſe etwas Wahres ſein, ſie kann auf einigen local richtigen Beobachtungen ruhen. Die äl⸗ tern Formationen und Geſteine bilden z. B. häufiger Gebirgs⸗ gegenden als die neuern und dieſer Umſtand mag von Einfluß ſein. Aber die ältern Formationen bilden nicht immer Gebirgs⸗ gegenden, z. B. gar nicht im nordweſtlichen Rußland, und um⸗ gekehrt beſtehen zuweilen ſehr hervorragende Gebirgsgegenden aus ganz neuen Ablagerungen, wie in den nordweſtlichen Alpen. Dazu kommt, daß wie erwähnt auch die mineralogiſche Natur der Geſteine gar nicht allgemein von ihrem Alter abhängig iſt, oder mit demſelben in conſtanter Beziehung ſteht, wie gleichfalls — 584— die Alpen ſehr auffallend lehren, in denen die Geſteine ganz neuer Flötzformationen denen der älteſten im nördlichen Deutſch⸗ land außerordentlich gleichen. Wir können darum auf das Alter der Geſteine oder Forma⸗ tionen für unſere Forſchungen allgemein genommen und an ſich gar keinen Werth legen, ſobald daſſelbe nicht mit beſtimmten andern Eigenſchaften verbunden iſt, was allerdings oft der Fall. Faſt ebenſo verhält es ſich mit ihrer Entſtehungsweiſe. Eruptive Ge⸗ ſteine haben zwar ſehr häufig Berge und Gebirge gebildet, aber aus Waſſer abgelagerte ſind ebenfalls zu Gebirgen erhoben wor⸗ den, und die urſprünglich vielleicht ſehr unebene Oberfläche jener eruptiven Geſteine iſt zuweilen durch ſpätere Ereigniſſe in hohem Grade nivellirt. Doch bleibt immerhin noch ein ziemlich weſent⸗ lich allgemeiner Unterſchied der Maſſe und chemiſchen Zuſammen⸗ ſetzung eruptiver und ſedimentärer Geſteine übrig, welcher ſich namentlich dadurch zu erkennen gibt, daß die erſtern faſt ſtets kali⸗ oder natronhaltige Silikate ſind. Aehnlich wie mit Alter und Entſtehungsweiſe verhält es ſich, und zwar in noch höherm Grade, auch mit den von den Geolo⸗ gen eingeführten und angewendeten Benennungen der Geſteine und Formationen. Unter demſelben Namen werden zuweilen ihrer Natur und Wirkung nach ſo ungleiche Geſteinsbildungen zuſam— mengefaßt, daß man ſehr irren würde, wenn man glauben wollte, mit demſelben Namen müßten auch ſtets dieſelben Wirkungen verbunden ſein. Die Porphyre ſind z. B. unter ſich ſo verſchie⸗ den, daß ſich keineswegs eine ganz gleiche Einwirkung aller er⸗ warten läßt, noch weit größer ſind aber die Unterſchiede der pe— trographiſchen Zuſammenſetzung bei den Flötzformationen gleicher Benennung, die ſich bei ihnen vorherrſchend auf das Alter bezieht, oft ohne Rückſicht auf die Geſteinsbeſchaffenheit. Die Kreidefor⸗ mation z. B. beſteht an den Küſten der Oſtſee aus weißer ſchrei⸗ bender Kreide, in Sachſen zum Theil aus Sandſtein, in den Schweizeralpen zum Theil aus Thonſchiefer, den man zum Dach⸗ decken benutzt. Wir müſſen daher, um bei unſern Unterſuchungen zu einem reellen Ziele zu gelangen, überall die beſondere Zuſammenſetzung der Geſteine und Formationen, ihre Lagerung, die Umſtände, un⸗ ter denen ſie auftreten und die Veränderungen, welche ſie erlitten haben, gehörig beachten; der bloße Name, das Alter, die Entſte⸗ hungsweiſe für ſich allein genügen nicht. §. 881. Nach dieſer Bemerkung über Einiges, was unſere Lehre nicht leiſten kann, wende ich mich Dem zu, was ſie zu leiſten vermag. Ganz allgemein befördert ſie zunächſt eine richtige Erkennt⸗ niß der natürlichen Hülfsquellen der Länder und ihrer Verthei⸗ lung. Sie zeigt, wie dieſe gegenſeitig ineinandergreifen, welche vorzugsweiſe und zum Theil ſogar wie ſie auszunutzen ſind. Der Bodenbau iſt etwas im Weſentlichen unveränderlich Gegebenes, über ihm bewegt ſich das organiſche Leben vergleichbar einer von den innern Verſchiedenheiten ungleich angezogenen Fllüſſigkeit. Wenn man ihn ſtudirt, ſo kann es nicht in der Abſicht geſchehen, ihn zu ändern, ſondern nur um ihn kennen zu lernen und mög⸗ lichſt zweckmäßig auszunutzen. Die meiſten Regierungen cultivir⸗ ter Staaten haben dieſe Wahrheit anerkannt und zu dieſem Zwecke geologiſche Unterſuchungen angeordnet. In den Vereinigten Staa⸗ ten Nordamerikas läßt es die Regierung ſogar faſt ihre erſte Sorge ſein, von den noch freien Gebieten geologiſche Karten herzuſtellen, bevor ſie den Coloniſten abgetreten werden. Die geologiſche Karte bildet dann einen der Factoren für die Werth⸗ beſtimmung der Ländereien. In Weſteuropa iſt die Geologie für ſolche Anwendung zu ſpät reif geworden, die vom innern Bau abhängigen Unterſchiede ſind hier meiſt thatſächlich erkannt und berückſichtigt worden, ehe man ihre Urſachen kennen lernte, aber das Erkennen der Urſachen wird trotzdem noch manchen Vortheil herbeiführen und manchen Misbrauch verhindern können, inſofern es zum Nachdenken über die zweckmäßigſte Weiſe der Ausnutzung anregt.„Nur auf die Diagnoſe kann die Heilung folgen“, ſagt Riehl. — 586— §. 882. Außer dieſem allgemeinen Einfluß kann unſere Lehre beiſpiels⸗ weiſe folgende ſpeciellere Anwendungen finden: 1) Es iſt nicht unwichtig, bei politiſchen Abgrenzungen und Eintheilungen der Länder auf die natürlichen Gebiete Rückſicht zu nehmen, der Bau einiger macht ſie von einander unabhängig, während andere ſich gegenſeitig ergänzen, wie z. B. Kohlen— und Erzgebiete. Dabei iſt aber auf die Nachhaltigkeit dieſer Bedin⸗ gungen weſentlich Rückſicht zu nehmen, da irgend ein erblühender Induſtriezweig, wenn er auf nicht nachhaltige natürliche Hülfs⸗ quellen baſirt iſt, nach deren Erſchöpfung um ſo größere Uebel⸗ ſtände herbeiführt. So ſollte 2) ſtets eine Begünſtigung der localen Bevölkerungsſteige⸗ rung durch Induſtrie oder andere Mittel von der Natur und Nachhaltigkeit der natürlichen Hülfsquellen abhängig gemacht worden, die dabei irgendwie von Einfluß ſein können. Nament⸗ lich muß man es als unzweckmäßig erkennen, in irgend einer Ge⸗ gend beſtimmte Induſtriezweige zu begünſtigen, die in einer be⸗ nachbarten Gegend ihrem Bodenbau noch günſtiger ſituirt wären, von welcher ſich demnach für die Zukunft eine gefährliche Con⸗ currenz erwarten läßt. 3) Dagegen wird man dem Bodenbau entſprechende„bo⸗ denſtändige“ Induſtriezweige zu wecken oder zu fördern beſtrebt ſein, auch da, wo ſie nicht aus freiem Antriebe ſich ent⸗ wickelten. 4) Die zweckmäßigſte Größe der Landgüter iſt ſeit lange ein Problem der Nationalökonomie. Unſtreitig iſt ſie in gewiſſem Grade abhängig von der Natur des Bodenbaues. In flachen Gegenden, wo der Boden nichts bietet, als was auf ihm wächſt, iſt ein grö⸗ ßerer Flächenraum für die einzelnen Beſitzer wünſchenswerther als in ſolchen, wo der Boden zugleich auf andere Weiſe ernährt, ſei es durch Bergbau, Waſſerkraft oder irgend andere Zuſtände, da hier die Bearbeitung kleiner Grundſtücke eine paſſende Nebenbeſchäf⸗ tigung für Induſtriearbeiter bilden kann, oder umgekehrt die Land⸗ — 587— bauer ſich in freien Zeiten an der Induſtrie zu betheiligen ver⸗ mögen. Hierin iſt vorzugsweiſe die Formel zu finden für die zweckmäßige Größe des Grundbeſitzes. 5) Durch augenblickliches Bedürfniß oder perſönlichen Vor⸗ theil ſind nicht nur in Deutſchland, ſondern noch mehr in den audern weſteuropäiſchen Ländern die natürlichen Gebiete des Culturlandes vielfach auf Koſten der Wälder überſchritten wor⸗ den. Die Wälder ſind durch Felder, Wieſen oder Weiden aus Regionen verdrängt, in denen ihre Cultur allein dem allgemeinen Wohle förderlich ſein kann. Weit ſeltner iſt der Fall, daß dem Feldbau günſtigere Regionen noch von Wald eingenommen wer⸗ den. Inſofern die Regierungen Macht und Mittel dazu beſitzen, ſollten ſie bemüht ſein, Wald- und Culturland möglichſt zweck⸗ mäßig zu vertheilen. Dabei iſt aber auch der innere Bodenbau weſentlich zu berückſichtigen. Wie wichtig aber der Beſtand der Wäͤlder nicht nur als Brennmaterialvorräthe und Klimaregulato⸗ ren, ſondern auch durch ihre moraliſche Einwirkung ſei, hat kürz⸗ lich Riehl ganz vortrefflich gezeigt.(Beil. 52.) 6) Ganz unverkennbar iſt der Einfluß, welchen genaue geo⸗ logiſche Kenntniß auf Anlage und Ausführung von Eiſenbahnen, Kanälen und Straßen ausüben ſollte. Es ſind hiergegen große Verſtöße begangen worden 23), deren Erkenntniß erwarten läßt, daß man ſich in Zukunft nicht auf eine bloße Unterſuchung der Oberflächenform beſchränken werde. Das ſind ſo einige Beiſpiele, deren Anführung hier genügen mag, um zu zeigen, daß die Lehre von der Bodenwirkung auch eine ſtaatswirthſchaftliche Bedeutung gewinnen kann. Syſtem der Lehre. §. 883. Wenn man irgend eine neue Lehre begründen will, ſo iſt es nöthig, daß man ſie in eine beſtimmte Form, wenn ich ſo ſagen darf, einigermaßen in ein Syſtem bringe. Indem ich aber ver⸗ ſuche, die Lehre vom Bodeneinfluß ſyſtematiſch zu geſtalten, ver⸗ —— ö 4 ö — 4 — 503— kenne ich nicht, daß kein Syſtem je einen andern Zweck haben kann als den, den Gegenſtand überſichtlich und handlich zu machen. Die Wirkungen des Bodens zerfallen zunächſt in unmit⸗ telbare und mittelbare, aber beide ſind in der Regel gemein— ſam thätig, unterſtützen oder neutraliſiren ſich in gewiſſem Grade. Deshalb können wir dieſe Unterſcheidung nicht als ober⸗ ſtes Eintheilungsprincip benutzen, da dieſe Spaltung in jedem einzelnen Abſchnitt wiederkehrt. Die Grundlage der Eintheilung müſſen wir vielmehr in der verſchiedenartigen Natur der Wir⸗ kungen und ihrer Objecte ſuchen, nicht in ihrem eigenen Ur⸗- ſprung. Danach laſſen ſich unterſcheiden: 1) Einfluß des geologiſchen Baues auf Menge, Vertheilung und Art der Quellen. 2) Einfluß des geologiſchen Baues auf die Vegetation, grö⸗ ßere oder geringere Fruchtbarkeit und Art der Benutzung der ve⸗ getabiliſchen Productionskraft. 3) Einfluß des Bodenbaues auf die Quantität und Quali⸗ tät der menſchlichen Anſiedelung; Größe der Bevölkerung, Ver⸗ theilung der Wohnorte, Form der Wohnorte und Bauart der Häuſer. 4) Einfluß des Bodenbaues auf Beſchäftigungsart und Wohlſtand der Bevölkerung. Jagd, Fiſcherei, Waldbau, Feld⸗ bau, Viehzucht, Bergbau, Induſtrie, Handel. 5) Einfluß des Bodenbaues auf den Verkehr, im Großen und Kleinen, zu Land und Waſſer. 6) Einfluß des Bodenbaus auf Kriegführung. 7) Einfluß des Bodenbaues auf Geſundheit und Lebens⸗ dauer. 3 8) Einfluß des Bodenbaues auf ſociale Zuſtände, National⸗ charakter, die geiſtige Entwickelung in Kunſt, Wiſſenſchaft und gemüthlicher Richtung. Dieſe verſchiedenen Richtungen des Bodeneinfluſſes, welche ſich freilich vielfach einander gegenſeitig bedingen, wollen wir tei einig ſeilan gti er he Aual⸗ Ve⸗ t der und ded⸗ roßen — 589— theilweiſe weiter betrachten und ich werde verſuchen, wenigſtens einige derſelben näher zu erörtern. 1) Einfluß auf Menge, Vertheilung und Art der Quellen. §. 884. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß in dieſer Bezie⸗ hung zwiſchen den einzelnen Geſteinen und Lagerungsverhältniſ⸗ ſen große Unterſchiede beſtehen(Beil. 24). Es zeigen ſich z. B. die mächtigen und weit verbreiteten Kalkſtein⸗ und Dolomitge⸗ gebiete überall nicht nur arm an Quellen, ſondern es ſind auch noch überdies die daraus entſpringenden Gewäſſer ſehr häufig kalkhaltig, dadurch minder ſchmackhaft und minder geſund, häu⸗ fig ſetzen ſie Kalktuff ab. Aus bituminöſem Kalkſtein oder Mer⸗ gelſchiefer, wie z. B. der Leiasformation, entſpringen oft ſoge⸗ nannte Schwefelquellen. In Granit, Gneis oder Sandſteinge⸗ bieten ſind die Quellen meiſt häufiger gleichmäßiger vertheilt, und ihr Waſſer iſt reiner als in Kalkſtein⸗, Dolomit⸗ oder Mer⸗ gelgebieten. In baſaltiſchen Gegenden finden ſich vorzugsweiſe oft kohlenſäurereiche Mineralquellenz auf ihren beſondern Ein⸗ fluß, wie auf den der nach beſtimmten Formationen vertheilten Salzgquellen komme ich zurück. Die Vertheilung der Quellen iſt häufig bedingt durch die Schichtung oder Zerklüftung der Ge⸗ ſteine. Waſſerundurchlaſſende Schichten wechſeln z. B. mit ſol⸗ chen, welche leicht durchdringbar ſind, dadurch werden die Quel⸗ len zuweilen auf beſtimmte Zonen zuſammengedrängt, oder es wird die Möglichkeit und in voraus erkennbare Wahrſcheinlichkeit geboten für arteſiſche Bohrbrunnen. Zahl, Vertheilung, Reich⸗ haltigkeit und Qualität der Quellen, alle dieſe nächſt der Quan⸗ tität der atmoſphäriſchen Niederſchläge und der Stärke der Be⸗ waldung unmittelbar vom innern Bodenbau abhängigen Um⸗ ſtände, werden dann zu ſehr wichtigen, alſo vermittelnden Be⸗ dingungen für die Bewohnbarkeit. b — 590— 3 gina 2) Einfluß des geologiſchen Baues auf die Vegetation. der ni ginti §. 885. m ſt Wir ſehen, daß die Organismen, Pflanzen ſowol als Thiere, daui idi in den einzelnen Erdgegenden verſchieden ſind. Urſachen dieſer ſöwit Verſchiedenheit ſind die conſtanten Verſchiedenheiten der Erdge⸗ ii d genden. Dieſe aber ſind klimatiſche, formale und ſubſtantielle(geo⸗. de 38 logiſche). Kehren wir die Reihe um: Der innere Bau bedingte ſbiddn (verurſachte) theilweiſe den äußern, die Reliefformen; der äußere aus di modificirt die klimatiſchen Zuſtände, die allerdings vorherrſchend deſil⸗ aſtronomiſcher Natur ſind, d. h. eine Folge der Stellung und mu g Bewegung der Erde zur Sonne. Dem Grade der Wirkung nach in viel iſt es unverkennbar, daß die klimatiſchen Unterſchiede die einfluß⸗ Kimui reichſten Urſachen der organiſchen Verſchiedenheiten ſind, nach. ihnen die Oberflächenformen, und zuletzt erſt, als am mindeſten bedeutend, der innere Bau, die ſubſtantielle Ungleichheit deſſelben. de Der Gegenſtand läßt ſich noch anders betrachten. Die Erd⸗ Bu, ſtellung und Bewegung bedingt klimatiſche Zonen, die allgemein ſpd ſind, rund um die Erde herumgehen, vom Aequator nach beiden NWaaler Polen ſich ähnlich wiederholend. Durch die Reliefformen, Ver— Nah. theilung von Waſſer und Land werden ſie modificirt. Die Ober⸗ d flächenformen und der innere Bau zeigen keine ſolche allgemeine in vorde Zonen vertheilte Unterſchiede, vielmehr finden wir in dieſer Bezie⸗ luge hung in allen Erdgegenden von Pol zu Pol analoge Verhältniſſe. Sera Ueberall kann ſich daſſelbe Geſtein, derſelbe innere oder äußere Bau G wiederholen, beide ſind keinem allgemeinen Vertheilungsgeſetz un⸗ add terworfen. Ueberhaupt iſt der Wechſel wie die Uebereinſtimmung ſb bei ihnen viel größer, d. h. jede Erdgegend beſteht aus ungleichen de Geſteinen und Oberflächenformen in mannichfaltigem Zuſammen⸗ bede bau, aber auch in den voneinander entfernteſten Erdgegenden, am da Aequator und nahe den Polen wiederholen ſich dieſelben Geſteine, ſr ähnliche Geſteinscombinationen und Oberflächenformen. Das dun Aehnliche kehrt ungemein oft, das genau Gleiche niemals wieder. a Da aber in der Vertheilung der organiſchen Formen durch das e gemein heĩde Ver⸗ Der⸗ tine i Bazi⸗ ittiſe re Bau ſdm mnmung gliche anmen⸗ en, am ſkeine, vieder ch des das. — 591— Klima bedingte Zonen deutlich hervortreten, ſo ergibt ſich daraus der mindere Einfluß der Bodenwirkung im Vergleich zu der des Klimas, indeſſen keineswegs ſeine Nullität. Seine Realität iſt nur ſchwieriger nachweisbar, weil ſpecieller, nicht ſo ſtark und deutlich. Es iſt allemal ſchwierig, den Werth und Einfluß von ſchwächern Urſachen aus Erſcheinungen zu erkennen, die gleichzei⸗ tig durch ſtärkere bedingt und beherrſcht werden. Daß aber für die Vertheilung der organiſchen Formen die klimatiſchen Unter⸗ ſchiede nicht allein maßgebend ſind, ergibt ſich ſehr beſtimmt aus der großen Verſchiedenheit der Flora und Fauna innerhalb derſelben Erdgürtel unter ungleichen geographiſchen Längen. Ge⸗ nau genommen treten dieſe Verſchiedenheiten ſogar ſpecifiſcher und in viel kleinern Flächenräumen hervor, als die durch allgemeine Klimaunterſchiede bedingten, innerhalb derſelben Temperaturgür⸗ tel. Freilich das Specielle des Klimas, die zeitliche Vertheilung der Wärme, iſt beinahe ebenſo analog und verſchieden innerhalb der Hauptzonen als der landſchaftliche Charakter und innere Bau, dafür aber auch weſentlich durch dieſe bedingt. Es ſind alſo die durch den Bodenbau bedingten Unterſchiede mehr lo⸗ caler, die durch das Klima bedingten mehr allgemeiner Natur. Ddieſer Theil des Bodeneinfluſſes iſt bereits vielfach erörtert worden, namentlich und faſt zuerſt durch Hausmann, dann durch Unger, in ſeiner Arbeit„Ueber den Einfluß des Bodens auf die Gewächſe“, durch Langethal in meiner„Anleitung zum Studium der Geognoſie“, durch Schnizlein und Frickinger(vgl. Beil. 35) und durch Andere. Unger unterſchied zuerſt bodenſtändige, d. h. ſolche Pflanzen, die an beſtimmte Geſteine oder Bodenarten ge⸗ bunden ſind, und wenn auch von manchen Pflanzen, die er für bodenſtändig hielt, ſpäter erkannt worden iſt, daß ſie es nicht oder nicht in dem vermutheten Grade ſind, wenn überhaupt nicht für die Verwitterungskrume jedes Geſteins ſich eine beſtimmte Flora nachweiſen läßt; ſo iſt doch ſo viel feſtgeſtellt worden, daß die auffallendſten Unterſchiede größerer Geſteinsgebiete auch in ihrer Flora ſich erkennen laſſen. Namentlich läßt ſich ſehr beſtimmt — 592 eine extreme Kalkflora und eine Salzflora ausſcheiden, welche durch beſtimmte Pflanzenſpecies charakteriſirt werden, die nur auf kalk⸗ reichem oder ſalzhaltigem Boden auftreten; etwas unbeſtimmter ſind: die Kieſelflora, Sandflora, Lehmflora u. ſ. w. ³⁵) Bei dem gegenwärtigen Standpunkte der Agriculturchemie, oder überhaupt der Anwendung der Chemie auf die Botanik, er⸗ ſcheint es unzweifelhaft, daß alle Pflanzen gewiſſe unorganiſche Beſtandtheile im aufgelöſten Zuſtande aus dem Boden aufneh⸗ men, daß aber die Qualität und Quantität dieſes Bedürfniſſes zu ihrem Gedeihen für die einzelnen Pflanzenarten verſchieden iſt. Dies iſt die wichtigſte Urſache für das ungleiche Gedeihen der Pflanzenſpecies auf ungleichem Boden, alſo für die Bodenſtän⸗ digkeit der Arten; andere Urſachen kommen aber hinzu, welche mehr in der phyſikaliſchen Beſchaffenheit als in der chemiſchen Zuſammenſetzung des Bodens beruhen, ſo in ſeiner Tiefgründig⸗ keit, Lockerheit, dem Verhalten gegen Waſſer, Wärme u. ſ. w. Inſofern nun die verſchiedenartigen Geſteine eine ungleiche chemiſche und mineralogiſche Zuſammenſetzung beſitzen, iſt der durch ihre Verwitterung entſtehende Boden auch für gewiſſe Pflanzen⸗ arten vorzugsweiſe, für andere weniger geeignet 5⁵). Da die mei⸗ ſten Geſteine von allen den für die Pflanzen nöthigen Subſtan⸗ zen wenigſtens etwas zu enthalten pflegen ²²), ſo tritt der Un⸗ terſchied ihres Verhaltens zur Vegetation nicht grell hervor, am grellſten bei ſo einfach zuſammengeſetzten Geſteinen wie Kalkſtein, Quarz, Gyps u. ſ. w.; letztere liefern deshalb, wenn ſie ganz un⸗ gemengt auftreten, einen beinahe abſolut unfruchtbaren Boden. Bei den meiſten Geſteinen und aus ihrer Verwitterung hervorge⸗ gangenen Bodenarten beruht die Verſchiedenheit nur in einem Mehr oder Weniger gewiſſer Subſtanzen, und die rationelle Land⸗ wirthſchaft iſt bemüht und vermag häufig, die Natur für ihre Zwecke zu corrigiren, indem ſie zuſetzt, was fehlt oder neue Ver⸗ bindungen und Zerſetzungen einleitet.(Vgl. Beil. 22.) Mehrfach habe ich in der Schilderung Deutſchlands Gelegen⸗ heit gehabt zu zeigen, wie gewiſſe Geſteinsoberflächen ſich ihrer ganzen Natur nach vorzugsweiſe nur zum Waldbau eignen, und 1 produet Betii giſhan g Nux d hungig 5 bermag! der bät Mlen 40 ) Ei Di ſits in Qbaufähig htewa nu Aa tielmehr beſellun ſeine and ude in Necken freiged leicht volkeru D in der Cott — 593— daß es fehlerhaft war, wenn man ſie hier und da dem Pflug übergab. Gerade in dieſem Punkt läßt ſich recht füglich aus Ge⸗ ſtein und Boden a priori urtheilen und dadurch auf Vermeidung ſolcher Fehler hinwirken. Daß ſelbſt die Grenzen verſchiedener landwirthſchaftlicher Betriebsweiſen oder Bewirthſchaftungsſyſteme zuweilen mit geolo⸗ giſchen Grenzen zuſammenfallen und alſo wahrſcheinlich von der Natur nicht nur des Bodens, ſondern auch ſeiner Unterlage ab⸗ hängig ſind, iſt deutlich in Beilage 36 gezeigt worden; leider vermag ich nicht, die ſpeciellen Urſachen dieſes Zuſammentreffens der beiderlei Grenzen anzugeben. Mittelbar wirkt dann natürlich die größere oder geringere Productionskraft des Bodens und die verſchiedene Richtung der⸗ ſelben auch auf die Zuſtände der Bevölkerung ein. 3) Einfluß des Bodenbaues auf die Quantität und Qualität der menſchlichen Anſiedelung. § 886. Die Stärke der Bevölkerung eines Landes iſt mittelbar ſtets in gewiſſem Grade abhängig von der Productions⸗ und An⸗ baufähigkeit ſeines Bodens, doch darf man unter erſterer nicht etwa nur die Fruchtbarkeit verſtehen.. Auch die größte Bodenfruchtbarkeit für ſich allein bedingt vielmehr nur eine ſchwache Bevölkerung. Die Arbeit der Feld⸗ beſtellung und Ernte beſchäftigt keine ſtarke Volkszahl; wo alſo keine andern Gewerbe hinzukommen, da hat ſich naturgemäß ge⸗ rade in den fruchtbarſten Ländern, wie z. B. in Holſtein und Mecklenburg, keine ſtarke Bevölkerung entwickelt; wo es bei ſehr freigebiger Natur dennoch der Fall iſt, da hat dieſer Umſtand leicht Trägheit und Indolenz mindeſtens eines Theiles des Be⸗ völkerung zur Folge. Die ſtärkſten Bevölkerungszahlen finden ſich in Deutſchland in der That nicht in den fruchtbaren Niederungen, ſondern in Cotta, Deutſchlands Boden. 38 — 594— den Gebirgen von mittlerer Höhe, ſo z. B. in dem Gebirgszuge des Thüringer Waldes und des Erzgebirges. Auf fruchtbarem Boden, in Niederungen oder Ebenen, wird ſtets die Gewinnung der werthvollſten, dem Menſchen zur Nah⸗ rung oder Kleidung dienenden Rohproducte des Vegetationspro⸗ ceſſes die Hauptbeſchäftigung der Bevölkerung ſein. Man beſtellt Felder und Gärten, ſelbſt Wieſen und Holzzucht werden in ſol⸗ chem Terrain mehr und mehr auf ein Minimum des Bedarfs zurückgedrängt. Nicht leicht wird da eine Induſtrie erblühen, welche ſich mit der weitern Verarbeitung dieſer Rohproducte be— ſchäftigt, das iſt nur dann der Fall, wenn andere Bodenbedin⸗ gungen ſich zu den genannten geſellen, z. B. ausgezeichnete na⸗ türliche Verkehrswege, billige Waſſerkraft, Kohlen oder Metall⸗ lagerſtätten. Aber von dieſen innern Bodenſchätzen ſehen wir hier einſtweilen ab. Die blos fruchtbaren Gegenden ſind deshalb ſelten übervöl— kert, ſie produciren mehr Nahrungsſtoffe, als ſie conſumiren, die Verkehrswege ſind einfach, der Verkehr iſt kein lebhafter. Die Bedürfniſſe, und in Folge davon auch die Geſinnungen ſind conſervativ. Die politiſchen und ſocialen Einrichtungen bedürfen keines ſchnellen Wechſels, neue Ideen finden nur langſam Ver⸗ breitung und Anklang. Die ackerbauende Bevölkerung iſt zu⸗ frieden, ſolange ihr nicht neue Abgaben auferlegt werden, und wird ſie durch dieſe unzufrieden, ſo bezieht ſich die Unzufrieden⸗ heit eben nur auf die Abgabenerhöhung, dieſe wie jede Neuerung iſt verhaßt. Aehnliche Bedingungen wiederholen ſich in den ſehr hohen Ge⸗ birgsgegenden, die, wenn auch nicht beſonders fruchtbar, dennoch durch ihren Bodenbau der Induſtrie unzugänglich ſind, und wo deshalb eine dünne Bevölkerung vorzugsweiſe von Viehzucht lebt. Wir finden in Deutſchland dieſen Zuſtand ganz beſonders in Ti⸗ rol, jenen in Pommern. Das ſind zwei Gegenſätze äußerer Bodengeſtaltung, die in ihren Wirkungen beinahe übereinſtimmen. Dieſe Gegenſätze wer⸗ den vermittelt durch fruchtbares Berg⸗ und Hügelland. Auch 1 ſid düfn Ve⸗⸗ , und frida zerung henGe ennoh nd we tllt in di ſt zu⸗ — 595— hierbei wollen wir zunächſt abſehen von der Möglichkeit innerer Bodenſchätze. Schon die bloße Unebenheit der Oberfläche hat einen Einfluß auf die Erwerbsquellen der Bevölkerung. In einem Berglande gibt es ſtets Localitäten, die zum Feld⸗ bau wenig geeignet ſind. Zunächſt verfallen ſie je nach Klima und Lage dem Wald-, Weide⸗ oder Weinbau. Dann finden ſich aber an dieſen Bergen oft ſo wenig werthvolle Stellen, daß ſie deshalb dem ärmern Theil der Bevölkerung als Bauplätze die⸗ nen. Die Lebensmittel, das Brennmaterial der Gegend ſind an⸗ fangs meiſt billig, aber der wenige Boden, der zu dieſen kleinen Anſiedelungen der Aermern gehört, reicht doch nicht aus, ſie zu ernähren. Ueberſchreitet ihre Zahl den Bedarf an Tagelöhnern, ſo wenden ſie ſich den einfachſten Handinduſtriezweigen zu, ſie ſpinnen, weben, flechten, drechſeln u. ſ. w. zunächſt für die rei⸗ chen Bauern der Nachbarſchaft, nach und nach aber für immer weitere Umkreiſe, denn die Erfahrung lehrt, daß die Vermehrung dieſer von häuslicher Handarbeit lebenden Bevölkerung größer iſt als die der eigentlichen Bauern. In dem Grade, nun in wel⸗ chem ſich dieſe klein anfangende ländliche Induſtriebevölkerung vermehrt, muß ſie auch Abſatz für ihre Handarbeit außerhalb der nächſten Umgegend ſuchen. Dieſen zu vermitteln entſtehen wan⸗ dernde Hauſirer oder beſondere Handelshäuſer. Sie vergrößern ſich, ſie verwandeln ſich in Arbeitgeber, in Fabrikherren. Ihnen müſſen die Arbeiter in jenen Hütten ſich fügen, ſie produciren nicht mehr nach eigenem Ermeſſen, ſondern nach Vorſchrift dieſer Unterhändler. Nun wirken die Fortſchritte der Technik. In einer Gebirgsgegend pflegt nicht alle Waſſerkraft durch Mühlen in An⸗ ſpruch genommen zu ſein, dieſe freie Kraft wird geſammelt und zum Betriebe großer Spinnereien und ähnlicher Anſtalten ver⸗ wendet; reicht auch die Waſſerkraft nicht mehr aus, ſo greift man zum Dampf. Der kleine Anfang wächſt gleich einer Lawine und läßt ſich in dieſem Wachſen kaum noch beherrſchen. Aus dem urſprünglichen Viehzucht und wenig Ackerbau treibenden Ge⸗ biet wird auf dieſe Weiſe endlich ein ſolches, in welchem Rohproducte des Bodens verarbeitende Induſtrie beinahe vorherrſcht. 38* Die urſprünglich billigen und deshalb ausgeführten Boden⸗ producte werden jetzt an Ort und Stelle conſumirt, ſie ſteigen im Preiſe, ſie reichen kaum aus. Dazu geſellen ſich die Schwan— kungen des Abſatzes für die Producte dieſer neuen Induſtrie, und die wenigſtens periodiſchen Verminderungen der nothwendigen Menſchenkräfte durch Anlage von Maſchinen, die ſie erſetzen. Aber das Alles verhindert nicht die ſtete und unverhältnißmäßige Zu⸗ nahme der Bevölkerung, die ſich nun einmal an dieſes Leben ge— wöhnt hat. Aus den noch ziemlich fruchtbaren Gebirgsgegenden wandert dieſe Induſtrie nach und nach in immer höhere, unfrucht⸗ barere ein, wo der Boden billiger, unbenutzte Waſſerkraft häufiger iſt. Dieſes Schickſal erreicht, zum Theil vielleicht auch in Folge unnatür⸗ licher Schutzzölle, nach und nach alle Gebirgsgegenden Deutſchlands, ſoweit ſie nur irgend leicht zugänglich ſind; in den einſamen Wald⸗ und Wieſenthälern erheben ſich ſtolze, aber unſchöne Ge⸗ bäude, in welchen eine ſtets wachſende Bevölkerung beſchäftigt wird. Es iſt ein ſehr zweideutiger Segen für das Land, gewiß keiner für die unmittelbare Bevölkerung, nur ein Palliativ, um ſie vor dem Hungertod zu ſchützen. §. 887. In weit ſpecieller nachweisbarem Verbande mit dem geolo⸗ giſchen Bau der Länder ſteht die Vertheilungsweiſe der Wohnorte. Die Beilagen 2 und 24 enthalten darüber viele Specialitäten, auf die ich mich berufen kann. Es ergibt ſich aus ihnen, daß die Vertheilung der Wohnorte von dem geologiſchen Bau ganz entſchieden abhängig iſt, theils durch die Natur der Geſteine und ihrer Verbindungen unmittel⸗ bar, theils durch Vermittelung der Oberflächenformen. Je grö⸗ ßer die Wohnorte, um ſo abhängiger ſind ſie in ihrer Lage von dieſen Zuſtänden, aber die unter denſelben vorherrſchend wirken⸗ den ändern ſich mit der Größe der Orte. Große Städte hän⸗ gen in der Regel vorherrſchend nur von Oberflächenformen, alſo nur mittelbar vom innern Bau ab, kleine ſehr oft unmittelbar von der Nachbarſchaft gewiſſer Geſteine oder nutzbarer Lagerſtät⸗ ten, von aahl influe und über men hen deru theil theil ande Nege der, all deſſe Flüc dage ſein, Seeſ ſcher ung haft Die ſu Met gen der der dur St ſt — 597— ten, bei kleinen Dörfern iſt die Abhängigkeit von dem Einen wie von dem Andern wieder weit geringer. Bei ihnen wird mehr die Zahl und Größe als die ſpecielle Lage durch den innern Bau influencirt. Bemerkenswerth iſt es namentlich, daß kleine Städte und Dörfer vorzugsweiſe häufig auf Geſteinsgrenzen, überhaupt aber an ſolchen Stellen liegen, wo die Einförmigkeit der Zuſam⸗ menſetzung oder Lagerung durch irgend einen Umſtand unterbro⸗ chen iſt, ſei es das Auftreten eines neuen Geſteins, die Störung der urſprünglichen Lagerung, die Erhebung eines Gebirges u. ſ. w., theils wol wegen günſtiger Bodenform(z. B. Thalerweiterung), theils wegen der benachbarten größern Mannichfaltigkeit. Dem Boden nicht angehörige Urſachen beſiegen zuweilen alle andern Rückſichten, aber das ſind doch nur Ausnahmen von der Regel. So beſiegten in Petersburg Rückſichten der Politik alle an⸗ dern, in Valparaiſo, dem es an Raum fehlt, hat der Handel alle entgegenſtehenden Hemmniſſe verdrängt, ähnlich in Venedig, deſſen Urſprung aber aus der Schwerzugänglichkeit der Lage, durch Flüchtlinge zuerſt angebaut, hervorging. Buenos⸗Ayres ſcheint dagegen durch Unvorſicht oder Zufall in einer Lage entſtanden zu ſein, die einer ſolchen Stadt nicht entſpricht. Der Hafen für Seeſchiffe iſt meilenweit entfernt(vor der Stadt treibt man Fi⸗ ſcherei zu Pferd), der einmündende Seitenfluß Matanza iſt ganz unwichtig, der Boden zu flach. Ebenſo liegt Montevideo fehler⸗ haft; zwar iſt ſein Hafen beſſer, aber die Landverbindung fehlt. Die Hauptſtadt der La⸗Platamündung gehört an den Zuſammen⸗ fluß des Rio⸗Negro mit dem Rio⸗Uruguay, da wird einſt eine Metropole für Südamerika erblühen. Anderwärts haben zuweilen rein geologiſche Urſachen in übri⸗ gens ſehr ungünſtigen Situationen kleine Städte veranlaßt. So der Silberbergbau Klausthal am Harz und Cerro del Pasco in den Anden, der Salzbergbau Hallſtadt in den Alpen, welches durch den See beengt und gänzlich abgeſchnitten iſt. Bemerkenswerth iſt es wol, daß Deutſchland keine große Stadt auf eruptivem Geſtein, auf Muſchelkalk oder Jurakalk be⸗ ſitzt, die allgemeine Bodenform ſcheint davon die Urſache zu ſein. — 598— §. 888. Auch die Formen des Anbaues, namentlich der in dieſer Beziehung ſich in Vergleich zu den Städten freier geſtaltenden Dörfer zeigen große Abhängigkeit von den Formen der Oberfläche und inſofern mittelbar auch vom innern Bau. Es laſſen ſich für die ländliche Anſiedelung im Allgemeinen drei Hauptformen un⸗ terſcheiden, die natürlich oft Uebergänge ineinander bilden: 1) Geſchloſſene Gruppirung der Häuſer um einen Mittel⸗ punkt. 2) Vertheilung längs einer Linie, z. B. auf einer oder auf beiden Seiten eines Baches oder einer Straße. Dabei treten die einzelnen Gehöfte, durch Gärten oder ſelbſt Wieſen und Felder ge— trennt, zuweilen ſchon ziemlich weit auseinander. 3) Vollſtändige Zerſtreuung der einzelnen Höfe und Häuſer über unregelmäßige Flächenräume, ja über ganze Dorffluren, oder der Art, daß überhaupt kaum noch abgeſchloſſene Orte zu unter⸗ ſcheiden ſind. Die erſtere dieſer Formen findet ſich vorzugsweiſe in Ebenen oder flachen Gegenden(ſelbſt auf Hochplateaus) ohne markirte Thal⸗ einſchnitte von hinreichender Breite für den Einbau von Orten. Sie bietet die Vortheile, die überhaupt das Zuſammenleben der Men⸗ ſchen, ihre gegenſeitige Hülfleiſtung und Unterhaltung gewährt, in beſonders hohem Grade, hat aber für eine ackerbautreibende Bevöl⸗ kerung den Nachtheil, daß die äußern Felder der Gemarkung von den Höfen, zu denen ſie gehören, oft ſehr entfernt liegen. Dazu kommt noch, daß ſie, wenn nicht geſetzliche Beſtimmungen es verhindern, außerordentlich zur Zertheilung der Grundſtücke bei Erbtheilungen bis zu den kleinſten Parzellen, theilweiſe daher alſo zur ſogenannten Zwergwirthſchaft, veranlaßt und daß ſie bei der wenig maſſiven Bauart der meiſten Dörfer jede Feuersgefahr außerordentlich ſteigert. Die zweite Form, die langgeſtreckte, findet ſich vorherrſchend in Gebirgsgegenden, oder doch wenigſtens in ſolchen mit entſchie⸗ dener d wöhnlic durchzoh juͤr He nit dur⸗ ſer der fin, und hendem Be ſeitgen nich gr gemeine zäichnen d am häu den, d theile gehöre Gegen Wihti A dadurch ſonder ten ſo Haup zen O de g. — Wiſt ausge Dörf ſern wohn falen ida — 599— dener Thalbildung, ſelten in Ebenen. Das Dorf ſtreckt ſich ge⸗ wöhnlich längs eines Baches hin und wird von einem Hauptweg durchzogen. Ihre höchſte Entwickelung erreicht ſie dann, wenn jeder Hof ſeine Felder unmittelbar hinter ſich hat, das Dorf ſo⸗ mit durch die ganze Flur hindurchreicht. Der Hauptvortheil die⸗ ſer Form beſteht in der größern Nähe aller Felder bei den Hö⸗ fen, und in der mindern Gefahr für das ganze Dorf bei ausbre⸗ chendem Feuer. Bei gut erhaltenem Hauptweg iſt der Nachtheil der gegen⸗ ſeitigen Entfernung und der Entfernung von Kirche und Schule nicht groß, es läßt ſich darum dieſe Form wol als die im All⸗ gemeinen, d. h. unter den meiſten Umſtänden, zweckmäßigſte be⸗ zeichnen. Die dritte Form, die der gänzlichen Zerſtreuung, findet ſich am häufigſten in ſehr unebenem Terrain, in hohen Gebirgsgegen⸗ den, oder auch in ungeordnetem flachem Hügellande. Die Vor⸗ theile derſelben beſtehen darin, daß jeder Hof mitten in den zu⸗ gehörenden Feldern liegen kann, was namentlich in ſehr unebenen Gegenden mit ſtarken und vielen Verkehrshinderniſſen von großer Wichtigkeit iſt. Aber freilich der gegenſeitige Verkehr der Bewohner wird dadurch am meiſten erſchwert, und da faſt jeder Hof ſeines be⸗ ſondern Zugangsweges bedarf, ſo iſt es begreiflich, daß dieſe ſel⸗ ten ſo gut angelegt und gepflegt ſein werden als da, wo ein Hauptweg alle Höfe verbindet. Die Feuersgefahr für den gan⸗ zen Ort iſt natürlich die geringſte, für den einzelnen Hof aber die größte, da die Hülfe am meiſten entfernt iſt. Wir fanden dieſe Form außer den Alpen in einem Theile Weſtfalens, in dem Hügellande um Osnabrück vorzugsweiſe ausgebildet, hier ſogar in dem Grade, daß kaum noch individuelle Dörfer zu unterſcheiden ſind, und mit der Zugabe, daß die grö⸗ ßern Höfe ſelbſt wieder dorfartig von einigen kleinern Arbeiter⸗ wohnungen(Häuslernahrungen, Kotten) umgeben ſind. In Weſt⸗ falen findet ſich dieſe Anbauform nur nördlich von der Lippe, jeder Hof bildet da für ſich eine ſociale Gemeinde, eine Gruppe — 600— von benachbarten Höfen ſchließt ſich aber zuſammen zur politiſchen und kirchlichen Gemeinde. Der innere Bodenbau wirkt im Allgemeinen nur mittelbar durch die äußern Formen auf dieſe Verſchiedenheiten der Anbau⸗ weiſe ein. Es kommen indeſſen Fälle vor, in denen auch der innere Bau unmittelbar die eine der Anbauformen, die zerſtreute, bedingt hat. So z. B. in einigen Bergbaugegenden, in denen die Grubengebäude nebſt Zubehör ganz unregelmäßig zerſtreut umherliegen. Die Vereinzelung der Wohnungen wirkt entſchieden auf die geiſtige Entwickelung der Bewohner. Riehl ſagt darüber:„Dieſe Vereinödung der Wohnſitze prägt den Leuten einen ganz beſtimm⸗ ten ſocialen Charakter auf. Der Einöden⸗Bauer iſt der Ur⸗ Bauer, der Welt verſchloſſen, in ſeinen Sitten erſtarrt, in Bil⸗ dung und Bedürfniſſen zurückgeblieben, von Herz und Fauſt ein ganzer Mann, politiſch aber ein unmündiges Kind. Die Einöde hat auch ſo gut ihre beſondere moraliſche Phyſiognomie, ihre erbgeſeſſenen Laſter eigenſter Art, wie die große Stadt.“ §. 889. Die Bauart der Häuſer ¹) iſt ebenfalls in mancher Be⸗ ziehung abhängig vom innern Bodenbau, theils unmittelbar durch das dargebotene Material und die Art des Baugrundes, theils mittel⸗ bar durch die Formen der Oberfläche. Als Baumaterial liefert der Boden: Steine von ſehr verſchiedener Qualität, Thon und Lehm zu Ziegeln oder Lehmwänden verwendbar, Erde zum Piſebau, Eiſen, Kalk(Cementkalk), Gyps, Lehm, Traß, Asphalt als Binde⸗ mittel; und mittelbar je nach ſeiner Lage und Beſchaffenheit: Holz, Stroh, Moos, Schilf oder anderes Blattwerk. Die Ver⸗ ſchiedenartigkeit dieſer Baumaterialien hat überall Einfluß auf die Bauart der Wohnungen. Es iſt von ſelbſt einleuchtend, daß man je nach dem Vorherrſchen und der Qualität beſonders das eine oder das andere Material verwendet, und die Entwickelung der Baukunſt, ja ſelbſt des ſpeciellen Bauſtiles iſt in ſofern allent⸗ halben einigermaßen abhängig von der Natur des Bodens, da die zataſ lachter indeſſe 1 wie i kelung Kdhet i richfelt M der länd ket wir ten und Nan y xgende leicht e in derſe di da ſäbſt dere jäigt. öſt au je nach trſchin Grund neben in der in den Dieſe gen! gemü ſpecie mer birge der neht md — 601— Herbeiſchaffung aus entfernten Gegenden trotz aller Verkehrser⸗ leichterung ſtets auf Ausnahmsfälle beſchränkt bleiben wird. Wo indeſſen ſich eine große Auswahl von Baumaterialien darbietet wie in den meiſten Gebirgsgegenden, da iſt auch dieſer Entwi⸗ ckelung ein freierer Spielraum geboten, und ſo finden wir in der That in Gebirgsgegenden in der Regel eine viel größere Man⸗ nichfaltigkeit nach Subſtanz, Form und Einrichtung, beſonders der ländlichen Wohnungen, als in Ebenen. Dieſe Mannichfaltig⸗ keit wird aber beinahe noch mehr gefördert durch die Unebenhei⸗ ten und ungleichen Situationen des Bodens oder Baugrundes. Man vergleiche beiſpielsweiſe die zerſtreuten Dörfer hoher Gebirgs⸗ gegenden mit den dicht gruppirten einer Ebene, ſo wird man leicht erkennen, daß in letztern ſich gewöhnlich dieſelben Räume in derſelben Gruppirung wiederholen, wodurch ſich auch äußerlich die Häuſer oft zum Verwechſeln gleichen, während in erſtern ſelbſt bei im Allgemeinen gleichem Bauſtil faſt jedes Haus an⸗ dere Formen und eine andere Vertheilung der innern Räume zeigt. Sie haben ſich der Form des Bodens angeſchmiegt und oft auch ſehr verſchiedenartiges Material in ſich aufgenommen, je nachdem es ſich darbot und für die ſpecielle Localität geeignet erſchien. In den Alpen gibt es ganze Dörfer, in denen nach Grund und Aufriß kein Haus dem andern gleicht, jedes vielmehr neben dem allgemeinen einen individuellen Charakter an ſich trägt; in der norddeutſchen Niederung gibt es dagegen ganze Landſtriche, in denen ſelten ein Haus ſich von dem andern weſentlich unterſcheidet. Dieſe individuelle oder gleichförmige Entwickelung der Wohnun⸗ gen bleibt ſicher nicht ohne alle Rückwirkung auf die geiſtige und gemüthliche Entwickelung der Bewohner. Innerhalb eines local herrſchenden Bauſtiles bewegt ſich die ſpecielle Ausführung, die Ein⸗ oder Vielförmigkeit derſelben im⸗ mer noch mit einer gewiſſen Freiheit und dieſe iſt größer in Ge— birgen als in Ebenen. Der Bauſtil der ländlichen Wohnungen, der ſich am meiſten in der Bedachungsweiſe ausſpricht, wird mehr durch klimatiſche Verhältniſſe bedingt, als durch Bodenform und Bodenbau. Die Alpenbewohner, die ihre Ernten großentheils — 602— grün verfüttern, oder in weit abgeſonderten Heuſchuppen un⸗ terbringen, deshalb weniger Bodenraum am oder im Hauſe bedürfen, ſuchen ſich durch weit vorſpringende flache Dächer gegen den ſehr häufigen Regen zu ſchützen, durch gedeckte Räume gleichſam vor dem Hauſe, ſeien es nur Galerien oder ſogenannte gewölbte Lauben. Weit vorſpringende Dächer müſ⸗ ſen flach ſein, ſie können es, wenn man keinen Boden braucht, und Holzreichthum geſtattet, ſie dennoch tragkräftig herzuſtellen für ſchwere Schneemaſſen. Im Norden Deutſchlands ſucht man dagegen durch ſteile Dächer dem Schnee und Regen ſchnellen Ab⸗ lauf zu verſchaffen, für die Feldfrüchte aber darunter einen gro⸗ ßen Bodenraum zu gewinnen und alle Beſchäftigung zwiſchen die Wände aufzunehmen, nicht wie in den Alpen in bedeckte, ſonſt aber offene Vorräume.(Beilage 53.) 4) Einfluß des Bodenbaues auf Beſchäftigung und Wohlſtand der Bevölkerung. §. 890. Die erſten Beſchäftigungen der Menſchen waren Jagd und Viehzucht, dieſe ſind am wenigſten poſitiv abhängig vom innern Bodenbau, ſie ſind in cultivirten Ländern als vorherrſchend nur da übrig geblieben, wo Feldbau und Induſtrie unmöglich, oder wenigſtens nicht begünſtigt ſind, in hohen Gebirgsgegenden und in ſteppenartigen Niederungen. Feldbau und Induſtrie drängen ſie in immer engere Grenzen zurück, wo ſie nur können. Aehn⸗ lich verhält es ſich mit dem Waldbau, nur mit dem Unterſchied, daß dieſer in gewiſſem Grade unerſetzbare Producte erzeugt, des⸗ halb in keinem wohlorganiſirten Lande ganz entbehrlich iſt, ſon⸗ dern nur einen ſtets wiſſenſchaftlichern Charakter annimmt, um auf kleinen Flächenräumen möglichſt große Reſultate zu erzielen. Nach Jagd, Viehzucht und Waldbau iſt der Feldbau am mindeſten, aber doch ſchon etwas mehr abhängig vom Bodenbau. Er dehnt ſeine Herrſchaft in Deutſchland von den Küſten des Meeres bis zu Höhen von beinahe 4000 Fuß aus, wird deshalb vom vorh gußer d porm de ünnen i Murmäxlih Am ergbeu verden k u.. ſch nutz Kohlen, inſacher ſinz der ban d Acbene⸗ d ſeht u dz aber in Ge ben, Faddbo d C bilige mitte nutbe als d Stein vorii verke duſtti indg Orun G diſſe fiſt! and — 603— vom vorhandenen Niveau nur ſelten überragt und verhindert. Außer dem Niveau hängt aber ſeine Exiſtenz noch ab von der Form der Oberfläche und von der Natur des Bodens, beide können ihn durch zu große Unebenheit und Unfruchtbarkeit faſt unmöglich, wenigſtens unrentabel machen. Am meiſten abhängig von der Natur des Bodens iſt der Bergbau mit Allem, was ihm im weiteſten Sinne zugerechnet werden kann, als z. B. Steinbrüche, Lehm- und Sandgruben u. ſ. w. Er kann begreiflicherweiſe nur da betrieben werden, wo ſich nutzbares Material für ihn darbietet, ſeien es nun Erze, Kohlen, Salzlager oder andere nutzbare Geſteine. Daß er aber in ſolchem Falle oft ein ſehr weſentliches Element für die Exi⸗ ſtenz der Bevölkerung darbietet, lehren in Deutſchland z. B. der Harz, das Erzgebirge und alle Steinkohlengebiete. Einer nähern Auseinanderſetzung bedarf das nicht. Die Induſtrie im Allgemeinen könnte für den erſten Anblick ſehr unabhängig vom Bodenbau erſcheinen, in Wirklichkeit iſt ſie es aber durchaus nicht. Vor Allem finden wir ſie am häufigſten in Gebirgsgegenden, theils weil hier Raum und Zeit übrig blei⸗ ben, die in den fruchtbaren Ebenen beide vorherrſchend vom Feldbau in Anſpruch genommen werden, theils wol auch weil das Gefälle des fließenden Waſſers vielfach eine nutzbare und billige Kraft darbietet. Noch ſpecieller wird ſie aber ſehr oft un⸗ mittelbar vom Bodenbau angeregt und befördert durch gewiſſe nutzbare Lagerſtätten, deren weitere Bearbeitung ſie übernimmt, als da ſind: Material für Thonwaren, Glasfabriken, Eiſenwerke, Steinſchleifereien, Brennmaterial für Dampfmaſchinen oder Heiz⸗ vorrichtungen im Allgemeinen. Auch der Bergbau fördert un⸗ verkennbar indirect durch ſein ganzes Weſen die allgemeine in⸗ duſtrielle Thätigkeit der Bevölkerung. Auf dieſe Weiſe entſtehen und gedeihen örtlich gewiſſe Induſtriezweige, welche ich aus dieſem Grunde bodenſtändige genannt habe. Es iſt keineswegs blos die Erhebung und äußere Form, welche dieſen induſtrieweckenden Einfluß der Gebirge bedingt, ſondern faſt noch mehr ihr innerer Bau, die Mannichfaltigkeit, der Reich⸗ — 604— thum theilweiſe nutzbarer, nebeneinander vorkommender Geſteine. Recht deutlich zeigt ſich das, wenn wir ganz im Allgemeinen das Leben auf den petrographiſch mannichfach zuſammengeſetzten grö⸗ ßern Gebieten der kryſtalliniſchen Geſteine, wie im Erzgebirge, Thüringer Wald und Schwarzwald, auf ſtark aufgerichteten und ungleich zuſammengeſetzten Flötzgebieten wie die Weſerketten, oder auf Kohlenlager enthaltenden Schichten wie im Ruhrthal, im Erz⸗ gebirgiſchen oder im Hundsrücker Becken, vergleichen mit dem auf einförmigen wenn auch eben ſo hohen Kalkſteinplateaus wie die Schwäbiſche Alp oder das Eichsfeld, ja ſelbſt auf dem vielfach zerriſſenem Gebiet der Kalkalpen. Bei ſolcher Vergleichung zeigt ſich in großen Zügen die entſchiedenſte Ungleichheit. Dieſe verſchiedenartigen die Induſtrie begünſtigenden und hemmenden Einflüſſe des Bodenbaues durchkreuzen, ſtützen oder hindern ſich aber gegenſeitig, und dazu kommt noch als weſentlich die Verkehrslage ſowie der vielleicht auf ganz anderm Boden oder wenigſtens unter nicht mehr beſtehenden Umſtänden entwi⸗ ckelte Nationalcharakter. Alle dieſe Verhältniſſe dürfen nicht über⸗ ſehen werden, wenn es ſich um Abwägung des Bodeneinfluſſes im concreten Falle handelt. 3 Riehl ſagt über den ſoeben erörterten Einfluß der Gebirgs⸗ gegenden:„Wir finden in Gebirgen den merkwürdigen Wider⸗ ſpruch, daß die Leute oft einen unbeſtreitbaren Beruf zur Ge⸗ werbsthätigkeit haben, während ihnen die Lage des Landes ihre induſtriellen Talente, ihren Eifer zum Fluch werden läßt. Darum iſt es in dieſen Gegenden von ganz beſonderer ſocialer Gefährlich⸗ keit, mit ſolchen neuen Induſtriezweigen zu experimentiren, deren Gedeihen nicht mit Sicherheit voraus zu ſehen iſt. Ein verun⸗ glückter Verſuch, der im Flachlande höchſtens ein paar Familien auf einige Jahre zurückbringen würde, verderbt und verſtimmt hier eine ganze Bevölkerung auf lange Jahre, vielleicht auf immer.“ Daß der Handel als Austauſch der Producte, auch von den mineraliſchen Rohproducten abhängig ſei, während überwiegend die Verkehrslage, die vegetabiliſchen und induſtriellen Erzeugniſſe hag it beſhifin kehräagt — dr ausnehm Straßenl gänzlch Eſfenbch lihe Et Eiuß Lgge u V auch n ſtets e bis zur Thäler aaheror bern u ſirich W nit ei bollo ttuxti konnte denno ſſtai den das in gi debin ten uiſ n, de in G den uj vie i tichit ag git en ud en on ſſentih Bea (ntve ht ide rfluſ ebirge⸗ Wder ur G d iſt Darun iſric / berur⸗ anin ſinnt ft u on den Wiegend ugyiſe demn auf ihn einwirken, verſteht ſich von ſelbſt. Bei Entſcheidung der Frage über Freihandel und Schutzzoll kann die örtliche Boden⸗ beſchaffenheit nicht genug gewürdigt werden. Auf die Ver⸗ kehrslage komme ich im nächſten Paragraph zurück. 5) Einfluß des Bodenbaues auf den Verkehr. § 891. Unmittelbar wirkt der geologiſche Bau auf den Verkehr nur ausnahmsweiſe durch beſondere Schwierigkeiten, die er z. B. dem Straßenbau entgegenſtellt, ſo in einigen Niederungen, in denen es gänzlich an Steinen fehlt, wie z. B. in den Pußten Ungarns. Eiſenbahnen überwinden dieſe Schwierigkeit leichter als gewöhn⸗ liche Straßen. Weit größer und allgemeiner iſt der mittelbare Einfluß durch die Form der Oberfläche, Waſſerverbindungen, Lage und locale Begünſtigung der Induſtrie. Wo eruptive Geſteine emporgedrungen, Gebirge erhoben oder auch nur Schichten ſtark aufgerichtet ſind, da bilden dieſe faſt ſtets Schwierigkeiten für den Verkehr. Sie können ſich ſteigern bis zur beinahe völligen Unwegſamkeit. Die Bewohner mancher Thäler der Alpen ſind durch ſolche Schwierigkeiten noch heute außerordentlich abgeſchloſſen von allem Verkehr mit ihren Nach— barn und ganz unverkennbar iſt die daraus hervorgegangene hi⸗ ſtoriſche Iſolirung ihrer geſammten Entwickelung. Vergleichen wir irgend eine Eiſenbahnkarte Deutſchlands mit einer geologiſch colorirten, ſo ergibt ſich ſehr bald, daß dieſe vollkommenſten aller Verkehrsbahnen ſich vorzugsweiſe auf nicht eruptivem Boden bewegen, den ſie freilich leichter vermeiden konnten, als die gewöhnlichen überall nöthigen Wege. Wo ſie dennoch genöthigt waren, ihn zu überſchreiten, da ſtießen ſie meiſt auch auf beſondere Schwierigkeiten, ſo bei Waldheim und Priſte⸗ witz in Sachſen, zwiſchen Tetſchen und Loboſitz in Böhmen u. ſ. w. Auch die Thüringer Bahn fand in allen Erhebungslinien Hinderniſſe. Aber nicht nur der Verkehr zu Lande iſt abhängig von gewiſſen geologiſchen Vorgängen früher Vorzeit und von der Beſchaffen⸗ — 606— heit mancher Geſteine, es dehnt ſich dieſer Einfluß auch auf den Verkehr zu Waſſer aus. Die allgemeine Richtung der Flußläufe, die Stärke ihrer Windungen, die Natur ihres Bettes, die Schnel⸗ ligkeit ihres Laufes, ihre Katarakten, Stromſchnellen und Sand⸗ bänke ſind Folgen geologiſcher Urſachen und tragen häufig in geologiſch ähnlichen Gebieten auch einen ganz ähnlichen Charakter an ſich, ſo die ſtarken Windungen aller in Thonſchiefer- und Grauwackenplateaus eingeſchnittenen Flußläufe, die Katarakten beim Uebergang über vorzugsweiſe harte Geſteinslager u. ſ. w. Ebenſo iſt die Form und Beſchaffenheit der Meeresküſten, die Tiefe des Waſſers, die Anweſenheit oder Abweſenheit von Klip⸗ pen und Riffen, weſentlich abhängig von der Natur und Stellung der Geſteine, welche die Küſte und den Meeresboden bilden. Dieſe Dinge kennt Jedermann, es kommt hier nur darauf an, ſie ins Gedächtniß zu rufen. Einen ganz beſondern Einfluß üben die Bodenverhältniſſe auf den Verkehr und durch dieſen wieder auf die Anſiedelung in Nordamerika, da dort die Orte größtentheils erſt eine Folge der günſtigen Verkehrsbahnen ſind, an dieſen entſtehen, während um— gekehrt im alten Europa die meiſten Orte früher vorhanden waren, als man gute Straßen zu bauen verſtand, dieſe alſo ſich ſpäter ganz nach jenen richten mußten, wodurch ſie aber oft eine ſehr unbequeme Lage erhielten. Die vervollkommnete Schiffahrt hatte die Seewege zu den kürzeſten und billigſten gemacht, aber die Vervollkommnung der Schienenwege beginnt dieſes Verhältniß wieder umzukehren. Vor 20 Jahren würde man, wenn es eine Landſtraße über den Atlantiſchen Ocean gegeben hätte, dennoch den Seeweg als ſchnel⸗ ler und billiger vorgezogen haben, könnte aber jetzt jene imagi⸗ näre Landſtraße in eine Eiſenbahn umgewandelt werden, ſo würde nach ihrer Vollendung Niemand mehr mit einem Damnfſchiff nach Amerika reiſen wollen. 6 1 berü auch al gung, Kohlen nur an Bau! . R 6 18 gefuch Mit betrach gehen riche ſch Er be dos Seite aufd ten ſhied ſtenn dem ſch ſläch auf tiker verbr nägl kenn uf da b ſlan Säh En wiſ hrruin er⸗ uſ tatrkt u. n in, ü n Stälun bidn an,ſt hälniſ lung lgea ndm. watn ſpätt ne ſeh — 607— 6) Einfluß des Bodenbaues auf den Krieg. §. 892. Es liegt außerhalb meiner Aufgabe, die Urſachen der Kriege zu berückſichtigen, obwol ſie möglicherweiſe im einzelnen Falle auch auf gewiſſe Bodenſchätze, ihre Eroberung, ihre Vertheidi⸗ gung, oder die Vertheidigung ihrer Verwerthung(Englands Kohlen und Eiſen) zurückgeführt werden könnten; ich will hier nur andeuten, daß in der Führung des Krieges der geologiſche Bau keineswegs ohne allen Einfluß iſt. v. Gruner hat das in v. Moll's Neuem Jahrbuch der Berg- und Hüttenkunde Bd. 6, S. 187, ſchon vor 30 Jahren wenn auch dürftig nachzuweiſen geſucht. Wir können für unſern Zweck den Krieg, das letzte Mittel der Politik, als die höchſte Steigerung des Verkehrs betrachten, aber eines Verkehrs, der, von zwei Seiten aus⸗ gehend, ſich gegenſeitig zu hindern, zu beſchränken oder zu ver⸗ nichten ſucht. Von dem gewöhnlichen Verkehr unterſcheidet er ſich auch dadurch, daß ihm einfache Verkehrslinien nicht genügen. Er bedarf ſowol ſtrategiſch als taktiſch, für den Feldzug wie für das Gefecht, der Verkehrsflächen. Obwol er daher auf der einen Seite die größte Energie der Verkehrsmittel entwickelt, ſo iſt er auf der andern Seite doch beinahe noch mehr an Terrainrückſich⸗ ten gebunden als der gewöhnliche Verkehr, und es beſteht ent— ſchieden ein weſentlicher Theil der Kriegskunſt in der zweckmäßig⸗ ſten Benutzung des Terrains. Daß man zu dieſem Zweck von dem Feldherrn nicht geologiſche Kenntniſſe fodern wird, verſteht ſich von ſelbſt, ihm genügt die Kenntniß der thatſächlichen Ober⸗ flächenform und Natur, er fragt nicht danach, ob er eine Schlacht auf Granit, Muſchelkalk oder Diluvialſand liefert, der Theore⸗ tiker aber wird nachträglich allerdings einen Einfluß der Geſteins⸗ verbreitung ſelbſt auf kriegeriſche Operationen erkennen, und möglicherweiſe Fehler nachweiſen können, die indirect auf Ver⸗ kennung des geologiſchen Baues zurückführbar ſind. Dieſe Beziehungen ſind nur ganz allgemeine, indeſſen iſt es — 608— unverkennbar, daß der geologiſche Bau auch in viel ſpeciellerer Weiſe von Einfluß auf einzelne kriegeriſche Operationen ſein kann, indem er ſie hemmt oder fördert. Für den Ingenieuroffi⸗ zier kann es von ganz praktiſcher Bedeutung ſein, zu wiſſen, auf was für Boden eine Feſtung ſteht, auf welcher Formation er Verſchanzungen oder Minen ausführen ſoll, auf welcher Seite einer Feſtung dieſe Art von Angriff durch den innern Bau ge⸗ hemmt oder erleichtert wird. 7) Einfluß des Bodenbaues auf den Geſundheitszuſtand. §. 893. Ich habe in der fünften Beilage mich bereits ziemlich aus⸗ führlich über den Einfluß verbreitet, welchen der Bodenbau am meiſten durch die Natur der Quellen auf die Geſundheitszuſtände der Menſchen ausübt. Hier werde ich dieſen Gegenſtand nur mit wenigen Worten nach ſeiner allgemeinen Bedeutung berühren, während Beilage 55 noch ein paar vereinzelte Bemerkungen zufügt. Der Boden liefert dem menſchlichen Körper beſonders durch das Waſſer der Quellen, aber auch unmittelbar gewiſſe Subſtanzen, die er bedarf, um kräftig zu gedeihen. Fehlen ſie einer ganzen Gegend, oder enthält das Waſſer in einer andern überall gewiſſe nach⸗ theilige Subſtanzen, ſo ruft dieſer Umſtand leicht allgemeine Krank⸗ heitszuſtände hervor, die ſich allerdings, wenn die Urſache erkannt iſt, beſeitigen laſſen, indem man das Fehlende der Nahrung künſtlich zufügt, das Nachtheilige beſeitigt oder vermeidet; aber ſolche Ausgleichung oder Verbeſſerung der Natur kann möglicher⸗ weiſe zu ſchwierig oder zu koſtſpielig ſein, um ſie allgemein, d. h. für eine ſtarke Bevölkerung anzuwenden. Außer durch Nahrungsmittel wirkt aber die Natur des Bo⸗ dens auch durch ihren Feuchtigkeitszuſtand, durch ihre Wärmeca⸗ pacität, durch daraus entwickelte Gasarten, durch die Art des Staubes und ſelbſt durch die Natur der Baumaterialien auf den Geſundheitszuſtand der Menſchen ein. Ich erinnere an die — =—— —— ———— — 609— Miasmen der Sümpfe, an die kohlenſauren Gasexhalationen, an den Kalkſtaub in einigen Gegenden Südfrankreichs. Dieſe glück⸗ licherweiſe nur ſehr localen Einflüſſe laſſen ſich nicht ſo leicht be⸗ ſeitigen. Ob auch ungleiche elektriſche Spannungen durch die Natur des Bodens dauernd bedingt ſind und auf den Körper wirken, läßt ſich durch Beobachtung noch nicht nachweiſen. Un⸗ zweifelhaft iſt es aber, daß neben Lage und Klima auch der in⸗ nere Bau des Bodens einen Einfluß auf den Geſundheitszu⸗ ſtand hat. 8) Einfluß des Bodenbaues auf ſociale Zuſtände, Nationalcharak⸗ ter, die geiſtige und gemüthliche Entwickelung der Menſchen. §. 894. Es iſt dieſe in noch höherm Grade abhängig von allen den bisher betrachteten Einflüſſen, als das bei dieſen untereinander der Fall iſt. Außerdem aber laſſen ſich auch manche ziemlich un— mittelbare Beziehungen erkennen. Jede Schwierigkeit, welche der Bodenbau dem Leben darbietet, regt an zu ihrer Beſiegung, jeder Vortheil zu ſeiner Ausnutzung, das Alles übt und ſtärkt den Geiſt. Je mannichfaltiger dieſe Hemmniſſe und nutzbaren Bo⸗ denquellen ſind, um ſo mannichfaltiger iſt die geiſtige Anregung, ſie ſind aber vorzugsweiſe mannichfaltig in den geologiſch com⸗ plicirt gebauten Gegenden. Einförmige Ebenen bieten wenig Stoff für geiſtige Anregung, und wirklich finden wir unter übri— gens gleichen Umſtänden durchſchnittlich eine höhere geiſtige Ent⸗ wickelung in den geologiſch mannichfaltigen als in geologiſch ein⸗ förmigen Gegenden. Dieſer Satz läßt ſich leicht durch zahlreiche Beiſpiele beſtätigen. Sehr hohe Gebirge ſchlagen aber wieder leicht in ein Extrem um und nähern ſich in ihren Wirkungen den Ebenen und Kü— ſtenländern. Das iſt, wie wir geſehen haben, ſelbſt rückſichtlich der Flora und Fauna in gewiſſem Grade der Fall, aber mehr noch rückſichtlich gewiſſer ſocialer Zuſtände der menſchlichen Bewohner. Es war mir eine große Freude zu finden, daß Riehl, obwol er Cotta, Deutſchlands Boden.. 39 — 610— ſich durch die ſocial politiſchen Zuſtände leiten läßt, dennoch zu einer ähnlichen Dreitheilung Deutſchlands gelangte, wie ich durch die geologiſchen. Er ſagt darüber:„Der Norden und Süden unſers Vaterlandes zeigt entſchieden wahlverwandte Gruppen von Volks⸗Individualitäten: Mitteldeutſchland iſt es, was den Ge⸗ genſatz hierzu bildet. Sieht man von deu Zufälligkeiten, von der Decoration, dem äußern Coſtüm des Volksthums ab, dann ſtehen die Oſtfrieſen, Schleswig⸗Holſteiner, Mecklenburger, Pommern den Altbaiern, Tirolern, Steiermärkern unendlich näher als beide den Sachſen, Thüringern, Rheinfranken u. ſ. w. Im Norden und Süden ſitzen noch Volksſtämme in großen und ganzen Ge⸗ bilden, im Binnenland ſind die Trümmer originaler Stämme auf⸗ gelöſt und bunt durcheinander geworfen. Im Norden und Sü— den findet ſich noch eine rein bäuerliche Bevölkerung, reine Dör⸗ fer, dazwiſchen auch reine Städte. In der Mitte iſt bäuerliches und ſtädtiſches Weſen vielfach verwiſcht und ineinander getrieben, die Bauern ſind ſtädtiſch, die Kleinſtädter bäueriſch, bei Hunder⸗ ten von kleinen Städten und großen Dörfern läßt es ſich gar nicht genau beſtimmen, ob ſie mehr das Eine oder das Andere ſind. Rein bäuerliche Bezirke ſind da nur noch als Enclaven ein⸗ geſtreut. Reine Großſtädte, wie etwa Hamburg, Berlin, Wien, hat Mitteldeutſchland nicht aufzuweiſen, ebenſowenig wie reine Bauerndörfer, wie die am Fuß der Alpen und an der Meeres⸗ küſte gelegenen. Im Norden und Süden weiß man noch unge⸗ fähr was Stände ſind, in der Mitte iſt das Verſtändniß für die organiſche Gliederung der Geſellſchaft faſt ganz erloſchen. Die letzten bedeutſamen Reſte des alten Innungsweſens muß man an der Nord⸗ und Oſtſee oder in den Vorländern der Alpen ſuchen. In Ober⸗ und Niederdeutſchland herrſchen noch reine Volksdialekte vor; die Auflöſung und Verwitterung des Volksdialekts charakte⸗ riſirt Mitteldeutſchland. Im Süden und Norden wurzelt vor⸗ zugsweiſe noch ein ſtrenges Kirchenthum im Volk, und der Pommer ſieht noch ebenſo gut im Papſte den wirklichen Antichriſt, wie ihn der Tiroler im Doctor Luther ſieht. Im Binnenland miſchen ſich die Confeſſionen, und Toleranz und Indifferentismus hat ha durch üden von Ge⸗ der ſehen men bede otden Ge eauf⸗ Si⸗ Dür⸗ ſches ieben nder. hga ndere ein⸗ Vien, reine keres⸗ unge ffü Ddi an an üchen. ialektt. rakte⸗ vor. mmer e ihn ſchen hat —— — 611— ſelbſt im Volksthum faſt nur noch gebrochene und gedämpfte Tinten des kirchlichen Lebens übrig gelaſſen. Im Norden und Süden wohnen noch einſame Menſchen, der Cultur entrückte Volksgruppen, in der Mitte ſind alle Pfade auf⸗ geſchloſſen und jedes Einzelnen Haus ſteht an der großen Heer⸗ ſtraße. Dort kann man noch Entdeckungsreiſen machen, hier ſtolpert je alle zehn Schritte ein Touriſt über den andern. Wie die Bewohner des einſamen Oberlechthales und vieler andern Alpenthäler in jungen Jahren in die weite Welt ziehen, um drau⸗ ßen ihr Brot zu ſuchen und erſt am ſpäten Lebensabend als gemachte Männer in die ſtille Heimat zurückzukehren, ſo ziehen Tauſende von Küſtenbewohnern in gleicher Abſicht nach allen Meeren. Von den alten Normännern geht die Sage, daß ſie durch das Loos ein Procent des jüngern Volks zu ihren See⸗ zügen ausgewählt hätten, und wunderbar genug wird ganz das Gleiche auch in den alten ſchweizeriſchen Wanderſagen erzählt. Norddeutſches und ſüddeutſches Volksthum unterſcheidet ſich in vielen Aeußerlichkeiten; im Kern und Weſen ſteht ſich beides erſtaunlich nahe. Schon in der landſchaftlichen Natur iſt dieſe Verwandtſchaft im Gegenſatze zu Mitteldeutſchland aufs ſchärfſte herausgekehrt. Im Norden und Süden herrſchen die maſſenhaf⸗ ten geographiſchen Gebilde vor, große Ebenen, das Meer, große Ströme, große Gebirge; in Mitteldeutſchland der bunteſte Wechſel kleiner Hügel- und Flachlandpartien, im Mittelgebirge der man⸗ 3 nichfaltigſten geognoſtiſchen Zuſammenſetzung einer Ueberfülle klei⸗ ner Gewäſſer. Dem entſpricht maſſenhaft centraliſirtes Volks⸗ thum auf der einen Seite, zerſplittertes auf der andern. Wenn Prof. Bernh. Cotta auf den frappanten Zuſammenhang zwiſchen revolutionären Volksſtimmungen und örtlichen geologiſchen Bildun⸗ gen in Deutſchland hingewieſen hat, ſo liegt in ſolcher Verglei⸗ chung mehr als ein bloßes metaphoriſches Wortſpiel. Wo die ur⸗ weltlichen Revolutionen am tollſten gewirthſchaftet und die mannich⸗— faltigſten Geſteinsſchichten neben- und untereinander geworfen haben, da konnte naturgemäß auf dem zerriſſenen Terrain auch das Volks⸗ leben am früheſten zerriſſen und zerſplittert werden, und in dieſe 39* — 612— Riſſe ſetzte ſich moderne Bildung und mit ihr die Empfänglich⸗ keit auch für die revolutionären Producte derſelben, während ein auf maſſenhaft gruppirtem Terrain heimiſches maſſenhaft abge⸗ ſchloſſenes Volksthum ungleich ſpröder und zäher in ſeinen Eigen⸗ thümlichkeiten verharren wird. Den mitteldeutſchen Stämmen fehlt jene ausſchließende Einſeitigkeit, aus welcher ſich große Volksgruppen als ein einheitliches, zäh beharrendes Originalgenie entwickelten, wie dieſe Einſeitigkeit den geognoſtiſchen und geo⸗ graphiſchen Bildungen ſeines Lebens fehlt.“ Vielleicht am geringſten iſt der Einfluß des Bodenbaues auf die Entwickelung der Sprachen, wenn man davon als unweſent⸗ lich Ausdrücke für beſondere Bodenformen oder techniſche Be⸗ zeichnungen wie die der Bergleute ausnimmt. In Wilhelm v. Humboldt's berühmtem Werk über die Kawiſprache finde ich nur eine Stelle, welche ſich in gewiſſem Grade auf ein ſolches Ver⸗ hältniß bezieht, indem er S. 50 ſagt:„Der Dialekt entſpringt aus der Verſchiedenheit des Wohnorts oder der Abſtammung.“ Auf die gemüthliche Entwickelung wirken mehr noch die äu⸗ ßern Formen der Länder als unmittelbar ihr innerer Bau. Aber inſofern wir das geſellige Zuſammenleben und die Entwickelung der Künſte in beſtimmten Richtungen in das Gebiet des Gemüths hereinziehen, laſſen ſich zuweilen ganz ſpecielle Einflüſſe erkennen. Lyell zeigt in ſeiner zweiten Reiſe nach Annerika, daß es nicht gleichgültig iſt, ob das foſſile Brennmaterial einer Gegend aus Steinkohlen oder aus Anthrazit beſteht, da die erſtern beim Verbrennen Rauch und oft übeln Geruch entwickeln, die letztern nicht. Er ſagt darüber(Ueberſ. Bd. 1, S. 237):„Selbſt in moraliſcher Hinſicht betrachte ich den Mangel an Rauch als einen poſitiven nationalen Gewinn, denn er bewirkt, daß die reichern und gebildetern Einwohner in Städten den größern Theil des Jahres an der Seite ihrer ärmern Nachbarn wohnen, was ſie nicht thun würden, wenn die Luft und die Häuſer ſo von Rauch und Ruß beſchmuzt wären wie in Mancheſter, Birmingham, Leeds oder Sheffield. Hier dauern Kleidung und Möbeln länger und ſehen weniger trübe aus, Blumen und Sträucher können in — 613— Stadtgärten cultivirt werden, und Alle, die ſich entfernen können, werden nicht auf das Land oder in eine entfernte Vorſtadt ge⸗ trieben. Die Bildung von Bibliotheken, von wiſſeenſchaftlichen und literariſchen Inſtituten, Muſeen und Vorleſungen und der tägliche Verkehr zwiſchen den verſchiedenen Claſſen der Geſell⸗ ſchaft, mit einem Wort, Alles was Geiſt und Geſchmack einer großen Bevölkerung fördern und verfeinern kann, wird durch dieſe Berührung von Reich und Arm erleichtert. Als Zugabe zu der Wichtigkeit, die die politiſchen Inſtitutionen von Amerika den mittlern und untern Claſſen geben, halte ich es für eine glück⸗ liche geologiſche Anordnung für die Civiliſation der zuerſt auf die⸗ ſem Continent gegründeten Städte, daß die anthrazitiſchen Koh⸗ lenfelder alle auf der öſtlichen Seite der Alleghanykette liegen und alle bituminöſen Kohlenfelder auf ihrer weſtlichen Seite.“ Daß die bildende Kunſt, mindeſtens in ihrem Urſprung eini⸗ germaßen abhängig ſei von den Geſteinen, die ſich ihr darbieten, habe ich früher bereits erwähnt, füge aber in der Beilage 56 noch eine Bemerkung Boué's an. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß durch die Vervollkommnung der Transportmittel dieſer Ein⸗ fluß mehr und mehr von ſeinem localen Charakter verloren hat. Bei ſo vielſeitiger Einwirkung des äußern und innern Bo⸗ denbaues auf das Leben der Menſchen iſt es bedauerlich, daß die Forſcher, welche das Studium ſeiner Entwickelung ſich zur Auf⸗ gabe gemacht haben, bisher noch ſo wenig Notiz nahmen und nehmen konnten von dem Einfluß des geologiſchen Baues der Länder auf die Geſchichte der Völker. Welche wichtige Rolle ſpielen Eiſen und Kohlen in der Geſchichte Englands, edle Me⸗ talle in der Amerikas und Rußlands, große Mannichfaltigkeit des innern Baues in der Deutſchlands(Beilage 57). Freilich viele dieſer geologiſchen Einwirkungen ſind ganz außerordentlich lang⸗ ſamer und dadurch ſchwer nachweisbarer Natur. Sie werden oft Jahrhunderte lang überwogen und zurückgehalten durch die bereits erblich gewordenen Eigenthümlichkeiten aus andern Wohnſitzen ein⸗ wanderter Völkerſtämme, ganz ohne Wirkung kann aber ihr un⸗ ermüdlicher Einfluß auf die Dauer nicht bleiben. Ein ſolches — 614— Beiſpiel langen Verharrens in einmal erblich gewordener geiſtiger Indolenz zeigt uns der Stamm der Osmanen, die trotz ihrer Beſitznahme an den reichgegliederten Küſten des Marmara⸗ und des Aegeiſchen Meeres noch immer die alte Scheu vor der Civili⸗ ſation der Arbeit bewahrt haben. Dieſe Ausnahme kann aber nicht die Regel umſtoßen, um ſo weniger, da 400 Jahre unter ſolchen Umſtänden, wie ſie hier vorliegen, in der Entwickelung des Völ⸗ kerlebens doch nur eine kurze Spanne Zeit ſind. Hätten den Türken der griechiſchen Halbinſel von Anfang an die unter⸗ drückten Nationen als Arbeiter gefehlt, ſo würde die Ein⸗ wirkung des Bodenbaues auch bei ihnen eine günſtigere ge⸗ weſen ſein. 3 Nach dem Allen halte ich mich berechtigt zu dem Schluß: Die gegenwärtige Oberfläche der Erde mit allen ihren Eigen⸗ thümlichkeiten iſt etwas nach und nach Gewordenes, Entwickel⸗ tes, ebenſo alles Leben auf ihr, und Beides in ſteter gegenſeitiger Beziehung zueinander. Druck von F. A. Brockhaus in Leipzig. ͤͤbb ——-——õ—yõyõ———— 1 4 4 5 4““ 8 1 ** 8 abn 1SeereeLelALrhn aln. l den labn ul WRmnnn! Khssnnsgaasanesganggangan gäneng Oem 1 2 3 4 5 6 1 9 11 vellow— Magenta SreyS Ba.